Lehrbuch der Gynaͤkologie, oder systematische Darstellung der Lehren von Erkenntniß und Behandlung eigenthuͤmlicher gesunder und krankhafter Zustaͤnde, sowohl der nicht schwangern, schwangern und gebaͤrenden Frauen, als der Woͤchnerinnen und neugebornen Kinder. Zur Grundlage akademischer Vorlesungen, und zum Gebrauche fuͤr praktische Aerzte, Wundaͤrzte und Geburtshelfer, ausgearbeitet von Carl Gustav Carus, Dr. der Philosophie, Medicin und Chirurgie, Professor der Entbindungskunst an der medicinisch-chirurgischen Akademie zu Dresden und Director des dasigen Koͤnigl. Saͤchs. Hebammeninstituts, der Kais. Leopoldin. Akademie zu Bonn, der physikalisch-medicinischen Gesellschaft zu Erlangen, der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, der naturforschenden zu Leipzig, der Koͤn. Saͤchs. oͤkonomischen und der mineralogischen zu Dresden Mitglied. Zweiter Theil. Mit zwei Kupfertafeln, einer Tabelle, und einem Schwangerschaftskalender . Leipzig , bey Gerhard Fleischer . 1820 . I ndem ich hiermit auch den zweiten Theil der gesamm- ten Gynaͤkologie dem Publikum zur wohlwollenden Auf- nahme uͤbergebe, halte ich nur noch einige wenige Be- merkungen ihm vorausgehen zu lassen, fuͤr nothwendig. Inwiefern sich naͤmlich in diesem Theile diejenigen Lehren insbesondere dargestellt finden, welche man gewoͤhnlich un- ter den Namen der Entbindungskunst oder Geburtshuͤlfe (im weitern Sinne) zusammenzufassen pflegte, so kann ich nicht umhin zu wuͤnschen, daß deren hier gegebenene Darstellung immer mehr dazu beitragen moͤchte, die aͤcht- wissenschaftliche Art des Studiums und der Ausuͤbung dieses Zweiges der Heilkunde zu foͤrdern. Eine Folge dieses Fortschreitens wuͤrde es seyn, daß man sich allge- mein uͤberzeugte, wie ein Unterschied zwischen niederer und hoͤherer Entbindungskunst (wenn man unter der er- stern blos die Fertigkeit im Ausuͤben geburtshuͤlflicher Operationen, unter letzterer aber das hinzukommende phy- siologische, pathologische und therapeutische Studium des weiblichen Koͤrpers versteht) gar nicht gestattet werden koͤnne, und es vielmehr immer zum Nachtheil der ge- baͤrenden Frauen ausfallen muͤsse, wenn ein recht eigent- licher Geburts helfer , nur zur Herausbefoͤrderung des Kindes oder der Nachgeburt herbeigerufen, diese Ge- schaͤfte maschinenmaͤßig beendigt, und sodann die Behand- lung nach der Geburt nun wieder einem Arzte anheim faͤllt, welchem wohl uͤberdieß oft manche Eigenthuͤmlichkeit des Geburtsverlaufs unbekannt oder verheimlicht bleibt. Was ferner namentlich die Darstellung der eigent- lichen Therapie des Geburtsgeschaͤfts betrifft, so schien es mir auch hier die Aufgabe, die aͤrztliche Behandlungs- weise stets auf den Mittelweg hinzuleiten, und eben so sehr gegen unzeitiges Eingreifen der Kunst als gegen zu unbedingtes Vertroͤsten auf Naturwirksamkeit zu warnen. Daß ich endlich am Schlusse der Inhaltsanzeige noch eine Auswahl derjenigen Schriften genannt habe, welche insbesondere uͤber Behandlung normaler und ab- normer Geburten nachgelesen zu werden verdienen, wird vorzuͤglich angehenden Geburtsaͤrzten nicht unangenehm seyn, und wenn ich dabei zugleich einige der bessern Heb- ammenbuͤcher namhaft gemacht habe, so ist dieses gesche- hen um zu bezeichnen, wie wichtig und nothwendig die Aufmerksamkeit des Geburtsarztes auf dieses Fach sey, da nicht gelaͤugnet werden kann, daß davon, ob die Heb- amme genau den Zeitpunkt zu beurtheilen wisse, in wel- chem das Herbeirufen aͤrztlicher Huͤlfe noͤthig wird, vor- zuͤglich mit die gluͤckliche Ausuͤbung der Ent- bindungskunst abhaͤnge . Dresden, d. 1. August 1820. Dr. C. G. Carus. Inhalt des zweiten Theils der speciellen Gynaͤkologie . E rster, physiologisch-diaͤtetischer Abschnitt. I. Phosiologie der Schwangerschaft, der Geburt, so wie der Wochen- und Stillungsperiode . I. Physiologische Geschichte der Schwangerschaft Seite 3 1. Von der Empfaͤngniß — 5 2. Von der Schwangerschaft im Allgemeinen — 12 3. Entwicklungsgeschichte der Frucht — 16 Erste Periode — 19 Zweite Periode — 36 Dritte Periode — 42 Vierte Periode — 44 Varietaͤten in der Bildung des Eies — 49 Ueberblick der physiologischen Eigenthuͤmlichkeiten des Fetus — 53 4. Geschichte der Veraͤnderungen im muͤtterlichen Koͤrper waͤh- rend der Schwangerschaft — 61 1) Veraͤnderungen in den Geschlechtstheilen waͤhrend der Schwangerschaft. a ) Veraͤnderungen der innern Geschlechtstheile — 62 b ) Veraͤnderungen der aͤußern Geschlechtstheile — 71 2) Veraͤnderungen im Allgemeinbefinden des muͤtterlichen Koͤr- pers — — 5. Zeichenlehre fuͤr die regelmaͤßige Schwangerschaft. 1) Kennzeichen der regelmaͤßigen einfachen Schwangerschaft und ihrer einzelnen Monate insbesondere — 79 2) Kennzeichen der mehrsachen Schwangerschaft — 84 3) Kennzeichen fuͤr das Geschlecht des Kindes Seite 85 4) Kennzeichen uͤber Leben und Tod des Fetus — — 5) Kennzeichen der ersten und wiederholten Schwangerschaft — 86 6. Zeitrechnung der Schwangerschaft — 87 II. Physiologische Geschichte der Geburt — 89 1. Von der Geburtsthaͤtigkeit des weiblichen Koͤrpers — 90 2. Geschichte der regelmaͤßigen Geburt im Allgemeinen — 97 Erste, oder vorhersagende Geburtsperiode — — Zweite, oder vorbereitende Geburtsperiode — 98 Dritte Geburtsperiode, oder Periode der treibenden Wehen — 100 Vierte, oder Austrittsperiode — 102 Fuͤnfte, oder Nachgeburtsperiode — 103 3. Von der Art und Weise wie bei der regelmaͤßigen Geburt das Kind durch das Becken hindurchgeht — 106 I. Klasse. Kopfgeburten. 1. Ordnung. Hinterhauptsgeburt — 108 2. Ordn. Scheitelgeburt — 113 3. Ordn. Gesichtsgeburt. — 114 Vom Durchgange der uͤbrigen Kindestheile bei Kopfgeburten — 118 II. Klasse. Geburten mit vorausgehendem untern Ende des Rumpfs — 120 1. Ordnung. Steisgeburt — 121 2. Ordn. Kniegeburt — 124 3. Ordn. Fußgeburt — 125 4. Zeichenlehre der normalen Geburt — 126 Kennzeichen uͤber den Zustand des Kindes waͤhrend der Ge- burt — — 1) Kennzeichen eines lebendes Kindes bei der Geburt — — 2) Kennzeichen des waͤhrend oder kurz vor der Geburt abge- storbenen Kindes — 127 II. Physiologische Geschichte des Wochenbetts und der Stillungs- periode — 128 I. Von den Veraͤnderungen welche der muͤtterliche Koͤrper in der Periode des Wochenbetts und der Stillungsperiode er- leidet. 1) Von den Veraͤnderungen in den Geschlechtsorganen — 129 2) Von den Veraͤnderungen welche das Allgemeinbefinden der Woͤchnerinnen zeigt — 138 Zeichenlehre fuͤr den Zustand der Woͤchnerin — 141 II. Von den Veraͤnderungen welche der Koͤrper des neugebo- renen Kindes im Vergleich zu seinem Zustande vor der Ge- burt erfaͤhrt Seite 143 II. Diaͤtetik der Schwangerschaft, der Geburt, so wie der Wochen- und Stillungsperiode — 151 I. Diaͤtetik der Schwangerschaft — 152 II. Diaͤtetik der Geburt, oder von der Behandlung des natuͤr- lichen Geburtsgeschaͤfts — 158 I. Von den fuͤr das Geburtsgeschaͤft zu treffenden Vor- bereitungen — 160 II. Huͤlfsleistung waͤhrend der einzelnen Perioden einer normalen Hinterhauptsgeburt. Erste Geburtsperiode — 168 Zweite Geburtsperiode — 170 Dritte Geburtsperiode — 171 Vierte Geburtsperiode — 172 Fuͤnfte Geburtsperiode — 184 III. Huͤlfsleistung bei den ungewoͤhnlichern Faͤllen der . . natuͤrlichen Geburt. 1) Behandlung der Zwillings- und Drillingsgeburten — 186 2) Huͤlfsleistung bei den ungewoͤhnlichen Kopfgeburten — 187 3) Huͤlfsleistung bei Steis-, Knie- und Fußgeburten — 188 III. Diaͤtetik der Wochen- und Stillungsperiode. 1) Von der Pflege der Woͤchnerin — 191 II. Von der Pflege des Saͤuglings — 198 Zweiter, pathologisch-therapeutischer Abschnitt. I. Von den Krankheiten der Schwangern und der Behandlung derselben — 204 I. Von den allgemeinen krankhaften Zustaͤnden der Schwan- gern — 205 1. Krankhafte Zustaͤnde in den Verdauungswerkzeugen des weiblichen Koͤrpers waͤhrend der Schwangerschaft — 206 2. Krankhafte Zustaͤnde im Gefaͤßsystem des weiblichen Koͤr- pers waͤhrend der Schwangerschaft — 213 3. Krankhafte Zustaͤude der Athmungs- und Absonderungs- werkzeuge waͤhrend der Schwangerschaft — 220 4. Krankhafte Zustaͤnde des weiblichen Koͤrpers waͤhrend der Schwangerschaft, welche sich namentlich durch Stoͤrungen der Empfindungs- und Bewegungsthaͤtigkeit aͤußern — 230 II. Von den krankhaften Zustaͤnden im Geschlechtssysteme der Schwangern Seite 243 I. Krankheiten des schwangern Uterus. 1) Entzuͤndung der schwangern Gebaͤrmutter — 244 (reine Entzuͤndung, Rheumatismus und Putrescenz der- selben.) 2) Wassersucht der schwangern Gebaͤrmutter — 251 3) Gebaͤrmutterblutfluͤsse bei Schwangern — 253 4) Fehlerh a fte Lagen des schwangern Uterus. a. Zuruͤckbeugung der schwangern Gebaͤrmutter — 256 b. Vorfall der schwangern Gebaͤrmutter — 264 c. Schieflagen der schwangern Gebaͤrmutter und Gebaͤrmutterbruch — 268 II. Krankheiten der Bruͤste bei Schwangern. 1. Zu starkes Anschwellen der Bruͤste in der Schwanger- schaft — 270 2. Ausschlaͤge an den Bruͤsten der Schwangern — 273 III. Von den krankhaften Zustaͤnden der Frucht — 275 1. Allgemeine Pathologie des Fetuszustandes — 276 2. Specielle Pathologie des Fetuszustandes — 284 II. Pathologie und Therapie der Gebursperiode — 289 Die Lehre von den geburtshuͤlflichen Operationen — — I. Vorbereitende Operationen. 1) Von der kuͤnstlichen Erweiterung des Muttermundes — 296 2) Von dem kuͤnstlichen Sprengen der Eihaͤute — 304 3) Von der Wendung — 308 a. Wendung auf die Fuͤße — 310 b. Wendung auf den Kopf — 322 II. Operationen wodurch die Geburt der Frucht oder einzelner Theile derselben bewerkstelligt wird. I. Kuͤnstliche Bewerkstelligung der Geburt des Kindes. A. Auf dem natuͤrlichen Geburtswege, und zwar 1) Ohne Verletzung und Verkleinerung desselben. 1. Von der Extraktion des Kindes an den Fuͤßen — 327 2. Von der Extraktion des Kindeskopf durch Huͤlfe der Ge- burtszange — 336 2) Von der kuͤnstlichen Bewerkstelligung der Geburt eines todten Kindes, nach verhaͤltnißmaͤßiger Verkleinerung des- selben. 1. Von der kuͤnstlichen Eroͤffnung des Kopfs und Entleerung des Gehirns — 354 2. Von der Zerstuͤckung des Kindes Seite 366 B. Kuͤnstliche Bewerkstelligung der Geburt des Kindes, durch Eroͤffnung eines neuen, oder durch kuͤnstliche Erweiterung des gewoͤhnlichen Geburtsweges. 1) Vom Gebaͤrmutterschnitte oder Kaiserschnitte — 369 2) Vom Bauchschnitte — 386 3) Vom Schamfugenschnitte — 389 II. Von der kuͤnstlichen Entwickelung der Nachgeburt. 1) Von dem kuͤnstlichen Loͤsen des Mutterkuchens — 392 2) Von der Hinwegnahme der Nachgeburt aus der Hoͤhle der Gebaͤrmutter — 396 III. Von der kuͤnstlichen Bewerkstelligung des gesammten Ge- burtsgeschaͤfts. Die gewaltsame Entbindung — 398 Specielle Pathologie und Therapie der Geburt — 400 I. Von den krankhaften Zustaͤnden des muͤtterli- chen Koͤrpers, in wiefern sie stoͤrend fuͤr den Ge- burtsverlauf wirken . I. Von den krankhaften Zustaͤnden des Allgemeinbefindens und den oͤrtlichen Krantheitszustaͤnden außerhalb der Ge- burtstheile. A. Von den regelwidrigen Bildungen. 1. Allgemeine Verbildung — 401 2. Oertliche organische Krankheiten außerhalb der Geburts- theile — 404 B. Von den krankhaften dynamischen Zustaͤnden. 1. In den Organen der animalen Sphaͤre — 407 2. Krankhafte Zustaͤnde der vegetativen Sphaͤre — 413 II. Von den oͤrtlichen krankhaften Zustaͤnden der Geburtstheile. 1. Von den krankhaften Zustaͤnden der Gebaͤrmutter, waͤhrend der Entbindung. a. Krankhafte Thaͤtigkeit derselben. 1) Krankhafte Sensibilitaͤt — 420 2) Krankhafte Gefaͤßthaͤtigkeit im Uterus waͤhrend der Ge- burt — 422 3) Krankhafte Muskularthaͤtigkeit im Uterus waͤhrend der Geburt (abnorme Wehen) — 425 b. Stoͤrungen der Organisation welche im Uterus waͤhrend der Geburt bemerkt werden. 1) Verwachsung und Verengerung des Muttermundes — 436 2) Geschwuͤre und Abscesse der Gebaͤrmutter Seite 438 3) Krankhafte Geschwuͤlste der Gebaͤrmutter — — 4) Zerreißung der Gebaͤrmutter — 440 5) Schiefheit der Gebaͤrmutter — 442 c. Regelwidrige Lagen der Gebaͤrmutter waͤhrend der Ge- burt. 1) Schieflagen — 443 2) Vorfall — 444 3) Umstuͤlpung — 445 2. Von den krankhaften Zustaͤnden der Mutterscheide waͤhrend der Entbindung. 1) Verwachsung und Verengerung derselben — 447 2) Zerreißung der Mutterscheide — 448 3) Vorfall der Mutterscheide — 449 3. Von den krankhaften Zustaͤnden der aͤußern Geschlechtstheile waͤhrend der Geburt. Von der Verwachsung oder Verengerung und von dem Auf- reißen der Schamspalte — 450 4. Von den abnormen Zustaͤnden des Beckens und ihrem Ein- flusse auf das Geburtsgeschaͤft. a ) Von denen die Geburt beschleunigenden Abnormitaͤten — 452 b ) Von denen die Geburt hindernden Abnormitaͤten des Bek- kens — 453 II. Von dem regelwidrigen Verhalten der Frucht, in wiefern es die Geburt hindert oder stoͤrt . I. Von dem regelwidrigen Verhalten der Frucht im Allge- meinen. 1) Von der regelwidrigen Verbindung derselben mit dem muͤtterlichen Koͤrper. I. Von Anheftung und Ausbildung der Frucht außerhalb der Gebaͤrmutter ( Graviditas extrauterina ) — 465 II. Von regelwidriger Dauer der Verbindung der im Uterus enthaltenen Frucht mit dem muͤtterlichen Koͤrper. I. Zu kurze Dauer dieser Verbindung, Fruͤhgeburt oder Fehl- geburt. — 480 II. Zu lange Dauer der Verbindung zwischen Frucht und Uterus — 492 2) Im Texte irrig mit III. bezeichnet. Von regelwidriger Entwickelung der Frucht innerhalb, zuweilen auch außerhalb des Uterus, oder von den Mo- len-Schwangerschaften und Geburten Seite 495 II . Regelwidrige Geburten durch abnormes Verhalten einzel- ner Theile der Frucht I. Regelwidrigkeiten in den Eihaͤuten. 1) Zu große Festigkeit derselben — 499 2) Zu geringe Festigkeit der Eihaͤute — 500 3) Widernatuͤrliche Adhaͤsion der Eihaͤute — — II. Regelwidrigkeiten des Mutterkuchens. 1) Vorliegender Mutterkuchen — 502 2) Zu fest mit dem Uterus verwachsener Mutterkuchen — 506 3) Zu lockere Verbindung des Mutterkuchens mit der Ge- baͤrmutter, oder zu zeitige Trennung desselben — 511 III. Regelwidrigkeiten des Fruchtwassers. 1) Zu vieles Fruchtwasser — 512 2) Zu weniges Fruchtwasser — 514 IV. Regelwidrigkeiten des Nabelstranges. 1) Der zu lange oder vorgefallene Nabelstrang — 515 2) Der zu kurze oder umschlungene Nabelstrang — 517 3) Zerreißung des Nabelstranges — 519 V. Regelwidrigkeiten am Kinde. 1) Von der regelwidrigen Bildung desselben — 520 2) Von der regelwidrigen Stellung des Kindes — 523 3) Von der regelwidrigen Lage des Kindes — 524 Von Verbindung mehrfacher Regelwidrigkeiten des Geburts- geschaͤfts untereinander und von der kuͤnstlichen Veranlassung von Regelwidrigkeiten durch falsches Benehmen der Krei- senden, oder durch uͤble Behandlung — 528 III. Von den Krankheiten der Woͤchnerinnen und Neugeborenen, und von der Behandlung der- selben . I. Specielle Pathologie und Therapie des Zu- standes der Woͤchnerin — 531 I. Von den krankhaften Zustaͤnden der Woͤchnerin, welche unmittelbare Folgen der Geburt sind Seite 531 1) Krankhaftes allgemeines Befinden als Folge der Geburt — 532 2) Krankhafte oͤrtliche Zustaͤnde als Folge der Geburt Hierbei ist S. 537. das angefuͤhrte Citat also zu vervollstaͤndigen: J. G. Walter Betrachtungen uͤber d. Geburtstheile des weibli- chen Geschlechts. Berlin 1776. S. 11. — 534 II. Von den Stoͤrungen der eigentlichen Wochenfunktionen und den davon abhaͤngigen Krankheiten — 543 1. Von den Abnormitaͤten des Uterus im Wochenbette 1) Nachwehen — 544 2) Unregelmaͤßiger Lochienfluß — 545 3) Regelwidrige Lagen des Uterus — 550 Umbeugung der Gebaͤrmutter — 551 2. Von den regelwidrigen Zustaͤnden des Hautorgans bei Woͤchnerinnen — 553 3. Regelwidrige Zustaͤnde der Milchabsonderung und der Bruͤste — 555 4. Von den Krankheiten welche durch Stoͤrungen in den natnrgemaͤßen Revolutionen der Wochenperiode hervorge- bracht werden. 1) Congestionen und Blutungen — 564 2) Entzuͤndungskrankheiten — 565 Weisse Schenkelgeschwulst — 566 3) Fieberhaste Krankheiten. a. Milchfieber — 569 b. Kindbettfieber — 572 III. Von den Krankheiten, welche, obwohl der Wochenperiode nicht eigenthuͤmlich angehoͤrend, Woͤchnerinnen befallen — 593 Von den Krankheiten, welche an neugebornen Kindern vorkommen — 596 I. Von dem krankhaften Zustaͤnden neugeborner Kinder, welche sie, als Produkte abnormer Entwicklung innerhalb des muͤtterlichen Koͤrpers, mit zur Welt bringen. Angeborne Mißbildungen — 600 1. Wasserkopf — 601 2. Vauchwassersucht — 602 3. Ruͤckgrathswassersucht oder Wirbelspalte — — 4. Schambeinspalte und vorgefallene Harnblase — 604 5. Spaltung der Oberkiefergegend, Hasenscharte, Wolfs- rachen Seite — 6. Seitliche Lippenspalte und Bauchspalte — 605 7. Spaltung der Brust und blosliegendes Herz — — 8. Bauchspalte oder angeborner Nabelbruch — 606 9. Angeborener Leistenbruch — — 10. Angeborener Hirnbruch — 608 11. Angewachsene Zunge — 609 12. Verwachsung des Mastdarms — — 13. Verschliessung der Harnroͤhre — 610 14 Zwitterbildungen — — 15 Muttermaͤler — 612 15. Kruͤmmung der Fuͤsse oder Haͤnde — — II. Krankheitszustaͤnde des Neugeborenen, als Folge der Geburt — 614 1. Convulsionen des Kindes unter der Geburt — — 2. Abreissen der Nabelschnur — 615 3. Anschwellungen einzelner Kindestheile bei oder nach schweren Geburten — 616 4. Knochenbruͤche, Eindruͤcke der Hirnschale, Verrenkungen und andere Verletznngen — 617 III. Krankheitszustaͤnde welche bei neugeborenen Kindern erst nach der Geburt bis zu Ende des Saͤuglingsalters sich entwickeln. a. Entzuͤndliche Krankheiten. 1. Hirnentzuͤndung — 618 2. Augenentzuͤndung — 621 3. Entzuͤndung der Bruͤstchen — 624 4. Rosenentzuͤndung — — b. Hautkrankheiten. 1. Friesel und Schaͤlblasen — 625 2. Gelbsucht — 626 3. Schwaͤmmchen — 628 4. Das Wundseyn — 629 5. Verhaͤrtung des Zellgewebes — — c. Unterleibskrankheiten. Koliken, Indigestionen, Obstruktionen, Durchfall — 630 d. Krankheiten der Harnwege — 633 Harnlosigkeit und Harnstrenge — — e. Krankheitszustaͤnde des Nabels. 1. Wundseyn Seite 634 2. Nabelbruͤche — — f. Krampfhafte Krankheiten. 1. Allgemeine Zuckungen — 635 2. Kinnbackenkrampf — 636 Erklaͤrung der zum zweiten Theile gehoͤrigen 2ten und 3ten Tafel — 638 Auswahl einiger fuͤr das Studium der Entbindungs- kunst insbesondere empfehlenswerthen Schriften . Außer den schon im ersten Theile S. 86 u. f. namhaft gemachten Wer- ken uͤber Entbindungskunst von Osiander von dessen Handbuche der Entbindungskunst nunmehr 3 Abtheilungen erschienen sind. , Joͤrg von dessen Handbuche d. Geburtshuͤlfe 1820 eine neue ganz um- gearbeitete Auflage erschienen ist, welche auch den Titel fuͤhrt: Ueber das physiologische und pathologische Leben des Weibes 1. Th. , Siebold, Froriep, Plenk und mehreren einzelnen im Text selbst aufgefuͤhrten Schriften, nennen wir als hierhergehoͤrig: Hand- und Lehrbuͤcher . J. J. Baudelocque Anleitung zur Entbindungskunst, a. d. Franz, mit. Anmerk. von Ph. Fr. Meckel 2 Thl. 1791 — 94. S. Zeller Grundsaͤtze der Geburtshuͤlfe. Wien 1781. J. Ph. Hagen Versuch eines neuen Lehrgebaͤudes der praktischen Ge- burtshuͤlfe. Verl. 1782. 2 Theile. John Aitken Grundsaͤtze der Entbindungskunst, a. d. Engl. mit An- merk. v. K. H. Spohr. Nuͤrnb. 1789. J. G. Bernstein Praktisches Handbuch fuͤr angehende Geburtshelfer. 2. Aufl. Leipz. 1797. u. Zusaͤtze zu demselben 1803. G. W. Stein Anleitung zur Geburtshuͤlfe. 7. Aufl. Marburg 1805. 2 Theile. G. Christoph Siebold Systematische Darstellung der Manual- und Instrumental-Geburtshuͤlfe, nach Stein’s praktischer Anleitung. Wuͤrzb. 1794. J. C. Ebermaier Taschenbuch der Geburtshuͤlfe fuͤr angehende Ge- burtshelfer. Leipz. 1805 — 7. 2 Theile. F. H. Martens Versuch eines vollstaͤndigen Systems der theoretischen und praktischen Geburtshuͤlfe. Leipz. 1802. u. Ebendesselben tabellarische Uebersicht der praktischen Entbindungs- kunst in Hinsicht auf die verschiedenen Lagen des Kindes und die wich- tigsten Operationen. Jena 1805. J. P. Weidmann Entwurf der Geburtshuͤlfe. Mainz 1808. A. J. Jungmann Lehrbuch der Geburtshuͤlfe. 2 Theile. Prag 1812. Gerichtliche Geburtshuͤlfe . Im. Gottl. Knebel Grundriß der polizeilich gerichtlichen Entbin- dungskunde. 2. Bd. 1801 — 3. Breslau. J. Chr. Gottfr. Joͤrg Taschenbuch fuͤr gerichtliche Aerzte und Ge- burtshelfer bei gesetzmaͤßigen Untersuchungen des Weibes. Leipz. 1814 Vermischte Schriften uͤber besondere Gegenstaͤnde der Entbindungskunst . (F. May ) Stolpertus, ein junger Geburtshelfer am Kreisbette. Von einem patriotischen Pfaͤlzer. Manheim 1807. Luc. J. Boër Abhandlungen und Versuche zur Begruͤndung einer neuen, einfachen und naturgemaͤßen Geburtshuͤlfe. 2. Aufl. Wien 1810. Fr. Benj. Osiander Denkwuͤrdigkeiten fuͤr die Heilkunde und Ge- burtshuͤlfe. 2 Bde. Goͤttingen 1794 — 95. Desselben Neue Denkwuͤrdigkeiten fuͤr Aerzte und Geburtshelfer. 1. Bd. Goͤttingen 1798. Desselben Annalen der Entbindungslehranstalt. 2. Bd. 1801 — 4. J. P. Vogler Erfahrungen uͤber Geburt und Geburtshuͤlfe. W. Gf. von Herder Zur Erweiterung der Geburtshuͤlfe diognostisch- praktische Beitraͤge. Leipz. 1803. M. Saxtorph gesammelte geburtshuͤlfliche praktische u. physiologische Schriften. Koppenhagen 1803. J. Ch. G. Joͤrg Versuche und Beitraͤge geburtshuͤlflichen Inhalts. Leip- zig 1806. Ebenderselbe Schriften zur Befoͤrderung der Kenntniß des menschli- chen Weibes. 2 Thle. 1812 — 18. G. W. Stein Nachgelaßene geburtshuͤlfliche Wahrnehmungen. Mar- burg 1807 — 9. 2 Theile. G. W. Stein der juͤngere, Geburtshuͤlfliche Abhandlungen. Marburg 1803. W. L. Haselberg Untersuchungen und Bemerkungen uͤber einige Ge- genstaͤnde der prkt. Geburtshuͤlfe. Berlin und Stralsund 1807. J. Fr. Schweighaͤuser Aufsaͤtze uͤber einige physiologische und prak- tische Gegenstaͤnde der Geburtshuͤlfe. Nuͤrnberg 1817. W. Jos. Schmitt gesammelte obstetricische Schriften. Wien 1819. Was die weitere Aufzaͤhlung der geburtshuͤlflichen Literatur betrifft, so verweisen wir auf die S. 13. des 1. Theils genannten Werke, wo- selbst zugleich die vorzuͤglichern Zeitschriften fuͤr Gynaͤkologie und Ge- burtshuͤlfe insbesondre erwaͤhnt worden sind. Vorzuͤgliche Hebammenbuͤcher . L. F. Senff Lehrbuch fuͤr Hebammen. Halle 1812. El. v. Siebold Lehrbuch der Hebammenkunst. Wuͤrzburg 1808 (1818 ist davon die 3. Auflage erschienen.) J. Ch. G. Joͤrg Lehrbuch der Hebammenkunst. Leipz. 1814. (Seit 1818. zum Unterricht der Hebammen im Koͤnigreich Sachsen gesetz- maͤßig eingefuͤhrt. Der speciellen Gynaͤkologie zweyter Theil . II. Theil. 1 Vom gesunden und kranken Lebenszustande des Weibes in seinem Verhaͤltniß zu einem Erzeugten. Erster physiologisch-diaͤtetischer Abschnitt . I. Physiologie der Schwangerschaft, der Geburt, so wie der Wochen- und Stillungs-Periode. 1. Physiologische Geschichte der Schwangerschaft. §. 637. D er merkwuͤrdige Cyclus des weiblichen Lebens, welchen wir, entsprechend den drei großen Stadien des allgemeinen Lebens, eingetheilt haben in Schwangerschaft (Entwickelung), Geburt (Wendepunkt), und Wochenperiode (Ruͤckbildung), beginnt mit dem geheimnißvollen Akte der Empfaͤngniß (Conceptio), und wir verstehen unter Empfaͤngniß Man waͤhlt dieß allgemeine Wort wohl richtiger als das schon eine bestimmte Ansicht des Herganges ausdruͤckende Befruch- tung oder Erzeugung . denjenigen Vorgang, wo unter Zusammenwir- kung eines weiblichen und maͤnnlichen Organis- mus der Grund zu einer nachfolgenden Schwan- gerschaft gelegt wird ; dahingegen unter Schwanger- schaft ( Graviditas ) derjenige Zustand des menschli- chen und zwar hauptsaͤchlich des weiblichen Koͤr- pers verstanden wird, wo eine durch Empfaͤngniß erzeugte und im Innern des Organismus durch Wechselwirkung fortgebildete Frucht in diesem Innern verweilt. — Regelmaͤßig ist die Em- pfaͤngniß wenn sie durch eine vollkommene Be- gattung vermittelt, und der Grund zu einer regelmaͤßigen Schwangerschaft dadurch gelegt wird. Regelmaͤßig ist die Schwangerschaft, wenn die erzeugte Frucht in der Hoͤhle des Uterus sich befindet, selbst in aller Hinsicht normal gebil- det ist, und in der gesetzmaͤßigen Zeit ihre voll- kommene Entwickelung erreicht . Anmerkung . Die Wahl des Ausdrucks fuͤr eine vollkommne Begriffsbestimmung des Zustandes der Schwan- gerschaft uͤberhaupt, ist mit nicht geringer Schwierigkeit ver- bunden, und zwar wegen der aͤußerst mannigfaltigen Abnor- mitaͤten, welche in diesem Zustande vorkommen, und welche demungeachtet in dieser Definition mit einbegriffen werden muͤssen. So koͤnnen wir z. B. den Zustand der Schwan- gerschaft nicht fuͤglich auf den weiblichen Koͤrper allein be- schraͤnken, sobald sich (wie dieß nun bereits einigemal beob- achtet worden) Faͤlle vorfinden, wo ein maͤnnlicher Foͤtus oder ein Knabe, einen andern Foͤtus in sich trug S. ein Beyspiel dieser Art in der Salzb. med. chir. Zeitung 1804 Nr. 94. — Das Weitere davon s. unten in der Pathologie des Foͤtus. , von welchem letztern angenommen werden mußte, daß er in und durch jenen erstern Koͤrper noch einige Zeit fortgebildet wor- den sey, und so zu diesem ungefaͤhr in demselben Verhaͤlt- niß gestanden habe, wie ein Fetus im weiblichen Koͤrper bey einer Schwangerschaft außerhalb der Gebaͤrmutter. Fer- ner koͤnnen wir die Schwangerschaft auch nicht auf das Tragen und Ernaͤhren eines Kindes beschraͤnken, da oft gar kein wirklich gebildetes Kind vorhanden ist, oder auch der Fall vorkommt, wo ein wirklicher Fetus zwar sich vorfindet, aber als abgestorbene Frucht laͤngere Zeit im Koͤrper verweilt und sonach nicht mehr ernaͤhrt wird. 1. Von der Empfaͤngniß . §. 638. Auf welche Weise die Bildung eines neuen thierischen und besonders eines neuen menschlichen Koͤrpers zuerst be- gruͤndet werde, hat von jeher die Forschungen der Physiolo- gen rege gemacht und zu den verschiedenartigsten Zeugungs- theorien Veranlassung gegeben, welche hier durchzugehen nicht der Ort ist, und welche man anderwaͤrts Sehr vollstaͤndig ist die Uebersicht der Zeugungstheorien, welche in Pierer’s anatom. physiol. Real-Woͤrterbuche Th. III. S. 802. gegeben wird. ausfuͤhrlich zusammen gestellt vorfinden kann. Gewoͤhnlich schwankten diese Meinungen ziemlich der Annahme eines entweder von jeher im weiblichen Koͤrper gegebenen Keimes, welcher nur durch die Befruchtung zur Entwickelung gedeihe (Evolutionstheorie), oder einer durch den Zeugungsakt angeregten allmaͤhligen Ausbildung einer vorher rohen und ungebildeten Masse, wel- che entweder vom maͤnnlichen oder vom weiblichen Koͤrper, oder von beiden zugleich hergegeben werde (Epigenesis); der schwierigste Punkt blieb indeß immer, daß man die neue Entstehung eines organischen Koͤrpers erklaͤren wollte, und hier verfiel man offenbar in Irrthum. §. 639. Eben so wenig naͤmlich als in der Natur etwas wahr- haft vernichtet wird, so wenig ist auch ein wahrhaftes neu entstehen moͤglich, da der Natur das Praͤdicat der Unendlichkeit zukoͤmmt, und folglich gar keine Substanz gedacht werden kann, welche nicht von jeher in ihr vorhan- den gewesen sey. Eben so aber wie die Natur unendlich und ewig ist, ist sie auch in staͤtiger Bildung begriffen, und der Zeit wie dem Raume nach unendlich mannigfaltig, woraus denn folgt, daß eben so wie die Substanz ewig dieselbe seyn muͤsse, die Erscheinung doch stets als neu sich of- fenbaren werde. §. 640. Haͤlt man diese Gedanken fest, so wird bald das Un- begreifliche der neuen Entstehung organischer Wesen sich min- dern. — Wir finden es weniger unerklaͤrlich wenn wir se- hen, wie der Baum Blaͤtter und Zweige hervor treibt, aber es scheint uns wunderbar, wenn wir sehen, daß aus einem unscheinbaren Samenkorn ein neuer Baum erwachsen kann; und doch ist das Samenkorn nichts mehr als eine moͤglichst zusammen gezogene Gestalt der Knospe selbst S. mein Lehrb. der Zoot. S. 611. und Kieser’s Grundzuͤge der Anatomie der Pflanzen S. 192. , und wie diese nur ein (wenn auch abgeloͤster) Theil des muͤtterlichen Or- ganismus, welcher seine weitere Entfaltung beginnt, so daß alle Fortpflanzung eigentlich blos als das Fortwachsen eines Urstammes durch unendliche Generationen betrachtet werden muß. §. 641. Also aber auch das Fortflanzen oder die Zeugung der Thiere und Menschen; es ist hier keine neue Ent- stehung , es ist blos das Fortwachsen der Thierheit , der Menschheit nach den ihnen einwohnenden ewigen Ge- setzen, wo nur Glied an Glied sich reiht, und so ein großes Ganzes weiter und weiter sich entwickelt. §. 642. Vergleichen wir nun aber das Hervorbilden des mensch- lichen Organismus aus dem muͤtterlichen mit dem der Thiere und Pflanzen, so ergiebt sich ein bedeutungsvoller Unter- schied. — In Pflanzen und Thieren naͤmlich ist das erste Rudiment des neu zu bildenden Koͤrpers anfaͤnglich sehr deutlich ein wahrer integrirender Theil des muͤtterlichen Koͤr- pers, so in der Pflanzenbluͤthe der Fruchtknoten ( Germen ), in den Thieren (z. B. in den Fischen und Amphibien) das ohne Begattung, gleich jedem andern Eingeweide des Thier- koͤrpers entstehende Ey. — In dem menschlichen Geschlechte hingegen ist ein solcher dem Aelternkoͤrper angehoͤriger, vor der Begattung schon gebildeter Keim weit weniger nachzu- weisen, vielmehr darf man wohl annehmen, daß der Keim selbst erst das Produkt der Begattung sey, und er eben da- durch um so viel freier und selbststaͤndiger erscheinen muͤsse, als im Gegentheil Thiere mit fruͤher schon gebildeten Keimen sich mehr der Fortpflanzungswelse der untersten Thierfamilien z. B. der Polypen naͤhern, wo das Junge ohne alle Be- gattung gleich einem Zweige aus dem Mutterkoͤrper hervor- sproßt. §. 643. Fraͤgt man nach dem Speciellen des Vorganges bey Hervorbildung dieses Keimes, so duͤrfen wir wohl, gestuͤtzt auf die Vergleichung der Fortpflanzung anderer vegetabili- scher und animalischer Koͤrper behaupten, daß die Masse, der Bildungsstoff, hergegeben werde von dem weiblichen Koͤrper, das Belebende, Begeistigende hingegen durch Ein- wirkung des maͤnnlichen Koͤrpers mitgetheilt werde. Wir koͤnnen es vergleichen einem Baume, welcher Blumen und Fruͤchte hervor treibt unter Einwirkung von Licht und Waͤrme, oder der Erde selbst, deren organisches Leben wie das Hervor- bringen lebendiger Wesen auf ihrer Oberflaͤche, abhaͤngt von der Einwirkung der Sonne und anderer Weltkoͤrper, oder, wollen wir Krankheitserscheinungen erwaͤgen, mit einem thie- rischen Koͤrper, welcher ein Exanthem auf seiner Flaͤche er- zeugt, nachdem er durch die Atmosphaͤre eines an gleichem Leiden Erkrankten zu diesem normwidrigen Bildungsprozesse aufgeregt worden ist. §. 644. Fuͤr diese Ansicht, und gegen das materielle Mitein- dringen und Bilden maͤnnlichen Zeugungsstoffes in den neuen Organismus sprechen die Befruchtung der Pflanzen, wo ein Zudringen des Pollens bis zum Fruchtknoten kaum gedenk- bar ist, das Befruchten der Eier von Fischen und Amphi- bien, wo schon die Beruͤhrung des Eies durch einen, oft noch aͤußerst verduͤnnten Samen zur Anregung des Lebens hinreicht, und endlich beim Menschen selbst die oͤftern Bei- spiele von Conception ohne vollkommene Begattung, ja bei Verschließung des Geburtsweges S. hieruͤber den I. Th. S. 105 und 225. Auch fuͤhrt Champion ( Journal universel des sciences medicales Mai 1819. p. 241.) einen merkwuͤrdigen Fall an, wo eine Frau, deren Hymen bis auf eine kleine kaum eine Sonde schief durchlassende Oeffnung verwachsen war, dennoch schwanger wurde. . §. 645. Ist nun aber das Hervorbilden eines neuen Keimes aus dem muͤtterlichen Koͤrper auch anerkannt, so bleibt doch noch der Ort, wo dieser Keim zuerst erscheint, zu untersuchen uͤbrig. — In den Thieren ist dieser Ort ganz unlaͤugbar das Ovarium; bei dem Menschen hingegen ist dieß weniger klar nachzuweisen, so daß man denn nicht selten (neuerlich noch Wilbrand ) die Entstehung des Eikeimes im Uterus selbst angenommen hat; allein eben die Analogie so vieler Thiergeschlechter, die Beobachtung von Blaͤschen, welche sich in und auf den Ovarien, und zwar wohl erst in Folge der durch den Geschlechtsreiz hoͤher gesteigerten produktiven Thaͤtigkeit derselben wirklich entwickelt zeigen, die Schwangerschaften außerhalb der Gebaͤrmutter u. s. w. beweisen wohl hinrei- chend, daß wirklich an dem Eyerstocke das erste Rudiment des neuen Organismus aus dem muͤtterlichen hervorwachse, jedoch so, daß es beim Menschen bereits innerhalb eines Zeitraumes von 2 bis 3 Tagen sich absondert, um spaͤter- hin in dem Uterus zu voͤlliger Reife gebildet zu werden; welche zeitige Absonderung gewiß fuͤr die Selbststaͤndigkeit und hoͤhere Entwickelungsfaͤhigkeit des Fetus eben so wichtig ist, als die §. 642 angegebene Eigenthuͤmlichkeit. §. 646. Die Keime uͤbrigens, welche auf den Ovarien durch den Begattungsreiz gebildet werden, sind namentlich von Osian- der und Oken einem blasigen Exanthem verglichen worden, und Ersterer hat hierbei noch die allerdings zu beachtende, obwohl noch sehr triftige Beweise fordernde Hypothese auf- gestellt, daß bei der ersten Empfaͤngniß schon mehrere Eiblaͤs- chen erzeugt werden koͤnnten, welche dann erst bei nachfolgender Befruchtung wirklich zur Reife gediehen, und sich abloͤsten Osiand r’s Hantbuch der Entbindungskunst Th. I. S. 252. Ein Fall, welcher al Bestaͤtigung dieser Meinung dienen soll, ist von Wendelstadt in Hufeland’s Journal 1818. 2s Stuͤck mitgetheilt. . — Da wo sich ein solches Blaͤschen wirklich abgeloͤst hat, bleibt am Eierstock eine kleine Narbe zuruͤck (sie kann dem ruͤck- bleibenden Kelche ( Calix ), am Eierstocke der Voͤgel vergli- chen werden) und diese ist es, welche den Namen des gel- ben Koͤrpers ( Corpus luteum ), in sofern man dadurch die Spur eines abgeloͤsten Eychens bezeichnen will, wirklich ver- dient; dahingegen sich an Menschen- und Thierleichen oͤsters krankhaft gebildete und vergroͤßerte Eiblaͤschen an der Ober- flaͤche der Ovarien vorfinden, welche ihrer Natur nach nie zu wirklichen Fruͤchten sich abloͤsen koͤnnen, und somit auch durch- aus fuͤr keine fruͤher Statt gehabte Empfaͤngniß beweisend sind Von diesen falschen gelben Koͤrpern gelten auch H. Joͤrg’s Bemer- kungen in d. Grundlinien zur Physiologie des M e nschen I. Thl. S. 151. — Selbst die Blasenwassersucht, an welche zuweilen die Eierstoͤcke leiden kann, als durch An h aͤufung und Vergroͤßerung solcher Eiblasen entstanden, betrachten werden. S. 1r Theil S. 406. . §. 647. Die Bedingungen , unter welchen eine regelmaͤßige Empfaͤngniß Statt finden kann, lassen sich nur schwer mit Bestimmtheit angeben. Im Allgemeinen kann man zwar annehmen, daß ein vollkommner Coitus bei beiderseitigen regelmaͤßig beschaffenen Geschlechtswerkzeugen und allgemeiner Gesundheit am sichersten Empfaͤngniß zur Folge haben werde, und man will noch uͤberdieß bemerkt haben, daß dieselbe am leichtesten bald nach Statt gehabter Menstruation, in hori- zontaler Lage und in den Morgenstunden erfolge; demunge- achtet mangelt es auch keinesweges an Beispielen, wo die Conception Statt fand selbst bei sehr verbildeten Geschlechts- theilen, bei einem Coitus sine immissione penis, in auf- rechter Stellung, bei gewaltsam erzwungenem Coitus, bei gaͤnzlichem Mangel an Geschlechtsempfindungen von Seiten des Weibes, ja bei betraͤchtlichen Krankheiten der Geburts- theile. — §. 648. Daß uͤbrigens kosmische Verhaͤltnisse auch fuͤr die Bestim- mung der Empfaͤngniß von Wichtigkeit sind, ist wohl keine Frage; ist doch bei den Thieren die Brunst des Weibchens und mit ihr das Empfangen, sehr deutlich an verschiedene Jahreszeiten gebunden, und es erfolgt daher die Empfaͤng- niß auch im Weibe am haͤufigsten in den Fruͤhlingsmonaten, und in feuchten und gewitterreichen Jahren, dahingegen im Herbst, und namentlich im October, das Empfangen seltner ist, und im Durchschnitt immer die wenigsten Geburten in den Juni und Juli fallen S. z. B. Friedlinder’s (uͤber die koͤrperliche Erziehung d. Men- schen, uͤbers. Leipzig 1819. S. 16.) Tabellen uͤber die Geburten in Paris. . Vielleicht wird selbst durch atmosphaͤrische Einfluͤsse die Erzeugung von Knaben oder Maͤdchen mit bestimmt, und auch meine Tabellen bestaͤtigen die schon von Osiander Annalen der Entbindungs-Lehranstalt, 2r Bd. gemachte Bemerkung, daß im Durchschnitt (keinesweges durchgaͤngig) mehr Knaben beim Neu- und zunehmenden Monde, mehr Maͤdchen bei vollem und abnehmendem Monde erzeugt werden. Eben so ist zu bemerken, daß die erste Conception gewoͤhnlich ein Maͤdchen ist; dahingegen die Annahmen von Henke, Millot und Andern, daß auf die Bestimmung des Ge- schlechts entweder ein Testikel oder ein Ovarium wirke, hin- laͤnglich widerlegt sind. §. 649. Als Kennzeichen der Statt gehabten Empfaͤng- niß hat man zwar mehrere Zufaͤlle angefuͤhrt, allein genau genommen, ist keines derselben, welches vollkommen guͤltig genannt werden koͤnnte. — Es gehoͤren dahin erhoͤhte Em- pfindung beym Coitus, Gefuͤhl von Schauer, innern Krampf, oder auch wohl Ueblichkeit einige Zeit nach demselben, gaͤnz- liches oder ziemlich vollkommnes Zuruͤckbleiben und Eingeso- genwerden der Samenfeuchtigkeit in der Scheide und Ge- baͤrmutter, gelindes Anschwellen des Halses (welches von den Alten schon fuͤr das Zeichen verlorner Jungfraͤulichkeit gehalten wurde), ein Trieb die Schenkel kreuzweis uͤber- einander zu schlagen, voruͤbergehendes Aufgetriebenseyn des Unterleibes u. s. w. — Von alle diesen Zeichen kann man nur sagen, daß sie zuweilen vorhanden seyen, daß es durch dieselben einigen Frauen, welche schon mehrmals ge- boren haben, moͤglich werden koͤnne, den Zeitpunkt wo sie empfangen haben, genau zu bemerken, allen daß alle diese Zeichen, da sie einzig in die Perceptionssphaͤre des Weibes selbst fallen, fuͤr den Arzt, namentlich etwa in gerichtlichen Faͤllen, so gut als gar keinen Anhaltungspunkt gewaͤhren. 2. Von der Schwangerschaft im Allgemeinen . §. 650. In der Geschichte der Schwangerschaft (wie uͤberhaupt immer da, wo wir den weiblichen Koͤrper im Verhaͤltniß zu einem neuen in ihm entstandenen Organismus betrachten) haben wir auf zweierlei vorzuͤglich Ruͤcksicht zu nehmen, einmal naͤmlich: auf die erzeugte Frucht und deren Veraͤn- derungen, und ein andermal auf den muͤtterlichen Koͤrper und dessen Veraͤnderungen, nach welchen beiden Abtheilun- gen wir denn auch das Specielle der Geschichte der Schwan- gerschaft abhandeln werden. — Zuvor ist jedoch noch uͤber Dauer und Eintheilung der Schwangerschaft einiges zu erinnern. §. 651. Den Zeitraum fuͤr die normale Schwangerschaft betref- fend, so betraͤgt derselbe in der Regel gerade 40 Wo- chen oder 280 Tage oder 10 Mondesmonate, welches denn ziemlich mit neun Kalendermonaten uͤbereintrifft. Zu bemerken ist hierbei, daß eigentlich der Typus der monat- lichen Periode das Maaß abgiebt, nach welchem die Schwan- gerschaft sich richtet, und daß gerade zehnmal der vierwoͤ- chentliche Typus sich wiederholen muß, um diesen Zeitraum zu erfuͤllen. §. 652. Uebrigens ist dieses Maaß nicht so feststehend, daß nicht betraͤchtliche Abweichungen sehr wohl Statt finden koͤnnten, welches Theils durch Einwirkung der Menstruationsperioden, Theils vielleicht auch durch atmosphaͤrische Einfluͤsse herbei- gefuͤhrt werden kann, Faͤlle von denen der letztere mit dadurch wahrscheinlich gemacht wird, daß selbst bey Hausthieren die Zeit der Traͤchtigkeit oft so bedeutende Verschiedenheiten zeigt Man sehe hieruͤber die interessanten Beobachtungen von Tessier (im Auszuge im 3. Heste der Isis 1818. S. 421). — Bei 575 Kuͤhen, deren mittlere Traͤchtigkeitszeit 303 Tage ausmachte, war doch die Verschiedenheit so groß, daß sie bis 81 Tage betrug. Von 277 Stuten waren 390 Tage die mittlere Dauer, und zwischen laͤngster und kuͤrzester Tragezeit ein Unterschied von 97 Tagen. Bei 912 Schafen war die mittlere Tragezeit 152 Tage, und der Un- terschied zwischen laͤngster und kuͤrzester Tragezeit betraͤgt nur 15 Tage u. s. w. . §. 653. Der Einfluß, welchen die Menstruationsperiode auf die Schwangerschaft hat, aͤußert sich vorzuͤglich dadurch, daß haͤufig nicht die Conception, sondern der letzte Eintritt der Menstruation den Termin der Geburt bestimmt, folglich wenn die monatliche Periode vielleicht 8 oder vierzehn Tage vor der Conception zum letzten Mal erschienen war, auch die Geburt nicht am 280. Tage nach der Conception, son- dern um 8 oder 14 Tage zeitiger eintritt Die Tabellen, welche ich in unserer Entbindungsanstalt uͤber Dauer der Schwangerschaft fuͤhren lasse, enthalten hiervon zahl- reiche Beispiele. . — Ueberhaupt sind auch im Verlaufe der Schwangerschaft die Perioden des Monatsflusses gewoͤhnlich sehr wohl noch zu bemerken; denn nicht allein, daß zuweilen die Menstruation selbst in der Schwangerschaft noch mehrere Male wiederkehrt (wovon un- ten), sondern es werden auch ohne dieß diese Perioden haͤufig durch vermehrte Congestionen und aͤhnliche Zufaͤlle bezeichnet, so daß selbst unzeitige Geburten vorzuͤglich gern in diesen Perioden eintreten. §. 654. Eingetheilt wird die Schwangerschaft zunaͤchft in die regelmaͤßig und unregelmaͤßig verlaufende, von welchen wir denn an diesem Orte nur die regelmaͤs- sige betrachten. Diese zerfaͤllt wieder in die einfache Schwangerschaft ( Graviditas simplex ), wobei nur eine Frucht im Uterus ernaͤhrt wird, und zweitens in die mehr- fache Schwangerschaft, wohin die Zwillingsschwangerschaft ( Graviditas gemellorum ), die Drillingsschwangerschaft ( Grävitas trigeminorum ), die Vierlingsschwangerschaft ( Gravidas quatergeminorum ), u. s. w. gehoͤren. — Es ist hierbei die Frage zu beruͤhren: wie viel wohl Fruͤchte im Uterus zugleich getragen werden koͤnnen und wirklich ge- tragen worden sind? — Man stoͤßt bei diesen Untersuchun- gen auf vielfache Fabeln von Schwangerschaft mit 10, 13, ja noch weit mehrern Fruͤchten Hierher die Fabel von der Graͤfin von Henneberg, welche einmal 365 Kinder geboren haben sollte. ; allein man findet auch nicht zu laͤugnende Thatsachen von Schwangerschaften mit sechs Kindern, ja ein von B. Osiander Handb. d. Enth. 1r Thl. S. 320. angefuͤhrter Fall erlaubt wenigstens nicht mit Bestimmtheit abzusprechen, daß eine Schwangerschaft mit sieben Fruͤchten unmoͤglich oder doch unwirklich vorgekommen sey. Anmerkung . Nach J. Fr. Osiander S. dessen Bemerkungen uͤber franzoͤsische Geburtshuͤlfe u. s. w. 1813. verhiel- ten sich in der Maternité von Paris die Faͤlle von Zwillin- gen zu einfachen Geburten wie 1 zu 91, die Faͤlle von Dril- lingsgeburten zu den einfachen aber schon wie 1 zu 8654. §. 655. Eine besondere Abtheilung der mehrfachen Schwanger- schaften endlich machen diejenigen aus, wo die beyden Fruͤchte nicht in einem und demselben Begattungsakt erzeugt worden sind, sondern jede Frucht durch eine besondere Em- pfaͤngniß entstanden ist. — Man hat diese Faͤlle je nach- dem entweder die zweite Empfaͤngniß der ersten bald nachge- folgt ist, oder je nachdem sie spaͤter Statt gehabt hat, entweder Ueberfruchtung ( Superfecundatio ), oder im letztern Falle Ueberschwaͤngerung ( Superfetatio ) genannt, und die Annahme oder Nichtannahme derselben hat zu mehrern Strei- tigkeiten Veranlassung gegeben M. s. Roose de superfetatione nonnulla Brem. 1801. — Var- rentrapp Commentarius in Roose de superfecundatione. — La- chausse de superfetatione in utero duplici. Argent. 1756. . §. 656. Was die Ueberfruchtung oder das Statt haben einer zweyten Empfaͤngniß bald nach einer bereits geschehenen be- trifft, so kann sie wohl keinesweges weder aus Gruͤnden a priori gelaͤugnet werden, noch fehlt es an Beobachtungen, welche fuͤr dieselbe sprechen; denn erstens kann man nicht fuͤglich annehmen, daß die innern Geschlechtstheile durch die ersten Tage der Schwangerschaft schon so weit veraͤndert waͤren, daß nicht noch eine neue Empfaͤngniß Statt haben koͤnnte; und zweitens beweisen sowohl die Beispiele, wo Thiere Junge von verschiedener Race warfen (z. B. eine Stute ein junges Pferd und einen Maulesel), oder wo Frauen einen Zwilling von weißer und einen von schwarzer Farbe gebaren S. Baudelonque Anleit. z. Entbindungskunst II. Thl. S. 313. Beispiel einer Frau in Guadeloupe, und Lpz. polit. Zeit. vom 15 Mai 1819. Beispiel einer Frau in Paris. , oder einen Zwilling einen oder mehrere Tage spaͤ- ter zur Welt brachten, als den andern u. s. w., daß die- ses Ueberfruchten wirklich zuweilen Statt finde. §. 657. Was hingegen die zweite Empfaͤngniß nach bereits weiter vorgeruͤckter Schwangerschaft betrifft, so ist sie bei einem einfachen Uterus schwerlich je anzunehmen; indem erstens der Uterus alsdann selbst so umgeaͤndert ist, daß das Eindringen und Ausbilden einer zweiten Frucht in demselben auf keine Weise angenommen werden kann, und ferner die Faͤlle, wo ein sehr kleiner mit einem groͤßern Zwillinge zugleich geboren wurde, oder ein Zwilling mehrere Wochen spaͤter als der erste zur Welt kam, hier gar nicht als beweisend anzu- nehmen sind, da dieses alles sich weit einfacher aus der ver- schiedenen Entwickelung erklaͤren laͤßt, welches um so mehr beruͤcksichtigt werden muß, da man ja zuweilen wohl selbst untereinander verwachsene (und also gewiß zugleich erzeugte) Zwillinge von aͤußerst verschiedener Groͤße antrifft Ein sehr merkwuͤrdiges Praͤparat dieser Art findet sich in der Sammlung der hiesigen Entbindungsanstalt. — Bei einem doppelten Uterus hingegen kann allerdings eine Ue- berschwaͤngerung Statt finden, und obwohl auch bei doppelter Gebaͤrmutter am haͤufigsten nur eine Hoͤhle schwanger wird, so ist doch auch das Gegentheil vorgekommen, wie der von P. Fr. Meckel in der Note zu Baudeloque Baudeloque’s Entbindungskunst v. Meckel II. Thl. 316. er- waͤhnte, in der Hunterschen Sammlung befindliche Fall ei- ner doppelten Gebaͤrmutter erweist, wo ein ausgetragenes Kind auf der einen Seite, eines von vier Monaten auf der andern Seite sich vorfindet. 3. Entwickelungsgeschichte der Frucht . §. 658. Die menschliche Frucht folgt in ihrer Entwickelung der Art und Weise der organischen Koͤrper uͤberhaupt, d. i. sie wird ein Vielgliedriges, ein Mannigfaltiges aus einem Einfachen, nicht durch Zusammensetzung mehrerer urspruͤng- lich Getrennter, sondern durch Trennung eines urspruͤnglich Einfachen. §. 659. Die einfachste Gestaltung alles Organischen aber ist die Kugelform, in welcher daher das Fluͤssige, sobald es Gestalt annimmt (im Tropfen) erscheint, in welcher die Weltkoͤrper erscheinen, in welcher auch die aus dem Fluͤssigen hervorge- henden ersten Keime eines Organischen (im Ei) sich dar- stellen. §. 660. Ein organisirter Koͤrper aber, welcher das Einfache dar- stellt, in und aus welchem die Mannigfaltigkeit der Gebilde eines thierischen Organismus sich unter guͤnstigen aͤußern Ver- haͤltnissen entwickeln kann, nennen wir Ei ( Ovum ). §. 661. Das Ei ist lebendig, sein Leben aͤußert sich unter guͤn- stigen aͤußern Verhaͤltnissen als bildende Kraft, und man koͤnnte das Ei (wie es auch wohl geschehen ist So von H. Joͤrg Grundlinien der Physiologie. 1r Theil, S. 242. selbst als Thier betrachten, wenn es nicht des Vermoͤgens der Wirk- samkeit im Ganzen durch eigene Bestimmungen gegen aͤußere Gegenstaͤnde beraubt waͤre; welches Vermoͤgen doch selbst den niedrigsten Thiergattungen nicht mangelt, deren Leben immer ein inneres und aͤußeres zugleich ist, dahingegen das Leben des Eies blos als innres erscheint. §. 662. Wie der Form nach aber im Reiche des Organischen die Kugel das Einfachste und Urspruͤngliche ist, so dem Stoffe, der Masse nach, das Fluͤssige. Wie also das Ei selbst zuerst aus Fluͤssigem sich erzeugt, so liegt es nothwendig im Be- griffe desselben, daß der Stoff desselben, welcher den Keim zum neuen Organismus enthaͤlt, naͤmlich das Innere des Eies, fluͤssig sey. Der Mischung nach ist aber diese Fluͤssigkeit von der Gattung, welche uͤberall die Grundlage des thierischen Organismus ausmacht; sie ist eiweiß- stoffig . §. 663. Wie nun aber oben erwaͤhnt worden ist, daß im Men- II. Theil. 2 schen hoͤchst wahrscheinlich der erste Fruchtkeim, das Ei, nicht knospenartig vom weiblichen Koͤrper erzeugt werde, sondern nur erst durch die Begattung hervortrete, so ist auch das Ei blos als solches, uͤberhaupt kaum nachzuweisen, sondern rasch entwickelt sich aus ihm und in ihm der erste Keim des Menschenkoͤrpers Wegen seiner Aehnlichkeit mit einer kleinen Made, oft Galba genannt. , und bald lassen sich selbst deut- licher menschliche Glieder unterscheiden; der Keim erscheint als Centrum der Peripherie des Eies, und wir nennen es nun unzeitige menschliche Frucht ( Embryo ). — Eben aber, daß diese ersten Perioden so rasch voruͤbergehen, huͤllt die Art und Weise dieser Entwickelung in tiefes Geheimniß, welches mehr durch Betrachtung verwandter Entwickelungs- weisen in etwas aufgeschlossen, als an und fuͤr sich selbst (zumal bei der seltnen Gelegenheit solche Untersuchungen an- zustellen) gaͤnzlich entziffert werden kann. §. 664. Bevor wir nun die Geschichte dieser Entwickelung nach der Ansicht, welche Zusammenstellung von den Thatsachen der vergleichenden und menschlichen Anatomie und Physiologie als die der Natur angemessenste annehmen laͤßt, aufzuzeich- nen unternehmen, wird es zweckmaͤßig seyn, einige Perioden in dieser Ausbildung zu unterscheiden, nach denen wir diese Beschreibung ordnen, es sind folgende: §. 665. Als erste Periode der Entwickelung des Embryo be- trachten wir den Zeitraum vom Eintritt des Eies in den Uterus bis zu dem Punkte wo eins der wichtigsten Bil- dungsorgane, der Mutterkuchen, deutlicher beobachtet wird; d. i. der Abschnitt vom Beginnen des ersten bis zum Ende des dritten Monats. Die zweite Periode rechnen wir von Bildung des Mutterkuchens bis zur ersten der Mutter fuͤhlbaren Bewegung des Kindes, und somit bis zur Haͤlfte der Schwangerschaft, oder vom Anfange des vierten bis zu Ende des fuͤnften Monats. §. 666. Als dritte Periode stellt sich ferner der Zeitraum dar von der fuͤhlbaren Bewegung des Kindes bis dahin, wo un- ter sorgfaͤltiger Pflege das Kind zuerst faͤhig wird, im Fall es durch zu fruͤhe Geburt ausgestoßen wurde, fuͤr sich fort- zuleben; d. i. vom Beginn des sechsten bis Anfang des achten Schwangerschaftmonates. Die vierte Periode endlich begreift den Zeitraum, wo das Kind schon die Faͤhigkeit hat, im Fall einer fruͤhen Geburt getrennt von der Mutter und seinen aͤußern Bildungsorganen (den Eihuͤllen) fortleben zu koͤnnen; wo es hingegen bei regelmaͤßigem Forternaͤhrtwerden im Uterus seine voͤllige Reife erlangt, auch die Theile des Kindes aͤußerlich sowohl fuͤhlbar werden, als innerlich der nun schon bestimmter gegen das kleine Becken sich senkende Kopf dem untersuchenden Finger erreichbar wird. Dieß ist die Zeit vom Beginnen des achten Monats bis Ende des Zehnten. Erste Periode . §. 667. Das menschliche Ei in den ersten Zeiten seiner Bildung, erscheint, darin stimmen die wenigen Beobachter uͤberein, welche gluͤcklich genug waren es im frischen Zustande im Uterus zu erblicken, als ein haͤutiges mit lymphatischer Fluͤssigkeit gefuͤlltes Blaͤschen etwa von der Groͤße einer Erbse So hat Hunter es abgebildet ( Anatomia uteri humani gravidi. Fol. XXXIV. f. VI folgd. und so Home es neuerlich beschrieben, s. Meckel’s deutsches Archiv f. Phys. IV. Bd. II. Heft. ; an seiner Oberflaͤche bemerkt man bald wollige Fa- sern, mittelst denen es sich an der ebenfalls (wovon spaͤter die Rede seyn wird) umgewandelten innern Flaͤche des Uterus und zwar gewoͤhnlich gegen die rechte Seite des Gebaͤrmutter- grundes (obwohl dieß auch an andern Stellen, krankhaft so- gar am Muttermund, geschehen kann), anheftet; auch hier- uͤber ist man einig, und vergleicht diese Fasern zweckmaͤßig den Wurzelfasern des keimenden Samenkorns. §. 668. Allein welche Haͤute, welche Theile, verglichen mit dem mehr entwickelten Ei sind es, die man hier vor sich hat? — Hieruͤber sind die Stimmen sehr verschieden. Fol- gendes scheint der Natur am angemessensten. — Das Blaͤs- chen welches vom Eierstocke sich lostrennt ( Graaf ’sches Blaͤschen oder, was wohl dasselbe ist, Osiander ’sches Aus- schlagsblaͤschen), ist das Grundgebild womit das Thier in der Thierreihe anfaͤngt (man denke an die nur eine belebte Ma- genzelle darstellenden Infusorien, Polypen und Blasen- wuͤrmer ) und womit es in den deutlicher zu beobachtenden Thiereiern beginnt (man denke an den Dotter der Fisch- Amphibien- und Vogeleier, aus welchen der Darm gebildet wird S. den letzten Abschnitt in meinem Lehrbuche der Zootomie. ). Es ist eine mit Eiweißfluͤssigkeit erfuͤllte haͤutige Hoͤhle, aus welcher der Darm entsteht, und die wir beim Vogel, wo ihr eiweißstoffiger Saft noch mit Fett vermischt ist, den Dottersack nennen, da sie hingegen im Saͤuge- thier und Menschen, wo ihre Bedeutung eine andere ist, naͤmlich nicht zugleich wie im Vogel waͤhrend des ganzen Fetuslebens als Chylusbehaͤlter zu dienen, mit dem Namen der Nabelblase ( Vesicula umbilicalis ) Das Nabelblaͤschen wird auch von Doͤllinger (Meckels Archiv II. Bd. S. 401. als eins mit dem Graaf ’schen Blaͤschen betrachtet. Doch scheinen mir die uͤbrigen an jenem Orte dargelegten Annah- men dieses trefflichen Physiologen uͤber die Bildung des Embryo’s allzuwillkuͤhrlich. Daß uͤbrigens der Dottersack und die Nabelblase wirklich Uranfang des Darmkanals ist, das laͤßt sich besonders bei Salamanderlarven mit unwiderleglicher Deutlichkeit darthun (s. Zeitschrift fuͤr Natur und Heilkunde herausgegeben v. d. chir. med. Akademie zu Dresden I. Bd. I. Heft S. 138.); eben so ist es beim Vogel anerkannt und fuͤr Saͤugethiere von Bojanus zu- erst entschieden nachgewiesen worden ( Meckel’s Archiv f. Phys . IV. Bd. I. Heft.). bezeichnet wird. §. 669. Die Nabelblase steht als erste Weitung des Darmkanals einem Magen vergleichbar, und dieses Organ demnach ist als erstes Rudiment auch des menschlichen Embryos zu be- trachten. Allein diese Magenblase oder Nabelblase ist noch von einer aͤußern Huͤlle umgeben, welche der Schale des Eies eierlegender Thiere analog ist, aber hier ebenfalls an- dere Bedeutung erhaͤlt und den Namen der Lederhaut ( Cho- rion ) bekommt. (S. Taf. II. Fig. I. ) §. 670. Nabelblaͤschen (oder vielmehr Magen- oder Darmblaͤs- chen) und Chorion stellen sonach das Ei urspruͤnglich dar, aber die Verwandlung schreitet rasch vorwaͤrts, und es bil- den sich zunaͤchst rings am Chorion einsaugende Fasern. — Diese hat man oͤfters als wahre vom Embryo ausgehende Adern gedacht So z. B. H. Froriep Handbuch der Geburtshuͤlfe S. 143. und Andere mehr. , welches sie indeß gewiß nicht sind Wenn man hier die Anwesenheit der Blutgefaͤße auch analogisch durch Vorhandenseyn der Adern in dem sogenannten Chorion des Vogeleies erweisen will, so ist dieß darum irrig, weil dieses Chorion des Vogels eigentlich blos die Allantois der Saͤugthiere ist. , sondern anschließende kolbig geendigte Saugfasern, bestimmt wie Haarroͤhrchen plastische vom Uterus dargebotene Stoffe aufzunehmen. §. 671. Wie das Chorion sich verwandelt so auch das inliegende Blaͤschen. In seiner Haut muͤssen wohl wie in der Keim- haut am Dotter des Huͤhnereies nach Pander mehrere Schichten angenommen werden, wenigstens bildet sich in die- ser Huͤlle (wenn irgend eine Analogie guͤltig seyn kann und ohne alle Analogie sage man nur gerade, daß hier alles Bestreben nach Erkenntniß voͤllig vergeblich und unnuͤtz sey), das Rudiment der Centralorgane fuͤr eigentlich animales Leben die Wirbelsaͤule , welche uͤber das Blaͤschen wie ein Me- ridian uͤber eine kuͤnstliche Erdkugel sich herumbiegt. Von der Wirbelsaͤule aus vereinigen sich die Waͤnde des Rumpfs und Kopfs allmaͤhlig immer weiter nach der Bauch- und Antlitzseite hin, ungefaͤhr wie ein Mannesrock vom Ruͤcken aus sich um den Leib herum legt um sich vorn zu schließen. §. 672. Hierbei schließen sich die Kieferbogen in der Mittellinie des Gesichts, zuweilen jedoch Lippen- und Gaumenspalten offen lassend; hierbei schließen sich die Brustrippen in Wie- derholung einer Wirbelsaͤule im Brustbein, zuweilen Brust- spalte und blos liegendes Herz hinterlassend; hierbei schließen sich endlich Bauch- und Beckenwaͤnde in der Linea alba, und Symphysis ossium pubis, zuweilen Nabelspalten und angeborne Nabelbruͤche, oder getrennten Schambogen und vorgefallene Harnblase hinterlassend. §. 673. Von dem Nabelblaͤschen, welches bei eierlegenden Thie- ren als Dottersack mit in die Bauchhoͤhle eingeht, kommen hin- gegen im Saͤugthier und Menschen nur die aus ihm ent- standenen Gebilde d. i. der Darmkanal in die Bauchhoͤhle; dieses Organ, welches bei Eierlegenden Blutbereitungs- werkzeug und Receptaculum chyli ist, erscheint hier nur gleichsam als erste Form, uͤber welche der eigentliche Em- bryo sich bildet, und welche, alsbald er in seinen Grund- zuͤgen gebildet ist, unnuͤtz wird und abzusterben beginnt. Man darf wohl bey der Schnelligkeit des Bildungsprozesses in der ersten Periode, die eigentliche wichtige Bedeutung und Function der Nabelblase nur in die erste bis zweite Woche der Schwangerschaft rechnen. §. 674. Wie nun zuerst blos ein Gegensatz im Ei bestand, naͤmlich zwischen Chorion (Schale) und Nabelblaͤschen (Kern), so entsteht nun als Wiederholung dieses Gegensatzes ein zweiter , naͤmlich zwischen Embryo (Kern) und Amnion (Schale). Um den Embryo herum naͤmlich legt sich eine lockere, haͤutige, hoͤchst feine, wohl in dem Umfange der Keimhaut des Nabelblaͤschens von dieser Keimhaut selbst ab- geloͤste Schicht, welche man als eine zweite noch ungestal- tere Oberhaut der fruͤhesten Periode des selbst noch ungestal- teten Embryo’s betrachten kann, in welcher er steckt, unge- faͤhr wie der sich bildende Schmetterling in der Puppenhuͤlle, welche selbst ehemals die (nun vertrocknete) Haut der Raupe war. — Diese Haut ist im menschlichen Embryo fast gefaͤß- los (wie die Epidermis), hat wenigstens nie Blutgefaͤße, heißt Schafhaut ( Amnion, Indusium ), und enthaͤlt das Schafwasser oder Fruchtwasser ( Liquor amnii). (S. Taf. II. f. II. ) §. 675. In dem Embryo haben sich nun gebildet: Wirbelsaͤule mit Hirn und Ruͤckenmark, und zwar im Gegensatz mit dem gleichzeitig und antagonistisch entstehenden Gefaͤßsystem, des- sen Anfang man im Vogelei in der figura venosa der Dotterhaut findet, und welches auch im Saͤugethier- und Menschenembryo wohl eben so in der Richtung von Außen nach Innen (centripetal, sich contrahirend) von der Nabel- blase zum Embryo entstehen muß, als die Bildung des Nervensystems mit Knochen und Muskeln in der Richtung von Innen nach Außen (centrifugal, sich expandirend) her- vortritt. §. 676. Wenn wir nun §. 669 den ersten, §. 674 den zwei- ten und im vorigen §. den dritten Gegensatz (zwischen Ner- ven und Gefaͤßen) nachgewiesen haben, so wird nun ferner im Embryo als vierter Gegensatz dieser Bildungen bemerk- lich: auf der Seite des Nervensystems ( animale Sphaͤre ) der zwischen Bewegungsorganen (Muskeln und Knochen) und Sinneswerkzeugen; auf der Seite des Gefaͤßsystems (vegeta- tive oder reproduktive Sphaͤre) der zwischen Darmsystem, als dem vorzugsweise Aufnehmenden, Bildenden — und Ath- mungssystem, als dem vorzugsweise Ausstoßenden und Ver- fluͤchtigenden. — Alle Athmung in der Stufenfolge der Thiere ist aber zuerst Wasser- oder Kiemenathmung; so auch bey ihrer Embryonenbildung. Die Athmungsorgane ferner stehen ihrer ausscheidenden Natur nach, auf niedrigern Stufen or- ganischer Bildung gewoͤhnlich nicht am Kopf- sondern am Afterende des Thieres, so bei den Mollusken S. m. Lehrb. d. Zootomie S. 462 u. f. und so erfolgt auch die erste Entwickelung derselben in den hoͤhern Thieren aus der Beckengegend hervor, und zwar wie in der Entwickelung des Vogels vorzuͤglich deutlich wahrnehmbar ist, in Gestalt eines gefaͤßreichen Blaͤschens, welches von dem Ende des Darmkanals, in Saͤugethieren von der Harnblase ausgehend, nach und nach immer mehr sich vergroͤßert, den Namen der Harnhaut ( Allantois ) bekommt Die Nabelarterien, welche neben dem Urachus an der Allantois sich herauf bilden, stehen sonach gleich der Pulmonararterie des durch die Lungen athmenden Kindes, und es scheint als wenn eben der Verdampfungsproceß von Wasser, welcher spaͤterhin durch die Lungen geschieht, hier sich als Ausscheidung von wirklichen Wasser in der Allantois darstellt, wodurch dieser Proceß der Absonderung der Nieren einigermaßen aͤhnlich wird (m. s. hieruͤber auch H. Joͤrg , (die Zeugung §. 181.). (s. T. II. f. III. ), sich zwischen Amnion und Chorion und dem Rudimente der Nabelblase hereinlegt, und das sogenannte falsche Wasser ( Liquor spurius, Liquor Allantoidis ) enthaͤlt. §. 677. Bevor wir nun diese Ausbildung wie sie im menschli- chen Embryo angenommen werden darf und erscheint, naͤher eroͤrtern, wollen wir noch einmal die Reihe der Gegensaͤtze in einem Schema zusammenstellen: §. 678. Wir haben nun oben bereits bemerkt, daß im Menschen und in den Saͤugthieren uͤberhaupt, das Nabelblaͤschen nebst seinen Gefaͤßen (es sind die Vasa omphalomeseraica, welche der Pfortader den Ursprung geben), bald vom Darm sich gaͤnzlich abloͤse und obliterire, und es ergiebt sich hieraus, daß, da dem Embryo hier nicht wie in dem Dottersack der eierlegenden Thiere ein Chylusbehaͤlter beigegeben ist, er den zur Bildung noͤthigen Stoff auf andere Weise erhalten muͤsse. Hier sind nun zweierlei Wege denkbar, auf welchen er vom muͤtterlichen Koͤrper her diese Nahrung beziehen kann; einmal naͤmlich koͤnnen die Eihaͤute durch die Saugfasern Nahrungsstoff aufnehmen, diesen durchschwitzen und so der Embryo aus den die Eihaͤute erfuͤllenden Feuchtigkeiten ge- naͤhrt werden; oder ein andermal koͤnnen die nach den Fa- sern des Chorions hinlaufenden sich nach und nach zum Mutterkuchen ausbildenden Blutgefaͤße den Nahrungssaft, welcher von dem Uterus ausgesondert wird, in sich aufnehmen und dem Embryo zufuͤhren. §. 679. Was die Meinung der Ernaͤhrung durch die Nabelge- faͤße betrifft, so hat sie allerdings mehrere Gruͤnde gegen sich; erstens naͤmlich sind die bleibenden Gefaͤße des Nabel- stranges gerade die, welche namentlich auf die Funktion des stellvertretenden Athmungsorgans sich beziehen, zweitens ist ein unmittelbares Eindringen des Nahrungssaftes in die Blutgefaͤße dann fast nothwendig anzunehmen (welcher Ein- wurf jedoch durch die große Wahrscheinlichkeit der Venenein- saugung auch an andern Stellen sehr an Kraft verliert), und drittens (und dieses waͤre wohl der Haupteinwurf) will man Beispiele vom gaͤnzlichen Fehlen des Nabelstranges und nichtsdestoweniger Statt gehabter Ernaͤhrung der Frucht beobachtet haben Auf einen solchen Fall von gaͤnzlich mangelnder Nabelschnur gruͤndet . §. 680. Gegen die Meinung vom Durchschwitzen des Nahrungs- saftes durch die Eihaͤute in das Fruchtwasser, und Ernaͤhrung des Kindes durch Mund und Haut aus diesem, sprechen die doppelten Eihaͤute und der reichliche Chylusartige Saft der bei vielen Saͤugethieren, namentlich bei denen, wo mehrere Placenten (Kotyledonen) sich bilden, zwischen diesen Kotyledonen und dem Uterus getroffen wird. Allerdings scheinen indeß die Gruͤnde dafuͤr uͤberwiegend zu seyn, sie bestehen in der Mischung des Schafwassers, welches deutlich schon der duͤn- nen ersten Milch ( Colostrum ) sich naͤhert, oft von mir wirklich weißlich, genau wie Molken, gefunden worden ist, und auch bei den Thieren, welche eine sehr fette Milch ha- ben (wie Kuͤhe und Schafe) durch seine auffallende, dem Ge- fuͤhl sich zu erkennen gebende Fettigkeit sich auszeichnet. Fer- ner durch das unlaͤugbare Eindringen des Fruchtwassers in den Magen, welches ich theils durch die Untersuchung ge- frorener Saͤugthiereier bestaͤtigt gefunden habe (wo eine Saͤule von Fruchtwassereis bis zum Magen herab geht) theils (wie namentlich H. Osiander bemerkt) durch die dem Darm- koth ( Meconium ) des menschlichen Fetus beigemischten mit dem Fruchtwasser verschluckten Wollhaare erwiesen wird; und endlich sprechen fuͤr das Einsaugen des Fruchtwassers die erwaͤhnten der Ernaͤhrung durch die Nabelgefaͤße entgegen- stehenden Gruͤnde, so wie die Beobachtung von H. Meyer Salzburg. med. Zeitung 1817. Nr. 52. S. 431. , wo bei Kaninchen die Fluͤssigkeit des Eies durch eine in die Lungen des traͤchtigen Thieres gegossene, und so dem Blute mitgetheilte Indigobruͤhe gruͤn gefaͤrbt worden war. — H. Osiander die Meinung vom Ernaͤhrtwerden durch die Haut. S. Goͤtting. gel. Anz. 1818. Nr. 132. Dahingegen H. Meckel Patholog. Anat. I. Thl. S. 91) die Faͤlle von ganz frei liegenden Fruͤchten zu den Fabeln zaͤhlt und unter Mangel der Nabelschnur nur den hoͤchsten Grad von Kuͤrze versteht. §. 681. Haͤlt man nun dieses alles zusammen so ist wohl dem Fruchtwasser der meiste Antheil an Ernaͤhrung der Frucht zuzusprechen, und wenn die Nabelgefaͤße uͤberhaupt Antheil daran haben, dieser fuͤr geringer zu achten, immer aber als Hauptsache zu bemerken, daß die Frucht ihre Nahrung durch die ganze Oberflaͤche des Eies wie ungefaͤhr die Pflanze durch die Wurzel, einsaugt . §. 682. Eben so wie nun aber die Funktion des Nabelblaͤschens im Menschen bald erlischt und die Ernaͤhrung dem Chorion und vielleicht zum Theil der Placenta uͤbertragen wird, so ist auch die Allantois ein Organ, dessen Spur im Menschen so zeitig verschwindet, daß man nur durch das Daseyn des Verbindungskanals zwischen Harnblase und Allantois ( Ura- chus ) so wie durch das Vorhandenseyn des falschen Was- sers ( Liquor Allantoidis ) zwischen Amnion und Chorion berechtigt werden kann, auch das Daseyn dieser letztern an- zunehmen. Demungeachtet verlieren sich die arteriellen Ge- faͤße, welche an der Harnblase und zu beiden Seiten des Urachus gegen die Allantois verlaufen ( Arteriae umbilica- les), so wie die ihr entgegenstehende Vena umbilicalis kei- nesweges, sondern verlassen den obliterirenden Urachus um sich an der Oberflaͤche des Eies zu verzweigen ( Taf. II. fig. IV. ). §. 683. Im menschlichen Ei nun verzweigen sich diese Gefaͤße namentlich gegen den obern im Grunde des Uterus liegenden Theil desselben, und bilden ein immer dichteres Geflecht, aus welchem der Mutterkuchen entsteht, der sofort eine Funktion ausuͤbt, welche fuͤr den Fetalzustand des Kindes gleich zu setzen ist derjenigen, welche bei dem geborenen Kinde die Lungen ausuͤben Wir kommen auf diesen Gegenstand weiter unten zuruͤck. — In dem Fetus mehrerer Saͤugethiere hingegen bildet sich Statt einer Placenta eine groͤßere Anzahl derselben (in den Wiederkaͤuern oft gegen 100), welche dann Kotyledonen genannt werden, und deren Bau besonders geeignet ist, das Gefaͤßgewebe des Mutter- kuchens ohne alle Praͤparation deutlich darzustellen; in an- dern Saͤugethieren hingegen (so bei den Einhufigen) bildet sich gar keine Placenta, sondern die Gefaͤße verbreiten sich auf der ganzen aͤußeren Flaͤche des Chorions, und vertre- ten deren Stelle. §. 684. So weit nun die erste Bildungsgeschichte des Eies im Allgemeinen. — Wir kommen jetzt zur naͤhern Beschreibung des menschlichen Eies seiner Gestalt und Groͤße nach, in den einzelnen Monaten dieser ersten Periode, soweit dessen Kennt- niß hierher gehoͤrt, denn die ausfuͤhrliche Verfolgung der Ausbildung seiner einzelnen Theile und der Organe des Em- bryo wuͤrde ein eigenes Werk erfordern . §. 685. Erster Monat . Das menschliche Ei erreicht in die- sem Monate die Groͤße einer Wallnuß oder eines kleinen Huͤhnereies, seine Form ist anfaͤnglich noch mehr rundlich, und seine ganze Flaͤche mit dicken gegen ⅓ bis ½ Zoll lan- gen Saugfasern besetzt, welche in die spaͤter zu beschreibende, oft faͤlschlich mit zu den Eihaͤuten gerechnete Flockenhaut (Tunica decidua vera Hunteri) an der innern Flaͤche der Gebaͤrmutter eingreifen. — Auch diese Flocken an der Ober- flaͤche des Eies sind haͤufig als besondere Membran beschrie- ben worden: Hunter Anatomia uteri hum. gravid. T. XXXIV. p. VII. nannte sie Tunica decidua re- flexa, weil er sich vorstellt, es werde das Ei in die Flo- ckenhaut des Uterus hinein gebracht, und umgebe sich daher bey seinem Groͤßerwerden mit einer Ausdehnung der inner- sten Lage derselben. H. Osiander Handb. d. Entbindun g sk. II. Thl. S. 488. 489. unterscheidet in die- ser Schicht zwei Membranen, von welchen er die aͤußere Membrana ovi cribrosa, siebfoͤrmige Eihaut, die innere Membrana ovi crassa, dicke Eihaut nennt. Andere un- terscheiden diese Lage durch den Namen der flockigen Leder- haut (Chorion frondosum) von der eigentlichen Lederhaut (Membrana vasculosa). §. 686. Ich glaube diese Schicht, wie schon oben bemerkt wor- den ist, nur als eine Flockenlage der Lederhaut selbst betrachten zu duͤrfen, und moͤchte sie daher eben so wenig fuͤr eine besondere Haut erklaͤren, als ein dichtes Haar auf der Oberhaut selbst fuͤr eine Haut erklaͤrt werden koͤnnte. §. 687. Die mit den Saugfasern dicht und rundum besetzte Lederhaut bildet also die aͤußerste Huͤlle des einmonatlichen Eies. Haut und Flocken sind von weißer Farbe da die Frucht uͤberhaupt noch kein rothes Blut enthaͤlt, und wird nun die Lederhaut geoͤffnet, so zeigt sich eine kleine außeror- dentlich zarte, der Spinnewebenhaut des Gehirns vergleich- bare Huͤlle, das Ammion , welches den ungefaͤhr ¼ bis ⅓ Zoll langen Embryo umschließt. Dieser selbst scheint aus zwei durchscheinenden Blaͤschen zu bestehen, und liegt gleich einer gekruͤmmten Made an der innern Flaͤche des Eies dergestalt an, daß diejenige Anschwellung, welche Rumpf wird, durch eine trichterfoͤrmige Zuspitzung, welche spaͤterhin Nabelstrang wird, in die Eihaut uͤbergeht. §. 688. Da wo dieser sich bildende Nabelstrang in die Eihaͤute sich einsenkt, wird um das Ende des ersten Monats ge- woͤhnlich noch sehr deutlich das Nabelblaͤschen bemerkt, obwohl allerdings, da seine Funktion hoͤchst wahrscheinlich im menschli- chen Embryo sich nur auf die fruͤhesten Tage der Schwanger- schaft bezieht (s. §. 673.), es zuweilen auch zur genannten Zeit schon obliterirt seyn kann, wodurch man aber keinesweges berechtigt wird, das Vorhandenseyn dieses Bildungsorgans uͤberhaupt zu laͤugnen H. Osiander betrachtet das Nabelblaͤschen im Menschen, wo er es findet, immer als krankhafte Bildung (Handbuch d. Entbin- dungsk. II. Thl. S. 503. und an vielen andern Stellen.) §. 689. Zweiter Monat . Das Ei waͤchst hier bis zur Groͤße eines Gaͤnseeies an, welchem es jetzt auch der Gestalt nach (indem es die sphaͤrische Form verliert) aͤhnlich ist, sein Um- fang verhaͤlt sich hinsichtlich der Saugfasern noch ziemlich wie im ersten Monat, nur fangen an der Stelle, wo zuerst das Ei sich angeheftet hatte bereits die Flocken an etwas dichter und groͤßer zu werden, indem sich hier mehrere Ge- faͤße verzweigen, und uͤberhaupt durch die groͤßere Ent- wickelung des Gefaͤßsystems rothes Blut zuerst sichtbar wird. §. 690. Wird die Lederhaut geoͤffnet so erscheint das Amnion noch ziemlich auf gleiche Weise wie im vorigen Monat, doch mittelst eines weitern Raumes von der Lederhaut getrennt. Dieser Raum ist es nun, welcher bey mehrern Thieren sehr deutlich durch die Allantois ausgefuͤllt wird, entweder, so daß man sie wirklich als eine große, freie, laͤngliche, (Wurst- foͤrmige, daher ihr Name), aͤußerst duͤnnhaͤutige und gefaͤßlose Blase erblickt (wie bei den Wiederkaͤuern und im Schwein) oder indem sie der innern Flaͤche des Chorions und der aͤußern des Amnions so fest angefuͤgt ist, daß man sie als besondere Blase nicht wohl darstellen kann (wie bei dem Pferde und Hunde). §. 691. Auf letztere Weise darf man annehmen, daß sich wahr- scheinlich auch die Allantois im Menschen verhalte (s. T. II. fig. IV. ), obwohl es nicht unmoͤglich waͤre, daß hier, wo der Urachus so zeitig verwaͤchst, auch vielleicht die Allantois nicht zu ihrem voͤlligen Wachsthum gelangte, und gleich der Vesicula umbilicalis voͤllig obliterirte, so daß nur die zwischen Amnion und Chorion sich sammelnde, dem Liquor allantoidis gleich stehende Fluͤssigkeit noch ihre Stelle bezeichnete. — Es kann hieruͤber nur durch eine lange Reihe noch aufzustellender Beob- achtungen entschieden werden, obwohl nicht zu uͤbersehen ist, daß man auch in menschlichen Eiern haͤufig eine zwischen Am- nion und Chorion liegende mittlere Haut Membrana media Hobokenii Ioh. Samuel de ovorum mammalium velamentis. Wirzb. 1808. p. 32. beobachtet hat, welche wohl kaum eine andere Bedeutung als die der Harnhaut haben kann. §. 692. Das Nabelblaͤschen selbst wird auch in diesem Monate ge- woͤhnlich noch angetroffen, und liegt dann meistens als ein erbsengroßes Blaͤschen neben der Einsenkung des Nabelstranges außerhalb des Amnions. — Das Amnion selbst enthaͤlt in dem voͤllig klaren Fruchtwasser den Embryo, welcher nun schon auf die Laͤnge eines Zolles angewachsen ist (nach Haller hat sich der Embryo im zweiten Monate gegen den ersten um das achtundvierzigfache Ueber die Gruͤnde, nach welchen diese außerordentliche Thaͤtigkeit der Reproduktion zu erklaͤren seyn duͤrfte, s. meinen Aufsatz uͤber Reproduktion u. s. w. in Meckels Archiv f. Physiologie II. Bd. II. Heft. vergroͤßert) und sich in aller Hinsicht voll- kommner ausgebildet zeigt. — Der Kopf ist im Verhaͤltniß zum ganzen Embryo sehr groß, die Augen stellen zwei dunkelfarbige nicht voͤllig (wegen der Irisspalte) geschlossene Kreise dar, Mund, Nasenloͤcher, Ohren sind angedeutet. Vom Rumpf, welcher fast ganz (ungefaͤhr wie im Fisch) Bauchhoͤhle ist, entspringt der kurze dicke Nabelstrang, in welchem noch ein Theil der Windungen des Darmkanals bemerklich ist, und welchem außer- dem uͤberhaupt jetzt noch folgende Theile enthaͤlt: zwei Nabel- arterien, eine Nabelvene, einen Urachus, eine Nabelblasen- Arterie und Vene (Vasa omphalomeseraica) , und vielleicht noch einen Verbindungskanal zwischen Darmkanal und Nabel- blase (Ductus vitello-intestinalis) als dessen Rudiment von Oken der Processus vermiformis betrachtet wird, dahinge- gen von Meckel und Andern die zuweilen vorkommenden Diver- tikel des Darmkanals als solche Rudimente angesehen werden. §. 693. Die Extremitaͤten des zweimonatlichen Embryo sind noch aͤußerst kurz, Haͤnde und Fuͤße liegen noch als platte flos- senartige Koͤrperchen zu beiden Seiten an dem gekruͤmmten Rumpfe, an welchem der Unterschied des Geschlechts uͤbrigens bereits durch die bei weiblichen Embryonen groͤßere Staͤrke des Unterleibes, bei maͤnnlichen Embryonen groͤßere Ausbildung des Thorax bestimmter ausgedruͤckt ist, als durch die jetzt noch aͤußerst undeutlichen Geschlechtstheile. — Die Substanz des Embryo ist noch gallertartig, die Verknoͤcherung hat in der er- sten Haͤlfte dieses Monats noch nicht begonnen, und erst in der siebenten Woche fangen in den Schluͤsselbeinen an die ersten Ossifi- kationspunkte sich zu zeigen. Die Richtung des Embryo ist aber bei regelmaͤßiger Anheftung des Eies fast immer mit dem Kopfe ab- waͤrts, welches keinesweges (da es auch bei den horizontal gestellten Saͤugethieren vorkommt) der Schwere allein zuzuschreiben ist, sondern welches aus demselben Grunde erfolgt, als das Auf- steigen des Pflanzenstengels von dem Boden. — Indem naͤmlich der muͤtterliche Koͤrper eben so zum Embryo sich verhaͤlt, wie die Pflanze zur Erde, so muß auch der Embryo in dem Uterus, mit der aus der Beckengegend hervortretenden Nabelschnur, wur- zeln, und den Kopf (die Bluͤthe seiner Organisation) von diesem Boden aufwaͤrts erheben, wobei allerdings seine Richtung in entgegengesetzter Richtung mit der Gravitationslinie des muͤt- terlichen Koͤrpers stehen wird. II. Theil. 3 §. 694. Dritter Monat . Auch hier schreitet das Wachsthum des Eies noch mit außerordentlicher Raschheit vorwaͤrts und der Embryo vergroͤßert sich, nach Haller , noch um das funf- zehnfache, welches indeß doch bereits gegen das Wachsthum im zweiten Monate bedeutend zuruͤcksteht; und so sieht man es nun in der folgenden Zeit bis zur Geburt, und dann bis zur Entwickelung der Pubertaͤt immer in verminderter Pro- gression sich fortsetzen, bis es endlich auf der letztern Stufe zum vollkommnen Stillstande gelangt, und das weitere Ver- groͤßern des Koͤrpers voͤllig aufhoͤrt, wodurch der Mensch und die meisten Saͤugethiere und Voͤgel sich von den kaltbluͤtigen Wirbelthieren auszeichnen, welche letztere allerdings zeitlebens fortzuwachsen scheinen. §. 695. Das Ei wird in diesem Monat ungefaͤhr 3½ Zoll lang, an dem obern stumpfen Ende werden die Flocken immer laͤn- ger und dichter, indem sich die Gefaͤße des Nabelstranges hier mehr und mehr verzweigen, und so den sich bildenden Mutterkuchen immer bestimmter andeuten. Ueber die Endi- gung dieser Gefaͤße selbst, hat man verschiedene Meinungen aufgestellt; fruͤher glaubte man, daß sie unmittelbar in die Gefaͤße des Uterus uͤbergingen, und rothes Blut von daher aufnaͤhmen. Diese Annahme stellte sich indeß bey naͤhern Unter- suchungen bald als unrichtig dar, und wird durch die ver- schiedene Beschaffenheit des Blutes, so wie durch die Bei- spiele von Saͤugethieren, wo sich gar keine Placenta bildet, und Chorion und Uterus nur locker aneinander kleben (wie beim Pferd), und endlich durch die Beruͤcksichtigung der Fetusentwickelung im Ei der eierlegenden Thiere (wo ohne daß Blut urspruͤnglich im Ei vorhanden ist, dieses durch den Fetus allein bereitet wird) hinlaͤnglich widerlegt. §. 696. Es fragt sich also vorzuͤglich ob, und auf welche Weise diese Gefaͤße ohne unmittelbare Anastomose demungeachtet Stoffe vom Uterus aufnehmen? — Nun ist aber schon daraus, daß, wie wir bemerkt haben, die Flocken am Ei fruͤher existiren, als die Gefaͤße im Ei , klar, daß die Gefaͤße nicht selbst die Flocken bilden, dagegen ist es hoͤchst wahrscheinlich und auch im dreimonatlichen Ei ziemlich deutlich nachzuwei- sen, daß neben den Gefaͤßen der Frucht an ihren feinsten Enden, da wo sie in die Fasern der Lederhaut sich verlieren, stets kleine Knoͤtchen (Bulbi) vorhanden sind (welche nicht selten in wirkliche groͤßere Blasen z. B. bei Traubenmolen, uͤbergehen) so daß die Gefaͤße wohl durch diese Bulbos theils vielleicht wirklichen Chylus, theils eine oxydirte Lymphe (um sie mit dem Blute zu mischen) aufzusaugen im Stande sind Ocken (s. Lucina v. Siebold III. Bd. S. 295.) vergleicht diese Bulbos auch den Darmzotten, glaubt aber, daß sie blos den Chylus ins Amnion fuͤhren. , wobei ohne Zweifel auch die Struktur der mit vielen Klap- pen versehenen Venen des Mutterkuchens ihnen zu Statten kommen muß Man hat allerdings oͤfters das Daseyn von lymphatischen Gefaͤßen im Nabelstrange, dem Mutterkuchen und den Eihaͤuten vermuthet, allein nie dieselben wirklich nachweisen koͤnnen. . (Vergl. §. 679—681.) §. 697. Im Innern des Eies sind Chorion und Amnion noch immer getrennt, das Nabelblaͤschen ist verschwunden, so wie die Vasa omphalomeseraica; der Urachus ist geschlossen, der Nabelstrang laͤnger, im Verhaͤltniß zum Embryo duͤnner und gewunden Der Embryo selbst wird gegen Ende die- ses Monats uͤber 3 Zoll lang, der Kopf ist noch immer von einer zu den uͤbrigen Partien unverhaͤltnißmaͤßigen Groͤße, seine Theile aber sind mehr entwickelt, die Augen zeigen deutliche obwohl geschlossene Augenlider, welcher (bei meh- reren Saͤugethieren auch nach der Geburt fortdauernden) aͤus- sern Verschließung, die der Pupille durch die Membrana pupillaris entspricht; das aͤußere Ohr beginnt gebildet zu werden, und die Nase faͤngt an sich zu erheben. §. 698. An dem durch einen schon deutlich zu erkennenden Hals von dem Kopfe geschiedenen Rumpfe wird die Insertions- stelle des Nabelstranges, da alle Windungen des Darmka- nals nun in die Bauchhoͤhle zuruͤck gedraͤngt sind, enger ge- funden; die Geschlechtstheile sind haͤufig auch jetzt, bei blos aͤußerer Untersuchung noch nicht deutlich zu unterscheiden. — die Gliedmaßen sind laͤnger, die Haͤnde breit, die Finger kurz wie die Zehen, die Naͤgel blos Haͤutchen. Die obern Gliedmaßen haͤngen uͤbrigens am Leibe herab, die untern Gliedmaßen hingegen sind an den Unterleib gezogen. — Die Substanz des Embryonenkoͤrpers uͤberhaupt endlich ist noch mehr gallertartig, und die groͤßern Gefaͤße lassen sich im frischen Zustande sehr gut durch die noch sehr schleimige Haut hindurch wahrnehmen. Die Verknoͤcherung geht in die- sem Monate sehr rasch vorwaͤrts, so daß nach Senff De incremento ossium embryonum Hal. 1802. p. 14. in der zwoͤlften Woche außer den fruͤher schon gebildeten cy- lindrischen Knochen, den Rippen-, Stirn-, Joch-, Keil- Darmbeinknochen u. s. w. nun auch die Scheitel-, Nasen-, Gaumen-, Mittelhand- und Mittelfußknochen, so wie die dritte Phalanx der Finger- und Zehenknochen sichtbar werden. Zweite Periode . §. 699. Von dem Beginnen des vierten Monats an finden wir nun gewoͤhnlich am menschlichen Ei den fuͤr das Leben der Frucht in den drei letzten Perioden ihres Verweilens im Uterus so wichtigen Mutterkuchen entwickelt, und die da- durch in mehrerer Hinsicht etwas umgeaͤnderten Verhaͤltnisse der Frucht machen noch einige vorlaͤufige Bemerkungen noͤthig. §. 700. Der Mutterkuchen naͤmlich (Placenta, Mamma uterina, Pulmo vicarius) entsteht aus den dichter und mehrfach verwobenen Gefaͤßzweigen des Nabelstranges, und es giebt an demselben also keinen wahren Unterschied zwischen Placenta fetalis und Placenta uterina, zwischen kindlichem und muͤtterlichem Theil, sondern die ganze Placenta gehoͤrt dem Kinde, ist Placenta fetalis, indem als Placenta uterina im Menschen nichts als die spaͤter zu betrachtende sogenannte Tunica decidua selbst angesehen werden kann. §. 701. In demselben Maaße, als die Placenta sich an dem Chorion mehr ausbildet, wird der innere Theil des Cho- rions immer glaͤtter, heißt nun Chorion laeve s. pelluci- dum, und klebt nur durch kurze Flocken der hinfaͤlligen Haut der innern Gebaͤrmutterflaͤche locker an. In dieser ganzen Periode uͤbrigens, und selbst noch in der folgenden dritten, ist immer das Gewebe des Mutterkuchens noch nicht so dicht als spaͤterhin, und seine aͤußere immer noch sehr faserige, oft in mehrere Abtheilungen (Kotyledonen) getrennte Flaͤche laͤßt sich daher vom Uterus schwerer und unvollkommner abloͤsen, als in den spaͤtern Monaten. — Schon fruͤher haben wir nun zwar bemerkt, daß eben so wie im menschlichen Ei, die bei eierlegenden Thieren dem Dottersacke uͤberlassene Ernaͤh- rung, nach obliterirtem Nabelblaͤschen der aͤußern Eiflaͤche, d. i. den Saugfasern und darmzottenaͤhnlichen Bulbis der Lederhaut Bei denen es nur noch nicht mit voͤlliger Bestimmtheit zu ent- scheiden ist, ob sie ihren Chylus in die Nabelvenen oder ins Amnion und Fruchtwasser fuͤhren. anheim falle, daß eben so die fruͤhere und im Vogelembryo stets der Allantois eigene Athmungsfunktion, den im Chorion verzweigten Gefaͤßen uͤbertragen werde, allein da man noch so haͤufig sich gegen diese Bedeutung der Le- derhautgefaͤße und der aus ihnen gebildeten Placenta sich er- klaͤrt, so wird es hier noͤthig die Gruͤnde fuͤr die Athmungs- funktion der Placenta noch einmal zusammen zu stellen Man s. hieruͤber Oken’s Abhandlung im III. Bde. der Lucina S. 295. . §. 702. Es sind folgende: 1) Der Fetus stirbt schnell, wenn der Kreislauf durch den Nabelstrang auf irgend eine Weise z. B. durch Druck, festangezogene Knoten u. s. w. gehemmt wird, bevor die Lungenfunktion begonnen hat. Erhielte nun der Fetus auf diesem Wege blos Nahrungssaft, so waͤre dieses namentlich unter dem Geburtsgeschaͤft selbst bemerkbare schnelle Absterben (z. B. bei Fußgeburten, wo der Nabelstrang, be- vor das Kind wirklich athmen kann, zwischen Kopf und Becken gepreßt wird) keinesweges erklaͤrlich, da der große Kreislauf im Kindeskoͤrper doch allerdings auch ohne jenen Nebenkreislauf fortgehen koͤnnte; es zeigt sich also die Wir- kung dieses Drucks eben so, wie die eines Druckes auf die Luftroͤhre des gebornen Kindes. — 2) Die Analogie mit der Organisation des Fetus bei den Voͤgeln und Amphibien. — Im Vogelembryo z. B. ist es ganz unlaͤugbar, daß die Ei- huͤllen athmen, ein geoͤffnetes bebruͤtetes Ei zeigt das schoͤnste Schauspiel eines Netzes von scharlachrothen Venen und dun- kelfarbigen Arterien, auch stirbt ein solches Ei sogleich, so- bald man die Schale mit Firniß uͤberzieht und so den Zu- tritt der Luft zu den Eihuͤllen unmoͤglich macht. Eben so ist es im Eidechsenei, und bei Froͤschen und Salamandern, wo solche Gefaͤßreiche Eihaͤute fehlen, findet man dagegen am Embryo wahre Kiemen wie bei den Fischen. §. 703. 3. Athmung, d. i. Wechselwirkung des thierischen Orga- nismus mit der Atmosphaͤre entweder mittelbar oder unmittel- bar, fehlt selbst in den Thieren nicht, wo wir noch beson- dere Athmungswerkzeuge nicht nachweisen koͤnnen, wo aber irgend die Organisation in sich hoͤher entwickelt ist, da sind auch besondere Athmungswerkzeuge durchgaͤngig entwickelt. Gegen diese allgemeine Ordnung aber wuͤrde es allerdings streiten, wenn in dem so vollkommen organisirten Fetus des Menschen diese Funktion noch gaͤnzlich mangeln sollte, nicht zu gedenken, daß es ein großer Sprung waͤre, (wie er nir- gends im natuͤrlichen Gange des thierischen Lebens vorkommt) wenn diese große Funktion erst bei der Geburt mit einem Schlage eintreten, und nicht durch einen vorhergehenden, wenn auch verschiedenartigen Proceß eingeleitet seyn sollte. 4) Ist denn wohl uͤberhaupt eine Blutbereitung (Sangui- ficatio) ohne Athmung denkbar? — Alle Physiologie streitet dawider, und im Fetus der Saͤugthiere allein sollte dieß demungeachtet Statt finden? — §. 704. 5) Spricht selbst die Art des Wachsthums im Embryo dafuͤr; wir koͤnnen naͤmlich bemerken, wie namentlich die obere Koͤrperhaͤlfte und insbesondere der Kopf sehr fruͤh und vollkommen sich ausbildet, und duͤrfen wohl annehmen, daß eine raschere und hoͤhere Ausbildung namentlich durch ein wahrhaft arterielles d. i. oxydirtes Blut befoͤrdert werden koͤnne. Nun ist aber die Richtung des Kreislaufs im Fetus allerdings so, daß das Blut der Nabelvene vorzuͤglich gegen den Kopf stroͤmt, indem die aufsteigende Hohlader (Vena cava inferior) urspruͤnglich als ein fortlaufender Kanal ge- rade in die linke Vorkammer uͤbergeht Zuerst naͤmlich existirt nur linke Vorkammer und Kammer und spaͤterhin bildet sich erst das rechte Herz an. Daher ist das was spaͤterhin foramen ovale wird, anfaͤnglich ein Kanal. , ihr Blut also gerade zu den Karotiden und Axillararterien aufgetrieben wird, dahingegen in die absteigende Aorta das venoͤse Blut aus dem rechten Herzen (von der Vena cava superior ) durch den Ductus arteriosus Botalli hinzu tritt, so daß also, wenn das am meisten oxydirte Blut uͤberhaupt aus der Vena umbilicalis kommt, das Blut der Karotiden nothwendig weit staͤrker, als das Blut der absteigenden Aorta oxydirt seyn muß, weshalb denn offenbar auch das Blut dieser letz- tern sogleich wieder durch die Nabelschlagadern zu dem Mut- terkuchen gefuͤhrt wird um einer erneuten Oxydation ausgesetzt zu werden. §. 705. 6. Muß es wohl als Beweiß fuͤr die Gleichartigkeit der Lungen- und Placentenfunktion gelten, wenn man beide so regelmaͤßig alterniren sieht, wie man dieß bei Saͤugthier- embryonen leicht kann, und ich es namentlich bei Kaninchen- fetus beobachtet habe. Nimmt man naͤmlich ein solches bald reifes Junges nebst den Eifuͤllen, durch den Schnitt, aus dem Leibe des eben getoͤdteten traͤchtigen Thieres, so wird man finden, daß nach geoͤffneten Eihuͤllen das Junge zu athmen beginnt, und der Blutlauf im Nabelstrange aufhoͤrt, so daß man diesen durchschnei- den kann, ohne daß viel Blut ausfließt. — Taucht man aber das Junge nun unter erwaͤrmtes Wasser, so wird in dem Mo- ment als das Athemholen gehemmt wird, die Ergießung des Blu- tes aus dem durchschnittenen Nabelstrange von neuem beginnen, und nur aufhoͤren, wenn man das Thier wieder an die Luft bringt, so daß der kleine Kreislauf in den Lungen wieder in Thaͤ- tigkeit treten kann. §. 706. 7. Endlich kann man auch an dem frisch unterbundenen Na- belstrange eines neugebornen Kindes bei Oeffnung einer Nabel- arterie und einer Nabelvene allerdings zuweilen wahrnehmen, daß das Blut der erstern etwas dunkler, als das der letztern sey, und wenn dieser Unterschied nicht bedeutend ist Es ist sicher zu weit gegangen, wenn man mit H. Osiander diesen Unterschied ganz laͤugnet. , so muß man erwaͤgen, daß auch sicher der Mutterkuchen so wenig als die Fischkieme ein so vollkommnes Athmungsorgan als die Lunge seyn kann, und selbst im neugebornen Kinde der Unterschied zwischen Venen- und Arterienblut, verglichen mit dem Unterschiede wie er im Erwachsenen erscheint, fast gleich 0 ist. — Wir wenden uns jetzt zur weitern Betrach- tung der Beschaffenheit des Eies im vierten Monat nach seinen einzelnen Theilen. §. 707. Oeffnet man aber das Chorion, so findet sich auch jetzt noch gewoͤhnlich dieses vom Amnion durch eine mit falschem Wasser Es erhaͤlt diesen Namen deshalb, weil sein Abfließen unter der Geburt zuweilen Veranlassung geben kann, dasselbe fuͤr das eigent- iche Fruchr- oder Schafwasser zu halten. gefuͤllte Hoͤhle getrennt. Im Amnion ist die Menge des Fruchtwassers im Verhaͤltniß zum Fetus noch sehr groß, der Nabelstrang ist schon gegen 5 bis 6 Zoll lang, und es ist wahrscheinlich daß die wahren Knoten, die sich in demselben zuweilen bilden, in diesem Monate entstehen, indem derselbe sich um Theile des Kindes schlingt, diese Theile dann aus der Schlinge sich ziehen, und nun der Knoten sich zuzieht. §. 708. Der Fetus selbst ist 5 bis 6 Zoll lang, heißt jetzt un- zeitiges Kind , sein Koͤrper ist vollkommner geworden, doch immer noch die Haut sehr weich und durchscheinend, daher uͤberall geroͤthet, und feine Haare zeigen sich auf derselben. Der Kopf ist noch immer sehr groß, die Augen sind noch geschlossen, Nase, Ohren, Lippen sind mehr entwickelt. Am Rumpfe uͤberwiegt immer noch der Unterleib bedeutend, die Geschlechtstheile sind deutlicher, der Penis ist noch nicht von der Vorhaut bedeckt, Scrotum und Raphe sind kenntlich, die Klitoris ragt noch hervor, die Schamlefzen entwickeln sich. Die Gliedmaßen bilden sich mehr aus. §. 709. Fuͤnfter Monat . Das Ei wird jetzt in seiner Form mehr durch den Fetus, welcher von den Haͤuten dichter um- schlossen wird, bestimmt; liegt dieser daher regelmaͤßig mit dem Kopfe abwaͤrts, so behaͤlt das Ei die nach unten etwas zugespitzte Form, bei Querlagen hingegen wird es ebenfalls mehr quer gezogen. Die Laͤnge des Eies betraͤgt 5 bis 6 Zoll, der Mutterkuchen ist dichter und mißt ungefaͤhr 4 Zoll in der Breite, die Haͤute sind wie im vorigen Monat. — Der Fetus ist jetzt gegen 9 bis 11 Zoll lang und wiegt 6 bis 10 Unzen; seine Bildung wird immer vollkommner, die Haut ist roth, mit Wollhaar (Lanugo) besetzt, der Kopf und die Glieder sind mehr ausgebildet, die Muskeln erhalten mehr Kraft, und die Mutter fuͤhlt deshalb um die achtzehnte, neunzehute oder zwanzigste Woche die ersten Bewegungen des Kindes . Wird ein solches Kind geboren, so schnappt es wohl einige Minuten lang nach Luft, stirbt aber sehr bald. Dritte Periode . §. 710. Sechster Monat . Ohne daß in den einzelnen Thei- len der Frucht hier besondere Veraͤnderungen aufzufuͤhren waͤ- ren, bemerken wir nur, daß sie im Ganzen sich immer mehr, wenn auch nicht in so raschem Fortschreiten als in den ersten Monaten ausbilde. Der Fetus erreicht hier 12 bis 14 Zoll Laͤnge und gegen ein Pfund Schwere. Der Kopf ist im Verhaͤltniß der uͤbrigen Theile nicht mehr ganz so un- foͤrmlich groß, Augenlider und Pupille aber immer noch ge- schlossen. Die Koͤrperoberflaͤche ist noch sehr roth, die Haut, wegen noch mangelndem Fett, noch etwas faltig und mit feinem Haar bedeckt, die Naͤgel sind mehr ausgebildet, ob- wohl noch weich. Die Hoden ruͤcken beim maͤnnlichen Em- bryo schon den Bauchringen naͤher, im weiblichen Embryo sind die Schamlefzen mehr entwickelt, jedoch immer noch die kleinern so wie die Klitoris staͤrker hervorragend. Des Frucht- wassers ist verhaͤltnißmaͤßig weniger, das falsche Wasser ist oft schon ganz verschwunden, der Nabelstrang gleicht an Laͤnge dem Kinde, hat aber schon ziemlich seine voͤllige Dicke. — Kinder in diesem Monate geboren leben zuweilen allerdings schon eine Reihe von mehrern Stunden, koͤnnen aber nicht fortleben. §. 711. Siebenter Monat . Der Fetus wird jetzt in seinem Aeußern immer mehr dem Aussehen des reifen Kindes ge- naͤhert, die Laͤnge betraͤgt bis 16 Zoll, das Gewicht 2 bis 2½ Pfund. Die Hoden, namentlich der linke, ruͤcken jetzt durch den Bauchring hervor, die Augenlider fangen an sich zu oͤffnen, die ersten Kopfhaare zeigen sich, und die Lanugo ist dichter und laͤnger. Der Kopf selbst senkt sich jetzt be- stimmter gegen das kleine Becken herab, und wird dem un- tersuchenden Finger fuͤhlbar, obwohl man dieß Herabsenken nicht im Sinn der aͤltern Geburtshelfer nehmen darf, welche glaubten, daß das Kind bis in die letzte Zeit der Schwan- gerschaft aufrecht im Uterus sitze, und nun erst ploͤtzlich sich umkehre oder stuͤrze, von welchem Stuͤrzen (Culbute) man so manche Beschwerden der Schwangern abzuleiten wußte Zu dem Glauben an dieses Stuͤrzen scheint vorzuͤglich das aller- dings richtige und merkwuͤrdige Faktum veranlaßt zu haben, daß die meisten unzeitigen Geburten als Steis- oder Fußgeburten ver- laufen. Allein es fragt sich, ob nicht vielmehr anzunehmen ist, daß regelwidrig liegende Fruͤchte leichter zu zeitig ausgestoßen werden? . Wird das Kind im siebenten Monate geboren, so lebt es zwar zuweilen nicht nur einige Stunden, sondern selbst Tage lang, kann aber demungeachtet schwerlich je erhalten werden. Vierte Periode . §. 712. In dieser erscheint nun das Kind so weit entwickelt, daß es, ohne der aͤußern Bildungsorgane (Eihuͤllen und Mutterkuchen) noch des muͤtterlichen Koͤrpers unumgaͤnglich nothwendig zu be- duͤrfen, fuͤr sich fortzuleben im Stande ist, obwohl bis zur acht- unddreißigsten Woche ( als fruͤhzeitiges Kind ) nur durch besondere Pflege und Muͤhe, nach dieser Woche aber als aus- getragenes oder zeitiges, reifes Kind. §. 713. Achter Monat . Das Ei hat hier gegen 9 Zoll Laͤnge, der Mutterkuchen ist dicht und dick, das Chorion pellucidum fast voͤllig glatt, das falsche Wasser ist meistens verschwunden, und Chorion und Amnion beginnen mit einander zu verwach- sen. Der Fetus mißt gegen 16½ Zoll, wird betraͤchtlich staͤrker und wiegt zwischen 3 und 4 Pfund. Die Haut ist jetzt am reichlichsten mit dem weichen glaͤnzenden Wollhaar bedeckt, die Naͤgel sind mehr ausgebildet, aber noch sehr weich, eben so die Kopfknochen, welche noch in den Naͤthen ziemlich auseinander stehen. Die Augenlider sind jetzt ge- oͤffnet. Bei Knaben liegt der linke, zuweilen auch schon der rechte Hode in dem mehr faltig gewordenen Hodensacke. — Ein in diesem Monate gebornes Kind schlaͤft sehr viel, hat eine sehr schwache Stimme, saugt nicht, und erzeugt so geringe Waͤrme, daß es der groͤßten Aufmerksamkeit und Pflege bedarf um nicht zu erkalten und uͤberhaupt fortzule- ben, welches indeß zu bewirken doch nicht allzuselten gelun- gen ist. §. 714. Neunter Monat . Immer vollkommner wird die Ge- sammtbildung des Fetus, dahingegen von den aͤußern Bil- dungsorganen desselben nun schon mehrere voͤllig verschwunden sind, und durch das immer vollkommnere Verlieren selbst der zottigen Oberflaͤche am Chorion und an der schon sehr ver- dichteten Placenta auch die aufsaugende Funktion dieser Theile immer mehr zu erloͤschen scheint. Das Kind wird hier ge- gen 17 Zoll lang und uͤber 5 Pfund schwer, die Wollhaare fangen sich an etwas zu verlieren, an den Augenbraunen und Augenlidern kommen staͤrkere Haare zum Vorschein, auch Kopfhaare bilden sich, indem zugleich die Kopfknochen fester werden, und die Fontanellen (namentlich die Seitenfonta- nellen und die Hinterhauptsfontauelle, sich zu schließen an- fangen. Im Auge verschwindet nun die Pupillarmem- bran. — Man will mehrmals bemerkt haben, daß Kinder in diesem Monate geboren schwerer noch erhalten werden koͤn- nen, als die von acht Monaten. — Sie schlafen noch immer sehr viel, koͤnnen sich durch Saugen noch nicht ernaͤh- ren, und zeigen einen sehr geringen Waͤrmegrad. §. 715. Zehnter Monat . Hier ist es also, wo der Fetus nun zu vollkommner Reife, d. i. zu einem Grade von Ausbil- dung gelangt, wo er selbststaͤndig, ohne aͤußere Bildungsor- gane und ohne den Einfluß des Uterus fortwachsen kann. Ebendadurch aber wird die Frucht dem Uterus fremder, und man sieht deutlich (worauf man bisher gar nicht geachtet hat) an der aͤußern Flaͤche der Placenta ein duͤnnes aus Zell- stoff gebildetes gefaͤßloses Haͤutchen entstehen, welches die fruͤher hervorragenden und freien Gefaͤßflocken und Saugfasern uͤber- zieht, und somit die beginnende Trennung zwischen Frucht und Uterus vorbereitet. — Dieses Haͤutchen ist offen- bar fuͤr die unter der Geburt erfolgende Tren- nung der Placenta von großer Wichtigkeit , und bei jeder vollstaͤndig abgegangenen reifen Placenta trifft man es daher in gaͤnzlicher Integritaͤt, so daß man es von der Oberflaͤche leicht abpraͤpariren, und dann die Gefaͤßflocken selbst wahrnehmen kann. §. 715. Die Groͤße des Eies betraͤgt jetzt gegen 11 Zoll in der Laͤnge und 7 Zoll in der Breite. Das Chorion pellucidum ist noch mit sehr kurzen Saugfasern besetzt und mit kleinen Blut- gefaͤßen durchwoben, auch verwaͤchst es nunmehr groͤßtentheils vollstaͤndig mit dem Amnion. Der Nabelstrang ist durchgaͤngig gewunden Woher ruͤhrt wohl dieß Winden der Nabelschnur? bei Zwillingen in einer Hoͤhle fand man sogar beide Nabelschnuren zusammen ge- dreht . Hat etwa der menschliche Embryo eine gewisse rotirende Bewegung? — und 18 bis 24 Zoll lang, das Fruchtwasser hat jetzt eine etwas molkigte Beschaffenheit, und ist in der Menge von 4 bis 8 Unzen gewoͤhnlich noch vorhanden; zu- weilen bemerkt man auch, daß es einen zaͤhen, weißen Schleim auf der Oberhaut des Kindes absetzt (gleichsam als Nieder- schlag), welchen man Kaͤseschleim (Vernix caseosa) zu nennen pflegt, und welcher in Folge des aufgesaugten groͤßern Theils des Fruchtwassers sich zu bilden scheint. Der Mutterkuchen mißt jetzt gewoͤhnlich 6 bis 8 Zoll im Durchmesser, wiegt gegen oder etwas uͤber ein Pfund, und zeigt der Regel nach den Na- belstrang in der Mitte eingesenkt. §. 717. Das Kind selbst ist als ausgetragenes Kind in der neunund- dreißigsten oder vierzigsten Schwangerschaftswoche 18 bis 20 Zoll lang und 6½ bis 7 oder 8 Pfund schwer; die Kopfknochen sind ziemlich fest, lassen sich jedoch in der Pfeil- und Hinter- hauptsnath noch etwas uͤbereinander schieben, die große Fonta- nelle hat in groͤßter Breite gegen einen Zoll, und zeigt den Un- terschied zwischen dem spitzigen nach der Stirnnath, und dem stumpfen gegen die Pfeilnath gerichteten Winkel (wel- cher Unterschied fuͤr Erkenntniß der Kopfstellung im Be- cken wichtig ist) sehr deutlich; die kleine Fontanelle ist fast ganz geschlossen, und stellt sich nur als Spitze des Dreiecks der Hinterhauptsnath dar. Kopfhaare sind nun groͤßtentheils, doch fast durchgaͤngig von dunkler Farbe, entwickelt; sie fallen jedoch, so wie das nunmehr schon groͤßtentheils verschwundene Wollhaar, wieder aus, um andern Platz zu machen. §. 718. Gesichtstheile, Rumpf und Gliedmaßen sind nun gehoͤrig ausgebildet, die Naͤgel fester und groͤßer, die Haut von ge- woͤhnlicher Farbe und da, wo sie am Nabel mit der vom Am- nion sich fortsetzenden Scheide des Nabelstranges graͤnzt, zeigt sich ein hochrothes Raͤndchen, welches auf die hier groͤßere Ge- faͤßthaͤtigkeit (um den Nabelstrang, fast gleich einem brandigen Theil vom gesunden nach der Geburt abzustoßen) hindeutet. Die Geschlechtstheile des Knaben zeichnen sich jetzt aus durch ein stark gerunzeltes Scrotum, in welchem beide Hoden liegen, und die vollkommen durch die Vorhaut bedeckte Eichel. Bei Maͤd- chen sind die Labia majora staͤrker, und bedecken die Nymphen und Clitoris beinahe. Geboren schlaͤft das Kind nicht mehr so viel, erzeugt mehr Waͤrme, schreit mit kraͤftiger Stimme, und das Saugen geht gut von Statten. — Alles Zeichen, wodurch, wenn man sie mit den in fruͤhern Paragraphen geschilderten Zustaͤnden des noch nicht ausgetragenen Kindes vergleicht, ein Unterscheiden des ausgetragenen von dem nicht ausgetragenen Kinde sehr leicht wird; obwohl man hierbei nie uͤbersehen darf, daß der Grad der Ernaͤhrungsthaͤtigkeit im Uterus sehr verschieden ist, und daher zuweilen ein schlecht genaͤhrtes ausgetragenes Kind, wenn man blos auf Laͤnge und Schwere Ruͤcksicht nehmen wollte, einem unausgetragenen Kinde allerdings aͤhnlich seyn muß. §. 719. Zum Behuf richtiger Einsicht in die Lehre von dem Durch- bewegen des Kindes durch das Becken, bleiben uͤbrigens noch mehrere Flaͤchen und Maaße des Kindeskoͤrpers zu beruͤcksichtigen uͤbrig, und vorzuͤglich muß in dieser Hinsicht der Kopf des Kin- des einer genauen Messung unterworfen werden. Wir unter- scheiden demnach am Kindeskopfe vier Durchmesser und sechs Flaͤchen . Die Durchmesser sind folgende: 1) Querdurchmesser , von einem Scheitelbeinhoͤcker (Tuber parietale) zum andern = 3½ Pariser Zoll. 2) Gerader Durchmesser , von der Nasenwurzel bis zur hintern Fonta- nelle = 4½ bis 4¾ Zoll; 3) senkrechter Durchmesser von der großen Fontanelle bis zum Hinterhauptsloche (Foramen magnum) = 3½ Zoll; Diagonal- oder groͤßter Durch- messer , von der Kinnspitze bis zur kleinen Fontanelle = 5 Zoll. §. 720. Die Kopfflaͤchen sind folgende: 1) Scheitelflaͤche . In ihre Mitte faͤllt die große Fontanelle nebst der Pfeilnath; sie ist vollkommen eifoͤrmig, nach hinten, im Hinterhaupte, nahe an ihrer breitesten Stelle, zugespitzt; nach vorn allmaͤh- lig schmaͤler werdend, aber in der Stirne ploͤtzlich breit abge- stumpft; ihrer Flaͤche nach mehr platt oder doch nur maͤßig ge- woͤlbt. In diese Flaͤche faͤllt der Quer- und gerade Durchmes- ser. 2) Hinterhauptsflaͤche ; sie ist rund im Umfange und kugelfoͤrmig erhaben, sie enthaͤlt die kleine Fontanelle auf ihrer Mitte, so wie als Maaße den Querdurchmesser und den senkrechten, welche von gleicher Groͤße sind. 3) Gesichts- flaͤche , gleicht ziemlich in ihrem Umfange der Hinterhaupts- flaͤche, und enthaͤlt wieder den senkrechten und Querdurchmesser, wird jedoch durch das kleine Kinn und durch die breite Stirne mehr eifoͤrmig und ist mehr abgeplattet und uneben. 4) Grund- flaͤche ; sie gleicht, bei voͤllig wagerechter Stellung des Kopfs, der Scheitelflaͤche, enthaͤlt den Quer- und geraden Durchmesser, ist jedoch platt, und kann bei sehr von der Brust aufgeho- benem Kinne, selbst den laͤngsten oder Diagonaldurchmesser mit in sich aufnehmen. 5) und 6) Die Seitenflaͤchen des Kopfs . Sie enthalten jede ein Ohr in ihrer Mitte, sind unregelmaͤßiger, vorn breiter hinten zugespitzter Gestalt, und nehmen den senkrechten, laͤngsten und geraden Durchmes- ser in sich auf. §. 721. Außerdem sind noch Schulter- und Huͤftengegend des Kindes fuͤr die Lehre von der Geburt wichtig. An der erstern messen wir die Breite, welche von einer Schulterecke zur andern 4 bis 4½ Zoll betraͤgt, an der letztern bemerken wir ebenfalls die Breite von einem großen Rollhuͤgel zum andern, welche 3 bis 3½ Zoll mißt, erwaͤhnen aber zugleich, daß bei heraufge- schlagenen Schenkeln, die Steisflaͤche des Kindes eine eifoͤrmige der Scheitelflaͤche aͤhnliche, durch Afteroͤffnung und Geschlechts- theile bezeichnete, fuͤr den Eintritt in das Becken ebenfalls voll- kommen geeignete Rundung ausmacht. — Alle in diesem und vorigem Paragraph genannten Flaͤchen uͤbrigens, so wie die saͤmmtlichen Koͤrperflaͤchen des Kindes, muͤssen, Behufs zweck- maͤßiger Huͤlfsleistung unter der Geburt, durch das Gefuͤhl des Geburtshelfers, so wie der Hebammen allein, hinlaͤnglich er- kannt werden koͤnnen, eine Fertigkeit, welche nur durch viel- fache Uebung und durch die lebhafte Vorstellung von dem Kno- chenbaue des Kindes erlangt werden kann. §. 722. Ruͤcksichtlich der Lage ( Situs ) des ausgetragenen Kindes bemerken wir, daß der Regel nach stets der Umfang des Kindes uͤberhaupt der Form des Uterus, und der nach unten liegende Kindestheil der obern Oeffnung des kleinen Beckens aͤhnlich seyn muͤsse, und somit folglich die Lage des Kindes mit seiner Laͤngen- achse in der Laͤngenachse des Uterus, oder in der Levret’schen Beckenachse, bedingt wird, wobei in der Regel der Kopf nach abwaͤrts, zuweilen aber auch der Steis nach abwaͤrts gerichtet seyn kann. Unter der normalen Stellung ( Habitus ) hin- gegen verstehen wir die den raͤumlichen Verhaͤltnissen im Uterus und Becken guͤnstigste Richtung des Kopfes und der Gliedmaßen, als welche wir die an den Leib gezogenen Knie, die gegen die Brust gelegten Haͤnde und Arme, so wie den auf die Brust ge- neigten Kopf anerkennen. Varietaͤten in der Bildung des Eies . §. 723. Hierher gehoͤrt 1) die Bildung der Frucht bei mehrfacher Schwangerschaft , bei Vorhandenseyn von II. Theil. 4 Zwilligen, Drillingen u. s. w. — Man hat sich hier die Bildung des Zwillingseies so zu denken, daß zwei Ei- blaͤschen von den Ovarien abgeloͤst, und in den Uterus ge- fuͤhrt worden seyen, dort nun aber jedes neben dem andern sich ganz so entwickele als waͤre nur ein einziges vorhanden. In der Regel hat daher jeder Zwilling seine besondern Eihaͤute, sein besonderes Fruchtwasser, seinen besondern Nabelstrang und Mutterkuchen, nur pflegen die Flaͤchen beiderseitiger Leder- haͤute, welche einander zugekehrt sind, mit einander zu verwach- sen. Die Lage der Zwillinge selbst ist uͤbrigens (wenn sie ganz der Form des Uterus angemessen seyn soll,) so, daß das eine mit dem Kopfe abwaͤrts das andre mit den Fuͤßen abwaͤrts ge- richtet sey S. Smellie Tabulae anat. fol. T. X. . §. 724. Von diesem Verhalten aber finden sich mehrere Abweichun- gen. Eine der haͤufigsten ist, daß die Placenten untereinander verwachsen, wobei dann Anastamosen zwischen beiderseitigen Nabelgefaͤßen sich wohl bilden koͤnnen. Hier haben also beide Eier scheinbar nur eine Placenta. Weit seltner ist es dagegen, daß die durch die doppelten Eihaͤute beider Zwillinge gebildete Scheidewand entweder durch zu dichtes Aneinanderliegen oblite- rirt, oder vielleicht auch auf mechanische Weise durch staͤrkere Bewegung der Kinder (obwohl auch dann die Duͤnnheit der Haͤute schon sehr groß seyn muß) zerstoͤrt wird, und folglich beide Kinder in einer und derselben Eihoͤle liegen; ein Fall, wel- cher indeß schon zu pathologischen Zustaͤnden Veranlassung geben kann indem dann leicht die Nabelstraͤnge untereinander sich ver- schlingen S. v. Siebold’s Lucina III. Bd. I. Stck. S. 19. oder selbst die Kinder untereinander verwachsen. — Auf aͤhnliche Weise verhalten sich die Theile des Eies auch wenn Drillinge oder Vierlinge vorhanden sind. §. 725. Ferner bemerkt man 2) auch bei einfachen Schwangerschaften noch mehrere Varietaͤten am Mutterkuchen und Nabel- strange . Was die Placenta betrifft, so ist dieselbe zwar gewoͤhnlich vollkommen rund, jedoch haͤufig auch mehr laͤnglich, zu- weilen mit einzelnen hervorspringenden Lappen versehen, oder sie zeigt selbst eine oder mehrere Nebenplacenten ( Placentae succen- turiatae ), welche dann durch starke Gefaͤße mit der Haupt- placenta zusammen haͤngen. Zuweilen ist auch die Substanz der einfachen Placenta in mehrere Abtheilungen ( Cotyledo- nes ) sehr deutlich geschieden. §. 726. Den Nabelstrang betreffend, so senkt er sich nicht selten Statt in der Mitte, am Rande, oder in der Naͤhe des Randes der Placenta ein, wovon nach Schweighaͤuser’s Aufsaͤtze uͤber physiologische und praktische Gegenstaͤnde der Ge- burtshuͤlfe S. 109. allerdings wahrscheinlicher Annahme, die Ursache darin liegt, daß die Lage des Uterus in der Schwangerschaft sich aͤndert, das Wachsthum der Placenta selbst aber mehr gegen den am meisten nach oben gelegenen Theil des Uterus hinstrebt. Wenn folglich der Uterus sich so in seiner Lage veraͤndert hat, daß die Stelle, wo die urspruͤnglich immer runde Pla- centa ansitzt, mehr nach abwaͤrts gekommen ist, so wird nun die Placenta mehr nach oben hin fortwachsen (so wie unge- faͤhr eine Pflanze mehr ihre Wurzeln gegen die Gegend, wo Feuchtigkeit ist, hinwenden wird), und es muß also der Na- belstrang, da die andere Seite des Mutterkuchens sich nicht verlaͤngert, jetzt außer dem Mittelpunkte, ja am Rande der Placenta gefunden werden. §. 727. Der staͤrkste Grad dieser excentrischen Einsenkung des Nabelstranges endlich ist derjenige, wo derselbe gar nicht unmittelbar in die Placenta sondern in die Lederhaut einge- wurzelt erscheint, wo in dieser sich die Gefaͤße bereits ver- zweigen, und oft 3 bis 4 Zoll auf der Lederhaut und hin- ter der Schafhaut verlaufen S. einen Fall dieser Art bei Wrisberg Commentationes medici physiologici, anatomici etc. argumenti Gotting. 1800. Vol. I. p. 50) ; eine Bildung, welche bei der Geburt indeß zu mancherlei regelwidrigen Zufaͤllen, nament- lich zur Hemmung des Blutlaufs durch Druck, und zum leichtern Abreißen des Nabelstranges, Veranlassung werden kann. §. 728. Ferner gehoͤren hierher die Knoten des Nabelstran- ges , deren wir wahre und falsche unterscheiden. Die erstern sind wirkliche in die Nabelschnur geschuͤrzte Knoten, welche, wie schon oben bemerkt, wahrscheinlich im 4 oder 5 Monate durch starke Bewegungen des Kindes entstehen; sie koͤnnen allerdings, wenn sie sehr stark angezogen sind, zur Hemmung des Blutlaufs und zum Tode des Kindes beitra- gen, werden aber haͤufig auch als ganz unschaͤdliche Er- scheinungen wahrgenommen Im Jahr 1818 kamen sechsmal dergleichen Knoten ohne Nachtheil zu veranlassen in meiner Anstalt vor. . Die falschen Knoten sind bloße Ausdehnungen der Nabelgefaͤße, vorzuͤglich der Nabel- vene und hervorragende Windungen derselben. Uebrigens ist auch der Nabelstrang selbst zuweilen sehr reichlich mit War- thon’scher Sulze versehen, und heißt dann ein fetter Nabelstrang , oder er ist mit sehr wenig Sulze versehen, und heißt, weil er dann die Blutgefaͤße sehr deutlich zeigt, ein blutiger Nabelstrang . — Was die Eihaͤute be- trifft, so variiren sie dadurch, daß Chorion und Amnion zuweilen nicht mit einander verwachsen und folglich falsches Wasser uͤbrig bleibt; und was endlich das Fruchtwasser selbst anbelangt, so kann dessen bald mehr bald weniger, und zwar bald von molkiger, bald von klarer Beschaffenheit vorhan- den seyn. Ueberblick der physiologischen Eigenthuͤmlich- keit des Fetus . §. 729. Nachdem wir im Allgemeinen das Entstehen, Fortwach- sen und Reifen des menschlichen Eies betrachtet haben, ist es noͤthig noch auf das Leben und die einzelnen Lebensver- richtungen im Fetus eine naͤhere Aufmerksamkeit zu wenden, indem nur durch Beachtung seiner physiologischen Eigen- thuͤmlichkeit, theils die pathologischen Zustaͤnde, welche er von der Geburt erleiden kann, theils die Umaͤnderungen, welche er auch im regelmaͤßigen Lebensgange durch die Geburt er- faͤhrt, anschaulich werden. So wie indeß bei der Lehre von der Eigenthuͤmlichkeit des weiblichen Koͤrpers die speciellen anatomischen Kenntnisse vorausgesetzt werden mußten, so ist auch hier nicht der Ort, die saͤmmtlichen Eigenthuͤmlichkeiten, welche die Bildung einzelner Organe darbietet, besonders durchzugehen, woruͤber wir vielmehr auf besondere diesem Gegenstande gewidmete Schri f ten Außer mehrern Anatomien (z. B. Hildebrandts Lehrb. d. Anat. IV. 10 Buch 55. Kap. II. ) und Physiologien verweise ich vorzuͤglich auf E. G. Danz Grundriß der Zergliederungskunde des neugebor- nen Kindes 2r Bd. 1792. u. 93. — Auch s. m. hieruͤber S. Ch. Lucaͤ Grundriß einer Entwickelungsgeschichte des menschlichen Koͤrpers. 1819. verweisen. §. 730. Von den Lebenseigenthuͤmlichkeiten des Fe- tus uͤberhaupt : Die bedeutendste ist unstreitig, daß sein Organismus nicht in freier und unmittelbarer Wechselwirkung mit der aͤußern Natur (mit dem Erdorganismus) steht, son- dern eingesenkt ist in den muͤtterlichen Organismus; folglich nur mittelbar Naturstoffe zu seiner Ernaͤhrung aufnimmt, nur mittelbar organischen Stoff an die aͤußere Natur aus- scheidet. Eben dadurch aber bestimmt sich als zweite Eigen- thuͤmlichkeit, daß dem Fetus, in wiefern er gleichsam noch ein Theil eines groͤßeren individuellen Organismus ist, die Selbstbestimmung mangelt, er somit, da ihm diese eigentlich den Thierkoͤrper charakterisirende Eigenthuͤmlichkeit abgeht, mehr der Pflanze genaͤhert scheint. Hieraus nun ergeben sich ferner als wichtige Folgerungen, daß, wenn der Fetus einmal der wesentlichen Bedeutung nach (selbst seiner man- gelnden Locomotivitaͤt nach) Pflanzen aͤhnlich erscheint, auch seine einzelnen Funktionen sich denen der Pflanzen verwandt zeigen muͤssen. Wie nun aber in der Pflanze alles auf Bildung, Wachsthum, Ausscheidung u. s. w. hinweist, und wie dagegen die hoͤhere Seite des Lebens noch im tiefen Schlafe zu liegen scheint, so ist auch das Leben des Fetus fast nichts als produktive Thaͤtigkeit, und sein Zustand, ruͤcksichtlich der hoͤhern menschlichen Vermoͤgen, ein tiefer Schlaf mit Recht zu nennen. §. 731. Besondere Funktionen des Fetus. 1) Stoff- aufnahme, Ernaͤhrung . Schon oben haben wir drei Wege kennen lernen, durch welche die Ernaͤhrung des Fetus von Statten gehen kann, den Mutterkuchen naͤmlich, die Oberhaut und den Darmkanal; physiologisch betrachtet fallen indeß alle drei zusammen, denn Kind und Eihaͤute wie Mut- terkuchen sind ja eigentlich nur ein Ganzes, und mag nun fuͤr das Wachsthum des Kindes insbesondere, der Stoff mehr durch das im Nabelstrange zuruͤckfließende Blut hergegeben werden, oder durch das in Haut und Darm eindringende Fruchtwasser, immer muͤssen es zuerst die Flocken der aͤußern Flaͤche des Eies uͤberhaupt seyn, welche, wie die Wurzeln der Pflanzen aus der Erde, so aus der innern flockigen Wand des Uterns ernaͤhrende Saͤfte anziehen. Daß uͤbrigens diese Ernaͤhrung aus mehr vorbereiteten Saͤften und also un- mittelbarer geschieht, ist die Ursache davon, daß die peri- staltischen Bewegungen des Darmkanals im Fetus noch so schwach sind, daß keine Darmausleerungen erfolgen. §. 732. Ruͤcksichtlich der Bildung hierher gehoͤriger Theile ist zu- voͤrderst die Haut mit ihren Poren und Haaren, (welches beides gewiß fuͤr die Aufsaugung wichtige Gebilde sind), so wie mit ihrer im reifen Fetus so betraͤchtlich gewordenen Fettablagerung merkwuͤrdig; welche letztere man vielleicht zum Theil als eine unmittelbare Folge der Aufsaugung der Haut deshalb betrachten moͤchte, da in innern Gebilden dieselbe weit geringer ist (wie denn z. B. das Netz im reifen Fetus voͤllig fettleer gefunden wird). — Ferner gehoͤrt die Bildung des Darmkanals hierher, dessen oberstem (Mund-) Ende nicht nur die Bewaffnung der Zaͤhne noch voͤllig mangelt, sondern au dessen Verlauf auch der Magen noch, selbst verhaͤltniß- maͤßig zum Kinde betrachtet, sehr klein und zusammen gezo- gen ist, der Unterschied des duͤnnen und dicken Darmes fruͤ- herhin voͤllig wegfaͤllt und selbst beim reifen Fetus aͤußerst gering ist, wobei wobei man insbesondere auch den Blind- darm verhaͤltnißmaͤßig kuͤrzer bemerkt. Die Hoͤhle des Darm- kanals ist anfaͤnglich nur in den duͤnnen Daͤrmen, spaͤterhin auch in den dicken mit einer schwarzgruͤnen zaͤhen Masse (Kindespech, Meconium ) erfuͤllt, welches vorzuͤglich als Pro- dukt der in den Darm ergossenen Sekretionen, besonders der Galle, anzusehen ist, jedoch auch durch Reste des eindringen- den Fruchtwassers dessen duͤnnere Theile absorbirt worden sind, vermehrt wird. Endlich ist aber die Bauchhoͤhle (welche anfaͤnglich sogar den ganzen Rumpf einnahm) noch sehr uͤberwiegend), und der große Leib im Verhaͤltniß der kleinern Brusthoͤhle und der zaͤrtern Extremitaͤten charakterisiren aͤus- serlich die Gestalt des Kindes. (Wie sie, im geringern Grade freilich, die Gestalt des weiblichen Koͤrpers selbst [Thl. I. §. 16. u. f.] bezeichneten). §. 733. 2) Saͤftevertheilung, Gefaͤßthaͤtigkeit . Der Fetus welcher, wie oben bemerkt worden ist, erst im zweiten Mo- nate wirklich rothes Blut erhielt, zeigt auch in den letzten Monaten eine Blutmasse, welche theils durch ihre geringe Consistenz, den Ueberfluß an Serum, den wenigen Antheil des Faserstoffs und Crnor’s, so wie (in Folge der erwaͤhn- ten Momente) durch ihre schwache Gerinnbarkeit, von der Blutmasse in der spaͤtern Zeit nach der Geburt sich entfernt und abermals zu den Saͤften der Pflanzen, so wie zu denen der niedern Thiere eine Annaͤherung erkennen laͤßt. — Ue- berdieß ist nun die Oxydation der Blutmasse aͤußerst gering, und der Unterschied zwischen Venen- und Arterienblut noch nicht durch die Faͤrbung angedeutet, obwohl dieß kein Recht giebt beide Blutmassen etwa noch als voͤllig gleich anzu- sehen, (welches sie, wie sich schon aus der verschiedenen Richtung des Blutstroms ergiebt, selbst in der fruͤhesten Zeit nicht seyn koͤnnen). — Die ganze Blutmischung hat sonach noch mehr Aehnlichkeit mit der des Venenblutes bei ausgebildeter Lungenathmung, und auch dieses ist fuͤr die Physiologie des Fetus wichtig, indem es auf das Ueberge- wicht der reproduktiven Thaͤtigkeit hinweist; denn im gesunden sowohl als krankhaften Zustande seheu wir im menschlichen Koͤrper da, wo reproduktive Thaͤtigkeit vorherrschend ist, auch die Venen ausnehmend entwickelt (man denke an die Venen- geflechte des Uterus, so wie an die Erweiterung der Venen- geflechte bei krankhaften Auswuͤchsen). §. 734. In der Blutbewegung selbst sind nun vorzuͤglich wichtig: der offne Zusammenhang der beiden Haͤlften des Herzens, und die Kreisbewegung des Blutes durch die Placenta. Was die letztere betrifft, so darf man annehmen, daß stets gegen ein Drittel der Blutmasse sich außerhalb des eigentli- chen Fetuskoͤrpers befinde, und es gelangt dahin aus der absteigenden Aorta, welche vorzuͤglich das aus dem Koͤrper ruͤckkehrende Venenblut durch den Ductus Botalli, in sich faßt, da Karotiden und Axillararterien reicher an dem aus der Placenta zuruͤckfließenden Blute sind. Die Aorta aber ergießt ihr Blut durch die Nabelarterien, welche wir zwar als Zweige der Art. hypogastrica betrachten, die jedoch urspruͤnglich die getheilten Fortsetzungen der Aorta selbst sind, so daß Becken- und Schenkelschlagadern eigentlich aus ihnen entspringen. In wiefern aber diese Nabelschlagadern ein vorzuͤglich venoͤses Blut nach der Oberflaͤche des Eies schaffen, so daß es hier mit dem muͤtterlichen Koͤrper (wel- cher gleichsam die Erde und die Atmosphaͤre des Fetus eben so darstellt, wie die wirkliche Erde und ihre Atmosphaͤre sich fuͤr den geborenen Lungenathmenden Menschen) eben so in Beruͤhrung kommen muß wie das Blut der Lungenarterien nach der Geburt mit der Luft, so koͤnnen wir diesen Blutlauf dem sogenannten kleinen spaͤter eintreffenden Kreislaufe gleich- stellen (s. oben die Gruͤnde fuͤr die Respiration durch die Placenta), und werden hierdurch ferner auf eine merkwuͤrdige Verwandtschaft der Athmungs- und Geschlechtswerkzeuge auf- merksam gemacht. Wir sehen naͤmlich das Geschlechtssystem und die Harnwerkzeuge offenbar von den Zweigen der ab- steigenden Aorta gleichsam an den niedrigern venoͤsen Pol oder Endpunkt des Koͤrpers gebildet, wie an dem obern ar- teriellen Pol oder Endpunkte die sensoriellen Organe sich aus- bilden. §. 735. Zuruͤck zum Fetus kehrt das Blut durch die einfache Navelvene, und physiologisch merkwuͤrdig ist hier wieder die Hinwendung dieses Gefaͤßes zur Leber, welche als ein Ab- sonderungsorgan fuͤr brennliche Stoffe zur Befreiung des Blu- tes von aͤhnlichen Bestandtheilen, und somit (auf negative Weise) auch zur vermehrten Oxydation des Blutes beitraͤgt. Ein Theil des Blutes der Nabelvene stroͤmt naͤmlich durch den Ductus venosus Arantii (die eigentliche Fortsetzung ih- res Stammes) unmittelbar in die untere Holvene, ein ande- rer Theil verbindet sich mit der (ihrer Entstehung nach durch die Vena omphalomeseraica bedingten) Vena portarum, um mit dem Blute dieser sich noch einmal in der Leber zu ver- breiten, und nach Abscheidung eines Theils ihres Kohlenstoffs ebenfalls in die untere Hohlvene sich zu ergießen. Diese untere Hohlvene also erhaͤlt ein großes Uebergewicht an Blut, wel- ches theils positiv an der Oberflaͤche des Eies oxydirt, theils negativ durch Ausscheidung groͤberer Stoffe in der Leber gereinigt worden ist, und tritt sonach fuͤr das ungeborne Kind in die Bedeutung, welche fuͤr das geborne Kind die Lungenvenen bekommen. §. 736. Wie nun dieses Blut durch die rechte Vorkammer hin- durch in die linke Vorkammer und Kammer des Herzens ge- langt, naͤmlich mittelst des eirunden Loches, welches anfaͤng- lich einen Kanal bildet, (und zugleich durch Beihuͤlfe der so- genannten Eustachi’schen Klappe), wie es von dem Ar- cus aortae aus, durch die Karotiden und Axillararterien zum Kopfe und den obern Gliedern sich bewegt, dahingegen der herabsteigenden Aorta das Blut welches von der Vena cava descendens fast allein in die rechte Vorkammer und Herzkammer sich ergießt, durch den Ductus arteriosus Bo- talli beygemischt wird Es ist merkwuͤrdig, daß dieß ungefaͤhr der linken Arteria subclavia gegenuͤber geschieht, wenn man bedenkt, daß der linke Arm meist schwaͤcher als der rechte ist. haben wir zum Theil fruͤher schon eroͤrtert. Im Allgemeinen bemerkt man sonach, daß die Ein- richtung des Kreislaufs im Fetus noch die groͤßte Aehnlich- keit habe mit dem der kaltbluͤtigen Thiere, und wir duͤrfen in dieser Art der durch unvollkommne Respiration bedingten Blutvertheilung nebst der unvollkommnen Organisation des Nervensystems zugleich die Ursachen annehmen: der im Fe- tus noch aͤußerst geringen eigenthuͤmlichen Waͤrme . §. 737. Nicht blos jedoch das Blutsystem bildet sich im Fetus immer vollkommner aus, sondern auch das Saugader- system entsteht und erscheint im reifen Fetus, vorzuͤglich ruͤcksichtlich seiner Druͤsen, ausnehmend und verhaͤltnißmaͤßig weit mehr als spaͤterhin entwickelt. Merkwuͤrdig ist es hier- bei, daß die Gekroͤsdruͤsen allein davon eine Ausnahme ma- chen, welche nur eine schwache Entwickelung zeigen. — Es scheint dieses darauf hinzuweisen wie thaͤtig die Ernaͤhrung des Fetuskoͤrpers durch Einsaugung der der Oberflaͤche der Haut innerhalb des Eies dargebotenen Fluͤssigkeit von Statten gehe, und daß die Ernaͤhrung vom Darmkanal aus eine geringere Bedeutung habe. Selbst die große druͤsigte Masse der Thy- mus scheint, nach Lucaͤ a. a. O. S. 80. , nichts anderes zu seyn als Lymph- druͤse, und koͤnnte vielleicht fuͤr die Einsaugung mittelst der Bruͤste (dafern sie zu erweisen ist) die Stelle der Gekroͤs- druͤsen vertreten. §. 738. 3) Athmung und Ausscheidung . Was die Ath- mung betrifft, so scheint das eigentliche Werkzeug derselben, die Lungen, im Fetuszustande noch vollkommen zu ruhen, denn daß sie anstatt der Luft Fruchtwasser athmeten S. in Meckel’s Archiv f. Physiol. I. Bd. 1s Heft, S. 154. Leclard’s angebliche Beobachtungen hieruͤber. hat nichts fuͤr sich außer das Vorkommen von etwas Frucht- wasser in der Luftroͤhre, und ist an sich voͤllig unwahrschein- lich. Die Lungen findet man daher voͤllig dicht und zusam- men gezogen, ihre specifische Schwere ist betraͤchtlich, und sie sinken im Wasser unter Hierauf gruͤndet sich die gewoͤhnliche Lungenprobe, da Lungen, welche geathmet haben, im Wasser schwimmen, jedoch darf davon nur mit gehoͤriger Umsicht Gebrauch gemacht werden, da z. B. faule Lungen auch zuweilen schwimmen u. s. w. , ihre absolute Schwere hingegen ist geringer als nach der Geburt Hierauf gruͤndet sich Ploucquet’s Lungenprobe, indem im Durchschnitt (nach Schmitt ) die Schwere von Lungen welche ge- athmet haben, zum Koͤrpergewicht sich verhaͤlt wie 1: 38; hin- gegen Lungen, welche noch nicht geathmet haben sich verhalten wie 1: 51. Allein fuͤr einzelne Faͤlle ist diese Lungenprobe noch weit truͤglicher als die erstere. . — Ueber die stell- vertretende Respiration des Fetus durch die aͤußere Eiflaͤche ist schon oben das Naͤhere bemerkt worden. Wir wiederho- len nur, daß hier der Fetus wohl nothwendig (so wie er alle Stoffe zu seiner Bildung von hier empfaͤngt) auch das Oxygen aufnehmen muͤsse, da es außerdem unerklaͤrlich bleibt, wie er uͤberhaupt (was doch unlaͤugbar ist) Oxygen ent- halten koͤnne. §. 739. Eben so wie aber die Athmung noch im geringeren Um- fange und von geringerer Energie erscheint, sind auch die Se- und Exkretionen von geringerer Thaͤtigkeit, und saͤmmt- lich von der Art, daß die ausgeschiedenen Stoffe doch stets innerhalb der Graͤnzen des Fetuskoͤrpers verweilen. (Dieses schwaͤchere Hervortreten der der individuellen Reproduktion entgegengesetzten ausscheidenden Seite, steht aber im genauesten Zusammenhange mit dem großen Uebergewicht der bildenden Lebensthaͤtigkeit). Von den in den Darmkanal sich ergießen- den Aussonderungen scheinen die Speichelwerkzeuge, deren Ergießungen hauptsaͤchlich durch Bewegung der Kau- und Schlingewerkzeuge rege werden, noch ganz zu ruhen. Mehr ist hingegen die Leber, in wiefern sie zur Decarbonisirung des Blutes beitraͤgt, in Thaͤtigkeit gesetzt, ja man findet sie mit der Entwickelung der Lungen gerade im umgekehrten Verhaͤltniß, d. i. aͤußerst groß und blutreich. Demungeach- tet ist die abgesonderte Galle duͤnner und schleimiger als spaͤ- terhin. — Was die Nieren betrifft, so sind sie im Fetus noch in mehrere Abtheilungen getrennt, nicht voͤllig entwi- ckelt, und ohne bedeutende Absonderung; wenigstens entleert der Fetus noch keinen Harn, und der wenige in der Blase befindliche Urin ist waͤßerig, enthaͤlt keine Phosphorsaͤure, wohl aber etwas Benzoesaͤure. — Ferner die Haut betreffend, so wirkt sie ebenfalls dekarbonisirend theils durch die kohlen- stoffige Natur ihrer Produktionen, wie des staͤrkern Kopfhaars welches fast wie das im Ei sich entwickelnde Haar und Ge- fieder der Thiere, in der Regel dunkelfarbig ist, theils durch die Ablagerung von Fett. — Endlich ist aber physiolo- gisch vorzuͤglich bemerkenswerth, daß die der individuellen Koͤrperbildung am staͤrksten entgegengesetzten Geschlechts- organe jetzt noch gar keine besondere Funktion ausuͤben. §. 740. 4) Die animalen Verrichtungen . Diese Seite ist es nun, welche im Fetus am allerwenigsten entwickelt ist (wobei man sich wieder erinnern muß, daß animales Leben dem vegetativen gerade entgegen gesetzt ist, und dieser nie- drige Stand desselben also vollkommen mit dem thaͤtigen Bildungsleben dieser Periode zusammen stimmt). Zuvoͤrderst die Bewegungswerkzeuge betreffend, so sind die willkuͤhrlichen Muskeln blaß, schlaff, wenig ausgebildet (welches an die schwache Respiration erinnert, da Respiration und Muskel- kraft im ganzen Thierreiche gleichen Schritt halten). Bewe- gungen der Glieder sind willkuͤhrlos und gering. Zweitens was die sensible Seite anbelangt, so ist Hirn- und Nerven- masse noch aͤußerst weich, die Augenlider bleiben geschlossen, die Pauken- und Nasenhoͤhle ist mit Schleim erfuͤllt, und uͤberhaupt sind die Sinneswerkzeuge ganz unthaͤtig. Soll man endlich uͤber das Seelenleben des Fetus eine Vermu- thung aͤußern, so ist wohl so viel klar, daß von eigenthuͤm- lichen Willensrichtungen und Vorstellungen hier noch nicht die Rede seyn kann, ob aber nicht der Fetus in seinem Schlafe im Uterus an den Vorstellungen der Mutter (etwa wie man sich das Verhaͤltniß der Somnambuͤle zum Magneti- seur denkt) Antheil nehme, ob nicht diese Vorstellungen gleich Traͤumen an ihm voruͤber gehen , und die Geneigtheit zu aͤhnlichen Vorstellungen hinterlassen? ist eine Frage, deren Beantwortung auf Erklaͤrung des Forter- bens gewisser Eigenschaften, auf die Lehre vom Versehen (wovon wir im pathologischen Abschnitte sprechen werden) viel Licht verbreiten koͤnnte. 4) Geschichte der Veraͤnderungen im muͤtter- terlichen Koͤrper waͤhrend der Schwan- gerschaft . §. 741. Man kann diese Veraͤnderungen eintheilen in solche, welche im Geschlechtssysteme selbst und namentlich im Uterus bemerkt werden, und in solche, welche in den uͤbrigen organischen Systemen und im Allge- meinbefinden sich darstellen. Die letztern koͤnnen hier theils als Folgen, theils als Ursachen der erstern angesehen werden, und zeigen sich in wiefern sie Folgen oͤrtlicher Ver- aͤnderungen sind, voͤllig nach denselben Gesetzen, welche auch unter ganz andern Verhaͤltnissen bei bedeutenden Modisika- tionen einzelner Organe oder Systeme, allgemeine Lebens- veraͤnderungen nach sich ziehen. Als Ursachen oͤrtlicher Ver- aͤnderungen muß aber die allgemeine Umstimmung deshalb betrachtet werden, weil uͤberhaupt jede oͤrtliche Thaͤtigkeit durch die allgemeine bedingt wird, und durch die Empfaͤng- niß uͤberhanpt der gesammte weibliche Koͤrper an- geregt wird in dem Geschlechtssystem einen neuen Organismus zu erzeugen . — So koͤnnte man z. B. in vieler Hinsicht die Umaͤnderungen im Allgemeinbe- finden bei Schwangern, einem fieberhaften Zustande vergleichen, welcher sich zu einer Entzuͤndung (womit doch der Zustand der Geschlechtsorgane zu dieser Zeit viel aͤhnliches hat) hinzuge- sellt, oder diese Entzuͤndung auch wohl hervorruft. Ferner aber wird man auch die schon oben ( I. Thl. §. 77.) be- merkte Aehnlichkeit zwischen den Veraͤnderungen waͤhrend der Schwangerschaft und denjenigen, welche bei eintretender Menstruation Statt finden, nicht verkennen, welche Aehnlich- keit sich leicht erklaͤrt, wenn man bedenkt, daß beide Zu- staͤnde die Resultate einer erhoͤhten Thaͤtigkeit des Geschlechts- systems sind. 1) Veraͤnderungen in den Geschlechtstheilen waͤhrend der Schwangerschaft . a ) Veraͤnderungen der innern Geschlechtstheile . §. 742. 1) Eierstoͤcke und Muttertrompeten . Diese, in- wiefern sie nur zur Zeit der Empfaͤngniß thaͤtig sind, kom- men hier weniger in Betrachtung. An den Ovarien be- merken wir den Zustand erhoͤhter Gefaͤßthaͤtigkeit, Bildung und Abtrennung eines Eies, und Zuruͤcklassen einer Narbe. Alle diese Veraͤnderungen sind jedoch in den ersten Tagen nach der Conception voruͤber, und es verbleiben diese Or- gane sodann vollkommen ruhig. — An den Mutterroͤh- ren bemerken wir den ebenfalls erhoͤhten Zustand von Ge- faͤßthaͤtigkeit, wobei zugleich die Muskularthaͤtigkeit zur peri- staltischen Bewegung, um den Fruchtkeim nach dem Uterus zu fuͤhren, aufgeregt wird. Spaͤterhin ruhen auch diese Theile, obwohl man nicht uͤbersehen darf, daß sie als Theile des allgemeinen Fruchtganges (s. I. Thl. §. 27.) auch an den Veraͤnderungen, welche der Fruchtgang uͤberhaupt und beson- ders der mittlere Theil desselben, der Uterus, zeigt, Antheil nehmen, und sich daher ebenfalls in der Schwangerschaft mit vergroͤßern, so daß man sie am Ende derselben bedeutend groͤßer als im nichtschwangern Zustande antrifft. §. 743. Veraͤnderungen des Fruchthaͤlters . Dieser zeigt nun die bedeutendsten Abweichungen von dem Zustande vor der Schwangerschaft, so daß wir die Umaͤnderungen desselben in Wahrheit denen fast, welche das Ei erleidet, gleichachten koͤnnen. Die Ursache hiervon ist, weil ja eben das Leben und Wachsen des Eies fortwaͤhrend durch das Bildungsleben des Uterus bedingt ist, und natuͤrlich das letztere erhoͤht seyn muß, wenn das erstere fortruͤcken soll. Der Uterns aber, welcher in der Schwangerschaft der eigentliche Heerd der gesammten Bildungsthaͤtigkeit wird, zeigt nun dreifache Veraͤnderungen , 1) seinem Parenchyma, der Struktur seiner Waͤnde nach, 2) seiner Form, 3) seiner Lage nach, welche Veraͤnderungen wir nun im Einzelnen durchgehen. §. 744. 1) Die Substanz der Gebaͤrmutterwaͤnde be- treffend, so wird diese namentlich in sofern veraͤndert, als alle ihre Gefaͤße, ganz vorzuͤglich jedoch ihre Venen sich ver- laͤngern und so betraͤchtlich erweitern, daß die ganzen Waͤnde des Uterus in der Schwangerschaft theils weit staͤrker wer- den (am Sitze der Placenta, wo die Gefaͤße im Uterus am weitesten sind, oft uͤber einen Zoll dick), theils auf der Durchschnittsflaͤche ein zelliges poroͤses Gewebe zeigen, unge- faͤhr gleich der Schnittflaͤche eines Badeschwamms. Hier- mit haͤngt es nun genau zusammen, daß die Blutmasse, welche gegen den Uterus hinstroͤmt und in den Gefaͤßen des Uterus verweilt, weit betraͤchtlicher seyn muß, als fruͤher; wovon denn die vermehrte Roͤthe und erhoͤhte Waͤrme des schwangern Uterus eine unmittelbare Folge ist. §. 745. Ferner entwickeln sich unter dem Ueberzuge des Perito- naei im schwangern Uterus die Muskelfibern weit vollkomm- ner als sie im nichtschwangern Zustande sind, so daß selbst diejenigen, welche uͤberhaupt die muskuloͤse Struktur des Uterus laͤugnen, in dieser Periode die vorzuͤglich im Grunde und in der Gegend der runden Mutterbaͤnder sehr deutlichen Fasern anerkennen mußten; welche Entwickelung denn eben- falls, so wie die im vorigen Paragraph erwaͤhnte Verdickung der Waͤnde beweist, daß das Groͤßerwerden des Uterus nicht etwa auf einem bloßen Ausgedehntwerden , sondern auf einem wirklichen Anwachsen beruht. §. 746. Endlich ist die Veraͤnderung der Struktur in der innern Flaͤche des Uterus vorzuͤglich wichtig. Wir bemerken naͤm- lich in Folge der durch die Empfaͤngniß aufgeregten (fast entzuͤndungsartigen) Gefaͤßthaͤtigkeit wie die sonst glatte in- nere Flaͤche des Uterus sich auflockert und ganz mit einem flockigen Ueberzuge bekleidet wird. Diese Flocken nun darf man indeß eben so wenig als die ersten Sangfasern am ein- und zweimonatlichen Ovulo fuͤr wirkliche verlaͤngerte feine Gefaͤßzweige halten (wie doch sehr haͤufig geschieht), sondern sie bestehen aus lockern durch Zellgewebe gebildeten Flocken, ganz von der Art, wie man sie an entzuͤndeten innern Stellen, sobald sich Adhaͤsionen bilden, wahrzunehmen pflegt. Sie las- sen daher zuweilen auch Stuͤckweise sich abloͤsen, so daß man sie gewoͤhnlich als eine besondere Haut, als hinfaͤllige Hunter’sche Haut ( Membrana decidua Hunteri ) auf- gefuͤhrt hat, und noch zuweilen bemerkt, daß Theile derselben bei unzeitigen Geburten an den Flocken der Lederhaut haͤngen bleiben, und mit dieser geboren werden Daß uͤbrigens diese Flockenhaut nicht zum Ei gehoͤrt, beweist der Umstand, daß sie auch bei Schwangerschaften außer der Gebaͤr- mutter im Uterus sich bildet. §. 747. Fragt man nun wie durch diese Flocken wohl die Wech- selwirkung zwischen Uterus und Frucht bewirkt werde? so darf man sich daruͤber, alles erwogen, folgende Vorstellung machen: Die Erweiterung der Venenzellen des Uterus im Innern seiner Substanz eroͤffnet auch die Venenmuͤndungen, welche an der innern Flaͤche außer der Schwangerschaft nur als kleine Oeffnungen, zum Durchlassen des venoͤsen monatlichen Blutes geeignet, erscheinen; diese Venenmuͤndungen aber werden zum Theil durch die gebildete flockige Pseudomembran wieder ge- schlossen, und scheinen nur denjenigen lymphatischen Theil des Blutes, welcher zur Ernaͤhrung der Frucht bestimmt ist, hindurchzulassen. Untersucht man daher (was von mir im frisch geoͤffneten dreimonatlich, fuͤnfmonatlich und zehnmonat- lich schwangern menschlichen Uterus geschehen ist) die Struk- tur der Gebaͤrmutterwaͤnde mittelst einer in die Venenzellen eingebrachten Sonde, so wird man sich leicht uͤberzeugen koͤnnen, wie durch mehrere betraͤchtlich weite Venenoͤffnungen die Sonde auf der innern Flaͤche zum Vorschein kommt und leicht die flockige Haut durchdringt, ja injicirt man die Ve- nen eines solchen Uterus mit Wachsmasse, so findet man immer große Extravasate geronnenen Wachses zwischen Uterus und Placenta. — Man darf sich daher hier nicht von dem Uterus der meisten Saͤugthiere, welcher bei seiner duͤnnhaͤuti- gen mehr darmartigen Struktur ein anderes Verhaͤltniß und zwar eine wahre Sekretion durch Gefaͤßbuͤschelchen auf der innern Flaͤche, aber keinesweges so erweiterte Venenzellen und Muͤndungen zeigt, verleiten lassen, auf etwas aͤhnli- II. Theil. 5 ches im Menschen zu schließen, sondern ist berechtigt anzu- nehmen, daß, obwohl kein Blut unmittelbar vom Uterus zum Kinde uͤbergehen kann, doch aus dem Blute selbst , durch die zwischen die Flocken der Hunter ’schen Haut ein- dringenden Saugfasern der Lederhaut die Frucht ernaͤhrt werde. Diese Gegenstaͤnde sind auch vorzuͤglich wichtig, um uͤber die Me- trorrhagien bei der Geburt eine naturgemaͤße Vorstellung zu er- halten. Uebrigens waren auch die Muͤndungen dieser Venenzellen schon aͤltern Forschern bekannt; man findet sie unter andern sehr gut abgebildet in B. Müller Uterus gravidus physiologice et pa- thologice consideratus. Gotting. 1725. 4. §. 748. Es ergiebt sich hieraus, daß eine waͤhre Uterinplacenta im Menschen nicht angenommen werden kann (dahingegen bei mehrern Saͤugthieren [am deutlichsten bei den Wiederkaͤuern] eine solche allerdings existirt) und daß ihre Stelle hier einzig durch den flockigen Ueberzug der Hunter’schen Haut er- setzt wird. Dieser Ueberzug ist zugleich nebst der Anhef- tung des Eies selbst, die Ursache einer andern fuͤr die Zei- chenlehre der Schwangerschaft merkwuͤrdigen Erscheinung, naͤmlich des Außenbleibens der Menstruation. Indem naͤm- lich die innere Flaͤche dergestalt sich umwandelt und das Ei selbst in eine festere Verbindung mit der Uterinflaͤche tritt, bleiben keine Oeffnungen uͤbrig, durch welche wie fruͤher, reines Blut ausfließen koͤnnte, und wenn daher ja in den ersten Wochen der Schwangerschaft zuweilen noch einmal dieser Blutfluß erfolgt, so ist dieß bewirkt durch die jetzt nur erst an einigen Stellen erfolgte Anheftung des Eies, und soll spaͤterhin, da das Blut nun fuͤr den Zweck der Ernaͤhrung der Frucht verwendet wird, dem Gange der Na- tur nach, nicht mehr Statt finden. — Demungeachtet wogt der monatliche Typus auch im Koͤrper der schwangern Frau fort, und es ist haͤufig, daß die Periode, wo die Menstrua- tion eigentlich erfolgen sollte, auch jetzt noch einige allge- meine Molimina ad Menstruationem (s. Thl. I. §. 119) zu erkennen giebt; ja, wo aus innern Ursachen Fruͤhgeburten sich ereignen, pflegen diese vorzuͤglich um diese Perioden Statt zu finden. Nahmen aber die Gefaͤße der Vaginal- portion an der Ausscheidung des monatlichen Blutes Antheil, so kann aus diesem Theile auch spaͤterhin dasselbe noch flies- sen, und es erklaͤrt dieß auch die seltnern Faͤlle, wo die Menstruation die ganze Schwangerschaft hindurch erscheint, oder selbst in ganz seltnen Faͤllen einzig und allein waͤh- rend der Schwangerschaft zum Vorschein kam (s. die Anmerkung zu §. 126. im I. Thl.) §. 749. 2) Die Form der Gebaͤrmutter veraͤndert sich quantitativ und qualitativ, dem Umfange und der Gestalt nach. Was zunaͤchst den Umfang betrifft, so vergroͤßert sich der Uterus theils durch sein eigenes Anwachsen, theils durch die Vergroͤßerung der Frucht stufenweise dergestalt, daß er von der Laͤnge = 3 Zoll und der Breite = 2 Zoll, so er im ungeschwaͤngerten Zustande zeigt, im zehnten Monate auf die Laͤnge von 12 Zoll und die Breite von 8 Zoll anwaͤchst. §. 750. Anbelangend zweitens die Veraͤnderungen der Gestalt des Uterus , so ist hier vorzuͤglich merkwuͤrdig, wie derje- nige Theil desselben, welcher urspruͤnglich (im Kinde) der kleinste ist, naͤmlich Grund und Koͤrper, hier der groͤßte wird und das vollkommenste Uebergewicht uͤber den nach und nach sich ganz verlierenden Mutterhals gewinnt. Zugleich rundet sich die Form dieser Theile mehr ab, und der Uterus ver- liert das Plattgedruͤckte, welches er außer der Schwanger- schaft zeigt, woͤlbt sich mehr, und entspricht nach und nach immer vollkommner der Gestalt des Eies selbst. — Was insbesondere den Gebaͤrmutterhals betrifft, so pflegt die Verkuͤrzung desselben (wobei dieser Theil der Gebaͤrmutter- substanz uͤbrigens sich wirklich ausdehnt, duͤnner wird, und zur Erweiterung der Gebaͤrmutterhoͤhle sonach beitraͤgt) bei Erstgebaͤrenden gewoͤhnlich sehr regelmaͤßig zu erfolgen. Man findet daher den Mutterhals gegen die Haͤlfte der Schwan- gerschaft auf einen halben, im achten oder neunten Monate gegen einen Viertelzoll verkuͤrzt, und am Ende der Schwan- gerschaft voͤllig verschwunden, oder wie man zu sagen pflegt, verstrichen . In diesem Zustande sind dann innerer und aͤußerer Muttermund fast in eins zusammen gefallen, und das untere Segment des Uterus oft so sehr verduͤnnt, daß man zuweilen die Naͤthe des Kopfs durchzufuͤhlen im Stande ist. In seltnen Faͤllen bleibt jedoch auch bei Erstgebaͤrenden am Ende der Schwangerschaft ein groͤßeres Stuͤck Mutter- hals uͤbrig, welches aber immer auf eine erschwerte Eroͤff- nung waͤhrend der Geburt schließen laͤßt. §. 751. Bei Personen, welche schon geboren haben, und wo der Muttermund bei diesen fruͤhern Geburten starke Einrisse er- litten hat, pflegt dagegen in der Regel nicht nur eine be- traͤchtliche Partie der Vaginalportion bis zur Geburt uͤbrig zu bleiben (eben wegen der durch die Narben gestoͤrten re- gelmaͤßigen Textur des Mutterhalses) sondern es zeigen sich sogar oft noch starke wulstige vorragende Lippen des Mut- termundes sogar unter der Geburt, ohne daß die Eroͤffnung des Muttermundes dadurch gerade immer bedeutend erschwert wuͤrde. §. 752. Außer dem Mutterhalse, in dessen Substanz man uͤbri- gens eben so wie im ganzen Uterus das Auflockern und Anschwellen bemerken kann, ist ferner der Muttermund mit seinen Veraͤnderungen wichtig. Man bemerkt naͤmlich, daß bald nach der Empfaͤngniß die Querspalte des Muttermundes verschwindet, die vordere Lippe der hintern gleich wird, und die Oeffnung in eine kleine Rundung (ganz wie bei der Menstruation) sich umgestaltet, welche indeß fast verschlossen ist, und bei Erstgebaͤrenden sich der Regel nach erst in den letzten Tagen der Schwangerschaft zu oͤffnen pflegt. Wo jedoch der Uterus entweder durch Schleim- und Blutfluͤße oder durch haͤufigen Geschlechtsreiz erschlafft ist, da oͤffnet sich auch bei Erstgebaͤrenden der Muttermund etwas zeitiger. Am zeitigsten, und oft schon im achten Monate erfolgt je- doch diese Eroͤffnung bei Mehrgebaͤrenden und zwar ebenfalls der aus den Einrissen resultirenden groͤßern Schlaffheit der Muttermundslippen wegen. §. 753. Endlich 3) die Lage des schwangern Uterus be- treffend, so ist sie nach den verschiedenen Schwangerschafts- monaten verschieden. Im ersten Monate bleibt der Uterus ziemlich in seiner gewohnten Lage, schwellt aber durch sein Anwachsen die Gegend uͤber dem Schambogen etwas auf. Im zweiten Monate hingegen sinkt der schwangere Ute- rus bei vermehrter Schwere etwas tiefer ins kleine Becken herab. Die Vaginalportion ist immer leicht und tief zu fuͤhlen, und aͤußerlich bemerkt man, daß der Leib sich in der regio hypogastrica etwas abflacht. — Vom dritten Mo- nate an, wird nun das allmaͤhlige Hervorheben des Uterus aus der Beckenhoͤhle bemerkt, der sich vergroͤßernde Uterus findet hier nicht mehr Raum, und sein Grund tritt uͤber den Schambogen ins große Becken herauf. In den folgen- den Monaten hebt er sich immer mehr, treibt die Unterleibs- bedeckungen auf, kommt gegen den sechsten Monat in die Nabelgegend und treibt im siebenten den sonst nach innen gezogenen Nabel, als eine vorragende Erhabenheit nach außen, und erreicht so im neunten Monate mit seinem Grunde die Gegend der Herzgrube, wodurch das Athemholen, ver- moͤge des gehinderten Herabsteigens des Zwerchfells beengt wird, und bei zunehmendem Gewicht der Bauchgegend der Koͤrper oberwaͤrts mehr zuruͤckgebogen getragen werden muß, um das Gleichgewicht zu erhalten. Im zehnten Monat endlich bemerkt man, daß der schwangere Uterus sich wieder etwas herabsenkt und zwar sowohl wegen vermehrter Schwere tiefer ins Becken herabsteigend, als mit dem Grunde sich mehr vorwaͤrts uͤber neigend, wobei das Athemholen wieder etwas freier wird, und der vorliegende Kindestheil, nament- lich der Kopf, bei der innern Untersuchung tiefer im Becken stehend gefunden wird. §. 754. Die Axe des schwangeren uͤber das kleine Becken herauf- gehobenen Uterus faͤllt uͤbrigens ziemlich in die Richtung der Levret ’schen Beckenachse, jedoch ist ihre Neigung gegen den Horizont theils nicht so stark, theils weicht sie auch groͤßtentheils etwas gegen die rechte Seite ab, wovon die Ursache sowohl darin, daß der von links herabsteigende Mastdarm den Uterus mehr nach rechts draͤngt, als darin, daß die gewoͤhnliche Lage im Schlaf mehr auf der rechten Seite ist, und dadurch der schwere Gebaͤrmuttergrund gegen dieselbe Seite sinkt, gesucht werden muß. — Der Uterus selbst liegt uͤbrigens immer unmittelbar hinter den Bauch- decken und so, daß er die Windungen des Darmkanals ganz gegen den hintern Raum der Bauchhoͤhle zuruͤckdraͤngt und das Netz aufwaͤrts schiebt; ein Verhalten, welches, wenn man es bei der Sektion einer hochschwangern Person be- obachtet, oft bewundern laͤßt, daß die so eingepreßten Ge- daͤrme doch ihre Funktion fortzuuͤben im Stande sind. §. 755. Veraͤnderungen der Mutterscheide . Auch dieser Theil des allgemeinen Fruchtganges nimmt an den Veraͤnde- rungen des Uterus ungefaͤhr auf die Weise wie die Fallopi- schen Roͤhren Antheil, ihre Waͤnde lockern sich mehr auf, erscheinen blutreicher und waͤrmer, und sondern mehr Schleim aus, ein Abgang welcher zuweilen in eine wahrhafte gut- artige Leukorrhoͤe uͤbergeht, die jedoch mit dem Ende der Schwangerschaft ebenfalls ihr Ende zu erreichen pflegt. Alles Veraͤnderungen, wodurch namentlich die bedeutende Erweite- rung, welche dieser Theil unter der Geburt erfaͤhrt, vorbe- reitet wird. b ) Veraͤnderungen der aͤußern Geschlechtstheile . §. 756. Sie betreffen hauptsaͤchlich die Bruͤste , welche hier wieder die vollkommenste Uebereinstimmung mit dem Zustande des Uterus zeigen, und ebenfalls in eine groͤßere Thaͤtigkeit versetzt werden, und anschwellen, so wie jener eine groͤßere Blutmasse aufnimmt und in seinen Waͤnden anschwillt. Man fin- det die Bruͤste daher vorzuͤglich in der letzten Haͤlfte der Schwan- gerschaft derber, und die Milchgefaͤße mehr gefuͤllt, welches nicht selten den Schwangern Gefuͤhl von Spannen, Druͤcken, oder von fluͤchtigen Stichen verursacht, die Warzen werden mehr hervorgehoben, verdunkeln ihre Farbe, ja ergießen sogar milchige Feuchtigkeit. §. 757. Endlich nehmen auch die uͤbrigen aͤußern Ge- schlechtstheile an den Veraͤnderungen der Schwanger- schaft Antheil; auch hier naͤmlich bemerkt man einen vermehrten Turgor und eine erhoͤhte Temperatur, die Labia majora vorzuͤglich sind dicker und wulstiger und nehmen zuweilen selbst an den unten zu erwaͤhnenden oͤdematoͤsen oder vari- koͤsen Anschwellungen der Schenkel Theil. Anmerkung . Oefters, und ganz naturgemaͤß, ist auch von geschehener Empfaͤngniß an, ein Widerwille gegen den erneuten Coitus vorhanden, jedoch ist dieß keinesweges durch- gaͤngig der Fall. 2) Veraͤnderungen im Allgemeinbefinden des muͤtterlichen Koͤrpers . §. 758. Wir unterscheiden theils die Veraͤnderungen in der allge- meinen Koͤrperbildung, theils die Veraͤnderungen der einzel- nen organischen Systeme: — 1) Allgemeine Koͤrperbildung . Die Richtung der allgemeinen Bildungsthaͤtigkeit, welche sich in dieser Zeit namentlich auf den Uterus concentrirt, macht, daß die ge- sammte Beckengegend jetzt ebenfalls reichlicher ernaͤhrt wird; die Beckenknochen selbst erhalten daher erst zur Zeit der er- sten Schwangerschaft ihre recht vollkommene Ausbildung und Rundung. Die Beckenbaͤnder werden elastischer, aber keines- weges erschlafft, so daß etwa ein Beweglichwerden der sonst sten Knochenverbindungen des Beckens angenommen werden duͤrfte (welche Annahme fruͤher von den meisten Geburts- helfern behauptet wurde, obwohl sie fuͤr den Menschen kei- nesweges statthaft ist, wenn auch nach Le Gallois und An- dern die Schamfuge bei einigen Saͤugethieren [Meerschwein- chen, Igeln, Baͤren] sich waͤhrend der Geburt allerdings wohl erweitert). Mit dieser groͤßern Ausbildung des Beckens aber erfolgt das Staͤrkerwerden der Huͤften und die Ablage- rung von mehrerem Fett und Zellgewebe unter der Haut in der Gegend des Beckens und Leibes gleichzeitig, dahingegen zugleich oft sehr bemerklich die obere Haͤlfte des Rumpfs und die obern Extremitaͤten magerer werden. — Was die Ausdehnung des Unterleibes betrifft, so richtet sie sich nach der Groͤße und Lage des schwangern Uterus und ist daher schon in den vorigen Paragraphen mit betrachtet worden. §. 759. 2) Die einzelnen organischen Systeme . Hier ist zu erwarten, daß diejenigen die auffallendsten Veraͤnde- rungen zeigen werden, welche dem Geschlechtssysteme am naͤchsten stehen, ihrer Lage sowohl als Verrichtung nach. — Hierher gehoͤrt aber vorzuͤglich erstens die gesammte vegeta- tive Sphaͤre des Organismus uͤberhaupt und das Verdau- ungs- und Gefaͤßsystem insbesondere. Anmerkung . Die mancherlei Stoͤrungen, welche in diesen verschiedenen organischen Systemen zur Zeit der Schwan- gerschaft vorkommen, begruͤnden zugleich die mancherlei Stoͤ- rungen des voͤlligen Wohlbefindens schwangerer Personen im Allgemeinen, und es werden diese Stoͤrungen eines Theils, sobald sie nicht allzubetraͤchtlich sind, als gewoͤhnliche Zei- chen und Begleiter der Schwangerschaft, Gegenstaͤnde der Diaͤtetick, andern Theils, sobald sie im hoͤhern Grade er- scheinen und wirklich krankhafte Zustaͤnde veranlassen, Gegen- staͤnde der Therapie. §. 760. 3) Verdauung . Immer finden wir, daß, sobald der Koͤrper in irgend einer bedeutenden Revolution oder Entwi- ckelung begriffen ist, der Darmkanal gegen die Aufnahme aͤußerer Stoffe verstimmt ist; so beim Eintritt der Men- struation, beim Zahnwechsel, bei jeder Krankheit. Eben so ist nun auch bei der wichtigen Entwickelung die im weiblichen Koͤrper mit der Conception beginnt, die Funktion des Darm- kanals in mehrerer Hinsicht gehemmt; gleich wie zu Anfange einer Entzuͤndung oder eines Fiebers, wird haͤufig die Zunge belegt, der Appetit, namentlich zu staͤrker naͤhrenden Speisen, Fleisch, Brod u. s. w., verliert sich nicht nur, sondern ver- wandelt sich in vollkommensten Widerwillen und Eckel, ob- wohl sich auch zuweilen ungewoͤhnliche Appetite und Geluͤste selbst nach sonst nicht genießbaren Dingen einfinden. Nicht selten tritt ferner wirkliches Erbrechen und zwar mitunter nach je- der genossenen Speise, und selbst ohne diese ein, wobei vor- zuͤglich auf die groͤßere Erregung in dem untern dem Uterus zunaͤchst liegenden Theile des Darmkanals, als Ursache die- ser antiperistaltischen Bewegung Ruͤcksicht zu nehmen ist. §. 761. Ueberhaupt aber sind diese und aͤhnliche Erscheinungen nicht etwa blos aus dem Drucke des schwangern Uterus auf die Unterleibseingeweide, sondern hauptsaͤchlich aus dynami- schen Einwirkungen zu erklaͤren, wovon der deutlichste Be- weis darin liegt, daß nicht in der Zeit, wo der Druck des Uterus am bedeutendsten ist, naͤmlich gegen das Ende der Schwangerschaft, sondern da, wo der Uterus sich nur wenig vergroͤßert hat, d. i. in den ersten Monaten der Schwanger- schaft die Erscheinungen von Appetitlosigkeit, Eckel, Erbre- chen u. s. w. am haͤufigsten und staͤrksten sind. §. 