Wissenschaft der Logik. Von Dr. Ge. Wilh. Friedr. Hegel , Professor und Rector am Koͤnigl. Bayerischen Gymnasium zu Nuͤrnberg. Zweiter Band. Die subjective Logik oder Lehre vom Begriff . Nuͤrnberg , bey Johann Leonhard Schrag . 1816 . Wissenschaft der subjectiven Logik oder die Lehre vom Begriff von Dr. Georg Wilh. Friedr. Hegel , Professor und Rector am Koͤnigl. Bayerischen Gymnasium zu Nuͤrnberg. Nuͤrnberg , bey Johann Leonhard Schrag . 1816 . Vorbericht . D ieser Theil der Logik, der die Lehre vom Begriffe enthaͤlt, und den dritten Theil des Gan- zen ausmacht, wird auch unter dem besondern Ti- tel: System der subjectiven Logik , zur Be- quemlichkeit derjenigen Freunde dieser Wissenschaft ausgegeben, die fuͤr die hier abgehandelten, in dem Umfange der gewoͤhnlich so genannten Logik befaßten Materien ein groͤsseres Interesse zu haben gewoͤhnt sind, als fuͤr die weitern logischen Gegenstaͤnde, die in den beyden ersten Theilen abgehandelt worden. — Fuͤr diese fruͤhern Theile konnte ich auf die Nach- sicht billiger Beurtheiler wegen der wenigen Vor- arbeiten Anspruch machen, die mir einen Anhalt, Materialien und einen Faden des Fortgangs haͤt- * 2 ten Vorbericht . ten gewaͤhren koͤnnen. Bey dem gegenwaͤrtigen, darf ich diese Nachsicht vielmehr aus dem entgegen- gesetzten Grunde ansprechen; indem sich fuͤr die Lo- gik des Begriffs ein voͤllig fertiges und festge- wordenes, man kann sagen, verknoͤchertes Material vorfindet, und die Aufgabe darin besteht, dasselbe in Fluͤssigkeit zu bringen, und den lebendigen Begriff in solchem todten Stoffe wieder zu entzuͤnden; wenn es seine Schwierigkeiten hat, in einem oͤden Lande eine neue Stadt zu erbauen, so findet sich zwar Material genug, aber desto mehr Hindernisse anderer Art, wenn es darum zu thun ist, einer al- ten, festgebauten, in fortwaͤhrendem Besitz und Be- wohnung erhaltenen Stadt eine neue Anlage zu geben; man muß sich unter anderem auch entschlies- sen, von vielem sonst werthgeachtetem des Vorraths gar keinen Gebrauch zu machen. — Vornemlich aber darf die Groͤsse des Gegen- standes selbst zur Entschuldigung der unvollkomme- nen Ausfuͤhrung angefuͤhrt werden. Denn welcher Gegenstand ist erhabener fuͤr die Erkenntniß, als die Vorbericht . die Wahrheit selbst? — Der Zweifel aber, ob nicht dieser Gegenstand es eben sey, der einer Ent- schuldigung beduͤrfe, liegt nicht aus dem Wege, wenn man sich des Sinns erinnert, in welchem Pila- tus die Frage: was ist Wahrheit ? sagte; — nach dem Dichter: ‒ ‒ ‒ ‒ mit der Miene des Hofmanns, die kurzsichtig, doch laͤchelnd des Ernstes Sache verdammet. Jene Frage schließt dann den Sinn, der als ein Moment der Hoͤflichkeit angesehen werden kann, und die Erinnerung daran in sich, daß das Ziel, die Wahrheit zu erkennen, etwas bekanntlich aufge- gebenes, laͤngst abgethanes, und die Unerreichbarkeit der Wahrheit auch unter Philosophen und Logikern von Profession etwas anerkanntes sey? — Wenn aber die Frage der Religion nach dem Werthe der Dinge, der Einsichten und Handlungen, die dem Inhalte nach, einen gleichen Sinn hat, in unsern Zeiten ihr Recht sich wieder mehr vindicirt, so muß wohl die Philosophie hoffen, daß es auch nicht mehr * 3 so Vorbericht . so auffallend gefunden werde, wenn sie wieder, zu- naͤchst in ihrem unmittelbaren Felde, ihr wahrhaftes Ziel geltend macht, und nachdem sie in die Art und Weise und in die Anspruchslosigkeit anderer Wis- senschaften auf Wahrheit, herabgefallen, sich wieder zu demselben zu erheben strebt. Wegen dieses Ver- suchs kann es eigentlich nicht erlaubt seyn, eine Entschuldigung zu machen; aber wegen der Ausfuͤh- rung desselben darf ich fuͤr eine solche noch erwaͤh- nen, daß meine Amts-Verhaͤltnisse und andere per- soͤnliche Umstaͤnde mir nur eine zerstreute Arbeit in einer Wissenschaft gestatteten, welche einer unzer- streuten und ungetheilten Anstrengung bedarf und wuͤrdig ist. Nuͤrnberg den 21. Jul. 1816. In- Inhaltsanzeige . Vom Begriff im Allgemeinen S. 1—30 . Eintheilung S. 30—33 . Erster Abschnitt . Die Subjectivitaͤt S. 34—191 . Erstes Kapitel . Der Begriff S. 36—70 . A. Der allgemeine Begriff S. 37 . B. Der besondre Begriff S. 44 . Anm. Die gewoͤhnlichen Arten der Begriffe S. 55 . C. Das Einzelne S. 64 . Zweytes Kapitel . Das Urtheil S. 71—131 . A. Das Urtheil des Daseyns S. 82—100 . a. das positive S. 83 . b. das negative S. 89 . c. das unendliche S. 98 . B. Das Urtheil der Reflexion S. 100 — 111 . a. das singulaͤre S. 103 . b. das particulaͤre S. 104 . c. das universelle S. 106 . C. Das Inhaltsanzeige . C. Das Urtheil der Nothwendigkeit S. 111—122 . a. das kategorische S. 112 . b. das hypothetische S. 113 . c. das disjunctive S. 116 . D. Das Urtheil des Begriffs S. 122—131 . a. das assertorische S. 124 . b. das problematische S. 126 . c. das apodiktische S. 128 . Drittes Kapitel . Der Schluß S. 132—191 . A. Der Schluß des Daseyns S. 135—165 . a. erste Figur S. 136 . b. zweyte Figur S. 148 . c. dritte Figur S. 153 . d. vierte Figur S. 155 . Anm. Die gewoͤhnliche Ansicht des Schlusses S. 158 . B. Der Schluß der Reflexion S. 165—178 . a. Schluß der Allheit S. 167 . b. der Induction S. 170 . c. der Analogie S. 173 . C. Der Schluß der Nothwendigkeit S. 179—191 . a. der kategorische S. 180 . b. der hypothetische S. 183 . c. der disjunctive Schluß S. 187 . Zwey- Inhaltsanzeige . Zweyter Abschnitt . Die Objectivitaͤt S. 192—266 . Erstes Kapitel . Der Mechanismus S. 202—225 . A. Das mechanische Object S. 203—207 . B. Der mechanische Proceß S. 207—219 . a. der formale S. 210 . b. der reale S 214 . c. das Product S. 217 . C. Der absolute Mechanismus S. 219—225 . a. das Centrum S. 219 . b. das Gesetz S. 223 . c. Uebergang des Mechanismus S. 224 . Zweytes Kapitel . Der Chemismus S. 226—235 . A. Das chemische Object S. 226—228 . B. Der chemische Proceß S. 228—232 . C. Uebergang des Chemismus S. 233—235 . Drittes Kapitel . Die Teleologie S. 236—266 . A. Der subjective Zweck S. 246—249 . B. Das Mittel S. 250—253 . C. Der ausgefuͤhrte Zweck S. 254—266 . Drit- Inhaltsanzeige . Dritter Abschnitt . Die Idee. S. 267 bis Ende . Erstes Kapitel . Das Leben S. 276—297 . A. Das lebendige Individuum S. 281—289 . B. Der Lebens-Proceß S. 289—293 . C. Die Gattung S. 293—297 . Zweytes Kapitel . Die Idee des Erkennens S. 298—370 . A. Die Idee des Wahren S. 311—362 . a. das analytische Erkennen S. 316—326 . b. das synthetische Erkennen S. 326—362 . 1. die Definition S. 328. — 2. die Ein- theilung S. 336. — 3. der Lehrsatz S. 344 . B. Die Idee des Guten S. 362—370 . Drittes Kapitel . Die absolute Idee S. 371 bis Ende . Vom Vom Begriff im Allgemeinen. W as die Natur des Begriffes sey, kann so wenig unmittelbar angegeben werden, als der Begriff irgend eines andern Gegenstandes unmittelbar aufgestellt werden kann. Es koͤnnte etwa scheinen, daß um den Begriff eines Gegenstandes anzugeben, das Logische vorausgesetzt werde, und dieses somit nicht wieder et- was anderes zu seinem Voraus haben, noch ein ab- geleitetes seyn koͤnne, wie in der Geometrie logische Saͤtze, wie sie in Anwendung auf die Groͤsse erscheinen und in dieser Wissenschaft gebraucht werden, in der Form von Axiomen, unabgeleiteten und un- ableitbaren Erkenntnißbestimmungen vorangeschickt werden. Ob nun wohl der Begriff nicht nur als eine subjective Voraussetzung, sondern als absolute Grundlage anzusehen ist, so kann er diß doch nicht seyn, als insofern er sich zur Grundlage gemacht hat. Das abstract-Unmittelbare ist wohl ein Erstes ; als diß Abstracte, ist es aber vielmehr ein Vermitteltes, von dem also, wenn es in seiner Wahrheit gefaßt werden soll, seine Grundlage erst zu suchen ist. Diese muß daher zwar ein Unmittelbares seyn, aber so daß es aus der Aufhebung der Vermittlung sich zum Unmittelbaren ge- macht hat. A Der Vom Begriff Der Begriff ist von dieser Seite zunaͤchst uͤberhaupt als das Dritte zum Seyn und We- sen , zum Unmittelbaren und zur Reflexion anzusehen. Seyn und Wesen sind insofern die Mo- mente seines Werdens ; er aber ist ihre Grundlage und Wahrheit , als die Identitaͤt, in welcher sie un- tergegangen und enthalten sind. Sie sind in ihm, weil er ihr Resultat ist, enthalten, aber nicht mehr als Seyn und als Wesen ; diese Bestimmung haben sie nur, insofern sie noch nicht in diese ihre Einheit zuruͤck- gegangen sind. Die objective Logik , welche das Seyn und Wesen betrachtet, macht daher eigentlich die geneti- sche Exposition des Begriffes aus. Naͤher ist die Substanz schon das reale Wesen , oder das Wesen , in so fern es mit dem Seyn vereinigt und in Wirklichkeit getreten ist. Der Begriff hat daher die Substanz zu seiner unmittelbaren Voraussetzung, sie ist das an sich , was er als manifestirtes ist. Die dialektische Bewegung der Substanz durch die Causalitaͤt und Wechselwirkung hindurch ist daher die unmittelbare Genesis des Begriffes , durch welche sein Werden dargestellt wird. Aber sein Werden hat, wie das Werden uͤberall, die Bedeutung, daß es die Reflexion des Übergehenden in seinen Grund ist, und daß das zunaͤchst anscheinend Andere , in welches das erstere uͤbergegangen, dessen Wahrheit ausmacht. So ist der Begriff die Wahrheit der Substanz, und indem die bestimmte Verhaͤltnißweise der Substanz die Nothwendigkeit ist, zeigt sich die Freyheit als die Wahrheit der Nothwendigkeit , und als die Verhaͤltnißweise des Begriffs . Die eigene, nothwendige Fortbestimmung der Sub- stanz, ist das Setzen dessen, was an und fuͤr sich ist ; im Allgemeinen . ist ; der Begriff nun ist diese absolute Einheit des Seyns und der Reflexion , daß das An- und Fuͤr sich seyn erst dadurch ist, daß es eben so sehr Re- flexion oder Gesetztseyn ist, und daß das Gesetzt- seyn das An- und Fuͤr sich seyn ist. — Diß abstracte Resultat erlaͤutert sich durch die Darstellung seiner concreten Genesis; sie enthaͤlt die Natur des Be- griffes; sie muß aber dessen Abhandlung vorangegangen seyn. Die Hauptmomente dieser Exposition, (welche im 2ten Buch der objectiven Logik ausfuͤhrlich abgehandelt worden ist) sind daher hier kuͤrzlich zusammen zu stellen: Die Substanz ist das Absolute , das an- und fuͤr sich-seyende Wirkliche; — an sich als die einfache Identitaͤt der Moͤglichkeit und Wirklichkeit, absolutes, alle Wirklichkeit und Moͤglichkeit in sich enthaltendes Wesen; fuͤr sich , diese Identitaͤt als absolute Macht oder schlechthin sich auf sich beziehende Negativitaͤt . — Die Bewegung der Substantialitaͤt, welche durch diese Momente gesetzt ist, besteht darin, 1.) Daß die Substanz, als absolute Macht oder sich auf sich beziehende Negativitaͤt , sich zu einem Verhaͤltnisse unterscheidet, worin jene zunaͤchst nur ein- fache Momente, als Substanzen , und als urspruͤng- liche Voraussetzungen sind. — Das bestimmte Ver- haͤltniß derselben ist das einer passiven Substanz, — der Urspruͤnglichkeit des einfachen An sich seyns , welches machtlos sich nicht selbst setzend, nur urspruͤng- liches Gesetztseyn ist; — und von activer Sub- stanz, der sich auf sich beziehenden Negativitaͤt, welche als solche sich als andres gesetzt hat, und auf diß Andre bezieht. Diß andre ist eben die passive Substanz, welche sie sich in der Urspruͤnglichkeit ihrer Macht als Bedingung vorausgesetzt hat. — Diß Voraussetzen ist so zu fassen, daß die Bewegung der A 2 Sub- Vom Begriff Substanz selbst zunaͤchst unter der Form des einen Mo- ments ihres Begriffs, des An sich seyns ist, daß die Bestimmtheit der einen der im Verhaͤltniß stehen- den Substanzen , auch Bestimmtheit dieses Verhaͤlt- nisses selbst ist. 2.) Das andere Moment ist das Fuͤrsichseyn oder daß die Macht sich als sich auf sich selbst beziehende Negativitaͤt setzt, wodurch sie das Voraus- gesetzte wieder aufhebt. — Die active Substanz ist die Ursache ; sie wirkt ; das heißt, sie ist nun das Setzen , wie sie vorher das Voraussetzen war, daß a ) der Macht auch der Schein der Macht, dem Gesetztseyn auch der Schein des Gesetztseyns ge- geben wird. Das, was in der Voraussetzung ur- spruͤngliches war, wird in der Causalitaͤt durch die Beziehung auf anderes , das, was es an sich ist; die Ursache bringt eine Wirkung, und zwar an einer andern Substanz hervor; sie ist nunmehr Macht in Beziehung auf ein anderes; erscheint in so fern als Ursache, aber ist es erst durch diß Erschei- nen . — An die passive Substanz tritt die Wirkung, wodurch sie als Gesetztseyn nun auch erscheint, aber erst darin passive Substanz ist. 3.) Aber es ist noch mehr hierin vorhanden, als nur diese Erscheinung ; nemlich a. ) Die Ursache wirkt auf die passive Substanz, sie veraͤndert deren Bestimmung; aber diese ist das Gesetztseyn, sonst ist nichts an ihr zu veraͤndern; die andere Bestimmung aber, die sie erhaͤlt, ist die Ursachlichkeit; die passive Substanz wird also zur Ursache, Macht und Thaͤtigkeit. b ) es wird die Wirkung an ihr gesetzt von der Ur- sache; das aber von der Ursache gesetzte ist die im Wir- ken mit sich identische Ursache selbst; es ist diese, welche sich an die Stelle der passiven Substanz setzt. — Eben so im Allgemeinen . so in Ansehung der activen Substanz ist a. ) das Wir- ken das Uebersetzen der Ursache in die Wirkung, in ihr anderes , das Gesetztseyn, und b ) in der Wirkung zeigt sich die Ursache als das, was sie ist, die Wirkung ist identisch mit der Ursache, nicht ein anderes; die Ur- sache zeigt also im Wirken das Gesetztseyn als das, was sie wesentlich ist. — Nach beyden Seiten also, des iden- tischen sowohl als des negativen Beziehens der an- dern auf sie , wird jede das Gegentheil ihrer selbst; diß Gegentheil aber wird jede, daß die andere, also auch jede, identisch mit sich selbst bleibt. — Aber beydes, das identische und das negative Beziehen, ist ein und dasselbe; die Substanz ist nur in ihrem Ge- gentheil identisch mit sich selbst, und diß macht die ab- solute Identitaͤt der als zwey gesetzten Substanzen aus. Die active Substanz wird durch das Wirken, d. h. in- dem sie sich als das Gegentheil ihrer selbst setzt, was zugleich das Aufheben ihres vorausgesetzten An- dersseyns , der passiven Substanz, ist, als Ursache oder urspruͤngliche Substantialitaͤt manifestirt. Umgekehrt wird durch das Einwirken das Gesetztseyn als Gesetzt- seyn, das Negative, als Negatives, somit die passive Substanz als sich auf sich beziehende Negativi- taͤt, manifestirt; und die Ursache geht in diesem Andern ihrer selbst schlechthin nur mit sich zusammen. Durch diß Setzen wird also die vorausgesetzte oder an sich seyende Urspruͤnglichkeit fuͤr sich ; aber diß An und fuͤr sich seyn ist nur dadurch, daß diß Setzen eben so sehr ein Aufheben des Vorausgesetzten ist, oder die absolute Substanz nur aus und in ihrem Gesetzt- seyn zu sich selbst zuruͤckgekommen, und dadurch absolut ist. Diese Wechselwirkung ist hiemit die sich wieder auf- hebende Erscheinung; die Offenbarung des Scheins der Causalitaͤt, worin die Ursache als Ursache ist, daß er Schein ist . Diese unendliche Reflexion in sich selbst, daß Vom Begriff daß das An- und- Fuͤrsichseyn erst dadurch ist, daß es Gesetztseyn ist, ist die Vollendung der Substanz . Aber diese Vollendung ist nicht mehr die Substanz selbst, sondern ist ein hoͤheres, der Begriff , das Subject . Der Uebergang des Substantialitaͤts-Ver- haͤltnisses geschieht durch seine eigene immanente Noth- wendigkeit, und ist weiter nichts, als die Manifestation ihrer selbst, daß der Begriff ihre Wahrheit, und die Freyheit die Wahrheit der Nothwendigkeit ist. Es ist schon fruͤher im 2ten Buch der objectiven Lo- gik S. 225 f. Anm. erinnert worden, daß die Philo- sophie, welche sich auf den Standpunkt der Substanz stellt und darauf stehen bleibt, das System des Spi- noza ist. Es ist daselbst zugleich der Mangel dieses Systems sowohl der Form als Materie nach aufgezeigt worden. Ein anderes aber ist die Widerlegung des- selben. In Ruͤcksicht auf die Widerlegung eines phi- losophischen Systems ist anderwaͤrts gleichfalls die all- gemeine Bemerkung gemacht worden, daß daraus die schiefe Vorstellung zu verbannen ist, als ob das System als durchaus falsch dargestellt werden solle, und als ob das wahre System dagegen dem falschen nur entgegengesetzt sey. Aus dem Zusammenhange, in welchem hier das Spinozistische System vorkommt, geht von selbst der wahre Standpunkt desselben und der Fra- ge, ob es wahr oder falsch sey, hervor. Das Sub- stantialitaͤts-Verhaͤltniß erzeugte sich durch die Natur des Wesens ; diß Verhaͤltniß, so wie seine zu einem Gan- zen erweiterte Darstellung in einem Systeme ist daher ein nothwendiger Standpunkt , auf welchen das Absolute sich stellt. Ein solcher Standpunkt ist daher nicht als eine Meynung, eine subjective, beliebige Vor- stellungs- und Denkweise eines Individuums, als eine Verirrung der Speculation, anzusehen; diese findet sich viel- im Allgemeinen . vielmehr auf ihrem Wege nothwendig darauf ver- setzt, und insofern ist das System vollkommen wahr. — Aber es ist nicht der hoͤchste Stand- punkt . Allein insofern kann das System nicht als falsch , als der Widerlegung beduͤrftig und faͤhig angesehen werden; sondern nur diß daran ist als das falsche zu betrachten, daß es der hoͤchste Standpunkt sey. Das wahre System kann daher auch nicht das Verhaͤltniß zu ihm haben, ihm nur entgegengesetzt zu seyn; denn so waͤre diß entgegengesetzte selbst ein einseitiges. Vielmehr als das hoͤhere muß es das un- tergeordnete in sich enthalten. Ferner muß die Widerlegung nicht von aussen kom- men, d. h. nicht von Annahmen ausgehen, welche aus- ser jenem Systeme liegen, denen es nicht entspricht. Es braucht jene Annahmen nur nicht anzuerkennen; der Mangel ist nur fuͤr den ein Mangel, welcher von den auf sie gegruͤndeten Beduͤrfnissen und Foderungen ausgeht. Insofern ist gesagt worden, daß wer die Frey- heit und Selbststaͤndigkeit des selbstbewußten Subjects nicht fuͤr sich als entschieden voraussetze, fuͤr den koͤnne keine Widerlegung des Spinozismus Statt finden. Ohnehin ignorirt ein so hoher, und in sich schon so reicher Standpunkt, als das Substantialitaͤtsverhaͤlt- niß, jene Annahme nicht, sondern enthaͤlt sie auch; eins der Attribute der spinozistischen Substanz ist das Den- ken . Er versteht vielmehr die Bestimmungen, unter welchen diese Annahmen ihm widerstreiten, aufzuloͤsen und in sich zu ziehen, so daß sie in dem selben aber in den ihm angemessenen Modificationen erscheinen. Der Nerv des aͤusserlichen Widerlegens beruht dann allein darauf, die entgegengesetzten Formen jener An- nahmen, z. B. das absolute Selbstbestehen des denken- den Individuums gegen die Form des Denkens, wie es in Vom Begriff in der absoluten Substanz mit der Ausdehnung identisch gesetzt wird, seinerseits steif und fest zu halten. Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen und sich in den Umkreis seiner Staͤrke stellen; ihn ausserhalb seiner selbst angreiffen und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, foͤrdert die Sache nicht. Die einzige Widerlegung des Spinozismus kann daher nur darin bestehen, daß sein Standpunkt zuerst als wesentlich und nothwendig anerkannt werde, daß aber zweytens dieser Standpunkt aus sich selbst auf den hoͤhern gehoben werde. Das Substantialitaͤts-Verhaͤlt- niß ganz nur an und fuͤr sich selbst betrachtet, fuͤhrt sich zu seinem Gegentheil, dem Begriffe , uͤber. Die im letzten Buch enthaltene Exposition der Sub- stanz, welche zum Begriffe uͤberfuͤhrt, ist daher die einzige und wahrhafte Widerlegung des Spinozismus. Sie ist die Enthuͤllung der Substanz, und diese ist die Genesis des Begriffs , deren Hauptmomente oben zusammengestellt worden. — Die Einheit der Substanz ist ihr Verhaͤltniß der Nothwendigkeit ; aber so ist sie nur innre Nothwendigkeit ; indem sie durch das Moment der absoluten Negativitaͤt sich setzt , wird sie manifestirte oder gesetzte Iden- titaͤt , und damit die Freyheit , welche die Iden- titaͤt des Begriffs ist. Dieser, die aus der Wechselwir- kung resultirende Totalitaͤt, ist die Einheit der beyden Substanzen der Wechselwirkung, so daß sie aber nunmehr der Freyheit angehoͤren, indem sie nicht mehr ihre Identitaͤt als ein blindes, das heißt innerliches , sondern daß sie wesentlich die Bestimmung haben, als Schein oder Reflexionsmomente zu seyn, wodurch jede mit ihrem Andern oder ihrem Gesetztseyn eben so un- mittelbar zusammengegangen und jede ihr Gesetztseyn in sich selbst enthaͤlt, somit in ihrem Andern schlechthin nur als identisch mit sich gesetzt ist. Im im Allgemeinen . Im Begriffe hat sich daher das Reich der Freyheit eroͤffnet. Er ist das freye, weil die an und fuͤr sich seyende Identitaͤt , welche die Noth- wendigkeit der Substanz ausmacht, zugleich als aufgeho- ben, oder als Gesetztseyn ist, und diß Gesetztseyn als sich auf sich selbst beziehend, eben jene Identitaͤt ist. Die Dunkelheit der im Causalverhaͤltnisse stehenden Sub- stanzen fuͤr einander, ist verschwunden, denn die Ur- spruͤnglichkeit ihres Selbstbestehens ist in Gesetztseyn uͤbergegangen, und dadurch zur sich selbst durchsichtigen Klarheit geworden; die urspruͤngliche Sache ist diß, indem sie nur die Ursache ihrer selbst ist, und diß ist die zum Begriffe befreyte Substanz . Es ergibt sich hieraus fuͤr den Begriff sogleich fol- gende naͤhere Bestimmung. Weil das An- und- fuͤr sich seyn unmittelbar als Gesetztseyn ist, ist der Begriff in seiner einfachen Beziehung auf sich selbst, absolute Bestimmtheit ; aber welche eben so als sich nur auf sich beziehend unmittelbar einfache Identitaͤt ist. Aber diese Beziehung der Bestimmtheit auf sich selbst , als das Zusammengehen derselben mit sich, ist eben so sehr die Negation der Bestimmtheit , und der Begriff ist als diese Gleichheit mit sich selbst das Allgemeine . Aber diese Identitaͤt hat so sehr die Bestimmung der Negativitaͤt; sie ist die Negation oder Bestimmtheit, welche sich auf sich bezieht, so ist der Be- griff Einzelnes . Jedes von ihnen ist die Totalitaͤt, jedes enthaͤlt die Bestimmung des andern in sich, und darum sind diese Totalitaͤten eben so schlechthin nur Eine , als diese Einheit die Diremtion ihrer selbst in den freyen Schein dieser Zweyheit ist; — einer Zwey- heit, welche in dem Unterschied des Einzelnen und All- gemeinen als vollkommener Gegensatz erscheint, der aber so sehr Schein ist, daß indem das eine begriffen und Vom Begriff und ausgesprochen wird, darin das andere unmittelbar begriffen und ausgesprochen ist. Das so eben vorgetragene ist als der Begriff des Begriffes zu betrachten. Wenn derselbe von demjenigen abzuweichen scheinen kann, was man sonst unter Begriff verstehe, so koͤnnte verlangt werden, daß aufgezeigt wuͤrde, wie dasselbe, was hier als der Begriff sich ergeben hat, in andern Vorstellungen oder Er- klaͤrungen enthalten sey: Einerseits kann es jedoch nicht um eine durch die Autoritaͤt des gewoͤhnlichen Ver- stehens begruͤndete Bestaͤtigung zu thun seyn; in der Wissenschaft des Begriffes kann dessen Innhalt und Be- stimmung allein durch die immanente Deduction bewaͤhrt werden, welche seine Genesis enthaͤlt, und wel- che bereits hinter uns liegt. Auf der andern Seite muß wohl an sich in demjenigen, was sonst als der Be- griff des Begriffs vorgelegt wird, der hier deducirte zu erkennen seyn. Aber es ist nicht so leicht, das auf- zufinden, was Andere von der Natur des Begriffes ge- sagt haben. Denn meistens befassen sie sich mit dieser Aufsuchung gar nicht, und setzen voraus, daß jeder es schon von selbst verstehe, wenn man von dem Begriffe spreche. Neuerlich konnte man sich der Bemuͤhung mit dem Begriffe um so mehr uͤberhoben glauben, da, wie es eine Zeitlang Ton war, der Einbildungskraft, dann dem Gedaͤchtnisse alles moͤgliche Schlimme nachzusagen, es in der Philosophie seit geraumer Zeit zur Gewohnheit ge- worden, und zum Theil noch gegenwaͤrtig ist, auf den Begriff alle uͤble Nachrede zu haͤuffen, ihn, der das hoͤchste des Denkens ist, veraͤchtlich zu machen und da- gegen fuͤr den hoͤchsten sowohl scientifischen als mora- lischen Gipfel das Unbegreifliche und das Nicht- Begreiffen anzusehen. Ich im Allgemeinen . Ich beschraͤnke mich hier auf eine Bemerkung, die fuͤr das Auffassen der hier entwickelten Begriffe dienen kann, und es erleichtern mag, sich darein zu finden. Der Begriff, insofern er zu einer solchen Existenz gediehen ist, welche selbst frey ist, ist nichts anderes als Ich oder das reine Selbstbewußtseyn. Ich habe wohl Begriffe, das heißt, bestimmte Begriffe; aber Ich ist der reine Begriff selbst, der als Begriff zum Da- seyn gekommen ist. Wenn man daher an die Grund- bestimmungen, welche die Natur des Ich ausmachen, erinnert, so darf man voraussetzen, daß an etwas Be- kanntes, d. i. der Vorstellung gelaͤuffiges, erinnert wird. Ich aber ist diese erstlich reine sich auf sich beziehen- de Einheit, und diß nicht unmittelbar, sondern indem es von aller Bestimmtheit und Inhalt abstrahirt, und in die Freyheit der schrankenlosen Gleichheit mit sich selbst zuruͤckgeht. So ist es Allgemeinheit ; Einheit, welche nur durch jenes negative Verhalten, welches als das Abstrahiren erscheint, Einheit mit sich ist, und dadurch alles Bestimmtseyn in sich aufgeloͤst enthaͤlt. Zweytens ist Ich eben so unmittelbar als die sich auf sich selbst beziehende Negativitaͤt, Einzelnheit, absolutes Bestimmtseyn , welches sich anderem gegenuͤberstellt, und es ausschließt; individuelle Persoͤnlichkeit . Jene absolute Allgemeinheit , die eben so unmittelbar absolute Vereinzelung ist, und ein An- und Fuͤr-sichseyn, welches schlechthin Ge- setztseyn und nur diß An- und Fuͤr-sichseyn durch die Einheit mit dem Gesetztseyn ist, macht ebenso die Natur des Ich , als des Begriffes aus; von dem einen und dem andern ist nichts zu begreiffen, wenn nicht die angegebenen beyden Momente zugleich in ihrer Abstraction und zugleich in ihrer vollkommenen Einheit aufgefaßt werden. Wenn Vom Begriff Wenn nach der gewoͤhnlichen Weise von dem Ver- stande , den Ich habe , gesprochen wird, so versteht man darunter ein Vermoͤgen oder Eigenschaft , die in dem Verhaͤltnisse zu Ich stehe, wie die Eigenschaft des Dings zum Dinge selbst, — einem unbestimmten Substrate, welches nicht der wahrhafte Grund und das Bestimmende seiner Eigenschaft sey. Nach dieser Vor- stellung habe Ich Begriffe und den Begriff, wie ich auch einen Rock, Farbe und andere aͤusserliche Eigenschaften habe. — Kant ist uͤber dieses aͤusserliche Verhaͤltnisse des Verstands als des Vermoͤgens der Begriffe, und der Begriffe selbst, zum Ich, hinausgegangen. Es ge- hoͤrt zu den tiefsten und richtigsten Einsichten, die sich in der Kritik der Vernunft finden, daß die Ein- heit , die das Wesen des Begriffs ausmacht, als die urspruͤnglich-synthetische Einheit der Ap- perception , als Einheit des: Ich denke , oder des Selbstbewußtseyns erkannt wird. — Dieser Satz macht die sogenannte transcendentale Deduction der Categorie aus; sie hat aber von jeher fuͤr eines der schwersten Stuͤcke der Kantischen Philosophie gegolten, — wohl aus keinem andern Grunde, als weil sie fodert, daß uͤber die blosse Vorstellung des Verhaͤltnisses, in welchem Ich und der Verstand oder die Be- griffe zu einem Ding und seinen Eigenschaften oder Accidenzen stehen, zum Gedanken hinausgegangen werden soll. — Object , sagt Kant, Kritik der r. V. S. 137. 2te Ausg. ist das, in dessen Begriff das Mannichfaltige einer gegebenen Anschauung ver- einigt ist. Alle Vereinigung der Vorstellungen erfo- dert aber Einheit des Bewußtseyns in der Syn- thesis derselben. Folglich ist diese Einheit des Bewußtseyns dasjenige, was allein die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand, mithin ihre objective Guͤltigkeit , ausmacht, und worauf selbst die im Allgemeinen . die Moͤglichkeit des Verstands beruht. Kant unterscheidet die subjective Einheit des Bewußt- seyns hievon, die Einheit der Vorstellung, ob ich mir eines Mannichfaltigen als zugleich oder nach ein- ander bewußt bin, was von empirischen Bedingungen abhaͤnge. Die Principien dagegen der objectiven Bestimmung der Vorstellungen seyen allein aus dem Grundsatze der transcendentalen Einheit der Ap- perception abzuleiten. Durch die Categorien, welche diese objectiven Bestimmungen sind, werde das Mannich- faltige gegebener Vorstellungen so bestimmt, daß es zur Einheit des Bewußtseyns gebracht werde. — Nach dieser Darstellung ist die Einheit des Begriffs dasjenige, wodurch etwas nicht blosse Gefuͤhlsbe- stimmung, Anschauung oder auch blosse Vorstel- lung , sondern Object ist, welche objective Einheit, die Einheit des Ich mit sich selbst ist. — Das Be- greiffen eines Gegenstandes besteht in der That in nichts anderem, als daß Ich denselben sich zu eigen macht, ihn durchdringt, und ihn in seine eigene Form , d. i. in die Allgemeinheit , welche unmit- telbar Bestimmtheit , oder Bestimmtheit, welche un- mittelbar Allgemeinheit ist, bringt. Der Gegenstand in der Anschauung oder auch in der Vorstellung ist noch ein aͤusserliches, fremdes . Durch das Begreiffen wird, das An- und-Fuͤrsichseyn , das er im An- schauen und Vorstellen hat, in ein Gesetztfeyn ver- wandelt; Ich durchdringt ihn denkend . Wie er aber im Denken ist, so ist er erst an und fuͤr sich ; wie er in der Anschauung oder Vorstellung ist, ist er Er- scheinung ; das Denken hebt seine Unmittelbar- keit , mit der er zunaͤchst vor uns kommt, auf, und macht so ein Gesetztseyn aus ihm; diß sein Gesetzt- seyn aber ist sein An- und Fuͤrsichseyn , oder seine Objectivitaͤt . Diese Objectivitaͤt hat der Ge- gen- Vom Begriff genstand somit im Begriffe , und dieser ist die Ein- heit des Selbstbewußtseyns , in die er aufge- nommen worden; seine Objectivitaͤt oder der Begriff ist daher selbst nichts anderes, als die Natur des Selbst- bewußtseyns; hat keine andere Momente oder Bestim- mungen, als das Ich selbst. Hiernach rechtfertigt es sich durch einen Hauptsatz der Kantischen Philosophie, daß, um das zu erkennen, was der Begriff sey, an die Natur des Ich erinnert wird. Umgekehrt aber ist hiezu nothwendig, den Be- griff des Ich aufgefaßt zu haben, wie er vorhin an- gefuͤhrt worden. Wenn bey der blossen Vorstellung des Ich stehen geblieben wird, wie sie unsrem gewoͤhn- lichen Bewußtseyn vorschwebt, so ist Ich nur das ein- fache Ding , welches auch Seele genannt wird, dem der Begriff als ein Besitz oder Eigenschaft inhaͤrirt . Diese Vorstellung, welche sich nicht damit einlaͤßt, we- der Ich noch den Begriff zu begreiffen, kann nicht dazu dienen, das Begreiffen des Begriffs zu erleichtern oder naͤher zu bringen. Die angefuͤhrte Kantische Darstellung enthaͤlt noch zwey Seiten, die den Begriff betreffen, und einige wei- tere Bemerkungen nothwendig machen. Vors erste sind der Stuffe des Verstands , die Stuffen des Gefuͤhls und der Anschauung vorausgeschickt; und es ist ein wesentlicher Satz der Kantischen Tran- scendental-Philosophie, daß die Begriffe ohne An- schauung leer sind, und allein als Beziehungen des durch die Anschauung gegebenen Mannichfalti- gen Guͤltigkeit haben. Zweytens ist der Begriff als das Objective der Erkenntniß angegeben worden, somit als die Wahrheit . Aber auf der andern Seite wird derselbe als etwas bloß subjectives genom- men, aus dem sich die Realitaͤt , unter welcher, da sie im Allgemeinen . sie der Subjectivitaͤt gegenuͤbergestellt wird, die Objecti- vitaͤt zu verstehen ist, nicht herausklauben lasse; und uͤberhaupt wird der Begriff und das Logische fuͤr etwas nur formelles erklaͤrt, das, weil es von dem Inhalt abstrahire, die Wahrheit nicht enthalte. Was nun erstens jenes Verhaͤltniß des Verstands oder Begriffs zu den ihm vor- ausgesetzten Stuffen betrift, so kommt es darauf an, welches die Wissenschaft ist, die abgehandelt wird, um die Form jener Stuffen zu bestimmen. In unse- rer Wissenschaft, als der reinen Logik , sind diese Stuf- fen, Seyn und Wesen . In der Psychologie sind es das Gefuͤhl und die Anschauung , und dann die Vorstellung uͤberhaupt, welche dem Ver- stande vorausgeschickt werden. In der Phaͤnomeno- logie des Geistes, als der Lehre vom Bewußtseyn, wurde durch die Stuffen des sinnlichen Bewußt- seyns und dann des Wahrnehmens zum Verstande aufgestiegen. Kant schickt ihm nur Gefuͤhl und An- schauung voraus. Wie unvollstaͤndig zunaͤchst diese Stuffenleiter ist, gibt er schon selbst dadurch zu erken- nen, daß er als Anhang zu der transcendentalen Lo- gik oder Verstandeslehre, noch eine Abhandlung uͤber die Reflexionsbegriffe hinzufuͤgt; — eine Sphaͤ- re, welche zwischen der Anschauung und dem Ver- stande , oder dem Seyn und Begriffe liegt. Ueber die Sache selbst ist vors erste zu bemerken, daß jene Gestalten von Anschauung, Vorstellung und dergleichen dem selbstbewußten Geiste ange- hoͤren, der als solcher nicht in der logischen Wissenschaft betrachtet wird. Die reinen Bestimmungen von Seyn, Wesen und Begriff, machen zwar auch die Grundlage und das innere einfache Geruͤste der Formen des Gei- stes aus; der Geist als anschauend eben so als sinn- Vom Begriff sinnliches Bewußtseyn , ist in der Bestimmtheit des unmittelbaren Seyns, so wie der Geist als vor- stellend , wie auch als wahrnehmendes Bewußt- seyn sich vom Seyn auf die Stuffe des Wesens oder der Reflexion erhoben hat. Allein diese concreten Ge- stalten gehen die logische Wissenschaft so wenig an, als die concreten Formen, welche die logischen Bestimmun- gen in der Natur annehmen, und welche Raum und Zeit , alsdenn der sich erfuͤllende Raum und Zeit, als unorganische Natur , und die organische Na- tur seyn wuͤrden. Eben so ist hier auch der Begriff, nicht als Actus des selbstbewußten Verstandes, nicht der subjective Verstand zu betrachten, sondern der Begriff an und fuͤr sich, welcher ebensowohl eine Stuf- fe der Natur , als des Geistes ausmacht. Das Le- ben oder die organische Natur ist diese Stuffe der Na- tur, auf welcher der Begriff hervortritt; aber als blin- der, sich selbst nicht fassender d. h. nicht denkender Be- griff; als solcher kommt er nur dem Geiste zu. Von jener ungeistigen aber sowohl, als von dieser geistigen Gestalt des Begriffs ist seine logische Form unabhaͤngig, es ist hieruͤber schon in der Einleitung die noͤthige Vorerinnerung gemacht worden; es ist diß eine Bedeu- tung, welche nicht erst innerhalb der Logik zu rechtfer- tigen ist, sondern mit der man vor derselben im Rei- nen seyn muß. Wie nun aber auch die Formen gestaltet seyn moͤch- ten, welche dem Begriffe vorangehen, so kommt es zweytens auf das Verhaͤltniß an, in welchem der Begriff zu denselben gedacht wird. Diß Verhaͤltniß wird sowohl in der gewoͤhnlichen psychologi- schen Vorstellung, als auch in der Kantischen Transcen- dental-Philosophie so angenommen, daß der empirische Stoff , das Mannichfaltige der Anschauung und Vorstel- lung im Allgemeinen . lung zuerst fuͤr sich da ist, und daß dann der Ver- stand dazu hintrete, Einheit in denselben bringe, und ihn durch Abstraction in die Form der Allge- meinheit erhebe. Der Verstand ist auf diese Weise eine fuͤr sich leere Form , welche theils nur durch jenen gegebenen Inhalt Realitaͤt erhaͤlt, theils von ihm abstrahirt , nemlich ihn als etwas aber nur fuͤr den Begriff unbrauchbares weglaͤst . Der Begriff ist in dem einen und dem andern Thun nicht das unabhaͤngige, nicht das Wesentliche und Wahre jenes vorausgehenden Stoffes, welches vielmehr die Realitaͤt an und fuͤr sich ist, die sich aus dem Begriffe nicht herausklauben laͤßt. Es muß nun allerdings zugegeben werden, daß der Begriff als solcher noch nicht vollstaͤndig ist, sondern in die Idee sich erheben muß, welche erst die Einheit des Begriffs und der Realitaͤt ist; wie sich in dem Verfolge durch die Natur des Begriffes selbst er- geben muß. Denn die Realitaͤt, die er sich gibt, darf nicht als ein aͤusserliches aufgenommen, sondern muß nach wissenschaftlicher Foderung aus ihm selbst abgeleitet werden. Aber es ist wahrhaftig nicht jener durch die Anschauung und die Vorstellung gegebene Stoff, wel- cher gegen den Begriff als das Reale geltend gemacht werden darf. „ Es ist nur ein Begriff ,“ pflegt man zu sagen, indem man nicht nur die Idee, sondern das sinnliche, raͤumliche und zeitliche handgreifliche Da- seyn, als etwas gegenuͤberstellt, das vortreflicher sey, als der Begriff. Das Abstracte haͤlt man dann darum fuͤr geringer, als das Concrete, weil aus jenem so viel dergleichen Stoff weggelassen worden sey. Das Abstrahiren hat in dieser Meynung die Bedeutung, daß aus dem Concreten nur zu unserem subjectiven Behuf, ein oder das andere Merkmahl so her- ausgenommen werden, daß mit dem Weglassen so vieler B ande- Vom Begriff anderer Eigenschaften und Beschaffenheiten des Gegenstandes, denselben an ihrem Werthe und ihrer Wuͤrde nichts benommen seyn solle; sondern sie als das Reelle , nur auf der andern Seite druͤben, noch immer als voͤllig geltendes gelassen werden; so daß es nur das Unvermoͤgen des Verstandes sey, solchen Reichthum nicht aufzunehmen, und sich mit der duͤrftigen Abstraction begnuͤgen zu muͤssen. Wenn nun der gegebene Stoff der Anschauung und das Mannich- faltige der Vorstellung, als das Reelle gegen das Ge- dachte und den Begriff genommen wird, so ist diß eine Ansicht, welche abgelegt zu haben nicht nur Bedingung des Philosophirens ist, sondern schon von der Religion vorausgesetzt wird; wie ist ein Beduͤrfniß und der Sinn derselben moͤglich, wenn die fluͤchtige und oberflaͤchliche Erscheinung des Sinnlichen und Einzelnen noch fuͤr das Wahre gehalten wird? Die Philosophie aber gibt die begriffene Einsicht, was es mit der Realitaͤt des sinnlichen Seyns fuͤr eine Bewandniß habe, und schickt jene Stuffen des Gefuͤhls und der Anschauung, des sinn- lichen Bewußtseyns u. s. f. insofern dem Verstande vor- aus, als sie in dessen Werden seine Bedingungen, aber nur so sind, daß der Begriff aus ihrer Dialektik und Nichtigkeit als ihr Grund hervorgeht, nicht aber daß er durch ihre Realitaͤt bedingt waͤre. Das abstrahirende Denken ist daher nicht als blosses Auf die Seite-Stellen des sinnlichen Stoffes zu betrachten, welcher dadurch in seiner Realitaͤt keinen Eintrag leide, sondern es ist vielmehr das Aufheben und die Reduction desselben als blosser Erscheinung auf das Wesent- liche , welches nur im Begriff sich manifestirt. Wenn das freylich nur als ein Merkmahl oder Zeichen dienen soll, was von der concreten Erscheinung in den Begriff aufzunehmen sey, so darf es allerdings auch ir- gend eine nur sinnliche einzelne Bestimmung des Gegen- stan- im Allgemeinen . standes seyn, die wegen irgend eines aͤusserlichen In- teresses aus den andern herausgewaͤhlt wird, und von gleicher Art und Natur, wie die uͤbrigen, ist. Ein hauptsaͤchlicher Mißverstand, welcher hiebey obwaltet, ist, als ob das natuͤrliche Princip, oder der Anfang , von dem in der natuͤrlichen Entwicklung oder in der Geschichte des sich bildenden Indivi- duums ausgegangen wird, das Wahre und im Be- griffe Erste sey. Anschauung oder Seyn sind wohl der Natur nach das Erste oder die Bedingung fuͤr den Begriff, aber sie sind darum nicht das an und fuͤr sich Unbedingte, im Begriffe hebt sich vielmehr ihre Realitaͤt und damit zugleich der Schein auf, den sie als das be- dingende Reelle hatten. Wenn es nicht um die Wahr- heit , sondern nur um die Historie zu thun ist, wie es im Vorstellen und dem erscheinenden Denken zugehe, so kann man allerdings bey der Erzaͤhlung stehen blei- ben, daß wir mit Gefuͤhlen und Anschauungen anfangen, und der Verstand aus dem Mannichfaltigen derselben eine Allgemeinheit oder ein Abstractes herausziehe, und begreiflich jene Grundlage dazu noͤthig habe, welche bey diesem Abstrahiren, noch in der ganzen Realitaͤt, mit welcher sie sich zuerst zeigte, dem Vorstellen stehen bleibe. Aber die Philosophie soll keine Erzaͤhlung dessen seyn, was geschieht, sondern eine Erkenntniß dessen, was wahr darin ist, und aus dem Wahren soll sie ferner das begreiffen, was in der Erzaͤhlung als ein blosses Geschehen erscheint. Wenn in der oberflaͤchlichen Vorstellung von dem, was der Begriff ist, alle Mannichfaltigkeit ausser dem Begriffe steht, und diesem nur die Form der abstrac- ten Allgemeinheit oder der leeren Reflexionsidentitaͤt zu- kommt, so kann schon zunaͤchst daran erinnert werden, daß auch sonst fuͤr die Angabe eines Begriffs oder die B 2 De- Vom Begriff Definition, zu der Gattung, welche selbst schon eigent- lich nicht rein abstracte Allgemeinheit ist, ausdruͤcklich auch die specifische Bestimmtheit gefordert wird. Wenn nur mit etwas denkender Betrachtung darauf reflectirt wuͤrde, was diß sagen will, so wuͤrde sich er- geben, daß damit das Unterscheiden als ein eben so wesentliches Moment des Begriffes angesehen wird. Kant hat diese Betrachtung durch den hoͤchst wichtigen Gedanken eingeleitet, daß es synthetische Urtheile à priori gebe. Diese urspruͤngliche Synthesis der Apperception ist eines der tiefsten Principien fuͤr die speculative Entwicklung; sie enthaͤlt den Anfang zum wahrhaften Auffassen der Natur des Begriffs, und ist jener leeren Identitaͤt oder abstracten Allgemeinheit, wel- che keine Synthesis in sich ist, vollkommen entgegen- gesetzt. — Diesem Anfange entspricht jedoch die weitere Ausfuͤhrung wenig. Schon der Ausdruck: Synthe- sis leitet leicht wieder zur Vorstellung einer aͤusser- lichen Einheit, und blossen Verbindung von solchen, die an und fuͤr sich getrennt sind. Als- denn ist die Kantische Philosophie nur bey dem psycho- logischen Reflexe des Begriffs stehen geblieben, und ist wieder zur Behauptung der bleibenden Bedingtheit des Begriffes durch ein Mannichfaltiges der Anschauung zu- ruͤck gegangen. Sie hat die Verstandeserkenntnisse und die Erfahrung nicht darum als einen erscheinenden Inhalt ausgesprochen, weil die Categorien selbst nur endliche sind, sondern aus dem Grunde eines psycho- logischen Idealismus, weil sie nur Bestimmungen seyen, die vom Selbstbewußtseyn herkommen. Auch gehoͤrt hieher, daß der Begriff wieder ohne das Mannichfaltige der Anschauung inhaltslos und leer seyn soll, un- geachtet er à priori eine Synthesis sey; indem er diß ist, hat er ja die Bestimmtheit und den Unterschied in sich selbst. Indem sie die Bestimmtheit des Begriffs, damit im Allgemeinen . damit die absolute Bestimmtheit , die Einzel- heit , ist, ist der Begriff, Grund und Quelle aller end- lichen Bestimmtheit und Mannichfaltigkeit. Die formelle Stellung, welche er als Verstand be- haͤlt, wird in der Kantischen Darstellung dessen, was Vernunft sey, vollendet. In der Vernunft, der hoͤch- sten Stuffe des Denkens, sollte man erwarten, der Be- griff werde die Bedingtheit, in welcher er auf der Stuffe des Verstandes noch erscheint, verlieren, und zur vol- lendeten Wahrheit kommen. Diese Erwartung wird aber getaͤuscht. Dadurch daß Kant das Verhalten der Ver- nunft zu den Kategorien als nur dialektisch bestimmt, und zwar das Resultat dieser Dialektik schlechthin nur als das unendliche Nichts auffaßt, so verliert die unendliche Einheit der Vernunft, auch noch die Synthe- sis und damit jenen Anfang eines speculativen, wahr- haft unendlichen Begriffs, sie wird zu der be- kannten ganz formellen, bloß regulativen Einheit des systematischen Verstandesgebrauchs . Es wird fuͤr einen Mißbrauch erklaͤrt, daß die Logik, die bloß ein Canon der Beurtheilung seyn solle, als ein Organon zur Hervorbringung objectiver Ein- sichten angesehen werde. Die Vernunftbegriffe, in denen man eine hoͤhere Kraft und tiefern Inhalt ahnden muß- te, haben nichts constitutives mehr, wie noch die Kategorieen; sie sind blosse Ideen; es soll ganz wohl erlaubt seyn, sie zu gebrauchen, aber mit diesen in- telligibeln Wesen, in denen sich alle Wahrheit ganz aufschliessen sollte, soll weiter nichts gemeynt seyn, als Hypothesen , denen eine Wahrheit an und fuͤr sich zuzuschreiben, eine voͤllige Willkuͤhr und Tollkuͤhnheit seyn wuͤrde, da sie — in keiner Erfahrung vor- kommen koͤnnen . — Haͤtte man es je denken sollen, daß die Philosophie den intelligibeln Wesen darum die Wahr- Vom Begriff Wahrheit absprechen wuͤrde, weil sie des raͤumlichen- und zeitlichen Stoffes der Sinnlichkeit entbehren? Es haͤngt hiemit unmittelbar der Gesichtspunkt zu- sammen, in Ruͤcksicht auf welchen der Begriff und die Bestimmung der Logik uͤberhaupt zu betrachten ist, und der in der Kantischen Philosophie auf die gleiche Weise, wie insgemein genommen wird; das Verhaͤltniß nemlich des Begriffs und seiner Wissenschaft zur Wahrheit selbst. Es ist vorhin aus der Kanti- schen Deduction der Kategorien angefuͤhrt worden, daß nach derselben das Object , als in welchem das Man- nichfaltige der Anschauung vereinigt ist, nur diese Einheit ist durch die Einheit des Selbstbe- wußtseyns . Die Objectivitaͤt des Denkens ist also hier bestimmt ausgesprochen, eine Identitaͤt des Begriffs und des Dinges, welche die Wahrheit ist. Auf gleiche Weise wird auch insgemein zugegeben, daß indem das Denken einen gegebenen Gegenstand sich an- eignet, dieser dadurch eine Veraͤnderung erleidet, und aus einem sinnlichen zu einem gedachten gemacht wer- de; daß aber diese Veraͤnderung nicht nur nichts an sei- ner Wesentlichkeit aͤndere, sondern daß er vielmehr erst in seinem Begriffe in seiner Wahrheit ; in der Unmit- telbarkeit, in welcher er gegeben ist, aber nur Erschei- nung und Zufaͤlligkeit , daß die Erkenntniß des Gegenstands, welche ihn begreifft, die Erkenntniß des- selben, wie er an und fuͤr sich ist, und der Begriff seine Objectivitaͤt selbst sey. Auf der andern Seite wird aber eben so wieder behauptet, wir koͤnnen die Dinge doch nicht erkennen , wie sie an und fuͤr sich seyen , und die Wahrheit sey fuͤr die erkennende Vernunft unzugaͤnglich ; jene Wahrheit, welche in der Einheit des Objects und des Begriffs besteht, sey doch nur Erscheinung; und zwar nun im Allgemeinen . nun wieder aus dem Grunde, weil der Inhalt nur das Mannichfaltige der Anschauung sey. Es ist hieruͤber schon daran erinnert worden, daß eben im Begriffe viel- mehr diese Mannichfaltigkeit, insofern sie der Anschauung im Gegensatze gegen den Begriff angehoͤrt, aufgehoben werde, und der Gegenstand durch den Begriff in seine nicht zufaͤllige Wesenheit zuruͤckgefuͤhrt sey; diese tritt in die Erscheinung, darum eben ist die Erscheinung nicht bloß ein wesenloses, sondern Manifestation des Wesens. Die aber ganz frey gewordene Manifestation desselben ist der Begriff. — Diese Saͤtze, an welche hier erinnert wird, sind darum keine dogmatische Assertionen, weil sie aus der ganzen Entwicklung des Wesens durch sich selbst hervorgegangene Resultate sind. Der jetzige Stand- punkt, auf welchen diese Entwicklung gefuͤhrt hat, ist, daß die Form des Absoluten , welche hoͤher als Seyn und Wesen, der Begriff ist. Indem er nach dieser Seite, Seyn und Wesen, wozu auch bey andern Ausgangspunkten, Gefuͤhl und Anschauung und Vorstel- lung gehoͤren, und welche als seine vorangehenden Be- dingungen erschienen, sich unterworfen und sich als ihren unbedingten Grund erwiesen hat, so ist nun noch die zweyte Seite uͤbrig, deren Ab- handlung dieses dritte Buch der Logik gewidmet ist, die Darstellung nemlich, wie er die Realitaͤt, welche in ihm verschwunden, in und aus sich bildet. Es ist da- her allerdings zugegeben worden, daß die Erkenntniß, welche nur bey dem Begriff rein als solchem steht, noch unvollstaͤndig ist und nur erst zur abstracten Wahr- heit gekommen ist. Aber ihre Unvollstaͤndigkeit liegt nicht darin, daß sie jener vermeintlichen Realitaͤt, die im Gefuͤhl und Anschauung gegeben sey, entbehre; son- dern, daß der Begriff noch nicht seine eigene aus ihm selbst erzeugte Realitaͤt sich gegeben hat. Darin besteht die gegen und an dem empirischen Stoff und ge- Vom Begriff genauer an seinen Kategorien und Reflexionsbestimmun- gen erwiesene Absolutheit des Begriffes, daß derselbe nicht, wie er ausser und vor dem Begriffe erscheint, Wahrheit habe, sondern allein in seiner Idealitaͤt, oder Identitaͤt mit dem Begriffe. Die Herleitung des Reellen aus ihm, wenn man es Herleitung nennen will, besteht zunaͤchst wesentlich dar in , daß der Begriff in seiner formellen Abstraction sich als unvollendet zeigt, und durch die in ihm selbst gegruͤndete Dialektik zur Realitaͤt so uͤbergeht, daß er sie aus sich erzeugt, aber nicht, daß er zu einer fertigen, ihm gegenuͤbergefunde- nen Realitaͤt wieder zuruͤckfaͤllt, und zu etwas, das sich als das Unwesentliche der Erscheinung kund gethan, sei- ne Zuflucht nimmt, weil er, nachdem er sich um ein Bes- seres umgesehen, doch dergleichen nicht gefunden habe. — Es wird immer als etwas verwundernswuͤrdiges aus- gezeichnet werden, wie die Kantische Philosophie, das- jenige Verhaͤltniß des Denkens zum sinnlichen Daseyn, bey dem sie stehen blieb, fuͤr ein nur relatives Verhaͤlt- niß der blossen Erscheinung erkannte, und eine hoͤhere Einheit beyder in der Idee uͤberhaupt, und z. B. in der Idee eines anschauenden Verstandes sehr wohl an- erkannte und aussprach, doch bey jenem relativen Ver- haͤltnisse und bey der Behauptung stehen geblieben ist, daß der Begriff schlechthin von der Realitaͤt getrennt sey und bleibe, — somit als die Wahrheit dasjenige be- hauptete, was sie als endliche Erkenntniß aussprach, und das fuͤr uͤberschwenglich, unerlaubt und fuͤr Gedan- ken Dinge erklaͤrte, was sie als Wahrheit erkannte, und wovon sie den bestimmten Begriff aufstellte. Indem es zunaͤchst hier die Logik , nicht die Wis- senschaft uͤberhaupt ist, von derem Verhaͤltnisse zur Wahr- heit die Rede ist, so muß ferner noch zugegeben werden, daß jene als die formelle Wissenschaft nicht auch die- im Allgemeinen . diejenige Realitaͤt enthalten koͤnne und solle, welche der Inhalt weiterer Theile der Philosophie, der Wissen- schaften der Natur und des Geistes , ist. Diese concreten Wissenschaften treten allerdings zu einer reellern Form der Idee heraus als die Logik, aber zugleich nicht so, daß sie zu jener Realitaͤt sich wieder umwendeten, welche das uͤber seine Erscheinung, zur Wissenschaft er- hobene Bewußtseyn aufgegeben, oder auch zum Gebrauch von Formen, wie die Kategorien und Reflexionsbestim- mungen sind, deren Endlichkeit und Unwahrheit sich in der Logik dargestellt hat, wieder zuruͤckkehrten. Vielmehr zeigt die Logik die Erhebung der Idee zu der Stuffe, von daraus sie die Schoͤpferin der Natur wird und zur Form einer concreten Unmittelbarkeit uͤberschrei- tet, deren Begriff aber auch diese Gestalt wieder zer- bricht, um zu sich selbst, als concreter Geist , zu werden. Gegen diese concreten Wissenschaften, welche aber das Logische oder den Begriff zum innern Bildner haben und behalten, wie sie es zum Vorbildner hatten, ist die Logik selbst allerdings die formelle Wissen- schaft, aber die Wissenschaft der absoluten Form , welche in sich Totalitaͤt ist, und die reine Idee der Wahrheit selbst enthaͤlt. Diese absolute Form hat an ihr selbst ihren Inhalt oder Realitaͤt; der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identitaͤt ist, hat in dem Momente seiner Negativitaͤt oder des absoluten Be- stimmens die unterschiedenen Bestimmungen; der Inhalt ist uͤberhaupt nichts anderes als solche Bestimmungen der absoluten Form; der durch sie selbst gesetzte, und daher auch ihr angemessene Inhalt. — Diese Form ist darum auch von ganz anderer Natur, als gewoͤhnlich die logische Form genommen wird. Sie ist schon fuͤr sich selbst die Wahrheit , indem dieser Inhalt sei- ner Form, oder diese Realitaͤt ihrem Begriffe angemessen ist, und die reine Wahrheit , weil dessen Bestimmun- gen Vom Begriff gen noch nicht die Form eines absoluten Andersseyns oder der absoluten Unmittelbarkeit haben. — Kant, in- dem er Kr. der r. Vern. S. 83. in Beziehung auf die Logik, auf die alte und beruͤhmte Frage: Was die Wahrheit sey ? zu reden kommt, schenkt vors erste als etwas triviales die Nahmenerklaͤrung, daß sie die Uebereinstimmung der Erkenntniß mit ihrem Gegenstan- de sey; — eine Definition, die von grossem, ja von dem hoͤchsten Werthe ist. Wenn man sich derselben bey der Grundbehauptung des transcendentalen Idealismus er- innert, daß die Vernunfterkenntniß die Dinge an sich zu erfassen nicht vermoͤgend sey, daß die Realitaͤt schlechthin ausser dem Begriffe liege, so zeigt sich sogleich, daß eine solche Vernunft , die sich mit ihrem Gegenstande, den Dingen an sich, nicht in Uebereinstimmung zu setzen vermag, und die Dinge an sich , die nicht mit dem Vernunftbegriffe, der Begriff, der nicht mit der Realitaͤt, eine Realitaͤt, die nicht mit dem Begriffe in Uebereinstimmung ist, un- wahre Vorstellungen sind. Wenn Kant die Idee eines anschauenden Verstandes an jene Defini- tion der Wahrheit gehalten haͤtte, so wuͤrde er diese Idee, welche die geforderte Uebereinstimmung ausdruͤckt, nicht als ein Gedankending, sondern vielmehr als Wahr- heit behandelt haben. „Das, was man zu wissen verlange, gibt Kant ferner an, sey ein allgemeines und sicheres Cri- terium der Wahrheit einer jeden Erkennt- niß ; es wuͤrde ein solches seyn, welches von allen Er- kenntnissen, ohne Unterschied ihrer Gegenstaͤn- de , guͤltig waͤre; da man aber bey demselben von al- lem Inhalt der Erkenntniß ( Beziehung auf ihr Object ) abstrahirt , und Wahrheit gerade diesen Inhalt angeht, so wuͤrde es ganz unmoͤg- lich im Allgemeinen . lich und ungereimt seyn, nach einem Merkmahl der Wahrheit dieses Inhalts der Erkenntnisse zu fragen.