Herrn B. H. Brockes, Rahts-Herrn der Stadt Hamburg, Jrdisches Vergnuͤgen in GOTT, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten, nebst einem Anhange verschiedener dahin gehoͤrigen Uebersetzungen. Zweyter Teil. Uebersehen, zum Druck befoͤrdert, und mit einer Vorrede begleitet von Weichmann. HAMBURG, in Verlegung Joh. Christoph Kißners, 1727. Dem Durchleuchtigsten Fuͤrsten und Herrn, HERRN Friederich, Herzoge zu Braunschweig und Luͤneburg, auch Herzoge zu Edinburg, etc. etc. etc. Meinem Gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn. Durchleuchtigster Herzog, Gnaͤdigster Fuͤrst und Herr! W aͤre ich nicht so gluͤcklich, von Eur. Koͤnigl. Ho- heit eine gnaͤdigste Er- laubniß zu haben, daß Deroselben ich gegenwaͤrtiges Poe- tisches Zuschrift. tisches Werk in Unterthaͤnigkeit wid- men duͤrfte; so wuͤrde hieselbst zufoͤr- derst diejenigen Umstaͤnde erzehlen muͤssen, die zu Bezeugung meiner demuͤtigsten Ehrerbietigkeit mich nicht allein aufmuntern, sondern zu- gleich berechtigen und verpflichten. Wenigstens steht bis itzund kein an- deres und besseres Mittel in mei- nem Vermoͤgen, Eur. Koͤnigl. Ho- heit fuͤr Dero ausnemende Gnade gegen mich, und insonderheit den ehedem so Huld-reich verstatteten Zutritt zu Deroselben meinen Dank- begierigsten Eifer zu zeigen, als eben dieses. Das Buch selbst, welchem Dero Preis-wuͤrdigsten Namen hiemit vorzusetzen die Ehre habe, ist mei- nes wenigen Ermessens Jhren ho- hen Reigungen so wol als ihrer gros- sen Faͤhigkeit gemaͤß, und daher zu Beobachtung meiner ehrerbietigsten * 3 Pflicht Zuschrift. Pflicht eine nicht unwuͤrdige Gele- genheit. Es ist in reinem Teutsch geschrie- ben: und Eu. Koͤnigl. Hoheit wuͤr- digen nicht allein Jhre Landes- Sprache einer ganz besondern Hoch- achtung, sondern besitzen zugleich in vielen anderen Sprachen eine der- massen fertige Wissenschaft, daß Sie die Schoͤnheit und den Nachdruck der Teutschen desto genauer daraus zu beurteilen wissen. Es handelt von allerhand Din- gen aus der Natur-so wol als Sit- ten-Lehre: und es ist zur Gnuͤge be- kannt, wie sehr Eu. Koͤnigl. Hoheit diese beyderley Wissenschaften lie- ben, ja daß Sie uͤberhaupt an der- gleichen Schriften ein hohes Ver- gnuͤgen finden, die mit denselben auch nur in einiger Verwandschaft stehen. Die Zuschrift. Die Ahrt des Vortrages in die- sem Werke ist nicht allein angenem, sondern auch munter: und eben das schickt sich fuͤr einen so aufgeweckten, lebhaften und feurigen Geist, als man schon lange an Eur. Koͤnigl. Hoheit hat bewundern muͤssen. Es fuͤhret zur Erkenntniß so wol GOttes als unser selbst: und Eur. Koͤnigl. Hoheit hoͤchst-leutselige Menschen-Liebe gibt schon allen Dero Unterthanen eine freudige Ueberzeugung, daß Sie eines Teils eine Goͤttliche Ober-Herrschaft uͤber Sich erkennen, andern Teils auch Sich Selber weniger als einen Prinzen, denn als einen Menschen betrachten, Der einzig zu anderer Menschen Gluͤckseligkeit gebohren worden. Es ist uͤberdem von einem Ver- fasser, dem Eu. Koͤnigl. Hoheit eben- * 4 falls Zuschrift. falls in hoͤchster Person viele Gna- de erwiesen haben, und der selber in gegenwaͤrtigem Buche, mit Be- ruͤhrung Jhrer grossen Vorzuͤge, dasselbe ruͤhmlichst erwehnet. Dieses, Durchleuchtigster Her- zog, ist zwar ein Teil desjenigen, was ich hieselbst umstaͤndlicher sagen muͤste, falls nicht Jhre ausdruͤckliche hohe Erlaubniß dem allen zuvor ge- kommen waͤre; es ist aber in der That nur ein gar kleiner Teil da- von. Die mit den ersten Jahren mir eingepflanzte Ehrfurcht fuͤr das nunmehro Koͤnigliche Haus Braun- schweig, und daß ich den Vorteil habe, nicht nur Dessen gebohrner Unterthan zu seyn, sondern auch Eur. Koͤnigl. Hoheit Huld-reiche Zuneigung ins besondere zu genies- sen, ist die vornemste Bewegniß, die mich schon lange zu dieser Ahrt ei- ner unterthaͤnigsten Ehrerbietigkeit ange- Zuschrift. angefeuert hat. Jch schaͤtze auch wuͤrklich besagten Vorteil so viel wichtiger, je mehr ich dadurch an demjenigen grossen und allgemeinen Gluͤcke Teil nemen kann, welches, nebst unserm Teutschlande, zugleich das entfernte Groß-Britannien von der kuͤnftigen, weisen und gelin- den Regierung eines so gewuͤnsch- ten Prinzens in zuverlaͤssigster Hoff- nung sich vorstellet. Wollte nur GOtt, daß Eu. Koͤ- nigl. Hoheit die zu Erfuͤllung dieser Hoffnung gehoͤrige Zeit bey voll- kommenen Leibes- so wol als Ge- muͤts-Kraͤften erleben, und, wie an Verdiensten, so auch an Jahren Jhrem Aller-Durchleuchtigsten Groß-Herrn-Vater gleich kommen moͤgten! Mit wie eifrigem Ver- gnuͤgen wuͤrden alsdann Dero Un- terthanen die seltenen Eigenschaf- ten, Christ-Fuͤrstlichen Tugenden * 5 und Zuschrift. und alle zur Wolfahrt des Mensch- lichen Geschlechts abzielende Thaten Eur. Koͤnigl. Hoheit gleichsam in die Wette erzehlen, und Jhr ruͤhmlich- stes Beyspiel, auch zu anderer Re- genten Aufmunterung, der Nach- Welt anpreisen! GOtt erhalte Dieselben bey der- jenigen großmuͤtigen, billigen und liebreichen Gemuͤts-Beschaffen- heit, die schon zum voraus so vieler Laͤnder Trost und Freude ist! Da- durch werden Eu. Koͤnigl. Hoheit Sich hauptsaͤchlich jederzeit als ei- nen grossen Prinzen zu erkennen ge- ben, und Jhr hoher Name wird bey der itzigen Welt ein Segen, bey den Nachkommen aber ein Wunder seyn. Jch sehe dieß alles mit der emp- findlichsten Vergnuͤgung bereits als gegenwaͤrtig vor Augen, und ver- Zuschrift. verharre unterdessen in vollkomme- ner, demuͤtigster Ehrfurcht Eur. Koͤnigl. Hoheit, Meines Gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn, Hamburg, den 3ten Dec. 1726. unterthaͤnigster Knecht, Christian Friedrich Weichmann. Vor- Vorrede. S o unbegreiflich GOtt in Seinem Wesen und in der Ahrt Seiner Regierung ist; so augenscheinlich hat Er gleichwol durch die grosse Mannigfaltigkeit Seiner wunderbaren Ge- schoͤpfe Sich geoffenbaret, und auf solche uͤberzeugende Ahrt offenbaret Er Sich noch taͤglich durch deren bestaͤndige Erhaltung, Fortpflanzung und Versorgung. Die Ver- nunft erkennet solches nur gar zu wol, und das Goͤttliche Wort selbst koͤmmt ihr dermas- sen darin zu Huͤlfe, daß es vielmehr noch hinzu thut, wie GOtt nicht allein aus dieser Ahrt Seiner Offenbarung ausdruͤcklich von den Menschen erkannt seyn wolle, sondern zugleich nach aͤussersten Kraͤften deßwegen von ihnen gepriesen werden. Zwar ist es gewiß, was die Schrift ebenfalls erinnert, daß diejenigen, die ohne fer- Vorrede. fernere Anleitung aus der blossen Natur GOtt suchen und gern fuͤnden/ die mit Seinem Geschoͤpfe umgehen, und ihm nachdenken/ im Ansehen koͤnnen ge- fangen werden/ und irren/ weil die Creaturen so schoͤne sind: Sap. XIII, 6, 7. daher auch GOtt Selber bewogen worden, den Befehl ergehen zu lassen, daß du deine Augen nicht aufhebest gen Himmel/ und sehest die Sonne/ den Mond und die Sterne/ und das ganze Heer des Himmels/ und fallest ab/ und betest sie an/ und dienest ihnen; V. Mos. IV, 19. doch erhel- let aus dem allen, daß man unter den Hey- den, und ehe noch die Goͤttlichen Gebote den Voͤlkern gegeben worden, wenigstens viel emsiger GOtt in Seinen Werken gesuchet habe, als zu gegenwaͤrtigen Zeiten, da diest Gebote solches aufs deutlichste von uns er- fodern. Besagter Einwurf kann auch wuͤrk- lich itzund desto weniger statt finden, je mehr eines Teils eben dieselben Gebote, bey Un- tersuchung der Goͤttlichen Werke, uns gegen allen Jrrtum in Sicherheit stellen, und je ernstlicher wir andern Teils zu dieser Un- tersuchung an vielen Orten dadurch an- gewiesen werden. Ueber- Vorrede. Ueberhaupt fuͤhret uns die Schrift gar haͤufig in die Natur, daraus sie nicht allein die angenemsten Beschreibungen, Gleich- nisse, Parabeln und Erlaͤuterungen, sondern auch oͤfters so gar Beweistuͤmer von dem Wesen, der Weisheit, der Liebe und der All- macht GOttes hernimmt. Das erste fin- den wir durchgehends in allen Buͤchern der- selben, vornemlich beym Hiob, in den Psal- men, in den Spruͤchen Salomons, im Pre- diger Salomo, im hohen Liede, im Buche der Weisheit, im Sirach, im Baruch, und in den Briefen, die Paulus geschrieben. Weil es aber viel eher ein ganzes Buch, als bloß eine Vorrede ausmachen wuͤrde, dafern man auch nur die erlesensten Stellen davon in gehoͤrigem Zusammenhange anfuͤhrte; so bleibe ich billig fuͤr dießmal beym letzten, nemlich bey denjenigen Schrift-Oertern, die insonderheit vom Beweis und Erkennt- niß GOttes aus Seinen Werken handeln. Die Schrift saget nicht allein ausdruͤck- lich: der Welt-Kreis sey voll Geistes des HErrn/ Sap. l, 7. ingleichen an einem an- dern Orte: Sein unvergaͤnglicher Geist sey in allen/ Sap. XII, 1. und abermals: Er sey es gar; Sir. XLIII, 29. sondern sie gebrauchet sich auch der Vorrede. der Redens-Ahrten, daß man Jhn in den Geschoͤpfen nicht nur sehen und finden, son- dern zugleich fuͤlen, schmecken und hoͤren koͤn- ne. Daher spricht auch David: Die Him̃el erzaͤhlen die Ehre GOttes/ und die Fe- ste verkuͤndiget Seiner Haͤnde Werk. Ps. XIX, 2. Vornemlich aber erklaͤret sie sich uͤber dieß alles so wol in Absicht auf die Werke selbst, als in Absicht auf unsere taͤgliche Versorgung. Jn Absicht auf das erste sa- get sie: GOttes unsichtbares Wesen/ das ist/ Seine ewige Kraft wird er- sehen/ so man deß wahrnimmt an den Werken/ nemlich an der Schoͤp- fung der Welt. Rom. I, 20. Und anderwaͤrts: Es kann ja an der grossen Schoͤne und dem Geschaͤffte der Werke deren Schoͤpfer/ als im Bilde/ erkennet wer- den. Sap. XIII, 5. Man siehet Seine Herrlich- keit an der maͤchtigen grossen Hoͤhe/ an dem hellen Firmament/ an dem schoͤnen Himmel. Sir. XLIII, 1. Jn Absicht auf das letzte hingegen heisset es: Und zwar hat Er Sich selber nicht unbezeugt gelassen, hat uns viel Gutes gethan/ und vom Himmel Regen und frucht- bare Vorrede. bare Zeiten gegeben/ unsere Herzen erfuͤllet mit Speise und Freuden. Act. XIV, 17. Vornemlich ist es merkwuͤrdig, daß GOtt Selber, wenn die Bibel in Seinem Namen redet, Sich besonders auf Seine Werke zu beziehen, und sie den Menschen, als ein unleugbares Zeugniß Seiner All- macht, vor Augen zu stellen pfleget. Jch bin der HErr/ sind Seine Worte, Der alles thut; Der den Himmel ausbrei- tet allein/ und die Erde weit machet ohne Gehuͤlfen. Es. XLIV, 24. Jch habe die Er- de gemacht/ und den Menschen darauf geschaffen. Jch bins/ Dessen Haͤnde den Himmel ausgebreitet haben/ und habe alle seinem Heer geboten. Es. XLV, 12. Durch dieß alles aber hat der lieb- reiche GOTT nicht allein seit einigen tau- send Jahren Sich den Menschen gezeiget, sondern auch hauptsaͤchlich dabey den End- zweck gehabt, daß sie Jhn daraus erkennen sollten, oder, wie die Schrift selbst redet, daß sie den HERRN suchen sollten/ ob sie doch Jhn fuͤlen und finden moͤg- ten. Act. XVII, 27. Er hat ihnen Vernunft/ Sprache/ Augen/ Ohren/ Verstand und Vorrede. und Erkenntniß gegeben. Er hat ihnen beydes Gutes und Boͤses gezei- get. Er hat sie vor andern Thieren sonderlich angesehen; und zwar, wie die so gleich beygefuͤgte Ursache lautet, ih- nen zu zeigen Seine grosse Maje- staͤt. Sir. XVII, 5-8. Demnach weiset uns auch die Schrift ausdruͤcklich, zu diesem Endzweck, auf die Natur, und hat gar haͤufige Vermanungen, sie, zur Ehre Jhres grossen Meisters, in fleis- sige Betrachtung zu ziehen. Siehe an die Werke GOttes! saget der Prediger, Eccl. VIII, 14. und Jesaias so wol als David laden ebenfalls jedermann zu Beobachtung die- ser Pflicht ein. Hebet eure Augen in die Hoͤhe/ spricht Jesaias, und sehet: wer hat solche Dinge geschaffen? Es. V, 11. 12. Bey dem Psalmisten heisset es: Schmecket/ und sehet/ wie freundlich der HErr ist! Ps. XXXIV, 9. Kommet her/ und sehet an die Werke GOttes/ Der so wunder- barlich ist mit Seinem Thun unter den Menschen-Kindern! Ps. XLVI, 5. Sie weiset uns aber nicht allein auf den Zusammenhang der Natur uͤberhaupt, ** son- Vorrede. sondern noch uͤberdem fast auf alle einzelne Teile derselben. Frage doch das Vieh! saget sie, das wird dichs lehren; und die Voͤgel unter dem Himmel! die wer- den dirs sagen; oder rede mit der Er- de! die wird dichs lehren/ und die Fi- sche im Meer werden dirs erzaͤhlen. Job. XII, 7. 8. Schaue gen Himmel/ und siehe/ und schaue an die Wolken! Job. XXXV, 5. Sie- he den Regen-Bogen an/ und lobe Den/ Der ihn gemacht hat! Denn er er hat sehr schoͤne Farben! Sir. XLIII, 12. GOtt donnert mit Seinem Donner graͤu- lich, und wird doch nicht erkannt. Hoͤret doch/ wie Sein Donner zuͤr- net, und was fuͤr ein Gespraͤch aus Seinem Munde gehet! Job. XXXVII, 2. 5. Erken- net/ daß der HERR GOTT ist! Er hat uns gemacht/ und nicht wir selbst. Ps. CI, 3. Hebet eure Augen auf, und sehet in das Feld! Joh. VI, 35. Und wer kann sich Seiner Herrlichkeit satt sehen? Sir. XLIII, 1. Der Heyland Selber fuͤhret uns eben- falls auf die Natur, und durch dieselbe auf GOTT, wenn Er uns die Sperlinge, die Raben Vorrede. Raben, die Voͤgel uͤberhaupt, und die Liljen vorstellet, die ohne ihre einzige Sor- ge von GOTT ernaͤhret, und geschmuͤckt werden. Kaufet man nicht zween Sperlinge/ spricht Er, um einen Pfen- nig? Noch faͤllt derselben keiner auf die Erde/ ohne meinen Vater. Matth. X, 29. Ne- met wahr der Raben! Luc. IIX, 24. Sehet die Voͤgel unter dem Himmel an! Sie saͤen nicht/ sie erndten nicht/ sie samm- len nicht in die Scheunen; und euer Himmlischer Vater ernaͤhret sie doch. Schauet die Liljen auf dem Felde/ wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht/ auch spinnen sie nicht; Jch sage euch aber/ daß auch Salomo in aller seiner Herr- lichkeit nicht ist bekleidet gewesen/ wie derselben eins. Matth. VI, 26. 28. 29. Ja die Schrift bestrafet diejenigen sehr hart, welche die Geschoͤpfe GOttes so kaltsinnig uͤbersehen, oder, wie sie selbst redet, die an den sichtbarlichen Guͤtern Den/ Der es ist/ nicht erkennen/ und an den Werken nicht sehen/ wer der Meister ist. Sap. XIII, 1. David schilt sie fuͤr Nar- ren, und Jesaias rufet das Wehe uͤber sie ** 2 aus. Vorrede. aus. Wehe denen/ heisset es, die nicht sehen auf das Werk des HErrn/ und schauen nicht auf das Geschaͤffte Sei- ner Haͤnde! Es. V, 11. 12. HErr, wie sind Dei- ne Werke so groß! Ein Narr achtets nicht. Ps. XCII, 6. 7. Denen hingegen, welche dieser Pflicht nachkommen, verspricht sie ein sonderbares Vergnuͤgen daraus, wenn sie mit einem freudigen Affect ausrufet: Groß sind die Werke des HErrn! Wer ihrer achtet/ der hat eitel Lust daran. Ps. CXI, 2. Jndessen ist es nicht genug, daß man die Geschoͤpfe GOttes nur betrachte, und Jhn einiger Massen daraus kennen lerne, sondern Er will zugleich ausdruͤcklich von den Menschen daruͤber angebetet, gefuͤrch- tet und gepriesen seyn. Betet an/ saget die Schrift, Den/ Der gemacht hat Him- mel und Meer und die Wasser-Brun- nen! Ap. XIV, 7. Lasset uns doch den HErrn/ unsern GOtt fuͤrchten/ Der uns Fruͤh- Regen und Spat-Regen zu rechter Zeit gibt/ und uns die Erndte treulich und jaͤhrlich behuͤtet! Jer. V, 24. Jauchzet GOtt/ Vorrede. GOtt/ alle Lande! Lobsinget zu Eh- ren Seinem Namen! Ruͤhmet Jhn herrlich! Sprecht zu GOtt: Wie wunderlich sind Deine Werke! LXVI, 1-3. Singet loͤblich/ und lobet den HErrn in allen Seinen Werken! Preiset Sei- nen Namen herrlich! Danket Jhm/ und lobet Jhn mit singen und klingen/ und sprecht also im Danken: Alle Werke des HErrn sind sehr gut/ und was Er gebeut/ das geschicht zu rech- ter Zeit. Sir. XXXIX, 19-21. Daher sehen wir auch, wie haͤufig, und mit welchem froͤhligen Eifer die heili- gen Maͤnner GOttes von den Werken dieses grossen Werkmeisters anzustimmen pflegen. HERR/ wie sind Deine Werke so groß und viel! spricht David, Du hast sie alle weislich geordnet/ und die Erde ist voll Deiner Guͤter. Ps. CIV, 24. HErr/ Du laͤssest mich froͤhlig singen von Deinen Werken/ und ich ruͤhme die Ge- schaͤffte Deiner Haͤnde. HErr/ wie sind Deine Werke so groß! Ps. XCII, 5. 6. Jch ** 3 wer- Vorrede. werde nicht sterben/ sondern leben/ und des HErrn Werk verkuͤndigen. Ps. XIIX, 17. Der Stellen aber, auf welche Wei- se sie solches thun, ist eine viel zu grosse An- zahl, als daß auch nur eine Wahl darunter zu treffen waͤre. Jndessen koͤnnen diejeni- gen zum Exempel dienen, die im ersten so wol als gegenwaͤrtigen Teile dieses Buches, nebst beygefuͤgter poetischer Ubersetzung, vorkommen. Nachher zwar ist die Ahrt, oder viel- mehr die Bemuͤhung, den Schoͤpfer aus den Geschoͤpfen zu erkennen, und Jhn da- her zu preisen, leider! fast gaͤnzlich hindan gesetzt worden; doch finden wir, daß nicht allein die Kirchen-Vaͤter, und sonderlich diejenigen, die uͤber die sechs Tage-Werke GOttes geschrieben, sondern auch ver- nuͤnftige Heyden, und einige Natur-For- scher mit vielem Nachdruck darauf ge- drungen haben. Unter diesen beziehe ich mich, der Kuͤrze wegen, vor allen andern auf das einzige Buch des Galenus, welches er vom Nutzen der menschlichen Glied- massen Περὶ χρείας τῶν ἐν ἀνϑρώπου σώματι μορίων. geschrieben, und davon ein ge- Vorrede. gewisser Gelehrter, Sebast. Meyerus, M. Dr. in Præf. libri, cui ti- tulus: Augustæ laudes divinæ Majestatis, cunctis pensandæ mortalibus, a 139. miraculis in homine, e divinis Galeni de usu partium libris 17. selectæ. Friburgi Brisg. 1627. 12. der es ins kurze zusammen gezogen, dieses ruͤhmet, daß er, naͤchst der Heiligen Schrift selbst, niemals was besseres gelesen habe. Die ersten hin- gegen betreffend, so begnuͤge ich mich, von der unzaͤhligen Menge ihrer schoͤnen Ge- danken hieruͤber nur dasjenige anzufuͤhren, was Gregorius saget, daß wir nemlich zu GOtt kommen/ wenn wir in den- jenigen Dingen/ die Er geschaffen hat/ Seinen Fußstapfen nachgehen. Vestigia Creatoris per hæc, quæ ab Ipso sunt, sequen- do, imus ad Ipsum. Moral. L. XXVI. Cap. 8. Unter den GOttes-Gelehrten unserer Kirche hat vornemlich der treffliche Johann Arndt in dem ganzen vierten Buche vom wahren Christenthum eben dieselbige Ma- terie mit gehoͤriger Wuͤrdigkeit abgehandelt; aber auch, ich weiß nicht warum, noͤtig ge- funden, in der Vorrede davon sich deßwe- gen gleichsam zu entschuldigen, und zum Voraus zu verteidigen. Jch will indessen ** 4 eini- Vorrede. einige Stellen aus diesem Buche anfuͤhren, weil sie vielleicht den meisten desto weniger bekannt sind, je mehr sonst der Name so wol als der Verfasser desselben bekannt gewor- den, und je genauer sie mit verschiedenen Ge- danken in gegenwaͤrtigen Poesien uͤberein stimmen. Wer siehet nun nicht, saget der er- leuchtete Mann, unter dem Erd-Gewaͤchse allein (welches doch das geringste ist, davon er schreibet) viele tausend Zeugen der Liebe, Guͤte und Allmacht GOttes? Da hat GOtt zugeruͤstet eine grosse Apothec und ein grosses Kraͤuter-Buch, ganz wunderlich und voll- koͤmmlich geschrieben. Das ist ein lebendiges Buch, nicht wie man die Kraͤuter in Buͤchern beschreibet; sondern in GOttes Buche sind es lebendige Buchstaben, welche allen Menschen, Gelehrten und Ungelehrten, vor Augen gestellet werden. Auf der 875sten Seite, der Leipziger- Edition von 1709. Siehe an, wie Gras und Kraut, so das Vieh und die Voͤgel essen, deine Speise werden durch Milch und Fleisch der Thiere; ja wie dein Kleid und Bette aus der Erde waͤchst, wenn Thiere und Voͤgel durch Gras und Kraut gespeiset werden; wie dem Schaͤf- lein seine Wolle waͤchst durch gruͤne Weide, und den Voͤgeln ihre Federn! Auf der 877sten Seite. So bald du auf einen gruͤnen Rasen trittst, so hast du unter Vorrede. unter deinen Fuͤssen deine Speise und Arzeney. Denn in dem allergeringsten Graͤslein und Saͤmlein, welches du gar unnuͤtze achtest, ist groͤssere Weisheit GOttes, Kraft und Wirkung, als du ergruͤnden kannst. Darum siehe zu, daß du GOtt in Seinen Werken nicht verach- test! Auf der 876sten Seite. Auf diese Ahrt schreibet der theure Mann; und wie sehr wuͤnsche ich, daß ich viele seines gleichen hieselbst anfuͤhren koͤnn- te! So aber ist zu bedauren, daß wir nach mehr denn hundert Jahren, seitdem dersel- be schon todt ist, in unserer Sprache uͤber- haupt fast nichts aufweisen koͤnnen, das mit seiner Arbeit in einigen Vergleich komme, ausser was etwa Lutherus selber beylaͤufig, und nach ihm die beruͤhmten Maͤnner, Dill- herr, Scriver, Scheuchzer, Loͤscher und Tril- ler geschrieben. Von den Teutschen haben zwar verschiedene auch in allerhand Lateini- schen, sonderlich kleinen, Aufsaͤtzen diese Sa- che mit ziemlichem Eifer getrieben; doch muß ich ebenfalls zustehen, daß nicht allein andere nebst uns bluͤhende Voͤlker noch vieles darin voraus haben, sondern daß auch denenjeni- gen, so des Lateins unkuͤndig sind, mit solchen Schriften nichts gedienet sey. Die Franzo- ** 5 sen Vorrede. sen und Hollaͤnder, sonderlich aber die Eng- laͤnder, sind in diesem Stuͤcke, reichlicher und besser versehen: wiewol wir doch auch bemuͤhet sind, solche Vorteile ihnen abzu- borgen, und ihre Schriften in unsere Spra- che zu uͤbertragen. Demnach hat man nicht allein schon vor funfzig Jahren das bekannte Werk des beruͤhmten Mat- thiew Hale vom Ursprung des Mensch- lichen Geschlechts, auf Befehl Chur- Fuͤrst Friedrich Wilhelms, verteutschet; sondern itzund ebenfalls ist ein gar geschick- ter und in vielen Sprachen erfahrner Hof- Mann S. T. Hr. Friedetich Christian Weber, Koͤ- nigl. Groß-Britannischer und Chur-Braun- schweigischer Raht und Resident am Russischen Hofe, Der, nebst andern erlesenen Buͤchern und Ubersetzungen, auch das veraͤnderte Rußland ge- schrieben, welches bereits auf zweyerley verschie- dene Ahrt ins Franzoͤsische uͤbersetzt worden. beschaͤfftigt, auch den Wolla- ston von der natuͤrlichen Religion zu uͤber- setzen. Was uns aber bey solchem Mangel an ausnemenden Originalien bisher noch aus- geholfen, ist insonderheit dasjenige Buch, wozu ich gegenwaͤrtig den zweyten Teil zu liefern die Ehre habe. Es sind seit wenigen Jah- Vorrede. Jahren auf viertehalb tausend Exemplare davon in der Welt verteilet, wodurch ohne Zweifel in vielen Selen eine besondere Er- bauung gestiftet worden. Jn der That haͤtte auch der Herr Verfasser desselben nichts unschuldigers und heylsamers unter- nemen koͤnnen, als da Er nach den ausdruͤck- lichen Befehlen des Goͤttlichen Worts und nach dem Exempel so vieler vernuͤnftigen, frommen, ja heiligen Maͤnner, Seine Leser dahin anfuͤhret, wie sie ihren Schoͤpfer aus sich selbst und andern Geschoͤpfen zu erken- nen, auch Jhm deßwegen zu danken, und Seinen herrlichen Namen zu preisen haben. Zum Zeugniß davon habe ich, vorhergehen- den Beweis aus der Schrift selbst beyzu- bringen, desto noͤtiger gefunden, je mehr man heutiges Tages diese Ahrt, von dem Goͤttli- chen Wesen zu handeln, nicht allein verab- saͤumet, sondern auch wol gar verdaͤchtig zu machen suchet. Jch wuͤnsche von Herzen, daß alles, seinem abgezielten Zweck gemaͤß, zum Segen gedeye, und berichte nur noch schließl. mit vielem Vergnuͤgen, daß der Hr. Brockes, so viel Sein Amt Jhm Zeit erlaubet, nicht allein in dieser Seiner Schreib-Ahrt un- ermuͤ- Vorrede. ermuͤdet fortfahre, sondern zugleich an der Poëtischen Uebersetzung eines auf gleich- maͤssigen Zweck abzielenden Franzoͤsischen Werks Man hat dasselbe schon etliche mal, in Frank- reich so wol als Holland, gedruckt. Der Ti- tel des ersten Drucks ist dieser: Principes de Philosophie, où preuves naturelles de l’existence de Dieu, \& de l’immortalité de l’âme par Mr. l’ Abbé Charles Claude Genest. Paris, 1716. 12. arbeite, welches die Franzosen, gleichwie es in dieser Ahrt zu schreiben noch nicht seines gleichen gehabt, den Werken des Lucretius selbst bey weitem vorziehen. Es ist die Annemlichkeit der Poesie mit dem Nutzen der Welt-Weisheit auf eine ausnemende Ahrt darin verbunden, und faͤllet unser trefflicher Herr Fabricius das gegruͤndete Urteil davon, daß es zwei- felhaft sey, ob man mehr die Buͤndigkeit und Lebhaftigkeit, oder die Kunst und Deutlichkeit daran zu bewundern habe. In delectu argumentorum et Syllabo Scri- ptorum, qui veritatem Religionis Christianæ asseruerunt. \&c. p. 288. Zu- Zufaͤllige Poetische Gedanken bey Erblickung der vier ersten Bogen vom II ten Theile des Brockesischen Jrdischen Vergnuͤgens in GOTT, vornemlich in Absicht auf die beydes in dem ersten, als auch sonderlich diesem andern Theile von dem Hochberuͤhmten Verfasser mehr nach dem Leben geschilderten, als beschriebenen verschiedenen Bluhmen. TIBI lilia plenis Ecce ferunt Nymphae calathis: TIBI candida Nais Pallentes violas, et summa papavera carpens Narcissum et florem jungit beneolentis anethi: Tum, casia atque aliis intexens suavibus herbis Mollia luteola pingit vaccinia, caltha. Virgilius. D ie Bluhmen kamen naͤchst mit klagen zur Natur; Was hilft es, riefen sie, daß wir so schoͤn gebildet, So Kunst-reich ausgemal’t, versilbert und verguͤldet, Und ein ambrir’ter Geist in uns’re Coͤrper fuhr? Wenn man uns auf der Welt nur obenhin betrachtet, Und im Voruͤbergehn, so oft man uns erblickt, Als was vergaͤngliches und fluͤchtiges verachtet, Und dannenher zertritt, zerreibet und zerpfluͤckt? Kommt’s hoch; so braucht man uns etwa bey einem Schmauß, Umkraͤnzt die Schuͤsseln mit, belegt die Servietten, Streu’t uns ins weisse Zeug, auf Kleider, in die Betten, Und zwingt uns, Sclaven gleich, mit Band in einen Strauß: Man Man macht uns auf dem Har und in der Hand zu Leichen, Und giebt uns ohne Schuld noch vor der Zeit den Rest; Ja dieses heisst ein Gluͤck, dem keines zu vergleichen, Wenn eine Doris uns im Busen sterben laͤsst. Hierauf sprach die Natur: stellt eure Klagen ein, Jhr liebsten Kinderchen! die ihr an mir gesogen, Die ich mit solcher Muͤh’ und Sorgfalt auferzogen. Weil Menschen, wie ihr sag’t, so gar entmenschet seyn, Daß sie aus Aberwitz und Blindheit euch verschmaͤhen, Da eure Trefflichkeit doch hoͤchsten Ruhmes wehrt; So hab’ ich einen Mann zu eurem Schutz ersehen, Der eure Schoͤnheit ehrt, und euren Ruhm verklaͤr’t. Dort, wo HAMMONJA, Europens Tyrus, lieg’t, Leb’t Er, mit Namen BROCKS, Der mich genau beschauet. Weil Er Sich nun daselbst ein Lust-Revier erbauet; So rat’ ich, daß ihr euch alsbald dahin verfuͤg’t, Jn die Rabatten stell’t, und euren Schimmer zeiget. Jch weiß, wenn Jhn die Lust in diesen Garten treib’t, Daß Er Sein himmlisch Herz zu eurer Anmut neiget, Und Sein erleuchtet Aug’ auf euch geheftet bleib’t. Die Bluhmen eil’ten fort, und folgten diesem Rat. Die eine draͤngte sich, der andern vorzukommen: Als sie nun kaum das Beet zusammen eingenommen; Geschah es gleich, daß BROCKS in diesen Garten trat, Und weil ein’ jede sich aufs herrlichste geschmuͤcket, Blieb Er Verwund’rungs-voll bey einer jeden stehn, Und rief, nachdem Er sie mit Andacht angeblicket: Nichts, was sonst schoͤne heisst, ist gegen diese schoͤn! Jhr Toͤchter der Natur! die sie so schoͤn gezier’t, Jhr seyd durch euren Schmuck nicht nur der Augen Freude, Jhr macht, daß ich zugleich an euch die Sele weide, Als die ihr ausser sich zum hoͤchsten Schoͤpfer fuͤhr’t. Auf- Aufdaß die Menschen nun euch kuͤnftig hoͤher schaͤtzen, Und euch die alte Schmach nicht weiter wiederfaͤhrt; So will ich euch hiermit ein solches Denkmal setzen, Das eure Trefflichkeit im Ueberfluß bewaͤhrt. Drauf nam er Kiel und Blat, und schrieb; doch nein! er nam Den Pinsel und ein Brett, und fing an, abzuschildern, Und zwar mit solchem Gluͤck, daß jedes von den Bildern Der wuͤrklichen Natur so gleich und aͤhnlich kam: Daß der beruͤhmte Tamm, bey dessen Bluhmen-Stuͤcken Doch Zephyr sich verirrt, und sie als wahre kuͤsst, Der Bluhmen Eigenschaft geschickter auszudruͤcken, Mit seiner selt’nen Kunst nicht wol vermoͤgend ist. Kaum namen sie den Fleiß des grossen Meisters wahr, Als sie, gesehn zu seyn, die Haͤupter aufwaͤrts reckten, Und Jhm ihr innerstes und zaͤrtlichstes entdeckten. Fuͤr andern stellten sich die beyden Rosen dar, Die Mah- und Mayen-Bluhm, Ranunkeln, die Cyrene, Der Crocus, Kaiser-Cron, Viol und Hyacinth, Benebst den uͤbrigen, die so vollkommen schoͤne, Wie sie natuͤrlich bluͤhn, von Jhm beschrieben sind. Wer sag’t, ihr Bluhmen! nun, daß ihr vergaͤnglich seyd? Da euch der edle BROCKS in Seine Schrift versetzet, Und durch den Kiel verpflanzt, verbleibt ihr unverletzet, Und trotzt verewiget nun der Vergaͤnglichkeit. Denn euer Denkmal wird gewißlich laͤnger dauern, Als Rhodus Saͤulen-Bild, mit dem der Wind itzt spiel’t, Als der Semiramis fast Himmel-gleiche Mauern, Und was man sonsten noch vor unvergaͤnglich hielt. O! kaͤmen wiederum die alten Zeiten her, Worinnen oft ein Mensch zum Bluhmen-Stock geworden! Vielleicht traͤt mancher itzt freywillig in den Orden, Daß er in BROCKSENS Schrift hierdurch verewigt waͤr’. Die Die Echo graͤme sich nicht weiter um Nareissen! Sie hat es nicht mehr noht, daß sie als Schatten schweb’t. Denn da BROCKS ihren Schatz so lebhaft abgerissen, Erkennt sie ja nunmehr, daß er von neuem leb’t. Jhr Bluhmen, seyd daher nach Moͤglichkeit bedacht, Euch fuͤr ein solch Verdienst auch dankbar zu erzeigen! So oft ihr BROCKSEN seht, muͤsst ihr die Haͤupter neigen, Weil sich kein Mensch so sehr um euch verdient gemacht. Eroͤffnet euren Kelch, und lasst die Balsam-Duͤfte, So viel ihr bey euch hab’t, zu Seinen Ehren, aus, Und schwaͤngert nicht allein darmit das Feld der Luͤfte; Nein! sondern sendet sie so gar bis in Sein Haus! Bestreuet Seinen Pfad mit eurem bunten Har, Und lasst Jhn Lebenslang auf sanften Blaͤttern schreiten! Geht er, GOtt gebe spaͤt! aus diesem Kreis der Zeiten; So werfet euch zum Schmuck auf Seine Todten-Bar! Alsdann verpflanzet euch um Seine Ruhe-Staͤte, Jn eurer schoͤnsten Pracht und groͤsten Herrlichkeit, Und machet Seine Gruft zu einem Bluhmen-Beete, Weil ihr Jhm auch im Tod’ annoch verbunden seyd! Thraͤn’t Perlen auf Sein Grab, so oft die Milch der Nacht, Der kuͤle Thau, euch traͤnk’t, daß man hieraus verstehe, Wie nah euch der Verlust so eines Vormunds gehe, Der euch verpfleg’t, beschuͤtz’t, und so beruͤhmt gemacht! Wehr’t aller Faͤulniß ab, und lasst Jhn nicht verwesen, Nein! sondern dienet Jhm an statt der Specerey! Denn, weil wir euch durch Jhn nunmehr verewigt lesen; So macht Jhn wiederum von der Verwesung frey! Dieß fiel mir, grosser BROCKS, bey den vier Bogen ein/ Die man von Deinem Werk mir neulich uͤberschicket; Gut ists, daß ich noch nicht das ganze Buch erblicket, Sonst wuͤrd ich ganz gewiß stumm vor Verwund’rung seyn. Jch weiß ohndem Dein Lob nicht recht empor zu treiben, Das keinen Zusatz braucht, und sonder Grenzen ist: Doch muß ich noch einmal, trotz allen Neidern, schreiben, Daß Du, erhab’ner BROCKS, ein Fuͤrst der Dichter bist. Daniel Wilhelm Triller, Phil. et Med. D. Jrdi- Jrdisches Vergnuͤgen in GOTT. Zweyter Theil. W ofern du, lieber Mensch, ein Atheist, Wie oder bloß ein Thier mit andern Thieren bist; So steht dir frey, daß du die Welt Und was uns in die Sinne faͤllt, Veraͤchtlich haͤlt’st, und nicht be- trachtest; So steht dir frey, daß du die Zeit, Darin man die Beschaffenheit Der Creatur und ihre Herrlich- keit Bewundert, fuͤr verloren achtest. Allein Wofern du dir nicht selbst die Sele raubest, Wofern du eine Gottheit glau- best, Die alles, Stern- und Sonnen- Schein, Die Himmel, Erd’ und Meer ge- macht, Die dich und alle Ding’ hervor gebracht; So kannst du ja nicht anders denken, Als daß der Schoͤpfer weiß, daß dich Sein Werk nicht ruͤhrt, Daß du’s nicht wuͤrdigest, Jhm einen Blick zu schenken, Daß folglich GOTT, so viel an dir, verliert Macht, Weis heit, Lieb’ und Ehr’. Armsel’ge Creatur, Wie elend ist dein Stand? da du noch nicht empfunden, Daß GOTT hier auf der Welt mit deiner Lust nicht nur Sein Lob so wunderbar, so Gna- den- reich verbunden, Nein, daß so gar dein’ Anmut auf der Welt, Die sich auf GOttes Ehre gruͤn- det, Aus Gnaden Jhm so wol gefaͤllt, Daß sie auch dort gewiß unend- lich’ Anmut findet. Und dieß versaͤumest du, und willt mit Fleiß nicht sehn, Was durch des Hoͤchsten Lieb’ und weise Macht geschehn. Bedenke, was du thust! so weiß ich, du verspuͤrest, Daß du nicht hier allein, auch dort, dein Heyl verlierest. Die Strafe faͤngt bereits in die- sem Leben an. Denn uͤberkommst du gleich das groͤste Gluͤck auf Erden; So kannst du doch unmoͤglich gluͤcklich werden. Sprich selbst: ob etwas dich wol recht vergnuͤgen kann Von allem, was du such’st, von allem, was du treibest! Sprich, ob dasjenige, worauf dein Sinn gericht’t, Erlang’ es oder nicht, Dich ruͤhr’, und ob du nicht stets ungluͤckselig bleibest! Die Unempfindlichkeit und die Gewohnheit sind Harpyen, welche dich fuͤr alles gute blind, So bald du es besitzest, machen. Es frisst ihr nissier satter Rachen Den Kern von deiner Lust. Du aber must die Schalen, Die doch so ungeschmackt, mit Arbeit, Sorge, Muͤh, Mit Schrecken, Furcht und Angst nur gar zu theur bezahlen. Dieß ist der Lohn fuͤr dein Betra- gen hie; Von kuͤnft’ger Reu, von kuͤnft’- gen Straf- und Plagen Nicht einst zu sagen. Mein GOtt, behuͤt’ uns doch vor so verstocktem Wesen, Und einer Brust, die so versteint, so hart! Ach laß uns Deine Gegenwart Jm schoͤnen Buch der Welt mit Freude lesen! Die Schrift, die jeder Mensch mit Ehrfurcht lesen soll, Die auch die Engel selbst mit Furcht und Lust bemerken, Die lautet so: Es sind von GOt- tes Werken Und Seiner Majestaͤt der Him- mel Himmel voll, Luft, Erd’ und Meer erfuͤllt. Nun diese Fuͤll’ allein Recht zu beherzigen, soll itzt mein Endzweck seyn. Der Wolken- und Luft-Himmel. Ps. CIV, 2. Du breitest aus den Himmel, wie einen Teppich. M an siehet in dem frohen Lenzen Nicht nur den Kreis der gruͤnen Erden, Nein, auch den Kreis der Luft, in neuem Schimmer glaͤnzen, Und Wunder-wuͤrdig helle werden. Damit ein allgemein gleichfoͤrmigs Einerley Dem Herzen nicht gleich-guͤltig sey, Den Augen keinen Eckel braͤchte, Und weniger gefallen moͤgte, Wenn an des weiten Himmels Buͤhne Nichts, als ein leeres Blau, erschiene; So zieren schoͤn geformt- und schoͤn gefaͤrbte Duͤfte Das unermess’ne Feld der reinen Luͤfte, Durch GOttes Huld, zu uns’rer Lust allein, Mit Farben, Bildungen, mit Klarheit, Glanz und Schein. Noch mehr, indem wir bloß in Aend’rung Freude finden, Bemuͤht sich gleichsam die Natur, Uns auch durch Aend’rung zu verbinden. Darum muß manches Wolken-Bild Veraͤnderlich sowol an Farben als Figur Sehr schnell entstehn und schnell verschwinden. Dem allen ungeacht’t, wie groß, wie tief, wie weit Des Himmels Schauplatz ist; wie voller Lieblichkeit, Wie praͤchtig, mancherley, wie herrlich und wie schoͤn Der Wolken Coͤrper anzusehn; Wie rein der Silber-Glanz, wie hell der guͤld’ne Schein, II. Theil. A 2 Wie Wie zierlich und wie klar Figur- und Farben seyn; So sehn wir leider doch, daß Menschen auf der Erden Gefunden werden, Die solchen ungemess’nen Platz, Die einen solchen Schatz Von Bildung, Farben, Glanz und Licht Nicht so viel wuͤrdigen, daß sie zu GOttes Ehren Jhr bloß auf Geld erpicht Gesicht Auf dieses grosse Wunder kehren. Hoͤr auf, geliebter Mensch, den Schoͤpfer zu verachten! Komm, laß uns, GOtt zum Ruhm, das Firmament betrachten! Es wird der Himmel nicht so sehr Mit schoͤnen Farben ausgeschmuͤcket, Als man an ihm vielmehr Ein buntes Licht, das allgemein, erblicket. Man sieht von ungezaͤhlten Bildern Veraͤnderungen ohne Zahl, Womit sich itzund auf einmal Die ungemess’nen Tiefen schildern. Der Wolken meistens halbe Kreise, Die allzumal ihr glaͤnzend prangen, Nachdem sie hoch und dick, auf ganz verschied’ne Weise Vom Licht, das an sie stral’t, empfangen, Zerteilen sich bald hie bald dort, Wodurch wir Bruͤche, Tiefen, Hoͤhen Und Oeffnungen an manchem Ort Mit Lust und mit Verwund’rung sehen. Man siehet oft, mit recht vergnuͤg’ter Selen, Durch schwarze bald, und bald durch braune, Hoͤlen, Ein den Sapphir weit uͤbertreffend Blau; Jndem der Wolken Dunkelheit Des Des Firmaments verklaͤr’te Heiterkeit Erheb’t und noch vermehrt. Ein Berg, der dunkel-grau, Laͤsst dort auf Purpur-farbnen Spitzen Den aͤussern Rand, wie reines Silber, blitzen, Den der sapphirne Grund noch eins so helle macht. Ein guͤld’ner Umstrich schmuͤckt in ungemeiner Pracht So manchen dunkel-braunen Kreis. Rot, Purpur, Leibfarb, blau, grau, gruͤnlich, gelb und weiß Erfuͤllt und ziert in dem bestral’ten Duft Anitzt die reine Luft. Hier scheint ein grosser Platz von Gold ein guͤld’nes Meer, Das doͤrten glatt, und hier voll kleiner guͤld’nen Wellen, Jn blauen Ufern vorzustellen. Man siehet oͤfters mit Vergnuͤgen Jn diesem Luft-Meer’, eben so Als wie im Archipelago, Viel’ Jnseln, die zerstreuet, liegen. Jm Westen siehet man bald halb- bald ganze Spuren Von wunderlich geformten Creaturen, Manch ungeheuren Wall-Fisch schwimmen, Und manchen feurigen ergrimmten Drachen glimmen. Hier scheinet manch Gewoͤlk, als wenn’s ein wilder Baͤr, Dort eins, als wenn’s ein Pferd in vollen Spruͤngen waͤr’. Ein Meilen langer Ries’, umringt von kleinen Zwergen, Entstehet und vergeht. Auf hohen guͤld’nen Bergen Waͤchst Angesichts ein Baum, der schwebet sanft daher; Allein im Augenblick erblickt man ihn nicht mehr. Es wird aus seinem Stamm ein Vogel, ein Gesicht, Und bald ein leeres Nichts. Hier sieht man rote Schloͤsser, Da Tuͤrme stehn, dort Masken, welche groͤsser, Als eine ganze Stadt. Bald lassen sich Armeen Mit Fanen, Spiess- und Degen sehen. A 3 Hier Hier lassen guͤld’ne Bilder sich Auf einem fast sapphirnen blauen, Und blaue dort auf guͤld’nem, Grunde schauen. Oft siehet man mit Purpur-farbnen Bildern Ein Silber-weisses Feld sich schildern. Nicht weit davon kann man Viel ungemess’ne Gold- und Silber-Klumpen sehen. Jch wund’re mich, daß sich hieran Ein geizigs Auge nicht ergetzet, Da es in Ueberfluß hier finden kann Den Glanz, den es fast mehr als seine Sele schaͤtzet. Durch ein so zaͤrtlich blau, wie oͤfters mein Gesicht Auf einem Rosen-Blat’ erblicket, Jst oͤfters uͤber mir der Kreis der Luft geschmuͤcket, Zumal wenns Abend wird. Nicht weit von diesem schien Ein ebenfalls uncoͤrperliches gruͤn, Das ich nicht minder sanft, gelinde, Und gleichsam geistig finde. Bey diesem siehet man jedoch auch ohne Grenzen Ein helles weiß in reiner Klarheit glaͤnzen. Das fiel hierauf in einen guͤld’nen Schein, Und der in Rosen-Farb’, allmaͤlich ein, Bis daß zuletzt vom flammenden Rubin Ein unbeweg’ter Blitz die wahre Qvelle schien. Ach! aber welch ein blitzend Licht Bricht dorten, wo der Berg von dunklen Wolken bricht, Als wie aus einer schwarzen Hoͤle? Es stralet durch die Dunkelheit Mir eine helle Herrlichkeit Nicht in mein Aug’ allein, zugleich in meine Sele. Der Mittel Punct des Lichts, das Erd’ und Himmel fuͤllt, Woraus der Farben Pracht, Glanz, Waͤrm’ und Leben qvillt, Der Der Born der Fruchtbarkeit, der Creaturen Wonne, Der Schoͤnheit Sele, Geist und Leben, kurz die Sonne, Laͤsst sich an diesem Ort’, ohn’ uns zu blenden, sehn. Das Auge, durch den Flor der Dunkelheit beschuͤtzt, Sieht unverletzt, wie wunderschoͤn Die reine Gluht in kleiner Oeffnung blitzt, Man siehet an der Wolken dunklen Grenzen Die Sonne sich mit einem bunten Glanz, Recht als mit einem Sieges-Kranz Von Millionen Stralen, kraͤnzen. Ein unbeschreiblich lieblich Blitzen Von hundert tausend zarten Spitzen, Die alle bunt, die alle feurig seyn, Erfuͤllet mein Gehirn und mein Gemuͤte Mit einem holden Freuden-Schein. Ein heller Andachts-Stral begeistert mein Gebluͤte, Erheitert meinen Geist. Die Weis heit, Macht und Guͤte Des ewig sel’gen Lichts, des Schoͤpfers aller Welt Beleb’t mich, stral’t mich an. Es flammt in meiner Selen Ein Trieb, was herrliches vom Schoͤpfer zu erzaͤlen, Der alle Dinge wirkt, beleb’t, regiert, erhaͤlt, Deß Wesen ich mit Lust in Seinen Werken sehe. Jch schwinge meinen Geist in die Sapphirne Hoͤhe, Jch eil’ ins Firmament, ich fliege wie ein Stral Durchs Boden-lose Meer, durchs unumschraͤnkte Thal Des nie begriff’nen Raums, in dessen holen Gruͤnden Kein Ziel, kein Schluß, kein Grund zu finden. Hier denk’ ich an die Tief’, hier denk’ ich an die Weite, Die ungeheure Laͤng’ und ungeheure Breite Des Kreises, den allein der Sonnen Licht erfuͤllt, Das unaufhoͤrlich stral’t und unaufhoͤrlich quillt Aus einem Mittel-Punct von Millionen Meilen. A 4 Hilf Hilf GOTT! was stellt sich mir, Jndem ich dieses denk, fuͤr eine Groͤsse fuͤr! Kein Menschlicher Verstand kann hier ein Ziel ereilen. O unermesslicher, o ungeheurer Raum, Wer wird doch deine Groͤss’ und Tiefe fassen koͤnnen! Jndem die ganze Welt, Luft, Meer und Erde, kaum Bey deinem Mittel-Punct ein Mittel-Punct zu nennen. Nun ist es ausgemacht, Daß diese hole Tief’ (o Wunder!) Tag und Nacht Bestaͤndig angefuͤllt mit Licht und Sonnenschein, Wie die Planeten dieß mit ihren dunklen Kreisen, Die bloß durch sie bestral’t, Uns augenscheinlich weisen. Es fasse doch ein Mensch einst, seinem GOtt zur Ehr, Das leider mehrenteils verstreute Heer Von seinen fluͤchtigen Gedanken, So viel ihm moͤglich ist, in ordentliche Schranken, Und denke nur ein einzigs mal, Wie so gewaltig lang muß doch der Sonnen-Stral, Wie unermesslich groß des Lichtes Coͤrper seyn, Der mit verbundenem und ungeteiltem Schein Die allertiefsten tiefsten Tiefen Von diesem Raum bestaͤndig fuͤllt! Der sich vor unserm Blick nur dadurch bloß verhuͤllt, Weil in des tiefen Raumes Gruͤnden Kein Gegenstand zu finden, Wovon er koͤnne ruͤckwaͤrts prallen, Und so in unser Auge fallen! Dieß aber hindert nicht, daß in den holen Hoͤh’n Und in der Tiefe sonder Grenzen, Ob wir es gleich nicht sehn, Die Stralen doch nicht unaufhoͤrlich glaͤnzen. Jndem ich dieses uͤberlege, Und von so grossem Licht die Groͤss’ erwege; So So deucht mich, wuͤrd’ ein solcher Wunder-Schein Fast nur umsonst erschaffen seyn, Wenn ausser uns (den Planetar’schen Erden) Jn der Natur sollt’ anders nichts Von aller Kraft des ungemess’nen Lichts Vergnuͤget und erleuchtet werden. Es kommen, in Vergleich Mit dieses Lichtes weitem Reich, Mit diesem glaͤnzenden unmeßlichen Revier, Uns die Planeten ja nicht anders fuͤr, Als schwuͤmmen in dem weiten Meer, Damit sie wol gewaschen werden moͤgten, Nur sechszehn Erbsen hin und her. So wenig man Von solchen Erbsen nun vernuͤnftig schliessen kann, Daß sich das Meer daran mit allen Tropfen reibe; So wenig geht es auch mit Licht und Stralen an, Daß von denselben nichts als etwa sechszehn Erden Erleuchtet und getroffen werden. Es geht der groͤste Teil unendlich weit vorbey. Mir kommts derhalben glaublich fuͤr, Daß, ob gleich unsers Coͤrpers Augen Jn dieser Welt Den Licht-Stral nicht zu sehen taugen, Wenn solcher nicht von Coͤrpern ruͤckwaͤrts faͤllt; Es darum doch nicht folgen muͤsse, Daß nicht in der Natur Geschoͤpfe sollten seyn, Die minder Coͤrperlich als wir, Und die vielleicht allein Sich an des Lichtes eig’nen Schaͤtzen, So wie wir uns am Licht’ im Widerschein, ergetzen. Wenn ich demnach von der Sapphirnen Hoͤhe, Wann sie eutwoͤlkt, die tiefe Klarheit sehe; A 5 So So fuͤl’ ich mich vor Freuden kaum. Mich deucht, ich seh mit Augen einen Raum, Wo Millionen Millionen Verklaͤr’te Geisterchen und sel’ge Selen wohnen, Die all’ in einem Meer von Licht und Wonne schwimmen, Die all’ in reiner Gluht von heil’ger Andacht glimmen, Die all’ an GOTTES Huld, an Seiner Werke Pracht, An Seiner Weisheit, Lieb’ und Macht, An Seiner Majestaͤt und Herrlichkeit Unendlicher Vollkommenheit, Zu ihres grossen Schoͤpfers Ehren, Jn sel’ger Lust, sich ewig naͤhren. Kommt diese Meinung dir Vielleicht zu Anfang fremde fuͤr? So laß dich nur dadurch sogleich nicht schrecken! Dein’ Unempfindlichkeit erschreckt mich noch vielmehr, Da, zur Verkleinerung von GOTTES Ehr’, Jn selbiger betruͤbte Folgen stecken. Jst es genug, Den Himmel oben hin nur als ein blaues Tuch, Wie oder gar nicht, anzusehn? Zudem so kannst du ja von den so hellen Sternen, Die wuͤrklich Coͤrperlich, und die, so groß als schoͤn, Des Himmels Raum unleugbar schmuͤcken, Dennoch bey Tage nichts erblicken: Wirst du dich deßfalls sie zu leugnen unterstehn? Hieraus nun siehst du klar von deinem Blick die Schwaͤche. Sprichst du denn wol mit Recht zu meiner Meinung, nein, Wenn ich, von Anmut heiß, voll Andacht glaub’ und spreche: Es wird wol alles dort voll Mahanaim seyn. Wie kann ein Mensch den Schoͤpfer besser ehren, Wie kann man Seinen Ruhm doch mehr vermehren, Wie koͤnnen wir Jhm doch ein besser Opfer schenken, Als Als wenn wir stets von Seiner Wunder-Macht, Von Seiner Weis heit, Groͤss’ und Seiner Werke Pracht Das allergroͤsseste, das herrlichste, gedenken! Ja wenn ich mich vielleicht auch irren moͤgte; So ist jedoch dein Jrrthum groͤsser. Denn das, was ich davon aus Ehrfurcht denk’, ist besser, Als wenn ich nichts davon, wie du aus Faulheit, daͤchte. Du undurchdringliches, allgegenwaͤrtiges Licht! Der Du der Ewigkeit Unendlichkeit erfuͤllest, Der Du Dich in Dir selbst, zu unserm Heil, verhuͤllest, Aus welchem als ein Strom der Dinge Wesen bricht, Du ewig-selige Vollkommenheit und Liebe, Vermehre doch in mir der Andacht reine Triebe! Ach gieb doch, daß, wenn ich des Himmels blaue Hoͤhe Jn einem heitern Glanz und reiner Klarheit sehe, Es stets zu Deinem Ruhm mit frohem Ernst geschehe! Merz- Merz-Veilchen und Marien- Bluhmen. A uf den gevierten Garten-Betten Sah ich zur holden Fruͤhlings-Zeit, Jn sittsam schoͤner Niedrigkeit, Viel kleine blaue Violetten Durch ein Smaragden gleiches gruͤn, Wie Purpurn’ Amethisten, bluͤhn. Jhr lieblich suͤsser Duft Erfuͤllte rings umher die Luft, So daß mich der Geruch, noch eh’ ich sie erblickte, Vergnuͤg’t’, erfrischt’, ergetzt’, erqvickte; Woruͤber ich mit Andachts-voller Brust, Zum Denkmal der genoss’nen Lust, Dieß in mein Taschen-Taͤflein schriebe: Willkommen, liebstes Fruͤhlings-Kind, Du Bild der Demut und der Liebe. Du bist so niedrig und so klein, Und dennoch nimmt die holde Kraft Von deiner suͤssen Eigenschaft Solch einen weiten Kreis in lauen Luͤften ein. Du dienst, und kommst in solchem Ueberfluß So manchem Menschen zum Genuß; Du sollt auch mir in meinem Leben Zu einem taͤglichen Gebrauch Ein nuͤtzliches Exempel seyn. Jch will mich Demuts-voll bestreben, Jn Sanftmut meinem Naͤchsten auch Ein gut Exempel stets zu geben, Jhn in der Liebe hoch zu schaͤtzen, Damit er, wie ich mich an dir, So auch an mir sich moͤg’ ergetzen. Man Man siehet mit vergnuͤg’ter Sele Jn dieser kleinen Purpur-Hoͤle Ein etwas, das den Glanz vom aͤchten Golde hat. Sehr zierlich ist das grosse Blat Mit dunklen Aederchen durchschnitten. Der Stengel haͤlt, wie eine gruͤne Hand, Die Bluhmen gleichsam in der Mitten, Als mit fuͤnf Fingern, uͤberspannt. Weil ich hievon den Zweck nun nicht begreifenkann; So seh’ ich es aufs wenigst’ an Als eine Spur, Daß die stets wechselnde Natur Fast nimmer einerley, Nein, aber wol in stets veraͤnderlichen Bildern Sowol zu zeichnen als zu schildern An Reichtum unerschoͤpflich sey. Dein Herzen-foͤrmig Blat, So ich an deinen Stengeln sehe, Erinnert mich, daß, wenn ich GOttes Macht Jn seiner Creatur betracht’, Es recht von Herzen stets geschehe. Noch sah ich, wie in kleinen runden Hoͤhen Viel Zungen-gleiche Blaͤtter stunden. Gut, dacht’ ich, will man wol bestehen; So bleibe Zung’ und Herz zu einem Zweck verbunden. Hiezu nun fand ich auch so gleich Gelegenheit. Jch sah, vor Lust erstaunt, in suͤsser Zierlichkeit, Den kleinen weiß- und rot- und bunten Rosen gleich, Sehr viel Marien-Bluͤhmchen glaͤnzen, Mit welchen Tellus Reich Sich pfleg’t am fruͤh’sten zu bekraͤnzen. Der Farben Gluht, der Bildung Niedlichkeit, Die sich so wunderbar vermaͤlen, Ergetzten durchs Gesicht das Auge meiner Selen. Jch Jch brach verschiedene mit frohen Haͤnden ab, Wovon mir jegliche, wie ich sie nahe Mit aufmerksamen Augen sahe, Ein ganz besonderes Vergnuͤgen gab. Es scheint, daß die Natur, Damit man GOttes Allmacht fasse, Jn dieses Bluͤhmchens Farb’ und lieblicher Figur Sichs gleichsam sauer werden lasse. Denn sie vergnuͤg’t sich nicht, daß eine weiß wie Schnee, Die and’re rot wie Blut; sie such’t, uns zu erfrischen, Jn einer dritten Ahrt, so weiß als rot zu mischen. Ja viele haben gar in suͤsser Zierlichkeit, An statt der Blaͤtter, kleine Roͤhren, Wodurch sie denn den Unterscheid Der lieblichen Figuren mehren. Wann diese Roͤhren nun, wie oftermals geschicht, Vom Thau voll kleiner Tropfen sitzen, Und dann der Sonne guͤld’nes Licht Auf ihre Blaͤtter faͤllt; entsteht ein buntes Blitzen, Das Aug’ und Herz vergnuͤg’t. Das Bluͤhmchen scheint sodann in einem klaren Schein Recht candisirt zu seyn. Ach moͤgte doch, wenn wir so suͤsse Schoͤnheit sehen, Bey uns erst eine Lust, dann eine Sucht entstehen, Denjenigen, wodurch sich Feld und Wald bebluͤhmen, Jn stiller Anmut stets zu ruͤmen! Die Die Schnee- und Crocus-Bluhme. A ls neulich ich in stiller Lust Und mit recht inniglich geruͤhrter Brust, Zusammt der Purpurnen Hepatica, Die Schnee- und Crocus-Bluhmen sah Aus der noch unbelaubt- und nackten Erde steigen; Vergnuͤg’t’ ich mich zuerst, sie uͤberhaupt zu sehn, Da ihre Menge denn, der Farben Unterscheid Und Mischung mir in holder Lieblichkeit Ein buntes Ganz recht Wunder-schoͤn Vor Augen stelleten. Jch sah hernach Die weisse Pracht von einer Schnee-Bluhm’ an, Woruͤber man sich nicht genug verwundern kann. Man siehet die Natur auf ihren Blaͤttern scherzen. Die innern sind bemal’t mit kleinen gruͤnen Herzen, Der frohen Hoffnung Lieberey. Jch wuͤnsch’, indem ich dieses sehe, Daß, da der Fruͤhling in der Naͤhe, Mein Herz auch voller Hoffnung sey, Den GOTT, durch den allein so Frost als Sturm vergehen, Jm Fruͤhling froͤhlich zu erhoͤhen. Ein’ ander’ Ahrt, nicht minder Schimmer-reich, Sieht kleinen Tulipanen gleich. Jn deren Mitte stehn, von einer Groͤsse Auf kleinen Silber-weissen Fuͤssen Sechs kleine guͤldene Gefaͤsse, Die, allem Ansehn nach, den Balsam in sich schliessen, Der uns’re Nas’ erquickt, Den jedes aus zwo kleinen Roͤhren, Um uns’re Lust zu mehren, Vermutlich immer aufwaͤrts schickt. Jch Jch brach darauf ein Crocus-Bluͤhmchen ab, Wovon ein jeglichs mir, als ich es nahe Mit Achtsamkeit besahe, Ein sonderbar Vergnuͤgen gab. Des gelben Bluͤhmchens Schein Schien Gold, und die Figur ein kleiner Kelch, zu seyn. Von eben dieser Ahrt sieht man mit tausend Freuden Verschied’ne sich in hohen Purpur kleiden. Verschiedliche sind weiß, wie Silber, und zugleich An Purpur aͤusserlich, an Gold von innen, reich. Sie stellen all’ in Wunder-schoͤnem Flor Des Reichtums und der Ehr beliebte Farben vor. Wie ich nun bald den Glanz, bald ihrer Adern Zier, Bald ihrer Farben bunten Schein Mit Anmut uͤbersah; fiel unvermutet mir Recht mitten in der Lust was traurigs ein: Jn wenig Stunden Jst alles schoͤne weg, ist alle Pracht verschwun- den. Ach! fuhr ich ferner fort, ach waͤret ihr allein So unbestaͤndig und so fluͤchtig! Ach daß auch wir nicht minder nichtig, Hinfaͤllig und vergaͤnglich seyn! Doch wie? begriff ich mich hierauf Nach einem kurzen Trauren, Jst es auch recht, wenn wir der Dinge Lauf, Den GOTT verordnet hat, bedauren? Dieweil es GOTT, dem HERRN der Welt, Also gefallen und gefaͤllt; So muß die fluͤchtige Beschaffenheit Der Dinge besser seyn, als die Bestaͤndigkeit. Auch Auch uͤberfuͤhret mich Die Wahrheit, daß mein Leid und Tadel laͤcherlich. Was wuͤrd’ auf uns’rer Erden, Vergingen Bluhmen nicht, doch fuͤr ein Zustand werden? Sie wuͤrden uns nicht nur viel weniger vergnuͤgen, Nein, allenthalben gar im Wege liegen. Es kommt hinzu, daß, obs gleich nicht so scheint, Und ob es gleich die Menschheit nicht vermeint, Sie jedennoch nicht ganz vergehen. Es welkt die aͤuss’re Bildung nur; Jhr Wesen, Sam’ und Geist bestehen. Die unzerstoͤrliche Natur Jm Wasser, in der Luft und Erden Laͤsst nichts zunichte werden. II. Theil. B Ein Ein Bett voll Hyacinthen. J ch sahe juͤngst mit Lust im lauen Lenzen Auf einem Garten-Bett viel Hyacinthen glaͤnzen. Das allerfeinst’ und rein’ste Porcellein Kann nicht so glatt, so rein, So schoͤn von Farb’ und Wasser, seyn, Als die mit weiß vermischte blaue Glaͤtte Das ganze Bette Mit einem vielfach-blauen Glanz So sehr nicht ziert’, als ganz Bedeckt’ und uͤberzog. Jch sah mit tausend Freuden, Wie lieblich sich die schoͤnen Bluhmen kleiden. Obgleich die meisten blau, war es doch unterschiedlich. Wenn jene dort recht wie Ultra-Marin Jm dunkel-blauen glaͤnzt’ und schien; So wies die Nachbarinn recht sanft und niedlich Ein helles Himmel blau, und die bey dieser stand, Hatt’ ein fast Purpurnes, ein roͤtlich blau Gewand. Jndem ich dort verschied’ne weiß wie Schnee, Noch and’re, die mit etwas rot gemischet, Jn Perl- und Fleisch-Farb spielen seh; Ließ ich von ungefehr den Blick den ganzen Hausen Auf einmal uͤberlaufen, Und ward recht inniglich erfrischet, Als mir ihr schoͤnes Ganz Des heitern Himmels Glanz So gar auf Erden wies. Jhr Wunder-schoͤnes Blau, Das ich, GOtt Lob! nicht, ohn’ an Den zu denken, Der alles schoͤne schaffet, schau, Bewog mich, mein Gemuͤt aufs neu’ auf GOtt zu lenken, Und Und Jhm, von Andachts-Flammen heiß, Zum Opfer, meine Lust zu schenken; Weil ich nichts bessers Dem zu schenken weiß, Der alles bloß aus Gnad’ erschaffen, Den die Liebe Allein, so mancherley hervor zu bringen, triebe. Jch roch darauf den Ambra-Duft, Womit der Bluhmen Heer die laue Luft So lieblich fuͤllete. Der saͤurlich suͤsse Saft Erfuͤllte mich mit neuer Kraft, Daß ich dem Schoͤpfer dieser Bluhme, Durch die er mein Gehirn erqvickte, Zum Dank und Ruhme Den Othem, der, da ich ihn in mich zog, Mich zur Erkenntlichkeit mit hoͤchstem Recht bewog, Jn Seufzern voller Dank zuruͤcke schickte, Und GOtt, der mir so viele Gnad’ erwiese, Jm innersten von meiner Sele priese, Mit diesem Wunsch: Laß mich, o Geber aller Gaben, An Deinen Gaben stets zu Deinem Ruhm mich laben! Noch fand ich mich aufs neu geruͤhret, Und ward durchs gruͤne Laub so gar, Das diese Bluhm’ umgiebt und zieret, Aufs neu’ ergetzt, aufs neu zu GOtt gefuͤhret. Jch ward recht eigentlich gewahr, Wie an der Bluhme Fuß sechs gruͤne Ecken Sich rings, so uͤm als von dem Stengel strecken, Und einen gruͤnen Stern formiren, Wodurch sie das sonst nackte Land Mit einem eig’nen Bilde zieren. Jch sahe jedes Blat aufmerksam an, und fand, Daß jedes etwas hol; daher vermutet’ ich, Daß sie absonderlich gleich einer Hand Sey ausgespannt, B 2 Damit Damit die Feuchtigkeiten sich, Um ihre Zwiebel wol zu traͤnken, Recht als durch kleine Rinnen senken; Wie mir denn in die Augen fiele, Daß unten an dem Stiele Ein abgerolltes Wasser stund, Das wie ein Berg-Krystall so klar, So weiß recht wie ein Silber war. Hieran erfrischte sich mein Aug’ und mein Gemuͤte: Jch fand in dieser reinen Klarheit Noch eine neu’ und unleugbare Warheit Von GOttes Weisheit, Macht und Guͤte. Fruͤh- Fruͤhlings-Betrachtung. D Je Zweige, die noch gestern leer, Die scheinen itzo recht, als ob in einer Nacht Der jungen Blaͤtter gruͤne Pracht Vom Himmel drauf geregnet waͤr’. Auf andern liegt es voll, als waͤren weisse Ballen Vom zarten Schnee darauf gefallen. Hier scheint der Bluͤhte Schnee die Blaͤtter zu verstecken, Dort scheint das gruͤne Laub der Bluͤhte Schnee zu decken. Es war das junge Laub so klar, Und zeiget’ ein so lieblich Gruͤn, Zumalen wenn die Sonn’ auf dessen Seite schien, Daß alles, was man sah, so gar Durchsichtig und durchleuchtig war. Durchleuchtig ist das Laub, durchleuchtig ist die Bluͤhte, Durchleuchtig Gras und Kraut. Daher bezaubert itzt fast alles, was man schaut, Das menschliche Gemuͤte. Es scheint, ob woll’ auf allen Zweigen Kein irdisches, so gar ein geistigs, Gruͤn sich zeigen. Man sieht durch die belaubt- doch noch geseh’nen Aeste Den glaͤnzenden Sapphir der Feste. Die Klarheit der durchstral’ten Blaͤtter Jst das was uns bey heiterm Wetter An der aufs neu belaubten Welt So sehr ergetzt, so wol gefaͤllt. Die Ursach’ ist leicht zu ergruͤnden, Da auf dem zarten Laub selbst mit des Himmels Licht Die ird’schen Farben sich verbinden, So, daß ein jedes Blat, wodurch die Sonne stral’t, Den Augen groͤss’re Lust verschafft, B 3 Als Als wenn durch einen duͤnnen Tafft, Worauf des Kuͤnstlers Hand mit Wasser-Farben mahlet, Bey dunkler Nacht ein helles Licht Jn einem bunten Schimmer bricht. Denn diese Blaͤtter sind nicht nur illuminiret; Nein, wenn die Sonn’ ihr Bild in ihre Flaͤche druͤckt, Wird jedes Blat, Wovon die eine Seite glatt, Mit einem hellen Schein geschmuͤckt, Mit einem kleinen Glanz gezieret, Der, wenn durch Zweig’ und Laub der laue Zephir kuͤlet, Recht lieblich hin und her mit holdem Blitzen spielet. Des funkelnden Smaragds durch Kunst geschliffne Spitzen Die haben nie mein Herz so sehr durchs Aug’ ergetzt, Als wie der glatten Blaͤtter Blitzen Durch ihren gruͤnen Glanz mein Herz in Freude setzt. Wenn sich nun noch die zarten Schatten Mit aller dieser Schoͤnheit gatten, Und daß die sanfte Dunkelheit Nicht nur der Farben Glanz, der Lichter Lieblichkeit, Nein, durch die Schatten-Bluͤht’ und Schatten-Blaͤtter gar, Die wahren Bluͤht’ und Blaͤtter zu vermehren Und zu erheben scheint; werd’ ich mit Lust gewahr, Wie auf den dicht belanbt- und reich bebluͤhmten Zweigen Durch Schatten in der Sonnen Stral Veraͤnderungen ohne Zahl Sich jeden Augenblick an jedem Orte zeigen. Die Stelle, die itzt weiß, wird dunkel; gelblich gruͤn Wird die vorhero dunkel schien. Hiedurch, wenn Zweig und Laub bald sinken, bald sich heben, Scheint alles, was wir sehn, Jn gruͤner Daͤmm’rung bald zu stehn, Und bald im gruͤnen Licht zu schweben. Der Der Grund, der hinter ihrer Pracht, Und sie um desto schoͤner macht, Jst hier das reine Blau der Luft, Das wie ein funkelnder Sapphir voll Glanz und Licht Durch die so zart- und klaren Blaͤtter bricht, Und eben durch die Dunkelheit Der frischen Blaͤtter Lieblichkeit Um desto mehr erhoͤht, Jnzwischen daß an einem andern Ort Der Blaͤtter gelbe Klarheit dort An einer hellen Wolk’ in guͤld’nem Felde steht. Hier sticht ein dunkles Gruͤn vom gelblicht-Gruͤnen ab, Ein helles nimmt sich dort hingegen schoͤner aus, Weil ein verdunkelt Gruͤn, Damit es so viel heller schien, Jhm gleichsam eine Fulge gab. Die Buͤsche scheinen nun hiedurch noch eins so kraus, Noch eins so Blaͤtter-reich. Nicht minder nimmt der Wald Durch diesen Unterscheid Vom gruͤnen Licht’ und gruͤner Dunkelheit Die allerlieblichste Gestalt. Ach liebster GOtt! wie funkelt, glaͤnzet, Wie prangt und gluͤht die gruͤne Welt, Wenn auf das Laub, das sie bekraͤnzet, Das guͤld’ne Licht des Himmels faͤllt! Wenn auf das Gruͤn der jungen Blaͤtter Der Sonne himmlisch Feuer stral’t; So schein’t in einem heitern Wetter Das Paradis selbst abgemahl’t. B 4 Bluͤ- Bluͤhende Pfirschen und Aprikosen. J ch sah an einer Garten-Wand Juͤngst einen Pfirsch-Baum ausgespannt, Deß, dem Rubin Balaß an Farben gleiche, Bluͤhte Jm angenemen Schimmer gluͤhte. Es glich der ganze Baum so wol an Form und Glanz, Als runder gruͤner Zierlichkeit, Fast einem glaͤnzenden erhab’nen Pfauen-Schwanz, Nur bloß mit diesem Unterscheid: Da dort des Pfauen gruͤnes Rad Vom blauen funkelnden Sapphir Viel hundert schoͤne Augen hat; So prangt des Pfirsch-Baums Cirkel hier Jn seinem ja so schoͤnen Gruͤnen Mit tausend Augen von Rubinen. Nicht leicht kann man was schoͤners sehn, Als wenn wir etwan an der Seiten Von einem bluͤhenden belaubten Pfirsch-Baum stehn. Die Blicke, die sodann Gemaͤlich uͤber Bluhmen gleiten, Die sehn den sonst zerteilten Glanz Nicht anders an, Als ein vereintes Ganz, Und scheint sodann die ganze Wand Mit Decken von Damast, Die Rosen-farb gefaͤrbet, uͤberspannt. Wenn man dieselbigen nun in der Naͤhe sieht, Erblickt mit tausend Lust ein aufmerksam Gemuͤt, Viel tausend weisse Spitzen Auf noch nicht off’nen Knospen sitzen, Die, Die, wie ein weisser Pelz von Hermelinen, Zum Schutz der zarten Bluͤhte dienen. Wenn sich dieselbe nun zerteilet; siehet man Zuerst ein schoͤnes Rot, das man Rubinen Mit allem Recht vergleichen kann. Sie sind sodann recht Wunder-schoͤn Wie Rosen-Knoͤspchen anzusehn. Die roten Kuͤgelchen nun oͤffnen sich, Wenn sie die Sonn’ anstral’t, fast sichtbarlich. Wann ich darauf die offne Bluͤhte schau’; Entdeck’ ich voller Lust, und sehe mit Vergnuͤgen Ein weißlich rot, ein roͤtlichs blau Jn suͤsser Zaͤrtlichkeit sich auf den Blaͤttern fuͤgen. Es wird das Rot allmaͤlich blaß, Recht, wie gesag’t, als ein Rubin-Balaß Es sieht der Rose dann, die wild und roͤtlich-bleich, An Form und Farb’ ein jedes Bluͤhmchen gleich. Der ganze Pfirsch-Baum scheint in einem holden Schein Ein grosser Rosen-Busch zu seyn; Der aber (wie nicht leicht ein Rosen-Busch sonst pfleget,) Kein Laub und keinen Dorn, nein nichts als Bluhmen, traͤget. Noch war in gleicher Form zu schauen Ein recht als wie mit Silber-Schaum Geschmuͤckter Aprikosen-Baum; Er gliech dem schoͤnen Schweif von einem weissen Pfauen. Aus Knospen, wenn sie noch nicht ganz Geoͤffnet, sieht man recht in einem weissen Glanz, Gleich wie aus roͤtlichen zerborst’nen Schalen, Die Bluͤht’ als einen Stern mit weissen Spitzen stralen. Wie aber die, so bald sie aufgebluͤht, Den weissen Rosen aͤhnlich sieht; So siehet auch der Baum, an schoͤnen Bluhmen reich, B 5 Dem Dem weissen Rosen-Busch’ ohn Laub und Dornen gleich. Willt du nun recht was zaͤrtlichs sehn; So schau ein solches Blat Aufmerksam an, wie Wunder-schoͤn Jn selben kleine Baͤume stehn, Die sich darin mit Staͤmm- und Zweigen Verwunderlich und deutlich zeigen. Von diesen glaubet man, daß in den zarten Roͤhren Die Saͤfte, so die Fruͤchte naͤhren, Bereitet, ausgekocht und zugerichtet werden, Ja daß so gar des Samens Geist und Kraft Jn dem gelaͤuterten oft umgetrieb’nen Saft Jn dieser Blaͤtter zarten Decken Geheimniß-voll verborgen stecken. Die Bluhmen lassen durch die Spitzen Da, wo sie an dem Kelch vereinet sitzen, Ein Sternen-foͤrmiges ein gruͤnlich Bluͤhmchen sehn, Jn dessen Mitte sich von kleinen Stangen Ein netter Zirkel zeigt, worauf so zart als schoͤn Mit einem duͤnnen Staub bedeckte Zaͤser hangen, Die durch den allerkleinsten Wind Verwunderlich beweglich sind, Aus deren Mitte denn noch eine steiget, Die als ein Mittel-Punkt der zarten Frucht sich zeiget. O wunderbar Gewebe der Natur! Wer dich mit menschlichem Gemuͤt Und nicht mit vieh’schen Augen sieht; Der kann die Allmachts-volle Spur Von einem ew’gen Wunder-Wesen Auf deinen Blaͤttern deutlich lesen. Demnach sey dir, mein Herz, forthin jedwede Bluͤhte Ein kleines Lehr-reich Buch von GOTTES Macht und Guͤte! Jch Jch sah mit hoͤchster Lust und innigem Ergetzen Des Schoͤpfers Werk an diesen Fruͤhlings-Schaͤtzen; Mir fiel zu gleicher Zeit bey solchem holden Schein Mit Dank-erfuͤllter Selen ein, Wie nuͤtzlich diese Bluhmen seyn; Welch eine schoͤne Frucht aus ihrer Schoͤnheit spriesset, Von welcher man zur schwuͤlen Sommer-Zeit Die wunderbare Lieblichkeit Nicht mit dem Auge nur, mit Zung’ und Gaum, geniesset. Der Aprikosen Silber-Bluͤht Wird Gold in ihrer Frucht, und stral’t in gelber Zier, Die oft recht wie Aurora gluͤht, Zumal wenn man sie recht gehaͤuft wie Trauben sieht, Aus ihrem gruͤnen Laub’ herfuͤr; Jhr Saft erfrischt das Blut und das Gemuͤte. Wie herrlich glaͤnzt die Pfirsich, wenn sie reif’t, Auf welcher sich der Schmuck verschied’ner Farben haͤuf’t! Bald funkelt sie in ihrem holden Gruͤnen Wie grosse Kugeln von Rubinen; Bald blitz’t ein Silber-weiß auf ihnen; Bald glimmen sie wie Gold; bald sieht man, wie die Pracht Von holden Rosen-roten Wangen, Wenn sie am allerschoͤn’sten prangen, Bey holder Fleisch-Farb’ uns anlacht. Auf mancher zeiget sich ein bunter Stral Von allen Farben auf einmal. Es ist ein solcher Baum so Wunder-schoͤn, Wenn viele Fruͤchte drauf, die reif sind, anzusehn, Daß, uneracht der suͤssen Lust, Die ihm durch den Geschmack die heisse Brust Und seinen trocknen Gaum erqvicket, Ein Naͤscher selbst sie fast mit Unmut pfluͤcket. Bewund’re ferner nun, mein Herz, zu GOttes Ehre, Von Von dieser reifen Frucht die Groͤss’ und Schwere, Da viele mehr als zwey Pfund am Gewicht, Durch die gehaͤuf’te Meng der Feuchtigkeiten, haben: Erkenn’ auch hierin doch des grossen Gebers Gaben! Vergiß dafuͤr des Dankens nicht! Wenn den Mund die Pfirsich fuͤllet, Und den Durst mit Anmut stillet, Daß die Zung’ in Honig schwimm’t; Ach! so schaͤtz’t es nicht geringe! Dankt dem Schoͤpfer aller Dinge, Der euch so viel Gut’s bestimm’t! Kirsch- Kirsch-Bluͤhte bey der Nacht. J ch sahe mit betrachtendem Gemuͤte Juͤngst einen Kirsch-Baum, welcher bluͤh’te, Jn kuͤler Nacht beym Monden-Schein; Jch glaubt’, es koͤnne nichts von groͤss’rer Weisse seyn. Es schien, ob waͤr’ ein Schnee gefallen. Ein jeder, auch der klein’ste, Ast Trug gleichsam eine rechte Last Von zierlich-weissen runden Ballen. Es ist kein Schwan so weiß, da nemlich jedes Blat, Jndem daselbst des Mondes sanftes Licht Selbst durch die zarten Blaͤtter bricht, So gar den Schatten weiß und sonder Schwaͤrze hat. Unmoͤglich, dacht’ ich, kann auf Erden Was weissers ausgefunden werden. Jndem ich nun bald hin bald her Jm Schatten dieses Baumes gehe: Sah’ ich von ungefehr Durch alle Bluhmen in die Hoͤhe Und ward noch einen weissern Schein, Der tausend mal so weiß, der tausend mal so klar, Fast halb darob erstaunt, gewahr. Der Bluͤhte Schnee schien schwarz zu seyn Bey diesem weissen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht Von einem hellen Stern ein weisses Licht, Das mir recht in die Sele stral’te. Wie sehr ich mich an GOtt im Jrdischen ergetze, Dacht’ ich, hat Er dennoch weit groͤs’re Schaͤtze. Die groͤste Schoͤnheit dieser Erden Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden. Noch Noch einige Betrachtung der Bluͤhte. S eht, wie am Birn-Baum sich die Blaͤtter-Knospen spitzen, Allmaͤlich sich entwickeln und verbreiten! Ey seht, wie dort, voll krauser Zierlichkeiten, Die schwangern Trage-Knospen sitzen! Man sieh’t ihr sanft-behar’t ihr weißlich gruͤn Sich zaͤrtlich von einander beugen, Und gleichsam sichtlich sich bemuͤhn, Den Schatz der Bluhmen uns zu zeigen. Der Apfel-Baum faͤngt gleichfalls an, Auf eine lieblich suͤsse Weise, Die man nicht g’nug bewundern kann, Zu uns’rer Freude, GOtt zum Preise, Sein Laub noch auf besond’re Ahrt Zugleich nebst seiner Bluͤht’ uns vorzulegen. Die Knospen, die so sanft und zart Sich allgemach zu oͤffnen pflegen, Bemuͤhen sich, auf allen Seiten Mit gleicher Zierlichkeit sich auszubreiten; Da in der Mitte denn die Trage-Knospen stehn, Woran zuerst ein krauses Wesen nur Jn einer noch nicht ganz entwickelten Figur Noch ungeform’t noch ungeteilt zu sehn; Die aber bald Zu unserm Nutzen und Bergnuͤgen Ein’ angenem gebildete Gestalt, So bald sie sich zerteilen, kriegen. Man sieht sodann derselben viele Aus einer Knosp’ entstehn. Man sieht die zarten Stiele Mit Silber-grauem Har bedecket und geschmuͤckt, Die Die oben allgemach verdickt, Sich in fuͤnf Spitzen abwaͤrts beugen, Dadurch sie denn die Form von Sternchen, welche gruͤn, Und in dem Mittel-Punkt, als waͤr’ es ein Rubin, Die Gluht der roten Bluͤhte, zeigen; Die aber gleich, so bald sie offen gehn, Um unser Auge mehr noch zu erfrischen, Jhr funkelnd rot mit reinem weissen mischen, Wodurch sie, hier gestreift und bunt, dort Wunder-schoͤn Wie holde Leib-Farb’ anzusehn. Die noch nicht voͤllig off’ne Bluͤht Formiret oft in netter Zierlichkeit Von Rosen-Knospen einen Kranz, Jn dessen Mitte man in einem weissen Glanz Ein’ off’ne weisse Rose sieht. Der schoͤnen Form-sowol als Farber Unterscheid Und angeneme Lieblichkeit Von einer solchen Apfel-Bluͤhte Kann auch fast wider unsern Willen Ein unaufmerksam Aug’, ein schlaͤfriges Gemuͤte Mit Lust (ach waͤr sie stets mit Dank begleitet!) fuͤllen. Nicht minder heben itzt zur Lust verschied’ner Sinnen, Die man daran vergnuͤgen kann, Die bis daher erstorb’nen Reben an, Viel tausend Augen zu gewinnen; Sie fangen itzt vor Freuden an zu weiten, Da sie der Sonnen Waͤrm’ und Licht aufs neu bescheinen. Ein braͤunlich zartes Har, weich wie der Serer Seiden, Scheint die Gebaͤhrerinn der Blaͤtter zu bekleiden, Woraus hernach und aus noch andern Sachen Recht zierlich, aus der Massen schoͤn, Nebst manchem fliegenden Gewuͤrm, Die Wespen ihre Nester machen, Wie ich es oft Verwund’rungs-voll gesehn. Aus Aus diesem steigt allmaͤlich manches Blat, Das unvergleichlich nett und zierlich ausgekerbet, Das gelblich-gruͤn gesaͤrbet, Wobey es lieblich glaͤnzt. Es ist so glatt, Als waͤr’ es recht lackiret, Worauf jedoch bald hier bald dar Ein zartes Silber-graues Har Es kraͤnzet, schmuͤckt und zieret. Auf uns’rer Kirschen-Baͤum’ itzt reich beknospten Zweigen Sieht man die runden Knospen sich Jn einer zierlichen Figur Recht eigentlich Als kleine gruͤne Trauben zeigen. Man sieht fast uͤberall ein sanft Bewegen, Man sieht die emsige Natur Sich allenthalben regen. Was heute gruͤn, steht morgen allbereit Jn einer weissen Lieblichkeit. Es sehn sodann die Federn von dem Strauß, Auch die vom Schwan nicht einst so weiß, so weichlich aus, Absonderlich, wenn man die weisse Bluͤht Zu einer Zeit, da ungefehr Die laue Luft vom Regen schwer, Entgegen truͤbe, falb’ und dunkle Wolken sieht. Denn durch den Gegensatz der Dunkelheit Glaͤnzt, schimmert, glimmt und scheint der weissen Bluͤhte Zier Noch einst so hell berfuͤr. Jndem die Zweige nun durchs Laub noch nicht verstecket, Wird der verschreikten Aest’ und Blaͤtter Dunkelheit, Die wie ein Netz sich durch einander flicht, Beym weissen Glanz der Bluͤht’ um desto mehr entdecket, So daß der Bluhmen weisses Licht Mit ihrer dunk’len Zweige Nacht Ein’ angeneme Daͤmm’rung macht. Man Man kann nichts angenemers sehn, Als wenn wir unter solchen Baͤumen, Die in der besten Bluͤhte stehn, Spatziren gehn, Und unsern Blick sodann erhoͤhn, Da gruͤn’ und weisse Schatten Sich lieblich gatten, Und uns so sanft bedecken und ergetzen, Daß sie ein frommes Herz, das, in so holder Lust, Mit Andacht angefuͤll’ter Brust, An seinen Schoͤpfer denkt; fast aus sich selber setzen. Der Blaͤtter jung- und zaͤrtlichs Gruͤn, Das mit den Bluhmen in die Wette Zu wachsen schien, Ließ recht, als ob es dieß zum Endzweck haͤtte, Nicht nur ihr Gruͤn ins Weiß zu mischen, Um dadurch desto mehr die Augen zu erfrischen; Es schein’t so gar mit Fleiß Sich emsig zu bemuͤhn, Um durch der holden Dunkelheit Die Augen-staͤrkende sanft gruͤne Lieblichkeit, (Damit uns nicht das gar zu starke Weiß Der hellen Bluͤhte moͤgte blenden) Solch Uebel von uns abzuwenden. Da denn zugleich die Mischung desto mehr Die Augen durch die Aend’rung ruͤhret, Und man sowol vom Laub’ als durch der Bluhmen Heer Ein unausdruͤcklich suͤß, ich weiß nicht was, verspuͤret. Verschied’ne kleine Knospen blitzen Durch noch nicht offene, doch schon getheilte Spitzen Der gruͤnen Blaͤtterchen, als Sterne voller Licht. Dort trifft man gleichsam einen Kranz, Jn welchen die Natur, voll Klarheit Ruͤnd’ und Glanz Viel Perlen zwischen Bluhmen flicht, Voll angenehmer Schoͤnheit an. II. Theil. C Wen Wen dieser Glanz nun noch nicht treiben kann, Den Schoͤpfer im Geschoͤpf zu preisen, Dem will ich Jhn noch schoͤner weisen. Er schau’ einst einen Kirschen-Baum, Der an der Garten-Wand Mit seinen Zweigen ausgespann’t, Jn seiner Bluͤhte Schmuck bey Licht des Abends an! Wofern die klare Pracht sodann Jhn aus dem schweren Traum Der Unempfindlichkeit nicht reisset; So weiß ich wahrlich nicht, ob man Solch einen Menschen wol mit Recht vernuͤnftig heisset, Jndem er fast mit Fleiß dem Schoͤpfer widerstreb’t. Es ist so Bluͤht’ als Laub so zart und duͤnn geweb’t, Und so durchleuchtig, so durchsichtig, Daß ein daran gehalten Licht Durch ihr subtiles Wesen bricht, Und selbst, dadurch gefaͤrb’t, die Luft illuminiret, So daß man hie und dort ein buntes Feuer spuͤret. Ja da zugleich der Blick durchs dunk’le noch gestaͤrkt, Wird an der Wand zugleich vermerkt, Wie schnell sich manches Bild daran formiret, Wie viele sanft- und klare Schatten, Die bald sich trennen, bald sich gatten, Die schnell entstehn und schnell vergehn, Durch ihre Dunkelheit Des schoͤnen Urbilds Lieblichkeit Und bunten Glanz noch mehr erhoͤhn. Ach GOtt, da wir auf dieser Erden Durch Deine Creatur so oft vergnuͤget werden; So gib doch, daß, so oft ich etwas schoͤnes sehe, Es, ohn’ an Dich, Quell’ aller Herrlichkeit, Quell’ aller Schoͤnheit, Pracht und Vollenkommenheit, Mit Andacht und mit Lust zu denken, nie geschehe! Die Die Bienen. J ndem ich juͤngst vergnuͤget und allein Bey einem Apfel-Baum’ in voller Bluͤhte, Der angestralet war vom hellen Sonnen-Schein, Voll froͤhlicher Betrachtung stand, Und mein geruͤhretes Gemuͤte Zu GOttes Ruhm darin so manchen Vorwurf fand; Ward ich zugleich auf ungezaͤhlten Zweigen, Die durch der Bluhmen Meng’ und Last sich gleichsam beugen, Von Bienen eine ganze Schar, Voll munt’rer Emsigkeit, gewahr. Jch sah und hoͤr’te sie mit innigem Vergnuͤgen Und lieblichem Gemurmel fliegen. Jch sah sie, theils um sich zu traͤnken, Theils Honig und theils Wachs heraus zu ziehn, Jn jede Bluͤht mit emsigem Bemuͤhn Die kleinen rauhen Haͤupter senken. Jch sah, wie sie die suͤsse Last, So bald sie etwas aufgefasst, Jndem sie in der Luft mit frohem sumsen schweb’ten, An ihre Fuͤsse kuͤnstlich kleb’ten. O wunderbarer GOtt! fing ich vor Freuden an, O wunderbarer GOtt! wer leb’t auf dieser Erden, Der Deine weise Macht begreifen kann? Die klein’ste Creatur erheb’t des Schoͤpfers Preis, Ein fliegend Wuͤrmgen zeig’t Witz, Vorsicht, Kunst und Fleiß. Es hat kein Sterblicher bishero noch entdecket, Was fuͤr ein Wunderwerk in einer Biene stecket. Kein Meusch vermag so, wie die kleine Bien’, C 2 Aus Aus Bluhmen Honigseim zu ziehn. Wir wuͤsten nicht einmal ohn’ ihre Lehre, Daß in den Bluhmen Honig waͤre. Mein GOtt! ach laß das Heer der kleinen Bienen Mir doch zu einem Lehr-Bild dienen! Laß mein betrachtendes Gemuͤte Doch auch, wie sie, aus jeder Bluͤhte, Durch die darauf mit Ernst gewandten Augen, Der wahren Andacht Honig saugen! Laß meine Sele sich, o GOtt! zu Deinen Ehren Jn jeder Bluhme holden Pracht An Deiner Weis heit, Lieb’ und Macht, Mit sroͤhlichen Gedanken naͤhren! Die Die Muscat-Hyacinthe. D u fast von Farb’ und Form entbloͤsstes Fruͤhlings-Kind, An welchem ich nichts, als ein falbes Grau, Ein schmutzig gruͤnlichs Braun, ohn’ allen Zierrat, schau, Du unansehnliche Muscaten-Hyacinth! Du siehst im bunten Bluhmen-Reich Kaum einer Bluhme gleich, Und dennoch bricht aus dir Ein recht balsamischer Geruch herfuͤr, Der dem Ceylonischen Gewuͤrze fast nicht weicht, Und holdem Ambra selbst an suͤsser Staͤrke gleicht. Du dienest mir, zu GOttes Preise, Zum unumstoͤßlichen Beweise Der nicht zu zaͤhlenden Veraͤnd’rung der Figuren Jn Seinen schoͤnen Creaturen, Und dieß vermehr’t des Schoͤpfers Ehre. Jm weltlichen gibst du mir diese Lehre: Mein Herz, laß dir den aͤusserlichen Schein Kein Fall-Strick seyn! Denn ein geflicktes Kleid und schmutz’ger Mantel decket Gar oft ein Herz, in welchem Weis heit stecket. C 3 Die Die Tulpe. M ein Gaͤrtner bracht’ im Januario Mir eine Tulpe, die schon bluͤh’te, Die, Zeit und Frost zu Trotz, in dunklem Purpur gluͤh’te. Derselben Farben glaͤnzten so, Daß sie dem gierigen Gesicht’ (Als in der Dunkelheit ein schnell erblicktes Licht) Ein ganz allein geseh’ner Vorwurf war. Ach! Ey du lieber GOtt! ists moͤglich? das ist rar! Rief jeder, der sie sah: Ey das ist gar zu schoͤn; Und kurz: Kein einziger vermogt sich satt zu sehn An dieser Bluhme fruͤhen Pracht. Man nam so Bluͤht’ als Laub, so Farb’ als Form in acht, Und zwar mit grosser Lust und ungemeinem Fleiß, Da doch, wenn GOtt, wie itzt, uns Millionen schenket, Man an derselben Schmuck kaum einmal recht gedenket, Und nichts von Anmut, Lust, von Dank und Freuden weiß. Ach zeiget denn nur bloß der Mangel unsern Augen, Was Ueberfluß verbirgt? Jst wenig mehr, als viel? Hat uns’rer Sele Kraft nur ein so kurzes Ziel? Kann der Gewonheits-Dunst uns so zu blenden taugen, Daß wir, so bald uns GOtt viel giebet, nichts ermessen, Und, weil die Gabe groß, des Gebers ganz vergessen? Armsel’ge Creatur! bedaurens-wehrter Stand, Du bindest ja hiedurch, so viel an dir, die Hand Des milden Vaters selbst, daß sich Sein Gnaden-Fluß Statt Strom- nur Tropfen-weis’ auf dich ergiessen muß. Ach mache du es doch, mein Herze, nicht also! Beschaue diese Bluhm’ in ihrer Pracht; sey froh, Und danke GOtt, daß er in deinem Leben Dir Dir dein Gesicht nicht nur; So manche herrliche geschmuͤckte Creatur Zum