762. Jedoch nicht allein die Thaͤtigkeit des Magens und der duͤnnen Gedaͤrme, sondern auch die des Dickdarms wird auf mehrfache Weise abgeaͤndert. Hierhin gehoͤren vorzuͤglich die in der letzten Haͤlfte (und dann rein mechanisch durch den Druck des Uterus) zuweilen aber auch schon in der ersten Haͤlfte (wegen erhoͤhter Gefaͤßthaͤtigkeit) sich zeigende Versto- pfung, verbunden oft noch mit Blaͤhungsbeschwerden und kolikartigen Schmerzen; ferner die zuweilen auch, namentlich in atonischen Koͤrpern, sich einfindende Diarrhoͤe, wo die Darmsekretion gleich der Absonderung im Uterus, jedoch eben darum oft zum Nachtheil der letztern erhoͤht wird. §. 763. b ) Gefaͤßsystem . Wie uͤberhaupt eine jede besondere organische Thaͤtigkeit immer nur Resultat der allgemeinen Thaͤtigkeit seyn kann, so ist auch die erhoͤhte Thaͤtigkeit der Uteringefaͤße bedingt durch die des Gefaͤßsystems im Allge- meinen. Die Stimmung dieses letztern ist aber durch den neu angeregten Bildungsprozeß in mehrerer Hinsicht veraͤn- dert: erstens die Blutmasse selbst ist wegen der spaͤter zu erwaͤh- nenden herabgestimmten Athmungsthaͤtigkeit in geringerem Grade oxydirt, dagegen reicher als gewoͤhnlich, an plastischer Lymphe, weshalb man theils auf dem aus der Ader gelas- senen Blute schwangerer Personen gewoͤhnlich, wie auf dem Blute der Kranken welche an Endzuͤndungsfiebern leiden, eine Speckhaut ( Crusta inflammatoria hier auch wohl Cru- sta lactea genannt) sich bilden sieht, theils aber auch im Koͤrper uͤberhaupt Neigung zu ungleichmaͤßiger Blutverthei- lung, zu Fieberbewegungen und Congestionen bemerkt, welche letztere die Ursache vieler sich am Nervensystem aussprechen- den Zufaͤlle oͤrtlicher Schmerzen, der Ohnmachten, des Schwin- dels, ja der Verstimmungen des Gemuͤths werden. §. 764. Vorzuͤglich merkwuͤrdig sind indeß noch die Erscheinungen, welche das Leben der venoͤsen Gefaͤße zur Zeit der Schwan- gerschaft darbietet, indem namentlich es haͤufig der Fall ist, daß die betraͤchtlichen Erweiterungen in den Venen des Uterus, consensuell auch Erweiterungen in den Venenzweigen ( Krampfadern, Wehadern , Varices ) auf der Ober- flaͤche der untern Extremitaͤten und der aͤußern Geschlechts- theile so wie der Haͤmorrhoidalvenen zur Folge haben; Er- scheinungen, welche man eben so wenig als die Verdauungs- stoͤrungen, allein dem Drucke des schwangern Uterus zu- schreiben darf, obwohl derselbe hier mehr einwirkt, und des- halb auch diese Erweiterungen sowohl, als das ebenfalls in Folge gehinderten Ruͤckflusses des Blutes nicht selten sich bildende Oedem der Fuͤsse, Schenkel und aͤußern Geschlechts- theile, vorzuͤglich in den letzten Monaten der Schwanger- schaft zu entstehen pflegt. §. 765. c ) Athmung und Absonderung . Die Respiration, durch welche stets organischer Stoff verfluͤchtigt und ausge- schieden wird, und welche in dieser Hinsicht der Assimilation entgegen steht, muß nothwendig in einer Periode, wo die Bildungsthaͤtigkeit sich so ausnehmend thaͤtig erzeigen soll, in etwas zuruͤcktreten; eines Theils ist dieß schon zu An- fange der Schwangerschaft, durch dynamische Ursachen be- dingt, der Fall; woher die veraͤnderte Blutmasse und das Stillstehen von Lungenkrankheiten (namentlich der Eitererzeu- gung) erklaͤrt wird, andern Theils wird das Athemholen spaͤterhin selbst mechanisch durch das vom schwangeren Uterus aufwaͤrts getriebene Zwerchfell beschraͤnkt, woher die Engbruͤ- stigkeit und Unfaͤhigkeit zu schnellern und staͤrkern Bewegun- gen erklaͤrlich wird. §. 766. Diese verminderte Lungenthaͤtigkeit scheint indeß haͤufig zur Folge zu haben, daß die Hautthaͤtigkeit, welche bei den Frauen uͤberhaupt (bei geringerer Respiration) energischer von Statten geht (s. Thl. I. §. 59.), im Zustande der Schwan- gerschaft noch mehr erhoͤht wird, welches durch vermehrte Ablagerung kohlenstoffiger Substanz unter der Haut (deshalb veraͤnderte Hautfarbe Gewoͤhnlich wird sie unrein, indeß hat man selbst Faͤlle beobachtet, wo in der Schwangerschaft gelbe, ja schwarzgelbe Farbe zum Vor- schein kam. , Bildung von Flecken, Staͤrkerwer- den der Sommersproßen) so wie durch Entstehung chronischer Entzuͤndungen in Form kleiner Exantheme (als Flechten, Bluͤthen, besonders an den Mundwinkeln u. s. w.) bemerk- bar wird. Ja auch den vermehrten Turgor der Haut, welchen man wohl unterscheiden muß von der oͤdematoͤsen Geschwulst, hat man als Folge dieser staͤrkern Erregung des Hautorgans zu betrachten. Dieser Turgor naͤmlich beschraͤnkt sich nicht wie das Oedem blos auf die untern Extremitaͤten, die Haut fuͤhlt sich nicht wie bei jenem hart oder teigicht und kalt an, wobei der Fingerdruck als weiße Vertiefung eine Zeitlang zuruͤck bleibt, sondern die Haut ist dabei, und zwar oft uͤber den ganzen Koͤrper und namentlich auch an den obern Extremitaͤten natuͤrlich roth, warm und elastisch aufgetrieben, so daß Ringe und dergleichen zu enge werden, ja zuweilen die Personen sich in allen Bewegungen gehindert fuͤhlen, sich nicht mehr selbst aus- und ankleiden koͤnnen, und die groͤßte Zeit liegend zubringen muͤssen. §. 767. Von Absonderungen zeigen sich besonders Gallen- und Harnabsonderung veraͤndert. Erstere betreffend, so nimmt die Leber wegen der sehr veraͤnderten Thaͤtigkeit des Pfortadersystems vorzuͤglich an den Veraͤnderungen der Schwan- gerschaft Antheil. Die Gallenabsonderung ist haͤufig bedeu- tend vermehrt, wodurch das oft sehr copioͤse galligte Erbre- chen, die Appetitlosigkeit, galligte Durchfaͤlle und in Ruͤck- wirkung auf das Nervensystem, Gemuͤthsverstimmungen, Aerger- lichkeit, Melancholie erklaͤrlich wird, und auch die zuweilen eintretende Gelbsucht mit abhaͤngt. — Fast noch mehr wir- ken aber die Veraͤnderungen im Geschlechtssystem auf die physiologisch und anatomisch ihm noch naͤher verwandten Harnwerkzeuge. Der Urin wird daher wieder fast wie bei einer beginnenden Entzuͤndung dunkelroth, brennend, und der Quantitaͤt nach vermindert, oͤfterer Drang zum Uriniren, er- schwertes und tropfenweißes Harnlassen, ja Harnverhaltung treten ein, wovon man ebenfalls die Ursache nicht etwa dem Drucke des Uterus allein zuschreiben darf, da auch diese Be- schwerden weit gewoͤhnlicher im Anfange als im spaͤtern Verlaufe der Schwangerschaft gefuͤhlt werden, und eigentlich nur die in den letzten Wochen der Schwangerschaft bei tief herabgesunkenem Kopfe zuweilen eintretende Ischurie, oder Incontinentia urinae offenbar von mechanischem Drucke ab- haͤngig ist. §. 768. d ) Animale Funktionen . Die Veraͤnderungen, wel- che in der Empfindungs- und Bewegungsthaͤtigkeit sich zei- gen, sind hauptsaͤchlich Reflexe, welche aus den Umaͤnderun- gen des vegetativen Lebens auf diesen hoͤheren Kreis der Lebensthaͤtigkeiten geworfen werden. Hierhin gehoͤren aber die vorzuͤglich von ungleicher Blutvertheilung abhaͤngigen schmerzhaften Empfindungen, als Zahnschmerzen, Halsschmer- zen, Kreuzschmerzen, der unruhige, von mancherlei Traͤumen unterbrochene Schlaf, oder die besonders in den letzten Wo- chen der Schwangerschaft zuweilen vorkommende Schlaflosig- keit, oder auch die bald zu einer bald zur andern Periode der Schwangerschaft eintretende Schlafsucht. Ferner gehoͤren hierher die Zufaͤlle von Schwindel, Ohnmachten, welche zu- weilen in voͤllig asphyktische Zustaͤnde uͤbergehen koͤnnen, und endlich die mancherlei Verstimmungen des Gemuͤths, große Reizbarkeit, Truͤbsinn, Aergerlichkeit u. s. w. §. 769. Am wenigsten zeigt sich verhaͤltnißmaͤßig die Bewegungs- thaͤtigkeit umgeaͤndert, nur erschwert sind uͤberhaupt, so- wohl durch das Staͤrkerwerden des Leibes, als namentlich durch das Beengen der Respiration, alle Anstrengung for- dernde Bewegungen, und die Natur scheint dadurch einen Wink zu geben, daß uͤberhaupt Bewegungen dieser Art jetzt dem Koͤrper unangemessen und nachtheilig werden. — Uebrigens wird zugleich das Tragen des Koͤrpers uͤberhaupt veraͤndert, der Oberkoͤrper ist mehr zuruͤck gebogen, um das Gleichge- wicht zu erhalten, wie schon oben bemerkt worden ist. Mehrfache Schwangerschaften haben keinen an- dern Einfluß auf den muͤtterlichen Koͤrper, als daß dabei gewoͤhnlich manche der genannten Beschwerden, als Spannung der Bauchdecken, Engbruͤstigkeit u. s. w. vermehrt werden. §. 770. So weit denn die Geschichte der normalen Schwanger- schaft. — Fuͤr zweckmaͤßige Behandlung des schwangern sowohl als nicht schwangern Koͤrpers ist es indeß nothwen- dig, so wie auch in gerichtlicher Hinsicht aͤußerst wichtig, vom Daseyn oder Nichtdaseyn der Schwangerschaft uͤberhaupt, von dem Zeitpunkte, in welchem sich eine Schwangerschaft befindet u. s. w. genaue Kenntniß zu erhalten, und fuͤr die- sen Zweck wird es Beduͤrfniß noch ein mal hier in einem be- sondern Abschnitte die Zeichen der Schwangerschaft zusammen zu stellen. §. 771. Diese Zeichen aber koͤnnen natuͤrlich nichts anders seyn, als aͤußerlich wahrnehmbare oder durch Fragen zu erforschende Veraͤnderungen, welche das Daseyn der Frucht hervor bringt, und also eben die Zustaͤnde, welche wir in den vorigen Pa- ragraphen beschrieben haben, die aber hier vorzuͤglich in der Ordnung, wie sie den meisten diagnostischen Werth haben, zusammen gestellt werden muͤssen. Wir unterscheiden hierbei: 1) Kennzeichen der einfachen Schwangerschaft uͤberhaupt, und nach ihren einzelnen Monaten a ) gewisse, b ) ungewisse Kennzeichen. 2) Besondere Kennzeichen der mehrfachen Schwanger- schaft. 3) Kennzeichen des Geschlechts vom Kinde. 4) Kennzeichen fuͤr das Leben oder den Tod des Kindes. 5) Kennzeichen der ersten , so wie der wiederholten Schwangerschaft. 5) Zeichenlehre fuͤr die regelmaͤßige Schwan- gerschaft . 1) Kennzeichen der regelmaͤßigen einfachen Schwangerschaft uͤberhaupt, und ihrer ein- zelnen Monate insbesondere . §. 772. Wenn man die Zeichen, welche am weiblichen Koͤrper fuͤr den Zustand der Schwangerschaft sich auffinden lassen, nach dem Grade ihrer Zuverlaͤssigkeit ordnen will, so ist klar, daß diejenigen oben an stehen muͤssen, welche unmittelbar von dem Daseyn einer Frucht im Innern des Koͤrpers uͤber- haupt uns Kunde geben, welches sonach nichts anderes seyn kann, als das Wahrnehmen dieser Frucht durch das Gefuͤhl selbst. Hierauf werden diejenigen Zeichen folgen, welche be- zeugen, daß der Uterus in dem Maaße umgeaͤndert ist, wie er es gewoͤhnlich durch die Schwangerschaft zu werden pflegt; allein hier wird schon ein geringerer Grad von Zuverlaͤssig- keit eintreten, da unter gewissen Umstaͤnden diese Umaͤnde- rungen auch durch andere Ursachen herbeigefuͤhrt werden koͤn- nen. Noch geringer wird, aus demselben Grunde, die Zu- verlaͤssigkeit seyn, welche die Veraͤnderungen der uͤbrigen Theile des Geschlechtssystems gewaͤhrt, und am wenigsten diagnostischen Werth endlich werden die Veraͤnderungen der uͤbrigen organischen Systeme gewaͤhren, obwohl auch hier die aus der vegetativen Sphaͤre entlehnten wichtiger sind, als die aus der animalen. §. 773. 1) Gewisse Kennzeichen der Schwangerschaft . Zu dieser Rubrik kann einzig und allein das bei der aͤußern oder innern Untersuchung moͤglich gewordene Wahrnehmen von Theilen der Frucht d. i. von Eihaͤuten, Frucht- wasser, Mutterkuchen, namentlich aber von Kindestheilen und Kindesbewegungen durch das Gefuͤhl des untersuchenden Arztes seyn. — Da man aber hierbei auf die Aussagen der untersuchten Person, indem sie entweder absichtlich oder unwillkuͤrlich taͤuschen koͤnnte, gar nichts geben darf, und die genannten Gegenstaͤnde selbst oft erst in spaͤter Zeit der Schwangerschaft fuͤr das Gefuͤhl deutlich wahrnehmbar wer- den, so ist das Auffinden dieser, demungeachtet so wichtigen Zeichen, oft ein sehr schweres Geschaͤft. §. 774. Am fruͤhesten aber sind gewoͤhnlich die Theile des Kin- des, so wie das Gefuͤhl des fluktuirenden Fruchtwassers durch die aͤußere Untersuchung des Unterleibes wahrzunehmen. Man laͤßt zu diesem Behuf die zu Untersuchende nach entleertem Stuhl und Urin, die horizontale Lage mit etwas erhabenem Oberkoͤrper (damit die Bauchdecken erschlafft sind) annehmen, und untersucht nun besonders sorgfaͤltig durch die aufgelegte flache Hand die Regio hypogastrica, woselbst man in der Tiefe oft schon in der achten oder zehnten Woche bei nicht zu fetten Bauchdecken den aufschwellenden Uterus wahrneh- men wird. Dieses wird natuͤrlich, je weiter die Schwanger- schaft vorruͤckt, um so leichter. Sollte man indeß vielleicht ungewiß seyn, ob die gefuͤhlte kugliche Masse der Uterus sey, so kann man sich, indem man dieser Masse moͤglichst tief ins Becken hinab folgt, oder auch indem man zugleich innerlich untersucht, und die Vaginalportion gelind hin und her bewegt, aufmerkend ob aͤußerlich entsprechende Bewegun- gen bemerkt werden, genauer davon uͤberzeugen. — Ist nun der Uterus selbst nicht allzu dickwandig, so wird man ferner im dritten oder vierten Monat bei dieser Art der Untersuchung im Innern desselben, durch abwechselndes Aufdruͤcken zweier Fingerspitzen das Gefuͤhl einer Fluktuation, so wie das Gefuͤhl eines festern in dieser Fluͤssigkeit schwimmenden Koͤrpers erhalten koͤnnen, und darin ein sicheres Kennzeichen der Schwangerschaft gefunden haben. §. 774. Ist die Schwangerschaft uͤber die Haͤlfte vorgeruͤckt, so wird das Auffinden der Kindestheile auf diese Weise immer leichter. Man kann nun den aufgetriebenen Uterus deutlich unterscheiden, und obwohl auch hier noch zuweilen die Wahr- nehmungen durch Dicke des Uterus, so wie der Bauchwaͤnde erschwert werden, so werden dagegen haͤufig selbst die Kindesbewegungen zu fuͤhlen seyn. Um diese letztern aufzu- regen und zu entdecken, ist es vorzuͤglich zu empfehlen, bei aufrechter Stellung der Schwangern, durch gleichzeitig vor- genommene innere Untersuchung mit dem Zeigefinger der rechten, und Anlegung der flachen linken Hand auf die Bauchhaut, ein gelindes Schwanken des Uterus zu bewirken, wodurch dann oft die Bewegung des Kindes als ein leises Andraͤngen oder Anstoßen an die Wand des Uterus wahrge- nommen wird; oder auch mit einer etwas kalten Hand auf den Unterleib zu fuͤhlen, welches ebenfalls oft Bewegungen zur Folge hat. — Einen vorliegenden Kindestheil endlich bei der innern Untersuchung zu entdecken, ist gewoͤhnlich erst um den siebenten Monat moͤglich; so wie oft noch spaͤter erst durch den Muttermund, Eihaͤute oder Mutterkuchen erreich- bar werden, da man hingegen das Fluktuiren des Frucht- wassers oft schon um den fuͤnften oder sechsten Monat auch in- nerlich durch das untere Segment des Uterus wahrnehmen kann. §. 775. 2) Weniger sichere Kennzeichen der Schwan- gerschaft . — Am wichtigsten sind unter diesen die Ver- aͤnderungen am Uterus, als: a ) das Außenbleiben der Men- struation. b ) Das Verkuͤrzen der Vaginalportion, verbunden mit Auflockerung und elastischer Anschwellung derselben (wo- durch man diese regelmaͤßige Verkuͤrzung besonders von den krankhaften Verkuͤrzungen bei Gebaͤrmutterkrebs, Gebaͤrmut- terpolypen u. s. w. unterscheiden kann). c ) Die Veraͤnde- II. Theil. 6 rung des Muttermundes in eine runde Oeffnung, wobei man indeß sich nicht von dem, bei Personen welche mehrere Male geboren haben, auch im ungeschwaͤngerten Zustande etwas mehr erschlafften und geoͤffneten Muttermunde taͤuschen lassen muß. d ) Das Anschwellen und Vergroͤßern des Uterus, so wie die veraͤnderte Stellung desselben, und die dadurch ver- aͤnderte Form des Leibes im Umfange sowohl, als ruͤcksicht- lich des hervorragenden Nabels, wobei, was den Uterus be- trifft, wieder das oben (§. 673.) beschriebene Verfahren fuͤr die ersten Monate namentlich empfohlen werden muß, indem man innerlich zugleich auf den Stand der Vaginal- portion, z. B. auf das Tieferliegen derselben im zweiten Monat, Ruͤcksicht nimmt. §. 776. Es folgen hierauf die aus dem Zustande der uͤbrigen Ge- schlechtstheile hergenommenen Kennzeichen: a ) die Auflocke- rung und groͤßere Erweiterung so wohl, als Waͤrme der Vagina, nebst vermehrter Schleimabsondernng derselben; b ) die Anschwellung und vermehrte Waͤrme der aͤußern Scham- theile, und c ) das Anschwellen der Bruͤste, die zuweilen in denselben bereits beginnende Milchabsonderung, und das Ge- fuͤhl fluͤchtiger Stiche in denselben. — Als Zeichen der er- folgten Umaͤnderung in der Stimmung des Geschlechtssystems kann es endlich auch dienen, wenn (obwohl dieses Zeichen nicht immer bemerkt wird) die Umarmungen des Mannes der Frau zuwider sind. — §. 777. Als die noch weniger entscheidenden Zeichen sind nun zu- letzt die aus den uͤbrigen organischen Systemen her- nommenen zu erwaͤhnen. Es gehoͤren hierhin die Ueblichkei- ten, das Erbrechen, die ungewoͤhnlichen Appetite, die Ver- stopfung, Neigung zu Durchfall, die Wallungen, Ohnmach- ten, Kreuzschmerzen, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, das er- schwerte und oͤftere Uriniren, die Umaͤnderungen der Haut- farbe, die chronischen Hautausschlaͤge, das Anschwellen der der Schenkel, das Anlaufen der Krampfadern, die Verstim- mungen des Gemuͤths u. s. w.; welche Zufaͤlle wir saͤmmt- lich in den vorigen Paragraphen ausfuͤhrlich durchgegangen haben, welche aber (und dieses gilt von allen unsichern Kennzeichen) um so mehr diagnostischen Werth haben, je gesuͤnder das untersuchte Subject uͤbrigens ist, und je weniger man folglich Ursache hat die erwaͤhnten allgemeinen Zufaͤlle so wie die Umaͤnderungen der Geschlechtstheile, fuͤr Wirkungen eines krankhaften Zustandes zu halten. §. 778. Die Ordnung, in welcher man die geburtshuͤlfliche Un- tersuchung zur Ausmittelung der Schwangerschaft vornimmt, ist uͤbrigens ganz die oben ( I. Thl. §. 89. u. f.) beschriebene, nur daß man hierbei besonders die weichen Theile ins Auge faßt, und zugleich auf Individualitaͤt des Koͤrpers uͤberhaupt sorgfaͤltig. Ruͤcksicht nimmt, indem man außerdem leicht zu falschen Resultaten uͤber den Schwangerschaftszustand kommen kann; z. B. den weit geoͤffneten Muttermund bei einer schon mehrere male Schwangern fuͤr das Zeichen bevorstehender Ent- bindung; oder den von einer Niederkunft zuruͤckgebliebenen star- ken Leib und kuͤrzern Gebaͤrmutterhals fuͤr das Zeichen vor- handener Schwangerschaft nimmt u. s. w. — Eben so sehr hat man dagegen auf Zeichen zu achten, welche irgend ei- nem gewissen Koͤrper im Zustande der Schwangerschaft eigen- thuͤmlich sind, und daher weil sie bei jeder Schwangerschaft zuruͤckkehren, fuͤr diesen Koͤrper von bestimmter diagnostischer Bedeutung erscheinen, wenn sie gleich fuͤr andere Koͤrper wenig oder gar keinen Werth haben koͤnnen. — So pflegt z. B. fuͤr manche Personen das Erscheinen eines gewissen Ausschlags, der Widerwille gegen gewisse Speisen, das Eintreten von oͤf- tern Ohnmachten u. s. w. auf das bestimmteste den Beginn der Schwangerschaft zu bezeichnen, wenn dagegen bei andern dieselben Zeichen ganz fehlen Eine vorzuͤgliche Schrift uͤber die Erkennung der Schwangerschaft ist W. J. Schmitt’s Sammlung zweifelhafter Schwangerschafts- faͤlle. Wien 1818. . §. 779. Was endlich die Kennzeichen der einzelnen Mo- nate der Schwangerschaft betrifft, so muͤssen wir hier ganz auf das, was oben uͤber die Veraͤnderungen in der Lage und Form des Uterus, uͤber Ausdehnung des Leibes u. s. w. gesagt worden ist, zuruͤckweisen. Es ergiebt sich da- her z. B. daß das Plattwerden des Leibes, so wie der tiefe Stand und die noch betraͤchtliche Laͤnge der Vaginalportion Kennzeichen des zweiten Schwangerschaftsmonats, das Her- aufragen des Gebaͤrmuttergrundes bis in die Nabelgegend, und die Verkuͤrzung der Vaginalportion bis zur Haͤlfte, Zei- chen der Haͤlfte der Schwangerschaft, die Erfuͤllung der vordern Gegend der Bauchhoͤhle bis zur Herzgrube, und der noch nicht fest stehende Kopf, so wie der immer noch nicht ganz verstrichene Mutterhals, Zeichen des neunten Monats, das Senken des Leibes, das Feststellen des Kindeskopfs, der oͤftere Drang zum Urinlassen, und die Eroͤffnung des Mut- termundes Zeichen des zehnten Monats abgeben u. s. w. — 2) Kennzeichen der mehrfachen Schwan- gerschaft . §. 780. Fuͤr diesen Zustand koͤnnen nur wenige und durchans keine vollkommen zuverlaͤssigen Kennzeichen aufgefuͤhrt werden. Folgende verdienen noch am meisten beachtet zu werden, und in einem Falle, wo sie sich alle zusammen vorfinden, kann man denn auch mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, daß wirklich mehr als eine Frucht im Uterus vorhanden sey: a ) Sehr betraͤchtliche Ausdehnung des Leibes; b ) fruͤher, und staͤrker wahrgenommene Bewegung des Kindes, und zugleich das Fuͤhlen dieser Bewegungen in verschiedener Richtung; c ) eine Laͤngenfurche auf der Linea alba; d ) uͤberhaupt das Erscheinen der gewoͤhnlichen Beschwerden der Schwangerschaft in hoͤherem Grade. — Alle diese Zufaͤlle werden indeß so haͤufig auch durch ein sehr starkes Kind, durch vieles Frucht- wasser, oder ungewoͤhnliche Lage des Kindes veranlaßt, und werden hinwiederum auch bei vorhandenen Zwillingen nicht selten vermißt, so daß oͤftere Taͤuschungen in Hinsicht der Bestimmung einer einfachen oder mehrfachen Schwangerschaft fast ganz unvermeidlich sind. 3) Kennzeichen fuͤr das Geschlecht des Kindes . §. 781. Alle in dieser Hinsicht bisher von einzelnen Aerzten oder Geburtshelfern aufgestellten Kennzeichen, z. B. haͤufige- res Erbrechen und hellere Augen bei Schwangerschaften mit Knaben und staͤrkerer Schleimabgang aus der Vagina, so wie oͤftere Ohnmachten bei Schwangerschaften mit Maͤdchen u. s. w. koͤnnen eben so wenig als das neuerlich von einem franzoͤsischen Arzte vorgeschlagene Kennzeichen im Pulse (wo die staͤrkern Pulsschlaͤge am rechten Arm einen Knaben, die staͤrkern Pulsschlaͤge am linken Arm ein Maͤdchen bezeichnen sollen) uͤber diese Gegenstaͤnde irgend Gewißheit geben. — Ueberhaupt sind auch selbst physiologisch die Momente, von welchen die Erzeugung eines oder des andern Geschlechts ab- haͤngt, durchaus nicht einzeln nachzuweisen, denn weder daß das eine Geschlecht von dem einen Ovario, das andere von dem andern Ovario abhaͤngig sey, hat sich erwiesen, noch daß die Geschlechtsverschiedenheit, je nachdem das Sperma aus einem oder dem andern Hoden komme, bestimmt werde. Nur so viel darf man annehmen, daß die Mehrzahl der Erstge- bornen einer Frau, weiblichen Geschlechts sey, eben so wie es wahrscheinlich ist, daß uͤberhaupt die groͤßere Lebensenergie eines der beiden zeugenden Individuen im Moment der Conce- ption, vorzuͤglich das Geschlecht des Embry’os bestimme. 4) Kennzeichen uͤber Leben und Tod des Fetus . §. 782. Die Kennzeichen des Lebens koͤnnen mit Aus- nahme der vom Geburtshelfer selbst gefuͤhlten Bewegungen des Fetus, als dem sichersten Merkmale, nur im ungestoͤrten Fortgange der Schwangerschaft und in der Abwesenheit von den Kennzeichen des Todes liegen. Die Kenuzeichen des Todes der Frucht sind aber folgende, von denen jedoch keins allein als voͤllig untruͤglich betrachtet werden darf: a ) vor- ausgegangene Schaͤdlichkeiten welche das Absterben des Fetus veranlassen konnten, als Krankheiten, gewaltsame Erschuͤtte- rungen, Blutfluͤsse u. s. w. b ) Schauder und Frost, welche von Zeit zu Zeit wiederkehren und ein allgemeines unbehag- liches Gefuͤhl nach sich lassen. c ) Verlorner Appetit, faulig- ter Geschmack im Munde, und Schwaͤche des ganzen Koͤr- pers. d ) Gefuͤhl von Schwere und Kaͤlte des Unterleibes, welcher sich gern auf die Seite hinneigt, auf welcher eine Schwangere sich niederlegt, und eben so leicht bei der Wen- dung des Koͤrpers auf die andere Seite faͤllt. e ) Zusammen- fallen und kuͤhlere Beschaffenheit der Bruͤste sowohl, als der Mutterscheide und aͤußern Geschlechtstheile. f ) Gaͤnzlicher Mangel der Bewegungen des Kindes. 5) Kennzeichen der ersten und der wiederhol- ten Schwangerschaft . §. 783. Wir muͤssen hierbei auf das zuruͤckweisen, was im ersten Theile (§. 53.) uͤber die Zeichen vorausgegangener Geburten gesagt worden ist (als groͤßere Schlaffheit der Bauchbedeckun- gen, schlafferer Scheidenkanal, eingerissenes oder sehr erschlafftes Schambaͤndchen, dunklere Warzen u. s. w.) deren Anwesenheit oder Abwesenheit schon hieruͤber Aufschluß geben kann; in- deß ist auch im Verlauf der Schwangerschaft selbst ein Unter- schied wahrzunehmen, je nachdem es die erste oder wieder- holte ist, und hiervon jetzt noch Einiges: — Es sind aber erstens die Beschwerden der Schwangerschaft gewoͤhnlich in der ersten Schwangerschaft betraͤchtlicher, als in der zwei- ten oder dritten, ungefaͤhr so wie die Molimina ad men- struationem bei dem ersten Eintritt der Menstruation hefti- ger zu seyn pflegen, als bei der Wiederkehr derselben. Ferner verkuͤrzt sich der Gebaͤrmutterhals bei der ersten Schwanger- schaft regelmaͤßiger und verstreicht gegen das Ende derselben ganz, welches bei wiederholter Schwangerschaft, wo er zu- gleich weit schlaffer ist, nicht der Fall zu seyn pflegt, indem da oft noch bis zur Niederkunft ein Theil Vaginalportion uͤbrig bleibt. Endlich ist der Muttermund bei Erstgebaͤren- den als ein rundes bis gegen Ende der Schwangerschaft ge- schlossenes Gruͤbchen sichtbar, an welchem man sogar bis ge- gen die Mitte und zuweilen noch laͤnger die tiefer hervorra- gende vordere Muttermundslippe unterscheiden kann, da hin- gegen bei der wiederholten Schwangerschaft, der Muttermund wegen der Statt gehabten Einrisse sich weit zeitiger eroͤffnet, erschlafftere und wulstigere Raͤnder zeigt. 6) Zeitrechnung der Schwangerschaft . §. 784. Wiewohl man nicht selten findet, daß Personen, welche bereits mehrere male geboren haben, den Termin der eintre- tenden Geburt in einer abermaligen Schwangerschaft selbst am genauesten zu bestimmen im Stande sind, indem ihnen oft ihr Gefuͤhl die Zeit, wo sie schwanger geworden sind, am richtigsten bezeichnet, so ist es doch in vielen andern Faͤllen das Geschaͤft des Arztes diese Bestimmung zu geben, und es sind daher noch die verschiedenen Arten den Termin der Nie- derkunft zu bestimmen, hier kuͤrzlich durchzugehen. §. 785. Zunaͤchst hat man aber zu versuchen, ob von der Schwangern der Tag oder die Woche, in welcher sie conci- pirt haben muͤsse, mit einiger Bestimmtheit angegeben wer- den koͤnne, um sodann von dem Tage der Empfaͤngniß an 40 Wochen oder 280 Tage zu zaͤhlen, und so das Ende der Schwangerschaft ungefaͤhr zu treffen (denn haͤufig er- folgt wohl auch die Niederkunft um einige Tage fruͤher oder spaͤter, wobei vorzuͤglich der Tag, an welchem die Menstrua- tion zum letzten mal erschien, zu beruͤcksichtigen ist, indem z. B. oͤfters, wenn diese 8 bis 14 Tage vor der Conception floß, auch die Entbindung 8 und mehrere Tage vor Beendi- gung der 40 Wochen eintreten wird). Eben weil jedoch die Erfahrung zeigt, daß die Rechnung nach 280 Tagen nicht vollkommne Gewißheit des Entbindungstermins gewaͤhrt, so darf man auch nicht umgekehrt schließen, daß genau 280 Tage vor der Niederkunft die Conception Statt gefunden habe. — Ist nun aber uͤber die Zeit der Conception nichts auszumitteln, so haͤlt man sich zweitens an die Zeit des letzten Erscheinens der Menstruation, und rechnet (da man annimmt, daß die Conception vielleicht erst 8 bis 14 ja 21 Tage spaͤter erfolgt seyn koͤnne) von dieser Zeit an 40 bis 42 Wochen. §. 786. Kann man sich indeß auch an diese Art der Rechnung nicht halten, so wird man, sobald uͤberhaupt die Haͤlfte der Schwangerschaft voruͤber ist, genoͤthigt drittens von dem Tage an, wo die Schwangere die ersten Bewegungen des Kindes wahrgenommen hat, zu zaͤhlen, und zwar 20 bis 21 oder 22 Wochen bis zur Niederkunft zu rechnen, bei welcher Berechnung indeß, so wie bei der vorigen, immer nur eine ungefaͤhre Bestimmung der Niederkunftszeit, 8 Tage auf oder ab, moͤglich ist. Fehlt endlich auch die Angabe der ersten gefuͤhlten Kindesbewegungen, so bleibt nichts anderes uͤbrig, als nach den oben (§. 779.) angefuͤhrten Kennzeichen der einzelnen Monate der Schwangerschaft viertens durch die geburtshuͤlfliche Untersuchung den Zeitpunkt, in welchem sich die Schwangerschaft jetzt befindet, und somit auch ihr Ende, auszumitteln. — Wendet man mehrere Methoden dieser Be- rechnung zugleich an, so kann dadurch die Gewißheit des Resultats erhoͤht werden. Anmerkung . Zu schnellerer Berechnung des Termines der Niederkunft bedienen wir uns seit mehreren Jahren im hiesigen Entbindungsinstitute eines Schwangerschaftskalenders, wie ihn die beigefuͤgte Tabelle zeigt. Man findet darauf neben jedem Jahrestage den ihm entsprechenden 140. und 280. Tag, also immer Anfang, Mitte und Ende einer Schwangerschaft neben einander, und kann so, entweder nachdem man den muthmaßlichen Tag der Conception oder den der ersten Kindesbewegungen erfahren hat, sogleich das Ende der Schwangerschaft finden. Die Feststage sind deshalb nothwendig darauf mit zu bemerken, da viele Schwan- gere die Zeit der Conception, letzten Menstruation oder ersten Kindesbewegung, mehr nach bekannten Festtagen als nach dem Datum zu bestimmen pflegen, und man sich folglich durch die Angabe dieser Tage auf dem Schwangerschaftska- lender, das vorherige Einsehen eines wirklichen Kalenders erspart. II. Physiologische Geschichte der Geburt. §. 787. In wiefern uͤberhaupt der nothwendige Eintritt des Ge- burtsgeschaͤfts am Ende der Schwangerschaft und nach gehoͤ- rig beendeter Entwickelung der Frucht, physiologisch begruͤn- det sey, ist bereits in der allgemeinen Gynaͤkologie (Thl. I. §. 22.) bemerkt worden. Hier kann es sonach uns blos be- schaͤftigen den Endzweck der Geburt und den regelmaͤßigen Verlauf derselben zu schildern. §. 788. Was aber den Endzweck der Geburt betrifft, so ist er zweifach: 1) die Austreibung der Frucht zu bewirken, und dadurch das Kind von den ihm nun uͤberfluͤssig gewordenen aͤußern Bildungsorganen zu befreien und seine selbststaͤndige Existenz zu begruͤnden; 2) den Wendepunkt darzustellen, von welchem an der weibliche Koͤrper beginnt wieder in den Zu- stand zuruͤck zu kehren, in welchem er sich vor der Conception befand, und diese Ruͤckkehr, welche sodann waͤhrend der Wo- chen- und Stillungsperiode beendigt wird, einzuleiten. — Wir haben hierbei zu betrachten: 1) Die Geburtsthaͤtigkeit an und fuͤr sich. 2) Die Geschichte der Ausstoßung der Frucht im Allge- meinen. 3) Die Art, wie das Kind bei der Geburt durch das Becken geht, insbesondere. 1) Von der Geburtsthaͤtigkeit des weiblichen Koͤrpers . §. 789. In der Geburtsthaͤtigkeit haben wir zu unterscheiden zwi- schen der Thaͤtigkeit des Geschlechtssystems und namentlich des Uterus insbesondere, und ferner der allgemeinen Thaͤtig- keit des weiblichen Koͤrpers. 1) Thaͤtigkeit der Gebaͤrmutter . Die außeror- dentlich kraͤftige Thaͤtigkeit dieses Organs (dessen Name selbst davon entlehnt ist) recht zu verstehen, ist es noͤthig an die Entwicklung desselben, als darmartiges Gebilde (Thl. I. §. 27. u. f.), und seine damit uͤbereinstimmende Struktur sich zu erinnern; denn wie diese Struktur, so ist auch seine Thaͤ- tigkeit vollkommen darmartig, es ist peristaltische Bewegung, d. i. abwechselnde Thaͤtigkeit von Laͤngen- und Zirkelfibern, und eben so wie ein Stuͤck Darm seine Contenta weiter schafft, indem sich nach unten die Zirkelfasern erschlaffen, dahingegen sich die Laͤngenfasern zusammen ziehen und verkuͤrzen, so auch der Uterus; welches um so mehr zu erkennen ist, je darmartiger (wie bei vielen Saͤugethieren) noch die Form dieses Organs sich zeigt. In wiefern jedoch auch der menschliche Uterus nur weitere sphaͤrische Ausbil- dung eines darmartigen Fruchtganges ist, so koͤnnen seine Zu- sammenziehungen mit denen des Magens, als der weitern Ausbildung des Darmkanals, oder denen des Herzens als der weitern Ausbildung eines Gefaͤßstammes verglichen wer- den. Ganz auf aͤhnliche Weise endlich erfolgt auch die Zu- sammenziehung der Harnblase. §. 790. Diese Zusammenziehungen des Uterus nun, werden mit dem Namen der Wehen ( Dolores ad partum ) belegt, und ind jetzt ihrer Ursache, Richtung, Periodicitaͤt, Schmerzhaf- igkeit, so wie ihrem Endzwecke und ihren Kennzeichen nach u betrachten. §. 791. Die Ursache der Wehen betreffend, so ist sie be- gruͤndet in dem, mit erlangter Reife der Frucht erwachten Bestreben des Uterus, in seinen fruͤhern Zustand zuruͤck zu kehren, sich zu verkleinern, und jeden Widerstand welcher hn in diesem Bestreben hindert, aus dem Wege zu raͤumen, folglich die Contenta (die Frucht) auszustoßen. Daß dieses Ausstoßen jedoch nicht die alleinige Veranlassung der Wehen sey, beweist die Erscheinung, daß sie mit beendigter Ausstoßung der Frucht noch nicht verschwinden, sondern auch in die Zeit des Wochenbettes dann sich fortsetzen, wann der Uterus nicht Elasticitaͤt und Kraft genug gehabt hat, sich unmittelbar nach Statt gehabter Entleerung vollkommen zusammen zu ziehen. §. 792. Die Richtung dieser Zusammenziehung ergiebt sich aus dem was uͤber die Bedeutung derselben als peristaltische Be- wegung gesagt ist. Es kommt naͤmlich hierbei darauf an, zunaͤchst den austreibenden Laͤngenfibern das vollkommenste Uebergewicht uͤber die Zirkelfibern zu verschaffen, nach been- digter Entleerung aber alle Faserbuͤndel des Uterus zu einer gleichmaͤßigen Zusammenziehung zu bringen. Es wird hier- durch erklaͤrt, warum man aͤußerlich bei jeder Wehe den Grund der Gebaͤrmutter vorzuͤglich hart werden, und sich verkleinern fuͤhlt (da eben hier die staͤrkste Contraktion Statt findet), wenn hingegen zu eben der Zeit sich Expansion im Muttermunde vorfindet und derselbe sich erweitert Man sehe hieruͤber Reil’s Ideen im VII. Bde. seines Archivs fuͤr Physiol. S. 402. . §. 793. Das periodische Wiederkehren der Zusammen- ziehungen betreffend, so ist es eine Folge der im Allge- meinen der Reproduktion angehoͤrigen Natur des Uterus, denn alles productive Leben erscheint seiner Natur nach periodisch und wechselnd, so wie das geistige Leben seinem Wesen nach be- harrend. Das erstere zeigt sich im Großen im periodischen Umlauf der Himmelskoͤrper, im Wechsel der Jahreszeiten u. s. w., im Einzelnen in periodischer Thaͤtigkeit der reproduk- tiven Gebilde, im Pulsschlag, im Athemholen, in der abwech- selnden Zusammenziehung des Darmkanals. Diesem Gesetz nun ist auch die Thaͤtigkeit des Uterus unterworfen, nur durch abwechselnde Erschlaffungen und Zusammenziehungen seine Bewegung zu uͤben. Eine Erscheinung, deren Wohl- thaͤtigkeit fuͤr das Geburtsgeschaͤft ganz unverkennbar ist, in- dem nur dadurch, daß zwischen den oft so schmerzhaften und anstrengenden Contraktionen, Zwischenraͤume voͤlliger Ruhe und Erholung eintreten, das Ueberstehen des Geburtsgeschaͤfts ohne Stoͤrung der Gesundheit moͤglich wird. §. 794. Die Schmerzhaftigkeit der Wehen ferner, wird erklaͤrlich aus dem was im I. Theil (§. 30.) uͤber die Sen- sibilitaͤt und die Nerven des Uterus gesagt worden ist; denn wenn die Nerven vorzuͤglich in der Gegend des Mut- termundes sich vorfinden, und hier die Sensibilitaͤt des Or- gans vorzuͤglich ihren Sitz hat, so ist wohl klar, daß bei der Wehe wo eben der Muttermund uͤberwaͤltigt werden soll, und sich so betraͤchtlich ausdehnen muß, Schmerz allerdings eintreten muͤsse; daher denn auch nicht nur Wilde und Thiere ebenfalls immer mit einigem Schmerz gebaͤren, sondern na- mentlich der Grad des Schmerzes auch von der Leichtigkeit oder Schwierigkeit der Eroͤffnung des Muttermundes abhaͤngt, und daher der derbere Muttermund einer Erstgebaͤrenden mehr Schmerz verursacht, als der erschlaffte Muttermund einer Person, welche schon oft geboren hat, und eben so der di- ckere menschliche Uterus mehr Schmerz empfindet, als der duͤnnen, mehr haͤutige und darmartige Uterus der Saͤug- thiere. §. 795. Uebrigens haͤngt der Schmerz der Wehen auch nicht blos und allein von dem Muttermunde ab, sondern es kann aller- dings vorzuͤglich bei anstrengendern Geburten der ganze Uterus schmerzhaft werden, welches ja auch in andern fast nerven- losen Organen, ja im Knochen unter geeigneten Zustaͤnden sehr wohl Statt findet, da allerdings Nerven nicht unabaͤnderlich vorhanden seyn muͤssen, wo Schmerz empfunden werden soll. Ferner wird bei jeder Gebnrt Schmerz erregt, durch den Druck der Kindestheile auf die Waͤnde der Vagina, auf Mastdarm und Harnblase, auf die Wurzeln des Nervus ischiadicus (daher oft in die ganzen Schenkel der Schmerz sich erstreckt) und vor- zuͤglich durch die außerordentliche Ausdehnung der empfindli- chen aͤußern Genitalien. §. 796. Bemerkenswerth ist daher auch, daß die Kreisenden den Schmerz immer namentlich im Becken (in der Gegend des Muttermundes u. s. w.) fuͤhlen, der Grund des Uterus aber gewoͤhnlich, so lange die Geburt ganz regelmaͤßig verlaͤuft, unschmerzhaft bleibt, ja daß man oft, was ich haͤufig beob- achtet habe, in dem Grunde des Uterus bereits das Zusam- menziehen und Hartwerden fuͤhlt, bevor noch der Schmerz von der Kreisenden wahrgenommen wird, welchen sie erst in einigen Augenblicken empfindet, sobald die Wirkung auf den Muttermund eingetreten ist. — Was aber die Schmerzhaf- haftigkeit der Contraktionen betrifft, welche bei entleertem Uterus oft noch im Wochenbett (als Nachwehen) eintreten, so sind diese an und fuͤr sich, wenn sie in hoͤherm Grade er- folgen, schon keine ganz regelmaͤßige Erscheinung, sondern krampfhafter Natur, und dem Tenesmus im Darmkanal oder in der Blase zu vergleichen, allein auch die bei Mehrgebaͤh- renden unvermeidlichen Nachwehen lassen einsehen, wie durch das Bestreben der Laͤngenfasern, den durch vorausgegangene Schwangerschaften mehr erschlafften Uterus zur Verkleinerung zu bringen, nothwendig der nun schon mehr verengerte Mut- termund von neuem gereizt werden muͤsse, und dabei auch, durch die Geburtsanstrengung aufgeregt, das Parenchyma uteri schmerzhaft werden koͤnne. §. 797. Endlich ist auch nicht zu uͤbersehen, welche wohlthaͤtige Folgen diese Schmerzen fuͤr das Geburtsgeschaͤft haben; sie sind es, welche das Weib auf das Herannahen eines so wich- tigen Aktes aufmerksam machen, und welche beim Vorruͤcken des Geburtsgeschaͤfts das Weib noͤthigen sich niederzulegen, und dem Koͤrper diejenige Haltung zu geben, welche fuͤr den Austrin des Kindes am zweckmaͤßigsten ist; weshalb wir denn nicht selten bemerken, daß, wo (in seltnern Faͤllen) die Wehen zu wenig schmerzhaft, oder (wenn man den Aussagen der Krei- senden trauen darf) zuweilen ganz schmerzlos sind, der Ge- burtsakt oft unversehens die Frau uͤberrascht, und dadurch das Kind oder die Mutter zu Schaden koͤmmt, oder doch der Geburtsakt zu leichtsinnig betrachtet, und dadurch mancher Nachtheil gestiftet wird. §. 798. Der Endzweck der Wehen ist stets zunaͤchst auf Ver- kleinerung des Uterus und Ruͤckkehr desselben in den fruͤ- hern Zustand gerichtet; da aber dieser Zweck nur erreicht werden kann nach vorheriger Austreibung der Frucht, so muß zweitens auch diese als Ziel der Wehen betrachtet werden; daß sie indeß der Hauptzweck nicht ist, beweist, wie schon be- merkt, die haͤufige Fortdauer der Wehen auch im Wochenbette. §. 799. Kennzeichen der Wehen . Schwangere leiden zu- weilen an verschiedenartigen mitunter heftigen Schmerzen im Unterleibe, welche man leicht fuͤr beginnende Zusammenzie- hungen nehmen koͤnnte, wenn man nicht die charakteristischen Merkmale wahrer Wehen , d. i. eigentlicher Contraktionen des Uterus, im Auge behielte; sie sind folgende: — 1) das periodische Erscheinen derselben, 2) die Richtung, welche der Schmerz nimmt, indem er sich gewoͤhnlich von der Krenzge- gend (der gewoͤhnlichen Stelle des Muttermundes) gegen die Schambeine erstreckt, 3) das aͤußerlich fuͤhlbare Hartwerden des Gebaͤrmuttergrundes unter der Wehe, 4) die sich bemerk- lich machenden Veraͤnderungen des Mutterhalses und der Vaginalportion; 5) daß sie durch kein Mittel, keine Lave- ments, Antispasmodica u. s. w. beseitigt werden koͤnnen. Schmerzen, welche diese Merkmale nicht haben, sind kolik- artiger, entzuͤndlicher oder sonstiger Natur, aber keine wahren Wehen, weshalb sie auch von Manchen den Namen falsche Wehen ( Dolores spurii ) erhalten. §. 800. 2) Thaͤtigkeit der Mutterscheide . Sie ist nur etwas mehr als bloße Elasticitaͤt, da die Fasern der Schei- denwaͤnde nicht ausgebildet genug sind, um kraͤftig zur Austreibung des Kindes mit zu wirken. Demungeachtet be- merkt man nicht selten deutlich die Zusammenziehungen dieses der Hauptsache nach allerdings sich passiv verhaltenden Ka- nals, und zwar ist dieses namentlich bei Austreibung einer in die Vagina herab gesunkenen Placenta, und des Kindes- kopfs (wenn Fuß und Rumpf schon geboren sind) der Fall. Zu bemerken ist noch, daß Schleimabsonderung und Waͤrme derselben zur Zeit der Geburt immer betraͤchtlich zunehmen. §. 801. 3) Die Geburtsthaͤtigkeit des uͤbrigen Koͤr- pers . Sobald der Uterus durch hinlaͤngliche Eroͤffnung sei- ner Muͤndung auf den Austritt des Kindes vorbereitet ist, und die Wehen selbst auf das Austreiben desselben hinwirken, wird ein Trieb im ganzen Koͤrper rege, diese Thaͤtigkeit des Uterus durch Mitwirkung willkuͤhrlicher Muskeln zu unter- stuͤtzen. Die Muskeln, die nun hierbei vorzuͤglich wirksam seyn koͤnnen, sind die die Bauchhoͤhle umschließenden, die recti abdominis, pyramidales, oblique descendentes, oblique ascendentes, transversi, und ganz vorzuͤglich das Diaphragma. Damit nun aber diese Muskeln wirklich die Bauchhoͤhle verengern und so auf den Uterus mit druͤcken koͤnnen, wird erfordert, daß der Rumpf, zu dessen Beugung doch eigentlich die erstgenannten Muskeln bestimmt sind, in eine unbewegliche Lage gebracht werde, damit sich die Kraft jener Muskeln allein auf Verengerung der Bauchhoͤhle con- centrire. Dieses Fixiren des Rumpfes nun, kann nur durch ein Feststemmen der Gliedmaßen bewirkt werden, und man bemerkt deshalb, daß Kreisende, um zu pressen, gewaltsam mit den Haͤnden sich anklammern und festhalten, mit den Fuͤßen aber sich feststemmen, um mit vorwaͤrts nach der Brust geneigtem Kopfe, erst den Athem einzuziehen, folglich die Lungen auszudehnen und das Zwerchfell herabzudraͤngen, dann aber die Luft zuruͤck zu halten, und nun bemuͤht sind, theils durch Zuruͤckpressen der Luft das Zwerchfell noch mehr herunter zu draͤngen, theils durch Einziehen der Bauchwaͤnde, welches bei fixirten Extremitaͤten nicht auf Beugen des Rumpfs wirken kann, die Bauchhoͤhle noch mehr zu verengern. §. 802. Dieses gewaltsame Zuruͤckhalten des Athems aber, ver- bunden mit den Anstrengungen der willkuͤhrlichen Muskeln, hat eine heftige Erregung des Koͤrpers im Allgemeinen zur Folge, der Puls wird frequenter, die Haut roth, Schweiß bricht aus, Congestionen nach Kopf und Brust (welche bei uͤbermaͤßiger Anstrengung oft gefaͤhrlich werden, und selbst Gefaͤßzerreißungen zur Folge haben koͤnnen) treten nicht selten ein. Die Wirkung des Zwerchfells auf den Magen verur- sacht Erbrechen, des Uterus auf den Mastdarm und die Harnblase, unwillkuͤhrliche Stuhl- und Urinausleerungen; die heftige Anstrengung, verbunden mit dem Schmerz, fuͤhrt Zit- tern der Glieder, zuweilen leichte Zuckungen, laute Klagen, Trockenheit im Munde, Durst und Ermattung herbei. Man bezeichnet diese zum Theil willkuͤhrlichen Anstrengungen mit den Namen des Pressens, des Verarbeitens der Wehen ( Labores ad partum ). 2) Geschichte der regelmaͤßigen Geburt im All- gemeinen . §. 803. Es sind hierbei zuvoͤrderst die Bedingungen fest zu stellen, unter welchen eine ganz regelmaͤßige Geburt erfol- gen kann. — Es gehoͤrt aber hierhin: erstens , daß der weibliche Koͤrper im Allgemeinen, und besonders in den ein- zelnen fuͤr das Geburtsgeschaͤft wichtigen Theilen so regelmaͤßig gebildet sey, wie wir ihn in der allgemeinen Gynaͤkologie (Thl. I. §. 16. u. f.) geschildert haben; zweiteus , daß der Uterus sich in der Zeit der Schwangerschaft so entwi- ckele, und der allgemeine Koͤrper sich diesen Modificationen gemaͤß so umgestimmt habe, wie dieß fuͤr diese Periode, der Angabe des vorigen Abschnitts gemaͤß, geschehen soll; drit- tens endlich, daß die Frucht sich in der regelmaͤßigen Zeit der Schwangerschaft ganz so regelmaͤßig, ihrer Groͤße, Lage und Stellung nach entwickelt habe, wie dieß ebenfalls im vorigen Abschnitt beschrieben ist. §. 804. Eingetheilt wird das ganze Geburtsgeschaͤft in fuͤnf Perioden, von welchen die erste die Vorboten der Geburt und das voͤllige Verstreichen des Gebaͤrmutterhalses in sich begreift, die zweite die Eroͤffnung des Muttermundes um- faßt, die dritte die Geburt des Fruchtwassers und Herab- ruͤcken des vorliegenden Kindestheils in die Vagina, die vierte die Geburt des Kindes, und die fuͤnfte die Geburt der Nachgeburt enthaͤlt. Erste, oder vorhersagende Geburtsperiode . §. 805. Die Vorboten der Geburt , mit denen diese Pe- tiode beginnt, sind: vermehrtes Senken des Leibes, groͤßere Auflockerung des Muttermundes, durch welchen der untersu- II. Theil. 7 chende Finger leicht hindurch dringt; eine oft erwachende innere Unruhe, vermehrter Drang zum Wasserlassen und Stuhlgange, Auflockerung und groͤßere Waͤrme der Vagina. Hieran knuͤpfen sich nach und nach, von Zeit zu Zeit ein- tretende leichtere und schnell voruͤber gehende wehenartige Schmerzen, welche von den beginnenden Contraktionen des Uterus abhaͤngen, und den Namen vorhersagende We- hen ( Dolores ad partum praesagientes ) erhalten. Sie werden nach der verschiedenen Constitution auf verschiedene Weise und in verschiedener Staͤrke empfunden, von schwaͤch- lichen und reizbaren Personen oft bereits mehrere Tage vor der wirklichen Geburtsarbeit, von sehr starken wenig reizbaren Personen hingegen, zumal solchen, die bereits mehrere Male geboren haben, werden diese Wehen zuweilen gar nicht, zu- weilen nur wenige Stunden vor dem Beginn der zweiten Pe- riode wahrgenommen. Fuͤr das Geburtsgeschaͤft selbst wir- ken sie, fuͤr die Untersuchung bemerkbar, wenig; das voͤl- lige Verstreichen des Mutterhalses nur beobachtet man zu- weilen durch dieselben beendigt, namentlich bei Erstgebaͤren- den; bei Mehrgebaͤrenden findet man oft noch in der zwei- ten Periode eine betraͤchtliche Vaginalportion vor. Zweite oder vorbereitende Geburtsperiode . §. 806. Die starken, fuͤhlbaren, uach und nach oft schon hoͤchst schmerzhaft werdenden, und haͤufiger (alle 10, 15, 20 Mi- nuten) wiederkehrenden Wehen ( vorbereitende Wehen , Dolores ad partum praeparantes ) wirken jetzt vorzuͤglich auf die Eroͤffnung des Muttermundes hin, welche durch starkes Herab- und Hereindraͤngen eines von Fruchtwasser angespannten Segments der Eihaͤute (der sogenannten sich stellenden Blase ) noch mehr unterstuͤtzt und befoͤrdert wird. — In dieser Periode sollen also vorzuͤglich die Laͤn- genfasern des Gebaͤrmuttergrundes das vollkommenste Ueber- gewicht uͤber die Zirkelfasern oder die Substanz des Mut- termundes erhalten, und es geschieht dieß nur in laͤngerer Zeit Der eigentliche Hergang der Eroͤffnung des Muttermundes hat viel Raͤthselhaftes. Galen sagt schon: Quod os matricis eo us- que aperiatur, ut possit fetibus facilem praebere exitum, nemo ignorat; sed quo pacto id accidat, mirari possumus, intelligere non possumus. Boͤer selbst (Abhandlungen und Vers. III. Bd. S. 208.) welcher obige Stelle als Motto einer Abhandlung aufge- nommen hat, haͤlt die Wehen mehr fuͤr Veranlassungen, als fuͤr wirkliche Ursachen der Muttermundseroͤffnung. Mit ihm betrachten mehrere andere Geburtshelfer die allmaͤhlige Muttermundseroͤffnung fuͤr eine uns noch nicht erklaͤrliche Erscheinung (fast wie manche Physiologen die Erweiterung der Pupille). — Bedenkt man aber recht, welche Wirkungen die Laͤngenfibern im Uterus ausuͤben muͤs- sen, so scheint diese Erweiterung eben so wenig unbegreiflich als die der Magenoͤffnungen oder des Harnblasenausgangs. Indeß ist es allerdings richtig, daß man sich die Muttermundseroͤffnung nicht als ein bloßes mechanisches Auseinandergezerrt- werden, sondern als eine durch Mitwirkung der Contraktionen vor sich gehende organische Bildungs- aͤnderung der Gebaͤrmuttersubstanz und Form selbst vorstellen muͤsse . . Gewoͤhnlich brauchen die Wehen 6 bis 12, ja oft bis 20, und bei bejahrten Erstgebaͤrenden zuweilen sogar bis gegen 30 Stunden Zeit, um die voͤllige Eroͤffnung zu be- werkstelligen, wo man dann endlich, wenn sich nun die Ei- haͤute kuglich und prall durch den voͤllig eroͤffneten Mutter- mund hervor heben, zu sagen pflegt: die Blase stehe springfertig . — Zu bemerken ist uͤbrigens noch, daß waͤhrend der Eroͤffnung des Muttermundes (deren allmaͤhli- ges Vorschreiten man am besten nach dem Durchmesser der Oeffnung in Zollen bestimmt) gewoͤhnlich die Raͤnder des Muttermundes kleine Einrisse erhalten, zugleich aber auch in- nerlich durch das Herabdraͤngen der Eihaͤute, die aͤußere Flaͤche der Lederhaut vom Uterus sich abzuloͤsen beginnt, und daß durch beide Ursachen veranlaßt, gegen die Mitte der zwei- ten Periode etwas Blutabgang erfolgt, welcher den Schleim der Vagina faͤrbt, und am untersuchenden Finger Blutspuren hinterlaͤßt, wofuͤr denn ebenfalls ein Kunstausdruck uͤblich ist, indem man, es als ein Zeichen vorruͤckender Geburt betrach- tend, zu sagen pflegt: es zeichnet . Dritte Geburtsperiode oder Periode der trei- benden Wehen . §. 807. Eine kraͤftige Wehe bewirkt endlich das Reißen der Ei- haͤute (den Blasensprung, ruptura velamentorum ), und das Fruchtwasser fließt großentheils ab, wird geboren; ob- wohl ein anderer Theil oft auch noch hinter dem Kinde zu- ruͤckbleibt. Sind uͤbrigens die beiden Eihaͤute noch um diese Zeit voͤllig getrennt gewesen, und war folglich noch eine be- traͤchtliche Quantitaͤt Liquor allantoidis, oder falsches Was- ser vorhanden, so kann der Blasensprung doppelt eintreten, indem sich beim ersten nur das falsche, beim zweiten Male das wahre Fruchtwasser entleert. Haͤufiger jedoch reißen beide Haͤute zugleich, und zwar erfolgt das Oeffnen der Blase gewoͤhnlich mitten auf dem Muttermunde, mitunter scheint es indeß auch als ob dieselben mehr in der Seite und uͤber dem Muttermunde sich oͤffneten, indem man in ei- nigen Faͤllen das Absickern von Wasser bemerkt, obwohl immer noch eine Blase im Muttermunde sich fuͤhlen laͤßt. §. 808. Nach diesem Wasserabgange erfolgt nun in der Regel ein kleiner Stillstand im Geburtsgeschaͤft; die Wehen setzen ½ bis ¾ Stunde aus, indem die Gebaͤrmutter nach Aus- treibung des groͤßten Theils vom Fruchtwasser Raum findet, sich mehr zu verkleinern, und die Fasern derselben sich erst an diesen Grad von Verkuͤrzung etwas gewoͤhnen muͤs- sen, bevor sie noch staͤrkerer Zusammenziehung faͤhig seyn koͤnnen. — Nach dieser Periode von Ruhe aber erwachen die Wehen um so staͤrker, da der sich jetzt dicht an das Kind anlegende Uterus mehr von dem Kinde gereizt wird, und wirken jetzt unmittelbar auf Austreibung des Kindes, daher sie nun Treibewehen oder eigentliche Geburtswe- hen ( Dolores ad partum proprie sic dicti ) genannt wer- den. Der ganze Koͤrper der Kreisenden wird zugleich jetzt in hoͤherem Grade mit aufgeregt und unwillkuͤhrlich zum Mitverarbeiten der Wehen gezwungen. §. 809. Unter diesen staͤrkern Wehen nun, bei oft laut werdenden Klagen der Kreisenden, und erhoͤhter Hautwaͤrme, verbunden mit Draͤngen auf den Stuhl und Urin, haͤufig auch mit Erbrechen, Schweiß, selbst Zittern, Ohnmachten u. s. w., draͤngt sich der vorliegende Kindestheil, und am haͤufigsten der Kopf in den geoͤffneten Muttermund und zugleich tiefer in das Becken herein. Sobald der Kopf von der Oeffnung des Muttermundes ringfoͤrmig umgeben wird, pflegt man zu sagen: er habe sich gekroͤnt , oder er stehe in der Kroͤ- nung , und es werden hierbei dann oft die Einrisse im Muttermunde, welche insgemein bei der Eroͤffnung desselben entstehen, noch vergroͤßert. — Der Kopf selbst ruͤckt hierbei bis in die Beckenhoͤhle herab, verlaͤßt den Uterus und tritt in die Vagina, welches sodann die dritte Periode endigt, und zwar nach einer Dauer, welche mitunter nur einige Mi- nuten, haͤufig jedoch auch eine Stunde, und in ungewoͤhn- lichen Faͤllen selbst 2 bis 4 Stunden betraͤgt. §. 810. Zu bemerken sind uͤbrigens bei dem Herabtreten des vor- liegenden Kindestheils in das Becken, sehr deutliche Spuren der Geburtskraft an demselben. Am Kopfe fuͤhlt man das Zusammendruͤcken und zuletzt selbst Uebereinander- schieben der Naͤthe , es entsteht dadurch nothwendig eine Faltung der Kopfhaut ( Kopffalte ) und nach und nach bildet sich bei fortgehendem Druck, aus dieser Falte eine umschrie- bene oͤdematoͤse Geschwulst, welche wir mit dem Namen des Vorkopfs oder der Kopfgeschwulst ( Caput succeda- neum ) belegen. Geht das Gesicht voraus, so schwillt dieses, und geht die Steisflaͤche voraus, so schwellen vorzuͤglich die Geschlechtstheile aus aͤhnlichen Ursachen an. — Je laͤnger indeß diese Periode dauert, und je kraͤftiger die Wehen sind, um so staͤrker wird auch immer die entstehende Geschwulst seyn, so wie sie im entgegengesetzten Falle zuweilen nur we- nig oder gar nicht bemerkt wird; sich dafuͤr aber auch in der folgenden vierten Periode noch verstaͤrken, oder uͤberhaupt erst bilden kann. Vierte oder Austrittsperiode . §. 811. Auch nachdem der Kopf voͤllig aus dem Uterus heraus- getreten ist, erfolgt zuweilen, eben so wie nach dem Wasser- abgange, und aus demselben Grunde, ein kleiner Stillstand des Geburtsverlaufs, bald aber kommen nun die staͤrksten Wehen, welche die Geburt des Kindes zu vollenden bestimmt sind, und mit dem Namen der erschuͤtternden Wehen ( Schuͤt- telwehen , Dolores conquassantes ) belegt werden. Diese treiben zuerst den Kopf stark gegen das Mittelfleisch an, wodurch dieses kugelfoͤrmig hervorgetrieben, stark angespannt, und in die Gefahr der Zerreißung versetzt wird, und oft auch noch etwas Stuhlabgang erfolgt; sie bringen ferner den vorausgehenden Kindestheil so weit, daß er zwischen den Schamlippen anfaͤngt sichtbar zu werden (man sagt hier: er kommt zum Einschneiden ) und treiben ihn endlich, unter den heftigsten Schmerzen, unter Erschuͤtterung und hef- tigster Aufregung des muͤtterlichen Koͤrpers durch dieselben hindurch (wobei man zu sagen pflegt: er komme zum Durchschneiden ). Hierbei tritt nun wieder, nachdem der Kopf voͤllig geboren ist, eine kleine Zeit Ruhe ein, und dann werden auch, gewoͤhnlich unter weit geringerer Anstrengung die ganzen uͤbrigen Kindestheile, zuweilen mit noch etwas nach- kommendem Fruchtwasser, geboren, und so wird denn eben- falls, bald in Zeit von einigen Minuten (zumal bei Perso- nen, welche schon mehrmals geboren haben) bald in Zeit von ½ bis 1 Stunde, seltner erst in Zeit von 2 bis 3 Stunden auch diese Periode geendigt Unter 100 natuͤrlichen in unsrer Endbindungsanstalt nach einander beobachteten Geburten dauerte z. B. bei 70 Faͤllen die dritte und vierte Periode zusammen nur ½ bis 2 Stunden. . §. 812. Im Fall uͤbrigens Zwillinge oder Drillinge vorhanden sind, so folgt nun (nachdem bis hierher alles wie bei einfa- chen Geburten verlaufen ist) nicht die Geburt der Nachge- burt, oder die fuͤnfte Periode, sondern es werden nun erst die uͤbrigen Kinder geboren; es ist daher zuvoͤrderst beizu- bringen, aus welchen Zeichen nach der Geburt eines Kin- des man erkennen kann, daß noch ein zweites im Uterus zuruͤck ist: 1) Spricht aber hierfuͤr die Auftreibung des Leibes, dessen Umfang auf eine zweite Frucht schließen laͤßt, und gewoͤhnlich zuerst darauf aufmerksam macht. 2) Das Ge- fuͤhl von Kindestheilen bei aͤußerer oder innerer Untersuchung. 3) Das Vorfinden einer von Neuem sich stellenden Blase, in- dem selten beide Fruͤchte in einer Eihuͤlle liegen, und folg- lich nach der Geburt des ersten Kindes, die Eihaͤute des zweiten, der Regel nach neben dem Nabelstrange des ersten Kindes in die Vagina sich herabdraͤugen. §. 813. In einem solchen Falle wiederholen sich also nach Be- endigung der vierten Periode das Ende der zweiten (d. i. die zweite Blase wird springfertig), es springt unter neu ein- tretenden Wehen, (welche indeß zuweilen erst ½ bis 1 Stunde, ja in seltnern Faͤllen selbst mehrere Stunden und mehrere Tage nach der Geburt des ersten Kindes erfolgen) die zweite Blase, und es wiederholt sich dritte und vierte Periode voll- staͤndig. Sind Drillinge oder gar Vierlinge vorhanden, so erfolgt Wassersprung, und dritte und vierte Periode abermals von Neuem, und erst nach beendigter Geburt der Kinder kommen die Wehen der fuͤnften Periode. Fuͤnfte oder Nachgeburts-Periode . §. 814. Nachdem das Kind oder die Kinder geboren sind, bemerkt man, daß der Uterus sich um die noch zuruͤckseyenden Ge- bilde, welche aus Mutterkuchen, Eihaͤuten und Na- belstrang bestehen, und welche zusammen den Namen der Nachgeburt ( Secundinae ) bekommen, fest zusammen zieht, so daß uͤber dem Schambogen derselbe als ein fester kugel- foͤrmiger Koͤrper von der Groͤße eines Kindeskopfs, aͤußerlich fuͤhlbar wird. In diesem Grade der Zusammenziehung ist nun wieder eine Zeit von Ruhe noͤthig, um die Kraft zu neuen Zusammenziehungen zu erhalten, denn, wie man auch an willkuͤhrlichen Muskeln in pathologischen Faͤllen bemerkt, die Muskelfaser kann sich jedesmal nur auf einen gewissen Grad verkuͤrzen, allein wenn ihr dieser Grad zur Gewohn- heit geworden, so ist sie dann wieder einer groͤßern Verkuͤr- zung faͤhig Home in Lectures on comparat. Anatomy erzaͤhlt Faͤlle, wo Glied- maßen nach Verkuͤrzung der Knochen durch Bruͤche erst gelaͤhmt waren, aber nachdem sich die Muskeln an ihre Verkuͤrzung ge- woͤhnt hatten, ihre Kraft wieder erhielten. . Nachdem indeß 15, 20, 30 Minuten ver- flossen sind, so treten neue Wehen ein, und diese bewirken nun zunaͤchst das Abtrennen des Mutterkuchens, welches sich durch Ausfließen von einigen Unzen Blut zu erken- nen giebt. §. 815. Die Art, wie diese Abtrennung erfolgt, ist aber sehr einfach, es werden naͤmlich die aͤußere Flaͤche der Placenta und die Adhaͤsionsflaͤche derselben am Uterus einander gaͤnz- lich ungleich, die erstere kann sich nicht verkleinern, die letz- tere hingegen ist bei der betraͤchtlichen Zusammenziehung des Uterus uͤber die Haͤlfte im Umfange verringert, und so muß bei neu eintretenden Zusammenziehungen die Abschaͤlung des Mutterkuchens ganz frei und ohne alle Gewalt erfolgen. — Das Blut, welches hierbei abfließt betreffend, so kann es nicht von Zerreißen anastomosirender Gefaͤße zwischen Mutter und Kind abhaͤngen, da es keine Gefaͤße dieser Art giebt, ja nicht einmal von Abtrennung der Uterinplacenta vom Uterus, da die abgehende Placenta blos Fetalplacenta ist, sondern es wird veranlaßt durch die Venenmuͤndungen auf der innern Uterinflaͤche, welche in der Schwangerschaft durch die Mem- brana decidua verschlossen waren, jetzt aber, da diese Flo- ckenhaut, welche mit der flockigen Oberflaͤche des Eies, und zuletzt mit dem aus Zellgewebe gebildeten Oberhaͤutchen der Placenta innig zusammen haͤngt, nothwendig durch das Abtrennen der Placenta verletzt wird, geoͤffnet erscheinen. Da ich nun die Muͤndungen aber oft gegen ¼ Zoll weit gefun- den habe S. auch Hunter Anatomia uteri gravidi T. X. f. III. , so wird gewiß stets eine betraͤchtliche Blutmenge sich ergießen muͤssen, traͤte nicht alsbald die Zusammenziehung des Uterus ein, durch welche die Muͤndungen großentheils geschlossen werden, und die Quantitaͤt des Bluts auf einige Unzen beschraͤnkt wird. §. 816. Ist nun der Mutterkuchen voͤllig geloͤst, so treiben die erneuerten Wehen denselben, und zwar umgestuͤlpt, mit der innern Flaͤche voran, und die Eihaͤute nach hinten uͤber die aͤußere Flaͤche zuruͤck geschlagen in die Mutterscheide herab, welche ihn sodann nach und nach durch ihre eigenen Con- traktionen voͤllig ausstoßen wuͤrde, pflegte man nicht ge- woͤhnlich um Reinlichkeit und Bequemlichkeit der Neuentbun- denen zu befoͤrdern, ihn von hier durch einen gelinden Zug zu entfernen. — Sind vorher Zwillinge oder Drillinge ge- boren worden, so gehen in dieser Periode die Nachgeburten derselben zusammen ab. Immer aber soll sich der Uterus, nachdem er sich von Kind und Nachgeburt entleert hat, zu einer festen uͤber dem Schambogen deutlich fuͤhlbaren Kugel (Mutterkugel) zusammen ziehen, um sodann in der nun fol- genden Periode des Wochenbetts wieder in den fruͤhern Zu- stand, wie er vor der Conception Statt fand, zuruͤckzu- kehren Auch fuͤr das Kind selbst ist uͤbrigens die Geburt der Beginn wichtiger innerer Umaͤnderungen, welche wir in der Geschichte des Wochenbettes, indem wir den Zustand des Saͤuglings mit dem des Fetus vergleichen, naͤher erwaͤgen werden. . 3) Von der Art und Weise wie bei der regel- maͤßigen Geburt das Kind durch das Becken hindurchgeht . §. 817. Das Kind kann sich vorzuͤglich in zweierlei Richtung durch das Becken hindurch bewegen, entweder mit dem Kopfe nach unten gekehrt, oder mit dem untern Koͤrperende sich zuerst auf das Becken stellend . Dieß begruͤndet zwei Hauptklassen von Geburten, von welchen indeß die erstere sowohl bei weitem die haͤufigere, als auch die gluͤcklichere fuͤr das Kind ist. Beide Klassen aber enthalten mehrere Unterabtheilungen, je nachdem entwe- der am Kopfe das Kinn weniger oder mehr von der Brust entfernt ist , und in Folge dessen entweder Hinterhaupt, Scheitel oder Gesicht zuerst auf das Becken eintreten, oder zweitens am untern Ende des Rumpfs die Fuͤße ausgestreckt, heraufgeschlagen oder im Knie gebogen sind, welches Steisgeburten, Kniegeburten und Fußgeburten giebt; so daß denn im Ganzen sechs Arten natuͤrlicher Geburten entstehen. Anmerkung . Da die Beobachtung zeigt, daß unter uͤbrigens normalen nnd guͤnstigen Verhaͤltnissen, eine Geburt in jeder dieser sechs verschiedenen Kindeslagen, ohne Beihuͤlfe der Kunst, und gluͤcklich fuͤr Mutter und Kind beendigt wer- den kann, so werden wir allerdings genoͤthigt sie saͤmmt- lich unter die normalen Geburten aufzunehmen. Da man aber zugeben muß, daß unter allen eigentlich die Hin- terhauptslagen diejenigen sind, welche der Bewegung des Kindes durch das Becken vorzuͤglich guͤnstig zu nennen sind, so wird man somit alle die uͤbrigen, und selbst die Hinter- hauptsgeburten mit gegen den Schambogen gerichteter Stirn, als ungewoͤhnliche Geburten betrachten muͤssen. §. 818. Bevor wir nun diese verschiedenen Geburtsweisen naͤher im Einzelnen betrachten, wird es zweckmaͤßig seyn, jene all- gemeinen Regeln des Geburtsmechanismus aufzu- fuͤhren, welche, indem sie sich ganz auf den Bau des Be- ckens selbst gruͤnden, fuͤr jede Art des Durchganges vom Kinde durch das Becken passend sind. §. 819. Erste Regel : Jeder vorausgehende Kindestheil wird durch die schiefen Waͤnde des großen Beckens gegen die obere Oeffnung des kleinen Beckens geleitet, und muß in diese in der Richtung der Levret’sche n Beckenachse eintreten. Zweite Regel : Jeder der Weite des kleinen Beckens seiner Groͤße nach ziemlich entsprechende Kindestheil stellt sich, sobald er in die obere Beckenoͤffnung eintritt, mit seinem groͤßern Durchmes- ser in einen der beiden schiefen Durchmesser derselben. (Er wuͤrde sich in den allerdings noch geraͤumigern Quer- durchmesser stellen, wuͤrde dieß nicht durch das vor- springende Promontorium gehindert, welches ihn immer mehr in die schiefe Richtung dirigirt.) §. 820. Dritte Regel : Derselbe Kindestheil, welcher im Ein- gange des Beckens im schiefen Durchmesser stand, wird, so- bald er in die Beckenhoͤhle voͤllig herabgetreten ist, die Rich- tung des groͤßten Durchmessers derselben, d. i. des gera- den , annehmen, sich also um den achten Theil eines Kreises drehen. Diese Drehung ist keinesweges die Wir- kung spiralfoͤrmiger Bewegung der Fasern des Uterus, oder Wirkung des Zusammenziehens und Anschwellens gewisser Beckenmuskeln, wie Einige (z. B. H. Schweighaͤu- ser ) behauptet haben, sondern die Folge der veraͤnder- ten raͤumlichen Verhaͤltnisse der Beckenhoͤhle gegen die des Beckeneinganges allein, indem sich leicht einsehen laͤßt, daß ein jeder glatter, ovaler Koͤrper in einem schluͤpfrigen Kanale, dessen Dimensionen von Strecke zu Strecke sich aͤn- dern, von selbst die fuͤr jede Stelle passende Richtung an- nehmen muß, sobald er durch eine draͤngende Kraft uͤberhaupt zur Fortbewegung gezwungen wird. §. 821. Vierte Regel : Derselbe Kindestheil, welcher in der Beckenhoͤhle die Richtung des geraden Durchmessers ange- nommen hat, wird im Beckenausgange und waͤhrend des Durchschneidens in derselben Richtung verbleiben; indem die Verhaͤltnisse der untern Beckenoͤffnung bei zuruͤck gebogenem Steisknochen den Verhaͤltnissen der Beckenhoͤhle gleichen, und die Laͤngenspalte der rima genitalium diese Richtung fordert. Fuͤnfte Regel : Jeder vorausgehende Kindestheil, und die Laͤngenachse des Kindes uͤberhaupt, muß, außer der er- waͤhnten seitlichen Drehung, der Fuͤhrungslinie des Beckens folgen, und sonach den Abschnitt eines perpendikulaͤr gestellten Kreises beschreiben. Sechste Regel : Je mehr der Kopf mit dem Kinn auf die Brust gedruͤckt ist, je mehr die Schenkel an den Leib herauf, und die Arme gegen die Brust gelegt sind, je- mehr endlich der Ruͤcken des Kindes gegen den Schambogen gekehrt ist (wovon nur die Gesichtsgeburten, bei welchen es besser ist, wenn der Ruͤcken des Kindes nach hinten liegt, eine Ausnahme machen), und der Nabelstrang folglich nach hinten, ohne umschlungen zu seyn, liegt, um so gluͤcklicher wird der Ge- burtsverlauf von Statten gehen. I. Klasse: Kopfgeburten . 1. Ordnung: Hinterhauptsgeburt ( Partus occipite praevio. ) §. 822. Die Geburten in dieser Lage sind bei weitem die haͤu- figsten (unter 100 Faͤllen finden sich stets gegen 96 bis 98 in dieser Lage verlaufend), sie sind aber auch zugleich die guͤnstigsten, da hierbei, der sechsten Regel gemaͤß, das Kinn mehr auf die Brust gedruͤckt sind, und die kleinsten Durchmesser des Kindeskopfs, naͤmlich Quer- und senkrechter Durchmesser in die Raͤume des kleinen Beckens fallen. Da nun aber diese beiden Durchmesser gleich sind, so wuͤrde eigentlich die Dre- hung aus dem schiefen in den geraden Durchmesser hier- bei uͤberfluͤssig; allein man muß erwaͤgen, daß in Folge der Verbindung des Kopfes mit dem Halse nie das Kinn so stark auf die Brust geneigt seyn kann, daß nicht, vorzuͤglich im Eintritt in das Becken, noch mehr die Gegend der Pfeilnath als die Spitze des Hinterhaupts sich in der Fuͤh- rungslinie befinden sollte, weshalb denn außer jenen bei- den Durchmessern immer auch noch der gerade oder lange Durchmesser beruͤcksichtigt werden muß, und die Ursache wird, daß wir auch hier die Stellung des Kopfs nach den zwei schraͤgen Durchmessern sich richten sehen, und dadurch vier verschiedene Hinterhauptslagen erhalten. Charakteristisch ist fuͤr die Hinterhauptslage die Pfeilnath und die kleine Fon- tanelle, an welcher man, um sie zu erkennen, vorzuͤglich auf das Eingedruͤcktseyn des Hinterhauptknochens, und die daher gewoͤhnlich etwas vorstehenden Raͤnder der Scheitelknochen in der Hinterhauptsnath ( Sutura lambdoidea ) achten muß. §. 823. Erste Lage . Hier ruht die Stirn des Kindes an der Ausschweifung der ungenannten Linie auf der rechten Kreuz- und Darmbeinverbindung und das Hinterhaupt ist hinter der linken Scham- und Darmbeinverbindung in den Beckenein- gang herabgesunken; die Bauchflaͤche des Kindes ist nach hin- ten gekehrt, und Steis und Fuͤße liegen gewoͤhnlich mehr nach rechts. Die Pfeilnath verlaͤuft folglich in dem ersten schiefen Durchmesser, und theils hieran, theils an der nach links und vorn gerichteten kleinen Fontanelle, so wie zuwei- len an der nach rechts und hinten erreichbaren großen Fon- tanelle wird diese Lage erkannt. — Der Kopf steht in dieser Richtung waͤhrend der ersten und zweiten Geburtsperiode fest, dreht sich aber, waͤhrend er in der dritten Periode in die Beckenhoͤhle herab gepreßt wird, in den geraden Durchmesser, so daß nun die Stirn in der Aushoͤhlung des Kreuzknochens unter dem Promontorio und das Hinterhaupt hinter der Schambeinverbindung zu liegen kommt, die Pfeilnath folglich nun im geraden Durchmesser und die kleine Fontanelle hinter der Schamfuge fuͤhlbar ist; eine Richtung, in welcher end- lich in der vierten Periode der Kopf auch zum Ein- und Durchschneiden kommt, so daß er geboren, mit dem Gesichte nach dem Mittelfleische hin sieht. — Diese Lage ist die aller- haͤufigste, vorzuͤglich wegen der gewoͤhnlichen Richtung des Gebaͤrmuttergrundes nach rechts, wodurch der voraus gehende Kindestheil mehr nach links gedruͤckt wird; sie ist zugleich die allerguͤnstigste und die gewoͤhnlich am leichtesten verlau- fende. — Entwickelt sich in dieser Lage eine betraͤchtliche Kopfgeschwulst, so wird man sie immer auf dem rech- ten Scheitelbein aufsitzend finden , und hieran die anfaͤngliche Lage noch bei dem schon gebornen Kinde er- kennen koͤnnen. §. 824. Zweite Hinterhauptslage . Hier ist der Ruͤcken des Kindes wieder vorwaͤrts gekehrt; es ruht beim Eintritt in das kleine Becken die Stirn uͤber der linken Kreuz- und Darmbeinverbindung, und das Hinterhaupt sinkt hinter der rechten Scham- und Darmbeinverbindung herab. Man er- kennt diese Lage an der im zweiten schiefen Durchmesser ver- laufenden Pfeilnath, der nach rechts und vorn gerichteten kleinen Fontanelle, so wie an der zuweilen nach links und hinten hoch im Becken fuͤhlbaren großen Fontanelle. Die Drehung des Kopfes erfolgt waͤhrend der dritten Periode mit dem Hinterhaupte von rechts nach links, bis auch hier das Hinterhaupt hinter der Schamfuge, und die Stirn in der Aushoͤhlung des Kreuzbeins steht. Geboren, sieht der Kopf ebenfalls mit dem Gesichte abwaͤrts. Die Geburt ver- laͤuft fast eben so leicht als in der ersten Lage, obwohl zu- weilen die Drehung wegen der hierbei in der Gegend des Mast- darms liegenden Stirn etwas schwieriger von Statten geht; auch ist diese Lage naͤchst der ersten bei weitem die gewoͤhnlichste Unter 100 Hinterhauptsgeburten z. B. welche nacheinander im hiesigen Entbindungsinstitut beobachtet wurden, verliefen 79 als erste, 21 als zweite Lage. . Eine sich in dieser Lage bildende Kopfgeschwulst sitzt stets mehr auf dem linken Scheitelbeine . §. 825. Dritte und vierte Hinterhauptslage . Sie ha- ben das miteinander gemein, daß die Bauchflaͤche des Kindes in beiden nach vorn gekehrt, und die Stirn nach dem Scham- bogen gerichtet ist. Die dritte Mehrere Geburtshelfer nennen die hier beschriebene vierte Lage die dritte, und unsere dritte Lage die vierte; wir glauben hier der uͤberhaupt an sich ganz gleichguͤltigen Benennungsart, wie sie von H. Joͤrg gewaͤhlt worden ist, schon deshalb folgen zu muͤssen, weil dessen Hebammenbuch fuͤr Sachsen gesetzlich eingefuͤhrt worden ist. ist die umgekehrte zweite Lage, naͤmlich das Hinterhaupt sinkt in der linken Kreuz- und Darmbeinverbindung herab, und die Stirn liegt uͤber der rechten Scham- und Darmbeinverbindung. Man er- kennt sie an der im zweiten schiefen Durchmesser verlaufen- den Pfeilnath, an der nach links und hinten fuͤhlbaren klei- nen Fontanelle und der hier gewoͤhnlich (da bei dieser Stel- lung der Kopf immer anfaͤnglich mehr der Scheitellage sich naͤhert) nach rechts und vorn erreichbaren großen Fontanelle. Tritt nun der Kopf tiefer ins Becken herab, so wendet sich in der Regel die Stirn voͤllig nach dem Schambogen, das Hinterhaupt kommt in die Aushoͤhlung des Kreuzbeins, und der Kopf kommt, obwohl wegen des Widerstandes welchen die breitere Stirn am Schambogen findet, mit weit groͤßern Anstrengungen, zum Ein- und Durchschneiden, wobei denn das Gesicht aufwaͤrts, das Hinterhaupt nach dem Mittel- fleische gerichtet ist. — Allein nicht immer endigt diese Kopf- lage auf die angegebene Weise; ich hatte schon oͤfters beob- achtet, daß zuweilen der Kopf, nachdem er in dieser Richtung eingetreten war, anstatt mit der Stirn von rechts nach links bis zum Schambogen sich zu drehen, unter guten Wehen, umge- kehrt sich wendete, naͤmlich mit der Stirn nach hinten, so daß der Kopf erst voͤllig im Querdurchmesser kam, dann aber nach und nach in die erste Lage uͤberging, indem das Hin- terhaupt von der linken Kreuz- und Darmbeinverbindung nach der linken Scham- und Darmbeinverbindung (also um ¼ eines Kreises) sich drehte und dann der weitere Verlauf wie bei der ersten Lage Statt fand. Diese Erscheinung war mir um so merkwuͤrdiger, als ich ihrer in keinem Lehrbuche gedacht fand, bis ich spaͤterhin las, daß auch vom Prof. Naͤgele S. Salzburg. med. chir. Zeitung 1817. Nr. 57. dasselbe beobachtet worden war. Seitdem habe ich diese Faͤlle alljaͤhrlich mehrere Mal beobachtet, und mich ganz davon uͤberzeugt, wie auch hier oft die Natur ein sicheres und einfaches Mittel ergreift, um einen leichtern Ge- burtsverlauf, (da natuͤrlich der Kopf so mit dem Hinter- haupte vorwaͤrts gekehrt, nun weit leichter als mit demsel- ben nach ruͤckwaͤrts gestellt, durchschneidet) zu bewirken. §. 826. Die vierte Hinterhauptslage ist die umgekehrte erste. Die Stirn ruht hier uͤber der linken Scham- und Darmbeinverbindung, das Hinterhaupt sinkt von der rechten Kreuz- und Darmbeinverbindung herab. Man erkennt sie an der im ersten schiefen Durchmesser verlaufenden Pfeilnath, an der nach links und vorn haͤufig erreichharen großen, und der nach rechts und hinten fuͤhlbaren kleinen Fontanelle. Der Regel nach dreht sich auch hier der Kopf mit der Stirn nach der Schamfuge, und wird mit dem Gesichte aufwaͤrts geboren; allein auch hier aͤndert zuweilen die Natur selbst, auf die im vorigen Paragraph beschriebene Weise die Lage um, der Kopf richtet sich nach und nach in die zweite Hinterhauptslage, indem sich das Hinterhaupt von der rech- ten Kreuz- und Darmbeinverbindung nach der rechten Scham- und Darmbeinverbindung dreht und es kommt so der Kopf mit der Stirn nach unten zum Durchschneiden, wodurch die weit schwierigere Entwicklungsweise mit der Stirn nach oben, erspart wird. — Dritte und vierte Lage gehoͤren schon zu den seltnern Geburtsweisen (oft kommt auf 150 bis 200 Hinterhauptsgeburten kaum eine oder zwei voͤllig in dieser Lage verlaufende), und wir bemerken nur noch daß sie sehr leicht auch in vollkommne Scheitellagen uͤber- gehen. Zweite Ordnung: Scheitelgeburt ( Partus syncipite praevio ). §. 827. Der Kopf des Kindes tritt bei der Scheitellage voll- kommen horizontal, so daß sein senkrechter Durchmesser und also die große Fontanelle in die Levret ’sche Beckenachse faͤllt, auf den Beckeneingang, in dessen Flaͤche also der Quer- durchmesser und der lange oder gerade Durchmesser des Kin- deskopfs fallen. Charakteristisch ist dieser Lage als Kenu- zeichen die große Fontanelle, deren spitziger Winkel hierbei die Gegend wohin die Stirn, so wie der stumpfe Winkel die Gegend, wohin das Hinterhaupt gerichtet ist, anzeigen wird. Die Richtungen, in welchen der Kopf hierbei eintreten kann, sind aber vierfach , ganz so wie bei den Hinterhauptslagen, von welchen sie sich uͤberhaupt nur durch die groͤßere Entfernung des Kinnes von der Brust des Kindes unterscheiden. Wie- der ist in der ersten und zweiten Scheitellage also die Bauchflaͤche des Kindes nach ruͤckwaͤrts, der Ruͤcken vorwaͤrts, und zwar in der ersten das Hinterhaupt nach links und vorn, in der zweiten nach rechts und vorn gerichtet, und wieder wird in diesen beiden Lagen der Kopf mit dem Gesichte ab- waͤrts geboren; dahingegen in der dritten und vierten Lage das Kind mit der Bauchflaͤche vorwaͤrts sieht, und in der dritten zwar die Stirn nach vorn und rechts, in der vierten die Stirn nach vorn und links gerichtet ist, folglich das Kind mit dem Gesichte aufwaͤrts geboren werden muß, wenn nicht, was auch hier geschehen kann, der Kopf sich aus der dritten in die erste, oder aus der vierten in die zweite Lage begiebt. §. 828. Die Scheitellagen kommen uͤberhaupt gegen die Hinter- II. Theil. 8 hauptslagen schon sehr selten vor Wenn man fruͤher blos die Scheitellagen fuͤr die regelmaͤßigen erklaͤrte, so kam dieß wohl daher, daß man jede Geburt, wo sich die Pfeilnath zu unterst fuͤhlen ließ, Scheitelgeburt nannte, welchen Namen jedoch blos die Geburten, wo die große Fontanelle zu unterst steht, verdienen. , auch gehen sie fast im- mer, sobald der Kopf in die Beckenhoͤhle getreten ist, in Hinterhauptsgeburten uͤber, welches wenigstens von der ersten und zweiten Scheitellage in der vierten Geburtsperiode immer gilt, da der Kopf mit dem Scheitel voͤllig voraus- gehend, nur sehr schwer zum Durchschneiden kommen wuͤrde. Die dritte und vierte Scheitellage betreffend, so kann sie leicht in eine Gesichtsgeburt (und zwar in die erste und zweite) uͤbergehen, wenn die Stirn naͤmlich fruͤher in das Becken herabsinkt als das Hinterhaupt. Dritte Ordnung: Gesichtsgeburt ( Partus facie praevia ). §. 829. In dieser Geburtsweise ist es, wo das Kinn am staͤrk- sten von der Brust entfernt, und der Kopf stark ruͤcklings uͤber gebogen ist, demungeachtet kann auch in dieser Stel- lung die Geburt gluͤcklich fuͤr Mutter und Kind beendigt werden, so sehr man auch fruͤher daran zweifelte, und alle Gesichtslagen als regelwidrig ansehend, sie insgesammt an die operative Kunsthuͤlfe verwies Vorzuͤglich durch Boër’s trefflichen Aufsatz uͤber Gesichtsgebur- ten (in. s. Versuchen u. Abhandi. III. Buch) ist dieses Vorurtheil widerlegt worden. . — Im Ganzen gehoͤren indeß auch diese Lagen zu den seltner vorkommenden, und es ist oft unter 200 Geburtsfaͤllen kaum eine Gesichtsgeburt In der Pariser Maternit é verhielt sich nach J. Fr. Osiander ’s Mittheilung die Zahl der Gesichtsgeburten zur Zahl der Geburten uͤberhaupt wie 1 zu 296 ½. . Man erkennt die Gesichtslage an der ungleichen Flaͤche des Antlitzes, an den harten Kieferraͤndern, an den Augen und der Nase. Der Kopf steht dabei mit seinem langen oder geraden Durchmesser gewoͤhnlich in der Axe des Beckenein- ganges und mit dem senkrechten Durchmesser in einen der beiden schiefen Durchmesser der obern Beckenoͤffnung gestellt, wodurch wir wieder vier Gesichtslagen erhalten, deren Auf- fassen und Behalten dadurch sehr erleichtert wird, wenn man sich merkt, daß hier immer wieder in den einzelnen Lagen die Stirne an denselben Punkten steht, wo sie bei den gleich- namigen einzelnen Lagen des Hinterhaupts oder Scheitels gefunden wurde. §. 830. Erste und zweite Gesichtslage . In beiden ist der Rumpf des Kindes mit der Bauchflaͤche nach vorwaͤrts ge- kehrt, das Kinn liegt nach dem Schambogen, die Stirn nach hinten gekehrt, und diese Lagen sind eigentlich die einzigen, welche recht gluͤcklich, und voͤllig als Gesichtsgeburten, ver- lausen koͤnnen, es sind dieselben, in welchen Boër 80 Ge- sichtsgeburten in einigen Jahren hinter einander beobachtete, und in welchen alle Lagen dieser Art, welche mir vorgekom- men, verlaufen sind. In der ersten Gesichtslage fuͤhlt man die Nase in der Richtung des ersten schiefen Durchmessers, der Mund und das Kinn liegen hinter der linken Scham- und Darmbeinverbindung, die Stirn ruht vor und uͤber der rechten Darm- und Kreuzbeinverbindung. Kommt der Kopf waͤhrend der dritten Periode in die Be- ckenhoͤhle herab, so erfolgt die Drehung desselben dergestalt, daß die Stirn nunmehr in die Aushoͤhlung des Kreuzbeins, das Kinn unter den Schambogen zu stehen kommt, in wel- cher Richtung dann auch das Ein- und Durchschneiden Das Durchschneiden ist bei Scheitellagen und Gesichtslagen, indem sich der lange Durchmesser des Kopfs durch die rima genitalium be- wegt, immer schwieriger, und kann leichter Einrisse des Dam- mes veranlassen. vor sich geht, und folglich der geborne Kopf mit dem Ge- sichte aufwaͤrts sieht. §. 831. Die zweite Lage , welche fast eben so oft als die erste vorkommt, zeigt im Beckeneingange das Kinn nach der rechten Scham- und Darmbeinverbindung, die Stirn nach der linken Kreuz- und Darmbeinverbindung gerichtet, die Drehung erfolgt mit dem Kinn von rechts nach links, und der Kopf kommt in derselben Richtung, wie in der er- sten Lage, zum Ein- und Durchschneiden. — In beiden La- gen bemerkt man, daß das Gesicht waͤhrend seines Durch- ganges durch das Becken etwas anschwillt, indem Mund, Wangen und Augen mitunter betraͤchtlich auflaufen, allein diese Geschwulst sowohl als das Ruͤckwaͤrtsbiegen des Kopfs, welches man an dem neugebornen Kinde bemerkt, ist keineswe- ges bedenklich, sondern beide pflegen sich in kurzer Zeit zu verlieren. §. 832. In der dritten Gesichtslage ist ferner die Stirn wider die rechte Scham- und Darmbeinverbindung ge- richtet, dahingegen das Kinn nach der rechten Kreuz- und Darmbeinverbindung sieht, wobei sich folglich waͤhrend der ersten Drehung des Kopfs das Kinn in die Aushoͤhlung des Kreuzbeins begeben muͤßte. In der vierten Lage endlich ruht die Stirn uͤber der linken Scham- und Darmbeinver- bindung, und das Kinn sieht nach der rechten Darm- und Kreuzbeinvereinigung, und auch hier muͤßte sonach die Dre- hung, wie in der ersten Lage, erfolgen. — Untersucht man nun aber die ganze Lage, in welcher das Kind, bei der am Schambogen angestemmten Stirn und dem dem Kreuzbein zugekehrten Kinne sich befinden muͤßte, genauer, so findet man bald, daß dieselbe bei tieferem Eindringen des Kopfs ins Becken so widernatuͤrlich wird, daß ohne Nachtheil fuͤr das Kind die Geburt in dieser Lage (wenn sie uͤberhaupt wegen des Anstemmens der Brust am Promontorio, ohne Zuthun der Kunst vollendet werden koͤnnte) nicht moͤglich seyn wuͤrde. Man findet deshalb, daß die Natur andere Huͤlfs- mittel ergreift, um in Faͤllen ganz regelmaͤßigen Beckenbaues und kraͤftiger Wehen (ohne welches doch diese Geburten fast immer zur Beendigung der Kunst anheim fallen) die Entbindung selbst zu Ende zu fuͤhren. §. 833. Diese Huͤlfsmittel sind doppelt: erstens naͤmlich, es wan- delt sich eine solche Lage auf dieselbe Weise, wie wir bei dritter und vierter Hinterhauptslage beschrieben haben, in die erste und zweite um, indem bei der dritten Lage das Kinn von links und hinten sich gegen die linke Scham- und Darmbeinverbindung nach vorn dreht, oder bei vierter Lage das Kinn von rechts und hinten sich gegen die rechte Darm- und Schambeinverbindung bewegt, in beiden Faͤllen also die Geburt mit Entwicklung des Kinnes unter dem Schambogen sich endigt (welche Lagenaͤnderung ich in einigen Faͤllen sehr vollkommen von Statten gehen sah). Zweitens aber bemerkt man auch, daß diese Gesichtslagen dadurch umgeaͤndert wer- den, daß das Kinn in der Aushoͤhlung des Kreuzbeins sich mehr gegen den Vorberg heraufzieht. sich folglich mehr der Brust naͤhert, und dadurch bewirkt, daß zunaͤchst mehr die Scheitelflaͤche herab sinkt, so also nach und nach dritte Ge- sichtslage in zweite Scheitellage, oder vierte Gesichtslage in erste Scheitellage uͤbergeht, welche Scheitellagen dann, wie oben beschrieben worden, verlaufen, und beim Eintritt in die untere Beckenoͤffnung gewoͤhnlich die Hinterhauptslage annehmen. — Diese Umaͤnderungen sind indeß immer mit einigen Schwierigkeiten verbunden, und nur gar zu leicht bleibt die Stirn am Schambogen fest stehen, bewirkt eine Schiefstellung des ganzen Kopfs, und hindert das Geburts- geschaͤft in hohem Grade. Ueberhaupt kommen diese beiden letzterwaͤhnten Gesichtslagen aͤußerst selten vor. Vom Durchgange der uͤbrigen Kindestheile bei Kopfgeburten . §. 834. Wie wir bei Betrachtung aller einzelnen regelmaͤßigen Kopfgeburten gefunden, steht der Kopf immer in und gleich nach dem Durchschneiden dem geraden Durchmesser des Be- ckenausgangs entsprechend, und folglich entweder das Gesicht nach oben oder nach unten gekehrt. Gleichzeitig muͤssen sich also die Schultern, welche sich nun im obern Raume der Beckenhoͤhle befinden, im queren oder schiefen Durchmesser gestellt haben. Allein bald nachdem der Kopf geboren ist, erfolgen neue Geburtswehen, und auch die Schulterbreite wird nun ganz in die Beckenhoͤhle herabgedraͤngt, daher sie denn den oben aufgestellten allgemeinen Regeln zu Folge, sich abermals, wie fruͤher der Kopf selbst, in den geraden Durch- messer richten muß; an welcher Drehung denn auch der ge- borene Kopf Antheil nimmt, und nun mit dem Gesichte nach einem Schenkel sich wendet, wobei man denn in der Regel wahrnimmt, daß das Gesicht und die Vorderflaͤche des Rumpfs vom Kinde wieder dieselbe Stellung anzunehmen suchen, in welcher sie sich vor beginnender Geburtsarbeit be- funden hatten. §. 835. Als eine Regel, welche nur selten Ausnahmen erleidet, kann man es daher betrachten, daß bei der ersten Hinter- haupts- und Scheitellage, wo vor der Geburt die Brust- und Gesichtsflaͤche mehr nach der rechten Seite gekehrt ist, die Schultern auch im Becken sich so im geraden Durch- messer drehen, daß die Brustflaͤche wieder nach der rechten Seite gerichtet wird, folglich das Gesicht ebenfalls nach dem rechten Schenkel sich wendet Diese Wendung sowohl als der oben erwaͤhnte Sitz der Kopfge- schwulst, kann demnach als Criterium fuͤr die anfaͤngliche Lage des ; daß hingegen bei der zweiten Lage, wo die Brust anfaͤnglich nach links sieht, auch der geborne Kopf, der Wendung der Schultern folgend, sich mit dem Gesichte gegen den linken Schenkel wendet. Eben so erfolgt bei der dritten Hinterhaupts- und Scheitellage die Drehung nach dem rechten, bei der vierten Lage die Drehung nach dem linken Schenkel; endlich bei der ersten und dritten Gesichtslage die Drehung nach links, bei der zweiten und vierten Gesichtslage die Drehung nach rechts. §. 836. Sind nun auf die beschriebene Weise die Schultern im geraden Durchmesser der Beckenhoͤhle herabgetreten, so wer- den sie ferner in eben der Richtung (eine unter dem Scham- bogen, die andere uͤber das Mittelfleisch) hervorgetrieben, und der Rumpf ruͤckt nun so weit im Becken vor, daß die Huͤf- ten sich dem Beckeneingange und zwar ebenfalls in der Richtung der Conjugata naͤhern. Ist indeß das Becken nicht sehr geraͤumig, oder das Kind nicht etwa sehr klein, so bemerkt man, daß Letzteres jetzt zum drittenmale sich dreht, um die Huͤften wieder in einen groͤßern Durchmesser des Beckeneinganges, naͤmlich in den queren oder schiefen Durchmesser zu bringen, bis dann endlich die Huͤftenbreite in die Beckenhoͤhle herab kommt, nun wieder in den ge- raden Durchmesser sich wendet, und endlich die Fuͤße den Huͤften leicht nachfolgen. — Außer diesen vier Drehungen um die Laͤngenachse uͤbrigens, welche jedoch nicht, wie es sich manche Geburtshelfer vorzustellen scheinen, in einer un- unterbrochenen Kreisbewegung oder Spiralbewegung fortge- hen, sondern in einzelnen Kreisabschnitten bald vorwaͤrts bald ruͤckwaͤrts, erfolgen, bewegt sich jedoch das Kind auch in einer senkrecht gestellten Bogenlinie (der oben aufgestellten Regel ge- maͤß) durch das Becken, und wir sehen deshalb alle Theile, Kopfs gelten in Faͤllen, wo der Geburtshelfer vielleicht erst in der vierten Periode gerufen worden war, und den Kopf schon im gera- den Durchmesser gefunden hatte. so wie sie zum Einschneiden kommen, von unten nach oben uͤber das Perinaͤum hervor rollen. Anmerkung . Nicht selten ist es der Fall, daß bei sehr leichten Geburten mehrere dieser Drehungen wegbleiben. Vorzuͤglich gilt dieses von den beiden Drehungen der Huͤften, als welche bei nicht starken Kindern oft durch das ganze Becken ohne sich zu wenden (also im geraden Durchmesser) hindurch gehen. Seltner faͤllt auch die Drehung der Schul- tern weg, und man sieht die Schultern im Querdurchmesser zum Durchschneiden kommen. Fast nie jedoch pflegt die Dre- hung des Kopfs zu mangeln, und das Durchschneiden desselben im schiefen Durchmesser erfolgt nur bei sehr weitem Becken, und doch oft zum Nachtheil der aͤußern Geschlechtstheile, welche dabei leicht einreißen. II. Klasse. Geburten mit vorausgehendem un- term Ende des Rumpfs. §. 837. Bei einer jeden Geburt, wo der Kopf zuletzt durch das Becken hindurch gedraͤngt wird, ist das Kind in Gefahr, durch den Druck, welchen der hier nothwendig neben dem Kopfe im Becken liegende Nabelstrang erfaͤhrt, abzusterben, indem der Kreislauf durch die Placenta gehemmt wird, be- vor der Kreislauf durch die Lungen in Gang treten kann. Diese Gefahr kann indeß bedeutend vermindert werden: 1) durch eine hinlaͤngliche Eroͤffnung der weichen Geburts- theile, welche am besten durch einen oder beide heraufgeschla- gene Schenkel bewirkt wird, wodurch dann auch ein schneller Durchgang des Kopfs vorbereitet ist; 2) durch gute Stel- lung der Arme, welche an der Brust liegen bleiben, den Nabelstrang bei dem Durchgange der Brust schuͤtzen, und ebenfalls den Durchgang des Kopfs erleichtern; 3) durch gute Stellung des Kindeskopfs, welcher um so besser durch das Becken geht, a) je mehr das Kinn auf die Brust ge- druͤckt ist (dieses wird aber vorzuͤglich durch etwas laͤngeres Verweilen der Huͤftengegend im Becken, und kraͤftige von oben auf den Kopf draͤngende Wehen bewerkstelligt), b) je mehr er sich in die passenden Durchmesser des Beckens fuͤgt; 4) durch diejenige Richtung des Rumpfs und Kopfs im Becken, bey welcher Ruͤckenflaͤche und Hinterhaupt nach dem Schambogen gekehrt sind. — §. 838. Nun sind aber unter den drei in diese Klasse gehoͤrigen Geburten, bei keiner Ordnung diese Bedingungen voll- kommner erfuͤllt, als bei der Steisgeburt, welche uͤber- haupt schon dadurch zur regelmaͤßigsten wird, weil nur bei ihr das Kind voͤllig in guter Stellung d. i. mit an den Leib heraufgezogenen Schenkeln sich befindet. Es werden hierbei die weichen Theile durch die vorausgehende dem Kopf an Umfang aͤhnliche Flaͤche vollkommen eroͤffnet, der Kopf, (weil mehr Wehendrang zur Durchbefoͤrderung der Steis- flaͤche noͤthig ist) wird vollkommner auf die Brust gedraͤngt, und die Arme bleiben leichter an der Brust liegen, weshalb denn hier auch leicht und oft die Geburt fuͤr Mutter und Kind den gluͤcklichsten Erfolg hat. Knie- und Fußgeburten hingegen, bei welchen das Kind gleichsam als Keil mit dem duͤnnern Ende zuerst, und in weniger natuͤrlicher Stellung der Gliedmaßen eintritt, haben leichter, vorzuͤglich wo die Natur durch unzeitige, zweckwidrige Huͤlfsleistungen gestoͤrt wird, das Heraufschlagen der Arme neben dem Kopfe und erschwerteres Eintreten, so wie unvollkommneres Durchbewe- gen des Kopfs durch das Becken zur Folge, endigen daher auch oͤfters fuͤr das Kind weniger gluͤcklich als die Steis- geburten. Erste Ordnung. Steisgeburt, gedoppelte Ge- burt . ( Partus clunibus praeviis. ) §. 839. Die Kennzeichen der vorliegenden Steisflaͤche (welche bei noch nicht genugsamer Uebung im Untersuchen leicht mit einer Kopfflaͤche verwechselt werden kann) sind aber folgende: 1) die kugelfoͤrmige Gestalt der beiden Hinterbacken, deren Flaͤche von der Kopfflaͤche durch ihre fleischigte Substanz und die durchzufuͤhlenden Sitzhoͤcker sich unterscheidet; 2) die After- oͤffnung zwischen den ersterwaͤhnten Theilen; 3) die Geschlechts- theile (aus deren Verhaͤltniß zur Afteroͤffnung man zugleich die Richtung der Bauchflaͤche des Kindes abnehmen kann; 4) der beim tiefern Eintritt der Steisflaͤche immer Statt findende betraͤchtliche Abgang von meconium, ohne daß der- selbe durch andere Zeichen, welche auf Krankseyn oder Tod des Kindes schließen ließen, erklaͤrt wuͤrde. §. 840. Was nun die Art des Eintritts der Steisflaͤche in das kleine Becken betrifft, so erfolgt sie (da man auch hier einen groͤßern und einen kleinern Durchmesser unterscheiden kann) wieder wie bei den einzelnen Kopfgeburten in vierfacher Art. Erste Steislage . Die rechte Huͤfte des Kindes ist gegen die linke Darm- und Schambeinverbindung, die linke Huͤfte desselben gegen die rechte Kreuz- und Darmbeinverbindung, und folglich die Ruͤckenflaͤche nach rechts und vorn gerichtet. Waͤhrend der dritten Periode werden die Hinterbacken in die Hoͤhle des kleinen Beckens herabgetrieben, und drehen sich nun so, daß die Huͤftenbreite im geraden Durchmesser, die rechte Huͤfte folglich unter dem Schambogen, die linke in die Aushoͤhlung des Kreuzbeins zu liegen kommt, in welcher Lage dann auch das Ein- und Durchschneiden erfolgt. So wird nun ferner die untere Haͤlfte des Rumpfs uͤberhaupt ausgestoßen, bis, sobald der Rumpf zum oder uͤber den Nabel geboren ist, nun die Fuͤße hervor gleiten, die Schenkel sich ausstrecken, und herab schlagen, und zugleich nun die Schultern in den obern Beckeneingang treten. Da sie nun aber der Form dieser Beckenoͤffnung, so im geraden Durch- messer stehend, wenig entsprechen wuͤrden, so erfolgt jetzt die zweite Drehung des Kindes, wobei, um die Schultern mehr im schiefen oder queren Durchmesser zu bringen, die Ruͤckenflaͤche voͤllig nach dem Schambogen sich wendet, ferner kommen unter neu eintretenden Wehen die Schultern in das Becken herab, und nehmen nun wieder die Stellung im geraden Durch- messer an (als dritte Drehung), wobei zugleich der Kopf eine fuͤr seinen Eintritt in die obere Beckenoͤffnung voͤl- lig passende Richtung, naͤmlich mit dem Kinne gegen eine und zwar gewoͤhnlich gegen die linke Kreuz- und Darmbein- vereinigung erhaͤlt, so daß das Hinterhaupt hinter der rech- ten Scham- und Darmbeinverbindung in das Becken herab- gedraͤngt wird. Endlich erfolgt, wenn der Kopf selbst ganz in die Beckenhoͤhle herein kommt, die vierte Drehung, bei welcher das Hinterhaupt hinter der Schambeinvereinigung sich stellt, und in dieser Lage dann auch der Kopf mit dem Kinn uͤber das Mittelfleisch sich entwickelt. §. 841. Von dieser ersten ist die zweite Steislage in ihrem Verlaufe wenig verschieden. Die linke Huͤfte des Kindes steht hier hinter der rechten Darm- und Schambeinverbin- dung der Mutter, und die rechte Huͤfte vor der linken Kreuz- und Darmbeinverbindung. Wieder ist also urspruͤnglich der Ruͤcken nach vorwaͤrts gekehrt, und bei der Drehung in den geraden Durchmesser kommt die linke Huͤfte hinter die Scham- beinverbindnng . Der weitere Durchgang erfolgt hier wie in der ersten Lage, nur daß der in die obere Beckenoͤffnung eintretende Kopf gewoͤhnlich nach der rechten Kreuz- und Darmbeinverbindung mit dem Gesichte gerichtet seyn wird. §. 842. In dritter und vierter Steislage ist nun umgekehrt der Ruͤcken des Kindes gegen den Ruͤcken der Mutter, und die Bauchflaͤche nach vorn gewandt, Fuͤße und Geschlechts- theile des Kindes finden sich daher gegen den Schambogen gerichtet, und zwar ist bei der dritten Lage die rechte Huͤfte hinter die rechte Darm- und Schambeinverbindung gestellt, bei der vierten Lage die linke Huͤfte gegen die linke Scham- und Darmbeinverbindung gekehrt. — Auch hier wendet sich zuerst die Huͤftenbreite im Becken in den geraden Durchmesser, bei der dritten Lage kommt die rechte, bei der vierten Lage die linke Huͤfte unter den Schambogen zu ste- hen. Allein bei der Drehung der Schultern koͤnnte man nun erwarten, daß jetzt von neuem die Brustflaͤche nach vorwaͤrts sich kehren werde, welches indeß fast nie geschieht, indem, wenn nur die Geburt nicht durch unvorsichtige Eingriffe, z. B. durch Ziehen an den Fuͤßen des Kindes u. s. w. ge- stoͤrt wird, fuͤr die obern Kindestheile durchaus das Ver- haͤltniß des nach vorn gekehrten Ruͤckens vortheilhafter ist, und daher der Regel nach, die Wendung gewoͤhnlich wie bei erster und zweiter Lage erfolgt, so daß also auch hier die Bauchflaͤche nach ruͤckwaͤrts gekehrt, und dadurch eine fuͤr Mutter und Kind gluͤckliche Beendigung der Geburt moͤglich gemacht wird. — Die Drehung des Rumpfs also, wobei, indem er sich durch das Becken bewegt, die Brustflaͤche nach dem Schambogen gerichtet ist, darf man stets als wider die eigentliche Regel und als unguͤnstig betrachten, obwohl doch zuweilen, sobald nur die Schulterbreite in dieser Lage nicht verweilt, sondern sich wieder, um den Kopf in den schiefen Durchmesser zu richten, in den geraden Durchmesser stellt, ebenfalls der Durchgang der obern Kindeshaͤlfte, wenn auch schwieriger, beendigt werden kann. Zweite Ordnung. Kniegeburt ( Partus genubus praeviis ). §. 843. Bei der Lage des Kindes, wo die Kniee zuerst in das Becken treten, hat man zu unterscheiden: zunaͤchst, ob wirk- lich beide Kniee, oder ob nur ein einziges Knie in das Be- cken kommt (das erste giebt die ganze, das zweite die halbe Kniegeburt), und ferner, ob der Ruͤcken des Kindes nach vorn oder nach hinten gekehrt sey, (welches an der Richtung der Kniekehlen zu erkennen ist). Wegen der voll- staͤndigern Erweiterung der Geburtstheile sieht man es lieber, wenn nur ein Knie vorliegt, und der andere Schenkel am Rumpfe, wie bei einer Steislage (welcher dadurch die Lage aͤhnlich wird) hinauf geschlagen bleibt. Ruͤcksichtlich des Durchganges vom uͤbrigen Kindeskoͤrper aber ist es wichtig, daß der Ruͤcken vorwaͤrts gekehrt sey, und das ganze Ver- halten ist also der Steislage hoͤchst aͤhnlich, indem, wenn einmal die Huͤften in das kleine Becken getreten sind, alle Drehungen wie bei jener erfolgen. §. 844. Kennzeichen der Kniegeburt sind, schon vor voͤlliger Er- oͤffnung des Muttermundes, die sehr spitzig und tief in den- selben sich herabdraͤngende Blase (da wegen Mangel eines groͤßern Kindestheils im untern Raume des Eies, das meiste Fruchtwasser hier sich ansammeln kann), ferner aber die rund- lichen Flaͤchen der Kniee selbst, welche sich durch groͤßere Staͤrke, so wie durch die Kniescheibe von dem Ellbogen un- terscheiden. Dritte Ordnung. Fußgeburt ( Partus Agripparum ). §. 845. Sie ist sehr wenig von der Kniegeburt unterschieden; auch sie theilt man in ganze und halbe Fußgeburt, je nach- dem beide oder ein Fuß allein ins Becken treten, und achtet außerdem auf die Richtung der Zehen, indem die nach hin- ten gerichteten Zehen die guͤnstigere Lage mit dem Ruͤcken nach vorwaͤrts, die nach vorn gerichteten Zehen, die Vor- waͤrtsrichtung der Bauch- und Brustflaͤche andeuten. Auch hier erfolgt im Wesentlichen das Durchbewegen des Rumpfs durch das Becken ganz wie bei der Steisgeburt; da indeß, vorzuͤglich bei der ganzen Fußgeburt die Geburtstheile weni- ger auf den Durchgang der Brust, Schultergegend und des Kopfs vorbereitet sind, so schlagen sich theils die Arme leicht uͤber den Kopf herauf, theils entfernt sich leichter das Kinn von der Brust, und die langsamere Entwicklung des Kopfs wird somit oft die Ursache vom Tode des Kindes. — Ist dagegen ein Fuß gegen den Leib heraufgeschlagen, so stehen zwar oft die Huͤften etwas laͤnger im Becken, aber der Durchgang des Kopfs erfolgt leichter. Endlich ist es auch bei Fußgeburten der Regel gemaͤß, daß in denjenigen Lagen, wo anfaͤnglich die Bauchflaͤche nach vorn gekehrt war, bei der zweiten Drehung demungeachtet mehr die Ruͤckenflaͤche nach vorn gerichtet, und dadurch der Geburtsverlauf guͤnsti- ger geendet wird. Zeichenlehre der normalen Geburt . §. 846. So wie die Untersuchung und Beurtheilung der Schwan- gerschaft nach ihren Kennzeichen ein sehr wichtiger Gegenstand der Geburtshuͤlfe war, eben so ist es die Untersuchung und Beurtheilung der Geburt nach ihren Kennzeichen. — Wir haben jedoch von den Kennzeichen der herannahen- den Geburt , von den Zeichen der wahren und fal- schen Wehen , so wie der einzelnen Geburtspe- rioden und Kindeslagen im Vorhergehenden ausfuͤhrlich gehandelt; es ist daher nur noch uͤbrig von den Kennzeichen uͤber den Zustand des Kindes waͤhrend der Geburt einige Bemerkungen hinzuzufuͤgen, wobei wir vorzuͤglich zwi- schen den Kennzeichen des lebenden und des abgestorbenen Kindes zu unterscheiden haben. Fuͤr beide Zustaͤnde giebt es indeß wenig ganz zuverlaͤssige Kennzeichen, weßhalb bei Be- urtheilung derselben große Vorsicht durchaus erforderlich ist. Wir werden immer die zuverlaͤssigsten zuerst betrachten: — 1) Kennzeichen eines lebenden Kindes bei der Geburt . §. 847. Hierher gehoͤren: a. Bewegungen des Kindes, entweder mit den Gliedern, oder (bei der innern Untersuchung) mit dem Munde, welche der Hebamme oder dem Geburtshelfer selbst fuͤhlbar sind (obwohl oft, trotz dem daß das Kind voll- kommen lebt, Bewegungen nicht wahrgenommen werden, und zwar oft nur darum, weil das Kind durch die zusammen ge- zogenen Fruchthaͤlterwaͤnde zu sehr eingeengt ist). b. Pulsa- sation der Gefaͤße, welche entweder im Nabelstrange oder an andern Theilen des Kindes zu fuͤhlen ist (von diesen Zeichen Gebrauch zu machen, wird man indeß oft durch die Lage des Kindes verhindert). c. Geschlossener Schließmuskel des Afters; d. reines, nicht riechendes Fruchtwasser; e. Ge- schwulst, welche unter dem Drange der Wehen am vorlie- genden Kindestheile sich bildet (man darf indeß hierbei die normale elastische Geschwulst am lebenden Kinde nicht ver- wechseln mit den Saͤcken, welche zuweilen Wasser und Blut bei schon in Faͤulniß uͤbergegangenen Fruͤchten am vorliegen- den Theile bilden, welche allerdings mitunter, namentlich waͤhrend des Wehendranges, jener Geschwulst aͤußerst aͤhnlich sind, und oft nur durch das Vorhandenseyn der uͤbrigen Zeichen vom Tode des Kindes unterschieden werden koͤnnen). f. Mangel aller Ursachen, welche waͤhrend der Schwanger- schaft oder Geburt eingewirkt, und den Tod des Kindes ver- anlaßt haben koͤnnten. §. 848. 2) Kennzeichen des waͤhrend oder kurz vor der Geburt abgestorbenen Kindes . a. Spuren von Faͤulniß am vorliegenden Kindestheile, als welche namentlich das mit fauligtem Geruche begleitete Abloͤsen der Oberhaut erwaͤhnt werden muß (zuweilen loͤst sich zwar auch die Oberhaut in Folge eines blasigten Exan- thems ab, welches Kinder zuweilen mit zur Welt bringen, allein dann fehlt der fauligte Geruch). b. Uebelriechendes mit Meconium gemischtes Fruchtwasser (die Beimischung von Meconium ohne fauligten Geruch kommt nicht selten auch bei gesunden und ausgetragenen Kindern vor, ganz vorzuͤg- lich aber bei Steislagen; ist also dann nicht fuͤr Zeichen des Todes zu erklaͤren). c. Nicht mehr pulsirender, schlaffer und erkalteter Nabelstrang (eines der sichersten Zeichen). d. Gaͤnzlich erschlaffter Sphincter ani. e. Gaͤnzlicher Mangel an Bewegung der Glieder (ein sehr truͤgliches Zeichen), und (bei erreichbarem Munde) Mangel an Bewegung der Kiefern bei eingebrachtem Finger. f. Schlaffheit der Haut- bedeckungen uͤberhaupt, und insbesondere am vorliegenden, viel- leicht zuvor angeschwollenen Kindestheile. g. Frost, welcher die Mutter ein oder mehrere male waͤhrend der Entbindung uͤberfaͤllt. h. Schaͤdlichkeiten oder Krankheiten, welche waͤh- rend oder vor der Geburt auf die Mutter gewirkt haben, und das Absterben des Kindes zur Folge haben koͤnnen, eben so wie ein sehr langwieriger und schmerzhafter, regelwidriger Geburtsverlauf selbst Wir koͤnnen die Geschichte der natuͤrlichen Geburt nicht verlassen, ohne darauf aufmerksam zu machen, wie viel haͤufiger Geburten in die Nacht als in die Tageszeit fallen (unter 200 hinterein- ander beobachteten natuͤrlichen Geburten fielen z. B. 116 in die Nacht, 84 in die Tageszeit), und uͤberhaupt ist das Staͤrkerwerden der Wehen zur Nachtzeit sehr haͤufig zu beobachten; welches alles phy- siologisch nicht unwichtig ist. . III. Physiologische Geschichte des Wochenbetts und der Stillungsperiode. §. 849. Waͤhrend der Schwangerschaft hatten wir theils die Ent- wickelung des Eies, theils mehrere bedeutende Veraͤnderungen des weiblichen Koͤrpers und namentlich des Uterus bemerken koͤnnen; nachdem sich nun durch den Akt der Geburt muͤt- terlicher, und Kindeskoͤrper getrennt haben, sehen wir theils diese Veraͤnderungen im muͤtterlichen Koͤrper allmaͤhlig wieder erloͤschen, und ihn nach und nach, sowohl in seinem allgemei- nen Befinden als hinsichtlich der Geschlechtstheile, in den Zustand, wie er vor der Schwangerschaft war, zuruͤckkehren; theils sehen wir das Kind hier ein neues Leben beginnen, anfaͤnglich zwar noch von dem muͤtterlichen Koͤrper, obwohl auf andere Weise, als fruͤherhin ernaͤhrt werden, endlich aber sich voͤllig von ihm absondern. I) Von den Veraͤnderungen, welche der muͤt- terliche Koͤrper in der Periode des Wo- chenbetts und der Stillungsperiode erleidet . 1) Von den Veraͤnderungen, welche die Ge- schlechtsorgane insbesondere erleiden . §. 850. Zu den im Wochenbett vorzuͤglich sich umaͤndernden Or- ganen gehoͤrt die Gebaͤrmutter, die Mutterscheide, die aͤußern Genitalien, und ganz besonders die Bruͤste. — 1) Die Gebaͤrmutter . In ihr ist, wie wir schon in der Geschichte der Geburt erwaͤhnt haben, mit dem Be- ginn der Wehen, das Bestreben erwacht, wieder in den Zu- stand, in welchem sie sich vor der Geburt befand, zuruͤck- zukehren, und hierauf zwecken alle Veraͤnderungen ab, welche sie in diesem Zeitraum erleidet. §. 851. Erstens ruͤcksichtlich der Groͤße des Uterus, so verrin- gert sich diese immer mehr, so daß in den ersten drei bis vier Tagen nach der Geburt dieselbe zwar noch ungefaͤhr 6 Zoll in der Laͤnge und 4 Zoll in der Breite betraͤgt, und der Gebaͤrmuttergrund noch betraͤchtlich uͤber dem Schambogen zu fuͤhlen ist, spaͤterhin aber der Umfang immer mehr sich min- dert, so daß oft schon am zehnten Tage der Gebaͤrmutter- grund nicht mehr deutlich uͤber dem Schambogen zu fuͤhlen ist, und nach 5 bis 6 Wochen der Umfang, wie er vor der Schwangerschaft war, sich ziemlich wieder hergestellt findet. Hierbei ist jedoch zu merken, a) daß bei Personen, welche zum ersten Male niederkommen, die Zusammenziehung und Verkleinerung des Uterus gewoͤhnlich rascher vor sich geht, II. Theil. 9 wegen der noch groͤßern Elasticitaͤt der Gebaͤrmutterwaͤnde; b) daß der Uterus nach der ersten Geburt doch nie voͤllig zu der Kleinheit des jungfraͤulichen Uterus zuruͤck kehrt, son- dern immer etwas groͤßer, in seinen Waͤnden aufgelockerter und in seiner Vaginalportion etwas kuͤrzer als dieser, ver- bleibt. §. 852. Die Ursache dieser Verkleinerung wird aber gegeben, theils durch wirkliche Zusammenziehungen (Nachwehen), theils aber auch durch wahre Zuruͤckbildung des Organs, indem die fruͤher so aufgeregte Bildungsthaͤtigkeit sich mindert, der starke Zudrang von Blut aufhoͤrt, die Venenwaͤnde und Venen- muͤndungen sich folglich verengern, die Arterien sich wieder in ihre fruͤhere Spiralform zusammen ziehen, und die ganze Substanz also gleichsam einschrumpft. §. 853. Zweitens die aͤußere Gestalt des Uterus betreffend, so wird derselbe schon nach seiner Entleerung wieder mehr platt gedruͤckt, vorzuͤglich aber faͤngt die Vaginalportion nach und nach wieder eben so zu wachsen an, als sie in der Schwan- gerschaft sich verkuͤrzt hatte. Man findet dieselbe am zehnten bis zwoͤlften Tage nach der Entbindung wieder gegen einen viertel Zoll lang, die Muttermundslippen jedoch noch dick und wulstig, gewoͤhnlich mit starken Narben der in der Ge- burt erlittenen Einrisse bezeichnet. Nach fuͤnf bis sechs Wo- chen ist die Vaginalportion auf ½ bis ¾ Zoll angewachsen, und so naͤhert sie sich noch weiterhin wieder ganz ihrer fruͤ- hern Laͤnge. §. 854. Drittens ist vorzuͤglich die Veraͤnderung der innern Flaͤche des Uterus wichtig. Diese Flaͤche naͤmlich zeigt unmittelbar nach der Geburt theils noch weit geoͤffnete Ve- nenmuͤndungen, theils noch die hinfaͤllige Haut, und endlich zuweilen auch noch anklebende Flocken von der Placenta fe- talis . Was die offenen Venenmuͤndungen (welche hier das Einfuͤhren einer starken Sonde sehr gut gestatten) betrifft, so sind sie die Ursache, daß sich in den ersten Tagen des Wo- chenbetres noch helles Blut aus den Geburtstheilen ergießt, welches (bis zum dritten oder vierten) mit dem Namen der blutigen Wochenreinigung (Lochia rubra) belegt wird, und es wuͤrde diese Blutergießung noch weit staͤrker seyn, wenn nicht die Zusammenziehungen der Gebaͤrmutter die Muͤndun- gen der Venen zugleich mit verengerte. §. 855. Ferner sondern sich nun die Flocken der hinfaͤlligen Haut, so wie die damit zusammenhaͤngenden etwa noch vorhandenen Reste der Fetalplacenta nach und nach ab, indem sie als abgestorbene Theile gleich dem Nabelstrange am neugeborenen Kinde, von dem Lebendigen abgestoßen werden, und mit der Wochenreinigung theils als Fasern, theils voͤllig aufgeloͤst, ab- gehen. Hiermit steht es in genauer Verbindung, daß, so wie die Ruͤckkehr der innern Flaͤche des Uterus zum Zu- stande wie er vor der Conception war, fortschreitet, auch der blutige Ausfluß aufhoͤrt, und ein seroͤser, dem Wasser worin frisches Fleisch gewaschen worden ist, aͤhnlicher (Lochia serosa) sich einstellt, welcher nun vom dritten oder vierten Tage nach der Entbindung an, bis zum neunten oder eilften fortdauert, und endlich in einen blos schleimigen zuweilen milchaͤhnlichen Abgang (Lochia alba) uͤbergeht, dessen Dauer gewoͤhnlich noch drei bis vier Wochen, in immer abnehmender Quanti- taͤt, betraͤgt. §. 856. Hierbei ist uͤbrigens zu bemerken, daß der Lochienfluß gewoͤhnlich bei solchen Frauen, welche nicht selbst stillen, et- was staͤrker zu seyn, und laͤnger anzuhalten pflegt, woraus hervor geht, daß die Natur sich dieses Weges auch dazu be- dient, den im weiblichen Koͤrper durch uͤberwiegende allge- meine Reproduktion bereiteten Ueberschuß bildender Stoffe, welcher waͤhrend der Schwangerschaft gaͤnzlich durch den Uterus ausgeschieden, und zur Ernaͤhrung der Frucht verwendet wor- den ist, welcher im Wochenbett nun aber von den Bruͤsten ausgeschieden werden soll, noch einige Zeit hindurch auf die fruͤhere Weise, damit der Uebergang nicht zu ploͤtzlich ge- schehe, abzusondern. Unterbleibt daher das Stillen ganz, so sehen wir auch gewoͤhnlich die Menstruation fuͤnf bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder eintreten, und koͤnnen dieses als Zeichen der beendigten Ruͤckbildung des Uterus an- sehen, daher denn nun auch von neuem die Faͤhigkeit zur Conception Statt findet. — Uebernehmen hingegen die Bruͤsie voͤllig das Ernaͤhrungsgeschaͤft, welches fruͤher durch den Ute- rus geuͤbt wurde, so soll der Regel nach weder die Men- struation sich einstellen, noch Conception Statt finden so lange das Stillungsgeschaͤft unterhalten wird, obwohl Aus- nahmen nicht allzuselten vorkommen, welche dann der Fort- dauer der Menstruation waͤhrend der Schwangerschaft zu ver- gleichen sind. §. 857. Viertens. Die Thaͤtigkeit des Uterus im Wochen- bette betreffend, so kann man hier eine dynamische und eine mechanische unterscheiden. Zu der erstern gehoͤren alle die erwaͤhnten Erscheinungen, in welchen das umgeaͤnderte Bildungsleben des Organs hervor tritt, die Abstoßung der hinfaͤlligen Haut, das Einschrumpfen der Substanz u. s. w. Als eine Aeußerung mechanischer Thaͤtigkeit hingegen muͤssen die noch in das Wochenbett sich fortsetzenden wahren Musku- larcontraktionen ( Nachwehen , Dolores post partum ) betrachtet werden. Man beobachtet dieselben nicht in allen Faͤllen gleich stark, insgemein erscheinen sie um so heftiger und dauern um so laͤnger (oft mehrere Tage ja bis zu sechs oder sogar in seltnen Faͤllen neun Tagen) 1) je mehrere Ge- burten vorhergegangen sind (bei Erstgebaͤrenden ist die Elasti- citaͤt des ganzen Organs staͤrker, und daher erklaͤrlich, warum oft gleich nach der Geburt der Uterus sich so weit verklei- nert, als er dieses durch muskuloͤse Zusammenzie- hung kann, bei Mehrgebaͤrenden hingegen fordert die groͤ- ßere Schlaffheit der Substanz staͤrkere und wiederholte wahre Zusammenziehung); 2) je schneller der Geburtsverlauf gewe- sen ist ( Boër Versuche und Abhandlungen. III. Thl. E. 211. macht schon darauf aufmerksam, daß dem Uterus ein gewisses Maaß von Kraft einwohne, welches stu- fenweise den Gipfel seiner Thaͤtigkeitsaͤußerung erreiche, und stufenweise wieder nachlasse; findet nun das Geburtsgeschaͤft allzuwenig Widerstand, so wird diese Kraft nicht erschoͤpft, und muß sich noch im Wochenbette aͤußern); 3) je reizbarer der Koͤrper der Woͤchnerin uͤberhaupt ist (theils naͤmlich muͤs- sen bei groͤßerer Reizbarkeit diese Wehen laͤnger unterhalten, theils aber auch staͤrker empfunden werden, in welcher Hinsicht es also beinahe derselbe Fall, wie mit den vorher- sagenden Wehen ist, welche auch sehr kraͤflige Naturen bei- nahe gar nicht, schwaͤchliche und empfindliche Koͤrper hinge- gen lange und im hohen Grade wahrnehmen). §. 858. Endlich haben wir noch auf die Umaͤnderungen in der Lage der Gebaͤrmutter im Wochenbett Ruͤcksicht zu neh- men. — In den ersten Tagen nach der Geburt aber, liegt der Uterus noch immer etwas hoͤher als gewoͤhnlich, da sein bedentender Umfang das Herabsteigen in die Hoͤhle des klei- nen Beckens verhindert. Er ragt daher noch beinahe zur Haͤlfte uͤber den Schambogen hervor, und ist gewoͤhnlich (wohl durch die Art der Spannung, welche die runden Ge- baͤrmutterbaͤnder angenommen haben) noch in derselben Rich- tung, in welcher er in der letzten Zeit der Schwangerschaft verweilte, so daß man ihn daher auch bei der Woͤchnerin meistens noch etwas nach rechts geneigt findet. Spaͤterhin sinkt der Uterus tiefer in das Becken herab und zwar gewoͤhnlich, wegen der noch groͤßern Ausdehnung der breiten Gebaͤrmutterbaͤn- der, und dem groͤßern Gewicht etwas tiefer als er vor der Con- ception gelegen hatte. Es wird hierdurch nicht selten bei fehlerhaftem Verhalten der Woͤchnerin, die Veranlassung zu bleibenden Senkungen des Uterus gegeben. — Uebrigens fin- det man auch an dem bereits mehr ins Becken herabgesun- kenen Uterus der Woͤchnerin, den Grund gewoͤhnlich mehr vor- waͤrts, den Muttermund mehr nach ruͤckwaͤrts gerichtet. §. 859. 2) Die Mutterscheide und die aͤußern Scham- theile sind in den ersten Tagen des Wochenbetts noch sehr erschlafft, die Querfalten der Vagina sind fast unmerklich ge- worden, und der Turgor aller dieser Theile, wie er bei Schwangern bemerkt wurde, ist in der ganzen Poriode des Wochenbetts fast verschwunden, sie scheinen gleichsam abge- welkt. Erst in der dritten oder vierten Woche nach der Entbin- dung findet man den Scheidenkanal wieder etwas mehr zu- sammen gezogen. §. 860. 3) Die Bruͤste sind nun die Organe deren Funktion jetzt vorzuͤglich von Wichtigkeit ist. Gegen sie richtet sich nun der staͤrkere Zudrang der Saͤfte, welche fruͤher im Uterus ausgesondert worden waren, die Milchgefaͤße, die oft schon in der Schwangerschaft etwas mehr angeschwollen waren, turgesciren jetzt noch staͤrker, und sondern nun zuerst eine duͤnne waͤßrige Milch aus (man nennt sie Colostrum oder Co- lostra ) welche gleichsam den Uebergang darzustellen scheint zwischen dem Schafwasser (welches im Uterus in den Darm- kanal des Kindes eindrang) und der spaͤtern, fettigern und nahrhaftern Milch Merkwuͤrdig ist, daß nach D. Schuͤbler (s. Meckel’s Archiv f. Physiol. IV. Bd. 4. Heft.) das Colostrum der Kuͤhe statt wahrer Butter eine mehr Eigelb - aͤhnliche Substanz liefert. . Diese fettigere und nahrhaftere Milch tritt gewoͤhnlich um den zweiten oder dritten Tag (also nach- dem der Uterus aufgehoͤrt hat helles Blut auszuscheiden) ein, und dieses staͤrkere Anfuͤllen der Milchgefaͤße ist haͤufig mit einem gelinden Gefuͤhl von Frost oder Schauer Dieser Schauer ist mehr ein in dem Hautorgan sich verbreitender krampfhafter, bald voruͤbergehender Zustand (ungefaͤhr dem bei Ent- leerung der Blase sich oͤfters einstellenden fluͤchtigen Schauer, oder verbunden, welcher zugleich dem reichlicher eintretenden Schweiß voranzu- gehen pflegt, und durchaus mit keinen sonstigen Stoͤrungen des Wohlbefindens verbunden seyn soll. Es verdient folglich dieser Schauer auch den Namen des Milchfiebers keines- weges, unter welchem Begriffe man vielmehr die staͤrkern, theils mit gastrischen oder entzuͤndlichen Zustaͤnden zusammen- haͤngenden Fieberaufaͤlle zu umfassen pflegt, welche als wahre pathologische Zustaͤnde dem voͤllig normalen Verlaufe des Wochenbettes durchaus fremd find. §. 861. Eine gute, dem Kinde wohlthaͤtige Milch (welche uͤbrigens im- mer nur das Produkt eines voͤllig gesunden muͤtterlichen Koͤrpers seyn kann), hat aber folgende Kennzeichen: — 1) Sie ist von reiner, weißer, ein wenig ins blaͤuliche fallender Farbe, und nur wenn die Brust laͤngere Zeit gefuͤllt gewesen ist, geht die tiefer in den Milchgaͤngen zuruͤck gebliebene, zuletzt entleerte Milch, etwas ins gelbliche uͤber D. Schuͤbler a. a. O. bemerkte, daß die Kuhmilch gegen Ende jedes Melkens stets auffallend mehr Butter gab, als zu An- fange, so auch die Morgenmilch mehr Rahm als die Abend- milch. . 2) Sie zeigt in ihrer Consistenz sich etwas dicklicher als Wasser, so daß ein Tropfen auf den Daumennagel gebracht, nicht wie die- ses schnell ablaͤuft, jedoch auch nicht zaͤhe sich anhaͤngt. 3) In reines, kaltes Wasser getroͤpfelt bemerkt man, daß sie sich nicht gleichmaͤßig darin aufloͤst, sondern Faͤden zieht, wo- bei ein Theil (die fettigen Bestandtheile) mehr nach der Oberflaͤche, ein anderer Theil (die kaͤsigen Stoffe) mehr gegen den Boden des Glases sich hinbewegen. 4) Sie hat keinen Geruch und einen angenehmen sehr suͤßen Geschmack. Hautkrampf aͤhnlich, welcher auch wohl mit bedingt wird vom Ab- sondern der hinfaͤlligen Haut im Uterus, indem dergleichen Pro- zesse (man denke an den Frost bei eintretender Eiterung oder Gan- graͤn) sehr haͤufig von aͤhnlichen Symptomen im Hautorgan beglei- tet werden. §. 862. Das specisische Gewicht der Franenmilch Dieses ist es, welches durch Araͤometer bestimmt werden kann (ob- wohl Milch einer Frau dazu fast nie in hinlaͤnglicher Quantitaͤt zu erhalten ist), eine Messung, welche jedoch uͤber Guͤte der Milch noch nicht hinlaͤnglich Aufschluß geben koͤnnte. betraͤgt nach H. Schuͤbler , wenn das specifische Gewicht des Wassers = 1000 gesetzt wird, 1020,4, wobei bemerkenswerth ist, daß die Milcharten von saͤmmtlichen Hansthieren specifisch schwerer, und folglich auch reicher an den dem Wasser in der Milch beigemischten eigentlich naͤhrenden Stoffen sind als Frauenmilch, und zwar in folgenden Verhaͤltnissen, welche ich hier beifuͤge, da sie beruͤcksichtigt zu werden verdienen, wo zur Nahrung des Kindes Thiermilch der Menschenmilch als Ersatz dienen muß: — Frauenmilch ist specifisch schwer 1020,4 Kuhmilch 〃 〃 〃 1032,7 Ziegenmilch 〃 〃 〃 1034,1 Stutenmilch 〃 〃 〃 1034,6 Eselsmilch 〃 〃 〃 1035,3 Schafmilch 〃 〃 〃 1040,9 §. 863. Die chemischen Mischungsverhaͤltnisse der Milch hier durch- zugehen, ist nicht der Ort, allein von den naͤhern Bestand- theilen erinnere ich noch, daß kaͤsige Bestandtheile, Butter, Milchzucker und Wasser zwar auch in der Menschenmilch sich vorfinden, allein ruͤcksichtlich der kaͤsigen Theile von H. Schuͤbler bemerkt worden sey, daß diese in ihr nicht als eigentlicher Kaͤse, sondern als der von ihm sogenannte Zie- ger (von welchem sich in 1000 Theilen frischer Kuhmilch nur 50 Theile finden, da sie doch 110 Theile Kaͤse ent- haͤlt) vorhanden sind, worin der Menschenmilch nur die Stu- ten- und Eselsmilch gleich kommt, als welche ebenfalls an statt des Kaͤses bloßen Zieger enthalten. Anmerkung . Als Milchmesser (Galactometer) , um ungefaͤhr das Verhaͤltniß dieser naͤhern Bestandtheile zu be- urtheilen, kann man sich eines mit einer Scale versehenen Glascylinders bedienen, in welchen man die Milch gießt und nun beobachtet, wie dick die Ramschicht sey, welche auf ihrer Oberflaͤche sich absetzt; dann aber durch Zusatz von Essig- saͤure, oder einer aͤhnlichen Substanz, den Kaͤse oder Zieger in der Waͤrme gerinnen macht, und auch dessen Menge be- ruͤcksichtigt. §. 864. Die Bruͤste sind nun uͤbrigens die Organe, welche in der mittelbar, doch ebenfalls durch die Empfaͤngniß ange- regten Umstimmung ihrer Funktion am laͤngsten verharren koͤnnen, ja bei welchen die Fortdauer dieser Funktion selbst zum Theil Daß die Stillung nicht ganz willkuͤhrlich verlaͤngert werden kann, ergiebt sich vorzuͤglich auch daraus, daß offenbar ein gewisser Rap- port zwischen der Stillenden und dem Saͤugling Statt finden muß, um die Milchabsonderung zu unterhalten, wofuͤr die von Home und Emmert gesammelten Beobachtungen, so wie die Erfahrung sprechen, daß Ammen zuweilen ploͤtzlich die Milch verlieren, sobald sie statt ihres Kindes, ein anderes einige Zeit gestillt haben. willkuͤhrlich ist. Fragt man nach der eigentlich naturgemaͤßen Dauer des an das Wochenbett sich anschlie- ßenden Stillungsgeschaͤfts, so kann man wohl der Meinung von Krause Ueber die Daner der Stillungsperiode, Leipzig 1808. am fuͤglichsten beistimmen, welcher festsetzt, daß es fuͤr Mutter und Kind am naturgemaͤßesten sey, wenn die Stillung gleichsam die Dauer der Schwangerschaft wieder- hole, und also ebenfalls zehn Mondesmonate oder drei viertel Jahre fort gesetzt werde. Nimmt man naͤmlich die Geburt fuͤr die Mutter als den Wendepunkt der durch die Schwanger- schaft veranlaßten koͤrperlichen Entwickelung, so haben wir hier im Wochenbett und in der Stillungsperiode eine gleich lange Periode fuͤr die Ruͤckbildung, und was das Kind be- trifft, so zeigt auch dieses durch den um diese Zeit begin- nenden Zahndurchbruch, daß es von nun an, von der Natur auf andere Kost gewiesen werde. 2) Von den Veraͤnderungen, welche das Allgemeinbefinden der Woͤchnerin zeigt . §. 865. Die erste Erscheinung, welche das Gesammtbefinden des weiblichen Koͤrpers nach der Entbindung darbietet, ist die Er- schoͤpfung, welche in Folge der anstrengenden Geburtsarbeit und der erduldeten Schmerzen bemerkt wird, und gewoͤhnlich in kurzem das Beduͤrfniß des Schlafs herbei fuͤhrt. Diese Ruhe aber, auf welche hierdurch der weibliche Koͤrper ver- wiesen ist, erscheint zugleich als die wichtigste Bedingung, die Ruͤckkehr des Uterus in den fruͤhern Zustand moͤglich zu machen. — Weitere Veraͤnderungen im Allgemeinbefinden werden herbeigefuͤhrt durch die veraͤnderte Richtung der Saͤfte im Koͤrper, indem der Uterus aufhoͤrt das Centrum zu seyn, gegen welches der ganze Ueberschuß bildender Stoffe hin- stroͤmt, und dieser nun auf andere Organe vertheilt wer- den muß. §. 866. Betrachtet man aber die große Blutmasse, welche in den venoͤsen Zellen des Uterus verweilte, und welche nun bei der in und nach der Geburt erfolgten Zusammenziehung die- ses Organs, groͤßtentheils aus diesen Venengeflechten wieder in den großen Kreislauf zuruͤck gedraͤngt werden muß, da doch nur ein kleiner Theil desselben bei einem voͤllig natuͤrlichen Geburtsverlauf in der fuͤnften Periode ausfließt, so begreift man, daß hier leicht ein Zustand von Plethora und dadurch Andrang des Blutes gegen andere Organe entstehen koͤnne, dafern nicht fuͤr Herstellung des Gleichgewichts von der Na- tur bald gesorgt wuͤrde. Es geschieht dieses nun vorzuͤglich durch den Eintritt groͤßerer Thaͤtigkeit in drei Organen, in den Lungen, in der Haut und in den Bruͤsten. §. 867. Die Lungen naͤmlich, welche in der Schwangerschaft durch das aufwaͤrts getriebene Diaphragma beengt, und uͤberhaupt bei der erhoͤhten Bildungsthaͤtigkeit in ihrer Funk- tion herabgesetzt sich zeigten, dehnen sich jetzt wieder freier aus, und nehmen somit auch mehr Blut auf. Es ist hier- aus allein erklaͤrlich, warum Eiterungen dieser Organe, wenn sie in der Schwangerschaft einen Stillstand gemacht hatten, jetzt mit solcher Heftigkeit fortschreiten, daß gewoͤhnlich in Kurzem der Tod die Folge davon ist; zweitens warum an- dere krankhafte Zustaͤnde der Lungen (als Verwachsungen, Knoten, Wasseransammlungen) indem sie diese groͤßere Thaͤ- tigkeit verhindern, so hoͤchst gefaͤhrlich werden, und so leicht das Puerperalfieber zur Folge haben (worauf wir spaͤterhin zuruͤckkommen werden). Anmerkung . Auch der Frost, welcher oft unmittel- bar nach der Entbindung, sonst voͤllig gesunde Personen be- faͤllt, kann wohl nur von dieser Umaͤnderung in der Rich- tung der Gefaͤßthaͤtigkeit, und momentaner Ueberfuͤllung der innern großen Gefaͤße beruhen. Daß er wenigstens nicht von Erkaͤltungen immer abhaͤnge ist gewiß, und eben so ent- sieht ja, ohne sehr bemerkliches Sinken der Temperatur, auf der Haut durch ungleiche Blutvertheilung und Anhaͤufung im Innern z. B. daß Frostgefuͤhl beim Wechselfieber. §. 868. Die Haut ferner, welche als allgemeines Respirations- und Perspirationsorgan leicht den Veraͤnderungen der Lungen beitritt, wird, namentlich in Folge des Saͤfteandrangs gegen die an der Oberflaͤche des Koͤrpers gelegenen Bruͤste, und des dadurch sich oft uͤber die ganze Hautflaͤche verbreitenden Ner- venreitzes (Milchschauers) zu erhoͤhterer Temperatur und staͤr- kerer Absonderung aufgeregt. Es erfolgen daher die Wo- chenschweiße , welche auch, um eine bei der anfaͤnglich ge- ringern Consumption der Milch leicht moͤgliche Ueberfuͤllung der Bruͤste zu verhuͤten, fuͤr so wohlthaͤtig gehalten werden muͤssen, und nach denen sich auch die Woͤchnerin keines- weges ermattet, sondern vielmehr erquickt zu fuͤhlen pflegt. — Von den Veraͤnderungen der Bruͤste ist schon oben die Rede gewesen. §. 869. Endlich verschwinden aber auch waͤhrend des Wochenbet- tes die besondern Umstimmungen einzelner Organe, welche waͤhrend der Schwangerschaft sich gebildet hatten. Die An- schwellung der Gliedmaaßen, der Hautvenen u. s. w., die Veraͤnderungen der Hautfarbe, die Verstimmungen des Darm- kanals, die ungewoͤhnlichen Erscheinungen bei der Ausleerung des Urins u. s. w. verlieren sich, und auch in dieser Hin- sicht kehrt der Koͤrper zu seinen fruͤhern Verhaͤltnissen zuruͤck. Besondere Bemerkung verdient indeß noch der Zustand der Verdauungswerkzeuge, welche hier namentlich durch den ge- ringern Grad ihrer Thaͤtigkeit den uͤbrigen allgemeinen wich- tigen Veraͤn erungen vollkommen entsprechen. Erstens die Aufnahme von Nahrungsmitteln betreffend, so fuͤhlt der Koͤr- per in dieser Hinsicht in den ersten Tagen des Wochenbettes weit weniger Beduͤrfniß, wovon die innern bedentenden Ver- aͤnderungen ohne Zweifel die Ursache sind, indem bei jeder betraͤchtlichen innern Revolution oder Entwickelungsperiode (s. I. Thl. §. 255.) der Koͤrper weniger aͤußere Stoffe auf- nimmt. §. 870. Zweitens aber die Darmausleerungen betreffend, so pfle- gen auch diese, nachdem sie noch kurz vor der Entbindung erfolgt seyn muͤssen, nach der Entbindung gewoͤhnlich bis zum dritten oder vierten Tage auszusetzen, wovon die Ursache ge- geben wird: theils durch die geringere Nahrungsaufnahme, theils und vorzuͤglich aber durch die groͤßere Ausdehnung, welche in den vorher betraͤchtlich von der schwangern Ge- baͤrmutter zusammengedruͤckten Windungen des Darmkanals Statt findet, und endlich durch die Theilnahme des Darm- kanals an dem Zustande von Ruhe, welcher in der ihm phy- siologisch und anatomisch so nahe liegenden Gebaͤrmutter ein- getreten ist. — Wie vortheilhaft uͤbrigens es fuͤr den Uterns selbst seyn muͤsse, daß in den zwei bis drei ersten Tagen des Wochenbettes (wo noch helles Blut abfließt, und er zu sei- ner Zusammenziehung, und Abstoßung der hinfaͤlligen Haut, der Ruhe vorzuͤglich bedarf, durch aufrechte Stellung hinge- gen, am meisten aber durch Pressen, so leicht Blutfluͤsse und Vorfall veranlaßt werden) diese Ausleerungen unterbleiben, liegt am Tage, und muß bei der Behandlung der Woͤchnerin vor- zuͤglich beruͤcksichtigt werden. §. 871. Was das Gefuͤhl der Erschoͤpfung betrifft, so pflegt sich dieses, nach einer voͤllig naturgemaͤßen Entbindung bald zu mindern, und, obwohl es sicher auch durch das Gefuͤhl der innern Umaͤnderungen in der Richtung der Gefaͤßthaͤtigkeit unterhalten wird, gegen den fuͤnften oder achten Tag, wo auch der Uterus mehr in seinen fruͤhern Zustand zuruͤck ge- kehrt ist, insoweit sich zu verlieren, daß die Woͤchnerin der horizontalen Lage am Tage nicht mehr anhaltend beduͤrftig ist. Spaͤterhin bezeichnet sich die voͤllige Ruͤckkehr des Ute- rus zum Zustande vor der Empfaͤngniß, durch das in der fuͤnften oder sechsten Woche bemerkbare gaͤnzliche Verschwin- den der Wochenreinigung; und es wird so zugleich die Pe- riode angedeutet, wo die Kraͤfte, die Eßlust, kurz die allge- meine Gesundheit der Mutter, wieder hervorgestellt sind, von wo sie aufhoͤrt, Woͤchnerin zu seyn, und als stillende Mutter sich mit Ausnahme dieser erhoͤhten Funktion der Bruͤste selbst, so wie der noch nicht eintretenden Menstrua- tion, ganz so wie vor der Conception besindet . Zeichenlehre fuͤr den Zustand der Woͤchnerin . §. 872. Fuͤr den Arzt und Geburtshelfer uͤberhaupt, namentlich aber in gerichtlichen Faͤllen (z. B. bei verheimlichten Geburten, Verdacht von Kindermord u. s. w.) ist oft die ge- naue Ausmittelung des Zustandes einer Woͤchnerin nicht min- der wichtig als es die Ausmittelung der Schwangerschaft war; demungeachtet haben wir auch nur wenige Kennzeichen, welche in ihrem Zusammentreffen voͤllige Gewißheit gewaͤhren; und uͤberhaupt sind es nur die ersten acht bis vierzehn Tage des Wochenbetts, wo daruͤber, daß vor Kurzem eine Geburt Statt gehabt habe, mit hinlaͤnglicher Bestimmtheit entschie- den werden kann. Auch spaͤterhin naͤmlich lassen sich wohl Zeichen auffinden, aus denen zu erkennen ist, daß uͤberhaupt eine Geburt Statt gehabt habe (sobald es naͤmlich die Ge- burt eines ausgetragenen Kindes war, denn ein Abor- tus hinterlaͤßt oft sehr wenige oder gar keine kenntlichen Zeichen ), aber nicht vor wie langer Zeit sie erfolgt sey. — Besonders aber koͤnnen mehrere Krankheiten den Zustand der Geschlechtstheile so weit veraͤndern, daß sie denen einer Woͤchnerin aͤußerst aͤhnlich werden; dahin ge- hoͤren langwierige Leukorrhoͤe, Polypen, syphilitische Zu- staͤnde, selbst Carcinoma u. s. w. — Wir theilen uͤbrigens die hierher gehoͤrigen Zeichen in die, welche durch aͤußere, und die, welche durch innere Un- tersuchung erhalten werden. §. 873. Aeußere Zeichen . 1) Bruͤste, welche aufgetriebene Milchadern oder Milchknoten zeigen, beim Drucke Milch durch die Warzen entleeren, oder auch, nach etwa bereits ver- schwundener Milch sich sehr schlaff anfuͤhlen. 2) Der Un- terleib ist durch Querfalten, oft auch durch braune Flecken, kleine Narben hezeichnet, ist schlaff, und laͤßt beim Tieferein- greifen den Fundus uteri hinter dem Schambogen wahrneh- men. 3) Die aͤußern Schamtheile sind in den ersten Tagen der Geburt zuweilen noch aufgeschwollen, spaͤterhin findet man sie erschlafft, die Schamlippen sind einwaͤrts mehr braun gefaͤrbt, und mit annoch roth gefaͤrbtem oder weißlichtem Schleim uͤberzogen, das Frenulum vulvae nebst dem obern Theile des Dammes sind sehr ausgedehnt oder zeigen sogar Einrisse. §. 874. Innere Zeichen . 1) Die Mutterscheide ist schlaff, fuͤhlt sich (sobald die Person nur nicht etwa anhaltend im Bette gelegen hat) auffallend kuͤhler an, als z. B. bei Schwangern, ihre Querfalten sind fast saͤmmtlich verstrichen, oft hie und da ein Prolapsus vaginae wahrnehmbar, und dabei zeigt sie sich mit haͤufigem Schleim, welcher Faͤrbung und specifischen Geruch der Wochenreinigung traͤgt, uͤber- zogen. 2) Die Vaginalportion ist in ihrem Umfange noch bedeutend vergroͤßert, schlaff und wulstig anzufuͤhlen, und im Anfange des Wochenbetts noch sehr verkuͤrzt. Die Mutter- mundsraͤnder sind ungleich, mit mehrern Einrissen versehen. Der Muttermund bildet wieder eine Querspalte, ist anfaͤng- lich noch stark geoͤffnet, ergießt die Lochien und ist auch haͤufig noch gegen Beruͤhrung empfindlich. — Je weiter indeß die Tage des Wochenbettes von dem Termin der Geburt sich entfernen, desto mehr verschwinden diese Zeichen, und gehen endlich in die oben (Thl. I. §. 53.) erwaͤhnten Zeichen der vorausgegangenen Geburt uͤberhaupt uͤber. II. Von den Veraͤnderungen, welche der Koͤr- per des neugebornen Kindes im Vergleich zu seinem Zustande vor der Geburt erfaͤhrt . §. 875. Die wichtigste Umaͤnderung, welche das Kind bei der Geburt erleidet, ist, daß es aus der unmittelbaren Verbin- dung, so wie aus der Umschließung des muͤtterlichen Koͤrpers heraustritt, und dadurch, indem es aufhoͤrt gleichsam ein Theil des Mutterkoͤrpers zu seyn, einen hoͤhern Grad von Selbststaͤndigkeit, von Selbstbestimmung erhaͤlt, wodurch zu- gleich die animale Seite seines Lebens mehr hervor gehoben wird. — Von diesem Gesichtspunkte aus werden sich die einzelnen Modificationen, welche die Lebensverrichtungen des Kindes, durch die Geburt veranlaßt, erleiden, hinlaͤnglich er- klaͤren lassen. §. 876. I. Vegtatives oder reproduktives Leben . 1) Stoffaufnahme, Ernaͤhrung . Vor der Geburt wurde die Nahrung pflanzenartig an der Oberflaͤche der Eihaͤute durch Saugfasern aufgenommen, und theils durch den Na- belstrang, theils durch das Fruchtwasser in den Fetuskoͤrper gebracht, nach der Geburt hoͤrt diese Einsaugung auf, denn das Kind ist aus seiner Eihaut hervorgetreten, und der Kreislauf durch die Placenta ist erloschen. Der Darmkanal wird nun das wahre Organ der Ernaͤhrung, seine peristalti- sche Thaͤtigkeit erwacht, und aͤußert sich am Mundende durch das Saugen , d. i. die Nahrungsaufnahme, welche den niedrigern Thieren eigen ist, und der Stoffaufnahme der Pflanzen nach am naͤchsten kommt. Die Stoffe, welche der Darmkanal aufnimmt, sollen zwar, wie die Saͤfte, welche dem Kinde im Uterus zur Nahrung dienten, ebenfalls noch vom muͤtterlichen Koͤrper bereitet seyn (als Milch), jedoch ist das Kind faͤhig, fremde Stoffe zu assimiliren, und die ei- gentliche Verdauung tritt ein , unterstuͤtzt von den durch die peristaltische Bewegung aufgeregten sich in den Darmkanal ergießenden Sekretionen. — Hiermit steht es in genauer Verbindung, daß nun auch die Ausleerungen des Darmkanals beginnen, das Meconium fortgeschafft wird, und spaͤterhin die Contenta des Darmkanals (obwohl sie bei der blos fluͤssigen Nahrung, welche die Natur fuͤr das Kind bestimmte, weicher seyn muͤssen) wehr denen des Erwachsenen zu gleichen anfangen. — Der Magen selbst entwickelt sich mehr, und nach und nach wird auch der Unterschied zwischen duͤnnen und dicken Daͤrmen immer bestimmter ausgebildet. §. 877. 2) Saͤftevertheilung, Gefaͤßthaͤtigkeit . Hierin aͤußert sich nun, durch die Trennung der Placenta bedingt, eine vorzuͤglich wichtige Umaͤnderung. Das Kind naͤmlich, eingetreten in die freie Atmosphaͤre, wird auch sogleich von ihr nothwendig durchdrungen, nimmt die Luft selbst (weil es nun als ein Glied des Erdorganismus und von demselben durchdrungen existiren kann ) in sich auf; das venoͤse Blut des Kindes, durch chemische Verwandtschaft schon gegen das eindringende Oxygen hingezogen, stroͤmt nun in die Lungen ein, und der Andrang gegen die Nabelgefaͤße laͤßt nach, ja hoͤrt endlich ganz auf. Hiermit wird nun, da Sanguification und Respiration immer gleichen Schritt halten, die Blut- masse selbst umgeaͤndert, der Unterschied zwischen Arterien und Venenblut wird auch durch die Farbe bestimmter bezeich- net und Cruor wie Faserstoff bilden sich (obwohl auch im ganzen Saͤuglingsalter das Blut noch duͤnner und weniger gerinnbar, als in Erwachsenen bleibt,) nach und nach mehr aus. §. 878. Hiermit verwandelt sich auch die Bildung der Organe des Kreislaufs, die Nabelarterien und die Nabelvenen ver- wachsen, und werden zu ligamentoͤsen Straͤngen, indem an der Insertionsstelle des Nabelstrangs (welcher alsbald nach aufgehobener Placentencirculation eintrocknet) durch eine Art von Entzuͤndungszustand, der abgestorbene Rest des Nabel- stranges, als Todtes vom Lebendigen, gewoͤhnlich in Zeit von 4 bis 6 Tagen, abgesondert wird. — Im Mittel- punkte des Kreislaufs aber schließt sich nach und nach die Communication der beiden Vorkammern, gewoͤhnlich innerhalb des ersten Lebensjahres, und noch zeitiger der Ductus arterio- sus Botalli; wodurch nun das ganze Aortensystem gleich- maͤßig mit arteriellem Blute versehen wird, und daher von nun an auch der Kopf nicht mehr so uͤbermaͤßig fortwaͤchst; sondern auch die untere Koͤrperhaͤlfte nun staͤrker entwickelt wird. — Das Herz selbst, welches fruͤher mehr in der Mitte der Brust liegt, wird mehr gegen die linke Seite gedraͤngt, durch die groͤßere rechte Lunge. §. 879. Immer ist uͤbrigens der Koͤrper des Saͤuglings, da auch in ihm die produktive Seite vorherrscht, außeror- dentlich gefaͤßreich, so daß eine feine Injektion fast den gan- zen Koͤrper roͤthet; allein je aͤlter das Kind wird, um so mehr nimmt dieß doch ab. — Was das Saugadersystem betrifft, so ist auch dieses noch im Saͤugling aͤußerst ent- wickelt, wie die starke Faͤhigkeit zur Hauteinsaugung beweist, allein auch dieses vermindert sich stufenweise. Die Druͤsen werden verhaͤltnißmaͤßig kleiner, und nur die Chylusgefaͤße II. Theil. 10 und Gekroͤsdruͤsen, wie die Einsaugung durch den Darmkanal im Allgemeinen bilden sich mehr aus. §. 880. 3) Athmung und Ausscheidung . Von der Veraͤnderung der Athmungsweise durch die Geburt, ist schon §. 877 gesprochen. Der Saͤugling athmet nun erst vermit- telst der Brust , wenn die Athmung des Fetus noch eine Bauchrespiration (positiv durch Nabelgefaͤße negativ durch die Leber [§. 738]) war; die Lungen entwickeln sich, obwohl anfaͤnglich noch durch die Thymusdruͤse beschraͤnkt, und bilden sich endlich, wann diese Druͤse noch mehr als die aͤußern Lymphdruͤsen schwindet, vollkommen aus, werden daher auch verhaͤltnißmaͤßig zum Koͤrper groͤßer und schwerer. §. 881. Allein nicht blos durch die Lungen wirkt die Luft auf das Kind, sondern allgemeiner noch durch die gesammte Hautflaͤche. Diese wird ploͤtzlich von dem Drucke des Frucht- wassers befreit, sie tritt aus einem fluͤssigen in ein trockenes Medium, und die Einwirkung der Luft aͤußert sich an dem neugeborenen Kinde durch eine lebhafte Roͤthung der ganzen Oberflaͤche der Haut, so wie in den spaͤtern Tagen (gewoͤhn- lich um den 3ten bis 6ten) eine Abschaͤlung der ganzen Oberhaut. Dieser wahre Haͤutungsprozeß , welchen ich an allen gesunden Kindern beobachtet habe, ist bisher ganz uͤbersehen worden, und demohnerachtet als der erste der weiterhin nach Kieser als exanthematische Krankheiten erschei- nenden Haͤutungsprocesse (Masern, Scharlach, Blattern) zu betrachten, und fuͤr die Lehre von den Krankheiten der Neu- geborenen sehr wichtig. §. 882. Die Haut kann und muß nun im Saͤugling ebenfalls als wahrhaft ausscheidendes Organ wirken, und eben so tre- ten nun die uͤbrigen Excretionen hervor. Beym Saugen er- gießt sich Speichel, die Galle wird dicker und harziger, die Nieren scheiden regelmaͤßig Urin aus, und dieser selbst ist von anderer Beschaffenheit, indem nach und nach Phosphor- saͤure darin bemerklich wird. — Das Geschlechtssystem bleibt auch im Saͤugling noch im Zustande der Unthaͤtigkeit. Im Allgemeinen bemerken wir also, daß selbst im ve- getativen Leben, die der individuellen Reproduktion entgegen- gesetzte Seite (der Athmung und Ausscheidung) mehr hervor- tritt, und erklaͤren dadurch, weßhalb das Wachsthum des Koͤrpers, obwohl es gegen die spaͤtern Perioden immer noch rasch genug von Statten geht, doch gegen das Wachsthunt im Fetus sich schon betraͤchtlich gemindert hat. §. 883. II. Animales Leben . Auch diese Seite (welche ebenfalls der individuellen Reproduktion entgegengesetzt ist, und das abnehmende Wachsthum durch ihr Erwachen mit erklaͤrt) beginnt jetzt ihr Vermoͤgen zu entwickeln. Was die Sinnesorgane betrifft, so sehen wir das Auge sich oͤffnen, der Eindruck des Lichts wirkt auf das Kind schon in den ersten Lebenstagen maͤchtig und reizend ein, obwohl man noch nicht sagen kann, es sehe , welches erst nach und nach gelernt werden muß. Die Pauckenhoͤhle, welche an- faͤnglich mit Schleim gefuͤllt ist S. Portal’s Bemerkungen in Meckel’s Archiv fuͤr Physiol. IV. Bd. 4. Heft. , entleert sich nach und nach durch die Tuba Eustachii, und das Kind lernt nach und nach einen Schall wahrnehmen. Eben so wird die Haut nach aufgehobenem Drucke des Schafwassers zu Gefuͤhlswahr- nehmungen faͤhig; der Geruch entsteht mit der Respiration, denn auch der Erwachsene riecht bekanntlich nur, indem er Luft einzieht, d. i. die Luft die Nasenhoͤhle durchstroͤmen laͤßt, und mit ihm bildet sich wohl nach und nach auch einige Ge- schmacksempfindung aus. §. 884. Hirn und Nerven sind immer noch weich; bemer- kenswerth aber ist es, daß nun auch die in Heben und Sinken bestehende Bewegung der Hirnmasse, welche durch Anschwellen der Hirnvenen beim Athmen bewirkt wird, zu- gleich mit der Respiration beginnt. Die Seelenthaͤtig- keit faͤngt an nach und nach in dunkeln Regungen des Ge- muͤths und Willens sich kund zu geben, und uͤberhaupt tritt jetzt zuerst nach langem und tiefem Schlafe das Erwachen ein, obwohl so, daß immer von Zeit zu Zeit (und zwar im Saͤuglingsalter noch bey weitem im groͤßten Theil der Zeit) das Leben zuruͤckkehrt in den urspruͤnglichen Zustand des Schlafs. §. 885. Was die Bewegungsthaͤtigkeit betrifft, so kann sich allerdings nun, bey einer vollkommnern Ausbildung der Re- spiration auch die Muskelfaser allmaͤhlig mehr ausbilden; demohnerachtet sind die Bewegungen noch schwach und un- geregelt, wie denn uͤberhaupt im Saͤugling in der ganzen animalen Seite die Receptivitaͤt noch vorherrschend, die Re- aktion nur gering ist. Merkwuͤrdig ist aber noch, als Pro- dukt der Seelenthaͤtigkeit, Bewegungs- und Athmungsthaͤtig- keit, das Erwachen der Stimme , die wenn auch jetzt noch unartikulirt, spaͤterhin doch fuͤr die geistige Entwicke- lung von so unendlicher Wichtigkeit wird. — Endlich auch die eigenthuͤmliche Waͤrme als Produkt von Nerven- wirkung und Gefaͤßthaͤtigkeit, nimmt im Saͤuglinge zu, ob- wohl sie noch immer mit der spaͤterhin sich erzeugenden, nicht zu vergleichen ist. §. 886. Alle diese so wichtigen Umaͤnderungen im Kindeskoͤrper nun, sind das Werk der Geburtsperiode, welche eben deß- halb, und weil diese Veraͤnderungen so ploͤtzlich erfolgen, mit Recht als die bedeutendste Revolution des menschlichen Or- ganismus betrachtet wird. Man erkennt daher aber auch, wie sehr es von Wichtigkeit seyn muß, daß diese Periode eine gewisse Dauer habe, daß nicht zu ploͤtzlich das eben noch in genauer Wechselwirkung mit dem Uterus stehende Ovulum abgetrennt und ausgestoßen werde, sondern daß erst waͤhrend der laͤngern Zeit, welche die Gebaͤrmutterkraft zum Eroͤffnen des Muttermundes braucht, diese Wechselwirkung immer mehr erloͤsche, ferner aber waͤhrend des Druckes, den das Kind im Becken erfaͤhrt, eine Art asphyktischen Zustan- des eintrete, aus welchem dann nach der Geburt es zu neuer und hoͤherer Thaͤtigkeit erwache. — Doch auch so vorberei- tet, ist der Uebergang noch ploͤtzlich genug, um zu vielfachen krankhaften Zustaͤnden zu disponiren, und die große Sterb- lichkeit im Saͤuglingsalter zu erklaͤren. §. 887. Obwohl nun uͤbrigens nach der Geburt die unmittelbare Verbindung des Kindes mit der Mutter aufgehoben ist, so muß man demohnerachtet einen mittelbaren Zusammenhang beider noch anerkennen, welcher theils gaͤnzlich immateriell scheint, theils durch den Stillungsprozeß vermittelt wird. Bei einigen Saͤngethieren (den Beutelthieren), ist dieses so bestimmt ausgedruͤckt, daß das geborne Junge in den Zitzen- sack gleichsam als in einen zweiten Uterus eintritt, und an der Zitze, wie ein Fetus am Nabelstrange festhaͤngt. — Auch fuͤr den Saͤugling ist die Brust der Mutter nicht nur Er- naͤhrungsorgan, sondern sicher auch der Weg, einen Rapport der Nervensysteme beider Organismen zu erhalten, wodurch ein gewisser Einfluß, und vielleicht die theilweise Uebertragung, des Charakters der Stillenden auf den Saͤugling, wohl erklaͤrlich wird. Allein auch eine Wirkung des Saͤuglings auf die Mutter, namentlich um die Sekretion der Milch zu unter- halten, ist unlaͤugbar, und die Fortdauer der Milchabson- derung keinesweges blos dem mechanischen Reize des Sau- gens zuzuschreiben. §. 888. Man ist hierauf zuerst bei Thieren aufmerksam gewor- den. Home Th. Thomson Annals of Philosophy. 1817. Jan. p. 88. bemerkte, daß eine Eselin nur so lange Milch gab, als sie das Junge (wenn es auch gar nicht mehr an ihr saugte) neben sich sah. Ferner machte Prof. Emmert Meckel’s Archiv f. Physiol. IV. Bd. 4. Heft. S. 538. darauf aufmerksam, daß schon Vaillant ganz dasselbe von den Kuͤhen in Afrika erzaͤhlt, welche daher, wenn das Kalb stirbt, von den Eingebornen dadurch noch zu laͤngerer Milchabsonderung gereizt werden, daß man die Haut dieses Kalbes einem andern Kalbe uͤberzieht, und dieses beim Melken in der Naͤhe der Kuh laͤßt. — Allein auch beim Menschen ist dieser Einfluß unlaͤngbar. H. Emmert er- waͤhnt schon, daß in der muͤtterlichen Brust die Milch durch kuͤnstliches Aussaugen (z. B. von einer zahnlosen alten Frau, wie es an mehreren Orten in Faͤllen des Nichtstillens zur Gewohnheit geworden ist) nicht laͤnger als neun Tage zu- ruͤckgehalten wird, und dann verschwindet, weil der Koͤrper fehlt, dessen Ernaͤhrung (als gleichsam eines noch nicht ganz getrennten Theils des eigenen Organismus) diese Sekretion bezweckt. Indeß fast noch deutlicher habe ich dieß oft beim Saͤugungsgeschaͤfte der Ammen bemerkt. Junge, ganz ge- sunde Personen, welche waͤhrend der Stillung ihres eigenen Kindes Ueberfluß von Milch hatten, verlieren dieselbe oft schnell, wenn sie ein fremdes Kind anlegen; ja selbst, wenn Ammen ein fremdes Kind eine zeitlang gluͤcklich gestillt haben (weil ein aͤhnlicher Rapport zwischen ihnen und diesem Kinde, wie fruͤher zu ihrem eigenen eingetreten ist), verlieren sie zu- weilen die Milch, wenn sie nun wieder ein anderes Kind zu saͤugen anfangen. §. 889. Was endlich die Dauer des Saͤuglingsalters betrifft, so reicht sie bis zur staͤrkern Entwickelung der Zaͤhne, und endet also 30 bis 40 Wochen nach der Geburt um in das eigentliche Kindesalter uͤberzugehen, gegen welche Zeit denn auch die innere Organisation, in so weit sie noch vom Fetuszustande zeugt, mehr verschwindet, eifoͤrmiges Loch und Botalli’scher Gang groͤßtentheils geschlossen sind, und das große Uebergewicht der Leber sich vermindert hat. Als neugeborenes Kind wird das Kind in dem Zustande, wo der Nabelstrang noch nicht abgeloͤst, oder der Nabel noch nicht ganz geheilt ist (also die ersten 6 bis 8 Tage) bezeichnet. II. Diaͤtetik der Schwangerschaft , der Geburt, so wie der Wochen- und Stil- lungsperiode. §. 890. Es ist wohl nicht uͤberfluͤßig, sogleich im Eingange der Lehre von der naturgemaͤßen Behandlung gesunder schwange- rer, gebaͤrender, oder stillender Personen, wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß alle diese Verrichtungen, so we- nig als Athemholen, Speise aufnehmen u. s. w., an sich auf irgend eine Weise krankhaft genannt werden koͤnnen, und daß alle diese Verrichtungen daher, so lange sie in dieser Regelmaͤßigkeit verlaufen, schlechterdings kein aktives Eingrei- fen der Kunst oder Kuͤnstelei gestatten, ohne dadurch in ihrer Regelmaͤßigkeit beeintraͤchtigt zu werden. — Achtung vor der Natur in dieser ihrer geheimnißvollsten Werkstaͤtte , ist daher einer der ersten Grundsaͤtze welche die Personen sich einzupraͤgen haben, denen die Leitung des natuͤrlichen, ja selbst des krankhaften Verlaufs dieser Perio- den uͤbertragen wird. §. 891. Kann daher die Kunst im natuͤrlichen Zustande dieser Funktionen einen Wirkungskreis haben, so ist es der: zu verhuͤten, daß ihr Eingreifen in den Verlauf dieser Perioden selbst nicht nothwendig werde ; und wenn nicht zu laͤugnen ist, daß der Zweck der aͤrztli- chen Kunst uͤberhaupt dahin gerichtet seyn solle, Krankheiten zu verhuͤten, und so gleichsam sich selbst uͤberfluͤßig zu ma- chen, so muß dieses von der hier abzuhandelnden Diaͤtetik ganz vorzuͤglich gelten, und wird auch hier leichter als in der Heilkunst uͤberhaupt, wenigstens zum Theil erreicht wer- den koͤnnen. §. 892. Alle Schaͤdlichkeiten also, welche den Ver- lauf von Schwangerschaft, Geburt, Wochen- und Stitlungsperiode stoͤren koͤnnen, abzuwenden, das diesen Perioden angemessene Verhalten vor- zuschreiben, und diejenige Pflege der Mutter und dem Kinde angedeihen zu lassen, welche die Wichtigkeit dieser Zustaͤndefordert, hierbei aber immer sich streng an das moͤglichst Einfache und Zweckgemaͤße zu halten, und der Natur dabei ihre Freiheit auf alle Weise zu bewahren, die- ses sey der Zweck, welchen die Kunst, uͤberall wo nicht bereits ein krankhafter Zustand vorhanden ist, sich vorsetze, und in dessen Erreichung sie ihre vollkommenste Befriedigung finde . I. Diaͤtetik der Schwangerschaft. §. 893. Wenden wir die in den vorigen §§. aufgestellten Saͤtze zunaͤchst auf die Leitung und Behandlung des weiblichen Koͤrpers im Zustande der Schwangerschaft an, so ergiebt sich vor allen andern, daß bei einem naturgemaͤßen gluͤcklichen Gange dieses Processes, es nicht nur voͤllig uͤberfluͤßig, son- dern in vieler Hinsicht schaͤdlich seyn muͤsse, wenn durch An- wendung von Aderlaͤssen, Abfuͤhr- oder Brechmitteln und aͤhnliche Eingriffe, auf den in keiner Hinsicht krank zu nen- nenden Koͤrper gewirkt wird. Vorzuͤglich hat hier die un- vollkommne Einsicht in die Natur des Schwangerschaftspro- cesses oft zu einer nachtheiligen Behandlung verleitet, in- dem man den Reichthum an einem nahrhaftern Blute in Schwangern fuͤr krankhaft hielt, und deßhalb solche Ausleerun- gen fuͤr noͤthig erachtete. — Der wuͤrdige Boër Abhandlungen und Versuche. I. Bd. — Von der Gesundheit der Schwangern. S. 56. sagt aber in dieser Hinsicht schon: „Wahre und gesunde Vollbluͤ- tigkeit gehoͤrt mit zur Idiosynkrasie der Schwangern. Alles was diese Vollbluͤtigkeit ohne gegruͤndete Ursache unter den natuͤrlichen Standpunkt setzt, verursacht in dem Organismus Nachtheil. Reichthum an gutem Blute macht weder abor- tiren, noch erregt es sonsten unangenehme Zufaͤlle.“ — Alle diese ausleerenden und andere Mittel muͤssen daher bei Schwangern fuͤr wirklich krankhafte Zustaͤnde aufgespart bleiben. §. 894. Obwohl nun also die Schwangerschaft kein krankhafter Zustand ist, so muß doch auch nicht uͤbersehen werden, daß sie gleich jeder andern Entwickelungsperiode ein ungewoͤhn- licher Zustand sey, daß der Koͤrper eben dadurch fuͤr krankhafte Einfluͤsse jeder Art empfaͤnglicher werde, und daß folglich, da Stoͤrungen des Wohlbefindens hier auch fuͤr das Kind nachtheilig werden koͤnnen, ein besonders vorsichti- ges Verhalten um so nothwendiger sey. Wir gehen deshalb die einzelnen Regeln welche die Schwangere, sowohl ruͤck- sichtlich ihres allgemeinen Befindens, als ruͤcksichtlich der Veraͤnderungen welche das Geschlechtssystem erleidet, zu befolgen hat, der Reihe nach durch. §. 895. Allgemeines Verhalten . Jeder Schwangern ist zu empfehlen, daß sie von ihrer fruͤher gewohnten Lebens- ordnung sich nicht zu ploͤtzlich entferne, nicht etwa aus ge- wohnter Thaͤtigkeit zu muͤßiger Ruhe uͤbergehe u. s. w. — daß sie aber die Art ihrer Lebensweise dahin modificire, daß alle zu rasche, angreifende Bewegung, jede heftige Anstren- gung vermieden werde. Man suche demnach ein schickliches Gleichmaaß zwischen Ruhe und Bewegung herzustellen, und verhindere vorzuͤglich anhaltendes Stillsitzen mit zusammen- gedruͤcktem Unterleibe, welches Schwangern eben so nach- theilig, als eine maͤßige Bewegung wohlthaͤtig zn seyn pflegt. — Die Kleidung der Schwangern sey einfach, warm (vor- zuͤglich was Bruͤste, Unterleib und Fuͤße betrifft), und den Koͤrper in keiner Hinsicht belaͤstigend oder beengend. Vor- zuͤglich sind Kleidungsstuͤcke, welche den Unterleib zusammen- pressen, auf keine Weise zu gestatten. — Was den Aufent- haltsort betrifft, so darf es ihm vorzuͤglich an reiner gesun- der Luft nicht fehlen, indem die an sich schon herabgesetzte Oxydation des Blutes außerdem noch mehr beeintraͤchtigt, und zu Entstehungen von Stockungen, Congestionen u. s. w. Gelegenheit gegeben wird. Der Aufenthalt auf dem Lande, und haͤufige Bewegung in freier Luft sind daher Schwangern aͤußerst nuͤtzlich. §. 