Johann Just Ebelings Predigers zu St. Paul in Hildesheim Andaͤchtige B etrachtungen aus dem Buche der N atur und S chrift Zum Preise des herrlichen Schoͤpfers Bestehend in erbaulichen Gedichten. Zweyter Theil. Hildesheim, 1747. Gedrukt und verlegt durch C. J. H. Hartz , E. H. Edl. Rahts priv. Buchdr. Dem Hochwuͤrdigen in GOtt Andaͤchtigen und Hochgelahrten Herrn HERRN J ohann D ieterich W inklern Der heiligen Schrift Hochberuͤhmten Doctor, der Evangelischen Kirchen zu Hil- desheim Superintendenten, des hiesigen Consistorii obersten Beisizzern, Und des Andreanischen Gymnasii und der Schu- len zu St. Lambert Ephori, der zu Jena bluͤhenden lateinschen Gesellschaft Hochan- sehnlichen Mitgliedes Seinem Hochzuehrenden Herrn Superinten- denten und Hochgeneigten Goͤnner Uebergiebet diese Poesien Zum Zeugnis einer wahren Hochachtung. Der Verfasser. H ochwuͤrdiger! mein Trieb, der waget warlich viel, Da ich mich untersteh der Andacht Saiten- spiel, Das meine Einfalt ruͤhrt, mit dem verstimm- ten Klingen, Fuͤr dein bemerkend Ohr, in matten Thon zu bringen. Die Schuldigkeit befahl, die arme Schuͤch- ternheit, Die wiederrieth es mir: in diesem Wette Streit Frug mein bewegt Gemuͤth: Ob ich auch werth zu schaͤzzen Die Lieder Dir zu weihn, die niedrig, klaͤglich aͤchzen, Und oͤfters knarrend gehn; da suͤsse Melo- dein, Dein Ohr schon laͤngst vergnuͤgt, dein Her- ze nur erfreun, Da was nicht lieblich schallt, in denen Dich- ter Choͤren, Auch Dir, nicht angenehm, nicht reitzend im Zuhoͤren: Die Die Schuͤchternheit die sprach: zuruͤk mit deinem Klang Der matt und elend geht: der Gottheit Lob- gesang, Muß, wenn er soll gefalln, das Herze feu- rig ruͤhren Und im entflammten Trieb zum Siz des Schoͤpfers fuͤhren. Den Liedern fehlt das Feur, das in die Her- zen glimmt, Ob sie aus Andacht gleich, zu GOttes Ruhm bestimmt; Sie ruͤhren kein Gemuͤth, daß jemahls an- gehoͤret, Wie man die Gottheit recht, in Lobgesaͤn- gen ehret. Sie wandte ferner ein: bedenkest du denn nicht, Wie manch erhabnes Lied und herrliches Ge- dicht, Von erster Jugend an in dessen Ohr erklun- gen, Da jener Elbe-Schwan der Gottheit Ruhm besungen; Da Brokkes Saitenspiel, so oft das Herze ergoͤzt, Das jederman gefaͤllt, in heiligs Feuer sezt; Wie kan beim hellen Thon, ein heisch und dumsicht Lallen, Bei Bei einem Schwang-Gesang ein schnatternd Lied gefallen? So sprach Hochwuͤrdiger! die Schuͤch- ternheit zu mir, Da ich mir vorgesezt, mit deines Nahmens Zier, Aus Ehrfurcht blos erwekt, mein Liederbuch zu schmuͤkken: Um Dir dadurch den Trieb des Herzens ab- zudruͤkken. Des Herzens Trieb befahl und zeigte deine Huld Die Dankbarkeit wies mir die Summe mei- ner Schuld; Und darum wage ichs den Abtrag meiner Pflichten, Fuͤr die genoßne Gunst, im Wollen zu ent- richten, Du kennest meinen Trieb auch in den nie- dren Choͤrn, Den hocherhabnen GOtt, den Schoͤpfer zu verehrn; Du billigest den Zwek, den HErrn der Herr- lichkeiten, Den die Natur und Schrift uns zeiget, aus- zubreiten. Nim was die Redlichkeit, in reiner Neigung bringt, Bis ihr ein beßres Lied in hoͤhern Thon ge- lingt Nim Nim es zum Unterpfand, daß der der die- ses schreibet, Jn wahrer Hochachtung stets dein Verehrer bleibet; Mein Blat das redet nichts, zu deines Nah- mens Ruhm Du brauchst mein Loblied nicht, weil Fa- mens Heiligthum Schon dein Verdienst erkannt; des Him- mels gnaͤdig Walten, Sei Deine Sonn und Schild, dich bluͤhend zu erhalten! Johann Just Ebeling. Geneigter Leser! H ier uͤbergebe ich dir den Zweiten Theil meiner Poesien, welche die Eh- re des herrlichen Schoͤp- fers zum Zwek haben, und deine Erbauung befoͤrdern sollen. Jch koͤn- te dieselben ohne Vorrede deinen Haͤnden uͤber- lassen, wenn ich nicht fuͤr noͤtig hielte, die Ursa- che zu zeigen, warum ich sie so eilfertig den Pressen uͤberliefere, so bald sie aus einer fluͤchtigen Feder geflossen. Der Herr Ver- Vorrede. Verleger, welcher sie zu seiner Absicht ge- brauchet, fordert von mir eine solche Eil- fertigkeit, welche ich nunmehr ohne seinem Schaden nicht aͤndern kan. Als die Vorse- hung mich die Stille des Landlebens mit meiner jezigen Lehramte verwechseln hies, wurde von mir verlanget, die kleine Gabe der Dichtkunst zu erwekken, und damit dem Allerhoͤchsten zu dienen. Jch sahe dieses als eine bequeme Gelegenheit an, mein gerin- ges Vermoͤgen demjenigen zu heiligen, wel- chem es gehoͤret, da ich in meiner Jugend solche oft, der Welt zu gefallen, zur Ehre der Menschen genuzzet hatte. Jch entschlos mich also dazu: lies aber mein Saitenspiel so lange ruhen, bis die bestimmten Mona- the bald heran naheten, da ich den ersten Theil liefern solte. Jch kennete die Hinder- nisse noch nicht und die Verrichtungen, die mit meinem hiesigen Amte verknuͤpfet, und dachte daher, ich wuͤrde Stunden ge- nug uͤbrig haben, darin ich zur Ehre des Schoͤpfers ein Lied singen koͤnnte. Allein nunmehr habe ich es anders erfahren, und muß jezo den Trieb zwingen, worauf man bei der Dichtekunst sonst zu warten pfleget, da ich alle acht Wochen einen Theil verfertigen soll. Wenn du diese Umstaͤnde bemerken wilst; so hoffe von dir ein geneigters Ueber- sehen Vorrede. sehen der Fehler, die in die Gedichte sowoll, als in dem Abdruk eingeflossen. Wilt du aber meine Uebereilung anklagen, daß ich ohne Ueberlegung meine Arbeit angefangen: so werde dir nicht weitlaͤuftig wiedersprechen. Sind wir Menschen nicht so geartet, daß wir im Nachsehen kluͤger sind, als vorhero wenn wir etwas anfangen? Jch erkenne daß dieses ein Gemuͤthsfehler sey, der mir anklebet. Zeit und Erfahrung wird mich bessern. Jch bin voͤllig zufrieden, wenn du nur meine Begierde GOtt und den Naͤch- sten zu dienen, aus meiner Bemuͤhung er- kennen wirst. Jch verlange nichts mehr, als dich aus den Schlummer zu erwekken, und dir die Augen zu eroͤfnen: damit du erken- nen moͤgest, daß die Werke des HErrn gros sind, und werth, daß sie mit Lust betrachtet worden. Und wenn ich mich nicht gaͤnzlich betriege, so wirst du dazu hin und wieder auch in meinen eilfertig nieder geschriebenen Gedanken Ermunterung fin- den. Die Welt ist ja leider mit solchen Ge- dichten uͤberhaͤuffet, die uns zu der schluͤp- frigen Eitelkeit verleiten. Und wenn wir uns uͤber die Menge der geistlichen Gedichte beschweren wollen; so muͤssen wir erst su- chen diejenigen aus dem Wege zu raͤumen, die da suchen unser Augenmerk von dem Ziel zu Vorrede. zu ruͤkken, daß uns die himmlische Beruf- fung vorhaͤlt. Der Allerhoͤchste kan nicht genug gepriesen werden, und ihm gefaͤllt auch das Opfer der Einfalt woll, welches ihm mit reinen Herzen dargebracht wird. Drum alles was Odem hat lobe dem HErrn Halleluja! Hildesheim, den 29ten April 1747. Der Der Sommer. A ngenehme Sommerszeiten! euer feuerreicher Strahl, Von der Sonnen Glut entsprun- gen, der belebt Feld, Berg und Thal; Der erwaͤrmet die Natur, durch den Einflus seiner Guͤte, Und erhizt bei dem was lebt, ein frisch wallendes Gebluͤte. Eure Anmuth naͤhrt die Triebe, die der Lenzen angeflammt, Und verdoppelt das Ergoͤzzen, das aus den Ge- schoͤpfen stammt, Das der Vater alles Lichts, in dem Fruͤhling, wie verjuͤnget, Aus dem Schoos der Erde zeugt, und nun zu der Reiffe bringet. Eure holde Liebligkeiten, womit ihr die Welt be- ziert, Womit ihr die Sinnen weidet, und des Geistes Auge ruͤhrt, Zweyter Theil. A Die Der Sommer. Die entzuͤnden meinen Trieb, dem die heilgen An- dachts-Pflichten, Der euch uns zur Lust geschenkt, wie es billig zu entrichten. Wenn der Lichts-Monarch die Sonne, sein recht feu- rig Angesicht, Zu des Krebses Zeichen kehret, und mit seiner Hiz durchbricht; Wenn er durch den rothen Mund des erhizten Loͤ- wen brennet, Und die Jungfrau gluͤend macht, da er durch den Thierkreis rennet: So sind diese Anmuts-Zeiten da, wo man den Som- mer fuͤhlt, Wo die schwuͤle Hiz erwaͤrmet, und der sanfte Schat- ten kuͤhlt; Alsdenn lebet die Natur, die uns speist mit ihren Bruͤsten, Und den ganzen Tag erquikt, mit den Vorwurf suͤsser Luͤsten. O! du Schoͤpfer aller Dinge! O! wie herrlich ist dein Nath, Der die Einrichtung der Zeiten, weislich abgemes- sen hat, Und dieselbe so regiert, daß man in den Tages- stunden Nichts als guͤldne Wonne sieht; daß man wenn das Licht verschwunden, Jn den still und duͤstren Naͤchten, bis zur frohen Morgen-Glut, Da die Welt sich wieder reget, sanft und suͤß auf Polstern ruht. Auf! last uns die Sommerlust, zu des Allerhoͤch- sten Ehren, Von Der Sommer. Von den Morgen bis zur Nacht, wie sie folget, sehn und hoͤren. Kaum hat sich in diesen Tagen lichter Sonnen- Glanz verstekt, Da die Nacht die Schatten breitet; so wird wie- derum erwekt Das vergnuͤgte Morgenroth, dessen lichte Purpur- strahlen Diese schwarze Demmerung allgemaͤhlig uͤbermah- len. Es geht aus den dunklen Tieffen erst ein rother Strahl hervor, Der durch das Gewoͤlke schimmert, der steigt im- mer mehr empor: Da macht Licht und Finsternis, an den dunklen Himmels-Bogen, Ein von Licht durchstrahltes Grau, bis die Schat- ten sind entflogen. Dieses roth entglomne Prangen, gruͤsset die ent- schlafne Welt, Als ein froher Morgenbote und erhellt das gruͤne Feld: Darauf zeigt sich wiederum mit den sanften Blik die Sonne, Und verklaͤrt sich allgemach mit der Schimmerreichen Wonne. Da schwingt sie mit schnellen Lauffen, ihren hei- tren Anmuthsstrahl, Ueber die erhabnen Berge, und erwekt das Feld und Thal: Welch ein Anblik voller Lust! ruͤhret die erwekten Sinnen, Man sieht in den feuchten Thau, lauter Seegens stroͤme rinnen. A 2 Auf! Der Sommer. Auf! entschlafne Erdenbuͤrger! auf ermuntert eur Gesicht! Da das Auge dieser Erden, das verneute Sonnen- licht Alles in den Schimmer sezt! Auf, erwegt das Feld, die Auen, Seht, die frohen Wunder an, seht hier lauter Per- len thauen. Seht durchstrahlte Tropfen rollen, seht wie lieblich alles blizt Wie die nassen Berge rauchen, wie der Anger Feu- er sprizt, Wenn das Licht den Thau durchscheint; seht wie sich der Schimmer bildet, Der hie alles bunt gefaͤrbt, da versilbert, uͤberguͤl- det. Wer kan dieses blendend Spielen, auf den frischen Feldern sehn, Ohne HErr! der Sonnen Sonne, deinen Na- men zu erhoͤhn, Da in Millionen Zahl, auf den Auen, Aekern, Huͤgeln Sich in jeden Troͤpfgen Thau, lauter kleine Son- nen spiegeln, Die in funkelnden Cristallen, von der Sonnen Ge- genschein, Von den grossen Himmels Lichte, lauter kleine Bil- der seyn. Wenn dies guͤldne Feurwerk glimmt, das von Son- nenlicht herstammet, Und mit tausend Farben spielt; so wird dadurch angeflammet Jn der Brust der Andachts-Zunder, da ein dank- bahres Gemuͤt, Durch Der Sommer. Durch die Kreatur entzuͤndet, auf derselben Schoͤp- fer sieht, Der der Brunquell alles Lichts, und da muß in unsern Herzen, Auch zu seinen Ruhme gluͤhn, des Gebetes Raͤu- cherkerzen. Welch ein freudiges Empfinden, uͤber dieser Som- merlust, Reget sich in unsrer Seelen, und ergoͤzzet unsre Brust, Wenn des Himmels Heiterkeit, lauter suͤsse Bisams Duͤfte, An den fruͤhen Morgen haucht, und damit die stil- len Luͤfte Als mit holden Duͤnsten fuͤllet; da was aus den Kraͤutern zieht, Wenn die sanften Westen saͤuseln, wie ein lieblich Rauckwerk gluͤht Und uns den Geruch erquikt. O! ein angenehmes Blasen, Das die Lebens Geister staͤrkt, kreucht unsichtbar durch die Nasen Zum Gehirn den Siz der Seelen, daß dies geistig Labsahl schmekt. Und durch die erregten Nerven uns zur Munterkeit erwekt. Alles lacht in der Natur, wenn die Sonne hoͤher steiget, Und sich in vollkomnen Glanz an den Firmamente zeiget; Diese frohe Munterkeiten wekken denn des Mor- gens fruͤh, Aus den sanft empfundnen Schlummer und erfri- schen, Mensch und Vieh, A 3 Daß Der Sommer. Daß sie aus den Lagern gehn, worin sie die Nacht verhuͤllet; Weil durch warme Heiterkeit, das was lebt, mit Lust erfuͤllet. Alles regt sich voller Freuden, das Gevoͤgel fliegt hervor, Und schwingt sich mit hellen Haussen in die freie Luft empor, Es erfuͤllt mit suͤssen Klang, Wald und Feld, die von den Schallen, Wollgestimmter Melodein, allenthalben wieder- hallen, Und das lnstige Gefieder schwingt sich auf der duͤn- nen Bahn, Bald in jene blaue Ferne, wo es frei erzehlen kan, Was es vor ein Trieb ergoͤzt; bald geht es zum dunklen Schatten, Jn den kuͤhlen Aufenthalt der Gebuͤsche sich zu gatten Mit den stillen Buhlerinnen, die nach ihren Frei- er girrn, Und um seine zarte Liebe, klaͤglich thun und lokkend schwirrn. Bald rauscht dieses leichte Volk, wiederum aus ih- ren Neste, Und kuͤhlt die erhizte Brust, durch den schmeichel- haften Weste, Der die Sonnen Hizze mildert, die nun immer staͤrker brennt, Wenn ihr feurig Angesichte nach den Mittags Zir- kel rennt. Da der Voͤgel muntres Heer in den Oberkreisen schwebet, Macht Der Sommer. Wacht der niedre Schwarm auch auf, der die Welt noch mehr belebet; Hie sumßt eine Schaar von Wespen, da ein blin- des Fliegen Heer, Hie brummt eine Kaͤfer Menge da saußt bei der Wiederkehr, Mit der suͤssen Last beschwert; eine Menge kleiner Bienen: Dieses toͤßende Geraͤusch kan uns zum Vergnuͤgen dienen, Wenn wir bei den Sommerszeiten, die belebte Welt ansehn, Auf ihr freudiges Bewegen ein betrachtend Auge drehn. Wenn wir achtsam das beschaun, was vor freudi- ges Gefuͤhle, Jn den Thieren sich erregt, was vor muntre Gau- kelspiele Jn der freien Luft zu sehen: so erkennen wir da- bei, Das der Anmuths-volle Sommer, Mensch und Vieh ergoͤzlich sei. Sehen wir den Schauplaz an, den sich die Natur bereitet, Wie zur schoͤnen Sommerszeit alles ausstaffirt, be- breitet, Mit des Grases Kunstgewirke, ausgeschmuͤkt und uͤberdekt: So wird durch die Augenweide unser Herz zur Lust erwekt. Das ist recht die Kroͤnungszeit, da das Jahr uns zu erfreuen, Sich in Feierkleidern zeigt, und mit den Tapece- reien A 4 Alle Der Sommer. Alle Flaͤchen ausgeschmuͤkket. Alles, wo man nur hinblikt, Jst mit seinen Puz gezieret, uͤberbluͤmet, ausge- stikt. Wenn wir auf die Anger gehn, in die gruͤn be- wachsnen Wiesen, So deucht uns, wir gingen da, in verneuten Pa- radiesen: Auf des Grases sammtnen Dekken, die mit Blu- men untermengt, Draus bald Gold, bald Silber strahlet, mit roth, blau und falb gesprengt, Liegen in der stolzen Ruh, so viel Anmuths-volle Heerden, Die den Schauern ihrer Lust ein vergnuͤgtes Lust- spiel werden. Wenn die ausgeblizten Strahlen ihnen unertraͤg- lich seyn, Bloͤkken die bewollten Schaafe, bei der Hizze un- gemein, Bis sie ein gekuͤhltes Bett, an den Baͤchen untern Linden; Oder untern Pappelbaum ein recht schattigt Schirm- dach finden. Allda lagern sie sich stille in den sanften Schatten her, Rupfen die noch frischen Keimen, bis sie wie von ohngefehr Ein sanft rieselnd Murmeln hoͤrn; alsdenn werden sie gleich innen, Das da im beschilften Bach vor sie Labsalsstroͤme rinnen. Jhre lechzende Begierde schlurft das Wasser, wird gestillt, Jh- Der Sommer. Jhre Hizze wird von innen, wie von aussen abge- kuͤhlt, Und sie werden wieder frisch, legen ihre sanften Glieder, Wiederum, als wie vergnuͤgt in das Grase-Bette nieder. Diese Ruh bleibt ungestoͤhret, bis etwan sich ihr Geschrei, Nach den Stall und Huͤrden sehnet, wenn die Ta- geszeit vorbei; Oder wenn ein Streit entsteht unter denen geilen Boͤkken, Da sie bei gewagten Kampf, nach den Schiedes- richter bloͤkken: Damit sie sich nicht die Koͤpfe, bei den an einander prelln Der mit Grim gesteiften Stoͤsse, in der Naserei zerschelln. Abermahl ein neues Spiel, sieht man an der suͤs- sen Muͤhe, Auf der gruͤnen Weide an, da die fresbegiergen Kuͤhe Schmazzend ihren Hals ausstrekken und den weiten Magen fuͤlln, Bis sie endlich die Begierde, nach den fetten Kle- en stilln: Alsdenn lagern sie sich auch, liegen bei der schwuͤ- len Hizze, Als gesaͤttigt ausgestrekt, in den lauen Dampf und Schwizze, Jm Vergnuͤgen misvergnuͤget, bis die frohe Mit- tagszeit, Da sie werden ausgemolken, sie von ihrer Last be- freit. A 5 Da Der Sommer. Da die Eitern ausgeleert, bleiben sie in Grase lie- gen, Bis etwan ein Muͤkkenstich oder Heer von blinden Fliegen Sie in ihrer Ruhe stoͤhret, da sie denn mit ihren Bruͤlln, Die sonst stillen Weiden schrekken und die schwuͤle Luft erfuͤlln. Schwaͤrmmt das stachlicht Muͤkken-Heer auf sie los mit wilden Rasen, So bewegt sich Kopf und Schwanz diese Feinde wegzublasen, Die in blinder Wut verlezzen. Haben sie genug gekriegt, Und nach einen langen Streite, endlich diesen Schwarm besiegt, So sind sie mit suͤsser Lust, da der heisse Schmerz vergessen, Wiederum darauf bedacht ihre Wanste voll zu fres- sen. Welch ein angenehmes Wuͤhlen! das man an den Viehe sieht, Das die saftig-fetten Keimen aus der Erde rupfend zieht, Das mit emßiger Begier seine Futterung verzeh- ret, Und indem es sich erhaͤlt, Menschen Nahrungs- Milch bescheret. Wunderbarlich sind die Triebe, an dergleichen zahmen Vieh, Wunderbar die Milchgefaͤsse, darin das, was sie mit Muͤh Von den Anger abgerupft, gleichsam wird verdaut, geseiget, Bis Der Sommer. Bis die Milch durch den Canal in die weichen Eu- tern steiget. O! das zeigt uns deine Guͤte, die du gnugsam kund gethan, Und dein weisestes Verhalten, grosser Schoͤpfer! deutlich an; Deine Guͤt und weise Macht, wird auf Kraͤuter- reichen Wiesen, An den Blumen, Gras und Kraut, an den Vie- he selbst gepriesen, Das darauf der Sommer weidet, der des Himmels Heiterkeit, Uns zum Nuz und zum Vergnuͤgen auf denselben ausgestreut. Dieses laͤst die Sommerszeit in den lustig gruͤnen Auen, Jeden Schauer der Natur mit vergnuͤgten Augen schauen. Wer in solchen Lustrevieren, die erquikkend, rei- zend, schoͤn, Wo die Anmuth unsre Sinnen weidet, sich wird recht besehn, Der erheitert das Gemuͤt und sieht solche Lieblig- keiten, Die uns durch die Kreatur, zum erhabnen Schoͤp- fer leiten. O! ihr Seegens-volle Anger! wo bei heisser Son- nen Glut, Ein zufriedener Silvander, in belaubten Schatten ruht, Jhr koͤnnt uns ein frohes Herz, und ein rechtes Beispiel geben, Von den sichren Aufenthalt, derer die zufrieden leben. Bei Der Sommer. Bei euch ist in Sommertagen, eine rechte guͤldne Zeit, Darin sich ein frommer Hirte, ob der stillen Rast erfreut, Der ein folgsam Vieh regiert, und entfernt von Gram und Leide, Auf den Schauplaz der Natur eine frohe Augen- weide Tag vor Tag zum Vorwurf waͤhlet, und was sein Gemuͤthe fuͤhlt, Auf den duͤnnen Haberrohre, in die freien Luͤfte spielt, Da er in der Einsamkeit, sich dem langen Tag verkuͤrzet, Und mit der vergnuͤgten Lust, seine trocknen Spei- sen wuͤrzet. Wir verlassen eure Triften, suchen einen Aufent- halt, Da die Mittags-Sonne brennet, in den dick be- laubten Wald, Wo die stille Andacht wohnt unter den erhabnen Eichen, Untern stolzen Fichtenbaum, unter niedrigen Ge- straͤuchen. Da ist die gewuͤnschte Kuͤhlung, in den dichten Lorbeer-Hain, Wo die Sonne ruͤkwerts prallet mit den Feuerrei- chen Schein, Da das brennend Ungemach uns nicht auf die Scheitel schiesset, Noch der ausgedrungne Schweis, mehr auf unsern Ruͤkken fliesset. Angenehme Sommerlauben! dichte Waͤlder! ihr komt mir, Als Der Sommer. Als bequeme Sonnen-Daͤcher, in der schwuͤlen Hizze fuͤr, Die nach unsers Schoͤpfers Rath, auf der Berge steilen Hoͤhen Fuͤr den muͤden Wanderer wol gewebte Lust-Al- leen. Hier entspringt aus Fels und Stein, manche fri- sche Labungsquelle, Die als wie in Sprudeln kocht, und doch kuͤhl und klar und helle: Dabei sezzet sich vergnuͤget, ein von Durst ermat- tet Herz, Und vertreibt durch gierig Schoͤpfen, den vorher empfundnen Schmerz, Und preißt bei der Silberfluth, die des Durstes Qual gestillet, Den, der aller Guͤte Born, woraus alles Labsal quillet. Hier in dem geweihten Tempel, wo die GOttheit ihre Spur, Ehrfurchtsvoll uns merken laͤsset, wo jedwede Kreatur, Die Vernunft und Odem hat, einen heilgen Schau- der fuͤhlet Dient ein jedes gruͤnes Blat, uns zum Faͤcher, der uns kuͤhlet Bei des Sommers Brand und Hizze. Dieses merkt das scheuche Wild Das den schlauen Jaͤger fuͤrchtet und die Angst von Herzen bruͤllt, Wenn das Windspiel es verliert, es verkreucht sich unter Hekken, Die mit einen frischen Laub sie in sanften Schatten dekken. Wenn Der Sommer. Wenn die stille Luft sich reget, in der Baͤume Gip- fel rauscht, Sieht man wie die scheuche Rehe ihre Ohren spizt und lauscht, Ob vielleicht ein Treiber koͤmt, der ihm seine Ruh misgoͤnnet, Es erhebt sich zu der Flucht, eh mans denkt, ists fort gerennet. Ob es gleich der Wind getaͤuschet; so war doch die Ahndung da, Ein nach Wild begierger Jaͤger, war mit seinen Spuͤrhund nah, Und belebete den Wald, durch sein Horn bei dessen Schallen, Gaben Klippen, Baum und Busch ein recht lustig Wiederhallen. Dies ermunternde Gethoͤne wekte alle Thiere auf, Die sich in den Schatten kuͤhlten, und die mit ge- schwinden Lauf, Die bewachsne Rennebahn, von des Jaͤgers Trieb bewogen, Und von jaͤher Furcht gespornt, ohne Aufenthalt durchflogen. Die beliebten Saͤngerinnen, die die suͤsse Mittags Ruh, Auf den dichten Gipfeln halten, kamen auch geschwind herzu Sahen diesen Aufstand an, dehnten die erfrischten Kehlen, Fingen durch den Lustgesang an die Triebe zu er- zaͤhlen Die sie in der Brust verspuͤren, wenn sie in den kuͤhlen Hain, Un- Der Sommer. Unter blaͤtterreichen Hauben, vor der Glut beschir- met seyn. Diese frohe Munterkeit, dieser Wollklang suͤsser Lieder, Dieses lispelnde Geraͤusch, dieses klappernde Ge- fieder Das den stillen Wald erreget, macht zur schwuͤ- len Sommerszeit, Ein Gemuͤhte aufgewekket, das sich in dem Schoͤp- fer freut, Der bei heissen Sonnenbrand, der die duͤnne Luft durchgluͤhet, Ueber seine Kreatur, solche Anmuths-Dekken zie- het. Welch ein Schauplaz neuer Wunder, wird auf den besaamten Feld Den vor Lust entzuͤkten Augen in dem Sommer vorgestellt! Auf! last uns die Schaͤzze sehn, die zum Nuzzen und Vergnuͤgen, Auf den breiten Seegens-Tisch wollgedekter Aekker liegen. Welch ein Vorwurf ruͤhrt die Sinne, wenn die Sonn die Himmels-Uhr Jhre heitren Anmutsstrahlen wirft auf die bewachsne Flur! Da wird man mit Lust gewahr, wie die Fruͤchte im Gefilden, Durch den hellen Gegenschein sich mit tausend Far- ben bilden. Wenn wir von erhabnen Huͤgeln solche Felder uͤber- sehn, Die mit aufgekeimten Saaten, als im Seegen traͤchtig stehn: So Der Sommer. So bewegt das Mannigfalt von den Fruͤchten und Getraide, Sein von Anmuth wallend Herz, durch die schoͤn- ste Augenweide. Es duͤnkt uns in dieser Ferne, als wenn das be- saamte Land, Mit den tuͤrkschen Kunstgewirke, mit Tapeten uͤber- spannt; Hie ist eine Lage gruͤn, da der Blumen bunte Spizzen Wie ein heller Silberstrahl, wie erhabnes Stick- werk blizzen. Da laͤst sich ein rothes Feuer, dort ein blaulicht Flammen sehn, Von den roth und blaugemahlten Blumen, die darzwischen stehn: Dort ist die Tapecerei, wieder anders uͤbermah- let, Die wie ein verguͤldtes Tuch, kostbar in die Augen strahlet, Das mit Ranken durchgebluͤmet. Wirft man den vergnuͤgten Blik, Auf die breiten Gegenden die in Bluͤte stehn, zu- ruͤk; So sieht man die bunte Pracht allenthalben herrlich glimmen Und in einer heissen Glut, wie in glatten Meere schwimmen. Wenn die Erndte Zeit sich naͤhert, und die Hal- men sich gesteift Die die Sonne endlich troknet, und mit ihren Koͤrnern reift: So verdoppelt sich die Lust, wenn wir bei den sanf- ten Wehen, Auf Der Sommer. Auf dem gelben Akkerfeld, die bewegten Halmen se- hen. Da wallt unser Herz von Freude, wenn der Wind die Frucht bewegt, Und ein lispelndes Gezische in den Aehren-Meer erregt, Und gleichsam den Landman sagt, daß die Zeit an ihren Seegen, Den der Sommer reif gemacht, nun die Siechel anzulegen. Es entsteht ein muntres Jauchzen; man wird bald der Schnitter Schaar, Die recht froh zu Felde ziehet, in der Erndte-Zeit gewahr, Und die ganze Dorfschaft kommt, die die Sensen scharf gewezzet, Welche die bewegte Faust, mit begierger Lust an- sezzet. O’ ein angenehmes Kriegen! wo die Erndte-Sie- chel blinkt, Und auf jeden Schlag die Beute mit den Feind dar- nieder sinkt. Wo ein lustigs Feldgeschrei! ohne alles Blutver- giessen, Wo von der beschwizten Faust, zwar die heissen Tropfen fliessen, Doch aus keinen Wunden rinnen. Welch ein Schauspiel giebt das Feld, Da der Landmann seine Voͤlker, wie zur Schlacht in Ordnung stellt: Da folgt immer Schlag auf Schlag, Hieb auf Hieb, und Bliz auf Blizzen Wenn sie mit geschwenkten Arm, durch die dorren Halmen rizzen Zweyter Theil. B Und Der Sommer. Und in Garben zu sich ziehen. Welch ein emßiges Gewuͤhl! Und das in der schwuͤlen Hizze: doch die Arbeit, wird zum Spiel Weil sie in der Aehren-Meng, die sie froh zusam- men binden, Einen fetten Lebens-Mark, wieder sich zu staͤrken finden. Diese Hofnung staͤrkt das Herze und erwekket in der Brust Der beschweißten Schnitter Freude; ihre Muͤhe wird zur Lust Wenn sie mit geruͤhrten Sinn den geschenkten Nah- rungsseegen, Den der fette Boden traͤgt und von Hoͤchsten fliest, erwegen. O! ein lustiges Gewimmel! ist es gleich recht schwuͤl und heis, So bleibt dennoch unermuͤdet, ihr vergnuͤgter Ernd- te-Fleis, Einer bindet, jener haͤuft und stellt in geschwinden Wandeln, Die geknuͤpften Garben auf, und macht reiche See- gens-Mandeln; Daran eine Aehren-Menge, die auf ihren Halmen haͤngt, Ein betrachtendes Gemuͤte zu dem hoͤchsten Geber lenkt, Wenn sie wie mit Fingern zeigt, daß von den be- stirnten Hoͤhen, Als der GOttheit lichten Thron, sie und alle Ding, entstehen. Wenn das Feld mit solchen Hauffen, als mit Kro- nen ausgeschmuͤkt, Dar- Der Sommer. Daran ein geruͤhrtes Auge so viel Wunder hat er- blikt, Als der Koͤrner grosse Zahl; so sind da die Erndte- Wagen, Diese reiche Felderfrucht in die Scheuren einzutra- gen. Man bepakt die weiten Leitern, und legt immer Schicht auf Schicht, Die beschaͤumten Pferde ziehen, und das raschelnde Gewicht Rollt, wenn gleich die Achse knarrt, fort auf den bestaͤubten Wegen, Die beim muntren Pferde Trab, hintern Wagen sich erregen, Und gestaͤubte Wolken machen, die sich wiederum verziehn, Wenn die aufgehaͤuften Lasten, gaͤnzlich aus dem Felde fliehn. O! vergnuͤgte Sommerlust! da das Feld so wird erreget, Wenn man die gedeihte Frucht in die Vorrathskam- mern traͤget; Hie rauscht von bewegten Sensen, der getrofne duͤr- re Halm Da in Luͤften wiederhallet, der erfreuten Schnitter Psalm, Den sie mit den Jubel-Chor, aus gedorrten Gau- men zwingen, Darin sie des Schoͤpfers Ruhm, der das Feld ge- baut, besingen. Da knarrt der gedrukte Boden, von des Wagens Last beschwert, Der mit rasselnden Geraͤder uͤber seine Flaͤchen faͤhrt; B 2 Die- Der Sommer. Dieses freudige Geschrei, wird durch das Geklatsch verwirret, Das des Fuhrmans Peitsche macht, damit er die Pferde schirret Wenn sie nicht in Fluͤchten rennen. Diese frohe Munterkeit, Macht die Felder immer rege, bis die dunke Abends- zeit Jeden zu der Ruhe weist; Alsdenn gehen die ge- schnitten, Unter jauchzenden Geschrei, freudig wieder zu den Huͤtten Wo sie die erschoͤpften Glieder, die von saurer Ar- beit mat, Wiederum von neuen staͤrken, auf der weichen La- gerstat. Wenn der Morgen wieder graut und die Post des Tages bringet, Wird der Felder rege Lust abermahl als wie verjuͤn- get, Bis der Seegen eingescheuret, den der Vorsicht Gnadenhand, Bei des Sommers warmer Milde, ihren Kindern zugewandt. GOtt! der du als Brunn des Lichts, woraus al- les Gute quillet, Durch der Sonnen rege Glut, jenen Luftkreis an- gefuͤllet, Der durch sein erwaͤrmend Hauchen Geist und Blut zur Lust anfacht, Wie gar gros ist deine Guͤte, deine Weisheit, dei- ne Macht! Himmel, Erde, Wald und Feld, das beschaͤumte Reich der Wellen, Sind Der Sommer. Sind von deinen Wundern voll, die sich uns vor Augen stellen. Du allweiser Zeit-Regierer, ordnest alles herrlich an, Du giebst bei des Sommers Hizze, was den Gaum erfrischen kan. Schiest des Himmels heitrer Strahl uns recht brennend ins Gesichte: So schenkst du uns zu der Zeit manch erquikkendes Gerichte Das mit solchen Saft erfuͤllet, der uns kuͤhlet, labt und speist, Und auf deine weise Guͤte, allemahl zuruͤkke weist. O! ihr Gaͤrten eure Frucht, laͤsset den erhizten Keh- len, Nicht an dem erfrischend Obst, nicht an saftgen Beeren fehlen, Die uns wie in schoͤnen Schaalen wunderbarlich sind geschenkt Woraus uns die ewge Liebe, als mit suͤssen Nectar traͤnkt. Euer Schattenreiches Dach, das aus Laubwerk ist verbunden, Giebet uns bei schwuͤler Luft kuͤhlende Erquikkungs- stunden. Eure sammtnen Grase-Dekken die natuͤrlich, rei- zend, schoͤn, Sind die Polster suͤsser Ruhe, worauf wir uns sanfte drehn, Wenn der Westwind uns einwiegt, und mit fri- schen Laube kuͤhlet, Darin sein unsichtbahr Hauch mit gelinden Blasen spielet. B 3 Men- Der Sommer. Menschen! wenn ihr solch Vergnuͤgen zu der Som- merszeit genießt, O! so denket an die Quelle, woraus solch Ergoͤzzen fließt, Lasset durch den Sonnenstrahl, eure Andacht euch entzuͤnden, Merket auf die hoͤchste Guͤt, bei dem freudigen Em- pfinden, Das sich in den Adern reget; dankt der ewgen Guͤtigkeit, Fuͤr die suͤssen Gnadengaben der beliebten Sommers- zeit; Preiset seine grosse Macht, die den Schauplaz die- ser Erden, Bei des Sommers warmer Lust lassen zum Gewaͤchs- haus werden. Ruͤhmet sein allweises Walten, das im Lusthaus dieser Welt, Denen Lustbegiergen Sinnen, so viel Anmuth vor- gestellt. Lernet daran einzusehn, wie uns zum vergnuͤgten Leben, Die stets wuͤrkende Natur, Mittel sattsam darge- geben; Und wie unsers Schoͤpfers Wille, uns darum so viel beschert, Daß wir seine Guͤte schmekten, die uns uͤberfluͤßig naͤhrt. Lernet wie wir schuldig seyn, Jhn mit frohen An- dachtstrieben Als das allerhoͤchste Gut, zu erkennen und zu lie- ben. Wenn die Sommerszeit verstrichen, so folgt auf den warmen Tag, Bald Der Sommer. Bald der truͤbe Herbst und Winter mit den Frost und Kaͤlte nach: Last euch dies ein Denkbild seyn, das mit denen Sommer-Jahren, Auch die Munterkeit vergeht. Man muß auf dem Win- ter sparen, Wenn die Zeit der reichen Erndte, Boden, Faß und Keller fuͤllt; Wenn der Brunquell aller Gaben, von den See- gen uͤberquillt: So muß man bei frischer Kraft der noch muntren Leibessaͤfte Als zur rechten Erndte-Zeit, treiben sein Berufs- geschaͤfte. Hier sind immer Zeiten-Wechsel, und der Son- nen Unbestand, Macht die Aendrungs-volle Erde, wie uns allen wol bekand, Zu den grossen Jnbegrif, wo die Eitelkeit regie- ret; Dadurch wird der rege Sinn das zu suchen, ange- fuͤhret Was bestaͤndig ewig dauret. Dieses ist nur da zu sehn, Wo sich die vollkomnen Zirkel guͤldner Ewigkeiten drehn; Jn der seelgen Geister-Welt, wo die ewge Sonn zu schauen, Wo es immer Sommer bleibt, dort in Salems gruͤ- nen Auen. B 4 Die Die mannigfaltige Weisheit GOttes Die mannigfaltige Weisheit GOttes im Reiche der Gnaden Bei der Offenbahrung des Erloͤsers und seiner Lehre Als eine Fortsezzung des lezten Gedichtes im ersten Theile. J ch will nunmehr weiter singen, Von den wunderbahren Dingen Die im Neuen Testament Uns der Hoͤchsten Weisheitsstrahlen Klaͤrlich vor die Augen mahlen An der Kirchen Firmament, Wo die helle Gnadensonne, Sich verklaͤrt in guͤldner Wonne. J Esus kam, der ward gebohren, Der was Adam hat verlohren, Gluͤklich wieder hergestellt: Engel musten zum Erstaunen, Jn den Luͤften ausposaunen, Es sei da, das Heil der Welt, Das nach dem vollbrachten Ringen, Wuͤrde Frieden wiederbringen. Welch im Reiche der Gnaden. W elch ein weises Vorsichts Fuͤgen JEsus must in Krippen liegen, Als ein Kind das arm und blos! Von dem alle Ding entstehen, Die im Reich der Macht zu sehen; Den der Himmel nicht umschloß, Noch die Erde konnte fassen, Der ward elend und verlassen. W enn ich diesen Heiland sehe, So zeigt er der GOttheit Hoͤhe Doch bei seiner Niedrigkeit, Er war arm; die Seraphinen Musten ihn im Elend dienen, Da er uns im Fleisch erfreut: Das kann uns die Lehre geben, GOttes Weisheit zu erheben. L uft und Himmel ward erreget, Und die Erde ward beweget Als er in dem Fleisch erschien: Hie ist abermahl zu finden Jn den dunklen Vorsichtsgruͤnden Des Allweisesten Bemuͤhn, Aller Welt dadurch zu lehren, JEsum als ihr Heil zu ehren. J uden konten leichtlich schliessen Und bei ihrer Schazzung wissen, Daß die Zeit des Heils sehr nah; Da der Scepter war verlohren, War ihr Koͤnig auch gebohren Und in der Erfuͤllung da; B 5 Was Die mannigfaltige Weisheit GOttes. Was einst Jacobs Geist gesehen, War zu Betlehem geschehen. W enn wir auf des Heilands Leben, Nur im Glauben Achtung geben; Wie das Evangelium; Daran wir recht glaͤuben sollen, Jn die ganze Welt erschollen: So muß man zu GOttes Ruhm, Dies Bekaͤnntnis glaͤubig bringen: GOtt ist weis in allen Dingen. M enschen muͤssen seinen Willen, Ohne Wiederstand erfuͤllen, Wenn die Allmacht sie bewegt: Aber durch ein maͤchtig Zwingen, Einen zu den Glauben bringen Den GOtt uns hat vorgelegt, Heist der Menschheit freies Waͤhlen, Wieder die Natur zu quaͤlen. W enn des Hoͤchsten Gnadenstimme, Mit den Bliz von seinen Grimme, Mit den Donner seiner Macht, Zugleich waͤre ausposaunet; So waͤr alle Welt erstaunet, Zu des Heilands Lehr gebracht: Aber Christi Reich der Liebe Braucht nicht Zwang, nur starke Triebe. D arum waren arme Lehrer, Seine grossen Reichs-Vermehrer, Von dem Geist der Kraft geruͤhrt; Die vor aller Welt verachtet, Wur- im Reiche der Gnaden. Wurden hie geschikt geachtet, Und mit Gaben ausgeziert, Daß die Weisheit dieser Erden, Muste lauter Torheit werden. O ! wie weise ist das Wesen, Das Apostel auserlesen, Die kein Wissen aufgeblaͤht, Die von keiner Macht gestaͤrket; Weil man daraus klaͤrlich merket, Daß der JEsus der erhoͤht, Ueber alle Wolken sizzet, Sie gelehret und beschuͤzzet. J uden, Heiden, Weise, Tohren, Alle hatten sich verschworen, Christi Lehr und Heiligthum, Zu zernichten, zu zerstoͤhren, Alle wuͤtend zu verheeren, Die das Evangelium Als die reine Warheit kannten, Und sich daher Christen nannten. A ber hie war GOttes Finger; Der ein siegender Bezwinger, Ueber Hoͤll und Teuffel war, Konnte ihre Wuth bald legen, Daß sie mit geschaͤrften Degen, Wie ans der Geschichte klar, Nie vermogten zu besiegen, Die mit Geistes Schwertern kriegen. S eht dies an ihr tollen Spoͤtter, Wer war der Apostel Retter, Die Die mannigfaltige Weisheit GOttes. Die sich gegen alle Welt, Ohne eine Macht zu haben, Nur mit Lehr und Wundergaben, Jhren Brustschild aufgestellt: Und dennoch ist es gelungen, Daß sie List und Macht bezwungen. W ie der Bliz, wenn er entbrennet, Flammend durch die Luͤfte rennet; So ging auch des Hoͤchsten Wort, Mit dem Wundervollen Brande, Durch der Erden finstre Lande, Als ein Licht im Glanze fort, Da von Feurreichen Zungen, Christi Warheits-Lehren klungen. S eht! wie eure List zernichtet, Die mit eitlen Luͤgen dichtet, Was der Warheit schaden kann. Woher sind die weisen Lehren, Die wir von dem Heiland hoͤren? Sehet die Apostel an, Die die Niedrigsten der Erden, Muͤssen JEsus Boten werden. H aͤtte GOtt die auserlesen, Die der Welt nach klug gewesen, So hies es: des Heilands Lehr Jst mit klugen Wiz ersonnen. Dieser Einwurf ist zerronnen, Das kann euch zu GOttes Ehr, Seiner Weisheit lichte Strahlen, Deutlich vor die Augen mahlen. Haͤt- im Reiche der Gnaden. H aͤtte er die auserkohren, Die als Koͤnige gebohren, Die mit Schwerdt und Macht versehn: Alsdenn wuͤrdet ihr einwenden, Daß mit Macht und starken Haͤnden, Die Bekehrung sei geschehn; Dieses Einwurfs stark Gewichte, Machte GOtt auch hie zu nichte. W elche Weisheit-volle Blikke, Sehen wir in dem Geschikke, Das des Heilands Reich bestimmt; Wenn man nur geruͤhrt beschauet, Wie es auf sein Blut gebauet, Wie die Kirch im Blute schwimmt; Wie sie, wenn sie unterlieget, Dennoch Hoͤll und Welt besieget. E s ist kund aus der Geschichte, Was vor schroͤkliche Gerichte, Christi Kirch erduldet hat: Sie war wie ein Schif im Stuͤrmen, Doch das goͤttliche Beschirmen, Lehret uns den weisen Rath, Der die Flut also umdaͤmmet, Daß sie es nicht umgeschwemmet. M aͤrtrer Blut, das ward zum Saamen, Woraus gleichsam Christen kamen; Wenn die Wut darauf bedacht, Wahren Glauben zu erstikken; Reine Lehr zu unterdruͤkken: Doch wie wol hats GOtt gemacht; Der Die mannigfaltige Weisheit GOttes Der den Sturmwind so gedrehet, Daß die Kirch dadurch bestehet. W ie ein Wind durch stuͤrmend Rasen, Pflegt die Fakkeln anzublasen, Daß die Glut viel heller brennt: So sind in Verfolgungs-Zeiten, Bei der Feinde Wiederstreiten Christi Glieder nicht getrennt; Sondern dieser Kreuzes-Orden, Jst dadurch viel groͤsser worden. S o hat selbst die Wuht der Feinde, Des Erloͤsers treue Freunde, Jn der Glaubens-Kraft bestaͤrkt; Die wie Gold in Feur bewaͤhret, Jn der Truͤbsal nur verklaͤret. Wer dies alles recht bemerkt, Der sieht von des Hoͤchsten Fuͤgen, Darin weise Spuren liegen. W enn die, die den Heiland kannten, Jn den heissen Flammen brannten; Wenn die fromme Christen Schaar, Alle Henkers Qual erlitte, Und im Glauben freudig stritte, So ward dadurch offenbahr Daß die ewgen Warheits Lehren, Auch in Leiden Kraft bescheren. D ieses ruͤhrete die Seelen, Die durch Peinigen und Quaͤlen Christi Untergang gesucht; Und die durch ergrimmtes Wuͤten Chri- im Reiche der Gnaden. Christen hakten, koͤpften, brieten Und den Heiland selbst verflucht, Wurden auf den Schaugeruͤsten, Oefters Sanftmuts-volle Christen. H oͤchste Weisheit! dein Regieren, Jst hierinnen klar zu spuͤren Daß in der Verfolgungs-Zeit Die gedruͤkte Kirch erhoben Und bei ihrer Feinde Toben, Doch den Saamen ausgestreut Der jemehr er weggeraͤumet, Desto bluͤhender gekeimet. B ei so harten Wiederstande, Von des Teuffels Rott und Bande Siegte die Religion, Die dem Fleisch und Blut zuwieder. Es vermehrten sich die Glieder Die des Kreuz-Reichs Marterkron, Durch des Geistes Trieb bewogen, Gold und Schaͤzzen vorgezogen. N ach den truͤben Finsternissen, Die sich doch verklaͤren muͤssen, An der Kirchen Firmament; Sahe man die Gnaden-Sonne Die mit Strahlenreicher Wonne, Der Gewitter Dunst zertrennt: Nach den schwarzen Ungeluͤkke, Sah man helle Freuden Blikke. S elbst die Hohen dieser Erden, Musten Christi Schuͤler werden, Wie Die mannigfaltige Weisheit GOttes. Wie die Weisheit es gelenkt; Die auf wunderbahre Weise, Des verborgnen Schiksals Gleise, Mit der Erden Kugel schwenkt; Daß das endlich muß geschehen, Was sie vorher ausersehen. A ls sich erst die hohen Thronen, Und der Fuͤrsten Ehrenkronen, Zu des Heilands Lehr geneigt; Folgten auch die Unterthanen, Die bei Christi Kreuzes-Fahnen, Schwoͤrend ihre Treu bezeugt: Daß sie den, der laͤngst erschienen, Wolten stets als Koͤnig dienen. O ! wie wunderbahr, wie weise, Sing ich zu des Hoͤchsten Preise, Sind die Koͤnige bekehrt; Daß sie JEsum angenommen Und zu dem Erkenntnis kommen; Welches uns die Wege lehrt Dort ein ewigs Reich zu erben, Wenn wir dieser Welt absterben. M enschen, die im Gluͤkke spielen, Und im Erden-Kothe wuͤhlen, Nur auf Eitelkeit bedacht; Die von Herschsucht aufgeblasen, Die in Wollust schaumend rasen, Die die Ewigkeit verlacht; Hat die Weisheit die regieret, Wunderbahr herum gefuͤhret. Wenn im Reiche der Gnaden. W enn die Koͤnige gekrieget, Und den Feind mit Macht besieget, Hat GOtt die Gelegenheit Oftermahls also geleitet, Daß sie dadurch zubereitet Christi grosse Herrlichkeit Jn der Demut zu erkennen, Den, als ihren HErrn zu nennen. W enn man nur die Zeitgeschichte, Die glaubwuͤrdigen Berichte, Der verfloßnen Jahre sieht; So sieht man die weisen Spuren, Wie GOtt um die Kreaturen Und ihr ewges Heil bemuͤht: Da er wider alles Denken, Sie zu Christo weis zu lenken. O ! die wunderbahren Gaͤnge, Breite, Hoͤhe, Tieffe, Laͤnge, Der verborgnen Vorsehung, Die sich bei den Christenthume, Offenbahrt zu ihren Ruhme, Sehn wir mit Verwunderung, Jndem es ohn alles Zwingen, Jhrer Weisheit muß gelingen. D ies Volk wurde so bewogen, Zu des Heilands Lehr gezogen, Jenes wieder anders noch: Jrdische Begebenheiten, Gluͤk und Ungluͤk, Fried und Streiten, Zwang sie in das sanfte Joch, Zweyter Theil. C Das Die mannigfaltige Weisheit GOttes Das der Heiland uns zum Seegen, Pflegt aus Liebe aufzulegen. W as der Menschen Wiz ersehen, Pfleget oft nicht zu geschehen, Ofte aber gilt ihr Rath: Beides weis GOtt so zu fuͤgen, Wie ers, ihnen zum Vergnuͤgen Weislich vorgesehen hat: Auch das Boͤse dieser Erden, Muß uns oft zum Guten werden. J n der Welt und ihren Reichen, Jn dem Christenstaat imgleichen Gehet oft viel boͤses vor. Es entstehen oft Rebellen, Die wie grause Meeres-Wellen Jhre Wirbel drehn empor: Was aus dieser Wuth entspringet, Laͤst GOtt zu, daß es gelinget. H ier ist doch ein weises Walten, Das in jeglichen Anstalten, Den verborgnen Finger zeigt: Und das boͤse, was entsponnen, Aus des Satans Pful geronnen, Wird von GOtt also geneigt; Daß es wieder ihren Willen, Muß der Weisheit Zwek erfuͤllen. C Hristi Reich, sein heilger Tempel Giebet uns davon Exempel; Kaum ward es gepflanzt, gebaut: So ward bei den guten Saamen, Bei im Reiche der Gnaden. Bei des Heilands Lehr und Namen, Satans Unkraut, angeschaut, Da die falschen Kezzereien, Trespen untern Weizen streuen. D a entstand ein heilig Kriegen, Unter Warheit, unter Luͤgen, Unter Licht und dunklen Dampf Und die Kirche ward ein Himmel, Da des Jrrgestirns Gewimmel, Bei den innerlichen Kampf, Sich von Zeit zu Zeit vemehrte, Und der Warheit Schein verkehrte. A ch! seufzt hie die Turteltaube, Die gedruͤkte Kirch, der Glaube Wird nunmehro unterdruͤkt; Warheit die im Glanz gefunkelt, Wird wo nicht durchaus verdunkelt, Doch mit Blendwerk falsch geschmuͤkt: Und wird durch die Jrrungen, Jmmer mehr und mehr verdrungen. W ie laͤst GOttes weise Guͤte, Dieses Unkrauts giftge Bluͤte Auf den Kirchen-Akker stehn? So muß ja des Weizens Seegen, Sich verdorrt zu Boden legen Und verwelkend untergehn; So wird ja die Warheitslehren, Satans Luͤgengeist zerstoͤhren. N ein, im Reiche der Genaden, Wird des Jrthums boͤser Schaden E 2 Von Die mannigfaltige Weisheit GOttes. Von der Weisheit doch genuͤzt: Jndem wieder falsche Lehrer, Wieder schaͤdliche Verkehrer, Wahrer Glaube ist beschuͤzt; Da der Kezzer Finsternissen, Jhn nur mehr erhellen muͤssen. W ie der Schatten im Gesichte, Mehr erhellt den Strahl vom Lichte Den der Mahler Pinsel zieht; Wie bei solchen Dunkelheiten, Sich die Zuͤge hell ausbreiten, Und daraus die Schoͤnheit bluͤht: So dient auch des Jrrthums Schwaͤrze Einer lichten Glaubens-Kerze. D aß des Jrrwahns Fechterstreiche, Des Erloͤsers Gnadenreiche Und der Warheit vortheilhaft; Jst daraus ganz klar zu sehen, Weil der Feinde Wiederstehen Diesen Nuzzen laͤngst geschaft; Daß bei ihren Einwendungen, Warheit staͤrker durchgedrungen. D es Unglaubens stumpfe Waffen, Pflegen ihn nur selbst zu straffen, Wenn er durch der Warheit Bliz, Als von jaͤhen Schlag geruͤhret, Bogen, Schild und Pfeil verlieret. Da entbloͤsset uns sein Wiz Nur die Schande boͤser Herzen, Die in Glaubenssachen scherzen. Wenn im Reiche der Gnaden. W enn der Hoͤllen finstre Rotten, Christi Lehr und Glauben spotten, So gereicht das ihm vielmehr, Und der Christen frommen Schaaren, Die das reine Wort bewahren, Statt der Schande, nur zur Ehr; Weil sie durch die Spoͤttereien, Jhre Ohnmacht selbst ausschreien. W eisheit die zum Besten lenket, Wenn der Mensche boͤses denket, Hie zeigt sich uns abermahl Von der Vorsicht klugen Schluͤssen, Die wir stets verehren muͤssen, Und von dir ein lichter Strahl, Da die Glaubensstreitigkeiten Jmmer neuen Sieg bereiten! F einde die den Glauben stuͤrmen, Treiben solchen zu beschirmen Nur zur Gegenwehre an. Durch der Wiedersacher Bogen, Sind die Lehrer stets bewogen; Und wer Warheit pruͤfen kan Gruͤndlicher das vorzutragen, Wenn sie nach Beweisthum fragen. M anche schoͤne Warheits-Lehre, Dadurch unsers Schoͤpfers Ehre Herrlich wird vor aller Welt, Waͤre nicht in solchen Lichte, Wenn nicht Spoͤtter vors Gerichte, Jhres Wizzes sie gestellt, C 3 Die Die mannigfaltige Weisheit GOttes Die denn andre angetrieben, Sich im Glaubenskampf zu uͤben. D aß so viele Glaubenshelden, Davon die Geschichte melden, Die die Schanze wol beschuͤzt; Die der Spoͤtter Spies zerbrochen, Womit sie so schreklich pochen Zeigt, wie sehr der Streit genuͤzt, Denn wer will in Glauben siegen, Muß zuvor mit Feinden kriegen. W ird ein Schwerd am Stein gewezzet So wird es doch nicht verlczzet, Sondern vielmehr scharf und glat: So gehts auch in Glaubenssachen, Die darinnen Zweiffel machen, Muͤssen nach der Weisheit Rath, Nur die Warheit mehr erhellen, Der sie sich zuwieder stellen. W ie viel freudige Bekenner, Finden sich, wenn ein Zertrenner, Christi Reich zum Aufstand dringt; Da sieht man des Glaubens-Triebe Und was edle Warheits-Liebe Vor erwuͤnschte Fruͤchte bringt: Da die was sie wollen spalten, Nur verbinden und erhalten. J hr die ihr zum Aergernisse Macht, die mannigfaltgen Risse Die des Heilands Reich zertheilt: Wenn ihr dieses nur bemerket So im Reiche der Gnaden. So seid ihr dadurch bestaͤrket, Daß ihr euch sehr uͤbereilt, Weil das Boͤß im Reich der Gnaden, Nicht dem Guten koͤnnen schaden. A uf so mannigfaltgen Wegen, Spriest des Allerhoͤchsten Seegen Jn des Heilands Kirchenstaat, Denn die Weisheit stets regieret, Und beschuͤzt, vermehrt, gezieret: Wer davon Erfahrung hat Wird das mit geruͤhrter Seelen GOtt zum ewgen Ruhm erzaͤhlen. W eislich weis er solche Herzen, Die mit Buß und Glauben scherzen, Als