Vorwurf des Gesichts, zu deiner Lust, gegeben. Fleh’ aber GOttes Huld, die alles will und kann, Was dir ersprießlich ist, doch zuversichtlich an, Daß Er dir deinen Geist auf Seine Wunder lenke, Und dir den Geist der Lust und der Betrachtung schenke! Qvell’ aller Schoͤnheit! ew’ge Liebe, Vermehr’ in mir die Faͤhigkeit, Daß ich zur holden Fruͤhlings-Zeit Mit einem angeflamm’ten Triebe Der Tulpen Glanz, wie er so wunderschoͤn, Zu Deinen Ehren moͤg’ in tausend Freuden sehn! Wie herrlich heisset GOtt, itzt im bebluͤhmten Lenzen, Das Farben-reiche Heer der schoͤnen Tulpen glaͤnzen! Von ihrer Schoͤnheit wird man gleichsam angelacht. Wie pranget die Figur! wie gluͤh’t der Farben Pracht, Jndem die Blaͤtter sich nicht nur wie Flammen spitzen, Nein gar die Farben selbst, geform’t wie Flammen, blitzen, Wenn hier ein funkelnd rot, und da ein blendend weiß, Und dort ein gelber Schein, (So alle Feuer-Farben seyn) Zu uns’rer Augen Lust, zu ihres Schoͤpfers Preis, Jn ungezaͤhlter Mischung brennen. Ach moͤgt’ ich ihre bunte Gluht Mit selbst entzuͤndetem vor Andacht heissen Mut Nach ihrer Wuͤrdigkeit beschreiben koͤnnen! Wer an des Fruͤhlings bunten Schaͤtzen Recht inniglich sich will ergetzen, Der muß sich, wann die Tulpen bluͤh’n, C 4 So So viel bemuͤh’n, Und niedrig sich bey ihnen setzen. Hiedurch wird alsobald sein Auge, sehr erfreut, Die Farben, die es sonst von oben nur verstreu’t, Und nur getheilt gesehn, verwunderlich verbinden, Und, voll von ungemeinem Glanz’, Ein herrliches Geweb’, ein unvergleichlichs Ganz, Gleich einer koͤstlichen Tapete, finden. Der Grund von dieser schoͤnen Decken Jst lieblich, weißlich, gruͤn. Es deckt so Stiel als Laub, Die an sich dunkler gruͤn, ein gruͤnlich weisser Staub, Der sich verwischen laͤsst. Es schmuͤckt ein zierlich Blat, Das oftermals sich nett gedrehet hat, Des rischen Stengels Fuß. Ja wie man oft Papier Mit Fingern zierlich druͤckt, so scheint in gruͤner Zier Dieß spitzig lang- und breite Blat Von Fingern der Natur sehr zierlich eingedruͤcket, Wovon die Bildungen der foͤrdersten allein Zu unterscheiden seyn, Weil Laub und Stengel alsobald Der Bildung liebliche Gestalt, Mit welcher sie sich alle zieren, Jndem die Menge sie vereint, verlieren. Doch lassen sie recht wunderschoͤn Ein allgemeines Gruͤn sodann den Augen sehn. Dieß Gruͤne sieht man sich jedoch nicht weit erstrecken, Jndem der Bluhmen helle Flammen Den gruͤnen Schmuck durch bunten Schmuck verdecken. Jn denen nun verbindet sich zusammen, Was die Natur in unterschied’nem Grad Sonst einzeln schoͤnes hat. Der Teppich scheint von Farbe nicht, Wol aber von gefaͤrb’tem Licht Verwunderlich gewirkt. Wer Flammen sehen will, Die, Die, wider die Natur der regen Flammen, still Und unbeweglich stehn: der seh’ ein Tulpen-Feld, Das uns ein buntes Feu’r recht schoͤn vor Augen stellt. Wie mannichfaltig nun der Tulpen Farben scheinen; So findet sich dennoch, (wer sollt’ es meynen?) Daß sie nur bloß aus gelb, aus rot und weiß bestehn, Die aber die Natur so wunderbarlich mischt, Daß sie den Blick so gar durch ihre Gluht erfrischt. Hier sieht man gelbe Lichter blitzen, Da weisse, rote dort; Es haben rote weiss’, und weisse rote, Spitzen; Hier mischt sich rot mit Gold, mit weiß an jenem Ort’, Und zwar in so geformten Strichen, Daß sie gespitzt, getheilt recht einer Lohe glichen. Sie stell’ten einen suͤssen Brand Auf ihren Blaͤttern vor. Ein dunkles Feuer gluͤhet Jn einigen, wenn dort man einen weissen Rand Auf Purpur-farb’nen Bluhmen siehet. Man sieht so gar, und zwar nicht ohn Vergnuͤgen, Oft in der Bluhme solch ein schwarz, wie Kolen, liegen. Jn Kolen schein’t der Grund durchs Feur bereits verkehrt, Dadurch des Feuers Glanz und Gleichheit sich vermehrt. Es scheinet die Natur, ob wolle sie vor allen Uns in der Tulpen Heer fast mit Gewalt gefallen. Jhr unvergleichlich schoͤnes Blat, Das sonsten breit und glatt, Wird zur Veraͤnderung von ihr An der Monstros’ in einer neuen Zier Nicht nur gekraͤus’t und eingekerbt, Nein, auch zum Unterschied der Farben, gruͤn gefaͤrbt. Die Form der Bluhme selbst ist mehrenteils oval, Sie scheint ein netter Kelch, ein zierlicher Pocal, So bald sie offen geht, das allezeit geschicht, Wenn sie das warme Sonnen-Licht C 5 Und Mit seinen Stralen trifft. Es sind verschied’ne von den weissen, Die, wegen ihres Schmucks und Schimmers, Schwaͤne heissen, Oft, durch die Nachbarschaft der dunkel-roten, schoͤn, Und diese gleichfalls schoͤn, durch jener Glanz, zu sehn. So glaͤnzen sie bey truͤbem Wetter. Wer aber kann das Prangen ihrer Blaͤtter, Wenn sie, o Licht der Welt, von deinen Stralen Verherrlicht sind, beschreiben oder mahlen? Sie uͤbertreffen dann mit ihrem Scheine Die allerfeurigsten geschliffnen Edelsteine; Jst wenig nur gesag’t. Durchleuchtig muß man sie mehr als durchsichtig nennen. Oft schein’ts, ob saͤhe man in einem jeden Blat’, Jn welches sich das Licht gesenket hat, Den Sonnen-Stral gefaͤrbet sichtbar brennen. Wenn solcher Tulpen Heer von aller Ahrt zusammen An einen Ort gepflanzt, so wol nicht prangt, als gluͤhet: Jst mir, als wenn mein Aug’ in vielgefaͤrbten Flammen, Und unbeschreiblich buntem Schein, Zu unsers Schoͤpfers Ehr’ allein, Ein unverbrennlichs Kunst-Feu’r siehet. Mayen- Mayen-Bluhmen. A uf! Herz und Aug’, auf, auf! euch an der reinen Zier Der Lilien-Convallien zu weiden! Der groͤssern Bluhmen Schmuck darfst du bey mir, Beliebtes Bluͤhmchen, nicht beneiden. Man trifft in deiner Niedrigkeit Ein angenemes Wesen an, Wovon, wie uͤberall, man die Vollkommenheit Mehr spuͤren als beschreiben kann. Mein GOtt! der Du, wie aller Dinge, Auch dieser Bluhme, Schoͤpfer bist, Gib, daß, da sie so lieblich ist, Jch auch zu Deinem Ruhm von dieser Bluhme singe, So viel ich immer weiß und kann! Jch sehe dich mit Lust, geliebtes Bluͤhmchen, an, Da ich denn die Figur in der geformten Ruͤnde Fast kleinen Tulpen aͤhnlich finde: Nur ist der Unterschied, daß hier derselben viele, Dort eine nur, an ihrem Stiele. Doch nein, mich dencht anitzt, ich finde dieß in euch, Jhr sehet kleinen Glocken gleich, Die ordentlich an gruͤnen Stangen Jn einer Reihe hangen. Ach moͤgte doch das Bild von diesen kleinen Glocken Mir eine Bet-Glock seyn, Mich Dem zu danken locken, Der so, wie dich, die ganze Welt, Auch mich erschaffen und erhaͤlt! Jch wuͤnsch, daß dein Geruch das, was der Glocken-Schlag Bey uns sonst wirken soll, bey mir verrichten mag! Es gibt dieß Bluͤhmchen mir ein Bild der Einigkeit, Da Da all’ an einer Seite stehen, Da all’ auf einen Vorwurf sehen. Sie haͤngen unter sich, sie scheinen sich allein Und ihre Niedrigkeit in Demut zu betrachten. Ach lasset sie auch uns ein Bild der Demut seyn, Ach lasset uns viel lieber in uns gehn, Als neben andern uns erheben, sie verachten! Man uͤberhebe sich der eig’nen Gaben nicht, Und sehe mehr auf sich, als auf des Naͤchsten Fehler! Erweg’t, wie oͤfters es geschicht, Daß GOtt sowol die niedren Thaͤler Als Berge fruchtbar werden ließ! Aus unsers Bluͤhmchens Kelchen quillet Ein angenemes Bitter-suͤß, So unser Hirn mit Nutz und Lust erfuͤllet. Man hat es lange schon bemerkt, Wie dieser Bluhmen Kraft so Hirn als Nerven staͤrkt. Wie in der Arzeney Jhr Nutz so mannichfaltig sey; Hat sich schon oftermals gewiesen. Sie oͤffnet unser Haupt im Niesen, Vertreib’t den Schlag, verjag’t die Gicht. Jndem ich also denk’, und bey den Bluhmen stehe, Die Kraft erweg’, und ihre Schoͤnheit sehe; So deucht mich, daß dieß Bluͤhmchen spricht: Gedenk an GOtt und Seine Macht, Der dich und mich hervor gebracht, Der gegenwaͤrtig bey uns beiden, Der allenthalben, nirgends nicht, Und Dem durch deine Freuden Der allerliebste Dienst geschicht! Die Die Ameise. J n dieser holden Fruͤhlings-Zeit, Da alles voller Glanz und neuer Herrlichkeit, Trat ich, geruͤhrt durch solchen Schein, Jn Frommholds schoͤnen Garten ein, Woselbst in reinem Schmuck die saft’gen Baͤume bluͤhten, Woselbst in bunter Gluht der Floren Kinder gluͤh’ten. Ein jeder Vorwurf war recht unvergleichlich schoͤn, Recht herrlich anzusehn. Ein Balsam-reicher Duft Erfuͤllete die laue Luft. Das Wasser schien bemuͤht, mit tausend bunten Bildern Die glatte Flaͤche zu beschildern. Man sah mit Lust die schattigten Alleen Jm gelblich-gruͤnen Schmuck der jungen Blaͤtter stehen. Auf manchem Pomeranzen-Baum Fand ich mit ungemeinem Prangen Bey Silber-weisser Bluͤht fast guͤld’ne Aepfel hangen, Und kurz, mein Auge konnte kaum Sich satt an solcher Schoͤnheit sehen. Jn diesem holden Ort’ und schoͤnen Lust-Revier Erblickt’ ich einen Ameis-Haufen. Jch sah Verwund’rungs-voll dieß kleine Thier, Mit unverdross’nem Fleiß und eifriger Begier, Sich stets bewegen, rennen, laufen. Es eilte sonder Ruh’, und hatte keine Zeit, Die ungemeine Pracht, die holde Zierlichkeit, Veraͤnd’rung, Farben, Glanz, Schmuck, Ordnung, Seltenheit Des Gartens anzusehn. Ach! rief ich uͤberlaut: Du scheinst, wie sehr mir auch vor der Vergleichung graut Uns zum belehrenden Exempel vorgestell’t. Die Ameis’ ist der Mensch, der Garten ist die Welt. Der Der Frosch. J ndem ich nun an diesem schoͤnen Ort Bestaͤndig neue Wunder sehe; Erheb’ ich mich von meinem Sitz’, und gehe Mit sanften Schritten wieder fort, Worauf ich bald hernach Jn einem nah geleg’nen Bach Ein nicht unangenem Gewaͤsche Geschwaͤtziger und froher Froͤsche Mit ungemeinen Freuden hoͤr’te, Das, ob es gleich die Stille unterbrach, Mich dennoch nicht in meinem Denken stoͤr’te. Jch dachte dem verwirreten Geschrey Ein wenig nach, Und fand, daß es nicht einerley, Wol aber sehr verschiedlich, sey. Der eine qvackt, viel hundert qvarren, Hier murret einer sanft, wenn dorten tausend knarren. Wreckeckeckecks schrey’t der, dort einer, merk es, merk’s. Merk’s, schrieen ihrer viel’. Jch stutzte; rufest du, Sprach ich, o kleiner Frosch, dem Menschen: merk’ es, zu? Gewißlich, du hast recht: man macht so wenig Werks Von aller Pracht und Schoͤnheit, die die Welt Zumal im Fruͤhling’, in sich haͤlt, Von allen goͤttlichen Geschoͤpf- und Wunderwerken; Daß wir nicht aufs Gefchoͤpf, nicht auf den Schoͤpfer, merken; Daß Daß man kaum einst daran gedenket, Sich ihrer nicht erfreu’t, noch weniger auf Den, Der aller Dinge HErr, den Allgewaltigen, Der alles herrliche geschaffen und uns schenket, Nebst einem Dank die frohe Sele lenket. Ach moͤgte man doch einst, daß dieses Suͤnde, fassen, Und sich so gar vom Frosch daran erinnern lassen! Aufs wenigste will ich, bist du gleich noch so klein, Beredter Frosch, dein aufmerksamer Hoͤrer, Du sollt, so oft du ruf’st, mein Lehrer, Dein merk’s soll meine Lehre, seyn. Die Die Knospe. J ch brach ein noch nicht ganz geoͤffnet Knoͤspchen ab, Das mir, als ich es recht beschau’te, Von GOttes weiser Macht solch’ eine Probe gab, Daß ich zu Seinem Ruhm mich recht dadurch erbau’te. Jch ward daran so mancher Haut gewahr, Die jede wie ein eigen Kleid, Ja wie ein Pelz, der Bluͤhte Zaͤrtlichkeit Fuͤr Frost und andere Gefahr Recht Wunder-wuͤrdig schuͤtzt’ und deckte. Die Zahl derselbigen, so sich auf neun erstreckte, Wovon, so bald die Bluͤht zu ihrem Ausbruch eilet, Sich jede wieder dreyfach teilet, Doch allezeit an solchem Orte, Woselbst der Oeffnung kleine Pforte Ein’ and’re Haut, so alda ganz, entspriesst, O Wunder! immer wieder schliesst; Bewog mich, auf das neu, das albern’ Ungefehr Der Atheisten zu verlachen, Und zwang mich, Freuden-voll den wahren Schluß zu machen: Ein Etwas, das vom Sinn’ und allem Denken leer, Das folglich blind und tumm, kann nicht mit Wahrheits- Schein Fuͤr eine Sache Sorge tragen, Und kluͤger, als die Klugheit, seyn. Hier Hier siehst du Sonnen-klar, Daß dieser Haͤute Meng’, ihr Rang, ihr zartes Har, Zu nichts geschaffen sey, als dazu bloß allein, Die zarte Bluͤhte fuͤr Gefahren Der Kaͤlte, so die Luft noch fuͤllet, zu bewahren: Jndem sie, wenn die Bluͤht’ heraus, von allen Gleich ab, und auf die Erde, fallen. Laß, grosser Schoͤpfer, mich doch oft in Deinen Werken Von Deiner Weis heit, Lieb’ und Macht die Spuren merken! So oft wir junge Knospen sehn, So laß es Dir zur Ehr’, in uns’rer Lust, geschehn! II. Theil. D Der Der Kuͤchen-Garte im Fruͤhlinge. D as umgegrab’ne Garten-Land Jst kaum besaͤ’t und wieder zugeeget; So wird nicht lang’ hernach ein gruͤnliches Gewand Daruͤber gleichsam hergeleget. Es drenget sich gar bald, Und gleichsam mit Gewalt, Jn einer zaͤrtlich-gruͤnen Zier, Durch dunkel-braunen Grund, ein zartes Kraut herfuͤr. Zu Anfang scheint das Grau der eb’nen Flaͤchen, Wenn tausend Blaͤtterchen, in stiller Emsigkeit, An allen Orten durch sie brechen, Als waͤr’ ein gruͤner Staub daruͤber her gestreu’t, Der augenscheinlich sich verdicket, Wodurch die milde Mutter sich Fast sichtbarlich Mit einem gruͤnen Sammet schmuͤcket. Man sieht zugleich an ihnen mit Vergnuͤgen Der Ordnung Zier, die schoͤnen Farben, an. Es zeiget Saurampf, Kol, Spinat, Kreß, Rettig, Petersill, Salat, Bey einem warm- und feuchten Fruͤhling-Wetter Ganz unvermerkt die kleinen Blaͤtter. Die meisten sieht man Wunder-schoͤn Jn langen Linien in schoͤn’ster Ordnung stehn. Durch so gerade Zierlichkeit Wird man nicht weniger, als durch die Farb’, erfrent. Man sieht zugleich an ihnen mit Ergetzen Die Ordnung, Zier und schoͤnen Farben an, Zusamt dem Unterschied der Bildungen. Es kann Ein Ein wirtlich Herz zugleich hieran Schon zum voraus den Nutzen schaͤtzen, Da das, was aus der Erd’ in solchem Zierrat bricht, Auch im Geschmack uns tausend Lust verspricht, Jndem ein mannigfalt’ger Saft Erfrischung und auch Nahrungs-Kraft Uns bey der Augen-Lust zugleich verschafft. Wie daß denn nun, wenn ihr dieß alles sehet, Jhr Menschen, es euch nicht zu Herzen gehet! Wie daß ihr GOtt, der euch vergnuͤg’t und naͤhr’t, Bey dieser schoͤnen Augen-Weide Aufs wenigste zur Fruͤhlings-Zeit nicht ehr’t Mit eurer Dank-begier’gen Freude! Ach lasst doch eure laue Brust Durch solche Wunder dahin lenken, Des grossen Gebers, voller Lust Und froher Andacht, zu gedenken! Erwaͤget Seine Lieb’! Er will fuͤr alle Gaben Ein Dank-begieriges und srohes Herz nur haben. D 2 Die Die Cyrene. E rhebe doch aufs neu dein sanftes Lob-Getoͤne, Geruͤhrtes Herz! Der hohe Bluhmen-Baum, Die Purpur-farbene Cyrene, Verlangt mit Recht in deinen Liedern Raum. Von allen Bluhmen weiß ich keine, (Jndem ich keine Bluͤhte meyne) Die hoͤher waͤchst, die einen staͤrkern Stiel, Auch keine, die so viel Zugleich gebohrne Kinder hat, Die an Figur Ceylon’schen Naͤgelein, Dem Amethist an Farben, aͤhnlich seyn. Jhr sonderlich Gewaͤchs koͤmmt mir nicht anders fuͤr, Als ob in ihr (Um durch Veraͤnderung zu ihrem Zweck zu kommen, Die einzig uns’re Lust) sich die Natur Jn dieser Bluͤhte vorgenommen, Uns ein’ absonderlich gebildete Figur Zu ihres Schoͤpfers Ruhm und uns’rer Lust zu zeigen. Jch will demnach in deiner Pracht, Zum Preise Deß, der dich gemacht, O holdes Fruͤhlings-Kind, nicht schweigen. Der Bluhmen kleiner Kelch, den man bewundern muß, Jst gleichsam angefuͤllt mit Gold; ihr zarter Fuß Scheint kuͤnstlich eingefasst Jn einem gruͤnen Schmelz. Das Auge wird erfrischt, Wenn ich ein weißlich rot, ein rot und weißlich blau So So zart, so angenem vermischt Auf ihren off’nen Blaͤttern schau. Wie wenn der Sonnen Licht an reine Wolken stralet, Jhr Glanz dieselben oft als Purpur malet; So scheint dein Gipfel in der Luft Ein roͤtlich-blau gefaͤrbter Duft, Ein purpurnes Gewoͤlk, zu seyn. Wann aber ich ein wenig in der Naͤhe Die schoͤnen Bluhmen, die so klein, An einer Bluhm’ in solcher Ordnung sehe; So kann man nicht mit groͤsserm Wolgefallen Der Feder-Buͤsche lieblichs Wallen, Als euren Bluhmen-Busch, sich sanft bewegen sehn. Die praͤchtige Figur ist, wie die Farbe, schoͤn; Es ist jedwede Bluhm’ ein ganzer Bluhmen-Strauß. Es sieht recht unvergleichlich aus, Wenn in die tausend oft an einem Stengel stehn, Wodurch sie, da sie sich so angenem vereinen, Nicht nur an Farb’ und Bildung schoͤner scheinen; Selbst des Geruches Eigenschaft Wird so viel lieblicher durch die vereinte Kraft. Man wird im bunten Bluhmen-Reich Was staͤrkers wol, nicht leicht was sanfters, riechen koͤnnen. Man wird nicht viel, so dir an Anmut gleich, Noch minder, so dich uͤbertreffen, nennen. Es kommt mir der Geruch, den mein Geruch in dir Voll suͤsser Lieblichkeit entdecket, Fast recht natuͤrlich fuͤr, Wie suͤsse Mandel-Milch der leckern Zunge schmecket, D 3 Die Die unser Blut, wie du das Hirn, erfrischt; Doch ist in dir noch etwas eingemischt, Woran sich unser Geist in tausend Freuden, Wenn er im Riechen denket, weiden, Das aber, nach Verdienst, kein Kiel beschreiben, kann. Ach GOtt! Der Du so grossen Unterscheid Von Anmut und von Lieblichkeit Den schoͤnen Bluhmen eingesenket, Und uns die Faͤhigkeit, zu riechen, hast geschenket; Gib, daß ich nie die Anmut dieser Bluhme Geniessen moͤg’, als, HErr, zugleich zu Deinem Ruhme! Zieh’ ihre Balsam-Kraft mit deinem Athen ein, Geliebter Mensch, nebst mir, damit du dich erqvickest: Doch laß ihn stets, so oft du ihn zuruͤcke schickest, Durch ein: GOtt Lob! begleitet seyn! Anmu- Anmutige Fruͤhlings-Vorwuͤrfe. J ch hoͤre die Voͤgel; ich sehe die Waͤlder; Jch fuͤle das Spielen der kuͤlenden Luft; Jch rieche der Bluͤhte Balsamischen Duft; Jch schmecke die Fruͤchte. Die fruchtbaren Felder; Die glaͤnzenden Wiesen; das funkelnde Naß Der thauigten Tropfen; das wallende Gras Voll lieblicher Bluhmen; das sanfte Gezische Der mancherley lieblich beblaͤtterten Buͤsche; Das murmelnde Rauschen der rieselnden Flut; Der zitternde Schimmer der silbernen Flaͤche Durch gruͤnende Felder sich schlaͤnglender Baͤche; Der flammenden Sonne belebende Gluht, Die alles verherrlichet, waͤrmet und schmuͤcket: Dieß alles ergetzet, erqvicket, entzuͤcket Ein Auge, das GOtt in Geschoͤpfen ersieht, Ein Ohr, das den Schoͤpfer verstehet und hoͤret, Ein Herze, das GOtt in den Wundern verehret, Kein viehisch, nur einzig ein Menschlich, Gemuͤt. D 4 Die Die redende Bluhme. G eliebter Mensch, komm, sieh in mir Des Schoͤpfers Lieb’ und Allmacht an! Jst’s moͤglich, daß sich solche Zier, Als wie die meinige, von selbst wol bilden kann? Nimm ein Vergroͤss’rungs-Glas, und siehe, Was die Natur hervor gebracht! Sieh gleichsalls alles an, was mit so grosser Muͤhe Und aller Kunst der Mensch gemacht! So wirst du tausend Lieblichkeiten Jn jenen alsobald entdecken, Und sehn, wie Grob- und Unvollkommenheiten, Die nicht zu zaͤhlen sind, in diesen stecken. Du hast so viel Vollkommenheit; Du weist so manche Kunst zu fassen: Sprich: kann wol deine Tuͤchtigkeit Das kleinste Bluͤhmchen werden lassen? Soll denn ein blindes Ungefehr, Was du nicht kannst, verrichten koͤnnen, Und willt du lieber ihm die Ehr’, Als einer groͤssern Weisheit, goͤnnen? Besinne dich! es kann nicht seyn. Wir sind ja gar zu wol gebildet; Zu schoͤn ist uns’rer Farben Schein. Wenn wir versilbert und verguͤldet, Ja aus Rubinen, aus Sapphir Geschnitten und bereitet waͤren; So So wuͤrde sich doch uns’re Zier Viel eher mindern, als vermehren. Darum so schau noch heut’ uns an, Weil keiner dich versichern kann, Daß du uns morgen wieder findest. Ach wenn du dieß zugleich auch so verstuͤndest, Daß wir vermutlich dir: Doch du uns ebenfalls kannst, weichen. So ploͤtzlich als wie wir, So ploͤtzlich kannst auch du, erbleichen. Wer weiß, ob wir darum allein Nicht bloß so fluͤchtig worden seyn, Daß, die Betrachtung zu verschieben, Dir kein’ Entschuldigungen blieben. D 5 Noch Noch eine Bluhme, die redet. M ein Bruder, lieber Mensch, (verwundere dich nicht, Daß meine Wenigkeit zu dir: mein Bruder! spricht. Jch habe Recht dazu, du wirst es selbst gestehen, Wenn du mich angehoͤr’t, und mich recht angesehen.) Mein Bruder, sprech’ ich denn noch einmal, sage mir, Wie kommst du dir so groß, ich so veraͤchtlich, fuͤr? Sind wir durch eines Schoͤpfers Macht Nicht alle beyd’ hervor gebracht? Jst deine Mutter nicht die Erde, so wie meine? Werd’ ich von ihr nicht auch so wol, als du, genaͤhrt? Wie dein, ist auch mein, Leib mit Adern ganz durch-roͤhrt, Und diese sind mit Saft so wol gefuͤllt, als deine. Jch habe zwar nur eins, du aber hast zwey Beine; Doch uͤberhebe dich des Vorzugs halber nicht, Weil sonst ein Ochs zu dir Mit ja so grossem Rechte spricht: Wie karg ist gegen dich die guͤtige Natur, Armselige zwey-beinigte Figur! Hab’ ich nicht ihrer vier? Sprich ferner nicht: ich kann mich ruͤhren, laufen, gehen; Du arme Bluhme must bestaͤndig stille stehen. Sprich, sag’ ich, nicht also: sonst werd’ ich Voͤgel kriegen, Die sagen: ist der Mensch nicht plump? er kann nicht fliegen. Ey, pochst du, ganz von Eifer rot, Wie elend, wie veraͤnderlich und fluͤchtig, Seyd ihr, wie so vergaͤnglich und wie nichtig! Bist du nicht auch, wie wir, vielleicht schon morgen todt, Und must du nicht so wol zu Erden, Als ich mit meinen Blaͤttern, werden? Mehr Faͤlle richten dich als uns zu Grunde. Wir Wir reden: du bist stumm, rus’st du mir ferner zu. Ach hoͤre, lieber Mensch! mit meinem stummen Munde Lob’ ich den Schoͤpfer mehr, als du. Jch will nicht einst von meiner Schoͤnheit sagen, Worin der Vorzug ja unstreitig mir gebuͤhrt, Nicht von dem lieblichen Geruche, der dich ruͤhrt; Denn, wie mich deucht, so hoͤr’ ich dich schon fragen, Und zwar nicht sonder Heftigkeit: Armseligs Nichts, bey der Vollkommenheit, So die Natur dich wuͤrdigt, dir zu schenken, Kannst du gedenken? Die Ahrt, wie ich gedenk’, ist anders zwar, als deine, Das geb’ ich zu; Alleine Wofern auch du, Wenn du mich siehst, nicht gleich dein Denken lenkest Auf Den, Der uns gemacht, Und an den Schoͤpfer nicht gedenkest, Der uns so wunderbar hervor gebracht, Der dir dein Wesen so, wie meines mir, gegeben; So hast du, glaub’ es mir, in deinem ganzen Leben Nicht weniger als ich, so gut als nichts, gedacht. Die Die Narcisse. D er Abend brach bereits herein, Man konnte durch der Erde Drehen Nicht mehr der Sonne guͤld’nen Schein, Kaum noch den Rest der Abend-Roͤte, sehen. Die kuͤle Daͤmmerung wich allgemach, Und trat nun nach und nach Jhr Reich, worin es keine Schatten gab, Der Koͤniginn der Schatten ab; Als ich mich noch einmal Jn meinen Garten hin verfuͤg’te, Und an dem sanften Rest der Farben mich vergnuͤg’te, Der kaum mehr sichtbar war. Da fiel ein schnelles Licht Von ungefehr mir in’s Gesicht. Wie, dacht’ ich, seh’ ich denn im dunkeln Auch Sternen auf der Erde funkeln? Der schimmernden Narcissen Schein, Die an Figur und Glanz fast Sternen aͤhnlich seyn, Schien gleichsam mit der falben Nacht zu kaͤmpfen, Bemuͤhte sich, die schwarze Macht zu daͤmpfen. Jch sahe sie, mit Anmut und Vergnuͤgen, Bald hier bald dort zuerst gewaltig siegen; Allein statt daß die Dunkelheit der Nacht Der Sternen Heer uns hell und sichtbar macht, Ward dieser ird’schen Sterne Glanz Gar bald vom Schatten uͤberwunden, Jhr Schimmer, Stral und Licht verschwunden. Dieß war mir Anfangs leid; doch fielen mir Zu meinem Trost zween Gruͤnde bey: Der erste war, daß der Narcissen Zier, Beruͤhmter Triller, schon von dir Jn Deiner schoͤnen Schrift so schoͤn beschrieben sey, Daß Daß ihr dadurch nicht nur, weil ich euch nicht beruͤhret, Geliebte Bluhmen, nichts verlieret: Nein, ihr seyd wuͤrklich mehr, Jndem ich schweig’, als wenn ich euch geruͤhmt, geruͤhmet. Der and’re Trost war, daß des Himmels Buͤhne Fast weniger gestirnt schien als bebluͤhmet, Da an demselben, GOtt zur Ehr’, Ein ungezaͤhltes Heer Von himmlischen Narcissen schiene. Muß ich gleich euren Schimmer missen, Jhr Sternen-foͤrmige Narcissen; Darf ich darum nicht traurig seyn. Jch seh’ an den Sapphirnen Zimmern Der himmlischen Narcissen Schein Jn noch weit hellerm Lichte schimmern. Doch uͤbereilen mich Furcht, Anmut, Lust und Grauen, Ein etwas reizet mich, und schreckt zugleich, die Pracht Des Gartens, welchen GOtt im Firmament gemacht, Nur in Gedanken anzuschauen. Ach welch ein Garten! dessen Raum Selbst die Unendlichkeit zu Grenzen, und an statt Der Bluhmen Welt’ und Sonnen, hat. Ach welche Bluhmen! welche Groͤsse! Ach welcher Glanz! ach welcher Schein! Mich nimmt ein heiligs Schaudern ein, Wenn ich der Bluhmen Schmuck ermesse. Sprich nicht, mein Leser, hier: du denk’st nicht, wie man soll. Wird der Unendlichkeiten Schoß Mit Recht auch die Vergleichung wol Von einem Garten leiden koͤnnen, Und kannst du etwas Bluhmen nennen, Das Millionen Meilen groß? Ach Ach ja, geliebter Mensch! der Einwurf scheinet zwar Nicht ungereimt zu seyn; Alleine Erwege nur, Daß ich den Garten nicht von einer Creatur, Nein, eines Schoͤpfers Garten meyne, Vor welchem alles klein. Du stellest dir Den HErrn der Welt nicht anders fuͤr, Als einen grossen Herrn, so etwan hin und her Jn seinem grossen Garten gehet, Der, wenn er mit dem Herrn als in Vergleichung stehet, Je groͤsser sein Revier, ihn desto kleiner macht. Ach aber nein. Der Schoͤpfer aller Dinge Jst nicht, wie ein Monarch, nur bloß An einem Ort’ allein; Nein allenthalben groß, Jndem er nirgends nicht. Er schliesst die Ewigkeiten, Sie aber Jhn nicht, ein. Es kennen Seine Groͤss’ und Vollenkommenheiten, Als die unendlich, keine Schranken. Wenn meine Sele nun von Seiner Werke Pracht Sich in vergnuͤglichen Gedanken Das Bild von einem Garten macht, Und GOtt als wie den HErrn von solchem Garten ehret, Dem Millionen Seraphinen, Da sie der Bluhmen-Heer als Gaͤrtner warten, dienen; Wird Seine Groͤsse mehr vermindert als vermehret, Und es gereicht mehr mir zur Lust, als Jhm zum Ruhme. Denn alles was wir sehn, ja aller Sonnen Raum Jst gegen unsern Schoͤpfer kaum So groß, als gegen uns die allerkleinste Bluhme. Die Die Ranunkel. J m Fruͤhling, da das Feld und alles lieblich bluͤhte, Zu Mittag’, als im Stral der Sonnen alles gluͤhte, Trat ich, sowol von Lust als froher Andacht heiß, Jn meinen Garten ein. Von aller Blaͤtter Zungen, Von aller Bluhmen Glanz ward GOttes Macht besungen Jn einem sanften Ton. Ein recht lebendig Gruͤn Der Kraͤuter, samt dem Schmuck der Bluhmen zeigten Jhn Und Seine Gegenwart. Die weiss- und rote Bluͤhte, Als Muͤtter suͤsser Frucht, die stellten Seine Guͤte Jm Schmuck und Nutzen dar. Die Luft, voll suͤsser Gluht Und heit’rer Fruchtbarkeit, die Silber-reine Flut Voll Fische, Glaͤtt’ und Glanz, zumal die Pracht der Erde, Verdien’t, sprach ich, ja wol, daß Der besungen werde, Der ihren Schmuck gemacht, durch Dessen Huld allein Zu uns’rem Nutz so viel Geschoͤpf’ erschaffen seyn. Denn bloß in uns’rer Lust, zu ihres Schoͤpfers Ruhme Entspriesset jede Pflanz’, und faͤrb’t sich jede Bluhme. Jch wandte mich darauf zur Rechten, wo ein Heer Von bunten Bluhmen stand, und ward von ungefehr Verschiedener gewahr, Die alle roͤtlich bluͤh’ten, Und doch in wunderbar Verschied’ner Roͤte gluͤh’ten. Der Anemonen Rot war dem Zinnober gleich, Wenn die Paͤonie von dunklem Purpur reich, Die Ros’ an Fleisch-Farb war. Doch wurden sie besieget Durch noch ein staͤrker rot, das ich zur linken Hand An einem andern Ort fast mit Erstaunen fand, Als waͤr’ es wuͤrklich Feu’r. Jch sah ein glimmend funkeln, Geschuͤr’ten Kolen gleich. Viel brennender Ranunkeln Fast lodernd-gluͤhender und dunkel-roter Schein Schien nicht wie Feu’r gefaͤrb’t; recht wuͤrklich Feu’r, zu seyn, Zu Zu brennen, wie die Gluht, zu blenden, wann zumalen Die Sonn’ ihr helles Feu’r mit unbewoͤlkten Stralen Auf ihre Blaͤtter warf. So stark sind wenig Augen, Die diesen roten Glanz starr anzuschauen taugen. Ein Scharlach, Sammt, Damast, und waͤr’ er noch so rot, Sind gegen diesen Grad entfaͤrb’t, erbleichet, todt. Man sieht ein rotes Licht mit einem roten Schatten Sich recht verwunderlich in ihren Blaͤttern gatten, Und aus derselben Band recht wunderschoͤn Ein roͤtlich Daͤmm’rungs-Licht bald hier bald dort entstehn. Durch diesen roten Schein, durch dieses Feuers Pracht Ward mein geruͤhrter Geist zur Andacht angefach’t. So wie des Feuers Gluht die strenge Kaͤlte lindert, Und vom verhassten Frost den starren Leib befrei’t; So fuͤl’ ich, daß den Frost der Unempfindlichkeit Der Bluhmen roter Brand in meiner Sele mindert, Daß ihre Feuer-Farb’ in mir ein Feu’r erweckt, Ein geistigs Andachts-Feu’r, das sich zu Dem allein Der Anmut, Farben, Form, Licht, Schoͤnheit, Glanz und Schein Jn alle Dinge floͤsst, mit frohen Flammen streck’t. Unerschoͤpflichs helles Meer Aller Vollenkommenheiten, Schoͤnheit und Vortrefflichkeiten! Deiner Creaturen Heer Zeiget, in dem Unterscheid Jhrer Form- und Farben Pracht, Wie so herrlich Deiner Macht, Deiner Weis heit, Deiner Liebe Und derselben holden Triebe Wahrheit und Unendlichkeit. Die Die Wiese. D a, wo der gruͤnen Erlen-Waͤnde So lieblich-dunkler Gang zum Ende, Erblicket man ein flaches Feld. Wenn dieses die Natur mit Bluhmen malet, Und es der Sonnen Glanz bestralet, Jst fast nichts schoͤner auf der Welt. Jch hab’ es einmal wunderschoͤn Jn einem roten Glanz, vor Lust erstaunt, gesehn. Viel hundert tausend Bluhmen bluͤh’ten, Die, weil sie auf erhab’nen Stielen Jn einer holden Roͤte gluͤh’ten, Von weitem fast allein mir in die Augen fielen. Es war des Grases frisches Gruͤn, Durch ihre Menge, fast verstecket, Und, weil von weitem sie sich zu vereinen schien, Ließ es mit glaͤnzendem gefaͤrbten Taft bedecket, Deß weißlich Rot am Glanz und sanfter Lieblichkeit Die Pfirsch-Bluͤht’ uͤbertraf. Noch sah man hier und dort, Wie schoͤn verschied’ne Plaͤtz’ in sehr verschied’nem Gruͤnen Hier wie ein gruͤner Taft, an einem andern Ort Wie dunkel-gruͤner Sammet, schienen. Es stellt sich mancher Platz voll bunter Bluhmen dar. Das Feld war unbeschreiblich schoͤn, Und fast natuͤrlich anzusehn, Als ob in einem reich- und grossen Kaufmanns-Laden Ein bunter Schatz von guͤld- und silbernen Brocaden Zur Schau geleget war. Mich reizte diese Pracht, sie naͤher zu beschauen. Jch trat mit frohem Fuß auf die begras’ten Auen; Doch unterbrach mir oft die Schoͤnheit meinen Schritt, II. Theil. E Jch Jch hinterhielt oft selbst beschaͤm’t den Tritt, Der schon begonnen war. Das junge frische Gras, Vermischt mit zartem Klee, schien oͤfters meinen Fuͤssen Ein sanft- und weiches zwar doch gar zu praͤchtigs Kuͤssen. Um nun nicht gar zu viel von selbem zu verletzen Durch einen oͤftern Tritt, beschloß ich mich zu setzen, Und so zugleich Jn froher Lust, zu GOttes Ruhm allein, Zu lernen und zu lehren, Wie schoͤn der Wiesen Schmuck, wie Form- und Farben-reich Die Kraͤuter, Gras und Bluhmen seyn. O GOtt, allgegenwaͤrt’ge Quelle Von aller Schoͤnheit, so die Welt Jn ihrem weiten Kreis’ enthaͤlt, Wie groß ist Deine Macht! was zeiget jede Stelle Uns fuͤr Veraͤnderung! wie ist der Unterscheid So unbegreiflich groß! o Mensch, besinne dich, Der du bisher, betrogen durch den Schein, Das Feld nur uͤberhin, als waͤr’ es gruͤn allein, Unachtsam angesehn, es bloß begras’t geachtet, Und so, wie ohne Lust, auch sonder Dank, betrachtet. Wie nuͤtzlich und wie mancherley Der holde Schmuck der Felder sey, Wie angenem, wie schoͤn, Denk’ ich, zu GOttes Ruhm, noch ferner zu besehn. Jndem in mancher gruͤnen Tiefe Mein Auge hin und wieder liefe, Macht’ eine dunkel-gruͤne Stelle Die liebliche Vergiß mein nicht, Fast wie ein kleines blaues Licht, Mit holdem Schimmer, gleichsam helle. Die Himmel-blaue Farbe machte, Daß ich, voll Froͤhlichkeit, auch an den Himmel dachte. Der Sternen-foͤrmige fast guͤld’ne kleine Schein Jm Jm blauen, schien mir recht ein Sternen-Bild zu seyn. Jch freu mich uͤber dich, holdseligs Bluͤhmelein! Du kannst, wenn wir in dir den Schoͤpfer preisen, Mir einen schoͤnen Weg zum Himmel weisen. Man kann in deinen kleinen Sternen Den HErrn der Sterne ruͤhmen lernen; Doch wie wir an des Himmels Hoͤhen Nicht lauter guͤld’ne Sterne sehen; So ward ich neben ihnen Bald einer weissen Sternen-Schar Jn Marjen-Bluhmen auch gewahr, Die in dem holden Dunkel-gruͤnen An Bildung Sternen gleich, an Farben Silber, schienen. Die Menge, die Figur, die Farben und der Glanz Die uͤberredeten mich ganz, Daß ihre Schoͤnheit nicht geschaffen, Damit wir sie Wie das gehoͤrnte Vieh Nur noͤtig haͤtten an zu gaffen; Nein aber wol, daß jeder Form und Schein Zu Dem, Der sie gemacht, uns sollt’ ein Leit-Stern seyn. Noch sah ich mit Vergnuͤgen dort, Die lieblich riechenden Camillen So manchen Ort Mit zwiefach holder Zierde fuͤllen. Es ließ ihr gelb- und weisser Glanz so schoͤn, Als wenn in silbernen polir’ten Schalen Wir kleine guͤld’ne Aepfel sehn. Bey aller Schoͤnheit sah ich auch, Wie ein erhab’ner Diestel-Strauch Sein zackigt Laub mit schoͤnen Bluhmen kroͤn’te, Und wie derselben Purpur-Glanz Fast alle niedern Bluhmen ganz Besieget’ und verhoͤn’te. E 2 Er Er war, den holden Rosen gleich, An scharfer Dornen Spitzen reich. Jch sahe seinen Stolz bewundernd an. Denn ob gleich seine starre Spitzen Mehr Schaden bringen, als sie nuͤtzen, Und einem kleinen Stachel-Schwein Jm Bluhmen-Reiche fast ganz aͤhnlich seyn; So ist doch ihr Gewaͤchs sehr kuͤnstlich anzusehn. Es ist der runde Knopf Vortrefflich schoͤn, Als wie mit einem Netz’, umgeben, Auf welchem an dem netten Bluhmen-Kopf Viel duͤnne Blaͤtter sich erheben, Jn deren jedem noch viel duͤnne weisse Spitzen Jn schoͤner Ordnung sitzen. Nachhero wandt’ ich Blick und Sinn Auf die so mannigfach geformten Kraͤuter hin, Jn welchen GOtt aufs neu’ ein ganzes Feld Voll Wunder uns vor Augen stellt. Wie reich erzeigt sich doch die bildende Natur Jn mannigfaltiger Figur, Die sie den Kraͤutern beygeleget, Da manches recht wie scharfe Spiesse Mit seinen spitzen Blaͤttern liesse. Dem war die Bildung eingepraͤget Von einer Zung’, und dort schien eines, wie ein Herz; Hier sahen unterschied’ne Ahrten Recht aus wie krause Helleparten; Wie Loͤffel schienen ihrer viele, Die allen Regen durch die Stiele Gemaͤchlich nach dem Stamm und nach der Wurzel, fuͤhren, Von welchen allen ich das Gras zusamt dem Klee, Jedoch am allerliebsten seh. Wie lieblich sind des Grases gruͤne Spitzen, Die Die teils gebogen sind, und teils gerade stehn; Zumal wenn sie, bestral’t vom Licht der Sonne, blitzen, Wodurch die Haͤlfte gelblich gruͤn, Die and’re gruͤnlich weiß, ja oft wie Silber, schien. Wobey ich, wie gesag’t, den drey-belaubten Klee Mit Lust so dicht verschrenket seh, Daß hin und wieder kaum durch ihrer Blaͤtter Ruͤnde, Die ich bald groß, bald klein, mit tausend Anmut finde, Des Grases zarte Spitzen dringen. Gewiß, es kann ein solcher Platz, Mit zartem Klee bedeckt, uns einen rechten Schatz Von Anmut und Vergnuͤgen bringen. Jndem ich nun das Feld in gelblich-gruͤner Gluht, Jn einer blauen, Luft und Flut, Vom Sonnen-Glanz bestral’t, erblickte; Sah ich, wie hie und da sich mancher Ort Mit kleinen Erlen-Buͤschen schmuͤckte, Durch deren Blaͤtter dunkel-gruͤn, Absonderlich an beyden Seiten, Des Grases gruͤnlich-gelb noch einst so lieblich schien. Wenn ein Busch hier geteilet stund; War dort ein anderer, der rund, Bey welchem man oft fern, oft nah Verschied’nes nied’re Buschwerk sah, Wovon der dunklen Schatten Menge Jn unterschied’ner Breit’ und Laͤuge Sich Strich-weis’ auf die Wiese streckte, Und hier und dort das helle Feld bedeckte, Wodurch denn auf hell-gruͤnem Grunde, Durch die im Licht vermengte Dunkelheit, Ein’ Anmuts-reiche Lustigkeit, Die alles rings umher erfuͤllt’, entstunde. Noch konnte man die Augen laben An vielen langen Wasser-Graben, E 3 Die Die in geradem Strich die Wiese teilten, Jndem derselben Rand Voll schoͤner Wasser-Bluhmen stand. Wie manche gelbe Jris bluͤh’te! Wie manche Purpur-Bluhme gluͤh’te! Wie manche wilde Flieder schien Durch das Smaragden-gleiche Gruͤn Des schwanken Schilfs, der glatten Binsen, Jn der durchsichtigen und klaren Flut, Worauf von netten Wasser-Linsen Bald hier bald dort ein gruͤner Teppich ruht; Da aber, wo das Wasser klar Und von dem Erlen-Busch beschattet war, Verdoppelt sich des Ufers bunte Zier. Hier zeig’t sich durch das Laub der himmlische Sapphir Samt weisser Wolken Silber-Schein, Wobey denn oftermal Der Sonne guͤld’ner Stral, Der sich bis auf den Grund erstrecket, Auch das, was auf dem Grund vorhanden, Uns zeiget und entdecket. O Schoͤpfer Himmels und der Erde, Gib, daß mein Herz geruͤhret werde! Daß ich, so oft ich schoͤne Wiesen Erblicke, sie mit Lust und Andacht seh; Daß ich, durch sie vergnuͤg’t, Dich, ihren HErrn, erhoͤh’, Und denke: Grosser GOtt, sey hier und dort ge- priesen! Das Das Moß. E s ist kein gruͤner Sammt so schoͤn, Als wie das dunkel-gruͤne Moß Oft uͤm- oft in der Baͤume Schoß. Man kann nicht leicht was netters sehn, Als die so zart formirten Spitzen, Die dichter noch zusammen sitzen, Als wie die Seid’ am Sammtenen Gewand. Es ist zugleich So sanft, so weich, Daß, wenn man es nicht saͤh’ und wuͤste, Es ganz unfehlbar uns’re Hand Fuͤr wahren Sammet halten muͤste. Zuweilen waͤchst mit neuer Farb’ und Zier Aus altem Moß ein junges Moß herfuͤr, Das wunderlich formir’t und aus der Massen schoͤn Jm Unterschied der Farben anzusehn. Denn wenn ein saftig dunkel-gruͤn Das alte Moß gefaͤrb’t; so zeigt das neue sich Recht eigentlich Als wie ein Seladon. Ein weißlich gruͤnes Blat, Das zierlich, kraus und breit, Da jenes laͤngliche gerade Blaͤtter hat, Zeigt sich in solcher Nettigkeit, Daß die darob erstaunten Augen Sich dran kaum satt zu sehen taugen: Jndem sie in den gruͤnen Gruͤnden E 4 Veraͤn- Veraͤnderungen ohne Zal Von allerhand Gewaͤchsen finden. Bald sieht man kleine Kolben stehn, Bald kann man kleine Schwaͤmme sehn, Bald tausend Kraͤuter, die so klein Und doch so nett gebildet seyn. Jch seh’ in dir ein’ unlaͤugbare Spur, Wie emsig die geschaͤfftige Natur, Doch zeigst du mir, geliebtes Moß, aufs neu, Daß unser GOtt auch groß im Kleinen sey. Die Die Korn-Bluhme. A ls Gott-lieb juͤngst das reifende Getreide Jn einer sanften Luft, mit suͤsser Freude, So lieblich wallen sah; fiel ihm ein blaues Licht, Das hier und dort durchs Gold der Aeren spielte, Ganz unvermutet ins Gesicht: Wodurch er sich aufs neu geruͤhret fuͤl’te. Es glaͤnzte recht als ein Sapphir Die Korn-Bluhm’ in der schoͤn’sten Zier. Durch diesen Schmuck gereizt, brach er ein Bluͤhmchen ab, Das ihm des schoͤnen Himmels Blau, Wenn er erheitert ist, mit Lust zu schauen gab. Jndem ich deinen Schmuck beschau, Sprach er, o angeneme Bluhme, Werd’ ich zu dein- und meines Schoͤpfers Ruhme Von neuen angefrischt. Die netten Blaͤtter stehen Jn Regel-rechter Ruͤnd’, in solcher Zierlichkeit, Daß wir in lieblicher Vollkommenheit Recht einen nett-geflocht’nen Cranz Jn jeder Bluhme sehen. Du giebst, durch deinen reinen Glanz, Von deinem Himmel-gleichen Kleide Den Augen eine suͤsse Freude. Du wirst zwar, ob du noch so schoͤn, Ob deine Farb’ auch noch so lieblich pranget, Vom Geizigen nicht gern gesehn, Dieweil er da, wo du stehst, Korn verlanget. E 5 Wenn Wenn aber er jedoch mit Murren nichts gewinnt; So sey, geliebtes Menschen-Kind, Nicht so gesinnt! Bestrebe dich darnach, und bleib mit dem vergnuͤget, Wie es im Zeitlichen dein Schoͤpfer fuͤget! Denn auch im groͤsten Ueberfluß Fel’t es doch nimmer an Verdruß. Hingegen erndtet man ein ganz gewisses Gluͤck, Wenn man den aufgeklaͤr’ten Blick Mit Achtsamkeit auf alles lenket, Weil alles schoͤn, was die Natur uns schenket, Und, wenn man des Geschoͤpfs sich freut, Bey ihrer Herrlichkeit Zugleich auch an den Schoͤpfer denket. Ein Ein alter umgeweheter Kirsch-Baum. S o muß dich denn zuletzt der wilde Nord zerspalten, Da dein Verdienst, wodurch du dich erhalten, Das Beil oft von dir abgekehrt, Weil sonst dein Stand die Durchsicht mir verwehrt? Ob ich nun gleich dadurch bey deinem Scheiden Fast mehr gewonnen, als verloren; So seh’ ich dich doch mit betruͤbten Freuden Jn deinem Lager an. Es hat dich dein Verdienst beschuͤtzet: Dieß dein Verdienst begleitet dich Zu der Zeit auch, da grimmiglich Ein Wetter auf dich stuͤrmt und blitzet. Dein laͤngst-geborst’ner Stamm hat eh nicht brechen wollen, Als bis du mir zu guter letzt Das, was ich an dir hoch geschaͤtzt, Die reifen Kirschen, noch hast koͤnnen zollen. Die Kinder, die sich bis daher Mit aufgeschlag’nem Aug’ an deiner Frucht ergetzet, Betruͤben sich; doch freuen sie sich mehr, Jndem sie ihren Wunsch, die reifen Kirschen, nun, Wodurch dein Haupt bisher sich pflag zu schmuͤcken, Jtzund, wie sie mit Jauchzen thun, Jn deinen Zweigen selber pfluͤcken. Sie koͤnnen nunmehr, ohn Gefahr, Auf deinen sonst erhab’nen Gipfel steigen. Bald Bald halb verdeckt, bald ganz und gar Sieht man sie in den gruͤnen Zweigen Mit kindischem Gewuͤl und frohem Laͤrmen Geschaͤfftig schlupfen, huͤpfen, schwaͤrmen. Kein einziger von ihnen denkt daran, Wie es nun auch das letzte mal, Daß er der suͤssen Kirschen Zal Von diesem Baume pfluͤcken kann. Sie wissen nicht, daß oft Verdruß Auch aus der Lust so gar entspringet, Und daß ein kurzer Ueberfluß Oft einen langen Mangel bringet. GOt- GOttes Allgegenwart. G rosser GOtt! ich stehe stille, Und erstaun’ ob aller Fuͤlle Aller Vollenkommenheit, Aller Pracht und Lieblichkeit, Die ich, wo ich geh’ und stehe, Mit Ergetzen hoͤr’ und sehe, Sonderlich zu dieser Zeit. Laß mich sehen, laß mich hoͤren, Grosses All, zu Deinen Ehren, Alles, was ich hoͤr’ und sehe! Jch hoͤre die Voͤgel mit klingenden Kaͤlen, Vom lieblichen Gruͤnen der Waͤlder entzuͤckt, Mit Freuden erzaͤlen: Der GOtt ist hier, der alles schmuͤckt. Man hoͤret, im lieblich-beweglichen Wallen, Wann Zephir sanft uͤber die Aeren hinfaͤhrt, Mit Zischen erschallen: Der GOtt ist hier, der alles naͤhrt. Man hoͤret die Wellen in rauschenden Baͤchen, Wann jede sich froͤhlich bald hebet, bald senkt, Sanft murmeln und sprechen: Der GOtt ist hier, der alles traͤnkt. Man hoͤret die Sprache der lispelnden Winde, Es merkets der Selen aufmerkende Kraft, Sie saͤuseln gelinde: Der GOtt ist hier, der alles schafft. Wir Wir koͤnnen in Taͤlern, auf Bergen und Hoͤhen, Jn lieblicher Buͤsche beschatteten Pracht Dieß deutlich ersehen: Ein GOtt ist hier, der alles macht. Wir sehn, wenn wir sehen bestaͤndig getrieben So viele Planeten, den Himmel, die Welt, Jn ihnen geschrieben: Hier zeigt sich GOtt, der uns erhaͤlt. Wir koͤnnen, wenn liebliche Bluhmen uns ruͤhren, Die Goͤttlicher Finger so herrlich geschmuͤckt, Recht deutlich verspuͤren: Hier ist ein GOtt, der uns erqvickt. Wenn niedliche Bissen uns Anmut erwecken, Und kuͤles Getraͤnke die Lippen uns netzt; So koͤnnen wir schmecken: Wie freundlich GOtt, der uns ergetzt. So lasset uns kuͤnftig im Schmecken und Hoͤren, Nicht minder im Riechen, im Fuͤlen, im Sehn Den Schoͤpfer verehren, Und Sein’ Allgegenwart verstehn! Der Der Schatten. G eliebter Mensch, du daurest mich! Luft, Erd’ und Flut bemuͤhen sich, Mit ihren ungezaͤl’ten Schaͤtzen Dich zu belehren, zu ergetzen. Es hat der grosse Schoͤpfer dir Jn deinen Sinnen manche Thuͤr Zum Eintritt mancher Lust gegeben, Damit du moͤgtest froͤhlich leben. Es spaͤrren sich die Thuͤren nie; Es drengt sich mit Gewalt durch sie Und ihre nie-geschloss’nen Gaͤnge Der Creaturen holde Menge. Du bist von dem, was Anmut bringt, Recht eingeschlossen und umringt; Du aber streubest dich, und suchest dich dagegen Bloß durch Unachtsamkeit zu legen. Du machst bey ihrer Gegenwart Dich selber fuͤhl los, blind und hart; Du willt nicht riechen, schmecken, hoͤren, Dich nicht vergnuͤgen, GOtt nicht ehren. Was felet dir an deiner Lust, Die GOtt dich wuͤrdigt dir zu schenken? Nichts als allein dein eig’nes Denken. Erweg’ einst in gelass’ner Stille, Wie so gar vielerley Am Denken dir gelegen sey! Besteht, o Mensch, dein freyer Wille, Jm Denken nicht fast bloß allein? Sprich: Sprich: Haͤtte GOtt dich zwingen sollen, So, wie zu seyn, auch froh zu seyn? Es haͤngt an deinem eig’nen Wollen: GOtt hat dir freye Wahl gelassen, Ob du in deiner Lust Sein’ Ehre willt erhoͤhn. Willt du nebst Jhm dein eigenes auch hassen; So laͤsst es GOtt zu deiner Straf geschehn. Es steht dein Gluͤck in deiner Hand: Du darfst den denkenden Verstand Nur auf des Schoͤpfers Werke wenden; So wird sich deine Lust nicht enden. Unzaͤlich ist es, was die Welt Jn sich fuͤr Anmuts-Schalen haͤlt, Wovon, auf wunderbare Weise, Der Kern, so GOtt, der Selen Speise. Nicht nur die Bluͤht, nicht nur das Laub, Nicht nur die Flut, nicht nur der Staub, Nicht nur der Wald, nicht nur die Matten, Es zeiget Jhn so gar der Schatten. Die Anmut, die im Schatten steckt, War mir bishero noch verborgen. Es hat es mir ein heit’rer Morgen Von ungefehr entdeckt. Kaum hatt’ ich, nach verschwund’ner Nacht, Jns Garten-Land den Fuß gesetzet, Als der bestral’ten Bluhmen Pracht Mich ruͤhret und ergetzet. Wie in dem spielenden Opal Sich aller Farben Schmuck vereinet: So lieblich spiel’t, so herrlich scheinet Der Bluhmen Schmuck im Sonnen-Stral. Man siehet, wie ein schoͤnes Ganz Aus Aus tausend Teilen sich verbindet; Man fuͤl’t, wie uns ein bunter Glanz Nicht nur vergnuͤg’t, erqvickt, entzuͤndet. Es trieb mich meine Schuldigkeit, Auf GOttes Wunder-Werk zu achten, Und dieser Pracht Beschaffenheit Jn ihren Teilen zu betrachten: Da ich denn voll Erstaunen fand, Daß an so holdem Schmuck die Schatten, So ich bisher noch nicht erkannt, Gar einen grossen Anteil hatten. Durch ihre sanfte Dunkelheit Wird aller Farben Herrlichkeit Noch desto mehr ins Licht gesetzet, Und durch den starken Unterscheid Der Menschen Aug’ um desto mehr ergetzet: Absonderlich wenn sich die Luͤfte regen, Da ihre Bilder sich zugleich bewegen, Und auf dem Boden, den sie schwaͤrzen, Dem Schein nach mit einander scherzen. Hiedurch, da Bluhmen, Laub und Kraut Samt ihnen hin und wieder schweben; Scheint, was man in dem Garten schaut, Sich alles gleichsam zu beleben. Es kann kein Stengelchen so klein, Kein Blat so schmal, kein Kraut so zaͤrtlich seyn, Das, wenn’s des Himmels Licht bestralet Und mit der Stralen Gold verguͤldet, Sich nicht im Schatten zierlich bildet, Verdoppelt, zeichnet, ja selbst malet. Denn daß die Schatten schwarz allein, So wie es scheinet, sollten seyn, Jst nur ein Jrrtum. Es verlieret Von seiner Farb’ ein Coͤrper nichts II. Theil. F Durch Durch den gehemmten Glanz des Sonnen-Lichts. Jch hab’ es eigentlich verspuͤret, Als einst ein Sonnen-Blick nicht gar zu schnell entstand, Und auch nicht gar zu schnell verschwand. Jch hatt’ auf eine gruͤne Stelle Die Augen eben hingewandt; Hierauf ward allgemach der Boden helle: Jch sah, als er von einem nahen Stamm Die Bildung durch den Schatten nam, Daß, durch den Stral der Sonnen unvertrieben, Die vor’gen Farben alle blieben, Und daß nur durch den Gegensatz Von einem groͤssern Licht, was licht ist, dunkel schien. Bey Ueberlegung dieser Sachen Fiel folgendes von ungefehr mir ein: Kann bloß ein staͤrker Licht ein Licht zum Schatten machen; Wie dunkel muß so gar der Sonnen Schein Bey’m Stral der ew’gen Gottheit seyn! Wie undurchdringlich licht, wie unbeschreiblich helle Muß aller Sonnen Sonn’ und Qvelle Jn reiner Majestaͤt unendlich, ohne Grenzen, Jn ew’ger reger Ruh’, in sel’ger Klarheit, glaͤnzen! Doch wie! wohin versteiget sich mein Geist? Jch weiß nicht einst, was Nacht und Schatten heisst, Und will das lichte Meer der Gottheit sehn, ergruͤnden, Und deren Eigenschaften finden? Halt! aus gerechter Furcht, nicht gaͤnzlich zu erblinden Bey diesem unerschaff’nen Schein, Zieht meine Demut schnell der Kuͤnheit Segel ein. Mit Sonnen-Stralen kann kein Maulwurfs-Blick sich gatten. Voll Ehrfurcht lenk’ ich mich denn wieder zu dem Schatten, Jn welchem ich, Verwund’rungs-voll, entdecke, Wie etwas herrliches in seinem Wesen stecke. Vernimm Vernimm, zu deiner Lust und deines GOttes Ehre, Den Jnhalt uns’rer Schatten Lehre, Und laß, geliebter Mensch, sie dir zu Herzen gehn! Wie uns’re Coͤrperlichen Augen, Wofern sie recht sehn, was sie sehn, Jm Schatten Licht zu finden taugen: So kann ein geistiges Gesicht, Wenn wir die Creatur ergruͤnden, Auch ein allgegenwaͤrtigs Licht Selbst in den dunkeln Coͤrpern finden. F 2 Die Die Wasser-Linsen. D en Garten nun verschrenkt’ ein Graben, dessen Schoß Umgeben war mit schwanken Binsen, Mit feinem Klee und reinem Moß. Man fieht mit suͤsser Lust, wie auf der klaren Fluk Von gruͤnen Wasser-Linsen Ein wunderbar Geweb’ in glatter Stille ruht. Jn Welschland weiß die Kunst von raren kleinen Steinen Manch kuͤnstlich Werk Musaisch zu vereinen, Daß es geschildert scheint. Doch ist es nur ein Schatten Bey dieser Nettigkeit. Es thut den Augen wol, Wenn diese Blaͤtterchen, wovon die Flut so voll, Jn solcher Lieblichkeit sich gatten, Daß es gewebet scheint. Es fuͤget sich so fest, Daß es an manchem Ort nicht anders laͤsst, Als wie ein gruͤnes Eis, worauf man mit Vergnuͤgen Bald klein Gewuͤrm, bald kleine Fliegen Vergnuͤglich glitschen sieht. Sein helles Gruͤn zumal Gibt einer Landschaft fast die schoͤn’ste Lieblichkeit, Wann sonderlich der helle Sonnen-Stral Die glatte Flaͤche trifft, da oft die feuchten Spitzen, Recht wie ein gruͤnes Erz, das eckigt, lieblich blitzen. Oft schein’t die gruͤne nasse Glaͤtte, Als ob man Silber-Staub darauf gestreuet haͤtte. So lieblich glaͤnz’t dieß Schimmer-reiche Gruͤn. Zur schwuͤlen Mittags-Zeit, Als Als es die Sonne stark beschien, Erblickt’ ich einst dieß schoͤne Wasser-Kleid, Und zwar, wie es auf sonderbare Ahrt Durch ein gar helles Schatten-Spiel Mit sauberm Ranken-Werk bewirket ward. Vom schwanken Rohr, vom Gras’ und Bluhmen fiel Ein dunkel-gruͤnes Bild auf manche Stelle. Hiedurch verdoppelt sich die liebliche Gestalt Und Anmut dieses Orts; Die Schoͤnheit ward dadurch noch einst so mannigfalt. Man sieht mit innigem Vergnuͤgen Auf dieser lieblich-gruͤnen Glaͤtte, Als wann ein Kuͤnstler sie darauf gezeichnet haͤtte, Die zierlichsten Figuren liegen Von Schilf, von Bluhmen, Gras und Kraut, Von Straͤuchen und Gebuͤsch. Man schaut Gar oft, und zwar nie sonder Freuden, Von glaͤnzenden und weissen Weiden Den Schatten sich mit dunkel-gruͤnen Bildern, Als auf ein hell-gruͤn Tuch, gar deutlich schildern. Es laͤsst, als ob es eine Schilderey Aus gruͤn in gruͤn gemalet sey, So lebhaft, daß man oft wie sich die Bilder regen, Und hin und her bewegen, Mit aufgeheitertem Gemuͤt Und recht vergnuͤg’ten Blicken sieht. Wenn ich in dieser Lust, Daß nichts aus nichts entsteht, daß nichts sich selber macht, Und nichts von ungefehr entsteht, betracht; F 3 So So dank’ ich GOtt fuͤr Schatten, Farb’ und Licht, Absonderlich fuͤr mein Gesicht, Und wuͤnsche, daß dadurch, zu Seinen Ehren, Sich meine Lust moͤg’ augenblicklich mehren. Wann die Welt so schoͤn, so praͤchtig, Auch durch Schatten lustig ist; Zeigt sie, daß Du GOtt allmaͤchtig Und allgegenwaͤrtig bist. Wann ich Gaͤrten, Wiesen, Waͤlder, Wasser, Huͤgel, Berg und Felder, Buͤsche, Bluhmen, Gras und Klee Mit vergnuͤg’ten Augen seh; Deucht mich, kann ich in der Hoͤh, So wie in den tiefsten Gruͤnden, Ein unendlich Wesen finden. Die Die Welt allezeit schoͤn. J m Fruͤhling prangt die schoͤne Welt Jn einem fast Smaragd’nen Schein. Jm Sommer glaͤnz’t das reife Feld, Und schein’t dem Golde gleich zu seyn. Jm Herbste sieht man als Opalen Der Baͤume bunte Blaͤtter stralen. Jm Winter schmuͤckt ein Schein, wie Diamant Und reines Silber, Flut und Land. Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn, Jst sie zu allen Zeiten schoͤn. Fruͤhlings-Seufzer. G rosser GOtt, in dieser Pracht Seh’ ich Deine Wunder-Macht Aus vergnuͤg’ter Selen an. Es gereiche Dir zu Ehren, Daß ich sehen, daß ich hoͤren, Fuͤlen, schmecken, riechen kann! F 4 Die Die Lilie. S oll ich allein denn uͤbrig bleiben? Will deine Feder nichts von meiner Zierde schreiben? Soll ich, so viel an dir, auf Erden Umsonst gewesen seyn? Soll meine schoͤne Bluhme, Zu dein- und meines Schoͤpfers Ruhme, Nicht angesehn und nicht besungen werden? Soll ich, da du so Ros- als Nelken Zum Werkzeug’ angewandt, des Schoͤpfers Wunder-Macht Zu sehn und zu erhoͤhn, hindangesetzt, veracht’t, Und sonder Nutz, verwelken? So deucht mich, daß das schoͤne Heer Der holden Liljen zu mir sag’te, Und sich nicht ohne Recht beklag’te, Als ich sie juͤngst von ungefehr Jm Garten Wunder-wuͤrdig glaͤnzen Und herrlich bluͤhen sah. Die Farbe, die Figur, Das Laub, der hohe Stiel, den sie so schoͤn bekraͤnzen, Der koͤstliche Geruch, sind alle der Natur Vollkomm’ne Meisterstuͤck. Jch setzte mich bey ihnen, Durch diesen Vorwurs halb beschaͤm’t, im Gruͤnen Vor einer nahen Laube nieder, Und sang, nachdem ich, wie so schoͤn Sie in der Fern so wol als in der Naͤhe stehn, Mit frohen Blicken angesehn; Von ihnen diese Lieder: Jhr Liljen, die ihr gleichsam hier An einem gruͤnen Himmel, schier Wie Sternen erster Groͤsse stralet; Wie herrlich hat euch die Natur Fast mehr versilbert, als gemalet! Die Die Majestaͤtische, die praͤchtige Figur Jst recht bewunderns-wehrt. Auch Salomonis Herrlichkeit, Wie uns die Bibel selbst belehrt, Besiegt nicht euer glaͤnzend Kleid. Wie lieblich kann man euch von euren Hoͤhen Als aufgeschmuͤckte Feder-Buͤsche An Form und Farben prangen sehen! Man siehet oftermals, wie ihr die gruͤnen Schatten, Die von der nahen Baͤume Zweigen, Um sich mit eurem Schmuck zu gatten, Mit Anmut gleichsam abwaͤrts steigen, Durch euren weissen Glanz besiegt; Wie ihr dadurch auf mancher Stelle, Jndem ihr Aug’ und Geist vergnuͤg’t, Ein’ angeneme Daͤmm’rung zeuget, Die sich zumalen dann eraͤuget, Wann wir von ungefehr Einst euer Silber-weisses Heer, Durch ihren Gegensatz erhoͤhet, wunderschoͤn Bey dunklen Taxus bluͤhen sehn. Von reinem Silber-Glanz, der gleichsam aus euch bricht, Wird die sonst dunk’le Gegend helle. Hiedurch nun zuͤndet euer Licht Ein Licht in meiner Selen an, Wodurch ich den allgegenwaͤrt’gen Geist, Der euch und alles werden heisst, Jn klarer Daͤmm’rung spuͤren kann. Es giebt mir euer Glanz, und diese reine Pracht Des Schoͤpfers Weisheit, Lieb’ und Macht Ja, da ich fast vor Lust erstarrt, Zugleich Desselben Gegenwart Aufs neue deutlich zu erkennen, F 5 Weil Weil etwas, das so wunderschoͤn, Nicht aus sich selbst entstehn, Sich selbst nicht bilden, kann. Dieß nem’ ich an Als ein’ Erinnerung, mit Ernst mich zu entfernen Von Lastern, weil ich in der Naͤhe Den, welcher alles siehet, sehe. Drum wuͤnsch’ ich so von Lastern rein, Wie euer weisses Kleid von Schwaͤrz’ und Schmutz, zu seyn. So oft wir euch, ihr holden Lilgen, Jn eurer Unschulds-Farb’ erblicken, So lasst uns alle Laster tilgen. Ach lasst der Unschuld reines Kleid, Dem nahen GOtt zur Dankbarkeit, Jn Jhm vergnuͤg’t, die Sele schmuͤcken! Wenn ich euch nachmals in der Naͤhe, Und zwar zuerst den Stengel sehe; Bewunder’ ich die ganz gerade Hoͤhe Samt seiner glatten Zierlichkeit, Woraus recht wunderlich Viel gruͤne glatte Blaͤtter dringen, Und ohne Stiel den ganzen Stiel umringen, Um welchen sie mit sanft gebog’nen Spitzen, An Form den Flammen gleich, in schoͤn’ster Ordnung sitzen. Auf ihrem Gipfel zeigt die schoͤne Bluhme sich Jn solcher Pracht und Majestaͤt, Daß sie so wol an Farb’ als an Figur Fast alle Bluhmen uͤbergeht. Zu Anfang bildet sie die spielende Natur Jn lange Haͤupter, die zuletzt Sich oͤffnen, und so dann, Jndem sie allgemach sich abwaͤrts beugen, Sechs Silber-weisse Blaͤtter zeigen, Worau das Auge sich ergetzt, Wenn Wenn es, als wie in silbernen Gefaͤssen, Auch guͤld’ne Koͤrner sehen kann, Die wunderbar an kleinen weissen Stangen Nicht stehn, nicht liegen, auch nicht hangen, Die fest und los zugleich, bald stille stehn, Bald sich bewegen, bald sich drehn. Es fasst es keiner noch, was sie fuͤr Nutzen haben. Jn ihrem Mittel-Punct steht, einer Saͤule gleich, Ein runder Stiel, von Farbe gruͤnlich bleich, Auf einem kleinen Berg’ erhaben, Der oben dreyeckt ist, den eine Crone schmuͤckt, Worauf man Silber-gruͤn und weiß gemischt erblickt. Das allerfeinste Porcelein Jst bey der Liljen weissem Blatt Nicht fein, nicht weiß, nicht glatt, Hat keine Waͤss’rung, keinen Schein. So gar der Perlen sanfter Glanz, Der unsern Augen so gefaͤllt, Verlieret seinen Schimmer ganz, Wenn man sie bey einander haͤlt. Wie angenem, wie lieblich und wie suͤß Gleich der Geruch, der aus der Lilje qvillet, Wird doch, wenn er das Haupt zu sehr erfuͤllet; Das Haupt mit Schwermut, mit Verdrieß, Ja gar mit Schmerz erfuͤllt. Ein Lehr-Bild ist mir dieß, Daß auch bey zugelass’nen Freuden Man stets die Uebermasse meiden, Und das zu viele fliehen muß. Noch mehr, es giebt uns von der Ehre Auch eine schoͤne Lehre. So wie der Dunst, der aus den Liljen steiget, Uns anfangs sehr ergetzt; Jedoch zuletzt Schlaf, Schwermut, Schmerz und Schwindel zeuget: So So giebt der suͤsse Dunst, wenn uns die Leute loben, Uns fast dieselben Proben. Es nimmt dadurch der Schlaf der Sicherheit Die aufgeblas’nen Sinnen ein; Man haͤlt sich gar zu groß, und and’re gar zu klein, Zu niedrig sie, sich selbst zu sehr erhoben. Der Schwindel folgt darauf, wodurch Fall, Schimpf und Pein Gar oft zugleich gebohren seyn. Ach GOtt! wenn man mich etwan ehret, So sey mein froher Geist allein zu Dir gekehret; Es denke stets mein Dir ergeb’ner Sinn: Durch deine Gnad’ allein bin ich das, was ich bin! Jn dieser Bluhme wird noch gegen boͤse Wunden Ein heilsam Mittel ausgefunden; Da, wenn man nur in Oel die reinen Blaͤtter leget, Sie allgemaͤlig Schmerz und Pein Zu lindern und zu heilen pfleget. Ach moͤgt’st du mir ein Bild, geliebte Lilje, seyn, Daß, wenn mein Naͤchster, der ein Christ, Durch Uebereilung fel’t, und als verwundet ist; Jch ihn nicht hasse, nicht verfluche, Nein, sondern durch Geduld ihn suche Zu heilen, zu verbinden, Daß seine Sele moͤg’ in meiner Sele Der linden Sanftmut Liljen-Oele, Zu sein- und meinem Nutz, zu GOttes Ruhme, finden! Der Der Wasser-Tropfen. J uͤngst sah ich mit vergnuͤg’ten Blicken, Nach allbereit verschwund’ner Nacht, Der guͤld’nen Morgen-Sonne Pracht Die Luft, die Flut und Erde schmuͤcken. Geruͤhrt durch dieses Wunder-Prangen, Schaut’ ich mit Freuden hin und her, Und sah zuletzt von ungefehr An einem Zweig’ ein Troͤpfgen hangen, Worin die Sonne selbst ihr herrlichs Bildniß druͤckte, Und es mit Gluht und Glanz, mit Licht und Schimmer schmuͤckte. Es war so klar, so rein, so rund, Es glaͤnzt’ und war so feurig bunt, Daß auch ein Diamant nicht rein, nicht klar Bey dieser reinen Klarheit war. Jndem ich nun bewundernd stehe, Und mit vor Lust entzuͤcktem Sinn Den ungemeinen Glanz besehe; War ploͤtzlich aller Glanz dahin, Da wie ein Blitz, der Blitz, so meiner Augen Ziel, Das Troͤpfgen, auf die Erde fiel. Jch stutzt’, und dachte, wie so bald Verwelket Schoͤnheit und Gestalt! Wie schnell vergeht, verraucht, verschwindet, Was man auf Erden schoͤnes findet? Allein bald troͤstet’ ich mich wieder. Denn der Gedanke fiel mir ein: Faͤllt gleich des Lichtes schoͤner Schein Zugleich mit diesem Tropfen nieder; So hat er mich dennoch vergnuͤg’t. Jch wuste nicht, daß auf derselben Stelle, Weil Weil ohne Gegen-Wurf wir ihren Stral nicht sehn, Der Sonnen Glanz so unvergleichlich schoͤn, So lieblich helle. Ein Troͤpfgen hat es mir gezeigt: Es steht bey mir, ich kann die Freude Von dieser schoͤnen Augen-Weide Mir selbst verlaͤngern, und gedenken An GOtt, Der mir das Sonnen-Licht Und das unschaͤtzbare Gesicht Aus lauter Gnaden wollen schenken. Mein Herz, so sey auch du geneigt, Durch ein so rein- und unbeflecktes Leben Dem Naͤchsten den Beweis zu geben, Daß GOtt, Den sonst sein Auge nirgend sah, Allgegenwaͤrtig sey und nah! Ach laß in reiner Andacht-Zier Dein ganzes Wesen doch allhier Von GOttes Weisheit, Lieb’ und Macht, Von aller Sonnen Sonn’ allgegenwaͤrt’gem Schein, Ein solches spiegelnd Troͤpfgen seyn! So wirst du, faͤllst du gleich herab Aus dieser Welt ins finst’re Grab; Jm ew’gen Licht- und Freuden-Meere Der sel’gen Gottheit dich vereinen, Und in demselben allezeit Jn ungestoͤr’ter Herrlichkeit, Verklaͤret, sonder Ende scheinen. Wir- Wirkung des Fruͤhlings im menschli- chen Gemuͤte. W enn dort die Nachtigal die schlanke Zunge kraͤu- selt; Ergetzt das Ohr mein Herz. Weñ ein gelinder Wind Mit sanfter Schmeicheley in lauen Luͤften saͤuselt; Besel’t mich das Gefuͤl. Wenn Floren Fruͤh- lings-Kind Zibet und Ambra dampft, die Kraͤuter Balsam schwitzen; Erqvickt mich der Geruch, und wenn gereifte Fruͤcht’ Jhr saͤurlich suͤsses Naß auf Gaum und Zunge spritzen; Entzuͤckt mich der Geschmack. Wenn aber mein Gesicht Jm hellen Sonnen-Stral und heiterm Fruͤlings- Wetter Der Felder guͤld’nen Schmuck, der Waͤlder zarte Blaͤtter, Zumal der Gaͤrten Pracht, der Bluhmen Glanz er- blickt; Ergetzt, erqvickt, beleb’t, besel’t mich und entzuͤckt Ein etwas, das mich selbst mir selber fast entruͤckt. Ver- Verschiedenes Gruͤn. M ein Herz, schau, wie die schoͤne Welt, So schoͤn im holden Fruͤhling glaͤnzet! Schau, wie das vormals welke Feld Ein gruͤner Kranz voll Bluhmen kraͤnzet; Wie alle Stauden, jedes Kraut, Und alle Zweige lieblich gruͤnen, Ja wie man Bluͤhte, gleich Rubinen, Auf Pfirsch- und Apfel-Baͤumen schaut; Wie Kirschen, Birnen, Aprikosen Voll Perlen-reiner Bluhmen stehn, Die recht wie kleine weisse Rosen, Wenn sie sich oͤffnen, anzuseh’n! Narcissen, Tulpen, Kaiser-Kronen, Jonquilljen, Crocos, Primula, Samt Hyacinthen, Anemonen, Violen und Hepatica, Aurikeln und viel ander’ Ahrten Bedecken itzt den ganzen Garten. Es scheint der Bluhmen buntes Heer Der holden Farben Schmuck und Prangen Vom Himmel, von der Gluht, vom Meer Zu leih’n und gleichsam aufzufangen. Wie mannigfalt, wie wunderbar Sind sie gefaͤrb’t, sind sie gebildet! Wie sind sie doch so rein, so klar Teils uͤbersilbert, teils verguͤldet! Unmoͤglich kann ein ird’sches Auge taugen, Auf einmal ihre Pracht vollkommen zu beaugen. Drum will ich nur das Gruͤn allein, Womit in so verschied’nem Schein Sich itzo Laub und Kraͤuter schmuͤcken, Zu Zu GOttes Ruhm bemuͤht seyn anzublicken. Wie kann das menschliche Gesicht Das Gruͤn in Waͤldern und in Buͤschen Mit holden Dunkelheiten nicht Erqvicken, staͤrken und erfrischen! Es glaubt kein Mensch, wie mancherley Veraͤnd’rung nur im Gruͤnen sey. Wie lieblich glaͤnzt ein gruͤnes Feld, Wenn es der Sonnen Licht bestralet! Durch Schatten wird der Blaͤtter Zelt, Dieß durch ein gruͤnlich Licht, gemalet. Nun lasst uns mit Verwund’rung sehn, Wie viel verschiedene Gestalten Und Mischungen von Gruͤn entstehn, Und sich im Laub’ und Kraut’ enthalten! Es ist das schoͤne Gruͤn der Erden An Unterschied unendlich reich. Kein einzigs wird dem andern gleich, Vollkommen gleich, gefunden werden. Hier scheint aufs gelb ein luftig Gruͤn, Ein ird’sches dort auf gruͤne Dunkelheiten, Und dort sich eins aufs blau zu ziehn, Voll waͤsserichter Feuchtigkeiten: Und alle die sind abermal Auf tausend Ahrt gemischt, vertieft und auch erhoͤhet, Nachdem der Sonnen Licht und Stral Zur Seite bald, bald hoch, bald niedrig stehet. Denn hat man seinen Stand so, daß der Sonnen Licht Von jener Seite durch die Blaͤtter, II. Theil. G Die Die duͤnn’ und fast durchsichtig, bricht; So laͤsst das holde Gruͤn, bey heiterm Wetter, Wie eine gruͤne Gluht. Weil man nun auf der Welt Was herrlichs fuͤr durchleuchtig haͤlt; So lasst uns doch die Schoͤnheit hier betrachten, Und hoͤher, als bishero, achten, Da gelbe Blaͤtterchen beym holden Sonnen-Schein Recht in der That durchleuchtig seyn. Wenn wir hingegen Sie von der andern Seite sehn; So ist das schoͤne Gruͤn auf and’re Weise schoͤn, Weil dann die lichten Sonnen-Stralen Die Blaͤtter all mit einem Glanze malen, Jndem man mit Vergnuͤgen sieht, Wie auf jedwedem Blat’ ein weiß-gruͤn Lichtgen gluͤht. Seh’ ich, zu meinem Wolgefallen, Viel kleine Lichter ruͤckwaͤrts prallen Von jedem kleinen Graͤselein; So wuͤnsch’ ich, daß in meinen Werken Mein Naͤchster gleichfalls koͤnne merken Der Sonnen-Sonne Gegenschein. Wie unterfcheidet sich das Gruͤn, so wir auf Linden, Von dem, so wir auf Weiden, finden! Ein anders ist des Bux-Baums gruͤne Zier, Ein ander Gruͤn hat Taxus und Laurier, Cypressen, Myrthen und Wacholder. Es Es hat ein ander gruͤn ein Maulbeer- und ein Pflaum- Ein Birn- ein Nuß- ein Apfel-Baum, Der Stachel-Beeren-Busch, die Holder. Es gleichet sich das Laub der Kirschen An Farbe nicht den Blaͤttern rauher Pfirschen. Verschied’ne gruͤne Farben zeigen Der Quitten-Baum, Castanien und Feigen. Die Tannen, Ypern, Birken, Eichen Sind alle gruͤn, ob sie sich gleich nicht gleichen. Welch ein verschied’nes Gruͤn bedeckt die dunk’len Binsen, Und welch ein gelbliches die hellen Wasser-Linsen? Was trifft man nicht fuͤr mannigfaltig gruͤn An Bluhmen und an Kraͤutern an? Wie unterscheiden sich die Blaͤtter am Jasmin, An Liljen, an Meliss’, an Muͤnz’ und Majoran? Wenn solch ein tausendfaches Gruͤn Die Augen in Verwund’rung setzet; Glaub’ ich, daß ich dem Schoͤpfer dien, Wenn sich mein Herz daran ergetzet. Ach GOtt, Du Urqvell aller Lust, Ach GOtt, Du Geber aller Gaben, Ach laß an Dir mich Sel’ und Brust Mit Ehrfurchts-voller Freude laben! Gib, daß, so oft ich’s Gruͤne sehe, Es Dir zur Ehr’, in meiner Lust, geschehe! G 2 Fra- Fragen. W er bringt itzt alles aus der Erden? Wer ist es doch, durch dessen Kraft Die schwanken Zweige voller Saft, Und roͤtlich-braun gefaͤrbet, werden? Jst es ein blosses Ungefehr, Wenn ihrer kleinen Knospen Heer Sich ruͤndet und gemaͤlich schwellet, Daß fast auf jedem Platz, Dem Ansehn nach, es einen Schatz Von Perlen uns vor Augen stellet? Wer oͤffnet dieser Knospen Haut, Die man nicht ohn’ Ergetzen schaut, Wie vielfach sie gedoppelt sitzen; Wie jede mit so zartem Har Gefuͤllt, wodurch sie vor Gefahr Des Frostes Laub und Bluhmen schuͤtzen? Wer macht, daß so verwunderlich Die Bluͤhte durch dieselbe sich Zusammen haͤlt, da sie sie stuͤtzet? Wer weiß der Blaͤtter holdes Gruͤn Aus Zweig’ und Knosp’ hervor zu ziehn? Wer formt und faͤrbt die zarte Bluͤhte So schoͤn, so wunderschoͤn, daß man Sie ohne Lust nicht sehen kann? Durch wessen Weisheit, Macht und Guͤte Sind aus der weissen Bluhmen Pracht So So wunderbar hervorgebracht So schoͤn’ und saͤurlich-suͤsse Fruͤchte? Durch wessen holden Gnaden-Stral Ergetzt ein Baum uns auf einmal Die Nase, Zung’ und das Gesichte? Ja welcher bildet auch so gar Schon Knospen fuͤr das kuͤnft’ge Jahr, Die man itzund schon spriessen siehet? Frag’st du noch, wer dieß alles thut? Nur GOtt, das allerhoͤchste Gut. G 3 Der Der verstockte Chrysander. A ls Gottlieb juͤngst ins frische Gras sich setzte, An einem reinen Bach, und sahe, wie die Flut, Bestralet durch der Sonnen Gluht, Beschaͤumt, durch Schilf und Bluhmen rann; Bezeugt’ er, wie ihn dieß recht inniglich ergetzte, Und priese seine Lust Chrysandern an, Der, wegen einiger Processen, Jhn zu besuchen kommen war. Wer kann die Herrlichkeit, sprach er, genug ermessen, Die die Natur so wunderbar An allen Orten uns vor Augen leget! Mein Auge siehet sich nicht satt, wenn es erweget Den dick-belaubten Wald, den bunt-bebluͤhmten Klee, Die helle Reinigkeit der glaͤnzenden Krystallen, Woran den ganzen Tag ich mich nicht muͤde seh. Das wuͤrde mir unmoͤglich fallen, Fiel ihm Chrysander ein. Was seh’ ich mir daran? Die Au’ ist bunt, der Wald ist gruͤn, der Bach ist klar; Recht schoͤn ist alles, das ist wahr. Weil ich dieß aber schnell beschauen kann; Warum soll ich die Zeit, worin ich was verdienen Und Geld erwerben mag, hier, wie ein Frosch im Gruͤnen, Jm faulen Muͤssiggang verderben? Sollt’ ich nichts anders thun, ich wollte lieber sterben, Als hier so muͤssig seyn. Dem Gottlieb kamen zwar die Thraͤnen in die Augen; Allein er sag’te nichts. Jhm war bewust, Daß nichts als Geiz Chrysanders Brust Mit gelber Sucht erfuͤllt, daß folglich alle Lehren, Jhn aus dem Labyrinth auf rechten Weg zu kehren, Nur Nur ganz vergeblich sind, und nichts zu wirken taugen: Weßwegen er von andern Dingen sprach, Jhm einig’ Hoͤflichkeit erwies, Und, ohn’ ihn gar zu sehr Zu noͤtigen, ihn von sich ließ. Kaum war er fort, so dachte dieser nach, Was doch die Ursach sey, daß aller Farben Schein, Daß aller Bildung Pracht, der Menschen Herz nicht ruͤhret; Daß keiner fast daran was recht behaglichs spuͤret; Daß sie fast jedermann Vor Augen zwar, doch nicht im Herzen, liegen, Da jeder sich daran Mit einem blinden Blick vergnuͤgen, Und so geschwinde saͤtt’gen, kann; Daß keiner sie mit Lust betrachtet, Daß keiner sie des Anblicks wuͤrdig achtet, Muß gleich ein ieder, daß sie schoͤn, Bey’m ersten Anblick schon gestehn. Wiewol er sich zuletzt auf folgendes besann: Die Ehrgier, Geld-Sucht, Fleisches-Lust, Die uns im Geistlichen zu GOtt den Zugang wehren, Verriegeln leider auch der Menschen Brust, Daß wir von GOttes Werk nichts sehen und nichts hoͤren. Ein altes Sprichwort sag’t: Kein Auge sieht, Wenn das Gemuͤt Beschaͤfftigt ist mit andern Dingen. Mehr als zu wahr. Da wir von Jugend an Die Sel’ auf Wollust, Ehr’ und Geld zu denken zwingen: Wird durch die leidige Gewonheit jedermann G 4 Da- Dadurch in solchen Stand gesetzt, daß wir Jn aller Creatur Glanz, Ordnung, Pracht und Zier Fuͤr GOttes Wunder taub, fuͤr GOttes Werke blind, Geschmack-Geruch- und fuͤl-los sind: Einfolglich ist Sein Werk fuͤr uns vergebens. Ob aber dieses nun der Endzweck unsers Lebens, Das Ziel der Sele, ist, und ob man nicht die Spur Von GOttes Gegenwart in Seiner Creatur, Wenn man sich ihrer freu’t, entdecket: Hingegen, ob man sie, wenn man sie nicht betrachtet, Nicht gleichsam von sich stoͤss’t und sie verachtet; Jst eine Frage, die mich schrecket. Denn sollte GOtt dich so an jenem Tage fragen, Was meynst du? wuͤrd’st du wol, ohn’ Angst und Zittern, sagen: Mein GOtt, ich hab’ auf Erden Mit solcher Emsigkeit getrachtet, reich zu werden, Daß ich vor Sorgen, Fleiß, Muͤh’, Arbeit, Laufen, Rennen Unmoͤglich Dein Geschoͤpf und Dich betrachten koͤnnen. Der Der Fisch-Teich. E s stoͤss’t an meinen dicht belaubten Bogen-Gang Ein Fisch-Teich, der, so breit als lang, Ein Regel-rechtes Viereck zeiget. Das Ufer deckt bebluͤhmtes Gras, Und, weil es allgemaͤlig steiget, Schein’t jede Seit’ ein kleiner Huͤgel. Das glatte Wasser scheint ein Glas Von einem rein polir’ten Spiegel, Der an den Seiten uns der Erden gruͤne Zier Und in der Mitte gar den himmlischen Sapphir Des Tages voller Glanz, des Nachts voll Sterne, zeiget, Und so die schoͤne Pracht des Himmels und der Welt Verdoppelt uns vor Augen stellt. Ach daß man nicht den Schoͤpfer preiset, Wenn man so holde Schoͤnheit sieht, Womit sich die Natur, auf Sein Geheiß, bemuͤht, (Um es ins Aug’ uns recht zu praͤgen) Sie uns gedoppelt vorzulegen! Denn denket nicht, als ob von ungefehr Des Wassers Flaͤche solche Glaͤtte Empfangen haͤtte. Wie alles; kommt auch dieß von GOttes Allmacht her. Ach daß ich oft an diese Wahrheit daͤchte! Ach daß doch oͤfters mein Gemuͤte Den Teich von meines Schoͤpfers Guͤte, Als einen Spiegel, brauchen moͤgte! Der Schatten hier, und dort der Wiederschein Von den geschor’nen Taxus-Hecken, Wodurch der Teich umfasst, bedecken Jn einer Anmuts-reichen Pracht, Mit gruͤner Daͤmm’rung hier, dort einer gruͤnen Nacht, G 5 Die Die unbeweg’te Flut. So kraͤftig war das Gruͤn, Daß es an manchem Orte schien, Als naͤme wahres Schilf und Binsen, Als naͤmen gruͤne Wasser-Linsen Des Wassers Flaͤche wuͤrklich ein: Recht leiblich schien der Schein zu seyn. Wenn ich der gruͤnen Klarheit Grenzen Mit aufmerksamen Blick beschau; Seh’ ich des Himmels funkelnd Blau Oft rein, oft hier und dort voll Wolken-Silber glaͤnzen. Man kann, wenn man’s erwaͤget, finden, Wie voller Licht und Klarheit hier Des Himmels und der Erde Zier Auf einer Stelle sich verbinden. So herrlich glaͤnzt, so lieblich prang’t die Flut, So lange sie in glatter Stille ruht. Allein es spuͤret uns’re Brust Noch eine neue Lust, So bald von ungefehr Das Schuppen-reiche Heer Der feuchten Fisch’ aus ihren Tiefen steiget, Die Wunder-schoͤn gemal’te Flaͤche reg’t, Und, da es Licht und Laub beweg’t, Daß eins ins andre fliess’t, uns deutlich zeiget, Wie das, so wir gesehn, Nicht eine wahre Schilderey, Weil sie durchdringlich ist, gewesen sey. Wir sehn sodann durch sie mit Haufen Bald hier, bald dort halb gruͤn-halb blaue Cirkel laufen, Nachdem die regen Kreise Der Laub- und Licht-Schein trifft. Jch ließ zu ihrer Speise Mir etwas Brodt, das sie mit Lust verschlingen, Von meinem Gaͤrtner bringen. Mein Mein GOtt, welch ein annemliches Gewuͤl, So bald das Brodt ins Wasser fiel, Entstund im Augenblick! Die grosse Menge, Womit der Teich erfuͤll’t, erreg’t’ ein lieblich Spiel, Und ihre Gierigkeit ein lustiges Gedraͤnge. Es schien der ganze Teich zu leben, Ein jedes Stuͤcklein Brodt war alsobald umgeben Von funfzig auf einmal. Bald schien es Ernst, bald Scherz, Bald stieß ein Schwarm es vor ein and’rer hinterwaͤrts. Man konnte voller Lust die blauen glatten Ruͤcken Oft hoͤher, als die Flut, in grosser Meng’ erblicken. Noch uͤber die sieht man zuweilen Verschied’ne voller Eifer eilen. Die liessen nun, dieweil sie alsobald, Gehemmet durch den Gegenhalt, Nicht konnten in das Wasser sinken, Von den beschuppten glatten Seiten Bald feuchtes Gold, bald Silber blinken. Dort konnte man durch ihr behendes drehen Auch in der dunk’len Flut das Silber schimmern sehen; Wie wenn man einen weichen Grund, Der voller Fettigkeiten, ruͤhret, Man alsobald von oben spuͤret Was schwaͤrzliches sich in die Hoͤhe heben: So sieht man oft, gleich einem Dunst Was schwaͤrzliches von unten aufwaͤrts schweben, Bis daß es hoͤher steigt. Dann wird man erst gewahr, Daß es ein’ ungezaͤl’te Schar Beschuppter Fische sey. So voll war dieser Teich, Daß ob er gleich Sehr tief gegraben war, Man dennoch glaubt’, auf ihren dunk’len Ruͤcken Kaum halbes Fusses tief den Grund schon zu erblicken. Ein schwaͤrmendes Gewuͤl, ein liebliches Gewimmel War uͤberall zu sehn. Man Man spuͤret’ uͤberall ein froͤhliches Getuͤmmel; Es schien auf einmal zu entstehn Ein allgemeiner Krieg von allen gegen alle. Wie stum̃ auch sonst ein Fisch; ward doch mit lautem Schalle Ein schmatzen hier gehoͤr’t, das angenem zu hoͤren. Dieß Anmuts-volle Wasser-Spiel War meiner Augen Ziel, Bis ich zuletzt, Nachdem ich mich daran recht sehr ergetzt, Die wunderbare Creatur, Die sonderlich gebildete Figur Von einem Fisch erwog; der sonder Fuß und Hand So schnell, so hurtig, so gewandt Sich reget, stehet, gehet, Sich senket, sich erhoͤhet. Es flieg’t ein Fisch ja recht bald auf bald nieder, Und solches ohn Gefieder. Wer niemals einen Fisch gesehn, Und man erzaͤlet’ ihm, es waͤr’ ein Thier zu finden, Das aus den tiefsten Gruͤnden Sich sonder Fluͤgel koͤnnt’ erhoͤh’n, Auch sonder Haͤnde sich bewegen, Und sonder Fuͤsse gehn und stehn; Was mein’t ihr? wuͤrd’ er nicht mehr, als wir sonsten pflegen, Darob erstaunen und gedenken: Was muß das fuͤr ein Wunder seyn! Ach GOtt! laß mich auf Dich allein, So oft ich Fische seh, mein’ Andacht lenken, Und denken: wie so groß ist doch des Schoͤpfers Macht, Der, nebst der ungezaͤl’ten Schar Beschuppter Fisch’, und zwar so wunderbar, Auch alle Ding’ aus Nichts hervor gebracht! Der Der Spring-Brunn. J n eines gruͤnen Ganges Mitte, Den in der Qveer ein and’rer Gang durchschnitte, Von welchem man die Ecken ausgeruͤndet, Jst durch die vier dadurch formir’te halbe Bogen Ein gruͤner Cirkel-Platz gezogen, Jn welchem man mit Lust sich eingeschlossen findet. Jn diesem stand ich einst, und dachte: Wenn man hier einen Brunnen machte; Wie angenem, wie schoͤn Wuͤrd’ alles nicht in klarem Wasser stehn! Wie lieblich wuͤrde hier, bey heiterm Wetter, Das hell bestral’te Gruͤn der dicht-verschrenkten Blaͤtter Sich in den reinen Fluten bilden! Bald wuͤrde von der Sonnen Schein Das reine Wasser sich verguͤlden; Bald wuͤrd’ in sanft beweg’t- und wallenden Krystallen Ein gruͤn gefaͤrbter Schatten fallen. Jch sann dem Anschlag ferner nach, Und, weil der vorerwehnte Teich Nicht mit der Erde gleich, Nein, sondern auf der Hoͤhe, lag; Schien es zu meiner Lust nicht kostbar und nicht schwer. Allein ich freute mich noch mehr, Als ich so gar im Grunde, Jndem ich graben ließ, von ungefehr Vor diesem schon dazu bestimmte Roͤhren funde. Hiedurch kam in gar kurzer Zeit Das Wasser-Werk zur Vollenkommenheit, Und zwar weit schoͤner noch, als ich es selbst gedacht. Kaum war es vollenbracht; Kaum, Kaum, daß der schnelle Wasser-Stral Zum ersten mal Sich in die Hoͤhe hub und spielte, Als ich auch einen Trieb, Zu GOtt mich zu erheben, fuͤl’te, Und die Betrachtungen zu GOttes Ehren schrieb: Grosser GOtt! aus Dessen Willen Alle Meer’, als Baͤchlein, qvillen, Und durch Dessen Wort allein Sich