“ — Es ist hier die gewoͤhnliche Vorstellung von der formellen Function der Logik sehr bestimmt aus- gedruͤckt, und das angefuͤhrte Raͤsonnement scheint sehr einleuchtend zu seyn. Vors erste aber ist zu bemerken, daß es solchem formellen Raͤsonnement gewoͤhnlich so geht, in seinem Reden die Sache zu vergessen, die es zur Grundlage gemacht und von der es spricht. Es wuͤrde ungereimt seyn, heißt es, nach einem Criterium der Wahrheit des Inhalts der Erkenntniß zu fra- gen; — aber nach der Definition macht nicht der In- halt die Wahrheit aus, sondern die Uebereinstim- mung desselben mit dem Begriffe. Ein Inhalt, wie von ihm hier gesprochen wird, ohne den Begriff , ist ein begriffloses, somit wesenloses; nach dem Cri- terium der Wahrheit eines solchen kann freylich nicht gefragt werden, aber aus dem entgegengesetzten Grun- de; darum nemlich nicht, weil er um seiner Begrifflosig- keit willen nicht die geforderte Uebereinstimmung ist, sondern weiter nichts als ein der wahrheitslosen Meynung angehoͤriges seyn kann. — Lassen wir die Erwaͤhnung des Inhalts bey Seite, der hier die Ver- wirrung verursacht, in welche aber der Formalismus jedesmal verfaͤllt, und die ihn das Gegentheil dessen sagen laͤßt, was er vorbringen will, so oft er sich auf Erlaͤuterung einlaͤßt, und bleiben bey der abstracten Ansicht stehen, daß das Logische nur formell sey, und von allem Inhalt vielmehr abstrahire; — so haben wir eine einseitige Erkenntniß, welche keinen Gegenstand enthalten soll, eine leere, bestimmungslose Form, die also eben so wenig eine Uebereinstimmung , da zur Uebereinstimmung wesentlich Zwey gehoͤren, — eben so wenig Wahrheit ist. — An der à priori schen Synthesis des Begriffs hatte Kant ein hoͤheres Prin- Vom Begriff Princip, worin die Zweyheit in der Einheit, somit das- jenige erkannt werden konnte, was zur Wahrheit gefo- dert wird; aber der sinnliche Stoff, das Mannichfaltige der Anschauung war ihm zu maͤchtig, um davon weg zur Betrachtung des Begriffs und der Kategorien an und fuͤr sich , und zu einem speculativen Philosophi- ren kommen zu koͤnnen. Indem die Logik Wissenschaft der absoluten Form ist, so muß diß Formelle, damit es ein Wahres seye , an ihm selbst einen Inhalt haben, welcher seiner Form gemaͤß sey, und um so mehr, da das logi- sche Formelle die reine Form, also das logische Wahre, die reine Wahrheit selbst seyn muß. Dieses For- melle muß daher in sich viel reicher an Bestimmungen und Inhalt, so wie auch von unendlich groͤsserer Wirk- samkeit auf das Concrete gedacht werden, als es ge- woͤhnlich genommen wird. Die logischen Gesetze fuͤr sich, (das ohnehin heterogene, die angewandte Logik und uͤbri- ge psychologische und anthropologische Material wegge- rechnet,) werden gewoͤhnlich ausser dem Satze des Widerspruchs, auf einige duͤrftige Saͤtze, die Umkehrung der Urtheile, und die Formen der Schluͤsse betreffend, beschraͤnkt. Die selbst hiebey vorkommenden Formen, so wie weitere Bestimmungen derselben werden nur gleich- sam historisch aufgenommen, nicht der Critik, ob sie an und fuͤr sich ein Wahres seyen, unterworfen. So gilt z. B. die Form des positiven Urtheils fuͤr etwas an sich voͤllig richtiges, wobey es ganz allein auf den Inhalt ankomme, ob ein solches Urtheil wahr sey. Ob diese Form an und fuͤr sich eine Form der Wahrheit, ob der Satz, den sie ausspricht, das Einzelne ist ein Allgemeines , nicht in sich dialektisch sey, an diese Untersuchung wird nicht gedacht. Es wird geradezu da- fuͤr gehalten, daß diß Urtheil fuͤr sich faͤhig, Wahr- heit im Allgemeinen . heit zu enthalten, und jener Satz, den jedes positive Ur- theil ausspricht, ein wahrer sey; obschon unmittelbar erhellt, daß ihm dasjenige fehlt, was die Definition der Wahrheit fodert, nemlich die Uebereinstimmung des Be- griffs und seines Gegenstandes; das Praͤdicat, welches hier das Allgemeine ist, als den Begriff, das Subject, welches das Einzelne ist, als den Gegenstand genom- men, so stimmt das eine mit dem andern nicht uͤberein. Wenn aber das abstracte Allgemeine , welches das Praͤdicat ist, noch nicht einen Begriff ausmacht, als zu welchem allerdings mehr gehoͤrt; — so wie auch solches Subject noch nicht viel weiter als ein gramma- tisches ist, wie sollte das Urtheil Wahrheit enthalten koͤn- nen, da sein Begriff und Gegenstand nicht uͤbereinstim- men, oder ihm der Begriff, wohl auch der Gegenstand, gar fehlt? — Diß ist daher vielmehr das unmoͤgliche und ungereimte , in dergleichen Formen, wie ein positives Urtheil und wie das Urtheil uͤberhaupt ist, die Wahrheit fassen zu wollen. So wie die Kantische Philosophie die Kategorieen nicht an und fuͤr sich be- trachtete, sondern sie nur aus dem schiefen Grunde, weil sie subjective Formen des Selbstbewußtseyns seyen, fuͤr endliche Bestimmungen, die das Wahre zu enthal- ten unfaͤhig seyen, erklaͤrte, so hat sie noch weniger die Formen des Begriffs, welche der Inhalt der gewoͤhn- lichen Logik sind, der Critik unterworfen; sie hat viel- mehr einen Theil derselben, nemlich die Functionen der Urtheile fuͤr die Bestimmung der Kategorie aufgenom- men, und sie als guͤltige Voraussetzungen gelten las- sen. Soll in den logischen Formen auch weiter nichts gesehen werden, als formelle Functionen des Denkens, so waͤren sie schon darum der Untersuchung, in wiefern sie fuͤr sich der Wahrheit entsprechen, wuͤrdig. Eine Logik, welche diß nicht leistet, kann hoͤchstens auf den Werth einer naturhistorischen Beschreibung der Er- schei- Eintheilung . scheinungen des Denkens, wie sie sich vorfinden, An- spruch machen. Es ist ein unendliches Verdienst des Aristoteles , welches uns mit der hoͤchsten Bewun- derung fuͤr die Staͤrke dieses Geistes erfuͤllen muß, diese Beschreibung zuerst unternommen zu haben. Aber es ist noͤthig, daß weiter gegangen, und theils der systematische Zusammenhang, theils aber der Werth der Formen erkannt werde. Eintheilung . D er Begriff zeigt sich obenhin betrachtet, als die Einheit des Seyns und Wesens . Das Wesen ist die erste Negation des Seyns, das dadurch zum Schein geworden ist, der Begriff ist die zweyte , oder die Negation dieser Negation; also das wiederher- gestellte Seyn, aber als die unendliche Vermittlung und Negativitaͤt desselben in sich selbst. — Seyn und We- sen haben daher im Begriffe nicht mehr die Bestim- mung, in welcher sie als Seyn und Wesen sind, noch sind sie nur in solcher Einheit, daß jedes in dem andern scheine . Der Begriff unterscheidet sich daher nicht in diese Bestimmungen. Er ist die Wahrheit des substan- tiellen Verhaͤltnisses, in welchem Seyn und Wesen ihre erfuͤllte Selbststaͤndigkeit, und Bestimmung durch ein- ander erreichen. Als die Wahrheit der Substantialitaͤt erwies sich die substantielle Identitaͤt , welche eben so sehr und nur als das Gesetztseyn ist. Das Gesetztseyn ist das Daseyn und Unterscheiden ; das An- und Fuͤrsichseyn hat daher im Begriffe ein sich ge- Eintheilung . gemaͤsses, und wahres Daseyn erreicht, denn jenes Ge- setztseyn ist das An- und Fuͤr-sichseyn selbst. Diß Gesetztseyn macht den Unterschied des Begriffes in ihm selbst aus; seine Unterschiede , weil sie unmittelbar das An- und Fuͤr-sichseyn ist, sind selbst der ganze Begriff; in ihrer Bestimmtheit allgemeine, und identisch mit ihrer Negation . Diß ist nun der Begriff selbst des Begriffes. Aber es ist nur erst sein Begriff; — oder er ist selbst auch nur der Begriff. Weil er das An- und Fuͤr-sichseyn ist, insofern es Gesetztseyn ist, oder die absolute Sub- stanz, insofern sie die Nothwendigkeit unterschiede- ner Substanzen als Identitaͤt offenbart, so muß diese Identitaͤt das, was sie ist, selbst setzen. Die Momente der Bewegung des Substantialitaͤts-Verhaͤltnisses, wo- durch der Begriff geworden ist, und die dadurch dar- gestellte Realitaͤt ist erst im Uebergange zum Begriffe; sie ist noch nicht als seine eigene , aus ihm hervor- gegangene Bestimmung; sie fiel in die Sphaͤre der Noth- wendigkeit, die seinige kann nur seine freye Bestim- mung, ein Daseyn seyn, in welchem er als identisch mit sich, dessen Momente Begriffe und durch ihn selbst gesetzte sind. Zuerst ist also der Begriff nur an sich die Wahrheit; weil er nur ein inneres ist, so ist er ebensosehr nur ein aͤusseres . Er ist zuerst uͤber- haupt ein Unmittelbares , und in dieser Gestalt haben seine Momente die Form von unmittelbaren, festen Bestimmungen . Er erscheint als der be- stimmte Begriff , als die Sphaͤre des blossen Ver- standes . — Weil diese Form der Unmittelbarkeit ein seiner Natur noch nicht angemessenes Daseyn ist, da er das sich nur auf sich selbst beziehende Freye ist, so ist sie Eintheilung . sie eine aͤusserliche Form, in der der Begriff nicht als an- und fuͤr-sich seyendes, sondern als nur gesetz- tes oder ein Subjectives gelten kann. — Die Gestalt des unmittelbaren Begriffes macht den Stand- punkt aus, nach welchem der Begriff ein subjectives Denken, eine der Sache aͤusserliche Reflexion ist. Die- se Stuffe macht daher die Subjectivitaͤt oder den formellen Begriff aus. Die Aeusserlichkeit dessel- ben erscheint in dem festen Seyn seiner Bestim- mungen , wodurch jede fuͤr sich als ein isolirtes, qua- litatives auftritt, das nur in aͤusserer Beziehung auf sein Anderes ist. Die Identitaͤt des Begriffes aber, die eben das innre oder subjective Wesen derselben ist, setzt sie in dialektische Bewegung, durch welche sich ihre Vereinzelung und damit die Trennung des Begriffs von der Sache aufhebt und als ihre Wahrheit die Totali- taͤt , hervorgeht, welche der objective Begriff ist. II. Der Begriff in seiner Objectivitaͤt ist die an- und fuͤr-sichseyende Sache selbst . Durch seine nothwendige Fortbestimmung macht der formelle Begriff sich selbst zur Sache, und verliert dadurch das Verhaͤltniß der Subjectivitaͤt und Aeusserlichkeit gegen sie. Oder umgekehrt ist die Objectivitaͤt der aus seiner Innerlichkeit hervorgetretene und in das Da- seyn uͤbergegangene reelle Begriff . — In dieser Identitaͤt mit der Sache hat er somit eigenes und freyes Daseyn. Aber es ist diß noch eine unmit- telbare , noch nicht negative Freyheit. Eins mit der Sache ist er in sie versenkt ; seine Unterschiede sind objective Existenzen, in denen er selbst wieder das Innre ist. Als die Seele des objectiven Daseyns muß er sich die Form der Subjectivitaͤt geben , die er als formeller Begriff unmittelbar hatte; so tritt er in der Form des Freyen, die er in der Objectivitaͤt noch nicht hatte, ihr gegenuͤber, und macht darin Eintheilung . darin die Identitaͤt mit ihr, die er an und fuͤr sich als objectiver Begriff mit ihr hat, zu einer auch gesetzten . In dieser Vollendung, worin er in seiner Ob- jectivitaͤt eben so die Form der Freyheit hat, ist der adaͤquate Begriff , die Idee . Die Ver- nunft , welche die Sphaͤre der Idee ist, ist die sich selbst enthuͤllte Wahrheit , worin der Begriff die schlechthin ihm angemessene Realisation hat, und insofern frey ist, als er diese seine objective Welt in seiner Sub- jectivitaͤt, und diese in jener erkennt. C Erster Erster Abschnitt. Die Subjectivitaͤt . D er Begriff ist zuerst der formelle , der Be- griff im Anfang oder der als unmittelbarer ist . — In der unmittelbaren Einheit ist sein Unterschied oder Gesetztseyn zuerst zunaͤchst selbst einfach und nur ein Schein , so daß die Momente des Unterschiedes un- mittelbar die Totalitaͤt des Begriffes sind, und nur der Begriff als solcher sind. Zweytens aber, weil er die absolute Negativi- taͤt ist, so dirimirt er sich, und setzt sich als das Ne- gative oder als das Andre seiner selbst; und zwar weil er erst der unmittelbare ist, hat diß Setzen oder Unterscheiden die Bestimmung, daß die Momente gleichguͤltig gegeneinander und jedes fuͤr sich wird; seine Einheit ist in dieser Theilung nur noch aͤussere Beziehung . So als Beziehung seiner als selbststaͤndig und gleichguͤltig gesetzten Mo- mente ist er das Urtheil . Drittens das Urtheil enthaͤlt wohl die Einheit des in seine selbststaͤndigen Momente verlornen Begriffs, aber sie ist nicht gesetzt . Sie wird diß durch die dialektische Bewegung des Urtheils, das hiedurch der Schluß I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Schluß geworden ist, zum vollstaͤndig gesetzten Be- griff; indem im Schluß, eben so wohl die Momente des- selben als selbststaͤndige Extreme, wie auch deren vermittelnde Einheit gesetzt ist. Indem aber unmittelbar diese Einheit selbst als die vereinigende Mitte , und die Momente als selbststaͤndige Extreme zunaͤchst einander gegenuͤber stehen, so hebt diß widersprechende Verhaͤltniß, das im formalen Schlusse Statt findet, sich auf, und die Vollstaͤndigkeit des Begriffs geht in die Einheit der Totalitaͤt uͤber, die Subjectivitaͤt des Be- griffes in seine Objectivitaͤt . C 2 Erstes I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Erstes Kapitel. Der Begriff . Durch den Verstand pflegt das Vermoͤgen der Begriffe uͤberhaupt ausgedruͤckt zu werden, er wird in- sofern von der Urtheilskraft und dem Vermoͤgen der Schluͤsse, als der formellen Vernunft , unterschie- den. Vornemlich aber wird er der Vernunft entge- gengesetzt; insofern aber bedeutet er nicht das Vermoͤgen des Begriffs uͤberhaupt, sondern der bestimmten Be- griffe, wobey die Vorstellung herrscht, als ob der Begriff nur ein bestimmtes sey. Wenn der Verstand in dieser Bedeutung von der formellen Urtheilskraft und der formellen Vernunft unterschieden wird, so ist er als Vermoͤgen des einzelnen bestimmten Begriffs zu neh- men. Denn das Urtheil und der Schluß oder die Ver- nunft sind selbst, als formales, nur ein Verstaͤndi- ges , indem sie unter der Form der abstracten Begriffs- bestimmtheit stehen. Der Begriff gilt aber hier uͤber- haupt nicht als bloß abstract-bestimmtes; der Verstand ist daher von der Vernunft nur so zu unterscheiden, daß jener nur das Vermoͤgen des Begriffes uͤberhaupt sey. Dieser allgemeine Begriff, der nun hier zu betrach- ten ist, enthaͤlt die drey Momente, Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelnheit . Der Unter- schied und die Bestimmungen, die er sich in dem Unter- scheiden gibt, machen die Seite aus, welche vorhin Ge- setztseyn genannt wurde. Da dieses in dem Begriffe identisch mit dem An- und Fuͤr-sichseyn ist, so ist jedes je- ner I. Kapitel. Der Begriff . ner Momente so sehr ganzer Begriff, als bestimm- ter Begriff , und als eine Bestimmung des Begriffs. Zuerst ist er reiner Begriff , oder die Bestim- mung der Allgemeinheit . Der reine oder allge- meine Begriff ist aber auch nur ein bestimmter , oder besonderer Begriff, der sich auf die Seite neben die andern stellt. Weil der Begriff die Totalitaͤt ist, also in seiner Allgemeinheit oder rein identischen Beziehung auf sich selbst, wesentlich das Bestimmen und Unterscheiden ist, so hat er in ihm selbst den Maaßstab, wodurch diese Form seiner Identitaͤt mit sich, indem sie alle Momente durchdringt und in sich faßt, eben so unmittelbar sich be- stimmt, nur das Allgemeine gegen die Unterschieden- heit der Momente zu seyn. Zweytens ist der Begriff dadurch als dieser be- sondere oder als bestimmte Begriff, welcher als gegen andere unterschieden gesetzt ist. Drittens die Einzelnheit ist der aus dem Unterschiede in die absolute Negativitaͤt sich reflektirende Begriff. Diß ist zugleich das Moment, worin er aus seiner Identitaͤt in sein Andersseyn uͤbergetreten ist, und zum Urtheil wird. A.) Der allgemeine Begriff . Der reine Begriff ist das absolut unendliche, un- bedingte und freye. Es ist hier, wo die Abhandlung, welche den Begriff zu ihrem Inhalte hat, beginnt, noch einmal nach seiner Genesis zuruͤckzusehen. Das We- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Wesen ist aus dem Seyn , und der Begriff aus dem Wesen somit auch aus dem Seyn geworden . Diß Werden hat aber die Bedeutung des Gegenstoßes sei- ner selbst, so daß das Gewordene vielmehr das Un- bedingte und Urspruͤngliche ist. Das Seyn ist in seinem Uebergange zum Wesen, zu einem Schein oder Gesetztseyn , und das Werden oder das Uebergehen in Anderes zu einem Setzen geworden, und um- gekehrt hat das Setzen oder die Reflexion des Wesens sich aufgehoben und sich zu einem Nichtgesetzten , einem urspruͤnglichen Seyn hergestellt. Der Be- griff ist die Durchdringung dieser Momente, daß das Qualitative, und urspruͤnglich-seyende nur als Setzen und nur als Ruͤckkehr-in-sich ist, und diese reine Re- flexion-in-sich schlechthin das Anderswerden oder die Bestimmtheit ist, welche eben so daher unendli- che, sich auf sich beziehende Bestimmtheit ist. Der Begriff ist daher zuerst so die absolute Identitaͤt mit sich , daß sie diß nur ist, als die Negation der Negation, oder als die unendliche Einheit der Negativitaͤt mit sich selbst. Diese reine Bezie- hung des Begriffs auf sich, welche dadurch diese Bezie- hung ist, als durch die Negativitaͤt sich setzend, ist die Allgemeinheit des Begriffs. Die Allgemeinheit , da sie die hoͤchst einfache Bestimmung ist, scheint keiner Erklaͤrung faͤhig zu seyn; denn eine Erklaͤrung muß sich auf Bestimmungen und Unterscheidungen einlassen, und von ihrem Gegenstande praͤdiciren, das einfache aber wird hiedurch vielmehr veraͤndert, als erklaͤrt. Es ist aber gerade die Natur des Allgemeinen, ein solches einfaches zu seyn, welches durch die absolute Negativitaͤt den hoͤchsten Unterschied und Bestimmtheit in sich enthaͤlt. Das Seyn ist ein- I. Kapitel. Der Begriff . einfaches, als unmittelbares ; deßwegen ist es ein nur Gemeyntes , und kann man von ihm nicht sagen, was es ist; es ist daher unmittelbar eins mit seinem Andern, dem Nichtseyn . Eben diß ist sein Begriff, ein solches einfaches zu seyn, das in seinem Gegentheil unmittelbar verschwindet; er ist das Werden . Das Allgemeine dagegen ist das einfache , welches eben so sehr das reichste in sich selbst ist; weil es der Begriff ist. Es ist daher erstens die einfache Beziehung auf sich selbst; es ist nur in sich . Aber diese Identitaͤt ist zweytens in sich absolute Vermittlung ; nicht aber ein vermitteltes . Vom Allgemeinen, welches ein vermitteltes, nemlich das Abstracte , dem Be- sondern und Einzelnen entgegengesetzte Allgemeine ist, ist erst bey dem bestimmten Begriffe zu reden. — Aber auch schon das Abstracte enthaͤlt diß, daß, um es zu er- halten, erfodert werde, andere Bestimmungen des Con- creten wegzulassen . Diese Bestimmungen sind als Determinationen uͤberhaupt Negationen ; eben so ist ferner das Weglassen derselben ein Negiren . Es kommt also beym Abstracten gleichfalls die Negation der Negation vor. Diese gedoppelte Negation aber wird vorgestellt, als ob sie demselben aͤusserlich sey, und sowohl die weggelassenen weitern Eigenschaften des Con- creten von der beybehaltenen, welche der Inhalt des Abstracten ist, verschieden sey, als auch diese Ope- ration des Weglassens der uͤbrigen und des Beybehal- tens der einen, ausser derselben vorgehe. Zu solcher Aeusserlichkeit hat sich das Allgemeine gegen jene Bewegung noch nicht bestimmt; es ist noch selbst in sich jene absolute Vermittlung, welche eben die Negation der Negation oder absolute Negativitaͤt ist. Nach I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Nach dieser urspruͤnglichen Einheit, ist vors erste das erste Negative oder die Bestimmung keine Schran- ke fuͤr das Allgemeine, sondern es erhaͤlt sich darin , und ist positiv mit sich identisch. Die Kategorien des Seyns waren, als Begriffe, wesentlich diese Identitaͤ- ten der Bestimmungen mit sich selbst, in ihrer Schranke oder ihrem Andersseyn; diese Identitaͤt war aber nur an sich der Begriff; sie war noch nicht manifestirt. Daher die qualitative Bestimmung als solche in ihrer andern unterging und eine von ihr verschiedene Bestimmung zu ihrer Wahrheit hatte. Das Allgemeine hingegen, wenn es sich auch in eine Bestimmung setzt, bleibt es darin, was es ist. Es ist die Seele des Concreten, dem es inwohnt, ungehindert und sich selbst gleich in dessen Mannichfaltigkeit und Verschiedenheit. Es wird nicht mit in das Werden gerissen, sondern continuirt sich ungetruͤbt durch dasselbe, und hat die Kraft unveraͤnderlicher, unsterblicher Selbsterhaltung. Eben so scheint es aber nicht nur in sein An- deres, wie die Reflexionsbestimmung. Diese als ein relatives bezieht sich nicht nur auf sich, sondern ist ein Verhalten . Sie gibt sich in ihrem Andern kund ; aber scheint nur erst an ihm, und das Schei- nen eines jeden an dem andern oder ihr gegenseitiges Bestimmen hat bey ihrer Selbststaͤndigkeit, die Form eines aͤusserlichen Thuns. — Das Allgemeine dage- gen ist gesetzt als das Wesen seiner Bestimmung, die eigene positive Natur derselben. Denn die Be- stimmung, die sein Negatives ausmacht, ist im Begriffe schlechthin nur als ein Gesetztseyn , oder wesentlich nur zugleich als das Negative des Negativen, und sie ist nur als diese Identitaͤt des Negativen mit sich, welche das Allgemeine ist. Dieses ist insofern auch die Sub- stanz seiner Bestimmungen; aber so, daß das, was fuͤr I. Kapitel. Der Begriff . fuͤr die Substanz als solche ein zufaͤlliges war, die eigne Vermittlung des Begriffes mit sich selbst, seine eigene immanente Reflexion ist. Diese Vermitt- lung, welche das Zufaͤllige zunaͤchst zur Nothwendig- keit erhebt, ist aber die manifestirte Beziehung; der Begriff ist nicht der Abgrund der formlosen Sub- stanz, oder die Nothwendigkeit, als die innre Identi- taͤt von einander verschiedener und sich beschraͤnkender Dinge oder Zustaͤnde, sondern als absolute Negativitaͤt das formirende und erschaffende, und weil die Bestim- mung nicht als Schranke, sondern schlechthin so sehr als aufgehobene, als Gesetztseyn ist, so ist der Schein die Erscheinung als des Identischen . Das Allgemeine ist daher die freye Macht; es ist es selbst und greift uͤber sein Anderes uͤber; aber nicht als ein gewaltsames , sondern das vielmehr in demselben ruhig und bey sich selbst ist. Wie es die freye Macht genannt worden, so koͤnnte es auch die freye Liebe , und schrankenlose Seeligkeit ge- nannt werden, denn es ist ein Verhalten seiner zu dem Unterschiedenen nur als zu sich selbst , in dem- selben ist es zu sich selbst zuruͤckgekehrt. Es ist so eben der Bestimmtheit erwaͤhnt wor- den, obgleich der Begriff nur erst als das Allgemeine und nur mit sich identische , noch nicht dazu fortge- gangen ist. Es kann aber von dem Allgemeinen nicht ohne die Bestimmtheit, welche naͤher die Besonderheit und Einzelnheit ist, gesprochen werden; denn es enthaͤlt sie in seiner absoluten Negativitaͤt an und fuͤr sich; die Bestimmtheit wird also nicht von aussen dazu genom- men, wenn beym Allgemeinen von ihr gesprochen wird. Als Negativitaͤt uͤberhaupt, oder nach der ersten, unmittelbaren Negation hat es die Bestimmtheit uͤber- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . uͤberhaupt als Besonderheit an ihm; als zweytes als Negation der Negation ist es absolute Be- stimmtheit , oder Einzelnheit und Concre- tion . — Das Allgemeine ist somit die Totalitaͤt des Begriffes, es ist Concretes, ist nicht ein leeres, sondern hat vielmehr durch seinen Begriff Inhalt ; — einen Inhalt, in dem es sich nicht nur erhaͤlt, sondern der ihm eigen und immanent ist. Es kann von dem In- halte wohl abstrahirt werden; so erhaͤlt man aber nicht das Allgemeine des Begriffs, sondern das Abstracte , welches ein isolirtes, unvollkommenes Moment des Be- griffes ist, und keine Wahrheit hat. Naͤher ergibt sich das Allgemeine so als diese To- talitaͤt. Insoferne es die Bestimmtheit in sich hat, ist sie nicht nur die erste Negation, sondern auch die Re- flexion derselben in sich. Mit jener ersten Negation fuͤr sich genommen, ist es Besonderes , wie es sogleich wird betrachtet werden; aber es ist in dieser Bestimmt- heit wesentlich noch allgemeines; diese Seite muß hier noch aufgefaßt werden. — Diese Bestimmtheit ist nemlich als im Begriffe die totale Reflexion, der Doppel- schein , einmal der Schein nach aussen , die Re- flexion in anderes; das andremal der Schein nach innen , die Reflexion in sich. Jenes aͤusserliche Scheinen macht einen Unterschied gegen anderes ; das Allgemeine, hat hienach eine Besonderheit , welche ihre Aufloͤsung in einem hoͤhern Allgemeinen hat. Insofern es nun auch nur ein relativ-allgemeines ist, verliert es seinen Charakter des Allgemeinen nicht; es erhaͤlt sich in seiner Bestimmtheit, nicht nur so, daß es in der Verbindung mit ihr nur gleichguͤltig gegen sie bliebe, — so waͤre es nur mit ihr zusammenge- setzt , — sondern daß es das ist, was so eben das Scheinen nach innen genannt wurde. Die Be- stimmt- I. Kapitel. Der Begriff . stimmtheit ist als bestimmter Begriff aus der Aeusser- lichkeit in sich zuruͤckgebogen ; sie ist der eigne, immanente Charakter , der dadurch ein Wesentliches ist, daß er in die Allgemeinheit aufgenommen und von ihr durchdrungen, von gleichem Umfange, identisch mit ihr sie ebenso durchdringt; es ist der Charakter, wel- cher der Gattung angehoͤrt, als die von dem Allge- meinen ungetrennte Bestimmtheit. Er ist insofern nicht eine nach aussen gehende Schranke , sondern positiv , indem er durch die Allgemeinheit in der freyen Bezie- hung auf sich selbst steht. Auch der bestimmte Begriff bleibt so in sich unendlich freyer Begriff. In Ansehung der andern Seite aber, nach welcher die Gattung durch ihren bestimmten Charakter begraͤnzt ist, ist bemerkt worden, daß sie als niedrigere Gattung in einem hoͤhern Allgemeinern ihre Aufloͤsung habe. Dieses kann auch wieder als Gattung, aber als eine Abstractere aufgefaßt werden, gehoͤrt aber immer wie- der nur der Seite des bestimmten Begriffes an, die nach aussen geht. Das wahrhaft hoͤhere Allgemeine ist, worin diese nach aussen gehende Seite nach innen zu- ruͤckgenommen ist, die zweyte Negation, in welcher die Bestimmtheit schlechthin nur als Gesetztes, oder als Schein ist. Leben, Ich, Geist, absoluter Begriff, sind nicht Allgemeine nur als hoͤhere Gattungen, sondern Concrete , deren Bestimmtheiten auch nicht nur Arten oder niedrige Gattungen sind, sondern die in ihrer Realitaͤt schlechthin nur in sich und davon erfuͤllt sind. Insofern Leben, Ich, endlicher Geist, wohl auch nur bestimmte Begriffe sind, so ist ihre absolute Aufloͤsung in demjenigen Allgemeinen, welches als wahrhaft absolu- ter Begriff, als Idee des unendlichen Geistes zu fassen ist, dessen Gesetztseyn die unendliche, durchsichtige Realitaͤt ist, worin er seine Schoͤpfung , und in ihr sich selbst anschaut. Das I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Das wahrhafte, unendliche Allgemeine, welches unmittelbar eben so sehr Besonderheit als Einzelnheit in sich ist, ist nun zunaͤchst naͤher als Besonderheit zu betrachten. Es bestimmt sich frey; seine Verendli- chung ist kein Uebergehen, das nur in der Sphaͤre des Seyns Statt hat; es ist schoͤpferische Macht , als die absolute Negativitaͤt, die sich auf sich selbst be- zieht. Es ist als solche das Unterscheiden in sich, und dieses ist Bestimmen , dadurch, daß das Unterschei- den mit der Allgemeinheit eins ist. Somit ist es ein Setzen der Unterschiede selbst als allgemeiner, sich auf sich beziehender. Hiedurch werden sie fixirte , isolirte Unterschiede. Das isolirte Bestehen des Endlichen, das sich fruͤher als sein Fuͤrsich-seyn, auch als Dingheit, als Substanz bestimmte, ist in seiner Wahrheit die Allge- meinheit, mit welcher Form der unendliche Begriff seine Unterschiede bekleidet, — eine Form, die eben einer sei- ner Unterschiede selbst ist. Hierin besteht das Schaf- fen des Begriffs, das nur in diesem Innersten dessel- ben selbst zu begreiffen ist. B.) Der besondere Begriff . Die Bestimmtheit als solche gehoͤrt dem Seyn und dem Qualitativen an; als Bestimmtheit des Begriffs ist sie Besonderheit . Sie ist keine Grenze , so daß sie sich zu einem Andern als einem Jenseits ihrer verhielte, vielmehr, wie sich so eben zeigte, das eigene immanentes Moment des Allgemeinen; dieses ist daher in der Besonderheit nicht bey einem Andern, sondern schlechthin bey sich selbst. Das I. Kapitel. Der Begriff . Das Besondere enthaͤlt die Allgemeinheit, welche dessen Substanz ausmacht; die Gattung ist unver- aͤndert in ihren Arten; die Arten sind nicht von dem Allgemeinen, sondern nur gegen einander ver- schieden. Das Besondere hat mit den andern Be- sondern, zu denen es sich verhaͤlt, eine und dieselbe All- gemeinheit. Zugleich ist die Verschiedenheit derselben, um ihrer Identitaͤt mit dem Allgemeinen willen, als solche allgemein; sie ist Totalitaͤt . — Das Be- sondre enthaͤlt also nicht nur das Allgemeine, sondern stellt dasselbe auch durch seine Bestimmtheit dar; dieses macht insofern eine Sphaͤre aus, welche das Besondere erschoͤpfen muß. Diese Totalitaͤt erscheint, in- sofern die Bestimmtheit des Besondern als blosse Ver- schiedenheit genommen wird, als Vollstaͤndigkeit . Vollstaͤndig sind in dieser Ruͤcksicht die Arten, inso- fern es deren eben nicht mehrere gibt . Es ist fuͤr sie kein innerer Maßstab, oder Princip vorhanden, weil die Verschiedenheit eben der Einheitslose Un- terschied ist, an welchem die Allgemeinheit, die fuͤr sich absolute Einheit ist, bloß aͤusserlicher Reflex, und eine unbeschraͤnkte, zufaͤllige Vollstaͤndigkeit ist. Die Ver- schiedenheit aber geht in Entgegensetzung , in eine immanente Beziehung der Verschiedenen uͤber Die Besonderheit aber, ist als Allgemeinheit an und fuͤr sich selbst, nicht durch Uebergehen solche immanente Beziehung; sie ist Totalitaͤt an ihr selbst, und ein- fache Bestimmtheit, wesentlich Princip . Sie hat keine andere Bestimmtheit, als welche durch das All- gemeine selbst gesetzt ist, und sich aus demselben, folgen- dermaßen ergibt. Das Besondre ist das Allgemeine selbst, aber es ist dessen Unterschied oder Beziehung auf ein Anderes , sein Scheinen nach Aussen ; es ist aber kein Ande- res I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . res vorhanden, wovon das Besondere unterschieden waͤre, als das Allgemeine selbst. — Das Allgemeine bestimmt sich , so ist es selbst das Besondere; die Bestimmtheit ist sein Unterschied; es ist nur von sich selbst unter- schieden. Seine Arten sind daher nur a) das Allge- meine selbst und b) das Besondere. Das Allgemeine als der Begriff, ist es selbst und sein Gegentheil, was wieder es selbst als seine gesetzte Bestimmtheit ist; es greift uͤber dasselbe uͤber, und ist in ihm bey sich. So ist es die Totalitaͤt und Princip seiner Verschiedenheit, die ganz nur durch es selbst bestimmt ist. Es gibt daher keine andere wahrhafte Eintheilung, als daß der Begriff sich selbst auf die Seite stellt, als die unmittelbare , unbestimmte Allgemeinheit; eben diß unbestimmte, macht seine Bestimmtheit, oder daß er ein Besonderes ist. Beydes ist das Besondere, und ist daher coordinirt . Beydes ist auch als Be- sonderes das bestimmte gegen das Allgemeine; es heißt demselben insofern subordinirt . Aber eben diß Allgemeine, gegen welches das Besondre bestimmt ist, ist damit vielmehr selbst auch nur eines der Ge- genuͤberstehenden. Wenn wir von zwey Gegenuͤber- stehenden sprechen, so muͤssen wir also auch wieder sa- gen, daß sie beyde das Besondre ausmachen, nicht nur zusammen , daß sie nur fuͤr die aͤussere Reflexion darin gleich waͤren, Besondre zu seyn, sondern ihre Bestimmtheit gegeneinander ist wesentlich zugleich nur Eine Bestimmtheit, die Negativitaͤt, welche im Allgemeinen einfach ist. Wie sich der Unterschied hier zeigt, ist er in seinem Begriffe, und damit in seiner Wahrheit. Aller fruͤhere Unterschied hat diese Einheit im Begriffe. Wie er un- mit- I. Kapitel. Der Begriff . mittelbarer Unterschied im Seyn ist, ist er als die Grenze eines Andern ; wie er in der Reflexion ist, ist er relativer, gesetzt als sich auf sein anderes wesent- lich beziehend; hier beginnt somit die Einheit des Be- griffs gesetzt zu werden; aber zunaͤchst ist sie nur der Schein an einem Andern. — Das Uebergehen und die Aufloͤsung dieser Bestimmungen hat nur diesen wahren Sinn, daß sie ihren Begriff, ihre Wahrheit erreichen; Seyn, Daseyn, Etwas, oder Ganzes und Theile u. s. f. Substanz und Accidenzen, Ursache und Wirkung sind fuͤr sich Gedankenbestimmungen; als bestimmte Begriffe werden sie aufgefaßt, insofern jede in der Einheit mit ihrer andern oder entgegengesetzten erkannt wird. — Das Ganze und die Theile, Ursache und Wirkung z. B. u. s. f. sind noch nicht verschiedene, die als Beson- dere gegeneinander bestimmt waͤren, weil sie an sich zwar Einen Begriff ausmachen, aber ihre Einheit noch nicht die Form der Allgemeinheit erreicht hat; so hat auch der Unterschied , der in diesen Verhaͤlt- nissen ist, noch nicht die Form, daß er Eine Bestimmt- heit ist. Ursache und Wirkung z. B. sind nicht zwey verschiedene Begriffe, sondern nur Ein bestimmter Begriff, und die Caussalitaͤt ist, wie jeder Begriff, ein einfacher . In Absicht auf Vollstaͤndigkeit hat sich ergeben, daß das Bestimmte der Besonderheit vollstaͤndig in dem Unterschiede des Allgemeinen und Besondern ist, und daß nur diese beyde die besondern Arten aus- machen. In der Natur finden sich freylich in einer Gattung mehr als zwey Arten, so wie diese vielen Ar- ten auch nicht das aufgezeigte Verhaͤltniß zu einander haben koͤnnen. Es ist diß die Ohnmacht der Natur, die Strenge des Begriffs nicht festhalten und darstellen zu koͤnnen, und in diese begrifflose blinde Mannichfaltig- keit I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . keit sich zu verlauffen. Wir koͤnnen die Natur in der Mannichfaltigkeit ihrer Gattungen und Arten, und der unendlichen Verschiedenheit ihrer Gestaltungen bewun- dern , denn die Bewunderung ist ohne Begriff , und ihr Gegenstand ist das Vernunftlose. Der Natur weil sie das Aussersichseyn des Begriffes ist, ist es frey- gegeben, in dieser Verschiedenheit sich zu ergehen, wie der Geist, ob er gleich den Begriff in der Gestalt des Begriffes hat, auch aufs Vorstellen sich einlaͤßt, und in einer unendlichen Mannichfaltigkeit desselben sich herum- treibt. Die vielfachen Naturgattungen oder Arten muͤs- sen fuͤr nichts hoͤheres geachtet werden, als die will- kuͤhrlichen Einfaͤlle des Geistes in seinen Vorstellungen. Beyde zeigen wohl allenthalben Spuren und Ahndungen des Begriffs, aber stellen ihn nicht in treuem Abbild dar, weil sie die Seite seines freyen Aussersichseyns sind; er ist die absolute Macht gerade darum, daß er seinen Unterschied frey zur Gestalt selbststaͤndiger Ver- schiedenheit, aͤusserlicher Nothwendigkeit, Zufaͤlligkeit, Willkuͤhr, Meynung entlassen kann, welche aber fuͤr nicht mehr als die abstracte Seite der Nichtigkeit genommen werden muß. Die Bestimmtheit des Besondern ist einfach als Princip , wie wir gesehen haben, aber sie ist es auch als Moment der Totalitaͤt, als Bestimmtheit gegen die andere Bestimmtheit. Der Begriff, insofern er sich bestimmt oder unterscheidet, ist er negativ auf seine Einheit gerichtet, und gibt sich die Form eines seiner ideellen Momente des Seyns ; als bestimmter Begriff hat er ein Daseyn uͤberhaupt. Diß Seyn hat aber nicht mehr den Sinn der blossen Unmittelbarkeit , sondern der Allgemeinheit, der durch die absolute Ver- mittlung sich selbst gleichen Unmittelbarkeit, die eben so sehr auch das andere Moment, das Wesen oder die Re- I. Kapitel. Der Begriff . Reflexion in sich enthaͤlt. Diese Allgemeinheit, mit wel- cher das Bes tim mte bekleidet ist, ist die abstracte . Das Besondre hat die Allgemeinheit in ihm selbst als sein Wesen; insofern aber die Bestimmtheit des Unter- schieds gesetzt ist, und dadurch Seyn hat, ist sie Form an demselben, und die Bestimmtheit als solche ist der Inhalt . Zur Form wird die Allgemeinheit, insofern der Unterschied als das Wesentliche ist, wie er im Gegentheil im rein Allgemeinen nur als absolute Negativitaͤt, nicht als Unterschied ist, der als sol- cher gesetzt ist. Die Bestimmtheit ist nun zwar das abstracte , gegen die andere Bestimmtheit; die andere ist aber nur die Allgemeinheit selbst, diese ist insofern auch die abstrac- te ; und die Bestimmtheit des Begriffs, oder die Be- sonderheit ist wieder weiter nicht als die bestimmte All- gemeinheit. Der Begriff ist in ihr ausser sich ; in- sofern er es ist , der darin ausser sich ist, so enthaͤlt das Abstract-Allgemeine alle Momente des Begriffs; es ist α) Allgemeinheit β) Bestimmtheit γ) die einfache Einheit von beyden; aber diese Einheit ist unmittel- bare , und die Besonderheit ist darum nicht als die Totalitaͤt. An sich ist sie auch diese Totalitaͤt , und Vermittlung ; sie ist wesentlich ausschliessende Beziehung auf anderes , oder Aufhebung der Ne- gation , nemlich der andern Bestimmtheit, — der an- dern , die aber nur als Meynung vorschwebt, denn unmittelbar verschwindet sie, und zeigt sich als dasselbe, was die ihr andre seyn sollte. Diß macht also diese Allgemeinheit zur abstracten, daß die Vermittlung nur Bedingung ist, oder nicht an ihr selbst gesetzt ist. Weil sie nicht gesetzt ist, hat die Einheit des Ab- stracten die Form der Unmittelbarkeit, und der Inhalt die Form der Gleichguͤltigkeit gegen seine Allgemeinheit, D weil I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . weil er nicht als diese Totalitaͤt ist, welche die Allge- meinheit der absoluten Negativitaͤt ist. Das Abstract- Allgemeine ist somit zwar der Begriff , aber als Be- griffloses , als Begriff, der nicht als solcher gesetzt ist. Wenn vom bestimmten Begriffe die Rede ist, so ist es gewoͤhnlich rein nur ein solches abstract- Allgemeines , was gemeynt ist. Auch unter dem Begriffe uͤberhaupt, wird meist nur dieser begriff- lose Begriff verstanden, und der Verstand bezeichnet das Vermoͤgen solcher Begriffe. Die Demonstration gehoͤrt diesem Verstande an, insofern sie an Begriffen fortgehe , das heißt nur an Bestimmungen . Sol- ches Fortgehen an Begriffen kommt daher nicht uͤber die Endlichkeit und Nothwendigkeit hinaus; ihr hoͤchstes ist das negative Unendliche, die Abstraction des hoͤchsten Wesens, welches selbst die Bestimmtheit der Unbe- stimmtheit ist. Auch die absolute Substanz ist zwar nicht diese leere Abstraction, dem Inhalte nach vielm hr die Totalitaͤt, aber sie ist darum abstract, weil sie ohne die absolute Form ist, ihre innerste Wahrheit macht nicht der Begriff aus; ob sie zwar die Identitaͤt der Allge- meinheit und Besonderheit, oder des Denkens und des Aussereinander ist, so ist diese Identitaͤt nicht die Be- stimmtheit des Begriffes; ausser ihr ist vielmehr ein, und zwar eben weil er ausser ihr ist, ein zufaͤlli- ger Verstand, in und fuͤr welchen sie in verschiedenen Attributen und Modis ist. Leer ist uͤbrigens die Abstraction nicht, wie sie gewoͤhnlich genannt wird; sie ist der bestimmte Be- griff; sie hat irgend eine Bestimmtheit zum Inhalt; auch das hoͤchste Wesen, die reine Abstraction, hat, wie erinnert, die Bestimmtheit der Unbestimmtheit; eine Be- stimmtheit aber ist die Unbestimmtheit, weil sie dem Be- stimm- I. Kapitel. Der Begriff . stimmten gegenuͤber stehen soll. Indem man aber ausspricht, was sie ist, hebt sich diß selbst auf, was sie seyn soll; sie wird als eins mit der Bestimmtheit ausgesprochen, und auf diese Weise aus der Abstraction der Begriff und ihre Wahrheit hergestellt. — Inso- fern aber ist jeder bestimmte Begriff allerdings leer , als er nicht die Totalitaͤt sondern nur eine einseitige Bestimmtheit enthaͤlt. Wenn er auch sonst concreten Inhalt hat, z. B. Mensch, Staat, Thier u. s. f. so bleibt er ein leerer Begriff, insofern seine Bestimmtheit nicht das Princip seiner Unterschiede ist; das Princip enthaͤlt den Anfang und das Wesen seiner Entwicklung und Realisation; irgend eine andere Bestimmtheit des Begriffs aber ist unfruchtbar. Wenn der Begriff daher uͤberhaupt als leer gescholten ist, so wird jene absolute Bestimmtheit desselben verkannt, welche der Begriffs- unterschied, und der einzig wahre Inhalt in seinem Element ist. Hieher gehoͤrt der Umstand, um dessen willen der Verstand in neuern Zeiten gering geachtet und gegen die Vernunft so sehr zuruͤckgesetzt wird; es ist die Festig- keit , welche er den Bestimmtheiten und somit den End- lichkeiten ertheilt. Diß Fixe besteht in der betrachteten Form der abstracten Allgemeinheit; durch sie werden sie unveraͤnderlich . Denn die qualitative Bestimmt- heit, so wie die Reflexionsbestimmung, sind wesentlich als begraͤnzte , und haben durch ihre Schranke eine Beziehung auf ihr Anderes , somit die Nothwen- digkeit des Uebergehens und Vergehens. Die Allge- meinheit aber, welche sie im Verstande haben, gibt ihnen die Form der Reflexion in sich, wodurch sie der Bezie- hung auf Anderes entnommen, und unvergaͤnglich geworden sind. Wenn nun am reinen Begriffe diese Ewigkeit zu seiner Natur gehoͤrt, so waͤren seine abstracten D 2 Be- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Bestimmungen nur ihrer Form nach ewige Wesen- heiten; aber ihr Inhalt ist dieser Form nicht angemes- sen; sie sind daher nicht Wahrheit und Unvergaͤnglich- keit. Ihr Inhalt ist der Form nicht angemessen, weil er nicht die Bestimmtheit selbst als allgemein, d. i. nicht als Totalitaͤt des Begriffsunterschieds, oder nicht selbst die ganze Form ist; die Form des beschraͤnkten Verstan- des ist darum aber selbst die unvollkommne, nemlich abstracte Allgemeinheit. — Es ist aber ferner als die unendliche Kraft des Verstandes zu achten, das Concrete in die abstracten Bestimmtheiten zu trennen, und die Tiefe des Unterschieds zu fassen, welche allein zugleich die Macht ist, die ihren Uebergang bewirkt. Das Concrete der Anschauung ist Totalitaͤt , aber die sinnliche , — ein realer Stoff, der in Raum und Zeit gleichguͤltig aussereinander besteht; diese Einheits- losigkeit des Mannichfaltigen, in der es der Inhalt der Anschauung ist, sollte ihm doch wohl nicht als Ver- dienst und Vorzug vor dem Verstaͤndigen angerechn et werden. Die Veraͤnderlichkeit, die es in der Anschauung zeigt, deutet schon auf das Allgemeine hin; was davon zur Anschauung kommt, ist nur ein anderes eben so Veraͤnderliches, also nur das Naͤmliche; es ist nicht das Allgemeine, das an dessen Stelle traͤte und erschiene. Am wenigsten aber sollte der Wissenschaft z. B. der Geometrie und Arithmetik, das Anschauliche , das ihr Stoff mit sich bringt, zu einem Verdienste angerech- net, und ihre Saͤtze als hiedurch begruͤndet, vorgestellt werden. Vielmehr ist der Stoff solcher Wissenschaften darum von niedrigerer Natur; das Anschauen der Fi- guren oder Zahlen verhilft nicht zur Wissenschaft der- selben; nur das Denken daruͤber vermag eine solche hervorzubringen. — Insofern aber unter Anschauung nicht bloß das Sinnliche, sondern die objective To- talitaͤt verstanden wird, so ist sie eine intel- lec- I. Kapitel. Der Begriff . lectuelle , d. i. sie hat das Daseyn nicht in seiner aͤusserlichen Existenz zum Gegenstande, sondern das, was in ihm unvergaͤngliche Realitaͤt und Wahrheit ist, — die Realitaͤt, nur insofern sie wesentlich im Begriffe und durch ihn bestimmt ist, die Idee , deren naͤhere Na- tur sich spaͤter zu ergeben hat. Was die Anschauung als solche, vor dem Begriffe voraushaben soll, ist die aͤusserliche Realitaͤt, das Begrifflose, das erst einen Werth durch ihn erhaͤlt. Indem daher der Verstand die unendliche Kraft darstellt, welche das Allgemeine bestimmt, oder umge- kehrt, dem an und fuͤr sich Haltungslosen der Bestimmt- heit durch die Form der Allgemeinheit das fixe Bestehen ertheilt, so ist es nun nicht Schuld des Verstandes, wenn nicht weiter gegangen wird. Es ist eine subjecti- ve Ohnmacht der Vernunft , welche diese Be- stimmtheiten so gelten laͤßt und sie nicht durch die jener abstracten Allgemeinheit entgegengesetzte dialektische Kraft, d. h. durch die eigenthuͤmliche Natur, nemlich durch den Begriff jener Bestimmtheiten, zur Einheit zuruͤckzufuͤhren vermag. Der Verstand gibt ihnen zwar durch die Form der abstracten Allgemeinheit so zu sagen, eine solche Haͤrte des Seyns, als sie in der qualitativen Sphaͤre, und in der Sphaͤre der Reflexion nicht haben; aber durch diese Vereinfachung begeistet er sie zugleich, und schaͤrft sie so zu, daß sie eben nur auf dieser Spitze die Faͤhigkeit erhalten, sich aufzuloͤsen und in ihr ent- gegengesetztes uͤberzugehen. Die hoͤchste Reiffe und Stuffe, die irgend Etwas erreichen kann, ist diejenige, in welcher sein Untergang beginnt. Das Feste der Be- stimmtheiten, in welche sich der Verstand einzurennen scheint, die Form des Unvergaͤnglichen ist die der sich auf sich beziehenden Allgemeinheit. Aber sie gehoͤrt dem Be- griffe zu eigen an; und daher liegt in ihr selbst die Auf- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Aufloͤsung des Endlichen ausgedruͤckt, und in unend- licher Naͤhe. Diese Allgemeinheit arguirt unmittel- bar die Bestimmtheit des Endlichen, und druͤckt seine Unangemessenheit zu ihr aus . — Oder vielmehr ist seine Angemessenheit schon vorhanden; das abstracte Be- stimmte ist als eins mit der Allgemeinheit gesetzt; e ben darum als nicht fuͤr sich, insofern es nur Bestimmtes waͤre, sondern nur als Einheit seiner und des Allgemei- nen, d. i. als Begriff. Es ist daher in jeder Ruͤcksicht zu verwerfen, Verstand und die Vernunft so, wie gewoͤhnlich geschieht, zu trennen. Wenn der Begriff als vernunftlos betrach- tet wird, so muß es vielmehr als eine Unfaͤhigkeit der Vernunft betrachtet werden, sich in ihm zu erkennen. Der bestimmte und abstracte Begriff ist die Bedin- gung , oder vielmehr wesentliches Moment der Vernunft ; er ist begeistete Form, in welcher das Endliche durch die Allgemeinheit, in der es sich auf sich bezieht, sich in sich entzuͤndet, als dialektisch gesetzt und hiemit der Anfang selbst der Erscheinung der Ver- nunft ist. Indem der bestimmte Begriff in dem Bisherigen in seiner Wahrheit dargestellt ist, so ist nur noch uͤbrig, anzuzeigen, als was er hiemit schon gesetzt ist. — Der Unterschied, welcher wesentliches Moment des Begriffs, aber im rein Allgemeinen noch nicht als solcher gesetzt ist, erhaͤlt im bestimmten Begriffe sein Recht. Die Be- stimmtheit in der Form der Allgemeinheit ist zum Ein- fachen mit derselben verbunden; dies bestimmte Allge- meine ist die sich auf sich selbst beziehende Bestimmtheit; die bestimmte Bestimmtheit oder absolute Negativitaͤt fuͤr sich gesetzt. Die sich auf sich selbst beziehende Bestimmt- heit aber ist die Einzelnheit . So unmittelbar die Allgemeinheit schon an und fuͤr sich selbst Besonderheit ist, I. Kapitel. Der Begriff . ist, so unmittelbar an und fuͤr sich ist die Besonderheit auch Einzelnheit , welche zunaͤchst als drittes Mo- ment des Begriffes, insofern sie gegen die beyden er- sten festgehalten wird, aber auch als die absolute Ruͤck- kehr desselben in sich, und zugleich als der gesetzte Verlust seiner selbst zu betrachten ist. Anmerkung . Allgemeinheit, Besonderheit und Ein- zelnheit sind nach dem bisherigen die drey bestimm- ten Begriffe, wenn man sie nemlich zaͤhlen will. Es ist schon fruͤher gezeigt worden, daß die Zahl eine un- passende Form ist, um Begriffsbestimmungen darein zu fassen, aber am unpassendsten vollends fuͤr Bestim- mungen des Begriffs selbst; die Zahl, da sie das Eins zum Princip hat, macht die gezaͤhlten zu ganz abgeson- derten und einander ganz gleichguͤltigen. Es hat sich im Bisherigen ergeben, daß die verschiedenen bestimm- ten Begriffe schlechthin vielmehr nur Einer und der- selbe Begriff sind, als daß sie in die Zahl aus einan- der fallen. In der sonst gewoͤhnlichen Abhandlung der Logik kommen mancherley Eintheilungen und Arten von Begriffen vor. Es faͤllt sogleich die Inconsequenz daran in die Augen, daß die Arten so eingefuͤhrt wer- den: Es gibt der Quantitaͤt, Qualitaͤt u. s. f. nach folgende Begriffe. Es gibt , druͤckt keine andere Be- rechtigung aus, als die, daß man solche Arten vorfin- det und sie sich nach der Erfahrung zeigen. Man erhaͤlt auf diese Weise eine empirische Logik , — eine sonderbare Wissenschaft, eine irrationelle Er- kenntniß des Rationellen . Die Logik gibt hierdurch ein sehr uͤbles Beyspiel der Befolgung ihrer eigenen Leh I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Lehren; sie erlaubt sich fuͤr sich selbst das Gegentheil dessen zu thun, was sie als Regel vorschreibt, daß die Begriffe abgeleitet und die wissenschaftlichen Saͤtze, (also auch der Satz: es gibt so und so vielerley Arten von Begriffe) bewiesen werden sollen. — Die Kantische Phi- losophie begeht hierin eine weitere Inconsequenz, sie entlehnt fuͤr die transcendentale Logik die Ka- tegorien als sogenannte Stammbegriffe aus der subjecti- ven Logik, in welcher sie empirisch aufgenommen wor- den. Da sie letzteres zugibt, so ist nicht abzusehen, warum die transcendentale Logik sich zum Entlehnen aus solcher Wissenschaft entschließt, und nicht gleich selbst empirisch zugreifft. Um einiges hievon anzufuͤhren, so werden die Be- griffe vornemlich nach ihrer Klarheit eingetheilt, und zwar in klare und dunkle, deutliche und un- deutliche , in adaͤquate und nichtadaͤquate . Auch koͤnnen hieher die vollstaͤndigen, uͤberflies- senden und andere dergleichen Ueberfluͤssigkeiten ge- nommen werden. — Was jene Eintheilung nach der Klarheit betrifft, so zeigt sich bald, daß dieser Gesichts- punkt und die sich auf ihn beziehenden Unterschiede aus psychologischen , nicht auf logischen Bestimmun- gen genommen sind. Der sogenannte klare Begriff soll hinreichen, einen Gegenstand von einem andern zu unterscheiden; ein solches ist noch kein Begriff zu nen- nen, es ist weiter nichts als die subjective Vor- stellung . Was ein dunkler Begriff sey, muß auf sich beruhen bleiben, denn sonst waͤre er kein dunkler, er wuͤrde ein deutlicher Begriff. — Der deutliche Be- griff soll ein solcher seyn, von welchem man die Merk- mahle angeben koͤnne. Sonach ist er eigentlich der bestimmte Begriff . Das Merkmahl, wenn nem- lich das, was darin richtiges liegt, aufgefaßt wird, ist nichts I. Kapitel. Der Begriff . nichts anderes als die Bestimmtheit oder der ein- fache Inhalt des Begriffs, insofern er von der Form der Allgemeinheit unterschieden wird. Aber das Merk- mahl hat zunaͤchst nicht gerade diese genauere Bedeu- tung, sondern ist uͤberhaupt nur eine Bestimmung, wo- durch ein Dritter sich einen Gegenstand oder den Begriff merkt; es kann daher ein sehr zufaͤlliger Um- stand seyn. Ueberhaupt druͤckt es nicht sowohl die Im- manenz und Wesentlichkeit der Bestimmung aus, sondern deren Beziehung auf einen aͤussern Verstand. Ist dieser wirklich ein Verstand, so hat er den Begriff vor sich, und merkt sich denselben durch nichts anderes, als durch das, was im Begriffe ist . Soll es aber hievon unterschieden seyn, so ist es ein Zeichen oder sonst eine Bestimmung, welche zur Vorstellung der Sache, nicht zu ihrem Begriffe gehoͤrt. — Was der undeutliche Begriff sey, kann als uͤberfluͤssig uͤber- gangen werden. Der adaͤquate Begriff aber ist ein hoͤheres; es schwebt dabey eigentlich die Uebereinstimmung des Be- griffs mit der Realitaͤt vor, was nicht der Begriff als solcher, sondern die Idee ist. Wenn das Merkmahl des deutlichen Begriffs wirklich die Begriffsbestimmung selbst seyn sollte, so wuͤrde die Logik mit den einfachen Begriffen, in Ver- legenheit kommen, welche nach einer andern Eintheilung den zusammengesetzten gegenuͤbergestellt werden. Denn wenn vom einfachen Begriffe ein wahres, d. i. ein immanentes Merkmahl angegeben werden sollte, so wuͤrde man ihn nicht als einen einfachen ansehen wol- len; insofern aber keines von ihm angegeben wuͤrde, waͤre er kein deutlicher Begriff. Da hilft aber nun der klare Begriff aus. Einheit, Realitaͤt und derglei- chen Bestimmungen sollen einfache Begriffe seyn, wohl nur I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . nur aus dem Grunde, daß die Logiker nicht damit zu Stande kamen, die Bestimmung derselben aufzufinden, sich daher begnuͤgten, einen bloß klaren Begriff, d. h. gar keinen davon zu haben. Zur Definition , d. i. zur Angabe des Begriffs wird allgemein die Angabe der Gattung und der specifischen Differenz gefodert. Sie gibt also den Begriff nicht als etwas einfaches, sondern in zwey zaͤhlbaren Bestandstuͤcken . Aber darum wird solcher Begriff doch wohl nicht ein zusammen- gesetztes seyn sollen. — Es scheint beym einfachen Begriffe die abstracte Einfachheit vorzuschweben, eine Einheit, welche den Unterschied und die Bestimmt- heit nicht in sich enthaͤlt, welche daher auch nicht dieje- nige ist, die dem Begriffe zukommt. Sofern ein Gegenstand in der Vorstellung, insbesondere im Gedaͤcht- niß ist, oder auch die abstracte Gedankenbestimmung ist, kann er ganz einfach seyn. Selbst der in sich reichste Gegenstand: z. B. Geist, Natur, Welt, auch Gott ganz begrifflos in die einfache Vorstellung des eben so einfa- chen Ausdruckes: Geist, Natur, Welt, Gott, gefaßt, ist wohl etwas einfaches, bey dem das Bewußtseyn stehen bleiben kann, ohne sich die eigenthuͤmliche Bestimmung oder ein Merkmahl weiter herauszuheben; aber die Ge- genstaͤnde des Bewußtseyns sollen nicht diese einfache, nicht Vorstellungen oder abstracte Gedankenbestimmungen bleiben, sondern begriffen werden, d. h. ihre Ein- fachheit soll mit ihrem innern Unterschied bestimmt seyn. — Der zusammengesetzte Begriff aber ist wohl nicht mehr als ein hoͤlzernes Eisen. Von Etwas zu- sammengesetztem kann man wohl einen Begriff haben; aber ein zusammengesetzter Begriff waͤre etwas schlim- meres als der Materialismus , welcher nur die Substanz der Seele als ein zusammengesetztes an- nimmt, aber das Denken doch als einfach auffaßt. Die ungebildete Reflexion verfaͤllt zunaͤchst auf die Zu- sam- I. Kapitel. Der Begriff . sammensetzung als die ganz aͤusserliche Beziehung, die schlechteste Form, in der die Dinge betrachtet wer- den koͤnnen; auch die niedrigsten Naturen muͤssen