896. Eben so aber wie die Bewegungen des Koͤrpers an ein gewisses Gleichmaaß gebunden seyn sollen, so ist auch eine heitere gleichmaͤßige Thaͤtigkeit der Seele, der Schwangern und ihrem Kinde hoͤchst vortheilhaft; alle gewaltsame leiden- schaftliche Bewegung hingegen, alle heftigen Gemuͤthserschuͤt- terungen muͤssen als physisch und moralisch nachtheilig fuͤr die Frucht Auf die Lehre vom sogenannten Versehen werden wir in der Pathologie des Fetus zuruͤckkommen. , sorgfaͤltig vermieden werden. — Besondere Ruͤcksicht aber verdient der Zustand des Schlafs, welcher fuͤr alles reproduktive Leben, und somit auch fuͤr die er- hoͤhte Bildungsthaͤtigkeit des weiblichen Koͤrpers hoͤchst wich- tig ist, und durch angemessene, nicht zu heiße Schlafstellen, durch Vermeidung aller zu lebhaften Erregung der See- lenthaͤtigkeit, so wie jeder Ueberfuͤllungen des Magens kurz vor dem Schlafengehen, beguͤnstigt werden muß. §. 897. Was die Wahl der Nahrungsmittel betrifft, so muß zwar auch hier die Gewohnheit den allgemeinen Maaßstab abgeben, indeß da die Reizbarkeit des Darmkanals consen- suell mit den Geschlechtstheilen immer gesteigert erscheint, und spaͤterhin selbst dem Raum nach, der Darmkanal aͤußerst be- schraͤnkt wird, so ergiebt sich von selbst, wie hoͤchst nach- theilig alle schwerverdauliche, blaͤhende oder erhitzende Spei- sen und Getraͤnke, so wie uͤberhaupt jedes Uebermaaß der- selben, in dieser Periode seyn muͤsse; dahingegen eine einfache, gelindnaͤhrende Diaͤt und der Genuß verduͤnnender erfrischen- der Getraͤnke nicht nur fuͤr die Gesundheit der Mutter und des Kindes im Allgemeinen aͤußerst nuͤtzlich ist, sondern auch vorzuͤglich dazu beitragen wird, die mancherlei Beschwerden der Schwangerschaft: als Ueblichkeiten, Erbrechen u. s. w. zu vermeiden. — Besonders in dem Beginn der Schwan- gerschaft muß eine jede Ueberladung des Magens schaͤdlich seyn, da die Natur hier, wie auch in andern Entwickelungs- perioden, nur wenig aͤußere Stoffe bedarf, und durch die- selben oft mehr gehindert, als beguͤnstigt wird. — Besondere Abneigungen gegen Speisen u. s. w. sind zu befolgen; un- gewoͤhnliche Geluͤste hingegen nie aufs Gerathewohl zu be- friedigen. §. 898. Wichtig ist ferner die Ruͤcksicht auf hinlaͤngliche Er- haltung der Darmausleerungen, da Hinderung derselben leicht Unterleibsschmerzen, Haͤmorrhoidalbeschwerden, Varices u. s. w., zur Folge hat. Werden uͤbrigens die in den vorigen §§. erwaͤhnten Regeln hinsichtlich der Koͤrperbewegung und Wahl der Nahrungsmittel gehoͤrig beobachtet, so wird es auch in dieser Hinsicht so leicht nicht fehlen, und wo daher bei Schwangern dergleichen Beschwerden vorkommen, hat der Arzt sein naͤchstes Augenmerk auf jene Verhaͤltnisse zu wen- den, fuͤr den Moment zwar durch Anordnung einiger Lave- ments fuͤr Erleichterung zu sorgen, aber der Wiederkehr der Obstruktion durch bessere Lebensordnung und Diaͤt vorzu- beugen. §. 899. Vorzuͤgliche Aufmerksamkeit verdient endlich die Auslee- rung des Harus, und Schwangere sind vorzuͤglich um den zweiten bis vierten Monat vor laͤngerer willkuͤhrlicher Ver- haltung des Urins zu warnen (indem dieß zur Zuruͤckbeu- gung der Gebaͤrmutter fuͤhren koͤnnte) so wie krankhafte Un- terdruͤckungen (von denen spaͤterhin die Rede seyn wird) schleunige Abhuͤlfe erfordern. — Uebrigens ist im Allge- meinen Schwangern, deren Hautfunktion in mehrerer Hin- sicht umgeaͤndert erscheint, auch eine sorgfaͤltige Hautkultur sehr zu empfehlen, und oͤftere lane Baͤder werden daher von denselben mit Nutzen gebraucht werden. Von der Behandlung der Varices und anderer Beschwerden der Schwangern s. d. Pathologie und Therapie. §. 900. 2. Besondere Ruͤcksichten im Verhalten der Schwangern . Hierher gehoͤrt a) die Sorge fuͤr die Bruͤste . Es ist naͤmlich vorzuͤglich wichtig, die Bruͤste auf das bevorstehende Stillungsgeschaͤft schon in der Schwanger. schaft vorzubereiten. Sie sind daher naͤher zu untersuchen, und bei Kleinheit der Warzen, so wie bei gespaltenen oder tiefliegenden Warzen muß durch oͤfteres Hervorziehen dersel- ben mittelst eines Ziehglases, oder einer Milchpumpe, ihre Bildung verbessert werden. Man laͤßt dieses Hervorziehen in den letzten 4 bis 6 Wochen der Schwangerschaft taͤglich 2 bis 4 Mal vornehmen, laͤßt die hervorgehobenen Warzen mittelst der durch Speichel befeuchteten Fingerspitzen gelind reiben, und sie dann mit einem leichten aus Holz gearbei- teten Warzendeckel bedecken (um das Zuruͤckdruͤcken der Warze zu verhindern), oder laͤßt auch wohl (besonders wenn schon Milch ausfließt) ein plattes Brustglas, mit einer Oeff- nung zur Aufnahme der Warze, fuͤr bestaͤndig tragen. Um die zuweilen sehr duͤnne und zarte Haut der Warzen (vor- zuͤglich bei Blondinen, und wo sie sehr tief gelegen haben) zu befestigen und zu staͤrken, und kuͤnftig beim Stillen das laͤstige Wundwerden zu verhuͤten, empfiehlt man der Schwan- gern das Waschen derselben mit rothem Wein, Rum oder Franzbranntwein, vorzuͤglich jedesmal, wenn die Warzen her- vorgezogen worden sind. — Ueberhaupt sind aber die Bruͤste in der Schwangerschaft warm zu halten, und jeder Druck, Stoß, oder Quetschung derselben sorgfaͤltig zu vermeiden. §. 901. b ) Was die aͤußern Geschlechtstheile betrifft, so machen sie vorzuͤglich bei besonderer Engigkeit, wie sie sich namentlich bei bejahrten Erstgebaͤrenden zu finden pflegt, mehrere Vorkehrungen, um das Geburtsgeschaͤft zu erleich- tern, und Verletzungen des Dammes zu verhindern, noth- wendig. Es gehoͤrt hierher theils das oͤftere Einreiben eines milden Oehles oder Fettes in die Gegend des Perinaͤums, theils das Benutzen der lauwarmen Seifenbaͤder. §. 902. Endlich macht aber c ) der ausgedehnte Unterleib eine besondere Beruͤcksichtigung noͤthig. Schwangere, vorzuͤg- lich Bejahrte und zum erstenmale Niederkommende empfinden naͤmlich zuweilen selbst die Ausdehnung der Bauchbedeckungen schmerzhaft, und das Gefuͤhl einer staͤten Spannung der glaͤnzend und zuweilen rissig werdenden Bauchhaut wird ihnen hoͤchst beschwerlich. — Auch hier ist das oͤftere laue Baden eins der Hauptmittel, und es kann dasselbe durch milde oͤhlige Einreibungen noch mehr unterstuͤtzt werden. — Fer- ner die starke Ausdehnung des Leibes, das Ueberhaͤngen des Uterus uͤber den Schambogen und die dadurch veranlaßten Beschwerden betreffend, so wird diesen, bei Personen welche schon ein- oder mehreremale geboren, sehr haͤufigen Beschwer- den am besten durch eine zweckmaͤßig eingerichtete, uͤber das Hemd angelegte, Leibbinde Unter den vielen empfohlnen Leibbinden fuͤr Schwangere ist die vom Hrn. D. Joͤrg (Handb. d. Krankheiten des Weibes) abge- bildete, gewiß eine der zweckmaͤßigsten. vorgebeugt, oder abgeholfen, welche noch uͤberdieß, indem sie ein gleichmaͤßiges Warmhalten des Unterleibes beguͤnstigt, namentlich fuͤr reizbare schwaͤchliche Koͤrper, vielfachen Nutzen gewaͤhrt. §. 903. Zu erwaͤhnen ist uͤbrigens noch, daß es fuͤr eine jede Schwangere zweckmaͤßig sey; 1) sich einige Zeit vor der Niederkunft einer geburtshuͤlflichen Untersuchung, wenn auch nur durch eine sachkundige Hebamme zu unterwerfen, um dadurch dem Arzt Gelegenheit zu geben, manche vielleicht fuͤr die Geburt stoͤrend werdende Umstaͤnde zeitiger entdecken, und wo moͤglich beseitigen zu koͤnnen; 2) sich durch den Geburtshelfer oder die Hebamme uͤber die bei und nach der Geburt erforderlichen Gegenstaͤnde, Kleidungsstuͤcke u. s. w. unterrichten zu lassen, um sich zeitig damit versehen zu koͤnnen. II. Diaͤtetik der Geburt, oder von der Behandlung des natuͤrlichen Geburtsgeschaͤfts. §. 904. Diese Huͤlfsleistungen sind nun vorzuͤglich das eigentliche Geschaͤft der Hebamme , und wir stimmen denjenigen kei- neswegs bei, welche (wie z. B. H. Weidmann S. P. Weidmann de officio artis obstetriciae concedendo solis viris. Maynz 1809. auch die Behandlung des natuͤrlichen Geburtsgeschaͤfts den Maͤnnern uͤbertragen wissen wollen. Es koͤnnte naͤmlich allerdings, wenn eine solche maͤnnliche Huͤlfsleistung allgemein werden sollte, dieselbe doch nur von ausgebildeten Geburtshelfern ge- leistet werden; denn wollte man Rontiuiers dazu nehmen, so wuͤrde jede Geburt, um die Wichtigkeit der Huͤlfsleistung zu erhoͤhen, unfehlbar zur kuͤnstlichen gemacht werden. Da nun aber bei der natuͤrlichen Geburt, wie sich schon aus dem oben (§§. 890. 891.) Erinnerten ergiebt, das negative und exspektative Verfahren das einzig heilsame ist so muͤßte der Geburtshelfer zuweilen 1 bis 2 Tage Zeit aufwenden, blos um den natuͤrlichen nur vielleicht etwas zoͤgernden Gang des Geburtsgeschaͤfts abzuwarten, welcher Zeitaufwand durch- aus mit den uͤbrigen Geschaͤften des praktischen Arztes un- vereinbar seyn, oder wenigstens einen unverhaͤltnißmaͤßigen Kostenaufwand fuͤr die Gebaͤrende veranlassen wuͤrde. Auch paßt offenbar die maͤnnliche Individualitaͤt nicht so zu dem ruhigen Ausharren, welches beim Geburtsgeschaͤft noͤthig ist, die Gebaͤrende selbst wird ihr Schamgefuͤhl dabei verletzt finden, und des Trostes weiblicher Theilnahme entbehren; ja, und auch der gebildete Geburtshelfer wird vielleicht nur zu oft, von Ungeduld uͤbermannt, zu Huͤlfsleistungen schrei- ten, welche doch eigentlich uͤberfluͤßig waren. §. 905. Bei alle dem muß dem Geburtshelfer jeder Umstand und jede Fertigkeit in den bei einer natuͤrlichen Geburt Statt findenden Huͤlfsleistungen, vollkommen bekannt seyn, theils weil er es ist, der das Verfahren der Hebamme zu leiten und zu beurtheilen hat, theils weil es demohnerachtet nicht selten vorkommt, daß ausdruͤcklich die Huͤlfsleistung des Geburtshelfers auch bei einer ganz natuͤrlichen Geburt gefor- dert wird. Wir betrachten daher die hierher gehoͤrigen Ge- genstaͤnde im Folgenden unter drei Abtheilungen. Die erste begreift die Vorbereitungen, Erwaͤgung der noͤthigen Appa- rate u. s. w.; die zweite die Aufzaͤhlung der Behandlung einer natuͤrlichen Hinterhauptsgeburt, nach den einzelnen Ge- burtsperioden; die dritte die besondern Regeln, welche die Behandlung der ungewoͤhnlichern Geburten erfordert. 1. Von den fuͤr das Geburtsgeschaͤft zu treffen- den Vorbereitungen . §. 906. Zuerst den Apparat betreffend, mit welchem der Ge- burtshelfer zu dieser Huͤlfsleistung sich zu versehen hat, so rechnen wir dahin: a ) eine etwas gebogene abgestumpfte Nabelschnurschere, nebst mehrern Baͤndchen zum Unterbinden des Nabelstranges; b ) eine, außer den beiden gewoͤhnlichen Roͤhren, mit dem gebogenen Mutterrohr versehene Klystier- spritze; c ) einen weiblichen Katheter; d ) eine kleine Buͤrste, und in Fuͤrsorge bei etwaigem asphyktischem Zustande des Kindes, oder bei Ohnmachten, oder unvorherzusehenden an- dern Zufaͤllen der Mutter, e ) einige Arzneimittel, von wel- chen die wichtigsten und fuͤr viele Faͤlle selbst abnormer Geburten ausreichenden sind: Naphtha vitrioli, Spiritus sa- lis ammoniaci causticus, Tinctura Cinnamomi und Tinctura thebaica, nebst etwas von den Florib. Chamo- mill., Rad. Valerianae, Herba Melissae, Herba ser- pilli und Menthae piperit. — Uebrigens wird allerdings fuͤr eben solche unvorherzusehende Faͤlle dem Geburtshelfer, wenn er die Leitung der Geburt uͤbernimmt, zu empfehlen seyn, sich mit dem spaͤter zu beschreibenden Entbindungsap- parat zu versehen, und damit allenfalls auch noch, fuͤr hartnaͤckige asphyktische Zustaͤnde des Kindes ein Instrument zum Lufteinblasen Als solches empfiehlt sich eine verkleinerte Nachbildung des von J. A. Ehrlich (chirurgische Beobachtungen I. Bd.) beschriebenen und abgebildeten Instruments fuͤr Scheintodte. , etwas Spiritus salis fumans und einige galvanische Plattenpaare zu verbinden. §. 907. Dinge, welche bei den Gebaͤrenden felbst fuͤr das Ge- burtsgeschaͤft in Bereitschaft gehalten werden muͤssen, sind: kaltes und warmes Wasser, Wein, Brandtwein, Weinessig, Oehl oder etwas Pomade, Fett oder ungesalzene Butter zum Untersuchen, nebst Seife und Handtuͤchern. Ferner Bade- wanne oder Mulde, Becken zum Empfang der Nachgeburt, so wie die noͤthigen Erfordernisse an Waͤsche fuͤr Mutter und Kind, Nabelbinden (welchen man am beßten die in H. D. Joͤrg’s Hebammenbuche Taf. 7. f. 3. abgebildete Form geben laͤßt), Unterlagen von Wachsleinwand, wolle- nem Zeuge und Leinwand, nebst den noͤthigen Geraͤthschaf- ten um ein zweckmaͤßiges Geburtslager vorzurichten, von dessen Anordnung nun ausfuͤhrlicher die Rede seyn muß. §. 908. Bedenkt man aber die Wichtigkeit der Geburtsverrich- tung, die Anstrengungen welche dieselbe fuͤr den weiblichen Koͤrper herbeifuͤhrt, und die mancherlei Gefahren welche bei dieser großen Revolution dem Leben des Kindes und der Mutter drohen, so wird man berechtigt, an den Apparat, auf welchem eine natuͤrliche Entbindung vor sich gehen soll, vorzuͤglich folgende Anforderungen zu machen: 1) Ein sol- cher muß dem Koͤrper der Kreisenden hinlaͤngliche Sicherheit, Unterstuͤtzung und moͤglichste Bequemlichkeit gewaͤhren; 2) er muß fuͤr den Austritt des Kindes, selbst im Falle die Ge- burt desselben, im ungluͤcklichen Falle, ploͤtzlich, in einem un- bewachten Augenblicke, ohne Aufsicht erfolgte, vollkommene Sicherheit darbieten; 3) es muß derselbe fuͤr den Empfang des Kindes selbst, und fuͤr die dabei der Kreisenden zu lei- stende Unterstuͤtzung die noͤthige Freiheit gewaͤhren; 4) er muß die Annahme verschiedener Haltungen des Koͤrpers, welche fuͤr den jedesmaligen Stand des Geburtsgeschaͤfts zweckmaͤßig seyn koͤnnten, so wie hinlaͤngliche Gelegenheit zu Verarbeitung der Wehen, auf keine Weise aber Veranlassung zu Erkaͤltungen, oder Entstehen von Blutungen geben; 5) endlich muß aber eine solche Vorrichtung einfach seyn, und leicht an jedem Orte und ohne Kosten hergestellt werden koͤnnen. II. Theil. 11 §. 909. Alle diese Erfordernisse nun zeigen sich, wie vorzuͤglich der wuͤrdige Boër fuͤr Deutschland zuerst oͤffentlich behaup- tet und bewiesen hat, im Gebnrtsbett oder im Ge- burtslager , wenn es zweckmaͤßig eingerichtet wird, hin- laͤnglich erfuͤllt, und wir werden deßhalb zunaͤchst diese Vor- richtung beschreiben, und dann auch der kuͤnstlichern Vor- richtungen gedenken. — §. 910. Die ruhige ausgestreckte Lage auf wagerechter Ebene anzunehmen (eine Lage, welche als die naturgemaͤßeste selbst das gebaͤrende Thier erwaͤhlt), eignet sich aber keine Vor- richtung so vollkommen, als das gewoͤhnliche Bett, und dieses muß daher die Grundlage des Geburtslagers bilden. Damit nun aber die Gebaͤrende nicht zu tief mit der Kreuz- gegend einsinke, und dadurch die Unterstuͤtzung des Mittel- fleisches und den Empfang des Kindes erschwere, ist es zweckmaͤßig, die Betten selbst zu entfernen, und blos auf eine Matratze die Kreisende zu legen. Die Kreuzgegend fer- ner ist durch ein untergelegtes, vier bis sechs Zoll hohes Kis- sen etwas zu erhoͤhen, und man bedient sich zu dieser Unter- lage entweder eines bloßen Sophakissens, oder eines eigenen, vorn in der Breite von zehn bis zwoͤlf Zoll ausgeschnittenen Geburtskissens. Hierbei muß man darauf sehen, daß die Kreisende, wenn sie mit der Kreuzgegend auf diesem Kissen ruht, dem Fußbrette des Bettes nahe genug sey, um mit maͤßig gebogenen Schenkeln sich an demselben anstemmen zu koͤnnen. Brustgegend und Kopf werden durch ein schief un- tergelegtes Sopha- oder Kopfkissen, oder auch durch bloße Kopfkissen u. dergl. nach Beduͤrfniß der Gebaͤrenden erhoͤht. §. 911. Damit ferner fuͤr die Reinlichkeit des Lagers und der Kissen gesorgt werde, laͤßt man uͤber das Geburtskissen und den untern Raum des Bettes zuerst ein Stuͤck Wachstuch, oder (bei Reichern) ein Rehfell unterbreiten, dieß zuerst mit einem wollenen Tuche, und dann mit einem Leinentuche be- decken, und kann auch, z. B. wo ein staͤrkerer Wasserab- gang aus der Stellung der Blase zu erwarten steht, ein schmales und flaches Becken in Bereitschaft halten, um es in den Ausschnitt des Kissens zu schieben, und so diese Fluͤssigkeit aufzufangen. — Noch wuͤrde es aber auf diesem Lager an einer Unterstuͤtzung fuͤr die obern Extremitaͤten mangeln, und diese erhaͤlt man, indem man entweder zwei Handtuͤcher um die Bettpfosten knuͤpfen laͤßt, oder (wel- ches immer vorzuziehen ist) sich zweier mit Handhaben ver- sehener Riemen bedient, deren jeder durch eine Schnalle lang oder kurz gemacht werden kann, und welche um die Bett- pfosten geschlungen werden. Anmerkung . Auf Taf. III. findet man F. 1. das Kis- sen (dessen ich mich schon mehrere Jahre vor Bekannt- machung des v. Siebold’s chen Geburtskissens sowohl in der Anstalt, als zum Gebrauch fuͤr die Hebam- men bediene) und die beiden Riemen abgebildet. Er- steres, so wie letztere koͤnnen zusammen fuͤr einen Preis von 4 Thlr. gefertigt werden, und sind sehr leicht zu transportiren. §. 912. Findet man nun bei den Gebaͤrenden zwei Betten vor, so ist es immer zweckmaͤßig eins, auf die in den vorherge- henden §§. beschriebene Weise, zum Geburtsbett, das andere aber, zum Wochenbett zu bestimmen, beide daher so zusam- men zu stellen, daß die Neuentbundene leicht von einem auf das andere gehoben werden kann. Fehlt es an einem zwei- ten Bette, so kann man zum Geburtslager auch fuͤglich ein Sopha nehmen; fehlt es jedoch auch an diesem, so muß das Geburtsbett so eingerichtet seyn, daß es zugleich als Wo- chenbett dienen kann, und man laͤßt sodann, etwa nach H. Joͤrg’s Angabe, das Bett mit den noͤthigen Unterla- gen zuerst als Wochenbett vorrichten, uͤber diese Unterlagen dann das Gebaͤrkissen, und dann abermals Unterlagen legen, die Handhaben und die Erhoͤhung des Kopfs aber wie ge- woͤhnlich bereiten. Durch diese Einrichtung ist man im Stande die Neuentbundene blos durch Wegnahme der ober- sten Unterlagen und des Gebaͤrkissens sogleich auf das Wo- chenbett zu versetzen. Immer aber wird, wo man es haben kann, die zuerst beschriebene Vorrichtung vorzuziehen seyn, da das Lager fuͤr die Woͤchnerin nothwendig durch die ab- gewartete Geburt in Unordnung kommen muß. Anmerkung . Frauen welche schon mehrmals geboren haben, und uͤberhaupt leicht und schnell gebaͤren, beduͤr- fen selbst des einfachen hier beschriebenen Geburtslagers kaum, sondern gebaͤren auf einem ganz gewoͤhnlichen Bette mit einigen Unterlagen, und hoͤchstens mit ein Paar Handhaben versehen, am allerbequemsten. §. 913. So wenig ist es also, wodurch die oben gemachten Anforderungen an eine Vorrichtung zum Gebaͤren befriedigt werden, und so einfach die Unterstuͤtzung, welche der weib- liche Koͤrper zur natuͤrlichen Geburtsverrichtung bedarf; dem- ohnerachtet hat man auch hieran vielfach gekuͤnstelt, und eine Menge Vorrichtungen zum Theil sehr scharfsinnig erfunden, welche wir aber insgesammt, und zwar um so kunstreicher sie sind, um so mehr dem oben beschriebenen einfachen Ge- burtslager nachsetzen muͤssen. — Wir wollen kuͤrzlich noch die bemerkenswerthesten derselben durchgehen. Eine vollstaͤndigere Aufzaͤhlung, namentlich der aͤltern Apparate dieser Art findet man in El. Siebold Commentatio de cubili- bus sedilibusque usui obstetricio inservientibus. Gott. 1790. Auch s. m. Schreger Uebersicht der geburtshuͤlflichen Werkzeuge und Apparate. Erlangen 1810. §. 914. Am naͤchsten an unser beschriebenes Geburtslager schließt sich das von El. v. Siebold bekannt gemachte Gebaͤr- kissen El. v. Siebold uͤber ein bequemes und einfaches Kissen zur Erleichterung der Geburt. Berlin 1817. , an welchem der Ausschnitt durch einen Keit verschlossen werden kann, die Handhaben am Kissen selbst be- festigt sind, auch fuͤr die Unterstuͤtzung der Kreuzgegend noch ein besonderes Rollkissen angebracht ist. Ferner gehoͤrt hier- her das von demselben Erfinder herruͤhrende Geburtsbett Lucina. 6. Bd. 1. St. , wovon er drei verschiedene Arten bekannt machte. Bei der erstern sehr kuͤnstlichen und kostbaren Art kann das Geburts- lager selbst durch besondere Vorrichtung erhoͤht und erniedrigt, und auch sonst fuͤr kuͤnstliche Entbindungen geeignet gemacht werden; die zweite besteht in einigen Abaͤnderungen eines gewoͤhnlichen Bettes, und die dritte nur vorgeschlagene Art begreift ein transportabeles Geburtsbett. Noch erwaͤhnen wir, mit Uebergehung der aͤltern Gebaͤrbetten, das von Faust Guter Rath an Frauen uͤber das Gebaͤren. Hannover 1811. beschriebene Geburtslager, dessen Einrichtung ebenfalls noch sehr zusammengesetzt und kostbar ist, und das von Schmitson Beschreibung eines zweckmaͤßigen Geburtslagers fuͤr alle Staͤnde. 1809. bekannt gemachte. Letzteres ist zwar ziemlich einfach, naͤhert sich indeß schon voͤllig dem Geburts- stuhle, und kann somit auch weniger zweckmaͤßig genannt werden. §. 915. Am weitesten von der Natur eines zweckmaͤßigen Ge- burtslagers entfernt, sind endlich die Geburtsstuͤhle , wel- che, obwohl die einfachste Betrachtung bald lehrt, daß die sitzende Stellung dem weiblichen Koͤrper fuͤr Abwartung der Geburtsverrichtung gewiß nicht zweckmaͤßig sey, doch lange Zeit hindurch, und zum Theil noch immer die Apparate ge- wesen sind, deren man sich in Deutschland, zum großen Nachtheile der Kreisenden und Kinder, vorzuͤglich bediente. — Es scheint aus dieser Ursache nicht unzweckmaͤßig die Schaͤdlichkeit dieser Vorrichtungen, sobald sie fuͤr all- gemeinen Gebrauch benutzt werden, naͤher zu eroͤrtern, ob- wohl dadurch nicht in Abrede gestellt werden soll, daß die Geburtsstuͤhle fuͤr einzelne Faͤlle, z. B. fuͤr die Entbindun- gen asthmatischer Personen mitunter anwendbar seyn koͤnnen. §. 916. Die Nachtheile aber, welche die sitzende Stellung der Kreisenden uͤberhaupt, und der Geburtsstuhl insbesondere, veranlaßt, sind aber: 1) Es wird dadurch leicht zu Ein- rissen des Mittelfleisches, wegen zu sehr verringerter Neigung der untern Beckenoͤffnung, Gelegenheit gegeben. 2) Es werden wegen aufrechter Stellung des Oberkoͤrpers leichter Blutungen unter der Geburt eintreten, und es werden die- selben schwerer zu stillen seyn. 3. Es wird die Kreisende in sitzender Stellung nothwendig weit leichter ermatten, und dagegen wird sie 5) nicht fuͤglich die fuͤr manche Geburts- faͤlle doch so noͤthigen und nuͤtzlichen Seitenlagen annehmen koͤnnen. 6) Ist fuͤr das Kind hierbei durchaus keine Si- cherheit gewaͤhrt, es muß auf dem Schooße der Hebamme oder des Geburtshelfers empfangen werden, und wenn es ungluͤcklicherweise zu schnell in einem unbewachten Augenblicke geboren werden sollte, so waͤre es, so wie die Mutter selbst, den gefaͤhrlichsten Beschaͤdigungen unterwerfen. 7) Muß die Kreisende, wenn sie entbunden ist, gewoͤhnlich erst in die aufrechte Stellung kommen, um auf ihr Wochenlager ge- leitet zu werden, welches doch fuͤr ihren Zustand keineswe- ges zweckmaͤßig ist. 8) Endlich ist ein gut eingerichte- ter Geburtsst n hl immer ziemlich theuer, und nicht leicht zu transportiren, daher in vielen Faͤllen nicht zu haben. — Schlecht eingerichtete Geburtsstuͤhle hingegen sind auf keine Weise zu dulden. §. 917. Damit wir indeß auch nicht uͤbersehen, was zu einem gut eingerichteten Geburtsstuhle eigentlich gehoͤre, so wollen wir die wesentlichsten Erfordernisse eines solchen hier ebenfalls noch angeben. Es gehoͤrt aber hierher: 1) hin- laͤngliche Festigkeit. 2) Eine solche Einrichtnng desselben, daß er der Festigkeit unbeschadet, doch zusammengelegt, trans- portirt und schnell wieder aufgeschlagen werden koͤnne. 3) Ein bequem eingerichtetes Sitzbrett an demselben, welches mit einem zweckmaͤßigen Ausschnitt versehen seyn muß, wel- cher, damit er fuͤr Personen von verschiedener Groͤße passend sey, die Gestalt eines an der Spitze abgestumpften V ha- ben muß (die hufeisenfoͤrmigen Ausschnitte der alten Ge- burtsstuͤhle sind ganz verwerflich). 4) Bequem eingerichtete, zu erhoͤhende und erniedrigende Fußtritte und Armlehnen mit Handhaben; wobei die Handhaben selbst zum Hinwegnehmen angebracht seyn muͤssen, damit nach abgewarteter Entbin- dung die Mutter leicht und ohne in die aufrechte Stellung zu kommen, auf das Wochenbett gehoben werden koͤnne. 5) Vorzuͤglich wichtig ist die Einrichtung der Ruͤckenlehne, welche beweglich seyn muß, um dnrch ihr Zuruͤcklegen den Stuhl in eine Art von Bett verwandeln zu koͤnnen. 6) Endlich sey die Form des ganzen Apparats nicht abschrek- kend, sondern moͤglichst gefaͤllig gearbeitet. §. 918. Alles zusammen genommen, ergiebt sich also, daß der beste Geburtsstuhl derjenige seyn wird, der dem Geburtsbett am aͤhnlichsten ist. In wiefern nun aber dieses so einfach, leicht und uͤberall zu bereiten ist, der Stuhl hingegen zu- sammengesetzt, schwer fortzuschaffen, theuer, und doch nicht uͤberall zu haben ist, und auch nie das Bett voͤllig ersetzen wird, so folgt daraus, daß es Pflicht aller Geburtshelfer und Aerzte sey, immer mehr zur allgemeinen Einfuͤhrung des Geburtslagers hinzuwirken. §. 919. Der erfundenen Geburtsstuͤhle giebt es uͤbrigens eine große Menge, von dem sehr charakteristisch genannten Lit de misère des Herbinaux bis zu Welsch’s, Deven- ter’s (mit beweglicher Lehne versehenen), Osiander’s Wiegand’s und v. Siebold’s Geburtsstuhle M. s. dessen Abhandlung uͤber einen neuen von ihm empfohlenen Geburtsstuhl. Weimar 1804. , wel- cher letztere immer noch als einer der besten betrachtet, und wo man sich eines Stuhls bedienen muͤßte, am meisten em- pfohlen werden kann. §. 920. Außer allen den genannten Apparaten endlich, verdient auch die Beschaffenheit des Geburtszimmers selbst vorzuͤglich die Aufmerksamkeit des Arztes. — Es ist naͤmlich darauf zu sehen, daß ein maͤßig großes abgelegenes und stilles Zim- mer, welches in einer maͤßigen Erwaͤrmung, in milder Er- leuchtung und reiner Luft leicht erhalten werden kann, zur Abwartung des Geburtsgeschaͤfts bestimmt werde, woselbst denn zur Zeit der herannahenden Entbindung alle uͤberfluͤss- gen Personen entfernt, Hausthiere im Zimmer nicht gedul- det, und alle Dinge, welche bei der Geburt gebraucht wer- den koͤnnten, durchgesehen und in Ordnung bereit gelegt werden muͤssen. II. Huͤlfleistung waͤhrend der einzelnen Perio- den einer normalen Hinterhauptsgeburt. Erste Geburtsperiode . §. 921. Es geht zwar diese Geburtsperiode haͤufig voruͤber, ohne daß der Geburtshelfer oder die Hebamme die Krei- sende sehen; ist jedoch der eine oder die andere schon in die- sem Zeitraume gegenwaͤrtig, so hat man denselben vorzuͤg- lich zu Folgenden zu benutzen: — 1) Man stellt ein ge- naues Examen an, uͤber Alter, Gesundheitsumstaͤnde, Ein- tritt und Verlauf der Menstruation, vorausgegangene Schwan- gerschaften, Befinden in der gegenwaͤrtigen Schwangerschaft, Zeitrechnung derselben und Bewegungen des Kindes (ob und wo sie vorzuͤglich gefuͤhlt werden), und kann hieraus oft schon Vieles uͤber den wahrscheinlichen Verlauf gegenwaͤrtig bevorstehender Entbindung abnehmen. 2) Ist die geburts- huͤlfliche Untersuchung vorzunehmen, und es ist hierbei theils wenn der Geburtshelfer nicht etwa bereits fruͤher die Gebaͤ- tende untersucht hat, und soweit ihren Koͤrperbau hinlaͤnglich kennt) auf den gesammten Habitus des Koͤrpers, auf Bil- dung der Bruͤste und Brustwarzen, Beschaffenheit der aͤu- ßern Geburtstheile, und Bildung des Beckens Ruͤcksicht zu nehmen, theils vorzuͤglich auf die Ausdehnung des Unterleides, auf die Beschaffenheit und den jetzigen Zustand der innern Geburtstheile, besonders der Vaginalportion des Uterus und des Muttermundes, so wie auf den vorliegenden, und die aͤußerlich fuͤhlbaren Kindestheile zu achten. §. 922. 3) Muͤssen die von der Kreisenden gefuͤhlten Schmer- zen naͤher untersucht werden, um mit Bestimmtheit von der Natur derselben (ob es naͤmlich wahre Wehen sind, s. o. §. 799 die Kennzeichen derselben) uͤberzeugt zu werden. 4) Hat man dafuͤr Sorge zu tragen, daß es an keiner der im vori- gen Abschnitte aufgefuͤhrten Erfordernisse und Vorbereitungen mangele, daher die einzelnen Requisiten selbst nachzusehen, in Ordnung legen zu lassen, und das Einlegen von Waͤrm- steinen oder Waͤrmflaschen in die fuͤr Mutter und Kind noͤ- thige Waͤsche und Betten anzuordnen. §. 923. Was die Behandlung der Kreisenden selbst betrifft, so ist diese noch voͤllig passiv. Man laͤßt derselben gaͤnzliche Freiheit etwas umher zu gehen, auf ihrem gewoͤhnlichen La- ger zu liegen, zu sitzen, nur daß sie alle erhitzenden Bewe- gungen, so wie den Genuß erhitzender oder beschwerender Speisen und Getraͤnke vermeide, und beengende Kleidungen ablege. — Ist es eine Erstgebaͤrende, besonders von einem schon vorgeruͤcktem Alter, mit etwas rigider Koͤrperfaser, so ist ein laues Bad noch zu Anfange dieser Periode anzuwen- den, aͤußerst vortheilhaft, und man muß oft bedauern, die- ses große Erleichterungsmittel der Geburt, vermoͤge unserer gewoͤhnlichen Einrichtungen weniger anwenden zu koͤnnen. Zweite Geburtsperiode . §. 924. Waͤhrend dieser Periode ist nun vorzuͤglich, wegen der staͤrkern Wehen und der naͤhern Vorbereitungen zum Ein- tritt des Kindes selbst, fuͤr Entleerung der Harnblase und des Mastdarms zu sorgen. — Erstere wird gewoͤhnlich von selbst erfolgen, und kann oft, wenn sie wegen des tiefliegen- den Kindeskofs erschwert seyn sollte, durch das in horizonta- ler Lage der Kreisenden vorgenommene gelinde Aufheben des Kindeskopfs erleichtert werden. Erfolgte indeß der Abgang des Urins auch auf diese Weise nicht, so muß, bevor sich der Muttermund zu seiner voͤlligen Eroͤffnung ausgedehnt, mit besonderer Vorsicht der Katheter eingebracht, und so die Entleerung der Blase bewirkt werden. Die Entleerung des Darmkanals wird am zweckmaͤßigsten gegen die Mitte der zweiten Periode (wenn auch die Kreisende noch vor beginnen- den Wehen Stuhlausleerung gehabt haben sollte) durch ein oder einige erweichende Lavements bewerkstelligt. §. 925. Um sich vom Fortgange der Geburt zu unterrichten, und die Zeit, zu welcher die Kreisende auf das Geburtsbette zu bringen ist, nicht zu versaͤumen, ist es ferner nothwen- dig, von Zeit zu Zeit die innere Untersuchung zu wiederho- len, allein immer muß dieses in moͤglichst langen Zwischenraͤu- men geschehen, und mit aͤußerster Behutsamkeit, um nicht durch roheres Eingehen in den Muttermund und Reizung desselben, die Eroͤffnung zu stoͤren. — Am besten rich- tet man sich hier nach der Art und Haͤufigkeit der Wehen. — Schnell aufeinander folgende und starke Wehen, zumal bei Mehrgebaͤrenden, machen es noͤthig, in dieser Periode alle 1 bis 2 Stunden zu untersuchen; dahingegen bei zoͤgernder Eroͤffnung des Muttermundes kaum alle 3 bis 4 Stunden untersucht werden darf. — Je seltner die Untersuchung ange- stellt wird, um so besser fuͤr die Kreisende. §. 926. Außerdem ist die Gebaͤrende durch ruhiges Zureden und gutes Benehmen der sie umgebenden Personen zur Ruhe und geduldigen Ertragung der nothwendigen Schmerzen, so wie zur Vermeidung des Mitpressens waͤhrend dieser Wehen zu er- mahnen, uͤbrigens auch hier ihr noch eine gewisse Freiheit ihres Verhaltens zu lassen, und das Herumgehen von Zeit zu Zeit, so wie das Sitzen zu gestatten, obwohl bei heftigern Wehen meistens eine ruhige Lage auf dem gewoͤhnlichen Bette, und zwar auf der Seite oder dem Ruͤcken, am guͤnstigsten ist. Naht die voͤllige Eroͤffnung des Muttermundes heran, so muß die Gebaͤrende (namentlich, wenn sie zum ersten- male niederkommt) auf das nun bevorstehende Abgehen des Wassers aufmerksam gemacht werden, damit das Geraͤusch vom Springen der Blase ihr nicht Schreck verursache. Dritte Geburtsperiode . §. 927. Hat man nun nach Stellung der Blase und Ausdeh- nung des Leibes einen starken Wasserabgang zu erwarten, so thut man wohl, ein flaches Becken in den Ausschnitt oder an den Rand des Geburtskissens zu setzen. Auf jeden Fall aber untersucht man Menge und Beschaffenheit des abflie- ßenden Fruchtwassers, und nimmt dann die innere geburts- huͤlfliche Untersuchung vor, hauptsaͤchlich um uͤber den Stand und die Beschaffenheit des vorliegenden Kindestheils die genaue Auskunft zu erhalten, welche zuweilen zwar auch schon fruͤher, immer aber zu dieser Zeit mit groͤßter Sicher- heit zu erhalten moͤglich ist. — Bei erneuerten Geburtswe- hen ist nun ferner auch das Verarbeiten derselben zulaͤssig, welches vor voͤlliger Eroͤffnung des Muttermundes hoͤchst nachtheilig seyn wuͤrde, und Entzuͤndung des Muttermundes, oder Vorfaͤlle der Gebaͤrmutter und Mutterscheide veranlassen muͤßte. §. 928. Um die Wehen aber zweckmaͤßig zu verarbeiten, laͤßt man Fuͤße und Haͤnde fixiren, erstere durch Anstemmen an das etwa mit einem Sophakissen belegte Fußbrett des Bet- tes, letztere durch Ansichziehen der Handhaben. Man sieht ferner darauf, daß die Kreuzgegend der Kreisenden so auf dem Rande des Geburtskissens ruht, daß die Bewegung des Schwanzbeins ungehindert bleibt, und eben so sorgt man dafuͤr, daß der Oberkoͤrper nicht zu sehr erhoͤht sey, und daß das Kinn gegen die Brust geneigt werde. — Das Pres- sen selbst darf uͤbrigens durchaus nur waͤhrend der Wehen gestattet werden, und foͤrdert nicht nur außer denselben die Geburt nicht, sondern muß auch der Kreisenden nachtheilig werden. — Auch ist uͤberhaupt anfaͤnglich immer nur ein maͤßiges Pressen zu erlauben, und im Allgemeinen die Krei- sende auch in dieser Periode durch Freundlichkeit und Ernst zu Vermeidung alles gewaltsamen Herumwerfens, und zu einem zweckmaͤßigen Verhalten zu ermahnen. — Endlich muß bei fortdauernden Wehen von Zeit zu Zeit auch die geburts- huͤlfliche Untersuchung erneuert werden, um vom Vorruͤcken des Kindestheils, ob sich Kopfgeschwulst bilde, und ob sich der Kopf regelmaͤßig drehe, Kenntniß zu erhalten. Vierte Geburtsperiode . §. 929. Wenn sonach die Huͤlfsleistungen in den vorhergehenden Perioden sich mehr auf Anordnung aͤußerer Umgebung und ruhiges Abwarten beschraͤnkten, so tritt nun hier eine wirk- liche thaͤtige Huͤlfsleistung ein, welche darauf abzweckt, die Abwendung von Verletzung der aͤußern Geburtstheile beim Durchgange des Kindes zu erlangen. Wenn naͤmlich in an- derer Hinsicht eigentlich die Naturkraft bei normalen Gebur- ten allerdings alles allein am besten bewirkt, so ist dagegen in dieser Periode die Naturwirksamkeit nicht hinlaͤnglich, um Nachtheil zu verhuͤten, und Personen, welche zum ersten- male und ohne Huͤlfe gebaͤren, erleiden deßhalb eben so wie die Weiber wilder Nationen, wo keine Huͤlfsleistungen bekannt sind, in ihrer ersten Niederkunft gewoͤhnlich be- traͤchtliche Einrisse des Mittelfleisches. — Nur Personen, de- ren Geschlechtstheile aͤußerst nachgiebig sind, und vorzuͤglich solche, welche fruͤher bereits ein- oder mehreremale geboren haben, werden, auch wenn sie keinen Beistand waͤhrend der Geburt haben, sobald sie nur in ruhiger Lage auf dem Bette gebaͤren, dieser Verletzung oͤfters entgehen. §. 930. Damit nun aber so viel moͤglich, fuͤr alle Faͤlle die Erhaltung des Mittelfleisches bewerkstelligt werde, hat man verschiedene Methoden der Unterstuͤtzung des Dammes in Vorschlag gebracht und angewendet, welche ich hier nicht einzeln durchgehen S. daruͤber M. H. Mendelde cura porinaei in partu. Vratisl. 1812. , sondern nur dasjenige Verfahren be- schreiben will, welches mir nach einer großen Anzahl von Beobachtnngen das zweckmaͤßigste zu seyn scheint, ja von welchem ich behaupten kann, daß es fuͤr alle Faͤlle, wo nicht ein ungemein großer Kindeskopf bei aͤußerst engen Ge- nitalien, die voͤllige Erhaltung des Dammes als unmoͤglich darstellen, hinreichend ist, die voͤllige Integritaͤt der aͤußern Geburtstheile zu bewahren. Nie werde ich daher das Ver- fahren billigen, welches von D. Michaelis vorgeschlagen, und von manchen andern empfohlen worden ist, in Faͤllen eines sehr breiten Dammes, denselben lieber einzuschneiden; da ich theils uͤberzeugt bin, daß die geschnittene Wunde beim Durchgange des Kopfs gewiß sich vergroͤßern wuͤrde, theils dieses Einschneiden als uͤberfluͤßig erkennen muß, wenn ich behaupten darf, daß mit dem hier zu beschreibenden Ver- fahren der Einriß, selbst wo er nicht voͤllig vermieden wer- den kann, immer nur hoͤchst unbetraͤchtlich werden kann, so daß er durchaus keine nachtheiligen Folgen herbeifuͤhren wird. §. 931. Der erste und wichtigste Punkt in der Besorgung des Dammes waͤhrend des Ein- und Durchschneidens des Kindeskoͤrpers ist aber unfehlbar die Unterstuͤtzung des- selben mittelst der Hand . Hierunter darf man indeß nicht etwa das Unterhalten, und gelinde Andraͤngen einer Serviette gegen den Damm, das Anlegen eines mit Kreide bestrichenen Daumens an das Schambaͤndchen, das Herab- streichen der Haut auf der innern Schenkelflaͤche, und was dergleichen Spielereien mehr sind, verstehen, sondern eine Unterstuͤtzung, welche auch dem hintern Rande der Schamspalte eine feste Ruͤckwand gewaͤhrt, wie es die Sitz- und Schambeine fuͤr die Seiten- raͤnder der Schamspalte gewaͤhren . — Offenbar reißt naͤmlich deßhalb die aͤußere Geschlechtsoͤffnung weder nach vorn noch seitwaͤrts, sondern allein nach hinten ein, weil hier der feste Anhaltungspunkt mangelt. §. 932. Um diese Unterstuͤtzung zu machen, legt man daher die Hand so an den Damm, daß die Finger uͤber dem After (dessen Gegend wegen haͤufig erfolgendem Kothabgang mit einem Tuche bedeckt werden kann) ausgestreckt werden, und die Ballen der Hand genau den vordern Rand des Dammes fixiren. Diese Unterstuͤtzung faͤngt an, so wie der Kopf das Mittelfleisch kuglich hervortreibt, und er selbst zwischen den Schamlippen sichtbar wird, und muß mit ausdauernder Festigkeit und Kraft fortgesetzt werden, bis die Schul- tern (welche außerdem oft noch eben so leicht als der Kopf Einrisse verursachen koͤnnen) geboren sind. Da hierbei wegen der laͤngern Dauer oft die Hand nach und nach ermuͤdet, so wird es zweckmaͤßig, entweder den Arm gegen einen festen Punkt (z. B. den Boden des Geburtsbettes) mit dem El- lenbogen aufzustemmen, oder sie selbst noch durch die zweite Hand zu unterstuͤtzen. Der Gegendruck der Hand muß uͤbri- gens immer waͤhrend der Wehe am kraͤftigsten seyn, und in schief aufsteigender Richtung gegen den Schambogen gemacht werden. Bei dem Vorruͤcken des Kindeskopfs muß die Hand genau den vordersten Rand des Schambaͤndchens bewachen, und wie derselbe nach und nach hinterwaͤrts weicht, ihm stets genau nachfolgen. — Durch dieses Verfahren wird es oft schon allein, und selbst in jeder Lage der Kreisenden moͤg- lich, das Mittelfleisch zu erhalten Bei einem jeden großen bis an oder in den After sich fortsetzen- den Einrisse kann man zuversichtlich annehmen, daß ein Ver- sehen beim Unterstuͤtzen Statt gefunden habe, welches indeß allerdings zuweilen ohne Verschulden des Geburtshelfers Statt finden kann, wenn naͤmlich die Kreisende etwa durch eine ploͤtzliche Bewegung sich der unterstuͤtzenden Hand entzieht, u. s. w. , allein beguͤnstigt und erleichtert wird dieser Zweck noch durch die Lage der Krei- senden und das Verhalten derselben uͤberhaupt. §. 933. Was die Lage der Gebaͤrenden betrifft, so ergiebt sich leicht, daß vorzuͤglich fuͤr das Durchschneiden des Kin- des die ziemlich horizontale Lage des Rumpfs die zweckmaͤ- ßigste sey, indem nur in dieser die Richtung der untern Bek- kenoͤffnung so ist, daß dadurch der Austritt des Kindes uͤber das Miltelfleisch leicht von Statten gehen kann. Man muß deßhalb, wenn die Kreisende auf dem Bette liegt, alle uͤber- fluͤssigen Kissen unter dem Kopfe entfernen, und wenn sie sich ja auf einem Geburtsstuhle befaͤnde, die Ruͤckenlehne tiefer herablassen. Außerdem ist auf die Richtung der Schen- kel vorzuͤgliche Aufmerksamkeit zu verwenden, sie duͤrfen we- der in der Kniegegend mehr als einen Fuß breit auseinan- der gespreizt, noch im Knie zu sehr gebogen seyn, vielmehr ist das voͤllige Ausstrecken der nntern Ertremitaͤten , welches neuerlich H. Joͤrg vorzuͤglich empfohlen hat, wenn auch fuͤr sich keinesweges zur Abwendung des Einrisses bei Erst- gebaͤrenden hinreichend, doch eine nicht unzweckmaͤßige Maaß- regel. §. 934. Endlich das sonstige Verhalten der Kreisenden betref- fend, so ist vorzuͤglich wichtig, daß das Pressen waͤhrend der Wehen beim Durchschneiden des Kopfs gehoͤrig gemaͤßigt werde. Viel traͤgt es naͤmlich zur Erhaltung des Dammes bei, daß der Kopf nur langsam aus den Geburtstheilen hervor- rolle. Faͤngt derselbe daher an sichtbar zu werden, so laͤßt man, sobald die Wehen kraͤftig genug sind, und der Kopf in der untern Beckenoͤffnung keine Schwierigkeit findet, das Verar- beiten der Wehen einstellen, oder erlaubt dasselbe, wenn der Kopf nur schwer zum Durchschneiden kommt, doch nur in geringerm Grade. Hebt sich endlich der Kopf wirklich her- vor, so benutzt man die freie Hand dazu, sie auf das Hin- terhaupt zu legen, und auch dadurch ein zu schnelles Her- ausgleiten der Stirn uͤber den Damm, wobei letzterer vor- zuͤglich leicht einreißt zu verhuͤten. §. 935. Sind nun unter dieser Vorsicht Kopf und Schultern zum Durchschneiden gekommen, so muͤssen beide Haͤnde der Huͤlfe leistenden Person dazu benutzt werden, das Kind gehoͤrig zu empfangen. Man richtet sich hierbei nach der Drehung des Kindes; erfolgt diese mit dem Gesicht gegen den rechten Schenkel der Mutter, so gebraucht man die linke Hand, um den Nacken des Kindes, die rechte Hand, um die Huͤften desselben zu fassen, und legt es auf diese Weise queer zwi- schen die Schenkel der Gebaͤrenden, und nahe an die Ge- burtstheile, um den Nabelstrang nicht zu dehnen, auf den Boden des Geburtsbettes, so daß das Kind mit dem Ge- sichte frei, und mehr nach oben gekehrt sey. Dreht sich das Kind mit dem Gesichte nach links, so faßt die rechte Hand den Nacken und die linke die Huͤften. Diese Handgriffe beim Empfangen des Kindes sind vorzuͤglich dann nothwendig, wenn die Kreisende auf einem Geburtsstuhle oder dem spaͤter zu be- schreibenden Querlager sich befaͤnde, in welchem Falle der Geburtshelfer das Kind auf seinen Schoß legen muß, und sorgfaͤltig darauf zu achten hat, daß der Nabelstrang weder zu sehr angespannt, noch gedruͤckt werde. §. 936. Hierbei ist uͤbrigens noch zu erinnern, daß wenn der geborene Kopf einige Zeit stehen bleibt, ehe die Schultern folgen, man durchaus nicht an demselben ziehen darf, um das Kind heraus zu befoͤrdern, sondern vielmehr zuerst den Hals des Kindes befuͤhlen muß, um zu entdecken, ob Um- schlingungen des Nabelstranges vorhanden sind oder nicht (welches Verfahren uͤberhaupt allemal nach dem Durchschnei- den des Kopfes empfohlen werden muß), dann aber ruhig die naͤchste Wehe abwartet, welche die Schultern gewoͤhnlich her- vortreiben wird. Dieser Stillstand des Kopfs schadet dem Kinde nicht im geringsten, und wuͤrde ja der Austritt der uͤbrigen Kindestheile gar zu lange verzoͤgert, so frottirt man gelinde den Leib, worauf meistens Wehen erfolgen werden, oder, wenn die Schultern bereits im geraden Durchmesser sich gedreht haben, und so tief stehen, daß man mit ge- kruͤmmtem Zeigefinger die Achselgrube fassen kann, so zieht man sie auf diese Weise gelind an, und hebt so den Rumpf des Kindes hervor. §. 937. Das neugeborene Kind steht indeß jetzt noch mit der Mutter durch den Nabelstrang und die Placenta in Verbin- dung, und den rechten Zeitpunkt zu erwaͤhlen, wo es nun von der Nachgeburt getrennt werden kann, ist fuͤr dasselbe aͤußerst wichtig. — Das erste ist es daher, daß man beach- tet, ob die Lungenathmung gehoͤrig eintrete, wodurch dem II. Theil. 12 Gange der Natur nach, der Kreislauf durch den Nabelstrang uͤberfluͤssig werden soll. Man entfernt daher zuerst die Hin- dernisse der Einathmung, als welche oft angehaͤufter Schleim oder Blut in der Mund- und Rachenhoͤhle des Kindes vorge- funden werden, und vermeidet alles, wodurch der Kreislauf des Nabelstranges zu zeitig unterbrochen werden koͤnnte. Als- bald faͤngt nun gewoͤhnlich das Einathmen und Ausathmen an, das Kind schreit lebhaft; allein die Pulsation des Na- belstranges dauert noch fort, und ist ein Zeichen, daß die Umaͤnderung des Placenten- in den Lungen-Kreislauf nur allmaͤhlig von Statten geht. Man muß daher nothwendig, wenn man naturgemaͤß verfahren, und nicht Veranlassung zu apoplektischen und suffokatorischen Zufaͤllen des Kindes geben will, mit der Trennung des Kindes von der Pla- centa warten, bis diese Pulsation gaͤnzlich erlo- schen ist . §. 938. Tritt hingegen die Respiration des Kindes nicht regel- waͤßig ein, und befindet es sich in einem asphyktischen Zu- stande, so verspart man gleichfalls die Trennung des Nabel- stranges bis zum voͤlligen Erloͤschen der Pulsation (da in die- sem Falle auch nach der Geburt die Funktion der Lun- gen durch die Placenta ersetzt wird) und schreitet, sobald man uͤberhaupt noch Lebensspuren am Kinde wahrnimmt, und nicht wegen voͤlliger Schlaffheit und Muͤrbigkeit des Nabel- stranges, Mangel des Herzschlags und Spuren von Faͤulniß, das Abgestorbenseyn des Kindes annehmen darf, zur Anwendung der belebenden Mittel. Hierher gehoͤrt zuvoͤrderst das eifrig fortgesetzte Frottiren, und gelinde Schuͤtteln der Brust des Kindes, das Buͤrsten der Fußsohlen, das Auftroͤ- pfeln von Naphta auf die Brust, Bestreichen des Gaumens mit derselben, Bestreichen der Nasenloͤcher mit Salmiakgeist, Aufsprengen von kaltem Wasser (wonach indeß das Kind wie- der in warme Tuͤcher gehuͤllt werden muß) und Anwendung eines Lavements von Melissen oder Serpillen-Aufguß. Er- folgt unter Anwendung dieser Mittel noch kein Athemholen, so fuͤhlt man nach, ob indeß vielleicht die Placenta bereits sich getrennt, und der Uterus sich zusammengezogen habe, in welchem Falle man, sobald die Nabelschnur noch klopft, das Kind mit sammt der Nachgeburt in das bereitgehaltene Bad, dem noch Kraͤuteraufguͤsse, so wie etwas Wein oder Brannt- wein zugesetzt werden muͤssen, bringt. Man legt hier die Placenta neben das Kind in das Wasser, so daß die Uterin- flaͤche der erstern nach oben, und an der Oberflaͤche des Was- sers sich befindet, und faͤhrt nun mit Anwendung der ge- nannten belebenden Mittel fort, so lange nur noch ein Schein von Hoffnung zur Erhaltung des Kindes uͤbrig, oder das Kind wirklich zum Leben gebracht ist. Oft muͤssen diese Bemuͤhungen daher gegen 1 bis 2 Stunden verlaͤngert werden. §. 939. Hier im Bade ist es nun auch, wo man elektrische oder galvanische Kraft auf das Kind wirken lassen kann. Die An- wendung der Elektricitaͤt namentlich ist von Boër Abhaudl. u. Versuche. Bd. I. S. 75. oͤfters als sehr heilsam fuͤr die Wiederbelebung des Kindes beobach- tet worden. Er empfiehlt ganz schwache Schlaͤge einer Kleisti schen Flasche erst durch die Kniee, dann vom Knie zur Hand, und endlich durch die Brust gehen zu lassen; auch spaͤterhin nach dem Bade das Kind selbst in trockene warme Tuͤcher gewickelt, auf ein Isolirbret zu legen und 4 bis 6 Minuten lang kleine Funken einstroͤmen zu lassen. — Leider sind indeß solche Apparate nicht haͤufig zu Hand. — Endlich muß auch das Einblasen von Luft zu den Belebungs- mitteln gezaͤhlt werden, nur muß es keine ausgeathmete Luft seyn, welche dem Kinde eingeblasen wird. Freilich bringt hierbei gewoͤhnlich nur wenig Luft in die Bronchien selbst ein; allein es befoͤrdert doch die Reinigung der Luft- wege, und ist schon deßhalb vortheilhaft. §. 940. Sey es nun auf diese Weise gelungen, das Kind wie- der ins Leben zuruͤckzurufen oder nicht; immer bleibt es so- nach Gesetz, erst dann den Nabelstrang zu trennen, wenn seine Pulsation nachgelassen hat. — Die Art wie diese Tren- nung vorgenommen wird, ist folgende: — Zuerst fuͤhlt man auf den Unterleib, um sich zu uͤberzeugen, ob nicht vielleicht ein zweites Kind noch zuruͤck ist. In jedem Falle legt man sodann ohngefaͤhr drei Zoll vom Nabel die erste Unterbindung mitelst eines schmalen aber festen Baͤndchens um den Nabel- strang, indem man einen einfachen Knoten schlingt und fest zuzieht, dann den Nabelstrang umbiegt, und mit demselben Bande zum zweitenmale faßt, und diese Stelle auf die vorige festknuͤpft. — Waͤre nun aber noch ein zweites Kind im Uterus zuruͤck, so wird eine zweite einfache Unterbindung, einen bis zwei Zoll weiter, nach dem Mutterkuchen hin an- gelegt, und nun erst der Nabelstrang zwischen beiden Unter- bindungen getrennt. §. 941. Man hat zwar neuerlich die Unterbindung des Nabel- stranges als etwas hoͤchst nachtheiliges darstellen wollen; allein ohne allen vernuͤnftigen Grund. Zwar wird man, wenn man das Ende der Pulsation im Nabelstrange gehoͤrig ab- wartet, den Nabelstrang auch ohne Unterbindung durch- schneiden koͤnnen, und keinen Blutausfluß aus den Gefaͤßen desselben bemerken, allein man wird finden, daß der Andrang des Blutes im Bade, oder wenn das Kind angekleidet und in ein Bett gehuͤllt ist, leicht wiederkehrt H. D. Kluge , welcher in der Charit é zu Berlin bei einer Reihe von Kindern den Nabelstrang nicht unterbinden ließ, hatte im Jahr 1818 allein 12 Faͤlle von nachher entstandenen Blutun- gen bemerkt, s. Hufeland’s Journal d. prakt. Heilkunde 1819 Januar. S. 118. , und dadurch selbst Verblutung des Kindes herbeigefuͤhrt werden kann. Da nun aber alle Nachtheile, welche man der Unterbindung des Nabelstranges Schuld gegeben hat (als Veranlassung apoplektischer Anfaͤlle, der Gelbsucht u. s. w.) blos und allein das zu zeitige Unterbinden treffen, fuͤr die Anle- gung eines Bandes an den erschlafften Nabelstrang hingegen irgend eine Gefahr vernuͤnftigerweise durchaus nicht nachgewiesen werden kann, so wird es Pflicht dieselbe durchgaͤngig vorzunehmen , und der Geburtshelfer, so wie die Hebamme, werden fuͤr den Schaden, welcher aus unterlassener oder schlecht angelegter Unterbindung entsteht, gerichtlich verantwortlich . §. 942. Aeltere und einige neuere Geburtshelfer haben ferner mitunter im Vorschlag gebracht, den Nabelstrang auch an dem gegen die Placenta gerichteten Ende, bei jeder Geburt, eben so wie wir es fuͤr Zwillingsgeburten angaben, zu unter- binden. Als Grund dafuͤr gaben sie an: theils (in fruͤherer Zeit bei der falschen Vorstellung von Verbindung der Mutterku- chengefaͤße mit denen denen des Uterus durch Anastomose) die sonst zu befuͤrchtende Blutung der Uringefaͤße, theils (so neuerlich) die bessere Loͤsung der Placenta. Keiner dieser Gruͤnde ist indeß der Wahrheit gemaͤß und sonach diese Un- terbindung bei einfachen Geburten voͤllig uͤberfluͤssig. §. 943. Soweit die Regeln fuͤr das Verfahren bei der Tren- nung des Nabelstranges! — Allein es bleibt noch uͤbrig ei- nige physiologische Gruͤnde durchzugehen, um die Abweichung, welche hier die menschliche von der thierischen Geburtsweise zeigt) als bei welcher letztern die Trennung und das Offen- bleiben der Nabelgefaͤße, selbst gleich nach der Geburt, ohne Nachtheil ertragen wird), deutlich zu machen. — Die Jungen der meisten Saͤugethiere sind aber ihrer ganzen Organisation nach zur Zeit der Geburt offenbar verhaͤltnißmaͤßig weit mehr ausgebildet und selbststaͤndig als das huͤlflose neugeborene Kind. Eines Theils sind daher dem Jungen der Thiere die Nach- geburtsgebilde schon bei der Geburt weniger unentbehrlich und der Andrang des Blutes gegen dieselben weniger stark, an- dern Theils sind auch die Unterleibswaͤnde vollkommner ge- schlossen, und der Nabelring mehr verengert als im neuge- borenen Kinde. Beides zusammen laͤßt es daher erklaͤrlich finden, warum, wenn nur sogleich beim Austritt des Jungen das Athemholen beginnt, es keinen nur irgend betraͤchtlichen Blutfluß zur Folge hat, daß hier der stets sehr kurze Na- belstrang entweder waͤhrend dem Durchgange des Jungen zer- reißt, oder auch die gesammte Nachgeburt gleich mit dem Jungen zum Vorschein kommt, und dann der Nabelstrang vom muͤtterlichen Thiere am Leibe des Jungen abgefressen wird. §. 944. Es fehlt indeß auch keinesweges an Beispielen, wo auch die unterlassene Unterbindung des Nabelstranges, selbst wenn derselbe unmittelbar nach der Geburt getrennt worden war, dem Neugeborenen nicht gefaͤhrlich wurde. Die Bedingungen, unter welchen dieß Statt finden kann, sind folgende: 1) wenn das Kind recht vollkommen ausgetragen und kraͤftig ist, wo die Selbststaͤndigkeit des Kindes schon mehr ausgebildet, und die Placenta weniger zur Lebensdauer des Kindes nothwendig, auch die Trennung des Nabelstranges bereits durch einen rothen Streif an seiner Insertionsstelle angedeutet ist. 2) Wenn sogleich nach der Geburt und vor der Trennung des Nabelstranges lebhafte mit kraͤftigem Schreien begleitete Re- spiration Statt gefunden hat. 3) Wenn das Kind nicht durch Binden, Kleider und Betten eingehuͤllt ist, vielmehr Brust und Unterleib sich frei ausdehnen koͤnnen, und somit das Blut nicht veranlaßt wird, seine fruͤhere Richtung laͤnger fortzusetzen; sondern mit Macht gegen die Lungen getrieben wird. 4) Wo das Kind einer kaͤltern Temperatur ausgesetzt war, und schon dadurch der Trieb des Blutes gegen die Peripherie beschraͤnkt wird. 5) Wo der Nabelstrang endlich mehr in der Mitte seiner Laͤnge, durch Dehnung und Zer- reißung sich theilt, wird gewoͤhnlich die Blutung weit gerin- ger seyn, als da wo er am Unterleibe sich abtrennt. §. 945. Ist nun das lebende Kind von der Mutter entbunden und getrennt, so wird es zu seiner Reinigung von Blut, Schleim u. s. w. in ein schon vorbereitetes warmes Bad ge- bracht. Bei dem Abwaschen desselben laͤßt man vorzuͤglich darauf achten, daß die Augen nicht durch eindringende Seife gereizt werden, ja bei schwaͤchlichen oder nicht voͤllig ausge- tragenen Kindern ist wegen der aͤußerst zarten Haut der Gebrauch der Seife lieber voͤllig zu vermeiden, und Statt deren Mehl, auf ein Stuͤck wollenes feines Zeug gestreut, zu benutzen. Das Baden selbst muß uͤbrigens nie in der Naͤhe von Thuͤren und Fenstern vorgenommen, und jede Erkaͤltung nach dem Bade durch sorgfaͤltiges Einhuͤllen in warme Tuͤ- cher vermieden werden; auch ist dafuͤr zu sorgen, daß das Wasser eine, der der Geburtstheile aͤhnliche Temperatur habe und das Kind bis zum Kopf hinlaͤnglich davon bedeckt oder bespuͤlt werde. Das Kind wird hierauf sorgfaͤltig abgetrock- net, und man benutzt diese Zeit theils nochmals den Nabel- strang und seine Unterbindung zu untersuchen, um, dafern es noͤthig seyn sollte, letztere noch einmal fester anzuziehen (wel- ches namentlich bei den sogenannten fetten Nabelstraͤngen ge- rathen zu seyn pflegt), theils eine genaue Besichtigung des Kindes vorzunehmen, um Bildungsfehler, welche es etwa mit zur Welt gebracht haben koͤnnte, zeitig zu entdecken, wobei es jedoch als Regel gelten muß, irgend bedeutende Verunstaltungen so viel als moͤglich fuͤr erst der Mutter zu verbergen. §. 946. Hierauf wird die Ankleidung und Einhuͤllung des Kin- des nothwendig, wobei insbesondere auf den Rest des Nabel- stranges Ruͤcksicht zu nehmen ist, welcher blos in ein mit Semon Lycopodii bestreutes Stuͤckchen Leinenzeug am zweckmaͤßig- sten eingeschlagen und dann durch eine Binde auf dem Leibe des Kindes befestigt wird. Die hierzu gebraͤuchlichen Binden sind gewoͤhnlich lang, mit Baͤndern versehen, und gehen mehreremahle um den Kindesleib herum. Besser sind jedoch die von H. Joͤrg empfohlnen und in seinem Hebammenbuche abgebildeten breiten Nabelbinden, nach Art der Leibbinden fuͤr Schwangere. §. 947. Bei alle dieser Behandlung des Kindes nach der Ge- burt, ist indeß die Neuentbundene nie aus den Augen zu verlieren. Man befraͤgt sie mitunter uͤber ihr Befinden, laͤßt der Erschoͤpften eine Tasse Kamillen- oder Melissenthee rei- chen, untersucht den Leib, ob sich die Gebaͤrmutter fest um die Placenta contrahirt hat, und wartet nun die Zeichen der Loͤsung der Nachgeburt ruhig ab. Fuͤnfte Geburtsperiode . §. 948. Haben sich aber wiederholte Nachgeburtswehen, ver- bunden mit Blutabgang eingefunden, so kann man groͤßten- theils die Loͤsung der Placenta als erfolgt annehmen. Jetzt also, nachdem das Kind gewoͤhnlich bereits vollkommen be- forgt und an einen maͤßig warmen Ort zur Ruhe gebracht wor- den ist, wird man auch die Placenta empfangen koͤnnen. Man fuͤhlt deshalb zuerst nach, ob sie bereits in den Mut- termund herabgedraͤngt vorliege, und wenn dieses der Fall ist, kann man sie ohne Bedenken entfernen, da das Abwar- ten bis sie voͤllig durch die Vagina und aͤußern Geschlechts- theile ausgestoßen wird, theils unnoͤthigerweise das Reinigen der Neuentbundenen und die Anordnung eines Lagers verzoͤ- gern wuͤrde, theils selbst leicht zu innern Blutungen, indem der Muttermund durch die Placenta verstopft wird, Veranlas- sung geben koͤnnte. §. 949. Um die Nachgeburt zu empfangen verfaͤhrt man auf folgende Weise: — Steht man, wie gewoͤhnlich, zur rech- ten Seite der Gebaͤrenden, so faßt man mit der linken Hand unter dem rechten Schenkel durch, ergreift den Nabelstrang, ihn um einige Finger wickelnd, und druͤckt mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, indem man damit am Na- belstrange heraufgeht, denselben nach hinten und unten. Hier- bei wird man alsbald bemerken, ob die Nachgeburt folgt. Ist dieses der Fall, so setzt man den gelinden Druck und Zug nach der Fuͤhrungslinie des Beckens fort, und lei- tet so die Placenta bis zum Durchschneiden. Hier empfaͤngt man die Placenta selbst mit beiden Haͤnden, dreht sie meh- reremale herum, um das Aufwickeln der nachfolgenden Ei- haͤute zu einem Strange zu bewerkstelligen (wobei man sicher seyn kann, daß sie nicht theilweise abreißen und zuruͤckblei- ben, wodurch heftige Nachwehen verursacht werden) und nimmt die ganze Nachgeburt behutsam in Empfang, um sie in ein bereitgehaltenes Gefaͤß zu legen. — Die Gebaͤrende darf beim Abgange der Nachgeburt nie mit pressen oder husten, auch ist es nicht rathsam den Abgang der Placenta durch Druͤcken auf den Unterleib zu befoͤrdern. §. 950. Zuweilen erfolgt nun auch wohl die Trennung und der Abgang der Placenta etwas langsamer, und man hat dann vorzuͤglich alles gewaltsame Ziehen am Nabelstrange zu un- terlassen, und, solange keine anderweitigen regelwidrigen Zu- staͤnde, vorzuͤglich keine Blutergießungen eintreten, diese laͤn- gere Nachgeburtsperiode eben so ruhig abzuwarten, als eine laͤngere Dauer einer andern Geburtsperiode abgewartet wer- den muß. Verzoͤgert sich indeß der Abgang der Placenta uͤber 2 bis 3 Stunden, so ist immer irgend ein krankhafter Zustand (von welchem wir weiter unten sprechen werden) vorhanden, und muß dann seiner Natur nach behandelt werden. §. 951. Nach dem Abgange der Nachgeburt untersucht man ferner, ob der Uterus gehoͤrig zusammengezogen, und der Blutabgang nicht etwa staͤrker als gewoͤhnlich sey; laͤßt dann durch einen in laues Wasser oder in ein Infusum Serpilli getauchten Schwamm, die Geschlechtstheile und die innere Flaͤche der Schenkel reinigen, und endlich die Neuentbundene entweder auf ein anderes Bett hinuͤberheben, oder ihr Lager durch Wegnahme der schmutzigen Unterlagen und des Ge- burtskissens in ein Wochenbett umwandeln. Ein bei Neuent- bundenen nicht selten sich einstellender Frost wird durch eine Tasse warmen Thee, nebst einigen Tropfen Naphtha auf Zucker gewoͤhnlich bald beseitigt. — Die Nachgeburt muß in- dessen mit frischem Wasser gereinigt seyn, der Geburtshelfer untersucht sie nun der Beschaffenheit ihrer einzelnen Theile nach genau, und erst nachdem er sich vom voͤlligen Wohl- befinden der Mutter und des Kindes uͤberzeugt, und dafuͤr gesorgt hat, daß beide noch unter hinlaͤnglicher Aufsicht ge- halten werden, ist es Zeit sie zu verlassen, um sofort (wel- ches dem Geburtshelfer bei jeder Entbindung zu empfehlen ist) zu Hause die Aufzeichnung des Falles entweder tabella- risch oder geschichtlich (so wie es nun die gewohnte Einrich- tung des aͤrztlichen Tagebuchs mit sich bringt) vorzunehmen. III. Huͤlfsleistung bei den ungewoͤhnlichern Faͤllen der natuͤrlichen Geburt. 1. Behandlung der Zwillings- und Drillingsge- burten u. s. w. §. 952. Die Behandlung solcher Faͤlle weicht bis zur beendigten Geburt des ersten Kindes, von der bei einer gewoͤhnlichen Geburt Statt findenden durchaus nicht ab. Bei der Tren- nung des Nabelstranges hingegen ist derselbe doppelt zu un- terbinden und zwischen beiden Unterbindungen zu durchschnei- den, um die wegen etwaiger Verbindung der Placenten moͤg- liche Verblutung des zweiten Kindes zu verhuͤten. — Treten nun von neuem Wehen ein (deren Eintritt uͤbrigens durch- aus auf keine gewaltsame Art zu beschleunigen ist) so macht man natuͤrlich keinen Versuch die Nachgeburt des ersten Kindes zu entfernen, sondern empfaͤngt nun, wenn auch die Geburt des zweiten Kindes natuͤrlich verlaͤuft, dieses gerade auf dieselbe Weise wie das erste empfangen worden ist. Ist noch ein Kind zuruͤck, so muß auch der zweite Nabelstrang doppelt unter- hunden, und dann eben so wie das zweite auch das dritte Kind empfangen werden. — Sind auf diese Weise die Kin- der saͤmmtlich geboren, so werden die Nachgeburten derselben zusammen, eben so wie eine einfache Nachgeburt, behutsam hervorgeleitet und empfangen. 2. Huͤlfleistung bei den ungewoͤhnlichen Kopfge- burten . §. 953. Die ungewoͤhnlichern Hinterhauptsgeburten (mit dem Gesichte nach vorwaͤrts) so wenig als die Scheitelgebur- ten machen eine andere als die oben beschriebene Behandlungs- weise noͤthig, mit Ausnahme der Sorgfalt fuͤr Erhaltung des Mittelfleisches, welche hierbei in noch hoͤherem Grade als bei gewoͤhnlichen Geburten erforderlich ist. Am meisten aber wird die Aufmerksamkeit des Geburtshelfers hierauf gerichtet seyn muͤssen bei den Gesichtsgeburten , bei welchen die Ausdehnung des Dammes am staͤrksten ist. Ueberdieß wird hier noch die aͤußerste Behutsamkeit noͤthig beim Untersuchen, welches, auf rohe Weise vorgenommen, unausbleiblich die zar- ten Theile des Gesichts verletzen wuͤrde. — Was die Ge- schwulst des Gesichts und die zuruͤckgebogene Stellung des Halses betrifft, welche sich bei Kindern, in Gesichtslage ge- boren, gewoͤhnlich zeigt, so haben beide wenig zu bedeuten. Die Geschwulst verliert sich meistens sehr schnell, ohne alle besondere Behandlung, und ist sie hartnaͤckiger, so weicht sie doch bald, wenn man das Kind einigemal taͤglich in ein mit Infusum serpilli vermischtes Bad bringt, oder die ge- schwollenen Stellen mit einem durch etwas Wein verstaͤrkten aͤhnlichen Kraͤuteraufgusse fomentirt. Wegen der zuruͤckgebo- genen Stellung des Kopfs endlich, ist so wenig als bei den durch den Geburtsdrang verschobenen Kopfknochen irgend eine aͤußere Gewalt zur Ruͤckfuͤhrung des gewoͤhnlichen Verhaltens verstattet. Man laͤßt daher ein solches Kind mit dem Kopf anfaͤnglich etwas tiefer legen, und erhoͤht diese Lage nur all- maͤhlig, so wie die unnatuͤrliche Richtung von selbst schwindet. 3. Huͤlfleistung bei Steis- Knie- und Fußge- burten . §. 954. Bei allen diesen Geburten ist die Behandlung ziemlich eine und dieselbe; sie ist ebenfalls wie das Empfangen des Kindes bei vorausgehendem Kopfe hauptsaͤchlich ein nega- tives, auf Abwendung aller Stoͤrungen des naturgemaͤßen Geburtsverlaufs, Ruͤcksicht nehmendes Verfahren, und na- mentlich durch folgende Regeln zu bestimmen: — 1) Man suche das zu schnelle Hervortreten der untern Haͤlfte des Rumpfs zu verhuͤten, keinesweges durch ein voreiliges Anziehen der Fuͤße etwa zu beschleunigen. — 2) Man sehe darauf, bei der zweiten Drehung des Kindes, welche wegen dem Eintritte der Schultern iu einen der bei- den schiefen Durchmesser der obern Beckenapertur erfolgt, es stets dahin zu leiten, daß die Ruͤckenflaͤche des Kindes nach vorwaͤrts gerichtet sey. Erfolgt demnach (was jedoch selten der Fall ist) diese Drehung nicht in dieser Richtung, so ist dem durch eine gelinde, mit platt auf Brust und Ruͤcken gelegten Haͤnden ausgefuͤhrte kuͤnstliche Drehung des Kindes, waͤhrend welcher man es vorsichtig etwas zuruͤckdraͤngt, nach- zuhelfen. §. 955. 3) Man muß mehrere gewaͤrmte Tuͤcher zur hand haben, um die Fuͤße, Schenkel, so wie den Rumpf, indem diese Theile aus dem Becken hervortreten, darein einzuhuͤllen, 4) Man achte auf die Lage der Nabelschnur, und suche sie immer mehr gegen die Aushoͤhlung des Kreuzbeins hin zu di- rigiren; auch verhuͤte man Dehnungen des Nabelstranges an seiner Insertion, indem man denselben, wenn er zu sehr ge- spannt wird, durch einen gekruͤmmten Zeigesinger hehutsam etwas hervorzieht, auch Umschlingung desselben um einzelne Kindestheile, oder zwischen den Schenkeln durch, beseitigt. — 5) Die Arme des Kindes laͤßt man, wo die Geburt uͤbri- gens regelmaͤßig von Statten geht, durch die Wehen allein austreiben, und huͤtet sich dieselben zu zeitig zu loͤsen. — 6) Vorzuͤglich achtet man endlich darauf, daß der Kopf des Kindes nicht etwa in der Richtung des geraden, son- dern stets in der Richtung eines der beiden schiefen Durch- messer in den Beckeneingang hereintrete. Anmerkung . Es ist immer, vorzuͤglich aber bei Erstgebaͤrenden, bei Personen mit nicht allzuweiten Becken, oder bei einem starken Kinde, sehr rathsam, saͤmmtliche Geburten bei welchen der Kopf zuletzt ins Becken eintritt, nicht auf dem gewoͤhnlichen Geburts- bett, sondern auf dem spaͤter zu beschreibenden Wendungs- lager oder Querbett, abwarten zu lassen. — Nicht selten naͤmlich, und besonders in den erwaͤhnten Faͤllen, kann es geschehen, daß der Kopf, oder auch schon die Arme, bei ihrem Eintritte in das Becken sich feststellen, und das Kind, weil es sich in Gefahr befindet abzusterben, kuͤnstlich entwickelt werden muß; eben so kann dieß auch wegen Mangel an Wehen, Blutung u. s. w. noͤthig werden. Da nun aber die sodann noͤthig wer- denden kuͤnstlichen Huͤlflleistungen, als das Anlegen der Zange, das Loͤsen der Arme, u. s. w. auf dem gewoͤhnlichen Lager sich nicht fuͤglich vornehmen lassen, und bei dem Herumwenden der Gebaͤrenden auf ein Querbett zu dieser Zeit erst, man zu lange aufge- halten werden, und der rechte Zeitpunkt der Huͤlfleistung versaͤumt werden wuͤrde, so ist es zweckmaͤßig das La- ger lieber gleich anfaͤnglich mit fuͤr einen solchen Zweck einzurichten. §. 956. Ruͤcksichtlich der einzelnen zur zweiten Klasse gehoͤrigen Geburten bemerken wir noch Folgendes: — 1) Bei der Steisgeburt muß zuvoͤrderst in Ruͤcksicht der Geschlechts- theile des Kindes ebenfalls die Untersuchung mit großer Be- hutsamkeit angestellt werden, ferner beim Durchschneiden der Steisflaͤche die Unterstuͤtzung des Dammes eben so wie bei der Kopfgeburt Statt finden. — Kommen die Fuͤße herab (denn fruͤher durch kuͤnstliches Herabfuͤhren derselben die Steislage in eine Fußlage zu verwandeln, wird keinem mit dem Verlaufe der natuͤrlichen Geburt hinlaͤnglich vertrauten Geburtshelfer jetzt mehr einfallen) so muß man das zu rasche Hervorschluͤpfen durch eine vorsichtige Leitung derselben verhuͤ- ten, Fuͤße und Rumpf dann in ein gewaͤrmtes Tuch einschla- gen und den fernern Verlauf der Geburt nach den obigen Regeln behandeln. 2) Bei der Fußgeburt suche man vorzuͤglich die Blase bis zur voͤlligen Oeffnung des Mutter- mundes zu schonen, und huͤte sich, wenn die Fuͤße herab- treten, dieselben (so lange keine anderweitigen krankhaften Zustaͤnde die kuͤnstliche Extraktion noͤthig machen) anzuziehen, da auch ein laͤngere Zeit dauerndes Inneliegen der Fuͤße und Huͤften im Becken nicht den mindesten Nachtheil fuͤr Kind oder Mutter haben kann. Ist ein Fuß heraufgeschlagen, so laͤßt man das Kind in dieser Richtung, und ohne diesen Fuß herabzuholen, eintreten. Vollkommen eben so verfaͤhrt man 3) bei der Kniegeburt. — §. 957. Sollte in irgend einem dieser Faͤlle der Kopf einige Schwierigkeiten im Becken finden, so liegt dies gewoͤhnlich an der Richtung desselben; man suche daher waͤhrend des Eintritts der Schultern, wie schon oben bemerkt wurde, die Drehung des Kopfs so zu leiten, 1) daß sein gerader Durch- messer in einen der beiden schraͤgen Durchmesser der obern Apertur faͤllt, 2) daß das Kinn moͤglichst auf die Brust ge- druͤckt sey. — Das letztere wird man dadurch bewerkstelligen, daß man mit Zeige- und Mittelfinger der die Bauchflaͤche des Kindes unterstuͤtzenden Hand bis zum Oberkiefer heraufgeht, sie hier zu beiden Seiten der Nase andruͤckt, und so die Gesichtsflaͤche abwaͤrts draͤngt, zugleich aber mit denselben Fingern der am Ruͤcken des Kindes liegenden Hand gegen den Hinterkopf heraufgeht, um diesen hinauf und zuruͤckzudraͤn- gen. Man kann dann, wenn der Kopf des Kindes auf diese Weise an seiner vordern und hintern Flaͤche gefaßt, und mit dem Kinne herabgedraͤngt ist, durch mehrere hebelartige Be- wegungen denselben gewoͤhnlich bald entwickeln. Alles Ziehen am Rumpfe, um den Kopf durchzufuͤhren, ist natuͤrlich hoͤchst schaͤdlich. III. Diaͤtetik der Wochen- und Stillungspe- riode . 1. Von der Pflege der Woͤchnerin . §. 958. Die mannigfaltigen und großen Veraͤnderungen, welche zur Zeit des Wochenbetts im weiblichen Koͤrper vor sich ge- hen und fuͤr viele kranhafte Einfluͤsse ihn empfaͤnglich machen, eben so wie die Erschoͤpfung, welche Folge der Anstrengung bei der Geburt zu seyn, pflegt, machen hier ein besonders vorsichtiges Verhalten noͤthig, welches darauf abzweckt, alles was hier stoͤrend einwirken koͤnnte, sorgfaͤltig zu vermeiden, im Gegentheil aber die der Periode des Wochenbetts eigen- thuͤmlichen Vorgaͤnge zu beguͤnstigen. §. 959. Ruͤcksichtlich des Allgemeinbefindens ist daher bei Woͤchnerinnen zuerst auf zweckmaͤßige aͤußere Umgebungen zu denken. Das Wochenzimmer soll demnach ruhig gelegen, nicht allzugroß, mit reiner, maͤßig warmer Luft erfuͤllt seyn. Man halte es in einer milden den reizbarern Augen der Woͤchnerin, so wie des Kindes angemessenen Helligkeit, und entferne alle Zugluft. Vorzuͤglich sorge man ferner fuͤr Ruhe des Koͤrpers wie des Gemuͤthes der Woͤchnerin, denn nur bei dieser koͤnnen die innern Revolutionen gluͤcklich von Statten gehn. Das Lager der Woͤchnerin sey bequem, nicht mit zu dicken Federbetten beschwert, und zur Erhaltung der Reinlichkeit mit den noͤthigen Unterlagen von Wachstuch oder Rehfell, nebst wollenem Zeug und Leinwand (welche oͤfters gewechselt werden muͤssen) versehen. §. 960. Auf diesem Lager verweilt die Woͤchnerin (die Zeit des Wechsels von Waͤsche und Betten u. s. w. abgerechnet) in ruhiger horizontaler Lage namentlich so lange , bis der blutige Wochen- fluß gewichen, und die Zusammenziehung des Uterus bereits mehr vorgeschritten ist, welches vor Ablauf von wenigstens 5 Tagen nicht fuͤglich der Fall seyn kann (bei besonders schwaͤchlichen und reizbaren Personen oder bei nicht Stillen- den ist noch eine laͤngere Zeit abzuwarten), und auch nach dieser Frist darf sie zuerst nur kurze Zeit außer dem Bett seyn, darf diese Zeit nur allmaͤhlig verlaͤngern, und muß sich auch außer dem Bette vor jeder angreifenden Bewe- gung in Acht nehmen. Eins der wichtigsteu Befoͤrderungs- mittel des regelmaͤßigen Verlaufs der Wochenverrichtungen, so wie der voͤlligen Wiederherstellung der verlorenen Kraͤfte, ist uͤbrigens der ruhige Schlaf, und diesen suche man der Woͤch- nerin vorzuͤglich zu erhalten, ja selbst die Neuentbundene kann demselben sich ohne Bedenken uͤberlassen, sobald es nur nicht au hinlaͤnglicher Aufsicht fehlt, um einen vielleicht eintreten- den staͤrkern Blutabgang, und was dergleichen Zufaͤlle mehr sind, zeitig genug zu entdecken. §. 961. Die Gemuͤthsruhe der Woͤchnerin zu erhalten, vermeide man ferner das Zudraͤngen fremder oder selbst bekannter Per- sonen; man untersage ihr in den ersten Tagen Lesen, vieles Sprechen, so wie das Vornehmen weiblicher Arbeiten; ganz vorzuͤglich aber muͤssen die haͤuslichen Umgebungen der Woͤch- nerin darauf angewiesen werden, alles was zu Aerger, Schreck, Gram, ploͤtzlicher Freude u. s. w. ihr Veranlassung geben koͤnnte, sorgfaͤltig zu vermeiden. — Die Kleidung der das Bett verlassenden Woͤchnerin sey bequem und warm; das Binden des Unterleibes nach der Geburt, durch Tuͤcher oder durch die Leibbinde fuͤr Schwangere ist im Allgemeinen nicht nothwendig , ja, im Uebermaaß, offenbar schaͤdlich, und darf also nur Personen von etwas schlaffer lymphatischer Constitution, so wie Mehrgebaͤrenden, oder bei Woͤchnerinnen, welche Husten haben, als ein nicht unzweckmaͤßiges Mittel zur Unterstuͤtzung der Contraktion im Uterus empfohlen werden. §. 962. Was die Wahl der Nahrungsmittel betrifft, so sind in Hinsicht der Speisen fuͤr die ersten Tage des Wo- chenbettes durchaus nur wenig naͤhrende und leichtverdauliche nicht blaͤhende Dinge zu erlauben, indem hier, wie in allen Evolutions- und Revolutionsperioden, der Koͤrper von einer reichlichern Stoffaufnahme nur gestoͤrt werden wuͤrde: Was- sersuppe, duͤnne Fleischbruͤhsuppe, etwas weiß Brod und der- gleichen, ist daher alles, worauf sich in den ersten 4 bis 5 Tagen die Speiseordnung beschraͤnken darf. Von dem 5. bis 6. Tage kann allmaͤhlig, vorzuͤglich bei Personen, welche selbst stillen und nicht viel Milch haben, die Quan- titaͤt etwas vermehrt werden, z. B. durch staͤrkere Bouillon, Zusatz von Eiern, Sago u. s. w. Das Getraͤnk be- stehe in Theeaufguͤssen, welche zugleich die Hautausduͤnstung befoͤrdern. Flieder-, Fenchel-, Kamillenaufguͤsse sind die zweckmaͤßigsten; zur Abwechselung in heißer Jahreszeit ab- gekochtes Wasser mit etwas Obstsaft, Brod u. dgl.; erst nach dem 5. Tage duͤrfen Stillende etwas Bier genießen, so wie bei groͤßerer Erschoͤpfung auch etwas Wein zweckmaͤ- ßig ist. — Nichtstillende muͤssen bis zum Verschwinden der Milch bei Wassersuppen und Thee gehalten werden. §. 963. Diese Vorsicht in der Wahl der Nahrungsmittel muß sich uͤbrigens auf gewisse Weise selbst uͤber die ganze Periode des Stillungsgeschaͤfts fortsetzen. Der Einfluß der Nahrungsmittel naͤmlich auf die Milch ist nicht zu verkennen, und man erkennt selbst bei Thieren oft im Geschmacke der Milch die Art des gegebenen Futters. — Wenn daher auch, nachdem der Ute- rus mehr in seinen fruͤhern Zustand zuruͤckgekehrt ist, und die Mutter wieder außer dem Bette zu verweilen anfaͤngt, II. Theil. 13 die Lebensordnung sich genauer wieder der fruͤher gewohnten anschließen darf, so sind doch fortwaͤhrend grobe, erhitzende, blaͤhende Nahrungsmittel und Getraͤnke zu vermeiden. §. 964. Die Funktionen des Darmkanals betreffend, so haben wir schon bemerkt, daß in den ersten Tagen bei ge- sunden Woͤchnerinnen die Stuhlausleerungen gewoͤhnlich nicht zu erfolgen pflegen, und es muß dieses die Regel begruͤn- den, vor dem dritten Tage, und vor Minderung des bluti- gen Ausflusses, auch nicht auf kuͤnstliche Weise, am wenig- sten durch reizende Abfuͤhrmittel (welche nur zu oft hier die Einleitung zum Kindbettfieber machen) diese Ausleerungen erzwingen zu wollen. Nach dieser Zeit hingegen ist es noth- wendig fuͤr regelmaͤßige Darmausleerung zu sorgen, indem Auftreibung des Darmkanals durch Obstruktion eben so nach- theilig werden muͤßte, als zu zeitige Erregung desselben. — Es geschieht dieß durch erweichende Lavements, und nur bei Personen, welche uͤberhaupt zu Obstruktionen neigen, ist die Anwendung eines blanden Abfuͤhrmittels zuweilen nothwendig. Jedes Pressen beim Stuhlgange ist uͤbrigens der Woͤchnerin schaͤdlich und zu untersagen. — Was die Ausleerung des Urins betrifft, so ist darauf zu sehen, daß diese gleich in den ersten Tagen des Wochenbetts regelmaͤßig erfolge, da der Druck der angefuͤllten Harnblase fuͤr den Uterus hoͤchst nachtheilig werden muͤßte. Findet daher diese Ausleerung, wegen der, haͤufig einer etwas schwierigen Entbindung nach- folgenden Geschwulst der Geburtstheile, nicht von selbst Statt, so ist auch hier, eben so wie waͤhrend der Geburt, die Nach- huͤlfe durch den Catheter unentbehrlich. §. 965. Vorzuͤglich wichtig ist ferner die Sorge fuͤr gleichmaͤßige Unterhaltung der Hautfunktion . Durch Erhaltung einer gleichen, maͤßig warmen Temperatur, durch hinreichende jedoch nicht zu warme Bedeckung und durch ein warmes ge- lind diaphoretisches Getraͤnk wie den Fliederblumenaufguß, wird dieser Zweck am sichersten erreicht. — Uebermaͤßige Hitze erzeugt bei Woͤchnerinnen sehr leicht das Kindbette- rinnenfriesel. §. 966. Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem die Geburtstheile und die Bruͤste . Was die erstern be- trifft, so wird ihre Heilung, Zusammenziehung und Ruͤckkehr in den fruͤhern Zustand zwar schon durch das in den vorigen §§. beschriebene allgemeine Verhalten befoͤrdert; allein au- ßerdem ist noch noͤthig, theils von Zeit zu Zeit den Zu- stand des Uterus durch aͤußere Betastung der regio hypo- gastrica und Beruͤcksichtigung der Art des Wochenflusses zu untersuchen, theils fuͤr vorzuͤgliche Reinlichkeit der Ge- schlechtstheile Sorge zu tragen. Oefters muͤssen daher die unterlagen gewechselt werden, taͤglich mehreremale die Ge- schlechtstheile durch die Hebamme mit lauem Wasser, oder einem Infus. serpilli ausgewaschen, oder im Nothfalle bei staͤrkerem oder sehr riechendem Wochenflusse auch durch einige Injektionen in die Mutterscheide gereinigt werden; bei allen diesen Verrichtungen, so wie bei dem durch die Wochen- schweiße oͤfters noͤthig werdenden Wechsel der Waͤsche und Betten ist vorzuͤgliche Sorgfalt darauf zu wenden, daß keine Erkaͤltung Statt finde. §. 967. Endlich zur Behandlung der Bruͤste . Wir gehen hierbei von dem Satze aus, daß eine jede gesunde Mutter ihr Kind selbst stillen muͤsse; und erklaͤren somit das Benehmen der Aerzte, so wie der Muͤtter, welche ohne einen hinlaͤnglichen Grund das Stillen nicht erlauben und unternehmen, oder sogleich bei kleinen Beschwerden abbrechen und aufgeben, fuͤr gaͤnzlich naturwidrig und suͤndhaft . Gruͤnde, wel- che das Stillen wahrhaft unmoͤglich machen, beruhen aber immer in krankhaften Zustaͤnden, und gehoͤren somit ei- gentlich gar nicht hierher; wir wollen indeß einige, wenig- stens dem Namen nach auffuͤhren. Es sind dahin, au- ßer der Niederkunft mit einem todten Kinde, zu rechnen: kachektische Zustaͤnde des muͤtterlichen Koͤrpers, als Schwind- sucht oder Auszehrung, ferner Epilepsie, Gicht, Melancholie, ansteckende Krankheiten, als Syphilis, Kraͤtze u. s. w.; end- lich aber der mehr maͤnnliche Habitus des weiblichen Koͤr- pers, Kleinheit der Bruͤste, Mangel an Milch oder voͤllige Mißbildung und Mangelhaftigkeit der Warzen (die bloße Spaltung oder Kleinheit derselben giebt keinesweges ein ge- gruͤndetes Hinderniß ab) und große Schwaͤche. §. 968. Was nun zuerst die Zeit betrifft, zu welcher das Kind zum erstenmale angelegt werden soll, so richtet sich diese theils nach der Lust des Kindes, welches gewoͤhnlich erst nach meh- rern Stunden Schlaf Neigung zum Saugen bezeigen wird, theils nach der Erholung der Woͤchnerin. Gemeiniglich wird sie nach 6 bis 8 oder 12 Stunden faͤhig seyn, dem Kinde die Brust zu reichen. Nie ist es gut, allzulange das Anle- gen des Kindes zu verschieben, da eines Theils die Bruͤste hierbei oft sich zu sehr anfuͤllen, hart werden, und dann vom Kinde nicht gut zu fassen sind; andern Theils die erste Milch ( Colostrum ) gerade fuͤr das neugeborene Kind nuͤtzlich (keinesweges, wie ein altes Vorurtheil sagt, schaͤdlich) ist. §. 969. Sollten uͤbrigens die Warzen fruͤher noch nicht zum Stillen vorbereitet worden seyn, so muß das Hervorziehen derselben und das Waschen mit Brandtwein jetzt noch nach- geholt werden. Ferner wird die reichliche Absonderung einer guten nahrhaften Milch vorzuͤglich durch hinlaͤngliches Warm- halten der Bruͤste Schultern und Oberarme unterstuͤtzt, wor- auf sonach die Woͤchnerin aufmerksam zu machen ist. Die Ordnung, in welcher dem Kinde nun fernerhin die Brust zu reichen ist, laͤßt sich nicht so genau bestimmen, jedoch halte man darauf, daß sobald Milch genug vorhanden ist, stets mit den Bruͤsten gewechselt, einmal die linke, das naͤchste- mal die rechte Brust gereicht werde, wodurch, namentlich wenn das Anlegen nur alle 2 bis 3 Stunden geschieht, das Aufziehen der Warzen verhindert wird. Die angemessenste Lage fuͤr das Stillungsgeschaͤft, fuͤr die ersten Tage des Wo- chenbettes, ist offenbar die Seitenlage, bei welcher die Mut- ter ihr Kind im Arme neben sich liegen hat, allein auch in der Art des Anlegens sind oft die Muͤtter ungeschickt, und brauchen oft mehrere Tage die ausdauernde Nachhuͤlfe einer geschickten Hebamme. — Auch nach dem Wochenbett aber muß die Stillende die Sorge fuͤr Schonung der Bruͤste, zweckmaͤßige Wahl nahrhafter leichtverdaulicher Speisen und Getraͤnke, Genuß einer gesunden freien Luft, hinlaͤngliche Koͤrperbewegung und Ruhe des Gemuͤths fortsetzen, und bei endlichem Aufgeben des Saͤugungsgeschaͤfts dieses nie ploͤtz- lich abbrechen, sondern nach und nach das Kind recht eigent- lich der Brust entwoͤhnen , so den Zudrang der Milch, auch durch leichtere Kost, vermindern, und zuletzt, wenn das Kind gar nicht mehr angelegt wird, fuͤr Zertheilung der Milch auf aͤhnliche Weise sorgen, wie dann geschehen muß, wenn das Kind uͤberhaupt nicht trinkt, wovon wir jetzt noch Einiges zu erinnern haben. §. 970. Eine jede nicht stillende, sonst gesunde Woͤchnerin, ist aber zu betrachten als eine Anlage zu krankhaften Zustaͤnden in hoͤherem Grade als eine Stillende in sich tra- gend, und muß daher, selbst weil gewoͤhnlich die Lochien staͤrker und laͤnger fließen, auch laͤngere Zeit im Bette zu- bringen. Ihre Speisen und Getraͤnke muͤssen, wie schon oben erinnert ist, wenig nahrhaft seyn, und die Aussonde- rung des Schweißes ist bei ihr vorzuͤglich zu unterstuͤtzen, so wie insbesondre auch der regelmaͤßige und hinlaͤngliche Erfolg der Darmausleerungen wichtig ist. — Um die Anhaͤufung und Stockung der Milch selbst zu hindern, ist uͤbrigens die Ver- mehrung der oͤrtlichen Transpiration der Bruͤste durch Auf- legen von Baumwolle, oder Hanfwerg sehr nuͤtzlich, eben so wie ein maͤßiges Heraufbinden der Bruͤste und ein Befoͤrdern des Milchausflusses selbst, welches entweder durch Aussau- gen mittelst eines Ziehglases oder einer Milchpumpe (in man- chen Gegenden uͤbernehmen alte zahnlose Weiber dieß Ge- Geschaͤft) geschieht, oder auch durch Baͤhungen der Bruͤste mit dem Dampfe eines Kamillen- oder Fliederaufgusses be- wirkt wird. — Besonders sind aber waͤhrend dieser Zeit sehr sorgfaͤltig Druck und Stoß der Bruͤste zu vermeiden, da solche mechanische Schaͤdlichkeiten, eben so wie Ueberfuͤllung des Magens oder Erkaͤltung, hier gewoͤhnlich sehr leicht Ent- zuͤndung herbeifuͤhren. II. Von der Pflege des Saͤuglings . §. 971. Wie der muͤtterliche Koͤrper, ja in vieler Hinsicht noch mehr als dieser, hat der Koͤrper des Kindes bei der Ge- burt eine wichtige Revolution erlitten, und macht deßhalb gleichfalls Abhaltung aller aͤußern schaͤdlichen Einfluͤsse, so wie zweckmaͤßige Unterstuͤtzung der Processe mit denen die Natur vorzuͤglich beschaͤftigt ist, hoͤchst nothwendig. §. 972. Was zuvoͤrderst das allgemeine Verhalten be- trifft, so ist Reinlichkeit und gleichmaͤßige Waͤrme einer der Hauptpunkte. Um die erstere zu erhalten, ist aber das taͤg- liche Baden waͤhrend der ganzen Periode des Saͤuglingsalters, und zwar immer unter den bei Gelegenheit des ersten Bades erwaͤhnten Vorsichtsmaaßregeln, das wichtigste Moment. Es wird dadurch die in den ersten Tagen vor sich gehende Ab- schuppung der ersten Oberhaut befoͤrdert, die gehoͤrige Per- spiration moͤglich gemacht, ja selbst Fluͤssigkeit dabei einge- sogen, und so denn zugleich immer noch eine kurze Annaͤ- herung an den fruͤhern Zustand, wo das Kind als Fetus stets mit warmer Fluͤssigkeit umgeben war, erhalten. — Außer dem Bade wird die gleichmaͤßige Waͤrme des Kindes durch sorgfaͤltige, jedoch keinesweges beengende Einhuͤllung desselben, und durch Beigeben einer Waͤrmflasche in das Bett des Kindes (die ersten Wochen hindurch) erhalten. Ue- brigens ist es auch dem Kinde vorzuͤglich angemessen, wenn es anfaͤnglich wenigstens am Tage Eine Mutter welche ihr Kind wirklich liebt, wird es uͤbrigens gewiß auch des Nachts und im Schlafe nicht beschaͤdigen, Einer Amme freilich darf man so viel nicht zutrauen. von der Mutter oͤfters mit ins Bette genommen wird, da animalische Waͤrme stets nur unvollkommen durch die kuͤnstliche zu ersetzen ist. — Ferner ist darauf zu dringen, daß die Waͤsche des Kindes sehr haͤufig, und die Einschlagetuͤcher und Betten desselben, so oft sie verunreinigt sind, gewechselt werden. Die Ver- nachlaͤssigung dieser Regel legt den Grund zu vielfachen Krankheiten. §. 973. In sonstiger Hinsicht hat man darauf achten zu lassen, daß das Kind nie ploͤtzlich im Schlafe unterbrochen und etwa sogleich ins Bad gebracht werde, daß es eine reine gesunde Luft athme, weshalb nach 10 bis 14 Tagen, unter Beguͤnstigung der Witterung, das Austragen des Kindes (welches hiebei mit einem leichten Tuche verhuͤllt wird) und spaͤterhin das laͤngere Verweilen desselben in freier Luft sehr nuͤtzlich ist. Was die Augen betrifft so gewoͤhne man sie nur nach und nach an ein helleres Licht und vermeide ploͤtz- liche Uebergaͤnge aus Dunkel in Hell. Endlich sorge man auch dafuͤr daß dem Kinde eine gewiße Bewegung der Glieder moͤglich sey (welches durch die an manchen Orten leider noch uͤblichen Wickelbaͤnder freilich ganz gehindert wird) und lasse weder Fuͤße noch Haͤnde zu aͤngstlich einhuͤllen. §. 974. Ruͤcksichtlich der Wahl der Nahrungsmittel , so ist fuͤr den Saͤugling die einzige voͤllig naturgemaͤße Nahrung in den Bruͤsten der Mutter vorbereitet, man huͤte sich daher dem Kinde, wenn es genug Muttermilch bekommen kann, außer hin und wieder fuͤr den Nothfall etwas Kamillenthee, irgend andere Nahrung zu reichen, wenn man nicht die Verdauungswerkzeuge schon in der ersten Lebensperiode unter- graben will. Kann indeß das Kind diese Nahrung nicht erhalten, so muß man sie durch ein Surrogat so gut als moͤglich ersetzen. Am naͤchsten nun wird allerdings der Mut- termilch die Milch einer voͤllig gesunden , der Mutter ihrer Constitution und ihrem Temperament nach nicht allzu- unaͤhnlichen, dem Entbindungstermin nach ihr ziemlich gleichen Amme seyn, allein nicht haͤufig ist ein solches Subjekt, welches alle Erfordernisse hinlaͤnglich besitzt, zu finden, oft auch ist die Rohheit des Charakters dieser Personen zu fuͤrchten, oder bei groͤßerer Bildung und staͤrkerer Liebe zu ihrem eignen Kinde zu erwarten, daß ihre Milch sich bald verliere. Aus allen diesen Ursachen muß sonach oft die Ernaͤhrung des Kindes ohne Frauenmilch bewerkstelligt werden, welches denn auch auf alle Weise mehr als die Ernaͤhrung durch eine nicht recht gesunde und gute Amme angerathen werden muß. §. 975. In einem solchen Falle nun giebt offenbar Thiermilch das beste Surrogat; allein sie muß, da sie mehr fettige und kaͤsige Bestandtheile enthaͤlt, stets, und vorzuͤglich in den ersten Wochen, mit etwas Fenchel-, Flieder- oder Kamil- lenthee verduͤnnt, so wie um die ermangelnde Suͤßigkeit zu ersetzen, mit etwas Zucker gegeben werden Ebendeshalb finde ich das unmittelbare Saͤugen des Kindes durch Thiere, vorzuͤglich durch die so fette Milch gebende Ziege, nicht angemessen. . Der Mischung nach (s. oben §. 863.) wuͤrde uͤbrigens vorzuͤglich die Esels- milch hier zu empfehlen seyn, doch ist auch Kuhmilch mit Nutzen zu gebrauchen. Hauptregel bei dieser Ernaͤhrungs- weise ist es jedoch immer, dem Kinde, in den ersten Wochen namentlich, bloß fluͤßige Dinge zu geben, als fuͤr deren Assimilation die Verdauungskraͤfte des Neugeborenen allein ausreichen. Spaͤterhin kann es einigemal taͤglich etwas auf- geweichten Zwieback und dergl. so wie auch weiterhin etwas Kalbfleischbruͤhe mit Gries und dergl. erhalten. Alle andere Nahrungsmittel, Kaffee, Breie u. s. w. so wie das eckel- hafte Saͤugen an Zulpen, sind dem Saͤuglingsalter durchaus unangemessen und schaͤdlich. — Im Allgemeinen ist endlich bei dieser Ernaͤhrung ohne Brust auch darauf zu sehen, daß die Nahrung in einer gewissen Ordnung und nie zu schnell auf einander gereicht werde, wodurch insbesondere zum Gedei- hen des Kindes beigetragen werden kann. §. 976. Was die Ausleerungen des Kindes betrifft so ist ihre Beruͤcksichtigung fuͤr das Wohl des Kindes hoͤchst wichtig. Das Kind muß naͤmlich oͤfters, taͤglich einigemale, Darm- ausleerungen haben, durch sie muß in den ersten 2 bis 3 Tagen das Meconium vollstaͤndig fortgeschafft werden, worauf die Stuͤhle eine gelbe Farbe annehmen. Erfolgt dieses nun aus irgend einer Ursache nicht gehoͤrig, so ist es allerdings noͤthig die Natur durch Lavements oder durch eine leichte Abfuͤhrung zu unterstuͤtzen, aber unzweckmaͤßig und offenbar schaͤdlich ist es, wenn man diese Mittel, wie es sehr haͤufig ein verjaͤhrter Schlendrian mit sich bringt, bei einem jeden Kinde ohne Unterschied anwendet. Eben so noͤthig ist es daß der Harn ordentlich ausgeleert wird, und die Menge desselben giebt zugleich gewoͤhnlich einen guten Maaßstab dafuͤr ab, ob und wie viel das Kind an der Mutter getrunken habe. §. 977. Besondere Ruͤcksicht endlich, macht nun in den ersten Lebenstagen der noch uͤbrige Nabelstrangsrest noͤthig, und nachdem man hierin lange Zeit an einer hoͤchst einfachen Behandlung festgehalten hat, wird neuerlich ein ganz anderes Verfahren in dieser Hinsicht gepriesen, weßhalb wir etwas ausfuͤhrlicher hiebei zu verweilen noͤthig finden. — Zuerst jedoch die Beschreibung des Verfahrens welches als das Zweckmaͤßigste hiebei nach vielfaͤltiger Erfahrung immer noch empfohlen werden darf: — §. 978. Der nach der Geburt unterbundene Nabelstrang bleibt ganz ruhig sich selbst uͤberlassen, bei jedesmaligem Baden wird er sorgfaͤltig geschont, namentlich alles Dehnen und Ziehen an demselben sorgfaͤltig vermieden, und er jedesmal in ein neues Stuͤckchen weiches Leinenzeug, welches wieder mit etwas Semen Lycopodii bestreut wird, eingeschlagen, und dann, wie nach dem ersten Bade, durch eine angemeßene Nabelbinde befestigt. Trocknet er nun nach und nach ein, und loͤst sich endlich voͤllig ab, so legt man demohnerachtet noch einige Wochen hindurch die Binde an, und kann uͤber- dieß, wenn die Stelle noch etwas naͤssen sollte, die ersten Tage hindurch auf die Mitte der Nabelbinde noch eine kleine Compresse aufheften und dieselbe mit etwas rothem Wein befeuchten lassen. — Auf diese Weise koͤnnen weder Nach- blutungen aus den Nabelgefaͤßen, noch Nabelbruͤche oder Schwaͤren und schwammige Auswuͤchse am Nabel eintreten, und wir nennen sie daher in jeder Hinsicht zweckmaͤßig. §. 979. Seit indeß Meßmer auf den Einfall kam, daß die in den Gefaͤßen des Nabelschnurrestchens stockende Blutmasse die Ursache vielfacher Krankheiten des neugebornen Kindes nicht nur, sondern auch des spaͤtern Alters werden koͤnne, daß Pocken, Gelbsucht, Kraͤmpfe u. s. w. hier ihre eigent- liche Veranlassung und Entstehung faͤnden, hat man jene alte gepruͤfte Methode hie und da zu verlassen versucht, sie selbst in mehrern fuͤr das nichtaͤrztliche Publikum bestimmten Schriften auf das haͤrteste getadelt, und dagegen folgendes Verfahren empfohlen S. daruͤber Dr. Ziermann . Die Naturgemaͤße Geburt des Menschen oder Betrachtungen uͤber zu fruͤhe Durchschneidung und uͤber Unterbindung der Nabelschnur des neugebornen Kindes, als Urgrund der haͤufigsten und gefaͤhrlichsten Krankheiten des Menschengeschlechts. Nebst einer Vorrede vom Prof. Wolfart Berlin 1817. : Der Nabelstrang wird schon bei der ersten nach voͤllig erloschener Pulsation vorgenommenen Trennung nicht unterbunden, wohl aber das Ende desselben durch eine Zange gequetscht, um wie man (ganz unrichtig) vorgab, das Abbeißen des Nabelstranges bei Thieren moͤglichst nachzuahmen. Taͤglich wird sodann der Nabelstrang ausge- druͤckt, gereinigt, und abermals ein Stuͤckchen desselben abgeschnitten, und das Ende wieder durch die Zange gequetscht, bis endlich der Nabelstrang gaͤnzlich sich geloͤst hat. §. 980. Hierbei ist nun aber folgendes zu erinnern: — 1. Das nach der Unterbindung in den Resten der Nabelgefaͤße etwa noch verweilende Blut hat entweder noch mit dem uͤbrigen Blute Gemeinschaft, oder nicht. Im erstern Falle wird ein Verderben, Faulen oder Gaͤhren des hier stockenden Blutes durchaus nicht denkbar seyn, im zweiten Falle koͤnnte allerdings eher eine solche Umaͤnderung Statt finden; allein da dieses Blut von dem uͤbrigen abgesondert ist, Lymphgefaͤße zur Aufsaugung nicht nachzuweisen sind, und uͤberhaupt in kurzem die wenigen Tropfen Bluts voͤllig eintrocknen, so ist gewiß ein vernuͤnftiger Grund fuͤr jene Annahme, daß in diesem Blut der Stoff zu vielen Krankheiten gegeben werde, keines- weges vorhanden. §. 981. 2. Wenn es auch ganz richtig ist, daß beim neuge- borenen Kinde, wenn man das gaͤnzliche Erloͤschen der Pul- sation des Nabelstranges abwartet, derselbe ohne Blutung zu erregen, durchschnitten werden kann, so muß man doch andern Theils auch bedenken, daß bei nachheriger Einhuͤllung des Kindes, und durch die erhoͤhte Temperatur, der Blutandrang gegen die Nabelgefaͤße wieder rege werden, und eine Lebens- gefaͤhrliche Blutung Prof. Naͤgele . (Salzb. med. chir. Zeitung 1819 Novbr. No. 88) hat einen Fall wo ein Kind sich auf diese Weise verblutete, bekannt gemacht. Man sehe uͤbrigens eine ausfuͤhrliche Kritik der Zier- mannischen Schrift in H. Joͤrg’s Schriften zur Befoͤrderung der Kenntniß des Weibes 2ter Theil. veranlaßt werden koͤnnte. H. v. Siebold in seiner oben angefuͤhrten Schrift uͤber das Geburtskissen. hat zwar den Vortheil, welchen er sich vom Ausdruͤcken des Blutes in dem Nabelstrangendchen verspricht, mit dem taͤglich erneuerten Unterbinden zur Verhinderung der Blutung gleichzeitig empfohlen; allein wenn einmal die gefuͤrchtete Gefahr des stockenden Blutes grundlos erscheint, so ist es wohl so noͤthig nicht, uͤberhaupt von dem aͤltern Verfahren abzuweichen. Zweiter pathologisch-therapeutischer Abschnitt. I. Von den Krankheiten der Schwangern und der Behandlung derselben . §. 982. Wir theilen die hierhergehoͤrigen krankhaften Zustaͤnde ein in solche welche dem Geschlechtssystem eigenthuͤmlich sind, und solche welche in den uͤbrigen organischen Systemen und im Allgemeinbefinden der Schwangern vorkommen. Die letztexn aber stellen denn namentlich eine Reihe von Zufaͤllen dar, welche wir als krankhafte Erhoͤhungen der im physio- logischen Abschnitte aufgefuͤhrten Symptome der Schwan- gerschaft zu betrachten haben, und welche mit diesen oft noch in so fern uͤbereinstimmen, als sie, ihrer naͤchsten Ursache nach durch die Schwangerschaft selbst bedingt, durch die Kunst zwar oft gelindert aber keineswegs immer voͤllig gehoben werden koͤnnen. Die uͤbrigen allgemeinen Krankheiten, an welchen Schwangere leiden koͤnnen, welche aber dem weibli- chen Koͤrper weder ausschließend eigenthuͤmlich sind, noch mit der Schwangerschaft selbst in einer ursachlichen Verbindung stehen, bleiben natuͤrlich hiebei unberuͤcksichtigt, da sie Gegen- staͤnde theils der speciellen Nosologie und Therapie uͤberhaupt, theils des ersten Theils der Gynaͤkologie insbesondere aus- machen. §. 983. Als einen Anhang dieses Kapitels werden wir drittens noch die Pathologie des Fetus betrachten muͤssen, und hier die verschiedenen, in bisherigen Schriften noch wenig beach- teten krankhaften Zustaͤnde, denen die Frucht schon vor der Geburt unterworfen seyn kann (obwohl sie gemeiniglich erst nach der Geburt zu erkennen sind und einer Behandlung faͤhig werden), durchzugehen haben. I. Von den allgemeinen krankhaften Zustaͤnden der Schwangern . §. 984. So wie wir in der Physiologie der Schwangerschaft (§. 758 u. fgg.) die Umstimmungen, welche durch diesen oͤrtlichen Bildungsprozeß im Allgemeinbefinden veranlaßt werden, nach den einzelnen Systemen des Koͤrpers einzutheilen pflegten, so werden auch die krankhaften Zufaͤlle dieser Eintheilung am zweckmaͤßigsten unterliegen. 1. Krankhafte Zustaͤnde in den Verdauungswerk- zeugen des weiblichen Koͤrpers waͤhrend der Schwangerschaft . §. 985. 1. Ueblichkeit, Magenkrampf und Erbrechen . Diese Schwangerschaftssymptome, welche im geringeren Grade nur vorsichtige Diaͤt und gutes Verhalten erfordern um sich allmaͤhlig zu verlieren, erreichen zuweilen auch einen so hohen Grad, daß alles Genossene sogleich heftige Kraͤmpfe verursacht, wieder weggebrochen wird, ja das Erbrechen, selbst ohne Aufnahme von Nahrungsmitteln, zwanzig, dreißig und mehreremal taͤglich repetirt, und in ein leeres, schmerz- haftes Wuͤrgen uͤbergeht, wobei hoͤchstens etwas Schleim, Galle oder Blut ausgeworfen wird. In diesem Grade der Heftigkeit kommt es vorzuͤglich in den ersten Schwangerschafts- monaten, bei der ersten Schwangerschaft, und bei entweder sehr schwaͤchlichen und reitzbaren, oder sehr vollsaftigen auch wohl schon fruͤher an Unterleibsbeschwerden kraͤnkelnden Per- sonen vor. Seltner wird so heftiges Erbrechen als Folge des sehr ausgedehnten Uterus in den letzten Schwangerschafts- monaten bemerkt. §. 986. Die Ursachen dieses Zustandes liegen: 1. in einer krank- haft erhoͤhten Reitzbarkeit des Darmkanals uͤberhaupt, welcher vorzuͤglich bei schwaͤchlichen, hysterischen, verzaͤrtelten Koͤrpern vorkommt, und außer der Beruͤcksichtigung dieser Constitution, durch Abwesenheit entzuͤndlicher Symptome, Abwesenheit mechanischen Druckes u. s. w. erkannt wird. Eine 2te Ursache welche sich zuweilen mit dieser ersten verbindet, ist Ueber- fuͤllung des Pfortadersystems mit Blut, in Folge der erhoͤhten Gefaͤßthaͤtigkeit im Geschlechtssystem, aus welchem pletho- rischen Zustande dann oft selbst entzuͤndliche Affektionen sich entwickeln. Die Zeichen dieser Begruͤndung der Krankheit sind theils aus der Constitution und Lebensweise zu entnehmen, wohin ein kurzer, gedrungener vollsaftiger Koͤrperbau, Haͤmer- thoidalanlage, fruͤher gefuͤhrte reichlich naͤhrende Diaͤt, sitzende Lebensweise, Einschnuͤren des Unterleibes u. s. w. zu rechnen sind, theils geben sie sich kund durch Auftreibung und Empfindlichkeit der Praͤkordien, Vollheit des Pulses, Neigung zu varikoͤsen Geschwuͤlsten und oͤfters sich hinzu ge- sellende Fieberzustaͤnde. §. 987. 3. Eben so kann auch mechanischer Druck auf den Darm- kanal durch hartnaͤckige Verstopfung und Anfuͤllung des Blind- und Dickdarms mit veralteten Unreinigkeiten, durch Einklemmung einiger Darmwindungen oder des Netzes zwischen den schwangern Uterus und das Becken, oder in Bruͤchen (z. B. in Mutterscheidenbruͤchen) Druck von einem schiefliegenden Uterus, von Druͤsenanschwellungen u. s. w. hierher gerechnet werden; welches sich denn durch die Zeichen dieser einzelnen Abnormitaͤten und aus genauer geburtshuͤlflicher Untersuchung erkennen lassen wird. 4. Endlich aber koͤnnen auch organische Verbildungen die Ursache solchen anhaltenden Erbrechens werden, wohin Statt habende Verwachsungen des Netzes oder der Darmwindungen mit dem Uterus u. s. w. gehoͤren In einem Falle solcher Verwachsung sah z. B. Weidmann durch heftiges Erbrechen und andere Beschwerden zuletzt den Tod der Schwangern herbeigefuͤhrt werden. , welche denn vorzuͤglich durch genaue Beruͤcksich- tigung fruͤher Statt gehabter Ereignisse, erkannt werden koͤnnen. (Besonders verdienen Puerperalfieber, an welchen etwa die Kranke nach fruͤhern Entbindungen gelitten hat, in dieser Hinsicht ausfuͤhrliche Beachtung, indem diese nur gar zu leicht dergleichen Verbildungen zuruͤckzulassen). §. 988. Die Prognose richtet sich theils nach der Heftigkeit des Uebels, theils nach den Ursachen. Das Erbrechen von krankhaft aufgeregter Sensibilitaͤt abhaͤngig, pflegt selten, bevor eine gewisse Periode der Schwangerschast (z. B. die erste Haͤlfte) voruͤber ist, zu verschwinden, ist im Ganzen jedoch weniger gefaͤhrlich in seinen Folgen. Am meisten ist das Erbrechen wobei entzuͤndliche Zustaͤnde zum Grunde liegen, also bey Einklemmungen, bey Plcthora des Pfortadersystems, u. s. w. zu fuͤrchten. Im Allgemeinen droht uͤbrigens jedes Erbrechen von uͤbermaͤßiger Heftigkeit die Ernaͤhrung des Kindes zu stoͤren und Veraulassung zu fehlerhaften Lagen desselben ja zu Fruͤhgeburten zu geben. §. 989. Die Behandlung dieser Zufaͤlle muß zwar vorzuͤglich nach den besondern Ursachen sich richten, doch kann man folgende allgemeine Regeln zunaͤchst bemerken, welche fuͤr alle Faͤlle dieser Art zu beobachten sind: — 1. Man sorge hiebei fuͤr hinlaͤngliche Unterhaltung der natuͤrlichen Darmausleerungen, und man wird dadurch die Neigung zu den antiperistaltischen Bewegungen vermindern. Zu waͤhlen sind hierzu theils oͤftere erweichende Lavements, theils blande Abfuͤhrmittel ( Oleum Ricini, Manna, u. dergl.) Mittelsalze. 2. Man mache vorzuͤg- lich von aͤußerlichen Heilmitteln Gebrauch, und vermeide bei Anordnung der innern Arzneimittel voluminoͤse Dosen, und solche Dinge welche der Kranken vorzuͤglich zuwider sind, indem oft sogar bei dieser Vorsicht die Mittel wieder ausge- brochen werden, immer aber, wenn diese Vorsicht nicht beruͤck- sichtigt wird. 3. Man ordne eine strenge Diaͤt an, wobei alle reitzenden belaͤstigenden Speisen und Getraͤnke vermieden werden muͤssen, und uͤberhaupt nur wenig und selten etwas genossen werden darf. Am ersten wird gewoͤhnlich, wenn gleich in den Fruͤhstunden zu einer Tasse Pfeffermuͤnz- oder Zimmtthee, etwas leichtes Gebaͤck genossen wird, diese Nah- rung von dem Magen zuruͤckbehalten. 4. Sollte endlich die Ernaͤhrung auf dem gewoͤhnlichen Wege ganz unmoͤglich werden, so ist zu naͤhrenden Baͤdern aus Milch, oder Malzdekokt, zu Lavements von Fleischbruͤhe und Eigelb u. s. w. zu schreiten. Indeß kann allerdings der weibliche Koͤrper (worauf schon oben [§. 760.] aufmerksam gemacht worden ist) in dieser Entwickelungsperiode lange, ohne allzusehr abzuzehren, die aͤus- sere Nahrung fast gaͤnzlich entbehren. §. 990. Das uͤbrige Heilverfahren wird nach der verschiedenen Entstehung des Uebels verschieden seyn muͤssen: — Um die krankhaft gesteigerte Sensibilitaͤt herabzustimmen bedient man sich der Emulsionen mit einem Zusatz von einigen Tropfen Tr. thebaica, ferner des Liq. C. C., der Tr. Valerianae, des Extract. Hyoscyami u. s. w. in eiuem Decoct. Rad. Althaeae mit Beimischung eines aromatischen Wassers, aͤußerlich bedient man sich der Einreibungen einer Opiatsalbe, der warmen erweichenden, mit antispasmodischen Mitteln verstaͤrkten Cataplasmen, der lauen Baͤder, des Waschens der Magengegend mit geistigen Mitteln welchen ebenfalls das Laudanum beigemischt werden kann, des Auflegens eines Emplastri aromatici, verstaͤrkt durch Zusaͤtze von Opium, aͤtherischen Oehlen u. s. w. §. 991. Bei entzuͤndlichen oder plethorischen Zustaͤnden hingegen wirken Venaͤsektionen, Ansetzen von Blutigeln in die Magen- gegend, gelind abfuͤhrende Mittelsalze, kuͤhleres Verhalten, Fuß- baͤder u. s. w. sehr wohlthaͤtig. Wirklich bedeutende Obstruk- tionen oder gastrische Zustaͤnde indiciren die Anwendung der staͤrkern ausleerenden Mittel und selbst der Brechmittel. Mecha- nischen Druck des Darmkanals sucht man zu vermindern, indem man fuͤr Zuruͤckhaltung der Bruͤche sorgt, und Schief- lagen des Uterus durch eine zweckmaͤßige Bauchbinde beseitigt. Vorhandene organische Verbildungen endlich lassen fast nie II. Theil. 14 eine radicale Heilung hoffen, und es kann daher hier nur ein den Umstaͤnden angemessenes palliatives Berfahren em- pfohlen werden. §. 992. Weniger bedeutende Stoͤrungen der Verdauungsfunktion sind: 2. Saͤureerzeugung, Sodbrennen, heftige Geluͤste nach ungewoͤhnlichen, oft ganz ungenießbaren Dingen (Malacia, Pica). Auch diesen Symptomen liegen gewoͤhnlich aͤhnliche Ursachen wie dem Uebelseyn und Erbrechen zum Grunde. Der Saͤureerzeugung und dem Sodbrennen gewoͤhnlich gastrische Zustaͤnde, uͤbermaͤßige Gallenabsonderung u. s. w. weßhalb sie ausleerende, und spaͤterhin absorbirende und roborirende Mittel erfordern. Die krankhaften Geluͤste beruhen vorzuͤglich auf Verstimmungen der Sensibilitaͤt, und machen daher die lauen Baͤder, die Einreibungen spirituoͤser mit etwas Laudan vermischter Fluͤssigkeiten in die Magengegend u. s. w. nach Umstaͤnden noͤthig; wesentlich ist uͤbrigens auch hier die Be bachtung einer strengen Diaͤt, Sorge fuͤr Unterhaltung regel- maͤßiger Darmausleerungen, fuͤr hinlaͤngliche Bewegung u. s. w. §. 993. 3. Als krankhafte Zustaͤnde des eigentlichen Darmkanals endlich sind zu erwaͤhnen: die Diarrhoͤen, Verstopfun- gen und Koliken der Schwangern . Alle drei Uebel koͤnnen zwar bei Schwangern eben so wie bei nicht Schwan- gern, aus Indigestionen, Erkaͤltnngen u. s. w. ihren Ursprung nehmen, werden aber zuweilen auch durch die Schwanger- schaft selbst befoͤrdert und veranlaßt. §. 994. An Diarrhoͤen pflegen Schwangere zuweilen vorzuͤg- lich in den fruͤhern Monaten als Folge des ungewohnten Zustandes zu leiden. Der Darmkanal nimmt dann gleichsam mit Antheil an der vermehrten Ausscheidung in den Ge- schlechtsorganen, und treten dann irgend aͤußere Gelegenheits- ursachen, Unvorsichtigkeiten in der Diaͤt, Erkaͤltungen u. s. w. hinzu, so kann das Uebel bis zum Tenesmus, zu schneidenden Schmerzen und Blutabgang gesteigert werden, welches dann auf entzuͤndeten Zustand der Schleimhaut des Dickdarms deutet. In diesem Grade drohen die Zufaͤlle fuͤr den Verlauf der Schwangerschaft selbst Nachtheil, indem leicht Fruͤhgeburten dadurch veranlaßt werden. §. 995. Bei Schwangern welche durch Vollsaftigkeit und Reitz- barkeit eine natuͤrliche Anlage zu solchen Durchfaͤllen haben, muß man aber zuerst durch eingeschraͤnkte Diaͤt, warme Bekleidung der Fuͤße und des Unterleibes, den Ausbruch derselben zu verhuͤten bemuͤht seyn. Ist indeß die Krankheit bereits ausgebildet, so wird sie bei einem geringern Grade durch gelind diaphoretische Mittel, schleimige Getraͤnke, Cataplasmata uͤber den Unterleib, auch wohl (namentlich unter Zeichen gastrischer Unreinigkeiten) durch einige leichte abfuͤh- rende Mittel am zweckmaͤßigsten beseitigt. Staͤrkere Grade der Krankheit erfordern oft: bei entzuͤndlichen Zustaͤnden, kleine Blutentziehungen, oͤhlige Mittel, Lavements von Staͤrkeabko- chung, Epispastica u. s. w. — bei krankhaft erregter Sen- sibilitaͤt, das Opium, auch in Verbindung mit Ipecacuanha und bei atonischen Zustaͤnden, die Zimmt- oder Cascarillen- rinde, seltner die stark adstringirend wirkenden Mittel wie Rad. Columbo. §. 996. Die Verstopfung wird ebenfalls bei Schwangern theils durch die veraͤnderte Stimmung des Darmkanals allein bedingt, (und dieses pflegt namentlich, wenn sie in den fruͤhern Monaten eintritt, der Fall zu seyn) theils ist sie die Folge des vermehrten Druckes vom Uterus (so insbesondere in den letzten Monaten bei tiefliegendem Kopfe des Kindes, oder bei falschen Lagen des Uterus). Auf beide Weise wird sie jedoch um so leichter eintreten je mehr sie durch unzweck- maͤßige Lebensweise, schwerverdauliche Diaͤt, vieles Stillsitzen u. s. w. beguͤnstigt wird. Haͤufig kommt sie in Verbindung mit andern zum Theil schon erwaͤhnten Leiden der Verdauungs- werkzeuge, namentlich mit dem Erbrechen, vor. — Die Zufaͤlle welche anhaltende Verstopfungen in der Schwangerschaft hervorbringen, sind: Beaͤngstigungen auf der Brust, Andrang des Blutes nach dem Kopfe, Fieberbewegungen, Unordnun- gen im Kreislaufe des Pfortadersystems u. s. w. §. 997. Ruͤcksichtlich der Behandlung ist auch hier wieder zunaͤchst auf die zweckmaͤßige Einrichtung der Lebensordnung zu achten, Sparsame mehr vegetabilische Diaͤt, haͤufigere Aufnahme von Getraͤnk, oͤftere Bewegung in freier Luft, reichen daher oft allein hin, dergleichen Zustaͤnde zu beseitigen. Außerdem ist jedoch von abfuͤhrenden Mitteln, von erweichenden Lavements u. s. w. vorzuͤglich dann Gebrauch zu machen, wenn die Ver- stopfung bereits laͤngere Zeit angehalten hat. Als Mittel dieser Art empfehlen sich der Genuß eines Glaßes Seidschuͤtzer Bitterwasser in den Fruͤhstunden, bei nachfolgender maͤßiger Bewegung, das Electuarium lenitivum, das Oleum Rieini und die Verbindung der Flor. sulphuris mit dem Cremor tartari (vorzuͤglich bei Neigung zu Haͤmorrhoiden). Zugleich sucht man besondere einwirkende Ursachen der Verstopfung zu heben, untersagt jedes feste Einschnuͤren des Leibes, und beseitigt falsche Lagen der Gebaͤrmutter entweder durch opera- tive Kunsthuͤlfe (wie bei der spaͤter zu beschreibenden Retro- versio uteri ) oder durch Anlegung einer zweckmaͤßigen Bauch- binde (z. B. bei Schieflagen des Uterus). §. 998. Die Koliken der Schwangern endlich verbinden sich haͤufig mit den vorgenannten Beschwerden und werden zum Theil durch dieselben Ursachen begruͤndet. Besonders werden sie durch abnorme Luftentwickelung in Darmkanale, an und fuͤr sich erhoͤhte Reitzbarkeit, und Druck des schwangern Uterus, besonders bei ungewoͤhnlichen Lagen desselben oder des Kindes, veranlaßt. Sie kommen daher namentlich in der letzten Zeit der Schwangerschaft vor und koͤnnen dann leicht mit eintre- tenden Wehen verwechselt werden (welches jedoch durch genaue Beruͤcksichtigung der oben §. 799. aufgezaͤhlten Kennzeichen der wahren Wehen zu verhuͤten ist), ja selbst, wenn sie sehr heftig sind, (indem die Reitzung des Darmkanals auf den Uterus uͤbertragen wird), die Entstehung wahrer Wehen veranlassen. §. 999. Bei der Behandlung derselben muß wieder theils auf die Constitution der Kranken, theils auf die ursachlichen Verhaͤltnisse Ruͤcksicht genommen werden. Bei vollsaftigen, zu Anhaͤufung des Blutes in dem Pfortadersystem geneigten Personen, wo Erkaͤltungen eingewirkt haben, der Charakter der Krankheiten uͤberhaupt der entzuͤndliche ist, sind allgemeine oder oͤrtliche Blutentziehungen, kuͤhlende, resolvirende, abfuͤh- rende Mittel (z. B. die Emulsio oleoso-salina ) durchaus nothwendig. Sind hingegen die Nerven krankhaft gereitzt und anderweitige Ursachen, als gastrische Unreinigkeiten, Ver- stopfung u. s. w. hinlaͤnglich beruͤcksichtigt und beseitigt, so wirken laue Baͤder, Umschlaͤge, kleine Dosen narkotischer Mittel, Lavements, nach Befinden mit einigen Tropfen Laudanum liq. S., Einreibungen des fluͤchtigen Liniments oder einer Opiatsalbe, Rubefacientia, und Befoͤrderung gelinder Transspi- ration sehr wohlthaͤtig. Blaͤhungsbeschwerden erfordern, wenn sie die Koliken veranlassen, vorzuͤgliche Vermehrung der peri- staltischeu Thaͤtigkeit des Darmkanals durch Einreibungen, Lavements, Infusum menthae pip. u. s. w. — und eben so koͤnnen endlich Koliken durch Wurmreitz, Leber-, Nieren- krankheiten u. s. w. veranlaßt, hier nicht anders, als es uͤber- haupt die Regeln der speciellen Therapie lehren, behandelt werden. 2. Krankhafte Zustaͤnde im Gefaͤßsystem des weiblichen Koͤrpers waͤhrend der Schwangerschaft . §. 1000. Congestionen: Es ist schon bei der physiologischen Geschichte der Schwangerschaft erwaͤhnt worden, wie die bedeutende Umstimmung welche das Gefaͤßsystem im schwan- gern Koͤrper naturgemaͤß erleidet, manche beschwerliche Schwan- gerschaftssymptome herbeifuͤhrt. Auf eine wirklich krankhafte Hoͤhe werden indeß diese Zufaͤlle gesteigert theils durch besondere Disposition, theils durch eigenthuͤmliche reitzende Einfluͤsse. Zu den praͤdisponirenden Momenten gehoͤren allgemeine bereits fruͤher vorhandene Vollbluͤtigkeit, große Erregbarkeit des Ner- vensystems, derjenige Bau des Koͤrpers, wodurch uͤberhaupt Anhaͤufung des Blutes in gewissen Theilen, z. B. im Kopf oder Brust befoͤrdert werden (apoplektischer oder phthisischer Habitus). Als veranlassende Ursachen aber sind zu betrachten reichliche, erhitzende Nahrung, warme Temperatur, sitzende Lebensweise, heftige Gemuͤthsbewegungen, und der Druck des schwangern Uterus auf die Staͤmme der Unterleibsgefaͤße. §. 1001. Prognose. Die Zufaͤlle welche aus dieser Ueberfuͤllung einzelner Zweige des Gefaͤßsystems hervorgehen, sind sehr verschieden und oft fuͤr das Leben der Frucht so wie des muͤtterlichen Koͤrpers gefaͤhrlich. Ruͤcksichtlich der Frucht, so kann leicht die Ernaͤhrung derselben gestoͤrt, und durch eine vom Gefaͤßsystem auf das Nervensystem uͤbertragene Erregung, das zu zeitige Erwachen der Geburtsthaͤtigkeit veranlaßt werden. Was den muͤtterlichen Koͤrper betrifft, so koͤnnen fuͤr diesen Blutungen, Entzuͤndungskrankheiten, Ner- venzufaͤlle, krankhafte Gemuͤthszustaͤnde, Ohnmachten ja apoplektische Anfaͤlle herbeigefuͤhrt werden. §. 1002. Die Behandlung dieser Krankheit des Gefaͤßsystems muß vorzuͤglich auf Entfernung der genannten Veranlassungen, und daher zunaͤchst auf Regulirung der Diaͤt und Lebensweise gerichtet seyn, welches beides voͤllig nach der antiphlogistischen Methode zu ordnen ist. Man untersagt sonach das viele Stillsitzen, so wie das Schlafen in dicken Federbetten, mit niedriger Kopflage und auf dem Ruͤcken liegend (wobei der Druck des Uterus staͤrker einwirkt), und eben so muß alle beengende Kleidung, heiße Zimmerluft, und heftige Ge- muͤthsbewegung sorgfaͤltig vermieden werden. Außerdem werden hier allerdings, bei an und fuͤr sich vollbluͤtigen Subjecten, Blutentziehungen, von Zeit zu Zeit wiederholt, unumgaͤnglich nothwendig, und sind unter solchen Umstaͤnden (namentlich bei uͤberdieß sehr reitzbaren Subjekten) das einzige Mittel die Erhaltung und Austragung der Frucht zu bewirken. §. 1003. Besondere Ruͤcksicht verdient ferner die Sorge fuͤr regel- maͤßige Darmentleerungen, und von Zeit zu Zeit gegebene gelinde Abfuͤhrungen (drastische Mittel wuͤrden die Congestionen nach dem Geschlechtssystem vermehren) durch das Electuarium lenitivum, der Cremor tartari mit den Flor. sulphuris u. s. w. sind deßhalb sehr zu empfehlen. Außerdem sind laue Baͤder, Sorge fuͤr hinlaͤngliche Hautausduͤnstung nuͤtzlich, um die Neigung zu oͤrtlichen Blutanhaͤufungen zu vermindern. — Wirklich entstandene heftige Congestionen, welche durch Schwindel, Kopfschmerz, Engbruͤstigkeit, Ohnmachten u. s. w. sich zu erkennen geben, fordern uͤbrigens dieselbe Behandlung, welche die specielle Therapie auch fuͤr aͤhnliche Zufaͤlle außer der Schwangerschaft vorschreibt. Es sind demnach allgemeine oder oͤrtliche Blutentziehungen, kuͤhlende Umschlaͤge auf den leidenden Theil, ableitende Mittel, als: Fußbaͤder, Senfum- schlaͤge um die Fuͤße, reitzende Lavements, und endlich um nachbleibende Schwaͤchezustaͤude des Nervensystems zu heben, die mehr erregenden Mittel: Valeriana, Moschus, Naphtha u. s. w. angezeigt. — Das gewaltsame Veranlassen und Bewerkstelligen der Entbindung hingegen, moͤchten wir auch fuͤr die gefahrdrohendsten Faͤlle nicht als Universalmittel sondern nur dann, wenn der Zustand als rein durch die Schwanger- schaft selbst bedingt erscheint, als huͤlfreich empfehlen. §. 1004. 2. Blutungen . Wir beruͤcksichtigen hier blos die Blutfluͤsse aus andern als den Geschlechtsorganen. Sie sind saͤmtlich als Produkte eines hoͤhern Grades von Congestion anzusehen und finden deßhalb ihre Ursachen theils in denselben allgemeinen Momenten wie diese’ (s. §. 1000.) theils in oͤrtlichen krankhaften Dispositionen einzelner Organe. Sie erscheinen als Bluthusten, Nasenbluten, Blutbrechen oder Haͤmorrhoiden, und ihre Folgen sind sehr verschieden. Dieje- nigen Blutfluͤsse welche blos von allgemeinen Ursachen z. B. zu reichlicher Diaͤt, sitzender Lebensweise u. s. w. abhaͤngen, oder regelmaͤßig in den ersten Monaten fuͤr die Menstruation vicariirend eintreten, aus weniger bedenklichen Orten sich ergießen (z. B. als Nasenbluten oder Haͤmorrhoiden) pflegen weder das allgemeine Befinden merklich zu stoͤren noch auf die Schwangerschaft selbst einen nachtheiligen Einfluß zu haben; dahingegen, wo bedeutende Organe leiden, und das Bluten oͤfters und in groͤßerer Quantitaͤt wiederkehrt, der Koͤrper im Allgemeinen geschwaͤcht und zu heftigen Blutfluͤssen bei der Geburt disponirt wird, ja die Ernaͤhrung des Kindes selbst leiden muß. §. 1005. Nach diesen Ansichten muß denn auch die Behandlung eingeleitet werden. Minder bedenkliche, aus allgemeinen Ursachen entstandene Blutfluͤsse, duͤrfen nicht ploͤtzlich gehemmt, sondern nur fuͤr den Moment durch Ruhe und leichteres antiphlogistisches Verfahren gemaͤßigt werden, das Wesentliche bleibt es aber nach voruͤbergegangenem Anfalle die Wiederkehr desselben durch das gegen die zum Grunde liegenden Congesti- onen gerichtete Verfahren zu verhuͤten. Bedeutendere Blut- ergießungen machen hier eben so wie außer der Schwanger- schaft, ein passendes, auf Beruhigung des Erethismus im Gefaͤßsystem und Contraktion der blutenden Gefaͤße abzwecken- des Verfahren nothwendig. Es werden sonach, bei Plethora und großer Aufregung im Gefaͤßsystem, Blutentziehungen und der gesammte antiphlogistische Heilapparat, bei Erethismus ohne wahre Plethora, die mineralischen Saͤuren mit Opium, die Alaunmolken, die Fußbaͤder, die trocknen Schroͤpfkoͤpfe und warmen Fomentationen oder Friktionen der Ertremitaͤten , so wie geistige, adstringirende oder kalte Fomentationen auf den leidenden Theil, sich vorzuͤglich huͤlfreich erweisen. Außer- dem aber muß waͤhrend des Anfalls vollkommene Ruhe beobachtet, und es muͤssen irgend einwirkende specifische Ursachen, so wie die oͤrtlichen vielleicht vorhandenen organischen Krank- heiten beruͤcksichtigt werden. §. 1006. 3. Venengeschwuͤlste (Varices.) Schon ist bei der Geschichte der durch Schwangerschaft im weiblichen Koͤrper hervorgebrachten Veraͤnderungen, der Anschwellung der Haut- venen an den Extremitaͤten und an den Geburtstheilen als einer haͤufigen Erscheinung gedacht worden. Man bemerkt dieselben namentlich bei phlegmatischen, schwammigen Koͤrpern, bei welchen das Venensystem im Allgemeinen ein bedeutendes Uebergewicht uͤber das arterielle System zeigt. Sie werden gewoͤhnlich um so verbreiteter und staͤrker gefunden, je meh- rere Geburten vorausgegangen sind. Ihre Lagerung folgt gewoͤhnlich dem Laufe der Vena saphena magna, jedoch so daß sie sich oft bis auf die aͤußern Geburtstheile ja selbst bis in die Bagina fortsetzen und ihre Groͤße variirt von dem Zustande einer bloßen angeschwollenen blau durchscheinenden Vene, bis zum Umfange eines Tauben- ja eines Huͤnereies. §. 1007. Die davon abhaͤngenden Beschwerden sind: Druck, Span- nung, zuweilen stechende Schmerzen und Hinderung des Ge- brauchs der Glieder; am bedenklichsten werden sie jedoch durch heftige selbst lebensgefaͤhrliche Blutungen, welche erfolgen, so- bald der Varix durch einen zufaͤlligen Stoß oder durch son- stige Reitzung verletzt wird; welche Verletzungen auch zu- weilen zu Entstehung boͤsartiger, schwer heilender Geschwuͤre Veranlaßung geben. — Gewoͤhnlich sind diese Geschwuͤlste zu Anfange der Schwangerschaft nur unbedeutend, wachsen aber im Verlanfe derselben immer mehr, und sind dann auch ge- woͤhnlich waͤhrend dieser Zeit auf keine Weise voͤllig zu besei- tigen. Nach der Geburt pflegen sie zusammenzufallen und blos durch blauliche Zeichnungen auf der Haut spaͤterhin noch kenntlich zu bleiben. In einer naͤchstfolgenden Schwangerschaft hingegen kehren sie gewoͤhnlich um so staͤrker zuruͤck. §. 1008. Die Ursachen dieser Anschwellung sind theils disponi- rende theils Gelegenheitsursachen. Zu den ersteren gehoͤrt die §. 1006 bemerkte Constitution, ferner der Consensns der Venen der Unter-Gliedmaaßen mit den Venen des Uterus, und krankhafte Zustaͤnde des Pfortadersystems. Zu den letz- tern muͤssen der Druck des schwangern Uterus auf die Venen- staͤmme des Beckens, langwierige Obstruktionen des Darmka- nals, die Anwendung heftig reitzender Mittel (der Aloë, Sa- bina u. s. w.) welche Cougestionen im Pfortadersystem veran- laßen, Schieflagen des Uterus u. s. w. gerechner werden. §. 1009. Die Behandlung muß nach den specifischen, den jedes- maligen Faͤllen zum Grunde liegenden Ursachen sich richten. Man wendet daher bei allgemeiner Vollsaftigkeit des Koͤrpers und Blut-Anhaͤufungen im Pfortadersystem, ein antiphlogi- stisches Verfahren, ja bei drohender Gefahr des Aufspringens der Venengeschwuͤlste selbst Aderlaͤße mit Nutzen an, giebt einige blande Abfuͤhrungen, sorgt fuͤr hinlaͤngliche Bewegung und kuͤhlende wenig naͤhrende Diaͤt; da hingegen das bloße Einwickeln der Glieder und Zusammenpressen der angeschwol- lenen Adern hier in mehrerer Hinsicht nachtheilig ja gefaͤhr- lich werden koͤnnte. Hartnaͤckige Obstruktionen machen staͤr- kere Abfuͤhrungen, das laͤngere Zeit fortgesetzte Trinken des Bitterwassers u. s. w. nothwendig, Schieflagen des Uterus erfordern eine zweckmaͤßige Leibbinde. §. 1010. Erst nach gehoͤriger Beruͤcksichtigung dieser verschiedenen Ursachen kann mehr gegen die Erschlaffung und Ausdehnung der Venen selbst gewirkt werden. Außerdem daß sonach bei großer Atonie des Koͤrpers uͤberhaupt, staͤrkere innere Heil- mittel, die Anordnung einer kraͤftigen, nahrhaften Diaͤt, und des maͤßigen Genußes eines kraͤftigen Weins, nuͤtzlich werden, kann auch oͤrtlich durch Anlegen einer Binde oder der Schnuͤr- struͤmpfe, durch oͤfteres Waschen der varikoͤsen Geschwuͤlste mit geistigen zusammenziehenden Fluͤßigkeiten (mit rothem Wein, Brantwein, Abkochungen von Absinthium, Ulmenrinde mit Brantwein, mit Spirit. serpilli nebst einem Zusatze der Tr. terrae Catechu ) wenigstens ein groͤßeres Anwachsen der Kno- ten verhuͤtet werden. Haben die Varices ihren Sitz an den Schamtheilen selbst, so laͤßt man eine mit jener Fluͤßigkeit getraͤnkte Compreße durch eine T Binde uͤber dieselben be- festigen. — Alle diese Mittel jedoch, so wie der aͤußere Druck werden immer nur im Beginn des Wachsthums dieser Ge- schwuͤlste recht wohlthaͤtig wirken koͤnnen, spaͤterhin aber die schon entstandenen Geschwuͤlste zu beseitigen nicht im Stande seyn. — Ueberhaupt ist das starke Zusammendruͤcken groͤßerer Geschwuͤlste keineswegs rathsam, da oft gerade dadurch erst das Aufspringen derselben veranlaßt wird. §. 1011. Ist indeß ein solcher Varix trotz angewandter Vorsicht, von selbst oder auch durch aͤußere Gewalt geborsten, so wird, um die Blutung zu stillen, namentlich vom Tamponiren und der Anwendung der Kaͤlte Gebrauch gemacht werden muͤßen. Man laͤßt zu dem Ende Feuerschwamm mit Kolophonium-, oder Alaun- und arabischen Gummi-Pulver bestreut aufdruͤcken, macht kalte Umschlaͤge von Wasser, Essig und Branntwein, ja koͤnnte wohl in Faͤllen besonders heftiger Blutung zu Anlegung des Turnikets genoͤthigt werden (dessen Anwendung man neuerlich selbst zur Verhuͤtung zu großer Ausdehnung dieser Ge- schwuͤlste vorgeschlagen hat, wozu es uns jedoch nicht recht geeignet scheint). 3. Krankhafte Zustaͤnde der Athmungs- und Absonderungswerkzeuge des weiblichen Koͤr- pers waͤhrend der Schwangerschaft . §. 1012. 1. Husten und Asthma . Auch uͤber den wesent- lichen Einfluß welchen die Veraͤnderungen im Geschlechtssystem auf die Athemwerkzeuge aͤußern, ist in dem physiologischen Abschnitte gesprochen worden. Namentlich ist es die ausson- dernde Lungeuthaͤtigkeit welche hierbei vermindert wird, wo- durch denn auch Gelegenheit zu den genannten krankhaften Erscheinungen gegeben werden kann. Wie naͤmlich ebendeß- halb Krankheiten, welche auf krankhaft erhoͤhter Thaͤtigkeit beruhen (als Phthisis) sich in der Schwangerschaft zu min- dern pflegen, so muß andern Theils, wenn die Athmungsthaͤ- tigkeit vielleicht schon an und fuͤr sich durch organische Feh- ler der Brusteingeweide beschraͤnkt war, dieses waͤhrend der Schwangerschaft leicht zu asthmatischen Beschwerden und dergl. Veranlaßung geben. §. 1013. Zu den krankhaften Zustaͤnden der Brusteingeweide nun, welche zu solchen Zufaͤllen in der Schwangerschaft disponiren, gehoͤren Verwachsungen der Lungen mit der Pleura, Tuber- kelu, Brustwassersucht, Erweiterung in den großen Gefaͤßen, Mißbildungen des Thorax uͤberhaupt, krankhafte Zustaͤnde des Herzens und abnorme Reizbarkeit der Nerven der Brust. — Veranlassung zum Ausbruch der Zufaͤlle selbst hingegen wird vorzuͤglich durch alles was Congestionen nach der Brust ver- anlaßen, oder uͤberhaupt die Lungenthaͤtigkeit noch mehr hem- men kann, gegeben. Heftige Gemuͤthsbewegungen also, Diaͤt- fehler und dadurch entstandne Auftreibung des Unterleibes, Ge- nuß erhitzender Getraͤnke, Erkaͤltungen u. s. w. sind es, wo- durch bei der in Folge der Schwangerschaft und fruͤherer krankhaf- ten Zustaͤnde gegebene Disposition, entweder Anhaͤufungen des Blutes in den großen Gefaͤßen, und somit Asthma, welches bis zur Ohnmacht ja bis zur Asphyxie gesteigert werden kann, oder wodurch Congestionen und halbentzuͤndliche Zustaͤnde in den kleinern Gefaͤßen, oder gereitzte Zustaͤnde der Nerven, so- mit aber theils ebenfalls asthmatische Anfaͤlle, vorzuͤglich aber hartnaͤckige Beschwerden von Husten hervorgerufen werden. — §. 1014. Wir haben nun diese Zufaͤlle hier blos in Beziehung auf den Zustand der Schwangerschaft zu betrachten, und da er- giebt sich denn, daß namentlich das Asthma allerdings ein sehr gefaͤhrlicher Zustand genannt werden muͤße, indem bei der an sich so herabgestimmten Oxydation der Blutmasse, eine solche Hemmung der Respiration leicht diese Oxydation bis auf einen Grad vermindern kann, wobei das Leben nicht fortzubestehen vermag, und dadurch Apoplexie oder Erstickung veranlaßt wird. Merkwuͤrdig ist es jedoch hierbei daß, wenn das Uebel auf diesen Grad steigt, gewoͤhnlich die Natur noch ihre letzten Kraͤfte dazu verwendet, um die Geburt zu bewerk- stelligen, daß jedoch der Einfluß dieser gehemmten Respiration der Mutter gewoͤhnlich so bedeutend ist, daß die Oxydation der Saͤfte des Fetus an der Oberflaͤche des Eies nicht fer- ner unterhalten wird, und auch die Frucht folglich meistens abstirbt. §. 1015. Was den Husten betrifft, so ist er bei Schwangern zwar wohl nicht an Gefahr dem Asthma gleichzustellen, dagegen wird auch er auf die Schwangerschaft manche nachtheilige Einwir- kungen aͤußern. Ist er naͤmlich mit bedeutendem Auswurf begleitet, so schwaͤcht oft schon dieser Saͤfteverlust die Ernaͤh- rung des Kindes; vorzuͤglich nachtheilig aber wirken die Er- schuͤtterungen, indem theils dadurch zeitigere Lostrennungen der Placenta, und Fruͤhgeburten, theils falsche Lagen sowohl des Uterus uͤberhaupt als insbesondere des Kindes, veranlaßt wer- den koͤnnen. — Die Zeit der Schwangerschaft uͤbrigens, in welcher wir diese Beschwerden vorzuͤglich beobachten, ist theils der Anfang derselben, wo durch die ploͤtzlich eingetretene Um- stimmung im Koͤrper, zum krampfigen Asthma und Ha- sten Veranlaßung gegeben wird, theils die letzte Zeit dersel- ben, wo durch die am staͤrksten ausgedehnte Bauchhoͤhle der Raum der Brusthoͤhle am meisten verengert wird, und da- durch insbesondere lebensgefaͤhrliche Stockungen der Blutmaße herbeigefuͤhrt werden koͤnnen. §. 1016. Die Behandlung dieser Zufaͤlle muß allerdings haupt- saͤchlich nach den zum Grunde liegenden krankhaften Zustaͤn- den der Respirationsorgane verschieden seyn, und nach den in der speciellen Therapie fuͤr die einzelnen Brustkrankheiten auf- gestellten Regeln (welche hier zu wiederholen nicht der Ort ist) eingerichtet werden, wird aber stets, da viele dieser Krank- heiten waͤhrend der Dauer der Schwangerschaft nicht besei- tigt werden koͤnnen, ja nur zu oft als voͤllig unheilbar be- trachtet werden muͤßen, zum Theil auch palliativ und auf schnelle Linderung gefaͤhrlicher Anfaͤlle gerichtet seyn muͤßen, woruͤber denn hier noch Einiges zu erinuern ist. — Zuvoͤr- derst ist demnach ein Verhalten und eine Diaͤt den solchen Anfaͤllen unterworfenen Schwangern zu verordnen, wodurch alle oben erwaͤhnten Veranlaßungen zu Congestionen nach der Bruft, und heftigen Aufreitzungen des Gefaͤß- und Nerven- systems uͤberhaupt sorgfaͤltigst vermieden werden. Ferner wird bei Disposition zu solchen krankhaften Zustaͤnden stets das Hautorgan besondere Beruͤcksichtigung verdienen, und eine ge- linde Befoͤrderung der Hautausduͤnstung durch waͤrmere Be- deckung, namentlich der Brust selbst, durch Friktionen der Brust mit Flanelltuͤchern u. s. w. eben so nuͤtzlich werden, als bei Neigung zu Anhaͤufung venoͤsen Blutes in den gro- ßen Gefaͤßen der Brust, das Einathmen einer recht reinen an Sauerstoff reichen Luft. §. 1017. Den eingetretenen Anfaͤllen selbst setzen wir zur Linde- rung vorzuͤglich ausleerende, ableitend und beruhigende Mit- tel entgegen. Bei Zufaͤllen durch bedeutende Blutanhaͤufun- gen in den Gefaͤßen der Brust veranlaßt, werden daher all- gemeine oder oͤrtliche Blutentziehungen, Anwendung abfuͤhren- der Mittel, Fußbaͤder, Fomentationen der untern Extremitaͤten mit Flanelltuͤchern in Senffdekokt getaucht, Sinapismen und Vesicantia nothwendig. Zur Verminderung krankhafter Reitz- barkeit der Nerveu der Brusteingeweide, oder Beseitigung krampfhafter Zustaͤnde, werden ferner, außer den erwaͤhnten Ableitungen, demulcirende Getraͤnke, kleine Gaben des Extr. Hyoscyami, des Extr. Lactucae virosae, des Opiums in Verbindung mit Antimonialien, warme Fomentationen, das Rauchen einer halben Pfeife voll Herba Daturae stramon., oder reitzende Einreibungen auf die Brust u. s. w. huͤlfreich. Am schwierigsten wird es gewoͤhnlich seyn bei Ergießungen von Wasser in der Brusthoͤhle Linderung zu verschaffen; auch hier ist jedoch von ableitenden Mitteln und Befoͤrderung der Nie- rensekretion durch Decoct. Baccar. juniperi, durch Tr. Di- gitalis, Squilla, Einreibung diuretischer Linimente u. s. w. am meisten zu erwarten. Es koͤnnen indeß hierbei Faͤlle vorkom- men, wo die Gefahr der Erstickung so nahe tritt, daß, inso- fern sie vorzuͤglich durch die Ausdehnung der Bauchhoͤhle und das stark aufwaͤrts getriebene Diaphragma unterhalten wird, es selbst noͤthig werden kann, den Zeitpunkt der Entbindung zu beschleunigen, welches dann namentlich durch die spaͤter zu beschreibende Operation der kuͤnstlichen Fruͤhgeburt (mittelst Sprengung der Eihaͤute, zu bewerkstelligen seyn moͤchte. §. 1018. 2. Krankhafte Zustaͤnde des Hautorgans . Wir uͤbergehen hier die mancherlei Flecken und kleinern Hautausschlaͤge, welche haͤufige Begleiter der Schwan- gerschaft sind, eine aͤrztliche Behandlung nicht wohl zulaßen, jedoch durch sorgfaͤltige Hautkultur, oͤftere Baͤder, Verhuͤtung oder Beseitigung gastrischer Zustaͤnde u. s. w. vorzuͤglich ver- mindert werden koͤnnen. — Was die Gelbsucht betrifft, so muß sie im Wesentlichen in der Schwangerschaft wie außer derselben behandelt werden und ist namentlich durch Beseiti- gung entzuͤndlicher Zustaͤnde der Leber, der Unordnungen in der Blutbewegung im Pfortadersystem, durch eine streng ge- regelte mehr vegetabilische Diaͤt und durch die Anwendung resolvirender und ausleerender Mittel zu behandeln. §. 1019. Wir kommen ferner zu den krankhaften Anschwel- lungen der Hautflaͤche . Es sind hierbei zu unterschei- den: erstens die bis zu krankhaftem Zustande und Hinderung des gehoͤrigen Gebrauchs der Glieder steigende turgescirende Anschwellung der Haut, welche nicht von ergoßenem Wasser sondern von uͤberwiegender Venositaͤt im Capillargefaͤßsystem und vermehrter Spannung des Zellgewebes unter der Haut abhaͤngig ist, daher vorzuͤglich bei jungen vollbluͤtigen Perso- nen bemerkt wird, und, wenn auch der Zustand in mehrerer Hinsicht hoͤchst beschwerlich werden kann, doch nicht leicht gefahrdrohend werden wird. Die Haut ist hierbei gewoͤhnlich lebhaft roth, elastisch und warm, und die Geschwulst meistens gleichfoͤrmig am Koͤrper und besonders an den Gliedern ver- theilt. §. 1020. Zweitens das eigentliche Oedem (mit welchen man haͤufig jenen Zustand erhoͤhter Turgescenz verwechselt hat) ist Folge wirklicher Wasserergießung in dem Zellgewebe der Haut, es koͤmmt namentlich bei ungesunden, phlegmatischen Koͤrpern, un- ter Einwirkung von feuchter, kalter Luft, schlechter Nahrung, deprimirenden Affekten, so wie bei fruͤhern Unordnungen im Lymphsystem, inneren Wasserergießungen, Druck des tiefliegen- den Uterus u. s. w. vor, nimmt seinen Ursprung meistens von der Gegend der Knoͤchel, erstreckt sich dann laͤngst der Schenkel herauf, nimmt oft vorzuͤglich die aͤußern Scham- theile ein, und kann zuletzt in wahre Anasarca uͤbergehen. Die Prognose ist hierbei stets unguͤnstiger, indem diese An- schwellungen fast nie waͤhrend der Dauer der Schwangerschaft beseitigt werden koͤnnen, und im hohen Grade, als Zeichen oder Verboten beginnender Wasserausscheidungen oft zu asth- matischen Zustaͤnden, convulsivischen Anfaͤllen u. s. w. fuͤhren koͤnnen. Partielle Anschwellungen hingegen, wie die der untern Extremitaͤt und Schamlippen, verlieren sich in den ersten Ta- gen nach der Geburt, unter den Wochenschweißen oft sehr schnell und ohne uͤble Folgen, welches denn uͤbrigens auch bei der durch abnorm erhoͤhten Turgor verursachten gewoͤhnlich der Fall ist. §. 1021. Da die aͤrztliche Behandlung fast nie die voͤllige Besei- tigung solcher Geschwuͤlste, bevor die Schwangerschaft selbst be- endigt worden ist, sich zum Ziel setzen oder wirklich erreichen kann, so wird sie hauptsaͤchlich Verhuͤtung groͤßerer Ausbrei- tung der Anschwellung, und Beseitigung der davon abhaͤngen- den Beschwerden, sich als Endzweck vorzusetzen haben. Bei der turgescirenden Geschwulst erreicht man dieß vorzuͤglich durch sparsamere Diaͤt, ausleerende Mittel, ja selbst Blutent- ziehung, Befoͤrderung der Hautausduͤnstung und Sorge fuͤr hinlaͤngliche Bewegung. §. 1022. Die Behandlung der oͤdematoͤsen Geschwulst hingegen betreffend, so erfordert sie zunaͤchst Entfernung der Gelegen- heitsursachen, als: der feuchten Luft, schlechten Nahrung u. s. w., obwohl eine der wesentlichsten, der Druck des schwan- gern Uterus, nur zuweilen, wenn er von Schieflagen dessel- ben abhaͤngt, durch Tragen einer guten Leibbinde etwas ge- mindert werden kann. Ferner ist die Thaͤtigkeit des Lymph- systems und die Exkretion durch andere Organe zu unter- stuͤtzen, durch Friktionen der geschwollenen Glieder mit durch- raͤuchertem Flanell, wollene Einwickelung, mehr horizontale Lage derselben, waͤrmeres Verhalten im Allgemeinen, so wie durch Anwendung der leichtern diuretischen Mittel (wie des Decoct. Baccar. Iuniperi, Infus. Ononis spinosae), seltner wird man (wegen des Consensus der Harn- und Geschlechts- werkzeuge) von der Digitalis, der Squilla, den diuretischen Linimenten u. s. w. Gebrauch machen duͤrfen. — Sehr hef- II. Theil. 15 tige Geschwulst, namentlich der Schamlippen, kann uͤbrigens zuweilen selbst Scarificationen zur Entleerung des Wassers noͤthig machen, so wie endlich die rosenartigen Entzuͤndungen, welche bei diesen Anschwellungen oͤfters vorkommen, vorzuͤglich warme trockne Fomentationen aus Kraͤuterkissen oder Kraͤuter- pulver auf Hanfwerg, nebst innern die Transpiration vermeh- renden und die Ausleerungen des Darmkanals befoͤrdernden Mitteln, indiciren. §. 1023. 3. Krankhafte Zustaͤnde der Harnwerkzeuge . Diese mit den Geschlechtsorganen, sowohl in anatomischer als physiologischer Hinsicht so nahe verbundenen Organe, welche deßhalb auch im gesunden Zustande immer einige Veraͤnde- rungen durch die Schwangerschaft erleiden, werden zuweilen auch in Folge dieses Zusammenhanges in wahrhafte Krank- heitszustaͤnde versetzt, einmal indem die Harnausleerung sehr erschwert, oder gaͤnzlich gehindert wird ( Strangurie, Dys- urie und Ischurie ), oder indem sie der Willkuͤhr entzogen werden, und fortwaͤhrend Urin abgeht (Enuresis). — Die wesentichen Ursachen dieser verschiedenen Krankheitserscheinun- gen sind jedoch immer dieselben, und ob dadurch Urinverhal- tung oder unwillkuͤhrlicher Urinabgang eintrete, wird nament- lich durch die Gegend der Harnblase welche insbesondere affi- cirt ist, bestimmt. §. 1024. Diese Ursachen sind: 1) Druck des Uterus entweder waͤhrend des tiefern Standes desselben im zweiten Schwan- gerschaftsmonat, oder durch Schieflagen desselben (wie z. B. vorzuͤglich durch die Ruͤckwaͤrtsbeugung), oder durch die tie- fere Senkung der Gebaͤrmutter und des Kindes gegen das Ende der Schwangerschaft. Wirkt dieser Druck insbesondere auf den Blasenhals und die Urethra, so wird Harnverhaltung davon die Folge seyn, wirkt er hingegen mehr auf den Grund oder Koͤrper der Blase, so muß er Unvermoͤgen den Urin zu halten, veranlaßen, beides aber entweder durch den Druck un- mittelbar, oder durch einen vom Druck abhaͤngigen Entzuͤn- dungs- oder krampfhaften Zustand. — Eine 2te Ursache ist der Zustand der Laͤhmung, welcher, sobald er den Blasenhals betrifft, das Unvermoͤgen den Harn zu halten, wenn er die austreibenden Muskelfasern befaͤllt, die Ischurie hervorbringt. 3) Der Entzuͤndungszustand zu welchem sich gewoͤhnlich krampf- hafte Zusammenziehungen gesellen, und welcher, wenn er im Blasengrunde Statt findet, tropfenweisen unwillkuͤhrlichen Harn- abgang, wenn davon der Blasenhals leidet, Harnstrenge oder Ichurie zur Folge haben wird. §. 1025. Die entferntern Ursachen der Laͤhmung der Muskelfasern der Blase koͤnnen seyn: Schleimfluͤße oder Verletzungen, voraus- gegangene Entzuͤndung, langwieriger Druck durch den schwan- gern Uterus u. s. w. — Entferntere Ursachen des entzuͤnd- lichen Zustandes koͤnnen seyn: die durch die Schwangerschaft veraͤnderte Qualitaͤt des Urins, der Druck des Uterus und des Kindes, eine vielleicht fruͤher bereits vorhandene abnorm erhoͤhte Reitzbarkeit der Harnwerkzeuge, welche durch die con- sensuelle, vom Geschlechtssystem uͤbertragene Erregung bis zur Entzuͤndung gesteigert wird, langes willkuͤhrliches Verhalten des Urins, Geschlechtsreitz, erhitzende Speisen, Getraͤnke, oder Arzneimittel u. s. w. — §. 1026. Die Prognose ist bei diesen Krankheitszustaͤnden in so- fern unguͤnstig, als auch bei ihnen oft die voͤllige Heilung waͤhrend der Dauer der Schwangerschaft, oder zum wenigsten waͤhrend der Dauer einer gewißen Periode derselben nicht ge- lingt. Anderntheils sind auch mehrere dieser Zustaͤnde nicht ohne Gefahr, indem die Ischurie entweder, wenn sie von Entzuͤndung abhaͤngt, selbst zur Gebaͤrmutterentzuͤndung Ver- anlaßung geben, oder in den fruͤhern Monaten zur Zuruͤck- beugung der Gebaͤrmutter fuͤhren kann. §. 1027. Bei der Behandlung muß man, um sie gruͤndlich ein- zuleiten, auf Beseitigung der wesentlichen Ursachen vorzuͤglich Ruͤcksicht nehmen, Schieflagen des Uterus durch Leibbinden mindern, bei sehr tiefliegendem Kindeskopfe die Kranke mehr in horizontaler Lage laßen, (wo denn oft diese Uebel fast gar nicht gefuͤhlt werden), uͤberhaupt jede anstrengende Bewegung untersagen; bei qualitativ veraͤndertem Urin, eine leichte kuͤh- lende Diaͤt, verduͤnnende Getraͤnke oder einige Abfuͤhrungen anwenden, und uͤberhaupt vor Erkaͤltungen und haͤufigem Ge- schlechtsreitz alle Personen, welche zu diesen Krankheitszustaͤn- den sich hinneigen, warnen und sie erinnern, die Willkuͤhr selbst zur Minderung oder Verhuͤtung der Krankheit aufzuru- fen, durch Vermeidung zu langen Zuruͤckhaltens des Urins u. s. w. §. 1028. Wirklicher Entzuͤndungszustand der Harnwege welcher sich durch Schmerz, Fieber u. s. w. charakterisirte, macht uͤbrigens in, wie außer der Schwangerschaft, oͤrtliche oder allgemeine Blutent- ziehungen, erweichende narkotische Fomentationen, laue Baͤder, Abfuͤhrungen, Emulsionen, Calomel, Nitrum, ableitende Mit- tel, Befoͤrderung der Hautthaͤtigkeit, Beruͤcksichtignng des Fie- bercharakters u. s. w. noͤthig. — Atonie der Harnblasenmus- keln, welche durch Schlaffheit, geringe Temperatur, Unem- pfindlichkeit, hinreichend bezeichnet wird, fordert den robori- renden Heilplan, die Anwendung von bittern Extrakten mit aromatischen Waͤssern, dem Decoct. uvae ursi, dem Decoct. corticis peruviani, den maͤßigen Genuß eines kraͤftigen alten Weins, das Waschen der Geburtstheile mit kaltem Wasser, kuͤhle oder eisenhaltige Baͤder, geistige oder reitzende Einrei- bungen, oder Auflegen des Emplastr. aromat. auf die regio hypogastrica oder offis sacri. Seltner darf man, wegen der Ruͤcksicht auf den Schwangerschaftsprozeß die staͤrkern Reitzmit- tel, als Vesicatoria, Elektricitaͤt, innerlich Tr. cantharidum u. s. w. anwenden. §. 1029. Außerdem fordern diese Zustaͤnde auch je nachdem sie als Ischuria oder Incontinentia urinae erscheinen, ein ver- schiedenes palliatives Verfahren. Bei der Harnverhaltung naͤmlich ist die von Zeit zu Zeit durch Einbringen des Ka- theters veranstaltete Entleerung der Harnblase unentbehrlich, welche indeß namentlich bei Entzuͤndungszustaͤnden so wie bei der durch Druck des Kopfs verengerten Urethra, mit besonde- rer Vorsicht zu unternehmen ist, wobei das Bestreichen des Ka- theters mit dem Oleo hyoscyami oder einer Opiatsalbe zu empfehlen ist. Was das Unvermoͤgen den Harn zuruͤckzuhal- ten betrifft, so erfordert es, wenn es laͤngere Zeit fortdauert, oder uͤberhaupt fuͤr die Dauer der Schwangerschaft nicht zu heben ist, eine Vorrichtung um den abfließenden Harn aufzu- fangen, und den urinoͤsen Geruch, die stete Verunreinigung, die Excoriationen der aͤußern Geschlechtstheile und der innern Flaͤche der Schenkel zu vermindern, oder wo moͤglich ganz zu beseitigen. Zu diesem Entzweck dient aber theils ein etwas großer, in die Mutterscheide gelegter Schwamm, welcher die Urethra comprimirt, theils das Tragen eines Urinhalters (Harnrecipienten) deren man mehrere erfunden hat, welche jedoch meistens ihren Zweck nur zum Theil erfuͤllen, leicht nachtheiligen Druck auf die Geburtstheile verursachen, im Sitzen hinderlich werden u. s w. Am meisten moͤchte noch der von Winter A. Winter Beschreibung eines Harnrecipienten fuͤr Frauen. Hei- delberg 1817. bekannt gemachte seinem Entzwecke ent- sprechen. 4. Krankhafte Zustaͤnde des weiblichen Koͤrpers waͤhrend der Schwangerschaft, welche sich namentlich durch Stoͤrungen der Empfin- dungs- und Bewegungsthaͤtigkeit aͤußern . §. 1030. 1. Oertliche Schmerzen . Sie aͤußern sich bei Schwangern vorzuͤglich als Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Ohrenzwang, Kreuzschmerzen und Gliederschmerzen, sie sind meistentheils Symptome von Stoͤrungen anderer Systeme des Koͤrpers und nur selten durch idiopathische Affektionen des Nervensystems begruͤndet. So beruhen oft Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Kreuzschmerzen meistentheils auf Congestionen nach , oder entzuͤndlichen Zustaͤnden in den leidenden Theilen, obwohl man nicht uͤbersehen muß, daß in der Schwanger- schaft, wie in einer jeden Entwicklungsperiode, die Reitzbar- keit des Nervensystems gewoͤhnlich auch an und fuͤr sich ge- steigert ist. Sie beruhen ferner haͤufig auf einem bereits fruͤ- her vorhanden gewesenen krankhaften Zustand des leidenden Theils. So entstehen Zahnschmerzen vorzuͤglich bei fruͤher vorhandenen carioͤsen Zaͤhnen, Kreuzschmerzen bei Haͤmorrhoi- daldisposition, indem sich dann Anhaͤufungen des Blutes in den Haͤmorrhoidalgefaͤßen und wohl selbst in den Venen des Wirbelkanals bilden. Mitunter werden indeß diese Schmerzen auch durch den Druck des Uterus auf Nervenstaͤmme selbst erzeugt, so bei Schieflagen, vorzuͤglich bei der Zuruͤckbeugung des schwangern Uterus, oder bei sehr tiefliegendem Kindeskopf, wodurch denn Lenden- Kreuz- und Schenkelschmerzen eben so, wie bei falschen Lagen des Kindes und der davon abhaͤngigen ungewoͤhnlichen, mehr quer gerichteten Ausdehnung des Ute- rus, oft oͤrtliche Schmerzen im Unterleibe bemerkt werden. §. 1031 Auf diese verschiedene Entstehungsweise solcher Schmer- zen ist demnach auch vorzuͤglich Ruͤcksicht zu nehmen, wenn es die Aufgabe des Arztes wird, aͤhnliche Beschwerden der Schwan- gerschaft zu mindern. Kreuzschmerzen von Haͤmorrhoidalcon- gestionen abhaͤngig, werden gewoͤhnlich nur durch antiphlogisti- sches Verfahren, oͤrtliche Blutentziehungen, leichte Abfuͤhrun- gen aus den Flor. sulphuris und Cremor tartari, hinlaͤng- liche Koͤrperbewegung u. s. w. gemindert; haͤngen sie dagegen von Druck des Uterus und Nervenreitz ab, so werden sie durch Herstellung einer regelmaͤßigern Lage, durch Waschen der Kreuz- beiugegend mit geistigen Mitteln, durch Auflegen des Em- plastr. aromatici u. s. w. gehoben werden koͤnnen. — Eben so haͤngen Kopf- und Zahnschmerzen meistentheils von krank- haften Aufregungen des Gefaͤßsystems ab, und werden daher durch ein antiphlogistisches Verfahren gleichfalls am leichtesten gehoben, wobei jedoch besondere Einfluͤße z. B. Rheumatismen nicht zu uͤbersehen, und ihrer Natur nach zu behandeln sind. §. 1032. 2. Ohnmachten . Sie sind bekanntlich in geringerem Grade ein gewoͤhnliches Symptom der Schwangerschaft und dann ohne alle nachtheiligen Folgen, zuweilen erscheinen sie aber auch in hoͤhern und gefaͤhrlichern Graden, ja gehen in Asphyrie und Apoplexie uͤber. Ihre Entstehung wird entwe- der durch abnorm gesteigerte Reitzbarkeit des Nervensystems, oder durch Hinderniße und Hemmungen des Kreislaufs in den Lungen, so wie durch heftige Congestionen gegen die Gefaͤße des Gehirns begruͤndet. §. 1033. Ist die Ohnmacht mehr durch unmittelbares Leiden des Nervensystems bedingt, so geht sie gewoͤhnlich bald voruͤber, der Puls ist dabei klein, unordentlich, die Gesichtsfarbe blaß, die Temperatur gesunken. Die Personen bei welchen diese Ohnmachten vorkommen, sind in der Regel von schwaͤchlicher reitzbarer Constitution, und die Einfluͤße wodurch sie herbeige- fuͤhrt werden, sind von der Art, daß sie das Nervensystem vorzuͤglich afficiren, als: starke Geruͤche, aͤngstliche gewitter- hafte Luft, Gemuͤthsbewegungen, erhitzende Speisen oder Ge- traͤnke, der Coitus, anstrengende Bewegungen, Flechten oder Kaͤmmen der Haare. Ferner sind diese Ohnmachten zuweilen auch bloße Folgen einer großen Schwaͤche, z. B. nach Blu- tungen oder andern erschoͤpfenden Krankheiten, wie des anhal- tenden Erbrechens oder Durchfalls; oder sie entstehen durch die in Folge der Schwangerschaft selbst eintretenden Veraͤnde- rungen, z. B. durch Senkung der Gebaͤrmutter, erwachende Kindesbewegungen u. s. w. veranlaßt; ja es kann hierbei eine hoͤhere Aufregung der Lebensthaͤtigkeit im Geschlechtssy- stem wohl an und fuͤr sich, antagonistisch, das Sinken der Lebensthaͤtigkeit im Cerebralsystem zur Folge haben. Endlich wirken hierauf auch ganz vorzuͤglich Reitzungen des Gang- liensystems bey krankhaften Zustaͤnden des Darmkanals, als: Indigestionen, Blaͤhungsbeschwerden, Obstruktionen, einengende den Unterleib vorzuͤglich druͤckende Kleidung u. s. w. §. 1034. Ohnmachten von Congestionen nach dem Gehirn, oder Hinderung im kleinen Kreislaufe abhaͤngig, kommen hingegen mehr bei starken plethorischen Koͤrpern vor. Diese Ohnmach- ten vorzuͤglich sind gewoͤhnlich sehr tief und anhaltend, der Puls stockt entweder ganz oder ist voll, hart, unordentlich; das Gesicht ist, wenn Congestionen nach dem Kopfe die Ur- sache sind, stark geroͤthet, bei Stockungen des kleinen Kreis- laufs hingegen oft blaß und leichenaͤhnlich, das Athemholen gewoͤhnlich erschwert, schnarchend, roͤchelnd, das Bewußtseyn ist auch bei diesen Ohnmachten, wie bei den im vorigen §. beschriebenen, oft verschwunden, allein nicht immer; da man Faͤlle kennt wo Personen selbst im Zustande des vollkommen- sten Scheintodtes noch alles wußten was um sie her vorging, ohne indeß die Kraft zu haben dieses Bewußtseyn nur durch die mindeste Reaktion zu offenbaren. — Die aͤußern Ver- anlaßungen koͤnnen uͤbrigens bei erwaͤhnter Constitution die- selben seyn, welche wir im vorigen §. erwaͤhnt haben, als Gemuͤthsbewegungen, Erhitzungen, Diaͤtfehler u. s. w. Als innere Veranlaßung ist namentlich der Druck des schwan- gern Uterus auf die Gefaͤße des Beckens zu erwaͤhnen. §. 1035. Die Prognose ist bei den leichtern, von Erschoͤpfung des Nervensystems abhaͤngigen Ohnmachten nicht unguͤnstig, da in diesen Zustaͤnden vollkommner Ruhe, oft die Lebenskraft recht eigentlich sich zu sammeln, und der Koͤrper sich von neuem zu erholen scheint. Gefahrdrohend hingegen sind die von Ue- berfuͤllung der großen Gefaͤße abhaͤngigen gelaͤhmten Zustaͤnde des animalen Lebens, theils weil sie durch voͤllige Lungen- und Hirn-Laͤhmung den Tod der Schwangern selbst, oder doch den Tod des Kindes herbeifuͤhren koͤnnen. §. 1036. Da die Krankheit blos in einzelnen Anfaͤllen erscheint, so muß die wichtigste Behandlung außer den Anfaͤllen Statt finden und auf Verhuͤtung derselben gerichtet seyn. Das Erste wird es demnach seyn, alle die genannten aͤußern Einfluͤße welche die Eutstehung der Anfaͤlle beguͤnstigen, sorg- faͤltig vermeiden zu laßen, und ferner die Disposition zu diesen Anfaͤllen durch zweckdienliche Mittel zu vermindern. Schwaͤche und krankhaft erhoͤhte Sensibilitaͤt fordern demnach tonische Mittel, den Gebrauch lauwarmer staͤrkender Baͤder, angemes- sene Bewegung in freier Luft und leichtverdauliche nahrhafte Diaͤt, nebst dem maͤßigen Genuße des Rheinweins. — Große Vollbluͤtigkeit macht Blutentziehungen, Abfuͤhrungen, antiphlo- gistische Diaͤt, kuͤhles Verhalten, saͤuerliche Getraͤnke u. s. w. noͤthig. — Den Druck des Uterus sucht man durch eine gute Leibbinde zu mindern, und behandelt uͤbrigens sonstige krank- hafte Zustaͤnde der Verdauungswerkzeuge (als Verstopfungen, Blaͤhungsbeschwerden u. s. w.) ihrer Natur gemaͤß. §. 1037. Die wirklich eingetretene Ohnmacht fordert in unbedenk- lichen Faͤllen blos Ruhe, Loͤsen aller beengenden Kleidungs- stuͤcke, gerade mit Kopf und Brust maͤßig erhoͤhte Lage, und Entfernung aller etwa noch einwirkender und die Ohnmacht unterhaltender Einfluͤße, als: starker Geruͤche, heißer Zimmer- luft u. s. w. — Uebrigens eile man hier nicht zu sehr mit der Anwendung der sogenannten belebenden Mittel, da an und fuͤr sich solche leichtere, von Erschoͤpfung des Nervensystems abhaͤngige Ohnmachten nicht lange anzuhalten pflegen, und durch uͤbereilte Unterbrechung derselben oft, indem der Natur die Zeit einer ihr nothwendigen vollkommenen Ruhe gestoͤrt wird, nachtheilig gewirkt werden muß. §. 1038. Tiefere Ohnmachten welche in wahre Asphyrie oder Apo- plexie uͤberzugehen drohen, fordern, nebst dem im Eingange des vorigen §. erwaͤhnten Verfahren, da sie vorzuͤglich vom Gefaͤßsystem aus bedingt werden, Blutentziehungen , und außerdem die Anwendung fluͤchtig erregender Mittel; dahin gehoͤrt das Besprengen mit Eau de Cologne, Lavements aus Melissen-Aufguß mit etwas Wein, Essig, oder Liq. C. C., Frictioneu, Riechmittel, Bestreichen der Schlaͤfe mit Naph- the u. s. w. — Zugleich wird es in diesen Faͤllen unum- gaͤnglich nothwendig, die innere geburtshuͤlfliche Untersuchung vorzunehmen, da nicht allzuselten unter solchen Ohnmachten die Natur die Austreibung des Kindes vorbereitet oder be- ginnt, oder auch wohl Blutungen eingetreten seyn koͤnnen, welche Faͤlle dann die Behandlung, von welcher bei Betrach- tung der Faͤlle abnormer Geburten die Rede seyn wird, noͤ- thig machen. §. 1039. Bey wahrer Asphyxie endlich, ist oft schwer auszumit- teln wo die Graͤnze zwischen Scheintod und wirklichem Tode sey, indeß, eben die Beruͤcksichtigung der nicht seltnen Faͤlle wo bei Schwangern der Zustand des tiefsten Scheintodes mehrere Tage lang angehalten hatte, muß den Arzt dazu noͤthigen, theils die Versuche zur Wiederbelebung lange Zeit fortzusetzen, theils nie eher zu gestatten daß der Koͤrper als Leichnam behandelt und beerdigt werde, bevor nicht durch ein- getretene Spuren der Faͤulniß der Tod auf das Vollkom- menste erwiesen sey. §. 