die unergruͤnd’ten Gruͤnde, Aller Tiefen dunk’le Schluͤnde, Mit dem Schwall der Wasser fuͤllen; Dieses kleine Wasser-Spiel Zeigt mir viel. Du nur hast der weichen Flut, Deiner Creatur zu gut, Diese Wunder-Eigenschaft, Daß sie fluͤssig ist, gegeben, Und durch eig’ner Schwere Kraft Auch geschickt ist, sich zu heben, Um dann durch ihr strenges Senken Fuͤglicher die Welt zu traͤnken: Wie wir auf der Berge Hoͤh’n Lauter Wasser-Kuͤnste sehn. Alle Wasser-Faͤll’ und Meere Spielen, HErr, zu deiner Ehre. Kein starrer Eis-Zapf ist so glatt, so klar, so fest, Als wie der neu-gebohrne Stral Nicht Nicht weit von seiner Roͤhre laͤsst: Welch’ holde Festigkeit er aber bald verlieret, Wenn er sich in die Hoͤhe fuͤhret, Wo er, wenn er die Last der Luft mit Muͤhe traͤg’t, Wie lebend Silber sich beweg’t, Das doch noch immer aufwaͤrts eilet, Bis er sich oben auf einmal Beschaͤumet von einander teilet. Hier huͤpfen, springen, steigen, fallen Viel kleine Kugeln, die so rein, Daß auch die rein’sten Berg-Krystallen Nicht rein bey ihrem Schimmer seyn; Zumal, Wenn sie der Sonnen-Stral An einer Seite trifft, und daß die blaue Pracht Des tiefen Firmaments, in welchem jede schwebet, Durch reine Dunkelheit die Schoͤnheit noch erhebet, Und gleichsam sich zu ihrer Fulge macht. Man sollte schweren, Daß alle Diamanten waͤren, Und wuͤrcklich fel’t auch nichts, als bloß die Haͤrt’ allein, Sonst waͤre jeder Tropf ein rechter Demantstein. Je mehr ich nun ihr helles Glaͤnzen schaͤtzte, Je mehr der reine Glanz und Schimmer mich ergetzte; Je staͤrker ruͤhrte mich die Fluͤchtigkeit So Farben-reicher Edel-Steine. Jhr Wesen waͤhret’ eine kleine, Und ihre Ruh gar keine, Zeit; Jndem sie, wenn sie kaum entstehn, Von andern schon verdrungen gleich vergehn: Woruͤber ich recht in mich gienge, Und mit geruͤhrtem Geiste dacht: Wer Wer kann von aller Hoheit, Pracht, Und von dem Wesen ird’scher Dinge, Ja selbst von unserm eig’nen Leben, Ein gleicher Ebenbild uns geben? Man kommt, man ruht nicht, man verschwindet, Und zwar fast unvermerkt, indem die Welt, Daß wir vergehen, nicht empfindet: Es sind stets and’re da, die gleich, so bald wir scheiden, Die Stellen wiederum bekleiden. Betrachtet doch, ihr Menschen, was ich meyne, Und denket bey der Flut bestaͤnd’ger Fluͤchtigkeit: Wir alle waͤhren eine kleine, Und uns’re Ruh waͤhrt keine, Zeit. Der Stral, der in die Hoͤhe steiget, Vergnuͤget das Gesicht. Wenn er sich aber oben bricht, Und rauschend sich zum Fallen neiget; Vergnuͤg’t er unser Ohr. Es koͤnnen, die es lange hoͤren, Mit Muͤhe sich des Schlaf’s erwehren. Zuweilen unterbricht ein holes Plumpen Das klatschende Getoͤs, indem es schlurfet, zischt, Und oft ein gurgelndes Gegluck darunter mischt, Wenn kleine weisse Wasser-Klumpen Jn die beschaͤumte Flut, Die gleichsam kocht, und nimmer ruht, Wie Stuͤcke von geschliffenen Krystallen, Auf einmal schnell herunter fallen. Dieß Sprudeln, Lispeln, Schallen, Dieß murmelnde Getoͤn Wird jedem, der es hoͤr’t, gefallen, Und suchet uns durch’s Ohr ans Herz zu gehn. Am Fuß der Roͤhre schaͤumt und huͤpfet in der Flut Ein reines Weiß, das stets entstehet, Stets Stets ist, und dennoch stets vergehet, Das immer sich beweg’t, sich bricht und nimmer ruht. Es huͤpft, es springt, es spruͤtz’t, es scheint zu leben, Und, kleinen weissen Flammen gleich, Sich selber in die Hoͤh zu heben. Rings um den regen Ort sieht man dieselbe Stelle Durch Wellen, die daselbst kurz, recht wie Schuppen, gehn, Nicht einen Augenblick in einer Farbe stehn. Bald ist sie braͤunlich rot, bald gruͤnlich helle, Bald ploͤtzlich Silber-weiß. Zuletzt beruhiget sich allgemach Das rege Naß; es zeugt sich nach und nach Manch sich vergroͤssernder und stets beweg’ter Kreis. Die Cirkel scheinen zwar vom Mittel abzuwallen, Und allgemach sich zu erheben, Da sie jedoch, wenn wir darauf recht Achtung geben, Nach ihrem Mittel-Punct bestaͤndig wieder fallen. Die sanft-erreg’te Glaͤtte zeiget, Jndem sie sich gemach bald heb’t, bald neiget, Der schoͤn’sten Farben Glanz; es sind allhier Der irdische Smaragd, der himmlische Sapphir Blau, licht- und dunkel-gruͤn, weiß, hell und dunkel-braun Recht wunderbar vermischt, vereinigt und verwirret. Wo kurz vorher die Augen Schatten schau’n, Verspuͤren sie, daß sie geirret. Denn es ist weiß daselbst, nein wieder braun, nein gruͤn, Nachdem die Kreise sich in rege Spitzen ziehn Dadurch, daß oft ein Kreis den andern unterbricht. Auf vielen dunkel-braunen Stellen Formir’ten weißlich-gruͤne Wellen Die schoͤn’sten Cirkel von Smaragd, Die denn, je naͤher sie dem gruͤnen Ufer kamen, Von seiner gruͤn-bebluͤhmten Pracht Stets deutlicher so Farb’ als Bildung namen. II. Theil. H Bestral’t Bestral’t die Sonne dann vom Ufer eine Stelle; So wird sogleich des Wassers Flaͤche helle, Da denn das fast Smaragd’ne Gruͤn Sich Schlangen-weise zu bewegen Und durch der Wellen sanftes regen Sich immer zu vergroͤssern schien. Mit einem dunkel-gruͤnen Schatten Such’t ein beweglich gruͤnlich Licht Jn regen Cirkeln hier sich stets zu gatten, Die uns der Baͤume Gruͤn zwar noch zu sehn vergoͤnnen; Doch, weil sie den Zusammenhang Durch stetige Bewegung trennen, Jst keine deutliche Figur Von Blaͤttern, Staͤmm- und Zweigen zu erkennen; Man sieht von ihnen nur Den Schein von einem Schein, Und kann man hier mit Wahrheit sagen, Daß sie auch in den hell’sten Tagen Zu sehn und doch nicht sichtbar seyn. Wann aber sich der Sprung des Wassers leget, Und folglich sich die Flaͤche nicht mehr reget; Kann man mit tausend Lust so fort Den runden angenem bewachs’nen Ort Jn ihr recht unbeschreiblich schoͤn Und lieblich widerscheinen sehn. Es schien mir dieses Bild von vieler Menschen Leben Ein lebend Eben-Bild zu geben. Wie mancher auf der Welt Hat Ehre, Faͤhigkeit, Gesundheit, Schoͤnheit, Geld, Die durch des Schoͤpfers Huld sich all’ in ihm verbinden; Sein Naͤchster aber kann So wenig, als er selbst, daran Die billige Vergnuͤgung finden. Wo kommt denn dieses her? Weil mitten in der Brust (Wie (Wie hier im regen Born) der Born von Pein und Lust Die Leidenschaft durch Leidenschaft beweget, Und deren Wut sich unaufhoͤrlich reget; Wodurch wir in veraͤnderlichem Wanken Nichts, als verwirrete Begierden und Jdeen, Und in nie ruhigen Gedanken Stets unterbroch’ne Schoͤnheit, sehen: Da er, wenn ihn nicht stets die Unruh gleichsam trennte, Bey einem ruhigen Gemuͤte Ein Spiegel Goͤttlicher Macht, Weisheit, Lieb’ und Guͤte Sich und dem Naͤchsten werden koͤnnte. Da ich nun also saß und sann, Und eine inn’re Regung fuͤl’te; Sah ich dem Wasser-Stral, als er von neuen spiel’te, Noch etwas neues an, Jndem er, als das Licht der Sonnen ihn bestral’te, Sich selber um den gruͤnen Rand Auf dem Licht-grauen Sand’ Jn dunk’len Schatten deutlich mal’te. Jch sah ihm Anfangs zu, und lachte, Daß gleichsam dieser Schatten mir Mein Wasser-Spiel gedoppelt machte; Doch als ich noch darauf ein wenig laͤnger dachte, Und merkte, daß des Schattens Stral Sich allemal Ein wenig von der Stell’ und in die Ruͤnde drehte; So fiel mir ein, Dieß koͤnnte wol ein Sonnen-Zeiger seyn. Jch merkte denn bey jedem Seiger-Schlag Die Stelle, wo sodann der Schatten lag, Und faud hernach, so oft ich zaͤl’te, Daß es kaum um ein Haͤrchen fel’te. Kann sonst von unserm kurzen Leben Des Wassers rege Fluͤchtigkeit H 2 Uns Uns uͤberhaupt ein Lehr-Bild geben; So zeigen hier die feuchten Fluten So gar die fluͤchtigen Minuten Von uns’rer schnellen Lebens-Zeit. Allein, was soll ich viel, bey dieser Flut, Von einem feuchten Seiger sagen; Da wir ja selbst in unserm Blut Dergleichen feuchten Seiger tragen, Da jeder Puls- und Ader-Schlag Mir meine Zeiten richtig teilet, Und folglich wol mit Recht, weil er bestaͤndig eilet, Mein Lebens-Seiger heissen mag. HErr! gib, so oft ich Wasser seh, Daß ich ja nicht vergessen moͤge, Daß ich, so lang’ ich mich bewege, Aus reger Feuchtigkeit besteh’! HErr! gib, so oft die Stunden schlagen, Daß ich mag zu mir selber sagen: Von meinen kurzen Lebens-Stunden Sind sechzig Teil’ aufs neu verschwunden. Hast du, mein Herz, darin auch einst gedacht An Deines Schoͤpfers Lieb’ und Macht? Wenn man den strengen Stral, der in die Hoͤhe eilet, Durch etwas hartes hemm’t und teilet; Zerteilt er sich in Tropfen, die so klein, Daß sie kaum zu erkennen seyn. Jn dem fast unsichtbaren Duft Der angefeuchteten durchstral’ten Luft Wird, wenn die Sonn’ ihn trifft, Ein neues Wunder-Werk gestift, Und oft ein kleiner Regen-Bogen Jn einem Augenblick gezogen. An dessen buntem Schein such’t’ ich mit tausend Freuden Nicht Nicht nur mein Aug’, auch meinen Geist, zu weiden, Und ward mit suͤsser Lust ersuͤll’t, Weil ich allhier so nah Das sonst entfernte Gnaden-Bild Der feuchten Wolken bey mir sah. Wenn auf dem dunkel-gruͤn gefaͤrbten Wasser-Spiegel Viel kleine weisse Wasser-Huͤgel, Die wie ein Berg-Krystall so glatt, so klar, so rein, Ja kleine Sonnen-Spiegel, seyn, Bald einzeln, bald mit Haufen, Wie Silber-Schaum, schnell hin und wieder laufen, Bald sanfte zitternd gleichsam schweben, Nachdem die regen Wasser-Kreise Jtzt schnell, itzt allgemach und leise, Sich bald vertiefen, bald erheben; Vergnuͤg’t ihr schimmerd Licht, Das auf dem klar- und dunkeln Grunde Der glatten Flut in hellem Glanze stunde, Durch ihren Gegensatz, mir das Gesicht: Doch fiel bey ihrem fluͤcht’gen Schein Mir ferner ein, Daß sie von Keichtum, Wollust, Ehre Recht eigentliche Spiegel seyn. Es geben uns die Blasen zu verstehn, Von welcher Ahrt die meisten Schoͤnen sind. Jhr aͤusserstes allein ist schoͤn; Jhr inners Eitelkeit und Wind: Und zeigen sie daher an jedermann Den fluͤcht’gen Grund der weichen Wollust an. Noch geben uns der Blasen kleine Hoͤh’n Der Ehrsucht Folge zu verstehn. Je hoͤher sie an Glanz und Schimmer steigen, Je mehr sie Pracht und Schoͤnheit zeigen; Je ploͤtzlicher sie schwinden und vergehn. H 3 Kein Kein Silber ist so weiß, so rein, Als diese Wasser-Blasen seyn. Kein Gold ist, das so glaͤnzt und stral’t, Als wenn der Sonnen Gold sich selbst in ihnen mal’t, Und dennoch ist ihr glaͤnzend prangen, Recht wie der Reichtum, auch gar schnell vergangen. Sprich nicht, Chrysander, voller Freuden: Es kann mein Gold mit Recht nicht die Vergleichung leiden. Der Blasen Gold ist fluͤchtig; meines fest. Doch hoͤr! erwaͤge nur, wie schnell das deine Dich oftermals schon hier verlaͤsst, Und endlich, wenn du wirst erblassen, Wird es unfehlbar dich verlassen. Dieß ist die Luft, die man, so lang das Wasser spielet, Durch’s Ohr und durch das Auge fuͤlet; Wenn aber sich der Sprung des Wassers leg’t, Und folglich sich die Flaͤche nicht mehr reg’t, Wenn nemlich man den Ort, wodurch es fliesset, Durch umgedrehten Schluͤssel schliesset, Verschwindet auf einmal, Zusamt dem reinen Silber-Stral, Das lieblich klatschende Getuͤmmel; Hingegen faͤngt sich dann, So bald das Wasser still, ein’ ander’ Anmut an. Man siehet einen Gegen-Himmel: Es liess’ als ob, in blauen Tiefen, Viel weisse Wolken schwebend liefen: Man konnt’ in ihren klaren Gruͤnden Gar eine neue Sonne finden. Bey dem so schoͤn- und dennoch eit’len Schein Fiel mir von neuen ein: Es leb’t mit muͤhsamem Getuͤmmel Der Geld- der Lust- der Ehr-Wurm in der Welt, Und glaubt, in Ehre, Lust und Geld Den Himmel auf der Welt zu finden; Al- Allein Es ist ein Wasser-Himmel, Der nichts hat, als den blossen Schein. Will aber jemand hier des Himmels Vorschmack haben, Der muß sich am Geschoͤpf des grossen Schoͤpfers laben. Man kann mit tausend Lust so fort Den runden, angenem bewachs’nen Ort Jn stiller Flut recht unbeschreiblich schoͤn Und lieblich sich verdoppeln sehn. Es stellt zugleich das unbeweg’te Naß, Als wie vom Berg-Krystall das reinste Spiegel-Glas, Zusamt des Firmaments Sapphir, Den irdischen Smaragd belaubter Baͤume fuͤr. Es bildet die Natur sich selbst in dieser Flut, Und zwar recht meisterhaft. Denn ist ihr Uhrbild schoͤn; So ist die Schilderey nicht minder schoͤn zu sehn. Selbst in der Dunkelheit Entwirft, formiret, zeichnet sie Mit unbeschreiblich rein- und klarer Deutlichkeit Die allerzierlichste Copie. Was dunkel-gruͤn, das scheint im Wasser mehr verdunkelt: Was hell-gruͤn, glaͤnzt noch mehr, und funkelt Jn einem reinern Licht. Des Brunnen Rand ist hell und gelblich gruͤn, Weil er von Rasen ist. Das ganze Wasser schien Hingegen dunkel, gruͤn und klar, Jndem darin sich von den Erlen-Zweigen Die dunkel-gruͤnen Blaͤtter zeigen. Man sah daselbst der Fische blaue Schar, Die aus dem Teich’ hinein gesetzet war, Durch gruͤne Zweige gehn, in gruͤnen Buͤschen schweben, Und, schnellen Voͤgeln gleich, auf Baͤume sich erheben. Das Auge wird durch die so klare Glaͤtte, Als wie, wenn man Krystall darauf geleget haͤtte, H 4 Ver- Vergnuͤg’t, gestaͤrket und erfreuet. Die fast erstaunten Blicke gleiten Auf dieser glatten Bahn mit tausend Freuden fort, Und treffen tausend Lieblichkeiten Auf jeder Stell’, an jedem Ort’ Jn netten Bildungen und sanften Farben an. Seh’ ich, wie lieblich, klar, durchsichtig, glaͤnzend, rein Des Wassers glatte Flaͤchen seyn; So ruf’ ich, voll durch Lust erzeugter Traurigkeit Und suͤsser Unzufriedenheit: Wie dauret michs, daß diese Klarheit Mein schwacher Kiel nicht bilden kann, Und daß von der Copie die meinige mit Wahrheit Ein elend Schmierwerk sey, die jener gar nicht gleichet, Jndem sie der so schoͤn gemal’ten Zierlichkeit Jm Wasser (wie man spricht) nicht einst das Wasser reichet. Jndem ich einst bey diesem Wasser-Spiel, Was ich geschrieben uͤberlase; Erblickt’ ich einen Frosch im Grase: Der rege Wasser-Stral schien seiner Augen Ziel. Die Stellung war, als ob er saͤss’ und lauschte, Ja mit Verwunderung bedaͤchte, Woher es doch wol kommen moͤgte, Daß hier das Wasser stetig rauschte, Was doch davon die Ursach sey. Jch lachte bey mir selbst, und dachte dieß dabey: So wenig dieser Frosch den wahren Grund wird finden, So wenig kann ein Mensch des Schoͤpfers Weg’ ergruͤnden. Mensch- Menschliche Unachtsamkeit. J ch wund’re mich, daß aller Menschen Geist Nicht eins besorget ist um das, was wachsen heisst. Saͤh’ iemand einen Pallast stehn, Der nimmer ein Gebaͤu gesehn, Und fruͤg’, indem er ihn beschauet, Wie ward dieß Haus? Wie gieng es zu? Auf solche Frage sag’test du Jhm nichts, als nur: es ist gebauet. Was meynst du, wuͤrd’ er sich mit Recht Daran begnuͤgen, und nicht fragen: Was heisst gebaut? Wie hat sich’s zugetragen? Du sprichst: Es waͤchst. Jst dieß genug? Du setzest nicht, o Mensch, mit Fug Dem klugen Geist so enge Graͤnzen. Sieht deiner Selen Auge hier Jn solcher Ordnung, Nutz und Zier Nicht einen Stral der Gottheit glaͤnzen; So weiß ich nicht, warum dein Geist Sich weise, klug, vernuͤnftig heisst. H 5 Der Der Geruch. J uͤngst oͤffnet’ ich von meinem Schlaf-Gemach Die Fenster fruͤh auf meinem Garten, Da gleich ein Balsam-gleicher Duft Von Bluhmen ungezaͤl’ter Ahrten Mir in das Fenster gleichsam brach. Der Kreis der lauen Luft War ganz mit Ambra-reichen Kraͤften, Ziebet und Biesam angefuͤllt. Jch spuͤr’te den Geruch, der aus der Lilje qvillt, Jn welchem sich von bluͤh’nden Rosen-Buͤschen Die lieblichen, die holden Duͤnste mischen. Mit diesen mengte sich aufs neu Der suͤßliche Geruch von frisch-gemachtem Heu, Den eine juͤngst gemaͤh’te Wiese, Die an dem Garten nahe liegt, Aus gruͤnen Schwaden von sich bliese. Noch nicht genug: Dieß alles schien besiegt, Und mein Gehirn noch mehr erfreut, Noch mehr geschmeichelt und erqvicket Durch die gewuͤrzte Lieblichkeit Der koͤstlichen Orangerie, Die meines Nachbarn Garten schmuͤcket. Ein balsamir’ter Rauch, ein unsichtbarer Schwall Von Ambra, Moscus und Zibeth, Der sich aus jeder Bluhm’ erhoͤht, Verbreitete sich uͤberall. Die ganze Welt stellt’ einen Rauch Altar, Zum Zum Ruhm des grossen Schoͤpfers, dar. Es brannt’ in suͤsser Gluht der ganze Kreis der Luft, Jch ward dadurch recht innerlich geruͤhret, Und zu der folgenden Betrachtung angefuͤhret: Vermehr doch auch, mein Geist, so viel an dir, die Gluht, Die zu des Schoͤpfers Ehren lodert! Erwege doch, daß GOtt fuͤr alles, was er thut, Fast nichts von dir, als bloß ein frohes Herz, erfodert. Laß solch ein starkes Feu’r denn auch in deiner Brust Ein frohes Andachts-Feu’r entzuͤnden! So wird der Schoͤpfer Selbst, im Rauchwerk deiner Lust, Auch einen lieblichen Geruch empfinden. Das Das Welt-Buch. N achdem ich oͤfters uͤberdacht, Woher es komme, daß die Pracht Der Wunder-schoͤn geschmuͤckten Welt So wenig Eindruck bey uns macht; Daß sie so wenigen gefaͤllt; Daß sie fast niemand recht vergnuͤget; So deucht mich, daß es hieran lieget: Es scheint, wir sehen alles an, Als einer, der nicht lesen kann, Ein Buch, das schoͤn gedruckt, beschauet. Denn laß die Zuͤge noch so rein, Die Lettern noch so zierlich seyn; Er wird daraus doch nicht erbauet. Er siehts, und, wann er es gesehn, Spricht er, wenn’s hoch kommt: es ist schoͤn, Und leg’t es sanfte bey sich nieder. So leider! ist der Menschen Brauch Mit dem so schoͤnen Welt-Buch’ auch. Kaum oͤffnet man die Augen-Lieder; So gehet, wie der Blick, der Sinn Schnell uͤber jeden Vorwurf hin. Man eilt. Wenn jemand etwa fraget, Jst dieß nicht schoͤn? so glaubet man, Man habe schon genug gethan, Wenn man ein: das ist wahr, gesaget. Verwund’re dich denn ferner nicht, Daß Daß man von GOtt nichts sieht, nichts spricht, Daß Seine Werke niemand ruͤhren. Denn, waͤr’ ein Buch auch noch so schoͤn; Wie kann der Jnhalt dem zu Herzen gehn, Der nicht einmal kann buchstabiren? Homerus und Virgilius, Die jeder, der sie liest, bewundern muß, Sieht einer, der nicht lesen kann, Gewiß mit keiner Lust, mit keinem Nutzen an. Der Kern, das geistige, so in den Schristen stecket, Jst ihnen nicht, die Huͤlsen nur, entdecket. Willt du nun von des Schoͤpfers Wesen, Pracht, Allmacht, Weisheit, Glanz und Schein Nicht ewig unempfindlich seyn, Geliebter Mensch; so lern’ um GOttes willen lesen! Du wirst, und zwar mit hoͤchster Lust Und inn’rer Regung deiner Brust, Des Welt-Buchs Jnhalt bald verstehen; Du wirst mit fast halb-sel’gen Freuden An dieser Schrift die Sele weiden, Jm irdischen was Goͤttlichs sehen. Du wirst, so bald die schoͤne Welt Dir mit Vernunft und Lust gefaͤllt, Jn ihren schoͤnen aͤussern Rinden Den Schoͤpfer nicht allein, auch den Erhalter, finden. Die Schrift ist wunderbar, sie uͤbertrifft All’ and’re Schrift. Ein jeder Buchstab kann allein Ein ganzes Buch voll Weisheit seyn. Je mehr man nun die grossen Lettern sieht, Je mehr wird man dadurch ergetzet. Je mehr man sich damit bemuͤht, Je Je fleissiger man sie zusammen setzet; Je mehr erhellt aus ganzen Worten, Mit uͤberzeugender und fichtbarlicher Klarheit, Unwidersprechlich diese Warheit: Daß GOtt der Schoͤpfer aller Orten Wahrhaftig gegenwaͤrtig sey. Die Lettern nun sind vielerley, Die Zuͤge wunderschoͤn formiret, Und uͤberall illuminiret Sind Kraͤuter, Wiesen, Steine, Waͤlder, Sind Bluhmen, Haͤuser, Staͤdte, Felder, Sind Voͤgel, samt der Fische Heer Sind Erde, Feuer, Luft und Meer, Sind Millionen Welt’ und Sonnen in den Sternen. Ach, HErr, gieb, daß ich dieß vor andern oft ermesse! Ach, HErr, laß doch in dieser Lettern Groͤsse Mich Deine Groͤsse kennen lernen! Ein Ein fester Vorsatz. A ls meine Kinder einst vor wenig Tagen, Da es noch ziemlich fruͤh, in sanfter Ruhe lagen, Und ich, um sie vom Schlafe zu erwecken, Selbst in die Cammer trat; sah ich sie voll Vergnuͤgen, Vom lauen Schweiß gefaͤrb’t, in suͤsser Roͤte liegen, Und wie die Rosen bluͤhn. Teils hatten sie die Decken Jm Schlafe von sich weggeschoben, Hier hatt’ ein kleiner Arm sich um sein Haupt gelenkt, Ein and’rer lag auf seinem Pfuͤl erhoben, Dort waren zwey mit Hand und Bein verschrenkt, Ein Aermchen ruhte dort auf seines Bruders Brust, Wie es der Zufall gab. Jch sahe sie mit Lust, Jch dankte GOtt, daß Er sie so gesund geschaffen, Auch daß sie durch Desselben Macht, So wol als ich die ganze Nacht So fanft, so ruhig koͤnnen schlafen. Kaum rief ich ihnen zu: Auf! als ich sie So bald, den Schlummer zu vertreiben, Zugleich beschaͤfftigt sah. Doch wollte sonder Muͤh Der traͤge Schlaf nicht fort, ein sanftes Augen-reiben Erhub sich uͤberall, hier streckt’ ein Aermchen sich, Und dort ein kleines Bein. Hier sahe mich von dieser kleinen Schar Ein halb geoͤffnet Aug’, indem des Tages Schein Jhn anfangs blendete, mit holdem Laͤcheln zwar, Doch kurzen Blicken an. Jch hoͤrete von allen Ein froh verwirrt Papa! Papa! erschallen. Auf! rief ich, lasst mich sehn, wer von euch kann Am ersten angethan, Am schnellsten fertig werden. Gleich war der Schlummer fort, ein emsiges Gewuͤl Das jedem, der es sah, gefiel, Erhub sich uͤberall, sie sprungen von der Erden, Und Und, eh’ ichs mich versah, Stund alles fertig da. Mir fiel hieruͤber folgends ein: Wie nuͤtzlich und wie gut in unserm Leben Die Leidenschaften seyn; Davon kan dieses Kinder-Spiel Mir eine gute Nachricht geben. Welch eine Schlaͤfrigkeit wuͤrd’ an dem Menschen kleben, Wie traͤg und ungeschickt wuͤrd’ er zu allem seyn, Wenn eine Leidenschaft, zumal der Trieb zur Ehre, Nicht bey uns Menschen waͤre. Es fliesst hieraus noch eine Lehre: Ob gleich wir Menschen schwach und unvermoͤgend heissen; So sind wir doch geschickter, als man denkt, Uns dem Gewonheits-Schlaf und Schlummer zu entreissen, Wenn man die Sinne nur auf einen Vorwurf lenkt, Der uns gefaͤllig ist: man wird viel Unvergnuͤgen Und Hinderniß geschickt seyn zu besiegen, Mehr als man selbst geglaubt. Sprich nicht: dieß Gleichniß hier vom Schlafe geht nicht an, Weil man denselbigen des Morgens leicht bekriegen, Und durch geringen Zwang vertreiben kann, Da er sich ohnedem hinweg pfleg’t zu verfuͤgen; Wenn der Gewonheits-Schlaf hingegen Bestaͤndig an uns kleb’t, und immer zaͤher wird. Dieß scheint zwar wahr zu seyn; doch, wenn wirs recht erwegen, So hast du dich dennoch geirrt. Ob durch Gewonheit gleich die Leidenschaft Noch immer staͤrker wird; kann gleichwol ihre Kraft Die gegenseitige Gewonheit wieder daͤmpfen. Es liegt in diesem Fall am festen Vorsatz viel. Fang du nur tapfer an, und fahre fort zu kaͤmpfen! Du kommst zuletzt gewiß zum vorgesteckten Ziel. Wahre Wahre Freude. M oͤgten doch die Menschen glaͤuben, Welche Leib’s- und Selen-Lust Denen, die recht sehn, bewust! Keine Feder kanns beschreiben. Da es nun zu Tage lieget, Daß, wenn etwas uns vergnuͤget, Es dem Leib’ ein’ Arzeney, So wie dem Gemuͤte, sey; Daß es das Gebluͤt’ versuͤsset, Daß es in der muntern Brust Ungesperr’t und richtig fliesset; Also muß ja wol die Lust, So uns die Geschoͤpfe geben, Wenn wir sie, zu GOttes Ehr’, Anzusehen und zu merken Uns mit rechtem Ernst bestreben, Unsern Geist je mehr und mehr, Ja selbst die Gesundheit, staͤrken. Denn auf unserm Welt-Gebaͤude Jst warhaftig alle Freude Gegen dieser Dunst und Rauch, Wenn man, wie sichs deutlich weis’t, Durch vernuͤnftigen Gebrauch Uns’rer Sinne, Leib und Geist Mit des Schoͤpfers Werk verbindet, Weil man dann auf jeder Stelle Aller Freuden ew’ge Qvelle, Aller Dinge Schoͤpfer, findet. II. Theil. J Der Der Mond. Ein anderes Gedicht vom Monde findet sich bereits im vo- rigen Theile auf dem 41sten Blate. J ndem ich abermal, in stiller Einsamkeit Und ruhiger Zufriedenheit, Jm Mond-Schein itzt spatziren gehe, Und die durch seinen Schein ganz angefuͤllten Felder, Und die durch seinen Glanz sanft angestral’ten Waͤlder, Samt den dadurch so schoͤn geschmuͤckten Gaͤrten, sehe; Fuͤl’ ich, geruͤhrt durch eine neue Lust, Auch einen neuen Trieb in meiner Brust, Damit sich diese Lust so bald nicht mag zernichten, Zu GOttes Ruhm noch einst vom Mond’ ein Lied zu dichten. Jch seh’ allhier, durch dunk’le Schatten, Ein helles Licht auf weisse Latten Begruͤn’ter Sommer-Lauben fallen: Jch seh’ hierauf mit Lust bald hier bald dort, An manchem Ort, Beweg’te Schatten-Blaͤtter wallen, Wodurch von Licht und Dunkelheit Ein sanft Gemisch, mit solcher Lieblichkeit Und Anmut, diesen Ort erfuͤllet; Daß ein so suͤsser Reiz, der aus dem Lichte qvillet, Und sich mit holden Schatten mischt, Jn der so angenem gebroch’nen Schwaͤrze, Durch unser’ Augen unser Herze Vergnuͤg’t, erqvicket und erfrischt. An An Haͤusern laͤsst es recht, als ob mit tausend Bildern Vom Silber-weissen Mond sich alle Fenster schildern. Zuweilen scheint sein rundes Licht, Wenn das nicht eb’ne Glas den Schimmer unterbricht, Als wenn es eckigt waͤr’. Jtzt laͤsst der glatte Stral, Als waͤr’ er lang, bald recht oval. Bey jedem Tritt Veraͤndern sich des Mondes Bilder mit. Doch ist der glatte Glanz noch einst so schoͤn, Wenn man durchs duͤst’re Laub der Baͤum’ ihn sieht, Jndem durch ihre Dunkelheit Und schwebende Beweglichkeit Der Scheiben wiederscheinend Licht Bald heller wird, und bald sich unterbricht, Bald sich erheitert, bald sich schwaͤrzet, Wenn gleichsam Nacht und Licht sanft mit einander scherzet, Wenn eins um’s and’re sich entdeckt, Und eins um’s and’re sich versteckt. Jn den rings um begruͤn’t- und hell-bestral’ten Steigen Sieht man mit innigem Vergnuͤgen So manchen Schatten-Strauch und Schatten-Busch sich zeigen, Jn solcher Nett- und Deutlichkeit So lieblich und so zierlich liegen, Daß in der Zeichnung man fast keinen Unterscheid Mit den gewachs’nen Baͤumen spuͤret: Wodurch der Garten denn gedoppelt ausgezieret, Noch einst so lustig scheint. Der Schatten-reiche Wald Verdoppelt gleicher Weis’ im Schatten die Gestalt J 2 Von Von Staͤmmen, Blaͤttern und von Zweigen, Die sich von oben abwaͤrts neigen, Und, um uns ihre Pracht recht deutlich auszudruͤcken, Den gruͤnen Boden lieblich schmuͤcken. Das sanfte Licht, so allgemein Mit einem gruͤnlich grauen Schein Die schon bethau’ten Felder deckte, Und sich, so weit man sah, erstreckte, Vergnuͤg’te mich Recht inniglich. Durch dieses holde Licht, womit sich klare Schatten So angenem vermenget hatten, Zusamt der Stille Suͤssigkeit, Schien mir in uns’rer Welt Ein’ and’re Welt fast vorgestell’t: Denn durch des sansten Licht’s ganz ungewissen Schein Schien jeder Vorwurf ungewiß, Und geistig mehr als coͤrperlich, zu seyn. Von den erdichteten Eliser-Auen War gleichsam hier, in still- und lichter Finsterniß, Das stille Schatten-Reich im Schatten-Riß zu schauen. Doch ohne Scherz. Durch ein so reines Licht Empfindet man, wie durchs Gesicht Ein reizendes Vergnuͤgen dringet, Das fast ein’ uͤberird’sche Lust Der dadurch ganz erfuͤllten Brust, Jn suͤsser Stille, bringet. Es faͤngt der angeneme Glanz Allmaͤlich an, sich durch die Sehnen Jm ganzen Coͤrper auszudehnen. Dann wird ein achtsam Aug’, ein frommes Herze, ganz Von Andachts-Flammen angezuͤndet, Jndem Jndem es in dem sanften Schein Was ird’sches nicht allein, Nein, ein verhuͤll’tes Bild der Gottheit, die die Pracht Der himmlischen und ird’schen Coͤrper macht, Und die allgegenwaͤrtig, findet. Jch senkte mich hierauf, zu Seiner Ehr’, Jns tiefe Meer Der unumschraͤnkten Luft, und ward von ungefehr Beym ungezaͤhlten Sternen-Heer Den weit entlegenen Saturn gewahr. Sein von dem Sonnen-Stral so weit entfernter Schein, (Ob gleich fuͤnf Monden sich bestaͤndig um ihn lenken; Sieht man gleich offenbar Jhn einen hellen Kreis umschraͤnken;) Wird doch vermutlich nicht, dacht’ ich, recht heiter seyn. Vermutlich handeln wir nicht unrecht, wenn wir sagen, Daß dort auch in den hell’sten Tagen Das Licht nicht groͤsser sey, als wenn bey uns die Nacht. Ein heit’rer Mondschein helle macht: Wobey jedoch die es gewohnten Augen Vermutlich ja so gut, als wir, zu sehen taugen. Denn dieß ist ausgemacht, daß nirgend einerley Der emsigen Natur nie stille Wirkung sey. Das gab mir nun aufs neu Gelegenheit, Mit ernstlicher Aufmerksamkeit Jn solche Tiefe mich mit Ehrfurcht zu versenken, Und an der Sterne HErrn mit Andacht zu gedenken, Den man in Ewigkeit nicht g’nug bewundern kann. Hierauf sah ich noch einst des Mondes Coͤrper an. Als ich nun recht erwog, wie groß er sey; Fiel mir daruͤber dieses bey: Betrachte, lieber Mensch, die wunderbare Groͤsse Des Coͤrpers, welchen du, betrogen durch den Schein, Mit Unrecht glaub’st so klein zu seyn! J 3 Er- Erwaͤg’ und schau’ in ihm ein herrliches Gefaͤsse Der Wunder GOttes an, das nicht nur groß allein, Nein, gleichfalls (wie die Welt) von Wundern angefuͤllet, Die uns die Ferne nur verhuͤllet. Gewaͤsser, Thaͤler, Tiefen, Hoͤh’n, Kann man in ihm durch’s Fern-Glas sehn, Fast eben wie auf uns’rer Erden. Wie kann doch g’nug bewundert werden Der majestaͤtisch stille Gang, Den keine Hind’rung je gestoͤret, Der unveraͤnderlich gewaͤhret Schon so viel tausend Jahre lang! Ach GOtt! ach unbegreiflichs Wesen, Von Dessen Weisheit, Lieb’ und Macht Die Wunder in der Sterne Pracht, Als wie in einer Schrift, am deutlichsten zu lesen, Am wuͤrdigsten zu sehn, am besten zu verehren; Ach laß uns doch den Ruhm von Deiner Herrlichkeit Jn der Geschoͤpfe Meng’ und Vollenkommenheit Durch selige Betrachtung mehren! Aber- Abermalige Betrachtung des Mond-Scheins. N och keinmal ist mir zu Gesicht’ Ein herrlicher Spectakel kommen, Als juͤngst, da bey dem vollen Licht Des Mondes ein sehr zarter Duft Den weiten Raum der tiefen Luft Mit hellen Wolken eingenommen. Von einem weissen Flor, von einem duͤnnen Schleier Ward der so hell-gestirnte Bogen Allmaͤlich uͤberzogen. Des Mondes Silber-weisses Feuer, So bis daher die Luft erfuͤllt, War Anfangs etwas eingehuͤllt; Nachher eroͤffnet sich auf eine suͤsse Weise Der schoͤn’ste Schauplatz, den die Welt Den Augen jemals vorgestellt. Viel fast Schnee-weisse Wolken-Kreise, Die bey viel Kreisen von Sapphir Jn recht verwunderlicher Zier Und ordentlichem Wechsel schienen, Erhub die dunk’le Pracht der tiefen Himmels-Buͤhnen. Es bildeten sich schoͤn, da sich der Duft zerstuͤckte, Die grossen Cirkel selbst, wodurch der Himmel sich Ganz ausserordentlich Mit Regel-rechten Cirkeln schmuͤckte. Von diesen Kreisen schien in einem reinen Schein Der Mond der Mittel-Punct zu seyn. Es kann am Himmel und auf Erden Nichts praͤchtigers gesehen werden. Der dunkeln Kreise Tief’ und Schwaͤrze J 4 Glich Glich einem schwarzen Sammt, Worauf ein Sternen-Heer in einer Herrlichkeit, Die unbeschreiblich, blitzt und flammt Jn der so tiefen Dunkelheit. Ein jedes ward durchs and’re noch verbessert, Und durch den Gegensatz ward jedes Pracht vergroͤssert. Jch stellte mir Das dunk’le Schwarz der Boden-losen Tiefe, Die ich mit einem Geist voll Ehrfurcht uͤberliefe, Als wie ein praͤchtigs Kleid von schwarzem Sammet fuͤr, Das unermeßlich ist, worauf (fuͤr Edelsteine, Statt Perlen, Silber, Gold, Smaragd, Sapphir, Car- bunkeln) Jn unbeschreiblich hellem Scheine, Jn unaufhoͤrlichem Blitz, Schimmer, Glanz und Stral, Ohn’ Ende, sonder Mass’ und Zal, Nur Sonnen und Planeten funkeln. Durch solch ein unermeßlich Bild Ward ich sowol mit Freud’ als Furcht erfuͤllt. Es kam mir Anfangs fuͤr, O grosser GOtt, als ob selbst Dir Und Deiner unumschrenkten Ehre Solch Bildniß nicht unwuͤrdig waͤre. Will, dacht’ ich, nun die Menschlichkeit, Nach ihrer Weise, sich ein Bild von GOtt formiren; So scheinet durch ein solches Kleid Von ihrer Torheit sich noch etwas zu verlieren. Allein, wie groß davon auch die Gedanken seyn; Sind sie doch viel zu klein. Das Bild von einem Kleid schrenkt etwas groͤssers ein, Als der gekleidet ist: drum ist der Kleider Bild Es sey so groß es sey, bey der Unendlichkeit Der Gottheit, eben auch mit Torheit angefuͤllt. Jedennoch, weil sich unser Geist, Dem Dem endlichen nur Stuffen-weis’ entreisst; Mag solch ein herrlich Kleid von uns’rer Gottheit Schein Zum voͤlligen Begriff die erste Staffel seyn. Nachhero fiel mir ein, Jn welcher herrlichen und stillen Majestaͤt Der Mond mit seinem Silber-Schein Seit so viel tausend Jahren geht; Mit welchem Gleich-Gewichte Er sich unwandelbar in wandelbarem Lichte Mit uns’rer Erd’ uͤm uns’re Erde dreht. Erweg’ es, liebster Mensch! ach unterscheide dich Doch einmal von dem Vieh! Ein Kreis, der Tag und Nacht, (Jndeß daß alles dieß, was leb’t, bald schlaͤf’t, bald wacht,) Nicht eins, nicht hundert Jahr, viel tausend, ordentlich, Ohn daß er einmal stockt, ohn daß er einmal irrt, Beweg’t und fort geschoben wird, Zeigt, sag’ ich, solch ein Kreis nicht eine Wunder-Macht, Ein unergruͤndlich Meer der Weisheit, Lieb’ und Guͤte Von einem Wesen an, Das nimmermehr ein menschliches Gemuͤte, Ja aller Engel Witz nicht g’nug, verehren kann? Ach denke ferner nach, wie auf dieselbe Weise Viel tausend Millionen Kreise Von groͤssern Sonnen, groͤssern Erden Durch Dessen maͤchtige Gewalt nicht nur beweg’t, Erhalten auch, und auch regieret werden! Ach lasst uns kuͤnftig doch die Werke der Natur Die GOttes Werke sind, nicht wie vorhin verachten! Ach lasset uns zugleich in ihnen doch die Spur, Auf welcher man sich selbst zum Schoͤpfer naht, betrachten! Wie viele Menschen sehn des Mondes Prangen! Die meisten aber denken nicht, Daß er sein angenemes Licht Bloß von dem Sonnen-Licht’ empfangen! J 5 So So sehen viel’ auch uns’rer Sonne Schein, Von denen kaum der Hunderte gedenket, Daß GOtt, der Sonnen Sonn’, allein Der Sonne Waͤrm’ und Licht geschenket. Noch denkt von diesen wieder kaum Ein einziger, der Sterne schauet, Daß GOtt der Himmel Himmel Raum Unendlich tief und weit gebauet, Und daß in dieses Abgrunds Ferne Die Jrrstern’ und die festen Sterne Durchaus nicht, wie sie scheinen, klein, Nein, lauter Welt und Sonnen, seyn. Allgegenwaͤrt’ger Schoͤpfer, lenke, Ach lenke meinen Sinn Durch Deine Gnade doch dahin, Daß ich an Deine Groͤss’ und Allmacht oft ge- denke! Wir- Wirkung der Sonne. J ch sahe juͤngst verwundernd an, Wie sehr das helle Sonnen-Licht Jedweden Gegenwurf veraͤndern kann, Da etwas, so Pech schwarz, noch weisser ward, als weiß. Es schrieb ein Mensch mit grossem Fleiß Bestaͤndig vor sich weg, und zwar so, daß auf ihn Die Sonne von der Seite schien: Wodurch ihr Stral Jhm allemal Auf seine feucht- und neu-gezog’nen Lettern fiel. Hiedurch nun druckte sich ein weisser Schein Den schwarzen Lettern ein. Es schien selbst das Papier, das fast so weiß wie Schnee, Bey solchem Schimmer schwarz zu seyn. Jndem ich dieß Verwund’rungs-voll erseh; Gedenk’ ich, voll Zufriedenheit: Die Sonne der Gerechtigkeit Kann, will und wird auch in den schwaͤrz’sten Suͤnden- Schriften, Wenn sie von Thraͤnen feucht, ein gleiches stiften. Kleine Kleine Anrede der Kinder bey den vier Zeiten-Mahlzeiten. L iebsten Gaͤste, seyd willkommen, Die ihr euch, nebst uns allhier, Auch des Fruͤhlings Sommers Herbstes Winters Schmuck und Zier Zu betrachten vorgenommen! Braucht heut bey der bunten weissen Pracht, Dem zum Ruhm, Der alles macht, Ein vernuͤnftiges Gesichte! Lasset euch des Fruͤhlings Sommers Herbstes Winters Fruͤchte Und die wenigen Gerichte, Wie sie euch gegoͤnn’t sind, schmecken! Werdet ihr der Gottheit Stral Jn den Creaturen fassen; Wird euch GOtt noch manches mal Diese Lust erleben lassen. Fruͤh- Fruͤhlings- Cantata. Die Arien dieser und der folgenden zwo Canta ten sind zwar bereits im vorigen Theile dieses Werks hin und wieder zu finden; Weil aber der Welt-beruͤhmte Virtuose, Herr Hendel, dieselben auf eine ganz besondere Ahrt in die Music gesetzet: so hat der Herr Verfasser fuͤr gut gefun- den, durch neue dazu verfertigte Recitative sie saͤmtlich in dreyen Cantat en zusammen zu bringen. T irsander sahe juͤngst im bunt-bebluͤhmten Lenzen, Durch holde Wiederkunft der reinen Sonnen-Gluht, Die Erde, Luft und Flut, und alles herrlich glaͤnzen: Es klopft’ und wallet’ ihm daruͤber Herz und Blut Vor Lust und heisser Dank-Begierde. Jtzt ruͤhret ihn der Erden gruͤne Pracht, Bald reizet ihn der hellen Wolken Zierde, Bald ward er von dem Glanz der Flut recht angelacht. Er ließ demnach, dem grossen All zu Ehren, Ein froͤhlich Lied von allen dreyen hoͤren, Und zwar ward das bebluͤhmte Feld Zuerst, wie folget, fuͤrgestellt: ARIA . Vor uns’rer Felder Schmuck erroͤten Selbst Babylonische Tapeten, Die eine kluge Nadel stickt. Ein gruͤner Sammt mit Gold verbraͤmet, Mit Perlen und Rubin besaͤmet, Wird, durch den Glanz, der uns’re Wiesen schmuͤckt, Wie Glas durch Diamant, beschaͤmet. Er Er sah hierauf an roter Wolken Spitzen Ein buntes Licht im hellen Schimmer blitzen: Er sah an unterschied’nen Stellen Ein lieblich Feuer-Meer voll kleiner guͤld’ner Wellen. Nichts war an den Sapphir’nen Hoͤhen Als Silber und als Gold zu sehen. Der Schimmer, welcher ihm durchs Aug’ ins Herze drang, Macht, daß er ihn, wie folgt, besang: ARIA . Die ihr aus dunkeln Gruͤften Den eiteln Mammon grab’t, Seht, was ihr hier in Luͤften Fuͤr reiche Schaͤtze hab’t! Sprecht nicht: Es ist nur Farb’ und Schein; Man zehlt und schliesst es nicht im Kasten ein! 2. Des fein’sten Goldes Schimmer, Des rein’sten Silbers Pracht Ersaͤttiget euch nimmer. Drum nem’t dieß Gold in acht! Denn wer sich dieses Schimmers freu’t, Den kroͤn’t dereinst das Gold der Seligkeit. Nachhero fiel ihm ins Gesicht, Wie schoͤn das helle Sonnen-Licht Die reine Flut bestral’te, Und wie der Erden Pracht, zusamt des Himmels Zier, Sich in derselbigen so Wunder-wuͤrdig mal’te. Hieruͤber bracht’ er dieß zu GOttes Ruhm herfuͤr: ARIA. ARIA . Das zitternde Glaͤnzen der spielenden Wellen Versilbert das Ufer, beperlet den Strand. Die rauschenden Fluͤsse, die sprudelnden Quellen Bereichern, befeuchten, erfrischen das Land, Und machen in tausend vergnuͤglichen Faͤllen Die Guͤte des herrlichen Schoͤpfers bekannt. Wie er dieß alles nun noch einmal uͤbersah, Da waren ihm die Freuden-Thraͤnen nah’, Jndem er in der Pracht, die alle Coͤrper schmuͤckte, Ein etwas, welches mehr als coͤrperlich, erblickte. Jhn daucht’, als wenn er Schoͤnheit und Verstand Jn einem jeden Vorwurf fand, So daß es ihn recht inniglich ergetzt’. Hieruͤber sang er noch zuletzt: ARIA . Meine Sele hoͤr’t im Sehen, Wie, den Schoͤpfer zu erhoͤhen, Alles jauchzet, alles lacht. Hoͤret nur! Des bebluͤhmten Fruͤhlings Pracht Jst die Sprache der Natur, Die sie deutlich durchs Gesicht Allenthalben mit uns spricht. Zweyte Zweyte Cantata. M it einem aufgeweckt- und froͤhlichen Gemuͤte Sah Belisander juͤngst die weisse Bluͤhte Verschied’ner Baͤum’ im Lenzen an. Er setzte sich in ihren Schatten nieder, Und sang dem GOtt, der aller Schoͤnheit Pracht So wunderbar hervor gebracht, Voll Ehrfurcht, Dank- und Freuden-Lieder. ARIOSO . Jch seh’ anitzo wunderschoͤn Auf manchem schwanken Ast, Auf so viel hundert Zweigen Viel tausend weisse Bluhmen stehn, Die sich, nebst ihrer suͤssen Last, Vom Zephir sanft beweg’t, sanft auf- und nieder beugen. Sie gleichen, da sie uns, zusamt der Luft, erfrischen, Beweglich-wallenden Schnee-weissen Feder- Buͤschen. Er sah mit Lust ihr sanftes Wallen, Zuweilen aber auch durch stetiges Bewegen Ein grosses Heer herunter fallen. Ach! rief er, welch ein holder Regen, Der Der mich bedecket, doch nicht netzet, Der mein Gesicht, Gefuͤl und den Geruch ergetzet. ARIA. Suͤsser Bluhmen Ambra-Flocken, Euer Silber soll mich locken Dem zum Ruhm, Der euch gemacht. Da ihr fallt, will ich mich schwingen Himmel-waͤrts, und Den besingen, Der die Welt hervor gebracht. Er ging hierauf ein wenig weiter fort, Und kam an einen Ort, Woselbst in einem roten Schein Schon eine fruͤhe Rose bluͤhte. Der holde Glanz, der auf den Blaͤttern gluͤh’te, Nam nebst der Seltenheit ihm Herz und Sinnen ein. Er brach von diesem Busch, um sie recht zu besehn, Ein’ off’ne Rose fertig ab, Und fand, als er darauf recht Achtung gab, Daß auf den Blaͤttern, wunderschoͤn Statt einer, viele Farben stehn, Und daß, was auf den aͤussern Blaͤttern gluͤhet, Jn einer blaulich-weiß- und roͤtlich-klaren Pracht Fast einer Fleisch-Farb’ aͤhnlich siehet. Hiedurch geruͤhrt und gleichsam angelacht Ward er zu folgenden Betrachtungen gebracht: ARIA. Wenn man schoͤne Wangen siehet, Und von Lieb’ entzuͤndet gluͤhet; Spricht man: wie die Rose bluͤhet, Also bluͤhet dieß Gesicht. II. Theil. K Gibt Gibt man also zu verstehen, Daß auf Erden nichts so schoͤn, Und dennoch sie anzusehen, Um den Schoͤpfer zu erhoͤh’n, Wuͤrdigt man die Rose nicht. Ein Auge, das den Schmuck der Rosen siehet, fuͤlet Solch einen suͤssen Reiz, das Herz so suͤsse Gluht, Als wenn ein schoͤnes Blut Durch eine zarte Haut Der Rosin-farb’nen Jugend spielet, Und man auf Armen, Brust und um den Mund und Wangen Ein frisches roͤtlich weiß in suͤsser Mischung prangen Und Lieb’ erregend glaͤnzen schaut. Mein Herz, entreisse Dich aus der Gewohnheit Schlingen, Und mache dich von ihren Banden frey! Jch will mit frohem Mut der Rosen Schmuck besingen, Daß ihres Schoͤpfers Macht durch sie verherrlicht sey. ARIA. Flammende Rose, Zierde der Erden, Glaͤnzender Gaͤrten bezaubernde Pracht! Augen, die deine Vortrefflichkeit sehen, Muͤssen, vor Anmut erstaunet, gestehen, Daß dich ein Goͤttlicher Finger gemacht. Da Capo. Drit- Dritte Cantata. D es Himmels Zier, der Erden Sel’ und Geist, Die Sonn’, aus der des Lichts und Lebens Flut, Als einer nie versieg’nen Qvelle, fleusst, Traf mit geradem Stral die Waͤlder, Feld und Matten, Erfuͤllete die Welt mit suͤsser Gluht, Macht kleine, ja fast keine, Schatten, Als Tirsis, um der Kuͤlung Lust zu finden, Bey seiner Heerd’, im Schatten einer Linden Sich, frey von eit’len Sorgen, setzte, Und bald sich an dem Busch, bald an dem Feld’, ergetzte. Das murmelnde Getoͤse, so das Vieh Mit wiederkaͤuenden, nie stillen Maͤulern machte, Schien eine sanft gedaͤmpfte Harmonie. Die stille Heerde schien, als ob sie lag und dachte. Es ließ der sanfte Laͤrm, der murmelnd gleichsam rollte, Als ob sie uns dadurch zur Lehre sagen wollte: ARIA. Kuͤnft’ger Zeiten eit’ler Kummer Stoͤr’t nicht unsern sanften Schlummer; Ehrgeiz hat uns nie besiegt. Mit dem unbesorgten Leben, Das der Schoͤpfer uns gegeben, Sind wir ruhig und vergnuͤg’t. Da Capo. Jndem er nun, so wie er pfleg’te, Noch ferner bey sich uͤberleg’te: Wie unstet doch der Mensch, wie unvergnuͤg’t sein Wille, Wie sehr vergnuͤg’t hingegen und wie stille K 2 Ein Ein Herz, das im Geschoͤpf am Schoͤpfer denket, sey; Fiel ihm, voll Andacht, folgends bey: ARIA. Hier in diesen holden Buͤschen, Wo sich Licht und Schatten mischen, Suchet sich in stiller Lust Aug’ und Herze zu erfrischen. Dann erheb’t sich aus der Brust Mein zufriedenes Gemuͤte Und lobsingt des Schoͤpfers Guͤte. So lieblich sang er dieß, daß Feld und Wald erklang, Bis ihn sein froher Mut zuletzt noch weiter brachte, Daß er in dieser Ruh’ auch an die kuͤnft’ge dachte, Und, inniglich dadurch geruͤhrt, wie folget sang: ARIA. Suͤsse Stille, sanfte Qvelle Ruhiger Gelassenheit! Selbst die Sele wird erfreu’t, Wenn ich mir, nach dieser Zeit Arbeitsamer Eitelkeit, Jene Ruh vor Augen stelle, Die uns ewig ist bereit. Da Capo. Mensch- Menschliche Unempfindlichkeit. E s fuͤl’t die Luft zur holden Fruͤhlings-Zeit Von der sich naͤhernden beflammten Sonnen- Gluht Das rege Licht voll neuer Fruchtbarkeit. Es fuͤlet ihre Kraft die feucht’ und kalte Flut: Es fuͤlet sie die Erd’, es fuͤlet’s alles das, Was sie hervor bringt, Kraut und Gras. Es fuͤlen Voͤgel, Fisch’ und Thiere, Daß sich ein neuer Trieb in ihren Adern ruͤhre. Kurz, alles fuͤlet itzt, wie alles angefuͤllt Von einer Himmels-Kraft, vom Geist des Son- nen-Lichts: Nur bloß des Schoͤpfers Ebenbild, Der Mensch, als Mensch, verspuͤr’t von allem, leider! nichts. K 3 Die Die beste Dankbarkeit. J ch seh das lieblich-gruͤne Gras, Wenn es vom Thau des Morgens naß, Als wie im bunten Feuer glimmen. Jch seh der Sonne guͤld’ne Gluht Auf reiner Baͤche glatter Flut, Als wie ein fliessend Silber, schwimmen. Durch diesen Schein, durch dieses Glaͤnzen Entreisset sich die frohe Sele Aus ihres ird’schen Coͤrpers Hoͤle, Aus den ihr sonst gewohnten Grenzen. Durch dieses Feuers bunten Schein Wird sie recht als auf einem Wagen Von Feu’r und Glanz empor getragen. Sie steigt durch die so schoͤnen Flammen Zu Dem, aus Dessen tiefem Meer Von Lieb’ und Licht so manches Heer Von Sonnen und von Welten stammen. Sie zuͤndet Jhm der Andacht Kerze, Zu Seiner Ehr’, in Ehrfurcht an, Und, weil sie sonst nichts geben kann, So gibt sie Jhm im Dank ihr Herze. Das Das Getraide. D er bunt-bebluͤhmte May war eben im Begriff, Dem warmen Junius die Herrschaft abzutreten, Als ich, um einst beym Korn den Schoͤpfer anzubeten, Mich nebst den Meinigen in einem kleinen Schiff’ An einen Ort verfuͤg’t, woselbst die fetten Felder, Rings um bekraͤnzt durch Schatten-reicher Waͤlder Erhab’nes Eichen-Laub, ein rechtes Segens-Meer Voll lieblich wallender, doch trockner Wellen Den Augen such’ten vorzustellen. Es wankt die trockne Flut gemaͤlig hin und her. Jch kann die Aeren hier vergnuͤglich wallen, Dort sich erheben, dorten fallen, Da wieder in die Hoͤhe steigen, Dort schweben, dort sich neigen, Wie Wirbel sich in Kreise drehn, Bald eine Zeitlang stille stehn, Gleich aber wiederum sich schwingen, sehn. Dieß unaufhoͤrliche, doch liebliche Gewuͤl, Wodurch das Feld recht als zu leben schien, Jst dem Gesicht’ ein angenemes Spiel. Der noch nicht reifen Halmen Gruͤn Erheb’t das Purpur-Gruͤn der Aeren, Die sonsten nicht zu unterscheiden waͤren. Und eben dieses Spiel von Schatten und vom Licht, Das sich bestaͤndig unterbricht, Sich nahet, sich entfernt, sich teilet, sich vereinet, Zu fliehen, und sich selbst zu jagen scheinet, Jst eins der lieblichsten, so wir auf Erden finden. Ein sonst unachtsam Auge kann, Es anzusehn, sich nicht entbrechen, K 4 Und, Und (welches viel) man hoͤret jedermann, Der diese Schoͤnheit sieht, davon mit Freuden sprechen. Jch brach, sie zu besehn, auch ein paar Aeren ab, Wovon mir jegliche viel zu betrachten gab. Recht wunderbar und wol betrachtens wehrt Sind nicht die langen nur, nein auch die kurzen Spitzen, Die um die langen Halme sitzen, Durch deren Schaͤrfe sie sich selbst beschuͤtzen, Daß weder Wurm noch Raupe sie versehrt. Unglaublich ist’s, wie ungemein Voll Zaͤsern, wie so klein, So daß sie fast unsichtbar, diese seyn. Man neme sich die Muͤh, Beschaue sie Durch ein Vergroͤss’rungs-Glas, so wird man Wunder sehn, Daß jede Spitz’, als wenn es eine Aere Mit allen ihren Teilen waͤre, Recht wunderwuͤrdig scheint. Was Anfangs gruͤn, Wird allgemaͤlig grau. So Blat als Halm wird gelblich, und die Aeren, Woran ich, wenn sie bluͤhn, Mit aufmerksam- und froͤhlichem Gemuͤte, Nebst der beweglichen fast ungeformten Bluͤhte, Ein lieblich Purpur schau, Vermehren Die Anmut des Gesichts, indem die platten Spitzen, Dem Ansehn nach, geflocht’nen Litzen Von purpurner von gruͤn- und grauer Seide Natuͤrlich zu vergleichen stehn. Nachdem ich dieß mit vieler Freude Bewundernd angesehn; Ward meine Lust noch mehr gehaͤuft, Als ich auf andern Feldern, Woselbst Woselbst das Korn schon etwas mehr gereift, Von nah geleg’nen Waͤldern Jn vielen Buͤschen hie und da Ein Ueberbleibsel sah. Man sieht viel Jnseln mit Vergnuͤgen Jm gruͤnen Schmuck in uns’rer Elbe liegen, Als wenn Smaragd in Silber liegt. Hier schauet man mit inniglicher Freude Jn reisem gelblichen Getreide, Das oͤfters wall’t und sich beweg’t wie Wellen Jn einem Glanz, als wenn er guͤlden waͤre, (Ach saͤhe man es stets zu seines Schoͤpfers Ehre!) Verschied’ne gruͤn- und schoͤn bebuͤschte Stellen Als Jnseln von Smaragd in einem guͤld’nen Meere. Wenn dieses Aeren-Meer nicht rauscht, nein lieblich zischt, Wird Aug’ und Ohr zugleich vergnuͤget und erfrischt. Ach GOtt, wann ich dieß sanfte Zischen hoͤre, So laß es doch, zu Deiner Ehre, Mit einem frohen Lob-Gesang, Als einem Dir beliebten Klang Und suͤsser Harmonie, mich reizen. Ach GOTT, es giebt dein Gnaden-Wille Dem menschlichen Geschlecht’ in solcher Fuͤlle Korn, Gersten, Habern, Rocken, Weizen. So viel, so mancherley Getreide Ernaͤhrt uns bloß durch Dich allein. Ach laß, o GOTT, dafuͤr, aus Gnaden, uns’re Freude Dir ein gefaͤllig Opfer seyn! K 5 Ein Ein klares Wasser. Zwey andere Gedichte vom Wasser finden sich im vorigen Theile p. 26. und p. 268. E s kann fast nichts so sehr das Herz durchs Auge laben, Ja gar auch unsern Geist erfrischen, Als ein, von angenemen Buͤschen Bewachsener, beschilster Wasser-Graben: Zumal wenn auf der glatten Flut Der Sonnen-Stralen guͤld’ne Gluht Auf seiner Flaͤch’ in dunkler Klarheit ruht. So herrlich stral’t so dann der Glanz, daß unser’ Augen Vor Klarheit ihn kaum anzusehen taugen. Wenn aber hie und da des Schilfes gruͤne Spitzen, (Die oͤfters, wie wir es mit Freuden sehn, Recht mitten in dem Schimmer stehn,) Uns vor dem Gegenschlag von dem zu hellen Blitzen Durch ihre gruͤne Farbe schuͤtzen, Und uns so gar die Augen dadurch staͤrken; So kann man, wie die Gluht und Flut so suͤß vormischt, Auf unterschied’nen Stellen merken. Wie werden wir zugleich entzuͤndet und erfrischt, Wenn auf dem Wasser selbst das Bild der Sonne schwimmet? Wie lieblich funkelt es, wie stral’t und glaͤnzt es nicht, Wenn kleiner Blitze glaͤnzend Licht, Das sich am Fuß von jedem Schilfe bricht, Am Fuß von jedem Schilfe glimmet, Der mitten aus der Flut die gruͤnen Stengel strecket, Und dessen junges Blat der Stral, der ihn durchdringet, Jn einer gelblichen, anmut’gen Farb’ entdecket! Aus dieser Schoͤnheit nun entspringet Noch eine neue Schoͤnheit wieder, Da in der Flut, die wie ein Glas so glatt, Das Bild von einem jeden Blat Jn reiner Klarheit nieder, Und Und zwar so deutlich, faͤllt, Daß es gedoppelt schoͤn sich uns vor Augen stellt. Auf runder Binsen glatten Spitzen Sieht man zugleich manch kleines Lichtgen blitzen. Wenn nun ihr schwankes Laub, vom Zephir sanft erreget, Sich hin und her beweget; Vermehrt sich in der Sonnen Stral Die Schoͤnheit noch einmal, Jndem von jedem Kraut’ ein Schatten-Kraut gebildet, Das sich bald senkt, bald sich erhoͤht, Und, als ihr Urbild selbst, fast nimmer stille steht. Wie lieblich zeiget sich im Spiegel, der sie traͤnkt, Der Bluhmen buntes Heer! Wie funkelt es und glaͤnzet, Zumal, wenn es bestral’t, und sich bald heb’t, bald senkt, Wie sanfte Wellen thun! Es schmuͤcket, es bekraͤnzet Das Ufer nicht allein, Wie sonst ein schoͤner Ram bey einem Malwerk thut; Es schmuͤckt so gar die klare Flut Mit einem holden Wiederschein. Zuweilen stralet in dem Gruͤnen Jn holder Schoͤnheit zwischen ihnen Das kleine Himmel-blaue Licht Der lieblichen Vergiß mein nicht, Jn welcher ich nicht nur der ird’schen Schoͤnheit Bild, Womit sie, nebst der Lehr’, im Namen angefuͤllt, Rein gar des Himmels Blau, Wenn er voll Glanz und Gluht, mit Lust und Andacht schau. Wir koͤnnen, liebste Bluhm’, in dir Die dunkel-gruͤne Zier Der Erde mit der Pracht der Sternen Verbinden lernen. Da ich in Deinem schoͤnen Kleide Ein bloͤmourant, ein sterbend Blau, Wie Wie man es nennet, schau; Gedenk’ ich zwar ans Sterben: Doch dabey Empfind’ ich eine suͤsse Freude, Jndem so Herz als Auge findet, Wie so genau und liebreich sich Mit einem sterbenden und blassen Blauen, Das wir auf deinen Blaͤttern schauen, Des Himmels schoͤnes Blau zugleich verbindet. Dort aber, wo das Wasser klar, Und nicht so stark verwachsen war, Stellt sich so gar Des hellen Firmaments Sapphir Recht deutlich als ein Spiegel dar. Man kann in diesem Bach den Himmel klaͤrlich sehn. Was Wunder, daß er wunderschoͤn? Jch sah der Erden Gruͤn, ich sah des Himmels Blau Und, samt der Sonnen Gold, der Wolken Silber-glaͤnzen Auf der sonst dunklen Flut so engen Grenzen So wunderbarlich sich vereinen, Und sie bald auf einmal, bald Wechsel-weis’ erscheinen. Ein dunkel-gruͤner Wiederschein, Der von beschatteten erhab’nen Baͤumen Den Ursprung nam, Und auf der klaren Flut durchsicht’ger Flaͤche schwamm, Dient dort des niedern Schilfs, das an dem Ufer stunde, Licht-gruͤnem Schein zu einem schoͤnen Grunde, Worauf sein lichtes Gruͤn noch einst so rein, so klar, Und fast so deutlich gar, Als wie das Urbild, war. So kraͤftig war im Wiederschein das Gruͤn, Daß es an manchen Orten schien, Ob naͤmen an dem Fuß von Schilf und Binsen (War (War gleich nicht eine da) viel gruͤne Wasser-Linsen Des Wassers Flaͤche wuͤrklich ein; Recht leiblich schien der Schein zu seyn. Nicht weit davon formir’t ein praͤchtiges Gebaͤude, So gleichfals auf der Flut im Wiederschein zu sehen, Uns eine neue Augen-Weide. Kaum aber daß die Flut sich nur ein wenig reget: Daß sich der Schein zugleich mit hin und her beweget. Hieruͤber schien mir dieser Schein, Da ich ihn recht besah, ein lehrend Bild zu seyn. Gleichwie das Wasser-Haus so wackelhaftig laͤsst; So ist sein Urbild selbst vergaͤnglich und nicht fest. Noch mehr. Das Wasser scheint bis auf den Grund erfuͤllt. Des Hauses wiederscheinend Bild Laͤsst recht, als ob sich’s in die Tiefe senket. Wenn man es aber recht bedenket, So findet sich, daß es ein blosser Schein, Daß er sich gar nicht tief ins Wasser strecket, Nein, daß er nur allein Den aͤussern Teil der Flaͤche decket. Ach! daß das menschliche Gesicht Viel anders, als dieß Wasser, nicht Die Schoͤnheit der Natur Jm Wasser seiner Augen spuͤret, Jndem der herrlichen Geschoͤpfe Schoͤnheit nur Sich oben auf der Flaͤch’, ins Hirn sich niemals, senket, Daher uns kein Vergnuͤgen ruͤhret, Weil man nicht einst daran gedenket. Noch Noch einige Betrachtungen des klaren Wassers. M ein Geist wird durch das Aug’ erfrischt, ja fast ge- traͤnket, Wenn er den Blick auf die bestral’te Flut, Und auch zugleich auf die so nahe Gluht, Die auf dem glatten Wasser schwimmet, Wodurch es gleichsam gluͤht und glimmet, Vor Anmut halb geblendet, lenket. Ach sehet doch, wie dort An dem sowol als diesem Ort Der Wasser-Liljen Gold und Silber wiederscheinet, So deutlich, daß man oͤfters meynet, Ob waͤren sicherlich Die wahren Bluhmen unter sich, Die Stengel uͤber sich, gekehret: Wodurch des Ortes Pracht und Anmut sich noch mehret. Denn die so glatt’ als gruͤn’ und klare Dunkelheit Wird dort auf einer andern Stelle Mit neuer Lieblichkeit, Von abgefall’ner Bluͤhte helle. Ein breiter Apfel-Baum Beschattet einen grossen Raum, Und laͤsst auf dieser Flut Krystallen Sein deutlichs Bild im Schatten fallen. Den Schatten-Baum sah ich mit innigem Behagen, So wie sein Uhrbild selbst, auch wahre Bluͤhte tragen, Als weisse Blaͤtterchen auf schwarzen Zweigen lagen. Das Das allerreinste Spiegel-Glas Stellt wahrlich nicht so deutlich und so klar Die Vorwuͤrf’ unsern Augen dar, Als hier und dort dieß stille Naß. Die Augen sehn darauf nicht nur So manche liebliche Figur Von Meer-Gras, Schilf und Binsen, Von Wasser-Liljen, Wasser-Linsen; Sie sehn nicht nur die Flut mit so viel schoͤnen Bildern, Teils silbernen, teils guͤld’nen Bluͤhmchen, sich Mit ungezaͤl’ten Farben schildern; Sie sehn zugleich recht eigentlich, Was in der klaren Flut fuͤr manche Schoͤnheit stecket, Die uns der Sonnen Stral entdecket, Ob sie gleich tief auf ihrem Boden ruht. Sie sehn mit innigem Vergnuͤgen, Wie bald auf sandigtem, bald auf bewachs’nem Grunde Manch Wasser-Kraut mehr schwamm als stunde, Und wie das Sonnen-Licht So roͤtlich sich in diesem Wasser bricht. Sie sehn bald glatt’ und bunte Steinchen liegen, Bald einen blauen Schwarm geschwinder Fische schweben, Bald einen gruͤnen Frosch mit langen bunten Beinen, Die er wie Ruder braucht, erscheinen, Und seinen feuchten Kopf sanft aus dem Wasser heben, Da er die grossen Augen dann Weit von einander spaͤrrt, vermutlich das, was schoͤn, So viel er immer sehen kann, Nur desto besser anzusehn. Wie Wie ich denn wuͤrklich einst mit seiner kleinen Hand Von seinem Aug’ ihn etwas wischen sah. Ach, dacht’ ich, da auch uns so manche Schoͤnheit nah, Ach taugte doch ein Frosch uns anzufrischen, Auch so, wie er die Augen auszuwischen! Ach laß, geliebter Mensch, des Wassers klares Naß, Wie es ein Spiegel ist von GOttes Werken, Worin wir ihren Glanz gedoppelt merken; Zur Staͤrkung des Gesichts ein reines Brillen-Glas, Um GOttes Wunder auf der Erden Viel deutlicher zu schauen, seyn! Ja laß es, um so gar den sonst verborg’nen Schein Der Gottheit selbst zu sehn, ein Perspectiv dir werden! Die Die Elbe. W ie angenem, wie glatt, wie praͤchtig und wie schoͤn Jst diese rege Last der Fluten anzusehn! So dacht’ ich, als ich juͤngst an uns’rer Elbe stand, Und, da ich deren Breit’ und Tiefe Jm Geist’ erwog, mit Blicken uͤberliefe, Darin, zu GOttes Ruhm, was Wunder-wuͤrdigs fand. Es waren mir die Thraͤnen nah, Als ich, zu unserm Nutz, Vergnuͤgen und Erspriessen, Den grossen Wasser-Coͤrper sah So sanft, so Majestaͤtisch fliessen. O GOtt, fing ich, hiedurch geruͤhrt, vor Freuden an, O GOtt, aus Dem so gar das Meer Als wie ein Baͤchlein qvillt, unendlichs ewigs All; Es stroͤm’t der fliessende Krystall Nur bloß durch Dich so sanft daher. Bewunderns-wuͤrdig ist dem Geist’ und dem Gesichte Des Wassers Coͤrper und Gewichte. Bewunderns-wuͤrdig ist des Flusses Laͤnge, Der mehr als hundert Meilen lang. Bewunderns-wuͤrdig ist sein Gang. Der Tropfen Meng’ ist zwar, allein der Wunder Menge Noch mehr Erstaunens-wehrt. Der feuchten Fluͤssigkeit Uns traͤnkende Beschaffenheit; Die ungezaͤl’te Zal von Fischen, die uns naͤhrt; Die fette Fruchtbarkeit, die er den Laͤndern schenket, Durch die er seine Fluten lenket; Die Schiffahrt, die so viele Masten, Und mit denselbigen der Waren schwere Lasten, Bald zu, bald aus der Nord-See traͤg’t, Verdient absonderlich, daß man es recht erwaͤg’t, II. Theil. L Da Da GOtt noch uͤberdem in dieser reichen Flut Besond’re Wunder an uns thut. Sie fliess’t nicht nur vorbey; sie kehrt auch wieder. Sie fuͤhrt nicht nur von oben her Der Laͤnder Mark zu uns hernieder; Sie wendet wunderbar den Lauf, Und bringet uns vom Westen aus dem Meer Gold, Silber, Most und Oel herauf. Jn jedem Tag’, in jeder Nacht Wird zweymal diese Segens-Flut, Und mit derselbigen so vieles Kaufmanns-Gut Von Hamburg weggefloͤss’t, nach Hamburg hergebracht. Koͤmmt sonst verschied’nen Weisen fuͤr, Es sey die Flut Ein Saft der Welt, der Erde Blut; So kommt die Elbe mir, Vornemlich auch in uns’rer Stadt Canaͤlen, Als Blut in Adern fuͤr. Denn wie der Adern Saft Dem Coͤrper Nahrung, Wachstum, Kraft, Gesundheit, Leben bringt; so wird der Handelschaft (Als uns’rer Stadt und uns’rer Boͤrse Selen) Kraft, Nahrung, Wachstum, Geist und Leben Durch ihr Gebluͤt, durch ihren Strom, gegeben. O reicher GOTT, Der Du in diesem Fluß, Der durch Dein Wort allein bald gehn bald kommen muß, Dein Hamburg segnest, naͤhrest, traͤnkest, Und uns so manche Fuͤll’ aus Deiner Fuͤlle schenkest; Erhalt uns diese Segens-Qvelle! Laß ihre Tief’ auf keiner Stelle Sich mindern, oder gar verseigen! Gib auch, daß man’s erkennen mag, Und laß uns keinen einz’gen Tag Von Deinem Ruhm, fuͤr solche Gnade, schweigen! GOt- GOttes Groͤsse in den Wassern. J ch habe zwar bereits vom Wasser was geschrieben; Doch ist nur gar zu viel davon noch uͤbrig blieben, Das nicht beruͤhrrt war: Drum stellt das Meer sich mir aufs neu zum Vorwurf dar, Das seines Schoͤpfers Groͤss’ in seiner Groͤsse weiset, Und Dessen Macht in jedem Tropfen preiset. Ach GOtt! unendlichs All, Du Brunqvell aller Dinge, Gib, daß ich noch einmal, was Dir gefaͤllig, singe Vom feuchten Element! Es sey, o GOtt, das Meer Ein Spiegel abermal von Deiner Groͤss’ und Ehr! Wie wunderbarlich weit, wie unbegreiflich groß, Wie unergruͤndlich tief ist doch des Meeres Schoß! Wie dunkel ist sein Schlund, wie fluͤssig und wie dichte Die rege Wasser-Welt! wie schwer ist das Gewichte Des Wasser-Coͤrpers doch! was ist dem weiten Reich Der ungemess’nen Tief’ an Weit’ und Groͤsse gleich? Mir schwindelt recht, wenn ich es uͤberdenke, Und die fast bange Sele senke Jn diesen finstern Pful, in dieses Abgrunds Gruft. Mich schreckt von dieser schwarzen Kluft Die unbegreifliche Gestalt: der Fluten Brausen Erreg’t mir, ob ichs gleich nicht hoͤr’, ein furchtbar Grausen. Wie viele Wunder-Thier’ und grosser Wallfisch’ Heere Sind in dem unbegrenzt- und Boden-losen Meere! Mit welcher drengenden Gewalt, L 2 Mit Mit welchem schrecklichen Gewuͤl, Getoͤs und Laͤrmen Muß in dem tiefen Schlund’ und dunkeln Aufenthalt Ein Wallfisch-Heer sich drehn, und durch einander schwaͤr- men: Da, wenn ein solcher Fisch aus seiner Tiefe bricht, Und, wie es, wenn er spielt, in Groͤnland oft geschicht, Mit graͤulichem Geraͤusch aus stillen Fluten steiget; Er einen schwarzen Thurm erstaun’ten Augen zeiget. Jndem ich dieß mit Ernst ermesse, Stell’t solcher Bestien fast ungemess’ne Groͤsse Sich gleichsam meinen Augen vor. Mir ist, als wenn ich recht die ungeheure Hoͤhe Von einem schwarzen Berg, der lebet, in ihm sehe; Mich deucht, ich schaue recht die weisse Wut Der durch das schreckliche Gewuͤl gepressten Flut, Mit Schaum- und Wirbel-vollen Wellen, Als waͤren es Gebuͤrge, schwellen. Mich deucht, es hoͤre recht mein schuͤchtern Ohr Mit einem innerlichen Grausen Ein wildes unertraͤglichs Brausen. Die braune Flut wird ploͤtzlich weiß, und schaͤumet; Ein grosses Teil des Meers erhebet, waͤlzet, baͤumet Sich bruͤllend in die Hoͤh’ in einem Augenblick, Und stuͤrzt mit solcher Last von oben ab zuruͤck; Daß die gepresste Flut oft ganze Meilen weit Sich reget, tobet, wall’t mit solcher Heftigkeit, Daß Cirkel, Wirbel, Schaum ein schwuͤlstiges Bewegen, So weit man sehen kann, in einem Kreis’ erregen. Wer weiß sich nun den Stand im dunk’len Reich der Wellen, Wo sie bey tausenden sich waͤlzen, vorzustellen? Wie Wie muͤssen sie den Schlamm des Abgrunds, wenn sie spielen, Mit ihrer fetten Last verwirren und zerwuͤlen? Der Zustand schreckt mich recht, den dieses Reich der Nacht Mir ins Gemuͤte praͤg’t; bald aber denk’ ich wieder Auf Den, der diese Tief’ und was sie heg’t, gemacht, Und sing’ in Demut Jhm Lob-Dank- und Freuden-Lieder: Die Wasser sehen dich, o GOtt, sie sehen Dich, Sie aͤngstigen und drengen sich. Ach hoͤr’t, wie ihren HErrn, bald still und bald mit toben, Die dunkel-grauen Tiefen loben! Voll solcher praͤchtigen Gedanken und Jdeen Von GOttes Wunder-Groͤss’ und unumschrenkter Macht Fuͤl’ ich in meiner Brust ein Andachts-Feu’r entstehen. Jch denke nicht, wie ich zuvor gedacht. Ein unbekanntes Etwas reisst Mir meinen fast erstaun’ten Geist Aus seinem Sitz’, und fuͤret meinen Sinn, O grosses All! von Deinem Wunder-Wesen Zur deutlichern Betrachtung hin, Wozu ich denn das Meer zum Spiegel auserlesen. Jch stelle mir, Unendlich grosser GOtt, dadurch aufs neu von Dir Ein unbegreiflichs Wesen fuͤr, So nebst der Welt zugleich das weite Luft-Revier An allen Orten fuͤll’t, und welches aller Meere Verborg’ne Tiefe, Dicke, Breite, Samt seiner aͤussern Flaͤch’ entsetzlich weiten Weite Auf einmal uͤbersieht: vor Dem der Wallfisch’ Heere Bald in den dunkeln Tiefen wuͤlen, L 3 Bald Bald auf der hellen Flaͤche spielen! Ein Wesen, dessen Blick die Menge Von allen Schiffen, wenn sie gleich Auf dem geschwoll’nen Wasser-Reich, So in der Breit’ als in der Laͤnge Auf wie viel tausend Meilen Entfernet von einander gehn, Zugleich sieht, wie wir eines sehn: Ein Wesen, welches hier das Meer Jn einer stillen Glaͤtte siehet, Wie solches, da die Luft von Wolken leer, Vom heitern Sonnen-Licht’ in reinem Schimmer gluͤhet, Und wie ein Spiegel glaͤnz’t: das aber auch zugleich Und in dem Augenblick das wilde Wasser-Reich An einem weit entfern’ten Ort, Woselbst der grause Nord, Daß alles brauset, heulet, bruͤllet, Die Luft mit Wasser-Bergen fuͤllet, Die, mit entsetzlich schnellem Wallen Bald schrecklich sich erhoͤh’n, bald ja so schrecklich fallen; Gleich gegenwaͤrtig schaut: ein Wesen, welches hier So wol als dorten ganz: dem aller Raum zu klein, Das aller Ewigkeiten Unendlichkeiten fuͤllt. Ein solches Wesen nun soll einzig und allein Mein GOtt, und nicht das Goͤtzen-Bild Von einem alten Greisen, seyn. Der Gottheit Groͤss’ indeß, die ich so dir als mir Und zwar am deutlichsten im weiten Schoß der Wellen Bemuͤht Bemuͤht gewesen vorzustellen, Die laß, geliebter Leser, dir Nicht seltsam und nicht fremde seyn! Du kannst so gar davon ein Beyspiel wuͤrklich sehen. Muß nicht der helle Sonnen-Schein Die Welt auf einmal uͤbergehen, Auf einmal einen Kreis, Den menschlicher Verstand nicht zu ermessen weiß, Jn unbegrenzten Luͤften fuͤllen? Erwaͤge denn um GOttes Willen, Was bildest du dir wol von einer Gottheit ein? Muß Selbe nicht vielmehr auf unerforschte Weise Weit unermeßlicher allgegenwaͤrtig seyn? Mich deucht, wie mancher hiezu spricht: Die Sonne scheinet doch den Gegen-Fuͤssern nicht. Dann, wann sie bey uns ist; so ist zwar dieses wahr: Allein, den Unterschied der Saͤtze zu geschweigen; Kann man jedoch fast Sonnen-klar Davon ein Beyspiel zeigen. Man halte nur in einen Zimmer Viel kleine Kugeln nah aus Licht; So wird zum wenigsten ein Gegen-Schimmer Vom Licht, das sich an Waͤnden bricht, Die dunk’len Seiten gleichfalls treffen. Da nun viel hundert tausend Welten Jm unermeßlichen und unbegrenzten Schein Der Gottheit, die allgegenwaͤrtig, schwimmen: Wie sollten sie denn nicht von Deren Glanze glimmen, Und nicht von Jhr bestralet seyn? Zudem heisst dein Exempel nichts, Daß Gegen-Fuͤsser nicht mit uns zu einer Zeit Die Gegenwart des Sonnen-Lichts L 4 Empfin- Empfinden und geniessen. Der Erden Dicht- und Dunkelheit Verwehret solches nur: denn ihre Stralen schiessen Viel tausend Meilen weiter fort. Wie grob wuͤrd’ uͤberdem die Meynung seyn, Als ob der ew’gen Gottheit Schein Nicht unbegreiflich herrlicher, Allgegenwaͤrtiger, durchdringender, Als wie des Sonnen-Lichts Erschaff’ner Coͤrper waͤre? Gewiß, es braͤchte dieß der Gottheit wenig Ehre, Zu glauben: als waͤr’ etwas dichts, Materialisches und Coͤrperlichs geschickt, Von einem Ort sie auszuschliessen. Ach hoͤre, Wie David dieß weit anders ausgedruͤckt, Und was davon fuͤr Wort’ aus seiner Feder fliessen: Wenn ich in den Himmel fuͤhre; grosser GOtt, so bist Du da. Bettet’ ich mich in der Hoͤlle; waͤrest Du mir gleichfalls nah. Naͤm’ ich der Auroren Fluͤgel, floͤg’ ich bis ans aͤuss’re Meer; Fuͤnde mich doch Deine Rechte, weil ich nicht verborgen waͤr. Soll aller Sonnen Sonn’ und HErr, das ew’ge Licht, Der Urstand und die Qvell von allen Dingen, Der Himmel, Erd und Meer erschaffet, wenn Er spricht, Nicht in denselben seyn, nicht alles das durchdringen, Was Er gemacht, was Er allein erhaͤlt? Dieß ist ja so gewiß, als daß das, was ich sehe, Mir in die Augen faͤllt. Jnzwischen schrecke dich und troͤste dich die Naͤhe Der Der Gottheit, welche dich umgiebet, Worin du lebest, bist und web’st, und Die dich liebet, Fuͤr welcher aber auch das Jnnerste der Selen Sich nicht vermag zu bergen, zu verhelen, Die dein Gemuͤt So deutlich, wie dein Blick was Leiblichs siehet, sieht. Da GOtt nun alles weiß, was wir gedenken; Ach daß denn dir und mir die mehr als wahre Lehre, Von GOttes Gegenwart, auch stets ein Denkmal waͤre, Um uns von Lastern abzulenken! Denn, daͤchten wir daran: auch dann, wann wir allein, Sind wir jedoch von GOtt umgeben; Unmoͤglich koͤnnten wir sodann nicht anders leben, Unmoͤglich wuͤrden wir so grobe Suͤnder seyn. Ach laß, o Grosses All, doch denen, so dieß lesen, Nebst mir, Dein wunderbar allgegenwaͤrtigs Wesen, Das uns, so wie das Meer ein Fischlein rund umschliesst, Und in die Ewigkeit unendlich sich ergiesst, Stets vor der Seelen Augen stehn! Ach laß uns, da alhier des Coͤrpers Augen Dein undurchdringlichs Licht nicht selbst zu schauen taugen, Doch Deiner Allmacht Groͤss’ in Deinen Wundern sehn! Es sey, o grosser GOtt, insonderheit das Meer Ein Prob-Stuͤck Deiner Macht, ein Spiegel Deiner Ehr’! Ach laß uns Geist und Blick auf Deine Werke lenken, Und oftermals, wie Jesaias denken: Er schilt das Meer, so flieh’ts von dannen, Daß seine graue Tiefe braus’t. Er misst die Wasser mit der Faust, Er fasst den Himmel mit der Spannen. L 5 Die Die Heerde Kuͤhe. A uf bunt beluͤhmt- und dick begras’ter Erde Erblickt’ ich juͤngst in der gehoͤrnten Heerde Ein Bild des Friedens und der Ruh’. Jch sah dem sanften Wieder-Kaͤuen, Jch hoͤret’ ihm zugleich mit Anmut zu, Und muste mich recht herzlich druͤber freuen. Wie lieblich laͤsst es nicht, Wenn sie mit halben teils, teils ganz geschloss’nen Augen Den noch verhand’nen Saft voll sanfter Wollust saugen, Mit den beweglichen behar’ten Ohren spielen, Und mit dem schlanken Schweif, so bald sie Fliegen fuͤlen, Um sie, zusamt dem Schwarm der Muͤcken, zu verjagen, Mit regen Kreisen stets die glatten Seiten schlagen. Der Farben Unterschied vergnuͤget das Gesicht. Wie angenem, wie lieblich laͤsst es nicht, Wenn man an dieser hier Ein glattes Schwarz, an der ein gluͤhend Rot, erblicket, Wenn eine blaͤulich graue Haut, Dort eine Kuh, und sie die Wiese schmuͤcket. Absonderlich wird nicht ohn’Anmut angeschaut, Wenn schwarze bald, bald rote Flecken Von mancher weissen Kuh die hell-bestral’ten Seiten Mit mancherley Figuren decken. Recht herrlich glaͤnzen die, so scheckigt sind, von weiten. Die schoͤn gehoͤrnte Stirn ist an den meisten weiß, Wobey das schwarze Maul in seiner feuchten Glaͤtte Gar Gar oft, als ob man es mit Fleiß Mit Leib-Farb’ uͤberstrichen haͤtte, Recht artig anzusehn. Wenn sie das frische Gras Mit scharfen Zungen maͤh’n; Erreget jeder Biß ein knarschendes Getoͤn. Jn ihren halb-geschloss’nen Augen scheint Die Sanftmut mit der Ruh vereint, Gelassen, unbesorgt, und recht vergnuͤg’t zu wohnen. Ach daß man euch mit ruhigem Gemuͤt Nicht oft zu unsrer Lehr’ in solcher Stellung sieht! Mit hin und her beweg’ten Kiefern stunden Verschied’ne glatte Kuͤh’ unangebunden, Und liessen aus der vollen Eiter Zitzen Die fette Milch zu uns’rer Nahrung spritzen. Liebstes Vieh, da ich hier stehe, Und, wie man dich melket, sehe; Faͤllt mir bey, Auf was Weis’ es moͤglich sey, Daß in dir das Gras fuͤr mich Auf so wundersame Weise So zum Trank als auch zur Speise Zubereitet werd’, und sich, Als in lebendigen Oefen, gleichsam selber distillire. Sprich nun, Mensch, ob in der That Dem, Der es geordnet hat, Nicht unendlich Lob gebuͤhre! Der Der wilde Rosen-Strauch. J ch sah von ungefehr Juͤngst einen Rosen-Strauch, der wild, Und welcher rings umher erfuͤllt Mit einem ganzen Bluhmen-Heer, Auf vier und zwanzig Fuß hoch in die Hoͤhe steigen Recht mitten zwischen Erlen-Zweigen, Die ihn bisher mit Laub und Schatten Bedecket und verstecket hatten; Und eben diese Dunkelheit Erhub der Farben Schmuck, der Bildung Zierlichkeit So sehr, daß ich zuerst recht stutzte, stehen blieb, Und als ich sie, wie sie so wunderschoͤn, Hatt’ eine Zeitlang angesehn; Dieß voll Vergnuͤgen nieder schrieb: Bewund’rungs-wehrter Strauch, wo kommst du her? Wer setzte, pflanzt’ und pfleg’te dich? Er kam von ungefehr, wird mancher sprechen. Jch aber kann mich, hier zu sagen, nicht entbrechen: Dieß Ungefehr ist nicht von ungefehr. Jch kann aufs wenigste nicht anders denken, Als daß die spielende Natur Beschlossen, dich hier einzusenken, Damit an deiner Pracht, An deiner selt’nen Hoͤhe Ein frommes Auge GOttes Macht Voll Lust und mit Verwund’rung sehe. Es Es bluͤht an dir jedwede Bluhme, Der so viel tausend sind, zu Deines Schoͤpfers Ruhme. Jhr roͤtlich weiß, das wie ein Licht Der Blaͤtter gruͤne Nacht durchbricht, Ergetzet mein geruͤhrt Gesicht. Es scheinet recht, als ob in einer gruͤnen Hoͤhe Man ird’sche Sterne schimmern saͤhe. Wie ist das blosse Laub so nett, so niedlich! Sein oben blaͤulich gruͤn und unten weißlich Blat, Das zierlich eingekerbt, ist zart und glatt, Und von dem Erlen-Laub an Farben ganz verschiedlich, Sowol als an Gestalt, und von besond’rer Ahrt. Die Bluhme selbst ist aus der Massen zart. Jhr roͤtlich-weisses fuͤnf-fach Blat, Das die Figur von einem Herzen hat, Vergnuͤg’t’ und ruͤhrte mir mein Herz, und diese Freude, Die aus so holder Augen-Weide Den schoͤnen Ursprung nam, War Ursach, daß ich gleich auf die Gedanken kam: Da GOtt uns auf so manche Weise Durch Sein Geschoͤpf ergetzt; Wie daß man es dem Geber denn zum Preise Nicht achtet und nicht hoͤher schaͤtzt, Wann hier in weiß und rot der Blaͤtter Herzen bluͤhen! Auf! lasset uns denn auch uns doch mit Ernst bemuͤhen, Damit auch unser Herz, in weiss- und roter Gluht Der Unschuld und der Andacht, brenne, Und so, bey einem frohen Mut, Dem grossen GOtt gefallen koͤnne! Der Der Regen. Siehe ein Gedicht hievon im vorigen Theile p. 196. 1. H Err, du Geber alles Guten, Der der Luͤfte weiten Kreis Mit so Nahrungs-reichen Fluten Wunderbar zu fuͤllen weiß; GOtt! ich bin, wenn ichs bedenke, Daß der durst’gen Welt Getraͤnke Aus so weiten Hoͤhen qvillt, Recht mit Andacht angefuͤllt. 2. Wann das, durch des Sommers Blitze, Und durch strengen schwuͤlen Brand Einer langen Sonnen-Hitze Aufgeborst’ne duͤrre Land Nichts zeigt, als versieg’ne Baͤche, Nichts als eine graue Flaͤche, Nichts zeigt, als versengtes Laub, Nichts, als heissen Sand und Staub. 3. Und ein laͤngst gewuͤnschter Regen, Der sodann von oben faͤllt, Fuͤllt mit sicht- und fuͤhlbar’n Segen Die fast halb verbrannte Welt, Die Die er netzt, erfrischt und kuͤlet, Daß man’s siehet, hoͤr’t und fuͤlet; Zeiget dieß nicht Sonnen-klar, Wie Du, GOtt, so wunderbar? 4. Tropfen, die erst oben schweben, Machen durch ihr fruchtbar Naß, Daß die Erden-Kloͤsse kleben, Und daß Baͤume, Stauden, Gras, Huͤlsen-Fruͤchte, Kraut und Aeren Sich erst, dann uns Menschen naͤhren. Wunderbarlich, wie man spuͤr’t, Wird das Naß uns zugefuͤhrt. 5. Wie ein Gaͤrtner seinen Garten, Wenn es trocken ist und heiß, Mit dem Giessen wol zu warten, Und so sanft zu netzen weiß; Also daucht mich, daß es gehe, Wann ich mit Vergnuͤgen sehe, Da der Regen abwaͤrts fliesst, Daß der grosse Gaͤrtner giesst. 6. Einst hab’ ich beym Sonnen-Scheine Solchen Regen angesehn, Da die schoͤn’sten Edelsteine Nicht so rein, so bunt, so schoͤn, Als Als die grossen Tropfen spielten, Die der Sonnen Eindruck fuͤl’ten, Ach! rief ich, wie viel seyd ihr Besser, als der Steine Zier! 7. Wenn ihr all’ Juwelen waͤret, Jeder Tropf ein Diamant; Blieb’ erbaͤrmiglich verheeret Das vorhin versengte Land. Eure Fluͤssigkeit und Naͤsse Traͤnk’t sie: folglich ist die Groͤsse Eures Wehrts viel herrlicher, Als ein ganz Juwelen-Heer. 8. Aller hohen Baͤume Blaͤtter, Aller Buͤsche gruͤnes Laub Werden nicht im feuchten Wetter Nur gereiniget vom Staub, Nein, man sieht auf ihren Kraͤnzen Einen klaren Firniß glaͤnzen, Wodurch denn das Gruͤn, so schoͤn, Noch viel schoͤner anzusehn. 9. Harte Coͤrper, Holz und Steine Werden glatt, so bald sie feucht, Wodurch sich mit einem Scheine Alles gleichsam uͤberzeucht. Hierin, Hierin, recht als in Krystallen, Sieht man viele Bilder fallen, Wenn zumal des Himmels Licht Sich drin als im Spiegel bricht. 10. Oefters sieht man mit Ergetzen Durch ein feuchtes Scheiben-Glas, Dran sich kleine Tropfen setzen, Das erfrischte Laub und Gras. Dann sind Wiesen, Buͤsche, Felder, Gaͤrten, Berge, Taͤler, Waͤlder Jn der Tropfen klaren Hoͤh’n, Wunderbar verklein’t, zu sehn. 11. Auch wird unser Ohr ergetzet, Durch des Regens Fall und Schall, Wenn er hole Daͤcher netzet, Und die Rinnen uͤberall, Kleinen Baͤchen gleich, mit Haufen Voller Wasser uͤberlaufen: Hiedurch wird die Luft beweg’t, Und ein suͤsser Ton erreg’t. 12. Rauschen, zischen, klatschen, sausen Mischen sich, und dieß Getoͤn II. Theil. M Zeugt Zeugt ein angenemes Brausen, Klinget unsern Ohren schoͤn: Ja es kommt, wenn wirs erwegen, Da man trocken sitzt, der Regen Und sein Schall nicht nur dem Ohr, Sondern uns ganz, lieblich vor. 13. Sonderlich im Regenwetter Fuͤlet man an Haupt und Brust, Wenn man aufgerollte Blaͤtter Vom Tabac braucht, eine Lust. Denn wann sich aus unsern Pfeifen Kleine Wolken-Creyse haͤufen, Und man warmen Nebel schaut, Schauret uns fuͤr Lust die Haut. 14. Kurz, der Luͤfte Saft, der Regen, Womit GOtt die Erde traͤnkt, Jst nicht nur voll Kraft und Segen, Sondern, wenn man’s recht bedenkt, Dient es uns zu mancher Freude, Mancher Lust und Augen-Weide. Denn selbst aus der truͤben Zeit Stammet eine Froͤhlichkeit. 