eine innre Einheit seyn. Daß vollends die Form des un- wahrsten Daseyns auf Ich, auf den Begriff uͤbergetra- gen wird, ist mehr, als zu erwarten war, ist als un- schicklich und barbarisch zu betrachten. Die Begriffe werden ferner vornemlich in con- traͤre und contradictorische eingetheilt. — Wenn es bey der Abhandlung des Begriffs darum zu thun waͤre, anzugeben, was es fuͤr bestimmte Begriffe gebe, so waͤren alle moͤglichen Bestimmungen anzufuͤh- ren, — denn alle Bestimmungen sind Begriffe, somit bestimmte Begriffe, — und alle Kategorien des Seyns , wie alle Bestimmungen des Wesens waͤren unter den Arten der Begriffe aufzufuͤhren. Wie denn auch in den Logiken, in der einen nach Belieben mehr , in der an- dern weniger erzaͤhlt wird, daß es bejahende, verneinende, identische, bedingte, nothwen- dige u. s. f. Begriffe gebe. Da solche Bestimmungen der Natur des Begriffes selbst schon im Ruͤcken liegen, und daher wenn sie bey demselben aufgefuͤhrt werden, nicht in ihrer eigenthuͤmlichen Stelle vorkom- men, so lassen sie nur oberflaͤchliche Worterklaͤrungen zu, und erscheinen hier ohne alles Interesse. — Den contraͤren und contradictorischen Begriffen, — ein Unterschied, der hier vornemlich beachtet wird, liegt die Reflexionsbestimmung der Verschiedenheit und Entgegensetzung zu Grunde. Sie werden als zwey besondere Arten angesehen, d. h. jeder als fest fuͤr sich und gleichguͤltig gegen den andern, ohne allen Gedanken der Dialektik und der innern Nichtigkeit dieser Unterschiede; als ob das, was contraͤr ist, nicht eben so sehr als contradictorisch bestimmt werden muͤß- te. I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . te. Die Natur und der wesentliche Uebergang der Re- flexionsformen, die sie ausdruͤcken, ist an ihrer Stelle betrachtet worden. In dem Begriffe ist die Identitaͤt zur Allgemeinheit, der Unterschied zur Besonderheit, die Entgegensetzung, die in den Grund zuruͤckgeht, zur Ein- zelnheit fortgebildet. In diesen Formen sind jene Re- flexionsbestimmungen wie sie in ihrem Begriffe sind. Das Allgemeine erwies sich nicht nur als das Identi- sche, sondern zugleich als das verschiedene oder con- traͤre gegen das Besondere und Einzelne, ferner auch als ihnen entgegengesetzt, oder contradictorisch ; in dieser Entgegensetzung aber ist es identisch mit ihnen, und ihr wahrhafter Grund, in welchem sie aufgehoben sind. Ein gleiches gilt von der Besonderheit und Ein- zelnheit, welche eben so die Totalitaͤt der Reflexionsbe- stimmungen sind. Weiter werden die Begriffe in subordinirte und coordinirte eingetheilt; — ein Unterschied, der die Begriffsbestimmung naͤher angeht, nemlich das Ver- haͤltniß von Allgemeinheit und Besonderheit, wo diese Ausdruͤcke auch beylaͤuffig erwaͤhnt worden sind. Nur pflegen sie gewoͤhnlich gleichfalls als ganz feste Verhaͤlt- nisse betrachtet, und hiernach mehrfache unfruchtbare Saͤtze von denselben aufgestellt zu werden. Die weit- laͤufigste Verhandlung daruͤber betrifft wieder die Be- ziehung der Contrarietaͤt und Contradictorietaͤt auf die Sub- und Coordination. Indem das Urtheil die Beziehung der bestimmten Begriffe ist, so hat sich erst bey demselben das wahre Verhaͤltniß zu erge- ben. Jene Manier, diese Bestimmungen zu verglei- chen ohne Gedanken an ihre Dialektik und um die fortgehende Aenderung ihrer Bestimmung, oder vielmehr an die in ihnen vorhandene Verknuͤpfung entgegengesetz- ter Bestimmungen, macht die ganze Betrachtung, was in I. Kapitel. Der Begriff . in ihnen einstimmig sey oder nicht, gleichsam als ob diese Einstimmigkeit oder Nichteinstimmigkeit etwas gesondertes, und bleibendes sey, zu etwas nur unfruchtbarem und gehaltlosem. — Der grosse, in dem Auffassen und Combiniren der tiefern Verhaͤltnisse der algebraischen Groͤssen unendlich fruchtbare und scharfsin- nige Euler , besonders der trocken verstaͤndige Lam- bert und andere haben fuͤr diese Art von Verhaͤltnis- sen der Begriffsbestimmungen eine Bezeichnung durch Linien, Figuren und dergleichen versucht; man beabsich- tete uͤberhaupt, die logischen Beziehungsweisen zu einem Calcul zu erheben ; — oder vielmehr in der That herabzusetzen. Schon der Versuch der Bezeichnung stellt sich sogleich als an und fuͤr sich nichtig dar, wenn man die Natur des Zeichens und dessen, was bezeichnet wer- den soll, mit einander vergleicht. Die Begriffsbestim- mungen, Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelnheit sind allerdings verschieden , wie Linien oder die Buch- staben der Algebra; — sie sind ferner auch entgegen- gesetzt , und liessen insofern auch die Zeichen von plus und minus zu. Aber sie selbst und vollends deren Beziehungen, — wenn auch nur bey der Subsum- tion und Inhaͤrenz stehen geblieben wird, sind von ganz anderer wesentlicher Natur, als die Buchstaben und Linien und deren Beziehungen, die Gleichheit oder Verschiedenheit der Groͤsse, das plus und minus , oder eine Stellung der Linien uͤbereinander oder ihre Verbin- dung zu Winkeln und die Stellungen von Raͤumen, die sie einschließen. Dergleichen Gegenstaͤnde haben gegen sie das eigenthuͤmliche, daß sie einander aͤusserlich sind, eine fixe Bestimmung haben. Wenn Begriffe nun in der Weise genommen worden, daß sie solchen Zeichen entsprechen, so hoͤren sie auf, Begriffe zu seyn. Ihre Bestimmungen sind nicht so ein todtliegendes, wie Zahlen und Linien, denen ihre Beziehung nicht selbst an- gehoͤrt; I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . gehoͤrt; sie sind lebendige Bewegungen; die unterschie- dene Bestimmtheit der einen Seite ist unmittelbar auch der andern innerlich; was bey Zahlen und Linien ein vollkommener Widerspruch waͤre, ist der Natur des Be- griffes wesentlich. — Die hoͤhere Mathematik, welche auch zum Unendlichen fortgeht, und sich Widerspruͤche erlaubt, kann fuͤr die Darstellung solcher Bestimmungen ihre son- stigen Zeichen nicht mehr gebrauchen; fuͤr Bezeichnung der noch sehr begrifflosen Vorstellung der unendlichen Annaͤherung zweyer Ordinaten, oder wenn sie einen Bogen, einer unendlichen Anzahl von unend- lich kleinen geraden Linien gleichsetzt, thut sie wei- ter nichts als die zwey geraden Linien, ausserein- ander zu zeichnen, und in einen Bogen gerade Li- nien, aber als verschieden von ihm ziehen; fuͤr das unendliche, worauf es dabey ankommt, verweist sie an das Vorstellen . Was zu jenem Versuche zunaͤchst verleitet hat, ist vornemlich das quantitative Verhaͤltniß, in welchem Allgemeinheit, Besonderheit und Einzeln- heit zu einander stehen sollen; das Allgemeine heißt weiter als das Besondere und Einzelne, und das Besondere weiter als das Einzelne. Der Begriff ist das Concrete und Reichste , weil er der Grund und die Totalitaͤt der fruͤhern Bestimmungen, der Kate- gorien des Seyns, und der Reflexionsbestimmungen ist; dieselben kommen daher wohl auch an ihm hervor. Aber seine Natur wird gaͤnzlich verkannt, wenn sie an ihm noch in jener Abstraction festgehalten werden; wenn der weitere Umfang des Allgemeinen so genommen wird, daß es ein Mehreres oder ein groͤsseres Quantum sey, als das Besondere und Einzelne. Als absoluter Grund ist er die Moͤglichkeit der Quantitaͤt , aber eben so sehr der Qualitaͤt , d. h. seine Bestimmungen sind I. Kapitel. Der Begriff . sind eben so wohl qualitativ unterschieden; sie werden daher dann schon gegen ihre Wahrheit betrachtet, wenn sie unter der Form der Quantitaͤt allein gesetzt werden. So ist ferner die Reflexionsbestimmung ein relati- ves , in der ihr Gegentheil scheint; sie ist nicht im aͤusserlichen Verhaͤltnisse, wie ein Quantum. Aber der Begriff ist mehr als alles dieses; seine Bestimmungen sind bestimmte Begriffe , wesentlich selbst die Tota- litaͤt aller Bestimmungen. Es ist daher voͤllig unpas- send, um solche innige Totalitaͤt zu fassen, Zahlen- und Raumverhaͤltnisse anwenden zu wollen, in welchen alle Bestimmungen auseinander fallen; sie sind vielmehr das letzte und schlechteste Medium, welches gebraucht werden koͤnnte. Naturverhaͤltnisse, wie z. B. Magnetismus, Farbenverhaͤltnisse wuͤrden unendlich hoͤhere und wahre- re Symbole dafuͤr seyn. Da der Mensch die Sprache hat, als das der Vernunft eigenthuͤmliche Bezeichnungs- mittel, so ist es ein muͤssiger Einfall, sich nach einer unvollkommnern Darstellungsweise umsehen und damit quaͤlen zu wollen. Der Begriff kann als solcher wesent- lich nur mit dem Geiste aufgefaßt werden, dessen Eigen- thum nicht nur, sondern dessen reines Selbst er ist. Es ist vergeblich ihn durch Raumfiguren und algebrai- sche Zeichen zum Behuffe des aͤusserlichen Auges und einer begrifflosen, mechanischen Behand- lungsweise , eines Calculs , festhalten zu wollen. Auch jedes andere, was als Symbol dienen sollte, kann hoͤchstens, wie Symbole fuͤr die Natur Gottes, Ahndun- gen und Anklaͤnge des Begriffes erregen; aber wenn es Ernst seyn sollte, den Begriff dadurch auszudruͤcken und zu erkennen, so ist die aͤusserliche Natur aller Symbole unangemessen dazu und vielmehr ist das Ver- haͤltniß umgekehrt, daß was in den Symbolen Anklang einer hoͤhern Bestimmung ist, erst durch den Begriff erkannt, und allein durch die Absonderung jenes sinn- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . sinnlichen Beywesens ihm genaͤhrt werden, das ihn ausdruͤcken sollte. C.) Das Einzelne . Die Einzelnheit ist, wie sich ergeben, schon durch die Besonderheit gesetzt; diese ist die bestimmte Allgemeinheit ; also die sich auf sich beziehende Be- stimmtheit, das bestimmte Bestimmte . 1. Zunaͤchst erscheint daher die Einzelnheit als die Reflexion des Begriffs aus seiner Bestimmtheit in sich selbst . Sie ist die Vermittlung desselben durch sich, insofern sein Andersseyn sich wieder zu einem Andern gemacht, wodurch der Begriff als sich selbst gleiches hergestellt, aber in der Bestimmung der absoluten Negativitaͤt ist. — Das Negative am Allgemeinen, wodurch dieses ein Besonderes ist, wurde vorhin als der Doppelschein bestimmt; insofern es Scheinen nach Innen ist, bleibt das Besondere ein Allgemeines; durch das Scheinen nach Aussen ist es bestimmtes ; die Ruͤckkehr dieser Seite in das Allge- meine ist die gedoppelte, entweder durch die Ab- straction , welche dasselbe weglaͤßt, und zur hoͤhern und hoͤchsten Gattung aufsteigt, oder aber durch die Einzelnheit , zu welcher das Allgemeine in der Bestimmtheit selbst, heruntersteigt. — Hier geht der Abweg ab, auf welchem die Abstraction vom Wege des Begriffs abkommt, und die Wahrheit verlaͤßt. Ihr hoͤheres und hoͤchstes Allgemeine, zu dem sie sich erhebt, ist nur die immer inhaltsloser werdende Oberflaͤche; die von I. Kapitel. Der Begriff . von ihr verschmaͤhte Einzelnheit ist die Tiefe, in der der Begriff sich selbst erfaßt, und als Begriff gesetzt ist. Die Allgemeinheit und die Besonderheit erschienen einerseits als die Momente des Werdens der Einzelnheit. Aber es ist schon gezeigt worden, daß sie an ihnen selbst der totale Begriff sind, somit in der Einzelnheit nicht in ein anderes uͤbergehen, son- dern daß darin nur gesetzt ist, was sie an und fuͤr sich sind. Das Allgemeine ist fuͤr sich , weil es an ihm selbst die absolute Vermittlung, Beziehung auf sich nur als absolute Negativitaͤt ist. Es ist abstractes Allgemei- nes, insofern diß Aufheben ein aͤusserliches Thun, und hiedurch ein Weglassen der Bestimmtheit ist. Diese Negativitaͤt ist daher wohl an dem Abstracten, aber sie bleibt ausserhalb , als eine blosse Bedingung desselben; sie ist die Abstraction selbst, welche ihr All- gemeines sich gegenuͤber haͤlt, das daher die Einzeln- heit nicht in sich selbst hat, und begrifflos bleibt. — Leben, Geist, Gott, — so wie den reinen Begriff, ver- mag die Abstraction deßwegen nicht zu fassen, weil sie von ihren Erzeugnissen, die Einzelnheit, das Princip der Individualitaͤt und Persoͤnlichkeit, abhaͤlt, und so zu nichts, als leb- und geistlosen, farb- und gehaltlosen Allgemeinheiten kommt. Aber die Einheit des Begriffs ist so untrennbar, daß auch diese Producte der Abstraction, indem sie die Einzelnheit weglassen sollen, selbst vielmehr einzelne sind. Indem sie das Concrete in die Allgemeinheit er- hebt, das Allgemeine aber nur als bestimmte Allgemein- heit faßt, so ist eben diß die Einzelnheit, welche sich als die sich auf sich beziehende Bestimmtheit ergeben hat. Die Abstraction ist daher eine Trennung des Concre- ten, und eine Vereinzelung seiner Bestimmungen; E durch I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . durch sie werden nur einzelne Eigenschaften oder Momente aufgefaßt; denn ihr Product muß das enthal- ten, was sie selbst ist. Der Unterschied aber dieser Ein- zelnheit ihrer Producte, und der Einzelnheit des Begriffs, ist, daß in jenen das Einzelne als Inhalt , und das Allgemeine als Form von einander verschieden sind; — weil eben jener nicht als die absolute Form, als der Begriff selbst, oder diese nicht als die Totalitaͤt der Form ist. — Diese naͤhere Betrachtung aber zeigt das Abstracte selbst als Einheit des einzelnen Inhalts, und der abstracten Allgemeinheit, somit als Concretes , als das Gegentheil dessen, was es seyn will. Das Besondere ist aus demselben Grunde, weil es nur das bestimmte Allgemeine ist, auch Einzel- nes , und umgekehrt, weil das Einzelne das bestimmte Allgemeine ist, ist es eben so sehr ein Besonderes. Wenn an dieser abstracten Bestimmtheit fest gehalten wird, so hat der Begriff die drey besondern Bestimmungen, das Allgemeine, Besondere und Einzelne; nachdem vorhin nur das Allgemeine und Besondere als die Arten des Besondern angegeben wurden. Indem die Einzelnheit als die Ruͤckkehr des Begriffs als des Negativen in sich ist, so kann diese Ruͤckkehr selbst von der Abstraction, die darin eigentlich aufgehoben ist, als ein gleichguͤlti- ges Moment, neben die andern gestellt und gezaͤhlt werden. Wenn die Einzelnheit als eine der besondern Begriffsbestimmungen aufgefuͤhrt wird, so ist die Beson- derheit die Totalitaͤt , welche alle in sich begreift; als diese Totalitaͤt eben ist sie das Concrete derselben, oder die Einzelnheit selbst. Sie ist das Concrete aber auch nach der vorhin bemerkten Seite, als bestimmte Allgemeinheit ; so ist sie als die unmittelbare Ein- I. Kapitel. Der Begriff . Einheit, in welcher keines dieser Momente als unterschie- den oder als das Bestimmende gesetzt ist, und in dieser Form wird sie die Mitte des formalen Schlusses ausmachen. Es faͤllt von selbst auf, daß jede Bestimmung, die in der bisherigen Exposition des Begriffs gemacht wor- den, sich unmittelbar aufgeloͤst und in ihre andere ver- loren hat. Jede Unterscheidung confondirt sich in der Betrachtung, welche sie isoliren und festhalten soll. Nur die blosse Vorstellung , fuͤr welche sie das Ab- strahiren isolirt hat, vermag sich das Allgemeine, Be- sondere und Einzelne fest auseinander zu halten; so sind sie zaͤhlbar, und fuͤr einen weitern Unterschied haͤlt sie sich an den voͤllig aͤusserlichen des Seyns, die Quantitaͤt , die nirgend weniger, als hieher gehoͤrt. — In der Einzelnheit ist jenes wahre Verhaͤltniß, die Untrennbarkeit der Begriffsbestimmungen, gesetzt ; denn als Negation der Negation enthaͤlt sie den Gegen- satz derselben und ihn zugleich in seinem Grunde oder Einheit; das Zusammengegangenseyn einer jeden mit ih- rer andern. Weil in dieser Reflexion an und fuͤr sich die Allgemeinheit ist, ist sie wesentlich die Negativitaͤt der Begriffsbestimmungen nicht nur so, daß sie nur ein Drittes verschiedenes gegen sie waͤre, sondern es ist diß nunmehr gesetzt , daß das Gesetztseyn das An- und fuͤrsichseyn ist; d. h. daß die dem Unterschiede angehoͤrigen Bestimmungen selbst jede die Totalitaͤt ist. Die Ruͤckkehr des bestimmten Begriffes in sich ist, daß er die Bestimmung hat, in seiner Bestimmt- heit der ganze Begriff zu seyn. 2. Die Einzelnheit ist aber nicht nur die Ruͤckkehr des Begriffes in sich selbst, sondern unmittelbar sein Verlust. Durch die Einzelnheit, wie er darin in sich E 2 ist, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . ist, wird er ausser sich , und tritt in Wirklichkeit. Die Abstraction , welche als die Seele der Ein- zelnheit die Beziehung des Negativen auf das Negative ist, ist, wie sich gezeigt, dem Allgemeinen und Besondern nichts aͤusserliches, sondern immanent, und sie sind durch sie Concretes, Inhalt, Einzelnes. Die Einzelnheit aber ist als diese Negativitaͤt die bestimmte Bestimmtheit, das Unterscheiden als solches; durch diese Reflexion des Unterschiedes in sich wird er ein fester; das Bestim- men des Besondern ist erst durch die Einzelnheit; denn sie ist jene Abstraction, die nunmehr eben als Einzeln- heit, gesetzte Abstraction ist. Das Einzelne also ist als sich auf sich beziehende Negativitaͤt, unmittelbare Identitaͤt des Negativen mit sich; es ist fuͤr sich seyendes . Oder es ist die Ab- straction welche den Begriff nach seinem ideellen Mo- mente des Seyns , als ein unmittelbares be- stimmt. — So ist das Einzelne ein qualitatives Eins oder Dieses . Nach dieser Qualitaͤt ist es erstlich Repulsion seiner von sich selbst , wodurch die vielen andern Eins vorausgesetzt werden; zweytens ist es nun gegen diese vorausgesetzten Andern negative Beziehung, und das Einzelne insofern ausschliessend . Die Allgemeinheit auf diese Einzelnen als gleichguͤl- tige Eins bezogen, — und bezogen muß sie darauf werden, weil sie Moment des Begriffes der Einzeln- heit ist, — ist sie nur das Gemeinsame derselben. Wenn unter dem Allgemeinen das verstanden wird, was mehrern Einzelnen gemeinschaftlich ist, so wird von dem gleichguͤltigen Bestehen derselben ausgegangen, und in die Begriffsbestimmung die Unmit- telbarkeit des Seyns eingemischt. Die niedrigste Vor- stellung, welche man vom Allgemeinen haben kann, wie es in der Beziehung auf das Einzelne ist, ist diß aͤusser- liche I. Kapitel. Der Begriff . liche Verhaͤltniß desselben, als eines bloß Gemein- schaftlichen . Das Einzelne, welches in der Reflexionssphaͤre der Existenz als Dieses ist, hat nicht die ausschlies- sende Beziehung auf anderes Eins, welche dem quali- tativen Fuͤr-sichseyn zukommt. Dieses ist als das in sich reflectirte Eins fuͤr sich ohne Repulsion; oder die Repulsion ist in dieser Reflexion mit der Ab- traction in eins, und ist die reflectirende Vermitt- lung , welche so an ihm ist, daß dasselbe eine gesetzte , von einem Aeusserlichen gezeigte Unmittelbarkeit ist. Dieses ist ; es ist unmittelbar ; es ist aber nur Dieses , insofern es monstrirt wird. Das Monstriren ist die reflectirende Bewegung, welche sich in sich zusammennimmt und die Unmittelbarkeit setzt, aber als ein sich aͤusserliches. — Das Einzelne nun ist wohl auch Dieses, als das aus der Vermittlung her- gestellte Unmittelbare; es hat sie aber nicht ausser ihm, es ist selbst repellirende Abscheidung, die gesetzte Abstraction , aber in seiner Abscheidung selbst posi- tive Beziehung. Dieses Abstrahiren des Einzelnen ist als die Re- flexion des Unterschiedes in sich erstlich ein Setzen der Unterschiedenen als selbststaͤndiger , in sich reflectir- ter. Sie sind unmittelbar; aber ferner ist dieses Trennen Reflexion uͤberhaupt, das Scheinen des einen im andern ; so stehen sie in wesentlicher Be- ziehung. Sie sind ferner nicht bloß seyende Ein- zelne gegen einander; solche Vielheit gehoͤrt dem Seyn an; die sich als bestimmt setzende Einzelnheit setzt sich nicht in einem aͤusserlichen, sondern im Begriffsunter- schiede; sie schließt also das Allgemeine von sich aus, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . aus, aber da dieses Moment ihrer selbst ist, so bezieht sich eben so wesentlich auf sie. Der Begriff als diese Beziehung seiner selbst- staͤndigen Bestimmungen hat sich verloren; denn so ist er nimmer die gesetzte Einheit derselben, und sie nicht mehr als Momente , als der Schein dessel- ben, sondern als an und fuͤr sich bestehende. — Als Ein- zelnheit kehrt er in der Bestimmtheit in sich zuruͤck; da- mit ist das Bestimmte selbst Totalitaͤt geworden. Seine Ruͤckkehr in sich ist daher die absolute, urspruͤngliche Theilung seiner , oder als Einzelnheit ist er als Urtheil gesetzt. Zwey- II. Kapitel. Das Urtheil . Zweytes Kapitel. Das Urtheil . D as Urtheil ist die am Begriffe selbst gesetzte Bestimmtheit desselben. Die Begriffsbestimmungen, oder was, wie sich gezeigt hat, dasselbe ist, die bestimm- ten Begriffe sind schon fuͤr sich betrachtet worden; aber diese Betrachtung war mehr eine subjective Reflexion, oder subjective Abstraction. Der Begriff ist aber selbst dieses Abstrahiren, das Gegeneinanderstellen sei- ner Bestimmungen ist sein eigenes Bestimmen. Das Urtheil ist diß Setzen der bestimmten Begriffe durch den Begriff selbst. Das Urtheilen ist insofern eine andere Function als das Begreiffen, oder vielmehr die andre Function des Begriffes, als es das Bestimmen des Begriffes durch sich selbst ist, und der weitere Fortgang des Ur- theils in die Verschiedenheit der Urtheile ist diese Fort- bestimmung des Begriffes. Was es fuͤr bestimmte Be- griffe gibt , und wie sich diese Bestimmungen desselben nothwendig ergeben, diß hat sich im Urtheil zu zeigen. Das Urtheil kann daher die naͤchste Realisirung des Begriffs genannt werden, insofern die Realitaͤt das Treten ins Daseyn als bestimmtes Seyn, uͤber- haupt bezeichnet. Naͤher hat sich die Natur dieser Realisirung so ergeben, daß vors erste die Momente des Begriffs durch seine Reflexion- in- sich oder seine Einzelnheit selbststaͤndige Totalitaͤten sind; vors andre aber I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . aber die Einheit des Begriffes als deren Beziehung ist. Die in sich reflectirten Bestimmungen sind be- stimmte Totalitaͤten , eben so wesentlich in gleich- guͤltigem beziehungslosem Bestehen, als durch die gegen- seitige Vermittlung mit einander. Das Bestimmen selbst ist nur die Totalitaͤt, indem es diese Totalitaͤten und deren Beziehung enthaͤlt. Diese Totalitaͤt ist das Ur- theil. — Es enthaͤlt erstlich also die beyden Selbststaͤndigen, welche Subject und Praͤdicat heißen. Was jedes ist, kann eigentlich noch nicht gesagt werden; sie sind noch unbestimmt, denn erst durch das Urtheil sollen sie bestimmt werden. Indem es der Begriff als bestimm- ter ist, so ist nur der allgemeine Unterschied gegen ein- ander vorhanden, daß das Urtheil den bestimmten Be- griff gegen den noch unbestimmten enthaͤlt. Das Subject kann also zunaͤchst gegen das Praͤdicat als das Einzelne gegen das Allgemeine, oder auch als das Be- sondere gegen das Allgemeine, oder als das Einzelne gegen das Besondere genommen werden; insofern sie nur uͤberhaupt als das Bestimmtere und das Allgemei- nere einander gegenuͤberstehen. Es ist daher passend und Beduͤrfniß, fuͤr die Ur- theilsbestimmungen diese Nahmen, Subject und Praͤdicat , zu haben; als Nahmen sind sie etwas unbestimmtes, das erst noch seine Bestimmung erhalten soll; und mehr als Nahmen sind sie daher nicht. Be- griffsbestimmungen selbst koͤnnten fuͤr die zwey Seiten des Urtheils theils aus diesem Grunde nicht gebraucht werden; theils aber noch mehr darum nicht, weil die Natur der Begriffsbestimmung sich hervorthut, nicht ein abstractes und festes zu seyn, sondern ihre entgegenge- setzte in sich zu haben, und an sich zu setzen; indem die Seiten des Urtheils selbst Begriffe, also die Totalitaͤt seiner Bestimmungen sind, so muͤssen sie dieselben alle durch- II. Kapitel. Das Urtheil . durchlauffen und an sich zeigen; es sey in abstracter oder concreter Form. Um nun doch bey dieser Veraͤnderung ihrer Bestimmung, die Seiten des Urtheils doch auf eine allgemeine Weise festzuhalten, sind Nahmen am dienlichsten, die sich darin gleich bleiben. — Der Nahme aber steht der Sache oder dem Begriffe gegenuͤber; diese Unterscheidung kommt an dem Urtheile als solchem selbst vor; indem das Subject uͤberhaupt das Bestimmte, und daher mehr das unmittelbar Seyende , das Praͤdicat aber das Allgemeine , das Wesen oder den Begriff ausdruͤckt, so ist das Subject als solches zunaͤchst nur eine Art von Nahmen ; denn, was es ist , druͤckt erst das Praͤdicat aus, welches das Seyn im Sinne des Begriffs enthaͤlt. Was ist diß, oder was ist diß fuͤr eine Pflanze u. s. f.? unter dem Seyn , nach wel- chem gefragt wird, wird oft bloß der Nahmen ver- standen, und wenn man denselben erfahren, ist man befriedigt und weiß nun, was die Sache ist . Diß ist das Seyn im Sinne des Subjects. Aber der Be- griff , oder wenigstens das Wesen und das Allgemeine uͤberhaupt gibt erst das Praͤdicat, und nach diesem wird im Sinne des Urtheils gefragt. — Gott, Geist, Natur oder was es sey, ist daher als das Subject eines Urtheils nur erst der Nahme; was ein solches Subject ist , dem Begriffe nach, ist erst im Praͤdicate vorhanden. Wenn gesucht wird, was solchem Subjecte fuͤr ein Praͤdicat zukomme, so muͤßte fuͤr die Beurthei- lung schon ein Begriff zu Grunde liegen; aber die- sen spricht erst das Praͤdicat selbst aus. Es ist deßwe- gen eigentlich die blosse Vorstellung , welche die vor- ausgesetzte Bedeutung des Subjects ausmacht, und die zu einer Nahmenerklaͤrung fuͤhrt, wobey es zufaͤllig und ein historisches Factum ist, was unter einem Nahmen verstanden werde oder nicht. So viele Streitigkeiten, ob einem gewissen Subjecte ein Praͤdicat zukomme oder nicht, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . nicht, sind darum nichts mehr als Wortstreitigkeiten, weil sie von jener Form ausgehen; das zu Grunde liegende, ( subjectum, ὑποκειμενον) ist noch nichts wei- ter als der Nahmen. Es ist nun naͤher zu betrachten, wie zweytens die Beziehung des Subjects und Praͤdicats im Urtheile, und wie sie selbst eben dadurch zunaͤchst bestimmt sind. Das Urtheil hat zu seinen Seiten uͤberhaupt Totalitaͤten, welche zunaͤchst als wesentlich selbststaͤndig sind. Die Einheit des Begriffes ist daher nur erst eine Bezie- hung von Selbststaͤndigen; noch nicht die concrete aus dieser Realitaͤt in sich zuruͤckgekehrte, erfuͤllte Einheit, sondern ausser der sie, als nicht in ihr aufgehobene Extreme bestehen. — Es kann nun die Betrachtung des Urtheils von der urspruͤnglichen Einheit des Begriffes oder von der Selbststaͤndig- keit der Extreme ausgehen. Das Urtheil ist die Direm- tion des Begriffs durch sich selbst; diese Einheit ist daher der Grund, von welchem aus es nach seiner wahrhaften Objectivitaͤt betrachtet wird. Es ist insofern die urspruͤngliche Theilung des urspruͤng- lich Einen; das Wort: Urtheil bezieht sich hiemit auf das, was es an und fuͤr sich ist. Daß aber der Begriff im Urtheil als Erscheinung ist, indem seine Momente darin Selbststaͤndigkeit erlangt haben, — an diese Seite der Aeusserlichkeit haͤlt sich mehr die Vorstellung . Nach dieser subjectiven Betrachtung wer- den daher Subject und Praͤdicat, jedes als ausser dem andern fuͤr sich fertig, betrachtet; das Subject als ein Gegenstand, der auch waͤre, wenn er dieses Praͤdicat nicht haͤtte; das Praͤdicat als eine allgemeine Bestimmung, die auch waͤre, wenn sie diesem Subjecte nicht zukaͤme. Mit dem Urtheilen ist hernach die Re- flexion II. Kapitel. Das Urtheil . flexion verbunden, ob dieses oder jenes Praͤdicat, das im Kopfe ist, dem Gegenstande, der draussen fuͤr sich ist, beygelegt werden koͤnne und solle; das Ur- theilen selbst besteht darin, daß erst durch dasselbe ein Praͤdicat mit dem Subjecte verbunden wird, so daß wenn diese Verbindung nicht Statt faͤnde, Subject und Praͤdicat, jedes fuͤr sich doch bliebe was es ist, jenes, ein existirender Gegenstand, dieses eine Vorstellung im Kopfe. — Das Praͤdicat, welches dem Subjecte beygelegt wird, soll ihm aber auch zukommen , das heißt, an und fuͤr sich identisch mit demselben seyn. Durch diese Bedeutung des Beylegens wird der subjective Sinn des Urtheilens und das gleichguͤltige aͤusserliche Bestehen des Subjects und Praͤdicats wieder aufgeho- ben: diese Handlung ist gut; die Copula zeigt an, daß das Praͤdicat zum Seyn des Subjects gehoͤrt, und nicht bloß aͤusserlich damit verbunden wird. Im grammatischen Sinne hat jenes subjective Verhaͤlt- niß, in welchem von der gleichguͤltigen Aeusserlichkeit des Subjects und Praͤdicats ausgegangen wird, sein vollstaͤndiges Gelten; denn es sind Worte , die hier aͤusserlich verbunden werden. — Bey dieser Gelegenheit kann auch angefuͤhrt werden, daß ein Satz zwar im grammatischen Sinne ein Subject und Praͤdicat hat, aber darum noch kein Urtheil ist. Zu letzterem ge- hoͤrt, daß das Praͤdicat sich zum Subject nach dem Ver- haͤltniß von Begriffsbestimmungen, also als ein allge- meines zu einem besondern oder einzelnen verhalte. Druͤckt das, was vom einzelnen Subjecte gesagt wird, selbst nur etwas einzelnes aus, so ist diß ein blosser Satz. Z. B. Aristoteles ist im 73ten Jahre seines Al- ters, in dem 4ten Jahr der 115ten Olympiade gestor- ben, — ist ein blosser Satz, kein Urtheil. Es waͤre von letzterem nur dann etwas darin, wenn einer der Umstaͤnde, die Zeit des Todes oder das Alter jenes Phi- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Philosophen in Zweiffel gestellt gewesen, aus irgend ei- nem Grunde aber die angegebenen Zahlen behauptet wuͤrden. Denn in diesem Falle, wuͤrden dieselben als etwas allgemeines, auch ohne jenen bestimmten Inhalt des Todes des Aristoteles bestehende, mit anderem er- fuͤllte oder auch leere Zeit genommen. So ist die Nach- richt: mein Freund N. ist gestorben, ein Satz; und waͤre nur dann ein Urtheil, wenn die Frage waͤre, ob er wirklich todt, oder nur scheintodt waͤre. Wenn das Urtheil gewoͤhnlich so erklaͤrt wird, daß es die Verbindung zweyer Begriffe sey, so kann man fuͤr die aͤusserliche Copula wohl den unbestimmten Ausdruck: Verbindung gelten lassen, ferner daß die Verbundenen wenigstens Begriffe seyn sollen . Sonst aber ist diese Erklaͤrung wohl hoͤchst oberflaͤchlich; nicht nur daß z. B. im disjunctiven Urtheile mehr als zwey sogenannte Begriffe verbunden sind, sondern daß viel- mehr die Erklaͤrung viel besser ist, als die Sache; denn es sind uͤberhaupt keine Begriffe, die gemeint sind, kaum Begriffs-, eigentlich nur Vorstellungs-Bestimmun- gen ; beym Begriffe uͤberhaupt, und beym bestimm- ten Begriff ist bemerkt worden, daß das, was man so zu benennen pflegt, keineswegs den Nahmen von Be- griffen verdient; wo sollten nun beym Urtheile Begriffe herkommen? — Vornemlich ist in jener Erklaͤrung das Wesentliche des Urtheils, nemlich der Unterschied seiner Bestimmungen uͤbergangen; noch weniger das Verhaͤlt- niß des Urtheils zum Begriffe beruͤcksichtigt. Was die weitere Bestimmung des Subjects und Praͤdicats betrifft, so ist erinnert worden, daß sie im Urtheil eigentlich erst ihre Bestimmung zu erhalten ha- ben. Insofern dasselbe aber die gesetzte Bestimmt- heit des Begriffs ist, so hat sie die angegebenen Un- ter- II. Kapitel. Das Urtheil . terschiede unmittelbar und abstract , als Einzeln- heit und Allgemeinheit . — Insofern es aber uͤber- haupt das Daseyn oder das Andersseyn des Be- griffs, welcher sich noch nicht zu der Einheit, wodurch er als Begriff ist, wieder hergestellt hat, so tritt auch die Bestimmtheit hervor, welche begrifflos ist; der Gegen- satz des Seyns und der Reflexion oder des An sich seyns . Indem aber der Begriff den wesentlichen Grund des Urtheils ausmacht, so sind jene Bestim- mungen wenigstens so gleichguͤltig, daß jede, indem die eine dem Subjecte, die andere dem Praͤdicate zukommt, diß Verhaͤltniß umgekehrt eben so sehr Statt hat. Das Subject als das Einzelne , erscheint zunaͤchst als das Seyende oder fuͤr sich seyende nach der be- stimmten Bestimmtheit des Einzelnen — als ein wirkli- cher Gegenstand, wenn er auch nur Gegenstand in der Vorstellung ist, — wie z. B. die Tapferkeit, das Recht, Uebereinstimmung u. s. f. — uͤber welchen geurtheilt wird; — das Praͤdicat dagegen als das Allgemei- ne , erscheint als diese Reflexion uͤber ihn, oder auch vielmehr als dessen Reflexion in-sich-selbst, welche uͤber jene Unmittelbarkeit hinausgeht und die Bestimmt- heiten als bloß seyende aufhebt, — als sein Ansich- seyn . — Insofern wird vom Einzelnen, als dem Er- sten, Unmittelbaren ausgegangen, und dasselbe durch das Urtheil in die Allgemeinheit erhoben , so wie umgekehrt, das nur an sich seyende Allgemeine im Einzelnen ins Daseyn heruntersteigt, oder ein Fuͤr- sich-seyendes wird. Diese Bedeutung des Urtheils ist als der objec- tive Sinn desselben, und zugleich als die wahre der fruͤheren Formen des Uebergangs zu nehmen. Das Seyende wird und veraͤndert sich, das Endliche geht im Unendlichen unter ; das Existirende geht aus I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . aus seinem Grunde hervor in die Erscheinung, und geht zu Grunde ; die Accidenz manifestirt den Reichthum der Substanz, so wie deren Macht ; im Seyn ist Uebergang in Anderes, im Wesen Schei- nen an einem Andern, wodurch die nothwendige Beziehung sich offenbart. Diß Uebergehen und Schei- nen ist nun in das urspruͤngliche Theilen des Begriffes uͤbergegangen, welcher, indem er das Ein- zelne in das Ansichseyn seiner Allgemeinheit zuruͤck- fuͤhrt, eben so sehr das Allgemeine als Wirkliches bestimmt. Diß beydes ist ein und dasselbe, daß die Einzelnheit in ihre Reflexion-in-sich, und das Allge- meine als Bestimmtes gesetzt wird. Zu dieser objectiven Bedeutung gehoͤrt nun aber eben so wohl, daß die angegebenen Unterschiede, indem sie in der Bestimmtheit des Begriffes wieder hervortre- ten, zugleich nur als Erscheinende gesetzt seyen, das heißt daß sie nichts fixes sind, sondern der einen Be- griffsbestimmung eben so gut zukommen als der andern. Das Subject ist daher eben so wohl als das Ansich- seyn , das Praͤdicat dagegen als das Daseyn zu neh- men. Das Subject ohne Praͤdicat ist was in der Erscheinung, das Ding ohne Eigenschaften , das Ding-an-sich ist, ein leerer unbestimmter Grund; es ist so der Begriff in sich selbst , welcher erst am Praͤdicate eine Unterscheidung und Bestimmtheit erhaͤlt; dieses macht hiemit die Seite des Daseyns des Subjects aus. Durch diese bestimmte Allgemeinheit steht das Subject in Beziehung auf aͤusserliches, ist fuͤr den Einfluß anderer Dinge offen, und tritt dadurch in Thaͤ- tigkeit gegen sie. Was da ist , tritt aus seinem In- sich-seyn in das allgemeine Element des Zusam- menhanges und der Verhaͤltnisse, in die negativen Be- ziehungen und das Wechselspiel der Wirklichkeit, was eine II. Kapitel. Das Urtheil . eine Conti n uation des Einzelnen in andere, und da- her Allgemeinheit ist. Die so eben aufgezeigte Identitaͤt, daß die Bestim- mung des Subjects eben so wohl auch dem Praͤdicat zu- kommt und umgekehrt, faͤllt jedoch nicht nur in unsere Betrachtung; sie ist nicht nur an sich , sondern ist auch im Urtheile gesetzt; denn das Urtheil ist die Beziehung beyder; die Copula druͤckt aus, daß das Subject das Praͤdicat ist. Das Subject ist die bestimmte Bestimmtheit, und das Praͤdicat ist diese gesetzte Be- stimmtheit desselben; das Subject ist nur in seinem Praͤdicat bestimmt, oder nur in demselben ist es Sub- ject, es ist im Praͤdicat in sich zuruͤckgekehrt, und ist darin das Allgemeine. — Insofern nun aber das Sub- ject das Selbststaͤndige ist, so hat jene Identitaͤt das Verhaͤltniß, daß das Praͤdicat nicht ein selbststaͤndiges Bestehen fuͤr sich, sondern sein Bestehen nur in dem Subjecte hat; es inhaͤrirt diesem. Insofern hier- nach das Praͤdicat vom Subjecte unterschieden wird, so ist es nur eine vereinzelte Bestimmtheit desselben, nur Eine seiner Eigenschaften; das Subject selbst aber ist das Concrete , die Totalitaͤt von mannichfaltigen Bestimmtheiten, wie das Praͤdicat Eine enthaͤlt; es ist das Allgemeine. — Aber andererseits ist auch das Praͤ- dicat selbststaͤndige Allgemeinheit, und das Subject um- gekehrt nur eine Bestimmung desselben. Das Praͤdicat subsumirt insofern das Subject; die Einzelnheit und Besonderheit ist nicht fuͤr sich, sondern hat ihr Wesen und ihre Substanz im Allgemeinen. Das Praͤdicat druͤckt das Subject in seinem Begriffe aus; das Ein- zelne und Besondere sind zufaͤllige Bestimmungen an dem- selben; es ist deren absolute Moͤglichkeit. Wenn beym Subsumiren an eine aͤusserliche Beziehung des Sub- jects und Praͤdicats gedacht und das Subject als ein Selbst- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Selbststaͤndiges vorgestellt wird, so bezieht sich das Sub- sumiren auf das oben erwaͤhnte subjective Urtheilen, worin von der Selbststaͤndigkeit beyder ausgegangen wird. Die Subsumtion ist hiernach nur die Anwen- dung des Allgemeinen auf ein Besonderes oder Einzel- nes, das unter dasselbe nach einer unbestimmten Vor- stellung, als von minderer Quantitaͤt gesetzt wird. Wenn die Identitaͤt des Subjects und Praͤdicats so betrachtet worden, daß das einemal jenem die eine Be- griffsbestimmung zukommt, und diesem die andere, aber das anderemal eben so sehr umgekehrt, so ist die Identitaͤt hiemit immer noch erst eine an sich seyen- de ; um der selbststaͤndigen Verschiedenheit der beyden Seiten des Urtheils willen hat ihre gesetzte Bezie- hung auch diese zwey Seiten, zunaͤchst als verschiedene. Aber die unterschiedslose Identitaͤt macht ei- gentlich die wahre Beziehung des Subjects auf das Praͤdicat aus. Die Begriffsbestimmung ist wesentlich selbst Beziehung , denn sie ist ein allgemeines ; dieselben Bestimmungen also, welche das Subject und Praͤdicat hat, hat damit auch ihre Beziehung selbst. Sie ist allgemein , denn sie ist die positive Identitaͤt beyder, des Subjects und Praͤdicats; sie ist aber auch bestimmte , denn die Bestimmtheit des Praͤdicats ist die des Subjects; sie ist ferner auch einzelne , denn in ihr sind die selbststaͤndigen Extreme als in ihrer ne- gativen Einheit aufgehoben. — Im Urtheile aber ist diese Identitaͤt noch nicht gesetzt; die Copula ist als die noch unbestimmte Beziehung des Seyns uͤberhaupt: A ist B; denn die Selbststaͤndigkeit der Bestimmthei- ten des Begriffs oder Extreme ist im Urtheile die Rea- litaͤt , welche der Begriff in ihm hat. Waͤre das Ist der Copula, schon gesetzt als jene bestimmte und er- fuͤllte Einheit des Subjects und Praͤdicats, als ihr Begriff , so waͤre es bereits der Schluß . Die- II. Kapitel. Das Urtheil . Diese Identitaͤt des Begriffs wieder herzustel- len oder vielmehr zu setzen , ist das Ziel der Be- wegung des Urtheils. Was im Urtheil schon vor- handen ist , ist theils die Selbststaͤndigkeit, aber auch die Bestimmtheit des Subjects und Praͤdicats gegen ein- ander, theils aber ihre jedoch abstracte Beziehung. Das Subject ist das Praͤdicat , ist zunaͤchst das, was das Urtheil aussagt; aber da das Praͤdicat nicht das seyn soll, was das Subject ist, so ist ein Wider- spruch vorhanden, der sich aufloͤsen , in ein Resul- tat uͤbergehen muß. Vielmehr aber, da an und fuͤr sich Subject und Praͤdicat die Totalitaͤt des Be- griffes sind, und das Urtheil die Realitaͤt des Begriffes ist, so ist seine Fortbewegung nur Entwicklung ; es ist in ihm dasjenige schon vorhanden, was in ihm her- vortritt, und die Demonstration ist insofern nur eine Monstration , eine Reflexion als Setzen des- jenigen, was in den Extremen des Urtheils schon vor- handen ist; aber auch diß Setzen selbst ist schon vor- handen; es ist die Beziehung der Extreme. Das Urtheil wie es unmittelbar ist, ist es zu- naͤchst das Urtheil des Daseyns ; unmittelbar ist sein Subject ein abstractes, seyendes Einzelnes ; das Praͤdicat eine unmittelbare Bestimmtheit oder Eigenschaft desselben, ein abstract allgemeines. Indem sich diß Qualitative des Subjects und Praͤ- dicats aufhebt, scheint zunaͤchst die Bestimmung des einen an dem andern; das Urtheil ist nun zweytens Urtheil der Reflexion . Dieses mehr aͤusserliche Zusammenfassen aber geht in die wesentliche Identitaͤt eines substantiellen, nothwendigen Zusammenhangs uͤber; so ist es drittens das Urtheil der Nothwendigkeit . F Vier- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Viertens indem in dieser wesentlichen Identi- taͤt der Unterschied des Subjects und Praͤdicats zu einer Form geworden, so wird das Urtheil subjectiv ; es enthaͤlt den Gegensatz des Begriffes und seiner Rea- litaͤt , und die Vergleichung beyder; es ist das Urtheil des Begriffs . Dieses Hervortreten des Begriffs, begruͤndet den Uebergang des Urtheils in den Schluß . A. Das Urtheil des Daseyns . Im subjectiven Urtheil will man einen und den- selben Gegenstand doppelt sehen, das einemal in seiner einzelnen Wirklichkeit, das andremal in seiner wesentlichen Identitaͤt oder in seinem Begriffe; das Ein- zelne in seine Allgemeinheit erhoben, oder was dasselbe ist das Allgemeine in seine Wirklichkeit vereinzelt. Das Urtheil ist in dieser Weise Wahrheit ; denn es ist die Uebereinstimmung des Begriffs und der Realitaͤt. So aber ist zuerst das Urtheil nicht beschaffen; denn zu- erst ist es unmittelbar , indem sich an ihm noch keine Reflexion und Bewegung der Bestimmungen erge- ben hat. Diese Unmittelbarkeit macht das erste Urtheil zu einem Urtheile des Daseyns , das auch das qualitative genannt werden kann, jedoch nur insofern als die Qualitaͤt nicht nur der Bestimmtheit des Seyns zukommt, sondern auch die abstracte All- gemeinheit darin begriffen ist, die um ihrer Ein- fachheit willen gleichfalls die Form der Unmittel- barkeit hat. Das II. Kapitel. Das Urtheil . Das Urtheil des Daseyns ist auch das Urtheil der Inhaͤrenz ; weil die Unmittelbarkeit seine Bestimmung, im Unterschiede des Subjects und Praͤdicats aber jenes das Unmittelbare, hiedurch das Erste und Wes e ntliche in diesem Urtheile ist, so hat das Praͤdicat die Form eines Unselbststaͤndigen, das am Subjecte seine Grundlage hat. a. Das positive Urtheil . 1. Das Subject und Praͤdicat sind, wie erinnert worden, zunaͤchst Nahmen, deren wirkliche Bestimmung erst durch den Verlauf des Urtheils erhalten wird. Als Seiten des Urtheils aber, welches der gesetzte bestimmte Begriff ist, haben sie die Bestimmung der Mo- mente desselben, aber um der Unmittelbarkeit willen, die noch ganz einfache , theils nicht durch Vermittlung be- reicherte, theils zunaͤchst nach dem abstracten Gegen- satze, als abstracte Einzelnheit und Allgemein- heit . — Das Praͤdicat, um von diesem zuerst zu spre- chen, ist das abstracte Allgemeine; da das Abstracte aber durch die Vermittlung, des Aufhebens des Ein- zelnen oder Besondern bedingt ist, so ist sie insofern nur eine Voraussetzung . In der Sphaͤre des Begriffs, kann es keine andere Unmittelbarkeit geben, als eine solche, die an und fuͤr sich die Vermittlung enthaͤlt, und nur durch deren Aufheben entstanden ist, d. i. die allgemeine . So ist auch das qualita- tive Seyn selbst in seinem Begriffe , ein Allge- meines; als Seyn aber ist die Unmittelbarkeit, noch nicht so gesetzt ; erst als Allgemeinheit ist sie die Begriffsbestimmung, an welcher gesetzt ist, daß ihr die Negativitaͤt wesentlich angehoͤrt. Diese Beziehung ist im Urtheil vorhanden, worin sie Praͤdicat eines Sub- F 2 ject- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . jects ist. — Eben so ist das Subject ein abstract Einzelnes; oder das Unmittelbare , das als sol- ches seyn soll; es soll daher das Einzelne als ein Etwas uͤberhaupt seyn. Das Subject macht insofern die abstracte Seite am Urtheil aus, nach welcher in ihm der Begriff in die Aeusserlichkeit uͤbergegangen ist. — Wie die beyden Begriffsbestimmungen bestimmt sind, so ist es auch ihre Beziehung, das: ist , Copula; sie kann eben so nur die Bedeutung eines unmittelba- ren, abstracten Seyns haben. Von der Beziehung, welche noch keine Vermittlung oder Negation enthaͤlt, wird diß Urtheil das Positive genannt. 2. Der naͤchste reine Ausdruck des positiven Ur- theils ist daher der Satz: Das Einzelne ist Allgemein . Dieser Ausdruck muß nicht gefaßt werden: A ist B; denn A und B sind gaͤnzlich formlose und daher be- deutungslose Nahmen; das Urtheil uͤberhaupt aber, und daher selbst schon das Urtheil des Daseyns hat Begriffs- bestimmungen zu seinen Extremen. A ist B, kann eben so gut jeden blossen Satz vorstellen, als ein Urtheil . In jedem auch dem in seiner Form reicher bestimmten Ur- theile aber wird der Satz von diesem bestimmten Inhalt behauptet: das Einzelne ist allgemein ; insofern nemlich jedes Urtheil auch abstractes Urtheil uͤberhaupt ist. Von dem negativen Urtheile inwiefern es unter diesen Ausdruck gleichfalls gehoͤre, wird sogleich die Rede seyn. — Wenn sonst eben nicht daran gedacht wird, daß mit jedem zunaͤchst wenigstens positiven Ur- theile die Behauptung gemacht werde, daß das Einzelne ein allgemeines sey, so geschieht diß, weil theils die bestimmte Form wodurch sich Subject und Praͤdicat unterscheiden, uͤbersehen wird, — indem das Urtheil nichts als die Beziehung zweyer Begriffe seyn soll, — theils etwa II. Kapitel. Das Urtheil . etwa auch, weil der sonstige Inhalt des Urtheils: Cajus ist gelehrt , oder die Rose ist roth , dem Bewußtseyn vorschwebt, das mit der Vorstellung des Cajus u. s. f. beschaͤftigt, auf die Form nicht reflec- tirt, — obgleich wenigstens solcher Inhalt, wie der lo- gische Cajus , der gewoͤhnlich zum Beyspiel herhal- ten muß, ein sehr wenig interessanter Inhalt ist, und vielmehr gerade so uninteressant gewaͤhlt wird, um nicht die Aufmerksamkeit von der Form ab, auf sich zu ziehen. Nach der objectiven Bedeutung bezeichnet der Satz: daß das Einzelne allgemein ist , wie vorhin ge- legentlich erinnert, theils die Vergaͤnglichkeit der einzel- nen Dinge, theils ihr positives Bestehen in dem Begriffe uͤberhaupt. Der Begriff selbst ist unsterblich, aber das in seiner Theilung aus ihm heraustretende ist der Ver- aͤnderung und dem Ruͤckgange in seine allgemeine Natur unterworfen. Aber umgekehrt gibt sich das All- gemeine ein Daseyn . Wie das Wesen zum Schein in seinen Bestimmungen, der Grund in die Erschei- nung der Existenz, die Substanz in die Offenbarung in ihre Accidenzen herausgeht, so entschließt sich das Allgemeine zum Einzelnen; das Urtheil ist dieser sein Aufschluß , die Entwicklung der Negativitaͤt, die es an sich schon ist. — Das letztere druͤckt der umgekehrte Satz aus: das Allgemeine ist einzeln , der eben- sowohl im positiven Urtheile ausgesprochen ist. Das Subject zunaͤchst das unmittelbar Einzelne , ist im Urtheile selbst auf sein Anderes , nemlich das All- gemeine, bezogen; es ist somit als das Concrete ge- setzt; nach dem Seyn als ein Etwas von vielen Qualitaͤten ; — oder als das Concrete der Re- flexion, ein Ding von mannichfaltigen Eigen- schaften , ein Wirkliches von mannichfaltigen Moͤglichkeiten , eine Substanz von eben solchen Ac- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Accidenzen . Weil diese Mannichfaltigen hier dem Subjecte des Urtheils angehoͤren, so ist das Etwas oder das Ding u. s. f. in seinen Qualitaͤten, Eigenschaften oder Accidenzen, in sich reflectirt, oder sich durch diesel- ben hindurch continuirend ; sich in ihnen, und sie eben so in sich erhaltend. Das Gesetztseyn oder die Bestimmtheit gehoͤrt zum An- und Fuͤr sich seyn. Das Subject ist daher an ihm selbst das Allgemeine . — Das Praͤdicat dagegen, als diese nicht reale oder con- crete, sondern abstracte Allgemeinheit , ist gegen jenes die Bestimmtheit , und enthaͤlt nur Ein Mo- ment der Totalitaͤt desselben, mit Ausschluß der andern. Um dieser Negativitaͤt willen, welche zugleich als Extrem des Urtheils sich auf sich bezieht, ist das Praͤdicat ein abstract-einzelnes . — Es druͤckt z. B. in dem Satze: die Rose ist wohlriechend , nur Eine der vielen Eigenschaften der Rose aus; es vereinzelt sie, die im Subjecte mit den andern zusammengewachsen ist, wie in der Aufloͤsung des Dings die mannichfaltigen Eigenschaften, die ihm inhaͤriren, indem sie sich zu Ma- terien verselbststaͤndigen, vereinzelt werden. Der Satz des Urtheils lautet daher nach dieser Seite so: das Allgemeine ist einzeln . Indem wir diese Wechselbestimmung des Sub- jects und Praͤdicats im Urtheile zusammenstellen, so er- gibt sich also das gedoppelte, 1) daß das Subject zwar unmittelbar als das Seyende oder Einzelne, das Praͤ- dicat aber das Allgemeine ist. Weil aber das Urtheil die Beziehung beyder, und das Subject durch das Praͤdicat als allgemeines bestimmt ist, so ist das Sub- ject das Allgemeine; 2) ist das Praͤdicat im Subjecte bestimmt; denn es ist nicht eine Bestimmung uͤber- haupt , sondern des Subjects ; die Rose ist wohl- riechend; dieser Wohlgeruch ist nicht irgend ein unbe- stimm- II. Kapitel. Das Urtheil . stimmter Wohlgeruch, sondern der der Rose; das Praͤdi- cat ist also ein einzelnes . — Weil nun Subject und Praͤdicat im Verhaͤltnisse des Urtheils stehen, sollen sie nach den Begriffsbestimmungen entgegengesetzt blei- ben; wie in der Wechselwirkung der Causalitaͤt, ehe sie ihre Wahrheit erreicht, die beyden Seiten gegen die Gleichheit ihrer Bestimmung, noch selbststaͤndige und entgegengesetzte bleiben sollen. Wenn daher das Sub- ject als Allgemeines bestimmt ist, so ist vom Praͤdicate nicht auch seine Bestimmung der Allgemeinheit aufzuneh- men, sonst waͤre kein Urtheil vorhanden; sondern nur seine Bestimmung der Einzelnheit; so wie insofern das Subject als Einzelnes bestimmt ist, das Praͤdicat als allgemeines zu nehmen ist. — Wenn auf jene blosse Identitaͤt reflectirt wird, so stellen sich die zwey identi- schen Saͤtze dar: Das Einzelne ist Einzelnes, Das Allgemeine ist Allgemeines, worin die Ur- theilsbestimmungen ganz auseinander gefallen, nur ihre Beziehung auf sich ausgedruͤckt, die Beziehung dersel- ben auf einander aber aufgeloͤst, und das Urtheil somit aufgehoben waͤre. — Von jenen beyden Saͤtzen druͤckt der eine: das Allgemeine ist einzeln , das Ur- theil seinem Inhalte nach aus, der im Praͤdicate eine vereinzelnte Bestimmung, im Subjecte aber die Totali- taͤt derselben ist; der andere: Das Einzelne ist all- gemein , die Form , die durch ihn selbst unmittelbar angegeben ist. — Im unmittelbaren positiven Urtheile sind die Extreme noch einfach: Form und Inhalt sind daher noch vereinigt. Oder es besteht nicht aus zwey Saͤtzen; die gedoppelte Beziehung, welche sich in ihm ergab, macht unmittelbar das eine positive Urtheil aus. Denn seine Extreme sind a ) als die selbststaͤndi- gen, abstracten Urtheilsbestimmungen, b ) ist jede Seite durch die andere bestimmt, vermoͤge der sie beziehenden Co- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Copula. An sich aber ist deswegen der Form- und Inhaltsunterschied in ihm vorhanden, wie sich ergeben hat; und zwar gehoͤrt das was der erste Satz: das Einzelne ist allgemein, enthaͤlt, zur Form, weil er die unmittelbare Bestimmtheit des Urtheils aus- druͤckt. Das Verhaͤltniß dagegen, das der andere Satz ausdruͤckt: das Allgemeine ist einzeln , oder daß das Subject als allgemeines, das Praͤdicat dagegen als besonderes oder einzelnes bestimmt, betrift den Inhalt , weil sich seine Bestimmungen erst durch die Reflexion- in-sich erheben, wodurch die unmittelbaren Bestimmthei- ten aufgehoben werden, und hiemit die Form sich zu einer in sich gegangenen Identitaͤt, die gegen den Form- Unterschied besteht, zum Inhalte macht. 3. Wenn nun die beyden Saͤtze der Form und des Inhalts: (Subject) (Praͤdicat) Das Einzelne ist allgemein Das Allgemeine ist einzeln darum, weil sie in dem einen positiven Urtheile enthalten sind, vereinigt wuͤrden, so daß somit beyde, sowohl das Subject als Praͤdicat, als Einheit der Ein- zelnheit und Allgemeinheit bestimmt waͤren, so waͤren beyde das Besondere ; was an sich als ihre in- nere Bestimmung anzuerkennen ist. Allein theils waͤre diese Verbindung nur durch eine aͤussere Reflexion zu Stande gekommen, theils waͤre der Satz: das Be- sondere ist das Besondere , der daraus resultirte, kein Urtheil mehr, sondern ein leerer identischer Satz, wie die bereits darin gefundenen Saͤtze: das Ein- zelne ist einzeln , und das Allgemeine ist all- gemein , waren. — Einzelnheit und Allgemeinheit koͤn- nen noch nicht in die Besonderheit vereinigt werden, weil sie im positiven Urtheile noch als unmittelbare ge- II. Kapitel. Das Urtheil . gesetzt sind. — Oder es muß das Urtheil seiner Form und seinem Inhalte nach noch unterschieden werden, weil eben Subject und Praͤdicat noch als Unmittelbar- keit und Vermitteltes unterschieden sind, oder weil das Urtheil nach seiner Beziehung beydes ist: Selbststaͤndig- keit der Bezogenen, und ihre Wechselbestimmung, oder Vermittlung. Das Urtheil also erstens nach seiner Form be- trachtet, heißt es: Das Einzelne ist allgemein . Vielmehr aber ist ein solches unmittelbares Einzelnes nicht allgemein; sein Praͤdicat ist von weiterem Umfang, es entspricht ihm also nicht. Das Subject ist ein unmittelbar fuͤr sich seyendes , und daher das Gegentheil jener Abstraction, der durch Vermitt- lung gesetzten Allgemeinheit, die von ihm ausgesagt werden sollte. Zweytens das Urtheil nach seinem Inhalt betrachtet oder als der Satz: Das Allgemeine ist einzeln , so ist das Subject ein Allgemeines von Qua- litaͤten, ein Concretes, das unendlich bestimmt ist, und indem seine Bestimmtheiten nur erst Qualitaͤten, Eigen- schaften oder Accidenzen sind, so ist seine Totalitaͤt die schlecht unendliche Vielheit derselben. Ein sol- ches Subject ist daher vielmehr nicht eine einzelne solche Eigenschaft, als sein Praͤdicat aussagt. Beyde Saͤtze muͤssen daher verneint werden, und das posi- tive Urtheil vielmehr als negatives gesetzt werden. b. Negatives Urtheil . 