1040. Der Eintritt des wirklichen Todes wuͤrde uͤbrigens, in jedem Falle wo das Kind bereits als fuͤr sich lebensfaͤhig be- trachtet werden kann, (also nach der 28. Woche der Schwan- gerschaft), noch die baldige Sorge fuͤr die Rettung des Kin- des dem Arzte zur Pflicht machen. Es sind hierzu zwei Wege vorhanden, theils der Kaiserschnitt, theils die gewalt- same Entbindung ( Accouchement forcé ). Der erstere ist allerdings die Operation, welche allein mit guter Zuversicht als Rettungsmittel fuͤr das Kind empfohlen werden darf, al- lein auch in Faͤllen wo der Tod der Mutter noch nicht mit voͤlliger Gewißheit zu erkennen ist, diesen erst veranlaßen koͤnnte. Bleibt daher noch ein Zweifel dieser Art uͤbrig, so ist es wohl zweckmaͤßig nach Creve’s Vorschlag C. Casp. Creve vom Metallreitz. Leipzig 1796. 8. nach ei- nem gemachten kleinen Einschnitt an einer Muskelpartie den galvanischen Reitz als Pruͤfungsmittel anzuwenden, und nur wenn diese Reitzung kein Zucken mehr hervorbringt, zu dieser Operation zu schreiten. — Die gewaltsame Entbindung auf dem natuͤrlichen Wege ist hoͤchstens in solchen Faͤllen, wo der Muttermund schon sehr aufgelockert und eroͤffnet ist, rathsam, und wird selbst in diesen Faͤllen, da das Kind ohne alle Mit- wirkung des Uterus durch die Geburtstheile und das Becken hindurch gezogen werden muͤßte, leicht das etwa noch vorhan- dene Leben des Kindes zerstoͤren. §. 1041. 3. Convulsionen . Es ist dieses eine Krankheit welche mit den in den vorigen §§. abgehandelten Ohnmachten, in Hinsicht ihrer Entstehung, ihrer Folgen und ihrer Behandlung Vieles gemein hat. — Wie jene, treten sie oft ploͤtzlich ein, und ohne durch gewiße Vorboten angekuͤndigt zu werden; in andern Faͤllen hingegen gehen ihnen mehrere Zeichen, welche als Verstimmungen des Gefaͤßsystems oder Nervensystems sich darstellen, voraus. Hierher gehoͤren Kopfschmerzen, Schwindel, Beaͤngstigung, Ziehen im Ruͤcken, Schauer, unordentlicher Puls, Truͤbsinn u. s. w. — Die ausbrechenden Convulsionen selbst sind gewoͤhnlich aͤußerst heftig und zeigen meistens abwechselnd fast alle Arten von Kraͤmpfen; das Gesicht wird dabei auf- getrieben, verzerrt, roth und blaulich, die Zaͤhne knirschen, Schaum tritt vor den Mund, Schweiß bricht aus, Auslee- rung des Stuhlganges und des Urins erfolgt oft unwillkuͤhr- lich, und das Bewußtseyn ist entweder selbst voͤllig erloschen, oder es ist doch der Kranken die Willkuͤhr geraubt ihre Vor- stellungen durch aͤußere Kennzeichen kund zu machen. §. 1042. Die Dauer dieser Anfaͤlle, welche uͤbrigens oft eben so wie die Ohnmachten ohne vorausgegangene Vorboten, auch ohne alle besondere Veranlaßungen eintreten, betraͤgt gewoͤhnlich nicht uͤber 5 bis 10 Minuten, sehr selten uͤber eine Viertelstunde, worauf dann eine Periode tiefer Abspannung, Gefuͤhl von Zerschlagenheit aller Glieder, Kopfschmerz, oder auch wohl soporoͤser Zustand und Ohnmacht eintritt. In diesem Zustande verweilen die Kranken wieder eine Viertel- oder Halbestunde, selten laͤngere Zeit, und alsdann tritt ein erneuter Anfall der Zuckungen ein, welcher nach einiger Zeit wieder einer Periode von Ruhe Platz macht, unter welchem Wechsel von Erscheinungen dann ent- weder die Krankheit sich bald gaͤnzlich hebt, in einem Falle ein bloßes Gefuͤhl von großer Ermattung zuruͤcklaßend, in andern Faͤllen in Folgekrankheiten uͤbergehend, oder, welches leider bei dieser boͤsartigen Krankheit oͤfters der Fall ist, durch Tod sich endigt. §. 1043. Als naͤchste und wesentliche Ursache jedes Krampfs ist nun zwar vorzuͤglich die regelwidrige und willkuͤhrlose durch Verstimmungen des Nerven- oder Gefaͤßsystems herbeigefuͤhrte Contraktion der Muskularsubstanz zu betrachten, hier bleibt jedoch noch eine naͤhere Entwicklung der Entstehungsweise der hier beschriebenen allgemeinen Zuckungen zu geben uͤbrig. — Vorzuͤgliche Beruͤcksichtigung verdient aber hierbei das nervoͤse Centrum der Bewegkraft, naͤmlich das Ruͤckenmark und das als Ganglion desselben zu betrachtende kleine Gehirn. Nun zeigen aber physiologische Experimente daß wir im thierischen Koͤrper Zuckungen vorzuͤglich auf zweierlei Weise hervorrufen koͤnnen, naͤmlich durch einen Druck auf die Hirnsubstanz oder durch große Erschoͤpfung der Lebenskraft uͤberhaupt z. B. durch Blutverlust oder nach Ueberreitzung und uͤbermaͤßiger Anstrengung. Beides wirkt in sofern gleich, als es bei Schwaͤchung der Centralorgane den peripherischen Gebilden ein unverhaͤltniß- maͤßiges Uebergewicht zutheilt. §. 1044. Beruͤcksichtigung dieser Gruͤnde laͤßt es nun alsbald klar erkennen, daß auch die auf solche innere krankhafte Weise ent- stehenden Zuckungen, durch aͤhnliche zwei Grund-Ursachen be- dingt werden koͤnnen, naͤmlich 1) durch Druck auf das Gehirn von uͤberfuͤllten Gefaͤßen, oder selbst von ausgetretenen Fluͤßigkeiten, 2) durch unmittelbare Erschoͤpfung der Centralorgane des Nervensystems . Beide wesentliche Ursachen werden durch verschiedene praͤdisponirende und Ge- legenheitsursachen bedingt. — Der ersteren Entstehungsweise nach, welche in aller Hinsicht die gefahrdrohendste, zugleich aber auch die haͤufigere ist, erfolgen die Convulsionen bei ple- thorischen Subjekten von kurzem gedrungenem Koͤrperbau, bei organischen Fehlern des Gehirns, Verdickungen der Schaͤdel- knochen, und besonders bei krankhaften Zustaͤnden der Brust- eingeweide, als wodurch ganz vorzuͤglich solche Blutanhaͤufun- gen in den Gefaͤßen des Gehirns veranlaßt werden. Zu die- sen Brustkrankheiten, welche sich auch haͤufig bei Sektionen zu erkennen gaben, gehoͤren urspruͤngliche Bildungsfehler, oder spaͤter entstandene organische Fehler des Herzens, Verbildun- gen in den großen Gefaͤßen, Brustwassersucht, Verwachsungen, Tuberkeln u. s. w. — Endlich koͤnnen diese Congestionen nach dem Gehirn auch von krankhaften Zustaͤnden der Unter- leibseingeweide, und Stoͤrungen im Pfortadersysteme, wobei auch auf den Druck des schwangern Uterus Ruͤcksicht zu neh- men ist, vorbereitet werden. Anmerkung . Ich glaube durch einige Beobachtungen mich berechtigt, auch eine zuweilen Statt findende erb- liche Familienanlage anzunehmen, welche Dispo- sition alsdann, theils waͤhrend der Schwangerschaft, theils waͤhrend der Geburt, die Entstehung solcher Zu- faͤlle, unter Mitwirkung einer aͤußeren Veranlassung, leicht bedingen kann. §. 1045. Aeußere Einfluͤße koͤnnen ferner den Ausbruch der Krank- heit (welcher uͤbrigens haͤufig auch durch die genannten innern Momente allein herbeigefuͤhrt wird) beschleunigen. Dahin sind zu rechnen: erhitzende Getraͤnke, heiße Temperatur, Schlafe in zu warmen Federbetten, Indigestionen, Erkaͤltungen der untern Extremitaͤten u. s. w. — §. 1046. Die Convulsionen von idiopathischen Nervenleiden be- dingt hingegen, sind mehr schwaͤchlichen hysterischen Subjekten welche auch fruͤher schon an Kraͤmpfen oder wohl selbst an Epilepsie gelitten haben, eigenthuͤmlich, und die Ausbruͤche der- selben werden durch deprimirende Affekte, Ueberreitzungen des Nervensystems aller Art, Saͤfteverlust u. s. w. herbeigefuͤhrt. §. 1047. Die Prognose ist wie sich schon aus der Schilderung des gewoͤhnlichen Verlaufs der Anfaͤlle ergiebt, im Allgemei- nen aͤußerst unguͤnstig zu nennen, und, wie auch Boer be- merkt, in Faͤllen, wo das Uebel nicht etwa ein habituelles Leiden, oder offenbar von irgend einer aͤußern Einwirkung auf das Nervensystem bedingt ist, nur zu haͤufig toͤdlich. Vor- zuͤglich gilt dieß von den durch heftige Congestionen bedingten Convulsionen, welche durch Blutergießungen, oder durch die auch ohne diese erfolgende gaͤnzliche Hirnlaͤhmung, den Tod nach sich ziehen, oder bedeutende Folgekrankheiten, namentlich Stoͤ- rungen der geistigen Thaͤtigkeit, Wahnsinn, Melancholie u. s. w. zuruͤcklaßen, wie schon Hr. v. Siebold bemerkt, und auch ich mehreremale beobachtet habe. — Uebrigens wirken diese Anfaͤlle auch nicht allein auf die Mutter, sondern eben so sehr auf das Kind nachtheilig, und gemeiniglich stirbt unter heftigen Convulsionen die Frucht ab, oder es werden selbst durch die heftigen mechanischen Erschuͤtterungen, Lostrennun- gen der Placenta, heftige Blutungen, Fruͤhgeburten, ja selbst Zerreißungen des Uterus herbeigefuͤhrt. Im Speciellen ist endlich noch die Prognose nach der groͤßern oder geringern Heftigkeit der Anfaͤlle, und nach dem Zeitpunkte in welchem die aͤrztliche Huͤlfe herbeigerufen wird (da bei dem hoͤchst acu- ten Verlaufe der Krankheit die Huͤlfe oft zu spaͤt kommen kann) zu bestimmen. §. 1048. Die Behandlung hat hier im Allgemeinen folgende Regeln genau zu beachten: 1) daß man, wie schon Boër Versuche und Abhandlungen. 3. Thl. S. 195. anempfiehlt, jedem Anfalle einen gewißen Spielraum laße, die Kranke zwar durch maͤßiges Halten fuͤr Schaden huͤte, aber sie nicht zu gewaltsam einzwaͤnge, um durch voͤllige Hinderung der Gliederbewegung, nicht innere Kraͤmpfe und Laͤhmungen zu befoͤrdern. — 2) Daß man vorzuͤglich auf Anwendung aͤußerlicher Heilmittel sein Augenmerk richte, zu innerlichen Heilmitteln aber, welche hier oft so aͤußerst schwer der Kranken beizubringen sind, nur kleine Gaben solcher Arz- neistoffe waͤhle, welche schon in dieser Gabe schnelle und kraͤf- tige Wirkung herbeifuͤhren koͤnnen. — 3) Daß man die Ge- burtshuͤlfliche innere Untersuchung anzustellen nicht unterlaße, um sich von der vielleicht beginnenden Geburtsthaͤtigkeit zu vergewißern. §. 1049. Die speciellen Regeln fuͤr einzelne Faͤlle hingegen wer- den sich nach den ursachlichen Bedingungen der Zufalle rich- ten. Bei den durch Ueberfuͤllung der Hirngefaͤße bedingten Convulsionen daher, welche durch den vollen, harten frequen- ten Puls, durch erhoͤhte Temperatur, dunkelrothe Gesichts- farbe, Kopfschmerzen, Sopor waͤhrend der Intermißionen, so wie durch die gesammte Constitution und die einwirkenden Gelegenheitsursachen sich charakterisiren, sind starke allgemeine, und noͤthigenfalls zugleich oder spaͤterhin, oͤrtliche Blutentzie- hungen, eines der entschiedensten Mittel um die drohende Ge- fahr abzuwenden, wie mir dieß eine Reihe von Faͤllen dieser Art bewiesen hat. Naͤchst diesen Blutentleerungen sind vor- zuͤglich alle Mittel welche die Anhaͤufungen des Blutes in den Hirngefaͤßen, direkt, durch vermehrte Contraktion, und in- direkt, durch vermehrten Zudrang zu andern Theilen, hindern koͤnnen, wichtig. Es gehoͤren dahin die kalten Fomentatio- nen uͤber den Kopf, die Einwickelung der Fuͤße in Flanelltuͤ- cher mit Senfabkochung getraͤnkt, das Auflegen von Sinapies- men an die Waden, von Vesikatorien im Nacken, die reitzen- den Klystire, und innerlich die staͤrkern Gaben von Calomel und Nitrum. §. 1050. Werden dagegen nach Beseitigung dieser Congestionen noch andauernde Zuckungen oder andere koͤrperliche oder gei- stige Krankheitszustaͤnde, aus Ursache einer zuruͤckgebliebenen Verstimmung des Nervensystems bemerkt, so sind dann vor- zuͤglich die mehr auf das Nervensystem wirkenden Mittel, um das Mißverhaͤltniß zwischen peripherischer und centraler Sen- sibilitaͤt zu beseitigen, angezeigt. Es gehoͤren hierher als in- nere Mittel Valeriana, Ipecacuanha, Opium, Castoreum, Tr. Asae foͤtidae, Aqua laurocerasi, Liquor Cornuç. die abwechselnden Gaben von Opium und fixem Alkali nach Stuͤlz , die Naphthen und der Campher, ganz besonders aber der Moschus , von welchem ich hier mehreremale die ausge- zeichnetsten Wirkungen beobachtet habe. Als aͤußere Mittel sind namentlich die in den Intermißionen angewendeten lauen Baͤder, durch Kamillen- oder Baldrian- und Serpillum-Auf- guß verstaͤrkt, oder, in Ermangelung deren, warme Fomenta- tionen durch Flanelltuͤcher in einen solchen Kraͤuterabsud getaucht und mit dem Spirit. sal. ammon. caust. besprengt, ferner Klystiere vom Infus. Valerianae, Nicotianae u. s. w. mit Asa foetida, mit Liquor C C., mit Laudanum, Klystiere von starkem schwarzen Kaffee, endlich die fortgesetzte Anwen- dnng der ableitenden Mittel, der Vesicatorien, Sinapismen, Frictionen u. s. w. zu benutzen. §. 1051. Mit der im vorigen §. beschriebenen Behandlungsweise haben wir aber zugleich diejenige Methode geschildert, welche in den Faͤllen von Convulsionen sich nuͤtzlich erwieß, deren Entstehung von idiopathischen Nervenleiden bedingt wird, und welche durch die oben erwaͤhnte Constitution, durch die geringere Aufregung des Gefaͤßsystems, so wie durch die Art der vorher einwirkenden Gelegenheitsursachen charakterisirt werden, oder auch, indem sie fruͤher schon als habituelle periodische Kraͤmpfe vorhanden waren, ihren mehr auf das Nervensystem sich be- ziehenden Ursprnng charakterisiren. §. 1052. Da nun uͤbrigens die Convulsionen, auch wenn fuͤr den Moment die Anfaͤlle derselben beseitigt sind, oͤfters in einiget Zeit wiederzukehren pflegen, so ist noch insbesondre auf gruͤnd- liche Beseitigung disponirender Ursachen und sorgfaͤltige Ver- meidung der Gelegenheitsursachen Ruͤcksicht zu nehmen. — Waren die Zufaͤlle sonach vom Gefaͤßsystem aus erregt, so muͤssen durch von Zeit zu Zeit gereichte Abfuͤhrungen, leich- tere, mehr vegetabilische Diaͤt, angemessene Bewegung, ja selbst durch von Zeit zu Zeit unternommene Blutentziehungen, Ver- meidung aller Zusammenpreßung des Leibes oder der Brust durch Kleidungsstuͤcke, Vermeidung zu erhoͤhter Temperatur oder uͤberhaupt erhitzender Einfluͤsse, wiederkehrende Anfaͤlle verhuͤtet werden. War hingegen allgemeine Schwaͤche z. B. nach Blutverlust u. s. w., und krankhaft gesteigerte Reitzbar- keit im Nervensystem die Ursache, so ist der staͤrkende Heil- plan, eine die Reproduktion unterstuͤtzende Diaͤt, die Anwen- II. Theil. 16 dung der Extrakte, der China u. s. w. in Verbindung mit aromatischen Baͤdern von Nutzen. §. 1053. Endlich aber bleibt noch von einem Mittel zu sprechen, welches man sonst zwar viel zu einseitig als das einzige und Hauptmittel bei Convulsionen aufgestellt hat, welches wir indeß vielmehr nur auf einzelne Faͤlle und zwar so wohl um das Leben der Mutter als des Kindes zu erhalten, em- pfehlen koͤnnen. Es ist dieß die gewaltsame Entbindung ( Ac- couchement forcé ). — In Faͤllen naͤmlich wo die betraͤcht- liche Ausdehnung des Uterus und die dadurch veranlaßte Be- engung der Refpiration, Nervenreitzung u. s. w. offenbar als vorzuͤgliche Veranlaßung dieser Anfaͤlle erscheinen, und deßhalb die oben (§. 1046 — 50.) erwaͤhnten Mittel die gehoffte Linderung nicht herbeifuͤhren, oder doch einer baldigen Wieder- kehr der Zuckungen entgegenzusehen ist, muß allerdings die Beendigung der Schwangerschaft uͤberhaupt vorzuͤglich wuͤn- schenswerth bleiben, und die Natur deutet hierauf selbst hin, indem wir sehr haͤufig unter solchen Umstaͤnden das von freien Stuͤcken erfolgende Eintreten des Geburtsgeschaͤfts bemerken. Da nun uͤberdieß bei solcher Ausdehnung des Uterus gewoͤhn- lich die vierte Periode der Schwangerschaft bereits eingetreten, und das Kind als Lebensfaͤhig zu betrachten ist, so wird es hier zur Aufgabe der Kunst entweder die Natur in ihrem sich bereits zeigenden Bestreben zur Ausstoßung des Kindes, durch ein Verfahren, welches in der geburtshuͤlflichen Therapie naͤher eroͤrtert werden wird, zu unterstuͤtzen, oder die Geburt gaͤnzlich durch Huͤlfe der Kunst zu bewerkstelligen. — §. 1054. Es kann dieses aber auf zweierlei Weise geschehen; ent- weder indem man durch behutsames Durchboren der Eihaͤute, ohne vorhergegangene kuͤnstliche Erweiterung des Muttermun- des (eine Operation welche ebenfalls im Folgenden naͤher be- schrieben werden wird) den Abgang des Fruchtwassers veran- laßt, und auf diese Weise eine kuͤnstliche Fruͤhgeburt bewirkt, oder indem man den Muttermund kuͤnstlich erweitert, die Ei- haͤute nun trennt, und die Entwicklung des Kindes uͤbernimmt. Das erstere ist fuͤr alle Faͤlle zu empfehlen wo man nach ei- nem fuͤr jetzt beseitigten Anfalle, der Wiederkehr der Zuckun- gen durch baldige Beendigung der Schwangerschaft allein vor- beugen kann. Das zweite Verfahren hingegen muß in Faͤllen gewaͤhlt werden wo dringende Lebensgefahr der Mutter und des Kindes, moͤglichst schnelle Entleerung der Gebaͤrmutter, waͤhrend der Anfaͤlle selbst, als einziges Rettungsmittel dar- stellen. §. 1055. Nicht immer jedoch wird es gelingen, auch im guͤnsti- gen Falle der Abwendung ploͤtzlicher Lebensgefahr die voͤllige Gesundheit sofort herzustellen, sondern es werden oͤfters Gei- steskrankheiten, fieberhafte Zustaͤnde u. s. w. zuruͤckbleiben, welche dann saͤmmtlich ihrer besondern Natur nach zu behan- deln sind, so daß eine weitere Beruͤcksichtigung derselben nicht fuͤr diesen Ort gehoͤrt. II. Von den krankhaften Zustaͤnden im Ge- schlechtssysteme der Schwangern . §. 1056. Es gehoͤren hierher vorzuͤglich mehrere krankhafte Zu- staͤnde der Gebaͤrmutter, indem Krankheiten der Bruͤste zwar auch zuweilen bei Schwangern vorkommen, aber mit Aus- nahme der hier noch naͤher zu betrachtenden krankhaften An- schwellung und den Ausschlaͤgen derselben, doch hier nicht wesentlich von den Krankheiten denen sie im Wochenbette aus- gesetzt sind, sich unterscheiden; krankhafte Zustaͤnde der Va- gina, der aͤußern Geburtstheile und des Beckens aber, nur fuͤr das Geburtsgeschaͤft hinderlich werden, und dort naͤher zu betrachten sind. — Auch unter den Krankheiten an wel- chen der Uterus waͤhrend der Schwangerschaft leiden kann, sind uͤbrigens mehrere die wir bereits fruͤher als Krankheiten der nicht schwangern Gebaͤrmutter kennen lernten, deren Ver- lauf jedoch so wie Behandlung hier manches Eigenthuͤmliche zeigt. I. Krankheiten des schwangern Uterus . 1. Entzuͤndung der schwangern Gebaͤrmutter . §. 1057. Schon im 1. Theile §. 327 sind die Gruͤnde angegeben worden, denen zufolge die Metritis haͤufiger in der Schwan- gerschaft als außer derselben vorkommt, schon inwiesern die Gefaͤßthaͤtigkeit des Uterus hier naͤmlich an und fuͤr sich so sehr gesteigert ist; allein es ist auch noch darauf besondere Ruͤcksicht zu nehmen, daß der Uterus den aͤußern, Entzuͤndung erregenden Einfluͤßen weit mehr ausgesetzt ist, als zu welchen wir Erkaͤltungen, mechanische Verletzungen durch Druck, Fall u. s. w. (leider zuweilen auch den Gebrauch von Abortiv- mitteln) rechnen muͤßen. — Ebendeßhalb zeigt sich bei der Entzuͤndung der schwangern Gebaͤrmutter auch namentlich der Grund als meistens vorzugsweise afficirt, da hingegen der Gebaͤrmuttermund, welcher z. B. waͤhrend der Geburt sich so haͤufig entzuͤndet, hier weit seltener leidet. §. 1058. Aetiologie und Diagnose sind uͤbrigens fuͤr die Metritis der Schwangern ziemlich ganz gleich der fuͤr diese Krankheit im nichtschwangern Zustande fruͤher angefuͤhrten, so daß wir in dieser Hinsicht auf §. 330 bis 338 des ersten Theils ver- weisen muͤßen. Besondere Bemerkung verdient es dagegen, daß in demselben Grade als die Muskelfasern des Uterus sich waͤhrend der Schwangerschaft mehr entwickeln, auch dieß Or- gan empfaͤnglicher fuͤr eine Art des Krankseyns wird, welche insbesondere muskuloͤsen Organen eigenthuͤmlich genannt wer- den kann, naͤmlich fuͤr rheumatische Zustaͤnde , welche wir kein Bedenken tragen, mit hier, bei der Metritis der Schwangern abzuhandeln, da man das Wesen des Rheuma- tismus uͤberhaupt, doch namentlich in entzuͤndlichen Zustand der contraktileu Faser zu setzen berechtigt ist. §. 1059. Der Rheumatismus der schwangern Gebaͤrmut- ter aber, eine Krankheit, welcher zuerst Wigand Von den Ursachen und der Behandlung der Nachgeburtszoͤgerun- gen. Hamburg 1803. eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat, zeichnet sich aus durch sehr erhoͤhte Empfindlichkeit des gesammten Uterus, so wie durch ziehende Schmerzen in demselben, und in der Kreuzge- gend, welche Schmerzen mit wahren Verkuͤrzungen der Mus- kelfibern sich zuweilen verbinden, so daß sich sogar der Mut- termund betraͤchtlich zu erweitern beginnt. Alles dieses macht dann oft glaublich, daß die Geburtsarbeit selbst jetzt wahrhast ihren Anfang nehme, welches indeß doch hier oft so wenig der Fall ist, daß nicht nur der Muttermund nach gehobener Krankheit sich wieder schließt, sondern die Niederkunft selbst oft erst nach mehrern Wochen und nach regelmaͤßiger Been- digung des Schwangerschafttermins eintritt. — Die erwaͤhn- ten Schmerzen des Uterus zeigen sich verbunden mit laͤstigem Pressen, gewoͤhnlich vorzuͤglich in den ersten Stunden der Nacht, verursachen fieberhaften Zustand, heftigen Schweiß und ver- mehrten unter empfindlichem Draͤngen erfolgenden Abgang ei- nes dunkelrothen Urins. — Um einen solchen rheumatischen Zustand von wahren Wehen zu unterscheiden, hat man zu be- merken das Andauernde dieser Schmerzen, den Fieberzustand, die vorhergegangenen schaͤdlichen Einwirkungen und die allge- meine Empfindlichkeit des Uterus, welche Symptome saͤmmt- lich den wahren Wehen fremd sind. §. 1060. Die Schaͤdlichkeiten welche insbesondere den Rheumatis- mus der Gebaͤrmutter veranlaßen, sind vorzuͤglich Erkaͤltungen der untern Extremitaͤten, Erkaͤltungen der Unterleibsflaͤche, welche bei Hochschwangern, wegen dem uͤberhaͤngenden, die Kleider von den Schenkeln entfernenden Unterleibe so leicht moͤg- lich werden, ja oft Erkaͤltungen der Geburtstheile selbst, vor- zuͤglich auf kalten und ziehenden Abtritten. — Wir reihen hieran sogleich noch, was uͤber Prognose und Behandlung die- ses rheumatischen Zustandes zu erwaͤhnen ist. Im Ganzen naͤmlich ist allerdings der rheumatisch entzuͤndliche Zustand kei- nesweges von der Gefahr fur Mutter und Kind, wie die vollkommen ausgebildete Metritis, demohnerachtet kann die laͤngere Dauer desselben nicht nur uͤberhaupt Veranlaßung zu einer Fruͤhgeburt werden, sondern wird auch insbesondere, uͤberall wo er sich bis zur beginnenden Geburt fortsetzt, nachtheilig auf die Wehen wirken und Unregelmaͤßigkeiten derselben her- beifuͤhren. §. 1061. Die Behandlung des Rheumatismus der Gebaͤrmutter fordert ein leichtes antiphlogistisches Verfahren, verbunden mit Ruͤcksicht auf Befoͤrderung der Hautthaͤtigkeit so wie auf Ver- minderung der aufgeregten Sensibilitaͤt. — Ein hinlaͤnglich warmes Verhalten, Genuß sehr leichter Diaͤt, der Fliederblu- menaufguß, warme trockene Kraͤuterfomentationen, eroͤffnende Lavements, innerlich Emulsionen mit Nitrum, Spiritus Min- dereri, Liq. C. C. und vorzuͤglich der von Wigand und Schmidtmuͤller mit Recht geruͤhmte Gebrauch des Opi- ums, reichen hier gewoͤhnlich hin, um die Krankheit zu he- ben, wobei die Besserung meistens mit außerordentlich starken Schweißen eintritt. — §. 1062. Was die Prognose und Behandlung der ausgebildeten Metritis im Zustande der Schwangerschaft betrifft, so unter- scheidet sie sich im Wesentlichen durchaus nicht von der im ersten Theile §. 340. u. f. abgehandelten, nur ruͤcksichtlich der Prog- nose ist zu bemerken, daß diese hier in Hinsicht auf die Frucht durchgaͤngig verschlimmert wird, da nie die Entzuͤndung hier einen betraͤchtlichen Grad erreichen wird, ohne das Absterben des Kindes und Fruͤhgeburten nach sich zu ziehen, oder auf die Bildung der Frucht und des Kindes nachtheilig zu wir- ken, indem abnorm feste Verwachsungen der Placenta mit dem Uterus, Verwachsungen des Muttermundes, abnorme Was- seranhaͤufung u. s. w. die Folge davon seyn koͤnnen. §. 1063. Die Behandlung wird sonach ebenfalls wie bei Nicht- schwangern vorzugsweise streng antiphlogistisch seyn muͤßen, und nur bei unvollkommner Entscheidung der Krankheit, bei Neigung zum Uebergange in Gangraͤn oder Eiterung wird kraͤftigere Unterstuͤtzung der Lebensthaͤtigkeit und Reproduktion, wie bereits Theil I. §. 345. erwaͤhnt worden ist, noͤthig werden. — Ist es nun allerdings klar, daß bei einer in Gangraͤn uͤbergegangenen Entzuͤndung des schwangern Uterus, welche noch vor dem hier meistens unvermeidlichen Tode die Geburt veranlaßt hat, die innere an sich vorzuͤglich flockige und schwammige Gebaͤrmutterflaͤche in eine wahrhaft faulige Aufloͤsung uͤbergehen koͤnne, so scheint es doch, als ob, den Beobachtnngen Boërs zufolge, ein solcher gangraͤnoͤser Zu- stand auch ohne vorausgegangene Entzuͤndung zu- weilen eintreten koͤnne. §. 1064. Es sind dieß die Faͤlle welche von Boër mit dem Namen der Putrescenz der beschwaͤngerten Gebaͤrmutter belegt worden sind, welche Krankheit sich nach Boër Abhandlungen und Versuche. 1. Band, S. 181. und den neuerlich von H. Joͤrg Schriften zur Befoͤrderung der Kenntniß des Weibes und Kindes im Allgemeinen, und zur Bereicherung der Geburtshuͤlfe insbeson- dere. Leipzig 1818. 2. Thl. S. 1. gegebenen naͤhern Bestim- mungen durch folgende Eigenthuͤmlichkeiten charakterisirt. — Ihr Vorkommen betrifft vorzuͤglich Personen von schlaffem, phlegmatischem Habitus durch deprimirende Affekte, schlechte Luft und Nahrung geschwaͤcht, und wird auch durch naßkalte Witterung beguͤnstigt. Waͤhrend der Schwangerschaft selbst aͤußert sie sich fast gar nicht, außer durch Abnahme der Kraͤfte, blaßes kachecktisches Ansehen und Verminderung der Ausdehnung und Derbheit des Uterus, weßhalb selbst Boër ihr fuͤr diese Zeit keine bestimmten Symptome, an welchen sie jeden Falls zu erkennen waͤre, beizulegen wagt. Nach der Geburt (welche hierbei leicht ebenfalls theils zu zeitig, theils mit manchen krankhaften Zufaͤllen verbunden einzutreten pflegt) aͤußern sich hingegen die Folgen des innern Leidens deutliche, die Wochenbettsfunktionen gehen unregelmaͤßig von Statten, die Haut zeigt wie die Bruͤste eine nur unvollkommene Thaͤ- tigkeit, die Lochien erfolgen unrein und mit ihnen entleer sich eine faulige Jauche, Fieberbewegungen, oͤrtliche Entzuͤn- dungen an einzelnen Stellen des Unterleibes, ja selbst Abson- derungen milchaͤhnlicher, eiterartiger Fluͤßigkeiten kommen hinzu, und so erfolgt unter mancherlei Colliquationen haͤufig der Tod. §. 1065. Das Wesentliche der Krankheit ist von H. Joͤrg neuer- lich in einen durch unzulaͤngliche Bildungskraft be- dingten Absterbungsprozeß der hinfaͤlligen Haut, welche Mortification sodann bis in die Substanz des Uterus eindringt , gesetzt worden, und wie fuͤgen dieser scharfsinnigen Ansicht hier nur die Bemerkung bei: 1) daß der Uterus, vermoͤge seiner uͤberwiegend vegetativen Na- tur, einer, unter geeigneten Umstaͤnden, unmittelbar eintreten- den Faͤulniß, gewiß unter allen Organen vorzuͤglich faͤhig sey (an den Vegetabilien sehen wir eben so Faͤulniß einzelner Theile, ohne daß wir hier einen Entzuͤndungszustand kennten); 2) daß ein solches Absterben und Faulen allerdings in der uͤberhaupt zur Aufloͤsung bestimmten Membrana deoidua vor- zuͤglich gedacht werden koͤnne. §. 1066. Ich selbst habe diesen Zustand des Uterus, wo die in- nere Flaͤche (besonders in der Mutrermunds-Gegend) mit ei- nem schwarzblauen aufgeloͤßten fauligen Schleim uͤberzogen ist, und in die Substanz der Gebaͤrmutterwaͤnde hinein diese schwarze Farbe sich ein Stuͤck fortgesetzt, nicht selten bei Sektionen von Woͤchnerinnen angetroffen, nur bleibt es bei dieser bisher nur erst von Wenigen beachteten und untersuch- ten Krankheit schwer zu entscheiden, zumal da doch so haͤufig anderweitige unverkennbare Entzuͤndungen und allgemeine Fie- berzustaͤnde sich damit verbinden, ob nicht dieser Zustand wenig- stens oͤfters die Folge einer schnell zur sphaceloͤsen Aufloͤsung (und zwar eben in Folge der schlechten allgemeinen Constitu- tion) sich hinneigenden Entzuͤndung sey, da doch selbst beim Decubitus (mit welchem man diesen Vorgang verglichen hat) eine vorhergehende Roͤthung und Entzuͤndung, welche nur in Folge des typhoͤsen Fiebers schnell in Zerstoͤrung uͤbergeht, unverkennbar bleibt. §. 1067. Ist nun folglich auch in dieser Hinsicht noch eine naͤ- here Bestimmung erst von kuͤnftigen Untersuchungen zu erwar- ten, so kann doch diese Ungewißheit auf die Behandlung keinen Einfluß haben, welche, es moͤge nun dieser oͤrtlich fau- lige Zustand unmittelbar eingetreten, oder durch vorhergegan- gene Entzuͤndung bewirkt seyn, immer auf die Erhoͤhung der Lebensthaͤtigkeit im Allgemeinen, und oͤrtlich auf Befoͤrderung des Absonderns aufgeloͤßter Partien und der Wiederkehr zum gesunden Zustande zu richten ist. — Was die Ruͤcksicht auf das Allgemeine betrifft, so wird ihr vorzuͤglich durch zweck- maͤßiges diaͤtetisches, prophylaktisches Verfahren Genuͤge ge- leistet; und so wie man in andern Faͤllen (z. B. bei Ver- wundeten in Hospitaͤlern) das Eintreten von dem boͤsartigen Decubitus durch gesunde Lnft , gute angemeßene Kost, Ver- huͤtung deprimirender Affekte u. s. w. meistens vermeiden kann, so wird auch bei Schwangern, deren Constitution durch zweckmaͤßige Diaͤt und sonstiges Verhalten, im Normalzu- stande erhalten wird, jenes Uebel nicht zu befuͤrchten stehen. Ferner werden die ersten Spuren eines solchen Leidens, welche sich durch allgemeines Sinken der Kraͤfte, stumpfe schmerz- hafte Gefuͤhle im Uterus u. s. w. oft schon in der Schwan- gerschaft ankuͤndigen, die Anwendung des belebenden Heilap- parates, der Cascarille, der China, der Serpentaria, des Elixir, vitriol. Mynsichti, eines kraͤftigen Weins u. s. w. erfordern. §. 1068. Nach der Entbindung hingegen, wo leider oft das Uebel zuerst voͤllig klar sich darstellt, muß sodann theils im Allge- meinen die spaͤter durchzugehende Behandlung des boͤsartigen Puerperalfiebers eintreten, theils ist die oͤrtliche Anwendung erregender antiseptischer Mittel unentbehrlich, obwohl bei be- reits weiter ins Innere der Uterinsubstanz vorgedrungener Zer- stoͤrung die Heilungsversuche oft eben so fruchtlos als bei dem bereits ausgebrochenen carcinomatoͤsen Geschwuͤr zu seyn pflegen. Boër erfand zum Zweck dieser ganz oͤrtlichen Be- handlung ein Instrument welches er Plumaceaux-Leiter (Porte-Plumaceaux) genannt hat, und welches aus einer gebogenen Roͤhre, worin die Carpie-Baͤuschchen durch eine duͤnne seidene Schnur heraufgezogen werden, besteht. a. a. O. S. 201. — Durch solches Verfahren sollen die afficirten Stellen, gerade so wie beim sphaceloͤsen Geschwuͤre aͤußerlicher Schaͤden, mit erregenden Salben, Mischungen der Tr. Myrrhae und Perubalsam u. s. w., regelmaͤßig verbunden werden koͤnnen. Statt eines solchen Verbandes fuͤr die innere Uterinflaͤche empfiehlt H. Joͤrg dagegen staͤrkende, erregende Injektionen, jedoch so, daß man sie mittelst einer an eine bewegliche Roͤhre befestigten knoͤchernen (noͤthigenfalls der Form des Mut- termundes angemeßen platt gefeilten) Kanuͤle a. a. O. einbringt, und folglich auch wahrhaft in die Hoͤhle des Uterus leitet. 2. Wassersucht der schwangern Gebaͤrmutter . §. 1069. Auch hier muͤßen wir auf die im ersten Theile durch- gegangenen Zeichen, Eintheilungen, Ursachen u. s. w. der Wassersucht des nicht schwangern Uterus uns berufen. Es kommen aber auch hier wieder die Anhaͤufungen von Wasser theils im Parenchyma des Uterus, theils in der Hoͤhle des- selben und neben den Eihaͤuten vor, ja selbst die abnorme Anhaͤufung von Fruchtwasser in den Eihaͤuten, welche jedoch ihres groͤßern Einflußes auf das Geburtsgeschaͤft wegen, erst unter den Abnormitaͤten der Geburtsperiode betrachtet werden wird, ist gewißermaaßen mit hierher zu rechnen. §. 1070. Ergab sich nun aber daß schon die Erkenntniß der Hy- drometra im ungeschwaͤngerten Zustande mit manchen Schwie- rigkeiten verbunden war, so kann man dasselbe mit noch groͤße- rem Rechte von dieser Wassersucht im Zustande der Schwan- gerschaft behaupten. Wir haben daher Behufs der Diagnose namentlich auf folgende Umstaͤnde Ruͤcksicht zu nehmen: 1) auf die im 1. Thl. §. 400. beschriebene atonische lymphati- sche Constitution; 2) auf die Kennzeichen der Schwangerschaft uͤberhaupt (welche vorzuͤglich beachtet werden muͤßen, um den Zustand von der Hydrometra der Nichtschwangern oder von der Bauchwassersucht zu unterscheiden); 3) auf das weit schneller als in der regelmaͤßigen Schwangerschaft erfolgende, uͤberhaupt sehr betraͤchtliche, und mit einem stumpfen Drucke begleitete Anwachsen des Uterus; 4) auf die Stoͤrungen der Reproduk- tion, welche durch allgemeine Schwaͤche und Abmagerung sich zu erkennen geben; 5) auf die wahrnehmbare Fluktuation im Uterus oder das teigartige Gefuͤhl seiner Waͤnde, und den schlaffen oͤdematoͤsen Zustand der Vaginalportion; 6) auf die schwaͤcher fuͤhlbaren Kindestheile und Kindesbewegungen, und endlich 7) auf den von Zeit zu Zeit sich einfindenden Was- serabgang durch den Muttermund (welcher auch hier wieder das sicherste Kennzeichen darbietet.) §. 1071. Es ergiebt sich hieraus zugleich, wodurch dieser Zustand von andern ihm oft sehr aͤhnlichen Zustaͤnden am sichersten unter- schieden werden koͤnne. Von der bloßen Molenschwangerschaft z. B., mit welcher er namentlich das schnellere Ausdehnen des Leibes gemein hat, unterscheidet er sich durch die laͤugere Dauer. Molenschwangerschaften naͤmlich pflegen nicht uͤber den vierten oder fuͤnften Monat sich auszudehnen, dahingegen die Wassersucht der beschwaͤngerten Gebaͤrmutter insgemein erst in den spaͤtern Monaten sich bildet, auch bei der erstern gar keine Kindestheile und Kindesbewegungen sich zeigen, wohl aber oͤfterer Blutabgang sich einstellt. Von der Bauchwasser- sucht ohne Schwangerschaft wird die Wassersucht der beschwaͤn- gerten Gebaͤrmutter durch die Zeichen der Schwangerschaft uͤberhaupt, so wie durch das weniger gestoͤrte Allgemeinbefin- den, den weniger heftigen Durst, den weniger verminderten Harnabgang u. s. w. unterschieden. Endlich von der betraͤcht- lichen Menge des Fruchtwassers ist das Vorhandenseyn von Wasser außer den Eihaͤuten oder in der Uterinsubstanz ver- schieden, durch die nur schwach zu fuͤhlenden Kindestheile und Kindesbewegungen, da im Gegentheil bei sehr vielem Frucht- wasser die Bewegungen sehr stark gefuͤhlt werden. §. 1072. Auch die gesammte Entwicklung der Krankheit hat mit der Wassersucht des ungeschwaͤngerten Uterus die groͤßte Aehn- lichkeit, indem bei Anhaͤufungen von Wasser in der Gebaͤr- mutterhoͤhle ebenfalls nach und nach dasselbe sich durch den Muttermund zu entleeren pflegt, oder im Falle der laͤngsten Dauer doch durch die ersten Wehen ausgestoßen wird. Was- seranhaͤufungen im Parenchyma des Uterus werden gewoͤhn- lich erst durch die Lochien und durch die Wochenschweiße be- seitigt. Die Prognose kann hier sonach im Allgemeinen sehr guͤnstig genannt werden, und nur wo die Wasseransammlungen sehr bedeutend sind, wird dieselbe verschlimmert durch den nachtheiligen Einfluß welchen sie oft auf die Ernaͤhrung des Kindes aͤußert, durch die Schwaͤche des Uterus, welche sie bei der Geburt veranlaßt, und wodurch nicht selten be- traͤchtliche Blutungen herbeigefuͤhrt werden. Am unguͤnstigsten wuͤrde die Prognose seyn, wo mit diesen Wasseransammlungen sich andere Wassersuchten complicirt finden. §. 1073. Die aͤrztliche Behandlung betreffend, so ist es nicht selten der Fall, daß sie uͤberhaupt gar nicht von den Schwan- gern nachgesucht wird, weil sie die von der Wasseransamm- lung im Uterus abhaͤngigen Beschwerden fuͤr bloße Folgen der Schwangerschaft halten, und selbst den sich einstellenden Was- serabgang durch die Mutterscheide entweder verschweigen oder ganz uͤbersehen. — Uebrigens wird die aͤrztliche Behandlung selbst, theils wegen der in vielen Faͤllen nicht mit vollkomme- ner Schaͤrfe anszumittelnden Diagnose, theils wegen Ruͤcksicht auf die Schwangerschaft, nicht so entschieden eingreifen duͤrfen wie bei der Gebaͤrmutterwassersucht der Nichtschwangern, und das Entlecren des Wassers mittelst Einfuͤhrung einer Sonde in den Muttermund findet hier, wegen leicht moͤglicher Ver- letzung der Eihaͤute, welche eine Fruͤhgeburt nach sich ziehen wuͤrde, durchaus nicht Statt. Der Arzt ist sonach auf die gelindern diuretischen und diaphoretischen Mittel und auf Be- ruͤcksichtigung und moͤglichste Verbesserung und Kraͤftigung der allgemeinen Constitution beschraͤnkt, wie dieß schon im 1. Thl. §. 407. insbesondere bei der Hydrometra oedematosa be- merkt worden ist. 3. Gebaͤrmutterblutfluͤße bei Schwangern . §. 1074. Blutergießungen aus den Geburtstheilen schwangerer Per- sonen koͤnnen in sehr verschiedener Art erfolgen: — erstens naͤmlich, erscheinen sie als eine in der Schwangerschaft regelmaͤßig fortdauernde Menstruation , und geben sich als solche durch ihre Periodicitaͤt, durch Mangel aller aͤußern Veranlaßungen und durch die geringe oder gar nicht wahrzunehmende Stoͤrung des allgemeinen Wohlbefindens zu erkennen. Hierbei ist denn eine besondere aͤrztliche Behand- lung nicht anzuwenden, es waͤre denn daß der Blutabgang durch seine betraͤchtliche Quantitaͤt der Ernaͤhrung der Frucht nachtheilig zu werden drohte, wo sodann das im ersten Theile gegen die zu starke Menstruation empfohlene Verfahren (§. 193. u. f.) Anwendung finden muͤßte. §. 1075. Zweitens koͤnnen Blutungen eintreten durch Gefaͤß- verletzungen am Uterus oder in der Vagina , z. B. durch Bersten varikoͤser Venen, oder bei Zerstoͤrungen der Va- ginalportion durch Krebsgeschwuͤre, oder bei vorhandenen Absces- sen in dieser Gegend. Es ist fuͤr alle diese Faͤlle namentlich von dem, bei den paßiven Gebaͤrmutterblutungen nichtschwan- gerer Personen empfohlenen (§. 366. u. f.) Verfahren Ge- brauch zu machen, und insbesondere das Tamponiren muß hier als ein zweckmaͤßiges Mittel genannt werden. §. 1076. Drittens koͤnnen (und dieses ist bei weitem der haͤu- figste Fall) diese Blutungen die Folge seyn von zu zeitig beginnenden Trennungen der Placenta vom Ute- rus , wobei (indem an der noch nicht voͤllig reifen Frucht die Placenta gewoͤhnlich noch besonders fest mit der Tunica decidua Hunteri verbunden ist) oft Theile dieser hinfaͤlligen Haut selbst sich abreißen, und so die Venenzellen des Uterus geoͤffnet werden. — Es erfolgt dieses entweder bei starken, von aͤußern oder innern Ursachen abhaͤngigen Erschuͤtterungen des schwangern Uterus, oder ist auch die Folge der in der Naͤhe des Muttermundes oder auf diesem angehefteten Placenta. Der Blutfluß ist unter diesen Umstaͤnden haͤufig der Vorbote einer Fruͤhgeburt und wird deßhalb unter den Anomalien der Geburtsperiode naͤher betrachtet werden. §. 1077. Viertens endlich, koͤnnen diese Blutungen die Folge seyn von Congestionen nach dem Uterus , eben so wie aus dieser Ursache haͤufige Blutungen im nichtschwangern Ute- rus entstehen, und diese allein sind es welche hier noch eine naͤhere Betrachtung verdienen und erfordern. — Man bemerkt bei Schwangern aͤhnliche Blutfluͤße aber namentlich, theils in den ersten, theils in den letzten Monaten der Schwangerschaft, und hier, wie außer der Schwangerschaft hat man hauptsaͤch- lich zwischen den aktiven und paßiven Metrorrhagien zu un- terscheiden. Aktiver Art sind gewoͤhnlich die welche zu An- fange der Schwangerschaft entstehen, indem sie durch die, von erhoͤhter Produktivitaͤt des Uterus abhaͤngigen Congestionen nach demselben, bedingt werden. Sie erscheinen vorzuͤglich bei vollsaftigen reitzbaren Subjekten, werden durch die im 1. Thle §. 354. genannten Gelegenheitsursachen beguͤnftigt und durch mehrere Verboten, als Kopfschmerz, Kreuzschmerz, Schwindel u. s. w. groͤßtentheils angekuͤndigt. — Paßiver Art hingegen sind haͤufig diejenigen Blutungen welche gegen das Ende der Schwangerschaft erfolgen, und bei manchen, vorzuͤglich schwam- migen Koͤrpern zu dieser Zeit ganz zur Gewohnheit werden koͤnnen. Diese haͤngen dann mehr ab, von der betraͤchtlichen, nicht mehr allein zur Ernaͤhrung der Frucht zu verwendenden Blutmasse in den aufgelockerten Venenzellen des Uterus, und werden vorzuͤglich bei Personen welche uͤberhaupt zu Venen- erweiterungen (an den untern Extremitaͤten, aͤußern Genita- lien und Haͤmorrhoidaladern) geneigt sind, am haͤufigsten be- obachtet. §. 1078. Auch ruͤcksichtlich der Prognose und Behandlung dieser Blut- fluͤße ist auf das im ersten Theile bei den Metrorrhagien nicht schwangerer Personen Gesagte zu verweisen, und schließlich nur noch zu bemerken, daß insgemein die, nicht von angehendem Abortus oder vorliegender Placenta bedingten Blutungen, selten bedeutend werden, und daher außer ruhigem Verhalten, Ver- meidung aller Reitze, saͤuerlichem Getraͤnk u. s. w., selten eine aͤrztliche Behandlung fordern. — Waͤre es jedoch der Fall daß sie mit groͤßerer Heftigkeit erschienen, so wird allerdings durch Ruͤcksicht auf das Kind die Prognose mißlicher, indem sie alsdann selbst durch Schwaͤchung des Uterus das Abster- ben desselben und die Fruͤhgeburt veranlaßen koͤnnen; nach ih- rer verschiedenen Natur muͤßen daher sodann die §. 369. u. f. erwaͤhnten Huͤlfsmittel angewendet werden, obwohl in Faͤllen der dadurch nicht zu bewerkstelligenden Sistirung des Blutflus- ses, es selbst noͤthig werden wird, die kuͤnstliche Entbindung oder wenigstens das Sprengen der Eihaͤute vorzunehmen, um somit durch Entleerung des Wassers dem Uterus Raum zu staͤrkerer Contraktion zu geben. 4. Fehlerhafte Lagen des schwangern Uterus . a. Zuruͤckbeugung der schwangern Gebaͤrmutter , (Retroversio uteri.) §. 1079. Auch diese falsche Lage der Gebaͤrmutter, bei welcher ihr Grund nach hinten gesenkt, ihr Halstheil gegen die Scham- beinverbindung gerichtet ist, haben wir außer der Schwan- gerschaft vorkommen sehen (s. 1. Theil §. 500.); in der Schwangerschaft jedoch, erscheint sie gewoͤhnlich, wo sie vor- kommt, in einem hoͤhern Grade, so daß der Gebaͤrmuttergrund selbst unter das Promontorium herabgesunken, und der Mut- termund hinter und uͤber den Schambogen gestellt ist, folglich die schwangere Gebaͤrmutter in dieser verkehrten Lage voͤllig in die Hoͤhle des kleinen Beckens hereingepreßt erscheint. §. 1080. Das Vorkommen dieser abnormen Lage des Uterus wird uͤbrigens auf die ersten Monate der Schwangerschaft, nament- lich auf den zweiten, dritteu und vierten beschraͤnkt. Disposition zu derselben wird gegeben durch erschlaffte Baͤn- der des Uterus (und sonach durch alle Krankheiten welche den Tonns des Geschlechtssystems uͤberhaupt vermindern), durch ein geraͤumiges Becken, vorzuͤglich durch ein Becken dessen Promontorium wenig hervorragt, und endlich durch oͤfters wiederkehrende betraͤchtliche Urinverhaltungen, wobei die Aus- dehnung der Blase den Gebaͤrmuttergrund ruͤckwaͤrts treibt. Gelegenheitsursachen, welche bei einer solchen Disposition oft ploͤtzlich die Zuruͤckbeugung herbeifuͤhren, sind Anstren- gungen des Koͤrpers beim Heben oder Tragen, Erschuͤtterun- gen durch einen Fall, vorzuͤglich durch einen Fall auf den Ruͤcken, u. s. w. — Tritt die krankhafte Lage ohne solche Gelegenheitsursachen blos in Folge der ersterwaͤhnten Momente ein, so ist ihre Entstehung gewoͤhnlich allmaͤhliger, es kehrt aber das Uebel in folgenden Schwangerschaften sodann leicht wieder (wie es von Andern und auch von mir in einem Falle beobachtet wurde). §. 1081. Die Folgen einer so umgeaͤnderten Lage sind zuerst in dem heftigen Drucke auf Mastdarm und Blasenhals bemerk- lich, wodurch sowohl Stuhlausleerungen als Ausleerungen des Urins entweder gaͤnzlich unterdruͤckt, oder doch aͤußerst ver- mindert und erschwert werden. Bei laͤngerer Dauer ferner gesellen sich hierzu heftige Schmerzen im ganzen Becken und endlich entzuͤndlicher, mit allgemeinem Fieber begleiteter Zu- stand des Uterus, welche Entzuͤndungen hier, wegen der wahr- haften Einklemmung oder Einkeilung welche der schwangere Uterns erleidet, leicht in Gangraͤn uͤbergehen, und so den Tod der Frucht und der Mutter veranlaßen koͤnnen, oder auch schon bei geringern Graden, wenigstens die Ernaͤhrung der Frucht leicht unterbrechen, und eine Fruͤhgeburt herbeifuͤhren werden. §. 1082. Wir kommen ferner zur Diagnose dieser Krankheit, welche um so wichtiger ist, da Beispiele in Menge vorhanden II. Theil. 17 sind, wo man diese falsche Lage uͤbersah und die davon ab- haͤngigen Beschwerden als gewoͤhnliche Ischurie, Obstruktion u. s. w., und folglich ganz falsch behandelte. Vergl. z. B. v. Siebold Journ. f. Geburtshuͤlfe u. s. w. Bd. I. — Zu den Keunzeichen der Zuruͤckbeugung des schwangern Uterus gehoͤrt aber zuerst die im zweiten, dritten oder vierten Monate sich einfindende Harnverhaltung und Stuhlverstopfung, begleitet von stumpfen druͤckenden Schmerzen im Becken, welche nach eini- ger Zeit heftiger werden und mit Fieberbewegungen sich ver- binden. Diese Umstaͤnde geben nun stets dringende Veran- laßung (namentlich wo noch eine oder mehrere der §. 1080. genannten entfernten Ursachen augenscheinlich eingewirkt haben) zum Vornehmen der geburtshuͤlflichen innern Unter- suchung , durch welche hier alsbald eine genaue Bestimmung uͤber die Natur des Uebels erlangt werden kann. §. 1083. Es wird sich naͤmlich ergeben, daß die Hoͤhlung des Kreuzbeins zum Theil sich ausgefuͤllt zeigt, durch den kugli- chen, fest sich aufuͤhlenden Gebaͤrmuttergrund, daß hingegen die Vaginalportion nach dem Schambogen gerichtet, und oft der Muttermund, wegen seines aͤußerst hohen Standes nur mit großer Anstrengung zu erreichen ist. Hier ist es nun aber nicht selten der Fall gewesen, daß man die Ergebniße einer solchen Untersuchung falsch ausgelegt und z. B. die nach ruͤck- waͤrts zu fuͤhlende Geschwulst fuͤr den Kopf des Kindes oder fuͤr eine steatomatoͤse Ausartung der Gebaͤrmuttersubstanz ge- nommen habe, weßhalb denn uͤber die Zeichen um solche Ver- wechselungen zu vermeiden noch Einiges zu erinnern uͤbrig bleibt. §. 1084. Erstens die Verwechselung des Gebaͤrmuttergrundes mit dem Kopfe des Kindes betreffend, so beruht sie immer auf der Voraussetzung daß die Schwangerschaft bereits sehr weit vorgeruͤckt sey, da natuͤrlich im dritten oder vierten Monat noch gar kein Kindeskopf, und am wenigsten ein so großer, zu fuͤhlen ist. Zu der Annahme einer weiter vorgeruͤckten Schwangerschaft veranlaßt aber zuweilen die betraͤchtliche Aus- dehnung des Leibes, welche hierbei haͤufig durch Ausdehnung der Harnblase und langwierige Obstruktionen begruͤndet wird, jedoch wird man sich durch sorgfaͤltige aͤußere Untersuchung bald davon uͤberzeugen koͤnnen, daß diese Ausdehnung des Leibes nicht vom schwangern Uterus abhaͤngig sey, so wie eine solche Annahme auch durch eine genaue Beruͤcksichtigung der Schwangerschaftsrechnung und der uͤbrigen Schwangerschafts- zeichen, am meisten aber durch Beachtung des in der regel- maͤßigen Schwangerschaft gar nicht vorkommenden Standes der Vaginalportion nach, oder sogar uͤber dem Schambogen, widerlegt werden wird. — Zweitens ruͤcksichtlich der Verwech- selung der Zuruͤckbeugung des schwangern Uterns mit einer Ausartung der Gebaͤrmuttersubstanz (Steatom) so wird diese widerlegt: 1) durch den Gang der Krankheit, da ein Steatom immer nur in Jahren zu einem betraͤchtlichen Umfange ge- langt; 2) durch die Zeichen der Schwangerschaft, da bei sol- chen Ausartungen selten Schwangerschaft moͤglich ist; 3) durch den Stand des Muttermundes welcher hier aufwaͤrts und vorwaͤrts gerichtet ist, beim Steatom hoͤchstens gegen den Schambogen gedraͤngt seyn kann; 4) durch die Unmoͤglichkeit die Reposition zu machen. §. 1085. Die Prognose betreffend, so ist diese, da die Krankheit gewoͤhnlich, wenn sie sich selbst uͤberlaßen bliebe, den Tod der Frucht und der Mutter zur Folge haben wuͤrde, allerdings unguͤnstig zu nennen, jedoch wird dieses modificirt durch die Moͤglichkeit einer gruͤndlichen und baldigen Heilung wenn die Huͤlfe zur rechten Zeit gesucht wird. — Es koͤmmt daher in einem gegebenen Falle hauptsaͤchlich darauf an, ob das Uebel bereits lange gedauert, und der Uterus bereits den Entzuͤn- dungszustand erreicht habe. Im letztern Falle ist immer, wenn auch die Heilung fuͤr die Mutter noch gelingt, zu be- fuͤrchten daß die Schwangerschaft durch Abortus sich endigen werde. §. 1086. Behandlung . Sie hat drei Indicationen zu erfuͤllen: 1) dringende Zufaͤlle welche von der falschen Lage bereits ver- ursacht worden sind, zu beseitigen; 2) die normale Lage des Uterus herzustellen; 3) denselben in dieser Lage zu erhalten. — Die Erfuͤllung der ersten Indication bezieht sich aber zuvoͤr- derst auf Entleerung der Harnblase und Hebung der entzuͤnd- lichen Zufaͤlle. Das Erstere wird durch Einbringung des Ka- theters bewerkstelligt, jedoch oft nur mit Muͤhe, so daß es daher rathsam ist, fuͤr Faͤlle dieser Art mehrere silberne und elastische Katheter verschiedener Staͤrke in Bereitschaft zu hal- ten, ja sich auf den aͤußersten Fall mit einem feinen maͤnn- lichen Katheter zu versehen. — Man kann zwar zuweilen die Blase schon dadurch entleeren, daß man mit zwei Fingern in die Mutterscheide eingehend den Mutterhals zu fassen und von dem Schambogen weg zu druͤcken und herabzuziehen sucht, allein bei diesem Verfahren, welches uͤberdieß wenn der Ute- rus bereits entzuͤndet ist, sehr schmerzhaft seyn wuͤrde, muß die Gebaͤrmutter stets eine Reitzung erfahren, welche gewiß die Neigung zum Abortus verstaͤrkt. §. 1087. Ferner den Entzuͤndungszustand betreffend, so ist es fuͤr alle Faͤlle wo er bereits eine betraͤchtliche Hoͤhe erreicht hat, rathsam, der zu unternehmenden Operation der Zuruͤck- bringung eine allgemeine Blutentziehung vorausgehen zu las- sen, und oͤrtlich erweichende, narkotische Injektionen und Fo- mentationen so wie innerlich eine Emulsio nitrosa anwenden zu laßen, ja fuͤr den Fall einer sehr betraͤchtlichen Einklem- mung des schwangern Uterus, die Kranke zuvor in ein laues Bad zu bringen. — Die Entleerung des Darmkanals kann ebenfalls vorher durch einige erweichende Lavements versucht werden, da aber diese bei der betraͤchtlichen Zusammendruͤckung des Mastdarms oft nur wenig ausrichten koͤnnen, auch durch den noch ruͤckbleibenden Darmkoth die Operation nicht wesent- lich gehindert wird, so muß man die voͤllige Beseitigung die- ser Obstruktion oft bis nach Vollendung der Operation ver- sparen. §. 1088. Die zweite und wichtigste Indication ferner, fordert zu- erst die Anordnung einer zweckmaͤßigen Lage der Kranken, zu welchem Behuf man dieselbe auf Kniee und Ellenbogen ge- stuͤtzt, quer uͤber das Bett legen laͤßt, so daß die Fuͤße uͤber den Bettrand hervorragen und der Operirende bequem zu den Geburtstheilen kommen kann. Die Reposition selbst kann nun auf doppelte Weise gemacht werden, entweder durch die Vagina oder durch das Intestinum rectum. In den mei- sten Faͤllen gelingt die Operation eben so vollkommen auf dem ersten Wege als auf dem zweiten, und da durch die Scheide das Eingehen mit der Hand bequemer und schmerzloser ist, so verdient dieses Verfahren, wo immer moͤglich, den Vorzug. Jedenfalls ist es indeß noͤthig entweder zwei Finger oder noͤ- thigenfalls die ganze conisch zusammengelegte und ausgestreckte Hand mit Fett oder Oehl bestrichen einzufuͤhren, die Spitzen der Finger an den vorragenden Gebaͤrmuttergrund anzusetzen und diesen sofort gelinde aufwaͤrts zu draͤngen. Hat man denselben durch maͤßigen Druck bis zum Rande des Promon- torii gebracht, so muß der Druck vorzuͤglich behutsam fortge- setzt werden, um das ploͤtzliche Uebergleiten des Uterus und Ausfahren der Spitzen der Finger zu verhuͤten. Zeichen der gelungenen Reposition ist es, daß der Muttermund sich wie- der in der Fuͤhrungslinie befindet. — Hat das Uebel noch nicht zu lange gedauert, so wird man die Reposition meistens ziemlich leicht finden, im entgegengesetzten Falle fordert sie oft mehr Zeit, und staͤrkern demohnerachtet aber immer vor- sichtigen Druck. §. 1089. Eine besondere Betrachtung erfordern uͤbrigens noch die Faͤlle, wo wegen uͤbermaͤßig langer Dauer der Einklemmung die Reposition ganz unmoͤglich wuͤrde, Faͤlle welche uͤbrigens gewiß hoͤchst selten seyn werden, indem ich nirgends Beispiele aufgezaͤhlt finde wo das Uebel, sobald es zur Genuͤge erkannt war, zweckmaͤßigen Repositionsversuchen Widerstand geleistet haͤtte. Demungeachtet ist ein solcher Fall als moͤglich anzu- erkennen, und die bisher vorgeschlagenen Mittel hier noch we- nigstens die Schwangere zu retten (denn an Erhaltung der Frucht wird bei diesem Grade der Geschwulst und Entzuͤndung selten noch zu denken seyn), bestehen theils in der spaͤter noch zu beschreibenden Trennung der Schamfuge (Synchondro- tomia) oder der Durchbohrung des schwangern Uterus selbst mittelst eines Troikars. §. 1090. Das erstere Verfahren wuͤrde durch Erweiterung des Beckenraums die Reposition gestatten, und duͤrfte auch hier, da die Schamfuge sich nicht allzuweit zu oͤffnen brauchte und folglich keine Verletzung der Kreuz- und Darmbeinvereinigun- gen so leicht zu befuͤrchten staͤnde (welcher Nachtheil bei An- wendung dieser Operation Behufs der Erleichterung schwerer Geburten immer sich einzustellen droht), wenigstens eher als bei Geburten ausgetragener Kinder zu empfehlen seyn. Das Eroͤffnen des Uterus durch den Troikar hingegen wuͤrde durch Abfluß des Wassers den Uterus zu Zusammenziehungen veran- laßen, und indem sich so sein Umfang verkleinerte, wuͤrde die Reposition moͤglich werden. — Da indeß von beiden Ver- fahren eine nachtheilige Wirkung auf den muͤtterlichen Koͤrper fast nothwendig einzutreten droht, so schlage ich hier noch als dritten Ausweg vor, eine kuͤnstliche Fruͤhgeburt durch Sprengen der Eihaͤute im Muttermunde zu bewerkstelligen, und so- mit alle Gefahr, in soweit sie von der Operation abhaͤngig ist, fuͤr die Mutter zu vermeiden. Zwar wuͤrde das Eingehen in den Muttermund wegen des hohen Standes desselben wohl haͤufig etwas erschwert werden, allein mittelst geschickter Ein- fuͤhrung der Hand in die Beckenhoͤhle, und mittelst einer ge- bogenen starken geknoͤpften Sonde wird es sicher nicht miß- lingen. §. 1091. Ist nun auf eine oder die andere Weise die Reposition gemacht, so bleibt noch die Erfuͤllung der dritten Indication uͤbrig, naͤmlich den Uterus in dieser normalen Lage zu erhal- ten, welches um so mehr zu beruͤcksichtigen ist, da viele Faͤlle beweisen, daß die Neigung die abnorme Lage wieder anzuneh- men fuͤr laͤngere Zeit sehr betraͤchtlich zu seyn pflegt, so daß Ruͤckfaͤlle leicht eintreten. Zuvoͤrderst muß daher, wenn die Retentionen des Urins und Stuhls vor der Reposition nicht voͤllig zu beseitigen waren, nach derselben durch Application des Katheters und der Lavements dieser Zweck erreicht wer- den, sodann aber ist eine strenge Beobachtung der Lage auf dem Bauche durchaus nothwendig. In dieser Lage oder hoͤch- stens in einer Seitenlage muß sofort die Operirte 8 bis 14 Tage verweilen, Urin und Stuhl muͤßen oͤfters entleert und eine sehr einfache Diaͤt beobachtet werden, wobei denn ge- woͤhnlich der Uterus sich soweit vergroͤßert und an die nor- male Lage gewoͤhnt haben wird, daß ein Ruͤckfall nicht wei- ter zu befuͤrchten steht und die Operirte als voͤllig genesen be- trachtet werden kann. — Oefters hat man diesen Ruͤckfaͤllen auch durch Pessarien welche den Muttermund umfaßen, vorzu- beugen gerathen, allein diese reitzen gewoͤhnlich den Uterus, sobald sie die Vaginalportion wirklich fixiren und befoͤrdern dadurch die Neigung zum Abortus; da nun uͤberdieß die oben- erwaͤhnte ruhige Lage schon als Verhuͤtungsmittel ausreicht, und ohne diese selbst das Pessarium nicht genuͤgen wuͤrde, so erscheinen die letztern uͤberhaupt uͤberfluͤßig und sogar nach- theilig. b. Vorfall der schwangern Gebaͤrmutter . §. 1092. Ruͤcksichtlich der Beschreibung und Eintheilung dieses Vorfalles (Prolapsus, Procidentia) so wie ruͤcksichtlich seiner Aetiologie koͤnnen wir auf das was im 1. Theile (§. 470. u. f.) uͤber den Vorfall des nicht schwangern Uterus gesagt ist, zuruͤckweisen; zu bemerken ist daher hier nur, daß der Vorfall des schwangern Uterus im Ganzen weit seltner als außer der Schwangerschaft eintrete, da das vergroͤßerte Vo- lumen der schwangern Gebaͤrmutter ihr Herabsinken ins Bek- ken hindert, daß jedoch bei betraͤchtlicher Beckenweite und gro- ßer Erschlaffung der Gebaͤrmutterbaͤnder der Vorfall waͤhrend der Schwangerschaft auch leicht weit groͤßer als außer dersel- ben, ja als vollkommner Vorfall mit Umstuͤlpung der Vagina erscheinen koͤnne. §. 1093. Dieses voͤllige Hervortreten des schwangern Uterus nun, hat man namentlich zur Zeit des fuͤnften bis achten Schwan- gerschaftsmonats beobachtet, und es muß diese widernatuͤrliche Lage nothwendig in der Schwangerschaft mit weit heftigern Zufaͤllen als außer derselben verbunden seyn. Diese Zufaͤlle sind aber: theils Druck auf den Mastdarm und die Harn- blase, theils Anschwellung, Entzuͤndung, Blutung, ja bei laͤn- gerer Dauer wird selbst Uebergang in Brand, oder (und diese ist besonders gewoͤhnlich) Stoͤrung der Schwangerschaft selbst durch eine fruͤhzeitige Geburt zu befuͤrchten stehen. Merkwuͤr- dig ist es uͤbrigens, daß, wie z. B. die in Stark’s Archiv Dr. J. Chr. Stark ’s neues Archiv f. Geburtshuͤlfe. 1. Bd. 1. Heft. erzaͤhlten und Muͤllner’s Fall W. J. Muͤllner seltne Wahrnehmung einer vorgefallenen Ge- baͤrmutter. Nuͤrnberg 1771. beweisen, das Uebel wenn es mehr nach und nach eintritt, laͤngere Zeit, ja Monate lang vorhanden seyn kann, ohne die genannten gefaͤhrlichen Zufaͤlle sogleich zu veranlaßen, so wie auch zu erwaͤhnen ist, daß mehrere Aerzte in diesem Falle zugleich betraͤchtliche Ver- laͤngerungen des Mutterhalfes haben entstehen sehen wollen. §. 1094. Was nun aber diese sogenannte Verlaͤngerung der Va- ginalportion betrifft, (sie sollte in dem Muͤllner schen Falle 6 Zoll betragen haben) so kann ich mich nicht enthalten zu bemerken, daß man hier wahrscheinlich die verlaͤngerte umge- stuͤlpte Mutterscheide fuͤr den Mutterhals genommen habe. Wie naͤmlich schon von dem completen Vorfall nicht schwan- gerer Personen bemerkt worden ist, so wird derselbe stets von einer Umstuͤlpung der Mutterscheide nothwendig begleitet, und eben so muß die ganz vorgefallene schwangere Gebaͤrmutter aͤußerlich nothwendig noch von der umgestuͤlpten Mutterscheide umgeben seyn, welche nun aber oͤfters in der Muttermunds- gegend eine cylindrische Verlaͤngerung bildet, die leicht mit dem Mutterhalse selbst zu verwechseln ist. §. 1095. Gehoͤren nun aber uͤberhaupt diese vollkommnen Vorfaͤlle des schwangern Uterus zu den seltnen Erscheinungen, so ist es dagegen ziemlich haͤufig der Fall, daß namentlich der hoch- schwangere Uterus tiefer, zugleich mit dem vorliegenden Kin- destheile, ins Becken herein sinkt, und dadurch vorzuͤglich zu Stuhlverstopfungen, Urinbeschwerden, Anlaufen der Hautvenen und der Schenkel uͤberhaupt Veranlaßung giebt, jedoch nie so gefaͤhrlich wie die ersterwaͤhnten Senkungen zu seyn pflegt. — Daß uͤbrigens, wenn sich der unvollkommene sowohl, als der vollkommene Gebaͤrmuttervorfall, bis zu Ende der Schwan- gerschaft erhaͤlt, daraus auch mehrfache Stoͤrungen des Ge- burtsgeschaͤfts sich ergeben werden, ist leicht abzunehmen und wird bei der Betrachtung regelwidriger Geburten noch beson- ders eroͤrtert werden. §. 1096. Was die Diagnose betrifft, so ist diese hier eben nicht leicht zweifelhaft, da der herabgesunkene Uterus sich theils oft sichtbar darbietet, theils durch das Gefuͤhl und die Be- ruͤcksichtigung der Zeichen der Schwangerschaft der Fall un- schwer von allen aͤhnlichen zu sondern ist. Bemerkung ver- dient es nur noch, daß man bei diesen Vorfaͤllen nicht immer den Muttermund gerade in der Mitte der vorgetretenen Ge- schwulst suchen darf, sondern ihn zuweilen weit ruͤckwaͤrts an- trifft, so daß er selbst wo der Gebaͤrmutterkoͤrper zwischen den Schamlippen hervorragt, sich hinter dem Schambaͤndchen verbirgt, wodurch das Ganze fuͤr den ersten Anblick ein fremd- artiges Ansehen bekommen kann. §. 1097. Die Prognose richtet sich nach dem Grade der Sen- kung, nach der Art der Entstehung, nach den hinzugetretenen Entzuͤndungszustaͤnden u. s. w. und der Dauer des Uebels. Vorfaͤlle welche durch eine aͤußere Gewalt ploͤtzlich eingetreten sind, geben daher immer eine uͤblere Prognose; eben so wie complete in der letzten Zeit der Schwangerschaft eingetretene Senkungen, theils der oben (§. 1093.) bemerkten Zufaͤlle, theils der schwierigen Reposition wegen, nur eine unguͤnstige Prognose gestatten. §. 1098. Die Behandlung des gaͤnzlich vorgefallenen Uterus hat dieselben drei Indicationen welche fuͤr Retroversio uteri auf- gestellt worden sind, zu erfuͤllen; naͤmlich 1) Beseitigung drin- gender Zufaͤlle, wie der Entzuͤndung u. s. w. 2) Herstellung der normalen Lage und 3) Erhaltung in derselben. Der er- sten Indication ist voͤllig eben so wie bei der Zuruͤckbeugung Genuͤge zu leisten, naͤmlich den Umstaͤnden nach durch Blut- entziehungen, Fomentationen, innerlich angewendete beruhigende und antiphlogistische Mittel, und Sorge fuͤr Entleerung von Stuhl und Urin. §. 1099. Um die zweite Indication zu erfuͤllen, laͤßt man die Kranke auf ein horizontales Lager bringen, nur den Kopf und die Kreuzgegend durch untergeschobene Kissen etwas erhoͤhen, bestreicht die rechte Hand mit Oleum Hyosciami, einer Opiatsalbe oder etwas dem aͤhnlichen, und eben so die vorlie- gende Geschwulst, setzt dann die Spitzen der Finger um den Muttermund an, und sucht durch allmaͤhliges in der Richtung der Fuͤhrungslinie unternommenes Draͤngen den Uterus wie- der in die Hoͤhle des Beckens und in seine natuͤrliche Lage zu- ruͤckzufuͤhren. Ist nun der Uterus noch nicht durch weit vor- geruͤckte Schwangerschaft zu sehr ausgedehut, oder durch be- reits lange dauernde falsche Lage zur Reposition gaͤnzlich un- faͤhig geworden, so wird es nicht allzugroße Schwierigkeiten finden diesen Zweck zu erreichen. Finden hingegen die erwaͤhn- ten Umstaͤnde Statt, so wird oft die Zuruͤckbringung nur sehr schwer, oder gar nicht, wenigstens nicht vor der Entleerung des Uterus, durch die von selbst eintretende oder kuͤnstlich be- schleunigte Entbindung erfolgen koͤnnen. §. 1100. Das Zuruͤckhalten des reponirten Uterus zu bewerkstelli- gen erfordert zuvoͤrderst strenges Beobachten der Ruhe in ho- rizontaler Lage, Beseitigung aller Gelegenheitsursachen, als Husten, Erbrechen, Obstruktion, Harnverhaltung u. s. w. und endlich die Unterstuͤtzung des Uterus durch einen hinlaͤnglich großen in zusammenziehende aromatische Aufguͤße getauchten Schwamm, welcher durch eine T Binde zu unterstuͤtzen ist. — Ein Vorfall welcher sich durchaus nicht zuruͤckbringen laͤßt, macht, wenn er nur langsam entstanden und deßhalb nicht mit heftiger Entzuͤndung begleitet ist, zunaͤchst die vollkommenste Ruhe und horizontale Lage, auch bei Excoriationen und Schmerz- haftigkeit das Bestreichen mit dem Oleo Hyosciami, oder aromatische, warme, mit Wein versetzte Fomentationen noth- wendig; die kuͤnstliche Entbindung hingegen ist, so lange keine gefahrdrohende Symptome sich zeigen, zu verschieben, da es durch die Erfahrung bestaͤtigt ist, daß auch selbst bei zum Theil außerhalb des Beckens liegendem Uterus, das Austragen des Kindes Statt finden kann. §. 1101. Der unvollkommne Gebaͤrmuttervorfall, wo der Uterus nur tiefer in die Hoͤhle des Beckens herabsinkt, erfordert in den fruͤhern Monaten der Schwangerschaft, aͤhnliche Behand- lung wie bei nicht schwangern Personen, naͤmlich Reposition, strenge Ruhe und das Einbringen eines Schwammes, da die Pessarien hier meistens zu sehr reitzen und den Abortus be- foͤrdern. In der letzten Zeit der Schwangerschaft, wenn der Uterus mit dem vorliegenden Kindestheile zugleich in das Becken sinkt, ist die Reposition so wie die Unterstuͤtzung des- selben durch mechanische Huͤlfsmittel selten wohl moͤglich, und die aus dieser Lage entspringenden Beschwerden koͤnnen daher nur durch Ruhe und horizontale Lage vermindert, die falsche Lage selbst aber erst nach der Entbindung nach den im ersten Theile aufgestellten Regeln behandelt werden. c. Schieflagen der schwangern Gebaͤrmutter und Gebaͤrmutterbruch (Hysterocele). §. 1102. Was die Schieflagen des schwangern Uterus betrifft, als welche durch ein betraͤchtliches Abweichen der Laͤngenare desselben von der Fuͤhrungslinie des Beckens und von der Laͤngenare des muͤtterlichen Koͤrpers bedingt werden, so un- terscheiden wir vorzuͤglich drei Arten derselben, naͤmlich: 1) die Lage mit dem Muttergrunde zu weit nach vorwaͤrts, 2) die Lage mit dem Muttergrunde zu weit nach rechts und 3) die Lage mit dem Muttergrunde zu weit nach links. Schieflage mit dem Muttergrunde nach ruͤckwaͤrts kann bei weiter vor- geruͤckter Schwangerschaft wegen der Wirbelsaͤule, insofern diese nicht etwa durch betraͤchtliche Kyphosis verunstaltet ist, nicht wohl vorkommen; tritt sie hingegen in den fruͤhern Monaten ein, so geht sie gewoͤhnlich in die oben beschriebene Retroversio uteri uͤber. §. 1103. Verursacht werden diese Schieflagen im Allgemeinen durch Schlaffheit der Gebaͤrmutterbaͤnder und Bauchbedeckungen, weß- halb man sie vorzuͤglich bei phlegmatischen Personen und sol- chen die schon haͤufig geboren haben, beobachtet. Die Schief- lagen nach seitwaͤrs insbesondere werden beguͤnstigt durch zu starke Neigung der Darmbeine nach auswaͤrts, so wie die Schieflage nach vorwaͤrts durch eine zu starke Neigung des Beckeneinganges. §. 1104. Die Folgen dieser Schieflagen (deren Erkenntniß uͤbri- gens durch die aͤußere Untersuchung und Beruͤcksichtigung des Standes der Vaginalportion leicht erlangt wird) bestehen waͤhrend der Schwangerschaft theils in groͤßerer Unbequem- lichkeit fuͤr die Schwangere, welches vorzuͤglich von dem stark vorwaͤrts uͤberhaͤngenden Leibe gilt, theils in groͤßerer Stoͤ- rung der Stuhl und Harnausleerung, Druck auf die großen Gefaͤße u. s. w. — Aber auch fuͤr die bevorstehende Ent- bindung veranlaßen diese Schieflagen manche Beschwerden, indem sie das regelmaͤßige Herabsinken des Kindeskopfs auf die obere Beckenoͤffnung verhindern. Eine Behandlung kann uͤbrigens hierbei nicht weiter Statt finden, als daß man der Schwangern das Schlafen auf der Seite nach welcher der Muttermund gerichtet ist, empfiehlt, (um so den Muttergrund durch seine eigene Schwere mehr gegen die Koͤrpermitte her- einzuleiten) und zweitens das Tragen einer zweckmaͤßigen Bauchbinde anordnet, zugleich aber auch die durch die Schief- lage etwa bereits veranlaßten Beschwerden, als Obstruktionen u. s. w. nach den fuͤr diese Faͤlle bereirs oben eroͤrterten Re- geln behandelt. §. 1105. Besondere Erwaͤhnung verdienen uͤbrigens noch die Faͤlle wo der nach vorwaͤrts schiefliegende Uterus in eine Spalte der Linea alba, oder in den erweiterten Nabelring sich zum Theil hereindraͤngt und so einen Gebaͤrmutterbruch (Hysterocele) bildet, welcher, besonders wenn er neu entstanden ist, leicht Einklemmungen veranlaßt, welche zu Entzuͤndung und Fruͤh- geburt fuͤhren koͤnnen. In einem solchen Falle ist zuerst eine horizontale Lage auf dem Ruͤcken anzuordnen, dann der vor- gefallene Uterus behutsam zuruͤckzuͤbringen, und endlich die Bruchspalte selbst durch eine gute Bauchbinde und aufgelegte mit Spiritus camphoratus, Spiritus serpilli u. s. w. befeuch- tete Compressen zusammenzuhalten. Auch spaͤterhin muß die Schwangere ein ruhiges Verhalten beobachten, und blaͤhende Speisen, Obstruktionen u. s. w. sorgfaͤltig vermeiden. Der Versuch einer radicalen Heilung solcher Bruͤche kann gewoͤhn- lich erst nach der Entbindung, und zwar voͤllig nach den fuͤr diese Faͤlle in der Chirurgie vorgeschriebenen Regeln, unter- nommen werden. S. Richter ’s Anfangsgr. der Wundarzneik. 5. Thl. 15. und 16. Kapitel. Anmerkung . Zuweilen kann auch waͤhrend der Schwan- gerschaft Zerreißung des Uterus eintreten, welche indeß dann dieselben Symptome hat und dieselbe Behandlung fordert wie unter der Geburt, weßhalb wir sie erst bei der Lehre von abnormen Geburten naͤher betrachten. II. Krankheiten der Bruͤste bei Schwangern . 1. Zu starkes Anschwellen der Bruͤste in der Schwangerschaft . §. 1106. Wie uͤberhaupt in den weiblichen Geschlechtsorganen eine große Neigung zu wuchernden Ausartungen und Vergroͤßerun- gen ihrer Substanz vorhanden ist, so auch zeigen die Bruͤste Diese wuchernde Fortbildung ist nicht selten waͤhrend der Schwan- gerschaft auch an den aͤußern Schamtheilen bemerkbar, wie ich denn z. B. die Nymphen zuweilen auf 3 bis 4 Zoll lang bei Schwangern gefunden habe. waͤhrend der Schwangerschaft zuweilen nicht blos die geringe Anschwellung, welche eine Folge ihres physiologischen Zusam- menhanges mit dem Uterus ist, sondern auch abnorme, oft mit Schmerzen und selbst mit Fieberbewegungen verbundene Ausdehnungen. Es ist dieß namentlich bei vollsaftigen Koͤr- pern der Fall, und die Vergroͤßerung beginnt hier oft schon in den fruͤhern Schwangerschaftsmonaten, die Bruͤste werden zugleich hart, verursachen Spannen und Stechen, und errei- chen zuweilen, obwohl selten, eine wirklich ungeheure Groͤße; indem z. B. Joͤrdens sie beide, jede von dem Umfange welcher dem des Koͤrpers der Schwangern gleich kam, und so daß sie im Sitzen auf den Schenkeln auflagen, beobachtete. §. 1107. Die Ursache solcher betraͤchtlicher Ausdehnungen hat man zuweilen, nach einer zu sehr auf mechanische Verhaͤltniße Ruͤck- sicht nehmenden Ansicht, als in dem Drucke des schwangern Ute- rus auf den Plexus hypogastricus der lymphatischen Ge- faͤße begruͤndet angenommen; richtiger scheint es dagegen zu seyn, eine abnorme Steigerung des Bildungslebens in dem Geschlechtssystem uͤberhaupt und in den Bruͤsten insbesondere als wesentliche Ursache anzuerkennen. Entferntere Ursachen koͤnnen in urspruͤnglich staͤrkerer Entwickelung der Bruͤste, in reitzender sehr nahrhafter Diaͤt bei geringer Bewegung, in zu warmem Verhalten insbesondere der Bruͤste, so wie in man- cherlei Reitzungen derselben durch Waschen mit geistigen Mit- teln, Manipulationen u. s. w. gegeben seyn. §. 1108. Die Folgen solcher starker Ausdehnungen der Bruͤste sind, wenn die Vergroͤßerung nicht allzubetraͤchtlich wird, nicht leicht gefaͤhrlich; in diesem hoͤchsten Grade hingegen muß da- durch außer vielfacher Unbequemlichkeit fuͤr die Schwangere, eine zu bedeutende Ableitung der Saͤfte vom Uterus herbei- gefuͤhrt, die Ernaͤhrung des Kindes gestoͤrt, und selbst zu Fruͤhgeburten, oder unregelmaͤßigen Ausbildungen der Frucht, abnormen Wasseranhaͤufungen in den Eihaͤuten, u. s. w. Ver- anlaßung gegeben werden. Endlich wirkt in solchen Faͤllen, besonders wenn die Anschwellung der Bruͤste sich mit Aus- fluß der Milch verbindet, gewoͤhnlich die uͤbermaͤßige Repro- duktion in einem Systeme, nachtheilig auf die Reproduk- tion des Koͤrpers uͤberhaupt; der Koͤrper der Schwangern magert ab, die Verdauung wird gestoͤrt, Fieberbewegungen treten ein, ja es gesellt sich, so wie bei zu lange fortgesetz- tem Stillen, Blutspeien hinzu, und droht einen Zustand all- gemeiner Auszehrung. §. 1109. Die Behandlung muß hierbei vorzuͤglich auf das diaͤte- tische Verhalten sich einschraͤnken und auf Beseitigung der §. 1107 erwaͤhnten entfernten Ursachen gerichtet seyn. Man untersagt daher der Schwangern eine zu reichliche Nahrung, veranlaßt sie zu hinlaͤnglicher koͤrperlicher Bewegung, empfiehlt eine sorgfaͤltige Hautkultur und den Gebrauch der lauen Baͤ- der um die Perspiration zu befoͤrdern, sorgt fuͤr regelmaͤßige Unterhaltung der Darmausleerung und reicht, namentlich bei sehr schwammigen vollsaftigen Koͤrpern, von Zeit zu Zeit eine gelinde Abfuͤhrung. Die Befriedigung des Geschlechtstriebes und jede Reitzung der Bruͤste selbst, durch zu oͤfteres Hervor- ziehen der Warzen, Waschen derselben mit geistigen Mitteln u. s. w. muß untersagt werden. Oertlich ist das vorsichtige, keinen zu starken Druck veranlaßende Unterstuͤtzen der Bruͤste durch eine Binde und aufgelegte Baumwolle zu empfehlen, bei entzuͤndlichen Zustaͤnden laͤßt man blutige Schroͤpfkoͤpfe auf die Oberarme anwenden, und uͤberhaupt die Behandlung, welche bei der unter den Krankheiten der Woͤchnerinnen abzu- handelnden Entzuͤndung der Bruͤste angegeben wird, eintre- ten. — Endlich empfehlen sich hierbei auch die Einreibungen von dem Oleo camphorato in die Bruͤste, und bei entste- henden Milchknoten dasjenige Verfahren welches bereits im ersten Theile bei den gutartigen Verhaͤrtungen der Bruͤste an- gerathen worden ist. 2. Ausschlaͤge an den Bruͤsten der Schwangern . §. 1110. Die erhoͤhte Gefaͤßthaͤtigkeit, welche in den Bruͤsten der Schwangern uͤberhaupt Statt findet, und zugleich die wesent- liche Ursache der in den vorigen §§. beschriebenen abnormen Anschwellungen war, bewirkt auch haͤufig, daß bei Personen, deren Koͤrper von scabioͤsen oder syphilitischen Krankheitsstof- sen nicht frei, oder wo die unreinliche Lebensweise der Ent- stehung von Hautkrankheiten guͤnstig ist, waͤhrend der Schwan- gerschaft mancherlei Ansschlaͤge an den Bruͤsten zum Vorschein kommen. Diese Ausschlaͤge erscheinen entweder als einzelne Bluͤthchen welche in Eiterung uͤbergehen, abtrocknen und wie- der durch andere ersetzt werden, oder sie stellen sich dar als Flechten, welche vorzuͤglich auf dem Warzenhofe ausbrechen, Feuchtigkeit ausschwitzen, Borken machen und stechende Schmer- zen verursachen. §. 1111. Ist dieser Ausschlag scabioͤsen Ursprungs, so wird man gewoͤhnlich auch an andern Theilen des Koͤrpers, an den Handgelenken, den Unterschenkeln u. s. w. Spuren dieser Krankheit bemerken, und die Kranke empfindet ein laͤstiges Jucken sobald der Koͤrper sehr erwaͤrmt wird. Syphilitischer Charakter dieser Ausschlaͤge giebt sich vorzuͤglich durch das starke Naͤßen der kranken Stellen, durch die rißige aufgesprun- gene Haut, durch das speckige Ansehen der aus diesen Aus- schlaͤgen sich oft entwickelnden kleinen Geschwuͤre, so wie durch die Spuren solcher Krankheit an den Geburtstheilen zu erken- nen. In beiden Faͤllen pflegen die Ausschlaͤge vorzuͤglich hartnaͤckig zu seyn, und werden insbesondere durch die spaͤ- II. Theil. 18 terhin zu besorgende Ansteckung des Kindes oder durch die gaͤnzliche Unmoͤglichkeit das Stillen in Gang zu bringen, nachtheilig. — Entstehen die Ausschlaͤge blos als Folge der Unreinlichkeit und unzweckmaͤßiger Nahrung, so giebt sich dieß durch Mangel der obenerwaͤhnten Merkmale und durch Be- ruͤcksichtigung der Lebensweise zu erkennen. Diese pflegen uͤbrigens auch weniger hartnaͤckig und gefaͤhrlich, und leichter heilbar zu seyn. §. 1112. Die Behandlung solcher Ausschlaͤge muß stets dem Ur- sprung derselben angemessen seyn, im Allgemeinen ist jedoch immer auf die groͤßte Reinlichkeit, auf den Gebrauch lauer mit etwas Seife versetzter Baͤder, oͤfteres Wechseln der Waͤsche und Vermeidung aller oͤrtlichen Reitze so wie einer zu stark naͤhrenden, scharfen und erhitzenden Diaͤt, besonders zu drin- gen. Ein blos von der Lebensweise abhaͤngiger Ausschlag wird oft schon allein durch diese Maaßregeln vertrieben, und in hartnaͤckigen Faͤllen wird man damit noch das Waschen der Bruͤste mittelst eines Aufgußes der Hb. Iaceae, Stipit. Dulcamarae, einer Abkochung der Ulmenrinde u. s. w. ver- binden, man wird einige gelind abfuͤhrende Mittel darreichen, das Trinken der Abkochungen von Rad. Graminis, Rad. Caricis aren. Stipit. Dulcamarae u. s. w. empfehlen, bei Stoͤrungen im Lymphsystem und herpetischem Charakter die Antimonialien und aufloͤsenden Extrakte benutzen, und dadurch meistens (dafern nur das Uebel noch nicht zu sehr eingewur- zelt ist) den Zweck der Heilung bald erreichen. §. 1113. Ausschlaͤge hingegen, welche scabioͤser oder syphilitischer Art sind, fordern eine der Natur dieser Krankheiten angemes- sene Behandlung. Im erstern Falle unterscheidet sich diese jedoch nicht allzusehr von der im vorigen §. geschilderten, nur daß man innerlich außer einigen Abfuͤhrungen sich wohl noch des Schwefels bedient, und aͤußerlich außer den Seifenbaͤdern das Waschen mit einer schwachen Aufloͤsung der Schwefelle- ber oder der Abkochung von Stipit. Dulcamar. Hb. Cicutae, Cort. Ulmi u. s. w. anwendet. Syphilitische Ausschlaͤge endlich machen die innerliche Anwendung des Merkurs un- entbehrlich, fordern uͤbrigens dieselbe Anordnung der Diaͤt und Lebensweise wie bei den vorigen Gattungen und machen aͤus- serlich die Anwendung des Kalkwassers, des Cicuten- und Ulmenrindendekokts, der Aq. phagedaenica, und der Mer- kurialsalben nothwendig. III. Von den krankhaften Zustaͤnden der Frucht . §. 1114. Wenn wir hier den krankhaften Zustaͤnden der Frucht einen besondern Abschnitt widmen (was in den fruͤhern Hand- buͤchern uͤber diese Gegenstaͤnde noch nirgends geschehen ist), so ist es vorzuͤglich unser Zweck, diejenigen im Leben des Embryo vorkommenden Regelwidrigkeiten zusammenzustellen, wodurch zwar die Beendigung der Schwangerschaft und die Geburt selbst nicht etwa gaͤnzlich unmoͤglich gemacht, dem- ohnerachtet aber die regelmaͤßige Ausbildung und Lebensfaͤhig- keit des Kindes auf vielfache Weise gefaͤhrdet wird. Die Entwickelung der Frucht sonach gaͤnzlich außerhalb des Ute- rus (wobei die Geburt auf dem natuͤrlichen Wege durchaus unmoͤglich wird), die Ausartungen des Eies uͤberhaupt in eine Mola, die falschen Adhaͤsionen des Mutterkuchens, die zeitigen Abtrennungen desselben, die regelwidrigen Lagen des Embryo u. s. w., sind Regelwidrigkeiten welche in zu naher Beziehung auf den Geburtsakt stehen, als daß sie nicht un- ter der Betrachtung der regelwidrigen Geburt uͤberhaupt, eine besondere Stelle einnehmen muͤßten. §. 1115. Es steht sonach dieser Abschnitt dem uͤber die phyfio- logischen Eigenthuͤmlichkeiten des Fetus vollkommen gegenuͤber, und hat zur Absicht zu zeigen, welcher Krankheiten der Fe- tus insbesondere faͤhig ist, oder mit andern Worten eine Darstellung der pathologischen Eigenthuͤmlich- keiten desselben (eine Therapie ist natuͤrlich hierbei nicht fuͤglich denkbar) zu geben. 1. Allgemeine Pathologie des Fetuszustandes . §. 1116. Im entwickelten Menschen aͤußert sich das Leben durch Bilden und Bestimmung der Gebilde (vegetatives und ani- males Leben) und so auch zeigen sich die krankhaften Zustaͤnde bald als abnorme Bildungsthaͤtigkeit, bald als abnorme Zu- staͤnde des Seelenlebens in seinen Aeußerungen durch Empfin- dung und Bewegung. In der Periode hingegen wo der sich erst entwickelnde Menschenkoͤrper, in tiefem Schlafe seiner hoͤhern Faͤhigkeiten befangen, im muͤtterlichen Koͤrper verweilt, lebt er auch nur im Bilden , und es ergiebt sich daraus, daß Stoͤrungen seiner Lebensthaͤtigkeit uͤber- haupt nur als krankhaft werdende Bildungsthaͤ- tigkeit erscheinen koͤnnen . §. 1117. Wir duͤrfen aber an der Bildungsthaͤtigkeit des Embryo zweierlei Formen unterscheiden, naͤmlich diejenige wodurch die besondern Organe des Koͤrpers zuerst aus der indifferenten Einheit des urspruͤnglichen Keims, durch stets fortgesetzte Differenzirung organischer Maße, sich hervorbilden, und dann diejenige wodurch der organische Stoffwechsel in den bereits vorhandenen Organen unterhalten wird. Man koͤnnte die erste die schaffende die zweite die erhaltende Bildungskraft nennen, und muß bemerken, daß von diesen wieder die erstere ganz dem Fetuszustande und besonders der fruͤhern Periode desselben eigenthuͤmlich sey, in der spaͤtern Periode dessel- ben hingegen, so wie nach der Geburt bis zur Pubertaͤtsent- wickelung, nur noch durch das Wachsthum vorhandener, aber nicht mehr durch die Erschaffung neuer Gebilde sich aͤußere. §. 1118. Eben so wird nun auch die abnorme Bildungsthaͤtigkeit in der menschlichen Frucht theils als abnormes Erzeu- gen organischer Gebilde sich darstellen , und zwar auf dreifache Weise: 1) indem sie Organe welche der Idee des menschlichen Organismus nach vorhanden seyn sollen, nicht entstehen laͤßt ; 2) indem sie uͤberzaͤhlige orga- nische Gebilde hervorbringt ; 3) indem sie Organe welche in die Idee des Organismus gehoͤren zwar erzeugt, aber in regelwidriger Form, Mischung und Struktur. Theils wird die abnorme Bil- dungsthaͤtigkeit in regelwidrigem Erhalten der Organe sich offenbaren , und zwar indem in einem vor- handenen und urspruͤnglich regelmaͤßig erzeugten Organe durch Krankheit entweder 1) eine uͤbermaͤßige Bildungsthaͤ- tigkeit (Entzuͤndung, Wucherung,) oder 2) eine zu ge- ringe ja zerstoͤrende Bildungsthaͤtigkeit (Atrophie, Aufloͤsung) oder 3) eine qualitativ veraͤnderte Bil- dungsthaͤtigkeit (Degeneration) hervortritt. §. 1119. Welches sind nun aber die Ursachen wodurch diese Stoͤ- rungen im Bildungsprozeße der Frucht hervorgerufen werden koͤnnen? und welche Folgen bringen diese Stoͤrungen in dem Befinden der Frucht hervor? — diese Fragen sind es welche jetzt zunaͤchst eroͤrtert werden muͤßen. — §. 1120. Aetiologie . Wie im gebornen selbststaͤndigen Men- schen das Leben uͤberhaupt besteht in und durch den Conflikt seiner innern, und der ihn umgebenden aͤußern Natur, so sind bei ihm auch die Stoͤrungen seines Lebens, die Krankheiten, in beiden Sphaͤren, in der innern Lebensthaͤtigkeit und den aͤußern Einfluͤßen begruͤndet. Fuͤr den Embryo nun ist der muͤtterliche Koͤrper die aͤußere Welt, und suchen wir demnach die ursachlichen Momente fuͤr die Krankheiten des erstern, so muͤßen wir dieselben theils in der urspruͤnglichen Natur des Fruchtkeims, theils in der Stimmung des muͤtterlichen Koͤr- pers auffinden. — Die urspruͤngliche Natur des Fruchtkeims betreffend , so ist diese das Resultat seiner Erzeugung, also der zu einem Zweck sich vereinigenden Wir- kung der muͤtterlichen und vaͤterlichen Geschlechtsthaͤtigkeit im Moment der Empfaͤngniß. — Aus dieser Quelle aber, d. i. durch Stoͤrungen und Unregelmaͤßigkeiten in der Natur der Erzeugenden, oder im Akt der Erzeugung selbst, scheinen auch die urspruͤnglichen fehlerhaften Erzeugungen einzelner organi- scher Gebilde des Embryo vorzuͤglich abgeleitet werden zu muͤßen, und alle vom Vater auf das Kind uͤbergehenden De- formitaͤten und Krankheiten gehoͤren wohl unwidersprechlich hierher. Anmerkung . So beobachtet man in Kamtschatka nach H. v. Langsdorfs Bericht (im 2. Thl. seiner Reise), daß unter den zum Ziehen benutzten Hunden, welchen man dort durchgaͤngig die Schwaͤnze abstutzt, oͤfters englisirte Hunde geboren werden, dasselbe kennt man von den englischen Pferden selbst. Bei den Menschen gehoͤren hierher die bei Juden zuweilen vorkommenden Faͤlle angebornen Mangels der Vorhaut, das Forterben des Mangels oder der Ueberzahl einiger Finger und Ze- hen u. s. w. Viele Faͤlle dieser Art s. m. bei Meckel pathol. Anat. I. Thl. S. 15. — Will man endlich nicht bemerkt haben, daß in Trunkenheit erzeugte Kinder oft bloͤdsin- nig sind, und sollte nicht oͤfters der mit Widerwille oder unvollkommen ausgeuͤbte Coitus selbst die Ursache un- vollkommener und uͤberhaupt fehlerhafter Bildung des Embryo seyn koͤnnen? — §. 1121. Zweitens die vom muͤtterlichen Koͤrper begruͤn- deten Krankheitsursachen betreffend, so kann man da- bei wieder unterscheiden zwischen solchen welche in dem Leben des muͤtterlichen Koͤrpers an und fuͤr sich begruͤndet sind, und zwischen aͤußern, gleichsam nur durch den muͤtterlichen Koͤrper hindurch wirkenden Schaͤdlichkeiten. Zu den erstern gehoͤren die Einfluͤße einer mangelnden oder uͤbermaͤßigen und wuchern- den reproduktiven Thaͤtigkeit im muͤtterlichen Koͤrper auf die Frucht, wodurch bald atrophische Zustaͤnde, bald krankhaft uͤbermaͤßiges Wachsthum, Wasseranhaͤufungen u. s. w. hervor- gerufen werden. — Ferner verschiedene Krankheiten an wel- chen der muͤtterliche Koͤrper selbst leidet und welche er auf das Kind uͤbertraͤgt, z. B. Pocken, Syphilis, Gicht, Epi- lepsie. Mir ist ein Beispiel bekannt, wo eine Frau welche laͤngere Zeit, und so auch in ihrer Schwangerschaft an Gicht litt, diese endlich waͤhrend der Schwangerschaft voͤllig verlor, dagegen ein Kind gebar welches von einem Aussatz-aͤhnlichen Ausschlage stets bedeckt blieb. Eben so habe ich einigemal gesehen daß die Evilepsie an welcher Schwangere litten, auch ihre Kinder bald nach der Ge- hurt befiel; dasselbe gilt auch von Gicht. — Endlich die auf keine Weise voͤllig zu leugnende Einwirkung einer gewaltsam aufgeregten Phantasie der Mut- ter auf den Kindeskoͤrper. §. 1122. Dieses letztere wird bekanntlich unter dem Namen des Versehens begriffen, und hat zu vielfachen Streitigkeiten Veranlaßung gegeben, indem Einige die Wirklichkeit, ja die Moͤglichkeit solcher Faͤlle ganz zu leugnen und wegzudemonstri- ren bemuͤht waren, dahingegen Andere auch die abentheuer- lichsten Faͤlle dieser Art ohne Kritik stets fuͤr wahr anerkann- ten. — Was die Gruͤnde a priori betrifft, welche man ge- gen die Meinung von der Moͤglichkeit des Versehens aufge- stellt hat, so fußen sie ganz vorzuͤglich auf den Mangel einer Nervenverbindung zwischen Mutter und Kind, allein es scheint daß man hierauf zu viel Gewicht legt, indem wohl die Sache sich, wenn auch Nervenverbindung vorhanden waͤre, darum nicht eben viel leichter erklaͤren laßen wuͤrde. — Uebri- gens sind Nerven und Nerventhaͤtigkeit Produkte der orga- nischen Einheit aber nicht etwa die einzigen Ursachen der- selben, und es bedarf daher der Nerven keineswegs unum- gaͤnglich nothwendig zur Uebertragung gewißer Empfindungen; wie dieß bekannte Erscheinungen beweisen, (man erinnere sich nur an das sogenannte Stumpfwerden der Zaͤhne, an die bei Krankheiten eintretenden heftigen Knochenschmerzen, Schmer- zen der Haare u. s. w.) Auf jeden Fall koͤnnte daher wohl, daß das Kind und die Mutter hier noch ein Organismus sind, die Frucht nur in der, und durch die Mutter lebt, mehr gelten zur Erklaͤrung der Sympathie zwischen beiden, als das Vorhandenseyn einiger Nervenfaͤdchen. Daß endlich man auch darauf sich bezogen hat, daß im Fetus selbst noch keine Nerventhaͤtigkeit vorhanden sey, und er deshalb schon keine Vorstellungen und Empfindungen vom muͤtterlichen Koͤr- per aufnehmen koͤnne, beruht auf einer unerwiesenen Voraus- setzung. Nerventhaͤtigkeit wird naͤmlich ja doch selbst zu den willkuͤhrlosen Bewegungen des Fetus mit erfordert, und wenn wir zugeben daß hoͤhere Seelenthaͤtigkeit im Fetus noch in tiefem Schlafe befangen sey, so bleiben doch von einem sol- chen Schlafe traumaͤhnliche Vorstellungen nicht nothwendig ausgeschlossen (vergl. damit die zu Ende §. 740. aufgefuͤhrte Bemerkung.) §. 1123. Ueberhaupt aber koͤnnen Gruͤnde a priori in Ausmitte- lung einer Naturerscheinung dieser Art wenig Gewicht haben, sondern es kommt darauf an, das Faktum außer Zweifel zu setzen . — Alles was Vernunftgesetzen nicht widerstreitet, muͤßen wir naͤmlich fuͤr moͤglich erklaͤren, und es ist ein eben so oft begangener Irrthum, Dinge welche un- serm Stande geistiger Entwickelung noch nicht erklaͤrlich schei- nen, fuͤr unmoͤglich zu halten, als hinwiederum man oft geirrt hat, indem man halb oder gar nicht beobachtete Er- scheinungen schon fuͤr Thatsachen erklaͤrte; allein welche Moͤg- lichkeit in dem Kreise uns vorliegender Naturerscheinungen zur Wirklichkeit werde, und unter welchen Umstaͤnden dieß der Fall sey, ist Sache der unbefangenen Beobachtung. Ver- nunftwidrig ist nun aber die Annahme einer Stoͤrung im Fortbilden des Embryo durch eine gewaltsame Aufregung des geistigen Bildungsvermoͤgens d. i. der Phantasie, im muͤtter- lichen Koͤrper, eben so wenig, als es das Fortpflanzen vaͤter- licher Eigenthuͤmlichkeit auf den vom Vater nicht einmal ma- teriellen Bildungsstoff aufnehmenden Embryo genannt werden kann; beides hat freilich fuͤr uns noch manches Un- begreifliche, demungeachtet ist das Letztere durch Beobachtung erwiesen, und das Erstere wenigstens wahrscheinlich gemacht. §. 1124. Ueber das wirklich Statt finden koͤnnende Verfehen wird also dereinst blos durch Pruͤfung der Thatsachen entschieden werden koͤnnen, und eine Vorausbestimmung, hier nur so oder so weit mit seinem Glauben an die Sache gehen zu wollen, ist gaͤnzlich unstatthaft. — Nun braucht es aber nur einen Blick auf die Masse der Erzaͤhlungen vom Versehen, um sich zu uͤberzeugen, daß hier wie in so Vieles andere der Natur- wissenschaft, eine Menge Fabeln und Aberglauben mit einge- mischt sey, es stellen sich aber dagegen auch viele Thatsachen dem unbefangenen Auge dar, wo man entweder achtbare Maͤnner der Unwahrheit zeihen, oder gestehen muß, daß aus- ser auf diese Weise nicht fuͤglich irgend eine Erklaͤrung der Thatsache moͤglich bleibe. — Daß man daher Schwangern selbst die Nichtigkeit eines solchen Versehens, um ihre Ge- muͤthsrnhe nach ungewoͤhnlichen Anblicken u. s. w. zu erhal- ten, vorstelle, ist gar nicht zu tadeln, allein die Moͤglichkeit und die je wirklich Statt gehabte Einwirkung solcher Art mit einer raschen Entscheidung zu leugnen, kann auf keine Weise Beifall verdienen. Anmerkung . Eine große Menge von aͤltern Faͤllen ei- nes solchen Versehens sehe man (freilich ohne hinlaͤng- liche Kritik) gesammelt von Dr. H. G. Wustnei in seinem Versuch uͤber die Einbildungskraft der Schwangern in Bezug auf ihre Leibesfruͤchte . Rostock 1809. Auch gedenke ich hier der merkwuͤrdi- gen vom Archiater Brandis mitgetheilten Faͤlle (s. Hufelands Journal d. prakt. Heilk. 41. Bd. 2 St. S. 38.) so wie der interessanten Faͤlle vom Hofmed. Klein in v. Siebolds Journal fuͤr Geburtshuͤlfe u. s. w. I. Bd. 2. St. und der in Meckels Archiv f. Physiologie ( II. Bd. 2. Heft S. 353.) beschriebenen und abgebildeten Mißgeburt, welche hoͤchst wahrschein- lich auf diese Weise entstanden war. — Außerdem s. m. uͤber diesen Gegenstand noch Dr. Arn. Wienholts sieben Vorlesungen uͤber die Entstehung der Mißgeburten . Herausgegeben v. Scherf . Bremen 1807; so wie einen hauptsaͤchtlich gegen die Annahme des Versehens gerichteten Aufsatz uͤber das Versehen der Schwangern vom Hrn. Prof. Joͤrg in seinen Schriften zur Befoͤrderung der Kenntniß des menschlichen Weibes . Nuͤrnberg 1812. S. 70. §. 1125. Wir kommen nun zu der zweiten Art der durch den muͤtterlichen Koͤrper auf die Frucht wirkenden Krankheits- ursachen, naͤmlich zu aͤußern Schaͤdlichkeiten, welche sich bis auf das im Uterus eingeschlossene Ovulum fortpflanzen. Es gehoͤren dahin zuvoͤrderst die mechanische Gewalt. So koͤn- nen z. B. heftige Erschuͤtterungen des muͤtterlichen Koͤrpers, selbst bedeutende Verletzungen am Koͤrper des Kindes veran- laßen z. B. Knochenbruͤche. M. s. einen Fall dieser Art in Kausch Memorabilien der Heil- kunde 1818 2. Bd. Ferner in Kopp Jahrbuch der Staatsarz- neikunde 10. Jahrg. 1817, und von Percy in d. Salzburg. med. chir. Zeitung 1815. Nro. 59. Zweitens rechnen wir hierher die Einwirkungen der aͤußern Temperatur, indem weder zu hohe noch zu niedrige Temperatur der Atmosphaͤre der Ent- wickelung des Fetus guͤnstig ist, und daher durch solche Aen- derungen der Atmosphaͤre oͤfters Mißfaͤlle und Geburten todter Kinder veranlaßt werden. — Bei alle dem ist jedoch nicht zu uͤbersehen wie der Zusammenhang zwischen Mutter und Kind von der Art ist, daß Affektionen des muͤtterlichen Koͤr- pers nicht allzuleicht auf das Kind uͤbertragen werden, und es ist hierbei merkwuͤrdig, daß, wenn einerseits oft heftige Gemuͤthsbewegungen sehr bestimmt auf die Frucht wirken, ja den Tod derselben veranlaßen koͤnnen, andrerseits auch wieder nicht selten die heftigsten koͤrperlichen Erschuͤtterungen und Leiden ertragen werden, ohne Nachtheil fuͤr die Frucht herbei zu fuͤhren. Einen solchen Fall beobachtete ich z. B. bei einer Schwangern, welche durch einen schweren Fall den Schenkel brach, und noch auffallender ist das im Lond. medic. Repostory Vol. VII. p. IV. erzaͤhlte Beispiel einer ohne Stoͤrung der Schwangerschaft vorgenommenen Schenkelamputation. §. 1126. Betrachten wir nun noch die Folgen welche theils durch urspruͤnglich fehlerhafte Richtung der bildenden Kraft im Embryo, oder durch Einwirkungen vom muͤtterlichen Koͤrper aus, herbeigefuͤhrt wurden, so muͤssen wir zuvoͤrderst unterschei- den zwischen denjenigen, welche als deutliche, in Struktur oder Thaͤtigkeit sich kund gebende Abnormitaͤten schon in der Periode des Fetuslebens erscheinen, und denjenigen welche erst spaͤterhin nach der Geburt sich entwickeln. Zu den erstern gehoͤren vorzuͤglich die in der speciellen Pathologie noch etwas naͤher zu betrachtenden organischen Verbildungen, nebst den Krankheiten, durch welche insbesondere Umaͤnderungen der Bil- dungsthaͤtigkeit veranlaßt werden, d. i. der Entzuͤndungen und Fieber; zu den letztern hingegen sind die merkwuͤrdigen gewoͤhn- lich unter den Namen der haͤreditaͤren Krankheitsanlagen begriffe- nen Zustaͤnde zu zaͤhlen, wo eine gewiße fehlerhafte, oft sinnlich gar nicht erkennbare Disposition, gleich einem erst spaͤt kei- menden Samenkorne, im Kindeskoͤrper verborgen liegt, welche erst zu gewißen Perioden des Lebens sich entwickelt (so die Anlage zur Phthisis, zu Gicht, zu Haͤmorrhoiden u. s. w.) §. 1127. Symptomatologie . Besondere Zeichen welche das Krankseyn oder die fehlerhafte Bildung des Embryo schon waͤhrend der Schwangerschaft zu erkennen gaben, sind nur in sehr geringer Anzahl und ohne hinreichende Bestimmtheit vorhanden. Daß abnorme Anhaͤufungen von Wasser vermehrte Ausdehnung des Leibes zur Folge haben werden, ergiebt sich zwar von selbst, und eben so habe ich oͤfters bei Schwangern, unter Umstaͤnden wo ein eintretender krankhafter Zustand des Fetus wahrscheinlich war, und wohl auch nach der Entbin- dung sich bestaͤtigte, mehrere der oben (§. 782.) angefuͤhrten Kennzeichen vom Tode des Kindes eintreten sehen; naͤmlich die Kindesbewegungen nachlaßend, die Bruͤste einsinkend, Ge- fuͤhl von Kaͤlte und Schwere im Unterleibe vorhanden gefun- den; doch erlauben alle diese Zeichen nur sehr unsichere Schluͤße auf den eigentlichen Zustand der Frucht. 2. Specielle Pathologie des Fetuszustandes . §. 1128. Hierher wuͤrde nun die naͤhere Erwaͤgung jeder einzelnen Abnormitaͤt welche wir im Leben der menschlichen Frucht ent- wickelt finden, gehoͤren; allein schon die Klasse der eigentlich sogenannten Mißgeburten , welche wir fuͤr nichts als Pro- dukte krankhafter Bildungsthaͤtigkeit ansehen koͤnnen, bietet eine so große Mannigfaltigkeit dar, daß ein besonderes Werk zu ihrer Eroͤrterung gehoͤrte. Wir muͤssen daher diese saͤmmt- lichen Mißbildungen, welche als Produkte einer urspruͤng- lich gestoͤrten oder an sich mangelhaften Idee des neuen Or- ganismus, sich entwickeln, theils in die pathologische Anato- mie verweisen, Vesonders ist hier die wissenschaftlich geordnete Uebersicht der ur- spruͤnglichen Mißbildungen in F. Meckels Handbuche der patho- logischen Anatomie. 2 Thle. Leipz. 1812 — 16 zu empfehlen. theils, insofern sie nach der Geburt einer aͤrztlichen Behandlung unterliegen koͤnnen, bei den Krankheiten der Neugebornen noch naͤher abhandeln. Hier bleiben sonach nur diejenigen einzelnen Krankheitsformen, welche im Fetus, so wie nach der Geburt, auch bei urspruͤnglich regelmaͤßiger Bildung eintreten koͤnnen, etwas ausfuͤhrlicher durchzugehen uͤbrig. (Von den abnormen Lagen desselben, welche nicht mit zu den Krankheiten des Fetus gerechnet werden koͤnnen, wird bei der abnormen Geburt die Rede seyn). §. 1129. Man wird aber diese Krankheiten, wie auch schon von Oehler Prolegomena in embryonis humani pathologiam. Lips. geschehen ist, am zweckmaͤßigsten in solche wel- che die aͤußern Bildungsorgane des Fetus besonders umaͤn- dern, und in solche welche im Kindeskoͤrper selbst ihren Sitz nehmen, eintheilen muͤßen. Zu den erstern gehoͤren die re- gelwidrigen Zustaͤnde welche in den Verhaͤltnißen des Mut- terkuchens, der Eihaͤute, des Nabelstranges und Fruchtwassers eintreten koͤnnen. Was den Mutterkuchen betrifft, so finden sich außer den bei den regelwidrigen Geburten naͤher zu betrachtenden Insertionen desselben an und anf dem Muttermund, auch Ablagerungen fester ei- weißstoffiger , ja selbst kalkiger Substanz in demsel- ben, welches gewoͤhnlich mit abnorm fester Verbindung zwi- schen Uterus und Placenta begleitet ist, und so die Ursache zu Zoͤgerungen des Abgangs der Nachgeburt wird. §. 1130. Nuͤcksichtlich der Eihaͤute sind vorzuͤglich die abnor- men Verdickungen derselben zu erwaͤhnen, welche als An- naͤherungen zum Uebergange der Frucht in die spaͤter zu be- schreibenden Molen angesehen werden koͤnnen. Auch verbinden sich damit gern abnorme Verwachsungen zwischen Chorion und innerer Uterinflaͤche . — Am Nabel- strange ferner entstehen außer den bei abnormen Geburten noch zu erwaͤhnenden Umschlingungen desselben, und den unter den Varietaͤten bereits erwaͤhnten Knoten und ungewoͤhn- lichen Einsenkungen in die Placenta, zuweilen eingeschnuͤrte Stellen (ich habe denselben einigemal bei todtgebornen fast reifen Fruͤchten an seiner Insertionsstelle in den Leib nicht staͤrker als einen schwaͤchen Bindfaden gefunden), Hydatiden und Gefaͤßerweiterungen . Endlich das Fruchtwasser betreffend, so wird dieß zuweilen in zu großer Menge ausge- schieden und begruͤndet die Wassersucht des Eies , welche dann, wie ich nun schon mehreremale beobachtet habe, sich auch auf das Kind erstrecken kann, so daß man Bauchhoͤhle, Brusthoͤhle oder Hirnhoͤhlen mit Wasser angefuͤllt findet, ja oft auch Wasser in dem Zellgewebe der Haut, in der Scheide des Nabelstranges, eben so wie in der Substanz der zuweilen sehr aufgelockerten Eihaͤute, oder in Hydatiden am Nabelstrange oder in der Placenta vorfindet. Außerdem kann aber auch das Fruchtwasser sich zu sehr vermindern und hat dann (welches indeß auch von der zu großen Anhaͤufung des Was- sers gilt) leicht nachtheilige Wirkungen auf das Geburts- geschaͤft. §. 1131. Wir kommen nun zu den eigentlichen Krankheiten des Fetus, welche saͤmmtlich in der reproduktiven Sphaͤre desselben wurzeln und hauptsaͤchlich dem Lymph- und Blutgefaͤßsystem angehoͤren. — Ob nun zuvoͤrderst hier wahre Entzuͤndungs- und Fieberzustaͤnde, bei der noch so unvollkommenen Oxyda- tion der Saͤfte, Statt finden koͤnnen? scheint wohl dem er- sten Anblicke nach zweifelhaft, muß jedoch wohl mit der Ein- schraͤnkung, daß diese Zustaͤnde, bei der Verschiedenartigkeit des Fetuslebens vom Leben des gebornen Menschen, selbst meh- rere Eigenthuͤmlichkeiten haben werden, bejahend beantwortet werden. Was naͤmlich die Entzuͤndungen betrifft, so fin- den sich davon bei Neugebornen oft die deutlichsten Beweise, sowohl auf der Oberflaͤche des Koͤrpers in Form verschiedener Exantheme , unter welchen vorzuͤglich ein blasiges Exanthem (eine Art Pemphygus) nicht selten ist, als auch in innern Organen ; wie ich denn namentlich auf dem Peritonaeo mehrerer Wassersuͤchtig gebornen Kinder, deutlich entzuͤndete Stellen, einmal sogar mit Ausscheidung plastischer Lymphe und Verwachsung gefunden, und eben so auch mehreremal Theile des Knochensystems entzuͤndet, ja hie und da selbst mit Ue- bergaͤngen in Caries, beobachtet habe. Uebrigens ist wohl nicht zu leugnen, daß die Entzuͤndung in der Periode des Fetuslebens stets eine groͤßere Neigung zum Uebergange in Degeneration habe, als nach der Geburt (vergl. I. Thl. §. 328.), wie das wohl uͤberhaupt bei einer gesteigerten repro- duktiven Thaͤtigkeit nothwendig der Fall ist, weßhalb denn sogar bei Erwachsenen, Entzuͤndungen solcher Organe in de- nen das reproduktive Leben betraͤchtlich uͤberwiegt (z. B. der Unterleibseingeweide), weit leichter als Entzuͤndungen anderer Organe in Degeneration uͤbergehen. §. 1132. Ist nun aber Vorhandenseyn von Entzuͤndung im Fetus unter geeigneten Verhaͤltnißen unlaͤugbar, so muß wohl auch die Moͤglichkeit fieberhafter Zustaͤnde in dieser Lebensperiode zugegeben werden; wozu noch kommt, daß Beispiele von wahr- hafter Uebertragung fieberhafter Krankheiten (z. B. der Pok- ken) auf das Kind im Uterus vom muͤtterlichen Koͤrper aus, nicht mangeln. Fortgesetzte Beobachtungen in diesem fast noch ganz unbearbeiteten Felde, werden hieruͤber noch weitere Be- staͤtigungen sicher herbeifuͤhren. §. 1133. Außer den Entzuͤndungs- und Fieberhaften Zustaͤnden werden uͤbrigens die verschiedenen Folgen derselben, als Ei- terungen, Verwachsungen, Verdickungen und Ver- haͤrtungen einzelner Haͤute , und besonders Wasser- suchten zuweilen veranlaßt, welche Abnormitaͤten jedoch hier einer besondern Eroͤrterung nicht weiter beduͤrfen. Zu bemer- ken ist daher nur noch, daß namentlich die Wasseransammlun- gen im Fetus oft auch mit krankhaften Zustaͤnden des in dieser Periode besonders entwickelten und thaͤtigen Lymphsystems, dessen Druͤsen hier vorzuͤglich haͤufig in krank- haften Zustaͤnden angetroffen werden, zusammenhaͤngen. — In Hinsicht des Druͤsensystems verdient endlich noch das Vorkommen des Kropfs besondere Erwaͤhnung, welchen ich nun schon bei neugebornen Kindern skrofuloͤser Muͤtter meh- reremale beobachtet hale. §. 1134. Unter den Organen der animalen Sphaͤre, sind die Mus- keln fast die einzigen welche im Fetuszustande schon eimge wahrnehmbare Thaͤtigkeit aͤußern, und ebendeßhalb bilden sich auch in ihnen zuweilen abnorme Zustaͤnde aus. Hierher ge- hoͤrt aber ganz vorzuͤglich das gestoͤrte Gleichgewicht antago- nistisch wirkender Muskelpartien, und die davon abhaͤngigen Verkruͤmmungen verschiedener Theile des Koͤrpers, na- mentlich der Extremitaͤten, jedoch auch der Wirbelsaͤule. Be- sonders haͤufig kommen unterdiesen die Klumpfuͤße (eine Folge abnorm gesteigerter Contraktion der den Fuß einwaͤrts dre- henden Muskeln) vor, und wir werden darauf bei den Krank- heiten der Neugebornen zuruͤck kommen. Ob endlich convul- sivische Krankheiten schon waͤhrend des Fetuslebens eintreten koͤnnen, bleibt wohl bis es durch hinlaͤngliche Beobachtun- gen nachgewiesen ist, etwas zweifelhaft, obwohl es schon da- durch wahrscheinlich wird, daß dergleichen unter der Geburt (wovon weiter unten) wirklich beobachtet worden sind. Der mechanischen Verletzungen z. B. der Knochenbruͤche welchen zuweilen der Fetus ausgesetzt ist, haben wir bereits oben (§. 1125.) Erwaͤhnung gethan. Pathologie und Therapie der Geburtsperiode. §. 1135. Bevor wir hier die ausfuͤhrliche Aufzaͤhlung der einzel- nen regelwidrigen fuͤr das Geburtsgeschaͤft stoͤrend werdenden Zustaͤnde, des muͤtterlichen Koͤrpers sowohl als der Frucht un- ternehmen, wird es nothwendig, zunaͤchst die Huͤlfsmittel wel- che die Kunst zur Befoͤrderung des Geburtsgeschaͤfts darbie- tet, durchzugehen, indem hierin ein großer Theil der geburts- huͤlflichen Therapie gegeben ist. Indem wir sonach die ver- schiedenen geburtshuͤlflichen Operationen an und fuͤr sich, gleichsam als Einleitung zu den eigentlichen Gegenstaͤnden dieses Kapitels abhandeln, ist nur noch die Bemerkung bei- zufuͤgen, daß, um sich in den Stand zu setzen, diese opera- tiven Heilmittel auf zweckmaͤßige Weise anzuwenden, keines- weges das Wissen der Regeln fuͤr Anwendung derselben allein hinreichend ist, sondern ganz vorzuͤglich die nur durch vielfache Uebung zu erlangende Fertigkeit in Hand- habung derselben , das Koͤnnen , hinzukommen muß. Die Lehre von den geburtshuͤlflichen Operationen. §. 1136. Wir theilen die verschiedenen Huͤlfsleistungen zum Zweck der Befoͤrderung des Geburtsgeschaͤfts, ein: in solche welche das Geburtsgeschaͤft nur vorbereiten oder veranlassen , und in solche, durch welche die Geburt des Kindes oder der Nachgeburt bewerkstelligt wird. — Zu den erstern gehoͤrt: 1) die kuͤnstliche Eroͤffnung des Mut- termundes , 2) das Sprengen der Eihaͤute und die kuͤnstliche Fruͤhgeburt , und 3) die Herstellung ei- ner natuͤrlichen Lage des Kindes durch Einrich- II. Theil. 19 tung des vorliegenden Kindestheils, oder durch die Wendung . Zu den letztern hingegen sind folgende Operationen zu rechnen: — I. Kuͤnstliche Entwickelung des Kindes und zwar A) auf dem natuͤrlichen Geburtswege , a) ohne Verletzung und Verkleinerung des Kindes: hierher gehoͤren 1) Extraktion des Kindes an den Fuͤßen , 2) Extraktion des Kindeskopfs mit der Geburtszange ; b) Entwickelung des Kindes nach bewerkstelligter Verkleinerung desselben 1) durch Entleerung des Gehirns: Excerebration oder Perfora- tion 2) durch Zerstuͤckung des Kindes . — B) Entwicke- lung des Kindes auf einem ganz neueroͤffneten, oder auf dem gewoͤhnlichen, aber kuͤnstlich ver- groͤßerten Geburtswege . Hierher gehoͤrt 1) die Er- oͤffnung der Unterleibs- und Gebaͤrmutterhoͤhle (der Kaiserschnitt), 2) die Eroͤffnung der Bauchhoͤhle allein (die Gastrotomie), 3) die Erweiterung des Bel- kenkanals durch Trennung der Schamfuge (die Synchondrotomie). II. Kuͤnstliche Entwickelung der Nachgeburt , wohin zu rechnen ist 1) kuͤnstliche Loͤsung des Mutterkuchens, 2) kuͤnstliches Wegnehmen der gesammten Nachgeburt. III. Gewaltsame Bewerkstelligung des ge- sammten Geburtsgeschaͤfts , durch Eroͤffnung des Mut- termundes, Sprengen der Eihaͤute, Extraktion des Kindes, Loͤ- sung und Extraktion der Nachgeburt (Accouchement forcé) . §. 1137. Ehe wir jedoch diese Operationen im Einzelnen der Reihe nach zu betrachten anfangen, wird es zweckmaͤßig seyn, so- wohl einige allgemeine Bemerkungen uͤber das kuͤnstliche Be- schleunigen des Geburtsgeschaͤfts uͤberhaupt vorauszuschicken, als die Beobachtung gewißer allgemeiner Regeln fuͤr dieope- rative Kunsthuͤlfe zu empfehlen. §. 1138. Erstens die Anwendung operativer Kunsthuͤlfe zur Foͤr- derung des Geburtsgeschaͤfts uͤberhaupt betreffend, so ist es da- mit haͤufig wie mit andern großen Heilmitteln der Medicin gegangen, man hat sie naͤmlich bald uͤberschaͤtzt und viel zu oft eintreten laßen, bald aber auch zu sehr vernachlaͤßigt, ja sie lieber ganz und gar als eine Verirrung darstellen wol- len. — Zu dem erstern ist die Verfuͤhrung allerdings sehr groß; der Arzt sieht die Mittel, die Geburt des Kindes, fast zu jedem beliebigen Zeitraume des Geburtsgeschaͤfts, kuͤnstlich beendigen zu koͤnnen, in seinen Haͤnden, er findet in den Schmerzen der Kreisenden, ihren aͤngstlichen Bitten um Huͤlfe, dem Dringen ihrer Angehoͤrigen und der Beschraͤnkung seiner eigenen Zeit oft die Anzeige zur Huͤlfsleistung, welche doch einzig von dem Stande des Geburtsgeschaͤfts bestimmt wer- den sollte. §. 1139. Hat der Arzt auf diese Weise oͤfters die Beschleunigung der Geburt, und zwar mehreremale ohne augenblicklich wahr- nehmbare allzunachtheilige Folgen bewerkstelligt, so wird er endlich die Achtung gegen die einfache, große, und zweck- maͤßige Wirksamkeit der Natur immer mehr aus den Augen verlieren, er wird in dem gemessenen allmaͤhligen Gange der Natur nur krankhafte Traͤgheit sehen, immerfort an der Ge- burtsfunktion zu meistern finden, und zuletzt durch unzeitige Kunsthuͤlfe fuͤr Mutter und Kind haͤufig die gefaͤhrlichsten Zufaͤlle, entweder unmittelbar herbeifuͤhren oder doch fuͤr spaͤ- tere Zeit veranlaßen. Daß diese Richtung immer noch die allgemeinere sey, kann man wohl annehmen, und verbindet sich mit einer solchen unpassenden Ueberschaͤtzung und uͤber- maͤßig haͤufigen Anwendung operativer Huͤlfsmittel, Rohig- keit und Ungeschicklichkeit in der Anwendung derselben, so ent- steht eine Art der Ausuͤbung dieser Kunst, welche in Zweifel laͤßt, ob man nicht wuͤnschen solle daß es gar keine, als daß es eine solche Geburtshuͤlfe geben moͤchte. — Ursache genug gegen diesen Abweg, als den betretensten , vorzuͤglich zu warnen. §. 1140. Daß man aber in Vermeidung aller Kunsthuͤlfe, im Ver- trauen auf die Naturwirksamkeit u. s. w. auf keine Weise zu weit gehen koͤnne, ist ebenfalls nicht zuzugeben, und kann am besten durch Beispiele aus der Chirurgie und Medicin erlaͤu- tert und dargelegt werden. Wuͤrde es z. B. nicht der ge- sunden Vernunft zuwider laufen, bei irgend einem betraͤcht- lichen Ertravasate wo die ausgetretene Fluͤßigkeit durch einige gemachte Einschnitte leicht fortgeschaft werden koͤnnte, diese Einschnitte blos deshalb nicht zu machen, weil die Natur viel- leicht, wenn auch erst in laͤngerer Zeit, es mit weit groͤßerem Kraͤfteverlust, durch Eiterung und Resorption die ausgetrete- nen Stoffe selbst zu beseitigen vermoͤchte? — oder eine Wunde nicht zu verbinden, weil sie vielleicht auch ohne dieß heilen wuͤrde? — oder bei Ueberfuͤllung des Magens das Brechmit- tel nicht zu geben, weil nach und nach die Contenta ja wohl auch durch den Darmkanal sich entleeren koͤnnten? — Ueberhaupt haben wir zu bedenken, daß nicht blos Lebenser- haltung, sondern auch Erleichterung, Schmerzenlinderung, ein wuͤrdiges Geschaͤft der Kunst sey, und daß sie auch zu diesem Behufe angewendet zu werden verdiene, sobald wichtigere Zwecke dadurch nicht gefaͤhrdet werden. S. ein mehreres uͤber diese Gegenstaͤnde bei W. J. Schmitt uͤber obstetricische Kunst und Kuͤnstelei, ( Siebolds Journal f. Geburtsh. 2. Bd. 1. St.) und bei Nolde uͤber die Graͤnzen der Natur und Kunst in der Geburtshuͤlfe; in dessen Beitraͤgen zur Geburtshuͤlfe 3. Bd. 1811. (Beide Abhandlungen sind auch be- sonders gedruckt.) §. 1141. Wir kommen zweitens zur Aufzaͤhlung der allgemeinen, zu beobachtenden Regeln bei Anwendung geburtshuͤlflicher Ope- rationen, deren Beruͤcksichtigung von besonderer Wichtigkeit genannt werden muß, obwohl ihrer demungeachtet nur in ei- nigen Handbuͤchern, so z. B. von H. Osiander und H. v. Siebold gebuͤhrende Erwaͤhnung geschehen ist. §. 1142. 1. Regel . Keine Operation darf unternommen wer- den, bevor nicht durch hinlaͤngliche innere und aͤußere Unter- suchung der vorhandene abnorme Zustand so genau als moͤglich, und die Art der daraus sich ergebenden Indicatio- nen fuͤr Art und Zeitpunkt der Huͤlfsleistung klar erkannt worden sind. Nothwendig ist es jedoch hierbei sehr (wie auch H. v. Siebold bemerkt) diese Untersuchung durchaus selbst vorzunehmen, und weder auf Aussagen der Hebamme noch selbst fruͤher anwesender Geburtshelfer zu viel sich zu ver- lassen. 2. Regel . Keine Operation ist zu unternehmen, wo irgend sichere Aussicht vorhanden ist, daß die vorhandene Abnormitaͤt, ohne Nachtheil fuͤr Mutter und Kind, durch die Naturthaͤtigkeit allein, oder durch zweckmaͤßige dynamische Huͤlfs- mittel (Medicamente), durch veraͤnderte Lage der Kreisenden u. s. w. beseitigt werden koͤnne. §. 1143. 3. Regel . Wie wir es dem Arzte fuͤr das weibliche Geschlecht (1. Thl. §. 84. u. f.) uͤberhaupt zur Pflicht ge- macht haben, so behandele derselbe namentlich als Geburts- helfer, eingedenk der Wichtigkeit und Schwere des Moments, die Kreisende mit freundlicher Theilnahme so wie mit ruhigem Ernst, und zeige stets die moͤglichste Schonung des Anstan- des sowohl, als die strengste Sorgfalt fuͤr das Wohl der Mut- ter und des Kindes. — 4. Regel . In der Feststellung der Prognose beobachte man stets die noͤthige Vorsicht, sey nie zu voreilig mit dem Versprechen des unbedingt gluͤcklichen Erfolgs einer Operation, noch erschrecke man die Kreisende durch eine ganz unguͤnstige Prognose, sondern theile letztere den Angehoͤrigen derselben vorsichtig mit, um dadurch falsche Beschuldigungen, welche so oft und gern gemacht werden, zu vermeiden. Besonders wird dieß nothwendig wo vielleicht der Tod des Kindes schon vor der Geburt eingetreten ist, oder durch fruͤher von Hebammen oder andern Geburtshelfern gemachte Entbindungsversuche, ir- gend Verletzungen des Kindes oder der muͤtterlichen Theile eingetreten sind. §. 1144. 5. Regel . Man sorge vor einer jeden Operation fuͤr alle und jede noͤthige Vorbereitungen, damit es waͤhrend der- selben sodann an nichts fehle; zugleich aber entziehe man diese Vorbereitungen moͤglichst den Augen der Kreisenden und ver- meide vorzuͤglich das Vorzeigen, Klirren und sonstiges Ge- raͤusch der geburtshuͤlflichen Instrumente. — Zu den Vorbe- reitungen sind aber theils das Zurechtlegen der bei den ein- zelnen Operationen abzuhandelnden Instrumente, theils die schon fruͤher (§. 906. u. f.) abgehandelten Vorbereitungen welche auch fuͤr natuͤrliche Geburten erforderlich sind, begriffen. Anmerkung . Es scheint nicht unzweckmaͤßig zu seyn, hier gleich vorlaͤufig den Apparat namhaft zu machen, mit welchem der Geburtshelfer wenn er zu Kreisenden gerufen wird, sich versehen soll, und von welchem er um so weniger etwas vermissen darf, je weiter er sich von seiner Wohnung, woher er etwa das seltner Ge- brauchte nachholen laßen koͤnnte, sich entfernt. Wir rech- nen aber hierher 1) zwei Geburtszangen , 2) Smellie’s stumpfen Haken , 3) ein zweckmaͤßi- ges Perforatorium , 4) die Boërsche Excere- brationspincette , 5) einen silbernen und elastischen Katheter , 6) eine Nabelschnur- scheere nebst Baͤndern , 7) eine Klystier- und Mutterspritze , 8) Osiander’s Dilatatorium, 9) einen Wassersprenger , Daß diese werkzeuge zu den entbehrlichsten gehoͤren, wird sich spaͤ- terhin zeigen. 10) zwei Wendungs- schlingen , 11) eine Buͤrste , 12) ein Instrument zum Lufteinblasen , (kann außer dem oben [§. 906.] erwaͤhnten allenfalls auch ein bloßes Mundstuͤck seyn) 13) verschiedene Medikamente : als R̅. Cinna- momi, R̅. thebaica, Naphtha vitrioli, Spiritus sal. amm. caust., Spiritus salis fumaus, Oleum Hyoscy- ami, einige Dover ’sche Pulver, etwas destillirten Essig und ein styptisches Pulver aus Alaun, Colopho- nium und arabischem Gummi, nebst Feuerschwamm. — Alle bisher genannte Gegenstaͤnde koͤnnen in einer gro- ßen ledernen Tasche mit Futeralen fuͤr die fluͤßigen (in Kristallglaͤsern mit gut eingeriebenen Stoͤpseln ver- wahrten) Arzneimittel, sehr wohl aufbewahrt und trans- portirt werden. — 14) Ein chirurgisches Besteck nebst Verbandzeug, Aderlaßapparate, Heftpflaster, Char- pie u. s. w. (besonders mit Ruͤcksicht auf die etwa vor- zunehmende Operation des Kaiserschnitts) — Endlich ist es rathsam an Orten, wo man dergleichen nicht vorzu- finden hoffen darf, etwas von d. Flor. Chamomill, Rad. Valerian., Hb. Menth. pip. oder Hb. Meliss. und etwas Wein mitzunehmen. §. 1145. 6. Regel . Hat man in einem gegebenen Falle die Wahl zwischen mehrern Operationsmethoden, so gebe man, wo es nur immer seyn kann, der Hand vor den Instrumenten den Vorzug, denn man wird bei hinlaͤnglicher Fertigkeit bald bemerken, daß auch hier das lebendige Werkzeug in vielen Faͤllen unendlich mehr zum Wohle der Kreisenden wirken kann, als das unbelebte. — Unter den Instrumenten verdienen aber siets die nicht verletzenden, die, deren Anwendung die moͤg- lichst wenigen Schmerzen macht, den Vorzug. 7. Regel . Die Hand des Geburtshelfers sowohl, als die Instrumente, welche in die Geburtstheile eingefuͤhrt wer- den sollen, muͤssen stets der Temperatur dieser Theile durch ihre Waͤrme entsprechen und hinreichend mit Oehl bestrichen seyn. 8. Regel . Entbindung einer Kreisenden welche bereits im Sterben begriffen ist, unternehme man, um Beschuldigun- gen Unwißender oder Uebelgesinnter zu vermeiden, nur in Faͤllen wo man noch irgend etwas zum Wohle der Mutter oder des Kindes wahrhaft foͤrderliches dadurch zu er- reichen hoffen darf. — Ueberhaupt endlich richte man sich in medicinisch indifferenten Dingen (z. B. ruͤcksichtlich der, vor- zuͤglich katholischen Religionsverwandten, sehr wichtigen Noth- taufe) mit Schonung voͤllig nach den Ansichten der Eltern. I. Vorbereitende Operationen. 1. Von der kuͤnstlichen Erweiterung des Muttermundes . §. 1146. Diese Operation besteht darin, daß man, entweder mit- telst der Hand allein, oder durch Mitwirkung eines Instru- mentes den Muttermund, theils nur bis zu einem gewis- sen Grade, theils bis zur voͤlligen Erweiterung kuͤnstlich oͤffne. Der Zweck weßhalb dieses geschieht, kann sehr verschieden seyn, naͤmlich einmal bei voͤlliger Verschließung des Muttermundes uͤberhaupt die Geburt moͤglich zu machen, in andern Faͤllen um sonstige dringend noͤthige Huͤlfsleistungen, Sprengen der Eihaͤute, Wendung, Extraktion, Loͤsung oder Herausbefoͤrderung der Nachgeburt u. s. w. darauf folgen zu lassen. — Im Allgemeinen darf man wohl behaupten, daß die kuͤnstliche Eroͤffnung des Muttermundes eine der Operationen sey, wel- che am gewaltsamsten in das Geburtsgeschaͤft eingreifen, und welche deßhalb durchaus nur auf die gefahrdrohend- sten Faͤlle (sie werden in der geburtshuͤlflichen Pathologie naͤher bezeichnet werden) eingeschraͤnkt zu werden verdient, nie aber etwa blos Behufs der Abkuͤrzung einer etwas laͤngern Dauer der zweiten Geburtsperiode und aͤhnlicher oft blos die Geduld des Geburtshelfers auf die Probe setzenden Umstaͤnde angewendet werden darf. §. 1147. Die Prognose kann bei dieser Operation im Ganzen immer mißlich genannt werden, da theils die damit nicht sel- ten verbundenen heftigen Schmerzen leicht allgemeine unange- nehme Zufaͤlle herbeifuͤhren, theils oͤrtlich, durch die heftige Reitzung, sehr wohl heftige, im Wochenbette zu Puerperalfie- bern Veranlaßung gebende Entzuͤndungen entstehen koͤnnen; ja selbst, und zwar mitunter erst in laͤngerer Zeit nach der Entbindung entstehende Zufaͤlle, als chronische Entzuͤndung, Verhaͤrtung und sogar krebshafter Zustand der Vaginalportion, in Folge erlittener Quetschung und Verletzung sich zeigen. — Guͤnstiger wird jedoch die Vorhersagung ausfallen duͤrfen: 1) wenn die Vaginalportion bereits hinlaͤnglich verstrichen, die Muttermundsraͤnder verduͤnnt, aufgelockert, und zur Eroͤffnung vorbereitet sind. 2) Wenn die Eroͤffnung selbst bereits durch die Wehen bis auf einen gewissen Grad erfolgt ist, und die Kunst nur den Rest der Erweiterung zu bewerkstelligen braucht. 3) Wenn die Ausdehnung durch Anwendung dynamischer Mittel befoͤrdert und ohne Huͤlfe der Instrumente durch vor- sichtiges Operiren der Hand allein bewerkstelligt wird. 4) Wenn die uͤbrigen Umstaͤnde guͤnstig sind, und der Mutter- mund selbst nicht etwa durch bereits eingetretene Entzuͤndung und Geschwulst die Ausdehnung sehr erschwerte. §. 1148. Bevor wir nun die eigentliche Operation genauer kennen lernen, ist noch von den im vorigen §. erwaͤhnten dynamischen Mitteln, welche insbesondere zur Erleichterung der Erweiterung beitragen, einiges zu erinnern. Hierher gehoͤren aber vorzuͤglich Mittel, welche die Zirkelfibern des Muttermundes erschlaffen, und die Empfindlichkeit desselben vermindern, als: Einspritzun- gen von schleimigen, erweichenden mit norkotischen Stoffen versetzten Dekokten, Einspritzungen von warmer Milch in Ver- bindung mit Oehl, mit Laudanum, von warmem Oehl allein, allgemeine laue Baͤder, und innere antispasmodische Mittel, als: einige Tropfen der R̅. thebaica mit dem Infus. Vale- rianae u. s. w. — Weniger sind zu empfehlen die Einrei- bungen in den Muttermund von Opiatsalbe, vom Oleo Hyo- scyami u. s. w., wobei der mechanische Reitz der Friktion leicht nachtheilig wird, doch ist es zweckmaͤßig, die Hand, oder das Instrument dessen man sich zur Erweiterung be- dient, mit einem solchen zugleich dynamisch wirkenden Mittel zu bestreichen. Auch die oͤrtlichen Dampfbaͤder hat man end- lich zu diesem Behuf empfohlen, doch sind sie schon wegen der, fast nie der Kreisenden zutraͤglichen, sitzenden Stellung, unzweckmaͤßig. §. 1149. Ausfuͤhrung der Operation mittelst der blo- ßen Hand . Sie findet am meisten Schwierigkeit in den Faͤllen wo noch viel Vaginalportion vorhanden, und der Mut- termund noch voͤllig verschlossen ist; wir betrachten indeß das Verfahren, wie es gerade diese Umstaͤnde erfordern, und wer- den daraus sodann leicht abnehmen koͤnnen, wie viel davon wegzulassen seyn wird, wo sich der Muttermund bereits zu einer gewißen Weite eroͤffnet hat. — Bevor man jedoch zur Operation schreitet, hat man dafuͤr zu sorgen, daß die Krei- sende in eine passende Stellung gebracht werde, wodurch so- wohl die Erweiterung selbst als die nachfolgenden Operationen erleichtert werden. Diese Vortheile nun gewaͤhrt das sogenannte Querlager oder Wendungslager am vollkommensten, und da es fuͤr die meisten geburtshuͤlflichen Operationen das- selbe bleibt, so mag hier sogleich seine ausfuͤhrlichere Beschrei- bung folgen. §. 1150. Die Aufgabe ist naͤmlich die Kreisende in eine Stellung zu bringen, wo die Kreuzgegend hinlaͤnglich unterstuͤtzt, und der Oberkoͤrper schief ruͤckwaͤrts geneigt ruht, der Kopf aber mehr nach vorwaͤrts geneigt erhalten wird, die Schenkel hin- laͤnglich von einander entfernt werden koͤnnen, und die Ge- burtstheile voͤllig frei bleiben. Eine solche Lage ist nun am besten anzuordnen auf einem gewoͤhnlichen, nicht zu niedri- gen, an die Wand geruͤckten Bette, in welchem eine Matraze, ein Strohsack oder ein Sophakissen, so auf den Bettrand ge- legt, und mit Unterlagen hinlaͤnglich bedeckt wird, um fuͤr die Kreuzgegend eine sichere und vollkommen wagerecht liegende Unterstuͤtzung zu gewaͤhren. Ferner wird durch schief gelegte Sophakissen oder einen verkehrt ins Bett gelegten, mit der Ruͤckenlehne vorwaͤrts gerichteten Stuhl, eine sichere, mit Kopfkissen belegte Ruͤckenlehne gebildet; vor das Bett aber werden zu beiden Seiten zwei Stuͤhle fuͤr die zur Unter- stuͤtzung der Schenkel noͤthigen Gehuͤlfen, und mitten vor das Bett wird ein Gefaͤß, zum Auffangen abfließender Feuchtig- keiten, gesetzt. Die Kreisende wird nur leicht bekleidet auf dieses Bett gebracht, hier mit einer wollenen Decke bedeckt, ihre Schenkel in maͤßig weiter Entfernung von den Gehuͤlfen fixirt, die Haͤnde finden an den Lehnen der Stuͤhle Unter- stuͤtzung, und der Oberkoͤrper wird noͤthigenfalls durch eine auf dem Bette stehende oder knieende Gehuͤlfin gehalten. — Ein aͤhnliches Lager laͤßt sich uͤbrigens im Nothfalle auch auf einem feststehenden nicht zu hohen Tische bereiten, so wie denn auch ein guter Geburtsstuhl oder eins der oben erwaͤhnten kuͤnstlichen Geburtsbetten hierzu benutzt werden kann. §. 1151. Die Wahl der Haͤnde zu dieser Operation ist gleichguͤl- tig, nur wenn der Muttermund mehr nach links gewendet ist, waͤhlt man lieber die rechte, wenn er mehr rechts gewen- det ist, lieber die linke Hand. Der Geburtshelfer selbst laͤßt sich entweder mit einem Kniee auf ein vor das Querlager ge- legtes Kissen nieder, oder setzt sich auf einen niedrigen Ses- sel vor die Kreisende, legt vorsichtig, ohne bei der Kreisenden damit zu viel Aufsehen zu erregen, das Oberkleid ab, ent- bloͤßt den Vorderarm, faltet die langgestreckten, weder mit Ringen noch sonstigen Rauhigkeiten versehenen Finger genau und conisch aneinander, (in welcher Haltung der Hand man durch oͤftere Uebung, Einfuͤhren derselben in trockene Becken u. s. w. Zu diesem Endzwecke dienen auch die Osiander ’schen nach Siebold innerlich mit Leder zu uͤberziehenden Handringe oder Cylinder. (Chirometer) . eine gewiße Fertigkeit sich erwerben muß) und bestreicht sie nun mit einem der oben (§. 1148.) genann- ten Mittel z. B. dem Oleo Hyoscyami. — Hierauf rich- tet man die Breite der Hand in den geraden Durchmesser der untern Beckenoͤffnung, fuͤhrt zuerst die Spitzen der Fin- ger, und dann (jedoch ohne Schamhaare mit einwaͤrts zu dehnen) die ganze Hand, und zwar in gelinder drehender Be- wegung, und stets der Fuͤhrungslinie des Beckens entsprechend in die Mutterscheide ein. §. 1152. Man kann dieses Einfuͤhren als den ersten Theil der Operation betrachten, und nun erst schreitet man zum zwei- ten, naͤmlich zu der eigentlichen Eroͤffnung. Man giebt naͤm- lich der im kleinen Becken liegenden Hand die Richtung in den Querdurchmesser, sucht nun zuvoͤrderst mit gelind drehen- der Bewegung den Zeigefinger in den Muttermund einzubrin- gen, (wobei, wenn der Uterus etwa durch sein Schwanken dieses Eindringen hindern sollte, die die Schenkel unterstuͤtzen- den Gehuͤlfen, mittelst der auf den Leib gelegten Haͤnde den Uterus fixiren muͤßen) und draͤngt, sobald dieses gelungen ist, allmaͤhlig auch den Mittelfinger mit ein. Hierauf sperrt man, nach verschiedenen Richtungen, beide Finger abwechselnd meh- remale auseinander, und wird dadurch bald so viel Raum gewinnen, um endlich auch die uͤbrigen Fingerspitzen mit ein- zubringen, (findet man den Muttermund schon etwas eroͤffnet, so kann dieß oft gleich anfaͤnglich geschehen) worauf denn, durch fortgesetztes abwechselndes Aufsperren saͤmmtlicher Fingerspitzen, die Muttermundsoͤffnung nach und nach bis zu dem hinlaͤng- lichen, und fuͤr den gegebenen Fall ausreichenden Grade von Erweiterung gebracht wird. §. 1153. Die Zeit in welcher die voͤllige Erweiterung des Mut- termundes bewerkstelligt werden kann, richtet sich nach den Umstaͤnden. Ist der Muttermund nachgiebig und schon durch die Wehen etwas geoͤffnet, so gelingt die voͤllige Erweiterung oft in wenigen Minuten und ohne allzuheftige Schmerzen; ist das Gegentheil der Fall, so braucht man oft weit laͤngere Zeit (mitunter gegen 15 bis 20 Minuten) wenn man nicht, was wegen der nachkommenden uͤbeln Folgen nie rathsam ist, allzuviel Gewalt bei der Ausdehnung anwenden will; auch pflegt in diesen Faͤllen die Operation immer weit schmerzhafter zu seyn. — Als Regel kann es jedoch gelten, daß theils der Schmerz, theils die Gefahr spaͤterer uͤbeler Folgen, stets um Vieles geringer seyn wird, wenn man die oben erwaͤhnten dy- namischen Mittel theils der Operation vorausgehen laͤßt, theils sie noch waͤhrend der Operation anwendet. — §. 1154. Erweiterung des Muttermundes durch In- strumentalhuͤlfe . Hierher gehoͤrt erstens die Eroͤffnung des verwachsenen Muttermundes, so wie die bloße Erweite- rung desselben durch schneidende Werkzeuge . — Das Einschneiden eines bei beginnender Geburtsarbeit verwachsen gefundenen Muttermundes ist aber von der oben (1. Thl. §. 137. 139.) beschriebenen Operation wenig unterschieden, und kann entweder durch Osiander’s Hysterotom , oder durch ein bis gegen die Spitze hin umwickeltes, und von der co- nisch gelegten Hand umfaßtes Bistourie geschehen, welches man vorsichtig bis zum Scheidengewoͤlbe einfuͤhrt, und einen Kreuzschnitt damit macht, welche Oeffnung dann gewoͤhnlich entweder durch die Wehen, oder durch das oben genannte Ver- fahren leicht zur voͤlligen Eroͤffnung gebracht wird. Außer- dem koͤnnte ein Einschneiden der Muttermundsraͤnder zuweilen in Faͤllen noͤthig werden, wo der Muttermund noch sehr ge- schlossen, und die Raͤnder desselben sehr wenig nachgiebig find, so daß eine vielleicht wegen anderer Umstaͤnde noͤthige schnelle Eroͤffnung durch die bloße Ausdehnung nicht bewerkstelligt werden koͤnnte. Dieses Einschneiden wuͤrde uͤbrigens ganz auf aͤhnliche Weise wie die Eroͤffnung eines verwachsenen Mutter- mundes zu bewerkstelligen seyn. §. 1155. Zweitens haben wir die Ausdehnung des Mut- termundes in wiefern sie durch Werkzeuge gesche- hen kann , zu betrachten. Man hat hierzu verschiedene Vor- richtungen in Vorschlag gebracht und angewendet, von welchen jedoch die meisten auf ungleiche, gewaltsame und nachtheilige Weise einwirken, ja manche ihren Zweck gar nicht erreichen koͤnnen. Zu den gaͤnzlich unbrauchbaren gehoͤren namentlich die dreiblaͤttrigen Specula uteri (welche uͤberhaupt nur zur Ausdehnung der Vagina, aber nie zur Eroͤffnung des Mut- termundes gebraucht werden koͤnnen, und auch, wie schon H. Osiander bemerkt, wahrscheinlich nur zu diesem Zwecke er- funden sind); eben so wenig wird Titsingh’s Fischbeinstaab, welcher sprenkelfoͤrmig gebogen, mit beiden Enden in den Muttermund gebracht wird, zur Erweiterung des letztern zweck- maͤßig wirken koͤnnen, und auch die Idee durch eine ange- fuͤllte Blase (nach Walbaum ) den Muttermund auszudeh- nen, ist nicht ausreichend. §. 1156. Will man daher zu dieser Operation (welche allerdings in den meisten Faͤllen, wo sie uͤberhaupt wirklich angezeigt ist, am zweckmaͤßigsten durch die bloße Hand des Geburts- helfers bewerkstelligt wird) irgend ein Werkzeug demohnerach- tet gebrauchen, so ist dazu das von H. Osiander erfundene Dilatatorium in jeder Hinsicht am passendsten. Es besteht dasselbe in einer nach der Fuͤhrungslinie maͤßig gebogenen Zange, deren Blaͤtter zusammengelegt einen ohngefaͤhr Fingers- dicken am Ende abgerundeten Cylinder darstellen, dessen zwei Haͤlften oder Blaͤtter durch das Oeffnen der Griffe gleichzeitig sich eroͤffnen muͤssen. Da indeß das Aufsperren der Blaͤtter durch Aufsperren der Griffe zu bewerkstelligen, eine etwas unbequeme und ermuͤdende Bewegung der Hand noͤthig macht, so habe ich zu meinem Gebrauch die Griffe etwas von einander ent- fernen, und mit einer zwischen dieselben gelegten Feder verse- hen lassen, um das Oeffnen der in den Muttermund verschlos- sen eingebrachten Blaͤtter nicht durch Oeffnen sondern durch Zusammendruͤcken der Griffe , (welches eine der Hand weit leichtere Bewegung ist) zu bewirken. (s. T. III. f. II. ) §. 1157. Was die Anwendung des Instruments betrifft, so ist sie sehr einfach, man bringt, nachdem der Muttermund wenig- stens zur Aufnahme zweier Fingerspitzen, entweder durch die Wehen oder durch Manualoperation eroͤffnet ist, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand, wohl mit Oehl bestrichen, in die Mutterscheide und den Muttermund, leitet auf diesen so- dann das mit der rechten Hand gefaßte, erwaͤrmte und gleich- falls mit Oehl bestrichene Instrument, verschlossen in den Mut- termund ein, jedoch so, daß die abgerundeten Enden der Blaͤt- ter nicht weit uͤber den innern Muttermund hinauf ragen, und sperrt die Blaͤtter, indem man das Instrument nun hin und her dreht, bald in der Richtung des Querdurchmes- sers, bald in der Richtung des einen oder des andern schie- fen Durchmessers, auseinander. Auf diese Weise kann man durch fortgesetzte Bewegungen, wobei jedoch die Finger der linken Hand immer leitend in der Naͤhe bleiben muͤssen (na- mentlich um das Herausgleiten des Instruments aus dem Muttermunde, oder das zu tiefe Eindringen desselben in den Muttermund zu verhuͤten) in ziemlich kurzer Zeit die Oeff- nung betraͤchtlich, jedoch immer nur unter einer gewaltsamern Reitzung desselben vergroͤßern. Wo daher die Eroͤffnung noth- wendig sehr beschleunigt werden muß, der Muttermund jedoch hartnaͤckigen Widerstand leistet, ist die Anwendung dieser Me- thode zu entschuldigen, ja sie wird fast unentbehrlich; nur muß auch hier eine zu starke Kraftanstrengung, um Zer- reissungen in der Substanz der Vaginalportion und aͤhnliche Unfaͤlle zu verhuͤten, vermieden werden. 2. Von dem kuͤnstlichen Sprengen der Eihaͤute . §. 1158. Auch das Eroͤffnen der Eihaͤute (auch Wassersprengen ge- nannt) wird entweder mittelst der Hand oder durch Instru- mente bewerkstelligt. Obwohl an sich scheinbar eine kleine unbedeutende Operation, ist es doch oft vom groͤßten Einflusse auf den ganzen Verlauf des Geburtsgeschaͤfts und darf daher so wenig als eine andere Huͤlfsleistung ohne gegruͤndete An- zeige unternommen werden. Diese Anzeige aber kann seht verschieden seyn, wie sich noch in der speciellen Pathologie und Therapie naͤher ergeben wird; es gehoͤrt dahin: die abnorme Festigkeit der Eihaͤute, die zu große Menge des Fruchtwas- sers, Atonie des Uterus, Blutung u. s. w. — Ferner wird das Sprengen der Eihaͤute zuweilen noͤthig als Vorbereitung zu andern Operationen, z. B. zur Wendung, zur Anlegung der Zange u. s. w. Endlich aber findet es auch Statt um eine fruͤhzeitige Geburt zu bewerkstelligen. §. 1159. Je nach den bestimmenden Umstaͤnden wird auch die Operation verschieden seyn, denn sie ist anders bei voͤllig er- oͤffnetem Muttermunde und mitten in demselben, anders im obern Theil der Gebaͤrmutterhoͤhle mit der zwischen Uterus und Eihaͤute eingefuͤhrten Hand, Behufs der Wendung, an- ders endlich bei noch geschlossenem Muttermunde, Behufs der Bewerkstelligung einer Fruͤhgeburt, auszufuͤhren. §. 1160. Am einfachsten ist die Operation im ersten Falle, wenn die im Muttermunde sich stellende Blase geoͤffnet werden soll. Man bedarf hierzu gewoͤhnlich nur eines Zeigefingers, welcher mit Oehl bestrichen, wie zur geburtshuͤlflichen innern Unter- suchung, und bei horizontaler Lage der Kreisenden, in die Mut- terscheide eingefuͤhrt wird. Die Spitze desselben setzt man waͤhrend einer eintretenden Wehe, an den hervorragendsten Theil der gestellten Blase, druͤckt sodann gegen den Schambogen herauf (um nicht beim ploͤtzlichen Reißen der Haͤute zu tief einzudringen und vielleicht in der Naͤhe liegende empfindliche Theile des Kindes zu beschaͤdigen) und wird so das Abfließen des Fruchtwassers gewoͤhnlich leicht bewerkstelligen koͤnnen. — Sind die Eihaͤute besonders fest, oder nicht prall genug durch das Fruchtwasser angespannt, so wird das Trennen derselben oft betraͤchtlich erschwert; hier ist es rathsam, wenn die Blase vielleicht bereits schlaff gegen die aͤußern Schamtheile herabge- draͤngt ist, dieselbe durch die Scheere zu oͤffnen, zu welchem Endzweck man mit der linken Hand eine Falte in den Eihaͤu- ten bildet, und diese sodann mit der an den Spitzen abge- stumpften Nabelschnurscheere wegschneidet, auf welche Weise man immer sicher seyn wird, keinen dahinter liegenden Theil vom Kinde oder Nabelstrange zu verletzen. §. 1161. Liegt die schlaffe, oder dicht uͤber den Kindeskopf gezo- gene Blase noch innerhalb des Muttermundes, so wird man eben so verfahren, als wenn die Eihaͤute weiter oben in der Gebaͤrmutterhoͤhle, wo man ebenfalls keine geformte Blase vor sich hat, geoͤffnet werden muͤssen; man geht naͤmlich mit conisch zusammengelegter eingeoͤhlter Hand in die Mutterscheide, (im zweiten Falle selbst durch den Muttermund, aͤußerlich an den Eihaͤuten hin, bis gegen den Ort wo die Fuͤße liegen her- auf) faßt mit Daumen und Mittelfinger eine Falte der Ei- haͤute und sprengt diese Falte durch den Druck des Zeige- fingers. §. 1162. In wiefern nun aber in den Faͤllen, wo im Mutter- munde keine ordentliche Blase gebildet ist, und die Eihaͤute II. Theil. 20 sehr dick sind, das Sprengen derselben auch auf die jetzt be- schriebene Weise etwas schwierig bleibt, hat man auch zu die- sem Behuf mehrere Werkzeuge Schreger . Die Werkzeuge der aͤltern und neuern Entbindungskunst. Erlangen 1799. Fol. Thl. I. erfunden, von denen wir nur einige erwaͤhnen wollen. — Es sind aber entweder In- strumente welche als Haken die Haͤute zerreißen (hierher ge- hoͤrt der Haken der Wiedmaͤnnin, Loͤffler’s Wasserspren- ger, ein auf den Zeigefinger zu steckender Buͤgel mit einem Haͤk- chen, und Osiander’s verbesserter Stein ’scher (wo der Ha- ken an einem Ringe befestigt ist), so wie Osiander’s selbst erfundener Wassersprenger). — Sie haben den Nachtheil, daß zu sehr dabei an den Eihaͤuten gerissen wird, welches Tren- nungen der Placenta veranlassen kann; auch sind Verletzun- gen der Geburtstheile dabei nicht unmoͤglich, nur bei Osian- der’s Instrument ist diesem durch Verdecken der Hakenspitze etwas vorgebeugt. §. 1163. Eine zweite Art der Wassersprenger sind die spitzigen und schneidenden; dahin gehoͤren Fried’s und Roͤderer’s Instrumente (in einer Scheide verborgene Nadeln) der Stein - sche mit einer Spitze versehene elastische Fingerreif, Aitken’s Fingerskalpell und Boër’s Scheere. Alle diese spitzigen In- strumente sind aber wegen leicht moͤglicher Verletzungen hinter den Eihaͤuten liegender Kindestheile nicht sehr zu empfehlen. Wollte man indeß ein Werkzeug welches ohne die Nachtheile der Hakenfoͤrmigen und spitzigen Wassersprenger die Eihaͤute leicht oͤffnete, so wuͤrde sich dieses in einer gewoͤhnlichen et- was gekruͤmmten Kornzange, welcher man an den Enden ih- rer Blaͤtter zwei einwaͤrts gebogene horizontal gestellte ganz kleine Scheerenblaͤtter gaͤbe, wohl am besten darstellen lassen. Ich habe mir ein Instrument dieser Art ( T. III. F. III. ) fer- tigen lassen, und gefunden, daß, wo man sich zu dieser Ope- ration eines Werkzeugs bedienen will, oder (in seltnen Faͤl- len) bedienen muß, man davon auf das Zweckmaͤßigste Ge- brauch machen kann. §. 1164. Endlich bleibt uns noch die Art des Wassersprengens bei uneroͤffnetem Muttermunde zu betrachten uͤbrig. Man hat sich derselben aber vorzuͤglich in England, Diese Operation ist vorzuͤglich von Burns, Denmann, Barlow, Mar- ahall empfohlen und ausgeuͤbt worden, s. Froriep theoret. prakt. Handbuch d. Geburtshuͤlfe. 6te Aufl. S. 473. und zwar seit mehrern Jahrzehnten bedient, um vor voͤlligem Ablauf der Schwangerschaftszeit die Geburt in solchen Faͤllen zu veran- laßen, wo wegen betraͤchtlicher Engigkeit des Beckens voraus- zusehen, oder auch wohl bereits durch Erfahrung bewiesen ist, daß ein ausgetragenes Kind lebend auf keine Weise durch das Becken geleitet werden koͤnne. Eben so hat man von jeher dieses fruͤhe Sprengen der Eihaͤute ohne vorherige Er- weiterung des Muttermundes auch unternommen, wenn hef- tige Blutungen an der Erhaltung der Frucht verzweifeln lie- ßen, und man durch die Entleerung des Fruchtwassers dem Uterus Raum zu groͤßerer Contraktion geben wollte, oder be- sonders gefahrdrohende Zufaͤlle, Convulsionen, Ohnmachten u. s. w. das fruͤhere Beendigen der Schwangerschaft noͤthig mach- ten. In wiefern in der erstern Absicht dieses Mittel anzu- wenden sey oder nicht, hat bereits verschiedene Streitigkeiten Dafuͤr erklaͤrt s. Hr. v. Wenzel in s. allgem. geburtsh. Be- merkungen u. s. w. 1819. — Dawider erklaͤrt sich Hr. Joͤrg im 2. Thle seiner Schriften zur Kenntniß des Weibes. verursacht, und wir werden darauf bei Betrachtung der fuͤr die Engigkeit des Beckens noͤthig werdenden geburtshuͤlflichen Behandlung zuruͤckkommen. §. 1165. Was die Art betrifft die Operation auszufuͤhren, so ist sie noch etwas ausfuͤhrlicher zu beschreiben, da ein moͤglicher Mißbrauch eines Mittels noch nicht Anlaß geben kann, das Mittel uͤberhaupt, wenn es sonst in geeigneten Faͤllen wirklich huͤlfreich werden koͤnnte, voͤllig zu verwerfen, ja bei Blutungen und aͤhnlichen fuͤr die Schwangere sehr gefahrdro- henden Faͤllen, dieses Verfahren ganz unentbehrlich wird. — Ist nun aber der Muttermund noch sehr geschlossen und selbst noch eine starke Portion Mutterhals vorhanden, so wird es nothwendig, die Schwangere Behufs der Operation auf ein Querlager, wie wir oben beschrieben haben, zu bringen. Man waͤhlt sodann eine maͤßig starke geknoͤpfte Sonde, oder einen silbernen weiblichen Katheter, fuͤhrt denselben indem man ihn in die rechte Hand faßt, eingeoͤhlt, auf Zeige- und Mittelfin- ger der linken in die Mutterscheide gebrachten Hand ein, lei- tet die Spitze desselben durch die Finger der linken Hand in den Muttermund, und stoͤßt das Instrument sodann vorsichtig durch denselben hindurch, bis es die Eihaͤute trennt, und der Abfluß des Fruchtwasser wahrgenommen wird. Selten wird es noͤthig seyn, eines Troikaraͤhnlichen Instruments zu diesem Behufe sich zu bedienen. — Ist uͤbrigens das Fruchtwasser abgeflossen, so geschieht, wo man bloß der Engigkeit des Beckens, oder anderer nicht augenblickliche Gefahr drohender Umstaͤnde wegen die Fruͤhgeburt kuͤnstlich zu veranlassen ge- noͤthigt ist, weiter durchaus nichts. Zwanzig, dreißig, ja zu- weilen erst vierzig Stunden nach abgeflossenem Fruchtwasser, pflegen sich Zusammenziehungen einzufinden, und nun die Ge- burt auf gewoͤhnliche, der Natur moͤglichst ganz allein zu uͤber- lassende Weise, zu erfolgen, wobei man bemerkt haben will, daß vorzuͤglich durch sehr reichliche Schleimabsonderung in den Geburtstheilen der Mangel des Fruchtwassers ersetzt werde. 3. Von der Wendung . §. 1166. Es ist dieß eine der wichtigsten und schwierigsten Ge- burtshuͤlflichen Operationen, welche wir folgendergestalt genauer zu definiren haben, naͤmlich: als ein Verfahren, das Kind, welches in einer abnormen, der Geburt hinderlich werdenden Lage sich befindet, in eine normale Lage zuruͤckzufuͤhren, oder auch eine ge- gebene normale Lage, in eine andere Gattung dieser Art, welche eine schnellere Beendigung der Geburt verspricht, und uͤberhaupt dem vor- liegenden Falle angemessener ist, umzuwandeln . Man erkennt hieraus daß die kuͤnstliche Herausbefoͤrde- rung des Kindes keinesweges mit im Begriffe der Wendung enthalten ist, und es ist wichtig hierauf aufmerksam zu machen, (wie dieß vorzuͤglich von H. Joͤrg geschehen ist) da die Idee daß nach einer jeden Wendung nun auch nothwendig das kuͤnstliche Hervorziehen des Kindes erfolgen muͤße, zu vielerlei Nachtheilen Veranlaßung geben koͤnnte und gegeben hat. §. 1167. So wie nun aber das Kind bei der normalen Geburt entweder mit dem Kopfe oder mit den Fuͤßen voraus ins Becken eintritt, so kann auch bei dieser Operation der Ein- tritt des Kindes auf die eine oder auf die andere Weise be- werkstelligt werden. In wiefern wir nun gefunden haben, daß die Kopfgeburten mit der wenigsten Gefahr fuͤr das Kind verknuͤpft sind, so wuͤrde man allerdings wuͤnschen muͤßen, in der Regel bei abnormen Lagen den Kopf auf das Becken zu leiten, und diese Wendung auf den Kopf ist auch in der That wohl die aͤlteste Art dieser Operation (indem schon Hip- pokrates ihrer erwaͤhnt); uͤberdieß sieht man solche Aende- rungen abnormer Lagen in Kopfgeburten, zuweilen durch Na- turthaͤtigkeit allein bewerkstelligt, und hat auch neuerlich die kuͤnstliche Wendung auf den Kopf mehreremale mit Gluͤck vor- genommen. Demungeachtet bleibt diese Operation immer nur auf wenige Faͤlle eingeschraͤnkt, indem der Kopf sich zu schwer fassen laͤßt, nur mit Schwierigkeit und nicht leicht ohne Ge- fahr einer Verrenkung der Halswirbel, in das Becken herein- gefuͤhrt werden kann, und das ganze Verfahren somit, bei vollkommenen Querlagen und bei vor laͤngerer Zeit abgefloßenem Fruchtwasser gar keine Anwendung finden wird. §. 1168. Was hingegen die Wendung auf die Fuͤße betrifft, so wird diese durch keine auch noch so abweichende Lage des Kindes unmoͤglich, das Herabfuͤhren der Fuͤße selbst, ist bei geschickter Ausfuͤhrung fuͤr das Kind mit keiner Gefahr ver- bunden, und aus diesen Gruͤnden wird diese Art seit Celsus am allerhaͤufigsten, ja von Vielen (welches jedoch nicht zu bil- ligen) ganz ausschließend ausgeuͤbt. Man hat uͤbrigens hier- bei noch zu unterscheiden, ob beide Fuͤße zugleich in das Bek- ken herabgefuͤhrt werden, oder ob nur einer herabgeleitet, der andere aber am Leibe heraufgeschlagen gelassen wird, endlich ob man die untere Extremitaͤt des Rumpfs vom Kinde mit herauf- geschlagenen beiden Fuͤßen in das Becken herableitet. Bei der Wendung uͤberhaupt aber ist zu unterscheiden, ob dieselbe durch die in den Uterus eingebrachte Hand, (und zwar durch diese allein, oder durch Beihuͤlfe von Wendungsstaͤbchen und Schlin- gen) oder ob sie durch aͤußere Manipulation, gewiße angeord- nete Lagen der Kreisenden u. s. w. bewerkstelligt werde. — Wir sprechen zuerst von der am haͤufigsten vorkommenden a. Wendung auf die Fuͤße . §. 1169. Die naͤhere Bestimmung der Faͤlle, wo das Unterneh- men der Wendung auf die Fuͤße angezeigt ist, bleibt der spe- ciellen geburtshuͤlflichen Pathologie und Therapie uͤberlaßen; hier sind nur einige der allgemeinguͤltigsten Anzeigen und Ge- genanzeigen zu erwaͤhnen. Zu den Anzeigen fuͤr die Wendung auf die Fuͤße gehoͤrt aber 1) jede von den oben betrach- teten sechs natuͤrlichen Geburtslagen des Kindes bedeutend abweichende Lage , in sofern naͤmlich das Kind vollkommen oder wenigstens viel uͤber die Haͤlfte ausge- tragen ist (indem Embryonen in jeder Lage durch das Becken getrieben werden), und nicht etwa leichter und vortheilhafter die Wendung auf den Kopf Statt findet. 2) Ist die Wen- dung auf die Fuͤße angezeigt bei regelmaͤßigen, jedoch noch nicht zu sehr auf dem Becken fixirten Lagen (Kopflagen und Steislagen), sobald Umstaͤnde eintreten, welche ein moͤglichst schnelles Beendigen der Geburt (z. B. bei Blutungen, Zuckun- gen, nicht zuruͤckzubringendem Vorfalle des noch pulsirenden Nabelstranges u. s. w.) gebieten, indem man sodann der Wen- dung sogleich die Extraktion an den Fuͤßen anreiht. §. 1170. Es giebt jedoch auch mehrere Umstaͤnde welche das Un- ternehmen dieser Wendung verbieten, auch wenn man z. B. durch regelwidrige Kindeslage sonst sich dazu veranlaßt finden koͤnnte, dahin gehoͤren: 1) ein so sehr verengertes Becken, wel- ches das Durchfuͤhren des Kindes auf keinerlei Weise, selbst nicht nach vorgenommener Verkleinerung (Enthirnung) gestattet; indem hier die Entbindung durchaus nur mittelst Eroͤffnung eines neuen Gehurtsweges moͤglich wird. 2) Eine Verenge- rung des Beckens, welche das Durchfuͤhren des Kindes nur nach vorgenommener Enthirnung, oder doch auf eine solche Weise, daß das Leben des Kindes dabei nicht erhalten wer- den koͤnnte, gestatten wuͤrde, wird ebenfalls die Wendung auf die Fuͤße, in allen Faͤllen, wo man von dem noch Statt fin- denden Leben des Kindes auf das Gewißeste uͤberzeugt ist, widerrathen muͤssen. Auch hier naͤmlich ist zur Rettung des Kindes die Eroͤffnung eines neuen Geburtsweges der einzige sichere Weg. Demungeachtet bleibt hier die Entscheidung der Beruͤcksichtigung der uͤbrigen Umstaͤnde uͤberlassen, indem leicht der Erhaltung des Kindes das Leben der Mutter aufgeopfert werden koͤnnte, und auch nicht immer eine zuverlaͤßige Bestim- mung daruͤber zu erlangen ist, ob nicht bei einem vielleicht nicht allzugroßen Kopfe und betraͤchtlicher Weichheit der Kno- chenverbindungen desselben die Entwickelung des Kopfs, etwa durch Anwendung der Zange, bei Erhaltung des Lebens vom Kinde, gelingen moͤchte. §. 1171. 3) Wird die Wendung auf die Fuͤße verhindert, ja fuͤr den Augenblick voͤllig contraindicirt, durch zu lang abgefloße- nes Fruchtwasser, und zu heftige Contraktion des Uterus um das in einer falschen oder regelmaͤßigen Lage befindliche Kind. Es muͤssen naͤmlich unter diesen Umstaͤnden, der Wendung die Anwendung mehrerer antiphlogistischer, erweichender, krampf- widriger Mittel vorausgehen, indem ohne solche Vorbereitung die gewaltsame Wendung hier leicht Zerreißung des Uterus, oder Entzuͤndung desselben, ja endlich Verletzung der Kindes- theile veranlaßen kann; uͤberhaupt aber zuweilen, wegen des Widerstandes welchen der Uterus der eingebrachten Hand ent- gegensetzt, diese Operation auch fuͤr die Ausfuͤhrung selbst auf das aͤußerste erschwert, ja im aͤußersten Falle ganz unmoͤglich gemacht werden muͤßte. Eine 4) Gegenanzeige fuͤr die Wen- dung giebt der im Becken bereits zu tief herabgetretene Kopf oder Steis, indem das gewaltsame Zuruͤckbringen dieser Theile sehr nachtheilig auf den Uterus wirken muͤßte, und leicht so- gar das Zerreißen desselben herbeifuͤhren koͤnnte. Endlich 5) wird die Wendung oft uͤberfluͤßig bei einem noch unzeitigen Kinde, welches in jeder Lage durch das Becken geht. §. 1172. Prognose . Die Wendung auf die Fuͤße, sobald sie mit hinlaͤnglicher, nur durch vielfache Uebung zu erhaltenden Geschicklichkeit ausgefuͤhrt wird, pflegt in der Regel fuͤr die Mutter weder allzuschmerzhaft noch sehr gefahrvoll zu seyn. Was das Kind betrifft, so ist auch fuͤr dieses die Wendung an und fuͤr sich, wenn sie gehoͤrig ausgefuͤhrt wird, nicht ge- fahrvoll zu nennen, (roh ausgefuͤhrte Wendungen koͤnnen al- lerdings zu Knochenbruͤchen, Verrenkungen u. s. w. am Kinde, so wie zu Verletzung des Uterus fuͤhren), demungeachtet wird die Prognose in dieser Hinsicht theils dadurch, daß die Geburt uͤberhaupt als Fußgeburt endigt (welche fuͤr das Leben des Kindes, wie schon oben §. 845. bemerkt wurde, immer ge- faͤhrlicher ist), theils auch deßhalb weil doch nicht allzuselten auf die Wendung die Extraktion an den Fuͤßen folgen muß, immer bedenklich. §. 1173. Uebrigens richtet sich die naͤhere Bestimmung der Prog- nose auch nach den sonstigen Umstaͤnden. Sie wird daher um so guͤnstiger gestellt werden koͤnnen: 1) je geraͤumiger das Becken ist; 2) je regelmaͤßiger die Wehen sind, so daß sie nicht durch krampfhafte Zusammenziehungen die Operation hindern, demungeachtet aber die Geburt, sobald das Kind in die Fußlage gebracht ist, kraͤftig foͤrdern. 3) Ist die Prog- nose guͤnstiger bei Personen welche schon mehrmal geboren ha- ben; ferner 4) wo man den rechten Zeitpunkt zur Operation auswaͤhlen kann, 5) wo die Fuͤße nicht allzuweit vom Mut- termunde entfernt sind, und endlich 6) der Fall nicht durch Krankheit der Mutter, Entzuͤndung des Uterus, Blutung u. s. w. durch Vorfall des Nabelstranges, betraͤchtliche Groͤße des Kindes u. s. w. erschwert wird. Das Gegentheil von alle diesem, besonders ein enges Becken, lang abgefloßenes Fruchtwasser u. s. w. verschlimmert die Prognose der Opera- tion bedeutend. §. 1174. Wir kommen zur naͤhern Bestimmung des rechten Zeitpunktes der Operation ; es ist dieses das Ende der zweiten Geburtsperiode wo der Muttermund seine voͤllige Erweiterung erlangt hat, das Fruchtwasser aber noch nicht abgeflossen ist. Muß die Wendung irgend vorhandener, auf schleunige Entbindung dringender Umstaͤnde wegen, zeitiger unternommen werden, so muß derselben die kuͤnstliche Erwei- terung des Muttermundes auf oben beschriebene Weise vor- ausgehen; ist hingegen der genannte Zeitpunkt voruͤber , so ist dann zu beruͤcksichtigen, ob das Wasser erst vor kurzem oder ob es schon laͤngere Zeit (bereits vor mehrern Stunden) abgeflossen sey, wo denn im erstern Falle die Operation nicht betraͤchtlich erschwert, im letztern Falle hingegen mitunter aus- serordentlich gehindert wird. §. 1175. Vorbereitungen zur Operation . Dahin gehoͤrt zuvoͤrderst die Anordnung des Lagers fuͤr die Kreisende, wel- ches vollkommen das schon bei Gelegenheit der kuͤnstlichen Er- weiterung des Muttermundes beschriebene Querbett seyn muß, wenn man es nicht durch einen gut eingerichteten Geburts- stuhl oder ein kuͤnstliches Geburtsbett ersetzen will. — Ferner gehoͤrt zu den nothwendigen Vorbereitungen: 1) die genaueste Untersuchung des gesammten Zustandes der Kreisenden, insbe- sondere aber des Beckenbaues und der Lage des Kindes. Was die letztere betrifft, so ist es bei Querlagen haͤufig der Fall, daß durch die gewoͤhnliche, mit einem Finger vorgenommene Untersuchung, die Kindestheile uͤberhaupt gar nicht zu errei- chen sind, folglich auch die Kindeslage nicht bestimmt werden kann; in einem solchen Falle muß man sich durch die aͤußere Untersuchung, durch Beruͤcksichtigung des Ortes wo man die Kindesbewegungen oder den Kindeskopf am deutlichsten fuͤhlt u. s. w. Aufklaͤrung zu verschaffen suchen, und endlich die Untersuchung mit der ganzen Hand vornehmen, jedoch so daß man dann die zu diesem Behuf eingebrachte Hand nicht wie- der zuruͤckzieht, sondern sogleich dieselbe zur Vollendung des Wendungsgeschaͤfts benutzt. §. 1176. 2) Wird es noͤthig der Gebaͤrenden die Nothwendigkeit und den Zweck der Operation vorsichtig, so wie in mindest abschreckenden Ausdruͤcken mitzutheilen, zugleich aber Behut- samkeit in Feststellung der Prognose zu beobachten. 3) Wie selbst vor einer natuͤrlichen Geburt, muß noch weit sorgfaͤlti- ger vor der Wendung auf hinlaͤngliche Entleerung von Mast- darm und Harnblase Ruͤcksicht genommen werden. 4) Muß der gesammte, bei natuͤrlichen und kuͤnstlichen Geburten uͤber- haupt noͤthige Apparat, vorzuͤglich die Belebungsmittel fuͤr ein scheintodtes Kind, erwaͤrmte Tuͤcher zum Einhuͤllen der zuerst hervortretenden Kindestheile, vorraͤthig und in Ordnung gehalten werden. Von Instrumenten muß besonders die Ge- burtszange und (fuͤr ungewoͤhnliche Faͤlle) Smellie’s stump- fer Haken, zur Hand seyn, so wie man zugleich ein Paar gewirkte Schlingen zum Anschlingen eines Fußes oder einer Hand in Bereitschaft zu halten hat. (Andere sonst wohl zur Wendung empfohlene Instrumente, Kruͤcken zum Zuruͤckschieben vorgefallener Theile, Fußhaken, Fußzangen, Wendungsstaͤbchen u. s. w. sind vollkommen uͤberfluͤßig.) §. 