ein Wild ins Nez zu ziehn. Guͤnstig Gluͤk, bald Ungeluͤkke, Brauchet er zum Liebes-Strike, Damit haͤlt er, die ihn fliehn: Ob sie aus den Laster-Schlingen, Wiederum heraus zu bringen. O ! ihr vormahls tollen Suͤnder Die ihr nunmehr GOttes Kinder, Seht zuruͤk auf eure Bahn; Denket nach, wie ihr geruͤhret, Wie ihr aus den Schlund gefuͤhret, Drin die Seel verderben kan: Muͤst ihr nicht mit Lust bekennen: GOtt sey weis und gut zu nennen? J hr liegt nun in seinen Armen, Da sein weisliches Erbarmen, C 4 Euch Die mannigfaltige Weish. GOttes im Reiche der G. Euch der Kindschaft Recht geschenkt Sein recht vaͤterliches Sehnen, Brachte euch zu Buß und Thraͤnen, Und hat euch zu sich gelenkt; Daß ihr stat der Zorngerichte, Nun geniest des Glaubens-Fruͤchte. C hristen! ruͤhmt die weise Liebe, Die in euch die heilgen Triebe, Durch des Wortes Kraft erregt; Preist und lobet dessen Nahmen, Der so wunderbahren Saamen, Durch den Geist ins Herz gelegt, Zeigt die Fruͤchte in den Leben, So wird GOtt euch Gnade geben. Die Die angenehme Morgenroͤthe. Die angenehme Morgenroͤthe Und das Vergnuͤgen beim Aufgang der Sonne. D er Morgenroͤthe schimmernd Pran- gen Verkuͤndiget des Tages Licht, Da sie mit ihren Rosenwangen, Durch Nacht und Schatten freu- dig bricht. Sie oͤfnet ihre guͤldne Thoren; Dadurch der Tag wird neu ge- bohren Und wirft den aufgeglomnen Strahl, Der in den dunklen Luftkreis schwimmet, Jm weis und rothen Farben glimmet, Aus einen tieffen Abgrunds-Thal. S ie dehnet ihre hellen Fluͤgel, Und schwingt sich immer hoͤher auf, Bis sie der Erden hohe Huͤgel Bestrahlt in ihren fruͤhen Lauf. O! was vor angenehmes Glaͤnzen, Der Berge Gipfel sind mit Kraͤnzen, Von Purpurrosen uͤberstreut, Bald scheints, als wenn von ihren Spizzen, Die funkelnden Rubinen blizzen, O! hoͤchstvergnuͤgte Morgenzeit. C 5 Der Die angenehme Morgenroͤthe. D er Aufgang der gestrahlten Roͤthe, Erhebt sich bis ins feuchte Feld, Wo sie der Aekker Kunsttapete, Die die Natur gewirkt, erhellt. Die bleichen Farben von dem Lichte, Falln wie ein Silber ins Gesichte; Wenn in den tieffen Thal und Au, Das Licht die Finsternis verdrenget, Sich in die dunklen Schatten menget, Entsteht ein demmricht klares Grau. D er Naͤchte Flor wird weggezogen, Je hoͤher das entglomne Licht, An den verklaͤrten Himmelsbogen, Erhebt sein feurigs Angesicht. Die Schleier, die den Wald verstekket, Und ihren gruͤnen Kranz bedekket, Die werden nunmehr abgethan, Und was mit gruͤnen Schmuk gebildet, Sieht man am Morgen wie verguͤldet, Jn Strahlenreicher Wonne an. O ! welch ein uͤberirdisch Glimmen, Der Fluͤsse nasses Element, Sieht man in regen Lustfeur schwimmen, Als wie ein fliessend Gold das brennt: Daß, wenn sich in bewegten Flaͤchen, Der Morgenroͤthe Strahlen brechen, Mit tausendfachen Farben strahlt, Und des verjuͤngten Lichtes Bronnen, Das Bild der aufgegangnen Sonnen, Jn einen Fluthen Spiegel mahlt. Auf Die angenehme Morgenroͤthe. A uf Buͤrger der entschlafnen Erde, Jezt koͤnnt ihr mit Vergnuͤgen sehn; Was durch das Allmachts-Wort: Es werde Jm Anfang aller Ding geschehn, Da aus den truͤben Finsternissen, Das Licht sich offenbahren muͤssen. Seht! wie der GOttheit feurig Bild, Die Schatten nach den Westen jaget, Des Tages frohe Post ansaget, Da es von Osten aufwerts quillt. V erlaßt doch die gedruͤkten Pfuͤle, Da eure Leiber gnug erquikt: Und seht die frohen Wunderspiele, Die man in der Natur erblikt. Verklaͤret die geschloßnen Augen, Damit sie recht zu sehen taugen, Wie lieblich das bestirnnte Zelt, Daraus wenn Nacht und Schatten fliegen, Zu GOttes Ruhm, uns zu vergnuͤgen, Sich zeigt das Auge dieser Welt. W ohlan! der Schlaf ist weggentischet, Drum strekt des Geistes Kraͤfte an, Der matte Leib ist nun erfrischet; Drum preist den GOtt der es gethan. Gebrauchet die erblikten Wunder, Entflammet doch den Andachtszunder, Jn eurer GOtt geweihten Brust; Bemerkt die Strahlenreiche Wonne, Erblikt darin der Sonnen Sonne, Das ist die beste Sommer-Lust. O! Die angenehme Morgenroͤthe. O ! merket mit erwachten Sinnen, Auf die belebte Munterkeit, Die von den blauen Himmels-Zinnen, Jn heitren Glanz wird ausgestreut. Seht wie die Felder, wie die Auen Von Seegens-vollen Balsam thauen Wie? ist nicht alles Wunderschoͤn Ein jedes Troͤpfgen dieser Naͤsse, Laͤst uns der Sonnen Wundergroͤsse, Jn seinen kleinen Spiegel sehn. J hr sehet an den Grases Spizzen, An Blumen, Laub, den Perlen-Thau, Und daraus solche Strahlen blizzen, Die gruͤnlich roth, bald gelblich blau. O! welche kleine Wundersonnen Entstehn aus Tropfen die geronnen, Jn einer sanft und kuͤhlen Nacht, Denkt dabei nach, in dem Gemuͤhte, Wie uns des Hoͤchsten Vater-Guͤte Die sich in allen zeigt, anlacht. D ie frischen ausgehauchten Duͤfte, Die aus den feuchten Kraͤutern gehn, Die als ein Rauchwerk in die Luͤfte, Und wie ein Lebens-Balsam wehn, Die geben durch ihr lieblich Blasen, Der Lunge Kraft und Luft der Nasen Die ihren suͤssen Auswurf schmekt; Es scheint als wenn die Sonnenstrahlen Auf Feld und Wiesen Raͤucherschaalen Mit Weirauch, in den Brand gestekt. Dies Die angenehme Morgenroͤthe. D ies deucht mir kann uns dieses lehren, Es bringe jede Kreatur Ein lieblich Opfer dem zu Ehren, Der HErr, im Reiche der Natur. Wir fuͤhlen ihr erfrischtes Hauchen, Wir sehn sie als Altaͤre rauchen, Ach moͤchten wir uns auch bemuͤhn; Der Andacht heilge Raͤucherkerzen, Jn unsern GOtt geweihten Herzen, Zum Dienst des Schoͤpfers anzugluͤhn. W ir sehen die Natur in Flammen, Wenns Morgenlicht den Tag anfacht: Ach! wuͤrde auch von uns zusammen, Die Sommerszeit so hingebracht, Daß wir von Himmelsstrahl geruͤhret, Stets daͤchten: Mensch auch dir gebuͤhret Jn heisser Andacht den zu ehrn, Von dessen unsichtbahren Wesen Wir allenthalben Wunder lesen, Empfinden, merken, schmekken, hoͤrn. H oͤrt, wie der Voͤgel muntres Singen, Durch ihren hellen Wunderklang. Euch treibt ein Danklied dem zu bringen, Den man in frohen Lobgesang, Mit Herz und Munde muß verehren. Jhr freudig zwitschern kan uns lehren, Wie GOtt die Kreatur erfreut Der durch den guͤldnen Strahl von Morgen, Die Schrekgespenster schwarzer Sorgen, Mit ihrer truͤben Nacht zerstreut. Auf! Die angenehme Morgenroͤthe. A uf! auf! erheitert das Gemuͤthe Durch den vergnuͤgten Sonnenschein; Und last des Hoͤchsten Wunderguͤte, Den Vorwurf eurer Sinnen seyn. Der Vorhang ist nun weggezogen, Seht nun die blauen Himmelsbogen, Jn ihrer guͤldnen Klarheit an, Wie man in den gewoͤlbten Breiten, Den grossen HErrn der Herrlichkeiten Als unsichtbar, doch kennen kan. O ! seht an den beperlten Gruͤnen, Wie unser Schauplaz schoͤn geschmuͤkt, Da GOtt die schwarzen Nacht-Maschinen Durch seine Allmacht weggeruͤkt. O! was vor eine rege Freude, O! was vor bunte Augenweide Geneust der Mensch in dieser Welt, Da alles wunderschoͤn gebildet, Bemahlt, versilbert, uͤberguͤldet, Und reizend, lieblich dargestellt! W er diese Wunder nicht wil sehen, Jst warlich keiner Augen wehrt; Wer daran GOtt nicht wil erhoͤhen, Was er uns hat zur Lust beschert, Der muͤste in den Finsternissen, Die Unempfindlichkeit stets buͤssen, Die wieder die Natur sich streubt; Der muͤste wohnen in den Grenzen, Wo weder Sonn noch Monden glaͤnzen, Wo alles finster, schrekhaft bleibt. Das Die angenehme Mdrgenroͤthe. D as Licht legt den geregten Sinnen Stets neue Wunderdinge fuͤr An den sapphirnen Himmels-Zinnen, Auf unsrer Erde Lustrevier. Ja, allenthalben wo wir gehen, Wohin wir unsre Augen drehen, Da ist ein Vorwurf suͤsser Lust, Wodurch als wie ein Strom durch Roͤhren, Die Stroͤme reger Freude kehren, Die denn erquikken Herz und Brust. S o viel Vergnuͤgen stammt vom Lichte, Das alle Dinge sichtbar macht, Aus dessen feurigen Gesichte Strahlt aller Kreaturen Pracht. Bedenkt, wie herrlich jene Wonne, Da GOTT! der aller Sonnen Sonne Des Himmels Wohnungen erhellt; Was werden wir vor Wunder schauen, Jn jenen immer gruͤnen Auen Der vollenkomnen Geisterwelt? E rwegt: so oft ihr freudig sehet Wie das verjuͤngte Morgenlicht, Aus seinen dunklen Tieffen gehet, Mit Purpurrothen Strahl ausbricht, Wie aller Zeiten Nacht verschwindet, Wenn sich einst wiederum einfindet, Die Sonne der Gerechtigkeit; Wenn CHristus kommt, vor dessen Fluͤgeln, Die Sterbgewoͤlber sich entriegeln Da er den Staub erwekt, verneut. So Die angenehme Morgenroͤthe. S o wie die Sonn im Aufgang strahlet Die Nacht und stillen Schatten trennt; Wenn sie der Erden Rund bemahlet Und durch ihr himmlisch Feuer brennt: So wird die Nacht des Todes weichen, Wenn des Erloͤsers letztes Zeichen Des juͤngsten Tages Posten bringt; So wird der Todes-Schlaf verschwinden, Und die aus ihrer Kluft entbinden, Dadurch der Strahl der Allmacht dringt. O ! hoͤchstvergnuͤgte Freudenstunden, Wann bringt ihr dieses Gnadenlicht, Da wir der Erden Last entbunden Den Heiland sehn von Angesicht? Wann sich die Leibes Augen schliessen, Wann uns in Grabes Finsternissen, Verhuͤllt des Schlafes Bild, der Todt; Dann kommt die Zeit uns zu erwekken, Darnach Begierd und Hals zu strekken, Dann kommt das ewge Morgenroth. Anre- Anrede an den herrlichen GOtt. Anrede an den herrlichen GOtt um Abwendung schreklicher Un- gewitter. H errlich bist du, grosser GOtt! in dem Himmel und auf Erden, Dort bei denen Seraphinen sieht man deine Majestaͤt, Und durch deine Kreatur must du gros auch bei uns werden, Weil der Himmel, Sonn, Gestirne, Erd und al- les dich erhoͤht: Was wir mit dem Augen sehn, was wir mit dem Geist erblikken, Muß dich Schoͤpfer der Natur! herrlich uns ins Herze druͤkken. D eine Wetter, strenger GOtt! die der Luft- kreis in sich schliesset Als das Ruͤsthaus deines Grimmes, kommen uns sehr schreklich vor; Wenn dein Arm das Hagel-Korn, auf die gruͤ- nen Felder schiesset, Wenn der Bliz das Auge blendet und der Donner uns ins Ohr Mit der Schreckens-Stimme bruͤllt: So muß bei so harten Streichen, Auch ein Felsenhartes Herz, HERR! fuͤr dei- nem Zorn erweichen. Zweyter Theil D Scho- Anrede an den herrlichen GOtt. S chone uns mit diesem Thon, denn wir ken- nen schon die Stimme, Die mit drohenden Getoͤßen uns vor Angst zu Bo- den schlaͤgt; Wir erbeben vor dem Zorn, und vergehn vor dei- nem Grimme Davor selbst der Himmel fliehet, und sich Erd und Meer bewegt. Strekke deinen Allmachts-Arm, aus mit guͤtigen Erbarmen, Und laß deine Gnadenstimme hoͤren den beklomnen Armen. G ib uns in den feuchten Thau auf dem Felde als in Spiegeln, Deine Guͤte anzusehen; gib uns warmen Sonnen- schein, Laß die Luft die Hagel droht, diesen Sommer fest verriegeln, Zeig uns deiner Allmacht Wunder, und laß alles fruchtbar seyn: Damit Aue Wald und Feld sammt den Koͤrnerrei- chen Halmen Dir stat unser Klagelied bringen lauter Freuden- Psalmen. Die Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blumen. Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blumen. Matth. VI. 28-30. Schauet die Lillien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht auch spin- nen sie nicht. Jch sage euch daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als dersel- ben eins. So denn GOtt das Gras auf dem Felde also kleidet, daß doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird: solte er daß nicht viel- mehr euch thun? J hr Menschen! die ihr euch entfernet, Von aller eitlen Lust der Welt, Und mit Vergnuͤgen emsig lernet, Was das Naturbuch in sich haͤlt; Die ihr mit forschenden Bemuͤhen, Nach der geschaͤftgen Bienen Art, Den Honig sucht daraus zu ziehen, Worin derselbe liegt verwahrt: Kommt her ihr koͤnnt in Feld und Auen. An Blumen holde Lehrer schauen. D 2 Die Die heilige Garten-Schule D ie Gaͤrten die ihr jezt erblikket, Sind eine Schule der Natur, Darin in Bildern abgedruͤkket, Der Gottheit unsichtbare Spur. Hier koͤnnt ihr von dem hoͤchsten Wesen, Von seiner Vollenkommenheit, Die Ehrfurchts-volle Warheit lesen: Es ist ein HErr der Herrlichkeit, Dies lehrt euch zu des Schoͤpfers Ruhme, Der Anblik einer jeden Blume. F ragt nur: woher sie sind entsprossen, Da sie zusammen Wunderschoͤn Woher der Farben Schmuk geflossen, Der auf der Blaͤtter Sammt zu sehn: Wer hat in den so kleinen Saamen, So viele Blaͤtter eingefaßt, Und sie als wie in glatte Rahmen, Jn zarte Zwiebeln eingepaßt: So werden sie euch saͤmmtlich weisen, Den GOtt den sie als Schoͤpfer preisen. F ragt: wer sie in gepreßten Falten Der Haͤutgens, ordentlich gelegt; Wer sie zur Winters-Zeit erhalten Wenn sie die kalte Erde hegt: Wer sie, wenn Schnee und Eis verlohren, Der Fruͤhling alles fruchtbar macht: Und sie der Erden Schoos gebohren, Geschmuͤkt mit solcher bunten Pracht: Sie werden euch in Glanz und Strahlen, Den Schoͤpfer fuͤr die Augen mahlen. Jhr der lehrenden Blumen. J hr Thoren! die ihr albern kluͤgelt, Fast alles, doch den GOtt nicht seht, Der sich in allen abgespiegelt, Wohin ihr eure Augen dreht: O! moͤchtet ihr die Bluͤmchens fragen, Die koͤnten eure Lehrer seyn; Die wuͤrden euch zur Schande sagen: Wir stimmen darin uͤberein, Auf unsern Blaͤttern ist zu lesen: Es ist ein ewig wuͤrkend Wesen. E in Werk das zeugt von seinen Meister, Die Zeichnung, Bildung und Figur, An einen Kunstwerk kluger Geister Entdekt uns ihres Wizzes Spur. Die wie Apelles, kuͤnstlich mahlen, Der Farben Mischung recht verstehn, Die lassen ihres Wizzes Strahlen, Jn jeden Bild und Zuͤgen sehn; Die Werke die sie nur gebildet, Die haben sie auch abgeschildet. D er Meister dessen weiser Finger, Die Bilder der Natur gemahlt, Jst in der Kunst auch nicht geringer Woraus sein Bild recht deutlich strahlt: Er zeigt uns an den Kostbarkeiten, Die jeder an der Blum erblikt Das Urbild der Vollkommenheiten, Das sein unendlich Wesen schmuͤkt; Jn ihrer Bildung, Form und Zuͤgen, Sehn wir des Schoͤpfers Groͤsse liegen. D 3 O! Die heilige Garten-Schule O ! welch ein wunderbahr Gespinste, Jst nicht ein zartes Blumen Blat, Das so viel wollgewirkte Kuͤnste, Als duͤnne Faͤdgens an sich hat. Man nehme nur die feinsten Stoffen, Die eine kluge Hand gestrikt; Wie weit sind solche uͤbertroffen Wenn man auf eine Blume blikt? Man kan dieselben unterscheiden, Als grobes Tuch und zarte Seiden. O ! welche schoͤne Schildereien, Damit die Blumen ausgeziert, Dagegen alle Mahlereien Mit groben Pinseln nur geschmiert. Die Farben sind so sanft vermenget, Woraus die Schoͤnheit selbsten bluͤht: So wunderbarlich durchgesprenget Als wenn ein fluͤßig Gold drauf gluͤht; Als wenn von allen Edelsteinen, Die Strahlen sich darin vereinen. J hr schoͤnen Kinder, unsre Freude, Die ihr in Gold und Silber blizt, Jn Scharlach, Purpur, gelber Seide, Wie auf smaragdnen Thronen sizt; Die ihr in weissen Attlas prahlet Jn Violet, in Himmelblau Mit tausend andere Farben strahlet, Wer hat euch euren Wunderbau Mit solchen Farben ausgefchmuͤkket, Wer hat eur Kleid so ausgestikket? Sie der lehrenden Blumen. S ie lehren all mit einem Munde, Daß sie der Allmacht Meisterstuͤk; Sie weisen uns zum schwarzen Grunde, Als ihrer Mutter Schoos zuruͤk, Und fragen: Ob wir glauben koͤnnen, Da so viel himmlisches sie ziert Daß man sie muͤsse Kinder nennen Die von sich selbst die Erd gebiehrt: Und ob der Saft den sie gesogen, Mit solcher Pracht sie angezogen? W ie vielerlei braucht eine Pflanze, Eh sie zu ihrer Form gelangt; Eh sie mit ihrer Bluͤthen Kranze Nach ihrer Art und Bildung prangt: Es muß des Schoͤpfers reicher Seegen, Die Erde dazu erst formirn, Von aussen Waͤrme, Luft und Regen, Durch sie in zarte Keimen fuͤhrn, Und durch ein Allmachts-volles Walten, Die Ordnung ihrer Art erhalten. D er Schoͤpfer hat im ersten Tagen, Der Schoͤpfung alles ausgedacht: Und da die Erde Frucht getragen, Sah er das alles gut gemacht: Die Blumen heben aus der Erde Jhr eingehuͤlltes Haupt hervor Und auf ein einzig Wort: Es werde Stund da das grosse Blumen Chor, Die in den Schmuk und bunten Kraͤnzen, Als Zeugen seiner Allmacht glaͤnzen. D 4 Die Die heilige Garten-Schule D ie Weisheit die die Welt regieret, Legt sich in zarter Blumen Bau, Der unsre Sinnen, Herze ruͤhret Durch ihre Einrichtung zum Schau. Ein unbegreiflich grosses Wissen, Zeigt sich an ihren Mannigfalt, An ihren wollgeorndten Rissen, An netter Bildung und Gestalt, An ihren steten Aenderungen, An ihren Farben, Pracht, Mischungen. W elch eine ungezaͤhlte Menge, Welch mannigfaltge Blumen Art, Hat GOtt zum schimmernden Gepraͤnge, Jn unsern Lustrevier verpaart, Wie viele sind auf Feldern, Auen, Wie viele sind in gruͤnen Wald, Als Wunder der Natur zu schauen; Wie viele die den Aufenthalt, Auf den erhabnen Bergen finden, Wie viele in den tieffen Gruͤnden? W ie viele sind in Morgenlande Wie viele in der Mittags-Welt, Da sich aus dem erhizten Sande Ein feurig Blumen Heer darstellt; Wie viele die in fremder Erden, Die unser Auge nie gesehn, Zur Seltenheit gebohren werden, Und ihres Schoͤpfers Ruhm erhoͤhn, Die auch den unbekehrten Wilden, Des Hoͤchsten weise Macht abbilden. Die der lehrenden Blumen. D ie ihr der Weisen Macht Verehrer, Aus Andacht GOtt in Blumen sucht, Fragt nur die holden Gaͤrten-Lehrer, Als eurer Schaubuͤhn eigne Frucht: Die zeigen euch in ihren Bildern, So viele Mannigfaltigkeit: Daß der sie also koͤnnen schildern, Ein HErr von Vollenkommenheit; Die geben uns sein weises Wesen, Jn einen Abdruk klar zu lesen. O ! welche Kunst! ist hier verbunden, Die alles schoͤn zusammen fuͤgt; Wie weislich ist das ausgefunden, Daß alles nach der Ordnung liegt, Als wenn nach den bestimmten Groͤssen, Nach Zirkel, Maasstab, nach der Schnur, Ein jedes Theilgen abgemessen, An diesen Bildern der Natur. Wer kan die Einrichtung ansehen, Ohn GOttes Weisheit zu erhoͤhen? W ie wunderbahr sind die Figuren, Die man nicht ohn Erstaunen sieht, So vielfach, als die Kreaturen, Daran die Weisheit sich bemuͤht. Wer kan dieselben uͤberzehlen, Die eine ewge weise Macht, Durch alles wuͤrkendes Befehlen, Auf einem Beet herfuͤrgebracht, Die all aus einen Boden spriessen, Nach ihrer Art doch wachsen muͤssen. D 5 Wir Die heilige Garten-Schule W ir sehen hier in schoͤnster Ruͤnde, Der einen foͤrmliche Gestalt, Als wenn darum ein Zirkel stuͤnde, Wornach die wachsende Gewalt, Jn dem Entwikkeln sich gerichtet. Da spriessen lauter Herzen aus Hie sind die Blaͤtter glatt geschichtet; Da Zungenfoͤrmig, rollend, kraus; Dort haͤngen weisse Silberglokken, Hie seh ich, deucht mir, gelbe Lokken. D a sehe ich gemahlte Koͤcher, Dort die gespizten Pfriemen gleich; Hie sind gewachsne Silber-Becher Die innerlich an Golde reich: Da haͤngen Diamantne Ringe Hie Kronen, Kerzen, und was mehr Vor wollgestalte Wunder-Dinge, Der Schoͤpfer sich zu seiner Ehr, Als Bilder der Natur geschnizzet, Woraus der Weisheits-Schimmer blizzet. W ie geht das zu, erfahrne Weise! Sagt mir, des Saamens Einrichtung, Beschreibt das kuͤnstliche Gehaͤuse, Und die verborgne Wikkelung Des Keimgens, der aus Zwiebeln gehet, Und seinen Nahrungssaft geniest, Sich regend in die Hoͤhe drehet, Und solche Wunder-Formen spriest? Jhr schweigt und last die Blumen lehren: Was unerforschlich doch zu ehren. Wir der lehrenden Blumen. W ir sehen in den warmen Lenzen, Und in der schwuͤlen Somerzeit, So viele bunte Tokken glaͤnzen, Jn angebohrner Herrlichkeit; So bald sie nur in gruͤnen Wiegen, Die auf der Mutter Schooße stehn, Als neugebohrne Kinder liegen, Kan man sie schon in Schmukke sehn, Jn solchen Schmuk der schoͤn zu nennen, Von den die Kunst und Farben kennen. J hr prangt mit unschaͤzbaren Schaͤzzen, Als keine Fuͤrsten Tochter kan, Und wer sich will in Lust ergoͤzzen, Der seh nur euren Hofstat an, Jhr Blumen! die kein Sammt noch Seide, Nein, ein viel schoͤners Kunstwerk ziert, Weil jedes Stuͤk an euren Kleide, Zugleich das Aug und Herze ruͤhrt, Und immer, wenn wir es betrachten, Zugleich bewegt euch hoch zu achten. J hr Weber ruͤhmet eure Kuͤnste, Ruͤhmt den der sie mit Wiz erdacht; Beseht der Blumen Kunstgespinste, Das hat die Weisheit selbst gemacht. Jhr Schildrer! die ihr recht verstehet, Wie man die Farben mischen muß, Den Schatten mahlt, das Licht erhoͤhet, Die Farben trennt in ihren Fluß Und wiederum vereint, verbindet, Seht, was ihr hier vor Farben findet. Hier Die heilige Garten-Schule H ier sehet ihr ein Gold das bluͤhet, Und das dabei im Schimmer strahlt; Da Silber-Farbe welche gluͤhet, Von Sonnen-Firnis uͤbermahlt: Dort blizzen funkelnde Cristallen, Darzwischen wie in Glut und Brand, So wundersame Strahlen fallen Wie aus geschlifnen Diamant, Daß man von ferne solte meinen, Die Blumen waͤrn von Edelsteinen. H ier prangt ein Purpur dunkler Roͤthe, Mit gruͤnen Strichen durchgeflammt; Da eine blaue Kunsttapete, Die wie ein durchgewirkter Sammt. Dort deucht mir seh ich weisse Seide Mit Himmel-blauen Glanz gemischt; Da merk ich an den Liljen-Kleide, Ein Gold das nur daran gewischt; Hie findet sich von andern Sorten, Ein Heer mit schoͤn gestikten Borten. U nd diese Wunderschoͤne Floren, So mannigfaltig durchgesprengt; Die werden aus der Erd gebohren, Welch Wunder! wenn man dies bedenkt. Ein schwarzer Grund giest seine Saͤfte, Jn die entsprosnen Stengel ein; Und der Natur verborgne Kraͤfte, Gebaͤhren einen solchen Schein: So kan aus schwarzen Feuchtigkeiten, Der Schoͤpfer allen Schmuk bereiten. O! der lehrenden Blumen. O ! ewge Weisheit, deine Strahlen, Die werden badurch offenbahr: Dein Finger muß die Blumen mahlen Das ist aus allen Zuͤgen klar. Die Farben zeigen ihren Meister, Die Schoͤnheit dich als Kuͤnstler an, Die auch der Pinsel kluger Geister, Zwar schildern, nimmer treffen kan: Und darum bluͤht zu deinen Ruhme, Jn ihren Schmukke jede Blume. J hr angenehmen Schildereien, Gemahlte Bilder der Natur, Jhr wachset um uns zu erfreuen, O! zeiget uns der Guͤte Spur, Die euch mit solcher Pracht geschmuͤkket Woraus die holde Anmut lacht; Jhr lehrt schon wenn man euch erblikket Daß euch die Liebe blos gemacht, Uns Menschen durch euch bunte Tokken, Zur Gegenliebe anzulokken. D ie Vater-Guͤte schenkt uns Rosen, Und Liljen, Nelken mancher Art; Die Augen dadurch liebzukosen, Weil sie hie Glanz und Schmuk verpaart. Sie giebt so mannigfaltge Menge, Nach jeder Art gewebt, geziert. Hat sie nicht darum dies Gepraͤnge, So reizend uns zur Lust formirt, Das wir daran erkennen sollen Wie er uns hat vergnuͤgen wollen? O! Die heilige Garten-Schule O ! ja der Schoͤpfer der uns liebet, Zeigt seine ewge Vater-Guͤt, Da er uns holde Blumen giebet; Wenn ein betrachtendes Gemuͤt Die suͤß empfundne Lust erweget, Die sich bei Anmuhts-vollen Schau Jn seinen Herzen freudig reget: So merkt es daß der Blumen Bau, Durchs Auge selbst den Geist behage, Der Liebe Zeichen an sich trage. W ie lieblich ist der Dunst den Nasen, Der durchs Gehirn den Geist vergnuͤgt, Wenn durch ein geistig Duͤften, Blasen, Ein Balsam aus den Blumen fliegt! Wer riecht hier nicht, daß GOtt die Liebe, Und seinen Menschen-Kindern hold, Wenn er uns zum erquikten Triebe, So manches frisches Labsal zollt? Kan man nicht das empfundne Rauchen, Zum Zeugnis seiner Guͤte brauchen? J hr Blumen scheint mir wie Altaͤre, Worauf bei stiller Abenszeit, Der Schoͤpfer sich zu seiner Ehre, Vornemlich Ambra ausgestreut. Wenn wir am Tag uns satt gesehen, An eurer wollgeschmuͤkten Pracht; So muͤssen eure Duͤfte wehen, Und uns vergnuͤgen bei der Nacht; Wenn wir uns in der Hizze kuͤhlen, Und eur gewuͤrztes Hauchen fuͤhlen. Jhr der lehrenden Blumen. J hr Menschen die ihr von den Morgen, Bis zu dem Abend euch stets plagt; Und durch ein schwarzes Heer von Sorgen, Jn Zweifelung, Furcht das Herze nagt; Kommt her und lernt der Vorsicht Walten, An dieser Blumen bunte Tracht; Wie kann der euch nicht auch erhalten Der diese so gewebt, gemacht? O! Zweifler seht der Vorsicht Zeugen, Jn Blumen aus der Erde steigen. B edenkt des ewgen Vaters Milde, Verzagte die der Gram besiegt Schaft er euch nicht nach seinen Bilde, Warum seid ihr denn misvergnuͤgt? Jhr glaubt, daß GOtt euch ganz vergessen, Der sonsten alle Ding ernaͤhrt, Und jedem seines Leibes Essen, Und Kleid und Nahrung gnug beschert: Jhr irrt, der Vorsicht wuͤrkend Sehen, Muß uͤber alle Dinge gehen. G eht nur in einen Blumen-Garten, Da koͤnnt ihr den Beweisthum sehn, Jhr findet da so manche Arten, Von Blumen schoͤn gekleidet stehn. Wer hat derselben Schmuk gesponnen, Womit sie praͤchtig angethan; Wo ist die Nahrung hergeronnen, Die sie mit Saft erhalten kan; Wie seht ihr nicht der Vorsicht Spuren, Jn diesen kleinen Kreaturen? Sie Die heilige Garten-Schule S ie sagen euch mit einen Munde, Wir stammen von der Vorsicht her, D ie uns aus einen schwarzen Grunde, Sehr weislich, nicht von Ohngefehr, Aus unsrer Mutter Schoos gezogen. D ie Allmacht stellet alle Jahr, Aus Liebe gegen euch bewogen, Uns euch so woll gekleidet dar, D amit ihr seine Aufsicht merket, Und dadurch euch im Glauben staͤrket. W ir sind der Vorsicht Meisterstuͤkke, D ie zu der Erden Zier erwaͤhlt; Wirft er auf uns sein Aug zuruͤkke, Den doch das edle Leben fehlt; So koͤnnt ihr daraus richtig schliessen, Der Vater der euch Odem giebt, Wird euch auch zu erhalten wissen; D er Menschen mehr als uns geliebt, D er wird euch auch durch seinen Seegen D as Brodt beschern, ein Kleid anlegen. L ernt, wenn ihr dieses Heer betrachtet, Das GOtt ohn all ihr Sorgen schmuͤkt, Daß der den Hoͤchsten nur verachtet, Der denkt: er sey durch sich begluͤkt. Wie viele sind die blindlings meinen, Daß sie vor sich allein bestehn, Und daß ein jeder auf die Seinen Ohn GOttes Vorsicht koͤnne sehn. Jhr Tohren! lernet anders denken: GOtt ists, der muß euch alles schenken. So der lehrenden Blumen. S o wenig sich die Blumen kleiden; So wenig koͤnnt ihr euch ernaͤhrn; Der Hoͤchste muß zu Speis und Freuden, Euch alles mittelbahr beschern. Waͤr das von jeden selbst erzielet, Was er zum Eigenthum geniest; Womit er herrlich prangt und spielet; So wuͤrde das, was waͤchst und spriest, Auch von sich selbst die Farben haben, Die doch des Hoͤchsten Gnadengaben. S o giebest du O! weises Wesen, Jn schoͤner Blumen Herrlichkeit, Uns deiner Vorsicht Macht zu lesen, Und wuͤrkst in uns Zufriedenheit. Wir schliessen: der GOtt der da kleidet Der Fruͤhlings-Kinder bunte Schaar, Woran sich Herz und Auge weidet; Der macht uns durch ihr Sinnbild klar: Wir Menschen sollen ihm vertrauen, Er werde unsre Wollfahrt bauen. J edoch der Schmuk der schoͤnsten Nelken, Der Tulpen-Blaͤtter guͤldne Pracht, Die muͤssen heute schon verwelken, Wenn sie uns gestern angelacht. Die noch in frischer Bluͤte schienen, Als Koͤnige im Blumen-Reich; Die sehn schon den entfaͤrbten Mienen Der Todten, die erblasset gleich, Sie wachsen, bluͤhen und vergehen Sie prangen, fallen ab, verwehen. Zweyter Theil. E Ein Die heilige Garten-Schule E in trauriges betruͤbtes Scheiden, Entzeucht sie aus dem Lustrevier, Wo wir in suͤß und stillen Freuden, Bewundert ihrer Blaͤtter Zier. Betruͤbter Wechsel dieser Zeiten Der Schauplaz, wo die Lust regiert, Wird in dem Land der Eitelkeiten, Gar bald aus dem Gesicht entfuͤhrt; Das lernen wir stat bunter Tokken, Sehn wir nun nichts als Todes-Glokken. D a wo vorher ein klarer Spiegel, Und Abglanz aller Lieblichkeit, Sind eh mans meint, des Todes-Huͤgel; Wo Blum und Schoͤnheit ausgestreut Wo Lustgefilde auf der Erden, Muß bald wie es das Schiksal fuͤgt, Ein Kirchhof der Verwesung werden, Wo Glanz und Pracht im Staube liegt, Und wo die Blumen im Erblassen, Die Lehren uns zuruͤkke lassen: J hr Menschen! lernet in dem Tempel Des bunten Reiches der Natur, An uns der Eitelkeit Exempel, Was eine schoͤne Kreatur, Wie lange ihre Daurung waͤhret, Jm Lande dieser Sterblichkeit: Wir haben euch, was GOtt, gelehret, Lernt nun noch, was ihr selber seid; Seht wie ihr uns in vielen gleichet, Wie ihr, gleich uns entsteht, verbleichet. Der der lehrenden Blumen. D er Schoͤpfer macht uns aus der Erde, Die uns auch beide Nahrung schaft, Die seiner Allmacht wuͤrkend Werde, Erhaͤlt in ihres Wachsthums Kraft. Wir bluͤhen auf; ihr wachst imgleichen, Jm Lenzen sind wir schoͤn geschmuͤkt: Jhr auch, wenn man der Jugend Zeichen Auf rothen Wangen noch erblikt; Wir glaͤnzen, wenn wir lustig gruͤnen, Jhr bruͤstet euch mit euren Mienen. K aum sind wir aus der Erd gekrochen, Und haben uns der Welt gezeigt; Kaum sind die Knospen durchgebrochen So ist das Ziel schon oft erreicht. Der Winde stuͤrmisch kaltes Blasen, Saugt uns mit ihren duͤrren Braus, Wenn sie von Ost und Norden rasen, Die Sonn mit ihrer Hizze aus; Da oft die fluͤchtgen Lebensstunden, Bei uns nur fliegende Secunden. S o gehts euch auch, wie viele sterben, Die kaum des Lebens Othem ziehn; Da sie durch innren Wurm verderben, Wie Rosen die im Bluͤhn, verbluͤhn. Der Krankheit Uebel die euch quaͤlen, Davon der Saame bei euch liegt; Die Uebel die nicht zu erzaͤhlen, Die haben viele schon besiegt, Und in dem Staub zuruͤk gezogen, Wenn sie kaum Nahrungs-Milch gesogen. E 2 Wir Die heilige Garten-Schule W ir moͤgen auf der gruͤnen Stangen, Als unsrer Bluͤten steiffen Thron, Mit noch so grossen Ansehn prangen, Wir muͤssen doch zulezt davon. Wie gehts euch anders Potentaten Die ihr auf hohen Thronen blizt Umringt von Mauren und Soldaten, Womit ihr eure Pracht beschuͤzt? Der Tod durchwuͤhlt die Eingeweide Ob ihr gleich stekt in Purpurkleide. W enn Schoͤnheit einen Freibrief haͤtte, Vor nichtiger Vergaͤnglichkeit; So waͤren unsre Blumen Bette, Gewis von Untergang befreit: Jedoch die Schoͤnsten sind nicht minder, Dem Untergang, wie andre nah; Jhr bluͤhet eitle Menschen Kinder, Wie bald ist euer Ende da; Wir wissen nicht wie lang wir stehen, Jhr auch nicht, wenn ihr solt vergehen. S o aͤhnlich sind wir nach dem Leben, So aͤhnlich auch in dem Vergehn, Da wir euch stets ein Beispiel geben, Wie bald es sei um euch geschehn. Uns raft auf einmahl aus den Wege, Der Wolkenbruͤche strenge Flut, Wenn Donner, Bliz, und Hagelschlaͤge Mit ihrer stuͤrmerischen Wut, Mit ihren ausgelaßnen Wettern, Uns, ohne Aufenthalt zerschmettern. Es der lehrenden Blumen. E s ist mit uns gar bald zum Ende, Wenn ein aus Lust gereizter Thor, Ein spielend Kind die giergen Haͤnde, Legt an die aufgegruͤnnte Flor. Wir sind dahin von unsern Plaͤzzen, Wenn man zum Hauptschmuk uns erwaͤhlt, Abreist, die Nase zu ergoͤzzen, Zusammen haͤuft, im Bande quaͤlt; Da wir, wenn wir die Haͤupter neigen, Das Bildnis eures Todes zeigen. H ie seht ihr Menschen! Blumen-Leichen, Vom Schiksal ploͤzlich hingeraft, Das sind von euren Sterben, Zeichen, Wenn euch in eurer besten Kraft Die Hand des Allerhoͤchsten ruͤhret, Und durch ein ploͤzlich Ungeluͤk, Den Schauplaz dieser Welt entfuͤhret. So kan in einem Augenblik, Ein Stichflus, oder andres Leiden, Bei euch, den Geist und Koͤrper scheiden. W enn Pest und andre strenge Seuchen, Des Himmels hartes Strafgericht, Vom Haus zu Haus im Finstern schleichen; So loͤscht gar bald eur Lebens-Licht. Und wenn die Krieges Schwerdter blinken, So faͤllt oft eine grosse Zahl, Die gleichsam wie im Blut ertrinken, An einem Tage auf einmahl; Da liegen oͤfters ganze Heeren, Als wenn sie Gras und Blumen waͤren. E 3 So Die heilige Garten-Schule S o koͤnnen wir an dem Verwesen, Der Blumen unsre Nichtigkeit, Als wie in einem Spiegel lesen; So zeigt die Lenz und Sommerzeit, Wie viele in den Fruͤhlings-Jahren, Des blassen Todes kalte Hand, Jn ihrer besten Bluͤt erfahren, Und wie kein Ansehn, Pracht und Stand, Uns von des Grabes kalten Bette, Und der Vermoderung errette. J hr Menschen die ihr euch verwoͤhnet, Gefaͤllt euch diese Lehr-Art nicht, Wenn euch die Blume, die euch kroͤnet, Zualeich von Tod und Grabe spricht? O zittert nicht vor diesen Lehren, Davor sonst die Natur erstarrt, Jhr koͤnnt im kuͤnftgen Fruͤhling hoͤren Daß sie nur kurze Zeit verscharrt, Und daß die Allmacht ihre Floren, Verjuͤngt und wieder neu gebohren. J hr glaubt die Blumen sind verflogen, Der Staub sey in ein Nichts verweht, Jhr irrt, sie sind uns nur entzogen, Bis daß die Winterszeit vergeht: Da bluͤhen sie aus ihren Saamen, Daraus sie gleichsam auferstehn Und lassen uns in gruͤnen Rahmen, Jhr eingefaßtes Bildnis sehn: Dann koͤnnen sie die Lehre geben, Der Mensch der stirbt, wird wieder leben. O! der lehrenden Blumen. O ! Zweifler merkt, was da geschiehet, Wenn sich der Blumen Heer verjuͤngt; Wenn die Natur von neuen bluͤhet, Und das verlohrne wiederbringt. Du siehst der Blumen Kirchhof keimen, Sie steigen aus der Gruft empor, Wie kanst du denn so albern traͤumen, Es kaͤme dir ohnmoͤglich vor, Daß Menschen aus den Schoos der Erden, Einst koͤnten auferwekket werden. K ommt nur in diese Blumen-Schule, Da lernet ihr die Warheit bald, Die euch so oft von Predigtstuhle, Unglaublich in die Ohren schallt. Hier in der Gaͤrten gruͤnen Tempel Lernt ihr was GOttes Allmacht kan, Und seht im deutlichen Exempel Der Auferstehung Vorbild an, Wie? solte GOtt an uns nicht weisen, Was wir an Blumen sehn und preisen? W as wir in Gaͤrten, Feldern, Auen, Jm Pflanzenreiche der Natur, Mit freudiger Bewundrung schauen An einer jeden Kreatur, Das wird an uns dereinst erfuͤllet. Jch glaͤube dieses ganz gewis Und ob der Tod uns gleich einhuͤllet, Jn seines Vorhangs Finsternis: So soll bei schwindelnden Gedanken, Doch diese Hofnung nimmer wanken. E 4 Bluͤht Die Traͤume derer die da glauben B luͤht woll ihr Blumen unterdessen Jhr Prediger der Sterblichkeit! Ach! Schoͤpfer laß uns nicht vergessen, Wenn uns derselben Schmuk erfreut, Daß wir daran mit Nuz und Seegen, HErr! deine Guͤt und weise Macht, Und deiner Vorsicht Kraft erwegen, Die alles hat herfuͤr gebracht; Gib daß wir Tod und Auferstehen, An ihnen stets betrachtend sehen. Die Traͤume derer die da glau- ben daß die Seele nach dem To- de schlaffe. D ie Welt wird meist regiert von einen falschen Wahn, Der Menschen Aberwiz irrt von der rechten Bahn; Jndem er meint zu sehn, ist er oft doch erblindet, Da er statt Warheits-Schein des Jrthums Schatten findet. Was eitler Wiz erdacht, gefaͤllt dem meisten woll; Weil man das sehen will, was man nur glauben soll. Das menschliche Gehirn von Einbildung betrogen, Gleicht einer Wageschal, die leicht wird uͤberwogen Von daß die Seele nach dem Tode schlaffe. Von duͤnner Spreu, von Wind. Ein ungereimt Gedicht, Das gegen Warheit liegt, hat ofte mehr Gewicht Als dieses Gruͤnde hat: man kan es klaͤrlich sehen Wenn wir was dieser glaͤubt, und jener meint, durchgehen. Nur ein Exempel ist, hie zum Beweis genug, Als ich einst einen Mann von scharfen Wizze frug, Jn was vor einen Stand die Seele wuͤrde kom- men, Wenn sie aus ihren Leib in GOttes Hand ge- nommen; Sprach er in einen Schlaf, in eine stille Ruh; Er sezte zum Beweis den albern Grund hinzu: Weil ihr die Sinnen fehln; so kan sie auch nicht denken, So muß der Schoͤpfer sie in tieffen Schlaf versen- ken. Wenn sie im Koͤrper wohnt; so ist die Denkungs- kraft, Die richtige Vernunft, der Seelen Eigenschaft. Jch sprach: Mein Freund! kehrts um; so wird sichs besser reimen, Denn jezt schlaͤft eure Seel, das merk ich aus den Traͤumen, Die sie jezt phantasirt; ihr wißt nicht was ihr meint Weil euch als blos im Traum, die Seele schlafend scheint, Jch wuͤnsche daß ihr bald von euren Traum erwa- chet, Und wachend uͤberdenkt, was ihr vor Grillen ma- chet. E 5 Die Die Schaubuͤhne der Welt. Die Schaubuͤhne der Welt. D ie Welt wird auf den Opern-Buͤhnen, An den veraͤnderten Maschinen, Die sich bald so, bald anders drehn Jn kleinen Abris abgebildet, Was hier geschicht, wird da geschildet Und in der Nachahmung gesehn. D er Schauplaz zeiget uns bald Freude, Und giebt vergnuͤgte Augenweide, Bald zeigt er uns ein Trauerspiel. Hier auf der Welt ist Lust und Weinen, Und wenn die Freuden-Sonnen scheinen, Folgt bald ein schmerzliches Gefuͤhl. M an muß des Narren Torheit lachen, Der oft mit ungereimten Sachen, Ein luͤstern Ohr im Spiel erquikt, Wenn wir der Menschen Handlung sehen, Erwegen, was hie, da geschehen, So hat man Torheit nur erblikt. O ft stellt sich mit erhabnen Mienen, Ein Thraso auf die Opern-Buͤhnen, Und paustet nichts, als eitlen Wind; Er ist von Dunst gleichsam geschwollen Und zeigt, was wir nicht glaͤuben wollen, Daß oft die Menschen Prahler sind. Ein Die Schaubuͤhne der Welt. E in Croͤsus kommt mit guͤldnen Schaͤzzen Und betet seinen Mammons-Goͤzzen Jn tiefster Ehrerbietung an. Er glaubt der koͤnne ihn beschuͤzzen, Er sagt: Wer ist der dessen Blizzen, Und Allmacht wiederstehen kan? E in jeder siehet seines gleichen, Jn allen Oertern, Laͤndern, Reichen, Wenn man die Welt nur recht beschaut. Wie viele sind die GOtt zwar kennen Doch mehr zum schnoͤden Goldklump rennen Dem Herz und Sinn Alltaͤre baut. D er Schauplaz aͤndert die Gardienen, Und Croesus der erst reich erschienen, Jst nun ein armer Bettelmann. Der Abgott den er sehr geliebet, Entfleucht und er erkennt betruͤbet. Wie bald sichs mit uns aͤndern kan. W ie viele sind in Bettel-Orden, Die vorher reich nun arm geworden Und durch den Wechsel erst gelehrt, Daß sie das Zweifelhafte Gluͤkke Und ihre falsche Zauber-Blikke, Zwar sehr und doch umsonst geehrt. O ! wie entzuͤkket den die Liebe, Der auf den Schauplaz seine Triebe Jn angeflammter Wallung zeigt; Er wuͤnscht auf ewig seiner Schoͤnen, Als Die Schaubuͤhne der Welt Als ein getreuer Knecht zu froͤhnen, Wenn sie ihm nur in Huld geneigt. E r schwoͤrt mit hundert tausend Eiden, Daß er bei allen Woll und Leiden Jhr stets ergeben und getreu, Jedoch es heist was bald entstehet, Verbluͤht auch bald, verwelkt, vergehet, Die Liebe ist hier schon vorbey. J ndem man von der Treue handelt Da wird die Buͤhne gleich verwandelt Die feurge Liebe scheint nun blaß, Und zeigt in einen Augenblikke Des Herzens falsche Lust und Tuͤkke, Jn einen moͤrderrischen Haß. W ie ofte wird das noch erfuͤllet, Daß wenn die wilde Lust gestillet An dessen Statt ein Zorn-Feur brennt, Wie bald wird nicht die Treu verlohren, Die Menschen doch so theur beschworen, Wenn sich ihr loses Band zertrennt? D er Schauplaz sei auch wie er wolle, So wird doch stets die Heuchler-Rolle, Darauf nach alter Art gespielt. Der eine ist durch sein Verstellen Ein Fuͤrst und Herre der Gesellen, Den er mit Majestaͤt befiehlt. D er Schein der angeflammten Lichter, Die Larven blenden die Gesichter, Das Die Schaubuͤhne der Welt. Das Flittergold der falschen Pracht; Die machen die Comoͤdianten, Zu koͤniglichen Anverwandten, Daruͤber jeder billig lacht. A llein wenn wir dagegen sehen, Was vor Verwandelung geschehen Und noch geschiehet in der Welt, Wie die Verstellung hie regieret, Jn was vor Masken sie sich zieret, So sieht man manchen armen Held. D er will die ganze Welt regieren, Was heist das anders, als agiren? Und jener glaubt das, was er meint, Daß muͤsse er auf dieser Erden, Da er zum Schau sich stellt, auch werden, Weil er sich gros, nicht andern scheint. O ! welche grosse Heucheleien, Sind in der Welt und ihren Reihen, Jn jeden Stande anzusehn; Vom Schaaf das Kleid, von Wolf das Herze, Und lachen bei den aͤusren Schmerze, Das heist den Mantel kuͤnstlich drehn. O ! waͤr das Stellen und Verstellen, Nur hinter denen Opern Schwellen Als ihren eignen Siz verbannt! Allein die falschen Einbildungen, Sind allenthalben durchgedrungen Beherschen einen jeden Stand. Wie Die Schaubuͤhne der Welt. W ie viele machen nicht den Tempel, Durch Heuchelei und Schein-Exempel Zu einen eitlen Opern-Haus. Die Pharisaͤer alter Zeiten, Der Abschaum von den heilgen Leuten, Die gehn noch jezt da ein und aus, D er Ehrgeiz kommt mit heilgen Haͤnden, Der Armut Gaben auszuspenden, Warum? weil es hie wird gesehn Die Bosheit voll von Greul und Fluche, Singt aus den heilgen Psalter-Buche, Und schimpft nur GOtt sich zu erhoͤhn. D er Hochmut schlaͤgt die Augen nieder, Die Zanksucht singet Sanftmuts-Lieder Und beide bleiben kuͤhn und stolz. Wie brennen hier die Andachts-Flammen, Die doch aus kalten Herzen stammen, Und scheinen wie ein faules Holz. W er mit den Glauben Possen treibet, Und dennoch Glaubens-Buͤcher schreibet, Jst warlich ein Comoͤdiant Wie viele sind die Kreuze tragen, Und den Gekreuzigten absagen, Die GOtt und auch der Welt bekannt? W ie gros ist nicht die Heuchler Liste, Die gar des Lustspiels Schaugeruͤste, Jn Gotteshaͤusern auferbaun, Da sie bei dem verstellten Beten, Nur Die Schaubuͤhne der Welt. Nur vor des Hoͤchsten Antliz treten, Der Eva Toͤchter zu beschaun. W ie viele sind von falschen Frommen, Die nur zu heilgen Tempeln kommen, Damit die lange Zeit verfliegt, Wie viele daß sie nur anhoͤren, Ein Klangspiel wollgestimmter Choͤren, Daran sich ihr Gehoͤr vergnuͤgt. W ie viele kommen nur zusamen, Den Kleider Puz da auszukramen, Wo ihn ein grosser Hauffe sieht; Wie viele sind, die uns verborgen, Den einstens jenes Tages Morgen Der Larven falschen Schein abzieht? E s braucht nicht an Gerichtes-Plaͤzzen, Comoͤdien Haͤuser aufzusezzen; Es wird da oft ohn dem agirt, Der Richterstab umsonst gebrochen, Und die Gerechtigkeit bestochen, Wie im Triumphe aufgefuͤhrt. M an spielet oft mit den Gewichte, Weil der Gerechtigkeit Gesichte, Vom schwarzen Stahr verdunkelt ist, Weil da nur alles nicht zu sehen, Wie sich die Staats-Maschinen drehen, Ein jeder durch die Brille liest. A n Fuͤrsten-Hoͤfen dieser Erden, Da Opern sehr geliebet werden, Wird Die Schaubuͤhne der Welt. Wird auch manch Lustspiel aufgestellt, Was da in Spiele anzusehen, Jst auch woll wuͤrklich da geschehen, Wo nichts als Opern-Lust gefaͤllt. D ie abentheurlichen Gedichte, Der Helden traurige Geschichte, Sind zwar in Fabeln eingehuͤllt, Doch was die Maske oft erzaͤhlet, Was den und jenen Held gequaͤlet, Weist dieses, deren Ebenbild. U nd wer von muntren Hofe-Leben, Will richtige Beschreibung geben, Der nenn es eine Comoͤdie, Wo die verlarvten Eitelkeiten, Bestaͤndig um die Wette streiten, Wo Lust in Last, und Ruh in Muͤh. H ie herschen die Verstellungs-Kuͤnste, Man kauft, verkauffet blaue Duͤnste, Und wer sich da am tiefsten buͤkt, Gedenket sich empor zu schwingen, Wer freundlich ist, legt andern Schlingen, Und wird vom dritten doch beruͤkt. H ie seufzt der Reichthum nach Erbarmen, Hie findet man verkehrte Armen, Woran das Gold und Silber strahlt, Hie sieht man ofte Schoͤnheit prangen Die laͤngstens in Gesicht vergangen, Und Menschen die nur schoͤn gemahlt. Hie Die Schaubuͤhne der Welt. H ie sind so viele tapfre Helden, Die ihren Ruhm der Nachwelt melden, Daß sie die ganze Welt bekriegt, Die jeden Feind den sie gefunden, Ertappt, geschlagen, uͤberwunden, Und dennoch sich nicht selbst besiegt. H ier redt man anders, als man denket, Hier nimt man, wenn man willig schenket; Hier rennt man krum zu seinen Ziel, Hier steigt man hoch, um tief zu sinken, Hier laͤuft man um hernach zu hinken, Das ist der Hoͤfe Opern-Spiel. D ie kleine Welt agirt imgleichen, Der spielet die Person des Reichen Der herrlich und in Freuden lebt; Der seinen Himmel allhie suchet, Der so lang donnert, blizt und fluchet, Bis daß er sich in Wein begraͤbt. U nd jener winselt stets dagegen, Kan sich vor Angst und Schmerz kaum regen, Stellt vor den armen Lazarus, Sein Leben gleicht den Trauerspielen, Die zwar betruͤbt, doch endlich zielen, Auf einen angenehmen Schlus. D ie Schaubuͤhn ist oft so geschmuͤkket, Daß man die Wildnis drauf erblikket, Der Tyger, Loͤwen Aufenthalt. Wenn man von Mordgeschichten handelt, Zweyter Theil. F Sieht Die Schaubuͤhne der Welt. Sieht man wie sich ein Mensch verwandelt, Jn eine viehische Gestalt. W ie ofte sieht man auf der Erden, Daß Menschen wilde Thiere werden, Es schaͤumet ihr vergiftet Blut Jm Zorn, als wenn sie Loͤwen, Baͤren Und Woͤlfe, ja noch aͤrger waͤren, Bei ihrer Raserei und Wuth. W ie viele Menschen sind zu finden, Die sich in einem Fuchspelz winden, Mit List und Macht das an sich ziehn; Wornach sich andre die da leben, Und sich der Redlichkeit bestreben, Vergeblich und umsonst bemuͤhn. W ie ofte auf den Buͤhnen Affen, Die listig thun und schmeichelnd gaffen, Jn Menschen Kleidern zu besehn: So findet man an allen Enden, Wohin wir nur die Augen wenden, Dergleichen hin und wieder gehn. D ie Torheit und ein albern Wesen, Laͤst sich oft aus den Mienen lesen, Die diese Affenmaͤßig zeigt: Und jene die von Hochmuts-Orden, Jst gar ein menschlich Pfau geworden, Weil sie stets bruͤstend einher steigt. S o ungereimte Wundersachen, Die kluge Menschen thoͤricht machen, Sind Die Schaubuͤhne der Welt. Sind auf den Schauplaz dieser Welt, Jn mancherlei Verwandelungen, (Die sonst als Fabeln nur besungen,) Jn Warheit oͤfters dargestellt. W ie ist nun nicht die Welt zu nennen, Ein Opernhaus, darin wir rennen Bald hie, bald da nach Neuigkeit? Ein Schauplaz, wo wenn das verschwunden, Sich schon was anders eingefunden, Wo man stets spielt von Krieg und Streit. E in jeder Mensch muß hie agiren, Und sich nach der Person auffuͤhren, Dazu er ist von GOtt bestimmt; Er muß darauf so lange wallen Als es den Schoͤpfer wird gefallen, Bis daß sein Spiel ein Ende nimmt. W er die Person also vorstellet, Daß es den andern woll gefaͤllet, Wird zwar gekroͤnt mit Ehrenpreis: Man jauchzt ihm nach, wenn er abgehet; Allein so bald der Schall verwehet, Vertroknet oft sein Lorbeer-Reis. V iel besser ist es, daß wir streben Jn unsern Handeln, unsern Leben Nach jenen Lob der Ewigkeit, Dahin wir werden aufgenommen, Wenn wir von diesen Schauplaz kommen, Zur herrlichen Vollkommenheit. F 2 Wer Die Schaubuͤhne der Welt. W er woll gelebt, erlangt die