1. Es ist schon oben von der gewoͤhnlichen Vorstel- lung die Rede gewesen, daß es nur vom Inhalte des Ur- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Urtheils abhaͤnge, ob es wahr sey oder nicht, indem die logische Wahrheit nichts als die Form betreffe und nichts fodere, als daß jener Inhalt sich nicht wider- spreche. Zur Form des Urtheils selbst wird nichts ge- rechnet, als daß es die Beziehung zweyer Begriffe sey. Es hat sich aber ergeben, daß diese beyde Be- griffe nicht bloß die verhaͤltnißlose Bestimmung einer Anzahl haben, sondern als Einzelnes und All- gemeines sich verhalten. Diese Bestimmungen ma- chen den wahrhaft logischen Inhalt , und zwar in die- ser Abstraction den Inhalt des positiven Urtheils aus; was fuͤr anderer Inhalt (die Sonne ist rund, Cicero war ein grosser Redner in Rom, jetzt ists Tag u. s. f.) in einem Urtheil vorkommt, geht das Urtheil als solches nichts an; es spricht nur diß aus: Das Subject ist Praͤdicat , oder, da diß nur Nah- men sind, bestimmter: das Einzelne ist allgemein und umgekehrt . — Um dieses rein logischen Inhalts willen ist das positive Urtheil nicht wahr , sondern hat seine Wahrheit im negativen Urtheil. — Der Inhalt, fodert man, soll sich im Urtheile nur nicht widersprechen; er widerspricht sich aber in jenem Urtheile, wie sich gezeigt hat. — Es ist jedoch voͤllig gleichguͤl- tig, jenen logischen Inhalt auch Form zu nennen, und unter Inhalt nur die sonstige empirische Erfuͤllung zu verstehen, so enthaͤlt die Form nicht bloß die leere Identitaͤt, ausser welcher die Inhaltsbestimmung laͤge. Das positive Urtheil hat alsdenn durch seine Form als positives Urtheil keine Wahrheit; wer die Richtigkeit einer Anschauung oder Wahrnehmung , die Uebereinstimmung der Vorstellung mit dem Gegen- stand, Wahrheit nennte, hat wenigstens keinen Aus- druck mehr fuͤr dasjenige, was Gegenstand und Zweck der Philosophie ist. Man muͤßte den letztern wenigstens Vernunftwahrheit nennen, und man wird wohl zugeben, daß II. Kapitel. Das Urtheil . daß solche Urtheile, daß Cicero ein grosser Redner ge- wesen, daß es itzt Tag ist u. s. f. keine Vernunftwahr- heiten sind. Aber sie sind diß nicht, nicht weil sie gleichsam zufaͤllig einen empirischen Inhalt haben, sondern weil sie nur positive Urtheile sind, die keinen andern Inhalt als ein unmittelbar Einzelnes und eine abstracte Be- stimmtheit zum Inhalte haben koͤnnen und sollen. Das positive Urtheil hat seine Wahrheit zunaͤchst in dem negativen: Das Einzelne ist nicht abstract allgemein, — sondern das Praͤdicat des Einzel- nen ist darum, weil es solches Praͤdicat oder fuͤr sich ohne die Beziehung auf das Subject betrachtet, weil es abstract- allgemeines ist, selbst ein bestimmtes; das Einzelne ist daher zunaͤchst ein besonderes . Ferner nach dem andern Satze, der im positiven Ur- theile enthalten ist, heißt das negative Urtheil das All- gemeine ist nicht abstract einzeln, sondern diß Praͤdicat schon weil es Praͤdicat ist, oder weil es in Beziehung auf ein allgemeines Subject steht, ist ein weiteres als blosse Einzelnheit, und das Allgemeine ist daher gleichfalls zunaͤchst ein Besonderes . — Indem diß Allgemeine, als Subject, selbst in der Ur- theilsbestimmung der Einzelnheit ist, so reduciren sich beyde Saͤtze auf den einen: Das Einzelne ist ein besonderes . Es kann bemerkt werden, a ) daß sich hier die Besonderheit fuͤr das Praͤdicat ergibt, von der vorhin schon die Rede war; allein hier ist sie nicht durch aͤusserliche Reflexion gesetzt, sondern vermittelst der am Urtheil aufgezeigten negativen Beziehung ent- standen. b ) Diese Bestimmung ergibt sich hier nur fuͤr das Praͤdicat. Im unmittelbaren Urtheile, dem Urtheile des Daseyns, ist das Subject das zum Grunde liegende; die Bestimmung scheint sich daher zunaͤchst am I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . am Praͤdicate zu verlauffen . In der That aber kann diese erste Negation noch keine Bestimmung, oder eigentlich noch kein Setzen des Einzelnen seyn, da es erst das zweyte, das Negative des Negativen ist. Das Einzelne ist ein besonderes , ist der positive Ausdruck des negativen Urtheils. Dieser Ausdruck ist insofern nicht positives Urtheil selbst, als dieses um seiner Unmittelbarkeit willen, nur das Ab- stracte zu seinen Extremen hat, das Besondere aber eben durch das Setzen der Beziehung des Urtheils sich als die erste vermittelte Bestimmung ergibt. — Diese Be- stimmung ist aber nicht nur als Moment des Extrems zu nehmen, sondern auch, wie sie eigentlich zunaͤchst ist, als Bestimmung der Beziehung ; oder das Urtheil ist auch als negatives zu betrachten. Dieser Uebergang gruͤndet sich auf das Verhaͤlt- niß der Extreme und ihrer Beziehung im Urtheile uͤber- haupt. Das positive Urtheil ist die Beziehung des un- mittelbar Einzelnen und Allgemeinen, also solcher, deren das eine zugleich nicht ist, was das andere; die Beziehung ist daher eben so wesentlich Trennung oder negativ ; daher das positive Urtheil als negati- ves zu setzen war. Es war daher von Logikern kein solches Aufheben daruͤber zu machen, daß das nicht des negativen Urtheils zur Copula gezogen worden sey. Was im Urtheile Bestimmung des Extrems ist, ist eben so sehr bestimmte Beziehung . Die Urtheils- Bestimmung oder das Extrem ist nicht die rein qualita- tive des unmittelbaren Seyns, welche nur einem Andern ausser ihm entgegenstehen soll. Noch ist sie Bestimmung der Reflexion, die sich nach ihrer allgemei- nen Form als positiv und negativ verhaͤlt, deren jedes als ausschliessend gesetzt, und nur an sich identisch mit der II. Kapitel. Das Urtheil . der andern ist. Die Urtheils- als Begriffsbestimmung ist an ihr selbst ein allgemeines, gesetzt als sich in ihre andere continuirendes . Umgekehrt ist die Bezie- hung des Urtheils dieselbe Bestimmung als die Extre- me haben; denn sie ist eben diese Allgemeinheit und Continuation derselben in einander; insofern diese un- terschieden sind, hat sie auch die Negativitaͤt an ihr. Der oben angegebene Uebergang von der Form der Beziehung zur Form der Bestimmung macht die unmittelbare Consequenz aus, daß das nicht der Copula eben so sehr zum Praͤdicate geschlagen, und dasselbe als das Nicht-allgemeine bestimmt werden muß. Das Nichtallgemeine aber ist durch eine eben so unmittelbare Consequenz das Besondere . — Wird das Negative nach der ganz abstracten Bestimmung des unmittelbaren Nichtseyns festgehalten, so ist das Praͤ- dicat nur das ganz unbestimmte Nichtallgemeine. Von dieser Bestimmung wird sonst in der Logik bey den contradictorischen Begriffen gehandelt, und als etwas wichtiges eingeschaͤrft, daß beym Negativen eines Begriffs nur am Negativen festgehalten, und es als der bloß unbestimmte Umfang des Andern des positiven Begriffs genommen werden soll. So waͤre das blosse Nicht-weisse , eben so wohl das Rothe, Gelbe, Blaue ꝛc. als das Schwarze. Das Weiße aber als solches ist die begriffslose Bestimmung der Anschauung; das Nicht des Weissen ist dann das eben so begrifflose Nichtseyn , welche Abstraction ganz zu Anfang der Logik betrachtet, und als deren naͤchste Wahr- heit das Werden erkannt worden ist. Wenn bey Betrachtung der Urtheilsbestimmungen solcher begrifflose Inhalt aus der Anschauung und Vorstellung als Beyspiel gebraucht, und die Bestimmungen des Seyns und die der Reflexion fuͤr Urtheilsbestimmungen genommen wer- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . werden, so ist diß dasselbe unkritische Verfahren als wenn nach Kant die Verstandesbegriffe auf die unend- liche Vernunftidee oder das sogenannte Ding-an-sich angewendet werden; der Begriff , wozu auch das von ihm ausgehende Urtheil gehoͤrt, ist das wahrhafte Ding-an-sich oder das Vernuͤnftige , jene Be- stimmungen aber gehoͤren dem Seyn oder Wesen an, und sind noch nicht zu der Art und Weise fortgebildete Formen, wie sie in ihrer Wahrheit, im Begriffe , sind. — Wenn bey dem Weissen, Rothen, als sinnli- chen Vorstellungen stehen geblieben wird, so wird, wie gewoͤhnlich, etwas Begriff genannt, was nur Vorstel- lungsbestimmung ist, und dann ist freylich das Nicht- weisse, Nicht-rothe kein positives, so wie vollends das nicht dreyeckigte ein ganz unbestimmtes ist, denn die auf der Zahl und dem Quantum uͤberhaupt beruhende Be- stimmung ist die wesentlich gleichguͤltige, begriff- lose . Aber wie das Nichtseyn selbst, so soll auch solcher sinnlicher Inhalt begriffen werden, und jene Gleichguͤltigkeit und abstracte Unmittelbarkeit verlieren, die er in der blinden bewegungslosen Vorstellung hat. Schon im Daseyn wird das gedankenlose Nichts zur Grenze , wodurch Etwas sich doch auf ein Ande- res ausser ihm bezieht . In der Reflexion aber ist es das Negative , das sich wesentlich auf ein Po- sitives bezieht , und somit bestimmt ist; ein Ne- gatives ist schon nicht mehr jenes unbestimmte Nichtseyn , es ist gesetzt nur zu seyn, indem ihm das Positive entgegen sieht, das Dritte ist ihr Grund ; das Negative ist somit in einer umschlossenen Sphaͤre gehal- ten, worin das, was das eine nicht ist, etwas be- stimmtes ist. — Noch mehr aber ist in der absolut fluͤssigen Continuitaͤt des Begriffs und seiner Bestim- mungen das Nicht unmittelbar ein positives, und die Negation nicht nur Bestimmtheit, sondern in die All- II. Kapitel. Das Urtheil . Allgemeinheit aufgenommen und mit ihr identisch gesetzt. Das Nichtallgemeine ist daher sogleich das Besondere . 2. Indem die Negation die Beziehung des Urtheils angeht, und das negative Urtheil noch als solches betrachtet wird, so ist es vors erste noch ein Ur- theil ; es ist somit das Verhaͤltniß von Subject und Praͤdicat, oder von Einzelnheit und Allgemeinheit vor- handen, und die Beziehung derselben; die Form des Urtheils . Das Subject als das zu Grunde liegende Unmittelbare bleibt unberuͤhrt von der Negation, es be- haͤlt also seine Bestimmung, ein Praͤdicat zu haben, oder seine Beziehung auf die Allgemeinheit. Was daher ne- girt wird, ist nicht die Allgemeinheit uͤberhaupt im Praͤ- dicate, sondern die Abstraction oder die Bestimmtheit desselben, welche gegen jene Allgemeinheit als Inhalt erschien. — Das negative Urtheil ist also nicht die to- tale Negation; die allgemeine Sphaͤre, welche das Praͤ- dicat enthaͤlt, bleibt noch bestehen; die Beziehung des Subjects auf das Praͤdicat ist daher wesentlich noch positiv ; die noch gebliebene Bestimmung des Praͤ- dicats ist eben so sehr Beziehung . — Wenn z. B. gesagt wird, die Rose ist nicht roth, so wird damit nur die Bestimmtheit des Praͤdicats negirt, und von der Allgemeinheit, die ihm gleichfalls zukommt, abgetrennt; die allgemeine Sphaͤre, die Farbe , ist erhalten; wenn die Rose nicht roth ist, so wird dabey angenommen, daß sie eine Farbe und eine andere Farbe habe; nach die- ser allgemeinen Sphaͤre ist das Urtheil noch positiv. Das Einzelne ist ein Besonderes , — diese positive Form des negativen Urtheils druͤckt diß unmit- telbar aus; das Besondre enthaͤlt die Allgemeinheit. Es druͤckt uͤberdem auch aus, daß das Praͤdicat nicht nur ein Allgemeines sey, sondern auch noch ein bestimmtes. Die I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Die negative Form enthaͤlt dasselbe; denn indem z. B. die Rose zwar nicht roth ist, so soll sie nicht nur die allgemeine Sphaͤre der Farbe zum Praͤdicate behalten, sondern auch irgend eine andere bestimmte Far- be haben; die einzelne Bestimmtheit des Rothen ist also nur aufgehoben, und es ist nicht nur die allgemeine Sphaͤre gelassen, sondern auch die Bestimmtheit erhal- ten, aber zu einer unbestimmten , zu einer allgemei- nen Bestimmtheit gemacht; somit zur Besonderheit. 3. Die Besonderheit , welche sich als die po- sitive Bestimmung des negativen Urtheils ergeben, ist das Vermittelnde zwischen der Einzelnheit und Allgemeinheit; so ist das negative Urtheil nun uͤberhaupt das Vermit- telnde, zum dritten Schritte, der Reflexion des Ur- theils des Daseyns in sich selbst . Es ist nach seiner objectiven Bedeutung nur das Moment der Ver- aͤnderung der Accidenzen, oder im Daseyn der vereinzelnten Eigenschaften des Concreten. Durch diese Veraͤnderung tritt die vollstaͤndige Bestimmtheit des Praͤdicats oder das Concrete als gesetzt hervor. Das Einzelne ist besonderes , nach dem positiven Ausdrucke des negativen Urtheils. Aber das Einzelne ist auch nicht besonderes; denn die Besonder- heit ist von weiterem Umfange als die Einzelnheit; sie ist also ein Praͤdicat das dem Subject nicht entspricht, in dem es also seine Wahrheit noch nicht hat. Das Einzelne ist nur Einzelnes , die sich nicht auf anderes, sey es positiv oder negativ, sondern nur sich auf sich selbst beziehende Negativitaͤt. — Die Rose ist nicht irgend ein farbigtes, sondern sie hat nur die bestimmte Farbe, welche Rosenfarbe ist. Das Einzelne ist nicht ein unbestimmt bestimmtes, sondern das be- stimmte Bestimmte. Von II. Kapitel. Das Urtheil . Von dieser positiven Form des negativen Urtheils ausgegangen, erscheint diese Negation desselben, nur wie- der als eine erste Negation. Aber sie ist diß nicht. Vielmehr ist schon das negative Urtheil an und fuͤr sich die zweyte, oder Negation der Negation, und diß, was es an und fuͤr sich ist, ist zu setzen. Naͤmlich es ne- girt die Bestimmtheit des Praͤdicats des positiven Urtheils, dessen abstracte Allgemeinheit, oder als In- halt betrachtet, die einzelne Qualitaͤt, die es vom Sub- ject enthaͤlt. Die Negation der Bestimmtheit ist aber schon die zweyte, also die unendliche Ruͤckkehr der Ein- zelnheit in sich selbst. Hiemit ist also die Herstellung der concreten Totalitaͤt des Subjects geschehen, oder vielmehr ist es jetzt erst als einzelnes gesetzt , indem es durch die Negation und das Aufheben derselben mit sich vermittelt worden. Das Praͤdicat seinerseits ist damit aus der ersten Allgemeinheit zur absoluten Bestimmtheit uͤbergegangen, und hat sich mit dem Subjecte ausge- glichen. Das Urtheil heißt insofern: das Einzelne ist einzeln . — Von der andern Seite, indem das Subject eben so sehr, als allgemeines anzunehmen war, und insofern im negativen Urtheile sich das Praͤ- dicat das gegen jene Bestimmung des Subjects das ein- zelne ist, zur Besonderheit erweiterte , und in- dem nun ferner die Negation dieser Bestimmtheit eben so sehr die Reinigung der Allgemeinheit ist, wel- che es enthaͤlt, so lautet diß Urtheil auch so: das All- gemeine ist das Allgemeine . In diesen beyden Urtheilen, die sich vorhin durch aͤussere Reflexion ergeben hatten, ist das Praͤdicat schon in seiner Positivitaͤt ausgedruͤckt. Zunaͤchst muß aber die Negation des negativen Urtheils selbst in Form ei- nes negativen Urtheils erscheinen. Es hatte sich gezeigt daß in ihm noch eine positive Beziehung des Sub- G jects I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . jects auf das Praͤdicat, und die allgemeine Sphaͤre des letztern geblieben war. Es enthielt somit von die- ser Seite eine von der Beschraͤnktheit gereinigtere Allge- meinheit, als das positive Urtheil, und ist daher um so mehr von dem Subject als Einzelnem zu negiren. Auf diese Weise ist der ganze Umfang des Praͤdicats ne- girt, und keine positive Beziehung mehr zwischen ihm und dem Subjecte. Diß ist das unendliche Urtheil . c. Unendliches Urtheil . Das negative Urtheil ist so wenig ein wahres Ur- theil, als das positive. Das unendliche Urtheil aber, das seine Wahrheit seyn soll, ist nach seinem negativen Ausdrucke, das Negativ-Unendliche ; ein Urtheil, worin auch die Form des Urtheils aufgehoben ist. — Diß aber ist ein widersinniges Urtheil . Es soll ein Urtheil seyn, somit eine Beziehung von Subject und Praͤdicat enthalten; aber eine solche soll zugleich nicht darin seyn. — Der Nahmen des unendlichen Urtheils pflegt in den gewoͤhnlichen Lo- giken zwar aufgefuͤhrt zu werden, aber ohne daß es eben deutlich wuͤrde, was es mit demselben fuͤr eine Bewandniß habe. — Beyspiele von negativ- unendlichen Urtheilen sind leicht zu haben, indem Be- stimmungen zu Subject und Praͤdicat negativ verbunden werden, deren eine nicht nur die Bestimmtheit der an- dern nicht, sondern auch ihre allgemeine Sphaͤre nicht enthaͤlt; also z. B. der Geist nicht roth, gelb u. s. f. nicht sauer, nicht kalisch u. s. f. die Rose ist kein Ele- phant, der Verstand ist kein Tisch und dergleichen. — Diese Urtheile sind richtig oder wahr , wie man es nennt, aber einer solchen Wahrheit ungeachtet, wider- sinnig II. Kapitel. Das Urtheil . sinnig und abgeschmackt. — Oder vielmehr sie sind keine Urtheile . — Ein reelleres Beyspiel des un- endlichen Urtheils ist die boͤse Handlung. Im buͤr- gerlichen Rechtsstreit wird Etwas nur als das Eigenthum der andern Parthey negirt; so daß aber ein- geraͤumt wird, es sollte das ihrige seyn, wenn sie das Recht dazu haͤtte, und es wird nur unter dem Titel des Rechtes in Anspruch genommen; die allgemeine Sphaͤre, das Recht, wird also in jenem negativen Urtheile aner- kannt und erhalten. Das Verbrechen , aber ist das unendliche Urtheil , welches nicht nur das beson- dere Recht, sondern die allgemeine Sphaͤre zugleich ne- girt, das Recht als Recht negirt. Es hat zwar die Richtigkeit damit, daß es eine wirkliche Hand- lung ist, aber weil sie sich auf die Sittlichkeit, welche ihre allgemeine Sphaͤre ausmacht, durchaus negativ be- zieht, ist sie widersinnig. Das Positive des unendlichen Urtheils, der Ne- gation der Negation, ist die Reflexion der Einzeln- heit in sich selbst, wodurch sie erst als die bestimm- te Bestimmtheit gesetzt ist. Das Einzelne ist einzeln , war der Ausdruck desselben nach jener Re- flexion. Das Subject ist im Urtheile des Daseyns als unmittelbares Einzelnes, insofern mehr nur als Etwas uͤberhaupt. Durch die Vermittlung des nega- tiven und unendlichen Urtheils ist es erst als Einzel- nes gesetzt . Das Einzelne ist hiemit gesetzt als sich, in sein Praͤdicat , das mit ihm identisch ist, continuirend ; somit ist auch die Allgemeinheit eben so sehr nicht mehr als die unmittelbare , sondern als ein Zusammenfassen von Unterschiedenen. Das posi- tiv-unendliche Urtheil lautet eben so wohl: Das All- G 2 ge- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . gemeine ist allgemein , so ist es eben so wohl als die Ruͤckkehr in sich selbst gesetzt. Durch diese Reflexion der Urtheilsbestimmungen in sich, hat nun sich das Urtheil aufgehoben; im negativ- unendlichen Urtheil ist der Unterschied, so zu sagen, zu groß , als daß es noch ein Urtheil bliebe; Subject und Praͤdicat haben gar keine positive Beziehung auf einander; im Gegentheil ist im positiv-unendlichen nur die Identitaͤt vorhanden, und es ist wegen des ganz er- mangelnden Unterschiedes kein Urtheil mehr. Naͤher ist es das Urtheil des Daseyns , wel- ches sich aufgehoben hat; es ist damit das gesetzt , was die Copula des Urtheils enthaͤlt, daß die qua- litativen Extreme in dieser ihrer Identitaͤt aufgehoben sind. Indem aber diese Einheit der Begriff ist, so ist sie unmittelbar eben so wieder in ihre Extreme dirimirt, und ist als Urtheil, dessen Bestimmungen aber nicht mehr unmittelbare, sondern in sich reflectirte sind. Das Ur- theil des Daseyns ist in das Urtheil der Re- flexion uͤbergegangen. B. Das Urtheil der Reflexion . Das Subject ist in dem nunmehr entstandenen Ur- theil ein Einzelnes als solches; ingleichen das Allge- meine nicht mehr abstracte Allgemeinheit, oder ein- zelne Eigenschaft , sondern gesetzt als Allgemeines, das sich durch die Beziehung Unterschiedener als in eins zusammengefaßt hat, oder nach dem Inhalt verschiede- ner Bestimmungen uͤberhaupt betrachtet, das sich das Zu- II. Kapitel. Das Urtheil . Zusammennehmen mannichfaltiger Eigenschaften und Existenzen. — Wenn Beyspiele von Praͤdicaten der Reflexionsurtheile gegeben werden sollen, so muͤssen sie von anderer Art seyn, als fuͤr Urtheile des Da- seyns. Im Reflexionsurtheil ist eigentlich erst ein be- stimmter Inhalt , d. h. ein Inhalt uͤberhaupt vor- handen; denn er ist die in die Identitaͤt reflectirte Form- bestimmung, als von der Form, insofern sie unterschie- dene Bestimmtheit ist, — wie sie es noch als Urtheil ist, unterschieden. Im Urtheil des Daseyns ist der In- halt nur ein unmittelbarer, oder abstracter, unbestimm- ter. — Als Beyspiele von Reflexionsurtheilen koͤnnen daher dienen: der Mensch ist sterblich , die Dinge sind vergaͤnglich , diß Ding ist nuͤtzlich, schaͤdlich; Haͤrte, Elasticitaͤt der Koͤrper, die Gluͤckselig- keit u. s. f. sind solche solche eigenthuͤmliche Praͤdicate. Sie druͤcken eine Wesentlichkeit, welche aber eine Be- stimmung im Verhaͤltnisse , oder eine zusammen- fassende Allgemeinheit ist. Diese Allgemeinheit , die sich in der Bewegung des Reflexionsurtheils weiter bestimmen wird, ist noch von der Allgemeinheit des Begriffes als solcher unterschieden; sie ist zwar nicht mehr die abstracte des qualitativen Urtheils, aber hat noch die Beziehung auf das Unmittelbare, woraus sie herkommt, und hat dasselbe fuͤr ihre Negativitaͤt zu Grunde liegen. — Der Begriff bestimmt das Daseyn zunaͤchst zu Verhaͤltnißbestimmungen , zu Conti- nuitaͤten ihrer selbst in der verschiedenen Mannichfaltig- keit der Existenz, — so daß wohl das wahrhaft Allge- meine ihr inneres Wesen aber in der Erscheinung , und diese relative Natur, oder auch ihr Merkmahl , noch nicht das an und fuͤr sich seyende derselben ist. Dem Reflexionsurtheile kann es als nahe liegend erscheinen, als Urtheil der Quantitaͤt bestimmt zu wer- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . werden, wie das Urtheil des Daseyns auch als quali- tatives Urtheil bestimmt wurde. Aber wie die Un- mittelbarkeit in diesem nicht nur die seyende , sondern wesentlich auch die vermittelte und abstracte war, so ist auch hier jene aufgehobene Unmittelbarkeit, nicht bloß die aufgehobene Qualitaͤt, also nicht bloß Quantitaͤt ; diese ist vielmehr, wie die Qualitaͤt die aͤusserlichste Unmittelbarkeit, auf dieselbe Weise die aͤus- serlichste der Vermittlung angehoͤrige Bestimmung . Noch ist uͤber die Bestimmung , wie sie im Re- flexionsurtheile in ihrer Bewegung erscheint, die Bemer- kung zu machen, daß im Urtheile des Daseyns die Be- wegung derselben sich am Praͤdicate zeigte, weil dieses Urtheil in der Bestimmung der Unmittelbarkeit war, das Subject daher als das zu Grunde liegende erschien. Aus gleichem Grunde verlaͤuft sich im Re- flexionsurtheile die Fortbewegung des Bestimmens am Subjecte , weil dieses Urtheil das reflectirte An- sich seyn zu seiner Bestimmung hat. Das Wesentliche ist daher hier das Allgemeine oder das Praͤdicat; es macht daher das zu Grunde liegende aus, an welchem das Subject zu messen, und ihm entsprechend zu bestimmen ist. — Jedoch erhaͤlt auch das Praͤdicat durch die weitere Fortbildung der Form des Subjects eine weitere Bestimmung, jedoch indirect , jene dagegen zeigt sich aus dem angegebenen Grunde als directe Fortbestimmung. Was die objective Bedeutung des Urtheils betrift, so tritt das Einzelne durch seine Allgemeinheit in das Daseyn, aber als in einer wesentlichen Verhaͤltnißbe- stimmung, einer durch die Mannichfaltigkeit der Erschei- nung hindurch sich erhaltenden Wesentlichkeit; das Subject soll das an und fuͤr sich bestimmte seyn; diese Be- II. Kapitel. Das Urtheil . Bestimmtheit hat es in seinem Praͤdicate. Das Einzel- ne ist andererseits in diß sein Praͤdicat reflectirt, wel- ches dessen allgemeines Wesen; das Subject ist insofern das Existirende und Erscheinende. Das Praͤdicat in- haͤrirt in diesem Urtheile nicht mehr dem Subjecte; es ist vielmehr das Ansichseyende , unter welches jenes Einzelne als ein accidentelles subsumirt ist. Wenn die Urtheile des Daseyns auch als Urtheile der In- haͤrenz bestimmt werden koͤnnen, so sind die Urtheile der Reflexion vielmehr Urtheile der Subsumtion . a. Das singulaͤre Urtheil . Das unmittelbare Reflexionsurtheil ist nun wieder: Das Einzelne ist allgemein ; aber Subject und Praͤdicat in der angegebenen Bedeutung; es kann daher naͤher so ausgedruͤckt werden: Dieses ist ein we- sentlich allgemeines . Aber ein Dieses ist nicht ein wesentlich allgemei- nes. Jenes seiner allgemeinen Form nach positive Urtheil uͤberhaupt muß negativ genommen werden. Aber indem das Urtheil der Reflexion nicht bloß ein positi- ves ist, so geht die Negation nicht direct das Praͤdicat an, das nicht inhaͤrirt, sondern das Ansichseyende ist. Das Subject ist vielmehr das Veraͤnderliche und zu bestimmende. Das negative Urtheil ist hier daher so zu fassen: Nicht ein Dieses ist ein Allgemeines der Reflexion; ein solches Ansich hat eine allgemeinere Existenz als nur in einem Diesen. Das singul aͤ re Urtheil hat hiemit seine naͤchste Wahrheit im parti- culaͤren . b. Das I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . b. Das particulaͤre Urtheil . Die Nicht-Einzelnheit des Subjects, welche statt seiner Singularitaͤt im ersten Reflexionsurtheile, gesetzt werden muß, ist die Besonderheit . Aber die Ein- zelnheit ist im Reflexionsurtheile als wesentliche Ein- zelnheit bestimmt; die Besonderheit kann daher nicht einfache, abstracte Bestimmung seyn, in welcher das Einzelne aufgehoben, das Existirende zu Grunde gegangen waͤre, sondern nur als eine Erweiterung des- selben in aͤusserer Reflexion; das Subject ist daher: Einige Diese , oder eine besondere Menge von Einzelnen . Diß Urtheil: Einige Einzelne sind ein all- gemeines der Reflexion , erscheint zunaͤchst als positives Urtheil, aber ist eben sowohl auch negativ; denn Einiges enthaͤlt die Allgemeinheit; nach dieser kann es als comprehensiv betrachtet werden; aber insofern es Besonderheit ist, ist es ihr eben so sehr nicht angemessen. Die negative Bestimmung, welche das Subject durch den Uebergang des singulaͤren Urtheils er- halten hat, ist, wie oben gezeigt, auch Bestimmung der Beziehung, der Copula. — In dem Urtheile, einige Menschen sind gluͤckseelig, liegt die unmittelbare Consequenz: einige Menschen sind nicht gluͤcksee- lig. Wenn einige Dinge nuͤtzlich sind, so sind eben deßwegen einige Dinge nicht nuͤtzlich. Das posi- tive und negative Urtheil fallen nicht mehr ausser- einander, sondern das particulaͤre enthaͤlt unmittel- bar beyde zugleich, eben weil es ein Reflexionsurtheil ist. — Aber das particulaͤre Urtheil ist darum un- bestimmt . Be- II. Kapitel. Das Urtheil . Betrachten wir weiter in dem Beyspiele eines sol- chen Urtheils das Subject, einige Menschen, Thie- re u. s. f. so enthaͤlt es ausser der particulaͤren Form- bestimmung: Einige , auch noch die Inhaltsbestim- mung: Mensch u. s. f. Das Subject des singulaͤren Urtheils konnte heissen: Dieser Mensch , eine Singu- laritaͤt, die eigentlich dem aͤusserlichen Monstriren ange- hoͤrt; es soll daher vielmehr lauten, etwa Cajus . Aber das Subject des particulaͤren Urtheils kann nicht mehr seyn: Einige Caji ; denn Cajus soll ein Einzelner als solcher seyn. Dem Einigen wird daher ein allge- meinerer Inhalt beygegeben, etwa Menschen, Thie- ren u. s. f. Diß ist nicht bloß ein empirischer, son- dern durch die Form des Urtheils bestimmter Inhalt; er ist nemlich ein Allgemeines , weil Einige die Allgemeinheit enthaͤlt, und sie zugleich von den Einzel- nen, da die reflectirte Einzelnheit zu Grunde liegt, ge- trennt seyn muß. Naͤher ist sie auch die allgemeine Natur , oder die Gattung Mensch, Thier; — dieje- nige Allgemeinheit, welche das Resultat des Reflexions- urtheils ist, anticipirt ; wie auch das positive Ur- theil, indem es das Einzelne zum Subjecte hat, die Bestimmung anticipirte, welche Resultat des Urtheils des Daseyns ist. Das Subject, das die Einzelnen, deren Bezie- hung zur Besonderheit, und die allgemeine Natur enthaͤlt, ist insofern schon gesetzt als die Totalitaͤt der Begriffs- bestimmungen. Aber diese Betrachtung ist eigentlich eine aͤusserliche. Was im Subjecte schon in Bezie- hung auf einander durch seine Form zunaͤchst gesetzt ist, ist die Erweiterung des Diesen zur Besonder- heit; allein diese Verallgemeinerung ist ihm nicht ange- messen; Dieses ist ein vollkommen bestimmtes, eini- ges Dieses aber ist unbestimmt. Die Erweiterung soll I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . soll dem Diesen zukommen, also ihm entsprechend, voll- kommen bestimmt seyn; eine solche ist die Totalitaͤt, oder zunaͤchst Allgemeinheit uͤberhaupt. Diese Allgemeinheit hat das Dieses zu Grunde liegen, denn das Einzelne ist hier das in sich reflectirte; seine weitern Bestimmungen verlauffen sich daher aͤus- serlich an ihm, und wie die Besonderheit sich deßwe- gen als Einige bestimmte, so ist die Allgemeinheit, die das Subject erlangt hat, Allheit , und das parti- culaͤre Urtheil ist in das universelle uͤbergegangen. c. Das universelle Urtheil . Die Allgemeinheit, wie sie am Subjecte des uni- versellen Urtheils ist, ist die aͤussere Reflexions-Allge- meinheit, Allheit; Alle sind alle Einzelne ; das Einzelne ist unveraͤndert darin. Diese Allgemeinheit ist daher nur ein Zusammenfassen der fuͤr sich beste- henden Einzelnen; sie ist eine Gemeinschaftlich- keit , welche ihnen nur in der Vergleichung zu- kommt. — Diese Gemeinschaftlichkeit pflegt dem subjecti- ven Vorstellen zunaͤchst einzufallen, wenn von Allge- meinheit die Rede ist. Als der zunaͤchst liegende Grund, warum eine Bestimmung als eine allgemeine angesehen werden soll, wird angegeben, weil sie Mehrern zu- komme . — In der Analysis schwebt vornemlich auch dieser Begriff von Allgemeinheit vor, indem z. B. die Entwicklung einer Function an einem Polynomium fuͤr das allgemeinere gilt, als die Entwicklung der- selben an einem Binomium ; weil das Polyno- mium mehrere Einzelnheiten darstellt, als das Binomium . Die Foderung, daß die Function in ih- rer II. Kapitel. Das Urtheil . rer Allgemeinheit dargestellt wuͤrde, verlangt eigentlich ein Pantonomium , die erschoͤpfte Unendlichkeit; aber hier stellt sich von selbst die Schranke jener Foderung ein, und die Darstellung der unendlichen Menge muß sich mit dem Sollen derselben, und daher auch mit einem Polynomium begnuͤgen. In der That aber ist in den Faͤllen das Binomium schon das Pantonomium, in denen die Methode oder Regel nur die Abhaͤngig- keit Eines Gliedes von Einem andern betrifft, und die Abhaͤngigkeit Mehrerer Glieder von ihren vorhergehen- den sich nicht particularisirt, sondern eine und dieselbe Function zu Grunde liegen bleibt. Die Methode oder Regel ist als das wahrhaft Allgemeine anzusehen; in der Fortsetzung der Entwicklung, oder in der Entwick- lung eines Polynomiums wird sie nur wiederholt ; sie gewinnt somit durch die vergroͤsserte Mehrheit der Glieder nichts an Allgemeinheit. Es ist von der schlech- ten Unendlichkeit und deren Taͤuschung schon fruͤher die Rede gewesen; die Allgemeinheit des Begriffs ist das erreichte Jenseits ; jene Unendlichkeit aber bleibt mit dem Jenseits als einem unerreichbaren behaftet, in- sofern sie der blosse Progreß ins Unendliche bleibt. Wenn bey der Allgemeinheit nur die Allheit vor- schwebt, eine Allgemeinheit, welche in den einzelnen als Einzelnen erschoͤpft werden soll, so ist diß ein Ruͤckfall in jene schlechte Unendlichkeit; oder aber es wird auch nur die Vielheit fuͤr Allheit genommen. Die Viel- heit jedoch, so groß sie auch sey, bleibt schlechthin nur Particularitaͤt, und ist nicht Allheit. — Es schwebt aber dabey die an und fuͤr sich seyende Allgemeinheit des Be- griffs dunkel vor; er ist es, der gewaltsam uͤber die beharrliche Einzelnheit, woran sich die Vorstellung haͤlt, und uͤber das Aeusserliche ihrer Reflexion hinaustreibt, und die Allheit als Totalitaͤt , oder vielmehr das kategorische An- und- fuͤrsichseyn unterschiebt. Diß I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Diß zeigt sich auch sonst an der Allheit, welche uͤberhaupt die empirische Allgemeinheit ist. Insofern das Einzelne als ein unmittelbares vorausgesetzt ist, daher vorgefunden und aͤusserlich aufgenommen wird, ist ihm die Reflexion, welche es zur Allheit zu- sammenfaßt, eben so aͤusserlich. Weil aber das Einzelne als Dieses schlechthin gleichguͤltig gegen diese Reflexion ist, so koͤnnen sich die Allgemeinheit und solches Einzel- nes nicht zu einer Einheit vereinigen. Die empirische Allheit bleibt darum eine Aufgabe ; ein Sollen , welches so nicht als Seyn dargestellt werden kann. Ein empirisch-allgemeiner Satz, denn es werden deren doch aufgestellt, beruht nun auf der stillschweigenden Uebereinkunft, daß wenn nur keine Instanz des Ge- gentheils angefuͤhrt werden koͤnne, die Mehrheit von Faͤllen fuͤr Allheit gelten solle; oder daß die sub- jective Allheit, nemlich, die der zur Kenntniß ge- kommenen Faͤlle, fuͤr eine objective Allheit genom- men werden duͤrfe. Naͤher nun das universelle Urtheil , bey dem wir stehen, betrachtet, so hat das Subject, das, wie vorhin bemerkt worden, die an- und- fuͤrsichseyende All- gemeinheit als vorausgesetzte enthaͤlt, nun auch als gesetzte an ihm. Alle Menschen druͤckt erst- lich die Gattung Mensch aus, zwey t ens diese Gattung in ihrer Vereinzelung, aber so daß die Einzel- nen zugleich zur Allgemeinheit der Gattung erweitert sind; umgekehrt ist die Allgemeinheit durch diese Ver- knuͤpfung mit der Einzelnheit eben so vollkommen be- stimmt, als die Einzelnheit; hiedurch ist die gesetzte Allgemeinheit der vorausgesetzten gleich ge- worden. Eigentlich aber ist nicht auf das Vorausgesetz- te zum Voraus Ruͤcksicht zu nehmen, sondern das Resultat an II. Kapitel. Das Urtheil . an der Formbestimmung fuͤr sich zu betrachten. — Die Einzelnheit, indem sie sich zur Allheit erweitert hat, ist gesetzt , als Negativitaͤt, welche identische Beziehung auf sich ist. Sie ist damit nicht jene erste Einzelnheit geblieben, wie z. B. die eines Cajus, sondern ist die mit der Allgemeinheit identische Bestimmung, oder das absolute Bestimmtseyn des Allgemeinen. — Jene erste Einzelnheit des singulaͤren Urtheils war nicht die un- mittelbare des positiven Urtheils, sondern durch die dialektische Bewegung des Urtheils des Daseyns uͤber- haupt entstanden; sie war schon bestimmt, die nega- tive Identitaͤt der Bestimmungen jenes Urtheils zu seyn. Diß ist die wahrhafte Voraussetzung im Re- flexionsurtheil; gegen das an diesem sich verlauffende Setzen war jene erste Bestimmtheit der Einzelnheit das Ansich derselben; was sie somit ansich ist, ist nun durch die Bewegung des Reflexionsurtheils gesetzt , nemlich die Einzelnheit als identische Beziehung des Be- stimmten auf sich selbst. Dadurch ist jene Reflexion , welche die Einzelnheit zur Allheit erweitert, eine ihr nicht aͤusserliche; sondern es wird dadurch nur fuͤr sich , was sie schon an sich ist. — Das Resultat ist somit in Wahrheit die objective Allgemeinheit . Das Subject hat insofern die Formbestimmung des Reflexions- urtheils, welche vom Diesen durch Einiges zur All- heit hindurchging, abgestreift; statt Alle Menschen ist nunmehr zu sagen: der Mensch . Die Allgemeinheit, welche hierdurch entstanden ist, ist die Gattung ; die Allgemeinheit, welche an ihr selbst concretes ist. Die Gattung inhaͤrirt dem Sub- jecte nicht, oder ist nicht eine einzelne Eigenschaft, uͤberhaupt nicht eine Eigenschaft desselben; sie enthaͤlt alle vereinzelnte Bestimmtheit in ihrer substantiellen Ge- diegenheit aufgeloͤst. — Sie ist darum, weil sie als diese nega- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . negative Identitaͤt mit sich gesetzt ist, wesentlich Subject; aber ist ihrem Praͤdicate nicht mehr subsumirt . Hie- mit veraͤndert sich nun uͤberhaupt die Natur des Re- flexionsurtheils. Dasselbe war wesentlich Urtheil der Subsum- tion . Das Praͤdicat war als das Ansichseyende Allgemeine gegen sein Subject bestimmt; seinem Inhalte nach konnte es als wesentliche Verhaͤltnißbestimmung oder auch als Merkmahl genommen werden; — eine Bestim- mung, nach welcher das Subject nur eine wesentliche Erscheinung ist. Aber zur objectiven Allge- meinheit bestimmt hoͤrt es auf, unter solche Verhaͤlt- nißbestimmung, oder zusammenfassende Reflexion sub- sumirt zu seyn; solches Praͤdicat ist gegen diese Allge- meinheit vielmehr ein besonderes. Das Verhaͤltniß von Subject und Praͤdicat hat sich somit umgekehrt, und das Urtheil sich insofern zunaͤchst aufgehoben. Diese Aufhebung des Urtheils faͤllt mit dem zusam- men, was die Bestimmung der Copula wird, die wir noch zu betrachten haben; die Aufhebung der Ur- theilsbestimmungen und ihr Uebergang in die Copula ist dasselbe. — Insofern nemlich das Subject sich in die Allgemeinheit erhoben hat, ist es in dieser Bestimmung dem Praͤdicate gleich geworden, welches als die re- flectirte Allgemeinheit auch die Besonderheit in sich be- greift; Subject und Praͤdicat sind daher identisch, d. i. sie sind in die Copula zusammengegangen. Diese Iden- titaͤt ist die Gattung, oder an und fuͤr sich seyende Natur eines Dings. Insofern dieselbe also sich wieder in ein Urtheil dirimirt, ist es die innere Natur , wodurch sich Subject und Praͤdicat auf einander beziehen; — eine Beziehung der Nothwendigkeit , worin jene Urtheils- bestimmungen nur unwesentliche Unterschiede sind. — Was II. Kapitel. Das Urtheil . Was Allen Einzelnen einer Gattung zu- kommt, kommt durch ihre Natur, der Gat- tung zu , — ist eine unmittelbare Consequenz, und der Ausdruck dessen, was sich vorhin ergab, daß das Sub- ject z. B. Alle Menschen , seine Formbestimmung ab- streift, und der Mensch dafuͤr zu sagen ist. — Dieser an und fuͤr sich seyende Zusammenhang macht die Grund- lage eines neuen Urtheils aus; — des Urtheils der Nothwendigkeit . C. ) Das Urtheil der Nothwendigkeit . Die Bestimmung, zu der sich die Allgemeinheit fortgebildet hat, ist, wie sich ergeben, die an- und- fuͤrsichseyende oder objective Allgemeinheit , der in der Sphaͤre des Wesens die Substantialitaͤt entspricht. Sie unterscheidet sich von dieser dadurch, daß sie dem Begriffe angehoͤrt, und dadurch nicht nur die innere , sondern auch die gesetzte Nothwen- digkeit ihrer Bestimmungen, oder daß der Unter- schied ihr immanent ist, wogegen die Substanz den ihrigen nur in ihren Accidenzen, nicht aber als Princip in sich selbst hat. Im Urtheil ist nun diese objective Allgemeinheit gesetzt ; somit erstlich mit dieser ihrer wesentlichen Bestimmtheit, als ihr immanent, zweytens als von ihr als Besonderheit verschieden, von der jene Allge- meinheit die substantielle Grundlage ausmacht. Sie ist auf diese Weise als Gattung und Art bestimmt. a. Das I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . a. Das kategorische Urtheil . Die Gattung theilt sich, oder stoͤßt sich wesent- lich in Arten ab; sie ist Gattung, nur insofern sie Ar- ten unter sich begreift; die Art ist Art nur, insofern sie einerseits in Einzelnen existirt, andererseits in der Gat- tung eine hoͤhere Allgemeinheit ist. — Das katego- rische Urtheil hat nun eine solche Allgemeinheit zum Praͤdicate, an dem das Subject seine imma- nente Natur hat. Es ist aber selbst das erste oder unmittelbare Urtheil der Nothwendigkeit; daher die Bestimmtheit des Subjects, wodurch es gegen die Gat- tung oder Art ein Besonderes oder Einzelnes ist, inso- fern der Unmittelbarkeit aͤusserlicher Existenz angehoͤrt. — Die objective Allgemeinheit aber hat eben so hier nur erst ihre unmittelbare Particularisation; einerseits ist sie darum selbst eine bestimmte, gegen welche es hoͤ- here Gattungen gibt; — andererseits ist sie nicht gerade die naͤchste , d. h. deren Bestimmtheit nicht gerade das Princip der specifischen Besonderheit des Subjects ist. Was aber daran nothwendig ist, ist die substan- tielle Identitaͤt des Subjects und Praͤdicats, gegen welche das Eigene, wodurch sich jenes von diesem un- terscheidet, nur als ein unwesentliches Gesetztseyn, — oder auch nur ein Nahmen ist; das Subject ist in sei- nem Praͤdicate in sein An- und- Fuͤrsichseyn reflectirt. — Ein solches Praͤdicat sollte mit den Praͤdicaten der bis- herigen Urtheile nicht zusammengestellt werden; wenn z. B. die Urtheile: die Rose ist roth, die Rose ist eine Pflanze, oder: dieser Ring ist gelb er ist Gold in Eine Classe zusammengeworfen, und eine so aͤusser- liche Eigenschaft, wie die Farbe einer Blume als ein glei- II. Kapitel. Das Urtheil . gleiches Praͤdicat mit ihrer vegetabilischen Natur genom- men wird, so wird ein Unterschied uͤbersehen, der dem gemeinsten Auffassen auffallen muß. — Das kategorische Urtheil ist daher bestimmt von dem positiven und nega- tiven Urtheile zu unterscheiden; in diesen ist das, was vom Subject ausgesagt wird, ein einzelner zufaͤl- liger Inhalt, in jenem ist er die Totalitaͤt der in sich reflectirten Form. Die Copula hat daher in ihm die Bedeutung der Nothwendigkeit , in jenen nur des abstracten, unmittelbaren Seyns . Die Bestimmtheit des Subjects, wodurch es ein Besonderes gegen das Praͤdicat ist, ist zunaͤchst noch ein zufaͤlliges ; Subject und Praͤdicat sind nicht durch die Form oder Bestimmtheit als nothwendig bezo- gen; die Nothwendigkeit ist daher noch als innre . — Das Subject aber ist Subject nur als Besonderes , und insofern es objective Allgemeinheit hat, soll es sie wesentlich nach jener erst unmittelbaren Bestimmtheit haben. Das Objectiv-allgemeine, indem es sich be- stimmt , d. i. sich ins Urtheil setzt, ist wesentlich in identischer Beziehung mit dieser aus ihm abgestossenen Bestimmtheit als solcher, d. i. sie ist wesentlich nicht als bloß zufaͤlliges zu setzen. Das kategorische Ur- theil entspricht erst durch diese Nothwendigkeit sei- nes unmittelbaren Seyns, seiner objectiven Allgemein- heit, und ist auf diese Weise in das hypothetische Ur- theil uͤbergegangen. b. Das hypothetische Urtheil . Wenn A ist, so ist B ; oder das Seyn des A ist nicht sein eigenes Seyn, sondern das H Seyn I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Seyn eines Andern, des B. — Was in diesem Urtheil gesetzt ist, ist der nothwendige Zusammen- hang von unmittelbaren Bestimmtheiten, welcher im ka- tegorischen Urtheile noch nicht gesetzt ist. — Es sind hier zwey unmittelbare Existenzen, oder aͤusserlich zufaͤllige, deren im kategorischen Urtheile zunaͤchst nur eine, das Subject, ist; indem aber das eine aͤusserlich gegen das andere ist, so ist unmittelbar diß andere auch aͤusserlich gegen das erste. — Nach dieser Unmittelbarkeit ist der Inhalt beyder Seiten noch ein gleichguͤltiger gegen einander; diß Urtheil ist daher zunaͤchst ein Satz der leeren Form. Nun ist die Unmittelbarkeit erstlich zwar als solche ein selbststaͤndiges, concretes Seyn ; aber zweytens ist die Beziehung desselben das we- sentliche; jenes Seyn ist daher eben so sehr als blosse Moͤglichkeit ; das hypothetische Urtheil enthaͤlt nicht, daß A ist , oder daß B ist , sondern nur wenn eines ist, so ist das andere; nur der Zusammenhang der Ex- treme ist gesetzt, als seyend, nicht sie selbst. Viel- mehr ist in dieser Nothwendigkeit jedes gesetzt, als eben so sehr das Seyn eines Andern . — Der Satz der Identitaͤt sagt aus: A ist nur A, nicht B; und B ist nur B, nicht A; im hypothetischen Urtheil ist dage- gen das Seyn der endlichen Dinge nach ihrer formel- len Wahrheit durch den Begriff gesetzt, daß nemlich das Endliche sein eigenes Seyn, aber eben so sehr nicht das seinige , sondern das Seyn eines Andern ist. In der Sphaͤre des Seyns veraͤndert sich das Endliche, es wird zu einem Andern; in der Sphaͤre des Wesens ist es Erscheinung und gesetzt, daß sein Seyn darin besteht, daß ein anderes an ihm scheint , und die Nothwendigkeit ist die innere , noch nicht als sol- che gesetzte, Beziehung. Der Begriff aber ist diß, daß diese Identitaͤt gesetzt ist, und daß das Seyende nicht die abstracte Identitaͤt mit sich, sondern die concrete ist, II. Kapitel. Das Urtheil . ist, und unmittelbar an ihm selbst, das Seyn eines andern. Das hypothetische Urtheil kann durch die Reflexions- verhaͤltnisse in naͤherer Bestimmtheit genommen werden, als Verhaͤltniß von Grund und Folge, Bedingung und Bedingtem, Caussalitaͤt u. s. f. Wie im kategorischen Urtheile die Substantialitaͤt, so ist im hy- pothetischen der Zusammenhang der Causalitaͤt in seiner Begriffsform. Dieses und die andern Verhaͤltnisse stehen saͤmmtlich unter ihm, sind aber hier nicht mehr als Ver- haͤltnisse von selbststaͤndigen Seiten , sondern diese sind wesentlich nur als Momente Einer und der- selben Identitaͤt. — Jedoch sind sie in ihm noch nicht nach den Begriffsbestimmungen als Einzelnes oder Be- sonderes und Allgemeines entgegengesetzt, sondern nur erst als Momente uͤberhaupt . Das hypothetische Urtheil hat insofern mehr die Gestalt eines Satzes; wie das particulaͤre Urtheil von unbestimmtem Inhalte ist, so ist das hypothetische von unbestimmter Form, indem sein Inhalt sich nicht in der Bestimmung von Subject und Praͤdicat verhaͤlt. — Doch an sich ist das Seyn, da es das Seyn des andern ist, eben dadurch Einheit seiner selbst und des andern , und hiemit Allge- meinheit ; es ist damit zugleich eigentlich nur ein Be- sonderes , da es bestimmtes, und in seiner Bestimmt- heit sich nicht bloß auf sich beziehendes ist. Es ist aber nicht die einfache abstracte Besonderheit gesetzt, son- dern durch die Unmittelbarkeit , welche die Be- stimmtheiten haben , sind die Momente derselben als unterschiedene; zugleich durch die Einheit derselben, die ihre Beziehung ausmacht, ist die Besonderheit auch als die Totalitaͤt derselben. — Was in Wahrheit daher in diesem Urtheile gesetzt ist, ist die Allgemeinheit, als die concrete Identitaͤt des Begriffs, dessen Bestimmun- H 2 gen I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . gen kein Bestehen fuͤr sich haben, sondern nur in ihr gesetzte Besonderheiten sind. So ist es das disjunc- tive Urtheil . c. Das disjunctive Urtheil . Im kategorischen Urtheil ist der Begriff als ob- jective Allgemeinheit, und eine aͤusserliche Einzelnheit. Im hypothetischen tritt an dieser Aeusserlichkeit der Be- griff in seiner negativen Identitaͤt hervor; durch diese erhalten sie die nun im disjunctiven Urtheile gesetzte Bestimmtheit, welche sie im erstern unmittelbar haben. Das disjunctive Urtheil ist daher die objective Allge- meinheit zugleich in der Vereinigung mit der Form ge- setzt. Es enthaͤlt also erstens die concrete Allgemein- heit oder die Gattung, in einfacher Form, als das Subject; zweytens dieselbe aber als Totalitaͤt ih- rer unterschiedenen Bestimmungen. A ist entweder B oder C. Diß ist die Nothwendigkeit des Be- griffs , worin erstens die Dieselbigkeit beyder Extre- me, einerley Umfang, Inhalt und Allgemeinheit ist; zweytens sind sie nach der Form der Begriffsbestim- mung unterschieden, so daß aber um jener Identitaͤt willen diese als blosse Form ist . Drittens er- scheint die identische objective Allgemeinheit deßwegen, als das in sich reflectirte gegen die unwesentliche Form, als Inhalt , der aber an ihm selbst die Bestimmtheit der Form hat; das einemal als die einfache Bestimmt- heit der Gattung ; das andremal eben diese Bestimmt- heit als in ihren Unterschied entwickelt, — auf welche Weise sie die Besonderheit der Arten , und deren To- talitaͤt , die Allgemeinheit der Gattung, ist. — Die Besonderheit in ihrer Entwicklung macht das Praͤdi- cat II. Kapitel. Das Urtheil . cat aus, weil sie insofern das Allgemeinere ist, als sie die ganze allgemeine Sphaͤre des Subjects, aber auch dieselbe in der Auseinandersetzung der Besonde- rung enthaͤlt. Diese Besonderung naͤher betrachtet, so macht vors erste die Gattung die substanzielle Allgemeinheit der Arten aus; das Subject ist daher sowohl B als C; dieses sowohl als bezeichnet die positive Identi- taͤt des Besondern mit dem Allgemeinen; diß objective Allgemeine erhaͤlt sich vollkommen in seiner Besonder- heit. Die Arten zweytens schliessen sich gegen- seitig aus; A ist entweder B oder C; denn sie sind der bestimmte Unterschied der allgemei- nen Sphaͤre. Diß Entweder Oder ist die nega- tive Beziehung derselben. In dieser sind sie aber eben so identisch als in jener; die Gattung ist ihre Ein- heit als bestimmter Besondern. — Waͤre die Gat- tung eine abstracte Allgemeinheit, wie in den Urtheilen des Daseyns, so waͤren die Arten auch nur als ver- schiedene und gegen einander gleichguͤltige zu nehmen; sie ist aber nicht jene aͤussere, nur durch Verglei- chung und Weglassung entstandene Allgemeinheit, sondern ihre immanente und concrete. — Ein empiri- sches disjunctives Urtheil ist ohne Nothwendigkeit; A ist entweder B oder C oder D u. s. f. weil die Arten B, C, D u. s. f. sich vorgefunden haben; es kann eigentlich kein Entweder Oder dadurch ausgespro- chen werden; denn solche Arten machen nur etwa eine subjective Vollstaͤndigkeit aus; die eine Art schließt zwar die andere aus; aber Entweder Oder schließt jede weitere aus, und schließt eine totale Sphaͤre in sich ab. Diese Totalitaͤt hat ihre Nothwendig- keit in der negativen Einheit des objectiv-Allgemei- nen, welches die Einzelnheit in sich aufgeloͤst, und als ein- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . einfaches Princip des Unterschieds immanent in sich hat, wodurch die Arten bestimmt und bezogen sind. Die empirischen Arten dagegen haben ihre Unterschiede an irgend einer Zufaͤlligkeit, die ein aͤusserliches Princip, oder daher nicht ihr Princip, somit auch nicht die im- manente Bestimmtheit der Gattung ist; sie sind darum nach ihrer Bestimmtheit auch nicht auf einander bezo- gen. — Durch die Beziehung ihrer Bestimmtheit ma- chen die Arten aber die Allgemeinheit des Praͤdicats aus. — Die sogenannten contraͤren und contra- dictorischen Begriffe sollten hier eigentlich erst ihre Stelle finden; denn im disjunctiven Urtheile ist der we- sentliche Begriffsunterschied gesetzt; aber sie haben darin auch zugleich ihre Wahrheit, daß naͤmlich das Contraͤre und Contradictorische selbst eben so wohl contraͤr als con- tradictorisch unterschieden ist. Contraͤr sind die Arten, insofern sie nur verschieden sind, nemlich durch die Gattung als ihre objective Natur haben sie ein an- und- fuͤrsichseyendes Bestehen; contradictorisch , insofern sie sich ausschliessen. Jede dieser Bestimmungen fuͤr sich ist aber einseitig und ohne Wahrheit; im Entweder Oder des disjunctiven Urtheils ist ihre Einheit als ihre Wahrheit gesetzt, nach welche jenes selbststaͤndiges Bestehen als concrete Allgemeinheit selbst auch das Princip der negativen Einheit ist, wodurch sie sich gegenseitig ausschliessen. Durch die so eben aufgezeigte Identitaͤt des Sub- jects und Praͤdicats nach der negativen Einheit ist die Gattung im disjunctiven Urtheile als die naͤchste be- stimmt. Dieser Ausdruck deutet zunaͤchst auf einen blossen Quantitaͤtsunterschied von Mehr oder Weni- ger Bestimmungen, die ein Allgemeines gegen eine un- ter ihm stehende Besonderheit enthalte. Es bleibt hier- nach zufaͤllig, was eigentlich die naͤchste Gattung ist. In- II. Kapitel. Das Urtheil . Insofern aber die Gattung als ein bloß durch Weglassen von Bestimmungen gebildetes Allgemeines genommen wird, kann sie eigentlich kein disjunctives Urtheil bil- den; denn es ist zufaͤllig, ob die Bestimmtheit etwa in ihr noch geblieben sey, welche das Princip des Ent- weder Oder ausmacht; die Gattung waͤre uͤberhaupt nicht nach ihrer Bestimmtheit in den Arten darge- stellt, und diese koͤnnten nur eine zufaͤllige Vollstaͤndig- keit haben. In dem kategorischen Urtheile ist die Gat- tung zunaͤchst nur in dieser abstracten Form gegen das Subject, daher nicht nothwendig die ihm naͤchste Gat- tung, und insofern aͤusserlich. Indem aber die Gattung als concrete wesentlich bestimmte Allgemeinheit ist, so ist sie als die einfache Bestimmtheit die Einheit von den Begriffsmomenten , welche in jener Einfachheit nur aufgehoben sind, aber ihren realen Unterschied in den Arten haben. Die Gattung ist daher insofern die naͤchste einer Art, als diese ihre specifische Unterschei- dung an der wesentlichen Bestimmtheit jener, und die Arten uͤberhaupt ihre unterschiedene Bestimmung als Prin- cip in der Natur der Gattung haben. Die so eben betrachtete Seite macht die Identitaͤt des Subjects und Praͤdicats nach der Seite des Be- stimmtseyns uͤberhaupt aus; eine Seite, die durch das hypothetische Urtheil gesetzt worden, dessen Nothwendig- keit eine Identitaͤt Unmittelbarer und Verschiedener, da- her wesentlich als negative Einheit ist. Diese negative Einheit ist es uͤberhaupt, welche das Subject und Praͤ- dicat abscheidet, die aber nunmehr selbst als unterschie- den gesetzt ist, im Subjecte als einfache Bestimmtheit, im Praͤdicate als Totalitaͤt . Jenes Abscheiden des Subjects und Praͤdicats ist der Begriffsunterschied ; die Totalitaͤt der Arten im Praͤdicat kann aber eben so kein anderer seyn. — Die Bestimmung der dis- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . dis junctiven Glieder gegen einander ergibt sich also hie- durch. Sie reducirt sich auf den Unterschied des Be- griffes, denn es ist nur dieser, der sich disjungirt, und in seiner Bestimmung seine negative Einheit offenbart. Uebrigens kommt die Art hier nur in Betracht, nach ihrer einfachen Begriffsbestimmtheit, nicht nach der Ge- stalt , wie sie aus der Idee in weitere selbststaͤndige Realitaͤt getreten ist; diese faͤllt allerdings in dem einfachen Princip der Gattung weg ; aber die wesent- liche Unterscheidung muß Moment des Begriffs seyn. In dem hier betrachteten Urtheil ist eigentlich durch die eigene Fortbestimmung des Begriffs nunmehr selbst seine Disjunction gesetzt , dasjenige, was sich beym Begriff, als seine an- und- fuͤrsichseyende Bestimmung, als seine Unterscheidung in bestimmte Begriffe ergeben hat. — Weil er nun das Allgemeine, die positive eben- sosehr wie die negative Totalitaͤt der Besondern ist, so ist er selbst ebendadurch auch unmittelbar eines sei- ner disjunctiven Glieder ; das andere aber ist diese Allgemeinheit in ihre Besonderheit aufge- loͤst, oder die