15. Sey 15. Sey denn, Geber aller Gaben, Tausendmal dafuͤr gepreis’t, Daß durch Dich wir Regen haben, Der uns nicht nur traͤnkt, auch speis’t, Ja an welchem alle Sinnen Mannichfalt’ge Lust gewinnen! Gieb, so oft ich regen seh’, HErr, daß Dir’s zum Ruhm gescheh’! M 2 Die Die himmlische Schrift. J hr Sonnen, die ihr ohne Zal Jm unergruͤndlichen unendlich-weiten Thal Des holen Firmamentes stehet: Jhr Welte, die ihr euch um diese Sonnen drehet, Die voller Waͤrm und Licht, voll Stralen, Glanz und Gluht; Es soll von euch mein fast entzuͤckter Mut Ein Andachts-volles Lied, ein Ehr-erbietigs singen Dem Grossen All zum Opfer bringen. Jch fuͤle, daß mein angeflammter Geist Dem gross- und kleinen Kreis der Erde sich entreisst, Zugleich sich in die Tief’ ohn’ End’ und Anfang neiget, Zugleich auch in die Hoͤh’ ohn’ End’ und Graͤnzen steiget. Ein feur’ger Andachts-Trieb Versetzt mich in die Ewigkeit. Mein denkend Wesen breitet sich Jn’s ungemess’ne Sternen-Haus, Vor Ehrfurcht stumm, vor Lust erstaunet, aus. Da ich anitzt die allertiefste Hoͤhe, Den unbegrenzten Raum des holen Himmels, sehe, Die Weite sonder Ziel, die GOtt allein erfuͤllet, Wo Sein unendlich ewig Kleid, Geweb’t aus Licht und Dunkelheit, Sein Wesen zeiget und verhuͤllet; So stellet dieser Raum recht sichtbar, hell und klar Nicht unserm Geiste nur, den Augen selber, dar Selbst die Unendlichkeit, Jn Jn deren Tiefe Licht und Dunkel sich vereinet, Die sonder Farbe blau, dicht sonder Coͤrper, scheinet. Vor ungeheurer Tiefe laͤsst Die ungeheure Tief’, als waͤre sie nicht tief: Es schein’t der leere Raum, als waͤr’ er voll und fest, Da doch in diesen holen Gruͤnden, Wenn gleich ein schneller Blick bestaͤndig vor sich lief’, Jn Ewigkeit kein Ziel, kein Grund, zu finden: Und dennoch koͤnnen wir so ungemess’ne Hoͤhen Mit unsern kleinen Augen sehen. O Wunder, das kein Mensch begreifen Und keine Klugheit fassen kann! O Wunder-Werk, worin sich alle Wunder haͤusen! Ach schauet es mit Ehrfurcht an! Ein Schau-Platz, welcher Millionen Und Millionen Meilen groß, Ein Platz, in dessen weitem Schoß Viel Millionen Sonnen wohnen, Kann, nebst verschied’nen Erden, Auf einmal uͤbersehen werden, Auf einmal in die spiegelnden Krystallen Von unsern kleinen Augen fallen, Und sich so eng zusammen ziehn. Ach laß mich doch, mein GOtt, mit Ernst mich oft bemuͤhn, Damit mein forschendes Gesicht Auch durchs Gestirn oft sey auf Dich gericht’t! Durch diese Wunder-reiche Klarheit Wird mein erstaun’t Gesicht erqvickt; Doch zittert Aug’ und Herz, wenn, halb entzuͤckt, Jch diese Himmel-feste Wahrheit M 3 Von Von dieser Lichter Wunder-Groͤsse Mit Augen der Vernunft ermesse; Da, wenn ich nah bey einem jeden stuͤnde, Jch einen jeden ja so groß, Als wie ich itzt des ganzen Himmels Schoß, So wie ich ihn hier sehe, fuͤnde: Jndem ja Jupiter allein, Nach aller Stern-Verstaͤndigen Beweis, Mehr als acht tausend mal soll groͤsser seyn, Wie unser ganzer Erden-Kreis. Ob gleich Huygenius, Cassin, Horoccius und Wendelin, La Hire, nebst Flamstedius, Auch Newton und Ricciolus Von uns’rer Sonnen Groͤsse schreiben, Sie sey entsetzlich, und die Zahl, Wodurch dieß helle Licht-Gefaͤsse An Groͤsse dieser Erden Groͤsse Noch uͤbertraͤf’, auf viel viel hundert tausend treiben; So wollen wir jedoch das allerkleinste setzen, Und sie auf hundert tausend mal Nur groͤsser, als die Erde, schaͤtzen. O GOTT! wo bin ich doch? wer bin ich? Jch ver- schwinde, Jndem ich nicht einmal die Welt, Nebst allem, was sie in sich haͤlt, Nur in Vergleich mit einer Sonne, finde. Solch eine Groͤsse kommt, wie leicht zu glauben, mir, Wenn ich sie recht erwaͤg’, entsetzlich herrlich fuͤr; Ja, wenn wir endlich gar bey dieser Groͤss’ und Laͤnge Noch Noch vollends erst die ungezaͤl’te Menge Ja die Unendlichkeit So ungeheurer Lichts- und Sonnen-Coͤrper schauen Mit Augen uns’rer Sel’; entsteht ein heiligs Grauen: Jm Haupt wird das Gehirn, das Herz in uns’rer Brust Von einer frohen Augst, von einer bangen Lust Geklemm’t, gedruckt, gepresst, Jndem der Gottheit Bild, Wodurch der ganze Bau der grossen Welt erfuͤllt, Sich nicht ohn’ Ehrfurcht schauen laͤsst. Es uͤberleg’ ein Mensch, wie ihm zu Mute seyn, Welch ein Entsetzen ihn mit Lust befallen wuͤrde, Wenn seinem heiteren Gesicht Von solchem hellen Schein, Von solcher Groͤss’ und schrecklich schweren Buͤrde Der Blitz-geschwinde Flug und zwar von einer nicht, Von tausend Millionen Kreisen, Sich sollt’ auf einmal weisen. Des grossen Schoͤpfers Wunder-Werke Vermehren sich bey mir auf wunderbare Weise, Wenn ich an die geschwinde Reise So grosser Coͤrper denk’ und an die Staͤrke, Die sie bewegen kann: da erstlich ausgemacht, Und durch die Rechnung laͤngst gefunden, Daß ungefehr in achtzehn Stunden Die Kugel, welche man aus einem Stuͤcke scheusst, Wie schnell sie gleich die Luft durchreisst, Den Durchschnitt uns’rer Welt vollfuͤhren koͤnne. Nun soll der Venus Schnelligkeit M 4 Auf Auf hundert sechs und vierzig mal so weit Sich an Geschwindigkeit erstrecken. Wer kann doch sonder Schrecken Solch ungemess’ner Groͤss’ und ungeheurer Last Und ungezaͤl’ter Meng’ entsetzlichs schnell Bewegen Jn seiner Selen uͤberlegen? Wer kann der so verschied’nen Kreise Verschied’ne Groͤss’ und grausam schnelle Reise Ohn’ einen Selen-Schwindel sehn Entsetzlich durch einander gehn, Und zwar so ordentlich sich drehn, Daß nach viel tausend Jahren Sie noch dieselben sind, die sie vorhero waren? Es hat sie nichts verwirr’t, nichts ihre Kraft geschwaͤcht, Nichts ihren Lauf gehemm’t, der unaufhoͤrlich recht Jn steter Ruͤnde fliegt. Gewiß mich uͤberlaͤuft ein schreckendes Vergnuͤgen, Wann sich mein Geist dahin bloß in Gedanken lenkt, Und nur von weitem einst an einen Raum gedenkt, Wo, in so grosser Eil, so grosse Coͤrper fliegen. Sprich nicht: ich wuͤrde ja solch ein geschwindes Rennen Von so entsetzlichen Geschoͤpfen sehen koͤnnen. Es folget nicht, indem ja uns’re Augen Nicht das, was sich zu schnell beweg’t, zu fassen taugen. Wenn wir ein feurig Holz, das gluͤhet, drehen; So schein’ts ein feur’ger Kreis, und gaͤnzlich still zu stehen. Es kommt hinzu, daß der Bewegung Stand, So wie der Stand der Ruh’ uns gaͤnzlich unbekannt: Da Da von Geschoͤpfen ja ein ruhiges Verweilen Nicht mehr natuͤrlich ist, als ein geschwindes Eilen. Durch GOttes Willen fliesst so wol die rege Flut, Als daß die Erd’ in sich natuͤrlich liegt und ruht. Erwaͤg’t nun die fast grause Kraft, Die bloß allein dazu gehoͤret, Den ganzen Erden-Ball, daß er geschwinder faͤhret, Als eine Kugel, fort zu bringen! Betrachtet eine Kraft, die durch ein stetes Schwingen Viel tausend Coͤrper mit sich rafft, Wovon verschied’ne noch viel tausend mal so groß! Wer kann des Wesens Macht, das alles dieses fasst, Erschaffen hat, erhaͤlt und traͤget, Allgegenwaͤrtig fuͤhrt, beweget, Und zwar Daß alles sich in stiller Majestaͤt, Und stets unwandelbar in solcher Eile, dreht, So unbegreiflich wunderbar Jn solcher Ordnung leiten kann, Ohn’ einiges Erstaunen sehen! Ach! wie verschwinden hier die kindischen Jdeen Von einem alten Mann, Womit so mancher Mensch erbaͤrmlich sich getragen, Und, da er sich dadurch ein Goͤtzen-Bild gemacht, Sich um die Gottheit selbst durch eig’ne Schuld gebracht! Bedenke, lieber Mensch, um GOttes Willen, Wie groͤblich du gefel’t! wie naͤrrisch deine Grillen, Die, fast wie Lucifern, dein eit’les Hirn erfuͤllt, Da du, aus einem stolzen Triebe M 5 Der Der abgeschmackt’sten Eigen-Liebe Fast mehr dich selbst zum Gott, als GOtt zum Menschen, machest, Und wuͤrklich, wenn mans recht erwaͤget, GOtt verlachest. Dein alter Gott-Mann muß entweder klein, (Der etwa wie ein Fuͤrst durch andere regieret, Durch and’re sieht und hoͤr’t und seinen Zepter fuͤhret,) Wo nicht, muͤst’ er ein Mann von solcher Groͤsse seyn, Dem hundert tausend tausend Meilen Nicht einst ein Glied von seinem Finger teilen. Ja waͤr’ er auch so groß; so waͤr’ er dennoch klein. Denn haͤtt’ Er eine Form; so muͤst’ Er endlich seyn. Was endlichs aber nun von einer Gottheit glauben, Heisst Jhr’ Allgegenwart, ja gar die Gottheit, rauben. Unendlich ewigs All, laß uns’rer Selen Augen Durch Deine Lieb’ eroͤffnet seyn, Daß wir der wahren Gottheit Schein Jn Deinem Werk zu sehn und zu verehren taugen! Laß uns’re Selen doch Dein unbegreiflichs Wesen Jm Buch der Creatur erstaun’t mit Ehrfurcht lefen! Laß uns, auch in der finstern Nacht, Von Deiner unerschaff’nen Macht Jm funkelndem Gestirn das herrliche Gepraͤnge, Die ungeheure Groͤss’ und ungeheure Menge Und ungeheure Schnelligkeit Der himmlischen Geschoͤpf besehen und besingen! So werden wir, wenn wir in allen Dingen Dich, HERR, allgegenwaͤrtig sehn, Uns selbst vernichtigen, und Dich allein erhoͤhn. Seh’ Seh’ ich den Himmel an, so koͤmmt mir sein Sapphir Als eine Tafel fuͤr, Die unermesslich ist, auf welcher eine Schrift, Die des allmaͤcht’gen Schoͤpfers Wesen, Huld, Weis heit, Macht und Majestaͤt betrifft, Jm schimmernden Gestirn, in heller Pracht zu lesen. Hilf GOtt, welch eine Schrift! O! welch ein Wunder-Buch, Jn welchem die Gestirne Zeilen, Die Lettern groͤsser sind, als hundert tausend Meilen, Woran in wunderbarem Schein Die Puncte selbsten Sonnen seyn! Jch seh’ es ganz erstaunt in tiefster Ehr-Furcht an, Und, ob den Jnhalt gleich mein Geist nicht fassen kann; Doch spuͤr’ ich, daß sie mich also zu denken treibt: So schreibt der Schoͤpfer, wenn Er schreibt. O dreymal hoͤchst begluͤckt-o dreymal sel’ge Selen, Die GOtt, das hoͤchste Gut, dereinst wird auserwaͤhlen, Der ew’gen Weisheit Licht noch tiefer einzusehn, Und Jhn, den Schoͤpfer Selbst, den Jnhalt, zu verstehn! Jndessen muͤssen wir, Zu unsers Schoͤpfers Ruhm, so lange wir noch hier, Das Wunder-A B C der Sternen Jn Ehrfurcht buchstabiren lernen. Es ist kein’ einzige Figur Jm ganzen Reiche der Natur Zu finden, ja nur zu erdenken, Die, wenn wir Blick und Witz in diese Hoͤhe senken, Jn diesen tiefen Gruͤnden, Jn Jn dem unzaͤlichen Gestirn, nicht auch zu finden. Sprich nicht: Was Schrift, ich kann sie nicht verstehn, Ja nicht einmal die Lettern sehn. Denn hoͤr! Kaunst du die Lettern der Sinesen, Der Araber, der Russen lesen? Und kommen ihre Schriften dir Nicht ganz verwirrt, ja sonder Ordnung fuͤr? Die doch, wenn wir sie erst begreifen und entdecken, Gar oft voll Geist und Weisheit stecken. Jch bin ob dieser Schrift im denken und im lesen Gar oft erfreu’t, gar oft erstaun’t gewesen. Noch juͤngst, als ich im Buch der Sternen Mit inniglicher Lust studir’te, Und voller Ehrfurcht buchstabir’te; So deucht mich, daß ich hie und da Und uͤberall geschrieben sah Den grossen Namen JEHOVAH. Das Das Kind. E in kluger Wund-Arzt schneidet drein, Eh’ er vom schneiden viel erzaͤlet. Warum? er weiß, daß insgemein Die Furcht mehr, als das Uebel, qvaͤlet. A ls juͤngst mein Kind (wiewol GOtt Lob doch ohn Gefahr) Durch einen Fall am Haupt verletzet war, So, daß der Wund-Arzt ihm ein’ Oeffnung machen muste; Bekuͤmmert’ es sich nicht, weil von dem Schmerz, Der es betreffen sollt, sein unbesorgtes Herz Nicht das geringste wuste. Der Schnitt geschahe denn: drauf fing es zwar Den Augenblick erbaͤrmlich an zu weinen; Allein es sahe kaum das Gold Von einer Zucker-Puppe scheinen, Als es auch schon getroͤstet war: Die Thraͤnen waren eh’, als noch das Blut, gestillt. Das schien mir nun ein Lehr-reich Bild. Denn erstlich folgt daraus der Schluß, Daß wir uns Kummer und Verdruß, An statt durch Denken sie zu mindern und zu bessern, Durch Denken nur noch mehren und vergroͤssern. Man zieht die Plagen und die Pein, Die noch entfernt und erst zukuͤnftig seyn, Jm Denken schon voraus herbey. Die Phautasey ist stets beschaͤfftiget und fertig, Damit ein fernes Leid uns gegenwaͤrtig Und, eh man’s fuͤlet, suͤlbar sey. Erwe- Erweget denn, geliebte Menschen, doch, Wie gluͤcklich wir in diesem Stande noch, Und wie wir GOtt dafuͤr von Herzen danken muͤssen, Daß Er, nach Seinem weisen Rat Uns das, was noch nicht ist, verborgen hat, Und wir vom kuͤnftigen nichts wissen! Die Wolthat ist fuͤrwar weit groͤsser, als man meynet, Und herrlicher, als sie bey’m ersten Anblick scheinet. Denn wuͤsten wir ein kuͤnftigs Gluͤck vorher; So wuͤrden wir in steter Unruh seyn: Ein jeder Augenblick Wuͤrd’ uns ein Tag, ein Tag ein Jahr-lang waͤhren. Hingegen wuͤrd’ ein kuͤnftigs Ungeluͤck Uns mit stets gegenwaͤrt’ger Pein, Durch eine schwarze Furcht, beschweren. Von meines Kindes Fall war dieß die erste Lehre. Die and’re folget itzt: So wie das Kind die Schmerzen Durch einen Vorwurf, der ihm lieb, Aus seinem Hirn und Herzen, Und folglich wuͤrklich von sich, trieb; So moͤgten wir uns wol mit aller Kraft Und allem Ernst dahin bemuͤhen, Uns durch die eine Leidenschaft Der andern zu entziehen! Ein jeder Zustand wird gebessert, Und folglich bald ertraͤglich seyn, Wofern man sich nur den Verdruß, die Pein, Nicht durch Gedanken selbst, vergroͤssert. Ach daß wir uns doch aͤndern moͤgten, Und wann es etwa widrig geht, Mit Ernst auf etwas anders daͤchten, Weil in Gedanken meist so Gluͤck als Leid besteht! Die Die Heide. E s zeigt so gar die duͤrre Heide, Wenn man sie recht genau betracht’t, Des grossen Schoͤpfers Wunder-Macht. Wenn wir sie obenhin besehn, So scheint sie traurig, schwarz, verdorrt und schlecht; Allein betrachtet man sie recht, So ist auch sie nicht minder schoͤn, Und sieht man wunderbar in ihr Der Farben Pracht, der Bildung Zier Fast unverbesserlich verbunden. Jch habe dieses wahr befunden. Denn als ich juͤngst, mich etwas zu vertreten, Mich auf das Feld begab; befand ich alsobald, Daß in des Heide-Kraut’s so zierlicher Gestalt, Nicht weniger als sonst, der Schoͤpfer anzubeten. Jch setzte mich, und rupfte manchen Strauß, Sie besser zu besehen, aus. Mein GOtt! wie viel, wie mancherley Veraͤnd’rung, Schmuck und Zierlichkeiten Fand ich in diesem Kraut, das doch von weiten Nicht anders laͤsst, als ob’s nur braun gefaͤrbet sey. Jch ward zugleich, wie schoͤn, wie wunderbar, Wie mannigfalt die Bildung sey, gewahr. Die groͤsten Baͤume trifft man hier Jn solcher Schoͤn- und suͤssen Kleinheit an, Daß Daß man der Staͤmme, Zweig’ und Blaͤtter holde Zier Nicht g’nug besehn, nicht g’nug bewundern kann. Jch fand, daß, ob sie gleich sehr klein, Die Staͤmme wares Holz, wie grosse Staͤmme, seyn. Es hat die Festigkeit, es brennet, eine Rinde Umgiebt sie, ja ich finde Dieselbe recht mit Moß, gleich den bejahrten Eichen, Umgeben und geziert. Die Bluͤhmchen, die so schoͤn Auf jedem kleinen Zweig’, als Aepfel-Bluͤhte, stehn, Sieht man der Bienen Heer die suͤsse Narung reichen. Betrachte denn forthin, geliebter Mensch, die Heide, Nicht sonder GOttes Lob, nicht sonder Freude! Die Die Erde. 1. W enn wir zu besehn beginnen, Worauf uns’re Welt beruht; Fallen gleich in uns’re Sinnen Erde, Wasser, Luft und Gluht, Die wir, weil wir sie nicht kennen, Die vier Elemente nennen: Da doch, wenn man’s recht ermisst, Alles stets in allem ist. 2. Aber dieß noch ausgesetzet, Und der Ordnung nach zu gehn, So man fuͤr die beste schaͤtzet, Lasset uns die Erde sehn, Nicht nach ihren Koͤnigreichen, Laͤndern, Staͤdten, Fluͤss- und Teichen, Sondern die Beschaffenheit Jhrer Groͤss’ und Festigkeit. 3. Daß, nebst vielen andern Kreisen, Sie auch ein Planete sey, Stehet leichtlich zu erweisen. Denn sie hat so mancherley Eigenschaften, Kraͤft’ und Gaben, So die andern Jrrstern’ haben. Die sind fest und sonder Licht; Sie ist dunkel, hart und dicht. II. Theil. N 4. Es 4. Es mag nicht geleugnet werden, War auch schon den Alten kund, Daß der grosse Bau der Erden Und sein Klumpe Cirkel-rund. Aus des Mondes Finsternissen Kann man es handgreiflich schliessen, Drin sie nemlich bey der Nacht Einen runden Schatten macht. 5. Hieraus dienet wol zu merken, Daß des Hoͤchsten Wunder-Hand, Wie in allen Seinen Werken Unergruͤndlichen Verstand, Auch in dieser Ruͤnde, zeiget. Was vollkommen rund gebeuget, Jst, nach Ordnung der Natur, Die vollkommenste Figur. 6. Alle Teil’ in einem Kreise Sind in einer gleichen Ruh, Senken sich auf gleiche Weise Nach dem Mittel-Puncte zu, Wodurch sie einander nuͤtzen, Sich zwar drengen, doch auch stuͤtzen, Daß die grosse Last der Welt Sich so in sich selber haͤlt. 7. Fer- 7. Ferner dienet diese Ruͤnde, Daß, wenn etwa Meer und Flut Aufgebracht durch Sturm und Winde, Es viel minder Schaden thut; Sondern es muß gleich mit Haufen Von der runden Erde laufen, Weil die Welt sonst von dem Meer Schon vorlaͤngst verschlungen waͤr. 8. Nichts, als grauser Berge Thuͤrme, Wuͤrden nicht fuͤr Thier’ allein, Auch fuͤr Menschen, fuͤr Gewuͤrme, Saͤmtlich unersteiglich seyn, Falls die Welt, wenn ihre Schwere, Statt der Ruͤnde, winklich waͤre, Ja sie koͤnnte sich nicht drehn, Noch in gleicher Wage stehn. 9. Vier und funfzig hundert Meilen Jst der Umkreis uns’rer Welt, Der, wenn wir den Durchschnitt teilen, Siebzehn hundert zwanzig halt, Die, vermehrt mit beyden Zalen, Auf neun tausend tausend malen Zwey mal hundert tausend acht Und noch achtzig tausend macht. N 2 10. Die- 10. Dieses ist der Erden Flaͤche Groͤss’, und ihrer Meilen Zal. Die begreifet Fluͤsse, Baͤche, Meere, Wuͤsten, Berge, Thal, Jnseln, Klippen, Aecker, Waͤlder, Reiche, Staͤdte, Wiesen, Felder, Das verbrannt- und kalte Land, Was bekannt und unbekannt. 11. So groß ist die aͤuss’re Seite Uns’rer Welt, wenn man sie misst, Welche bey der inn’ren Weite Noch nicht zu vergleichen ist. Denn wenn ich die ganze Groͤsse Mit des Durchschnitts Sechsteil messe, Uebertrifft sie jene Zahl Noch viel tausend tausend mal. 12. Wenn die Ruͤnde dieser Erden Und die unter-ird’sche Welt Koͤnnte flach gemachet werden, Zu Provinzen, Wald und Feld, Und sich deren Dick’ und Tiefe Auf zwo Teutsche Meil beliefe; So wuͤchs’ ihre Groͤss’ und Zahl Hundert drey und vierzig mal. 13. Jst 13. Jst es also zu erweisen, Daß der Bauch der Unter-Welt Noch zu so viel Erden-Kreisen Raum in seiner Schoß enthaͤlt. Wer begreift nun mit den Sinnen Eigentlich des Raums von innen Zustand und Beschaffenheit, Groͤsse, Weit’ und Festigkeit? 14. Welcher Geist wird wol verstehen, Welcher Witz ermisst den Platz? Welche Klugheit kann ersehen Den daselbst verschloss’nen Schatz? Nein, kein Sterblicher ergruͤndet, Was sich da verdeckt befindet, Und kein Mensch koͤmmt auf die Spur Der verborgenen Natur. 15. Viele trachten zu verhelen, Daß sie nichts davon verstehn; Drum sie freventlich erzaͤlen, Laͤstern, und sich nicht entsehn, Groͤblich so heraus zu plumpen: Unser Erd-Kreis sey ein Klumpen, Worin, ausser Sand und Stein, Nichts koͤnn’ anzutreffen seyn. N 3 16. Da 16. Da doch bloß die aͤuss’re Rinde (Wessen man sich auch vermisst) Noch von keinem Menschen-Kinde Jemals durchgegraben ist. Keinem ist es noch gelungen, Daß er tiefer eingedrungen, Als vielleicht zum halben Teil’ Einer Teutschen Viertel-Meil. 17. Wollte man dem widersprechen, Weil ein Bergwerk tiefer geht; Rechne man: daß von der Flaͤchen Uns’re Rechnung hier entsteht, Und nicht von der Berge Gruͤnden: Weil wir mehrenteils befinden, Daß man nur Metalle graͤb’t, Wo sich ein Gebirg’ erheb’t. 18. Sehn wir also, daß die Gruͤfte, Daß der allertief’ste Schacht, Daß der Hoͤlen Tief’ und Kluͤfte, Die so wol der Mensch gemacht, Als der selbst zerborst’nen Schluͤnde, Von der Erden aͤufs’rer Rinde Nicht den zehn’den Theil durchdring’t, Wie unglaublich es auch kling’t. 19. Denn 19. Denn wie wuͤrd’ es sich doch schicken, Wenn ein Fuͤrst sein Fuͤrstlich Haus Nur von aussen wollte schmuͤcken, Und nur Kot, Staub, Stein und Grauß Jn die Zimmer tragen hiesse, Sie nicht seh’n noch brauchen liesse? Eben so ist es bestellt Mit der unterird’schen Welt. 20. Viel Verstaͤndige vermeinen, Daß wir einer innern Welt Hol, wie uns die Himmel, scheinen: Daß des Himmels holes Zelt Oben so, wie unser’ Erde, Rund sey und bewohnet werde, Daß der Wechsel in die Hoͤh’ Jns unendliche gescheh. 21. Daß der Schoͤpfer aller Sachen Durch die wirkende Natur Nichts vergebens wollen machen, Zeiget jede Creatur; Kann daher vom Grund der Erden Festiglich bewiesen werden, Daß sie, wie die Ober-Welt, Tausend Wunder in sich haͤlt. N 4 22. Wie 22. Wie ich nun auf uns’rer Flaͤche Winde, Wolken, Regen, Schnee, Seen, Felder, Berge, Baͤche, Kraͤuter, Thier’ und Waͤlder seh; So sind in der Erden Rinden Mit Verwund’rung auch zu finden Gleichwie droben, Dunst und Flut, Ja so gar Blitz, Dampf und Gluht. 23. Hier sind in der groͤsten Menge Schwefel-Adern, Kieß, Metall, Eisen-Bley- und Kupfer-Gaͤnge, Erz, Cinober, Berg-Krystall, Marmor-Gruben, Silber-Minen, Chrysolithen und Rubinen, Bunte Steine, guͤld’ner Sand, Ja Smaragd und Diamant. 24. Spalten, Gaͤnge, Hoͤlen, Gruͤfte Bald von Erde, bald von Stein, Schluͤnde, Loͤcher, Ritzen, Kluͤfte, Welche teils verschlossen seyn, Teils sich bis zur Flaͤch’ erstrecken, Und sich unserm Aug’ entdecken, Wasser, das im Dunkeln fliesst, Und des Tages nie geniesst. 25. Fluͤs- 25. Fluͤsse, die mit starkem Sausen, Mit abscheulicher Gewalt, Und mit stuͤrmerischem Brausen Aus dem dunkeln Aufenthalt Jhrer holen Schluͤnde schiessen, Wirbel, die im Cirkel fliessen, Deren Macht sich drehend schwingt, Und, was sie beruͤhrt, verschlingt. 26. Heisse Duͤnste, dunk’le Flammen, Feuriger verzehr’nder Duft, So die Teilgen treibt zusammen Von der Schwefel-reichen Luft, Und mit solcher Macht und Krachen Dieser Luft such’t Luft zu machen, Daß oft mancher Ort der Welt Bricht und in den Abgrund faͤllt. 27. Da wann Gluht und Flut sich mischen, Und aus deren Streit und Kampf Mit ergrimmten Rauschen zischen Duͤnste, Blaͤhungen und Dampf, Sich ein Sturm und Wirbel zeuget, Dessen Wuͤten aufwaͤrts steiget, Alles, was er trifft, verheert, Und das unterst’ oben kehrt. N 5 28. Kurz, 28. Kurz, es ist der Bauch der Erden Ganz mit Wundern angefuͤllt, Und kann nicht gezaͤlet werden, Was ihr dunk’ler Schoß verhuͤllt. Viele Weisen, die drauf achten, Und die Seltenheit betrachten, Geben ganz erstaunet fuͤr, Sie sey ein besel’tes Thier. 29. Dem zu Folge sie denn schliessen, Dieser Stroͤm’ und Qvellen Flut Die sich durch die Welt ergiessen, Sey des Erden-Coͤrpers Blut, Welches in sehr grosser Menge Durch die vielen Wasser-Gaͤnge, Als durch so viel Adern, dringt, Und der Welt die Narung bringt. 30. Wie das Herz die lauen Saͤfte, So ihm stetig eingefloͤss’t, Durch uns unbekannte Kraͤfte Bald empfaͤngt, bald von sich stoͤss’t; So sey in des Meeres Gruͤnden Solch ein Welt-Herz auch zu finden, Das sich eben so beweg’t, Und uns Ebb’ und Flut erreg’t. 31. Jh- 31. Jhres Coͤrpers Fleisch soll Leimen, Jhre Knochen, Fels und Stein, Und das Laub auf Straͤuch- und Baͤumen Jhre Zier und Hare seyn, Uns’re Luft, die aus dem Boden Stetig duftet, sey ihr Oden, Jhr Geseufz sey Sturm und Wind, So man oft mit Furcht empfind’t. 32. Dies’ und andere Gedanken Sind zwar Anfangs anzusehn, Als ob sie aus allen Schranken Der vernuͤnft’gen Schluͤsse gehn, Denn solch einer Last das Leben Geist und Sinne zuzugeben, Die todt scheint, wie Holz und Stein, Scheinet laͤcherlich zu seyn. 33. Aber daß die Welt nicht gehet, Daß sie keine Schritte thut, Daß sie nicht auf Fuͤssen stehet, Daß sie, wie es scheinet, ruht, Und ihr seltenes Bewegen Jst dem Satze nicht zugegen, Der so grosse Kreis der Welt Sey ein Thier, wie wir gemeld’t. 34. Kann 34. Kann man auch mit Recht verneinen, Daß die Schnecke sich nicht reg’t, Ob sie gleich sich nicht mit Beinen, Und fast unvermerkt, beweg’t? Allen Fischen fel’ts an Fuͤssen; Doch steht daraus nicht zu schliessen, Daß sie, weil sie sonder Bein, Keine Thiere koͤnnen seyn. 35. Sollten wir, die wir die Erden Voller Vorurteil besehn, Nicht betrogen koͤnnen werden, Und im Urteil uns vergehn? Bloß weil keiner je gespuͤret, Wie und wann die Welt sich ruͤhret; Folgern wir zum Tag’ hinein, Sie muͤss’ unbeweglich seyn. 36. Gleich der Laus, so auf der Stirne, Als auf einer Kugel, laͤuft, Und die doch vom nahen Hirne Das geringste nicht begreift, Sondern (falls sie daͤchte) denket, Daß nur sie sich reg’t und lenket, Und das Haupt, wie wir die Welt, Unbeweglich glaubt und haͤlt. 37. Da 37. Da doch gegen uns’re Groͤsse Eine Laus noch nicht so klein, Als wir armen Erden-Kloͤsse Gegen unsern Erd-Kreis seyn. Sollten wir denn auch nicht koͤnnen Uns vom Pfad der Wahrheit trennen, Da wir wuͤrklich offt geirrt, Wann der Zweifel uns verwirrt? 38. Koͤnnen wir den Sinnen trauen? Muͤssen wir uns oͤfters nicht Vom Geruch betrogen schauen? Triegt nicht oftmals das Gesicht? Kann man es nicht klar beweisen, Wenn wir auf dem Wasser reisen? Scheint’s nicht, daß wir stille stehn, Und die Ufer ruͤckwaͤrts gehn? 39. Ein recht langsames Bewegen Kann der Menschen Aug nicht sehn, Und ein gar zu schnelles regen Kann es gleichfals nicht verstehn. Lass’t (ein Beyspiel beyzubringen) Nur ein brennend Hoͤlzgen schwingen! Wird der regen Spitze Schein Nicht ein stiller Cirkel seyn? 40. Auch 40. Auch die schaͤrfsten Augenblicke Koͤnnen nicht durch Coͤrper gehn, Sondern prallen gleich zuruͤcke, Weil sie nur den Umkreis sehn, Ja, der Umkreis selbst verschwindet, Und die seh’nde Kraft erblindet, Wenn die Sonne sich verhel’t, Und ihr Glanz den Augen fel’t. 41. Aefft nicht oͤfters unser’ Ohren Ein Geraͤusch, ein Wiederhall? Wer die Daͤuung hat verloren, Dem schmeckt Honigseim wie Gall. Wer mit einer Kugel spielet, Und mit doppeln Fingern fuͤlet, Lernt, da ihm deucht eins wie zwey, Daß auch Fuͤlen truͤglich sey. 42. Zeigen also uns’re Sinnen, Die nach aller Augenschein Unsers Witzes Lehrerinnen, Des Verstandes Meister, seyn, Daß wir nicht einmal erlesen, Auch des klein’sten Koͤrnchens Wesen Recht zu kennen, noch die Spur Der drin wirkenden Natur. 43. Da 43. Da wir alles, was wir wissen, Durch der Sinnen Sinnlichkeit Fassen und begreifen muͤssen, Wird man ohn Vermessenheit Sich nicht unbetrieglich nennen, Und ohnfehlbar schaͤtzen koͤnnen, Sondern glauben, daß vom Schein Wir leicht zu betriegen seyn. 44. Wer nun zweyerley Gedanken Jn dergleichen Sachen heg’t, Und in ihm ein stetes Wanken Wechsels-weise sich erreg’t, Der wird weniger ja felen, Solche Meynung zu erwaͤlen, Die von GOttes Groͤss’ und Pracht Jhm den groͤsten Eindruck macht. 45. Nun ist ja nicht zu verneinen, Falls man es recht uͤberleg’t, Daß es groͤss’re Wunder scheinen, Wenn man glaubet und erweg’t, Daß GOtt solche grosse Thiere Hab’ erschaffen und regiere, Als wenn man den Kreis der Welt Nur fuͤr einen Klumpen haͤlt. 46. Die- 46. Dieses aber ausgesetzet, Lasst uns etwas naͤher gehn, Und, wie uns die Erd’ ergetzet Und erhaͤlt, mit Ernst besehn, Jhre Wirkungen betrachten, Auf die Frucht und Nutzen achten, Wie sie uns die Kost bescher’t, Uns erfreut, erqvickt und naͤhrt. 47. Wann des Himmels Samen fliesset, Und in ihren milden Schoß Durch den Regen sich ergiesset; Gruͤnet jeder Erden-Kloß. Thal und Huͤgel, Wies’ und Anger Wird durchs feuchte Feuer schwanger, Und gebieret durch das Naß Bluͤht’ und Fruͤchte, Laub und Gras. 48. Die gebaͤren nachmals wieder, Wenn das Thier-Reich sie verzehrt, Aller Thier’ und Menschen Glieder. Jst’s denn nicht der Muͤhe wehrt, Dieses Wunder zu erwaͤgen, Wie durch Waͤrm’ und feuchten Regen Aus der Erden uns’re Kost, Ja selbst Blut und Coͤrper, spross’t? 49. Soll- 49. Sollte man mit Recht nicht koͤnnen Ochsen, Ziegen, Schaf’ und Kuͤh’ Oefen, welche wandeln, nennen, Worin Gras, ohn’ uns’re Muͤh’, Zugerichtet uns zur Speise, Welches sonst auf keine Weise, Muͤh’te man sich noch so sehr, Fuͤr uns Menschen brauchbar waͤr? 50. Wird nicht durch des Schoͤpfers Guͤte Unser’ Erde wunderbar Zweige, Knospen, Blaͤtter, Bluͤhte, Frucht und Samen alle Jahr? Thier’ und Menschen zu ernaͤhren, Muß die Erde stets gebaͤhren. Sie verjuͤnget die Gestalt; Alles wird, nur sie nicht, alt. 51. Auch die unfruchtbar’sten Plaͤtze, Ja die dick’ste Wuͤsteney Zeigen durch verborg’ne Schaͤtze, Daß sie unerschoͤpflich sey, Jhre Guͤter uns zu geben. Waͤrme, Fruchtbarkeit und Leben Zieht sie aus der Sonnen Gluht, Etwa wie ein Schwamm die Flut. II. Theil. O 52. Wer 52. Wer erstaun’t nicht fuͤr Ergetzen, Wer verstummet nicht fuͤr Lust Bey der Erden Fruͤhlings-Schaͤtzen? Schein’t nicht unser Herz und Brust Sich fuͤr Wollust aufzublaͤhen, Wann wir riechen, schmecken, sehen, Wie aus schlechtem Staub und Kieß Bluͤhte, Frucht und Laub entsprieß? 53. Wer begreift der Erden Kraͤfte, Wer kann doch die Ahrt verstehn, Wie dergleichen Wunder-Saͤfte Durch so kleine Roͤhrchen gehn, Durch so duͤnne Stengel steigen, Solche schoͤne Farben zeugen, Drob das Herz recht wird entzuͤckt, Wenn man ihren Schmuck erblickt? 54. Was nun ihr uhrspruͤnglich Wesen Und den ersten Zeug angeht, Jst wol keiner so belesen Und so klug, der recht versteht, Wie der wahre Stoff der Erden Kann und muß begriffen werden. Keiner weiß, begreift und kennt Die Natur im Element. 55. Den- 55. Dennoch, wann ichs recht besehe, Scheinet dieses wahr zu seyn, Daß ein Element bestehe Nicht aus einem Zeug’ allein, Sondern aus den dreyen Gruͤnden, So in der Natur zu finden, Die ein Weiser kennen muß, Schwefel, Salz, Mercurius. 56. Schwefel ist ein feurigs Wesen, Voller Luft und Fettigkeit, Dessen Tugend auserlesen Herrlich von Beschaffenheit. Dieser wirket unaufhoͤrlich, Weil sein Balsam unzerstoͤrlich, Dessen Same, wenn er reift, Leben, Waͤrm’ und Licht begreift. 57. Diese Waͤrme, Licht und Leben, Welche jeder Creatur Jhre Daur und Wesen geben, Sind das Werkzeug der Natur, Sind die Selen aller Kraͤfte, Sind die Flammen-reichen. Saͤfte, Deren unsichtbare Gluht Ewig wirket, nimmer ruht. O 2 58. Daß 58. Daß nun dieser Schatz bestehe, Und die feurige Natur Nicht verbrenne, nicht vergehe; Naͤhr’t der kraͤftige Mercur Die sonst Nahrungs-losen Flammen. Sind sie also stets zusammen, Und ihr unaufloͤslichs Band Mildert den zu starken Brand. 59. Diese, der geschaff’nen Dinge, Eingepflanzte Feuchtigkeit Jst, daß sie durch alles dringe, Aus dem ersten Stoff bereit’t, Und die Lebens-vollen Saͤfte Hegen so vollkomm’ne Kraͤfte, Daß sie jedes Wesen traͤn’kt, Und ihm reiche Nahrung schenk’t. 60. So die eingebohrnen Flammen, Als den wurzelichten Saft Haͤlt mit festem Leim zusammen Des geschaff’nen Salzes Kraft, Dessen trocknes Wunder-Wesen Nur allein dazu erlesen, Daß es Gluht, Flut, warm und kalt Unzertrenn’t zusammen halt’. 61. Durch 61. Durch dieß Salz besteht und waͤhret, Was der Schwefel zeug’t und macht, Und Mercur erqvickt und naͤhret. Alles, was hervor gebracht, Koͤnnte ferner nicht bestehen, Sondern muͤste gleich vergehen, Buͤnd’ dieß Trockne der Natur Nicht den Schwefel und Mercur. 62. Diese sind der Zeug der Sachen, Draus Natur, der Geist des Lichts Alle Dinge weiß zu machen. Nichts wuͤrd’; alles wuͤrde nichts, Waͤren Wasser, Salz und Flammen Nicht stets unzertrennt zusammen. Daß, was ist, bestaͤndig sey, Macht dieß stets vereinte Drey. 63. Aber das muß von der Erden, Die man sehn und fuͤlen kann, Nicht so roh verstanden werden. Jn derselben findet man Diesen Balsam eingepraͤget, Den sie als Behalter heget, Da die Theilchen nichts sonst seyn, Als ein klein zerrieb’ner Stein. O 3 64. Die 64. Die sich Wunder-wuͤrdig fuͤgen, Und sehr enge, dicht und fest Oefters auf einander liegen, Von dem innern Geist gepresst. Wann die Winkel und die Ecken An und in einander stecken, Stamm’t aus der Beschaffenheit Aller Coͤrper Festigkeit. 65. Tausend Bildungen zu nemen, Die man fuͤlet und erblickt, Sich zu allem zu beqvemen, Jst der Erden Stoff geschickt. Hundert-tausend-fach gestaltet, Bald verjuͤnget, bald veraltet, Bald getrennet, bald vereint, Daß er recht ein Proteus scheint. 66. Was wir Elemente nennen, Wird aus dieser Qvell’ erzeugt, Und man wird nicht leugnen koͤnnen, (Ob das Ansehn gleich betreugt) Wenn sie recht betrachtet werden, Dieser wahre Stoff der Erden Sey ein Salz, worin die Gluht Untermischt ist mit der Flut. 67. Ob 67. Ob gleich Salz die erste Stelle Jn der Erden Coͤrper hat, Und was feucht ist oder helle Nach ihm in geringerm Grad; Senket dennoch Feu’r und Wasser, Da das heisser, dieses nasser, So wie sie vermischet seyn, Jhr den rein’sten Samen ein. 68. Dieser Same, der sich floͤsset, Und in Schoß der Erden faͤllt, Wo ihn koch’t und fortwaͤrts stoͤsset Der erwaͤrmn’de Geist der Welt, Daß er aufwaͤrts auf der Erde Ein besond’rer Coͤrper werde, Zeuget alles, was entsteht, Waͤchset, dauret und vergeht. 69. Wie das aber recht geschehe, Sieht man zwar, doch fasst man’s nicht. Jch aufs wenigste gestehe, Daß mir hier die Kraft gebricht, Und will lieber dieß bekennen, Als mich von der Wahrheit trennen, Und aus Stolz und Eitelkeit Suchen falsche Dunkelheit. O 4 70. Also 70. Also haben wir besehen, Und, so weit es sich erstreckt, Uns’rer Erde Tief- und Hoͤhen, Stand und Eigenschaft entdeckt. Da nun alle Erden-Kloͤsse Von des Schoͤpfers Wunder-Groͤsse Unzaͤlbare Zeugen seyn; Lasset auch uns Seiner freu’n! 71. Wenn wir auf die Erde treten, Wenn ihr fester Grund uns traͤg’t, Wird, den Schoͤpfer anzubeten, Unfer Geist mit Recht beweg’t, Da er folgend Lied erfindet: GOtt der Du die Welt gegruͤndet, So lang’ Erd’ und Himmel steht, Sey Dein ew’ger Nam’ erhoͤht! 72. Denn das ganze Rund der Erden Koͤnnt’ ohn’ ihre Festigkeit Nicht von uns bewohnet werden. Ohne die Beschaffenheit Muͤsten wir zu Grunde sinken, Ja im Kot und Schlamm ertrinken, Da wir nun auf ihren Hoͤh’n Ohn Gefahr und Sorgen geh’n. 73. Waͤre 73. Waͤre sie zu fest hingegen, Und nicht koͤrnigt, feucht und naß; Wuͤchsen, solcher Haͤrte wegen, Weder Baͤume, Laub noch Gras. Was da leb’te, muͤste sterben, Pflanzen, Thier und Mensch verderben. Nemet denn mit Dank in Acht Unsers Schoͤpfers weise Macht! 74. Sprich, verwildertes Gemuͤte, Koͤmmt dieß alles ungefehr, Oder aus der Macht und Guͤte Eines weisen Wesens, her? Sprich: verdienen solche Werke Nicht einmal, daß man sie merke? Wer’s Geschoͤpfe nicht betracht’t, Schaͤndet seines Schoͤpfers Macht. O 5 Der Der Sand. S o gar auf einem oͤden Lande, Wo weder Baum, noch Strauch, noch Gras, Selbst in dem unfruchtbaren Sande Find’t ein betrachtend Auge was, Jn diesem schoͤnen Welt-Gebaͤude, Zu GOttes Ehr’ und eig’ner Freude. Auf! lasset uns denn weiter gehn, Und GOTT zum Ruhm was sehn, auch wenn wir nichts fast sehn! Es sind ja Creaturen Die Sandes-Koͤrner selbst und Teilchen uns’rer Erden, Da, wenn man nichts fast sieht, doch allerley Figuren Von eingedruckten Spuren Jm duͤrren Sande ja gefunden werden. Jn kleinen Tiefen, kleinen Hoͤh’n Kann ein aufmerksam Herz so Licht als Schatten sehn. Man kann, wenn man so gar allein, Daß weder Laub, noch Kraut, noch Baͤume bey uns seyn, Dennoch Veraͤnderung und auch Vergnuͤgen finden, Wenn wir das Denken nur mit unserm Blick verbinden. Es kommet jeder Sand-Korn mir Als wie ein kleines Glied Der allgemeinen Mutter fuͤr. Von uns’rer Welt ist es ein wuͤrklich Teilchen mit. Die Kleinheit, Festigkeit, die Klarheit, Glaͤtt’ und Ruͤnde, Die ich in manchem Sand-Korn finde, Wo- Wodurch sie sich nicht ganz verbinden koͤnnen, Und eben dadurch allem Saft Vom Regen oder Thau, zu der Gewaͤchse Kraft, Den Aufenhalt und Durchgang goͤnnen, Jst ja Bewunderns-wehrt. Noch mehr, da sie vereint, Und doch nicht ganz, (indem sie sonst versteint,) So koͤnnen sie den Pflanzen nuͤtzen, Den Wurzeln Raum, sich auszubreiten, geben, Auch, wenn dieselbigen sich aufwaͤrts heben, Dieselben so viel besser stuͤtzen. Jch nam hierauf ein Haͤuflein Sand, Betrachtet’ es genau, und fand Den Unterschied, daß er nicht mancherley, Nein, in der That unzaͤlig sey. Jch kunnte tausend Form- und Ecken Auch an dem klein’sten Sand’ entdecken. Teils sind die Koͤrner lang, teils rund, teils groß, teils klein, Teils schwarz, teils braun, teils gelb, teils grau, Teils roͤtlich, weißlich teils, teils blau. Es sind die meisten dicht und dunkel, viele helle, Durchsichtig, glaͤnzend, rein. Jch wurd’ auf mancher Stelle Verschiedener, die, wie Krystall so klar, Mit Lust und mit Verwunderung gewahr. Jndem ich nun die Kleinheit uͤbersehe, Und alles dieses uͤberlege; Erstaun’ ich, wenn ich recht erwege, Daß alle Groͤsse dieser Welt, Ja selbst die Welt aus Kleinigkeiten nur, Wie Wie groß sie uns auch scheint und wuͤrklich ist, bestehe. Es fiel mir ferner bey, Wie Kleinigkeiten fast in allen Sachen Besondere Veraͤnderungen machen. Was ist die schoͤne Kunst der edlen Malerey, Die guten Teils aus Farben nur bestehet, Und diese wiederum nur bloß aus Sand und Erden? Wodurch jedoch die schoͤn’sten Bilder werden. Denn das, was unser Aug’ erfrischt Auf solche wundersame Ahrt, Jst bloß ein wenig Sand mit Oel gemischt, Jst so unglaublich duͤnn und zart, Daß, wenn man es vom Tuche trennen wollte, Man es fuͤr Coͤrperlich kaum halten sollte. Noch mehr, wie wunderbar Erhell’t im Sande GOttes Macht, Der alles nicht allein aus Nichts hervor gebracht; Der auch so gar Durch solche Kleinigkeit das allergroͤste zwinget, Jndem Er durch so kleinen Sand Die ungeheure Fluten-Last So wunderbarlich eingefasst, Daß aller Wellen Wut nicht durch ihn dringet. Hiemit stimmt alles uͤberein, Daß, wie fuͤr uns das allerklein’ste groß, Also fuͤr GOtt das allergroͤste klein, Daher denn David auch recht unvergleichlich schloß: Wie das Zuͤnglein an der Wage, so ist, HERR, vor Dir die Welt; Wie der Tropfen aus dem Eimer, welcher auf die Er- de faͤllt. Be- Betrachtung vieler Obst-Baͤume. J ndem ich juͤngst im Garten hin und wieder, Bald auf bald nieder, Zumal bey seinen gruͤnen Schranken, Den ganz mit Obst bedeckten Planken, Mit sanften Schritten geh’, Und die so mannichfalt’gen Fruͤchte Theils unreif noch, theils reif, in solcher Menge seh; Vereinigt’ ich die forschenden Gedanken Mit meinem froͤhlichen Gesichte, Betrachtete nicht nur Die unterschiedliche Figur Des mannichfalt’gen Obsts, der Farben Unterscheid, Und uͤberleg’te Die lieblich-suͤsse Saͤurlichkeit, Die uns erfrischenden beliebt- und starken Kraͤfte Der Narungs-reichen Saͤfte, Die jede Frucht besonders heg’te. Jch sah derselben Menge, Die man unmoͤglich zaͤlen kann, Absonderlich bewundernd an. Jch sah nicht nur das niedliche Gedrenge Der runden aufgeqvoll’nen Trauben, Jch sahe, welches kaum zu glauben, Morellen, weiss- und rote Kirschen, Birn’, Aepfel, Aprikosen, Pfirschen Nicht einzeln, recht wie Trauben sitzen, Und Und, welches recht verwunderlich, Durch ihre Meng’ und Naͤhe sich Sehr drengen, jedennoch auch stuͤtzen. Jch freute mich Recht inniglich, Denn es war gar zu schoͤn, Auch nur von weitem, anzusehn. Doch uͤberwog noch eine neue Freude Den holden Schmuck der schoͤnen Augen-Weide, Die mich in suͤssem Glanz’ anlachte, Als ich mit froher Sele dachte: Wo kommt dieß alles her? wer hat es so formiret? Wer hat die Bildungen gefaͤrbt? wer distilliret Die Saͤfte, daß sie suͤsse werden? Wer bringt es aus der schwarzen Erden? Ja was noch mehr, wer schenkt es mir? Wer? Der grosse Schoͤpfer, GOtt der HErr: Jhm sey denn Preis und Dank dafuͤr! Mor- Morgen-Gebet. Die Morgen-Gebete nach den vier Jahres-Zeiten siehe im vorigen Theile p. 440. sqq. O GOTT, Der Du durch Deine Macht Dieß grosse Rund geschaffen, Jch habe diese ganze Nacht So ruhig koͤnnen schlafen; Jch bin vergnuͤget aufgewacht, Gesund und ohne Schmerzen; Jch seh der guͤld’nen Sonne Pracht, Deß dank’ ich Dir von Herzen. Gib, daß ich diesen ganzen Tag Nach Deinem Willen leben mag! Hilf, daß mein Fuß sonst nirgends ruh’, Als nur auf Deinen Wegen, Und gib zu allem, was ich thu’, Aus Gnaden Deinen Segen! Mit- Mittags-Gebet. G OTT, aus welchem alles qvillet, Was so Flut als Erde fuͤllet, Der Du, was uns not ist, schenkst, Der Du Dein Geschoͤpfe liebest, Allem Fleische Speise giebest, Alles naͤr’st, erhaͤlt’st und traͤnkst; Gib, daß wir an diesen Gaben Wie den Leib, die Sel’ auch laben! Laß uns stets mit Dankbarkeit, Nebst des Essens Narungs-Segen, Des Geschmacks Verschiedenheit Jn der Speis’ und Zung’ erwegen! Jeden Bissen, den wir schmecken, Laß uns Deine Huld entdecken! So gereichet Trank und Speise Uns zur Freude, Dir zum Preise. Abend- Abend-Gebet. O GOTT, von Dem wir so viel Gaben Aus lauter Gnad’ empfangen haben, Dir dank’ ich fuͤr die Ruhe-Statt, Darin mein Leib, der muͤd’ und matt, Sich wird auf wenig Stunden senken. Ach laß inzwischen mein Gemuͤte Sich bloß nach Dir, Du ew’ge Guͤte, Als seiner wahren Ruhe, lenken! Nimm, weil ich sonst nichts geben kann, Mein bruͤnstigs Abend-Opfer an! Jch kann in weichen Feder-Decken Gemaͤchlich meine Glieder strecken. Mein Herze, das dieß wol erkennet, Wie viel Beqvemlichkeiten mir O Schoͤpfer, Deine Gnade goͤnnet, Ruf’t: Grosser GOtt, hab Dank dafuͤr! Wie mancher Mensch muß sich anitzt Auf einen harten Boden legen, Wo er fuͤr Sturm, fuͤr Frost und Regen Sich kaum mit alten Lumpen schuͤtzt! Hilf ihnen, HERR, ihr Elend tragen, So lindern sich auch ihre Plagen! Laß mich in dieser finstern Nacht, Durch Deine Liebe wol bewacht, Fuͤr allem Unfall sicher liegen! So werd’ ich fruͤh die schoͤne Welt, II. Theil. P Wenn Wenn sie die guͤld’ne Sonn’ erhellt, Mit Lust aufs neu zu sehen kriegen, Und in der Creaturen Pracht, O weiser Schoͤpfer, Deine Macht Betrachten, ruͤhmen und erheben. Denn dazu scheint der Mensch allein Geschaffen und gemacht zu seyn, Sonst fuͤhrt er nur ein viehisch Leben. HERR, schaͤrfe dazu mein Gesicht. Sonst seh’ ich es, und seh’ es nicht, Und mehre meines Geistes Triebe! Schlaf’ ich denn, oder wach’ ich hier; So leb’ und sterb’ ich einzig Dir, Unendlichs All! Du ew’ge Liebe. Die Die Zufriedenheit. W as muͤssen doch die Menschen seyn, O grosser GOTT! in Deinen Augen! Sie kommen in die Welt hinein, Sie weinen, wachen, schlafen, saugen. Sie wachsen, und es waͤchst zugleich Die Lust-die Ehr- und Geld-Begierde. Es fraget weder arm noch reich, Jn Deiner Creaturen Zierde, Nach Deiner Ehr’! Es streb’t allein Ein jeder, reich und groß zu seyn. Ein jeder folget bloß dem Schein Phantastischer Gluͤckseligkeit. Jhr Wesen waͤhret eine kleine, Und ihre Ruhe keine, Zeit. Ohn’ End’ ist ihre Sorg’ und Muͤh; Sie suchen vieles zu erwerben, Nichts zu gebrauchen, ja sie sterben; Und wissen nicht wo, wann und wie. Ein jeder wuͤnscht vergnuͤg’t zu leben, Und jeder irrt in seiner Wahl. Den einen sieht man sich bestreben Nach Reichtum sonder Mass’ und Zal. Der and’re such’t mit heisser Brust Die wilde Gluht verbot’ner Lust: Der dritte glaubt, daß Ehr’ und Pracht Der Menschen Herz vergnuͤglich macht. P 2 Es Es lieget die Zufriedenheit Warhaftig nicht an Pracht und Ehre, Nicht in der Wollust Riedlichkeit, Nicht daß sich stets dein Gut vermehre. Maͤcenas, Crassus und August Die haͤtten sonsten stets gemust Jn unverruͤckten Freuden leben, Von deren Unlust Schwermuts-Joch Und Gram uns die Geschichte doch Gewiß ganz and’re Nachricht geben. Drum hoͤre! die Zufriedenheit Jst die Gesundheit uns’rer Selen. Wie nun der Speisen Niedlichkeit Denjenigen gar schlecht erfreut, Dem Hunger und Gesundheit felen: So koͤnnen Ehre, Wollust, Geld, Die Niedlichkeiten dieser Welt, Auch keiner kranken Sele schmecken. Es wird ihr Mangel dir Verdruß, Bemuͤhen, Sorg’; und ihr Genuß Noch immer groͤssern Durst, erwecken. Was denn fuͤr Raht bey so bestallten Sachen? Geliebte Sele! fasse Mut, Und thue, was ein Kranker thut, Der sich verlangt gesund zu machen! Was thut ein Kranker? Sorget er, Wie er viel hundert tausend Speisen Auf seiner Tafel koͤnne weisen? Ach nein: er ist vernuͤnftiger. Er Er such’t zufoͤrderst sich zu heylen, Und nach vernuͤnftigem Gebrauch Such’t er den Arzt. So lasst uns auch Zu GOTT, dem Arzt der Selen, eilen. Um nun zu diesem Arzt zu kommen, Hab’ ich mir itzo vorgenommen, Dir eine recht beqveme Spur Und einen leichten Weg zu zeigen. Du must zum grossen Schoͤpfer steigen Auf Leitern Seiner Creatur. Du wirst in Seiner Lieb’ und Allmacht tiefen Gruͤnden Die irdische Zufriedenheit, Ja gar dereinst die Seligkeit, Nachdem du sie im Glauben brauchest, finden. Du wirst von allem Gram genesen, Wirst du das Buch der Welt zu GOttes Ehre lesen. Der Menschen Red’ ist eine laute Schrift; Die Schrift ist eine stumme Rede. Wer nun das Buch der Welt aufmerksam lieset, trifft (Ach daß es jeder sehn und keiner sehen kann!) Die Rede der Natur in allen Dingen an. Sie preiset GOttes Macht durch Ohren, Nas’ und Augen, Durch Zung’ und Hand den Selen an, und spricht: O lieber Mensch, laß doch der Erde Schoͤnheit taugen, Dich zu belustigen, um dich durch dein Gesicht, Samt deiner andern Sinnen Thuͤren, Zu dein- und meinem HErrn zu fuͤhren! Du kannst ja GOttes Macht, du kannst ja GOttes Liebe, Die Jhn zu dein-zu ihr- und aller Schoͤpfung triebe, P 3 Nicht Nicht ohne sie, in ihr mit Lust und Anmut seh’n. Schau ihre Farb’ und Form! ach schan, wie sie so schoͤn! Dieß sind die lieblichen Gespraͤche der Natur, So sie bestaͤndig aller Welt Mit laut- und sanfter Stimme haͤlt. Schau, hoͤre, suͤle, riech’ und schmecke nur, Mit Andacht ihren Ton! So wird zu GOttes Ehren Dein Selen-Ohr, o Mensch, die Sprache deutlich hoͤren, Und ein bestaͤndiges: GOtt Lob! GOtt Lob! allein Wird deine beste Antwort seyn. Selbst- Selbst-Dienst kein Gottes-Dienst. W as thust du, lieber Mensch, zu deines GOttes Ehren? Worin besteht dein Gottes-Dienst? Jch wund’re mich, daß du dich so erkuͤn’st, Und laͤssest dieses Wort noch von dir hoͤren, Da du jedoch auf dich aus Eigen-Lieb’ allein, Und sonsten fast auf nichts, gedenkest, Und all dein geistlich Thun auf nichts sonst lenkest, Als daß du dort dereinst moͤg’st ewig selig seyn. Es sag’te juͤngst mit allem Recht’ Ein wol-verdienter GOttes-Knecht, Ein Prediger, ein frommer Lehrer: Jhr irret sehr, geliebte Hoͤrer, Falls ihr auf diesem Wahn besteht, Daß, wenn ihr in die Kirche geht, Jhr eurem Schoͤpfer dient. Jhr dien’t euch selbst vielmehr. An statt, o Mensch, wenn du vernuͤnftig handeln wolltest Jn deinem Gottes-Dienst, du GOttes Ehr’ allein Zu deinem Endzweck haben solltest; So kehrest du es um. Dort ewig wol zu seyn, Jst einzig dein Bemuͤh’n, das zwar erlaubet waͤre, Wofern daruͤber nur des Allerhoͤchsten Ehre Nicht ganz versaͤumet wuͤrd’. Ob GOtt geehret sey, Ob Seine schoͤnen Wunder-Werke, Ob Seine Weisheit, Lieb’ und Staͤrke Betrachtet und geruͤhm’t mit Dank bewundert seyn, Jst deine klein’ste Sorg’. Allein Erwaͤge, lieber Mensch: sollt’ auch ein Bettler wol Durch sein alltaͤgliches Verlangen, Von dir die Nahrung zu empfangen, Dich wol dadurch mit Recht geehret nennen, P 4 Und Und es als einen Dienst, der dir geschehn, Da er sich selbst nur dien’t, wol rechnen koͤnnen? Du schuͤttelst hier den Kopf, und mich beduͤnkt, ich sehe Den Einwurf schon voraus: Wie? soll man denn nicht beten, Und soll man GOttes Haus Forthin nicht mehr betreten? Das ist die Meinung nicht. Jch tad’le dieß allein, Daß gegen GOttes Huld wir so undankbar seyn, Und daß, da unser Wunsch in anders nichts bestehet, Als daß wir reich allhier auf Erden, Und dort im Himmel selig werden, Wir doch, als wenn wir GOtt, dem grossen Schoͤpfer, dienen, Uns einzubilden uns erkuͤnen; Daß wir des wahren Dienst’s, des Dankens, ganz vergessen, Und in der Creaturen Pracht Des Schoͤpfers Weisheit, Lieb’ und Macht, Ob sie gleich allenthalben prangt, Nicht wuͤrdigen zu sehn, noch sie mit Lust ermessen, An allem, was man hat, sich nimmer recht vergnuͤget, Nur, was uns fel’t, verlangt. Wir leben so, daß, wenn nicht Eigen-Liebe, Um etwa kuͤnftig ohne Pein, Auch selig und hier reich zu seyn, Auf eine Gottheit uns zu denken triebe; Man ganz gewiß auf keine Gottheit denken Noch sie verehren wuͤrd’. Jst der Beweis nicht klar, Da wir kaum einen Blick auf Seine Werke lenken? Da GOtt zum Ueberfluß so gar, Wenn man es recht betrachtet, Den Dienst mit uns’rer Lust recht wunderbar verbunden; So scheint es doch, dem allen ungeachtet, Als ob wir lieber, Eh wir auf solche Ahrt den Schoͤpfer ehren sollten, Uns Uns uns’rer eig’nen Lust berauben wollten. Dieß ist des Hochmuts Sat, Die nach dem Fall bey uns so tief gewurzelt hat, Aus welchem scheußlichen verdammten Samen Des Eigennutzes Bluͤht’ und Hoͤllen-Fruͤchte kamen, Die, da wir bloß auf uns mit allen Kraͤften sehn, Jn goͤttlicher Verachtung bloß bestehn. Denn wenn wir auf den Ursprung denken, Warum wir unsern Geist nie recht zum Schoͤpfer lenken, So find’ ich keinen sonst, als diesen bloß allein: Weil wir mit unserm Wol so sehr beschaͤfftigt seyn; So haben wir nicht Zeit, die Dinge zu betrachten, Die GOtt, zu Seinem Ruhm, auf dieser schoͤnen Welt Jn solcher Herrlichkeit uns vorgestellt. Daruͤber faͤngt man an sie gaͤnzlich zu verachten; Daruͤber brauchen wir die Wunder uns’rer Sinnen Zu nichts, als Reichtum zu gewinnen, Und das, was auf der Welt allein Des Lebens Endzweck sollte seyn. Jn der Geschoͤpfe Pracht den Schoͤpfer zu verehren, Wird gaͤnzlich in den Wind geschlagen. Die Sorgen nun, die Unruh, Gram und Plagen, Die durch die Lebens-Ahrt wir selbst uns immer mehren, Sind Folgen unsers Thuns, sind Strafen, die schon hier Die goͤttliche Verachtung raͤchen. Von denen, die dort fuͤr und fuͤr Euch vorbehalten find, will ich allhier nicht sprechen. Wenn die Propheten uns von diesem Leben Mehr, als vom kuͤnftigen, zu lesen geben; So deucht mich, daß wir dieß daraus erlernen koͤnnen: Es wolle GOtt, wenn wir auf dieser Erden Durch Seine Weisheit, Lieb’ und Macht geruͤhret werden, Und uns nur nicht vom wahren Glauben trennen, Das kuͤnft’ge Leben uns als eine Folge goͤnnen. P 5 Da Da GOttes Liebe nun in jener Ewigkeit, Nach deiner Meynung selbst, ohn’ allen Streit Der Seligen Beschaͤfftigung wird werden; Warum denn nicht bereits schon hier auf Erden An GOttes Lob gedacht? Soll etwa Seine Wunder-Macht, Soll Seiner schoͤnen Werke Pracht Auf dieser Welt allein Der Tiere Vorwurf seyn? Da GOTT aus einem ew’gen Triebe Dir nicht allein auf dieser Welt Von Seiner Weisheit, Macht und Liebe Unzaͤligen Beweistum vorgestellt, Nein, sondern gar Jn das, was dich ergetzet, Bloß Seine Ehr’ aus lauter Gnaden setzet, Und Seinen Ruhm so wunderbar Mit deiner eig’nen Lust verbindet; So machest du, da du sie nicht betrachtest, Dich nicht daran vergnuͤg’st, und sie dadurch verachtest, Daß all dein irdisches Vergnuͤgen schwindet. Ob nun hiedurch dereinst nach dieser Erde Dein ewigs sich befodern werde, Dieß, sag’ ich, kommet mir Ganz unwarscheinlich fuͤr. Wollt ihr nun hier vergnuͤg’t, dort ewig selig seyn; Ach so betrachtet hier des Schoͤpfers Wunderwerke! Bewundert seine Gnad’ und Weisheit, Lieb’ und Staͤrke Jn eurer Jhm zum Ruhm empfund’nen Lust allein! So werdet ihr durch hiesigs Lob beyzeiten Euch schon zu jenem Lob’ in Ewigkeit bereiten. Die Die Luft. 1. S ehen wir der duͤnnen Luͤfte Grossen Kreis und weite Bahn Samt dem Wesen dieser Duͤfte Mit Verstand und Sinnen an; Spuͤr’t ein reges Herz aufs neue, Wie sich recht die Sele freue, Weil sie drin, fuͤr Lust entzuͤckt, GOtt unsichtbarlich erblickt. 2. Dieser unumschrenkten Weite Grenzen-losem Wunder-Reich, Dieser Hoͤhe, Groͤss’ und Breite Jst kein’ ird’sche Groͤsse gleich, Weil sie alle Dinge fuͤllet, Deck’t, umgibet und umhuͤllet, Ja den ganzen Kreis der Welt, Wie das Meer ein Fischlein, haͤlt. 3. Jhre Kraft, wie schwach sie scheinet, Jst dennoch unendlich groß, Da sie Felsen selbst entsteinet Ohne Schlag und ohne Stoß. Stal wird durch die Luft zerrissen; Marmor wie ein Kleid verschlissen, Und sie heisst mit Billigkeit Ein Gewehr, ein Zahn der Zeit. 4. Und 4. Und dennoch sind ihre Teile So behende, duͤnn’ und klein, Daß, wie scharf der Augen Pfeile, Sie doch nicht zu treffen seyn. Ob sie gleich rings um uns spielen, Kann man sie gleichwol nicht fuͤlen, So daß zwischen Leib und Geist Sie vielleicht ein Mittel heisst. 5. Jhrer Groͤsse unerachtet Schein’t sie dennoch unsichtbar. Wie genau man sie betrachtet, Wird man ihrer kaum gewahr. Dieß kann uns zur Lehre dienen, Wenn wir uns so oft erkuͤnen, Alle Dinge zu verstehn, Da wir doch so wenig sehn. 6. Wenn die Luͤfte duͤnner waͤren; Koͤnnt’ die Duͤnn- und Seltenheit Uns’re Lunge nicht ernaͤhren Durch die linde Feuchtigkeit. Koͤnnte sie sich sehr verdicken, Muͤsten Vieh und Menschen sticken, Ja der Sonnen Lebens-Schein Wuͤrd’ uns dann geraubet seyn. 7. Den- 7. Dennoch kann man deutlich weisen, Daß derselben Eigenschaft Jn den ausgedehnten Kreisen Aller ird’schen Coͤrper Kraft, Daß das Wesen aller Luͤfte Bloß aus Erd’ und Wasser duͤfte: Daß sie von so mancherley Ein Geruch und Ausfluß sey. 8. Worin Thier’ und Menschen leben, Der, was ahtmet auf der Welt, Naͤhrt, erfrischet und darneben Deck’t, erfuͤllet und erhaͤlt. Gar kein Feuer koͤnnte brennen, Nichts wuͤrd’ einer hoͤren koͤnnen, Naͤhrte nicht so Ton als Gluht Uns’rer Luͤfte zarte Flut. 9. Wie man solches klaͤrlich siehet, Wenn man sie von einem Ort Durch die Luft-Pump’ auswaͤrts ziehet, Daß die Flammen alsofort Loͤschen, schwinden und vergehen. Gleichfalls kann kein Ton entstehen Fuͤr das Menschliche Gehoͤr, Wenn ein Ort von Luͤften leer. 10. Die- 10. Dieses Wunder muß vor allen Wol erweg’t seyn und bedacht. Aller Stimmen Saiten schallen, Aller Toͤne suͤsse Macht Werden in der Luft erzeuget, Wenn sie sich in Cirkeln beuget, Und wie sich ein Wasser ruͤhrt, So den Klang zum Ohre fuͤhrt. 11. Wer kann dieses Wunder fassen, Daß sich einer Stimme Klang So gar oft muß teilen lassen, Da ein Woͤrtgen, ein Gesang Dergestalt die Luft erreget, Daß sie wallend sich beweget, Und viel tausend Ohren fuͤllt, Was aus einem Munde qvillt. 12. Wie ein Prediger mit Worten So die Luͤfte treiben kann, Daß, an vielen tausend Orten Von viel tausend, jedermann Sein ganz Wort zugleich empfindet; Hat kein Mensch annoch ergruͤndet. Nur so viel kann man verstehn; Durch die Luft muß es geschehn. 13. Wenn 13. Wenn ich dieses uͤberlege, Was fuͤr ungemeine Kraft Unser Luft-Kreis in sich hege, Und wie aller Pflanzen Saft, Wie die Teil’ aus allen Dingen Sich bestaͤndig aufwaͤrts schwingen, Und in Luft verwandelt seyn; Nimmt mich ein Erstaunen ein. 14. Was wird nicht durch Gluht und Flammen Jn die Luft hinein geschickt? Wenn ein Holz-Stoß faͤllt zusammen, Wird nur wenig Asch’ erblickt. Alles and’re wird verstaͤubet, Und dem Luft-Kreis’ einverleibet. Alles, was der Brand verzehrt, Wird durch Rauch in Luft verkehrt. 15. Kurz, fast alles, was entstehet, Stammet aus der Luͤfte Reich, Und fast alles, was vergehet, Senkt sich wiederum so gleich Jn derselben weiten Schluͤnden. Welcher Mensch kann nun ergruͤnden, Welch ein Schatz, wie vielerley Jn der Luft verborgen sey? 16. Es 16. Es vereint sich und verbindet Mit der all durchgeh’nden Luft, Was man auf der Erde findet. Aller Coͤrper Dunst und Duft, Die sich, wenn sie etwa brennen Oder faulen, alsbald trennen, Steigen in die Luft hinein, Um mit ihr vereint zu seyn. 17. Duͤnste, die aus grossen Seen, Aus Morasten, aus dem Meer, Oder aus der Erd’ entstehen, Lassen nie den Luft-Kreis leer. Auch nebst des Salpeters Teilen Sieht man Schwefel aufwaͤrts eilen. Alles, was man Coͤrper heisst, Zins’t dem Luft-Kreis seinen Geist. 18. Jst demnach der Kreis der Luͤfte Aller ird’schen Saͤfte Schatz, Und der allgemeinen Duͤfte Ungemess’ner Sammel-Platz. Suͤsse, scharf’ und bitt’re Saͤfte, Saur’ und salzig-fette Kraͤfte Stecken in den duͤnnen Hoͤh’n, Die zwar groß, doch nicht zu sehn. 19. Hier 19. Hier ein Beyspiel von zu geben, Was fuͤr viele Coͤrperlein Muͤssen in den Luͤften schweben, Die uns unbegreiflich seyn? Und die dennoch von den Hunden Wunder-wuͤrdig sind empfunden. Nimmer traͤfen sie die Spur, Thaͤt’ es nicht der Luft Natur. 20. Daß die Luft, die uns umringet, Und nur ein Geruch der Welt, Uns nicht durch die Nase dringet, Uns nicht in die Sinne faͤllt, Kommt daher, weil gleich auf Erden Wir der Luft gewohnt schon werden; Weil man sie sogleich empfind’t, Wenn wir kaum gebohren sind. 21. Sie wirk’t in den Elementen Mit so sonderbarer Kraft, Daß sie nicht bestehen koͤnnten Sonder ihrem Lebens-Saft. Wasser faul’t, die Erde schwindet, Wenn nicht jedes Luft empfindet. Sie verlieren alsobald Fruchtbarkeit, Kraft und Gestalt. II. Theil. Q 22. Was 22. Was sich aber sonst aus Dingen, Welche riechen, aufwaͤrts drengt, Und auf unsichtbaren Schwingen Sich mit uns’rer Luft vermengt, Wird so bald von uns verspuͤret, Als es uns’re Nase ruͤhret, Die die Suͤss- und Bitterkeit Wunderbarlich unterscheid’t. 23. Alle Luft, die um uns schwebet, Jst zwar leib- und coͤrperlich, Doch sehr duͤnn und zart gewebet, Und ihr Wesen dehnet sich. So hieß GOTT sie sich bereiten, Daß sie, stark sich auszubreiten Und zu spannen waͤr’ geschickt, Sich verduͤnnet’ und verdickt’. 24. Wann sie Waͤrm’ und Hitze spuͤret, Spann’t sie sich, und wird verduͤnn’t: Jst es aber kalt und frieret; Wird, was ausgedehnt, geschwind Wieder in sich selbst gedruͤcket, Stark gedrenget und verdicket. Hat sie also, wenn es kalt, Einen kleinern Aufenthalt. 25. Wun- 25. Wunderbarlich ist ihr Wesen, Wenn man recht mit Ernst bedenk’t, Was wir von ihr sehn und lesen. So wann sie uneingeschrenk’t, Als auch wann sie in der Enge, Sieht man an der Teilchen Menge Eine sonderbare Spur Jhres Wesens und Natur. 26. Wenn man Luft in ein Gefaͤsse Von Metall, das stark und fest, Von geraumer Mass’ und Groͤsse Durch ein Werkzeug drengt und presst, Laͤsst sie sich so feste druͤcken, Und so wunderbar verdicken, Daß sie fuͤhlbar, und so dicht, Als ein Wasser am Gewicht. 27. Da ein Koͤrnchen Luft hingegen Jm Gefaͤß, das ausgeleert, Durch ein wunderbar Bewegen Sich viel tausendfach vermehrt, Und sich rings auf allen Seiten Unvermerkt weiß auszubreiten, Daß es tausendmal so klein, Ja ein nichts fast, schein’t zu seyn. Q 2 28. Alle 28. Alle Luft, die uns umschrenket Und den Erden-Kreis umfasst, Da sie sich stets abwaͤrts senket, Druͤck’t sich selbst durch eig’ne Last. Daher wird durch ihr Gewichte Uns’re nied’re Luft so dichte, Daß sie leicht die ob’re traͤg’t, Der sie sich zum Grunde leg’t. 29. Wie man denn gar deutlich spuͤret, Daß die Luft auf allen Hoͤh’n Jhre Schwere gleich verlieret. Wenn wir auf Gebirgen steh’n, Kann kaum uns’re Lung’ und Magen Solche duͤnne Luft vertragen. So schnell, ja fast sichtbarlich, Aendert unser Luft-Kreis sich. 30. Kann man also leicht erweisen, Daß die Luft nicht einerley, Sondern in verschied’nen Kreisen Gleichsam abgesondert sey. Wie denn dieß die Wolken zeigen, Die bald sinken und bald steigen, Bloß nachdem sie duͤnn’ und feucht, Frey, gepresset, schwer und leicht. 31. Wel- 31. Welches nicht geschehen wuͤrde, Wenn die Luft stets leicht, stets schwer Und in allzeit gleicher Buͤrde Jedes Orts verteilet waͤr’. Alle muͤsten auf uns liegen, Oder saͤmtlich aufwaͤrts fliegen, Wie nichts still im Wasser bleib’t, Sondern sinket oder treib’t. 32. Dieser Nutz ist unbeschreiblich. Fiel der Wolken Last herab; Fuͤnden wir unhintertreiblich Ein beeis’tes ploͤtzlichs Grab Jn derselben Eingeweide. Baͤume, Felsen und Gebaͤude Wuͤrden unter sich gedruͤckt, Und was lebte wuͤrd’ erstickt. 33. Da der weise GOTT hingegen Durch die Luft sie droben haͤlt, Daß ihr Leib allein im Regen, Und zwar troͤpfelnd, abwaͤrts faͤllt, Und die Welt nicht uͤberschwemmet. Durch die Luft wird auch gehemmet, Daß sie uns nicht naͤher stehn, Sonst muͤst’ man fuͤr Frost vergehn. Q 3 34. Denn 34. Denn die Wolken sind gezeuget Bloß aus einem Duft, der friert, Wenn er maͤlich aufwaͤrts steiget, Und solch eine Hoͤh’ beruͤhr’t, Wo die Waͤrme von der Erden Nicht mehr kann empfunden werden, Und der Stralen Gegenschlag Sie nicht mehr erreichen mag. 35. Alsdann werden augenblicklich Jhre Teilchen Schnee und Eis, Welche denn die Luft geschicklich Traͤg’t und sie zu stuͤtzen weiß, Weil sie sie erfuͤll’t, umringet, Jhren lockern Leib durchdringet, Daß die Wolke droben bleibt, Wie ein Rohr im Wasser treibt. 36. Bis sie endlich sich verdicket, Wenn sich Flock’ auf Flocken leg’t, Da, von eig’ner Last gedruͤcket, Sie zuletzt zu sinken pfleg’t, Und der Waͤrme Widerprallen Sie zerschmelzt im Niederfallen, Daß sie wieder auf die Welt Tropfen-weis’ herunter faͤllt. 37. Wel- 37. Welche Tropfen oftmal frieren, Nemlich dann wenn Blitz und Hitz Mit zu starkem Stral beruͤhren Einer Wolken ob’re Spitz’, Alsdenn schmilzt das Eis; hingegen Wird der schon formir’te Regen Durch der Luͤfte kalten Kreis Jn den Schlossen wieder Eis. 38. Ferner muß man nicht verschweigen, Was wir mehr in Luͤften seh’n, Wie sich Thau und Nebel zeugen, Wie sie uns zum Nutz entstehn. Dieses recht zu uͤberlegen, Muß man dieß erst wol erwaͤgen: Hitze, Kaͤlt’ und Feuchtigkeit Steh’n, um Ruhe, stets im Streit. 39. Ob sie noch so widrig scheinen; Sucht doch diese fort und fort Sich mit jener zu vereinen Durch des Hoͤchsten Wunder-Wort, Und aus diesem Triebe stammen Die Bewegungen zusammen, Aller Witt’rung Unterscheid Und derselben Fruchtbarkeit. Q 4 40. Denn 40. Denn wenn Flut und Erde gluͤhet Durch der Sonnen Lebens-Stral, Und die Sonne sich entziehet; Wird der Luft-Kreis allemal Kaͤlter als der Kreis der Erden: Um nun gleich gemischt zu werden; Steig’t die Hitz’ aus Erd’ und See Alsbald wieder in die Hoͤh’. 41. Daher wir die Nebel-Duͤfte Meist im Herbst und Winter seh’n, Als die nimmer, wenn die Luͤfte Waͤrmer werden, auch entstehn, Sondern, wie mans taͤglich lernet, Denn wenn sich die Sonn’ entfernet, Da sodann so Waͤrm’ als Licht Alsobald der Luft gebricht. 42. Ferner, wie wir’s innen werden, Druckt die Luft nicht sich allein Sondern alle Ding’ auf Erden, Die ihr unterworfen seyn, Und zwar dieß mit solcher Buͤrde, Wie ein Wasser drucken wuͤrde, Welches zwanzig Ellen tief, Wenn es uͤber etwas lief. 43. Daß 43. Daß wir aber dieß nicht spuͤren Und empfinden, kommt daher, Daß die Luͤfte, die uns ruͤren, Allenthalben gleiche schwer, Daß sie uns nicht nur umringen, Sondern selber durch uns dringen, So daß, wenn mans recht erwegt, Eine Luft die and’re traͤgt. 44. Wie kein Fisch im Meer ersticket, Ob ihn gleich der Wellen Last Unaufhoͤrlich prest und druͤcket: Dann weil sie ihn rings umfast, Kann er auch in tiefsten Gruͤnden Kein zu schwer Gewicht empfinden; Denn der Druck im Wasser-Reich Jst von allen Seiten gleich. 45. Dennoch ist die Last der Luͤfte Allemahl nicht gleiche schwer. Sondern, wenn die nassen Duͤfte Von den Feuchtigkeiten leer. Wenn die Welt vom Regen feuchte, Wird sodann der Luft-Kreiß leichte, Und die Erde traͤgt und fasst Einen Theil von ihrer Last. Q 5 46. Doch 46. Doch spuͤrt man auch nach dem Regen, Daß sie sich noch abwerts senkt, Weil sonst durch der Welt Bewegen, Die sich stets im Cirkel lenkt, Sie bald wuͤrde von uns fliehen, Und sich in die Hoͤhe ziehen, Drum schafft GOTTES weise Kraft, Daß sie stetig an uus hafft. 47. Druͤckt sie also und umringet, Wie den Erd-Kreiß, auch die Fluht. Daß sie aber nicht durchdringet, Sondern gleichsam auf sie ruht, Kommt, daß diese dicht und feuchter, Da die Luft so duͤnn- als leichter, Drum sie sie zwar sanfte drengt, Doch sich nicht mit ihr vermengt. 48. Wie sich nun die Erde ruͤhret, Und sich Jaͤhr- und taͤglich dreht, Wird die Luft auch umgefuͤhret, Daß sie nimmer auht noch steht: Drum die Welt, die sie bedecket, Als in einer Schale stecket, Welche Schal’ in einem Stuͤck, Bis auf sieben Meilen dick. 49. Wel- 49. Welches klaͤrlich zu ersehen An der Daͤmm’rung Schimmer-Licht. Denn die koͤnte nicht entstehen, Stieß der Stral der Sonne nicht Auf des Luft-Leib’s aͤuss’re Graͤnzen, Die denn widerprallend glaͤnzen: Welches fruͤher wuͤrd’ geschehn, Wenn die Luft solt’ hoͤher stehn. 50. Ja, wenn sie nur zwanzig Meilen Hoͤher, als sie itzt ist, waͤr; Waͤr von allen Erden-Teilen Keiner je von Daͤmm’rung leer. Denn das Licht wuͤrd’ an sie prallen, Und drauf wieder abwaͤrts fallen; Aber ohne Gegenstand Sieht man nicht der Sonnen Brand. 51. Daß auch in der Luͤfte Kreise Ein bestaͤndig Feuer brennt, Zeiget auf besond’re Weise Folgendes Experiment: Wenn man in ein hol Gefaͤsse, Dran ein Hals von kleiner Groͤsse, Nur ein Licht von unten haͤlt, Und es dann aufs Wasser stellt; 52. Hoͤr’t 52. Hoͤr’t das Licht bald auf zu brennen. Wenn wir durch ein krummes Rohr Und den Blas-Balg Luft ihm goͤnnen, Brennt es aber nach wie vor: Doch erlischet es zur Stunde, Wenn man Luft aus unserm Munde, Die schon in der Lung’ gewest, Jn dieselbe Roͤhre blaͤs’t. 53. Hieraus scheinet nun zu fliessen, Und, weils die Erfahrung lehrt, Kann man draus ganz deutlich schliessen, Daß die Luft, die uns genaͤhrt, Durch die Lunge das verlieret, Was dem Feu’r zur Kost gebuͤret, Und daß von der Luft das Blut Eben das braucht, was die Gluht. 54. Nun in dieser Luͤfte Kreise, Den man Atmosphera nennt, Leb’t auf wunderbare Weise Alles, was man sieht und kennt. Ausser ihr muͤst’ alles sterben: Alles wuͤrde schnell verderben, Das sich nun durch sie erhaͤlt. Sie ist bloß der Geist der Welt. 55. Durch 55. Durch sie schwinget sich und schwebet Jeder Vogel in der Hoͤh. Was der Sonnen Stral erhebet Von der Erd’ und aus der See, Wird von ihr, als wie im Wagen, Rings um uns’re Welt getragen. Was die Fruchtbarkeit gebiert, Wird in ihr herum gefuͤhrt. 56. Sie erhaͤlt die Lebens-Flamme, Die in unserm Blute brennt. Sie wird wol mit Recht die Amme Uns’rer innern Waͤrm’ genennt, Ja man sieht, wie sie die Fische Und die Pflanzen selbst erfrische, Welche durch ihr loͤchricht Gruͤn Atem, wie die Tiere, ziehn. 57. Luft ist faͤhig anzunemen Licht und Toͤne, ja sie kann Sich zu Hitz’ und Frost beqvemen, Gluht und Wasser nimmt sie an. Der Geruch aus allen Dingen Kann in ihr sich aufwaͤrts schwingen, Und es draͤnget ihr Gewicht Ueber sich Rauch, Flamm’ und Licht, 58. Wel- 58. Welche stets von ihr umgeben, Rings umher gedrenget sind: Wie sich Wasser-Blasen heben, Nicht nur durch den innern Wind; Sondern weilen ihre Leichte An des Wassers Last nicht reichte, Druͤckt die Flut sie heftiglich Allenthalben uͤber sich. 59. Wann die Sonn’ uns nahe stehet, Wird sie warm, erhitzt, geschwuͤl: Wann der Wind hingegen wehet, Wird sie alsbald wieder kuͤl, Wie man oft mit Schmerzen lernet, Falls die Sonne sich entfernet, Daß die Luft, wenn sie verdickt, Uns beschweret, sticht und druͤckt. 60. Aber, kehrt die Sonne wieder; Aendert sich so gleich die Luft: Gleich empfinden uns’re Glieder, Wie derselben lauer Duft Uns mit suͤssem Hauchen streichelt, Uns mit sanftem Saͤuseln schmeichelt, Die zu starke Hitze kuͤl’t, Und, wie Wellen, um uns spielt. 61. Wol- 61. Wollen wir nun nach den Gruͤnden Der Chymie die Luft besehn; So wird sich gar deutlich finden, Sie muß hieraus meist bestehn: Jhr unfuͤlbar-duͤnner Schleyer Heget Feuchtigkeit und Feuer. Jst also der Luft Natur, Etwas Schwefel und Mercur. 62. Ferner hat man zu erwegen, Wie die Luͤfte durch den Wind Solch ein unschaͤtzbarer Segen Kraͤutern, Thier- und Menschen sind. Durch die Winde werden droben Alle Wolken fortgeschoben, Wodurch in der ganzen Welt Allenthalben Regen faͤllt. 63. Durch die Winde sind die Luͤfte Ohne Faͤulniß stets beweg’t Und gereiniget vom Gifte, Der sich drin zu sammlen pfleg’t. Durch die Wind’ und durch die Blitze Wird die gar zu grosse Hitze, Die man oft im Sommer fuͤl’t, Ausgedehnt und abgekuͤl’t. 64. Durch 64. Durch die Winde sind die Kraͤfte, Die der Kreis der Luft begreift, Und die Lebens-Balsam-Saͤfte, Wenn sie sich durch ihn gehaͤuft, Jn die Coͤrper eingetrieben; Welche sonst unfruchtbar blieben. Keine reiche Erndt’ entsteh’t, Wenn die Winde nicht geweh’t. 65. Keine Handlung koͤnnte bleiben; Keine Schiffahrt vor sich gehn, Deren Nutz nicht zu beschreiben, Wie ein jeder muß gestehn. Trieben nicht der Winde Kraͤfte Dieß so noͤtige Geschaͤffte, Wie so manches schoͤne Land Waͤr’ uns ewig unbekannt? 66. Alle Vorteil sind unglaͤublich, Die man durch den Wind verspuͤr’t. Jst der Nutz nicht unbeschreiblich, Wenn er Wasser aufwaͤrts fuͤhrt? Wenn er Muͤlen-Raͤder treibet? Laͤnder trocknet? Korn zerreibet? Tuͤcher stampfet? Holz und Stein Schneiden uns die Winde klein. 67. Frag’t 67. Frag’t man nun: was sind die Winde, Und wo kommen sie doch her? So bekenn’ ich, daß die Gruͤnde Des Beweises etwas schwer. Denn die meisten sind gebrechlich: Doch dieß ist unwidersprechlich, Daß die Winde bloß allein Uns’rer Luft Bewegung seyn. 68. Welche durch der Sonnen Stralen Oft gedehnet, oft gedruͤckt, Oft gespannet, oftermalen Duͤnn gemachet, oft verdickt. Wechselt dieses nun gelinde; So entsteh’n gemeine Winde: Aber wenn ein Sturm sich reg’t, Schein’t die Luft, wie folgt, beweg’t. 69. Glaublich ist, daß dieß entstehet, Wenn der Sonnen Wunder-Licht Eine Menge Duͤnst’ erhoͤhet, Jhre Coͤrperchen zerbricht, Und dadurch die Luft vermehret, Da die erste ruͤckwaͤrts faͤhret, Aber bald, aufs neu gedehn’t, Sich nach ihrer Stelle sehn’t. II. Theil. R 70. Und 70. Und dadurch die neuern Teile Von sich drenget, stoͤss’t und treibt, Deren jede nun in Eile Sich an andern Teilen reibt, Da sich denn die Luft ergiesset, Und in Strichen gleichsam fliesset Wie ein strenger Wasser-Fluß, Vor dem alles weichen muß. 71. Doch so schrecklich auch von Staͤrke Solche Stuͤrme manchmal sind; Spuͤr’t man gleichwol GOttes Werke Augenscheinlich, Der den Wind Dennoch Masse zwingt zu halten, Da dieß alles zu zerspalten Dem erzuͤrnten Luͤfte-Heer Sonsten nicht unmoͤglich waͤr. 72. Daß der West-Wind waͤrm- und nasser, Als der Ost-Wind, komm’t daher: Weil die Sonn’ ein duftig Wasser Aus dem Teil von Erd’ und Meer, Die sie kurz vorher beruͤhret, Aufgezogen. Dadurch fuͤhret Stets der Wind aus diesem Strich Viele Feuchtigkeit mit sich. 73. Da 73. Da der Morgen-Wind hingegen Stets aus solchem Orte blaͤs’t, Welcher in der Sonnen Wegen Eine Zeitlang nicht gewest; Sinkt also der Dunst hinwieder, Durch der Naͤchte Kaͤlte, nieder, Wannenher die Morgen-Luft Kuͤl und leer von Dunst und Duft. 74. Jn der Erden innern Gruͤnden, Wo der Mittel-Punct sich schliesst, Soll sich ein Behaͤlter finden, Woraus stets sich Luft ergiesst, Die aus Suͤden teils entspringet, Teils sich durch den Nord-Pol dringet, Woran dieser Suͤd-waͤrts faͤhrt, Jene sich nach Norden kehrt. 75. Und durch dieses Luft-Geists regen Soll der leitende Magnet Sich so wunderbar bewegen, Daß er immer Nord-waͤrts steht, Weil die Erd-Luft, wie man meinet, Sich mit seiner Luft vereinet, Weil sie beyde gleiche klein Und von einer Groͤsse seyn. R 2 76. Daß 76. Daß im Winter, wenn es frieret, Es nicht immer gleiche kalt, Daß man nicht im Sommer spuͤret Gleicher Hitz’ und Gluht Gewalt; Dieß, wie viele Weise glaͤuben, Jst dem Luft-Geist zuzuschreiben, Ja der frechen Winde Zucht Jst wol gar derselben Frucht. 