Krone, Wenn ihn zu seinen Gnaden-Throne Ruft die erhabne Majestaͤt, Auf dessen Wink die Erden-Buͤhne Und eine jegliche Maschine Die aufgestellt, zulezt vergeht. M ein GOtt ! laß mich allhie so wandeln Und auf der Erden Schauplaz handeln, So wie mir deine Lehre heist Gib daß ich nicht HErr! dein Gesezze, Mit Vorsaz und Betrug verlezze, Und stets gedenke, Wer du seißt. B ewahr mich vor der Heuchler Rolle, Die wie ein Wolf in Schaafes Wolle Sich vor der Welt nur heilig stelln: Bewahr mich aber auch hingegen, Vor denen, die auf boͤsen Wegen Sich zu der Spoͤtter-Rott geselln. D u bist mein HErr! der mich regieret, Den Wink den folg ich, der mich fuͤhret, Jch leb in deiner Vorsehung. Soll ich hier Trauer-Stunden zaͤhlen, So ist mein Trost der kan nicht fehlen: Die Welt ist voller Aenderung. Die Die weise Guͤte GOttes bei der Zulassung des Boͤsen. Die weise Guͤte GOttes bei der Zulassung des Boͤsen in dem Leben des Erzvaters Josephs erwogen. D er Gottheit Ehrfurchts-volle Tieffen, kan keiner auf den Grund einsehn, Und seiner Vorsicht dunkle Wege, kan kein Mensch voͤllig hier verstehn; Wer sich mit blinder Dreistigkeit er- kuͤhnt dieselben zu ermessen, Der muß was GOtt ist, und was wir, in eit- len Hochmuts-Trieb vergessen. Der arme Mensch traut seinem Wizze und seiner Klugheit allzuviel, Wenn er von allen was GOtt handelt, den Grund, die Ursach wissen will; Da komt er in ein Labirinth, da er von rechten Wege irret, Und folget einen falschen Licht, das ihn nicht leuch- tet, nur verwirret; Da dreht er viele Zweifels-Knoten, womit er den Verstand umschlingt, Womit er sich und andre strikket, und gaͤnzlich in Verwirrung bringt. F 3 Da- Die weise Guͤte GOttes Daher entspringt der eitle Wahn: woher der Ur- sprung alles Boͤsen, Das ist das Raͤthsel jeder Zeit, das will er durch Vernunft aufloͤsen. Daher entstehn die eitlen Fragen: Warum der Schau- plaz dieser Welt, Ein Garte der mehr scharfe Dornen, als suͤsse Ro- sen in sich haͤlt: Warum so vieles Ungeluͤk das wir an den und jenen sehen, Da GOtt doch alle Ding regiert, in seinen Rei- che koͤnn entstehen? Sie denken eine ewge Guͤte, ist um der Menschen Woll bemuͤht, Die Weisheit hat so helle Augen, daß nichts ge- schicht, was sie nicht sieht. Der Allmacht wuͤrkender Befehl, kan alles augen- bliklich enden, GOtt traͤgt der Rache Donnerkeil, und ihren Bliz in seinen Haͤnden. Was sich demselben wiedersezzet zerschmettert gleich vor seinen Grimm Was seinen Willen wiederbellet, verstummt vor seiner Schrekkensstimm. Und dennoch sehn wir hie und da, das Boͤse auf der Erde toben, Das vielen Guten schaͤdlich ist; warum wird es nicht weg gehoben? Wenn GOtt das Gute ernstlich liebet, wenn er das, was geschiehet, weiß, Und wenn ein jeder muß gehorchen, der Allmacht Willen und Geheis: So kan es ja nicht anders seyn, GOtt muß das aus dem Wege raͤumen, Was bei der Zulassung des Boͤsen. Was hier im Reiche boͤses ist. So pflegt der Men- schen Wiz zu traͤumen Und weil das nicht so gleich geschiehet; so macht er den verkehrten Schlus, Daß GOtt der hoch im Himmel wohnet, sich nichts um uns bekuͤmmern muß. Wie irrig ist doch der Verstand, der sich auf falsche Schluͤsse gruͤndet, Und das was sich hie gar nicht reimmt, in dem Ge- hirn zusammen bindet. Zuerst schliest man aus falschen Grunde, soll GOt- tes Machtreich recht bestehn, So muß es darin wie wir denken, nach unsrer al- bern Meinung gehn, Die Allmacht muß die Bosheit steurn, den Weizen von dem Unkraut retten, Solt er daruͤber gleich die Frucht die gut, verder- ben und ausjetten. Jhr Menschen, die ihr also schliesset, bedenkt den Zustand dieser Welt, Jst sie nicht gleich dem Weizen-Akker, darauf der Matth. XIII. 24-30. Feind sich eingestellt, Und Dorn und Diesteln ausgestreut, die mit den Weizen aufgelauffen: Soll GOttes wuͤrkende Gewalt, das Unkraut alsobald ausrauffen, So wird der Weize auch verlezzet. Ein Koͤnig der da gut regiert, Der Weisheit Regelmaas betrachtet, mit Klugheit seinen Scepter fuͤhrt Der Laͤnder Wollfahrt uͤbersieht, der muß auch oft ohn sein Verschulden, Das Boͤse das im Staat aufgeht, mit einer wei- sen Klugheit dulden, F 4 Sonst Die weise Guͤte GOttes Sonst wird gar oft das Band der Voͤlker, das in- einander schlingt, zertrennt, Wenn er mit den gerechten Flammen, das Boͤse alsobald verbrennt. Gesezt es waͤr ein Unterthan, der durch ein unver- nuͤnftig Wuͤten, Durch List, durch tobende Gewalt, dem Landes- Herren wiederstritten, Der Fuͤrste wenn er ihn bestrafte, durch seiner Knechte blizzend Schwerd, Der haͤtte dadurch auch die Frommen der ganzen Stadt zugleich verheert, Und diesen Fall zuvor gesehn, wie waͤren die gerech- ten Proben, Dadurch er andre mit verderbt, die es doch nicht verdient, zu loben? Jhr lasset diese That nicht gelten, und nennt sie Un- vorsichtigkeit; Jhr glaubt vielmehr ein weiser Koͤnig, erwarte ei- ne andre Zeit, Da er die Wuͤrkung seines Grimms, an denen die ihn frevelnd hassen, Kan ohn der frommen Untergang, zur Rettung seiner Ehr auslassen. Gedenkt so macht es der Regierer, der dieser gan- zen Weit gebeut, Er duldet das verfluchte Boͤse, das unser Erbfeind ausgestreut; Er laͤst es eine Zeitlang zu, daß Suͤnder wuͤten, und im Kriegen, Der Frommen duͤnngesaͤte Schaar, durch ihre List und Macht besiegen, Damit nicht seines Grimmes Knechte, wie leider gar zu oft geschehn, Das bei der Zulassung des Boͤsen. Das Gute mit dem Boͤsen tilgen, aus heilgen Ei- fer sich versehn. Des ewgen Wesens heilge Guͤt ertraͤgt gar oft die boͤsen Suͤnder, Warum? weil er aus Langmuth liebt, die von ihm weggelofnen Kinder Er sucht sie wieder anzulokken, durch sein erbar- mendes Bemuͤhn, Wenn sie wie wild und scheuche Rehen, in wilde Dornen-Hekken fliehn, Er faͤhet sie durch seinen Zug, sie kehren um in Reu und Busse, Und fallen dem, den sie erzuͤrnt, in tief gebeugten Sinn zu Fusse; Der Suͤnder aͤndert seinen Wandel, er nuͤzt nun- mehr dem Kirchenstaat, Den er in unbekehrten Stande, durch Aergernis geschadet hat. Hat GOtt nun Unrecht hier gethan, daß er die Straffe aufgehoben, Weil er im Licht zuvor gesehn, des Suͤnders Herz und Beßrungs-Proben? Verlezzet er sein heilges Wesen, wenn er das Boͤ- se lange traͤgt, Damit das Gute nicht verderbe, was es dabei noch in sich hegt? Wie wendet ihr dagegen ein: Ob GOtt auch wie man zwar gedenket, Das Boͤse wuͤrklich in der That, zu einen guten Zwek gelenket: So sehet nur in die Geschichte der alten Zeit, und neuen Welt, Da werden uns viel tausend Proben, dies zu be- weisen, vorgestellt. F 5 Doch Die weise Guͤte GOttes. Doch nur ein Beispiel anzusehn, gedenkt was Jo- seph einst begegnet, Wie er in bange Noth gestuͤrzt, von GOtt erhoͤ- het und gesegnet. Die Liebe des geneigten Vaters, erwekte ihm der Bruͤder Groll, Sie sezten ihn in Angst und Wehe, als er einst frug nach ihren Woll Der Haß des Neides Misgeburt, entflammte in der Bruͤder Seele, Verschwoͤrung zu der Rachbegier, die Unschuld warf man in die Hoͤle Als ein Gefaͤngnis, bis zum Tode. Jedoch der Trieb der Menschlichkeit Erregte hier noch das Gewissen, und zog die Hand die schon bereit Zum Mord, durch die Natur zuruͤk, der Rest der bruͤderlichen Liebe Erstikte noch in ihren Blut, der Rache moͤrderliche Triebe. Sie liessen Joseph aus der Grube, verkauften ihn zum Knechtschaftsstand, Er kam, als wenn ihn GOtt verlassen, als Scla- ve in Egyptenland. Hier denket, wer nicht weiter sieht: Regieret GOt- tes guͤtig Walten, Warum bewegt ihn nicht die Qual, des Jacobs, je- nes frommen Alten Der seines liebsten Sohns beraubet, der klaͤglich winselt, aͤngstlich klagt, Da man ihn Joseph ist zerrissen und von dem Wild zerfressen, sagt. Warum laͤst seine Guͤte zu, daß wilde Bosheit sol- ches Schrekken, Und bei der Zulassung des Boͤsen. Und daß der Kinder Trug und List dem Vater sol- che Angst erwekken? Gerechter Himmel deine Schluͤsse, spricht hier, die blinde Menschlichkeit Die sind ohnmuͤglich gut zu nennen, noch bei uns von Verdacht befreit, Du kanst des Greisen bange Noth, sein aͤngstlich Haͤnderingen, Klagen, Der truͤben Augen Zaͤhrengus, dabei sein Herz be- klemmt, ertragen, Und wirst doch nicht darob geruͤhrt; du kanst der Bruͤder Schalkheit sehn, Und laͤst sie bei der Schaden-Frende, in heimlichen Ergoͤzzen gehn: Du siehst die Unschuld wird gedruͤkt; und Joseph koͤmmt in fremden Lande, Da er die reine Tugend liebt, ob seiner Gottesfurcht in Bande, Regierest du den Kreis der Erden, so muͤst es bil- lig anders gehn? So denken die des Hoͤchsten Wege, wie er uns fuͤh- ret nicht verstehn Kommt sehet erst den Ausgang an, so werdet ihr in GOttes Schluͤssen, Wenn er das Boͤse gleich zulaͤßt, die Guͤte doch bewundern muͤssen. Des Joseph armes Sclaven-Leben, war nicht so elend, als man denkt, Weil ihn die Vorsicht Huld und Liebe des Herrn, zu seinen Trost geschenkt; Der Keuschheit reines Probestuͤk, das brachte ihn zwar in die Ketten, GOtt ließ es darum weislich zu, ihn herrlich wie- der zu erretten, Er Die weise Guͤte GOttes Er war in dem Gefangenhause, der ewgen Vorsicht Gnaden Blik, Sah doch in seinen finstern Kerker, und gab ihm auch in Elend Gluͤk, Er ward den andern fuͤrgesezt, die in den Ketten liegen muͤssen, Vor ihre Unvorsichtigkeit, vor ihre Uebelthat zu buͤssen. Hier in dem Fortgang der Geschichte, sieht man den Strahl der Vorsehung, Der sich nun immer mehr ausbreitet, man merkt nun mit Verwunderung, Wie GOtt die Menschen weislich fuͤhrt, und wie er die Begebenheiten, Die an sich selber boͤse sind, dennoch zum Guten weiß zu leiten. Daß Joseph erst erniedrigt wurde, daß muste da- rum nur geschehn, Damit die Weisheit desto besser, ihn konte in der Welt erhoͤhn. Sie schenkte ihn den Gnaden-Geist, der Traͤume Deutung klar zu sagen, Die sie in deren Sinn erwekt, die mit ihm in Ge- faͤngnis lagen, Er kuͤndigte dem Oberschenken, die koͤnigliche Gna- de an, Dem Becker daß er haͤngen solte, wie ihm in Traum ward kund gethan; Und beides traf auch richtig ein, der Schenke wur- de angenommen, Den brauchte GOtt zu seinen Rath mit Joseph bald zum Ziel zu kommen; Der HErr der alle Dinge siehet, in ihrer unsicht- bahren Spur, Der bei der Zulassung des Boͤsen. Der alle kuͤnftgen Folgen kennet, die noch entstehn in der Natur Der wolte, daß das Seegensland nach sieben fett und reichen Jahren Als ein gerechtes Strafgericht, so lang den Kum- mer solt erfahren. Dies ward in einen dunklen Traume den Pharao zuvor gesagt, Und als er seine Zeichendeuter, umsonst nach den Verstand befragt, Da fiel den Schenken wieder ein, daß ein Hebreer das verstuͤnde, Was man bei keinen weisen Mann in ganzen Koͤ- nigreiche fuͤnde. Da trennten sich die dunklen Wolken, die Josephs Gluͤckes-Sonn verdekt, Der Koͤnig der von ihm gehoͤret, ward durch ge- heimen Trieb erwekt, Den weisen Juͤngling auch zu sehn, die Gnade gab ihn ihren Seegen, Und er vermochte gleich den Traum, nach seiner Deu- tung auszulegen. Welch ein veraͤndertes Geschikke, ein Sclave wird ein grosser Herr Der im Gefaͤngnis tief gesessen, besteigt die Stuffen hoher Ehr, Und wird ein koͤniglicher Rath, der nahe an den Throne sizzet, Und durch die Klugheit das regiert, was des Mo- narchens Scepter schuͤzzet. Sehn wir der Schikkung weises Fuͤgen, wie wun- derbar dasselbe spielt, Jn Joseph krummen Lebens-Lauffe, und wie es doch zum Guten zielt: So Die weise Guͤte GOttes So muͤssen wir geruͤhrt gestehn, daß GOtt der alle Ding regieret, Das Boͤse, wenn er es zulaͤst, dennoch zum gu- ten Zwekke fuͤhret Er laͤsset uͤber seine Kinder, oft alle Truͤbsals-Wet- ter gehn, Damit sie nach den truͤben Wolken, die Sonne de- sto heller sehn; Er fuͤhrt sie in einen Thraͤnen-Thal, nach Bochim; weil er sie bestimmet, Nach Elim wo ein voller Bach, zu ihrer Lust und Labsal schwimmet; Er laͤsset sie durch Kreuzes-Wege auf harten Stei- nen einher gehn, Damit sie nach der schweren Reise, ein Land voll Milch und Honig sehn. Dies zeiget, der in Unschuld siegt, des Herz ein GOtt geweihter Tempel, Der Joseph, der der Bosheit Raub, in einen herr- lichen Exempel. Die Welt gleicht einen Jrregarten, und dem ver- wirrten Labirinth, Worin die Quer und Kreuzes-Wege, so wunderbar vermenget sind, Daß man gar keinen Ausgang sieht, weil die ver- wirrten Lauben, Hekken, Wenn uns des Weges Weiser fehlt, der uns den- selben zeigt, verdekken. Der HErr der uͤber alles siehet, und auch nach sei- nen Willen fuͤgt, Dem Anfang, Fortgang und das Ende, auf ein- mahl vor den Augen liegt, Der sieht wie alles kommen muß, befoͤrdert unsern Nuz in Schaden, Und bei der Zulassung des Boͤsen. Und Heiligkeit ist seine Schnur, die Weisheit ist sein Leitungsfaden, Damit er uns verborgen fuͤhret, wie uns der kla- re Ausgang lehrt, Den man Verwundrungs-voll erkennet, wenn al- les sich zum Ziele kehrt. Und dies noch weiter einzusehn, so gebe man nur mit Bedacht, Auf GOttes wunderbahre Wege, bei Jsraels Ge- schlechte acht. Die Theurung kam drauf in das Land, und fraß mit ihren duͤrren Munde, Den Vorrath des Getreides weg, den sie in Ca- nans Grenzen funde. Da suchte jeder vor sein Leben, bei allgemeiner Hungers Noth, Bei Joseph der zuvor gesammlet, das Korn zu sei- nen Nahrungs-Brod, Des alten Jacobs sein Geschlecht, begab sich auf die lange Reise, Und suchte in Egyptenland beim unbekannten Jo- seph Speise, Der Vater der den Sohn verlohren, und den Ver- lust gekraͤnkt, beweint, Des Himmels hart Geschik beklaget, erfaͤhrt wie gut es GOtt gemeint, Der liebste Sohn muß ihn ernaͤhrn, damit vorhin sein Trost verschwunden, Er hoͤrt zulezt das Joseph lebt, und in Egypten wie- derfunden. Die Bruͤder die ihm laͤngst verkauffet, die kauffen von ihm bei der Noth, Als einen theuren Landes-Vater in Demut zu der Nahrung Brod Den Die weise Guͤte GOttes Den sie vorhin verfolgt, gehaßt den muͤssen sie mit Ehrfurcht lieben, Den sie vorhin in Noth gebracht, der muß sie wie- derum betruͤben. Seht das Vergeltungsrecht des Hoͤchsten, der Bru- der muste sich verstelln, Sie mit Gefangenschaft bedrohen; da musten sie das Urtheil faͤlln, 1 Mos. 42, 21. Das haben wir dadurch verdient, daß wir den Bruder liessen quaͤlen Als wir mit falscher Lust ansahn, die Kuͤm- mernissen seiner Seelen. Doch endlich brach sein liebreich Herze, das von ge- heimen Seufzern wund, Er machte sich mit Freuden-Thraͤnen, als der ver- lohrne Joseph kund, Und zeigte wie des Hoͤchsten Wink, zum Guten alles weiß zu lenken, Wenn Menschen in der argen Welt, mit List auf lauter Boͤses denken; Der alte Jaeob der von Kummer, und vielen Jah- ren matt gedruͤkt, Sieht den gefundnen Joseph wieder, wird durch sein Angesicht erquikt, Und lebt gleichsam von neuen auf, da er vorher mit grauen Haaren, Die Sorge, Furcht und Schmerz gebleicht, ge- wuͤnschet in sein Grab zu fahren. Jhr die ihr euch so leicht verirret, wenn ihr ver- nuͤnftig uͤberdenkt, Wie der Erhalter aller Dinge, des Schiksals krum- me Spheren lenkt; Erwegt wie doch der Ausgang zeigt, daß er kein Freund der boͤsen Sachen, Viel- bei der Zulassung des Boͤsen. Vielmehr durch seine Weisheit sucht, was wir ver- dorben, gut zu machen. Lernt wie wir leicht in Glauben scheitern, wenn wir uns auf die tieffe See, Des goͤttlichen Verhaͤngnis wagen; wenn wir die Breite, Laͤnge, Hoͤh, Mit unsres Geistes duͤstren Blik, da wir das eig- ne Nichts vergessen, Aus einen blinden Frevelmuth, nach unsrer Ein- bildung ermessen. Lernt hie, wie man bei allen Dingen, den Aus- gang erst erwarten muß, Eh man von den verborgnen Wegen, von GOt- tes Rath und dunklen Schlus, Ein Urtheil der Gedanken faͤllt; weil wir sonst leicht aus Torheit fehlen, Das Jrrlicht blendender Vernunft, zu unsern richt- gen Fuͤhrer waͤhlen. Es ist nicht moͤglich, daß wir Menschen auf dieser Unterwelt einsehn, Warum der Hoͤchste zugelassen, daß dies verhindert, das geschehn, Wer dies aus Aberwiz verlangt, der will was er nicht faßt, erfragen, Und sich in seiner Einbildung zu GOttes dunklen Vorhang wagen, Dahinter der Verstand erblindet, und die Vernunft den Schwindel kriegt. Wenn sie sich gar zu hoch erhebet, und uͤber ihre Grenzen fliegt; Genug in dieser Sterblichkeit, daß uns von GOt- tes Wunderwegen, Erfahrung und die heilge Schrift, Exempel vor die Augen legen, Zweyter Theil. G Die Die weise Guͤte GOttes bei der Zulassung des Boͤs. Die voll von seiner weisen Guͤte. Wer haͤtt an Jo- seph das gedacht, Daß GOtt bei seinem Ungeluͤkke, es dennoch weis und wohl gemacht, Wie wir aus der Geschichte sehn; so macht ers auch in andern Dingen Es muß ihn jezt noch eben so, nach seinen weisen Rath gelingen. Und koͤnnen wir es nicht begreiffen, warum uns dieses wiederfaͤhrt, Gedult! die Dunkelheit vergehet, wenn sie ein helles Licht verklaͤrt. Der Offenbahrung klares Wort hat uns, was die Vernunft verschweiget, Als eine leuchtende Latern, in heller Deutlichkeit gezeiget: Sie lehret uns ein heilig Wesen, daß ein gerechter Zebaoth, Das nach der Weisheit stets regieret, und sich be- weiset als ein GOtt Der guͤtig und barmherzig ist. Sie lehrt ohn alles Wiederstreiten, Das was uns in der Welt betrift, wird er zu un- serm Besten leiten: Denn nichts geschicht in seinen Reiche, was nicht sein sehend Auge merkt, Wenn dieses nur das Herze glaͤubet; so wird die Zuversicht gestaͤrkt, Die einer weisen Vorsicht traut; und auf dem Fels von solchen Gruͤnden, Kan unsre Wollfahrt allemahl, wie Noaͤ Schif die Ruhstat finden. Das Das gute Gewissen. Das gute Gewissen. W as kan uns auf dieser Erden, Alle Leiden, und Beschwerden, Alle Plagen, alle Noth Ja! den fuͤrchterlichen Todt, Alle Bitterkeit versuͤssen? Antw: gut Gewissen. W as ist gut in boͤsen Zeiten, Bei der Pest von falschen Leuten, Wenn man unter Mesech wohnt, Da man Guts mit Boͤsen lohnt, Was ist gut vor Judas-Kuͤssen? Antw: gut Gewissen. W as braucht man vor die Verlaͤumden, Die uns offenbahr anfeinden, Oder die uns Nezze stelln, Um uns heimlich zu beschnelln, Vor der Neider Schlangen-Bissen? Antw: gut Gewissen. W enn man in betruͤbten Stande; Wenn der Krankheit harte Bande Einen siechen Koͤrper quaͤln, Was kan man alsdenn erwaͤhln, Sich zu einen sanften Kuͤssen? Antw: gut Gewissen. W as kan uns Vergnuͤgen geben, Wenn wir aus dem eitlen Leben, G 2 Zu Das gute Gewissen. Zu der Ewigkeit fortgehn; Wenn wir Christi Richtstuhl sehn, Davor wir erscheinen muͤssen? Antw: gut Gewissen. W as staͤrkt uns, wenn unser Herze, Bei des Koͤrpers heissen Schmerze, Sich mit Schrekkensbildern plagt; Wenn das Fleisch und Blut verzagt, Vor des Grabes Finsternissen? Antw: gut Gewissen. A lles muͤssen wir verlassen, Wenn wir sterbend hier erblassen, Und der Geist von Fesseln loß. Was wird bei dem lezten Stoß, Nicht von uns mit weggerissen? Antw: gut Gewissen. W as versichert uns den Himmel, Wenn wir dieses Weltgetuͤmmel Mit dem lezten Blik beschaun; Und daß wir in Salems Aun, Werden ewge Ruh geniessen? Antw: gut Gewissen. G ut Gewissen bringt Vergnuͤgen, Auf der Welt, in Todes-Zuͤgen; Bei dem Leiden aller Zeit, Jn der kuͤnftgen Ewigkeit, Darum will ich nimmer missen gut Gewissen. Der Der Akker ein Bild des menschlichen Herzens. Der Akker ein Bild des menschlichen Herzens. D er Mensch die kleine Welt, sieht stets die grosse an, Darin das kleinste Stuͤk zum Lehr- bild dienen kan, Wenn man es recht beschaut: Man kan des Hoͤchsten Wesen, Und seine Herrlichkeit an jeden Din- ge lesen. Die Kreaturen sind, wie Spiegel drin sich zeigt, Wie gros des Hoͤchsten Macht, wie sehr er uns geneigt; Wie weise dessen Huld, den wir als Schoͤpfer eh- ren, Kan uns der Erden-Bau, des Himmels Stern- kreis lehren. Der GOtt der alle Welt, mit Herrlichkeit erfuͤllt, Zeigt uns also von sich manch sichtbar Ebenbild, Wir koͤnnen aber auch von uns viel Bilder sehen, Wenn wir das Reich der Macht, zu unsrer Lust durchgehen. Der Dinge Aehnlichkeit, die frommer Wiz ein- sieht, Der jeden Vorwurf nuͤzt, und draus Erbauung zieht, Macht uns die Welt zum Buch darin wir viele Lehren, Zur Seelen Besserung erkennen, sehn und hoͤren. G 3 Der Der Akker Der Lehrer der selbst GOtt, die ewge Weisheit heist, Der uns die Warheit lehrt, zur Besserung an- weißt, Fuͤhrt uns oft in die Welt darinnen zu erblikken, Die Dinge die das Herz der Sterblichen abdruͤkken. Er fuͤhrt uns in das Feld, und weiset unsern Sinn, Ein achtsames Gemuͤt, zu einem Akker hin, Hier bald zum steinigten, da zu dem guten Lande, Da wir ein Bildnis sehn, von unsers Herzens Stande. Sieht man den Akker an, eh er wird umge- scharrt, So ist desselben Flaͤch, rauh, ungebahnt und hart, Der Pflug, der ihn durchwuͤhlt, der muß ihn erst bequemen, Daß er das Saamenkorn, kan in dem Schoos auf- nehmen Und bleibt er ungeduͤngt, von fetter Fruchtbarkeit, So wird das Saamenkorn vergeblich ausgestreut, Wird es nicht tief verstekt; so kan man leicht er- messen, Es wird von Voͤgel-Raub uns wieder weggefressen. Und taugt der Boden nichts, ist er wie Fels und Stein; So dringt der Wurzelkeim nicht tief genug hinein; Bekommt er keine Kraft, empfaͤngt er keinen Re- gen, So waͤchset auch nicht auf der eingesaamte Segen; Hingegen von sich selbst ohn daß wir uns bemuͤhn, Sehn wir aus seinem Schoos, das boͤse Unkraut bluͤhn; Die Dorn und Diesteln sind, ohn Pflanzen, oh- ne Graben, Auf ein Bild des menschlichen Herzens. Auf einem Akkerstuͤk in Ueberflus zu haben, Dies ist o! Mensch ein Bild von unsers Herzens Stand, Was ist es von Natur? ein unfruchtbahres Land, Das Dorn und Diesteln bringt, und lauter La- ster zeuget, Wozu das Herz von selbst aus eignen Trieb genei- get. Wer seinen Akker baut, und hofft ein froh Gedein, Der laͤst das Saamenkorn niemahls vergeblich streun, Er pfluͤgt die Furchen erst, zerreibt die Erden- Kloͤsse, Und zieht daruͤber her, die Egg und Walzen-Presse. Ach! moͤchte jederman auf diese Sorgfalt sehn, Die man beim Akker braucht; und dabei in sich gehn, Ob man sich so bemuͤh um seine theure Seele: So wuͤrden wir gewahr des sichren Herzens Fehle. Der Heiland stellet dir o! Mensch, du eitler Thor, Darum den Akkerbau zu einem Gleichnis vor, Damit du kennen lernst, was wir vor Hindernissen, Aus unsern traͤgen Herz vorhero raͤumen muͤssen, Eh seines Wortes Kraft, die Seele fruchtbar macht. O! wuͤrde dies von uns nur allezeit bedacht; So wuͤrden Tugenden in unsern Wandel bluͤhen, Des Unkrauts Lasterbrut, aus unsern Herzen fliehen. Man siehet auf dem Feld sehr viele Aekker an, Worauf das Saamenkorn im Fels nicht wachsen kan: Das ist ein klares Bild, von dem verstokten Herzen, Die GOttes Wort anhoͤrn, und nur daruͤber scherzen. G 4 Man Der Akker Man findet, daß das Korn, das an dem Weg hin- faͤllt, Da keinen Wachsthum hat; weil er nicht ist be- stellt Geduͤngt und umgefluͤgt; weil es die Voͤgel kriegen, Die da stets hin und her nach solcher Nahrung flie- gen. Was hier die Voͤgel thun, das thut der Satan da Der unvermerket laurt, und jeder Seele nah, Der die Gedanken regt, mit lauter fremden Din- gen, Die denn die Saamenkraft der Warheit ganz ver- dringen. Ein Akker bringt nicht Frucht, wo Dorn und Die- steln stehn, Daß kan man alle Jahr, in der Erfahrung sehn, Der Saame wird erstikt, wenn er kaum aufge- schossen; Weil Unkraut, Diesteln, Dorn, desselben Saft genossen. Das ist des Herzens Bild, daß sich mit Sorgen quaͤlt, Dem immer, wenn es gleich genug erlangt, doch fehlt. Das stets auf zeitliches, mit innren Kummer den- ket, Begierde, Trieb und Lust nach eitlen Schaͤzzen len- ket. Ein Herz das so gesinnt, erstikket also fort Der Warheit heilgen Trieb, die Kraft von GOt- tes Wort, Das ein Gemuͤthe zieht, von irdischen Getuͤmmel, Zu der Vollkommenheit, zu jenem Freuden-Himmel. Ein ein Bild des menschlichen Herzens. Ein Akker wilder Frucht, wo wucherndes Unkraut, Die Wurzeln eingesenkt, wird schwerlich rein ge- baut; Reißt man es oben ab; so keimmt die Wurzel wie- der, Und haͤlt die gute Frucht in ihren Wachsthum nie- der: Das ist des Herzens Bild, das eitle Lust bethoͤrt, Das eine Laster-Brut, als im verborgnen naͤhrt, Die endlich doch ausschlaͤgt, das Gute unterdruͤk- ket, Und in die eitle Welt den schnoͤden Sinn entruͤk- ket. Der Akker der bestellt, der voller Fruchtbarkeit, Der seinen Saamen naͤhrt, der darin ausgestreut, Und reinen Boden hat, der spriesset seine Saaten, Die durch den Gnadenschein des Himmels wohl ge- rathen. Es waͤchst und bluͤht die Frucht, des Seegens Fuͤl- le-Horn Ergiesset durch den Halm ein fettes Nahrungskorn, So daß des Saamens Frucht die einfach ausgesaet, Durch himmlisches Gedein, wird hundertfach ge- maͤhet. Das ist ein schoͤnes Bild von Seelen, drin die Kraft Der Warheit freudig treibt und reichen Nuzzen schafft; Ach! moͤchte meine Seel, niemahls ihr Heil ver- saͤumen, Ein guter Akker seyn, und viele Fruͤchte keimen! Des Himmels Gnaden-Geist, den uns der Hei- land schenkt, Der durch verborgne Kraft der Menschen Herze lenkt, G 5 Der Die Thautropfen des Feldes, Der steh mir dazu bei, daß ich in Lust und Leiden, Mich moͤge nur allein an seinen Worte weiden. Die Thautropfen des Feldes, als kleine Spiegel der GOttheit. D er Thau das Kind der Morgenroͤthe, Liegt auf der gruͤnen Feld-Tapete Und schimmert in den klaren Schein, Als wenn die Tropfen Perlen seyn. O! welch ein Anblik guͤldner Wonne Entstehet, wenn das Licht der Sonne, Jn dessen hellen Ruͤnde strahlt: Mir deucht ich seh dein Angesichte, O GOtt im Thau und diesem Lichte, Als wie im Spiegel abgemahlt. E s wird der Thau aus Dunst gebohren, Der in der kuͤhlen Nacht gefroren, Und rollend sich in Troͤpfgen senkt, Des Morgens gruͤne Saaten traͤnkt. Es strahlt aus dieser klaren Naͤsse, Mein Schoͤpfer! deine Wundergroͤsse, Die als kleine Spiegel der GOttheit. Die sich in das Gemuͤte druͤkt: Und sehen die entzuͤkten Sinnen, So viele Cristallinen rinnen: So deucht uns, daß wir dich erblikt. E s laͤst uns jeder Tropfe lesen, Du seist ein liebreich guͤtig Wesen, Daß durch des Thaues Balsamkraft, Den Saaten frische Nahrung schaft. Erblikket ein geruͤhrt Gemuͤte, Die klaren Spiegel deiner Guͤte ; So wird es inniglich erfreut; Es deucht uns daß dein Gnadenseegen, Wenn sich die Tropfen wimmernd regen, Das Feld mit Manna uͤberstreut. W ie wunderbahr wird man entzuͤkket, Wenn sich die Sonn darin abdruͤkket, Und durch die Strahlenreiche Pracht, Den Thau zu kleinen Sonnen macht, Die Silbertropfen uͤberguͤldet, So mannigfaltig faͤrbt und bildet. O HErr! wenn dies das Aug erwegt; So wird dem Geist durch Thau-Cristallen, Und durch ihr glaͤnzend Wiederprallen, Der Allmacht Bildnis eingepraͤgt. W enn man mit Andacht uͤberdenket, Wie feuchter Thau die Felder traͤnket, Und wie sein klebricht fettes Naß, Erfrischt das aufgekeimmte Graß: So sehn wir auf den gruͤnen Fluren, Der Weisheit wunderbare Spuren, Jn Die Thautropfen des Feldes, Jn allen Furchen eingedruͤkt; So merken wir ein weises Walten, Daß Vieh und Menschen zu erhalten, Die Frucht mit Seegensthau erquikt. D er schwuͤlen Sommer-Tage Hizze, Verdorrt durch die gestrahlten Blizze Der Sonne, Garten, Wald und Feld; Doch wenn des Himmels Tieffe schwellt, Und sich in kuͤhlen Thau ergiesset, Und uͤber das verdorrte fliesset, So schenkt der Nahrungsreiche Saft, Der Ausflus einer weisen Guͤte, Der Waͤlder, Feld und Garten-Bluͤte, Jn dem Naturreich, neue Kraft. S o wunderbar, so herrlich, weise, Jst zu des Schoͤpfers Ruhm und Preise Die Zeugung von dem Seegens-Thau, Der da erhaͤlt den Akkerbau: Die Tropfen die von oben quillen, Die zeugen von des Schoͤpfers Willen, Der weislich alles hat erbaut, Und durch der Vorsicht wachend Sorgen, Die Felder naͤhret alle Morgen, Wenn er im Durst sie lechzend schaut. D er Thau laͤst oft in seinen Guͤssen, Ein fressend Gift auf Fruͤchte fliessen, Daß wenn es auf den Bluͤten schwimmt, Vom Sonnenstrahl wird angeglimmt, Und denn der Bluͤten Kraft verzehret, Die Aekker dort, die Frucht verheeret Dar- als kleine Spiegel der GOttheit. Darob das Herz sich schon gefreut; Wenn dies geschicht, so kan man schauen, Jm Meel-Thau, auf dem Feld und Auen. Die Spiegel der Gerechtigkeit. S o machen GOttes Strafgerichte, Jn der Natur oft das zunichte, Was seine Guͤte uns gezeigt, Die uns zu unsern Woll geneigt: O! moͤchten an des Hoͤchsten Werken, Die Suͤnder sich zur Warnung merken, Wie er das Boͤse haßt und flieht, Und wie da, wo sich Bosheits-Suͤnden, Die seine Huld verachten, finden Auch bald sein Feuer-Eifer gluͤht. J edoch des Allerhoͤchsten Milde, Laͤßt sich in diesem Seegens-Bilde, Zur Sommerszeit am liebsten sehn, Wenn Feld und Aun bethauet stehn. O! moͤchten wir der Gottheit Spiegel, Auf den begraßten Thal und Huͤgel, Jn Gaͤrten, Feldern, Wald und Aun, Die doch so herrlich, schimmernd glaͤnzen, Wie Perlen, an den Mirtenkraͤnzen, Mit Andacht ihr zum Ruhm beschaun! W enn wir das Feld am Morgen gruͤssen, So sehn wir schoͤne Perlen fliessen Zur Nahrung auf das duͤrre Land, Wenn sie der Sonnen Wunderbrand Zerschmelzt, so werdens Perlentraͤnke: Wenn ich mit Andacht dies bedenke, So Die Thautropfen des Feldes, So ruͤhrt O! Schoͤpfer deine Guͤt, Die unser Feld mit Perlen naͤhret, Daß uns denn Speiß und Trank bescheret, Mein dankbegieriges Gemuͤt. M an wuͤnscht sich oft vor seine Luͤste, Das Manna, das in jener Wuͤste Wie Thau aufs ganze Lager floß Und Jsrael als Brod genoß: Wir sehen noch die Seegens-Wunder, Es thauet noch die Luft jetzunder Daß was sich in die Fruͤchte senkt, Wodurch uns GOtt nach alter Weise Vom Himmel Brodt gibt zu der Speise, Und Nahrung, die uns labend traͤnkt. L aß stets o! GOtt durch Thaucristallen Als wie durch Zuͤndungs-Spiegel fallen, Jn mein Gemuͤt den Andachtsstrahl, Damit ich kuͤnftig allemahl, Dadurch entzuͤnde in dem Herzen, Der Seufzer heilge Raͤucher-Kerzen, Und seh ich deinen Seegen thaun, So laß mich auch dabei bemerken, Wie du zwar groß in deinen Werken, Doch vollenkommen nie zu schaun. B ist du so schoͤn in kleinen Spiegeln, Was werden wir auf Salems Huͤgeln, Jn jener Ewigkeit gewahr, Da du uns stellst dein Antliz dar. Du glaͤnzest schoͤn im Sonnen-Lichte Wie herrlich mag dein Angesichte Auf Die gruͤne Saaten. Auf jenen Tabors Hoͤhen seyn, Jedoch wer kan das hier beschreiben, Da alles noch muß Stuͤkwerk bleiben, Da wir uns blos aufs Kuͤnftge freun. Die gruͤne Saaten. D es Schoͤpfers weise Wundermacht, die allenthalben da zu sehen, Wohin wir nur das Augenlicht, auf die- sen grossen Schauplaz drehen, Erblikt man mit Verwunderung auf ei- nen ausgespannten Feld, Da sich der Hofnung Seegensbild, die gruͤne Saat schon eingestellt. Das Herze wird darob vergnuͤgt, die Augen wer- den recht erquikket, Wenn man der Aekker frisches Gruͤn, in einer Ebe- ne erblikket. Zuerst, wenn jedes Korn gekeimmt, bricht die ge- keimmte Spiz hervor, Und steigt mit seinem gruͤnen Blat, wie eine klei- ne Pfrim empor, Die Saat die immer dichter wird, bedekt den schrof- fen Grund der Erden, Wir sehn im wachsendem Gedein sie taͤglich immer groͤsser werden, Bis Die gruͤne Saaten Bis sie der Mutter schwarzen Schoos, mit gruͤnen Kleidern ausgeschmuͤkt, Die hin und wieder sind verbraͤmmt, und allent- halben ausgestikt Mit gelber Blumen hellen Gold. Und wenn dar- auf die Sonne strahlet, Sieht man ein gruͤn gespanntes Tuch, mit vielen Farben uͤbermahlet. Jemehr das Auge darauf schaut, jemehr bewundert es das Gruͤn. Jemehr der Geist es uͤberdenkt, jemehr vergnuͤget ihm das Bluͤhn Daraus die frohe Hofnung keimmt, daß uns in Koͤrnerreichen Aehren, Des Schoͤpfers weise Macht und Guͤt, werd un- ser Nahrungsbrodt bescheren. Die Saat die immer groͤsser wird, die Sonne, Thau und Regen hat, Die breitet sich nun weiter aus, und wird ein Zun- genfoͤrmig Blat, Und wenn die Luft dieselbe regt; so deucht mir daß die gruͤnen Flaͤchen, Mit lauter Zungen angefuͤllt, zu GOttes Lobe gleichsam sprechen: Des Schoͤpfers wuͤrkend Allmachts-Wort, das Saamenkoͤrner fruchtbar macht, Hat uns nunmehro aus der Erd, als unsern Schooß herfuͤrgebracht; Wir haben nun das Feld bedekt, mit einen gruͤnen Hofnungskleide, Und geben dem der uns beschaut, die ange- nehmste Augenweide, So machts der Schoͤpfer der Natur, der seine Kreaturen schmuͤkt, Er Die gruͤne Saaten. Er hat euch seine Wunderguͤt, in alle Sin- nen eingedruͤkt Anjezo koͤnt ihr solche sehn, in kurzen koͤn- net ihr sie schmekken, O! Menschen last euch nur dadurch, zu eu- res Gebers Ruhm erwekken! D ie Erndte ist in Hofnung da, fleht seine ewge Guͤte an, D ie uns zu eures Lebens Nuz durch ih- ren Schuz erhalten kan; D er Schoͤpfer zeigt euch, wie er will, aus lauter Liebe euch versorgen, D rum sorget nicht im Zweifelmuth, fuͤr ei- nen annoch kuͤnftgen Morgen: D enkt aber nicht in Sicherheit, da ihr der Felder Flor anseht: Hier haben wir schon Ueberflus, weil alles auf dem Wachsthum steht, D ie Hofnung ist noch allemahl, mit einer bangen Furcht verbunden, Heut bluͤht sie schoͤn zu eurer Lust, und Morgen kan sie seyn verschwunden. Wie bald wird unsre gruͤne Flor vom stren- gen Hagelschlag zerstuͤkt, Von Wasserguͤssen uͤberschlammt, von Sturm und Wetter unterdruͤkt. Und was die Allmacht sonsten braucht, die Hofnung von den Seegensfruͤchten, Wenn sie schon herrlich aufgegruͤnnt, zu eurer Strafe, zu zernichten: D rum dienet euren GOtt mit Furcht, und wenn ihr euch mit zittern freut, So schaft die ewge Vaterguͤt, daß unsre gruͤne Saat gedeit. Zweyter Theil. H Die Die blaue Korn-Blume. Die blaue Korn-Blume. A uf, mein Herz der Felder Seegen, Der in seinen Wachsthum bluͤht, Als die Sprossen ewger Guͤt, Zu betrachten, zu erwegen! Hier hat unsre Speiß und Freude Uns der Hoͤchste vorgelegt: Da der Akker alle beide, Lust und Nuzzen reichlich traͤgt, Wo sich als auf Speise-Tischen, Frucht und Blumen lieblich mischen. D a wo fette Aehren wallen, Mit dem suͤssen Korngericht, Muͤssen uns auch ins Gesicht, Manche schoͤne Blumen fallen. Dieses druͤkt uns deine Guͤte, Weiser Vater! die uns naͤhrt, Durch die Augen ins Gemuͤte, Die uns uͤberzeugend lehrt, Wie du auch uns mit Ergoͤzzen, Wilt das Nahrungs Brodt aufsezzen. E ine jede Akker-Blume, Jst auf dem besaamten Feld, Als ein Herold aufgestellt, Und prangt zu des Hoͤchsten Ruhme; Aber keine von den allen, Die an Farben mannigfalt, Will Die blaue Korn-Blume. Will mir lieblicher gefallen, Von Geruch, und an Gestalt; Als die Korn-Blum, die im Glanze, Gleichet einem blauen Kranze. S ieht man sie etwan von Ferne, Zwischen einer gruͤnen Saat, Die noch keine Aehren hat, Scheinen sie als blaue Sterne, Die des Himmels Farben tragen, Und der Felder Schmuk erhoͤhn; Wenn wir nach der Deutung fragen, Warum sie in Felde stehn: So deucht mir, daß sie uns weisen, Welchen wir als GOtt zu preisen. D er im Himmel herrlich thronet, Stellt uns die gestirnte Zier, An der blauen Kornblum fuͤr; Der da uͤber Sternen wohnet, Will uns an derselben lehren, Daß das gruͤn besaamte Land Uns auch zeige den zu ehren, Der im Himmel nur bekandt: Daß wir schuldig in dem Gruͤnen, GOtt der himmlisch ist, zu dienen. D ie in blinder Einfalt stekken, Denken daß ein Akkerman Sich die Fruͤchte geben kan, Die der Schoͤpfer muß erwekken. Denn sie glauben durch das Saͤen, Wenn der Akker umgewuͤhlt, H 2 Wuͤr- Die blaue Korn-Blume. Wuͤrde ein gesegnet Maͤhen, Als von selbst darauf erzielt: Moͤchten diese andre Lehren Von der blauen Kornblum hoͤren: D iese spricht: die albern Blinden, Die nicht wissen, daß die Saat, Einen hoͤhern Ursprung hat, Koͤnnens hier beschrieben finden. An uns, als an blauen Sternen, Sehet ihr des Himmels Bild, Daraus koͤnt ihr glaͤubig lernen, Daß die Saat vom Himmel quillt: Denn zu Pflanzen und Begiessen, Muß des Himmels Seegen fliessen. W enn man diese Blum beschauet, Wenn sie von dem Stengel frei, So sieht man daß sie fast sey, Als ein Fuͤlle-Horn gebauet; Da ich sie also erwogen Fiel mir der Gedanke ein, Daß die blauen Wolken-Bogen, Alles Seegens Fuͤllhorn seyn; Weil daher die Fruͤchte quillen, Die uns Hand und Magen fuͤllen. J a des Himmels Gnadenseegen, Giebt allein dem Akkerbau, Sein Gedeien durch den Thau, Durch den Sonnenschein und Regen. Draus entsteht, was wir geniessen, Und die Blumen die da bluͤhn, Zwi- Die blaue Korn-Blume. Zwischen Korn und Frucht entspriessen, Und den fetten Saft einziehn, Koͤnnen zum gesunden Leben, Mittel, die uns dienlich geben. D ies im Beispiel zu beweisen, Dient der Kornblum Nuzbarkeit, Die ohn allen Wiederstreit, Als ein Mittel anzupreisen. Wenn in ungesunden Tagen, Fluͤsse sich zum Haupt geselln; Wann uns solche schmerzlich plagen, Wenn der Kopf, die Wangen schwelln: Laͤst man sie im Feur verbrennen, Durch den Dampf den Schwulst zu trennen. W as sie mehr vor Nuzzen haben, Machet uns der Aerzte Mund, Die sie haͤufig brauchen, kund; So sind Schoͤpfer deine Gaben Zeugen von der grossen Guͤte, Die das Feld fuͤr uns ernaͤhrt. Gib daß mein gereizt Gemuͤthe, Wenns dich in Geschoͤpfen ehrt, Wenn es an die Kornblum denket, Werde Himmel an gelenket. H 3 Die Die Weisheit GOttes Die Weisheit GOttes an einem Kornhalm. M an saget, daß ein Atheiste, Julius Caͤsar Vaninus. den man schon lange so genannt, Vor seinem scharfen Hals-Gerichte, aus Furcht doch einen GOtt bekannt, Und seinen Nichter zeigen wollen: Man koͤnn aus einen Strohhalm lesen Es sei ein GOtt der alles ordne, ein weises und allmaͤchtig Wesen. Was er vielleicht sich zu erretten, gesagt, ist doch gewißlich wahr, So viele Halmen auf den Felde, so viele Zeugen stellt GOtt dar Von seiner GOttheit ewgen Wesen, da uns der Halmen schwanke Roͤhren, Des Schoͤpfers Dasein, Macht und Guͤte, und Weisheit ohne Zweiffel lehren. Er waͤchset aus dem Saamenkorne, der ihn in sei- ne Haͤute schliest, Woraus er denn in feuchten Schooße der Erde, durch dem Keim entspriest, Von der verborgnen Frucht genaͤhret, sich ausein- ander dehnt und bluͤhet, Und durch des Wachsthums rege Saͤfte, bis zur gemeßnen Hoͤhe ziehet. Wenn an einem Kornhalm. Wenn man dies mit Vernunft erweget; so zeiget sich ein GOtt daran, Weil weder Sonne, Luft und Erde, ihn von sich selbst nicht bilden kan. Wer solte, wenn wirs nicht gesehen, woll dies als eine Warheit glaͤuben Es koͤnne ein so kleiner Saame, aus sich so langen Halmen treiben? Man sieht des Allerhoͤchsten Wunder, wenn man mit Achtsamkeit bedenkt, Wie er sich auf dem schwanken Fusse, so steif zu seiner Hoͤhe lenkt, Wie kuͤnstlich er ist ausgehoͤlet; wie sich dadurch die Saͤfte seigen, Die durch der Wurzeln hohle Spizzen, zwar un- sichtbahr, doch wuͤrklich steigen, Jn seiner Roͤhre circuliren, bis daß die Aehre draus entsteht, Die sich mit allen ihren Theilen, gleich einen Kopf darauf erhoͤht. Hier aͤusert sich vor unsern Augen, ein Allmachts- volles weises Walten, Wenn man vernuͤnftig uͤberdenket, wie er die Aeh- re koͤnne halten, Die von der Koͤrner Last beschweret, daß dadurch nicht der Halm zerknikt, Weil ihn die Aehre durchs Gewichte der vielen Koͤr- ner niederdruͤkt. Der Schoͤpfer hat aus weisen Gruͤnden, den Halm mit Knoten fest versehn, Damit er, wenn er wird beschweret, dennoch kan immer aufrecht stehn, Die Knoten sind wie starke Bande, die sich jemehr die Koͤrner reiffen H 4 Je- Die Weisheit GOttes Jemehr die Aehr zu Boden lenket, mit ihren har- ten Wesen steiffen. Die Knoten sizzen an der Stelle, wo sonst bei druͤk- kenden Gewicht, Ein Rohr von solcher Halmen Laͤnge, am ersten knikket und zerbricht; Dies lehret uns ein weiser Meister, der alles reiflich uͤberschauet, Hat hie es kuͤnstlich abgemessen als er die Halmen Roͤhr gebauet. Die Knoten sind so eingerichtet, daß sie der starken Winde Wehn, Und dem gepreßten Hauch der Luͤfte, der sie an- blaͤßt, nicht wiederstehn; Die Halmen koͤnnen sich doch beugen, die dem em- pfundnen Zug ausweichen, Sonst braͤche sie der Winde Blasen, dem sie nicht an der Staͤrke gleichen. Sie wallen wie der Wind sich drehet, und wenn derselbe ist gestillt, So sieht man wie der volle Akker, von seinen Fruͤch- ten gleichsam schwillt, Es richtet sich der Halmen Menge, allmaͤhlig wie- der in die Hoͤhen, Dabei wir denn von neuen wieder, der Knoten grossen Nuzzen sehen. Wie weislich hat es GOtt gefuͤget, daß er die Halmen duͤnn gemacht, Denn dadurch wird dem Feldbesizzer, ein groͤßrer Seegen eingebracht; Weil auf dem abgemeßnen Akker, so viele tausen- de zu finden, Die sich in ihren engen Grenzen, recht dichte, in die Hoͤhe winden, Und an einem Kornhalm. Und gleichsam eine Wand formiren. O! welch ein heller Weisheits-Strahl, Faͤllt dadurch in ein achtsam Auge, wenn man die grosse Halmen Zahl Jm Feldbezirke uͤbersiehet, wenn wir dabei mit Lust erwegen, Wie durch die Einrichtung vermehret, der Felder reicher Nahrungs-Seegen. O! moͤchten wir uns von dem Schlaffe, den die Ge- wohnheit zeigt, befrein; So wuͤrden uns die schwanken Halmen, stets auf- gestellte Lehrer seyn, Die von der hoͤchsten Weisheit zeugen, wenn sie sich in gepflanzten Schichten, Als ausgedehnte Zeigerfinger, zum Himmel, GOt- tes Stuhle richten. Wenn sie von starker Luft erreget, so fluͤstern sie zu GOttes Ehr Wenn ich ihr Lispeln sonst verstanden, uns zu er- muntern, dieses her: Jhr Menschen die ihr hier auf Erden, so viele Wunderdinge schauet, Die GOttes Weisheit eingerichtet, und sei- ne ewge Macht erbauet. O! haltet sie doch nicht geringe, sie sind es warlich alle werth, Daß ihr darauf die Augen lenket, mit An- dacht drauf die Sinnen kehrt. Wir Halmen werden so verachtet, man tritt uns Achtlos mit den Fuͤssen, Da wir doch, zu der Menschen Leben, und ihren Besten spriessen muͤssen. Wir sind des Himmels Seegens-Roͤhren, darin er eure Nahrung gießt, H 5 Die Die Weisheit GOttes Die ihr wenn sie vom Licht der Sonnen, ge- kocht, in Meel und Brod genießt, Jhr saugt aus uns die suͤssen Traͤnke, und schoͤpfet eure Lebenskraͤfte, Durch uns vom Himmel aus der Erde; ihr labet euch durch unsere Saͤfte, Drum denket zu des Schoͤpfers Preise, was GOtt an uns, fuͤr euch gethan, Betrachtet seiner Weisheit Wunder, so oft ihr uns nur sehet an. Erwegt wie wunderbar wir wachsen, wie uns der Schoͤpfer auferziehet, Wie kuͤnstlich er den Keim entwikkelt, der aus zersprungnen Koͤrnern bluͤhet. Er zieht uns durch die Sonnenstrahlen, und durch den Einflus duͤnner Luft, Auf eine recht verborgne Weise, aus unsrer schwarzen Todtengruft, Wenn wir mit unsern gtuͤnen Spizzen, durch die zerriebnen Akkerflaͤchen, Als Kinder aus der Mutterschoosse, mit auf- gequollnen Triebe brechen. Geniessen wir denn erst die Sonne, so stei- gen wir in unsern Lauf, Nach einer uns bestimmten Laͤnge, in un- serm Wachsthum hoͤher auf; D ie Erde naͤhrt uns durch die Wurzel, die sich als Fuͤsse weiter breiten, D urch ihre Oefnungen einsaugen, was sie zu uns durch Roͤhren leiten. Je groͤsser wir im Wachsthum worden, je- mehr verbreitet sie sich aus, D amit wir nicht zu Boden fallen, bei ei- nem starken Winde Braus. Die an einem Kornhalm. Die Wurzeln sind wie krumme Fuͤsse, die uns durch ein allmaͤchtig Walten, Anstat der eingefuͤgten Klammern, stets fe- ste in der Erde halten. D ie Vorsicht welche uns bereitet, hat uns mit Blaͤttern auch versehn, D arin wir als in warmen Windeln, bei un- srer zarten Jugend stehn, Damit uns nicht die rauhe Kaͤlte, der Frost der kuͤhlen Nacht verduͤrbe, Und unsre aufgegruͤnnte Bluͤte, vor ihrer rechten Zeit verstuͤrbe. Wir sind in diesen Dekken sicher, bis wir die Festigkeit erlangt, Und bis auf unsrer aͤusern Spizze, die Aehr als eine Krone prangt. Wenn sich die Koͤrner erst gesezzet, so ist die Wurzel wie erstorben, Und schliesset unsre ofne Roͤhren, die durch sie gnugsam Saft erworben: Dann kocht des Himmels Strahl und Hizze, den eingesognen Nahrungssaft Jn uns als wie in einem Kolben, daraus er euch das Meel erschaft, D as wie ein weisser Saft gerunnen, und durch den Strahl vom Sonnenlichte Auf eine wunderbare Weise erst klebricht wird, hernachmahls dichte. Wir kommen endlich zu der Reiffe, wenn sich das Gruͤnn an uns verliert, Wir werden durch die Sonn gebleichet, die uns mit ihren Golde ziert, Da seht ihr in dem guͤldnen Lichte, auf eu- ren Feldern guͤldne Roͤhren, Wo- Die Weisheit GOttes an einem Kornhalm. Wodurch der Schoͤpfer euch zurufet: Jhr Menschen lernet mich zu ehren, D er euch so wunderbar versorget, aus guͤld- nen Halmen reichlich speist, Und euch daran die Fuͤlle-Hoͤrner, zum Zeug- niß seiner Liebe weißt. Gefaͤllt euch dieses sanfte Wallen, wenn sich die guͤldnen Halmen schwenken; So muͤßt ihr mit geregten Herzen, dabei an ihren Geber denken; Ruͤhmt auf dem Feldern seinen Nahmen, und laßt der Lieder suͤsses Schalln, Jn den begraßten Anmuths-Wiesen, in dichten Waͤldern wiederhalln: Hier sehet ihr im Weltbuch Blaͤtter, ge- schwaͤnzte Noten sind die Halmen, Was fehlen noch auf diesen Blaͤttern? der Menschen frohe Lobes-Psalmen. Ge- Ged. uͤber ein faules u. bei der Nachtz. schein. Holz. Gedanken uͤber ein faules und bei der Nachtzeit schei- nendes Holz. J ch sah von Ohngefehr, da schon die Dunkelheit, Auf unsrer Erden-Flaͤch die Schat- ten ausgestreut, Jm Garten untern Busch, ein Ding das gluͤhte liegen, Jch wußt nicht, was es war; weil leicht die Sin- ne triegen, Wenn man ins Dunkle sieht. Jch dachte nach dem Schein, Muͤst es ein brennend Klump von feurgen Kohlen seyn. Jch lief von Furcht gejagt, dies ungewohnte Bren- nen, Jm Busche anzusehn, genauer zu erkennen. Jch ging, ich kam, ich sah, da war kein Feur noch Brand, Weil ich nur faules Holz stat feurger Kohlen fand Das zu der Nachtzeit scheint; als ich es recht