1177. Endlich 5) ist noch der besondern Vorbereitungen zu ge- denken, welche ein solcher Wendungsfall erfordert wo bereits das Fruchtwasser laͤngere Zeit abgegangen ist, und der zu fest um das Kind zusammengezogene Uterus fuͤr den ersten Augenblick das Unternehmen der Wendung hindert. — Vor- zuͤglich hat man hierbei zu unterscheiden, ob es ein blos krampfhafter oder ob es ein entzuͤndlicher Zustand sei, in wel- chem der Uterus sich befindet? — Im erstern Falle sind vor- zuͤglich warme antispasmodische Fomentationen aus Flanelltuͤ- chern in den Aufguß der Hb. Hyoscyami, der Flor. Cha- momill. der Rad. Valerian. getaucht, und uͤber Unterleib und Geburtstheile gelegt, zu empfehlen; innerlich giebt man die Aufguͤße der Rad. Valerian. und Flor. Chamomill. zum Ge- traͤnke, reicht kleine Dosen vom Liq. C. C., der Essent. Va- lerianae, und dem Laud. liq. S. — Auch Injektionen wer- den ferner, vorzuͤglich bei großer Trockenheit der Geburtstheile, mit Nutzen angewendet; man bereitet sie aus warmer Milch, Leinsamen- oder Hafergruͤtzabkochung mit Oehl vermischt, Aufguͤßen der Kamillenblumen oder des Bilsenkrautes (bei welchen letztern, so wie dann wenn man den Injektionen Laudanum beimischt, jedoch sehr darauf zu sehen ist, daß, so lange das Kind noch lebt, keine Fluͤßigkeit zum Munde desselben dringen koͤnne). Endlich wuͤrde selbst das laue Bad in besonders schweren Faͤllen sicher Erleichterung gewaͤhren. — Ist nun aber aus der bedeutenden Empfindlichkeit des Leibes und der Geburtstheile, aus der sehr erhoͤhten Temperatur und vermehrten Anschwellung der letztern und aus der Beschaffen- heit des Pulses, ein bereits angeregter Entzuͤndungszustand abzunehmen, so muß eine hinlaͤngliche Blutentziehung als das zweckmaͤßigste Vorbereitungsmittel zur Wendung betrachtet werden, obwohl nach dieser auch noch die erwaͤhnten krampf- widrigen Mittel mit Nutzen angewendet werden koͤnnen. §. 1178. Bevor man nun zur Operation selbst schreitet, ist noch zu bestimmen ob man, in einem gegebenen Falle, dieselbe mit der rechten oder linken Hand verrichten wolle. Es wird naͤm- lich ein geuͤbter Geburtshelfer zwar allerdings im Stande seyn, die Fuͤße, sie moͤgen in einer oder der andern Seite der Ge- baͤrmutter liegen, mit jeder Hand aufzufinden und herabzu- fuͤhren, allein nichts destoweniger wird durch eine schickliche Wahl der Hand die Operation in allen Faͤllen sehr erleichtert. Man kann hieruͤber als Regel bemerken, daß (vorzuͤglich in den Faͤllen wo die Fuͤße in der Gegend des Gebaͤrmuttergrun- des liegen, oder wo man mit der Hand, bei noch stehendem Wasser, eine Strecke zwischen Uterus und Eihaͤuten vordrin- gen will, bevor man die letztern sprengt) diejenige Hand stets die schicklichste sey, welche der Seite, wo die Fuͤße liegen, am naͤchsten ist; daß man also fuͤr die in der rechten Seite liegenden Fuͤße die linke, fuͤr die in der linken Seite liegen- den Fuͤße die rechte Hand waͤhle. Ist hingegen das Wasser abgeflossen, und liegen die Fuͤße nicht sehr entfernt vom Mut- termunde, so wird man es zuweilen bequemer finden, die der Seite gleichnamige Hand zur Operation zu waͤhlen. §. 1179. Sind nun alle diese Vorbereitungen getroffen, ist die zu Entbindende auf das zweckmaͤßig angeordnete Lager gebracht und hinlaͤnglich von den Gehuͤlfen unterstuͤtzt, so begiebt der Operirende sich, nachdem er das Oberkleid abgelegt hat, vor dieselbe, laͤßt sich entweder auf ein untergelegtes Sophakissen mit einem Knie nieder, oder nimmt auf einem niedrigen Ses- sel Platz, bedeckt sich die Schenkel mit einem hinlaͤnglich großen Tuche, oder einer Schuͤrze, und entbloͤßt dann vorsichtig, ohne es der Gebaͤrenden zu sehr merkbar zu machen, den zur Wen- dung bestimmten Arm bis uͤber den Ellbogen. Er entfernt Ringe u. dergl. sorgfaͤltig, legt sodann die Hand langgestreckt und conisch zusammen, bestreicht sie und den Vorderarm mit Oehl oder Fett, und geht sodann, indem er die Kreisende zur vollkommensten Ruhe ermahnet und namentlich alles Pressen untersagt, im geraden Durchmesser der untern Beckenoͤffnung, der Fuͤhrungslinie gemaͤß, und in gelind drehender Bewegung ein, wobei er das Dehnen der Schamlippen oder Scham- haare (selten werden die letztern durch zu betraͤchtliche Laͤnge noͤthigen, sie etwas abzuschneiden) behutsam vermeidet. §. 1180. Um nun die Wendung selbst zu vollziehen, muß man sich zu- voͤrderst den Weg zu den Fuͤßen des Kindes zu bahnen suchen. Es geschieht dieß indem man mit der conisch gelegten, in der Beckenhoͤhle quergestellten, mit der Ruͤckenflaͤche nach hinten gekehrten Hand nun behutsam in den Muttermund eindringt, und, dafern das Fruchtwasser noch nicht abgeflossen ist, zuerst an einer schicklichen Stelle die Eihaͤute sprengt. Diese Stelle richtet sich theils nach der Lage der Fuͤße, theils nach der Menge des Fruchtwassers. Ist naͤmlich eine sehr betraͤchtliche Quantitaͤt Fruchtwasser vorhanden, so wuͤrde es den Uterus allzuheftig reitzen, wenn man zwischen innerer Uterinflaͤche und den Eihaͤuten weit in die Gebaͤrmutterhoͤhle vordringen wollte; man sprengt deßhalb hier, auf fruͤher beschriebene Weise, die Haͤute im Muttermunde und dringt sodann gleich mit der Hand in die gemachte Oeffnung, um das voͤllige Abfließen des Fruchtwassers zu hindern. Giebt hingegen die schlaffere Blase und der nachgiebigere Uterus Raum genug zur Einfuͤh- rung der Hand außer den Eihaͤuten, so gleitet man an der aͤußern Flaͤche der letztern vorsichtig gegen die Seite hinauf, in welcher die Fuͤße liegen, (nur muß nicht etwa die Pla- centa in dieser Gegend angeheftet seyn, als deren Sitz die Hand immer sorgfaͤltig zu vermeiden hat) um erst in dieser Gegend die Haͤute zu sprengen, und so bei noch stehendem Wasser die Wendung zu bewerkstelligen. §. 1181. Die Art und Weise ferner betreffend, wie die Hand so hoch in den Uterus hinauf- und zu den Fuͤßen des Kindes sicher hinzufuͤhren ist, laͤßt sich nur im Allgemeinen darstellen, und fast jeder vorkommende Fall fordert daher ein eigenthuͤmli- ches, nach den Umstaͤnden, den allgemeinen Regeln gemaͤß, modificirtes Verfahren. Vorzuͤglich jedoch ist auf Folgendes zu achten: — 1) bei dem Herauffuͤhren der Hand uͤber das kleine Becken, waͤhle man stets eine der Darm- und Kreuz- beinverbindungen, indem in den Ausbeugungen zu beiden Sei- ten des Vorbergs gewoͤhnlich am meisten Raum ist. 2) Man huͤte sich, indem man die Hand in dieser Gegend herauffuͤhrt, nicht etwa zu stark gegen die Ruͤckwand des Beckens zu druͤ- cken, um nicht durch Compression der Vena und Arteria iliaca (das Pulsiren der letztern fuͤhlt man gewoͤhnlich hier sehr deutlich) Erstickungszufaͤlle oder andere Beschwerden zu veranlassen. 3) Sobald waͤhrend der Operation eine Wehe eintritt, halte man sogleich ein, und lasse die Hand ruhig liegen, bis die Wehe voruͤber ist. §. 1182. Um innerhalb des Eies gut zu den Fuͤßen zu gelangen, bemerke man ferner: 4) sobald der eindringenden Hand ein groͤßerer Kindestheil (Rumpf oder Kopf) sich entgegenstellt, so suche man denselben behutsam etwas bei Seite zu schie- ben, worin vorzuͤglich der Daumen uns gute Unterstuͤtzung gewaͤhren kann; auch ist es zweckmaͤßig, wenn der Kopf auf dem Eingange des kleinen Beckens aufliegt, der Kreisenden eine staͤrker ruͤckwaͤrts geneigte Lage zu geben. 5) Um die Fuͤße aufzufinden ist es vorzuͤglich zu empfehlen, die Hand mehr unterhalb des Kindes, und zuerst gegen die Bauch- flaͤche desselben zu fuͤhren, hier liegen naͤmlich entweder die Fuͤße selbst, oder es ist leicht, indem man die Hand von der Bauchflaͤche nach den Oberschenkeln, und von da, uͤber die Knie, nach den Unterschenkeln fuͤhrt, die Fuͤße zu finden. Liegt der Kopf vor, so muß man stets mit der Hand uͤber das Gesicht des Kindes heraufgehen, um zu den Fuͤßen zu gelangen, und danach vorzuͤglich die Wahl der Hand einrich- ten. 6) Sollten die Fuͤße des Kindes sehr hoch im Gebaͤr- muttergrunde liegen, so ist es rathsam, zuerst den Schenkel im Kniegelenke zu fassen und etwas herabzufuͤhren, um so das Fassen des Fußes, der Gebaͤrenden und sich zu erleichtern. 7) Liegen sie dagegen bei einem Haͤngebauche sehr weit uͤber dem Schambogen, so wird das Fassen derselben erleichtert, theils indem ein Gehuͤlfe den Leib etwas hebt, theils indem man die Gebaͤrende selbst sich etwas zur Seite neigen laͤßt. 8) Wo Zwillinge vorhanden sind, zumal wenn sie sich in ei- ner Hoͤhle der Eihaͤute befinden, faße man, auch wo man Behufs einer nothwendig gewordenen, auf die Wendung fol- gen sollenden Ertraktion , beide Fuͤße herabfuͤhren will, zuerst stets nur einen Fuß, und huͤte sich daß die Fuͤße beider Kin- der sich nicht kreuzen, welches leicht zu Beschaͤdigungen Ver- anlaßung geben kanu. 9) Ueberhaupt vermeide man sorgfaͤl- tig, waͤhrend man die Hand nach den Fuͤßen des Kindes hin bewegt, den Druck auf die Nabelschnur, so wie Dehnung derselben, und alle heftigere Reitzung der Theile des Kindes oder des Uterus im Allgemeinen. §. 1183. 10) Findet die Hand des Geburtshelfers ferner bereits Theile des Kindes vorgefallen, z. B. Hand oder Nabelschnur, so wuͤrde es ein ganz vergebliches und nachtheiliges Bemuͤ- hen seyn, dieselben zuvoͤrderst zuruͤckbringen zu wollen, sondern man geht neben denselben, indem man sie so viel als moͤg- lich schont, in die Geburtstheile ein, und beendigt die Ope- ration eben so wie in Faͤllen wo aͤhnliche Theile nicht vor- liegen, wobei die Arme sich leicht von selbst zuruͤckziehen, die Nabelschnur aber, welche hierbei gewoͤhnlich eher noch weiter vorfaͤllt, gewoͤhnlich die Indication zur Extraktion mittelst der Hand des Geburtshelfers giebt. Man hat uͤbrigens oͤfters den Rath gegeben, eine vorliegende, oder beim Fortruͤcken der Hand des Geburtshelfers im Uterus angetroffene Kindes- hand, durch eine Wendungsschlinge zu befestigen, um nach gemachter Wendung den Arm sogleich an den Rumpf des Kindes herabziehen zu koͤnnen, und in Faͤllen wo man die Extraktion des Kindes auf die Wendung folgen lassen muß, ist dieses auch keinesweges unzweckmaͤßig; jedoch habe ich immer gefunden, daß ein einmal vorgefallener Arm, auch nach ge- machter Wendung, bei dem Eintritte des Rumpfs gewoͤhnlich von selbst leicht herabkommt; auch ist mit dem Anlegen einer Schlinge an eine nur innerhalb des Uterus aufgefundene Hand oft so viel Zeitverlust verbunden, daß derselbe durch den Vortheil der herabgefuͤhrten Hand nicht aufgewogen wird. §. 1184. Wir haben ferner zu erwaͤgen, ob es vortheilhafter sey, bei der Wenduug beide Fuͤße, oder nur einen, und welchen Fuß anzuziehen? — Da man aber bei der Wendung nur die Absicht hat, dem Kinde eine dem Geburtsverlaufe guͤn- stige Fußlage zu geben, so muß man sich zur Beantwortung dieser Frage erinnern, welche Lage wir fuͤr den natuͤrlichen Geburtsverlauf im physiologischen Abschnitt fuͤr die guͤnstigste erkennen mußten. Es war dieses aber (§. 845.) die halbe Fußgeburt, wo ein Schenkel an der nach der Ruͤckenflaͤche der Mutter gewandten Bauchflaͤche des Kindes heraufgeschla- gen blieb, und diese wird man sonach auch durch die Wen- dung vorzuͤglich herzustellen suchen muͤssen. §. 1185. Es ist daher als Regel aufzustellen, in allen Faͤllen wo nicht die Wendung vorzuͤglich der nachfolgenden Extraktion wegen gemacht wird, nur einen Fuß zu fassen und in den Muttermund herabzufuͤhren, wobei der Fuß selbst in der Ge- gend der Knoͤchel mit Zeige- und Mittelfinger gefaßt und behutsam, daß man ihn nicht gegen das Gelenk biege, herab- gefuͤhrt werden muß. Um das Kreuzen der Fuͤße zu verhuͤten, ist es aber zweckmaͤßig, sters den untersten Fuß, welcher auch meistens am bequemsten zu erreichen ist, zu fassen; und zwar so, daß, wenn er sehr hoch liegt, er erst durch Herabbewegen des Kniees erreichbarer gemacht werde. — Hat man auf die beschriebene Weise nun den Fuß in den Muttermund gebracht, so faßt man ihn etwas fester, und durch einen staͤrkern Zug, welchen man oft vortheilhaft durch ein gelindes Pressen der Kreisenden unterstuͤtzen laͤßt, bewirkt man nun die eigentliche Wendung des Rumpfs in die Axe der obern Beckenoͤffnung; ein Zug welcher so lange fortgesetzt werden muß, bis man das Eintreten der Huͤftenbreite in den Eingang des kleinen Beckens bestimmt erkennt. §. 1185. Behufs der nachfolgenden Extraktion hingegen kann es nothwendig werden, beide Fuͤße in das Becken herabzufuͤhren, und zu diesem Entzweck verfaͤhrt man entweder so, daß man, wenn die Fuͤße dicht nebeneinander liegen, sogleich beide, mit Zeige- Mittel- und drittem Finger erfaßt, sie gegen und in den Muttermund herabzieht, dann den einen Fuß loslaͤßt, den andern allein durch einen gelinden Zug in die Mutterscheide bringt, hierauf den zweiten Fuß nachholt, und nun mit An- ziehung beider Fuͤße, theils das Kind vollends wendet, theils die Huͤften in den Beckeneingang herabfuͤhrt. Oder auch, man erfaßt, wie gewoͤhnlich, anfaͤnglich nur einen Fuß, fuͤhrt die- sen in die Mutterscheide herab, und legt sodann eine Wen- dungsschlinge um denselben (indem man die angefeuchtete Schlinge uͤber die Spitzen der conisch gelegten Finger haͤngt, sie mit diesen einfuͤhrt und von den Zehen aus so uͤber den Fuß und um die Knoͤchel legt, daß man die Schlinge auf dem Ruͤcken des Fußes zuzieht), geht hierauf abermal mit der Hand gegen den Gebaͤrmuttergrund herauf, holt eben so II. Theil. 21 wie den ersten auch den zweiten Fuß herab, und leitet dann beide Fuͤße, mit etwas staͤrkerem Zuge, um die voͤllige Wen- dung des Rumpfs zu bewirken, in das Becken, und bis vor die aͤußern Geburtstheile herab. Bei einem jeden Anziehen der Fuͤße endlich muß zugleich darauf gesehen werden, dem Kinde eine Richtung mit den Zehen nach ruͤckwaͤrts zu geben, und was die Behandlung der nun weiter erfolgenden Fußgeburt betrifft, so muß theils auf die Huͤlfleistung bei der natuͤrli- chen Geburt, theils auf die Lehre von der kuͤnstlichen Extrak- tion des Kindes an den Fuͤßen verwiesen werden. Wendung auf den Kopf . §. 1186. Sie kann aus den bereits fruͤher erwaͤhnten Gruͤnden nur in solchen Faͤllen Anwendung finden, wo das Becken, vorzuͤg- lich das große Becken regelmaͤßig gebildet, das Fruchtwasser noch nicht, oder hoͤchstens vor sehr kurzer Zeit abgegangen, und der Kopf in der Naͤhe des kleinen Beckens befindlich ist, Schiefstaͤnde des Kopfs, Ohr- Nacken- Hals- Schulter- und Brustlagen eignen sich daher vorzuͤglich fuͤr diese Operation, welche, da sie hauptsaͤchlich auf einem aͤußerlich anwendbaren Verfahren beruht, selbst dann wenn der Muttermund noch nicht genugsam fuͤr die Wendung auf die Fuͤße eroͤffnet ist, beginnen kann, so daß, im Fall das Herableiten des Kopfs nicht gelingt, nach voͤllig eroͤffnetem Muttermunde immer noch fuͤr die Wendung auf die Fuͤße keine Zeit verloren ist. §. 1187. In dem Verfahren zur Herableitung des Kopfs selbst, muͤssen vier Momente unterschieden werden: 1) die Anordnung der Lage der Kreisenden; da es naͤmlich die Absicht ist, den Kopf auf der ein planum inclinatum darstellenden Flaͤche ei- nes oder des andern der beiden Darmbeine herabzuleiten, so muß die Kreisende eine solche Lage annehmen, wo der Gebaͤr- muttergrund gegen die Seite in welcher der Kopf liegt, sich hinuͤbersenken, und dadurch den Kopf selbst mehr gegen den Eingang des kleinen Beckens herabdraͤngen muß; liegt folg- lich der Kopf nach rechts, so laͤßt man die Gebaͤrende auf die rechte, liegt der Kopf nach links, so laͤßt man sie auf die linke Seite legen. 2) Man unterstuͤtzt das Herableiten des Kopfs durch einen aͤußerlich angebrachten Druck, und zwar so, daß, indem eine flach angelegte Hand gegen den aͤußer- lich fuͤhlbaren Kopf andraͤngt, um ihn gegen das kleine Bek- ken herabzufuͤhren, die zweite Hand in entgegengesetzter Rich- tung angelegt wird, um die Huͤftengegend von dem Becken- eingange zu entfernen. Um den Druck gegen den Kindeskopf uͤbrigens laͤngere Zeit zu unterhalten, kann man sich auch des Anstemmens oder des Unterlegens eines roßhaͤrenen Kissens gegen die Stelle des Leibes wo der Kopf durchgefuͤhlt wird, bedienen. §. 1188. Bis hierher ist das Verfahren also blos ein aͤußerliches, und kann bei noch nicht eroͤffnetem Muttermunde, und indem die Gebaͤrende auf ihrem gewoͤhnlichen Lager sich befindet, an- gewendet werden, ja ist hier um so zweckmaͤßiger, da hier bei noch weniger auf das Becken gedruͤckten Kindestheilen, und mehrerem Fruchtwasser diese Lagenaͤnderungen am besten von Statten zu gehen pflegen. Allein auch noch durch innere Manipulation laͤßt sich das Herabtreten des Kopfs befoͤrdern, und man mache sich es hierbei zur Regel, in Faͤllen, wo diese durch eine in das Becken eingefuͤhrte Hand verrichteten Manipulationen das Herableiten des Kopfs nicht bewirken koͤn- nen, dann sogleich die Wendung auf die Fuͤße zu unterneh- men, und auch zu diesem Behuf daher gleich anfaͤnglich alle noͤthigen Vorbereitungen zu treffen. §. 1189. Ist also der Muttermund so weit geoͤffnet, daß er das Einfuͤhren der Hand gestattet, so bringt man die Gebaͤrende auf das oben beschriebene Wendungslager, geht mit der der Seite in welcher der Kopf liegt gleichnamigen Hand ein, und sucht nun 3) die vorliegenden Kindestheile und namentlich den Rumpf desselben, gegen diejenige Seite, in welcher die Fuͤße des Kindes liegen, zuruͤckzuschieben, wobei man entweder, wenn das Wasser noch nicht abgeflossen ist, dieses Zuruͤckschieben durch die unverletzten Haͤute hindurch (und zwar so am leichte- sten) bewirkt, oder bei bereits abgegangenem Wasser den vor- liegenden Kindestheil unmittelbar vom Becken wegzuheben sucht. Im letztern Falle erinnert zwar Hr. Osiander , Grundriß d. Entbindungsk. 2. Thl. S. 36. daß hier die Operation nur bei vorliegendem Ruͤcken gelingen koͤnne, doch erinnere ich mich, sogar bei vorwaͤrts liegender Brust und vorgefallenem Arm eines nicht allzugroßen Kindes, durch Zu- ruͤckbringen des Arms und Zuruͤckschieben der Brust das voͤl- lige Eintreten des Kopfes bewirkt zu haben. §. 1190. 4) Hat man somit den Kopf dem Beckeneingange nahe genug gebracht, so erfaßt man ihn selbst mit der im Becken befindlichen Hand, und zwar nachdem man, wenn die Eihaͤute noch unverletzt waren, dieselben zuvoͤrderst getrennt hat, und leitet den Scheitel oder das Hinterhaupt durch hebelartige Be- wegungen der an den Kopf gelegten Fingerspitzen gegen das Becken herein, um, sobald man ihm eine zweckmaͤßige Stel- lung angewiesen hat, sodann das Austreiben desselben der Kraft der Wehen zu uͤberlassen, oder, dafern es die Umstaͤnde erfor- dern, seine Entwickelung durch Anlegung der Zange zu been- digen. §. 1191. Zum Zweck dieser Hereinleitung des Kopfs ist es uͤbri- gens auch vorzuͤglich, daß man fruͤher oͤfters den Hebel angewendet hat, uͤber dessen Gebrauch daher, wenigstens histo- risch, hier noch einige Erinnerungen noͤthig werden. Es ist aber dieses Instrument wahrscheinlich im sechszehnten Jahrhun- dert durch Eucharius Röslin erfunden, und spaͤter durch viele Geburtshelfer, als Roonhuysen, Plaatmann, De Bruas, Camper und Andere, veraͤndert und verbessert, mit einer Oeff- nung (Fenster), ja von Aitken sogar mit einer elastischen Vorrichtung versehen worden. Die gebraͤuchlichsten Formen un- terscheiden sich uͤbrigens wenig von einem gewoͤhnlichen Zan- genblatt (s. T. III. F. IV. ), außer durch die mangelnde Beckenkruͤmmung, und man kann sich daher, wenn man ja den Hebel gebrauchen will, eben so gut eines Zangenblattes bedienen. Der groͤßte Vortheil, welchen sonach die Erfindung des Hebels der Geburtshuͤlfe gewaͤhrt hat, besteht offen- bar in der Hinleitung auf die Idee der Construktion der Ge- burtszange, welche, wie wir spaͤterhin finden werden, anfaͤng- lich aus nichts als zwei mit einander verbundenen Hebelarmen bestand. §. 1192. Die Anwendung des Hebels (oder eines Statt des He- bels dienenden Zangenblattes) geschieht aber auf folgende Weise: — Nachdem man die §. 1172. beschriebenen Vorbe- reitungen getroffen und die Kreisende auf das Wendungslager gebracht hat, auch den Kopf bereits nahe am Beckeneingange fuͤhlt, bringt man, wenn der Kopf in der linken Seite ruht, die eingeoͤhlten Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand in den hinlaͤnglich geoͤffneten Muttermund, faßt dann mit der linken Hand den Griff des Hebels gleich einer Schreibefeder, und bringt nun das Instrument, nachdem es ebenfalls an sei- ner aͤußern Seite mit Oehl bestrichen ist, der Fuͤhrungslinie des Beckes entsprechend, erst mit erhobenem dann mit immer mehr gesenktem Griffe so auf den beiden Fingern der andern Hand ein, daß man das Ende desselben bis an den Kopf des Kindes herauffuͤhrt, die Mitte hingegen (das Hypomochlion ) durch die Beckenknochen unterstuͤtzt wird. In dieser Lage nun soll durch abwechselnde Bewegungen des Griffs nach und nach der Kopf mehr gegen den Eingang des Beckens, und endlich voͤllig in denselben geleitet werden, man sieht indeß leicht, daß ein starkes Operiren mit diesem Instrumente, den wei- chen Theilen welche die Knochen bedecken leicht Nachtheil brin- gen koͤnne, und doch oft der Erfolg, bei bereits festgestelltem Kopfe, nicht den Erwartungen entsprechen werde, weßhalb denn auch hier der Gebrauch desselben mehr widerrathen als empfohlen werden muß. Wie man oft auch mit diesem Werkzeug die groͤßte Charlatanerie getrieben hat, davon erzaͤhlt Schweighaͤuser (Aussaͤtze uͤber physiologische und praktische Gegenstaͤnde der Geburtshuͤlfe. 1817. S. 226.) ein Beispiel. Anmerkung . Das in den vorhergehenden §§. beschrie- bene Verfahren zu Herableitung des schiefstehenden Kin- deskopfes, kann uͤbrigens auch bei schiefliegendem Kinde zur Herableitung der dem Becken naͤher liegenden Huͤf- ten und zur Verwandlung der abnormen Lage in eine Steisgeburt benutzt werden. Es muß hierbei natuͤrlich der zunaͤchst vorliegende Kindestheil mehr in der Rich- tung nach dem Kopfe des Kindes hin vom Beckenein- gange zuruͤckgeschoben werden, die Huͤften selbst aber koͤnnen, theils indem man den gekruͤmmten Finger in die Weichengegend einhakt, theils indem man die Lendenge- gend umfaßt, auf das kleine Becken herabgebracht wer- den. Den stumpfen Smellie’schen Haken hier in den Schenkelbug einzusetzen, und damit die Huͤften herabzu- ziehen, kann nur bei abgestorbenen Fruͤchten, und wo die zu heftige Zusammenziehung des Uterus das Auffinden der Fuͤße allzusehr hindern, erlaubt werden, fordert aber, sowohl bei dem (nach denselben Regeln welche fuͤr das Einbringen des Hebels gegeben wurden, einzurichtenden) Einfuͤhren des Instrumcnts, als bei dem Anlegen an das Kind selbst, die groͤßte Vorsicht um Verletzungen der muͤtterlichen Theile zu verhuͤten. — Ich erinnere endlich noch, daß nach meinem Dafuͤrhalten, die in den obigen §§. beschriebenen aͤußern Manipulationen das ein- zige sind, was wir von den namentlich durch Wiegand J. H. Wiegand drei geburtshuͤlfliche Abhandlungen. Ham- burg 1812. bekannt gemachten Verfahren, die Wendung durch blos aͤußerliches Manipuliren zu bewerkstelligen, wahrhaft mit Vortheil benutzen koͤnnen, daß hingegen, das Wenden eines vollkommen querliegenden Kindes auf solche Weise bewerkstelligen zu wollen, nichts weniger als zweckmaͤßig heißen kann, da nur zu leicht Entzuͤndungen des Ute- rus, ja selbst Verletzungen desselben die Folge davon seyn werden. II. Operationen wodurch die Geburt der Frucht oder einzelner Theile derselben bewerkstelligt wird. I. Kuͤnstliche Bewerkstelligung der Geburt des Kindes . A. Auf dem natuͤrlichen Geburtswege, und zwar 1) ohne Verletzung und Verkleinerung desselben . 1. Von der Extraktion des Kindes an den Fuͤßen . §. 1193. Wenn bei Steis- Knie- oder Fußlagen, oder nach vor- her gemachter Wendung auf die Fuͤße, Umstaͤnde eintreten, welche eine Beschleunigung der Geburt nothwendig machen, als z. B. Blutungen, Convulsionen, große Schwaͤche und Man- gel an Wehen, Vorfall des Nabelstranges, oͤrtliche Krankhei- ten, wie Entzuͤndungen des Uterus u. s. w., so ist die Her- ausbefoͤrderung des Kindes aus den muͤtterlichen Geburtsthei- leu durch die Hand des Geburtshelfers angezeigt. Contrain- dicationen fuͤr diese Operation geben vorzuͤglich, wie bei der Wendung, 1) eine absolute Engigkeit des Beckens, welche das Hindurchfuͤhren des Kindes uͤberhaupt unmoͤglich macht; 2) auch derjenige Grad der Beckenengigkeit, bei welcher der Groͤße des Kindes nach vorauszusehen ist, daß der Kopf nur nach gemachter Enthirnung durch das Becken gefuͤhrt werden koͤnne, demungeachtet aber vom Leben des Kindes noch sichere Zeichen vorhanden sind . §. 1194. In wiefern man nun endlich diese Operation haͤufig als ganz untrennbar von der Wendung betrachter, ja sie so- gar zuweilen als fuͤr die Beeudigung jeder Fuß- Knie- oder Steisgeburt ganz unentbehrlich gehalten hat, so muß hier nicht nur besonders gegen diese Vorurtheile gewarnt, sondern nach uͤberdieß erinnert werden, daß die Anwendung der Extraktion ohne hinreichende Indication, und in Faͤllen, wo die Natur recht gut zu Ausstoßung des Kindes allein hingereicht haͤtte, nur allzuleicht den Tod des Kindes, wegen dabei eintreten- der schlechter Stellung des Kopfs, verursachen kann. §. 1195. Die Prognose bei dieser Operation, wo sie behutsam gemacht wird, ist fuͤr die Mutter, welche nicht einmal bedeu- tende Schmerzen davon erfahren wird, in der Regel guͤnstig, obwohl durch rohes Verfahren, besonders bei Anwendung der Haken zur Entwickelung des Kopfs, auch betraͤchtliche. Gefahr dem muͤtterlichen Koͤrper erwachsen kann. Fuͤr das Kind hin- gegen ist die Prognose im Allgemeinen immer etwas unguͤn- stig, theils wegen Druck auf den Nabelstrang bei laͤnger inne- stehendem, wegen dem Anziehen der untern Extremitaͤten leich- ter falsch, d. i. mit seinem laͤngsten Durchmesser eintretendem Kindeskopfe, theils wegen der Dehnung oder Drehung der Wirbelsaͤule, welche hierbei nur allzuleicht Statt finden kann. Ueberhaupt haben an dem leichten Absterben des Kindes bei Fuß- geburten außer diesen Ursachen, gewiß noch vorzuͤglich die unvoll- kommenen Respirationsversuche des Kindes, waͤhrend der Kopf noch im Becken steckt, und der Druck welchen die Placenta erleidet, indem sie vom Uterus gegen den Kopf gepreßt wird, Antheil. Es wird jedoch die Vorhersagung auch fuͤr das Kind guͤnsti- ger ausfallen koͤnnen, 1) je weiter das Becken ist, 2) je kraͤf- tiger die Wehen sind und je besser die Mutter ihre Wehen noch zu verarbeiten im Stande ist; 3) je weniger anderwei- tige krankhafte Zustaͤnde sich bei Mutter und Kind vorfinden; 4) je mehr die Nabelschnur vermoͤge ihrer Lage gegen Druck gesichert ist, und 5) je besser die Stellung des Kindes selbst ist, je mehr die Bauchflaͤche nach ruͤckwaͤrts gekehrt ist, und die Arme am Rumpfe herabgeschlagen sind. §. 1196. Das Lager der Kreisenden muß fuͤr diese Operation dasselbe wie fuͤr die Wendung seyn, und auch die uͤbrigen Vorbereitungen , was vorzuͤglich die Mittel zur Wieder- belebung des Kindes, die gewaͤrmten Tuͤcher zur Einhuͤllung desselben, die Bereithaltung der Geburtszange und des stump- fen Hakens betrifft, sind dieselben welche wir bei der Wen- dung auf die Fuͤße beschrieben haben. §. 1197. Um nun zur Operation selbst zu schreiten, ist es am vortheilhaftesten, wenn beide Fuͤße im Muttermunde liegen; ist daher durch die Wendung auf die Fuͤße nur ein Fuß her- abgeleiter worden, so muß dieser angeschlungen, und der zweite Fuß auf oben beschriebene Weise nachgeholt werden, nur darf hierbei die Huͤftengegend noch nicht zu tief im Beckeneingange stehen, als in weichem Falle man zweckmaͤßiger das Kind an einem Schenkel vollends bis uͤber die Huͤften hervorbringt, und dann erst den zweiten Fuß entwickelt. Eben so ist es mit den Steislagen; sobald naͤmlich der Steis noch beweglich im Beckeneingange steht, kann man leicht die Fuͤße, wie bei der Wendung gelehrt worden, herabfuͤhren, ist er dagegen schon tief ins Becken eingetreten, so ist es zweckmaͤßiger denselben entweder durch eine Geburtszange mit geringer Kopfkruͤm- mung, oder durch einen gekruͤmmt in den Schenkelbug einge- brachten Zeigefinger, oder bei einem abgestorbenen Kinde, selbst durch den hier eingesetzten stumpfen Haken, bis zum Durch- schneiden zu bringen, um dann die Fuͤße behutsam zu ent- wickeln. §. 1198. Liegen nun beide Fuͤße vor den aͤußern Geschlechtsthei- len, so beachtet man zuerst ob die Zehen nach ruͤckwaͤrts oder vorwaͤrts gekehrt sind. Man faßt hierauf mit jeder Hand, und zwar mit flach angelegten gestreckten Fingern, den Daumen an die obere und aͤußere Seite des Unterschenkels gelegt, einen Fuß, zieht gleichzeitig beide Fuͤße an und leitet so, wenn die Zehen nach ruͤckwaͤrts gekehrt waren, beide Fuͤße bis an die Huͤften her- vor. Lagen die Zehen nach vorwaͤrts gekehrt, so ist es zweck- maͤßig, waͤhrend des Anziehens der Fuͤße, dem Kindeskoͤrper eine gelinde Drehung mit dem Ruͤcken nach aufwaͤrts zu geben. Sind nun die untern Extremitaͤten des Kindes geboren, so schlaͤgt man sie in ein gewaͤrmtes Leinentuch ein, und achtet zuerst auf die Lage des Nabelstranges, welcher stets in der Aushoͤhlung des Kreuzbeins sich am meisten gegen Druck ge- sichert befindet, und welcher, wenn er vielleicht an seiner In- sertion in den Unterleib zu sehr gedehnt wird, behutsam etwas weiter hervorgezogen, so wie, wenn er zwischen den Schenkeln durchgezogen seyn sollte, mittelst Beugung und Durchstecken eines Schenkels von dieser Umschlingung befreit werden muß. §. 1199. Hierauf schreitet man zur Extraktion des Rumpfs, und hierbei sind namentlich folgende Regeln zu beobachten: 1) das Anziehen selbst stets von beiden Seiten gleichmaͤßig, und mit der Behutsamkeit, welche die Ruͤcksicht auf Wirbelsaͤule und Ruͤckenmark fordert, zu verrichten; 2) genau auf die Drehun- gen des Rumpfs, welche bei einer natuͤrlichen Geburt in die- ser Lage erfolgen sollen, zu achten, sie moͤglichst zu unter- stuͤtzen, oder kuͤnstlich nachzuahmen. 3) Fuͤr das Anziehen des Kindes vorzuͤglich die Zeit einer Wehe zu benutzen, und das- selbe wo moͤglich noch durch einiges Pressen von Seiten der Kreisenden unterstuͤtzen zu lassen, indem fast nur auf diese Weise es gelingen wird, die uͤble Stellung des Kopfs mit zu betraͤchtlicher Entfernung des Kinnes von der Brust zu hindern. 4) Alle Sorgfalt darauf zu verwenden daß die Arme sich nicht an den Kopf heraufschlagen, weßhalb man, wo sie beide, oder wenigstens einer, fruͤher durch eine Schlinge befestigt waren, diese Schlinge anziehen muß, um sie an dem Leibe herabzustrecken; sind sie nicht angeschlungen, so ist es nur durch Vorsichtigkeit beim An- ziehen selbst, so wie durch Mitwirkung gut verarbeiteter Wehen moͤglich, eine gute Lage der Arme zu erhalten, meistens aber wer- den sie sich indeß in die Hoͤhe schlagen, (welches vorzuͤglich bei starken Kindern fast nothwendig eintritt) und machen dann die kuͤnstliche Loͤsung, von welcher bald das Naͤhere angegeben werden soll, unentbehrlich. — §. 1200. Zur Herabfuͤhrung des Rumpfs also, faßt man denselben, nachdem er gleichfalls in das Leinentuch eingeschlagen ist, mit beiden Haͤnden in beiden Seiten, so daß wieder die Daumen gestreckt oberwaͤrts zu liegen kommen, zieht in einzelnen den Wehen angemessenen Traktionen, und die Fuͤhrungslinie des Beckens beobachtend, den Rumpf nach und nach tiefer herab, und huͤllt die hervortretenden Partien desselben ebenfalls in das Leinentuch, welches man zum Einschlagen der untern Theile benutzt hatte. Waͤhrend dieses Hervorziehens achtet man vorzuͤglich darauf, daß die Schultern auf gute Art in den Beckeneingang treten, naͤmlich so, daß sie in einen der beiden schiefen Durchmesser, und zwar mit der Ruͤckenflaͤche nach vorwaͤrts gestellt werden, worauf man an das Herabho- len (das sogen. Loͤsen ) der Arme denken muß, sobald nicht etwa bereits die Arme von selbst hervorgetreten oder durch angelegte Schlingen herabgezogen worden sind. §. 1201. Das Loͤsen der Arme aber wird bewerkstelligt, indem man den in gewaͤrmte Tuͤcher eingeschlagenen Koͤrper des Kindes vorsichtig, ohne den Nabelstrang zu druͤcken, auf einer Hand und Vorderarmflaͤche ruhen laͤßt, und mit Zeige- und Mittelfinger der andern Hand an dem einen Arme des Kin- des, und zwar von der Schulterflaͤche her, bis zum Ellbe- gengelenke heraufgeht, hier die Fingerspitzen einsetzt und nun den Arm uͤber Gesicht und Brust vorsichtig herabdruͤckt, um ihn so endlich aus der Mutterscheide herauszufuͤhren. Regel ist es hierbei, den linken Kindesarm mit der linken Hand, den rechten mit der rechten Hand zu loͤsen (wobei also auch der das Kind unterstuͤtzende Arm gewechselt werden muß), ferner wenn das Kind mit einer Schulter mehr ruͤckwaͤrts mit der andern mehr vorwaͤrts nach dem Schambogen gerich- tet ist, den nach dem Kreuzbein liegenden Arm zuerst herab- zufuͤhren. §. 1202. Immer kann das Loͤsen der Arme durch vorsichtige Lei- tung des Rumpfs sehr erleichtert werden, eben so wie andern- theils, wenn man den Rumpf mit der Bauchflaͤche nach vor- waͤrts hat herabtreten lassen, die Loͤsung der Arme am aller- meisten erschwert wird. Nicht ganz in demselben Grade, ob- wohl gleichfalls oft bedeutend, pflegt sie erschwert zu seyn, wenn die Arme sich nach aufwaͤrts schlagen und hinter dem Nacken und uͤber dem Schambogen sich kreuzen. Es ist hier oft noͤthig, die Kreisende sich mehr seitwaͤrts wenden zu las- sen, um hoͤher hinter dem Schambogen heraufdringen zu koͤn- nen, stets aber bedarf es hier der groͤßten Vorsicht, um nicht durch ein zu gewaltsames Verfahren den Bruch des Ober- armbeins, welcher hierbei sehr leicht erfolgen kann, zu veran- lassen. §. 1203. Endlich ist eins der wichtigsten Geschaͤfte bei der Ex- traktion, die Herausbefoͤrderung des Kopfs, und es muß in dieser Hinsicht zuerst gegen alles gerade heftige Anziehen der Schultern gewarnt werden, indem ein solches Verfahren selbst zum Abreißen des Halses fuͤhren koͤnnte, und leider, bei einem rohern Zustande der Entbindungskunst nicht selten gefuͤhrt hat. Alles kommt aber hierbei zunaͤchst darauf an, den Kopf auf eine gute Weise in den Eingang des Beckens, und zwar in den schiefen Durchmesser desselben zu fuͤhren, und sobald er in die Beckenhoͤhle herabtritt, die Drehung in den geraden Durchmesser mit dem Hinterhaupte gegen den Schambogen zu unterstuͤtzen. Ist dieses gelungen, so bedarf es zur Entwicke- lung des Kopfs gewoͤhnlich nur des, schon bei der natuͤr- lichen Fußgeburt beschriebenen Verfahrens, d. i. man laͤßt das Kind auf dem Arme, welcher bei der Loͤsung des zuletzt herabgefuͤhrten Kindesarms, den Rumpf unterstuͤtzte, fortwaͤhrend ruhen, geht jedoch mit Zeige- und Mittelfinger derselben Hand in das Becken ein, um sie neben der Nase an die Kieferknochen anzusetzen, und das Kinn gegen die Brust herabzudraͤngen, fuͤhrt zugleich von der uͤber dem Ruͤcken des Kindes befindlichen Hand, dieselben Finger in das Becken ein, um das Hinterhaupt herauf zu schieben, und den ganzen Kopf folglich mehr mit seinem langen Durchmesser in die Fuͤhrungs- linie des Beckens zu bringen, und sucht nun, durch abwech- selnde hebelartige Traktionen, welche moͤglichst durch Wehen und Pressen unterstuͤtzt werden muͤssen, den Kopf allmaͤhlig aus dem Becken hervorzuleiten. §. 1204. Kann jedoch durch diese Manipulation der Zweck der Entwickelung des Kopfs nicht bald genug erreicht werden, und befindet sich der Kopf bereits in der Hoͤhle des Beckens, so wird die schleunige Anlegung der Zange unumgaͤnglich noth- wendig, da oft ein nur 5 bis 10 Minuten langes Verweilen des Kopfs in der Beckenhoͤhle hinreichend ist, den Tod des Kindes zu verursachen. Steht dagegen der Kopf fuͤr die Zange noch zu hoch, so muß er noͤthigenfalls durch die eingefuͤhrte Hand des Geburtshelfers erst in eine schickliche Stellung fuͤr diesen Entzweck gebracht werden, oder endlich, dafern das Kind etwa unbezweifelt abgestorben waͤre, laͤßt sich das Her- abfuͤhren des Kopfs auch durch Einbringen eines Zeigefingers, oder selbst des kleinern Endes vom Smellie’s chen stumpfen Haken in den Mund des Kindes, bewerkstelligen (bei einem lebenden Kinde darf natuͤrlich dieses letztere Verfahren durch- aus nicht angewendet werden). §. 1205. Was endlich die Faͤlle betrifft, wo bei fruͤher versaͤum- ter oder zu spaͤt gerufener zweckmaͤßiger Huͤlfe, der Kopf mit dem Kinne uͤber dem Schambogen, mit dem Hin- terhaupt gegen den Vorberg angestemmt getroffen wird, so geben diese immer zu einer hoͤchst schwierigen Entwickelung des Kopfs Veranlassung und es ist dabei wegen des Druckes gegen den hinter dem Schambogen liegenden Nabelstrang der Tod des Kindes meistens unvermeidlich. — Man muß hierbei vor allen Dingen die Lage des Kopfs verbessern, da bei einem ausgetragenen Kinde der laͤngste Kopfdurchmesser von 5 Zoll sich uͤber dem geraden Durchmesser des Beckeneinganges von 4 Zoll befindet, und folglich die gewaltsame Durchfuͤhrung des Kopfs in dieser Lage voͤllig unmoͤglich ist, und sicher roh fortgesetzte Versuche dieser Art hierbei oͤfters zum Abreissen des Halses gefuͤhrt haben moͤgen. — Ich habe nun unter diesen Umstaͤnden, wenn ich zu Faͤllen wo unvorsichtiges fruͤ- heres Verfahren den Kopf in diese schlechte Stellung gebracht hatte, hinzugerufen wurde, folgendes Verfahren immer als das Zweckmaͤßigste gefunden. §. 1206. Erstens untersucht man genau, nach welchem schiefen Durchmesser des Beckeneinganges hin, wohl der Kopf seiner fruͤhern und jetzigen Stellung nach am besten und leichtesten werde dirigirt werden koͤnnen, und bringt dieser Richtung ent- sprechend einen aͤußerlichen Druck an, um das uͤber dem Schambogen liegende Kinn nach dieser Seite zu wenden, geht ferner, indem man den in Tuͤcher gehuͤllten Rumpf des Kin- des durch einen Gehuͤlfen unterstuͤtzen laͤßt, mit der andern Hand in das Becken ein, draͤngt das Hinterhaupt weiter zuruͤck, sucht sodann mit Zeige- und Mittelfinger den Oberkiefer, oder, wenn das Kind bereits unbezweifelt todt ist, den Mund des Kindes auf, fuͤhrt auf diese Weise das Gesicht mehr gegen die eine Seite des Schambogens und hier in die Beckenhoͤhle herab, worauf denn die voͤllige Entwickelung des Kopfs auf die oben beschriebene Weise entweder durch die Zange, oder die Hand, oder den stumpfen Haken zu beendigen ist. §. 1207. Faͤnde man uͤbrigens im schlimmsten Falle, durch rohe Be- handlung den Kopf wirklich bereits vom Rumpfe abgerissen und allein im Becken zuruͤckgeblieben, so ist dessen Extraktion, theils durch die Geburtszange, theils durch Einbringung des stumpfen Hakens in das foramen magnum und Einbringung des Fingers in den Mund des Kindes, ja im aͤußersten Falle durch Anwendung der Ercerebration zu beendigen. — Be- sonderer Instrumente (wie die Kopfzieher Parré’s, Levret’s oder Assalini’s ) oder Gebaͤnde (wie Pugh’s oder Smellie’s Schlingen) bedarf es fuͤr diesen Zweck um so weniger, da Faͤlle dieser Art bei fortruͤckender Kultur der Geburtshuͤlfe im- mer seltner werden, ja gar nicht mehr vorkommen koͤnnen, außer vielleicht bei einem in den hoͤchsten Grad von Faͤulniß uͤbergegangenen Kinde. Anmerkung . Wie die Wendung, so ist auch die Ex- traktion des Kindes eine Operation, zu deren geschickter Ausfuͤhrung vorzuͤglich viel Uebung gehoͤrt, welche aber um so nothwendiger ist, als namentlich bei Mißbildung des Beckens dadurch zuweilen, mittelst vortheilhafter Hereinleitung des Kindeskopf wesentlich zur Erleichterung des Geburtsverlaufs beigetragen, ja selbst hier leichter als bei vorausgehendem Kopfe (wenn man gehoͤrig die groͤßte Weite des Beckens zum Eintritt der groͤßten Durchmesser des Kopfs zu benutzen weiß), die Persora- tion uͤberfluͤßig gemacht werden kann. Ich will in die- ser Hinsicht nur als Beispiel einen Fall anfuͤhren, wo ich eine Frau, deren Conjugata nur 2¾ Zoll maß, durch die Extraktion allein von einem todten ausgetragenen Kinde entband, und zwar von einem Kinde, welches bei dem Eintreten des vorangehenden Kopfs, schwerlich ohne Ercerebration haͤtte durch das Becken gefuͤhrt werden koͤnnen, weil hier fast immer der Kopf im schiefen Durch- messer eintritt, die Durchfuͤhrung aber nur durch die Be- nutzung des Querdurchmessers moͤglich wird. Wenn daher wir auch keinesweges die Perforation mit H. Osiander fuͤr eine uͤberhaupt nie zu unternehmende Operation erklaͤren moͤ- gen, so ist doch nicht zu leugnen, daß sie bei Schiefstaͤnden des Kopfs auf dem verbildeten kleinen Becken, durch zeitig unternommene Wendung und vorsichtige Extraktion sehr haͤu- fig zu umgehen seyn wird, welches gewiß ein wichtiger Vortheil ist, dafern man bedenkt, welch fuͤrchterliches Werkzeug das Perforatorium in der Hand des nicht hin- laͤnglich Geuͤbten werden koͤnne. 2. Von der Extraktion des Kindeskopfs durch Huͤlfe der Geburtszange . §. 1208. Die Idee den Kopf des Kindes durch zwei hebelartig geformte Arme, welche gleichsam die verlaͤngerten Haͤnde des Geburtshelfers selbst darstellen, im Becken zu faßen, seine Lage theils zu verbessern, theils und vorzuͤglich, ihn tiefer in die Beckenhoͤhle herabzuziehen, und ihn voͤllig zu entwickeln, ist von aͤußerster Wichtigkeit, und hat zur Erfindung eines In- struments gefuͤhrt, welches zweckmaͤßig angewendet , ohne Widerrede zu den wohlthaͤtigsten gehoͤrt, welche das gesammte aͤrztliche Armamentarium aufzuweisen hat, so daß nur Un- unterrichtete, oder Maͤnner welche dieses Werkzeug nur auf ganz rohe und unvorsichtige Weise handhaben sahen, es als ein nunuͤtzes Werkzeug verachten koͤnnen. — Merkwuͤrdig ist es demohngeachtet daß die eigentliche Erfindung dieses so wich- tigen geburtshuͤlflichen Apparats in so viele Dunkelheit verbor- gen ist, und nicht uninteressant wird es deßhalb seyn, noch die Geschichte dieser Erfindung etwas ausfuͤhrlicher hier zu er- oͤrtern. Weitlaͤufiger abgehandelt sehe man diesen Gegenstand in: J. Mul- der Geschichte der Zangen und Hebel, uͤbersetzt von Schlegel . Leipz. 1798. und Hinze Versuch einer chronologischen Uebersicht aller fuͤr die Geburtshuͤlfe erfundener Werkzeuge. Liegnitz u. Leipzig 1794. §. 1209. Es sind naͤmlich zwar schon von Rueff (1554) ja so- gar bereits von Avicenna Kopfzangen beschrieben worden, welche indeß saͤmmtlich Steinzangen nicht unaͤhnlich waren, und verletzend wirken mußten, daher auch mit der wahren Geburtszange gar nicht verglichen werden, duͤrfen. Wahr- scheinlich ist es hingegen daß das Geheimmittel, wodurch Cham- berlaine gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts schwere Geburten erleichtern zu koͤnnen vorgab, die Geburtszange ge- wesen sey, und eine neuere Nachricht In d. Salzburg. med. chir. Zeitung 1809. I. Nro. 7. wird aus den Medico-chirurgical Transactions publ. by. the Lond. M. ch. Soc. Vol. IX. p. I. die Nachricht mitgetheilt, daß man in einem ehemals von P. Chamberlaine besessenen Hause, in einem verbor- genen Fache mehrere Hebel und Zangen vorgefunden habe. macht dieses fast zur II. Theil. 22 Gewifiheit; nichts destoweniger verdient derselbe dieser Geheim- nißkraͤmerei wegen, wohl schwerlich als eigentlicher Erfinder der Geburtszange betrachtet zu werden. Auch ob die unter den Namen Roonhuysen’s und Ruysch’s (welche 1693 das Chamberlainsche Geheimniß erkauft haben sollen) spaͤter bekannt gewordenen Instrumente wirklich von diesen Niederlaͤndern her- ruͤhren, ist nicht mit Gewißheit zu bestimmen. §. 1210. Mit groͤßerem Rechte betrachten wir demnach den Nie- derlaͤnder Joh. Palfyn, (Wundarzt und Anatom zu Gent, gestorben 1730) als Erfinder der Geburtszange, indem er seine, freilich noch sehr unvollkommene und eigentlich nur aus zwei zusammengebundenen, ungefensterten, nicht nach dem Bek- ken gekruͤmmten Hebeln bestehende Zange, im Jahre 1723 H. Osiander in seiner lit. Geschichte d. Entbindungsk. rechnet von diesem Jahre die neueste Periode der Ausbildung der Ge- burtshuͤlfe. der Pariser Akademie vorlegte. ( T. III. F. V. ) — Nachdem somit einmal die erste Idee gegeben war, schritten die Ver- vollkommnungen rasch vorwaͤrts, von Dusée wurden um das Jahr 1733 die Zangenarme gekreuzt, mit Oeffnungen (Fen- stern) wurden die Zangenloͤffel versehen von Giffard und Chapmann gegen das Jahr 1736, und diesen Verbesserungen sind die meisten spaͤtern Geburtshelfer beigetreten. Allein noch fehlte der Zange ein wesentlicher Vorzug, naͤmlich außer der Kruͤmmung der Zangenloͤffel nach der Rundung des Kopfs, auch die Kruͤmmung nach der Fuͤhrungslinie des Beckens, und diese Vervollkommnung wurde von Levret im Jahre 1751, so wie 1752 von Smellie eine zweckmaͤßige Vereinfachung des Zangenschlosses bekannt gemacht. §. 1211. Hiermit waren nun fast alle Momente, welche zur Con- struktion einer guten Geburtszange wesentlich gehoͤren, gege- ben, allein man fuͤgte weiterhin auch haͤufig Einrichtungen hinzu, welche als uͤberfluͤßig und unnuͤtz zu betrachten sind; dahin gehoͤren nach meinem Dafuͤrhalten: die in einer Scheide beweglichen Zangenloͤffel, welche Burton (1757) empfahl, die von Johnson (1769) bekannt gemachte Dammkruͤmmung, die von Leake empfohlene dreiblaͤttrige Zange, ferner die mancherlei gekuͤnstelten Schloͤsser zur Vereinigung und Kreuzung der Zangenarme, wobei oft zum Oeffnen und Schliessen noch ein besonderer Schluͤssel erforderlich ist, ja endlich selbst die schon fruͤher (Thl. 1. S. 79.) erwoͤhnten Labimeter an deu Zangengriffen um die Groͤße des Kopfs zu bestimmen, nebst den Vorrichtungen ein zu starkes Zusammendruͤcken der Zan- gengriffe zu verhuͤten, die sogenannten Druckregulatoren (welche den Ungeuͤbten nie vor Mißbrauch der Zange schuͤtzen, dem Geuͤbten aber oft hinderlich seyn werden.) §. 1212. Mitunter ist man uͤbrigens auch in der neuern Zeit wie- der zu Einrichtungen uͤbergegangen, wie sie an den aͤltesten unvollkommenen Zangen sich vorfinden; so hat man hie und da die Idee wieder aufgenommen, die Zangenarme nicht durch Kreuzung sondern durch anderweitige Vorrichtungen zu ver- einigen. Es gehoͤrt hierher der Cephaloduktor von Uthoff , so wie die Geburtszange des Hrn. Dr. V. Karl in Frei- burg, das Weglassen der Fenster an den Zangenloͤffeln, wie an der Zange des Hrn. Osiander , u. s. w. — Die ein- zelnen schon uͤber Hundert vervielfaͤltigten Zangenformen hier noch besonders durchzugehen, wuͤrde außer unserm Zwecke lie- gen, und ich bemerke daher nur noch, daß in Deutschland die Zangen von Boër S. die Abbildung einer solchen in Joͤrg systemat. Handbuch d. Geburtshuͤlfe. Leipz. 1807. Siebold , v. Siebold’s Lucina. 1. Bd. 2. Heft. Osiander , Osiander neue Denkwuͤrdigkeiten, I. Bd. 2. Hft. Taf. 4. so wie in Frankreich die Zangen Levret’s als die gebraͤuch- lichsten betrachtet werden koͤnnen. §. 1213. Wir kommen nun zu den Anforderungen welchen eine gute Geburtszange Genuͤge leisten soll, nachdem zunaͤchst die besondern Theile dieses Werkzeugs unterschieden worden sind; es besteht dasselbe naͤmlich gewoͤhnlich aus zwei Armen oder Blaͤttern, ( Branches ) deren jeder eingetheilt wird, in das zum Erfaßen des Kopfs bestimmte obere Ende, den Zangenloͤffel , und das zur Handhabung fuͤr den Geburts- helfer bestimmte untere Ende, den Zangengriff ; verbunden endlich werden beide Arme durch eine zwischen Griff und Loͤs- fel angebrachte Vorrichtung, das Zangenschloß . §. 1214. Fuͤr eine gute Geburtszange werden aber erfordert 1) ein zweckmaͤßiges Material, naͤmlich guter Stahl, und uͤberhaupt genaue und saubere Arbeit, mit hinlaͤnglich feiner Politur um weder fuͤr Mutter und Kind nachtheiligen Druck zu veranlas- sen, noch zum Eindringen von Ansteckungsstoffen in die fei- nern Vertiefungen Gelegenheit zu geben. (Alle Furchen an den Zangenloͤffeln, um die Fenster herum, so wie alle scharfe Kanten muͤssen daher vermieden werden.) 2) Eine dem Kopfe des Kindes angemessene Kruͤmmung der Zangenloͤffel, deren staͤrkste Ausschweifung bei geschlossener Zange ungefaͤhr 2½ Zoll breit freien Raum lassen muß, und bei welcher, auch voͤl- lig geschlossen, die Enden der Loͤffel noch ¼ bis ⅓ Zoll aus- einander stehen. 3) Eine zweckmaͤßige, der Richtung der Fuͤh- rungslinie des Beckens entsprechende Kruͤmmung der Zangen- loͤffel, bei einer der Hoͤhe des kleinen Beckens angemessenen Laͤnge derselben. Rechnet man naͤmlich die Hoͤhe der Becken- hoͤhle 4½ Zoll, und nimmt man an, daß der Kopf mit sei- nem langen Durchmesser in der Axe der obern Apertur, und zwar eben nur am Eingange in das kleine Becken befindlich sey (wo sich der Kopf wenigstens befinden muß, wenn das Anle- gen der Zange indicirt seyn soll), so giebt dieß doch nur eine Laͤnge von 4½ + 4½ Zoll, und man erkennt hieraus daß eine Laͤnge der Loͤffel von 10 Zoll vollkommen ausreichend seyn werde. Ich bediene mich daher in der Regel nur einer Zange mit 10 Zoll langen Loͤffeln, und nur die zweite Zange welche jeder Geburtshelfer vorraͤthig halten muß, lasse ich fuͤr unge- woͤhnliche Faͤlle (besonders wenn der Kopf zuletzt eintritt und die Schultern das Anlegen der Zange an den noch hoch ste- henden Kopf erschweren) 1 bis 1½ Zoll laͤnger in den Loͤf- feln arbeiten, welche Laͤnge indeß dann nicht der gekruͤmmten Stelle der Loͤffel, sondern ihrem untern Ende (zwischen Kruͤm- mung und Schloß) zugesetzt werden muß. (s. T. III. F. VII. ) §. 1215. 4) Das Instrument muß leicht und zur Handhabung be- quem gearbeitet seyn, um eine sanfte und vorsichtige Fuͤhrung desselben zu befoͤrdern, und es dem Geburtshelfer moͤglich zu machen, jede Bewegung des Kopfs, jedes beginnende Abglei- ten der Zange u. s. w. alsbald wahrzunehmen. 5) Das Schloß der Zange muß hinlaͤnglich fest die Zangenarme ver- einigen, demungeachtet aber leicht und ohne Zeitverlust zu oͤff- nen und zu schliessen seyn; welche Vortheile das Smellie sche Schloß, wenn es gut gearbeitet ist, und zwar so, daß an dem obern (maͤnnlichen) Zangenarme der vorspringende Bal- ken weggelassen, und nur an dem untern (weiblichen) Arme die Vertiefung zum Einlegen des obern Arms angebracht wird, am vollkommensten gewaͤhrt. 6) Die Zangenloͤffel muͤssen zu Ver- minderung des Gewichts und zur Vermehrung der Festigkeit ihrer Lage am Kindeskopfe, mit hinlaͤnglichen hinten und vorn ausgerundeten Fenstern versehen seyn. (s. T. III. F. VII. b. ). 7) Die Zagengriffe endlich muͤssen bequem zu fassen, und dieserhalb, so wie zur Vermeidung des unangenehmen Geraͤusches bloß staͤhlener Griffe, mit Ueberzug von Holz versehen seyn (waͤre es nicht der Verunreinigung zu sehr unterworfen, so wuͤrde so- gar die Boërs che Methode, die Zangenarme bis zu den Fen- stern mit Leder zu uͤberziehen, große Empfehlung verdienen). 8) Die Laͤnge der Zangengriffe muß nie das Maaß, welches die Handhabung des Instruments nothwendig erfordert, uͤber- steigen; die Laͤnge von 5½ Zoll reicht zu diesem Zweck voll- kommen aus, und groͤßere Verlaͤngerung hindert eben so sehr die Operation (z. B. bei Anlegung der Zange in horizontaler Lage auf dem Bette) als es zur Verstaͤrkung des Druckes auf den Kindeskopf Veranlassung giebt. §. 1216. Alle die genannten Erfordernisse scheinen uns nun in keinem Instrumente so vollkommen als in der Boërs chen, zu den augegebenen Maaßen der Loͤffel und Griffe verlaͤngerten, Geburtszange gegeben zu seyn, und eben dieses bestimmt uns, obwohl wir zugeben, daß eben so auch mit andern Werkzeu- gen, bei hinlaͤnglicher Uebung, eine Operation gluͤcklich been- digt werden koͤnne, doch diese vorzuͤglich zu unserm Gebrauche zu erwaͤhlen. §. 1217. Wir kommen nun zur Bestimmung der Indication fuͤr den Gebrauch der Geburtszange. — Es ist aber die Anlegung derselben angezeigt, in allen Faͤllen, wo durch irgend regelwidrigen Zustand von Seiten der Mutter oder des Kindes, oder beider Theile, eine schleunigere Entbindung des Kindes uͤberhaupt und des Kopfes insbesondere nothwendig wird, dieser letztere aber in einer solchen Stellung an, oder in dem kleinen Becken sich befindet, daß sich die Erfassung und Durch- fuͤhrung desselben mittelst dieses Instruments ohne Verletzung muͤtterlicher oder kindlicher Theile als ausfuͤhrbar darstellt . Die regelwidrigen Zustaͤnde, welche zur Anlegung der Zange Veranlassung ge- ben, koͤnnen sonach aͤußerst verschiedenartig seyn, und werden in der speciellen Pathologie des Geburtsgeschaͤfts ausfuͤhrlicher eroͤrtert werden, es gehoͤren hierher z. B. Mangel an We- hen, Entzuͤndungen, allgemeine Krankheiten der Gebaͤrenden, Enge des Beckens, Vorfall des Nabelstranges, Zeichen von Schwaͤche des Kindes u. s. w. §. 1218. Was die Stellung des Kopfs betrifft, so kann sich die- ser entweder mit der Hinterhaupts-, Scheitel- oder Gesichtsflaͤche, oder mit der Basis (bei vorausgebornen Fuͤßen) auf das Bek- ken gestellt haben, immer aber ist erforderlich, daß derselbe wenigstens auf dem Eingange des kleinen Beckens, oder voͤllig in demselben , oder in der Beckenhoͤhle oder am Ausgange derselben sich befinde. Zwar hat man mitunter auch gelehrt, daß ein noch hoch und beweglich im großen Becken stehender Kopf ebenfalls mit der Zange zu sassen und herabzufuͤhren sey, dafern nur die Laͤnge des In- strnments zureicht; allein wir muͤssen diesem Satze widerspre- chen, da in diesem Falle immer der Kopf in einer Stellung sich befinden wird, welche der Form des Einganges zum klei- nen Becken durchaus nicht entspricht, und wobei er zum Theil auf dem Rande der ungenannten Linie aufliegt (denn waͤre dieß nicht, so muͤßte er ja eben in den Beckeneingang getre- ten seyn), folglich das Fassen und Anziehen durch die Zange, nur zum gewaltsamen Aufpressen auf das Becken und zur Quetschung muͤtterlicher Theile so wie des Kopfs selbst fuͤh- ren wuͤrde. Bei einem solchen Stande des Kopfs ist es da- her nur dann moͤglich die Zange anzuwenden, wenn durch das bei der Wendung auf den Kopf beschriebene Verfahren der Kopf wirklich zum Eintreten in die obere Apertur gebracht worden war, da hingegen wo dieses nicht moͤglich ist, zur Entwickelung des Kindes einzig und allein die Wendung auf die Fuͤße, mit noͤthigenfalls nachfolgender Manualextraktion, zweckmaͤßig genannt werden kann. Anmerkung . Man darf mit Zuversicht behaupten daß die meisten ungluͤcklichen Zangenoperationen, wo der Kin- deskopf durch gewaltsame Traktionen zerbrochen wurde, oder der ermuͤdete Geburtshelfer in Angst nach dem Perforatorium greift, obwohl weder die Enge des Beckens dieß entschuldigte, noch sichere Zeichen vom Tode des Kindes dieß Verfahren rechtfertigten, von Nichtbe- achtung dieser Regel abgeleitet werden muͤssen. §. 1219. Gegenanzeigen fuͤr den Gebrauch der Zange sind 1) der noch nicht hinlaͤnglich geoͤffnete Muttermund; 2) die noch uͤber den Kopf gespannten Eihaͤute; 3) der zu hohe und bewegliche Stand des Kindeskopfs; 4) ein zu betraͤchtliches Mißverhaͤltniß zwischen der Groͤße des Kopfs und des Bek- kens, sey es nun daß der an und fuͤr sich zu betraͤchtlich, etwa durch Wasseranhaͤufung, vergroͤßerte Kopf die Durchfuͤh- rung unmoͤglich macht, oder sey es, daß bedeutende Engigkeit des Beckens entweder die Geburt des Kindes uͤberhaupt nicht, oder nur nach vorgenommener Verkleinerung des Kopfs ge- stattet. 5) Die zu betraͤchliche Kleinheit des Kopfs entweder bei Fruͤhgeburten, oder nach vorher unternommener Verkleine- rung und Entleerung desselben. §. 1220. Die Prognose bei Zangenoperationen kann im Allge- meinen fuͤr Mutter und Kind vortheilhaft genannt werden, und zwar wird dieß um so mehr der Fall seyn: 1) je weni- ger Gefahrdrohend die Regelwidrigkeiten sind, welche zur Un- ternehmung der Operation noͤthigen, 2) je besser der Bau des Beckens, 3) je tiefer der Stand des Kopfes ist. Un- guͤnstiger wird die Prognose und schwieriger die Operation: 1) bei sehr engem Becken, 2) bei normwidriger Kopflage, 3) bei vorausgeborenem Rumpfe, 4) wenn andere Theile, vor- zuͤglich die Nabelschnur, neben dem Kopfe vorliegen, 5) wenn die Geburtsarbeit bereits sehr lange gedauert hat, 6) wenn andere gefaͤhrliche Zufaͤlle, Blutungen, Zuckungen, Entzuͤndun- gen, Abgang von Meconium u. s. w. sich gleichzeitig vor- finden. §. 1221. Wir kommen zur Erwaͤgung der zur Zangenoperation erforderlichen Vorbereitungen : — Sie bestehen zuvoͤr- derst 1) in Anordnung eines zweckmaͤßigen Geburtslagers fuͤr die zu entbindende, wozu sich in allen Faͤllen wo eine schwie- rige Operation zu erwarten ist, vorzuͤglich wieder das Quer- bett (Wendungslager) eignet; allein nicht immer ist dieses La- ger unumgaͤnglich nothwendig, und in manchen Faͤllen ver- dient das gewoͤhnliche horizontale Geburtslager, mit etwas mehr erhoͤhter Kreuzgegend allerdings den Vorzug; es gehoͤren hierher die Geburten wo der Kopf bereits sehr tief im Bek- ken steht und nicht allzustarke Traktionen, um ihn zum Ein- schneiden zu bringen, erfordert werden; zumal wenn die Ur- sache zur Anlegung der Zange von der Art ist, daß sie vieles Bewegen der Kranken nicht zulaͤßt, z. B. Blutungen, große Schwaͤche u. s. w. §. 1222. Fernere Vorbereitungen sind: 2) die Sorge fuͤr hinlaͤng- liche Entleerung der Harnblase und des Mastdarms (welches zwar bei jeder Geburt noͤthig, indeß hier wo die Eingeweide des Beckens einen staͤrkern Druck erfahren, vorzuͤglich unent- behrlich ist.) 3) Bereithaltung saͤmmtlicher zum Empfang des Kindes, so wie zur Wiederbelebung desselben noͤthigen Appa- rate, und der uͤbrigen geburtshuͤlflichen Werkzeuge. 4) Hin- laͤnglich genaue, noͤthigenfalls durch die eingefuͤhrte Hand unternommene Untersuchung des Beckens, so wie der Groͤße und Lage des Kindeskopfs. 5) Erwaͤrmung der Zange. 6) Sorge fuͤr hinlaͤngliche Eroͤffnung des Muttermundes und Beseitigung der etwa noch uͤber den Kopf gespannten Ei- haͤute. §. 1223. Bei der Operation selbst ist nun vorzuͤglich nothwendig, sich daran zu erinnern, daß die Zangenarme eigentlich als verlaͤngerte Haͤnde des Geburtshelfers wirken sollen, daß sie deßhalb nur tastend und behutsam in die Geburtstheile einge- fuͤhrt werden, und eben so auf den Kopf wirken muͤssen, und daß endlich bei Anlegung der Zange ein dreifacher Zweck beabsichtigt werde: theils naͤmlich, nachdem sie ihn sicher gefaßt hat, ihn tiefer in das Becken durch wiederholte Zuͤge (Traktionen) herabzuleiten, theils den Stand des Kopfs zweck- maͤßig zu aͤndern, theils endlich durch einen maͤßigen Druck den Umfang desselben in etwas zu verkleinern (obwohl auf letzteres weniger zu rechnen ist, indem einer Seits ein zu starker Druck dem Kinde schaͤdlich werden muͤßte, anderer Seits dieses Zusammendruͤcken immer nur in der Richtung des queren Beckendurchmessers geschehen wird, folglich dadurch eine Verlaͤngerung des Kopfs in der Richtung des geraden, und gewoͤhnlich am meisten verengerten Durchmessers Statt finden wird). §. 1224. Das Erfaßen des Kindeskopfs kann nun aber, vermoͤge der Bildung des Beckens und der Construktion der Zange, vorzuͤglich nur auf die Weise Statt finden, daß die beiden Arme zu beiden Seiten des Beckens eingebracht und ange- legt werden. Demohngeachtet erfordert es hinwiederum die Bildung des Kindeskopfs, daß die Zangenloͤffel denselben, wo moͤglich, im Querdurchmesser fassen, da in dieser Richtung der Druck dem Kopfe am wenigsten Nachtheil bringen kann. Beide Forderungen lassen sich jedoch nur dann vollkommen erfuͤllen, wenn der Kindeskopf selbst den Stand mit seinem langen Durchmesser in dem geraden Durchmesser des kleinen Beckens bereits angenommen hat; steht der Kopf hingegen im Querdurchmesser, so wird die Zange den Kopf nothwendig uͤber Stirn und Hinterhaupt fassen muͤssen, und man wird hierbei oft nur wenn der Kopf tiefer in das Becken herabge- fuͤhrt worden ist, und sich bereits mehr im schraͤgen oder ge- raden Durchmesser gedreht hat, dadurch daß man die Zange abnimmt, und sie von neuem, und nun in einer angemessenern Stellung anlegt, jenes Mißverhaͤltniß beseitigen koͤnnen. Be- findet sich uͤbrigens zu Anfange der Operation der Kopf schon im schraͤgen Durchmesser, so kann und muß man in etwas sich nach dieser Stellung richten, das eine Zangenblatt etwas mehr nach oben, das andere etwas mehr nach unten und hin- ten einbringen, und somit wenn der Kopf im ersten schiefen Durchmesser steht, die Zangenblaͤtter im zweiten schiefen Durch- messer anlegen, und umgekehrt. §. 1225. Die Art der Zangeneinfuͤhrung insbesondere betreffend, so verfaͤhrt man dabei folgendermaaßen. Operirt man mit einer Boërs chen, oder einer ihr aͤhnlichen Zange, so fuͤhrt man in der Regel (wegen dem bequemern Schliessen des Schlos- ses) zuerst den weiblichen Zangenarm ein, und zwar mit der linken Hand in die linke Seite des Beckens. Der Geburts- helfer hat fuͤr diesen Endzweck zuvoͤrderst eine passende Stel- lung zu waͤhlen; liegt die Gebaͤrende auf dem gewoͤhnlichen Querlager, so ist es am zweckmaͤßigsten sich auf ein vor das- selbe gelegtes Sophakissen mit einem Knie niederzulassen, oder auf einen niedrigen Sessel sich zu setzen, dabei des Rockes (indeß nur wenn man auf eine anstrengende Operation zu rechnen hat) sich zu entledigen, und ein doppelt gelegtes groͤßeres Leinen- tuch sich uͤber den Schoß zu breiten, theils um vor Verun- reinigung zu schuͤtzen, theils um das Kind darauf zu empfan- gen; liegt hingegen die Gebaͤrende auf dem gewoͤhnlichen Bette, so hat der Operirende jederzeit eine etwas unbequemere Stellung (weßhalb eben die Entbindung in dieser Lage nur fuͤr leichtere Faͤlle zu waͤhlen ist), indem er entweder gebuͤckt zur Seite des Bettes zu stehen, oder sich auf den Rand des Bettes zu setzen genoͤthigt ist. §. 1226. Ist dieses geordnet, so bestreicht man sofort Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand mit Fett oder Oehl, faßt das erwaͤrmte und abgetrocknete weibliche Zangenblatt mit der ab- getrockneten linken Hand, auf die Weise wie man eine Schrei- befeder ergreift, bestreicht dann die aͤußere Flaͤche des Zangen- loͤffels ebenfalls mit Fett, und geht nun mit den zwei ge- nannten Fingern der rechten Hand vorsichtig in die Vagina und in den Muttermund (wenn der Kopf nicht bereits die Kroͤnung passirt hat) bis zum Kopfe, wo die Spitzen der Finger ruhig verweilen muͤssen, um dem Zangenblatte als Lei- ter zu dienen. Diese letztern fuͤhrt man nunmehr auf diesen zwei Fingern in die Mutterscheide und Gebaͤrmutter so weit an den Kopf herauf, bis die Kopfkruͤmmung der Zange den- selben hinlaͤnglich gefaßt hat, wobei vorzuͤglich viel darauf ankommt, die Richtung der Fuͤhrungslinie auf das genaueste zu beobachten, folglich das Zangenblatt anfaͤnglich fast senk- recht zu halten, dann aber, jemehr dasselbe eindringt, stets um so mehr der Zangengriff zu senken, und so den Zangen- loͤffel eine voͤllige Bogenlinie beschreiben zu lassen. Außerdem ist darauf zu sehen, daß die Kreisende selbst ein sehr ruhiges Verhalten beobochtet, alles Verarbeiten der Wehen unterlaͤßt, und daß der Geburtshelfer selbst waͤhrend einer eintretenden Wehe mit dem Einfuͤhren des Instruments etwas einhaͤlt. §. 1227. Liegt somit das weibliche Blatt am Kopfe fest, wovon man sich nach zuruͤckgezogenen Fingern der rechten Hand durch einen gelinden Zug am Zangenblatte selbst uͤberzeugt, so giebt man den Griff desselben einem zur Seite sitzenden Gehuͤlfen zum Halten, und bereitet sich nun zum Einbringen des zweiten maͤnnlichen Zangenarms. Nachdem naͤmlich die rechte Hand hinlaͤnglich abgetrocknet ist, faßt man damit den zweiten Zangenarm wieder auf die oben beschriebene Weise, salbt Zeige- und Mittelfinger der linken Hand mit Oehl, be- streicht damit auch die aͤußere Flaͤche des maͤnnlichen Zan- genblattes, geht damit auf der rechten Seite des Beckens bis zum Kindeskopf herauf (indem der Gehuͤlfe den Griff des ersten Blattes mehr ruͤckwaͤrts draͤngt), und leitet nun mit der rechten Hand das zweite Zangenblatt voͤllig nach densel- ben Regeln, welche beim ersten zu beobachten waren, in das Becken herein. — Liegt nun auch das zweite Blatt sicher, und in einer dem ersten entsprechenden Richtung am Kopfe, so geht man mit den beiden Fingern der rechten Hand gleich- falls zuruͤck, trocknet sie ab, und wendet sich nun zum Schlies- sen der Zange. §. 1228. Es faßt naͤmlich nun wieder die linke Hand den Griff des weiblichen Zangenarms, und indem auch die Rechte den Griff des zweiten Blattes voͤllig umfaßt, fuͤgt man beide Blaͤtter im Schlosse in einander, wobei jedoch die Zeigefinger beider Haͤnde neben dem Schlosse ausgestreckt werden muͤs- sen, um das Einklemmen weicher Theile, der Schamhaare u. s. w. zu verhindern. — Bei dem Einfuͤhren der Zangen- blaͤtter sowohl, als bei dem Schliessen derselben, muß man uͤbrigens alle Gewalt zu vermeiden suchen, und so wie das erstere bei genauer Beachtung der Fuͤhrungslinie gewoͤhnlich leicht und ohne Schmerzen fuͤr die Gebaͤrende geschehen wird, so geht auch das zweite leicht von Statten, wo die Zangen- blaͤtter in einer guten Lage, und in sich gegenseitig entspre- chender Richtung angelegt worden waren. §. 1229. Es koͤnnen uͤbrigens Faͤlle vorkommen, wo es zweckmaͤ- ßig ist, zuerst den maͤnnlichen Arm einzufuͤhren, wenn z. B. in der linken Seite der Kopf zu fest aufliegt und man hof- fen kann, durch den zuerst eingefuͤhrten rechten Zangenarm den Kopfstand zu verbessern, u. s. w. — und man verfaͤhrt hierbei wieder ganz auf die oben beschriebene Weise, nur daß man natuͤrlich, da die Zange so eingebracht sich nicht schlies- sen laͤßt, zuerst die Griffe verwechseln muß. §. 1230. Liegt nun die Zange sicher, und kennt man genau die Richtung in welcher dieselbe den Kopf gefaßt hat, so wird es moͤglich, aus dem Abstande der Zangengriffe (wenn man mit seinem Instrument hinlaͤnglich vertraut ist) einen nicht leicht truͤgenden Schluß auf den Umfang des Kopfs selbst zu ziehen. — Ist auch dieses beachtet und mit der Bildung des Beckens nochmals verglichen, so schreitet man sofort zu den eigentlichen Traktionen, bei welchen, nachdem die Zangengriffe mit einem Tuche umwickelt sind, beide Haͤnde die Griffe so fassen muͤssen, daß die Handruͤcken aufwaͤrts gekehrt sind, und ein Zeigefinger, sobald das Schloß nicht zu tief innerhalb der Schamlippen liegt, uͤber dieses zwischen beide Blaͤtter gebracht wird. Die Zuͤge selbst modificiren sich nun nach dem Stande des Kopfs, ist dieser hochgestellt, so muͤssen die Zangengriffe stark ruͤckwaͤrts gerichtet werden, dahingegen, je tiefer der Kopf mit der Zange herabruͤckt, die Zangengriffe auch mehr in horizontale Stellung (der Fuͤhrungslinie des Beckens gemaͤß) kommen werden, bis sie endlich, beim Her- ausleiten, wieder fast in senkrechte Stellung gerichtet seyn muͤssen. §. 1231. Ferner darf die Kraft nicht blos in Zuͤgen auf den Kopf wirken, sondern man befoͤrdert die Herabbewegung desselben noch mehr durch gelinde spiralfoͤrmige Seitenbewegungen der Zange, wobei die Griffe kleine Ellipsen beschreiben muͤssen. Ausserdem huͤte man sich auch dafuͤr, waͤhrend des Anziehens der Zange den Kopf einer zu starken Zusammendruͤckung zu unterwerfen, und setze uͤberhaupt eine Traktion nicht zu lange fort, sondern benutze dazu vorzuͤglich die Zeit einer, wo moͤg- lich durch kraͤftiges Mitpressen der Kreisenden verstaͤrkten Wehe, und mache sodann eine kleine Pause, um der Kreisenden und auch sich selbst einige Erhohlung zu goͤnnen. — Mitunter wird man sich denn auch bei dem Vorruͤcken des Kopfs ge- noͤthigt sehen, seine eigne Haltung zu veraͤndern, die knieende Stellung zu verlassen und die Entwickelung des Kopfs im Stehen zu beendigen, immer aber muß man daruͤber wachen, daß der Kopf, wenn er vielleicht uͤber eine engere Stelle hin- weggeglitten ist, nicht zu ploͤtzlich herabruͤckt oder durchschnei- det, weßhalb man denn auch nie mit dem ganzen Gewicht des Koͤrpers dem Zuge sich hingeben, sondern stets das In- strument in seiner Gewalt behalten muß, um auch daruͤber, wie der Kopfstand sich aͤndert, oder ob die Zange vielleicht abgleitet, immer urtheilen zu koͤnnen. §. 1232. Kommt endlich auf diese Weise der Kopf bis in den Ausgang des Beckens, so daß er das Mittelfleisch kuglich hervortreibt, und selbst zwischen den Schamlippen sichtbar wird, so wird es noͤthig, fernerhin die Zange nur mit einer Hand zu fuͤhren, die zweite aber zum Unterstuͤtzen des Mit- telfleisches zu verwenden (wenn man nicht dieses letztere Geschaͤft einem geuͤbten Gehuͤlfen uͤbertragen kann). Ist der Kopf aber voͤllig ins Einschneiden gefuͤhrt, so ist es auf alle Weise am zweckmaͤßigsten, die Zange zu loͤsen, und das gaͤnzliche Durch- schneiden von den jetzt fast nie ausbleibenden Wehen bewerk- stelligen zu lassen, wobei man stets mit groͤßerer Umsicht fuͤr das Erhalten des Mittelfleisches Sorge zu tragen im Stande ist. Dieses Loͤsen der Zange muß uͤbrigens so ausgefuͤhrt werden, daß zuerst die rechte Hand das maͤnnliche Zangen- blatt, waͤhrend die linke anhaltend das Mittelfleisch unter- stuͤtzt, der Fuͤhrungslinie gemaͤß durch Hebung des Griffs ent- wickelt, und dann die linke, waͤhrend die rechte Hand die Unterstuͤtzung uͤber sich nimmt, das weibliche Zangenblatt ent- entfernt. Macht es hingegen große Unthaͤtigkeit des Uterus, oder Blutung und aͤhnliche Zufaͤlle noͤthig, auch das Durch- schneiden des Kopfs mittelst der Zange zu beendigen, so muß eines Theils der Kopf nur langsam uͤber das Perinaeum her- vorgehoben werden (um das natuͤrliche immer von unten nach oben erfolgende Hervorrollen des Kopfs nachzuahmen), an- dern Theils die Unterstuͤtzung des Mittelfleisches mit aͤußerster Behutsamkeit, entweder durch den Operateur selbst oder durch einen Gehuͤlfen, fortgesetzt werden. — §. 1233. So weit die Beschreibung der Zangenoperation in ge- woͤhnlichen Faͤllen, bei vorliegendem Hinterhaupt oder Schei- tel. — Folgende Faͤlle machen nun noch einige naͤhere Be- stimmungen noͤthig: — 1) Wenn Gliedmaaßen des Kindes, oder der Nabelstrang neben dem Kopfe liegen. Hierbei muͤs- sen die Zangenblaͤtter stets so eingebracht werden, daß diese Theile ausserhalb der Zange bleiben, und diese immer den Kopf allein erfaßt, so wie man uͤberdieß auf die Lage dieser Theile (besonders des Nabelstranges) Ruͤcksicht zu nehmen hat, und, dafern sie nicht voͤllig zuruͤckgebracht werden koͤn- nen, daruͤber wachen muß, daß sie wenigstens mehr nach der Aushoͤlung des Kreuzbeinss dirigirt werden. §. 1234. 2) Es geschieht zuweilen bei sehr hohem oder schiefem Stande des Kopfs, daß die Zange denselben bei der ersten Anlegung noch nicht ganz sicher erfaßt, und daher nach meh- rern Traktionen vielleicht lose wird, ja endlich, wenn dieses nicht sogleich beachtet wird, wohl ploͤtzlich abgleitet, die Krei- sende erschreckt, und zu manchen Unannehmlichkeiten fuͤhrt. In einem jeden Falle daher, wo man das Weichen, und sich am Kopfe Herabziehen der Zange bemerkt, ist es noͤthig die Lage derselben alsobald zu verbessern; es geschieht dieß, indem man auf oben beschriebene Weise das maͤnnliche Zangenblatt voͤllig loͤst, dann das weibliche sogleich weiter am Kopfe her- aufbringt, und nun eben so auch dem maͤnnlichen Zangen- blatte eine bessere Lage anweist. Anmerkung . Die Faͤlle, wo sich die Zange sehr schwer in eine sichere Lage an den Kindeskopf anbringen laͤßt, sind es uͤbrigens auch, wo es noͤthig werden kann, statt zweier Finger, welche man gewoͤhnlich um die Zange an den Kopf zu leiten benutzt, der ganz ins Becken eingebrachten Hand zu diesem Endzweck sich zu bedie- nen; ein Verfahren welches außerdem, als die Schmer- zen unnoͤthigerweise sehr vermehrend, keineswegs zu billigen ist. §. 1235. 3) Man bemerkt zuweilen, daß mit dem durch die Zange gefaßten Kopfe sich waͤhrend der Traktion starke Scheidenfal- ten oder die Muttermundslippen selbst herabdraͤngen, in wel- chem Falle man dann nie versaͤumen darf, diese Theile durch zwei mit Oehl bestrichene Fingerspitzen eines Gehuͤlfen, oder bei groͤßern sich vordraͤngenden Partien (z. B. beim prolabir- ten Uterus) durch vorgelegte eingeoͤhlte Compressen sorgfaͤltig unterstuͤtzen zu lassen. — 4) Es kann zuweilen noͤthig wer- den, die Zange auch bei vorliegender Gesichtsflaͤche anzulegen (obwohl dann immer Druck und Zug nachtheiliger auf das Kind wirken, und deßhalb hier bei hochstehendem noch bewegli- chem Kopfe stets die Wendung auf die Fuͤße mehr als Anlegung der Zange zu empfehlen ist, dafern augenblickliche Be- schleunigung der Geburt noͤthig ist , und nicht eine bessere Stellung des Kopfs abgewartet werden kann). Es ist aber, wenn die Zange in dieser Lage eingebracht werden muß, theils die aͤußerste Schonung der Gesichtsflaͤche waͤhrend dem Ein- fuͤhren der Blaͤtter aͤußerst noͤthig, theils wird die Lage der Zangenblaͤtter hier durchaus zu beiden Seiten des Kopfs an- geordnet werden muͤssen, indem eine Lage uͤber das Kinn und an dem Halse des Kindes, nothwendig zu Beschaͤdigungen des- selben fuͤhren wuͤrde. §. 1236. 5) Am meisten von der gewoͤhnlichen Art der Zangen- fuͤhrung abweichend, sind die Faͤlle, wo die Zange nach schon gebornem Rumpfe an den Kopf angelegt werden soll. Es muß hier zuvoͤrderst der in ein warmes Tuch gehuͤllte schon geborne Kindeskoͤrper einem Gehuͤlfen zur Unterstuͤtzung uͤber- geben werden, welcher es dann uͤber sich nimmt bei Einfuͤh- rung des weiblichen Zangenblattes den Rumpf mehr nach rechts, bei Einfuͤhrung des maͤnnlichen, ihn mehr nach links II. Theil. 23 zu halten. Was Anlegung und Schliessung der Zange selbst betrifft, so wird diese ganz nach den oben gegebenen Regeln ausgefuͤhrt, jedoch so, daß das Zangenschloß, wo das Hin- terhaupt nach dem Schambogen gerichtet ist, stets unter- halb des Kindes sich befindet; nur in den uͤbeln Lagen, wo das Kinn gegen den Schambogen steht, erleichtert es zuwei- len die Operation etwas, wenn man die Zange uͤber dem Kinde schließt. §. 1236. Liegt nun die Zange sicher am Kopfe, und hat man vorzuͤglich sich uͤberzeugt, daß durch dieselbe der Nabelstrang weder gedruͤckt, noch weniger aber mit gefaßt werde, so schreitet man zu den Traktionen, wobei man entweder die Zange, wie gewoͤhnlich, mit beiden Haͤnden faßt, und das Kind fortwaͤhrend durch einen geuͤbten Gehuͤlfen halten laͤßt, oder auch dasselbe, auf dem die Zange von unten erfaßenden rechten Arme ruhen laͤßt. Es bleibt hierbei die linke Hand noch zur Unterstuͤtzung des Mittelfleisches frei, fuͤr dessen Er- haltung uͤbrigens auch durch die Art der Zangenfuͤhrung selbst, naͤmlich durch Hebung der Griffe, gesorgt werden muß. 2) Von der kuͤnstlichen Bewerkstelligung der Ge- burt eines todten Kindes, nach verhaͤltniß- maͤßiger Verkleinerung desselben . 1. Von der kuͤnstlichen Eroͤffnung des Kopfs und Entleerung des Gehirns . ( Per- foratio, Excerebratio. ) §. 1238. Wie es uͤberhaupt fuͤr geburtshuͤlfliche Operationen als Regel aufgestellt worden ist, den Gebrauch verletzender Werk- zeuge, wo immer moͤglich, zu vermeiden, so muß auch die im Folgenden naͤher zu beschreibende Operation durchaus nur fuͤr wenige unvermeidliche Faͤlle aufgespart, gegen das unbe- hutsame und nicht durch Vorhandenseyn aller dazu erforder- lichen Indicationen gerechtfertigte Unternehmen derselben hin- gegen, ernstlich gewarnt werden. Der noch nicht hinlaͤnglich Erfahrene naͤmlich sieht nur allzuleicht hierin ein Mittel, in Faͤllen wo eben seine eigene Geschicklichkeit nicht ausreicht um die Geburt auf eine schonendere Weise zu beendigen, demungeachtet die Entbindung zu bewerkstelligen; Schiefstaͤnde des Kopfs (welche entweder zuvor die tiefere Hereinleitung desselben oder die Wendung auf die Fuͤße er- fordert haͤtten), ja selbst die nicht hinlaͤngliche Eroͤffnung des Muttermundes und dergleichen, werden ihm nach fruchtlosen, oft gleichfalls ungeschickten Zangenversuchen, zur Anzeige fuͤr die Excerebration, und (es ist schrecklich zu sagen) zur Ver- anlassung ein vielleicht noch nicht abgestorbenes Kind umzubrin- gen, oder der Mutter durch unvorsichtige Fuͤhrung der Instrumente die gefaͤhrlichsten Verletzungen zuzufuͤgen. Gruͤnde genug wel- che jeden angehenden Geburtshelfer bestimmen sollten, eine Ope- ration, welche doch wirklich nur in sehr seltnen Faͤllen unum- gaͤnglich noͤthig wird, Unter ohngefaͤhr 1000 Geburten, welche nacheinander in 5½ Jah- ren in meiner Entbindungsanstalt vorkamen, war sie nur einmal unvermeidlich nothwendig. nie ohne Berathung mit einem an- dern erfahrenen Geburtshelfer zu unternehmen. §. 1239. Bevor wir nun die Indicationen, welche das Unterneh- men dieser Operation rechtfertigen, ausfuͤhrlicher durchgehen, ist es zunaͤchst als unerlaͤßliche Bedingung fuͤr dieselbe aufzu- stellen, daß man von dem Tode des Kindes unbe- streitbar sichere Zeichen vorgefunden habe ; eine Bedingung von welcher nur diejenigen Verunstaltungen und krankhaften Zustaͤnde des Kindes, welche schon an sich auf Lebensunfaͤhigkeit deuten, wie namentlich große Wasseransamm- lungen im Schaͤdel, eine Ausnahme gestatten, jedoch so, daß auch diese bei Zeichen vom Leben des Kindes nur die Oeff- nung (Paracentese) der Schaͤdelhoͤhle, aber nicht die Excere- bration rechtfertigen. Es koͤnnen zwar Faͤlle vorkommen, wo der Grad der Beckenenge das Durchfuͤhren des Kindes nach der Excerebration erlauben, durch das Leben des Kindes aber vielmehr der Kaiserschnitt angezeigt seyn wuͤrde, und wo so- nach nur zwischen großer Gefahr fuͤr die Mutter, und dem sichern Tode des Kindes, die Wahl uͤbrig bleibt. Hier ist es alsdann, wo theils nach der Entscheidung der Mutter selbst, die Wahl zwischen diesen Operationen bestimmt werden muß, theils der Geburtshelfer auch nach dem was die Untersuchung uͤber den Zustand des Kindes, regelmaͤßige Bildung und fer- nere Lebensfaͤhigkeit desselben erkennen laͤßt, zu entscheiden hat. — Indeß wird auch in einem solchen Falle, wo die Mutter dem Kaiserschnitte sich nicht unterwerfen will, der Geburtshelfer berechtigt seyn, dafern wirklich weder durch Wendung auf die Fuͤße noch Zange die Perforation um- gangen werden kann, diese doch erst alsdann vorzunehmen, wenn er vom eingetretenen Tode des Kindes hinlaͤnglich uͤber- zeugt ist. §. 1240. Unter dieser Bedingung nun wird es Indication fuͤr das Unternehmen der Perforation abgeben, wenn ein so bedeutendes Mißverhaͤltniß zwischen Kopf und Becken Statt findet, daß die Durchfuͤhrung des erstern ohne Verkleinerung entweder gar nicht, oder nur mit großer Gefahr fuͤr die Mutter moͤg- lich wuͤrde . In Faͤllen also langwieriger und heftiger Ein- keilung des Kopfs im kleinen Becken, wo uͤberdieß durch Vor- fall der nicht mehr pulsirenden Nabelschnur, oder deutliche Spuren eingetretener Faͤulniß am Kinde u. s. w., der Tod des letztern keinem Zweifel mehr unterworfen seyn kann, hier sagen wir, ist es vorzuͤglich, wo die vorsichtig unternommene Perforation als ein wohlthaͤtiges und vollkommen zweckmaͤßi- ges Huͤlfsmittel erscheint, und wo es offenbar Tadel verdient, wenn man, blos um diese Operation nicht zu machen, die Kreisende durch hartnaͤckig fortgesetzte Zangenoperation, oder durch gewaltsames Zuruͤckdraͤngen des Kopfs und Wendung auf die Fuͤße der Gefahr heftiger Entzuͤndungen, ja der Zer- reissung der Gebaͤrmutter aussetzt. §. 1241. Ueber den Zeitpunkt des Geburtsgeschaͤfts, zu wel- chem diese Operation am zweckmaͤßigsten zu unternehmen sey, laͤßt sich im Allgemeinen wenig bestimmen. Ist es Wasser- ansammlung im Schaͤdel, welche zur Perforation ( Paracen- tesis ) des Kopfs noͤthigt, so ist es rathsam, die Operation nach eroͤffnetem Muttermunde und abgefloßenem Fruchtwasser, sobald man sich von der Unmoͤglichkeit den Kopf bei diesem Umfange durch das Becken zu fuͤhren, uͤberzeugt hat, nicht allzulange zu verschieben. Ist es Engigkeit des Beckens wel- che die Operation indicirt, so wird auch hier, sobald an dem Tode des Kindes nicht mehr zu zweifeln, durch die bereits Statt findende Einkeilung die Wendung auf die Fuͤße contraindicirt, und die Zange fruchtlos angewendet worden ist, laͤngere Ver- zoͤgerung dieser Operation nur zum Nachtheil der Kreisenden gereichen. §. 1242. Die Prognose richtet sich bei dieser Operation vor- zuͤglich nach den uͤbrigen durch die langdauernde und schwere Geburtsarbeit etwa bereits entwickelten krankhaften Zustaͤnden und nach der Engigkeit des Beckens; obwohl man, was die Operation selbst betrifft, sicher behaupten darf, daß, dafern sie mit aller noͤthigen Umsicht, Behutsamkeit, und Schonung der muͤtterlichen Theile ausgefuͤhrt wird , dieselbe keineswegs als eine fuͤr die Mutter an sich gefaͤhr- liche Operation, Wo immer ich diese Operation zu machen genoͤthigt gewesen bin, habe ich stets die Woͤchnerinnen sehr bald und vollstaͤndig sich wie- der erholen sehen. ja nicht einmal als besonders schmerzhaft be- trachtet werden koͤnne. Hingegen muß auch bemerkt werden, daß nicht leicht bei einer andern Operation, so wie bei die- ser, wenn sie mit Rohheit und Unvorsichtigkeit vollbracht wird, (nach Art der Deische und Mittelhaͤuser , deren Nach- folger leider noch nicht ganz ausgerottet scheinen) sie leicht zu fuͤrchterlichen Verletzungen fuͤhren koͤnne und muͤsse. §. 1243. Noͤthige Vorbereitungen zu dieser Operation sind passende Lage der Kreisenden auf einem guten Wendungsla- ger, und das Bereithalten sowohl der mehrerwaͤhnten Arznei- mittel und Entbindungsapparate uͤberhaupt, als der zur Er- oͤffnung, Verkleinerung und zum Anziehen des Kopfs uͤber- haupt noͤthigen Instrumente, von welchen hier noch etwas ausfuͤhrlicher die Rede seyn muß. §. 1244. Die Perforatorien sind aber theils messer- oder pfeilfoͤrmig, theils scheerenfoͤrmig, theils trepanfoͤrmig. Zu den erstern gehoͤren, ausser den Instrumenten der Alten, Mau- riceau’s Perforator (eine pfeilfoͤrmige Spitze an einem langen Griffe), das Fried’s che gerade in einer Scheide laufende, das Wiegands che gekruͤmmte, und mehrere aͤhnliche Perforato- rien. s. Schreger Uebersicht der geburtshuͤlflichen Werkzeuge und Ap- parate. Erlangen 1810. S. 88. Von den scheerenfoͤrmigen ist vorzuͤglich Levret’s Percecrane à deux Lames, eine an den aͤußern Raͤndern schneidende Scheere, Fried’s Kopfscheere, wo zwischen den Griffen dieser an den aͤußern Raͤndern schneidenden Scheere eine Feder angebracht ist, damit sie durch Zusammendruͤcken der Griffe geoͤffnet werden koͤnne (eine Vorrichtung welche hierbei nicht eben zweckmaͤßig ist), ferner Denmann’s gekruͤmmte mit Gegenhaltern versehene Scheere zu erwaͤhnen. Die Idee endlich ein trepanfoͤrmiges Werkzeug zur Perforation einzu- richten, wnrde zuerst von Hrn. Joͤrg ausgesprochen, und spaͤterhin von Assalini so wie von Hrn. Joͤrg selbst in Aus- fuͤhrung gebracht. ( T. III. F. IX. ) §. 1245. Fuͤr die meisten Faͤlle nun, wo eine Fontanelle oder Nath am Kopfe des Kindes gut zu erreichen ist, gewaͤhrt wohl das Levret’s che Perforatorium, wenn es mit langen dicht aneinander schliessenden Griffen versehen wird ( T. III. F. VIII. ), da es eine sehr gelinde, voͤllig Geraͤuschlose Ein- fuͤhrung gestattet, auch damit eine hinlaͤnglich weite Eroͤffnung des Schaͤdels sehr wohl moͤglich ist, die meisten Vortheile; fuͤr Faͤlle hingegen, wo man einen sehr stark verknoͤcherten Kopf von der Basis aus, oder durch ein Scheitelbein perforiren muß, verdient das trepanfoͤrmige (welches uͤberdieß in der Hand des weniger Geuͤbten auch nicht so leicht als das schee- renfoͤrmige, gefaͤhrliche Verletzungen der Mutter verursachen wird) den Vorzug. §. 1246. Der Werkzeuge ferner, welche Theile der Schaͤdelknochen zu entfernen bestimmt sind , hat man abermals eine betraͤchtliche Anzahl nach und nach er- funden; es gehoͤren dahin Fried’s Kopfsaͤge und Hirnloͤffel, die groͤßern gezaͤhnten Zangen von Rueff und Mesnard, u. s. w. — Als wirklich brauchbar kann jedoch hier nur die Excerebrationspincette von Boër empfohlen werden ( T. III. F. X. ), deren kleine, ausgehoͤhlte, innerlich (fast wie bei Stein- zangen) mit Zaͤhnen versehene Loͤffel sehr gut zur Wegnahme einzelner durch das Perforatorium geloͤßter Knochenstuͤcke sich eignen. §. 1247. Endlich ist noch der Werkzeuge, welche den per- forirten Kopf ins Becken herabzuziehen und zu entwickeln taugen, zu gedenken. Es gehoͤren hierher aber zunaͤchst die verschiedenen Arten der Haken , von welchen man scharfe und stumpfe unterscheidet. Die erstern (zu de- nen Levret’s mit einer Scheide versehener Haken, Smel- lie’s scharfer Haken, wovon zwei auch zu einer Hakenzange vereinigt werden koͤnnen, Deumann’s scharfer Haken und mehrere andere gehoͤren) sind saͤmmtlich mehr von der Art um aͤußerlich am Schaͤdel eingesetzt zu werden, koͤnnen aber eben deßhalb, so wie ihrer Spitzen und Schneiden wegen, leicht zu den gefaͤhrlichsten Verletzungen der Geburtstheile fuͤhren. Stumpfe Haken haben mehrere Geburtshelfer gleich an ihren Geburtszangen angebracht, da indeß dazu staͤhlerne Griffe erfordert werden, und diese manches Unbequeme ha- ben, so muß dagegen der Smellie’ sche stumpfe Haken ( T. III. F. XI. ) empfohlen werden, dessen kleinere Kruͤmmung sich sehr dazu eignet, sowohl aͤußerlich (in Mundhoͤhle, Au- genhoͤhle, Ohroͤffnung) eingesetzt, als in die Oeffnung des perforirten Kopfs eingebracht zu werden. — Ausser den ver- schiedenen Haken hat man aber ferner sich auch eigener Kopf- zieher , theils (wie schon oben erinnert) zum Einbringen in das Foramen magnum bei abgerissenem und zuruͤckgebliebe- nem Kopfe, theils zum Einfuͤhren in die durch Perforation entstandene Oeffnung bedient. Sie sind meistens von der Art, daß sie nach Einfuͤhrung in die Schaͤdelhoͤhle sich entfal- ten und Widerhaken oder Querbalken hervortreten lassen. Es gehoͤren hierher theils Gregoire’s, Levret’s, Burton’s und Anderer Kopfzieher, so wie die neuerlich von Assalini vorgeschlagenen Instrumente. — Ich gestehe daß mir alle diese gewaltsamen Apparate uͤberfluͤßig scheinen, und eine gute Fuͤh- rung des Smellie’ schen Hakens mir nie andere Huͤlfsmittel in diesen, an sich bei groͤßerer Ausbildung geburtshuͤlflicher Kunst immer seltner werdenden Operationen, zu wuͤnschen uͤbrig gelassen hat. §. 1248. Bei der Beschreibung der Perforation selbst ist nun zunaͤchst zu unterscheiden, ob man bloße Eroͤffnung der Schaͤdelhoͤhle zur Entleerung von Wasser (die Paracentese) aber ob man die eigentliche Excerebration beabsichtige. — Fuͤr den erstern Fall empfiehlt sich das von Hrn. Osian- der Annalen d. Entbindungs-Lehranstalt. 2. Thl. Goͤttingen 1801. Seite 53. angemerkte Verfahren. Sobald naͤmlich man sich durch genaue Untersuchung von der Unmoͤglichkeit den sehr durch Wasser ausgedehnten Schaͤdel durch das Becken zu fuͤh- ren uͤberzeugt hat, und die Gebaͤrende in bequemer Lage sich auf dem Wendungslager befindet, faßt man mit der rechten Hand eine chirurgische gerade spitzige Scheere (eben so wohl koͤnnte man sich des scheerenfoͤrmigen Perforatoriums zu die- sem Endzweck bedienen) und zugleich einen weiblichen Kathe- ter, so daß letzterer auf der breiten Flaͤche der erstern dicht angedruͤckt liegt, und fuͤhrt nun die Spitzen beider Instru- mente in der hohlen Hand vorsichtig zum Schaͤdel des Kin- des an eine der gewoͤhnlich sehr breiten Naͤthe oder Fonta- nellen. §. 1249. Ist man hier angekommen, so stoͤßt man vorsichtig die Scherenspitze durch die Schaͤdeldecke ein, wobei sich der Ka- theter zuruͤckschiebt, und nun benutzt man Zeige- und Mittel- finger der linken Hand, um das verletzende Instrument etwas zuruͤckzuziehen, indem man zu gleicher Zeit den Daumen, um den Katheter vorwaͤrts, und in die kleine Oeffnung hereinzu- draͤngen, gebraucht. Auf diese Weise wird das Wasser nach und nach sich entleeren, und man laͤßt sich sodann den Kopf entweder durch die Kraft der Wehen allein, oder durch die Einleitung mittelst der Hand vorbereitet, entwickeln, oder man faßt ihn sogleich mittelst der Geburtszange und fuͤhrt ihn so durch das Becken hindurch. — Der Geburtshelfer hat bei diesem Verfahren die Beruhigung, keine an sich toͤdtliche Verletzung dem (freilich uͤberhaupt selten lebensfaͤhigen) Kinde zugefuͤgt zu haben, da durch neuere Beispiele S. einen Fall dieser Art in der Salzb. med. chir. Zeitung. Dechr. Nr. 96. 1819. aus den Lond. medic. chirurg. Transact. Vol. IX. erwiesen ist, daß die Paracentese der Schaͤdelhoͤhle sogar als Heilmittel dieser Wassersuchten dienen koͤnne. §. 1250. Verrichtet man hingegen die Perforation zum Zweck der Entleerung des Gehirns, so ist folgendes Verfahren anzuwen- den: — Nachdem die Kreisende gehoͤrig unterstuͤtzt auf dem Wendungslager sich befindet, ist es zunaͤchst noͤthig dafuͤr zu sorgen, daß der Kindeskopf sich gehoͤrig festgestellt auf dem Becken befinde. Wo er daher nicht bereits wirklich eingekeilt im Becken steht, sondern noch am Eingange desselben, viel- leicht sogar noch beweglich verweilt (obwohl im letztern Falle uͤberhaupt durch die Wendung und Extraktion an den Fuͤßen die Perforation haͤufig uͤberfluͤßig gemacht wird) ist es noͤthig, daß ein Gehuͤlfe durch Aufdruͤcken der flachen Hand uͤber dem Becken den Kindeskopf mehr fixire. Auch habe ich einige- mal, wo fruͤher die Zange angelegt worden war, mit Vor- theil die Zangenblaͤtter, nach zusammengebundenen Griffen, fest am Kopfe liegen lassen, und indem so der Kopf durch dieses Instrument fixirt wurde, die Perforation gemacht; wo- bei denn nach eroͤffneter Schaͤdelhoͤhle das Ausfließen des Ge- hirns durch Druck befoͤrdert, der Kopf selbst aber zugleich ein Stuͤck ins Becken herabgezogen werden kann, bis das staͤrkere Zusammenfallen des Kopfs, wobei die Zangenblaͤtter gewoͤhn- lich abgleiten, zum Abnehmen derselben noͤthigt. §. 1251. Ist also auf eine oder die andere Art der Kopf hinlaͤng- lich festgestellt, so benutzt man die eingeoͤhlten Zeige- und Mittelfinger der linken Hand, indem man sie in die Geburts- theile einfuͤhrt, zum Aufsuchen einer Nath oder Fontanelle, und laͤßt die Spitzen derselben an der Stelle, welche zum Perforiren sich am meisten zu eignen scheint, ruhen. Hierauf faßt man (sobald man sich des scheerenfoͤrmigen Perforatoriums bedient) das erwaͤrmte Instrument an den Griffen, und leitet es auf jenen zwei Fingern vorsichtig, und stets der Fuͤhrungs- linie des Beckens angemessen, herauf, setzt dann die Spitze an die Nath oder Fontanelle sicher ein, richtet die Flaͤche des Perforatoriums so, daß die beiden Schneiden desselben in der Richtung einer Kopfnath eindringen muͤssen, und draͤngt so- dann die ganze Spitze, bis zur groͤßten Breite der Scheeren- blaͤtter in den Kopf ein. §. 1252. Da nun aber die einfache Stich- und Schnittwunde welche dadurch entsteht, nicht zur Entleerung des Gehirns aus- reicht, so ist man genoͤthigt sofort das Instrument mehrere- male umzudrehen, die Griffe zu oͤffnen (und zwar in ver- schiedenen Richtungen), und auf diese Weise zugleich die Hirn- haͤute und Gefaͤße mehr zu zerstoͤren, damit das Ausfließen des Gehirns leichter erfolge. Ist auf diese Weise nun eine hinlaͤngliche Oeffnung gebildet, so fuͤhrt man das Perforato- rium vorsichtig wieder aus den Geburtstheilen hervor, und, dafern nicht andere Umstaͤnde die Beschleunigung der Geburt dringend fordern, laͤßt man den Kopf durch gehoͤrig verarbei- tete Wehen mehr zusammenpressen und durch das Becken hindurchtreiben, welches, je mehr das Gehirn ausfließt, ge- woͤhnlich auch um so leichter geschieht. Sind hingegen Um- staͤnde vorhanden, welche auf Beschleunigung der Geburt drin- gen, so macht man entweder, wenn die Zange etwa noch am Kopfe fest liegt, noch einige Traktionen, oder welches in der Regel hier weit zweckmaͤßiger ist, man bedient sich zur Been- digung der Geburt des kleinern Endes vom stumpfen Haken Smellie’s . §. 1253. Im letztern Falle wird es rathsam, so lange der Kopf noch einen hoͤhern Stand behauptet, den Haken auf zwei Fin- gern der linken Hand, bis zur Oeffnung des Schaͤdels und in die Hoͤhle des letztern zu fuͤhren, hier ihn sicher einzu- setzen, und, indem die beiden Finger der linken Hand stets in der Naͤhe bleiben und die Wirkung des Hakens leiten, den Kopf, der Fuͤhrungslinie gemaͤß, durch die rechte, den mit einem Tuche umwundenen Griff des Hakens oder dessen groͤ- ßere Kruͤmmung fassende Hand, tiefer ins Becken herabzuzie- hen. Gleitet bei einer solcher Traktion ja der Haken aus, so wird er doch nie die muͤtterlichen Theile verletzen, da er innerhalb der Schaͤdelhoͤhle sich befindet und die Oeffnung derselben von den Fingern der linken Hand bewacht ist. Eben so wuͤrde aber auch das Durchdringen des Hakens durch die Schaͤdeldecken sogleich von den Fingern der linken Hand bemerkt werden (wenn das Ende des Hakens hinlaͤnglich ab- gestumpft ist, geschieht dieß so nicht leicht), und auch hierdurch kann folglich keine Verletzung der muͤtterlichen Theile entste- hen. — Nur wenn der Kopf bereits tiefer in das Becken herabgeruͤckt ist, und die Schaͤdelknochen nicht mehr hinlaͤng- lichen Halt fuͤr den Haken gewaͤhren, ist es rathsam den Ha- ken aͤußerlich in eine Augenhoͤhle, oder ein Ohr einzusetzen und auf diese Weise den Kopf vollends zu entwickeln; nur ist im letztern Falle vorzuͤglich daruͤber zu wachen, daß der Haken sowohl beim Einfuͤhren als Anziehen die muͤtterlichen Theile nicht beschaͤdige. §. 1254. Es zeigen sich nun aber gewoͤhnlich waͤhrend der Trak- tionen mit dem Haken, oder selbst bei dem durch die Wehen allein erfolgenden Zusammenpressen des entleerten Kopfs, meh- rere durch die gemachte Oeffnung sich hervordraͤngende Kno- chensplitter, oder groͤßere Kochenstuͤcke, und auch dieses kann zu gefaͤhrlichen Verletzungen der Geburtstheile Veranlassung geben. Es ist daher noͤthig, sobald dergleichen scharfe Kno- chenraͤnder bemerkt werden, theils dieselben durch die Finger der linken Hand zu bewachen, und von dem Eindringen in die Scheidenwaͤnde abzuhalten, theils sie auch durch Anwen- dung der Excerebrationspincette zu fassen, und vorsichtig zu entfernen; auf welche Weise man uͤberhaupt, wenn es ein ho- her Grad von Engigkeit des Beckens noͤthig machen sollte, nach und nach den groͤßten Theil des Schaͤdelgewoͤlbes ent- fernen kann. §. 1255. Welche Abaͤnderungen endlich dieses Verfahren erfordert, wenn man sich statt des Scheerenfoͤrmigen Perforatoriums des Trepanfoͤrmigen bedienen will, ergiebt sich leicht von selbst. Man fuͤhrt in diesem Falle naͤmlich dieses letztere Instrument mit zuruͤckgezogener Trepankrone, unter Leitung der linken Hand, in das Becken ein, setzt die Scheidenoͤffnung desselben an eine schickliche Gegend des Schaͤdels fest an, und indem so der Cylinder in welchem die Trepankrone laͤuft mit der linken Hand fixirt wird, gebraucht man die rechte Hand um den Griff des Instruments zu fassen, und durch mehrere Drehungen die hervorgeschobene Trepankrone in den Schaͤdel eindringen zu lassen, worauf man das Instrument, welches die herausge- saͤgte kleine Knochenplatte in sich aufnimmt, zuruͤckzieht, und es vorsichtig aus den Geburtstheilen hervorleitet. Gewoͤhnlich wird es weiterhin noch noͤthig durch Einfuͤhrung des Hakens in die Oeffnung des Kopfs eine vollkommnere Zerstoͤrung der Gefaͤße und Haͤute im Innern des Schaͤdels zu bewerkstelli- gen, und man uͤberlaͤßt alsdann die weitere Austreibung des Kopfs entweder den Wehen, oder macht die Extraktion auf die in den vorigen §§. bereits beschriebene Weise. §. 1256. Es waͤre jetzt noch uͤbrig von dem Verfahren zu spre- chen, welches in Faͤllen, wo der Rumpf bereits geboren und das Kind abgestorben ist, fuͤr die Perforation des Kopfs an- zuwenden seyn wuͤrde. Es ist jedoch hierbei uͤberhaupt zu erinnern, daß bei dem Eintreten des Kopfs in dieser Rich- tung, dafern es der Beckenraum gestattete die uͤbrigen Kin- destheile durchzufuͤhren, auch fast immer das Durchfuͤhren des Kopfes ohne Verkleinerung gelingen wird, sobald man nur darauf achtet denselben im Eingange in den Querdurchmesser zu stellen, und dann durch eingebrachten Finger oder Haken in den Mund des Kindes, oder durch Einsetzen des Hakens in eine Orbita, den Kopf mit seinem langen Durchmesser mehr in die Fuͤhrungslinie des Beckens zu richten. Muͤßte indeß besonderer Groͤße des Kopfs wegen demungeachtet zur Perfo- ration geschritten werden, so ist im Wesentlichen ganz dasselbe Verfahren wie bei vorliegendem Kopfe zu beobachten, nur daß theils bei dieser Lage sich insbesondere (wie schon oben erwaͤhnt) das trepanfoͤrmige Perforatorium empfiehlt, theils bei dieser Art der Eroͤffnung der Schaͤdelhoͤhle besonders dar- auf zu achten ist, daß die Verbindung des Halses mit dem Kopfe nicht getrennt werde, weßhalb man in der Regel mehr die Gegend des Hinterhaupts, der Seitenfontanellen, oder der Keilbeinfluͤgel zur Perforation waͤhlt. Anmerkung . Da in den meisten Faͤllen die Geburts- theile durch die Perforation doch mehr als bei andern kuͤnstlichen Geburten gereitzt werden, so ist es immer rathsam, nach beendigter Operation einige Injektionen von einem Aufguße der Kamillenblumen mit Hb. Ci- cutae und Hb. Serpilli vermischt, in die Geburtstheile zu machen und innerlich prophylaktisch den Gebrauch einer Mohnsamenemulsion zu verordnen. 2. Von der Zerstuͤckung des Kindes . ( Embryotomia. ) §. 1257. Diese fuͤr die Gebaͤrende so wie deren Angehoͤrige stets hoͤchst furchtbare und widrige Operation, mit welcher in den Tagen eines rohern Zustandes der Geburtshuͤlfe so viele Graͤuel veruͤbt worden sind, darf jetzt auf aͤußerst wenige und sel- tene Faͤlle eingeschraͤnkt werden, ja sie bleibt eigentlich nur unter zwei Bedingungen noch zulaͤßig: 1) bei einer Mißge- burt, welche durch uͤberzaͤhlige Theile oder abnorme Vergroͤße- rung einzelner Koͤrpergegenden die Entbindung auf dem ge- woͤhnlichen Wege schlechterdings unmoͤglich machen wuͤrde, und demungeachtet das Kind, dieser Verunstaltung wegen, nicht eines wahrhaft menschlichen Lebens fuͤr faͤhig zu achten waͤre. 2) Bei falschen Lagen des Kindes wo der rechte Zeitpunkt die Wendung zu machen gaͤnzlich verabsaͤumt worden ist, und nun das Kind mit irgend einer regelwidrig eingetretenen Flaͤ- che des Rumpfs so fest im Beckeneingange sich eingekeilt fin- det, daß Herabfuͤhrung der Fuͤße gaͤnzlich unmoͤglich erscheint. Allein selbst in diesem Falle pflegt hoͤchstens die Eroͤffnung einer Rumpfhoͤhle und Entleerung derselben, keineswegs eine eigentliche Zerstuͤckung, noͤthig zu werden. Anmerkung . Es ist uͤbrigens hierbei zu erinnern, daß dem Anfaͤnger oft eine Querlage, bei laͤngere Zeit abgefloßenem Fruchtwasser, unuͤbersteigliche Hindernisse darbieten wird, wenn dagegen der Geuͤbtere auch hier die Wendung zu verrichten sehr wohl im Stande ist; welches denn den angehenden Geburtshelfer dazu vermoͤ- gen muß, in einem solchen Falle nie etwa sogleich die Embryotomie fuͤr unvermeidlich zu halten, sondern lieber zuvor noch den Rath eines erfahrenern Mannes zu ver- nehmen. §. 1258. Die Instrumente betreffend, welche fuͤr diesen Zweck er- fordert werden, so hat man in fruͤherer Zeit sich vorzuͤglich der scharfen Haken und Sichelmesser bedient; Instrumente, welche jetzt als gaͤnzlich uͤberfluͤßig betrachtet werden koͤnnen, indem fuͤr die Eroͤffnung einer Rumpfhoͤhle das gewoͤhnliche scheerenfoͤrmige Perforatorium, fuͤr anderweitige Trennungen mißgebildeter Theile aber, ein gewoͤhnliches bis gegen die Spitze umwickeltes geknoͤpftes Bistouri, oder allenfalls Stark ’s Fingerbistouri oder Aitken ’s Fingerskalpell vollkommen aus- reichen. §. 1259. Was nun die Art und Weise nach welcher diese Opera- tion auszufuͤhren ist, anbelangt, so geschieht das Eroͤffnen ei- ner Rumpfhoͤhle voͤllig auf dieselbe Weise wie das Eroͤffnen der Schaͤdelhoͤhle, nur daß man nachher genoͤthigt ist, mittelst zweier in die Wunde eingebrachten Finger die Contenta die- ser Hoͤhle moͤglichst zu entleeren, und sich so, nach zusam- mengefallenen Waͤnden derselben den Weg zu den Fuͤßen zu bahnen. Ist aber schon diese, immer hoͤchst widerliche Ope- ration hoͤchst selten, und wo die Geburt nicht anfaͤnglich voͤl- lig vernachlaͤßigt wurde, eigentlich niemals noͤthig, so ist fer- ner das Abtrennen vorgefallener Arme und aͤhnliche Verstuͤm- melung durchaus uͤberfluͤßig und keinesweges zu dulden. §. 1260. Ueber das Verfahren endlich welches bei einem mißge- stalteten Kinde noͤthig werden kann, um durch Trennungen uͤberzaͤhliger Theile die Geburt desselben moͤglich zu machen, daruͤber lassen sich allgemeinere Regeln durchaus nicht geben, indem die Faͤlle, welche in dieser Hinsicht vorkommen koͤnnen, so unendlich verschieden sind, daß hier fast alles der Vorsicht, Ueberlegung und Entschlossenheit des Operirenden uͤberlassen bleiben muß. Eins ist indessen, was man hierbei immer vor Augen haben wird, naͤmlich, da man die Operation blos zum Vortheil der Mutter unternimmt, durch die behutsamste Fuͤh- rung der Instrumente alle Verletzungen der muͤtterlichen Theile auf das sorgfaͤltigste zu verhuͤten. B. Kuͤnstliche Bewerkstelligung der Geburt des Kindes, durch Eroͤffnung eines neuen, oder durch kuͤnstliche Erweiterung des gewoͤhnlichen Geburtsweges. 1. Vom Gebaͤrmutterschnitte oder Kaiserschnitte . ( Gastrohysterotomia, Sectio caesarea. Die roͤmische Familie Caesar trug diesen Namen, nach Plinius, a caeso matris utero (wahrscheinlich war einer derselben durch den Gebaͤrmutterschnitt geboren), daher die spaͤtere Benennung der Operation selbst: sectio caesarea und bei Umwandlung des Wortes Caesar in Kaiser, auch der deutsche Name. ) §. 1261. Man bezeichnet mit diesem Namen die Bewerkstelligung der Geburt des Kindes auf einem neu eroͤffneten Wege, naͤm- lich durch den kunstgemaͤßen Einschnitt der Bauchdecken und der Fruchthaͤlterwand. Es ist dieses eine Operation welche allerdings fuͤr die Mutter so aͤußerst gefaͤhrlich ist, daß sie nur auf sehr wenige Faͤlle eingeschraͤnkt zu werden verdient, demungeachtet aber nicht immer zu vermeiden seyn wird. §. 1262. Indicationen fuͤr diese Operation werden gegeben 1) durch ein absolut zu enges Becken ( Conjugata 1 bis 2 oder 2½ Zoll), durch welches ein im Uterus befindliches aus- getragenes Kind, weder ganz noch nach vorgenommener Ver- kleinerung hindurchgefuͤhrt werden kann. Hier wuͤrde ohne den Gebaͤrmutterschnitt der Tod von Mutter und Kind gewiß seyn, und es wird die Operation sonach, als einziges Ret- tungsmittel, nie unterlassen werden duͤrfen. 2) Wird auch ein lebendes, ausgetragenes, wohlgebildetes Kind, bei einem II. Theil. 24 verunstalteten Becken, welches den Durchgang des Kindes zwar nicht ganz unmoͤglich machen, aber doch nur nach unternom- mener Verkleinerung gestatten wuͤrde, Anzeige zum Gebaͤr- mutterschnitte geben; allein leider tritt hier die Alternative ein, welche schon bei der Perforation beruͤhrt worden ist, da eben der Gebaͤrmutterschnitt so haͤufig den Tod der Mutter zur Folge hat, und also die Frage entsteht: ob man das Le- ben der Mutter dem Leben des Kindes aufopfern solle? — Nothwendig muß daher hier der Mutter selbst ein Antheil an der Entscheidung uͤberlassen bleiben, und uͤberhaupt nur dann zum Kaiserschnitt wirklich geschritten werden, wenn man uͤber Leben und Lebensfaͤhigkeit des Kindes wirklich zuverlaͤßige Kennzeichen aufzufinden vermag, und die Beckenweite nicht viel uͤber 2¾ Zoll betraͤgt. §. 1263. 3. Endlich ist der Gebaͤrmutterschnitt zu unternehmen bei ploͤtzlich erfolgtem Tode einer Schwangern, sobald dieselbe im achten, neunten oder zehnten Monate ihrer Schwanger- schaft sich befand, und eben so bei ploͤtzlich erfolgtem Tode einer angebenden Gebaͤrenden. Auch diese Indication ist im Allgemeinen so unbedingt, wie die zuerst aufgestellte, nur muß uͤber den wirklich eingetretenen Tod der Mutter kein Zweifel mehr uͤbrig seyn, damit man nicht in einem Zustande bloßen Scheintodes, durch eine so gefaͤhrliche Operation den Ueber- gang in wirklichen Tod veranlaße. Diese Gewißheit kann aber eines Theils durch Beruͤcksichtigung der Todesursache er- halten werden, wo z. B. heftige Blutungen, erlittene gefaͤhr- liche Verletzungen u. s. w. als Ursachen dieser Art zu betrach- ten sind, andern Theils bliebe wohl in zweifelhaften Faͤllen noch die schon oben erwaͤhnte Anwendung des Metallreitzes auf die entbloͤßte Muskelfiber zur Ausmittelung des Todes uͤbrig, da das sicherste Zeichen des Todes, die eingetretene Faͤulniß, hier natuͤrlich nicht abgewartet werden kann. — Wo aber immer die Gewißheit des Todes eingesehen werden kann, verdient durchaus diese Operation vor dem kuͤnstlichen Been- digen der Geburt auf dem natuͤrlichen Wege, selbst bei schon ziemlich eroͤffnetem Muttermunde, unbedingt den Vorzug, da in allen diesen Faͤllen doch Erhaltung des Kindes der einzige Zweck des Geburtshelfers seyn kann, und man fast nie (bei noch gar nicht geoͤffnetem Muttermunde gewiß nicht) erwar- ten darf, daß bei einem ohne alle Wehen bewerkstelligten Hin- durchziehen des Kindes durch das Becken, dieses am Leben bleiben koͤnne. §. 1264. Was die Prognose betrifft, so ist diese leider fuͤr die Mutter immer hoͤchst unguͤnstig, und nur ein sehr kleiner Theil der auf diese Weise Operirten wurde erhalten; Obwohl hinwiederum Beispiele nicht fehlen, wo sogar an einer Frau der Kaiserschnitt zweimal gluͤcklich verrichtet worden ist (s. d. neueste Beispiel dieser Art in v. Siebolds Journal s. Ge- burtsh. III. Bd. 1. Heft). da indeß die Erfahrung gezeigt hat, daß andere nicht minder bedeutende Verletzungen der Bauchdecken und selbst der Unter- leibseingeweide oft weit leichter die Heilung gestatten, so wird es noͤthig etwas ausfuͤhrlicher zu betrachten, worin eigentlich der Grund der haͤufigen Toͤdtlichkeit des Kaiserschnitts liege. — Es ergiebt sich aber derselbe gewiß am richtigsten aus der Beruͤcksichtigung der Periode in welcher diese Verwundung, und des Ortes, an welchem dieselbe den weiblichen Koͤrper betrifft. Als vorzuͤglich wichtig naͤmlich erkannten wir es fuͤr den Verlauf der Wochenperiode, daß die produktive Thaͤtigkeit der innern Genitalien sich allmaͤhlig vermindere, und alles wodurch in der Naͤhe dieser, jetzt in Zuruͤckbildung begriffenen Theile, krankhafte Erhoͤhung produktiver Thaͤtigkeit (Entzuͤn- dung) veranlaßt werden koͤnnte, sorgfaͤltig vermieden bleibe. Bei einer solchen Verletzung des Bauchfells wie der Gebaͤr- mutter nun, ist dagegen ein gewisser Grad von Entzuͤndung schon zu Bewerkstelligung der Heilung unerlaͤßlich, ja diese Entzuͤndung wird durch den Reitz eingedrungener Luft, aus- getretener Fluͤßigkeiten in der Bauchhoͤhle u. s. w. nur noch mehr befoͤrdert und unterhalten, und so wird die Entstehung eines heftigen Puerperalfiebers leicht erklaͤrlich, welches hier unter Mitwirkung anderer schaͤdlicher Einfluͤße so leicht den Tod zur Folge haben kann. §. 1265. Die weitern Schaͤdlichkeiten aber, wodurch die Prognose oft noch verschlimmert wird, sind: theils die meistens unge- sunde, durch viele fruͤhere Krankheiten untergrabene Constitu- tion der Personen, an welchen gewoͤhnlich die Operation ver- richtet werden muß, als welches in der Regel ausgemergelte, durch Rhachitis, Gicht und dergleichen Krankheiten zerruͤttete Naturen sind; theils die nicht selten vorausgegangenen ander- weitigen Entbindungsversuche und vergeblichen, mit großer Er- schoͤpfung begleiteten Anstrengungen der Kreisenden. §. 1266. Guͤnstiger kann daher die Prognose fuͤr die Mutter nur gestellt werden, dafern 1) das allgemeine Befinden der Krei- senden von der Art ist, daß es eine gute Heilung der Wun- den hoffen laͤßt und eine dreiste Anwendung eines kraͤftigen antiphlogistischen Verfahrens, beim Eintritt staͤrkerer Entzuͤn- dung gestattet; 2) wenn man Freiheit hat, den zur Opera- tion guͤnstigsten Zeitpunkt auszuwaͤhlen, auch die Schwangere selbst schon fruͤher zu beobachten, und zu dieser Operation in mehrerer Hinsicht vorzubereiten; 3) wenn die aͤußern Verhaͤlt- niße unter welchen die Operation vorgenommen werden muß, sie beguͤnstigen. §. 1267. Die Prognose fuͤr das Kind endlich ist nothwendig bei einer Operation, wo dieses durchaus keiner gewaltsamen Einwirkung unterworfen ist, sehr vortheilhaft zu nennen, und nur wo bereits die Geburtsarbeit sehr lange gedauert hat, und mehrere andere Entbindungsversuche bereits fruchtlos ge- macht worden sind, wird auch in dieser Hinsicht die Prognose unguͤnstiger. Daß uͤbrigens, wie man neuerlich behauptet hat, auch das Wegfallen des Druckes welchen der Kindeskopf beim Durchgange durch das Becken erleiden soll, dem Kinde so nachtheilig werden muͤße, daß es schwerlich fortleben koͤnne, ist doch durch die Erfahrung zu oft widerlegt worden, als daß man so viel Gewicht darauf zu legen sich berechtigt finden duͤrfte. §. 1268. Wir kommen nun zur Bestimmung des rechten Zeit- punktes fuͤr diese Operation, wo (dafern uͤberhaupt eine Wahl uͤbrig bleibt und die Geburtsarbeit nicht bereits, ehe der Geburtshelfer ankommt, sehr weit vorgeruͤckt war) zu entscheiden ist, ob man sie vor, oder nach geoͤffnetem Muttermunde, vor oder nach abgefloßenem Fruchtwasser am schicklichsten unternehmen werde, als woruͤber die Meinungen sehr getheilt find. Was die Eroͤffnung des Muttermundes betrifft, so ist sie sicher bis auf einen gewißen Grad noͤthig, da, wie schon von Richter angefuͤhrt wird, das Nichteroͤff- netseyn desselben die Entleerung des Lochienflußes hindern muͤßte, und, wie Hr. Joͤrg bemerkt, auch eine gewiße vor- angegangene Aeußerung der Gebaͤrmutterkraft um so noͤthiger ist, damit dieses Organ nicht nach der Entbindung zu reitz- bar bleibe. Ruͤcksichtlich der Entleerung des Fruchtwassers ist Hr. Osiander nebst Mehrern der Meinung, daß dieselbe moͤg- lichst vermieden werden muͤße, wenn dagegen Andere theils uͤberhaupt zur Sprengung der Eihaͤute vor Beginn der Ope- ration rathen, theils (wie Hr. v. Sicbold ) bei großer Anhaͤufung des Fruchtwassers wenigstens fuͤr das vorherige Sprengen der Eihaͤute stimmen. §. 1269. Fuͤr das Sprengen der Eihaͤute aber spricht es na- mentlich, daß man dadurch einer noch genauern Untersuchung der Kindestheile faͤhig wird, und so auch uͤber Lebensfaͤ- higkeit desselben zu einem bestimmtern Urtheile gelangen kann; außerdem aber, daß man durch vieles, bei Oeffnung des Uterus vorgefundenes Wasser, theils eine groͤßere Verun- reinigung der Bauchhoͤhle befuͤrchten, theils erwarten muß, daß nach Ablauf desselben der Uterus sogleich dergestalt sich verkleinere, daß der zuerst gemachte Einschnitt nicht mehr zur Herausbefoͤrderung des Kindes zureicht. Gegen das Spren- gen des Fruchtwassers vor der Operation spricht es hinwie- derum, daß der Einschnitt in den Uterus dadurch erschwert wird, daß das Kind bei diesem Einschneiden leichter verletzt werden koͤnnte, und daß endlich die Eihaͤute uͤber dem Kinde, nach abgefloßenem Fruchtwasser sich weniger gut trennen. — Vergleicht man Gruͤnde und Gegengruͤnde, so scheint aller- dings, namentlich in alle den Faͤllen wo die Menge des Frucht- wassers bedeutend ist, es gerathener zu seyn, erst das Spren- gen der Eihaͤute auf dem gewoͤhnlichen Wege zu unterneh- men, dann nochmals die Beschaffenheit der fuͤhlbaren Kindes- theile moͤglichst genau zu untersuchen, und dann erst zur Ope- ration zu schreiten. Ist die Menge des Wassers geringer, so wird es die Untersuchung nicht hindern und die Bauchhoͤhle nicht verunreinigen, weßhalb es dann ohne weiteres zuruͤckge- lassen werden mag. §. 1270. Vorbereitungen zum Kaiserschnitt . 1) Wenn man die zu Operirende noch als Schwangere zu beobachten Gelegenheit hat, so ist diese Zeit vorzuͤglich theils dazu zu benutzen, ihre Constitution zu verbessern, durch Entfernung gastrischer Zustaͤnde, Anordnung einer gesunden Lebensweise, und Erheiterung des Gemuͤths; theils ein zur Operation zweck- maͤßiges Lokal vorzubereiten. 2) Ruͤckt die Zeit der Opera- tion selbst heran, so muß die Nothwendigkeit derselben auf schonende und ruhige Weise der zu Operirenden mitgetheilt, und in Faͤllen, wo die eigene Wahl der Gebaͤrenden in An- schlag koͤmmt, die Entschließung derselben nach Wahrheitge- maͤßiger Darlegung der Umstaͤnde ruhig abgewartet werden. §. 1271. 3) Ist es bei einer so wichtigen Operation unerlaͤßlich, wenigstens noch einen erfahrnen Arzt und Geburtshelfer zu- zuziehen, und nur erst wenn auch dieser durch genaue Unter- suchung von der Nothwendigkeit der Operation sich uͤberzeugt hat, zu derselben zu schreiten; uͤberdieß aber wird es noth- wendig, fuͤr noch einige geuͤbte Gehuͤlfen waͤhrend der Opera- tion Sorge zu tragen, von welchen dann einer oder zwei beim Einschneiden der Bauchdecken, zur Zureichung der In- strumente, so wie zum Verbinden behuͤlflich zu seyn angewie- sen werden, dahingegen ein anderer die Besorgung des Kin- des, Anwendung der etwa noͤthigen Belebungsversuche u. s. w. uͤber sich nimmt, und einige endlich zum Fixiren der Ex- tremitaͤten (welche außerdem durch Servietten oder weiße Fla- nellbinden an das Lager zu befestigen sind) angewiesen werden. Der Hebamme kann man dabei nach Hr. v. Siebold’s Rath das Geschaͤft uͤbertragen, neben dem Kopfende des La- gers zu stehen, dafuͤr zu sorgen, daß die Gebaͤrende das Ge- sicht nicht gegen die Wunde wendet, und, wenn Schwindel oder Ohnmachten sich zeigen sollten, mit einigen belebenden Mitteln zur Hand zu seyn. §. 1272. 4) Was die Vorrichtung des Zimmers und des Lagers betrifft, so waͤhlt man zu ersterem gern ein maͤßig großes, hinlaͤnglich, aber nicht zu sehr erwaͤrmtes und mit reiner Luft erfuͤlltes Gemach, entfernt aus demselben alle uͤberfluͤßige Per- sonen so wie alle Hausthiere, und sorgt fuͤr hinlaͤngliche Er- leuchtung, welche freilich am besten vom Tageslichte gewaͤhlt wird, weßhalb man denn auch am liebsten in den Vormit- tagsstunden zur Operation schreiten wird. Zum Lager waͤhlt man entweder ein nicht zu niedriges, blos mit Matratze, Betttuch und Kopfkissen bedecktes Bett, oder einen hinlaͤng- lich großen, feststehenden, auf aͤhnliche Weise bedeckten Tisch; sieht aber immer darauf, daß der Unterleib nicht zu scharf angespannt werde, welches durch gelinde Erhoͤhung von Kreuz- gegend und Oberleib am zweckmaͤßigsten erreicht wird. §. 1273. 5) Den Apparat anbelangend welcher Behufs dieser Operation vorgerichtet werden muß, so besteht derselbe a ) zum Eroͤffnen des Uterus in einem bauchigten, und einem geraden geknoͤpften Bistouri, einer Hohlsonde, nebst den zuweilen nuͤtz- lich werdenden beiden stumpfen Haken zum Auseinanderhalten der Wundlefzen; b ) zum Stillen eintretender Blutungen, zu- mal beim Durchschneiden der Bauchdecken, theils in Arterien- haken, Pincette, Nadeln und gewichsten Faͤden, theils in meh- rern reinen Schwaͤmmen, kaltem und lauwarmem Wasser, Wein, Essig, Brandtwein, etwas Oehl und einem styptischen Pulver aus Alaun, arabischem Gummi und Colophonium; c ) zum Verband in bereitgelegten gewichsten Faͤden und Nadeln zum heften, in mehrern breiten und langen Heftpflasterstrei- fen, in Charpie, Compressen und einer Binde, welche entwe- der die achtkoͤpfige Binde seyn kann, oder wozu man eine besondere, breite, mit uͤber der Wunde sich kreuzenden Schnuͤ- ren oder Baͤndern versehene Vereinigungsbinde auswaͤhlt, wel- che letztere noch den Vorzug gewaͤhrt, daß man leichter den Zustand der Wunde, ohne die Binde abzunehmen, beobach- ten kann. §. 1274. d ) Außer diesem zur Operation selbst erforderlichen Ap- parat, muͤssen ferner alle die Dinge welche zum Empfangen des Kindes auch bei andern Geburten erfordert werden, als Nabelschnurbaͤnder, Nabelschnurscheere, Bad, Kleidung, Betten, Belebungsmittel u. s. w. zur Hand seyn, ja Einige So Hr. Michaelis siehe v. Siebold’s Lucina. 5. Band. S. 92. 1. Stuͤck. ha- ben sogar gerathen eine Zange oder einen Hebel fuͤr Faͤlle schwieriger Entwickelungen des Kopfs aus der Gebaͤrmutter- wunde bereit zu legen, welches indeß kaum jemals, bei schick- licher Leitung der Operation noͤthig werden duͤrfte. §. 1275. 6) Die Gebaͤrende selbst noch insbesondere betreffend, so muß sie bis auf das Hemd (welches sodann vorn aufge- schlitzt werden muß) und ein flanellenes Kamisol, entkleidet werden, und nun nach hinlaͤnglich erfolgter Entleerung des Darmkanals und insbesondere der Urinblase, auf das Opera- tionslager gebracht werden. §. 1276. Es bleibt nun noch die Stelle wo der Einschnitt gemacht werden, und die Groͤße welche er bekom- men soll , zu eroͤrtern uͤbrig. Ueber die Richtung welche dem Schnitte zu geben, bestehen aber wiederum sehr verschie- dene Meinungen: Am meisten fuͤr sich hat wohl der Schnitt in der Linea alba, welchen Smellie, Deleurye, Richter vorzuͤglich empfohlen haben, theils wegen der weniger zu be- sorgenden Blutung beim Durchschneiden der Bauchbedeckungen in dieser Gegend, theils wegen der bessern Heilung der Bauch- wunde, welche hier nicht so leicht Bruͤche veranlassen wird, theils endlich wegen dem leichtern Ausfließen der Feuchtigkei- ten aus den Schnittwunden, indem hier immer die Wunde am Uterus und in den Bauchbedeckungen in gleicher Rich- tung bleibt. Zu bemerken ist jedoch, daß, wenn hier der Ein- schnitt gemacht wird, derselbe immer 1½ Zoll unter dem Na- bel anfangen und 1½ bis 2 Zoll uͤber dem Schambogen (um Verletzungen der Harnblase zu vermeiden) aufhoͤren muß; weßhalb denn, wenn sich zwischen Nabel und Schambogen nicht sattsamer Raum vorfinden sollte, allerdings eine andere Richtung gewaͤhlt werden muß. §. 1277. Außer dem Laͤngenschnitt in der Linia alba, ist ferner (namentlich von Stein ) ein schiefer, seitwaͤrts gerichteter Schnitt empfohlen worden; da indeß hierbei nothwendig mehr Blutgefaͤße durchschnitten werden, auch leichter Bauchbruͤche entstehen koͤnnen, so wuͤrde dieser Schnitt nur, wenn der Ute- rus selbst sehr stark seitwaͤrts geneigt waͤre, oder der Raum zwischen Nabel und Schambogenmitte zu klein befunden wuͤrde, oder endlich, beim Einschnitt auf der Mitte des Leibes, man den Mutterkuchen zu verletzen fuͤrchten muͤßte, empfohlen wer- den duͤrfen. §. 1278. Endlich hat denn auch Lauverjat zu einem Querschnitt in die Bauchdecken und den Uterus gerathen, allein schwerlich duͤrfte dieser Vorschlag (obwohl auch auf diese Weise die Ope- ration mit Gluͤck vollfuͤhrt worden seyn soll) den Vorzug vor den uͤbrigen verdienen, da das Durchschneiden der Bauchmus- keln und mehrerer Blutgefaͤße ohnfehlbar die Heilung sehr er- schweren muͤßte. — Wichtiger ist daher noch der Vorschlag des Hrn. Joͤrg , nach geoͤffneter Bauchhoͤhle den Uterus moͤg- lichst tief in der Gegend des Muttermundes einzuschneiden, da hier theils wegen der duͤnnern Substanz die Blutung ge- ringer seyn, und auch die Adhaͤsion der Placenta leichter ver- mieden werden muß; obwohl zu fuͤrchten steht, daß die Ent- wickelung des Kindes hier leicht einige Schwierigkeiten finden koͤnne. §. 1279. Was die Groͤße des Einschnittes betrifft, so muß der Einschnitt in die Bauchbedeckungen immer 6½ bis 7 Zoll Laͤnge haben, der Einschnitt in den Uterus hingegen braucht nur ohngefaͤhr 4½ Zoll zu betragen; jedoch ist immer zu rathen, daß man bei einem starken Kinde, den letztern lieber etwas zu groß als zu klein mache, um sich nicht in die hoͤchst un- angenehme Nothwendigkeit versetzt zu sehen, den Schnitt, waͤhrend dem Hervorheben des Kindes, weil er fuͤr einzelne Theile desselben zu klein befunden wird, erweitern zu muͤssen. §. 1280. Sind nun alle diese Vorbereitungen getroffen, die Ge- huͤlfen angewiesen, und ist die Gebaͤrende auf das Operati- onslager gebracht, so tritt der Operateur zur rechten Seite derselben, bezeichnet sich die Richtung und vorzuͤglich die Ent- punkte des Schnittes in die Bauchbedeckungen mit Dinte, ein gegenuͤberstehender Gehuͤlfe legt seine Hand quer auf den Unterleib uͤber den Gebaͤrmuttergrund, fixirt den Uterus und verhindert zugleich das Vorfallen von Daͤrmen oder Netz in die Schnittwunde. Hierauf bildet der Operateur unter Bei- huͤlfe seines Assistenten mitten auf der Linie des Einschnittes eine diese querdurchsetzende große Hautfalte, faßt nun das bau- chige Bistouri und schneidet sodann mit einem Zuge diese Falte durch, den Schnitt sodann bis zu den Endpunkten ver- laͤngernd und die Bauchdecken bis auf das Peritonaeum trennend. Zeigt sich hierbei einige Blutung, so stillt man diese entweder durch Aufdruͤcken eines in kaltem, mit etwas Wein oder Brandtwein versetztem Wasser eingetauchten Schwam- mes, oder, dafern dieses nicht hinreicht, durch Unterbindung der blutenden Gefaͤße. §. 1281. Man schreitet alsdann zur Eroͤffnung des Peritonaei, wel- ches zuerst am obern Rande der Wunde ohngefaͤhr einen Zoll lang mit dem bauchigen Bistouri durchschnitten wird, worauf man Zeige- und Mittelfinger der linken Hand mit Oehl be- strichen in die Wunde einbringt und sodann das auf diesen eingefuͤhrte geknoͤpfte gerade Bistouri dazu benutzt, den Ein- schnitt in das Peritonaeum, der Oeffnung der Bauchdecken entsprechend, zu verlaͤngern; nur muͤßen hierbei die Spitzen der Finger der linken Hand immer der Spitze des Messers vor- ausgehen, um vorzuͤglich die Harnblase sorfaͤltig zu vermeiden. §. 1282. Alsbald wird sich nun der blaurothe Uterns in der Schnitt- wunde zeigen, der Gehuͤlfe verdoppelt jetzt seine Aufmerksam- keit, das Vorfallen von Netz oder Darmwindungen zu verhuͤ- ten, und der Operateur ergreift zum zweitenmale das bau- chige Bistouri um den Einschnitt in den Uterus zu machen. Man trennt deßhalb an der Stelle welche man als oberste Grenze der Gebaͤrmutterwunde betrachten will, die Substanz des Uterus bis auf die Fruchthuͤllen (eine weißliche Farbe giebt gewoͤhnlich das Anzeichen, daß man sich den Eihaͤuten naͤhert, bei einem in der Wunde liegenden Mutterkuchen ist indeß wie ich mich bei Eroͤffnung einer hochschwanger Ver- storbenen uͤberzeugt habe, das Unterscheiden der Uterinsub- stanz von der Placentensubstanz etwas schwieriger), bringt sodann die Hohlsonde und auf dieser das gerade Bistouri ein, um die Wunde bis zu der im vorkommenden Falle fuͤr noͤthig gehaltenen Laͤnge zu erweitern, und wendet sich nun zur Ent- wickelung des Kindes. §. 1283. Es tritt nun hierbei der doppelte Fall ein, daß man entweder den Sitz der Placenta gluͤcklich vermieden hat, oder die Wunde durch die Flaͤche der Placenta ganz oder zum Theil ausgefuͤllt wird, in welchem Falle denn gewoͤhnlich, da in der Gegend des Mutterkuchens die staͤrksten venoͤsen Gefaͤße sich vorzufinden pflegen, auch die Blutung beim Einschnitt der Gebaͤrmuttersubstanz weit heftiger seyn wird. — Nun hat es aber die Erfahrung bewiesen, daß in vielen Faͤllen alle angewendete Vorsicht, z. B. den Unterleib nur an der Stelle wo die Kindestheile am deutlichsten gefuͤhlt werden, oder (da der Sitz der Placenta haͤufiger rechter Seits beobachtet wird) mehr in der linken Seite einzuschneiden, keinesweges hinreichte diesen unangenehmen Vorfall ganz zu vermeiden, und man ist sonach genoͤthigt, jedesmal auf denselben sich gefaßt zu halten. §. 1284. Das erste was nun unter solchen Umstaͤnden bemerkt werden muß, ist aber, daß der Operateur durch die eintretende heftige Blutung sich nicht hindern laße, demungeachtet alles noͤthige zur Beschleunigung der Kindesentwickelung zu unter- nehmen. Fuͤllt demnach die Placenta nur einen kleinen Theil der Schnittwunde, so wird es am zweckmaͤßigsten seyn, sie in dieser Gegend noch etwas zu loͤsen, und dann nach Sprengung der Eihaͤute sogleich zur Entwickelung des Kindes, auf unten noch naͤher zu beschreibende Weise, zu schrei- ten; fuͤllt sie hingegen die Schnittwunde ganz aus, so wird die Entwickelung des Kindes noch groͤßere Schwierigkeiten fin- den. Einer Seits hat man hierbei gerathen die vorliegende Placenta selbst einzuschneiden und sich so den Weg zum Kinde zu bahnen; ein Vorschlag welcher jedoch wegen vermehrter Blutergießung, und Gefahr fuͤr das Kind keine Befolgung verdient; besser moͤchte es daher wohl seyn, die Placenta auch in diesem Falle soweit vom Uterus zu loͤsen, bis man zu den Eihaͤuten gelangt, ja im aͤußersten Falle die Placenta selbst vor dem Kinde aus dem Uterus zu entfernen, wenn es nicht vielleicht am allerzweckmaͤßigsten seyn sollte, unter solchen Umstaͤnden, wo moͤglich, das ganze Ovum mit Kind, Mutterkuchen und Eihaͤuten (wenn vorher das Wasser ge- sprengt worden ist) aus der Gebaͤrmutterhoͤhle hervorzuheben. §. 1285. Ist man dagegen so gluͤcklich gewesen, den Sitz der Pla- centa beim Einschnitt zu vermeiden, so ist das Entwickeln des Kindes weit leichter, man oͤffnet naͤmlich alsbald die Ei- haͤute, und erfaßt nun, wenn das Kind mit dem Ruͤcken nach oben gekehrt liegt, zuerst die Lenden oder noch besser die Schul- ter und Nackengegend und hebt so es schnell aus der Gebaͤr- mutter hervor; liegt die Bauchflaͤche nach vorn, so erfaßt man zuerst die Fuͤße oder Arme, immer aber muß man darauf sehen, daß man den Kopf in seiner Entwickelung nicht etwa verspaͤtige, und dadurch Gelegenheit zu Einschnuͤrung desselben in der Wunde (bei eintretender Zusammenziehung) gebe. Die besondere Art in einzelnen Faͤllen das Kind zu fassen und aus dem Uterus hervorzuheben, richtet sich uͤbrigens zu sehr nach den jedesmaligen Umstaͤnden, als daß sie hier naͤher er- oͤrtert werden koͤnnte. §. 1286. Ist nun das Kind aus dem Uterus hervorgehoben, die Nabelschnur unterbunden und getrennt, und hat man es ei- nem Gehuͤlfen zur weitern Besorgung uͤbergeben, so ist es auf jeden Fall zweckmaͤßig, auch die Nachgeburt auf demselben Wege zu entfernen, da dem Vorschlage, dieselbe zuruͤckzulassen und auf dem gewoͤhnlichen Wege, nachdem man den Uterus mehr in das Becken herabgedraͤngt hat s. daruͤber die erste von Wiegand’s drei geburtshuͤlflichen Ab- handlungen. Hamburg 1812. ihren Abgang zu erwarten, zu viele Gruͤnde entgegenstehen. Erstens naͤmlich ist zu befuͤrchten, daß der verletzte Uterus nicht die Kraft zei- gen werde, regelmaͤßig die Placenta abzusondern; zweitens, daß bei der groͤßern noch ruͤckbleibenden Ausdehnung des Ute- rus die Wunde desselben sich nicht gehoͤrig schliessen werde, und drittens, daß sogar die Austreibung der Placenta in die Bauchhoͤhle bei staͤrkerer Zusammenziehung des Uterus nicht unmoͤglich bleibe. §. 1287. Ist somit endlich der Uterus voͤllig entleert, so reinigt man so viel als moͤglich Bauchhoͤhle und Uterus von ausge- tretenem Blute und dergleichen, mittelst eines in lauem mit etwas Wein vermischtem Wasser eingetauchten Schwammes, sieht darauf daß die Wundlefzen der Gebaͤrmutter gehoͤrig schliessen, und keine fremden Theile einklemmen, und eilt so- dann auch die Bauchdecken zu vereinigen. Diese Vereinigung nun kann geschehen entweder durch bloße Heftpflaster und Binden, oder durch blutige Hefte. Fuͤr das erste Verfahren spricht es, daß hierbei die nicht nur schmerzhaften, sondern auch die Gefahr der Bauchfellsentzuͤndung vermehrenden Stiche erspart werden, und daß es an Beispielen nicht fehlt wo die ohne blutige Hefte vollendete Operation einen sehr gluͤcklichen Erfolg hatte so in dem oben erwaͤhnten Falle wo an einer Frau die Opera- tion zweimal gemacht wurde. ; fuͤr das letztere Verfahren hingegen spricht es, daß hier auch bei geringerer Hautmasse die Vereinigung der Wunde sicherer bewerkstelligt werden kann, und, im Falle gluͤcklichen Ausgangs (der auch bei diesem Verfahren oft be- obachtet worden ist), schneller zu erfolgen pflegt. — Der Vorschlag hingegen auch die Gebaͤrmutterwunde, wenigstens im Peritonaeo zusammenzuheften, kann auf keine Weise gebilligt werden. §. 1288. Alles erwogen, gewaͤhrt es gewiß fuͤr das Befinden der Woͤchnerin manchen Vortheil, wenn die blutigen Hefte ver- mieden werden koͤnnen, welches Vorzuͤglich da wo die schlaf- fen Bauchdecken sich leicht zusammenhalten lassen, wohl ein- tritt. Man zieht daher in diesem Falle die Wunde mit lan- gen Heftpflastern zusammen, bedeckt sie mit einem Plumaceau, legt ein Bourdonet in den untern Winkel derselben, und zwei Compressen zu beiden Seiten der Wunde, worauf man den ganzen Verband durch eine vereinigende Binde befestigt, und dann die Woͤchnerin in eine bequeme seitwaͤrts geneigte Lage zu Bett bringt. — Einige ( Stein, Wiegand ) ha- ben hierbei noch gerathen, den Uterus durch Compres- sen und Binden mehr in das kleine Becken hereinzudraͤn- gen, um so das Einklemmen von Darmstuͤcken u. dergl. in die Wunde desselben unmoͤglich zu machen, ob indeß von die- sem Verfahren, so wie von der gleichfalls empfohlenen Bauch- lage in welcher die Operirte (um den Abfluß der Feuchtigkei- keiten aus der Wunde zu erleichtern) gehalten werden solle, wahrhafter Nutzen zu erwarten steht, muß erst durch Erfah- rung bestimmt werden. — Findet man hingegen die blutigen Hefte unentbehrlich, so muß der uͤbrige Verband demungeach- tet, wie oben beschrieben, eingerichtet werden, und was hier- bei den auch von H. Zang Darstell. blutig. heilkundiger Operationen. III. Thl. 1. Abth. S. 344. aufgenommenen Vorschlag von H. Autenrieth betrifft, die Nadeln schon vor der Eroͤffnung des Bauchfells in die Raͤnder der Bauchdeckenwunde einzustechen, damit nach Entleerung der Gebaͤrmutter die Hefte sogleich zuge- zogen werden koͤnnen, so scheint derselbe allerdings in mancher Hinsicht vortheilhaft, da von der Zeit, waͤhrend welcher die innere Flaͤche des Bauchfells der Luft ausgesetzt bleibt, doch manches dadurch erspart wird, wenn nur die Hefte bei Entwickelung von Kind und Nachgeburt nicht hinderlich werden koͤnnen. §. 1289. Sehr wichtig fuͤr den Erfolg der Operation ist nun uͤbri- gens sicher noch die chirurgische und vorzuͤglich die aͤrztliche Behandlung nach derselben . In wiefern naͤmlich der so haͤufig toͤdtliche Ausgang des Kaiserschnitts fuͤr die Mutter, wie schon oben bemerkt worden ist, nicht sowohl eine unmit- telbare Folge der Verletzung (etwa durch Verblutung) sondern vielmehr die Folge der gestoͤrten Wochenfunktionen und des sich entwickelnden Puerperalfiebers zu seyn pflegt, so muß diesen Nachtheilen entgegenzuwirken Hauptaugenmerk des Arztes bleiben. §. 1290. Was daher zunaͤchst die chirurgische Behandlung betrifft, so muß sie die schnelle Vereinigung der Wunde zu bewerk- stelligen suchen. Es wird dieß erlangt 1) durch Ruhe, weß- halb die Kranke in den ersten acht Tagen stets unter Auf- sicht des Arztes oder Wundarztes bleiben muß, und die ho- rizontale Lage nicht verlassen darf; 2) durch Vermeidung von allem was die Wundraͤnder reitzen oder von einander entfer- nen koͤnnte. Der Verband muß daher ohne den hoͤchsten Noth- fall (wohin z. B. das Einklemmen von Darmstuͤcken und Netz gehoͤrt) nie zu oft erneuert werden, sondern kann einige Tage liegen bleiben, nur die Wieke aus dem untern Winkel der Wunde muß taͤglich einigemal herausgenommen, und das in Faͤulniß uͤbergehende Blut und Eiter sorgfaͤltig mit lauem Wasser und etwas Wein abgewaschen werden. Einspritzungen in die Wunde zu machen, wie von Einigen ( Richter ) em- pfohlen wird, muͤssen wir vielmehr (mit Osiander ) wider- rathen, da sie sicher die schnelle Vereinigung hindern. Tritt Erbrechen oder heftiger Husten ein, so muß waͤhrend demsel- ben die Wunde durch die aufgelegte Hand des Wundarztes sorgfaͤltig unterstuͤtzt werden, um Ausreißen der Hefte, Vor- faͤlle u. s. w. zu verhuͤten. §. 1291. Was die aͤrztliche Behandlung betrifft, so muß sie ihrem Hauptcharakter nach antiphlogistisch seyn, alle reitzende, erhitzen- de Mittel also, wie Naphthen, . Castorei, China u. s. w. ja selbst (außer um etwa eintretendes Erbrechen oder Durch- fall zu mindern) das Opium, muͤssen fuͤr die ersten Tage ver- mieden werden; leichte, saͤuerliche, die Hautthaͤtigkeit befoͤrdernde Getraͤnke, als Fliederthee mit Citronensaft, Molken u. dergl. und reitzmindernde Mittel fuͤr den Darmkanal, wie Mohnsa- menemulsionen sind dagegen gewiß hoͤchst zweckmaͤßig. Als Nahrung dienen leichte Suppen oder in warmer Jahreszeit Wasserkalteschaale. — Vorzuͤgliche Sorgfalt fordern uͤbrigens die eigentlichen Wochenfunktionen. Was den Lochienfluß betrifft, so muͤssen nicht nur die Geburtstheile eben so wie bei andern Woͤchnerinnen oͤfters gereinigt werden, sondern es ist bei zu geringer Quantitaͤt oder uͤbler Qualitaͤt desselben das Anwen- den von Injektionen, eines Aufgußes der Flor. Chamomill. u. Hb. Serpilli auch wohl durch Zusatz von Wein, Myr- rhenessenz u. dergl. verstaͤrkt, zu empfehlen. Was die Bruͤste betrifft, so ist die Absonderung der Milch durch warme Be- deckung, Aufsetzen trockner Schroͤpfkoͤpfe, Anwendung des Zieh- glases u. s. w. moͤglichst zu unterhalten, bis bei fortschreiten- der Heilung wohl selbst das Anlegen des Kindes moͤglich wird; und eben so wichtig ist endlich die Sorge fuͤr hinlaͤngliche Thaͤ- tigkeit der Haut, welche den gereitzten Zustaͤnden der Bruͤste und des Bauchfells vorzuͤglich vorbeugt. — Die Ausleerungen des Darmkanals erfolgen am besten erst am dritten Tage, und muͤssen, wenn sie nicht erfolgen, nur durch gelinde Mit- tel (Lavements, Oleum Ricini u. s. w.) bewirkt werden. II. Theil. 25 §. 1292. Zeigen sich indeß demungeachtet Fieberzustaͤnde und Ent- zuͤndungszufaͤlle, so muß der staͤrkere antiphlogistische Heilap- parat, oͤrtliche oder allgemeine Blutentziehung, Nitrum und kleine Dosen des versuͤßten Quecksilbers, ohne zu aͤngstliche Ruͤcksicht auf schwaͤchliche Constitution (denn leichter toͤdtet die Entzuͤndung als Schwaͤche) in Gebrauch gezogen werden und uͤberhaupt die spaͤter zu eroͤrternde Behandlung des Puerpe- ralfiebers eintreten. Sollte dagegen in den spaͤtern Ta- gen, in Folge unkraͤftiger Reproduktion uͤbele Beschaffenheit des Eiters und Sinken der Kraͤfte bemerkt werden, so wird es noͤthig, theils durch eine nahrhaftere Diaͤt, theils durch die innerlich und aͤußerlich angewendete China, theils durch maͤßi- gen Genuß eines guten Weins, diesen zu begegnen. §. 1293. Geht nun die Heilung gluͤcklich von Statten, so ist es gleichwohl noͤthig die Wicke im untern Winkel der Bauchwunde immer noch liegen zu lassen, bis der Ausfluß voͤllig aufgehoͤrt hat; ferner, auch wenn die Wunde ganz geschlossen ist, doch noch alle Anstrengungen vermeiden und nach Osiander’s Rath eine gut anschließende Bauchbinde noch laͤngere Zeit tra- gen zu lassen, welches insbesondere, wenn der Einschnitt mehr seitwaͤrts gemacht worden war, vorzuͤglich nothwendig ist. 2. Vom Bauchschnitte . ( Gastrotomia. ) §. 1294. Wir verstehen unter dieser Operation, welche man auch mit dem Namen des unvollkommenen Kaiserschnittes zuweilen belegt hat, die Eroͤffnung der Bauchhoͤhle, entweder durch die Bauchdecken oder auch wohl durch das Scheidenge- woͤlbe, Behufs der Entleerung des in der Bauchhoͤhle entwe- der schon waͤhrend der Schwangerschaft liegenden, oder erst in dieselbe durch Zerreißung des Uterus oder der Vagina uͤber- getretenen Kindes. §. 1295. Die Indication fuͤr diese Operation ist sonach sehr klar, und nur die Faͤlle in welchen der Einschnitt durch das Schei- dengewoͤlbe gemacht werden duͤrfte, fordern noch eine etwas naͤhere Bestimmung. Es findet dieß aber nur Statt, 1) bei Schwangerschaften der Bauchhoͤhle und aͤußern Eierstocksschwan- gerschaften, bei welchen sich der Kopf des Kindes neben dem Uterus so tief ins Becken herabgesenkt haben moͤchte, daß er das Scheidengewoͤlbe kuglich ausdehnte, und die Weite des Beckens erwarten laͤßt, daß man das Kind nach Durchschnei- dung der Vagina auf diesem Wege leicht zu entbinden im Stande seyn werde; 2) bei Schwangerschaften außer der Ge- baͤrmutter, wo nach erfolgtem Absterben der Frucht Eiterung eingetreten ist, der Absceß sich einen Ausweg nach dem Schei- dengewoͤlbe sucht, und dort durch Fluctuation sich zu erkennen giebt. — In Faͤllen von vorhergegangener Zerreißung der Ge- baͤrmutter hingegen, so wie auch in den meisten Faͤllen der Extrauterinschwangerschaften, ist jedoch einzig und allein der Schnitt durch die Bauchdecken angezeigt, von welchem daher hier auch zunaͤchst gehandelt werden soll. §. 1296. Die saͤmmtlichen Vorbereitungen bei dieser Gastrotomie nun, sind von den fuͤr den Kaiserschnitt noͤthigen nicht un- terschieden, und koͤnnen sonach hier uͤbergangen werden; auch das Einschneiden der Bauchdecken geschieht auf dieselbe Weise, nur daß man sich damit vorzuͤglich nach der Lage des Kindes zu richten hat, und hier weit mehr als beim Kaiserschnitt, die aͤußerste Sorgfalt noͤthig wird, um das Vorfallen der Darm- windungen zu verhuͤten, obwohl es oft demungeachtet geschieht. Das weitere Verfahren aber wird nun den Umstaͤnden nach oft sehr verschieden seyn muͤssen. Ist eine Zerreißung der Ge- baͤrmutter vorausgegangen, so entwickelt man das Kind aus der Bauchhoͤhle, und ist auch bereits die Placenta durch den Riß ausgestoßen worden, auch diese; bleibt dagegen die Pla- centa noch im Uterus zuruͤck, und hat sich letzterer bereits fest um dieselbe zusammengezogen, so wird sie durch die Va- gina beseitigt. Ist es hingegen eine Bauchschwangerschaft ge- wesen, so muß zwar das Kind auf gleiche Weise entwickelt werden, allein mit dem Loͤsen der Placenta, wenn ein wah- res Gebild dieser Art sich entwickelt hat, wird es oft weit groͤßere Schwierigkeiten haben, indem sie auf eine Art mit dem Bauchfelle verbunden seyn kann, welche deren Hinweg- nahme nicht wohl zulaͤßt; und wenn sonach dadurch, oder durch gaͤnzlichen Mangel einer wahren Placenta, wie z. B. in dem von Deutsch C. F. Deutsch de graviditate abdominali. Halae 1792. beschriebenen Falle, wo ein vergroͤßertes Ovarium ihre Stelle zu vertreten schien, die Loͤsung der Nach- geburt unmoͤglich bleibt, so muͤßten die Nabelstranggefaͤße, nach- dem sie vom Kinde getrennt worden, in der Wunde liegen bleiben, bis sie allmaͤhlig sich abloͤßten; welches indeß, außer bei bereits laͤngere Zeit abgestorbenen und in Eiterung uͤberge- gangenen Fruͤchten, Auf diese Weise wurde von Weinhardt (Beschreibung einer merkwuͤrdigen Operation durch den Kaiserschnitt. Bautzen 1802.) gluͤcklich operirt. nicht leicht einen guͤnstigen Ausgang fuͤr die Mutter erwarten laͤßt. §. 1297. Der Verband und die Behandlung nach der Operation wuͤrden in allen Faͤllen dem beim Kaiserschnitt beschriebenen Verfahren sehr gleichen muͤssen, und nur die Faͤlle wo die Nachgeburt wegen der im vorigen §. erwaͤhnten Umstaͤnde nicht hinweggenommen werden koͤnnte, werden oft noch beson- dere Verfahrungsarten indiciren, welche indeß hier, indem sie zu sehr nach den jedesmaligen Umstaͤnden verschieden seyn muͤs- sen, nicht weiter zu eroͤrtern sind. §. 1298. Was endlich das Verfahren bei der Eroͤffnung der Bauch- hoͤhle durch das Scheidengewoͤlbe, oder den sogenannten Schei- denkaiserschnitt betrifft, so lassen sich auch daruͤber kaum all- gemeine Regeln aufstellen, indem alles Naͤhere auch hier durch die jedesmaligen Umstaͤnde bestimmt werden muß, das Ein- schneiden des Scheidengewoͤlbes selbst aber, nicht allzugroße Schwierigkeiten findet, sondern mit einem bis gegen die Spitze umwickelten Bistouri, nachdem man mit der ganzen Hand in die Mutterscheide eingegangen ist, bei gehoͤriger Vorsicht sehr wohl ausgefuͤhrt werden kann. 3. Vom Schamfugenschnitte . (Synchondrotomia.) §. 1299. Eine Operation welche sich urspruͤnglich auf die irrige Ansicht vom Mechanismus des natuͤrlichen Geburtsgeschaͤfts gruͤndet, zu Folge welcher man annahm, daß die Schamkno- chen waͤhrend dem Durchgange des Kindes jedesmal vonein- anderweichen muͤßten, als wodurch man auf die Idee geleitet wurde, daß die Erleichterung der Geburt bei einem engen Becken vorzuͤglich dadurch bewerkstelligt werden koͤnnte, wenn man ein recht bedeutendes Auseinanderweichen der Seitenwand- beine durch Trennung des Schoosknorpels moͤglich machte. Inwiefern indeß diese Voraussetzung irrig ist, muß auch die daraus gezogene Folgerung unrichtig werden, und wir koͤnnen daher, wie noch weiter bewiesen werden soll, diese Operation als ein Erleichterungsmittel der durch verengertes Becken er- schwerten Geburt, keinesweges mehr zulaͤßig erklaͤren, und fuͤh- ren sie daher nur geschichtlich mit auf, zugleich bemerkend, daß sie vielleicht noch einzig in Faͤllen der zuruͤckgebeugten, und durch starke Einklemmung alle Repositionsversuche verei- telnden Gebaͤrmutter, Anwendung finden duͤrfte. §. 1300. Die Operation des Schamfugenschnittes wurde uͤbrigens zuerst 1768 von Sigault in der Academie zu Paris vorge- schlagen M. s. uͤb. d. Geschichte dieser Operation vorzuͤglich J. P. Mi- chells ausfuͤhrliche Abhandlung uͤber die Schambeintrennung, a. d. latein. v. Dr. Ch. F. Ludwig . Leipzig 1784. , spaͤterhin von Camper , welcher mehrere Versuche daruͤber an Leichnamen gemacht hatte, zur Vermeidung der Perforation bei nicht allzusehr verengertem Becken empfohlen, und endlich 1777 von Sigault, an einer gewißen Frau Suchot, mit anscheinend gluͤcklichem Erfolg fuͤr Mutter und Kind ge- macht, worauf denn die Operation als Mittel den Kaiserschnitt entbehrlich zu machen, oͤffentlich geruͤhmt und der Operateur mit einer Medaille belohnt wurde. Spaͤterhin wiederholte Ver- suche dieser Art zeigten jedoch das Unzweckmaͤßige dieser Ope- ration immer lebhafter, ja selbst bei der Suchot fand ein deut- scher Geburtshelfer die traurigsten Folgen derselben, als Harn- fisteln und Wanken der Beckenknochen (bei einem uͤbrigens gar nicht allzusehr verengerten Becken) in so hohem Grade, daß man bald die Operation zu unterlassen anfing, oder dieselbe, wie dieß noch neuerlich in einer deutschen Hauptstadt gesche- hen ist, mit dem uͤbelsten Erfolge ausuͤbte. §. 1301. Die Gruͤnde, durch welche es vorzuͤglich erwiesen wird, daß die Schambeintrennung eine fuͤr Erleichterung der Geburt des Kindes unzweckmaͤßige Operation sey, sind folgende: 1) der Beckenraum wird dadurch zwar allerdings vergroͤßert, al- lein in einer Richtung welche auch bei aͤußerst engem Becken, gewoͤhnlich an sich hinlaͤnglich geraͤumig ist, naͤmlich im Quer- durchmesser; dahingegen die Conjugata, selbst bei einem Aus- einanderweichen der Schamfuge von 1 bis 2 Zoll, kaum um einige Linien vergroͤßert wird. 2) Die Beckenverbindungen wer- den dadurch oft auf eine ganz unheilbare Weise verletzt, die Schamfuge heilt schwer, die Kreuz- und Darmbeinverbindun- gen zerreissen wohl gar, und es bleibt ein wankendes Becken und hinkender Gang zuruͤck. 3) Trotz dem durch das Aus- einanderweichen bewirkten groͤßern Raume im Becken, erfolgt demungeachtet (aus dem obigen Grunde) die Geburt des Kin- des nun keinesweges von selbst, sondern es sind (wie mehrere Faͤlle Man lese z. B. die abschenliche Entbindungsgeschichte von B. Guerard in dem Anhange zur 2. Aufl. seiner Anfangsgruͤnde der Geburtshuͤlfe. Muͤnster 1781. dieß bewiesen haben) andere Huͤlfsmittel, die Anlegung der Zange u. s. w. (welche auf das verletzte Becken natuͤrlich hoͤchst nachtheilig wirken muͤssen) zur Beendigung der Geburt noͤthig. 4) Es leiden gewoͤhnlich bei dieser Operation die Harnblase und Harnroͤhre dergestalt, daß Entzuͤndung und Brand derselben, oder Harnfisteln entstehen muͤssen. — Aus welchem allen denn hinlaͤnglich hervorgeht, theils daß diese Operation den Kaiserschnitt nie ersetzen kann, theils daß sie uͤberhaupt zum Zweck der Erleichterung der Geburt des Kin- des gaͤnzlich unstatthaft sey. §. 1302. Die Art wie man uͤbrigens bei dieser Opera- tion verfahren hat , ist folgende. Zunaͤchst werden einige Vorbereitungen erfordert, welche bestehen: 1) in der Anord- nung eines gewoͤhnlichen Querlagers mit nicht hoher Ruͤcken- lehne; 2) im Anordnen der zum Halten der Gebaͤrenden so wie zum Zureichen des Apparats noͤthigen Gehuͤlfen; 3) im Anordnen des saͤmmtlichen zur gewoͤhnlichen Entbindung noͤ- thigen Apparats und Bereitlegung der uͤbrigen Huͤlfsmittel zur Entwickelung des Kindes, z. B. der Geburtszange; 4) in Anordnung der zum Schamfugenschnitt selbst noͤthigen Instru- mente: hierher gehoͤrt ein bauchiges, und ein starkes gerades, geknoͤpftes Bistouri, nebst einem maͤnnlichen Katheter und (auf den Fall einer Verknoͤcherung der Symphyse) eine Knochen- saͤge; 5) in Anordnung einer auf zwei Koͤpfe gewickelten Binde, Charpie, Heftpflastern, und dem bei Schilderung des Kaiser- schnitts beschriebenen Apparat zum Stillen der Blutung, Rei- nigen u. s. w. §. 1303. Um die Operation zu machen, bringt man zuvoͤrderst den Katheter ein, entleert die Blase und laͤßt dann den Griff des- selben von einem Gehuͤlfen fassen, seitwaͤrts halten und so die Urethra uach der entgegengesetzten Seite hindraͤngen; hierauf spaltet man mit dem convexen Bistouri die Haut des Scham- bergs von oben nach unten, und legt so die Symphyse selbst blos, faßt dann das gerade Bistouri um die Schamfuge selbst, vorsichtig, und ohne den Knochen zu beruͤhren, zu durchschnei- den (wobei besonders auch das innere Kapselband mit Ver- huͤtung aller Verletzung der Urethra getrennt werden muß) und alsbald wird das Voneinanderweichen der Schamkochen be- merkt werden. Ist hierauf die Geburt des Kindes, entweder durch die Kraft der Wehen, oder durch Extraktion beendigt worden, so werden die Schamknochen einander wieder vorsich- tig, mit sorgfaͤltiger Verhuͤtung des Einklemmens aller weichen Theile genaͤhert, die Wunde wird durch Heftpflasterstreifen ver- einigt, sodann eine sichere Binde angelegt, und der Entbun- denen die strengste Ruhe angeordnet; worauf dann weiterhin die Heilung der Verletzung nach den Regeln der Chirurgie ge- leitet werden muß. II. Von der kuͤnstlichen Entwickelung der Nachgeburt . 1. Von dem kuͤnstlichen Loͤsen des Mutterkuchens . §. 1304. Das kuͤnstliche durch die Hand bewerkstelligte Lostrennen des Mutterkuchens von der Gebaͤrmutterflaͤche ist an sich eine vorzuͤglich schwierige, besondere Umsicht und Behutsamkeit er- fordernde Operation, welche durch die so leicht daran sich knuͤpfenden Blutungen, Entzuͤndungen, Puerperalfieber, Putres- cenz, ja Verletzung des Uterus, der Entbundenen oft augen- blicklich oder in kurzem gefaͤhrlich werden kann. Es wird aber ferner die Schwierigkeit hierbei nicht unbetraͤchtlich ver- mehrt durch die Unmoͤglichkeit, hinlaͤnglich bestimmte, auch fuͤr alle einzelne Faͤlle ausreichende Gesetze uͤber die Indication zu dieser Operation aufzustellen. Es gilt dieß vorzuͤglich von den verschiedenen Arten der Nachgeburtszoͤgerungen, bei deren Be- handlung oft nur ein sicherer, alle Umstaͤnde gehoͤrig erwaͤgen- der praktischer Takt den Arzt leiten muß, da sich weder eine gewiße Zeit festsetzen laͤßt, innerhalb welcher der Mutterkuchen, wenn er nicht von selbst sich trennt, geloͤßt werden muß, noch eine bestimmte Quantitaͤt Blut etwa als Norm angenommen werden kann, wodurch der Geburtshelfer zum Unternehmen die- ser Operation berechtigt wuͤrde. — So viel zur Berichtigung des Standpunktes, von welchem die nun zu erwaͤgenden Indi- cationen betrachtet werden muͤssen. §. 1305. Anzeige zur kuͤnstlichen Loͤsung der Placenta giebt aber 1) der Sitz derselben auf dem Muttermunde (eine der bestimm- testen Indicationen); 2) abnorm feste Verbindung des Mutter- kuchens durch sehnige Fasern; 3) theilweise bereits erfolgte Trennung desselben bei eingetretenem betraͤchtlichem, durch dy- namische Mittel nicht zu stillendem Blutfluße; 4) Umstuͤlpung der Gebaͤrmutter, dafern nicht besondere Umstaͤnde das Zuruͤck- bringen des Uterus bei noch anhaͤngender Placenta vorziehen lassen. §. 1306. Die Prognose richtet sich theils nach den die Opera- tion bedingenden Umstaͤnden, theils nach der Behutsamkeit bei ihrer Ausfuͤhrung; in ersterer Hinsicht ist folglich die Prog- nose unguͤnstig bei heftiger Blutung, Einschnuͤrung des Mut- terkuchens, abgerissenem Nabelstrange, besonders fester Adhaͤ- sion, starker Zusammenziehung im Muttermunde, schon vor- handener entzuͤndlicher Reitzung im Uterus, schwaͤchlicher all- gemeiner Constitution u. s. w. — wenn hingegen entgegen- gesetzte Verhaͤltniße eiue guͤnstigere Prognose geben. §. 1307. Vorbereitungen welche fuͤr diese Operation erforder- lich sind, bestehen 1) in Anordnung eines schicklichen Lagers der Kreisenden, welche entweder im Bett, bei hinlaͤnglich er- hoͤhter Kreuzgegend, oder auf einem Querlager sich befinden muß, welches letztere besonders in sehr schwierigen Faͤllen, und wo andere geburtshuͤlfliche Operationen nachfolgen muͤssen, wie bei vorliegendem Mutterkuchen, vorgezogen werden muß. 2) Gehoͤrt hierher die Entleerung der Harnblase ; 3) Sorge fuͤr hinlaͤngliche Eroͤffnung des Muttermundes (wel- cher demnach, wo er noch nicht eroͤffnet ist, kuͤnstlich erweitert werden muß); 4) Bereithalten einer Injektionsspritze, gefuͤllt mit einem lauen Kraͤuteraufguße nebst Zusaͤtzen von Essig und Wein oder Brandtwein (wegen haͤufig eintretenden Blutungen); 5) Bereithalten der uͤbrigen bei Blutungen, Ohnmachten u. s. w. nothwendigsten Medicamente, nebst Oleum Hyoscyami oder einer Opiatsalbe. §. 1308. Die Ausfuͤhrung der Operation ist nach den Umstaͤnden verschieden. Ist das Kind bereits geboren und soll sonach Behufs der Wegnahme der Nachgeburt die Placenta voͤllig getrennt werden, so waͤhlt man zuvoͤrderst die Hand nach dem Sitze der Placenta, so daß, wenn dieselbe an der rechten Seite adhaͤrirt, man die linke, wenn sie an der linken Seite an- sitzt, man die rechte Hand gebraucht; bei dem Sitze an der vordern oder hintern Wand ist die Wahl ziemlich gleichguͤltig. Hierauf bereitet man wie zur Wendung die Hand vor, indem man sie (nach abgelegtem Rock und entbloͤßtem Vorderarm) conisch zusammenlegt und aͤußerlich mit Oehl bestreicht, faßt dann mit der Hand den Nabelstrang den man gelinde anspannt, und geht nun vorsichtig, nach den mehrerwaͤhnten Regeln in die Vagina, und durch den Muttermund, und sucht die am meisten bereits abgeloͤßte Partie des Mutterkuchens auf. Von hieraus trennt man nun, indem man die flache Hand so zwi- schen Placenta und Uterus hereindraͤngt, daß die Ruͤckenflaͤche gegen die innere Gebaͤrmutterwand gerichtet ist, beide Flaͤchen durch ein behutsames Abschaͤlen von einander los, wobei, wenn die Placenta mehr an der Vorderwand ansitzt, man vorzuͤglich auch des Daumens sich mit Vortheil bedienen kann. — Die ganz getrennte Placenta faßt man dann in die hohle Hand und fuͤhrt sie behutsam aus den Geburtstheilen hervor. §. 1309. Erschwert wird diese Operation zuweilen 1) durch das Hin- und Herschwanken des Uterus, und man ist dann genoͤ- thigt, durch die flach aufgelegten Haͤnde eines Gehuͤlfen den Uterus von außen fixiren zu lassen. 2) Durch krampfhafte Verengerungen (Strikturen) im Muttermunde oder auch in der Hoͤhle des Uterus selbst, welche gleichzeitige Anwendung dynamischer innerer Mittel (Opium, Castoreum, Liq. C. C., Valeriana) noͤthig machen, und nach den fuͤr Eroͤffnung des Muttermundes selbst gegebenen Regeln beseitigt werden muͤs- sen. 3) Durch feste sehnige Verbindungen zwischen Placenta und Uterus, welche man entweder, indem man sie zwischen zwei Finger bringt, allmaͤhlig zerdruͤckt, oder wenn sie zu fest sind, aus der Substanz der Placenta allmaͤhlich herausschaͤlt, und einstweilen zuruͤcklaͤßt, indem sie dann nach und nach mit den Lochien sich absondern, nie aber sie gewaltsam vom Uterus abreißt. 4) Durch Abgerissenseyn des Nabelstranges, in wel- chem Falle zwar wesentlich kein anderes als das oben beschrie- bene Verfahren erfordert wird, jedoch mit besonderer Vorsicht deßhalb verfahren werden muß, damit man nicht andere Theile z. B. die angeschwollenen Muttermundslippen, mit der Pla- centa verwechsele, und auch den Theil des Mutterkuchens auf- finde, welcher zumeist sich getrennt hat. §. 