77. Diese Gruͤnd’ und mehr dergleichen Glaub’t man: denn sie scheinen klar. Dennoch will ich gerne weichen, Werd’ ich bessere gewahr. Denn, nur GOttes Werk zu preisen, Und nicht meinen Witz zu weisen, Schreib’ ich, und es hat mein Kiel GOttes Ruhm, nicht sich, zum Ziel. 78. GOtt, der Du der Winde Rasen Fassest als in einem Schlauch, Du verspaͤrr’st ihr stuͤrmisch Blasen Jn der Erden dunkelm Bauch. Woher aller Winde Scharen Kommen, und wohin sie fahren, Fasst kein Menschlicher Verstand. Dir ist es allein bekannt. Der Der Thau. Noch ein Gedicht vom Thau siehe im vorigen Theile, pag. 209. D aß der Thau so herrlich scheinet, Kommt daher, dieweil das Licht Jn dem Mittel-Punct sich bricht, Jn der Ruͤnde sich vereinet. Hier scheint oͤfters eine Stelle, Wenn ich Aug’ und Haupt nicht dreh’, Und so lang’ ich stille steh, Ganz wie Diamanten helle. Ruͤhr’ ich mich; so ist im Gruͤnen Alles blau wie ein Sapphir. Wenn ich mich noch einmal ruͤhr’; So gluͤh’t alles wie Rubinen. Ja wenn an den schwanken Spitzen Oft ein grosser Tropfen haͤng’t, Der den Sonnen-Stral empfaͤng’t, Stral’t aus ihm ein buntes blitzen. Denn indem die Blaͤtter zittern, Zittert auch der Stral zugleich, Daß sie Blitz- und Farben-reich, Recht wie Zitter-Nadeln, schuͤttern. Mein vergnuͤg’tes Auge findet, Daß der Ursprung solcher Zier Sey, weil mit dem Jrd’schen hier Sich was Himmlisches verbindet. R 3 Stra- Stralet nun ein Punct der Sonne, Ein so kleiner Teil vom Licht’ Jn die Sele durchs Gesicht, Und erfuͤllet uns mit Wonne, Die wir mit erstaunen spuͤhren; Welch ein Glanz und welcher Schein Muß denn nicht dort oben seyn Jn den himmlischen Rivieren, Wo des Lichtes ew’ge Qvelle Unveraͤndert, unverhuͤll’t Aller Himmel Himmel fuͤll’t, Alles herrlich, alles helle, Alles voller Glanz und Pracht, Alles ewig froͤhlich, macht! Das Das bethaute Gras. J ch sah noch auf ein ander mal Der fruͤhen Morgen-Sonne Stral An dick begras’t- und bunt bebluͤhmten Huͤgeln Jm Thau sich spiegeln. Es ließ das frisch bethau’te Gras, Als waͤr’ ein reines Glas Daruͤber her gefuͤhret, Und jedes Blaͤtchen schien candiret. Welch heller Glanz, welch funkelnd Prangen, Welch heit’res lieblichs Licht Erqvicket das Gesicht, Zumal Wenn an dem langen Gras’ oft grosse Tropfen hangen! Welch angenem gefaͤrbter Stral, Wie viele schoͤne bunte Blitze Zeug’t oft ein einz’ger Tropf an einer regen Spitze! Ein schnell geschuͤttelter geschliff’ner Diamant Wirft solche bunte Gluht, streut solchen hellen Schimmer, Als wie der Farben-reiche Brand Der angestral’ten Tropfen, nimmer! Seht! itzt ist er Smaragden gruͤn, Jtzt Purpur, itzo blau, itzt ein Rubin. Ey seht! das schoͤne Gold, Topas und Chrysolith, Stral’t so vortrefflich nicht, als er anitzo gluͤht Jn einem gelben Licht. Schaut, wie er sich verlieret, Und solchen Demant-Glanz im Augenblick gebieret, R 4 Durch Durch dessen Reinigkeit und Wunder-hellen Schein Die Augen fast geblendet seyn. Jch rief mein Jlschen aus dem Bette, Damit sie sich zugleich mit mir An dieser holden Zier Zu freu’n und zu ergetzen haͤtte. Wir konnten uns nicht satt an diesem Schimmer sehn. Es fuͤllet itzt nicht nur ein allgemeines Licht, Sprach sie, so Luft als Land; es fuͤll’t uns das Gesicht Ein ganz besond’rer Glanz, ein ungemeines Prangen. Jch seh’ an jedem Blat’ ein eig’nes Troͤpflein hangen, Jn welches sich der Sonnen Stral, Als wie in einen Spiegel, druͤcket, Und tausend Stellen auf einmal Mit hellen bunten Flammen schmuͤcket. Man kann, sprach ich, in ihnen wunderschoͤn Viel tausend kleine Sonnen sehn, Die aber all’, um GOtt darin zu preisen, Uns auf der Sonnen Sonn’, ihr herrlichs Urbild, weisen. Ein jeder suͤsser Blitz trifft durch das Aug’ ins Herz. Die Sel’, hiedurch geruͤhrt, lenkt selbst sich Himmel-waͤrts, Und denkt: Wie wunderschoͤn, wie unergruͤndlich hell, Wie undurchdringlich licht, wie unerforschlich rein, Wie unbegreiflich klar muß aller Dinge Qvell, Muß aller Dinge Schoͤpfer, seyn! Das Das Grase-Pferdchen. J ndem die Augen sich mit tausend Freuden Bald am beschatteten, bald am bestral’ten Gruͤnen, Die beyd’ illuminiret schienen, Bald an der klaren Flut, Bald an der schwimmenden und heit’ren Sonnen-Gluht Bald an den tausend-fach bebluͤhmten Kraͤutern weiden; Worunter der Vergiß mein nicht So lieblichs Himmel-blau, Bey dem bestaͤnd’gen Licht- und Schatten-Spiel, Mir unvergleichlich wol gefiel; Sah ich, zu mehren mein Vergnuͤgen, So manches lieblich-blaues Licht Jn mancher lebenden Vergiß mein nicht, Wie Himmel-blaue Bluͤhmchen, fliegen, Die das so holde Gruͤn und dessen dunk’le Pracht Um so viel lieblicher und angenemer macht. Ein kleines blaues Heer von Grase-Pferdchen zog Durch den beweglichen bestaͤndig regen Schein Die Augen fast auf sich allein. Jhr Jungserlicher Schwarm, wie man sie nennet, flog Mit klaren Fluͤgeln hin und wieder. Bald eilten sie vorbey, bald setzten sie sich nieder, Und schmuͤckten ihren Sitz wie Tuͤrkis und Sapphir. Mein aͤlt’stes Toͤchtergen, mein Jlschen, lief geschwinde, Erhaschte schnell ein kleines, bracht’ es mir, Und freute sich, R 5 Als Als ob sie einen Schatz von grossem Wehrt gefunden. Jch nam es hin, besah es eigentlich, Und fand auf seinen klaren Fluͤgeln, Als wie in kleinen glatten Spiegeln, Der schoͤn’sten Farben Schmuck mit einem Glanz ver- bunden. Hierauf bewundert’ ich von dieser Creatur Die seltsame Figur, Den runden klaren Kopf, der nichts als Auge scheint, So manchen Fuß, der sich fast mit dem Kopf vereint, Den duͤnnen langen Leib, der hier und dar Sehr zierlich eingekerbt, und sonst so glaͤnzend war, Daß er recht eigentlich als amailliret, Und dessen lieblich Blau Noch durch ein schoͤnes Schwarz erhoͤhet und gezieret. Jndem ich es nun mit Bedacht beschau; Fiel mir daruͤber ein: Wozu mag solch ein Tier wol nuͤtzlich seyn? Zu Anfang meynt’ ich zwar So sondern Nutzen nicht zu finden, Und dachte schon: Wer kann des Schoͤpfers Weg’ er- gruͤnden? Und dieß ist mehr als gar zu wahr. Allein von ungefehr Erblick’ ich, wie sie kleine Muͤcken, Um sie zu fressen, schnell beruͤcken. Jch sehe, sag’t’ ich, itzt, Wie und worin dieß kleine Tier Der Welt, und folglich dir und mir, Ob Ob es gleich nicht so scheinet, nuͤtzt. Daß ein zu grosses Muͤcken-Heer Dir nicht beschwerlich moͤge seyn, Macht es die Luft von Ungeziefer rein. So zeig’t dieß Tierchen denn aufs neue, Wie alles, was der Schoͤpfer macht, So wunderbar hervor gebracht, Woruͤber ich mich Seiner herzlich freue, Jndem mein Herz es nicht geringe schaͤtzet, Daß dieses Tierchen uns so nuͤtzet als ergetzet. Der Der Kuͤrbis. J ch gieng im Garten hin und her, Und sah von ungefehr, Wie durch der Erlen dichte Wand Von einem Kuͤrbs die Ranken durchgedrungen, Sich artig hin und her geschlungen, Und in dem Steig’ auf den betret’nen Sand Sich ausgestreckt und ausgebreitet hatten. Dieweil ich nun der Ranke Stand, So wie sie lag, nicht sicher fand, Jndem sie in Gefahr An einem solchen Orte war Vertreten und zerknickt zu werden; Hub ich sie von der Erden, Um, daß sie moͤchte sicher liegen, Sie wiederum dahin zu biegen, Woher sie kommen war; allein Kaum mogte sie von mir gefasset seyn; So brach sie, wie ein Glas. Ey daß dich! fing ich an, Jst das nicht Schad’? Ey haͤtt’ ich es gelassen! Doch dacht’ ich, wie ich mich besann, Da der Verlust nicht groß, kann ich mich leichtlich fassen, Und darf ja nicht verdrießlich seyn. Mir fiel jedoch dabey dieß Sprichwort ein, Das mich zum oͤftern schon geruͤhret: Der Weg, den mancher nimmt, um etwas zu vermindern, Jst Jst eben der, so ihn zu solchem Etwas fuͤhret. Wie ich hierauf die abgebroch’nen Ranken So voller Fruͤchte fand, als ich sie recht besah; Gieng es mir zwar aufs neue nah: Doch troͤsteten mich folgende Gedanken: Jch will bey dem Verlust gewißlich nichts verlieren. Es soll, geliebte Ranke, mich Die kleine Frucht und Bluhmen, die dich zieren, Zu dein- und meinem Schoͤpfer fuͤhren. Wer weiß, warum du dich Hieher gelenkt, warum in dieser Stunde, Da ich allein, ich dich in solchem Stande funde; Warum ich so von dir gedacht, wie ich gedacht; Wer weiß, warum ich dich zerbrochen; ob es nicht Vielleicht darum geschehn, daß mein Gesicht Mein sonst unachtsames Gemuͤte Doch zur Aufmerksamkeit und zur Betrachtung braͤchte, Und ich von GOttes Macht und Weisheit, Lieb’ und Guͤte, Zu Seinem Ruhm, was nuͤtzliches gedaͤchte. Auf denn, mein Geist, betrachte mit Vergnuͤgen Das fruchtbare Gewaͤchs, woran recht wunderlich Verschied’ne gruͤne Roͤren sich Am fuͤnf-geeckten Stengel fuͤgen! Die Blaͤtter, so an diesem Stengel sitzen, Sind, wie die Bluhmen selbst, besetzt mit zarten Spitzen, Nicht weniger die Frucht, so lange sie noch klein. Aus diesen Stengeln nun, die hol und lucker seyn, Waͤchst ein dem Reben-Laub an Bildung gleiches Blat, Das tausend kleine Adern hat, Die Die alle wiederum mit Spitzen reich versehn, Wodurch sie teils von einem Ort zum andern Mit den fast stets verlaͤngten Ranken wandern, Teils wie auf kleinen Fuͤssen stehn. An jedem Ort, woraus das Blat entspringet, Entspriesst zu einer Zeit die Bluhm’ und Frucht zugleich; Wobey noch uͤberdem recht Wunder-reich An eben solchem Ort ein Stiel mit Gaͤblein dringet. Derselbe teilet sich in drey verschied’ne Teile, Die alle, recht wie kleine gruͤne Seile, Wo sie Gelegenheit nur finden, Die Ranken suchen fest zu binden. Bewund’re doch, mein Herz, die Ordnung der Natur Jn diesem Kuͤrbs-Gewaͤchs aufs neu! Erwege, daß nicht nur Die Zierlichkeit, nein mehr hie zu bewundern sey! Damit dieß Ranken-Werk von wegen seiner Schwaͤche So bald nicht braͤche, Waͤchst eine kleine Hand mit dreyen Fingern dran, Wodurch sie hie und da sich halten kann. Ach lasst uns doch, wenn wir dergleichen sehn, Den, Der dieß alles macht, den weisen GOtt, erhoͤhn! An dieses Stieles Fuß Erblicket man, wiewol so wunderbarlich klein, Daß jeder sich darob verwundern muß, Blat, Bluhme, Frucht und Stiel, die kaum zu sehen seyn, Und dennoch finden wir, daß die so an den Spitzen Der langen Ranken sitzen, Noch unweit kleiner sind, da nemlich man daran Ein Ein gruͤn verwirrtes Etwas findet, Das unser Auge nicht, der Geist nur, sehen kann. Die Bluhme, welche mich absonderlich verbindet, An ihrer Farb’ und artigen Figur Mich zu ergetzen, stellet mir Die wunderbare Kunst der bildenden Natur Jn ihrer brennenden Gold-gelben Farbe fuͤr. Die Bluhmen zeigen sich zuerst bey andern Fruͤchten, Hier zeigt sich erst die Frucht; hier sieht man wunder-schoͤn Die Frucht mit einer Kron’ aus Gold gekroͤnet stehn, Doch nicht zur Zier allein, es scheinen die fuͤnf Spitzen Der suͤssen Frucht zugleich zu nuͤtzen. Die Bluhme gleichet einer Hand, Die mit fuͤnf Fingern ausgespannt, Um Regen, Tau und and’re Feuchtigkeiten Der durst’gen Wurzel zuzuleiten, Als welche sie in einem groͤssern Grad Fuͤr Fruͤchte, die so groß, vor andern noͤtig hat. Von aussen siehet man, Woselbst die Bluhme glatt, An jedem Blatt Viel tausend, tausend Adern gehen. Von innen siehet man daran Viel tausend gelbe Spitzen stehen. Noch sieht man in der Bluhme Mitten, Als waͤr’ es recht durch Kunst geschnitten, Ein dreyfach guͤld’nes Herz. Ob die zur Zier allein, Wie oder ob sie sonst der Frucht auch nuͤtzlich seyn, Jst, wie sonst vielerley, uns unbekannt. Jndes- Jndessen hat sich mein Gemuͤte An ihrer Zierlichkeit vergnuͤg’t. Es ist die Allmacht, Weisheit, Guͤte Desjenigen, der durch die bildende Natur So manche zierliche Figur Aus Erd’ und Flut zusammen fuͤg’t, Jn allen Dingen zu verehren. Mein GOtt! ach gib, so oft ich etwas schoͤnes sehe, Daß ich in meiner Lust Dein herrlichs Werk erhoͤhe! Gib, daß ich Deinen Ruhm moͤg’ uͤberall vermehren! Die Frucht, die wol von allen Fruͤchten Die allergroͤsseste, verdient mit allem Recht, Daß wir auf sie so Geist als Augen richten. Ach daß ich sie doch hier recht zierlich schildern moͤgt’! Ach daß sie zwar fuͤr mich, doch nicht fuͤr mich allein, Wie Jonas Kuͤrbs, von mir moͤgt’ angesehen seyn, Nein, daß ich auch zugleich im Kuͤrbs des Schoͤpfers Macht, Jndem ich ihn mit Lust beseh’, besinge, Und also Jhm vom Kuͤrbs, wenn ich ihn wol betracht’, Ein wolgefaͤlligs Opfer bringe! Daß an so niedrigem und duͤnnem Stiele Solch eine grosse Frucht, ja gar daß ihrer viele Daran zugleich entstehn, und wachsen koͤnnen, Jst wol mit Recht ein Wunderwerk zu nennen. Wie lieblich glatt sind ihren bunte Schalen, Die bald so gelb als Gold, bald etwas bleich, Bald gelb und bleich, und gruͤn zugleich, Absonderlich, wenn sie der Sonne Stralen Mit einem hellen Blick bemalen, Wodurch Wodurch ein heit’rer Glanz, recht Wunder-schoͤn Auf ihrer glatten Ruͤnd’, als wie ein Stern, zu sehn. Jn Ungern sah ich einst mit innigem Vergnuͤgen Ein ganzes Feld voll Kuͤrbs’, als wie voll Spiegel, liegen, Jndem der Sonnen Licht sie schmuͤckte, Und in die glatte Haut ihr herrlichs Bildniß druͤckte, Wobey das ganze Feld durchs angeneme Gruͤn Voll kleiner heller Blitze schien, Die mir, so bald den Glanz die Augen spuͤr’ten, Mit ihrem suͤssen Stral die Sele ruͤr’ten, Daß ich an Den, Der aller Schoͤnheit Pracht, Der Farben, Formen, Licht und das Gesicht gemacht, Mit Dank-erfuͤllter Ehrfurcht dachte, Und Jhm ein froͤhlichs Herz dafuͤr zum Opfer brachte. Noch macht uns die Natur in einem Kuͤrbis kund, Wie sehr sie an Veraͤnd’rung reich, Da diese Frucht zugleich Bald lang, bald rund. Kein zierlicher gewund’ner Tuͤrken-Bund Kann an Figur so zierlich seyn, Als wie ein runder Kuͤrbs. Er scheinet recht gewunden, Und teilt die Striche richtig ein, Die unterwaͤrts und oberwaͤrts mit Haufen Jn einen Mittel-Punct zusammen laufen. Viel’ and’re werden noch gefunden, Die, grossen Flaschen gleich, gestreckt und laͤnglich seyn. Es laͤsst recht unvergleichlich schoͤn, Wenn wir von ihnen viel’ auf einem Haufen sehn, Da so viel Farben, die sie zieren, Besonders Aug’ und Herze ruͤhren. Noch faͤll’t mir ein, Was ich an dieser Frucht bemerkt nicht sonder Freuden. Wenn wir in einen Kuͤrbs nur zarte Lettern schneiden; So wachsen sie. Ach haͤtt’ auch mein Gemuͤte II. Theil. S Des Des Kuͤrbses Ahrt, daß von des Schoͤpfers Guͤte Die holde Schrift, die Zuͤge seiner Lehren Sich moͤgten stets in mir vergroͤssern und vermehren! Eh wir nun dieß Gedicht beschliessen, Werd’ ich, mein Leser, dir noch was, So ich einmal vom Kuͤrbs erbaulichs las, Vorher erzaͤlen muͤssen: Ein Landmann sahe mit Vergnuͤgen Viel grosse Kuͤrbs’ auf seinem Acker liegen. Die Groͤsse dieser Frucht, an solchen kleinen Ranken, War ihm besonders lieb. Voll froͤhlicher Gedanken Sah er von ungefehr auf einem Eichen-Baum Desselben kleine Frucht! Pfuy! Schande, brach er los: Des kleinen Strauches Frucht ist so gewaltig groß; Die deine sieht man kaum, Nichts-wehrtes faules Holz! Kaum hatt’ er dieß gesprochen Mit recht erzuͤrn’tem Mut; So fiel ein’ Eichel ihm auf seinen Hut. Er stutzt’, und blieb ganz unbeweglich stehn. Ach! fing er, wie er sich besann, Aus einem andern Ton, wie folget, an: Wie waͤre mir geschehn, Dafern nach meinem Wollen Und meinem naͤrrischen Verstande Die Frucht sich haͤtte richten sollen? Jch laͤge schon zerschmettert in dem Sande. Er dankte GOtt, und nam sich fuͤr, Allein auf Jhn zu sehn in allen seinen Sachen. Mein GOtt! ach laß auch mich es allezeit, wie hier er Landmann es gemachet, machen! Betrach- Betrachtung der Baͤume. Siehe den Wald im vorigen Theile, pag. 185. J ndem ich juͤngst im gruͤnen Grase, Von einem Linden-Baum beschattet, saß und lase; Schlug ich von ungefehr die Augen auf, und sah Verschied’ne Baͤume hie und da, Teils fern, teils nah, Teils halb, teils ganz im Licht, teils halb, teils ganz im Schatten, Samt ihren durch das Laub gebog’nen Aesten, stehn. Jch sah, wie sie so wunderschoͤn Die Luft so wol als die bebluͤhmten Matten Geschmuͤcket und bekroͤnet hatten. Damit ich nun die gruͤne Zier Und das dadurch so lustige Revier Der Landschaft, wenn ichs uͤberdaͤchte, Beschreiben und zugleich die Lust verlaͤngern moͤgte, Zog ich, nebst einem Blat Papier, Ein wenig Reiß-Bley auch herfuͤr, Und such’te, GOtt zum Ruhm, in schoͤner Baͤume Bildern Des Schoͤpfers Werk in Reimen abzuschildern. Gewiß von allem dem, was uns die Welt Als schoͤn vor Angen stell’t, Jst nichts, das nicht dem Schmuck begruͤn’ter Zweige weichet, Jst nichts, das einem Wald’ an holder Zierde gleichet. Man siehet mit vergnuͤg’ter Brust S 2 Die Die Luft mit gruͤnen Decken prangen, Und GOtt zur Ehr’ und uns zur Lust Voll lebender Tapeten hangen. Von Blaͤttern sind dieselbigen so dicht, (Als die sich Schuppen gleich zusammen fuͤgen;) Daß sie dem strengen Sonnen-Licht Den heissen Durchgang nicht vergoͤnnen, Wodurch sie uns vor dessen hellem blitzen Durch ihr so liebliches Gewebe schuͤtzen, Und einen kuͤlen Sitz verschaffen koͤnnen. Man spuͤr’t hiedurch zugleich mit Anmut, und befindet, Jndem wir die bestral’ten Blaͤtter sehn, Wie sich der Sonnen Gold in ihnen Mit dem so zarten Gruͤnen Fast sichtbarlich verbindet; So daß man aus der Massen schoͤn Und mit recht inniglich geruͤhretem Gemuͤt Ein gruͤn- mit Gold gemischt-durchleuchtigs Etwas sieht. Von diesen angenemen, hellen, Durchstral’ten, gelblich-gruͤnen Stellen Sticht ein beschattet Gruͤn, so mitten in dem Baum, Durch eine holde Dunkelheit, Doch mit nicht mind’rer Lieblichkeit, Recht angenem sich ab, und heb’t sich, daß mans sehen, Und deutlich unterscheiden kann, Wie Aeste, Licht und Luft in gruͤnem Schatten stehen, Die um den Stamm daselbst in stiller Klarheit ruhn. Von denen nun Sticht abermal Des Des Baumes Vorderteil sich ab, Das, weil es nicht so dunkel-gruͤn, Auch es der Sonnen Stral Unmittelbar, nein bloß des Tages Licht, beschien; Noch einen andern Schmuck von gruͤner Farbe gab, Die gleichfalls unsern Augen Die suͤsseste Empfindlichkeit, Durch ihren sanften Grad von Farb’ und Licht, erweckte. Der gruͤnen Farben Unterscheid, Der dreyfach uͤberhaupt, drin ins besond’re noch Ein’ ungezaͤlte Zal von Aenderungen steckte, Erhub, vertieft’ und zierte sich so schoͤn, Daß ein bedachtsam Aug’ an solcher Pracht Sich kaum vermoͤgte satt zu sehn. Man sieht, (ach sehets mit Bedacht!) Wie lieblich hier So wol ein Gruͤn im Licht’, als auch ein Gruͤn im Dunkeln, Und beid’ in ihrer schoͤn’sten Zier, Auf ganz verschied’ne Weise, funkeln: Jndem so mancher Ort durch den so holden Brand Des hellen Sonnen-Lichts beschienen, Ein and’rer dort in einem dunkel-gruͤnen Und lieblich-kuͤlen Schatten stand. Die Blaͤtter der bestral’ten Seiten Erfuͤll’ten das Gesicht mit hellen Lieblichkeiten, Da nemlich, wenn durch sie die Gluht der Sonne faͤll’t, Jhr zart Geweb’, illuminiret Ein gelblich feurig gruͤn vor Augen stell’t; Jnzwischen die, worauf die Sonne stralet, S 3 Ein Ein gruͤnlich weisser Schimmer malet. So dann scheint wuͤrklich manches Blat, Absonderlich wann’s feucht und glatt, Als ob sich die bestral’te Glaͤtte Versilbert haͤtte. Man sieh’t die Flaͤchen bald und bald allein die Spitzen, Wenn sie sich regen, gleichsam blitzen. Der gelblich gruͤn-so wol als weißlich gruͤne Glanz Wird oft zum Teil, oft ganz Von kleiner Blaͤtterchen und zarter Stengel Schatten Verdunkelt und erhoͤh’t, geschwaͤrzt und doch geziert, Wenn sie sich oft mit ihnen schwebend gatten. Von diesen schattigten und dunkeln Zierlichkeiten, Die sich an manchem Ort bald mindern, bald verbreiten, Wird man nicht weniger geruͤhrt. Jst gleich daselbst das Gruͤn so hell, so feurig nicht; Vergnuͤg’t dennoch ihr unbestral’tes Laub, Ja staͤrkt zugleich uns das Gesicht. Durch manchen Baum, der sehr belaubt und dicht, Erblick’t man weder Luft noch Licht. Nur bloß allein Faͤll’t hier und dort ein kleiner heller Schein, Den hellen Sternen gleich, durch seine dichten Blaͤtter, Der bald wie Gold, wie Silber bald, bald blau, Nachdem der Grund, der hinter ihm, bestral’t Vom Sonnen-Licht, bey heiterm Wetter, Bald gelb, bald weiß, bald blau gemal’t. Der Staͤmme zierliche Figur Jst recht ein Wunder der Natur. Der Der dicht belaubten Zweige Menge, Derselben Ruͤnde, samt der Laͤnge, Sind Wunder, wenn wirs uͤberlegen. Wofern ein Stamm und Zweig nicht rund; wuͤrd’ ihm der Regen Ohn’ allen Zweifel schaden muͤssen. Die Feuchtigkeit wuͤrd’ auf ihm stehen bleiben, Und sein Gewaͤchs bald aufzureiben, Ja durch Vermoderung ihn aufzuloͤsen, wissen. Waͤr’ er nun auch nicht lang hingegen; Wo sollte solch ein milder Segen Von Fruͤchten, die zur Speise nuͤtzen, Wo sollten so viel Blaͤtter, sitzen? Ach nimm denn, lieber Mensch, des Schoͤpfers weise Macht Bey jedem Baum, mit Lust und Dank, in acht! S 4 Zu Zu viel und zu wenig. W as mag doch wol die Ursach seyn Vom Jrrtum, der so grob, so allgemein, Daß fuͤr die Creatur fast alle Menschen blind, Gehoͤr-Geruch-Geschmack- und Fuͤhl-los sind? Da doch die Bibel selbst uns deutlich lehret, Wie sehr man GOtt in Seinen Werken ehret, Und wie die Creatur, zu ihres Schoͤpfers Preise, Den grossen Schoͤpfer Selber weise. Giebt uns Sanct Paulus dieß nicht deutlich g’nug zu lesen? Roͤm. 1 : 19, 20. Er saget: „Daß man weiß, daß GOtt sey, ist ja klar, „Und allen Menschen offenbar. „GOtt offenbar’t’ es Selbst, und gab es zu verstehn, „Daß GOTTES unsichtbares Wesen, „Das ist, Sein’ ew’ge Kraft und Gottheit, wird ersehn, „So man deß wahrnimmt an den Werken, „Wie von der Welt Erschaffung an zu merken, „So daß sie keinen Grund, sich zu entschuld’gen, haben. Doch halt, mir faͤllt ein’ Ursach bey, Wovon ich uͤberfuͤret, Daß sie gewiß der klein’sten keine sey: Daß nemlich alle Pracht von unsers Schoͤpfers Gaben Auch fromme Selen selbst so wenig ruͤhret, So wenig reizt und lockt, weil ich bemerke, Daß GOttes und des Teufels Werke Jm Jm Worte Welt nur einen Namen haben. Man heisset Welt, was gottlos, lasterhaft, Was boͤs und eitel ist. Von uns’rer Leidenschaft Der Mißbrauch, Hochmut, Neid, die Wollust, Schmaͤh- sucht, Geld Und Ungerechtigkeit heisst weltlich, nennt man Welt. So bald man nun die Welt, das herrliche Gefaͤsse Der schoͤnen Creatur, die unsers Schoͤpfers Groͤsse Und Weisheit, Lieb’ und Macht uns recht mit Fingern zeigt, Mit ihrem Namen nennt, Wird leider auch so gar von Frommen Das eine fuͤr das andere genommen. Der ungluͤcksel’ge Gleich-Laut macht, Daß, da man ohne dieß gewon’t, nicht drauf zu achten, Man so verfaͤhrt mit der Geschoͤpfe Pracht, Als waͤr’ es Suͤnde, sie betrachten. Die Heyden machten es so arg noch lange nicht, Wovon das Weisheits-Buch recht unvergleichlich spricht: Cap. 13 : 1 - - 9. „Natuͤrlich eitel ist zwar jedes Menschen-Kind, „Weil alle nichts von GOTT verstehen, „Und an der Guͤter Zal, die sichtbar sind, „Den, Der es ist, nicht kennen. Sie ersehen „An allen schoͤnen Werken nicht „Den Meister, der sie zugericht’t. „Teils halten sie die Gluht, „Teils schnelle Luft, teils maͤcht’ge Flut, „Teils Lichter, die den Himmel zieren, „Fuͤr Goͤtter, so die Welt regieren. S 5 „Allein, „Allein, da sie von ihrer Zier „Und lieblichen Gestalt so viel Vergnuͤgen fuͤl’ten, „Und sie also fuͤr Goͤtter hielten: „So haͤtten sie ja billig muͤssen, „Wie gar viel besser Der, der aller HErr ist, wissen. „Denn Der, so Meister ist von aller Schoͤnheits Pracht, „Hat solches alles ja gemacht, „Und so sie sich der Macht und Kraft „Verwunderten: so sollten sie „Ja billig auch die Eigenschaft, „Und wie viel maͤchtiger Der sey, der alle Gaben „Bereitet hat, gemerket haben. „Denn es kann am Geschoͤpf’ und Schmuck der Erden „Jhr Schoͤpfer, als im Bild’, erkennet werden. „Wiewol doch uͤber die „Nicht so gar hoch zu klagen, „Jndem auch sie „Wol irren koͤnnen, wenn sie hie „GOtt suchen, und nach Jhm Verlangen tragen. „Denn so sie ihren Geist auf die Geschoͤpfe lenken, „Um ihnen nachzudenken: „So werden sie im Ansehn ihrer Pracht „Gefangen, weil so schoͤn „Die Creaturen, die wir sehn. „Doch sind sie damit nicht entschuldigt. Denn da sie „So viel erkennen, daß sie hie „Die Creatur zu achten, sind verbunden: „Warum „Warum denn haben sie nicht noch viel eh „Den HErrn derselbigen gefunden? Die Heyden trieben’s ohne Massen Mit sichtbaren Geschoͤpfen, und vergassen Des Schoͤpfers, der unsichtbar, ganz. Wir aber, leider! Vergessen aller beyder, Und sind dahero von den Heyden Gar wol zu unterscheiden. Abgoͤtter waren sie; Hingegen viele Christen Sind, durch der Creatur Verachtung, Atheisten. Die Die Sinne. W ie kuͤnstlich unser Leib von innen zugericht’t, Wie unbeschreiblich wunderbar; Zeigt die Zerglied’rungs-Kunst uns klar. Dieß aber zeigt sie jedem nicht, Daß auch die allerklein’sten Gaͤnge, Daß aller Darm- und Adern Laͤnge, Daß aller Druͤs- und Sehnen Menge, Daß auch die allerduͤnn’sten Saͤfte, Daß unsers Herz- und Magens Kraͤfte, Daß alle Muskeln, Fleisch und Bein Nur das allein Zu ihrem Endzweck haben, Daß uns’re Coͤrper sinnlich seyn. Es laͤuft das Blut in uns’rer Adern Roͤren; Man fuͤl’t den geist’gen Saft in unsern Sehnen rennen, Nur bloß damit wir hoͤren, Sehn, riechen, fuͤlen, schmecken koͤnnen. Ja wenn wir es wol uͤberlegen, So finden wir, daß auf der Welt Fast alles uns’rer Sinne wegen Gemacht sey und uns vorgestell’t: Daß selbst die Luft, das Licht, die Erde, Ein Werkzeug uns’rer Sinne werde. Dieß alles zeig’t uns nun aufs neu, Wie vielerley Zu unsern Sinnen noͤtig sey; Daß aller Pflanzen, aller Tiere Kunst-reiche Coͤrper fast allein, Damit man sehe, schmecke, spuͤre, Auch hoͤr’ und fuͤl’, erschaffen seyn; Daß, wie gesag’t, auch unser Leib von innen, So So als von aussen, bloß den Sinnen Mit so verschiedenem Bemuͤhn, Beschaffenheit und Kraͤften dien’. So Wunder-volle Wunder-Werke, Die Menschen-Witz nicht fassen kann, Die zeigen GOTTES Weisheit, Staͤrke, Auch in dem Wehrt der Sinnen, an. Ach lasset uns denn besser, als wir pflegen, Mit Ernst erwaͤgen, Was an den Sinnen doch gelegen! Wir sind bloß durch die Sinne nur Verbunden mit der Creatur. Wir haften bloß durch sie am schoͤnen Welt-Gebaͤude, Und ohne sie empfuͤnde man vom Licht Des Himmels selber keine Freude. Wir waͤren und wir waͤren nicht: Der Erde Pracht, des Himmels Lauf, Die ganze Creatur, hoͤr’t’, ohne Sinnen, auf Fuͤr uns zu seyn. Selbst die Erfahrung spricht, Und zeiget, daß GOtt uns’re Sele Bloß durch die Sinne nur Mit Seiner schoͤnen Creatur Verbind’ und gleichsam selbst vermaͤle. Wenn man nun seine Sinne wol Zum Nutzen und zur Lust gebrauchet, wie man soll; Entspriesst aus uns’rer Lust des Schoͤpfers Ehr’. O suͤsse Wurzel einer Frucht, Die uns ein solch Vergnuͤgen bringet, So man auf Erden sonst vergebens such’t, Aus welchem gar dereinst die Seligkeit entspringet! Die Die fuͤnf Sinne. I. Das Gesicht. 1. D aß GOtt dieses Rund der Erden, Wie uns Schrift und Bibel lehr’t, Durch ein Woͤrtchen lassen werden, Jst ja wol erstaunens-wehrt: Doch nicht minder ist zu preisen, Daß in zwey so kleinen Kreisen Alles, was der grosse heg’t, Sich in uns’re Selen praͤg’t. 2. Was der Erden Grenzen fassen, Muß sich durch besond’re Kraft Von zwey Puͤnctchen fassen lassen; Deren selt’ne Eigenschaft Auch die allergroͤsten Sachen Dergestalt weiß klein zu machen, Daß, was nicht zu messen steh’t, Jns Gehirn durchs Auge geh’t. 3. Aug’, 3. Aug’, in deinen engen Schranken Sieht man, was das Herze spricht. Rege Zunge der Gedanken, Witz des Coͤrpers, Selen-Licht, Richter der Vollkommenheiten, Spiegel aller Seltsamkeiten, Die der Erd-Kreis in sich haͤlt, Fuͤhrer der sonst blinden Welt! 4. Goͤttlichs Glied, kein Stral, kein Blitzen Teil’t die Luft so schnell, als du. Du bleib’st, wo du sitzest, sitzen, Flieg’st und steh’st in steter Ruh’: Alle Bilder, die der Selen Sich so wunderbar vermaͤlen, Was Verstand und Weisheit weiß, Zeug’t dein Stralen-schwang’rer Kreis. 5. Wer auf dieses Wunder achtet, Wenn der Selen rege Kraft Durch das Aug’ ein Aug betrachtet; Wird fast aus sich selbst gerafft, Weil er mit Erstaunen siehet, Wie sich die Natur bemuͤhet, Und so unschaͤtzbaren Schatz Schliesst in solchen kleinen Platz. 6. Jm 6. Jm Gehirn, der Nerven-Qvelle, Wird der Mittel-Punct gezeugt, Der sich von der Ursprungs-Stelle Jn zween zarte Gaͤnge beugt, Draus die aufmerksamen Augen Die Bewegungs-Kraͤfte saugen, Daß daher, wenn eins sich reg’t, Auch das and’re sich beweg’t. 7. Uns’rer Augen waͤssricht Wesen Samt der Haut ist ungefaͤrbt, Damit, was wir sehn und lesen, Nicht veraͤndert, nicht verderbt Uns’rer Sele scheinen moͤgte; Sie also nur faͤlschlich daͤchte, Wie, wenn wir durch Glaͤser sehn, Die gefaͤrb’t, pfleg’t zu geschehn. 8. Hinter einem jeden Kreise Find’t sich eine schwarze Wand, An der, auf besond’re Weise, Da sie gleichsam ausgespann’t, Durch die waͤss’richten Krystallen Mancherley Gestalten fallen, Wann das Licht, so sie bestral’t, Tausend Bilder daran mal’t. 9. Lin- 9. Linsen gleich zu beyden Seiten, Zur Befoͤrderung des Lichts, Wollt’ es die Natur bereiten, Daß die Stralen des Gesicht’s, Die vom Gegenstand’ erscheinen, Sich in einen Punct vereinen, Daß durch doppeln Gegenschlag Alles deutlich scheinen mag. 10. Beyde Traͤubchen in den Augen Haben solche selt’ne Kraft, Daß sie sich zu oͤffnen taugen, Und, nach Muskeln Eigenschaft, Wiederum zusammen ziehen. Dieses, wenn sie sich bemuͤhen, Starkem Lichte zu entgehn, Das, um in die Fern zu sehn. 11. Alles dieses kann man weisen; Aber, wie das Auge sieht, Ob das Sehn in seinen Kreisen, Oder ausserhalb, geschieht; Davon, wie von vielen Sachen, Jst kein fester Schluß zu machen. Vielen scheinets, wenn wir sehn, So, wie folget, zu geschehn: II. Theil. T 12. Unser 12. Unser Auge treibt zusammen Alle Geister, die es braucht: Seine Stralen sind wie Flammen, Die der Geist stets von sich haucht, Die, in Form der Flammen-Seulen, Stetig aus den Augen eilen, Wodurch es uns ins Gemuͤt Allerley Gestalten zieht. 13. Hat man auf verborg’ne Weise Dieses Feuer weggesandt, Und es findet auf der Reise Einen dichten Gegenstand, Wovon lichte Teilchen springen; Wird es diese ruͤckwaͤrts dringen, Und die prall’n im Augenblick Durch den Gegenstand zuruͤck. 14. Da spuͤr’t’s durch besond’re Kuͤnste Seines Gegenstandes Bild, Welches gleichsam als durch Duͤnste Stets aus allen Coͤrpern qvillt, Sich bestaͤndig draus erhebet, Und auf allen Flaͤchen schwebet: Da, spricht man, sieht das Gesicht, Aber in dem Auge nicht. 15. Jch 15. Jch hingegen koͤnnte weisen, Wie das Fuͤlen, wenn ich seh’, Jn der Augen regen Kreisen Und beym Vorwurf nicht gescheh, Wie die Bildung aller Dinge Durch das Licht ins Auge dringe, Welches, wenn man es betracht’t, Dieß Exempel glaublich macht: 16. Alle Coͤrper auf der Erden, Die rund, glatt und dunkel seyn, Wenn sie recht betrachtet werden, Haben einen kleinen Schein: Dieser faͤnget wie ein Spiegel Waͤlder, Wolken, Thal und Huͤgel, (Wenn die Sonn’ auf selbe stral’t) Als wenn sie darin gemal’t. 17. Ja bey aufgeklaͤr’tem Wetter Hab’ ich einst von ungefehr, Wie sich Felder, Baͤume, Blaͤtter Gar in einer Heidelbeer Fast unsichtbar’s Scheinchen druͤckten, Jhn mit Farb’ und Zeichnung schmuͤckten, Unvergleichlich, rein und schoͤn, Mit Erstaunen angesehn. T 2 18. Wie 18. Wie nun solche Bilder fallen Auf was dichtes; also faͤllt Jn die glaͤnzenden Krystallen Uns’rer Augen, was die Welt Durch die Sonne sichtbar heget; Daß sich’s aber in uns praͤget, Komm’t, weils sich durchs Auge spielt, Da der Sinn die Bilder fuͤl’t. 19. Welches nun von beyden Teilen Unrecht sey, und welches wahr, (Wenn wir uns nicht uͤbereilen) Jst nicht eben allzuklar. GOttes Wege sind verborgen; Darum will ich minder sorgen, Wie die Wunder zu verstehn, Als erfreut sie anzusehn. 20. Mit wie vielerley Geweben, Adern, Nerven, Fleisch und Haut Jst durchflochten und umgeben Das, was man im Auge schaut! Grosse Faͤden, kleine Koͤrner, Netze, Knoten, Trauben, Hoͤrner, Wasser, zaͤhe Feuchtigkeit, Daͤmmerung und Dunkelheit, 21. Gei- 21. Geister, Wasser, Blut-Gefaͤsse. Nimmer, nimmer glaubte man, Daß so viel im Auge saͤsse, Als man kaum erzehlen kann. Maͤuslein, Haͤute, Nerven, Druͤsen Werden uns darin gewiesen. Kurz: es wird des Schoͤpfers Hand Wunderbar im Aug’ erkannt. 22. Doch das herrlichste von allen, Das verwirr’t Verstand und Witz, Sind die stralenden Krystallen, Die des Lichtes Thron und Sitz. Helle Cirkel, kleine Sterne, Die ihr so was nah als ferne Unterscheidet; euer Schein Scheint was Goͤttliches zu seyn! 23. Ferner sind die edlen Glieder Mit sechs Muskeln noch versehn; Da das Par der Augenlieder, Die bald auf-bald nieder gehn, Durch ihr nimmer muͤdes regen, Und ihr ewiges Bewegen Macht, daß Kaͤlte, Staub und Wind Nie den Augen schaͤdlich sind. T 3 24. Daß 24. Daß kein Zufall es verletzen, Keine Not ihm schaden mag; Hat’s der Schoͤpfer wollen setzen Unter ein gewoͤlbtes Dach: Wo der Augenbraunen Bogen Sich zur Zierde vorgezogen, Unter deren halbem Kreis’ Es von keinem Schaden weiß. 25. Ja daß uns das Licht nicht moͤge Hinderlich am Schlafe seyn, Schuͤtzet GOTT durch diese Wege Unser Aug vor dessen Schein, Da vor des Gesicht’s Krystallen Sie recht wie ein Vorhang fallen, Der sich fruͤh, damit man sieht, Wunderbar zusammen zieht. 26. Wer kann ohn’ Erstaunen fassen, Wie die Augen-Lieder sich So geschwind bewegen lassen! Seht doch, wie verwunderlich GOTT den Augen einen Bogen Jn den Liedern vorgezogen, Der so nett aufs Aug sich schickt, Das er druͤckt, und doch nicht druͤckt. 27. Huͤben 27. Huͤben sich die Augen-Lieder Durch die Muskeln selbst nicht auf, Sondern suͤnken immer wieder, (Ach man achte doch darauf!) Wie erbaͤrmlich wuͤrd’ es lassen, Wenn man sie mit Haͤnden fassen, Und erst aufwaͤrts schieben muͤst! Merks, verstockter Atheist! 28. Der du keine Gottheit glaͤubest, Und bisher verblendet bist, Wo du hier im Jrrtum bleibest, Und dieß Wunder nicht ermist; So willt du mit Fleiß nichts sehen. Kann dieß von sich selbst geschehen? Zieht sich selbst von ungefehr Wol ein Vorhang hin und her? 29. Daß die Trockenheit nicht wehre Die Bewegung dem Gesicht’, Jst im Auge manche Roͤhre Wunderbarlich zugericht’t, Welche stetig Feuchtigkeiten Unterm Lied’ aufs Auge leiten: Daher, weil es glatt verbleibt, Nicht versehrt wird, noch sich reibt. T 4 30. Daß 30. Daß hiernaͤchst durch stete Guͤsse Unser Aug’ ohn’ Unterlaß Nicht in Thraͤnen stehen muͤsse; Wird ein uͤberfluͤssigs naß, Wie man es ja stetig spuͤret, Durch die Nase weggefuͤhret, Welches, da es so verseigt, Eine grosse Weisheit zeigt. 31. Daß auch, jedes Ding zu sehen, Welches man zu sehn gedenkt, Man den Kopf nicht duͤrfe drehen; Wird das Auge selbst gelenkt Auf so wunderbare Weise, Unter-aufwaͤrts, rings im Kreise, Rechts und Links durch Muskeln, die Sich bewegen sonder Muͤh. 32. Schaut die Weisheit und das Lieben Unsers Schoͤpfers, der dem Licht Solch Gesetze vorgeschrieben, Daß es sich im Wasser bricht, Daß die Stralen folglich taugen, Jn dem Wasser uns’rer Augen Sich zu brechen: Da die Spitz’ Alles zu verkleinern nuͤtz. 33. Wie 33. Wie sich durch des Lichtes Stralen, Durch ein Glas im dunkeln Ort’ Alle Bilder deutlich malen; So begreift man alsofort, Daß, zu diesem Zweck alleine, Eine wunderbarlich kleine Zierlich-runde schwarze Wand Jn den Augen ausgespannt. 34. Drauf viel tausend Schildereyen Schneller, als der schnell’ste Blitz, Sich formiren, sich zerstreuen, Und sich in der Selen Sitz Ehe noch, eh wirs gedenken, Durch das kleine Nervgen sen ken, Da denn, was so lieblich scheint, Mit der Sele sich vereint. 35. Sollten alle diese Sachen Wol von ungefehr geschehn, Oder, um sie nachzumachen, Sich wol Kuͤnstler unterstehn, Sie aus Fischen, Fleisch und Speise Auf so wunderbare Weise Zu formiren? Sehet dann GOTTES Werk in ihnen an? T 5 36. Daß 36. Daß der Sinne Kraft nicht groͤsser, Stell’t ein neues Wunder dar. Saͤhen unser’ Augen besser Jn der Naͤhe scharf und klar, Und als durch Vergroͤss’rungs-Glaͤser Aller Dinge klein’ste Zaͤser; Uebersaͤh der Augen-Stral Kaum ein Sand-Korn auf einmal. 37. Waͤren Gegenteils die Augen Wie ein Fern-Glas zugericht’t; Wuͤrd’ ich zwar zu sehen taugen Manch entfern’tes Sternen-Licht: Aber Sachen in der Naͤhe, Die ich itzo deutlich sehe, Wuͤrden, auch beym Sonnen-Schein, Dunkel und unsichtbar seyn. 38. Welch Ergetzen, welche Freuden Bringt uns Menschen das Gesicht, Wenn man das, nach langem Scheiden, Was man liebet, sieht und spricht! Denkt, wie das Gesicht uns nuͤtzet, Wenn’s uns fuͤr Gefahr beschuͤtzet, Die durch Straucheln, Stoß und Fall Uns sonst drohet’ uͤberall. 39. Wenn 39. Wenn wir es genau betrachten, Jst die Kraft von diesem Sinn Mit dem hoͤchsten Recht zu achten, Als der Sinne Koͤniginn, Da ja Kuͤnst’ und Wissenschaften All’ an unsern Augen haften: Kuͤnstlich, ja gelehrt, zu seyn, Wirkt fast das Gesicht allein. 40. Alles wuͤrd’ uns Menschen felen, Fel’t’ uns Menschen das Gesicht. Ja wenn wir von ihm erzaͤlen, Daß es unsers Leibes Licht, Jst es wahr: doch wird man’s koͤnnen Gar ein Licht der Sele nennen, Weil es uns, wenn man studir’t, Auf den Weg der Weisheit fuͤhr’t. 41. Daß wir ferner durch die Augen Jn des Himmels Abgrunds-Tal Deutlich zu erkennen taugen Sonnen, sonder Maß und Zal: Daß wir in dem Heer der Sternen GOttes Groͤsse kennen lernen, Jst ein Wunder, welches man GOtt nicht g’nug verdanken kann. 42. Koͤnn- 42. Koͤnnten wir es dahin bringen, Daß man (ach daß es gescheh!) GOTT durchs Aug’ in allen Dingen Jmmer gegenwaͤrtig seh! GOttes Weisheit, Lieb’ und Staͤrke Zeiget sich durch aller Werke Kuͤnstlichen Zusammenhang, Lieblichen Zusammenklang. 43. Wer die Wunder nicht erwaͤget, Die in uns, der kleinen Welt, GOtt uns in das Auge leget, Und vor Kleinigkeiten haͤlt; Ach daß der bedenken wollte, Wenn ihm etwas mangeln sollte, Wie sein Schad’ und seine Pein So empfindlich wuͤrden seyn! 44. Alle Schoͤnheit dieser Erden, Selbst der Sonnen Wunder-Pracht, Wuͤrd’ in nichts verwandelt werden, Und in ewig-finst’re Nacht: Allen Dingen, die wir sehen, Wuͤrde die Gestalt vergehen: Alles waͤr’ und waͤre nicht, Fel’t’ uns Menschen das Gesicht. 45. Unbe- 45. Unbedachtsames Gemuͤte, Sprich, kommt dieß von ungefehr, Oder aus der Macht und Guͤte Eines weisen Wesens her? Sprich: verdienen solche Werke Nicht so viel, daß man sie merke? Wers Geschoͤpfe nicht betracht’t, Schaͤndet seines Schoͤpfers Macht, II. Der Geruch. 46. N ach Erforschen, Sehn und Achten Auf der Augen Trefflichkeit, Wollen wir nun auch betrachten Des Geruchs Beschaffenheit; Worin, wenn wir ihn ergruͤnden, Wir nicht minder Wunder finden, Weil auch den kein Witz, kein Fleiß Fasst und zu begreifen weiß. 47. An der Augen rege Spiegel Grenzt und teil’t der Wangen Feld Ein erhab’ner kleiner Huͤgel. Dieser, wie ein Pfeiler, haͤlt Die gewoͤlbten Augenbrauen: Hier kann man zween Wege schauen: Dadurch drenget durch die Stirn Der Geruch sich ins Gehirn. 48. Halb 48. Halb von Knorpel, halb von Knochen Jst die Nase zugericht’t, Daß sie, waͤr sie leicht gebrochen, Nicht verstellte das Gesicht. Doppelt sind die off’nen Thuͤren, Den Geruch nicht zu verlieren, Wenn vom Schleim von ungefehr Eine wo verstopfet waͤr. 49. Ferner dienen diese Roͤren, Die zu zarte Feuchtigkeit Des Gehirnes auszuleeren; Ja noch groͤss’re Nutzbarkeit Spuͤr’t man von dem Athem-ziehen, Wenn durch der Natur Bemuͤhen Luft durch ihre Roͤren faͤhrt, Und dadurch die Lunge naͤhrt. 50. Wo nicht Luft ist, riecht man nimmer. Welche Weisheit! darum steht Der Geruch da, wo fast immer Luft im Athem in uns geht. Um die Eigenschaft der Speisen Auch zugleich mit anzuweisen, Naht der Mund der Nase sich, Welches recht verwunderlich. 51. Wenn 51. Wenn der Speise Lieblichkeiten Uns’re Zung’ erst ruͤhren muß, Hat man im Geruch von weiten Schon von Coͤrpern den Genuß. Schicken in Provence Kraͤuter Zwanzig Meilen, ja noch weiter, Jhren Dufts-Geruch in’s Meer Nicht von ihren Kuͤsten her? 52. Wie sich der Geschmack entdecket Mehr, wenn man die Coͤrper teilt; Also was in Coͤrpern stecket, Welches riecht, wird eh’ ereilt Und durch den Geruch empfunden, Wenns durch Reiben ist entbunden, Und beweget wird: den Brauch Mehren Waͤrm’ und Feuer auch. 53. Ein zu heftiges Bewegen, Auch die Kaͤlt’ und Feuchtigkeit Hindern den Geruch: hingegen Macht der Bluhmen Lieblichkeit Uns bey aufgeklaͤr’ten Tagen Ein weit groͤsseres Behagen, Als wenns Wetter kalt und feucht. Man verspuͤr’t sie dann nicht leicht. 54. Ueber 54. Ueber alle diese Kraͤfte Jst in ihr die groͤste Kraft, Und ihr nuͤtzlichstes Geschaͤffte Des Geruches Eigenschaft; Wodurch sie aus allen Dingen Weiß den Geist heraus zu bringen, Den, so bald sie ihn verspuͤr’t, Sie nach dem Gehirne fuͤhrt. 55. Massen denn die innern Teile Wunderbarlich zugericht’t: Daß nicht in zuschneller Eile Dampf und Luft das Hirn vernicht’t; Muß, was ins Gehirn will dringen, Durch ein Sieb vorher sich zwingen, Welches hier an diesem Ort Mit viel Loͤchern durchgebohrt. 56. Ferner muß die Luft gebrochen Durch ein schwammigt Wesen gehn, Welches denn an diesen Knochen Mit Verwund’rung anzusehn. Hier in diesen kleinen Gaͤngen Da sich Geist und Luft durchdrengen, Wird die Luft, die hier gebracht, Zum Geruch geschickt gemacht. 57. Wel- 57. Welche drauf durch zweene Strassen, Die vom zaͤrt’sten Fleisch formir’t, Und sich nimmer spaͤrren lassen, Ganz wird ins Gehirn gefuͤhr’t. Hier nun wirk’t die Kraft der Selen, Abzusondern und zu waͤlen Das, was sie fuͤr schaͤdlich haͤlt, Von dem, was ihr wol gefaͤllt. 58. Wer kann unbewundert lassen, Da die Nasen-Loͤcher sind Unten weit, mehr Luft zu fassen, Wie man es bey allen find’t, Oben aber schmal und enge, Daß der Duft durch ein Gedrenge, Als durch einen sanften Schlag, Mehr das Nervgen ruͤhren mag? 59. Ferner ist noch zu erwaͤgen, Welche Tugend, welche Kraft Unterschied’ne Coͤrper hegen, Deren selten’ Eigenschaft Stets die Luft, die sie umhuͤllet, Mit Geruch und Duͤnsten fuͤllet, Die sie recht, als wenn es raucht, Doch unsichtbar, von sich haucht. II. Theil. U 60. Daß 60. Daß nun von verschied’nen Dingen Der Geruch sich nie verzehr’t, Sondern stetig Duͤnste dringen, Jst wol recht Bewunderns wehrt. Sassafraß kann nach viel Jahren Diese Kraͤfte noch bewahren, Daß, wenn man ihn gleich nicht ruͤhr’t, Man ihn doch von ferne spuͤr’t. 61. Ein Beweistum laͤsst sich hoͤren, Warum nicht der Dunst verfleucht, Ob’s vielleicht durch eig’ne Roͤren Stets Luft wieder an sich zeucht, Und durch and’re von sich treibet, Weil dieselbe Schwere bleibet, Wenn, wie lang’ es immer liegt, Man dasselbe wieder wiegt. 62. Oder, ob auf selbe Weise Dieser strenge Dunst vielleicht Allezeit in einem Kreise Um den eig’nen Coͤrper fleucht; Oder ob man koͤnn’ erzwingen, Daß der Stoff von allen Dingen, Also auch der Specerey, Ganz unendlich teilbar sey. 63. Daß 63. Daß nun manches suͤß und sauer, Widrig, lieblich, stark und schwach, Fluͤchtig und von langer Dauer, Kommt, der meisten Meinung nach, Von der Coͤrperchen Figuren. Denn was rund, laͤss’t and’re Spuren Jn der schwach beweg’ten Luft, Als ein mehr gespitzter Duft. 64. Alle Wunder zu entdecken, Alle Kraͤft’ und Seltenheit, Die in diesem Sinne stecken, Jst wol keine Moͤglichkeit. Wer kann doch die Kraft verstehen, So wir an den Hunden sehen, Die uns durch die Nas’ allein Wunderwuͤrdig nuͤtzlich seyn? 65. Daß wir riechen, doch mit Massen, Jst ein Wunder. Sollte man Alle Duͤnste schaͤrfer fassen, Die man itzt nicht spuͤren kann; Wuͤrden so viel tausend Sachen Uns Verdruß und Eckel machen, Deren Dampf uns itzt nicht ruͤhr’t, Weil man gar zu scharf nicht spuͤr’t. U 2 66. Wel- 66. Welchen Nutzen in dem Leben Bringet der Geruch uns nicht? Will sich eine Brunst erheben; Nutz’t er mehr, als das Gesicht. Manche Gluht waͤr’ ausgebrochen, Haͤtte man sie nicht gerochen, Und zu recht dem Feu’r gewehr’t, Das sonst Hab’ und Gut verzehr’t. 67. So viel hundert tausend Bluhmen, So viel suͤsse Specerey, Was in Jndien, Jdumen Waͤchst und in der Barbarey, Koͤnnte kein Geschoͤpf gebrauchen, Und muͤst’, ohne Nutz, verrauchen, Waͤr die Nase nicht geschickt, Daß sie sich dadurch erqvickt. 68. Sprich, verwildertes Gemuͤte, Kommt dieß wol von ungefehr, Oder aus der Macht und Guͤte Eines weisen Wesens her? Sprich: verdienen solche Werke Nicht so viel, daß man sie merke? Wers Geschoͤpfe nicht betracht’t, Schaͤndet seines Schoͤpfers Macht. III. Das III. Das Gehoͤr. 69. D a wir also auch besehen Des Geruchs Beschaffenheit; Wollen wir nun weiter gehen, Und uns mit Aufmerksamkeit Zu dem dritten Sinne kehren, Auch vom Hoͤren was zu hoͤren, Dessen Nutz und Eigenschaft Von verwunderlicher Kraft. 70. Die Natur hat unsern Ohren, Wie uns die Erfahrung zeig’t, Einen hohen Sitz erkoren, Weil der Ton stets aufwaͤrts steig’t, Der, gezeug’t von stoss- und schlagen, Durch die Luft wird fort getragen, Die in Kreisen sich beweg’t, Als wenn man ein Wasser reg’t. 71. Wenn nun diese regen Kreise Sich erstrecken bis ans Ohr; Dringen sie auf selt’ne Weise Durch das nie gespaͤrrte Thor, Wodurch sie sich selber fuͤhren, Bis sie an ein Haͤutgen ruͤhren, Das daselbst, wie eine Wand, Die da toͤnet, ausgespann’t. U 3 72. Die- 72. Dieses scheint zwar fest und dichte, Als ob das geringste Loch Auch vom schaͤrfesten Gesichte Nicht darin zu sehn; dennoch Hat sichs offenbar gezeiget, Daß sich lebend Silber seiget, Und, wenn mans daruͤber giesst, Es dadurch gar leichtlich fliesst. 73. Wann der Ton sich hier gebrochen Und gereinigt, wird gespuͤr’t, Daß er drauf drey kleine Knochen, Die sehr kuͤnstlich sind, beruͤhrt. Denn in dieser kleinen Kammer Haͤngt ein Amboß und ein Hammer, Und der dritte gleichet bald Einem Stegreif an Gestalt. 74. Wann der Ton nun hieher kommen, Wird er von der innern Luft Augenblicklich aufgenommen, Und in manche Hoͤl’ und Kluft, Durch verschied’ne Gaͤng’ und Stege, Labyrinthen, krumme Wege, Die hier die Natur gemacht, Jn ein Schnecken-Haus gebracht. 75. Dar- 75. Darin kann er noch nicht bleiben, Sondern wird heraus gefuͤhrt, Und laͤsst sich noch weiter treiben, Bis er an ein Nervgen ruͤhrt; Welches, ob es gleich so duͤnne Als der Faden einer Spinne, Doch den Ton, durch den es kling’t, Jn den Sitz der Sinne bring’t. 76. Hier bey dieser kleinen Sehnen Soll man mit Verwund’rung sehn, Wie viel Aest’ aus ihr sich dehnen, Ja den ganzen Leib durchgehn, Die nicht nur im Gaum und Munde, Zaͤhnen, Augen, Nas’ und Schlunde, Nein, sie endigen sich auch Jn der Brust und in dem Bauch. 77. Ja so gar bis in die Fuͤsse Sollen kleine Zweige gehn, Wannenher ich leichtlich schliesse, Wie die Wirkungen geschehn, Welche die Music erreget, Da der Ton das Ohr uns schlaͤget, Und im Nervgen, das er ruͤhrt, Durch den ganzen Leib sich fuͤhrt. U 4 78. Doch 78. Doch muß auch stets aus der Selen Etwas wieder ruͤckwaͤrts gehn: Denn man spuͤret in den Hoͤlen Uns’rer Ohren ein Getoͤn, Das man wie ein Murmeln hoͤret, Wenn man gleich den Eingang wehret Aller Luft, die auswaͤrts schweb’t, Wenn die Ohren zugekleb’t. 79. Es gescheh mit Wachs entweder, Oder mit der holen Hand, Folglich muß der Pauken Leder, Das darinnen ausgespann’t, Von der Luft nicht seyn getroffen, Sondern, wenn das Ohr nicht offen, Muͤssen Teilchen ruͤckwaͤrts geh’n, Die von innen stets entsteh’n. 80. Hieraus waͤre nun zu schliessen, Wie man, was man hoͤr’t, verspuͤr’t, Weil die Geister Strich-weis fliessen, Die das Luft-Reich stets gebiert, Welche sich an allen Seiten Auf den Ohren auswaͤrts breiten, Wodurch in das Ohr, was kling’t, Wie in einen Trichter, dring’t. 81. Denn 81. Denn was toͤn’t, stral’t gleicher Weise Durch verschied’ne Striche fort, Stossen also auf der Reise Viele Strich’, am rechten Ort, An so manchen Strich der Ohren, Sonst waͤr mancher Ton verloren: Denn nur einer, und nicht mehr, Traͤfe sonsten das Gehoͤr. 82. Da die Ohren offen stehen, Koͤnnt’ ein Ungeziefer leicht, Uns zur Plag’, in selbe gehen; Aber sie sind immer feucht Durch ein bitter fettes Wesen. Dieß ist recht dazu erlesen, Daß es allen Paß verleg’t, Weil kein Tier leicht Fett vertraͤg’t. 83. Welch ein Wunder, daß der Ohren Kleine Trummel oder Wand, Eh’ ein Kind zur Welt gebohren, Koͤnne dennoch ausgespannt Jn der Feuchtigkeit bestehen! Hierzu ist ein Stoff versehen, Der sie, bis ein Kind zur Welt, Schuͤtzet und verstopfet haͤlt. U 5 84. Eben 84. Eben so, wie unser’ Augen Nichts erblicken sonder Licht, Kann man nichts zu hoͤren taugen, Wenn die Luft dem Ohr gebricht. Und darum ist GOttes Wille, Daß die Luft die Welt erfuͤlle: Darum schweb’t der Luͤfte Meer Wunderbarlich um uns her. 85. Wenn die Luft sich langsam reget, Wird ein ernster Ton gespuͤr’t, Und wenn sie sich schnell beweget, Oder schleunig circulir’t, Wird in unsern zarten Ohren Ein geschaͤrfter Ton gebohren, Der die Geister, die er zwing’t, Schneller in Bewegung bring’t. 86. Durch das Zittern kleiner Teile, So die Luft stets aufwaͤrts fuͤhrt, Wird der Ton in schneller Eile Und den Augenblick verspuͤr’t. Wenn nun durch ein stark Bewegen Solcher Teile viel sich regen, Wird der Schall mit starker Macht Unsern Ohren zugebracht. 87. Daß 87. Daß die Toͤne, die wir spuͤren, Durch die Sel’ in unserm Ohr, Und nicht auswaͤrts, sich formiren, Stellet dieses deutlich vor: Wenn ein Fluß das Haupt verstopfet, Hoͤr’t man, wie es braus’t und klopfet, Welches nicht von aussen klingt, Sondern in uns selbst entspringt. 88. Viele, ja die meisten lehren, Und die Lehr scheint wahr zu seyn, Daß Hirn, Nerv’ und Ohr nicht hoͤren; Sondern daß die Sel’ allein, Wenn ein Schall die Luͤfte ruͤhret, Nichts, als die Bewegung, spuͤret: Aber selbst durch eig’ne Kraft Jeden Ton formir’t und schafft. 89. Wenn wir auf der Schaubuͤhn’ hoͤren, Daß man jammert, seufzt und klag’t, Und, an statt uns zu beschweren, Solch ein Klagen uns behag’t, Weil es keine wahre Schmerzen; Sehn wir, daß in unserm Herzen Nicht der Ton den Reiz gebiert, Nein, daß ihn der Geist formir’t. 90. Kann 90. Doch kann man durchs Ohr die Selen Reizen, aͤrgern und erfreu’n, Troͤsten, und empfindlich qvaͤlen: Ja der rege Ton allein Zwingt, verschlimmert und verbessert, Naͤhrt, verkleinert und vergroͤssert, Schaͤrft und daͤmpft die Leidenschaft, Mehrt und mindert ihre Kraft. 91. So wie dieser Coͤrper jenen Oefters hemmet, oft beweg’t, Also wirkt ein kuͤnstlichs Toͤnen, Daß sichs Blut bald reg’t, bald leg’t. Durch ein schnell und heftigs Klingen Wird man es in Wallung bringen, Und durch einen sanften Klang Wieder in den vor’gen Gang. 92. Alexander greift zum Degen Durch ein krieg’risches Getoͤn, Da durch sanfte Toͤn’ hingegen Saul so Wut als Zorn vergehn. Welch ein angenemes sehnen Wirkt das Singen einer Schoͤnen Dem, den ihre Schoͤnheit ruͤhrt, Wo ein and’rer nichts von spuͤr’t? 93. Gan- 93. Ganzen Krieg’rischen Armeen, Voll Bellonens Grimm und Wut, Die zum Kampfe fertig stehen, Macht ein einzigs Woͤrtgen Mut Mehr, als Pauken und Trompeten, Daß sie sich mit Freude toͤdten. Wenn ein Fuͤhrer, Bruͤder, spricht; Achten sie kein Sterben nicht. 94. Sollte das Gehoͤr uns felen, Fel’t’ und blieb’ uns unbekannt Alle Wirkung uns’rer Selen, Und der denkende Verstand Wuͤrd’, als in sich selbst vergraben, Keine Kraft und Wirkung haben: Der Gesellschaft Nutz und Lust Blieb’ uns ewig unbewust. 95. Sprich, verwildertes Gemuͤte, Kommt das Ohr von ungefehr, Oder aus der Macht und Guͤte Eines weisen Wesens her? Sprich: verdienen solche Werke Nicht so viel, daß man sie merke? Wers Geschoͤpfe nicht betracht’t, Schaͤndet seines Schoͤpfers Macht. IV. Der IV. Der Geschmack. 96. D a wir dieses Sinnes Gaben Auch betrachtet, werden wir Den Geschmack zu pruͤfen haben, Drin ich neue Wunder spuͤr, Die nichts minder sind, wie jene. Denn der Mund, die Zung’ und Zaͤhne, Gaum und Lippen, Kaͤl’ und Schlund Machen selt’ne Sachen kund. 97. Jn der regen Zunge stecket Eine Kraft, so wunderbar, Weil sie fuͤlet, redet, schmecket, Rauh und glatt ist, ja so gar Sich auf tausend Ahrten reget, Sauget, lecket, Speichel heget. GOtt hat sie, wie man es spuͤr’t, Recht verwunderlich formir’t. 98. Auswaͤrts trifft man mit Ergetzen Kleine spitze Waͤrzgen an, Welche sich im Speichel netzen, Der durch sie leicht schaͤumen kann. Wenn nun die, sich zu erfrischen, Speisen mit dem Speichel mischen, Fuͤl’t die Sel’ es gar geschwind, Weil es lauter Nervgen sind. 99. Der 99. Der zerkaͤuten Speise Teile Sind teils glatt, gelind’ und rund, Teils recht spitz wie kleine Pfeile, Wodurch, wann sie Zung’ und Mund Mit verschied’ner Schaͤrfe ruͤhren, Wir was saur- und herbes spuͤren, Da, was rund, was weich und leicht, Uns hingegen suͤsse deucht. 100. Ungeschmackt sind alle Sachen, Die zu fluͤssig und zu fest, Weil sie keinen Eindruck machen, Da sich dieß nicht loͤsen laͤsst, Und das feuchte kein Bewegen Jn den Nerven kann erregen; Aber Salz schmeckt allen wol, Weil es zarter Spitzen voll. 101. Daß die innerlichen Flammen Uns nicht toͤdten vor der Zeit, Zieht sich in den Mund zusammen Eine laue Feuchtigkeit, Welche diese Hitze lindert, Und die heisse Brunst vermindert, Daß des Menschen fluͤssigs Blut Nicht gerinne von der Gluht. 102. Jn 102. Jn des Mundes Purpur-Hoͤle, Die das Par der Lippen schliess’t, Zeiget sich die kluge Sele, Die in suͤsse Worte fliess’t, Und in diesen engen Schranken Nemen geistige Gedanken, Wenn wir reden, Coͤrper an; Daß man sie begreifen kann. 103. Wer erstaunt nicht, wenn er denket, Wie der Zunge Fertigkeit Sich auf tausend Ahrten lenket, Um der Selen Unterscheid Wunder-wuͤrdig zu formiren, Daß von andern auch zu spuͤren, Wie, was hier der Geist gedacht, Coͤrperlich wird kund gemacht? 104. Glied, das uns durch sein Erzaͤlen Fremde Geister einverleibt, Rege Feder uns’rer Selen, Die mit lauten Schriften schreibt, Der Gedanken Zaum und Riegel, Wunder-Pinsel, Goͤttlichs Siegel, Das, was unsre Sele heg’t, Andern in die Sele praͤg’t! 105. Mer- 105. Merket, wie sie sich zu regen, Und zum sprechen fertig sey, Wenn zehn Muskeln sie bewegen, Deren immer zwey und zwey Hinter, vor, zu beyden Seiten, Auf- und niederwaͤrts sie leiten, Und ein angewachs’ner Zaum Laͤsst ihr nicht zu weiten Raum. 106. Dieses Glied recht zu bewahren, Hat es die Natur versehn, Daß stets, wie geharn’schte Scharen, Rings um sie die Zaͤhne stehn. Diese kleine Marmor-Klippen Decken wiederum die Lippen, Unter deren Schutz’ und Hut Uns’re Zung’ auf Polstern ruht. 107. An der Zung’ ist noch zu preisen, Daß derselben rege Kraft Uns in so viel tausend Speisen Tausendfache Lust verschafft. Sie kann durch ihr forschend Schmecken Solch Vergnuͤgen uns erwecken, Daß so gar der Geist verspuͤr’t, Wie ein suͤsser Trieb ihn ruͤhrt. II. Theil. X 108. 108. Herbe sind nicht reife Fruͤchte; Saͤurlich-suͤß ist guter Wein; Bitter-suͤß sind viele Fruͤchte, Die Oliven aͤhnlich seyn; Saur sind Saurampf und Citronen; Suͤß hingegen sind Melonen, Honig, Zucker, Milch und Most. Mark und Oel sind fette Kost. 109. Wo uns eine Sach’ auf Erden Unsers Schoͤpfers Liebe weis’t, Jst es, da verbunden werden (Wenn sich unser Coͤrper speis’t) Mit der Not so suͤsse Luͤste. Wenn man ekelnd speisen muͤste; Wuͤrd’ es, wie wir gern gestehn, Nie zu rechter Zeit geschehn. 110. Was die unverdross’nen Bienen Und was der verbrannte Mor Zieh’n aus Rosen und Jesminen Und Maderens Zucker-Ror, Alle Suͤssigkeit der Reben Waͤr der Welt umsonst gegeben, Schmeckte nicht der Zungen Kraft Jedes Dinges Eigenschaft. 111. 111. Mensch, erwaͤge doch und merke, Wenn dein Mund was gutes schmeckt, Deines Schoͤpfers Wunder-Werke! Was darin fuͤr Weisheit steckt, Jst nicht leichtlich zu ermessen, Da Er nicht nur in das Essen Und in alles, was uns traͤnkt, So verschied’nen Saft gesenkt; 112. Sondern auch in deinem Munde Gaum und Zunge so gemacht, Daß, recht eben in dem Schlunde, Wenn man es genau betracht’t, Uns die Speis’ erst Anmut bringet, Eben wenn man’s nieder schlinget; Jst demnach, mehr als man meint, Narung, Nutz und Lust vereint. 113. Denke doch, wenn Schmerz und Fieber Uns in Blut und Adern steckt, Wie erbaͤrmlich uns daruͤber, Was man isst und trinket, schmeckt! Muß der Ekel vor den Speisen Uns nicht augenscheinlich weisen, Daß man nie sein Gluͤck ermisst, Wenn uns schmecket, was man isst? X 2 114. 114. Ew’ge Liebe, sey gepriesen, Dir sey Ehre, Lob und Dank, Da Du solche Huld gewiesen Jm Geschmack, in Speis’ und Trank! Gib, daß wir, so oft wir essen, Deine Wunder-Kraft ermessen, Die uns nicht nur Kost bescher’t, Sondern auch mit Lust uns naͤr’t. 115. Sprich, verwildertes Gemuͤte, Kommt die Zung’ auch ungefehr, Oder aus der Macht und Guͤte Eines weisen Wesens her? Sprich: verdienen solche Werke Nicht so viel, daß man sie merke? Wers Geschoͤpfe nicht betracht’t, Schaͤndet seines Schoͤpfers Macht. V. Das Gefuͤl. 116. H iemit stellen wir dem Denken Auf das Schmecken auch ein Ziel, Uns’re Geister hinzulenken Aufs empfindliche Gefuͤl, Dessen Kraͤfte den Gedanken Ohne Mass’ und ohne Schranken Allenthalben, allgemein, Und im ganzen Coͤrper seyn. 117. 117. Eines Coͤrpers Leichte, Schwere, Glaͤtte, Fest- und Fluͤssigkeit, Was gefuͤllet ist, das leere, Hart und weich, lang, schmal und breit; Was sich biegt, was stumpf, das spitze, Was erfuͤll’t von Frost und Hitze, Naß und trocken, warm und kuͤl Zeigt der Sele das Gefuͤl. 118. And’re Sinne koͤnnen truͤgen; Jhm ist minder Trug bewust. Alles Menschliche Vergnuͤgen, Anmut, Wollust, Freud’ und Lust Fliessen bloß aus dieser Qvelle, Und die allerklein’ste Stelle Unsers Coͤrpers hat die Kraft, Daß sie Lust der Selen schafft. 119. Die vier andern Sinne scheinen Kinder des Gefuͤl’s zu seyn, Und es wird kein Mensch verneinen, Daß sie gegen dieses klein; Daß die Kraͤfte jener Sinnen Bloß aus dem Gefuͤle rinnen, Weil ihr Ursprung und ihr Ziel Selbst ein zaͤrtliches Gefuͤl. X 3 120. 120. Die so gross- als kleinen Sehnen (Die in dem Gehirn entstehn, Sich in tausend Zweige dehnen, Unsern ganzen Leib durchgehn, Und nur in der Haut aufhoͤren,) Sind der Geistigkeiten Roͤren, Wodurch so vor Lust als Pein Alle Coͤrper fuͤlbar seyn. 121. Wo sich diese Roͤren enden, Trifft man kleine Waͤrzgen an, Welche man in unsern Haͤnden Noch am meisten merken kann. Hiedurch scheinen wir zu spuͤren: Wenn sie was, so hart, beruͤhren; Bieg’t sich jede zarte Spitz’, Und beweg’t des Sinnes Sitz. 122. Davon kommt’s, wie ich ermesse, Daß die Coͤrper fuͤlbar sind, Wenn die Haͤrte mit der Groͤsse Jn dem Vorwurf sich verbind’t. Luft kann man daher nicht fassen: Auch kann sich nicht fuͤlen lassen Was zwar hart, doch gar zu klein, Wie gewisse Pulver seyn. 123. 123. Daß wir uns’re Glieder regen, Daß die Menschen Menschen seyn, Stammet, wenn wirs recht erwaͤgen, Nur aus dem Gefuͤl’ allein. Uns’rer Eltern zarte Triebe Kamen aus der Lust der Liebe, Und der Liebe Scherz und Spiel Jst ein kitzelndes Gefuͤl. 124. Weil der Bey-Schlaf alle Teile Zu des Kindes Wesen fuͤhr’t, Wird auch jedes Glied in Eile Aufs empfindlichste geruͤhr’t. Dieß vermehret das Begehren, Uns bestaͤndig zu vermehren, Welches, wenn man’s recht ermiss’t, Ein besonders Wunder ist. 125. Merkt, wozu der Sinn uns tauge! Es ist gleichsam das Gefuͤl Aller uns’rer Glieder Auge, Unsers Wolseyns einzigs Ziel. Will uns Hitz’ und Frost versehren; Eilt ihr Trieb, es abzuwehren, Unser Leib wird der Gefahr Auch so gar im Schlaf gewahr. X 4 126. 126. Daß wir Schmerzen koͤnnen leiden, Und empfindlich sind fuͤr Pein, Lehrt uns alle Sachen meiden, Die uns schaͤd- und toͤdtlich seyn. Diesem Sinn’ ist zuzuschreiben, Wenn wir unversehret bleiben. Daß man sein’ Erhaltung such’t, Jst nur des Gefuͤles Frucht. Beschluß. 127. D ieses ist’s, was von den Sinnen Unsern Sinnen ist bekannt. Hat man aber gleich hierinnen Alles Sinnen angewandt; Bleibt das Wesen doch verborgen, Ungeachtet aller Sorgen. Muß der Kluͤg’ste doch gestehn, Daß wir kaum den Schatten sehn. 128. Daß wir aber dieß nicht fassen, Duͤrfen wir uns warlich nicht Gar zu sehr befremden lassen. Haͤtten wir nur vier gekriegt, Sag’t, wer wuͤrde dann wol koͤnnen Auch des fuͤnften Kraft nur nennen? Daß uns also viel verhel’t, Kommt, weil uns der sechste fel’t. 129. 129. Welchen, nebst viel andern Gaben Kraͤft- und Sinnen, gar vielleicht And’rer Erden Buͤrger haben, Die GOTT ihnen dargereicht, Daß auf mancher Ahrt und Weise Die verschied’nen Himmels-Kreise Seine Groͤsse sollten sehn, Und Sein’ Allmachts-Kraft erhoͤhn. 130. Ja wer weiß, wann wir verklaͤret Durch den Tod ins Leben gehn, Was alsdann uns wiederfaͤhret, Ob uns GOTT nicht ausersehn, Uns in jenem sel’gen Leben And’re Sinne noch zu geben, Und zwar immer mehr und mehr Zur Vermehrung seiner Ehr. 131. Warum will man denn ergruͤnden, Was nicht zu ergruͤnden steht? Lass’t so saure Muͤhe schwinden, Drin die Zeit umsonst vergeht! GOTT hat uns in diesem Leben Die fuͤnf Sinne bloß gegeben, Um in Jhm vergnuͤg’t zu seyn, Und sich Seiner zu erfreu’n. X 5 132. 132. Lasset uns doch uͤberlegen, Daß fast alles auf der Welt Bloß um uns’rer Sinne wegen, Sey gemacht und vorgestellt; Daß die Luft, das Licht, die Erde Uns’rer Sinne Werkzeug werde; Daß so viel so vielerley Zu den Sinnen noͤtig sey; 133. Daß der Pflanzen, daß der Tiere Absicht, Nutz und Zweck allein, Bloß damit man sehe, spuͤre, Schmecke, hoͤr’ und fuͤle, seyn; Daß selbst unser Leib von innen Und von aussen bloß den Sinnen Mit so mancherley Bemuͤhn Kraͤft- und Eigenschaften dien. 134. Wenn wir unsern Leib von innen Mit Aufmerksamkeit besehn; Spuͤren wir, daß fuͤr die Sinnen Alle Wirkungen geschehn; Daß sich unser Herze reget, Daß sich unser Blut beweget, Daß es wie ein Brunnen springt, Und durch tausend Adern dringt; 135. 135. Die besond’re Kraft der Nieren, Daß die Leber das Gebluͤt, Nebst der Milz, weiß zu formiren, Daß die Lung’ uns Atem zieht; Uns’rer Nerven zarte Gaͤnge, Der Gedaͤrme Laͤng’ und Menge, Daß des Magens rege Kraft Allen Teilen Narung schafft. 136. Aller dieser Eingeweide Unerforschliche Natur Zielet auf des Coͤrpers Freude, Dienet den fuͤnf Sinnen nur. Denn die uns verborg’nen Saͤfte Geben unsern Sinnen Kraͤfte, Und ihr Endzweck ist allein, Daß die Sinne sinnlich seyn. 137. Zeigen solche Wunderwerke, Die kein Mensch begreifen kann, Keine Weisheit, Liebe, Staͤrke, Noch den Wehrt der Sinnen an? Jch erschrecke, wenn ich denke, Wie so wenig dieß Geschenke Und des grossen Gebers Macht Jn denselben wird geacht’t. 138. 138. Sprich, verstockter Atheiste, Wenn ein Mensch auf Erden waͤr, Welcher solche Kuͤnste wuͤste, Daß er Augen, das Gehoͤr, Riechen, Fuͤlen, Schmecken, Denken Dir vermoͤgend waͤr zu schenken, Und er schenkte sie denn dir, Danktest du ihm nicht dafuͤr? 139. Solltest du wol sagen koͤnnen: Alles dieß ist keine Kunst, Und was er mir wollen goͤnnen, Rechne ich fuͤr keine Gunst? Nein, unmoͤglich wird auf Erden Solch ein Vieh gefunden werden. Da es aber GOTT gemacht, Schlaͤg’t man’s leider aus der Acht. 140. Lasst uns doch den Schoͤpfer ehren, Wenn wir recht was schoͤnes sehn! Wenn wir etwas lieblichs hoͤren, Lasst uns Seinen Ruhm erhoͤhn! Wenn uns Riechen, Fuͤlen, Schmecken Anmut, Lust und Freud’ erwecken; Lasst uns in Zufriedenheit Zeigen uns’re Dankbarkeit! 141. 141. Solch ein Dank-erfuͤlltes Lallen, Wenn’s auch denkend nur geschicht, Muß dem Schoͤpfer wolgefallen. Dieß ist aller Menschen Pflicht; Denn wenn man es nicht erkennet, Wie viel Gutes GOtt uns goͤnnet, Und es nicht einmal bedenkt; Jst’s, als waͤr’ uns nichts geschenkt. 142. Nach der Menschen Ahrt zu sprechen, Scheint zwar dieses Laster klein; Aber warlich kein Verbrechen Kann GOTT mehr zuwider seyn. Solche Wunder nicht betrachten, Heisst ja, selbige verachten, Und aus diesem Undanks-Meer Fliessen alle Suͤnden her. 143. Wir sind Sinn-reich, uns zu qvaͤlen, Und vergroͤssern uns’re Pein; Dennoch wuͤnschen uns’re Selen, Allezeit vergnuͤg’t zu seyn. Nun, zu diesem Zweck zu kommen, Thut, was ihr anitzt vernommen! Zur Vergnuͤgung eurer Brust, Ehret GOTT in eurer Lust! 144. 144. Sollten uns’re Sinne taugen, Tiefer, als sie thun, zu gehn, Koͤnnten wir durch unser’ Augen Als durch ein Vergroͤss-Glas sehn; Wuͤrd’ uns fuͤr uns selber grauen, Sollten wir die Haut beschauen, Die ja dann, als wie ein Baͤr, Rauch und recht abscheulich waͤr. 145. Zwar man wuͤrd’ auf solche Weise Viele Kleinigkeiten sehn; Doch wie duͤrft’ es um die Kreise Jener grossen Coͤrper stehn? Von den schoͤnen Himmels-Lichtern Wuͤrde menschlichen Gesichtern Nichts, bey allem Glanz’ und Schein, Jm geringsten sichtbar seyn. 146. Waͤr’ ein Auge so gebeuget, Wie ein Fern-Glas, das allein Diese Ding’ uns deutlich zeiget, Die von uns entfernet seyn; Wuͤrden dann die nahen Sachen Uns nicht ganz verwirret machen? Also geht’s mit dem Gebrauch Uns’rer andern Sinnen auch. 147. 147. Koͤnnten wir viel schaͤrfer hoͤren, So, wie oftermals geschicht, Wenn man durch die Ohren-Roͤren Oder Sprach-Trompeten spricht; Welch verworr’nes lautes Schallen Wuͤrd’ uns in die Ohren fallen? Ein so wild Geraͤusch allein Wuͤrd’ uns unertraͤglich seyn. 148. Waͤr’ auch des Gefuͤles Wesen Schaͤrfer, und von solcher Ahrt, Wie uns GOTT zum Aug’ erlesen; Vieler Coͤrper Gegenwart Waͤr’ uns schmerzlich und verdrießlich. Gleichfalls waͤr’ es nicht ersprießlich, Wenn der Zungen Kraft, die schmeckt, Weiter sich, als itzt, erstreckt. 149. Wenn auch der Geruch sich schaͤrste, So daß man, den Hunden gleich, Alle Dinge riechen doͤrfte; Wie verdrießlich wuͤrden euch Allerley Geruch der Erden, Ja der meisten Dinge, werden? Wir empfuͤnden jederzeit Ekel, Abscheu, Widrigkeit. 150. 150. Wer kann GOttes Lieb’ ergruͤnden? Wer kann Seine Macht versteh’n? Daß wir ohne Muͤh’ empfinden, Hoͤren, riechen, schmecken, seh’n Sonder Arbeit und Studiren, Kann man durch die Sinne spuͤren. Diese Gab’ allein ist wehrt, Daß man GOTT allein verehrt. 151. Wie der Sonnen Geist die Hoͤlen Uns’rer Luft im Stral durchbricht; Also stral’t aus unsern Selen Ein bestaͤndig sinnlich Licht, Wodurch aller Menschen Sinnen Die Empfindungs-Kraft gewinnen. Alles, was man sinnt und thut, Stammt aus dieser innern Gluht. 152. Diesen wiederhol’ten Lehren Folge denn doch jedermann! Braucht dieß Licht zu GOttes Ehren! Seht die Welt mit Andacht an! Such’t mit GOttes Werk die Selen Durch die Sinne zu vermaͤlen, Und erzielt, wenn ihr euch freu’t, Kinder bruͤnst’ger Dankbarkeit! 153. Muͤsst 153. Muͤsst ihr nicht auch, wider Willen, Zu des Hoͤchsten Preis’ und Ehr’ Alles, was er will, erfuͤllen? Wollet ihr denn nicht vielmehr Jhm von selbst zu Dienste leben, GOTT in eurer Freud’ erheben, Seines Namens Ehr’ erhoͤhn, Und mit Lust Sein Werk besehn? 154. Wenn der Schoͤpfer nichts, als Schmerzen, Statt der Lust uns eingepraͤg’t, Und nur bloß fuͤr Pein im Herzen Ein’ Empfindlichkeit geleg’t; Waͤr’ uns unser Leben taͤglich Nur ein Scheusal, unertraͤglich, Ein’ abscheulich schwere Last, Ja mehr, als der Tod, verhasst. 155. Sey denn, grosser GOTT, gepriesen! Daß aus lauter Gnaden nur Du uns so viel Gnad’ erwiesen, Und der menschlichen Natur So viel Freud’ und Anmut schenkest, Sie mit Lust und Wonne traͤnkest, Da uns jedes Sinnes Kraft Tausendfach Vergnuͤgen schafft. II. Theil. Y Die Die, durch eine schoͤne Landschaft in der Luft, vermehrte Schoͤnheit einer ir- dischen Landschaft. E in kuͤler Regen war gefallen, Die Luft war ganz von Duͤften rein, Es herrschet’ uͤberall ein heit’rer Sonnen-Schein, Man sahe, was man sah, als saͤh mans durch Krystallen, Es glaͤnzt’ und schien, bey aufgeklaͤr’tem Wetter, Die Luft noch einst so blau, das Feld noch einst so gruͤn, Es glaͤnzten die getraͤnkten Blaͤtter, Es funkelt’ iedes feuchte Kraut, Wenn sie der Sonnen Licht beschien, Und sich in jedem Tropfen bildet: Daher das helle Gruͤn zugleich verguͤldet Mit Farben nicht allein, mit hellem Glanz, bemal’t, Und recht illuminiret ließ, Jnzwischen daß am Himmel sich, Nach ird’scher Ahrt, auch eine Landschaft wies. Der Himmel schien bemuͤht, durch manchen Wolken- Strich, Bald hohe Berge, flache Felder, Bald nied’re Buͤsche, dicke Waͤlder, Ja bald ein Meer voll kleiner guͤld’ner Wellen, Bald Tier’ und Voͤgel vorzustellen. Die Farben nun der zierlichen Figuren Von allen diesen Creaturen Sind Sind Purpur, Silber, Gold, Carmin. Das Feld, an statt daß unsers gruͤn, War blauer, als Ultramarin: Jch sah zugleich zwey weite Felder an, Von welchen man des einen Zier Mit einem glaͤnzenden Sapphir, Das andere mit Smaragd, gar wol vergleichen kann. Jch sahe beyder Glanz von einer Hoͤh’: Jch stutzte Vor Anmut und vor Lust, daß die Natur Mit Bildern, Farb’ und Licht so Erd’ als Himmel putzte. War uns’re Landschaft Wuͤnder-schoͤn; So war die ob’re fast noch schoͤner anzusehn. Verband man aber beyder Zier; So stellten sie dem froͤhlichen Gesicht Von Bildung, Farben, Glanz und Licht Das herrlichste Spectakel fuͤr. Es schien, ob wollte die Natur, Damit wir GOtt, den Schoͤpfer, moͤgten preisen, Wie sie so wol an Farben als Figur Ganz unerschoͤpflich sey, uns weisen. Man sieht die Bilder dort, jedoch nicht minder schoͤn, Jn andern, als bey uns gewohnten, Farben stehn. Man siehet guͤld’ner Berge Spitzen, Gebaͤud’ aus hellem Silber blitzen: Man siehet Rosen-farb’ne Waͤlder, Man siehet Purpur-rote Felder, Man siehet Buͤsche von Carmin, Ja Tier’ und Voͤgel von Rubin. Ach, daß ein solches Farben-Spiel Y 2 Uns Uns doch ins Herz durchs Auge fallen moͤgte! Ach, daß es uns doch nur so viel gefiel, Daß man, dadurch geruͤhrt, am grossen Schoͤpfer daͤchte. Jndem ich nun bewundernd stehe, Und Welt und Himmel glaͤnzen sehe; Werd’ ich gewahr, daß sich das Licht Auf uns’rer Welt durch Schatten artig bricht, Und dieß vermehrte noch die liebliche Gestalt. Hier stund ein Teil der Wiesen sanft verdunkelt, Und dort ein halber Wald, Jnzwischen daß die and’re Haͤlfte funkelt, Die durch den Gegensatz Noch so viel heller scheint. Hier sah ich manchen Platz Jn einem gelben Licht’, und einen dunkeln dort; Beyd’ aber aͤndern sich. Ein itzt beftral’ter Ort Wird schattigt, und was itzt noch dunkel war, Tritt allgemach ins Licht, und stellt sich Wunder-schoͤn Jn einem hellen Schimmer dar. Ein angenem Gemisch von Schatten und von Licht Erweckte dem Gesicht, Das an Veraͤnderung am meisten sich ergetzet, Ein’ ungemeine Lust. Jch dachte nach, woher Die Schatten ihren Ursprung namen, Und freute mich noch mehr, Als ich verspuͤrete, wie sie Von oben von den Wolken kamen. Jn welcher Einigkeit und suͤssen Harmonie Steht, sprach ich, itzt der Himmel und die Welt! Sie wird, da uns allhier der Schatten auch gefaͤllt, Nicht Nicht nur mit Licht, mit Schatten auch geschmuͤckt. Durch diesen lieblichen Verband Des Himmels mit der Welt, Den ich so herrlich vorgestellt Und mir vor Augen liegen fand, Ward meine Seleselbst, mein innerstes, geruͤhret, Und durch der Creaturen Pracht Zu Dem, Der alles schoͤne macht, Jn froher Ehrfurcht so zu denken angefuͤhret: Grosses All! unendlichs Wesen, Der Natur Buch giebt mir hier, Voller Wunder, Glanz und Zier, Deine Herrlichkeit zu lesen. Uns’re Selen wissen nicht, Sich was schoͤners vorzubilden; Aber ach, was muß Dein Licht Jn den himmlischen Gefilden Ohne Schranken, sonder Grenzen, Wo es unverhuͤllet, glaͤnzen! Welch ein Abgrund voller Lust, Welche Tiefen voller Wonne Sind, o aller Sonnen Sonne, Denen, die Dich sehn, bewust! Welch ein Meer von heil’ger Gluht Muß aus Deinem Throne qvillen! Welche sel’ge Liebes-Flut Y 3 Muß Muß der Himmel Himmel fuͤllen! Ach wie muß so uͤberschwenglich Dort des Schoͤpfers eig’ner Schein, Da schon das, was nur vergaͤnglich So gar herrlich ist, doch seyn! Ach lasst uns in diesem Leben Deine Weisheit, Lieb’ und Macht Jn der Creaturen Pracht Zu bewundern uns bestreben! Sind wir bey den ird’schen Schaͤtzen Ueber wenig treu gewesen; Wird Er uns zu mehr erlesen, Und dort uͤber vieles setzen. Die Die Trauben. G ewiß, es wird ein Mensch kaum glauben, Wie manche Farbe sich auf reifen Trauben Mit Licht und Schatten mischt, Und ein drauf achtend Aug’ erfrischt. Hier siehet man so manches kleine Licht, Das durch der Blaͤtter Oeffnung bricht, Dort sieht man manchen kleinen Schatten Bald von den Beeren selbst, bald von den Stengeln, Die nebst den Haͤklein sich so artig drehn und schlaͤngeln, Sich mit viel bunten Farben gatten. Hier wird ein helles Rot, und dort ein lieblich Grau Span-Saft- und dunkel-gruͤn, gelb, weißlich, Purpur, blau, Wenn durch den Sonnen-Stral jedwede glaͤnzt und funkelt, Durch kleine Schatten schnell zerteilet und verdunkelt. Es scheinet, wenn auf einer glatten Beere Der Sonnen Licht oft eine Stell’ erhellt, Und dann von Stengeln drauf ein kleiner Schatten faͤllt; Als ob ein Stengel recht darauf gezeichnet waͤre. So wie der Mond, nachdem auf ihn die Sonne stral’t, Sich bald im halben Licht’, und bald im ganzen mal’t; So wird von diesen runden Beeren Die eine Seiten-waͤrts, die and’re ganz, Nachdem bald Seiten-waͤrts, bald vorn der Sonnen Glanz Sie ruͤret; angestral’t und hell gemacht, So daß ich oft in ihrer kleinen Ruͤnde Y 4 Zu- Zugleich ein kleines Bild von Mond und Sonne finde. So viel Vertiefungen und Hoͤh’n Als wir an einer Traube sehn, So mancher Grad vom halben Licht, Von zartem Wieder-Schein, Gebroch’nen Farben, klaren Schatten, Die, da sie sich so lieblich gatten, Nur bloß den Kuͤnstlern sichtbar seyn; Vergnuͤgen ein drauf achtendes Gesicht. Der Trauben zierliche Figur, Da sie, wie wir mit Anmut sehn, Aus vielen Kuͤgelchen bestehn, Jst recht ein Kunstwerk der Natur, Das wol betrachtens-wehrt, Jndem ein Stengel solche Menge Von Beeren traͤget und ernaͤhrt, So daß sie durch ihr eigenes Gedraͤnge Da sie so nah beysammen sitzen, Sich nicht verdraͤngen, sondern stuͤtzen. Die vollenkommenste Figur Jst ja die Ruͤnd’ in der Natur. Da an den Trauben nun sich alle Beeren ruͤnden; Jst fast kein lieblicher Gewaͤchs zu finden. Wird Jsis als ein viel-gebruͤstet Weib Uns vorgestellt; so kommt oft eine Traube mir Als wie ein solcher Jsis-Leib, Mit vtelen kleinen Bruͤsten, fuͤr. Das zierlich eingekerbt- und nett-gezackte Laub, Wodurch die Adern sich bis an die Ecken, Voll Voll klares Safts, wie Blut, erstrecken, Jst recht verwunderlich geweb’t. Solch eine Menge Stets wieder auf das neu geteilter zarter Gaͤnge Durchflicht das ganze Blat, wodurch es sich vereint, Und, wie ein gruͤnes Fleisch, voll gruͤner Adern scheint. Ein Blat beschattet oft das ander’, und vermehret, Durch seine dunk’le Zierlichkeit Der Schatten, Bildungen und Farben Unterscheid. Jch werd’ hiedurch aufs neu geruͤhret und belehret, Daß, wie sich nichts von selbsten macht, Aufs wenigste fuͤr solche Pracht Dem Schoͤpfer Lob und Preis gehoͤret. Y 5 Die Die Sterne. J hr Puncte, die ihr auf einmal So wunderbarlich groß und klein! So klein, daß ihr fast nicht zu teilen, So groß, daß euer Wunder-Schein Noch groͤsser, als viel tausend, tausend Meilen; Jhr stellet mir Ein aͤhnlichs Bild von uns’rer Sele fuͤr. Wir sind, wie ihr, auf einmal groß und klein: So klein, daß wir uns selbst verlieren, Wenn wir des Schoͤpfers Groͤsse spuͤren; So groß hingegen, Wenn wir der Gottheit Lieb’ erwegen, Die uns die Faͤhigkeit Von Goͤttlicher Vollkommenheit, Und Seinen Wundern was zu denken, Aus lauter Huld gewuͤrdiget zu schenken. Ach GOTT, laß uns, zu Deinem Preise, Doch oft auf solche Weise Durch Deiner Allmacht Glanz, durch Deiner Liebe Schein Vernichtigt und verherrlicht seyn! Beschrei- Beschreibung einer anmutigen Ge- gend um Hamburg. R ings um Hammoniens erhab’nen Waͤllen Such’t die, der wehrten Stadt gewogene, Natur Nicht von der Kunst und von dem Reichtum nur; Von ihrer Anmut auch ein Muster vorzustellen Jn ihrer schoͤnen Lag’ und lieblichen Gefilden. Mein Garten, der nicht weit von ihr, Giebt oft Gelegenheit, die Fruchtbarkeit, die Zier, Und ihrer Felder Lust-Revier Mit Freuden anzusehn, wodurch sie abzubilden Jch itzt entschlossen bin. Gib, daß es wol gelinge, Du ew’ge Segens-Qvell, Du Schoͤpfer aller Dinge, Damit der Landschaft Pracht und Vollenkommenheit Die Buͤrger Hamburgs oft, nebst mir, zur Dankbarkeit Jn froͤhlicher Empfindung bringe! Man kann allhier mit fast erstaunendem Vergnuͤgen Ein schoͤnes Stuͤck der Welt, das unvergleichlich schoͤn, Jn einem bunten Glanz’ um desto besser sehn, Als hier die Gaͤrten selbst auf einer Hoͤhe liegen, Und jeder in sich selbst, durch unterschied’ne Stiegen Geteilt, oft suͤnf bis sechs verschied’ne Gaͤrten macht, Die alle von verschied’ner Pracht. Die Hoͤhe zeiget nun den fast erstaunten Augen Von allen Seiten Erst Gaͤrten mancher Ahrt, voll tausend Lieblichkeiten, Zur Zur Anmut teils, teils zum Gebrauch, Die, nach verschiedlichem Geschmack verschied’ner Herrschaft, auch Verschiedlich angeleg’t: wodurch sie alle taugen, Jn unterschied’nem Schmuck den Schmuck noch zu verbessern, Die Anmut dieses Orts im Wechsel zu vergroͤssern, Und, der Natur und Kunst allmaͤcht’gem HErrn zu Ehren, Die nimmer satte Lust der Augen stets zu mehren. Hier kann man Bluhmen-Stuͤck’ und dort Gasons entdecken, Hier Gallerien, dort Statuͤen, Hier Grotten, dort Orangerien, Ligustrum-hier, dort Taxus-Hecken. Hier kann man Teiche, dort Alleen, Da Pyramiden, Bogen-Gaͤnge, Fonteinen, Steig’ in grosser Menge Und gruͤn-belaubte Planken sehen, Hier Garten-Haͤuserchen, Portale dort und Lauben. Der Reben Meng’, als Muͤtter-suͤsser Trauben, Der Apricosen- und der Pfirschen- Der Qvitten-Pflaumen-Birnen-Kirschen- Und Aepfel-Baͤume zu geschweigen, Als die sich hier in solcher Menge zeigen, Daß sie kaum zaͤlbar sind. Der Farben Unterscheid, Vermischungen und Lieblichkeit, Samt der Veraͤnderung der Formen ohne Zal, Die auf einmal An diesem Ort’ uns in die Augen fallen, Absonderlich, wenn sie der Sonnen Stral Mit seiner hellen Gluht verguͤldet, Und Und sie dadurch noch einst so schoͤn, So lieblich und so herrlich bildet; Erregen denen, die es sehn, Ein suͤß Erstaunen, ein Vergnuͤgen, Das den unachtsamsten zuweilen achtsam macht: Zumalen da der Wiesen Pracht, Die hinten an den Gaͤrten liegen, Zu deren Schmuck und Glanz den ihrigen noch fuͤgen, Der unbeschreiblich auch so wol als jener ist. Derselben Breite, Flaͤch’ und Laͤnge, Derselben gruͤn’ und eb’ne Laͤnge, Die das Gesicht mit Muͤh (doch froher Muͤhe) misst, Jst, da sie fast so flach und eben, fast so schoͤn, Als wie ein Firmament, das gruͤn ist, anzusehn: Absonderlich wenn ihr so dichter Klee Jm guͤld’nen Licht der Sonne gluͤhet, Da dann das Bluhmen-Heer auf Stellen, wo es bluͤhet, Zumalen in der Naͤh, Selbst kleinen Sternen aͤnlich siehet. Auf diesen bloß mit Klee bedeckten Rasen Sieht man viel glattes Vieh in sanfter Stille grasen. Es stellt desselben Ruh, zusamt der Landschaft Zier, Ein angenemes Bild des lieben Friedens fuͤr. Ach lasset uns dieß holde Friedens-Bild, Jhr Buͤrger Hamburgs, oft mit Lust bedenken! Jhr muͤsst, hierdurch geruͤhrt, den Geist zum Schoͤpfer lenken, Wenn ihr die Wiesen seht mit fettem Vieh’ erfuͤllt, Das mit gesenktem Haupt hier frisst, dort wiederkaͤuet Mit halb geschloss’nem Aug’ und regem Maul; so freuet, Er- Ergetzt, vergnuͤget euch, und denket dieß dabey: Daß uns von GOtt allein Gesundheit, Ruh, Vermoͤgen, Gewerbe, Handelschaft, Fried’, Ueberfluß und Segen Gegeben und erhalten sey. Die Wiesen machen sonst durch ihre Laͤng’ und Breite, Wiewol mit Lust, die Augen muͤde, Auf welchen hinter den Alleen Jn einer rechten Weite Wir eine weisse Pyramide, Als einen Aug-Punct, sehen, Die, ob sie gleich von Brettern nur erricht’t, Doch, wenn das Licht Auf ihre weisse Farbe faͤllt, Das weite Gruͤn gar lieblich unterbricht; Und recht, als ob das Feld noch an dem Garten hinge, Uns angenem vor Augen stellt. Ja, wie die Felder Wasser-Graben Zu beyden Seiten haben, Und deren Linien dadurch mit Haufen Den Augen nach, die sie von oben sehn, Nach einem Mittel-Punct von allen Seiten lausen; So wird dadurch recht unvergleichlich schoͤn, So lange sie voll Wasser stehn, Ein Stern, fast Meilen lang, mit Stralen von Krystallen, Worin gar oft Des Himmels heller Schein und reine Farben fallen, Bewunderns-wehrt formir’t. Wann aber sich die glatte Flut verliert; So unterscheiden sich dennoch die langen Striche, Jn- Jndem des Schilfs und Binsen Dunkel-gruͤn Jn eben der Figur noch einem Stern sich gliche. Zur Rechten strecket sich die Eb’ne gleichsalls fort, Wo sie den Deich und Damm der Stadt Zum Schutz, zur Zier, zur Grenze hat. Doch siehet man sie hier und dort, Um unser Auge zu erfrischen, Mit Bleichen bald, und bald mit holden Buͤschen, Mit niedern bald, und bald mit hohen Weiden, Mit niedern bald und schlecht-bald zierlichen Gebaͤuden Unordentlich, doch suͤß und lieblich, unterbrochen. Ein langes Dach, worunter Pech und Teer, Damit, bey der Verbrennlichkeit So schnell entzuͤndeter und heftig gluͤh’nder Waren, Die Stadt, die Kaufmann schaft, und jeder fuͤr Gefahren Gesichert waͤr’, Jst an des Deiches Fuß zu sehn. Nicht weit davon sieht man, nicht ohn Vergnuͤgen, Auch eine Wind- und Schneide-Muͤle stehn, Die durch der langen Fluͤgel Drehn, Womit sie gleichsam scheint zu fliegen, Auch nebst dem Nutzen, Holz zu saͤgen, Ein nicht unangenem Bewegen Jn der sonst stillen Landschaft macht. Des Deiches Zirkel drehet sich Jn einer gruͤnen weiten Ruͤnde, Auf dessen hoch-erhab’nem Strich Jch, wie in seinem Schoß, noch manche Schoͤnheit finde. Man Man sieht daselbst von weitem mit Vergnuͤgen Den Thurm, wie auch das Schloß von Harrburg liegen. Zur rechten siehet man die Huͤgel voller Buͤsche, Bey Moorburg, wo die Heidel-Beer Jn solcher Menge fast, als wie der Sand am Meer, Gesammlet wird fuͤr uns’re Tische. Die Ferne laͤsset uns die angenemen Hoͤh’u Jn gruͤner nicht, in blauer, Farbe seh’n. Der Berge purp’richt Blau Verlier’t sich allgemach in einem sichtbar’n Duft. Jhr Umstrich, der so zart und flau, Vereinet sich gemaͤchlich mit der Luft, Schein’t mit dem Firmament sich feste zu verbinden, Kaum kann man, zwischen Erd’ und Himmel, Grenzen finden, So daß der Ort, wo sich mein Blick verlier’t, Den Blick zum Himmel gleichsam fuͤhr’t. Den Deich nun siehet man nicht sonder Freuden Mit grossen teils, teils klein- und zierlichen Gebaͤuden, Mit hohen Baͤumen teils, teils niedrigen geziert, Die lustig anzusehn: wodurch er eine Ruͤnde, Die ich besonders schoͤn, besonders lieblich finde, Rings um der Wiesen Schmuck formir’t. Recht hinter diesem Kreis’ erblicket man mit Lust Und inn’rer Regung uns’rer Brust, Der Elbe Segens-reiche Flut, (Auf welcher mehrenteils ein Heer von Schiffen schwimmet,) Die, wenn sie von der Sonnen Gluht Bestral’t, als fliessend Silber glimmet, Ja oͤfters wie ein Spiegel-Glas, Jn Jn Ufern voller Klee und Gras, Als in Smaragd’nen Rahmen, scheinet. Es laͤsst recht unvergleichlich schoͤn Durch einen grossen hellen Strich, Der, wie gesag’t, dem schoͤn’sten Silber glich, Der Landschaft schoͤnes Gruͤn, so schoͤn geteilt, zu sehn: Doch sieht man selben Strich zuweilen Recht angenem sich wieder teilen Durch mancher Buͤsch’ und Baͤume Hoͤh’n, Die auf bemeld’tem Deiche stehn, Durch