er- wogen, Fand ich, daß mich der Schein mit leeren Nichts betrogen. So Gedanken uͤber ein faules So geht es uͤberall, es wird manch Ding der Welt, Jm Traum der Einbildung, uns herrlich vorgestellt, Wenn es mit falschen Schein, als wie mit Dunst umsponnen; Wenn mans vernuͤnftig sieht, ist es in Nichts zer- ronnen. Wie mancher Mensche ist, der sich in Schmuk und Pracht, Der Welt vor Augen stellt, und sich recht herrlich macht? Er glaͤnzet wie die Sonn, und funkelt wie die Sterne, Doch nur, wenn unser Aug geblendet, durch die Ferne. Sehn wir ihn in der Naͤh; ist er ein faules Holz, Der Glanz den er abstrahlt, ist nur ein eitler Stolz, Von aussen guͤldner Schmuk von innen faule Kno- chen, Die wie ein muͤrbes Holz gar leicht zermalmt, zer- brochen. Das faule Holz mahlt schoͤn ein uͤbertuͤnchtes Grab, Und einen Heuchel-Christ, mit seinen Wandel ab. Ein Schein-Christ brennt gleichsam, von lauter heil- gen Flammen, Die ohne Feur und Kraft, aus kalten Herzen stammen. Er glaͤnzt von aussen schoͤn, ist eifrig im Gebet, Wenn er zu seinem GOtt mit andern Menschen fleht. Der Andacht aͤusrer Schein, der strahlt aus sei- nem Mienen; Doch ohne inre Glut. Will er dem Hoͤchsten dienen, So dienet er sich selbst, und legt auf dem Altar, Zu seinen eignen Ruhm, der Falschheit Opfer dar. Er und bei der Nachtzeit scheinendes Holz. Er ist in Worten heiß, und friert in seinen Wer- ken, Er hasset jederman; doch laͤst er sichs nicht merken. Wenn man von Ferne ihn, in seiner Andacht sieht: So brennt er lichter Loh, als wie ein Feur, das gluͤht; So ist er Mose gleich, des Angesicht gestrahlet, Doch nur auf solche Art, wie ihn der Mahler mahlet. Der Heiland sagt mit Recht: wer gute Fruͤchte hegt, Der ist ein guter Baum; wer aber keine traͤgt Jst einem faulen gleich. Wer einen Heuchler nen- net, Der nennt ein Holz das scheint, und in der That nicht brennet. Ueber Ueber die Worte: Ueber die Worte: Der am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Denn er hat mich treu geliebt, Da er sich mit freien Triebe, Als ein Buͤrge willig giebt. O! mein theurer Freund der Seelen, Du im Blut gefaͤrbtes Lamm Dich will ich zum Braͤutigam, Und zum Eigenthum erwaͤhlen, Nunmehr soll ohn falschen Schein, Meines Herzens Walspruch seyn: D er am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Weil er an der Suͤnder statt, Die vergiften Schlangen-Hiebe, Als ein Held erduldet hat. Er hat ja sein Blut und Leben, Als ein kostbar Loͤsegeld, Fuͤr mich und der ganzen Welt, Fuͤr die Feinde hingegeben: Dadurch bin ich ihm verpflicht, Daß mein Herz aus Jnbrunst spricht: Der am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Den ich zwar bisher veracht, Und Der am Kreuz ist meine Liebe. Und noch leider oft betruͤbe, Doch er hat mich rein gemacht, Er hat seine Gnaden-Armen, Die am Kreuze ausgespannt, Zu mich Suͤnder doch gewand, Und schließt mich in sein Erbarmen: Darum bin ich herzlich froh, Darum heißt mein Wahlspruch so: D er am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Ob die Welt gleich schnoͤde fraͤgt: Warum ich mich dem verschriebe, Der ein schandbar Kreuze traͤgt. Du machst Welt mit Satans-Rotten, Sein von Blut bestroͤmmt Gesicht, Sein geschwollnes Augenlicht, Als ein Fluch und Scheusal spotten, Jch seh ihn im Glauben an, Als den allerliebsten Mann, D er am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Und er nimmt sich meiner an, Daß in dem Versuchungs-Siebe, Satan mich nicht schaden kan, Sucht die Hoͤlle mich zu sichten, So staͤrkt seine Wunderguͤt; Mein bewegtes Herz, Gemuͤt Daß sie mich nicht kan zernichten. Es bewahret mich sein Schuz, Darum sag ich ihr zum Truz: Der am Kreuz ist meine Liebe. Zweyter Theil. J Der Ueber die Wotte: D er am Kreuz ist meine Liebe, Liebe ist nach meinem Sin, Eine Tugend, die ich uͤbe, Weil ich hier auf Erden bin: Kom ich hin nach Salems Auen, Steige ich auf Tabors Hoͤhn, Werd ich ihn verklaͤret sehn, Und auf seinen Throne schauen: Doch so lang ich in der Zeit, Sage ich in Freud und Leid, D er am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Wolte GOtt! daß dieses Wort, Meine lezte Losung bliebe, Wenn ich komme an dem Port, Da der Tod mich wird hinfuͤhren: Doch verstummt, alsdenn mein Mund, So macht doch das Herze kund, So lang es sich noch wird ruͤhren, Daß mein fester Wahlspruch sey: Jch bin meinem JEsu treu, D er am Kreuz ist meine Liebe. D er am Kreuz ist meine Liebe, Nunmehr ein und allemahl, Wenn mich auch die Welt begruͤbe, Jn die groͤste Noth und Qual. Jch weis, wenn ich muß erblassen, Und mein schwindelndes Gesicht, Jn der lezten Angst zerbricht, Daß er mich dann werd umfassen: Da Der am Kreuz ist meine Liebe. Da seh ich im Stuhl das Lamm, Den gekroͤnten Braͤutigam, Der im Himmel meine Liebe. Die betrachtenswuͤrdige Korn-Aehre ein Zeuge goͤttlicher Weisheit W enn ich der Aehren lieblich Wallen, Auf den gereiften Feldern seh, Wie sie hier wanken, da sanft fallen Wie sie sich lenken in die Hoͤh; So sehe ich auf den Gefilden, Ein ausgebreitet Seegens-Meer, Und solche trokne Wellen bilden, Darin sich spiegelt GOttes Ehr; Woraus die Wunderguͤte quillet, Die unser Herz mit Lust erfuͤllet: W enn auf den schlanken, regen Roͤhren, Die Haͤupter die von Korn gedruͤkt, Von Wind bewegt, zu Boden kehren; So scheints als wenn sich jede buͤkt; Als wenn sie bei dem Niedersinken, Die Menschen, die voruͤber gehn, J 2 Mit Die betrachtenswuͤrdige Korn-Aehre Mit ihren Zeigefinger winken, Die Erden-Mutter anzusehn, Woraus sie mit dem Korn entspriessen, Das Menschen theils und Vieh geniessen. S ie zeigen uns den Schoos der Erden, Daraus ihr Halm, das Fuͤlle-Horn, Und sie zugleich gebohren werden, Mit ihren naͤhrnden Wunderkorn: Damit wir aber nicht gedaͤchten, Als wenn sie aus der Erd allein, Die Seegensreiche Nahrung braͤchten; So richten sie sich insgemein, Mit ihren wallenden Gewimmel, Auch wiederum gesteift zum Himmel. S ie lehren mit gestrekten Spizzen, Vom Himmel stamme ihr Gedein; Der Hoͤchsten Obhut ihr Beschuͤzzen, Muß ihnen stat des Schirmdachs seyn. Der Einflus von des Himmels Milde, Der Wolken Thau und Regen-Guß, Bekroͤne sie auf dem Gefilde Mit Seegensreichen Ueberflus; Und aus der Sonn, des Lichtes Bronnen, Sey ihre Treibekraft geronnen. S ie zeugen von dem hoͤchsten Wesen, Der sie und alle Ding gemacht, Und geben uns auch klar zu lesen, Daß der sie nur herfuͤrgebracht, Der weise sey in seinem Walten, Der alles kuͤnstlich auferbaut, Der ein Zeuge goͤttlicher Weisheit. Der kluͤglich sey in den Anstalten, Die seine Vorsicht uͤberschaut: Und aus dem ersten zubereiten, Gewust den Entzwek herzuleiten. W ie herrlich ist der Bau der Aehren, Wie weislich ihre Einrichtung! Ein Blik, der kan uns dieses lehren, Zur heiligen Verwunderung. Wie schoͤn ist dieses Kunstgehaͤuse, Aus zarten Huͤlsen-Stof formirt, Und nach der Baukunst weiser Weise, Jn netter Ordnung aufgefuͤhrt, Da sich die Koͤrner in den Ekken, Als wie in ein Futtral verstekken. E s passet alles Schicht auf Schichte, Wo ein Korn uͤbern andern stekt, Daß uns das suͤsse Meel-Gerichte Jn seinen Huͤlsen Schlauch verdekt Sie sind nach unserm Maas der Augen, Jn gleicher Lage eingesenkt, Wie weislich? das muß dazu taugen Daß wenn der Halm die Aehre traͤnkt, So faßt das Korn zu gleicher Groͤsse, Jn jeder Reihe seine Naͤsse. W ie wunderbarlich sind die Schachte, Darin das Korn verwahret liegt; Wenn ich durchs Fernglas dies betrachte; So wird darob mein Geist vergnuͤgt. Es lieget gleichsam eingewunden, Mit weichen Dekken uͤberspannt, J 3 Wie Die betrachtenswuͤrdige Korn-Aehre Wie weise ist das ausgefunden, So bleibt es frei vor Sonn und Brand, Vor starker Luft, und Feuchtigkeiten, Die wieder seinen Wachsthum streiten. U nd koͤnnten die gestrahlten Blizze Der Sonn, ein Korn zu stark beruͤhrn; So wuͤrd es bei der duͤrren Hizze, Gar allen frischen Saft verliern, So wuͤrd es ganz und gar versengen, Jn dieser innerlichen Glut. Und koͤnnte in die Hoͤlen drengen, Der Regentropfen feuchte Flut, So wuͤrd es nicht die Naͤß ertragen, Vielmehr verfaulen, und ausschlagen. D ie schoͤn gebauten Aehren Cellen, Die Vorrathskammern ewger Guͤt, Die sind gleichsam verschanzt mit Waͤllen, Davor der Raͤuber Heer entflieht. Es sind theils lang, theils kurze Spizzen, Die vor der Raupen giergen Wuth, Die Koͤrner in den Aehren schuͤzzen, Und will der Wuͤrmer rege Brut, Den Kopf nach einem Korn ausstrekken, So muß sie gegen Stachel lekken. D ies zeigt des Schoͤpfers weises Fuͤgen, Der so viel Wunder aufgestellt, Die uns theils nuͤzzen, theils vergnuͤgen, Die er recht wunderbar erhaͤlt. Ach! moͤchten uns die vielen Aehren, Stat vieler tausend Zungen seyn, Die ein Zeuge goͤttlicher Weisheit. Die uns ermuntern den zu ehren, Der seiner Weisheit hellen Schein, Am Himmel, auf der Erd gewiesen; So wuͤrde GOtt vielmehr gepriesen. O ! GOtt du bist ein weiser Meister, Der alle Dinge woll gemacht, Die in der Welt der selgen Geister, Und hier bei uns herfuͤrgebracht. Wohin wir nur hinsehn und blikken, Da bringt uns deiner Haͤnde Werk Jn ein verwunderndes Entzuͤkken; Wohin wir unser Augenmerk, Jm Reiche der Natur hinwenden, Sind Wunder da, von deinen Haͤnden. L aß mich an denen Kreaturen, Die uns der Felder Schanplaz zeigt, Bemerken deiner Weisheits Spuren, Der Guͤte die uns ist geneigt. Sehr weislich hast du uns bescheret, Das Korn zu unsern Nahrungsbrodt; Und uns mit Ueberflus ernaͤhret, Bewahrt vor duͤrrer Hungersnoth. O! moͤchten wir in unsern Dingen, Auch alles weislich vollenbringen. J 4 Die Die kuͤnstliche Spinne Die kuͤnstliche Spinne mit ihren kuͤnstlichen Geweben. R echt wunderbar ist es im Reiche der Na- tur, Daß die veraͤchtliche, verworfne Krea- tur, Die man mit Ekkel sieht, die groͤßten Wunder heget, Zum Zeugnis weiser Macht an allen Gliedern traͤ- get Die Thiere, die man sonst, das Ungeziefer nennt, Weil man derselben Werth und Schoͤnheit nicht erkennt, Sehn wir als Greuel an, die Ekkel uns gebaͤhren, Wenn wir von Ohngefehr, darauf die Augen keh- ren Und diese sind dennoch der Allmacht Meisterstuͤk Und fordern billig auch, daß wir mit unsern Blik Und Andacht sie besehn; weil wir des Hoͤchsten Wissen, Nebst seiner weisen Macht, in allen forschen muͤssen. Die scheuche Zaͤrtlichkeit, verdekket das Gesicht, Wenn eine Spinne laͤuft, und achtet solche nicht, Da doch dies Rennethier, recht wunderbar formi- ret, Und nach des Schoͤpfers Zwek recht weislich ausge- zieret. Woll- mit ihren kuͤnstlichen Geweben. Wollan! last uns sie sehn! und seid nicht Ekkelhaft: Es ist betrachtens werth, was unser Schoͤpfer schaft. Was er gemacht ist gut, und alle irrn und fehlen, Die der Jnsecten Art, mit zu dem Boͤsen zaͤhlen. Der Spinnen Wunderbau, ist zwiefach anzusehn, Weil sie aus Kopf und Brust am Vordertheil bestehn, Der mit dem Hintertheil wie durch ein Nez ver- bunden, Das wie ein duͤnner Drat recht zaͤrtlich ist gewunden. Der Vordertheil ist hart, mit Schalen uͤbersezt Damit er nicht so leicht, werd eingedruͤkt, verlezt, Wenn sie im schnellen Lauf, bald hie, bald da hin- rennet An einen Gegenstand, den sie vorher nicht kennet. Das Hintertheil ist nur mit duͤnner Haut belegt, Den sie mit leichter Muͤh im Lauffe fort bewegt, Der schluͤpfrig; aber rauh von uͤberwachsnen Haaren, Wie jeder der sie sieht in Anblik kan erfahren. Der Kopf ist wunderbar, man seh die Augen nur; So sieht man alsobald des weisen Schoͤpfers Spur, Aus diesen haͤutigen durchsichtigen Cristallen, Jn ein geruͤhrt Gemuͤt mit Lust zuruͤkke prallen. Sie sind nicht zugedekt, dagegen wol verwahrt, Die Augenlieder fehln, drum sind die Augen hart Bestehn, wie man gleich sieht aus lauter glatten Schalen, Dadurch genießt die Spinn des aͤusren Lichtes Strahlen. Sie bleiben unbewegt: doch dieses schadet nicht; Weil sie acht Augen hat, darin der Schein sich bricht, Zwei hinten, zwei sind vorn, gedoppelt an den Seiten, Und diese all bestehn aus duͤnn gewebten Haͤuten. J 5 Durch Die kuͤnstliche Spinne Durch dieser Augen Zahl, wird jeder Gegenstand, Von einer jeden Seit, der Spinne gleich bekannt. Wer merket hieraus nicht, zu ihres Schoͤpfers Preise, Daß der der sie gemacht, sey maͤchtig, herrlich, weise? Am Vorderkopf wird man zwei Stacheln auch ge- wahr Wie Saͤgen ausgehakt, die wie ein duͤnnes Haar, Und dennoch wol geschaͤrft, als wie ein Mordge- wehre, Und wenn sie ausgestrekt, sind sie wie eine Scheere, An deren jeden Spiz sich eine Klaue zeigt, Die sich wie eine Kling an einem Messer beugt Wenns eingeschlagen wird. Und unter diesen Spiz- zen, Zeigt eine Oefnung sich draus ihre Gifte sprizzen. Man siehet dieses zwar als Kleinigkeiten an, Allein wer nur bedenkt, der dieses schaffen kan Der muß ein Wesen seyn, das vieles uͤberdenket, Wenns ein so kleines Werk so schoͤn zusammen schraͤnket. Der Fuͤsse hat sie acht, damit sie sich stets schwenkt, Und diese sind auch schoͤn, nach ihren Zwek gelenkt, Sie sind am Ende krum, woran dreifache Klauen, Die gleich beweglich sind, wie Naͤgel anzuschauen. Ein Nagel ist sehr klein, sieht aus, als wie ein Horn, Und wie am Hahnen Fuß ein krum gebogner Sporn, Damit haͤlt sie sich fest, an ihren duͤnnen Kuͤn- sten, Jch meine an den Zart verworrenen Gespinsten. Die andren Klauen sind, mit Zakken stark ver- sehn, Durch deren Huͤlfe sie im Haͤngen leicht fortgehn, Die mit ihren kuͤnstlichen Geweben. Die Spizzen koͤnnen sie in glatte Koͤrper schlagen Damit sie sich getrost so gar auf Spiegel wagen, Und lauffen hurtig fort, und haͤngen sich daran, Und lauffen ohne Fall, auf dieser glatten Bahn. Sie koͤnnen sie so gar bei umgekehrten Ruͤkken, Jm Haͤngen uͤberall, auch wo sie sind eindruͤkken. Es sieht sehr kuͤnstlich aus, wenn man sie lauffen sieht, Vornemlich wenn ein Feind, den sie nachjaͤgt weg- flieth, So eilt sie wie im Flug, und an dem glatten Hoͤ- hen, Kan sie im Augenblik sich vielmahl anders drehen. So zakkicht ihre Klaun, damit sie sich fortraͤgt, So zart sind sie dabei, und wenn man dies erwegt; So schliesset man gar leicht, daß sie durch vieles Rennen, Dieselben im Gebrauch, gar bald abnuͤzzen koͤn- nen: Damit dies nicht gescheh; sind sie mit Balln ver- sehn, Die nah an Klauen sind, worauf sie oͤfters gehn, Und wie mit sanften Tritt ganz leise einher fahren, Dabei sie ihre Klaun einziehen und ersparen. Wenn man dies abermahl, mit stiller Lust erwegt, So sieht man welche Kunst, in dieses Thier gelegt, Und macht daraus den Schlus: Ein Meister der allweise, Zeigt seiner Haͤnde Werk, an diesem Kunstgehaͤuse, Der es so klein formirt und doch dabei belebt, Daß es gar schnell fortrennt, am glaͤttsten Flaͤchen klebt. Doch last uns weiter gehn, die Spinne mehr be- trachten; So Die kuͤnstliche Spinne So werden wir vielleicht, dieselben hoͤher achten, Als sonsten nicht geschieht. Sie hat noch uͤberdem Zwei Fuͤsse, die zwar nicht zum Gehen sind bequem, Doch ebenfals sehr nuͤz, damit greift sie im Streite, Den Feind im Grimme an, damit faßt sie die Beute, Wornach sie hungrig ist, und sie so gierig sucht, Wornach sie eifrig strebt, wenn sie auf ihrer Flucht, Die sie im Raub erjagt, wenn es ihr ist gegluͤkket, Daß sie in ihren Garn ein andres Thier bestrikket. So kuͤnstlich als dies Thier durch eine weise Macht, Nach seinen Zwek gelenkt, und gut herfuͤrgebracht; So kuͤnstlich ist der Trieb, den wir an Spinnen finden, Auch sich ein duͤnn Geweb, das schoͤn geformmt, zu winden. Wenn man ein Spinngeweb, mit Achtsamkeit an- sieht, Wie seine Faͤdgens gehn, wie es sich dreht und zieht, So sieht man eine Kunst, die warlich sonder glei- chen, Und Menschen Haͤnde nicht an Zaͤrtlichkeit erreichen. Wer dieses uͤberdenkt, daß ein so dummes Thier, Ein Regelmaͤßiges Gespinste bring herfuͤr, Der muß Verwundrungs-voll dabei gleich einge- stehen, Er habe, GOttes Macht und Weisheit dran ersehen. Auf lasset uns mit Lust, darauf die Augen kehrn, Wie sie die Faden dreh, zum Ruhm des Schoͤpfers hoͤrn. Wir wissen daß das Garn, was sie aus sich herspin- nen, Maß aus dem Bauche gehn, und daraus gleichsam rinnen. Man mit ihren kuͤnstlichen Geweben. Man wird am Unterbauch der Spinnen Eiter sehn, Die fuͤnffe an der Zahl, woraus viel kleine gehn, Die oͤfnen, schliessen sie nach ihren Lust und Willen, Daraus ein klebricht Naß und dikke Saͤfte quillen, Womit sie angefuͤllt. Gehn die Sprizloͤcher auf, So rinnt daraus der Saft; dann eilt sie fort im Lauf Und zieht den Faden nach, der aus dem Saft entstehet, Denn sie erst fest gemacht, und immer laͤnger drehet Bis sie die Eiter schliest. Jst diese wieder zu, So hat sie dennoch nicht von ihrer Arbeit Ruh; So bleibet sie dennoch an diesen Faden haͤngen, Steigt immer hoͤher auf, bis sie durch das Ver- mengen Ein duͤnn Gewebe macht, daß wie ein Raͤuber Nest, Wenn man es recht beschaut in unsern Augen laͤßt. Es ist dasselbige recht listig angeleget, Wenn man denn innren Theil allwo sie liegt, erweget. Wer hat ihr das gelehrt, daß sie so nach der Kunst, Den Faden drehen kan: damit der duͤnne Dunst So woll gestrikket sey? Wir muͤssen eingestehen, Daß dieses alles so durch die Natur geschehen. Allein was heist Natur, und ihr verborgner Zug, Der eine Spinne treibt, daß sie so listig klug? Mir deucht wir koͤnnen hier ein ewig weises Wesen, Der ihr dies eingepraͤgt, in klaren Zuͤgen lesen. Man sehe nur einmahl der Spinnen Handlung an, Die man nicht gnug besehn, nicht gnug bewundern kan. Sie sieht den Plaz sich aus in dies und jene Ekken, Ein Raubnest aufzubaun, darin sich zu verstekken. Die Eiter oͤfnet sich, es fliest ein Tropfen fort, Der klebet sich so gleich an den bestimmten Ort, Dann geht sie weiter hin und laͤst das Spruͤzloch fliessen, So Die kuͤnstliche Spinne So weit der Faden sich der Laͤng nach soll ergiessen, Da macht sie solchen auch mit ihren Safte fest; Spannt ihn hernachmahls aus, da sie ihn haͤngen laͤst. Daneben klebet sie mit ihren Eitersaͤften Den andern wieder an, die sie so anzuheften, Jn freier Luft gelernt. Sind diese erst verknuͤft; So sieht man wie die Spinn auf diesen Seilen huͤpft Und sie zusammen zieht, und von einander lenket, Wie sie es haben will, nach ihren Trieben denket. Sie zieht stets Faden aus, und haͤngt sie immer auf, Bey ihren hurtigen und nimmer muͤden Lauf, Und da ist denn ihr Garn am Weberstul gebunden, Und das Geruͤst gespannt, daß weiter wird gewunden. Darauf ist sie bemuͤht, um des Gewebes Rand, Laͤst alle Eiter loß, und bringet ihn zum Stand, Befestiget ihn stark mit den gefloßnen Strikken, Die sie gar fuͤglich weis in ein stark Seil zu ruͤkken, Die Spinne ist recht klug; und weis auch dieses wol, Daß das verwahrt seyn muß, was feste halten sol, Drum macht sie es auch fest, daß es nicht kan verwehen Wenn etwa Luft und Wind durch seine Hoͤlen ge- hen. Wie wunderbahr ist nicht ein solches Nez gestrikt, Wenn man es aussenwerts nur obenhin erblikt; Man seh es aber auch wie es von innen scheinet, Wie jeder Faden sich zum Mittelpunct vereinet Allwo die Spinne liegt, die alsobald verspuͤrt Wenn sich an dem Geweb der kleinste Faden ruͤhrt. Dann lauret sie auf Raub, und faßt es mit den Krallen, Was als ein dummes Thier ist in ihr Garn gefal- len. Und davon lebet sie in ihrer stillen Ruh, Und mit ihren kuͤnstlichen Geweben. Und sieht nur immer fort dem Spiel der Muͤkken zu Die ihre Beute sind, und die gar leichtlich fangen, Wenn sie erst in dem Nez mit ihren Fluͤgeln hangen. Die Spinnen halten auch, wenn es will moͤglich seyn, Jhr zart gewebte Nest von allen Staube rein, Der durch die Menge schwer, es leicht so druͤkken koͤnnte, Daß sich das fein Geweb aus seiner Ordnung trennte. Doch, wenn es ja zerreist, von Menschen wird zerstoͤhrt, Wie ihnen taͤglich fast in Zimmern wiederfaͤhrt; So sind sie gleich bereit nach solcher Art zu drehen, Wie wir vorhero schon, nicht ohne Lust gesehen. Gewis, wer dies bedenkt, der siehet daran klar, Daß GOtt in jedem Ding besonders wunderbar, Daß er ein dummes Thier, das wir mit Spott be- lachen, Koͤnn durch verborgnen Trieb zu einen Kuͤnstler machen. Wenn wir die Spinnen so, als sein Geschoͤpf an- sehn; So werden wir in ihr auch seinen Ruhm erhoͤhn: Und in der Kreatur, und ihren Kunstgeweben, Den Meister jeder Kunst, der droben wohnt, erheben. Wie selten das geschicht, ist leider gnug bekannt, Weil man dieselbigen als einen Greul verbannt. Jch gebe gerne zu, daß wir die Spinnen fliehen, Daß wir von ihnen auch gar keinen Nuzzen ziehen; Weil ihr Geweb nichts taugt, und alle ihre Kunst, Jst wenn mans recht besieht ein zart gestrikter Dunst: Allein wir koͤnten auch von denen Spinnen lernen, Die wir als giftig scheun, davon wir uns entfer- nen. Die Die kuͤnstliche Spinne Die Menschen sind oft selbst den Spinnen wuͤrklich gleich, Jhr Thun ist eitles Nichts; ob es an Kunst schon reich: Man seh Gelehrte an, ihr fleißiges Bestreben, Bringt oͤfters nichts hervor als schoͤne Spinneweben, Wenn sie bey Tag und Nacht durch forschendes Bemuͤhn Aus ihren feuchten Hirn, so zarte Grillen ziehn, Die keiner nutzen kan, da sie doch aͤngstlich kreißen, Bei einer Misgeburth, die leichtlich zu zerreissen. Diejenigen die nichts als Torheit ausgedacht, Und sich daruͤber doch so viele Muͤh gemacht, Sind denen Spinnen gleich, die schoͤn doch nichts gesponnen: So kommen mir die vor, die Lehren ausgesonnen, Die weiter zu nichts nuz, als daß man sie vergißt, Wenn man aus Neubegier, ihr leeres Raͤthsel ließt. Die Spinne macht Geweb, die Muͤkken zu bestrik- ken, Da sie mit ihrer List die Einfalt auch beruͤkken. So machen es die auch, die mit Spizfindigkeit, Als Spoͤtter voller Gift Lehrsaͤzze ausgestreut, Die durch die falsche Kunst des aufgeblaͤhten Wissen, Durch blendende Vernunft und durch verwirrtes Schliessen, Die Einfalt oft bethoͤrn. Die so die Welt verfuͤhrn, Und sich mit einem Lob der starken Geister ziern, Die ruͤhmen ihre Kunst und des Verstandes Gaben, Die sie vor anderen von GOtt empfangen haben. Sie sagen: wer darf sich, wie wir woll unterstehn, Ein solches Lehr-Gebaͤu so kuͤnstlich auszusehn? Die GOttes-Lehrer seyn, das sind nur dumme Koͤpfe: Wir aber sind allein recht wizzige Geschoͤpfe. Jhr mit ihren kuͤnstlichen Geweben. Jhr Spoͤtter prahlet nicht, seht eine Spinne an, Die eben das auch so, ja noch woll besser kan. Der Spinnen Eigenschaft ist daß sie sich bemuͤhen, Auch aus der schoͤnsten Blum, aus Rosen Gift zu ziehen: Und dieses thut ihr auch, wenn ihr die Schrift be- nagt, Und bei den klaͤrsten Licht, doch uͤber Schatten klagt; Jhr koͤnnt die Heilge Schrift und ihre Warheits- Lehren, Als einen suͤssen Saft in bittres Gift verkehren; Die Schuld die liegt an euch, weil in euch boͤses stekt, Was Wunder daß eur Gift auch GOttes Wort beflekt. Der Spinnen Art ist es, daß sie Gewebe drehen, Woran viel arge List und zarte Kunst zu sehen: Das trift auch bey euch ein, ihr seid auch warlich klug, Allein zum Boͤsen nur, zur Schalkheit und Betrug: Wer euch aus Einfalt folgt, der wird gar oft be- trogen, Und in ein Labirinth verkehrter Lehr gezogen. Die Welt die listig ist, vor Spinnen sich verwahrt, Zeigt leider oft genug an Menschen Spinnen-Art; Der Wizzigen Geschaͤft ist, wie sie Nezze stellen, Damit die Redlichkeit und Einfalt zu beschnellen: Jedoch man sieht auch oft, das Spinnen Faden drehn, Darin sie wie bestrikt, in ihrem Nez vergehn: So gehts den Boͤsen auch, die sich damit beruͤkken, Was sie nur aufgestellt, die Einfalt zu bestrikken. Zweyter Theil. K Die Die Herrlichkeit der Lillien. Die Herrlichkeit der Lillien. Matth. VI. 28. 29. Schauet die Lillien auf dem Felde, wie sie wachsen. ‒‒ Jch sage euch daß auch Sa- lamo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. H olde Lillie, schoͤne Blume! Prange zu des Schoͤpfers Ruhme, Der dein weises Unschuldskleid, Mit so grosser Herrligkeit, Wundernswuͤrdig ausgeschmuͤkket; Wenn ich dich mit regen Sinn Aller Blumen Koͤnigin! Auf dem gruͤnen Thron erblikket: So deucht mir, es kan dein Funkeln, Aller Fuͤrsten Glanz verdunkeln. J a die Schrift das Buch der Warheit, Ruͤhmet deinen Glanz und Klarheit, Und des Hoͤchsten Lehrers Mund, Macht uns deine Schoͤnheit kund. Unser Sinn wird uͤberfuͤhret, Daß der Koͤnig Salomon, Der auf einem guͤldnen Thron, Mehr als Koͤniglich gezieret, Keine solche Pracht gewiesen, Als uns wird an dir gepriesen. Dieses Die Herrlichkeit der Lillien D ieses Koͤnigliche Prangen War mit manchen Schmuk behangen; Salomonis Purpur-Kleid, Schimmerte mit Herrlichkeit: Und sein majestaͤtisch Wesen, Borgte Ansehn, Pracht und Schein, Von so manchen Edelstein: Alles war recht auserlesen, Heitre Blizze, bunte Strahlen, Koͤnnten ihn recht herrlich mahlen. W ie seid ihr, ihr Erdenkinder, Salomonis Ueberwinder, Uebertrift eur Attlaskleid, Den bestrahlten Purpur weit? Ja! wir muͤssen es gestehen, Wer euch, wenn ihr bluͤht, beschaut, Kan den, der euch auferbaut, Und eur Meisterstuͤk besehen: Denn eur Schmuk ist auserlesen, Und ein angebohrnes Wesen. E urer Blaͤtter zart Gespinste, Offenbahrt uns Wunderkuͤnste; Uebertrift noch den Attlas; Wenn man durchs Vergroͤßrungs-Glaß Jhre Zaͤrtlichkeit besiehet, Und die Faden dran erwegt, Wie sie wunderbar gelegt; Wie dadurch ein Lichtstrahl gluͤhet: So muß man geruͤhrt erkennen, Daß ihr herrlich seid zu nennen. K 2 Man Die Herrlichkeit der Lillien. M an wird auf den glatten Flaͤchen, Wenn sich dran die Strahlen brechen, Viele Kuͤgelchen gewahr, Die durchsichtig, schimmernd klar: Wer dies sieht, der solte meinen, Daß auf einem Lillien-Blat, So viel als es Hoͤhen hat, So viel Edelsteine scheinen; Und daß es mit Regenbogen, Von dem Schoͤpfer uͤberzogen. J a! von einem jedem Ende, Wo ich mich hindreh und wende, Blizt hervor ein solcher Schein, Worin alle Farben seyn, Die im Regenbogen strahlen: Denn die Blaͤsgen sind gefuͤllt, Und was darin nasses quillt, Fliest darin als wie in Schalen, Und kann durch der Sonnen Blikken, Solche Pracht ins Auge schikken. W eiser Schoͤpfer! Sonnen Sonne! Warum hast du solche Wonne, Solche Herrlichkeit und Pracht, Fuͤr die Lillien ausgedacht? Du hast sie so schoͤn geschmuͤkket, Wie der tausendste kaum sieht, Der wenn eine Lillie bluͤht, Sie nur obenhin erblikket, Moͤchten wir dein herrlich Wesen Darin als im Spiegel lesen! Pran- Die Herrlichkeit der Lillien. P ranget nicht mit eurem Kleide, Menschen! wenn ihr Sammt und Seide, Eurem Koͤrper angelegt; Weil ihr, wenn ihrs recht erwegt, An der Lillien gleiches sehet, Ja! sie ist noch mehr bekraͤnzt, Weil draus jede Farbe glaͤnzt, Ob sie morgen gleich vergehet: Lernet daran eitle Seelen, Fuͤr euch beßren Schmuk zu waͤhlen. S ucht ihr wollgeschmuͤkte Tokken Jedes Augen anzulokken, Durch der Kleider aͤusre Zier; So stellt euch die Lillien fuͤr, Die den Vorzug schon gewonnen; Und ihr weises Attlas-Kleid, Angebohrner Herrlichkeit, Jst viel feiner noch gesponnen, Als der Zierath den ihr liebet, Der euch Schmuk und Ansehn giebet. W er als Mensch sich will erheben, Find im Tugenhaften Leben, Seinen Sch m uk und Adelstand; Wer der Tugend anverwandt, Jst viel herrlicher zu schaͤzzen, Als der, der des Schoͤpfers Bild, Jn verbraͤmmte Dekken huͤllt, Und sich suchet zu ergoͤzzen, An dem Schmuk der eitlen Sachen, Die doch keinen schoͤner machen. K 3 Wolt Die Herrlichkeit der Lillien. W olt ihr nicht den Lillien weichen, Jhrer Schoͤnheit Schmuk erreichen, So seid stets darnach bemuͤht, Wie ihr schwarze Laster flieht. Diese weisse Unschuldsfarbe, Die an ihrer Blaͤtter Sammt, Reinlich strahlt und lieblich flammt, Lehrt euch: Flieht der Laster Narbe; Wer der reinen Tugend froͤhnet, Jst mit Lillien Schmuk gekroͤnet. A eusre Schoͤnheit, innre Guͤte, Jst bey dieser Garten Bluͤte, Auf das herrlichste vereint: Wenn sie wie ein Silber scheint, Das mit Edelstein behangen; So kann unsre Nase auch, Jhres Kelches suͤssen Rauch Jhre Ausduͤnstung auffangen, Die in das Gehirne fliegen, Und die Seele selbst vergnuͤgen. T rachtet auch in eurer Jugend, Daß bey eurer Schoͤnheit, Tugend Pracht und Nuz verschwistert sey; So kommt ihr den Lillien bey. Da ihr so in Ansehn bluͤhet, So wird eures Nahmens Ruhm, Wenn die aͤusre Schoͤnheits-Blum, Endlich welkt von hinnen fliehet, Dennoch unverlezt bestehen, Und nicht leichte untergehen. Ho- Der Mensch gleicht Staub und Schatten. Homo pulvis \& umbra. Der Mensch gleicht Staub und Schatten. J ch bin ein Mensch, ein duͤnn gewebter Schatten, Ohn allen Wiederspruch kan ich mich damit gatten, Heist es nicht in der Schrift, daß GOtt den Mensch gemacht, Aus einer rothen Erd den Leib herfuͤrgebracht? Nicht Adam nur allein, wir sind ja allzusammen, Nichts als ein eitler Staub; weil wir daraus her- stammen. Hebt sich die Sonn hinweg; so fliegt der Schat- tenrauch, Ein schoͤnes Ebenbild! so gehts den Menschen auch; Jst er zuvor aus Erd, durchs Schoͤpfers Macht gezogen, Nun stirbt er, und scheint uns, als wie ein Dunst verflogen. Regt sich der Menschen Leib, der Seelen leimern Haus, Jn einem Augenblik blaͤst er den Odem aus. Kroͤnt dich o Mensch! ein Gluͤk; so siehe zu der Erden, Hier siehst du, was du bist und was du bald must werden. K 4 Sieh Der Mensch gleicht Staub und Schatten. Sieh stets die Erde an, die deine Mutter ist; Traͤumt dir ein Schattenbild: Denk daß du solches bist, Und uͤberlege stets; so leicht ein Staub verwehet, Reist auch dein leimern Haus, das wie ein Staub vergehet. Traum, Schatten fliegen fort; Es laͤst dies Sin- nenspiel Zur Lehre dir zuruͤk: So ist dein Lebens-Ziel. Die Die Auferstehung JEsu. Die Auferstehung JEsu der Grund der Glaͤubigen zu ihrer seeli- gen Auferstehung. Hiob c. XIX. 25. 26. 27. Jch weiß, daß mein Erloͤser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden auf- erwekken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische GOtt sehen. Denselben werde ich mir sehen und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. D er Heiland lebt! er steht, er sieget! Des Grabes Dekkel springt entzwei, Zum Zeugnis daß die Hoͤll bekrieget, Der Teuffel uͤberwunden sey. Des Todes Bande sind zersprungen, Der Feind womit der Held gerungen, Liegt nun in blasser Ohnmacht da: Das Hoͤllen Heer fleugt aus dem Streite, Laͤst fahren die erhaschte Beute, Des Glaubens Jubel-Lied heist nun Victoria. Zischt Die Auferstehung JEsu der Grund Z ischt ihr, ihr Teuffel wie die Schlangen/ So zischt euch nunmehr selber aus; Der Held den ihr zuvor gefangen, Zerbricht nun eur Gefangenhaus. Es ist eroͤfnet und zersprenget; Durch seiner Allmachts Bliz versenget Falln seines Leibes Fesseln ab. Er stehet frei, durchdringt die Riegel, Vernichtiget des Grabes Siegel Zum Zeugnis daß sein Grab, sey keines Todten Grab. D er Held wacht auf! die Erde bebet, Die zu der Hut bestellte Schaar, Die von der Frechheit sonst belebet, Wird dies Verwundrungsvoll gewahr: Jhr Muth zerrinnt wie Wachs am Lichte, Ob dem gemerkten Schrekgesichte; Die Furcht betaͤubet Herz und Sinn; Die Bangigkeit durchkreucht die Glieder, Zieht sie im kalten Schaudern nieder: Da faͤllt Muth, Huͤter, Lanze hin. E in froher Bote von dem Himmel, Posaunt das Evangelium Daß JEsus lebt: Und das Getuͤmmel Der Feinde liegt erstarrt und stum: Doch seines Kleides blizzend Brennen, Belebt sie schleunig fort zu rennen; Sie lauffen zu der Moͤrderstadt, Verkuͤndigen was da geschehen Was sie erstaunend angesehen, Und daß das nun erfuͤllt, was man befuͤrchtet hat. Jhr der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. J hr Feinde! traurt bey Freudentagen, Und hoͤrt mit bangen Zittern an, Was euch der Huͤter bebend Zagen, Vor Schrekkenspost erzaͤhlen kan. Das Grab darin ihr den geleget, Der eure Missethaten traͤget; Das Grab daran eur Siegel haͤngt, Bewahrt nicht mehr die Todtenbeine, Dieweil der Lebensfuͤrst durch Steine, Zum Zeugnis seiner Macht, sich unbegreiflich drengt. T riumph! Triumph! kommt bloͤde Seelen, Die ihr des Heilands Todt bedaurt, Beym Haͤnderingen, Herzensquaͤlen, Ganz trostlos um denselben traurt: Ermuntert euch bey euren Sehnen, Und wischt das Salz vergoßner Thraͤnen, Aus dem geschwollnen Angesicht: Denn der, den euer Herze liebet, Um dessen Todt ihr euch betruͤbet, Lebt wiederum im Sieg; drum trauret laͤnger nicht. J hr zweiffelt voller Furcht und Freude! Doch kommt und seht das Grab ist leer: Der Herold in dem Strahlen-Kleide, Verkuͤndigt euch die frohe Maͤhr; Ein Juͤngling der im Grabe sizzet, Jn heitren Strahlen munter blizzet Traͤgt eine frohe Liverey: Der Himmelsbote selbsten lehret: Daß der, den ihr als todt verehret, Zu enres Herzens Trost, schon auferstanden sey. Jhr Die Auferstehung JEsu der Grund J hr hoft es, und die schwarzen Duͤnste, Der truͤben Trauer-Nacht vergehn: Jhr koͤnnt nun durch das Flor-Gespinste Das Morgenroth der Freude sehn: Es klaͤret sich schon alles wieder, Die Munterkeit wallt durch die Glieder, Und schliest euch, bey des Blutes Lauf, Das vorher durch die Furcht gehemmet, Eur Herz mit banger Angst umklemmet, Das Auge des Gemuͤts von neuen wieder auf. J hr glaubt! weil ihr die Lebens-Sonne, Verklaͤrt in lichten Strahlen spuͤrt, Die euer Herz mit neuer Wonne, Nach truͤber Finsternis geruͤhrt. Drum jauchzt, frolokt in muntren Mienen, Da euch der Lebensfuͤrst erschienen, Der sich aus seiner Gruft erhebt, Und durch sein siegreich Auferstehen, An alle laͤst den Trost ergehen, Daß nun der Todt erliegt; da der Erloͤser lebt. E s mag die Bosheit immer schnauben, Daß JEsus lebe sey Betrug; Sprecht Frevler! daß ihr dies zu glauben, Nach eurer Einsicht viel zu klug. Jhr moͤget mit des Satans Rotten, Des Glaubens aͤchte Einfalt spotten, Eur Geiffern wird euch schon belohnt; Weil der der von des Todes Banden, Warhaftig siegreich auferstanden, Jn seiner Majestaͤt, als euer Richter thront. Die der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. D ie Warheit lacht dem Heer der Hoͤllen, Das ihre feste Stadt bestuͤrmmt; Sie bleibt bey allen Wiederbellen, Durch ihren sichren Grund beschirmmt. Raßt immerhin! die heilgen Buͤcher, Sind vor dem Untergange sicher; Der Glaube sieget doch zulezt: Die Zeugen, die ihr Blut und Leben, Fuͤr diese Warheit hingegeben, Vernichtigen den Wiz der sich ihr wiedersezt. S agt nicht ihr Spoͤtter! daß sie luͤgen, Sie sind von diesem Vorwurf frei; Wie sprecht ihr! daß uns koͤnn betriegen, Das Blendglas truͤber Phantasei? Wir wollen euch dies eingestehen: Allein es ist hier nicht geschehen; Wie uns ihr langes Zweiffeln lehrt: Sie wollen wie sie selbsten schreiben, Von Furcht betaͤubt, daß selbst nicht glaͤuben, Was sie so oft gesehn; wovon sie viel gehoͤrt. S ie krochen in verborgne Winkel, Der Heiland kam auch da hinein; Wie kann denn dies ein falscher Duͤnkel, Ein Traum verwirrter Seelen seyn, Wenn Zweifler, durch ein klares Wissen, Was sie nicht glaͤuben, glauben muͤssen? Wenn sie recht sinnlich uͤberfuͤhrt, Daß sich der JEsus, den sie kennen, Den sie den todten Meister nennen, So oftermahls gezeigt? Heist das dennoch geirrt? Wer Die Auferstehung JEsu der Grund W er etwas siehet, fuͤhlt und hoͤret, Und oftermahls dasselbe merkt; Und sich aus Vorsaz nicht bethoͤret, Der wird zulezt dadurch bestaͤrkt; Daß er das wuͤrklich auch empfunden, Daß er zu glauben sich verbunden, Daher ist diese Lehre klar: Was die Apostel oft gesehen, Gehoͤrt, empfunden, ist geschehen Sie zeugen JEsus lebt: Drum ist dasselbe wahr. D ie Warheit treibt sie zum Bekennen, Daß JEsus lebe sey gewis; Drum muͤsse man ihn Heiland nennen Der jenes Reich der Finsternis Durch seine Wunderkraft verheeret, Des Teufels Werke ganz zerstoͤhret. Und was sie mutig ausposaunt, Das konten sie mit Wunderwerken, Der GOttheit Siegel stets bestaͤrken: So das daruͤber ward die ganze Welt erstaunt: S o schnell ein Bliz die Luft durchrennet, So schnell ging ihre Predigt fort: So wie der was er ruͤhrt, anbrennet; So musten auch an jedem Ort Der Feuer-Zungen Wundergaben Die Wirkung an den Herzen haben, Die vorher haͤrter als Metall. Durch diese Lehr, durch diese Zeichen, Die Sinnen ruͤhren, Herzen weichen Entstand ein heilig Feur zu Satans Sturz und Fall. Das der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. D as Hoͤllenkind der Aberglaube Ward seinen Untergang gewahr, Und dadurch kam die Turteltaube, Die Kirche Christi in Gefahr; Sie ward gescheucht, gejagt, gedruͤkket: Und dennoch ist es ihr gegluͤkket, Sie bleibet dennoch unversehrt. Ja! in dem grimmgen Drachenklauen, Kan man sie unverlezzet schauen: Weil JEsus sie gend lebt; so wird die Hoͤll zerstoͤhrt. D ie Tempel zittern, sinken, fallen, Die Goͤzzenbilder werden stum; Man hoͤrt dagegen lieblich schallen, Das suͤsse Evangelium: Man bauet zu des Heilands Ehre, Jm Herzen Lob und Dank-Altaͤre, Worauf ein heilges Opfer glimmt: Man glaͤubt ein Opfer ewger Gnade, Man traut der wahren Bundeslade, Bei deren Aufrichtung des Dagons Fall bestim̃t. S o siegen die gesandten Helden, Jm Krieg des HErrn ohn Schwerdt und Macht, Wie uns der Zeit Geschichte melden Wer haͤtte dieses je gedacht? Zwoͤlf arme Maͤnner, die verlassen, Die koͤnnen solch ein Herze fassen, Daß sie sich freudig unterstehn, Die Hoͤll und Erde aufzufodern, Die in verschwornen Wuͤten lodern: Wie kan man nicht daran des Hoͤchsten Wir- kung sehn? Das Die Auferstehung JEsu der Grund D as Schwerd des Geistes ist die Staͤrke, Damit besiegen sie die Welt; Die Mauren sind die Wunderwerke, Woran die Wuth zuruͤkke faͤlt. Die Warheit ist ihr Schild und Bogen, Damit sie in den Streit gezogen; Des Himmels Obhut ist ihr Schuz; Die Feuerkraft der reinen Lehre Besiegt der Feinde Mordgewehre, Und der Apostel Schaar beut Welt und Teu- feln Truz. S ie sterben in des Hoͤchsten Kriegen, Die Feinde jauchzen im Triumph; Jedoch zu fruͤh; weil sie doch siegen, Jhr Blut macht ihre Waffen stumpf. Jhr Blut wird bald an sie gerochen, Der Richterstab ist schon gebrochen, Der ihren Untergang bestimmt. Die Kirche siegt die JEsum ehret, Der Maͤrtrer Blut, das wird erhoͤret, Das wie ein fetter Thau auf Zions Huͤgeln schwimmt. D er Heiland winkt! so bald ist stille, Das tobende Verfolgungs-Meer; Es kommt zu ihm der Heiden Fuͤlle, Und hoͤrt begierig seine Lehr. Es gehn nunmehr nach West und Osten, Des Gnadenreiches Friedensposten; Es faͤllt des Afterglaubens Trohn; Daselbst die Fuͤrsten dieser Erden, Jn CHristi Joch gebeuget werden; Es siegt die Kreuzesfahn und die Religion. Jhr der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. J hr Frevler! hoͤret auf zu spotten, Vergeblich ist doch eur Bemuͤhn, Des Heilands Lehre auszurotten: Er lebt: und sie wird immer bluͤhn. Jhr habt aus vielen hundert Jahren, Viel tausend Zeugen, zu erfahren, Wie er sein Gnadenreich beschuͤzt: Bemerket dies um zu erkennen, Daß der, den wir Erloͤser nennen Gewislich auferwekt, zur Rechten GOttes sizt. J hr bleibt bey euren albern Kluͤgeln, Und werdet es zu spaͤt bereun; Wenn er die Graͤber wird entriegeln, Darinnen wir zerstaͤubet seyn. Dann wird der Urtheilsspruch gesprochen, Von dem, den eure Zung gestochen, Die von der Hoͤlle angeflammt: Dann werdet ihr zum ewgen Spotte, Wenn ihr mit eurer Laͤstrer-Rotte, Seid zu dem Schwefelpful, zur ewgen Glut verdammt. O ! jauchzet! die ihr freudig glaͤubet, Daß JEsus wieder auferwekt; Weil er euch nun den Freibrief schreibet, Daß eurer Suͤnden Schuld bedekt. Der Buͤrge lag fuͤr uns in Banden, Und da er wieder auferstanden, Sind wir von unsern Schulden frei: Der Schuld-Thurm steht nun wieder offen, Zweyter Theil. L Und Die Auferstehung JEsu der Grund Und dadurch kan man glaͤubig hoffen, Daß unsre Suͤndenschuld durch ihm bezahlet sey. L ast in den Huͤtten der Gerechten, Das Jubel-Lied der Freiheit hoͤrn; Und trennt euch von den Hoͤllen Knechten, Die falschen Wahn und Jrrthum lehrn. Sprecht: Last uns nun ein Danklied bringen, O! HErre, hilf laß woll gelingen: Es oͤfnet sich des Himmels Thor, Mir deucht ich hoͤr ein Jubiliren, Ein unbeschreiblich Musiciren, Jn jener Seeligen verklaͤrten Geister-Chor. S ie singen von des Helden Siege, Der als ein Loͤw aus Juda kaͤmpft, Und der in seinen blutgen Kriege Der Teufel Wuth und Macht gedaͤmpft; Sie singen: Nun ist uͤberwunden, Jn ewger Finsternis gebunden, Der Satanas, sein Hoͤllen Heer: Triumph! die Schlange ist zerknikket, Jhr giftger Kopf ist eingedruͤkket, Dem Lamm das lebt und siegt; Sey Lob, Preiß, Ruhm und Ehr. L aßt dieses Siegeslied erschallen, Jhr Glaͤubigen in dieser Welt! Laßt das auf Erden wiederhallen, Was dort erthoͤnt in Salems Zelt; Jauchzt Zions Buͤrger! in den Huͤtten: Der Satanas ist nun bestritten, Da der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. Da JEsus lebt, und siegreich prangt, Wir sind in seinem Kreuzes-Orden, Aus Sclaven freie Kinder worden, Der Glaube siegt durch ihn, und hat die Kron erlangt. D er Heiland lebt, wir werden leben, Das Grab das unsern Leib verschlingt, Wird uns verklaͤret wieder geben, Wenn einst die Feldposaune klingt. Wir koͤnnen dieses freudig glaͤuben, Wenn unsre Glieder gleich zerstaͤuben. Das Haupt erwacht; die Glieder auch, Die Todten sind in seinen Haͤnden, Und wird sich dieser Weltlauf enden; So oͤfnet sich alsdenn der Erden finstrer Bauch. W as lacht ihr Spoͤtter? unser Glaube, Jst ohne allen Wiederstreit; Sagt nicht, daß bey des Todes Raube, Sich zeige die Ohnmoͤglichkeit! Eur Wahnwiz haͤuffet Schwierigkeiten, Die dem, der glaubet nichts bedeuten: Der Heiland lebt, das ist gewis, Und wir sind seines Hauptes Glieder, Die sammlet er dereinsten wieder, Aus der verborgnen Kluft der tieffen Finsternis. S agt nicht: Wir sind schon laͤngst verflo- gen, Des Koͤrpers Theile sind zerstreut, Jn andre Koͤrper eingezogen Verduftet durch die lange Zeit; L 2 Vom Die Auferstehung JEsu der Grund Vom Meer verschlukt, vom Thier zerfressen, Von andern Menschen eingegessen, Jm Reiche der Natur zertheilt, Jm weiten Raum der Luft zersprenget, Veraͤndert, tausendfach vermenget: Last dieses alles seyn: ihr schliest doch uͤbereilt. D er Allmacht unsichtbahres Walten, Das wuͤrket alles was entsteht, Und das kann alles das erhalten, Was nach dem Augenschein vergeht. GOtt weis wo Koͤrper in den Luͤften, Jn Erd und Meeren sich verduͤften, Kein Staub kan seinem Aug entfliehn, Es bleibet alles in dem Kreise Des Weltraums, was in dem Gehaͤuse Desselben nun zerstreut, kan er zusammen ziehn. H at er aus Nichts den Ball der Erde, Den Bau des Himmels dargestellt; Schafft seiner Allmacht wuͤrkend Werde, Das grosse Wunderhaus der Welt, Wo unbestimmte Millionen, Belebter Kreaturen wohnen; Wie solt es denn ohnmoͤglich seyn, Daß er nicht wuͤste in den Gruͤnden Die Theilgen wiederum zu finden? Der Glaube spricht hie Ja, und die Vernunst nicht Nein. E in Kuͤnstler bringt durch seine Haͤnde, Ein Raͤderwerk, das ganz zerstuͤkt, Jn der Glaͤubigen in ihrer Auferstehung. Jn sein geformtes Kunstgebaͤnde Wenn er die Theile nur erblikt. Er weis wo jedes hingehoͤret, Was in der Werkstadt, wie zerstoͤhret, Verwirret durcheinander stekt. Er hat bey seinem Raͤderwerke, Das zum bestaͤndgen Augenmerke, Hebt die Verwirrung auf, wenn er die Hand dran strekt. W ie solte GOtt daß auch nicht koͤnnen, Das Wesen das allmaͤchtig heist? So waͤr er ja kein GOtt zu nennen, Dafuͤr ihn doch ein jeder preist. Erweget dies in den Gedanken: Die Macht die an sich keine Schranken, Kan alles, was sie nur gebeut. Was in Ost, West, in Suͤd und Norden Von jedem Leib zerstreuet worden: Das ruft sein Wink herbei, wenn alles wird verneut. D enkt nicht daß die Veraͤnderungen, Die in Naturreich stets geschehn, Die Menschen Koͤrper so verschlungen, Daß sie zulezt in Nichts vergehn. Es werden unsre Haut und Knochen Von Moder angefault, zerbrochen, Zermalmt, verwandelt, und zerstoͤhrt; Es mag derselbe in den Jahren Bald hie bald da zerstreut, hinfahren, So wird er dennoch nicht, ins vorge Nichts verkehrt. L 3 Gesezt Die Auferstehung JEsu der Grund G esezt! er fliegt in alle Theile Des Weltraums, weht durch Erd und Luft; Gesezt aus meines Koͤrpers Faͤule, Entsteht ein solcher Nahrungs-Duft, Der sich in Kraut und Pflanzen sezzet, So bleibt er dennoch unverlezzet. Gesezt ein Theil der von mir faͤhrt Wird in den andern Leib verwandelt; Jch weiß das GOtt stets weislich handelt, Daß dieses mir nichts nimmt; weil mein Leib wird verklaͤrt. D ie Allmacht kan das wieder trennen, Was ineinander ist gefuͤgt; So lang ich diese werde nennen, Macht mich kein Zweiffel misvergnuͤgt. Die Kunst kan Gold und Silber schmelzen, Metalle in einander welzen, Daß draus ein neuer Koͤrper wird; Sie kan durch Zusaz zu dem Beiden, Sie wieder von einander scheiden, Und jedes bleibet doch, das sich vorher ver- liert. K an dies ein Kunsterfahrner Meister, Wenn seine Tiegel feurig gluͤhn; Was darf sich denn der Geist der Geister Der weise Schoͤpfer drum bemuͤhn, Wenn er zu einem jeden Wesen, Die Theile will zusammen lesen, Die Stuͤkke zu dem Koͤrper sind, Die mir vor andern angehoͤren; Dies der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. Dies stuͤzt sich auf Erfahrungs-Lehren, Wer dies nicht glauben will, ist warlich se- hend blind. G esezt, ein wilder Menschenfresser, Ein menschlich Wolf, ein Canibal; Die Canibalen ein wildes Volk welches Men- schen frisset. Ein Ungeheuer im Gewaͤsser, Verzehre einen uͤberal: Man werd ein Theil von seinem Leibe, Man bleibt doch auf der Erden Scheibe, Und er vergehet doch zulezt: Der Schoͤpfer weis wo ich geblieben, Wie, wo mein Staub