1310. Sitzt hingegen der Mutterkuchen auf dem Muttermunde auf, und wird folglich die Loͤsung desselben vor der Geburt des Kindes noͤthig, so darf derselbe nur so weit getrennt wer- den, als erfordert wird um der Hand den Weg zum Kinde zu bahnen. Nachdem daher alles nicht nur zur Loͤsung der Placenta, sondern auch zur Wendung und Extraktion des Kin- des vorgerichtet ist, bringt man die Hand welche nach der Kindeslage die schicklichste zur Wendung ist, zugespitzt in die Geburtstheile ein, sucht dann die Gegend auf, wo die Pla- centa am wenigsten adhaͤrirt (bei voͤllig centralem Aufsitzen ist dieses allerdings zu bestimmen oft unmoͤglich, und muß dann blos in der Richtung wo man am besten zu den Fuͤßen ge- langt geschehen) und trennt von hieraus, auf die §. 1308 gelehrte Weise so viel von der Placenta los, bis man fuͤr das Eindringen der Hand Raum genug gewonnen hat; wor- auf denn das Sprengen der Blase, die Wendung und Extrak- tion des Kindes folgen muͤssen wird, und die Entwickelung der Placenta folglich bis nach der Geburt des Kindes verspart bleibt. 2. Von der Hinwegnahme der Nachgeburt aus der Hoͤhle der Gebaͤrmutter . §. 1311. Diese Operation, welche in den meisten Faͤllen auf die Loͤsung des Mutterkuchens folgen muß, wird indeß zuweilen auch bei bereits eingetretener Trennung der Placenta nothwen- dig, sobald diese noch zu hoch uͤber dem Muttermunde liegt, um auf die gewoͤhnliche Weise entfernt werden zu koͤnnen. Anzeigen hierzu werden gegeben 1) bei Zwillingsgeburten, wenn nach der Geburt des ersten Kindes sich dessen Placenta loͤßt, auf den Muttermund legt, und die Geburt des zweiten Kindes versperrt. 2) Bei betraͤchtlichem Blutabgange wegen Atonie des Uterus, um die Anwendung zweckdienlicher Mittel auf die innere Gebaͤrmutterflaͤche (namentlich der Injektionen) zu erleichtern, und dem Uterus mehr Raum zur Zusammen- ziehung zu geben. 3) Wenn das Kind scheintodt geboren ist und man die Nachgeburt, zum Zweck leichterer Wiederbelebung desselben mit ins Bad bringen will; wobei jedoch auch wirklich die Zeichen von Trennung der Placenta bereits eingetreten seyn muͤssen. §. 1312. Das Verfahren selbst ist ziemlich einfach, die Frau bleibt auf ihrem gewoͤhnlichen Lager, mit etwas erhoͤhter Kreuzge- gend, das Einbringen der Hand geschieht ganz wie es zum Behuf der Loͤsung des Mutterkuchens beschrieben wurde, und sobald man sie auf diese Weise hoch genug heraufgefuͤhrt hat, umfaßt man die Placenta und bringt sie behutsam herab, und aus den Geburtstheilen hervor. Ein schaͤdliches Verfah- ren ist es, wenn man blos einen Theil des Mutterkuchens faßt und daran heftig zieht, weßhalb denn folglich auch be- sondere Nachgeburtszangen anzuwenden, keineswegs rathsam ist. Blos in Faͤllen wo ein Nachgeburtsrest etwa innerhalb des bereits zusammengezogenen Muttermundes laͤge, kann man sich zuweilen des auf seiner innern Flaͤche eingefeilten und flachge- zaͤhnten Dilatatorii von Osiander mit Nutzen bedienen; ob- wohl selbst fuͤr diese Faͤlle, so wie fuͤr das Wegnehmen der Nachgeburt bei sehr kleinen Ovulis, zwei in den Muttermund eingebrachte Finger meistens das beste Werkzeug abgeben. III. Von der kuͤnstlichen Bewerkstelligung des gesammten Geburtsgeschaͤfts . Die gewaltsame Entbindung . (Accouchement forcé.) §. 1313. Wir verstehen hierunter die Reihenfolge verschiedener, im Einzelnen schon beschriebener Operationen, bei denen auf die kuͤnstliche Erweiterung des Muttermundes, das Sprengen der Eihaͤute, die Wendung und Extraktion des Kindes, so wie die Loͤsung und Hinwegnahme der Nachgeburt folgt. Es kann dieses aber unternommen werden, entweder waͤhrend der Schwan- gerschaft oder beim ersten Beginnen eintretender Geburtsthaͤtig- keit, stets aber ist es eine sowohl fuͤr die Mutter als fuͤr das Kind hoͤchst gefaͤhrliche Operation, und nur aͤußerst wenige Faͤlle bleiben daher uͤbrig, wo sie unbedingt unternommen wer- den muͤßte. §. 1314. Unter allen Umstaͤnden aber, welche man wohl fruͤherhin als Indication fuͤr das Unternehmen der gewaltsamen Ent- bindung aufgefuͤhrt hat, scheint, bei richtiger Erwaͤgung, fast einzig und allein heftige, auf keine andere Weise zu stillende Blutung , derjenige, bei welchem diese Ope- ration gar nicht zu umgehen ist. Die Entstehung eines solchen Blutflußes kann uͤbrigens sehr verschieden seyn, als durch Auf- sitzen des Mutterkuchens auf dem Muttermunde, zeitigere Trennung der Placenta bei beginnender Fruͤhgeburt in Folge erlittener gewaltsamer Erschuͤtterung, ja selbst die Blutungen aus andern Organen, sobald sie sehr heftig sind und in sol- chem Zusammenhange mit der Schwangerschaft stehen, daß sie vor erfolgter Entbindung nicht zu beseitigen sind. §. 1315. Naͤchst diesen verschiedenen Formen des Blutflußes koͤn- nen denn auch wohl einige Faͤlle von Convulsionen welche bei Schwangern oder bei angehenden Gebaͤrenden eintreten, ferner Ohnmachten, apoplektische Zufaͤlle u. s. w. welche Lebensgefahr drohen, Veranlassung zu dieser Operation werden, dafern naͤm- lich wirklich ein unmittelbarer Zusammenhang dieser Uebel mit dem Zustande der Schwangerschaft nachzuweisen, und die An- wendung anderer fuͤr diesen Behuf zweckmaͤßiger Mittel frucht- los geblieben ist. — Den Vorschlag hingegen, durch die ge- waltsame Entbindung vor dem eigentlichen Ende der Schwan- gerschaft die allzuschweren Geburten, oder gar den Kaiser- schnitt zu vermeiden, muͤssen Gruͤnde der Vernunft, und (lei- der!) auch der Erfahrung, als voͤllig verwerflich darstellen, so daß er mit dem der kuͤnstlichen Fruͤhgeburt durch zeitige- res Wassersprengen gar nicht verglichen werden darf. §. 1316. Ueber die Art wie diese Operation auszufuͤhren sey, be- darf es hier keiner weitern besondern Eroͤrterung, da das noͤ- thige hieruͤber schon bei den einzelnen Theilen derselben ange- geben worden ist; die Hauptregel aber muͤssen wir doch noch insbesondere fuͤr dieselbe festsetzen, daß, was immer hierbei von Beendigung oder Foͤrderung der Geburt, den Naturkraͤften ohne Nachtheil uͤberlassen werden kann , auch auf keinerlei Weise durch die Kunst bewerkstelligt werden solle. Kann da- her z. B. die Eroͤffnung des Muttermundes, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, ohne Nachtheil der Mutter oder des Kindes gedeihen, so soll sie nicht durch die Kunst verrichtet werden. Eben dasselbe gilt von der Wegnahme der Nachge- geburt u. s. w. — Blos auf diese Weise naͤmlich ist es zu- weilen moͤglich, die Prognose fuͤr Mutter und Kind einiger- maaßen vortheilhafter zu stellen, und den hoͤchst gefaͤhrlichen Ausgang welchen sie nicht selten herbeigefuͤhrt hat, zu ver- meiden. Specielle Pathologie und Therapie der Geburt. §. 1317. Die vielfachen Regelwidrigkeiten welche den so wichtigen Akt der Geburt hindern, ja zuweilen voͤllig unmoͤglich machen koͤnnen (zum wenigsten fuͤr die Kraͤfte der Natur), lassen sich demungeachtet saͤmmtlich zuruͤckfuͤhren auf die welche von dem muͤtterlichen Koͤrper, und die welche von der Frucht ausge- hen, obwohl in vielen einzelnen Faͤllen auch die Combinationen beider Ursachen bemerkt werden. §. 1318. Durch zweckmaͤßige Beruͤcksichtigung dieser beiden Klas- sen, und hinlaͤngliche Sonderung der einzelnen Abnormitaͤten, wird es nun moͤglich, uͤber diese Regelwidrigkeiten uͤberhaupt ein eben so streng logisches Schema als uͤber den gesammten Bereich der Gynaͤkologie, zu entwerfen, welches Schema denn zur leichtern Uebersicht hier beigefuͤgt wird, worauf wir sodann zur naͤhern Betrachtung der in der ersten Abtheilung enthal- tenen Abnormitaͤten sogleich uns wenden. I. Von den krankhaften Zustaͤnden des muͤt- terlichen Koͤrpers, in wiefern sie stoͤrend fuͤr den Geburtsverlauf wirken. I. Von den krankhaften Zustaͤnden des Allge- meinbefindens und den oͤrtlichen Krank- heitszustaͤnden außerhalb der Geburts- theile . A. Von den regelwidrigen Bildungen. 1. Allgemeine Verbildung . §. 1319. Von wie großem Einfluß die Gesammtbildung des Koͤr- pers auf den Geburtsverlauf sey, zeigt die Erfahrung bei der Vergleichung auch nur einer geringen Anzahl von Entbindungen auf das deutlichste, und man bemerkt namentlich bald, wie bei einer gewißen Constitution, d. i. bei maͤßig großen voll- saftigen Koͤrpern, mit kraͤftig entwickelter weiblicher Eigenthuͤm- lichkeit, die Entbindungen meistentheils leicht und gluͤcklich von Statten gehen. Hinwiederum finden sich auch Koͤrper, welche selbst unter uͤbrigens guͤnstigen Bedingungen, bei gutem Bek- ken und regelmaͤßigem Stande des Kindes, auffallend schwer und langsam gebaͤren, und deren Koͤrper in einem weit hoͤ- hern Grade von der Geburtsarbeit erschuͤttert wird. Wir zaͤhlen hierhin vorzuͤglich die noch nicht genugsam entwickelte Koͤrper- bildung, die Koͤrperbildung der schon dem Ende der zeugungs- faͤhigen Periode zu sehr genaͤherten Individuen, den mehr maͤnnlichen Koͤrperbau, die schwaͤchliche und sehr erregbare, und die phlegmatische, schwammige, torpide Constitution. II. Theil. 26 §. 1320. Die unvollkommene Entwickelung des Koͤr- pers giebt sich zu erkennen in der Zartheit des Koͤrperbaues uͤberhaupt, in der Kleinheit der Extremitaͤten, den kindlichen Gesichtszuͤgen, so wie aus Beruͤcksichtigung des Alters und der vorhergegangenen Lebensverhaͤltnisse. Solche Personen nun, welche entweder nach kaum entfalteter Pubertaͤt schon concipir- ten, oder deren Koͤrper durch Krankheiten oder fruͤhe Aus- schweifungen in seiner Bildung zuruͤckgehalten worden ist, wer- den nothwendig von dem Geburtsgeschaͤft, welches fuͤr eine gewiße Reife des Lebens von der Natur bestimmt ist, weit staͤrker als andere afficirt, sie ermatten weit leichter, Convul- sionen, krampfhaftes Erbrechen, Schluchzen, Blutungen u. s. w. treten weit leichter ein, und fuͤhren oft fuͤr Mutter und Kind hoͤchst nachtheilige Zustaͤnde herbei. §. 1321. Die Behandlung einer solchen Gebaͤrenden kann blos pro- phylaktisch seyn, indem man durch noͤthige Vorsicht alles was das Nervensystem erregen koͤnnte, vermeidet, und nichts was irgend das Geburtsgeschaͤft erleichtern koͤnnte, unterlaͤßt. Es ist daher sehr zweckmaͤßig, solchen Personen, noch unter den vorhersagenden Wehen welche hier gewoͤhnlich laͤngere Zeit an- halten, ein lauwarmes Bad brauchen zu lassen, fuͤr eine recht zweckmaͤßige Umgebung bei der fortschreitenden Geburtsthaͤtig- keit Sorge zu tragen, zeitig schon das Beibehalten einer be- quemen ruhigen Lage im Bette anzuempfehlen, die Kraͤfte auf alle Weise zu schonen, und wenn im Verlaufe der Geburt die Anwendung kuͤnstlicher Huͤlfe noͤthig werden sollte, dieselbe nicht zu lange zu verschieben, uͤberhaupt aber anderweitige eintre- tende Abnormitaͤten ihrer Natur nach zu behandeln. §. 1322. Sehr bejahrte Gebaͤrende , vorzuͤglich Erstgebaͤrende machen eine aͤhnliche Sorgfalt noͤthig. Meistens gebaͤren sie langsam (vorzuͤglich was die zweite Geburtsperiode anbelangt) und es ist dieses insbesondere deßhald zu beruͤcksichtigen, da- mit man nicht alsogleich an naturwidrige, das Eingreifen der Kunst noͤthig machende Abweichungen denke, vielmehr die ein- fachern Mittel, welche besonders bei Trockenheit und Enge der Genitalien die Erweiterung erleichtern (als Baͤder, Vorlegen eines mit warmem Flieder- oder Kamillenthee getraͤnkten Schwammes an die aͤußern Genitalien u. s. w.), gehoͤrig anwende. §. 1323. Ganz dieselbe Behandlung welche §. 1317 gelehrt wurde, machen ferner sowohl schwaͤchliche und sehr erregbare Constitutionen , als Koͤrper von einem mehr maͤnn- lichen Typus nothwendig, welche letztere oft trotz ihres starken Knochen- und Muskelsystems weit heftiger durch die Wehen erschuͤttert, weit fruͤher ermattct, und zum Verarbeiten der Wehen unfaͤhig gemacht werden als kleinere aber besser gebildete Frauen. — Regel ist es hierbei uͤbrigens noch, in allen Faͤllen wo die Geburtsarbeit sich ungewoͤhnlich (auf 2 ‒ 3 Tage) verlaͤngert, fuͤr die Erhaltung der Kraͤfte auch dadurch zu sorgen, daß man der Gebaͤrenden von Zeit zu Zeit etwas Bouillon mit Ei u. dergl., oder bei fieberfreien Zustaͤnden et- was Wein mit Melissenaufguß reicht. §. 1324. Was nun noch die phlegmatischen, schwammigen Koͤrper betrifft, so gebaͤren sie theils gleichfalls sehr langsam, theils sind sie leicht paßiven Blutungen in der fuͤnften Periode ausgesetzt. Hier wird es zweckmaͤßig, die Kreisende in deu ersten Perioden noch etwas zur Bewegung anzuhalten, einige Gaͤnge durchs Zimmer bringen oft bald eine etwas lebhaftere Geburtsthaͤtigkeit hervor; auch in der 3. und 4. Periode wird hier oͤfters ein Anregen zum gehoͤrigen Verarbeiten der We- hen nothwendig, zumal wenn man von dem langsamen Ver- lauf dieser Perioden fuͤr das Kind fuͤrchten muͤßte. Gleichzeitig kann unter solchen Umstaͤnden auch das Darreichen von etwas Wein und Melissenthee gestattet werden; nur huͤte man sich vor Anwendung aller aͤhnlicher Mittel, dafern sie nicht wahr- haft durch diese Einwirkung der Constitution auf den Ge- burtsverlauf gerechtfertigt sind, indem, wenn man durch die- selben die Austreibung des Kindes mehr beschleunigt, als un- umgaͤnglich nothwendig, leicht dann die Atonie im Uterus waͤh- rend der fuͤnften Periode um so nachtheiliger eintritt. Daß man uͤbrigens eben in dieser Periode vorzuͤglich behutsam ver- fahren muͤße, um nicht durch zu zeitiges Anziehen des Nabel- stranges Blutungen oder fehlerhafte Lagen des Uterus zu erregen, leuchtet von selbst ein. §. 1325. Endlich die verkruͤpelte Koͤrperbildung betreffend, so aͤußert sie waͤhrend des Geburtsgeschaͤfts zuweilen insbeson- dere dadurch Nachtheile, daß entweder das Becken an dieser Verkruͤpelung mit Antheil genommen hat, und falche Lagen des Uterus und des Kindes, so wie schwierigen Durchgang des letztern verursacht (wovon bei den oͤrtlichen Abnormitaͤten in den Geburtstheilen gehandelt werden wird), oder daß durch Ver- bildungen des Thorax die Respiration und folglich das Ver- arbeiten der Wehen erschwert wird (wovon bei den asthmati- schen Zustaͤnden die Rede seyn muß). Aeußern hingegen diese Nachtheile sich nicht, so wird oft die Geburt wenig gehindert und es macht sich eine besondere Behandlung nicht nothwen- dig; wie ich denn mehreremale kleine, verkruͤpelte Personen sehr leicht habe niederkommen sehen. 1. Oertliche organische Krankheiten außerhalb der Geburtstheile . §. 1326. Wunden, Knochenbruͤche u. s. w. wenn sie bei ein- tretendem Geburtsgeschaͤft vorhanden sind, erfordern vorzuͤglich deßhalb eine vorsichtige Leitung des letztern, weil sie durch die Anstrengungen zur Geburt leicht in ihrer Heilung ruͤckgaͤngig gemacht werden, Blutungen und aͤhnliche Zufaͤlle erregt wer- den koͤnnen. Außerdem daß man daher eine solche Kreisende zeitig die horizontale Lage annehmen laͤßt, muß besonders die Lage selbst so eingerichtet werden, daß dabei das verletzte Glied der vollkommensten Ruhe genießt, wobei man fuͤr manche Faͤlle denn auch wohl von der in England selbst fuͤr jede natuͤrliche Geburt gewoͤhnlichen Seitenlage Fuͤr die natuͤrliche Geburt ist diese Lage besonders wegen der durch das Heraufziehen der Schenkel verursachten Anspannung des Pa- rinaei nicht vortheilhaft. Gebrauch machen kann. §. 1327. Varikoͤse Geschwuͤlste machen, wo sie von bedeu- tendem Umfange, und vorzuͤglich sobald sie an den Geburts- theilen selbst befindlich sind, große Vorsicht noͤthig um das Zerspringen unter den Anstrengungen der Geburt zu verhuͤten. Man laͤßt deßhalb die Gebaͤrende stets in horizontaler Lage, macht kalte adstringirende Fomentationen auf die Geschwuͤlste selbst, laͤßt wohl bei beginnender Geburtsarbeit um dieselben noch einige Blutigel ansetzen, und gestattet kein zu starkes Verarbeiten der Wehen, weßhalb denn, dafern die Geburts- thaͤtigkeit im Uterus allein nicht zur baldigen Beendigung der Geburt hinreicht, man nicht selten zum Anwenden kuͤnstlicher Huͤlfe (vorzuͤglich durch die, hier uͤbrigens ebenfalls sehr vor- sichtig anzulegende Zange) sich genoͤthigt finden wird. Wirk- liche Zerreissung einer solchen Venengeschwulst fordert das An- wenden des Tampons und laͤngere Zeit fortgesetzten aͤußern Druck auf die blutende Stelle; sehr heftige Blutungen koͤn- nen selbst das Tourniquet noͤthig machen. §. 1328. Besonders gefaͤhrlich wuͤrde das Vorhandenseyn einer anevrysmatischen Geschwulst bei einer Gebaͤrenden seyn, und es duͤrfte hier theils die moͤglichste Ruhe, Untersagen des Verarbeitens der Wehen, und bei schwierigerm Durchgange des Kindes, Befoͤrderung desselben durch Zange oder Extraktion, theils eine vorher angewendete Venaͤsektion das einzige Mittel seyn, das Reißen derselben zu verhuͤten. §. 1329. Auch vorhandene Bruchgeschwuͤlste fordern bei Ge- baͤrenden besondere Aufsicht, da ohne dieselbe leicht Einklem- mungen sich bilden koͤnnten. Im Allgemeinen habe ich zwar meistens beobachtet, daß sich Schenkel-, Leisten-, Mutterscheiden- und Nabelbruͤche bei herannahender Geburtsarbeit von selbst zuruͤckzogen und nicht leicht bedeutende Beschwerden unter den Wehen verursachten Einzig in seiner Art ist wohl der von Sartorph beobachtete Fall, wo die Geburt (und zwar natuͤrlich) erfolgte, obgleich die ganze Gebaͤrmutter in einem großen Leisten-Bruchsacke außerhalb der Bauchhoͤhle lag. (s. Acta Reg. Societatis Med. Hafniens. Vol. V. ) . Demungeachtet fordert es die Vor- sicht, auch solche Kreisende gleich vom Beginn der Wehen an in horizontale Lage zu bringen, die Bruͤche wenn sie nicht von selbst zuruͤckgewichen sind, wo moͤglich zuruͤckzubringen, und die Bruchspalten unter den Wehen durch die aufgelegten Ballen der Hand unterstuͤtzen, die Wehen selbst aber durchaus nicht verarbeiten zu lassen. Eingetretene Einklemmungen indiciren schleunige Beendigung der Geburt auf eine der Lage der Dinge angemessene Weise; worauf dann die weitere chirurgische Be- handlung der Brucheinklemmung Statt finden muß. §. 1330. Von Vorfaͤllen kommt vorzuͤglich der des Mastdarms bei Gebaͤrenden, vorzuͤglich solchen, welche an Haͤmorrhoidal- Uebeln leiden, nicht selten vor. Auch hier ist es noͤthig die Gebaͤrende zeitig sich niederlegen, ferner zeitig fuͤr hinlaͤngliche Entleerung des Darmkanals Sorge tragen, und die erschlaff- ten Theile durch Auflegen einer mit kaltem rothem Wein be- feuchteten Compresse fleißig fomentiren zu lassen. Waͤhrend der austreibenden Wehen ferner wird gewoͤhnlich, indem man ebenfalls ein zu heftiges Pressen untersagt, die mechanische Unterstuͤtzung des Orificii ani nothwendig, und sie muß dann bis zur Beendigung der Geburt fortgesetzt werden. — Bei allen hier betrachteten Uebeln koͤnnte uͤbrigens nicht leicht ein Verfahren nachtheiliger werden, als wenn man die Geburts- arbeit auf einem Geburtsstuhle abwarten lassen wollte. — B. Von den krankhaften dynamischen Zustaͤnden, 1) in den Organen der animalen Sphaͤre . §. 1331. Es wird hier der Ort seyn, zunaͤchst der verschiedenen oͤrtlichen Schmerzen zu gedenken, welche bei Gebaͤrenden nicht selten vorkommen und das Geburtsgeschaͤft oft nicht we- nig erschweren. Es gehoͤren hierher Kopfschmerzen, Kreuz- schmerzen, Schenkelschmerzen u. s. w. welche auch hier, wie waͤhrend der Schwangerschaft, vorzuͤglich theils vom Gefaͤß- system, theils vom Nervensystem aus, bedingt werden. Beson- sonders verdienen die Aufmerksamkeit des Geburtshelfers, hef- tige, von Congestionen nach dem Gehirn abhaͤngige Kopfschmer- zen, weil sie waͤhrend der Geburtsarbeit oͤfters die Vorboten von Convulsionen oder apoplektischen Anfaͤllen zu seyn pflegen. §. 1332. Die Behandlung muß bei alle diesen Zufaͤllen zunaͤchst auf die Ursachen gerichtet seyn; Erregungen des Gefaͤßsystems fordern kuͤhles Verhalten, Genuß kuͤhlender Getraͤnke, der Li- monade u. s. w., ja selbst Blutentziehungen, so wie bei Kopf- schmerzen, kalte Fomentationen von Essig und Wasser uͤber die Stirn u. s. w. — Erregte Zustaͤnde des Nervensystems, bei hyste- rischen Personen, oder vom Drucke der Kindestheile auf die Bek- kennerven abhaͤngig, machen theils Anodyna (Frottiren der lei- denden Theile mit Liq. m. Hoffm., camphorirten Flanell, Spirit. camphor., Fomentiren mit warmen Kraͤuterkissen, Baͤder [waͤh- rend der 1. und 2. Periode], innerlich ein Dover’sches Pul- ver, etwas Liq. m. Hoffm., Essent. castor. mit Jnfus. Valerianae u. dergl.) nothwendig, theils koͤnnen sie, dafern die Kreisende besonders schwach ist, die Heftigkeit der Zufaͤlle Gefahr droht, und nach der Natur derselben ihre Beseitigung von Beendigung der Geburt nicht zu erwarten ist, selbst die kuͤnst- liche Beschleunigung der Entbindung durch eine der Lage der Dinge angemessene Operation, nothwendig machen; welches letztere uͤbrigens unter aͤhnlichen Verhaͤltnissen auch von den durch das Gefaͤßsystem bedingten Schmerzen gelten muß. §. 1333. Was die Zustaͤnde der Bewußtlosigkeit , der Ohn- macht und des Scheintodes betrifft, so kann hieruͤber voͤllig auf das, was hiervon oben bei den Krankheiten der Schwangern (§. 1032. u. f.) gesagt worden ist, zuruͤckge- wiesen werden. Wie waͤhrend der Schwangerschaft, treten sie auch hier entweder als Folge krankhafter Zustaͤnde des Gefaͤß- systems (und so am haͤufigsten und gefaͤhrlichsten) ein, oder erscheinen als idiopathische Krankheitszustaͤnde im Nervensystem, woruͤber a. a. O. die besondern Kennzeichen aufgefuͤhrt wor- den sind. — Im Allgemeinen kann man annehmen, daß schnell voruͤbergehende Erschoͤpfungen und Ohnmachten nach jedesmaligen Wehen nicht viel auf sich haben, ja oft mehr zum Sammeln der Kraͤfte beitragen, tiefere Ohnmachten hin- gegen immer bedenklich sind, und theils die ganze oben (§. 1037.) ausfuͤhrlicher angegebene Behandlungsweise, theils, dafern der Muttermund sattsam eroͤffnet und der vorangehende Kindestheil ins Becken eingetreten ist, schon in Hinsicht auf das Kind selbst die Beschleunigung der Geburt erheischen. Mit Anwendung der gewaltsamen Entbindung in den fruͤhern Zeitraͤumen der Geburt, muß hier eben so vorsichtig wie waͤh- rend der Schwangerschaft verfahren werden. Eingetretener Scheintod oder wahrer Tod machen das fuͤr die Behandlung solcher Faͤlle oben (§. 1040) angezeigte Verfahren nothwendig. §. 1334. Was die Organe der Bewegung betrifft, so zeigen sich dieselben bei der Geburt theils im Zustande großer Erschoͤpfung, oder uͤberreitzter Thaͤtigkeit. Wahrer Mangel an Kraͤf- ten ist die Folge vorausgegangener Krankheiten, deprimirender Affekte, unguͤnstiger Lebensverhaͤltnisse, schlechter Constitution, erlittener Blutungen u. s. w., und giebt sich durch Beruͤcksich- tigung der ursachlichen Momente des allgemeinen Habitus und vornehmlich des Pulses zu erkennen. Es muß auch hier die schonende Behandlung welche oben (§. 1321.) gelehrt wurde, eintreten, es muß das, was zur Aufrichtung der Kraͤfte waͤh- rend eines langsamern Geburtsverlaufs geschehen kann, nicht versaͤumt werden (§. 1323.), ja es kann auch hier, nament- lich wenn oͤrtliche Unthaͤtigkeit im Uterus, oder andere Hin- dernisse der Geburt sich vorfinden, zuweilen die operative Kunst- huͤlfe nothwendig werden. — Anmerkung . Von dieser wahren Schwaͤche muß uͤbri- gens sorgfaͤltig die nur scheinbare unterschieden wer- den. Oefters naͤmlich klagen sehr empfindliche oder auch etwas phlegmatische Personen schon uͤber die groͤßte Er- schoͤpfung, obwohl nur Mangel einiger Standhaftigkeit, oder Traͤgheit die Quelle der Klagen sind; der Puls zeigt sich dabei natuͤrlich, und einige Ermahnungen und Anregungen sind dann allein am Platze. Eben so fuͤh- len sich Personen welche an Congestionen leiden, oft auffallend matt, allein hier ist es bloße Unterdruͤckung der Kraͤfte, und Antiphlogistica allein dienen dann zur Belebung der Thaͤtigkeit, wenn dagegen erregende Mit- tel den krankhaften Zustand verstaͤrken muͤßten. §. 1335. Es ist ferner von einem der fuͤrchterlichsten Zufaͤlle, wel- che Gebaͤrende betreffen koͤnnen, zu sprechen, naͤmlich von den Kraͤmpfen oder Zuckungen (Convulsiones, Eclampsia par- turientium). Es erscheinen dieselben bei Gebaͤrenden eben so wie bei Schwangern unter sehr verschiedenen Formen. Eines Theils naͤmlich sind es Anfaͤlle, wo ein Vibriren aller Mus- keln allein den krampfhaften Zustand bezeichnet (Tremor ar- tuum), welche Form bei reitzbaren Subjekten sehr haͤufig, na- mentlich waͤhrend der vierten Geburtsperiode bemerkt wird, mehr Wirkung des heftigen Schmerzes, und daher selten von großer Gefahr begleitet zu seyn pflegt. §. 1336. Ferner gehoͤren hierher die eigentlichen Zuckungen, wo entweder nach vorausgegangenen Kopfschmerzen, Fieberbewe- gungen, Ruͤckenschmerzen, Schluchzen u. s. w., oder auch ploͤtz- lich und ohne alle Vorboten, entweder bei fortdauerndem Be- wußtseyn, oder bei voͤlliger Bewußtlosigkeit, eigentliche Con- vulsionen ausbrechen, unter Zaͤhneknirschen (wobei leicht die Zunge verletzt wird), Schaͤumen, Blauwerden des Gesichts fast alle willkuͤhrlichen Muskeln in die heftigsten Agitationen gera- then, Opistotonus, Emprostotonus, Trismus abwechselnd sich zeigen, und die Gefahr mannigfaltiger Beschaͤdigungen ja selbst der Zerreißung der Gebaͤrmutter drohen. — Die Periode wo diese Zuckungen eintreten, ist verschieden, bald die zweite, dritte, vierte, bald auch wohl die fuͤnfte oder selbst die Zeit nach der fuͤnften. — Voͤlliger Starrkrampf (Tetanus), oder Erstarrung der Glieder bei ruͤckbleibender waͤchserner Biegsam- keit (Catalepsis), ist bei Gebaͤrenden gewiß ein hoͤchst seltener Zufall. §. 1337. Was die Entstehungsweise dieser Zufaͤlle betrifft, so muͤssen wir insbesondere auf das was uͤber die Entstehung der Zuckungen waͤhrend der Schwangerschaft gesagt worden ist, zuruͤckweisen (§. 1043. u. f.), und so wie dort, liegt auch hier die wesentliche Ursache theils in Krankheitszustaͤnden des Nervensystems, theils in abnormen Stimmungen des Gefaͤß- systems, und vorzuͤglich in Anhaͤufung der Blutmasse in den Gefaͤßen des Gehirns. Fuͤr beide Arten der naͤchsten Ursache sind indeß waͤhrend der Geburtsarbeit die Veranlaßungen noch haͤufiger als waͤhrend der Schwangerschaft; die Geburtsschmer- zen naͤmlich werden das Nervensystem heftig erschuͤttern und von dieser Seite den Ausbruch des Uebels beguͤnstigen koͤnnen, dahingegen die Erhitzung des Koͤrpers, zugleich aber der bei vor sich gehender Verkleinerung des Uterus erfolgende Ruͤck- tritt eines betraͤchtlichen Antheils der gesammten Blutmasse in das allgemeine Gefaͤßsystem aus den Venenzellen des Uterus Ich habe hierauf, in wiefern es, besonders nach dem erfolgten Ab- gange der Placenta, Zuckungen veranlassen kann, aufmerksam ge- macht in Hufel. Journal f. pr. Heilk. 1816. Decbr. , von der andern Seite dasselbe hervorzurufen im Stande sind. §. 1338. Die Prognose muß fuͤr die unter der Geburt, einem an sich so kritischen Zeitpunkte, ausbrechenden Zuckungen noch unguͤnstiger, als fuͤr die waͤhrend der Schwangerschaft sich zei- genden ausfallen; und zwar theils fuͤr das Kind, theils fuͤr die Mutter. Das erstere stirbt dabei leicht ab, die letztere wird da- bei zu dem fuͤr die Geburt noͤthigen Verhalten unfaͤhig ge- macht, und ist daher der Gefahr der Blutungen u. s. w., noch außer den den Convulsionen an sich eigenen Gefahren unterworfen. Die uͤbrigen oben (§. 1047.) angegebenen Mo- dificationen der Prognose gelten auch hier; auch bei der Ge- burt sind die habituellen Convulsionen demnach weniger ge- faͤhrlich, Hiervon machen nur Faͤlle Ausnahme, wo bedeutende organische Fehler, namentlich in den Gefaͤßen die Ursache der Anfaͤlle waren; so verlor ich einst eine schon fruͤher mit Epilepsie behaftete Krei- sende bei einem Anfalle dieser Art, und die Sektion zeigte Berstung eines aufgeschwollenen krankhaften Plexus choroideus im Gehirn. ja ich habe oͤfters bei Gebaͤrenden welche sonst oͤfters an Epilepsie litten, diese Anfaͤlle gerade unter der Ge- burt gar nicht eintreten sehen. Guͤnstiger ist es ferner wenn die Zuckungen uͤberhaupt mehr von heftiger Nervenreitzung ab- haͤngig sind, wenn die Ursache derselben in Schmerzhaftigkeit des Geburtsgeschaͤfts zu suchen ist, und die Umstaͤnde die Moͤg- lichkeit einer schnellen und leichten Beendigung der Entbindung durch die Kunst versprechen. — Betreffen diese Zufaͤlle hinge- gen vollsaftige Koͤrper, und repetiren sie schnell nacheinander, so werden sie sehr haͤufig toͤdtlich. — §. 1339. Auch was die Behandlung dieser Zufaͤlle betrifft, muß auf die schon oben (§. 1048. u. f.) gegebenen Regeln verwie- sen werden, besondere Aufmerksamkeit jedoch ist auf folgende Punkte zu wenden: 1) daß die Kreisende auf einem ziemlich horizontalen Lager erhalten werde, indem hier ihr Koͤrper am besten gegen Beschaͤdigungen geschirmt werden kann; 2) daß man selbst die etwa noͤthig werdenden kuͤnstlichen Huͤlfsleistun- gen, dafern die Natur derselben es einigermaaßen gestattet, auf dem Geburtsbett, außerdem aber auf dem Querlager an- wende, nie aber dergleichen Personen auf einen Geburtsstuhl bringen lasse. 3) Daß die Gebaͤrende nicht zu sehr an allen Gliederbewegungen waͤhrend der Anfaͤlle gehindert werde; 4) daß man besonders die freien Zwischenraͤume zwischen zwei Aufaͤllen, zur Anwendung der kraͤftigsten innern und aͤußern Mittel benutze; 5) daß man, dafern die Eroͤffnung des Mut- termundes und das Eingetretenseyn des Kindestheils eine bal- dige und leichte Entbindung moͤglich machen, diese stets voll- ende, indem zwar keinesweges dadurch allein die Zuckungen immer gehoben werden, jedoch nicht selten wenigstens einer der Reitze welche diese Zufaͤlle herbeifuͤhrten, beseitigt, nament- lich aber die Gefahr welche dem Kinde droht, dadurch ver- mindert wird. §. 1340. Was uͤbrigens ruͤcksichtlich der gewaltsamen Entbindung bei Convulsionen der Schwangern bemerkt worden ist (§. 1053.) findet auch auf die Convulsionen bei Gebaͤrenden in den ersten Perioden der Geburt Anwendung, naͤmlich daß jene Operation ein Mittel sey, wodurch oft mehr geschadet als genuͤtzt werde, und dessen Anwendung die groͤßte Vorsicht erfordere. Nur in Faͤllen daher, wo der sehr nachgiebige schlaffe Muttermund einer Mehrgebaͤrenden eine leichte Erweiterung verspricht, wo die andern Huͤlfsmittel unwirksam bleiben und der krankhafte Zustand wesentlich nur von dem fortgehenden Geburtsreitze unterhalten wird, ist davon wirklich Gebrauch zu machen. Meistentheils jedoch darf man von den allgemeinen und oͤrt- lichen Blutentziehungen, kalten Umschlaͤgen auf den Kopf, ab- leitenden Mitteln, reitzenden Lavements u. s. w. bei dem durch Congestion bedingten Leiden; bei hysterischen und aͤhnlichen Subjekten hingegen, und nach gehobenen Ueberfuͤllungen der Blutgefaͤße in den Centralorganen der Sensibilitaͤt, von der Anwendung der Baͤder, der Stuͤtz ’schen Methode, des Mo- schus, der antispasmodischen Fomentationen und Injektionen, des Castoreums, des Camphers, Extr. Hyoscyami, . Asae fötid. des Dover’schen Pulvers u. s. w. die wohlthaͤtigste Wirkung erwarten. 2. Krankhafte Zustaͤnde der vegetativen Sphaͤre . §. 1341. 1) Verdauungswerkzeuge . Von den mannigfalti- gen Krankheitszustaͤnden dieses Systems welche sich waͤhrend der Geburt vorfinden koͤnnen, verdienen hier vorzuͤglich das krampfhafte Erbrechen und Schluchzen, so wie die Colikschmer- zen und Obstruktionen eine naͤhere Betrachtung. §. 1342. Krampfhaftes Schluchzen (Singultus) und Er- brechen , von denen das letztere nur als der hoͤchste Grad des erstern angesehen zu werden verdient, unterscheiden sich von dem auch bei natuͤrlichen Geburten nicht selten vorkom- menden Erbrechen vorzuͤglich durch Hartnaͤckigkeit, Schmerzhaf- tigkeit, durch Uebergehen in ein anhaltendes leeres Wuͤrgen. Es kommt vorzuͤglich bei Personen vor, welche durch große Reizbarkeit, Neigung zu Kraͤmpfen, rigiden Koͤrperban uͤber- haupt sich auszeichnen und hat sehr haͤufig eine schwere Ge- burtsarbeit, unregelmaͤßige Zusammenziehungen des Uterus und Unvermoͤgen zu gehoͤrigem Verarbeiten der Wehen zur Folge. §. 1343. Bei Behandlnng dieser Zufaͤlle muß, außerdem daß oͤrt- liche Ursachen des Erbrechens z. B. eingeklemmte Bruͤche, falsche Lagen der Gebaͤrmutter u. s. w. beruͤcksichtigt und ih- rer Natur nach behandelt werden muͤssen, vorzuͤglich darauf Ruͤcksicht genommen werden, in welchem Grade das Gefaͤßsy- stem dabei aufgeregt sey. Heftige Erregungen desselben, durch allgemeinen Blutreichthum, Haͤrte und Frequenz des Pulses, Durst, stechende Schmerzen in den Praͤkordien angezeigt, ma- chen ein antiphlogistisches Verfahren, Ruhe, maͤßige Tempera- tur, selbst allgemeine Blutentziehungen durchaus noͤthig. Rei- ner krampfhafter Zustand, durch Abwesenheit obiger Zufaͤlle so wie durch allgemeine Constitution angezeigt, fordert hingegen die Anwendung beruhigender narkotischer Mittel: allgemeine Baͤder (in der fruͤhern Periode der Geburt), Fomentationen mit ausgerungenen in den Aufguß der Flor. Chamomill., Hb. Hyoscyami, Hb. Serpilli, getauchten Flanellen, Ein- reibungen von dem Oleo Hyoscyami, Anordnung alles des- sen was zur leichtern Eroͤffnung des Muttermundes und Ver- minderung der Schmerzhaftigkeit der Geburt beitragen kann, ferner die Anwendung erweichender Lavements, innerlich die Anwendung einiger Tropfen der . thebaica mit einem Eß- loͤffel der Mohnsamenemulsion oder des Aufgußes der Vale- riana, des Liq. C. C. u. s. w. Eben dieselbe Behandlung wird eintreten muͤssen, wenn nach fruͤher indicirter antiphlo- gistischer Behandlung, unternommener Blutentziehung u. s. w., die krampfhaften Zusammenziehungen im Zwerchfell und Ma- gen fortdauern. — Waͤhrend der dritten und vierten Periode anhaltende Zufaͤlle dieser Art, noͤthigen uͤbrigens zuletzt nicht selten, dafern die Wehen selbst dadurch gestoͤrt werden, und der Geburtsverlauf zu sehr sich verzoͤgert, zum Eingreifen ei- ner nach der Lage der Umstaͤnde anzuordnenden operativen Kunsthuͤlfe. §. 1344. Die Colikschmerzen betreffend, so machen diese fast auf gleiche Weise wie die vorherbeschriebenen Zufaͤlle, den Ge- burtsverlauf schmerzhaft und langwierig. Die Umstaͤnde unter welchen sie entstehen, sind den bei dem krampfigen Erbrechen aufgezaͤhlten sehr aͤhnlich, nur ist zu bemerken, daß außerdem haͤufig Erkaͤltungen, gastrische Zustaͤnde und Aufblaͤhung des Darmkanals dabei mitwirken. Die Behandlung ist ebendeß- halb von der im vorigen §. beschriebenen fast gar nicht ver- schieden, nur daß vorzuͤglich auf hinlaͤngliche Entleerung des Darmkanals dabei Ruͤcksicht genommen werde. Hartnaͤckige Obstruktionen sonach, welche sich entweder mit oder ohne diese Zufaͤlle zeigen, fordern zu Anfange der Geburt die An- wendung eines abfuͤhrenden Mittels z. B. des Oleum Ri- cini, einer Aufloͤsung von ℥β bis ℥ j Sal amarum, Manna u. s. w. so wie die Anwendung erweichender Lavements. §. 1345. 2) Athmungswerkzeuge . Es sind hier vorzuͤglich die asthmatischen Beschwerden zu erwaͤhnen, welche uͤbrigens von sehr verschiedenen Zustaͤnden bedingt werden koͤnnen, wohin Brustwassersucht, Verwachsung der Lungen mit der Pleura, Degenerationen der Lungensubstanz, Fehler der großen Gefaͤße und des Herzens u. s. w., so wie endlich auch der Zustand der Congestion und des Krampfs gehoͤren. — Die Wirkung asthmatischer Zustaͤnde auf das Geburtsgeschaͤft besteht aber vorzuͤglich in Hinderung der sonst so zweckmaͤßigen horizontalen Lage, so wie in Hinderung des kraͤftigen Verarbeitens der Wehen, außerdem aber ist zu bemerken, daß, dafern diese Zu- faͤlle von betraͤchtlichern Desorganisationen oder Wasserergießun- gen in der Brusthoͤhle abhaͤngen, sie theils waͤhrend der Ge- burt auch leicht zu Entstehung von Ohnmachten und Convul- sionen, theils nach der Geburt selbst zu toͤdtlichen Suffocatio- nen Veranlassung geben; welches erklaͤrlich wird, wenn man sich an das erinnert, was fruͤher uͤber das Eintreten und die Bedeutung der Lungenfunktion nach der Geburt bemerkt wor- den ist. (s. §. 866.) §. 1346. Außer den Congestionen nach der Brust und den Brust- kraͤmpfen sind nun also die Ursachen asthmatischer Beschwer- den bei Kreisenden gewoͤhnlich chronische Zustaͤnde, deren Hei- lung folglich waͤhrend des Geburtsaktes selbst keinesweges zur Aufgabe des Arztes werden kann. Fuͤr diese Art der Be- schwerden wird sonach eine mehr palliative Behandlung eintre- ten muͤssen, welche namentlich in Folgendem besteht: — Man ordnet zunaͤchst diesen Kranken das Geburtslager dergestalt an, daß sie in mehr sitzender Haltung darauf sich befinden, ja es sind dieses Geburtsfaͤlle, wo ein guter Geburtsstuhl allerdings empfohlen zu werden verdient. Eine zweite Ruͤcksicht erfordert die Zimmerluft, welche sehr rein und nur maͤßig warm seyn darf. Drittens ist auf Vermeidung aller irgend beengenden Kleidungsstuͤcke zu halten, und endlich kein starkes Verarbeiten der Wehen zu erlauben, vielmehr wo die Thaͤtigkeit des Ute- rus allein nicht ausreicht, von der operativen Kunsthuͤlfe Ge- brauch zu machen. §. 1347. Ruͤhrt hingegen die Engbruͤstigkeit von Blutanhaͤufung her, welches aus Beruͤcksichtigung vorhergegangener Zustaͤnde, des Pulses, der Constitution und der Gelegenheitsursachen ge- woͤhnlich bald sich ergiebt, so wird eine unternommene Venaͤ- sektion, die Anwendung ableitender Mittel, es werden kuͤhlende saͤuerliche Getraͤnke u. s. w. voͤllig angemessen seyn; und es wird hinwiederum bei spasmodischen Zustaͤnden, deren Erkennt- niß durch Beruͤcksichtigung derselben Momente erworben wird, die Anwendung warmer Fomentationen uͤber die Brust, Frik- tionen derselben und der Ruͤckengegend mit fluͤchtig reitzenden Stoffen (z. B. Spirit. serpilli oder camphorat. durch etwas Spirit. sal. ammon. caust. verstaͤrkt), reitzende Umschlaͤge um die Fuͤße, innerlich das Extractum Hyoscyami, den Liq. C. C. succ. die . Valerian. aeth. u. s. w. nebst dem Einhauchen milder Daͤmpfe, die vorzuͤglichsten Dienste leisten. — Ganz nach denselben Grundsaͤtzeu sind auch An- faͤlle von heftigem Husten zu behandeln, nur daß hierbei, wo schon waͤhrend der Schwangerschaft das Tragen einer Bauchbinde aͤußerst nuͤtzlich ist, dieselbe auch waͤhrend der Ge- burtsarbeit beibehalten werden muß. §. 1348. 3. Absonderungswerkzeuge . Von diesen machen nur die Harnwerkzeuge, sobald deren Ausleerung sich waͤhrend der Geburt gehindert zeigt, eine besondere Beruͤcksichtigung noͤthig. Auch hierbei kommt es indeß, waͤhrend des Geburts- aktes selbst, zunaͤchst auf palliative Huͤlfsleistung d. i. auf augenblickliche Entleerung der Blase an, da anderweitige Ur- sachen der Ischurie gewoͤhnlich erst nach der Entbindung eine radicale Behandlung zulassen, und dann ganz auf die Weise, wie fruͤher bei der Ischurie der Schwangern angegeben wurde, zu behandeln sind. — Die Entleerung der Blase aber wird moͤglich, theils bei Compression der Urethra vom vorliegenden Kindestheile, durch das gelinde Aufheben des letztern von der Mutterscheide aus, theils durch Einfuͤhrung eines Katheters, wo man, im Falle starker Zusammendruͤckung der Harnroͤhre, sich selbst eines feinen maͤnnlichen mit Nutzen bedienen kann. Blasenkraͤmpfe machen wie bei Schwangern, beruhigende Fo- mentationen, Injektionen u. s. w. nothwendig. §. 1349. 4. Gefaͤßsystem. Der Ueberfluß an Blutmasse, die Congestionen und Fieberbewegungen , sind schon im Vorhergehenden mehreremale als Ursachen anderweitiger krankhafter Erscheinungen erwaͤhnt, und die dafuͤr zweckmaͤßi- gen Behandlungsweisen genannt worden, so daß wir deßhalb hier nur bemerken, daß die Beruͤcksichtigung und zeitig einge- II. Theil. 27 leitete zweckmaͤßige antiphlogistische Behandlung um so mehr zu empfehlen ist, da sie zur Verhuͤtung anderer Beschwerden (Kopfschmerz, Ohnmachten, Zuckungen) von so großer Wich- tigkeit ist. Auch Blutungen aus andern als den Ge- schlechtsorganen koͤnnen bei Kreisenden vorkommen, und sind dann gewoͤhnlich das Produkt der krankhaften Disposition ein- zelner Organe und einer abnormen Erregung des Gefaͤßsystems. §. 1350. Es gehoͤren hierhin z. B. die Haͤmorrhoiden . Zwar ist es selten der Fall, daß bei Gebaͤrenden welche uͤberhaupt Disposition zu Haͤmorrhoidalcongestionen haben, wirkliche Blut- ergießungen aus diesen Gefaͤßen waͤhrend der Geburt sich ereignen, allein um so haͤufiger ist es, daß betraͤchtliche Haͤ- morrhoidalknoten sich auftreiben, und der Gebaͤrenden sowohl unter als nach der Geburt viele Schmerzen verursachen. — Es ist hierbei zuvoͤrderst auf hinlaͤngliche Entleerung des Darm- kanals Ruͤcksicht zu nehmen, im Falle betraͤchtlicher allgemei- ner Plethora eine Venaͤsektion nicht unzweckmaͤßig, und bei sehr aufgetriebenen Haͤmorrhoidalknoten im Beginn der Geburtsar- beit, selbst das Anlegen von 6—10 Blutigeln zu empfeh- len. Waͤhrend der Wehen der dritten und vierten Periode ferner ist heftiges Pressen zu vermeiden, das Ueberschlagen kuͤhlender Fomentationen und eine mechanische Unterstuͤtzung der leidenden Theile zweckmaͤßig. §. 1351. Von andern Blutungen kommt vorzuͤglich Nasenblu- ten, Blutspucken und Blutbrechen zuweilen bei Ge- baͤrenden vor. Das erstere zeigt sich gewoͤhnlich als Entschei- dung von Congestionen gegen den Kopf und macht außer dem antiphlogistischen Regimen kaum eine besondere Behandlung noͤthig. Das Blutspucken hingegen zeigt sich namentlich bei phthisischen Personen und kann leicht gefaͤhrlich werden, weß- halb außer dem antiphlogistischen allgemeinen Verhalten und ableitenden Mitteln (z. B. Senffomentationen um die Fuͤße) oͤfters das Eingreifen der Kunst zur Beendigung der Geburt unentbehrlich seyn wird. Daß dieses letztere noch weit eher der Fall seyn muͤße, wenn zugleich Regelwidrigkeiten im Ge- burtsverlaufe selbst z. B. Blutungen, schwieriger Geburtsver- lauf wegen zu betraͤchtlicher Staͤrke des Kindes Eben so wie Hr. v. Siebold (Lehrb. d. Frauenzkrhtn. 2. Bd. S. 406.) habe ich einigemal bei phthisischen Personen sehr große Kinder entbunden; es scheint dieß auf demselben Grunde zu be- ruhen, welcher den staͤrkern Sexualtrieb bei maͤnnlichen Schwind- suͤchtigen bedingt. sich vor- finden, ergiebt sich von selbst. — Dasselbe gilt auch von der Behandlung des Blutbrechens. §. 1352. Es ist jetzt noch uͤbrig, von der Behandlung der Krei- senden welche an andern Krankheiten z. B. Gicht, Wassersuchten, Entzuͤndungen, Fiebern u. s. w. leiden, einige Bemerkungen beizufuͤgen. Allgemein guͤltige Gesetze lassen sich indeß, begreiflicher Weise, bei so mannigfaltigen Complicatio- nen als hier moͤglich sind, nicht wohl aufstellen, und es ist daher nur fuͤr alle solche Faͤlle die Regel zu beobachten, daß man sorgfaͤltig erwaͤge in wieweit zu befuͤrchten stehe, daß theils die vorhandene Krankheit den Geburtsverlauf stoͤren, theils die mit dem Geburtsverlauf verbundene Anstrengung die Krankheit zu einer gefahrdrohenden Hoͤhe steigern koͤnne? — Hat man dieses gehoͤrig erwogen, so wird es nicht schwer seyn, ein fuͤr den Geburtsverlauf zweckmaͤßiges Verhalten an- zuordnen, welches vorzuͤglich in moͤglichster Schonung der Ge- baͤrenden und Verminderung der Schmerzhaftigkeit des Ge- burtsverlaufs, endlich aber auch haͤufig in dem zur rechten Zeit Eintreten vorsichtiger operativer Kunsthuͤlfe bestehen muͤs- sen wird. II. Von den oͤrtlichen krankhaften Zustaͤnden der Geburtstheile . 1. Von den krankhaften Zustaͤnden der Gebaͤr- mutter, waͤhrend der Entbindung . a. Krankhafte Thaͤtigkeit derselben: 1) krankhafte Sensibilitaͤt . §. 1353. 1) Zu sehr erhoͤhte Sensibilitaͤt . Sie zeigt sich namentlich bei sehr zartgebauten Koͤrpern, und namentlich Erstgebaͤrenden, sowohl solchen welche sehr jung, als solchen welche schon in den Jahren zu weit vorgeruͤckt sind; bei Per- sonen welche an schmerzhafter Menstruation gelitten haben, und wo die Wehen selbst oft unregelmaͤßig (krampfhaft) sich zeigen. Der Zustand giebt sich gemeiniglich schon durch sehr lange Dauer der ersten vorhersagenden Periode zu erkennen, waͤhrend der Eroͤffnung des Muttermundes aber nehmen die Wehen an Schmerzhaftigkeit zu, geben zu unruhigem Verhal- ten und dadurch zu Blutungen u. s. w. Veranlassung, hin- dern, waͤhrend der dritten und vierten Periode ein gehoͤriges Verarbeiten der Wehen und erschoͤpfen die Kraͤfte dergestalt, daß zuletzt leicht die Natur zur Beendigung der Geburt un- vermoͤgend wird. — Die Behandlung kann hierbei nur passiv seyn, ein lauwarmes durch Beimischung von Chamillen und Valeriana-Aufguß verstaͤrktes Bad waͤhrend der ersten Geburts- periode, spaͤterhin Fomentationen, moͤglichste Ruhe, ein kuͤh- lendes beruhigendes Getraͤnk, ein Dover’sches Pulver, narko- tische, erweichende Injektionen in die Vagina u. s. w. werden das wichtigste seyn was hierbei angeordnet werden kann. Be- merkt muß uͤbrigens noch werden, daß der Arzt hierbei sich nie durch vieles Klagen allein zur kuͤnstlichen Huͤlfe bewegen lassen darf, indem ein bloßer Tumult des Nervensystems, wenn er auch aͤußerlich schreckhaft erscheint, doch so lange die Funk- tionen der uͤbrigen Organe nicht wesentlich getruͤbt sind, kaum so leicht gefaͤhrlich wird. — Nur Stoͤrungen des regelmaͤßi- gen Lebens auch in andern Gebilden oder wahre Schwaͤche und sonstige Regelwidrigkeiten in der Geburtsverrichtung koͤn- nen daher zum operativen Verfahren hierbei berechtigen. §. 1354. 2) Zu sehr verminderte Sensibilitaͤt . Sie aͤußert sich besonders durch fast gaͤnzliche Schmerzlosigkeit der Wehen, so wie durch einen gemeiniglich sehr raschen Geburts- verlauf, und kommt vorzuͤglich bei Mehrgebaͤrenden zumal von schlaffem Koͤrperbau, phlegmatischem Temperament und breiten Huͤften vor. Dieser Zustand kann nun zwar waͤhrend der Geburt selbst nicht leicht ein besonderes Verhalten noͤthig machen, da der Nachtheil und die Gefahr desselben vor- zuͤglich darin besteht, daß die Frau von der Geburt uͤber- rascht wird, und das Kind durch das ploͤtzliche Hervorstuͤrzen den groͤßten Beschaͤdigungen unterworfen ist, allein in gerichtlicher Hinsicht werden Faͤlle dieser Art oft um desto wichtiger, da sie nicht selten Verdacht einer absichtlichen Verheimlichung der Geburt und vorsaͤtzlich veranlaßten Beschaͤdigung des Kindes erregen. — Daß indeß nun wirklich zuweilen die voͤllige Er- oͤffnung des Muttermundes, ja das Hervordraͤngen des Kindes bis gegen die aͤußern Geburtstheile, fast ohne alles Gefuͤhl von Zusammenziehungen im Uterus erfolgen kann , ist keinem Zweifel unterworfen, und ich habe daruͤber die unzwei- deutigsten Beobachtungen; allein ob man in irgend einem besondern Falle die Entschuldigung nicht gefuͤhlter Wehen fuͤr den uͤbereilten Geburtsverlauf gelten lassen kann , ist nach den uͤbrigen Umstaͤnden und der Individualitaͤt der Per- son selbst abzumessen. Anmerkung . Es ist hierbei nicht unwichtig anzufuͤhren, daß in mehrern Faͤllen wo aus diesem Grunde ein ploͤtz- liches Hervorstuͤrzen des Kindes Statt fand, doch selten sehr gefaͤhrliche Verletzungen dadurch am Kinde selbst hervorgebracht wurden. Beispiele dieser Art habe ich theils selbst mehrfach beobachtet, theils hat Hr. Klein (Bemerkungen uͤber die Folgen des Sturzes der Kinder auf den Boden, bei schnellen Geburten. Stuttgart 1817) viele Faͤlle der Art gesammelt. 2) Krankhafte Gefaͤßthaͤtigkeit im Uterus waͤhrend der Geburt . §. 1355. Congestionen und Blutungen . Eben so wie eine allgemeine Vollbluͤtigkeit der Geburtsthaͤtigkeit hinderlich seyn kann, so zeigen sich bei Frauen in deren schwammigem voll- saftigem Koͤrper das Venensystem ein zu betraͤchtliches Ueber- gewicht hat, und wo aufgetriebene Venengeflechte an den Schamtheilen, oder ungewoͤhnliches Gefuͤhl von Spannung, Waͤrme und Druck im Uterus, auf Ueberfuͤllung der Uterin- venen schließen lassen, ebenfalls die Wehen oft ungewoͤhnlich schmerzhaft; heftige Kreuzschmerzen quaͤlen die Kreisenden auch außer den Wehen, ja die Wehen selbst sind ohne Energie. §. 1356. Die Behandlung muß hierbei ganz antiphlogistisch seyn, kuͤhles Verhalten, saͤuerliche Getraͤnke, hinlaͤngliche Entleerung des Darmkanals sind vorzuͤglich nothwendig; ist jedoch die Hinderung des Geburtsgeschaͤfts bedeutend, so werden allge- meine Blutentziehungen ganz unentbehrlich, und koͤnnen dann als wahre Geburtsbefoͤrdernde Mittel betrachtet werden. — Blutungen aus dem Uterus entstehen waͤhrend der Geburt fast nur durch normwidriges Verhalten der Eihuͤllen und der Placenta, aus den Anheftungsstellen derselben, woruͤber denn das Naͤhere bei der Atonie des Uterus und den regelwidrigen Verbindungen der Frucht mit demselben erwaͤhnt werden wird. Andere Formen der Metrorrhagie sind hierbei nur moͤglich etwa durch Aufspringen einer varikoͤsen Vene am Mutter- munde, welches auch in dieser Periode das Tamponiren, und im aͤußersten Falle, wo vor Entleerung des Uterus die Blu- tung gar nicht zum Stehen zu bringen ist, selbst die kuͤnst- liche Befoͤrderung der Entbindung erfordern wuͤrde. §. 1357. Entzuͤndung des Uterus waͤhrend der Ge- burt . — Es ist hierbei an alles das, was fruͤher uͤber die Metritis der Nichtschwangern und Schwangern gesagt worden ist, zuvoͤrderst zu erinnern, und dann nur noch Einiges uͤber die Art wie sie sich hier aͤußert und behandelt werden muß, beizufuͤgen. — Meistens geht aber die Gebaͤrmutterentzuͤn- dung waͤhrend der Geburt vom Muttermunde aus, dessen Anschwellung Man findet hierbei zuweilen eine (vorzuͤglich die vordere) Mut- termundslippe so stark angeschwollen, daß Ungeuͤbte sie wohl mit einer Blase verwechseln koͤnnten. , erhoͤhte Temperatur, sehr vermehrte Empfind- lichkeit das Uebel, und zwar gemeiniglich waͤhrend der zwei- ten Periode, hinreichend bezeichnen. Steigt die Entzuͤndung hoͤher, so breitet sie sich wohl uͤber den gesammten Uterus aus, und giebt sich dann durch große Empfindlichkeit des Un- terleibes bei der Beruͤhrung, aͤußerste Schmerzhaftigkeit der Wehen, Fieberbewegungen, und die uͤbrigen bei fruͤherer Be- trachtung der Metritis erwaͤhnten Symptome zu erkennen. §. 1358. Die Veranlassung zu dieser Form der Metritis giebt theils allgemeine, zu Entzuͤndungen hinneigende Disposition, theils oͤrtlich gesteigerte Empfindlichkeit; ferner schwierige Er- oͤffnung des Muttermundes, zeitiger Wasserabgang, tief her- abgesunkener vorliegender Kindestheil, zu zeitiges Pressen, zu haͤufiges Untersuchen, Ausdehnungsversuche am Muttermunde, innerlich genommene erhitzende, treibende Mittel u. s. w. — Spaͤterhin kann denn auch der verzoͤgerte Austritt des Kindes wegen falscher Lage desselben, Engigkeit des Beckens u. s. w. zu Entzuͤndung fuͤhren, eben so aber kann sie auch durch Nachgeburtszoͤgerungen, und rohe Operationen veranlaßt werden. §. 1359. Die Prognose richtet sich hierbei nach dem Grade des Uebels Leichtes Anschwellen und Entzuͤnden am Muttermunde pflegt nicht leicht gefaͤhrlich zu werden, dahingegen ein jeder heftigerer und ausgebreiteter Entzuͤndungszustand, nicht nur den Geburtsverlauf aͤußerst schmerzhaft macht und die regelmaͤßige Wirkung der Geburtskraft uͤber lang oder kurz hindert, son- dern theils fuͤr das Kind gefaͤhrlich wird (indem ich immer beobachtet habe, daß Kinder bei entzuͤndlichem Zustande im Uterus leichter abstarben), theils aber sich uͤber das Geburts- geschaͤft hinaus fortsetzt, und dadurch selbst zu Entstehung des Puerperalfiebers Veranlassung geben kann. §. 1360. Die Behandlung muß ebenfalls, dem Grade der Hef- tigkeit des Uebels gemaͤß, verschieden seyn. Fuͤr die begin- nende Entzuͤndung des Muttermundes paßt vorzuͤglich, naͤchst Beseitigung fortwaͤhrend einwirkender Gelegenheitsursachen, die Anwendung oͤrtlicher erweichender, reizvermindernder Mittel; es gehoͤren dahin die schleimigen, oͤhligen oder aus Milch mit Zusaͤtzen des Infus. Hb. Hyoscyami, Hb. Cicut., Flor. Cha- momill. u. s. w. bereiteten Injektionen, die ganzen Baͤder, die Fomentationen mit Flanelltuͤchern welche in den Aufguß der Kamillenblumen u. s. w. getaucht sind und uͤber die Ge- burtstheile gelegt werden; im Allgemeinen aber ein antiphlo- gistisches Verfahren. — Hoͤhere Grade der Metritis hingegen fordern Blutentziehungen, außerdem die oͤrtliche Anwendung der obengenannten schmerzlindernden Mittel; innerlich, nach beendigter Entbindung, die fruͤher gelehrte Behandlung, end- lich aber, im Falle einer groͤßern Hartnaͤckigkeit und bei ein- tretender Gefahr fuͤr Mutter oder Kind, das Eintreten der operativen Kunsthuͤlfe. 3) Krankhafte Muskularthaͤtigkeit im Uterus waͤhrend der Geburt (abnorme Wehen) . §. 1361. Schwaͤche des Uterus . Sie giebt sich zu erkennen durch selten eintretende, wenig wirkende Zusammenziehungen (Wehen), durch Weichheit der Uterinsubstanz welche bei aͤuße- rer Untersuchung waͤhrend der Wehen bemerkt wird, und folg- lich durch Traͤgheit des Geburtsverlaufs. Uebrigens kann diese Schwaͤche entweder gleich im Beginn der Geburt sich zeigen, oder erst in den spaͤtern Perioden eintreten. — Die Ursachen dieser Schwaͤche koͤnnen theils im Allgemeinbefinden, theils im Uterus selbst liegen, theils auch von der Frucht be- dingt werden. §. 1362. Ursachen der ersten Art geben ab: allgemeiner Kraͤfte- mangel in Folge von Krankheiten, Blutverlust, unguͤnstigen Lebensverhaͤltnissen; und ferner unweiblicher Koͤrperbau, zu wenig oder zu weit vorgeruͤcktes Alter. Ursachen der zweiten Art geben ab: oͤrtliche Krankheiten des Geschlechtssystems wel- che entweder fruͤher Statt gehabt haben oder noch fortdauern, als Leukorrhoͤe, Blutungen, Ausartung der Gebaͤrmuttersub- stanz u. s. w., oder auch Erschoͤpfung durch viele fruͤhere Schwangerschaften und Geburten, oder durch langwierige hef- tige Geburtsanstrengung. — Ursachen der dritten Art endlich sind: sehr große Anhaͤufung des Fruchtwassers, ein sehr gro- ßes Kind, Zwillinge oder Drillinge, indem in allen diesen Faͤl- len die zu starke Ausdehnung der Gebaͤrmutterwaͤnde die Con- traktilitaͤt derselben mindert. §. 1363. Die Folgen dieses Schwaͤchezustandes und die aus Be- ruͤcksichtigung derselben sich ergebende Prognose, sind nach dem Grade desselben und nach dem Zeitpunkte der Geburt, wo er bemerkt wird, sehr verschieden, und eben so muß es denn auch die Behandlung seyn. — Was die erste und zweite Geburtsperiode betrifft, so ist hier die langsame weniger kraͤftige Geburtsthaͤtigkeit weder fuͤr Mutter noch Kind mit besonderem Nachtheile verknuͤpft; man muß daher sich beson- ders in Acht nehmen, hier schon durch Anwendung gewaltsam erregender innerer oder aͤußerer Mittel, der . cinnamomi der Einreibungen u. s. w., eine noch groͤßere Erschoͤpfung fuͤr die spaͤtern Perioden vorzubereiten. Ist daher die Schwaͤche der Wehen Folge allgemeiner Schwaͤchezustaͤnde, der phlegma- tischen Constitution, des maͤnnlichen Habitus, so darf auch nur die oben (§. 1323. u. 1324.) gelehrte Behandlung eintre- ten; ist sie Folge oͤrtlicher Abnormitaͤt, so kann nicht anders verfahren werden, nur daß auch hier, wenn mehr ein torpi- der Zustand sich zeigt und es die allgemeinen Kraͤfte und son- stigen Umstaͤnde erlauben, eine maͤßige Koͤrperbewegung durch Auf- und Abgehen im Zimmer zweckmaͤßig zu seyn pflegt, und die §. 1323. empfohlenen allgemeinen Unterstuͤtzungsmittel der Kraͤfte nicht vernachlaͤßigt werden duͤrfen. Haͤngt endlich die Unthaͤtigkeit von zu großer Anhaͤufung des Fruchtwassers ab, so wird es zuweilen noͤthig die Eihaͤute noch vor voͤlliger Erweiterung des Muttermundes zu sprengen, und so dem Uterus mehr Raum zur Zusammenziehung zu gestatten, wie davon noch bei Betrachtung der Regelwidrigkeiten des Frucht- wassers selbst die Rede seyn wird. §. 1364. Die Unthaͤtigkeit des Uterus waͤhrend der dritten und vierten Periode , ist schon von bedenklichern Folgen, und zwar insbesondere fuͤr das Kind begleitet. Wird naͤmlich der Durchgang desselben, besonders nachdem der Kindeskopf schon in die Beckenhoͤhle herabgetreten ist, verzoͤgert, so kann das Absterben desselben leicht erfolgen. Die Zeit innerhalb wel- cher dieß zu befuͤrchten steht, ist nach den Umstaͤnden verschie- den. Bei vorausgehendem Kopfe kann die dritte und vierte Periode, so lange blos Unthaͤtigkeit der Wehen die Ursache ist, oft sich auf 6, 8, ja 12 Stunden ausdehnen, und das Kind leidet dabei nichts, eben weil die Pressung des Kopfs nur gering ist, die Placenta nicht zu fest gegen das Kind gepreßt wird (welches, indem dadurch der Kreislauf in der- selben leiden muß, sicher in vielen Faͤllen ein wichtiges, bis- her fast ganz uͤbersehenes Moment zur Veranlassung des To- des abgiebt) und der Uterus selbst, ruͤcksichtlich seiner Gefaͤß- thaͤtigkeit, in keinem krankhaften Zustande sich befindet, folg- lich die Wechselwirkung zwischen Mutter und Kind, wie in der Schwangerschaft, ungestoͤrt fortdauert. — §. 1365. Weit schneller hingegen wird es fuͤr das Kind gefaͤhrlich, wenn der Kopf, als zuletzt durch das Becken gehender Theil, in dessen Hoͤhle eingetreten ist, und in derselben durch Man- gel an Geburtskraft verweilt. Hier reicht oft eine Zeit von wenigen Minuten hin, um das Kind zu toͤdten. Die Erklaͤ- rung dieses so schnell eintretenden Todes, der Kopf mag in dieser Stellung durch Schwaͤche oder mechanische Hinder- nisse laͤnger als gewoͤhnlich verweilen, ist nicht ohne Schwie- rigkeit. Offenbar wirken hierbei mehrere Ursachen zusammen; eine der wichtigsten ist der Druck auf die Nabelschnur, allein dieses allein erklaͤrt es noch nicht voͤllig, da nicht selten asphyktische Kinder mit nicht mehr pulsirendem Nabel- strange doch wieder belebt werden, ja nach der Beob- achtung mancher Geburtshelfer (womit auch meine Beobach- tungen mehrfach uͤbereinstimmen) die scheintodten Kinder wo waͤhrend des Austritts kein Herzschlag (und folglich auch kein Klopfen im Nabelstrange) gefuͤhlt wird, leichter zu sich kom- men als andere asphyktische mit pulsirendem Herzen. Zwei- tens ist daher zu beruͤcksichtigen die unvollkommene Respira- tion durch die Lungen, welche bei Einwirkung der Luft auf die Hautflaͤche des geborenen Rumpfs haͤufig, waͤhrend der Kopf noch innerhalb der Geburtstheile sich befindet, angeregt werden kann, in dieser Lage aber Erstickung nothwendig her- beifuͤhren muß Wird bei dem fuͤr einige Zeit aufgehobenen Herzschlage das Ein- stroͤmen des Bluts in die Lungen verhindert, so kann dieß zur Erhaltung des Lebens beitragen. . Als dritte Ursache des Todes kann das leicht Statt findende Dehnen des Ruͤckenmarks betrachtet wer- den, und als vierte Ursache endlich scheint mir die Beruͤck- sichtigung des Umstandes sehr wichtig, daß der Kopf des Kin- des gegen die Placenta andruͤcken, und die Cirkulation durch dieselbe stoͤren muß. §. 1366. Die Behandlung der Atonie des Uterus in diesen Pe- rioden muß auf diese Umstaͤnde sonach besondere Ruͤcksicht nehmen. Bei regelmaͤßig vorliegendem Kopfe ist demnach bei mangelhaften Wehen zunaͤchst (dafern sie eine betraͤchtliche fuͤr das Kind gefahrdrohende Verzoͤgerung bewirken, also vor- zuͤglich wenn der Kopf schon tief in der Beckenhoͤhle steht, durch fruͤher betraͤchtlichere Wehen Vorkopf und Einkeilung entstanden ist) durch zweckmaͤßige dynamische Mittel auf Ver- staͤrkung der Geburtsthaͤtigkeit zu wirken. Es geschieht die- ses durch die schon im ersten Theile §. 369. u. f. genannten den Uterus erregenden Mittel, von welchen die vorzuͤglichsten sind: Infusum Cort. Cinnamom., Melissae, Serpilli mit etwas Wein, das Secale cornutum, die . Cinnamomi, Dem Borax welchen man auch hierher rechnet, kann ich keine be- sondere Wirksamkeit zusprechen. und die Einreibungen von fluͤchtigem Liniment auf den Unter- leib. — Oft wird hierdurch, bei hinlaͤnglicher Unterstuͤtzung durch vermehrte Anstrengung der willkuͤhrlichen Muskeln, doch die Geburt gluͤcklich beendigt, und man vermeidet das An- wenden kuͤnstlicher Huͤlfe, so lange immer noch ein, wenn auch langsames, Vorruͤcken des Kindes bemerklich ist, und nicht andere Symptome, als Blutung, Abgang von Meco- nium u. s. w. die Huͤlfe beschleunigen muͤssen. Tritt aber endlich voͤlliger Stillstand im Vorruͤcken des Kindes ein, ver- moͤgen auch jene dynamischen Mittel nicht dasselbe zu foͤrdern, so darf mit der operativen Huͤlfe nicht laͤnger gesaͤumt werden und das Anlegen der Zange ist dann ein vorzuͤgliches Huͤlfsmittel. §. 1367. Eber dieselben Regeln gelten denn auch bei Geburten wo die Fuͤße vorangehen, so lange der Kopf noch uͤber dem Becken sich befindet, ist hingegen der Rumpf des Kindes be- reits geboren, so indicirt dieß nothwendig, sobald jetzt solche Unthaͤtigkeit im Uterus eintritt, das Anwenden der fruͤher be- schriebenen Operationen zur kuͤnstlichen Entwickelung desselben. §. 1368. Eine besondere Betrachtung fordert endlich die Wirkung und Behandlung der Schwaͤche des Uterus in der fuͤnften Geburtsperiode , allwo dieselbe fuͤr den muͤtterlichen Koͤr- per oft die groͤßten Gefahren herbeifuͤhrt. Diese bestehen in Nachgeburtszoͤgerungen, Blutungen und fehlerhaften Lagen des Uterus. Hier ist nur von den beiden erstern zu sprechen. — Die Nachgeburtszoͤgerungen von Schwaͤche des Uterus abhaͤn- gig, werden erkannt an dem Mangel der Nachgeburtswehen, an der gleichfoͤrmigen Schlaffheit und betraͤchtlichen Groͤße des Uterus, und an der eintretenden oft sehr starken Blutung so wie ein Theil der Placenta sich zu loͤsen beginnt. Die Behandlung derselben erfordert große Vorsicht. So lange die Placenta noch nicht sich trennt und weder aͤußerlich Blut abgeht, noch innerlich in die Gebaͤrmutterhoͤhle sich dessen er- gießt, wird strenge Ruhe und besonders Vermeidung jedes auch des schwaͤchsten Zuges am Nabelstrange zur ersten Pflicht (staͤrkeres Ziehen bringt eben theils Blutung, theils Umstuͤl- pung der Gebaͤrmutter nur allzuleicht hervor). Oft sammelt sich in einigen Stunden die Geburtskraft von neuem, und die Ausstoßung der Nachgeburt erfolgt dann regelmaͤßig. §. 1369. Ist die Erschoͤpfung sehr groß und anhaltend, so muß man auch hier zuerst durch dynamische Huͤlfsmittel zu wir- ken suchen, und die §. 1363. genannten Aufguͤße und Me- dicamente, das gelinde (immer genau auf dem Gebaͤrmutter- grunde vorzunehmende) Frottiren des Unterleibes durch die flache Hand allein, oder nach aufgetroͤpfeltem Linim. volat. oder Naphtha, endlich das in horizontaler Lage der Neuent- bundenen einige Stunden nach der Geburt veranstaltete Anlegen des Kindes an die Brust (ein wegen des Consensus vorzuͤglich kraͤf- tiges Huͤlfsmittel) in Anwendung bringen. Auch wird man sich bei diesen Mitteln um so mehr beruhigen koͤnnen, da das von bloßer Schwaͤche des Uterus (nicht zugleich von zu fester Ad- haͤsion) abhaͤngige laͤngere Zuruͤckbleiben der Placenta, theils fast nie uͤber 10 bis 12 Stunden sich ausdehnt, theils, so lange keine Blutergießung Statt findet, durchaus nichts vor- handen ist, was der Neuentbundenen Gefahr drohte und au- genblickliche Entfernung der Placenta indicirte, vielmehr von einem vor wiedererwachter Zusammenziehungskraft im Uterus unternommenen kuͤnstlichen Loͤsen der Placenta erst die gefaͤhr- lichsten Blutfluͤße zu besorgen seyn wuͤrden. §. 1370. Was hingegen die Faͤlle betrifft, wo partiell eingetretene Loͤsung der Nachgeburt Blutung verursacht, so erfordert diese zunaͤchst auch wie jeder Gebaͤrmutterblutfluß (s. 1. Thl. §. 358.) vollkommene Ruhe und horizontale Lage, sodann gleich- falls die Anwendung der auf Erregung staͤrkerer Contraktionen abzweckenden Mittel (s. §. 1363.) mit Zuziehung der aroma- tischen durch Wein oder Brandtwein und Essig verstaͤrkten, nur wenig (etwa zu 16 bis 20° Réaum. ) erwaͤrmten Injek- tionen. Wird hingegen trotz dem die Blutung heftiger und erwacht die zusammenziehende Kraft nicht staͤrker, so wird das Loͤsen und Hinwegnehmen der bei starker Blutung gewoͤhnlich schon groͤßtentheils getrennten Placenta durchaus nothwendig, wobei theils der mechanische Reitz der eingebrachten Hand schon Zusammenziehungen hervorbringt, theils nach entfernter Nachgeburt, die zusammenziehenden Einspritzungen mehr Wir- kung thun koͤnnen. Selbst die Anwendung der Kaͤlte ist in sehr dringenden Faͤllen, mit den schon im ersten Theile §. 374. genannten Vorsichtsmaaßregeln hierbei oft unentbehrlich. — Eben so wie die geloͤßte Nachgeburt, muͤssen auch große Blut- klumpen welche sich im Uterus vorfinden (besonders bei inner- lichen Blutfluͤßen) durch die eingebrachte Hand entfernt wer- den, und uͤberhaupt fordern diese in und gleich nach Beendi- gung der fuͤnften Geburtsperiode entstehenden Blutungen voͤl- lig dieselbe Behandlung welche fuͤr die passive Metror- rhagie schon im ersten Theile gelehrt worden ist. §. 1371. Die zu gewaltsam aufgeregte Geburtsthaͤ- tigkeit giebt sich dadurch zu erkennen, daß die Wehen die Kreisende oft gar nicht verlassen, dem Koͤrper durchaus keine Ruhe goͤnnen, und so eine bedeutende Erschoͤpfung, zugleich aber oft einen fuͤr Mutter und Kind uͤbermaͤßig beschleunigten Geburtsverlauf herbeifuͤhren. Man findet dieses namentlich zuweilen bei jungen, vollsaftigen, kraͤftigen und zugleich keitz- baren Koͤrpern, und kann hierbei (da wir kein die Thaͤtig- keit des Uterus unmittelbar verminderndes Agens kennen) nur negativ durch Verhuͤtung aller reitzenden Einwirkungen, und das allgemeine antiphlogistische Verhalten Nutzen stiften. §. 1372. Von den krampfhaften Wehen . Wir rechnen da- hin alle die Zusammenziehungen welche mehr in der Richtung vom Gebaͤrmuttermunde nach aufwaͤrts hinwirken, oder wobei uͤberhaupt die Zusammenziehungen der ringfoͤrmigen Fasern uͤber die der Laͤngenfasern das Uebergewicht erhalten, da bei regelmaͤßigen Wehen doch vielmehr die Contraktion auf die Laͤngenfasern und die Expansion auf die ringfoͤrmigen sich be- ziehen soll. Man bemerkt diese Regelwidrigkeit insbesondere bei mehr hagern, rigiden, Koͤrpern, mit allgemeiner Neigung zu Kraͤmpfen, oft mehr maͤnnlichem Habitus oder auch sehr schwaͤchlichem, reitzbarem Koͤrperbau. Sie wird indeß zuweilen auch mehr durch oͤrtliche Veranlaßungen herbeigefuͤhrt, indem alles was die Gegend des Muttermundes heftig reitzt, als zu oͤfteres Untersuchen, Erweiterungsversuche desselben, fruͤh- zeitig abgeflossenes Fruchtwasser, tiefliegender Kindeskopf, Zie- hen am Nabeistrange, in der fuͤnften Periode u. s. w. eben- falls krampfhafte Zusammenziehungen, auch ohne jene allge- meine Disposition, veranlassen kann. §. 1373. Auch hierbei sind die Folgen wie die Behandlung nach den einzelnen Geburtsperioden sehr verschieden. Was die erste Periode betrifft, so aͤußern sich die Wehen hier ganz mit denselben Symptomen welche bei der sehr gesteigerten Sensibilitaͤt (§. 1353) erwaͤhnt worden sind, es gesellen sich haͤufig krampfhafte Zufaͤlle in andern Organen hinzu, als Schluchzen, Erbrechen, Blasenkraͤmpfe u. s. w. und die ganze Periode ist von ungewoͤhnlich langer Dauer. Auch die Be- handlung kann hierbei nur dieselbe seyn, welche schon oben (§. 1353. §. 1349. §. 1347. §. 1343.) erwaͤhnt worden ist. §. 1374. In der zweiten Periode aͤußert sich die Wirkung dieser regelwidrigen Zusammenziehungen vorzuͤglich durch un- gewoͤhnlich langsame und schmerzhafte Erweiterung des Mut- termundes, und das dem untersuchenden Finger fuͤhlbare Ein- schnuͤren des Muttermundes waͤhrend jeder Wehe. Auch hier fuͤhrt nun zwar dieser Zustand nicht unmittelbar fuͤr Mutter oder Kind Gefahr herbei, allein kann doch, wenn dadurch diese Periode (wie nicht selten geschieht) auf 24 bis 48 Stun- den verzoͤgert wird, zu voͤlliger Erschoͤpfung der Geburtskraft in den folgenden Zeitraͤumen, zu entzuͤndlichen Zustaͤnden, Hin- zugesellen der im vorigen §. genannten krampfhaften Zufaͤlle, ja selbst, bei reitzbaren Subjekten, zu Ausbruch allgemeiner Kraͤmpfe und Zuckungen Veranlassung geben. Was die Be- handlung betrifft, so muß das allgemeine auf Verminderung aller Reitze abzweckende Verhalten, welches fuͤr die erste Pe- riode empfohlen wurde, auch hier fortgesetzt werden, innerlich werden nach gehoͤriger Beruͤcksichtigung des Zustandes im Ge- faͤßsystem, Aufguͤße der Kamillenblumen, der Valeriana, ei- nige Tropfen Liq. C. C., Laudanum liq. S., ein Dover - sches Pulver, gereicht. Oertlich ist theils unumgaͤnglich noth- wendig, alles haͤufigere Untersuchen und uͤberhaupt jede Rei- zung des Uterus zu vermeiden, vielmehr durch Injektionen, welche man von Zeit zu Zeit, bei erhoͤhter Lage der Schen- kel (um zu schnelles Wiederausfließen derselben zu verhuͤten) aus der Abkochung von Farina lini, Avena excorticata, mit Zusatz vom Oleo olivarum, Ol. Hyoscyami, 8 bis 10 Tropfen des Laud. liq. S., auch wohl aus lauwarmer Milch, Aufguͤßen der Hb. Hyoscyami, Hb. Melilot., Flor. Cha- momill. oder endlich aus bloßem warmen Oehl anwenden laͤßt, die krampfhafte Spannung im Muttermunde zu ver- mindern. Zu eben diesem Endzwecke wirken Fomentationen durch einen mit antispasmodischen Kraͤuteraufguͤßen getraͤnkten vor die Geburtstheile gelegten Schwamm; weniger vortheil- haft sind die Dampfbaͤder ( Insessus ) wegen der sitzenden Stellung; und ebendasselbe gilt von den Einreibungen in den Muttermund wegen des mechanischen Reitzes. §. 1375. Durch zweckmaͤßige Anordnung der hiergenannten Mittel nun, wird es bei gehoͤriger Beruͤcksichtigung anderweitiger, als Ursachen des Krampfs mitwirkender Regelwidrigkeiten des Ge- burtsgeschaͤfts, z. B. der falschen Lagen des Uterus u. s. w., groͤßtentheils nach und nach gelingen die Eroͤffnung des Mut- termundes zur voͤlligen Weite zu bringen, und ja sey man mit Anwendung der kuͤnstlichen Erweiterung vorsichtig, bei ei- nem Zustande, welcher dadurch nur allzuleicht zur Entzuͤndung, zu nachbleibenden Verhaͤrtungen u. s. w. gefuͤhrt wird. — Nie wird man daher von diesem Mittel wegen dieses krampf- haften Zustandes allein, sondern nur dann, wenn noch andere II. Theil. 28 gefahrdrohende Regelwidrigkeiten sich hinzugesellen, Gebrauch machen duͤrfen. §. 1376. Was die Einwirkung krampfhafter Wehen in der drit- ten und vierten Periode anbelangt, so pflegt sie hier im Allgemeinen weniger nachtheilig als in der zweiten zu seyn, da, wenn der vorliegende Kindestheil einmal in den Mutter- mund oder in die Mutterscheide herabgesunken ist, die Strik- turen, wegen der mechanischen Ausdehnung, kaum in so ho- hem Grade moͤglich sind, ja es ist nicht selten zu bemerken, daß, sobald einmal der Muttermund geoͤffnet ist, die Geburts- thaͤtigkeit regelmaͤßiger und kraͤftiger eintritt. Demungeachtet kann zuweilen der krampfhafte Zustand auch in diesen Perio- den noch fortdauern, den Austritt des Kindes verzoͤgern, und theils fuͤr letzteres, theils fuͤr die Mutter bedenklich werden. Die Zeit innerhalb welcher uͤbrigens von dieser Verzoͤgerung Gefahr bevorsteht, laͤßt sich, wie bei der Atonie, ebenfalls nicht absolut, sondern nur nach Erwaͤgung der besondern Um- staͤnde bestimmen. Regel ist es daher, zunaͤchst mit dem fruͤ- her genannten allgemeinen Verfahren, den Fomentationen, und der Anwendung erregender und antispasmodischer Mittel (be- sonders eine Verbindung der . cinnamomi und  . thebaic. ist hierzu zweckmaͤßig) fortzufahren, wo aber Zeichen eintreten, welche von einer laͤngern Dauer der Geburtsarbeit fuͤr Mut- ter oder Kind wahren Nachtheil befuͤrchten lassen, durch ope- rative Huͤlfe die Entbindung zu beendigen. §. 1377. Endlich den Einfluß betreffend, welchen diese krampfhaf- ten Zusammenziehungen auf die Erscheinungen der fuͤnften Geburtsperiode aͤußern, so zeigt sich derselbe theils in einer besondern Art der Nachgeburtszoͤgerung, theils in innern Blutungen. Was die erstere betrifft, so belegen wir sie mit dem Namen der Einsackung der Nachgeburt ( incar- ceratio placentae ). Sie charakterisirt sich theils durch die obenerwaͤhnte, zu Kraͤmpfen disponirende Individualitaͤt der Kranken, theils durch Beruͤcksichtigung der etwa einwirkenden Kraͤmpfe befoͤrdernden Ursachen, theils durch das Gefuͤhl von Unebenheit und ungleicher Zusammenziehung welches der Ute- rus bei der aͤußern Untersuchung gewaͤhrt, so wie durch die schmerzhafte Empfindung, welche jeder Zug am Nabelstrange hervorbringt, und endlich durch das Wahrnehmen der Strik- tur selbst bei dem Verfolgen des Nabelstranges durch den untersuchenden Finger (dafern die eingeschnuͤrte Stelle nicht etwa weiter oben in der Gebaͤrmutterhoͤhle sich befindet [denn sie ist an jeder Stelle Ich beobachtete z. B. einst eine Einschnuͤrung eines Stuͤckes Placenta im obern rechten Winkel des Gebaͤrmuttergrundes. derselben moͤglich] wo sie alsdann nur bei voͤllig eingefuͤhrter Hand fuͤhlbar ist). §. 1378. Die Prognose bei diesen Einsackungen der Nachgeburt richtet sich vorzuͤglich nach dem dabei Statt findenden Blut- abgange. Die Einsackung an sich selbst, ohne Blutabgang, ist keinesweges gefaͤhrlich, und fordert in vielen Faͤllen (außer Vermeidung aller mechanischen Reitzung des Muttermundes und des Ziehens am Nabelstrange) nur ruhige Lage (wobei es, wie bei jeder laͤngern Nachgeburtszoͤgerung zweckmaͤßig ist, die Neuentbundene vorsichtig auf ein bequemes Lager zu brin- gen, wenn das Geburtslager nicht selbst dazu dienen koͤnnte), einige Tassen Kamillen- oder Valerianaaufguß, nebst einigen Tropfen Laud. liq. S., Ess. Castorei, . Valerian. L. C. C. ein Dover ’sches Pulver u. dergl., wobei gewoͤhnlich bald eine leichte Transspiration zum Ausbruch kommt, der Krampf nachlaͤßt, und dann, in 4—6—10 Stunden, der Abgang der Nachgeburt leicht erfolgt. — Weit bedenklicher ist hinge- gen der Zustaud , sobald sich mit dieser Einsackung innere oder aͤußere Blutung verbindet. Die erstere (welche uͤbrigens auch nach abgegangener Nachgeburt in Folge dieser Strikturen ent- stehen kann) droht vorzuͤglich, weil sie oft weniger leicht bemerkt wird, Gefahr, weßhalb wir die Zeichen derselben welche schon fruͤher (1. Thl. §. 351.) angegeben worden sind, wieder in Erinnerung bringen muͤssen. §. 1379. Diese Blutungen entstehen denn immer von theilweise Statt findender, oder gaͤnzlicher Trennung der Placenta; ob- wohl nicht umgekehrt auch jede Trennung der Placenta auch nothwendig Blutfluß zur Folge hat, da zuweilen die zwar ge- loͤßte aber noch die Hoͤhle des Uterus ausfuͤllende Nachgeburt, durch Zusammenziehung der Gebaͤrmutter gegen die Waͤnde derselben angepreßt, die blutenden Venenmuͤndungen gleich einem Tampon verschließt. In wiefern also auch bei diesen Blutfluͤßen die Erschlaffung einer Gegend des Uterus eine der Hauptursachen ist, muß auch die Behandlung auf vermehrte Contraktion im Uterus hinwirken. Auch hier wendet man daher die . Cinnamomi zu 30—50 Tropfen mit 4—6 Tropfen der . thebaica an, macht Einreibungen auf die erschlafften Partien des Uterus, gießt etwas Naphthe auf u. s. w. — und nur wenn durch diese Mittel es nicht gelingt, statt der krampfhaften Einschnuͤrung einzelner Stellen, die re- gelmaͤßige feste Zusammenziehung im ganzen Organ zu be- wirken, muß auch hier die operative Huͤlfe wie sie fruͤher (§. 1308.) beschrieben worden ist, eintreten. — Ruͤcksichtlich der Behandlung der nach dem Abgange der Nachgeburt moͤglichen innern Blutfluͤße, so kann dabei nur das fruͤher beschriebene Verfahren (s. 1. Thl. §. 375) in Anwendung gebracht werden. b. Stoͤrungen der Organisation welche im Uterus waͤhrend der Geburt bemerkt werden. 1. Verwachsung und Verengerung des Muttermundes . §. 1380. Die voͤllige Verschließung des Muttermundes ist bei ei- ner Gebaͤrmutterschwangerschaft und angehender Geburt gewiß eine hoͤchst seltene Erscheinung, und nie darf man zu leicht an das Vorhandenseyn einer wahren Atresie glauben, da es die Erfahrung nicht allzuselten bezeugt, wie schwer zuweilen durch Schiefheit des Uterus u. s. w. das Auffinden des Mut- termundes werden koͤnne. Immer wird also nur in einem Falle wo wirklich die Narbe des Muttermundes zu entdecken ist, aber auch zugleich das gaͤnzliche Geschlossenseyn derselben deutlich gefuͤhlt wird, an Vorhandenseyn dieser Abnormitaͤt geglaubt werden duͤrfen. — §. 1381. Eine solche Verwachsung kann aber bei eintretenden We- hen theils als urspruͤnglicher Bildungsfehler vorkommen (s. davon und uͤber die Moͤglichkeit der Conception 1. Thl. §. 139.), und dieses ist der seltenste Fall; oder sie ist die Folge von vorausgegangener schwerer Entbindung, eingetretener Ent- zuͤndung, Eiterung u. s. w. s. einen Fall dieser Art nebst der Geschichte der Operation von Moscati im Journal universel des Sciences. Decbr. 1819. p. 335. . Immer wird diese Atresie operative Huͤlfe noͤthig machen, welche auf zum Theil schon fruͤher beschriebene Weise mit Osiander’s Hysterotom, oder mit einem bis gegen die Spitze umwickelten Bistouri zu lei- sten ist. Nicht unzweckmaͤßig ist hierbei Moscati’s Rath, den Muttermund, um das Weiterreißen eines einfachen Quer- oder Laͤngenschnittes zu vermeiden, nach mehrern Richtungen seiner Peripherie einzuschlitzen (s. §. 1154). §. 1382. Verengerungen des Muttermundes kommen ebenfalls ent- weder als Folge bloßer Rigiditaͤt seiner Fasern bei sehr be- jahrten Erstgebaͤrenden vor, oder sie entstehen durch Steato- mata s. einen Fall dieser Art in v. Siebold’s Lucina. 1. Bd. 1. St. S. 87. Skirrhositaͤten u. s. w. — Was die Behandlung betrifft, so wird im ersten Falle das Beseitigen der Verenge- rung vorzuͤglich das Werk der Natur bleiben muͤssen, indem man schon in Voraus erwarten kann, daß bei solchen Indi- viduen die zweite Periode einer laͤngern Zeit beduͤrfe, als bei andern, und es darf daher hoͤchstens durch die oben (§. 1374.) genannten oͤrtlichen Mittel die Erweiterung befoͤrdert werden, dahingegen ein rasches Einschreiten operativer Huͤlfe hier sehr leicht zu Krampf und Entzuͤndung fuͤhrt. — Bei den durch Degenerationen verursachten Verengerungen hingegen (deren Grund durch die geburtshuͤlfliche Untersuchung und Be- ruͤcksichtigung vorausgegangener Umstaͤnde erkannt wird) sind zwar ebenfalls zunaͤchst diese erweichenden Mittel anzuwenden, demungeachtet wird man hier doch oͤfters theils der kuͤnstlichen Ausdehnung, theils in manchen Faͤllen selbst des Einschnei- dens der Muttermundsraͤnder, nicht ganz uͤberhoben seyn koͤnnen. 2. Geschwuͤre und Abscesse der Gebaͤrmutter . §. 1383. Sie sind waͤhrend beginnender Geburtsarbeit gewiß eine hoͤchst seltene Erscheinung; kommen sie wirklich vor, so koͤnnen sie nur aus der Anamnese (Beruͤcksichtigung der fruͤher vor- handen gewesenen Entzuͤndung oder mechanischem Verletzung, dem andauernden oͤrtlichen Schmerz, ausgefloßenen Eiter u. s. w.) erkannt werden. Sie drohen bei der Geburtsanstren- gung voͤllige Zerreißung der Uterinsubstanz, so wie Stoͤrung der Wehen, fordern daher aͤußerst ruhiges Verhalten, uͤberhaupt hoͤchst schonende Behandlung, Nichtverarbeiten der Wehen und bei schwierigerm Austreiben des Kindes, vorsichtiges Eingrei- fen operativer Kunsthuͤlfe. 3. Krankhafte Geschwuͤlste der Gebaͤrmutter . §. 1384. Es gehoͤren hierhin ganz vorzuͤglich die steatomatoͤsen und sarcomatoͤsen Auswuͤchse, von welchen im 1. Theile §. 408. u. f., das Naͤhere beigebracht worden ist. Ihre Er- kenntniß, schon außer der Schwangerschaft mit manchen Be- schwerden verbunden, ist waͤhrend der Geburt noch viel schwie- riger, und vor voͤlliger Eroͤffnung des Muttermundes nur dann moͤglich, wenn die Geschwulst an der Vaginalportion oder an der vordern Fruchthaͤlterwand sich befindet. Vorzuͤg- lich leicht ist hier die Verwechselung mit Kindestheilen moͤg- lich, und wirklich vorgekommen, von innerlich vorliegenden Theilen So verwechselte in dem §. 1382 angefuͤhrten Siebold ’schen Falle, die Hebamme das Steatom mit dem Elleubogen des Kindes. werden sie sich jedoch immer unterscheiden lassen, sobald man etwas in den Muttermund eingeht, wobei man wahrnehmen wird, daß dieser Koͤrper sich außerhalb der Gebaͤrmutterhoͤhle befindet. §. 1385. Der nachtheilige Einfluß welchen diese Ausartungen fuͤr das Geburtsgeschaͤft haben, besteht theils in Hinderung der Wehen, theils in Verengerung des Muttermundes, ja sogar des Beckenraumes. — Da die Abnormitaͤt selbst selten, und nie waͤhrend des Geburtsaktes gehoben werden kann, so muß die Behandlung sich blos darauf einschraͤnken, die Folgen der- selben, ihrer Individualitaͤt nach, zu behandeln. Die Schwaͤche der Wehen, hier gewoͤhnlich nicht durch dynamische Mittel zu beseitigen, noͤthigt zuletzt zur kuͤnstlichen Entwickelung des Kindes; von dem Verfahren bei Verengerung des Mutter- mundes ist kurz zuvor die Rede gewesen, und wird dadurch der Raum des Beckens betraͤchtlich verengert, so muß die Kunsthuͤlfe, welche fuͤr die verschiedenen Grade der Verenge- rung in den knoͤchernen Waͤnden des Beckens noͤthig ist, ein- treten, dafern es nicht moͤglich ist die Geschwulst selbst (etwa durch die Eroͤffnung ihrer mit mehr fluͤßigen Stoffen gefuͤllten Hoͤhle) zu verkleinern. 4. Zerreißung der Gebaͤrmutter . §. 1386. Eine der gefaͤhrlichsten Regelwidrigkeiten, welche Gebaͤ- rende betreffen koͤnnen. Sie ist der Groͤße und der Stelle nach verschieden. Theils kommt sie naͤmlich mehr in der mittlern Gegend des Uterus vor, und dann ist gewoͤhnlich auch das Peritonaͤum mit durchgerissen und freie Communi- cation zwischen der Gebaͤrmutter- und Bauchhoͤhle hergestellt; theils betrifft sie mehr die Gegend des Muttermundes, und dann ist zuweilen (wie ich es in einem Falle dieser Art be- obachtete) das Peritonaͤum unverletzt. §. 1387. Die Zeichen dieser innern Verletzung sind: 1) ein zu- weilen außerlich hoͤrbares Geraͤusch, dem Springen der Blase zu vergleichen; 2) ein ploͤtzlich eingetretener Blutabgang wel- cher jedoch nicht immer der Groͤße der Verletzung entsprechen wird, da oͤfters der groͤßere Theil der Blutmasse sich in die Bauchhoͤhle zu ergießen pflegt; 3) die in der Geburtsthaͤtig- keit eintretende ploͤtzliche Veraͤnderung, indem die Wehen nach- lassen, der Kindestheil vorzuruͤcken aufhoͤrt, ja zuweilen, sobald der Riß auch das Peritonaͤum getrennt hat, und der Uebergang des Kindes in die Bauchhoͤhle erfolgt, sich nach und nach zu- ruͤckzieht, indem dagegen andere Kindestheile durch die Bauch- bedeckungen fuͤhlbar werden. 4) Die Veraͤnderungen welche im Gesammtbefinden gewoͤhnlich schnell nach der Zerreissung eintreten; es gehoͤrt dahin Blaͤsse und Zusammenfallen des Gesichts, Kaͤlte der ganzen Koͤrperoberflaͤche, große Frequenz und Kleinheit des Pulses, Schwindel, Ohrenbrausen, Ueblich- keiten, Erbrechen, Schluchzen, heftiger Leibschmerz, Ohnmach- ten und Convulsionen, auf welche letztere Zufaͤlle gewoͤhnlich der Tod einzutreten pflegt. §. 1388. Die Ursachen, welche Zerreißungen des Uterus vorzuͤg- lich veranlassen koͤnnen, sind: Duͤnnheit der Gebaͤrmutterwaͤnde, Geschwuͤre und uͤberhaupt bedeutende Strukturveraͤnderungen in derselben (z. B. Vernarbung fruͤherer Schnittwunden durch die Sectio caesarea verursacht), ferner unruhiges Verhalten der Gebaͤrenden, heftiges Pressen bei noch nicht geoͤffnetem Muttermunde, verzoͤgerter Eintritt und Durchgang des Kin- des durch das Becken, wegen falscher Kindeslage oder zu sehr verengertem Becken, bei heftigen Wehen; ferner gewaltsames Zuruͤckdraͤngen schon im Becken eingetretener Kindestheile, Be- hufs der Wendung, und endlich aͤußere Gewaltthaͤtigkeit durch Fall oder Stoß. §. 1389. Die Prognose ist in diesen Faͤllen durchaus hoͤchst un- guͤnstig, und obwohl einzelne Beispiele sich finden, wo selbst die vollkommene Zerreissung nicht toͤdlich war So wurde die Frau gerettet, an welcher vom Dr. Svmmer nach- dem schon fruͤher einmal der Kaiserschnitt an ihr gemacht worden war, und die eine ruptura uteri in der alten Narbe erlitten hatte, da das Kind schon in der Bauchhoͤhle lag, die Gastrotomie ge- macht werden mußte. S. rußische Sammlung f. Naturwissenschaft, 1. Bd. 4. Heft. , so ist doch weit haͤufiger der ungluͤckliche Ausgang unabwendbar, vorzuͤg- lich wo Kindestheile bereits in die Unterleibshoͤhle uͤbergetre- ten waren. Auch fuͤr das Kind ist die Prognose sehr un- guͤnstig. §. 1390. Die Behandlung ist hierbei nothwendig zunaͤchst auf die schlennige Beendigung der Entbindung gerichtet. Ist da- her das Kind noch innerhalb der Gebaͤrmutterhoͤhle, so muß es sogleich durch Anwendung der Zange oder der Extraktion an den Fuͤßen vollends entwickelt werden; ist hingegen der Uebertritt in die Bauchhoͤhle bereits erfolgt, so wird man den Uterus auch schon so verkleinert finden, daß ein Zuruͤckfuͤhren desselben durch den Riß unthunlich bleibt, und man zur Ent- wickelung desselben der Gastrotomie nothwendig bedarf, wel- che dann nach oben gegebenen Regeln ausgefuͤhrt werden muß. Nur einzelne Kindestheile welche etwa erst durch den Riß ge- drungen waͤren, lassen sich auch auf diesem Wege wieder zu- ruͤckfuͤhren. Dasselbe gilt auch von der Entwickelung der Nachgeburt. §. 1391. Ist die Entbindung beendigt, so tritt dann eine Behand- lung ein, welche der fruͤher (§. 1290 u. f.) beschriebenen nach dem Gebaͤrmutterschnitt noͤthigen, vollkommen entsprechen muß; besonders wird indeß darauf gesehen werden muͤfsen , daß durch die gerissene, und deßhalb weniger genau schließende Wunde nicht Darmwindungen in die Mutterscheide herabtreten, wel- ches jedoch natuͤrlich, wo das Peritonaͤum nicht mit verletzt ist, uͤberhaupt nicht zu befuͤrchten steht. 5. Schiefheit der Gebaͤrmutter . ( Obliquitas uteri ). §. 1392. Wir verstehen darunter den Zustand, wo der Gebaͤrmut- tergrund und Gebaͤrmuttermund einander nicht gerade gegen- uͤber sind, und sonach die eine Seite der Gebaͤrmutter eine groͤßere Ausdehnung zeigt als die andere. Man findet hier- bei den Muttermund gewoͤhnlich sehr stark nach einer Seite, nach vorn oder hinten gezogen, den Gebaͤrmuttergrund aber ihm aͤußerlich keinesweges, dem Durchmesser nach, gerade ent- gegengesetzt. Die Folge dieser regelwidrigen Bildung ist ge- stoͤrtes Gleichgewicht zwischen der Thaͤtigkeit beider Seiten des Uterus, und schwierige Erweiterung des Muttermundes, indem die Wehen blos auf Ausgleichung der Schiefheit zunaͤchst hin- wirken, und man daher oft lange Zeit, unter anhaltenden Zu- sammenziehungen, den Grad der Eroͤffnung sich gleich bleibend, und nur den Muttermund mehr in die Fuͤhrungslinie ruͤckend findet, worauf er dann gewoͤhnlich schnellzur voͤlligen Erwei- terung gelangt. §. 1393. Die Kunst vermag zur Beseitigung dieser Regelwidrig- keit sehr wenig, vorzuͤglich ist alles gewaltsame Einrichten des Muttermundes zu vermeiden, und es gleicht auch die Natur durch fortgehende Wehen selbst die Schiefheit nach und nach immer aus. Ruhiges Abwarten der etwas laͤngern Dauer der zweiten Periode, Anordnen der gegen etwa sich hinzuge- sellende krampfhafte oder entzuͤndliche Zustaͤnde oder falsche Lagen des Uterus nothwendigen Huͤlfsmittel, und endlich, wenn wirklich in Folge der zu langen und starken Wehen der zwei- ten Periode, wahre Schwaͤche des Uterus in der dritten und vierten Periode eintritt, Anwenden dynamischer oder operati- ver Huͤlfe, nach den bei der Schwaͤche des Uterus aufgestell- ten Grundsaͤtzen, ist folglich das einzige hierbei angezeigte Verfahren. c. Regelwidrige Lagen der Gebaͤrmutter waͤhrend der Geburt. 1) Schieflagen . §. 1394. Wir finden deren bei Gebaͤrenden vorzuͤglich dreierlei Ar- ten vor, naͤmlich: Schieflage mit dem Gebaͤrmuttergrunde nach rechts (die gewoͤhnlichste Art) oder zweitens nach links, und endlich drittens mit dem Gebaͤrmuttergrunde nach vorwaͤrts, bei welcher Lage denn zuweilen gleichzeitig der Uterus zum Theil durch eine Bruchspalte vorgetreten seyn kann. Erkannt werden diese Schieflagen sehr leicht durch Vergleichung der Resultate innerer und aͤußerer Untersuchung, und was die Ur- sachen derselben betrifft, so ist davon schon bei denselben Schief- lagen, in wiefern sie schon in der Schwangerschaft vorkommen, gesprochen worden (s. §. 1103). §. 1395. Der nachtheilige Einfluß dieser Schieflagen fuͤr das Ge- burtsgeschaͤft ist, wie schon Boër Abhandlungen u. Vers. 1. Thl. S. 84. gezeigt hat, keinesweges so bedeutend als man zuweilen geglaubt hat, demungeachtet kann nicht geleugnet werden, daß sie das Eroͤffnen des Mut- termundes so wie den Eintritt des vorliegenden Kindestheils in die obere Apertur allerdings zu hindern im Stande sind. Die Behandlung ist sehr einfach; man giebt der Gebaͤrenden naͤmlich stets eine Lage auf der Seite nach welcher der Mut- termund hingerichtet ist, um dadurch zu veranlassen, daß der schwerere und beweglichere Muttergrund nach derselben Seite sich senke. Schieflagen nach vorn machen daher die Ruͤcken- lage nothwendig, und wo (wegen asthmatischen Beschwerden etwa) dieses nicht moͤglich ist, muß der herabsinkende Leib durch die Bauchbinde und vorgelegten Haͤnde der Hebamme zuruͤckgehalten und gehoben werden. — Ist der Uterus in eine Bruchspalte vorgesunken, so ist wie bei andern Bruͤchen das Zuruͤckbringen, und dann die Unterstuͤtzung der Spalte nothwendig. 2) Vorfall . §. 1396. Was den completen Vorfall betrifft, so ist derselbe mehr dem 5.—7. Schwangerschaftsmonat eigen, und daher von dessen Behandlung auch schon fruͤher die Rede gewesen; tritt die Geburt ein, oder muß sie durch die Kunst beschleunigt, oder beendigt werden, so ist dabei vorzuͤglich auf zweckmaͤßige Unterstuͤtzung des vorgefallenen Uterus, durch große, in Oehl getauchte Compressen zu denken, und die Entbindung auf die vorsichtigste Weise (besonders auch ruͤcksichtlich der Entwicke- lung der Nachgeburt) zu bewerkstelligen. Es muß ferner, auf die schon im ersten Theile (§. 480.) gelehrte Art der Uterus zuruͤckgebracht, und durch laͤngere Zeit (12 — 14 Tage) bei- behaltene ruhige horizontale Lage im Wochenbett, nebst An- wendung der tonischen Injektionen (von dem Tage an wo der blutige Wochenfluß aufhoͤrt) und eingebrachte Schwaͤmme mit zusammenziehenden Fluͤßigkeiten getraͤnkt, die Herstellung der normalen Lage bezweckt werden. §. 1397. Unvollkommene Vorfaͤlle des Uterus verursachen bei der Geburt leicht Einklemmungen der Muttermundsraͤnder zwischen Kopf und Becken, Harnverhaltungen u. s. w. — Man muß daher solche Gebaͤrende wo der vorliegende Kindestheil, von dem untern Segmente des Uterus uͤberzogen, bereits sehr tief im Becken steht, sogleich in die horizontale Lage bringen, al- les Pressen vor voͤlliger Eroͤffnung des Muttermundes (obwohl die Kreisenden dazu wegen der Ausfuͤllung der Beckenhoͤhle sehr geneigt sind) streng untersagen, und es selbst in der drit- ten und vierten Periode nur in geringem Grade zulassen (oft ist es auch hier ganz uͤberfluͤßig). Endlich wird oft das Unter- stuͤtzen einer, besonders der vordern Muttermundslippe, beim Vorruͤcken des Kindes noͤthig, und es muß dieses durch zwei in Oehl getauchte Fingerspitzen ausgefuͤhrt werden. Die Vor- sichtsmaaßregeln in der fuͤnften Periode und im Wochenbette sind dieselben, welche im vorigen §. angegeben wurden, und uͤberhaupt tritt spaͤterhin ganz die Behandlung des Vorfalles nichtschwangerer Personen ein, nachdem man unmittelbar nach der Entbindung nochmals eine Untersuchung angestellt und den Uterus, wo es noͤthig, in seine normale Lage sogleich zu- ruͤckgebracht hat. 3) Umstuͤlpung ( Inversio uteri ). §. 1398. Auch von dieser Regelwidrigkeit, welche fast nur in oder gleich nach der fuͤnften Geburtsperiode entstehen kann, ist im 1. Theile (§. 503 u. f.) bereits die Rede gewesen, und es sind hier nur einige Bemerkungen uͤber das Entstehen der Umstuͤlpung bei dem Abgange der Nachgeburt und der hier noͤthig werdenden Behandlung nachzutragen. §. 1399. Vorzuͤglich tritt aber die Umstuͤlpung der Gebaͤrmutter ein, 1) bei einer schnellen Geburt des Kindes welches mit den Eihaͤuten uͤber den Kopf durchschueidet, wo die Placenta mittelst der Eihaͤute herabgezogen wird und den Gebaͤrmut- tergrund mit hervortreibt; 2) durch Zug am Nabelstrange ent- weder bei festen Umschlingungen und schnell hervortretenden Kindestheilen, oder durch ein unvorsichtiges Anziehen defselben Behufs der Entwickelung der Nachgeburt; 3) endlich durch gewaltsames Pressen der Gebaͤrenden entweder bei oder nach dem Abgange der Nachgeburt. Verkannt kann diese Re- gelwidrigkeit, wenn sie neuentstanden ist, nicht fuͤglich werden (außer von ganz unwissenden Hebammen), da entweder die noch ansitzende Placenta, oder die Stelle wo sie sich geloͤßt hat, ein sicheres Kennzeichen abgeben wird, auch Polypen von der Groͤße wie die Masse der umgestuͤlpten Gebaͤrmutter, ne- ben einem ausgetragenen Kinde undenkbar sind. Wodurch hin- gegen laͤnger vorhandene oder partielle Umstuͤlpungen von an- dern Abnormitaͤten zu unterscheiden sind, ist fruͤher (1. Thl. §. 505 u. 506.) angegeben worden. §. 1400. Auch die Behandlung befolgt die §. 508 — 510 gege- benen Indicationen. Was die Placenta betrifft, so ist man verschiedener Meinung daruͤber, ob sie am Uterus sitzen blei- ben solle, bis die Reposition beendigt sey, oder ob man sie vorher loͤsen muͤsse. Man richtet sich indeß hierbei am sicher- sten nach den obwaltenden Umstaͤnden; ist die Umstuͤlpung noch ganz neu, und adhaͤrirt die Placenta noch fest, so wird man am besten sie zugleich mit zuruͤckbringen, um groͤßere Reizung des Uterus und heftigere Blutung zu vermeiden. Hat sich hingegen bereits der groͤßere Theil der Placenta ge- loͤßt, welches weit haͤufiger vorkommen wird, so ist es auf jeden Fall gerathen sie vorher voͤllig zu trennen und hinweg- zunehmen. §. 1401. Bei der in horizontaler Lage mit erhoͤhter Kreuzgegend vorzunehmenden Repofition selbst muß (nachdem die etwa durch entstandene Geschwulst oder Entzuͤndung noͤthigen Vorbereitun- gen, als Umschlaͤge oder Blutentziehungen vorausgeschickt sind) mit der ganzen eingeoͤhlten Hand der Gebaͤrmuttergrund er- faßt und der Fuͤhrungslinie gemaͤß einwaͤrts zuruͤckgebracht werden. Zweckmaͤßig ist es sodann die Hand in dem noch ausgedehnten Uterus zuruͤckzulassen, bis Contraktionen eintre- ten, welche auch noͤthigenfalls, durch gelindes Reizen der in- nern Gebaͤrmutterflaͤche mittelst der Hand, so wie durch Ein- reibungen auf die Bauchflaͤche hervorzurufen sind. Erst bei eintretender Zusammenziehung entfernt man die Hand aus den Geburtstheilen, verfaͤhrt ferner, wenn die Nachgeburt mit zu- ruͤckgebracht worden war, mit besonderer Vorsicht bei Ent- wickelung derselben, und laͤßt dann das Verfahren welches auch nach Beseitigung vollkommener Vorfaͤlle des Uterus noͤ- thig war (s. §. 1396.), eintreten. 2. Von den krankhaften Zustaͤnden der Mutter- scheide waͤhrend der Entbindung . 1) Verwachsung oder Verengerung derselben . §. 1402. Was die Verwachsung betrifft, so kann sie theils durch ein zu großes Hymen verursacht werden, oder Folge von Ent- zuͤndung, Eiterung und Degeneration seyn Daß trotz solcher Verbildungen Schwangerschaft eintreten koͤnne, beweißt der in der Note zu §. 288. 1. Thl. angefuͤhrte Fall, so . Die Behand- lung ist ganz dieselbe wie bei den Verwachsungen des Mut- termundes (s. §. 1381.). §. 1403. Verengerungen der Vagina sind entweder die Folge hoͤ- hern Alters und rigider Faser, und finden sich dann nur bei Erstgebaͤrenden. Diese Verengerungen sind selten von bedeu- tenden Folgen, indem der vermehrte Saͤftezudrang bald eine Auflockerung hervorbringt, welche die Nachgiebigkeit fuͤr den vorruͤckenden Kindestheil zur Folge hat, und in hartnaͤckigen Faͤllen durch Baͤder, erweichende Injektionen und Fomentatio- nen groͤßtentheils leicht gehoben werden. Nachtheiliger koͤnnen Verengerungen, durch Degenerationen der innern Scheiden- wand erzeugt, werden. Es gehoͤren dahin die durch Mutter- scheidenbruͤche, Scheidenpolypen, Varices, Condylomata er- zeugten, und es muß hierbei die diesen einzelnen Regelwidrig- keiten angemessene Behandlung eintreten. Bruͤche sind zuruͤck- zubringen, Varices mit adstringirenden Fomentationen zu be- handeln, Scheidenpolypen wuͤrden bei wirklicher großer Raum- verengerung (was aber gewiß selten vorkommen wird) waͤh- rend der Geburt die Operation des Wegschneidens noͤthig ma- chen (s. 1. Thl. §. 438.). 2) Zerreißung der Mutterscheide . §. 1404. Sie kann entweder am obern Ende in der Gegend des Muttermundes eintreten, wobei dann Zeichen, Ursachen und Folgen (da auch hier der Uebergang des Kindes in die Bauch- hoͤhle bevorsteht), so wie die Behandlung, so voͤllig mit denen wie ein Fall welchen Champion (Journ. univ. d. Med. Mai 1819 p. 241.) anfuͤhrt, wo das Hymen kaum fuͤr eine feine Sonde den Durchgang gestattete. Zuweilen koͤnnen indeß diese Verschließun- gen sich auch erst nach der Conception bilden. der Zerreissung der Gebaͤrmutter uͤbereinstimmen (s. §. 1387 bis 1393.), daß eine weitere Eroͤrterung hieruͤber unnoͤthig wird (nur die Prognose ist im Ganzen wohl etwas guͤnstiger M. s. z. B. in Boër’s Abhandlungen 1. Bd. S. 36. den von Douglas beobachteten Fall. ); oder die Zerreissung findet weiter unten im Scheidenkanale Statt, ist dann gewoͤhnlich von geringerem Umfange, obwohl in ihren Folgen oft gleichfalls sehr bedenklich. Es bilden sich naͤmlich hierbei große Infiltrationen von Blut in das Zellgewebe zwischen Vagina und Mastdarm, es entstehen be- traͤchtliche Blutgeschwuͤlste am Perinaͤum und den aͤußern Ge- burtstheilen, verursachen im Wochenbett Entzuͤndungen und Eiterungen, und fordern daher noch unter den Regelwidrigkei- ten des Wochenbetts eine ausfuͤhrliche Betrachtung. Waͤhrend der Entbindung selbst, kann ausser baldmoͤglichster Beendigung des Geburtsgeschaͤfts keine besondere Behandlung eintreten, um so mehr aber muß gleich nach derselben, auf die spaͤter zu erwaͤhnende Weise fuͤr Zertheilung und Ausleerung der aus- getretenen Blutmasse gesorgt werden. Bei voͤlliger Zerreißung der Mutterscheide fordert es noch besondere Vorsicht, daß ein Vorfallen der Daͤrme verhuͤtet werde. 3) Vorfall der Mutterscheide . §. 1405. Auch von dieser Regelwidrigkeit sind die naͤhern Un- staͤnde, die besondern Arten u. s. w., schon fruͤher (1. Thl. §. 513 u. f.) aufgefuͤhrt worden; was den Einfluß derselben auf das Geburtsgeschaͤft betrifft, so zeigt er sich hindernd, indem der Vorfall durch den Druck des Kindestheils anschwillt, her- abgepreßt wird, Entzuͤndung und sogar Zerreissung der Mut- terscheidenwaͤnde droht, endlich aber, nach der Geburt gewoͤhn- lich in weit staͤrkerem Grade als vor der Schwangerschaft bemerkt wird. II. Theil. 29 §. 1406. Die Behandlung ist hierbei im Allgemeinen ziemlich die- selbe wie wir sie bei dem unvollkommenen Gebaͤrmuttervorfalle beschrieben haben; außer der ruhigen horizontalen Lage, der Vermeidung heftigen Pressens u. s. w., ist jedoch hierbei auch das Unterstuͤtzen des Vorfalles mittelst zweier in Oehl getauch- ter Fingerspitzen, waͤhrend dem Durchgange des Kindes un- entbehrlich. Nach der Entbindung untersucht man nochmals, bringt den Scheidenvorfall moͤglichst zuruͤck, und ordnet dann laͤngere ruhige Lage im Wochenbett, nebst Anwendung oͤrtlicher tonischer Mittel (sobald die Lochien sich vermindert haben), so wie der, bei betraͤchtlichen Vorfaͤllen der Mutterscheide gleich- falls sehr nuͤtzlichen Einbringung des Schwammes an. Das weitere Verfahren s. im 1. Thl. §. 517. u. f. 3. Von den krankhaften Zustaͤnden der aͤußern Geschlechtstheile waͤhrend der Geburt . Von der Verwachsung oder Verengerung und von dem Aufreißen der Schamspalte . §. 1407. Eben so wie den Kanal der Mutterscheide findet man zuweilen auch deren aͤußere Oeffnung entweder verwachsen oder doch betraͤchtlich verengert. Das erstere ist ein sehr seltner Fall und kann wieder urspruͤngliche Mißbildung seyn, (zu großes Hymen), oder von den vergroͤßerten, durch Entzuͤn- dung und Eiterung verwachsenen kleinen Schamlippen abhaͤn- gen. Auf jeden Fall fordert diese Mißbildung die Trennung der verwachsenen Theile durch das Messer. §. 1408. Die Verengerungen der Schamspalte haͤngen ebenfalls theils von unspruͤnglichen, theils von spaͤter entstandenen krank- haften Zustaͤnden der Geburtstheile ab. Zu den erstern ge- hoͤrt ein abnorm starkes, durch den Coitus nicht zerrissenes Hymen; auch dieses wird gewoͤhnlich einen Einschnitt, dann aber die sorgfaͤltigste Unterstuͤtzung, um das Weiterreißen zu verhuͤten, noͤthig machen. Haͤufiger kommen die spaͤter ent- standenen Verengerungen vor. Sie werden verursacht durch Entzuͤndungsgeschwulst, varikoͤse Anschwellungen, wahre Dege- nerationen der Nymphen oder der Klitoris, Bruchgeschwuͤlste der großen Schamlippen oder oͤdematoͤse Anschwellungen der- selben. Saͤmmtliche Regelwidrigkeiten werden theils dem Aus- tritte des Kindes hinderlich, und demselben sonach bei laͤngerer Verzoͤgerung sogar gefaͤhrlich, theils koͤnnen sie mehrfache Ge- fahren auch fuͤr den muͤtterlichen Koͤrper herbeifuͤhren. Rigi- ditaͤt und Trockenheit enger Geburtstheile, macht das Eingießen von etwas Oehl in der vierten Periode noͤthig. §. 1409. Die Behandlung derselben richtet sich nach den Ursachen: Bruchgeschwuͤlste machen die schon fruͤher (§. 1329.) erwaͤhnte Behandlung der Bruͤche nothwendig, so wie in der Leitung des Geburtsgeschaͤfts darauf gesehen werden muß, daß, wo- fern das Zuruͤckbringen nicht moͤglich ist, der Druck der Ge- schwulst beim Eingange des Kopfs moͤglichst vermindert, oder wenigstens (noͤthigenfalls durch operative Huͤlfe) abgekuͤrzt werde. Das letztere wird eben so bei varikoͤsen Geschwuͤlsten nothwendig, obwohl hier noch uͤberdieß das Fomentiren dersel- ben durch kalten rothen Wein, durch ein kaltes Decoctum Cort. Quercus mit Spirit. Serpilli vermischt u. s. w. Statt finden muß. — Oedematoͤse Geschwuͤlste erfordern, wenn sie betraͤchtlich sind, außer der zeitig anzunehmenden horizontalen Lage, oftmals Scarificationen der Schamlippen, um die Ge- fahr die Aufspringens, und des zu heftige Quetschung der- selben zu vermindern. — Deformitaͤten der Nymphen oder der Klitoris sind bei Gebaͤrenden fast nie so bedeutend, daß nicht die Geburt, bei einiger Behutsamkeit, auch trotz dersel- ben zu Ende gefuͤhrt werden koͤnnte. §. 1410. Zerreißungen kommen an den aͤußern Schamtheilen nur an der hintern Commissur vor, und daß sie auch hier fast immer nur von unvollkommener Unterstuͤtzung des Dammes, und unzweckmaͤßigem Verhalten der Gebaͤrenden herruͤhren, ist fruͤher bemerkt worden. Fuͤr die Geburt selbst koͤnnen sie uͤbri- gens natuͤrlich, da sie erst am Ende der vierten Perinde entste- hen, keine besondere Behandlung indiciren, obwohl man Ur- sache hat in Folge des dadurch verursachten Reitzes, Kraͤmpfe beym Abgange der Nachgeburt zu fuͤrchten. — Von der Be- handlung dieser Verletzungen nach der Geburt wird spaͤter die Rede seyn. 4. Von den abnormen Zustaͤnden des Beckens und ihrem Einfluße auf das Geburtsgeschaͤft . a) Von denen die Geburt beschleunigenden Abnormitaͤten . §. 1411. Es gehoͤrt hierher ganz vorzuͤglich das zu weite Bek- ken, jedoch koͤnnen bei einer gewissen Weite des Beckenraums, auch die geringe Hoͤhe, Neigung und Kruͤmmung des gesammten Beckens, zur Beschleunigung der Geburt bei- tragen. — §. 1412. Zeichen des zu weiten Beckens sind: von außen, breite Huͤften, nicht eingedruͤcktes Kreuzbein, und stark gewoͤlb- ter Schambogen (wodurch waͤhrend der Schwangerschaft ein geringeres Vortreten des Leibes bewirkt wird); ferner die Ge- schichte vorausgegangener Geburten, wo die Frau von starken Kindern sehr leicht und schnell entbunden wurde, so wie das Vorbandenseyn anderer krankhafter Zustaͤnde, welche durch Weite des Beckens bedingt werden, z. B. des Gebaͤrmutrer- vorfalls. Endlich giebt das zuverlaͤßigste Kennzeichen die in- nere geburtshuͤlfliche Untersuchung. Die zu große Weite ist uͤbrigens auch zuweilen nur einer gewißen Gegend z. B. dem Beckeneingange eigen. — Ist außerdem noch die Neigung des Beckens zu gering , so zeigt sich dieses an: durch die zu sehr nach vorn gerichteten aͤußern Genitalien, den tief ste- henden Muttermund und Kindestheil und durch die mehr senk- rechte Stellung der Schamknochen; und eben so wird die zu geringe Kruͤmmung dem die innere hintere Flaͤche des kleinen Beckens untersuchenden Finger, und die zu geringe Hoͤhe durch die kleine Statur des ganzen Koͤrpers, so wie durch die Leichtigkeit mit welcher Muttermund, Kindestheil und Promontorium erreicht werden, erkennbar. §. 1413. Die Folgen dieser Regelwidrigkeiten sind schon waͤh- rend der Schwangerschaft bemerklich, und aͤußern sich durch tieferes Herabsenken des schwangern Uterus welches, wie schon in der Pathologie der Schwangerschaft bemerkt worden ist, Stuhl- und Harnverhaltung, Tenesmus, Druck auf die Becken- gefaͤße (und dadurch Varices, Oedema pedum, Unordnun- gen im Pfortadersystem, u. s. w.) ja selbst Ruͤckwaͤrtsbeugung des schwangern Uterus, Blutung, Entzuͤndung, ja Abortus veranlassen kann. — Erfolgt nun die Geburt, so kann auch hier theils der Vorfall und spaͤterhin die Umstuͤlpung des Ute- rus leichter eintreten, theils aber wird auch der zu rasche Durchgang des Kindes durch das Becken fuͤr die Mutter so- wohl als fuͤr das Kind manche Gefahr veranlassen. Fuͤr die Mutter wirkt die ploͤtzliche Entleerung des Uterus nachtheilig, indem sie Blutungen veranlaßt, zu heftigen Nachwehen und uͤberhaupt groͤßerer Reitzbarkeit des Uterus im Wochenbett, so wie zu starken Einrissen des Dammes beim Durchgange des Kindes fuͤhrt; fuͤr das Kind, indem die zu schnelle Ge- burt leicht den Sturz desselben auf den Boden veranlassen kann, indeß auch durch das sehr weite Becken Vorfallen des Arms oder der Nabelschnur, ja sogar, wegen unvollkommener Drehung des Kindes, Einkeilung des Kopfs im schiefen Durch- messer des Beckenausganges bewirkt werden koͤnnte (das letz- tere pflegt besonders leicht einzutreten, wenn das Becken nur in der obern Gegend zu weit ist). §. 1414. Die Behandlung der Gebaͤrenden mit weitem die Ge- burt beschleunigendem Becken ist im Ganzen mehr negativ, und bezieht sich auf Vermeidung aller reitzend und anregend wirkenden Momente. Man bringt eine Kreisende dieser Art demnach gleich anfaͤnglich in die horizontale Lage, empfiehlt die vollkommenste Ruhe, untersagt auch nach voͤllig eroͤffnetem Muttermunde jedes heftigere, und bei sehr weitem Becken uͤberhaupt alles Verarbeiten der Wehen, nimmt auf die hin- laͤngliche und sichere Unterstuͤtzung des hier gewoͤhnlich sehr breiten Dammes die noͤthige Ruͤcksicht, laͤßt den Austritt des Kindes durchaus in horizontaler Lage abwarten, und verfaͤhrt mit besonderer Vorsicht beim Abgange der Nachgeburt, um nicht durch Ziehen am Nabelstrange u. s. w. zu falschen La- gen der Gebaͤrmutter Veranlassung zu geben. Diese Vorsicht muß endlich auch bis auf die Periode des Wochenbettes sich fortsetzen; auch hier muß die Woͤchnerin laͤngere Zeit in der horizontalen Lage bleiben, und muß noch sorgfaͤltiger als aus- serdem anstrengende Bewegungen vermeiden. — Die in Folge dieses Beckenbaues etwa ungeachtet der genannten Vorsichts- maaßregeln sich einfindenden Abnormitaͤten, als Vorfaͤlle des Uterus, Entzuͤndungen der hervorgetriebenen Muttermundslip- pen, Blutungen u. s. w., muͤßten uͤbrigens ganz ihrer Natur nach behandelt werden. b) Von denen die Geburt hindernden Abnormitaͤten des Beckens . §. 1415. Es gehoͤren hierher vorzuͤglich die Verengerungen des Beckens , indeß kann auch bei sonst nicht bedeutender Engigkeit die zu starke Neigung oder Kruͤmmung des Beckens , die betraͤchtlichere Hoͤhe desselben, die unsymmetrische, schiefe Bildung und der regel- widrige Zustand der Beckenverbindungen hinderlich fuͤr den Durchgang des Kindes werden. §. 1416. Was die Engigkeit betrifft, so kann sie, wie die Weite, zuweilen dem ganzen Becken zukommen, zuweilen nur einer gewißen Gegend desselben eigen seyn; indeß wenn die abnorme Vergroͤßerung eines Durchmessers noch keine schnelle Geburt bewirken kann, so kann doch schon die betraͤchtliche Kleinheit des Beckenraums, wenn sie auch nur eine einzige Richtung betrifft, der Geburt Schwierigkeiten entgegenstellen, weßhalb denn partielle und totale Verengerung hier nicht so strenge Sonderung noͤthig machen. Dagegen unterscheiden wir noch die Verengerung, welche in der Knochenbildung selbst liegt, und die Verengerung durch krankhafte an dem Bek- ken, oder an den weichen Theilen befindliche Geschwuͤlste. §. 1417. Die Kennzeichen des engen Beckens finden sich theils in der aͤußern Untersuchung, dahin gehoͤren die Spu- ren fruͤher vorhanden gewesener Knochenkrankheiten, besonders der Rhachitis oder uͤbelgeheilter Knochenbruͤche und Verren- kungen in der Gegend des Beckens, ferner die geringe Huͤf- tenbreite, der eingedruͤckte Schambogen, die aͤußerlich stark ver- tiefte Kreuzgegend, ungewoͤhnlicher Stand der untern Extre- mitaͤten, Kyphosen der Ruͤckenwirbel (wobei gewoͤhnlich im Gegensatz die Lendenwirbel und das Promontorium sehr her- vorgetrieben sind), und endlich die Geschichte fruͤherer Gebur- ten, da denn mehrere schwer beendigte Geburten mit ziemli- cher Sicherheit auf ein schlechtes und enges Becken schließen lassen, aber umgekehrt allerdings, auch wo fruͤher mehrere leichte Geburten Statt gefunden haben, spaͤterhin das Becken doch verengert seyn kann Hierher gehoͤrt der merkwuͤrdige Fall, wo nach neun leichten Nie- derkunften sich das Becken dergestalt verengerte, daß der Kaiser- schnitt noͤthig wurde; s. Stein Geschichte einer Kaisergeburt. Cassel 1783. . Andern Theils aber laͤßt die innere Untersuchung, und zwar am zuverlaͤßigsten, die Zeichen der Verengerung erkennen, nur daß man, um die vorzuͤglich wichtige und auch am oͤftersten vorkommende Verengerung der Conjugata zu bestimmen, oft das Eingehen mit ganzer Hand (welches freilich voͤllige Eroͤffnung des Muttermundes voraus- setzt) noͤthig haben wird, da nur bei sehr niedrigem Becken das Erreichen des Vorbergs mit ein oder zwei Fingern (wie mich haͤufige Ausmessungen an Leichnamen uͤberzeugt haben) moͤglich ist Meistens wird in Lehrbuͤchern gesagt, man solle um das Becken zu messen, den Zeigefinger an das Promontorium, den Daumen an den Schambogen setzen, allein man fuͤgt nicht hinzu daß dieses Verfahren nur selten ausfuͤhrbar ist. . §. 1418. Die Zeichen der uͤbrigen Geburtshindernden Abnormi- taͤten des Beckens betreffend, so erkennt man das zu stark geneigte Becken an den weit nach hinten stehenden aͤußern Genitalien, der schief einwaͤrts gerichteten Flaͤche der Scham- fuge und dem stark uͤberhaͤngenden schwangern Leibe, das zu sehr gekruͤmmte Becken an der tief eingedruͤckten Kreuz- gegend, und anderweitigen als Kyphosis oder Lordosis er- scheinenden staͤrkern Kruͤmmungen der Wirbelsaͤule; endlich das zu hohe an der Schwierigkeit, Muttermund und Kindes- theil zu erreichen, so wie durch Beachtung allgemeiner groͤße- rer Koͤrperlaͤnge. Was das schiefe Becken betrifft, so giebt auch davon allerdings die innere Untersuchung des Becken- raums die sicherste Kenntniß; allein auch aͤußerlich laͤßt sich aus der Richtung der untern Gliedmaaßen und aus der Bil- dung der Wirbelsaͤule darauf schließen Hierauf hat vorzuͤglich aufmerksam gemacht: Hr. Choulant in seiner Decas pelvium spinarumque deformatarum. Lips. 1818. 4. , indem besonders Scoliosis des Ruͤckgraths auf die Schiefheit des Beckens da- durch entschiedenen Einfluß hat, daß die Convexitaͤt der Wir- belsaͤule in einer Gegend gewoͤhnlich das Abweichen nach der entgegengesetzten Seite in den naͤchstangraͤnzenden Stuͤcken zur Folge hat; so daß z. B. bei Biegung der Ruͤckenwirbel nach rechts, die Lendenwirbel nebst dem Promontorio nach links abweichen, und Verengerung der linken gegen die rechte Beckenhaͤlfte zur Folge haben werden. Das selten vorkom- mende Lockerwerden der Kreuz- und Darmbein-, so wie der Schambein-Verbindungen giebt sich durch Wanken des gan- zen Beckens, die Unbeweglichkeit der Kreuz- und Schwanz- beinverbindung durch innere Untersuchung des Beckenausgan- ges bald zu erkennen. §. 1419. Die Ursachen dieser Verunstaltungen des Beckens koͤn- nen sehr mannigfaltig seyn; es gehoͤrt dahin Rhachitis, vie- les Stillsitzen der Kinder auf platter Erde, harten Baͤnken oder durchbohrten Kinderstuͤhlen, Schnuͤrleiber, Hackenschuhe, schweres Tragen auf dem Ruͤcken oder auf dem Kopfe Man findet deßhalb haͤufig in gebirgigen Gegenden wo das Tra- gen auf Ruͤcken und Kopf gewoͤhnlich ist, sehr verbildete Becken. Einige Doͤrfer in hiesiger Umgegend geben dazu die deutlich- sten Belege. , Verletzungen der Beckenknochen oder Beckenbaͤnder, wodurch theils unmittelbar Verengerung verursacht, theils zu Entste- hung verengender steatomatoͤser und knoͤcherner Auswuͤchse Ver- anlassung gegeben wird, gichtische und convulsivische Krank- heiten u. s. w. — Schiefheit und zu starke Kruͤmmung ist, wie schon bemerkt, gewoͤhnlich Folge von Kruͤmmungen der Wirbelsaͤule, Lockerheit der eigentlich festen Knochenverbindun- gen haͤngt ab von Knochenerweichungen, vorausgegangenem Schamfugenschnitt oder andern Verletzungen, dahingegen ab- norme Festigkeit der Kreuz-Schwanzbeinverbindung entweder durch Rigiditaͤt der Baͤnder bei bejahrten Erstgebaͤrenden, oder durch Ankylosen in Folge fruͤherer Verrenkung oder Ablage- rung kalkiger Stoffe bedingt wird. §. 1420. Die Folgen der Beckenverengerung fuͤr das Geburtsgeschaͤft richten sich nach dem Grade derselben; es sind namentlich drei Grade von Engigkeit zu unterscheiden. Der erste Grad umfaßt diejenigen Verbildungen wo die Conjugata nur 3¾ bis 3¼ Zoll haͤlt. Schon hier koͤnnen bei starken Kindern leicht Einkeilungen des Kopfes sich bilden, mit welchem Namen wir den Zustand bezeichnen, wo die Kindestheile eingetreten in eine der Aperturen des kleinen Beckens, sich dergestalt unter anhaltenden Wehen festsetzen, daß Zusammenpressung und Anschwellung derselben bemerklich wird. Es haͤngt bei diesem Grade von Energie der Wehen und kraͤf- tigem Verarbeiten derselben, so wie von der Groͤße des Kin- des ab, ob die Geburt desselben ohne kuͤnstliche Huͤlfe moͤglich seyn wird oder nicht. — Die Gefahr der Einkeilung fuͤr das Kind richtet sich namentlich nach der Dauer derselben und dem Stande des Kopfs. Einkeilungen am Beckeneingange koͤnnen oft 3 bis 4 Stunden dauern (dafern nicht andere Regelwidrigkeiten, z. B. falsche Lage des Nabelstranges, ent- zuͤndliche Zustaͤnde des Uterus u. s. w. sich hinzugesellen, ohne Gefahr des Kindes; Einkeilungen in der Beckenhoͤhle hin- gegen, und am Ausgange, muͤssen weit schneller fuͤr das Kind fuͤrchten lassen, und verursachen oft schon in 2 Stunden we- nigstens asphyktische Zustaͤnde desselben. Je heftiger hierbei die Wehen sind, desto nachtheiliger wirkt natuͤrlich die Ein- keilung. §. 1421. Die Behandlung wird bei dem ersten Grade der Verengerung zunaͤchst exspektativ seyn, man wird die Geburts- thaͤtigkeit unterstuͤtzen und auf Lage des Kopfs und allgemei- nes Befinden Ruͤcksicht nehmen. — So lange man hierbei allmaͤhliges Vorruͤcken des Kopfs bemerkt, wird man das Ein- greifen kuͤnstlicher Huͤlfe vermeiden, da auch die vorsichtigste nie so wohlthaͤtig fuͤr das Kind, als die natuͤrliche Geburts- kraft wirken kann. Dabei huͤte man sich jedoch das bloße Zunehmen der Kopfgeschwulst fuͤr wirkliches Vorruͤcken des ganzen Kopfes zu nehmen. Tritt indeß wirklicher Stillstand und Einkeilung ein, so wird gewoͤhnlich das Anlegen der Ge- burtszange unumgaͤnglich nothwendig, und zwar um so fruͤ- her, je mehr der Ort der Einkeilung, ihre Heftigkeit, oder an- derweitige Umstaͤnde dem Leben des Kindes Gefahr drohen. §. 1422. Der zweite Grad der Beckenenge ist der wo die Conjugata (oder uͤberhaupt der kleinste Durchmesser) nur 3 ¼ bis 2 ¾ Zoll haͤlt. Hier erfolgt die Geburt eines regelmaͤßig genaͤhrten ausgetragenen Kindes schon in der Regel ohne Beihuͤlfe der Kunst durchaus nicht; es entstehen die heftigsten Einkeilungen, der Kopf kann hierbei, durch die bloße Geburts- kraft eingezwaͤngt, Fissuren der Schaͤdelknochen, S. daruͤber Hirt de Cranii neonatorum fissuris. tiefe Ein- druͤcke am Promontorio Diese Eindruͤcke sind uͤbrigens nicht immer toͤdtlich, wie mir vor- zuͤglich ein sehr bedeutender Fall dieser Art bewiesen hat. erleiden, und die Geburt eines lebenden Kindes (dafern es nicht sehr klein ist) kann, so- bald die Conjugata auf 3 Zoll verengert ist, gewoͤhnlich auch durch die Kunst kaum bewerkstelligt werden. Die Mutter aber setzen Geburten dieser Art der Gefahr der Quetschung und Entzuͤndung des Uterus, ja der Zerreißung desselben aus. §. 1423. Ruͤcksichtlich der Behandlung muß man die Behandlung waͤhrend der Geburt, und die schon waͤhrend der Schwanger- schaft anwendbare unterscheiden. Was die erstere betrifft, so ist vorzuͤglich auf die Lage des Kopfes zu achten und dieselbe wo moͤglich auf die Weise zu leiten, daß dessen groͤßere Durch- messer in die groͤßte Weite des Beckens (also im Eingange mehr im Querdurchmesser, welcher gewoͤhnlich selbst bei sehr verengertem Becken eine gewiße Weite behaͤlt) gestellt werden. Bei vorausgehendem Kopf muß dieß, so lange er noch be- weglich ist, durch das bei der Wendung auf den Kopf be- schriebene Verfahren bewirkt werden, und ist dieses nicht moͤg- lich, so wird man bei der Wendung auf die Fuͤße es gewoͤhn- lich leichter bewerkstelligen koͤnnen, und dadurch die gefaͤhrliche Perforation gewoͤhnlich zu vermeiden im Stande seyn. Ist aber der Kopf schon wirklich eingekeilt, so muß die Huͤlfslei- stung nach den §. 1421. angegebenen Regeln eingeleitet wer- den. Die Zange, und bei sehr verengertem Becken, und vollkommen sichern Kennzeichen vom Tode des Kindes , das Perforatorium, sind dann die Mittel die Entbindung zu beendigen. — Folgt der Kopf zuletzt nach, so wird nach den bei der Extraktion gegebenen Regeln (§. 1203. u. f.) auf die vortheilhafte Hereinfuͤhrung desselben in das Becken besondere Ruͤcksicht genommen, und bei demunge- achter Statt findenden Faͤllen von Einkeilung leistet dann ebenfalls die Zange oder, bei sicher abgestorbenem Kinde, der kleine stumpfe Haken Smellie’s , schickliche Huͤlfe. Sel- ten wird man bei gut eingeleitetem Kopfe, in dieser Lage, die Perforation noͤthig haben, wenigstens habe ich selbst bei 2 ¾ Conjugata ausgetragene Kinder in dieser Stellung ohne Perforation entbunden, obwohl Eindruͤcke vom Promontorio dabei nicht leicht zu vermeiden sind. §. 1424. Was die Behandlung waͤhrend der Schwangerschaft be- trifft, so gehoͤren dahin zunaͤchst die Vorschlaͤge von Bruͤn- ninghausen H. J. Bruͤnninghausen Etwas uͤber Erleichterung schwerer Ge- burten. 1804. und Ackermann J. F. Ackermann uͤber die Erleichterung schwerer Geburten. 1804. , durch betraͤchtliche Verminderung der Nahrung, und besonders durch bloße Pflan- zenkost eine zu starke Vergroͤßerung des Kindes zu hindern, und so den Durchgang des Kopfs vermoͤge der biegsamern Kopfknochen zu erleichtern, Ideen von welchen indeß die prak- tische Anwendbarkeit sehr gering seyn moͤchte, da sich doch nicht selten die kraͤftigste Ernaͤhrung der Frucht selbst bei sehr abgezehrtem Koͤrper der Schwangern zeigt, Purgirmittel, Aderlassen und Lenhardt’s che Quacksalbereien aber entwe- der ganz ohne Wirkung auf die Frucht bleiben, oder wohl sogar den Abortus befoͤrdern koͤnnen. §. 1425. Ein anderes Mittel die schweren Geburten bei so ver- verengertem Becken zu erleichtern und ihnen einen fuͤr das Leben des Kindes gluͤcklichern Ausgang zu geben, ist die kuͤnst- lich veranlaßte Fruͤhgeburt durch Sprengung der Eihaͤute, wovon das Naͤhere oben (§. 1158 u. f.) angegeben worden ist. Nach den bis jetzt daruͤber von Englaͤndern, und unter den Deut- schen von Wenzel gesammelten Erfahrungen, kann aber hiervon in Wahrheit mehr als von den im vorigen §. ge- nannten Mitteln erwartet werden, und es wuͤrde sonach in Faͤllen: wo durch eine oder mehrere vorausgegau- gene Geburteu mit Bestimmtheit dargethan ist, daß ein ausgetragenes Kind nicht lebend gebo- ren werden koͤnne, allein die Engigkeit noch nicht so groß ist, daß nicht wenigstens ein achtmonat- liches Kind ohne Schwierigkeit geboren werden koͤnnte , dieses Verfahren allerdings Anwendung finden Waͤhrend des Druckes kommt mir noch die Schrift von F. Rei- singer (die kuͤnstliche Fruͤhgebnrt Augssburg u. Leipzig. 1820) zur Hand welche sich uͤber Geschichte und Anwendbarkeit dieser Operation ausfuͤhrlich verbreitet. . §. 1426. Der dritte Grad der Beckenenge begreift diejeni- gen Verunstaltungen in sich, wo die Conjugata (oder uͤber- haupt der kleinste Durchmesser des Beckens) noch unter 2 ¾ Zoll haͤlt. Hier wuͤrde die Geburt eines ausgetragenen, ja selbst die eines noch nicht voͤllig reifen lebenden Kindes auf keine Weise moͤglich seyn, nur ein spaͤrlich genaͤhrtes Kind kann zuweilen todt durch das Becken kuͤnstlich hindurch ge- fuͤhrt werden, und wo die Verengerung noch nicht unter 2 ½ Zoll betraͤgt wird unter guͤnstigen Umstaͤnden auch wohl noch die Entbindung durch die Perforation moͤglich werden. In den uͤbrigen Faͤllen wird die Entbindung uͤberhaupt auf dem natuͤrlichen Wege unmoͤglich bleiben, und es muͤßte sonach die Mutter sowohl als das Kind (die erstere in Folge eintre- tender Entzuͤndung und Gangraͤn des Unterus), ohne Beihuͤlfe der Kunst, nothwendig sterben. §. 1427. Die Behandlung wird hier sich blos auf den Ge- burtsakt selbst beziehen kuͤnnen, da man bei einem dergestalt verengerten Becken auch auf die Entbindung durch kuͤnstliche Fruͤhgeburt Verzicht leisten muß. — Die hier noͤthig werden- den Operationen aber sind, vorzuͤglich bei ausgetragenen leben- den Kindern, und eben so bei todten wenn die Conjugata noch nicht 2 ½ Zoll betraͤgt, die Gastrohysterotomie; nur wenn auf das Leben des Kindes Verzicht geleistet werden muß, auch deßhalb weil die Gebaͤrende jener Operation sich nicht unter- werfen will, und die Weite noch zwischen 2 ½ bis 2 ¾ Zoll betraͤgt, anch das Kind nicht allzugroß ist, die Enthirnung oder die Extraktion des Kindes mit vorausgehenden Fuͤßen und unter Beihuͤlfe des Smellie’s chen Hakens; uͤber welche Huͤlfsleistungen denn saͤmmtlich in der Lehre von den geburts- huͤlflichen Operationen das Naͤhere eroͤrtert worden ist. §. 1428. Es ist nun noch uͤber die Folgen und Behand- lungsweisen der uͤbrigen hierher gehoͤrigen Verbildungen des Beckens zu sprechen. Das zu stark geneigte Becken (eine besonders haͤufig vorkommende Regelwidrigkeit) veranlaßt, aus- ser dem Nachtheile der Schieflage des Uterus nach vorn, schon waͤhrend der Schwangerschaft, bei angehender Geburt vorzuͤg- lich erschwertes Eintreten des vorausgehenden Kopfs in das kleine Becken, Feststellen desselben uͤber oder hinter dem Scham- bogen, Schieflagen oder Querlagen des Kindes, Vorfallen des Nabelstranges oder der Arme, Druck auf die Harnblase und Quetschung der vordern Muttermundslippe. — Die Behand- lung muß hierbei theils auf die Schieflage des Uterus Ruͤck- sicht nehmen (s. §. 1104.), theils das Eintreten des Kopfes oder Steißes zu befoͤrdern suchen, welches vorzuͤglich durch eine Lage geschieht, bei welcher die Neigung des Beckens selbst vermindert (d. i. der zu stumpfe Winkel welchen hier die Conjugata mit der Wirbelsaͤule macht, dem rechten etwas mehr genaͤhert) wird. Man bringt zu diesem Endzweck die Gebaͤrende in eine Seitenlage mit stark heraufgezogenen Schen- keln, und laͤßt den Oberkoͤrper mehr nach vorn beugen. Es kann dieß schon in der zweiten Periode der Geburt geschehen, in der dritten aber muͤssen die Wehen in dieser Haltung ver- arbeitet werden, und gewoͤhnlich kommt der Kopf dann zu- mal gleich nach dem Abgange des Wassers am leichtesten ins Becken herab. Gelingt das Einleiten des Kopfs nicht, so wird die Wendung auf die Fuͤße nothwendig. Anderes feh- lerhaftes Verhalten der Kindestheile fordert das bei diesen Re- gelwidrigkeiten spaͤter anzugebende besondere Verfahren, Ein- keilung des Kopfs dieselbe Huͤlfe wie bei dem etwas zu en- gen Becken. §. 1429. Was die zu starke Kruͤmmung betrifft, so verzoͤgert sie, ganz so wie das etwas zu enge Becken die Entbindung (weit weniger ist dieses bei den zu hohen Becken der Fall) und macht demnach auch dieselbe Behandlung nothwendig (s. §. 1421). Die zu feste, oder voͤllig verknoͤcherte Verbindung von Kreuz- und Schwanzbein veren- gert den Beckenausgang, verursacht Einkeilungen des Kopfs am Beckenausgange, und macht dann gemeiniglich baldige Huͤlfe durch Anwendung der Zange nothwendig. Becken mit wankenden Kreuz- Darm- und Scham- beinverbindungen kommen bei Gebaͤrenden gewiß nur aͤußerst selten vor. Umlegen eines sichernden Guͤrtels, moͤg- lichste Ruhe und sehr vorsichtige und schonende Leitung des ganzen Geburtsgeschaͤfts, wuͤrde dabei unentbehrlich seyn. §. 1430. Endlich anlangend die Schiefheit des Beckens, die Verunstaltungen einzelner Knochen u. s. w., so hindern diese gewoͤhnlich nur den Geburtsverlauf, in so- fern als sie das Becken verengern, oder den natuͤrlichen Ge- burtsmechanismus umaͤndern. Die Behandlung kann daher auch hier keine andere als die schon fuͤr das zu enge Becken angegebene seyn. — Uebrigens wird selten ein verbildetes Becken gefunden werden, was nicht mehrere Arten von Regelwidrigkeiten zugleich in sich faßte, und es koͤnnen diese sodann theils ein- ander wechselseitig verstaͤrken und ihren Nachtheil vergroͤßern (z. B. die Schiefheit, starke Neigung und Engigkeit), theils sich wechselseitig aufheben und ihre Nachtheile vermindern (wie z. B. die starke Kruͤmmung und ungewoͤhnliche Weite); wonach dann auch in solchen complicirten Faͤllen, den fuͤr die einzelnen gegebenen Regeln gemaͤß, eine zweckmaͤßige Behand- lung einzuschlagen nicht schwer fallen wird. II. Von dem regelwidrigen Verhalten der Frucht in wiefern es die Geburt hindert oder stoͤrt. I. Von dem regelwidrigen Verhalten der Frucht im Allgemeinen . 1) Von der regelwidrigen Verbindung derselben mit dem muͤtterlichen Koͤrper . I. Von Anheftung und Ausbildung der Frucht außerhalb der Gebaͤrmutter, oder von der Schwangerschaft außer der Gebaͤrmutter (Graviditas extrauterina.) §. 1432. Eine in physiologischer sowohl als pathologischer Hinsicht hoͤchst merkwuͤrdige Erscheinung des weiblichen Koͤrpers ist es, daß unter gewissen, uns zur Zeit nur noch wenig bekannten Bedingungen, die Frucht auch außerhalb desjenigen Organs welches die Natur zu ihrem eigentlichen Entwicklungsort be- stimmte, sich bilden, ja zur voͤlligen Reife gelangen kann. Sie ist physiologisch sehr wichtig, weil daraus uͤber viele sonst hoͤchst schwierige Punkte in der Bildungsgeschichte des Kindes Aufklaͤrung zu erhalten ist, und sie ist pathologisch aͤußerst bedeutend, weil ein fuͤr Gesundheit und Leben der Mutter hoͤchstbedenklicher ja gefaͤhrlicher Zustand daraus sich entwickelt. Wir betrachten zunaͤchst die verschiedenen Arten der Schwangerschaft außer der Gebaͤrmutter. §. 1433. Man unterscheidet aber zunaͤchst primaͤre und sekundaͤre Extrauterinschwangerschaften, unter letztern diejenigen verstehend, wo die Frucht nicht an dem Orte wo sie gefunden wird auch II. Theil. 30 erzeugt war, sondern z. B. in der Muttertrompete oder in der Gebaͤrmutter entstanden, durch einen Riß in die Bauch- hoͤhle gefallen ist u. s. w., woraus denn hervorgeht, daß die sekundaͤren nur uneigentlich den Namen der Schwangerschaften fuͤhren koͤnnen, da hierbei die eigentliche organische Verbindung, zum mindesten die Wechselwirkung zwischen Frucht und muͤt- terlichem Koͤrper, und die Fortbildung der Frucht wohl immer wegfallen muß. §. 1434. Wichtiger ist daher die Unterscheidung dem Orte nach, wo sich der Fruchtkeim fixirt. Es sind in dieser Hinsicht als primaͤre Schwangerschaften vier Arten zu bemerken: 1. Aeußere Eierstocksschwangerschaft (Graviditas ovarii externa), wo die Frucht dem die Oberflaͤche des Eier- stocks uͤberziehenden Bauchfelle aͤußerlich anhaͤngt; 2. innere Eierstocksschwangerschaft (Graviditas ovarii interna) wo in der Substanz des Eierstocks das Ovulum sich entwik- elt; 3. Bauchhoͤhlenschwangerschaft (Graviditas abdominalis) wo an irgend einem andern Punkte des Bauch- fells die Frucht sich anhaͤngt und fortwaͤchst, wodurch sie aͤußern Eierstocksschwangerschaft sehr verwandt wird; 4. Mut- tertrompetenschwangerschaft (Graviditas tubaria), wo der Kanal der Muttertrompete die Funktion des Uterus uͤber- nimmt, wobei noch der seltene Fall eine Untergattung bildet, wo die Frucht in dem Theile der Tuba, welcher den Uterus durchbohrt, sich anheftet, man koͤnnte dieses als Graviditas tubo-uterina bezeichnen. — Als sekundaͤre Schwangerschaften lassen sich drei Arten auffuͤhren: 1. Bauchhoͤhlenschwangerschaften, und 2. Harnblasenschwangerschaften (es ist jedoch klar daß diese, eben weil hier der Fetus nicht weiter entwickelt wird, nur uneigentlich Schwangerschaften zu nennen sind); 3. Mutterscheidenschwangerschaft , woruͤber nur eine einzige Beobachtung von Noel bekannt ist, wobei das durch den Uterus hindurchgegangene Ei sich in der Vagina zur Reife ausgebildet haben und geboren worden seyn soll. §. 1435. Wie nun aber so hoͤchst verschiedenartige Organe saͤmmt- lich einem so wichtigen Geschaͤft als die Ernaͤhrung des Kindes ist, vorstehen koͤnnen, wird nur begreiflich, indem man be- ruͤcksichtigt, was bisher voͤllig uͤbersehen worden ist, daß die gesammte innere Flaͤche des Fruchtganges (Mutter- scheide, Gebaͤrmutter und Muttertrompeten) durch das Abdominalende der Fallopischen Roͤhren ein wah- res Continuum mit dem gesammten Bauchfelle bildet , und daß es folglich eine und dieselbe Flaͤche einer nur verschieden geformten plastischen Haut ist, welche der Ernaͤhrung und Fortbildung des einmal aus dem Ovario hervorgetretenen Keimes, sowohl bey der aͤußern Eierstocks- schwangerschaft, Bauchhoͤhlen- und Muttertrompetenschwanger- schaft, als der eigentlichen Gebaͤrmutterschwangerschaft uͤbernimmt, wenn hingegen bey der innern Eierstocksschwangerschaft die Entwicklung an demselben Punkte, wo sie zuerst begruͤndet wurde, auch fortschreitet. — Anmerkung . Wie wichtig diese Ansicht von Continuitaͤt der innern Haut des Fruchtganges mit dem Bauchfelle sey, wird sich noch vorzuͤglich bei Betrachtung der Krankheiten der Woͤchnerinnen ergeben. Uebrigens waͤre eine genaue Untersuchung des Verhaltens einer solchen Stelle des Bauchfells, welche die Ernaͤhrung der Frucht uͤbernommen hat, noch sehr zu wuͤnschen. §. 1436. Der Verlauf der Schwangerschaften außer- halb der Gebaͤrmutter, stimmt in den ersten Wochen wohl groͤßtentheils sehr mit dem der Uterinschwangerschaft uͤberein, und außer den gewoͤhnlichen Beschwerden welche so haͤufig der Empfaͤngniß nachfolgen, werden besondere Zufaͤlle nicht bemerkt. Allein um so abweichender ist dagegen groͤßtentheils der fernere Gang des Uebels, jedoch wiederum sehr verschieden, je- nachdem die Frucht sich frei in der Bauchhoͤhle, oder eingeschlossen in der Tuba oder im Eierstocke entwickelt. Mehrere Zeichen der Schwangerschaft uͤberhaupt, als Verlieren der Menstruation, Anschwellen der Bruͤste u. s. w. werden indeß meistens beobach- tet, obwohl weniger constant als in der wahren Schwanger- schaft. Im erstern Falle ist zuweilen auch im Fortschreiten der Entwicklung das Wohlbefinden der Schwangern nicht betraͤchtlich gestoͤrt, so daß oͤfters bei denselben gar der Ver- dacht eines widernatuͤrlichen Zustandes nicht erwachen konnte. Zuweilen aber kuͤndigt sich der Zustand auch hier, wenigstens vom zweiten oder dritten Monate, durch ungewoͤhnliche Zufaͤlle an. Die Schwangern leiden, in Folge des entzuͤndungsartigen Reizes an einer Stelle des Bauchfells, an heftigen Schmerzen und Stoͤrungen in den Funktionen der Unterleibseingeweide, welche durch die umgeaͤnderten raͤumlichen Verhaͤltnisse, durch sich bildende Verwachsung u. s. w. veranlaßt werden; also an Erbrechen, Kraͤmpfen, Durchfall, Obstruktion u. s. w. verbunden mit einseitiger, von der schmerzhaften Stelle aus- gehender Anschwellung des Unterleibes. §. 1437. Merkwuͤrdig ist ferner das Verhalten des eigentlichen Geschlechtsapparats. Auch der Uterus naͤmlich veraͤndert sich hierbei wie bei einer angehenden Gebaͤrmutterschwangerschaft, seine innere Haut lockert sich auf, seine Substanz selbst schwillt etwas an, seine Hoͤhle wird geraͤumiger und die Vaginalportion, deren Muttermund rundlicher wird, faͤngt an sich etwas zu verkuͤrzen. Vorzuͤglich wichtig aber ist die Bildung einer wahren flockigen Haut (Membrana decidua Hunteri) an seiner innern Flaͤche, welche bei laͤnger dauernden Schwan- gerschaften dieser Art oft zu Molenartigen Massen anschwillt, ja in dieser Form zuletzt wohl wirklich geboren werden kann So in dem von Navara (Journal univers. des sciences módic. 1816. Jul. erzaͤhlten Falle. . Daß mit dieser Veraͤnderung des Uterus auch die an demselben bemerkbaren Erscheinungen am Ende der Schwangerschaft in Verbindung stehen, wird sich noch spaͤterhin ergeben. §. 1438. Die Entwicklung der Frucht selbst scheint im Ganzen hierbei wenig von der im Uterus vor sich gehenden unterschieden. Immer bildet sich der Fetus in Eihuͤllen (Haͤute und Pla- centa hat man hierbei uͤbrigens meistens duͤnner gefunden) und Fruchtwasser, und ist durch einen nicht selten ganz dem gewoͤhnlichen aͤhnlichen Nabelstrang mit den Haͤuten ver- bunden So z. B. in den Faͤllen welche Deutsch, Heim , Navara beobach- teten. ; zuweilen scheinen indeß auch mehrere einzelne Ge- faͤße (wie in dem bekannten Walther’schen Falle ) die Verrichtung des Nabelstranges zu uͤbernehmen, obwohl Fruͤchte, welche lange abgestorben in der Bauchhoͤhle gelegen haben, und dann oft nach obliterirten Eihaͤuten bald hie bald da mit dem Peritonaeo zusammenkleben, kein bestimmtes Ur- theil erlauben. Nach Duverney und Ramsay bildet sich sogar in diesen Faͤllen noch außer den Eihaͤuten eine, der Gebaͤrmutteraͤhnliche, Huͤlle um das Ei, welches, wenn es sich bestaͤtigte, um so merkwuͤrdiger waͤre, da es dem Verhalten der oft in der Bauchhoͤhle entstehenden Hydatiden (Cysticercus) entspraͤche. Daß uͤbrigens hier das Kind selbst voͤllig reif, und zum weitern Fortleben tuͤchtig, ausgebildet werden kann, ist durch den Fall von Navara und den unter Heim’s Lei- tung 1813 zu Berlin lebend aus der Bauchhoͤhle genommenen Knaben außer Zweifel gesetzt. (s. Rust Magazin f. d. ges. Heilk. III. Bd. 1. Hft.) §. 1439. Der Verlauf der Muttertrompeten- und in- nern Eierstocksschwangerschaft unterscheidet sich von dem in den vorigen §§ beschriebenen vorzuͤglich dadurch, daß selten hier die Frucht ihre voͤllige Reife erreicht, sondern meistentheils durch Zerreißung des abnormen Fruchthaͤlters die Schwangerschaft schon im zweiten, dritten oder vierten Monat geendigt wird. Demungeachtet ist das Austragen des Kindes auch hier nicht unmoͤglich, da z. B. von J. S. Saxtorph bei einer toͤdtlich abgelaufenen Muttertrompetenschwangerschaft ein reifes Kind in der Tuba gefunden wurde Acta Reg. Societat. med. Havniens. Vol. V. ; eben so wie andern Theils auch bei Bauchhoͤhlenschwangerschaften es nicht selten vorgekommen ist, daß die Ernaͤhrung des Kindes schon in fruͤhern Monaten unterbrochen wurde. §. 1440. Die Zufaͤlle welche den muͤtterlichen Koͤrper im Laufe einer solchen Schwangerschaft betreffen, sind insgemein stuͤr- mischer als in den Bauchhoͤhlenschwangerschaften; die Un- terleibsschmerzen treten fruͤher und heftiger ein, sind hier nach Heim s. Horn’s Archiv fuͤr medicinische Erfahrung 1812. 1. Hft. oft mit einem eigenthuͤmlichen Klagegeschrei verbunden, obwohl die Erscheinungen auch hier sich keinesweges gleich bleiben und unter gewissen Umstaͤnden die Schmerzen allerdings minder betraͤchtlich seyn koͤnnen In einem von mir beobachteten Falle einer nach 6 woͤchentlicher Dauer durch Ruptur geendigten Graviditas tubaria hatte die Frau durchaus bis zur Zerreißung keine besondern Zufaͤlle erlitten. . Die ungleiche Anschwellung des Leibes ferner, und die unvollkommenen Entwick- lungsvorgaͤnge im Uterus (§. 1437) hat diese Schwangerschaft ganz mit der Bauchschwangerschaft gemein. Zuweilen will man, insbesondre bei der Muttertrompetenschwangerschaft, den Abgang eines schwaͤrzlichen Blutes bemerkt haben. Daß sich uͤbrigens Verwachsungen des abnormen Fruchthaͤlters mit andern Organen, weitere Ausbildung desselben (wobei die Muttertrompete z. B. eine mehr dem Uterus aͤhnliche Struktur annimmt), Entzuͤn- dungen, ja brandiger Zustand desselben entwickeln koͤnnen, hat die Erfahrung mehreremale bewiesen. §. 1441. Das Verhalten der Frucht hierbei ist gewoͤhnlich dem Verhalten der Frucht im Uterus noch weit aͤhnlicher als bei der Bauchhoͤhlenschwangerschaft. So zeigte sich z. B. in einer von Boͤhmer Observationes anatomicae fasc. 1. beschriebenen inneren Eierstocksschwanger- schaft, das Kind mit Nabelstrang und Haͤuten regelmaͤßig gebildet, und eben so finde ich es an einem Falle wo die Frucht in dem zu einem Nebensinus der Gebaͤrmutter erwei- terten innersten Theile des Kanals der Tuba lag Diesen hoͤchst merkwuͤrdigen Fall besitzt die hiesige Entbindungsan- stalt durch die Guͤte des D. Hedrich zu Frauenstein, welcher davon in Horn’s Archiv 1817. 5 Hft. den naͤhern Bericht mitgetheilt hat. Nur noch ein Fall dieser Art, von Schmidt , ist bisher bekannt. . §. 1442. Der Ausgang der Schwangerschaften außerhalb der Gebaͤrmutter ist hauptsaͤchlich sechsfach. Die erste und guͤnstigste Beendigung derselben ist das fruͤhzeitige Absterben und Einschrumpfen des an einem falschen Orte niedergelegten Keimes. In diesem Falle koͤnnen, nach kaum bemerklich gewordenen Zeichen der Conception, diese wieder verschwinden, und die Spuren der Empfaͤngniß (wenn nicht durch den obliterirten Keim etwa ein Kanal der Tuba verschlossen wird und hierdurch zu andern Zufaͤllen Veranlassung giebt Einen Fall dieser Art s. bey Böhmer observationes anatomicae fasc. III. ) werden dann vielleicht nur zufaͤllig bei der spaͤter etwa unternommenen Sektion bemerkt. Der zweite Aus- gang ist die Zerreißung des abnormen Fruchthaͤlters, welche namentlich bei Schwangerschaften der Tuba und des Ovariums bemerkt wird. Sie erfolgt meistens in den fruͤhern Monaten, und hat meistens eine große, unmittelbar toͤdtlich werdende Ergießung von Blut in die Bauchhoͤhle zur Folge. Daß hierdurch eine wahre sekundaͤre Bauchhoͤhlenschwangerschaft (Wiederanheftung und Fortbildung des Kindes in der Bauch- hoͤhle) moͤglich seyn sollte, laͤßt sich wohl schwerlich annehmen Ob eine Erklaͤrung als sekundaͤre Bauchschwangerschaft wohl der Fall von Fuchsius in Siebold’s Journal f. Geburtshuͤlfe II. Bd. 2. St. zuließe? — , wenn auch das Fortleben der Mutter nach der Zerreißung, und die Verhaͤrtung oder Aufloͤsung der Frucht in der Bauchhoͤhle vorkommen koͤnnte Nach Zerreißung des Uterus ist dieß vorgekommen in dem von Eysson beschriebenen Falle welchen Osiander (Handb. d. Entbindkst. 1. Thl. S. 361 anfuͤhrt). . §. 1443. Der dritte Ausgang ist es wenn das außerhalb der Bauchhoͤhle liegende Kind, entweder vor oder nach erreichter voͤlliger Reife abstirbt und nun theils allmaͤhlig einschrumpft, oft die weichen Theile allmaͤhlig aufgesogen werden, und endlich eine feste erdige Kruste die zusammengeballte Frucht uͤber- zieht Es erinnert diese Ablagerung an die Schalenbildung um die Eier mehrerer Eierlegenden Thiere. , wodurch denn dieselbe endlich dergestalt von den uͤbrigen Theilen abgesondert wird, daß sie beinahe als frem- der Koͤrper Wie H. Meckel (patholog. Anatomie II. Bd. S. 169) erinnert, vegetiren solche Fruͤchte gewiß, so lange sie nicht wirklich zerfallen, immer noch fort, es wachsen ihnen die Zaͤhne fort u. s. w. — Ueberhaupt lese man die ganze interessante Abhandlung uͤber Ex- trauterinalschwangerschaften nach. und zwar ohne weitere betraͤchtliche Stoͤrung der Gesundheit eine lange Reihe von Jahren (10, 20, bis 56 Jahre) im Koͤrper zuruͤckbleiben kann, und dann den Namen eines Steinkindes, einer Steinfrucht (Osteopädion, Lithopädion) erhaͤlt Einen merkwuͤrdigen Fall dieser Art nebst Aufzaͤhlung der aͤltern Faͤlle s. vom Hofr. Seiler gegeben in d. Zeitschrift f. Natur- und Heilkunde der Profess. d. med. chir. Akad. z. Dresden. I. Bd. 2 Hft. . Es betrifft dieß vorzuͤglich Fruͤchte, welche in der Bauchhoͤhle lagen; indeß auch bei der Muttertrompetenschwangerschaft ist es vorgekom- men. In einzelnen Faͤllen soll das Kind bevor es diese Verhaͤrtung eingegangen ist, mehrere Jahre gelebt haben So in dem von Meckel a. a. O. erwaͤhnten Falle Schmidt’s , wo nach dreijaͤhriger Bauchschwangerschaft das Kind lebend durch den Bauchschnitt geboren worden seyn soll. . §. 1444. Der vierte Ausgang ist der, wo das Kind, nach- dem es vor oder nach erfolgter Reife abstarb, durch eine Entzuͤndung und Eiterung im Umkreise seiner Bildungsstelle (vielleicht zunaͤchst eines abnorm um dasselbe gebildeten Frucht- haͤlters s. §. 1438) sich allmaͤhlig aufloͤst, der gebildete Absceß auf eine oder die andere Weise nach und nach einen Ausweg sucht, und endlich durch die Bauchdecken, den Darmkanal, oder in seltnen Faͤllen durch die Harnblase und Mutterscheide die Reste des Kindes entleert. — Es sind dieses Faͤlle, welche ganz vorzuͤglich die enorme Reproduktionskraft des weiblichen Koͤrpers zu bewaͤhren dienen, indem hierbei die enormsten Zerstoͤrungen und Eiterungen im Innern des Koͤrpers oft vor sich gehen und demungeachtet haͤufig das Leben erhalten wird, ja selbst Faͤhigkeit zu erneuerter und zwar regelmaͤßiger Schwangerschaft oft bald zuruͤckkehrt, eben so wie man neben einem Lithopädion zuweilen eine Uterinschwangerschaft ent- stehen sah. §. 1445. Vorzuͤglich haben sich auf diese Weise Bauchhoͤhlenschwan- gerschaften oͤfters geendigt, und am guͤnstigsten fuͤr die Mutter ist es dabei, wenn der Absceß sich durch die Bauchbedeckungen oͤffnet, (haͤufig geschieht dieß durch den Nabelring) indem man auf diesem Wege selbst die voͤllige Entwicklung des ausgetragenen und noch nicht aufgeloͤsten Kindes leicht von Statten gehen sah So entband sich eine Frau nach 5/4 jaͤhriger Schwangerschaft, aus einem Absceß an den Bauchdecken selbst von einem 18 Zoll langen ziemlich erhaltenen todten Maͤdchen (Salzb. med. chir. Zeitung 1815. 2. Bd.) , ja sogar Zwillinge hier entwickelt hat So in Bell’s Fall s. Richter’s chirurgische Bibliothek. 4 Bd. S. 411. . Schon langwieriger und gefaͤhrlicher ist der Uebergang der Frucht in den Darmkanal, bei welchen oft bedeutende, selbst der Untersuchung durch den After fuͤhlbare Oeffnungen entstehen, und die einzelnen Kindesknochen dann mit vielem Eiter durch dem Mastdarm ausgeleert werden. Auch Mutter- trompetenschwangerschaften haben sich so geendigt. — (Ist wirklich ein vom Peritonaeo gebildeter Sack um das Ovulum , so erklaͤrt sich der oft gluͤckliche Ausgang dieser Faͤlle weit leichter). In einem Falle will man sogar beobachtet haben, daß die Reste eines aufgeloͤsten Kindes, welche in den Darmkanal uͤbergegangen waren, ausgebrochen wurden So in Marold’s Fall, welchen H. Osiander (Handb. d. Endbindungsk. Thl. 1. S. 337) anfuͤhrt. . — Der dritte Ausweg durch Vagina oder Harnblase kommt selten vor, indeß hat man selbst durch die Harnblase die Knochen des Kindes, ohne der Mutter toͤdtlich zu werden, abgehen sehen So in dem Falle von Morlane beschrieben (s. Meckel’s Handb. d. pathol. Anatomie Bd. 2. S. 175.) . §. 1446. Bemerkenswerth sind nun noch einige Erscheinungen am muͤtterlichen Koͤrper, welche, es mag nun eine außerhalb des Uterus liegende Frucht sich verhaͤrten oder in Eiterung uͤber- gehen (seltner, und nur zum Theil, wo die Zerreißung des abnormen Fruchthaͤlters erfolgt) beobachtet werden. Hierher gehoͤren aber zunaͤchst die voͤllig Wehen-artigen Schmerzen, welche, sobald das Kind seine Reife erlangt hat, immer einzu- treten pflegen, oft aber, bei einem fruͤhern Aufhoͤren der Bildung der Frucht, auch zeitiger bemerkt werden. Oefters waren diese Schmerzen so heftig daß die Schwangern, wie die zugerufenen Hebammen, ja selbst Geburtshelfer, sie fuͤr wahre Geburts- wehen nahmen. — Sie sind wohl nur aus dem fortgeleiteten Reize auf der plastischen Flaͤche des Bauchfells und des Fruchtganges zu erklaͤren, und haben allerdings ihren Sitz im Uterus selbst, so daß unter diesen bald nur einige Tage, bald mehrere Monate dauernden, ja mitunter sich mehreremale erneuernden Schmerzen zuweilen Oeffnung des Muttermundes, ja Austreiben der aus der Membrana decidua gebildeten Molenartigen Massen eintritt In dem oben angefuͤhrten Falle von Fuchsius sollten diese Contractionen sogar das Zerreißen des nichtschwangern Uterus bewirkt haben. . §. 1447. Andere Erscheinungen welche noch waͤhrend diesem so verzoͤgerten Verweilen der Frucht im muͤtterlichen Koͤrper beobachtet werden, sind das Vorhandenbleiben eines erregtern Zustandes im Geschlechtssystem, welcher sich zuweilen durch fortdauernden Mangel der Menstruation oder durch anhaltende, wenn auch geringe Milchsekretion in den Bruͤsten bemerklich macht. Indeß sind diese Zufaͤlle so wie andere bleibende Zeichen der Schwangerschaft, als Anschwellung des Leibes, oft so gering, daß schon zuweilen verhaͤrtete Fruͤchte ganz unerwartet, ohne daß man durch besondre Symptome auf ihr Vorhandenseyn geleitet worden waͤre, bei Leichenoͤffnungen gefunden wurden. §. 1448. Der fuͤnfte Ausgang der Extrauterinalschwanger- schaft ferner ist der, wo durch eine Operation die Frucht hinweggenommen wurde; welches, wenn auch nun schon einigemale dadurch lebensfaͤhige Kinder geboren wurden, doch fuͤr die Mutter nur da guͤnstig ausgefallen ist, wo das Ab- sterben der Frucht bereits eine Aufloͤsung und Abloͤsung der aͤußern Bildungsorgane derselben herbeigefuͤhrt hatte. — Der sechste und seltenste Ausgang endlich ist der, wo das Kind auf dem natuͤrlichen Wege noch wirklich geboren wird, welches begreiflicherweise nur bei der uͤberhaupt noch etwas problematischen Mutterscheidenschwangerschaft der Fall seyn koͤnnte und wirklich gewesen seyn soll. §. 1449. Diagnose . Sie ist eine der schwierigsten im ganzen Bereich der Gynaͤkologie, wenigstens in den fruͤhern Monaten dieser Schwangerschaften. Man muß bei den hierher gehoͤrigen Zeichen unterscheiden zwischen den Zeichen der Schwangerschaft uͤberhaupt, den Zeichen der Extrauterinalschwangerschaft ins- besondre, und endlich den Zeichen der besondern Arten der Extrauterinalschwangerschaften. — Ruͤcksichtlich der erstern muͤssen wir auf die fruͤhern Angaben (§ 772. u. f.) verweisen, und finden nur zu bemerken daß auch hier, als sichere Zeichen, nur das Fuͤhlen der Kindestheile oder Kindesbewegungen gelten koͤnnen, wodurch denn eben die Entscheidung in den fruͤhern Monaten so sehr erschwert wird. §. 1450. Die zweite Art, die Kennzeichen der Schwangerschaft außer der Gebaͤrmutter insbesondre, bestehen in den zu be- ruͤcksichtigenden speciellen Erscheinungen derselben, als welche vorzuͤglich folgende fuͤr die Diagnose wichtig werden: — 1) Unvollkommnes Fortschreiten der Veraͤnderungen an Mutter- mund und Mutterhaks, welche, obwohl der Unterleib fortwaͤhrend anschwillt, alsbald einen voͤlligen Stillstand machen. 2) Klein- bleiben des durch den Scheidengrund oder Mastdarm gefuͤhlten Gebaͤrmutterkoͤrpers, bei fortgehender Entwicklung der Unter- leibsgeschwulst. 3) Deutlicheres Durchfuͤhlen der nicht vom Uterus umgebenen Kindestheile durch die Bauchdecken oder zuweilen auch durch den Mutterscheidengrund oder Mastdarm (in Verbindung mit dem vorigen am meisten charakteristisch). 4) Heftige von Zeit zu Zeit wiederkehrende, von der anschwellen- den Stelle des Leibes ausgehende, mitunter wehenartige Schmer- zen, oft wohl mit einem eigenen winselnden Geschrei und Verziehung des Gesichts. 5) Ungleiches Anschwellen des Leibes, welches meistens mehr von einer Seite ausgeht. 6) Mitunter eintretender Abgang von blutigem Schleim oder schwaͤrzlichem Blut. 7) Die Kranke kann oft nur auf der leidenden Seite liegen. 8) Der nicht erfolgende Eintritt der Geburt nach Ablauf der gewoͤhnlichen Schwangerschaftszeit, vielmehr die hier sich einfindenden heftigen wehenartigen Schmer- zen und die Zufaͤlle von Entzuͤndung, Eiterung, und Abgang einzelner Knochen des Kindeskoͤrpers, oder das Gefuͤhl eines verhaͤrteten Klumpens bei ruͤckbleibender Milch in den Bruͤsten oder wohl auch andauerndem Mangel der Menstruation. §. 1451. Von der Gebaͤrmutterschwangerschaft ist es sonach nicht allzuschwer, durch Beruͤcksichtigung der genannten Zeichen, besonders des Verhaltens der Vaginalportion, der heftigen Schmerzen u. s. w., die Extrauterinalschwangerschaft zu unterscheiden. Weit schwieriger hingegen ist, namentlich in den fruͤhern Monaten, die Unterscheidung von den Krank- heiten der Eierstoͤcke, den Entzuͤndungen, Dege- nerationen derselben so wie des Uterus u. s. w., als bei welchen nur durch Beruͤcksichtigung des bei diesen Krankheiten gewoͤhnlichen langsamern Ganges der Anschwellung, den Mangel der Veraͤnderung der Vaginalportion, und fuͤhl- barer Kindestheile, eine bestimmtere Unterscheidung moͤglich ist (vergl. 1. Thl. §. 531. u. f. u. §. 408. u. f.). Was die Zei- chen der einzelnen Arten der Extrauterinalschwangerschaft betrifft, so ergeben sie sich aus der fruͤhern Geschichte derselben genuͤglich. Bei der Bauchschwangerschaft wird das Wohlbefin- den weniger gestoͤrt, und die Ausdehnung des Leibes gleichfoͤrmi- ger seyn; bei der innern Eierstocks- und Muttertrompetenschwan- gerschaft wird der Schmerz heftiger und die Anschwellung einseitiger seyn u. s. w. §. 1452. Ueber die Ursachen der Schwangerschaften außerhalb der Gebaͤrmutter ist wohl eine genuͤgende Bestimmung kaum moͤglich; als mitwirkende Ursachen koͤnnen jedoch, wie auch von Meckel bemerkt wird Handb. d. pathol. Anat. 2. Bd. S. 175. , hauptsaͤchlich zweierlei Momente betrachtet werden: 1) Hinderungen in der Fortbewegung des Ovuli vom Ovario nach dem Uterus, als welche theils Atonie der Tuba, theils Verschließungen ihres Kanals wirken koͤnnen. 2) Uebermaͤßige Erregung im Ovario oder der Tuba selbst, wodurch diese Theile bestimmt werden die Entwicklung der Frucht zu uͤbernehmen. §. 1453. Daß die Prognose bei diesen Regelwidrigkeiten im Allgemeinen sehr unguͤnstig seyn muͤsse, ergiebt sich aus dem Vorhergehenden zur Genuͤge; sie wird jedoch guͤnstiger werden fuͤr Mutter und Kind bei Bauchhoͤhlen- und aͤußern Eier- stocksschwangerschaften, am guͤnstigsten bei Vaginalschwanger- schaften, sehr unguͤnstig hingegen bei Muttertrompeten- und innern Eierstocksschwangerschaften. Eben so ist die Prognose nach den Ausgaͤngen sehr verschiedenartig, am gluͤcklichsten ist das zeitige Obliteriren der Frucht, am gefaͤhrlichsten die Ruptur des abnormen Fruchthaͤlters; die Vereiterung hat man oͤfters doch gluͤcklich fuͤr das Leben der Mutter sich endigen sehen, so wie auch beim Lithopädion allgemeine leidliche Gesundheit bestehen kann. §. 1454. Die Behandlung dieser Zustaͤnde ist sehr schwierig und das Vermoͤgen der Heilkunst hier sehr beschraͤnkt. Was die fruͤhern Zeitraͤume dieser Schwangerschaften betrifft, so ist hier schon wegen der schwierigen Diagnose oft eine direkte Behandlung einzuleiten unmoͤglich, und moͤchte sich denn auch, außer bei sicher erkannter innerer Eierstocks- oder Mutter- trompetenschwangerschaft, kaum etwas außer der doch wieder an sich sehr gefaͤhrlichen und in vielen Faͤllen gar nicht ausfuͤhrbaren Exstirpation des abnormen Fruchthaͤlters, in Vorschlag bringen lassen. Die wichtigste Behandlung tritt daher vorzuͤglich nur erst ein, bei voͤlliger Reife des Kindes, oder dem schon fruͤher erfolgten Absterben desselben und Hinneigung zur eiterigten Aufloͤsung. Bei erfolgter Reife des Kindes und Zeichen des Lebens ist aber namentlich Gast- rotomie nach oben gegebenen Regeln (§. 