Bestimmtheit des Begriffs, als Bestimmt- heit ; in welcher eben die Allgemeinheit sich als die Totalitaͤt darstellt. — Wenn die Disjunction einer Gat- tung in Arten noch nicht diese Form erreicht hat, so ist diß ein Beweis, daß sie sich nicht zur Bestimmtheit des Begriffes erhoben, und nicht aus ihm hervorgegangen ist. — Die Farbe ist entweder violett, indigoblau, hellblau, gruͤn, gelb, orange, oder roth; — solcher Disjunction ist ihre, auch empirische Vermischung und Unreinheit sogleich anzusehen; sie ist von dieser Seite fuͤr sich betrachtet, schon barbarisch zu nennen. Wenn die Farbe als die concrete Einheit von Hell und Dunkel begriffen worden, so hat diese Gattung die Bestimmtheit an ihr, welche das Princip ihrer Besonderung in Arten ausmacht. Von diesen aber muß die II. Kapitel. Das Urtheil . die eine die schlechthin einfache Farbe seyn, welche den Gegensatz gleichschwebend und in ihre Intensitaͤt einge- schlossen und negirt enthaͤlt; ihr gegenuͤber muß der Ge- gensatz des Verhaͤltnisses des Hellen und Dunkeln sich darstellen, wozu, da es ein Naturphaͤnomen betrifft, noch die gleichguͤltige Neutralitaͤt des Gegensatzes kommen muß. — Vermischungen, wie Violett, und Orange, und Gradunterschiede wie Indigoblau und Hellblau fuͤr Ar- ten zu halten, kann nur in einem ganz unuͤberlegten Verfahren seinen Grund haben, das selbst fuͤr den Em- pirismus zu wenig Reflexion zeigt. — Was uͤbrigens die Disjunction, je nachdem sie im Elemente der Natur oder des Geistes geschieht, fuͤr unterschiedene und noch naͤher bestimmte Formen habe, gehoͤrt nicht hieher auszufuͤhren. Das disjunctive Urtheil hat zunaͤchst in seinem Praͤdicate die Glieder der Disjunction; aber ebensosehr ist es selbst disjungirt; sein Subject und Praͤdicat sind die Glieder der Disjunction; sie sind die in ihrer Be- stimmtheit aber zugleich als identisch gesetzten Begriffs- momente, als identisch α) in der objectiven Allge- meinheit, welche in dem Subjecte als die einfache Gat- tung , und in dem Praͤdicat als die allgemeine Sphaͤre und als Totalitaͤt der Begriffsmomente ist, und β ) in der negativen Einheit, dem entwickelten Zusammen- hange der Nothwendigkeit, nach welchem die einfache Bestimmtheit im Subjecte, in den Unterschied der Arten auseinandergegangen, und eben darin deren wesentliche Beziehung und das mit sich selbst identische ist. Diese Einheit, die Copula dieses Urtheils, worein die Extreme durch ihre Identitaͤt zusammen gegangen sind, ist somit der Begriff selbst, und zwar als ge- setzt ; I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . setzt ; das blosse Urtheil der Nothwendigkeit hat sich da- mit zum Urtheil des Begriffs erhoben. D. Das Urtheil des Begriffs . Urtheile des Daseyns faͤllen zu wissen: die Rose ist roth , der Schnee ist weiß u. s. f. wird schwerlich dafuͤr gelten, daß es grosse Urtheils- kraft zeige. Die Urtheile der Reflexion sind mehr Saͤtze ; in dem Urtheile der Nothwendigkeit ist der Ge- genstand zwar in seiner objectiven Allgemeinheit, aber erst im jetzt zu betrachtenden Urtheil ist seine Bezie- hung auf den Begriff vorhanden . Dieser ist darin zu Grund gelegt, und da er in Beziehung auf den Gegenstand ist, als ein Sollen , dem die Realitaͤt angemessen seyn kann oder auch nicht. — Solches Ur- theil enthaͤlt daher erst eine wahrhafte Beurtheilung; die Praͤdicate gut, schlecht, wahr, schoͤn, rich- tig u. s. f. druͤcken aus, daß die Sache an ihrem all- gemeinen Begriffe , als dem schlechthin vorausgesetz- ten Sollen gemessen , und in Uebereinstim- mung mit demselben ist, oder nicht. Man hat das Urtheil des Begriffs Urtheil der Modalitaͤt genannt, und sieht es dafuͤr an, daß es die Form enthalte, wie die Beziehung des Subjects und Praͤdicats sich in einem aͤusserlichen Verstande verhalte, und daß es den Werth der Copula nur in Be- ziehung auf das Denken angehe. Das proble- matische Urtheil bestehe hienach darin, wenn man das Bejahen oder Verneinen als beliebig oder als moͤg- lich ; II. Kapitel. Das Urtheil . lich ; — das assertorische , wenn man es als wahr d. h. wirklich , und das apodiktische , wenn man es als nothwendig annehme. — Man sieht leicht, warum es so nahe liegt, bey diesem Urtheil aus dem Urtheile selbst herauszutreten, und seine Bestimmung als etwas bloß subjectives zu betrachten. Es ist hier nemlich der Begriff, das Subjective, welches am Ur- theil wieder hervortritt, und sich zu einer unmittelbaren Wirklichkeit verhaͤlt. Allein diß Subjective ist nicht mit der aͤusserlichen Reflexion zu verwechseln, die freylich auch etwas subjectives ist, aber in anderem Sinne als der Begriff selbst; dieser, der aus dem dis- junctiven Urtheil wieder hervortritt, ist vielmehr das Ge- gentheil einer blossen Art und Weise . Die fruͤhern Urtheile sind in diesem Sinne nur ein subjectives, denn sie beruhen auf einer Abstraction und Einseitigkeit, in der der Begriff verloren ist. Das Urtheil des Begriffs ist vielmehr das objective und die Wahrheit gegen sie, eben weil ihm der Begriff, aber nicht in aͤusserer Reflexion oder in Beziehung auf ein subjectives, d. h. zufaͤlli- ges Denken , in seiner Bestimmtheit als Begriff zu Grunde liegt. Im disjunctiven Urtheile war der Begriff als Iden- titaͤt der allgemeinen Natur mit ihrer Besonderung ge- setzt; hiemit hatte sich das Verhaͤltniß des Urtheils auf- gehoben. Dieses Concrete der Allgemeinheit und der Besonderung ist zunaͤchst einfaches Resultat; es hat sich nun weiter zur Totalitaͤt auszubilden, indem die Mo- mente, die es enthaͤlt, darin zunaͤchst untergegangen, und noch nicht in bestimmter Selbststaͤndigkeit einander gegenuͤberstehen. — Der Mangel des Resultats kann be- stimmter auch so ausgedruͤckt werden, daß im disjuncti- ven Urtheile die objective Allgemeinheit zwar in ihrer Besonderung vollkommen geworden ist, daß aber I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . aber die negative Einheit der letztern nur in jene zu- ruͤckgeht, und noch nicht zum Dritten, zur Einzeln- heit , sich bestimmt hat. — Insofern aber das Resultat selbst die negative Einheit ist, so ist es zwar schon diese Einzelnheit ; aber so ist es nur diese Eine Be- stimmtheit, die nun ihre Negativitaͤt zu setzen , sich in die Extreme zu dirimiren, und auf diese Weise vol- lends zum Schlusse zu entwickeln hat. Die naͤchste Diremtion dieser Einheit ist das Ur- theil, in welchem sie das einemal als Subject, als ein unmittelbar Einzelnes , und dann als Praͤdicat als bestimmte Beziehung ihrer Momente gesetzt ist. a. Das assertorische Urtheil . Das Urtheil des Begriffs ist zuerst unmittel- bar ; so ist es das assertorische Urtheil. Das Sub- ject ist ein concretes Einzelnes uͤberhaupt, das Praͤdicat druͤckt dasselbe als die Beziehung seiner Wirklich- keit , Bestimmtheit oder Beschaffenheit , auf seinen Begriff aus. (Diß Haus ist schlecht , diese Hand- lung ist gut .) Naͤher enthaͤlt es also, a) daß das Subject etwas seyn soll ; seine allgemeine Natur hat sich als der selbststaͤndige Begriff gesetzt; b) die Be- sonderheit , welche nicht nur um ihrer Unmittelbar- keit, sondern um ihrer ausdruͤcklichen Unterscheidung wil- len von ihrer selbststaͤndigen allgemeinen Natur, als Be- schaffenheit und aͤusserliche Existenz ist; diese ist um der Selbststaͤndigkeit des Begriffes willen ihrer- seits auch gleichguͤltig gegen das Allgemeine, und kann ihm angemessen oder auch nicht seyn. — Diese Beschaffen- heit ist die Einzelnheit , welche uͤber die nothwen- dige II. Kapitel. Das Urtheil . dige Bestimmung des Allgemeinen im disjunctiven Urtheil hinausliegt, eine Bestimmung, welche nur als die Besonderung der Art und als negatives Princip der Gattung ist. Insofern ist die concrete Allgemein- heit, die aus dem disjunctiven Urtheil hervorgegangen ist, in dem assertorischen Urtheil in die Form von Ex- tremen entzweyt, denen der Begriff selbst als ge- setzte , sie beziehende Einheit noch fehlt. Das Urtheil ist darum nur erst assertorisch ; seine Bewaͤhrung ist eine subjective Versicherung . Daß Etwas gut oder schlecht, richtig, passend oder nicht u. s. f. ist, hat seinen Zusammenhang in einem aͤussern Dritten. Daß er aber aͤusserlich gesetzt ist, ist dasselbe, daß er nur erst an sich oder innerlich ist. — Wenn Etwas gut oder schlecht u. s. f. ist, wird daher wohl niemand meynen, daß es nur im subjectiven Bewußtseyn etwa gut, aber an sich vielleicht schlecht, oder daß gut und schlecht, richtig, passend, u. s. f. nicht Praͤdicate der Gegenstaͤnde selbst seyn. Das blos sub- jective der Assertion dieses Urtheils besteht also darin, daß der an sich seyende Zusammenhang des Subjects und Praͤdicats noch nicht gesetzt , oder was dasselbe ist, daß er nur aͤusserlich ist; die Copula ist noch ein unmittelbares, abstractes Seyn . Der Versicherung des assertorischen Urtheils steht daher mit eben dem Rechte die entgegengesetzte gegen- uͤber. Wenn versichert wird. diese Handlung ist gut; so hat die entgegengesetzte: diese Handlung ist schlecht, noch gleiche Berechtigung. — Oder an sich betrachtet, weil das Subject des Urtheils unmittelbares Ein- zelnes ist, hat es in dieser Abstraction noch die Be- stimmtheit nicht an ihm gesetzt, welche seine Bezie- hung auf den allgemeinen Begriff enthielte; es ist so noch I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . noch ein zufaͤlliges, eben sowohl dem Begriffe zu ent- sprechen, oder auch nicht. Das Urtheil ist daher we- sentlich problematisch . b. Das problematische Urtheil . Das problematische Urtheil ist das assertori- sche, insofern dieses eben so wohl positiv als negativ genommen werden muß. — Nach dieser qualitativen Seite ist das particulaͤre Urtheil gleichfalls ein pro- blematisches; denn es gilt eben so sehr positiv als nega- tiv; — ingleichen ist am hypothetischen Urtheil das Seyn des Subjects und Praͤdicats problematisch; — auch durch sie ist es gesetzt, daß das singulaͤre und das ka- tegorische Urtheil noch etwas bloß subjectives ist. Im problematischen Urtheile als solchem ist aber diß Setzen immanenter als in den erwaͤhnten Urtheilen, weil in jenem der Inhalt des Praͤdicats die Bezie- hung des Subjects auf den Begriff ist , hier hiemit die Bestimmung des Unmittelbaren als eines zufaͤlligen selbst vorhanden ist. Zunaͤchst erscheint es nur als problematisch, ob das Praͤdicat mit einem gewissen Subjecte verbunden werden soll oder nicht, und die Unbestimmtheit faͤllt in- sofern in die Copula. Fuͤr das Praͤdicat kann daraus keine Bestimmung hervorgehen, denn es ist schon die objective, concrete Allgemeinheit. Das Problematische geht also die Unmittelbarkeit des Subjects an, welche hiedurch als Zufaͤlligkeit bestimmt wird. — Ferner aber ist darum nicht von der Einzelnheit des Subjects zu abstrahiren; von dieser uͤberhaupt gereinigt, waͤre es nur ein allgemeines; das Praͤdicat enthaͤlt eben diß, daß II. Kapitel. Das Urtheil . daß der Begriff des Subjects in Beziehung auf seine Einzelnheit gesetzt seyn soll. — Es kann nicht gesagt werden: das Haus oder ein Haus ist gut, sondern: je nachdem es beschaffen ist . — Das Problema- tische des Subjects an ihm selbst macht seine Zu faͤl- ligkeit als Moment aus; die Subjectivitaͤt der Sache , ihrer objectiven Natur oder ihrem Begriffe gegenuͤber gestellt, die blosse Art und Weise , oder die Beschaffenheit . Somit ist das Subject selbst in seine Allgemein- heit oder objective Natur, sein Sollen , und in die besondere Beschaffenheit des Daseyns unterschieden. Hie- mit enthaͤlt es den Grund , ob es so ist , wie es seyn soll . Auf diese Weise ist es mit dem Praͤdicate ausgeglichen. — Die Negativitaͤt des Problemati- schen, insofern sie gegen die Unmittelbarkeit des Sub- jects gerichtet ist, heißt hienach nur diese urspruͤngliche Theilung desselben, welches an sich schon als Einheit des Allgemeinen und Besondern ist, in diese seine Momente ; — eine Theilung, welche das Urtheil selbst ist. Es kann noch die Bemerkung gemacht werden, daß jede der beyden Seiten des Subjects, sein Be- griff und seine Beschaffenheit, dessen Subjectivitaͤt genannt werden koͤnne. Der Begriff ist das in sich gegangene allgemeine Wesen einer Sache, ihre negative Einheit mit sich selbst; diese macht ihre Subjectivitaͤt aus. Aber eine Sache ist auch wesentlich zufaͤllig , und hat eine aͤusserliche Beschaffenheit ; diese heißt eben so sehr deren blosse Subjectivitaͤt, jener Ob- jectivitaͤt gegenuͤber. Die Sache selbst ist eben diß, daß ihr Begriff als die negative Einheit seiner selbst, seine Allgemeinheit negirt, und in die Aeusserlichkeit der Ein- zeln- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . zelnheit sich heraussetzt. — Als dieses Gedoppelte ist das Subject des Urtheils hier gesetzt; jene entgegenstehen- den Bedeutungen der Subjectivitaͤt sind ihrer Wahrheit nach in Einem. — Die Bedeutung des Subjectiven ist dadurch selbst problematisch geworden, daß es die un- mittelbare Bestimmtheit , welche es im unmittelbaren Urtheile hatte, und seinen bestimmten Gegensatz gegen das Praͤdicat verlohren hat . — Jene auch in dem Raͤsonement der gewoͤhnlichen Reflexion vorkom- mende entgegengesetzte Bedeutung des Subjectiven koͤnnte fuͤr sich wenigstens darauf aufmerksam machen, daß es in einer derselben keine Wahrheit hat. Die gedop- pelte Bedeutung ist die Erscheinung hievon, daß jede ein- zeln fuͤr sich einseitig ist. Das Problematische, so als problematisches der Sache , die Sache mit ihrer Beschaffenheit , ge- setzt, so ist das Urtheil selbst nicht mehr problematisch, sondern apodiktisch . c. Das apodiktische Urtheil . Das Subject des apodiktischen Urtheils (das Haus so und so beschaffen ist gut , die Handlung so und so beschaffen ist recht ,) hat an ihm erstens das All- gemeine, was es seyn soll, zweytens seine Be- schaffenheit ; diese enthaͤlt den Grund , warum dem ganzen Subject ein Praͤdicat des Begriffs-Urtheils zukommt oder nicht, d. i. ob das Subject seinem Be- griffe entspricht oder nicht. — Dieses Urtheil ist nun wahrhaft objectiv; oder es ist die Wahrheit des Urtheils uͤberhaupt. Subject und Praͤdicat entspre- chen sich, und haben denselben Inhalt, und dieser In- II. Kapitel. Das Urtheil . Inhalt ist selbst die gesetzte concrete Allgemein- heit ; er enthaͤlt nemlich die zwey Momente, das objective Allgemeine oder die Gattung , und das Vereinzelnte . Es ist hier also das Allgemeine, welches es selbst ist, und durch sein Gegentheil sich continuirt, und als Einheit mit diesem erst All- gemeines ist. — Ein solches allgemeines, wie das Praͤ- dicat: gut, passend, richtig u. s. w. hat ein Sollen zu Grunde liegen, und enthaͤlt das Entsprechen des Daseyns zugleich; nicht jenes Sollen oder die Gat- tung fuͤr sich, sondern diß Entsprechen ist die All- gemeinheit , welche das Praͤdicat des apodiktischen Urtheils ausmacht. Das Subject enthaͤlt gleichfalls diese beyden Mo- mente in unmittelbarer Einheit als die Sache . Es ist aber die Wahrheit derselben, daß sie in sich ge- brochen ist in ihr Sollen und ihr Seyn ; diß ist das absolute Urtheil uͤber alle Wirklich- keit . — Daß diese urspruͤngliche Theilung, welche die Allmacht des Begriffes ist, eben so sehr Ruͤckkehr in sei- ne Einheit und absolute Beziehung des Sollens und Seyns aufeinander ist, macht das Wirkliche zu einer Sache ; ihre innere Beziehung, diese concrete Identitaͤt, macht die Seele der Sache aus. Der Uebergang von der unmittelbaren Einfachheit der Sache zu dem Entsprechen , welches die be- stimmte Beziehung ihres Sollens und ihres Seyns ist, — oder die Copula , zeigt sich nun naͤher in der besondern Bestimmtheit der Sache zu liegen. Die Gattung ist das an und fuͤr sich seyende Allge- meine, das insofern als das unbezogene erscheint; die Bestimmtheit aber dasjenige, was sich in jener Allge- meinheit in sich , aber sich zugleich in ein anderes J re- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . reflectirt. Das Urtheil hat daher an der Beschaffenheit des Subjects seinen Grund , und ist dadurch apo- diktisch . Es ist damit nunmehr die bestimmte und erfuͤllte Copula vorhanden, die vorher in dem ab- stracten Ist bestand, jetzt aber zum Grunde uͤber- haupt sich weiter gebildet hat. Sie ist zunaͤchst als unmittelbare Bestimmtheit an dem Subjecte, aber ist eben so sehr die Beziehung auf das Praͤdicat, wel- ches keinen andern Inhalt hat, als diß Entspre- chen selbst, oder die Beziehung des Subjects auf die Allgemeinheit. So ist die Form des Urtheils untergegangen, er- stens, weil Subject und Praͤdicat an sich derselbe In- halt sind; aber zweytens, weil das Subject durch seine Bestimmtheit uͤber sich hinausweist, und sich auf das Praͤdicat bezieht, aber ebenso drittens ist diß Be- ziehen in das Praͤdicat uͤbergegangen, macht nur des- sen Inhalt aus, und ist so die gesetzte Beziehung oder das Urtheil selbst. — So ist die concrete Identi- taͤt des Begriffs, welche das Resultat des disjuncti- ven Urtheils war, und welche die innre Grundlage des Begriffsurtheils ausmacht, im Ganzen hergestellt, die zunaͤchst nur im Praͤdicate gesetzt war. Das Positive dieses Resultats, das den Uebergang des Urtheils in eine andere Form macht, naͤher betrach- tet, so zeigen sich, wie wir gesehen, Subject und Praͤdi- cat im apodiktischen Urtheile, jedes als der ganze Be- griff. — Die Begriffs einheit ist als die Bestimmt- heit , welche die sie beziehende Copula ausmacht, zu- gleich von ihnen unterschieden . Zunaͤchst steht sie nur auf der andern Seite des Subjects, als dessen unmittelbare Beschaffenheit . Aber indem sie wesentlich das Beziehende ist, ist sie nicht nur solche un- II. Kapitel. Das Urtheil . unmittelbare Beschaffenheit, sondern das durch Subject und Praͤdicat hindurch gehende , und Allgemei- ne . — Indem Subject und Praͤdicat denselben Inhalt haben, so ist dagegen durch jene Bestimmtheit die Form- beziehung gesetzt; die Bestimmtheit als ein Allgemeines oder die Besonderheit . — So enthaͤlt sie die beyden Formbestimmungen der Extreme in sich; und ist die bestimmte Beziehung des Sub- jects und Praͤdicats; sie ist die erfuͤllte oder in- haltsvolle Copula des Urtheils, die aus dem Ur- theil , worin sie in die Extreme verloren war, wie- der hervorgetretene Einheit des Begriffs. — Durch diese Erfuͤllung der Copula ist das Urtheil zum Schlusse geworden. J 2 Drit- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Drittes Kapitel. Der Schluß . D er Schluß hat sich als die Wiederherstellung des Begriffes im Urtheile , und somit als die Ein- heit und Wahrheit beyder ergeben. Der Begriff als solcher haͤlt seine Momente in der Einheit aufgehoben; im Urtheil ist diese Einheit ein innerliches oder was dasselbe ist, ein aͤusserliches, und die Momente sind zwar bezogen, aber sie sind als selbststaͤndige Extreme gesetzt. Im Schlusse sind die Begriffsbestimmungen wie die Extreme des Urtheils, zugleich ist die bestimmte Einheit derselben gesetzt. Der Schluß ist somit der vollstaͤndig gesetzte Be- griff; er ist daher das Vernuͤnftige . — Der Ver- stand wird als das Vermoͤgen des bestimmten Be- griffes genommen, welcher durch die Abstraction und Form der Allgemeinheit fuͤr sich festgehalten wird. In der Vernunft aber sind die bestimmten Begriffe in ihrer Totalitaͤt und Einheit gesetzt. Der Schluß ist daher nicht nur vernuͤnftig, sondern Alles Ver- nuͤnftige ist ein Schluß . Das Schliessen ist von langer Zeit her der Vernunft zugeschrieben worden; auf der andern Seite aber wird von der Vernunft an und fuͤr sich, vernuͤnftigen Grundsaͤtzen und Gesetzen so ge- sprochen, daß nicht erhellt, wie jene Vernunft, welche schließt, III. Kapitel. Der Schluß . schließt, und diese Vernunft, welche die Quelle von Ge- setzen und sonstigen ewigen Wahrheiten und absoluten Gedanken ist, mit einander zusammenhaͤngen. Wenn jene nur die formale Vernunft seyn, diese aber Inhalt erzeugen soll, so muͤßte nach diesem Unterschiede an der letztern gerade die Form der Vernunft, der Schluß, nicht fehlen koͤnnen. Dessen ungeachtet pflegen beyde so aus- einander gehalten und bey keiner der andern erwaͤhnt zu werden, daß die Vernunft absoluter Gedanken gleich- sam sich der Vernunft des Schlusses zu schaͤmen, und der Schluß fast nur hergebrachtermaßen auch als ein Thun der Vernunft aufgefuͤhrt zu werden scheint. Es muß aber, wie so eben bemerkt worden, offenbar die lo- gische Vernunft, wenn sie als die formelle betrachtet wird, wesentlich auch in der Vernunft, die es mit ei- nem Inhalte zu thun hat, zu erkennen seyn; ja viel- mehr kann aller Inhalt, nur durch die vernuͤnftige Form, vernuͤnftig seyn. An ein sehr gewoͤhnliches Gerede von Vernunft kann man sich hieruͤber nicht wenden, denn dasselbe enthaͤlt sich anzugeben, was denn unter der Vernunft zu verstehen sey; diese vernuͤnftig seyn sol- lende Erkenntniß ist meist mit ihren Gegenstaͤnden so be- schaͤftigt, daß sie vergißt, die Vernunft selbst zu erken- nen, und sie nur durch die Gegenstaͤnde, die sie habe, unterscheidet und bezeichnet. Wenn die Vernunft das Erkennen seyn soll, welches von Gott, der Freyheit, dem Recht und der Pflicht, dem Unendlichen, Unbedingten, Uebersinnlichen wisse, oder auch nur Vorstellungen und Gefuͤhle davon gebe, so sind theils diese letztern nur negative Gegenstaͤnde, theils bleibt uͤberhaupt die erste Frage uͤbrig, was es in allen jenen Gegenstaͤnden ist, um dessen willen sie vernuͤnftig sind? — Es ist diß, daß das Unendliche derselben nicht die leere Abstraction vom Endlichen und die Inhalts- und Bestimmungslose Allge- meinheit ist, sondern die erfuͤllte Allgemeinheit, der Be- griff, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . griff, der bestimmt ist, und seine Bestimmtheit auf diese wahrhafte Weise an ihm hat, daß er sich in sich unterscheidet, und als die Einheit von diesen seinen ver- staͤndigen und bestimmten Unterschieden ist. Nur so er- hebt sich die Vernunft uͤber das Endliche, Bedingte, Sinnliche, oder wie es sonst bestimmt werden mag, und ist in dieser Negativitaͤt wesentlich Inhaltsvoll , denn sie ist die Einheit als von bestimmten Extremen; so aber ist das Vernuͤnftige nur der Schluß . Zunaͤchst ist nun der Schluß, wie das Urtheil un- mittelbar ; so sind die Bestimmungen ( termini ) dessel- ben einfache, abstracte Bestimmtheiten; es ist so Verstandesschluß . Wenn bey dieser Gestalt dessel- ben festgeblieben wird, so ist freylich die Vernuͤnftigkeit in ihm, ob zwar vorhanden, und gesetzt, unscheinbar. Das wesentliche desselben ist die Einheit der Extre- me, die sie vereinigende Mitte und haltende Grund . Die Abstraction, indem sie die Selbststaͤndigkeit der Extreme festhaͤlt, setzt ihnen diese Einheit , als eine eben so feste fuͤr sich seyende Bestimmtheit ent- gegen, und faßt dieselbe auf diese Art vielmehr als Nichteinheit , denn als Einheit. Der Ausdruck: Mitte ( medius terminus ) ist von raͤumlicher Vorstel- lung hergenommen, und traͤgt das seinige dazu bey, daß beym Aussereinander der Bestimmungen stehen geblieben wird. Wenn nun der Schluß darin be- steht, daß die Einheit der Extreme in ihm gesetzt ist, wenn diese Einheit aber schlechthin einerseits als ein Besonderes fuͤr sich, andererseits als nur aͤusserliche Be- ziehung genommen, und zum wesentlichen Verhaͤltnisse des Schlusses die Nichteinheit gemacht wird, so hilft die Vernunft, die er ist, nicht zur Vernuͤnftigkeit. Der Schluß des Daseyns erstens , in wel- chem die Bestimmungen so unmittelbar und abstract be- III. Kapitel. Der Schluß . bestimmt sind, zeigt an ihm selbst, weil er, wie das Ur- theil, die Beziehung derselben ist, diß auf, daß sie nicht solche abstracte Bestimmungen, sondern jede die Be- ziehung auf die andere , und die Mitte nicht nur die Besonderheit gegen die Bestimmungen der Extreme, sondern diese an ihr gesetzt enthaͤlt. Durch diese seine Dialektik macht er sich zum Schlusse der Reflexion , dem zweyten Schlus- se, — mit Bestimmungen, als solchen, in welchen we- sentlich die andere scheint , oder die als vermit- telte gesetzt sind, was sie nach dem Schlusse uͤber- haupt seyn sollen. Drittens indem diß Scheinen oder Vermit- teltseyn sich in sich selbst reflectirt, so ist der Schluß als Schluß der Nothwendigkeit bestimmt, worin das Vermittelnde die objective Natur der Sache ist. Indem dieser Schluß die Extreme des Begriffs eben- sosehr als Totalitaͤten bestimmt, so ist der Schluß zum Entsprechen seines Begriffs oder der Mitte, und seines Daseyns oder der extremen Unterschiede, zu seiner Wahr- heit gelangt, und ist damit aus der Subjectivitaͤt in die Objectivitaͤt uͤbergetreten. A. Der Schluß des Daseyns . 1. Der Schluß, wie er unmittelbar ist, hat zu seinen Momenten die Begriffsbestimmungen als un- mittelbare . Sie sind somit die abstracten Bestimmt- heiten der Form, welche noch nicht durch Vermittlung zur I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . zur Concretion gebildet, sondern nur die einzelnen Bestimmtheiten sind. Der erste Schluß ist daher der eigentlich formelle . Der Formalismus des Schliessens besteht darin, bey der Bestimmung dieses ersten Schlusses stehen zu bleiben. Der Begriff in sei- ne abstracten Momente dirimirt, hat die Einzeln- heit und Allgemeinheit zu seinen Extremen, und er selbst erscheint als die zwischen ihnen stehende Be- sonderheit . Sie sind um ihrer Unmittelbarkeit wil- len als sich nur auf sich beziehende Bestimmtheiten, ins- gesammt ein einzelner Inhalt . Die Besonderheit macht zunaͤchst insofern die Mitte aus, als sie die beyden Momente, der Einzelnheit und Allgemeinheit unmittelbar in sich vereinigt. Um ihrer Bestimmt- heit willen ist sie einerseits unter das Allgemeine sub- sumirt, andererseits ist das Einzelne, gegen welches sie Allgemeinheit hat, unter sie subsumirt. Diese Con- cretion ist aber zunaͤchst nur eine Zweyseitig- keit ; um der Unmittelbarkeit willen, in der der Medius Terminus in dem unmittelbaren Schlusse ist, ist er als einfache Bestimmtheit, und die Vermittlung , die er ausmacht, noch nicht gesetzt . Die dialektische Bewegung des Schlusses des Daseyns, besteht nun darin, daß die Vermittlung, die den Schluß allein aus- macht, an seinen Momenten gesetzt werde. a. Erste Figur des Schlusses . E — B — A ist das allgemeine Schema des be- stimmten Schlusses. Die Einzelnheit schließt sich durch die Besonderheit mit der Allgemeinheit zusammen; das Einzelne ist nicht unmittelbar allgemein, sondern durch die Besonderheit; und umgekehrt ist eben so das Allge- meine III. Kapitel. Der Schluß . meine nicht unmittelbar einzeln, sondern es laͤßt sich durch die Besonderheit dazu herab. — Diese Bestimmun- gen stehen als Extreme einander gegenuͤber, und sind in einem verschiedenen Dritten eins. Sie sind beyde Bestimmtheit; darin sind sie identisch ; diese ihre all- gemeine Bestimmtheit ist die Besonderheit . Sie sind aber eben so Extreme gegen diese, als gegen einander, weil jedes in seiner unmittelbaren Bestimmtheit ist. Die allgemeine Bedeutung dieses Schlusses ist, daß das Einzelne, das als solches unendliche Beziehung auf sich ist, und somit nur ein innres waͤre, durch die Besonderheit in das Daseyn , als in die Allgemein- heit, heraustritt, worin es nicht mehr nur sich selbst an- gehoͤrt, sondern in aͤusserem Zusammenhange steht; umgekehrt indem das Einzelne sich in seine Be- stimmtheit als Besonderheit abscheidet, so ist es in die- ser Trennung ein concretes, und als Beziehung der Be- stimmtheit auf sich selbst, ein allgemeines , sich auf sich beziehendes, und somit auch ein wahrhaft einzelnes; es ist in dem Extreme der Allgemeinheit aus der Aeus- serlichkeit in sich gegangen. — Die objective Bedeutung des Schlusses ist in dem ersten Schlusse nur erst ober- flaͤchlich vorhanden, indem darin die Bestimmungen noch nicht als die Einheit, welche das Wesen des Schlus- ses ausmacht, gesetzt sind. Insofern ist er noch ein subjectives, als die abstracte Bedeutung, welche seine Termini haben, nicht an und fuͤr sich, sondern nur im subjectiven Bewußtseyn, so isolirt ist. — Uebrigens ist das Verhaͤltniß von Einzelnheit, Besonderheit und All- gemeinheit, wie sich ergeben, das nothwendige und wesentliche Form-Verhaͤltniß der Bestimmungen des Schlusses; der Mangel besteht nicht in dieser Be- stimmtheit der Form, sondern daß nicht unter dieser Form , jede einzelne Bestimmung zugleich reicher ist. I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . ist. — Aristoteles hat sich mehr an das blosse Ver- haͤltniß der Inhaͤrenz gehalten, indem er die Natur des Schlusses so angibt: Wenn drey Bestimmun- gen sich so zu einander verhalten, daß das eine Extrem in der ganzen mittlern Bestim- mung ist, und diese mittlere Bestimmung in dem ganzen andern Extrem, so sind diese beyden Extreme nothwendig zusammenge- schlossen . Es ist hier mehr nur die Wiederholung des gleichen Verhaͤltnisses der Inhaͤrenz des ei- nen Extrems zur Mitte, und dieser wieder zum andern Extrem ausgedruͤckt, als die Bestimmtheit der drey Ter- minorum zu einander. — Indem nun auf der ange- gebenen Bestimmtheit derselben gegeneinander der Schluß beruht, so zeigt sich sogleich, daß andere Verhaͤltnisse der Terminorum, welche die andern Figuren geben, nur in- sofern eine Guͤltigkeit als Verstandesschluͤsse haben koͤn- nen, als sie sich auf jenes urspruͤngliche Verhaͤltniß zu- ruͤckfuͤhren lassen; es sind nicht verschiedene Ar- ten von Figuren, die neben der ersten stehen, son- dern einerseits insofern sie richtige Schluͤsse seyn sollen, beruhen sie nur auf der wesentlichen Form des Schlus- ses uͤberhaupt, welches die erste Figur ist; andererseits aber insofern sie davon abweichen, sind sie Umformun- gen, in welche jene erste abstracte Form nothwendig uͤbergeht, und sich dadurch weiter und zur Totalitaͤt bestimmt. Es wird sich sogleich naͤher ergeben, welche Bewandniß es damit hat. E — B — A, ist also das allgemeine Schema des Schlusses in seiner Bestimmtheit. Das Einzelne ist un- ter das Besondere subsumirt, dieses aber unter das All- gemeine; daher ist auch das Einzelue unter das Allge- meine subsumirt. Oder dem Einzelnen inhaͤrirt das Besondre, dem Besondern aber das Allgemeine; daher in- III. Kapitel. Der Schluß . inhaͤrirt dieses auch dem Einzelnen. Das Besondere ist nach der einen Seite, nemlich gegen das Allgemeine, Subject; gegen das Einzelne ist es Praͤdicat; oder gegen jenes ist es Einzelnes, gegen dieses ist es Allgemeines. Weil in ihm die beyden Bestimmtheiten vereinigt sind, sind die Extreme durch diese ihre Einheit zusammenge- schlossen. Das: Daher , erscheint als die im Sub- jecte vorgegangene Folgerung, welche aus der sub- jectiven Einsicht in das Verhaͤltniß der beyden un- mittelbaren Praͤmissen abgeleitet werde. Indem die subjective Reflexion die beyden Beziehungen der Mitte auf die Extreme, als besondere und zwar unmit- telbare Urtheile oder Saͤtze ausspricht, so ist der Schlußsatz, als die vermittelte Beziehung, aller- dings auch ein besonderer Satz , und das: Daher oder Also ist der Ausdruck, daß er der vermittelte ist. Diß Daher ist aber nicht als eine an diesem Satze- aͤusserliche Bestimmung, welche nur ihren Grund und Sitz in der subjectiven Reflexion haͤtte, zu betrachten, sondern vielmehr als in der Natur der Extreme selbst gegruͤndet, deren Beziehung nur zum Behuf und durch die abstrahirende Reflexion wieder als blosses Urtheil oder Satz ausgesprochen wird, deren wahr- hafte Beziehung aber als der Terminus Medius gesetzt ist. — Also E ist A, daß diß ein Urtheil ist, ist ein bloß subjectiver Umstand; der Schluß ist eben dieses, daß diß nicht bloß ein Urtheil sey, d. h. nicht eine durch die blosse Copula oder das leere: ist , gemachte Beziehung, sondern durch die bestimmte, in- haltsvolle Mitte. Wenn deßwegen der Schluß bloß angesehen wird, als aus drey Urtheilen bestehend, so ist diß eine formelle Ansicht, welche das Verhaͤltniß der Bestimmun- gen, worauf es im Schluß einzig ankommt, nicht er- waͤhnt. I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . waͤhnt. Es ist uͤberhaupt eine bloß subjective Reflexion, welche die Beziehung der Terminorum in abgesonderte Praͤmissen und einen davon verschiedenen Schlußsatz trennt: Alle Menschen sind sterblich, Cajus ist ein Mensch Also ist er sterblich. Man wird sogleich von Langeweile befallen, wenn man einen solchen Schluß heranziehen hoͤrt; — diß ruͤhrt von jener unnuͤtzen Form her, die einen Schein von Verschiedenheit durch die abgesonderten Saͤtze gibt, der sich in der Sache selbst sogleich aufloͤst. Das Schlies- sen erscheint, vornemlich durch diese subjective Gestal- tung als ein subjectiver Nothbehelf , zu dem die Ver- nunft oder der Verstand da ihre Zuflucht nehme, wo sie nicht unmittelbar erkennen koͤnne. — Die Natur der Dinge, das Vernuͤnftige, geht allerdings nicht so zu Werke, daß sich zuerst ein Obersatz aufstellte, die Bezie- hung einer Besonderheit auf ein bestehendes Allgemeines, und dann sich zweytens eine abgesonderte Beziehung einer Einzelnheit auf die Besonderheit vorfaͤnde, woraus end- lich drittens ein neuer Satz zu Tage kaͤme. — Diß durch abgesonderte Saͤtze fortschreitende Schliessen ist nichts als eine subjective Form; die Natur der Sache ist, daß die unterschiedenen Begriffsbestimmungen der Sache in der wesentlichen Einheit vereinigt sind. Diese Ver- nuͤnftigkeit ist nicht ein Nothbehelf, vielmehr ist sie gegen die Unmittelbarkeit der Beziehung, die im Ur- theil noch Statt findet, das Objective , und jene Unmittelbarkeit des Erkennens ist vielmehr das bloß Subjective, der Schluß dagegen ist die Wahrheit des Urtheils. — Alle Dinge sind der Schluß , ein Allge- meines, das durch die Besonderheit mit der Einzelnheit zusammengeschlossen ist; aber freylich sind sie nicht aus drey Saͤtzen bestehende Ganzes. 2. In III. Kapitel. Der Schluß . 2. In dem unmittelbaren Verstandesschluß ha- ben die Termini die Form von unmittelbaren Be- stimmungen ; von dieser Seite, nach der sie In- halt sind, ist er nun zu betrachten. Er kann in- sofern als der qualitative Schluß angesehen, wie das Urtheil des Daseyns, dieselbe Seite von qualita- tiver Bestimmung hat. Die Termini dieses Schlus- ses, sind, wie die Termini jenes Urtheils, hiedurch einzelne Bestimmtheiten; indem die Bestimmtheit durch ihre Beziehung auf sich, als gleichguͤltig gegen die Form , somit als Inhalt gesetzt ist. Das Einzelne ist irgend ein unmittelbarer concreter Gegenstand, die Be- sonderheit eine einzelne von dessen Bestimmtheiten, Eigenschaften, oder Verhaͤltnissen, die Allgemeinheit wieder eine noch abstractere, einzelnere Bestimmtheit an dem Besondern. — Da das Subject als ein unmit- telbar bestimmtes noch nicht in seinem Begriffe gesetzt ist, so ist seine Concretion nicht auf die wesentlichen Be- griffsbestimmungen zuruͤckgefuͤhrt; seine sich auf sich be- ziehende Bestimmtheit ist daher unbestimmte, unendliche Mannichfaltigkeit . Das Einzelne hat in dieser Unmittelbarkeit eine unendliche Menge von Bestimmthei- ten, welche zu seiner Besonderheit gehoͤren, deren jede daher einen Medius Terminus fuͤr dasselbe in einem Schlusse ausmachen kann. Durch jeden andern Me- dius Terminus aber schließt es sich mit einem an- dern Allgemeinen zusammen; durch jede seiner Ei- genschaften ist es in einer andern Beruͤhrung und Zu- sammenhange des Daseyns. — Ferner ist auch der Me- dius Terminus ein Concretes in Vergleichung gegen das Allgemeine; er enthaͤlt selbst mehrere Praͤdicate, und das Einzelne kann durch denselben Medius Terminus wieder mit mehrern Allgemeinen zusammengeschlossen werden. Es ist daher uͤberhaupt voͤllig zufaͤllig und willkuͤhrlich , welche der vielen Eigenschaften eines I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . eines Dinges aufgefaßt, und von der aus es mit einem Praͤdicate verbunden werde; andere Medii Termini sind die Uebergaͤnge zu andern Praͤdicaten, und selbst derselbe Medius Terminus mag fuͤr sich ein Uebergang zu ver- schiedenen Praͤdicaten seyn, da er als Besonderes gegen das Allgemeine mehrere Bestimmungen enthaͤlt. Nicht nur aber ist fuͤr ein Subject eine unbe- stimmte Menge von Schluͤssen gleich moͤglich, und ein einzelner Schluß seinem Inhalte nach zufaͤllig , son- dern diese Schluͤsse, die dasselbe Subject betreffen, muͤssen auch in den Widerspruch uͤbergehen. Denn der Un- terschied uͤberhaupt, der zunaͤchst gleichguͤltige Ver- schiedenheit ist, ist eben so wesentlich Entgegen- setzung . Das Concrete ist nicht mehr ein bloß erschei- nendes, sondern es ist concret durch die Einheit der Entgegengesetzten, welche sich zu Begriffsmomenten be- stimmt haben, im Begriffe. Indem nun nach der quali- tativen Natur der Terminorum, im formellen Schlusse, das Concrete nach einer einzelnen der Bestimmungen aufgefaßt wird, die ihm zukommt, so theilt ihm der Schluß das diesem Medius Terminus correspondirende Praͤdicat zu; aber indem von einer andern Seite auf die entgegengesetzte Bestimmtheit geschlossen wird, so zeigt sich jener Schlußsatz dadurch als falsch, obgleich fuͤr sich dessen Praͤmissen und eben so dessen Consequenz ganz rich- tig sind. — Wenn aus dem Medius Terminus, daß eine Wand blau angestrichen worden, geschlossen wird, daß sie hiemit blau ist, so ist diß richtig geschlossen; aber die Wand kann dieses Schlusses unerachtet gruͤn seyn, wenn sie auch mit gelber Farbe uͤberzogen worden, aus welchem letztern Umstande fuͤr sich folgen wuͤrde, daß sie gelb sey. — Wenn aus dem Medius Terminus der Sinnlichkeit geschlossen wird, daß der Mensch weder gut noch boͤse sey, weil vom Sinnlichen weder das eine noch das III. Kapitel. Der Schluß . das andere praͤdicirt werden kann, so ist der Schluß richtig, der Schlußsatz aber falsch; weil vom Menschen, als dem Concreten ebensosehr auch der Medius Terminus der Geistigkeit gilt. — Aus dem Medius Terminus der Schwere der Planeten, Trabanten und Cometen gegen die Sonne folgt richtig, daß diese Koͤrper in die Sonne fallen; aber sie fallen nicht in sie, da sie ebensosehr fuͤr sich ein eigenes Centrum der Schwere sind, oder, wie man es nennt, von der Centrifugalkraft getrieben wer- den. So wie aus dem Medius Terminus der Sociali- taͤt die Guͤtergemeinschaft der Buͤrger gefolgert werden kann; aus dem Medius Terminus der Individualitaͤt aber, wenn er ebenso abstract verfolgt wird, die Aufloͤ- sung des Staates folgt, wie sie z. B. im deutschen Reich erfolgt ist, indem sich an letztern Medius Terminus ge- halten worden. — Es wird billig nichts fuͤr so unzurei- chend gehalten, als ein solcher formeller Schluß, weil er auf dem Zufall oder der Willkuͤhr beruht, welcher Medius Terminus gebraucht wird. Wenn eine solche Deduction noch so schoͤn durch Schluͤsse sich verlauffen hat, und ihre Richtigkeit voͤllig zuzugeben ist, so fuͤhrt diß noch im geringsten zu nichts, indem es immer uͤbrig bleibt, daß noch andere Medii Termini sich finden, aus denen das gerade Gegentheil ebenso richtig abgeleitet werden kann. — Die Kantischen Antinomieen der Vernunft sind nichts anderes, als daß aus einem Be- griffe einmal die eine Bestimmung desselben zu Grunde gelegt wird, das andremal aber eben so nothwendig die andere. — Diese Unzureichenheit und Zufaͤlligkeit eines Schlusses muß dabey nicht insofern bloß auf den In- halt geschoben werden, als ob sie von der Form unab- haͤngig sey, und diese allein die Logik angehe. Es liegt vielmehr in der Form des formalen Schlusses, daß der Inhalt eine so einseitige Qualitaͤt ist; er ist zu dieser Einseitigkeit durch jene abstracte Form bestimmt. Er ist I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . ist naͤmlich eine einzelne Qualitaͤt von den vielen Quali- taͤten oder Bestimmungen eines concreten Gegenstandes, oder Begriffs, weil er nach der Form nicht weiter als eine so unmittelbare, einzelne Bestimmtheit seyn soll. Das Extrem der Einzelnheit ist als die abstracte Einzelnheit , das unmittelbare Concrete, daher das unendlich oder unbestimmbar Mannichfaltige; die Mitte ist die ebenso abstracte Besonderheit , da- her eine einzelne dieser mannichfaltigen Qualitaͤten, und ebenso das andre Extrem ist das abstracte All- gemeine . Der formale Schluß ist daher wesentlich um seiner Form willen ein seinem Inhalte nach ganz Zufaͤl- liges; und zwar nicht insofern, daß es fuͤr den Schluß zufaͤllig sey, ob ihm dieser oder ein anderer Gegen- stand unterworfen werde; von diesem Inhalte abstrahirt die Logik; sondern insofern ein Subject zu Grunde liegt, ist es zufaͤllig, was der Schluß von ihm fuͤr Inhalts- Bestimmungen folgere. 3. Die Bestimmungen des Schlusses sind nach der Seite Inhaltsbestimmungen, insofern sie unmittelbare, abstracte, in sich reflectirte Bestimmungen sind. Das Wesentliche derselben aber ist vielmehr, daß sie nicht solche in sich reflectirte, gegen einander gleichguͤltige, sondern daß sie Form bestimmungen sind; insofern sind sie wesentlich Beziehungen . Diese Beziehungen sind erstens die der Extreme auf die Mitte, — Bezie- hungen welche unmittelbar sind; die propositiones praemissae, und zwar theils die des Besondern auf das Allgemeine, propositio major; theils die des Einzelnen auf das Besondere, propositio minor. Zweytens ist die Beziehung der Extreme auf einander vorhanden, welches die Vermittelte ist, conclusio. Jene un- mittelbaren Beziehungen, die Praͤmissen, sind Saͤtze oder Urtheile uͤberhaupt, und widersprechen der Na- III. Kapitel. Der Schluß . Natur des Schlusses , nach welcher die unterschie- denen Begriffsbestimmungen nicht unmittelbar bezogen, sondern eben so deren Einheit gesetzt seyn soll; die Wahr- heit des Urtheils ist der Schluß. Unmittelbare Bezie- hungen koͤnnen die Praͤmissen um so weniger bleiben, als ihr Inhalt unmittelbar unterschiedene Bestimmun- gen, sie also nicht unmittelbar an und fuͤr sich identisch sind; ausser sie seyen reine identische Saͤtze, d. i. leere zu nichts fuͤhrende Tavtologien. Die Foderung an die Praͤmissen lautet daher ge- woͤhnlich, sie sollen bewiesen, d. h. sie sollen gleichfalls als Schlußsaͤtze dargestellt wer- den. Die zwey Praͤmissen geben somit zwey weitere Schluͤsse. Aber diese zwey neuen Schluͤsse geben wie- der zusammen vier Praͤmissen, welche vier neue Schluͤsse erfodern; diese haben acht Praͤmissen, deren acht Schluͤsse wieder fuͤr ihre sechszehn Praͤmissen sechszehn Schluͤsse geben, und sofort in einer geo- metrischen Progression ins unendliche . Es thut sich hier also der Progreß ins Un- endliche wieder hervor, der in der niedrigern Sphaͤ- re des Seyns fruͤher vorkam, und der im Felde des Begriffes, der absoluten Reflexion aus dem Endlichen in sich, im Gebiete der freyen Unendlichkeit und Wahrheit, nicht mehr zu erwarten war. Es ist in der Sphaͤre des Seyns gezeigt worden, daß wo die schlechte Unendlich- keit, die in den Progreß hinauslaͤuft, sich hervorthut, der Widerspruch eines qualitativen Seyns , und eines daruͤber hinausgehenden, unmaͤchtigen Sol- lens vorhanden ist; der Progreß selbst ist die Wieder- hohlung der gegen das Qualitative eingetretenen Fode- rung der Einheit, und des bestaͤndigen Ruͤckfalls in die der Foderung nicht gemaͤsse Schranke. Im formalen Schluße nun ist die unmittelbare Beziehung oder K das I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . das qualitative Urtheil die Grundlage, und die Ver- mittlung des Schlusses, das als die hoͤhere Wahrheit dagegen gesetzte. Das ins unendliche fortgehende Be- weisen der Praͤmissen loͤst jenen Widerspruch nicht, son- dern erneuert ihn nur immer, und ist die Wiederhohlung eines und desselben urspruͤnglichen Mangels. — Die Wahrheit des unendlichen Progresses ist vielmehr, daß er selbst und die durch ihn schon als mangelhaft bestimm- te Form aufgehoben werde. — Diese Form ist die der Vermittlung als E — B — A. Die beyden Be- ziehungen E — B und B — A sollen vermittelte seyn; geschieht diß auf dieselbe Weise, so wird nur die man- gelhafte Form E — B — A verzweifacht, und so ins unendliche fort. B hat zu E auch die Formbestimmung eines Allgemeinen , und zu A die Formbestimmung eines Einzelnen , weil diese Beziehungen uͤberhaupt Urtheile sind. Sie beduͤrfen daher der Vermittlung, durch jene Gestalt derselben tritt aber nur das Verhaͤlt- niß wieder ein, das aufgehoben werden soll. Die Vermittlung muß daher auf eine andere Weise geschehen. Fuͤr die Vermittlung von B — A ist E vor- handen; es muß daher die Vermittlung die Gestalt B — E — A erhalten. E — B zu vermitteln ist A vorhanden; diese Vermittlung wird daher zum Schlusse: E — A — B. Diesen Uebergang naͤher seinem Begriffe nach be- trachtet, so ist erstlich die Vermittlung des formalen Schlusses nach seinem Inhalte , wie vorhin gezeigt worden, zufaͤllig . Das unmittelbare Einzelne hat an seinen Bestimmtheiten eine unbestimmbare Menge von Mediis Terminis, und diese haben wieder eben so viele Bestimmtheiten uͤberhaupt; so daß es ganz in ei- ner aͤusserlichen Willkuͤhr , oder uͤberhaupt in einem aͤus- III. Kapitel. Der Schluß . aͤusserlichen Umstande und zufaͤlligen Bestimmung liegt, mit was fuͤr einem Allgemeinen das Subject des Schlusses zusammengeschlossen werden soll. Die Ver- mittlung ist daher dem Inhalte nach nichts nothwendi- ges, noch allgemeines, sie ist nicht im Begriffe der Sache gegruͤndet; der Grund des Schlusses ist viel- mehr das an ihr Aeusserliche, d. i. das Unmittelbare ; das Unmittelbare aber ist unter den Begriffsbestimmun- gen das Einzelne . In Ansehung der Form hat eben so die Vermitt- lung zu ihrer Voraussetzung die Unmittelbar- keit der Beziehung ; jene ist daher selbst vermittelt, und zwar durch das Unmittelbare, d. i. das Ein- zelne . — Naͤher ist durch den Schlußsatz des ersten Schlusses das Einzelne zum Vermittelnden geworden. Der Schlußsatz ist E — A; das Einzelne ist hiedurch als Allgemeines gesetzt. In der einen Praͤmisse, dem Untersatze E — B ist es schon als Be- sonderes ; es ist somit als das, in welchem diese beyde Bestimmungen vereinigt sind. — Oder der Schluß- satz an und fuͤr sich druͤckt das Einzelne als Allgemeines aus; und zwar nicht auf eine unmittelbare Weise, son- dern durch die Vermittlung; also als eine nothwendige Beziehung. Die einfache Besonderheit war Medius Terminus; im Schlußsatze ist diese Besonderheit, ent- wickelt als die Beziehung des Einzelnen und Allgemeinheit gesetzt . Aber noch ist das Allge- meine eine qualitative Bestimmtheit, Praͤdicat des Ein- zelnen ; indem das Einzelne als allgemeines bestimmt ist, ist es gesetzt als die Allgemeinheit der Extreme oder als Mitte; es ist fuͤr sich Extrem der Einzelnheit, aber weil es nunmehr als Allgemeines bestimmt ist, ist es zugleich die Einheit beyder Extreme. K 2 b. Die I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . b. Die zweyte Figur : B — E — A. 1. Die Wahrheit des ersten qualitativen Schlus- ses ist, daß Etwas mit einer qualitativen Bestimmtheit als einer allgemeinen nicht an und fuͤr sich zusammen- geschlossen ist, sondern durch eine Zufaͤlligkeit, oder in einer Einzelnheit. Das Subject des Schlusses ist in solcher Qualitaͤt nicht in seinen Begriff zuruͤckgekehrt, sondern nur in seiner Aeusserlichkeit begriffen; die Unmittelbarkeit macht den Grund der Beziehung, somit die Vermittlung aus; insofern ist das Einzelne in Wahr- heit die Mitte. Ferner aber ist die Schlußbeziehung die Aufhe- bung der Unmittelbarkeit; der Schlußsatz ist nicht eine unmittelbare Beziehung, sondern als durch ein Drittes; er enthaͤlt daher eine negative Einheit; die Vermitt- lung ist daher nunmehr bestimmt, ein negatives Mo- ment in sich zu enthalten. In diesem zweyten Schlusse sind die Praͤmissen: B — E, und E — A; nur die erstere dieser Praͤmis- sen ist noch eine unmittelbare; die zweyte E — A ist schon eine Vermittelte, nemlich nur den ersten Schluß; der zweyte Schluß setzt daher den ersten voraus; so wie umgekehrt der erste den zweyten voraussetzt. — Die beyden Extreme sind hierin als Besonderes und Allge- meines gegeneinander bestimmt; das letztere hat inso- fern noch seine Stelle ; es ist Praͤdicat; aber das Besondere hat die seinige vertauscht, es ist Subject, oder unter der Bestimmung des Extrems der Einzelnheit gesetzt , so wie das Einzelne mit der Bestimmung der Mitte oder der Besonderheit gesetzt ist. Beyde sind daher nicht mehr die abstracten Un- III. Kapitel. Der Schluß . Unmittelbarkeiten, welche sie im ersten Schlusse waren. Sie sind jedoch noch nicht als Concrete gesetzt; daß je- des an der Stelle des andern steht, dadurch ist es in seiner eigenen und zugleich, jedoch nur aͤusserlich , in der andern Bestimmung gesetzt. Der bestimmte und objective Sinn dieses Schlusses ist, daß das Allgemeine nicht an und fuͤr sich ein bestimmtes Besonderes ist; denn es ist viel- mehr die Totalitaͤt seiner Besondern; sondern so eine seiner Arten ist durch die Einzelnheit ; die andern seiner Arten sind durch die unmittelbare Aeusserlichkeit von ihm ausgeschlossen. Andererseits ist das Besondere eben so nicht unmittelbar und an und fuͤr sich das All- gemeine, sondern die negative Einheit streift ihm die Bestimmtheit ab, und erhebt es dadurch in die Allge- meinheit. — Die Einzelnheit verhaͤlt sich insofern zum Besondern negativ , als sie dessen Praͤdicat seyn soll; es ist nicht Praͤdicat des Besondern. 2. Zunaͤchst aber sind die Termini noch unmittel- bare Bestimmtheiten; sie haben sich durch sich selbst zu keiner objectiven Bedeutung fortgebildet; die veraͤnderte Stellung , welche zwey derselben erhalten, ist die Form, die nur erst aͤusserlich an ihnen ist; sie sind da- her noch wie im ersten Schlusse uͤberhaupt ein gegen- einander gleichguͤltiger Inhalt; zwey Qualitaͤten, die nicht an und fuͤr sich selbst, sondern durch eine zufaͤllige Ein- zelnheit verknuͤpft sind. Der Schluß der ersten Figur, war der unmittel- bare , oder ebensosehr der Schluß, insofern er in sei- nem Begriffe als abstracte Form ist, die sich an ihren Bestimmungen noch nicht realisirt hat. Indem diese reine Form in eine andere Figur uͤbergegangen, ist diß I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . diß einerseits die begonnene Realisation des Begriffs, indem das negative Moment der Vermittlung und da- durch eine weitere Formbestimmtheit an der zunaͤchst un- mittelbaren, qualitativen Bestimmtheit der Terminorum gesetzt wird. — Zugleich ist diß aber ein Anders- werden der reinen Form des Schlusses; er entspricht ihr nicht mehr vollstaͤndig, und die an seinen Terminis gesetzte Bestimmtheit ist verschieden von jener urspruͤng- lichen Formbestimmung. — Insofern er nur als ein subjectiver Schluß betrachtet wird, der in einer aͤussern Reflexion vor sich geht, so gilt er als eine Art des Schlusses, welche der Gattung, nemlich dem allgemeinen Schema E — B — A entsprechen sollte. Diesem ent- spricht er aber zunaͤchst nicht; die zwey Praͤmissen des- selben sind B — E, oder E — B und E — A; der Me- dius Terminus ist daher beydemal subsumirt, oder bey- demal Subject, dem also die beyden andern Termini in- haͤriren; also nicht eine Mitte, die das einemal subsu- mirend oder Praͤdicat, und das andremal subsumirt oder Subject seyn, oder der der eine Terminus inhaͤriren, die aber selbst dem andern inhaͤriren soll. — Daß dieser Schluß nicht der allgemeinen Form des Schlusses ent- spricht, hat den wahrhaften Sinn, daß diese in ihn uͤbergegangen ist, indem ihre Wahrheit darin besteht, ein subjectives zufaͤlliges Zusammenschliessen zu seyn. Wenn der Schlußsatz in der zweyten Figur, (nemlich ohne die gleich zu erwaͤhnende Beschraͤnkung, die ihn zu etwas unbestimmtem macht, zu Huͤlfe zu nehmen,) richtig ist, so ist er es, weil er es fuͤr sich ist, nicht weil er Schlußsatz dieses Schlusses ist. Aber dasselbe ist der Fall bey dem Schlußsatze der ersten Figur; diese seine Wahrheit ist es, die durch die zweyte Figur gesetzt ist. — In der Ansicht, daß die zweyte Figur nur eine Art seyn soll, wird der nothwendige Uebergang der ersten in diese zweyte Form uͤbersehen, und bey jener als wahr- haf- III. Kapitel. Der Schluß . hafter Form stehen geblieben. Insofern daher in der zweyten Figur (welche aus alter Gewohnheit, ohne wei- tern Grund, als die dritte aufgefuͤhrt wird) gleich- falls ein in diesem subjectiven Sinne richtiger Schluß Statt finden soll, so muͤßte er dem ersten angemessen seyn, somit da die eine Praͤmisse E — A das Verhaͤlt- niß der Subsumtion des Medius Terminus unter das eine Extrem hat, so muͤßte die andre Praͤmisse B — E das entgegengesetzte Verhaͤltniß, das sie hat, erhalten, und B unter E subsumirt werden koͤnnen. Ein solches Verhaͤltniß aber waͤre die Aufhebung des bestimmten Ur- theils: E ist B, und koͤnnte nur in einem unbestimmten Urtheile Statt finden, — in einem particulaͤren; daher der Schlußsatz in dieser Figur nur particulaͤr seyn kann. Das particulaͤre Urtheil ist aber, wie oben bemerkt, sowohl positiv als negativ; — ein Schlußsatz, dem da- her eben kein grosser Werth zugeschrieben werden kann. — Insofern auch das Besondere und Allgemeine die Extre- me, und unmittelbare, gleichguͤltige Bestimmtheiten gegen einander sind, so ist ihr Verhaͤltniß selbst gleichguͤltig; es kann beliebig die eine oder die andere als Terminus Major oder Minor, daher auch die eine oder die an- dere Praͤmisse als Ober- oder als Untersatz genommen werden. 