zertheilt, zerrieben: Er stellt das wieder her, was man vernichtigt schaͤzt. O ! saget nicht ihr albern Tohren, Daß der, den solcher Wuͤtrich schlingt, Jm Reich der Moͤglichkeit verlohren, Den keine Allmacht wieder bringt: Jhr denkt bey den ergrimmten Morden, Sey ja der Leib gefressen worden, Verwandelt durch die Dauungs-Kraft; Er waͤre also durchgedrungen, Nach der Natur Veraͤnderungen, Jn seines Fressers Leib, in dessen Blut und Saft. J hr schliest daraus, wenn dieser stirbet, Eh er den Raub im Dunst ausstreut, L 4 Und Die Auferstehung JEsu der Grund Und in den Moder schnell verdirbet; So saͤh man die Unmoͤglichkeit: Daß durch der Vorsicht weises Walten, Koͤnn jeder seinen Leib behalten: Des einen Koͤrper, der verzehrt, Waͤr in den andern ja geblieben, Und da er in dem Bauch zerrieben, So waͤre er dadurch zum andern Leib verkehrt. S o wizzig dieser Einwurf scheinet, So falsch ist doch der seichte Schlus, Weil das nicht so, als wie mans meinet, An jenen Tag geschehen muß. Wahr ist daß, das da ausgesaͤet, Auch dreinsten wieder auferstehet: Jedoch in dem verklaͤrten Stand. Der Schoͤpfer wird den der gefressen, Von dem, der ihn zuvor gegessen, Schon scheiden, ob uns gleich, wies zugeht, unbekandt. D ie Grundbildung von einer Pflanze Stekt schon in einen Saamen-Korn; So auch der Mensch ist schon das Ganze, Wenn er zwar klein und zart gebohrn: Die wesentlichen Theile bleiben, Die sich nur aus einander treiben Zur Groͤsse die das Wachsthum macht; Und wird ein Mensch etwan verzehret, So daß sein Fleisch den andern naͤhret; So bleibt sein Urstof doch, den GOttes Huld bewacht. O! der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. O! Spoͤtter! die der Wahn betrogen, Prahlt doch nicht, daß euch die Vernunft Das zu bestreiten, blos bewogen, Was ihr in eurer albern Zunft Vollkommen hier begreiffen wollet, Da ihr in Demut glaͤuben sollet: Auch die Vernunft die richtig denkt, Erkennt, daß GOtt uns koͤn das Leben, Dem Geist den Koͤrper wieder geben, Den er durch die Geburth so wunderbar ge- schenkt, J hr glaubt das nicht, und eur Gewissen, Der Richter der im Herzen sizt, Der nagt euch mit verborgnen Bissen, So daß ihr oft in Aengsten schwizt, Wenn ihr an euren Todt gedenket, Der euch in seine Gruft verschrenket. Sagt an, warum seid ihr betruͤbt, Jhr fuͤhlet schon in euren Herzen, Den Peiniger, der euch mit Schmerzen, Dereinsten das bestraft, was ihr hie ausgeuͤbt. R aßt immer hin, eur giftig Spotten, Schadt unsrer Glaubens-Warheit nicht; Sie bleibt und ist nicht auszurotten, Ob ihr ein Thor gleich wiederspricht. Jhr seid verzweiffelnde Veraͤchter, Und euer schnoͤdes Hoͤhngelaͤchter, Wird in ein Weinen noch verkehrt, Wenn eure jezt verstokte Seele, L 5 Aus Die Auferstehung JEsu der Grund Aus ihren Leib, als einer Hoͤle, Zur Hoͤllen-Finsternis verruchter Geister faͤhrt. D ereinsten wenn der Weltbau sinket Die Himmels Feste schmetternt kracht, Und wenn des Schoͤpfers Allmacht winket, Jhr, im Posaunen Klang erwacht; So seht ihr die verlachte Warheit Zu euren Schrekken in der Klarheit; So sehet ihr das JEsus lebt; So werdet ihr in tieffen Schluͤnden, Ob ihrs gleich wuͤnscht; kein Grab mehr finden, Weil alles was verstekt, sich an das Licht er- hebt. W as duͤnket euch? wie muͤst ihr zittern, Wenn JEsus auf den Wolken faͤhrt; Und wenn in feurgen Ungewittern, Der Weltbau schmelzend wird verzehrt. Furcht, Schaam, Verzweiffelung und Zagen, Die folternden Gewissens-Plagen Der Hoͤllen siedend Schweffel-Meer, Des Heilands fuͤrchterliche Blizze, Der Ausspruch von dem Richter-Sizze: Dies alles schrekket euch sammt aller Teufel Heer. Z u spaͤt! verfluchte Hoͤllenbraͤnde! Bereut ihr da, was hier geschehn; Die Glaubenszeit ist da zum Ende; Denn muͤst ihr wieder Willen sehn, Wie der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. Wie albern euer Wiz gekluͤgelt, Da eure Gruft, durch den entriegelt Der uͤber Todt und Grab gesiegt; Durch den, der da er uͤberwunden, Des Todes Schluͤssel wieder funden, Und nun erloͤsen kan, was in den Graͤbern liegt. B egluͤkte! die mit Freuden hoͤren, Von dem erwachten Menschen Sohn Wie trostreich, sind die Warheitslehren, Der christlichen Religion, Fuͤr euch; o hoͤchst zufriedne Seelen! Die keine bange Zweifel quaͤlen: Jhr lebet in Zufriedenheit Und wenn die lezten Todes-Stunden, Den Geist vom Koͤrper los gebunden; So freuet ihr euch schon auf die Erwekkungs Zeit. D er lezte Feind ist aufgehoben, Der Fuͤrst des Schrekkens, ohne Pein; Jhr freuet euch bey seinen Toben, Und schlaft in sanften Frieden ein: Wenn die Natur so aͤngstlich kirret, Wie eine Turteltaube girret; So ist der Geist dennoch vergnuͤgt: Er ist durch Glaubens-Kraft befluͤgelt, Und durch des Geistes Trieb versiegelt, Und weiß daß denn sein Leib, in stiller Ruhe liegt. E s schwindeln die gebrochnen Sinnen, Der Geist faͤhrt aus, der Leib schlaͤft ein, Der Die Auferstehung JEsu der Grund Der Geist der kommt nach Salems Zinnen Darf weder Grab noch Moder scheun. Der Leib wird zwar mit seinen Staube, Jm welken Rest, dem Tod zum Raube: Doch aber ohne Untergang; Der Glaube lehrt euch freudig denken: Man wird mich in ein Ruhbett senken Bis daß mich JEsus wekt, durch den Posau- nen Klang. W er also stirbt, das heist kein Sterben, Der Suͤndenleib kommt nur ins Grab, Die Huͤlsen der Natur verderben, Es fallen nur die Schalen ab. Der Leib der wie ein Korn gesaͤet, Erstirbt: dieweil er auferstehet, Verwelket und wird ausgestreut: Damit er in den frohen Lenzen, Koͤnn herrlich und verklaͤret glaͤnzen, Wenn GOttes ewge Macht, ihn aufzustehn gebeut. S o sieht ein Glaubens-Held sein Ende, Als einen Lebens Anfang an, Der sterbend die gefalltnen Haͤnde, Ums Kreuz des Mittlers schlingen kan: Die dunkle Gruft ist eine Kammer, Darin er vor der Zeiten Jammer Jn einem stillen Frieden wohnt; Das Grab ist die Verwahrungs-Hoͤle, Da die von Fesseln freie Seele, Jm Schloß der Ewigkeit, bey GOtt im Him- mel thront. Jhr der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. J hr ruht: das Ende ist bestimmet, Die Wolken hemmen ihren Lauf, Das Feuer, das vielleicht schon glimmet, Entzuͤndet sich, frißt alles auf: Des Himmels rege Feuerballen Zerschmelzen und vergehn mit Knallen; Der Schweffel schwangre Donner bruͤllt, Mit Blizzen die stets Strahlen schiessen, Worin die Elemente fliessen, Wird die getrennte Luft des Weltraums ange- fuͤllt. W enn diese Schrekkens-Donner rollen, Dafuͤr der Erden Grund erbebt; Die Donner die zerschmettern sollen, Was nach dem Untergange strebt; So kommt das fuͤrchterliche Schuͤttern Und reißt mit seinen Schrekgewittern Der Erden feste Saͤulen ein; Der Meere siedend, zischend Brausen, Erregt ein Herzbeklemmend Sausen: Doch dieses alles wird fuͤr euch, nicht schrekhaft seyn. D er Koͤnig aller Herrlichkeiten, Laͤßt sich mit allen Engeln sehn, Verkuͤndiget das End der Zeiten, Die mit der Welt zugleich vergehn. Sein Allmachts Wink, der das entsiegelt, Was Erde, Meer und Luft verriegelt, Erregt der Todten grosse Schaar, Kaum hat sein Ruff die duͤstren Bogen Der Die Auferstehung JEsu der Grund Der stillen Graͤber durchgezogen: So stellt das Todte sich gleich als lebendig dar. J hr eilet aus dem finstren Lande, Da die Verwesung herrscht hervor, Und schwinget im verklaͤrten Stande, Eur ausgeschlafnes Haupt empor. O! welch ein Blik, der euch entzuͤkket! Jhr werdet schnell der Glut entruͤkket, Die sich um alle Koͤrper welzt, Jhr seid befreit von Dampf und Flammen, Die Engel bringen euch zusammen, Wenn euer Grabes Stein, der euch bedekt, zerschmelzt. J hr seht den Koͤnig auf dem Throne, Umringt mit seiner Geister Pracht, Den ihr in seiner Dornen Krone, Als euren Mittler hochgeacht. Jhr sehet ihn der Sonnen Sonne, Das Licht das euch mit ewger Wonne, Mit nie geschmekter Lust erquikt; Jhr seht an diesem frohen Morgen, Das was der Glaube euch verborgen, Der auf der Unterwelt nur durch ein Fern- Glas blikt. J hr seht in dem umstrahlten Glanze, Den Himmels-Koͤnig der euch liebt, Der mit dem unverwelkten Kranze, Euch Palmen seines Sieges giebt. Die Thronen sind fuͤr euch gebauet, Die ihr auf Zions Berge schauet, Jhr der Glaͤubigen zu ihrer Auferstehung. Jhr seid nun Fuͤrsten jener Welt, Und herrscht da ihr mit ihm gestritten; Jhr siegt da ihr, mit ihm, gelitten, Da euch die Ewigkeit in ihrem Schooße haͤlt. D a sehet ihr die Seraphinen, Der seelgen Geister grosse Schaar, Und feiret mit dem Cherubinen, Ein unaufhoͤrlich Jubel-Jahr: Da werdet ihr in Engel-Choͤren, Den Klang der Siegeslieder hoͤren, Den kein noch sterblich Ohr vernimmt; Da werdet ihr in Salems Auen, Die Kirche im Triumphe schauen, Die hier im Streite ringt, im Blut der Maͤr- trer schwimmt. W ie wird mir! teuscht mich ein Gesichte, Ein durch den Schlaf erzeugter Traum! Mir deucht ich seh in Himmels-Lichte, Der Ewigkeit verdekten Raum; Wo ungezaͤhlte Millionen Mit unschaͤzbahren Gnadenkronen, Um einem hohen Stuhle stehn. Der Vorhang wird mir weggezogen, Jch sehe einen Siegesbogen Dadurch des Helden Ruhm, den Heiland zu erhoͤhn. E s zeigt ein Held sich auf dem Stuhle, Darunter Todt und Teufel liegt, Als wie in einem schwarzen Pfule, Die dieser Held mit Macht besiegt. Nach Die Auferstehung JEsu der Grund Nach einem schroͤklichen Gebruͤlle, Entsteht auf einmahl eine Stille, Ein Abgrund spaltet sich entzwei. Darin der Todt und Teufel fallen: Jch hoͤr draus Ach und Weh erschallen, Und merke daß daselbst der Boͤsen Hoͤlle sey. D ie Stille ist gleich aufgehoben, Jm Himmel thoͤnt Victoria, Ein Jauchzen, da sie alle loben Den ich im Glanz des Stuhles sah: Jhr Lied hieß: Dem am Kreuzes Stamme Fuͤr uns erwuͤrgten GOttes-Lamme Sey Lob und Preis, sey Ehr und Ruhm. Der, der im Helden-Muth erstanden, Hat uns befreit vom Todesbanden: Als ich dies angehoͤrt verschwand das Heilig- thum. D ie Sehnsucht sprach, als ich erwachte Und dem was ich im Traum gesehn, Mit suͤß empfundner Lust nachdachte: So werd ich JEsum auch erhoͤhn, Der auch fuͤr mich hat uͤberwunden. O! eilet ihr bestimmten Stunden, Da meinen Leib der Moder dekt: Da JEsus lebt, scheu ich kein Sterben Durch ihn werd ich die Krone erben, Durch ihn werd ich dereinst, aus meinem Staub erwekt. Der Der Regen. Der Regen. Jerem. V. 24. Lasset uns doch den HErrn unsern GOtt fuͤrchten, der uns Fruͤhregen und Spatregen giebet, und uns die Ernd- te treulich und jaͤhrlich behuͤtet. W eiser Schoͤpfer! dein Regieren, Deine Guͤt und Wundermacht, Jst im Regen auch zu spuͤren, Den du weislich ausgedacht, Dadurch alles zu erquikken, Das in Hizze will erstikken: Das du aber lechzend traͤnkst, Wenn du Thau und Regen schenkst. W enn wir Andachtsvoll erwegen, Wie im Reiche der Natur Wird gezeugt der feuchte Regen; So sehn wir der Vorsicht Spur. Jn der Kette aller Dinge, Jst kein Haͤkgen so geringe, Es treibt alles mit zum Ziel, Den der Schoͤpfer haben wil. A us der Erde, aus den Seen, Ziehen unaufhoͤrlich fort, Zweyter, Theil. M Duͤn- Der Regen. Duͤnste zu den duͤnnen Hoͤhen Als zu den Verwahrungs Ort, Da sie durch den Strahl der Sonnen, Wie in ein Geweb gesponnen, Und durch ihr erheitert Gluͤhn, Wolkicht sich zusammen ziehn. D iese ausgespannten Schlaͤuche, Dieses rege Wolken Heer, Diese aufgequollne Baͤuche, Dieses aufgezogne Meer Schwebt im Kreis der duͤnnen Luͤfte, Senkt sich auf so leichte Duͤfte, Wird bald hin, bald her gedreht, Wie der Zug der Winde weht. W er haͤlt diese Himmels-Quellen? Schoͤpfer! deine Allmachts-Hand Die ohn alle Ufer schwellen, Sind durch deine Kraft umspannt: Es kan sie dein Wink umdaͤmmen, Und ihr ploͤzlich Fallen hemmen, Da der Wolken schwere Fluth, Gar auf keinen Pfeiler ruht. K ein Verstand kan das ergruͤnden, Wie der Wolken schwere Last, Auf den Fittgen leichter Winden Wie auf Wagen aufgefaßt: Sieht man die gethuͤrmten Wogen, So sind sie als wie verflogen Und in einen Augenblik, Sind sie wiederum zuruͤk. Wenn Der Regen. W enn die Luft der Wolken Fluͤsse Durch den Druk nicht mehr aufhaͤlt; So entstehen Regen Guͤsse Die da traͤnken Wald und Feld. GOtt! du Geber alles Guten Diese Tropfenreiche Fluten, Koͤnnen unsern Augenschein, Spiegel deiner Weisheit seyn. W ir ersehn dein weises Fuͤgen, Daß der Regen Tropfen-weis, Wie aus hohlen Sprengekruͤgen Auf allmaͤchtigen Geheis, Durch die duͤnnen Luͤfte drenget; So wird alles sanft besprenget, Und nicht wenn es wird genaͤhrt, Durch den starken Fall beschwert. W enn die Wolken sich zertrennten, Und ein Strom herunter fiel, Ohne Tropfen abwerts rennten: So wuͤrd dieser Fluth Gewuͤhl, Alles ja zu Boden schmeissen, Duͤnne Saaten niederreissen, Ja! die Frucht die wuͤrd ersaͤuft, Und mit Nahrung uͤberhaͤuft. D ieses an den zarten Bluͤthen, Die in Feld und Garten stehn, Wunderbarlich zu verhuͤten, Hat der weise GOtt ersehn, Daß von denen Himmels-Zinnen, Feuchte Regentropfen rinnen M 2 Die Der Regen. Die zwar haͤuffig, doch sehr klein, Nahrhaft, doch sehr duͤnn und rein. W enn der Sonnen feurig Brennen, Das bepfluͤgte Land bescheint, Muß es sich in Kloͤsse trennen, Es zerberstet, wird zersteint, Und so kan der Schoos der Erden, Nicht in Seegen fruchtbar werden: Darum giebt GOtt diesen Saft, Und zum Wachsthum frische Kraft. S choͤpfer! deine Wunderguͤte Feuchtet stets die Felder an, Daß ein dankbahres Gemuͤthe, Dich nie gnugsam preisen kan, Aus den Sonnenschein und Regen, Keimmt hervor der Felder Seegen, Dadurch wird die Frucht genaͤhrt, Die uns Brodt und Trank beschert. J n dem die so feurgen Blizze Brennen die entflammte Welt, Und die schwuͤle Sommer-Hizze Sich am heftigsten einstellt, Zieht sie durch ihr heisses Flammen, Duͤnste wiederum zusammen, Daraus ein Gewoͤlk entsteht, Das im Regen dann zergeht. U nd kommt dieses Regenwetter, So wird alles abgekuͤhlt: Da erfrischen sich die Blaͤtter, Die der Sonnenstrahl durchwuͤhlt. Was Der Regen. Was vorhero welk geschienen, Faͤnget wieder an zu gruͤnen, Und wird, wie man sichtbar merkt, Durch des Regens Kraft gestaͤrkt. W enn die Felder traͤchtig stehen, Jn der aufgegruͤnnten Flor, Kan man nicht ohn Lust ansehen, Wie der Keim sich strekt hervor; Wenn des Himmels Veste quillet, Und die Erd mit Saft anfuͤllet: Alsdenn wird die Frucht belebt, Die sich munter aufwerts hebt. M an empfindet ein Vergnuͤgen, Wenn man dieses klebricht Naß; Siehet auf dem Feldern liegen Wenn es haͤngt an Laub und Graß: Da sieht man die Tropfen rinnen, Die das Urtheil unsrer Sinnen, Stat der Diamanten schaͤzt Womit GOtt das Feld besezt. K ommt man in die nassen Felder, Wenn der Regen Frucht und Saat, Und das Laub der dichten Waͤlder, Feuchtet und getraͤnket hat; So kan man, da alles kuͤhle, Durch ein schaudrigtes Gefuͤhle, An sich merken, was vor Kraft, Regen, Feld und Fruͤchten schaft. D ie Natur ist, wie verjuͤnget, Wenn in heisser Sommerszeit M 3 Durch Der Regen. Durch die Luft der Regen dringet, Und den Saft der Fruchtbarkeit. Welch ein schaudrigtes Vergnuͤgen, Wenn alsdenn die Duͤfte fliegen, Da das Feld im Dampfe raucht, Und die frische Kraft aushaucht. A lsdenn wenn die Tropfen rollen, Durch der Furchen ofnen Mund, Wird uns, wenn wir hoͤren wollen, Rauschend GOttes Guͤte kund Da zu uns die Regenbaͤchen, Wie in sanften Murmeln sprechen: Menschen! merkt, was diese Fluth, Euch vor grossen Vortheil thut. D ieser Saft den GOtt geschenket, Durch der Fruͤchte Halmen steigt; Naͤhrt euch, der euch speißt und traͤnket! Denkt, wie sehr er euch geneigt: Da sein Allmachts-Wort: Es werde, Durch die feucht und schwangre Erde, Jn dem Reiche der Natur, Stets erhaͤlt die Kreatur. L aß mich Schoͤpfer stets erwegen, Daß du unser Vater seist, Der mit reichen Nahrungsseegen, Seine Menschenkinder speißt: Der da so viel tausend Arten Vieh, die alle auf ihn warten, Durch der Wolken Feuchtigkeit, Wie mit Manna labt, erfreut. Laß Der Regen. L aß mich aber auch bedenken, Daß durch Thau und Sonnenschein, Wie du weißlich weist zu lenken, Fruͤchte keimen, und gedein: Wird es denn in meinen Leben, Viele truͤbe Wolken geben Nun! der muß in Thraͤnen saͤn, Der da will in Freuden maͤhn. W echselhafte Witterungen, Sind der Feld-Frucht sehr bequem, Des Naturreichs Aenderungen, Sind uns selbsten angenehm: Aus den Sonnenschein und Regen, Spriest und waͤchset unser Segen: Naͤsse und ein warmer Strahl, Nuͤzzet Wald, Feld, Berg und Thal. E benfals ist uns sehr nuͤzze, Wenn das wechselhafte Gluͤk, Mit den heitren Anmuths Blizze Sich von uns entfernt zuruͤk. Jn den heissen Sonnentagen, Jst sehr schwer das Gluͤk zu tragen, Weil es, wenn es uns anlacht, Oft in Guten traͤge macht. S oll das Feld in Seegen bluͤhen; So muß auch am Firmament, Wenn der Sonnen feurig Gluͤhen, Jn den langen Tagen brennt, M 4 Sich Der Regen. Sich ein Wolkendunst anspinnen, Und im Regen abwerts rinnen: Sonsten wird ohn dieses Naß, Welk das aufgekeimmte Graß. S o muß in dem Reich der Gnaden, Nach des Gluͤkkes Sonnenschein, Oft ein Ungluͤk, Schmerz und Schaden Einem Christen nuzbar seyn. Soll das Herze Fruͤchte bringen, Muß es oft in Leiden ringen. Regen, Schein, und Freud und Leid, Bringt die beste Erndte-Zeit. Der Der bunt gefaͤrbte Regenbogen. Der bunt gefaͤrbte Regenbogen. 1 Mos. VIIII. 13. 14. Meinen Bogen habe ich gesezzet in den Wolken, der soll das Zeichen seyn des Bundes. Zwischen mir und der Erden. Und wenn es komt, daß ich Wolken uͤber die Erde fuͤhre, so sol man meinen Bogen sehen in den Wol- ken. J ch sah nicht ohne innre Lust, im aus- gespannten Luftrevieren, Wie nach den blossen Augenschein, die Regenbogen sich formiren: Der Wolken dik gewebter Schleier brach von der Last beschweret loß, Da durch ein troͤpfelndes Gedraͤn- ge, die Feuchtigkeit herunter floß. Die Sonne die dadurch verhuͤllt, und durch die truͤbe Luft umzogen, Ging bey den Regnen wieder auf; da sah ich einen Regenbogen. Jch stand gleichsam im Mittelpuncte, an einer Seite war der Schein, Und an der anderen die Wolken, die mit den Naß gefuͤllet seyn: M 5 Da Der bunt gefaͤrbte Regenbogen Da denn die Sonn in Regen schien, und sich bey dem gebrochnen Strahlen, Jn Tropfen durch den Gegenschlag, so bunt gefaͤrb- te Bogen mahlen. Die das Naturreich untersuchen, die haben laͤngst mit Grund gesehn, Daß nicht die bunten Regenbogen, in den erhab- nen Wolken stehn, Wie woll die bloͤde Einfalt meint, daß sich am himmlischen Gefilden, Dergleichen die aus Dunst bestehn, wie ausgespann- te Zeichen bilden Wir wissen, daß in Regentropfen, sich das ent- glomne Sonnenlicht Als wie in einer holen Flaͤche, im Ein- und Aus- gang doppelt bricht; Da zeiget sich der bunte Schein, der wie ein run- der Boge gehet, Und sich, wie unserm Augen duͤnkt, in den gewoͤlb- ten Luftkreis drehet. Der Farben durchgestreifte Zuͤge, sind wenn wir sie genau besehn, Als wie am ausgespannten Tuche, in wollgemahl- ter Ordnung schoͤn: Der aͤusre Rand ist roth gemahlt, woran die gelbe angewischet Dann folgt ein gruͤn gezogner Strich daran die blaue ist gemischet, Am Ende strahlt der Purpur Schein in seiner dun- kel-blassen Roͤthe, Als wenn der Bogen so gewirkt, wie eine kuͤnstli- che Tapete. Jch hatte dabey die Gedanken: Es muͤsse in dem Sonnenschein, Jn Der bunt gefaͤrbte Regenbogen. Jn diesen grossen Wunderlichte die Mischung aller Farben seyn, Die in den Bogen anzusehn, und in den Gegen- schlag zertrennen, Wenn durch der Tropfen rundes Naß die ausgebliz- ten Strahlen rennen. Bei dieser schoͤnen Augenweide, die mir des Re- genbogens Pracht, An einen truͤben Sommer-Tage, zu meiner See- len-Lust gemacht, Durchbrach ein heller Andachtsstrahl, mein durch den Gram umwoͤlktes Herze, Vertrieb in einem Augenblik das Sorgen-Heer mit Angst und Schmerze; Es fiel mir aus dem Bibel-Buche, mit innigen Vergnuͤgen ein, Daß die gefaͤrbten Regenbogen, die Zeichen ewger Gnade seyn, Die GOtt dem menschlichen Geschlecht, das sei- ner Rechte Bund verlezzet, Aus Liebe und Barmherzigkeit, zum sichren Denk- mal aufgesezzet; Daß sein Erbarmen nie aufhoͤret, wenn man da- hin die Zuflucht nimmt, Wenn die verdorbne Welt in Lastern, als wie in einer Suͤndfluth schwimmt. Er ist ein Zeichen daß die Welt, die durch die Bos- heit ganz verdorben, Durch eine Suͤndflut abgespuͤlt, und wie in einen Pful gestorben, Da GOtt der Wolken Schlauch zerbrochen, der alles ploͤzlich weggeschwemmt, Und dadurch die verdorbnen Menschen, in ihren Suͤnden-Lauf gehemmt. Ach! Der bunt gefaͤrbte Regenbogen. Ach! daͤchte jeder noch daran; so wuͤrde dieses Gna- denzeichen, Ein Prediger der Busse seyn, und das verstokte Herz erweichen, Das durch die Gnade sicher worden. Man saget daß der Ueberrest, Vom blinden Judenthum gewohnet, wenn sich dies Zeichen sehen laͤst, Doch nur nach blosser Heuchler Art, mit Klagen, Seufzen, Angst und Weinen Als solche die da Busse thun, fuͤr ihren Schoͤpfer zu erscheinen. Alsdenn gestehn sie, daß die Gnade, sie nur aus Lieb und Huld geschont; Sonst waͤren sie auch schon vertilget, nach ihrer Bosheit abgelohnt. Sie meinen daß des Hoͤchsten Nahm, im Regen- bogen eingedruͤkket; Drum wird er auch aus blinder Furcht, nicht von den Juden angeblikket. Wer frei von falschen Aberglauben, in reiner An- dacht sich erwekt, Der sieht dran ein Gnadenzeichen, das ihm dabey doch heilsam schrekt. Man denke dabey nur zuruͤk, bey diesen bunten Luft- Gesichte An die verdorbne erste Welt, und an das harte Strafgerichte, Das ihren Untergang bestimmet: Man seh den Re- genbogen an, Der uns durch Bildung seiner Farben, die roth und gruͤn sind lehren kan: Wie Liebe und Gerechtigkeit, in GOtt den Aller- hoͤchsten Wesen; Das Der bunt gefaͤrbte Regenbogen. Das ist in einem Sinnenbild an Regenbogen gleich zu lesen. Der Feuerstrahl der schnellen Rache, blizt aus der rothen Farb hervor, Der aber durch das Gruͤn gemildert: das Bild der Liebe hebt empor. So steht der Gnadenbund stets fest, durch dem, der durch der Juden Morden, Ein Heiland voller Gnad und Guͤt, im Sterben der Erloͤser worden; Um dessen Stuhl ein Regenbogen, als eine Sinn- schrift ist gemahlt, Offenb. Joh. c. 4. 3. Weil draus Gerechtigkeit und Guͤte, aufs lieblich- ste vereinigt strahlt. So oft du Mensch! den Bogen siehst; so denke an den Bund der Gnaden, Davon der Grund und Mittler ist, der da geheilt den Seelen Schaden. Bedenke daß das hoͤchste Wesen, ein GOtt von grosser Gnad und Treu: Doch aber auch in seiner Rache ein Zebaoth der Boͤsen sey. Das Das goͤttliche Aufsehn uͤber die Kirche. Das goͤttliche Aufsehn uͤber die Kirche bey einer Kirchen Visitation abgesungen. D er Vorsicht Auge schlummert nicht Das uͤber Zion wacht; Weil es durch Finsternis und Nacht Mit seinen Strahlen bricht. D er Hoͤchste will sein Zion stets erfreun, Er sucht es heim, bekroͤnet es mit gnaͤdigen Gedein, Er laͤsset pflanzen, und durch das Begiessen, Den Seegen spriessen. S oll die Kirch in Seegen bluͤhen; So muß GOtt Hausvater seyn, Und bey seiner Vorsicht Walten Durch die Lehrer sie erhalten: Denn auf deren treu Bemuͤhen Folgt noch immer das Gedein. G Ott liebt die Seinen, Und laͤst sein Wort zur Lehr, zum Leben, Wie eine Leuchte scheinen; Er wird auch ferner geben Von Das goͤttliche Aufsehn uͤber die Kirche. Von seinen heilgen Hoͤhen Daß wir davon noch reiche Fruͤchte sehen. Es bluͤht zwar leider uͤberall Das Unkraut, das der Feind auf GOttes Akker ausgesaͤt: Allein getrost! es liegt der Hoͤllen Belial, Und JEsus der ihn stuͤrzt, der siegt Jn seiner Majestaͤt Und dadurch wird zulezt das Unkraut doch bekriegt Die Erndte kommt, da wird der Weizen herrlich stehen Das Unkraut in dem Feur das ewig brennt, vergehen. O! segne Heiland deine Lehren, Und gib zum Worte ferner Kraft; O! laß die Jugend, laß die Alten, Sich woll in Christenthum verhalten; Und gib daß wir uns erst bekehren, Eh uns der Tod von hinnen raft! Die Die Liebe. Die Liebe. D es Schoͤpfers weiser Zwek, da er die Welt gemacht, War aller Menschen Gluͤk; dar- auf er stets bedacht; Weil seine ewge Guͤt, dies Wohnhaus so geschmuͤkket, Daß man darinnen noch viel herrliches erblikket. Die Vorsicht gab die Welt ihm zum Besizze ein, Daß er und sein Geschlecht, bey seinen Gnaden- schein Jn unverruͤkter Lust, das stets geniessen solte, Was er als Oberherrr nach seiner Weisheit wolte. Er druͤkte in sein Herz sein goͤttlich Ebenbild, Da ward der Menschen Geist mit Licht und Glanz erfuͤllt; Er floͤßte in sein Herz, des Himmels reine Triebe, Worauf das Gluͤk beruht, die GOtt- und Men- schen-Liebe. Die Liebe ist ein Band, das GOtt und Mensch vereint; Ein Feur das waͤrmt und naͤhrt, und wo dasselbe scheint, Da strahlt mit heitren Blik in einer guͤldnen Won- ne, Den Menschen immer an, des Himmels Gnaden- Sonne Allein seid dem der Gift, der Schlangen uns be- flekt; Der Satan in uns hat die Suͤnde angestekt; Da Die Liebe. Da ist der arme Mensch aus seinen Gluͤksstand kommen, Da hat der bittre Has, das Herze eingenommen. GOtt ist das hoͤchste Gut, das durch die Lieb allein, Sich uns zu eigen schenkt zu unserm gluͤklich seyn: Wer durch den Has verfuͤhrt, durch scheelen Neid geblendet, Der wird von dieser Quell in Jrthum abgewendet; Der sucht was ihm vergnuͤgt, und trift es doch nicht an Weil man in Pfuͤzzen nicht, sein Labsal finden kan, Das in den Quellen fliest. Der Erden eitle Guͤter, Sind wenn man sie recht schmekt, nicht suͤsse, son- dern bitter. Sie sind ein Wermuth-Salz, mit Zukker untermischt, Ein bittres Aloe mit Candis uͤberwischt, Damit labt sich der Mensch; und wird doch nur ge- quaͤlet; Weil ihm die wahre Lieb zum hoͤchsten Gute fehlet. Wer seinen Schoͤpfer haßt, das wahre Freuden- licht, Von falschen Wahn betaͤubt, der liebt sich selber nicht: Und wenn er Ruhe sucht, wird er in dem Gewissen, Von Furcht und Angst gejagt, von Furien gebissen. Die Furcht folgt Suͤndern nach, scheucht stets den bloͤden Geist, Der zwischen GOtt und uns das Liebesband zer- reist: Ach! moͤchte jederman der Liebe Vortheil kennen; So wuͤrde keiner leicht derselben Band zertrennen: Da GOtt sich uns verknuͤpft: wo Liebe gegen GOtt, Da ist Zufriedenheit auch in der groͤßten Noth; Zweyter Theil. N Wo Die Liebe. Wo wahre Liebe fehlt, kan man auf sanften Kuͤs- sen, Beim Schlaf der Sicherheit auch keine Ruh ge- niessen: Alsdenn lebt man vergnuͤgt, wenn uns der Schoͤpfer freund, Es foltert uns die Angst, wenn er uns zornig scheint. O! Menschen trachtet doch das hoͤchste Gut zu lie- ben; So kan euch keine Noth und keine Angst betruͤben. Die Ruhe des Gemuͤths, die Seel und Leib erhaͤlt, Jst warlich unschaͤzbar, das Beste in der Welt; Wer dieses Kleinod sucht, wird es nicht ehr erlan- gen, Er hab erst GOtt und Mensch zu lieben angefan- gen. Des Hoͤchsten Absicht ist, daß man des andern Wol, Aus Lieb und Lust geruͤhrt, allhie befoͤrdern sol; Drum hat er in das Herz die Liebe ausgegossen, Das aber leider jezt in Gift und Haß zerflossen. Es wolte daß der Mensch dem andern hold und treu, Jn reiner Lust geneigt, des andern Engel sey: Allein der Haß regiert, zeugt Feindschaft, Rotten, Morden. Und dadurch ist der Mensch, des andern Teufel worden. Die Liebe ist der Grund, ohn welcher nichts be- steht; Weil durch den Has und Neid, der Staat zu truͤm- mern geht, Den GOttes Huld erbaut. Wir koͤnten ruhig wohnen, Es Die Liebe. Es waͤren in der Welt der Fuͤrsten guͤldne Thronen, Mit Schwerdtern nicht besezt; mit Lanzen nicht umringt, Wenn keine Feindschaft da, die zu derselben dringt. Die Welt waͤr ohne Furcht, von Sorgen weit ent- fernet, Wenn jeder Mensch als Mensch zu lieben nur ge- lernet. Die Staͤdte sind bewacht, von starken Mauren fest, Warum? weil uns die Furcht nichts Gutes hoffen laͤst; Weil das Gesellschaftsband durch Haß und Neid zerrissen: So hat man Vestung, Wall und Mauren bauen muͤssen; So muß ein jedes Haus mit Riegeln seyn versehn, Und durch die feste Thuͤr der Bosheit wiederstehn Wo wahre Liebe wohnt und Treue auf den Gassen, Die sich mit Lieblichkeit in Freundschaftskuß um- fassen Da waͤr noch in der Welt, das schoͤne Paradies: Der Ort wo Bitterkeit gewuͤrzt von Liebe suͤß: Allein wir suchen noch in diesen Eitelkeiten Die Jnsel sichrer Ruh und der Zufriedenheiten; Denn diese ganze Welt, der Nord und Suͤder Pol, Der viele Laͤnder hegt, ist stets von Feindschaft voll: Wo die im Herzen kocht, von Galle uͤberfliesset, Da ist der Wohnplaz nicht, da man die Ruh ge- niesset. Wenn jederman bedacht, wie er in Lieb allein Den andern nuͤzlich waͤr; so wuͤrde Sonn und Schein Des dauerhaften Gluͤks die truͤben Wolken min- dern, N 2 Die Die Liebe. Die uns an wahrer Ruh der Seel, des Leibes hin- dern. Wo wahre Liebe wohnt; da ist kein Zank und Streit; Wo dieses Feuer brennt, da paust kein falscher Neid, Da suchet man auch nicht den Naͤchsten zu verlaͤum- den, Und ihn in Ruh und Gluͤk, aus Misgunst anzu- feinden. Die Liebe freuet sich bey eines andern Wohl, Wenns einem uͤbel geht, da ist sie Traurens voll. Sie traͤgt des andern Last; bedekt des andern Feh- ler, Sezt dem der es verdient, des Lobes Ehren Maͤhler. Die Liebe treibt uns an zur Uebung der Gedult, Versagt nie, wo sie kan, dem andern ihre Huld: Sie schliest die Duͤrftigkeit in ausgespannte Armen, Und hilft das Elend auf, mit thraͤnenden Erbar- men. Sie lindert Schmerz und Noth, die einen andern plagt, Und staͤrkt den der nach Trost in heisser Sehnsucht fragt: Sie dienet wo sie kan, und daß ist ihr Vergnuͤgen, Wenn sie den andern kan ohn Eigennuz besiegen. Sie brennt in stetem Trieb, und fuͤhlet in der Brust, Wenn sie dem andern nuͤzt, drob eine suͤsse Lust. O! Tugend moͤchtest du doch da anjezo thronen, Wo deine Schuͤler seyn, das heist wo Christen wohnen! Wie gluͤklich wuͤrde denn, wie ruhig unsre Welt, Die da du bist entfernt, ein elend Krieger-Zelt. Jhr Christen denket nach! wer will ein Christe heissen, Der muß vor allen sich der Liebe recht befleissen; Wo Der Neid. Wo keine Liebe ist, da fehlt der Glaube auch, Da ist stat Licht und Schein, nur Schatten, Ne- bel, Rauch. Ein wahrer Christe seyn, und keine Liebe kennen, Das heisset eine Glut, die ohne Glanz und Bren- nen. Der Neid. D er schiele Neid mit duͤrren Wangen, Zischt nach der Art verfluchter Schlangen, Und spruͤzzet die mit Geiffer an, Die ihnen nichts zu Leid gethan: Er wirft nach eines andern Gluͤkke Ganz haͤmisch seine Zauberblikke, Und graͤmmt sich bey des andern Wol, Stellt sich vor Unmuth rasend toll; Er lacht von aussen, weint in Herzen, Vergnuͤgt sich bei empfundnen Schmerzen. D as ist das Bild, das wie der Schatten Da wo sich Licht und Koͤrper gatten Sich findet, bey der Tugend steht, Und stets da, wo das Gluͤkke geht: Der Neid der ist ein Kind der Hoͤllen, Und suchet die stets anzubellen Die von dem Himmel sind geschmuͤkt, Und durch des Hoͤchsten Huld begluͤkt. N 3 Er Der Neid. Er trachtet tugendhafte Seelen, Wie eine Furie zu quaͤlen. D er erste Neider ist ohn Zweiffel, Der Menschenfeind der falsche Teufel Der Eva zu dem Fall gebracht, Und alle nakt und arm gemacht. Von Laͤstern fuͤhrt er seinen Nahmen; Die Neider sind sein Schlangen-Saamen, Die er mit seinen Gift beflekt, Mit dieser Seuche angestekt; Sie sind bemuͤht, sich zu erfreuen, Jhr Gift auf andre auszuspeien. D ie Laster sind der Tugend Feinde, Sie streiten wieder die die Freunde Der Froͤmmigkeit, im steten Krieg; Und kaͤmpfen immer um den Sieg. Der Geiz verfolgt die milde Guͤte Die Ehrsucht ein sittsam Gemuͤthe Die Wollust greift die feurig an, Die reiner Keuschheit zugethan. Die Luͤge sumßt um die Geschichte, Wie eine Wespe an dem Lichte. D er Zorn blaͤst seine Feuerflammen, Geht mit der Sanftmuth auch zusammen, Der Has und die Versoͤhnlichkeit, Sind mit einander stets in Streit. Die Falschheit hat der Warheit Wesen, Als ihre Feindin auserlesen, Mit einem Wort: der Laster Brut, Die in des einem Herzen ruht Steht Der Neid. Steht solcher Tugend stets entgegen Die andre ihr zuwieder hegen. S o wie ein Wolf die Laͤmmer jager, Der Fuchs an Vieh von Federn naget, Der Habicht hintern Voͤgeln her; Bey ihren Flug und Wiederkehr: So sind die Lasterhaften Seelen, Die sich zu ihren Feind erwaͤhlen, Die Tugend die das Laster hoͤhnt, Der man als ein Leibeigner froͤhnt: Die andern lassen sie frei gehen, Die ihnen nicht so wiederstehen. D er Neid das grimmge Ungeheuer, Blaͤßt seiner Wuth entflammtes Feuer: Auf alle Tugendhafte ein; Sie moͤgen mildreich, sittsam seyn. Ein Neider ist ein Feind von allen, Denn keiner kan ihm wolgefallen, Der sich der Tugend treu ergiebt, Und den der Himmel wieder liebt; Und wird er gleich mit Macht erhoben, Will er doch keinen andern loben. D as ist die Art der wahren Liebe, Sie wuͤnscht nach ihrem regen Triebe, Das alles Gute sey gemein: Der Neid begehret es allein. Er wuͤnscht in dessen keine Gaben, Als die, die andere schon haben N 4 Er Der Neid. Er sieht was andere gethan, Durchs Glas das nur verkleinert an: Microsopium pflegt man ein solches Glas zu nennen, welches die Dinge die sich demselben darfiellen, verkleinert. Hingegen weis er seine Sachen, Durchs Fernglas uͤbergros zu machen. Ein solches Glas daß die Dings vergroͤssert, welches man Macroscopium heisset. E r wuͤnscht daß alle Ehrenkronen, Die das Verdienst allhie belohnen; Auf seinen Haupt alleine stehn: Und andere verachtet gehn. Der Neid beweiset seine Tuͤkke, Und freut sich ob dem Ungeluͤkke Das seinen armen Naͤchsten plagt; Er lacht wenn der ganz trostlos klagt, Und wenn die Armen aͤngstlich weinen, Kan er dabey ganz munter scheinen. E r pflegt zwar alles zu beflekken, Mit seiner Zunge anzustekken, Was sich der Tugend nur befleißt, Die bey ihm Schand und Laster heist: Vornemlich pflegt er zu bespruͤzzen, Die durch die Tugend vieles nuͤzzen; Die herrlich glaͤnzen in der Welt, Sind ihm am meisten blos gestellt: Er ist den Muͤkken gleich zu schaͤzzen, Die sich auf schoͤne Blumen sezzen. Der Der Neid. D er Neid ist luͤgenhaft im Dichten Und frech die Unschuld zu vernichten; Daruͤber seine Zung entflammt, Der wird gleich ohnverhoͤrt verdammt: Und wenn sein Gift das aus ihm quillet, Nicht seinen boͤsen Zwek erfuͤllet, Des andern Nahmen nicht verlezt; So wird er gar in Wuth gesezt: Alsdenn sucht er ohn zu erroͤhten, Den, den er haßt, wol gar zu toͤdten. D ie Rachbegierde ist beym Neide, So wie die falsche Schadenfreude; Ein Neider stiftets gerne an, Wenn er nur einen morden kan Daß Cains Wuth durch Blutvergiessen Den Todt zur Suͤnde machen muͤssen, Der sonst der Suͤnden Strafe ist, Das war des falschen Neides List, Der ihn so schaͤndlich angetrieben, Den Mord am Bruder auszuuͤben. E in falscher Wahn muß ihn bethoͤren, Sein Misvergnuͤgen zu vermehren: Das Boͤse das der Neider thut, Jst stets nach seiner Meinung gut. Das Gute muß stets Boͤse heissen Darum die andern sich befleissen: Und wenn es seiner Wuth gelingt, Daß er der Tugend Ungluͤk bringt: So ist er doch dabey vergnuͤget, Wenn er auch selbsten mit erlieget. N 5 So Der Neid. S o elend sind die Leidenschaften, Die in des Neiders Seele haften, Er sucht in Niedertraͤchtigkeit Die Quelle der Zufriedenheit. O! wie verblendet sind die Seelen, Die Schlam und Staub sich auserwaͤhlen! Und darum in den Pfuͤzzen wuͤhln, Die heisse Galle abzukuͤhln! Die sich in Schmuz und Unflat stekken, Damit sie andre nur beflekken. E rstikt, erstikt des Neides Triebe, Und trachtet nach der wahren Liebe Das Eigenthum der Menschlichkeit! Der Neider lebt in steten Streit, Und muß wenn reine Tugend sieget, Und sich an GOtt und Mensch vergnuͤget, Mit inren Harm sich selbst verzehrn, Und sich mit andrer Lust beschwern: Und darum ist ohn allen Zweifel, Der Neid der aller aͤrmste Teufel. W er eines andern Vortheil suchet, Und keinem dem es wol geht fluchet Vergnuͤgt sich, wie ein Mensche sol, Zugleich an eines andern Wol: Und so geniessen alle beide, An einen Gute ihre Freude; So kan man sich die ganze Welt, Worin viel Gutes vorgestellt, Und das Vergnuͤgen fremder Sachen, Durch Liebe ganz zu eigen machen. Die Die Stimme GOtttes im Hagel. Die Stimme GOttes im Hagel. D ie Luft ist eine Ruͤstungskammer, dar- in der Koͤnig aller Welt, Der starke Zebaoth die Waffen, wo- mit er die bestraffet, haͤlt Die seiner Allmacht wiederstehn; eroͤf- net er sie in dem Grimme; So hoͤrt man die Gerechtigkeit, mit ihrer starken Donnerstimme. Das sind die bruͤllenden Carthaunen, die mit den schreklichen Gethoͤn, Aus den von Schwefel schwangren Luͤften, als wie aus grossen Moͤrsern gehn; Das siedend Feur, der schnelle Bliz entflammt bey seines Grimmes Wettern Und droht die boͤse sichre Welt, in grausen Dam- pfe zu zerschmettern. Dies Zeughaus des erhabnen Schoͤpfers, ist auch mit Kugeln angefuͤllt, Das sind die runden Hagelkoͤrner, die wenn der Donner schreklich bruͤllt Mit einem pfeiffenden Geheul, von Wind und Wir- beln stark getrieben, Jn einen Augenblik bereit die Strafgerichte auszu- uͤben, Die Die Stimme GOttes im Hagel. Die die Gerechtigkeit befiehlet. Sie werden in der Luft gebohrn, Aus denen flatterhaften Flokken des Schnees die von Wind gefrorn, Der sie in ihren Fall auffaͤngt, verhaͤrtet und zu- sammen treibet Wie durch Erfahrung woll gepruͤft, der lehrt, der die Natur beschreibet. Die Kugeln des gefrornen Regens, die Klumpen sind ein hartes Eis, Die nach des Allerhoͤchsten Willen, auf seiner stren- gen Macht Geheis, Mit haͤuffig prasselnden Geraͤusch, wenn wir vor bangen Schrekken zagen, Der gruͤnen Hofnung fuͤsse Frucht, der Aekker Korn zu Boden schlagen. Wenn solch ein strenges Hagel-Wetter, das Land mit heisser Hungers-Noth, Bey dik geschwaͤrzten Regenwolken, im Fruͤhling oder Sommer droht: So merkt der Landman daß ein GOtt, und der der in den Staͤdten wohnet, Daß in dem Reiche der Natur, ein Herrscher der in Wolken thronet, Der alle Dinge stets regieret, und den ein jedes Element, Luft, Erde, Feuer und das Gewaͤsser, als seinen HErrn und Schoͤpfer kennt. Und bricht der Hagelregen loß; so sieht ein jeder sein Gerichte, Und wie die Allmacht was gebaut, zu unsrer Stra- fe macht zu nichte; Der Luftkreis huͤllet sich ins Dunkle, verdekt der Sonnen strahlend Licht, Das Die Stimme GOttes im Hagel. Das Sinnbild von des Hoͤchsten Gnade; wenn solch ein Hagelstrom ausbricht. Die Wolken oͤfnen ihren Schlauch, da hoͤrt man wenn die Hagel fallen, Auf dem besaamten Akkerfeld des Allerhoͤchsten Stimm erschallen, Die zu dem Landmann schreklich ruffet: Sieh, wie die Hofnung nun vergeht, Die dich als einen eitlen Goͤzzen, mit lee- ren Duͤnsten aufgeblaͤht; Du dachtest da der gruͤne Schmuk sich auf dem Felde dir gewiesen, Daß ist es was ich ausgesaͤt; und nicht es sey der GOtt gepriesen, Der unsre Felder so bekroͤnet; und uns mit gnaͤdigen Gedein, Bey einer fett und reichen Erndte, kan durch der Koͤrner Meng erfreun. Die Allmacht offenbahret sich, die durch den stren- gen Hagel zeiget, Wie sie was sie erheben will, ganz klaͤglich in dem Staub gebeuget: Sie schlaͤgt durch die gefrorne Kugeln, die Bluͤthen in den Schutt und Graus, Und drischt das Korn oft vor der Reiffe, auf denen breiten Feldern aus; Und die Gerechtigkeit die staͤupt das Feld, daß es die fuͤhlen, Die von der Eitelkeit beherrscht, wie Wuͤrmer in der Erde wuͤhlen: Und laͤst die an dem Staube kleben, an den zerknikten Halmen schaun, Die Torheit derer Menschen-Kinder, die auf so schwanke Stuͤzzen baun. Als- Die Stimme GOttes im Hagel. Alsdenn zerschmelzt der Bauren Stolz, bey ihrer Felder Niederlage, Verkehrt sein wildes Jubel-Lied, in eine bange Jam- merklage; Wenn diese Schrekkensstimme thoͤnet, und von den Wind begleitet, pfeift, Und von des Hoͤchsten Wink getrieben, durch sei- ne gruͤne Saaten streift. Die Halmen liegen eingeknikt, der Muth ist auch damit gesunken, Der sonst den Landman taumelnd macht, der von der Einbildung betrunken, Er haͤtte schon das in den Scheuren, worauf die Hofnung sich gesteift, Daß noch bey ungewisser Bluͤte, in mancherlei Ge- fahren reift. Der Schoͤpfer der im Zorn zwar straft; schleust doch bey gnaͤdigen Erbarmen, Die Menschen die da zu ihm schrein, in seine vaͤ- terliche Armen. Er giesset aus den strengen Hagel, der alles was der Akker traͤgt, Wenn sie in grosser Menge rasseln, in einem mahl zu Boden schlaͤgt: Doch aber zeigt sich seine Guͤt, bey seines strengen Eiffers Grimme, Wenn Hagel-Wetter wo entstehn in einer treuen Warnungs-Stimme. Er laͤst zum Zeugnis seiner Gnade, die Hagel nicht auf einen Stoß, Nein! nur in einen sanften Fallen, oft auf die gruͤnen Felder loß Da denn die Koͤrner nicht so stark; und nicht so viel zu Boden druͤkken, Als Die Stimme GOttes im Hagel. Als wenn sie in geschwinden Flug, das was sie fas- sen gleich zerknikken. Er staͤupet oft nur eine Seite und laͤst die andre ohn- gestaͤupt, Zum Zeugnis, daß er in dem Zorne, dennoch ein guͤtger Vater bleibt. Vertilget er die Winterfrucht; so laͤst er wol aus lauter Gnaden, Das was in warmen Sommer keimmt, frei von den schweren Hagel-Schaden: Ja! seine Guͤt die ohne Schranken, verriegelt oft die dikke Luft, Wenn des erschroknen Suͤnders Herze in Thraͤnen um Genade ruft. Ein Wind treibt oft in schneller Flucht die Wolken die zusammen gehen, Das gleichsam aller Hagel schmelzt, wenn sanft und laue Westen wehen. Beherrscher aller Kreaturen! du bist in allen Din- gen gros, Bedaͤchte daß stets unsre Seele! erwegte das der Erden-Kloß, Der Erd und Himmel stuͤrmen will; so wuͤrden wir an deinen Werken, Den mit der Guͤt vermischten Ernst, zu unsrer Bes- serung bemerken. Der Luͤfte ausgespannte Grenzen, die keines Men- schen Auge mißt, Sind voll von deinen Schrekkensstimmen, womit du den der dich vergist, Jn Augenblikke lernen kanst; daß du ein GOtt der uns regieret, Und alles was in der Natur entsteht zu seinen Ziele fuͤhret. Du Die Stimme GOttes im Hagel. Du winkst den Donner; er muß knallen und ist auf deinen Wink bereit; Du ziehst die Wolken nur zusammen: so regnet es zu gleicher Zeit. Der Winde kuͤhler Hauch der blaͤßt; so bald sind da die Hagelschlossen, Sie gehn auf deinem Eifer loß; so sind sie schon aufs Land geschossen: Und unsre Hofnung liegt zertruͤmmert. Solls wie- der klares Wetter seyn: So blikt das Sonnenlicht im Glanze, mit seinen heitren Anmuths-Schein. Da du ein Herrscher der Natur, der Fruͤchte auf den Feldern giebet, Der in die Gnaden Arme schleust, den der ihn recht von Herzen liebet: So laß uns dieses stets bedenken: Ohn dich kan kei- ne Muͤh gedein, Was du uns giebest kan man sammlen; Es hilft uns nichts das Saamen streun; Weil nichts ohn deinen Seegen waͤchst: Wir muͤs- sen bey dem Akkerbauen Auf deine Vaterguͤte sehn; so koͤnnen wir auch Fruͤchte schauen. Wir hoffen daß du diese Erndte: die uns der Felder Anmuth weißt. Uns gnaͤdiglich erhalten werdest; so wird der Mensch, das Vieh gespeist: Bewahre sie vor Hagelschlag; so wird man in den Schnitter Choͤren, Zu deines grossen Nahmens Ruhm, manch Freuden- volles Danklied hoͤren. Die Die Lehrreiche Weltschule. Die Lehrreiche Weltschule. W ir leben in der Welt, die eine Schule ist, Worin man Buͤcher hat, darin der fleißig liest, Der GOtt erkennen will, das aller- hoͤchste Wesen: Den wir selbst in der Welt, wo er beschrieben, lesen. Die Welt, die ist ein Buch und jede Kreatur Jst einem Buchstab gleich, im Reiche der Natur. Der Himmel ist ein Blat, im A. B. C. der Ster- nen; Kan man des Hoͤchsten Macht, und Guͤt und Weis- heit lernen. Die Erd ist vol l er Schrift; da liest man allgemein, Der sie gebaut, erhaͤlt, muß gros und herrlich seyn. Das Meer ist Taffeln gleich, auf dessen glatten Hoͤhen, Wir GOttes Majestaͤt mit Lust gebildet sehen. Die Berge, Garten, Feld sind gleich den breiten Blaͤttern, Baum, Fruͤchte, Laub und Kraut sind die gemahl- ten Lettern, Die wunderbar geschmuͤkt mit Pracht, mit Glanz und Schein, Die GOtt darum geschmuͤkt: damit wir fleißig seyn: Zweyter Theil. O Er Die Lehrreiche Weltschule. Er lokt dadurch uns an, zum fleißigen Studiren, Wie man die Kinder thut, die lieber Buchstabi- ren, Jn einen Buch das schoͤn, mit Bildern durchge- mahlt, Von dessen aͤusren Rand das Gold ins Auge strahlt. Die Lettern der Natur sind groß und klein geschrie- ben, Doch alle Weisheits voll. Ach! moͤchten wir uns uͤben Die Deutung zu verstehn, denn jeglicher Buchstab, Druͤkt uns ein ganzes Wort, ja viele Sachen ab, Die wenn wir sie also nach unsrer Art beschreiben, Nicht nach dem Hauptinhalt, auf ganzen Bogen bleiben. Jm Reiche der Natur ist lauter Bilderschrift, Davon man aber doch die Deutung leichtlich trift; Wenn man nur aufmerksam in stiller Lust erweget, Wer uns dieselbigen zum Lesen vorgeleget. Alsdenn so sehen wir, wir lesen hie und da, Denn allerhoͤchsten GOtt, den grossen Jehovah. Das zweyte Buch das ist, durch GOttes Geist getrieben Von einer heilgen Zahl der Maͤnner aufgeschrieben, Die uns den Weg gelehrt, wie man aus dieser Welt, Ganz richtig kommen kan, zu jenem Himmels Zelt, Da wir der Zeit entfliehn, die Pilgrimschaft der Erden, Und in der Ewigkeit vollkomne Buͤrger werden. Drum siehe lieber Mensch! was du zu lernen hast; Und wenn du dieses recht, hier in der Schule faßt; So Die Lehrreiche Weltschule. So bist du erst geschikt, in jene Welt zu kommen, So wirst du in die Schaar der Seelgen, aufge- nommen, Die dort vollkommen sind. Die Welt-Schul le- get dir, Was du zu lernen hast in dreien Stuͤkken fuͤr: Erkenne einen GOtt wie er sich selbst beschrie- ben, Jn der Natur und Schrift, ihn zu verehrn, zu lie- ben: Erkenne dich auch selbst als eine kleine Welt; Warum der Schoͤpfer dir, die