1294. u. f.) indicirt Ausfuͤhrliche Beschreibung einer solchen Operation s. von Heim gegeben in Rust’s Magazin f. ges. Hlk. III. Bd. 1 Hft. ; dahingegen bei schon eingetretener Eiterung dieselbe durch erweichende Mittel zu befoͤrdern, wo moͤglich mehr gegen die aͤußern Bauchdecken hinzuleiten, und die Reproduktion wie bei allen innern Eiterungen, durch zweckmaͤßige Diaͤt, China u. s. w. zu unterstuͤtzen ist. — Auch bei diesen Eiterungen wird uͤbrigens oft noch das Eingreifen der operativen Chirurgie noͤthig. Die Oeffnung des Absceßes in den Bauchdecken ist mehremale mit gluͤcklichem Erfolge erweitert worden um die Reste des Fetus zu extrahiren s. Weinhardt Beschr. einer merkw. Operation durch den Kai- serschnitt. Bautzen. 1802. , beim Eindringen von Knochen in die Harnblase hat man sich zum Blasenschnitte genoͤthigt gefunden, u. s. w. — §. 1455. Bei alle diesen Operationen uͤbrigens, welche zur Extrak- tion eines Extrauterinalfetus unternommen werden, macht nun besonders die Entwicklung der Nachgeburt Schwierigkeit. Selten wird man sie ohne Gefahr heftiger Blutung gewaltsam trennen koͤnnen, und also immer noch ein Eiterungsproceß zum Abstoßen derselben erforderlich seyn; weßhalb denn eben die Faͤlle, wo die Natur selbst die Aufloͤsung der Frucht uͤbernahm, meistens guͤnstiger fuͤr die Mutter endigen als die Operationen. Daß dieses ein Fingerzeig werden muͤsse, bei abgestorbenen Fruͤchten nicht zu sehr mit der Operation zu eilen, nach unternommener Operation aber die Nabelgefaͤße in der Wunde liegen zu lassen, bis die (zu befoͤrdernde) Eiterung die Abstoßung der Placenta beendigt hat, ergiebt sich von selbst. Bei einer in Verhaͤrtung uͤbergehenden Frucht wuͤrde die Operation ganz unterbleiben. — Findet man sie bei der Operation in einer Tuba oder in einem Ovario, so sind diese Theile wie der Uterus beim Kaiserschnitt zu behandeln, dafern es nicht den vorliegenden Umstaͤnden nach gerathener scheinen sollte, die Exstirpation des ganzen abnormen Frucht- haͤlters zu unternehmen. II. Von regelwidriger Dauer der Verbindung der im Uterus enthaltenen Frucht mit dem muͤtter- lichen Koͤrper . I. Zu kurze Dauer dieser Verbindung, Fruͤhgeburt oder Fehlgeburt (Partus praematurus, fausse-couche). §. 1456. Wir verstehen hierunter eine jede Geburt welche vor dem Ablauf der sieben und dreißigsten Schwanger- schaftswoche erfolgt, und unterscheiden davon folgende Arten: — 1) Den eigentlichen Mißfall (Abortus) welcher vom ersten bis vierten Monate, 2) die unzeitige Geburt (partus immaturus) welche vom fuͤnften bis siebenden Monate, und 3) die fruͤhzeitige Geburt (partus praecox, praematurus) welche im achten oder neunten Monate erfolgt. §. 1457. Diese abnormen Geburten sind ferner sehr verschieden, jenachdem sie durch eine oder die andere Veranlassung entstehen. Wir unterscheiden hier folgende drei Momente: 1) Mangelhafte, endlich voͤllig aufhoͤrende Ernaͤhrung der Frucht, und Absterben derselben; 2) mechanisch bewerkstelligte Abtrennung der Frucht vom Uterus; 3) zu zeitig und ohne daß eins der vorhergenannten Momente fruͤher Statt gehabt haͤtte, eintre- tendes Erwachen der Zusammenziehungen des Uterus (der Wehen). Diese Ursachen , weil nach ihnen auch der Ver- lauf, die Folgen und die Behandlung verschieden sind, haben wir zunaͤchst zu betrachten. Anmerkung . Die Fruͤhgeburten wegen Mißbildung des Eies (Molenbildung) werden wir spaͤterhin besonders betrachten. §. 1458. Was 1) die mangelhafte Ernaͤhrung der Frucht betrifft, so ist sie selbst wieder die Folge anderer krankhafter Verhaͤltnisse, naͤmlich allgemeiner oder oͤrtlicher, fieberhafter oder chronischer Krankheiten, schwaͤchender Ausleerungen, als oͤfterer Aderlaͤsse oder sonstiger Blutungen, zu starker Abfuͤh- rungen, heftiger Schweiße, schlechter Luft und Nahrung, deprimirender Gemuͤthsstimmungen oder heftiger Gemuͤthser- schuͤtterungen, unguͤnstiger Temperatur (weßhalb in sehr heißer so wie in sehr kalter Zeit Fehlgeburten oͤfterer vorkommen). Oertliche Veranlassung giebt vorzuͤglich der Schwaͤchezustand im Geschlechtssystem, Leukorrhoͤe, vorausgegangene oder noch Statt findende Syphilis, Blutungen, Wassersucht der Gebaͤr- mutter, noch waͤhrend der Schwangerschaft fortgesetztes Stillen u. s. w. §. 1459. Durch alle diese Umstaͤnde wird der weibliche Koͤrper fuͤr Unterhaltung der Fortbildung der Frucht zuletzt unfaͤhig ge- macht, es erfolgt das Absterben derselben, und kuͤndigt sich dann gewoͤhnlich durch folgende Zeichen an: — Aufhoͤren der Kindesbewegungen (dafern die Schwangerschaft schon uͤber die Haͤlfte vorgeruͤckt war), eintretender, sich mehremale wieder- II. Theil. 31 holender Frost, Gefuͤhl allgemeinen Uebelbefindens, verlorene Eßlust, fauliger Geschmack, Empfindung von Schwere und Kaͤlte im Unterleibe, wobei die Schwangere das Heruͤber- und Hinuͤberfallen eines schweren Klumpens, im Wenden von einer zur andern Seite wahrnimmt Dieses Gefuͤhl ist physiologisch merkwuͤrdig, und stimmt mit dem Gefuͤhl scheinbar vermehrter Schwere von Kranken welche dem Tode nahe sind, uͤberein. ; ferner Zusammenfallen der Bruͤste, Erschlaffung der Vaginalportion und des Mutter- mundes, Ausfluß von vielem oft gefaͤrbtem und riechendem Schleim, kuͤhlere Temperatur der Vagina, Kreuzschmerzen u. s. w. — Ist nun das Absterben der Frucht erfolgt, so wird bei aufgehobener Wechselwirkung zwischen Ei und Uterus die Neigung zur Ausstoßung des erstern rege, und erfolgen denn endlich Wehen so geht die Geburt vor sich. — Die Zeit wie lange die bereits voͤllig abgestorbene Frucht noch im Uterus bleibt, ist verschieden, zuweilen erfolgt das Ausstoßen derselben sehr bald, zuweilen kann sie auch wohl eine, ja mehrere Wochen im Uterus zuruͤckbleiben, ja es laͤßt sich hierbei durchaus a priori die moͤgliche Zeit des Zuruͤckbleibens gar nicht bestimmen, da wir bei den verzoͤgerten Schwan- gerschaften einiger freilich hoͤchst seltener Faͤlle erwaͤhnen werden, wo die todte Frucht Jahre lang zuruͤckgeblieben war. — Jenachdem die Frucht uͤbrigens kuͤrzere oder laͤngere Zeit zuruͤckbleibt, und die Luft weniger oder mehr Zutritt hat (z. B. bei mehr geoͤffnetem Muttermunde) ist die Faͤulniß in welcher Fruchtwasser, Kind und Nachgeburt geboren werden, staͤrker oder schwaͤcher. Mitunter erreicht sie wirklich einen Grad fast voͤlliger Aufloͤsung. §. 1460. 2) Mechanisch bewerkstelligte Abtrennung der Frucht vom Uterus . Sie ist entweder nur theilweise geschehen oder betrifft die ganze Adhaͤsionsflaͤche der Placenta. Man kann ferner unterscheiden 1) die Abtrennungen durch aͤußere Einwirkungen, 2) die von innern Ursachen abhaͤngi- gen. — Was die erstern betrifft so gehoͤren dahin Fall, Druck, Stoß, Erschuͤtterung durch Springen, Laufen, Heben schwerer Lasten u. s. w. — Dahingegen zu den letztern das Einzwaͤngen und Erschuͤttern des Uterus durch Pressen der Bauchmuskeln und des Diaphragmas, bei anhaltendem Husten, Erbrechen, Pressen beim Stuhlgange, ferner die regelwidrigen Lagen des Uterus (namentlich Retroversio und Procidentia uteri), endlich aber die Trennungen des Eies, durch innere Verhaͤltnisse im Uterus bedingt, gehoͤren; Verhaͤltnisse dieser Art sind: Anheftung der Placenta auf dem Muttermunde (wovon noch spaͤterhin ausfuͤhrlicher gehandelt werden wird), gleichzeitiges Vorhandenseyn von Molen und andern Afterge- bilden (vorzuͤglich Polypen) im Uterus. §. 1461. Folgen und zugleich Kennzeichen dieser Einfluͤsse sind vorzuͤglich die eintretenden Blutungen, welche, jenachdem die Trenuung groͤßer oder kleiner ist, heftiger oder minder heftig eintreten, meistens sich durch die Vagina ergießen, zuweilen aber auch bei geschlossenem Muttermunde innerliche Blutungen seyn koͤnnen, als solche sich durch das coagulirende Blut zuweilen selbst stopfen, und dann oft, wenn der Abortus erfolgt, nur durch die Klumpen anhaͤngendes Blut auf der Placenta oder den Haͤuten sich zu erkennen geben. Fernere Wirkung dieser Blutungen sind nun, theils Erhoͤhung der Reizbarkeit des Uterus (eben so wie nach einem Blutverlust insgemein der gesammte Koͤrper reizbarer und empfindlicher wird) und dadurch endlich Erwachen der Contraktionen dessel- ben; theils Stoͤrung in der Ernaͤhrung der Frucht und Ab- sterben derselben, so daß es namentlich darauf ankoͤmmt, wie lange bereits eine solche Trennung der Placenta Statt gefunden habe, und wie viel Blut ausgegangen sey, ob die Frucht noch lebend, oder ob sie nur abgestorben geboren werden koͤnne. §. 1462. 3) Zu zeitig erwachende Contraktionen . Auch ohne daß fruͤheres Absterben der Frucht oder mechanische Ab- trennung derselben vom Uterus erfolgt waͤre, koͤnnen zuweilen Wehen eintreten und die Fruͤhgeburt bewerkstelligen, und zwar namentlich aus folgenden Veranlassungen. — a) Durch Erregungen des Nervensystems vom Gemuͤthe aus . So bewirken heftige Leidenschaften, ploͤtzlicher Schreck So hatte z. B. Baudeloque nach dem Springen eines Pulverma- gazins in Paris 62 unzeitige Geburten zu behandeln. s. Salzburg. med. chir. Zeitung. 1815. No. 59. , heftige Freude u. s. w. oft augenblickliches Erwachen der Wehen, ohne daß vorher die Frucht abgestorben, oder eine durch Blutung angezeigte Trennung der Placenta vorhergegan- gen waͤre. b) Ferner kann eine gewisse Verwoͤhnung des Uterus eintreten, wo ein falscher Schwangerschaftstermin von 2, 3, 4 Monaten u. s. w. gleichsam zur andern Natur wird, und um diese Zeit denn eben so, wie sonst zu Ende der 40 Wochen, die Contraktionen erwachen, welches vorzuͤglich Statt findet wo bereits eine oder mehrere Fruͤhgeburten, sey es aus welcher Ursache es wolle, vorher Statt gehabt haben. Auch hierbei wird die Frucht meistens lebend geboren. c) Es kann aber auch der Consensus zwischen dem Uterus und andern Organen , und namentlich dem Darmkanal die fruͤhern Wehen bewirken, wie dieß denn durch heftige Abfuͤhrungen nicht allzu selten geschieht. d) Endlich koͤnnen auch den Uterus erregende Mittel den Abortus zur Folge haben, wie dieß namentlich von der Sabina, Aloë u. s. w. befuͤrchtet werden muß. §. 1463. Die Zeichen einer auf solche Weise veranlaßten Fruͤhgeburt bestehen vorzuͤglich darin, daß weder Kennzeichen vom Absterben des Kindes, noch Blutabgang, vor begonnenen Wehen, bemerkt werden, obwohl beides, nach eingetretenen Wehen, erscheinen kann. — Uebrigens ist es schon deßhalb wichtig, die Fruͤhgeburten dieser dritten Art genau zu unterscheiden, da die Kunst in Verhuͤtung des Mißfalls hier mehr als in den beiden ersten Gattungen vermag. §. 1464. Vorkommen und Verlauf der Fruͤhgeburten . Im allgemeinen kommen Fruͤhgeburten in den ersten Monaten der Schwangerschaft, wegen der noch weniger innigen Adhaͤsion des Eies, weit haͤufiger als in den spaͤtern Monaten vor, wo sie seltner, aber auch, wegen des schon mehr entwickelten und blutreichern Uterus gefaͤhrlicher sind. — Der Verlauf einer Fruͤhgeburt selbst ist im Ganzen nicht allzusehr von dem der natuͤrlichen Geburt verschieden. Die erste und zweite Periode nur, pflegen bei noch vorhandener laͤngerer Vaginal- portion und groͤßerer Derbheit derselben, betraͤchtlich schmerz- haft und oft sehr langwierig zu seyn. In den spaͤtern Perioden wird bei den Fehlgeburten in den fruͤhern Monaten namentlich die Verschiedenheit bemerkt, daß theils nicht einzeln Frucht- wasser, Kind und Nachgeburt geboren werden, sondern das ganze Ovulum auf einmal (wegen des noch nicht hinlaͤnglich entwickelten Mutterkuchens) ausgestoßen wird, theils daß das Kind selbst vermoͤge seiner Kleinheit nicht den gewoͤhnlichen Geburtsmechanismus befolgt, sondern uͤberhaupt schnell, und (wenn es noch sehr klein) in jeder Lage, durch das Becken hindurchgeht. Der Abgang der Nachgeburt wird, vorzuͤglich bei noch inniger Verbindung derselben (z. B. im 6. bis 8 Monate) und wo die zu zeitig erwachten Wehen Ursache der Fruͤhgeburt sind, oft gleich der vorbereitenden Periode ungewoͤhnlich verzoͤgert. §. 1465. Die Folgen nebst der aus Erwaͤgung derselben sich ergebenden Prognose , sind bei Fruͤhgeburten den Umstaͤnden nach verschieden. Fuͤr das Kind ist uͤberhaupt jede Fruͤhgeburt vor dem achten Schwangerschaftsmonate toͤdtlich. Nach dieser Zeit kann das Kind nur wenn eine nicht zu betraͤchtliche mechanische Trennung, oder die zu zeitig erwachenden Contrak- tionen allein, die Fruͤhgeburt bewirkten, zuweilen erhalten werden, und zwar um so leichter je kraͤftiger seine fruͤhere Ernaͤhrung war, und je mehr es sich der Reife genaͤhert hatte. §. 1466. Fuͤr den muͤtterlichen Koͤrper sind Fruͤhgeburten in den ersten 4 bis 8 Wochen der Schwangerschaft gewoͤhnlich am leichtesten, wegen der noch unbetraͤchtlichen Entwicklung des Uterus. Fruͤhgeburten in den spaͤtern Monaten hingegen stoͤren die Gesundheit weit mehr, und sind auch besonders wegen der ruͤckbleibenden Neigung zu wiederholten Fehlgeburten nachthei- lig. — Außerdem richten sich die Folgen der Fruͤhgeburt auch nach der Ursache aus welcher sie entstanden sind. Fruͤh- geburten bei welchen die Frucht schon fruͤher durch erfolgtes Absterben vom Uterus sich getrennt hatte, gehen gewoͤhnlich leichter von Statten, die Blutung ist gering und das Wochenbett (die Heilung des Uterus) erfolgt schnell. Fruͤhgeburten durch ploͤtzlich erwachte Wehen sind oft schon an sich schwieriger und disponiren im Wochenbette wegen den ploͤtzlich unter- brochenen Entwicklungs- und Ernaͤhrungsproceßen leichter zu Krankheiten. Am Gefaͤhrlichsten indeß pflegen die Fruͤhgeburten aus mechanischer Trennung zu werden, da hierbei entweder die Blutung augenblickliche Lebensgefahr droht, oder doch nachfolgende Krankheiten wegen Saͤfteverlust (als Schteimfluͤsse, Gelbsuchten, Wassersuchten u. s. w.) befuͤrchten laͤßt. §. 1467. Wir kommen nun zur Behandlung der Fruͤh- geburten , und es ist hierbei zunaͤchst der prophylakti- schen Regeln zu gedenken, welche, namentlich wo eine Frau schon ein- oder mehreremale Fruͤhgeburten erlitten hat, zumal wenn die kritische Periode wieder herannaht, beobachtet werden muͤssen. Es sind namentlich folgende: — 1) Vermeidung jeder staͤrkern Gemuͤths- und Koͤrperbewegung, dagegen Beibehalten ruhiger horizontaler Lage. 2) Vermeidung des Coitus. 3) Verhuͤtung von allem wodurch der Leib beengt und gedruͤckt werden koͤnnte, als Schnuͤrleiber, Blanchets u. s. w., wogegen das Tragen einer zweckmaͤßigen Bauchbinde zu empfehlen. 4) Muͤssen Erkaͤltungen und Erhitzungen eben so wie Ueberladungen des Magens und Genuß erhitzender oder geistiger Speisen und Getraͤnke vermieden werden, und es ist zugleich fuͤr regelmaͤßige Unterhaltung der natuͤrlichen Auslee- rungen Sorge zu tragen. §. 1468. Sind ferner bereits Stoͤrungen im Allgemeinbefinden vorhanden, so fordern diese eine baldige und zweckmaͤßige Abhuͤlfe. 5) Zeigt sich sonach ein krankhaftes Uebergewicht der Gefaͤßthaͤtigkeit durch zu reichliche Bluterzeugung, Verdik- kung der Blutmasse und Congestionen (ein theils bei schwam- migen und phlegmatischen, theils bei schwaͤchlichen und sensibeln Koͤrpern waͤhrend der Schwangerschaft sehr haͤufiger Fall), so muß ein durchaus antiphlogistisches Regimen, kuͤhlende, verduͤn- nende Getraͤnke, vegetabilische Kost u. s. w., es muͤssen blande Abfuͤhrungen, ja oft Venaͤsektionen in Anwendung gebracht werden, und nur auf diese Weise ist es oft moͤglich den Mißfall zu verhuͤten. 6) Bei großer Reizbarkeit und Schwaͤche mit Neigung zu krampfhaften Beschwerden werden vorzuͤglich oft wiederholte laue Baͤder, sehr leichte Diaͤt, der sparsame Genuß eines guten alten Weines, fruͤh und Abends eine Tasse vom Aufguß der Flor. Chamom. oder Rad. Valerian. und sorg- faͤltige Vermeidung von allen Gemuͤthsbewegungen, das Mittel zur Erhaltung der Frucht. Ist die Schwaͤche sehr groß, durch vorausgegangene Blutfluͤsse u. s. w. veranlaßt, so muß ein zweckmaͤßiger tonischer Heilplan (wie er fuͤr solche Folgezustaͤnde schon fruͤher beschrieben worden ist) befolgt werden; demunge- achtet wird hierbei doch oft die Fehlgeburt nicht verhuͤtet werden koͤnnen, indem es uͤberhaupt sehr unguͤnstig ist wenn ein so geschwaͤchter Koͤrper schwanger wird, weßhalb denn auch nach einem solchen Unfalle es zweckmaͤßig ist, den Coitus noch laͤngere Zeit zu untersagen. 7) Drohen endlich falsche Lagen des Uterus die Bewirkung einer Fruͤhgeburt, so muß das bei den Krankheiten der Schwangern beschriebene Verfah- ren in Anwendung gebracht werden. §. 1469. Die Behandlung der Fruͤhgeburt selbst ist abermals nach den verschiedenen Ursachen verschieden einzuleiten. Fruͤhgeburten denen das Absterben der Frucht vorhergegangen ist , erfordern eine mehr passive Behand- lung; fuͤr Verminderung der Wehen ist nichts zu thun, da das laͤngere Zuruͤckbleiben einer abgestorbenen Frucht nicht gewuͤnscht werden kann, aber auch kuͤnstliche Verstaͤrkung der Geburtskraft ist nicht erforderlich, da das Austreiben der Frucht gemeiniglich an und fuͤr sich ohne große Schwierigkeit von Statten geht. Es sind daher die einzelnen Perioden hierbei ganz nach den fuͤr die natuͤrliche Geburt aufgestellten Regeln zu behandeln, nur die horizontale Lage bereits in der zweiten Periode annehmen zu lassen ist rathsam, dagegen das Vorbereiten eines eigentlichen Geburtsbettes mit Geburtskissen und Handhaben meistens uͤberfluͤssig. Eben so faͤllt bei kleinen Fruͤchten die Unterstuͤtzung des Mittelfleisches weg, dahingegen bei Wegnahme der Nachgeburt wegen des sehr muͤrben Nabel- stranges viel Vorsicht angewendet werden muß. — Auch fuͤr das Wochenbett gelten die gewoͤhnlichen Regeln, und, auch daß meistens hierbei nicht sehr viel Milchandrang bemerkt wird, beguͤnstigt einen schnellern und leichtern Verlauf dieser Periode. Erfolgen (was jedoch hier seltner vorkommt) Blutungen, so muß eben so wie bei der folgenden Gattung verfahren werden. §. 1470. Die Fruͤhgeburten durch gewaltsame Tren- nung der Placenta machen in ihrer Behandlung die Beruͤcksichtigung der Blutung zum wichtigsten Gegenstande. Man hat demnach vorzuͤglich Folgendes zu erwaͤgen: 1) ob nicht vielleicht wenn man zu der Kranken kommt, bereits die Frucht mit dem Blut (besonders dem geronnenen) fortgegangen sey, welches in den fruͤhern Monaten manchmal von den Schwangern ganz unbemerkt, geschieht, weß- halb denn das abgangene Blut stets genau zu untersuchen ist. Waͤre dieß nun etwa wirklich der Fall, so tritt sodann gegen fort- dauernde Blutung nur das oben erwaͤhnte Verfahren gegen Schwaͤche des Uterus in und nach der fuͤnften Geburtsperiode ein (s. §. 1368). — Ist jedoch die Frucht noch ganz oder theilweise zuruͤck, so sind zwei Faͤlle moͤglich, es kann naͤmlich dieselben zu erhalten, und die Fruͤhgeburt zu verhuͤten noch Hoffnung seyen, oder nicht. — Die Entscheidung hieruͤber haͤngt wieder von der Heftigkeit der Blutung und den eintre- tenden Wehen ab. §. 1471. Ist die Blutung nicht allzuheftig, hat die Ursache der- selben bereits zu wirken aufgehoͤrt, oder laͤßt sie sich durch die Kunst beseitigen, und sind die Wehen schwach oder noch gar nicht eingetreten, der Muttermund also noch nicht eroͤffnet, so ordnet man zunaͤchst ruhige horizontale Lage, Entfernung beengender Kleider, und nur maͤßig erwaͤrmte reine Zimmer- luft an, entfernt alle uͤberfluͤssigen Personen und sucht das Gemuͤth der Kranken zu beruhigen. Die positive Behandlung sey auf Verminderung der Reize gerichtet, man reicht kuͤhlende saͤuerliche Getraͤnke, Limonade, Cremor tartari mit Nitrum, Pulpa Tamarindorum u. s. w., ja wenn der Orgasmus heftig ist und Congestionen Statt finden, so werden zuweilen selbst Blutentziehungen aus den Armvenen nicht entbehrt werden koͤnnen. Ist auf diese Weise der Unruhe des Gefaͤß- systems begegnet, so benutzt man die Einwirkung der antispas- modischen Mittel um die beginnenden Wehen zu verhuͤten oder zu vermindern. Einige Dover’ sche Pulver, das Castoreum, die Valeriana, u. s. w. so wie die verduͤnnten mineralischen Saͤuren, wirken hierbei wohlthaͤtig. §. 1472. Unter dieser Behandlung wird es sich zeigen ob die Blutung nebst Wehen sich mindert, und in diesem Falle faͤhrt man in gemindertem Grade noch einige Zeit mit diesen Mitteln fort, laͤßt noch laͤnger eine strenge Ruhe beobachten, und beschließt die Cur durch einige staͤrkende Mittel und Empfeh- lung groͤßter Vorsicht ruͤcksichtlich der Erregungen des Koͤrpers und des Gemuͤthes. Oder aber es nehmen die Wehen zu, und alsdann, sobald der Muttermund einmal sich wirklich einiger- maßen zu oͤffnen angefangen hat, ist die Fruͤhgeburt als unvermeidlich zu betrachten. Fuͤr diesen Fall wird dann die weitere Behandlung blos durch den Grad der Blutung bestimmt. Ist diese fortwaͤhrend unbetraͤchtlich und weder der Mutter noch (dafern es uͤberhaupt schon lebensfaͤhig ist) dem Kinde gefahrdrohend, so wird die Geburt in horizontaler Lage und ohne daß irgend Pressen gestattet wird, gleich einer natuͤrlichen abgewartet. Nimmt hingegen die Blutung zu, so wird es noͤthig den Geburtsverlauf zu beschleunigen, theils indem man durch R. cinamomi, Auftroͤpfeln von Naphtha auf den Unterleib u. s. w. die Contraktion des Uterus mehr anregt, theils indem man durch operative Huͤlfe die Verkleinerung des Uterus befoͤrdert, wohin zunaͤchst das Sprengen der Eihaͤute gehoͤrt (indem nach abgeflossenem Wasser der Uterus sich weit mehr zusammenzuziehen Raum findet), theils in hartnaͤckigen und dringenden Faͤllen (vorzuͤglich wo innere Bedingungen Statt finden, wie etwa Placenta praevia oder Procidentia uteri ) selbst das oben beschriebene Accouchement forcé und die somit bewerkstelligte voͤllige Entleerung des Uterus. Bleiben auch nach dieser noch Blutergießungen (innere oder aͤußere) zuruͤck, so muß die fruͤher (Thl. 1. §. 278 u. fgg.) gelehrte Be- handlung der Metrorrhagie eintreten. — Eben so ist zu verfah- ren, wenn gleich anfaͤnglich die Blutung mit Gefahr drohender Heftigkeit eintritt. §. 1473. Endlich die Behandlung der Fruͤhgeburten durch zu zeitig erwachende Contraktionen betreffend, so muͤssen wir hierbei zunaͤchst auf Beseitigung der erregenden Ursachen und auf Ausgleichung allgemeiner Verstimmungen des Wohlbefindens nach den §. 1468. gegebenen Regeln, hinwirken Da an den fruͤherwachenden Wehen oͤfters rheumatische Zustaͤnde des Uterus Antheil haben, so muß an die Behandlung des Rheu- matismus uteri (§. 1061) hier erinnert werden. . Ferner ist die strengste koͤrperliche und geistige Ruhe, und die Anwendung von Mitteln welche den Erethis- mus im Gefaͤß- und Nervensystem mindern (wohin außer dem allgemeinen antiphlogistischen Regimen vorzuͤglich die kleinen Gaben des Opiums gehoͤren) angezeigt, und anzuempfehlen, daß wenn hierauf die Wehen sich vermindern doch noch laͤn- gere Zeit die oben (§. 1467. u. 68.) genannten prophylak- tischen Regeln genau beobachtet werden. Zeigt sich aber durch Fortschreiten der Eroͤffnung des Muttermundes die Fruͤhgeburt unvermeidlich, so muß die weitere Behandlung sodann der fuͤr die natuͤrliche Geburt nothwendigen voͤllig entsprechen, nur daß auch hier die horizontale Lage beobachtet werde, Ver- arbeiten der Wehen unterbleibe, und bei sich etwa spaͤter hinzugesellenden Blutungen ganz nach den §. 1471. u. 72. aufgestellten Regeln gehandelt werde. §. 1474. Nach einer jeden Fruͤhgeburt uͤbrigeus, da sie gern Dis- position zu erneuerten Fehlgeburten, oͤrtlichen und allgemeinen Krankheiten hinterlaͤßt, ist eine sorgfaͤltige aͤrztliche Behandlung theils um die etwa im Koͤrper schon fruͤher gelegenen disponiren- den Momente, (z. B. Gebaͤrmutterpolypen, Syphilis, Leukorrhoͤe u. s. w.) theils um die Folgen der Fruͤhgeburt (oͤrtliche und allgemeine Schwaͤche u. s. w.) gruͤndlich zu beseitigen, un- entbehrlich. Auf jeden Fall aber ist die Gelegenheit zu neuer Empfaͤngniß fuͤr laͤngere Zeit durchaus zu vermeiden, da aus- serdem haͤufig baldige Wiederholung des Abortus und noch groͤßere Zerruͤttung des Koͤrpers zu befuͤrchten steht. — Reisen, Besuchen mineralischer Baͤder sind als Nachkuren oft vortreffliche Huͤlfsmittel. II. Zu lange Dauer der Verbindung zwischen Frucht und Uterus. Spaͤtgeburt (Partus serotinus). §. 1475. Die Dauer einer Schwangerschaft uͤber 40 Wochen hat in wie weit sie moͤglich sey, zu verschiedenen Streitigkeiten Veranlassung gegeben. Man muß hierbei unterscheiden die Betrachtung der Moͤglichkeit einer verlaͤngerten Schwangerschaft und die Erwaͤgung der wirklich beobachteten Faͤlle. Was die Moͤglichkeit betrifft, so laͤßt sich diese durchaus nicht laͤug- nen, und es hat an sich gar nichts Widersprechendes, daß unter gewissen Bedingungen die Frucht laͤngere Zeit als ge- woͤhnlich im Uterus zuruͤckbleiben und selbst fortleben kann, ja es wird das letztere schon durch das obenerwaͤhnte lange Fortleben der Fruͤchte in der Bauchhoͤhle wahrscheinlich. Was nun aber die wirklich beobachteten Faͤlle von verlaͤngerter Schwangerschaft anbelangt, so ist es zuvoͤrderst bei Kuͤhen eine nicht allzuseltene Erscheinung, ein laͤngeres Zuruͤckbleiben einer Frucht im Uterus zu beobachten, wobei die Frucht ent- weder voͤllig erhalten bleibt, oder bis auf die Knochen aufge- loͤst wird; indeß auch im menschlichen Geschlechte ist dieses vorgekommen und W. Lawrence Medico-chirurgical Transactions, published by the medical and chirurgical society of London. Vol. V. 1814. erzaͤhlt einen Fall wo nach vergeblichen Anstalten zur Geburt ein Fetus 52 Jahre im Uterus, welcher sich verknoͤcherte, zuruͤckblieb, und ein aͤhn- liches Beispiel wird auch im 1. Bd. der Abhandlungen der medicinisch-chirurgischen Josephsakademie zu Wien mitgetheilt. §. 1476. Es ist sonach keinem Zweifel unterworfen daß die ver- laͤngerte Schwangerschaft moͤglich sey und, wenn auch selten, doch zuweilen wirklich vorkomme, allein es ergiebt sich auch, daß eine feste Grenze hierbei nicht gesteckt werden koͤnne. Nimmt man z. B. mit manchen Geburtshelfern an, daß nur 42 oder 46 woͤchentliche Schwangerschaften moͤglich seyen, oder setzen manche Gesetzbuͤcher die groͤßtmoͤgliche Dauer einer Schwangerschaft auf 302 Tage (wie das Preußische) oder auf 300 Tage (wie der Code Napoleon ) s. hieruͤber Metzger kurzgefaßtes System der gerichtlichen Arz- neiwissenschaft, herausgeg. v. Gruner. 4. Aufl. 1814. III. Abschn. 3. Kap. , so ist dieß eine durchaus willkuͤhrliche Bestimmung, welche nichts fuͤr sich hat als die große Seltenheit der wirklich um 2 und mehrere Wochen verspaͤteten Geburten, von welchen uͤbrigens doch Beispiele an mehrern Orten aufgezeichnet gefunden werden s. Handbuch d. Entbindungskunst v. Osiander 1. Thl. S. 345. u. s. u. Mursinna neustes Journ. f. d. Chirurgie, Arzneik. u. Geburtshlfe. I. Bd. 3. St. S. 424. u. f. . §. 1477. Zeichen der verlaͤngerten Schwangerschaft ; wir theilen sie in die vor der Niederkunft, und die bei und nach derselben wahrnehmbaren. Waͤhrend der Schwanger- schaftszeit selbst wuͤrde allerdings die Schwangerschaftsrechnung das bestimmteste Kennzeichen abgeben, nur daß hier so leicht und so oft, theils absichtliche theils unwillkuͤhrliche Taͤuschungen Statt finden, worauf man denn Ruͤcksicht zu nehmen, und nie den Angaben der Schwangern zu unbedingt Glauben beizumessen hat. Außerdem wuͤrde es auf abnorme Verlaͤn- gerung der Schwangerschaft schließen lassen, wenn, nachdem der Leib seine groͤßte Ausdehnung erreicht, sich gesenkt, und die Vaginalportion sich verkuͤrzt hat, doch die Niederkunft zur erwarteten Zeit nicht eintritt, wohl aber andere Beschwer- den, Schwellen der Fuͤße, Kreuzschmerzen u. s. w. sich aͤußern. Endlich wenn mehrere von den Ursachen der Spaͤtgeburt vor- handen sind. §. 1478. Bei der Niederkunft wird die Spaͤtgeburt charakterisirt durch den schwierigen Verlauf wegen zu betraͤchtlicher Staͤrke des Kindes und uͤbermaͤßiger Ausdehnung des Uterus; an dem Kinde zeigen sich die Fontanellen und Naͤthe oft verknoͤchert, und die Schwere und Laͤnge des Kindes ungewoͤhnlich ver- mehrt. — Es ergiebt sich hieraus, daß die Folgen der zu lange dauernden Schwangerschaft mit denen des zu engen Beckens beinahe voͤllig uͤbereinstimmen, nur daß hier auch schon vor beginnender Geburt der Koͤrper von der widernatuͤrlichen Dauer der Ernaͤhrung des Kindes leiden muͤsse, ja sich die Folgen der Erschoͤpfung bis nach der Geburt fortsetzen und mancherlei Krankheiten erzeugen koͤnnen. §. 1479. Die Ursachen welche Verspaͤtung der Geburt veran- lassen genau auszumitteln, reichen die bisherigen Faͤlle schwerlich zu; wahrscheinlich ist es, daß namentlich verminderte Reiz- barkeit des Geschlechtssystems, Schwaͤche, Degenerationen im Uterus u. s. w., Erschoͤpfungen der Nervenkraft uͤberhaupt durch physische oder psychische Ursachen, zu große Anhaͤufung des Fruchtwassers u. s. w., hierher gehoͤren. §. 1480. Die Behandlung dieses Zustandes vor dem Eintritt wahrer Geburtsthaͤtigkeit wird zunaͤchst theils die Ursachen der abnormen Verzoͤgerung zu beseitigen suchen muͤssen, welches durch aromatische Baͤder, tonische gelind erregende Mittel, in manchen Faͤllen wohl geschehen kann, theils, wenn die laͤngere Dauer wirklich fuͤr die Mutter durch anderweitige Zufaͤlle gefahrdrohend wird, in dem zum Behuf der kuͤnstlichen Fruͤh- geburt beschriebenen Verfahren ein Mittel zur Beendigung der Schwangerschaft sinden . — Die Behandlung waͤhrend der Geburt selbst ist ganz die welche wir fuͤr das verengerte Becken beschrieben haben, und haͤufig wird der Kunst auch hier die Beendigung der Entbindung anheim fallen. Nach der Entbindung endlich werden aͤhnliche Maaßregeln wie nach der Fruͤhgeburt zur Beseitigung der krankhaften Disposition und nachgebliebenen Folgen ergriffen werden muͤssen. — III. Von regelwidriger Entwicklung der Frucht innerhalb, zuweilen auch außerhalb des Ute- rus, oder von den Molen-Schwangerschaften und Geburten . §. 1481. Wir haben in der Pathologie des Fetus bemerkt, daß die krankhaften Zustaͤnde welche im Leben der Frucht vorkom- men koͤnnen, sich fast saͤmmtlich durch abnormes Bilden zu erkennen geben muͤssen, und sodann die regelwidrigen Bildungen des Fetus selbst im Allgemeinen betrachtet, allein auch die gesammte Frucht kann gleich vom Beginn ihrer Bil- dung an entweder so unvollkommen sich organisiren, oder so voͤllig degeneriren, daß ihr eigentlicher Kern, der Embryo, entweder sich gar nicht gestaltet oder bald wieder obliterirt. Man nennt eine solche Frucht, welche demnach aus den blos- sen aͤußern Bildungsorganen, den degenerirten Eihuͤllen besteht, Mola, Mondkalb, unfoͤrmliches Fruchtge- waͤchs . §. 1482. Nach der verschiedenen Substanz aus welchen die Molen bestehen, theilt man sie in mehrere Arten. Einmal naͤm- lich bildet das degenerirte Ei eine einzige Hoͤhle, oft von verdickten meistens schwammigen, oder fleischigen, oder sehnigen Huͤllen umschlossen und innerlich Wasser, Blut oder Luft ent- haltend. Hierher gehoͤren die schwammige Mole , die Fleischmole, sehnige Mole , die Wasser-, Blut - oder Luftmole (Mola fungosa, carnosa, tendinosa, aquosa, cruenla, ventosa). Ein andermal zeigen sich in den Huͤllen kalkige Ablagerungen (Mola calcarea), oder bei lange Zeit zuruͤckbleibenden Molen erfolgt wohl eine voͤllige Verknoͤ- cherung derselben (Mola ossea), welche dann die sogenannten Steine bilden, die man von Zeit zu Zeit im Uterus angetroffen hat. Endlich aber entstehen zuweilen auch Molen welche aus einem Aggregat sehr vieler Blasen gebildet werden, wahrscheinlich indem sich die aufsaugenden Bulbi an den Spi- tzen der Saugfasern des Chorions zu bald kleinern bald groͤ- ßern mit seroͤsen Fluͤßigkeiten gefuͤllten Blasen ausdehnen, Blasenmole (Mola vesicularis, hydatica). Diese letztern erreichen oft einen sehr betraͤchtlichen Umfang, dem der aus- getragenen Frucht aͤhnlich, dahingegen die erstern meistens kleiner sind und in der Groͤße eines 2, 3, bis 4 monatlichen Eies abzugehen pflegen. Selten ist es der Fall, daß bei einem drei- oder fuͤnfmonatlichen Embryo noch eine Degenera- tion in den Eihuͤllen zu molenartigen Massen Statt findet, doch ist es vorgekommen H. Osiander fuͤhrt unter den Molen auch die betruͤgerischen auf, wo sich Frauen oder Maͤdchen fremde Koͤrper (Fleisch, Knochen u. s. w.) beigebracht, und dann zu gebaͤren vorgegeben hatten, allein streng genommen gehoͤren diese Dinge hierher nicht, sondern in die gerichtliche Medicin. §. 1483. Die Zufaͤlle welche durch dergleichen Molen waͤhrend der Schwangerschaft und Geburt hervorgebracht werden, sind folgende: — In der Schwangerschaft wird gewoͤhnlich in den fruͤhesten Wochen (bis zur 6. oder 8.) nichts ungewoͤhnli- ches wahrgenommen, spaͤterhin aber, namentlich bei den Blasenmolen, wird ein laͤstiges oft mit Schmerz verbundenes schnelles Anwachsen des Leibes bemerkt, oͤfters gesellen sich Blutungen, welche von Zeit zu Zeit wiederkehren und von der unvollkommenen Verbindung dieser degenerirten Frucht mit dem Uterus abhaͤngig sind, hinzu, schwaͤchen den Koͤrper durch anhaltenden (auch von dem lurnrirenden Fortwachsen der Frucht abhaͤngigen) Saͤfteverlust, verursachen Sinken der Reproduktion, Anschwellen der Fuͤße u. s. w. — Bleibt eine solche Mola ganz zuruͤck und verknoͤchert, so wird sie Unfrucht- barkeit und die Beschwerden, welche Folgen der andern De- generation der Uterinsubstanz (s. Thl. 1. §. 417) sind, zur Folge haben. Liegt endlich die Mola neben einem regelmaͤßig gebildeten Ei, so wird sie durch ihren Druck die Fruͤhgeburt desselben bewirken. §. 1484. Die nachtheiligen Folgen fuͤr den Geburtsverlauf be- stehen hauptsaͤchlich in den sich zu solchen Niederkunften hinzugesellenden Blutungen, welche theils davon, daß diese Molen auf unvollkommne Weise mit dem Uterus sich verbanden, theils von der ploͤtzlichen Entleerung des Uterus durch die mit einemmale austretende Mola abhaͤngig sind. §. 1485. Die Zeichen der Molen sind vor der Niederkunft oft sehr unbestimmt, nur wenn, nachdem die Zeichen augehender Schwangerschaft uͤberhaupt bemerkt werden, die Ausdehnung des Leibes schnell zunimmt, so daß derselbe schon im 4. oder 5. Monat beinahe den Umfang des zehnmonatlich schwangern Leibes erhaͤlt, wenn dabei keine Kindestheile und Kindesbewe- gungen bemerkt werden, allgemeines Unwohlseyn, periodischer Blutabgang, Schleimfluß, Oedem u. s. w. bemerkt wird, laͤßt sich mit ziemlicher Bestimmtheit auf das Vorhandenseyn einer Mole und zwar einer Blasenmole schließen. In den meisten Faͤllen giebt jedoch theils die ohne anderweitige auszumittelnde Ursachen eintretende Fruͤhgeburt Bei weitem die meisten Fehlgeburten in den fruͤhesten Schwanger- schaftsmonaten werden durch Mißbildung der Frucht veranlaßt, und es ist gewoͤhnlich, hierbei statt einem gesunden Ovulo eine Mola zu finden. , theils die beim Beginn II. Theil. 32 der Wehen sich zeigende Blutung, der Abgang einzelner Hydatiden Nach Bremser sind unter diesen Wasserblasen oft wahre Blasenwuͤrmer. mit derselben, und die Beschaffenheit der in den Muttermund sich herabdraͤngenden Fruchttheile selbst, genuͤgen- den Aufschluß uͤber diesen Zustand. §. 1486. Die Behandlung kann waͤhrend der Schwangerschaft nur auf Unterstuͤtzung der Reproduktion, Empfehlen eines ruhigen Verhaltens, und Anwendung der gelindern tonischen Mittel gerichtet seyn. Waͤhrend der beginnenden Geburt aber, muß ganz dasselbe Verfahren wie bei einer durch mechanische Abtrennung bewirkten Fruͤhgeburt beobachtet, und also haupt- saͤchlich die Blutung beruͤcksichtigt werden. — Horizontale Lage und Nichtverarbeiten der Wehen ist demnach durchaus zu beobachten, das Empfangen der Mola an den aͤußern Ge- burtstheilen gerade so wie beim Abgange der Nachgeburt zu handhaben, dafuͤr daß nichts abreiße und zuruͤckbleibe zu sorgen, und die Frucht zu weiterer Untersuchung sogleich in ein bereit gehaltenes Gefaͤß zu legen. Unterstuͤtzung des Dammes wird nur bei festen und großen Fleischmolen noͤthig; Blutungen welche nach dem Abgange der Mole andauern oder sich ver- staͤrken, fordern die oben (§. 1368) beschriebene Behandlung der Schwaͤche der Gebaͤrmutter in der fuͤnften Periode, also Friktionen, Injektionen, u. s. w. — Anordnung eines staͤr- kenden Heilplans als Nachkur ist auch hier gewoͤhnlich unentbehrlich. — Lange zuruͤckbleibende, sich verhaͤrtende Molen lassen fast so wenig als die Steatomata uteri eine vollstaͤn- dige Beseitigung, sondern nur zuweilen Milderung einzelner Symptome zu. II. Regelwidrige Geburten durch abnormes Verhalten einzelner Theile der Frucht. I. Regelwidrigkeiten in den Eihaͤuten . 1. Zu große Festigkeit derselben . §. 1487. Eine ziemlich haͤufige Regelwidrigkeit, welche sich bei beginnender Geburt zu erkennen giebt durch die koͤrnige dickere Substanz der die Blase im Muttermunde formirenden Haͤute, und den verzoͤgerten Abfluß des Kindeswassers, selbst bei voͤllig erweitertem Muttermunde. Bestimmte Ursachen welche diese Verdickung zur Folge haͤtten, lassen sich wohl schwerlich an- geben. — Die Nachtheile welche fuͤr das Geburtsgeschaͤft dadurch veranlaßt werden koͤnnen, sind nicht unbedeutend. Es gehoͤrt hierher 1) Verzoͤgerung der Muttermundseroͤffnung, wenn zugleich eine im Allgemeinen zu starke Anhaͤufung des Fruchtwassers Statt findet, oder groͤßere Ansammlung desselben im untern Raume des Eies vor dem Kindeskopfe, Reitzung der Muttermundsraͤnder und Spannung des untern Gebaͤr- muttersegments hervorbringt. §. 1488. Gefaͤhrlicher wird aber 2) die dadurch zuweilen veran- laßte Geburt des Kindes mit den uͤber den Kopf gespannten Eihaͤuten (mit einer Gluͤckshaube , Caput galeatum ). Die stark gedehnten Haͤute naͤmlich, bringen hierbei einen Zug an der Placenta zu Wege, welcher entweder ein fruͤhzeitiges Trennen derselben und betraͤchtliche Blutungen (zumal wenn die Placenta wirklich mit dem Kinde geboren, und der Uterus sonach ploͤtzlich voͤllig entleert wird) zur Folge haben muß, oder sogar bei festerer Adhaͤsion des Mutterkuchens voͤllige Umstuͤl- pung der Gebaͤrmutter herbeifuͤhren kann. §. 1489. Die Behandlung ist hierbei sehr einfach, und wird leicht im Stande seyn die sonst zu befuͤrchtenden Abnormitaͤten zu verhuͤten. Immer ist naͤmlich das Sprengen der Eihaͤute nach oben gegebenen Regeln das zweckmaͤßigste Huͤlfsmittel, und wird nothwendig theils unter den eben erwaͤhnten Umstaͤnden (§. 1487) noch vor voͤlliger Erweiterung des Muttermundes, theils durch- gaͤngig, sobald die Blase tief in den Muttermund sich herab- draͤngt, oder gar durch den nachfolgenden Kindestheil hervor- getrieben wird. — Waͤre durch die Versaͤumung dieser Huͤlfsleistung bereits partielle oder totale Trennung der Placenta, Blutung, Umstuͤlpung des Uterus, eingetreten, so wird zwar immer noch Trennung der Haͤute unumgaͤnglich nothwendig seyn, sodann aber werden die sonstigen veranlaßten Regelwidrig- keiten ihrer besondern Natur nach behandelt werden muͤssen. 2. Zu geringe Festigkeit der Eihaͤute . §. 1490. Es ist ebenfalls nicht selten der Fall, daß die zu duͤn- nen Haͤute weit fruͤher als eigentlich geschehen sollte, d. s. lange vor voͤlliger Erweiterung des Muttermundes zerreißen, und es geschieht dieß um so leichter, je groͤßer die Menge des Fruchtwassers ist. Fuͤr das Geburtsgeschaͤft fuͤhrt dieser fruͤye Wasserabfluß bei Personen welche schon geboren haben, wo der Muttermund sehr nachgiebig ist, oder wo sehr viel Fruchtwasser vorhanden war, gewoͤhnlich gar keinen Nachtheil herbei; hingegen wo an und fuͤr sich die Eroͤffnung des Muttermundes schwer von Statten geht, sey es durch Rigi- ditaͤt desselben, Neigung zu krampfhaften Zusammenziehungen, oder entzuͤndlichen Zustand, muͤssen auch uͤbele Folgen deutli- cher bemerkt werden. §. 1491. Es gehoͤrt hierhin die widernatuͤrliche Verzoͤgerung der zwei- ten Geburtsperiode nebst sehr verstaͤrkter Schmerzhaftigkeit der vorbereitenden Wehen, daraus sich ergebende staͤrkere Erschuͤt- terung des muͤtterlichen Koͤrpers, Gefahr staͤrkerer Gebaͤrmutter- entzuͤndung oder heftigerer krampfhafter Wehen, ja endlich selbst vermehrte Gefahr fuͤr das Kind, da dasselbe bei zeitigem Abgange des Wassers offenbar mehr leidet und leichter ab- stirbt als bei dem zur rechten Zeit erfolgenden Zerreißen der Haͤute. §. 1492. Die Behaudlung kann nur die durch zu fruͤhen Wasserabgang wirklich entstandenen sonstigen Abnormitaͤten beruͤcksichtigen. Trockenheit, angehender Entzuͤndungs-Zustand der Genitalien, wird sonach Injektionen, Baͤder u. s. w. (s. §. 1063) noͤthig machen. Bei sehr langwieriger Dauer der zweiten Periode und sinkender Geburtskraft in der dritten und vierten, wird es nach fruͤhem Wasserabgange eher noͤthig werden zur kuͤnstlichen Huͤlfe zu schreiten; krampfhafte oͤrtliche oder allgemeine Zufaͤlle machen Anwendung innerlicher und aͤußerlicher, gleichfalls fruͤher erwaͤhnter antispastischer Mittel nothwendig u. s. w. 3. Widernatuͤrliche Adhaͤsionen der Eihaͤute . §. 1493. Waͤhrend der Schwangerschaft sind die Eihaͤute der gesammten innern Gebaͤrmutterflaͤche locker anhaͤngend, allein bei den beginnenden Wehen sollen sie sich abloͤsen, das Stellen der Blase dadurch beguͤnstigen und selbst einigermaßen den Abgang der Nachgeburt schon mit vorbereiten. Zuweilen jedoch zeigt sich das Chorion an einzelnen Stellen verdickt, blutreicher, die Verbindung desselben mit dem Uterus inniger als gewoͤhnlich, und dadurch eine schwierigere und schmerzhafte Trennung desselben bedingt. Es aͤußert sich dieses meistens durch einen fixen Schmerz welcher waͤhrend der zweiten Periode an einer bestimmten Stelle des Uterus empfunden wird, und durch staͤrkeres Zeichnen (Blutabgehen) in diesem Zeitraume; laͤßt sich indeß fast immer nur erst durch Untersuchung der abge- gangenen Nachgeburt mit Bestimmtheit ausmitteln. Da nun uͤbrigens auch eine besondere Behandlung hierbei nicht Statt findet und die Regelwidrigkeit uͤberhaupt unter die weniger bedenklichen gehoͤrt, so mußte sie nur als eine zur Erklaͤrung der genannten Symptome naͤher zu kennende pathologische Erscheinung hier mit erwaͤhnt werden. II. Regelwidrigkeiten des Mutterkuchens . 1. Vorliegender Mutterkuchen (Placenta praevia). §. 1494. Eine hoͤchst gefaͤhrliche Regelwidrigkeit welche demun- geachtet erst seit Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, nachdem eine Leichenoͤffnung daruͤber Aufschluß gegeben hatte S. d. Naͤhere uͤber das Geschichtliche bei C. F. Hefter de Placenta praevia Lips. 1804. und in Stark’s neuen Archiv f. Gebh. I. Bd. 2 St. bei Oberteuffer . , richtig gewuͤrdigt wurde, entsteht, sobald der Mutterkuchen, anstatt wie gewoͤhnlich im Grunde des Uterus sich anzuheften, am Rande oder in der Mitte auf dem innern Muttermunde ein- gewurzelt ist. Die Ursachen welche eine so ungewoͤhnliche Bildung desselben herbeifuͤhren koͤnnen, sind, so weit bisherige Beobachtungen reichen, durchaus nicht mit Zuverlaͤssigkeit anzugeben; man beobachtet diese Abnormitaͤt bald bei Erstge- baͤrenden bald bei Mehrgebaͤrenden, bei gesunden und schwaͤch- lichen Subjekten, und muß schon ebendadurch uͤber die ursaͤchlichen Verhaͤltnisse in voͤlliger Ungewißheit bleiben. Merkwuͤrdig ist es, daß man in den meisten Faͤllen bei dem Sitze des Mut- terkuchens auf dem Muttermunde auch falsche Lagen des Kindes (wohl als Folgen jener abnormen Adhaͤsion), wahrnimmt. §. 1495. Die Folgen des aufsitzenden Mutterkuchens sind theils schon in der Schwangerschaft, theils bei beginnender Geburts- arbeit bemerklich. Waͤhrend der Schwangerschaft bewirkt das allmaͤhlige Verkuͤrzen des Mutterhalses und die immer zuneh- mende Ausdehnung des untersten Gebaͤrmuttersegments, daß die Placenta an einzelnen Stellen vom Uterus sich zu trennen anfaͤngt, und alsbald ergießen geoͤffnete Venenmuͤndungen des Uterus Blut. Es geschieht dieß gewoͤhnlich erst nach zuruͤck- gelegter erster Haͤlfte der Schwangerschaft und am haͤufigsten in 7. 8. oder 9. Monate. Ist nun die Blutung nicht allzuheftig so kommt sie gewoͤhnlich nach und nach, durch Bildung geronnener Blutklumpen, welche tamponirend wirken, zum Stillstand, die Schwangerschaft ruͤckt weiter, bis in einiger Zeit erneuerter Blutfluß eintritt. Durch einen starken Blut- verlust dieser Art kann auch selbst die Schwangerschaft fruͤh- zeitig unterbrochen und eine Fehlgeburt veranlaßt werden. §. 1496. Vorzuͤglich gefaͤhrlich aber wirkt diese Regelwidrigkeit immer bei eintretenden Wehen; indem naͤmlich der Mutter- mund sich erweitert, muß nothwendig die Placenta immer weiter sich abtrennen, und die Blutung welche gewoͤhnlich schon mit den ersten Wehen eintritt, an Heftigkeit immer mehr zunehmen, ja es kann, bei mitten auf dem Mutter- munde aufsitzender Placenta, sogar dahinkommen, daß diese vor dem Kinde ausgetrieben wird, wobei denn natuͤrlich der Blutverlust so bedeutend seyn muß, daß Kind und Mutter gewoͤhnlich eine Beute des Todes werden. — Die Prognose wird daher stets um so uͤbeler, je mehr centrisch der Mutter- kuchen auf dem Muttermund aufgeheftet ist, je laͤnger, wenn der Geburtsarzt hinzugerufen wird, die Blutungen bereits gedauert haben, und je schlechter an und fuͤr sich die Consti- tution der Mutter und die sonstigen fuͤr den Geburtsverlauf wichtigen Umstaͤnde (z. B. Weite des Beckens, Beschaffenheit des Muttermundes u. s. w.) sind. Guͤnstiger wird die Prog- nose wo der Muttertuchen nur dem Muttermundsrande adhaͤrirt, die Blutung noch nicht lange begonnen hat, der Muttermund sehr nachgiebig, das Becken gut und die allgemeine Constitution kraͤfrig ist. §. 1497. Die Zeichen dieser Regelwidrigkeit geben sich in der Schwangerschaft zu erkennen durch die (§. 1495.) erwaͤhnten periodischen Blutungen, welche, daß sie nicht andauernde Menstruation sind, durch Mangel des regelmaͤßigen Eintritts so wie durch Erscheinen gerade in den spaͤtern Monaten beweisen, und bei welchen auch, daß sie nicht durch aͤußere Erschuͤtte- rung u. s. w. bewirkt wurden, der Mangel schaͤdlicher Ein- fluͤsse darthut. Wird man, durch solche Blutungen veranlaßt, die Schwangern zu untersuchen, so zeigt das untere Gebaͤrmut- tersegment ein teigartiges Gefuͤhl, Kindestheile werden schwer oder gar nicht erreicht, ja bei Mehrgebaͤrenden kann durch den schon etwas eroͤffneten Muttermund die teigige schwammige Flaͤche des Mutterkuchens gefuͤhlt werden. Hat die Geburt bereits begonnen, so wird die staͤrkere, besonders mit jeder Wehe hervorstuͤrzende Blutung, und die im Muttermunde fuͤhlbar werdende aͤußere Placentenflaͤche welche entweder den ganzen Muttermund ausfuͤllt, oder neben welcher noch Eihaͤute gefuͤhlt werden, den Zustand hinlaͤnglich charakterisiren. §. 1498. Die Behandlung 1) waͤhrend der Schwangerschaft kann nur auf Verhuͤtung heftigerer Blutergießungen, durch ruhiges Verhalten, und Vermeidung erhitzender Getraͤnke, Speisen, und Gemuͤthsbewegungen gerichtet seyn, auch den eintretenden Blutungen kann, dafern sie nicht heftig sind, nur das antiphlogiftische Verfahren und kuͤhle, aromatische, mit Essig vermischte Fomentationen uͤber die Geburtstheile entge- gengefetzt werden. Staͤrkere Blutungen fordern auch hier schon durchaus das Accouchement forcé, da sonst kein Mittel die Verblutung abzuwenden vermoͤgen wird. §. 1499. 2) Waͤhrend der beginnenden Geburt selbst, muß ebenfalls das Eingreifen der Kunst durchaus nach dem verschiedenen Grade der Blutung sich richten. Bei unbetraͤchtlichem Blutabgange laͤßt man daher ruhig die Eroͤffnung des Mutter- mundes vorschreiten, ja es ist nicht unmoͤglich, daß bei einem nur am Rande des Muttermundes aufsitzenden Mutterkuchen selbst die Geburt des Kindes ohne kuͤnstliche Huͤlfe vor sich gehen koͤnne. Allein weit haͤufiger nimmt die Blutung bald nachdem der Muttermund nur in etwas geoͤffnet ist, uͤberhand, und dann ist die Beschleunigung der Geburt das einzige Mittel ihn zu stillen, indem alle andere sonst durch staͤrker erregte Contraktion blutstillend wirkende Mittel hier die Haͤ- morrhagie nur verstaͤrken wuͤrden. — Die Entbindung selbst geschieht dann erstens durch kuͤnstliche Eroͤffnung des Mutter- mundes, zweitens indem man nach der Seite wo sich neben der Placenta Eihaͤute fuͤhlen lassen, oder, beim centrischen Aufsitzen, nach der Seite wo die Fuͤsse des Kindes liegen, nach oben beschriebenen Regeln (§. 1310) den Mutterkuchen soweit abtrennt, um die Hand zu den Fuͤssen des Kindes außer den Haͤuten hinauffuͤhren zu koͤnnen. Die Haͤute selbst werden allda gesprengt, nach ebenfalls gelehrten Regeln wird Wendung auf die Fuͤsse (selbst wenn der Kopf vorliegen sollte) und Extraktion des Kindes beendigt, und dann bei andauern- der Blutung (welche indeß gewoͤhnlich nach Entleerung des Uterus steht) durch Injektionen, Einreibungen und zweckmaͤßige innere Mittel ( . cinnamomi, Phosphorsaͤure u. s. w.) auf vollkommne Zusammenziehung des Uterus gewirkt, so wie die sich gewoͤhnlich bald vollends trennende Placenta entfernt. — Die aͤltern auf unvollkommne Kenntniß dieses Zustandes sich stuͤtzenden Vorschriften, den Mutterkuchen, um das Kind zu entbinden, mitten zu durchbohren, oder denselben gar vor dem Kinde hinwegzunehmen, verdienen als unzweckmaͤßig und gefaͤhrlich keine weitere Beruͤcksichtigung. 2. Zu fest mit dem Uterus verwachsener Mutter- kuchen . §. 1500. Eine Regelwidrigkeit welche erst in der fuͤnften Periode bemerklich wird, und eine dritte Art von Nachgeburts zoͤge- rungen (die ersten beiden Arten waren Schwaͤche des Uterus und Einsackung der Placenta) verursachen kann. Man hat hierbei theils verschiedene Grade in der Festigkeit dieser Adhaͤ- sionen, theils ob sie uͤber die ganze Flaͤche der Placenta verbreitet, oder auf einzelne Punkte beschraͤnkt ist, zu unter- scheiden. Ruͤcksichtlich der Festigkeit findet man Placenten welche entweder durch einzelne oder viele tendinoͤse Faͤden an den Uterus geheftet sind, andere zeigen an ihrer Oberflaͤche koͤrnige Punkte von einer dem geronnenen Eiweißstoff aͤhnlichen Masse, noch andere sind wirklich mit groͤßern und kleinern Knochenstuͤcken oder kalkigen Concrementen durchsetzt und haͤngen dann gemeiniglich vorzuͤglich fest der innern Gebaͤrmut- terflaͤche an. §. 1501. Was die Ursachen der zu festen Adhaͤsion betrifft, so laͤßt sich wohl davon so wenig als uͤber die Ursachen des vorliegenden Mutterkuchens etwas mit Bestimmtheit festsetzen. Die Zeichen der durch zu feste Adhaͤsion bewirkten Nachge- burtszoͤgerungen sind: erstens der hartnaͤckig, hoch uͤber dem Muttermunde an einer Seiten- oder Grundflaͤche des Uterus verweilende Mutterkuchen, trotz dem daß es an Nachgeburts- wehen nicht gefehlt hat, und der Uterus sich um die Placenta hinreichend zusammengezogen hat, und zweitens der Schmerz, welchen die Kreisende an Anheftungspunkte der Placenta bemerkt, sobald nur ein maͤßiger Zug am Nabelstrange versucht wird, und der bei fortgesetztem Zuge sich einstellende Blutabgang. §. 1502. Die Folgen dieser Abnormitaͤt sind 1) die Gefahr einer Umstuͤlpung des Uterus bei unvorsichtigem Zuge am Nabelstrange. 2) Gefahr einer betraͤchtlichen Blutung wenn einzelne Stellen der Placenta sich trennen und demungeachtet das Ausstoßen der ganzen Placenta nicht erfolgen kann. 3) Gefahr eines sehr langen Zuruͤckbleibens der Placenta. Ueber diesen letztern Punkt namentlich, sind nun die Meinungen sehr verschieden, indem Einige das selbst Wochen lang dauernde Zuruͤckbleiben der Placenta fuͤr einen nicht gefaͤhrlichen Zustand, Andere selbst das einige Stunden dauernde Verzoͤgern dieses Abganges fuͤr hoͤchst bedenklich erklaͤrten. §. 1503. Erwaͤgt man Gruͤnde dafuͤr und dawider unpartheiisch, so wird man finden, daß so im Allgemeinen ausgesprochen beide Annahmen unzureichend sind, und daß die Gefahr welche eine solche Nachgeburtszoͤgerung droht durch die weiter damit verbundenen Umstaͤnde modificirt wird. Die Erfahrung beweist naͤmlich allerdings, daß ein sehr langes Zuruͤckbleiben der Nachgeburt den weiblichen Koͤrper nicht minder nachtheilig afficiren koͤnne, als ein zu langes Verzoͤgern der Geburt des Kindes, indem dadurch die Verkleinerung des Uterus gehindert, die so bedeutende Revolution der Wochenperiode gestoͤrt, und zuletzt ein gereitzter ja entzuͤndlicher Zustand des Uterus ein- treten werde, um ein Gebilde, dessen Ausstoßung die Natur fordert, auf alle Weise auszusondern. Hierbei koͤnnen ferner allerdings die geloͤsten Partien der Placenta, so gut als das abgestorbene im Uterus liegende Kind in Faͤulniß uͤbergehen, welches an dem Nabelstrange und den Haͤuten, welche ge- woͤhnlich zuerst abfaulen, vorzuͤglich bemerklich wird, und uͤberdieß entsteht dann an der innern Oberflaͤche des Uterus eiterartige Absonderung, Behufs der Abloͤsung des Mutterku- chens, von welcher dann nicht nur eine sich auf das Perito- naeum (dessen Continuitaͤt mit der innern Haut des Fruchtganges auch hier zu beruͤcksichtigen ist) fort- pflanzende Reizung nothwendig bewirkt werden muß, sondern auch eine Putrescenz der Gebaͤrmuttersubstanz sehr wohl ver- ursacht werden kann. Gesellen sich nun hierzu noch fortgehende Blutungen aus den Stellen wo einzelne Lappen der Placenta geloͤst sind, so muß nothwendig ein hoͤchst gefaͤhrlicher Zustand, welcher schon manche Woͤchnerin getoͤdtet hat, sich entwickeln M. s. hieruͤber D. Henschel Kann und darf die Nachgeburt unbedingt zuruͤckgelassen werden? Breslau 1805. — u. derselbe in Nust’s Magazin f. d. ges. Hlk. VII. Bd. 1 Hft. Wiegand Von d. Ursachen u. d. Behandlung der Nachgeburts- zogerungen. Hamburg 1803. . §. 1504. Die Zeit aber innerhalb welcher sich diese nachtheiligen Vor- gaͤnge im Uterus entwickeln werden, ist nicht bei allen Woͤchnerin- nen gleich; vorzuͤglich sehr reitzbare, dabei vollsaftige und zu ent- zuͤndlichen Zustaͤnden geneigte Personen sind es, wo oft 24 bis 48 Stunden hinreichen, um den Anfang derselben zu zeigen. Phlegmatische wenig reitzbare Subjekte hingegen, werden oft von einer solchen Nachgeburtszoͤgerung weit weniger afficirt (eben so wie bei ihnen selbst die verzoͤgerte Schwangerschaft leichter vorkommen kann) und Beobachtungen von 4 bis 6 taͤgi- gem und auch laͤngerm Zuruͤckbleiben der Nachgeburt, wo dem- ungeachtet endlich die Geburt derselben ohne weitere besondere Zufaͤlle erfolgte, wurden gewoͤhnlich an solchen Individuen gemacht. Daß also die Prognose vorzuͤglich nach dem Blutverluste und nach der allgemeinen Constitution, ob sie reizbarer und schwaͤchlicher, und die Reaktion des Uterus gegen die zuruͤckgebliebenen Reste heftiger oder weniger heftig sey, gestellt werden muͤsse, laͤßt sich hieraus leicht abnehmen. §. 1505. Die Behandlung ist zuvoͤrderst verschieden, jenachdem sich aus partiell getrennten Stellen Blutungen einfin- den oder nicht. Im erstern Falle wird man bei noch bedeutend fester Adhasion zunaͤchst zur Vermehrung der Contraktion des Uterus auf die mehrerwaͤhnte Weise hinwirken, da durch diese theils die allmaͤhlige Loͤsung der Placenta befoͤrdert, theils bei festerem Anpressen der geloͤsten Stellen der Placenta, weitere Blutergießung gehindert wird; Ziehen am Nabelstrange aber muß durchaus unterbleiben und die Kreisende in der horizontalen Lage erhalten werden. Ist hingegen die Blutung sehr heftig, so bleibt als Mittel zur Stillung derselben ge- woͤhnlich nur die voͤllige Entleerung des Uterus ausreichend, und es muß sodann nach fruͤher gelehrten Regeln (§. 1308) zur Loͤsung und Entwicklung der Placenta geschritten werden, worauf bei demungeachtet fortdauernder Blutung dieselbe durch Injektionen, Einreibungen, . Cinnamomi u. s. w. zu beseitigen ist. §. 1506. Wo hingegen die Placenta noch allgemein fest anhaͤngt und keine Blutung vorhanden ist, muß zuerst, um nicht etwa die letztere kuͤnstlich zu veranlassen, oder Inversio uteri, oder wenigstens Abreißen der Nabelschnur herbei zu fuͤhren, alles Anziehen des Nabelstranges vermieden werden, so wie uͤberhaupt ein ruhiges Verhalten der Kreisenden, Untersagen alles Pressens waͤhrend der Nachgeburts-Wehen u. s. w. unentbehrlich ist. — Ferner ist hierbei, so wie in den Faͤllen wo anfaͤnglich etwa vorhandene Blutung voͤllig zum Stehen gebracht ist, ein ruhiges Abwarten der Naturthaͤtigkeit erste Pflicht des Geburtshelfers; man sucht hierbei die Contraktio- nen zu unterhalten (eintretende Atonie fordert daher die oben (§. 1368) genannten Mittel) und wird so haͤufig durch das Fortwirken derselben allmaͤhlig die Trennung bewerkstelligt finden. Immer aber ist es zum Beßten der Kranken, daß, wenn ja die voͤllige Loͤsung durch die Natur nicht bewerkstel- ligt werden kann, doch die kuͤnstliche Trennung durch die Natur vorbereitet werde, da, wenn die kuͤnstliche Trennung vielleicht nach 16 bis 24 Stunden Statt findet, man theils bei schon mehr contrahirtem, mehr von Blut entleertem Uterus weni- ger Blutung zu befuͤrchten haben, theils die Verbindung der Pla- centa selbst schon mehr abgestorben finden wird. §. 1507. Wie lange man nun eine fest anhaͤngende, keine Blu- tung verursachende Placenta im Uterus zuruͤcklassen duͤrfe, wird sich nach den Zufaͤllen bestimmen, welche eine Reaktion des Koͤrpers gegen die zoͤgernde Nachgeburt darthun. Ist es daher ein mehr torpider Koͤrper, der Uterus nicht schmerzhaft, wird die Temperatur der Genitalien nicht uͤbermaͤßig gesteigert, und bemerkt man keine Neigung zu krampfhafter allmaͤhlig sich steigernder Verschliessung des Muttermundes, so kann man ruhig ein ja zwei Tage die Austreibung der Nachgeburt der Natur uͤberlassen. Alsdann aber wird man immer wahr- nehmen daß die Nachgeburtsgebilde von der Faͤulniß ergriffen werden, zuerst gewoͤhnlich Nabelstrang und Eihaͤute. — Um dieß nicht noch fruͤher eintreten zu lassen macht man oͤfters Injektionen von lauem Chamillen- oder Serpillum -Aufguß in den Uterus, und schont den Nabelstrang, welcher daher nicht unzweckmaͤßig durch ein Band locker an den einen Schenkel der Woͤchnerin befestigt wird, um das zufaͤllige Ab- reißen desselben durch Daraufliegen zu verhindern. §. 1508. Loͤst sich indeß die Nachgeburt auch jetzt nicht, so wird es immer, selbst wo noch keine Schmerzen und entzuͤndlichen Zufaͤlle im Uterus vorhanden sind, nothwendig werden, die kuͤnstliche Trennung (s. §. 1308) zu bewerkstelligen, da in der feuchten Waͤrme und bei dem Zutritt der Luft in den Uterus, die Faͤulniß am dritten Tage immer auch die Placenta ergreifen, und dadurch indem der Uterus alsdann mit leidet, der Woͤchnerin gefaͤhrlich werden wird. Sollten hierbei nun einzelne Theile oder die Flaͤche der Placenta so innig mit dem Uterns verwachsen seyn, daß die Trennung wirklich durch die Kunst nicht bewerkstelligt werden koͤnne, so muß wenigstens alles was sich getrennt hat, oder trennen laͤßt, entfernt werden (in dem Festhaͤngenden greift so die Faͤulniß nicht so leicht um sich) und zur allmaͤhligen Ab- und Aufloͤsung der Reste mit den erwaͤhnten Einspritzungen fortgefahren werden. 3. Zu lockere Verbindung des Mutterkuchens mit der Gebaͤrmutter, oder zu zeitige Trennung des- selben . §. 1509. Hierher gehoͤren zunaͤchst die Faͤlle, wo die bildende Kraft des weiblichen Geschlechtssystems waͤhrend der Schwan- gerschaft uͤberhaupt nicht hinreichend ist, um eine recht innige Verbindung zwischen Frucht und Fruchthaͤlter zu bewerkstelligen. Die gewoͤhnliche Folge davon ist der Abortus, welcher dann seinen besondern Umstaͤnden gemaͤß nach den oben gegebenen Regeln behandelt werden kann. Die eigentliche Ursache dieses nicht genugsam angeregten Bildungsprocesses kann entweder in Schwaͤche des weiblichen Koͤrpers oder in Schwaͤche der maͤnn- lichen Zeugungskraft liegen, und diese Umstaͤnde muͤssen be- ruͤcksichtigt und gehoben werden, wenn nach einer aus dieser Ursache entstandenen Fruͤhgeburt die Wiederkehr eines aͤhnlichen Zufalls vermieden werden soll. §. 1510. Ferner aber trennt sich auch zuweilen die Placenta fruͤ- her, durch mechanische Einwirkungen waͤhrend der Schwanger- schaft (von der Behandlung dieser Faͤlle s. oben §. 1076 u. fgg.) oder waͤhrend der beginnenden Geburt. Das letztere kann die Folge zu fester, und zu weit hervorgetriebener Eihaͤute, der Umschlingungen des Nabelstranges um den Hals des Kindes, und des unruhigen Verhaltens der Kreisenden seyn. Bei diesen partiellen Abtrennungen vor beendigter Geburt des Kindes muß zunaͤchst die Gelegenheitsursache wo moͤglich entfernt, dann aber der Grad der Blutung beruͤcksichtigt, und darnach die Behandlung eingerichtet werden. Die zu festen Haͤute also muͤssen getrennt, das unruhige Herumwerfen der Kreisenden muß gehindert werden, Umschlingungen des Nabelstranges koͤnnen gewoͤhnlich erst nach geborenem Kopfe gehoben werden. Ist ferner die Blutung bedeutend, so sucht man sie zunaͤchst durch Vermehrung der Contraktion des Uterus mittelst einiger Dosen . Cinnamomi, des Einreibens des Leibes, u. s. w. bei Untersagung des heftigern Pressens, zu vermindern, gelingt dieß aber nicht, so ist die kuͤnstliche Beschleunigung der Ent- bindung auf eine der Lage des Kindes angemessene Weise durchaus angezeigt. — Von der Behandlung partieller Ab- trennungen der Placenta in der fuͤnften Periode ist oben (§. 1504) das Naͤhere erwaͤhnt worden. III. Regelwidrigkeiten des Fruchtwassers . 1. Zu vieles Fruchtwasser . §. 1511. Schon in der Pathologie der Frucht ist erwaͤhnt worden, daß an dem Eie zuweilen ein wahrhafter, zuweilen selbst bis auf den Fetus sich fortpflanzender wassersuͤchtiger Zustand, beobach- tet wird. Am haͤufigsten, und namentlich bei schwammigen leukophlegmatischen Koͤrpern, aͤußert sich dieses durch eine bedeutende Anhaͤufung von Fruchtwasser, welches mitunter bis zur Menge von 3 bis 6 ja bis 12 Pfund betragen kann. — Die Ursache dieser Anhaͤufungen scheint vorzuͤglich in einer zu geringen Produktivitaͤt des Uterus gesucht werden zu muͤssen, und eben so wie wir auch in andern Organen, ja im nicht- schwangern Uterus selbst, wenn aufgeregte Bildungskraft nicht zu Hervorbringung regelmaͤßiger Gestaltungen ausreicht, An- haͤufung von Wasser entstehen sehen, bildet sich ein solcher Zustand auch innerhalb der Eihaͤute; weßhalb denn gewoͤhnlich bei so vielem Wasser das Kind weniger kraͤftig genaͤhrt erscheint. §. 1512. Zeichen dieses Zustandes werden durch die bedeutende Ausdehnung des Leibes, die starken, oft nach mehrern Rich- tungen gefuͤhlten Bewegungen des Kindes, selbst noch waͤhrend der zweiten Geburtsperiode, und durch die pralle, gewoͤhnlich auch außer den Wehen angespannte Blase, gegeben. Die Folgen des zu vielen Fruchtwassers fuͤr das Geburtsgeschaͤft zeigen sich schon vor Beginn desselben durch die bei groͤßerer Beweglichkeit des Kindes beguͤnstigten abnormen Lagen und Stellungen desselben, die leichter moͤglich werdenden Umschlin- gungen des Nabelstranges, das durch den vermehrten Druck des Uterus auf benachbarte Gebilde oͤfters gestoͤrte allgemei- ne Wohlbefinden u. s. w. — Bei der Geburt selbst hingegen, bewirkt namentlich die zubetraͤchtliche Ausdehnung der Fasern des Uterus eine Atonie, welche außer der dadurch verursachten schmerzhaften Spannung des Leibes theils in der zweiten Periode die Eroͤffnung des Muttermundes sehr erschwert (indem hierbei auch oft noch die Spannung der stets gegen den innern Muttermund angedraͤngten Blase reizt und hindert), theils auch noch in der dritten und vierten fortwirkt und den Austritt des Kindes verzoͤgert, (wobei zugleich die abnormen oͤfters Statt fin- denden Lagen des Kindes und Nabelstranges hinderlich werden). Vorzuͤglich gern aber entstehen sie durch die, in der fuͤnften Periode eintretenden Nachgeburtszoͤgerungen und Blutungen, und endlich wird selbst noch waͤhrend des Wochenbetts oft eine langsame und unvollkommnere Zusammenziehung des Uterus dadurch veranlaßt. §. 1513. Was die Behandlung betrifft, so muͤssen wir hierbei zunaͤchst auf die Huͤlfe aufmerksam seyn, durch welche die II. Theil. 33 Natur diese Regelwidrigkeit oͤfters beseitigt. Man bemerkt aber ziemlich oft, daß bei so großer Wasseransammlung schon mit den ersten Wehen oder bald nach beginnender Eroͤffnung des Muttermundes die Haͤute zerreißen und Wasser anfaͤngt zu fließen, daß dadurch nach und nach der Uterus sich ver- kleinert, sich dichter an das Kind anschließt und dann die Geburt regelmaͤßig verlaͤuft. — Es ergiebt sich hieraus, wel- ches Verfahren die Kunst einzuschlagen habe; naͤmlich sobald in der zweiten Periode die Zeichen der zu großen Frucht- wassermenge deutlich sich zu erkennen geben, und die Folgen derselben durch ungewoͤhnliche Verzoͤgerung der Erweiterung des Muttermundes, Schmerzen u. s. w. sichtbar werden, das kuͤnst- liche Sprengen der Haͤute nicht zu unterlassen, sobald die Eroͤff- nung des Muttermundes wenigstens bis zum Durchmesser von 1 oder 1½ Zoll vorgeschritten ist. Bleiben jedoch nach dem Was- serabgange die Folgen der zu starken Ausdehnung demungeach- tet zuruͤck, durch Atonie in der dritten, vierten und fuͤnften Pe- riode sich aͤußernd, so muß sodann die bei der Schwaͤche des Uterus naͤher eroͤrterte Behandlung eintreten. 2. Zu weniges Fruchtwasser . §. 1514. Der Regel nach soll allerdings in der letzten Periode der Schwangerschaft das Fruchtwasser nach und nach sich vermindern, allein mitunter nimmt es so sehr ab, daß zur Zeit der eintretenden Geburt dasselbe soweit verschwunden ist, daß davon bei Trennung der Haͤute nur eine hoͤchst geringe Quantitaͤt, oder auch gar nichts bemerkt wird. Man nennt eine solche Geburt eine trockne Geburt , und beobachtet davon mehrere nachtheilige Folgen . Es gehoͤrt dahin eine, wegen sich nicht stellender Blase, schwierigere Eroͤffnung des Muttermundes mit allen ihren Folgen (Entzuͤndung, Krampf u. s. w.), staͤrkeres Anspannen der Haͤute und leichter eintre- tende partielle Trennung des Mutterkuchens; ja es ist nicht zu verkennen, daß diese Geburten auf das Kind nachtheiliger wirken, nur darf man nicht durch die oft schon in der letzten Zeit der Schwangerschaft ganz mangelnden Bewegungen sich zu der Annahme, daß das Kind abgestorben sey, zu schnell verleiten lassen, da sie hier durch den beschraͤnkten Raum un- moͤglich werden. — Ueber die Ursachen des Fruchtwasser- mangels laͤßt sich wohl mit Bestimmtheit nichts ausmitteln, jedoch habe ich ihn oͤfters bei duͤrftig genaͤhrten, magern und zu Kraͤmpfen geneigten Personen beobachtet. §. 1515. Ruͤcksichtlich der Behandlung , so kann man nur den entstehenden anderweitigen Regelwidrigkeiten, als Krampf und Entzuͤndung im Muttermunde u. s. w. durch die oben gelehr- ten Mittel begegnen, und die Trockenheit der Genitalien durch erweichende schluͤpfrig machende Einspritzungen ersetzen. Uebri- gens achte man hierbei immer genau auf die Haͤute, welche bei vorliegendem Kopfe oft so dicht uͤber demselben gespannt sind, daß die Verwechselung derselben mit den Hautbedeckungen des Kindes leicht moͤglich ist, und so das Sprengen derselben bei eroͤffnetem Muttermunde, oder gar bei Anlegung der Zange, versaͤumt werden koͤnnte. — Uebrigens bemerkt man auch zu- weilen, wo sehr nachgiebige schleimreiche Genitalien sich vorfin- den, so wenig bei der trocknen Geburt als bei dem zu zeitigen Wasserabgange besondere Stoͤrungen, und es macht sich dann auch keine besondere Behandlung nothwendig. IV. Regelwidrigkeiten des Nabelstranges . 1. Der zu lange oder vorgefallene Nabelstrang . §. 1516. Die zu betraͤchtliche Laͤnge des Nabelstranges (ich habe ihn einigemal 46 bis 50 Zoll lang gefunden) kann an sich nicht als ein Hinderniß fuͤr das Geburtsgeschaͤft betrachtet werden, allein wird oft entweder dadurch nachtheilig, daß er Knoten gebildet hat, welche, wenn sie bei den Wehen gedruͤckt werden, das Absterben des Kindes herbeifuͤhren, oder dadurch daß ein Vorfall einer Schlinge des Nabelstranges eintritt, welche zugleich mit dem vorausgehenden Kindestheile sich in das Becken hereindraͤngt, dabei Druck erfaͤhrt, von Einwir- kung der Luft und Kaͤlte erschlafft. Beguͤnstigt werden diese Vorfaͤlle vorzuͤglich durch Schieflagen des Kindes, zu vieles Fruchtwasser und weites Becken. Erkannt wird die vorfal- lende Nabelschnurschlinge noch innerhalb des Muttermundes und selbst in den Eihaͤuten gewoͤhnlich durch ihre Pulsation; außerhalb des Muttermundes ist sie mit gar nichts anderm zu verwechseln. §. 1517. Die Behandlung bei dem vorfallenden Nabelstrange muß hauptsaͤchlich auf zeitige Zuruͤckbringung desselben gerich- tet seyn: Man erreicht diesen Zweck 1) durch sorgfaͤltige Scho- nung der Eihaͤute bis zu voͤlliger Erweiterung des Mutter- mundes, da, so lange die Schlinge noch in den Haͤuten liegt, ein Nachtheil fuͤr das Kind nicht zu besorgen ist. 2) Durch Einfuͤhrung zweier eingeoͤhlter Finger oder noͤthigenfalls der ganzen Hand nach eroͤffneten Eihaͤuten um den Nabelstrang tiefer in den Uterus zu schieben und ihn hinter den vorlie- genden Kindestheil zuruͤckzubringen. 3) Durch die dabei an- geordnete horizontale Lage der Kreisenden. 4) Durch Einle- gen eines Schwammes in den Muttermund, welches vorzuͤg- lich anzuwenden ist, wenn der Nabelstrang, obwohl zuruͤck- gebracht, immer wieder vorgleitet, und der Muttermund doch noch nicht so weit geoͤffnet ist um die Entbindung bewerkstel- ligen zu koͤnnen. 5) Durch Verbesserung der Lage des Kin- des, und Beschleunigung der Geburt. Bei voͤlliger Querlage wird die Wendung auf die Fuͤße nothwendig, welcher, dafern der Nabelstrang dabei noch weiter vorfaͤllt, oft auch die Ex- traktion nachfolgen muß; bei Schiefstaͤnden des Kopfs ist durch angemessene Lage, innere und aͤußere Manipulation (s. §. 1187 u. f.) die Einleitung desselben zu befoͤrdern (so daß man z. B. wenn der Kopf links anfsteht und rechts der Na- belstrang herabtritt, die Gebaͤrende auf die linke Seite legt, den Nabelstrang hinter den Kopf zu bringen und letz- tern herabzufuͤhren sucht u. s. w.), der in den Eingang des Beckens gestellte Kopf aber alsdann mittelst der Geburtszange baldigst zu entbinden. Anmerkung . Es versteht sich von selbst, daß diese Maaßregeln, welche saͤmmtlich nur auf die Erhaltung des Kindes abzwecken, uͤberfluͤßig werden, wenn durch gaͤnzliches erkaltet und erschlafft seyn des vorliegenden Nabelstranges und andere Symptome, man von dem Tode des Kindes sichere Ueberzeugung erhalten hat, als in welchem Falle, dafern sonstige Regelwidrigkeiten in der Lage oder Groͤße kein Eingreifen der Kunst noͤthig machen, man das Austreiben des Kindes voͤllig der Na- tur uͤberlassen wird. 2. Der zu kurze oder umschlungene Nabelstrang . §. 1518. Es ist ein sehr seltner Fall daß der Nabelstrang, bei einem schon groͤßern Kinde, wirklich an sich fuͤr den Durch- gang desselben durch das Becken zu kurz ist, und wo man dieses bemerkt, hat man gewoͤhnlich zugleich betraͤchtliche Miß- bildung des Kindes damit verbunden gesehen Vergl. F. Meckel pathologische Anatomie. 1. Bd. S. 92. . Ein so ho- her Grad von Kuͤrze des Nabelstrangs wird immer bei der Geburt entweder das Zerreißen desselben oder die zeitige Ab- trennung der Placenta zur Folge haben, und die Kunst ver- mag hierbei weiter nichts als, sobald der Nabelstrang zu er- reichen ist, ihn kuͤnstlich zu trennen, die Entwickelung des Kindes zu beschleunigen, und die durch zu zeitige Loͤsung der Placenta entstandene Blutung angemessen zu behandeln. Weit haͤufiger kommt die zu betraͤchtliche Kuͤrze der Nabelschnur durch Umschlingung vor, und am haͤufigsten liegen dann die Schlingen um den Hals. Zuweilen ist indeß auch der Na- belstrang durch die Schenkel gezogen, um Arme und Schen- kel gewickelt u. s. w. Erkennen lassen sich diese Umschlin- gungen, außer waͤhrend der Wendung, nur waͤhrend des Aus- tritts vom Kinde. Vermuthen kann man indeß namentlich die Umschlingung um den Hals, wenn waͤhrend oder noch vor dem Durchschneiden, sich Blutungen einfinden, und die Krei- sende waͤhrend des tiefern Herabruͤckens des Kindeskopfs fixe Schmerzen an einer Stelle des Uterus empfindet. §. 1519. Die Folgen dieser Umschlingungen, wodurch eine starke Verkuͤrzung des Nabelstrangs herbei gefuͤhrt wird, sind fuͤr Mutter und Kind nicht ohne Gefahr. Zunaͤchst wird auch hierbei leicht eine fruͤhere Trennung der Placenta und heftige Blutung veranlaßt, oder es steht, bei sehr fester Adhaͤsion der Placenta, die Zerreißung des Nabelstranges zu fuͤrchten. Aus- serdem wirkt aber auch eine solche Umschlingung durch die Spannung oder den Druck, welchen der Nabelstrang erleidet, fuͤr das Kind gefaͤhrlich und verursacht leicht das Absterben desselben. Endlich kann allerdings auch der Kindeskopf selbst durch solche Umschlingungen entweder eine Schieflage erhalten, oder in seinem Fortgange im Becken etwas verzoͤgert wer- den; jedoch hat man die letztere Einwirkung sonst gewoͤhnlich viel zu hoch angeschlagen, da bei kraͤftigen Wehen der schwa- che Nabelstrang kein dauerndes Hinderniß seyn kann. §. 1520. Die Behandlung wird auf Beseitigung der Umschlin- gung gerichtet seyn muͤssen, welches freilich groͤßtentheils, aus- ser zuweilen waͤhrend der Wendung, nicht eher moͤglich wer- den wird, bis der umschlungene Theil am Ausgange des Beckens erreichbar wird. Umschlingungen um den Hals sucht man sodann uͤber den Kopf nach vorn abzustreifen, indem man wo die Umschlingung etwa doppelt ist, die Vorsicht an- wendet, erst durch Unterbringen zweier Finger beide Schlin- gen etwas locker zu machen und dann eine nach der andern zu loͤsen. Ist die Schlinge zu fest angespannt, um uͤber den Kopf gebracht zu werden, so loͤst man sie wenigstens etwas, und schiebt sie, indem das Kind vorruͤckt, uͤber die Schultern nach hinten; sollte aber endlich auch dieses nicht moͤglich seyn, und die Spannung des Nabelstranges das Zerreißen desselben oder das Abreißen der Placenta befuͤrchten lassen, so bleibt dann kein Mittel, als ihn durch die Schere zu trennen, wobei indeß (da sich kindliches und muͤtterliches Nabelschnur- stuͤck hier noch nicht unterscheiden lassen) es die Vorsicht for- dert beide Enden vorher zu unterbinden, oder wenigstens, wenn die Zeit hierzu zu kurz ist, beide durchschnittene Enden durch einen Gehuͤlfen fest zudruͤcken zu lassen, bis die Unter- bindung der kindlichen Haͤlfte vorgenommen werden kann. Umschlingungen um andere Theile loͤsen sich meistens leichter und das Verfahren dabei ergiebt sich von selbst. 3. Zerreißung des Nabelstranges . §. 1521. Durch unvorsichtiges Anziehen des Kindes, oder bei fester Umschlingung auch wohl durch die Gewalt der Wehen, kann in seltnen Faͤllen der Nabelstrang zerreißen, und so eine fuͤr das Kind sehr gefaͤhrliche Blutung veranlaßt werden. Sollte dieses vorkommen, so wird eines Theils die schleunige Entbindung noͤthig (da wenn auch das abgerissene kindliche Ende unterbunden werden kann, doch sonst das Kind bei ge- hindertem Athemholen der Lungen ersticken muͤßte), andern Theils die Stillung der Blutung, entweder durch Unterbin- dung, oder wenn im schlimmsten Falle die Nabelschnur dicht am Leibe abgerissen ist, durch Aufdruͤcken von Feuerschwamm mit einem styptischen Pulver bestreut. V. Regelwidrigkeiten am Kinde . 1. Von der regelwidrigen Bildung desselben . §. 1522. Es gehoͤrt hierher zuvoͤrderst bei uͤbrigens regelmaͤßiger Bildung die zu betraͤchtliche oder die zu geringe Groͤße des Kindes . Was die erstere betrifft, so wird sie die Folge entweder ungewoͤhnlich reichlicher Ernaͤhrung in der gewoͤhnlichen Schwangerschaftszeit seyn, oder bei Spaͤtge- burten bemerkt werden. In jedem Falle kann dadurch ein Mißverhaͤltniß zum Becken entstehen, wodurch letzteres relativ zu enge erscheint, folglich die bei engem Becken gewoͤhnlich vorkommende schwere Geburt eintreten kann, und dann die- selben Huͤlfsmittel der Kunst, wie beim engen Becken, eintre- ten muͤssen. Es sind deßhalb nur die Zeichen eines sehr großen Kindes hier noch zu erwaͤhnen: — Es gehoͤrt dahin: der sehr stark ausgedehnte Unterleib ohne Zeichen des vielen Fruchtwassers oder von Zwillingen, der sehr fest und schwer auf dem Becken aufliegende Kopf, oder die Groͤße anderer innerlich fuͤhlbaren Kindestheile, die verknoͤcherten Naͤthe und Fontanellen, und die besondere Festigkeit der Kopfknochen. §. 1523. Die abnorme Kleinheit des Kindes, eine Folge nicht beendigter Schwangerschaftszeit, oder zu duͤrftiger Ernaͤhrung des Fetus, wird einen sehr raschen Geburtsverlauf, und so- mit manche der beim zu weiten Becken namhaft gemachten Nachtheile veranlassen koͤnnen. Die Zeichen eines zu klei- nen Kindes werden aus dem geringern Umfange des Leibes, den kleinen etwa fuͤhlbaren Gliedern des Kindes, dem wenn auch schon im Becken stehenden, dennoch beweglich bleibenden Kindeskopfe, der Weichheit der Kopfknochen und Weite der Fontanellen erkannt. Ruͤcksichtlich der Behandlung verlangt die Vorsicht daß, obwohl nicht so viel Gefahren als beim zu weiten Becken zu befuͤrchten stehen, doch eine solche Gebaͤ- rende zeitig die horizontale Lage einnehme und die Wehen wenig oder gar nicht verarbeite. §. 1524. Ferner gehoͤren hierher die Mißbildungen des Kin- des , welche indeß auf das Geburtsgeschaͤft meistens auch nur, indem sie abnorme Vergroͤßerung oder Verkleinerung des koͤrperlichen Volumens verursachen, stoͤrend einwirken. Ueber die Entstehung dieser krankhaften Bildungen haben wir in der Pathologie des Fetus schon ausfuͤhrlicher gehandelt; als Ein- theilung derselben, wenn sie zum Behuf der Behandlung des Geburtsgeschaͤfts verlangt wird, koͤnnen folgende alte vier Klassen recht fuͤglich gebraucht werden: — 1. Mißbildung durch Mangel gewisser Koͤrpertheile (Monstra per defectum); hierher gehoͤren z. B. die voͤllig kopflosen Mißgeburten (Acephali), der Schaͤdelmangel oder die Katzen- koͤpfe (Hemicephali), der Mangel einzelner Glieder, ja der Mangel des ganzen Rumpfs nebst den Gliedern, wo also (wie in dem einzigen im Berliner Musaͤum bewahrten Praͤpa- rat) ein bloßer Kopf uͤbrig bleibt, und dann das Fehlen der Augen, einzelner Eingeweide u. s. w. welches indeß auf die Geburt weiter keinen Einfluß aͤußern kann. Zu bemerken ist noch, daß die sehr verstuͤmmelten Mißgeburten am haͤufigsten als unvollkommne Zwillingsfruͤchte (Keime zu deren Ausbil- dung die Produktivitaͤt nicht zureichte) neben entwickelten Kin- dern geboren wurden. — Zeichen dieser Monstrositaͤten koͤn- nen nur zuweilen durch die innere Untersuchung erlangt wer- den, die Regeln der Behandlung wuͤrden die im vorigen §. beschriebenen seyn. §. 1525. 2. Mißbildung durch uͤberzaͤhlige Theile (Mon- stra per excessum); hierher gehoͤren die zusammengewachse- nen Zwillinge, welche entweder nur an einzelnen Stellen ver- bunden, oder auch in groͤßern Flaͤchen innig mit einander ver- schmolzen sind; das Doppeltwerden einzelner Gegenden, wenn z. B. die Wirbelsaͤule nach unten sich theilt und doppelte untere Extremitaͤten zum Vorschein kommen, oder nach oben getheilt ist und zwei Koͤpfe, und doppelte obere Gliedmaaßen sich bilden. Ferner die uͤberzaͤhligen Finger und Zehen, die krankhaften Vergroͤßerungen einzelner Koͤrpertheile (welches freilich zum Theil auch mit in die folgende Klasse gehoͤrt) wie die betraͤchtlichen Balggeschwuͤlste, der Wasserkopf (fuͤr die Untersuchung durch die ausserordentlich breiten Naͤthe und Fontanellen erkennbar) die Bauchwassersucht u. s. w. — Die Behandlung solcher Faͤlle wird mit der des engen Beckens uͤbereinstimmen, und nicht selten die Huͤlfe der Kunst zur Be- endigung der Geburt noͤthig machen, nur mit der Einschraͤn- kung daß hier die Operation nur auf Erhaltung der Mutter gerichtet seyn muß, und daher (außer bei gleichzeitiger abso- luter Beckenenge) die Gastrohysterotomie, oder schwere Zangen- entbindungen und Extraktionen durch die nach fruͤher gegebe- nen Regeln zu unternehmende kuͤnstliche Verkleinerung des Kindes zu vermeiden sind. §. 1526. 3. Mißbildung durch veraͤnderte Lage der Koͤrpertheile (Situs mutatus); hierher gehoͤren die ange- bornen Bruͤche, Hirnbruch, blosliegendes Herz, vorliegende Unterleibseingeweide, angeborne Leistenbruͤche u. s. w. — Sie koͤnnen nur, wenn die Bruchgeschwuͤlste von sehr betraͤchtlicher Groͤße sind, fuͤr das Geburtsgeschaͤft stoͤrend werden, und die Huͤlfe der Kunst z. B. Extraktion erfordern. 4. Mißbil- dung durch veraͤnderten Bau einzelner Koͤrper- theile (Fabrica aliena); hierher gehoͤren die Spina bifida, die angebornen Klumpfuͤße, die Zwitterbildungen, Atresien u. s. w. welche dem Geburtsgeschaͤfte fast nie einen beson- dern Eintrag thun und deßhalb auch keine besondere Huͤlfslei- stung so leicht noͤthig machen werden. 2. Von der regelwidrigen Stellung des Kindes . §. 1527. Es gehoͤrt hierher die Abweichung von derjenigen Lage der Gliedmaaßen des Kindes, welche fuͤr den Durchgang durch das Becken die guͤnstigste, und waͤhrend dem Aufenthalt im Uterus die gewoͤhnliche ist. Diese fehlerhaften Stellungen der Gliedmaaßen nun, kommen vorzuͤglich an den obern Extre- mitaͤten vor, und zeigen sich als Vorfallen einer Hand oder eines Arms, ja in seltnern Faͤllen selbst beider Arme neben dem Kopfe. Es ist leicht zu erachten, daß durch dieses Vor- liegen einer Hand vergroͤßert, das Volumen des eigentlich voraus- gehenden Kindestheils fuͤr das Becken zu groß werden, zugleich aber auch bei einer ungewoͤhnlichen, der Beckenform nicht hinlaͤnglich entsprechenden Gestalt dieses Theils, der Mechanis- mus der Geburt ruͤcksichtlich der nothwendigen Drehungen er- schwert werden muͤße. Man bemerkt daher gar nicht selten Einkeilungen des Kopfs mit anliegender Hand im Becken, wobei die Hand selbst gedruͤckt wird, anschwillt und sich ver- faͤrbt, und noch haͤufiger zeigt sich als Ursache eines durch unvollkommne Drehung sehr verzoͤgerten Kopfdurchganges durch das Becken, beim endlichen Durchschneiden des Kopfs eine am Gesicht oder zur Seite des Kopfs liegende Hand. §. 1528. Erkannt kann diese Regelwidrigkeit nur durch innere Un- tersuchung werden, wenn die Hand tiefer am Kopfe liegt, eine hoͤher liegende Hand laͤßt sich zuweilen nur aus der un- vollkommenen Drehung des Kopfs und dem verzoͤgerten Durch- gange desselben vermuthen, dafern nichts anderes vorhanden ist, was jene Erscheinungen sattsam erklaͤrte. Die Behand- lung wird, sobald die Hand erreichbar ist, auf Verbesserung dieser Gliederstellung und regelmaͤßige Einleitung des Kopfes gerichtet seyn muͤssen. Man verfaͤhrt zu diesem Endzweck voͤllig wie bei dem Zuruͤckbringen des vorgefallenen Nabel- stranges (§. 1517.), geht mit zwei Fingern, oder noͤthigen- falls mit der der Seite des Beckens entsprechenden ganzen Hand ein, und schiebt diesen Theil hinter den Kopf zuruͤck, indem man zugleich eine vortheilhafte Lage anordnet um das tiefere Herabkommen und normale Drehen des Kopfs zu un- terstuͤtzen. Ist dagegen die Einkeilung schon vorhanden, so macht sich gewoͤhnlich das Anlegen der Zange noͤthig, mit der Vorsicht, die Hand durchaus außerhalb der Zangenloͤffel zu lassen. 3) Von der fehlerhaften Lage des Kindes . §. 1529. Es gehoͤren hierhin alle Lagen wo die Laͤngenachse von der Fuͤhrungslinie des Beckens oder der Axe der obern Bek- kenoͤffnung auf irgend bedeutende Weise abweicht. Je nach- dem nun der Winkel, unter welchem diese beiden hier nicht mehr zusammenfallenden Linien sich schneiden, ein spitziger ist, oder sich mehr dem rechten Winkel naͤhert, nennen wir es entweder Schieflage (wo denn Kopf oder Huͤften immer in der Naͤhe der obern Beckenoͤffnung, und zwar entweder auf einer Darmbeinflaͤche oder uͤber dem Schambogen oder Vor- berge sich befinden muͤssen) oder Querlage (wobei denn alle denkbare Flaͤchen des Kindes, außer den fruͤher angegebenen sechs bei regelmaͤßigen Geburten eintretenden, sich auf dem Beckeneingange befinden koͤnnen). §. 1530. Die Folgen dieser abnormen Lagen sind bei geringer Schieflage, Hinderung des Geburtsgeschaͤfts durch gestoͤrten Ein- tritt des Kindes ins Becken (obwohl zuweilen hier selbst durch Naturthaͤtigkeit allein die Lage noch verbessert werden kann); bei staͤrkerer Schieflage und voͤlliger Querlage hingegen, sobald das Kind die gehoͤrige Groͤße erreicht hat, wird der Durch- gang des Kindes durch das Becken gaͤnzlich unmoͤglich, es wuͤrden, wenn die Kunst nicht zu Huͤlfe kaͤme, Einkeilungen abnorm vorausgehender Theile, nach und nach Absterben des Kindes, Entzuͤndung und Gangraͤn des Uterus und Tod der Gebaͤrenden unfehlbar eintreten. Nur in sehr seltnen Faͤllen ist es vorgekommen, daß auch diese hoͤhern Grade abnormer Lagen durch Selbstwendung (Evolutio spontanea), welche sicher, wo sie Statt findet, bloßes Werk der Thaͤtigkeit des Uterus ist, abgeaͤndert worden sind. §. 1531. Die Ursachen der abnormen Lagen der Frucht lassen sich schwer mit Bestimmtheit nachweisen. Folgende Umstaͤnde tragen wahrscheinlich am meisten zu solchen Lagenaͤnderungen bei: — 1) Große Anhaͤufung des Fruchtwassers. 2) Be- traͤchtliche Laͤnge der Nabelschnur und Umschlingungen dersel- 3. Regelwidrige Insertion der Placenta (wobei an die fuͤr die regelmaͤßige Lage, mit dem Kopfe voraus, wirkende Ur- sache zu erinnern ist, s. §. 693.) 4) Regelwidrige Bil- dung in den Seitenwaͤnden des großen Beckens, besonders zu stark auswaͤrts gebogene Darmbeine; daher bei manchen Per- sonen eine besondere Disposition zu solchen falschen Lagen er- klaͤrlich wird. 5) Fehlerhafte Lagen des Uterus. 6) Aeußere heftige Erschuͤtterungen des Koͤrpers, oder Erschuͤtterungen durch anhaltenden Husten, durch haͤufiges Erbrechen u. s. w. veran- laßt. 7) Vorhandenseyn mehrerer Fruͤchte im Uterus. §. 1532. Die Zeichen der abnormen Lage geben sich oft schon waͤhrend der Schwangerschaft zu erkennen: 1) durch unge- woͤhnliche mehr in die Breite gedehnte Form des Leibes; 2) durch die Bewegungen des Kindes welche die Schwangere an ungewoͤhnlichen Stellen z. B. mehr nach den Leistengegenden hin, fuͤhlt; 3) durch schmerzhafte Empfindungen an den ungewoͤhn- lich ausgedehnten Punkten; 4) durch nicht zu fuͤhlenden Kin- destheil bei der innern Untersuchung. Dieselben Zeichen gel- ten auch fuͤr die angehende Geburt, nur daß im Fortgange derselben gewoͤhnlich der falsch auf das Becken gestellte Kin- destheil selbst fuͤhlbar wird, oder auch wohl einzelne Theile, Arme oder Nabelschnur, vorfallen. Bleibt auch bei geoͤffnetem Muttermunde der Kindestheil noch fuͤr die Untersuchung mit einem Finger zu hoch gestellt und unerreichbar, so wird die Untersuchung mit der ganzen Hand noͤthig, jedoch so, daß man zugleich alles zur Wendung vorbereitet, und diese nach beendigter Untersuchung, ohne die Hand zuruͤckzuziehen, unge- saͤumt vollfuͤhrt. §. 1533. Die speciellere Eintheilung dieser verschiedenen falschen Lagen richtet sich nun theils nach dem auf dem Bek- keneingange befindlichen Kindestheile, theils nach dessen Rich- tung. Man koͤnnte daher eine große Anzahl von Klassen, Ordnungen und Gattungen solcher Lagen anfuͤhren (wie dieß insbesondere von Baudeloque geschehen), allein der praktische Nutzen davon ist zu gering, und es genuͤgt uns daher fol- gende Abtheilungen aufzunehmen. I. Schieflagen . A. Mit dem Kopfe voraus, und zwar mit a ) Hinterhaupt, b ) Schei- tel und c ) Gesicht, so daß diese Theile entweder uͤber dem Scham- bogen, dem Promontorio, der rechten oder linken Linea arcuata der Darmbeine aufstehen und die Fuͤße in der entgegengesetz- ten Seite des Uterus sich befinden. B. Mit den Huͤften voraus, welche entweder rechts, links, nach vorn, oder nach hinten aufstehen. §. 1534. II. Querlagen 1) des Kopfs: die rechte oder linke Seitenflaͤche mit dem Ohr befindet sich auf dem Becken (Ohr- lagen) und es sind dabei die Fuͤße bald nach rechts, bald nach links gelegen; 2) des Halses: a ) Kehllagen, wobei wieder bald nach rechts, bald nach links die Fuͤße gerichtet seyn koͤnnen, und b ) Nackenlagen, von denen dasselbe gilt. Die erstern werden an Unterkieferrand, Kehlkopf und Schluͤsselbein, die letztern an den Dornfortsaͤtzen erkannt. 3) Querlagen des Oberleibes mit den Fuͤßen nach rechts oder links: a ) Vor- derflaͤche der Brust, durch Rippen, Brustbein und Schluͤssel- beine charakterisirt, liegt vor; b ) Seitenflaͤche, wobei α der Arm heraufgeschlagen ist (reine Seitenlage fuͤr welche die Rip- pen charakteristisch sind), β der Arm am Koͤrper herabgestreckt ist, (wofuͤr Akromion, Schluͤsselbein und Schulterblatt charak- teristisch sind), γ der Arm vorliegt (Armlage); c ) obere Ruͤckenflaͤche, durch Dornfortsaͤtze, Schulterblaͤtter und Rippen bezeichnet. 4) Querlagen des Unterleibes, wieder theils mit den Fuͤßen nach rechts, theils nach links: a ) Bauchlage, durch die weiche Flaͤche und den Nabelstrang charakterisirt; b ) Sei- tenlagen des Bauchs, durch eine weiche Flaͤche, die kurzen Rippen und den Darmbeinrand charakterisirt; c ) untere Ruͤk- kenflaͤche liegt vor (Lendenlage), durch die Dornfortsaͤtze und die an den Lendenwirbeln mangelnden Rippen bezeichnet. §. 1535. Die Behandlung bezieht sich bei den Schieflagen zunaͤchst auf die Hereinleitung des schiefgestellten Theils in das Becken, wozu die unter Operation der Wendung auf den Kopf beschriebenen Regeln, das zweckmaͤßigste Mittel ab- geben. Vorzuͤglich wichtig ist das Anordnen zweckmaͤßiger Lagen der Kreisenden, bei Schiefstaͤnden des Kopfs nach rechts die rechte, bei Schiefstaͤnden nach links die linke Seitenlage, bei Schiefstaͤnden uͤber dem Schambogen die Seitenlage mit stark angezogenen Schenkeln und vorgebeugtem Leibe, allen- falls selbst Aufstemmen auf Knie und Ellenbogen, nebst aͤus- serm Druck gegen die Stelle wo aͤußerlich der Kopf fuͤhlbar ist. Gelingt indeß durch dieß Verfahren es nicht, die Huͤften oder den Kopf in eine gute Stellung zu bringen, oder treten Zufaͤlle ein, welche bevor das Herabruͤcken dieser Theile abge- wartet werden kann, die Beschleunigung der Entbindung drin- gend indiciren, so ist zur Wendung auf die Fuͤße zu schreiten, da wie schon fruͤher bemerkt wurde, das Fassen und Anzie- hen eines schief, hoch und wohl selbst noch beweglich stehenden Kopfs durch die Geburtszange auf keine Weise rathsam ist. — Querlagen des Kopfes und Halses lassen in seltnern Faͤllen auch noch die Wendung auf den Kopf zu, meistens aber noͤ- thigen sie, so wie die andern Querlagen durchgaͤngig, zur Wendung auf die Fuͤße, woruͤber die weitern Regeln bereits fruͤher gegeben sind. Von Verbindung mehrfacher Regelwidrigkei- ten des Geburtsgeschaͤfts untereinander, und von der kuͤnstlichen Veranlassung von Regelwidrigkeiten durch falsches Beneh- men der Kreisenden, oder durch uͤbele Be- handlung . §. 1536. Es ist ein seltner Fall, daß bei einem uͤberhaupt regel- widrig verlaufenden Geburtsgeschaͤft nur eine einzige Art von pathologischen Zustaͤnden vorkommen sollte, und weit haͤufiger bemerken wir ganze Gruppen von Regelwidrigkeiten welche in ihrer Verbindung das Geburtsgeschaͤft stoͤren. Solcher Verbindungen koͤnnen außerordentlich viele vorkommen, und durch diese große Mannigfaltigkeit wird uͤberhaupt das Han- deln des Geburtsarztes oft aͤußerst erschwert. — Zu bemer- ken ist an diesem Orte nur 1) daß gern gewisse Reihen von Regelwidrigkeiten sich zusammen vorfinden, in wiefern sie ent- weder in gemeinschaftlichen Ursachen bedingt sind, oder ein- ander wechselseitig hervorrufen. So findet sich z. B. bei schlaffem phlegmatischem Koͤrperbau haͤufig vieles Wasser, Ato- nie des Uterus, passive Blutung, falsche Lage des Uterus u. s. w.; bei rhachitischen Personen Engigkeit, Schiefheit des Beckens, zu starke Neigung desselben, Haͤngebauch, Schief- stand des Kindes u. s. w. vor. Oder es ist Enaigkeit und Rigiditaͤt des Muttermundes vorhanden, diese erzeugt krampf- hafte Zusammenziehung, Einsackung der Nachgeburt, Entzuͤn- durch u. s. w. §. 1537. 2) Ist das Verhaͤltniß zu bemerken, in welchem meh- rere Regelwidrigkeiten ruͤcksichtlich der Verbesserung oder Ver- schlimmerung des Gesammtzustandes sich befinden. Zuweilen naͤmlich koͤnnen Regelwidrigkeiten zusammentreffen welche sich gegenseitig einander ziemlich aufheben, und so den Geburts- verlauf erleichtern, z. B. uͤbermaͤßige Groͤße des Kindes bei einem sehr weiten Becken, eine etwas zu zeitige Geburt bei sehr verengertem Becken, lockere Eihaͤute bei zu großer Was- seranhaͤufung u. s. w. — Allein weit oͤfterer kommt es noch vor, daß sich Regelwidrigkeiten mit einander verbinden, de- ren Zusammentreffen den Gesammtzustand verschlimmert, z. B. krampfhafte, schlechte Wehen bei engem Becken, Entzuͤn- dung und Krampf, falsche Lage, schwer zu oͤffnender Mutter- mund, Incarceration der Nachgeburt, mit fester partieller Anheftung der Placenta und innerer Metrorrhagie u. s. w. — §. 1538. Was die Behandlung solcher complicirter Faͤlle be- trifft, so muß der Geburtsarzt vorzuͤglich erwaͤgen, erstlich, ob die eine Abnormitaͤt erst Folge der andern ist, und ob beide einander wechselseitig verschlimmern oder verbessern. Ist das erste der Fall, so wird auf die ursachliche Abnormitaͤt die Behandlung zunaͤchst gerichtet seyn muͤßen, und auf welche Weise uͤberhaupt die specielle Leitung des Falles einzurichten sey, wird sich ergeben, wenn man die fuͤr jede besondere Ab- normitaͤt noͤthige und im Vorigen beschriebene Behandlung be- denkt, und diese Heilregeln fuͤr die Individualitaͤt des Falles moͤglichst vereinfacht in Anwendung bringt. Atonie des Ute- rus von zu vielem Fruchtwasser mit Festigkeit der Eihaͤute z. B., wird durch das kuͤnstliche Sprengen der Blase am zweckmaͤßigsten behandelt; und so wird sich aus hinlaͤnglicher Kenntniß der Behandlung fuͤr jede einfache Abnormitaͤt, die Behandlung der complicirten Faͤlle leicht entnehmen lassen. II. Theil. 34 §. 1539. Es ist nun aber auch von den Stoͤrungen zu sprechen, welche ein unzweckmaͤßiges Benehmen der Gebaͤrenden selbst, oder der Huͤlfe leistenden Hebammen oder Geburtshelfer bei sonst normalen Geburten kuͤnstlich erst herbei zu fuͤhren im Stande ist; und leider muß bei dem Stande in welchem gegenwaͤrtig die Ausuͤbung der Entbindungskunst sich befindet, immer noch dieses Moment haͤufiger als es zu wuͤnschen waͤre, als Veranlassung zu mannigfaltigen Abnormitaͤten an- geklagt werden. Manche Gebaͤrende ist daher schon, weil sie zu rechter Zeit nach Huͤlfe zu senden versaͤumte, ohne zweck- maͤßige Vorbereitung, von der Geburt oft wohl im Stehen uͤberrascht worden, und hat sich Blutfluͤße u. s. w. zugezo- gen; manche Gebaͤrende stoͤrt durch sehr unruhiges oder ver- zoͤgert durch zu traͤges Benehmen den Geburtsverlauf fuͤr sie zum Nachtheil u. s. w. — Aber sicher wird oft auch durch Gebrauch treibender Mittel und durch Operationen, welche ohne hinlaͤngliche Indication blos aus Ungeduld oder Operations- lust des Geburtshelfers angewendet werden, Kreisenden der groͤßte Nachtheil zugefuͤgt, durch Sorglosigkeit der Hebamme oder des Geburtshelfers die Zerreißung des Mittelfleisches veranlaßt, oder wohl gar bei wirklich angezeigten oder nicht angezeigten Operationen, durch Ungeschicklichkeit und Rohheit des Verfahrens der abnorme Zustand erhoͤht anstatt vermin- dert, Zerreißung oder doch Entzuͤndung der Gebaͤrmutter her- beigefuͤhrt, durch unzeitiges Loͤsen der Placenta Blutsturz er- zeugt u. s. w. — Kurz es gehoͤrt hierher das ganze Suͤn- denregister und Schuldbuch unwissender und ungeschickter Ge- burtshelfer, deren Haͤnden oft das weibliche Geschlecht uͤber- lassen ist, ein Gegenstand den wir indeß hier nicht weiter auszufuͤhren haben, da die einzelnen Abnormitaͤten welche durch schlechte Behandlung entstehen koͤnnen, dieselben sind, welche als, gewoͤhnlicher von andern Ursachen begruͤndete, Regelwi- drigkeiten wir oben geschildert haben; und ausfuͤhrliche Eroͤr- terungen aber, fuͤr den, dem die innere Stimme nicht sagt wie vorzuͤglich das gebaͤrende Weib zur groͤßten Schonung und gewissenhaftesten Behandlung auffordern muͤße, doch fruchtlos seyn wuͤrden. III. Von den Krankheiten der Woͤchnerinnen und Neugeborenen, und von der Behandlung derselben. I. Specielle Pathologie und Therapie des Zustandes der Woͤchnerin . §. 1540. Betrachtet man im Allgemeinen die verschiedenen Krank- heitszustaͤnde, welchen die Periode des Wochenbettes unter- worfen ist, so kann man vorzuͤglich drei Gattungen derselben unterscheiden, welche jedoch wieder unter sich der mannigfal- tigsten Complicationen faͤhig sind: — Es gehoͤren dahin, er- stens Krankheitszustaͤnde welche als unmittelbare Folgen der Geburt zu betrachten sind; zweitens Krankheitszustaͤnde, wel- che in Stoͤrungen der im weiblichen Koͤrper in dieser Periode vorgehenden naturgemaͤßen Revolutionen und eintretenden ei- genthuͤmlichen Funktionen bestehen; drittens endlich Krankhei- ten, welche auch außer dem Zustande des Wochenbettes den weiblichen Koͤrper oder den Menschen uͤberhaupt befallen koͤn- nen, und in dieser Periode nur durch den eigenthuͤmlichen Charakter derselben Modificationen erleiden. I. Von den krankhaften Zustaͤnden der Woͤchnerin, welche unmittelbare Folgen der Geburt sind. §. 1541. Hierbei muͤssen wieder unterschieden werden die allge- meinen Affektionen, als: große Erschoͤpfung, Frost, Ohnmach- ten, Zuckungen, und die oͤrtlichen Krankheitszustaͤnde, als: Anschwellung der Geburtstheile, Entzuͤndung derselben, die Folgen der Zerreißungen in der Vagina oder in den aͤußern Geburtstheilen, die Harnbeschwerden und die Verrenkung des Schwanzbeins. 1. Krankhaftes allgemeines Befinden als Folge der Geburt . §. 1542. Die Geburtsanstrengung, unter manchen Umstaͤnden und von aͤcht weiblichen kraͤftigen Koͤrpern so leicht uͤberwunden, hinterlaͤßt dagegen bei schwierigerm sehr verzoͤgerten Verlauf, und bei schwaͤchlichen kraͤnklichen Naturen oft einen Grad von Erschoͤpfung , welcher zu Ohnmachten, Zuckungen, passiven Blutungen geneigt macht, und deßhalb die Aufmerksamkeit des Arztes im hohen Grade verdient. Es charakterisirt sich dieser Zustand durch Blaͤsse des Gesichts, matten Blick, sehr gesunkenen, langsamen Puls, unvernehmliche Stimme, gesun- kene Temperatur, so wie durch Beruͤcksichtigung vorausgegan- gener Umstaͤnde und allgemeiner Koͤrperconstitution. §. 1543. Die Behandlung dieses Zustandes betreffend, so ist vor- zuͤglich fuͤr bequeme Lage und vollkommenste Ruhe der Neu- entbundenen zu sorgen, durch Abhaltung hellen Lichtes und sonstiger Stoͤrungen ein ruhiger Schlaf zu befoͤrdern, bei wel- chem jedoch, moͤglicher Blutungen wegen, stets eine unterrich- tete Person Wache halten muß. Außerdem wirken gelind erregende Mittel, etwas Melissenthee und Wein, einige Trop- fen Naphtha auf Zucker, Waschen mit Eau de Cologne, spaͤterhin eine Tasse Bouillon mit Ei sehr wohlthaͤtig. — Zeigt sich in Folge dieser allgemeinen Erschoͤpfung Frost, so sind vorzuͤglich einige Tropfen vom Laudano liq. S. ein huͤlfreiches Mittel. Seltner entstehen aus dieser Ursache Con- vulsionen oder Ohnmachten, welche jedoch im Ganzen dann immer eine guͤnstigere Prognose zulassen, und der fruͤher be- schriebenen, auch bei Ohnmachten und Convulsionen wel- che bei Schwangern oder Gebaͤrenden im Nervensystem begruͤn- det sind huͤlfreichen Methode zu weichen pflegen (s. §. 1050 u. 51, 1038). §. 1544. Ferner aber zeigen sich auch bei Neuentbundenen oͤfters Anfaͤlle von Frost, Convulsionen, Ohnmachten in Folge von Unordnungen im Gefaͤßsystem, und fast auf die- selbe Weise entstehend, wie bei den Convulsionen der Gebaͤ- renden schon eroͤrtert worden ist (§. 1335), naͤmlich indem sich ungleiche Blutvertheilung offenbart, welche durch Ruͤck- tritt der fruͤher in den Venenzellen aufbehaltenen, jetzt von den Lungen nicht vollstaͤndig aufgenommenen Blutmasse in das allgemeine Gefaͤßsystem veranlaßt wird. Zeigt sich aus solchen Ursachen das subjektive Gefuͤhl von Frost, so ist dabei die Hautwaͤrme aͤußerlich eher erhoͤht als vermindert, das Ge- sicht roth, der Puls hart und frequent, und Ohnmachten und Convulsionen werden gewoͤhnlich durch Kopfschmerz angekuͤn- digt. — Die Behandlung muß hiernach vorzuͤglich durch die antiphlogistische und ableitende Methode eingeleitet werden. Bei bloßem Frost wirkt die Befoͤrderung des allgemeinen Schweißes durch einige Gaben Liq. C. C. oder Sp. Minder. mit Fliederthee, warme Fomentationen um die Fuͤße u. s. w. vorzuͤglich wohlthaͤtig, Ohnmachten und Zuckungen erfordern dieselbe Behandlung wie unter der Geburt, d. i. allgemeine oder oͤrtliche Blutentziehungen, kalte Fomentationen auf den Kopf, reitzende Einreibungen in den Nacken, Rubefacientia, warme Fomentationen um die untern Extremitaͤten, und nach besei- tigten Congestionen die mehr die centrale Thaͤtigkeit des Ner- vensystems aufrufenden Mittel: Moschus, Campher, Vale- riana, Liq. C. C., die Stuͤtzische Methode u. s. w. 2. Krankhafte oͤrtliche Zustaͤnde als Folge der Geburt . §. 1545. 1) Anschwellung und Entzuͤndung der Ge- burtstheile ; Ein Zufall welcher nach schwierigen Gebur- ten, wo der Kopf laͤngere Zeit in der Beckenhoͤhle steht, sehr haͤufig einzutreten pflegt. Man hat hierbei vorzuͤglich zu be- ruͤcksichtigen, ob die Geschwulst mehr oͤdematoͤs oder wirkliche Entzuͤndungsgeschwulst sey. — Im erstern Falle ist dieselbe mehr schwammig, blaͤßer und weniger empfindlich, im letztern Falle schmerzhaft, gespannt und lebhaft geroͤthet, auch ent- stehen hierbei leicht einige Fieberbewegungen, welche denn haͤu- fig, wenn der Arzt die Beschaffenheit der Geburtstheile nicht kennt oder nicht untersucht, auf Rechnung des sogenannten Milchfiebers geschrieben werden. §. 1546. Beide Arten der Anschwellung machen zuvoͤrderst die strengste Reinlichkeit, oͤfteres Auswaschen der Genitalien mit Aufguͤßen der Flor. Chamam. und der Hb. Serpilli, oͤfte- res Wechseln der Unterlagen und bei starken, riechenden und wegen der Geschwulst unvollkommen ausfließenden Lochien, aͤhn- liche Injektionen in die Vagina nothwendig. Eben so eignen sich fuͤr beide Arten warme aromatische Fomentationen uͤber die Geburtstheile, wozu die Aufguͤße der Flor. Arnicae, der Hb. Serpill. und Absinthii vorzuͤglich passen. Bei der Ent- zuͤndungsgeschwulst muß uͤbrigens ein antiphlogistisches Regimen beobachtet werden, kuͤhlende Getraͤnke, Fliederthee mit Citro- nensaft u. s. w. sind sehr wohlthaͤtig. Fieberbewegungen er- fordern die Anwendung von Nitrum, Emulsionen, blanden Abfuͤhrungen u. s. w. Ist die Anschwellung rein oͤdematoͤs, fo wirken die Zusaͤtze von Wein, spaͤterhin von Franzbrandt- wein, zu den Fomentationen sehr wohlthaͤtig. Sehr starke Anschwellung der Schamtheile macht oͤfters die Anwendung von Scarificationen der Geschwulst unentbehrlich. §. 1547. Zuweilen bilden sich nach Entzuͤndungsgeschwuͤlsten der Geburtstheile auch kleine Eiterungen oder oberflaͤchliche Exco- riationen; die erstern muͤssen durch erweichende Umschlaͤge zur Reife gefoͤrdert, dann vorsichtig geoͤffnet, und weiterhin nach den Regeln der Chirurgie durch einen einfachen Verband und sorgfaͤltige Reinlichkeit zur Heilung geleitet werden. Die Ex- coriationen machen blos das im vorigen §. beschriebene Ver- fahren noͤthig. §. 1548. Am gefaͤhrlichsten, obwohl auch weit seltner sind die Anschwellungen der Schamlippen und des Mittelfleisches, welche von ausgetretenem Blute in dem Zellgewebe zwischen Vagina und Mastdarm abhangen, und aus kleinen Zerreißun- gen des Scheidenkanals oder benachbarter Gefaͤße ihren Ur- sprung nehmen. Sie werden durch die dunklere Farbe und die Fluktuation vornehmlich erkannt, verursachen leicht gefaͤhr- liche weit ausgebreitete Eiterungen, weil die Blutergießung fuͤr Wiederaufsaugung gewoͤhnlich zu groß ist, so daß die Ei- terung selbst dann hektisches Fieber, Zerstoͤrungen der Becken- verbindungen und Tod nach sich ziehen kann. Die Behand- lung beschraͤnkt sich hierbei vorzuͤglich auf die zeitig zu un- ternehmende Oeffnung der Blutgeschwulst, man legt. eine Wieke ein, bedeckt die geschwollenen Theile mit Arnica- Fomenta- tionen, und bei eintretender Eiterung wird diese durch erwei- chende mit aromatischen Kraͤutern verstaͤrkte Cataplasmata behandelt, jauchigem Eitererzeugniß durch Chinafomentationen, . Myrrhae , bessere Diaͤt, innern Gebrauch der China be- gegnet, und so eine voͤllige Heilung befoͤrdert. §. 1549. 2) Verletzung der innern Geburtstheile . Bei schweren Entbindungen, zumal wenn sie nicht mit genuͤgender Vorsicht durch Instrumente beendigt worden sind, geschieht es zuweilen, daß der Muttermund staͤrker als gewoͤhnlich einreißt, oder der Scheidenkanal selbst hin und wieder oberflaͤchliche Verletzungen und Quetschungen erleidet, welches dann im Wo- chenbett durch Schmerz in den Geburtstheilen, Entzuͤndung, oberflaͤchliche Eiterungen und riechende Lochien sich zu erken- nen giebt, ja selbst Fieber erregt, und wobei durch die star- ken Verletzungen des Muttermundes bleibende Nachtheile, Un- fruchtbarkeit, Leukorrhoͤen oder Skirrhoͤsitaͤten leicht entstehen koͤnnen. — Die Heilung dieser Verletzungen muß dem Orte nach, freilich hauptsaͤchlich der Natur uͤberlassen bleiben, sie wird indeß durch oͤftere Reinigung der Geburtstheile, mittelst Einspritzung des Aufgußes der Flor. Chamomill. der Hb. Serpilli u. s. w. am besten besoͤrdert, so wie sich hierbei auch laͤnger beobachtete Ruhe im Wochenbett und eine angemessene antiphlogistische Behandlung bei dem eintretenden Wundfieber nothwendig macht. §. 1550. 3) Zerreißung des Mittelfleisches . Einer der unangenehmsten Zufaͤlle der Entbindung welcher auch im Ver- laufe des Wochenbettes oft zu den bedeutensten Stoͤrungen Veranlassung giebt, sehr schwer oder gar nicht durch die Na- tur geheilt wird, und dafern die Verletzung bedeutend ist, d. i. sobald sie sich bis an, oder in den After erstreckt, unwillkuͤhr- licher Abgang von Blaͤhungen oder Stuhl, Scheidenvorfaͤlle, Leukorrhoͤen, Unfruchtbarkeit u. s. w. nothwendig zur Folge hat; Gruͤnde genug welche uns noͤthigen muͤssen alles aufzu- bieten, um diese Verletzungen zu verhuͤten, welches denn durch genaue Befolgung der oben gegebenen Regeln auch fast im- mer moͤglich seyn wird. Findet sich indeß das Uebel wirk- lich vor, so giebt es sich durch Geschwulst, Schmerz und Brennen bein Uriniren, Unvermoͤgen aufzusitzen und Wundfie- ber bald zu erkennen. Selten reißt die rima genitalium mehr ruͤck- und seitwaͤrts ein, wobei jedoch die Folgen und die Behandlung mit denen des zerrißenen Mittelfleisches voͤllig uͤbereinstimmen. §. 1551. Was die Behandlung betrifft, so ist auch hier die strengste Reinlichkeit das erste Erforderniß zur Heilung, da ja eben das staͤte Verunreinigen der Wunde durch den Lochienfluß ein Haupthinderniß der Heilung abgiebt. Es muß daher nach jedem Auswaschen mit einem weichen Schwamme, die hintere Commissur der rima genitalium durch trockne Charpie aus- getupft und die Heilung durch Wiederaneinanderlegen der Wundraͤnder befoͤrdert werden. Ist nun der Einriß nicht be- traͤchtlich, so reicht gewoͤhnlich dieses Verfahren, nebst einer anhaltenden Seitenlage, wobei die Knie dicht aneinander ge- halten und deßhalb mit einem Tuche locker umschlungen wer- den muͤssen, vollkommen hin, um die Heilung zu bewerkstelli- gen, und es kann sich bei lange genug beobachteter Ruhe selbst das frenulum labiorum vollstaͤndig wieder erzeugen Walther . Da uͤbrigens bei Zerreißungen des Mittelfleisches sich immer auch Entzuͤndung, Schmerz und Geschwulst einfindet, so sind außer den genannten Maaßregeln noch erweichende, zerthei- lende Fomentationen sehr nuͤtzlich, bei welchen in den ersten Tagen alle Zusaͤtze von spirituoͤsen Mitteln zu vermeiden sind. §. 1552. Staͤrkere Einriße bis in oder bis dicht an den Af- ter, koͤnnen auf zweierlei Weise behandelt werden, entweder naͤmlich durch die blutige Nath, oder ohne dieselbe. Was die erstere Methode betrifft, so kann sie fuͤr die ersten Tage des Wochenbettes, wo sie allein wegen der Frischheit der Wunde zur schnellen Vereinigung allenfalls fuͤhren koͤnnte, durchaus nicht empfohlen werden, da das Einstechen der Nadeln in die ohne dieß schon gereitzten Partien, die Entzuͤndung ver- mehren und Fieberbewegungen nothwendig veranlassen muͤßte, uͤberdieß aber fast nie die unmittelbare Vereinigung der ge- trennten Theile bewirken kann, weil dieselbe durch das Ein- dringen des Lochienflußes (welches sich durch keine kuͤnstliche Vorrichtung wird abhalten lassen) stets gehindert werden muß. Muß man daher wegen zu betraͤchtlicher Verletzung und auf andere Weise nicht zu erreichender Heilung zur blutigen Nath schreiten, so geschehe dieß nachdem die Zeit des Wo- chenbettes ziemlich voruͤber, und die Wundraͤnder oberflaͤchlich vernarbt sind, mittelst des erneuerten Wundmachens der Wund- lefzen, und zwar nach Zang’s Vorschrift Darstellung blutiger heilkundiger Operationen. 3. Thl. 2. Abthei- lung. S. 351 u. f. durch Weg- schneiden mit dem Messer, und so, daß ehe die drei Hefte angelegt werden, die Blutung durch den Schwamm und kal- tes Wasser voͤllig zum Stehen gebracht , dann die Wundspalte derb zusammengezogen, hierauf aber 10 bis 12 Tage die groͤßte Ruhe beobachtet wird. §. 1553. Will man den Versuch zur Heilung betraͤchtlicher Zer- reißungen des Mittelfleisches ohne die blutige Nath unter- nehmen, so muͤssen zunaͤchst die §. 1551 gegebenen Vorschrif- ten auf das genaueste beobachtet, und bis die Eiterung der Wundlefzen eintritt, die erweichenden mit aromatischen Kraͤu- tern versetzten Umschlaͤge fortgefuͤhrt werden Will man zu diesem Behuf, den von H. Schmitt (gesammelte obstetricische Schriften S. 105 u. 348) neuerlich wieder empfoh- lenen fetten Eierkuchen, welchen Mauriceau (Traité des Maladies des femmes grosses. T. I. p. 400) beschreibt, anwenden, so ist dieß ganz zweckmaͤßig. . Ferner aber wird es noͤthig die Granulation durch taͤglich einigemal wie- derholtes Bestreichen der Wundlefzen mittelst einer Mischung von zwei Theilen Peru-Balsam und einem Theil . Myr- rhae zu befoͤrdern, und besonders auf die strengste Ruhe, das stetige Aneinanderschließen der Schenkel und die haͤufig wie- derholte Reinigung durch aromatische Aufguͤße, zu halten. Umschlaͤge sind, wenn die Geschwust sich verloren hat, nicht mehr nothwendig, auf Erhaltung gelinder Darmausleerungen aber muß fortwaͤhrend gesehen werden. — Da zuweilen al- lerdings die Vereinigung auch bei diesem Verfahren gelingt, so ist es rathsam immer zuerst diesen Weg einzuschlagen und dafern er nicht zum Zweck fuͤhrt, spaͤterhin die Scarification und Nath anzuwenden. §. 1554. 3) Harnbeschwerden . Sie kommen ziemlich haͤufig nach schweren Geburten, ja zuweilen selbst nach leichtern Ent- bindungen vor. Die Formen dieser Abnormitaͤten sind diesel- ben welche auch schon bei Schwangern vorkommen und fruͤher §. 1023 u. f. beschrieben worden sind. Als Ursachen der- selben ist zunaͤchst die Geschwulst der Urethra und der Harn- roͤhrenmuͤndung, welche vorzuͤglich nach langem Innestehen des Kopfs sich zu entwickeln pflegt, zu erwaͤhnen; sie hat gewoͤhn- lich Strangurie oder Ischurie zur Folge, giebt sich durch Un- tersuchung des Orificii urethrae, und Hinderniß bei Einfuͤh- rung des Katheters zu erkennen, und kann entweder mit oder ohne Entzuͤndung (oͤdematoͤs) vorkommen, welches erstere durch vermehrte Waͤrme, Empfindlichkeit, und wohl durch leichte Fieberbewegungen erkannt wird. — Fernere Ursachen sind die Laͤhmung oder Verletzung des Blasenhalses, von welchen die erstere durch Quetschung von einem starken Kindeskopfe, durch anhaltende Laukorrhoͤe, Blutungen u. s. w. oder auch durch vorausgegangene Entzuͤndung und Geschwust erregt werden kann, und eine Incontinentia urinae zur Folge hat, wobei der Harn entweder fortwaͤhrend, oder beim Husten, Um- wenden u. s. w. abfließt. Was die Verletzungen betrifft, so sind sie meistens die Folge roh ausgefuͤhrter Zangenentbindun- gen, Extraktionen oder Perforationen, fuͤhren Harnfisteln nach der Vagina herbei, und quaͤlen die Kranke fortwaͤhrend durch tropfenweise erfolgenden Harnabgang, durch Excoriationen u. s. w. §. 1555. Eine dritte Ursache geben die von der Geburt angereg- ten Krankheitszustaͤnde der Blase, wohin theils die Laͤhmung theils der entzuͤndliche und krampfhafte Zustand derselben ge- hoͤrt. Die Laͤhmung durch stark und lange auf dem Scham- bogen aufstehenden Kindeskopf, versaͤumte Harnentleerung vor der Entbindung, und fruͤhere atonische Zustaͤnde der Geburts- und Harnwege veranlaßt, fuͤhrt Ischurie herbei und charakte- risirt sich durch Mangel an Fieber so wie an Schmerz bei Beruͤh- rung der Regio hypogastrica und dem Einbringen des Ka- theters. — Entzuͤndung und Krampf hingegen findet sich bei reizbaren Subjekten nach schweren Geburten, treibenden er- hitzenden Mitteln und vorher versaͤumter Blasenentleerung, bringt Strangurie, Ischurie, zuweilen auch Unvermoͤgen den Harn zuruͤckzuhalten hervor, und wird durch Empfindlichkeit, durch die gesammte Constitution, und bei Entzuͤndung durch das nie mangelnde Fieber bezeichnet. §. 1556. Die Behandlung dieser Zustaͤnde hat mit der der Harn- beschwerden bei Schwangern viel Uebereinstimmendes. Die Geschwulst der Harnroͤhre, der krampfhafte Zustand der Harn- blase und eben so die Entzuͤndungszustaͤnde machen aͤußerlich zunaͤchst Umschlaͤge von den Specieb. resolvent. uͤber die aͤußern Geschlechtstheile und die regio hypogastrica unent- behrlich, zugleich muß, wenn die Anhaͤufung des Urins be- deutender wird, nothwendig der Katheter eingebracht werden. — Zeigt sich ein paralytischer Zustand der Harnblase, so sind fluͤch- tig reitzende Einreibungen, das Emplastr. aromaticum, Auf- troͤpfeln von Naphtha u. s. w. mit Nutzen anzuwenden, so wie, wenn Incontinentia urinae durch Atonie des Blasen- halses verursacht wird, aromatische Umschlaͤge mit Wein oder spirituoͤsen Zusaͤtzen nicht unterlassen werden duͤrfen. §. 1557. Auch die weitere Behandlung richtet sich nach den be- sondern Ursachen. Entzuͤndliche Zustaͤnde mit Fieber verknuͤpft machen allgemeine oder oͤrtliche Blutentziehung, kuͤhlende Emulsionen, blande Abfuͤhrungen, den Gebrauch des Calo- mels Besonders bei chronischer Entzuͤndung und Geschwulst des Blasen- halses, welche oft hartnaͤckige und langwierige Ischurie veranlaßt, habe ich das auch von P. Frank empfohlene Colomel (s. Epit. d. hom. morbis cur. L. VI. P. I. p. 530.) mit großem Nutzen an- gewendet. und ableitende Mittel nothwendig. Krampfige Zu- staͤnde weichen vorzuͤglich der Anwendung der Emulsionen mit Opium, und den Zusaͤtzen der Hb. Hyoscyami zu den Fo- mentationen. Bei paralytischen Zustaͤnden endlich muͤssen auch innerlich die mehr erregenden Mittel, als Decoctum corticis peruv., Hb. uvae ursi, der Gebrauch der Naphthen, eines guten Weins u. s. w. nicht unterlassen werden. — Lang an- haltende Enuresis macht die Anwendung aͤußerlicher Vorrich- tungen zum Auffangen des stets abfließenden Urins (s. §. 1029.) nothwendig. §. 1558. Am meisten Schwierigkeit pflegen gewoͤhnlich der Hei- lung entgegenzusetzen die durch Verletzung entstandenen Harn- fisteln. Was die Sorge fuͤr strenge Reinlichkeit, die Behand- lung der sich dabei einfindenden Geschwulst, Entzuͤndung und Fieberanfaͤlle betrifft, so kann auf die in den vorigen §§. angezeigte Behandlung verwiesen werden; allein was die Hei- lung der Verletzungen selbst betrifft, so hat man dazu uͤber- haupt nur noch wenig Versuche gemacht. — Ich erwaͤhne hier zunaͤchst der von H. Naͤgele gemachten Vorschlaͤge, durch ein der Operation der Hasenscharte einigermaaßen nachgebilde- tes Verfahren, mittelst eigener Instrumente die Vereinigung der wieder wund gemachten Raͤnder der Fisteloͤffnung zu bewerk- stelligen S. diese Methode ausfuͤhrlich beschrieben in F. C. Naͤgele Er- fahrungen und Abhandlungen uͤber Krankheiten des weiblichen Geschlechts. Manheim 1812.; auch abgedruckt in Zang Darstel- lung blutiger heilk. Operationen. 3. Thl. 2. Abth. S. 333 u. f. , welche allerdings in mehrerer Hinsicht zweckmaͤßig scheint, obwohl das Verfahren etwas sehr zusammengesetzt und gekuͤnstelt nicht mit Unrecht genannt und auch durch die Er- fahrung noch nicht hinlaͤnglich bestaͤtigt worden ist. — Weit einfacher dagegen ist das von M. Coze Journal univers. des Sciences médic. Septbr. 1819. beschriebene Ver- fahren, welcher, indem er von der Ausfuͤhrung des Stein- schnittes durch die Vagina spricht, bemerkt, daß die hierbei entstandene Communication zwischen Blasenhals und Mutter- scheide, durch bloße hinlaͤngliche Ausfuͤllung des Scheidenka- nals mittelst eines starken, Zusammendruͤckung der vordern Schei- denwand bewirkenden Scheidencylinders, bei laͤngere Zeit inne- liegendem Katheter sehr gut zur Heilung gebracht werden koͤnne, und dieses Verfahren auch zur Heilung der Harnfisteln nach vorausgegangener Scarification der Fisteloͤffnung em- pfiehlt. — Da uͤbrigens nach jeder, fortwaͤhrendes Austroͤp- feln von Harn verursachenden Harnfistel große Zusammenge- zogenheit der Blase entstehen muß, so wird die Anwendung von oͤhligen oder schleimigen Injektionen welche einige Zeit zuruͤckgehalten werden muͤssen, als Nachkur meistens unent- behrlich seyn. §. 1559. 4. Verrenkung des Schwanzknochens . Dieser Zufall welcher eigentlich, wie schon Bernstein Ueber Verrenkungen und Beinbruͤche. 1802. S. 102. bemerkt, nicht eigentlich Verrenkung genannt werden kann, da das Steisbein mit dem Kreuzbein durch Knorpel verbunden ist, gehoͤrt zu den seltensten Zufaͤllen nach der Entbindung. Er kann vorzuͤglich bei aͤltlichen Erstgebaͤrenden mit starker Bek- kenkruͤmmung, bei gewaltsamer Durchfuͤhrung eines starken Kindeskopfs, oder bei starkem Zuruͤckdruͤcken des Steisknochens durch eine uͤbergeschaͤftige unwissende Hebamme eintreten. Man erkennt die (hier allein vorkommende) Abweichung die- ses Knochens nach außen , durch das Schmerzgefuͤhl am leidenden Theile, in der Gegend des Dammes und Afters, und am Zunehmen dieses Schmerzes durch Bewegung der Schenkel, Darmausleerung, Husten, Niesen u. s. w., so wie an der aͤußerlich fuͤhlbaren Erhabenheit der Schwanzbeinspitze. §. 1560. Die Folgen dieser Abweichung wuͤrden, wenn das Uebel sich selbst uͤberlassen bliebe, leicht bedenklich werden, und in Entzuͤndung, Eiterung der getrennten Knorpelflaͤchen, Fort- schleichen des Abscesses zu benachbarten Gebilden und auszeh- rendem Fieber bestehen. — Die Behandlung ist ziemlich ein- fach; um die Einrichtung des nach außen getriebenen Kno- chens zu machen, bringt man den eingeoͤhlten Zeigefinger ei- ner Hand in den Mastdarm und druͤckt mit dem Daumen der andern Hand den Knochen vorsichtig einwaͤrts, worauf dann Compressen aufgelegt und mit der T Binde, welche indeß nicht gerade den After bedecken darf, befestigt werden. Ist bereits Anschwellung oder Entzuͤndung vorhanden, so wer- den aromatische zertheilende Fomentationen nothwendig. Zur Vollendung der Kur ist sodann blos Ruhe, Seitenlage, Ruͤk- kenlage auf einem gepolsterten Ringe erforderlich. — Aus- einanderweichen anderer Knochenverbindungen des Beckens durch schwere Geburt ist (ausser nach dem Schamfugenschnitt) gewiß hoͤchst selten, und muß dann eben so wie wenn dergleichen Abweichungen durch aͤußere Gewalt verursacht worden sind, nach den Regeln der Chirurgie behandelt werden. II. Von den Stoͤrungen der eigenthuͤmlichen Wochenfunktionen und den davon abhaͤngigen Krankheiten . §. 1561. Hierher gehoͤren 1) die Abnormitaͤten welche am Uterus, waͤhrend er in seinen fruͤhern Zustand zuruͤckzukehren strebt, bemerkt werden, 2) die regelwidrigen Zustaͤnde des Hautor- gans, 3) die regelwidrigen Zustaͤnde der Bruͤste, 4) die all- gemeinen Stoͤrungen der naturgemaͤßen Revolution im Or- ganismus der Woͤchnerin, als Congestionen, Entzuͤndungen, Milchfieber, Kindbettfieber. 1. Von den Abnormitaͤten des Uterus im Wochenbett. 1) Nachwehen . §. 1562. Daß Nachwehen unter gewißen Bedingungen z. B. nach sehr schnellen Geburten und bei Mehrgebaͤrenden zum regel- maͤßigen Verlaufe der Wochenperiode gehoͤren, ist fruͤher erin- nert worden; als regelwidrige Erscheinungen hingegen sind sie zu betrachten, wenn sie bei Erstgebaͤrenden eintreten, sehr haͤufig kommen, ungewoͤhnlich schmerzhaft sind, und sehr lange fortdauern. — Die Ursache derselben liegt theils im Uterus selbst, theils in andern Gebilden. Es gehoͤren dahin: sehr erhoͤhte Sensibilitaͤt im Allgemeinen und des Geschlechtssystems insbesondre, im Uterus zuruͤckgebliebene fremde Koͤrper, als Reste der Placenta, der Eihaͤute, Blutklumpen, polypoͤse Aus- wuͤchse der innern Uterinflaͤche, schmerzhafte Zustaͤnde der Brust- warzen, wo das Saugen des Kindes durch consensuelle Rei- zung den Uterus erregt, und uͤberhaupt alle das Gefaͤß- oder Nervensystem heftig erregende Reitze. §. 1563. Die Behandlung muß diesen Ursachen angemessen seyn. Bei zuruͤckgebliebenen Blutklumpen oder Nachgeburtsresten muß auf die Entfernung dieser Koͤrper die Aufmerksamkeit des Arz- tes gerichtet seyn, und es wird dieß bewerkstelligt, theils in- dem man die austreibende Kraft des Uterus durch Einreibungen des fluͤchtigen Liniments, oder durch einige Tassen Zimmt- thee unterstuͤtzt, theils indem man, wenn die Ausstoßung nicht von selbst erfolgt, diese Massen auf die oben (§. 1312.) gelehrte Weise entfernt, kleinere polypoͤse Auswuͤchse aber ent- weder durch die Finger abdruͤckt oder ausschneidet. §. 1563. Sind Verstimmungen des Gefaͤß- oder Nervensystems die Ursache, so muͤssen das antiphlogistische Regimen, kuͤhlende oder beruhigende Mittel, Emulsionen, Infus. Valerianae, Flor. Chamomillae, oͤrtlich das Auflegen warmer trockner Kraͤuterkissen, zu Huͤlfe gerufen werden. Die schmerzhaften Zustaͤnde der Brustwarzen oder Abnormitaͤten der Harnwege und des Darmkanals sind ihrer Natur nach zu behandeln; besonders gesteigerte Sensibilitaͤt des Uterus endlich, wird durch einige Gaben des Dovers chen Pulvers, durch Castoreum, . Asae foetidae mit Laudanum liq. S., so wie durch einige (vorzuͤglich bei gleichzeitig stockender Wochenreinigung nuͤtzliche) Injektionen vom Aufguß der Flor. Chamomill. mit der Hb. Hyoscyami oder Cicutae am besten beseitigt. 2. Unregelmaͤßiger Lochienfluß . §. 1564. Wir finden hier vorzuͤglich dreierlei Arten von Regelwi- drigkeiten, indem der Wochenfluß entweder zu stark ist und in Blutfluß ausartet, oder zu schwach ja voͤllig unterdruͤckt erscheint, oder endlich seiner Qualitaͤt nach von widernatuͤrli- cher Beschaffenheit ist. Im Allgemeinen muß jedoch hierbei, wie bei der Menstruation, bemerkt werden, daß fuͤr die Quan- titaͤt und Dauer dieses Ausflußes kein bestimmtes Maaß sich angeben laͤßt, vielmehr derselbe nach der verschiedenen Indi- vidualitaͤt sehr verschieden seyn kann, so daß nur solche Ab- weichungen von dem gewoͤhnlichen Verhalten, bei welchen Stoͤ- rung des allgemeinen Befindens beobachtet wird, wirklich krank- haft genannt werden koͤnnen. — Ueberhaupt naͤmlich sind die Lochien vorzuͤglich als Symptome des im Uterus vorgehenden Umaͤnderungsprozesses von Wichtigkeit, und ihre Abnormitaͤten II. Theil. 35 kommen daher keinesweges blos als eigenthuͤmliche Krankheits- zustaͤnde, sondern haͤufiger als Folgen allgemeiner Verstimmun- gen vor. §. 1565. Zu starke Lochien und Metrorrhagie der Woͤch- nerinnen . Da uͤberhaupt der Blutabgang nach Trennung der Nachgeburt nur Folge der bei Abloͤsung der Placenta ge- oͤffneten Venenzellen ist (§. 854.), so muß der Lochienfluß alsbald staͤrker eintreten, ja in wahre Metrorrhagie uͤbergehen, sobald die Zusammenziehung des Uterus nicht regelmaͤßig er- folgt oder durch unruhiges Verhalten oder andere Reitze ge- stoͤrt wird. — Die gewoͤhnlichsten Ursachen der zu starken Lochien sind daher Schwaͤche des Uterus, Unvorsichtigkeiten der Woͤchnerinnen, vieles Bewegen, Pressen beim Stuhlgange u. s. w., falsche Lagen des Uterus, oder fremde die Zusammen- ziehung hindernde Koͤrper, Nachgeburtsreste (der Blutfluß ist folglich ein passiver zu nennen). Ferner gehoͤrt hierher alles was Congestionen gegen den Uterus bewirken kann, er- hitzende Getraͤnke, Gewuͤrze u. s. w., nebst dem (auch im nor- malen Zustande laͤngere Dauer der Lochien bedingenden) will- kuͤhrlichen Unterlassen des Selbststillens (Blutfluͤße aus diesen Ursachen werden mehr aktiver Art seyn). §. 1566. Der Erscheinung nach koͤnnen diese staͤrkern Blutausschei- dungen hinsichtlich ihrer Dauer und Quantitaͤt aͤußerst verschieden seyn, und koͤnnen als aͤußere und innere Blutergießungen, de- ren besondere Zeichen schon fruͤher angegeben worden sind (s. §. 351. 1. Thl.), vorkommen. — Ihre Folgen sind nach den Umstaͤnden verschieden; staͤrker und laͤnger als gewoͤhnlich fließende Lochien schwaͤchen den Koͤrper, geben Gelegenheit zu Entstehung von Leukorrhoͤe, Vorfaͤllen, und Neigung zum Abor- tus; wirkliche Metrorrhagien werden vorzuͤglich als passive Blutungen leicht lebensgefaͤhrlich und es gilt von ihnen uͤberhaupt die schon im ersten Theile angegebene Prognose. §. 1567. Die Behandlung muß zunaͤchst auf Herstellung eines vollkommen ruhigen Verhaltens, horizontale Lage und Besei- tigung aller den Blutandrang gegen die Geburtstheile ver- mehrenden Reitze gerichtet seyn. Die fernere Cur wird nach den besondern Ursachen verschieden eingeleitet werden muͤssen. Da die Schwaͤche des Uterus eins der Hauptmomente zur Entstehung dieser Blutungen ist, so werden auch vorzuͤglich, und bei heftigen Blutungen immer, diejenigen Mittel zu Huͤlfe gerufen werden muͤssen, welche die Contraktion der Ge- baͤrmutter aufrufen, und ganz dasselbe Verfahren welches bei Schwaͤche des Uterus nach Ausstoßung der Nachgeburt (§. 1369.) und bei passiven Blutungen (1. Thl. §. 366.) erwaͤhnt worden ist, als: Einreibungen von Linimentum vol., Naph- tha, Einspritzungen von lauen Kraͤuteraufguͤßen mit Essig und Wein, innerlich . Cinamomi mit der  . thebaica, Aci- dum phosphor. u. s. w. sind folglich, sowohl bei innern als aͤußern Metrorrhagien angezeigt. §. 1568. Außerdem muͤssen ferner specielle Ursachen der Blutung, als Reste der Nachgeburt, Blutklumpen, falsche Lagen des Uterus, beseitigt werden. Bei geringerer Blutergießung aber, oder nur ungewoͤhnlich lange anhaltendem Blutabgange sind die contrahirenden Mittel in kleinern Dosen angezeigt, und der Aufguß der Zimmtrinde, das Dover’sche Pulver, die taͤg- lich einigemal wiederholten Einreibungen des fluͤchtigen Lini- ments in die regio hypogastrica, bei schwammigen Koͤrpern das gelinde Binden des Unterleibes, die laͤngere Zeit fort be- obachtete moͤglichste Ruhe der Kranken und uͤberhaupt diejenige Behandlung, welche im ersten Theile bei andauernden Metror- rhagien gelehrt worden ist, zweckmaͤßig. Aktive Blutungen kommen im Ganzen bei Woͤchnerinnen seltner vor, erfordern aber alsdann ein mehr antiphlogistisches Verfahren und be- sonders die Anwendung der mineralischen Saͤuren, obwohl die Erregung staͤrkerer Contraktion im Uterus auch hierbei nicht uͤbergangen werden darf. §. 1569. Zu schwacher oder voͤllig unterdruͤckter Lo- chienfluß . Entweder indem ein sehr gereitzter Zustand an- derer Organe hervortritt, welcher die Ausscheidung im Uterus vermindert, oder indem im Uterus selbst eine entzuͤndliche Reitzung sich zeigt, welche den Abgang hemmt, oder endlich indem durch krampfhafte Verschließungen (z. B. nach ploͤtz- lichen Gemuͤthsbewegungen), oder mechanische Verstopfung des Muttermundes (z. B. von Nachgeburtsresten) der Lochienfluß sich vermindert oder gaͤnzlich stockt, kommt diese Regelwidrig- keit zu Stande. Es ist sonach dieselbe gleich der Hemmung oder Verminderung der Menstruation haͤufiger fuͤr ein Zeichen anderer Krankheitszustaͤnde, als selbst fuͤr eine besondere Krank- heit zu erklaͤren. Ob eine oder die Andere der genannten Ursachen die Stockung der Lochien veranlaße, muß sich aus der Untersuchung des Gesammtzustandes und aus Beruͤcksich- tigung der Gelegenheitsursachen, so wie, was die mechani- schen Ursachen betrifft, durch die innere Untersuchung ergeben. §. 1570. Die Folgen dieser gehemmten Ausscheidung an und fuͤr sich sind vorzuͤglich bedeutend bei mehr lokalen Veranlassun- gen und ploͤtzlichen Unterdruͤckungen, z. B. durch Erkaͤltung der Fuͤße, oder des Unterleibes, durch heftige Gemuͤthsbewe- gungen, und aͤußern sich wie die Unterdruͤckungen der Men- struation (1. Thl. §. 207.) durch Nervenzufaͤlle, Fieberbe- wegungen, heftige Schmerzen und bei krampfhafter oder mecha- nischer Verschließung des Muttermundes durch Auftreibung der Gebaͤrmutter, Spannung im Unterleibe; ja selbst Bauchfell- entzuͤndung und Kindbettfieber wird die Folge davon seyn koͤnnen. Anmerkung . Alle diese Unterdruͤckungen, auch die der Milch und des Schweißes, sind uͤbrigens immer um desto gefaͤhrlicher, je fruͤher im Wochenbett sie sich ereignen. §. 1571. Ruͤcksichtlich der Behandlung kann hier nur von den Hemmungen welche als primaͤre Krankheitserscheinung durch aͤußere oder innere Veranlassung herbeigefuͤhrt werden, die Rede seyn; denn daß, sobald die Unterdruͤckung blos Symptom einer andern Krankheit z. B. des Kindbettfiebers ist, auch nur diese Krankheit behandelt werden muͤsse, und nach deren Heilung auch dieses Symptom weichen werde, ergibt sich von selbst. Die primaͤre Unterdruͤckung also wird nach ihrer Entstehungs- weise und den dadurch erregten Zufaͤllen zu behandeln seyn. Sind Gemuͤthsbewegungen vorausgegangen, haben diese krampf- hafte Verschließungen des Uterus und allgemeinen Erethis- mus zur Folge gehabt, so wirken leichte Antispasmodica innerlich, aͤußerlich warme Fomentationen des Unterleibes, Injektionen vom Infus. Valerianae in die Vagina, und erwei- chende Lavements sehr wohlthaͤtig. Ist die Constitution voll- saftig und zu Entzuͤndung geneigt, sind Erkaͤltungen voraus- gegangen, Spannung, Schmerz und Fieber eingetreten, so wird oft eine Blutentziehung nebst kuͤhlenden Emulsionen, blanden Abfuͤhrungen, gelinden Diaphoreticis, und oͤrtlichen warmen Fomentationen und Injektionen angewendet werden muͤssen. Ist der Termin der Geburt schon etwas weiter entfernt, so koͤnnen auch laue Baͤder hierbei sehr wohlthaͤtig wirken. — §. 1572. Abnorme Qualitaͤt der Wochenreinigung . Bei Krankheiten der Woͤchuerinnen uͤberhaupt, besonders bei fie- berhaften Zustaͤnden, ferner bei Verletzungen, Quetschungen und Eiterungen des Muttermundes und der Vagina, oder bei schon fruͤher Statt findenden Krankheiten der Geburtstheile, wie Syphilis oder Leukorrhoͤe, endlich auch bei Unreinlichkeit und sehr erhoͤhter Temperatur, zeigt sich die Wochenreinigung zuweilen von besonders scharfem Geruch und mißfarbiger Be- schaffenheit, wobei man bemerkt, daß sie leicht die aͤußern Geburtstheile und die innere Schenkelflaͤche wund macht. — Die Behandlung richtet sich hier wieder nach den jedesmali- gen zum Grunde liegenden andern Krankheitszustaͤnden, von welchen sie ein Symptom ausmacht. Aeußerste Reinlichkeit, oͤfteres Auswaschen der Genitalien und Injektionen in die Vagina vom Infuso Serpilli oder Absinthii, allenfalls mit et- was Wein vermischt, sind indeß jedesmal nothwendig, und koͤnnen auch allein gegen schon eingetretenes Wundseyn der aͤußern Genitalien in Anwendung gebracht werden. War blos vernachlaͤßigte Reinlichkeit die Ursache, so ist auch dieses Ver- fahren allein zur Beseitigung dieses Zustandes hinreichend. — Die Behandlung der innern Verletzungen, welche oft die rie- chenden Lochien zur Folge haben, ist oben gelehrt worden. 3. Regelwidrige Lagen des Uterus . §. 1573. Abweichungen von der regelmaͤßigen Lage des Uterus kom- men bei Woͤchnerinnen eben so wie außer und waͤhrend der Schwangerschaft und Geburt vor; es gehoͤrt dahin der Vorfall, die Umstuͤlpung und betraͤchtliche Schieflagen, welche wir auch schon in andern Lebensperioden bemerkt haben, fer- ner aber die Umbeugung nach vorn oder hinten ( Pronalio und Supinatio ), welche der Wochenperiode eigenthuͤmlich sind. — Alle fehlerhafte Lagen des Uterus im Wochenbett haben aber zunaͤchst den Nachtheil, daß sie die regelmaͤßige Verkleinerung und Ruͤckbildung des Uterus stoͤren, und da- durch zu Blutungen, unregelmaͤßigen Nachwehen, Entzuͤndun- gen und Fiebern Veranlassung geben. Es wird daher noͤthig, sie baldigst zu beseitigen, und auf welche Weise dieß bei Schieflagen, Vorfaͤllen und der Umstuͤlpung geschehen muͤsse, davon ist bei der speciellen Therapie der Abnormitaͤten des nichtschwangern Zustandes und der Geburt die Rede gewesen. Wir haben daher hier nur noch die Umbeugungen etwas naͤ- her zu betrachten. Umbeugung der Gebaͤrmutter . §. 1574. Das Wesentliche derselben besteht darin, daß der Ute- rus in der Gegend seines Koͤrpers dergestalt gebogen ist, daß der Muttergrund nach vorn oder hinten bis gegen den Mut- termund herabkommt, so daß die Axe des Uterus, welche in der Regel eine gerade Linie | ausmacht, nun als eine zusam- mengebogene ∩ erscheint. — Es gehoͤrt diese Abnormitaͤt in ihrer voͤlligen Ausbildung mit zu den seltensten Erscheinun- gen, und kann sonach theils als Vorwaͤrtsbeugung ( Pro- natio ), wobei der Grund hinter dem Schambogen in die Ge- gend der Harnblase herabsinkt, oder als Ruͤckwaͤrtsbeugung ( Supinatio ), wobei der Grund nach dem Vorberge in die Ge- gend des Mastdarms zuruͤcksinkt, vorkommen. §. 1575. Vorwaͤrtsbeugung . Die einzige Beobachtung ei- ner vollkommnen Regelwidrigkeit dieser Art ist die von Moͤl- ler De pronatione uteri post partum, morbo atroci, nondum de- scripto. Marburg 1803. Im Auszuge in v. Siebold’s Lucina 4. Bd. 1. Heft. aufgezeichnete, wobei, nachdem man schon unter der Geburt ein ungewoͤhnliches Aufthuͤrmen des Leibes beobachtet hatte, am dritten Tage des Wochenbettes Schmerz im Unter- leibe entstand, am eilften Tage nach der Entbindung der Tod unter den gewoͤhnlichen Erscheinungen des Puerperalfiebers eintrat, und bei der Leichenoͤffnung der Gebaͤrmuttergrund hin- ter dem Schambogen liegend, der Uterus aber so wenig ver- kleinert sich zeigte, daß seine Laͤnge noch 11 Zoll betrug. — Annaͤherungen zu dieser Vorwaͤrtsbeugung habe ich, nament- lich bei Personen welche in der Schwangerschaft einen stark uͤberhaͤngenden Leib trugen, oͤfters bemerkt, und bei einem alsdann ungewoͤhnlich stark gegen die regio hypogastrica vorgedraͤngten Gebaͤrmuttergrunde, immer die Zusammenziehung unregelmaͤßig von Statten gehen, auch mehreremale Blutung oder Entzuͤndungszufaͤlle entstehen sehen. §. 1576. Ueber die Behandlung der vollkommnen Vorwaͤrtsbeu- gung laͤßt sich wohl, da das Uebel nur erst einmal beobach- tet worden ist, wenig bestimmen; so viel ist indeß klar, daß auch hier schon durch die aus dem vorausgehenden Aufthuͤr- men des Leibes und die genaue innere und aͤußere Untersu- chung zu erlangende Diagnose viel gewonnen ist, und man dann durch Eingehen der Hand in den Uterus (bei zusam- mengezogenem Muttermunde waͤre wohl auch von einem fisch- beinenen, abgerundeten, platten Fuͤhrungsstaͤbchen Gebrauch zu machen), verbunden mit aͤußern Manipulationen und ho- rizontaler im Krenz erhoͤhter Lage, die Reposition zu bewerk- ftelligen und dann die voͤllige Contraktion zu befoͤrdern su- chen muß. §. 1577. Ruͤckwaͤrtsbeugung . Auch von dieser Abnormitaͤt in ihrer voͤlligen Ausbildung, ist neuerlich erst eine Beobachtung bekannt geworden, welche, obwohl der die Heilung auf das Zweckmaͤßigste bewirkende Arzt das Uebel als Ruͤckwaͤrtsnei- gung ( Retroversio s. 1. Thl. §. 500.) beschreibt, offenbar ein Beispiel der hier erwaͤhnten Lagenaͤnderung abgiebt Journal fuͤr Geburtshuͤlfe, Frauenzimmer- und Kinderkrankheiten v. E. v. Siebold . III. Bd. 101. S. 59. . Hier war naͤmlich vier Wochen nach der Entbindung, durch das Tragen eines Faͤßchens, Blutabgang entstanden, und hatte 3 Wochen angehalten, ohne verschiedenen blutstillenden Mitteln zu weichen. Die Frau klagte dabei uͤber druͤckende Empfin- dung beim Stuhlgange, der Muttermund stand in der Mitte (also war es keine Ruͤckwaͤrtsneigung [ Retroversio ] wo der Muttermund stets an der Symphyse gefunden wird) und in der Mitte des Kreuzbeins lag eine kugliche Geschwulst welche der Muttergrund war. Durch die Reposition, bei einer auf Knie und Ellbogen gestuͤtzten Lage des Koͤrpers, wurde der Mut- tergrund leicht zuruͤckgebracht, der Muttermund trat hierauf mehr nach hinten, die Blutung ließ nach, und bei einem in die Vagina gebrachten Schwamm und einigen Tagen Ruhe wurde die Frau bald voͤllig hergestellt. — Nach meiner Mei- nung ergiebt sich hieraus deutlich: 1) daß der Gebaͤrmutter- koͤrper durch irgend eine Gewalt veranlaßt, sich auch nach hinten umbeugen kann, 2) daß diese fehlerhafte Lage eben so wie die Retroversio uteri behandelt werden kann. Tritt uͤbrigens eine solche Ruͤckwaͤrtsbeugung in den fruͤhern Tagen des Wochenbetts ein, so moͤchten wohl ihre Zufaͤlle nicht minder gefaͤhrlich seyn, als die der Pronatio uteri, ohwohl sie viel- leicht immer weit leichter als diese zu beseitigen seyn wird. 2. Von den regelwidrigen Zustaͤnden des Hautorgans bei Woͤchnerinnen. §. 1578. Keinem aufmerksamen Beobachter des Zustandes der Woͤchnerinnen wird es entgangen seyn, wie noͤthig eine regel- maͤßige Hautthaͤtigkeit fuͤr das Wohlbefinden derselben werde, und wie stoͤrend sonach Unregelmaͤßigkeiten derselben auf die uͤbrigen Funktionen einwirken koͤnnen. Es ist hierbei uͤbri- gens zu bemerken, daß auch hinsichtlich der Hautfunktion, so wie ruͤcksichtlich der Lochien, kein bestimmtes Maaß sich festsetzen laͤßt, ihr Verhalten durch die Constitution modifi- cirt werde, und folglich nur solche Abweichungen vom Gewoͤhn- lichen, welche nachtheiligen Eindruck auf das Gesammtbefin- den machen, als krankhaft betrachtet werden koͤnnen. Der- gleichen Abweichungen sind nun theils die zu geringe oder unterdruͤckte Hautfunktion, und die zu gewaltsam aufgeregte, wobei haͤufig auch Frieselausschlaͤge zum Vorschein kommen. §. 1579. Ursachen solcher Stoͤrungen koͤnnen theils allgemeine Krankheiten seyn, und dann ist die oͤrtliche Abnormitaͤt nur ein Symptom der allgemeinen, oder sie koͤnnen als primaͤres Leiden hervortreten, durch aͤußere Schaͤdlichkeiten aufgeregt, und diese sind hier allein noch etwas naͤher zu erwaͤgen. Was die nicht genugsame oder unterdruͤckte Thaͤtigkeit des Hautorgans betrifft, so haͤngt sie theils von minderer Erreg- barkeit des desselben So habe ich bei atrabilarischen Constitutionen mit brauner, derber Haut oft die Wochenschweiße gar nicht eintreten sehen. , theils von zu kuͤhler Temperatur, theils von ploͤtzlichen Erkaͤltungen (ab, zu welchen letzteren Woͤchnerinnen, je empfindlicher und thaͤtiger ihre Haut ist, um so mehr geneigt sind. Die Folgen davon sind Congestio- nen nach andern Organen, Kopfschmerzen, Rheumatismen, Geschwulst der Bruͤste, Coliken, Durchfaͤlle, rheumatische Fie- ber u. s. w.; und zwar sind diese Folgen um so bedeutender je ploͤtzlicher diese Stoͤrungen eingetreten waren. Was die abnorm aufgeregte Hautthaͤtigkeit anbelangt, so wird sie vor- zuͤglich die Folge seyn von heißer Jahreszeit (Frieselausschlaͤge sind daher bei Woͤchnerinnen in heißen Sommern oft epide- misch), zu warmer Zimmerluft und zu aͤngstlicher Bedeckung. Man bemerkt, daß solche heftige Schweiße besonders durch Verminderung der Milch, Abnahme der Verdauungskraͤfte, und durch allgemeine Schwaͤche ihren nachtheiligen Einfluß aͤußern. Was die Frieselausschlaͤge betrifft, so sind sie immer mit einigen Fieberbewegungen verbunden, die, wenn auch an sich nicht bedenklich, doch durch hinzutretende Schaͤd- lichkeiten leicht zu einer bedenklichen Hoͤhe gesteigert werden koͤnnen. — Endlich gehoͤrt auch hierher der Milchschorf der Woͤchnerinnen ( Crusta lactea puerperarum ), wel- cher am vierten, fuͤnften, oder einem spaͤtern Tage erscheint, durch vorausgehende Fieberhitze, Entzuͤndung einzelner Haut- partien im Gesicht oder am uͤbrigen Koͤrper, und Entstehung von Blaͤschen angekuͤndigt wird, die dann aber in Borken uͤber- gehen, welche in gutartigen Faͤllen bald wieder abheilen, in boͤsartigen Faͤllen aber unter gastrischen Zufaͤllen Sinken der Kraͤfte und Außenbleiben der Milch, tiefgehende Eiterungen und selbst lebensgefaͤhrliche Zustaͤnde zur Folge haben. §. 1580. Die Behandlung der erstgenannten Zufaͤlle muß zunaͤchst auf Entfernung der Gelegenheitsursachen Ruͤcksicht nehmen, eine dem Koͤrper angemessene Temperatur herstellen, bei ploͤtz- lichen Unterdruͤckungen der Hautfunktion den entstandenen Zu- faͤllen die ihrer Natur angemessenen Heilmittel entgegensetzen, bei rheumatischen Schmerzen warme, trockne Fomentationen, Einwickelungen, Friktionen, bei Diarrhoͤen demulcirende Ge- traͤnke u. s. w. anordnen, vorzuͤglich aber durch eine gelind diaphoretische Methode vermehrte Hautthaͤtigkeit anregen. Eben so fordern zu heftige Schweiße und Frieselausschlaͤge, nebst einem vorsichtig und allmaͤlig eingeleiteten kuͤhleren Verhalten, saͤuerliche Getraͤnke, und, bei nachbleibender Schwaͤche, Unter- stuͤtzung der Reproduktion. — Was die Behandlung des Milchschorfs anbelangt, so sind auch hier vorzuͤglich die ur- sachlichen Verhaͤltnisse ins Auge zu fassen. Krankhafte Zu- staͤnde des lymphatischen Systems, gastrische Zustaͤnde, man- gelhafte Hautthaͤtigkeit sind aber in der Regel die Quellen dieses Uebels: man giebt deßhalb zuerst einige Abfuͤhrungen, laͤßt die Abkochungen der Hb. Jaceae, Stip. Dulcamar., Rad. Caric. ar. u. s. w. trinken, Baͤder gebrauchen, die lei- denden Stellen mit dem Dekokt der Jacea und der Stip. Dulcam., bei boͤsartigen Crusten mit China- und Cicuta- Ab- sud waschen, sorgt fuͤr regelmaͤßige Unterhaltung der uͤbrigen Wochenfunktionen, und sucht eine kraͤftigere Stimmung des Verdauungssystems und der gesammten Reproduktion durch bittere Extrakte, China u. s. w. herbeizufuͤhren. 3. Regelwidrige Zustaͤnde der Milchabsonderung. §. 1581. Die Bruͤste, welche außer der Zeit des Wochenbettes m Ganzen selten krankhafte Zustaͤnde zeigen, werden waͤhrend desselben haͤufig von Krankheiten heimgesucht. Wir rechnen hierher die zu geringe Thaͤtigkeit der Bruͤste und ploͤtzliche Unterdruͤckung der Milchabsonderung, die gesteigerte Empfind- lichkeit der Bruͤste und das Wundwerden der Brustwarzen, ferner das Anschwellen und Entzuͤnden der Bruͤste, und die Eiterung derselben, endlich die zu lange dauernde Absonderung der Milch, die Galaktirrhoͤe. §. 1582. Die zu geringe Thaͤtigkeit in der Milchab- sonderung ist vorzuͤglich die Folge einer im Allgemeinen darniederliegenden Ernaͤhrung, oder eines unweiblichen allge- meinen Habitus des Koͤrpers. Das erstere kann entweder die Folge anderer Krankheiten seyn, und hierbei wird es gewoͤhn- lich nothwendig das Stillungsgeschaͤft uͤberhaupt aufzugeben, da, wenn dasselbe mit Hartnaͤckigkeit verfolgt wird, leicht aus- zehrende Zustaͤnde angeregt werden koͤnnen; zumal machen Brustkrankheiten diese Vorsicht nothwendig. Sind blos un- guͤnstige aͤußere Verhaͤltniße Ursache der zu geringen Ernaͤh- rung und zu schwachen Milchbereitung, so kann man durch reichlichere und bessere Diaͤt, Sorge fuͤr Ruhe des Gemuͤths u. s. w. haͤufig eine hinlaͤngliche Milchabsonderung hervorru- fen. Ist hingegen ein allgemeiner unweiblicher Habitus des Koͤrpers die Ursache mangelhafter Milchbereitung, so ist in der Regel keine aͤrztliche Kunst im Stande dieselbe wider den Willen der Natur hervorzurufen, und waͤre es moͤglich, so wuͤrde es sicher zum Nachtheile der Stillenden geschehen; auch hier muß daher das Selbststillen gaͤnzlich unterbleiben. §. 1583. Was die ploͤtzliche Unterdruͤckung der Milchab- sonderung betrifft, so ist sie wie die Unterdruͤckung des Wochenflusses, oft die Folge anderer Krankheiten und na- mentlich nicht selten ein bedenkliches Symptom des Kindbett- fiebers. Zuweilen jedoch kann sie urspruͤnglich in Folge hef- tiger Erkaͤltungen der Oberarme und Brust, oder in Folge erschuͤtternder Gemuͤthsbewegungen sich zeigen, verursacht indeß auch hier leicht gefaͤhrliche Zufaͤlle, heftige Congestionen nach anderen Theilen, Fieberbewegungen, Kopfschmerz, Unterleibs- schmerzen, Gliederschmerzen, Laͤhmungen, ja Hervortreten milch- aͤhnlicher Sekretion in andern Organen, oder die sogenannten Milchversetzungen. Die letztern anbelangend, so koͤnnen sie sich an verschiedenen Orten ereignen, und erscheinen voͤllig in der Form eines gewoͤhnlichen Abscesses bald in der Lendenge- gend, in den untern oder obern Extremitaͤten u. s. w., oft mit heftigem Fieber und selbst den uͤbrigen Zufaͤllen des Kind- bettfiebers verbunden, und weit ausgebreitete Eiterungen und hektisches Fieber veranlassend. Daruͤber, ob die hierbei ausge- schiedene Materie wirkliche Milch sey, hat man vielfach ge- stritten; die richtigere Ansicht scheint zu seyn, daß der plasti- sche Stoff zur Milchabsonderung bestimmt, ja zum Theil schon als Milch in der Brust ausgeschieden, wieder vom Blute auf- genommen eine Plethora veranlaßt, welche sich an einem an- dern Orte durch eine krankhafte Ausscheidung zu entladen ge- neigt ist. Daß diese Ausscheidung, durch ein anderes Organ bewerkstelligt, nicht leicht wahre Milch seyn werde, ergiebt sich sonach wohl unbedingt, daß sie ihr indeß oft sehr nahe kommen koͤnne, darf, wenn man bedenkt daß sie aus densel- ben Grundstoffen sich erzeuge und daß vicariirende andere Aus- scheidungen von Harn, Samen, Galle nicht selten vorkommen, wohl nicht gelaͤugnet werden. §. 1584. Die Behandlung dieser Unterdruͤckungen muß zunaͤchst auf Beruhigung der dadurch im Nerven- und Gefaͤßsystem aufgeregten Stuͤrme, auf Beachtung der dadurch entstandenen Lokalzufaͤlle, und auf Wiedererregung der Milchsekretion in den Bruͤsten gerichtet seyn. — Was die allgemeine Behand- lung betrifft, so macht sich namentlich bei wohlgenaͤhrten kraͤf- tigen Koͤrpern das antiphlogistische Verfahren im ganzen Um- fange noͤthig, selbst Blutentziehungen koͤnnen oft nicht ent- behrt werden. Zur Herabstimmung des aufgereitzten Nerven- systems dienen laue Baͤder, Lavements, Aufguͤße der Valeriana, der Kamillenblumen u. s. w. Oertlich afficirte Stellen ma- chen zunaͤchst Versuche zur Bewerkstelligung der Ableitung der Congestionen durch Friktionen, Epispastica u. s. w., zur Zer- theilung, bei bereits begonnener Entzuͤndung, durch warme trockne Kraͤuterfomentationen, angelegte Blutigel und ablei- tende Mittel, nothwendig. Tritt jedoch die Eiterung ein, so muß diese durch erweichende Umschlaͤge zur guͤnstigen Eroͤff- nung gefuͤhrt, und dabei ganz nach den Gesetzen wie bei an- derweitigen bedeutenden Abscessen, auf Befoͤrderung gutartiger Eiterung und Unterstuͤtzung der Reproduktion gesehen werden. Auch Laͤhmungen u. dergl. entstehen oft durch innere Abla- gerungen solcher Stoffe Besonders sind Laͤhmungen und anscheinend rheumatische Schmer- zen der untern Extremitaͤten oͤfters nur die Folge von innern Anschwellungen und Abscessen in der Lendengegend. , und den dadurch verursachten Druck auf Nervenstaͤmme; muͤssen folglich nicht blos als Laͤh- mungen, sondern nach dieser Ursache behandelt werden. §. 1585. Endlich die Erfuͤllung der dritten Indication, naͤmlich Wiederanregen der Milchsekretion in den Bruͤsten betreffend, so ist dazu vorzuͤglich das oͤftere Anlegen des Kindes, oder das kuͤnst- liche Aussaugen durch aufgesetzte trockne Schroͤpfkoͤpfe, durch Anlegen von Milchpumpen u. s. w. zu empfehlen. Zugleich muͤssen die Bruͤste warm gehalten werden, selbst ein eine kurze Zeit liegen bleibender Sinapismus findet hierbei schickliche An- wendung, eben so wie das Anwenden von Baͤhungen durch Daͤmpfe eines Kamillen- oder Fliederblumenaufgusses. §. 1586. Die gesteigerte Empfindlichkeit der Bruͤste kommt vorzuͤglich bei sehr zarten reitzbaren Koͤrpern vor, ist die Folge der vermehrten Ausdehnung der Milchgaͤnge und aͤußert sich durch ein oft besonders waͤhrend des Sangens empfundenes Ziehen laͤngs der Milchgefaͤße, welches leicht zum krampfhaften Verschließen der Milchgaͤnge, Anschwellen und Entzuͤnden der Bruͤste fuͤhrt. — Die Behandlung muß hierbei darauf gerichtet seyn, durch Ueberdecken eines weichen Thierfelles oder trockner Kraͤuterkissen, so wie durch Anwen- dung der Baͤhungen, die Empfindlichkeit herabzustimmen, durch Beschraͤnkung der Diaͤt den zu großen Milchzudrang zu verhindern, und durch sehr regelmaͤßig, nur in gewissen Zeitraͤumen vorzunehmendes Anlegen des Kindes, Ausbrechen des entzuͤndlichen Zustandes zu verhuͤten. §. 1587. Das Wundwerden der Warzen und Bluten derselben betrifft ebenfalls vorzuͤglich reitzbare, zarte Con- stitutionen, oder Woͤchnerinnen mit kleinen gespaltenen Warzen. Wie es durch prophylaktische Behandlung meistens verhuͤtet werden koͤnne, ist fruͤher gezeigt worden (s. §. 900.); ist das Uebel eingetreten, so kann nur ein seltneres Anlegen des Kindes, Waschen der noch wenig excoriirten Warzen mit spi- rituoͤsen Mitteln, und, bei hoͤhern Graden, Bestreichen der Warzen mit einem die Heilung befoͤrdernden Liniment Das von Muͤller im Chiron 2. St. S. 334. empfohlene Mit- tel aus Pulv. Gin. arab. Ӡij Balsam peruv. Ӡj Ol. amygdal. Ӡjß u. Aq. 10sar. ℥j, dem man auch noch etwas spirituoͤses beimi- schen kann, ist hierzu sehr zweckmaͤßig. nach jedesmaligem Anlegen des Kindes von Nutzen seyn. Gar zu wunde Warzen machen entweder das Saugen durch einen mit Schwamm und durchloͤcherter Blase uͤberzogenen War- zendeckel, oder unmittelbar durch eine uͤber die Warze gezogene durchloͤcherte Kaͤlberblase nothwendig, oder erlauben endlich uͤberhaupt gar nicht das Stillen fortzusetzen. §. 1588. Milchgeschwulst der Bruͤste . Sie entsteht theils aus Ueberfuͤllung saͤmmtlicher Milchgefaͤße, bei vernachlaͤßigtem oder aufgegebenem Anlegen des Kindes, oder zu reichlicher Diaͤt, oder unterdruͤckter Hautfunktion, und charakterisirt sich durch allgemeine Haͤrte der Bruͤste, Gefuͤhl der knotigen Straͤnge der Milchgefaͤße, Spannung und Druck, giebt auch haͤufig zu Entzuͤndungen Gelegenheit. Theils aber kann auch eine groͤßere Ergießung von Milch in der Substanz der Brust vor- kommen, welche durch Zerreißung eines Milchgefaͤßes (vorzuͤg- lich durch zu heftiges Saugen eines schon aͤltern Kindes ver- anlaßt) zu Stande kommt. Bei diesen Milchextravasaten nimmt oft das Volumen der Brust außerordentlich zu, da man bisweilen mehrere Pfund reine unverdorbene Es ist dieß eine merkwuͤrdige, der nicht eintretenden Faͤulniß des zuruͤckgehaltenen Monatsflußes (1. Thl. §. 159.) zu vergleichende Erscheinung. Milch aus dergleichen Geschwuͤlsten entleert hat. Diese Ge- schwulst charakterisirt sich durch die deutliche Fluktuation, durch den Umfang, durch Abwesenheit von Entzuͤndung und Zeichen der Eiterung, und Beruͤcksichtigung ihrer Entstehungsweise. §. 1589. Die Behandlung der erstern Art von Anschwellung muß zunaͤchst auf Entleerung der uͤberfuͤllten Gefaͤße durch oͤfteres Anlegen des Kindes, Befoͤrderung des Milchausflußes durch Baͤhungen und kuͤnstliches Aussaugen gerichtet seyn. Ferner muß die Diaͤt eingeschraͤnkt, regelmaͤßige Darm- und Hautfunktion unterhalten werden, und außerdem ist ein gelindes Herauf- binden der Bruͤste, Bedecken derselben mit zertheilenden Kraͤn- terkissen nothwendig. — Die fluktuirenden Milchgeschwuͤlste, von zerrissenen Gefaͤßen herruͤhrend, erfordern die Ausleerung mittelst des Troikarts und dann die Anwendung trockner war- mer Fomentationen, der Einreibungen des fluͤchtigen Liniments u. s. w. §. 