3. Der Schlußsatz, indem er ebensosehr positiv als negativ ist, ist somit eine gegen diese Bestimmtheiten gleichguͤltige, somit allgemeine Beziehung. Naͤher betrachtet, so war die Vermittlung des ersten Schlusses an sich eine zufaͤllige; in dem zweyten ist diese Zufaͤl- ligkeit gesetzt . Sie ist somit sich selbst aufhebende Vermittlung; die Vermittlung hat die Bestimmung der Einzelnheit und Unmittelbarkeit; was durch diesen Schluß zusammengeschlossen ist, muß vielmehr an sich und un- mittelbar identisch seyn; denn jene Mitte, die un- mit- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . mittelbare Einzelnheit , ist das unendlich man- nichfaltige und aͤusserliche Bestimmtseyn. Es ist in ihr also vielmehr die sich aͤusserliche Vermittlung gesetzt. Die Aeusserlichkeit der Einzelnheit aber ist die Allge- meinheit; jene Vermittlung durch das unmittelbare Ein- zelne weist uͤber sich selbst hinaus auf die ihr ande- re , welche somit durch das Allgemeine geschieht. — Oder was durch den zweyten Schluß vereinigt seyn soll, muß unmittelbar zusammengeschlossen seyn; durch die Unmittelbarkeit , die ihm zu Grunde liegt, kommt ein bestimmtes Zusammenschliessen nicht zu Stan- de. Die Unmittelbarkeit, auf welche er fortweist, ist die andre gegen die seinige, — die aufgehobene erste Unmittelbarkeit des Seyns, — also die in sich reflectir- te, oder an sich seyende , das abstracte All- gemeine . Der Uebergang dieses Schlusses war nach der be- trachteten Seite ein Anderswerden , wie das Ueber- gehen des Seyns, weil ihm das Qualitative, und zwar die unmittelbare Einzelnheit zu Grunde liegt. Dem Be- griffe nach aber schließt die Einzelnheit das Besondere und Allgemeine insofern zusammen, als sie die Be- stimmtheit des Besondern aufhebt ; was sich als die Zufaͤlligkeit dieses Schlusses darstellt; die Extreme wer- den nicht durch ihre bestimmte Beziehung, welche sie zum Medius Terminus haben, zusammengeschlossen; er ist daher nicht ihre bestimmte Einheit , und die positive Einheit, die ihm noch zukommt, ist nur die abstracte Allgemeinheit . Indem die Mitte in dieser Bestimmung, welche ihre Wahrheit ist, gesetzt wird, ist diß aber eine andere Form des Schlusses. c. Die III. Kapitel. Der Schluß . c. Die dritte Figur : E — A — B. 1. Dieser dritte Schluß hat keine einzige unmittel- bare Praͤmisse mehr; die Beziehung E — A ist durch den ersten, die Beziehung B — A durch den zweyten Schluß vermittelt worden. Er setzt daher die beyden ersten Schluͤsse voraus; aber umgekehrt setzen beyde ihn voraus, so wie uͤberhaupt jeder die beyden uͤbrigen voraussetzt. In ihm ist somit uͤberhaupt die Bestim- mung des Schlusses vollendet. — Diese gegenseitige Ver- mittlung enthaͤlt eben diß, daß jeder Schluß ob zwar fuͤr sich die Vermittlung, zugleich nicht an ihm selbst die Totalitaͤt derselben ist, sondern eine Unmittelbar- keiten an ihm hat, deren Vermittlung sich ausser ihm befindet. Der Schluß E — A — B an ihm selbst betrachtet, ist die Wahrheit des formalen Schlusses, er druͤckt diß aus, daß dessen Vermittlung die abstract allgemeine ist, und die Extreme nach ihrer wesentlichen Bestimmtheit, nicht in der Mitte, sondern nur nach ihrer Allgemein- heit enthalten, vielmehr also das gerade nicht darin zu- sammengeschlossen ist, was vermittelt seyn sollte. Es ist also hier das gesetzt, worin der Formalismus des Schlus- ses besteht, dessen Termini einen unmittelbaren gegen die Form gleichguͤltigen Inhalt haben, oder was dasselbe ist, solche Formbestimmungen sind, die sich noch nicht zu Juhalsbestimmungen reflectirt haben. 2. Die Mitte dieses Schlusses ist zwar die Einheit der Extreme, aber worin von ihrer Bestimmtheit abstra- hirt ist, das unbestimmte Allgemeine. Insofern aber diß Allgemeine zugleich als das Abstracte von den Extremen als dem bestimmten unterschieden ist, ist es I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . es auch selbst noch ein Bestimmtes gegen sie, und das Ganze ein Schluß, dessen Verhaͤltniß zu seinem Be- griffe zu betrachten ist. Die Mitte ist als das Allge- meine gegen ihre beyden Extreme subsumirend oder Praͤdicat, nicht auch das einemal subsumirt oder Sub- ject. Insofern er daher als eine Art des Schlusses diesem entsprechen soll, so kann diß nur geschehen, daß indem die eine Beziehung E — A schon das gehoͤrige Verhaͤltniß hat, auch die andere A — B dasselbe erhal- te. Diß geschieht in einem Urtheil, worin das Verhaͤlt- niß von Subject und Praͤdicat gleichguͤltig ist, in einem negativen Urtheil. So wird der Schluß legitim; aber die Conclusion nothwendig negativ. Damit ist es nun auch gleichguͤltig, welche von den beyden Bestimmungen dieses Satzes als Praͤdicat oder als Subject, und im Schlusse ob als Extrem der Einzelnheit oder als das der Besonderheit, hiemit ob als Terminus Minor oder als Terminus Major genom- men werde. Indem es hievon nach der gewoͤhnlichen Annahme abhaͤngt, welche von den Praͤmissen die Major oder Minor seyn soll, so ist diß hier gleichguͤltig gewor- den. — Diß ist der Grund der gewoͤhnlichen vierten Figur des Schlusses, die Aristoteles nicht gekannt, und die vollends einen ganz leeren, interesselosen Unterschied betrift. Die unmittelbare Stellung der Terminorum ist darin die umgekehrte der Stellung der ersten Figur; da Subject und Praͤdicat des negativen Schlußsatzes nach der formalen Betrachtung des Urtheils das bestimmte Verhaͤltniß von Subject und Praͤdicat nicht haben, son- dern eines die Stelle des andern einnehmen kann, so ist es gleichguͤltig, welcher Terminus als Subject, und wel- cher als Praͤdicat genommen werde; daher eben so gleich- guͤltig, welche Praͤmisse als Major oder Minor genom- men wird. — Diese Gleichguͤltigkeit, zu der auch die Be- III. Kapitel. Der Schluß . Bestimmung der Particularitaͤt, (insbesondere insofern be- merkt wird, daß sie im comprehensiven Sinne genommen werden kann), verhilft, macht jene vierte Figur zu et- was ganz muͤssigem. 3. Die objective Bedeutung des Schlusses, worin das Allgemeine die Mitte ist, ist, daß das Vermittelnde als Einheit der Extreme wesentlich Allgemeines ist. Indem die Allgemeinheit aber zunaͤchst nur die qualitative oder abstracte Allgemeinheit ist, so ist die Be- stimmtheit der Extreme darin nicht enthalten; ihr Zu- sammenschliessen, wenn es Statt finden soll, muß eben so in einer ausser diesem Schlusse liegenden Vermittlung ih- ren Grund haben, und ist in Ruͤcksicht auf diesen ganz so zufaͤllig, als bey den vorhergehenden Formen der Schluͤs- se. Indem nun aber das Allgemeine als die Mitte bestimmt, und darin die Bestimmtheit der Extreme nicht enthalten ist, so ist diese als eine voͤllig gleichguͤltige, und aͤusserliche gesetzt. — Es ist hiemit zunaͤchst nach dieser blossen Abstraction allerdings eine vierte Figur des Schlusses entstanden, nemlich die des verhaͤltnißlo- sen Schlusses: A — A — A, welcher von dem qua- litativen Unterschiede der Terminorum abstrahirt, und somit die bloß aͤusserliche Einheit derselben, nemlich die Gleichheit derselben zur Bestimmung hat. d. Die vierte Figur : A — A — A oder der mathematische Schluß . 1. Der mathematische Schluß heißt: Wenn zwey Dinge oder Bestimmungen einem Dritten gleich sind, so sind sie unter sich gleich . — Das I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Das Verhaͤltniß von Inhaͤrenz oder Subsumtion der Terminorum ist darin ausgeloͤscht. Ein Drittes uͤberhaupt ist das Vermittelnde; aber es hat ganz und gar keine Bestimmung gegen seine Extreme. Jedes der dreyen kann daher gleich gut das dritte Vermittelnde, seyn. Welches dazu gebraucht, welche der drey Beziehungen daher als die unmittelba- ren, und welche als die vermittelte genommen werden soll, haͤngt von aͤussern Umstaͤnden und sonstigen Bedin- gungen ab; — nemlich davon, welche zwey derselben die unmittelbar gegebenen sind. Aber diese Bestimmung geht den Schluß selbst nichts an, und ist voͤllig aͤus- serlich. 2. Der mathematische Schluß gilt als ein Axiom in der Mathematik; — als ein an und fuͤr sich einleuchtender, erster Satz, der keines Beweises d. h. keiner Vermittlung faͤhig sey noch beduͤrfe, nichts anderes voraussetze, noch daraus hergeleitet werden koͤnne. — Wenn der Vorzug desselben, unmittelbar ein- leuchtend zu seyn, naͤher betrachtet wird, so zeigt es sich, daß er in dem Formalismus dieses Schlusses liegt, der von aller qualitativen Verschiedenheit der Bestim- mungen abstrahirt, und nur ihre quantitative Gleichheit oder Ungleichheit aufnimmt. Aus eben diesem Grunde ist er aber nicht ohne Voraussetzung oder unvermittelt; die quantitative Bestimmung, die in ihm allein in Ruͤck- sicht kommt, ist nur durch die Abstraction von dem qualitativen Unterschiede und den Begriffsbestim- mungen. — Linien, Figuren, die einander gleich gesetzt werden, werden nur nach ihrer Groͤsse verstanden; ein Dreyeck wird einem Quadrate gleich gesetzt, aber nicht als Dreyeck dem Quadrat, sondern allein der Groͤsse nach u. s. f. Eben so tritt der Begriff und seine Bestim- mungen nicht in dieses Schliessen ein; es wird damit uͤber- III. Kapitel. Der Schluß . uͤberhaupt nicht begriffen ; auch hat der Verstand nicht einmal die formalen, abstracten Begriffsbestimmungen vor sich; das Einleuchtende dieses Schlusses beruht da- her nur darauf, daß er an Gedankenbestimmung so duͤrf- tig und abstract ist. 3. Aber das Resultat des Schlusses des Daseyns ist nicht bloß diese Abstraction von aller Be- griffsbestimmtheit; die Negativitaͤt der unmittelba- ren, abstracten Bestimmungen, welche daraus hervor- ging, hat noch eine andere positive Seite, daß nem- lich in die abstracte Bestimmtheit ihre andre gesetzt , und sie dadurch concret geworden ist. Vors erste haben die saͤmmtlichen Schluͤsse des Daseyns sich gegenseitig zur Voraussetzung , und die im Schlußsatze zusammengeschlossenen Extreme sind nur insofern wahrhaft und an und fuͤr sich zusammenge- schlossen, als sie sonst durch eine anderswo gegruͤndete Identitaͤt vereinigt sind; der Medius Terminus, wie er in den betrachteten Schluͤssen beschaffen ist, soll ihre Begriffseinheit seyn, aber ist nur eine formale Be- stimmtheit, die nicht als ihre concrete Einheit gesetzt ist. Aber diß Vorausgesetzte einer jeden jener Vermitt- lungen, ist nicht bloß eine gegebene Unmittelbar- keit uͤberhaupt, wie im mathematischen Schlusse, son- dern es ist selbst eine Vermittlung, nemlich fuͤr jeden die beyden andern Schluͤsse. Was also wahrhaft vor- handen ist, ist nicht die auf eine gegebene Unmittelbar- keit, sondern die auf Vermittlung sich gruͤndende Ver- mittlung. Diß ist somit nicht die quantitative, von der Form der Vermittlung abstrahirende, sondern vielmehr die sich auf Vermittlung beziehende Vermitt- lung , oder die Vermittlung der Reflexion . Der Kreis des gegenseitigen Voraussetzens, den diese Schluͤs- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Schluͤsse mit einander schliessen, ist die Ruͤckkehr dieses Voraussetzens in sich selbst, welches darin eine Totalitaͤt bildet, und das Andre , worauf jeder einzelne Schluß hinweißt, nicht vermoͤge der Abstraction ausserhalb hat, sondern innerhalb des Kreises befaßt. Ferner von Seiten der einzelnen Formbe- stimmungen hat sich gezeigt, daß in diesem Ganzen der formalen Schluͤsse, jede einzelne zur Stelle der Mitte gekommen ist. Unmittelbar war diese als die Besonderheit bestimmt; hierauf bestimmte sie sich durch die dialektische Bewegung als Einzelnheit und All- gemeinheit . Eben so ging jede dieser Bestimmungen die Stellen der beyden Extreme hindurch. Das bloß negative Resultat ist das Ausloͤschen der qualitativen Formbestimmungen im bloß quantitati- ven, mathematischen Schlusse. Aber was wahrhaft vorhanden ist, ist das positive Resultat , daß die Vermittlung nicht durch eine einzelne , qualitative Formbestimmtheit geschieht, sondern durch die concre- te Identitaͤt derselben. Der Mangel und Forma- lismus der drey betrachteten Figuren der Schluͤsse be- steht eben darin, daß eine solche einzelne Bestimmtheit die Mitte in ihnen ausmachen sollte. — Die Vermitt- lung hat sich also als die Gleichguͤltigkeit der unmittel- baren oder abstracten Formbestimmungen und als posi- tive Reflexion der einen in die andere bestimmt. Der unmittelbare Schluß des Daseyns ist hiemit in den Schluß der Reflexion uͤbergegangen. Anmerkung . In der hier gegebenen Darstellung der Natur des Schlusses und seiner verschiedenen Formen, ist auch beylaͤufig auf dasjenige Ruͤcksicht genommen worden, was in III. Kapitel. Der Schluß . in der gewoͤhnlichen Betrachtung und Behandlung der Schluͤsse das Hauptinteresse ausmacht, nemlich wie in jeder Figur ein richtiger Schluß gemacht werden koͤnne; doch ist dabey nur das Hauptmoment angegeben und die Faͤlle und Verwicklungen uͤbergangen worden, welche entstehen, wenn der Unterschied von positiven und nega- tiven Urtheilen nebst der quantitativen Bestimmung, be- sonders der Particularitaͤt, mit dazu gezogen wird. — Einige Bemerkungen uͤber die gewoͤhnliche Ansicht und Behandlungsweise des Schlusses in der Logik, werden hier noch an ihrem Orte stehen. — Bekanntlich wurde diese Lehre so ins Genaue ausgebildet, bis ihre sogenann- ten Spitzfindigkeiten zum allgemeinen Verdrusse und Eckel geworden sind. Indem der natuͤrliche Verstand sich gegen die substanzlosen Reflexionsformen nach allen Seiten der Geistesbildung geltend machte, kehrte er sich auch gegen jene kuͤnstliche Kenntniß der Vernunftformen, und meynte solche Wissenschaft aus dem Grunde entbeh- ren zu koͤnnen, weil er die darin verzeichneten einzelnen Denkoperationen von Natur ohne besonderes Erlernen schon von selbst verrichte. Der Mensch waͤre in der That in Ansehung des vernuͤnftigen Denkens eben so uͤbel daran, wenn die Bedingung desselben das muͤhselige Studium der Schlußformeln waͤre, als er, (wie in der Vorrede schon bemerkt worden) uͤbel daran seyn wuͤrde, wenn er nicht gehen und verdauen koͤnnte, ohne Anato- mie und Physiologie studirt zu haben. Wie auch das Studium dieser Wissenschaften fuͤr das diaͤtetische Ver- halten nicht ohne Nutzen seyn mag, so wird auch dem Studium der Vernunftformen ohne Zweifel ein noch wichtigerer Einfluß auf die Richtigkeit des Denkens zu- zuschreiben seyn; aber ohne in diese Seite, welche die Bildung des subjectiven Denkens, daher eigentlich die Paͤdagogik angeht, hier einzugehen, so wird zugegeben werden muͤssen, daß das Studium, welches die Opera- tions- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . tionsweisen und Gesetze der Vernunft zum Gegenstand habe, an und fuͤr sich vom groͤsten Interesse seyn muͤs- se, — von einem wenigstens nicht geringerem, als die Kenntniß der Gesetze der Natur und der besondern Ge- staltungen derselben. Wenn es nicht gering geachtet wird, etliche und sechzig Arten von Papageyen, hundert und sieben und dreissig Arten der Veronica u. s. f. aufge- funden zu haben, so wird es noch viel weniger fuͤr ge- ring geachtet werden duͤrfen, die Vernunftformen auszu- finden; ist nicht eine Figur des Schlusses ein unendlich hoͤheres, als eine Papagey- oder eine Veronica-Art? So sehr es daher fuͤr nichts mehr als Rohheit an- zusehen ist, die Kenntnisse der Vernunftformen uͤberhaupt zu verachten, so sehr ist zuzugeben, daß die gewoͤhnliche Darstellung des Schlusses und seiner besondern Gestal- tungen, nicht eine vernuͤnftige Erkenntniß, nicht eine Darstellung derselben als Vernunftformen ist, und die syllogistische Weisheit sich durch ihren Unwerth die Geringschaͤtzung zugezogen hat, die sie erfuhr. Ihr Mangel besteht darin, daß sie schlechterdings bey der Verstandesform des Schlusses stehen bleibt, nach welcher die Begriffsbestimmungen als abstracte for- male Bestimmungen genommen werden. Es ist um so inconsequenter, sie als abstracte Qualitaͤten fest zu halten, da im Schlusse die Beziehungen derselben das We- sentliche ausmachen, und die Inhaͤrenz und Subsumtion es schon enthaͤlt, daß das Einzelne, weil ihm das All- gemeine inhaͤrirt, selbst allgemeines, und das Allgemeine, weil es das Einzelne subsumirt, selbst einzelnes ist, und naͤher der Schluß eben diese Einheit als Mitte aus- druͤcklich setzt, und seine Bestimmung gerade die Ver- mittlung ist, d. i. daß die Begriffsbestimmungen nicht mehr wie im Urtheile ihre Aeusserlichkeit gegen einander, sondern vielmehr ihre Einheit zur Grundlage haben. — Es III. Kapitel. Der Schluß . Es ist somit durch den Begriff des Schlusses die Unvoll- kommenheit des formalen Schlusses ausgesprochen, in welchem die Mitte, nicht als Einheit der Extreme, son- dern als eine formale, von ihnen qualitativ verschiede- ne, abstracte Bestimmung festgehalten werden soll. — Die Betrachtung wird noch dadurch gehaltleerer, daß auch solche Beziehungen oder Urtheile, worin selbst die formellen Bestimmungen gleichguͤltig werden, wie im ne- gativen und particulaͤren Urtheile, und die sich daher den Saͤtzen naͤhern, noch als vollkommene Verhaͤltnisse angenommen werden. — Indem nun uͤberhaupt die qua- litative Form E — B — A als das letzte und absolute gilt, so faͤllt die dialektische Betrachtung des Schlusses ganz hinweg, die uͤbrigen Schluͤsse werden somit nicht als nothwendige Veraͤnderungen jener Form, sondern als Arten betrachtet. — Es ist hiebey gleich- guͤltig, ob der erste formale Schluß selbst nur als eine Art neben den uͤbrigen, oder aber als Gattung und Art zugleich betrachtet wird; letzteres geschieht, indem die uͤbrigen Schluͤsse auf den ersten zuruͤckgebracht wer- den. Geschieht diese Reduction nicht ausdruͤcklich, so liegt immer dasselbe formelle Verhaͤltniß der aͤusserlichen Subsumtion zu Grunde, welche die erste Figur ausdruͤckt. Dieser formelle Schluß ist der Widerspruch, daß die Mitte die bestimmte Einheit der Extreme seyn soll, aber nicht als diese Einheit, sondern als eine von denen, deren Einheit sie seyn soll, qualitativ verschiedene Be- stimmung ist. Weil der Schluß dieser Widerspruch ist, ist er an ihm selbst dialektisch. Seine dialektische Be- wegung stellt ihn in den vollstaͤndigen Begriffsmomenten dar, daß nicht nur jenes Verhaͤltniß der Subsumtion, oder die Besonderheit, sondern eben so wesentlich die negative Einheit und die Allgemeinheit Momente des Zusammenschliessens sind. Insofern jedes derselben fuͤr L sich I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . sich eben so nur ein einseitiges Moment der Besonderheit ist, sind sie gleichfalls unvollkommene Mitten, aber zu- gleich machen sie die entwickelten Bestimmungen dersel- ben aus; der ganze Verlauf durch die drey Figuren stellt die Mitte in jeder dieser Bestimmungen nach einander dar, und das wahre Resultat, das daraus hervorgeht, ist, daß die Mitte nicht eine einzelne, sondern die Totali- taͤt derselben ist. Der Mangel des formalen Schlusses liegt daher nicht in der Form des Schlusses , — sie ist vielmehr die Form der Vernuͤnftigkeit, — sondern daß sie nur als abstracte , daher begrifflose Form ist. Es ist gezeigt worden, daß die abstracte Bestimmung um ihrer ab- stracten Beziehung auf sich willen, eben so sehr als In- halt betrachtet werden kann; insofern leistet der formale Schluß weiter nichts, als daß eine Beziehung eines Subjects auf ein Praͤdicat nur aus diesem Medius Terminus folge oder nicht folge. Es hilft nichts ei- nen Satz durch ein solchen Schluß erwiesen zu haben; um der abstracten Bestimmtheit des Medius Terminus willen, der eine begrifflose Qualitaͤt ist, kann es eben so gut andere Medios Terminos geben, aus denen das Gegentheil folgt, ja aus demselben Medius Terminus koͤnnen auch wieder entgegengesetzte Praͤdicate durch wei- tere Schluͤsse abgeleitet werden. — Ausserdem, daß der formale Schluß nicht viel leistet, ist er auch etwas sehr einfaches; die vielen Regeln, welche erfunden worden, sind schon darum laͤstig, weil sie mit der einfachen Na- tur der Sache so sehr contrastiren, dann aber auch, weil sie sich auf die Faͤlle beziehen, wo der formale Gehalt des Schlusses, durch die aͤusserliche Formbestimmung be- sonders der Particularitaͤt, vornemlich insofern sie zu diesem Behuf in comprehensivem Sinne genommen wer- den muß, vollends vermindert, und auch der Form nach nur III. Kapitel. Der Schluß . nur ganz gehaltlose Resultate herausgebracht werden. — Die gerechteste und wichtigste Seite der Ungunst, in welche die Syllogistik verfallen, ist aber, daß sie eine so weitlaͤuffige begrifflose Beschaͤftigung mit einem Gegenstande sind, dessen einziger Inhalt der Begriff selbst ist. — Die vielen syllogistischen Regeln erinnern an das Verfahren der Rechenmeister, welche gleichfalls eine Menge Regeln uͤber die arithmetischen Operationen geben, welche alle voraus setzen, daß man den Begriff der Operation nicht habe. — Aber die Zahlen sind ein begriffloser Stoff, die Rechenoperation ist ein aͤusserliches Zusammenfassen oder Trennen, ein mechanisches Verfah- ren, wie denn Rechen-Maschinen erfunden worden sind, welche diese Operationen vollbringen; das haͤrteste und grellste dagegen ist, wenn die Formbestimmungen des Schlusses, welche Begriffe sind, als ein begriffloser Stoff behandelt werden. Das Aeusserste von diesem begrifflosen Nehmen der Begriffsbestimmungen des Schlusses, ist wohl, daß Leibnitz ( Opp. Tom. II. P. I. ) den Schluß dem combinatori- schen Calcul unterworfen, und durch denselben berechnet hat, wie viele Stellungen des Schlusses moͤglich sind; — mit Ruͤcksicht nemlich auf die Unterschiede von positiven und negativen, dann von allgemeinen, particulaͤren, unbestimmten und singulaͤren Urtheilen; es finden sich solcher Verbindungen 2048 moͤglich, wovon nach Aus- schliessung der unbrauchbaren 24 brauchbare Figuren uͤbrig bleiben. — Leibnitz macht sehr viel von der Nuͤtz- lichkeit der combinatorischen Analysis, um nicht nur die Formen des Schlusses, sondern auch die Verbindungen von andern Begriffen zu finden. Die Operation, wo- durch diß gefunden wird, ist dieselbe, wodurch berechnet wird, wie viele Verbindungen von Buchstaben ein Alpha- bet zulaͤßt, wie vielerley Wuͤrfe in einem Wuͤrfelspiel, L 2 Spie- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Spiele mit einer L’hombre-Charte moͤglich sind u. s. f. Man findet hier also die Bestimmungen des Schlusses in Eine Classe mit den Punkten des Wuͤrfels und der L’hombre-Charte gesetzt, das Vernuͤnftige als ein todtes und begriffloses genommen, und das eigenthuͤmliche des Begriffs und seiner Bestimmungen, als geistige Wesen sich zu beziehen , und durch diß Beziehen ihre un- mittelbare Bestimmung aufzuheben , auf der Sei- te gelassen. — Diese Leibnitzische Anwendung des com- binatorischen Calculs auf den Schluß und auf die Ver- bindung anderer Begriffe unterschied sich von der ver- ruffenen Lullianischen Kunst durch nichts, als daß sie von Seiten der Anzahl methodischer war, uͤbrigens an Sinnlosigkeit ihr gleich kam. — Es hing hiemit ein Lieblingsgedanke Leibnitzens zusammen, den er in der Jugend gefaßt, und der Unreifheit und Seichtigkeit des- selben unerachtet, auch spaͤterhin nicht aufgab, von einer allgemeinen Charakteristik der Begriffe, — einer Schriftsprache, worin jeder Begriff dargestellt werde, wie er eine Beziehung aus andern ist, oder sich auf an- dere beziehe — als ob in der vernuͤnftigen Verbindung, welche wesentlich dialektisch ist, ein Inhalt noch diesel- ben Bestimmungen behielte, die er hat, wenn er fuͤr sich fixirt ist. Der Ploucquetsche Calcul hat ohne Zweifel die consequenteste Verfahrungsweise ergriffen, wodurch das Verhaͤltniß des Schlusses faͤhig wird, dem Calcul unterworfen zu werden. Er beruht darauf, daß von dem Verhaͤltnißunterschiede, dem Unterschiede der Einzeln- heit, Besonderheit und Allgemeinheit im Urtheile abstra- hirt, und die abstracte Identitaͤt des Subjects und Praͤdicats festgehalten wird, wodurch sie in ma- thematischer Gleichheit sind; — einer Beziehung, welche das Schliessen zu einer voͤllig gehaltleeren und tav- III. Kapitel. Der Schluß . tavtologischen Formirung von Saͤtzen macht. — Im Satze: die Rose ist roth , soll das Praͤdicat nicht das allgemeine Roth, sondern nur das bestimmte Roth der Rose bedeuten; im Satze: alle Christen sind Men- schen, soll das Praͤdicat nur diejenigen Menschen bedeu- ten, welche Christen sind; aus diesem und dem Satze: die Juden sind keine Christen, folgt dann der Schluß- satz, der diesen syllogistischen Calcul bey Mendelssohn nicht gut empfohlen hat: Also sind die Juden kei- ne Menschen , (nemlich diejenigen Menschen nicht, welche die Christen sind). — Ploucquet gibt als eine Folge seiner Erfindung an, posse etiam rudes me- chanice totam logicam doceri , uti pueri arith- meticam docentur, ita quidem, ut nulla formidine in ra- tiociniis suis errandi torqueri, vel fallaciis circumveniri possint, si in calculo non errant. — Diese Empfehlung, daß Ungebildeten durch den Calcul mechanisch die ganze Logik beygebracht werden koͤnne, ist wohl das schlimmste, was von einer Erfindung uͤber die Darstel- lung der logischen Wissenschaft gesagt werden kann. B. Der Schluß der Reflexion . Der Verlauf des qualitativen Schlusses, hat das Abstracte der Bestimmungen desselben aufgehoben; der Terminus hat sich dadurch als eine solche Bestimmt- heit gesetzt, in welcher auch die andre scheint . Ausser den abstracten Terminis ist im Schlusse auch die Be- ziehung derselben vorhanden, und im Schlußsatz ist sie als eine vermittelte und nothwendige gesetzt; daher ist jede Bestimmtheit in Wahrheit nicht als eine einzelne fuͤr I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . fuͤr sich, sondern als Beziehung der andern, als con- crete Bestimmtheit, gesetzt. Die Mitte war die abstracte Besonderheit, fuͤr sich eine einfache Bestimmtheit, und Mitte nur aͤusserlich und relativ gegen die selbststaͤndigen Extreme. Nunmehr ist sie gesetzt als die Totalitaͤt der Bestimmungen; so ist sie die gesetzte Einheit der Extreme; zunaͤchst aber die Einheit der Reflexion, welche sie in sich befaßt; — ein Befassen, welches als erstes Aufheben der Unmittel- barkeit und erstes Beziehen der Bestimmungen, noch nicht die absolute Identitaͤt des Begriffes ist. Die Extreme sind die Bestimmungen des Urtheils der Reflexion; eigentliche Einzelnheit , und Allge- meinheit als Verhaͤltnißbestimmung, oder eine Man- nichfaltiges in sich zusammenfassende Reflexion. Aber das einzelne Subject enthaͤlt auch, wie beym Urtheile der Reflexion gezeigt worden, ausser der blossen Einzeln- heit, die der Form angehoͤrt, die Bestimmtheit, als schlechthin in sich reflectirte Allgemeinheit, als voraus- gesetzte, d. h. hier noch unmittelbar angenommene, Gattung . Aus dieser Bestimmtheit der Extreme, welche dem Verlauf der Urtheilsbestimmung angehoͤrt, ergibt sich der naͤhere Inhalt der Mitte , auf die es wesentlich beym Schlusse ankommt, da sie ihn vom Urtheile unter- scheidet. Sie enthaͤlt 1) die Einzelnheit , 2) aber zur Allgemeinheit erweitert, als Alle , 3) die zum Grunde liegende, Einzelnheit und abstracte Allgemein- heit schlechthin in sich vereinigende Allgemeinheit, die Gattung . — Der Schluß der Reflexion hat auf diese Weise erst die eigentliche Bestimmtheit der Form, indem die Mitte als die Totalitaͤt der Bestimmungen ge- setzt ist; der unmittelbare Schluß ist gegen ihn deß- wegen III. Kapitel. Der Schluß . wegen der unbestimmte , als die Mitte erst noch die abstracte Besonderheit ist, in welcher die Momente ih- res Begriffs noch nicht gesetzt sind. — Dieser erste Schluß der Reflexion, kann der Schluß der Allheit genannt werden. a. Schluß der Allheit . 1. Der Schluß der Allheit ist der Verstandesschluß in seiner Vollkommenheit, mehr aber noch nicht. Daß die Mitte in ihm nicht abstracte Besonderheit, son- dern in ihre Momente entwickelt und daher als concrete ist, ist zwar ein wesentliches Erforderniß fuͤr den Be- griff, allein die Form der Allheit faßt das Einzelne zunaͤchst nur aͤusserlich in die Allgemeinheit zusammen, und umgekehrt erhaͤlt sie das Einzelne noch als ein un- mittelbar fuͤr sich bestehendes, in der Allgemeinheit. Die Negation der Unmittelbarkeit der Bestimmungen, die das Resultat des Schlusses des Daseyns war, ist nur die erste Negation, noch nicht die Negation der Negation, oder absolute Reflexion in sich. Jener die einzelnen Bestimmungen in sich befassenden Allgemeinheit der Re- flexion, liegen sie daher noch zu Grunde, — oder die All- heit ist noch nicht die Allgemeinheit des Begriffs, son- dern die aͤussere der Reflexion. Der Schluß des Daseyns war darum zufaͤllig, weil der Medius Terminus desselben als eine einzelne Be- stimmtheit des concreten Subjects, eine unbestimmbare Menge anderer solcher Mediorum Terminorum zulaͤßt, und damit das Subject mit unbestimmbar andern, und mit entgegengesetzten Praͤdicaten zusammen geschlossen seyn konnte. Indem die Mitte aber nunmehr die Ein- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Einzelnheit enthaͤlt, und hiedurch selbst concret ist, so kann durch sie mit dem Subject nur ein Praͤdicat verbunden werden, das ihm als concretem zukommt. — Wenn z. B. aus dem Medius Terminus: Gruͤn , ge- schlossen werden sollte, daß ein Gemaͤhlde angenehm sey, weil das Gruͤn dem Auge angenehm ist, oder ein Ge- dicht, ein Gebaͤude u. s. f. schoͤn sey, weil es Regel- maͤssigkeit besitze, so koͤnnte das Gemaͤhlde, u. s. f. dessen ungeachtet haͤßlich seyn, um anderer Bestimmun- gen willen, aus denen auf diß letztere Praͤdicat geschlos- sen werden koͤnnte. Indem hingegen der Medius Ter- minus die Bestimmung der Allheit hat, so enthaͤlt er das Gruͤne, die Regelmaͤssigkeit als ein Concretes , das eben darum nicht die Abstraction eines bloß Gruͤnen, Regelmaͤssigen u. s. f. ist; mit diesem Concreten koͤn- nen nun nur Praͤdicate verbunden seyn, die der Tota- litaͤt des Concreten gemaͤß sind. — In dem Ur- theil: Das Gruͤne , oder Regelmaͤssige ist an- genehm , ist das Subject nur die Abstraction von Gruͤn, Regelmaͤssigkeit; in dem Satze: Alles Gruͤne, oder Regelmaͤssige ist angenehm ; ist das Sub- ject dagegen: alle wirklichen concreten Gegenstaͤnde, die gruͤn oder regelmaͤssig sind, die also als concrete mit allen ihren Eigenschaften , die sie ausser dem Gruͤnen oder der Regelmaͤssigkeit noch haben, ge- nommen werden. 2. Diese Reflexions-Vollkommenheit des Schlusses macht ihn aber eben hiemit zu einem blossen Blendwerk. Der Medius Terminus hat die Bestimmtheit: Alle ; diesen kommt im Obersatze das Praͤdicat unmittelbar zu, das mit dem Subjecte zusammen geschlossen wird. Aber Alle sind alle Einzelne ; darin hat also das einzelne Subject jenes Praͤdicat schon unmittelbar, und erhaͤlt es nicht erst durch den Schluß . — Oder das III. Kapitel. Der Schluß . das Subject erhaͤlt durch den Schlußsatz ein Praͤdicat, als eine Folge; der Obersatz aber enthaͤlt in sich schon diesen Schlußsatz; der Obersatz ist also nicht fuͤr sich richtig , oder ist nicht ein unmittelbares, voraus- gesetztes Urtheil, sondern setzt selbst schon den Schlußsatz voraus , dessen Grund er seyn sollte. — In dem beliebten vollkommenen Schlusse: Alle Menschen sind sterblich, Nun ist Cajus ein Mensch Ergo ist Cajus sterblich, ist der Obersatz nur darum und insofern richtig, als der Schlußsatz richtig ist; waͤre Cajus zufaͤlligerwei- se nicht sterblich, so waͤre der Obersatz nicht richtig. Der Satz, welcher Schlußsatz seyn sollte, muß schon unmittelbar fuͤr sich richtig seyn, weil der Obersatz sonst nicht Alle Einzelne befassen koͤnnte; ehe der Obersatz als richtig gelten kann, ist vorher die Fra- ge, ob nicht jener Schlußsatz selbst eine Instanz gegen ihn sey. 3. Beym Schlusse des Daseyns ergab sich aus dem Begriffe des Schlusses, daß die Praͤmissen als unmit- telbare , dem Schlußsatze, nemlich der durch den Be- griff des Schlusses gefoderten Vermittlung , wider- sprachen, daß der erste Schluß daher andere, und um- gekehrt diese andern ihn voraussetzten. Im Schlusse der Reflexion ist diß an ihm selbst gesetzt, daß der Ober- satz seinen Schlußsatz voraussetzt, indem jener die Ver- bindung des Einzelnen mit einem Praͤdicate enthaͤlt, wel- che eben erst Schlußsatz seyn soll. Was also in der That vorhanden ist, kann zu- naͤchst so ausgedruͤckt werden: daß der Reflexionsschluß nur ein aͤusserlicher leerer Schein des Schliessens ist, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . ist, — daß somit das Wesen dieses Schliessens auf sub- jectiver Einzelnheit beruht, diese hiemit die Mitte ausmacht, und als solche zu setzen ist; — die Einzeln- heit, welche als solche ist, und nur aͤusserlich die Allge- meinheit an ihr hat. — Oder nach dem naͤhern Inhalt des Reflexionsschlusses zeigte sich, daß das Einzelne in unmittelbarer , nicht einer erschlossenen Beziehung auf sein Praͤdicat steht, und daß der Obersatz, die Ver- bindung eines Besondern mit einem Allgemeinen, oder naͤher eines formell Allgemeinen, mit einem an sich All- gemeinen, durch die Beziehung der Einzelnheit, die in je- nem vorhanden ist, — der Einzelnheit als Allheit, — vermittelt ist. Diß aber ist der Schluß der In- duction . b. Schluß der Induction . 1. Der Schluß der Allheit steht unter dem Schema der ersten Figur: E — B — A; der Schluß der In- duction unter dem der zweyten A — E — B, da er wieder die Einzelnheit zur Mitte hat, nicht die abstracte Einzelnheit, sondern als vollstaͤndig , nemlich gesetzt mit der ihr entgegengesetzten Bestimmung, der Allge- meinheit. — Das eine Extrem ist irgend ein Praͤ- dicat, das allen diesen Einzelnen gemeinschaftlich ist; die Beziehung desselben auf sie macht die unmittelbaren Praͤmissen aus, dergleichen eine im vorhergehenden Schlusse, Schlußsatz seyn sollte. — Das andre Extrem kann die unmittelbare Gattung seyn, wie sie in der Mitte des vorigen Schlusses, oder im Subjecte des universellen Urtheils vorhanden ist, und welche in den saͤmmtlichen Einzelnen oder auch Ar- ten III. Kapitel. Der Schluß . ten der Mitte erschoͤpft ist. Der Schluß hat hienach die Gestalt: unendliche. 2. Die zweyte Figur des formalen Schlusses A — E — B entsprach dem Schema darum nicht, weil in der einen Praͤmisse E, das die Mitte ausmacht, nicht subsumirend oder Praͤdicat war. In der Induction ist dieser Mangel gehoben; die Mitte ist hier: Alle Ein- zelne ; der Satz: A — E, welcher das objective All- gemeine oder Gattung als zum Extrem ausgeschieden, als Subject enthaͤlt, hat ein Praͤdicat, das mit ihm we- nigstens von gleichem Umfange, hiemit fuͤr die aͤussere Reflexion identisch ist. Der Loͤwe, Elephant, u. s. f. machen die Gattung des vierfuͤssigen Thiers aus; der Unterschied, daß derselbe Inhalt, das einemal in der Einzelnheit, das andremal in der Allgemeinheit ge- setzt ist, ist hiemit bloße gleichguͤltige Formbe- stimmung , — eine Gleichguͤltigkeit, welche das im Re- flexionsschlusse gesetzte Resultat des formalen Schlusses, und hier durch die Gleichheit des Umfangs gesetzt ist. Die Induction ist daher nicht der Schluß der blos- sen Wahrnehmung oder des zufaͤlligen Daseyns, wie die ihm entsprechende zweyte Figur, sondern Schluß der Erfahrung ; — des subjectiven Zusammenfassens der Einzelnen in die Gattung, und des Zusammenschlies- sens der Gattung mit einer allgemeinen Bestimmtheit, weil sie in allen einzelnen angetroffen wird. Er hat auch die objective Bedeutung, daß die unmittelbare Gat- tung sich durch die Totalitaͤt der Einzelnheit zu einer all- ge- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . gemeinen Eigenschaft bestimmt, in einem allgemeinen Verhaͤltnisse oder Merkmahl ihr Daseyn hat. — Allein die objective Bedeutung dieses, wie der andern Schluͤsse ist nur erst ihr innerer Begriff, und hier noch nicht gesetzt. 3. Die Induction ist vielmehr noch wesentlich ein subjectiver Schluß. Die Mitte sind die Einzelnen in ih- rer Unmittelbarkeit, das Zusammenfassen derselben in die Gattung durch die Allheit ist eine aͤusserliche Re- flexion. Um der bestehenden Unmittelbarkeit der Einzelnen, und um der daraus fliessenden Aeusser- lichkeit willen, ist die Allgemeinheit nur Vollstaͤndig- keit, oder bleibt vielmehr eine Aufgabe . — Es kommt an ihr daher wieder der Progreß in die schlechte Unendlichkeit zum Vorschein; die Einzelnheit soll als identisch mit der Allgemeinheit gesetzt werden, aber indem die Einzelnen ebensosehr als unmittelbare gesetzt sind, so bleibt jene Einheit nur ein perennirendes Sollen ; sie ist eine Einheit der Gleichheit ; die identisch seyn sollen, sollen es zugleich nicht seyn. Die a, b, c, d, e nur ins Unendliche fort machen die Gattung aus, und geben die vollen- dete Erfahrung. Der Schlußsatz der Induction bleibt insofern problematisch . Indem sie aber diß ausdruͤckt, daß die Wahrneh- mung, um zur Erfahrung zu werden, ins unendliche fortgesetzt werden soll , setzt sie voraus, daß die Gat- tung mit ihrer Bestimmtheit an und fuͤr sich zusam- mengeschlossen sey. Sie setzt damit eigentlich ihren Schlußsatz vielmehr als ein unmittelbares voraus, wie der Schluß der Allheit fuͤr eine seiner Praͤmissen den Schlußsatz voraussetzt. — Eine Erfahrung, die auf In- duction beruht, wird als guͤltig angenommen, obgleich die Wahrnehmung zugestandenermaßen nicht vollen- det III. Kapitel. Der Schluß . det ist; es kann aber nur angenommen werden, daß sich keine Instanz gegen jene Erfahrung ergeben koͤn- ne, insofern diese an und fuͤr sich wahr sey. Der Schluß durch Induction gruͤndet sich daher wohl auf eine Unmittelbarkeit, aber nicht auf die, auf die er sich gruͤnden sollte, auf die seyende Unmittelbarkeit der Einzelnheit , sondern auf die an und fuͤr sich seyende , auf die allgemeine . — Die Grundbe- stimmung der Induction ist, ein Schluß zu seyn; wenn die Einzelnheit als wesentliche, die Allgemeinheit aber nur als aͤusserliche Bestimmung der Mitte genommen wird, so fiele die Mitte in zwey unverbundne Theile aus einander, und es waͤre kein Schluß vorhan- den; diese Aeusserlichkeit gehoͤrt vielmehr den Extremen an. Die Einzelnheit kann nur Mitte seyn, als un- mittelbar identisch mit der Allgemeinheit ; eine solche Allgemeinheit ist eigentlich die objective, die Gattung . — Diß kann auch so betrachtet wer- den: die Allgemeinheit ist an der Bestimmung der Ein- zelnheit, welche der Mitte der Induction zu Grunde liegt, aͤusserlich, aber wesentlich ; ein solches Aeusser- liche ist so sehr unmittelbar sein Gegentheil, das In- nerliche . — Die Wahrheit des Schlusses der In- duction ist daher ein solcher Schluß, der eine Einzeln- heit zur Mitte hat, die unmittelbar an sich selbst All- gemeinheit ist; — der Schluß der Analogie . c. Der Schluß der Analogie . 1. Dieser Schluß hat die dritte Figur des unmit- telbaren Schlusses: E — A — B zu seinem abstracten Schema. Aber seine Mitte ist nicht mehr irgend eine einzelne Qualitaͤt, sondern eine Allgemeinheit, welche die I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . die Reflexion- in- sich eines Concreten , so- mit die Natur desselben ist; — und umgekehrt, weil sie so die Allgemeinheit als eines Concreten ist, ist sie zugleich an sich selbst diß Concrete . — Es ist hier also ein Einzelnes die Mitte, aber nach seiner allgemei- nen Natur; ferner ist ein anderes Einzelnes, Extrem, welches mit jenem dieselbe allgemeine Natur hat. Z. B. Die Erde hat Bewohner Der Mond ist eine Erde , Also hat der Mond Bewohner. 2. Die Analogie ist um so oberflaͤchlicher, je mehr das Allgemeine, in welchem die beyden Einzelnen eins sind, und nach welchem das eine, Praͤdicat des andern wird, eine blosse Qualitaͤt oder wie die Qualitaͤt sub- jectiv genommen wird, ein oder anderes Merkmahl ist, wenn die Identitaͤt beyder hierin als eine blosse Aehnlichkeit genommen wird. Dergleichen Ober- flaͤchlichkeit aber, zu der eine Verstandes- oder Vernunft- form dadurch gebracht wird, daß man sie in die Sphaͤ- re der blossen Vorstellung herabsetzt, sollte in der Logik gar nicht angefuͤhrt werden. — Auch ist es un- passend, den Obersatz dieses Schlusses so darzustellen, daß er lauten solle: Was einem Objecte in eini- gen Merkmahlen aͤhnlich ist, das ist ihm auch in andern aͤhnlich . Auf solche Weise wird die Form des Schlusses in Gestalt eines Inhalts ausgedruͤckt, und der empirische, eigentlich so zu nen- nende, Inhalt zusammen in den Untersatz verlegt. So koͤnnte auch die ganze Form z. B. des ersten Schlusses als sein Obersatz ausgedruͤckt werden: Was unter ein anderes subsumirt ist, welchem ein Drit- tes inhaͤrirt, dem inhaͤrirt auch diß Dritte; Nun aber und so fort. Aber beym Schlusse selbst kommt es nicht auf den empirischen Inhalt an, und sei- III. Kapitel. Der Schluß . seine eigene Form zum Inhalt eines Obersatzes zu ma- chen, ist so gleichguͤltig, als ob jeder andere empirische Inhalt dafuͤr genommen wuͤrde. Insofern es aber beym Schluß der Analogie auf jenen Inhalt, der nichts als die eigenthuͤmliche Form des Schlusses enthaͤlt, nicht ankommen sollte, so kaͤme auch es auch bey dem ersten Schluß ebensosehr nicht darauf an, d. h. nicht auf das, was den Schluß zum Schlusse macht. — Worauf es ankommt, ist immer die Form des Schlusses, er mag nun diese selbst, oder etwas anderes zu seinem empirischen Inhalte haben. So ist der Schluß der Analogie eine eigenthuͤmliche Form, und es ist ein ganz leerer Grund, ihn nicht fuͤr eine solche ansehen zu wollen, weil seine Form zum Inhalt oder Materie eines Obersatzes gemacht werden koͤnne, die Materie aber das Logische nicht an- gehe. — Was beym Schlusse der Analogie, etwa auch beym Schlusse der Induction zu diesem Gedanken verlei- ten kann, ist, daß in ihnen die Mitte und auch die Ex- treme weiter bestimmt sind, als in dem bloß formalen Schlusse, und daher die Formbestimmung, weil sie nicht mehr einfach und abstract ist, auch als Inhaltsbe- stimmung erscheinen muß. Aber diß, daß die Form sich so zum Inhalte bestimmt, ist erstlich ein nothwendi- ges Fortgehen des Formalen, und betrifft daher die Na- tur des Schlusses wesentlich; daher kann aber zwey- tens eine solche Inhaltsbestimmung nicht als eine sol- che, wie ein anderer empirischer Inhalt angese- hen und davon abstrahirt werden. Wenn die Form des Schlusses der Analogie in je- nem Ausdruck seines Obersatzes betrachtet wird, daß wenn zwey Gegenstaͤnde in einer oder auch einigen Eigenschaften uͤbereinkommen, so kommt dem einen auch eine weitere Eigen- schaft zu, die der andere hat , so kann es schei- nen, I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . nen, daß dieser Schluß vier Bestimmungen , die quaternionem terminorum, enthalte; — ein Umstand, der die Schwierigkeit mit sich fuͤhrte, die Analogie in die Form eines formalen Schlusses zu bringen. — Es sind zwey Einzelne, drittens eine unmittelbar als ge- meinschaftlich angenommene Eigenschaft, und viertens die andere Eigenschaft, die das eine Einzelne unmittel- bar hat, die das andere aber erst durch den Schluß er- haͤlt. — Diß ruͤhrt daher, daß, wie sich ergeben hat, in dem analogischen Schlusse die Mitte als Einzeln- heit, aber unmittelbar auch als deren wahre Allgemein- heit gesetzt ist. — In der Induction ist ausser den beyden Extremen die Mitte eine unbestimmbare Menge von Einzelnen; in diesem Schlusse sollte daher eine un- endliche Menge von Terminis gezaͤhlt werden. — Im Schlusse der Allheit ist die Allgemeinheit an der Mitte nur erst als die aͤusserliche Formbestimmung der Allheit; im Schlusse der Analogie dagegen als wesentliche Allge- meinheit. Im obigen Beyspiel ist der Medius Termi- nus: die Erde , als ein Concretes genommen, das nach seiner Wahrheit ebensosehr eine allgemeine Natur oder Gattung, als ein Einzelnes ist. Nach dieser Seite machte die Quaternio terminorum die Analogie nicht zu einem unvollkommenen Schluß. Aber er wird es durch sie nach einer andern Seite; denn wenn zwar das eine Subject dieselbe allgemeine Natur hat, als das andere, so ist es unbestimmt, ob dem einen Subject die Bestimmtheit, die auch fuͤr das andere erschlossen wird, vermoͤge seiner Natur , oder vermoͤge seiner Besonderheit zukommt, ob z. B. die Erde als Weltkoͤrper uͤberhaupt , oder nur als dieser besondere Weltkoͤrper Bewohner hat. — Die Ana- logie ist insofern noch ein Schluß der Reflexion, als Einzelnheit und Allgemeinheit in dessen Mitte unmit- tel- III. Kapitel. Der Schluß . telbar vereinigt sind. Um dieser Unmittelbarkeit willen ist noch die Aeusserlichkeit der Reflexions-Einheit vor- handen, das Einzelne ist nur an sich die Gattung, es ist nicht in dieser Negativitaͤt gesetzt, wodurch seine Be- stimmtheit als die eigene Bestimmtheit der Gattung waͤre. Darum ist das Praͤdicat, das dem Einzelnen der Mitte zukommt, nicht auch schon Praͤdicat des andern Einzelnen, obgleich diese beyde einerley Gattung an- gehoͤren. 3. E — B (der Mond hat Bewohner) ist der Schluß- satz; aber die eine Praͤmisse (die Erde hat Bewohner) ist ein eben solches E — B; insofern E — B ein Schluß- satz seyn soll, so liegt darin die Foderung, daß auch jene Praͤmisse ein solcher sey. Dieser Schluß ist somit in sich selbst die Foderung seiner gegen die Unmittelbarkeit, die er enthaͤlt; oder er setzt seinen Schlußsatz voraus. Ein Schluß des Daseyns hat seine Voraussetzung an den andern Schluͤssen des Daseyns; bey den so eben betrachteten ist sie in sie hinein geruͤckt, weil sie Schluͤsse der Reflexion sind. Indem also der Schluß der Analo- gie die Foderung seiner Vermittlung gegen die Unmittel- barkeit ist, mit welcher seine Vermittlung behaftet ist, so ist es das Moment der Einzelnheit , dessen Aufhe- bung er fodert. So bleibt fuͤr die Mitte das objective Allgemeine, die Gattung gereinigt von der Unmittel- barkeit. — Die Gattung war im Schlusse der Analogie Moment der Mitte, nur als unmittelbare Voraus- setzung ; indem der Schluß selbst die Aufhebung der vorausgesetzten Unmittelbarkeit fodert, so ist die Nega- tion der Einzelnheit, und hiemit das Allgemeine nicht mehr unmittelbar, sondern gesetzt . — Der Schluß der Reflexion enthielt erst die erste Negation der Unmittel- barkeit; es ist nunmehr die zweyte eingetreten, und damit die aͤusserliche Reflexions-Allgemeinheit zur an M und I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . und fuͤr sich seyenden bestimmt. — Von der positiven Seite betrachtet, so zeigt sich der Schlußsatz identisch mit der Praͤmisse, die Vermittlung mit ihrer Voraus- setzung zusammengegangen, hiemit eine Identitaͤt der Re- flexions-Allgemeinheit, wodurch sie hoͤhere Allgemein- heit geworden. Uebersehen wir den Gang der Schluͤsse der Re- flexion, so ist die Vermittlung uͤberhaupt die gesetzte , oder concrete Einheit der Formbestimmungen der Ex- treme; die Reflexion besteht in diesem Setzen der einen Bestimmung in der andern; das Vermittelnde ist so die Allheit . Als der wesentliche Grund derselben aber zeigt sich die Einzelnheit , und die Allgemeinheit nur als aͤusserliche Bestimmung an ihr, als Vollstaͤn- digkeit . Die Allgemeinheit ist aber dem Einzelnen wesentlich , daß es zusammenschliessende Mitte sey; es ist daher als an sich seyendes Allgemeines zu neh- men. Es ist aber mit ihr nicht auf diese bloß positive Weise vereinigt, sondern in ihr aufgehoben, und negati- ves Moment; so ist das Allgemeine, das an und fuͤr sich- seyende, gesetzte Gattung, und das Einzelne als Un- mittelbares ist vielmehr die Aeusserlichkeit derselben, oder es ist Extrem . — Der Schluß der Reflexion steht uͤber- haupt genommen unter dem Schema B — E — A, das Einzelne ist darin noch als solches, wesentliche Bestim- mung der Mitte; indem sich seine Unmittelbarkeit aber aufgehoben hat, und die Mitte als an und fuͤr sich seyende Allgemeinheit bestimmt hat, so ist der Schluß unter das formelle Schema: E — A — B getreten, und der Schluß der Reflexion in den Schluß der Nothwendigkeit uͤbergegangen. C. Der III. Kapitel. Der Schluß . C. Der Schluß der Nothwendigkeit . Das Vermittelnde hat sich nunmehr bestimmt 1) als einfache bestimmte Allgemeinheit, wie die Beson- derheit in dem Schlusse des Daseyns ist; aber 2) als objective Allgemeinheit, das heißt, welche die ganze Bestimmtheit der unterschiedenen Extreme enthaͤlt, wie die Allheit des Schlusses der Reflexion; eine erfuͤllte , aber einfache Allgemeinheit; — die allgemeine Natur der Sache, die Gattung . Dieser Schluß ist inhaltsvoll , weil die ab- stracte Mitte des Schlusses des Daseyns, sich zum bestimmten Unterschiede gesetzt, wie sie als Mitte des Reflexions-Schlusses ist, aber dieser Unterschied wie- der in die einfache Identitaͤt sich reflectirt hat. — Die- ser Schluß ist daher Schluß der Nothwendigkeit , da seine Mitte kein sonstiger unmittelbarer Inhalt, son- dern die Reflexion der Bestimmtheit der Extreme in sich ist. Diese haben an der Mitte ihre innere Identitaͤt, deren Inhaltsbestimmungen die Formbestimmungen der Extreme sind. — Damit ist das, wodurch sich die Ter- mini unterscheiden, als aͤusserliche und unwesent- liche Form, und sie sind als Momente eines noth- wendigen Daseyns. Zunaͤchst ist dieser Schluß der unmittelbare, und insofern so formale, daß der Zusammenhang der Terminorum die wesentliche Natur ist, als In- halt , und dieser an den unterschiedenen Terminis nur in verschiedener Form , und die Extreme fuͤr sich nur als ein unwesentliches Bestehen sind. — Die M 2 Re- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . Realisirung dieses Schlusses hat ihn so zu bestimmen, daß die Extreme gleichfalls als diese Totalitaͤt , welche zunaͤchst die Mitte ist, gesetzt werden, und die Nothwendigkeit der Beziehung, welche zunaͤchst nur der substantielle Inhalt ist, eine Beziehung der ge- setzten Form sey. a. Der kategorische Schluß . 1. Der kategorische Schluß hat das kategorische Urtheil zu einer oder zu seinen beyden Praͤmissen. — Es wird hier mit diesem Schlusse, wie mit dem Urtheil, die bestimmtere Bedeutung verbunden, daß die Mitte desselben die objective Allgemeinheit ist. Ober- flaͤchlicher Weise wird auch der kategorische Schluß fuͤr nicht mehr genommen, als fuͤr einen blossen Schluß der Inhaͤrenz. Der kategorische Schluß ist nach seiner gehaltvol- len Bedeutung der erste Schluß der Nothwendig- keit , worin ein Subject mit einem Praͤdicat durch sei- ne Substanz zusammen geschlossen ist. Die Substanz aber in die Sphaͤre des Begriffs erhoben ist das Allge- meine, gesetzt so an und fuͤr sich zu seyn, daß sie nicht wie in ihrem eigenthuͤmlichen Verhaͤltnisse, die Acciden- talitaͤt, sondern die Begriffsbestimmung zur Form, zur Weise ihres Seyns hat. Ihre Unterschiede sind daher die Extreme des Schlusses, und bestimmt die Allgemein- heit und Einzelnheit. Jene ist gegen die Gattung wie die Mitte naͤher bestimmt ist, abstracte Allgemein- heit oder allgemeine Bestimmtheit; — die Accidentalitaͤt der Substanz in die einfache Bestimmtheit, die aber ihr wesentlicher Unterschied, die specifische Differenz ist, III. Kapitel. Der Schluß . ist, zusammengefaßt. — Die Einzelnheit aber ist das Wirkliche, an sich die concrete Einheit der Gattung und der Bestimmtheit, hier aber als im unmittelbaren Schlusse zunaͤchst unmittelbare Einzelnheit, die in die Form fuͤr sich seyenden Bestehens zusammengefaßte Accidentali- taͤt. — Die Beziehung dieses Extrems auf die Mitte macht ein kategorisches Urtheil aus; insofern aber auch das andre Extrem nach der angegebenen Bestimmung die specifische Differenz der Gattung, oder ihr bestimmtes Princip ausdruͤckt, so ist auch diese andere Praͤmisse kategorisch. 2.) Dieser Schluß steht zunaͤchst als erster, somit unmittelbarer Schluß der Nothwendigkeit unter dem Sche- ma des ersten formalen Schlusses, E — B —A. — Da aber die Mitte die wesentliche Natur des Einzel- nen, nicht irgend eine der Bestimmtheiten oder Ei- genschaften desselben ist, und eben so das Extrem der All- gemeinheit nicht irgend ein abstractes Allgemeines, auch wieder nur eine einzelne Qualitaͤt, sondern die allge- meine Bestimmtheit, das specifische des Unter- schiedes der Gattung ist, so faͤllt die Zufaͤlligkeit weg, daß das Subject nur durch irgend einen Medius Terminus, mit irgend einer Qualitaͤt zusammen geschlossen waͤre. — Indem somit auch die Beziehun- gen der Extreme auf die Mitte nicht diejenige aͤusserli- che Unmittelbarkeit haben, wie im Schlusse des Daseyns; so tritt die Foderung des Beweises nicht in dem Sinne ein, der dort Statt fand und zum unendlichen Progresse fuͤhrte. Dieser Schluß setzt ferner nicht wie ein Schluß der Reflexion, fuͤr seine Praͤmissen seinen Schlußsatz voraus. Die Termini stehen nach dem substantiellen Inhalt in identischer, als an und fuͤr sich seyender Beziehung auf einander; es ist ein die drey Terminos durch- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . durchlauffendes Wesen vorhanden, an welchem die Be- stimmungen der Einzelnheit, Besonderheit und Allgemein- heit nur formelle Momente sind. Der kategorische Schluß ist daher insofern nicht mehr subjectiv; in jener Identitaͤt faͤngt die Objectivitaͤt an; die Mitte ist die inhaltsvolle Identitaͤt ihrer Extre- me, welche in derselben nach ihrer Selbststaͤndigkeit enthalten sind, denn ihre Selbststaͤndigkeit ist jene sub- stantielle Allgemeinheit, die Gattung. Das Subjective des Schlusses besteht in dem gleichguͤltigen Bestehen der Extreme gegen den Begriff, oder die Mitte. 