deren Oeffnungen ich bald die blaue Flut, Bald auch an jenes Ufers Seiten Viel gruͤne teils, teils blaue Zierlichkeiten, Bestralet von der Sonnen Gluht, Vergnuͤg’t erblicken kann. Hier siehet man nicht ohn Vergnuͤgen Auch uͤber dieses Deiches Gipfel Entfernter Baͤume blaue Wipfel, Die jenseits uns’rer Elbe liegen. Der Brandes-Hof, den hohe Baͤume schmuͤcken, Laͤsst auf dem Deiche sich, als wie im Wald’, erblicken. Hier sieht man oͤfters hin und wieder Bald hoch erhab’ne Masten stehn, Bald rote, weisse bald, vom Wind’ erfuͤllte Segel Mit sanftem fliessen hin und wieder, Ohn daß wir Schiff’ und Wasser sehn, Recht zwischen gruͤnen Baͤumen gehn. Hier graͤnzet nun der Deich der Bill’ am Elb-Deich an, Worauf, so weit man sehen kann, II. Theil. Z Auch Auch Haͤuser um Gebuͤsch, Gebuͤsch um Haͤuser liegen, Die uns den klaren Fluß der Bille zwar verstecken, Jedoch in ihnen selbst viel schoͤnes uns entdecken: Der Daͤcher feurigs rot, der Baͤume vielfach gruͤn, So sonder Ordnung zwar, doch eben dadurch schoͤn Stets wechslend durch einander stehn, Bemuͤhen sich, allein auf sich den Blick zu ziehn. Dreh’ ich die Augen nun noch mehr zur linken Hand; So sieht man den erhab’nen Sand Von Schiffbeck, dessen Ruͤcken Viel Eichen einzeln teils, und teils versammlet schmuͤcken, Ja was noch mehr, man siehet Steinbecks Spitze, Die auch den Schiffenden als wie ein Pharus nuͤtze, Gar deutlich. Ferner sieht man noch Ganz in der Fern’ ein rechtes Joch Von Huͤgeln, die den Blick fast bis auf Bergdorf fuͤhren, Ganz blaͤulich, wie ein Duft, sich in der Luft verlieren. Man sieht darauf hierherwaͤrts hin und wieder Bald einen sandigten, bald gruͤnen Strich mit Haufen Bald gegen sich, bald auf und nieder Jn stetem Wechsel gleichsam laufen, Bald blaue Linien von holden krausen Buͤschen Den gelben Linien sich untermischen, Und bald die Hoͤhen, bald die Flaͤchen Mit holdem Wechsel unterbrechen, Jn deren Aenderung und Unterscheid Der schoͤnen Landschaft Lieblichkeit Am meisten fast bestehet. Wenn man nun weiter noch sich nach der Linken drehet; Wird Wird Hamm und Horn, das sich mit lauter Gaͤrten schmuͤckt, Mit noch vermehrter Lust erblickt. Die Hoͤh’ und halbe Cirkel-Ruͤnde, Worin ich sie gelegen finde, Die lassen uns recht Wunder-schoͤn Von bunten Tiefen, bunten Hoͤh’n Ein recht Amphitheater sehn. Wenn ich darauf die frohen Blicke Von diesem schoͤnen Ort noch weiter herwaͤrts schicke; Seh’ ich mit neuen Freuden Den langen schoͤnen Weg im Ausschlag, der mit Weiden Recht lieblich ausgesetzt, recht schoͤn geziert, Und durch der Wiesen Pracht uns zum Billwaͤrder fuͤhrt. Man siehet diesen Weg in voller Laͤnge, Weil man ihn von der Seite sieht, Wodurch der Baͤume grosse Menge Recht einen dunk’len Strich durch die bebluͤhmte Flaͤche Der gelblich gruͤnen Wiesen zieht. Noch naͤher her erblicket man, So weit das Auge reichen kann, Wie das begras’te Feld Uns einen neuen Schmuck vor Augen stellt, Judem auf seinen gruͤnen Decken Sich schoͤne bunte Decken strecken, Die Jndien uns, weiß, in grosser Menge schickt, Und welche man bey uns mit solchen Farben schmuͤckt, Daß Hollands Farben selbst dabey nicht zu vergleichen. Kurz, treffliche Cattonen-Bleichen Vermehren noch der schoͤnen Landschaft Zier, Z 2 Ab- Absonderlich, wenn man bald dort, bald hier Jn lauer Luft, durch haͤufiges begiessen Sieht kleine Wasser-Baͤche fliessen, Die, da sie fast recht wie Fontainen spielen, Den Blick so gar von weitem lieblich kuͤlen. Zuletzt beschliesst der Blick die angeneme Reise, Die er in einem grossen Kreise, Von wie viel Meilen groß, gethan: Sieht aber noch vorher vier schoͤne Gaͤrten an, Die mir zur linken Hand, und auf verschied’ne Weise Von Kunst und von Natur geschmuͤcket liegen, Worunter der, so mir am naͤchsten, An Kunst so wol als Kostbarkeit am hoͤchsten Mit Recht zu schaͤtzen ist. Um mich nun auch am holden Gegenstand Der fernen Schoͤnheit zu vergnuͤgen: Nam ich darauf ein Perspectiv zur Hand, Und sah Verwund’rungs-voll viel Herrlichkeiten liegen, Die mein geschaͤrfter Blick, durchs klare Glas gestaͤrkt, Anitzt mit tausend Lust, und nie vorher bemerkt. Das, so erst fern und ganz unsichtbar war, Ward nicht nur sichtbar, deutlich, klar; Es ward recht nah herzu gezogen: Es schien hiedurch, als waͤr mir eine neue Welt Auf einmal vorgestellt. So mancher Ort, wo Licht mit gruͤner Dunkelheit, Und dunkel-gruͤn mit Licht verwunderlich gemischet, Ergetzet und erfrischet Mein sehendes Gesicht Mit Mit tausendfachem Licht’. Jch sah in sehr entleg’ner Weite Vom Elbe-Strom die and’re Seite: Die Landschaft war daselbst im gruͤnen nicht, im blauen Nicht minder holden Schmuck zu schauen. Hier unterschiede sich ein Baum recht, wie ein Duft, Von der mit Licht erfuͤllten Luft. Dort zeigten viele blaue Wipfel, Daß manche purpricht blaue Gipfel Der Berge noch entleg’ner seyn. Allein indem ich also stehe, Und hoͤchst vergnuͤg’t durchs Fern-Glas sehe; Ging mir ein neues Licht in meiner Selen auf: Mein, durch des Perspectives Lauf Und dessen enge dunk’le Schranken Verschrenk’tes, Auge sah nur einen kleinen Platz; Allein er sah ihn recht: es gingen die Gedanken, So wie der Blick, Auf einen Mittel-Punct, und hiedurch fiel mir bey: Es stellt das Perspectiv die schoͤn’ste Schilderey, Und zwar all’ Augenblick mir eine neue dar. So bald ich mich kaum einen Stroh-breit rege, So bald ich mich ein wenig nur bewege; Entstehet uͤberall, Mit immer neuer Zierlichkeit, Ein liebliches Gemaͤld, das gleichsam mit Krystall, Wie man die schoͤn’sten deckt, bedecket scheinet. Es teilet sich, was sonst vereinet, Jndem von einer Landschaft jetzt Z 3 Viel Viel hundert, ja viel tausend, werden, An deren jeder man sich mehr ergetzt, Als wie wir leider thun, wenn unser Augen-Stral Die Herrlichkeiten auf einmal Erblick’t und uͤbersieht. Nachdem ich mich nun matt, Jedoch nicht satt, An aller Pracht der Welt in diesem Ort gesehn; So fing ich allererst mit meinen Selen-Augen, Die tiefer einzudringen taugen, Das schoͤne Teil der Welt noch einst an zu beschauen, Und an der unsichtbaren Pracht Desjenigen, Der alles dieß gemacht, Mich voller Dank und Andacht zu erbauen. Das grosse Stuͤck der Welt, so hier mein Aug’ erblick’t, Jst bloß durch GOttes Wink gemacht und so geschmuͤckt. Denn was der Mensch auch schein’t dazu gethan zu haben; Jst er doch wuͤrklich nur Ein Werkzeug der Natur, Und alles, was er hat, o GOtt, sind Deine Gaben. Der Schoͤpfer gibt allein in allen Dingen Das Wollen, Koͤnnen und Vollbringen. Ach GOtt! rief mein darob fast halb entzuͤckter Geist, Ach GOtt! Den Firmament, Luft, Meer und Erde, preis’t, Es zeiget uns der Creaturen Zier, Glanz, Schoͤn- und Vollenkommenheit, Jm Schatten Deine Herrlichkeit. Dann muß man nicht allein, Wann man die Welt besieht, auf eine Welt nur denken, Ach nein, man muß zugleich sich in das Thal Des Des tiefen Firmamentes senken, Und da die ungezaͤl’te Zal Von Sonnen und Planeten finden. Wer kann die Mannigfaltigkeit Der Schoͤnheit, welche dort in allen ist, ergruͤnden? Wie unbegreiflich groß muß doch der Unterscheid Von Farben, Bildungen, von Schoͤnheit, Lieblichkeit, Von Herrlichkeit, von Glanz und Schein, Jn hundert tansend Welten seyn? Ach GOtt! ein holdes heiligs Schrecken Bemaͤchtiget sich meiner ganz. Jch meyne ja, man kann mit Fug also entdecken Jn der Geschoͤpfe Pracht des ew’gen Schoͤpfers Glanz. Z 4 Die Flos Africanus und Ritter-Sporn. D er Sommer war schon mehrenteils vorbey, Als ich in Amianders Garten An einem Morgen trat. Jch sah, statt tausend Ahrten Gefaͤrbter Bluhmen, itzt, daß nun im Bluhmen-Reich Fast alles einerley, Und meistens gelb gefaͤrbet sey: Jndem das holde Prangen Der Rosen, Lilien und Nelken schon vergangen. Doch war das Gelb so glaͤnzend und so niedlich, So mancherley, so unterschiedlich, Und in dem gleichfalls schoͤn- und unterbroch’nen Gruͤnen So feurig und so wunderschoͤn, Daß ich, sie recht mit Freuden anzusehn, Mich nicht entbrechen konnt’. Jm Anfang fiele mir Von einem grossen Busch die mehr als guͤld’ne Zier Der Bluhme, welche man Plos Africanus nennet, Jn mein geruͤhr’t Gesicht. Sie schein’t, als ob sie brennet; So voll ist ihre Farb’, absonderlich Wenns helle Licht der Sonne sich Jn ihre Blaͤtter senkt; zumal glaͤnzt in der Mitten Ein kraͤftigs roͤtlichs gelb. Es sieht ein jedes Blat, Als deren sie viel hundert hat, (Nur bloß, daß es nicht eingeschnitten,) Sonst wie die Nelken-Blaͤtter aus. Statt daß die eingekerbt, sind sie gebogen, kraus, Und Und zierlich umgeleg’t: woruͤber ich aufs neue, Den Reichtum der Natur bewundrend, mich erfreue, Daß ich in ihrem Bildungs-Werke Noch eine neue Ahrt bemerke. Es giebet zweyerley: Die eine ist noch heller, als Citronen, Und laͤsst, als ob dieselbige von Cronen- Die and’re von Ducaten-Golde sey. Die Form, so man an dieser Bluhme siehet, Jst, wenn sie voͤllig aufgebluͤhet, Fast einer Centifolje gleich; Jedoch ist die Natur, zu ihres Schoͤpfers Ruhme, Jn dieser Bluhme Noch ferner an Veraͤnd’rung reich. Man findet einige, die klein, Und ganz von and’rer Farb’, auch and’rer Bildung seyn. Der allerschoͤn’ste Sammt ist nicht so brennend schoͤn, Als wie derselben aͤuss’res Blat, Das die Natur so weich, so glatt, So glaͤnzend hat formiret. Die dunk’le Farbe, die sie zieret, Jst ein schoͤn roͤtlich-braun von solcher Lieblichkeit, Daß sie, trotz ihrer Meng’, ein jedes Aug’ erfreut. Was ihren dunkeln Glanz noch mehrt, Jst, wenn man solche bloß verkehrt, Daß man ein lieblich gelb auf jener Seite findet. Verwunderlich sind noch die mittelsten geruͤndet, Und sehn von innen braun, von aussen gelblich bleich, An Bildung kleinen Trichtern gleich. Z 5 Die Die Stengel nun der grossen und der kleinen, Die unten eckigt sind, und oben sich vereinen, Sind ziemlich hart und fest, woran das nette Kraut, So man bey beyden gleich an Form und Farben schaut, Jn lieblich gruͤner Dunkelheit Und Regel-rechter Zierlichkeit, Jndem ein jedes Blat Sich zweyfach eingeteilet hat, Den Bluhmen selbst zur schoͤnen Fulge dienet, Und weils zumal in solcher Menge, Pracht Und dunk’len Schoͤnheit gruͤnet; Sie desto heller macht. Jn diesem Kraut, von welchem viele Nicht den Geruch vertragen koͤnnen, Muß in der Bitterkeit ein starkes Feuer brennen, Weil es so streng, wenn man es reibet, reucht; Daß am Geruch es fast den bittern Myrrhen gleicht. Nachher bekam mein Aug’ ein noch fast schoͤner Ziel, Jndem das Gold der Ritter-Sporen, Wie man sie nennt, mir ins Gesichte fiel. Du must von mir, sprach ich, geliebte Bluhm’, erkoren, Betrachtet und besungen seyn. Jch brach denn einen Strauß von ihnen ab, Der mir zu folgenden Gedanken Anlaß gab: Du liebliches Geschoͤpf, wie ungemein Bist du geschmuͤckt, gefaͤrbet und gebildet! Zu wenig ehret dich, wer dich verguͤldet, Ja selbst auch guͤlden nennt. Wenn sich der stolze Pabst mit dreyen Cronen croͤnet; Wird Wird er von dir beschaͤmet und verhoͤnet, Jndem dich die Natur, wie man es oft erblickt, Mit fuͤnf, mit sechs, ja wol mit sieben Cronen schmuͤckt. Sind alle Bluhmen sonst geteilt und oben breit; So spitzen recht verwunderlich Die deinen sich, Die aus drey Blaͤttern zwar bestehen, Wovon wir doch das eine jederzeit Zuruͤck und abgesondert sehen, Jnzwischen, daß in steter Einigkeit Die andern beyde Zwar oben nicht, nicht unten, bloß nur vorn Recht kuͤnstlich sich verbinden, Worin, recht als in einer guͤld’nen Scheide, Wir einen scharfen Sporn Nicht sonder Lust, nicht ohn’ Erstaunen, finden. Die Spitze, welche wir darin verborgen schauen; Gleicht recht natuͤrlich einer Klauen. Sie ist gekruͤmmt, und hinten platt und breit, Sie ist gespitzt, sie glaͤnzt, ist schwaͤrzlich. Druͤckt man sie; So faͤhrt sie allezeit Geschwind heraus, und zieht sich ohne Muͤh Fast in dem Augenblick Von selbsten wiederum zuruͤck. Der liebliche Geruch, den sie stets von sich blies, War angenem und suͤß, Und schien den lieblichen Violen fast zu gleichen; Doch musten sie ihr noch an Anmut weichen. Jhr gruͤnes Kraut ist lieblich von Figur, Man Man sieht, wie die Natur Mit einem neuen Bildungs-Spiele Auf jedem langen Stiele Ein rundes Blat Jn neun sanft ausgehoͤl’ten Spitzen Sehr ordentlich geteilt. Wenn es geregnet hat, Sieht man daraus nicht ohn Vergnuͤgen Die runden Tropfen lieblich blitzen, Teils rollen und teils stille liegen, Die, wenn sie sich zum Mittel-Puncte senken, Vermutlich sich und ihre Bluhme traͤnken. Ach moͤgt’ ich doch das Gold der African’schen Bluhm Mehr, als man es bishero schaͤtzet, schaͤtzen! HErr, laß mich doch an ihr zu Deinem Ruhm, Wenn ich sie sehe, mich ergetzen. Ach laß der Ritter-Sporn Geruch, Form, Farb’ und Schein Mir einen Sporn zugleich zu froher Andacht seyn! Die Die Sonnen-Bluhme. A uf, auf, mein Herz, auf, auf! betrachte, GOtt zum Ruhme, Das Majestaͤtische Gewaͤchs, die Sonnen-Bluhme, Die, wenn man sie mit ernstem Blick besieht, Jn solcher Pracht, in solchem Schimmer bluͤht, Daß, wenn man sie nach Wuͤrden ehren wollte, Man sie die Kaiserinn der Bluhmen heissen sollte. Sie sitzt nicht nur auf einem hohen Throne; Sie prangt nicht nur mit einer guͤld’nen Crone; Sie unterscheidet sich nicht durch die Groͤsse nur: Ganz ungemein ist die vortreffliche Figur. Sie traͤg’t das Bild von aller Bluhmen Wonne, Ernaͤhr- und Zeugerinn, Glanz, Sel’ und Licht, der Sonne. Wenn man die Zeit bedenket, Jn welcher sie erscheint; so ist es eben die, Da sich die Sonn’, ihr Urbild, von uns lenket. Es scheint daher, als wenn die Sonne selbst durch sie Sich ein Gedaͤchtniß stiften wolle, Damit man, was ihr Wunder-Licht Zur Sommer-Zeit bey uns verricht’t, So schleunig nicht vergessen solle. Ach saͤh doch jedermann Also die Sonnen-Bluhmen an! Man wuͤrde wahrlich sich bestreben, Fuͤr die empfang’ne Huld den Schoͤpfer zu erheben, Voll Hoffnung, unser GOTT werd’ uns die Gnade geben, Den Sommer wiederum mit Freuden zu erleben. Man heisst die Bluhme Sonnen-Wende; Man Man sieht sie auch meist gegen Mittag stehn. Ach moͤgt’ auch ich von dieser Bluhme lernen, Und stets nach GOTT, dem Licht und Born der Sternen, Der aller Sonnen Sonne, sehn! Mein Herz, sey immer dazu fertig! Es ist die Sonn’ allgegenwaͤrtig, Man brauchet nicht, sich nach ihr hin zu drehn. Kein Mensch, der wie ein Mensch gedenkt, kann sonder Freude Das zierliche Gewaͤchs, das kuͤnstliche Gebaͤude Von dieser Wunder-Pflanze sehn. Der starre Fuß gleicht eines Baumes Stamm, Die gruͤne Rinde deckt ein rechtes Holz. Voll Roͤren Jst das Schnee-weisse Mark, und loͤchricht, wie ein Schwam̃. Ein grosses, Herzen-formigs Blatt, Das nicht, wie and’re Blaͤtter, glatt, Nein, das zusammt dem Stiel mit Zaͤserchen umringt; Bedeckt den Ursprung von den Zweigen, An deren Spitzen sich die gelben Bluhmen zeigen Auf einer gruͤnen Bluhm’, aus der das Gold entspringt, So unser Aug’ ergetzt. Die Bluhme selbst sieht aus, wie wir die Sonne mahlen. Jhr Leib ist rund, wie sie; es gleichen guͤld’nen Stralen Der gelben Blaͤtter nette Spitzen, Die rings um ihren Coͤrper blitzen, Der meistens gelb, oft aber, wann er reift, Und sich das kleine Heer der braunen Bluhmen haͤuft, Das ihn zuletzt bedeckt; dem Purpur aͤhnlich siehet. Schau, wie in dieser Dunkelheit, Als wie durch ein Gewoͤlk, in holder Zierlichkeit Und einem mehr als guͤld’nen Glanz, Ein rechter Stralen-reicher Kranz Von kleinen Sternen bluͤht und gluͤhet! Seh’ Seh’ ich der Sonnen-Bluhme Pracht, Und in derselbigen solch eine Sternen-Menge; So denk’ ich an das schimmernde Gepraͤnge Des funkelnden Gestirns in einer heitern Nacht: Da nemlich (wie wir es nicht leugnen koͤnnen) Jn dem unendlich tief- und weiten Abgrunds-Thal Viel helle Sonnen ohne Zahl Jn unerlosch’nem Schimmer brennen: Und wie wir solche Sterne nennen; So sieht die Sonnen-Bluhm’ auch Sternen-foͤrmig aus, Ja, wie die Sterne dort verschied’ner Groͤsse seyn, So trifft auch dieß bey Sonnen-Bluhmen ein, Jndem wir einige bey ihnen Jn angenemen, holden, gruͤnen, So wie wir dort in blauen Gruͤnden Von dritter, anderer und erster Groͤsse finden. Ach moͤgt’ ich doch durch dieses Sternen-Bild Mein Sinnen oft in jene Tiefe senken, Und an die Majestaͤt gedenken, So die unendlich tiefe Gruft Der unergruͤndlich-weiten Luft Mit hundert tausend Sonnen fuͤllt, Und welche Millionen Erden Daß sie von ihrem Licht’ erwaͤrmt belebet werden, Durch blosses Wollen macht! Vor diesem hellen Glanz und wunderbarer Pracht Des undurchdringlichen selbst-staͤndig ew’gen Lichts Wird meine Sel’ im Denken ganz zu Nichts. Ach laß doch, grosses All, zu Deinem Ruhm allein Auf solche Weis’ in Dir mich oft vernichtigt seyn! Die Die Malva. D es Himmels kalter Scorpion, Ein Feind von schoͤn belaubten Zweigen, Fing seinen scharfen Stachel schon So Bluhm-als Baͤumen an zu zeigen. Er stach die gelb-gefaͤrbten Blaͤtter Von ihrem vorigen beliebten Sitz’ herab, Und senkte sie ins finst’re Grab; Als ich, bey aufgeklaͤr’tem Wetter, Derselben bunten Rest besah: Es waren mir durch ihr betruͤbtes Scheiden Fast selbst die Thraͤnen nah. Denn, dacht’ ich, alle Pracht und Schein Wird bald verwelkt, verschrumpft, entfaͤrbt, verfaulet seyn. Jndem ich so voll Schwermut dachte; Sah ich von ungefehr Des kuͤlen Herbstes Ehr’ Jn Blaͤttern, die noch frisch und gruͤn, Die schoͤne Malva, lieblich bluͤhn. Mir ward, als ob ich recht aus tiefem Schlaf’ erwachte, Wie sie mir auf dem hohen Stiel Noch Rosen-gleiche Bluhmen zeigte, Wodurch sie mir um so vielmehr gefiel; Weil mir ihr praͤchtiges und frisches glaͤnzen Nicht den vergang’nen nur, nein auch den kuͤnft’gen Lenzen So noch, als schon, zugleich vor Augen stellte. Die Pracht verbindet mich, geliebte Bluhme, Dem Dem GOTT, Der dich gemacht, zum Ruhme, Ein Opfer meiner Lust zu bringen, Und deine Schoͤnheit zu besingen. Der Sommer pflanzt’ in dir, eh’ er von hinnen schiede, Zum Schmuck des Herbstes, noch die schoͤn’ste Pyramide, Und schmuͤckte sie zuletzt mit manchem gruͤnen Strauß, Mit manchem Bluhmen-Knopf, mit vielen Bluhmen, aus. Wann der Egypter Ehren-Seulen, Wovon wir so viel Wunder lesen, Ein Wunder von der Kunst gewesen; So bist du, schoͤn’ste Bluhm’, in allen deinen Teilen Ein Wunder der Natur. Denn jene waren bloß, Dieweil sie ungeheuer groß, So hoch geschaͤtzet und beruͤhmet. Wo aber war an ihnen was zu sehn, Das so gefaͤrbt, so lieblich und so schoͤn, Als, da dich die Natur mit eig’ner Hand bebluͤhmet, An dir, o schoͤne Malva, glaͤnzt? Du bist rings um gebluͤhmt, du bist rings um bekraͤnzt, Jndem von unten an bis oben zu den Spitzen Stets Bluhm’ und Laub in gleichem Wechsel sitzen. Wenn Menschen-Haͤnde sie mit Fleiß gewunden, Und Bluhmen in das Kraut gebunden; So koͤnnten sie unmoͤglich besser Und richtiger geordnet seyn. Die untersten sind immer groͤsser, Die oͤbersten hingegen klein. Die untersten, wenn sie geoͤffnet stehen, Sind fast wie Rosen anzusehen II. Theil. A a An. An Farb’ und an Figur. Sechs Blaͤtter etwas blaß, Wie ein Rubin-Balaß, Umgeben die viel roͤt’re Bluhme, Wodurch, wann hohes Rot mit einer tiefern spielet, Das Menschliche Gesicht was angenemes fuͤlet. Ein gruͤner Knopf, von solcher Zierlichkeit, Daß Kuͤnstler, welche Knoͤpfe machen, Zu dieser Vollenkommenheit Sie nicht zu bringen wissen, Und sich mit allen Handwerks-Sachen Bey dem gewachs’nen Knopf verkriechen muͤssen; Ein solcher Knopf schliesst erst die jungen Bluhmen ein. Dieselben sind, so lange sie noch klein, Als wie ein gruͤner Stern formiret, Bis daß ich nach und nach an ihnen eine Ruͤnde, Wie eine gruͤne Kugel, finde, Die unterwaͤrts mit einem Kranz gezieret, Und rings umher voll kleiner weissen Spitzen, Wodurch das helle Gruͤn noch heller scheinet, sitzen. Dieß schoͤne Knoͤpfchen nun gebieret Die holde Bluhme, die gemach Durch lichtes Sittig-Gruͤn ihr holdes Rot uns zeiget, Bis daß sie nach und nach Aus ihrer schoͤnen Huͤlse steiget, Der Huͤlse, die denn alsobald Die Sternen-foͤrmige Gestalt, So sie zuerst gehabt, aufs neue wieder krieget. Ein jedes Knoͤpfchen hat An einem eig’nen Stiel ein eig’nes gruͤnes Blat, Das Das jeden, der es sieht, vergnuͤget, Jndem an dieser Ordnung bloß Die vorgeruͤhmte Ordnung lieget. Denn Blatt und Bluhme werden groß, Wodurch sich eines stets so nett aufs and’re fuͤget. Wenn wir der Bluhmen Stoff ergruͤnden; So werden wir bewundernd finden, Daß alle Bluhmen, die so schoͤn, Aus kleinen Luft- und Saft-gefuͤllten Roͤren Und zarten Blaͤschen bloß bestehn. Wer muß nicht GOttes Weis heit ehren, Wenn er bedenkt, Wie alle Bluhmen erst umschrenkt Von einem kleinen Kelch, der, wenn sie jung und zart, Sie vor der aͤussern Luft verwahrt, Ja ihnen noch hernachmals weiter nuͤtzet, Da er nicht nur die Blaͤtter unterstuͤtzet, Sie noch dazu in netter Ordnung haͤlt, Daß nicht ein jedes Blat, gedruͤckt von eig’ner Buͤrde, Verwirret hin und wieder faͤllt, Wie sonst gewiß geschehen wuͤrde. Man siehet einige von der Beschaffenheit, Als nemlich Lilien und Tulpen, sich zwar trennen, Die durch der Blaͤtter Steifigkeit Sich selber stuͤtzen koͤnnen. Drum zeigt uns dieß aufs neue, GOtt zum Preise, Jn der Veraͤnd’rung an, Daß GOTT auf mehr als eine Weise Die Bluhmen herrlich schmuͤcken kann. A a 2 Nun Nun lasset uns, wie lieblich und wie schoͤn Die Bluhme selbst, besehn! Der roten Blaͤtter nette Falten, Die in so vielerley Gestalten Sich lieblich lenken, drehn und biegen, Vermehren, durch die Form und Farbe, mein Vergnuͤgen. Denn da durch so viel Tief- und Hoͤhen Das auf den Coͤrpern nur, sonst nicht, sichtbare Licht Sich so verschiedlich bricht; Sind tausend Ahrten rot zu sehen, Wodurch mit ungezaͤl’tem Haufen Viel Silber-weisse Adern laufen, Die in dem aͤussern Blat so artig sich verbinden, Daß wir dadurch an jedes Blates Fuß Ein gleichsam silbernes Gefaͤß mit Cirkeln finden. Damit sich die Natur Zu uns’rer groͤssern Lust noch guͤtiger erwiese, Und man um desto mehr den Schoͤpfer priese; So faͤrbt sie dieß Gewaͤchs nicht nur Mit Rosen-roter Farb’ allein: Sie faͤrbt verschied’ne weiß, verschied’ne rot, wie Blut, Verschied’ne gelblich rot. Jn einer dunk’len Gluht Stehn einige, wenn die dem Purpur aͤhnlich seyn. Jhr fel’t zwar der Geruch; doch hat in Arzeneyen Man ihrer sich gar sehr zu freuen. Jhr fettes Oel versuͤsset, lindert, Besaͤnftigt, heil’t, vermindert, Und stillt den heissen Brand, Der oͤfters im Gebluͤt, im Hals’ und an der Zungen Mit Mit grosser Pein nimmt uͤberhand. Ach GOtt! Du Schoͤpfer aller Dinge, Gieb doch, daß diese schoͤne Bluhme, Zu Deinem Ruhme, Jn meiner Sele Fruͤchte bringe! Laß meines Herzens Acker nicht Noch haͤrter, als ein Stein, Dem Samen Deiner Werke seyn, Der allenthalben durch’s Gesicht, Ja nicht durchs Aug’ allein, auch durch’s Gehoͤr Und and’re Sinne mehr, Jn uns gesaͤet wird! Laß diesen schoͤnen Samen, Zum Ruhm von Deinem grossen Namen, Bey mir verwahret seyn und aufgehoben, Als wie in einer guten Erden! Ach laß mich Dich in meiner Lust Mit inn’rer Regung meiner Brust, Absonderlich, wenn ich die Malva sehe, loben! Laß ihrer Pyramid’ erhab’ne Zier Jn meiner Brust sowol als auf der Erden, O grosses All, allmaͤcht’ger Schoͤpfer, Dir Zu einer Ehren-Saͤule werden! A a 3 Die Die Qvitte. K aum tritt der kuͤle Herbst mit Segen-reichen Schritten, Gekroͤn’t mit reifem Obst, in Feld und Garten ein; So brech’ ich insgemein Mit meinen Kindern reife Qvitten. Sie pflegen sich Dabey recht inniglich zu freuen. Sie stellen sich geschwind in einer langen Reyhen. Und zwar gemeiniglich Mein Hans, mein zweyter Sohn, voran, Und reichen sich die abgebroch’ne Frucht Einander froͤhlich zu, da sie die Mutter dann Zuletzt in einen Korb, wenn sie sie ausgesuch’t, Und abgewischet, leget, Den, wenn er voll, zuletzt der ganze Hauf Mit einem angenem-unordentlichen Lauf, Mit froͤhlichem Gehuͤpf und munterm Lermen traͤget. Es bilden sich hiebey die Kinder, die noch klein, Und selbst kaum gehen koͤnnen, ein, Als ob auch sie die schwere Last Die sie jedoch kaum angefass’t, Mit ihren zarten Fingern truͤgen. Dieß sah ich an mit laͤchelndem Vergnuͤgen, Und dachte: Liebster GOtt! die Kinder stellen hier Ganz eigentlich erwachs’ne Menschen fuͤr. Die Erd’ ist unser Korb, und, ob wir noch so klein, So schwach, gering’ und schmaͤchtig seyn; So bilden wir uns doch, und zwar recht ernstlich ein, Ob huͤlfen wir sie mit regieren, Da Da wir doch nur auf ihr und kaum mit fort spatziren. Denn ob wir gleich daran die schwachen Haͤnde schlagen; So wird jedoch die ungeheure Last Von staͤrkern Haͤnden aufgefasst, Beweg’t, regieret und getragen. Jch bitte dich, o GOtt! mir dieses doch zu goͤnnen, Daß ich mag Deine Macht und meine Schwaͤche kennen! Es lacht’ indeß der Qvitten schoͤne Frucht Mich gleichsam an. Drum macht’ ich alsobald, Nachdem ich erst davon die schoͤn’sten an Gestalt Und Farben ausgesucht, Dieselbigen zum Vorwurf meiner Lieder, Und setzte sie auf meinem Schreib-Tisch nieder. Wer kann doch deine Schalen (Rief ich gleich aus) So schoͤn, beliebte Qvitte, mahlen Jch sag’te fast so gut, verguͤlden? Wer kann die liebliche Figur Bald Birnen-gleich, bald Apfel-foͤrmig bilden? Wer sonst, als die durch GOtt bloß wirkende Natur? An dir ist vielerley Bewunderns-wehrt: Du bist zwar glatt, jedoch auch rauch und eingehuͤllet Jn einem weissen Pelz, der, wenn man d’ruͤber faͤhrt, Der Hand nicht gerne weicht; doch sich vermischen laͤsst, Falls man ihn staͤrker druͤckt, weil er nicht gar zu fest. Ob dieses zarte Har Von aussen an ihr kleb’t, von innen aus ihr qvillet, Jst noch nicht offenbar; Doch sieht es artig aus, daß als in weicher Seiden A a 4 Sich Sich diese gelbe Fruͤchte kleiden. Wenn jemand, welches sonsten rar, Auch gruͤne Bluhmen sehen will; Der stehe bey den Qvitten still! Er wird auf ihren gelben Rinden Da, wo vorhin die weiss- und rote Bluͤhte war, Ein zierlich gruͤnes Bluͤhmchen finden, Das wie ein kleiner Stern formir’t, Und welches mir, wenn ichs mit Anmut sehe, Zuweilen zur gestirnten Hoͤhe Die froͤhlichen Gedanken fuͤhrt. Jch sehe diese Frucht als wie ein Lehr-Bild an: Daß, wie dem Apfel-Heer sich stets ein Stern verbindet, Man auch im Jrdischen was Himmlisches stets findet, Aufs wenigst’ immer finden kann. Nun komm’ ich auf die Ahrt, wie man die Frucht ge- niesset, Die, wenn mans recht ermisst, Von andern abermal ganz unterschieden ist; Woraus denn die Betrachtung fliesset: Wer ist, so der Natur Veraͤnd’rung g’nug ermessen, Und g’nug bewundern kann? Mensch, uͤberleg’ es wol! Man kann, wie Mispeln faul, so Qvitten gar, nur essen; Wobey man denn zugleich erwegen soll, Wie dieser Frucht Geschmack so unterschiedlich Von aller andern Frucht, wie saͤurlich und wie niedlich, Gesund und angenem die ed’le Qvitte sey. Wie wird durch sie das Blut erfrischet, Wenn sich’s erhitzet hat? Wie mancherley Wird Wird aus den Qvitten nicht hervor gebracht, Wenn man zu ihnen Zucker mischet; Wie manche Marmelad’ aus ihrem Saft gemacht? Ach GOTT, Du Brunnqvell aller Kraͤfte, Du Schoͤpfer so verschied’ner Saͤfte, Gib, wenn ich Qvitten seh’ und esse, Daß ich nicht nur Gesicht und Zung’ an ihnen weide; Nein, daß ich auch mit innerlicher Freude Dein’ Allmacht, Weis heit, Lieb’, o HERR, mit Dank ermesse! A a 5 Der Der Zahn. U m groͤss’re Schmerzen zu vermeiden, Entschloß ich mich, daß mir ein Zahn Der mir bishero weh gethan, Wuͤrd’ ausgebrochen, zu erleiden. Wann aber die Natur bey starken Gliedern (So ich dem Schoͤpfer nie durch Dank kann g’nug erwiedern) Auch starke Zaͤhne mir verliehn; So schien es erst, als ob, ihn auszuziehn Der kluge Carpser selbst, der an Geschicklichkeit Kaum seines gleichen kennt, sich etwas scheu’t’; allein, Weil ich darauf bestund, war er dazu bereit. Jch nam mir vor, die strenge Pein Ohn’ alles Zucken, sonder Schrey’n Beherzt und standhaft auszustehen. Er setzte drauf den Pelican, Den ich vorhero wol besehen, Mit Kraft und Vorsicht an. Wir hielten uns zu Anfang beyde gut: Er brach; ich hielte fest, noch fester doch der Zahn. Er knackt’, ich wiche nicht. Doch endlich war mein Mut Noch eher, als der Zahn, gebrochen. Es riß ein graͤßliches Gekrach, Wodurch des ganzen Hauptes Knochen Zu spalten schien, ein kurz doch klaͤglichs Ach Mir aus der Brust. Die feurig-wilde Pein, Der bitt’re Schmerz, durchdrang so Fleisch als Bein. Dieß Dieß splittert, jenes riß, jedoch, zu meinem Leide, Kein einzigs ganz entzwey; Der Sehnen Zaͤhigkeit band sie noch alle beyde. Den meist geloͤs’ten Zahn ergriff der Arzt aufs neu’, Und ich, vor Unmut, Mut. Er waͤl’t’ aus zweyen Boͤsen Das kleinest’, und fing an, das Zahn-Fleisch abzuloͤsen. Ob ich nun gleich die scharfen Schmerzen fuͤl’te, Wie er mir dazumal in frischer Wunde wuͤl’te, Wie er das Fleisch zerschnitt; so wirkete jedoch Der noch weit groͤss’re Schmerz, den, wie es so gekracht, Der Bruch mir kurz vorher gemacht, Zusamt der Furcht, es wuͤrd’ annoch Dergleichen graͤßliches Geknirsch von neuen kommen, Daß ich die Pein des Schnitts, wie herbe sie auch war, Doch nicht so gar Empfindlich aufgenommen. Allein, Mit welcher Lust nam ich, bey aller Pein, Den Ursprung meiner Qval, den nunmehr losen Zahn, Aus Carpsers blut’gen Haͤnden an! Kaum konnte mir, ihn hin und her zu kehren, Die Zacken anzusehn, ein kalter Schauer wehren, Der ploͤtzlich mich befiel. Jch leget’ ihn denn nieder. Jtzt aber nem’ ich ihn aufs neue wieder: Beschaue seine Kron’, und messe Derselben Breit’ und Festigkeit, Beseh der Wurzeln Staͤrk’ und Groͤsse, Betrachte die Beschaffenheit, Wie er im Fleisch gesteckt, Und Und werde nun so gar Dadurch, weil etwas Fleisch daran geblieben war, Wie eine Haut annoch den ganzen Knochen deckt, Erstaunt gewahr, woraus ganz klar erscheinet, Auf welche Weise Fleisch und Knochen sich vereinet. Es zeiget mir der Rest Von einer Sehn’, auf welche Weise An dieser zarten Haut so Fleisch als Sehne fest; Doch geht sie nur so weit, als im Gehaͤuse Der Zahn vorher gesteckt. Dieß stellt mir nun von neuen Ein weises Wunder dar; es scheint absonderlich So weislich zugericht’t, damit die Haut nicht sich Verschoͤb’ und nicht verletzet wuͤrd’ im Kaͤuen. Noch mehr, es kann in der Natur An freyer Luft ein Knochen nicht bestehen: Daher wir denn, o Wunder! sehen, Wie eine kuͤnstliche besondere Glasur, Die ihn so zieret als ihm nuͤtzet, Den Zahn von aussen deckt und schuͤtzet. Daß aus des Kiefers fester Lade Man Zaͤhne hebet sonder Schade, Und daß die Wunden, ohn Verweilen Und fern’re Schmerzen, wieder heilen; Jst auch ein grosses Gluͤck. Je mehr ich nun auf uns’re Zaͤhne merke, Je mehr find’ ich in ihnen Wunderwerke. Daß uns’re vordern Zaͤhn’ im Munde Die duͤnn’sten, scharf und schneidend seyn; Das hat vermutlich dieß zum Grunde, Und Und gibt es selbst der Augen-Schein: Damit die Speisen desto besser, Ja gleichsam als mit einem Messer, Dadurch geschnitten werden koͤnnen. Bewundert auch die andern spitzen, Die nahe bey den ersten sitzen, Und die wir Hunde-Zaͤhne nennen! Durch diese wird was zaͤh’ ereilet, Zerdruͤckt, zermalmt, zerteilet. Jst dieses noch nicht Weis heit g’nug; So lasst uns auch die Backen-Zaͤhn’ Und ihre sond’re Form besehn! Daß wir beqvemlich und mit Fug Das Essen Zermalen koͤnnen, reiben, pressen; Sind diese nicht nur platt und breit, Nein, zu besond’rer Nutzbarkeit, Mit kleinen Tiefen und mit Hoͤh’n Recht wunderbar versehn. Wenn nur allein die scharf- und spitzen Zaͤhne hinden, Die breiten forn, im Munde stuͤnden; Wie muͤhsam wuͤrd’ alsdann uns allen Das itzt so leichte Kaͤuen fallen! Bewund’re doch, o Mensch, dieß Wunder! stell’ es dir Dem Schoͤpfer, der’s gemacht, zum Ruhm doch oͤfters fuͤr! Bey jedem Bissen freu dich Seiner Guͤte, Und weilen Er fuͤr das, was Er bescher’t, Nichts als ein froͤhlichs Herz begehrt, So opfer’ Jhm ein dankbares Gemuͤte! Noch Noch einige Betrachtungen der Sonne. Ein grosses Gedicht von der Sonne findet sich im vorigen Theile p. 107. 1. U nsers Himmels schoͤn’ste Stelle, Grosser Mittels-Punct des Licht’s, Farben-Vater, Freuden-Qvelle, Geist und Sele des Gesicht’s! Billig sollte keiner leben, Der in dir nicht GOTT erheben, Und des Schoͤpfers Macht und Ehr Stets zu ruͤhmen schuldig waͤr’. 2. Alle Dinge, die auf Erden Unsern Augen lieblich seyn, Und von uns bewundert werden, Haben immer einen Schein, Wodurch auf den aͤussern Grenzen Sie gezieret sind und glaͤnzen, Und ein Schein ist anders nichts, Als ein Bild des Sonnen-Licht’s. 3. Sprich: 3. Sprich: wie kommts, daß in dem Gruͤnen Alle Tropfen Thau so schoͤn? Daher kommts, daß wir in ihnen Kleine Sonnen-Bilder sehn, Daß sie, wenn sie dieß bestralet, Sich in allen Tropfen malet. Bloß durch ihr so herrlich Bild Wird das Herz mit Lust erfuͤllt. 4. Daß ein Demant, daß Krystallen, Kurz: die Coͤrper, welche glatt, Uns empfindlicher gefallen, Als die, welche rauh und matt, Macht, daß auf den aͤussern Grenzen Kleine Lichtes-Teile glaͤnzen, Die daselbst so schoͤn zu sehn, Weil sie ploͤtzlich ruͤckwaͤrts gehn. 5. Gold und andere Metallen, Ja auch eine schoͤne Haut Wuͤrden weniger gefallen, Und so gerne nicht geschau’t, Wenn nicht ihre klare Glaͤtte Geichsam einen Spiegel haͤtte, Worin uns’rer Sonnen Licht Angenem sich teilt und bricht. 6. Der 6. Der erhab’nen Berge Spitzen Faͤrbt und schmuͤckt dein fruͤher Stral. Dein nicht unterbroch’nes Blitzen Fuͤllt des Mittags Berg’ und Tal. Du verherrlichest die Felder, Du erleuchtest uns’re Waͤlder; Deiner warmen Stralen Gluht Ueberguͤldet Meer und Flut. 7. Kurz: Es kann auf dieser Erden Nichts so groß und nichts so klein Jrgendwo gefunden werden; Es empfindet deinen Schein. Ja, was in den Meeres-Schluͤnden, Und den allertiefsten Gruͤnden Die Natur erzeugt und schafft, Fuͤl’t die Wirkung deiner Kraft. 8. Wenn der Schoͤpfer dieser Erde Tausend Erden noch aus nichts Machte durch ein neu: Es werde; Jst der Reichtum deines Lichts, Und dein unerschoͤpflichs Glaͤnzen Doch so groß und sonder Grenzen, Daß sie bloß durch deinen Schein Koͤnnten all’ erleuchtet seyn. 9. Denn 9. Denn von deines Lichtes Schaͤtzen, Und wie weit die Stralen gehn, Kann man, fast nicht ohn’ Entsetzen, Proben, die unleugbar, sehn. Wenn wir mit geschaͤrftem Denken Uns’re stumpfen Blicke senken Jn die unergruͤnd’te Gruft Der uneingeschraͤnkten Luft; 10. Finden sie solch eine Weite, Worin gar kein Gegen-Stand, Wie ein Welt-Meer, dessen Breite Sonder Ufer, ohne Strand. Die darin verwirrten Blicke Ziehn sich in sich selbst zuruͤcke, Und gestehn im uͤbergehn, Daß sie was unendlichs sehn. 11. Doch dringt durch den Raum der Luͤfte Und des Abgrunds fernes Thal, Wie durch alle dunk’le Gruͤfte, Jhres Lichtes Wunder-Stral. Nun betrachtet diese Ferne, Da sie so entleg’ne Sterne Heiter macht durch ihren Schein; Wie so lang ihr Stral muß seyn! II. Theil. B b 12. Wenn 12. Wenn ich uns’rer Sonnen Groͤsse, Jm Vergleich mit dieser Welt, Nach der Stern- und Meß-Kunst messe, Die man nicht fuͤr trieglich haͤlt; Wirkt solch denken, rechnen, schauen So ein Anmuts-volles grauen, Daß ich ob dem, was ich spuͤr’, Jn mir selbst mich ganz verlier. 13. Wenn wir uns’ren Erd-Kreis teilen; So ist seine Flaͤch’ und Schoß Viele Millionen Meilen Jm Bezirk und Durchschnitt groß; Und der Sonnen Groͤss’ hingegen, Wenn wir sie genau erwaͤgen, Uebertrifft noch diese Zal Mehr als hundert tausend mal. 14. Wenn wir uns an ihren Schaͤtzen, Die durch sie der Schoͤpfer schickt, GOtt zu Ehren, uns ergetzen, Wird Gemuͤt und Leib erqvickt: Aber wenn wir, sie zu sehen, Unser freches Aug’ erhoͤhen; Prall’ts, wie unsers Geistes Blick Von der Gottheit, blind zuruͤck. 15. An 15. An dem Himmel, auf der Erden, Jn den Cirkeln der Natur, Kann nicht angetroffen werden Eines schoͤnern Coͤrpers Spur, Worin unsers Schoͤpfers Wesen Jn so grosser Schrift zu lesen, Die von GOttes Groͤss’ und Pracht Einen groͤssern Eindruck macht. 16. Jch bin meiner selbst nicht Meister, Wenn mein ehrend Aug sie sieht. Meine Sinne, meine Geister, Witz, Gedanken und Gemuͤt Werden, wenn sie sie erblicket, Gleichsam aus mir weggeruͤcket, Und in ihren hellen Schein Senk’t sich selbst die Sel’ hinein. 17. Da sie denn in stillen Freuden Von dem Vorurteil der Welt Allgemaͤlich such’t zu scheiden, Und nicht fuͤr unmoͤglich haͤlt, Daß die wunderbare Stelle Dieser Lichts- und Lebens-Qvelle Und derselben Wunder-Schein Nicht was Goͤttlichs koͤnne seyn. B b 2 18. Spraͤ- 18. Spraͤche man hiewider: nimmer! Dieß ist faͤlschlich offenbar. Denn, wie herrlich gleich ihr Schimmer, Wie belebend, hell und klar; Hat dennoch derselben Glaͤnzen Endlich Masse, Ziel und Grenzen, Da wir (wie du must gestehn) Jhres Coͤrpers Grenzen sehn; 19. So erlaub’t mir diese Worte: Es ist wahr, der Sonnen Reich Stral’t nur bloß an einem Orte, Scheint nur einer Kugel gleich: Doch wie, wenn es nur so schiene, Wenn des Firmamentes Buͤhne Etwan auf der Stelle mehr Als wo sonsten offen waͤr? 20. Koͤnnen wir den Sinnen trauen, Die nicht unbetrieglich seyn? Koͤnnen wir mit Recht wol bauen Auf den blossen Augen-Schein, Der uns faͤlschlich hintergehet? Deucht uns nicht, die Erde stehet? Da doch bloß der Sonnen Gluht, Und die Erde nimmer, ruht. 21. Recht 21. Recht wie wenn ein helles Zimmer, Welches man mit Boy bedeckt, Alsbald einen schnellen Schimmer Durch die klein’ste Oeffnung streckt, Und man glaubte, diese Stelle Sey allein des Lichtes Qvelle, Jrr’te man sich dennoch sehr, Weil’s die Gluht des Zimmers waͤr. 22. Koͤnnte hinter diesen Decken, Die kein Augen-Stral durchbricht, Nicht ein Meer von Stralen stecken, Ein unendlich Reich von Licht, Das in stillen Heiterkeiten Ewiger Vollkommenheiten Unergruͤndlich, unbegraͤnzt, Ewig, unveraͤndert glaͤnzt? 23. Denn weil ird’scher Coͤrper Augen Solchen Sitz der Gottheit ganz Nimmer zu ertragen taugen; Hat vielleicht GOtt Seinen Glanz Jn das dichte Kleid der Festen, Bloß zu der Geschoͤpfe besten, Jn gelind- und sanfterm Grad Eingehuͤllt aus lauter Gnad’? B b 3 24. Also 24. Also daß man an dem Orte, Wo der Glanz der Sonne gluͤh’t, Gleichsam als durch eine Pforte Einen Punct des Licht’s nur sieht, Das unendlich, unzertrennlich, Undurchdringlich, unverbrennlich Um den Thron des Schoͤpfers flamm’t, Woraus alles alles stamm’t. 25. Wann ein Punct nur so viel Erden, Als man itzt Planeten kennt, Fruchtbar, hell und warm laͤsst werden; Wann dieselbe Flamme brennt Jn viel tausend festen Sternen; Kann man voller Ehrfurcht lernen, Wie so herrlich dieser Schein Da, woselbst er ganz, muß seyn. 26. Da, woselbst ohn’ alle Grenzen Ein unendlich Stralen-Heer (Dessen unbeschreiblichs Glaͤnzen Wie ein helles Flammen-Meer Aus des Schoͤpfers Einfluß qvillet) Aller Himmel Himmel fuͤllet, Das wie Gold, wenn’s schmelzet, blickt, Das kein Aug zu sehn geschickt. 27. Man 27. Man muß GOtt in dir erheben. Denn es stroͤmet auf einmal Wonne, Waͤrme, Licht und Leben Wuͤrklich aus der Sonne Stral. Ja es schein’t dein Wunder-Wesen Eigentlich dazu erlesen, Daß uns von des Schoͤpfers Macht Sey was grosses beygebracht. B b 4 Die Die schnelle Veraͤnderung. E s war bereits im Herbst, als mich ein heit’rer Morgen, Nachdem der Schatten Heer sich Westen-waͤrts ge- borgen, An meines Zimmers Fenster trieb; Jch oͤffnet’ es mit meiner rechten Hand, Und meine linke rieb Mein noch halb-schlaͤfrig Aug’; allein Wie bald vertrieb der helle Schein, Der Wasser, Luft und Erde fuͤllte, Des Schlummers Rest, der meinen Blick verhuͤllte! Es hatte, nebst dem Thau, ein starker Nebel-Duft Aus der dadurch verklaͤr’ten Luft Sich auf die Erd’ herab gesenket, Und nicht nur Kraͤuter, Stauden, Gras, Nein auch der Baͤume Haupt, getraͤnket. Fast alle Blaͤtter waren naß, Und glaͤnzten durch den Sonnen-Schein, Jn solcher Wunder-schoͤnen Pracht, Daß alles, was man sah, in heit’rer Wonne lacht’. Jhr Schimmer war fast allgemein. Nie hab’ ich auf der Welt solch einen Glanz verspuͤret, Und niemals ist mein Geist empfindlicher geruͤret. Es schien itzt die Natur der Baͤume gruͤnen Kraͤnzen, Damit sie noch viel schoͤner glaͤnzen, Und unser Aug’ ergetzen moͤgten, Viel Viel bunte Bluhmen einzuflechten. Auf vielen Blaͤttern prangt’ ein gruͤn mit gelb gemengt; Viel’ andre waren gelb mit gruͤn und rot besprengt; Verschied’ne Baͤume stunden ganz Jm gelben teils, und teils im roten Glanz: Von denen wiederum verschied’ne durch den Schatten, Verschied’ne durch das Licht, vertiefet und erhoͤht, Jn bunter Harmonie ein herrlichs Ansehn hatten. Ein jeder Baum schien lauter Diamanten Auf jedem Blat’ hervor zu bringen, Und reg’te sich die Luft; so schien es, daß Brilljanten Voll Schimmer, Gluht und Glanz an allen Blaͤttern hingen, Jndem ihr gelb und rot, wodurch der Herbst sie schmuͤckte, Sich in die glatten Tropfen druͤckte, Die denn, da sie den bunten Eindruck fuͤl’ten, Noch desto lieblicher und schoͤner spielten. Die ganze Landschaft schien durch diesen bunten Schein, Wodurch der Sonnen Licht, als allgemein, Sich noch vermehrete, noch heller stral’te; Nichts irdisches, was himmlisches zu seyn. Jndem ich nun voll Freuden stand, Und alle Herrlichkeit, vor Lust erstaunt, besahe; Ach hoͤret, was mir da geschahe, Was ich verwunderlichs empfand! Jn einem Augenblick verschwand Licht, Himmel, Sonne, Wasser, Land. Ein’ unvermutete Pech-schwarze Dunkelheit Verschlang das reine Licht, Begrub des Himmels Pracht, B b 5 Ver- Vernichtigte vor mir Der ganzen Erde ganze Zier, Ja raubte gleichsam mich mir selbst, ich fand mich nicht. Hier deucht mich, hoͤr’ ich dich, mein Leser, fragen: Wie ging denn dieses zu? Jch will dir’s sagen. Der schnelle Wechsel-Sprung zur Finsterniß vom Licht, Vom Schmuck der Welt zu Nichts, entstand daher, Weil ich mein Augen-Lied ein wenig mehr Geschlossen hielt, als insgemein geschicht; Und bloß dadurch allein Verging fuͤr mich die Welt, verschwand des Himmels Schein. Ob dieß nun gleich von mir viel tausendmal geschehen; So hatt’ ich doch, weil ich noch nie daran gedacht, Es wuͤrklich auch noch nie gesehen: Nun aber nam ich es in acht. Jch wiederhol’te dieß verschied’ne male wieder, Und fand, daß allemal der Schluß der Augen-Lieder Mich stuͤrzt’ in eine finst’re Nacht. Mein GOtt! rief ich so gleich, ist dieses wol zu glauben? Vermag ein wenig Haut Mir, was Dein’ Allmachts-Hand gebaut, Des Himmels Licht, der Erden Pracht zu rauben? Vermag sie mich von Millionen Freuden, Ja gleichsam selber von der Welt, Von aller Pracht, so sie enthaͤlt, Und zwar so Wunder-schnell, zu scheiden? Nachdem ich mich hierob ein wenig noch besann; Fing ich bestuͤrzt von neuen an: Ach wie so schwach, wie so geringe Jst Jst der Zusammenhalt der Dinge, Wodurch ich an der Erde fest, Und waͤren sie auch noch so sehr mein eigen! Wie schnell, was irdisch, mich verlaͤsst; Kann jeder Augenblick mir zeigen. Allein Bey diesem Kummer fiel mir etwas anders ein: Jch schliesse ja die Augen-Lieder Nicht stetig zu, ich oͤffne sie auch wieder. Will ich denn bloß an eines denken? Will ich denn bloß allein den Sinn Auf das, so mir verdrießlich scheinet, lenken? Warum erweg’ ich nicht, Daß alles das, was meiner Augen Schluß Mir raubt, die Oeffnung mir ja wieder geben muß? Es uͤberkommt ja mein Gesicht, Jndem sichs schliesset, neue Staͤrke. Erweg’ es, liebster Mensch, und schau des Schoͤpfers Werke, Mit neuer Froͤhlichkeit, bey jeder Oeffnung an! Je mehr ich in der Augen Schluß Und ihren Oeffnungen erwege Die Ordnung der Natur; Je mehr ich es bewundern muß: Denn da der Menschen Lebens-Zeit Ohn’ all’ Empfindlichkeit Ganz unvermerkt von hinnen eilet; So scheinet es, daß jeder Augenblick Recht ordentlich dieselbe teilet, Und so zu sagen uns ein wahres Stuͤck Von Von uns’rer Dauer zeiget. Ach sey derhalben doch bereit, Die Teile deiner fluͤcht’gen Zeit, Geliebter Mensch, wol anzuwenden! Ach sey bereit, Dasjenige mit Freuden zu vollenden, Weßhalben die Natur mit solcher Muͤh Dich sinnlich macht! Ach unterscheide dich doch von dem Vieh! Beschau die Wunder-reiche Pracht Der Goͤttlichen Geschoͤpf’ in allen Dingen! Hieraus wird dir Nicht dorten nur, ach nein schon hier, Bey jedem Augenblick ein neues Gluͤck entspringen. Noch mehr: so gar im Schluß der Augen stecket Ein sonderbarer Trost fuͤr dich, Der sich Aufs kuͤnftige zugleich erstrecket; Jndem ja bey geschloss’nen Augen Die Selen ungestoͤr’t von innen Viel schaͤrfer nachzusinnen, Und ihre Kraft auf Den zu lenken taugen, Deß ewig-stete Pracht kein Sterblicher ermisst, Der Alles und nicht sichtbar ist. Was werden wir denn nicht fuͤr stille Lust geniessen, Wenn sich die ird’schen Augen schliessen, Und vom Vergaͤnglichen sich trennen! Wie sanste wird in GOtt die Sele sich versenken? Was wird sie herrliches von Jhm gedenken, Und Und welche Seligkeit in GOtt verspuͤren koͤnnen, Wenn sie, nicht eingespaͤrrt, wie itzt, da sie annoch Des dichten Leibes schweres Joch Des Coͤrpers finst’rer Kerker druͤcket: Der ew’gen Sonne sel’gen Glanz, Nicht durch die Augen nur, nein ganz Jn ewig-sel’ger Lust erblicket. Ach GOTT! unendlichs ewigs All! Selbststaͤndig-selige Vollkommenheit, Gib, daß, so lang’ ich hier mein Auge ruͤhre, Jch Dich, verhuͤllt in ird’scher Herrlichkeit, Mit Andachts-voller Lust verspuͤre, Bis daß dereinsten dort in den gestirnten Hoͤhen Jch Deine Majestaͤt mag ungehindert sehen, Und bloß an Dir in ewig-sel’gen Freuden Ganz ungestoͤr’t so Sel’ als Augen weiden! Noch Noch andere Herbst-Betrachtungen. D urch aller Farben Unterscheid, Worin itzt Busch und Wald in buntem Schimmer stehet, Verschoͤnert sich annoch der Erde schoͤnes Kleid. Durch’s gruͤne wird dort gelb, da gruͤn durch gelb erhoͤhet, Und hier und dort mischt sich ein roter Schein, Der dunkel bald, bald hell, oft zwischen beiden ein, Die gleichfalls alle beid’ hier hell, dort dunkel seyn. Wie bunt sie nun gefaͤrb’t; jedennoch stehen sie, Wenn man ihr ganzes sieht, in sanfter Harmonie. Die Blaͤtter, die von Zweigen abgestreift, Sind, unter Baͤumen aufgehaͤuft, An vielen Orten schoͤn zu sehen. Die scheinen nun, indem wir durch sie gehen, Als wenn sie unsern Schritt uns hemmen wollten, Damit wir sie zuletzt noch einst beschauen sollten. Es schien ihr raschelndes und lautes Zischen Mich gleichfalls dazu anzufrischen. Zuweilen spielt’ ein sanfter Wirbel-Wind Mit Blaͤttern, die schon trocken sind; Da durch ihr rollen denn und durch ihr fluͤchtig drehen, Womit sie durch einander gehen, So vielerley Veraͤnd’rungen entstehen, Daß es ein achtsam Aug’ ergetzet und vergnuͤg’t. Schau, wie der Blaͤtter Schnee dort in den Luͤften fliegt! Die Schoͤnheit, die ein jedes Blaͤtchen heg’t, Ver- Vergnuͤg’te mich so sehr, daß ich verschied’ne nam, Und zwischen zwey papir’nen Blaͤttern leg’te, Woselbst, von aller Luft und Feuchtigkeit befreit, Sie Form und Farben lange Zeit Ohn’ Aenderung behielten; Da sie denn oftmals mein Gesicht Vergnuͤg’ten, wenn zumal beym Licht Desselben Stralen durch sie spielten: Doch reichet nichts an ihren Schimmer, Wenn man dergleichen bunte Blaͤtter, Bey heiterm Wetter, Ans Fenster kleb’t von einem Zimmer, Das von der Sonnen Licht bestral’t wird. Dann entdecket Sich nicht allein der Schmuck, der in denselben stecket; Der Adern bunte Meng’ und zierliches Gewebe, Die Farben, brennen recht. Man kann mit tausend Freuden An ihrer bunten Gluht Gesicht und Sele weiden. Versuch’ es einer nur! Er wird gestehn, Daß auf der Welt fast nichts so schoͤn. Es wird kein Gold so zart, so rein, Wie kuͤnstlich man’s auch spinn’t, gesponnen, Als wie vom gelben Laub’ im hellen Stral der Sonnen Die zartesten durchsicht’gen Adern seyn, Die, wenn wir sie mit Achtsamkeit besehen, Recht lieblich durch einander gehen; So daß es kein Verstand, kein Fleiß So zierlich nachzuweben weiß. Man kann, wie ich es denn probiret, Da ein Versuch uns immer weiter fuͤhret, Die Die Blaͤtter nach der Groͤss’ und nach den Farben kleben, Um ihren Schmuck dadurch noch hoͤher zu erheben: Da denn (was sonderlich) sie Farben und Gestalten Am Fenster lange Zeit behalten, Wodurch der Sonne lichte Gluht Und mehr als Firniß-gleicher Schimmer Schoͤn bunt gefaͤrbt im ganzen Zimmer Besond’re Wirkung thut. Man sah schon hier und dort, wie statt des vor’gen gruͤnen Die Zweig’ im neuen Schmuck erschienen. Ein saftig dunkel-rot, ein braun, so gleichfalls schoͤn, War, angenem vermischt, schon hier und da zu sehn; Durch deren frische Dunkelheit Der gelben Blaͤtter Lieblichkeit, Die hier und dort noch manchen Ast bekraͤnzet, Erhoben noch viel schoͤner glaͤnzet. Es schein’t, als waͤr’ im Herbst das Jahr nunmehr Jn einer sanften Zier, von Fruͤchten schwer, Zu seinem reifen Alter kommen. Ach, daß zu meinem auch und meines Naͤchsten Frommen Mir dieß doch ein Exempel waͤr! Soll ich, nach Deinem Raht, des Lebens Herbst erleben; So laß mich, HERR, ein Beyspiel auch Von einem nuͤtzlichen und schoͤnen Alter geben! Ein Ein neblichtes und schlackriges Wetter. Jesaiæ L, 3. GOtt kleider den Himmel mit Dunkel, und macher seine Decke als einen Sack. W eit minder aufgeraͤumt, als ich sonst pflag, Begab ich mich im Herbst, an einem truͤben Tag’ Ans Fenster, um durch dessen Scheiben, Jn der Veraͤnderung der Vorwuͤrf’, eine Schwerde, Die meine Sinne druͤckt’, ein wenig zu vertreiben: Allein, Verwund’rungs-voll, fand ich nicht Luft, nicht Erde. Des Himmels sonst so heit’res Blau Verhuͤllt’ ein kaltes feucht- und truͤbes Grau: Ein Etwas, das man sehn und doch nicht sehen kunnt’, Hatt’ alles gleichsam eingeschluckt. Mein, sonder Gegenstand, verwirretes Gesicht Ward durch den falben Duft, Der weder schwarz noch weiß, und durch die schwere Luft, Worin fast gar kein Licht, So wie die Erd’ und Flut, gedruckt. Die Coͤrper schienen recht ein Blendwerk und ein Schein, Ja ganz uncoͤrperlich, zu seyn: Gebaͤude sahen aus, wie ein verdickter Duft, Ja recht wie Schloͤsser in der Luft; Die Wagen konnte man nicht sehen, bloß nur hoͤren. Ein’ allgemeine Daͤmmerung, II. Theil. C c Die Die alles sichtbare verschlung, Schien sich fast immer zu vermehren. Die Augen, die auf solche Weise Zu sehen nicht gewohnet sind, Die wurden truͤb’ und gleichsam blind. Der Nebel schien (doch sonder Wolken-Kreise, Und ohne sich im minsten zu bewegen) Ein feuchter Rauch, er schien ein trock’ner Regen, Der keine Tropfen hat, zu seyn. Ein recht verdrießlichs greises Ein War allgemein. Jndem ich nun verworren steh’, Und etwas seh’, und doch nicht seh; Da zog der Nebel sich ein wenig in die Hoͤh: Wodurch ich erst die Vorwuͤrf, welche nah, Hernach ein wenig weiter, sah; Jedoch war alles braun und traurig anzusehen. Die ganz entblaͤtterten Alleen, Die, wenn sie voller Laub, wie gruͤne Waͤnde stehen, Die schienen nun, da jeder Zweig genetzt, Zwar Waͤnde, wie vorhin- allein Von rauhem Torf, der schwarz-braun, aufgesetzt. Der Baͤume Staͤmme samt den Zweigen, Von Duft und Regen feucht, die zeigen Ein schwarz, recht wie ein Pech. Die Trauer-Farbe nam Fast alles ein, was mir vor Augen kam. Es ließ, als ob die truͤben Schatten Auf meinen Geist selbst einen Einfluß hatten. Die Sele schien das Trauren Der Der gleichsam weinenden Natur Selbst zu bedauren. Denn alles, was man sah, war schlackrig, alles naß. Beschmutzt, bespruͤtzt war Kraut und Gras, Morastig, schluͤpfrich, tief der Weg, Unbrauchbar fast von Glaͤtte Pfad und Steg. Des nassen Wand’rers Fuß bekleb’te; Oft loͤset’ er sich kaum, wie sehr er sich bestreb’te, Dem Sumpf sich zu entziehn. Wie oft war sein Bemuͤhn Umsonst, wenn sein betrog’ner Schritt Jhm glitscht’ und wieder dahin glitt, Wo er ihn kurz vorher mit Muͤh’ heraus gezogen? Wodurch denn aus der Spur, von der gedraͤngten Flut, Die, seit sie sich darin vereint, noch nicht geruht, Viel kleine Tropfen zischend flogen. Bey dieser widrigen Gestalt der Welt Empfindet man jedoch ein Etwas, das uns eben Nicht mißgefaͤllt; Und das uns durch die Haut sanft an die Nerven geht. Wir finden etwas um uns schweben, Zumal wenn man gedeckt am off’nen Fenster steht, Das uns, wenn wir drauf Achtung geben, Ein schaudrigtes Vergnuͤgen bringet. Noch mehr, es zeig’t sich dem Gesicht Selbst in der truͤben Zeit ein Licht, Das itzt fast uͤberall entspringet, Und dessen man auf Erden ganz und gar, Wann’s trocken, nimmer wird gewahr. C c 2 Auf Auf einem jeden Holz’, auf einem jeden Stein’ Entdeckt sich, wenn sie feucht, ein sanfter Schein. Die Pfuͤtzen, die voll Wasser stehn, Die lassen uns das Licht noch staͤrker sehn, Jndem so gar die Wagen-Gleis- und Lachen, Samt jeder Fuß-Spur, sich zu kleinen Spiegeln machen, Worin nicht nur ein Licht in weissem Schimmer faͤll’t, Nein auch manch Schatten-Bild von Haͤusern, Straͤuchen, Zweigen, Die sich recht eigentlich auf nassen Stellen zeigen, Jm Wider-Schein sich uns vor Augen stell’t. Jedoch ist alles teuͤb’ und ungewiß Jn einer Daͤmmerung und lichten Finsterniß. Jndem ich nun des Nebels duftig Grau, Womit die Luft annoch erfuͤllet war, beschau; Gedenk’ ich hin und her, und endlich faͤllt mir ein, Was fuͤr ein heller Wunder-Schein Doch hinter diesem Nebel stecke, Und welche Herrlichkeit der dunk’le Duft verdecke. Wer, dacht’ ich, sollte glauben, Daß solchen Glanz, der in dem ganzen Firmament Jn solcher heitern Klarheit brenn’t, Ein Nebel und ein Dust uns koͤnnte rauben? Ein Dunst, der ein unfehlbar Nichts, Jst maͤchtig, uns vom hellen Born des Lichts, Vom guͤld’nen Sonnen-Feur, dem Ursprung aller Freuden, Als waͤr’ er nicht mehr da, zu scheiden. Auf gleiche Weise raub’t des Ungluͤcks Nebel-Duft Uns, auf der Sonnen Sonn’ und HErrn, oft das Vertrauen, Daß Daß wir von Seiner Gnad’ und Seiner Liebe Licht Fast das geringste nicht, Vor Gram und Kleinmut, schauen. Allein Wie, wenn die feuchte Luft Auch noch so schwer vom Dunst und Duft; Man doch des Tages weissen Schein So in der Luft als auf der feuchten Erde siehet; So ist, wenn man sich nur so viel bemuͤhet, Und Achtung darauf hat, der Gottheit Gnaden-Licht, Das alle Ding’ erhaͤlt, regieret und erfuͤllet, (Scheint es gleich noch so sehr verhuͤllet,) Uns unaushoͤrlich nah, Und stets allgegenwaͤrtig da, Ja scheinet oͤfters gar in unsern feuchten Zaͤhren, Wie auf der nassen Erd, sein Licht noch zu vermehren. Ach staͤrke, grosser GOtt, doch meiner Selen Augen, Daß sie Dich, auch wenn Truͤbsals Duͤft’ entstehn, Mit froher Zuversicht zu sehn, Und kindlich zu verehren, taugen! So wird gewiß zu rechter Zeit Der Nebel aller Widrigkeit, Recht wie ein Nebel, schnell verschwinden, Und werden wir, wo nicht an diesem Ort, Doch unausbleiblich dort, Der Freuden lichten Glanz und heitern Himmel finden. C 3 Der Der Winter. G rosser GOtt! ich kann mit Freuden, Auch beym Frost, die Augen weiden Jn der weiß beschney’ten Welt, Die, wenn’s klar ist oder schneyet, Mich auf beyde Weis’ erfreuet, Und, zu Deinem Ruhm, gefaͤll’t. Es scheinet, wenn es schneyt, die ganze Luft beleb’t. Hier flieg’t, dort spiel’t, hier schiesst, dort schweb’t, Hier steigt, dort faͤllt, da wirbelt sich Ein krauser Flocken-Schwarm; dort wird er grimmiglich Jn einem Sturm vorbey gerissen, So daß wir uns verwundern muͤssen, Wenn wir halb bang, und halb vergnuͤget sehn, Wie so viel tausend Teile, Mit solcher Emsigkeit und Eile, Verwirret durch einander gehn. Wie wenn verschied’ne Stroͤm’ ergrimmt zusammen fliessen, Und als ein rascher Pfeil schnell auf einander schiessen, Ein jeder mit Gewalt sich gegen jenen spreisst, Mit strengem dunk’len Strich den weissen Schaum zerreisst, Den ihm sein Gegner macht, und, daß das Ufer bruͤllet, Mit heulendem Geraͤusch die Wirbel teilt und fuͤllet; So sieht man in der Luft am Schnee, wie grimmiglich Ein Wind-Strom jenen bricht, Jndem die Flocken sich Bald Bald stossen, bald sich drehn, bald, uͤber sich gerissen, Von einem staͤrkern Fluß bezwungen, weichen muͤssen. Hier treibt ein Wirbel-Wind, wie einen weissen Rauch, Den Schnee im Wirbel um, dort spruͤtz’t mit strengem Hauch Aus dem beeis’ten Bart, voll steif gefror’ner Locken, Der dunkel-graue West den Schnee in grossen Flocken. Wild, frostig, grimmig, scharf, verdrießlich und doch schoͤn Jst das verwirrte Spiel der Flocken anzusehn, Zumal wenn etwan uns das dunk’le gruͤn Des Bux-Baums und der Taxus-Hecken, Worauf der weisse Schnee noch deutlicher erschien, Des regen Schwarms Figur recht eigentlich entdecken. Wann ich in warmer Stub’ alsdann am Fenster steh’, Und, wie der kalte Nord so strenge draussen schnaubet, An manchem krummen Wand’rer seh, Der seines Athems fast, wie aller Waͤrm, beraubet, Mit steif-bereiftem Har, mit krumm gebog’nem Knie, Tief eingezog’nem Hals’ und ganz erstarr’ten Gliedern, Mit fast geschloss’nen Augen-Liedern, Mit blauen Wangen, Nas’ und Kinn, Sehr langsam und mit Muͤh das Schnee-Gestoͤber trennet; Denk’ ich, und zwar mit Recht, in meinem Sinn, Wie gluͤcklich ich in meiner Stube bin, Wie die Beqvemlichkeit so groß, die GOtt mir goͤnnet. Wann endlich nun die Luft von Duft und Flocken leer, Die Wolken sich zerteilt, der Winde stuͤrmisch Heer Ermuͤdet ausgeras’t, der Sonnen helle Stralen Durch’s ausgeklaͤr’te Blau, die Erde zu bemalen Auf einmal sich vereint; dann glaͤnzt die weisse Welt, C c 4 Und Und schein’t fast, wie der Mond. Es deckt das flache Feld Ein Licht, das mit dem Schnee scheint aus der Luft gefallen; Des Wassers Flaͤche blitzt, wie schwimmende Krystallen. Wird aus der Erde durch die Gluht Das klare Spiegel-Glas gemacht; So wird durch Kaͤlte von der Flut Auch Spiegel-Glas hervor gebracht, Und zwar das auf verschied’nen Stellen Viel tausend Ellen, O grosses Wunder! lang und breit. Es scheint, ob suche die Natur Auf eine neue Weis’ uns zu ergetzen, Und alle Schoͤnheit zu ersetzen, Womit sie sich bisher geschmuͤckt; Die sie uns aber nun entruͤckt, Weßhalben sie die Feuchtigkeit verdickt, Damit auf der gefror’nen Flaͤche Der holde Sonnen-Stral sich breche, Und so das Licht, das sonst nicht sichtbar war, Jm Widerscheinen hell und klar Sich unsern Augen zeigen moͤgte: Wodurch ein denkend Aug’, ein sehendes Gemuͤt Jm bunten Wider-Schein viel helle Farben sieht, Jndem viel tausend kleine Spitzen, Wie kleine Diamanten, blitzen. Vom Silber, welches ausgebrannt, Wird in dem luckern Schnee ein aͤhnlich Bild erkannt. Absonderlich, wann sich die Sonne neiget, Und sich so dann am heitern Firmament Ein Ein lieblichs Bild der Abend-Roͤte zeiget; Sieht man die roͤtliche Gestalt Sich alsobald Jn glatt- und braunem Eise bilden. Hiedurch wird manche Stelle Cinober-rot und helle, Ja scheinet gar sich zu verguͤlden. Bey dieser Glaͤtte nun, die glaͤnzend wie ein Spiegel, Sieht man den weissen Glanz der kleinen schroffen Huͤgel Von Bruch- und Schiefer-Eis, wie Silber, mit Vergnuͤgen Jm Purpur und im Golde liegen. Noch wird zur Winters-Zeit auf der beschneyten Welt Ein’ and’re Lust den Augen vorgestell’t, Jndem auf keinem Grund so nett, so rein Die Schatten vorgestellt und anzusehen seyn, Als auf dem weissen Schnee. Die Weisse stellt das Schwarz noch einst so zierlich Den Augen vor. Der Schatten laͤsst natuͤrlich, Als waͤr’ er coͤrperlich; daher denn auf der Erden Der Baͤume Staͤmm’ und Zweige doppelt werden, Wodurch im Gegensatz, wenn sie zusammen liegen, Sie ein vernuͤnftig Aug’ um desto mehr vergnuͤgen. Noch mehr: Wir sehn zu dieser Zeit Auch allenthalben auf der Erden Den Schnee zu kleinen Spiegeln werden: Weil alles schimmern, alles blitzen Ja anders nichts, Als wie ein Gegenschein des Sonnen-Lichts. Ach moͤgt’ uns jeder Staub vom nahen Sonnen-Schein C c 5 Ein Ein Spiegel, ein Beweis und ein’ Erinn’rung seyn, Den Geist in uns’rer Lust zum Schoͤpfer hinzulenken, Und auf der Sonnen Sonn’ in Ehrfurcht zu gedenken! Die von der Sonnen Glanz bestral’te starre Flut Scheint oft in einer weissen Gluht, Als wie ein Feuer-Werk zu brennen; Doch ruͤhren diese Flammen und ihr Licht, Als welche gleichfalls starr, sich nicht. Dieß stille Naß und Feur, nebst ihrer Reinigkeit, Scheint mir von einem still- und unbefleckten Leben Ein lieblichs Bildniß abzugeben. Es suͤllet meine Brust dieß ungemeine Prangen Mit diesem sehnlichen Verlangen, Daß auch mein Geist in still- und reinem Widerschein Von jener geist’gen Sonn’ ein Spiegel moͤge seyn, Worin an meinen guten Werken Mein Naͤchster GOttes Macht und Liebe moͤge merken. Der Der Schnee. W er etwas liebliches zu sehn verlanget, Der sehe mit Aufmerksamkeit, Wie zu gewisser Zeit Jn solcher zierlichen Vollkommenheit So manche kleine Schnee-Flock pranget. Es ist warhaftig nicht zu glaͤuben, Noch minder zu beschreiben, Wie manche nett’ und zierliche Figur Die spielende Natur Uns in gesror’nen Duͤften weiset, So daß ein’ iegliche des Schoͤpfers Weisheit preiset. Jch hab’ es mit Erstaunen oft gesehn. Bald sind sie, wie der klein’ste Sand, Bald wie ein kleiner Stern, woran die weissen Spitzen Jn solcher fuͤssen Ordnung sitzen, Daß sie ein menschlicher Verstand So zart, so Regel-recht unmoͤglich bilden kann. Sechs Ecken sieht man insgemein daran, Die spitzig bald, bald rund, von denen auf das neue An einer jeglichen, in ordentlicher Reihe, Noch and’re Spitzen, gleich den Zweigen, Sich mit Verwunderung den Augen zeigen. Ein halbes Sternchen stellt in ungemeiner Zier Ein nettes Bild von einer Crone fuͤr. Jch sahe juͤngst von ungefehr Viel Viel solcher Cronen mit Vergnuͤgen Auf meinen Fenster-Baͤnken liegen. Jch sah mit Lust ihr zierlichs prangen; Jedoch gab ihre Fluͤchtigkeit Zu einer Lehre mir Gelegenheit. Sie waren ja so schnell, als andere, vergangen. Mich deucht, es gaͤb’ ihr fluͤchtigs Wesen Die grosse Warheit mir zu lesen: Es ist ein Koͤnig und ein Bauer Von einer Dauer. An einigen hab’ ich bald zwoͤlf bald achtzehn Ecken Sich von dem Mittel-Puͤnctgen strecken, Und zierlich in der Ruͤnde stehn, Mit vielen Freuden oft gesehn. Verschiedene sind kleinen Rosen gleich; Sie sind an Aenderung und Unterschied so reich, Man wird gewiß nicht fehlen, Wenn man von ihnen sag’t, daß sie gar nicht zu zaͤlen. Bey aller Zierlichkeit faͤllt mir jedennoch ein: Wie bald ist aller Schein, Den man an solchem Schnee nicht sonder Lust ermisst, Wie bald ist all sein zierlich Prangen, Zusamt der Nettigkeit der Bildungen, vergangen? Sprich aber darum nicht, verweg’ner Atheist: Da, was ich an dem Schnee, So sauber und so kuͤnstlich seh, Da das, was man daran so nett, so zierlich findet, Nichts nuͤtzet, und so schnell verschwindet; Wozu denn dient solch kuͤnstlich Flocken-Heer? Zeigt Zeigt es vielmehr nicht an, Daß auch von ungefehr Was kuͤnstliches entspringen kann? Ach nein, geliebter Mensch! besinne dich! Du sprichst zu wild und zu vermessentlich Von Deines Schoͤpfers Wunderwerken, Die du mit Ehrfurcht solltest sehn; Weil sie warhaftig nicht von ungefehr geschehn. Zween Gruͤnde kann ich nur in deinem Einwurf merken. Der erste geht dahin: weil Schnee so schnell vergeht, Der and’re, weil kein Nutz aus seiner Zier entsteh’t; So fliesse ganz gewiß daher, Es komm’ im Schnee die Zier von ungefehr. Ja du entsieh’st dich nicht, hieraus auf and’re Sachen Auch Folgen, die viel schlimmer noch, zu machen. Allein, bedenke wol, wie elend, schwach und klein Die angefuͤhrten Gruͤnde seyn! Zeigt nicht der Unterscheid Der Dau’r, selbst in verschied’nen Dingen, Ein Merkmal groͤsserer Vollkommenheit, Als wenn sie alle gleich bestuͤnden und vergingen? Kann man, mit Recht, es einen Fehler nennen, Daß Bluhmen nicht so lang’, als Baͤume, dauren koͤnnen? Daß Baͤume nicht so lang bestehen, als ein Stein? Stimmt nun der Coͤrper Dau’r nicht uͤberein; So muß notwendig eins an Dau’r das klein’ste seyn. Zudem zeig’t solch ein ploͤtzliches Verschwinden Der Dinge, die wir doch so schoͤn, so kuͤnstlich finden, Mehr einen Ueberfluß, als einen Mangel, an. Es Es weis’t, daß es dem Schoͤpfer einerley, Und keine groͤss’re Muͤhe, sey: Ob Wunder-Ding’ entstehn, Wie oder ob sie wiederum vergehn. Was nun den Nutzen anbelanget, Der aus so kuͤnstlicher Figur entsteht; So schleuß nicht alsofort von dir Auf jedermann, und bilde dir nicht ein, Daß sie mit dir gleich unempfindlich seyn, Daß sie so wol, als du, Gesicht und Witz verloren, Daß alle Welt, wie du, es gleichsam recht verschworen, Auf GOttes Werke nicht zu achten. Ach nein! Es giebt noch einige, die GOttes Werk betrachten Jn ihrer Lust, zu GOttes Ehr’, Und die sich nicht am Jrd’schen bloß vergaffen. Ja wenn von allen auch nur einer waͤr, Der in der Zierlichkeit des Schoͤpfers Weisheit saͤh; Waͤr solche Zierlichkeit doch nicht umsonst geschaffen. Wie aber und auf welche Weis’ im Schnee Solch’ eine kuͤnstliche Figur entsteh, Gesteh’ ich gern, das fass’ ich nicht, Und gibt mir die Unwissenheit Von meiner Wenigkeit Aufs neu getreuen Unterricht. Kann aber man gleich GOttes Werk nicht fassen; Muß man es doch nicht unbewundert lassen. Der Der Tannen-Wald. W ie neulich mich mein Vaterland Jm Winter nach Berlin gesandt; Hab’ ich mit hundert tausend Freuden Mein Aug’ an manchem Gegenstand Der Erde koͤnnen weiden: Da nemlich ich auf dieser Reise, Dem Schoͤpfer aller Welt zum Preise, Die schoͤne Welt, die auch im Schnee und Eise Recht wunder-wuͤrdig ausgeschmuͤcket, Mit stets veraͤndertem Vergnuͤgen angeblicket. Ein helles Abend-Rot, des Morgens guͤld’ne Pracht, Das Silber der gestirnten Nacht, Des Mondes sanftes Licht, hat mir die schoͤne Welt Jn allzeit neuem Schmuck und Farben vorgestellt. Bald sah ich fruͤh die weiß-beschneyten Gipfel Der Berge, von dem Glanz des Firmaments, bestral’t. Bald sah ich spaͤt die weiß-bereiften Wipfel Der Baͤume, recht wie Gold vom Abend-Rot, gemal’t. Bald zeigt’ ein hoͤher Licht auf Straͤuchern, Kraut und Laub Und auf des Grases Rest Krystallen-gleichen Staub. Der ganze Boden war mit tausend kleinen Spitzen, Jn welchen sich das Licht mit angenemem blitzen Und buntem Schimmer bricht, bedecket und erfuͤllt. Der Erde weisse Brust war gaͤnzlich eingehuͤllt Jm Diamant’nen Schmuck. Es waren ohne Zal Die Die Luͤste, die mir bald ein Berg gab, bald ein Thal. Mein Surland, dessen Geist nicht Seines gleichen kennet, Ward, wie er neben mir so manche Schoͤnheit spuͤr’t, Die GOtt allein durchs Aug’ uns auf der Erde goͤnnet, Nicht weniger, als ich, geruͤhr’t. Vor andern fuhren wir an einem heitern Tage Durch einen Tannen-Wald, deß nie verwelkend Gruͤn Den Sommer vorzustellen schien Selbst in dem streng’sten Frost. Das Thal, worin er lage, War uͤberaus vergnuͤglich anzusehn. Die gruͤnen teils, und teils die weissen Hoͤh’n Erhuben Wechsel-weis’ ihr Licht und schattigt Gruͤn Durch ihren Gegen-Satz. Jn einer weiten Laͤnge (Jndem der weisse Schnee sehr hell von weiten schien) Erblickte man noch eine groͤss’re Menge Von Staͤmmen, als man sonst erblicket, Wenn ein fast allgemeines Gruͤn Den dick-begras’ten Boden schmuͤcket. Wann ich (fing Surland an) die so gerade Hoͤhe Der rischen Tannen-Baͤume sehe, Und merke, wie sie sich bey Zeiten Hoch in die Hoͤh zu gehn dadurch bereiten, Daß jeder solche Zweig’ und Aest’ Jm Anfang alsbald fallen laͤsst, Die seinen Wachstum sonst vermindern, Gen Himmel an zu steigen sehr verhindern, Und ihn nur uͤber nied’re Huͤrden Sich auszubreiten zwingen wuͤrden; So deucht mich, daß er uns zum Beyspiel dienen wolle, Daß Daß auch der Mensch es also machen solle. Denn wuͤnschet man das ganze zu erhoͤhn; So muß man nicht auf Kleinigkeiten sehn. Noch fiel uns ein: Wer auf das kuͤnftige gedenk’t, Und an den Zweck, wozu das Leben uns geschenk’t, Muß mit dem Jrdischen sich nicht zu sehr befassen, Muß, was vergaͤnglich, fallen lassen, Damit man, desto mehr von dieser Erde Und aus dem Staub’ hervor zu dringen, Sich froͤhlich Himmel-an zu schwingen, Je mehr und mehr geschickt gemachet werde. Wir fuhren drauf an diesem schoͤnen Ort Mit froͤhlicher Betrachtung ferner fort. Ein holder Stral der Sonne schien An mancher hocherhab’nen Stelle Auf das sonst schoͤne dunkel-gruͤn, Und macht’ es unvergleichlich helle. Was nicht bestralet war, ward zwar dadurch verdunkelt; Jedoch nicht haͤßlicher; vielmehr erhub die Schwaͤrze Das Licht nur desto mehr. Zuweilen glaͤnzt’ und funkelt’ Ein nur bestral’ter Ast, wie eine Kerze, Jn gruͤner Dunkelheit. Bey vielen Staͤmmen fiel gar oft der Sonnen-Schein Auf einen nur allein, Wodurch er bey den andern, die um ihn, Wie eine Feuer-Seule, schien. Noch wurden wir gewahr, Daß bey den Tannen hier und dar Entlaubte Birken-Baͤume stunden, II. Theil. D d Auf Auf deren schwanken Zweigen wir Zuweilen einen Rest verwelkter Blaͤtter funden; Die aber Wunder-schoͤn, in einer gelben Zier, An Farben kaum den schoͤn’sten Bluhmen wichen, Und, bey der gruͤnen Dunkelheit So mannigfalt’gem Unterscheid, Oft einer reifen Frucht, ja guͤld’nen Aepfeln, glichen. Es glaͤnzten wie im Spiegel Verschied’ne Stellen, wo der Schnee Geschmolzen war und wiederum gefroren, Darin ich, voller Lust, nicht nur die nahen Huͤgel Jm Wider-Schein, nein selbst der Baͤume Menge seh. Die schien daher in deutlichster Gestalt Recht als ein unter-ird’scher Wald. Da war ein gruͤnes Licht, dort eine gruͤne Nacht, Hier eine Daͤmmerung, die gleichfalls gruͤn zu sehn. Die dreyfach untermischte Pracht War untermischt so wol als einzeln Wunder-schoͤn. Die hohen Staͤmme glichen Seulen An Hoͤhe, Glaͤtt’ und runder Zierlichkeit. Die rechte Masse herrscht’ in allen ihren Teilen, Bis zur Vollkommenheit. Jn Welschland wird ein Stein gefunden, Den man das alte Gelb, antico giallo, heisst, Der klar und glatt, und mehr als Marmor gleisst. So glaͤnzten gelbe Staͤmm, und die erhaben stunden, So daß der Sonnen-Stral die glatte Rinde ziert, Die liessen recht, als wenn man sie verguͤldet haͤtte. Die roͤtlichen verglichen sich an Glaͤtte, An Farb’ und Glanz dem Marmor, der polir’t. Es Es stachen beyde sich von dem so holden Gruͤnen Recht unvergleichlich ab. Die gruͤnlich-blaue Schatten, Die fast die ganze Luft als wie benebelt hatten, Vermehrten, bey dem Stral, den Schmuck an mancher Stelle. Bald war ein Zweig halb dunkel und halb helle, Und kurz, ein sanftes licht- und gruͤnes Schatten-Spiel War unsers Herzens Lust, und uns’rer Augen Ziel; Woruͤber wir auf GOtt, den weisen Schoͤpfer, dachten, Und Jhm, in uns’rer Lust, ein frohes Dank-Lied brachten: Darum, daß nicht allein So vieler Form- und Farben Schein Die Wunder-schoͤne Welt erfuͤllet; Daß uns das helle Sonnen-Licht Derselben schoͤnen Schmuck enthuͤllet; Daß unser forschendes Gesicht Zum Schutz, zur Lust in unserm Leben Er uns gegeben; Nein, daß auch die Geschoͤpf, durch uns’rer Sinne Thuͤren, Jn holder Lust uns zu dem Schoͤpfer fuͤhren; Daß uns die Faͤhigkeit geschenkt ist, GOtt zu Ehren, Zu schmecken, fuͤlen, sehn, zu riechen und zu hoͤren. D d 2 Gar- Garten-Bluhmen aus blossem Was- ser, sonder Erde, gewachsen. W ie wunderbar, o GOtt, sind Deine Werke! Wie unbegreiflich sind die Spuren Deiner Staͤrke! Wie groß ist alles das, so die Natur uns weis’t; Wie klein hingegen unser Geist! So rief ich, als mein Freund, den die gelehrte Welt Fast fuͤr ein Wunder haͤlt, Mein Richey, der hieselbst mit solchem Ruhme lehret, Mir etwas, so ich nie geseh’n, Und welches doch so rar als schoͤn, Juͤngst zugeschicket und verehret. Ein angenemes Fruͤhlings-Kind, Das ohne Mutter war gebohren Zu einer Zeit, da alles noch gefroren, Ein’ Ambra-volle Hyacinth, Die unvergleichlich bluͤht’, auch unvergleichlich roch, Und die, o Wunder! jedennoch Die Erde nie in ihrem Schoß geheget, Noch sie mit ihrem Narungs-Saft Und der in ihr verborg’nen Kraft Gesaͤugt, ernaͤhrt, verpfleget, Sah ich vor meinen Augen stehn. Die Zwiebel war, so wie die Bluhme, bloß Ohn’ Erd’ in freyer Luft zu sehn. Ein Glas, so nicht besonders groß, Erfuͤllt mit klarer Feuchtigkeit, Ließ Ließ mir zu gleicher Zeit Die Wurzeln, die so weiß, wie Silber, schauen. Sie sahen selbst fast wie ein Bluhmen-Straus, Jn den so angenem geschlung’nen Zaͤsern, aus; Kaum konnt’ ich meinen Augen trauen. Wie sehr bewundert’ ich, daß etwas wachsen koͤnnte Ganz ausser seinem Elemente! Ja was noch mehr, daß menschlicher Verstand Jn so viel tausend Jahren Dergleichen niemals noch erkannt, Und nichts davon erfahren, Da es jedoch so leicht, daß jedermann, Der es nur einmal sieht und hoͤr’t, es machen kann! Man setzet auf ein Glas, Das voller Wasser ist, Die Bluhmen-Zwiebel auf, so daß sie kaum das Naß Mit ihrem untern Teil beruͤhret. Das ist die ganze Kuust, worauf in kurzer Frist Das Glas voll Wurzeln wird, der Stie! sich aufwaͤrts fuͤhret; Und kommt sodann in wenig Zeit Die Bluhme zur Vollkommenheit. Derselben felet nichts an Farb’, an Zierlichkeit, Am lieblichen Geruch, der kraͤftig uns zu ruͤhren. Mein Gaͤrtner hat, hiedurch bewogen, Auf gleiche Weise Lilien Narcissen, Kayser-Cron- und Tulpen aufgezogen. Und ich, um dieses Werk noch weiter zu probiren, Hab’ einst ein duͤnnes Bley an manchem Ort Mit kleinen Loͤcherchen durchbohrt, D d 3 Und Und mit denselbigen ein solches Glas bedeckt, Drauf Haber-Koͤrnerchen genommen, Und in die Loͤcher eingesteckt; Wodurch ich denn nach nicht gar langer Zeit Auch reifen Habern uͤberkommen. Mich deucht, du sprichst bey dieser Seitenheit: Wirkt denn die Erde nichts bey Bluhmen und bey Fruͤchten, Und kann das Wasser es allein verrichten; So hat man ja bisher Der Erde groͤsser’ Ehr’ Erwiesen, als wie ihr mit Recht gebuͤhret, Jndem sie alles das verlieret, Was man, aus Unverstand getrieben, Bisher ihr zugeschrieben. Allein, Mein Herz, halt ein, Und uͤbereile dich in deinem Urteil nicht! Vielmehr nimm diesen Unterricht: Die Erde, die von Dem, Dem ewig Preis gebuͤhret, Recht wunderbar erschaffen und formiret, Verliert bey der Entdeckung nichts. Sie bleibet Ein Wunderwerk des Hoͤchsten, wenn die Kraft Auch gleich nichts anders waͤr’, als wie man’s itzt beschreibet; Das sich jedoch nicht so verhaͤlt, Wie einem ieglichen es in die Augen faͤllt. Denn wenn derselben Eigenschaft Nur bloß darin, daß sie aus Teilchen, die so klein, Bestehen sollt’, allein bestuͤnde; So ist es doch gewiß, wenn man es recht ergruͤndet, Daß Daß man auch darin bloß allein Was unbegreifliches und nuͤtzlichs findet. Denn daß solch eine Meng von Teilchen in der Erde Zu einem grossen Coͤrper werde, Und sich zwar wol, jedoch nicht ganz, verbindet, Wodurch denn Platz entsteht, daß sich die Feuchtigkeiten Darin versammlen, halten, senken, Mit Mass’ ohn’ Ueberfluß die Wurzeln traͤnken, Die eben dadurch auch, sich auszubreiten, Gelegenheit und Platz gewinnen; Jst ja wol recht Bewunderns-wehrt. Wer aber kann nur eine Ahrt, Die Pflanzen, die so klein, so zart, Gerade zu erhalten, wol ersinnen, Und, ohne sie zu drucken, zu verletzen, Dieselbigen so fest zu setzen, Daß sie so gar vor Sturm und Wind Genug gesichert sind? Dieß alles scheinet uns zwar, leider! nur gemein, Und weder Weis heit, Macht, noch grosse Kunst zu seyn; Allein das eben ist die Unahrt uns’rer Sinnen, Daß alles, was wir taͤglich sehn, Von aussen kaum, viel weniger von innen Von uns betrachtet wird. Die Ursach zu verstehn, Wodurch, wozu und wie die Dinge hie geschehn, Jst ja das einzige, so uns vom Vieh Allein vermag zu unterscheiden; Doch nimmt man sich damit nicht die geringste Muͤh. Die milde Mutter siehet man D d 4 Als Als einen schwarz- und groben Klumpen an. Je mehr ein Werk, das grossen Nutzen bringet, Uns etwas einzelnes und einfachs weiset; Je mehr Dem, Ders gemacht, d’raus Ehr’ und Lob entspringet, Je mehr es seinen Meister preiset. Denn daß das Feuer heiß und leicht, Das Wasser fluͤssig, schwer und feucht, Die Erde fest, und doch nicht allzufest, Durchdringlich, koͤrnig ist, und sich handtieren laͤsst; Sind Eigenschaften, die allein Von GOtt darin geleget seyn, Sind Wunder, welche wir bewundern sollen, Wofern wir Menschen heissen wollen. Ach GOtt! Allmaͤchtig-weises Wesen, Aus welchem alles Gute qvillt, Ach laß uns doch, durch Deinen Geist erfuͤllt, Von der Gewohnheits-Pest genesen, Damit von uns zu aller Zeit So wol des Wassers Fruchtbarkeit, Als auch die kuͤnstliche Beschaffenheit Der wunderbar formir’ten Erde Mit Ehrfurcht, Ernst und Lust bewundert werde! Das Das Treib-Eis. W er jemals einen Strom voll Treib-Eis fliessen sehn, Mit welch gewaltig streng- und dennoch stillem Drange, Jn einem ungehemmt- und Wirbel-reichen Gange Die Flut die Schollen fuͤhrt; der muß gestehn, Daß es den Augen Lust, dem Herzen Schrecken Zugleich vermoͤgend zu erwecken, Jndem es in der That Was Majestaͤtisches, was graͤßlich-schoͤnes hat. Den Augen schwindelt recht, wenn sie ein flaches Feld (Wie es von weitem scheint) geborsten, sich bewegen, Die Erde nicht mehr