grosse dargestellt. Sieh dein Verderben an, das dein Gewissen fuͤh- let, Wenn deine Sinnligkeit im Lasterkothe wuͤhlet. Lern endlich wie du dich aus dem Verder- ben ziehst, Durch welches Huͤlfe du, der Eitelkeit entfliehst; Durch welches Mittel man zu seinen GOtt gelan- get, Der in der Ewigkeit vollkomnen Lichte pranget. Wenn du dies alles recht in dieser Welt bedacht; So bist du schon gelehrt in dieser Schul gemacht, Biß du mehr hoͤren wirst dort vor des Hoͤchsten Stuhle. Die Welt ist ferner auch die stete Uebungs- schule, Worin man, was man weis, nach unsers Schoͤp- fers Schlus: Jn Worten und der That zur Uebung bringen muß. Wer etwas lernen will, der wird nach seinen Wis- sen, Die Probe durch die That, auch oͤfters machen muͤssen; O 2 Sonst Die Lehrreiche Weltschule. Sonst blaͤht das Wissen auf; wir duͤnken uns ge- lehrt, Weil man die Wissenschaft mit ihren Lehren hoͤrt: Das ist doch nicht genug. GOtt nach den Nah- men nennen, Das heist noch lange nicht das hoͤchste Wesen ken- nen. Wo das Erkenntnis ist, das den Verstand erhellt, Da wird der Will bewegt; das Urtheil bald gefaͤllt: Du must das also thun; und dich darinnen uͤben, GOtt als das hoͤchste Gut, das du erkennst auch lieben. Wenn man die Uebungen, die uns hier auferlegt, Nach ihren Stuͤkken recht, die wir zu thun, er- wegt; So sind sie allgemein, und auch besondre Pflich- ten, Die jeder GOtt, sich selbst, und andren zu entrich- ten. Was wir allhie zu thun, ist theils ins Herz ge- druͤkt; Und wird noch deutlicher in dem Gesez erblikt, Das auf den Taffeln steht: und darauf ist geschrie- ben: Wir sollen GOtt den HErrn, uns und den Naͤchsten lieben. Was jeder uͤben sol nach seinen Amt und Stand, Wird in der Schul gelehrt, ist aus der Schrift bekannt. Wer diese Pflichten treibt, wird in der Schul der Erden, Durch Uebung erst geschikt, vollkommen dort zu werden. Nun lieber Mensch! sey treu zur Uebung stets bereit, Den Die Lehrreiche Weltschule. Denn Uebung bringt allein, die wahre Fertigkeit. GOtt hat uns Trieb genug zum tugendhaften Le- ben, Worauf die Uebung geht, in seinem Wort gegeben. So wie in einer Schul, des Lehrers sanfte Guͤt, Nicht leichte bessern kan, ein fluͤchtiges Gemuͤt; Er zwing es dann durch Zucht: so muß bey uns imgleichen, Der Schoͤpfer seinen Zwek, durch Zuͤchtigung er- reichen. Die Welt ist also noch, wenn wir sie recht ansehn, Als eine Kreuzesschul darin viel auszustehn. Der Schoͤpfer pruͤfet uns, und laͤst uns oͤfters schwizzen; Auf einer Marterbank in dieser Schule sizzen. Da lernt man die Gedult, das schwere A. B. C. Da fuͤhlet Fleisch und Blut manch fuͤrchterliches Weh. Wilst du, mein lieber Mensch! dich von dem Kreuz entfernen, So must du fleißig seyn, in Ueben und in Lernen: Und weil du das nicht bist; so legt der Schoͤpfer dir, Die Ruthe seiner Zucht, Noth, Kreuz und Truͤb- sal fuͤr. Die Ruthe ziehet oft die allerfroͤmmsten Kinder, Und Truͤbsahl kehrt oft um die allerfrechsten Suͤn- der. Ein Schuͤler wird gelobt, der fleißig, fromm und still, Der das mit Sorgfalt thut, so wie sein Lehrer will: Mein Mensch! beweise dich getreu in dieser Schule, So wirst du dreinst geruͤhmt, vor Christi Richter- stuhle: O 3 Folg Die Lehrreiche Weltschule. Folg hier in Demuth stets dem, der die Welt re- giert, Der uns zwar wunderbar, doch treu und seelig fuͤhrt: Lern was du lernen solt, und sey auch bey dem Wissen Des Glaubens, allemahl, auf richtig Thun beflissen. Gefaͤllt dem Schoͤpfer es, daß dir bey Angst und Pein, Die Welt worin du lebst, soll eine Kreuz-Schul seyn; Halt nur geduldig aus; GOtt pflegt auch im Be- truͤben, Jndem er auf uns schlaͤgt, nach Vater-Art zu lie- ben; Wenn er dich gnug gepruͤft; gelaͤutert und bewaͤhrt, Geuͤbet auf der Welt, in ihrer Schul gelehrt; So giebt er dir hernach die schoͤne Ehren-Krone, Zum Zeichen seiner Huld, zu einem Gnadenlohne; Alsdenn gelangest du zu Salems gruͤnen Aun, Wo du nicht lernen solt; Nein! alles klar anschaun: Da wird die Lust gestillt, in jenen Geister Choͤren, Da deine Lernbegier, wird neue Wunder hoͤren, Die hier auf dieser Welt, kein Auge je gesehn, Die unaussprechlich sind, und keiner kan verstehn: Und da die Lehrer sind der unvollkomnen Erden, Jn jener Geisterwelt gar gerne Schuͤler werden. Gib! Herrscher aller Welt! daß ich hier fleißig sey, Zum Lernen stets erwekt, in Ausuͤbung getreu; Geduldig in dem Leid; so werd ich nach den Jah- ren, Die mir zur Prob bestimmt, was hier verdekt, erfahren. Die Die Seele das kostbarste Kleinod der Menschen. Die Seele das kostbarste Kleinod der Menschen. Matth. XVI. 26. Was huͤlfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewoͤnne, und naͤhme Schaden an seiner Seele? D er Mensche ist im Erden-Kreise, Das allerkuͤnstlichste Gehaͤuse, Ein sich bewegend Wunderbild, Mit Wunderwerken angefuͤllt. Aus allen Gliedern, allen Sinnen; So wie von aussen; als von innen, Wird seines Meisters Macht, Verstand, Zwar gros, doch nie genug bekandt, Jemehr wir uns nur selbst betrachten, Je herrlicher muß man sich achten. D es Leibes aͤuserlich Gebaͤude; Die innre Kunst der Eingeweide, Jst unvergleichlich, Wunderschoͤn; Kan ihres Schoͤpfers Ruhm erhoͤhn. Der Augen leuchtende Cristallen, Worin des Lichtes Strahlen fallen; Sind Wunderspiegel der Natur; Man seh das Ohrgehaͤuse nur; O 4 So Die Seele So wird man ganz erstaunt geruͤhret, Der Wiz ins Labirinth gefuͤhret. W er kan die Wunder all entdekken, Die sich in dem Gehirn verstekken; Die in der Nasen Hoͤlen sind, Die man an einer Zunge find: Die die gewoͤlbte Brust verhehlet, Die durch der Knochen Band umpfaͤlet; Die in gelenkten Arm zu sehn, Die unsers Koͤrpers Wirbel drehn; Die an dem wolgefuͤgten Beinen, Uns zur Verwunderung erscheinen? W er kan der Lungen ihr Bewegen, Des Herzens zappelndes Erregen Bemerken, ohne zu gestehn, Man muͤsse GOttes Macht dran sehn? Wer kan der Adern zarte Roͤhren Erwegen, und den Pulsschlag hoͤren: Wer siehet der Gedaͤrme Band, Das kuͤnstlich liegt und ausgespannt, Der nicht die Weisheit dran erweget, Die jedes Glied zum Schau geleget? J a! alles Koͤrperlich Gespinste, Zeigt uns stets wunderbahre Kuͤnste; Woraus ganz sichtbarlich erhellt; Daß wir ein Wunder dieser Welt, Ein Bauwerk das ein hoͤchstes Wesen, Zu seinem Meisterstuͤk erlesen, Dran alle Theile wol gemacht, Die weislich vorher ausgedacht; Die das kostbarste Kleinod der Menschen. Die weislich an einander sizzen, Daß ein Glied kan den andren nuͤzzen: J edoch! in dieser Leibes Hoͤle, Jst ein belebter Geist, die Seele, Die nach Vernunft und klarer Schrift, Des Koͤrpers Schoͤnheit uͤbertrift. Dies ist der Geist der uns belebet, Weit uͤber alle Thiere hebet Die nur die Sinnlichkeit regiert; Dies ist der Geist den man verspuͤrt, Wenn in uns richtige Jdeen, Und Schluͤsse der Vernunft entstehen. D ie Seele ist durch GOttes Milde Als die Copei von seinem Bilde, Dem Menschen wunderbar geschenkt, Und seinem Koͤrper eingesenkt. Wie herrlich war der Menschen Adel, Als sie noch ohne allem Tadel, Von Finsternis, Verkehrtheit frei. Jedoch! daß sie noch kostbar sei, Ein Kleinod daß nie gnug zu preisen, Jst augenscheinlich zu beweisen. D ie Seele kan noch richtig denken, Jhr Auge auf dem Schoͤpfer lenken, Durch sie erkennen wir die Welt, Die uns der Schoͤpfer fuͤrgestellt; Durch sie wird unser Leib bewogen, Dem schnellen Untergang entzogen; Durch sie empfinden wir was gut, Durch sie verspuͤren wir die Glut O 5 Der Die Seele Der aufgewallten Freuden-Triebe, Das Angenehme bey der Liebe. D ie Seele lenket unsre Sinnen, Wo durch so viele Stroͤme rinnen, Von Labsal und Zufriedenheit, Die uns die Kreatur verleiht: Durch ihr Licht sehen wir die Guͤte Des Schoͤpfers, worin das Gemuͤte Die beste Ruhestat bemerkt; Durch sie allein wird man bestaͤrkt, Das GOtt die Quell der Seeligkeiten, Woher der Dinge Seyn zu leiten. D ie Seele giebt uns zu geniessen, Was Luft und Erde in sich schliessen Und machet uns durch den Verstand, GOtt, Welt und auch uns selbst bekant: Jhr Vorzug zeigt sich auch in Willen, Was der begehrt, das muß erfuͤllen, Der Koͤrper den sie stets regiert, Durch die Gedanken lenkt und fuͤhrt. Wer dies erwegt, der muß bekennen, Sie sey was herrliches zu nennen. D er Koͤrper muß dreinst in der Erden, Zu Staub und Asche wieder werden, Woraus die Allmacht ihn gebaut; Es welket seine glatte Haut; Der Glieder Band das wird zerrissen, Wie wir aus der Erfahrung wissen: Jedoch! der Geist der in ihm wohnt, Darin als seinem Sizze thront: Ent- das kostbare Kleinod der Menschen. Entflieht den Tod den Fuͤrst des Raubes Besiegt die Herrschaft seines Staubes. E s bleibt der Geist doch unzerstoͤhret, Wenn gleich der Leibes Bau verheeret; Wie Truͤmmer in einander faͤllt; Weil ihm der Schoͤpfer stets erhaͤlt. Unsterblichkeit ist vor sein Wesen, Zum Schmuk und Eigenthum erlesen, Die Seele bleibt, die Denkungskraft, Jst ihre ewge Eigenschaft: Sie wird durch keine Aenderungen, Jn ein zerflatternd Nichts verschlungen. D ies ist der Vorzug vor die Seele Daß sie in keiner Grabes Hoͤle Den Untergang zu fuͤrchten hat; Sie geht nach ihres Schoͤpfers Rath: So bald des Koͤrpers Bau zerstuͤkket, Dahin wo sie sein Antliz blikket, Wenn sie auf dieser Unterwelt, Des Hoͤchsten Recht und Zeugnis haͤlt, Und durch des Heilands Gnade sieget, Und der Begierden Heer bekrieget. W enn sie den Hoͤchsten recht erkennet, Jn ihr das Feur der Liebe brennet Wenn sie im allerhoͤchsten Gut, Durch dieser Liebe Neigung ruht; So kann den Menschen nichts mehr fehlen, Nichts mit den bangen Kummer quaͤlen; So trift ihm kein betruͤbt Geschik Von einem wahren Ungeluͤk: Viel- Die Seele Vielmehr muß ihn das groͤste Leiden, Die Quelle seyn der groͤsten Freuden. H ingegen ist kein Gluͤk zu spuͤren, Wenn wir der Seelen Heil verliehren, Wenn man die ganze Welt besizt; Weil alsdenn uns kein Gut mehr nuͤzt: Wann unsers Geistes Wol verlohren, So waͤr es besser nie gebohren: Man haͤtte nie die Welt erblikt; Denn wuͤrden wir zwar nicht begluͤkt: Doch aber auch in schwarzen Gruͤnden, Kein ewiges Verderben finden. D er Seelen Kleinod, ihre Gaben, Sind die wir zu bewahren haben; Wer dies behaͤlt ist schoͤn geziert, Wer dieses beste Theil verliehrt; Der muß in ewgen Finsternissen, Die Straffe des Verlustes buͤssen. Wer es bewahrt, bewahrt sein Heil Und seines Gluͤkkes schoͤnstes Theil. Der kann wenn Leib und Glieder sterben, Des Himmels Ehren-Krone erben. U nd dennoch sind die Menschen Kinder, So elend und verdorbne Suͤnder: Und geben ihre Seele hin, Um einer schoͤden Lustgewin. Sie lassen dieses Kleinod fahren, Jn ihrer eitlen Jugend Jahren, Um eine Wollust dieser Welt, Die ihrem schnoͤden Sinn gefaͤllt, Sie das kostbarste Kleinod der Menschen. Sie sind bereit um Lekkerbissen Der Welt, der Seelen Gut zu missen. E in andrer der nach Schatten rennet, Die Ehre seinen Abgott nennet; Sieht seine Seel geringe an, Wenn er davor nur tauschen kan, Die Einbildung daß man erhoͤhet, Wenn man auf Ehrenstuffen stehet. Der dritte der den Goldklump liebt, Darum er Leib und Leben giebt, Jst willig einen blanken Hauffen, Vor seine Seele einzukauffen. S o blindlings handeln leider viele, Die wie in einem Kinderspiele, Der Seelen Werth gering geacht, Und dadurch sich ums Wol gebracht: Ach! moͤgten wir doch stets erwegen, Wie viel an unsrer Seel gelegen; So wuͤrden wir uns recht bemuͤhn, Der Suͤnder Reizung zu entfliehn! Die uns wenn es der Hoͤll gelinget, Auf ewig um die Seele bringet. An- Anrede an diejenigen Anrede an diejenigen die sich mit bangen Nah- rungssorgen quaͤlen. Z weifler! die ihr alle Morgen durch die Sorgen Eure Tage truͤbe macht; Obgleich GOttes Gnadensonne Euch mit Wonne Durch das Himmels-Licht anlacht. Gehet in die gruͤnen Felder, in die Waͤlder Jn die Gaͤrten, in die Aun, Da koͤnt ihr die bangen Grillen in euch stillen, Und an Frucht und Baͤumen schaun, Daß ein ewig weises Walten zu erhalten Mensch und Viehe sey bemuͤht: Denn ihr seht, aus Feld und Baͤumen Seegen keimen Der zu unsrer Nahrung bluͤht. Hoͤrt der Voͤgel zwitschernd Klingen, Sie besingen Jhren Schoͤpfer der sie naͤhrt; Sie sind froh auf ihrer Reise Da GOtt Speise Auf die sich mit bangen Nahrungssorgen quaͤlen. Auf dem Feld im Flug beschert, Jhr als Menschen! wolt den Schlummer durch den Kummer Jn der stillen Nacht zerstoͤhrn: Und an frohen Sonnen-Tagen Euch noch plagen Wer euch wird mit Brodt ernaͤhrn? Nur getrost! der Hoͤchste wachet Und er machet, Daß man Brodts die Fuͤlle hat: Wenn uns bittre Armuth quaͤlet, alles fehlet, Weis er dennoch Huͤlf und Rath. Er giebt Speise allem Viehe ohne Muͤhe Solt ers nicht dem Menschen thun? Er als ein getreuer Vater und Berather. Wird doch nimmer eher ruhn; Als bis er nach Vater-Weise Brodt und Speise Und als seinen Kindern giebt: Wer dies glaͤubt mit festen Sinne, Wird stets inne, Daß ihm GOtt der Hoͤchste liebt. Last des Kummers Dunst verfliegen, Jm Vergnuͤgen Findet man stets Ueberflus: Aber wenn man unzufrieden ist hienieden Steter Hunger beim Genus. GOtt der liebt ein frohes Herze das vom Schmerze Eit- Anrede Eitler Sorgen sich befreit; Wer ihn sucht mit truͤben Mienen recht zu dienen Kennt nicht seine Herrlichkeit. Darum fasset ins Gemuͤte, seine Guͤte Fleht dieselbe bruͤnstig an; Treibet fleißig eur Gewerbe als das Erbe, Dadurch er euch naͤhren kan. Gedan- Gedanken uͤber eines frommen Predigers. Gedanken uͤber eines frommen Predigers J.C.H. Beitrag zum irdischen Vergnuͤgen. E in Herz das seinen Schoͤpfer liebt, Das sich in reiner Andacht uͤbt, Das kan auf Bergen in den Gruͤn- den, Jn Gaͤrten, Auen, Wald und Feld, Jn allen Dingen dieser Welt, Ein Feur zum Andachtsopfer finden. Jch seh dein Buch O! werther Mann! Davon als den Beweisthum an; Jch wuͤnsche daß desselben Lehren, Des Lesers Herze dahin ziehn, Sich so wie du stets zu bemuͤhn, Den Schoͤpfer im Geschoͤpf zu ehren. Zweyter Theil. P Anre- Anreden an GOtt. Anreden an GOtt uns seine Ei- genschaften auf dem Feldern se- hen zu lassen. I. Die Guͤte. U nsrer Felder reiffe Bluͤte, Zeuget GOtt von deiner Guͤte, Womit du die Menschen naͤhrst: Ach! laß uns bey diesem Seegen, Den du giebest wol erwegen, Wie du uns auch dadurch lehrst, Uns zum Guten zu erwekken, Da wir deine Guͤte schmekken. II. Die Allmacht. G Ott du kanst uns in den Aehren, Die wir eingesammlet lehren, Deine grosse Wundermacht; Gib daß wir stets mit Bedacht An den Fruͤchten die wir essen Andachtsvoll die Groͤß ermessen, Die mit Seegen unser Feld, Und dadurch auch uns erhaͤlt. III. Weis- Anreden an GOtt. III. Weisheit. W eiser GOtt! wie wunderbar, Giebest du uns alle Jahr, Unsre Nahrung aus der Erden, Da, wenn wir den Saamen streun, Unter himmlischen Gedein, Unsre Felder fruchtbar werden; Laß uns deine Weisheit sehn, An den Fruͤchten die entstehn, Damit wir an deinen Gaben, Moͤgen Leib und Seele laben. IIII. Gerechtigkeit. G erechter GOtt! mit deiner Ruthe, Staͤupest du das Akkerfeld, Damit die verfluchte Welt, Jhrer Suͤnden wegen blute: Laß uns HErr! doch nicht erfahren, Deine Strafgerechtigkeit, Wie in den vergangnen Jahren, Sondern gib uns Gnadenzeit. V. Warhaftigkeit. W under GOtt! du hast versprochen, Jaͤhrlich eine Erndte-Zeit; Das hast du noch nie gebrochen, Laß uns die Warhaftigkeit, P 2 Dei- Anreden an GOtt. Deines Worts an deinen Werken, Auf dem Felde wol bemerken: Damit uns dies alle Jahr, Mache deine Warheit klar. VI. Vorsehung. S choͤpfer! deine Vorsehung, Kan man mit Bewunderung, An den wunderbaren Werken, Deiner Schoͤpfung stets bemerken: Zeig uns auch auf unsrer Flur, Jhre Andachtsvolle Spur, Da dein Gnaden-volles Walten, Uns darauf die Frucht erhalten. Seuf- Seufzer nach einer geloͤschten Feuersbrunst. Seufzer nach einer geloͤschten Feuersbrunst an einem Orte, der haͤuffig mit Feur bestraffet. G erechter GOtt! die Feuer-Stimme, Hat uns gezeigt mit ihren Grimme, Wie schreklich sey dein strenger Zorn: Doch deine Gnade hat den Born, Zur Stillung wiederum geschaffen, Uns nicht mit Untergang zu straffen. D ein Feur das wuͤtend um sich brennet, Von einem Haus zum andern rennet, Frist alles, was sein Brand beruͤhrt: Dies haben wir auch oft verspuͤrt; Und da wir uns doch nicht gebessert; So hast du es mit Recht vergroͤssert. D u staͤupest die mit deiner Ruthen, Die noch von alten Wunden bluten; Wo es noch raucht, entsteht dein Brand Ach! zieh zuruͤk die schwere Hand! Du hoͤrest Vater unser Weinen, Und laͤst stat Feuer, Gnade scheinen. W ir danken D ir daß du die Flammen, So gnaͤdig wieder druͤkst zusammen, P 3 Und Seufzer nach einer geloͤschten Feuersbrunst. Und ihre Funken noch gewehrt, Daß sie uns nicht gar aus verheert; Daß du die in der Truͤbsal schwizzen, Noch laͤst in ihren Haͤusern sizzen. W ir wollen nunmehr Andachtskohlen, Von den verbrannten Staͤdten hohlen Auf unsers Herzens Brandaltar: Beschuͤz uns ferner vor Gefahr; Gib daß wir stets hier auf der Erden, Dadurch gelaͤutert, froͤmmer werden. Gedan- Gedanken uͤber einen alten Mann. Gedanken uͤber einen alten Mann der vom Wa- gen todt gefallen. H ier liegt ein alter Greis, der ploͤzlich zwar gestorben, Doch wie ein Simeon das Himmelreich erworben: Ein Fall vom Wagen hat sein Lebens- band zerstuͤkt; Doch ward die Seel dadurch zu JEsu hingeruͤkt: Die Engel haben ihn, wie auf Eliaͤ Wagen, Und den entbundnen Geist in Abrams Schoos ge- tragen: Jhr Menschen lernt daran in GOttes Wegen gehn; So wird eur Todesfall ein seelig Auferstehn. P 4 Bey Bey dem Grabe eines ehrlichen Mannes. Bey dem Grabe eines ehrlichen und Recht liebenden Mannes. H ier ruht Nathanael in einer Friedens- kammer, Er schied zwar fruͤh hinweg; doch wurd er frei von Jammer; Sein Herze suchte stets, was recht und billig war, Und dadurch kuͤrzte er sich seine Lebens-Jahr. Er lebte in der Welt in Kedars boͤsen Huͤtten, Da er bis in den Tod vor billig Recht gestritten. Nun ist er in der Ruh und laͤst uns dies zur Lehr: Wers Boͤse aͤndern will, der sterbe nur viel- mehr. Grab- Grabschrift einer Mutter. Grabschrift einer Mutter, die an dem Begraͤb- nistage ihres einzigen Sohns er- kranket und gestorben. R uh wol du Seelige! du wirst gesaͤt in Thraͤnen, Den Tod befoͤrdert dir, dein Kum- mer-volles Sehnen: Da nasse Kuͤmmernis das matte Herze frißt, Und dir des Sohnes Tod ein Weg zum Grabe ist. Doch CHristi Kuͤmmernis, sein trauriges Gebaͤr- den, Das heiligt deine Noth und der Natur Beschwer- den: Auf deine Thraͤnen Saat, folgt nun die Erndte- freud Die deine Seel geniest in jener Ewigkeit. Dein Leib ist in dies Grab verweslich ausgesaͤet Daraus er dreinst verklaͤrt durch CHristum aufer- stehet. P 5 Auf Auf das Grab einer Persohn die in Kindesn. gest. Auf das Grab einer Persohn die in Kindesnoͤthen gestorben. S ieh! Wandrer! schaue hier der Rahel Grabmahl an, Die in der Erde liegt, der Mutter Schoos begraben: Die selbst ein Todten Grab des Kindes heissen kan; Weil sie den Tod hier muß, an dessen Tode haben. Sie starb nach GOttes Rath der unerforschlich bleibt, Damit sie ewiglich bey ihm dort koͤnte leben; GOtt lies sie in der Angst; darin sie ist entleibt: Damit er ihr darauf koͤnnt immer Freude geben, Er hat ihr alle Lust bey ihrer Last versagt: Damit er solche bald mit Himmels-Lust verpflege: Wie wunderlich scheint GOtt! doch wer die Seel- ge fragt Der hoͤrt: zwar wunderbar doch gut sind GOttes Wege. Nun Wandrer gehe hin bemerke dieses Grab Daß ein erstorbnes Kind der eignen Mutter gab Hier liegt ein todtes Kind in Mutterleib begraben, Die beide ihre Ruh in Mutter Schoosse Nemlich die Erde die unser aller Mutter ist. haben. Auf Auf eine verstorbne fromme Jungfer. Auf eine verstorbne fromme Jungfer. uͤber Offenbahr. Joh. XIX. 7. 8. 9. S o freu dich Himmels-Braut, in deiner weissen Seide, Womit dein JEsus dich der Seelen nach geziert; Geneus nach deiner Last, die suͤsse Himmels-Weide, Da dich dein Braͤutigam durch Truͤbsal hingefuͤhrt. Du hast hier auf der Welt im Trauerkleid geweinet, Und eine lange Zeit in Kuͤmmernis gequaͤlt: Der Regen ist vorbei, da deine Sonne scheinet Da dich der Heiland hat zum Eigenthum erwaͤhlt. Der Keuschheit Ehrenkranz, der Tugend reine Mir- ten, War deine schoͤnste Tracht, worin du hier geglaͤnzt: Nun wird dein Braͤutigam, darum die Palmen guͤrten, Womit er die durch ihm gesieget, dort bekraͤnzt. Du wohnest in der Schaar die jenem Lamme singen, Womit du dich allhier in ewger Treu vermaͤhlt: Wol dem der Fleisch und Blut, wie du, wird recht bezwingen, Der wird von Christo auch zur Himmels-Braut er- waͤhlt. Lob Lob GOttes Lob GOttes Aus dem Buche der Natur in einer freien poetischen Uebersezung des hundert und vierten Psalms. 1. v. A uf Seele lobe GOtt! den HErrn der Herrligkeit; Denn Du o! grosser GOtt! bist herrlich weit und breit: Du glaͤnzest in den Schmuck der Vollenkommenheiten Die sich in aller Welt, zu deinem Ruhm ausbreiten. 2. E in undurchdringlich Licht, ist als wie ein Ge- wand Vor Dich Unendlicher! als eine Dek gespannt; Du dehnst den Himmel aus, und seine blaue Bo- gen, Die wie ein Teppich sind mit bunten Schein bezogen. 3. D er Wolken Wasserschlauch stellt in dem Lufft- revier Ein fliessend Wunder-Meer mit seinen Duͤnsten fuͤr; Du aus dem Buche der Natur. Du brauchst der Wolken-Dunst, zu Deiner Gott- heit Wagen, Und wirst gleichsam von Wind als Fittgen fort- getragen. 4. D u machst das Geister-Heer, daß dir zu Dien- ste steht, Daß sie dem Winde gleich, der schnel von dannen geht: Du machst die Engelschaar, die Dir stets freudig dienen, Zu einem starken Chor entflammter Seraphinen. 5. D u bist ein grosser HErr, der diese Unterwelt, Den schweren Ball der Erd, auf festen Grund ge- stellt: Ob er gleich schwebend liegt; so kan er doch nicht sinken, Bis ihn zum Untergang Dein Allmachts-Wort wird winken. 6. D er Erdball ist von Dir mit Tieffen uͤber- dekt, Er schwimmt gleichsam im Meer, darin er ausge- strekt, Der Fluthen Ungestuͤm, die Wirbel-vollen Wogen, Die rauschen in die Hoͤh, wenn sie Berg an geflogen. 7. J edoch! so bald Du draͤust; so sinkt die rege Fluth, Die Lob GOttes Die schwellend sich gethuͤrmt, auf steilen Bergen ruht. Dein Donner schlaͤgt darein, das ist Dein strenger Wille So faͤllt es in den Grund, und steht im Uffer stille. 8. D er Berge steile Hoͤh strekt sich sehr hoch hervor Der Gipfel schroffe Spitz steigt in die Lufft empor: Du machst sie unten breit die schwere Last zu tragen, Und auch zu wiederstehn, wenn dran die Stroͤme schlagen. 9. D u hast der Uffer Rand dem Meer zum Damm gesetzt, Damit die Erde nicht durch ihre Fluth verletzt; Da sonst das nasse Reich der aufgeschaͤumten Wel- len Den troknen Erden-Ball wuͤrd immer uͤberschwellen. 10. D u laͤst durch Dein Befehl in Thaͤlern Brun- nen quelln, Woraus in Gruͤnden denn die sanften Baͤchen schwelln, Die wie ein Silber rolln, durch gruͤne Auen fliessen, Und im geschlungnen Flus sich in die Seen giessen. 11. D amit traͤnkst Du das Thier das auf den Feld sich naͤhrt, Das sonst bei satter Kost der heisse Durst be- schwert. Da- aus dem Buche der Natur. Damit erquikkest Du, das Wild, die Hirsch und Rehen, Die lechzend ausgedorrt, nach frischen Quellen gehen. 12. D er Voͤgel zwitschernd Heer, das auf den Zwei- gen sitzt, Und sich mit Laub bedeckt, indem die Sonne blizt, Das singt mit Munterkeit, an denen kalten Baͤchen, Die in ihr suͤß Geschrei, mit stillen Murmeln spre- chen. 13. D u laͤssest in der Nacht der Berge Gipfel thaun, Und traͤnkst mit Perlen-Safft die Felder, Gaͤrten, Aun, Die Deiner Allmacht Krafft mit Fruͤchten ange- fuͤllet, Womit der Mensch, das Vieh des Hungers Plage stillet. 14. D as Gras das keimt hervor mit seiner gruͤnen Zier, Das legest Du dem Vieh zu seiner Nahrung fuͤr; Durch Deine Seegenskrafft muß jede Art der Saaten, Das Du zum Brodt bestimmt zur Menschen Nutz gerathen. 15. O! uͤberschwengliche, allmaͤchtge Guͤtigkeit! Die uns mit Rebensafft, mit Wein das Herz er- freut! Die Lob GOttes Die Oel zum Labsal giebt, und Brodt zur Leibes- staͤrke: O! GOtt! wie gros sind doch! der Guͤte Wunder- werke. 16. D u fuͤllst die Baͤume an mit einem frischen Saft, Du giebest ihnen stets zu ihrem Wachsthum Krafft; Man sieht durch Deine Macht der Cedern schlanke Hoͤhen, Am hohen Libanon bis an die Wolken gehen. 17. D ie Voͤgel nisten da in stiller Sicherheit, Wenn sie im Cederzweig ihr Wohnhaus ausge- streut; Die Reiger wohnen da, auf hohen Tannen Gip- feln, Und suchen ihren Schutz auf den belaubten Wipfeln. 18. D ie Gemsen naͤhren sich auf ihrer Berge Spitz Die Steinklufft ist bequem zu einem Wohnungs- sitz Fuͤr die Caninichen, die in den hohlen Gruͤnden, Jn der gespaltnen Klufft die sichre Zuflucht finden. 19. D urch dich scheint uns der Mond, darnach das Jahr bestimmt; Der Sonnen feurig Meer das an der Veste schwimmt, Muß sich in seinem Lauf stets wunderbarlich drehen, Und unserm Horizont des Abends untergehen. 20. aus dem Buche der Natur. 20. A lsdenn verdekkest du uns mit den Flor der Nacht, Der uns zur Ruhe weist, das Wild erst munter macht, Das aus den Loͤchern geht, und durch die Waͤlder rennet, Wenn es recht kuͤhle ist, die Nacht die Hitze tren- net. 21. D er Loͤwe der mit Recht der Thiere Koͤnig heist, Der was sein Klaue faßt in feurgen Grimm zer- reist, Kreucht aus der Hoͤhl hervor, da er nach Raube bruͤllet, Bis ihn der Schoͤpfer hat den giergen Hals ge- fuͤllet. 22. S o bald am Firmament der Sonnen guͤldnes Licht, Jm fruͤhen Morgenroth, in hellen Tag ausbricht; So fliehn die Loͤwen fort; und kriechen in die Hoͤh- len, Die sie zum Auffenthalt des lichten Tages waͤh- len. 23. D as Sonnenlicht erwekt die Menschen aus der Ruh Dann gehen sie vergnuͤgt auf ihre Arbeit zu: Da muß von Morgen an, bis in die Nacht stets pfluͤgen, Zweiter Theil. Q Der Lob GOttes Der Landman der sich will an fetter Frucht ver- gnuͤgen. 24. O! HErr! wie gros und viel, hat Deine weise Macht Jm Umkreis dieser Erd, zum Nutz herfuͤr gebracht, Die Deiner Guͤter voll, die weislich allzusammen, Jn ihrer Ordnung sind, wie sie von Dir herstam- men. 25. D as weite Wasserreich der Meere tieffer Schlund, Macht uns ein schuppigt Heer von vielen Fischen kund, Die wimmeln in der See, die gehn in kleinen Fluͤs- sen, Sind gros und kleiner Art, die wir zum Theil ge- niessen. 26. D a auf dem breiten Meer, auf ihrer glatten Bahn, Sieht man den schnellen Lauf der vielen Schiffe an; Da sieht man wie in Scherz die Wallfisch in den Wellen, Zu Deiner Allmacht Preis, bald auf bald nieder schwellen. 27. U nd alles was da lebt sieht HErr! auf deine Hand, Weil aus dem Buche der Natur. Weil deine milde Guͤt der Kreatur bekandt; Ein jedes will von dir des Lebens Nahrung haben, Und sich zur rechten Zeit mit seiner Speise laben. 28. W enn du die Hand aufthust, die vielen Vorrath hat, So werden sie gespeißt von deiner Guͤte satt; So haben sie genug bei freudigen Genusse, Und leben ganz getrost in steten Ueberflusse. 29. V erbirgst Du deiner Guͤt liebaͤugelnd Ange- sicht, So ist das Schrekken da, das jedes Herz zer- bricht; Zeuchst du den Odem weg, so muß was lebt, erster- ben, Verfaulen in den Staub, und wie im Schut ver- derben. 30. U nd wenn Dein Odem haucht; so schaffet Dei- ne Macht, Die alles was da ist, aus nichts herfuͤrgebracht; Du machst daß die Gestalt der Erde sich verjuͤn- get, Die gleich auf Dein Geheis verneurte Fruͤchte brin- get. 31. D es Hoͤchsten Ehre ist unendlich, keine Zeit Schliest sie in Zirkeln ein, sie bleibt in Ewigkeit Q 2 Der Lob GOttes aus dem Buche der Natur. Der HErr vergnuͤget sich, wie wir mit Lust be- merkken, An jeder Kreatur, an seiner Haͤnde Werkken. 32. S chaut er die Erde an, so bebt sie uͤberall Sie zittert vor dem Blik, doch ohne Sturz und Fall: Und wenn sein strenger Bliz die steilen Berge ruͤhret; So wird daran ein Rauch voll Majestaͤt gespuͤret. 33. S o lang ich hier noch bin, erheb ich Lebenslang, Den HErrn der Herrligkeit mit meiner Liederklang Jch will den hoͤchsten GOtt durch meiner Dicht- kunst Proben, Von nun an immerfort, mit Harf und Cymbeln loben. 34. O! saͤh ich das mein Lied, mein mattes Sai- tenspiel Den Koͤnig aller Welt mit seinem Klang gefiel: Jch freue mich des HErrn; es muͤsse ihn mein Lallen, Das aus den Herzen stammt, zu seinem Ruhm ge- fallen. 35. D er Suͤnder grosse Zahl vergehe mehr und mehr, Und der gottlosen Hauff, die Schaͤnder seiner Ehr. Lob meine Seel den HErrn, und laß bei deinem Sin- gen Zu seiner Gottheit Ruhm stets Halleluja klingen. Die Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Die GOtt gefaͤllige Augenlust D ie Augenlust hat GOtt den Suͤnden zu- gesellt, Wodurch der arme Mensch den Schoͤp- fer misgefaͤllt: Johannes 1 Joh. II. 16. schreibet klar, man muͤsse sie ent- fliehen, Wenn man sein Herz der Welt will, wie man muß entziehen. Und wuͤrklich ist es wahr: der Augen heller Blik, Bringt manche boͤse Lust in unser Herz zuruͤk: Sie sind den Fenstern gleich, die taͤglich offen ste- hen, Wodurch die Duͤnstungen verdorbner Luͤfte wehen. Die Augen sind ein Glas und lassen jeden Schein, Der sie mit Lust anstrahlt zur Herzens Kammer ein; Es kan durch dieses Paar durchsichtiger Cristallen, Ein Funke der gleich brennt in unsre Seelen fallen, Worin der Zunder stekt von einer boͤsen Lust, Wie jedem der sein Herz recht kennt von selbst bewust; Ein Zunder der leicht faͤngt, und ehe man es meinet, Jn seiner vollen Glut und feurgen Brunst erscheinet. Wer diese Sinnen Thuͤr, nicht wol verwahrt, be- schuͤzt: Der wird dadurch gar leicht zur boͤsen Lust verhizt: Jst erst die Flamme da; so sind nicht leicht zu zwin- gen, Q 3 Als Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Die Wallungen die dann uns zu der Suͤnde brin- gen. Als Eva erst die Frucht, die ihr verboten war, Mit luͤstern Blikken fah; da kam sie in Gefahr; Da ward sie bald darauf, von der Begier bemei- stert, Die des Verstandes Aug mit blauen Dunst beklei- stert. Sie nahm in Luͤsternheit, die ihr verbotne Frucht, Die lieblich anzusehn; so wie die Schlang gesucht, Die durch das Aug in ihr die boͤse Lust erreget, Da war der Fall geschehn. Wenn man dies nur erweget; So sieht man wie gar leicht das Auge uns ver- fuͤhrt, Wenn ein bezaubernd Bild die hohle Flaͤche ruͤhrt. Wie manche Dina wird ins Wollust Nez gestrik- ket, Wenn sie mit freien Sinn, nach Hemors Juͤngling blikket 1 Mos. XXXIIII. 1. 2. Wie viele kommen nicht durch blendendes Me- tal, Das schnoͤden Geiz erregt, zum schweren Suͤnden- fall; Wenn wo ein Goldklump blizt; der Abgott dieser Erden, Kan einer daran leicht ein schaͤndlich Raͤuber wer- den, Den die Begier betaͤubt, daß er es sehnlich greift, Und sich dadurch ein Strik um seine Kehle schlaͤuft. Auf mannigfaltge Art kan uns das Aug verfuͤhren, Daß wir durch einem Blik der Freiheit Gut verlie- ren. Dies Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Dies ist die Augenlust, die GOttes weiser Rath, Dem menschlichen Geschlecht als boͤß verboten hat; Die seinem Aug ein Greul, weil dadurch unsre Sinnen, Der Seelen, dem Verstand die Herrschaft abge- winnen. Die schnoͤde Augenlust ist fuͤndlich, dadurch man, Zu einer boͤsen That den Vorsaz fassen kan; Die unser Herz erregt, und den Verstand verblen- det, Des Willens rege Kraft zum boͤsen Ziele wendet: Die unser freien Geist mit ihrer Macht betaͤubt, Und in das Sclaven Joch der Leidenschaften treibt. Die rechte Augenlust, wird nicht von GOtt ver- achtet, Wenn man die Welt mit Lust, wie sichs gebuͤhrt betrachtet. Der Schoͤpfer hat das Paar der Augen uns ge- schenkt, Als Spiegel in das Haupt, der Seelen Siz ver- schraͤnkt, Dadurch der edle Geist, das Weltgebaͤud erblik- ket, Das ihm auf manche Art mit holder Lust erquik- ket. Die Augenlust gefaͤllt, dem Allerhoͤchsten wol, Wenn wir, wie jeder Mensch nach seinen Pflich- ten soll, Jn jeder Kreatur, in denen tieffen Gruͤnden Des blaugewoͤlbten Raums des Schoͤpfers Bildnis finden. Wer nach den Himmel sieht, schaut die saphirne Bahn, Jn wunderbaren Glanz entflammter Lichter an, Q 4 Der Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Der sieht ein grosses Heer von schimmernden La- ternen, Bey einer dunklen Nacht an denen guͤldnen Ster- nen; Der siehet hie und da, ein schoͤn gemahlt Ge- wand, Das GOttes weise Macht in Luft-Kreis ausge- spannt. Der Farben Mannigfalt von dem gestrahlten Lich- te, Das durch die Wolken scheint, vergnuͤgt uns durch Gesichte. Das Herze wird erfreut, nach der verschwundnen Nacht, Wenn uns das Morgenroth mit frohen Blik an- lacht; Es wird in sich vergnuͤgt, wenn mit den heitren Prangen, Der grosse Fuͤrst des Lichts, am Tage aufgegan- gen. Wer dieses Luftrevier, die strahlenreiche Pracht, Zur Weide des Gemuͤths, zu seinem Vorwurf macht, Und dabei sich bemuͤht den Schoͤpfer zu erken- nen, Kan seine Augenlust recht GOtt gefaͤllig nennen. Der Erden weiter Raum, der grosse Wunderbau, Legt uns viel schoͤnes auch, zu unsrer Lust zum Schau: Jm Reiche der Natur sind unsers Schoͤpfers Ga- ben, Darum so schoͤn geschmuͤkt; weil wirs vor Augen haben. Wohin wir unser Aug im Kreis der Erden drehn, Da Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Da sieht man uͤberall nichts, was nicht wunder- schoͤn Es ist uns unverwehrt, bei Lust und stillen Freu- den, An jeder Kreatur das Aug und Herz zu weiden. Wer auf dem gruͤnen Feld die dichte Saat erblikt, Die mit der Blumen Gold gleichsam ist ausgestikt, Der wird darob vergnuͤgt; und wer dabei erwe- get, Wie GOttes weise Macht uns darin vorgeleget, Der dienet seinem GOtt, bey freudigen Gebrauch, Mit seinen aͤusren Sinn, mit seinen Augen auch. Wer schoͤne Blumen liebt, die GOttes Finger mahlet, Davon der Farben Glanz in unsre Augen strahlet, Der kan bei dieser Lust, des Schoͤpfers Ruhm er- hoͤhn, Die Kinder der Natur, mit Andachts-Trieb be- sehn: Wer dieses fleißig thut, der sieht an Kreaturen Zu seiner Herzenslust, der Vorsicht Wunderspu- ren. Wer schoͤne Fruͤchte sieht, und dabei uͤberdenkt, Wie uns des Schoͤpfers Guͤt, dieselbigen ge- schenkt; Und sich dadurch erwekt zur wahren Gegenliebe, Entzuͤndet durch das Aug die reinen Andachts- Triebe. Und diese Augenlust, kan unsern GOtt allein, Woraus sein Ruhm entspringt, an uns gefaͤllig seyn: Und also koͤnnen wir, bei allen andern Sachen, Auf GOtt gefaͤllge Art, uns ein Vergnuͤgen ma- machen. Q 5 Al- Die GOtt gefaͤllige Augenlust. Allein mein lieber Mensch! erwege thust du das, Gebrauchest du also der Augen Wunderglas? Du siehst was schoͤn ist an, du labest deine Sin- nen, Dadurch der Schoͤpfer laͤst Erquikkungsstroͤme rinnen, Und weiter gehst du nicht aus traͤgen Unbedacht: Du denkest selten wol bei allen Schein und Pracht, Die deine Augen ruͤhrt, woher das alles quillet, Was dein begierig Aug mit schoͤnen Bildern fuͤllet. Und diese Blindheit kan den Schoͤpfer nie gefalln: Der aus der Kreatur laͤst solche Schoͤnheit pralln: Mit Augen des Gemuͤts die Herrlichkeit zu sehen, Die Strahlen seiner Pracht, die dir vor Augen stehen. Wer sein Vergnuͤgen sucht in Dingen dieser Welt, Und nicht dabei bedenkt, wer sie uns dargestellt; Der sieht und sieht auch nicht; der sieht mit Schal- kes-Augen, Die nach der heilgen Schrift vor unsern GOtt nichts taugen; Der siehet als ein Vieh, das etwas starr anblikt, Die blosse Sinnlichkeit dadurch vergnuͤgt, ent- zuͤkt. Sieh! Mensche! als ein Mensch! und brauche dein Gesichte, Nebst deines Geistes Aug, nebst des Verstandes Lichte; So kanst du doppelt sehn; besieh die Kreatur, Die diese Welt geschmuͤkt, bemerk die Wunderspur Die GOtt von seiner Guͤt und Macht darin ge- druͤkket: So bringt die Lust auch Nuz, die Aug und Herz entzuͤkket. Ge- Gedanken. Gedanken bei dem Anblik eines mit Bohnen be- saamten Akkers. H ier quillt des Seegens Fuͤllehorn Der reichen Guͤte Wunderborn Und duftet durch ein sanftes Bla- sen, Stets Balsam in die hohle Nasen. Die Lunge wird vergnuͤgt ge- druͤkt, Das Auge wird vergnuͤgt erquikt; Wenn ich der Bohnen weise Bluͤte, Als holde Spiegel deiner Guͤte, O! Schoͤpfer! auf dem Akker seh, Da ich aus Lust spatzieren geh. Das Rokkenfeld prangt schon mit Aehren, Die uns mit guͤldnen Zungen lehren, Daß du es seist der uns ernaͤhrt; Dein Seegen wird dadurch vermehrt Daß du dem Vieh auch Futter giebest, Und zeigst wie du das alles liebest, Was deine Wunderhand gemacht, Als du die Welt herfuͤr gebracht. Dies Bohnenfeld das jetzo bluͤhet, Und Wachsthum aus der Erde ziehet Jst warlich die Betrachtung werth, Die uns HErr! deine Weisheit lehrt. Vierekkicht sind des Stengels Roͤhren, Die ihre Spizzen aufwerts kehren, Die Gedanken bei dem Anblik Die hie und da mit Laub besezt; Die Bluͤthen dran man sich ergoͤzt, Die sind recht wunderbahr geleget, Wenn man die Wikkelung erweget. Des Stengels aufgeschlungnes Haupt, Das ist mit gruͤner Zier belaubt, Mit einer gruͤnen Kron bekraͤnzet, Die lieblich in die Augen glaͤnzet. Nnd wenn des Wachsthums Treibekraft. Aus Bluͤten erst die Schoten schaft; So sieht man HErr! dein weises Fuͤgen, Durch die Betrachtung mit Vergnuͤgen. Der Bohnen wollgeorndte Zahl, Waͤchst da in einen Futteral Da jede in dem Fache stekket, Recht wol verwahrt, recht sanft bedekket. Jch dachte warum ist die Frucht, Die nur das Vieh zur Nahrung sucht: So fest bewahrt und eingeschlossen Und in den Schooten ausgesprossen? Es fiel mir in den Denken ein, Daß dieses muͤsse noͤtig seyn. Und daß des weisen Schoͤpfers Sorgen, Aus weisen Grund sie so verborgen. Die Bohnenfrucht die keimet leicht, Wenn man sie nur in Wasser weicht Und wenn sie nicht in Capseln laͤgen; So wuͤrde Naͤsse, Thau und Regen Gar haͤuffig in die Bohnen ziehu, Und daraus frische Keimen bluͤhn; Die wenn sie in der Faͤulung sterben Mit sich die ganze Frucht verderben: So aber da sie wol verwahrt, Sind sie zur Winterskost verspart, Da- eines mit Bohnen besaamten Akkers. Dadurch das Mastvieh zu erhalten. O! Schoͤpfer alle die Anstalten, Die wir beschaun in der Natur Die geben uns so manche Spur, Darin wir sichtbahr sehen koͤnnen, Du seist ein weiser GOtt zu nennen, Laß mich dies nie mit Lust ansehn, Ohn deinen Nahmen zu erhoͤhn; Und seh ich deine Wunderguͤte; So gieb ein dankbares Gemuͤthe, Das dich an einem jeden Ort Wo es dieselbe sieht, so fort, Mit wahrer Herzens Andacht preise, Das dir die Menschenpflicht beweise! Die Die schnell entstandnen Wasserblasen. Die schnell entstandnen und schnell vergangnen Wasserblasen. J ch saß an einen gruͤnen Rande Des Baches, der mit gelben Sande Auf seinen Boden angefuͤllt, Das Wasser das daruͤber quillt Das sprudelte auf Kieselsteinen, Da sah ich Wasser-Blasen scheinen. D ie Blasen hat ich kaum gesehen, Wie sie sich in die Ruͤnde drehen, Mit manchen Farben lieblich spieln, Da sie gleich von einander fieln, Und im zerplatzen sich verlohren, Da sie ein Wasserfall gebohren. J ch dachte so sind auch die Blikke, Von einem scheinenden Geluͤkke Das oft im Lebenslauf entsteht Und ploͤzlich wiederum vergeht. Es lacht uns an, als wie verguͤldet, Und ist doch blos aus Schaum gebildet. Die Die wunderbahre Vermehrung des Getraides. Die wunderbahre Vermehrung des Getraides als eine sinnliche Vorstellung der goͤttlichen Unendlichkeit. N icht ohn bewunderndes Vergnuͤgen wird man in einem jeden Jahr, Wie das Getraide sich vermehret, auf jedem Seegensfeld gewahr: Ein Koͤrnchen das da ausgesaͤt, sprießt wieder eine ganze Aehren, Worin die Koͤrner zwanzigfach, ja hundertfach sich wol vermehren. Es stekket in den Saamenkoͤrnern, so viel verborg- ne Wunderkraft Daß jedes kan mehr Aehren spriessen, wie man des Saamen Eigenschaft, Jn vielen Proben angesehn; Auf eines Halmen schlanken Stuͤzzen, Sieht man bisweilen hie und da, ein Buͤschel vie- ler Aehren sizzen, Man sieht dies an als seltne Proben der oͤfters spie- lenden Natur, Allein mit meines Geistes Augen, seh ich die Ehr- furchts-volle Spur Der Die wunderbahre Vermehrung des Getraides. Der wunderbahren GOttheit an, die uns darin den grossen Seegen Von seiner grossen Schoͤpfers-Kraft hat wollen vor die Augen legen. Man zaͤhle diese Saamenkoͤrner, die aus dem einz- gen Korn entstehn: Man streu dieselben in die Aekker; so wird man sie vermehret sehn. Man saͤe diese grosse Zahl was wird man nicht in zwanzig Jahren, Fuͤr eine aufgehaͤufte Meng aus einem einzgen Korn ersparen. Und welch ein Hauffe wird erwachsen, wenn man sie wiederum aussaͤt: Und damit tausend Jahr und druͤber in seinen Rech- nungen fortgeht. Da stuzt der ganz verschlungne Sinn, bei einem ungeheuren Hauffen Von Koͤrnern die doch insgesamt, aus einen Korn hervor gelauffen. Die Zahl steigt ins Unendliche, es faßt sie keine Zieffer mehr, Man sieht von vielen Millionen ein aufgehaͤuftes Zahlenheer. Das Auge des Verstandes merkt, bey dem fast schwindelnden Gedanken, Die GOttheit habe ihn gezeigt: Es sey ein Wesen ohne Schranken Das kein Begrif kan uͤbersehen, und keine Den- kungskraft erreicht, Auch so wie sie sich in Geschoͤpfen des Reiches der Natur gezeigt; O! unermeßlich All! O! GOtt! du bist ein ewger Geist zu nennen Den Die wunderbahre Vermehrung des Getraides. Den wir in Unvollkommenheit, nur blos allein be- wundern koͤnnen. Wir denken an des Abgrunds Tieffen, die unsern Geist in dich verschlingt, Den die Unendlichkeit betaͤubet mit Ehrfurcht gleich zuruͤkke bringt Wir lassen diesen Ausspruch hoͤrn: Wer wird sich noch wol traͤumen lassen Ein Wesen das unendlich ist, in der Vernunft Be- zirk zu fassen. Jhr Narren die ihr dieses wollet, und euch zu sei- nen Tieffen wagt, Bedenket eh ihrs euch erkuͤhnet, was weislich ein Apostel Paulus im Brieffe an die Roͤmer c. XI. 33. sagt: Berechnet mir zuerst die Zahl der Koͤrner, die aus einem spriessen, Nach einen angenomnen Saz, so wie sie sich ver- mehren muͤssen, So lange als das Feld gebluͤhet; so lang die Frucht des Akkers reift: Jhr sagt: Wer kan die Zahlen fassen, sie sind zu gros, zu sehr gehaͤuft: Wollan! wie waget ihr euch denn, aus Thorheit die sich selbst vergessen, Des Schoͤpfers unermeßne Groͤs, die doch unend- lich auszumessen. Zweyter Theil. R Daß Die unerkandte Wollthat GOttes. Daß die Wollthat GOttes, die er uns bei der Erndte bewiesen, vie- len eine unerkandte Wollthat sey. A ls ich zur Erndte-Zeit der Fel- der reiffe Lust, Zur Weide des Gemuͤths, in vorgen Jahr beschaute, Ergoͤzte sich das Herz in der bewegten Brust, Als ich den Landman sah, wie er die Garben haute. Der Halmen dichte Saat, die voller Aehren hing, Und von der Koͤrner Last sich fast zu Boden lenkte, Schien wie ein wallend Meer, nach dem der Luft- Hauch ging, Der in gar sanften Zug sich durch die Aehren dreng- te. Der Siecheln blanker Strahl, worauf die Sonne fiel, Von starker Schnitter Hand, bald so bald so re- gieret, Erwekte durch den Blik mir manches Sinnenspiel: Doch ward ich allemahl dadurch zu GOtt gefuͤh- ret. Die Andacht regte sich, bei diesem Seegensblik, Die Felder schienen mir gleich aufgeschlagnen Blaͤt- tern Jch Die unerkandte Wollthat GOttes. Jch laß des Schoͤpfers Groͤs auf jedem Akkerstuͤk; Die Halmen dienten mir stat der geschriebnen Let- tern. Jch fand hier uͤberall, im Lesen nur allein: Der dieses Feld gebaut, erfuͤllt mit Frucht und Saa- men, Daß muß ein grosser HErr voll Guͤt, Macht, Weis- heit seyn, Ein grosser Jehovah, ein GOtt von grossen Nah- men. Mein Mensche denke nur, was thut ein Akkers- mann: Er saͤt den Saamen aus, verscharrt ihn in die Er- de, Wer giebt die Treibekraft, die er nicht geben kan, Daß Korn in ihren Schoos ersterbend fruchtbar werde? Betrachte dieses nur: So gleich erblikkest du: Es muß ein solcher seyn, von dem das her entsprin- get: Und giebest du mir dies, als eine Warheit zu; So frage wer ist es, der uns die Fruͤchte bringet? Da zeigt der Schoͤpfer sich an seiner Kreatur, Mit seiner Herrlichkeit, die man bewundernd mer- ket: Man sehe nur ins Feld des Reiches der Natur: So wird man davon gleich auf manche Art bestaͤr- ket. So wie der Schein bezeugt, der Sonnen guͤldne Zier, Wenn ihre Fenerkraft uns in die Augen strahlet; So strahlt auch GOttes Groͤs durch jedes Feld herfuͤr, Das seine Herrlichkeit uns vor die Augen mahlet. R 2 Wie Die unerkandte Wollthat GOttes. Wie wunderbar ist es, wenn man ein Koͤrnchen sieht, Daß durch den Nahrungssaft sich auseinander schliesset, Jn einem schlanken Halm durch seinen Boden zieht, Und in der Aehren-Kopf zu vielen Koͤrnern spriesset! Muß man die weise Macht nicht daran sichtbahr sehn, Wenn man nur aufmerksam dies alles uͤberdenket? Muß man nicht Ehrfurchtsvoll und uͤberzeugt ge- stehn, Daß GOtt uns nur allein der Felder Frucht ge- schenket? Die ewge Guͤtigkeit, die das was lebt, ernaͤhrt, Die uͤberschuͤttet uns mit Seegensreichen Halmen, Drum Menschen danket dem, der euch dies hat be- schert, Mit Herzen und mit Mund, preißt ihn mit Lob und Psalmen. Allein so sichtbahrlich das Seegensreiche Feld Den Brunnen alles Guts den Schoͤpfer abgedruͤk- ket; So deutlich er darauf sein Daseyn vorgestellt; So wird er dennoch nicht wie sichs gebuͤhrt, erblik- ket. Man sieht gemeiniglich die Feldfrucht darum an, Ob ihre Koͤrner schon in denen Aehren reiffen: Und ist dies erst geschehn; so geht der Akkersman Die fette Halmenfrucht in Mandeln aufzuhaͤuffen. Er denkt, daß komme her von seinem sauren Schweis Den er beim Akkerbau, bei vieler Muͤh vergos- sen: Die Halmen waͤren nur von seinem regen Fleis, Und Die unerkandte Wollthat GOttes. Und blos durch seine Saat, durch seine Hand ent- sprossen. Die Unempfindlichkeit, als der Gewohnheits Kind, Zeigt sich zur Erndte-Zeit wenn man das Feld be- trachtet; Da sieht man offtermahls, wie unachtsam, wie blind, Man selbsten in Geschoͤpf den grossen GOtt ver- achtet. Der Schnitter muntre Schaar, wird recht dadurch ergoͤtzt, Wenn sie das guͤldne Feld mit schweren Aehren sie- het; Sie ziehet freudig aus, die Sicheln sind gewetzt, Damit die schlanke Faust die Halmen nieder zie- het. Das ganze Feld erthoͤnt vom jauchzenden Geschrei, Das an der Berge Hoͤh vergnuͤglich wiederhallet: Allein man hoͤre nur, was doch der Jnhalt sey Der Lieder, deren Thon bald hie, bald da er- schallet: So ist es leider offt ein wilder Jubel-Klang, Ein suͤndlich Buhlenlied, ein quaksendes Gewaͤsche; Ein lallendes Gethoͤn, und ein verwirrt Gesang, Nach Art der sumpfigten in Koth versteckten Froͤsche. Man singt und Jubilirt aus einer eitlen Lust, Da das erhizte Blut von Sonnenglanz entzuͤndet; Es fuͤhlet ihren Trieb die aufgewallte Brust; Weil man zur Erndte-Zeit dan wieder Nahrung fin- det. Man lacht und scherzet nur nach Weltgesinnter Art; Weil man bekraͤnzet ist, als wie am Hochzeits- Tage: Und weil der Landmann nichts an guter Nahrung spart; R 3 So Die unerkandte Wollthat GOttes. So wird die Lustbarkeit, die Wuͤrze saurer Plage. Jch schweige billig hier von andrer Ueppigkeit Die auf den Feldern wird zur Erndte-Zeit begangen, Und was die Wollust da vor Schlummer-Koͤrner straͤut, Der eitlen Jugend Herz ins geile Nez zufangen. Heist das nicht undankbahr; wenn GOtt uns Ga- ben giebt Der Suͤnd und Eitelkeit das Herze einzuweihen? Wie schaͤndlich ist es nicht, wenn ein Kind dem be- truͤbt, Der es nach Vaterguͤt mit Gaben will erfreuen? Wer in dem Heiligthum vor GOttes Angesicht, Da stille Andacht wohnt, den frechen Lastern froͤh- net, Der scheuet keinen GOtt und ist ein Boͤsewicht Weil er der Gottheit lacht; und ihr Gesez ver- hoͤhnet: Der Felder Heiligthum, der Tempel der Natur, Lehrt GOttes Gegenwart, und die muß uns ver- binden, Des Schoͤpfers Herrligkeit, an seiner Kreatur Mit Ehrfurcht anzusehn, mit Andacht zu empfin- den. Der Halmen schlanke Meng, die strekt sich Him- mel an, Und zeigt uns Fingern gleich, daß der im Himmel wohne, Der uns erhalten will, und auch erhalten kan, Jm Himmel wo er herscht auf seinem lichten Throne. Und dennoch finden wir, daß viele nur ihr Herz, An eine reiche Erndt, als ihren Abgott hangen, Und bei dem innren Gram und den gesuchten Schmerz, Des Die unerkandte Wollthat GOttes. Des Geizes, mit dem Korn, als einen Goͤzen pragen. Heist das wol dankbar seyn, wenn man des Hoͤch- sten Guͤt Zum boͤsen Zwekke kehrt, zur Eitelkeit anwendet, Und sein verdorbenes, unartiges Gemuͤt, Das GOtt durch Gaben lokt, dem Satan doch verpfaͤndet? Die Erndte wenn sie reich; macht viele gar zu satt, Daß sie dem Geber offt und ihre Pflicht vergessen; Daß sie nicht eingedenk, wer es gegeben hat, Was sie ganz unachtsam ohn Dankbegier auffres- sen. Bewahre uns o! HErr! vor der Undankbarkeit, Laß mich bei iedem Korn das uns ernaͤhrt, erwe- gen; Und wenn der Weizentrank das Herz labt und er- freut, Daß wir im Brodt und Trank geniessen deinen Seegen! So seh und schmekke ich daß du sehr freundlich bist, So eß und trinke ich, als einem Mensch gebuͤhret: Wer aber ißt und trinkt, und dabei GOtt ver- gißt, Der lebet als ein Schwein, das keine Wolthat spuͤ- ret. R 4 Die Die Stimme GOttes im Donner. Die Stimme GOttes im Donner. Ps. XXIX. 3. 