3.) Es ist aber noch an diesem Schlusse diß sub- jectiv, daß jene Identitaͤt noch als die substantielle oder als Inhalt , noch nicht zugleich als Identitaͤt der Form ist. Daher ist die Identitaͤt des Begriffes noch inneres Band, somit als Beziehung noch Nothwen- digkeit ; die Allgemeinheit der Mitte ist gediegene, positive Identitaͤt, nicht eben so sehr als Negativi- taͤt ihrer Extreme . Naͤher ist die Unmittelbarkeit dieses Schlusses wel- che noch nicht als das, was sie an sich ist, gesetzt ist, so vorhanden. Das eigentlich unmittelbare des Schlusses ist das Einzelne . Diß ist unter seine Gat- tung als Mitte subsumirt; aber unter derselben stehen noch andere, unbestimmt viele Einzelne; es ist da- her zufaͤllig , daß nur dieses Einzelne darunter als subsumirt gesetzt ist. — Diese Zufaͤlligkeit gehoͤrt aber fer- ner nicht bloß der aͤussern Reflexion an, die das im Schlusse gesetzte Einzelne, durch die Vergleichung mit andern, zufaͤllig findet; vielmehr darin daß es selbst auf die Mitte als seine objective Allgemeinheit bezogen ist, ist es als zufaͤllig , als eine subjective Wirklich- keit III. Kapitel. Der Schluß . keit gesetzt. Auf der andern Seite, indem das Subject ein unmittelbares Einzelnes ist, enthaͤlt es Bestim- mungen, welche nicht in der Mitte, als der allgemeinen Natur enthalten sind; es hat somit auch eine dagegen gleichguͤltige, fuͤr sich bestimmte Existenz, die von eigen- thuͤmlichen Inhalt ist. Damit hat auch umgekehrt, die- ser andere Terminus eine gleichguͤltige Unmittelbarkeit und verschiedene Existenz von jenem. — Dasselbe Ver- haͤltniß findet auch zwischen der Mitte und dem andern Extreme Statt; denn diß hat gleichfalls die Bestimmung der Unmittelbarkeit, somit eines zufaͤlligen Seyn gegen seine Mitte. Was hiemit im kategorischen Schlusse gesetzt ist, sind einerseits Extreme in solchem Verhaͤltniß zur Mitte, daß sie an sich objective Allgemeinheit oder selbst- staͤndige Natur haben und zugleich als Unmittelbare sind, also gegen einander gleichguͤltige Wirklich- keiten. Andererseits aber sind sie ebensosehr als zufaͤllige , oder ihre Unmittelbarkeit als aufgeho- ben in ihrer Identitaͤt bestimmt. Diese aber ist um jener Selbststaͤndigkeit und Totalitaͤt der Wirklichkeit willen nur die formelle, innere; hiedurch hat der Schluß der Nothwendigkeit sich zum hypothetischen be- stimmt. b. Der hypothetische Schluß . 1. Das hypothetische Urtheil enthaͤlt nur die noth- wendige Beziehung , ohne die Unmittelbarkeit der Bezogenen. Wenn A ist, so ist B; oder das Seyn des A ist auch ebensosehr das Seyn eines andern , des B; damit ist noch nicht gesagt, weder daß A ist , noch I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . noch daß B ist . Der hypothetische Schluß fuͤgt diese Unmittelbarkeit des Seyns hinzu: Wenn A ist, so ist B Nun ist A, Also ist B. Der Untersatz fuͤr sich spricht das unmittelbare Seyn des A aus. Aber es ist nicht bloß diß zum Urtheil hinzuge- kommen. Der Schluß enthaͤlt die Beziehung des Sub- jects und Praͤdicats nicht als die abstracte Copula, son- dern als die erfuͤllte, vermittelnde Einheit. Das Seyn des A ist daher nicht als blosse Unmit- telbarkeit , sondern wesentlich als Mitte des Schlusses zu nehmen. Diß ist naͤher zu betrachten. 2. Zunaͤchst ist die Beziehung des hypothetischen Urtheils die Nothwendigkeit , oder innere sub- stantielle Identitaͤt bey aͤusserlicher Verschieden- heit der Existenz, oder der Gleichguͤltigkeit des erschei- nenden Seyns gegeneinander; — ein identischer In- halt , der innerlich zu Grunde liegt. Die beyden Sei- ten des Urtheils sind daher nicht als ein unmittelba- res, sondern in der Nothwendigkeit gehaltenes Seyn, also zugleich aufgehobenes , oder nur erscheinendes Seyn. Sie verhalten sich ferner als Seiten des Ur- theils, als Allgemeinheit und Einzelnheit ; das eine ist daher jener Inhalt als Totalitaͤt der Be- dingungen , das andere, als Wirklichkeit . Es ist jedoch gleichguͤltig, welche Seite als Allgemeinheit, welche als Einzelnheit genommen werde. Insofern nem- lich die Bedingungen noch das Innre, abstracte einer Wirklichkeit sind, sind sie das Allgemeine , und es ist das Zusammengefaßtseyn derselben in eine Einzelnheit , wodurch sie in Wirklichkeit getre- ten III. Kapitel. Der Schluß . ten sind. Umgekehrt sind die Bedingungen, eine ver- einzelnte zerstreute Erscheinung, welche erst in der Wirklichkeit, Einheit und Bedeutung, und ein allgemeinguͤltiges Daseyn gewinnt. Das naͤhere Verhaͤltniß, das hier zwischen den beyden Seiten als Verhaͤltniß von Bedingung zum Be- dingten angenommen worden, kann jedoch auch als Ur- sache und Wirkung, Grund und Folge genommen wer- den; diß ist hier gleichguͤltig; aber das Verhaͤltniß der Bedingung entspricht insofern der in dem hypothetischen Urtheile und Schlusse vorhandenen Beziehung naͤher, als die Bedingung wesentlich als eine gleichguͤltige Existenz, Grund und Ursache dagegen durch sich selbst uͤbergehend ist; auch ist die Bedingung eine allgemeinere Bestim- mung, indem sie beyde Seiten jener Verhaͤltnisse begreift, da die Wirkung, Folge u. s. f. ebensosehr Bedingung der Ursache, des Grundes ist, als diese von jenen. — A ist nun das vermittelnde Seyn, insofern es erstens ein unmittelbares Seyn, eine gleichguͤltige Wirklichkeit, aber zweytens insofern es ebensosehr als ein an sich selbst zufaͤlliges , sich aufhe be ndes Seyn ist. Was die Bedingungen in die Wirklichkeit der neuen Gestalt, deren Bedingungen sie sind, uͤbersetzt, ist, daß sie nicht das Seyn als das abstracte Unmittelbare sind, sondern das Seyn in seinem Begriffe , zu- naͤchst das Werden ; aber, da der Begriff nicht mehr das Uebergehen ist, bestimmter die Einzelnheit , als sich auf sich beziehende negative Einheit. — Die Be- dingungen sind ein zerstreutes, seine Verwendung erwar- tendes und foderndes Material; diese Negativitaͤt ist das Vermittelnde, die freye Einheit des Begriffes. Sie bestimmt sich als Thaͤtigkeit , da diese Mitte der Widerspruch der objectiven Allgemeinheit , oder der Totalitaͤt des identischen Inhalts, und der gleich- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . gleichguͤltigen Unmittelbarkeit ist. — Diese Mitte ist daher nicht mehr bloß innere, sondern seyen- de Nothwendigkeit ; die objective Allgemeinheit enthaͤlt die Beziehung auf sich selbst, als einfache Un- mittelbarkeit , als Seyn; — im kategorischen Schlus- se ist diß Moment zunaͤchst Bestimmung der Extreme; aber gegen die objective Allgemeinheit der Mitte be- stimmt es sich als Zufaͤlligkeit , damit als ein nur gesetztes , auch aufgehobenes, das ist, in den Begriff oder in die Mitte als Einheit zuruͤckgegangenes, welche selbst nun in ihrer Objectivitaͤt auch Seyn ist. Der Schlußsatz: Also ist B, druͤckt denselben Widerspruch aus, daß B ein unmittelbar seyendes, aber eben so durch ein anderes oder vermittelt ist. Seiner Form nach, ist er daher derselbe Begriff, wel- cher die Mitte ist; nur als das Nothwendige unter- schieden von der Nothwendigkeit , — in der ganz oberflaͤchlichen Form der Einzelnheit gegen die Allge- meinheit. Der absolute Inhalt von A und B ist der- selbe; es sind nur zwey verschiedene Nahmen derselben Grundlage fuͤr die Vorstellung , insofern sie die Er- scheinung der verschiedenen Gestalt des Daseyns festhaͤlt, und vom Nothwendigen seine Nothwendigkeit unterschei- det; insofern diese aber von B getrennt seyn sollte, so waͤre es nicht das Nothwendige. Es ist somit die Identi- taͤt des Vermittelnden und des Vermittelten darin vorhanden. 3. Der hypothetische Schluß stellt zunaͤchst die nothwendige Beziehung , als Zusammenhang durch die Form oder negative Einheit dar, wie der kategorische durch die positive Einheit, den gediegenen Inhalt , die objective Allgemeinheit. Aber die Noth- wendigkeit geht in das Nothwendige zusammen; die III. Kapitel. Der Schluß . die Formthaͤtigkeit des Uebersetzens der bedingen- den Wirklichkeit in die bedingte ist an sich die Einheit, in welcher die vorher zum gleichguͤltigen Daseyn befreyten Bestimmtheiten des Gegensatzes aufgehoben sind, und der Unterschied des A und B ein leerer Nahmen ist. Sie ist daher in sich reflectirte Einheit, — somit ein identischer Inhalt; und ist diß nicht nur an sich , sondern es ist durch diesen Schluß auch gesetzt , in- dem das Seyn des A auch nicht sein eigenes, sondern des B und umgekehrt, uͤberhaupt das Seyn des einen das Seyn des andern ist, und im Schlußsatze bestimmt das unmittelbare Seyn oder gleichguͤltige Bestimmtheit als eine vermittelte ist, — also die Aeusserlichkeit sich aufgehoben, und deren in sich gegangene Ein- heit gesetzt ist. Die Vermittlung des Schlusses hat sich hiedurch bestimmt, als Einzelnheit, Unmittelbarkeit , und als sich auf sich beziehende Negativitaͤt , oder unterscheidende und aus diesem Unterschiede sich in sich zusammennehmende Identitaͤt, — als absolute Form, und eben dadurch als objective Allgemeinheit , mit sich identisch seyender Inhalt . Der Schluß ist in die- ser Bestimmung der disjunctive Schluß . c. Der disjunctive Schluß . Wie der hypothetische Schluß im allgemeinen un- ter dem Schema der zweyten Figur A — E — B steht, so steht der disjunctive unter dem Schema der dritten Figur des formalen Schlusses: E — A — B. Die Mitte ist aber die mit der Form erfuͤllte Allge- meinheit ; sie hat sich als die Totalitaͤt , als ent- I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . entwickelte objective Allgemeinheit bestimmt. Der Medius Terminus ist daher sowohl Allgemeinheit, als Besonderheit und Einzelnheit. Als jene ist er erstlich die substantielle Identitaͤt der Gattung, aber zweytens als eine solche, in welche die Besonderheit , aber als ihr gleich, aufgenommen ist, also als all- gemeine Sphaͤre, die ihre totale Besonderung enthaͤlt, — die in ihre Arten zerlegte Gattung; A welches sowohl B als C als D ist. Die Besonderung ist aber als Unterscheidung ebensosehr das Entweder Oder des B, C und D, negative Einheit, das gegensei- tige Ausschliessen der Bestimmungen. — Diß Aus- schliessen ist nun ferner nicht nur ein gegenseitiges und die Bestimmung bloß eine relative, sondern ebensosehr wesentlich sich auf sich beziehende Bestimmung; das Besondere als Einzelnheit mit Ausschliessung der andern . A ist entweder B oder C oder D A ist aber B Also ist A nicht C noch D. oder auch: A ist entweder B oder C oder D A ist aber nicht C noch D Also ist es B. A ist nicht nur in den beyden Praͤmissen Subject, sondern auch im Schlußsatz. In der ersten ist es all- gemeines und in seinem Praͤdicate die in die Totalitaͤt ihrer Arten besonderte allgemeine Sphaͤre; in der zweyten ist es als Bestimmtes , oder als eine Art; im Schlußsatz ist es als die ausschliessende, ein- zelne Bestimmtheit gesetzt. — Oder auch ist es schon im Untersatze als ausschliessende Einzelnheit, und im Schlußsatze als das Bestimmte, was es ist, positiv gesetzt. Was III. Kapitel. Der Schluß . Was hiemit uͤberhaupt als das Vermittelte erscheint, ist die Allgemeinheit des A mit der Einzelnheit . Das Vermittelnde aber ist die- ses A, welches die allgemeine Sphaͤre seiner Be- sonderungen und ein als einzelnes bestimmtes ist. Was die Wahrheit des hypothetischen Schlusses ist, die Einheit des Vermittelnden und des Vermittelten, ist so- mit im disjunctiven Schlusse gesetzt , der aus diesem Grunde ebensosehr kein Schluß mehr ist. Die Mitte, welche in ihm als die Totalitaͤt des Begriffes gesetzt ist, enthaͤlt nemlich selbst die beyden Extreme in ihrer voll- staͤndigen Bestimmtheit. Die Extreme, im Unterschiede von dieser Mitte, sind nur als ein Gesetztseyn, dem kei- ne eigenthuͤmliche Bestimmtheit gegen die Mitte mehr zukommt. Diß noch in bestimmterer Ruͤcksicht auf den hypo- thetischen Schluß betrachtet, so war in ihm eine sub- stantielle Identitaͤt , als das innre Band der Nothwendigkeit, und eine davon unterschiedene nega- tive Einheit — nemlich die Thaͤtigkeit oder die Form, welche ein Daseyn in ein anderes uͤbersetzte, — vorhan- den. Der disjunktive Schluß ist uͤberhaupt in der Be- stimmung der Allgemeinheit , seine Mitte ist das A als Gattung und als vollkommen Bestimmtes ; durch diese Einheit ist jener vorher innre Inhalt auch gesetzt , und umgekehrt das Gesetztseyn oder die Form ist nicht die aͤusserliche negative Einheit gegen ein gleich- guͤltiges Daseyn, sondern identisch mit jenem gediegenen Inhalte. Die ganze Formbestimmung des Begriffs ist in ihrem bestimmten Unterschied und zugleich in der ein- fachen Identitaͤt des Begriffes gesetzt. Dadurch hat sich nun der Formalismus des Schliessens , hiemit die Subjectivitaͤt des Schlusses und I. Abschnitt. Subjectivitaͤt . und des Begriffes uͤberhaupt aufgehoben. Diß Formelle oder Subjective bestand darin, daß das Vermittelnde der Extreme, der Begriff als abstracte Bestimmung, und dadurch von ihnen, deren Einheit sie ist, verschie- den ist. In der Vollendung des Schlusses dagegen, worin die objective Allgemeinheit ebensosehr als Totali- taͤt der Formbestimmungen gesetzt ist, ist der Unterschied des Vermittelnden und Vermittelten weggefallen. Das was vermittelt ist, ist selbst wesentliches Moment seines Vermittelnden, und jedes Moment ist als die Totalitaͤt der Vermittelten. Die Figuren des Schlusses stellen jede Bestimmt- heit des Begriffs einzeln als die Mitte dar, welche zugleich der Begriff als Sollen ist, als Foderung, daß das Vermittelnde seine Totalitaͤt sey. Die verschiedenen Gattungen der Schluͤsse aber stellen die Stuffen der Er- fuͤllung oder Concretion der Mitte dar. In dem for- malen Schlusse wird die Mitte nur dadurch als Totali- taͤt gesetzt, daß alle Bestimmtheiten, aber jede einzeln , die Function der Vermittlung durchlauffen. In den Schluͤssen der Reflexion ist die Mitte als die, die Be- stimmungen der Extreme aͤusserlich zusammenfassende Einheit. Im Schlusse der Nothwendigkeit hat sie sich zur eben so entwickelten und totalen als einfachen Einheit bestimmt, und die Form des Schlusses, der in dem Un- terschiede der Mitte gegen seine Extreme bestand, hat sich dadurch aufgehoben. Damit ist der Begriff uͤberhaupt realisirt worden; bestimmter hat er eine solche Realitaͤt gewonnen, welche Objectivitaͤt ist. Die naͤchste Realitaͤt war, daß der Begriff als die in sich negative Einheit sich dirimirt, und als Urtheil seine Bestimmungen in be- stimmtem und gleichguͤltigem Unterschiede setzt, und im Schlus- III. Kapitel. Der Schluß . Schlusse sich selbst ihnen entgegenstellt. Indem er so noch das Innerliche dieser seiner Aeusserlichkeit ist, so wird durch den Verlauf der Schluͤsse diese Aeusserlichkeit mit der innerlichen Einheit ausgeglichen; die verschiede- nen Bestimmungen kehren durch die Vermittlung, in wel- cher sie zunaͤchst nur in einem Dritten eins sind, in diese Einheit zuruͤck, und die Aeusserlichkeit stellt dadurch den Begriff an ihr selbst dar, der hiemit ebensosehr nicht mehr als innerliche Einheit von ihr unterschieden ist. Jene Bestimmung des Begriffs aber, welche als Realitaͤt betrachtet worden, ist umgekehrt ebensosehr ein Gesetztseyn . Denn nicht nur in diesem Resul- tate hat sich als die Wahrheit des Begriffs die Identi- taͤt seiner Innerlichkeit und Aeusserlichkeit dargestellt, son- dern schon die Momente des Begriffs im Urtheile bleiben auch in ihrer Gleichguͤltigkeit gegen einander, Bestimmun- gen, die ihre Bedeutung nur in ihrer Beziehung haben. Der Schluß ist Vermittlung , der vollstaͤndige Be- griff in seinem Gesetztseyn . Seine Bewegung ist das Aufheben dieser Vermittlung, in welcher nichts an und fuͤr sich, sondern jedes nur vermittelst eines Andern ist. Das Resultat ist daher eine Unmittelbarkeit , die durch Aufheben der Vermittlung hervorge- gangen, ein Seyn , das ebensosehr identisch mit der Vermittlung und der Begriff ist, der aus und in sei- nem Andersseyn sich selbst hergestellt hat. Diß Seyn ist daher eine Sache , die an und fuͤr sich ist, — die Objectivitaͤt . Zwey- Zweyter Abschnitt. Die Objectivitaͤt. I m ersten Buche der objectiven Logik wurde das abstracte Seyn dargestellt, als uͤbergehend in das Da- seyn , aber eben so zuruͤckgehend in das Wesen . Im zweyten zeigt sich das Wesen, daß es sich zum Grunde bestimmt, dadurch in die Existenz tritt und sich zur Substanz realisirt, aber wieder in den Begriff zu- ruͤckgeht. Vom Begriffe ist nun zunaͤchst gezeigt wor- den, daß er sich zur Objectivitaͤt bestimmt. Es er- hellt von selbst, daß dieser letztere Uebergang seiner Be- stimmung nach dasselbe ist, was sonst in der Meta- physik als der Schluß vom Begriffe , nemlich vom Begriffe Gottes auf sein Daseyn , oder als der sogenannte ontologische Beweis vom Daseyn Gottes vorkam. — Es ist eben so bekannt, daß der erhabenste Gedanke Deskartes, daß der Gott das ist, dessen Begriff sein Seyn in sich schließt , nach- dem er in die schlechte Form des formalen Schlusses, nemlich in die Form jenes Beweises herabgesunken, end- lich der Kritik der Vernunft, und dem Gedanken, daß sich das Daseyn nicht aus dem Begriffe her- ausklauben lasse, unterlegen ist. Einiges diesen Be- weis betreffende ist schon fruͤher beleuchtet worden; im ersten Theile S. 27. ff. indem das Seyn in seinem naͤchsten Gegensatze dem Nichtseyn verschwunden und als II. Abschnitt. Objectivitaͤt . als die Wahrheit beyder sich das Werden gezeigt hat, ist die Verwechslung bemerklich gemacht worden, wenn bey einem bestimmten Daseyn nicht das Seyn dessel- ben, sondern sein bestimmter Inhalt festgehalten und daher gemeynt wird, wenn dieser bestimmte Inhalt z. B. hundert Thaler, mit einem andern be- stimmten Inhalte z. B. dem Contexte meiner Wahr- nehmung, meinem Vermoͤgenszustand verglichen und da- bey ein Unterschied gefunden wird, ob jener Inhalt zu diesem hinzukomme oder nicht, — als ob dann vom Un- terschiede des Seyns und Nichtseyns, oder gar vom Unterschiede des Seyns und des Begriffes gesprochen werde. Ferner ist daselbst S. 56. und II. Th. S. 81 die in dem ontologischen Beweise vorkommende Bestim- mung eines Inbegriffs aller Realitaͤten be- leuchtet worden. — Den wesentlichen Gegenstand jenes Beweises, den Zusammenhang des Begriffes und des Daseyns , betrifft aber die eben geschlosse- ne Betrachtung des Begriffs und des ganzen Ver- laufs, durch den er sich zur Objectivitaͤt bestimmt. Der Begriff ist als absolut mit sich identische Negativi- taͤt, das sich selbst bestimmende; es ist bemerkt worden, daß er schon, indem er sich in der Einzelnheit zum Ur- theil entschließt, sich als reales, seyendes setzt; diese noch abstracte Realitaͤt vollendet sich in der Ob- jectivitaͤt . Wenn es nun scheinen moͤchte, als ob der Ueber- gang des Begriffs in die Objectivitaͤt etwas anderes sey, als der Uebergang vom Begriff Gottes, zu dessen Daseyn, so waͤre einerseits zu betrachten, daß der be- stimmte Inhalt , Gott, im logischen Gange keinen Un- terschied machte, und der ontologische Beweis nur eine Anwendung dieses logischen Ganges auf jenen besondern Inhalt waͤre. Auf der andern Seite aber ist sich we- N sent- II. Abschnitt . sentlich an die oben gemachte Bemerkung zu erinnern, daß das Subject erst in seinem Praͤdicate Bestimmtheit und Inhalt erhaͤlt, vor demselben aber, er mag fuͤr das Gefuͤhl, Anschauung und Vorstellung sonst seyn was er will, fuͤr das begreiffende Erkennen nur ein Nahmen ist; in dem Praͤdicate beginnt mit der Bestimmtheit aber zugleich die Realisation uͤberhaupt. — Die Praͤdi- cate muͤssen aber gefaßt werden, als selbst noch in den Begriff eingeschlossen, somit als etwas subjectives, mit dem noch nicht zum Daseyn herausgekommen ist; inso- fern ist einerseits allerdings die Realisation des Be- griffs im Urtheil noch nicht vollendet. Andererseits bleibt aber auch die blosse Bestimmung eines Gegenstan- des durch Praͤdicate, ohne daß sie zugleich die Realisa- tion und Objectivirung des Begriffes ist, etwas so sub- jectives, daß sie auch nicht einmal die wahrhafte Er- kenntniß und Bestimmung des Begriffs des Ge- genstandes ist; — ein subjectives in dem Sinne von ab- stracter Reflexion und unbegriffnen Vorstellungen. — Gott als lebendiger Gott, und noch mehr als absoluter Geist wird nur in seinem Thun erkannt. Fruͤh ist der Mensch angewiesen worden, ihn in seinen Werken zu erkennen; aus diesen koͤnnen erst die Bestimmun- gen hervorgehen, welche seine Eigenschaften genannt werden; so wie darin auch sein Seyn enthalten ist. So faßt das begreiffende Erkennen seines Wirkens , d. i. seiner selbst, den Begriff Gottes in seinem Seyn , und sein Seyn in seinem Begriffe. Das Seyn fuͤr sich oder gar das Daseyn ist eine so arme und beschraͤnkte Bestimmung, daß die Schwierigkeit, sie im Begriffe zu finden, wohl nur daher hat kommen koͤnnen, daß nicht betrachtet worden ist, was denn das Seyn oder Da- seyn selbst ist. — Das Seyn als die ganz ab- stracte, unmittelbare Beziehung auf sich selbst , ist nichts anderes als das abstracte Moment des Objectivitaͤt . des Begriffs, welches abstracte Allgemeinheit ist, die auch das, was man an das Seyn verlangt, leistet, ausser dem Begriff zu seyn; denn so sehr sie Moment des Be- griffs ist, eben so sehr ist sie der Unterschied, oder das abstracte Urtheil desselben, indem er sich selbst sich gegen- uͤberstellt. Der Begriff, auch als formaler, enthaͤlt schon unmittelbar das Seyn in einer wahrern und rei- chern Form, indem er als sich auf sich beziehende Ne- gativitaͤt, Einzelnheit ist. Unuͤberwindlich aber wird allerdings die Schwie- rigkeit, im Begriffe uͤberhaupt, und eben so im Begriffe Gottes das Seyn zu finden, wenn es ein solches seyn soll, das im Contexte der aͤussern Erfahrung oder in der Form der sinnlichen Wahrneh- mung , wie die hundert Thaler in meinem Vermoͤgenszustande , nur als ein mit der Hand, nicht mit dem Geiste begriffenes, wesentlich dem aͤussern, nicht dem innern Auge sichtbares vorkommen soll; — wenn dasjenige, Seyn, Realitaͤt, Wahrheit genannt wird, was die Dinge als sinnliche, zeitliche und ver- gaͤngliche haben. — Wenn ein Philosophiren sich beym Seyn nicht uͤber die Sinne erhebt, so gesellt sich dazu, daß es auch beym Begriffe nicht den bloß abstracten Gedanken verlaͤßt; dieser steht dem Seyn gegenuͤber. Die Gewoͤhnung, den Begriff nur als etwas so einseitiges, wie der abstracte Gedanke ist, zu nehmen, wird schon Anstand finden, das, was vorhin vorgeschla- gen wurde, anzuerkennen, nemlich den Uebergang vom Begriffe Gottes zu seinem Seyn , als eine An- wendung von dem dargestellten logischen Verlauf der Objectivirung des Begriffs, anzusehen. Wenn jedoch wie gewoͤhnlich geschieht, zugegeben wird, daß das Logi- N 2 sche II. Abschnitt . sche als das Formale, die Form fuͤr das Erkennen jedes bestimmten Inhalts ausmache, so muͤßte wenigstens jenes Verhaͤltniß zugestanden werden, wenn nicht uͤberhaupt eben bey dem Gegensatze des Begriffes gegen die Ob- jectivitaͤt, bey dem unwahren Begriffe und einer eben so unwahren Realitaͤt, als einem letzten stehen geblieben wird. — Allein bey der Exposition des reinen Be- griffes ist noch weiter angedeutet worden, daß der- selbe der absolute, goͤttliche Begriff selbst ist, so daß in Wahrheit nicht das Verhaͤltniß einer Anwendung Statt finden wuͤrde, sondern jener logische Verlauf die unmittelbare Darstellung der Selbstbestimmung Gottes zum Seyn waͤre. Es ist aber hieruͤber zu bemerken, daß indem der Begriff als der Begriff Gottes dargestellt werden soll, er aufzufassen ist, wie er schon in die Idee aufgenommen ist. Jener reine Begriff durch- laͤuft die endlichen Formen des Urtheils und des Schlus- ses darum, weil er noch nicht als an und fuͤr sich eins mit der Objectivitaͤt gesetzt, sondern erst im Werden zu ihr, begriffen ist. So ist auch diese Objectivitaͤt noch nicht die goͤttliche Existenz, noch nicht die in der Idee scheinende Realitaͤt. Doch ist die Objectivitaͤt gerade um so viel reicher und hoͤher als das Seyn oder Daseyn des ontologischen Beweises, als der reine Be- griff reicher und hoͤher ist, als jene metaphysische Leere des Inbegriffs aller Realitaͤt . — Ich erspare es jedoch auf eine andere Gelegenheit, den vielfachen Miß- verstand, der durch den logischen Formalismus in den ontologischen, so wie in die uͤbrigen sogenannten Beweise vom Daseyn Gottes gebracht worden ist, wie auch die Kan- tische Kritik derselben naͤher zu beleuchten, und durch Herstellen ihrer wahren Bedeutung die dabey zu Grun- de liegenden Gedanken in ihren Werth und Wuͤrde zu- ruͤckzufuͤhren. Es Objectivitaͤt . Es sind, wie bereits erinnert worden, schon meh- rere Formen der Unmittelbarkeit vorgekommen; aber in verschiedenen Bestimmungen. In der Sphaͤre des Seyns ist sie das Seyn selbst und das Daseyn; in der Sphaͤre des Wesens die Existenz und dann die Wirk- lichkeit und Substantialitaͤt, in der Sphaͤre des Begriffs ausser der Unmittelbarkeit als abstracter Allgemein- heit, nunmehr die Objectivitaͤt. — Diese Ausdruͤcke moͤ- gen, wenn es nicht um die Genauigkeit philosophischer Begriffsunterschiede zu thun ist, als synonym gebraucht werden; jene Bestimmungen sind aus der Nothwendig- keit des Begriffs hervorgegangen; — Seyn ist uͤber- haupt die erste Unmittelbarkeit, und Daseyn dieselbe mit der ersten Bestimmtheit. Die Existenz mit dem Dinge, ist die Unmittelbarkeit, welche aus dem Grun- de hervorgeht, — aus der sich aufhebenden Vermittlung der einfachen Reflexion des Wesens. Die Wirklich- keit aber und die Substantialitaͤt ist die aus dem aufgehobenen Unterschiede der noch unwesentlichen Exi- stenz als Erscheinung, und ihrer Wesentlichkeit hervor- gegangene Unmittelbarkeit. Die Objectivitaͤt end- lich ist die Unmittelbarkeit, zu der sich der Begriff durch Aufhebung seiner Abstraction und Vermittlung be- stimmt. — Die Philosophie hat das Recht aus der Spra- che des gemeinen Lebens, welche fuͤr die Welt der Vor- stellungen gemacht ist, solche Ausdruͤcke zu waͤhlen, wel- che den Bestimmungen des Begriffs nahe zu kommen scheinen . Es kann nicht darum zu thun seyn, fuͤr ein aus der Sprache des gemeinen Lebens gewaͤhltes Wort zu erweisen , daß man auch im gemeinen Le- ben denselben Begriff damit verbinde, fuͤr welchen es die Philosophie gebraucht, denn das gemeine Leben hat keine Begriffe, sondern Vorstellungen, und es ist die Phi- losophie selbst, den Begriff dessen zu erkennen, was sonst blosse Vorstellung ist. Es muß daher genuͤgen, wenn der II. Abschnitt . der Vorstellung bey ihren Ausdruͤcken, die fuͤr philoso- phische Bestimmungen gebraucht werden, so etwas unge- faͤhres von ihrem Unterschiede vorschwebt; wie es bey jenen Ausdruͤcken der Fall seyn mag, daß man in ihnen Schattirungen der Vorstellung erkennt, welche sich naͤher auf die entsprechenden Begriffe beziehen. — Man wird vielleicht schwerer zugeben, daß Etwas seyn koͤnne, ohne zu existiren ; aber wenigstens wird man z. B. das Seyn als Copula des Urtheils nicht wohl mit dem Ausdruck existiren vertauschen, und nicht sagen; die- se Waare existirt theuer, passend u. s. f. das Geld existirt Metall, oder metallisch, statt: diese Waare ist theuer, passend u. s. f. das Geld ist Metall In einem franzoͤsischen Berichte, worin der Befehlshaber an- gibt, daß er den sich bey der Insel gewoͤhnlich gegen Mor- gen erhebenden Wind erwartete, um ans Land zu steuern, kommt der Ausdruck vor: le vent ayant été longtems sans exister ; hier ist der Unterschied blos aus der sonsti- gen Redensart, z. B. il a été longtems sans m’écrire , cutsianden. ; Seyn aber und Erscheinen, Erscheinung und Wirklichkeit , wie auch blosses Seyn gegen Wirk- lichkeit , werden auch wohl sonst unterschieden, so wie alle diese Ausdruͤcke noch mehr von der Objecti- vitaͤt . — Sollten sie aber auch synonym gebraucht werden, so wird die Philosophie ohnehin die Freyheit haben, solchen leeren Ueberfluß der Sprache fuͤr ihre Unterschiede zu benutzen. Es ist beym apodiktischen Urtheil, wo, als in der Vollendung des Urtheils, das Subject seine Bestimmtheit gegen Objectivitaͤt . gegen das Praͤdicat verliert, an die daher stammende gedoppelte Bedeutung der Subjectivitaͤt erinnert worden, nemlich des Begriffs und eben so der ihm sonst gegenuͤberstehenden Aeusserlichkeit und Zufaͤlligkeit. So erscheint auch fuͤr die Objectivitaͤt die gedoppelte Bedeu- tung, dem selbststaͤndigen Begriffe gegenuͤber zu stehen, aber auch das an und fuͤr sich seyende zu seyn. Indem das Object in jenem Sinne dem im subjectiven Idealismus als das absolute Wahre ausge- sprochenen Ich = Ich gegenuͤbersteht, ist es die mannichfal- tige Welt in ihrem unmittelbaren Daseyn, mit welcher Ich oder der Begriff sich nur in den unendlichen Kampf setzt, um durch die Negation dieses an sich nichtigen Andern, der ersten Gewißheit seiner selbst die wirk- liche Wahrheit seiner Gleichheit mit sich zu geben. — In unbestimmterem Sinne bedeutet es so einen Gegen- stand uͤberhaupt fuͤr irgend ein Interesse und Thaͤtig- keit des Subjects. In dem entgegengesetzten Sinne aber bedeutet das Objective, das an und fuͤr sich seyende , das ohne Beschraͤnkung und Gegensatz ist. Vernuͤnftige Grund- saͤtze, vollkommene Kunstwerke u. s. f. heissen insofern objective , als sie frey und uͤber aller Zufaͤlligkeit sind. Obschon vernuͤnftige, theoretische oder sittliche Grundsaͤtze nur dem Subjectiven, dem Bewußtseyn an- gehoͤren, so wird das an und fuͤr sichseyende desselben doch objectiv genannt; die Erkenntniß der Wahrheit wird darein gesetzt, das Object, wie es als Object frey von Zuthat subjectiver Reflexion, zu erkennen, und das Rechtthun in Befolgung von objectiven Ge- setzen, die ohne subjectiven Ursprung und keiner Will- kuͤhr und ihre Nothwendigkeit verkehrenden Behandlung faͤhig sind. Auf II. Abschnitt . Auf dem gegenwaͤrtigen Standpuncte unserer Ab- handlung hat zunaͤchst die Objectivitaͤt die Bedeutung des an und fuͤr sichseyenden Seyns des Be- griffes , des Begriffes, der die in seiner Selbstbestim- mung gesetzte Vermittlung , zur unmittelbaren Beziehung auf sich selbst, aufgehoben hat. Diese Un- mittelbarkeit ist dadurch selbst unmittelbar und ganz vom Begriffe durchdrungen, so wie seine Totalitaͤt unmittel- bar mit seinem Seyn identisch ist. Aber indem ferner der Begriff ebensosehr das freye Fuͤrsichseyn seiner Sub- jectivitaͤt herzustellen hat, so tritt ein Verhaͤltniß dessel- ben als Zwecks zur Objectivitaͤt ein, worin deren Un- mittelbarkeit das gegen ihn Negative, und durch seine Thaͤtigkeit zu bestimmende wird, hiemit die andere Be- deutung, das an und fuͤr sich Nichtige, insofern es dem Begriff gegenuͤbersteht, zu seyn, erhaͤlt. Vors erste nun ist die Objectivitaͤt in ihrer Unmittelbarkeit, deren Momente, um der Totalitaͤt aller Momente willen, in selbststaͤndiger Gleichguͤltigkeit als Objecte aussereinander bestehen, und in ihrem Verhaͤltnisse die subjective Einheit des Begriffs nur als innere oder als aͤussere haben; der Me- chanismus . — Indem in ihm aber Zweytens jene Einheit sich als immanentes Gesetz der Objecte selbst zeigt, so wird ihr Verhaͤltniß ihre eigenthuͤmliche durch ihr Gesetz begruͤndete Differenz, und eine Beziehung, in welcher ihre bestimm- te Selbststaͤndigkeit sich aufhebt; der Chemismus . Drittens diese wesentliche Einheit der Objecte ist eben damit als unterschieden von ihrer Selbststaͤn- digkeit gesetzt, sie ist der subjective Begriff aber gesetzt als Objectivitaͤt . als an und fuͤr selbst bezogen auf die Objectivitaͤt, als Zweck ; die Teleologie . Indem der Zweck der Begriff ist, der gesetzt ist, als an ihm selbst sich auf die Objectivitaͤt zu beziehen, und seinen Mangel, subjectiv zu seyn, durch sich aufzu- heben, so wird die zunaͤchst aͤussere Zweckmaͤssigkeit durch die Realisirung des Zwecks, zur innern , und zur Idee . Erstes II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Erstes Kapitel. Der Mechanismus . D a die Objectivitaͤt die in ihre Einheit zuruͤckge- gangene Totalitaͤt des Begriffes ist, so ist damit ein un- mittelbares gesetzt, das an und fuͤr sich jene Totalitaͤt und auch als solche gesetzt ist, in der aber die nega- tive Einheit des Begriffs sich noch nicht von der Un- mittelbarkeit dieser Totalitaͤt abgeschieden hat; — oder die Objectivitaͤt ist noch nicht als Urtheil gesetzt. Insofern sie den Begriff immanent in sich hat, so ist der Unterschied desselben an ihr vorhanden; aber um der objectiven Totalitaͤt willen sind die Unterschiedenen voll- staͤndige und selbststaͤndige Objecte , die sich daher auch in ihrer Beziehung nur als selbststaͤndi- ge zu einander verhalten, und sich in jeder Verbindung aͤusserlich bleiben. — Diß macht den Charakter des Mechanismus aus, daß welche Beziehung zwischen den Verbundenen Statt findet, diese Beziehung ihnen eine fremde ist, welche ihre Natur nichts angeht, und wenn sie auch mit dem Schein eines Eins verknuͤpft ist, nichts weiter als Zusammensetzung, Vermi- schung, Hauffen , u. s. f. bleibt. Wie der mate- rielle Mechanismus, so besteht auch der geistige darin, daß die im Geiste bezogenen sich einander und ihm selbst aͤusserlich bleiben. Eine mechanische Vor- stellungsweise , ein mechanisches Gedaͤchtniß , die I. Kapitel. Der Mechanismus . die Gewohnheit , eine mechanische Handlungs- weise bedeuten, daß die eigenthuͤmliche Durchdringung und Gegenwart des Geistes bey demjenigen fehlt, was er auffaßt oder thut. Ob zwar sein theoretischer oder praktischer Mechanismus nicht ohne seine Selbstthaͤtig- keit, einen Trieb und Bewußtseyn Statt finden kann, so fehlt darin doch die Freyheit der Individualitaͤt, und weil sie nicht darin erscheint, erscheint solches Thun als ein bloß aͤusserliches. A. Das mechanische Object . 1. Das Object ist, wie sich ergeben hat, der Schluß , dessen Vermittlung ausgeglichen und daher unmittelbare Identitaͤt geworden ist . Es ist daher an und fuͤr sich Allgemeines; die Allgemeinheit nicht im Sinne einer Gemeinschaftlichkeit von Eigenschaften, son- dern welche die Besonderheit durchdringt, und in ihr unmittelbare Einzelnheit ist. 1. Vors erste unterscheidet sich daher das Object nicht in Materie und Form , deren jene das selbst- staͤndige Allgemeine des Objects, diese aber das Beson- dere und Einzelne seyn wuͤrde; ein solcher abstracter Unterschied von Einzelnheit und Allgemeinheit ist nach seinem Begriffe an ihm nicht vorhanden; wenn es als Materie betrachtet wird, so muß es als an sich selbst geformte Materie genommen werden. Eben so kann es als Ding mit Eigenschaften, als Ganzes aus Theilen bestehend, als Substanz mit Accidenzen und nach den andern Verhaͤltnissen der Reflexion bestimmt werden; aber II. Abschnitt. Objectivitaͤt . aber diese Verhaͤltnisse sind uͤberhaupt schon im Begriffe untergegangen; das Object hat daher nicht Eigenschaf- ten noch Accidenzen, denn solche sind vom Dinge oder der Substanz trennbar; im Object ist aber die Beson- derheit schlechthin in die Totalitaͤt reflectirt. In den Theilen eines Ganzen ist zwar diejenige Selbststaͤndigkeit vorhanden, welche den Unterschieden des Objects zu- kommt, aber diese Unterschiede sind sogleich wesentlich selbst Objecte, Totalitaͤten, welche nicht wie die Theile, diese Bestimmtheit gegen das Ganze haben. Das Object ist daher zunaͤchst insofern unbe- stimmt , als es keinen bestimmten Gegensatz an ihm hat; denn es ist die zur unmittelbaren Identitaͤt zusam- mengegangene Vermittlung. Insofern der Begriff we- sentlich bestimmt ist, hat es die Bestimmtheit als eine zwar vollstaͤndige, uͤbrigens aber unbestimmte , d. i. verhaͤltnißlose Mannichfaltigkeit an ihm, welche eine eben so zunaͤchst nicht weiter bestimmte Tota- litaͤt ausmacht; Seiten, Theile , die an ihm unter- schieden werden koͤnnen, gehoͤren einer aͤussern Reflexion an. Jener ganz unbestimmte Unterschied ist daher nur, daß es mehrere Objecte gibt, deren jedes seine Be- stimmtheit nur in seine Allgemeinheit reflectirt enthaͤlt, und nicht nach Aussen scheint. — Weil ihm diese unbestimmte Bestimmtheit wesentlich ist, ist es in sich selbst eine solche Mehrheit , und muß daher als zu- sammengesetztes , als Aggregat betrachtet wer- den. — Es besteht jedoch nicht aus Atomen , denn diese sind keine Objecte, weil sie keine Totalitaͤten sind. Die Leibnitzische Monade wuͤrde mehr ein Object seyn, weil sie eine Totalitaͤt der Weltvorstellung ist, aber in ihre intensive Subjectivitaͤt eingeschlossen, soll sie wenigstens wesentlich Eins in sich seyn. Je- doch ist die Monade, als ausschliessendes Eins be- I. Kapitel. Der Mechanismus . bestimmt, nur ein von der Reflexion angenomme- nes Princip. Sie ist aber theils insofern Object als der Grund ihrer mannichfaltigen Vorstellungen, der ent- wickelten d. h. der gesetzten Bestimmungen ihrer bloß an sich seyenden Totalitaͤt, ausser ihr liegt, theils insofern es der Monade eben so gleichguͤltig ist, mit an- dern zusammen ein Object auszumachen; es ist so- mit in der That nicht ein ausschliessendes, fuͤr sich selbstbestimmtes . 2. Indem das Object nun Totalitaͤt des Be- stimmtseyns ist, aber um seiner Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit willen nicht die negative Einheit desselben, so ist es gegen die Bestimmungen als einzelne , an und fuͤr sich bestimmte, so wie diese selbst gegeneinander gleichguͤltig . Diese sind daher nicht aus ihm, noch auseinander begreiflich; seine To- talitaͤt ist die Form des allgemeinen Reflectirtseyns seiner Mannichfaltigkeit in die an sich selbst nicht bestimm- te Einzelnheit uͤberhaupt. Die Bestimmtheiten, die es an ihm hat, kommen ihm also zwar zu; aber die Form , welche ihren Unterschied ausmacht, und sie zu einer Ein- heit verbindet, ist eine aͤusserliche gleichguͤltige; sie sey eine Vermischung , oder weiter eine Ordnung , ein gewisses Arrangement von Theilen und Seiten, so sind diß Verbindungen, die denen so bezogenen gleichguͤltig sind. Das Object hat hiemit, wie ein Daseyn uͤberhaupt, die Bestimmtheit seiner Totalitaͤt ausser ihm, in an- dern Objecten, diese eben so wieder ausser ihnen , und sofort ins unendliche. Die Ruͤckkehr dieses Hin- ausgehens ins unendliche, in sich muß zwar gleichfalls angenommen und als eine Totalitaͤt vorgestellt wer- den, als eine Welt , die aber nichts als die durch die II. Abschnitt. Objectivitaͤt . die unbestimmte Einzelnheit in sich abgeschlossene Allge- meinheit, ein Universum ist. Indem also das Object in seiner Bestimmtheit, eben so gleichguͤltig gegen sie ist, weist es durch sich selbst fuͤr sein Bestimmtseyn ausser sich hinaus , wieder zu Objecten, denen es aber auf gleiche Weise gleich- guͤltig ist, bestimmend zu seyn . Es ist daher nirgend ein Princip der Selbstbestimmung vorhanden; — der Determinismus , — der Standpunkt, auf dem das Erkennen steht, insofern ihm das Object, wie es sich hier zunaͤchst ergeben hat, das Wahre ist, — gibt fuͤr jede Bestimmung desselben die eines andern Objects an, aber dieses Andere ist gleichfalls indifferent, sowohl gegen sein Bestimmtseyn, als gegen sein actives Ver- halten. — Der Determinismus ist darum selbst auch so unbestimmt, ins unendliche fortzugehen; er kann beliebig allenthalben stehen bleiben, und befriedigt seyn, weil das Object, zu welchem er uͤbergegangen, als eine for- male Totalitaͤt in sich beschlossen und gleichguͤltig gegen das Bestimmtseyn durch ein anderes ist. Darum ist das Erklaͤren der Bestimmung eines Objects, und das zu diesem Behuffe gemachte Fortgehen dieser Vorstel- lung nur ein leeres Wort , weil in dem andern Ob- ject, zu dem sie fortgeht, keine Selbstbestimmung liegt. 3. Indem nun die Bestimmtheit eines Objects in einem andern liegt , so ist keine bestimmte Ver- schiedenheit zwischen ihnen vorhanden; die Bestimmtheit ist nur doppelt , einmal an dem einen, dann an dem andern Object, ein schlechthin nur identisches , und die Erklaͤrung oder das Begreiffen insofern tavtolo- gisch . Diese Tavtologie ist das aͤusserliche, leere Hin- und Hergehen; da die Bestimmtheit von den dagegen gleichguͤltigen Objecten keine eigenthuͤmliche Unterschie- den- I. Kapitel. Der Mechanismus . denheit erhaͤlt, und deßwegen nur identisch ist, ist nur Eine Bestimmtheit vorhanden; und daß sie doppelt sey, druͤckt eben diese Aeusserlichkeit und Nichtigkeit ei- nes Unterschiedes aus. Aber zugleich sind die Objecte selbststaͤndig gegeneinander; sie bleiben sich darum in jener Identitaͤt schlechthin aͤusserlich . — Es ist hie- mit der Widerspruch vorhanden, zwischen der voll- kommenen Gleichguͤltigkeit der Objecte gegen ein- ander, und zwischen der Identitaͤt der Bestimmt- heit derselben, oder ihrer vollkommenen Aeusserlich- keit in der Identitaͤt ihrer Bestimmtheit. Dieser Widerspruch ist somit die negative Einheit mehre- rer sich in ihr schlechthin abstossender Objecte, — der mechanische Proceß . B. Der mechanische Proceß . Wenn die Objecte nur als in sich abgeschlossene Totalitaͤten betrachtet werden, so koͤnnen sie nicht auf einander wirken. Sie sind in dieser Bestimmung das- selbe, was die Monaden , die eben deßwegen ohne alle Einwirkung auf einander gedacht worden. Aber der Be- griff einer Monade ist eben darum eine mangelhafte Reflexion. Denn erstlich ist sie eine bestimmte Vor- stellung ihrer nur an sich seyenden Totalitaͤt; als ein gewisser Grad der Entwicklung und des Gesetzt- seyns ihrer Weltvorstellung, ist sie ein bestimmtes ; indem sie nun die in sich geschlossene Totalitaͤt ist, so ist sie gegen diese Bestimmtheit auch gleichguͤltig; es ist da- her nicht ihre eigene, sondern eine durch ein anderes Object gesetzte Bestimmtheit. Zweytens ist sie ein II. Abschnitt. Objectivitaͤt . ein unmittelbares uͤberhaupt, insofern sie ein nur vorstellendes seyn soll; ihre Beziehung auf sich, ist daher die abstracte Allgemeinheit ; dadurch ist sie ein fuͤr Andere offenes Daseyn . — Es ist nicht hinreichend, um die Freyheit der Substanz zu gewin- nen, sie als eine Totalitaͤt vorzustellen, die in sich vollstaͤndig , nichts von aussen her zu erhalten habe. Vielmehr ist gerade die begrifflose, bloß vorstel- lende Beziehung auf sich selbst eine Passivitaͤt gegen anderes. — Eben so ist die Bestimmtheit , sie mag nun als die Bestimmtheit eines Seyenden , oder ei- nes Vorstellenden , als ein Grad eigener aus dem innern kommenden Entwicklung gefaßt werden, ein Aeusserliches ; — der Grad , welchen die Entwick- lung erreicht, hat seine Grenze in einem Andern . Die Wechselwirkung der Substanzen in eine vorher- bestimmte Harmonie hinauszuschieben, heißt wei- ter nichts, als sie zu einer Voraussetzung machen, d. i. zu etwas, das dem Begriffe entzogen wird. — Das Beduͤrfniß, der Einwirkung der Substanzen zu entgehen, gruͤndete sich auf das Moment der absoluten Selbststaͤndigkeit und Urspruͤnglichkeit , wel- ches zu Grunde gelegt wurde. Aber da diesem An- sichseyn das Gesetztseyn , der Grad der Entwick- lung, nicht entspricht, so hat es eben darum seinen Grund in einem Andern . Vom Substantialitaͤts-Verhaͤltnisse ist seiner Zeit gezeigt worden, daß es in das Causalitaͤts-Verhaͤltniß uͤbergeht. Aber das Seyende hat hier nicht mehr die Bestimmung einer Substanz , sondern eines Objects ; das Causalitaͤts-Verhaͤltniß ist im Begriffe untergegan- gen; die Urspruͤnglichkeit einer Substanz gegen die an- dere, hat sich als ein Schein, ihr Wirken als ein Ueber- gehen in das Entgegengesetzte gezeigt. Diß Verhaͤltniß hat I. Kapitel. Der Mechanismus . hat daher keine Objectivitaͤt. Insofern daher das eine Object in der Form der subjectiven Einheit, als wir- kende Ursache gesetzt ist, so gilt diß nicht mehr fuͤr eine urspruͤngliche Bestimmung, sondern als etwas ver- mitteltes ; das wirkende Object hat diese seine Be- stimmung, nur vermittelst eines andern Objects. — Der Mechanismus , da er der Sphaͤre des Begriffs angehoͤrt, hat an ihm dasjenige gesetzt, was sich als die Wahrheit des Causalitaͤtsverhaͤltnisses erwies; daß die Ursache, die das an und fuͤr sich seyende seyn soll, we- sentlich ebensowohl Wirkung, Gesetztseyn ist. Im Me- chanismus ist daher unmittelbar die Ursachlichkeit des Objects eine Nicht-Urspruͤnglichkeit; es ist gleichguͤltig gegen diese seine Bestimmung; daß es Ursache ist, ist ihm daher etwas Zufaͤlliges. — Insofern koͤnnte man wohl sagen, daß die Caussalitaͤt der Substanzen nur ein vorgestelltes ist. Aber eben diese vorgestellte Caussalitaͤt ist der Mechanismus , indem er diß ist, daß die Causalitaͤt, als identische Bestimmtheit ver- schiedener Substanzen, somit als das Untergehen ihrer Selbststaͤndigkeit in dieser Identitaͤt, ein blosses Ge- setztseyn ist; die Objecte sind gleichguͤltig gegen diese Einheit, und erhalten sich gegen sie. Aber ebensosehr ist auch diese ihre gleichguͤltige Selbststaͤndigkeit ein blosses Gesetztseyn ; sie sind darum faͤhig, sich zu vermischen und zu aggregiren , und als Aggre- gat zu Einem Objecte zu werden. Durch diese Gleichguͤltigkeit ebensowohl gegen ihren Uebergang, als gegen ihre Selbststaͤndigkeit sind die Substanzen Objecte . O a. Der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . a. Der formale mechanische Proceß . Der mechanische Proceß ist das Setzen dessen, was im Begriffe des Mechanismus enthalten ist, zunaͤchst also eines Widerspruchs . 1. Das Einwirken der Objecte ergibt sich aus dem aufgezeigten Begriffe so, daß es das Setzen der iden- tischen Beziehung der Objecte ist. Diß besteht nur darin, daß der Bestimmtheit, welche bewirkt wird, die Form der Allgemeinheit gegeben wird; — was die Mittheilung ist, welche ohne Uebergehen ins ent- gegengesetzte ist. — Die geistige Mittheilung , die ohnehin in dem Elemente vorgeht, welches das Allge- meine in der Form der Allgemeinheit ist, ist fuͤr sich selbst eine ideelle Beziehung, worin sich ungetruͤbt eine Bestimmtheit von einer Person in die andere continuirt , und ohne alle Veraͤnderung sich verallge- meinert, — wie ein Duft in der widerstandslosen Ath- mosphaͤre sich frey verbreitet. Aber auch in der Mittheilung zwischen materiellen Objecten macht sich ihre Bestimmtheit auf eine eben so ideelle Weise, so zu sagen, breit ; die Persoͤnlichkeit ist eine unendlich intensivere Haͤrte , als die Objecte haben. Die formelle Totali- taͤt des Objects uͤberhaupt, welche gegen die Bestimmt- heit gleichguͤltig, somit keine Selbstbestimmung ist, macht es zum Ununterschiedenen vom andern, und die Einwir- kung daher zunaͤchst zu einer ungehinderten Continuirung der Bestimmtheit des einen in dem andern. Im Geistigen ist es nun ein unendlich mannichfalti- ger Inhalt, der mittheilungsfaͤhig ist, indem er in die Intelligenz aufgenommen, diese Form der Allgemeinheit erhaͤlt, in der er ein mitgetheilbares wird. Aber das nicht I. Kapitel. Der Mechanismus . nicht nur durch die Form, sondern an und fuͤr sich All- gemeine ist das Objective als solches, sowohl im Gei- stigen als im Koͤrperlichen, wogegen die Einzelnheit der aͤussern Objecte, wie auch der Personen ein unwesentli- ches ist, das ihm keinen Widerstand leisten kann. Die Gesetze, Sitten, vernuͤnftige Vorstellungen uͤberhaupt, sind im Geistigen solche Mittheilbare, welche die Indivi- duen auf eine bewußtlose Weise durchdringen, und sich in ihnen geltend machen. Im Koͤrperlichen sind es Be- wegung, Waͤrme, Magnetismus, Electricitaͤt und derglei- chen — die, wenn man sie auch als S toffe oder Mate- rien sich vorstellen will, als imponderable Agentien bestimmt werden muͤssen, — Agentien, die dasjenige der Materialitaͤt nicht haben, was ihre Vereinzelung begruͤndet. 2. Wenn nun im Einwirken der Objecte auf ein- ander zuerst ihre identische Allgemeinheit gesetzt wird, so ist eben so nothwendig das andere Begriffsmoment, die Besonderheit zu setzen; die Objecte beweisen da- her auch ihre Selbststaͤndigkeit , erhalten sich als einander aͤusserlich, und stellen die Einzelnheit in jener Allgemeinheit her. Diese Herstellung ist die Reaction uͤberhaupt. Zunaͤchst ist sie nicht zu fassen, als ein blosses Aufheben der Action und der mit- getheilten Bestimmtheit; das Mitgetheilte ist als Allge- meines positiv in den besondern Objecten und beson- dert sich nur an ihrer Verschiedenheit. Insofern bleibt also das Mitgetheilte, was es ist; nur vertheilt es sich an die Objecte, oder wird durch deren Particulari- taͤt bestimmt. — Die Ursache geht in ihrem Andern, der Wirkung, die Activitaͤt der ursachlichen Substanz in ih- rem Wirken verloren; das einwirkende Object aber wird nur ein Allgemeines ; sein Wirken ist zunaͤchst nicht ein Verlust seiner Bestimmtheit, sondern O 2 eine II. Abschnitt. Objectivitaͤt . eine Particularisation , wodurch es, welches zuerst jene ganze, an ihm einzelne Bestimmtheit war, nun eine Art derselben, und die Bestimmtheit erst da- durch als ein Allgemeines gesetzt wird. Beydes, die Erhebung der einzelnen Bestimmtheit zur Allgemeinheit, in der Mittheilung, und die Particularisation derselben oder die Herabsetzung derselben, die nur Eine war, zu einer Art, in der Vertheilung, ist ein und dasselbe. Die Reaction ist nun der Action gleich. — Diß erscheint zunaͤchst so, daß das andre Object das ganze Allgemeine in sich aufgenommen , und nun so actives gegen das Erste ist. So ist seine Reaction dieselbe als die Action, ein gegenseitiges Abstos- sen des Stosses. Zweytens ist das Mitgetheilte das Objective; es bleibt also substantielle Bestim- mung der Objecte, bey der Voraussetzung ihrer Ver- schiedenheit; das Allgemeine specificirt sich somit zu- gleich in ihnen, und jedes Object gibt daher nicht die ganze Action nur zuruͤck, sondern hat seinen specifischen Antheil. Aber drittens ist die Reaction insofern ganz negative Action , als jedes durch die Ela- sticitaͤt seiner Selbststaͤndigkeit , das Gesetzt- seyn eines andern in ihm ausstoͤßt, und seine Bezie- hung auf sich erhaͤlt. Die specifische Besonderheit der mitgetheilten Bestimmtheit in den Objecten, was vorhin Art genannt wurde, geht zur Einzelnheit zu- ruͤck, und das Object behauptet seine Aeusserlichkeit gegen die mitgetheilte Allgemeinheit . Die Action geht dadurch in Ruhe uͤber. Sie erweist sich als eine an der in sich geschlossenen gleichguͤltigen Totalitaͤt des Objects, nur oberflaͤchliche , transiente Veraͤn- derung. 