ruh’n, den Boden selbst sich regen, Und Felsen schwimmen sehn. Es reisst die Wasser-Welt, Jn schroffen, ungeformt- und ungeheuren Stuͤcken, Selbst Berge mit sich fort. Ein wuͤstes, kaltes Grau Deckt Wasser, Land und Strand. Veroͤdet, wild und rauh Jst alles, was man sieht. Der Sonne Stralen schmuͤcken Jedennoch manchen Ort, Da denn bald hier, bald dort, Zumal an den versteinten Wellen, Manch schneller Blitz, manch heller Glanz erscheint, So daß man fast nicht anders meint, Als wenn an unterschied’nen Stellen, Selbst in der kalten Flut, Man eine bunte Gluht, Gefaͤrbte Flammen funkeln, saͤhe. D d 5 Dieß Dieß alles sah ich juͤngst, und, wie ich in der Naͤhe Jm strengen Fluß das Eis schnell vor mir uͤberschiessen. Und eilend, dennoch sanft, bestaͤndig vor sich fliessen Und sich verlieren sah; kam mir Des Strom’s nie stiller Zug und sanfte Strengigkeit Recht, wie der streng’ und stille Lauf der Zeit, Die Schollen wie wir Menschen, fuͤr. Wir werden durch die Flut der Zeit dahin gefuͤhret, Und weil, was um uns ist, bestaͤndig mit uns geht; Wird die gewaltige Bewegung nicht gespuͤret, Ob gleich nicht einer stille steht. Gebrechlich ist das Eis; wir auch. Die Schollen werden Zu ihrem ersten Stoff, zu Wasser; wir zu Erden. Die wenigsten sind groß, die meisten klein; So geht es auch mit uns. Es werden von den grossen Die kleinen mitgefuͤhrt und fortgestossen; Jst dieß der Grossen Brauch Nicht bey den Menschen auch? Verschied’ne setzen sich zusammen, und formiren, Dem Ansehn nach, ein festes Land; Doch wird das scheinbar-sich’re Band Die Festigkeit gar bald verlieren. Mit diesen kommt ein Regiment, ein Reich, Das aus so mancherley Gemuͤtern auch bestehet, Das auch, wie stark es scheint, doch oͤfters bald vergehet, Jn billigen Vergleich. Jch sah mit Lust viel kleine ruhig fliessen, So lange sie sich nicht mit andern stiessen. Wann aber das geschach; Erhob Erhob sich alsobald ein Wirbel in der Flut, Ein fuͤrchterlichs Gekrach, Daß ein Stuͤck hier, das and’re dorten, brach, Und beyde wurden von der Wut Erzuͤrnter Wellen umgeschwungen, Zuweilen auch wol gar verschlungen. Hieraus nam ich mir diese Lehre, Und dacht’: Ach daß doch das auch uns ein Beyspiel waͤre, Wie nichts so sehr, als Zank und Streit, Die ruhige Zufriedenheit Auf dieser Welt vermind’re, Und alle Lust des Lebens hind’re! Dagegen wenn man mit der Zeit Und ihrem Strom gelassen fliesset, Man vielerley Vergnuͤglichkeit, Zu GOttes Ruhm, Der sie uns schenkt, geniesset. Noch ward ich einiger aufs neu gewahr, Die (von der Sonnen Glanz bestralet) heiter, klar, Und lieblich funkelten, in blauen, bald in gruͤnen, Und bald in roͤtlichen, bald gelben, Flammen schienen. Ein jedes Stuͤckgen Eis, ein jeder kleiner Huͤgel Schien recht ein klarer Sonnen-Spiegel, Der uns bald hier, bald dort der Stralen heit’re Pracht, So sonst nicht sichtbar, sichtbar macht. Es praͤg’te deren reiner Schein Recht tief sich den Gedanken ein, Und Und wuͤnsch’ ich, daß in meiner kurzen Fahrt, Von aller Sonnen Sonn’ erleuchtet und beschienen, Jch auf dergleichen Ahrt, Als wie ein Licht, dem Naͤchsten moͤge dienen! Gib, GOtt, daß ich auf meines Lebens Wege Jm Tugend-Glanze sanft voruͤber fliessen moͤge, Und auf der nimmer stillen Reise Zum sel’gen Meer der Ewigkeit, Von aller Laster Ruß befrey’t, Jn reinem Widerschein des Schoͤpfers Allmacht weise! Neu- Neu-Jahrs-Gedanken auf das 1724ste Jahr. D as drey und zwanzigste nach siebzehn hundert Jahr, So, durch des Hoͤchsten Huld, ein Jahr des Segens war, Eil’t seinem Ende zu. Das letzte Koͤrnlein Sand Der Sand-Uhr faͤllt nunmehr den Augenblick herab, Und mit demselbigen das alte Jahr ins Grab. Das neue, so schon da, wird allbereits genannt Das vier und zwanzigste. Bey dieser Wechsel-Zeit Will ich im suͤssen Feu’r vergnuͤg’ter Dankbarkeit, Jn wahrer Andachts-Gluht und Jnbrunst meiner Selen Des grossen Schoͤpfers Huld und Vater-Lieb’ erzaͤlen, Mit welcher Er die Welt so gnaͤdig angesehn, Daß keiner leben wird, der nicht erfreut gestehn, Vergnuͤg’t erkennen muß, kein Jahr mit so viel Gaben, So lang’ er auch geleb’t, schon einst erleb’t zu haben. Was Moses Jsrael im Segen dort versprach, Dem gibt des vor’gen Jahrs Heil, Ueberfluß und Segen, Wenn man es recht erweg’t, nicht das geringste nach. Jch will dir Sonnen-Schein, sprach GOtt, ich will dir Regen, Jch will dir Landes-Frucht in reichem Ueberfluß, Jch will dir Suͤssigkeit von Oel, von Korn und Reben, Und einem jeglichen den froͤhlichen Genuß Von allen diesen Guͤtern geben. Der Krieg soll eurer Grenzen schonen. Es Es soll ein jeglicher, umringt von sich’rer Ruh’, Jn seines Feigen-Baums und Wein-Stocks Schatten wohnen. Ach Hamburg, merke drauf! was sagest du hiezu? Hat es im vor’gen Jahr von dem, was ich erzaͤlet, An einem Guten dir gefelet? Hat sich nicht uͤber dich der Segen recht ergossen? Es ist der Laͤnder Mark dir gleichsam zugeflossen. Wenn manchen schoͤnen Ort im abgewich’nen Jahr Die ungeheuren Flammen frassen; So haben wir, GOtt Lob! in unsern Strassen Den Anfang kaum der drohenden Gefahr, Und unverletzt, erblickt. Ein fuͤrchterlicher Rauch Erfuͤllete zwar unser Raht-Haus auch; Allein, durch GOttes Huld und vaͤterliches Lieben, Jst es beym Rauch’ allein (nur Jhm sey Dank!) geblieben. Das aͤngstende Geschwirr der wilden Kriegs-Posaunen, Das moͤrdliche Gebruͤll verheerender Carthaunen Hat Luft und Erde nicht erschuͤttert, Der Bomben schmetternd Feu’r die Haͤuser nicht zersplittert; Der Minen Schwefel-Gluht sprengt’ uns’re Waͤlle nicht; Wol aber hat das suͤsse Friedens-Licht Mit reiner Heiterkeit, mit unbewoͤlktem Glaͤnzen Jn holder Ruh’ Europens Grenzen Voll Segen angestral’t. Der edlen Kaufmannschaft Bereicherndes Gewerb’ empfing aufs neue Kraft Durch Ruh’ und Sicherheit, fing an, auf allen Seiten Jn taͤglich wachsendem Credit sich auszubreiten, Da Pest und Furcht vorbey. Die Schwerdter, Spiess’ und Degen, Die Die vormals Stadt und Land verher’t, Hat das vergang’ne Jahr in Sicheln, Pfluͤg’ und Egen, Zu vieler Laͤnder Heil, verkehrt. Wie ruhig, wie vergnuͤg’t, Wie lieblich, sanft und stille Sah man das fette Vieh in tiefem Grase gehn, Wie emsig dort die Schar der Schnitter Aehren maͤh’n, Voll hundert-facher Frucht! Mit Ueberfluß und Fuͤlle Hat GOtt das Jahr gekroͤn’t, da Seiner Fuͤsse Spur Recht troff von Oel und Wein. Hat jemals die Natur Uns freundlich angelacht, uns liebreich angeblicket; So ist es ja wol recht in vor’gem Jahr geschehn. Was haben wir fuͤr Wunder angesehn? Was hat der Himmel uns fuͤr Segen zugeschicket, Wann er durch Sonnenschein uns holde Waͤrme gab, Bald sanfte Winde sandt, bald lauen Regen spruͤhte? Was wandte GOtt von uns fuͤr viele Plagen ab? Kein Mehl-Thau sengete das Korn, kein Blitz die Bluͤhte; Es war so Luft als Land vom Ungeziefer leer. Kein fressigs Raupen-Heer Zerbiß die junge Frucht, bespann den krummen Ast; Kein Heuschreck zeigte sich, kein Kefer fraß die Mast; Man sah gar keine Maden Den mit der Bluͤht’ annoch bekroͤn’ten Aepfeln schaden, Wie jaͤhrlich sonst geschicht, da man die Bluhmen sieht, Wenn sie der falsche Wurm gemach zusammen zieht, (Als waͤren sie verbrannt) verdorren und vergehen, Und die verhoffte Frucht vom duͤrren Stiel verwehen. Nein, jede Bluhme blieb; nein, alle Fruͤchte reiften, Und Und, ob sich hie und da gleich ein’ge Raupen haͤuften; So waren sie dennoch (o Wunder!) solcher Ahrt, Daß keine Frucht durch sie, nur Laub, verzehret ward. Die Aeste sah mein Aug’ in vielen Gaͤrten stehen, Worauf nur Frucht allein, und nicht ein Blat, zu sehen. Kein Erd-Floh zeigte sich; es nag’ten keine Schnecken Die Bohnen, noch den Kol. Den Boden sahe man Sich durch der Erd-Beer rot mehr, als durchs Laub, be- decken. Nie sah man sonder Lust die Frucht in Huͤlsen an. Wie voll, wie reich, wie suͤß, war alles, was man sah! An allen Enden war der Segen fern und nah. Pfleg’t sonst das gruͤne Laub die Kirschen zu verstecken; So sah man Kirschen itzt das gruͤne Laub bedecken. Die Baͤume waren rot, indem ein zartes Gruͤn Nur selten durch den funkelnden Rubin Der, sich selbst drengenden gehaͤuften, Kirschen schien. Wie gluͤht’ und glaͤnzte nicht die rote, glatte Haut Der aufgeqvoll’nen rund- und saft’gen Frucht? Zumal Wenn sie des Himmels Licht, der guͤld’nen Sonne Stral Bey heiterm Wetter traf, die runden Schalen schmuͤckte, Und ihr klein glaͤnzend Bild in deren Glaͤtte druͤckte! So lieblich prangeten die saͤurlich suͤssen Kirschen; Nicht minder war das Heer der Apricosen-Pfirschen- Und Aepfel-Baͤume voll. Wie herrlich sah es aus, Wenn man sie nicht, wie sonst, nur Stuͤck-nein Strauß- Und Trauben-weise zaͤl’te, Und, wegen ihrer Meng’, im zaͤlen doch noch fel’te! Man sah mit Lust auf manchem Baum Von Pyramiden-gleichen Birnen Sich Sich ganze Pyramiden thuͤrnen. Auch hier hatt fuͤr die Frucht das Laub fast keinen Raum. Wie mancher schwank- und zaͤher Ast Ward durch der schweren Kinder Last Nicht nur gebeugt; gebrochen und gespalten! Vor grosser Menge konnten kaum Der Qvitten- und der Feigen-Baum Die Birnen-foͤrm’gen Toͤchter halten. Wie unbeschreiblich voller Trauben Jm vor’gen Herbst der Weinstock war, Wird niemand leichtlich koͤnnen glauben, Da ich so gar, So daß nicht eine d’ran gefelet, Dreyhundert sechszehn Stuͤck’ an einer Reb’ allein, Jn meinem Garten selbst, gezaͤlet. Durch solche Fruchtbarkeit entstand Solch eine gute Zeit, daß sonderlich Die Armut es zu ihrem Trost empfand. So wolfeil war das Obst, das Korn, die Huͤlsen-Fruͤchte, Als sie fast nie gewest. Es kam zur Stadt mit Haufen. Man konnt’ an Kirschen mehr, als zwoͤlf Pfund am Gewichte, Um einen einz’gen Groschen kaufen. Fast funfzig Birnen, die recht schoͤn, Die kamen nur den halben Teil zu stehn. Ein Himpen Aepfel galt nicht mehr, als wenig Dreyer. Die Pfirschen kaufte man nicht anders, als bey Massen, Da selbst die Bauren sie, wie sonst die Pflaumen, assen; Die Apricosen auch und Trauben waren heuer, So wenig, als die Qvitten, theuer. II. Theil. E e Jn- Jnsonderheit war, zu der Armen Freude, Auf gleiche Weise das Getraide Sehr wolfeil, ja das Fleisch von Schwein- und Ochsen auch. Wie haͤufig war das Heu, der Kuͤh’ und Pferde Futter? Wie wolfeil Zucker, Milch, Mehl, Honig, Kaͤs’ und Butter? Wie es denn mehrenteils der Brauch, Daß alle Waren nach den Fruͤchten Sich meist mit ihrem Preise richten. Da GOtt Sich nun, daß wir Jhn moͤgten fassen, Bey uns nicht unbezeugt gelassen, Uns so viel Gut’s gethan, uns aus den Wolken Regen, Und solch ein fruchtbar Jahr voll Ueberfluß und Segen Von Weizen, Korn, von Oel und Reben, Von Gras, von Heu und Fleisch gegeben; Da GOTT auf wunderbare Weise Uns Geist und Leib erfuͤllt mit Anmut und mit Speise, Aufdaß die Menschen suchen sollen, Weil sie, wenn sie nur wollen, Jhn fuͤlen koͤnnen und Jhn finden; Da GOTT auf Bergen, in den Gruͤnden, Jn Luͤften, in dem tiefen Meer’, Jn Fluͤssen, Baͤchen, Seen so wol als auf dem Lande So vieler Creaturen Heer Zu unserm Nutz hervor gebracht; So waͤr’ es ja wol eine Schande, Wenn Menschen Seine Liebe, Macht, Und tiefe Weis heit nicht einst uͤberlegen sollten, Und, wilden Tieren gleich, nicht einmal denken wollten, Woher der Segen kommt, aus wem die Fuͤlle fliesst; Von Von wannen uns’re Dau’r und unser Heil entspriesst; Durch wen die Sonne stral’t, aus wem der Regen qvillet; Wer mit erspriesslichem, gesundem Narungs-Saft Die Fruͤchte, Kraut und Fleisch; ja wer mit Geist und Kraft Nicht nur die Erd’ allein, der Himmel Himmel fuͤllet. Was aber koͤnnen wir, o GOTT, Dir wieder schenken? Ach leider nichts, als nichts; denn Alles ist ja Dein. Ach laß aus Gnaden Dir denn doch gefaͤllig seyn Ein Ehrerbietiges und froͤhlichs Angedenken! Ach laß Dir doch, o HErr, mein Demut-volles Lallen Und diesen Lob-Gesang zum Neuen Jahr gefallen! O GOTT, wer ist, wie Du? Wo ist ein solcher GOtt, Als Du, unendlichs All, Du Herrscher Zebaoth, Der Du den Himmel schuf’st, und aller Himmel Heer, Der Du der Erden Kreis, Der Du das weite Meer, Nebst aller Creatur, so man darinnen findet, Bloß durch ein einzigs Wort gebauet und gegruͤndet, Der Du der wilden Flut den leicht- und schwachen Sand Zum Riegel vorgeleg’t, Der Du zu ihr gesprochen: Nicht weiter sollt du gehn; An diesem duͤrren Strand Sey deine schwere Macht gebrochen! Es soll sich hier das wuͤtende Bewegen Von deinen stolzen Wellen legen! Allgegenwaͤrtiger, doch unsichtbarer Geist, Jn welchem alles ist, aus welchem alles fleusst, Ohn’ Anfang, sonder End selbststaͤndigs ewigs Leben, Jn Dem wir leben, sind und weben; Der Du die Creatur, so Du geschaffen, liebest, Der Du die Sel’ erhaͤlt’st, dem Leibe Speise giebest, E e 2 Der Der Du auf Wolken faͤhrst, und auf den Winden gehst, So Arm’ als Reiche machst, erniedrigst und erhoͤhst, Vernichtigest, beschaͤdigest und heilest, Den Koͤnigen das Reich bald nimmst und bald erteilest: Gericht und Regiment, Gerechtigkeit und Recht Verwaltet man durch Dich. Fuͤrst, Bauer, Herr und Knecht Sind alle gleich vor Dir. Es faͤllt kein einzigs Har Von unserm Haupt’, o GOtt, zur Erd’ ohn Deinen Willen. Die Thronen, die Gewalt, und aller Engel Schar Sind, HErr, Dir unterthan, und fertig zu erfuͤllen Was Du befielst und willt. Der Sonnen Glanz und Licht, Des Mondes Gegen-Schein erleuchteten uns nicht, Falls Du es nicht befoͤl’st. Nur Du erteilst allein Dem ungezaͤl’ten Heer der Sterne Glanz und Schein, Fuͤll’st die Unendlichkeit mit solchen Coͤrpern an, Daß kein erschaff’ner Geist, kein Witz sie zaͤlen kann. Luft, Erde, Finsterniß, Licht, Nebel, Frost und Hitze, Dampf, Feuer, Hagel, Schnee, Sturm, Wasser, Donner, Blitze Sind Diener Deines Winks. Von und in Ewigkeit Jst Dein gewaltigs Reich. Du bleibest allezeit Jn unveraͤnderlich- und sel’ger Ruhe stehen. Die Himmel aͤndern sich, die Erde wird vergehen; Sie werden alt, recht wie ein Kleid. Die unumschrenkte Kraft der Allmachts-vollen Haͤnde Kann sie, wenn sie sich aͤndern sollen, Wie ein Gewand zusammen rollen; Du aber bist und bleibst: Dein Wesen hat kein Ende. Du bist die Weis heit selbst, unendlich an Verstand, Der Der Sonnen Sonn’ und HErr, des Lichts selbststaͤndigs Licht. Was in der Erden Grund, ins Himmels Hoͤh geschicht, Und in des Meeres Tief’, ist Dir allein bekannt. Du siehst die Menschen an von Deinem heil’gen Thron’, Und schauest auf ihr Thun, du weist, worauf sie sinnen. Dein all-durchdringend Aug sieht unser Herz von innen, Ja, eh man noch gedenkt, weiß es der Schoͤpfer schon. Du kennest unsern Gang, du pruͤfest Puls und Nieren; Dein liebend Vater-Herz ist uͤberall zu spuͤren; Dein Mitleid, Deine Gnad’, Huld und Barmherzigkeit, Die ewiglich ohn’ End’ auf alles sich erstrecket, Durchdringet und umgiebt, erfuͤllet und bedecket Die Werke Deiner Hand. Du heilst der Wittwen Leid; Du bist der Armen Trost, ein Vater aller Waysen, Und Richter ihrer Sach’. Ach moͤgt’ ich Deine Macht, Huld, Liebe, Majestaͤt und Weis heit ewig preisen! Es flammet bloß durch Dich in einer heitern Nacht Das funkelnde Gestirn, die sonderbare Pracht Des tiefen Firmaments, das sonder Ziel und Grenzen. Die Sonnen, die darin, als waͤren’s Sterne, glaͤnzen, Sind Coͤrper, die an Groͤss den grossen Kreis der Welt Teils zehn-teils tausendmal (o Wunder!) uͤbergehen. Die hast Du, Grosses All! gemacht und hingestellt. Aus ihrer Groͤss’ und Zal Kann man, wie groß Du selbst, am allerklaͤr’sten sehen. Daß die Geschoͤpfe sich so wenig fassen lassen, Daraus muß man ja wol, daß Du nicht zu verstehen, Und nicht zu fassen seyst, am allerbesten fassen. Jndessen dank’ ich Dir, unendlichs ewigs Wesen, E e 3 Daß Daß Du doch meiner Sel so grosse Gnad’ erzeigt, Da sie, daß Deine Groͤss’ unendlich hoͤher steigt Als Mensch und Engel denkt, kann uͤberzeuglich lesen Jn Deiner Creatur. Es spuͤret mein Gemuͤte, Daß Deine wahre Groͤss’ und Wesen nichts als Guͤte, Dein Wollen Liebe, sey. Vollkomm’ne Lieb’ allein Kann Vollenkommenheit in einer Gottheit seyn Nach menschlichem Begriff. Dieß mehrt die Zuversicht Jn einer frommen Brust, daß Deiner Liebe Licht, O GOTT, auch meine Lieb’ in mir auf dieser Erde, Und dort je mehr und mehr zu Dir entzuͤnden werde. O meiner Augen Kraft und Licht, wodurch ich sehe, Daß ich in Dir allein, und bloß durch Dich bestehe, O unermesslichs Gut! laß mich ein Werkzeug seyn, Wodurch Dein Wunder-Nam’ und Deiner Gottheit Schein Geehret werden moͤg’! Ach fuͤlle meine Brust Mit Deinem Freuden-Geist! Ach laß in Deinen Werken Mich mit betrachtender und reiner Selen-Lust, HErr, Dein’ Allgegenwart empfinden, sehn und merken! Es sey so Herz als Mund stets Deines Ruhmes voll, Zumal zu dieser Zeit! Ach laß mich Deinen Segen, Den Du im vor’gen Jahr auch mir geschenkt, erwegen! Was hab’ ich, Grosser GOtt, bey’m allgemeinen Wol, Auch fuͤr besonders Gut von Deiner Hand empfangen? Es ist, was ich begann, begluͤckt von statten gangen. Du segnetest mein Amt, Du kroͤn’test meinen Stand, Beschirmetest mein Gut fuͤr Wasser, Raub und Brand. Mein liebster Eh-Schatz leb’t vergnuͤgt und wol. Nicht minder Sind Sind alle mir von Dir bescher’te liebe Kinder An Sel’ und Leib gesund. Wie manche Lust Empfand an ihrem Scherz und kindischen Gewuͤle, Doch mehr noch, weil sie sich je mehr und mehr dem Zielt Der Gottesfurcht und Kunst sich nahen, uns’re Brust! Ach, laß sie mehr und mehr die Laster-Brut besiegen! Floͤss’ ihnen Deinen Geist, den Geist der Weis heit, ein! So werden sie Dir hier und dort gefaͤllig seyn. Mein einst verfertigt Buch, das irdische Vergnuͤgen Jn GOtt, ist, o mein GOtt, zu Deinem Ruhm’, aufs neu’ Jm abgewich’nen Jahr vermehrt ans Licht gekommen. Verleihe, Grosses All, daß vieles vielen Frommen Von jenem himmlischen ein suͤsser Vorschmack sey! HErr, nimm den Dank von mir in tiefster Ehrfurcht an, Daß Du mir Deine Gnad’ und Huld dazu gegeben, Weil keiner ohne Dich was Gut’s verrichten kann, Und laß mich ferner so zu Deinen Ehren leben! Unendlich reicher GOtt, Du Geber aller Gaben, Laß nebst den Meinigen auch mich gesegnet seyn Jm angetret’nen Jahr’! Ach laß mich Dich allein Jn meinem Amt so wol, als sonst, vor Augen haben, Und Dein’ Allgegenwart zu aller Zeit bedenken! So wirst Du, was uns nuͤtzt, aus Gnad’ uns ferner schenken. E e 4 Die Die durch die Betrachtung des Menschlichen Nichts verherrlichte Groͤsse GOttes. Auf das Neu-Jahr 1725. E s drehet sich nunmehr der Erden starre Flaͤche, Die von der Qvell des Lichts bisher gewichen war, Der Sonne wieder zu. Es faͤngt ein Neues Jahr, GOtt gebe gluͤcklich! an. Jch denke, schreib’ und spreche Mit Lust zu dieser Zeit von Dessen Wunder-Macht, Der aller Himmel Heer aus Nichts hervor gebracht, Der sie beweg’t, beleb’t, versorg’t, erhaͤlt, regieret, Der sie unwandelbar, in stiller Majestaͤt, Jn einer regen Ruh’ und solcher Ordnung fuͤhret; Daß keines, um ein Har, aus seinen Schranken geht. Die Ordnung, voller Macht und Weisheit, zwinget mich, Die Ordnungen, die auch im Jrdischen sich weisen, Mit Demuts-voller Lust zu loben und zu preisen, Als welche gar zu hoch und zu verwunderlich. Unendlich-grosser GOtt und Schoͤpfer, HErr der Tage, Du Kreis und Mittel-Punct der Zeit! Du hell- und dunk’le Qvell der tiefen Ewigkeit, Vernimm mit Vater-Huld, was ich, Dein Kind, Von Deinen lieblichen und weisen Wegen sage, Die unerforschlich zwar und unbegreiflich sind, Die sich vom Menschlichen Verstande zwar nicht fassen, Und nicht ergruͤblen; nein, nur bloß bewundern, lassen. Mich Mich treibet meine Pflicht, mit Andacht nachzudenken, Ob nicht der Menschliche Verstand dahin zu lenken, Daß er ohn Wider-Sinn und Murren fassen lerne, Wie es von Billigkeit und Recht sich nicht entferne, Ob man gleich oftmals sieht, daß es in dieser Welt Den Boͤsen meistens gut, den Frommen uͤbel, gehe; Wie gottlos folglich sey, wenn mancher gar daher Erbaͤrmlich folgern will, als wenn kein GOtt nicht waͤr, Daß alles auf der Welt bloß durch ein Ungefehr, Daß nichts durch GOttes Macht und weisen Raht, geschehe. Wenn mancher also denkt: Wie geh’ts auf Erden zu? Betrug und Bosheit herrsch’t, die Tugend wird gedruͤcket. Wenn sich die Froͤmmigkeit als Sclavinn, ohne Ruh, Mit trocknem Brodt kaum lab’t, mit Wasser kaum erqvicket; So schwimm’t die Tyranney in einem Wollust-Meer, Gesegnet und gekroͤn’t mit Reichtum und mit Ehr’. Jst nicht das Geld Unwidersprechlich itzt ein Herr, ein Gott der Welt? Die Armut ist allein, kein Laster, eine Schande. T .., der der groͤste Schelm und Dieb im ganzen Lande, Regiert des Fuͤrsten Hof. Er druͤck’t, er press’t, er plag’t, Was fromm und redlich ist. Er qvaͤlet, er verjag’t Das, was nicht lasterhaft. Berauben, Blut-vergiessen, Jst ihm ein Kinder-Spiel. Der Wittwen Thraͤnen fliessen Vergebens uͤber ihn. Der Unterthanen Schweiß Bethaut und duͤngt sein Feld. Jhr aͤngstlich-bitt’rer Fleiß, Jhr Hunger naͤhret ihn Wit Kummer-vollem Weh und taͤglichem Bemuͤhn. Sein Fuͤrst glaubt der verdammten Lehre, E e 5 Die Die T … ihm beygebracht, als wenn auf dieser Welt Das Volk allein des Fuͤrsten halber waͤre; Nicht aber, wie es sich doch in der That verhaͤlt, Daß jeder Fuͤrst der Unterthanen wegen Sein Amt empfangen hab’. Ach moͤgte nur allein Sein Fuͤrst auf dieser Welt die Teufels Meynung hegen! So aber ist die Lehr’ anitzt fast allgemein; Und dieses ist die Qvell, woraus ein Jammer-Meer Auf alle Menschen fliesst. Koͤnnt’ es nun aͤrger gehen, Und wuͤrd’ auf dieser Welt mehr Frevel fast geschehen, Mehr Ungerechtigkeit, wenn durch ein Ungefehr Die Welt regieret wuͤrd’? Jch muß noch etwas sagen Von Ungluͤcks-Faͤllen sonst und unverseh’nen Plagen: Wie sehr betruͤb’t uns nicht der Elementen Wut! Wie grausam stuͤrzet oft die raͤuberische Flut Uns in den Armuhts-Pful? Frisst Hunger, Pest und Brand Nicht oft ein ganzes Land? Wie mancher ist wol eh’ als wie ein Dieb gehangen, Der keinen Diebstal je begangen, Und dessen Unschuld erst, nachdem sie umgebracht, Ans Licht gekommen ist! Vergiesst des Krieges Wut Nicht sonder Unterschied unschuld- und schuldigs Blut? Koͤnnt’ es fast aͤrger gehn, wenn durch ein Ungesehr Der Kreis der Welt regieret waͤr! Deßgleichen Urteil wird ja, leider! oft gefaͤllt, Und weil so gar oft fromme Selen Sich mit so leidigen Gedanken qvaͤlen; Hab’ ich mir itzo vorgestellt, Und neme die Gelegenheit, Um Um meinen GOtt zu preisen, Die Uebereilungen und Ungerechtigkeit Von solchen Schluͤssen klar zu weisen. Um nun zu diesem Zweck am sichersten zu kommen, Hab’ ich fuͤr dieses mal mir vorgenommen, Zuerst der Menschen Nichts in Demut einzusehn, Weil aus dem eit’len Stolz und aufgeblas’nen Wesen Die ungerechten Schluͤss’ und Folgen meist entstehn, Ob waͤren viele Ding, die auf der Welt geschehn, Hart, grausam, ungerecht. Ach moͤgten, die es lesen, Von dieser Wahrheit doch recht uͤberzeuget seyn! So wuͤrden sie von mancher Selen-Pein, Die sie mit Schwermut plag’t, verhoffentlich genesen. Das Laster, so vorhin den Engel Luciser Besessen und gefaͤllt; der Stolz, der Adam stuͤrzte, Da er sich wuͤrdig hielt, zu seyn, wie GOtt der HErr, Wodurch er Eden misst’, und sich das Leben kuͤrzte, Herrsch’t noch in uns’rer Brust, steckt noch in unsern Luͤsten. Wir fuͤhren uns im ganzen Lebens-Lauf Wahrhaftig fast nicht anders auf, Als haͤtte GOtt, beym Regiment der Welt, Uns Jhm zur Huͤlfe zugesellt; Als wenn wir besser fast, wie GOtt, zu herrschen wuͤsten. Aus welcher Qvell kann nun so grober Jrrthum kommen, Als daher, weil von GOtt so elend und so klein Die Menschlichen Jdeen insgemein, Und weil wir von uns selbst so straͤflich eingenommen. So elend und so klein Wir arme Menschen al le seyn; Ver- Vergessen wir uns doch so sehr, daß wir allein Nach unserm Nutz und Witz die Dinge, die geschehen, Beurteln und besehen. Kein armes altes Weib, das bey der Waͤsche stehet, Jst so veraͤchtlich, tumm und elend, daß sie nicht Auf ihr Verdienst bey GOtt so feste Zuversicht, So steife Hoffnung setzt: wann’s regnet, oder wehet, Und sie schoͤn Wetter braucht; es werde Sturm und Regen Um ihrent willen schon zu rechter Zeit sich legen. Was Wunder, daß so dann, wanns etwan anders faͤllt, Und wann der taube Nord den heisern Ton nicht hoͤret, Sie sich voll Widrigkeit und Gram, nicht g’nug geehret, Und, sonder ihrer Schuld, von GOtt verachtet haͤlt? Da doch, wofern sie das, warum sie bittet, wuͤste; Sie selber finden wuͤrd, daß selbst die ganze Welt Um ihre Waͤsche sich verdrehn und aͤndern muͤste. Du lachst vielleicht, mein Leser; aber hoͤre! Wie wenn es etwan auch mit dir nicht anders waͤre? Wie wenn ich auch bey dir so heil’ge Einfalt spuͤr’te? Wie wenn ich dich allhie mit Wahrheit uͤberfuͤhrte, Daß du, und zwar gar oft, den Waͤscherinnen gleich, An Witz und Wissen arm, an Eigen-Liebe reich, So wunderliches Zeug, wie sie, von GOtt begehrest, Und eben so, wie sie, wanns felet, dich beschwerest? Da dein Verdienst jedoch und dein Verstand so klein, Daß fast die Thiere selbst in vielem kluͤger seyn, Als wie die Menschen sind. Dich deß zu uͤberfuͤhren, Wird mir allhier so leicht seyn, als gebuͤhren. Zu mehrer Deutlichkeit Will Will ich, geliebter Freund, dich selber fragen, Und du wirst, ohne Zank und Streit, Schon offenherzig g’nug mir deine Meynung sagen. Was bist du, lieber Mensch? Du sprichst in deinem Sinn: Jch bin das herrlichste Geschoͤpf, ein Herr der Erden, Der Creaturen Fuͤrst und ihr Monarch. Jch bin Das vollenkommenste, so die Natur ließ werden. Jndem in meinem Geist, der gut und boͤses kennet, Die Fackel der Vernunft in hellen Stralen brennet; Beleucht’ ich alle Ding’: Jch unterscheid’, erwaͤge, Verbessre, rechne, schreib’, erfind’ und uͤberlege, Was nuͤtz- und schaͤdlich sey. Jch bilde, schmuͤcke, ziere, Jch male, messe, bau’, ich zwinge, leit’ und fuͤhre Die Elemente selbst. Gewiß, dieß klinget schoͤn, Und wenn wirs recht besehn; Bild’st du dir von dir selbst dieß alles wuͤrklich ein: Es fel’t nicht viel, du glaͤub’st ein kleiner Gott zu seyn. Doch, worauf fussest du so uͤbermuͤt’ge Schluͤsse, Daß alles, was du denk’st, sich so verhalten muͤsse? Erlaube, daß ich dich ein wenig in der Naͤhe, Was du denn eigentlich doch seyst, mit Ernst besehe! Du wirst gebohren, leb’st und stirbst. So auch ein Thier; Ja viele gehn dir noch an Daur und Leben fuͤr. Du issest, trinkst und schlaͤf’st. Ein Thier so wol als du Jsst, trinket und geniesst des Nachts der sanften Ruh. Du zierest deinen Leib mit manchem schoͤnen Kleide. Sie sind oft schoͤner noch, als du, gezieret. Schau Des Tiegers bunten Pelz, schau den so schoͤnen Pfau! Zudem so geben dir die Thiere Woll’ und Seide. Mit Mit deiner Weber-Kunst wirst du nicht viel gewinnen, Weil Thiere ja so gut, als du, und besser spinnen. Schau’ eine Spinn’! Ein Wuͤrmchen wirk’t und web’t Mit groͤss’rer Kunst, als du. Es baut der Mensch Pallaͤste Zur Sicherheit so wol als zur Beqvemlichkeit. Sprich: Trifft man alles dieß in einem Vogel-Neste Nicht mit Verwund’rung an? Ein kleiner Schnabel bau’t, Was man nicht sonder Lust, nicht ohn’ Erstaunen schau’t, Ohn’ Hand und Werkzeug auf. Noch mehr, die kleinen Bienen Die werden staͤrker noch zur Ueberzeugung dienen, Daß alles, was ein Mensch an Bauwerk je gestift’t, Kaum ihrem Bau sich gleicht, und ihn nicht uͤbertrifft. Es kann der kluge Mensch die Schiffahrt so bestellen, Daß er in Sicherheit das tiefe Reich der Wellen Durchreiset und zerteilt. Das ist zwar wahr; allein, Daß Gaͤns’ und Endten noch dazu geschickter seyn, Vernein’st du ja wol nicht. Die Voͤgel aber fliegen, Und schiffen durch die Luft, durchstreichen mit Vergnuͤgen Und sonder alle Muͤh den Kreis der untern Welt, Das dir mit aller Kunst durchaus unmoͤglich faͤllt. Jch sorg’ aufs kuͤnftige; ich sammle reiche Schaͤtze. Wie wenn ich dir hierauf der Ameis’ Arbeit, Fleiß, Und kluge Sorg’ entgegen setze? Was meyn’st du, wem gebuͤhrt von beyden wol der Preis, Da sie nicht, so wie du, bloß in den Ueberfluß Und in dasjenige, was sie nicht braucht, vernarret; Da sie ihr noͤtig Korn bloß sammlet zum Genuß; Da sie nicht so, wie du, bloß um zu scharren, scharret? Mich deucht, du faͤhrest fort: Kein Thier gedenk’t; ich denke. Ja Ja das ist wahr, du denk’st. Allein was denkest du? Viel unnuͤtz boͤses Zeug. Wenn ich mein denken lenke Aufs Vieh; so schreib’ ich ihm zwar nicht solch denken zu, Als wie das deinige. Es denket nicht so viel, So mancherley, wie du; allein von seinem Ziel Entfernt sich keines so. Das, was man Triebe nennet, Jrr’t weniger, als das, was dein geschwoll’ner Geist Selbst Schluͤsse der Vernunft und sich’re Folgen heisst, Da ja der kluͤg’ste Mensch fast nichts recht gruͤndlich kennet. Der Mensch erinnert sich deß, was er einst gethan. Das wird ja, sagest du, gewiß den Thieren fehlen. Ach nein: ich koͤnnte dir von Hunden viel erzehlen; Denn wuͤrklich, was bey dir, geht auch bey ihnen an. Wie viel Vergnuͤglichkeit, wie viel Veraͤnderung Hat nicht der kluge Mensch? Der Lust Verwechselung Gibt uns ja wol mit Recht ein Vor-Recht uͤber sie. Allein laͤsst nicht ein Vieh Hingegen eine Ruh’ und eine sanfte Stille Jn allem seinem Thun verspuͤren? Jst sein Wille Durch wilde Leidenschaft, wie dein Gemuͤt, geplag’t? Die Ruhe, die bey euch kein Philosoph’ erjag’t, Besitz’t es ohne Muͤh’, und die Gelassenheit, Die auch dem kluͤg’sten fel’t, vermindert ihm sein Leid. Ey, faͤhr’st du weiter fort: da ich die klugen Thiere Bezwingen, fangen kann, sie straf’ und sie regiere; So muß ich ja viel mehr und kluͤger seyn, als sie. Gefel’t! weil sonst ein Hecht, ein Habicht und ein Baͤr Viel besser, als ein Pferd, ein Lachs, ein Feld-Hun waͤr: Ja, ginge dieser Schluß, den du hier machest, an; So So waͤr’ ein Araber, ein Raͤuber, ein Tyrann Noch besser, als ein Mensch. Willt du noch weiter gehen, Und sprechen: Weil wir doch fast mit erstannen schen Wie manches schoͤne Werk der Mensch erfunden hat; So zeigt sich ja von selbst sein Vorzug in der That. So sag’ ich nein. Du hast auch hier nicht uͤberwunden. Durch alles, was der Mensch bisher erfunden, Sind wir von ihnen doch so weit noch nicht entfernt, Da wir das mehreste den Thieren abgelernt. Hieruͤber muß ich ja von Herzen deiner lachen, Sprichst du: kann denn ein Vieh, wie wir, auch Uhren machen? Nein, dieses eben nicht. Doch hoͤre nur! Sie sind noch witziger, als du, mit deiner Uhr. Es zeigt die Uhr vielmehr ein’ Unvollkommenheit. Sie wissen sonder Uhr und Zeiger ihre Zeit. Noch sprichst du: Singet denn und machet auch ein Thier Erbauliche Gedicht’ und Verse, so wie wir? Nicht eben solcher Ahrt; allein das suͤsse Schallen Der lieblich-singenden beliebten Nachtigallen, Die auf so manche Weis’, als du der Lettern Menge Veraͤnderst, ihren Ton veraͤndern; sollt’ es nicht Zu ihres Schoͤpfers Ruhm ein singendes Gedicht Mit Recht zu nennen seyn? Daß wir es nicht verstehen, Beweiset nicht so sehr ihr Nichts, als uns’re Schwaͤche, Und zeiget uns’re mehr, als ihre, Schwachheit an; Da jedes Thier ja sonst von mir auch denken kann: Jch waͤre tumm. Warum? Es weiß nicht, was ich spreche. Ein Mensch versteht der Zalen wehrt. Wir Wir rechnen; welche Kunst! Kann dieses auch ein Vieh? Nein, und dennoch sind wir kaum so gelehrt Mit aller Wissenschaft und Rechnung, als wie sie. Ein Storch weiß seine Zeit, und rechnet seine Stunde: Und uͤberdem, wir wissen nicht einmal Die Wunder-Tief’ und Hoͤh der Zalen aus dem Grunde; Wir wissen nicht den Schluß noch Anfang einer Zal. Die schliessen ja fuͤr dich was unbegreiflichs ein, Da schon in einem 1. die Teil’ unendlich seyn. Wird nicht von uns’rem Witz begriffen und gefasst Manch Handwerk, manche Kunst? Auch dieß ist wahr; allein Erwege doch die Last, Die Arbeit, Plage, Muͤh, den Schweiß, den Gram, die Sorgen, Den Kummer und Verdruß, Die mancher Handwerks-Mann vom Abend bis zum Morgen, Bloß um ein Bißgen Brodt, bestaͤndig dulden muß, Und ob auf solche Weis’ ein Thier Ohn’ Handwerk, sonder Kunst, nicht gluͤcklicher, als wir! Der Mensch ist ja gelehrt. Wir haben Professores In omni scibili, Philosophos, Doctores. Wir untersuchen ja die Wirkung der Natur, Ergruͤnden ihre Kraft, und kommen auf die Spur Von ihrer Heimlichkeit. Sind das nicht Wunder- Sachen? Vortrefflich, wunderbar! Nur eines fel’t daran, Daß keiner nicht einmal dir recht erklaͤren kann, Was Feu’r, was Wasser sey. Jch muß von Herzen lachen, Daß die gelehrte Welt sich selbst so sehr erhoͤht, II. Theil. F f Da Da sie von der Natur und allen ihren Wegen Die Ursach nicht, nicht einst das A B C versteht, Wie ihre Widerspruͤch’ es selbst vor Augen legen. Noch eins: was jedes Thier am Guten einzeln hat, Das hat der Mensch nicht nur in einem hoͤhern Grad; Er hat nicht nur den Trieb, den Geist, die Faͤhigkeiten, Und alle Thierische Vollkommenheiten Jn ihm allein vereint, nein noch viel mehr dazu. Es ist auch dieses wahr; allein wie braucht er sie? Wird auch von einem Thier, wird auch von allem Vieh Dem Menschen so viel Plag’ und Schaden zugefuͤget, Als wie vom Menschen selbst? Kaum ist ein Wolf so wild, Kaum ist ein frecher Baͤr mit solcher Wut erfuͤllt, Als Menschen, die sich selbst zerfleischen und zerreissen Durch Pulvec, Stal und Bley, weil ihnen die Natur So Klau’ als Zahn versag’t. Mein, uͤberleg’ es nur! Wie wuͤrdest du den Krieg ergrimmter Katzen heissen, Wenn du in einem Thal durch Beissen und durch Kratzen Die todten Aeser saͤhst von funfzig tausend Katzen? Wie man doch leider oft gesehn, Daß es mit grossem Mut und grossem Ruhm geschehn Vom menschlichen Geschlecht’. Jch schweige vom Betriegen, Vom Stolz, vom Neid’ und Geiz, Verraͤterey und Luͤgen. Wollt’ ich die Menschen so, wie du, beschauen; Moͤgt’ einem Menschen ja fast vor den Menschen grauen. Doch hoͤr’ ein einzigs noch, wodurch dein harter Schluß Ob waͤr der Mensch so schlecht, gewiß sich aͤndern muß, Weß du dich, gegen ihn zu schreiben, auch erkuͤn’st. Wie groß auch gleich die Gleichheit zwischen beyden; Wird Wird die Religion uns dennoch unterscheiden. Sprich: haben denn die Thier’ auch einen Gottesdienst? Nein: dennoch ehren sie die Gottheit nach der Weise, Die ihnen eingepflanzt, ohn’ allen Zank und Streit, Verfolgung, Ketzerey. Sie leben, Jhr zum Preise, Jn Einfalt und Gelassenheit. Bis hieher geht jedoch, was ich mir vorgenommen, Zu zeigen den Vergleich mit dir und Thieren, nur, Und wuͤnsch’ ich, daß du doch dadurch magst auf die Spur Zur wahren Ehr’ und Ruh, durch wahre Demut, kommen. Du wirst erkennen koͤnnen, Da du so wenig taugst, da du so wenig bist, Daß du auch nichts verdienst, daß, was dir GOtt zu goͤnnen Dich noch gewuͤrdigt hat, nur bloß ein Merkmal ist Von Dessen Lieb’ und Huld, Der weiser, besser, Unendlich herrlicher und groͤsser, Als du mit Sel’ und Leib: daß du ja tausendmal Noch ungluͤckseliger, zernag’t von groͤss’rer Qval Mit Recht noch koͤnntest seyn. Jst GOtt dir etwas schuldig? Es koͤmmt ja dir Nicht einmal ungerecht, nein unanstoͤssig, fuͤr, Ob du gleich glaubst, daß der Verdammten Pein Wird ewig und unleidlich seyn: Hier aber auf der Welt, So bald dir etwan Ehr’ und Geld, Wie oder sonst was felet, So bald ein kurzer Schmerz dich etwa qvaͤlet; Vermeynest du, daß dir zu nah geschehe, Ob du dich gleich nicht hier wirst ohne Suͤnde nennen, F f 2 Auch Auch folglich dich nicht frey von Strafe schaͤtzen koͤnnen. Ja, sprichst du, weil ich gleichwol sehe, Daß vielen, die weit aͤrger noch, als ich, Es doch weit gluͤcklicher, als mir, ergehe; Murr’ ich mit Recht, und aͤrg’re mich. Allein, koͤmmt dir denn nie der Vorwurf in den Sinn: Wie⸮ siehst du darum schel, daß ich so guͤtig bin⸮ Da dein so kleines ganz in solchen engen Schranken Sich eingeschlossen sieht, und sich fast selbst nicht find’t; Auf, fasse denn von GOtt auch andere Gedanken, Als du bisher von Jhm, durch Eigenliebe blind, Durch Hochmut aufgebleht, geheget! Sey nicht, so wie vorhin, nur voll von dir allein! Reiß ein, und stuͤrze doch so Tempel als Altar, Der deinem Goͤtzen Jch bisher geheiligt war, Voll edlen Eifers, um, und laß der Selen Triebe Nur Dem gewidmet seyn, Der nicht nur dich und etwan hier die Welt, Nein aller Himmel Heer, erschaffen und erhaͤlt; Der die Unendlichkeit mit Seiner Weisheit fuͤllet; Aus Dem das kuͤnftige, nebst dem vergang’nen, qvillet; Der alles sieht und weiß, Der Herz und Nieren kennt, Der aller Creatur, aus Liebe, Gutes goͤnnt! Versenke dich in Jhm, und tad’le ferner nicht, Wenn etwan etwas auf der Welt Das du nicht fassen kannst, und das dir nicht gefaͤllt, Wanns dich betrifft, geschicht. Mit welchem Recht will doch ein Mensch, dem nichts gehoͤr’t, Der selber nichts ist, und nichts wehrt, Sich Sich etwas, das geschicht, zu tadeln unterstehen, Da nichts geschehen kann, was nicht vorher versehen? Heisst dieses nicht, das Nichts der Menschen ganz vergessen, Wenn wir des Schoͤpfers Geist nach unserm Geiste messen? Da die Gerechtigkeit der Menschen, wie ein Kleid, Das ganz besudelt, ist; kann die Gerechtigkeit Des Allerhoͤchsten, die allein Vollkommen heilig ist, damit verglichen seyn? Aus dieser Hochmuts Qvell entspringt und kommt ein Meer Von Ungeduld und Bosheit her. Denn waͤr die Menschheit uͤberfuͤhret, Daß GOtt auf and’re Weis’ und zwar mit Recht regieret; So saͤhen wir gewiß mit mehr Gelassenheit, Die GOtt allein gefallen kann, Die Goͤttliche Gewalt, Macht, Liebe, Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Weisheit an. Denn daß ich dieß nicht weiß, Dieß eben stellet mir Zugleich in meinem Nichts das All der Gottheit fuͤr, Und zeigt mir, daß kein Mensch, ein GOtt, den Zepter fuͤhret, Auch daß GOtt, als ein GOtt, nicht als ein Mensch, regieret. Denn, daß der Mensch von Dingen, die geschehen, Den Grund, Zusammenhang und Endzweck zu verstehen, Auch gar nach seinem Witz sie abzumessen sucht, Und folglich unrecht heisst, was er gleichwol nicht fasst, Jst des verfluchten Hochmuts Frucht. Verstuͤnden wir, warum die Dinge Auf Erden so und anders nicht geschehn, Und wie aus jenem dieß, aus diesem das, entspringe, F f 3 Ja Ja wozu jenes ausersehn, Wovon nach so viel tausend Jahren Der Endzweck erstlich zu erfahren, Wo, sag’ ich, wir an Wissenschaft so reich; So waͤr die Menschheit fast der Gottheit gleich. Drum huͤte dich, sey nicht ein and’rer Lucifer, Und wuͤnsche nicht zu seyn wie GOtt der HErr! Dieß find’ ich, wenn ich es mit Andacht uͤberlege: Des Schoͤpfers Wege sind nicht uns’re Wege. Kein’ Eul und Fledermaus, kein Maulwurf ist so blind, Als wie wir, im Vergleich mit GOttes Weis heit, sind, Die allenthalben ist; die das, was dein Verstand Ergruͤbelt und erkennt, erkennt und laͤngst erkannt, Das ew’ge Weis heits-Meer, worin der kluͤg’ste Geist, Ja aller Engel Witz, als wie ein Troͤpfgen, treibet. Da nun im weiten Meer’ ein Troͤpfgen sich nicht streubet, Und anders fliessen will, als wie die Tiefe fleusst; Mit welchem Rechte denn kann unser Witz verlangen, Daß der gewalt’ge Lauf des Wirbels der Natur, Den GOtt allein beweg’t, sich aͤndr’ in seiner Spur, Daß alles anders geh’, als es bisher gegangen? Weil aus Beqvemlichkeit er etwa lieber wollte, Daß es, wie GOtt will, nicht, nein anders, gehen sollte. Ja denke ferner nach: was wuͤrd’ aus dieser Erden, Sollt’ es nach jedes Wuͤnschen gehn, Fuͤr ein verwirrter Zustand werden! Unmoͤglich koͤnnte sie bestehn. Ein jeder wuͤrde ja, wie du, geehret, reich, Jhr wuͤrdet all’ einander gleich An An Macht und Wuͤrde seyn, und keiner dienen wollen. Es siehet jedermann Fast alles, was er sieht, nach seinem Nutzen an, Und keiner denkt von uns aufs ganze: keiner denket, Daß Der, durch Dessen Wink sich Zeit und Erde lenket, Unendlich weise sey; Daß Er von Ewigkeit auf alle Dinge sehe, Daß alles, was geschicht, in einer langen Reih’ Und gleichsam unzerteilt in einer Kette stehe, Wovon das Menschliche Gemuͤt Nicht den Zusammenhang der vielen Glieder sieht. Es felen ihm davon zu viel; daher sein Schluß Unwidersprechlich felen muß. Der aber sieht’s allein, Der alles, was vorbey, Was ist, was kuͤnftig koͤmmt, auf einmal deutlich schauet, Und folglich weiß nur Der, wozu das nuͤtzlich sey, Was allezeit geschicht, was Er zerbricht und bauet. O HErr, wenn man mit Ernst Dein’ Allmacht, Weisheit, Liebe, Die all’ unendlich sind, und die Du Selber bist, Mit unserm eitlen Nichts nur im Vergleich ermisst; So kann’s nicht anders seyn, man wird sich selbst nicht finden: Denn aller Creatur Verstand und Witz verschwinden, Und werden bey der Quell des ew’gen Weis heit-Lichts Zu Nacht, zu Finsterniß, zu Schatten und zu Nichts. Um die verborg’nen Weg’ ein wenig zu erklaͤren; So faͤllt mir itzt aus eines Weisen Lehren Ein nuͤtzliches Exempel bey. Derselbe schreib’t, wie folgt: ein frommer Pilgrim sey Auf einem Berg’ einmal mit beten und mit lesen F f 4 Be- Beschaͤfftiget gewesen, Woruͤber er auch einst auf die Gedanken kommen, Wie es doch in der Welt so wunderlich, So unbegreiflich mit den Frommen Und ihrem Gluͤcke stehe; Wie oft im Gegenteil es Boͤsen gluͤcklich gehe! Hieruͤber siehet er Von ungefehr Vom Berg’ herab auf eine Stelle, Wo eine reine Wasser-Qvelle Aus duͤrrem Sand’ entsprang. Zu dieser naͤhert sich ein Reuter, steigt vom Pferde, Trinkt, schwingt sich wiederum aufs Pferd, und reitet fort. Ein Juͤngling koͤmmt darauf an diesen Ort, Trifft einen Beutel auf der Erde Voll Gold mit Freuden an, den der Soldat verloren. Den nimmt er mit sich fort. Ein alter Greis, Der kaum vor Muͤdigkeit, vor Alter und vor Gram, Den krummen Leib zu tragen weiß, Und bald vor Durst verschmachtet waͤre, kam Nachher und setzte sich, um etwas auszuruhn. Der vorige Soldat, Der seinen Schatz verloren hatt, Kehr’t, ihn zu suchen um, und fraget Den Alten, wo sein Gold. Der saget: Jch habe nichts gesehn. Als meiner Unschuld Zeugen Ruf’ ich den Himmel an. Allein Der Reuter, der hievon nichts glaubte, ward so gleich Vor Grimm und Eifer bleich, Und Und spaltet’ ihm den Kopf. Kann dieses moͤglich seyn, Kann dieß, was ich gesehen, Mit der Gerechtigkeit des Schoͤpfers wol bestehen? Rief unser Heiliger vor Schrecken. Aber bald Vernam er eine Stimm, die sag’te: Lieber, halt! Verwundere dich nicht, daß GOtt, Der alles weiß, Durch Seine Macht Solch einen Frevel nicht verwehre! Denn hoͤre: Es hat vordem der alte Greis Des Juͤnglings Vater umgebracht. Laß dieß Exempel dir doch ein Exempel seyn, Und glaube ganz gewiß, daß alles, was geschicht, Es sey und scheine dir so groß, so klein, So fremd, so wunderlich; kein’ Ordnung unterbricht, Die Der, Der alle Ding’ erschaffen und erhaͤlt, Der Creatur zur Richtschnur vorgestellt. Wo man von GOttes Weg’ ein’ and’re Meinung heget; So glaubet man suͤrwahr an keinen wahren GOtt. Denn Dem gereichet es gewiß zu keiner Ehre, Nein zur Verkleinerung, Verachtung und zu Spott, Wenn man, an Seiner Statt, ein albern Ungefehr Auch in dem kleinsten nur erkennen wollte. Wo waͤre GOtt sodann, wenn etwas anders waͤr, Das ohne GOtt was thun und lassen sollte? Spricht nicht die Bibel klar: Ohn GOttes Willen faͤllt kein einzigs Har Von euren Haͤuptern auf die Erde? Dieß ist ein grosser Trost, wenn man bedenket: F f 5 Durch Durch ein allmaͤchtiges, allweises Wesen werde Auch das, was boͤse scheint, zum guten Zweck gelenket, Weil Er das Hoͤchste Gut. Denn selber Schmerz und Pein, Die auf der Welt ja wol die groͤsten Plagen seyn, Sind, wegen ihrer Daur, so arg noch lange nicht, Als man sie glaubt zu seyn. Es ist die ganze Zeit Vom Anbeginn der Welt Nicht eine Stunde lang, wo man der Ewigkeit Die Zeit zur Seite stellt, Und die mit ihr vergleicht. Was gegen eine Stunde Der allerkleinste Teil der fluͤchtigen Secunde, Das ist des Menschen Zeit, mit jener Zeit verglichen, Noch lange nicht einmal. Wird nun die schwer’ste Pein, Wird auch die groͤste Qval, So je ein Mensch auf dieser Welt empfunden, Wenn man der Zeiten Folg’ erwaͤg’t, nicht leicht und klein! So gar gebrannte Wunden, Gicht, Podagra und Stein, Sind ja, so bald sie heil, verschmerzt. Dieß denk’ ein jeglicher, wenn etwa GOtt ihm Plagen Und Schmerzen aufgeleg’t! Er suche sie beherzt, Durch die Betrachtungen der kurzen Daur, zu tragen! Er denke, wie so leicht ein Schmerz, wenn er vorbey, Zu dulden sey! Doch deucht mich, hoͤr’ ich schon, daß mancher hierzu spricht: Der du die Lehren schreibst, du hast gut sagen, Jndem dir nichts gebricht. Du Du fuͤlest keine Pein und Plagen. Dich druͤcken Schimpf und Armut nicht. Wenn du in uns’rer Stelle waͤrest; So wuͤrde dir die Zeit gewiß so kurz nicht scheinen. Du wuͤrdest nicht, wie itzo, meynen, Es waͤre leicht, was du uns lehrest. Drauf sprech’ ich: Jhr hab’t Recht. Jch danke meinem GOtt, Daß weder Armut, Schimpf noch Spott, Noch Pein und Krankheit mich verletzen, Und ist es meine Schuldigkeit, Solch eine Gnade hoch zu schaͤtzen. Allein verarget mir doch nicht, Wenn auch bey einem solchen Segen Mein Mund von fremden Plagen spricht; Denn es geschicht So eur-als meinet wegen. Jch denke nicht in meinem Sinn, Daß ich des Guten wuͤrdig bin, Nein, daß GOtt bloß, weil’s Jhm beliebet, Mirs ohn Verdienst aus lauter Gnaden giebet. Jch denke nicht, daß Kummer und Verdruß Von mir stets ferne bleiben muß. Jch weiß, es kann im Huy geschehen, Daß Sturm- und Ungluͤcks-Winde wehen, Weßhalben ich, GOtt Lob! mich ja nicht uͤberhebe, Wol aber oft mit bangem Geist Das, was mir die Erfahrung weis’t, Mir zum Exempel gebe. Und fleh’ ich GOtt, den GOtt, Der alles kann, Um Um die zween Gaben taͤglich an; Sie sind auch eben itzt der Endzweck meiner Lehren. Ach GOtt! verleihe mir, zu Deinen Ehren, Jm Gluͤck’ ein frohes Herz voll froher Dankbarkeit, Und, wann es widrig geht, Gelassenheit! Man halte solches nicht geringe! Durch diese Tugend bloß allein Kann unser GOtt, der Schoͤpfer aller Dinge, Am herrlichsten verehret seyn. Es sag’ten ehemals die Heyden, Jhr Jupiter seh selber voller Frenden Des Cato standhaft Herz und tapfern Helden-Mut Recht mitten in dem Schutt, recht mitten in der Gluht Von seiner Vater-Stadt. Ob aber Eigensinn Und bitt’rer Haß nicht Cato mehr regieret, Als wahre Tapferkeit, stell’ ich dahin. Jndessen ist gewiß, und sind wir uͤbersuͤhret, Daß keiner GOtt in seinem Leben Ein suͤsser Opfer koͤnne geben, Als eine gaͤnzliche Gelassenheit, Die sich nach aller Moͤglichkeit Aus Ehrfurcht-vollem Triebe Geduldig, still, Auf GOttes Weisheit, Macht und Liebe Allein verlaͤsst und stuͤtzt. Wer GOtt verehren will, Muß wenigstens von Jhm so viel Erkenntniß haben. Denn hierin nur allein besteht Sein wahrer Preis: Daß ER Ein solcher Geist, ein solcher GOtt und HErr, Der Der alles Gute kann, der alles Gute weiß, Der alles Gute will, Der Sein Geschoͤpfe liebet. Denn es ist alles gut, Was GOtt, die ew’ge Quell des ew’gen Guten, thut. Kommt es dir anders fuͤr; so denke, wer du bist, Und wer Derjenige, Der alles wirket, ist! Dich wirst du eitel, tumm, schwach, elend, voller Suͤnden; Jhn aber ewig, weis’, allmaͤchtig, liebreich sinden. Wenn du dieß uͤberzeuglich glaubest, Wie beydes deine Schuldigkeit; So weiß ich, daß zu keiner Zeit Du ferner, wie vorhin, des Schoͤpfers Ehre raubest, Die darin bloß, so viel an dir, besteht, Daß man von GOtt, wie es auch immer geht, Weil Er es allezeit zum Besten lenket, Auch allezeit das Beste denket. Das Beste nun ist dieß: recht uͤberzeuget seyn, Daß alles gut, Was die selbst-staͤnd’ge Lieb’ und ew’ge Weisheit thut. Befleissige dich denn ins kuͤnftige darauf Jn deinem ganzen Lebens-Lauf, Dasjenige, was GOtt thut, gut zu finden! Dieß ist ein Gottesdienst. Hiedurch wird GOtt geehrt Weit mehr, als wenn man selbst will alle Ding’ ergruͤnden, Weit mehr, als wenn man sich allein, Um selig dort und hier begluͤckt zu seyn, Zu seinem Vorwurf hat. Wirst du nun gegen GOtt hierauf gelassen seyn: So wird Er deinen Gram, Schimpf, Armut, Krankheit, Pein Entweder lindern oder heben, Wo Wo nicht, dir doch Geduld und die Versich’rung geben, Daß es dir nuͤtz und gut, und daß dein hiesigs Leiden Werd’ eine Wurzel seyn der ewig-langen Freuden. Doch rufe GOtt, weil man Nichts aus sich selber kann, Um die Versicherung in deiner Selen Von dieser ew’gen Wahrheit an; So wird es wenigstens dir nicht an Lind’rung felen. Derjenige, der gruͤndlich uͤberfuͤhret, Daß der Monarch, Der alle Welt regieret, Allgegenwaͤrtig, gut, und kurz: ein Vater, ist, Und dann zugleich die kurze Daur der Zeit, Zusamt dem tiefen Meer der langen Ewigkeit, Jn welchem keine Pein, ermisst; Wird, wenn sonst Huͤlf’ und Trost verschwinden, Den staͤrksten Trost unfelbar finden. Ein Vater, welcher seinem Kinde Ein scharfes Messer nimmt, damit es sich nicht schneide, Thut ihm ja nichts zu leide. Wie manchem wuͤrd’ auf dieser Welt Das sonst von jedermann gewuͤnschte Geld Nicht anders, als ein Messer, seyn, So, neben mancher Sorgen-Buͤrde, Nur Ungluͤck, Jammer, Angst und Pein Jhm mehrenteils erwecken wuͤrde? Wie manchem laͤsset GOtt den Tod ein Kind entfuͤhren, Um solches nur nicht ewig zu verlieren? Wie mancher wird, zu GOttes Ehre, Dereinst so an zu singen fangen: Jch Jch waͤre ganz gewiß vergangen, Wofern ich nicht vergangen waͤre. Es kann unmoͤglich anders seyn. Die Plagen selber, so die Frommen Auf Erden etwan uͤberkommen, Verachtung, Armut, Schmerz und Pein, Die muͤssen ganz unfelbar ihnen Entweder hier noch in der Zeit, Wo nicht; doch in der Ewigkeit, Zu ihrem Gluͤck und Besten dienen. Wer anders glaubt, thut nichts, als daß er GOttes Ehre Recht straͤflich zu verringern sucht: Denn der verfluchte Satz ist seiner Meinung Frucht, Als ob nicht GOtt die ew’ge Liebe waͤre. Ach GOtt, gieb, daß ich thu nach meinen eig’nen Lehren! Verleihe mir, zu Deinen Ehren, Jm Gluͤck’ ein frohes Herz, voll froher Dankbarkeit, Und, wann es widrig geht, Gelassenheit! Absonderlich wenn etwa Gram und Leid, Schmerz, Mangel, Widerwaͤrtigkeit Mich auch, wie and’re, treffen; So gib, o wahrer GOtt, daß ich sodann Das Dir verkleinerliche Bild Von einem alten greisen Mann, Womit so manches Herz erfuͤllt, Aus meinem Herzen reissen kann! Von dieser Schwachheit zu genesen, Gib, daß ich meinen Geist und meine Sele hefte An An ein allgegenwaͤrt’ges Wesen, Dem aller Himmel, Himmel Kraͤfte, Ja selbst der Abgrund, unterthan! Ach gib, o grosses All, daß ich Oft Deine weisen Wege fasse! Ach gib, daß ich mich bloß auf Dich Und Deine Lieb’ allein verlasse! Gib, was mir nuͤtzlich ist, nicht, was mir nuͤtzlich scheinet! Nicht ich, nur Du allein Erkennest, was mir gut. Drum bitt’ ich, HErr! behuͤte, Durch Deine maͤchtige, durch Deine weise Guͤte Mich selbst fuͤr das, was ich begehre, Wenn es mir schaͤdlich waͤre! Hierauf nun will ich mich anitzo wieder Zum Endzweck dieser meiner Lieder, Zum Loben und zum Danken, kehren, Und GOtt fuͤr so viel Gut’s, das ich empfangen, ehren. GOtt Lob! dieß Jahr ist abermal Ein Segens-Jahr fuͤr mich gewesen. Jch war zwar einmal krank; allein ich bin genesen. Du heiltest mich, o HErr. Ohn’ End’ und sonder Zal Sind Deine Wunder-Werk’ und Deiner Gnaden Gaben, Die alle Meinige nebst mir empfangen haben. Mein GOtt, wie manche Viertel-Stunde, Wie manche fluͤchtige Secunde Verfliesst in einem Jahr, worin ein Ungeluͤck Mir und den Meinen schaden koͤnnen! Du aber schuͤtztest uns in jedem Augenblick, Und hast uns lauter Gluͤck und Segen wollen goͤnnen. Du Du hast mir abermal mein Haus vermehrt, Und mir in diesem Jahr noch einen Sohn bescher’t. HErr, gib doch, daß auch der, zusamt den andern allen, Ein Werkzeug moͤge seyn zu Deinem Wolgefallen! Mich hat in diesem Jahr mein lieb es Vaterland Zu Grossen dieser Welt verschied’ne mal gesandt; So gar daß ich anitzt, indem ich dieses schreibe, Noch wuͤrklich auf der Reis’ und in Gesandtschaft bin, Vielleicht auch eine Zeitlang bleibe. Jch ward zu erst zum Koͤnige der Daͤnen Nach Gluͤckstadt zwey mal hingeschickt. Du hast mich beyde mal fuͤr Ungluͤck und fuͤr Schaden (Stund Hamburg damals gleich nicht in des Koͤnigs Gnaden) So gnaͤdiglich bewahrt, und mich begluͤckt Den Meinen wieder zugefuͤhret; Wofuͤr nur Dir Lob, Ehr’ und Preis gebuͤhret. Man schickte mich hernach, nebst Surland, ferner hin Zum maͤcht’gen Koͤnige der Preussen, und von dort Geht uns’re Reis’ itzt nach Hannover fort. Mein Surland, dem die Stadt, was er fuͤr sie gethan, Geschrieben und geredt, nicht g’nug vergelten kann, Hat neben mir zugleich daselbst verspuͤret, (Wosuͤr nur Dir, o GOtt, Lob, Preis und Ruhm gebuͤhret) Wie viele Gnade wir gefunden Beym Koͤnige so wol als bey der Koͤniginn, Der Mutter Jhres Volks, auch bey der Prinzessinn, Wie viele Gunst uns sonst der ganze Hof erzeiget. Wer hat die Herzen doch so sehr zu uns geneiget, Als Du, o GOtt, allein? Die Reise von Berlin II. Theil. G g Bis Bis nach Hannover hin Jst gleichfalls (Dir sey Dank!) recht gluͤcklich abgeloffen. Wir haben uͤberall nichts widrigs angetroffen. Die einzige Gefahr Vom Post-Knecht, der des Weg’s nicht kundig war, Und in der dunk’len Nacht Jm Wald’ uns irre fuhr, Dient selber uns zu einer sichern Spur Von GOttes Lieb’ und Macht, Daß Er auch dazumal fuͤr uns gesorget hat, Jndem von ungefehr ein reisender Soldat, Der Weg’ und Stege wuste, Uns auszuhelfen kommen muste; Auch daß ein schon gebrochen Rad Nicht ehe gaͤnzlich brach, als nahe bey der Stadt. Jch danke Dir demnach fuͤr so viel Gnad’ und Guͤte, O Grosses All, die Du mir hast erzeigt. Ach sey doch fernerhin uns gnaͤdig und geneigt! Beschuͤtze Hamburg, und behuͤte Mich und die Meinigen vor Kummer und Gefahr, Wann es uns nuͤtzt, in diesem neuen Jahr! Neu- Neu-Jahrs-Gedicht auf das 1726ste Jahr. E s wechseln abermals die Zeiten; Das Jahr heisst nicht mehr, wie vorhin. Laß, HErr der Zeiten, meinen Sinn Sich doch zu dieser Zeit zu Deinem Ruhm bereiten! Durch Deine Gnade weiß ich dieß, Daß aller Menschen Thun vergehet, Daß alles fluͤchtig, nichts bestehet: Dabey weiß ich doch auch gewiß, Daß blosserdings die Zeit allein, Jn welcher wir beschaͤfftigt seyn, Des Schoͤpfers Ehre zu erheben, Die einz’ge Zeit sey, die wir leben. Ach haltet denn die Zeit nicht ferner fuͤr verloren, Wenn ihr des Hoͤchsten Werk betrachtet und beseht! Bedenkts! ihr seyd ja bloß zu GOttes Ruhm gebohren, Und Der wird bloß, o Lieb’! in eurer Lust erhoͤh’t. Ach wuͤstest du, welch’ Anmut, welch Vergnuͤgen Jn den Betrachtungen von GOttes Werken liegen, Und welche Lust die Selen selber ruͤhret, Was ein vernuͤnftiges Gemuͤt, Das sie zu GOttes Ruhm besieht, Fuͤr suͤsse Freud’ in ihnen spuͤret: Du wuͤrdest sie wahrhaftig hoͤher achten, Du wuͤrdest sie viel fleissiger betrachten, Du untersuchetest sie immer besser. G g 2 Man Man findet immer mehr, die Lust wird immer groͤsser, Je laͤnger man sie sieht. Jch muß es selbst gestehn: Jch hab’ es gleichfalls nicht vorher gesehn, Jch hab’ es nicht geglaubt, daß sie so vielerley Vergnuͤgen hegeten, daß gar mit ihrer Zier Auch uns’re Freude wuͤchs’ und jedes Graͤsgen schier An Anmut unerschoͤpflich sey; Da man zuletzt mit Freuden in der That Sich durchs Geschoͤpf zum Schoͤpfer naht. Absonderlich hat GOtt in uns’re Brust Empfindlichkeit und Lust Fuͤr Wechsel und Veraͤnderung geleg’t: Doch die Gewohnheit, wie sie pfleg’t, Weiß auch so gar dieß herrliche Vergnuͤgen Bey Menschen, leider! zu besiegen. Es aͤndert sich das nimmer stille Jahr, Und bringt uns immer neuen Segen; Man wird es aber nicht gewahr, Weil wir die Aenderung der Zeiten nicht erwegen. Lenz, Sommer, Herbst und Winter kommen Durch’s nah- und ferne Sonnen-Licht; Weil aber alles dieß nur allgemach geschicht; So wird es nicht in Acht genommen. Hat GOtt gleich durch den Mond das Jahr selbst einge- teilet; So achtet man doch nicht darauf: Nachdem dieß rege Licht bald zu bald von uns eilet; Nimmt jeder Monat seinen Lauf: Wir lassen ihn gelassen gehn, Und, nicht viel besser als das Vieh, Nimmt Nimmt man sich kaum die Muͤh, Des Wechsels Nutzbarkeit und Ordnung anzusehn, Das doch zu uns’rer Lust, zu GOttes Ehre, So nuͤtzlich und so noͤtig waͤre. Drum will ich itzt, beym Wechsel uns’rer Zeiten, Zufoͤrderst Dir zum Ruhm, Qvell aller Herrlichkeiten, Die Zeiten nuͤtzlich einzuteilen, (Damit sie nicht verloren von uns eilen) Mit Ernst und Lust bemuͤhet seyn. Mein Vorsatz ist, (GOtt lass’ ihn wol gelingen!) Von jedem Monat hier ein kurzes Lied zu singen: Damit dadurch, nebst mir, ein ieder Durch froͤhliche, beqveme, kurze Lieder Beym ersten Monats-Tag’ an GOttes Wunder-Wege Mit Lust gedenk’ und froͤhlich uͤberlege, Wie GOtt die Welt durch uns, uns durch die Welt, verpfleg’t, Wie GOtt in uns so viel Verstand und Witz geleg’t, Daß wir, zu unserm Nutz, aus allen ird’schen Dingen, Und zwar so ordentlich, viel Gutes koͤnnen bringen, Auch daß man in der Stadt doch einigen Bericht Von dem, was auf dem Land’ und uͤberall geschicht, Wovon wir, leider! sonst gar wenig wissen, habe. Da Ordnung, Witz und Fleiß, ja alles GOttes Gabe; So lasst uns doch dafuͤr an GOtt, den Geber, denken, Und Jhm fuͤr so viel Gut’s ein froͤhlichs Herze schenken! G g 3 Janu- Januarius. G Ott Lob! das Neue Jahr tritt, mit dem Jenner, ein. Ach moͤgt’ es uns, zu einem neuen Leben, Ein Freuden-reicher Anfang seyn, Und neue Kraͤft’ erneu’ter Andacht geben! Ach moͤgten wir von GOttes Wunder-Werken Die Suͤss- und Herrlichkeit auf and’re Weise merken, Als wie bisher geschehn! Ach moͤgten wir in aller Creatur Von Seiner Weisheit, Macht und Gegenwart die Spur Empfinden, schmecken, hoͤren, sehn! So gar der strenge Frost, der Reif, der Schnee, das Eis, So itzt die Erde deckt, die Luft und Flut verdicket, Durch welche sich nicht nur der Erden Flaͤche schmuͤcket, Gar fruchtbar durch sie wird; erheb’t des Schoͤpfers Preis. Des regen Feuers Eigenschaft, Wodurch der Kaͤlte wilde Kraft, Wie scharf auch gleich der Nord-Wind draussen tobet, So bald gebrochen wird, verdient ja wol, Daß man den weisen GOtt in diesem Monat lobet; Da gegen einen Feind, der uns so stark verletzt, Er solchen starken Feind, zu unserm Trost, gesetzt, Und, wenn mit diesem jener streitet, Durch einen lauen Duft Aus Ofen und Camin in der erwaͤrmten Luft, So gar aus einer Plag’ uns eine Lust bereitet. Auf! lasst uns itzt denn auch die Ding’ aufmerksam sehen, Die uns zum Nutzen auf der Welt Und auf dem Land’ anitzt so ordentlich geschehen! Jn Jn diesem Monat duͤngt der Ackers-Mann sein Feld, Bemuͤhet sich, des Schnees zu starke Feuchtigkeiten Von seinem Acker abzuleiten, Macht kuͤnft’gen Samen rein, flickt seine Zaͤune, drischt, Faͤll’t Holz und faͤnget Wild, er spinnet itzt, er fischt, Und giebt den Fischen Luft. Wird ihm nun gleich anitzt die Arbeit oͤfters sauer, Bestuͤrmet Frost und Schnee und mancher Hagel-Schauer Jhm oͤfters Hand und Haupt; so trocknet er die Glieder Jn seinem Hause doch mit Lust bey’m Feuer wieder, Und wechselt Muͤh’ und Ruh. Der Gaͤrtner faͤngt den Garten Mit fetter Duͤngung an zu warten. Jm Mist-Bett kann er schon Salat und Zwiebeln saͤen; Doch deckt er es mit Stroh und Schilf noch fleissig zu. Die Kraͤuter und Gewaͤchse stehen Und liegen gleichsam itzt in Ruh. Es sammlen die zuruͤck gehalt’nen Saͤfte Jn ihnen gleichsam neue Kraͤfte; Sie warten auf den lieben Lenzen, Um dann, zu GOttes Ruhm, in neuer Pracht zu glaͤnzen. Ach haͤtten wir auch die Beschaffenheit, Jm Creuz’ und Kummer still zu seyn, Um wieder neue Kraft zu fassen, Damit, bey Gluͤck und Sonnen-Schein, Wir unser Licht um desto mehr, Zu unsers GOttes Preis und Ehr’, Jm Dank’ auch moͤgten leuchten lassen! G g 4 Februa- Februarius. E s faͤnget heute sich der Februarius, Des Winters lang verlangter Schluß, GOtt sey gedankt! schon an. Jch sehe voller Freude Die Welt in ihrem weissen Kleide, Das, wenn wir es bedachtsam sehn, (Wie wir wahrhaftig thun, und es betrachten sollten, Wenn wir als Menschen leben wollten) Jn ihrem reinen Glanz recht unvergleichlich schoͤn. Vom zarten Reife sind die Waͤlder, Vom reinen Schnee die flachen Felder, Die hier und dort Manch unbedeckter Strich, der schwarz an manchem Ort’, Jm Gegensatz erheb’t; anitzt geschmuͤckt. Die eb’ne Flut, durch glattes Eis bebruͤckt, Glaͤnzt, wenn darauf die Sonnen-Stralen fallen, Recht als ein Spiegel von Krystallen, Die in der Landschaft denn durch Striche, welche glaͤnzen, Jn schwarzen bald, doch meist in weissen, Grenzen, Bald in Krystall-bald Silber-gleicher Pracht, Ein’ angeneme Mischung macht. Der Landmann leeret itzt die Boͤden und die Scheune, Er drischt mit allem Fleiß, er bessert seine Zaͤune, Verfertigt Bienen-Koͤrb’, er sparet keine Muͤh, Besorgt sein Acker-Zeug, verschafft sich neues Vieh, Er faͤhret Mist aufs Land, er faͤnget manch Stuͤck Wild, Auch wird sein Netz noch oft mit Voͤgeln angefuͤllt. Ob Ob gleich die scharfe Luft die Lust ihm oft verleidet, Wenn sie die sproͤde Haut fast wie ein Messer schneidet; So ist jedennoch ihm im Ofen, auf dem Heerd, Das Holz zur Lust und Linderung bescher’t. Der Gaͤrtner faͤngt itzt an, die Weiden, Auch and’re Baͤume, zu beschneiden, Verstoͤr’t der Raupen Nest, so an den Zweigen klebet, Er saͤubert, er versetzt, er duͤngt die Baͤum’, er graͤbet Verschied’ne Beeten um, wanns Wetter leidlich ist, Besorgt das Saamen-Kraut, bereitet guten Mist, Saͤ’t Zwiebeln, Selleri, Salat und Petersilgen, Und such’t das alte Gras und Laub und Mooß zu tilgen. Erwege denn, mein Herz, wie wunderbar Der weise Schoͤpfer herrscht, indem der Frost so gar Nicht nur das Aug’ ergetzt, auch Nutz und Nahrung bringet! Ach daß die Menschheit denn dem grossen Schoͤpfer nicht, Von welchem ihr doch so viel Gut’s geschicht, Jn ihrer Lust manch Dank- und Lob-Lied singet! Ach laß mich doch, mein Schoͤpfer, Deinen Segen Jn diesem Monat’ oft, vor Lust erstaunt, erwegen; Absonderlich wenn ich durchs Feur im Frost nicht friere, Und denken, wenn ich solche Wunder spuͤre, Daß Dir, o HErr allein, Lob, Ehr’ und Preis gebuͤre! G g 5 Mar- Martius. E s bricht der Martius, der uns den Fruͤhling bringet, Nachdem der Winter fort, heut abermal herein. Es dringt der Saft ins Holz, nachdem der Sonnen Schein Mit ihrem Lebens-Feur die laue Luft durchdringet. Man siehet itzt mit Lust das Feld aufs neu beleb’t, Der Acker wird geduͤngt, man siehet, voll Vergnuͤgen, Das Land zum Sommer-Korn mit Pferd- und Ochsen pfluͤgen, So Erbs-als Linsen saͤ’n, Hanf, Haber, Hirs’ und Lein: Die Graben reinigt man, man macht die Wiesen rein, Man radet Unkraut aus, man koͤpft die schlanken Weiden, Man faͤnget gleichfalls an, den Hopfen zu beschneiden, Jndem der Gaͤrtner dort den fetten Garten graͤb’t, Beschneidet, saͤ’t und pflanzt. Ach! moͤgt’ auch ich verspuͤren, Jndem sich uͤberall die Kraͤft’ und Saͤfte ruͤhren, Daß auch in mir so Geist als Blut, Beleb’t durch neuer Andacht Gluht, Sich, GOtt zum Ruhm, aufs neue regen moͤgte! Ach daß ich doch, mit neuem Fleiß, Dem Schoͤpfer der Natur Lob, Ehrfurcht, Ruhm und Preis Jn einer durch Sein Werk erfreuten Sele braͤchte! Ach! moͤgt’ ich doch zu diesen Zeiten Mich auch, so wie das Land, bereiten! Ach moͤgt’ ich doch zugleich in mir, So wie anitzo von den Weiden, Von aller eitelen Begier Den wilden Ausschuß wol beschneiden! HErr, laß mich doch in diesem Merz, Mit frohem Eifer, in mein Herz, Da Dein Geschoͤpf so wunderschoͤn; Den Samen der Betrachtung saͤ’n! Apri- Aprilis. J n dieser holden Zeit, im glaͤnzenden April, Da alles gruͤnet, bluͤht und sich erneuren will; Erscheinet die Natur in einem neuen Kleide. Lasur-blau schmuͤckt die Luft, das Feld ein lieblich gruͤn; Das Wasser wall’t und glaͤnzt, die saft’gen Baͤume bluͤhn; Kurz: Himmel, Erd’ und Flut wird uns zur Augen-Weide. Selbst die Veraͤnderung des Wetters dieser Zeit Vermehrt, durch Warm und Naß, der Erde Fruchtbarkeit. Schau, Sele, dieß mit Lust zusamt der Arbeit an, Die itzt ein Gaͤrtner treibt, wie auch der Ackers Mann! Jn diesem Monat druͤckt annoch ein krummes Joch Der Ochsen starken Hals, man pfluͤg’t und eget noch, Man saͤet Sommer-Korn, Gerst, Habern, Wicken, Weizen, Durch nette Furchen wird das fette Land gebant, Man saͤet Wurzel-Werk, man pflanzt und saͤet Kraut. Ach moͤgte dieses doch uns zur Empfindung reizen, Und dann Demjenigen zum Ruhm, Der Kunst und Kraft, Der Saft und Faͤhigkeit uns und der Erde schafft! Der Gaͤrtner propfet itzt, vertreibt den Garten-Floh, Der zarten Kraͤuter Feind, mit Asch’ und Gaͤrber-Loh; Die Leinwand wird gebleicht, ein schwacher Baum genetzt Mit Feuchtigkeit vom Mist, so ihm die Kraft ersetzt, Die Schafe scheeret man, man raͤumt und waͤssert Wiesen. Da alles im April uns nuͤtzet und ergetzt; So sey auch sonderlich heut’, im April, gepriesen, O Vater der Natur, Der alles auf der Welt, Nicht nur durch Weisheit, Lieb’ und Macht Aus einem tiefen Nichts hervor gebracht; Nein, Der auch alle Ding’ in solcher Ordnung haͤlt! Majus. Majus. W illkommen, liebster May! wie lieblich und wie schoͤn Jst alles, was wir in dir hoͤren, Empfinden, schmecken, riechen, sehn! Jn reinen Luͤften flamm’t ein fast Sapphir’nes Blau, Jn welchem ich mit Lustviel guͤld’ne Berge schau. Der Erden runde Brust, das fette Land, Bedeckt ein liebliches Smaragden-gleich Gewand. Der Bluhmen-Heer durchwirkt ein fast lebendig Gruͤn. Ein reines Silber blinkt in der bestral’ten Flut, Und auch zugleich auf Baͤumen, welche bluͤhn. Die suͤsse Macht der holden Liebe Erfuͤll’t das fast erstarrte Blut Mit der so angenemen Gluht Der lieblichen Vermehrungs-Triebe. Ach sehet, wie in den bebluͤhmten Feldern So manches munt’re Laͤmmchen springt! Ach hoͤr’t, wie in begruͤn’ten Waͤldern So manche Nachtigal, so manche Drossel singt! Ach riecht die balsamir’ten Duͤfte! Ach fuͤhlt das Schmeicheln lauer Luͤfte! Ach schmeckt in Kraͤutern, im Spinat, Jn Spargel, Hopfen und Salat So mancherley Blut-reinigende Kraft, So manchen angenemen Saft, Und denkt in dieser Fruͤhlings-Lust, Mit Dank- und Lust-erfuͤll’ter Brust, An Den, Der alle Pracht Zu Zu eurer Lust hervor gebracht! Lasst euer froͤhliches Gemuͤte Auch Bluͤhte tragen bey der Bluͤhte! Auf, lasst uns recht mit Andacht sehn Die Dinge, die mit Emsigkeit Jn dieser holden Mayen-Zeit Zu uns’rer Lust, zu unserm Nutz geschehn! Man sammlet im bebluͤhmten Mayen, Zu mannigfalt’gen Arzeneyen, Auf manchem Berg’, in manchem Thal Gesunde Kraͤuter ohne Zahl. Es muß die beste Gersten-Sat Jm fruͤhen May gesaͤet seyn, Und um Urbani etwas spat Buch Weizen, Hirse, Hanf und Lein. Die Schafe scheeret man bey holder Fruͤhlings-Waͤrme, Man rupft die Gaͤns’, und nimmt die Schwaͤrme Der fluͤcht’gen Bienen itzt absonderlich in acht. Ach lasst des Schoͤpfers Lieb’ und weise Wunder-Macht, Die wir anitzt an allen Orten spuͤren, Uns doch zu Seinem Ruhm, die Seele ruͤhren! Bedenkt! Fuͤr so viel Gut’s, fuͤr solche Wunder-Gaben Verlangt der Schoͤpfer nichts, als eure Lust, zu haben. Junius. Junius. M it welchem Schatz von Lust, mit welchem Ueberfluß Von Anmut stellet sich der holde Junius Der sechste Monat ein! Es glaͤnzt die Fruͤhlings-Zeit Nun erst in lieblicher Vollkommenheit. Die Luft ist voll von Licht, von Waͤrm’ und Heiterkeit, Voll Lebens-Oel, voll Narungs-Saft, Voll Fruchtbarkeit, voll Thau, voll Balsam-reicher Kraft, Voll lieblichen Geruchs, voll heller Voͤgel-Stimmen. Jst nicht die Flut voll Glanz, voll heller Reinlichkeit, Und auch zugleich voll gruͤner Dunkelheit, Voll Fische sonder Zahl, die Heerden-weise schwimmen, Voll von den allerschoͤn’sten Bildern, Die sich von Buͤschen, Kraut und Gras, Von Wolken, Luft und Laub in ihr geglaͤttet Naß, Den schoͤnen Schmuck der Welt noch zu verdoppeln, schildern? Mit Garten-Fruͤchten such’t die Erd’ uns zu erfrischen: Sie ist voll Erd-Beern, Erbsen, Bohnen, Voll Balsam-reicher Bluhmen-Cronen Jn weiss- und roten Rosen-Buͤschen. Wie alles nun voll von des Schoͤpfers Guͤte; So laß, o GOtt, auch mein Gemuͤte Voll Deines Lobes werden! Ein froͤhlichs Herz singt GOtt die angenem’sten Lieder. Ach suche denn mit Lust des Schoͤpfers Werk zu fassen, Und danke GOtt, daß Er dich wieder Die Die schoͤne Zeit erleben lassen! Du must zugleich anitzt, auch in des Landmans Werken, Die Ordnung der Natur und GOttes Finger merken. Man brachet itzt das Feld, man saͤet spaͤten Lein, Man pflanzet Kohl, man macht die Scheuren rein, Besorgt das Lager-Bier, und sorget fuͤr die Bienen. Den Schafen muß man itzt mit Salze reichlich dienen. Das Brenn-Holz wird gehaut, damit es trocknen koͤnne, Und es im kuͤnft’gen Frost geschwind und helle brenne. Man richtet alles itzt in diesem Monat ein, Damit das liebe Gras moͤg’ eingeerndtet seyn. Ach liebster Vater, gieb zu allem Dein Gedeyen, Und laß die Menschen doch sich Deiner Guͤte freuen! Julius. Julius. D er Junius ist weg; der Julius erscheint, Und bringt uns neue Lust, und bringt uns neuen Segen. Ach lasst uns beydes doch mit Andacht uͤberlegen, Und denken, wie anitzt sich Nutz und Lust vereint! Seht, wie die Gaͤrten itzt mit neuen Bluhmen bluͤhen! Seht, wie die Kirschen dort, recht wie Rubinen, gluͤhen, Und zwischen gruͤnem Laub’, an tief-gebog’nen Zweigen, Auf ihrer glatten Haut, manch glaͤnzend Sonnen-Bild Dem aufmerksamen Aug’, in kleinen Spiegeln, zeigen! Ach moͤgte doch derselben kleiner Schein, Ach moͤgt’ ihr reiner Stral, uns ein’ Erinn’rung seyn, Erst an die Sonn’, und dann auf Den zu denken, Der aller Sonnen Sonn’ und HErr, und Dem allein, Jn einer Dank-begier’gen Brust, Das Opfer uns’rer Lust Fuͤr so viel Gut’s hinwiederum zu schenken! Man sieht mit Lust auf den bebluͤhmten Rasen Die Kuͤh’ und Schaf’ anitzt in sanfter Unschuld grasen. Man bringt itzt, aus dem Moor, Den schon gegrab’nen Torf, Holz aus dem Wald’, hervor. Noch mehr, woruͤber ich mich recht von Herzen freu’; Jn diesem Monat maͤht man Gras, man machet Heu, Wodurch, indem der Bau’r sein Vieh damit ernaͤhrt, Der weise GOtt, durch sie, uns selbst die Kost bescheert. Man sieht es, wenn mans sieht, mit innigem Vergnuͤgen Jn Schwaden hier, und dort in Schobern liegen. Da Da sieht man, es mit Lust auf grossen Leiter-Wagen Mit munt’rer Emsigkeit auf langen Gabeln tragen. Den grossen Fudern sind die Scheunen fast zu klein, Die Thuͤren allzu eng’: ein lieblich-suͤsser Duft, Erfuͤll’t die Luft, Und reizet uns zur Ruh. Wann’s Heu kaum eingebracht; Wird zu der Rocken-Erndt die Anstalt auch gemacht, Und, bey des Monats Schluß, faͤngt man schon wuͤrklich an, Den Segen, den kein Mensch genug bewundern kann, Und welchen uns das Feld zur Narung bringt, zu maͤhen. Ach laß uns doch, zu dieser frohen Zeit, O GOtt, Du Segens-Born, Quell aller Fruchtbarkeit, Auf Dich allein mit Dank und Freuden sehen! II. Theil. H h Augu- Augustus. S o tritt’st du denn nun auch zum Nutzen und zur Luft Mit fetten Schritten ein, vermehrender August! Wir sehen dir und deinem reichen Segen Mit inniglicher Freud’ entgegen. GOtt Lob! daß wir die frohe Zeit erleb’t, Jn welcher die Natur, gekroͤn’t mit reifen Aeren, Uns ihre Bruͤste beut. Der Ackers-Mann erheb’t Den Lohn fuͤr seine Muͤh, die, sich und uns zu naͤhren, Er fleissig angewandt. Hier wird das Korn gemaͤht, Um reiche Garben dort ein Band von Stroh gedreht. Es koͤnnen starke Leiter-Wagen Nur kaum die schwere Last der grossen Garben tragen: Man fuͤhrt, mit suͤsser Muͤh, so hohe Fuder ein, Daß jedes Schenn-Thor fast zu niedrig und zu klein. Ach moͤgte doch kein Mensch auf Erden erndten sehn, Ohn’, innerlich dadurch geruͤhret, Den grossen Segens-Born, Dem ewig Ruhm gebuͤret, Mit froher Andacht zu erhoͤh’n! Man ziehet Hanf und Flachs itzt auf, man ruffelt, rauft, Und leg’t ihn in die Flut, man erndtet Hirs’ und Heiden. Auf Stoppeln treibt man itzt das Vieh, darauf zu weiden. Die reife Huͤlsen-Frucht wird itzt mit Nutz verkauft. Den Acker ruͤhret man, und sorgt, daß er aufs neu Geduͤnget sey. Man sammlet fuͤr das Vieh das Laub vom Ulm und Wein, Von Von Erlen, Birken, Esch- und Eichen ein. An Fluͤssen soͤdet man anitzo Deich’ und Daͤmme, Daß die geschwoll’ne Flut das Land nicht uͤberschwemme. Jn Gaͤrten hebet man die Zwiebeln aus der Erde; Man saͤ’t noch Petersil, Spinat, Rapunzel, Selleri, Endivien, Salat. Man stuͤtzt den Obst-Baum itzt, damit er durch die Schwerde Von seiner eig’nen Frucht nicht abgebrochen werde. Die Birnen fangen schon, samt Pfirschen, Zwetschen, Feigen, Jn diesem Monat’ an, sich muͤrb’ und reif zu zeigen. Man nimmt itzt Honig aus, die Gaͤnse rupfet man, Auch geht bereits das Vogel-Stellen an. Ach GOtt, fuͤr so viel tausend Gaben, Die wir aus Deiner Hand allein Jn solchem Ueberfluß empfangen haben; Laß mich doch im August oft froh und dankbar seyn! H h 2 Septem- September. D a wir heut’ abermal in den September treten; So laß es, liebstes Herz, doch GOtt zum Ruhm ge- schehn! Laß uns nicht sonder Dank und Beten, Wie schoͤn die Welt in diesem Monat, sehn! Laß uns, durch GOttes Macht und Ordnungen geruͤhret, Nicht, wie ein Vieh, die Zeit verfliessen lassen! Lasst uns mit frohem Sinn bemuͤht seyn, dieß zu fassen, Daß unserm Schoͤpfer stets Ruhm, Ehr’ und Dank gebuͤhret! Mein GOtt, in welchem Ueberfluß Bringt dieser Monat doch, uns Menschen zum Genuß, Manch saͤurlich suͤsses Obst! Vermag man doch die Ahrten Der Fruͤchte, die uns Feld und Garten Jn diesem Monat reicht, kaum recht zu zehlen: Viel weniger wird man die Massen nennen, Und ihre Menge rechnen koͤnnen. Erweg’t nur einst, wie mancherley Von Ahrt und von Geschmack ein Apfel sey, Nicht minder eine Birn, da in besonderm Grad, Das wol bewunderns wehrt, vom sauren und vom suͤssen Ein jedes ein Gemisch mit and’rer Anmut hat. Von Pfirschen, Pflaumen, Qvitten, Nuͤssen, Und was wir sonst von andern Baͤumen brechen, Will ich anitzt nicht sprechen. So oft wir denn nun Fruͤcht’ in diesem Monat’ essen, Lasst uns bey uns’rer Lust des Schoͤpfers Huld ermessen! Jm Jm Felde faͤngt man itzt die Arbeit wieder an. Es ackert wiederum der Ackersmann Und saͤ’t sein Winter-Korn. Er sorget, daß die Erde Zum Sommer-Korn’, indem sie feucht, Damit die Stoppeln leicht Verfaulen, wol gewendet werde. Man zieht den Hopfen auf, man fischet itzt, und jaͤg’t Die Schweine hin zur Mast. Man maͤstet Gaͤns’, und leg’t Den Voͤgeln Sprenkel, Netz’ und Schlingen. Bey Schafen laͤsset man Den Widder wieder zu. Der Gaͤrtner faͤnget an, Die Kuͤchen-Kraͤuter itzt in Keller ein zu bringen, Entlaubt und raupt den Kohl, versetzet Baͤum’, und stecket Birn-Aepfel-Pfirschen-Kern. Ja kuͤrzlich, man entdecket Den Schoͤpfer uͤberall. Denn Ordnung und Verstand, So wol als Segen und Gedeyen, Daß sich die Creaturen freuen, Die kommen bloß allein aus GOttes Allmachts-Hand. H h 3 Octo- October. E s tritt bey uns, mit Trauben, Most und Wein, Heut der October froͤhlich ein. Es bringt zugleich sein Segen-reicher Tritt Viel and’re reife Fruͤchte mit. Ach lasst uns doch, zu dieser Zeit An Den zu denken, nicht versaͤumen, Durch Dessen Lieb’ und Macht, in steter Fruchtbarkeit, Auf Pflanzen, Reben, Baͤumen, Jn so verschied’ner Frucht, so gar verschied’ner Saft, Und in so manchem Saft so gar verschied’ne Kraft, Wodurch Er uns ergetzet, naͤhrt und traͤnket, O grosses Wunder! eingesenket! Ach lasst uns GOtt, dem ewig weisen Wesen, So oft wir suͤsse Trauben lesen, Voll Lust und Andacht dankbar seyn, Der uns nicht Wasser nur und Bier zum Trank bescheret, Nein, Der das Wasser gar in suͤssen Wein verkehret! Lasst uns, zu Seinem Ruhm, doch dieß dabey erkennen, Daß, auch in unserm Trank, er einen Unterscheid Von mancherley Geschmack, von mancher Lieblichkeit, Nicht nur zur Not allein, zur Lust, uns wollen goͤnnen! Noch ferner kommt in diesem Monat fuͤr, (Worauf wir, leider! sonst in Staͤdten nicht viel achten) Den Land-Bau und das Werk des Gaͤrtners zu betrachten; Worin doch GOtt absonderlich sich dir, O Mensch, im Segen so als in der Ordnung weiset, Jndem Jndem Er ja dadurch uns traͤnket, kleidet, speiset. Der Gaͤrtner bringt itzt Kuͤrbs’ und solch Gewaͤchs ins Haus, Er pfluͤckt das Winter-Obst, nimmt Kraut und Wurzeln aus. Er schneidet itzt den Kol, auch macht er ihn zum gaͤren Mit Salz und Kuͤmmel ein, er sammlet Ruͤben, Moͤhren, Versetzet junge Baͤum’, und mit vergnuͤg’ter Muͤh Beduͤnget er und schneidet sie. Jn diesem Monat pfluͤg’t der Landmann, daß die Erde Zur Sat aufs neu bereitet werde, Rupft Hopfen, spinnet Flachs, macht Malz, befischt die Teiche, Den Schweinen gibt er itzt die Frucht der Buͤch’ und Eiche, Brenn’t Kolen, faͤllet Holz. Man sieht den Jaͤger hetzen Dachs, Hasen, Fuchs und Schwein’. Ein Vogler faͤngt mit Netzen, Und zwar in ungezaͤl’ten Scharen, Die Drosseln, Zeischen, Lerchen, Staren. Du