4. Der GOtt der Ehren donnert. Die Stimme des HErrn gehet mit Macht; die Stimme des HErrn geht herr- lich. D er rege Kreis der schwuͤlen Luͤfte, Wodurch die Sonne feurig gluͤht, Verschlingt in seinem Raum die Duͤfte, Die Licht und Strahl zur Hoͤhe zieht, Des grossen Lichtes blitzend Flam- men Lokt aus der Erden Schoos zusammen, Den Schwefel-Dunst der darin liegt: Der durch die Waͤrme los gezogen, Als leichter Stof zum blauen Bogen, Zur duͤnn gewebten Hoͤhe fliegt. D ie Wolken die zusammen rennen, Beschwaͤrzen ienen Oberkreis; Der Schweffel faͤnget an zu brennen Auf seines Schoͤpfers Machtgeheis. Die fuͤrchterliche Welt die zittert, Dieweil die Luft so drohend wittert, Sie siehet auf der duͤstren Bahn, Des Hoͤchsten schnellen Wolken Wagen, Noch Die Stimme GOttes im Donner. Noch eh er rasselt, schon mit Zagen, Als eines Wetters Vortrab an. D er HErr erscheint in seinem Grimme, Des schnellen Blizzes Feuerstrahl Entzuͤndet sich, und GOttes Stimme Erschuͤttert Berge, Wald und Thal. Auf eine fuͤrchterliche Stille, Enthoͤnnt des Donners stark Gebruͤlle Und rollet durch den schwarzen Dufft: Der Bliz verkuͤndigt wieder Schlaͤge, So bald ist alles wieder rege, Jn dem zerborstnen Schlauch der Lufft. D a Bliz auf blizzen Knall auf knallen, Erbebt des Himmels Firmament, Das durch des Feuers fliessend Wallen, Gleichsam in lichten Flammen brennt: Es sprudeln die entglomnen Guͤsse, Der Schweffel schwangren Wolken-Fluͤsse Und gehn entsezlich hin und her, Es zischt und pfeift mit dem Geheule, Es flattern die gestrahlten Pfeile, Noch aus dem feurgen Schweffel-Meer. D ie Lufft wird dadurch ausgedehnet, Und schnell bewegt und fort gedruͤkt: Der Donner rasselt und erthoͤnet, Davor die ganze Welt erschrikt. Der Berge starre Fuͤsse beben, Als wolten sie sich weiter heben; Der Meereswellen Wirbel-Fluht Faͤngt bei des Himmels grausen Stuͤrmen, R 5 Er- Die Stimme GOttes im Donner. Erschreklich an, sich auf zu thuͤrmen, Und schaͤumt bei des Gewitters Wuth. E s wanken die besaamten Felder, Dadurch der Blizzen Schrekstrahl faͤhrt, Es krachen die belaubten Waͤlder; Als wuͤrden sie ganz umgekehrt, Ein Strahl faͤhrt aus, durchstreicht die Eichen, Da liegt der Gipfel mit Gestraͤuchen, Und schlaͤgt bei einem tauben Knall Den nahen Tannenbaum darnieder, Und der faͤllt auf die Buͤche wieder, Die das Gestraͤuch zerbricht im Fall. D er Espenbaum der immer zittert, Wenn sich ein leichter Wind erregt, Der rauschet da der Wald erschuͤttert, Sein Laub wird zwiefach schnell bewegt. Die Blaͤtter an den Hasenpappeln, Die fangen gleichsam an zu zappeln, Wenn der gerollte Donner kracht, Da Schlag auf Schlag ganz knatternd schallet, Der in den Gipfeln wiederhallet, Dadurch sein Schrekken groͤsser macht. D ie schwarze Lufft die voller Hitze Blaͤßt aus den dunklen Pful stets aus Dies schuͤtternd Strahlen-Heer der Blitze, Das schnell als Schlagen foͤrmig, kraus, Jn schlingender Bewegung brennet, Und ploͤtzlich wieder ruͤckwerts rennet. So gleich verschliesset sich der Schlund; Doch da die heissen Dunkelheiten, Noch Die Stimme GOttes im Donner. Noch immer mit einander streiten; So speit ihr Feuerreiche Mund. D er Nachklang komt von den Carthaunen Die graͤßlich in die Ohren gehn; Das sind der Hoͤchsten Macht Posaunen Und der Gerechtigkeit Gethoͤn: Vor diesen harten Donner-Knallen, Sieht man hier Mauren zitternd fallen; Da dort ein schlanker Thurm sich regt: Dort sinkt ein Haus mit seinen Seulen Das Bliz und Donner wie mit Keilen Durch die Erschuͤttrung niederschlaͤgt. E s sprengen sich die hellen Faͤcher Der Fenster, wenn der Donner thoͤnt; Es plazzen hie die Ziegeldaͤcher, Da Wind und Luft so schreklich droͤhnt. Dort geht ein Strohdach auf in Flammen, Die aus den Schweffelduͤnsten stammen, Und leichtlich in Entzuͤndung gehn; Da laͤst der Guß der strengen Blizze, Sich um der hohen Thuͤrmer Spizze, Mit graͤßlich blauen Strahlen sehn. V on der Gewalt der Elemente, Zerschellt der Fels, zerschmelzt das Erz; Die Menschen glauben alles brennte, Es bebt davor ihr feiges Herz. Die Zungen kleben an dem Gaume, Es schwindelt, wie in bangen Traume, Der durch den Schall betaͤubter Wiz, Es heben sich die Augenlieder, Sie Die Stimme GOttes im Donner. Sie wanken, schliessen sich gleich wieder, Bei einem ausgefahrnen Bliz. D ie Bosheit die bestaͤndig fluchet, Mit Donner, Bliz und Hagel droht, Wird aͤngstlich from und kirr, sie suchet, Wie sie entflieh den nahen Tod; Das Felsen-Herz das muß erweichen, Bei solchen harten Donnerstreichen, Das wie ein weiches Wachs zerrint. Es starren ob den strengen Scheine, Der Ohnmacht nah, der Frevler Beine, Sie lernen daß sie Suͤnder sind. D a faͤngt der Richter an zu pochen, Der donnernd durchs Gewissen spricht; Und zeigt was ihre Lust verbrochen, Die sonst der Ehrfurcht Riegel bricht. Da muͤssen sie mit Schrekken hoͤren, Es sei ein GOtt der zu verehren, Die Warheit die sie sonst verlacht. Da lernen sie den anzubeten, Der durch so schrekliche Trompeten, Sich als ein Herrscher kund gemacht. D a hoͤrt man, wenn des Hoͤchsten Wagen, Der Donner durch die Luͤfte faͤhrt, Wie jeder seufzt mit bangen Klagen, Und im Gebet zum Schoͤpfer kehrt. Durch seines Grimmes Schrekkenskeile, Entsteht ein jaͤmmerlich Gehaͤule Da jeder um Erbarmung ruft; Weil die erblaßten Angesichter, Beim Die Stimme GOttes im Donner. Beim Schein der vielen Schwefellichter, Eroͤfnet sehn, der Hoͤllen Kluft. J hr Frevler! tolle Himmelsstuͤrmer! Wie seid ihr nunmehr so verzagt; Wie ruft ihr nun zu dem Beschirmer, Darnach ihr sonst gar nichts gefragt? Jhr hoͤrt die Schrekkens-Donner rollen, Und glaͤubt, was ihr nicht glauben wollen, Es sei ein starker Zebaoth Jhr spuͤrt den Dampf aus seinen Nasen, Da die Gewitter schreklich rasen: Nun sagt ihr: Ach! es ist ein GOtt. E s ist ein GOtt, weil seine Stimme, Erstaunend ins Gehoͤre dringt; Und bei des Blizzens schnellen Grimme, Jn Feld, im Wald und Thaͤlern klingt. Es ist ein GOtt! er ist zu merken, An dem entflammten Feuerwerken Die ihm zu Ehren angebrandt, Er zeiget durch des Luftkreis Toben, Daß ihm die Elemente loben, Die Werke seiner Allmachts Hand. D ie schnelle Wirkung in Gewittern, Lehrt uns, daß er allmaͤchtig sey, Auf dessen Wink die Felsen splittern, Die staͤrksten Mauren gehn entzwei. So bald sein Bliz sich nur entzuͤndet, Sich wie die Feuerschlangen windet. Zerschmelzt des Eisens Festigkeit, Durchdringt der Baͤume harte Roͤhren: Und Die Stimme GOttes im Donner. Und laͤst uns in den Donner hoͤren, GOtt ist ein GOtt der Herrlichkeit. E s schlaͤgt die Flamme in die Haͤuser Und ihre Riegel stehn in Glut, Und brennen wie die duͤrren Reiser, Jn ausgegoßner Feuer-Flut. Des Schweffels streng bewegte Duͤfte, Entziehn der Nasen ihre Luͤfte; So starrt der Puls verstokter Lauf, Das Herze wird geschwind umklemmet, So gleich ist dessen Schlag gehemmet, Da giebt der Mensch den Geist schon auf. J m Augenblik ist sein Gebeine Zermalmet, die der Bliz versengt, Und bei den kaum entglomnen Scheine, Wie Faͤserchen zertheilt, zersprengt; Die Haͤute als die aͤusren Dekken, Worin die starken Knochen stekken, Sind unverlezzet anzusehn. So machet GOttes Zorn-Gerichte, Jm Bliz und Donner sie zunichte, Wie vielmahl ist das nicht geschehn? W as hoͤret ihr in dem Geruͤchte, Das von des Blizzes Wuͤrkung schreit? Was sehet ihr? ein Schrekgesichte Der goͤttlichen Gerechtigkeit: Der HErr giebt uns durch dieses Brennen Den starken Eifer zu erkennen, Damit er als ein Zebaoth, Die Bosheit schrekt, die Spoͤtter lehret, Den Die Stimme GOttes im Donner. Den Frevler straft, der ihn nicht hoͤret, Wenn er in sanfter Warnung droht. O ! sagt es mir, ihr tollen Spoͤtter, Warum ihr, wenn es kracht und knallt, Bei dem ergrimmten Bliz und Wetter, So furchtsam gleich zu Boden fallt; Jhr wolt von keinen Schoͤpfer wissen, Nach eures albern Wizzes Schluͤssen, Und dennoch, wenn der Donner bruͤllt, Der Strahl durch dikke Wolken schiesset, Von Morgen bis zum Abend fliesset, Jst euer Herz mit Angst erfuͤllt. E in Nero Suetonius in dem Leben des Kaisers Nero. der GOtt nicht gescheuet Und sein Gerichte ausgelacht: Erzittert, wenn sein Donner dreuet, Und wird doch dadurch bang gemacht. Er must aus Angst den Kopf verhuͤllen, Wenn er nur sah die Wolken schwillen; Und wenn die Wetters Stimme kam, So must er sich aus Furcht verstekken, Das Haupt mit dikken Polstern dekken; So wurde dieser Wuͤttrich zahm. S o geht es allen frevlen Seelen, Der Donner dringt in sie hinein, Und lernet sie mit bangen Quaͤlen, Es muß ein GOtt und Richter seyn. Ein HErr, ein Koͤnig aller Welten, Vor dessen Zorn und grimmgen Schelten, Die Die Stimme GOttes im Donner. Die Koͤnige der Erden fliehn, Vor dessen Arm vor dessen Plagen, Die groͤste Macht die Heeres Wagen, So gleich von ihren Kampfplaz ziehn. D er Donner lehrt daß Himmel, Erde, Dem ewgen Schoͤpfer unterthan, Und daß sich keiner finden werde, Der sich ihm wiedersezzen kan. Er kan so bald bei seinen Wittern, Der Fuͤrsten starke Burg erschuͤttern, Als er der Niedren Zelt zerschmeist; Er kan so leicht durch flammend Brennen, Pallaͤste von einander trennen, Als er ein leimern Haus zerreist. E r kan so bald ein Heer zerschellen, Als einen der alleine geht, Er kan so bald den Starken faͤllen, Als der auf schwachen Fuͤssen steht. Es muͤssen Cedern vor ihm weichen, Und die bemoosten starken Eichen, Zersplittert er durch einem Hauch; Der Loͤw erstikt vor seinen Flammen, Ja! alle Kreatur zusammen, Zergeht in seinem Schweffelrauch. G Ott ist es der die Luft regieret, Und seinen Donner rollend lenkt, Dahin in seinem Fluge fuͤhret, Wohin sein Allmachts Wink gedenkt. Er muß auf seinen Wink entstehen, Fort rollen, wiederum vergehen: So Die Stimme GOttes im Donner. So bald sein Wille es gebeut, Wie? koͤnnen wir nicht daraus lehren, Wenn wir die Donnersstimme hoͤren: Daß GOtt ein HErr der Herrlichkeit? V on Furcht und Angst beklomne From- men, Ermuntert euch und bebet nicht, Wenn schroͤkliche Gewitter kommen, Weil GOtt zu euch in Gnaden spricht. Der HErr bleibt doch in seinem Wetter, Eur Schild und Schirm, und eur Erretter, Und wenn sein Bliz ja! einen faßt, So wird der Geist im feurgen Wagen, Zum Siz der Ewigkeit getragen, So bald der Koͤrper stikt, erblaßt. L ernt Jhn auch bei dem Donner lieben: Denn wenn sein schaubend Wetter kracht; So duͤrfet ihr euch nicht betruͤben; Weil euch sein Antliz stets anlacht. Wie bringt das Wetter vielen Schaden; So ist es auch ein Bild der Gnaden. Der Donner und des Blizzens Grimm, Laͤst uns das weiseste Regieren, Des Schoͤpfers stets zum Besten spuͤren, Und ist auch eine Gnadenstimm. W ie viele werden nicht bekehret, Erwekt aus ihrer Sicherheit, Wenn man den Donner bruͤllen hoͤret, Den Blizzen sieht, der Flammen speit? Und laͤst er seine Strahlen schiessen, So trift er dadurch manch Gewissen, Zweyter Theil. S Ruͤhrt Die Stimme GOttes im Donner. Ruͤhrt es zur seelgen Aenderung; So kan die Weisheit Donner, Blizzen Zur Wollfahrt derer Suͤnder nuͤzzen, Zu ihrer Seelen Besserung. D ie ewigen Vollkommenheiten, Die Strahlen seiner Majestaͤt Die werden alle Jahres-Zeiten Jm Reiche der Natur erhoͤht. Auch seine Weisheit ist zu sehen, Wenn Blizzen scheinen, Donner gehen Weil diese Stimmen seiner Macht, Das Zeughaus worin seine Waffen, Die boͤse Welt im Grim zu straffen, Zu unsern Nuz auch ausgedacht. D er Donner muß den Kreis der Luͤfte Reinigen, der Schweffel naͤhrt; Zertheilet er die boͤsen Duͤfte; So wird ein Regen uns beschert, Der alles das erquikkend kuͤhlet, Was lechzend, heisse Duͤrre fuͤhlet; Der Donner muß mit seinen Knall, Die Duͤnste aus den Wolken bringen, Die Felder lukker machen, duͤngen: Er nuͤzt also dem Erden-Ball. W ir wuͤrden viele Gnadengaben, Jm Reiche der Natur entbehrn, Die unsern Koͤrper reichlich laben, Bei dem Erquikken auch ernaͤhrn, Wenn nicht die feurgen Witterungen, So wunderbare Aenderungen Jn Die Stimme GOttes im Donner. Jn Luft und Erde eingedruͤkt, Es wird dadurch die Luft erreget, Die was sie nahrhaft in sich heget, Alsdenn im Schwung zur Erde schikt. W ir wuͤrden in viel schweren Seuchen, Die aus der boͤsen Luft entstehn, Mit enger Brust schwindsuͤchtig keichen, Erkranken und wol gar vergehn, Wenn nicht von seiner Schweffelbuͤrde, Die truͤbe Luft gesaͤubert wuͤrde, Die uns stets frischen Odem haucht: Die Weisheit laͤst in den Gewittern, Den Luftkreis wallen und erschuͤttern, Dadurch der boͤse Dunst verraucht. E s folgt darauf ein milder Regen, Ein fettes und begeistert Naß, Und traͤuffelt seinen reichen Seegen, Auf Saaten, Fruͤchte, Klee und Gras. Der Donnerstrahl muß in den Kreisen Der hohen Luft vergehn, und weisen, Wie GOtt im Grim auch guͤtig sey; Es muß der Bliz ohn anzubrennen, Sich in den weiten Raum zertrennen, Die Erd, bleibt von Entzuͤndung frei. D ie Sonne zeigt mit ihrem Bilde, Den Gnadenstrahl der Guͤte Schein, Auf den bewaͤsserten Gefilde, Und floͤßt uns die Gedanken ein: Das ewge Wesen ist die Liebe, Und zeigt uns seine Vater-Triebe, S 2 Die Die Stimme GOttes im Donner. Die Treue und Erbarmung an, Er dekket uns mit seinen Fluͤgeln, Wenn er die Wolken will entrigeln, Daß uns kein Wetter schaden kan. E s wachsen bei den strengen Schlossen, Der drohenden Gerechtigkeit, Dennoch die reichen Seegens-Sprossen, Jn einer schwuͤlen Sommerszeit. Drum koͤnnen wir ohn aͤngstlich Grauen, Jm Wetter seiner Guͤte trauen, Er ist der Frommen Schild und Lohn, Und oͤfnen sich die Ruͤstungskammern, So hoͤrn sie, wenn die Boͤsen jammern, Der ewgen Liebe Gnadenthon. J hr Menschen! laßt das bange Schrekken, Das des Gewitters Stimm erregt, Bei euch das Herz zur Bus erwekken, Und denkt daß GOttes Stunde schlaͤgt; Hoͤrt in den Donner solche Glokken, Die euch zur wahren Busse lokken, Erinnert euch den Donnerschlag, Auf dessen schmetterndes Erschallen, Dreinst Himmel, Erde bebend fallen: Denn kommt der Dinge juͤngster Tag. D enn werdet ihr die Stimme hoͤren, Kommt Menschen! kommt nun zum Gericht, Denn sehet ihr in Engel-Choͤren, Den Richter, der eur Grab zerbricht. O! woll euch! wenn ihr glaͤubig sehet, Den Heiland, eh die Welt vergehet: So Die Stimme GOttes im Donner. So werdet ihr mit Freudigkeit, Dereinsten ihn in Glanz erblikken, Verklaͤret ihn entgegen ruͤkken, Bereitet euch auf diese Zeit. Die selten bluͤhende Aloe . D as praͤchtige Gewaͤchs, die seltne Aloe, Schlingt sich bewunderns-werth, zu einer solchen Hoͤh, Als keine Pflanze thut, und ihre rare Bluͤte, Zeigt manches Sinnenbild, dem forschenden Ge- muͤte. Sie waͤchset eigentlich in einem fremden Land Jm heissen Africa, allwo der Sonnenbrand Viel feuriger als hie in unsrer Gegend gluͤhet, Der eine Aloe zu seiner Hoͤhe ziehet. Man findet sie auch da, in jener neuen Welt, Die man vors reichste Theil des Erden-Kreises haͤlt: Allwo sie nuzbar ist; wo sie zum frohen Leben, Kan Kleidung, Nahrung, Haus, und was man braucht hergeben. Der dikke Stamm reicht Holz zu einer Huͤtte dar. S 3 Die Die selten bluͤhende Aloe. Die Blaͤtter geben Scheu, die Faͤdgen geben gar, Wie Woll und Flachs bei uns, die allerschoͤnsten Dekken, Worin die Mohren sich, als in ein Kleid verstek- ken. Die Stacheln die daran, sind denen Nageln gleich: Es ist die Aloe von schoͤnen Saͤften reich Daraus entsteht ein Wein; aus dessen Suͤßigkeiten, Auch wenn sie klebricht hart, ein Zukker herzulei- ten; Der Saft wird durch die Sonn, zum Eßig-Trank gemacht, Da aus der Suͤßigkeit ein Saur herfuͤrgebracht. Die Wurzeln dienen da mit ihren langen Straͤn- gen, Wie Strikke die man braucht, zum Binden, zum Gehaͤngen, Und andern Dingen mehr. Der hart und dikker Ast, Der in den Blaͤttern liegt, in ihr Geweb gefaßt, Giebt eine suͤsse Kost, durch ein gekochtes Gaͤhren, Womit die Mohren sich als einer Speise naͤhren. Wie Wundernswuͤrdig ist wenn man erwegt, be- denkt, Daß GOtt so vielerlei an einer Pflanze schenkt, Daß jene Wilden gnug, zur Kleidung, sich zu la- ben, Und mit der Aloe des Lebens Nothdurft haben! Der schoͤne Wunderbau, die wollgeorndte Pracht, Die diese Pflanze schmuͤkt, den Augen herrlich macht, Hat die Begierd erregt, daß sie in unsrer Erde, Als eine Seltenheit mit Kunst verpflanzet werde. Es ist der Kunst gegluͤkt. Man stellet ihre Zier, Jn Die selten bluͤhende Aloe. Jn Fuͤrsten Gaͤrten auf; allwo die Neubegier, Nach ihrer Bluͤthe hoft, die sie in langen Jahren, Wenn sie auch wol gepflegt, mit kurzer Lust erfah- ren. Des Stammes Untertheil ist schoͤn und Blaͤtter- reich, Die Blaͤtter sind sehr dik und lang als wie ein Zweig Und haͤngen um den Stam, bis an die Erde nieder, Der Stam geht in die Hoͤh woran nur hin und wieder Die zarten Sproͤslein gehn, bis daß der Kranz sich zeigt Da aus der jeden Seit ein schoͤnes Zweiglein steigt, Woraus die Bluͤte komt, die gruͤnlich gelbe Blu- me; Es sieht die Aloe fast wie im Heiligthume, Der guͤldne Leuchter aus, woran die Zweige stehn So wie ans Leuchters Schaft, die guͤldnen Ampeln gehn. Dies Wunder-voll Gewaͤchs, komt selten zu der Bluͤthe, Und darin sezzet man desselben Preis und Guͤte; Es traͤgt hie keine Frucht, und wenn es herrlich bluͤht, Und so viel Augen lokt, und gleichsam an sich zieht. So pflegen unteu erst, die Floren sich zu zeigen, Die denn so immer fort, bis zu der Spizze steigen. Und wenn sie ausgebluͤht, so falln die Blaͤtter ab, Wenn sie am schoͤnsten prangt; ist das Verwesungs- Grab Der Aloe bald da; die Stengel die vergehen, Die Herrlichkeit verfleugt die man zuvor gesehen. Was zeigt uns diese Frucht vor gute Lehren an, Wovon die Aloe ein Sinnbild geben kan? S 4 Mir Die selten bluͤhende Aloe. Mir deucht man kan daran dies zu der Lehre waͤh- len: So gehts wenn im Gemuͤt, durch viele Muͤh und Quaͤlen Sich in dem Stand begiebt, an einen Ort hin- wagt, Dazu man ungeschikt: Alda wird man geplagt: So wie die Aloe die Bluͤten zu erzwingen, Sie kommen endlich woll: Alleine Frucht zu brin- gen, Das geht gar selten an. Jn einem fremden Land, Allwo ihr Boden ist, ist ihre Bluͤt bekandt. Von Fruͤchten weis man nicht in unsern kalten Norden, Wo sie mit Kunst und Fleis sind hin versezzet wor- den, Die bringt sie an dem Ort, wo sie ist hinbestimmt, Jm Reiche der Natur. Wenn man dies Bildnis nimmt, So ist denselben gleich der sich so muß bequemen, Jn einer fremden Luft, Bedienung anzunehmen, Dazu er nicht geschikt, und von Natur geneigt: Es waͤhret lang genug, eh sich die Bluͤte zeigt, Die gute Hofnung giebt. Der Aloe ihr Prangen, Jst herrlich; ob daran gleich keine Fruͤchte hangen. Jhr gleicht ein solcher Mensch der in dem Christen- thum, Nach dem Erkenntnis schoͤn: allein desselben Ruhm Wenn man die Fruͤchte sucht, in seinen ganzen Le- ben, Gewislich nicht verdient, ihn herrlich zu erheben. Die Aloe die bluͤht, wenn sie des Gaͤrtners Fleis, Mit vieler Sorgfalt, Muͤh, bei seinem sauren Schweis. Be- Die selten bluͤhende Aloe. Bestaͤndig wartet, pflegt: Ein Suͤnder giebt im- gleichen, Nach einer langen Zeit, vielleicht noch Beßrungs- Zeichen. Der Heiland ist bemuͤht um seinen Gnadenstand, So wie ein Gaͤrtner thut; Er sezt in gutes Land Den unfruchtbahren Baum, er suchet ihn mit See- gen, Zu seiner Fruchtbringung aufs Beste zu verpflegen. Doch wie die Aloe nach vielen Jahren bluͤht, Jn ihrer Bluͤte welkt; so ist ein solch Gemuͤth, Es zeigt die Beßrung erst bei seinen hohen Jahren, Es will erst fruchtbahr seyn, bei seinen grauen Haaren: Da scheint es endlich noch, er wolle sich bekehrn, Er wolle noch zulezt den wahren Schoͤpfer ehrn: Dem Naͤchsten seine Pflicht wie sichs gebuͤhrt, er- weisen, Und seines Gaͤrtners Fleis in guten Fruͤchten prei- sen. Er faͤnget an zu bluͤhn! allein nur kurze Zeit, Wenn sich die Welt bei ihm auf gute Fruͤchte frent: So muß er ploͤzlich drauf, im Bluͤhen untergehen, Wie eine Aloe; so ists mit ihm geschehen. Ein jeder der hier noch im Reich der Gnaden lebt, Den des Erloͤsers Treu, wie einen Baum um- graͤbt, Beduͤnget, fruchtbahr macht, der bring bei Zeiten Fruͤchte, Sonst faͤllt er noch zulezt, ins schwere Zorn-Ge- richte. Die Die Welt ein Land der Eitelkeit. Die Welt ein Land der Eitelkeit. W er diese Welt ansieht, das Haupt Geschoͤpf erweget, Den Menschen und sein Thun sich recht vor Augen leget, Der findet alsobald, wie wahr der Koͤnig Salomo im Prediger Buche c. 1. sagt Der ihre Eitelkeit in seiner Schrift beklagt. Der Erden Wunderbau ist herrlich ausgezieret, Den eine ewge Macht nach weisen Rath regieret, Zur Wohnung und zur Lust ist er bequem gemacht, Und zur Ergoͤzlichkeit fuͤr uns recht ausgedacht. Die Sinnen finden hier die allerschoͤnste Weide, Die Augen sehen stets Gelegenheit zur Freude, Das Ohr das wird erquikt durch manchen Zauber- klang, Durch einen lieblichen vermischten Lustgesang, Wenn in der Fruͤhlings-Zeit, im Sommer ganze Schaaren, Von Voͤgeln in der Luft mit hellen Stimmen fah- ren. Der suͤsse Blumen-Duft, der in den Luͤften fliegt, Vergnuͤget das Gehirn, wenn man denselben riecht. Die Zunge labet sich an saftig suͤssen Fruͤchten, Und buͤssen ihre Lust an mancherlei Gerichten. Allein so reizend schoͤn, dies unsern Sinnen ist; So bleibet dennoch wahr, was man im Worte liest. Das Die Welt ein Land der Eitelkeit. Das GOttes Geist geredt: Man kan das eitle Wesen, An jeder Kreatur, an jedem Dinge lesen. Es ist die Welt ein Land das voller Eitelkeit, Warum? es fehlt uns hier Ruh und Zufriedenheit. Das Aug ist nimmer satt, es will in seinem Se- hen, Jemehr es immer sieht, doch immer weiter gehen. So gehts mit jedem Sinn, wenn er Vergnuͤgen schmekt So wird er nicht gestillt, vielmehr dadurch erwekt Und gleichsam angeflammt, dasjenige zu haben, Das da vermoͤgend ist die Seele recht zu laben. Ein jeder Mensche merkt im irdischen Gewuͤhl, Er komme in der Welt nicht zum erwuͤnschten Ziel, Er muͤsse immerfort, bei allen seinen Trachten, Dennoch in dem Genus nach hoͤhern Gute schmach- ten. Dies lehrt uns deutlich schon, es sey ohn allen Streit, Die Aendrungs-volle Welt ein Land der Eitelkeit. Dies wird noch deutlicher, wenn man bedachtsam siehet, Der Menschen ihr Geschaͤft, wornach man sich be- muͤhet. Der eine wuͤhlet stets in einem Element, Das die Vernunft mit Recht der Unruh Nahrung nennt; Er trachtet immerfort daß er mit blanker Erde, Mit einem gelben Koth ganz uͤberhaͤuffet werde. Er sammlet immer mehr, und wird doch nimmer satt, Er wuͤnschet immer mehr, wenn er genug schon hat. So Die Welt ein Land der Eitelkeit. So wie der Hauffe waͤchst; so waͤchset das Verlan- gen, Mit einem eitlen Koth, in dieser Welt zu prangen, Jst das nicht Eitelkeit? Jemehr der Geiz besizt, Jeweniger wird es zu seinem Wol genuͤzt, Er suchet seine Ruh, den Kummer zu besiegen, Und sammlet dennoch nur zu seinem Misvergnuͤ- gen. Die Armuth haͤuffet sich wenn sich sein Gut ver- mehrt, Weil man in Ueberflus ihn immer klagen hoͤrt: Ein solcher Erdenwurm, muß Koth mit Muͤh er- werben, Und plagt sich Lebenslang um misvergnuͤgt zu ster- ben. Ein andrer sieht die Welt, als einen Schauplaz an, Allwo der gluͤklich ist, der nur hoch sitzen kan, Er rennt mit Angst und Schweis, mit Kummer und Beschwerden, Nach einem Ehrenziel um nur geplagt zu werden. Ee greift nach eitlen Dunst, und merket in der Hoͤh, Er habe Woll gesucht, gefunden Angst und Weh, Er jagt den Schatten nach, der ihm in Glanz be- trogen, Und wenn er ihn erlangt; so ist der Schein verflo- gen. Er klimmet in die Hoͤh die er sich vorgestellt, Da merkt er, erst zu spaͤt, wie eitel diese Welt, Der Schwindel nimt ihn ein, er faͤnget an zu sin- ken, Und muß zu seinem Spott, oft als ein Kruͤppel hinken. Der Die Welt ein Land der Eitelkeit. Der dritte glaubt er sei vollkommen erst begluͤkt, Wenn ihn der Wollust Nez ins Labirinth gestrikt, Er rennet Tag und Nacht, ein Paradies zu fin- den, Er rennet immer zu nach Art der armen Blinden, Da ihn die Einbildung, als wie ein Jrrlicht fuͤhrt, Dem er so lange folgt, bis daß er sich verliehrt. Er kommt ins Paradies, geniesset seine Freude: Doch wenn ers recht besieht; so ist er auf der Weide, Worauf das Vieh sich naͤhrt, das da vergnuͤgt und satt, Allwo der Mensche nichts, zu seiner Nahrung hat. Er schmekt den Bitter-Klee und lernet auch erken- nen, Die Welt die muͤsse man kein Paradies mehr nen- nen. Wer hie auf Erden lebt, der muß sich stets be- muͤhn, Von aller Eitelkeit sein Herze abzuziehn, Die Dinge dieser Welt nach ihrer Ordnung brau- chen, Bei der Erinnerung, daß sie wie Dunst verrau- chen. Des Schoͤpfers weiser Zwek, will das wir gluͤk- lich seyn, Drum fuͤhrt er uns allhie ins Land der Pruͤfung ein, Da wir nebst Suͤßigkeit auch manches Bittre schmekken, Jn uns den regen Trieb zum Himmel zu erwek- ken. Wer diese Unterwelt, so wie man soll, beschaut. Der Die Welt ein Land der Eitelkeit. Der merkt, wie weislich sie, zu unsern Woll er- baut: Wir sollen was vergnuͤgt, und uns gefaͤllt empfin- den, Und dadurch die Begier zum Ewigen entzuͤnden. Drum muß bei Freude Leid, bei Lust auch Schmer- zen seyn, Bisweilen truͤbe Nacht, nach heitren Sonnenschein: Der Wechsel dienet uns, damit wir daraus lernen, Jn dieser Welt zu seyn, und sich der Welt entfer- nen. Was Was Leben heisse? Was Leben heisse? N icht alle leben auf der Erden, Die in die Welt gebohren werden, Die auf derselben Schauplaz stehn, Und wiederum von hinnen gehn. Der Ausspruch, wird wol mancher meinen, Jst ungegruͤndet, zu verneinen. Allein, die ihr also urtheilt Jhr schliesset warlich uͤbereilt. Jch will euch von den Menschen Leben, Die richtige Beschreibung geben: Der lebet wer sich auf der Welt, So wie sein Schoͤpfer will, verhaͤlt, Und die ihm aufgetragnen Pflichten, Jn Emßiakeit sucht zu verrichten. Wenn man des Schoͤpfers Zwek bedenkt, So ist das Leben uns geschenkt, Daß wir ihn auf der Welt betrachten, Und in Erkenntnis herrlich achten, Wir stehen im Gesellschafts-Band Und jeder muß nach seinem Stand, Den Neben-Menschen redlich lieben, Und sich im wahren Guten uͤben. Wir leben wenn wir uns bemuͤhn, Den Hindernissen zu entfliehn, Die Was Leben heisse? Die uns allhie im Wege stehen, Zum ewgen Leben einzugehen. Bedenket dies und saget mir, Wie viele sind im Welt-Revier, Die keine Lebenspflicht beweisen, Und als umsonst von dannen reisen. Sie sehen diese Welt nur an, Und haben darin nichts gethan: Drum wird das eine Warheit bleiben, Man kan auf ihre Graͤber schreiben: Seht Leser! todte Menschen an, Die wenig auf der Welt gethan, Und nichts mehr koͤnt ihr allhie lesen, Als daß sie lange da gewesen. Von der Geburt bis an die Bahr, Sind sechszig, siebzig, achzig Jahr Jn ihren Lauffe fast verstrichen; Und da sie wiederum verblichen, So ist wenn man gleich rechnet viel, Ein Tag ihr ganzes Lebens-Ziel. Die Die Gelegenheit. Die Gelegenheit . D as Beste an der schnellen Zeit, Die unvermerket uns verschwin- det Jst eben die Gelegenheit, Die man gar selten wieder findet. Die Zeit gleicht einem strengen Flus, Der mit den Tropfen weiter schiesset, Da in desselben regen Guß Bisweilen eine Perle fliesset. Wer solche nicht so gleich auffaͤngt, Wenn sie vor ihn voruͤber eilet, Der sieht, wenn ers hernach bedenkt, Daß er zu lange sich verweilet. Der Strom nimmt sie so gleich mit hin Und laͤsset im Voruͤbergehen, Den leicht zu fangenden Gewin, So bald, wol gar nicht wiedersehen. Der Zeitlauf gehet nicht zuruͤk, Und in dem Lauf der schnellen Stunde, Entstehet oft ein Augenblik, Und eine fluͤchtige Secunde Darinenn uns das Gluͤk anlacht, Wer alsdenn als ein Fauler traͤumet: Nimt es nicht aufmerksam in acht, Hat die Gelegenheit versaͤumet. Zweyter Theil. T Der Der groͤsseste Betrieger. Der groͤsseste Betrieger . D ie Welt ist voller List, bespannt mit Nez und Strikken, Ein Mensche suchet stets den andern zu beruͤkken, Man irrt nicht, wenn man sagt, daß die Betrie- gerei, Der Menschen groͤste Kunst und Haupt-Bemuͤhung sei: Doch in der grossen Zahl, die sich auf Trug befleis- sen, Kan ein Scheinheiliger, ein Erzbetrieger heissen. Jn dem er sich verstellt in falscher Froͤmmigkeit, Huͤllt er ein Wolfes Herz ins sanfte Schafeskleid, Jn dem er heilig prahlt, in Andacht feurig schei- net, Jm Herzen tuͤkkisch lacht, von aussen klaͤglich wei- net: So stellt er sich vor GOtt; als wie ein Frommer an, Der doch mit seinem Aug ins Herze sehen kan. Er meinet daß er ihm so gnaͤdiglich ansehen, Und so erkuͤhnt er sich, GOtt selbst zu hinterge- hen Der seine Tuͤkke sieht, und seine Falschheit kennt Der weiß wie kalt sein Herz, obgleich die Zunge brennt. Welch Der groͤsseste Betrieger. Welch schaͤndlicher Betrug! das Aug beruͤkken wollen, Dafuͤr wir Ehrfurchts-voll uns allzeit scheuen sol- len. Ein Heuchler, bildet uns, durch seinen aͤusren Schein, Er sei ein frommer Mensch der GOtt recht fuͤrch- te ein, Und er betriegt die Welt mit seinem eitlen Prahlen, Er ist ein Heiliger nur mit gemahlten Strahlen. Die Einbildung naͤhrt ihn, es saͤhe jederman, Jhn als den Heiligsten vom ersten Range an, Und jeder merket doch gar bald die Heuchler-Rolle, Die Wolfsklau zeiget sich auch durch die Schafes Wolle. Und er betriegt sich selbst indem er gar vermeint, Er sei ein Heiliger, wie er von aussen scheint, Der Hoͤchste werde ihn um seiner Andacht willen, Mit einen Seegensstrom das gierge Herze stillen. Er hoft und kriegt doch nichts; dieweil; der Zeba- oth, Den Heuchlern Ach und Weh! zum ewgen Flu- che droht. Und weil sie nicht recht warm, nur laulicht sind zu nennen, So speiet er sie aus, wird sie nicht lieben koͤnnen. So ist ein falscher Wahn, der aͤrgeste Betrug, Er will gesegnet seyn und wird zulezt zum Fluch: Mit einen Wort er sucht darin nur sein Vergnuͤgen Wie er moͤg GOtt und Welt, und auch sich selbst betriegen. Wer dieses recht bedenkt, der muß so gleich gestehn: Wer Heuchler sehen wird, muß Erzbetrieger sehn. T 2 Die Die wahre Froͤmmigkeit. Die wahre Froͤmmigkeit . V on Herzen allen Schein verfluchen, Und GOtt nur zu gefallen suchen, Den Naͤchsten lieben jederzeit; Jn Demuht und Gelassenheit, Des Schoͤpfers Ordnung Wink und Willen Mit wahrer Lieb und Lust erfuͤllen Und leiden was er auferlegt: Wer diese Eigenschaften hegt, Der kan mit recht ein Frommer heissen Und wer sich dabei wird befleissen Das Herz von Dingen dieser Welt, Und was dem Hoͤchsten misgefaͤllt, Wie sichs gebuͤhret, abzuziehen; Der wird durch redliches Bemuͤhen Jn seiner Kraft durch ihn bestehn, Und in das Himmelreich eingehn. Der Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Der durch die Guͤte GOttes erwekte Reid der Menschen oder: Der Mißbrauch der Guͤte GOt- tes der von einigen Blumen-Lieb- habern begangen wird. D ie Kinder der Natur, die Blumen kommen mir; So oft ich solche seh, als klare Zeu- gen fuͤr, Die wie mit einem Mund zum Ruhm des Schoͤpfers lehren: Er sei von uns als GOtt, das heist als gut zu ehren. Erweget sie nur recht ein aufmerksam Gemuͤth; So kommen sie uns vor, als Sprossen seiner Guͤt, Die er uns Hauffen-weis an allen Orten giebet, Weil er den Menschen hold, und sie als Kinder liebet. Die Blumen zeigen uns des Schoͤpfers Guͤtigkeit, Weil ihr gefaͤrbter Schmuk das Auge sehr erfreut; Die Menge zeiget uns wie sehr er uns gewogen, Weil er mit ihrer Zier Feld, Wiesen, Wald be- zogen, Die Gaͤrten ausgepuzt: indem das gruͤne Land, T 3 Mit Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Mit einem sammtnen Tuch von Graß gewirkt, be- spannt Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge- schmuͤkket, Mit Silberfarbnen Glanz recht kostbar ausgestik- ket, Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt, Woraus des Hoͤchsten Guͤt uns stets ins Auge strahlt. Der Schauplaz steht uns frei, daß wir die Lust geniessen, Die Duͤfte schenkt er uns, die ins Gehirne fliessen, Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit, Begierig in sich zieht zur holden Fruͤhlings-Zeit. Des Schoͤpfers Meinung ist, daß wir an seinen Gaben, Die jedem unverwehrt, so Aug als Herze laben: Und darum hat er auch in Wald und freien Feld, So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge- stellt. Die Menschen haben auch die Augen dran ergoͤz- zet, Und aus der fremden Welt sie hie und da versezzet, Und Gaͤrten angelegt, durch ihrer Lust Bemuͤhn, Der schoͤnsten Blumen Art vor sich selbst aufzu- ziehn. Da waͤhlen sie die aus, die sie als Koͤniginnen, Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen. Sie schaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der Fleis So mancherlei erzielt, die roth, gelb, gruͤn und weis; Und die vor andern schoͤn nach ihrer Meinung glaͤnzen; Die Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Die pflegen sie mit Ruhm vor andern zu bekraͤn- zen. Wird eine theur geacht; als eine Seltenheit: So muß des Hoͤchsten Guͤt den haͤmisch bittren Neid Gar oft Gelegenheit zu einer Suͤnde geben, Die schaͤndlich fuͤr uns ist, wenn wir als Menschen leben. Es ist bei einigen, die man Blumisten heist, Daß sie dieselbe Blum, die man als herrlich preißt, Nicht leichtlich einen Freund in seinen Garten goͤn- nen: Sie wollen nur davon sich als Besizzer nennen. Und wenn sie von der Art den groͤsten Ueberflus, So theilen sie doch nicht mit andern den Genus; Ein andrer sol sie nicht in seinem Garten haben, Und sich nicht an den Glanz, den man bewundert laben. Man wirft sie lieber weg, und laͤßt sie untergehn, Damit sie nur nicht auch bei andern sei zu sehn. Das ist der Mißgunst Art, der pflegt es zu ver- driessen, Wenn andere mit ihr ein gleiches Gut geniessen; Jch weis die Neidischen, die wenden dabei ein, Sonst wuͤrde ihre Blum und Schoͤnheit zu gemein. Was schoͤn ist bleibet schoͤn, und kan uns doch ver- gnuͤgen, Und solte auch die Art in allen Gaͤrten liegen. Man merkt die Einbildung, was selten, das sei schoͤn, Die kan nach der Vernunft nicht gar zu wol be- stehn. Die Meinung die regiert; nach ihres Wahns Ge- sezzen, T 4 Pflegt Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Pflegt man der Dinge Preis und ihren Werth zu schaͤzzen. Die Eigenliebe will die Blume sol allein, Die kostbar wird geschaͤzt, in ihren Garten seyn: Darum zerreisset man des guͤtgen Schoͤpfers Ga- ben, Die seltne Art vor sich zur Augenlust zu haben. Die ewge Guͤtigkeit, die uns die Blumen giebt, Zeigt uns im Beispiel an, daß sie ja alle liebt, Und wenn sie uns mehr schenkt, als wir davon ver- langen, So ist es nicht erlaubt, damit allein zu prangen. Man lasse andern auch der Blumen seltnes Schoͤn Zu ihres Schoͤpfers Ruhm, mit uns zugleich be- sehn, Das schadet keinen nicht, und waͤren gleiche Arten, Die uns so angenehm, in jeden Blumen-Gar- ten. Es nimmt der deinen nicht der Farben Mannifalt, Noch seine Lieblichkeit, Geruch, Form und Ge- stalt: Und sage was du wilt, es wird dir dein Gewissen Des Neides Bitterkeit auch hierin zeigen muͤssen. Wer andern das nicht goͤnnt, was GOttes Guͤte schenkt Der ist des Guts nicht werth, das GOtt ihm zu- gelenkt. Wer so die Blumen liebt, der ist den Dornen- straͤuchen Die schoͤne Rosen naͤhren, hierinnen zu vergleichen. Wer von ihm Rosen nimmt, sich zum Vergnuͤgen pfluͤkt Dem wird gar oft der Dorn, in seine Hand ge- druͤkt, Der Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Der Busch der kan doch nicht die Rosen vor sich nuͤzzen Und dennoch pflegt er sie so stachlicht zu beschuͤzzen. Wer ein Blumiste ist, und hat das in Gebrauch, Daß er was schoͤn versagt, der ist ein Dornenstrauch Der ungern Rosen giebt: Der Strauch laͤst sie ver- wehen, Und ein Blumiste laͤst sie lieber untergehen. Wer als ein Mensche liebt, der goͤnnt dem andern auch, Der Blumen schoͤnen Schmuk derselben suͤssen Hauch: Und wer so neidisch ist, der haͤtte wol verdienet, Daß seine Lust vergeh, die ihm alleine gruͤnet. T 5 Ge- Gedanken bei dem Anblik Gedanken bei dem Anblik eines leeren Feldes. Z ur holden Fruͤhlings-Zeit war hier noch alles gruͤn, Der Sommer kam heran da ward der Felder bluͤhn, Jn scheinend Gold verkehrt, das hatte kaum zu prangen Mit seinen gelben Schmuk im Reif- fen angefangen: So kam der Schnitter an mit seinem scharffen Schwerd, Und hat den Halm zerhaut und seine Pracht zer- stoͤhrt. Die Wagen folgten nach, als sie ins Seil gebun- den, Das Feld ist nunmehr leer, als wenn die Frucht ver- schwunden. Die Stoppeln sind noch da, die mit der Zeit ver- gehn, So ist vom Jahres Wuchs im Felde nichts zusehn. Es wird mit andern Korn, das Feld als neu besaͤet, Das aus den vorgen stammt, und wiederum auf- gehet. Mir deucht ich sehe hier an diesem Akkerfeld Ein Bildnis ruͤhrend an, von der bewohnten Welt. Die Menschen die gebohrn, die fangen an zu bluͤ- hen, Die Zeit verlaͤuft geschwind, da sie von dannen ziehen, Nach- eines leeren Feldes. Nachdem sie reif genug; und ihre Zeit bestimmt, Da kommt der Todt heran, der sie von hinnen nimmt. Jn einen Lauf der Zeit, von zweimahl funfzig Jahren, Sind keine uͤbrig mehr; wir sind schon weggefahren. Der Saame der von uns in dieser Zeit entspriest, Der bluͤhet wieder auf, und wenn man uns vergißt, So ist an solchen stets doch auf der Welt zu lesen, Daß wir hier auch gebluͤht, und einmahl da gewesen. Und solte solcher gleich in seiner Bluͤt verbluͤhn, Eh er zur Reiffe kommt, auch dieser Welt entfliehn: So ist das unser Trost: wir koͤnnen nicht vergehen, Wir werden wiederum dereinsten auferstehen. Ueber- Ueberschrift Ueberschrift an die mit Fruͤchten gefuͤlleten Scheu- ren. D ies ist des Landmans Vorraths-Kammer, das Schazhaus, wo sein Reichthum liegt, So lang dieselbe angefuͤllet; so lange le- bet er vergnuͤgt. Hier liegt ein esbar Gold verwahrt; hier sind des Seegens Fuͤllehoͤrner, Die besser als des Tagus Sand; hier sind verguͤld- te Saamenkoͤrner Die guͤldne Muͤnzen uͤbertreffen. Man ißt und trin- ket jene ein Und koͤnnen, wie man diese brauchet, auch dazu gleichfals nuͤzlich seyn, Man kan den reichen Ueberflus an andre wiederum verhandeln, Und dadurch dieses Seegenskorn in Gold und Sil- ber auch verwandeln. Die Proviant-Schaz-Zeuge-Haͤuser, die in den gros- sen Staͤdten stehn, Die kan man auf dem platten Lande, in einer Scheur vereinigt sehn. Hier haben Kleidung, Brodt und Geld, und was man brauchet zum Gewerbe Die Leute die den Akker baun, vom zugemeßnen Theil und Erbe. Hier an die mit Fruͤchten gefuͤlleten Scheuren. Hier nehmen sie auch was sie brauchen, als der bestimmten Quell heraus: Drum kan man jede Scheure nennen, der Hoͤch- sten Guͤte Seegenshaus: Drum muß an ihren Eingang stehn: Hier sieht man daß an GOttes Seegen, Ohn welchen unser Thun und Muͤh umsonst, vor andern sei gelegen. Der Der Wind. Der Wind . G Ott! wir koͤnnen in den Winden Deine grosse Herrlichkeit, Deine Macht und Weisheit finden; Ohne allen Wiederstreit, Bist du in den starken Brausen, Und auch in den sanften Sausen Unsichtbahr doch anzusehn, Weil sie auch von dir entstehn. W inde sind ein Strom von Duͤften, Eine stark bewegte Flut, Die in fortgetriebnen Luͤften Durch der Sonnen heisse Glut, Aus den Meeren aufgezogen Ausgedehnet, fort bewogen, Die kein Auge siehet an, Aber doch empfinden kan. W enn die Luft ganz kalt erfroren Und sich drauf zusammen zieht, Wird der Winde Braus gebohren, Der im Hauchen weiter flieht: Wenn die Duͤnste aufwerts steigen, Und sich durch die Schwere neigen, So stoßt wieder Duft auf Duft, Und macht Wind in dikker Luft. Wenn Der Wind. W enn des Himmels blauer Bogen, Mit der Wolken Dunst-Gewand, Wie mit schwarzen Flor umzogen, Und mit Schleiern uͤberspannt: Alsdenn werffen sie die Blikke Von dem Sonnenlicht zuruͤkke, Da die Luft denn wird verduͤnnt, Und macht dehnend wieder Wind. W enn der Sonnen Feuerstrahlen Durch gewebte Luͤfte gehn Dunst auf Dunst zu vielen mahlen Dichte an einander drehn; Oder aus einander treiben, Eines an das andre reiben: So entsteht ein starker Flus, Daraus Wind entspringen muß. D iese und noch andre Quellen Sind im Reiche der Natur, Woraus Winde gleichsam schwellen, Deren ganz verborgne Spur Kein Verstand noch kan ergruͤnden, Und der Wiz wird schwerlich finden, Wie der Weg des Windes geht, Der durch alle Kreise weht. J n der Kluͤfte dunklen Baͤuchen Jst uns vieles noch verdekt, Und wer weis in welchen Schlaͤuchen, Sein verborgner Hauch verstekt. Was wir aber davon wissen, Wird uns klaͤrlich zeugen muͤssen, Daß Der Wind. Daß der grosse Zebaoth, Sei auch aller Winde GOtt. W as die Heiden albern traͤumen, Von den Wind-Gott Aeolus, Wie er ihre Wuth koͤnn zaͤumen Wie er ihren starken Gus Nach Gefallen koͤnn regieren, Kan uns auf die Schluͤsse fuͤhren, Daß ihr blindes Aug gesehn, Wind muͤß auch von GOtt entstehn. O! du Wesen aller Wesen! Geist der Geister! Deine Ehr, Die an allen ist zu lesen, Was der Himmel, Erde, Meer Jn den Grenzen eingeschlossen, Die aus deiner Macht geflossen; Deine Ehre spuͤrt man auch Jn der Winde kuͤhlen Hauch. A ls ein Dampf aus deinen Nasen, Jst des Windes hauchend Wehn, Und sein unsichtbahres Blasen, Mit Bewundrung anzusehn. Er zeugt HErr! von deiner Staͤrke Wenn man nur zum Augenmerke Seines Hauches Wirkung nimmt, Wenn er durch den Luftkreis schwimmt. M enschen! die das nicht erwegen, Sehen auf der Luͤfte Bahn, Wenn die Winde sich erregen, Darin nichts besonders an. Ja! Der Wind. Ja! sie denken daß die Erde, Nur dadurch bestuͤrmet werde: Und beklagen sich dabei, Daß der Wind uns schaͤdlich sei. M an beschwert sich wenn sein Stuͤrmen, Durch den Luftkreis tobend dringt Und von denen Haͤusern, Thuͤrmen, Ziegel auf die Erde bringt: Ja! man will so gar in Winden, Nichts was sie uns nuͤzzen finden, Und man murret, wenn er braust Und uns etwas hart ansaußt. H eist das nicht den Schoͤpfer schmaͤhen, Der doch alles woll gemacht Und der Winde kraͤuselnd Wehen, Weislich fuͤr uns ausgedacht? Man berechne nur die Gaben, Die wir durch den Windbraus haben, Da wir ohne Luft und Wind, Nichts auf Erden nuͤzze sind. D a GOtt durch ein weises Walten’ Alles das, was Odem hegt, Auf dem Erdkreis will erhalten, So muß er die Luft bewegt Duͤnste in dem Umlauf stellen, Daß sie