1590. Die Entzuͤndung und Eiterung der Bruͤste . Sobald die Bruͤste uͤberhaupt sehr empfindlich sind, oder die Milchgefaͤße uͤberfuͤllt werden, Stockung in denselben, durch Gemuͤthserschuͤtterungen, Diaͤtfehler, Erkaͤltungen, erregt werden, das Stillungsgeschaͤft nicht zweckmaͤßig geleitet wird, mecha- nische Schaͤdlichkeiten die Bruͤste treffen, so erfolgt leicht die (zuweilen auch schon bei Schwangern, am seltensten aber bei Nichtschwangern vorkommende) Entzuͤndung der Bruͤste. Ihre Oberflaͤche wird dabei im Ganzen oder an einzelnen Stellen leb- haft geroͤthet, es entsteht ein heftiger, stechender Schmerz, Brennen, Anschwellung, Haͤrte, erhoͤhte Temperatur, und allgemeiner Fieberzustand. Die Milchabsondrung und Auslee- rung kann uͤbrigens bei einem gewissen Grade der Entzuͤndung noch sehr wohl bestehen; beim hoͤchsten Grade aber hoͤrt beides auf. — Der Charakter dieser Entzuͤndungen ist mehr rosen- artig und ihre Ausgaͤnge sind: entweder, unter eintretenden reichlichen Schweißen, freierem Milchausflusse u. s. w., die allmaͤhlige Zertheilung ; oder, nach wiederkehrendem Frost, Eintreten eines klopfenden Schmerzens, und Entfaͤrbung der zuerst entzuͤndeten Hautpartie, die Eiterung ; oder bei Verminderung der Entzuͤndung aber Ruͤckbleiben einer schmerz- haften Stelle und eines schleichenden Fiebers, die Verhaͤr- tung . §. 1591. Die Behandlung muß bei diesen Zustaͤnden vorzuͤglich auf Bewerkstelligung der Zertheilung gerichtet seyn. Man sorgt daher zunaͤchst fuͤr allgemeine Ruhe des Koͤrpers, Befoͤrderung der Hautthaͤtigkeit, begegnet dem Fieber durch kuͤhlende Ge- traͤnke, wenig naͤhrende Speisen, Emulsionen mit Nitrum, Lavements, oder, bei Neigung zu Obstruktionen und gastrischen Zustaͤnden, durch einige blande Abfuͤhrungen. Oertlich bedeckt man die Bruͤste mit Kraͤuterkissen, oder noch besser mit Baum- wolle und aufgestreutem feinem Pulver der Kamillen, des Me- lilotenkrautes u. s. w. Manche Aerzte lieben auch hier die Anwendung der fettigen Mittel, allein jenes scheint mir dem rosenartigen Charakter angemessener und wirksamer, Brei- umschlaͤge befoͤrdern zu schnell die Eiterung, und Bleihaltige II. Theil, 36 Mittel geben wohl zu Verhaͤrtungen Anlaß. — So lange als moͤglich muß uͤbrigens die Entleerung der Brust durch Aussaugung und Befoͤrderung des freiwilligen Ausflusses fort- gesetzt werden. §. 1592. Unter dieser ruhig fortgesetzten Behandlung und bei gutem Verhalten der Woͤchnerin kommt man gewoͤhnlich dahin, die Zertheilung zu bewerkstelligen, und gelingt dieß nicht, so muß wenigstens immer diese Behandlung, bis sich bereits deutliche Spuren von Eiterung zeigen, fortgesetzt werden. Zeigt sich nun die Eiterung wirklich in der Tiefe begonnen, so findet die Anwendung erweichender Breiumschlaͤge sich angezeigt und muß nun ununterbrochen bis zur Reifung des Abscesses an der Oberflaͤche der Brust fortgesetzt werden. Die Eroͤffnung des Abscesses muß in der Regel durchaus der Natur uͤberlassen bleiben, und darf allenfalls nur durch ein kleines aufgelegtes Zugflaster zuletzt befoͤrdert werden, da die voreilige Geschaͤf- tigkeit mancher Chirurgen, welche den Absceß schon in der Tiefe durch das Messer oͤffnen wollen, gewoͤhnlich sehr lang- wierige und uͤbelartige Eiterung zur Folge hat Sehr treffend sagt P. Frank de cur. hom. m. Lib. VI. P. II. p. 162: „Tristissimos insana carnificum chirurgorum abscessus mammarum, necdum perfectematuros aperiendi — libido, innumeras jam puerperas—hoc fonte, e quo primam vitam sugimus, spoliavit. . Die Ent- leerung des geoͤffneten Abscesses muß nur durch sanftes Aus- streichen, Einlegen einiger Charpiefaͤden in die Oeffnung, und Fortsetzen der Breiumschlaͤge bewerkstelligt werden, bei welcher Behandlung die Heilung gewoͤhnlich in Zeit von 2 bis 3 Wochen geschehen ist, anstatt daß zu zeitig geoͤffnete, durch eingelegte Wieken u. s. w. gereizte Abscesse Monate lang fort zu eitern pflegen. §. 1593. Seltner ist es, daß die Entzuͤndung durch Bildung einer Verhaͤrtung sich entscheidet, sogenannte Milchknoten entstehen, oder selbst nach der Eiterung aͤhnliche Verhaͤrtungen sich bilden. Die Behandlung dieser Zustaͤnde ist dann voͤllig dieselbe welche bereits im 1. Thle. §. 565 u. f. naͤher eroͤrtert worden ist. — Wie lange uͤbrigens bei diesen krankhaften Zustaͤnden das Stillen fortgesetzt werden koͤnne, muß nach den Umstaͤnden abgemessen werden, bei kleinen Abscessen ist es oft auf keine Weise noͤthig dasselbe auszusetzen, ausgebrei- tetere Abscesse hingegen hindern dasselbe wenigstens an der kranken Brust, indem man hierbei auf keine gesunde reine Milch mehr rechnen darf. Zur Befoͤrderung der allmaͤhligen Aufloͤsung von Verhaͤrtungen ist das fortgesetzte Stillen sehr zu empfehlen. §. 1594. Zu lange dauernde oder zu starke Milchaus- scheidung ( Galactirrhoea ). Die Milchabsonderung, als Produkt der thaͤtigern Reproduktion im weiblichen Koͤrper, muß nothwendig mit dem Stande der Reproduktion selbst auch gleiches Maaß halten, und ferner auch nur in denjenigen Perioden hervortreten, welche die Natur fuͤr ihre Ausscheidung bestimmt hat. In beiden Ruͤcksichten jedoch koͤnnen Regelwi- drigkeiten sich zeigen, und es gehoͤrt dahin 1) wenn waͤhrend des Stillens ein so großer Zufluß von Milch Statt findet, daß die Ernaͤhrung des Koͤrpers darunter leidet, Ohrenbrausen, Schwindel, Kopfschmerz, hektisches Fieber, Ueblichkeiten, ge- stoͤrte Verdauung und allgemeine Abmagerung eintreten; 2) wenn auch nach aufgegebenem Stillen die Milchausscheidung fortdauert, und nun bei wiedergekehrter Menstruation der Koͤrper anhaltend so viel Saͤfte verliert, daß dieselben Zufaͤlle eintreten. §. 1595. Was den erstern Fall betrifft, so muß hier die erste Ruͤcksicht der Behandlung seyn, das Stillungsgeschaͤft zu beendigen. Es darf dieses jedoch durchaus nicht zu ploͤtzlich geschehen, damit nicht aus zu großem Milchuͤberfluß Geschwuͤl- ste, Entzuͤndungen oder Milchversetzungen sich ereignen. Nach und nach werde daher das Kind immer seltner angelegt, die Brust mit dem Oleo camphorato eingerieben, heraufge- bunden und mit zertheilenden Mitteln bedeckt, man sehe darauf die Hautthaͤtigkeit mehr anzuregen, die Darmausleerungen zu unterhalten, und unterstuͤtze zugleich die Reproduktion durch China, etwas Wein, spaͤterhin selbst durch den Gebrauch eisen- haltiger Mittel, lasse bei hektischem Fieber Milch und Selter- wasser trinken und sorge, sobald der Milchzudrang abnimmt, fuͤr eine nahrhafte leicht verdauliche Diaͤt. — Fast auf aͤhn- liche Weise ist die Behandlung des nach dem Stillen andau- ernden Milchflusses zu leiten, nur daß man hier noch staͤrker zertheilende Mittel in Anwendung bringen kann, die Bruͤste mit dem Emplastr. de cicuta, mercuriale, diachylon bede- cken laͤßt, Sinapismen auf die Oberarme legt, einige Abfuͤh- rungen von Zeit zu Zeit giebt, und im Allgemeinen die Reproduktion unterstuͤtzt. 4. Von den Krankheiten welche durch Stoͤrungen in den naturgemaͤßen Revolutionen der Wochenperiode hervorge- bracht werden. 1) Congestionen und Blutungen . §. 1596. In einer Periode wo die Richtung der Saͤftemasse eine so bedeutende Umaͤnderung erfaͤhrt, ist es natuͤrlich, daß oft auch ungleiche Blutvertheilungen, Anhaͤufungen in einzelnen Gebilden u. s. w. sich aͤußern, und es sind dergleichen Abnormi- taͤten schon als Ursachen des Frostes, der Ohnmachten und Zuckungen bei Woͤchnerinnen genannt worden. Seltener ist es daß diese Congestionen so bedeutend werden daß sie Blutaus- scheidungen als z. B. Nasenbluten, Bluthusten oder Blut- brechen zur Folge haben. Die Ursachen solcher Unordnungen liegen gewoͤhnlich in Stoͤrungen der Wochenfunktionen, als z. B. in unterdruͤckter Hautfunktion, Wochenreinigung, oder in krankhaften Zustaͤnden der Brusteingeweide, wodurch die Lungen das Gleichgewicht des Gefaͤßsystems herzustellen ver- hindert werden. — Die Behandlung dieser Congestionen ist von der welche auch unter andern Lebensverhaͤltnissen hierbei eintreten muß, nicht allzuverschieden, und gruͤndet sich auf Anwendung antiphlogistischer und ableitender Mittel, nur daß dabei immer vorzuͤglich die jedesmaligen Ursachen beruͤcksichtigt werden muͤssen, und auf Wiederherstellung der unterdruͤckten Wochenfunktionen zu sehen ist. — Erleichternde Blutungen an nicht gefaͤhrlichen Orten (so wie das Nasenbluten) duͤrfen nicht zu zeitig gehemmt werden. 2) Entzuͤndungskrankheiten . §. 1597. Aus denselben Ursachen welche die Congestionen bei Woͤch- nerinnen oͤfters erregen, koͤnnen auch Entzuͤndungszufaͤlle entstehen, welche in so verschiedenen auch außer dem Wochenbette vor- kommenden Formen auftreten koͤnnen, daß wir sie groͤßtentheils hier nicht weitlaͤuftiger zu eroͤrtern noͤthig haben; nur von den rheumatischen Schenkelschmerzen und der weißen Schenkel- geschwulst der Woͤchnerinnen bleibt daher die naͤhere Betrachtung ruͤckstaͤndig, da die Gebaͤrmutterentzuͤndung, Oophoritis, Peritonitis, als vorzuͤglich das Wesen des Kindbettfiebers constituirend, bei diesem werden betrachtet werden. §. 1598. Die Schenkelschmerzen , welche vornehmlich vom Acetabalo bis gegen das Knie und zuweilen auch noch tiefer sich zu erstrecken pflegen, haͤngen aber in der Regel ab von Affektionen der Nervenstaͤmme und kommen daher mit der Ischias nervosa Cotuni ziemlich uͤberein. Druck auf die Lendennerven oder Sakralnerven bei schweren Geburten, Er- kaͤltungen kurz vor oder bei der Geburt, oder im Wochenbette, geben gewoͤhnlich die Gelegenheitsursachen ab. — Diese Schmerzen sind oft sehr heftig und anhaltend, beruhen namentlich in entzuͤndlichen Zustaͤnden der Nervenscheiden, und koͤnnen in blei- bende Laͤhmung und Unempfindlichkeit des Schenkels uͤbergehen. — Unterscheiden muß man davon die Schenkelschmerzen welche von innerlich in der Gegend des Psoas u. s. w. sich bildenden Geschwuͤl- sten und Abscessen abhaͤngig sind als welche blos Behandlung dieser letzteren Abnormitaͤten, nach oben gegebenen Regeln noͤthig machen. §. 1599. Die Behandlung der rheumatischen Schenkelschmerzen ist ihrer Heftigkeit nach verschieden. Geringere Grade weichen ins- gemein bald der diaphoretischen Methode, verbunden mit Ein- huͤllungen des leidenden Theils in Wachstaffent, oder campho- rirten Flanell, den Einreibungen des fluͤchtigen Liniments mit der Tr. thebaica oder dem Ol. Hyoseyami u. s. w., in hartnaͤckigeren Faͤllen aber vorzuͤglich der Anlegung eines bandfoͤrmigen Vesikators, oder Sinapismus, unter das Knie- gelenk. — Heftigere, auf ausgebildeter Entzuͤndung der Scheidenhaut des Nerven gegruͤndete Schmerzen machen die Anwendung topischer Blutausleerungen, des Calomels, Nitrums u. s. w. nothwendig. Weiße Schenkelgeschwulst (Phlegmatia alba dolens puerperarum). §. 1600. Eine sehr seltne Krankheit der Woͤchnerinnen (noch weit seltner hat man sie bei Schwangern, ja selbst bei Maͤnnern beobachtet) welche, obwohl schon aͤltere Aerzte z. B. Mauriceau ihrer gedenken, doch erst neuerlich, namentlich durch englische Aerzte ausfuͤhrlicher beobachtet und beschrieben worden ist Die beßte der bisherigen Monographien ist: K. White Untersu- chung der Geschwulst bei Kindbetterinnen an den untern Glied- maßen. A. d. Engl. v. B. W. Seiler Wien 1802. — Neuere Beobachtungen nachgetragen s. in I. L. Casper Commentarius de Phlegmatia alba dolente. Hal. 1819. . Es entsteht dieselbe gewoͤhnlich erst in den spaͤtern Tagen des Wochenbettes, z. B. in der zweiten, dritten Woche, faͤngt an als eine von einer Schamlippe ausgehende und allmaͤhlig immer weiter am Schenkel herab, zuweilen auch etwas aufwaͤrts sich verbreitende heiße, aͤußerst schmerzhafte Geschwulst von blasser Farbe. Es verbindet sich hiermit ein anhaltendes Fieber, und eigenthuͤmlich ist es dieser Krankheit, daß, dafern nur ein Schenkel leidet (und dieses ist der oͤfterste Fall), die Geschwulst streng auf eine Haͤlfte des Koͤrpers, und zwar scharf begraͤnzt, eingeschraͤnkt bleibt. §. 1601. Der Verlauf der Krankheit ist sehr langwierig; man hat ihre Dauer sich oft auf 3 bis 8 Wochen, bei nur wenig sich mindernden Schmerzen, ausdehnen sehen. Wenn in die feste, milchweiße Geschwulst, bei welcher oft selbst die blauen Haut- venen nicht mehr bemerklich sind, ein Einstich mit der Lanzette gemacht wird, so kommt gewoͤhnlich nur eine sehr geringe Menge heller Fluͤssigkeit zum Vorschein. Vermindert sich endlich die Krankheit, so bemerkt man das Abnehmen der Geschwulst in derselben Ordnung in welcher die Zunahme er- folgt war, das Fieber laͤßt nach und die Genesung tritt ein, obwohl oft Schwaͤche des Fußes, Hinken u. s. w. lange zuruͤck- bleiben. Sehr selten hat man die Krankheit sich in Eiterung endigen sehen, zuweilen hingegen kann sie selbst den Tod veranlassen. §. 1602. Ueber die Ursachen dieses Uebels, besonders dessen eigent- liches Wesen, sind die Meinungen hoͤchst verschieden. White leitet dasselbe ab von Druck, Quetschung und Zerreißung eines oder mehrerer Lymphgefaͤße von denen welche uͤber dem Schambogen-Rand in das Becken sich senken, und betrachtet die Geschwulst als entstanden durch Stocken und Ausdehnen in den Lymphgefaͤßen der untern Gliedmaßen uͤberhaupt und der Haut insbesondere. Gegen diese Meinung spricht es jedoch zu entschieden daß die Krankheit immer erst spaͤt nach der Geburt ausbricht, und daß sie auf sehr leichte Geburten eben so wie auf schwere Geburten erfolgen kann. Eben so wenig scheint die neuerlich geaͤußerte Meinung, daß Nervenleiden Ursache der Krankheit sey, sich erweisen zu lassen. Viel mehr mit dem Gange des Uebels und zum Theil auch mit dem Sektionsbefunde s. Casper . Commenlar. p. 54. stimmt es uͤberein, die Entzuͤndung der Lymphgefaͤße als wesentliche Ursache zu betrachten Man s. die in Horn’s Archiv 1819. 4. Hft. S. 183 zusammen- gestellten Beobachtungen von Simmons, Wyer, Moore, Sankey. — , welcher Meinung auch die mehrsten neuern Beobachter beigetreten sind. §. 1603. Was die Gelegenheitsursachen zur Entstehung dieses Uebels betrifft, so lassen sie sich nicht mit Bestimmtheit an- geben. Es kommt bei Juͤngern und Aeltern, zart- und stark- Gebauten, Vornehmen und Geringen vor; eben so, bald nach regelmaͤßigen, bald nach regelwidrigen, nach der ersten oder nach wiederholten Geburten, und endlich scheinen auch die Funktionen der Wochenperiode als Milch- und Lochien-Aus- scheidung wenig Einfluß auf die Entstehung zu haben, da man sie theils in regelmaͤßigem Gange theils unterdruͤckt ge- funden hat. — Die Prognose ist bei einer so schmerzhaften, langwierigen ja selbst gefaͤhrlichen Krankheit allerdings im Allgemeinen hoͤchst unguͤnstig zu nennen. §. 1604. Auch uͤber die Behandlung der weißen Schenkelgeschwulst herrschen sehr verschiedene Ansichten. Im Beginn derselben, wo die entzuͤndlichen Zufaͤlle noch sehr hervortreten, wird ein antiphlogistisches Verfahren welches der allgemeinen Constitution angemessen ist, und in oͤrtlichen oder allgemeinen Blutentzie- hungen, Anwendung von Calomel, Mittelsalzen u. s. w. besteht, nicht entbehrt werden koͤnnen. Oertlich hat man nach White vorzuͤglich Fomentationen, durch Flanelltuͤcher mit warmem Essig oder Wein getraͤnkt, angewendet; vielleicht moͤch- ten trockne Kraͤuterkissen hier (wie z. B. auch bei Druͤsenge- geschwuͤlsten) am vortheilhaftesten seyn. Daß ferner die regel- maͤßige Unterhaltung der Wochenfunktionen besondere Aufmerk- samkeit verdienen, ist durch sich selbst klar. — In dem spaͤtern Stadium der Krankheit ist eine mehr erregende Methode, vorzuͤglich innerlich der Gebrauch der Antimonialien, der Digitalis, des Camphers, und aͤußerlich (wie durch mehrere Beobachtungen Vergl. z. B. Gittermanns Beobachtung in Hufeland’ s Journ. f. pr. Heilk. 1820. 1 St. sich zu bestaͤtigen scheint) die Anwendung der Vesikatorien auf den leidenden Theil selbst von ausgezeich- netem Nutzen gewesen. Als Nachkur wird gewoͤhnlich noch eine staͤrkende oͤrtliche Behandlung zur Hebung der ruͤckblei- benden Laͤhmung und Torpiditaͤt, unentbehrlich. 3) Fieberhafte Krankheiten . a. Milchfieber . §. 1605. Man hat sich lange Zeit mit dem Vorurtheil getragen, als wenn zum Wesen der Wochenperiode es nothwendig gehoͤre, daß ein Fieberanfall den dritten, vierten oder sechsten Tag nach der Entbindung etwa, eintreten muͤßte, und denselben mit dem Namen des Milchfiebers, indem man ihn mit der Sekre- tion der Milch selbst in Verbindung brachte, bezeichnet. Be- obachtet man jedoch eine Reihe von Woͤchnerinnen vorurtheils- frei in ihrer Aufeinanderfolge, so wird man bald bemerken daß viele derselben durchaus gar keine Spur von Fieberbewe- gungen zeigen, daß dieses ferner haͤufig gerade die gesuͤndesten und mit Milch am reichlichsten versehenen sind, und wird folglich schon dadurch uͤberzeugt werden, daß es, wie auch Schmidtmuͤller, Joͤrg und Andere bemerkt haben, keine eigenthuͤmliche Krankheit dieser Art, denen alle Woͤchnerinnen unterworfen seyn muͤßten, gebe. §. 1606. Bei einigen Woͤchnerinnen hingegen nimmt man aller- dings um die angegebene Zeit eine vermehrte Aufregung des Gefaͤßsystems wahr, es entsteht ploͤtzlich Frost, Hitze, Durst, Schweiß, zuweilen mit diesen oder jenen krankhaften oͤrtlichen Zufaͤllen als Kopfschmerz, Mangel an Appetit, fadem Geschmack, u. s. w. verbunden, welcher Anfall sich denn nicht selten den folgenden Tag wiederholt, im Ganzen jedoch das Wohlbefinden nicht allzusehr zu beeintraͤchtigen und sich endlich voͤllig zu verlieren pflegt. — Spuͤrt man nun der Entstehungsweise dieser Zufaͤlle etwas genauer nach, so wird man dieselbe seht verschieden finden, im Allgemeinen aber nicht verkennen koͤnnen, daß sie immer vornaͤmlich durch die vermehrte Reitzbarkeit des Gefaͤß- und Nervensystems bedingt werden welche die Begleiter einer jeden bedeutenden Umaͤnderung im Organismus sind, Eben so sehen wir das Maͤdchen beim Eintritt der Pubertaͤt reizbarer, zu Fieberbewegungen geneigter; dasselbe tritt ein bei beginnender Schwangerschaft, und muß im Wochenbette, wo die Richtung der Saͤftemasse eine so bedeutende Umaͤnde- rung erlitten hat, noch mehr der Fall seyn. §. 1607. Ist nun also durch diese Revolution schon eine Neigung zu fieberhaften Zustaͤnden gegeben, wird diese durch eine an sich reizbare Constitution noch vermehrt, so ist es wohl erklaͤr- lich, wie fast jede mit nur einiger Macht auf den Koͤrper einwirkende Gelegenheitsursache den Fieberanfall wirklich her- vorruft. Als solche Ursachen erscheinen nun leichtere Erkaͤltungen, Gemuͤthsbewegungen, Diaͤtfehler, besonders aber gereizte Zustaͤnde der fuͤr die Periode des Wochenbetts vorzuͤglich wichtigen Organe, z. B. der Bruͤste, oder Brustwarzen, der aͤußern oder innern Geschlechtstheile (Nichtstillen, Nachwehen, Geschwuͤlste, Verlez- zungen u. s. w.). Ja es ist allerdings zuweilen der Fall, daß der vermehrte Eintritt der Milch in die Bruͤste mit einer allgemeinen Bewegung des Gefaͤßsystems erfolgt, welche durch einen Schauer angekuͤndigt wird, eben so wie ohngefaͤhr die Aufnahme von Chylus in das Blut nach dem Genusse der Speisen vermehrte Gefaͤßthaͤtigkeit anregt. Endlich aber kann ein aͤhnlicher leichter Frostanfall auch entstehen durch Abstoßung der Reste der hinfaͤlligen Haut auf der innern Uterinflaͤche, womit sich ja nicht selten eine innere oberflaͤchliche Eiterung verbindet, welche Anfaͤlle sich dann analog den bei beginnendem Brand oder Eiterungsproceß sich stets zu erkennen gebenden Frost-Anfaͤllen erweisen. §. 1608. Man erkennt hieraus welch ein vielgestaltiges Ding das sogenannte Milchfieber eigentlich ist, und aus wie vielerlei Ur- sachen es zu Stande kommen kann, und wird sich zugleich, wenn man weiß aus welchen scheinbar unbedeutenden Krank- heitszustaͤnden bei Woͤchnerinnen oft ploͤtzlich die heftigsten Krankheiten sich entwickeln, uͤberzeugen, wie wichtig es sey, bei diesen leichten Fieberanfaͤllen immer die veranlassende Ur- sache scharf ins Auge zu fassen, und danach Prognose und Behandlung zu bestimmen. — Was die Prognose naͤmlich insbesondre betrifft, so ist sie zwar im Allgemeinen allerdings guͤnstig zu stellen, da die Fieberanfaͤlle nicht sehr heftig sind und gewoͤhnlich in 2 bis 3 Tagen sich voͤllig zu verlieren pflegen; allein nie ist zu uͤbersehen, daß, jemehr bei denselben irgend eine der wichtigern Wochenfunktionen gestoͤrt, jemehr vornehmlich die Ruͤckbildung des Uterus dabei gehindert ist, die innern Genitalien sehr gereizt, oder die Unterleibsorgane uͤberhaupt afficirt sind, um so uͤbler auch die Prognose und um so leichter der Uebergang in Kindbettfieber werden muͤsse. §. 1609. Anbelangend die Behandlung des Milchfiebers, so kann diese in den meisten Faͤllen sehr einfach seyn. Ein leichtern fieberhaften Krankheiten uͤberhaupt angemessenes Regimen, leichte, kuͤhlende oder die Hautfunktion gelind befoͤrdernde Getraͤnke, sehr leichte Diaͤt, maͤßige Unterhaltung des Stil- lungsgeschaͤfts und bei Nichtstillenden Sorge fuͤr Befoͤrderung des Milchausflusses und allmaͤhlige Zertheilung der stockenden Milch, sind in den meisten Faͤllen die einzigen Heilregeln. — Staͤrkere Fieberbewegungen indiciren außerdem noch den Ge- brauch der Emulsionen mit etwas Nitrum, der Lavements, oder bei belegter Zunge, gespanntem Unterleibe u. s. w. eines leichten Abfuͤhrmittels. Immer aber muß vorzuͤglich, ob lokale Regelwidrigkeiten sich vorfinden, beruͤcksichtigt werden, welche dann die schon fruͤher gelehrte Behandlung noͤthig machen. Auch staͤrkere gastrische, rheumatische, catarrhalische Complica- tionen machen zugleich die der Natur dieses Uebels entsprechende Behandlung nothwendig. b. Kindbettfieber (Febris puerperarum). §. 1610. Fast eben so wie das Milchfieber, ist auch das Kindbett- fieber in seiner Erscheinung und seinen Ursachen sehr verschieden, und hat dadurch Veranlassung gegeben, daß selbst die Frage, ob man dasselbe uͤberhaupt als eine besondere Krankheitsform annehmen kann, von Vielen noch als unentschieden betrachtet wird. — Untersucht man naͤmlich einzelne Faͤlle dieser Krank- heit, so wird sich alsbald zeigen daß die meisten ihrer Zufaͤlle sehr wohl auch in andern Krankheiten, bei Nichtwoͤchnerinnen, ja wohl selbst bei Maͤnnern vorkommen koͤnnen, und es scheint somit der Grund fuͤr Annahme eines Kindbettfiebers als eigen- thuͤmliche Krankheit hinwegzufallen; allein geht man genauer in die Sache ein, so wird sich eine andere Ansicht alsbald eroͤffnen. Man wird naͤmlich finden daß hierwiederum doch allen diesen Krankheitsfaͤllen etwas Gemeinsames zum Grunde liege, und dieses Gemeinsame ist: die Stoͤrung der naturgemaͤß in der Periode des Wochenbetts vor sich gehenden Revolution im Innern des weiblichen Koͤrpers . §. 1611. Inwiefern also auch die besondern Erscheinungen des Kindbettfiebers, als z. B. Bauchfellentzuͤndung und Ausschwiz- zungen in der Bauchhoͤhle sehr wohl auch andern Krankheiten gemein seyn koͤnnen, so bekommt das Ganze doch stets einen eigen- thuͤmlichen Charakter schon durch die Periode innerhalb welcher es sich ereignet; einen Charakter, welcher uͤbrigens allerdings besser mit gesunden Sinnen und scharfem Auffassungsvermoͤgen in der Natur zu erkennen, als mit Worten zu definiren ist. Jedoch dieses gilt eben so von den meisten, wenn nicht von allen Lebenserscheinungen, denn die Natur, als ein ewig Wan- delbares, duldet selten das Einkerkern in die festen Schranken eines mit Worten auszusprechenden Begriffs. §. 1612. Halten wir uns also sonach berechtigt, diese Krankheit fuͤr eine eigenthuͤmliche, nur dieser Periode angehoͤrige zu er- klaͤren, so kommt es nun darauf an, das Wesentliche der- selben etwas naͤher zu schildern. Hier ist es nun, wo die Aerzte am allermeisten von einander abgewichen sind, indem sie bald bloße Unterdruͤckung der Milchsekretion, bald gastrische Zustaͤnde, bald Unterdruͤckung des Lochienflusses, bald Entzuͤn- dungen u. s. w. als Wesen der Krankheit zu schildern bemuͤht waren M. s. die verschiedenen Ansichten aͤlterer Aerzte sehr zweckmaͤßig zu- sammengestellt bei Schmidtmuͤller (medicinische Geburtshuͤlfe 2 Thl. S. 102 u. s.) , ja auch wohl dadurch sich zu helfen suchten daß sie (wie dieß von Schmidtmuͤller geschah) mehrere Arten des Kindbettfiebers annahmen, wovon einige durch Milchver- setzungen, andere durch gastrische Zustaͤnde u. s. w. zu Stande kaͤmen. — Unter den Neueren deutete vorzuͤglich H. Autenrieth Versuche fuͤr die prakt. Heilkunde 1 Bd. 1 Hft. S. 136. zuerst auf die beim Kindbettfieber vorkommendt Stoͤrung in der eigenthuͤmlichen Richtung der Saͤftemasse, und leitete die Erscheinungen desselben von gehinderter peripherischer Thaͤtigkeit und krankhafter Concentration der Bildungsstoffe auf innere Gebilde her. Ihm folgte in seinen Ansichten groͤß- tentheils H. Joͤrg Handb. d. Krankheiten d. menschl. Weibes 1809. S. 394. . Andere wie z. B. P. Frank , F. Horn Archiv f. med. Erfahrung Mai 1809. Novbr. 1810. halten sich vorzuͤglich an die entzuͤndliche Natur dieses Uebels, noch immer aber gehoͤrt diese Krankheit wie H. Froriep Theoret. prakt. Handb. d. Geburtshuͤlfe 1818. S. 275. nicht mit Unrecht bemerkt, zu den am wenigsten gekannten und genau bestimmten Krankheiten. §. 1613. Bevor nun, welche Ansicht hieruͤber wohl die wahrschein- lichste sey, untersucht werden kann, wird es noͤthig werden zunaͤchst uͤber Vorkommen und Verlauf dieses Uebels das Naͤhere darzulegen: — Es kommt das Kindbettfieber aber sowohl sporadisch als epidemisch vor, das letztere pflegt vorzuͤglich in naßkalten Wintern und Herbsten, so wie wohl auch in sehr heißen Sommern der Fall zu seyn. Daß es in Gebaͤrhaͤusern sich nicht selten auch als ansteckend zeige, kann keinem Zweifel unterworfen bleiben. Uebrigens werden die verschiedensten Individuen davon befallen, Erstgebaͤrende und Mehrgebaͤrende, Aeltere und Juͤngere, obwohl man leicht bemerken kann, daß kachektische Koͤrper, Personen welche deprimirenden Gemuͤths- bewegungen und aͤußerlichen Schaͤdlichkeiten ausgesetzt sind, welche schwere Geburten uͤberstanden haben, so wie Nichtstillende, vorzuͤglich dieser Krankheit unterworfen sind. §. 1614. Was den Verlauf der Krankheit betrifft, so ist derselbe im Allgemeinen hoͤchst akuter Art, der Anfang ist von dem des Milchfiebers oft nicht wesentlich unterschieden, ja manch- mal macht das letztere selbst erst den Uebergang zu dieser Krankheit. Allgemeines Uebelbehagen, verlorener Appetit, Mat- tigkeit kuͤndigen in der Regel das Kindbettfieber an, dessen eigentlicher Eintritt mit einem heftigen Froste groͤßtentheils bezeichnet wird. Es eroͤffnet sich hiermit das erste Stadium der Krankheit, welches wir mit dem Namen des entzuͤndlichen Stadiums (Stadium inflammationis) belegen muͤssen; die Kranke klagt uͤber heftigen Durst, die Haut wird nach dem Froste brennend und trocken, der Puls ist sehr frequent und meistens hart, der Kopf beim Aufrichten benommen, oft auch schmerzhaft, der Schlaf unruhig; die Zunge ist trocken, der Geschmack fad oder sonst verdorben, die Ausleerungen stocken, der Urin ist dunkelroth, und vorzuͤglich zeigt sich alsbald ein entschieden hervortretendes Lokalleiden, welches zwar an mehrern Orten vorkommen kann, bei weitem am haͤufigsten aber im Unterleibe und zwar durch Spannung und Haͤrte, hoͤchste Empfindlichkeit bei der Beruͤhrung, beim Wenden, Aufrichten, Husten u. s. w, aber auch ohne dieß durch heftiges Schneiden und Stechen sich zu erkennen giebt. Seltner finden wir die Lokalaffektion in der Brust oder im Kopfe, und sie zeigt sich dann durch den hier wahrgenommenen Schmerz und die Stoͤrungen des Athemholens, Zufaͤlle einer Pneumonie, oder, im andern Falle, durch De- lirien, Zuckungen, und vorzuͤglich heftiges Fieber an. §. 1615. Ruͤcksichtlich der Wochenverrichtungen, so verhalten sich dieselben nicht immer gleich; oft wird in diesem Stadium, ja gleich nach dem ersten Froste, die Milch vermindert oder voͤllig aufgehoben, zuweilen aber bleibt sie sich auch ziemlich gleich, dasselbe gilt von den Lochien. — Das Fieber selbst haͤlt den Typus einer continua remittens, deren Exacerbationen vorzuͤglich in den Abendstunden sich einzustellen pflegen. — Die Dauer dieses ersten Stadiums erstreckt sich nicht leicht uͤber drei bis vier Tage, jedoch kann es sich bei vollsaftigen Koͤrpern und entzuͤndlicher Krankheitskonstitution, wiederholen, indem an die Stelle des zuerst angegriffenen und entzuͤndeten Theils ein anderer tritt, oder auch die Entzuͤndung auf der alten Stelle von Neuem aufflammt. §. 1616. Das zweite Stadium nennen wir das der Ausschwitzung (Stadium exsudationis); es muß nicht jedesmal eintreten, sondern es wird zuweilen die Entzuͤndung zur Zertheilung ge- bracht, und sogleich das Stadium der Genesung herbeigefuͤhrt werden koͤnnen; oder aber es ist auch vielleicht das entzuͤndliche Stadium selbst entweder an und fuͤr sich, oder durch Uebergang in Brand toͤdlich geworden. Tritt aber wirklich dieses zweite Stadium ein, und es erfolgt zuweilen die Ausschwitzung schon sehr zeitig bald nach Eintritt der Krankheit, so erscheint groͤß- tentheils abermaliger Frost, die Haut wird vorzuͤglich brennend, Lochienfluß und Milchsekretion verschwinden, oder werden ab- normer Beschaffenheit, Durchfall, truͤber Urin, oft mit milch- aͤhnlichem Geruche, klebrige Schweiße, braun belegte Zunge oder Aphthen, fauliger Geschmack, heftiger Durst treten ein, der Schlaf wird noch unruhiger, und die Nervenzufaͤlle haͤufiger. Geschehen Ergießungen im Unterleibe, so schwillt dieser mehr auf, es zeigen sich wohl selbst Kennzeichen innerer Abscesse durch partielle Anschwellungen, Hinderung der Schenkelbewegung u. s. w. und nicht selten treten Symptome von Putrescenz auf der innern Uterinflaͤche hinzu, und unter Colliquationen und typhoͤsem Fieber erfolgt der Tod. Geschieht Aehnliches in der Brusthoͤhle so wird der Athem beklommen, Huͤsteln, Roͤcheln und unordentlicher Puls erscheinen und drohen Erstik- kungsanfaͤlle. Ergießungen im Kopfe endlich erregen die heftigsten Anfaͤlle der Manie, welchen Sopor und Tod gemeiniglich bald nachfolgt. — §. 1617. Die Dauer dieses Stadiums ist nach dem Orte und dem Maaße der Ausschwitzungen verschieden. Betraͤchtliche Ergießungen im Unterleibe toͤdten gewoͤhnlich nach 3 bis 6 Ta- gen (am siebenten, neunten, oder wenn das entzuͤndliche Stadium vielleicht mehreremale verlaufen war, am zwoͤlften, funfzehnten Tage der Krankheit). Schneller erfolgt der Tod bei Ergies- sungen an andern Orten. Geringere Ausschwitzungen, welche mehr Verwachsungen, Ablagerungen im Innern der Organe, Degenerationen zur Folge haben, koͤnnen oft zu Uebergaͤngen in chronische Zustaͤnde, hektischem Fieber, mit Zufaͤllen welche nach der Art der angehenden innern Verbildung unendlich verschieden sind, Gelegenheit geben. Auch Metastasen der abgelagerten Stoffe auf die Muskeln der Extremitaͤten kommen zuweilen vor. §. 1618. Als drittes Stadium unterscheiden wir das der Genesung (Stadium convalescentiae). Es wird verschieden seyn, je nach- dem es sich unmittelbar dem erstern anschließt oder dem zweiten nachfolgt. Schließt es sich dem erstern an, so bemerkt man Nachlaß der Fieberbewegungen, Abnahme des oͤrtlichen Schmer- zes, Wiedereintritt der Lochien- und Milchausscheidung, ver- mehrten nicht ermattenden Schweiß, kritischen Urin, oͤftere erleichternde Darmausleerungen, erquickenden Schlaf, die Kraͤfte finden sich oft ziemlich schnell, und auch in der raschen Ge- nesung bleibt der akute Charakter sich treu. — Haben hin- gegen Verbildungen oder Ausschwitzungen bereits Statt gefunden, so treten die Wochenfunktionen nicht regelmaͤßig wieder ein, das Fieber mindert sich zwar, aber der afficirte Ort bleibt noch laͤngere Zeit schmerzhaft, erregt confensuelle Leiden, der Urin zeigt eiterartigen Bodensatz und die Kranke erholt sich nur langsam, ja es macht sich wohl selbst ein Uebergang in Folgekrankheiten, welche wiederum sehr verschiedener Art seyn koͤnnen. Es gehoͤren dahin Melancholie, Wahnsinn, Wassersucht, II. Theil. 37 Schwindsucht, Auftreibungen einzelner Unterleibseingeweide, Degenerationen des Uterus, der Ovarien, Unfruchtbarkeit u. s. w. §. 1619. Der Befund bei der Leichenoͤffnung ist namentlich nach dem Orte wo die Entzuͤndung ihren Anfang nahm, sehr ver- schieden. Da unter 10 Faͤllen wenigstens 9 gewoͤhnlich Angegriffen- seyn der Unterleibseingeweide zeigen, so finden sich auch in der Bauchhoͤhle die vorzuͤglichsten Veraͤnderungen vor. Die Menge der hier ergossenen gelblichweißen, mit eiterartigen Flecken vermischten Fluͤssigkeit betraͤgt zuweilen 4, 6, und mehrere Kannen. Was die Qualitaͤt dieser Fluͤssigkeit betrifft, so sind die Meinungen daruͤber verschieden, indem sie bald fuͤr Milch bald fuͤr Eiter angesehen worden ist. Boer theilte daher Abhandlungen u. Versuche 1 Bd. S. 204. eine Analyse derselben mit, woraus sie sich als blos lymphatisch zu erkennen giebt, mit beigemischten Eiterpartickeln; und hiernach, so wie aus andern Gruͤnden, (m. s. was schon bei der Milchversetzung erwaͤhnt wurde) kann man zwar an- nehmen daß dieselben plastischen Stoffe welche auch Absonderung der Milch bedingen, hier sich ablagern, aber nicht daß das Depot selbst aus Milch bestehe. Außerdem finden sich Netz, Darmwindungen, die innern Genitalien und uͤberhaupt alle Produktionen des Bauchfells hie und da mit eiterigen Aus- schwitzungen oder geronnener Lymphe bedeckt, und dadurch Verwachsungen mannigfaltiger Art bewerkstelligt. Ferner zeigen gewoͤhnlich groͤßere Stellen des Bauchfells, besonders in der Gegend der innern Genitalien, namentlich der Ovarien, noch Spuren heftiger Entzuͤndung, die Substanz des Uterus ist zuweilen im normalen Zustande, zuweilen aber findet sich auch die innere Flaͤche im wahrhaft putrescirten Zustande. Seltner zeigen sich geschlossene innere Abscesse. §. 1620. Was die uͤbrigen Theile des Koͤrpers betrifft, so finden sich vorzuͤglich oft Regelwidrigkeiten in der Brusthoͤhle vor, nicht sowohl immer als Folgen der Krankheit, sondern haͤufiger als schon fruͤher vorhandene Regelwidrigkeiten, welche die Disposition zum Kindbettfieber vermehren. War hingegen die Pleura selbst in der Krankheit ergriffen, so zeigen sich auch die Spuren der Entzuͤndung Ausschwitzung, Verwachsung, Ei- terung u. s. w. ganz wie auch nach anderen heftigen und boͤsartigen Pneumonien. Das Gehirn findet man bei Puerperal- fiebern mit vorherrschenden Leiden der Unterleibsorgane selten auf eine in die Sinne fallende Weise veraͤndert. Bei den Verstorbenen hingegen, wo die Hirnhaͤute ihr vorherrschendes Leiden durch Manie und Delirien zu erkennen gaben, zeigen sich diese Theile ausgezeichnet blutreich, die Gefaͤßhaut ist zuweilen mit coagulabeler Lymphe bedeckt, und Ausschwitzungen von Wasser in den Hirnhoͤhlen, auf der Basis cerebri, und im Ruͤckenwirbelkanale, sind keine seltne Erscheinung. §. 1621. Nachdem wir somit das vorzuͤglich Bemerkenswerthe uͤber Verlauf und Ausgang des Kindbettfiebers durchgegangen haben, wird es leichter werden zu einer Darlegung des Wesentli- chen dieser Krankheit zu gelangen, worauf dann noch uͤber ursaͤchliche Momente und Prognose das Weitere beizufuͤgen seyn wird. §. 1622. Es ist aber nicht moͤglich zur klaren Einsicht des Wesent- lichen hierbei zu gelangen, dafern man nicht die Eigenthuͤmlichkeit der Wochenperiode uͤberhaupt scharf aufgefaßt hat, weßhalb zunaͤchst auf das was §. 849 bis 871 angegeben wurde, zuruͤckgewiesen werden muß. Ferner ist es noͤthig die innige Verwandschaft fest zu halten welche zwischen Bildungsproceß und Entzuͤndung besteht, wodurch es erklaͤrlich wird wenn hier an die Stelle eines ploͤtzlich aufgehobenen Bildungsprocesses ein entzuͤndlicher Proceß eintritt, da die Neigung zur Entzuͤndung in allen Lebenszustaͤnden, welche (wie z. B. das Kindesalter) durch besonders lebhafte Bildungskraft ausgezeichnet sind, am meisten hervortritt u. s. w. (vergl. 1 Thl. S. 255.). Dieses alles nun recht erwogen, und mit dem im Vorhergehenden geschilderten Verlaufe der Krankheit verglichen, so halten wir uns berechtigt das Wesentliche des Kindbettfiebers zu setzen: in eine von heftigem Fieber begleitete Stoͤrung der fuͤr die Wochenperiode naturgemaͤßen Revo- lution im Innern des Organismus, welche sich zu erkennen giebt durch eine an abnormen Stel- len hervortretende, krankhafterhoͤhte, mit Ent- zuͤndung und großer Neigung zu Ausscheidungen bezeichnete Gefaͤßthaͤtigkeit . §. 1623. Es sind nun vorzuͤglich die Gebilde, welche den Sitz dieser krankhaft erhoͤhten Gefaͤßthaͤtigkeit ausmachen, etwas naͤher zu betrachten, und wir werden darin noch mannigfaltige Bestaͤtigung der aufgestellten Ansicht finden. Schon aus der Schilderung des Verlaufs der Krankheit ergab es sich aber, daß die Bauchhoͤhle selbst der gewoͤhnliche Heerd des Uebels ist; forschen wir nun nach der Ursache dieser Erscheinung, so koͤnnen wir sie nicht fuͤglich in etwas anderes setzen, als da- rein daß eben hier die kraͤftigste Bildungsthaͤtigkeit jetzt anhal- tend gewirkt habe, und daß es ganz natuͤrlich sey, in Faͤllen, wo die Uebertragung derselben auf andere Organe gesioͤrt wird, meistens ein Hervortreten der, nunmehr allerdings krankhaften Bildungsthaͤtigkeit an dem gewohnten Orte wahrzunehmen. Besondere Beruͤcksichtigung verdient auch hier die in pathologischer Hinsicht noch gar nicht beachtete Continuitaͤt der innern Flaͤche von Uterus und Muttertrompeten mit dem Peritonaeum, und es wird anschaulich warum gerade das Peritonaeum so gewoͤhnlich der Heerd der Entzuͤndung und Ausscheidung im Kindbettfieber wird, da es als Fortsetzung der die innern Genitalien auskleidenden, bei der Ernaͤhrung des Kindes vorzuͤglich thaͤtigen Haut anzusehen ist Daß eben daher selbst das Bauchfell die Ernaͤhrung der Frucht in Extrauterinschwangerschaften uͤbernehmen koͤnne, ist fruͤher be- merkt worden. Merk- wuͤrdig ist es uͤbrigens noch, daß vorzuͤglich die Gegend der Ovarien den Punkt darzustellen pflegt, von welchem Entzuͤn- dung und Ausscheidung beginnen. Man kann dieß entweder davon ableiten, daß die Ovarien uͤberhaupt der primaͤre Sitz weiblicher Zeugungskraft sind, oder davon daß, wie man neuerlich angenommen, ein gewisser Antagonismus zwischen Uterus und Ovarien Statt findet, welches groͤßere Erregung der letztern verursacht, wenn der erstere in seiner Thaͤtigkeit zuruͤcktritt. §. 1624. Außerdem wird es klar, warum gerade die Neigung im Kindbettfieber zu solchen Entzuͤndungen, welche alsbald das ergriffene Organ in ein ausscheidendes verwandeln, so groß ist, und so leicht und schnell nicht nur die betraͤchtlichsten Ablagerungen von Fluͤßigkeiten, sondern auch die bedeutendsten Degenerationen, Verwachsungen u. s. w. sich entwickeln, naͤm- lich eben weil 1) der Koͤrper an sich jetzt noch an plastischen Stoffen vorzuͤglich reich ist Man erinnere sich der oben §. 893. angefuͤhrten Worte Boër’s . , 2) ein so kraͤftiger Bildungs- proceß wie die Ernaͤhrung des Kindes im Innern, ploͤtzlich aufgehoͤrt hat, aber nothwendig die Neigung zuruͤcklaͤßt, ab- normer Gefaͤßthaͤtigkeit den Charakter regelwidriger Bildung zu uͤbertragen. §. 1625. Wie aber wird es nun moͤglich, daß auch andere Or- gane, wie Pleura oder Hirnhaͤute zum Heerde der Krankheit werden? — Ich glaube daß man auch hierbei theils den Zusammenhang zwischen Respirationsorganen und Geschlechts- organen, aus welchem die Herstellung des Gleichgewichts der Saͤftemasse nach der Geburt sich erklaͤrte (§. 866. 867.), theils die Ruͤckwirkung gestoͤrter Gefaͤßthaͤtigkeit in Brust- und Bauchhoͤhle auf die Gefaͤße des Gehirns zu beachten habe; so wie man denn endlich auch nicht uͤbersehen darf, daß die oͤrtlich leidende Stelle oft vorzuͤglich von fruͤherer krankhafter Disposition dieses Theils oder von der Richtung aͤußerer Schaͤdlichkeiten abhaͤngt. §. 1626. Wir kommen nun zu den entferntern Ursachen des Kindbettfiebers und unterscheiden hierbei 1) die disponirenden: wohin alles gehoͤrt, was die Reitzbarkeit des Koͤrpers erhoͤht, was zu Stoͤrungen naturgemaͤßer organischer Revolution durch Beeintraͤchtigung der Bildung oder Thaͤtigkeit geneigt macht, z. B. Fehler der Brusteingeweide, krankhafte Zustaͤnde der Unterleibsorgane, gereitzte Zustaͤnde des Darmkanals, Diar- rhoͤen u. s. w. oder Verletzungen der Genitalien selbst, unter- lassenes Saͤugen des Kindes, und im Allgemeinen alles, wodurch die Produktivitaͤt des Koͤrpers erhoͤht und Gelegenheit zu Entzuͤndungskrankheiten gegeben wird (als zu reichliche Diaͤt, Witterungsverhaͤltnisse u. s. w.). 2) Gelegenheitsursa- chen sind ebenfalls theils solche wodurch Organe, in dieser Periode zur Ruhe und Ruͤckbildung bestimmt, heftig aufgereitzt werden, als: drastische Abfuͤhrmittel, erhitzende Speisen und Getraͤnke, heftige Nachwehen, unvollkommne Contraktion des Uterus, Gemuͤthsbewegungen u. s. w.; theils solche wodurch Organe, welche sich jetzt thaͤtig zeigen sollen, in dieser Thaͤtig- keit gehemmt werden, wohin ploͤtzliches Abbrechen des Stil- lungsgeschaͤfts, die durch Erkaͤltung gehemmte Ausscheidung des Lochienflusses und der Milch, oder des Schweißes gehoͤren. §. 1627. Was die Prognose betrifft, so muß sie, wie sich aus Schilderung des Krankheitsverlaufs ergab, im Allgemeinen stets unguͤnstig genannt werden, da die Krankheit theils, sich selbst uͤberlassen, durch Brand, Putrescenz, Ausschwitzung, ja selbst schon durch heftige Entzuͤndung leicht unmittelbar den Tod herbeifuͤhren kann, theils oft, eben weil sie so große Neigung zur Bildung eines krankhaften Produkts zeigt, ent- weder mittelbar durch Nachkrankheiten toͤdtlich werden, oder eine schwaͤchliche Gesundheit fuͤr die ganze Folgezeit zuruͤcklassen, oder endlich nur eine langwierige Genesung gestatten wird. Die speciellern Momente der Prognose richten sich 1) nach der Constitution: bei schwaͤchlichen, kachektischen Koͤrpern, vor- zuͤglich bei solchen welche bereits an innern Verbildungen, oder wohl gar schon vor der Geburt begonnenen Zerstoͤrungen auf der innern Uterinflaͤche leiden, ist die Prognose immer mißli- cher, eben so giebt der hoͤchst akute, schnelle Ablagerung eines Depots, oder Uebergang in Brand befuͤrchten lassende Verlauf, bei sehr vollsaftigen irritabeln Koͤrpern eine uͤbele Vorhersagung. 2) Nach dem Zeitpunkte der Entstehung der Krankheit. Je naͤher an der Periode der Geburt, desto acuter pflegt der Verlauf zu seyn, und desto schneller die Bildung eines Depots von Statten zu gehen. §. 1628. 3) Nach den Ursachen: bei heftig einwirkenden, vorzuͤglich die bei dieser Periode nahe interessiirten Theile treffenden Schaͤd- lichkeiten, muß nothwendig die Prognose uͤbeler ausfallen, so z. B. wo starke Verletzungen in den Genitalien vorhanden sind. 4) Nach dem Zeitpunkte der Krankheit und dem eigenthuͤmlichen Charakter derselben in dem jedesmaligen Falle. Vorzuͤglich wichtig ist in dieser Hinsicht, ob bereits das Stadium exsu- dationis eingetreten ist, durch Aufgetriebenheit des Leibes, heftigen Durst mit brauner trockner Zunge, klebrige Schweiße, truͤben milchigen Urin, bereits die Bildung des Depots sich anzeigt, welches natuͤrlich unguͤnstige Prognose geben muß, dahingegen, so lange das Uebel sich rein entzuͤndlicher Natur zeigt, auch eine gluͤckliche Zertheilung mit mehr Wahrschein- lichkeit zu hoffen steht. — Eben so muß es auf die Prognose den groͤßten Einfluß haben, mit welchem Charakter das Fieber auftrete, und es ist an sich klar, daß bei dem typhoͤsen Cha- rakter, welcher auch meistens nur bei Neigung oder beceits erfolgtem Uebergang des oͤrtlichen Leidens in Putrescenz, Brand, Exsudation eintritt, eine unguͤnstige Prognose Statt finden muͤsse. §. 1629. 5) Muß die Prognose das Organ beruͤck sichtigen welches oͤrtlich ergriffen ist, und die Affektion der Hirnhaͤute wird z. B. als vorzuͤglich gefahrdrohend angesehen werden muͤssen. 6) Ist auf die Wochenfunktionen zu achten, und jemehr die Bruͤste ihre Thaͤtigkeit vermindern, die Lochien stocken und abnorme Qualitaͤt zeigen, je rigider, brennender die Haut ist, um so unguͤnstiger fuͤr die Kranke. 7) Koͤnnen denn auch ver- schiedene Complicationen des Kindbettfiebers mit anderweitigen Zustaͤnden, gastrischen Unreinigkeiten, Obstruktionen, chronischen Diarrhoͤen, Wuͤrmern, Gicht, asthmatischen Zufaͤllen, hysteri- schen Beschwerden u. s. w. vorkommen, wodurch die Prog- nose verschlimmert wird. §. 1630. Wir kommen nun zur naͤhern Eroͤrterung der Behand- lung des Kindbettfiebers , welche sich aus dem Vor- hergehenden nun leicht ableiten lassen wird. — Aus den verschiedenen Stadien aber, welche diese Krankheit durchlaͤuft, so wie aus dem verschiedenen Charakter und den mannigfal- tigen Complicationen mit welchen wir sie auftreten sehen, ergiebt sich zunaͤchst, daß durchaus nicht blos eine speci- fische Heilmethode, noch weniger irgend ein specifisches Mittel unbedingt hierbei empfohlen werden kann, und daß es eben so wenig fruchten wuͤrde, die rein antiphlogistische, oder gastrische, oder incitirende, oder irgend eine andere Methode allen Faͤllen dieser Krankheit entgegensetzen zu wollen. — Wir werden deßhalb die Behandlung nach den einzelnen Stadien durchgehen, und bei einem jeden auf die Wesentlichsten der dabei vorkommenden Modificationen Ruͤcksicht nehmen. §. 1631. Behandlung im ersten Stadium der Krank- heit . Sie ist ganz vorzuͤglich wichtig, und muß sich zur Hauptaufgabe machen das zu Stande kommen einer innern Ablagerung als Produkt der Krankheit, zu hindern. Es er- geben sich hieraus folgende drei Heilanzeigen: die Gefaͤßthaͤtig- keit des oͤrtlich ergriffenen innern Organs zu vermindern, die peripherische Thaͤtigkeit und die normalen Ausscheidungen dieser Periode zu befoͤrdern, das Fieber, seinem Charakter nach, durch eine zweckmaͤßige Anordnung aͤußerer Verhaͤltniße und Heil- mittel zu leiten. §. 1632. Was die specielle Erfuͤllung dieser Indicationen betrifft, so ist wieder vorzuͤglich die erste und zweite wichtig, denn das Fieber ist das Barometer der Lokalaffektion, steigt und faͤllt mit dieser. Die Behandlung der leidenden Stelle nun, muß vorzuͤglich darauf gerichtet seyn, wo moͤglich den ersten Anfang des Uebels zu unterdruͤcken. Ist naͤmlich die Lokalas- fektion noch auf der Stufe bloßer Reitzung, der Puls noch nicht heftig aufgeregt, der Schmerz noch gelind, und mehr ein hoher Grad von Empfindlichkeit als entwickelter heftiger Ent- zuͤndungsschmerz, so koͤnnen haͤufig beruhigende, ableitende Mittel das Uebel in der Wurzel ersticken. Daher bei beginnendem Lokalleiden des Unterleibes der große Nutzen warmer trockner Kraͤuterfomentationen, der Einreibungen vom Oleo Hyoscyami, der Injektionen von Aufguͤssen der Cicuta, der Valeriana, der Flor. Chamom. in die Vagina, der Mohnsamenemulsionen, der erweichenden Lavements und eines ruhigen warmen Ver- haltens bei hoͤchst sparsamer Diaͤt. Daher bei beginnender Affektion des Kopfs (wo indeß oft die heftigste Entzuͤndung weit ploͤtzlicher eintritt) der Nutzen kuͤhlender Essigfomentationen auf die Stirn, saͤuerlicher, kuͤhlender Getraͤnke, der Befoͤrderung der Hautthaͤtigkeit und der Entleerung des Darmkanals. Daher endlich bei dem Ergriffenseyn der Respirationsorgane der Nutzen warmer Kataplasma’s uͤber die Brust, der Inhalationen reitzmindernder Daͤmpfe, der Einreibungen, der gelind diaphoretischen Methode u. s. w. §. 1633. Ist indeß die abnorm aufgeregte Gefaͤßthaͤtigkeit bis zum wahren Entzuͤndungszustande gesteigert, der Schmerz bohrend, stechend, ein heftiger Frost vorausgegangen, die Empfindlichkeit auf das aͤußerste gesteigert, das Fieber bedeutend, so muß eine kraͤftig antiphlogistische Methode schleunigst in Anwendung gebracht werden. Bei dem Ergriffenseyn des Bauchfells und der innern Genitalien werden dann oͤrtliche Blutentziehungen eines der Hauptmittel, und es ist haͤufig genug zu bemerken, wie unter der Anwendung von 8 — 10 — 12 Blutigeln auf die leidende Stelle fast augenblicklich die Schmerzen sich vermindern. Bei sehr heftigem Fieber zwar und vollsaftigen Koͤrpern wird es zuweilen uͤberdieß noͤthig, eine allgemeine Blutentziehung zu veranstalten, allein ich habe immer bemerkt, daß zur Min- derung der Lokalaffektion die letztere weit weniger als die er- stere beitraͤgt. Außerdem verbindet man mit den erwaͤhnten Emulsionen jetzt eine angemessene Quantitaͤt Nitrum, macht Gebrauch vom Calomel in kleinern Dosen (staͤrkere verursachen hier allzuleicht heftige Durchfaͤlle) und faͤhrt dabei mit den zertheilenden Mitteln, den trocknen warmen Kraͤuterfomentatio- nen, (nasse Breiumschlaͤge fuͤhren zu leicht zur Befoͤrderung der Bildung eines Depots) den narkotischen Injektionen fort, wendet als Ableitungen reitzende Fomentationen um die Fuͤße oder warme Breiumschlaͤge an, und sieht sich wohl oͤfters auch veranlaßt, bei wiederkehrender Heftigkeit der Entzuͤndung die oͤrtlichen Blutausleerungen zu wiederholen. §. 1634. Um der zweiten Indication Genuͤge zu leisten, (s. §. 1628), ist vorzuͤglich auf die Erhaltung der Milchsekretion durch oͤfteres Anlegen des Kindes, Aufsetzen trockner Schroͤpfkoͤpfe auf die Bruͤste, und Warmhalten derselben, Ruͤcksicht zu nehmen. Eben so ist der Wochenfluß zu beruͤcksichtigen, und gewoͤhnlich wirken schon die erwaͤhnten Injektionen zu seiner Befoͤrderung. Auch fuͤr Erhaltung der Hautfunktion muß anhaltend durch hin- laͤngliche Bedeckung, den Genuß vom Fliederblumenaufguß mit etwas Liq. Mind. u. s. w. gesorgt werden. — Ist dieses befolgt, so ist dadurch auch bereits der dritten Indication, welche auf Behandlung des Fiebers sich bezieht, Genuͤge ge- leistet, und es macht sich in dieser Hinsicht nur noch die Anordnung eines fuͤr Fieberkranke uͤberhaupt noͤthigen Verhaltens, passender aͤußerer Umgebungen, leichtere Diaͤt, (Suppen Was- serkalteschalen u. s. w.), so wie die angemessene Behandlung etwaiger gastrischer Complication, vorhandener krankhafter Zustaͤnde der Genitalien (Verletzungen, Entzuͤndungsgeschwuͤlste) asthmatischer Beschwerden, rheumatischer Zustaͤnde u. s. w. nothwendig. §. 1635. Hat der Heerd der Krankheit sich in andern Organen gebil- det, so kann zwar, was uͤber Erfuͤllung der zweiten und dritten Indication im vorigen §. gesagt wurde, abermals Anwendung finden, allein die Lokalbehandlung muß nothwendig abweichen. Beim Ergriffenseyn der Hirnhaͤute sind allgemeine Blutentzie- hungen vorzuͤglich nothwendig, obwohl auch oͤrtliche nicht unter- lassen werden duͤrfen. Kuͤhle Fomentationen werden uͤber die Stirn gelegt, das Calomel wird in reichlicher Dosis angewendet, und leistet hier vorzuͤglich trefliche Dienste, ja man wird sich oͤfters veranlaßt sehen, noch Abfuͤhrungen und reitzende Lavements als Ableitungen damit zu verbinden. Auch hier wird ferner von den Emulsionen, dem Nitrum, den diaphoretischen Mitteln u. s. w. Gebrauch gemacht werden koͤnnen, und bei Uebergaͤngen in mehr nervoͤse Zustaͤnde ist der Camphor, Moschus, die Valeriana mit vorzuͤglichem Nu- tzen anzuwenden. Auch die staͤrker ableitenden Mittel, die Fomentationen der Unterschenkel durch Flanelltuͤcher in Senf- aufguß getaucht, durch Sinapismen, Vesikatorien u. s. w. duͤrfen nicht uͤbergangen werden, und vorzuͤglich ist fuͤr sorg- faͤltige Wartung und Bewachung der Kranken zu sorgen, da hierbei nicht selten die heftigsten Delirien, Anfaͤlle von Manie, oder von Convulsionen bemerkt werden, weßhalb denn auch besondere Ruhe in den Umgebungen der Kranken, Abhaltung aller lebhaften sinnlichen oder Gemuͤthsreitze anzuordnen ist, — Lokalaffektion der Pleura (an und fuͤr sich ziemlich selten vor- kommend) macht, naͤchst dem was fruͤher uͤber Beruͤcksichtigung des normalen Ganges der Ausscheidungen der Wochenperiode und Behandlung des Fiebers und seiner Complicationen gesagt worden ist, voͤllig die antiphlogistische Cur der Pneumonie nothwendig. §. 1636. War nun der Arzt zeitig genug hinzugerufen worden, und gelang es ihm durch Befolgung der angegebenen Methode die Heftigkeit der Entzuͤndung zu mindern, und sie zur Zer- theilung zu leiten, so wird er bei Abnahme der Krankheits- symptome auch mit der Anwendung der Mittel zuruͤckgehen, das Eintreten der Krisen beachten, und sich hier in Acht nehmen nicht durch zu vieles Eingreifen, vorschnelles Anwenden der sogenannten staͤrkenden Mittel u. s. w. den wohlthaͤtigen Gang der Natur zu stoͤren. Treten hingegen bald mit er- neuerter Heftigkeit Entzuͤndungssymptome wieder hervor, wie dieß so haͤufig geschieht, so darf man durch zu aͤngstliche Ruͤcksicht auf scheinbare Kraftlosigkeit sich nie abhalten lassen, auch das antiphlogistische Verfahren zu erneuern, denn immer ist hier die Seite welche die meiste Gefahr droht Man gehe nur die Sektionsberichte der am Kindbettfieber Ver- storbenen durch, ob nicht fast uͤberall die Spuren einer durch Kunst nicht bewaͤltigten Entzuͤndung mit ihren Folgen, als den Tod vorzuͤglich veranlassende Ursache beobachtet worden sind. — . §. 1637. Die Behandlung im zweiten Stadium des Kindbettfiebers hat folgende Indicationen zu erfuͤllen: 1) dem fortgehenden Entzuͤndungszustande entgegen zu arbeiten und durch Herabstimmung der oͤrtlich aufgeregten, abnormen Gefaͤß- thaͤtigkeit, auch der Vermehrung der Ausschwitzung Schranken zu setzen; 2) die Wiederaufsaugung der abgelagerten Stoffe und Entleerung derselben auf andern Wegen zu befoͤrdern; 3) den Charakter des Fiebers, Stand der Lebenskraͤfte und etwaige Complicationen zu beruͤcksichtigen. Was die Erfuͤllung der ersten Indication betrifft, so ist hier vorzuͤglich diejenige Methode welche wir gegen chronische, in der Tiefe fortschlei- chende Entzuͤndungen empfohlen haben, in Anwendung zu bringen. Kleine anhaltend gegebene Dosen des versuͤßten Quecksilbers mit Antimonialien und narkotischen Stoffen z. B. mit der Cicuta, der Digitalis u. s. w. verbunden, fortgesetzte Fomen- tationen durch trockne Kraͤuterkissen, oder Cataplasma’s mit aromatischen resolvirenden Kraͤutern vermischt, Einreibungen mit dem Linim. vol. und Unguent. mercur. in die schmerz- hafte Stelle, bei heftigerem Wiederaufflammen der Entzuͤndung auch wohl die wiederholte Anwendung einiger Blutigel, und vorzuͤglich der fortgesetzte Gebrauch der reitzenden, ableitenden Mittel, sind dann von bewaͤhrtem Nutzen. §. 1638. Ist der ersten Indication Genuͤge geleistet, so macht ferner die Erfuͤllung der zweiten es noͤthig zu beachten, ob nicht im Gange der Krankheit selbst eine Neigung zu vermehrten Ausscheidungen abgelagerter Stoffe, und in welchem Organe sie sich zeige; welches dann ein Wink fuͤr den Arzt seyn muß, das heilsame Bestreben der Natur zu unterstuͤtzen. Vorzuͤglich oft bemerkt man aber erhoͤhte Thaͤtigkeit der Nieren, und sieht eiterartige Sedimente im Harm sich bilden, wobei dann die Anwendung der Digitalis, der diuretischen Linimente, der Molken, sehr wohlthaͤtig wirkt. Eben so muͤssen vermehrte Darmausleerungen, welche eiterartige milchige Stoffe mit Er- leichterung fortschaffen, durch blande Abfuͤhrungen, Tamarinden- aufguͤsse oder Tamarindenmolken, Lavements u. s. w. befoͤrdert, ein vermehrter Lochienfluß so wie staͤrkere Hautthaͤtigkeit durch angemessene Mittel unterhalten werden. (Als die Hautthaͤtigkeit erhoͤhend und zugleich als die Resorption befoͤrdernd, sind, auch Fomentationen mit Flanelltuͤchern in Infus. Flor. Arnicae Hb. serpilli, Meliss. etc. mit Wein vermischt getaucht, sehr zu empfehlen). Zuweilen aber bilden sich auch wohl Abscesse, die Stoffe suchen sich einen Weg nach dem Darmkanal oder nach den Muskeln der Extremitaͤten u. s. w. — und hier muß der Arzt in der Regel ein ganz passives Verfahren ein- schlagen, sich darauf beschraͤnken durch erweichende Umschlaͤge, auch wohl allgemeine Baͤder, erweichende Lavements, milde Getraͤnke (Selterwasser, Molken, Eibischdekokt u. s. w.) eine gluͤckliche Entscheidung zu befoͤrdern. Aufbrechende Abscesse muͤssen dann nach den Regeln der Chirurgie behandelt, dabei jedoch die Unterstuͤtzung der Reproduction durch China u. s. w. beruͤcksichtigt werden. Betraͤchtliche Anhaͤufung waͤsseriger Fluͤs- sigkeiten in der Bauchhoͤhle kann sogar bei Uebergaͤngen in chro- nische Zustaͤnde das Vornehmen der Paracentese noͤthig machen. §. 1639. Was die dritte Indication betrifft, so ist zwar auch hier im Auge zu behalten, daß der Charakter des Fiebers und die Schwaͤche welche im Allgemeinbefinden sich aͤußert, vorzuͤglich von dem Lokalleiden abhaͤngig sind, demungeachtet aber auch nicht zu uͤbersehen, daß der Gesammtorganismus ein gewisses Maaß von Kraft beduͤrfe, um die oͤrtlich krankhaften Zustaͤnde zu einer gluͤcklichen Entscheidung zu leiten. Oefters sehen wir uns daher genoͤthigt, statt der kuͤhlenden Emulsionen u. s. w., hier zu den Aufguͤssen der Valeriana, Senega, Serpentaria uͤberzugehen, einen Zusatz von Spirit. Nitri dulcis, Liq. C. C., Naphtha u. s. w. damit zu verbinden, den Kampher (ein vorzuͤglich wichtiges Mittel fuͤr viele Faͤlle) in Gebrauch zu ziehen, das Extractum cortic. peruv. oder das Dekokt selbst anzuwenden, etwas Wein der Kranken zu reichen, bei Neigung zu putriden Zustaͤnden das Elix. acid. Haller. oder Elix. vitriol. Mynsicht. anzuwenden, ja selbst bei hinzutretenden Zuckungen, stillen Delirien u. s. w. (aller- dings in den meisten Faͤllen Todesboten) den Moschus zu Huͤlfe zu rufen. — Immer aber wird hier das Abwaͤgen des Punktes bis zu welchem mit Anwendung dieser Mittel vorgeschritten werden kann, ohne der Gefahr einer Steigerung des oͤrtlichen Leidens sich auszusetzen, das Talent des Arztes zu individualisiren in vorzuͤglichen Anspruch nehmen. Eben so lassen sich auch uͤber die Behandlung der hierbei moͤglichen Complicationen durchaus nicht allgemeine Gesetze aufstellen, da die Faͤlle welche in dieser Hinsicht vorkommen koͤnnen, ins Unendliche gehen, und jeder gewoͤhnlich eine eigen- thuͤmliche Modification noͤthig macht, welche aufzufinden jedoch, wenn man die allgemeinen Heilregeln scharf aufgefaßt hat, nicht allzuschwer seyn wird. §. 1640. Wir haben uͤbrigens bei obiger Schilderung der fuͤr das zweite Stadium passenden Behandlung wiederum vorzuͤglich die Ausschwitzungen auf dem Peritonaͤum (als den haͤufigsten Fall) im Auge gehabt, und was nun noch die Einleitung der Behandlung in Faͤllen wo der Heerd der Krankheit in andern Organen sich gebildet hatte, anbetrifft, so sind auch fuͤr diese nur dieselben Behandlungsregeln, welche in den vo- rigen §§. aufgestellt wurden, mit wenigen durch die Natur des ergriffenen Organs diktirten Veraͤnderungen zu befolgen. — So z. B. die Exsudationen auf den Hirnhaͤuten betreffend, so kann oft nur noch kurze Zeit nach Eintritt derselben, die Kranke durch Anwendung der kraͤftigsten ableitenden Mittel, die starken Gaben des Calomels, der Vesikatorien im Nacken, der Eisumschlaͤge uͤber den beschorenen Kopf, des Aufgießens von Naphtha auf denselben, des Moschus, Kamphers u. s. w. gerettet werden. Ruͤckbleibende melancholische Zustaͤnde, Laͤh- mungen, Sinnenfehler u. s. w. muͤßen dann ihrer besondern Natur nach behandelt werden. Eben so machen Ausschwitzungen in der Brusthoͤhle die diuretische Methode, das Anwenden der Vesikatorien, und bei Uebergaͤngen in chronische Zustaͤnde der Wasseranhaͤufung oder Eiterung, die Behandlung des Hydro- thorax oder der Schwindsucht nothwendig. Sind dagegen die innern Genitalien selbst Focus der Krankheit gewesen, so erfordert der Uebergang in Putrescenz die bei diesem Uebel fruͤher (§. 1067.) erwaͤhnte Behandlung, so wie auch die Ausartungen in der Substanz der innern Genitalien, die Was- sersuchten des Uterus und der Ovarien, die Schleimfluͤsse, Unordnungen der Menstruation u. s. w., welche so oft als Folgen des Kindbettfiebers erscheinen, bereits im ersten Theile ihrer Natur und Cur nach betrachtet worden sind. §. 1641. Hat man nun die uͤber Behandlung des ersten und zweiten Stadiums zu bemerkenden Regeln sich hinlaͤnglich zu eigen gemacht, so wird, was uͤber die Behandlung des dritten Stadiums noch zu bemerken seyn moͤchte, sich fast von selbst ergeben. — Sie wird aber vornehmlich ver- schieden seyn, je nachdem die Krankheit entweder durch eine Krisis sich vollstaͤndig entschieden hat, oder nur langsame Genesung erfolgt, weil bereits irgend ein Produkt der Krank- heit (Ablagerung, Verwachsung u. s. w.) zu Stande gekom- men war. Im erstern Falle hat die Kunst wenig zu thun, und die Leitung der Genesung ist von der, einer nach andern akuten Krankheiten eintretenden, nicht wesentlich verschieden, nur daß man hierbei vorzuͤglich vor Diaͤtfehlern oder Gemuͤths- bewegungen und Erkaͤltungen warne, welche oft ploͤtzlich die Krankheit, und dann nothwendig mit groͤßerer Gefahr, erneuern. Was aber die Faͤlle mit unvollkommner Entscheidung betrifft, so muß hierbei vorzuͤglich das primaͤr ergriffene Organ im Auge behalten werden, und eine vorsichtige Verbindung des resolvirenden mit dem roborirenden Heilplan, und als Nach- kur das Besuchen von Baͤdern, der Aufenthalt auf dem Lande, und eine sehr gewaͤhlte Diaͤt muͤssen noch hinzukommen, wenn voͤllige Gesundheit endlich herbeigefuͤhrt werden soll. III. Von den Krankheiten, welche, obwohl der Wochenperiode nicht eigenthuͤmlich angehoͤrend, Woͤchnerinnen befallen . §. 1642. Hierher gehoͤrt nun ein großer Theil saͤmmtlicher Krank- heiten, denen das menschliche Geschlecht uͤberhaupt ausgesetzt ist, deren ausfuͤhrlichere Betrachtung der speciellen Nosologie und Therapie angehoͤrt, und von denen sonach nur einige oͤfters bei Woͤchnerinnen beobachtete, obwohl auch sonst vor- kommende Krankheiten hier zu erwaͤhnen, und zugleich einige allgemeine Regeln uͤber Behandlung dieser Krankheiten uͤber- haupt beizubringen sind. §. 1643. Was zunaͤchst die speciellen Regeln uͤber Behandlung der an gewissen, der Wochenperiode nicht eigenthuͤmlichen, Krank- heiten leidenden Woͤchnerinnen betrifft, so sind sie folgende: 1) bei einer jeden schweren, vorzuͤglich heftig fieberhaften, oder wohl gar ansteckenden Krankheit, ist es fuͤr Mutter und Kind rathsam, das Anlegen des Kindes zu untersagen, jedoch darauf zu sehen, daß, besonders wenn die Krankheit in fruͤ- hern Tagen der Wochenperiode eintritt, die Milch nicht durch ihr Stocken die Krankheit verschlimmere, weßhalb auf Befoͤr- derung des Ausflusses durch Baͤhungen, Ziehglaͤser u. s. w. noch gesehen werden muß Es ist uͤbrigens merkwuͤrdig, daß man zuweilen, selbst bei hoͤchst akuten und ansteckenden Krankheiten stillender Muͤtter, keine Uebertragung auf das Kind beobachtete. So sah man z. B. in der Pest zu Noja, daß eine Mutter ihr Kind bis zum Tode stillte und dieses gesund blieb (s. Schoͤnberg uͤb. d. Pest zu Noja 1815 und 1816. Herausgeg. v. Harles ). . 2) Bei der Behandlung einer jeden Krankheit der Woͤchnerin ist auf Unterhaltung des re- gelmaͤßigen Ganges in den hier vorgehenden Umbildungen, II. Theil. 38 vorzuͤglich in der des Uterus Ruͤcksicht zu nehmen, und unter den anzuwendenden Mitteln alles dasjenige zu vermeiden, was hierauf nachtheiligen Einfluß haben muͤßte. Es gehoͤren da- hin z. B. bei reizbaren, neuen Woͤchnerinnen die Vesikatorien, die drastischen Abfuͤhrmittel und die harzigen Stoffe, die war- men Baͤder und Fußbaͤder (wegen Gefahr der Blutungen), die Brechmittel u. s. w. — 3) Endlich ist darauf zu ach- ten, daß bei irgend bedeutendem Erkranken einer Woͤchnerin auch immer die Neigung zum Uebergange in Puerperalfieber nicht fehlen werde, weßhalb denn stets auf beginnendes Lo- kalleiden innerer Gebilde, hauptsaͤchtlich des Bauchfells, be- sondere Ruͤcksicht genommen, und diese, wo sie sich zeigt, durch die augezeigte Behandlung beseitigt werden muß. §. 1644. Zu den besondern Krankheitsformen, welche bei Woͤch- nerinnen oͤfters vorkommen, gehoͤren aber zunaͤchst mancherlei Gattungen von Fiebern, als exanthematische, Wechselfieber, gastrische Fieber, nervoͤse Fieber u. s. w. deren Behandlung im Allgemeinen, mit Beruͤcksichtigung der im vorigen §. an- gegebenen Modificationen, ganz nach den in der speciellen Therapie hieruͤber vorgeschriebenen Gesetzen geleitet werden muß. — Ferner sind Entzuͤndungskrankheiten, Rose, Lungen- entzuͤndung u. s. w., ferner Rheumatismen, Gicht, Laͤhmun- gen, Kraͤmpfe, Diarrhoͤen, Catarrhe u. s. w. nicht selten bei Woͤchnerinnen, wovon jedoch gleichfalls die ausfuͤhrlichere Be- handlung anzugeben hier nicht der Ort seyn kann. Besondere Erwaͤhnung verdienen dagegen noch die Krankheiten der Au- gen, welche bei Woͤchnerinnen gar nicht selten sind, und sehr leicht bleibende Nachtheile zuruͤcklassen. — Zu diesen Augen- krankheiten gehoͤren vorzuͤglich 1) Augenlidentzuͤndung (Ble- pharophthalmia), welche vorzuͤglich durch Anstrengen der Augen, zu helles Licht, Erkaͤltungen, katarrhalische Affektionen, zu starke Milchaussonderung u. s. w. verursacht wird, und besonders oͤfteres Reinigen der Augenlider durch Fliederblu- menaufguß oder Mohnkopfabsud mit Milch, die trocknen Kraͤuterkissen, Collyria mit Lapis divinus, Sacchar. saturn. Opium u. s. w., die ableitenden Mittel, so wie die Besei- tigung der entfernten Ursachen (gastrischer Zustaͤnde, unzweck- maͤßigen Verhaltens, des zu angreifenden Stillungsgeschaͤfts u. s. w.) noͤthig machen. §. 1645. 2) Gehoͤrt hierher das Doppeltsehen und aͤhnliche Stoͤ- rungen in der Wirksamkeit des Gesichtssinnes, welche meistens entweder die Folge von Congestionen nach dem Kopfe oder consensuellen Ursprungs sind, von gastrischen Zustaͤnden, Wuͤr- meru u. s. w. abhangen, und hiernach behandelt werden muͤs- sen. 3) Amaurotische Zustaͤnde, welche entweder schon bei der Geburt entstanden sind, dann oft von Stoͤrungen der Organisation des Auges in Folge heftiger Congestionen waͤh- rend eines uͤbermaͤßigen Verarbeitens der Wehen u. s. w. ih- ren Ursprung ableiten und dann nicht selten unheilbar bleiben; oder welche erst in den spaͤteren Tagen des Wochenbetts vor- kommen und dann von zu grell einfallendem Lichte, bei an und fuͤr sich abnorm erhoͤhter Sensibilitaͤt, auch wohl vom Consensus mit andern afficirten Gebilden abhaͤngen, und nach diesen Ursachen, vorzuͤglich aber mit den die Thaͤtigkeit des Sehuerven erregenden, fluͤchtig reitzenden Mitteln behandelt werden muͤssen. Von den Krankheiten, welche an neugebornen Kindern vorkommen. §. 1646. Wir haben von Krankheiten, welche an Kindern gleich nach der Geburt sowohl, als waͤhrend des Saͤuglingsalters beobachtet werden, vorzuͤglich dreierlei Klassen zu unterscheiden: 1) krankhafte Zustaͤnde welche als Produkte des gestoͤrten Le- bens innerhalb der Gebaͤrmutter angesehen werden muͤssen, wohin vorzuͤglich Mißbildungen und manche von der Mutter auf das Kind uͤbertragene Krankheiten gehoͤren; Zustaͤnde uͤber deren Entstehung wir schon in der Pathologie des Fetus (§. 1116 u. f.) das Naͤhere beigebracht haben, und von welchen hier nur diejenigen noch besonders aufgefuͤhrt werden muͤssen, welche bei dem neugebornen Kinde noch eine aͤrztliche Be- handlung gestatten. — 2) Krankheitszustaͤnde welche als un- mittelbare Folgen des Geburtsaktes selbst anzusehen sind. — 3) Krankheiten welche erst nach der Geburt am Kinde sich entwickeln, von denen wir jedoch hier die Krankheiten, welche Kinder am haͤufigsten nach dem ersten Lebensjahre be- fallen, ausschließen, ruͤcksichtlich derselben auf die besondern Schriften uͤber Paͤdiatrik verweisend. Anmerkung . Als einige der wichtigsten hierher gehoͤrigen Schriften bemerken wir folgende: Rosen v. Rosenstein Anweisung zur Kenntniß und Kur der Kinderkrankheiten, a. d. Schwed. uͤbers. neueste (6.) Auflage 1798. H. Girtanner Abhandlung uͤber die Krankheiten der Kin- der u. uͤber die physische Erziehung derselben, Berlin 1794. F. Jahn neues System der Kinderkrankheiten, nach Brown’schen Grundsaͤtzen und Erfahrung ausgearbeitet 1807. K. B. Fleisch Handbuch uͤber die Krankheiten der Kinder u. uͤber die medicinisch-physische Erziehung derselben, 3. B. 1803 — 7. (ein vierter Bd. enthaͤlt Krankheiten des mannbaren Alters.) J. J. d. Plenk doctrina de cognoscendis et curandis morbis infantum, Wien 1807. (auch deutsch.) Ad. Henke Handbuch der Erkenntniß und Heilung der Kin- derkrankheiten. 1809. J. Feiler Paͤdiatrik oder Anleitung zur Erkennung und Hei- lung der Kinderkrankheiten. 1814. C. A. Goͤlis Abhandlung von den vorzuͤglichsten Krankhei- ten des kindlichen Alters, 1. Bd. Wieu 1815. §. 1647. Ehe wir nun zur speciellen Betrachtung der einzelnen Regelwidrigkeiten selbst uͤbergehen, wird es nothwendig seyn, uͤber Entstehung, Erkenntniß und Behandlung, vorzuͤglich der erst nach der Geburt entstehenden Krankheiten, einige Bemer- kungen vorauszuschicken. So wie sich indeß die pathologi- schen Zustaͤnde des Kindes vor der Geburt nur aus Beruͤck- sichtigung der physiologischen Eigenthuͤmlichkeiten desselben ver- stehen ließen, so ist es klar, daß die physiologische Eigen- thuͤmlichkeit des Saͤuglingsalters, welche wir oben §. 875 u. f. bezeichnet haben, den Schluͤssel wird liefern muͤssen zur Verstaͤndniß der Krankheiten welche bei Neugebornen vorkommen. §. 1648. Eine vorzuͤgliche Quelle der Krankheitserscheinungen Neu- geborener ist aber im Allgemeinen die so bedeutende Umaͤnde- rung fast in allen Systemen des Koͤrpers, welche durch die Geburt bedingt ist, und den Koͤrper fuͤr aͤußere Schaͤdlichkei- ten hoͤchst empfaͤnglich macht. Im Speciellen ist noch die Umaͤnderung im Blutlaufe als Veranlassung zu suffokatorischen und apoplektischen Zufaͤllen, die vorwaltende produktive Thaͤ- tigkeit als disponirend zu Entzuͤndungs-, fieberhaften Krank- helten und krankhaften Bildungen und Ausscheidungen, die sehr erhoͤhte Sensibilitaͤt als Veranlassung zu krampfhaften Erscheinungen und zum Erkranken uͤberhaupt, die umgeaͤn- derte Ernaͤhrungsweise endlich als Veranlassung zu mannig- faltigen Digestionsbeschwerden, zu erwaͤhnen; ja selbst daß durch die erste Haͤutung nach der Geburt (§. 881.) die Neigung zu mehrfachen Hautkrankheiten, durch die Zartheit der Theile die Neigung zu mechanisch entstehenden Verbil- dungen (Bruͤchen, Verkruͤmmungen u. s. w.) gegeben werde, ist nicht zu uͤbersehen. Aus allen diesen wird sich uͤbrigens ergeben, daß sonach auch in pathologischer Hinsicht, nament- lich was die vorherrschende Neigung zu Krankheiten der re- produktiven Sphaͤre betrifft, das Saͤuglingsalter dem Fetus- zustande sehr verwandt seyn muͤsse, und daß selbst eben hin- sichtlich der vorwaltenden Reproduktion und Sensibilitaͤt, so wie der minder entwickelten Respiration, eine Annaͤherung zwi- schen der Pathogenie des Saͤuglings und der pathologischen Eigenthuͤmlichkeit des gesammten weiblichen Geschlechts auf dieselbe Art sich nachweisen lasse, wie wir fruͤher die physio- logische Verwandschaft weiblicher und kindlicher Individualitaͤt bemerken mußten (§. 17 u. f. f.) §. 1649. Was die Erkenntniß der Krankheiten Neugeborener be- trifft, so ist sie im Allgemeinen mit nicht geringen Schwie- rigkeiten begleitet, da namentlich uͤber die Art der Krankheits- gefuͤhle das Naͤhere mehr vermuthet als unmittelbar erfahren werden kann. Folgende Regeln koͤnnen indeß zur richtigern Auffassung dieser Krankheitszustaͤnde vorzuͤglich leiten: — 1) Man habe die physiologischen Eigenthuͤmlichkeiten dieser Pe- riode stets im Auge und huͤte sich, Erscheinungen welche hier- her gehoͤren, fuͤr pathologische Zustaͤnde zu nehmen, so z. B. den schnellen Herzschlag, das sehr schnelle Athemholen, die oͤftern Ausleerungen, das leichte Erbrechen u. s. w. 2) Man beruͤcksichtige vorzuͤglich genau die aͤußern Umgebungen, Nah- rungsmittel, Beschaffenheit der Eltern, insbesondere der stil- lenden Mutter oder Amme, und man wird oft uͤber unge- woͤhnliche Erscheinungen sogleich Licht erhalten. Ich erwaͤhne nur das blutige Erbrechen und die blutigen Ausleerungen bei Kindern, welche an wunden Warzen gesaugt haben, Schreien und anhaltende Unruhe welche durch zu festes Binden, Wik- keln, stechende Nadeln u. dergl. verursacht werden, ferner sy- philitische Exantheme u. s. w. 3) Man beruͤcksichtige genau den gesammten Habitus des Kindes, untersuche genau den gan- zen Koͤrper desselben, um aufzufinden ob irgendwo die natuͤr- liche Beschaffenheit veraͤndert sey, das Kind Schmerz bei staͤr- kerer Beruͤhrung zeige u. s. w., uͤbergehe nicht die Tempera- tur der Haut, das Verhalten der Naͤthe und Fontanellen (deren Einsinken vorzuͤglich als Zeichen von Atrophie oder schnellem Sinken der Lebensthaͤtigkeit in akuten Krankheiten bedeutend ist), die Beschaffenheit des Nabels, der Mundhoͤhle u. s. w. 4) Man beachte genau die Quantitaͤt und Qualitaͤt der natuͤrlichen Ausleerungen und vergleiche sie mit der Quan- titaͤt und Qualitaͤt der aufgenommenen Nahrungsmittel. §. 1650. Ruͤcksichtlich der aͤrztlichen Behandlung endlich muß vorzuͤglich beachtet werden, daß gerade in dieser Periode, wo der Stoffwechsel noch so rasch von Statten geht, auch die Natur vorzuͤglich thaͤtig sey in selbstthaͤtiger Beseitigung krank- hafter Zustaͤnde, und oft nur eine geringe Unterstuͤtzung von Seiten der Kunst fordere, wohl aber durch gewaltsames Ein- greifen derselben in ihrem heilsamen Bestreben gaͤnzlich gestoͤrt werden koͤnne. Ferner ist bei dem Kinde vorzuͤgliche Sorg- falt auf Anordnung einer zweckmaͤßigen Pflege zu verwenden, da hier oft schon die Entfernung schlechter Verpflegung, un- zweckmaͤßiger Ernaͤhrung u. s. w. hinlaͤnglich ist, um Krank- heiten zu heben, ohne genaue Befolgung der passenden Diaͤt und sonstigen Pflege aber durchaus die aͤrztlichen Bemuͤhun- gen fruchtlos bleiben werden. — Bedarf man nun aber der Anwendung aͤrztlicher Mittel, so waͤhle man stets die mildern und gebe die staͤrker wirkenden nur in kleinen Dosen. Hef- tige Gifte, wie Opium, gebe man entweder gar nicht oder unr mit der groͤßten Vorsicht. Vorzuͤglich ist bei Neugebor- nen viel durch aͤußere Mittel (auch wegen der groͤßern Thaͤ- tigkeit des Hautorgans) auszurichten und besonders Baͤder, Umschlaͤge, Einreibungen, Rubefacientia, Lavements, sind haͤufig mit ausgezeichnetem Nutzen anzuwenden. Blutentzie- hungen koͤnnen nur selten bei ganz kleinen Kindern, und dann vorzuͤglich durch einen oder einige Blutigel bewerkstelligt wer- den, und zwar besonders deßhalb ist ihre Anwendung schwie- riger, weil die große Fluͤßigkeit und der Mangel an Gerinn- barkeit der Blutmasse das Stillen der Blutungen so außeror- dentlich erschwert. Endlich sind bei der großen Zartheit und Reitzbarkeit chirurgische Operationen (selbst die leichtesten, wie z. B. Einimpfen der Kuhpocken) in den fruͤhern Lebenswochen zu vermeiden, indem man nicht selten Trismus, Fieber, atro- phische Zustaͤnde und selbst den Tod darauf erfolgen sah. Ausnahme von dieser Regel machen natuͤrlich diejenigen Ope- rationen, welche Behufs der Erhaltung des Kindes nicht ver- schoben werden duͤrfen, wie z. B. Loͤsung des Zungenbaͤnd- chens, Beseitigung der Atresien u. s. w. I. Von den krankhaften Zustaͤnden neugebor- ner Kinder, welche sie, als Produkte ab- normer Entwicklung innerhalb des muͤtter- lichen Koͤrpers, mit zur Welt bringen . 1. Angeborne Mißbildungen . §. 1651. Wir haben fruͤher schon die verschiedenen angebornen Monstrositaͤten ihrer Entstehung nach betrachtet und sie als Produkte von Bildungs- und Entwicklungskrankheiten erklaͤrt (s. §. 1116). Viele derselben, als geradezu das Fortleben außerhalb der Mutter unmoͤglich machend, sind nur Gegen- stand der pathologischen Anatomie, andere kleinere Verbildun- gen, z. B. Verwachsungen einzelner Finger oder Zehen, Ru- dimente uͤberzaͤhliger Finger oder Zehen, kleinere oder groͤßere Balggeschwuͤlste, machen eine so einfache chirurgische Huͤlfs- leistung nothwendig, daß weitere Eroͤrterungen daruͤber uͤber- fluͤssig werden. Hingegen erfordern einige andere etwas aus- fuͤhrlichere Betrachtung. 1. Wasserkopf ( Hydrocephalus. ) §. 1652. Man unterscheidet den innern und aͤußern Wasserkopf; bei dem erstern, gewoͤhnlichern, sind die oft ausgedehnten Hirn- hoͤhlen, bei haͤufig aͤußerst verduͤnnter Gehirnsubstanz, der Sitz des Uebels, der Umfang des Kopfs ist aͤußerst groß (bis 30 Zoll) und die Fontanellen und Raͤthe sind sehr breit; bei dem aͤußern (nach Meckel) ist das Wasser zwischen der Hirn- substanz, den Haͤuten und der Schaͤdeldecke ergossen; Andere (wie Henke, Feiler ) nennen aͤußern Wasserkopf die Was- seranhaͤufung zwischen Schaͤdelknochen und Kopfhaut. — Oft wird durch diese Abnormitaͤt, wie oben erwaͤhnt wurde, schon die Geburt gehindert, ja schon hier die kuͤnstliche Eroͤffnung des Kopfs nothwendig und das Kind todt geboren. Werden aber auch Kinder mit nicht allzugroßem Wasserkopfe lebend geboren, so sterben sie gewoͤhnlich bald, oder, wenn sie wirk- lich aͤlter werden (und man hat Beispiele wo solche Indivi- duen ein Alter von 13, 20, ja 50 Jahren erreichten), so ist es mehr ein pflanzenartiges oder thierisches als ein wahr- haft menschliches Daseyn, ja selbst wo Geisteskraͤfte sich her- vorthun, leidet doch die Ernaͤhrung des uͤbrigen Koͤrpers stets. §. 1653. Die Behandlung gewaͤhrt hierbei fast nie guͤnstige Re- sultate. Bei betraͤchlichen innern Wasseranhaͤufungen koͤnnte wohl von der Paracentese mittelst einer feinen Nadel Gebrauch gemacht werden, da wenigstens ein Fall wo diese Methode einen gluͤcklichen Erfolg hatte (er ist §. 1249. an- gefuͤhrt) bekannt ist, und im schlimmsten Fall doch nur das Ende einer hoͤchst traurigen Existenz dadurch befoͤrdert wuͤrde. Außerdem wuͤrden Einreibungen von Spirituosis und Naph- tha auf den Kopf, Ableitungen durch vermehrte Excretionen, Lavements mit Oxymel squillit., Vesicatoria u. s. w. die einzigen Versuche zur Heilung gestatten. 2. Bauchwassersucht ( Hydrops ascites. ) §. 1654. Sie ist fuͤr die Geburt bei betraͤchtlicher Wasseranhaͤufung fast eben so hindernd als die Kopfwassersucht, kann demnach wie jene die Entleerung des Wassers durch den Troikart schon waͤhrend der Entbindung noͤthig machen, und wird auch wie jene bald nach der Geburt gewoͤhnlich toͤdtlich. Die Thera- pie wuͤrde hier allerdings auch nach der Geburt theils auf die unmittelbare theils mittelbare Ausleerung des Wassers abzwecken muͤssen, verspricht indeß hier nie einen besondern Erfolg. 3. Ruͤckgratswassersucht oder Wirbelspalte . ( Spina bifida, Hydrorhachitis. ) §. 1655. Eine unvollkommne Entwicklung der hintern Gegend der Wirbelsaͤule, wobei die Wirbelboͤgen geoͤffnet bleiben, verbun- den mit Wasseranhaͤufung in der harten Haut des Ruͤcken- marks und oft auch mit Mißbildungen des Ruͤckenmarks selbst. Sie kommt am haͤufigsten in der Gegend der Lendenwirbel vor, erstreckt sich aber auch zuweilen auf mehrere Wirbel ja auf das ganze Ruͤckgrat, setzt sich dann nach oben in Man- gel der Schaͤdeldecken ( Hemicephalia ) fort und wird vom Wasserkopfe begleitet. Ist sie von großem Umfange, so wird das Kind schon waͤhrend der Geburt oder bald nach derselben sterben. Ist sie von geringerem Umfange, so kann dabei das Leben erhalten werden, ja man hat in solchen Faͤllen selbst die voͤllige Heilung beobachtet. Ohue daß wir nun an die- sem Orte die mannigfaltigen interessanten physiologischen und pathologischen Reflexionen beruͤcksichtigen duͤrfen, zu denen diese merkwuͤrdige Mißbildung Veranlassung giebt Am ausfuͤhrlichsten und wissenschaftlichsten sehe man diese und aͤhnliche Regelwidrigkeiten in Meckel’s Handbuch der patholo- gischen Anatomie abgehandelt. , ist nur noch, in wiefern hierbei eine aͤrztliche Behandlung moͤglich sey, zu erwaͤhnen. §. 1656. Ist die gespaltete Stelle von kleinem Umfange (denn nur unter dieser Bedingung ist an Behandlung zu denken), so kommt es wieder darauf an, ob noch die harte Haut des Ruͤckenmarks als ein mit Wasser gefuͤllter Sack hervorragt, oder ob diese Haut fruͤher schon geborsten ist, und die Stelle eine schwammige, blutige Masse darbietet. — Im erstern Fall ist die sorgfaͤltige Schonung des Sackes, Bedecken mit Compressen welche mit Wein oder Spirit. serpilli befeuchtet sind, am zweckmaͤßigsten. (Die neuerlich wieder empfohlene Eroͤffnung ist offenbar ein sehr zweideutiges Mittel und ist mehreremale toͤdtlich gewesen). — Im letztern Falle ist wohl noch weniger zu hoffen, indeß doch aber so, wie im erstern zu verfahren, auch das Zusammenziehen der Hautraͤnder durch Heftpflaster zweckmaͤßig. — Uebrigens kommen dabei haͤufig noch andere Zufaͤlle, Laͤhmungen der Harnblasenfibern, Ob- struktionen, Klumpfuͤße u. s. w. vor, welche dann ihre beson- dere Behandlung erfordern. §. 1657. Wie diese Abnormitaͤt nun eine Spaltung, oder viel- mehr gehemmte Vereinigung auf der hintern Koͤrperflaͤche war, so kommen auch mehrere aͤhnliche Spaltungen an der vordern Koͤrperflaͤche vor, wohin die gespaltenen Schambeine, die Spal- tungen der Oberlippe, des Oberkiefers und Gaumens, die Spaltung der Brust und die Bauchspalte gehoͤren: — 4. Schambeinspalte und vorgefallene Harnblase . ( Diastasis ossium pubis. ) §. 1658. Die Symphyse der Schamknochen maͤngelt, die Harn- blase liegt ohne vordere Wand mit ihrer innern Flaͤche blos, die Geschlechtstheile sind mißgebildet und zwitterhaft, uͤber- haupt wenig entwickelt, der Urin sickert aus den Oeffnungen der Uretheren fortwaͤhrend aus, und ercoriirt die schwammige rothe Geschwulst; das Leben kann uͤbrigens dabei sehr wohl bestehen. Die Behandlung kann nur Bedacht nehmen, die nothwendig entstehende Unreinlichkeit, Excoriation u. s. w. zu vermindern, und es geschieht dieß anfaͤnglich durch Bedecken der Geschwulst mit weichen, feuchten Schwaͤmmen, spaͤterhin durch den Urinhalter welchen Stark s. dessen neues Archiv f. Geburtshuͤlfe 1. Bd. 1. St. angegeben hat. 5. Spaltung der Oberkiefergegend, Hasenscharte, Wolfsrachen ( Labium Leporinum, Lagostoma, Lykostoma ). §. 1659. Vorzuͤglich die Stelle wo das Os intermaxillare sich mit den ossibus maxillaribus super. verbindet, zeigt sich nicht selten unvollkommen vereinigt, und zwar entweder blos in der Haut, wo die Mißbildung den Namen der Ha- senscharte, welche entweder einfach oder doppelt ist, bekommt, oder auch im Knochen, wo man sie als Wolfsrachen bezeich- net. Auch diese Mißbildung ist nicht lebensgefaͤhrlich, außer daß sie die Ernaͤhrung, vorzuͤglich das Saugen erschwert. Die Behandlung kann nur auf Vereinigung der getrennten Ober- lippe hinwirken, die Vereinigung des Knochens in der Gau- mendecke ist Werk der Natur, und erfolgt gewoͤhnlich nach und nach, wenn die Oberlippe geschlossen ist. Die Art wie die Operation der Hasenscharte zu machen ist, lehrt die Chi- rurgie, und es ist nur hierbei noch zu bemerken, daß man die Operation nie zu zeitig (vor dem vierten oder fuͤnften Mo- nate) unternehme. Zuweilen kann es uͤbrigens bei Wolfs- rachen nicht umgangen werden, den Theil des Zwischenkiefer- knochens, welcher zu weit vorsteht und die Vereinigung der Oberlippe hindert, hinwegzunehmen. 6. Seitliche Lippenspalte und Gaumenspalte . §. 1660. Eine seltene Art von Spaltungen der Mundgegend ist diejenige, wo die Mundwinkel nach der Wange zu aufgeschlitzt sind (noch seltner sind Spaltungen drr Unterlippe); es gilt von ihrer Behandlung ganz dasselbe, wie von der Hasen- scharte. — Als Gegensatz zur Hasenscharte endlich ist es zu betrachten, wenn das Zapfchen und Gaumensegel von hinten nach vorn gespalten sind. Auch hier ist durch die Gaumen- nath die Heilung zu bewerkstelligen, nur daß diese Operation wohl nie im Saͤuglingsalter unternommen werden duͤrfte, da in solchem Falle wahrscheinlich schon durch gehinderte Ernaͤh- rung das Kind umkommen wuͤrde. 7. Spaltung der Brust und blosliegendes Herz . §. 1661. Man darf auch diese Regelwidrigkeit nicht so betrach- ten, als habe sie das Herz durch eine Spalte nach Art ei- nes Bruchs hervorgedraͤngt, sondern es ist hier ein Stehen- bleiben auf einer fruͤhern Bildungsstufe, wo das Herz noch nicht vom Thorar umschlossen wird, vorhanden. Diese Miß- bildung ist immer toͤdtlich, hindert oft schon die voͤllige Reife des Kindes, oder toͤdtet es waͤhrend, oder wenige Stunden nach der Geburt. 8. Bauchspalte oder angeborner Nabelbruch . §. 1662. Von der Entstehung dieser Regelwidrigkeit gilt voͤllig dasselbe was bei der vorhergehenden bemerkt wurde; es ist ein unvollkommnes Zuruͤckziehen der fuͤr die Bauchhoͤhle be- stimmten Organe in dieselbe. Zu unterscheiden von dem spaͤ- ter entstehenden Nabelbruche ist der angeborene dadurch, daß hier die vorliegenden Baucheingeweide (oft ein großer Theil der Darmwindungen und selbst die ganze Leber) blos mit dem Peritonaeum uͤberzogen sind, ja zuweilen, wenn diese Haut schon fruͤher obliterirt oder zerrissen ist, voͤllig frei liegen, da- hingegen beim spaͤter entstandenen Nabelbruche die Bauchge- schwulst mit der Bauchhaut bekleidet ist. — Auch diese Miß- bildung pflegt in kurzem toͤdtlich zu werden, nur bei sehr klei- nen Spaltungen waͤre durch Ueberdecken von Compressen, mit Spirituosis befeuchtet, und durch Zusammenziehen der Hautraͤn- der ein Versuch zur Heilung zu machen. Auch einige wirkliche Bruͤche (Herniae) gruͤnden sich auf das nicht erfolgende Vereinigen gewisser Gebilde, dahin gehoͤren der angeborene Leistenbruch und der Hirnbruch. 9. Angeborener Leistenbruch . §. 1663. Wenn um die Zeit des siebenten Monats beim Fetus maͤnnlichen Geschlechts sich die Hoden am Gubernaculo Hun- teri herabsenken und durch das Bauchfell ein Kanal, durch welchen sie hindurch gehen, gebildet wird, so bemerkt man zuweilen daß Darmwindungen zugleich mit herabtreten, der Kanal des Bauchfells sich zu schließen verhindert und aͤußerlich am geborenen Kinde eine Bruchgeschwulst bemerkt wird, welche von dem spaͤter entstandenen Leistenbruche theils durch das Vorhandenseyn gleich bei der Geburt, theils dadurch sich unterscheidet, daß man, sobald der Bruch bis in das Scrotum herabtritt, den Hoden nicht zu fuͤhlen im Stande ist, weil er unmittelbar von den Darmwindungen umgeben ist. — Selten kommen aͤhnliche Leistenbruͤche in Fortsetzungen des Bauchfells an den runden Mutterbaͤndern bei neugebor- nen Maͤdchen vor. — Es sind dieses Mißbildungen welche uͤbrigens die Natur, wenn sie nur einigermaaßen unterstuͤtzt wird, durch allmaͤhliges Verengern und endliches Verwachsen dieser regelwidrigen Kanaͤle meistens voͤllig beseitigt und wel- che sonach in den meisten Faͤllen eine guͤnstige Prognose ge- statten. Als aͤußere Mittel koͤnnen hierbei aufgelegte Com- pressen und Charpiebauschen, mit Spirit. serpilli, . Ca- techu, rothem Wein u. s. w. befeuchtet, und durch eine leichte Binde unterstuͤtzt, angewendet werden. §. 1664. Von diesen Leistenbruͤchen muß uͤbrigens sehr wohl ein Zustand unterschieden werden, welcher, obwohl aͤußerlich jenen ziemlich aͤhnlich, doch eine ganz verschiedene Behandlung for- dert, es ist dieß der sogenannte Leistenhode (Parochidium), wo ein Hode auf dem Wege durch den Bauchring aufgehal- ten, dort festsitzen bleibt. Man erkennt dieß am Gefuͤhl ei- nes festen Koͤrpers in der Bubonen aͤhnlichen Geschwulst, wel- che beim Drucke schmerzt, und an der Leerheit der der Ge- schwulst entsprechenden Seite des Hodensacks. Ruhe, Baͤder, und Vermeidung alles Druckes, bei Einklemmung aber erwei- chende Mittel, Einreibungen vom Ol. Hyoscyami u. s. w. sind hier allein angezeigt, und allmaͤhlig kommt gewoͤhnlich der Hode in das Scrotum herab. Daß in einzelnen Faͤllen indeß auch ein Hode oder selbst beide ( Monorchis und Tes- ticondus ) in der Bauchhoͤhle voͤllig zuruͤckbleiben koͤnnen, ist hierbei zu erwaͤhnen. 10. Angeborener Hirnbruch (Encephalocele). §. 1665. In seltnen Faͤllen bemerkt man, daß durch regelwidrig offen gebliebene Stellen des Schaͤdels entweder in den Naͤ- then oder Fontanellen, oder auch in den groͤßern Kopfknochen (vorzuͤglich den Scheitelbeinen) ein Theil der Hirnmasse sich hervordraͤngt und eine Geschwulst am Kopfe verursacht, bei welcher, je groͤßer sie ist, um so kleiner der Umfang des Kopfs gefunden wird. Der Hirnbruch charakterisirt sich durch das teigige Gefuͤhl der Geschwulst, durch ihre Pulsation, durch die wenig oder nicht veraͤnderte Beschaffenheit der Hautbedeckungen und vor- zuͤglich dadurch, daß er durch gelinden fortgesetzten Druck ent- weder zum Theil oder voͤllig zuruͤckgebracht werden kann, auch an der Basis desselben der Rand der Oeffnung deutlich ge- fuͤhlt wird. Besonders groß ist die Aehnlichkeit der Blutge- schwulst, welche nach schweren Geburten entsieht, mit dem Hirnbruche, da das Pericranium hierbei gewoͤhnlich so ring- foͤrmig aufgetrieben wird, daß man den Rand der Knochen- oͤffnung zu fuͤhlen glaubt; allein die Fluktuation, und daß sie nicht zuruͤckgebracht werden kann, so wie daß sie erst spaͤter entsteht, unterscheiden sie hinlaͤnglich. §. 1666. Der Hirnbruch von bedeutendem Umfange wird stets unter Zufaͤllen von Sopor, Zuckungen, Laͤhmungen u. s. w. in Kurzem toͤdtlich, und laͤßt eine besondere Behandlung folg- lich nicht zu, außer daß man die Geschwulst behutsam un- terstuͤtzt und warm haͤlt. Kleinere Geschwuͤlste machen einen Versuch zur Heilung moͤglich, welcher durch Compressen mit spirituoͤsen Mitteln befeuchtet und Anwendung gelinden fort- waͤhrenden Druckes von einer der Groͤße des Bruchs ange- messenen, ausgehoͤhlten, hoͤrnernen oder bleiernen Blatte auszu- fuͤhren ist. Wir haben ferner mehrere abnorme Verschließungen und Verwachsungen zu betrachten: — 11. Angewachsene Zunge (Ankyloglossum). §. 1667. Wird begruͤndet durch abnorme Groͤße und Derbheit des Zungenbaͤndchens, hindert das Kind am Saugen und spaͤter- hin am Sprechen, und wird entdeckt, indem man den geoͤff- neten Mund des Kindes untersucht und wahrnimmt, daß es weder die Zunge vom Mundhoͤhlenboden erheben, noch uͤber das Zahnfleisch vorwaͤrts ausstrecken kann. Die Abhuͤlfe ge- schieht durch Einschneiden des Zungenbaͤndchens mittelst einer im Blatt gebogenen Schere, wobei nur darauf zu sehen, daß nicht ein zu tiefer Schnitt Blutungen (welche hier schwer zu stillen sind) oder zu große Beweglichkeit der Zunge veranlasse. 12. Verwachsung des Mastdarms (Atresia ani). §. 1668. Sie ist entweder unvollkommen oder vollkommen: im erstern Falle ist die Afteroͤffnung nur ungewoͤhnlich klein und enge, und laͤßt sich dann durch eingebrachte Darmsaiten, Wieken oder selbst durch kleine Einschnitte mehr eroͤffnen, im letztern Falle ist die Oeffnung voͤllig verschlossen, und zwar entweder nur durch Haut, oder indem ein Stuͤck des Mast- darms verwachsen ist, ja wohl selbst dieser Kanal an unge- woͤhnlichen Stellen einmuͤndet, z. B. in die Harnroͤhre oder in die Mutterscheide. Diese vollkommnen Verwachsungen wer- den, wenn der Mastdarm in groͤßern Strecken verwachsen ist, oder wenn er in Organe, welche, wie die Harnroͤhre Ein merkwuͤrdiges Beispiel dieser Art s. m. bei Wrisberg Com- mentationum med. physiol. act. argum. Vol. I. 149. , zur Ausleerung des Darmkothes nicht geeignet sind, einmuͤndet, gewoͤhnlich bald toͤdtlich, ohne daß hierbei eine Huͤlfe der Kunst moͤglich waͤre. Blos haͤutige Verschließungen fordern die Er- oͤffnung durch das Messer, und die Einbringung von Wieken. II. Theil. 39 Einmuͤndungen in die Vagina sind zwar unheilbar, jedoch kann dabei das Leben bestehen. 13. Verschließung der Harnroͤhre (Atresia urethrae). §. 1669. Sie koͤmmt vorzuͤglich bei maͤnnlichen Individuen vor, und auch hierbei ist, wie bei der vorigen Abnormitaͤt, entwe- der nur die aͤußerste Muͤndung der Harnroͤhre verschlossen, oder der Kanal ist in einer weitern Strecke verwachsen, oder der Harn fließt durch widernatuͤrliche Oeffnungen. Der letz- tere Fall kommt an dem maͤnnlichen Gliede nicht selten vor, wo dann die Harnroͤhrenoͤffnung sich unterhalb der Eichel be- findet, oft dadurch zwitterhafte Bildungen entstehen und spaͤ- terhin bei solchen Individuen, wegen gehinderter Ejakulation des Samens, Zeugungsunfaͤhigkeit eintritt (Hypospadiaei). Waͤhrend des Saͤuglingsalters koͤnnen nun blos die haͤutigen Verschließungen der Harnroͤhrenmuͤndung oder Vorhaut durch Operation gehoben werden; tiefe Verwachsungen sind unheil- bar und toͤdtlich, ungewoͤhnliche Oeffnungen der Harnroͤhre lassen zuweilen (jedoch nur erst spaͤterhin) eine operative Be- handlung zu, welche der der Harnfisteln aͤhnlich ist. — Von der Atresia vaginae, den Verschließungen des Muttermundes u. s. w. ist schon im ersten Theile gehandelt worden. 14. Zwitterbildungen . §. 1670. Es sind dieß Mißbildungen in welchen sich entweder eine so unvollkommne Eutwicklung der Geschlechtstheile zeigt, daß gar kein Geschlechtscharakter entschieden hervortritt, und es daher, fuͤr den ersten Anblick wenigstens, zweifelhaft bleibt, zu wel- chem Geschlecht das Individuum zu zaͤhlen sey; oder aber ein wirklicher Anfang zum Doppeltwerden der Geschlechtstheile, wie es manchen Thieren z. B. Schnecken, Blutigeln, eigenthuͤm- lich ist) sich darstellt, obwohl voͤlliges gleichzeitiges Ausbilden maͤnnlicher und weiblicher Geschlechtsorgane in einem Indivi- duo nie vorgekommen ist. — So wichtig diese Abweichungen fuͤr Physiologie und insbesondre fuͤr Entwicklungsgeschichte der Geschlechtstheile sind, so wenig bietet hierbei aͤrztlicher Be- handlung sich dar, und sie koͤnnen daher hier auch nur kurz aufgefuͤhrt werden M. s. diesen Gegenstand ausfuͤhrlich eroͤrtert von F. Meckel im XI. Bd. 3. Heft von Reil’s Archiv fuͤr Phpsiol. und im 2. Bd. der pathol. Anatomie. insoweit der Arzt die Eintheilung der- selben kennen muß, um in zweifelhaften Faͤllen zu bestimmen, welchem Geschlecht vorzuͤglich ein solches verbildetes Kind an- gehoͤre. §. 1671. Man pflegt aber die Zwitterbildungen einzutheilen in 1) Androgyni, maͤnnliche Individuen bei welchen durch Spal- dung des Hodensacks, Zuruͤckbleiben der Hoden, Kleinheit und nicht Durchbohrtseyn der Ruthe, und Oeffnung der Harnroͤhre unterhalb der Ruthe, Aehnlichkeit mit den weiblichen Ge- schlechtstheilen entsteht. 2) Androgynae, weibliche Indivi- duen bei welchen durch Verengerung oder Verwachsung der Vagina und durch vergroͤßerte Clitoris eine Aehnlichkeit mit den maͤnnlichen Geschlechtstheilen entsteht. 3) Hermaphroditi, wo ein wahrhaftes Doppeltwerden der Geschlechtstheile z. B. durch Entstehung eines Scheidenkanals und Rudiments vom Uterus bei entwickelten Hoden und Ruthe erscheint. 4. Neutri, wo die Geschlechtsorgane so mangelhaft oder uͤberhaupt gar nicht entwickelt sind, daß das Individuum als voͤllig geschlechtslos zu betrachten ist. — Nur in seltnen Faͤllen kann hier die Kunst fuͤr Umaͤnderung solcher Deformitaͤten etwas ausrichten (wie etwa eine Atresie heben, zu große Clitoris durch Ab- bindung beseitigen u. s. w.), in der Regel muͤssen sie als un- heilbar, uͤbrigens dem Leben nicht gefaͤhrlich, zuruͤckbleiben. 15. Muttermaͤler (Naevi). §. 1672. Bestehen in einer oͤrtlich veraͤnderten Struktur der Haut, wobei entweder die Derbheit, Farbe, Vehaarung der Haut, oder die Hautgefaͤße sich veraͤndert und erweitert zeigen. Diese Mißbildungen sind gewoͤhnlich ohne Einwirkung auf das All- gemeinbefinden Merkwuͤrdig ist der von Ruggiere beschriebene Fall (s. Horn’s Archiv 1819. 4. Heft. S. 170.) wo die große Deformitaͤt der Haut auch auf Neigungen des Kindes Einfluß zeigte. und werden deßhalb, wenn sie nicht zu sehr verunstalten, am besten unberuͤhrt gelassen. Kleine Mutter- maͤler verlieren sich zuweilen von selbst. Sehr verunstaltende Muttermaͤler koͤnnen mitunter, wenn sie von abnormer Farbe und Derbheit der Haut abhaͤngen, durch Aetzmittel ( Batyrum antimonii, oder eine Pasta aus gleichen Theilen lebendigen Kalk’s und venetischer Seife u. dergl.) zerstoͤrt werden. Mut- termaͤler von erweiterten Gefaͤßen, vermindern sich oft nach der aͤußern Anwendung stark adstringirender Mittel z. B. der . Catechu. Bei allen diesen Verbildungen der Haut ist uͤbrigens Vorsicht wegen Vermeidung mechanischer Reitzung zu empfehlen, da außerdem nicht selten boͤsartige Geschwuͤre entstehen. 16. Kruͤmmung der Fuͤße oder Haͤnde . §. 1673. Durch gestoͤrtes Gleichgewicht zwischen den beugenden und streckenden, anziehenden und abziehenden Muskeln, zeigen sich zuweilen Fuͤße oder Haͤnde auf mannigfaltige Weise ver- unstaltet, und vorzuͤglich haͤufig kommen die einwaͤrtsgedrehten Fuͤße ( Klumpfuͤße , Vari ) vor. Die Behandlung muß hierbei namentlich darauf gerichtet seyn, die Reproduktion in diesen gewoͤhnlich zugleich etwas atrophischen Theilen zu he- ben und das Gleichgewicht der Muskelpartien wiederherzustel- len. Es wird dieß theils durch mechanische, theils durch dy- namische Mittel erreicht. Zu den letztern gehoͤrt das haͤufige Baden der kranken Glieder in Aufguͤssen aromatischer Kraͤuter, nach welchen Baͤdern dann die erschlaffte, zu sehr ausge- dehnte Muskelpartie (bei einwaͤrts gedrehten Klumpfuͤßen die aͤußere Seite) mit spirituoͤsen Mitteln, die abnorm zusammen- gezogenen und verkuͤrzten Muskeln (bei einwaͤrts gedrehten Klumpfuͤßen die innere Seite und Achillessehne) mit erwei- ehenden, milden Fettigkeiten (Mandeloͤhle, Unguent. d. Al- thaea u. dergl.) sogleich eingerieben werden muͤssen. Zu den mechanischen Mitteln gehoͤrt eine zweckmaͤßige, taͤglich einige- mal vorgenommene Manipulation des Fußes, wobei man ihn immer mehr in die rechte Lage zu bringen sucht, und das Anlegen der Bruͤckner’ schen Binde. Schienen und Ma- schinen sind im ersten Lebensjahre durchaus unbrauchbar M. s. das Ausfuͤhrlichere uͤber diesen Gegenstand in Joͤrg uͤber Klumpfuͤße und eine leichte und zweckmaͤßige Heilung derselben; mit 3 Kupfern. 1806. , und uͤberhaupt darf man bei diesen und aͤhnlichen Verkruͤm- mungen Selbst Skoliosen und Kyphosen auf diese Weise entstanden, habe ich bei neugebornen Kindern beobachtet, und auch diese muͤssen nach aͤhnlichen Grundsaͤtzen behandelt werden. sehr viel von gelinder und anhaltend einwirken- der Kraft, nichts von roher Gewalt und heftigem Druck er- warten. §. 1674. Außer den im Vorhergehenden aufgezaͤhlten Mißbildun- gen koͤnnen uͤbrigens Kinder auch Stoͤrungen oder unvollkom- mene Entwicklungen ihrer Organisation mit zur Welt bringen, welche erst spaͤterhin zur Entfaltung aͤußerlich wahrnehmbarer Krankheiten den Grund enthalten. Krankheiten welche auf diese Weise entstehen, sind die Blausucht, Blutsucht Ich bezeichne mit diesem Namen die einigemal als erbliche Ab- normitaͤt beobachtete Neigung zu Blutungen, wo die geringsten Verletzungen toͤdtliche Verblutungen veranlaßten (m. s. ein Bei- spiel dieser Art in the new England Journal of Medicine and Surgery. Vol. II. Jul. ) und der Cretinismus , beide indeß wenig, und zum Theil erst in den folgenden Jahren Anwendung aͤrztlicher Behand- lung gestattend; als bloße Varietaͤt menschlicher Bildung und auch durch keine Art von Behandlung zu beseitigen, ist fer- ner die Bildung der Albino’s oder Kakerlaken zu erwaͤhnen. Von diesen sowohl als von den durch die Mutter auf das Kind uͤbertragenen Krankheiten, wie Pocken, Syphilis, Aus- satz, als welche (mit den fuͤr das Kindesalter stets zu beob- achtenden Modificationen) nur dasselbe Verfahren wie bei Er- wachsenen fordern, kann daher hier nicht besonders gehandelt werden. II. Krankheitszustaͤnde des Neugeborenen, als Folge der Geburt . §. 1675. Von der Asphyrie neugeborner Kinder ist bereits fruͤher, in wiefern sie durch zu lang dauernden und zu heftigen Druck auf das Gehirn, zu ploͤtzliche Unterbrechung des Blutlaufs durch den Nabelstrang und in der Placenta entstehen kann, und auf welche Weise sie behandelt werden muͤsse (s. §. 938.) die Rede gewesen. Es bleiben uns daher hier nur noch fol- gende Zustaͤnde zu betrachten uͤbrig: — 1. Convulsionen des Kindes unter der Geburt . §. 1676. Daß das Kind noch vor seinem Austritt aus dem Bek- ken von Zuckungen ergriffen werden koͤnne, wie Herr Fei- ler Paͤdiatrik S. 19. anfuͤhrt, unterliegt keinem Zweifel, da ich gleichfalls einen ausgezeichneten Fall dieser Art beobachtete. Wahrschein- lich ist vorzuͤglich ein heftiger Druck welchen der Kindeskopf im Becken erleidet, oder es sind Stoͤrungen im Kreislaufe mit Congestionen nach dem Gehirn die Veranlassung dazu. Man bemerkt dann, oft sichtbar, die heftigsten Bewegungen des Kindes im Uterus, welche der Mutter hoͤchst schmerzhaft werden In dem von mir beobachteten Falle war diese Reitzung die erste Veranlassung eines heftigen Kindbettfiebers. , und bei laͤngerer Dauer oft mit dem Tode des Kindes endigen. Die Behandlung wird hierbei zunaͤchst auf schleunige Beendigung der Entbindung (z. B. durch behut- same Anlegung der Zange) gerichtet seyn muͤssen, und zugleich wuͤrden narkotische und aromatische Fomentationen uͤber den Unterleib der Kreisenden mit Nutzen angewendet werden, um die Erregung des Uterus zu mindern. Nach beendigter Ge- burt hoͤren die Convulsionen gewoͤhnlich auf; fortgehende Con- vulsionen wuͤrden eine aͤhnliche Behandlung, wie wir sie noch bei den spaͤter entstehenden Kraͤmpfen neugeborener Kinder ab- handeln werden, noͤthig machen. 2. Abreißen der Nabelschnul . §. 1677. Sehr selten kann es bei zweckmaͤßiger Leitung des Ge- burtsgeschaͤfts vorkommen, daß bevor noch der Austritt des Kindes aus dem muͤtterlichen Koͤrper beendigt ist, eine Zerreis- sung der Nabelschnur Statt findet; es ist dieß nur bei ab- soluter Kuͤrze derselben, oder bei sehr betraͤchtlichen Umschlin- gungen moͤglich. Außerdem aber kann auch allerdings bei einer roh vollfuͤhrten Wendung die Zerreißung des Nabelstran- ges erfolgen. Immer entsteht hieraus die hoͤchste Lebensge- fahr durch Verblutung fuͤr das Kind, und es ergiebt sich demnach als Hauptaufgabe fuͤr die Behandlung, die Entbin- dung schleunigst zu beendigen, worauf sich dann, eben so wie in den Faͤllen wo das Hervorstuͤrzen des Kindes auf den Boden die Zerreißung hervorgebracht hat, die Blutung ent- weder durch Unterbindung des Nabelschnurrestes stillen laͤßt, oder, wenn im schlimmsten Falle der Nabelstrang dicht am Leibe abgerissen ist, die Stillung des Blutflusses durch adstrin- girende Mittel ( Agaricus, Pulvis colophonii, Gummi kino, Gumm. arabici u. s. w.) und moͤglichste Befoͤrderung kraͤftiger Respiration bewerkstelligt werden muß. 3. Anschwellungen einzelner Kindestheile bei oder nach schweren Geburten . §. 1678. Sie kommen vorzuͤglich am Kopfe vor und zwar am haͤufigsten in der Gestalt des schon fruͤher erwaͤhnten Vor- kopfs, welcher als oͤdematoͤse Geschwulst gleich bei der Ge- burt bemerkt wird, gewoͤhnlich bald sich vermindert, und in hartnaͤckigen Faͤllen doch gewoͤhnlich durch Auflegen einer in aromatischen mit Wein vermischten Kraͤuteraufguß getauchten Compresse beseitigt wird. Außerdem aber bilden sich auch zuweilen Blutgeschuͤlste (Ecchymoma Capitis), welche sich in mehrerer Hinsicht auszeichnen und auch eine verschiedene Be- handlung erfordern. Diese Blutgeschwuͤlste sind gewoͤhnlich bei der Geburt noch nicht vorhanden, sondern bilden sich (ganz wie die Blutgeschwuͤste des Dammes und der Schamlippen bei Woͤchnerinnen) erst nach und nach, indem das Blut aus einem zerrissenen Gefaͤßchen in das Zellgewebe unter der Kopf- haut sich ausbreitet. Sie werden charakterisirt durch das Ge- fuͤhl von Fluktion und die bald sich entwickelnden aufgewor- fenen Raͤnder das Pericranii, welche diesen Geschwuͤlsten zu- weilen Aehnlichkeit mit einem Hirnbruch geben. §. 1679. Die Behandlung muß hierbei zunaͤchst auf Entleerung des angehaͤnften Blutes Bedacht nehmen, da außerdem leicht Entzuͤndung, Eiterung und Caries des Kopfknochen eintreten koͤnnte. Man macht daher an der tiefern Stelle der schwap- penden Geschwulst einen Einstich mit der Lanzette, druͤckt be- hutsam die Geschwulst aus, legt einige Faͤden Charpie in die Oeffnung und laͤßt nun anhaltend warme Fomentationen von den aufgebruͤhten Flor. Arnicae mit etwas Wein besprengt, machen, worauf die voͤllige Zertheilung gewoͤhnlich in kurzem erfolgt. — Zuweilen entstehen uͤbrigens auch Geschwuͤlste an andern Theilen, z. B. bei Steisgeburten an den Geschlechts- theilen, oder bei Armlagen und vorgefallenen Armen, an den Haͤnden: diese machen jedoch blos oͤftere aromatische Baͤder, die Geschwuͤlste der Geschlechtstheile noch insbesondere das Auflegen von Baumwolle mit dem Pulver der Kamillenblumen nothwendig. 4. Knochenbruͤche, Eindruͤcke der Hirnschale, Ver- renkungen und andere Verletzungen . §. 1680. Meistens sind diese Abnormitaͤten Folge einer ungeschick- ten, oder sehr gewaltsamen kuͤnstlichen Entbindung, obwohl fruͤher schon bemerkt worden ist, daß Eindruͤcke der Hirnschale und selbst Fissuren und Bruͤche der Kopfknochen nicht allzu- selten auch durch die bloße Geburtskraft bei einem verenger- ten Becken, oder bei Schiefstaͤnden des Kopfes entstehen koͤn- nen. — Was die Behandlung dieser Kopfverletzungen betrifft (dafern sie nicht, was freilich wenn sie bedeutend sind, mei- stens erfolgen wird, bei oder bald nach der Geburt toͤhtlich werden) so muß sie, dem zarten Alter dem Kindes angemes- sen, hoͤchst einfach seyn. — Gewaltsames Aufheben der Ein- druͤcke, z. B. durch die Mittel welche die Chirurgie fuͤr diese Zwecke darbietet, ist hier nicht anwendbar, sondern die all- maͤhlige Ausgleichung muß der Natur uͤberlassen bleiben, in- dem man blos durch Fomentationen u. s. w. die Geschwulst, und die Entzuͤndungszufaͤlle behandelt. — Fuͤr die Behand- lung der uͤbrigen Verletzungen hingegen, als der Bruͤche der langen Knochen, der Verrenkungen und aͤußern Verwundungen, findet das Verfahren welches die Chirurgie fuͤr aͤhnliche Krank- heitszustaͤnde Erwachsener vorschreibt, mit wenigen Modifica- tionen Anwendung, wobei nur zu bemerken ist, daß auch hier (z. B. bei Heilung der Knochenbruͤche) der Wundarzt sich durch die aͤußerst thaͤtige Reproduktion sehr gefoͤrdert und unter- stuͤtzt sieht. III. Krankheitszustaͤnde welche bei neugebor- nen Kindern erst nach der Geburt bis zu Ende des Saͤuglingsalters sich entwickeln . a. Entzuͤndliche Krankheiten. 1) Hirnentzuͤndung . (Encephalitis.) §. 1681. Bei dem außerordentlichen Blutreichthum des Gehirns neugeborener Kinder muß nothwendig Entzuͤndungszustand die- ses Organs sehr leicht sich entwickeln koͤnnen, und entwickelt sich in Wahrheit haͤufiger als man, durch die Schwierigkeit richtiger Erkenntniß der Krankheit irre geleitet, gewoͤhnlich glaubt. Die Symptome durch welche der Eintritt der Krank- heit bezeichnet wird, sind nach dem Alter des Kindes verschie- den. In den ersten Lebenswochen charakterisirt sie sich durch Hitze, besonders des Kopfs, Trockenheit der Haut und des Mundes, geroͤthete Augen, eingefallenes Gesicht, schwaches Schreien, große Unruhe, Nichtannehmen der Brust, Erbrechen von gruͤnem Schleim und aͤhnliche Ausleerungen, oder auch durch Obstruktion, krampfhaftes Zucken, Trismus und soporoͤse Zu- staͤnce mit roͤchelndem Athemholen. Kinder welche bereits mehrere Monate alt sind, bekommen zu Anfange der Krankheit oft einen deutlich bemerkbaren Frost, und geben das Leiden des Kopfs durch Greifen nach demselben, Ruͤckwaͤrtsbohren mit dem Hinterhaupte, schon etwas bestimmter zu erkennen. — Viele dieser Zeichen hat zwar die Hirnentzuͤndung mit an- dern akuten Krankheiten gemein, wodurch die Diagnose er- schwert wird; allein theils aus der Beruͤcksichtigung der vor- ausgegangenen ursaͤchlichen Verhaͤltnisse, theils durch genauere Beachtung der sich hinzugesellenden krampfhaften Erscheinun- gen, wird demungeachtet die richtige Wuͤrdigung dieses Krank- heitszustandes dem geuͤbten Blicke bald moͤglich. Ja es ist uͤberhaupt mir sehr wahrscheinlich, daß bei den meisten hefti- gen fieberhaften Krankheiten neugeborener Kinder und Saͤug- linge, ein gewisser Grad von Hirnentzuͤndung nicht fehlen koͤnne. §. 1682. Der Verlauf der Krankheit ist sehr akut, und die Prog- nose im Allgemeinen hoͤchst mißlich, da entweder durch die Heftigkeit der Entzuͤndung an und fuͤr sich, bereits zwischen dem dritten und siebenten Tage, der Tod herbeigefuͤhrt wird, oder Uebergang in Eiterung oder Wassersucht der Hirnhoͤhlen erfolgt, von welchen dann die erstere ebenfalls in kurzem toͤdtlich wird, wenn dagegen die letztere zuweilen in chronische Zu- staͤnde uͤbergehen kann, fruͤher oder spaͤter indeß ebenfalls toͤdt- lich werden muß. Im Falle des Ueberganges in Gehirnhoͤh- len-Wassersucht bemerkt man zwar Abnahme des Flebers, aber die soporoͤsen Zustaͤnde werden anhaltender, ploͤtzliches Aufschrecken im Schlafe, Erweiterung der Pupillen, stierer Blick, Friesalausschlaͤge auf der Brust gesellen sich hinzu, die Verdauungsfunktion bleibt unvollkommen, und Krampfzufaͤlle mancherlei Art aͤußern sich fortwaͤhrend. Seltner erfolgt bei zeitig angewendeter zweckmaͤßiger Huͤlfe die Zertheilung, wel- ches sich dann durch Nachlaß des Fiebers, kritischen Durch- fall, Wiedereinfinden des Appetits, bessern Aussehens, und ruhigern Schlafs zu erkennen giebt. — Der Sektionsbefund ist nach dem Grade der Krankheit, bei welchem das Kind ver- starb, verschieden. Theils findet man die Hirngefaͤße außer- ordentlich blutreich, die Hirnsubstanz sehr geroͤthet und abnorm fest oder weich, ja selbst die Schaͤdelknochen wie injicirt und durchaus roth gefaͤrbt, theils findet man die Hirnhoͤhlenwaͤnde von Eiterung angegriffen oder mit Wasser angefuͤllt. §. 1683. Die veranlassenden Ursachen der Gehirnentzuͤndung neu- geborener Kinder und Saͤuglinge sind (abgesehen von der durch den Blutreichthum des Kopfs schon an sich gegebenen Dispo- sition) theils mechanische Schaͤdlichkeiten, Knochenverletzungen und Hirnerschuͤtterungen bei schweren Geburten, oder durch Sturz auf den Boden, oder Unvorsichtigkeiten der Waͤrterin, theils zu heißes Verhalten, starke geistige Umschlaͤge uͤber den Kopf, Erkaͤltungen, unzweckmaͤßige Nahrung, langdauernde Obstruktionen u. s. w. §. 1684. Die Behandlung ist gewoͤhnlich nur dann mit einiger Hoffnung eines gluͤcklichen Erfolgs einzuleiten, wenn die Krank- heit zeitig genug erkannt wird. Die anzuwendende Methode ist die antiphlogistische: man legt bei neugeborenen Kindern 1 bis 2, bei einige Monate alten Kindern 3 bis 4 Blutigel an die Schlaͤfe, bringt das Kind in ein laues Bad und laͤßt den Kopf mit kuͤhlem Wasser und Essig fomentiren, legt Fomentationen von Flanelltuͤchern in Senfabsud getaucht um die Fuͤße, kleine Vesikatorien in den Nacken, giebt innerlich kuͤhlende abfuͤhrende Mittel, wie Manna, Tamaridenaufguß u. s. w. und vorzuͤglich das Calomel zu ¼ oder ½ Gran, laͤßt oͤfters Lavements anwenden, das Kind nicht zu warm halten und die Einwirkung des Lichts auf die Augen vermeiden. Zeigen sich die Symptome der Zertheilung, so werden die Gaben dieser Mittel beschraͤnkt, die kritischen Ausleerungen befoͤrdert, und die Convalescenz vorsichtig geleitet. — Zeichen vom Ueber- gange in Wassersucht der Hirnhoͤhlen rauben meistens die Hoff- nung eines gluͤcklichen Ausgangs; die Versuche zur Heilung koͤnnen indeß auch hier nur in fortgesetzter Aufregung ander- weitiger Ausscheidung und in gelinder Erregung des lympha- tischen Systems bestehen. Man laͤßt deßhalb die warmen Baͤder fortsetzen, in und außer denselben den Kopf oͤfters mit Naphtha begießen, benutzt Vesikatorien und fluͤchtig reitzende Einreibungen, verbindet mit dem Gebrauche des Calomel die Anwendung des Moschus, der Digitalis, der Antimonia- lien, und befoͤrdert die Darmausleerungen. 2. Augenentzuͤndung (Ophthalmia neonatorum). §. 1685. Ein Uebel welches bei der Zartheit der Sehorgane neu- geborener Kinder, und der Neuheit ihrer Funktion sehr haͤu- fig und auf sehr leichte Veranlassungen entsteht. Anfaͤnglich laufen die Augenlider an, ihre Raͤnder roͤthen sich, die Mei- bomischen Druͤsen sondern mehr ab, die Augenlider kleben zusammen, spaͤterhin entsteht auch Entzuͤndung der den Aug- apfel uͤberziehenden Conjunctiva, die Conjunctiva der Augenlider, endlich auch die des Augapfels, fangen an eine Menge von eiterartigem Schleim abzusondern, dieser ist zuwei- len selbst mit Blut vermischt, und es bilden sich nun, sobald auch die Conjunctiva der Cornea an der Absonderung Antheil nimmt, Geschwuͤre und Verdunkelungen auf derselben, ja selbst Eiterergießungen in der vordern Augenkammer und sogar Zer- stoͤrung oder gaͤnzliche Degeneration des Augapfels erfolgen spaͤterhin zuweilen. §. 1686. Die veranlassenden Ursachen koͤnnen sehr verschiedener Art seyn: Ansteckung waͤhrend der Geburt durch boͤsartigen Schleim in der Vagina der Mutter, Unreinlichkeit, Eindrin- gen von Staub oder Seife in das Auge, heftig einfallendes Licht Hr. Osiander hat neulich den Satz aufgestellt, daß das helle Licht, weit entfernt den Augen neugeborener Kinder zu schaden, ihnen vielmehr nuͤtze; allein unpartheiische Beobachter werden sich leicht uͤberzeugen, daß der heftige Lichtreitz, der ja in dem Auge des Erwachsenen schmerzhafte Reitzung bewirkt, fuͤr ein Kind stets doppelt nachtheilig wirke. , catarrhalische Disposition, gastrische Unordnungen, und Erkaͤltungen gehoͤren vorzuͤglich hierher. Die Prognose ist vorzuͤglich nach dem Stadium in welchem man die Krank- heit findet, verschieden: — Im Beginn des Uebels ist es ge- woͤhnlich nicht schwer, durch Sorgfalt der Behandlung die weitere Entwickelung derselben zu hindern; hat es hingegen bereits zu weit um sich gegriffen, so ist es haͤufig mit großen Schwierigkeiten verbunden, die Ruͤckkehr in den Normalzustand zu bewirken, ja es bleiben oft unheilbare Verbildungen und voͤllige Erblindung zuruͤck. §. 1687. Was die Behandlung betrifft, so ist aͤuch diese nach den verschiedenen Stadien verschieden. Abgesehen davon daß man zuvoͤrderst die etwa noch einwirkenden veranlassenden Ursachen (unvorsichtige Wartung, Obstruktionen u. s. w.) beruͤcksichtige und entferne, so muß man im ersten Stadium der Krankheit die strengste Reinlichkeit empfehlen, sehr oft mit milden war- men Fluͤßigkeiten, (Fliederaufguß, Kamillenthee mit Milch u. s. w.) das Auge reinigen lassen, die zusammengeklebten Au- gen beim Erwachen des Kindes mit einigen Tropfen Mutter- milch aufweichen, und wenn die Augenlider bereits geschwol- len sind, zertheilende Kraͤuterkissen uͤberlegen lassen. Wird dieses Verfahren zeitig und puͤnktlich angewendet, so kann man meistens des guten Erfolgs gewiß seyn. Ist bereits die Conjunctiva mit ergriffen und hat die eiterige Absonde- rung begonnen, so macht man von ableitenden, und die Sekretion beschraͤnkenden Mitteln Gebrauch. Man legt kleine Vesikatorien hinter die Ohren Ein vorzuͤglich wirksames Mittel, wodurch, in Verbindung mit dem uͤbrigen Verfahren, diese Krankheit immer in 3 bis 6 Tagen gehoben wird. , giebt einige Abfuͤhrungen, und wendet oͤrtlich ein Augenwasser an, aus der Aufloͤsung von 1 bis 2 Gran Saccharum saturni, Vitriolum album, oder 3 bis 4 Gran Lapis divinus in einer Unze destillirten Wasser, nach Befinden mit einem Zusatz vom Laudanum liq. S. Die zertheilenden Kraͤuterkissen werden dabei beibe- halten, aber statt des Fliederaufgusses ein staͤrkeres Mittel z. B. des Infus. serpilli zum Reinigen der Augen benutzt. §. 1688. Fast nie wird diesem zweckmaͤßig ausgefuͤhrten Heilplane die Krankheit lange Zeit Widerstand leisten, und folglich auch der Uebergang in weitere Degenerationen nicht zu befuͤrchten stehen; wo hingegen das letztere in Folge einer allgemeinen schlechten Constitution, oder weil der Arzt zu spaͤt hinzugeru- fen wurde, wirklich Statt gefunden hat, ist selten unmittel- bare voͤllige Herstellung moͤglich. Man sucht in diesem Falle zunaͤchst durch Anwendung der erwaͤhnten ableitenden Mittel, durch oͤrtliche Anwendung von Unguenten mit rothem Queck- silberpraͤcipitat, Bleizucker, Opium u. s. w. so wie durch zweckmaͤßige, die Fehler der gesammten Constitution in An- spruch nehmende innere Mittel, die fortdauernde Entzuͤndung zu maͤßigen, und behandelt dann die ruͤckbleibenden Flecken oder Geschwuͤre der Hornhaut, Lichtscheue, Augenschwaͤche u. s. w. mit den Mitteln welche die Augenheilkunde fuͤr diesen Zweck empfiehlt, unter welchen denn vorzuͤglich gegen Horn- hautverdunkelungen der Nutzen des rothen Quecksilberpraͤci- pitats als Unguent, selten, aber anhaltend gebraucht, hervor- gehoben werden muß. 3. Entzuͤndung der Bruͤstchen neugeborener Kinder . §. 1689. Eine Krankheit welche gewoͤhnlich nur durch unzweck- maͤßige Behandlung entsteht, indem man das an sich voͤllig uͤberfluͤßige und nachtheilige Ausdruͤcken des Milchsaftes, wel- chen die Bruͤstchen neugeborener Kinder enthalten Dieser Milchsaft findet sich bei Knaben und Maͤdchen, und hat veranlaßt, die Bruͤstchen als Ernaͤhrungsorgane des Fetus zu betrachten, indeß saugen sie wohl nicht mehr ein, als jeder an- dere Punkt der Hautflaͤche. , mit Ro- heit bewerkstelligt. Seltner entsteht die Entzuͤndung durch Erkaͤltung. — Sie zertheilt sich gewoͤhnlich leicht, kann indeß auch zuweilen gleich der Entzuͤndung der Bruͤste bei Schwan- gern und Woͤchnerinnen in Eiterung uͤbergehen. — Die Be- handlung muß ganz der der Behandlung jener Entzuͤndungen analog seyn. Man bedeckt die entzuͤndeten Bruͤstchen mit warmen trocknen Kraͤuterkissen oder Baumvolle und aufgestreu- ten Kamillenpulver, sorgt fuͤr Unterhaltung der Darmauslee- rungen, haͤlt das Kind warm, und bewirkt auf diese Weise gewoͤhnlich bald die Zertheilung. — Zeigt sich demungeachtet Eiterung, so bringt man sie durch Cataplasmata zur Reife und behandelt sie ferner voͤllig wie die Eiterbrust einer Woͤch- nerin. Der kleine Absceß schließt sich gewoͤhnlich in einigen Tagen, und die Heilung ist beendigt. 4. Rosenentzuͤndung (Erysipelas neonatorum.) §. 1690. Bei der großen Zartheit des Hautorgans entsteht bald auf leichtere bald schwerere Veranlassung, als schlechte Ab- wartung, Erkaͤltung, Naͤße, Indigestionen u. s. w., eine ro- senartige Entzuͤndung, welche vorzuͤglich gern in der Gegend der Geschlechtstheile oder am Unterleibe zuerst sich entwickelt, und theils wegen des sich hinzugesellenden Fiebers, theils we- gen der Gefahr der Uebertragung des Entzuͤndungszustandes auf edlere innere Organe, die Sorgfalt des Arztes besonders in Anspruch nimmt. Die Erscheinung der Rose selbst, so wie ihr Verlauf und ihre Ausgaͤnge, sind uͤbrigens nicht wesent- lich von dem was man bei dieser Krankheit, auch wenn sie an Erwachsenen vorkommt, bemerkt, unterschieden. — Im Be- treff der Behandlung, so muß diese vorzuͤglich das Bewerk- stelligen der Zertheilung sich zum Zweck machen. Man be- deckt daher die entzuͤndete Stelle mit gewaͤrmtem Rockenmehl oder Kamillenpulver, oder mit weichen nicht zu dicken Kraͤu- terkissen, wirkt durch innere Mittel (Aqua florum Sambuci, Liquor Mindereri, Vinum antimonii u. s. w.) auf Ver- mehrung der Hautthaͤtigkeit und unterhaͤlt durch Lavements und gelinde Abfuͤhrungen (aus Manna, Syrupus e Cichorio c. Rheo, auch kleine Gaben Calomel) vermehrte Thaͤtigkeit des Darmkanals. Will die entzuͤndete Stelle sich verhaͤrten, oder wird sie oͤdematoͤs, so muͤssen mehr erregende Dinge, Bedecken mit camphorirtem Flanell, aromatische Baͤder u. s. w. angewendet werden. Entstehende Blasen machen Vorsicht in der manuellen Behandlung des Kindes noͤthig, damit sie nicht vor der Zeit aufgedruͤckt, und die Entzuͤndung durch Reitzung der empfindlichen wunden Flaͤche unter derselben, ver- mehrt werde. — Zeigt sich endlich Uebergang der Entzuͤndung auf innere Organe, so muß sie hier ihrem Charakter gemaͤß behandelt werden, und vorzuͤglich die Minderung derselben durch Erregung des Hautorgans mittelst der Vesikatorien u. s. w., bezweckt werden. b. Hautkrankheiten. 1. Friesel und Schaͤlblasen (Pemphygus.) §. 1691. Frieselausschlaͤge sind bei neugeborenen Kindern, vorzuͤg- lich in heißer Jahreszeit oder bei zu warmem Verhalten, eine II. Theil. 40 ziemlich haͤufige Erscheinung, und, an und fuͤr sich, fast nie mit sonstigen gefaͤhrlichen Zufaͤllen verbunden, weßhalb denn auch ausser fleißig fort gesetzten nicht zu warmen Baͤdern, sorg- faͤltiger Unterhaltung eines regelmaͤßigen Ganges der Unter- leibsfunktionen und Vermeidung von Erkaͤltungen, eine be- sondere Behandlung nicht weiter noͤthig wird. Ist das Friesel voruͤber, so sind gewoͤhnlich einige staͤrkende Baͤder mit dem Infus. serpilli, Flor. Chamom., Hb. Menth. crisp. u. s. w. sehr wohlthaͤtig. — Kein anderes Verfahren wird noͤthig, wenn sich hie und da einzelne groͤßere Blasen (Schaͤlblasen, Pemphygus neonatorum) zeigen; allein wo diese Blasen in groͤßerer Menge vorhanden sind, wohl schon von dem Kinde mit zur Welt gebracht werden, da liegen ge- woͤhnlich fehlerhafte Zustaͤnde im Allgemeinbefinden, scrofuloͤse, arthritische, syphilitische Schaͤrfen zum Grunde, ja ich habe sie nicht selten als Zeichen voͤlliger Colliquation und carioͤser Zustaͤnde darunter liegender Knochen bemerkt, in welchen Faͤl- len dann natuͤrlich die aͤrztliche Behandlung blos gegen jene primaͤren Krankheiten gerichtet seyn muß. Dasselbe gilt von anderen zuweilen sich entwickelnden Geschwuͤren, Furunkeln u. s. w. Anmerkung . Daß die Geneigtheit zu diesen und aͤhn- lichen Krankheiten vorzuͤglich durch den beim neugebo- renen Kinde vor sich gehenden Abschuppungsprozeß der Oberhaut gegeben sey, ist fruͤher schon erwaͤhnt worden. 2. Gelbsucht (Icterus neonatorum). §. 1692. Auch zu dieser Krankheit ist dem Kinde durch die Zart- heit des Hautorgans und das Uebergewicht der Leber uͤber die andern Unterleibseingeweide, so wie durch das kohlenstoff- reichere Blut und die schwaͤchere Respiration eine große Dis- position angeboren, und die meisten schaͤdlichen Einfluͤsse wel- che auf ein neugeborenes Kind wirken, bringen, oft in Ver- bindung mit andern Krankheiten, vorzuͤglich die Gelbsucht hervor. Es gehoͤren zu diesen Gelegenheitsursachen Erkaͤltung, unzweckmaͤßige Nahrung, Diaͤtfehler der Mutter oder Amme, Verstopfung, Unreinlichkeit u. s. w. §. 1693. Der Verlauf dieser Gelbsuchten ist gewoͤhnlich sehr gut- artig, das Wohlbefinden des Kindes ist nicht sehr gestoͤrt, die Ausleerungen erfolgen nicht (wie bei Erwachsenen) von weißer Farbe, das Kind schlaͤft und trinkt oft wie gewoͤhnlich, und in Zeit von 6 oder 9 bis 12 Tagen kehrt die natuͤrliche Farbe wieder zuruͤck. Mitunter kann indeß die Krankheit auch mit andern Regelwidrigkeiten sich verbinden, es koͤnnen Fie- berkrankheiten, Ausschlaͤge, Aphthen, Unterleibsbeschwerden zu- gleich mit derselben vorkommen, zumal bei an sich schwaͤchli- chen, schlecht genaͤhrten oder zu fruͤhzeitig geborenen Kindern; in welchem Falle dann allerdings die sonst sehr guͤnstige Pro- gnose weniger guͤnstig ausfallen muß. §. 1694. Die Behandlung muß zunaͤchst auf Beseitigung der Ge- legenheitsursachen und auf Herstellung einer regelmaͤßigen Diaͤt und Pflege des Kindes gerichtet seyn. Außerdem sind oͤftere warme Baͤder mit zugesetztem Aufgusse der Kamillenblumen, der Hb. serpilli u. s. w. vorzuͤglich nuͤtzlich Die von Boër einmal empfohlenen kalten Baͤder (Abh. u. Versuche. I. S. 147.) scheinen mir hierbei doch keineswegs an- wendbar. , so wie uͤber- hnupt ein hinlaͤnglich warmes Verhalten empfohlen werden muß. Wo endlich fehlerhafte Verdauung, mißfarbige Stuͤhle, faures Erbrechen u. s. w. vorhanden sind, wird es noͤthig von innern resolvirenden abfuͤhrenden Mitteln Gebrauch zu machen. Die  rhei aquosa, verduͤnnt durch Aqua foe- niculi und mit etwas Magnesia verbunden, die Aufguͤsse der Manna und Tamarinden mit Mittelsalzen, oͤftere Lavements, bei Aufgetriebenheit und Empfindlichkeit der Lebergegend kleine Dosen Calomel und warme Cataplasmata uͤber den Unter- leib, so wie das Hufelandische Ammenpulver der Stillenden gereicht, sind dann zweckmaͤßig. 3. Schwaͤmmchen (Aphthae). §. 1695. Eine Ausschlagskrankheit der Mundhoͤhle, welche sich in seltnern Faͤllen selbst uͤber die Speiseroͤhre bis zum Darmkanal ansbreitet. Die Haut erhebt sich in weißen Blaͤschen, wel- che am dritten Tage abfallen, denen jedoch oft neue nachfol- gen, so daß die Dauer der Krankheit sich zuweilen auf 1 bis 2 Wochen ausdehnt. An sich ist die Krankheit weder boͤs- artig noch gefaͤhrlich zu nehmen, obwohl sie es durch Com- plication mit Fiebern und andern Krankheiten werden kann; in diesem Falle zeigen sich die Aphthen mißfarbig, die Aus- leerungen sind gruͤn, sehr copioͤs, das Kind nimmt keine Nah- rung, faͤllt ab und stirbt. — Diese Krankheit entsteht vor- zuͤglich durch Unreinlichkeit, unordentliche, unzweckmaͤßige Nah- rung, Zulpe u. dergl., und kann daher fast immer verhuͤtet werden, obwohl zuweilen auch innere Bedingungen vorhanden sind, wie sie denn besonders bei fruͤhzeitigen Kindern, oder wo durch andere akute Krankheiten Neigung zu Trockenheit und Entzuͤndung der Mundhoͤhlenoberflaͤche gegeben ist, haͤufig bemerkt wird. — Die Behandlung muß theils auf die innern Krankheiten (Fieber, gastrische Zustaͤnde u. s. w.), wenn der- gleichen vorhanden sind, Ruͤcksicht nehmen, theils die Gele- genheitsursachen (unzweckmaͤßige Nahrung und Pflege) ent- fernen. Oertlich ist durchaus nichts noͤthig als sehr haͤufige Reinigung der Mundhoͤhle (etwa durch einen in Infus. Sal- viae getauchten Charpiepinsel) und Anwendung gelind erre- gender staͤrkender Mittel, wozu eine Aufloͤsung des Borax in einem Infus. salviae mit dem Syrup. mororum, oder eine Mischung von etwas Wein mit dem Infus. serpilli, zum Auspinseln des Mundes am zweckmaͤßigsten ist. 4. Das Wundseyn (Intertrigo). §. 1696. Die Oberhaut des neugeborenen Kindes ist so zart, daß man sie fuͤglich als einen kaum geronnenen Malpighi’schen Schleim bezeichnen kann. Es ist daher erklaͤrlich, wie bei Einwirkung von Naͤsse und Waͤrme leicht wieder die Aufloͤ- sung in diesen Schleim vor sich gehen und eine wunde Flaͤche sich zeigen kann. Auf diese Weise nun, und nicht durch Erhebung der Epidermis zu Blasen, oder durch mecha- nische Zerstoͤrung wie bei Erwachsenen, entsteht das Wund- seyn der Kinder, und zwar vorzuͤglich da, wo Hautfalten dicht aneinander liegen, bei fetten Kindern, bei boͤsartigen Fiebern, oder wo Fehler der Saͤfte von ungesunden Aeltern auf das Kind uͤbergegangen sind, oder endlich (und am haͤu- figsten) bei schlechter Pflege, Unreinlichkeit und Naͤsse. — Die aͤrztliche Behandlung muß hautsaͤchtlich auf Beseitigung dieser Gelegenheitsursachen gerichtet seyn; oͤrtlich ist nichts als strenge Reinlichkeit, erlangt durch oͤftere, mit dem Infus. Hb. serpilli, absinthii u. s. w. verstaͤrkte Baͤder, und flei- ßiges Auswaschen der wunden Stelle mit aͤhnlichen Aufguͤssen, worauf stets die Stelle sorgfaͤltig abgetrocknet und mit Semen lycopodii eingestreut werden muß, anzuordnen, auch darauf zu achten, daß keine schaͤdlichen Mittel als Bleiweiß oder Bleiwasser, angewendet werden. 5. Verhaͤrtung des Zellgewebes . §. 1697. Eine der seltensten Krankheiten neugeborener Kinder, bei welcher die Hautflaͤche erst an einzelnen Stellen, z. B. an den Schenkeln, auf den Wangen u. s. w., spaͤterhin aber am ganzen Koͤrper sich holzig, hart und kalt anfuͤhlt; dabei ist die Haut blaulich roth, wenig geschwollen, das Kind nimmt keine Nahrung, die Ausleerungen erfolgen unordentlich, und meistens stirbt das Kind in kurzer Zeit. — Ueber die naͤchste Ursache hat man verschiedene Meinungen: man hat die Krank- heit bald als einen Ausgang rosenartiger Entzuͤndung, bald als Krampf, bald als syphilitisch betrachtet; ich habe sie hin- gegen fruͤher schon Hufeland’s Journ. f. pr. Heilkunde 1816. Febr. vielmehr als Folge eines Gesunkenseyns der Lebensthaͤtigkeit im Allgemeinen und im Hautsystem ins- besondre dargestellt, und sie dem Marasmus senilis oder dem sogenannten Absterben der Finger verglichen; — eine Mei- nung in welcher mich noch die seitdem oft gemachte Beob- achtung bestaͤrkt hat, daß bei fruͤhzeitig geborenen, atrophisch sterbenden Kindern, fast stets diese holzartige Festigkeit der Hautflaͤche, verbunden mit einem Sinken der Temperatur, mehrere Tage vor dem Tode bemerkbar wurde, wenn auch nicht in so hohem Grade als bei der ausgebildeten Krankheit. Gelegenheitsursachen sind vorzuͤglich schlechte Pflege, Erkaͤl- tung, und besonders die zu fruͤhe Geburt. — Wegen der erstern Schaͤdlichkeiten hat man sie immer vorzuͤglich in Fin- delhaͤusern beobachtet. — Die Prognose ist aͤußerst unguͤnstig. — Ruͤcksichtlich der Behandlung hat man von den die Funktion der Haut kraͤftiger hervorrufenden Mitteln, als aro- matischen Baͤdern, fluͤchtig reitzenden Einreibungen und besonders Vesikatorien den meisten Erfolg gesehen; innerlich wuͤrden Liq. Mindereri, Liq. C. C., Spiritus nitri dulc., Vin. antim. und aͤhnliche Mittel vorzuͤglich empfohlen werden muͤssen. c. Unterleibskrankheiten. Koliken, Indigestionen, Obstruktionen, Durchfall . §. 1698. Die veraͤnderte Ernaͤhrungsweise des Kindes und die Reizbarkeit des Darmkanals disponiren Neugeborene vorzuͤg- lich zu den genannten Zufaͤllen, fuͤr welche sodann Erkaͤltun- gen, unordentliche Darreichung der Nahrung, ungesunde Mut- ter- oder Ammenmilch, Genuß schwerer, unverdaulicher Speisen (Mehlbrei, Kaffee u. s. w.), unnoͤthigerweise angewendete Arz- neimittel (wohin die ohne) Unterschied gegebenen abfuͤhrenden Saͤftchen mit gerechnet werden muͤssen) Unreinlichkeit u. s. w. die Gelegenheitsursachen abgeben. — Indigestionen und Ko- liken charakterisiren sich vorzuͤglich durch Aufblaͤhung des Lei- bes, anhaltendes Schreien und Unruhigseyn, saures Erbrechen, gruͤne, schleimige, saure Ausleerungen, oft sich hinzugesellende Aphthen, Gelbsucht, Verstopfung, Heraufziehen der Schenkel an den Leib und andere krampfhafte Erscheinungen. — Die Behandlung muß hierbei vorzuͤglich auf Entfernung der Ge- legenheitsursachen gerichtet seyn; eine bessere Diaͤt und Pflege sind anzuordnen, die Milch der Stillenden ist zu untersuchen, und der letztern nach den Umstaͤnden eine Gabe des genann- ten Ammenpulvers oder ein anderes zweckmaͤßiges Mittel zu reichen. — Bei dem Kinde sind theils Lavements und leichte abfuͤhrende Mittel, theils Kamillenbaͤder, Cataplasmata mit den Specieb. resolvent. uͤber den Unterleib, einige Theeloͤffel von Infus. flor. chamom. rom. oder Hb. menth. pip. u. s. w. mit Nutzen anzuwenden. Immer hat man uͤbrigens Ursache mit der Beseitigung dieser Zufaͤlle zu eilen, da sie bei laͤngerer Dauer so leicht atrophische Zustaͤnde hervorrufen. §. 1699. Was ferner die Obstruktionen betrifft, so sind sie bei neugeborenen Kindern besonders nachtheilig, bewirken Gelb- sucht, apoplektische Anfaͤlle, krampfhafte Zufaͤlle u. s. w. — Auch die Obstruktion ist vorzuͤglich die Folge unzweckmaͤßiger Pflege und Nahrung, und stellt sich daher namentlich bei Kindern welche ohne Brust aufgezogen werden, leicht ein, kann indeß zuweilen auch die Folge vorhergegangener Gewoͤh- nung an Lavements oder Abfuͤhrmittel, oder die Folge gewis- ser entweder im Fetusalter oder erst nach der Geburt entstan- dener organischer Fehler, als Darmverengerungen, Intussuscep- tionen u. s. w. seyn. — Im letztern Falle ist gewoͤhnlich nur eine palliative Behandlung moͤglich, und das Uebel wird mei- stens in kurzem toͤdtlich. Bei anderweitigen Ursachen muͤssen diese genau beachtet und beseitigt, eine zweckmaͤßigere Diaͤt und mehr verduͤnnende Getraͤnke (Zuckerwasser, Tamarinden- molken u. s. w.) angeordnet werden; fuͤr den Moment aber ist die Entleerung des Darmkanals alsbald durch Abfuͤhrmit- tel oder Lavements zu bewerkstelligen. §. 1700. Ruͤchsichtlich der Diarrhoͤe neugeborener Kinder, so ist diese, dafern sie nicht zu heftig erscheint, kein gefaͤhrlicher Zu- fall, vielmehr in vielen Faͤllen, z. B. bei Erkaͤltungen, beim Zahndurchbruch, nach Indigestionen u. s. w. ein heilsames, von der Natur ergriffenes Erleichterungsmittel. Bei der Behand- lung dieses Zufalls ist daher zunachst darauf, daß diese oͤf- tern Ausleerungen nicht zu ploͤtzlich unterdruͤckt, und vielleicht gefaͤhrlichere Krankheitszustaͤnde dadurch erst veranlaßt werden, Ruͤcksicht zu nehmen, weßhalb denn stets die gelindern Mittel den Vorzug verdienen, und hauptsaͤchlich vor der unvorsichtigen Anwendung des Opium dringend gewarnet werden muß. — Auch hier muß daher zunaͤchst die Beruͤcksichtigung der Gele- genheitsursachen, und Verbesserung der Diaͤt und Pflege, Haupt- augenmerk des Arztes seyn. Um den zu haͤufigen Ausleerun- gen selbst Schranken zu setzen, empfehlen sich vorzuͤglich die warmen Umschlaͤge uͤber den Leib, oder das Emplastrum aromaticum, einige Loͤffel Zimmtthee, oder eine Mischung von aromatischen Waͤssern, Gummischleim mit einigen Tropfen der Essentia macis oder des Liq. C. C. — §. 1701. Entwickeln sich endlich von diesen oder aͤhnlichen Unter- leibskrankheiten atrophische Zustaͤnde , magert das Kind ab, nimmt es seine Nahrung nicht ordentlich, schlaͤft es wenig u. s. w. ohne daß doch ein bestimmtes Lokalleiden mehr vor- handen waͤre, so muß man der Reproduktion auf alle Weise zu Huͤlfe kommen: die Anwendung der leichtern bittern Mittel mit aromatischen Waͤssern, die Laͤndluft, die Baͤder mit dem Aufgusse der Hb. melissae, serpilli u. s. w., die Milch- oder Malzbaͤder, das Waschen mit Wein, die Sorge fuͤr eine gute Amme oder sonstige moͤglichst zweckmaͤßige Nahrung, wird dann Hauptaugenmerk des Arztes seyn muͤssen. d. Krankheiten der Harnwege. Harnlosigkeit und Harnstrenge (Anuria, Stranguria). §. 1702. Die von Feiler sogenannte Harnlosigkeit bezeichnet ei- nen Zustand wo das Kind durchaus keinen Urin laͤßt. Er ist entweder abhaͤngig von Atresien (siehe davon oben das Naͤhere), oder Fortsetzung des Fetuszustandes ruͤcksichtlich noch nicht eingetretener Ausscheidung der Nieren. Ich habe dieses letztere mehrfach beobachtet, und es ganz gefahrlos gefunden, auch immer gesehen, daß am zweiten oder dritten Tage nach der Geburt doch das Uriniren erfolgte. Ist man daher uͤber- zeugt, daß keine Atresie vorhanden sey, so kann man diesen Zustand ruhig der Natur uͤberlassen. Anders ist es wenn bei aͤltern Kindern, durch Krampf oder Entzuͤndung, Urinverhal- tung eintritt, die Blase aufgetrieben gefuͤhlt wird, nur wenige Tropfen Urin abgehen, und das Kind durch anhaltendes Schreien heftige Schmerzen zu erkennen giebt. Dieser Zu- stand ist allerdings gefahrdrohend, und muß sonach durch aͤhn- liches Verfahren wie z. B. bei Woͤchnerinnen baldigst besei- tigt werden. Man giebt lauwarme Baͤder, erweichende Lave- ments, macht erweichende, antispastische Umschlaͤge und Einrei- bungen auf die regio hypogastrica, und wendet innerlich das Semen lycopodii (z. B. nach Hufeland zu Ӡii mit ℥iß Syrup. Althaeae und ℥ii Wasser) an. e. Krankheitszustaͤnde des Nabels. 1. Wundseyn . §. 1703. Vorzuͤglich bei unzweckmaͤßiger Behandlung, zu zeitigem Abreißen und unzweckmaͤßigem Verbande des Nabelstranges und seiner Insertionsstelle, bilden sich an letzterer oͤfters ober- flaͤchliche Eiterungen, schwammige Auswuͤchse und groͤßere ex- coriirte Stellen. — Ist es blos eine oberflaͤchliche Eiterung oder Excoriation, so hebt sie fich bald, wenn man eine Com- presse mit rothem Wein oder Infus. absinthii oder Spiritus serpilli befeuchtet, an eine breite Nabelbbinde heftet und auf dem Nabel befestigt. Reste des Nabesstranges oder groͤßere schwammige Auswuͤchse machen das Abbinden durch einen gewichsten Seidenfaden noͤthig; kleinere Schwammgewaͤchse for- dern das Aufstreuen eines Pulvers von drei Theilen Amy- lum und einem Theile Mereur. praecipit. rub., oder das Betupfen mit Lapis infernal. — Uebrigens ist auch in die- sen Faͤllen strenge Reinlichkeit, oͤfteres Baden und Aufdecken einer aͤhnlichen Compresse nothwendig. — 2. Nabelbruͤche . §. 1704. In Folge des Zuges am Nabelschnurreste, des anhalten- den Wundseyns, des zu festen Wickelns, des haͤufigen Schreiens u. s. w. entwickeln sich zuweilen auch spaͤterhin bei neugebo- renen Kindern Nabelbruͤche, wobei die Bruchgeschwulst durch den erweiterten Nabelring oft ½ Zoll bis 1 Zoll und daruͤ- ber sich hervorhebt. Die einfachste und stets baldige Heilung bewirkende Behandlung kleiner Nabelbruͤche neugeborner Kin- der ist aber, daß man eine kleine in ein Leinwandstuͤckchen geschlagene Muͤnze auf den sorgfaͤltig zuruͤckgebrachten Nabel- bruch durch ein groͤßeres auf Leder gestrichenes, gut klebendes Heftpflaster befestigt. Bei sehr verlaͤngerten Nabelbruͤchen hat man auch das Abbinden des Nabelbruchs mit gutem Erfolg angewendet, obwohl man hierbei immer (da die Erweiterung des Nabelringes dadurch nicht augenblicklich mit gehoben werden kann) noch nach abgeloͤßtem Bruchsacke die Nabel- stelle durch Compressen, mit spirituoͤsen Mitteln befeuchtet, un- terstuͤtzen muß. — Das Verfahren bei dieser Abbindung be- schreibt Richter Anfangsgr. d. Wundarzneik. 5. Thl. S. 465. sehr kurz und zweckmaͤßig in folgenden Worten: „Nachdem der Bruch sorgfaͤltig zuruͤckgebracht ist, legt man einen gewaͤchsten Faden um die Grundflaͤche der Geschwulst, jedoch nur maͤßig fest, so daß er zwar Entzuͤndung, und mittelst derselben eine Cohaͤsion erregt, sich aber nicht ab- sondert. Dieser erste Faden erregt gewoͤhnlich wenig Schmer- zen. Wenn dieser Faden locker wird, gemeiniglich den dritten Tag, legt man einen zweiten etwas fester an, worauf die Schmerzen etwas lebhafter werden. Den vierten Tag werden die unterbundenen Theile gewoͤhnlich schwarz, und den achten sondern sie sich ab. Die kleine Exulceration, welche zuruͤck- bleibt, trocknet in wenig Tagen.“ s. uͤber dieß Verfahren auch B. v. Siebolds Chiron. II. S. 596. f. Krampfhafte Krankheiten. 1. Allgemeine Zuckungen . §. 1705. Diese bei Saͤuglingen nicht allzuselten vorkommende Krank- heit aͤußert sich durch heftige krampfhafte Bewegungen aller Gliedmaaßen, Verdrehen der Augen, Aechzen u. s. w. und macht entweder periodische Anfaͤlle, ist wohl von der Mutter auf das Kind uͤbertragen und kann als wahre Epilepsie be- trachtet werden, oder sie wird erst durch bestimmte schaͤdliche Einwirkungen hervorgerufen, ohne Neigung zu periodischer Wie- derkehr und bekommt den Namen der Eklampsie. — Das Wesentliche dieser Krankheit beruht wohl vorzuͤglich in Stoͤrung der Funktion des Gehirns und Ruͤckenmarks, welche entweder idiopathisch (bei dem angeerbten Uebel z. B.), oder in Folge krankhafter Stimmungen des Gefaͤßsystems, oder durch Erre- gungen des Gangliensystems bei Unterleibskrankheiten hervor- gerufen worden, oder endlich auch blos symptomatisch zu an- dern Krankheiten, Fiebern, Hirnentzuͤndungen, atrophischen Zustaͤnden hinzugetreten seyn kann. — Die Gelegenheitsursachen koͤnnen, wie aus dem Angefuͤhrten hervorgeht, aͤußerst vielfach seyn: fruͤhzeitige Geburt, schlechte Pflege, Erkaͤltungen u. s. w. — Die Prognose ist im Durchschnitt sehr mißlich, und wiederholten heftigen Anfaͤllen unterliegt gewoͤhnlich das Kind sehr bald. §. 1706. Was die Behandlung betrifft, so kann durchaus kein Mittel oder Verfahren genannt werden, welches als unbedingt specifisch huͤlfreich in diesem Zustande anzusehen waͤre, sondern der Arzt muß auch hier auf die naͤchsten Bedingungen des Krankseyns Ruͤcksicht nehmen, und wird darnach bald ein an- tiphlogistisches, bald ein gastrisches, bald ein rein antispas- modisches Heilverfahren anzuwenden sich genoͤthigt finden, wel- che Faͤlle saͤmmtlich einzeln zu eroͤrtern uns hier zu weit fuͤh- ren wuͤrde. Als allgemeinguͤltige Behandlungsregeln sind da- her nur zu erwaͤhnen: daß man die Anfaͤlle durch Anwen- dung aͤußerer beruhigender Mittel, als der warmen Baͤder mit dem Infus. Flor. Chamom. oder R. Valerianae, der Fo- mentationen, Einreibungen vom Ol. Hyoscyami, der beruhi- genden Lavements u. s. w. zu mindern und abzukuͤrzen suche, die freien Zwischenraͤume aber vorzuͤglich zur Anwendung der kraͤftig und schnell wirkenden angezeigten Mittel benutze, un- ter welchen als Antispasmodica, nach beruͤcksichtigten anti- phlogistischen oder gastrischen Indicationen, namentlich 1 bis 2 Tropfen von dem Laud. liq. S. oder Liq. C. C. mit einem concen- trirten Infus. Valerian. und dem Moschus oben an stehen. 2. Kinnbackenkrampf . §. 1707. Man bemerkt hierbei eine ploͤtzlich eintretende, anfaͤng- lich oft nur periodisch erscheinende, spaͤterhin anhaltende Un- beweglichkeit der Kinnladen, wobei sie theils dicht, theils in einiget Entfernung von einander, fixirt sind. Das Kind wird verhindert zu saugen und zu schlucken, und stirbt gewoͤhnlich, wenn das Uebel nicht schnell gehoben werden kann, in kur- zem. — Auch dieses Uebel, obwohl zunaͤchst durch Stoͤrun- gen im Nervensysteme bedingt, hat sehr verschiedene entferntere Veranlassungen, denn es kann eben sowohl als Symptom in- nerer Entzuͤndungen, vorzuͤglich der Hirnentzuͤndungen, vorkom- men, als es in andern Faͤllen Folge aͤußerer, vielleicht waͤh- reud der Geburt erlittener Verletzungen, oder krankhafter Er- regungen des Gangliensystems ist. — Die Prognose muß hierbei im Allgemeinen noch unguͤnstiger als bei den vorher betrachteten Convulsionen genannt werden. Ruͤcksichtlich der Behandlung endlich muͤssen vollkommen dieselben Regeln, wel- che im vorhergehenden §. dargelegt worden sind, auch fuͤr dieses Leiden befolgt werden. Rathsam ist es hierbei, nur theils die aͤußerlich anzuwendenden Mittel (innerliche koͤnnen so, außer durch Lavements, fast nie beigebracht werden) mehr gegen den leidenden Theil zu dirigiren (z. B. Einreibungen einer Opiatsalbe, Fomentationeu u. s. w.), theils ableitende Reitze, als Vesikatorien im Nacken, nicht zu uͤbergehen, und eudlich , bei laͤnger anhaltendem Trismus, auf Unterstuͤtzung der Repro- duktion durch naͤhrende Baͤder aus Milch, Malzdekokt oder Fleischbruͤhe, Ruͤcksicht zu nehmen. Erklaͤrung der zum zweiten Theile gehoͤrigen 2ten und 3ten Tafel. Tafel II. Erste Entwicklungsgeschichte der menschlichen Frucht in idea- len , auf die Lehren der menschlichen und vergleichenden Anatomie gegruͤndeten (sehr vergroͤßerten), Abbildungen. Fig . I. erster Eikeim nach geschehenem Eintritt in den Uterus. a Dotterblase (Darmblase, Nabelblase). b Aeußere Huͤlle (Chorion), an welcher die aufsaugenden Faͤserchen sich zeigen. c Keimpunkt des Embryo. Fig. II. Derselbe ohngefaͤhr aus der zweiten Schwan- gerschaftswoche. a Darmblase. b Chorion, an dessen Fasern die aufsaugenden Bulbi sichtbar werden. c Die auf der Darm- blase sichtbar werdenden Gefaͤßchen (Vasa omphalo-mese- raica und zwar zunaͤchst Vena omphalo-mes. als Wurzel der Pfortader). d Das, um das Rudiment des der Darmblase noch dicht anliegenden Embrios (die Wirbelsaͤule, Carina), sich bil- dende Amnion. Fig. III. Derselbe ohngefaͤhr aus dem Beginn der vierten Schwangerschaftswoche. a Darmblase, jetzt schon in den unter dem Herzpunkte verlaufenden Magendarm (h) und den Afterdarm (g) uͤbergehend. b Vena und Arteria om- phalo-meseraica. e Die aus der Beckengegend hervorkei- mende Allantois mit den Nabelschlagadern. d Embryo. e Am- nion. f Chorion, an welchem sich die Saugfasern in der Ge- gend der Darmblase (gleichsam der Wurzel des Embryo) staͤr- ker entwickeln (f'). Fig. IV. Dieselbe Frucht staͤrker vergroͤßert, ohnge- faͤhr aus der sechsten Schwangerschaftswoche. a Chorion. b Groͤßere Saugfasern desselben (die Stelle der kuͤnftigen Placenta andeutend). c Allantois, welche den ganzen Raum zwischen Chorion und Amnion ausfuͤllt. d Am- nion. e Urachus. e' Harnblase. f Darmblase. g Verbin- dungskanal derselben mit dem Darm (Ductus vitello-intes- tinalis, welcher nach Oken zum Processus vermiformis obliterirt) h Vena umbilicalis. ii Arteriae umbilicales. (Diese Gefaͤße welche zunaͤchst an der Allantois gegen das Chorion herauf wuchsen, verbreiten sich nun ganz in Chorion). l Vena omphalo-meseraica (Pfortader). k Arteria om- phalo-meseraica (beide Gefaͤße beginnen nun, so weit sie aus- serhalb des Leibes verlaufen, zu obliteriren, was mit den ei- gentlichen Nabelgefaͤßen erst nach der Geburt geschieht). m Magendarm. m' Afterdarm. n Herz. o Keim der obern, p Keim der untern Extremitaͤt. Tafel III. Fig . I. a Mein gewoͤhnliches auch fuͤr die Hebammen eingefuͤhrtes Geburtskissen. Es wird in der Mitte mit Stroh ausgestopft, oben mit Kaͤlberhaar bedeckt, am Rande des Aus- schnittes (b) mit Roßhaar belegt, und mit derbem Zwillich uͤberzogen. — c Gepolsterter Lederring, durch eine lederne ver- schiebbare Schlinge (d) an den zusammenzuschnallenden Rie- men e befestigt. — Das untere Ende dieser Riemen (f) wird um den Bettpfosten geschlungen. Fig. II. a Osiander’s Dilatatorium mit meiner Abaͤnderung ruͤcksichtlich der Feder zwischen den Griffen. (von vorn gesehen). b Zeigt einen Arm desselben von der Seite. Fig. III. Ein einfaches unschaͤdliches Werkzeug bei un- gewoͤhnlichen Faͤllen zum Sprengen der Eihaͤute zu gebrauchen. a Dasselbe von vorn, b die kleinen horizontalen Scheerenblaͤt- ter in natuͤrlicher Groͤße, c die Beckenkruͤmmung desselben. *) Fig. IV. a. Roonhuysen’s Hebel, durch de Bruin beschrieben. *) Fig. IV. b. Lowder’s Hebel. *) Fig. V. Palfyn’s Zange aus zwei zusammengebun- denen Hebeln. *) Fig. VI. Smellie’s Zange (die Loͤffel mit Leder umwickelt). (Beide ohne Beckenkruͤmmung). Fig. VII. a. Boër’s etwas vergroͤßerte Zange mit elliptischen Fenstern. Man wird wohl thun, zu den zwei Zan- gen mit denen das obstetricische Besteck versehen seyn wuß, eine von dieser Laͤnge (15 Zoll) fuͤr ungewoͤhnliche Faͤlle, und eine um 1 ½ Zoll kuͤrzere (wo das zwischen den * * einge- klammerte Stuͤck wegfaͤllt) zum gewoͤhnlichen Gebrauche zu waͤhlen. b Der weibliche Arm, um die Beckenkruͤmmung zu zeigen. Fig. VIII. Das Levret’ sche Perforatorium mit zu- sammenschließenden Griffen. ** Fig. IX. Das Joͤrg’ sche Perforatorium; a die Scheide, b die Spindel mit der Trepankrone und dem an die Scheide zu schraubenden Stuͤck. Fig. X. a Boër’s Excerebrationspincette. b Ein Loͤf- fel derselben von außen, c von innen. Fig. XI. Smellie’s stumpfer Haken. Fig. XII. Ende von Smellie’s scharfem Haken; a von der Seite, b von vorn. Der beigefuͤgte Zollstab ist fuͤr Fig. II. III. VII. VIII. X. und XI. guͤltig. Die in der Erklaͤrung mit * bezeichneten Abbildungen sind aus Mulder’s Geschichte der Zangen und Hebel. Die Fig. mit ** aus Joͤrg’s Schriften zur Befoͤrderung der Kenntniß des Weibes. Thl. II. Tafel 2 entlehnt. Druckfehler . Seite 14 Zeile 7 u. 8 von oben statt Gravitas u. Gravidas lies Graviditas — 32 — 1 v. unten statt welchem l. welcher — 72 — 7 — oben — sten l. festen — 93 — 1 — oben — duͤnnen l. duͤnne — 116 — 15 — unten — rechten l. linken — 141 — 18 — oben — hervorgestellt l. hergestellt — 150 — 15 — oben — ) l. ( — 166 — 12 — unten — unterwerfen l. unterworfen — 181 — 15 — oben — Uringefaͤße l. Uteringefaͤße — 207 — 1 — unten — zuruͤcklassen l. zuruͤckzulassen — 227 — 12 — oben — Ichurie l. Ischurie — 240 — 15 — oben — Sinapiesmen l. Sinapismen — — — 7 — unten — Stuͤlz l. Stuͤtz — 288 — 12 — oben — hale l. habe — 341 — 6 — unten — Zagengriffe l. Zangengriffe — 352 — 12 — oben — Kreuzbeinss l. Kreuzbeins — 404 — 6 — unten — 1. l. 2. — 451 — 5 — — — die Aufspringens, und des lies des Aufspringens, und die — 452 — 6 — oben — Perinde l. Periode — 462 — 16 — oben — kuͤnnen l. koͤnnen — 466 — 14 — unten — aͤußern l. der aͤußern — 495 — 5 — oben — III l. 2 — 528 — 2 — unten — Entzuͤndurg l. Entzuͤndung — 538 — 11 — — — Laukorrhoͤe l. Leukorrhoͤe — 554 — 8 — oben — des desselben — desselben — 565 — 8 — unten — Acetabalo l. Acetabulo — 578 — 10 — oben — Flecken l. Flocken — 616 — 7 — unten — Blutgeschwuͤste l. Blutgeschwuͤlste — 616 — 3 — — — Fluktion l. Fluktuation — 624 — 13 — oben — Baumvolle l. Baumwolle — 629 — 15 — — — hauptsaͤchtlich l. hauptsaͤchlich Noch lese man in der Vorrede zum ersten Theil Seite IV Zeile 4 von unten statt Schmidmuͤller — Schmidtmuͤller . 41 Medicinische Buͤcher in herabgesetzten Preisen aus dem Verlage von Gerhard Fleischer in Leipzig , welche bis zu Ende des Jahres 1821 in allen Buchhandlungen zu bekommen sind: Arzneischatz, oder Sammlung gewaͤhlter Recepte. gr. 8. 1800. Laden- preis 1 Rthlr. 12 gr. Herabges. Preis 20 gr. Baumes von der Lungensucht. Eine gekroͤnte Preisschrift. Nach der zweiten verbess. und verm. Aufl. uͤbers. von C. P. Fischer. 2 Thle. gr. 8. 1809. Ladenpreis 2 Thlr. 8 gr. Herabges. Preis 1 Rthlr. 8 gr. Bethke , C. Ch., uͤber Schlagfluͤsse und Laͤhmungen, oder Geschichte der Apoplexie, Paraplegie und Hemiplegie, aus aͤltern und neuern Wahrnehmungen. gr. 8. 1797. Ladenpreis 2 Thlr. Herabges. Preis 1 Rthlr. Boullon-Lagrange , Handbuch fuͤr Pharmacevtiker. Mit Kupf. gr. 8. 1804. Ladenpreis 1 Thlr. 8 gr. Herabges. Preis 16 gr. Brunonis , I., Elementa medicinae, cum praefatione P. Moscati. Edit. in germ. II. a. 8. maj. 1805. Ladenpr. 14 gr. Herabges. Pr. 8 gr. Cera , S., Abhandlungen vom Lazarethfieber. A. d. Latein. 8. 1784. Ladenpreis 6 gr. Herabges. Preis 4 gr. Dispensatorium, neues Edinburger. Nach der 4n Ausg. a. d. Engl. uͤbersetzt und mit Anmerkungen begleitet, von D. Sam. Hahnemann. Mit Kupf. 2 Thle. gr. 8. 1797 u. 1798. Ladenpr. 3 Thlr. 16 gr. Herabges. Preis 2 Rthlr. 8 gr. Geßcher , David van, Wundarzneikunst des Hippocrates. A. d. Hollaͤnd. uͤbers. gr. 8. 1795. Ladenpr. 1 Thlr. 2 gr. Herabges. Preis 16 gr. Heilbronns , D., Abhandlung vom Belege auf der Zunge. Preis- schrift. A. d. Hollaͤnd. uͤbers. 8. 1795. Ladenpr. 8 gr. Herabges. Preis 4 gr. Home , E., praktische Beobachtungen uͤber die Heilung der Veren- gerungen der Harnroͤhre von venerischen und audern Ursachen, aus dem Engl. mit Anmerkungen von D. Sam. Hahnemann. 8. 1800. Ladenpr. 16 gr. Herabges. Preis 8 gr. Latour d. J., Versuch uͤber den Rhevmatismus. A. d. Franz. uͤbers. von C. P. Fischer. 8. 1306. Ladenpr. 18 gr. Herabges. Preis 12 gr. Laubender , B., allgemeines Noth- und Huͤlfsbuͤchlein fuͤr Lungen- schwindsuͤchtige, und die, welche es nicht werden wollen. 2 Thle. 8. 1802. Ladenpr. 1 Thlr. 4 gr. Herabges. Preis 16 gr. Leroy’s Alph., Heilkunde fuͤr Muͤtter, oder die Kunst Kinder zu er- ziehen und zu erhalten. A. d. Franz. mit Anmerk. von Ch. Ph. Fischer. Mit 1 Kupf. gr. 8. 1805. Ladenpr. 1 Rthlr. 16 gr. Herabges. Preis 1 Rthlr. Thiery , F., physisch-medicinische Beobachtungen, an verschiedenen Orten in Spanien gesammelt. Nebst einigen Betrachtungen uͤber den Aussatz, die Pocken und Lustseuche. A. d. Franz. uͤbers. von C. P. Fischer. 2 Thle. 8. 1774. Ladenpr. 1 Rthlr. 8 gr. Herabges. Preis 16 gr. Tod, der, in Toͤpfen, zur Warnung fuͤr diejenigen, die gesund seyn wollen. Oder: von der verkehrten Sorge fuͤr die Gesundheit. Ein Lesebuch fuͤr Leute, die keine Aerzte sind. 8. 1790. Ladenpr. 14 gr. Herabges. Preis 8 gr. Ophthalmologia pathologica, seu de cognoscendis et curandis organi visorii affectionibus liber. 8. 1800. Ladenpr. 20 gr. Herabges. Pr. 12 gr. Erfindung, neue, und Belehrung fuͤr Bruch-Patienten; hauptsaͤchlich in Hinsicht auf Leisten- und Hodensackbruͤche. A. d. Engl. Mit 1 Kupf. 8. 1802. Ladenpr. 8 gr. Herabges. Preis 6 gr.