Segen-reicher GOtt, Der Du so Lieb’ als Macht, Jn diesem Monat’ uns so gnaͤdiglich gewiesen, Sey im October auch mit Lust und mit Bedacht Geehrt, gelobet und gepriesen! H h 4 Novem- November. J tzt, da der erste Tag sich vom November zeigt, So sey doch Dem, draus alle Ding’ entspringen, Auch deine Erstlinge mit Lust und Dank zu bringen, Mein Herz, so willig als geneigt! Auch dieser Monat bringt aufs neue reichen Segen, Da er das Mast-Vieh uns in uns’re Kuͤche fuͤhrt. Sprich, lieber Mensch, sprich, ob nicht dieserwegen Dem Grossen Vater Dank gebuͤhrt, Der auf so wunderbare Weise Uns, seine Kinder, naͤhrt! Es wird, ohn’ uns’re Muͤh, Das Gras, o Wunder! durch das Vieh Recht zubereitet uns zur Speise. Dieselben sind daher Als Kuͤchen, welche gehen, stehn, Und leben, fuͤglich anzusehn. Auch ists ja nicht von ungefehr, Daß sich die Milch zu unserm Trank Jn Ziegen, Schaf- und Kuͤhen distilliret. Ach daß man dieß oft ohne Dank, Ja wol gar nicht einmal, verspuͤret; Da doch nur bloß durch Seinen Willen Die Thier’ im Frost fuͤr uns so Kuͤch’ als Keller fuͤllen! Ach moͤgten wir in der Natur Die Wunder ihres HErrn betrachten, Und in derselbigen die Spur Von Seiner Weisheit, Lieb’ und Allmacht nicht verachten! Laß Laß sehn, wie es anitzt im Feld’ und Garten steht! Jn diesem Monat wird noch Winter-Korn gesaͤ’t, Der Hopfen zugedeckt, der Acker umgestuͤrzet, Das schnelle Wild gejag’t, das Brenn-Holz zugekuͤrzet, Den Voͤgeln nachgestellt, Wacholder-Beer geschlagen. Die Schweine pfleg’t man noch in spaͤte Mast zu jagen. Die Gaͤnse maͤstet man, besteigt das Dach, man drischet. Der Bienen wartet man, deckt ihre Koͤrb’ und fischet. Der Gaͤrtner graͤb’t nunmehr, was keinen Widerstand Dem Frost zu thun vermag von Wurzeln, in den Sand. Geliebte Menschen, wenn ihr sehet, Wie der nie muͤssigen Natur Verborg’ne Kraͤft’ und Wirkungen nicht nur Ohn’ Jrrtum stets und sonder Fehler gehet, Nein, daß so gar von unserm Geiste Das allermeiste Jn solcher schoͤnen Ordnung stehet; So dankt doch Dem, Der uns in unserm Leben Die Schaͤtze der Natur, auch den Verstand, gegeben, Und lasst uns, sie wol anzuwenden, streben! H h 5 Decem- December. D er rauhe, frostige, doch froͤhliche December Vertreibet itzt den schlackrigen November, Und zeigt im Sturm und Frost, daß, wenn ein Unfall da, Die Huͤlfe mehrenteils auch wieder nah. Die Erde, so bisher sich von der Sonne wandt, Wodurch denn Nebel, Frost und Traurigkeit entstand, Veraͤndert ihren Gang in diesem Monat wieder, Und dreht sich allgemach zur Sonne wieder hin. Ach singe, liebster Mensch, mit Andacht-vollem Sinn Dem GOtt, Der dieses wirk’t, in Demut frohe Lieder, Der, nebst viel tausenden, auch uns’re Sonn’ und Welt Jn solch unwandelbar- und fester Ordnung haͤlt, Daß schon viel tausend Jahr Kein einzigs um ein Hat Aus seinen Schranken geht! Betrachte doch mit redlichem Gemuͤte Des Schoͤpfers vaͤterliche Guͤte, Da, wenn in dieser rauhen Zeit Die Luft von Frost erstarr’t, das Land beschneit; Er dir nicht nur die Gluht, den wilden Frost zu lindern, Nein, auch denselbigen zu mindern, So vieles Pelzwerk, mildreich schenkt, Darin Er eine Kraft, die waͤrmend ist, gesenkt. Jn diesem Monat duͤngt und pfleg’t man noch die Felder, Wenn es der Frost erlaubt. Die Zaͤune bessert man, behaut die dicken Waͤlder, Und Und schneidet Weiden ab. Man drischt, versorgt das Vieh Mit Futter und mit Stroh. Der Jaͤger spuͤr’t im Schnee Dem Wild’ am besten nach, und manches munt’re Reh, Und mancher Has’ und Wolf bezahlt ihm itzt die Muͤh. Der Gaͤrtner kann noch Kreß und Petersilgen saͤen. Die Baͤume, die anitzt voll Moß und Unrat stehen, Beschab’t und saͤubert er. Der Haus-Wirth schlachtet ein So manche fette Gans: so manch gemaͤstet Schwein Fuͤllt Keller, Kuͤch’ und Haus. Wenn wir des Schoͤpfers Segen Jn allem diesem nicht mit Lust und Dank erwegen; Sind wir den Schweinen gleich, die keines Eichbaums achten, Wie suͤß die Eicheln auch, die seine Zweig’ ihm brachten. Ach lasst von diesem Vieh uns doch uns unterscheiden, Und ja des Undanks Laster meiden! Soll Der, von welchem man fast ungezaͤl’te Gaben An Narung, Notdurft, Lust, Verstand, Beqvemlichkeit Umsonst empfaͤngt, nicht einst Zufriedenheit, Nicht einst von uns ein dankbar Herze haben? Schluß. Schluß. N achdem ich die zwoͤlf Teile nun Von einem Jahr’ in ernster Lust besungen; Soll Hand und Herz doch eh nicht ruh’n, Bis sich mein Geist vorher empor geschwungen, Und fuͤr so Gnaden-reiche Gaben, Die wir im vor’gen Jahr von GOtt empfangen haben, Dem grossen GOtt, voll Weisheit, Lieb’ und Macht, Lob, Ehre, Ruhm und Preis gebracht. Und ob dieselbigen gleich nicht zu zaͤlen; Will ich doch nach der Monden Zal, Dem grossen GOtt zum Ruhm und Preise, Fuͤr dieses mal Jnsonderheit nur zwoͤlf erwaͤlen. Jm Januar vollzog ich meine Reise, Und kam, so viel ich mich erinnern kann, Den zweyten in Hannover an. Daselbst nun hat uns abermal Von GOtt so mancher Gnaden-Stral Zu unserer Verrichtung angeschienen. Wie Huld- und Lieb-reich zeigte Sich Auch gegen uns Hannovers FRJEDERJCH, Europens Hoffnung, Lust und Ehre! Wie gluͤcklich fuhren wir von dannen wieder ab, Da uns das Reisen fast so viel Vergnuͤgen gab, Als wenn es eine Lust-Fahrt waͤre! Wie froͤhlich trafen wir die lieben Unsern an, Daß ich ohn’ innerlichs Bewegen Und Freuden-Zaͤhren kaum daran gedenken kann! Jm Jm Februario, wie es bey uns der Brauch, Daß Aemter umgesetzet werden; So hab’ ich auch, GOtt Lob! gesund und ohn Beschwerden Die meinen froͤhlich uͤbernommen, Und bin damit recht wol und bald zum Ende kommen. Jm Martio hab’ ich gesehn Mein erstes Werk, den Kinder-Mord, verbessert Und stark vergroͤssert Von neuen aus der Presse gehn. Vielleicht geling’t es mir, noch das davon zu tragen, Was die zwey letzten Vers’ in dessen Zuschrift sagen. Es ward mir im April von hoher Hand Ein treffliches Geschenk gesand’t. Der Gvelfen Ober-Haupt, Augustus Wilhelm, schickte Mir Selbst Sein Bildniß zu, das so der Farben Glanz, Als wie der Tugend Glanz das Urbild schmuͤcket, schmuͤckte, Und welches ich daher am allermeisten schaͤtze, Weil ich mich oft daran, als an der Froͤmmigkeit Selbst-eig’nem Conterseit, recht inniglich ergetze. Der Majus drohte mir ein sehr empfindlich Leid Jn meiner kraͤnklichen zu fruͤh entbund’nen Frauen; Weil aber, GOtt sey Dank! die Krankheit ohn Gefahr Und sie gar bald genesen war; So konnt’ ich darin auch des Schoͤpfers Guͤte schauen. Jn diesem Monat traf das hohe Fuͤrsten-Par Aus Braunschweig, voller Huld, in Hamburg ein, und zwar Die schoͤne Herzoginn zu erst, die, wie bekannt, Mit Recht ein Jnbegriff von Tugenden zu nennen. Und wie sich diese Zwey nicht lange trennen; So So war Jhr theurer Fuͤrst auch bald darauf erschienen. Nebst Surland ward auch ich vom Raht ernannt, An dessen Statt, Dieselben zu bedienen. Jm Junio beschloß die Herzoginn, ein Zeichen Von Jhrer Gnad’ uns Selbst zu uͤberreichen. Sie haͤndigt’ uns darauf Jhr schoͤnes Bildniß ein, Mit manchem Edelstein Versetzt und ausgeziert. Jm Monat Julio Ward, nebenst mir und Surland, jeder froh, Daß dieses Fest, womit der Magistrat Die Herrschaft oͤffentlich bewirthet hat, So gluͤcklich ausgefuͤhrt mit sonderbarer Lust. Statt daß ich haͤtte bald gemust Mich abermal beqvemen, Ein’ unvermutete Gesandtschaft anzunemen; Bracht’ ich dennoch den folgenden August Jn ungestoͤr’ter Ruh Auf meinem Garten zu, Woselbst ich manches Lied, zum Ruhm von Deiner Macht, (Dir, HErr sey Dank dafuͤr!) hab’ aufs Papier gebracht. Nebst anderm Guten, so Du mir, HERR, im September zugeteilet, Hast Du mir auch mein Kind geheilet. Mein GOtt, ich danke Dir dafuͤr. Denn wie es stark gefallen war; Hat Deine Hand doch die Gefahr So gnaͤdig von ihm abgekehret, Daß es, an Gliedern unversehret, Kein sonderlicher Schmerz beschweret. Wann Wann einer viele Keller Wein Haͤtt’ im October eingefuͤhret; Koͤnnt’ er dadurch nicht mehr geruͤhret Und herzlicher erfreuet seyn, Als dieser Monat mich erfreut, Da Trillers treffliche Gedichte, Voll Geist und voll Erbaulichkeit, Voll Feu’r, und voll vom Weisheits-Lichte Die Ahrt, womit ich GOtt zu loben Mir vorgesetzt, durch eine Folg’ erhoben, Gebilliget, befestigt, und sie mir Zum Ueberfluß selbst zugeschrieben; Wodurch ich denn verspuͤr, Daß ich, wie vor, noch mehr werd’ angetrieben, Den grossen Schoͤpfer zu besingen. Mein GOtt, ach laß es doch noch ferner wol gelingen! Nebst vielem Guten, so Du mir Auch im November mitgeteilet, Hast Du mich auch (Dir, HErr, sey Dank dafuͤr!) Von einer Schwachheit bald geheilet. Jn diesem Monat ward ein Zahn, Der mir bishero weh gethan, Mir gleichfalls gluͤcklich ausgezogen, Worauf man insgemein zwar nicht viel achtet; Allein, Wenn man es recht betrachtet, Daß solche strenge Pein Jn einem Augenblick von uns kann abgenommen, Und ohne schlimme Folg’ ein Glied getrenuet seyn, Daß Daß es uns ferner nicht beschwer’t, Jst dieses allerdings so Dank als Wunderns wehrt. Es schloß sich kaum der schlackrichte November, Als in des Jahres Schluß, dem frostigen December, Zur Weyhnacht-Zeit, da er bald war verflossen, Ein abermal nicht zeitigs Wochen-Bette Mir meiner Frau die Augen bald geschlossen, Mein Jlsgen bald geraubet, haͤtte. Allein wie groß auch die Gefahr, Wie nahe sie bereits dem Grabe, war; Hat es dem Schoͤpfer doch gefallen, Sie mir aufs neu zu schenken, Wofuͤr denn auch, so wie fuͤr allen, An Jhn mit Dank und Ruhm in Ehrfurcht zu gedenken, Das wenigste nur ist von meiner Schuldigkeit. Das sind nun zwoͤlferley. Ach aber was ist alles dieß, Da es ja mehr als zu gewiß, Daß ihre Meng’ unzaͤlig sey? Wie viel geschah in dieser Zeit Mir und den Meinen nicht noch sonst zu gute? Jedwede Stund’, und jegliche Minute War mir ein Segens-Bach, der mich mit Anmut traͤnkte, Jndem mich Deine Huld mit allem dem beschenkte, Was man Vernuͤnftig wuͤnschen kann. Jch lobe, GOtt, und danke Dir, Recht inniglich geruͤhrt, dafuͤr. Ach gib, o Grosses All, daß ich, auf gleiche Weise Zu Ende dieses Jahrs mit gleicher Lust Dich preise! Un- Das Menschliche Wissen. D u bist bemuͤhet, auszufinden Der Creatur verborg’ne Spur; Du hast gesuchet, zu ergruͤnden Die Wissenschaften der Natur; So sage mir nun einst die Wahrheit, Doch ohne Dunkelheit, mit Klarheit: Was ist denn eigentlich das Licht? Das weiß ich nicht. Was ist das Wasser? was ist Erde? Erzehle mir, wie beides werde, Und wie ein jedes zugericht’t! Das weiß ich nicht. Was ist das Feu’r? was sind die Luͤfte? Was ist das Trock’ne? was sind Duͤfte? Was ist ihr Zweck, was ihre Pflicht? Das weiß ich nicht. Was ist doch eigentlich von innen Die wunderbare Kraft der Sinnen; Was das Gehoͤr, was das Gesicht? Das weiß ich nicht. II. Theil. J i Wie Wie koͤmmt’s, daß Speisen, die wir schmecken, Uns so verschied’ne Lust erwecken? Gib davon deutlichen Bericht! Das weiß ich nicht. Wie kommt es, daß man fuͤl’t und spuͤret? Wie wird des Menschen Leib formiret? Mein, sage mir, wie das geschicht! Das weiß ich nicht. Wie kommt’s, daß etwas lieblich klinget; Die Nachtigal so lieblich singet; Ein Papagoy und Rabe spricht? Das weiß ich nicht. Wie kann, wie wir erstaunet schauen, Ein Vogel solch ein Nestgen bauen, Das er ohn’ Hand so kuͤnstlich flicht? Das weiß ich nicht. Wie koͤnnen denn der Menschen Selen Mit ihrem Coͤrper sich vermaͤlen? Gib mir doch davon Unterricht! Das weiß ich nicht. So wirst du mir doch Nachricht geben: Wie kommt es, daß der Tod das Leben Oft so gar ploͤtzlich unterbricht? Das weiß ich nicht. Kannst Kannst du auf alle meine Fragen Mir denn gar nichts zur Antwort sagen; So zeige mir nun selber an: Was weist du dann? Jch weiß: ich bin. Warum? ich denke. Jch weiß, daß GOtt die Erde lenke, Die Himmel, und auch die Natur. Dieß weiß ich nur. Jch weiß, daß GOtt, der Schoͤpfer, lebe, Und uns so viele Guͤter gebe, Daß man dafuͤr Jhm danken soll. Das weiß ich wol. Daß unser Schoͤpfer alles wisse, Und daß man Jhn bewundern muͤsse; Daß Er so liebreich, als Er groß; Dieß weiß ich bloß. Er will sich hier von uns nicht fassen, Und nur allein bewundern lassen. Dahin nur gehet uns’re Pflicht, Und weiter nicht. J i 2 Trost. Trost. J uͤngst dacht’ ich bey mir selbst: wie kommt’s, daß deine Schriften, Ob sie gleich noch so wahr, Ob alles, was du schreib’st, gleich Sonnen-klar; Doch bis daher so wenig gutes stiften? Daß man sie lies’t, und daß fast jedermann, Wie gut du es gemeint, nachdem er sie gelesen, Jn allen Stuͤcken bleibt, wie er vorher gewesen? Allein, Fiel mir daruͤber ein, Hab’ ich auch Recht, mich deßfalls zu betruͤben, Da ja das schoͤne Buch der Welt, Das GOttes Finger selbst geschrieben, Das Urbild selbst, den Menschen nicht gefaͤllt? Wie kann mein Schatten-Riß, wie kann mein stammlend Lallen, Der ecklen Welt gefallen? Zudem geh’ in dich selbst! Bemuͤh dich, zu entdecken, Ob Leidenschaften nicht in deinem Trauren stecken, Und ob, statt GOttes Ruhms, wie du vermeinst, dein Leid Nicht etwan einen starken Grad Von Eigen-Lieb’ und Eitelkeit Zum Grunde hat! Unmoͤglich ist es nicht. Jch bin ein Mensch, nichts mehr, Der folglich fuͤr die Lust, fuͤr Ueberfluß und Ehr Nicht Nicht unempfindlich ist; der tausend Feler hat; Den oft ein Vorurteil und oft ein Feu’r verwirr’t; Der oft sich uͤbereilt; der tausend mal geirrt; Ja der vielleicht selbst itzt, ob er gleich auf sich schmaͤlet, Und selbst gestehen muß, daß, und wie oft er felet, Nicht unzufrieden ist. Waruͤm? Er denkt, erzelet, Und schreibt von seinem Jch. Der Schoͤpfer kenn’t allein, wie in dem Labyrinth Des Menschlichen Gemuͤt’s so viele Winkel sind. Ach GOTT, der Du das Herz ergruͤndest, Die Nieren pruͤs’st, und klaͤrlich findest, Weßwegen und wodurch ich denke, was ich denke, Weßwegen und wodurch ich thue, was ich thu’; Erbarme Du Dich mein, erleuchte, fuͤhre, lenke, Bereite meinen Sinn, formir’ und richte Du Mein Herz nach Deinem Willen zu! Ach laß, o Grosses All, Du Schoͤpfer aller Dinge, Wenn ich von Deinen Werken singe, Nicht mich, mein elend mich, bloß Deine Groͤss’ allein, Den Endzweck meiner Lieder seyn! Gib zu der Absicht Deinen Segen, Daß viele sich, nebst mir, dadurch erbauen moͤgen; Daß ich nebst vielen stets, o HErr, zu Deinen Ehren, Empfinden, riechen, sehn, auch schmecken mag, und hoͤren! J i 3 Auf- Aufmunterung an andere, zu gleich- maͤssiger Betrachtung der Werke GOTTES. U nwandelbares All! allgegenwaͤrtigs Wesen, Selbst-staͤndigs, ewigs Licht, Erleuchte doch derjenigen Gesicht, Die irgend diese Blaͤtter lesen! Ach laß mein Dir zum Ruhm bisher erscholl’nes Lallen Von dem, was Du gemacht, aus G’naden Dir gefallen! Laß nicht die Leser nur allein Durch Deine Werk’ in Lust zu Dir gefuͤhret seyn; Laß denen auch, die kraͤftiger, als ich, Dasjenige, so sie bewundern muͤssen, Jn Versen auszudruͤcken wissen, Es ein’ Ermunterung zu solchen Liedern werden! Besingt in hoͤherm Ton, als ich, die Pracht der Erden, Wofern ihr noch nicht angefangen, Jhr Bruͤder, die ihr Geist und Feu’r von GOTT dem HERRN Zur edlen Dichter-Kunst empfangen! Erweiset, daß die Poesie Kein leeres Stroh, nein, daß ein Kern Jn ihr verborgen sey! Verlohnt sichs nicht der Muͤh, Wie Salomo und Job mit ihr zu handeln? Dem Moses, Josua und David nachzuwandeln? Die alle GOTT, dem Schoͤpfer, ihre Lieder Mit Freuden opferten: die, fast vor Lust entzuͤckt, Die Schoͤnheit der Natur, wodurch die Welt geschmuͤckt, Mit Ruhm verherrlichten. Wir finden hin und wieder, Wie Wie sie, zu GOttes Ehr, So unverbesserlich des Schoͤpfers Werk besungen. Sprich selber: wer wird nicht beweget, Wofern man mit Aufmerksamkeit Der Lieder Vollenkommenheit, Die GOttes Creatur betrifft, wol uͤberleget! Auf, lasst uns ihrer Spur, Jn froͤhlicher Betrachtung der Natur, Zu folgen unverdrossen seyn! Stimmt mit dem trefflichen, beruͤhmten Triller ein, Der jeden, so ihn lies’t, erbauet und ergoͤtzt, Erquickt und in Verwund’rung setzt! Was koͤnnen so viel edle Schriften Nicht in der Welt dereinst fuͤr gutes stiften! Auf, grosser Besser ! auf! laß einen neuen Schein Von Deiner edlen Gluht, die sonst in Dir gelodert, Jn heil’gen Flammen sehn! Der grosse Schoͤpfer fodert Ein Dank-Lied selbst von Dir. Die Werke Seiner Haͤnde Verdienen Deinen Geist, verdienen Deinen Fleiß. Erheb’t Dein edler Vers des Schoͤpfers Wunder-Preis; So kroͤnest Du Dein Thun mit einem schoͤnen Ende. Auf, heller Kirchen-Stern, gepriesener Neumeister, Erheit’re Deinen Sinn, befluͤg’le Deine Geister! Laß auch vom Schoͤpfer einst Dein Saiten-Spiel erklingen! Bey dem Erloͤsungs-Werk die Schoͤpfung zu besingen, Kann wol beysammen stehn, und stimmt gut uͤberein. Wenn wir von Deinem Geist dergleichen Lieder lesen; So wirst Du, wie Du stets gewesen, Ein grosser so als neuer Meister seyn. J i 4 Du Du Flammen-reicher Schmolck, gelehrter Kruͤsike, Mich deucht ich hoͤre schon Auch eurer Saiten Klang in diesem Ton: Die reine Lohe schwingt bereits sich in die Hoͤh. Geschaͤtzer Brandenburg, itzt wend’ ich mich zu Dir, Du Zierde Meklenburgs, dem GOTT so selt’ne Gaben Jn reichem Maß verliehn; auf, laß den edlen Geist, Der aus so hohen Qvellen fleusst, Sich wiederum zu Dem, Der ihn gegeben, Durch die Betrachtungen der Creatur erheben! Es muß ja GOTT gefaͤllig klingen, Wenn Seine Diener auch von GOttes Werken singen. Du unvergleichlicher Philander von der Linde, Jn welchem ich so Salz als Suͤssigkeit Jn lieblicher Vollkommenheit Mit einem edlen Feu’r verbunden finde; Erlaube, daß ich Dich in diesem Buche, Da Du auch andr’er Orts, zum Ruhm von GOttes Macht, Viel herrliches bereits hervor gebracht, Auch um ein Lied in diesem Ton ersuche! Ein solcher Mann, wie Du, wirkt bey dem klugen Chor, Der Dich als Lehrer ehrt, zur Folge ja nicht wenig. Auch Dich, beruͤhmter Dichter, Koͤnig, Der Du, trotz Neid und Feind, ein koͤnigliches Ohr Mit suͤssem Ton vergnuͤg’st. Jch weiß, wie stark Dein Geist Dem niedern Schwarm der Dichter sich entreisst, Wie sehr er sich erheb’t, und wie er als ein Licht, Das hoch erhaben steht, durch Macht und Nebel bricht. Ver- Verarge mir mein klein Erinnern nicht! Gebrauch auch einst der munt’ren Geister Kraft! Besing’ in Deiner Kunst der Coͤrper Eigenschast! Laͤst Du ein Lied von GOttes Creatur, Zu ihres Schoͤpfers Ruhm, erschallen; Wird’s Deinem Koͤnige nicht nur, Nein auch dem Koͤnige der Koͤnige, gefallen. Preis-wuͤrdiger Heraͤus, dessen Geist Mit Recht ein Sammel-Platz Von Kuͤnst- und Wissenschafften heisst, Bey Dem ein solcher Schatz, Als Du in Deinem Bergwerks-Gruͤnden Kaum finden wirst, zu finden; Auf, fahre ferner fort, und bring’ uns auf die Spur, Der unterirdischen Natur! Du auch, belebter Geist des Feuer-reichen Hancken, Du wirst der letzten keiner seyn, So wenig als auch der, den Du, nebst Lohenstein, Jn Deinen juͤngst der Welt gelieferten Gedanken, Mit so viel Ruhm als Recht in einem hellen Scheine Als einen Phoͤnix zeig’st. Jch meine, Nie g’nug gepriesener, beruͤhmter Neukirch, Dich. Auf, lasset beide denn, zu Goͤttlichem Gefallen, Jn diesem Ton auch Eure Lieder schallen! Vor andern, edler Pietsch, den ich nicht g’nug zu schaͤtzen, Noch zu erheben weiß, laß Deine Lieder schallen J i 5 Von Von GOttes Wunder-Werk! Sie werden GOTT gefallen, Und uns in Andacht, Lust und in Verwund’rung setzen. Auch Dich, mein Sommer, Dich, der Du die reifen Fruͤchte Bereits im Fruͤhling zeigst, beschwer’ ich gleichfalls hier: Laß Deine feurigen Gedichte Des Himmels Pracht, der Erde Zier, Der Creaturen Unterscheid, Der Sinne Nutz und Lieblichkeit, Samt andern ungezaͤhlten Gaben, Zu unsers Schoͤpfers Ruhm, zu ihrem Vorwurf haben! Und Du, der schon so fruͤh was Wunderns wehrt veruͤbet, Den ich schon laͤngst zugleich bewundert und geliebet, Geschickter Wilkens, fahre fort! Wer Deine Verse sieht, erstaunt; wer aber hoͤret, Daß Du annoch so jung, der glaubet dem Bericht Zu Anfang nicht, Und sein Erstaunen wird dadurch noch mehr vermehret. Es hat in Dich der Schoͤpfer aller Dinge Was ausserordentlichs geleg’t. Es sey dadurch Dein Geist zur Dankbarkeit beweg’t! Mich deucht, ich hoͤr’ auch schon, wie rein Dein Ton erklinge Von Dessen Lieb’ und Wunder-Macht, Der alle Ding’ hervorgebracht. Jch wende gleichfalls mich, Beliebter Gottsched, hin zu Dir; doch nicht allein Mit einem eifrigen Ersuchen: nein, Jch Jch danke Dir zugleich hier oͤffentlich, Daß Du, zum Ruhm des Schoͤpfers, allbereit Nebst des Franzoͤsischen beruͤhmten Fontenelle Auch Deines Geistes Trefflichkeit Jn Noten an so mancher Stelle Ans Licht gestellet hast. Laß ferner aus den Reimen, Zum Ruhm Desjenigen, Der Welt’ und Sonnen macht, Der alles so erhaͤlt, als Er’s hervorgebracht, Die Frucht der Lust und Ehrfurcht keimen! Jhr Geister insgesamt, die ihr vom Himmel stammet, Jn deren Brust ein reines Feuer flammet, Und die man mehrentheils nicht g’nug bewundern kann: Corvinus, Kaͤtzler, Gerz, von Seelen, Telemann, Stockhausen, Huͤbner, Horn, Stiev’, Abel und Leander, Auch Mayer, Wagener, nebst Beccau und Picander, Nicht weniger auch Du, beruͤhmter, grosser Melle, Nebst Rambach, Bluͤmel, Muͤller auch; Besingt von eurem Geist den Ursprung und die Qvelle, Und opfert Jhm der Lieder suͤssen Rauch. Stimmt Jhm, nebst einer Schar von andern edlen Dichtern, Die mein Gedicht nicht fasst, ein helles Dank-Lied an, Und lasset Den, Der Euch ein solch Talent gegeben, Von Eurem Dichter-Feu’r ein wuͤrdigs Opfer heben! Nicht weniger auch Jhr, Jhr holden Dichterinnen, Erheb’t zu gleichem Zweck die aufgeweckten Sinnen! Du helles Nord-Gestirn, du Zierde Cron’ und Ehre Des weiblichen Geschlechts, beruͤhmte Brennerinn, Die Die ich Verwund’rungs-voll so lieblich singen hoͤre; Beliebte Curtia, und fromme Eckartinn; Tiefsinnige gelehrte Zieglerinn, Auch edle Breßlern Du; stimmt froͤhlich mit uns ein! Die Lieblichkeit und Schoͤnheit dieser Erden Muß auch von Euch’, von Maͤnnern nicht allein, Empfunden und besungen werden. Zuletzt erwehn’ ich Dein, beruͤhmter Richey, hier, Den, wenn ich nach Verdienst haͤtt’ ieden nennen wollen, Jch mit am ersten nennen sollen; Der Du ein heit’rer Stern und eine wahre Zier Von Nieder-Sachsen bist; der Du an Feuer reich, Reich an Gelehrsamkeit und Einsicht; Dessen Geist, Dem schnellen Adler gleich, Sich in die Hoͤhe schwingt, Der Erde sich entreisst, Und wie ein Pfeil aufs ploͤtzlichste durchringt, Was undurchdringlich scheint; Der keinen gleichen kennet, Doch ihn bald kennen wird, indem Sein munt’rer Sohn Mit unerhoͤr’ter Fahrt in gleichen Schranken rennet; Jch bitte Dich, laß einst im hoͤchsten Ton Von Deines Schoͤpfers Werk ein helles Lied erklingen! Dem Schoͤpfer wird es Ruhm, Dir einen grossen Lohn, Und allen Lesern Nutzen, bringen. Wie viel ein Vers vermag, welch eine Wunder-Kraft, Welch ein geheimes Feu’r, und welch ein Lebens-Saft Jn wolgesetzten Liedern stecket, Jst dem, der es erweg’t, gar leicht endecket; Da Da ja bekannt genug, daß in der Menge Geist-reicher, lieblicher, vortrefflicher Gesaͤnge, Die wir im Lutherthum vor andern Christen haben, Ein grosser Teil des GOttes-Dienst’s besteht, Und viele Selen sich daran recht herzlich laben. Stimmt nicht so mancher Handwerks-Mann Ein frohes Lied bey seiner Arbeit an? Versuͤsset er sich nicht dadurch die saure Muͤh? Er fuͤl’t nicht einst den Schweiß; Es mehrt in ihm die Poesie Die Lust zusammt dem Fleiß, Und mindert ihm sein Unvergnuͤgen. Wie wuͤrde nicht Verdrießlichkeit Und oftermals die lange Zeit, Bey ihrem stillen Werk, das Frauen-Volk besiegen, Wenn nicht ein Vers in suͤsser Melodie Und etwan ein: wer nur den lieben GOTT laͤsst walten; Die sonst ausschweifenden Gedanken Jn ihren angewies’nen Schranken, Beschaͤfftig waͤren, zu erhalten. Dergleichen Lieder nun sind kraͤftig, GOttes Werke, Und in denselbigen des Schoͤpfers Weis heit, Staͤrke, Huld, Lieb’ und Guͤt’ uns beyzubringen; Wovon man leider selten spricht, Wovon wir ja so selten schreiben, Und die dahero fast uns ganz verborgen bleiben. Jn Schulen treibt mans nicht, Und ist es gar dahin gebracht, Daß fast kein Geistlicher des Schoͤpfers Wunder-Macht Jn Jn Seiner Creatur in Predigten erhoͤh’n Und von den Canzeln GOTT in Seinem Werk zu sehn, (Will er kein Neuling seyn) sich unterstehen darf. Als jener Gottholds Schrift von ungefehr gelesen; Bewundert’ er, daß es ein Geistlicher gewesen, Der dieses Buch gemacht. Sprich, wer bemuͤht sich nur, Vom Buche der Natur Ein wenig Nachricht zu erwerben? Wie viele tausend Christen sterben, Die von der Herrlichkeit der Creatur, Und folglich von des Schoͤpfers Herrlichkeit Nicht die geringste Spur, So lange sie geleb’t, verspuͤret, Weil man sie fast zu keiner Zeit Darauf gefuͤhret? Zwar hoͤr’ und les’ ich itzt zween tapfre GOttes-Helden Auch von dem Buch der Welt erstaunten Hoͤrern melden, Der theure Loͤscher wagt’s nicht weniger, als Du, Nie g’nug gepries’ner Wolf, den Sterblichen zu zeigen, Daß man zum Schoͤpfer auch auf Leitern muͤsse steigen Von Seiner Creatur. Jhr beide zeigt den Frommen Den Vorhof, der um recht ins Heiligste zu kommen, Ganz unumgaͤnglich ist. Ach GOTT, gieb Deinen Segen, Daß sie durch ihre Lehr viel Folger machen moͤgen, Damit die blinde Welt, zu Deinen heil’gen Ehren, Dein schoͤn- und herrlichs Werk mag sehen, fuͤlen, hoͤren! Und hieran zweifl’ ich nicht. Du, theurer Wolf, allein Bist, durch des Hoͤchsten Huld, fromm, exemplarisch, klug, Erfahren, redlich, treu, beredt, gelehrt genug, Den Den in der Hoͤrer Sinn fast gantz erlosch’nen Schein Von GOttes Allmachts-Werk’ aufs neue zu entzuͤnden. Du weisst auch im Geschoͤpf den Schoͤpfer Selbst zu finden, Und mit dem Himmlischen das Jrd’sche zu verbinden. Jch hoͤr’ aus Deinem Mund’, als eine reine Flut, Als einen Lebens-Strom, des Himmels Lehren fliessen; Jch fuͤl’ ein Goͤttlich Feu’r, ein’ uͤberird’sche Gluht, Und einen hellen Stral mir in die Sele schiessen; Jch seh’ ein blitzend Licht, Das alles heiter macht, wenn Deine Zunge spricht: „ Die Himmel preisen GOtt, und du, o Mensch, willt schweigen; „Da Weisheit, Gnad und’ Macht sich so verherrlicht zeigen⸮ „Aus nichts erhellt so klar die Goͤttliche Ge- walt, „Macht, Groͤss’ und Majestaͤt, „Als wenn ihr die vortrefflichste Gestalt, „Die Weite, Tief’ und Hoͤh’ im Firmamente seht; „Wenn ihr der Coͤrper Meng’ und diese Groͤss’ erweget, „Nebst dem so weiten Raum, der sie im Schosse heget, „Der Grenz- und Boden-los. „Die Sonn’ ist ja viel tausend mal so groß, „Als unser Erden-Kreis. Die unbeweg’ten Sterne „Jn „Jn jener ungemess’nen Ferne „Sind lauter Sonnen, die an Schein „Vermutlich gleich so groß, ja noch wol groͤs- ser, seyn; „Und alles dieses wird von euch, „Jhr blinde Menschen, nicht betrachtet, „Da ihr doch oftermals ein Zimmer, ob es gleich „Nicht einst ausnemend schoͤn, Bewunderns- wuͤrdig achtet. „Das Wunder-wuͤrdige Gebaͤude „Des Himmels und der Welt, „Die GOttes Finger Selbst euch vorgestellt, „Erreg’t hingegen euch kein’ Anmut, keine Freude. Das heisst geprediget, das heisst gelehr’t, Wie man den Schoͤpfer recht auf eine Weise ehr’t, Die Seiner wuͤrdig ist. Ach moͤgten solche Lehren Sich in der Christenheit doch taͤglich mehren! Ach moͤgte man, wenn man vom andern Teil Des Glaubens uns den Jnhalt vorgetragen, Und von dem grossen Sohn, zu uns’rer Selen Heil, Was froͤhliches gelehrt, auch was vom ersten sagen, Den Grossen Vater auch in Seinem Werk’ erhoͤhn! Selbst Christus laͤsst an euch ja den Befehl ergehn; Denn also lehrt Er oͤffentlich: Wer Meinen Vater ehrt, der ehret Mich. Anhang Anhang verschiedener Uebersetzungen. II. Theil. K k Der Der 92ste Psalm. 1. 2. A ch das ist ein koͤstlich Ding, GOtt dem HErrn ein Dank-Lied bringen, Und mit Freuden Deinem Namen, o Du hoͤchster GOtt, lobsingen, 2. 3. Zu verkuͤndigen des Morgens Deiner Gnade helle Klarheit, Und des Nachtes Deine Wahrheit. 3. 4. Mit dem spielen auf der Harfen, auf dem Psalter und zehn Saiten 4. 5. Laͤss’st Du, HErr, mich froͤhlich fingen, und Dein herrlich Lob ausbreiten, Und ich ruͤhme die Geschaͤffte Deiner Haͤnd’ und ihre Staͤrke. Wie Der 92ste Psalm. 2. D as ist ein koͤstlich Ding, dem HErrn danken, und lob- singen Deinem Namen, du Hoͤchster. 3. Des Morgens Deine Gnade, und des Nachts Deine Wahrheit verkuͤndigen. 4. Auf den zehen Saiten und Psalter, mit spielen auf der Harfen. 5. Denn, HErr, Du laͤssest mich froͤhlich singen von Dei- nen Werken, und ich ruͤhme die Geschaͤffte Deiner Haͤnde. 6. HErr, 5. 6. Wie so groß sind Deine Werke! Wie so unbegreiflich tief sind die Goͤttlichen Gedanken! 6. 7. Dieses glaubt kein Thoͤrigter, und ein Narr verachtet das. 7. 8. Alle Uebelthaͤter bluͤhen, und es gruͤnen, wie das Gras, Die da gottlos sind, so lange, bis sie alle von der Erden Ewiglich vertilget werden. Der 6. HErr, wie sind Deine Werke so groß! Deine Gedanken sind so sehr tief. 7. Ein Thoͤrichter glaͤubet das nicht, und ein Narr achtet solches nicht. 8. Die Gottlosen gruͤnen wie das Gras, und die Uebelthaͤ- ter bluͤhen alle, bis sie vertilget werden immer und ewiglich. K k 2 Der Der 104te Psalm. 1. L obe den HErrn, meine Sele! HErr, mein GOtt, Du bist sehr maͤchtig, Herrlich, schoͤn geschmuͤckt und praͤchtig. 2. Nichts, als Licht, ist Dein Gewand; Selbst der Himmel ist durch Dich, als ein Teppich, ausgespannt. 3. Oben woͤlbst Du es mit Wasser, faͤhrst auf Wolken so geschwinde, Recht als wie auf einem Wagen, gehst auf Fittigen der Winde. 4. HErr, durch Den die Engel Winde, Deine Diener Flammen werden, 5. Der Du fest auf seinen Boden gruͤndest unsern Kreis der Erden, Daß Der 104te Psalm. L obe den HErrn, meine Sele. HErr, mein GOtt! Du bist sehr herrlich, Du bist schoͤn und praͤchtig geschmuͤckt. 2. Licht ist Dein Kleid, das Du an hast, Du breitest aus den Himmel, wie einen Teppich. 3. Du woͤlbest es oben mit Wasser, Du faͤhrest auf den Wolken, wie auf einem Wagen, und gehest auf den Fittigen des Windes. 4. Der Du machest Deine Engel zu Winden, und Deine Die- ner zu Feuer-Flammen. 5. Der Du das Erdreich gruͤndest auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. 6. Mit Daß er immer bleibt und ewig; 6. Mit der Tiefe deckest Du Jhn, als wie mit einem Kleide, wunderbar und kuͤnst- lich zu, Und die Wasser stehen oben auf den Bergen. 7. Doch vor Dir Fliehen sie; von Deinem Schelten und von Deines Donners Kraft Fahren sie dahin, und werden augenblicklich weggerafft. 8. Der erhab’nen Berge Gipfel gehen alle hoch herfuͤr, Und die Breiten setzen sich, mit der ungeheuren Last, Zu dem Orte, welchen Du ihnen, HErr, gegruͤndet hast. 9. Du nur setzest ihnen Grenzen, d’ruͤber sie sich nicht er- strecken, Und sie muͤssen nimmer nicht wiederum das Erdreich decken. 10. HErr, Du laͤssest mildiglich Brunnen qvellen in den Gruͤnden, Daß die Wasser zwischen Bergen fliessen; 11. Daß auf dem Gesilde Alle Thiere teinken koͤnnen, und nebst dem zerstreuten Wilde, Wann 6. Mit der Tiefe deckest Du es, wie mit einem Kleide, und Wasser stehen uͤber den Bergen. 7. Aber von Deinem Schelten fliehen sie, von Deinem Donner fahren sie dahin. 8. Die Berge gehen hoch hervor, und die Breiten setzen sich herunter, zum Ort, den Du ihnen gegruͤndet hast. 9. Du hast eine Grenze gesetzt, daruͤber kommen sie nicht, und muͤssen nicht wiederum das Erdreich bedecken. 10. Du laͤssest Brunnen qvellen in den Gruͤnden, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfliessen. 11. Daß alle Thiere auf dem Felde trinken, und das Wild seinen Durst loͤsche. K k 3 12. An Wann sie durstig, Labsal finden. 12. An denselben sitzt und singet unter ihren gruͤnen Zweigen Eine grosse Menge Voͤgel, die von Deinem Ruhm nicht schweigen. 13. Die erhab’nen Berge feuchtet, her von oben, Deine Hand, Und Du fuͤllest mit den Fruͤchten, die Du schaffst, das ganze Land. 14. HErr, Du laͤssest fuͤr das Vieh Gras und Kraut die Menge werden, Und die Sat zu Nutz den Menschen, daß du Brodt bringst aus der Erden. 15. Daß der Wein des Menschen Herz wenn es traurig ist, erfreu’, Und ihm die Gesichts-Gestalt lieblich, schoͤn von Oele sey, Und das Brodt den Menschen staͤrke; 16. Daß voll Saft die Baͤume stehen, Und die Cedern Libanon, die der HErr gepflanzet hat; 17. Wo wir grosse Voͤgel nisten, Reiger auf den Tannen, sehen. Ber- 12. An denselben sitzen die Voͤgel des Himmels, und sin- gen unter den Zweigen. 13. Du seuchtest die Berge von oben her, Du machest das Land voll Fruͤchte, die Du schaffest. 14. Du laͤssest Gras wachsen fuͤr das Vieh, und Sat zu Nutz den Menschen, daß Du Brodt aus der Erden bringest. 15. Und daß der Wein erfreue des Menschen Herz, und seine Gestalt schoͤn werde von Oele, und das Brodt des Men- schen Herz staͤrke. 16. Daß die Baͤume des HErrn voll Safts stehen, die Ce- dern Libanon, die Er gepflanzet hat. 17. Daselbst nisten die Voͤgel, und die Reiger wohnen auf den Tannen. 18. 18. Berge sind der Gemsen Zuflucht; diese wohnen hoch in Luͤften, Und Caninichen hingegen unten in den Felsen-Kluͤften. 19. HErr, Du machest auch den Mond, um das Jahr dar- nach zu teilen; Es weiß ihren Gang die Sonne. 20. Du machst Finsterniß und Nacht, Da sich wilde Thiere regen, und aus ihren Hoͤlen eilen; 21. Junge Loͤwen, die da bruͤllen nach dem Raube, die allein, Grosser GOtt, von Deiner Macht Jhrer Kost gewaͤrtig seyn. 22. Aber wenn die Sonn’ hervor bricht, heben sie sich weg, und legen Sich in ihre Loͤcher nieder. 23. Dann so geht der Mensch herfuͤr An sein Tag- und Acker-Werk, und wirkt unter Deinem Segen, Bis es wieder Abend wird. Dieses alles kommt von Dir. HErr, 18. Die hohen Berge sind der Gemsen Zuflucht, und die Stein-Kluͤfte der Caninichen. 19. Du machest den Mond, das Jahr darnach zu theilen, die Sonne weiß ihren Niedergang. 20. Du machest Finsterniß, daß es Nacht wird, da regen sich alle wilde Thiere. 21. Die jungen Loͤwen, die da bruͤllen nach dem Raub, und ihre Speise suchen von GOtt. 22. Wann aber die Sonne aufgehet, heben sie sich davon, und legen sich in ihre Loͤcher. 23. So gehet dann der Mensch aus an seine Arbeit, und an sein Ackerwerk, bis an den Abend. K k 4 24. HErr, 24. HErr, wie sind doch Deine Werke so vortrefflich, viel und groß! Weislich hast Du sie geordnet, und der Erden weite Schoß Jst erfuͤllt mit Deinen Guͤtern. 25. Das so gross’ und weite Meer, Wo es wimmelt ohne Zal, heg’t ein ungemess’nes Heer Beydes gross- und kleiner Thiere. 26. Dorten sieht man Schiffe gehen; Da sind Wallfisch’, und Du hast sie, o HErr, hervor gebracht, Daß sie in dem Wasser scherzen. 27. Alles, was wir lebend sehen, Wartet, HErr, auf Deine Macht, Daß Du ihnen Speise gebest, jeglichem zu seiner Zeit. 28. Wenn Du giebst, so sammlen sie, was Dein Segen ih- nen beut. Wenn Du Deine Hand eroͤffnest, werden sie mit Deinem Gute Recht gesaͤttiget. 29. Allein, Wenn Du Dein Gesicht verbirgest, nimmt sie gleich ein Schrecken ein. Du 24. HErr, wie sind Deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll Deiner Guͤter. 25. Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelts ohne Zahl, beyde grosse und kleine Thiere. 26. Daselbst gehen die Schiffe, da sind Wallfische, die Du gemacht hast, daß sie darinnen scherzen. 27. Es wartet alles auf Dich, daß Du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. 28. Wann Du ihnen giebst; so sammlen sie. Wann Du Deine Hand aufthust; so werden sie mit Gut gesaͤttiget. 29. Verbirgest Du Dein Angesicht; so erschrecken sie. Du nimmst Du nimmst ihren Odem weg, so vergehen sie, und werden Wiederum zu Staub und Graus. 30. Laͤss’st Du Deinen Odem aus, HErr; so werden sie geschaffen. Du verneu’st den Schmuck der Erden. 31. Unsers GOttes Ehr’ ist ewig. Er hat Lust an Seinen Werken. 32. Schauet Er die Erden an; so erbeb’t sie. Ruͤhret Er Die Gebirge; rauchen sie. 33. All mein Lebenlang, o HErr, Will ich Dir mit Freuden singen, Und, so lang’ ich immer bin, meinem GOtt ein Lob- Lied bringen. 34. Meiner Rede froͤhlichs Lallen Muͤsse nur Jhm wolgefallen. Jch erfreue mich des HErrn. 35. Aller Suͤnder muͤss’ auf Erden Bald, ja bald ein Ende werden, Und es seyn ins kuͤnftige die Gottlosen nicht mehr da! Lobe denn nun, meine Sele, lobe GOtt! Halleluja. Der nimmst weg ihren Odem; so vergehen sie, und werden wie- der zu Staub. 30. Du laͤssest aus Deinen Odem; so werden sie geschaf- fen, und verneuerst die Gestalt der Erden. 31. Die Ehre des HErrn ist ewig, der HErr hat Wol- gefallen an seinen Werken. 32. Er schauet die Erden an; so bebet sie. Er ruͤhret die Berge an; so rauchen sie. 33. Jch will dem HErrn singen mein Lebenlang, und mei- nen GOtt loben, so lange ich bin. 34. Meine Rede muͤsse Jhm wohlgefallen, ich freue mich des HErrn. 35. Der Suͤnder muͤsse ein Ende werden auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr seyn. Lobe den HErrn, meine Sele, Halleluja. K k 5 Der Der 148ste Psalm. 1. L ob’t, ihr Himmel, GOtt den HErrn, lob’t Jhn in der hohen Ferne! 2. Lob’t Jhn alle Seine Engel! Lob’t Jhn alle Seine Heere! 3. Lobet Jhn so Sonn’ als Mond! Lob’t Jhn, alle helle Sterne! 4. Lobet Jhn, ihr Himmel alle, und die grossen Wolken- Meere, Die am Himmel sind dort oben! 5. Diese sollen GOttes Namen, ihres Herrschers Namen, loben. Er gebeut; so wirds geschaffen. 6. Ewig haͤlt Er sie und immer. Er verordnet, daß sie nimmer An- Der 148ste Psalm. L obet, ihr Himmel, den HErrn, lobet Jhn in der Hoͤhe. 2. Lobet Jhn alle Seine Engel, lobet Jhn alle Sein Heer. 3. Lobet Jhn, Sonne und Mond, lobet Jhn, alle leuch- tende Sterne. 4. Lobet Jhn, ihr Himmel allenthalben, und die Wasser, die oben am Himmel sind. 5. Die sollen loben den Namen des HErrn, denn Er gebeut, so wirds geschaffen. 6. Er haͤlt sie immer und ewiglich, Er ordnet sie, daß sie nicht anders gehen muͤssen. 7. Lo- Anders gehen, als sie muͤssen. 7. Lobet denn den HErrn auf Erden, Alle Wallfisch’, alle Tiefen! 8. Feuer, Hagel, Dampf und Schnee, Winde, welche GOtt geordnet, daß durch sie Sein Wort gescheh’; 9. Alle Berge, Huͤgel, Cedern, Baͤume, die befruchtet werden; 10. Das Gewuͤrm’ und alle Voͤgel, alle Thier’ und alles Vieh: 11. Alle Leut’, ihr Koͤnige, Fuͤrsten und ihr Richter hie! 12. Von den Juͤnglingen und Jungfern, von den Alten mit den Jungen 13. Sey des HErrn und Schoͤpfers Name, der allein nur hoch, besungen! Denn 7. Lobet den HErrn auf Erden, ihr Wallfische und alle Tiefen. 8. Feuer, Hagel, Schnee und Dampf, Sturm-Winde, die Sein Wort ausrichten. 9. Berge und alle Huͤgel, fruchtbare Baͤume und alle Cedern. 10. Thiere und alles Vieh, Gewuͤrme und Voͤgel. 11. Jhr Koͤnige auf Erden, und alle Leute, Fuͤrsten und alle Richter auf Erden. 12. Juͤnglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen, 13. Sollen loben den Namen des HErrn, denn Sein Na- me Denn Sein Lob geht weit, ja weiter, als selbst Erd’ und Himmel gehet. 14. Seines Volkes Segens-Horn wird von Jhm zum Heyl erhoͤhet. Unsern Herrscher sollen loben Seine Heil’gen fern und nah, Und Jsraels ganzes Volk, das Jhm dient. Halle- luja. Das me allein ist hoch, Sein Lob gehet, so weit Himmel und Er- den ist. 14. Und Er erhoͤhet das Horn Seines Volks, alle Seine Heiligen sollen loben, die Kinder Jsrael, das Volk, das Jhm dienet, Halleluja. Das Das 11te Capitel aus dem Buche der Weisheit, vom 22sten Verse an. v. 22. A lles hast Du, GOtt, geordnet mit Gewicht, mit Maß und Zal. Denn bey Dir ist allemal, Grosser Schoͤpfer, groß Vermoͤgen, Und wer kann sich doch der Macht Deines Arm’s zu- wider legen? 23. Wie das Zuͤnglein an der Wage; so ist auch vor Dir die Welt, Wie ein Tropf des Morgen-Thaues, welcher auf die Erde faͤllt. 24. Aber Du erbarmest Dich uͤber alles, bist gelinde, Du hast uͤber alles Macht, uͤbersiehst der Menschen Suͤnde, Nur daß sie sich bessern sollen. 25. Alles Das 11te Capitel. A ber Du hast alles geordnet mit Maß, Zal und Gewicht. Denn groß Vermoͤgen ist allezeit bey Dir, und wer kann der Macht Deines Arms widerstehen? 23. Denn die Welt ist vor Dir wie das Zuͤnglein an der Wage, und wie ein Tropf des Morgenthaues, der auf die Er- de faͤllt. 24. Aber Du erbarmest Dich uͤber alles, denn Du hast Ge- walt uͤber alles, und versiehest der Menschen Suͤnde, daß sie sich bessern sollen. 25. Denn 25. Alles liebst Du, das da ist, und von dem, was Du ge- macht, Hassest Du nicht das geringste. Du hast nichts hervor gebracht, Da Du Haß und Zorn zuhaͤttest. 26. Wie wuͤrd’ et- was bleiben koͤnnen, Wolltest Du ihm nicht sein Wesen, das Du einst gegeben, goͤnnen, Oder wie koͤnnt’ auf der Erden Etwas, das Du nicht gerufen, ohne Dich erhalten werden? 27. Du verschonest aber aller, denen Du das Wesen giebest: Denn sie sind ja Dein allein, HErr, der Du das Leben liebest, 28. Und Dein Geist, der unvergaͤnglich, ist mit gnaͤdigem C. 1211. Gefallen Stets in allen. Das 25. Denn Du liebest alles, das da ist, und hassest nichts, was Du gemacht hast: denn Du hast freylich nichts bereitet, da Du Haß zuhaͤttest. 26. Wie koͤnnte etwas bleiben, wenn Du nicht wolltest? oder wie koͤnnte erhalten werden, das Du nicht gerufen haͤttest? 27. Du schonest aber aller, denn sie sind Dein, Du Liebhaber des Lebens. Cap. 12. v. 1. Und Dein unvergaͤnglicher Geist ist in allen. Das Das 28ste Capitel, aus dem Buche Jesus Sirach. 1. W er sich raͤcht, an solchem wird GOtt der HErr sich wieder raͤchen, Und denselben nimmermehr los von seinen Suͤnden sprechen. 2. Ach vergib dem Naͤchsten doch, wenn er dich verletzt, im Leben! Bitte dann; so werden dir deine Suͤnden auch vergeben. 3. Ein Mensch zuͤrnet mit dem andern, und er will doch GOtt erweichen, 4. Er ist hart und unbarmherzig gegen and’re seines gleichen, Und will doch fuͤr seine Suͤnde bitten. 5. Er ist Fleisch und Blut, Und haͤlt gegen seinen Naͤchsten Rachgier, Hader, Zorn und Wut. Wer Das 28ste Capitel. W er sich raͤchet, an dem wird sich der HERR wieder raͤ- chen, und wird ihm seine Suͤnde auch behalten. 2. Vergib deinem Naͤchsten, was er dir zu leide gethan hat, und bitte dann, so werden dir deine Suͤnden auch vergeben. 3. Ein Mensch haͤlt gegen dem andern den Zorn, und will bey dem HErrn Gnade suchen. 4. Er ist unbarmherzig gegen seines gleichen, und will uͤr seine Suͤnde bitten. 5. Er ist nur Fleisch und Blut, und haͤlt den Zorn: wer will denn ihm seine Suͤnde vergeben? 6. Ge- Wer will ihm denn seine Schuld doch vergeben? 6. Denk’ aus Ende, Und laß alle Feindschaft fahren! 7. Die such’t nur Verderb und Tod; Und verbleib in den Geboten. 8. O gedenk’ an das Gebot, Und laß doch hinfort dein Draͤuen schwinden wider dei- nen Naͤchsten. 9. Liebe Sanftmut, und gedenke an den Bund des Aller- hoͤchsten! Der Unwissenheit Vergebung laß jedweden leichtlich finden! 10. Laß vom Hader ab! Als dann unterbleiben viele Suͤnden. 11. Denn ein Mensch voll gaͤhen Zorns zuͤndet immer Ha- der an, Und wer gottlos ist verwirret die, so sich in Freund- schaft laben, Und verhetzet an einander die, so guten Frieden haben. 12. Wenn des duͤrren Holzes viel ist, wird des Feuers desto mehr, Und 6. Gedenke an das Ende, und laß die Feindschaft fahren, 7. Die den Tod und das Verderben sucht; und bleibe in den Geboten. 8. Gedenke an das Gebot, und laß dein Draͤuen wider dei- nen Naͤchsten. 9. Gedenke an den Bund des Hoͤchsten, und vergib die Unwissenheit. 10. Laß ab vom Hader, so bleiben viele Suͤnden nach. 11. Denn ein zorniger Mensch zuͤndet Hader an, und der Gottlose verwirret gute Freunde, und hetzet wider einander, die guten Frieden haben. 12. Wenn des Holzes viel ist, wird des Feuers desto mehr, und wann die Leute gewaltig sind, wird der Zorn desto groͤs- ser, Und bey Leuten, die gewaltig, waͤchst der Zorn noch einst so sehr, Und wenn Leute reich, wird er desto heftiger genaͤhret, Und es brennet desto mehr, wenn der Hader lange waͤhret. 13. Jaͤch zum Hader seyn, erreget und entzuͤndet eine Gluht, Und wer jaͤch zum zanken ist, der vergiesset leichtlich Blut. 14. Wenn du in ein Fuͤnklein blaͤsest; ist ein Feuer bald entglommen, Welches das Verderben draͤuet. Doch wenn man aufs Fuͤnklein speyet; So verloͤschet es, und beydes kann aus deinem Munde kommen. ser, und wann die Leute reich sind, wird der Zorn desto hef- tiger, und wann der Hader lange waͤhret, so brennets desto mehr. 13. Jaͤch seyn zu hadern, zuͤndet Feuer an, und jaͤch seyn zu zanken, vergiesset Blut. 14. Blaͤsest du ins Fuͤnklein, so wird ein groß Feuer draus; speyest du aber ins Fuͤnklein, so verloͤschet es, und beydes kann aus deinem Munde kommen. II. Theil. L l L’Eter- L’ Eternité. Par un Anonyme. S ujet effrayant \& sublime, Dont l’immensité me confond! Goufre, ou l’ esprit se perd, inconcevable abime; Quelles couleurs te depeindront! Du Tems qui passe, mer profonde! Tout age sort de toi, tout siécle y doit finir. Tombeau futur de nòtre monde! Source des mondes à venir. Finir, commencer, mourir, vivre, S’arrêter, differer, poursuivre, Ne sont chez toi que mots vuides de sens; Tout incident de la Nature, Les tems passés, l’existence future En toi comme en un point concentrent leur in- stant. Heures, \& jours, semaines, mois, années, L’un sur l’autre accumulez-vous! Couréz remplir vos destinées, Par vòtre nombre étonnez-nous! Quelle suite prodigieuse! En vain l’ Algebre ingenieuse Dans ce calcul veut s’abimer. Mais qu’êtes vous au prix de la durée immense, Dont vous tirâtes la naissance? Vous ne sauriés seulement l’entamer. Ce- Die Ewigkeit. O Vorwurf, der so hoch als fuͤrchterlich, Deß Unermaͤßlichkeit das Herz mit Schrecken ruͤhret! O Abgrund, den kein Mensch begreift, in welchem sich Mein ganz verwirrter Geist verlieret; Mit welchen Farben mahl’ ich dich! Du tiefes Meer der Zeiten, die vergehen; Aus dir kommt jedes Jahr, das wieder in dich faͤllt. Du kuͤnftig’s Grab von uns’rer Welt, Du Quell, woraus dereinst die kuͤnst’gen Welt’ entstehen! Entstehn, sich enden, sterben, leben, Verweilen, folgen, Aufschub geben, Sind Woͤrter, die bey dir nichts heissen und nichts seyn. Die Folge der Natur, die Zeiten, so verschwunden, Versenken, samt den kuͤnft’gen Stunden, Jhr kurzes Seyn in dich, als einen Punct, hinein. Jhr Stunden, Tag’, ihr Wochen, Monden, Jahr’, Fort, haͤuft euch auf einander auf! Eilt, fliegt, erfuͤllet euren Lauf! Erschreckt uns durch die Zahl der ungezaͤhlten Schar. Welch ein gewaltigs Heer! Vergebens such’t das Denken Der tiefen Algebra darin sich zu versenken. Allein, was seyd ihr doch bey der Unendlichkeit, Aus welcher ihr gebohren seyd? Jhr seyd nicht einst geschickt, sie anzufangen. L l 2 Die Ces nobles faits, fruits des coeurs intrepides, Periront avec les Heros. Mille reflexions brillantes \& solides Suivront leurs auteurs aux tombeaux. Cette immortalité, dont leur âme est superbe, N’est auprès de l’ Eternité Que le moindre ruisseau, qui se trainant sur l’herbe, Se perd dans l’ Ocean, où son cours l’ a porté. Durables monumens, orgueuilleux Mausolées, En vain vos fondemens \& de marbre \& d’airain Pretendent-ils porter aux races reculées La gloire ou bien l’orgueil du Grec \& du Romain. Vous passerés tous comme une ombre; L’ Eternité dans sa nuit sombre De mille être passés Cahos triste \& confus, Confond ce qui n’est point avec ce qui n’est plus. Eh pourquoi donc avec tant de foiblesse Te livres-tu mon ame, à ton affliction? Pourquoi d’une langue traitresse Crains tu la persecution? Attache toi sans trouble à la sagesse austére! Meprise un moment de misere! Perce de l’avenir le voile redouté Que de tes douleurs la durée A l’ infini soit mesurée; Croi, que ce qui finit n’ a jamais existé. Que Die Thaten, wovon itzt so viele melden, Der edlen Geister Frucht, versinken samt den Helden Jn eine finst’re Nacht. Viel tausend herrliche, vortreffliche Gedanken Versenken sich mit dem, der sie gedacht, Jn seines Sarges enge Schranken. Die Unvergaͤnglichkeit, mit welcher ihre Selen Sich, voll von eitlem Stolz, vermaͤhlen, Jst bey der Ewigkeit ein kleines Baͤchlein nur, Von dessen kriechen man im Grase kaum die Spur Gewahr wird, und das sich im Ocean verlieret, Wohin sein Lauf es fuͤhret. Jhr festen Ehren-Mahl’, ihr stolzen Mausoleen, Umsonst such’t euer Grund von Erz und Marmor-Stein Bey Voͤlkern, die annoch von uns entfernet seyn, Den Ruhm, nein mehr den Stolz, der Griechen zu erhoͤhen. Jhr werdet alle schnell, dem Schatten gleich, vergehen; Die Ewigkeit in ihrer duͤstern Nacht, Jn welcher sie aus tausend Dingen, Die allbereit dahin sind und vergingen, Ein traurig wuͤstes Chaos macht, Vermischt, was niemal war, mit dem, was nicht mehr ist. Wie, daß du denn, mein Herz, so voller Schwachheit bist, Und uͤbergiebst dich selbst der Traurigkeit! Waruͤm Willt du so sehr den Gift und Grimm Verlaͤumderischer Zungen scheuen? Folg’ immer unbeweg’t der ernsten Weisheit Stimm! Veracht’ ein augenblicklich Leid! Durchdringe von der kuͤnft’gen Zeit Die grause Dunkelheit, Und suche das, was wahr, darin zu lesen! Vergleich die Dauer deiner Pein Mit der Unendlichkeit, Und glaube fest, daß das, so endlich, nie gewesen! L l 3 Mit Que du souverain bien la solide esperance T’arme d’une noble constance; Bientòt tu recevras de l’immortalité La supréme felicité, Et la veritable existence. The Mit edler Festigkeit bewaffne deinen Muht Die Hoffnung zu dem hoͤchsten Gut; So wirst du bald, von hinnen weggenommen, Jn unverwelklicher Unsterblichkeit Der seligsten Vollkommenheit, Dein wahres Wesen uͤberkommen. L l 4 Ge- The Spectator. Vol. V. No. 387. Voiez le Spectateur, Tome IV. Discours 26. I f we consider the World in its Subserviency to Men, one woud think, it was made for our use; but if we consider it in its natural Beauty and Harmony, one woud be apt to con- clude, it was made for our pleasure. The Sun, which is as the great Soul of the Universe, and produces all the Necessaries of Life, has a particular Influence in chearing the Mind of Men, and making the Heart glad. Those several living creatures, which are made for our service or sustenance, at the sa- me time either fill the woods with their Mu- sick, furnish us with Game, or raise pleasing Ideas in us by the delightfulness of their Appea- rance. Fountains, Lakes and Rivers are as re- freshing to the Imagination, as to the Soil, throug which they pass. There are writers of great distinction, who have made it an Argument for Providence, that Gedanken von der Welt Schoͤnheit. S ieht man die Welt Nach ihren Guͤtern an, wodurch sie uns erhaͤlt; So scheint sie uns zum Nutz hervor gebracht. Doch schauet man Sie bloß nach ihrer Pracht, Nach ihrer Harmonie und Schoͤnheit an; So scheinet sie zu uns’rer Lust gemacht. Die Sonne, so der Erde Sel’ und Geist Mit allem Rechte heisst, Aus welcher das, was Nutz und Narung bringet, Unstreitig groͤsten Teils entspringet, Erfuͤllet durchs Gesicht und durchs Gefuͤl die Brust Mit Anmut, Lieblichkeit und Lust. Die ungezaͤl’te Schar der Tiere, der Gefluͤgel, Die GOtt der HErr in unserm Leben Uns zum verschiedenen Gebrauch gegeben, Erfuͤllet auch zu gleicher Zeit Die Waͤlder, Felder, Thal und Huͤgel Mit mannigfalt’ger Lieblichkeit. Sie dienet uns zur Lust, zum jagen, Und durch die Schoͤnheit, so sie schmuͤckt, Erreget sie uns mancherley Behagen. Die klaren Baͤche, Fluͤss’ und Seen, Erfrischen, wenn man sie erblickt, Nicht minder das Gesicht und den Verstand, Als das durch sie erfrischte Land, Wodurch sie rieseln, fliessen, gehen. Verschied’ne grosse Geister meinen, Daß es durchaus nicht sey von ungesehr geschehen, Wann GOtt, den Kreis der Welt zu schmuͤcken, L l 5 Beschlos- that the whole Earth is covered with Green, rather then with any other Colour, as being such a right Mixture of Light and Shade, that it com- forts and strengthens the Eye, instead of weak- ning or grieving it. ‒ ‒ ‒ All Colours that are more luminous, overpower and dissipate the animal spirits, which are employed in sight; on the contrary, those that are more ob- scure, do not give the animal spirits a sufficient Exercise; whereas the Rays, that produce in us the Idea of green, fall upon the Eye in such a due Proportion, that they give the animal spi- rits their proper Play, and by keeping up the Struggle in a just Balance, excite a very pleasing and agreeable sensation. ‒ ‒ ‒ ‒ For this Reason several Painters have a green Cloth hanging near them, to ease the Eye upon after too great an Application to their Colouring. ‒ ‒ To consider further this double End in the works of Nature, and how the are at the same Time both useful and entertaining, we find that the most important parts in the vege- table world are those, which are the most beau- tiful. These are the Seeds, by which the seve- ral Races of Plants are propagated and conti- nued, Beschlossen hat, das holde Gruͤn Den andern Farben vorzuziehn. Ach nein! das Gruͤn, woran wir uns erqvicken, Jst ein so suͤß Gemisch vom dunkeln und vom Licht, Daß es das Menschliche Gesicht Nicht schwaͤcht durch gar zu hellen Schein. Die Farben, welche heller seyn, Die machen stumpf, zerstreuen und zerteilen Die Coͤrperlichen Geisterlein, Die, um zu sehen, stets aus unsern Augen eilen. Was aber dunkel ist, beweg’t die Geister nicht. Da uns im Gegenteil die Stralen, Die unserm Sinn das Gruͤne malen, Jn uns’rer Augen spiegelnde Krystallen So wol gemischt, so sanft gemildert fallen, Daß sie Den Geistern, die wir Thierisch nennen, Ein angenemes Spielwerk goͤnnen; Jndem durch dieses Gleich-Gewicht, Jn welches sie sich stets durch sanften Stoß bewegen, Sie unserm emsigen Gesicht’ Ein angenem Gefuͤl erregen. Wir sehn ja, daß den Schilderern das Gruͤne Zur Staͤrkung des Gesichtes diene. Wie sie denn guten Teils, um ihr Gesicht zu laben, Ein gruͤnes Tuch bey ihrer Werkstatt haben. Um nun den doppeln Zweck und Absicht der Natur Jn ihren vollenkomm’nen Werken Noch etwas deutlicher zu merken, Wie sie bemuͤht, so Nutzen als Ergetzen Zusammen mehrenteils zu setzen; So lasst uns noch ein wenig weiter gehn! Wir sehn, Daß sich die noͤtigsten und allerbesten Stuͤcken, Die wir im Pflanzen-Reich’ erblicken, Am nued, and which are always lodged in Flow- ers or Blossoms. Nature seems to hide her principal design, and to be industrious in making the Earth gay and delightful, while she is car- rying on her great Work, and intent upon her own Preservation. The Husband-Man after the same Manner is employed in laying out the whole Country into a Kind of Garden or Land- skip, and making every thing smile about him, whilst in Reality he thinks of nothing, but of the Harvest, and Encrease which is to arise from it. We may further observe, how Providen- ce has taken Care, to keep up this Chearfulness in the Mind of Men, by having formed it after such a manner, as to make it capable of concei- ving Delight from several Objects, which seem to have very little use in them, as from Wildness of Rocks and Desarts, and the like grotesque Parts of Nature. ‒ ‒ and why has Providence given it a Power of producing in us such imaginary Qualities, as Tastes and Colours, Sounds and Smells, Head and Cold, but that Man, while he is conversant in the lower Stations of Nature, might have his Mind cheared and delighted with agreeable sensations? In short, the whole Universe is a Kind of Theatre filled with Objects, that either raise in us Pleasure, Amusement, or Admiration. The Am allerschoͤn’sten schmuͤcken. Man seh den Samen an, wodurch die Pflanze sich Fuͤr ihrem Untergang beschirmen kann; Ob selber nicht gemeiniglich Jn einer schoͤnen Bluhme stecke! Es scheint, daß die Natur ihr grosses Werk verdecke, Und daß sie emsig sey, damit die Erde Ein lieblich Ansehn hab’, und schoͤn geschmuͤcket werde: Jnzwischen, daß sie ins geheim bemuͤht, Jhr Haupt-Werk herrlich auszufuͤhren, Jn welchem sie auf ihr’ Erhaltung sieht. Man kann am Ackersmann von ihr ein Beyspiel spuͤren, Als welcher, da er pfluͤg’t und graͤb’t, Mit vieler Muͤhe sich bestreb’t, Recht wie ein Garten-Feld den Acker auszuzieren, Ob er gleich in der That Die Erndte bloß zu seinem Endzweck hat. Man kann noch ferner seh’n, Daß, wie es die Erfahrung weis’t, Der grosse Schoͤpfer unsern Geist Auf solche Weise bilden wollen, Daß auch selbst schroffe Klippen, Wuͤsten Mit fremden und geheimen Luͤsten Jhn ruͤhren und erfuͤllen sollen. Unstreitig ist es ja, da GOtt die Kraft Jn Seine Creatur geleget, Daß jede Sinnlichkeit und Leidenschaft Durch Farben, Toͤne, Kaͤlt’ und Waͤrm’ in uns erreget; Daß es nur bloß darum geschehen sey, Damit der Mensch durch suͤsse Sinnlichkeiten Derselben sich erfreu. Mit einem Wort’: es ist die Welt Ein Schau-Platz voller Seltenheiten, Die uns Verwund’rung, Lust und Zeit-Vertreib bereiten. Ach The Reader’s own Thoughts will suggest to him the vicissitude of Day and Night, the Change of Seasons, with all that Variety of Scenes, which diversify the Face of Nature, and fill the Mind with a perpetual Succession of beautiful and pleasing Images. I shall not here mention the several En- tertainments of Art, with the Pleasures of Friendschip, Books, Conversation, and other accidental Diversions of Life, because J woud only take Notice of such Incitements to a chear- ful Temper, as offer themselves to Persons of all Ranks and Conditions, and which may suf- ficiently shew us, that Providence did not de- sign, this world shoud be filled with Mur- murs and Repinings, or that the Heart of Men shoud be involved in Gloom and Melancholy. The Ach man bedenke doch einmal Den steten Wechsel uns’rer Zeiten, Des Tages und der Nacht, Zusamt der Aend’rungs-reichen Pracht Der Scenen, die den Schau-Platz der Natur Mit so verschied’nem Schmuck von mancherley Figur Und unsern Geist, fel’t’ es nur nicht am Willen, Mit tausend lieblichen und schoͤnen Bildern fuͤllen! Jch rede hier nicht einst von aller Lust, Die aus der Wissenschaft und Kuͤnsten uns entspringet, Die Freundschaft und Gesellschaft bringet, Dieweil ich bloß in eure Brust Wuͤnsch’ ein’ Empfindlichkeit von Dingen einzupraͤgen, Die einem jeden sich von selbst vor Augen legen, Und die uns augenscheinlich weisen, Wie GOtt (der ewiglich dafuͤr zu preisen) Durchaus nicht wolle, Daß man die Welt mit Gram und Murren fuͤllen solle, Noch daß in graͤmliche Melancholey Der Menschen Herz versenket sey. Ande- The Guardian, Vol. II. No. 169. Voiez le Mentor moderne, Tome III. Discours 141. I n fair Weather, when my Heart is cheered and I feel that Exaltation of Spirits, which results from Light and Warmth, joined with a beautiful Prospect of Nature, I regard my self as one placed by the Hand of God in the midst of an ample Theatre, in which the Sun, Moon and Stars, the Fruits also, and Vegetables of the Earth, perpetually changing their Positions or their Aspects, exhibit an elegant Enter- tainment to the Understanding as well as to the Eye. Thunder and Lightning, Rain and Hail, the painted Bow, and the glaring Comets, are Decorations of this mighty Theatre. And the sable Hemisphere studded with Spangles, the blue Vault at Noon, the glorious Gildings and rich Colours in the Horizon, I look on as so many successive Scenes. When Andere Gedanken von Betrachtung der Welt. B ey aufgeklaͤr’ter Luft, wenn mein Gemuͤt geruͤhret, Die Wallung meiner Geister spuͤret, Die Waͤrm’ und Licht, zusamt der Pracht Der gruͤnenden Natur, von neuen rege macht; Alsdann betracht’ ich mich, Als haͤtte mich die Hand des Schoͤpfers aller Welt Jn ein fuͤrtreffliches Theater hingestellt, Worauf die Sonn’ und Mond, die Sterne, Bluhmen, Fruͤcht’, Jn stetiger Veraͤnd’rung ihres Standes, Verschiedliche Verbindungen formiren, Und dadurch nicht allein das leibliche Gesicht, Auch meiner Selen Aug’, empfindlich ruͤhren. Der Donner selbst, der Blitz, der Hagel und der Regen, Ja der Cometen Schein, der Bogen, der so schoͤn, Die lassen sich zum Schmuck auf diesem Schau-Platz sehn. Jch seh’ im ausgespannt- und glaͤnzenden Lasur Der Wolken guͤld’nen Glanz, der reichen Farben Spur, Die man nicht g’nug bewundern kann, Jn ihrer Aenderung als so viel Scenen an. II. Theil. M m Wann When I consider Things in this Light, me- thinks it is a Sort of Impiety, to have no atten- tion to the Course of Nature, and the Revolu- tions of the Heavenly Bodies. To be regardless of those Phænomena, that are placed within our View, on purpose to entertain our Faculties, and display the Wisdom and Power of their Creator, is an Af- front to Providence ‒ ‒ And yet how few are there, how attend to the Drama of Nature, its artificial Structure, and those admirable Machines, whereby the Passions of a Philosopher are gratefully agitated, and his Soul affected with the sweet Emotions of Joy and Surprize? Le Wann ich in solchem Stand’ auf die Geschoͤpfe sehe; So find’ ich, daß, da man sie nicht betrachtet, Noch auf die herrlichen Gesetze der Natur, Und die so wunderbare Spur Der Coͤrper an dem Himmel achtet; Es sonder einer Ahrt von Bosheit nicht geschehe. Nicht einst die Augen zu erheben Auf alle Wunderwerk, die uns in Meng’ umgeben, Um uns, in ihrer Schoͤnheit Pracht, Des Schoͤpsers Weisheit, Lieb’ und Macht, Zu Dessen Preise, vorzustellen, Jst, meiner Meynung nach, Nicht eine kleine Schmach Der Goͤttlichen Versehung angethan. Allein, Wie ist die Zahl derselben doch so klein, Die der Natur so herrlichs Schau Werk achten, Die mannigfalt’ge Kunst desselbigen betrachten, Die Pracht der trefflichen Machinen uͤberlegen, Die einen weisen Mann zu GOttes Ruhm bewegen, Und die in seiner Brust So von Verwund’rung als von Lust Die allersuͤssesten Bewegungen erregen? M m 2 Die Le Mariage. Par l’ Abbé Regnier. P our vous dire mon sentiment Sur le sujet du mariage, C’est un état doux \& charmant, Quand l’ époux \& l’ épouse à la fleur de leur âge Apportent tous deux en ménage, Avec un bien commode \& de facile usage, Un corps propre, bienfait, de bon temperament, Un cœur de part \& d’ autre exemt d’ engage- ment, Une humeur douce, aisée, un esprit doux \& sage, Qui sache au serieux joindre le badinage, Et, sans aimer le monde avec attachement, Le connoisse, le goûte \& s’ en passe aisément. Dans une liaison telle, que je l’ ai dite, Tous les jours sont heureux, les nuits ont leur mérite; Et lorsque le Soleil reparoit dans les Cieux, C’est avec un plaisir sensible, Que l’ épouse \& l’ époux, aprés le tems paisible D’ un sommeil doux \& gracieux, Tournent à leur réveil l’ un sur l’autre les yeux. Dès qu’il s’agit de quelque affaire; En secret tout se delibére: Et s’ ils ont quelque ‒ fois des avis differens, L’ autorité, l’ humeur n’ est point ce qui decide. On s’ éclaircit l’un l’autre, on s’ instruit, on se guide, Sans trop abonder en son sens; Et Die Ehe. S o viel mir von der Eh bekannt, Will ich euch itzt zu wissen suͤgen. Es ist ein angenemer Stand, Ein Stand voll Anmut und Vergnuͤgen, Wenn Mann und Frau, in ihrer Jahrer Bluͤhte, Nebst einem billigen vertraͤglichen Gemuͤte, Und guten Mitteln, in die Eh Gesunde, wohlgebildete, Und starke frische Coͤrper bringen, Auch ein von anderer Verbindung freyes Herz Samt einem sanften Geist’ in allen Dingen, Der auch beym Ernst zuweilen Scherz Herfuͤr zu bringen weiß, und der die Welt, Ohn daß sie ihm zu wol gefaͤllt, Kennt, braucht, und gleichwol auch es unterlassen kann. Jn solcher Ehe nun, davon ich sage, Sind alle Naͤchte suͤß, und gluͤcklich alle Tage. Kaum bricht der kuͤle Morgen an; So kehren Mann und Frau, nach einer sanften Ruh’, Jhr laͤchlend Auge schon einander froͤhlich zu. Koͤmmt etwas ernstes vor; erwaͤg’t mans in der Stille, Und stimmt man etwan einst nicht uͤberein; So muß nicht die Gewalt, nicht Eigenwille, Jn ihren Sachen Richter seyn. Man unterweiset sich, man leitet, Man stellt’s einander vor, erklaͤr’t sich, und bedeutet, Ohn daß man sich dabey zu weise duͤnken lasse. M m 3 Wie Et comme ils ont tous deux l’ esprit juste \& solide, Ils discutent si bien leurs differens avis, Que la droite raison préside, Et voit toûjours les siens suivis. En cet étât digne d’ envie, Ils partagent toûjours entr’ eux Les biens \& les maux de la vie; Ils se rendent ainsi tous deux Et les biens plus piquans, \& les maux moins facheux. Que si de leur hymen illeur vient quelque gâge, Ils sentent redoubler leur amour conjugal, Ils se plaisent á leur ouvrage, Qu’ils elevent ensemble avec un soin egal. Ils sont charmez d’yvoir leur portrait, leur visage, Et deja par avance òsent en espérer Tout ce qu’un tendre amour les porte à desirer. Passons aus nœuds, où je suppose Que l’épouse \& l’époux se rendent malheureux, Sans nul sujet, sans nulle cause, Que le peu de raison des deux. Quelle union, grands Dieus! qu’ une union semblable! Qu’une union, qui n’ aboutit, Qu’à se gronder toûjours mangeant à même table, Qu’ à se tourner le dos couchant au même lit. Survient-il des enfans; car enfin la nature Se Wie sie nun beide fest und wol gedenken; So wissen sie in solcher Masse Die Untersuchung einzulenken, Daß der Verstand Die Oberhand Und das Vergnuͤgen hat, zu sehen, wie sein Raht Jn allem stets gefolget werde. Jn diesem Stande-nun, der fast beneidens wehrt, Teilt jeder unter sich die Lust und die Beschwerde, Die ihnen beiden wiederfaͤhrt, Und also machen sie noch suͤsser das, was suͤsse; Das bitt’re mindern sie. Wenn sich nun ihre Kuͤsse Durch eine Frucht gesegnet sehn; Verdoppeln sich die zarten Triebe Von ihrer ehelichen Liebe. Sie haben ihre Lust und freuen sich An ihrem eig’nen Werk gemeinschaftlich, Das sie mit froͤhlichem und emsigem Bemuͤhn Zugleich versorgen und erziehn. Sie sind recht inniglich geruͤhrt, von Lust entzuͤndet, Wenn jeder sein Gesicht darin gebildet findet; Wobey sie zum voraus das an zu hoffen fangen, Was ihre Zaͤrtlichkeit sie treibet zu verlangen. Nun lasst uns auch den Ehestand beschauen, Worin der Mann mit seiner Frauen Jhr Leben selber sich verleiden, Ohn’ Ursach’ und ohn’ andern Grund, Als den zu wenigen Verstand von beiden. O Himmel, welch ein Band ist doch ein solches Band! Ein Band, das dazu bloß gebunden scheint, Daß man an einem Tisch sich zanke sonder Ende, Jn einem Bette stets sich nur den Ruͤcken wende! Giebts Kinder; (weil doch oft sie die Natur vereint, M m 4 Und Se mêle quelque-fois de les raccommoder: Autre matiére de gronder! L’épouse incommodée à toute heure murmure, S’en prend sans cesse à son époux, Qui, sans amitié, sans tendresse, La plaint peu, de soufrir les maux d’une grossesse, Dont il faut nuit \& jours qu’il sente les degoûts. Mais lorsque tous les deux jaloux D’ amertume \& de fiel se nourissent sans cesse; Quel supplice, quel enfer est-ce! L’hymen à ce pris-là mérite-t-il la presse? C’est ainsi cependant qu’ils sont faits presque tous. Le Und sich bemuͤht, sie zu vertragen.) Gelegenheit, aufs neu zu zanken und zu klagen! Die Frau murr’t allezeit Mit ihrem Mann’, und schmaͤlet, Daß er, ohn’ alle Lieb’ und Zaͤrtlichkeit Sie nicht beklag’t, wie sehr die Schwangerschaft sie quaͤlet, Die ihm gleichwol so Tag als Nacht Verdruß und Eckel macht. Wenn sie nun beide gar, voll Eifersucht zumal, Mit Gall’ und Bitterkeit sich naͤhren; Was ist das fuͤr ein Creuz! welch eine Hoͤllen-Qual! Jst nun der Ehestand, da er so sehr beschwehrt, Wol, daß man sich dazu so aͤngstlich draͤnge, wehrt? Von dieser Ahrt jedoch sind, leider! wie wir sehen, Die meisten Ehen. M m 5 Das Le Jeu. Par Madame Des-houliéres. L es plaisirs sont amers d’ abord qu’on en abuse: Il est bon, de jouer un peu; Mais il faut seulement, que le jeu nous amuse. Un joueur, d’ un commun aveu, N’a rien d’humain que l’apparence, Et d’ailleurs il n’ est pas si facile, qu’on pense, D’être fort honnête homme, \& de jouer gros jeu. Le desir de gagner, qui nuit \& jour l’occupe, Est un dangereux aiguillon. Souvent, quoique l’esprit, quoique le cœur soit bon, On commence par être dupe, On finit par être fripon. Le Das Spiel. M ißbrauchet man der Lust; so wird sie gleich zu Gallen. Ein wenig spielen schadet nicht; Doch muß das Spiel nur bloß zum Zeit-Vertreib gefallen. Ein Spieler hat, nach aller Welt Bericht, Gar nichts, was menschlich ist, als nur den blossen Schein. Recht ehrlich, und ein Spieler seyn, Jst schwerer, als man glaubet. Die heisse Sucht, nur immer zu gewinnen, Die ihn des Tages plag’t, des Nachts der Ruh beraubet, Jst ihm ein steter Sporn und Stachel seiner Sinnen. Und waͤr’ er von Natur der Redlichkeit gewogen; So ist doch dieß der allgemeine Lauf: Man faͤnget an, und wird betrogen, Und hoͤr’t als ein Betrieger auf. Der Le Songe. Par Msr. Patru. J e songeois cette nuit, que, de mal consumé, Còte à còte d’un pauvre on m’avoit inhumé, Et que n’en pouvant pas soufrir le voisinage, En mort de qualité je lui tins ce langage: Retire-toi, Coquin, va pourir loin d’icy; Il ne t’ appartient pas, de m’approcher ainsi. Coquin, ce me dit-il, d’une arrogance extrême, Va chercher tes coquins allieurs, Coquin toi- même; Ici tous sont égaux, je ne te dois plus rien: Je suis sur mon fumier, comme toi sur le tien. Le doute. Par un Anonyme. U n DIEU, le ciel, l’ enfer, sont peut-être des fables; Ce doute calme-t-il des esprits raisonnables? Examine, ou trop tard dissipant ton erreur L’affreuse verité te remplira d’ horreur. Der Traum. M ir traͤumte diese Nacht, daß, aus der Welt’gerafft, Bey einem Armen ich mich eingescharret fuͤl’te, Und daß ich, voll Verdruß ob seiner Nachbarschaft, Als ein verstorb’ner Herr ihm diese Rede hielte: Geh, packe dich, du Schurk! verfaule weit von hier! Dir kommts durchaus nicht zu, daß du so nah bey mir. Du Schurk? Sprach er darauf recht grob und freventlich, Such deine Schurken sonst, Schurk, der du selber bist. Hier sind wir alle gleich; ich schier mich nichts um dich. Jch bin auf meinem, so wie du auf deinem, Mist. Der unvernuͤnftige Zweifel. G OTT, der Himmel und die Hoͤlle sind vielleicht nur eit’le Grillen. Jst es moͤglich, daß ein Mensch bey dem Zweifel ruhig bleibt? Untersuch’s! Sonst wird zu spaͤt, wenn sie deinen Wahn vertreibt, Die nur gar zu grause Wahrheit dich mit Angst und Qual erfuͤllen. Regi- Register der in diesem Buche befindlichen Poesien, nach dem Alphabet. Die mit † bezeichneten handeln von gleicher Materie mit verschiedenen Stuͤcken aus vorigem Teile. Abend-Gebet. ‒ ‒ 225 GOttes Allgegenwart. ‒ ‒ 77 Die Ameise. ‒ ‒ ‒ 45 Kleine Anrede der Kinder bey den vier Zei- ten-Mahlzeiten. ‒ ‒ 140 Apricosen. v. Pfirschen. Aufmunterung an andere zu gleichmaͤssi- ger Betrachtung der Werke GOttes. 502 Betrachtung der Baͤume. ‒ ‒ 257 Baum v. Kirsch-Baum. v. Obst-Baͤume. Die Bienen. ‒ ‒ ‒ 35 † Noch einige Betrachtung der Bluͤhte. ‒ 30 Bluͤhte. v. Kirsch-Bluͤhte. v. Pfirschen. Die redende Bluhme. ‒ ‒ 56 Noch eine Bluhme, die redet. ‒ ‒ 58 Bluhmen. v. Cytene. v. Flos Africanus. v. Garten-Bluhmen. v. Hyacinthen. v. Korn-Bluhme. v. Lilje. Bluh- Register. Bluhmen v. Malva. v. Mayen-Bluhmen. v. Merz-Veilchen. v. Muscat-Hyacinthe. v. Narcisse. v. Ranunkel. v. Rosen-Strauch. v. Schnee- und Crocus-Bluhme. v. Tulpe. Buch. v. Welt-Buch. Der verstockte Chrysander. ‒ ‒ 102 Crocus-Bluhme. v. Schnee-ꝛc. Die Cyrene. ‒ ‒ ‒ 52 Die beste Dankbarkeit. ‒ ‒ 150 Die Elbe. ‒ ‒ ‒ 161 Die Erde. ‒ ‒ ‒ 193 Eis. v. Treib-Eis. Der Fisch-Teich. ‒ ‒ 105 Flos Africanus, und Ritter-Sporn. ‒ 360 Fontaine. v. Spring-Brunn. Fragen. ‒ ‒ 100 Wahre Freude. ‒ ‒ ‒ 129 Der Frosch. ‒ ‒ ‒ 46 † Fruͤhlings- Betrachtung. ‒ 21 Wirkung des Fruͤhlings im Menschlichen Gemuͤte. ‒ ‒ ‒ 95 Fruͤh- Register. Fruͤhlings- Cantata. ‒ ‒ 141 Noch eine. ‒ ‒ 144 Noch eine. ‒ ‒ 147 Fruͤhlings- Seufzer. ‒ ‒ 87 Anmutige Fruͤlings- Vorwuͤrfe. ‒ 55 Fruͤhling. v. Kuͤchen-Garte. Garten-Bluhmen, aus blossem Wasser, sonder Erde, gewachsen. ‒ ‒ 420 † Garten. v. Kuͤchen-Garten. Gebet. v. Abend-Gebet. v. Mittags-Gebet. v. Morgen-Gebet. Das Gefuͤl. ‒ ‒ 324 Beschreibung einer anmutigen Gegend um Hamburg. ‒ ‒ ‒ 347 Gegend. v. Landschaft. Das Gehoͤr. ‒ ‒ ‒ 309 Der Geruch. ‒ ‒ 122 . 301 Der Geschmack. ‒ ‒ 318 Das Gesicht. ‒ ‒ ‒ 286 Das Getraide. ‒ ‒ 151 GOtt. v. Allgegenwart. v. Groͤsse. GOttes-Dienst. v. Selbst-Dienst. † Das bethaute Gras. ‒ ‒ 263 Das Register. Das Grase-Pferdchen. ‒ ‒ 265 GOttes Groͤsse in den Wassern. ‒ 163 † Die, durch die Betrachtung des Menschli- chen Nichts, verherrlichte Groͤsse GOttes. Auf das 1725ste Jahr. ‒ ‒ 440 Verschiedenes Gruͤn. ‒ ‒ ‒ 96 Die Heide. ‒ ‒ ‒ 191 † Noch andere Herbst- Betrachtungen. ‒ 398 † Der Wolken- und Luft- Himmel. ‒ 3 Himmel. v. Schrift. † Ein Bett voll Hyacinthen. ‒ ‒ 18 Hyacinthe. v. Muscat-Hyacinthe, Auf das neue Jahr, 1724. ‒ 429 Auf das neue Jahr, 1725. v. Groͤsse. Auf das neue Jahr, 1726. ‒ 467 Jahrs-Zeiten. v. Anrede. Das Kind. ‒ ‒ 189 Ein alter, umgeweheter Kirsch-Baum. ‒ 75 Kirsch-Bluͤhte bey der Nacht. ‒ 29 † Die Knospe. ‒ ‒ ‒ 48 Die Korn-Bluhme. ‒ ‒ 73 Der Kuͤchen-Garte im Fruͤhlinge. ‒ 50 Die Heerde Kuͤhe. ‒ ‒ 170 Der Kuͤrbis. ‒ ‒ ‒ 268 † Die, durch eine schoͤne Landschaft in der II. Theil. N n Luft, Register. Luft, vermehrte Schoͤnheit einer irdischen Landschaft. ‒ ‒ 338 Dir Lilie. ‒ ‒ ‒ ‒ 88 Die Luft. ‒ ‒ ‒ 235 Luft. v. Himmel. Die Malva. ‒ ‒ 368 Mayen-Bluhmen. ‒ ‒ 43 Merz-Veilchen und Marien-Bluhmen. ‒ 12 Mittags-Gebet. ‒ ‒ 224 † Der Mond. ‒ ‒ 130 Abermalige Betrachtung des Mond- Scheins. ‒ ‒ 135 Das Mooß. ‒ ‒ 71 † Morgen-Gebet. ‒ ‒ 223 Die Muscat-Hyacinthe. ‒ ‒ 37 Nacht. v. Kirsch-Bluͤhte. v. Mond. Die Narcisse. ‒ ‒ 60 Neu-Jahr. v. Jahr. Betrachtung vieler Obst-Baͤume. ‒ 221 Bluͤhende Pfirschen und Apricosen. ‒ 24 Die Ovitte. ‒ ‒ 374 Die Ranunkel. ‒ ‒ ‒ 63 † Der Regen. ‒ ‒ 174 Ritter-Sporn. v. Flos Africanus. † Der Register. † Der wilde Rosen-Strauch. ‒ 172 Der Sand. ‒ ‒ ‒ 218 Der Schatten. ‒ ‒ 79 Der Schnee. ‒ ‒ 411 Die Schnee- und Crocus-Bluhme. ‒ 15 Die himmlische Schrift. ‒ ‒ 180 Selbst-Dienst, kein GOttes-Dienst. ‒ 231 Die Sinne. ‒ ‒ 284 Die fuͤnf Sinne. ‒ ‒ 286 Die Sinne. v. Gefuͤl. v. Gehoͤr. v. Geruch. v. Geschmack. v. Gesicht. † Wirkung der Sonne, ‒ 139 Noch einige Betrachtung der Sonne. ‒ 382 Die Sonnen-Bluhme. ‒ 365 Der Spring-Brunn. ‒ ‒ 109 Die Sterne. ‒ ‒ 346 Der Tannen-Wald. ‒ ‒ 415 Teich. v. Fisch-Teich. † Der Thau. ‒ ‒ ‒ 261 Thau. v. Gras. † Die Trauben. ‒ ‒ 343 Das Treib-Eis. ‒ ‒ 425 N n 2 Trop- Register. Tropfen. v. Wasser-Tropfen. Trost. ‒ ‒ ‒ 500 Die Tulpe. ‒ ‒ 38 Veilchen. v. Merz-Veilchen. Die schnelle Veraͤnderung. ‒ 392 Zu viel und zu wenig. ‒ ‒ 280 † Violen. v. Merz-Veilchen. Menschliche Unachtsamkeit. ‒ 121 Menschllche Unempfindlichkeit. ‒ 149 Ein fester Vorsatz. ‒ ‒ 127 † Wald. v. Tannen-Wald. † Ein klares Wasser. ‒ ‒ 154 Noch einige Betrachtung des klaren Wassers. ‒ ‒ ‒ 158 Wasser v. Groͤsse. † Die Welt, allezeit schoͤn. ‒ ‒ 87 Das Welt-Buch. ‒ ‒ 124 Ein neblichtes und schlackriches Wetter. 401 Die Wiese. ‒ ‒ ‒ 65 † Der Winter. ‒ ‒ ‒ 406 Das Menschliche Wissen. ‒ 497 Wolken. v. Himmel. ‒ ‒ 378 Der Zahn. ‒ ‒ 378 Die Zufriedenheit. ‒ ‒ 227 Regi- Register. Register der Uebersetzungen in ihrer Ordnung. Der 92ste Psalm. ‒ ‒ ‒ 514 Der 104te Psalm. ‒ ‒ 516 Der 148ste Psalm. ‒ ‒ 523 Das 11te Cap. aus dem Buche der Weis- heit. ‒ ‒ ‒ ‒ 525 Das 28ste Capitel aus dem Buche Jesus Sirach. ‒ ‒ ‒ ‒ 527 Die Ewigkeit, aus dem Franzoͤsischen ei- nes unbekannten Verfassers. ‒ 531 Gedanken von der Welt Schoͤnheit, aus dem Englischen des Spectators. ‒ 537 Andere Gedanken von der Welt, aus dem Englischen des Guardians. ‒ 545 Die Ehe, aus dem Franzoͤsischen des Abts Regnier. ‒ ‒ ‒ 549 Das Spiel aus dem Franzoͤsischen von Ma- dame Des-houliêres. ‒ ‒ 555 Der Traum, aus dem Franzoͤsischen von Mr. Patru. ‒ ‒ ‒ 557 Der unvernuͤnftige Zweifel, aus dem Franzoͤsischen eines unbekannten Ver- fassers. ‒ ‒ 557 N n 3 Cor- Corrigenda. Pag. 9. lin. 3. von unten: So wie wir uns am Licht’ im Widerschlag ergetzen. p. 114. lin. 20-26. Wann aber etc. Und lieb- lich widerscheinen sehn. Bleibt weg. p. 358. lin. 3. von unten: Denn man muß nicht allein, p. 362. lin. 8. Sich viel fach eingeteilet hat, p. 375. lin. 24. Der Hand nicht gerne weicht; doch sich ver wi schen laͤsst. p. 390. lin. 9. Wann ein Punct nur, addatur Comma. p. 392. lin. 3. Nachdem der Schatten Heer sich Westen-waͤrts ver borgen, p. 404. lin. 6. von unten: Ein Dunst, der ein un- fuͤlbar Nichts, p. 442. lin. 10. von unten: Und dessen Unschuld erst, nachdem er umgebracht, p. 453. lin. 21. Daß GOtt als wie ein Gott etc. p. 488. lin. 14. Als uns’re Kuͤchen, welche gehen, del. stehen, p. 504. lin. ult. Das hoch erhaben steht, durch Na cht etc.