kraͤuseln, weben, schwellen: Wuͤrde dieses nicht geschehn, Muͤsten wir gar bald vergehn. W aͤr kein Wind in denen Luͤften, Bliebe alle Feuchtigkeit Zweyter Theil. U Dampf Der Wind. Dampf und Qualm so aus den Gruͤften Aufwerts geht, ja allezeit Unbeweglich; und im Wallen Wuͤrd es immer dahin fallen, Durch die Schwere unterdruͤkt, Wo es vorher aufgeruͤkt. U nd so muͤsten die da leben Jn dem ungesunden Rauch, Jhren Geist gar bald aufgeben; Weil der Luͤfte weiter Schlauch, Aus den Pfulen vieles sauget, Das da stinkt und gar nichts tauget, Vor die Brust; weil der Gestank Machet unsern Koͤrper krank. F rische Luft ernaͤhrt die Lungen, Als ein Balsam reicher Guͤt, Und wenn die in uns gedrungen, Wird ermuntert das Gebluͤt: Wenn wir vielen Dunst einschnauben, So ist leichtlich auch zu glauben, Daß der Koͤrper wird verzehrt, Wenn ihn boͤse Luft beschwert. D ieses wuͤrde stets geschehen An den Oertern, in der Stadt, Wo stets Dampf, wo stille Seen, Wo man einen Kirchhof hat; Weil da boͤse Ausduͤnstungen, Haͤuffig sich zur Hoͤh geschwungen Die dem Koͤrper allemahl Wuͤrden wie ein Gift zur Qual. Ler- Der Wind. L ernet hier den Vortheil kennen, Warum GOtt den Wind geschaft, Diese Duͤnste zu zertrennen Durch die mitgetheilte Kraft; Und durch ein erfrischtes Blasen, Giesset er in unsre Nasen Lebens-Odem welcher rein, Von den faulen Duͤnsten, ein. W enn kein starker Wind vorhanden, Fiele das was Regen bringt, Dahin wo der Dunst entstanden, Der sich in die Hoͤhe schwingt: Und so wuͤrde zu den Meeren Aller Regen wiederkehren; Weil aus Meeren, Fluͤssen, Sen, Regenwolken aufwerts gehn. A lsdenn wuͤrden alle Fruͤchte Jn dem ausgedorrten Land, Laub und Gras und Kraut zu nichte, Zu der Sommerszeit verbrandt; Alsdenn muͤsten wir ersterben Und in Hungers-Noth verderben; Wenn kein Thau und Regen waͤr, Stuͤnden alle Felder leer. H ier muß sich von neuen zeigen, Daß die Winde nuzbar seyn: Denn wenn Duͤnste aufwerts steigen, Durch der Sonnen heitren Schein; Muß der Wind auf seinen Schwingen Sie in weite Laͤnder bringen, U 2 Wo Der Wind. Wo der Dunst zulezt zerfließt, Und in Regen sich ergießt. E r jaͤgt wie mit schnellen Fluͤgeln Von der See die Duͤnste fort, Bringet sie zu Thal und Huͤgeln, Ueber einen troknen Ort, Da es thauet, regnet, schneiet: Wodurch dann das Land gedeiet Da der fette Nahrungssaft, Keimen, Saaten, Fruͤchte schaft. W ird die Luft durch Wind bewogen, So kommt in das kalte Land, Jmmer warme Luft gezogen Und es wird im Gegenstand, Kaͤlte wieder fortgeschikket Durch den Wind dahin geruͤkket, Wo man stete Hizze fuͤhlt, Da sie den was warm abkuͤhlt. S olten alle die Anstalten Jn dem Reiche der Natur, Uns nicht von des Schoͤpfers Walten, Zeigen eine weise Spur? O! ihr Tohren! o! ihr Blinden, Merket nur den Nuz der Winden: So muͤßt ihr bei ihren Wehn, Jhres Schoͤpfers Ruhm erhoͤhn. W elch ein Vortheil ist zu sehen, Den der Wind uns ferner bringt, Auf Der Wind. Auf der Berge steilen Hoͤhen, Da er grosse Muͤhlen zwingt, Und die Raͤder welzend treibet, Und das Korn zum Brodt zerreibet; Da er ohne grosse Muͤh, Nahrung schaft vor Mensch und Vieh. A uch bei andern Kunstmaschinen Kan der Winde starke Kraft, Menschen zu der Nahrung dienen; Sie sind denen Vortheilhaft Die durch ihr geschwind Bewegen Bloͤkke von einander saͤgen, Denen, die zum Bau den Stein, Zubereiten, machen klein. D urch des Windes starke Fluͤgel, Geht das Schif ins fremde Land, Und durchstreicht der Fluthen Spiegel, Wenn die Seegel ausgespannt. Durch ihn kan der Kaufman handeln, Und in weite Laͤnder wandeln, Die von uns sind abgetrennt, Weil die See darzwischen rennt. K eine Schiffarth koͤnt bestehen, Und so fiele der Gewinn, Ohn der Winde nuzbar Wehen, Bei der Handelschaft ganz hin. Wenn wir dieses uͤberlegen, So sieht man was vor ein Segen, U 3 Dar- Der Wind. Daraus fuͤr der Welt entspringt, Wenn er in die Seegel dringt. D urch ihn kommt ein Volk zum andern, Daß das Wasser hat zertheilt, Durch ihn kan man hurtig wandern, Daß man sich nicht lang verweilt; Durch ihn kan man schwere Waaren, Leichte uͤbers Meer wegfahren, Die sonst kommen theur zu stehn, Wenn sie auf der Axe gehn. H ieraus ist die weise Guͤte, Eines grossen Schoͤpfers klar, Hieraus siehet das Gemuͤte, An dem Winde offenbahr, Daß der HErr zu unsern Besten, Jn den Ost, Nord, Suͤd und Westen An den Gegenden der Welt, Luft und Wind in Ordnung haͤlt. W as die Schiffer noch bemerken Von der Winde Einrichtung, Kan das Herz darin bestaͤrken, Daß aus ihrer Aenderung, Das allweiseste Regieren, Mit Verwunderung zu spuͤren, Das der Winde Zug so lenkt, Wie es uns zu nuͤzzen denkt. A uf den weit entfernten Meeren, Wissen alle Schiffer wol, Nach Der Wind. Nach den festgesezten Lehren, Wie an dies und jenem Pol Sich die Winden auf den Wellen, Zur bestimmten Zeit einstellen: Wenn er aus den Norden braußt Oder aus den Westen saußt. D enn die Winde auf den Seen, Gehen gleichsam nach der Schnur, Da sie sich bestaͤndig drehen Nach bestimmter Zeit der Uhr. Wo dies nicht auf denen Kuͤsten, Die erfahrnen Schiffer wuͤsten: So wuͤrd nach dem Augenschein, Jhre Landung faͤhrlich seyn. D ie den Wind im Meer erwegen, Merken bald die Ordnung an, Die sein hauchendes Erregen, Da hat zur gesezten Bahn. Da sind Winde die stets wehen, Und aus einer Gegend gehen; Andre aber auf dem Meer, Gehn geordnet hin und her Diejenigen Winde welche immer aus einer Ge- gend wehen, werden von dem Schifleuten Passad Winde genennet: Diejenigen aber die ein Halbjahr aus der einen Gegend, und das andre Halbejahr ordentlich aus der entgegen stehenden Gegend wiederkommen nennen sie Moußons oder Bewegungen. U 4 Dieser Der Wind. D ieser Lauf ist unvergleichlich, Fuͤr den Schifman eingericht: Wenn der Wind als unbeschreiblich, Aus der einen Gegend bricht; So weis er nach seinen Wehen Seines Schiffes Lauf zu drehen: Und so komt er an das Land Ohne starken Wiederstand. P reißt ihr Schiffer! ruͤhmt von Herzen, GOttes Weisheit, auf der Bahn, Da ihr seht das sanfte Scherzen, Und der Winde Saͤuseln an. Wenn ihr gleich den schnellen Pfeilen, Sehet euer Schif fort eilen, Und der Winde Lauf bedenkt; Denkt auch, wer ihn so gelenkt! L ernet bei den Ungewittern, Da ein Sturm das Meer bewegt, Wer das sprudelnde Erschuͤttern, Durch dem Windebraus erregt: Da habt ihr zum Augenmerke, Eures Schoͤpfers Wunderstaͤrke; Jn dem tobenden Orkan, Seht ihr GOttes Allmacht an. K aum hoͤrt ihr sein grauses Heulen, So sieht eur entfaͤrbt Gesicht, Wie die Fluthen sich zertheilen, Wie das Wasser steigt und bricht, Wie Der Wind. Wie die aufgeschaͤumten Wellen, Schnauben, durcheinander schwellen, Welzend in die Hoͤhe gehn, Kraͤuseln, sich in Wirbel drehn. W ie die Fluthen zischend schaͤumen, Wird eur Auge denn gewahr, Wenn sie sich erschroͤklich baͤumen, Und mit drohender Gefahr Gleich den abgerißnen Thuͤrmen, Ueber eure Schiffe stuͤrmen, Da ihr bei dem Niederfall, Sinket in des Abgrunds Thal. S olche Macht stekt in den Winden, Wenn ihr Schnauben daher faͤhrt, Und in denen tieffen Schluͤnden, Die gewelzten Sprudel mehrt. Alsdenn treibt er starke Wogen, Bis zum blauen Wolken-Bogen Und wirft sie aus ihrer Hoͤh, Wieder in den Schoos der See. U nd vor seinen harten Streichen, Wenn er seine Wirbel dreht, Muß auch auf der Erde weichen, Was dem Braus entgegen steht. Schießt er in die tieffen Gruͤfte, So zerspalten sich die Kluͤfte, Alles wo sein Zug hindringt Wenn er raset, faͤllt, zerspringt. U 5 Wenn Der Wind. W enn der HErr! die Wirbelfluthen, Seiner Winde brausen laͤst, So ist vor den scharfen Ruthen Seiner Strafe nichts zu fest, Nichts zu hart, nichts zu verschlossen: Kommen sie heran geschossen; So wird alles durch die Kraft, Wie ein Staub mit weggeraft. D as erzuͤrnte Heer der Luͤfte, Faͤhrt auf einmahl schroͤklich loß Und das Blasen strenger Duͤfte, Komt mit dem gepreßten Stoß: So muß Thurm und Haus mit Knallen, Bau, Gemaͤurer, niederfallen, Die er wie auf Fluͤgeln traͤgt, Und durch seinen Zug zerschlaͤgt. S onderlich in denen Laͤndern, Wo der Luͤfte Gleichgewicht, Schneller, staͤrker zu veraͤndern, Sieht man wenn der Wind durchbricht, Was aus seinen Wirbel-Wehen, Vor ein Ungluͤk kan entstehen; Wie er alles gleich zerschmeist, Umwirft, und zu Boden reist. J n den heissen Morgenlande Nimt er bei den strengen Lauf, Ganze Lasten von dem Sande Der die Wuͤsten dekket, auf: Wirft Der Wind. Wirft sie ploͤzlich auf die Erden, Da den oͤfters ganze Heerden, Die da reisen Man nennet solche Caravanen, die durch die Arabischen Wuͤsten als Handelsleute Truppenwei- se zu ihrer Sicherheit reisen; weil sich da die Js- maeliten oder raͤuberische Voͤlker aufhalten, die von Jsmael ihren Ursprung herleiten. gleich bedekt, Werden in den Sand verstekt. H Err! der du auf Winden faͤhrest! Hieraus siehet jederman Wie du uns in Winden lehrest, Was dein Arm verrichten kan. Wilt du straffen, die dich hassen, Kanst du nur den Wind los lassen, Der in deinen Strafgericht, Alles auf einmahl zerbricht. J a! vor deinen grimgen Schelten, Wallt das duͤnne Element, Beben Erd und Wasser-Welten, Und das Feur das wuͤtend brennt. Du bist gros auch in den Winden, Nicht vollkommen zu ergruͤnden: Zwar ein grosser Zebaoth: Aber ein verborgner GOtt. W enn der Winde tobend Rasen, Erd und Meer in Wallung sezt; So bleibt bei dem starken Blasen Unsre Welt oft unverlezt. Jhm Der Wind. Jhm gebeut dein Gnaden-Wille, Augenbliklich ist er stille; Du bist GOtt, den Meer und Wind, Allemahl gehorsam sind. L aß uns daran glaubig merken, Daß das Auge deine Macht Bei den wunderbahren Werken Der Natur, stets uns bewacht: Und daß du der Winde Heere, Auf der Erden, auf dem Meere, Fassest wie in einem Schlauch, Spaͤrrest in der Berge Bauch! W oher ihre starke Schaaren Kommen, kan kein Mensche sehn, Und wohin sie wieder fahren, Koͤnnen wir auch nicht verstehn: Hier stuzt alles unser Wissen, Und das wird uns lehren muͤssen, Daß dem menschlichen Verstand Vieles bleibet unbekant. A us der Wirkung kan man spuͤren, Daß ein Wind die Luft erfuͤllt; Das ist HErr! von dem Regieren Deiner Vorsehung, ein Bild! Ob sie uns gleich ist verborgen, So merkt man dein wachend Sorgen, Dennoch in der ganzen Welt, Die dein starker Arm erhaͤlt. Zweifler Der Wind. Z weifler! hoͤret auf zu Schmaͤlen Die ihr dieses traͤumen heist, Wenn ihr hoͤrt im Wort erzaͤhlen: Daß des Hoͤchsten Gnaden Geist Durch das Wort die Menschen lehre, Aendre, beßre und bekehre; Die ihr spoͤttisch seine Macht, Die in Seelen wirkt, verlacht. W arum wolt ihr das verlachen, Da im Reiche der Natur Nimmermehr ist auszumachen, Wie der Winde dunkle Spur Jn den Luͤften muͤsse gehen? Warum wolt ihr den verstehen, Was das Allerhoͤchste Gut Jn dem Reich der Gnaden thut? D ies Geheimnis von den Winden, Kan kein menschlicher Verstand, Und kein Wiz allhie ergruͤnden, Es bleibt nns noch unbekant: Dennoch hoͤret ihr sein Sausen, Und bemerket aus dem Brausen Daß ein Luftstrom muͤsse gehn, Koͤnt ihr gleich den Weg nicht sehn. S chließt auch so bei denen Lehren, Deren Grund verborgen bleibt: Jch will GOtt im Glauben ehren, Und da er uns deutlich schreibt, Jn Der Wind. Jn des Geistes wahren Worten: Daß er sey an allen Orten; So nehm ich das glaͤubig an, Ob ichs gleich nicht fassen kan. L ernet bei des Windes Regen Das aus dunklen Hoͤlen geht: So sind auch in GOttes Wegen, Wie er unser Schiksahl dreht Viele uns verborgne Gruͤnde: Denket bei den Hauch der Winde: Gros ist GOttes Majestaͤt Weil ihn Luft und Wind erhoͤht. Der Der stolze Pfan. Der stolze Pfau . E in Pfau den die Natur, mit schoͤnen Fe- dern schmuͤkt, Mit einem langen Schweif vor andern hat begluͤkt, Weis seinen Vorzug wol, er dreht die langen Kehlen, Als wolt er seine Pracht der ganzen Welt erzaͤh- len. Er bruͤstet sich damit und dehnet seinen Schwanz, Damit ein jeder seh den Strahlenreichen Glanz: Und alsdenn blizt sein Schweif gleich einen Regen- bogen Der in der Luft erscheint, mit Farben uͤberzogen. Der Finger der Natur der ihn also gemahlt, Das bald ein feurig Gold, daraus ein Saphir strahlt, Bald ein schmaragdnes Gruͤn, von seinen Federn scheinet, Hat aller Farben Schmuk hier wunderbahr verei- net. Nachdem vom Sonnenlicht, dies schoͤn geschwaͤnz- te Rad, Das hin und wieder geht, der Strahlen Abglanz hat; Nach- Der stolze Pfau. Nachdem veraͤndern sich der Federn bunte Strah- len, Die sich bald gelb, meist gruͤn vor unsern Augen mahlen. Wahr ist es daß der Schweif am Pfau recht Wun- derschoͤn, Und daß er Schimmerreich und lieblich anzusehn: Allein er glaͤnzet nur, von aussen an den Fluͤgeln Die um und um besezt mit lauter Blendungs-Spie- geln. Und sieht etwa der Pfau die schwarzen Fuͤsse an, Die garstig anzusehn, die er nicht leiden kan; So faͤllt der stolze Sinn, da lernet er erkennen, Was schoͤnes an ihm ist, sey nur sein Kleid zu nen- nen. Gewis! ein wahres Bild von Menschen in der Welt, Die durch den leeren Wind des Stolzes aufge- schwellt, Die in dem Lauf der Welt mit Guͤtern sind begluͤk- ket, Hingegen aber nicht mit Tugend ausgeschmuͤkket. Die bilden sich gar viel, auf ihrem blanken Schein, Auf ihren reichen Schaz, auf ihren Goldklump ein. Da ihnen Tugend fehlt, und Wiz, Geschiklichkeiten, So muß der Kleider Schmuk sie in der Welt ausbreiten. Der Pfau ist auch ein Bild von deren Eitelkeit, Die falscher Duͤnkel triegt, als wenn ein herrlich Kleid Das in das Auge prahlt, sie koͤnte schoͤner ma- chen: Sie bruͤsten sich damit, daruͤber kluge lachen. Sie Der stolze Pfau. Sie meinen weil ihr Leib mit schoͤnen Schmuk ver- huͤllt: So wuͤrden sie dadurch der Schoͤnheit Ebenbild; Sie wollen Stand und Rang, nicht nach Verdienst und Gaben, Nur nach verbraͤmten Schmuk erborgter Schoͤn- heit haben. Jhr Tokken! lernet doch hie euren albern Sinn, Komts auf die Kleider an, so tretet unten hin: Der Pfau das schoͤne Thier; wird mit den schwarzen Fuͤssen, Fuͤr euch nach diesem Schlus zuerst hertreten muͤssen. So folget ihr erst nach; so seid ihr recht gestellt, Weil denn ein gleiches Paar, sich gleich und gleich gesellt. Jhr Tohren lernet doch euch eurer Torheit schaͤmen, Und wolt ihr euch recht sehn; so muͤst ihr Spiegel nehmen; Daran ein Todten-Kopf mit schwarzen Staub ge- mahlt, So seht ihr was ihr seid, wenn euch das Kleid um- strahlt, Beschaut beim aͤusren Glanz der Schoͤnheit, auch das Herze, Womit ist das geschmuͤkt? mit eitler Laster-Schwaͤr- ze. Zweyter Theil. X Die Die Gedult. Die Gedult . Sprichw. Sal. c. XVI. 32. Ein Geduldiger ist besser, denn ein Star- ker und der seines Muths Herr ist, denn der Staͤdte gewinnet. G edult ist eine seltne Tugend, Beim grauen Alter, bei der Jugend Und wird daher ein Kraut genennt, Das nicht ein jeder Garten kennt. Ein solch Gemuͤt das Leiden, Plagen, Ohn Murren, ruhig kan ertragen, Jst warlich in der eitlen Welt, Ein vollenkomner, grosser Held. W er GOtt und Naͤchsten recht will lieben, Der muß auch diese Tugend uͤben; Die Welt gleicht einem Labirinth, Darin viel Dornen-Hekken sind: Und wollen wir da Rosen brechen; So werden uns auch Dornen stechen: Allein der Menschen Eigensin, Verlangt ohn Schaden den Gewin. W ir wollen unsern schnoͤden Willen, Die Regung der Begierden stillen, Und Die Gedult Und wuͤnschen steten Sonnenschein: Da wir verdorbne Suͤnder seyn So muͤssen wir uns auch bequemen Von GOttes Hand das anzunehmen, Was er uns, da wir ihn betruͤbt, Als ein bescheidnes Theil noch giebt. D as gruͤne Paradies der Erden, Hat muͤssen eine Wuͤste werden, Da Suͤnd und Tod die Herrschaft fuͤhrt, Und leider unser Herz regiert: Auf den Verlust der suͤssen Freuden, Folgt immer ein empfindlich Leiden: Das aber wiederum vergeht, Wenn sich die Schiksahls-Sphere dreht. D ie Menschen die das nicht bedenken, Die wollen sich nur selbsten kraͤnken: Und klagen ihren Schoͤpfer an, Der ihnen nichts zu Leid gethan. Wir selbsten flechten unsre Strikke Zu unsern eignen Ungeluͤkke: Ein kluger und ein weiser Mann, Ertraͤgt was er nicht aͤndern kan. D ie Leiden die uns heftig plagen, Daruͤber wir so aͤngstlich zagen, Sind Folgen unsrer Suͤnden-Schuld: Was hilft da nun die Ungedult? Und wenn wir noch so aͤngstlich weinen, Den Saft vertroknen im Gebeinen; X 2 So Die Gedult. So wird die Plage nicht vergehn, Die wir auf Erden auszustehn. W ahr ist es, daß in Kedars Huͤtten, Auch viele Fromme viel gelitten, Durch Mesechs schwere Suͤndenschuld, Was ist hier noͤtig? die Gedult. Die lindert die gedruͤkten Herzen, Und kuͤhlet sie in heissen Schmerzen; Gedult ist der geplagten Seel Ein Balsamreiches Lindrungs-Oel. W enn GOtt ein Kreuz uns auferleget So komt es, wenn mans recht erweget Von einer lieben Vaters Hand; Die Welt ist ein Egypten Land, Darin wir Ziegelsteine brennen, Und wollen wir uns Christen nennen: So muͤssen wir bei aller Pein, Jn Hofnung doch geduldig seyn. A ls Christen sind wir in den Orden Des Kreuzes, eingeschrieben worden: Und auf der rauhen Dornenbahn, Jst nur der Weg nach Canaan: Der Herzog unsrer Seeligkeiten, Der zeigt uns wie wir sollen streiten: Sein Beispiel lehrt uns allemahl, Gedult die mindre unsre Qual. W er seinen Leiden will entfliehen, Der wird sich doch umsonst bemuͤhen: Es Die Gedult. Es findet ja der Sieg nicht stat, Wo man nicht erst gekaͤmpfet hat. Und wenn uns eine Noth betroffen, So ist das Stilleseyn und Hoffen Das Beste das man in der Welt, Dem quaͤlenden Gemuͤth vorhaͤlt. E in Kranker der auf harten Phuͤlen, Sich sucht durch Ummuth abzukuͤhlen, Verdirbet sich dadurch noch mehr; Und welzet er sich hin und her: So wird er keine Lindrung spuͤren, Vielmehr die Kraft noch gar verlieren: Es ist die beste Arzenei Daß er still und geduldig sey. D en Hoͤchsten in den Leiden ehren, Und sich nicht uͤber ihn beschweren, Jst warlich eine Christenpflicht, Die ihm das Vater-Herze bricht: Hingegen der in Unmuth heulet, Wenn er mit seiner Huͤlf verweilet, Der macht, daß seiner Vorsicht Schlus, Die Leidens-Zeit verlaͤngern muß. W er Dornen die ihn schmerzend stechen, Jn Unmuth suchet zu zerbrechen, Der druͤkket sie nur tieffer ein, Und machet seinen Schmerz zur Pein: Hingegen wer gedultig siehet, Wie er sie aus den Finger ziehet, X 3 Der Die Gedult. Der wird viel leichter mit der Zeit, Vom schmerzlichen Gefuͤhl befreit. D a ein Mensch eines andern Teuffel, So muß das ohne allen Zweiffel, Den Frommen schmerzlich wehe thun: Soll dabei das Gemuͤte ruhn. So muß es reiflich uͤberlegen, Es koͤnne nach den weisen Wegen Der Vorsicht, ob wirs gleich nicht sehn, Auch dieses uns zum Nuz geschehn. D ie Unschuld wird oft misvergnuͤget, Wenn sie der Bosheit unterlieget, Das Joch das scheint ihr viel zu schwer: Da regt sich der Begierden Heer, Verdrus und Kummer, Zorn und Klagen, Die folternden Gemuͤtes-Plagen, Verdoppeln im bewegten Herz Den durch den Has empfundnen Schmerz. U nd diese strenge Leidenschaften, Die in der Seelen wuͤtend haften, Verderben ein geplagt Gemuͤt Vergiften gleichsam das Gebluͤt: Es faͤngt der Adern Saft in Wellen Zu schaͤumen, schreklich aufzuschwellen: Was folgt aus dieser Witterung, Vor Schmerzensvolle Aenderung? D ie Lebens-Geister sind vergiftet, Und in dem Zorn doch nicht geluͤftet, Der Die Gedult. Der Leidenschaften innre Pein Die nimmt so gleich den Koͤrper ein, Wo ihre Wuth recht angefangen, Da sind sie wie die Feuerschlangen: Aus deren Bis ein Jaͤscht herfliest, Der sich bis an das Herz ergießt. D a wird das Blut zu sehr umdaͤmmet, Das Herze wird mit Angst beklemmet, Und wenn es wie im Stuͤrmen raßt Wird es von Wirbeln aufgefaßt: Da folget Schwindel, Schlag, Verlaͤhmen, Ein schneller Tod aufs zornigs Graͤmen: Die Puls wird nicht so sehr bewegt, Wenn man sein Leiden willig traͤgt. G edult ist bei den bangen Quaͤlen, Die beste Linderung der Seelen, Und wenn uns ein Affect bekriegt, So wird er dadurch bald besiegt. Wir muͤssen allemahl gedenken, Die Vorsicht, weis es so zu lenken, Das alles uns zum Besten nuͤzt, Wenn man in harten Leiden schwizt. M ensch wilt du diese Tugend uͤben, Wenn Welt und Bosheit dich betruͤben: So sieh stets auf der Vorsichts Spur Behersche des Gemuͤths Natur; Und suche den bewegten Willen, Durch des Verstandes Licht zu stillen: Denn durch desselben Heiterkeit, Wird alles Traur-Gewoͤlk zerstreut. X 4 Beden- Die Gedult. B edenke da du bist gebohren, So bist du als ein Mensch erkohren: Die Fehler deiner Menschlichkeit, Die bringen dir auch manches Leid. Mit wem wilt du in Leiden streiten, Mit GOtt und mit den andern Leuten O! Thorheit! trage deine Schuld, Nur stille ohne Ungedult. S ieh an die herrlichen Exempel, Der Heiligen, der Tugend-Tempel Die ihren Schoͤpfer treu geliebt, Jm Leiden die Gedult geuͤbt: Sie sind in Truͤbsahl recht bewaͤhret, Und haben uns dadurch gelehret, Daß eine schoͤne Ehren-Kron, Sey der Gedult bestimmter Lohn. G edult in seiner Angst zu haben, Und sich damit in Leiden laben, Jst ein Geschenke aus der Hoͤh, Und nur des Himmels Panacee. Auf Bergen, in den tieffen Gruͤnden, Jst dieses Kraͤutlein nicht zu finden: Drum fleh des Geistes Gnade an, Die dich geduldig machen kan. Die Die Kaiser-Krone. Die Kaiser-Krone . S eh ich eine Kaiser-Krone, Auf des hohen Stengels Throne, Wie sie sich in ihrer Pracht, Untern Blumen herrlich macht: So bewegt mich ihre Blume, Zu des grossen Schoͤpfers Ruhme. S ie steht auf den Blumen-Beeten Als auf sammtnen Kunsttapeten Der Natur, da auf dem Gruͤn, Um sie her viel Blumen bluͤhn, Die gleichsam zu ihren Fuͤssen, Als ganz niedrig wachsen muͤssen. N ahme, Bildung, andre Zeichen, Lehren mich sie zu vergleichen Mit den Fuͤrsten dieser Welt, Die auf Thronen sind gestellt, Die vor andern auf der Erden, Unsern Augen herrlich werden. J ch seh um sie Blaͤtter hangen, Die wie scharfe Schwerdter prangen, Und der Blik der gab mir ein, Daß sie wie Trabanten seyn, Die diejenigen beschuͤtzen, Die auf hohen Thronen sitzen. X 5 Jhre Die Kaiser-Krone. J hre rothe Purpur-Bluͤthe, Druͤckte mir in das Gemuͤthe, Ein recht Lehrreich Sinnbild ein, Wie die Fuͤrsten muͤssen seyn: Jch sah sie zu ihren Zweigen, Das Gesicht herunter neigen. W enn die Fuͤrsten von den Hoͤhen, Auf die Unterthanen sehen, Mit der Gnade Angesicht; So erfuͤllen sie die Pflicht, Die sie nach den weisen Schluͤssen Jhres Schoͤpfers, leisten muͤssen. A n den Kaiser-Kronen Spizzen, Sah ich einen Buͤschel sizzen, Der gleich einem gruͤnen Graß, Daran hing ein troͤh felnd Naß, Das beim Strahl der heitren Sonnen, Lieblich kam herab geronnen. D ieser Thau, da er zerflossen, Fiel gar sanfte auf die Sprossen Derer niedren Blumen hin, Dabei kam mir in den Sin Dieser Wunsch: Ach! moͤcht auf Erden, Jeder Fuͤrst ihr aͤhnlich werden! M oͤchten sie des Himmels Seegen, Auch auf Unterthanen legen, Der von den bestirnten Zelt, Auf die hohen Haͤupter faͤllt: Als- Die Kaiser-Krone. Alsdenn wuͤrden im Gedeien, Niedre sich der Hohen freuen. J ch besah die innre Ruͤnde, Was ich in der Blume fuͤnde; Gukte in den Kelch hinein, Da cristalne Augen seyn, Die beim Anruͤhrn gleich den Guͤssen Der gethraͤnten Perlen, fliessen. A ch! dacht ich in meiner Seelen, Was vor innren Gram und Quaͤlen, Was vor untermischtes Leid, Jst wol oft im Purpurkleid, Und beim Heer der schwarzen Sorgen, Jn der Fuͤrsten Herz verborgen! B ei dem aͤusren Schein der Freude, Schwimmt das Herz gar oft im Leide, Und von einem hohen Stand, Jst der Gram nicht weggebannt: Aeusre Lust und innre Wehen, Sind bei Kronen anzusehen. D och der Kaiser-Kronen Augen Sind, wenn wir ihr Naß nur saugen Honig suͤß, erquiklich schoͤn: Daran ist die Lehr zu sehn; Wie erquiklich Fuͤrstenthraͤnen, Bei der Unterthanen Sehnen. W enn die Noth bei jeden Stande Sich anfindet in dem Lande, Die Die Kaiser-Krone. Die der Fuͤrst nicht hemmen kan: Seh ers nur mitleidig an: So ist ein gethraͤnt Erbarmen, Doch ein Trost vor seine Armen. M erklich ist es anzusehen, Daß da Grases Spizen stehen Wo die Kaiser-Krone haͤngt: Wenn man dieses uͤberdenkt: So kan es von Fuͤrsten Leben, Uns dies noch zur Lehre geben: G ras und Kraut sind Wapen-Schilder, Und uns stete Sinnenbilder Nichtiger Vergaͤngligkeit, Lehrer unsrer Lebens-Zeit, Auch gekroͤnnten Haͤuptern Zeichen, Daß ihr Purpur muͤß erbleichen. A uch auf den erhabnen Thronen, Wird der Todt sie nicht verschonen, Bei der Kronen Herrligkeit, Muß ein Fuͤrst auch jederzeit Auf das Gras die Augen lenken, Und sein Nichtigseyn bedenken. Die Die Tieffen der GOttheit. Die Tieffen der Gottheit . Roͤm. XI. 33. O! welch eine Tieffe des Reichthums bei- de der Weisheit und Erkenntnis GOt- tes! wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, wie unerforschlich sind seine Wege! H errlich! unbegreiflich Wesen! Ewig undurchdringlich Licht! Dich hab ich zum Ziel erlesen, Laß dir doch mein Lobgedicht, Und mein ungestimmtes Lallen, Das die Ohnmacht bringt, gefallen: Floͤß mir durch den Gnadenschein, Deines Geistes Triebe ein. G eist der Geister! Sonnen Sonne! Kein Verstand begreift dein Bild Und mein Witz wird vor der Wonne Deiner Herrligkeit verhuͤllt. Wil ich nur an dich gedenken, Muß ich mich zum Abgrund senken, Wo man sich erstaunnt verliert, Und nichts als nur Ehrfurcht spuͤrt. Ohne Die Tieffen der Gottheit. O hne schwindelnd banges Grauen, Kan mein Geist dich nicht ansehn: Und mein ich dich anzuschauen Muß er gleich zuruͤkke gehn: Jezt deucht mir das ich entzuͤkket, Deiner Hoheit Glanz erblikket: Doch es fliegt des Geistes Blik Starrend wiederum zuruͤk. W il ich mich gleich selbst vergessen, Und mit reger Denkungs-Kraft, Wagen an die tieffen Groͤssen Einer einzgen Eigenschaft: O! so merken die Gedanken, Jhre eingespannten Schranken. Und gestehn daß du ein Geist, Der ganz unbegreiflich heist. D a erkennet meine Seele, Und der tief verschlungne Sinn, Wenn ich dich zum Vorwurf waͤhle, Nicht was du, nur was ich bin: Wil ich HErr! an dich gedenken, Und den Geist von Koͤrpern lenken; So trift er den Abgrund an, Darin er nichts sehen kan. E hrfurchtsvolle Dunkelheiten Sind um deiner Majestaͤt; Deren unermesne Weiten Sind fuͤr uns zu sehr erhoͤht. Waget sich das arme Wissen, Zu den heilgen Finsternissen: So Die Tieffen der Gottheit. So faͤlt mir stets wieder ein, GOtt wil nur bewundert seyn. D u bist warlich unermeßlich, Und wirst in den tieffen Grund Da du dich verbirgst, vortreflich Und dennoch als herrlich kund. Muß der Seelen Aug erblinden, Daß dich suchet zu ergruͤnden: So faßt Erd und Himmel nicht, Deiner Gottheit grosses Licht. G eh ich zu den Sternenbuͤhnen Jm Gedanken, du bist da, Jn der Welt der Seraphinen, Duͤnkest du mir wieder nah. Steigt mein Sin in tieffe Gruͤfte Der verborgnen Erden-Kluͤfte, Dein unsichtbahr Angesicht Zeigt auch da sein Augenlicht. W il ich gleich zu denen Meeren, Als der Erden aͤusren Rand Auf des Geistes Fluͤgeln kehren, Da bist du mir auch bekandt: Auf der Berge hohen Huͤgeln, Finde ich als wie in Spiegeln Deiner Groͤs Unendlichkeit, Hoheit und Volkommenheit. W il ich aber weiter gehen, Deine Herrligkeit recht schaun: Bleibt der Wiz auf einmahl stehen, Und verspuͤrt ein banges Graun. Weil Die Tieffen der Gottheit. Wil ich mich hier traͤumen lassen, Die Algegenwart zu fassen; O! so starrt der scheuche Sin, Und ich weis nicht wo ich bin. D enk ich nach um zu begreiffen, Deines Wesens Ewigkeit, Wil ich Jahr auf Jahre haͤuffen Sez ich immer Zeit auf Zeit, Nehm ich Millionen Zahlen, Tausend Millionen mahlen; Und gedoppelt einst so viel, So tref ich den noch kein Ziel. W il ich dieser Zieffern Heeren, Und die ungeheure Zahl, Jmmer immer fort vermehren: So find ich doch allemahl, Bei des Wizes vielen Zaͤhlen, Noch so viele Zahlen fehlen Und fang ich von neuen an: So ist doch noch nichts gethan. E ndlich merkt bei diesen Groͤssen, Der verduͤsterte Verstand, Daß ohnmoͤglich auszumessen, Was uns gaͤnzlich unbekand. Du als der Unwandelbahre Bist in keine Zahl der Jahre Einzuschliessen, Gestern, Heut, Jst bei dir stets Ewigkeit. Kei- Die Tieffen der GOttheit. K eine Zeiten, keine Stunden, Messen dein stets ewges Sein, Keine Jahre die verschwunden Fassen dich in Zirkeln ein. Morgen ist bei dir wie heute, Keine Laͤnge keine Breite Die umschraͤnket deinen Geist, Der unendlich, ewig heist. D enk ich den Vollkommenheiten Jn der Stille weiter nach, Und den Strahl der Herrlichkeiten: So umgiebt mich allgemach, Wiederum ein neuer Schatten, Wo sich Licht und Dunkel gatten; Und dein Licht wirft allemahl Mich ins tieffe Abgrunds-Thal. S ehe ich auf deine Haͤnde, Die das Bild der Allmacht sind, So sind ich auch da kein Ende, Und mein Geist wird wieder blind: Will ich mir die hellen Strahlen Der Allwissenheit abmahlen: O! mein bloͤdes Angesicht, Wird geblendet durch dein Licht. S o wie unser Aug die Strahlen An der Sonne nie ertraͤgt; So gehts mir auch allemahlen, Wenn mein Geist dich recht erwegt. Zweyter Theil. Y Er Die Tieffen der GOttheit. Er wird wenn er heiter denket, Wie durch einem Bliz versenket Jn den Abgrund, wo dein Bild, Sich ins heilge Dunkle huͤllt. K aum kan er sich aus dem Schrekken, Den die Ehrfurcht eingejagt, Durch dein Licht gestaͤrkt erwekken: So will er doch unverzagt Durch den Weg der Kreaturen, Finden GOttes Hoheit Spuren: Er sieht vieles darin an, Was ihm GOtt abbilden kan. A ber auch in diesen Spiegeln, Welche Erd und Himmel sind, Wird der Wiz bei seinem Kluͤgeln, Abermahl von neuen blind. Steigt er wie auf hohen Leitern, Sein Erkentnis zu erweitern: So ist kein Geschoͤpf so klein, Es giebt mir die Warheit ein: G Ott will sich allhier nicht fassen Sondern in der dunklen Spur, Nur allein bewundern lassen; D arum giebt die Kreatur, Ebenfals von GOttes Hoͤhen Vieles das nicht einzusehen: Himmel, Erde, alles spricht: GOtt ist ein unsichtbahr Licht. Man Die Tieffen der GOttheit. M an kan dich in deinen Werken, Schoͤpfer! HErr der ganzen Welt! Maͤchtig, weise, guͤtig merken; Weil du darin vorgestellt: Aber aller Dinge Koͤnig! Der Verstand ist viel zu wenig, Vollenkommen zu verstehn, Was wir klar vor Augen sehn. W enn wir zu den Himmels-Hoͤhen, Zu den tieffen Luft-Revier, Ein geschaͤrftes Auge drehen; Stellen uns dasselbe fuͤr Was in den entfernten Gruͤnden, Noch verborgenes zu finden, So zeigt uns die Sternen Bahn, Tieffen deiner GOttheit an. M essen wir des Himmels Kreise, An den blaugewoͤlbten Rund, Was macht uns das Luft-Gehaͤuse, Nicht vor viele Tieffen kund? Wer ist der in jener Ferne, Zaͤhlt das Heer der lichten Sterne, Wer ist der uns richtig lehrt Wie die Welt sich dreht und kehrt? W er ist der uns kan erzaͤhlen Aller Kreaturen Kraft? Wenn wir nur die Erde waͤhlen, Wer kan uns die Eigenschaft, Y 2 Ei- Die Tieffen der GOttheit. Eines einzgen Krauts recht lehren, Darin wir den Schoͤpfer ehren? Kein Verstand ergruͤndet das, Was verbirgt ein Stengel Gras. D enk ich nach wie GOtt regieret, Diesen Bau der ganzen Welt, Wie er das zum Zwekke fuͤhret, Was die Vorsehung erhaͤlt: Wie er uns als Menschen leitet, Und aus Boͤsen Guts bereitet, O! so seh ich allemahl Dunkler Tieffen grosse Zahl. S eh ich nur das Heer der Suͤnder Die wie Lorbeer-Baͤume bluͤhn; Seh ich wie die froͤmsten Kinder, Jn den Truͤbsahls-Offen gluͤhn: Und will den Verstand befragen; Warum GOtt das koͤnn ertragen, Alsobald sieht hier mein Geist, Wie sich eine Tief aufschleust. S eh ich die Veraͤnderungen, Jn dem Reich der Vorsehung, Wie oft werd ein Land verschlungen, So komt die Verwunderung Und betaͤubet meine Sinnen, Da werd ich gleich wieder innen: GOttes Raht sieht keiner ein, Er will nur bewundert seyn. Die- Die Tieffen der GOttheit. D ieser steigt und jener sinket, Wie des Schiksals Sphere geht, Die wenn GOttes Vorsicht winket Sich im Augenblik verdreht. Was zum Trost der eitlen Zeiten, Vor die spaͤten Ewigkeiten, Als ein Denkmal aufgesezt, Wird im Augenblik verlezt. U nd dasselbe bleibet stehen, Was auf leichten Grund gebaut, Und wird bey dem Untergehen, Gleichsam wieder neu geschaut. Alle diese Wunderdinge, Die da scheinen gros, geringe Alle diese kommen mir, Wie verborgne Tieffen fuͤr. W agt sich das begierge Wissen Jn der Hoͤchsten Macht-Gericht Zu der Vorsicht dunklen Schluͤssen, Was vor Tieffen sieht es nicht? Was vor Raͤthsel kuͤnftger Zeiten, Sind in den Begebenheiten Dieser Welt? was wird geschehn, Eh dies Rund wird untergehn? N immermehr -- was wilt du wagen, Bloͤder Geist halt ploͤzlich ein! Du kanst nicht den Glanz ertragen Von der GOttheit Sonnenschein: Y 3 Schweig Die Tieffen der GOttheit. Schweig und fasse dein Gemuͤthe, Denke GOtt ist reich von Guͤte, Des Verstandes enger Kreis, Faßt nicht was GOtt sieht und weis. A uch der GOttheit dunkle Tieffen, Gleichen einem breiten Meer, Woraus Seegensstroͤme trieffen: Es gereicht zu seiner Ehr, Daß wir eingestehen muͤssen Daß wir nichts mehr von ihm wissen, Als was jezt nur dem Verstand, Aus Natur und Schrift bekant. E ine GOttheit zu ergruͤnden, Das heist blos Ohnmoͤglichkeit; Und sich das kuͤhn unterwinden, Das heist aus Verwegenheit, Etwas klaͤrlich fassen wollen, Was wir hier nur glaͤuben sollen, Da das Auge nicht geschikt, Daß es einen GOtt erblikt. D as Erkenntnis ihn zu lieben, Haben wir in dieser Welt, Wer sich darin wird recht uͤben, Komt in jenes Himmels-Zelt, Dort in den verklaͤrten Auen, Jst er deutlicher zu schauen: Wo des Abgrunds Dunkelheit, Jmmer helle Strahlen streut. Seh- Die Tieffen der GOttheit. S ehnet euch ihr regen Sinnen, Von des Koͤrpers Last befreit, Nach den lichten Himmels-Zinnen, Der verklaͤrten Ewigkeit. Schwinge deiner Sehnsucht Fluͤgel, Geist! nach jenem Sternen-Huͤgel, Wo die Tieffen erst vergehn, Und der GOttheit Licht zu sehn! D och so lange du im Wallen, Jn der Unvollkommenheit, Trachte dem stets zu gefallen, Der ein HErr der Herrlichkeit. Jhr gefluͤgelten Gedanken, Bleibt in den gemeßnen Schranken, Und wagt euch mit euren Sin, Nie zu GOtt ohn Ehrfurcht hin! E wig undurchdringlich Wesen, Laß mich deine Herrlichkeit, An den Kreaturen lesen; Gib daß ich hier in der Zeit, Dich in deinem Bibelbuche, Weiter zu erkennen suche: Daß ich aber deine Hoͤh, Dabei ohne Vorwiz seh! W as ich nicht vermag zu kennen, Davon kehre meinen Blik; Laß mich nicht in Tieffen rennen, Sondern ziehe mich zuruͤk; Y 4 Laß Die Tieffen der GOttheit. Laß mich nur im Heilgen bleiben, Wenn mich will der Wiz antreiben, Jn das Heiligste zu gehn: Hier hab ich genug zu sehn. L aß mich Andachts-voll betrachten, Wie du ein verborgner GOtt, Der im Dunklen hoch zu achten: Laß mich grosser Zebaoth Bei den schwindelnd bangen Grauen, Dein Licht auch dabei anschauen; Zeig mir deine Herrlichkeit, Auch hienieden in der Zeit. W enn das Sterbliche verschlungen, Und das Stuͤkwerk dreinst vergeht, Wird mein Lied das matt geklungen, Jn der Geister-Welt erhoͤht, Da soll mein hier kindisch Lallen, Dir, im hoͤhern Chor erschallen, Wenn dein Licht mir das anzeigt, Was Natur und Schrift verschweigt. Der Der Zorn. Der Zorn . Jacob. I. 20. Des Menschen Zorn thut nicht was vor GOtt recht ist. E in flatternd Feuer im Gemuͤte, Ein schaͤumend Wallen im Gebluͤte, Jn unsrer Adern Wunderborn, Erregt der fuͤrchterliche Zorn: Den Zorn entflammt die Eigen- liebe, Die Rachsucht staͤrket seine Triebe, Die zaͤrtliche Empfindlichkeit Begleitet ihn zu jeder Zeit, Die Hofnung sucht durch spize Dornen, Jhn auch noch ferner anzuspornen. D as ist der Zorn, das Kind der Hoͤllen, Der das Gebluͤt pflegt aufzuschwellen, Und das Gemuͤt in Wallung sezt, So bald es sich nur duͤnkt verlezt. Ein Wort sezt ihn in Dampf und Flammen, Da Stolz und Rachbegier zusammen, Wie Pech und Schweffel Feuer spein, Und Licht und Dampf und Stank ausstreun: Der Zorn der pflegt bei seinen Wittern, Nicht andre, sondern sich zu splittern. O ! stuͤrmisch rauhe Leidenschaften Die in der Menschen Seele haften, Jhr Feinde der Zufriedenheit, Y 5 Unhol- Der Zorn. Unholden aller Menschlichkeit! Entfernet euch aus denen Seelen, Jhr kommt das Herze nur zu quaͤlen, Und wenn ihr unsern Trieb vergnuͤgt, So habet ihr uns ganz besiegt, Und macht uns gleich den wilden Thieren, Da wir die Menschlichkeit verliehren. E in Zorniger bei seinem Brennen, Jst nicht ein Mensche mehr zu nennen, Ein Loͤw, ein Tyger, Wolf und Baͤr, Ein Basilisk, und was noch mehr Vor fuͤrchterliche Thiere leben, Die uns derselben Bildnis geben: Denn wo die Wuth das Herz erregt, Das Blut gleich Meereswellen schlaͤgt, Kan die Vernunft ja nicht regieren, Die bei uns muß das Ruder fuͤhren? O ! eilet alle aus dem Wege, Hier wird der Zorn im Adern rege, Er bricht schon los, und das Gesicht, Umwoͤlkt das tieffe Augenlicht: Das Blut erroͤthet schon die Wangen, Das Auge wil gleich Feuer fangen, Der Lebenssaft der schlaͤgt zuruͤk; Ein blasser Basilisken Blik Glimmt durch, und ist nicht mehr zu zaͤumen, O! sehet den Beseßnen schaͤumen. W ie raset nicht der blinde Eiffer, O! was vor Gift, o! was vor Geiffer Sprizt wie ein Jaͤscht aus seinen Mund Und macht das boͤse Herze kund. Er Der Zorn. Er flucht und schmaͤhlt, er tobt und bellet, Da er sich gleich dem Hunde stellet, Der grimmig in die Steine beißt, Damit man ihn verlezt und schmeißt: Er schilt, er laͤstert, droht und heulet, Bis sich die Witterung zertheilet. G leich wie ein Meer wenn es erbittert, Jn seinen Uffern schreklich wittert Die Wellen welzt und tobend baͤumt, Die es in Zischen ausgeschaͤumt: Die Wellen an die Klippen rennet, Daran der Fluthen Wuth zertrennet, Und wiederum von Wind erregt, Von neuen an dieselben schlaͤgt, Bis es mit einem nassen Pochen, Der Riegel Damm entzwei gebrochen: S o wuͤten die mit Zorn und Grimme, Bald ihres Eifers Donner Stimme Erheben, und bald Wirbel drehn, Die bei dem Herzen stille stehn. So rasen der Affecten Heere Jm aufgewalten Adern-Meere, Und brechen bei dem Sturm und Braus, Zulezt in Ueberschwemmung aus, Da alles was entgegen stehet, Durch ihm zerschellt, zu Boden gehet. B esinnet euch ihr albern Tohren, Das was ihre andern habt geschworen, Das trift euch selbst und da ihr droht, Bestimmet ihr euch selbst den Tod. Jhr Der Zorn. Jhr wolt, o! blind und tolles Wagen! Mit eurer Wuht den Fels zerschlagen, Es sollen oft Erz, Marmel, Stein Durch euren Grim zerbrochen seyn: Jhr rennt; daran ihr prallt zuruͤkke, Der Fels bleibt stehn; ihr brechts Genikke. E in zorniger der schadt sich selber, Und oͤfnet sich die Sterbgewoͤlber Wo er als Staub und Asche liegt, Von kleinen Wuͤrmern wird besiegt. Der alles wil zu Boden schlagen, Der muß sich selbst im Grim zernagen Bis er den welken Ueberrest, Den Maden dreinst zur Beute laͤst; Die Seele in die Hoͤlle bringet, Die feurig in die Flammen springet. J hr prahlt von dem gerechten Eifer, Und ziehet eurem grimgen Geifer, Das Kleid der reinen Tugend an, Jhr denkt: ihr habet recht gethan, Wenn ihr mit eurem strengen Wuͤten, Der Bosheit Raserei bestritten: Allein ihr irrt. Der Zorn taugt nicht, Wenn er das Boͤse gleich zerbricht; Gerechter Eiffer wird verspuͤrret, Wo Liebe und Gedult regieret. W er Ungerechtigkeit besieget, Und seine Jchheit nicht bekrieget, Der ist, wenn er die ganze Welt Beherrschet, doch kein grosser Held. O! Der Zorn. O! merket dies bei euren Rasen, Und stilt das Schnauben eurer Nasen, Die Sanftmuth bessert nur allein, Und wer gedenkt ein Held zu seyn, Der muß sich erst darauf besinnen, Wie er am besten kan gewinnen. W o Wuth und Rachbegierde funkeln, Da muß sich der Verstand verdunkeln, Und wo das Licht der Seelen fehlt, Da wird nie guter Rath gewaͤhlt: Wo die Affecten Meister spielen, Da wird man nie den Zwek erzielen, Man druͤkt den Pfeil ins eigne Herz, Und macht sich selber Gram und Schmerz, Und wenn wir uns selbst zitternd machen, So kan der Feind uns frei auslachen. B edenket dies bei euren Pochen, Und laßt zuerst das Blut verkochen, Das siedend in den Adern brennt, Eh ihr den Feind entgegen rennt. Und von der Leidenschaft befreiet, So thuet, was euch nie gereuet; Was euch als wahre Christen ziert, Die sanfte Neigung nur regiert: Erstikket durch des Geistes Triebe Den Zorn, erregt das Feur der Liebe. J hr muͤßt, wenn eure Adern schwellen, Euch erst vor einem Spiegel stellen; So wird die Feuerrothe Wut, Eh sie den Naͤchsten Schaden thut Von Der Zorn. Von Scham gedaͤmpft, zuruͤk getrieben; Lernt nur vernuͤnftig euch zu lieben, So wird eur zorniges Gesicht, Schon vor des Herzens Selbstgericht, Als schamroth wiederum erbleichen; So wird eur hartes Herz erweichen. K oͤnnt ihr den aufgebrachten Willen, Der Adern Wallung noch nicht stillen, So ruffet den Erloͤser an, Der Wind und Meer bald stillen kan. Gedenket an die Todes-Stunden, Und eilet zu des Heilands Wunden, Da findet ihr der Liebe Flut, Loͤscht damit eures Zornes Glut: So ist das Feuer bald gestillet, Was in verdorbnen Blute schwillet. Das Das dankbahre Herz. Das dankbahre Herz bei der Empfin- dung der Guͤte GOttes nach vollbrachter Erndte. Ps. XXXIV. 9. Schmekket und sehet, wie freundlich der HErr ist: wol dem der auf ihm trauet. G rosser Schoͤpfer! deine Gaben, Und die Sprossen deiner Guͤt Die die Zungen reichlich laben, Die erfreuen das Gemuͤth, Treiben mich in holden Singen, Ein Dankopfer Dir zu bringen. W elch ein uͤberreicher Seegen, Deiner ewgen Guͤtigkeit, Hat uns durch ein wallend Regen, Fetter Frucht, das Herz erfreut! Da der Felder dichte Halmen, Uns bewegt zu Lob und Psalmen! N unmehr sind sie eingescheuret, Und der Mund geniesset schon, Was die Allmacht hat verneuret: Nunmehr sol mein Jubelthon, Aus vergnuͤgter Seele fliessen, Da wir deines Guts geniessen. Va- Das dankbahre Herz. V ater! solte nicht die Seele, Satt von deiner Guͤte seyn, Da durch leibliche Canaͤle Deines Seegens Gnadenschein, Da durch koͤrperliche Sinnen, So viel Wolluststroͤme rinnen? W ir geniessen lauter Wunder, Die die weise Allmacht zeigt, Und daraus entbrennt der Zunder Der das Herz zur Liebe neigt: Du giebst uns das Korngerichte, Nim davor der Andacht Fruͤchte. S o viel Koͤrner, so viel Halmen, Uns die Erndte hat beschert; So viel Lob und Dank und Psalmen, Verdient der, der uns ernaͤhrt! Waͤren alle Glieder Zungen, Wuͤrdest Du nicht gnug besungen. S o viel Nahrungsreiche Bissen, Aus der Koͤrner Mark entstehn, Und wir dieses Jahr geniessen: So viel muß man dich erhoͤhn! Moͤchte doch der Zungen Schmekken, Dazu meinen Geist erwekken! A uf mein Herz! stets zu bedenken, Was die Vorsicht hat gethan; So wird sie die Triebe lenken, Da sie alles lenken kan, Daß ich koͤnn aus reiner Seelen, Was mein Mund geschmekt, erzaͤhlen! Re- Register der in dem zweiten Theile befindlichen Poesien. Der Sommer Pag. 1 Die mannigfaltige Weisheit GOttes, im Reiche der Gnaden bei der Offenbahrung des Erloͤsers 24 Die angenehme Morgenroͤthe 41 Anrede an den herrlichen GOtt um Abwendung schreklicher Ungewitter 49 Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blu- men 51 Die Traͤume derer, die da glauben, daß die See- le nach dem Tode schlafe 73 Die Schaubuͤhne der Welt 74 Die weise Guͤte GOttes bei der Zulassung des Boͤsen 85 Das gute Gewissen 99 Zweyter Theil. Z Der Register. Der Akker ein Bild des menschlichen Herzens 101 Die Thautropfen des Feldes, als Spiegel der Gottheit 106 Die gruͤne Saaten 111 Die blaue Kornblume 114 Die Weisheit GOttes an einem Kornhalm 118 Gedanken uͤber ein faules und bei der Nachtzeit scheinendes Holz 125 Ueber die Worte: Der am Kreuz ist meine Liebe 128 Die betrachtenswuͤrdige Korn-Aehre ein Zeuge goͤttlicher Weisheit 131 Die kuͤnstliche Spinne mit ihren Geweben 136 Die Herrligkeit der Lilien 146 Der Mensch gleicht Staub und Schatten 151 Die Aufferstehung JEsu der Grund der Glaͤu- bigen zu ihrer seeligen Aufferstehung 153 Der Regen 177 Der buntgefaͤrbte Regenbogen 185 Das goͤttliche Aufsehen uͤber die Kirche 190 Die Liebe 192 Der Neid 197 Die Stimme GOttes im Hagel 203 Die Lehrreiche Weltschule 209 Die Seele das Kostbahrste Kleinodt der Men- schen 205 Anrede an diejenigen die sich mit bangen Nah- rungssorgen quaͤlen 222 Gedanken uͤber J. C. H. Beitrag zum irdischen Vergnuͤgen 225 Anreden an GOtt uns seine Eigenschaften auf den Feldern sehen zu lassen 226 Seufzer nach einer geloͤschten Feuersbrunst 229 Der Register. Gedanken uͤber einem alten Man der vom Wa- gen todt gefallen 231 Grabschrift eines ehrlichen Mannes. 232 Grabschrift einer Mutter die an dem Begraͤbnis Tage ihres einzigen Sohnes gestorben 233 Auf das Grab einer Persohn die in Kindesnoͤ- then gestorben 234 Auf eine verstorbene fromme Jungfer 235 Lob GOttes aus dem Buche der Natur in einer poetischen Uebersetzung des 104. Psalms 236 Die Gottgefaͤllige Augenlust 245 Gedanken bei dem Anblik eines mit Bohnen be- saamten Akkers. 251 Die schnel entstandnen und schnel vergangnen Wasserblasen 254 Die wunderbahre Vermehrung des Getraides 255 Daß die Wolthat GOttes, die er uns durch die Erndte bewiesen, vielen eine unerkandte Wol- that sey 258 Die Stimme GOttes im Donner 264 Die selten bluͤhende Aloe 277 Die Welt ein Land der Eitelkeit 282 Was Leben heisse 287 Die Gelegenheit 289 Der groͤsseste Betrieger 290 Die wahre Froͤmmigkeit 292 Der Misbrauch der Guͤte GOttes der von eini- gen Blumenliebhabern begangen wird 293 Gedanken bei dem Anblik eines leeren Feldes 298 Ueberschrift an die mit Fruͤchten gefuͤlleten Scheuren 390 Der Wind 302 Der stolze Pfau 319 Z 2 Die Register. Die Gedult 322 Die Kaiserkrone 329 Die Tieffen der Gottheit 333 Der Zorn 333 Das Dankbahre Herz bei der Empfindung der Guͤte GOttes nach volbrachter Erndte 351