3. Dieses Ruͤckgehen macht das Product des mechanischen Processes aus. Unmittelbar ist das Ob- I. Kapitel. Der Mechanismus . Object vorausgesetzt als Einzelnes, ferner als Be- sonderes gegen andere, drittens aber als gleichguͤltiges gegen seine Besonderheit, als Allgemeines. Das Pro- duct ist jene vorausgesetzte Totalitaͤt des Begriffes nun als eine gesetzte . Er ist der Schlußsatz, worin das mitgetheilte Allgemeine durch die Besonderheit des Objects mit der Einzelnheit zusammengeschlossen ist; aber zugleich ist in der Ruhe die Vermittlung als eine solche gesetzt, die sich aufgehoben hat, oder daß das Product gegen diß sein Bestimmtwerden gleichguͤl- tig und die erhaltene Bestimmtheit eine aͤusserliche an ihm ist. Sonach ist das Product dasselbe, was das in den Proceß erst eingehende Object. Aber zugleich ist es erst durch diese Bewegung bestimmt ; das mechanische Object ist uͤberhaupt nur Object als Product , weil das, was es ist , erst durch Vermittlung eines Andern an ihm ist. So als Product ist es, was es an und fuͤr seyn sollte, ein zusammenge- setztes, vermischtes , eine gewisse Ordnung und Arrangement der Theile, uͤberhaupt ein solches, dessen Bestimmtheit nicht Selbstbestimmung, sondern ein gesetztes ist. Auf der andern Seite ist ebensosehr das Resul- tat des mechanischen Processes nicht schon vor ihm selbst vorhanden ; sein Ende ist nicht in seinem Anfang , wie beym Zwecke. Das Product ist eine Bestimmtheit am Object als aͤusserlich gesetzte. Dem Begriffe nach ist daher diß Product wohl dasselbe, was das Object schon von Anfang ist. Aber im Anfange ist die aͤusserliche Bestimmtheit noch nicht als gesetzte . Das Resultat ist insofern ein ganz anderes , als das erste Daseyn des Objects, und ist als etwas schlechthin fuͤr dasselbe zufaͤlliges. b. Der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . b. Der reale mechanische Proceß . Der mechanische Proceß geht in Ruhe uͤber. Die Bestimmtheit nemlich, welche das Object durch ihn er- haͤlt, ist nur eine aͤufserliche . Ein eben so aͤusserli- ches ist ihm diese Ruhe selbst, indem diß die dem Wir- ken des Objects entgegengesetzte Bestimmtheit, aber jede dem Objecte gleichguͤltig ist; die Ruhe kann daher auch angesehen werden, als durch eine aͤusserliche Ursache hervorgebracht, so sehr es dem Objecte gleich- guͤltig war, wirkendes zu seyn. Indem nun ferner die Bestimmtheit eine gesetzte , und der Begriff des Objects durch die Vermittlung hindurch zu sich selbst zuruͤckgegangen ist, so hat das Object die Bestimmtheit als eine in sich reflectir- te an ihm. Die Objecte haben daher nunmehr im me- chanischen Processe und dieser selbst ein naͤher bestimm- tes Verhaͤltniß. Sie sind nicht bloß verschiedene, son- dern bestimmt unterschiedene gegen einander. Das Resultat des formalen Processes, welches einerseits die bestimmungslose Ruhe ist, ist somit andererseits durch die in sich reflectirte Bestimmtheit die Verthei- lung des Gegensatzes , den das Object uͤberhaupt an ihm hat, unter mehrere sich mechanisch zu einander verhaltende Objecte. Das Object einerseits das Be- stimmungslose, das sich unelastisch und unselbst- staͤndig verhaͤlt, hat andererseits eine fuͤr andere un- durchbrechbare Selbststaͤndigkeit . Die Objecte haben nun auch gegen einander diesen bestimmtern Gegensatz der selbststaͤndigen Einzelnheit und der unselbststaͤndigen Allgemeinheit . — Der naͤhere Unterschied kann als ein bloß quantitativer der verschiedenen Groͤsse der Masse im Koͤrperlichen, oder I. Kapitel. Der Mechanismus . oder der Intensitaͤt , oder auf vielfache andere Weise gefaßt werden. Ueberhaupt aber ist er nicht bloß in jener Abstraction festzuhalten; beyde sind auch als Ob- jecte positive Selbststaͤndige. Das erste Moment dieses realen Processes ist nun wie vorhin die Mittheilung . Das Schwaͤ- chere kann vom Staͤrkern nur insofern gefaßt und durchdrungen werden, als es dasselbe aufnimmt und Eine Sphaͤre mit ihm ausmacht. Wie im Materiel- len das Schwache gegen das unverhaͤltnißmaͤßig Starke gesichert ist (wie ein in der Luft freyhaͤngendes Lein- tuch von einer Flintenkugel nicht durchschossen; eine schwache organische Receptivitaͤt nicht sowohl von den starken als von den schwachen Reitzmitteln angegriffen wird) so ist der ganz schwache Geist sicherer gegen den starken als ein solcher, der diesem naͤher steht; wenn man sich ein ganz Dummes, Unedles vorstellen will, so kann auf dasselbe hoher Verstand, kann das Edle keinen Eindruck machen; das einzig consequente Mittel gegen die Vernunft ist, sich mit ihr gar nicht einzulassen. — Insofern das Unselbststaͤndige mit dem Selbststaͤndigen nicht zusammengehen und keine Mittheilung zwischen ih- nen Statt finden kann, kann das Letztere auch keinen Widerstand leisten, d. h. das mitgetheilte Allgemeine nicht fuͤr sich specificiren. — Wenn sie sich nicht in Ei- ner Sphaͤre befaͤnden, so waͤre ihre Beziehung auf ein- ander ein unendliches Urtheil, und kein Proceß zwischen ihnen moͤglich. Der Widerstand ist das naͤhere Moment der Ueberwaͤltigung des einen Objects durch das andere, indem er das beginnende Moment der Vertheilung des mitgetheilten Allgemeinen, und des Setzens der sich auf sich beziehenden Negativitaͤt, der herzustellenden Einzeln- heit, II. Abschnitt. Objectivitaͤt . heit, ist. Der Widerstand wird uͤberwaͤltigt , inso- fern seine Bestimmtheit dem mitgetheilten Allgemeinen, welches vom Objecte aufgenommen worden, und sich in ihm singularisiren soll, nicht angemessen ist. Seine relative Unselbststaͤndigkeit manifestirt sich darin, daß seine Einzelnheit nicht die Capacitaͤt fuͤr das Mitgetheilte hat, daher von demselben zersprengt wird, weil es sich an diesem Allgemeinen nicht als Subject constituiren, dasselbe nicht zu seinem Praͤ- dicate machen kann. — Die Gewalt gegen ein Ob- ject ist nur nach dieser zweiten Seite Fremdes fuͤr dasselbe. Die Macht wird dadurch zur Gewalt , daß sie, eine objective Allgemeinheit, mit der Natur des Objects identisch ist, aber ihre Bestimmtheit oder Ne- gativitaͤt nicht dessen eigene negative Reflexion in sich ist, nach welcher es ein Einzelnes ist. Insofern die Negativitaͤt des Objects nicht an der Macht sich in sich reflectirt, die Macht nicht dessen eigene Beziehung auf sich ist, ist sie gegen dieselbe nur abstracte Nega- tivitaͤt, deren Manifestation der Untergang ist. Die Macht, als die objective Allgemeinheit und als Gewalt gegen das Object, ist, was Schick- sal genannt wird; — ein Begriff, der innerhalb des Mechanismus faͤllt, insofern es blind genannt, d. h. dessen objective Allgemeinheit vom Subjecte in seiner specifischen Eigenheit nicht erkannt wird. — Um einiges weniges hieruͤber zu bemerken, so ist das Schick- sal des Lebendigen uͤberhaupt die Gattung , welche sich durch die Vergaͤnglichkeit der lebendigen Individuen, die sie in ihrer wirklichen Einzelnheit nicht als Gat- tung haben, manifestirt. Als bloße Objecte haben die nur lebendigen Naturen wie die uͤbrigen Dinge von niedrigerer Stuffe kein Schicksal; was ihnen widerfaͤhrt, ist eine Zufaͤlligkeit; aber sie sind in ihrem Begriffe als I. Kapitel. Der Mechanismus . als Objecte sich aͤusserliche ; die fremde Macht des Schicksals ist daher ganz nur ihre eigene unmit- telbare Natur , die Aeusserlichkeit und Zufaͤlligkeit selbst. Ein eigentliches Schicksal hat nur das Selbstbe- wußtseyn; weil es frey , in der Einzelnheit seines Ich daher schlechthin an und fuͤr sich ist, und seiner objectiven Allgemeinheit sich gegenuͤberstellen, und sich gegen sie entfremden kann. Aber durch diese Tren- nung selbst erregt es gegen sich das mechanische Verhaͤlt- niß eines Schicksals. Damit also ein solches Gewalt uͤber dasselbe haben koͤnne, muß es irgend eine Be- stimmtheit gegen die wesentliche Allgemeinheit sich gege- ben, eine That begangen haben. Hiedurch hat es sich zu einem besondern gemacht, und diß Daseyn ist als die abstracte Allgemeinheit zugleich die fuͤr die Mitthei- lung seines ihm entfremdeten Wesens offene Seite; an dieser wird es in den Proceß gerissen. Das Thatlose Volk ist Tadellos; es ist in die objective, sittliche Allge- meinheit eingehuͤllt und darin aufgeloͤst, ohne die In- dividualitaͤt, welche das Unbewegte bewegt, sich eine Bestimmtheit nach Aussen, und eine von der objectiven abgetrennte abstracte Allgemeinheit gibt, womit aber auch das Subject zu einem seines Wesens entaͤusserten, einem Objecte wird, und in das Verhaͤltniß der Aeusser- lichkeit gegen seine Natur, und des Mechanismus getreten ist. C. Das Product des mechanischen Processes . Das Product des formalen Mechanismus ist das Object uͤberhaupt, eine gleichguͤltige Totalitaͤt, an welcher die Bestimmtheit als gesetzte ist. Indem hiedurch das Object als Bestimmtes in den Proceß ein- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . eingetreten ist, so ist einerseits in dem Untergange des- selben, die Ruhe als der urspruͤngliche Formalismus des Objects, die Negativitaͤt seines Fuͤr-sich-bestimmt- seyns, das Resultat. Andererseits aber ist es das Auf- heben des Bestimmtseyns, als positive Reflexion desselben in sich, die in sich gegangene Bestimmtheit oder die gesetzte Totalitaͤt des Begriffs ; die wahrhafte Einzelnheit des Objects. Das Ob- ject zuerst in seiner unbestimmten Allgemeinheit, dann als Besonderes , ist nun als objectiv Einzel- nes bestimmt; so daß darinn jener Schein von Einzelnheit , welche nur eine sich der substantiellen Allgemeinheit gegenuͤberstellende Selbststaͤndigkeit ist, aufgehoben worden. Diese Reflexion in sich, ist nun, wie sie sich erge- ben hat, das objective Einsseyn der Objecte, welches individuelle Selbststaͤndigkeit, — das Centrum ist. Zweytens ist die Reflexion der Negativitaͤt die All- gemeinheit, die nicht ein der Bestimmtheit gegen uͤber- stehendes, sondern in sich bestimmtes, vernuͤnftiges Schicksal ist, — eine Allgemeinheit, die sich an ihr selbst besondert , der ruhige in der unselbststaͤndi- gen Besonderheit der Objecte und ihrem Processe feste Unterschied, das Gesetz . Diß Resultat ist die Wahr- heit, somit auch die Grundlage des mechanischen Pro- cesses. C. Der I. Kapitel. Der Mechanismus . C. Der absolute Mechanismus . a. Das Centrum . Die leere Mannichfaltigkeit des Objects ist nun erstens in die objective Einzelnheit, in den einfachen selbst bestimmenden Mittelpunkt gesammelt. Inso- fern zweitens das Object als unmittelbare Totalitaͤt sei- ne Gleichguͤltigkeit gegen die Bestimmtheit behaͤlt, so ist diese an ihm auch als unwesentliche oder als ein Ausser- einander von vielen Objecten vorhanden. Die er- stere, die wesentliche Bestimmtheit macht dagegen die reelle Mitte zwischen den vielen mechanisch auf einan- der wirkenden Objecten aus, durch welche sie an und fuͤr sich zusammen geschlossen sind, und ist deren objective Allgemeinheit. Die Allgemeinheit zeigte sich zuerst im Verhaͤltnisse der Mittheilung , als eine nur durchs Setzen vorhandene; als objective aber ist sie das durchdringende, immanente Wesen der Objecte. In der materiellen Welt ist es der Centralkoͤr- per , der die Gattung aber individuelle Allge- meinheit der einzelnen Objecte und ihres mechanischen Prozesses ist. Die unwesentlichen einzelnen Koͤrper ver- halten sich stossend und druͤckend zu einander; sol- ches Verhaͤltniß findet nicht zwischen dem Centralkoͤrper und den Objecten Statt, deren Wesen er ist; denn ihre Aeusserlichkeit macht nicht mehr ihre Grundbestimmung aus. Ihre Identitaͤt mit ihm ist also vielmehr die Ru- he, nemlich das Seyn in ihrem Centrum ; diese Ein- heit II. Abschnitt. Objectivitaͤt . heit ist ihr an und fuͤr sich seyender Begriff. Sie bleibt jedoch nur ein Sollen , da die zugleich noch gesetzte Aeusserlichkeit der Objecte, jener Einheit nicht entspricht. Das Streben , das sie daher nach dem Centrum ha- ben, ist ihre absolute nicht durch Mittheilung gesetz- te Allgemeinheit; sie macht die wahre, selbst concrete nicht von aussen gesetzte Ruhe aus, in welche der Proceß der Unselbststaͤndigkeit zuruͤckgehen muß. — Es ist deßwegen eine leere Abstraction, wenn in der Me- chanik angenommen wird, daß ein in Bewegung gesetz- ter Koͤrper uͤberhaupt sich in gerader Linie ins unend- liche fortbewegen wuͤrde, wenn er nicht durch aͤusserli- chen Widerstand seine Bewegung verloͤre. Die Rei- bung , oder welche Form der Widerstand sonst hat, ist nur die Erscheinung der Centralitaͤt ; diese ist es, welche ihn absolut zu sich zuruͤckbringt; denn das, woran sich der bewegte Koͤrper reibt, hat allein die Kraft eines Widerstands durch sein Einsseyn mit dem Centrum. — Im Geistigen nimmt das Centrum und das Einsseyn mit demselben, hoͤhere Formen an; aber die Einheit des Begriffs, und deren Realitaͤt, welche hier zunaͤchst me- chanische Centralitaͤt ist, muß auch dort die Grundbe- stimmung ausmachen. Der Centralkoͤrper hat insofern aufgehoͤrt, ein blos- ses Object zu seyn, da an diesem die Bestimmtheit ein unwesentliches ist; denn er hat nicht mehr nur das An-sich- , sondern auch das Fuͤr-sichseyn der ob- jectiven Totalitaͤt. Er kann deßwegen als ein Indi- viduum angesehen werden. Seine Bestimmtheit ist wesentlich von einer blossen Ordnung oder Ar- rangement und aͤusserlichen Zusammenhang von Theilen verschieden; sie ist als an und fuͤr sich seyende Bestimmtheit eine immanente Form, selbst bestimmendes Princip, welchem die Objecte inhaͤri- ren, I. Kapitel. Der Mechanismus . ren, und wodurch sie zu einem wahrhaften Eins ver- bunden sind. Dieses Centralindividuum ist aber so nur erst Mitte , welche noch keine wahrhaften Extreme hat; als negative Einheit des totalen Begriffs dirimirt es sich aber in solche. Oder: die vorhin unselbststaͤndigen sich aͤusserlichen Objecte werden durch den Ruͤckgang des Be- griffs gleichfalls zu Individuen bestimmt; die Identitaͤt des Centralkoͤrpers mit sich, das noch ein Streben ist, ist mit Aeusserlichkeit behaftet, welcher da sie in seine objective Einzelnheit aufgenommen ist, diese mitgetheilt ist. Durch diese eigene Centralitaͤt sind sie, ausser jenem ersten Centrum gestellt, selbst Centra fuͤr die unselbststaͤndigen Objecte. Diese zweyten Cen- tra und die unselbststaͤndigen Objecte sind durch jene absolute Mitte zusammengeschlossen. Die relativen Centralindividuen machen aber auch selbst die Mitte eines zweyten Schlusses aus, welche einerseits unter ein hoͤheres Extrem, die objective Allgemeinheit und Macht des absoluten Centrums, subsumirt ist, auf der andern Seite die unselbststaͤndigen Objecte unter sich subsumirt, deren oberflaͤchliche oder formale Vereinzelung von ihr getragen werden. — Auch diese Unselbststaͤndigen sind die Mitte eines dritten , des formalen Schlusses ; indem sie das Band zwi- schen der absoluten, und der relativen Centralindivi- dualitaͤt insofern sind, als die letztere in ihnen ihre Aeus- serlichkeit hat, durch welche die Beziehung auf sich zugleich ein Streben nach einem absoluten Mittelpunkt ist. Die formalen Objecte haben zu ihrem Wesen die identische Schwere ihres unmittelbaren Centralkoͤr- pers, dem sie als ihrem Subjecte und Extreme der Ein- zelnheit inhaͤriren; durch die Aeusserlichkeit, welche sie aus- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . ausmachen, ist er unter den absoluten Centralkoͤrper subsumirt; sie sind also die formale Mitte der Beson- derheit . — Das absolute Individuum aber ist die objectiv-allgemeine Mitte, welche das Insichseyn des relativen Individuums und seine Aeusserlichkeit zu- sammenschließt und festhaͤlt. — So sind auch die Re- gierung , die Buͤrgerindividuen und die Be- duͤrfnisse oder das aͤusserliche Leben der Ein- zelnen drey Termini, deren jeder die Mitte der zwey andern ist. Die Regierung ist das absolute Cen- trum, worin das Extrem der Einzelnen mit ihrem aͤus- serlichen Bestehen zusammengeschlossen wird; eben so sind die Einzelnen Mitte, welche jenes allgemeine Indi- viduum zur aͤusserlichen Existenz bethaͤtigen, und ihr sitt- liches Wesen in das Extrem der Wirklichkeit uͤbersetzen. Der dritte Schluß ist der formale, der Schluß des Scheins, daß die einzelnen durch ihre Beduͤrfnisse und das aͤusserliche Daseyn an diese allgemeine absolute Individualitaͤt geknuͤpft sind; ein Schluß, der als der bloß subjective in die andern uͤbergeht, und in ihnen seine Wahrheit hat. Diese Totalitaͤt, deren Momente selbst die vollstaͤn- digen Verhaͤltnisse des Begriffes, die Schluͤsse , sind, worin jedes der drey unterschiedenen Objecte, die Be- stimmung der Mitte und der Extreme durchlaͤuft, macht den freyen Mechanismus aus. In ihm haben die unterschiedenen Objecte die objective Allgemeinheit, die durchdringende in der Besonderung sich identisch erhaltende Schwere, zu ihrer Grundbestim- mung. Die Beziehungen von Druck, Stoß, An- ziehen und dergleichen, so wie Aggregirungen oder Vermischungen , gehoͤren dem Verhaͤltnisse der Aeusserlichkeit an, die den dritten der zusammengestell- ten Schluͤsse begruͤndet. Die Ordnung welches die bloß I. Kapitel. Der Mechanismus . bloß aͤusserliche Bestimmtheit der Objecte ist, ist in die immanente und objective Bestimmung uͤbergegangen; diese ist das Gesetz . b. Das Gesetz . In dem Gesetze thut sich der bestimmtere Unter- schied von ideeller Realitaͤt der Objectivitaͤt, ge- gen die aͤusserliche hervor. Das Object hat als unmittelbare Totalitaͤt des Begriffs die Aeusserlich- keit noch nicht als von dem Begriffe unterschieden, der nicht fuͤr sich gesetzt ist. Indem es durch den Pro- ceß in sich gegangen, ist der Gegensatz der einfachen Centralitaͤt gegen eine Aeusserlichkeit eingetre- ten, welche nun als Aeusserlichkeit bestimmt, das ist, als nicht an und fuͤr sich seyendes gesetzt ist . Je- nes Identische oder Ideelle der Individualitaͤt ist um der Beziehung auf die Aeusserlichkeit willen ein Sollen ; es ist die an- und- fuͤr-sich bestimmte und selbstbestimmen- de Einheit des Begriffs, welcher jene aͤusserliche Reali- taͤt nicht entspricht, und daher nur bis zum Streben kommt. Aber die Individualitaͤt ist an und fuͤr sich das concrete Princip der negativen Einheit, als solches selbst Totalitaͤt ; eine Einheit, die sich in die bestimmten Begriffsunterschiede diri- mirt, und in ihrer sich selbst gleichen Allgemeinheit bleibt; somit der innerhalb seiner reinen Idealitaͤt durch den Unterschied erweiterte Mittelpunkt. — Diese Realitaͤt, die dem Begriffe entspricht, ist die ideelle von jener nur strebenden unterschieden; der Unterschied, der zunaͤchst eine Vielheit von Objecten ist, in seiner Wesentlichkeit, und in die reine Allgemeinheit aufgenommen. Diese reelle Idealitaͤt ist die Seele der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . der vorhin entwickelten, objectiven Totalitaͤt, die an und fuͤr sich bestimmte Identitaͤt des Systems. Das objective An und fuͤr-sich-seyn ergibt sich daher in seiner Totalitaͤt bestimmter als die nega- tive Einheit des Centrums, welche sich in die subjec- tive Individualitaͤt und die aͤusserliche Ob- jectivitaͤt theilt, in dieser jene erhaͤlt und in ideellem Unterschiede bestimmt. Diese selbstbestimmende die aͤus- serliche Objectivitaͤt in die Idealitaͤt absolut zuruͤckfuͤh- rende Einheit ist Princip von Selbstbewegung ; die Bestimmtheit dieses Beseelenden, welche der Unter- schied des Begriffes selbst ist, ist das Gesetz . — Der todte Mechanismus war der betrachtete mechanische Pro- ceß von Objecten, die unmittelbar als selbststaͤndig er- schienen, aber eben deßwegen in Wahrheit unselbststaͤndig sind, und ihr Centrum ausser ihnen haben; dieser Pro- ceß, der in Ruhe uͤbergeht, zeigt entweder Zufaͤllig- keit und unbestimmte Ungleichheit, oder formale Gleichfoͤrmigkeit . Diese Gleichfoͤrmigkeit ist wohl eine Regel , aber nicht Gesetz . Nur der freye Me- chanismus hat ein Gesetz , die eigene Bestimmung der reinen Individualitaͤt oder des fuͤr sich seyenden Begriffes ; es ist, als Unterschied an sich selbst un- vergaͤngliche Quelle sich selbst entzuͤndender Bewegung; indem es in der Idealitaͤt seines Unterschiedes sich nur auf sich bezieht, freye Nothwendigkeit . C. Uebergang des Mechanismus . Diese Seele ist jedoch in ihren Koͤrper noch ver- senkt; der nunmehr bestimmte , aber innre Be- griff der objectiven Totalitaͤt; so freye Nothwendigkeit, daß I. Kapitel. Der Mechanismus . daß das Gesetz seinem Objecte noch nicht gegenuͤber ge- treten ist; es ist die concrete Centralitaͤt als in ihre Ob- jectivitaͤt unmittelbar verbreitete Allgemeinheit. Jene Idealitaͤt hat daher nicht die Objecte selbst zu ihrem bestimmten Unterschied; diese sind selbststaͤndige In- dividuen der Totalitaͤt, oder auch, wenn wir auf die formale Stuffe zuruͤcksehen, nicht individuelle, aͤusserliche Objecte . Das Gesetz ist ihnen wohl immanent und macht ihre Natur und Macht aus; aber sein Unterschied ist in seine Idealitaͤt eingeschlossen, und die Objecte sind nicht selbst in die ideelle Differenz des Gesetzes unter- schieden. Aber das Object hat an der ideellen Centrali- taͤt und deren Gesetze allein seine wesentliche Selbststaͤn- digkeit; es hat daher keine Kraft, dem Urtheile des Be- griffs Widerstand zu thun, und sich in abstracter, unbe- stimmter Selbststaͤndigkeit und Verschlossenheit zu erhalten. Durch den ideellen, ihm immanenten Unterschied ist sein Daseyn eine durch den Begriff gesetzte Bestimmt- heit . Seine Unselbststaͤndigkeit ist auf diese Weise nicht mehr nur ein Streben nach dem Mittelpunkte , gegen den es eben, weil seine Beziehung nur ein Streben ist, noch die Erscheinung eines selbststaͤndigen aͤusserlichen Objectes hat; sondern es ist ein Streben nach dem be- stimmt ihm entgegengesetzten Object ; so wie das Centrum dadurch selbst auseinander, und seine nega- tive Einheit in den objectivirten Gegensatz uͤber- gegangen ist. Die Centralitaͤt ist daher jetzt Beziehung dieser gegen einander negativen und gespannten Objectivi- taͤten. So bestimmt sich der freye Mechanismus zum Chemismus . P Zwey- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Zweytes Kapitel. Der Chemismus . D er Chemismus macht im Ganzen der Objectivi- taͤt das Moment des Urtheils; der objectiv gewordnen Differenz und des Prozesses aus. Da er mit der Be- stimmtheit und dem Gesetztseyn schon beginnt, und das chemische Object zugleich objective Totalitaͤt ist, ist sein naͤch- ster Verlauf einfach, und durch seine Voraussetzung voll- kommen bestimmt. A. Das chemische Object . Das chemische Object unterscheidet sich von dem mechanischen dadurch, daß das Letztere eine Totalitaͤt ist, welche gegen die Bestimmtheit gleichguͤltig ist; bey dem chemischen dagegen gehoͤrt die Bestimmtheit , somit die Beziehung auf anderes , und die Art und Wei- se dieser Beziehung, seiner Natur an. — Diese Bestimmt- heit ist wesentlich zugleich Besonderung , d. h. in die Allgemeinheit aufgenommen; sie ist so Princip — die allgemeine Bestimmtheit , nicht nur die des ei- nes einzelnen Objects , sondern auch die des an- dern . II. Kapitel. Der Chemismus . dern . Es unterscheidet sich daher nun an demselben sein Begriff, als die innere Totalitaͤt beyder Bestimmt- heiten, und die Bestimmtheit, welche die Natur des ein- zelnen Objects in seiner Aeusserlichkeit und Exi- stenz ausmacht. Indem es auf diese Weise an sich der ganze Begriff ist, so hat es an ihm selbst die Noth- wendigkeit und den Trieb , sein entgegengesetztes, einseitiges Bestehen aufzuheben, und sich zu dem realen Ganzen im Daseyn zu machen, welches es seinem Begriffe nach ist. Ueber den Ausdruck: Chemismus , fuͤr das Ver- haͤltniß der Differenz der Objectivitaͤt, wie es sich erge- ben hat, kann uͤbrigens bemerkt werden, daß er hier nicht so verstanden werden muß, als ob sich diß Ver- haͤltniß nur in derjenigen Form der elementarischen Natur darstellte, welche der eigentliche sogenannte Che- mismus heißt. Schon das meteorologische Verhaͤltniß, muß als ein Proceß angesehen werden, dessen Parthien mehr die Natur von physicalischen als chemischen Ele- menten haben. Im Lebendigen steht das Geschlechts- Verhaͤltniß unter diesem Schema; so wie es auch fuͤr die geistigen Verhaͤltnisse der Liebe, Freundschaft u. s. f. die formale Grundlage ausmacht. Naͤher betrachtet ist das chemische Object zunaͤchst, als eine selbststaͤndige Totalitaͤt uͤberhaupt, ein in sich reflectirtes, das insofern von seinem Reflectirtseyn nach aussen, unterschieden ist, — eine gleichguͤltige Ba- sis , das noch nicht als different bestimmte Indivi- duum; auch die Person ist eine solche sich erst nur auf sich beziehende Basis. Die immanente Bestimmtheit aber, welche seine Differenz ausmacht, ist erstlich so in sich reflectirt, daß diese Zuruͤcknahme der Bezie- hung nach Aussen nur formale abstracte Allgemeinheit P 2 ist; II. Abschnitt. Objectivitaͤt . ist; so ist die Beziehung nach Aussen Bestimmung seiner Unmittelbarkeit und Existenz. Nach dieser Seite geht es nicht an ihm selbst in die individuelle Totalitaͤt zu- ruͤck; und die negative Einheit hat die beyden Momente ihres Gegensatzes an zwey besondern Objecten . Sonach ist ein chemisches Object nicht aus ihm selbst begreiflich, und das Seyn des Einen ist das Seyn ei- nes Andern. — Zweytens aber ist die Bestimmtheit absolut in sich reflectirt, und das concrete Moment des individuellen Begriffs des Ganzen, der das allgemeine Wesen, die reale Gattung des besondern Objects ist. Das chemische Object, hiemit der Widerspruch sei- nes unmittelbaren Gesetztseyns und seines immanenten individuellen Begriffs, ist ein Streben , die Bestimmt- heit seines Daseyns aufzuheben, und der objectiven To- talitaͤt des Begriffes die Existenz zu geben. Es ist daher zwar gleichfalls ein unselbststaͤndiges, aber so, daß es hiegegen durch seine Natur selbst gespannt ist, und den Proceß selbstbestimmend anfaͤngt. B. Der Proceß . 1. Er beginnt mit der Voraussetzung, daß die ge- spannten Objecte, so sehr sie es gegen sich selbst, es zu- naͤchst eben damit gegen einander sind; — ein Verhaͤlt- niß, welches ihre Verwandtschaft heißt. Indem jedes durch seinen Begriff im Widerspruch gegen die ei- gene Einseitigkeit seiner Existenz steht, somit diese auf- zuheben strebt, ist darin unmittelbar das Streben gesetzt, die Einseitigkeit des andern aufzuheben, und durch diese gegenseitige Ausgleichung und Verbindung die Re- II. Kapitel. Der Chemismus . Realitaͤt dem Begriffe, der beide Momente enthaͤlt, ge- maͤß zu setzen. Insofern jedes gesetzt ist, als an ihm selbst sich widersprechend und aufhebend, so sind sie nur durch aͤussere Gewalt in der Absonderung von einander und von ihrer gegenseitigen Ergaͤnzung gehalten. Die Mitte, wodurch nun diese Extreme zusammengeschlossen werden, ist erstlich die an sich seyende Natur bey- der, der ganze beyde in sich haltende Begriff. Aber zweytens , da sie in der Existenz gegeneinander ste- hen, so ist ihre absolute Einheit, auch ein unterschie- den von ihnen existirendes , noch formales Ele- ment, — das Element der Mittheilung , worin sie in aͤusserliche Gemeinschaft miteinander treten. Da der reale Unterschied den Extremen angehoͤrt, so ist diese Mitte nur die abstracte Neutralitaͤt, die reale Moͤglich- keit derselben; — gleichsam das theoretische Ele- ment der Existenz von den chemischen Objecten, ihres Processes und seines Resultats; — im Koͤrperlichen hat das Wasser die Function dieses Mediums; im Geisti- gen, insofern in ihm das Analogon eines solchen Ver- haͤltnisses Statt findet, ist das Zeichen uͤberhaupt, und naͤher die Sprache dafuͤr anzusehen. Das Verhaͤltniß der Objecte ist als blosse Mitthei- lung in diesem Elemente, einerseits ein ruhiges Zusam- mengehen, aber andererseits ebensosehr ein negatives Verhalten , indem der concrete Begriff, welcher ihre Natur ist, in der Mittheilung in Realitaͤt gesetzt, hie- mit die realen Unterschiede der Objecte zu seiner Einheit reducirt werden. Ihre vorherige selbststaͤndige Bestimmtheit wird damit in der dem Begriffe, der in beyden ein und derselbe ist, gemaͤßen Vereinigung aufgehoben, ihr Gegensatz und Spannung hiedurch ab- ge- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . gestumpft; womit das Streben in dieser gegenseitigen Ergaͤnzung seine ruhige Neutralitaͤt erlangt. Der Proceß ist auf diese Weise erloschen ; indem der Widerspruch des Begriffes und der Realitaͤt ausge- glichen, haben die Extreme des Schlusses ihren Gegen- satz verloren, hiemit aufgehoͤrt, Extreme gegeneinander und gegen die Mitte zu seyn. Das Product ist ein neutrales , d. h. ein solches, in welchem die Ingre- dientien, die nicht mehr Objecte genannt werden koͤn- nen, ihre Spannung und damit die Eigenschaften nicht mehr haben, die ihnen als gespannten zuka- men, worin sich aber die Faͤhigkeit ihrer vorigen Selbststaͤndigkeit und Spannung erhalten hat. Die ne- gative Einheit des Neutralen geht nemlich von einer vorausgesetzten Differenz aus; die Bestimmtheit des chemischen Objects ist identisch mit seiner Objecti- vitaͤt, sie ist urspruͤnglich. Durch den betrachteten Pro- ceß ist diese Differenz nur erst unmittelbar aufge- hoben, die Bestimmtheit ist daher noch nicht als absolut in sich reflectirte, somit das Product des Processes nur eine formale Einheit. 2. In diesem Producte ist nun zwar die Spannung des Gegensatzes und die negative Einheit als Thaͤtigkeit des Processes erloschen. Da diese Einheit aber dem Be- griffe wesentlich, und zugleich selbst zur Existenz ge- kommen ist, so ist sie noch vorhanden, aber ausser dem neutralen Objecte getreten. Der Proceß facht sich nicht von selbst wieder an, insofern er die Differenz nur zu seiner Voraussetzung hatte, nicht sie selbst setzte . — Diese ausser dem Objecte selbststaͤndige Ne- gativitaͤt, die Existenz der abstracten Einzelnheit, deren Fuͤrsichseyn seine Realitaͤt an dem indifferen- ten Objecte hat, ist nun in sich selbst gegen ihre Ab- II. Kapitel. Der Chemismus . Abstraction gespannt, eine in sich unruhige Thaͤtigkeit, die sich verzehrend nach aussen kehrt. Sie bezieht sich unmittelbar auf das Object, dessen ruhige Neutrali- taͤt die reale Moͤglichkeit ihres Gegensatzes ist; dasselbe ist nunmehr die Mitte der vorhin bloß formalen Neu- tralitaͤt, nun in sich selbst concret, und bestimmt. Die naͤhere unmittelbare Beziehung des Extrems der negativen Einheit auf das Object ist, daß dieses durch sie bestimmt und hiedurch dirimirt wird. Diese Diremtion kann zunaͤchst fuͤr die Herstellung des Gegensatzes der gespannten Objecte angesehen werden, mit welchem der Chemismus begonnen. Aber diese Be- stimmung macht nicht das andere Extrem des Schlusses aus, sondern gehoͤrt zur unmittelbaren Beziehung des differentiirenden Princips auf die Mitte, an der sich dieses seine unmittelbare Realitaͤt gibt; es ist die Be- stimmtheit, welche im disjunctiven Schlusse die Mitte, ausser dem daß sie allgemeine Natur des Gegenstandes ist, zugleich hat, wodurch dieser ebensowohl objective Allgemeinheit als bestimmte Besonderheit ist. Das an- dere Extrem des Schlusses steht dem aͤussern selbst- staͤndigen Extrem der Einzelnheit gegenuͤber; es ist daher das eben so selbststaͤndige Extrem der Allge- meinheit ; die Diremtion, welche die reale Neutrali- taͤt der Mitte daher in ihm erfaͤhrt, ist, daß sie nicht in gegeneinander differente, sondern indifferente Momente zerlegt wird. Diese Momente sind hiemit die abstracte, gleichguͤltige Basis einerseits, und das be- geistende Princip derselben andererseits, welches durch seine Trennung von der Basis ebenfalls die Form gleich- guͤltiger Objectivitaͤt erlangt. Dieser disjunctive Schluß ist die Totalitaͤt des Chemismus, in welcher dasselbe objective Ganze sowohl als II. Abschnitt. Objectivitaͤt . als die selbststaͤndige negative Einheit, dann in der Mitte als reale Einheit, — endlich aber die chemische Realitaͤt in ihre abstracten Momente aufgeloͤst, dar- gestellt ist. In diesen letztern ist die Bestimmtheit, nicht wie im Neutralen, an einem Andern zu ihrer Reflexion-in-sich gekommen, sondern ist an sich in ihre Abstraction zuruͤckgegangen, ein urspruͤnglich bestimmtes Element . 3. Diese elementarischen Objecte sind hiemit von der chemischen Spannung befreyt; es ist in ihnen die urspruͤngliche Grundlage derjenigen Voraussetzung , mit welcher der Chemismus begann, durch den realen Proceß gesetzt worden. Insofern nun weiter einer- seits ihre innerliche Bestimmtheit als solche, wesent- lich der Widerspruch ihres einfachen gleichguͤlti- gen Bestehens , und ihrer als Bestimmtheit , und der Trieb nach aussen ist, der sich dirimirt, und an ih- rem Objecte und an einem Andern die Spannung setzt, um ein solches zu haben , wogegen es sich als differentes verhalten, an dem es sich neutralisiren und seiner einfachen Bestimmtheit die daseyende Realitaͤt ge- ben koͤnne, so ist damit der Chemismus in seinem An- fang zuruͤckgegangen, in welchem gegeneinander gespann- te Objecte einander suchen, und dann durch eine for- male, aͤusserliche Mitte zu einem Neutralen sich vereini- gen. Auf der andern Seite hebt der Chemismus durch diesen Ruͤckgang in seinen Begriff sich auf, und ist in eine hoͤhere Sphaͤre uͤbergegangen. C. Ueber- II. Kapitel. Der Chemismus . C. Uebergang des Chemismus . Die gewoͤhnliche Chemie schon zeigt Beyspiele von chemischen Veraͤnderungen, worin ein Koͤrper z. B. einem Theil seiner Masse eine hoͤhere Oxydation zutheilt, und dadurch einen andern Theil in einen geringern Grad derselben herabsetzt, in welchem er erst mit einem an ihn gebrachten andern differenten Koͤrper eine neutrale Verbindung eingehen kann, fuͤr die er in jenem ersten unmittelbaren Grade nicht empfaͤnglich gewesen waͤre. Was hier geschieht, ist, daß sich das Object nicht nach ei- ner unmittelbaren, einseitigen Bestimmtheit auf ein an- deres bezieht, sondern nach der innern Totalitaͤt eines urspruͤnglichen Verhaͤltnisses die Voraussetzung , deren es zu einer realen Beziehung bedarf, setzt , und dadurch sich eine Mitte gibt, durch welche es seinen Begriff mit seiner Realitaͤt zusammenschließt; es ist die an und fuͤr sich bestimmte Einzelnheit, der concrete Be- griff als Princip der Disjunction in Extreme, de- ren Wiedervereinigung die Thaͤtigkeit dessel- ben negativen Princips ist, das dadurch zu seiner er- sten Bestimmung, aber objectivirt zuruͤckkehrt. Der Chemismus selbst ist die erste Negation der gleichguͤltigen Objectivitaͤt, und der Aeusser- lichkeit der Bestimmtheit; er ist also noch mit der unmittelbaren Selbststaͤndigkeit des Objects und mit der Aeusserlichkeit behaftet. Er ist daher fuͤr sich noch nicht jene Totalitaͤt der Selbstbestimmung, welche aus ihm hervorgeht, und in welcher er sich vielmehr auf- hebt. — Die drey Schluͤsse, welche sich ergeben haben, machen seine Totalitaͤt aus; der erste hat zur Mitte die formale Neutralitaͤt und zu den Extremen die gespannten Objecte, der zweyte hat das Product des ersten, die reelle II. Abschnitt. Objectivitaͤt . reelle Neutralitaͤt zur Mitte und die dirimirende Thaͤtigkeit, und ihr Product, das gleichguͤltige Element, zu den Ex- tremen; der dritte aber ist der sich realisirende Begriff, der sich die Voraussetzung setzt, durch welche der Pro- ceß seiner Realisirung bedingt ist, — ein Schluß, der das Allgemeine zu seinem Wesen hat. Um der Unmit- telbarkeit und Aeusserlichkeit willen jedoch, in deren Be- stimmung die chemische Objectivitaͤt steht, fallen die- se Schluͤsse noch auseinander . Der erste Pro- ceß, dessen Product die Neutralitaͤt der gespannten Ob- jecte ist, erlischt in seinem Producte, und es ist eine aͤusserlich hinzukommende Differentiirung, welche ihn wieder anfacht; bedingt durch eine unmittelbare Voraus- setzung, erschoͤpft er sich in ihr. — Eben so muß die Ausscheidung der differenten Extreme aus dem Neu- tralen, ingleichen ihre Zerlegung in ihre abstracten Ele- mente, von aͤusserlich hinzukommenden Bedin- gungen und Erregungen der Thaͤtigkeit ausgehen. Insofern aber auch die beyden wesentlichen Momente des Processes, einerseits die Neutralisirung, andererseits die Scheidung und Reduction, in einem und demselben Processe verbunden sind, und Vereinigung und Ab- stumpfung der gespannten Extreme auch eine Tren- nung in solche ist, so machen sie um der noch zu Grun- de liegenden Aeusserlichkeit willen, zwey verschiede- ne Seiten aus; die Extreme, welche in demselben Pro- cesse ausgeschieden werden, sind andere Objecte oder Materien, als diejenigen, welche sich in ihm einigen; insofern jene daraus wieder different hervorgehen, muͤssen sie sich nach Aussen wenden; ihre neue Neutrali- sirung ist ein anderer Proceß, als die, welche in dem ersten Statt hatte. Aber diese verschiedenen Processe, welche sich als nothwendig ergeben haben, sind eben so viele Stuf- fen , II. Kapitel. Der Chemismus . fen , wodurch die Aeusserlichkeit und das Be- dingtseyn aufgehoben wird, woraus der Begriff als an und fuͤr sich bestimmte, und von der Aeusserlichkeit nicht bedingte Totalitaͤt hervorgeht. Im ersten hebt sich die Aeusserlichkeit der die ganze Realitaͤt ausma- chenden, differenten Extreme gegeneinander, oder die Un- terschiedenheit des an sich seyenden bestimmten Begrif- fes von seiner daseyenden Bestimmtheit auf; im zweyten wird die Aeusserlichkeit der realen Ein- heit, die Vereinigung als bloß neutrale aufgeho- ben; — naͤher hebt sich die formale Thaͤtigkeit zunaͤchst in eben so formalen Basen, oder indifferenten Bestimmt- heiten auf, deren innerer Begriff nun die in sich gegangene, absolute Thaͤtigkeit, als an ihr selbst sich realisirend ist, d. i. die in sich die bestimmte Unterschie- de setzt , und durch diese Vermittlung sich als reale Einheit constituirt, — eine Vermittlung, welche somit die eigene Vermittlung des Begriffs, seine Selbstbe- stimmung, und in Ruͤcksicht auf seine Reflexion daraus in sich, immanentes Voraussetzen ist. Der dritte Schluß, der einerseits die Wiederherstellung der vor- hergehenden Processe ist, hebt andererseits noch das letz- te Moment gleichguͤltiger Basen auf, — die ganz abstracte aͤusserliche Unmittelbarkeit , welche auf diese Weise eigenes Moment der Vermittlung des Be- griffes durch sich selbst wird. Der Begriff, welcher hiemit alle Momente seines objectiven Daseyns als aͤus- serliche aufgehoben und in seine einfache Einheit gesetzt hat, ist dadurch von der objectiven Aeusserlichkeit voll- staͤndig befreit, auf welche er sich nur als eine unwe- sentliche Realitaͤt bezieht; dieser objective freye Begriff ist der Zweck . Drit- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Drittes Kapitel. Teleologie . W o Zweckmaͤssigkeit wahrgenommen wird, wird ein Verstand als Urheber derselben angenom- men, fuͤr den Zweck also die eigene, freye Existenz des Begriffes gefordert. Die Teleologie wird vornem- lich dem Mechanismus entgegengestellt, in welchem die an dem Object gesetzte Bestimmtheit wesentlich als aͤusserliche, eine solche ist, an der sich keine Selbstbe- stimmung manifestirt. Der Gegensatz von Causis efficientibus und Causis finalibus, bloß wirkenden und Endursachen bezieht sich auf jenen Unterschied, auf den, in concreter Form genommen auch die Untersuchung zuruͤckgeht, ob das absolute Wesen der Welt als blinder Naturmechanismus, oder als ein nach Zwecken sich be- stimmender Verstand zu fassen sey. Die Antinomie des Fatalismus mit dem Determinismus , und der Freyheit betrifft ebenfalls den Gegensatz des Me- chanismus und der Teleologie; denn das Freye ist der Begriff in seiner Existenz. Die vormalige Metaphysik ist mit diesen Begrif- fen, wie mit ihren andern verfahren; sie hat theils eine Weltvorstellung vorausgesetzt, und sich bemuͤht, zu zeigen, daß der eine oder der andere Begriff auf sie passe, und der entgegengesetzte mangelhaft sey, weil sie sich III. Kapitel. Teleologie . sich nicht aus ihm erklaͤren lasse; theils hat sie da- bey den Begriff der mechanischen Ursache und des Zwecks nicht untersucht, welcher an und fuͤr sich Wahrheit habe. Wenn diß fuͤr sich festgestellt ist, so mag die objective Welt mechanische und Endursachen darbieten; ihre Existenz ist nicht der Maßstab des Wahren , sondern das Wahre vielmehr das Krite- rium, welche von diesen Existenzen ihre wahrhafte sey. Wie der subjective Verstand auch Irrthuͤmer an ihm zeigt, so zeigt die objective Welt auch diejenigen Seiten und Stuffen der Wahrheit, welche fuͤr sich erst einseitig, unvollstaͤndig, und nur Erscheinungsverhaͤltnisse sind. Wenn Mechanismus und Zweckmaͤssigkeit sich gegenuͤber stehen, so koͤnnen sie eben deßwegen nicht als gleich- guͤltige genommen, deren jedes fuͤr sich ein richtiger Begriff sey und so viele Guͤltigkeit habe als der andere, wobey es nur darauf ankomme, wo der eine oder der andere angewendet werden koͤnne. Diese gleiche Guͤl- tigkeit beyder beruht nur darauf, weil sie sind , nem- lich weil wir beyde haben . Aber die nothwendige erste Frage ist, weil sie entgegengesetzt sind, welcher von beyden der Wahre sey; und die hoͤhere eigentliche Fra- ge ist, ob nicht ein Drittes ihre Wahrheit, oder ob einer die Wahrheit des andern ist. — Die Zweckbeziehung hat sich aber als die Wahrheit des Mechanismus erwiesen. — Das was sich als Chemismus darstellte, wird mit dem Me- chanismus insofern zusammengenommen, als der Zweck der Begriff in freyer Existenz ist, und ihm uͤber- haupt die Unfreyheit desselben, sein Versenktseyn in die Aeusserlichkeit gegenuͤbersteht; beydes, Mechanismus so wie Chemismus, wird also unter der Naturnothwendig- keit zusammengefaßt, indem im ersten der Begriff nicht am Objecte existirt, weil es als mechanisches die Selbst- bestimmung nicht enthaͤlt, im andern aber der Begriff ent- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . entweder eine gespannte, einseitige Existenz hat, oder insofern er als die Einheit hervortritt, welche das neu- trale Object in die Extreme spannt, sich selbst, insofern er diese Trennung aufhebt, aͤusserlich ist. Je mehr das teleologische Princip mit dem Be- griffe eines ausserweltlichen Verstandes zusammen- gehaͤngt, und insofern von der Froͤmmigkeit beguͤnstigt wurde, destomehr schien es sich von der wahren Natur- forschung zu entfernen, welche die Eigenschaften der Na- tur nicht als fremdartige, sondern als immanen- te Bestimmtheiten erkennen will, und nur solches Erkennen als ein Begreiffen gelten laͤßt. Da der Zweck der Begriff selbst in seiner Existenz ist, so kann es sonderbar scheinen, daß das Erkennen der Objecte aus ihrem Begriffe vielmehr als ein unberechtigter Ueber- schritt in ein heterogenes Element erscheint, der Mechanismus dagegen, welchem die Bestimmtheit eines Objects als ein aͤusserlich an ihm und durch ein Ande- res gesetzte Bestimmtheit ist, fuͤr eine immanentere An- sicht gilt, als die Teleologie. Der Mechanismus, we- nigstens der gemeine unfreye, so wie der Chemismus, muß allerdings insofern als ein immanentes Princip angesehen werden, als das bestimmende Aeusserliche , selbst wieder nur ein solches Object , ein aͤus- serlich bestimmtes und gegen solches Bestimmtwerden gleichguͤltiges, oder im Chemismus das andere Object ein gleichfalls chemisch bestimmtes ist, uͤberhaupt ein wesentliches Moment der Totalitaͤt immer in einem Aeussern liegt. Diese Principien bleiben daher inner- halb derselben Naturform der Endlichkeit stehen; ob sie aber gleich das Endliche nicht uͤberschreiten wollen, und fuͤr die Erscheinungen nur zu endlichen Ursachen, die selbst das Weitergehen verlangen, fuͤhren, so erweitern sie sich doch zugleich theils zu einer formellen Totalitaͤt in dem Be- III. Kapitel. Teleologie . Begriffe von Kraft, Ursache und dergleichen Reflexions- bestimmungen, die eine Urspruͤnglichkeit bezeichnen sollen, theils aber durch die abstracte Allgemeinheit von einem All der Kraͤfte , einem Ganzen von gegenseitigen Ursachen. Der Mechanismus zeigt sich selbst dadurch als ein Streben der Totalitaͤt, daß er die Natur fuͤr sich als ein Ganzes zu fassen sucht, das zu seinem Begriffe keines andern bedarf, — eine To- talitaͤt, die sich in dem Zwecke und dem damit zusam- menhaͤngenden ausserweltlichen Verstand nicht findet. Die Zweckmaͤssigkeit nun zeigt sich zunaͤchst als ein hoͤheres uͤberhaupt; als ein Verstand , der aͤusserlich die Mannichfaltigkeit der Objecte durch eine an und fuͤr sich seyende Einheit bestimmt, so daß die gleichguͤltigen Bestimmtheiten der Objecte durch diese Beziehung wesentlich werden. Im Mechanismus werden sie es durch die blosse Form der Nothwendigkeit , wobey ihr Inhalt gleich- guͤltig ist, denn sie sollen aͤusserliche bleiben, und nur der Verstand als solcher sich befriedigen, indem er sei- nen Zusammenhang, die abstracte Identitaͤt, erkennt. In der Teleologie dagegen wird der Inhalt wichtig, weil sie einen Begriff, ein an und fuͤr sich be- stimmtes und damit selbstbestimmendes voraussetzt, also von der Beziehung der Unterschiede und ihres Bestimmtseyns durcheinander, von der Form , die in sich reflectirte Einheit, ein an und fuͤr sich bestimmtes, somit einen Inhalt unterschieden hat. Wenn dieser aber sonst ein endlicher und unbe- deutender ist, so widerspricht er dem, was er seyn soll, denn der Zweck ist seiner Form eine in sich unend- liche Totalitaͤt; — besonders wenn das nach Zwecken wirkende Handeln als absoluter Willen und Verstand angenommen ist. Die Teleologie hat sich den Vorwurf des II. Abschnitt. Objectivitaͤt . des Laͤppischen deswegen so sehr zugezogen, weil die Zwecke, die sie aufzeigte, wie es sich trifft, bedeutender oder so geringfuͤgiger sind, und die Zweckbeziehung der Objecte mußte so haͤufig als eine Spielerey erschei- nen, weil diese Beziehung so aͤusserlich und daher zufaͤl- lig erscheint. Der Mechanismus dagegen laͤßt den Be- stimmtheiten der Objecte dem Gehalte nach, ihren Werth von Zufaͤlligen, gegen welche das Object gleichguͤltig ist, und die weder fuͤr sie, noch fuͤr den subjectiven Ver- stand ein hoͤheres Gelten haben sollen. Diß Princip gibt daher in seinem Zusammenhange von aͤusserer Noth- wendigkeit das Bewußtseyn unendlicher Freyheit, gegen die Teleologie, welche die Geringfuͤgigkeiten, und selbst Veraͤchtlichkeiten ihres Inhalts als etwas absolutes aufstellt, in dem sich der allgemeinere Gedanke nur un- endlich beengt, und selbst eckelhaft afficirt finden kann. Der formelle Nachtheil, in welchem diese Teleolo- gie zunaͤchst steht, ist, daß sie nur bis zur aͤussern Zweckmaͤssigkeit kommt. Indem der Begriff hie- durch als ein formelles gesetzt ist, so ist ihr der Inhalt auch ein ihm aͤusserlich in der Mannichfaltigkeit der ob- jectiven Welt gegebenes, — in eben jenen Bestimmthei- ten, welche auch Inhalt des Mechanismus, aber als ein aͤusserliches, zufaͤlliges sind. Um dieser Gemeinschaft- lichkeit willen, macht die Form der Zweckmaͤssig- keit fuͤr sich allein das Wesentliche des Teleologischen aus. In dieser Ruͤcksicht, ohne noch auf den Unter- schied von aͤusserer und innerer Zweckmaͤssigkeit zu sehen, hat sich die Zweckbeziehung uͤberhaupt, an und fuͤr sich als die Wahrheit des Mechanismus erwiesen. — Die Teleologie hat im Allgemeinen das hoͤhere Princip, den Begriff in seiner Existenz, der an und fuͤr sich das Unendliche und Absolute ist; — ein Princip der Freyheit, das seiner Selbstbestimmung schlechthin gewiß, dem aͤus- III. Kapitel. Teleologie . aͤusserlichen Bestimmtwerden des Mechanismus absolut entrissen ist. Eines der grossen Verdienste Kants um die Phi- losophie besteht in der Unterscheidung, die er zwischen relativer oder aͤusserer und zwischen innerer Zweck- maͤssigkeit aufgestellt hat; in letzterer hat er den Be- griff des Lebens , die Idee , aufgeschlossen und damit die Philosophie, was die Kritik der Vernunft nur unvollkommen, in einer sehr schieffen Wendung und nur negativ thut, positiv uͤber die Reflexionsbestimmun- gen und die relative Welt der Metaphysik erhoben. — Es ist erinnert worden, daß der Gegensatz der Teleolo- gie und des Mechanismus zunaͤchst der allgemeinere Ge- gensatz von Freyheit und Nothwendigkeit ist. Kant hat den Gegensatz in dieser Form, unter den An- tinomieen der Vernunft, und zwar als den dritten Widerstreit der transcendentalen Ideen auf- gefuͤhrt. — Ich fuͤhre seine Darstellung, auf welche fruͤher verwiesen worden, ganz kurz an, indem das Wesentliche derselben so einfach ist, daß es keiner weit- laͤufigen Auseinandersetzung bedarf, und die Art und Weise der Kantischen Antinomieen anderwaͤrts ausfuͤhr- licher beleuchtet worden ist. Die Thesis der hier zu betrachtenden lautet: Die Causalitaͤt nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insge- sammt abgeleitet werden koͤnnen. Es ist noch eine Cau- salitaͤt durch Freyheit zu Erklaͤrung derselben anzuneh- men nothwendig. Die Antithesis : Es ist keine Freyheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur. Q Der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Der Beweis geht wie bey den uͤbrigen Antino- mieen erstens apogogisch zu Werke, es wird das Gegen- theil jeder Thesis angenommen; zweytens um das Wi- dersprechende dieser Annahme zu zeigen, wird umgekehrt das Gegentheil derselben, das ist somit, der zu beweisende Satz angenommen, und als geltend vorausgesetzt; — der ganze Umweg des Beweisens konnte daher erspart werden; es besteht in nichts als der assertorischen Be- hauptung der beyden gegenuͤberstehenden Saͤtze. Zum Beweise der Thesis soll nemlich zuerst an- genommen werden: es gebe keine andere Causali- taͤt , als nach Gesetzen der Natur , d. i. nach der Nothwendigkeit des Mechanismus uͤberhaupt, den Che- mismus mit eingeschlossen. Dieser Satz widerspreche sich aber darum, weil das Gesetz der Natur gerade darin bestehe, daß ohne hinreichend à priori bestimmte Ursache , welche somit eine absolute Spon- taneitaͤt in sich enthalte, nichts geschehe; — d. h. die der Thesis entgegengesetzte Annahme ist darum wider- sprechend, weil sie der Thesis widerspricht. Zum Behuffe des Beweises der Antithesis solle man setzen: es gebe eine Freyheit als eine besondere Art von Causalitaͤt, einen Zustand, mithin auch eine Reihe von Folgen desselben schlechthin anzufangen. Da nun aber ein solches Anfangen einen Zustand vor- aussetzt , der mit dem vorhergehenden derselben gar keinen Zusammenhang der Causalitaͤt hat, so widerspricht es dem Gesetze der Causalitaͤt , nach welchem allein Einheit der Erfahrung und Erfahrung uͤberhaupt moͤglich ist; — d. h. die Annahme der Frey- heit, die der Antithesis entgegen ist, kann darum nicht gemacht werden, weil sie der Antithesis widerspricht. Dem III. Kapitel. Teleologie . Dem Wesen nach kehrt dieselbe Antinomie in der Kritik der teleologischen Urtheilskraft als der Gegensatz wieder: daß Alle Erzeugung mate- rieller Dinge nach bloß mechanischen Gesetzen geschieht und daß Einige Erzeugung derselben nach solchen Gesetzen nicht moͤglich ist . — Die Kan- tische Aufloͤsung dieser Antinomie ist dieselbige, wie die allgemeine Aufloͤsung der uͤbrigen; daß nemlich die Ver- nunft weder den einen noch den andern Satz beweisen koͤnne, weil wir von Moͤglichkeit der Dinge nach bloß empirischen Gesetzen der Natur kein bestimmendes Princip à priori haben koͤnnen ; — daß daher ferner beyde nicht als objective Saͤtze , sondern als subjective Maximen angesehen werden muͤs- sen; daß ich einerseits jederzeit uͤber alle Natur- ereignisse nach dem Princip des blossen Naturmechanis- mus reflectiren solle, daß aber diß nicht hindere, bey gelegentlicher Veranlassung , einigen Na- turformen, nach einer andern Maxime , nemlich nach dem Princip der Endursachen, nach zu spuͤren ; — als ob nun diese zwey Maximen , die uͤbrigens bloß fuͤr die menschliche Vernunft noͤthig seyn sollen, nicht in demselben Gegensatze waͤren, in dem sich jene Saͤtze befinden. — Es ist, wie vorhin bemerkt, auf diesem ganzen Standpunkte dasjenige nicht untersucht, was al- lein das philosophische Interesse fodert, nemlich welches von beyden Principien an und fuͤr sich Wahrheit habe; fuͤr diesen Gesichtspunkt aber macht es keinen Unter- schied, ob die Principien als objective , das heißt hier, aͤusserlich existirende Bestimmungen der Natur, oder als blosse Maximen eines subjectiven Erkennens be- trachtet werden sollen; — es ist vielmehr diß ein sub- jectives, d. h. zufaͤlliges Erkennen, welches auf gele- gentliche Veranlassung die eine oder andere Ma- xime anwendet, je nachdem es sie fuͤr gegebene Objecte Q 2 fuͤr II. Abschnitt. Objectivitaͤt . fuͤr passend haͤlt, uͤbrigens nach der Wahrheit dieser Bestimmungen selbst, sie seyen beyde Bestimmungen der Objecte oder des Erkennens, nicht fragt. So ungenuͤgend daher die Kantische Eroͤrterung des teleologischen Princips in Ansehung des wesentlichen Gesichtspunkts ist, so ist immer die Stellung bemerkens- werth, welche Kant demselben gibt. Indem er es einer reflectirenden Urtheilskraft zuschreibt, macht er es zu einem verbindenden Mittelgliede zwischen dem Allgemeinen der Vernunft und dem Einzel- nen der Anschauung ; — er unterscheidet ferner jene reflectirende Urtheilskraft von der bestim- menden , welche letztere das Besondere bloß unter das Allgemeine subsumire . Solches Allgemeine, welches nur subsumirend ist, ist ein abstractes , welches erst an einem andern , am Besondern, con- cret wird. Der Zweck dagegen ist das concrete Allgemeine , das in ihm selbst das Moment der Be- sonderheit und Aeusserlichkeit hat, daher thaͤtig, und der Trieb ist, sich von sich selbst abzustossen. Der Begriff ist als Zweck allerdings ein objectives Urtheil , worin die eine Bestimmung das Subject, nemlich der concrete Begriff als durch sich selbst bestimmt, die andere aber nicht nur ein Praͤdicat, sondern die aͤusserliche Ob- jectivitaͤt ist. Aber die Zweckbeziehung ist darum nicht ein reflectireudes Urtheilen, das die aͤusserlichen Ob- jecte nur nach einer Einheit betrachtet, als ob ein Verstand sie zum Behuf unsers Erkenntnißver- moͤgens gegeben haͤtte, sondern sie ist das an und fuͤr sich seyende Wahre, das objectiv urtheilt, und die aͤusserliche Objectivitaͤt absolut bestimmt. Die Zweckbe- ziehung ist dadurch mehr als Urtheil , sie ist der Schluß des selbststaͤndigen freyen Begriffs, der sich durch die Objectivitaͤt mit sich selbst zusammenschließt. Der III. Kapitel. Teleologie . Der Zweck hat sich als das Dritte zum Mecha- nismus und Chemismus ergeben; er ist ihre Wahrheit. Indem er selbst noch innerhalb der Sphaͤre der Objec- tivitaͤt, oder der Unmittelbarkeit des totalen Begriffs steht, ist er von der Aeusserlichkeit als solcher noch af- ficirt, und hat eine objective Welt sich gegenuͤber, auf die er sich bezieht. Nach dieser Seite erscheint die me- chanische Causalitaͤt, wozu im Allgemeinen auch der Che- mismus zu nehmen ist, noch bey dieser Zweckbezie- hung , welche die aͤusserliche ist, aber als ihr untergeordnet , als an und fuͤr sich aufgehoben. Was das naͤhere Verhaͤltniß betrifft, so ist das mecha- nische Object als unmittelbare Totalitaͤt gegen sein Be- stimmtseyn, und damit dagegen, ein Bestimmendes zu seyn, gleichguͤltig. Diß aͤusserliche Bestimmtseyn, ist nun zur Selbstbestimmung fortgebildet, und damit der im Objecte nur innere , oder was dasselbe ist, nur aͤussere Begriff , nunmehr gesetzt ; der Zweck ist zunaͤchst eben dieser dem mechanischen aͤusserliche Begriff selbst. So ist der Zweck auch fuͤr den Chemismus das Selbstbestimmende, welches das aͤusserliche Bestimmt- werden, durch welches er bedingt ist, zur Einheit des Begriffes zuruͤckbringt. — Die Natur der Unterordnung der beyden vorherigen Formen des objectiven Processes ergibt sich hieraus; das Andere, das an ihnen in dem unendlichen Progreß liegt, ist der ihnen zunaͤchst als aͤusserlich gesetzte Begriff, welcher Zweck ist; der Begriff ist nicht nur ihre Substanz, sondern auch die Aeusser- lichkeit ist das ihnen wesentliche, ihre Bestimmtheit ausmachende Moment. Die mechanische oder chemische Technik bietet sich also durch ihren Charakter, aͤusserlich bestimmt zu seyn, von selbst der Zweckbeziehung dar, die nun naͤher zu betrachten ist. A. Der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . A. Der subjective Zweck . Der subjective Begriff hat in der Centrali- taͤt der objectiven Sphaͤre, die eine Gleichguͤltigkeit gegen die Bestimmtheit ist, zunaͤchst den negativen Einheitspunkt wieder gefunden und gesetzt; in dem Chemismus aber die Objectivitaͤt der Begriffsbe- stimmungen , wodurch er erst als concreter ob- jectiver Begriff gesetzt ist. Seine Bestimmtheit oder sein einfacher Unterschied hat nunmehr an ihm selbst die Bestimmtheit der Aeusserlichkeit , und seine einfache Einheit ist dadurch die sich von sich selbst abstossende und darin sich erhaltende Einheit. Der Zweck ist daher der subjective Begriff als wesentliches Streben und Trieb sich aͤusserlich zu setzen. Er ist da- bey dem Uebergehen entnommen. Er ist weder eine Kraft, die sich aͤussert, noch eine Substanz und Ursache, die in Accidenzen und Wirkungen sich manifestirt. Die Kraft ist nur ein abstract inneres, indem sie sich nicht geaͤussert hat; oder sie hat erst in der Aeusserung, zu der sie sollicitirt werden muß, Daseyn; eben so die Ur- sache und die Substanz; weil sie nur in den Accidenzen und in der Wirkung Wirklichkeit haben, ist ihre Thaͤtig- keit der Uebergang, gegen den sie sich nicht in Freyheit erhalten. Der Zweck kann wohl auch als Kraft und Ur- sache bestimmt werden, aber diese Ausdrucke erfuͤllen nur eine unvollkommene Seite seiner Bedeutung; wenn sie von ihm nach seiner Wahrheit ausgesprochen werden sollen, so koͤnnen sie es nur auf eine Weise, welche ih- ren Begriff aufhebt; als eine Kraft, welche sich selbst zur Aeusserung sollicitirt, als eine Ursache, welche Ur- sache III. Kapitel. Teleologie . sache ihrer selbst, oder deren Wirkung unmittelbar die Ursache ist. Wenn das Zweckmaͤssige einem Verstande zuge- schrieben wird, wie vorhin angefuͤhrt wurde, so ist da- bey auf das Bestimmte des Inhaltes Ruͤcksicht genommen. Er ist aber uͤberhaupt als das Vernuͤnf- tige in seiner Existenz zu nehmen. Er manife- stirt darum Vernuͤnftigkeit , weil er der concrete Begriff ist, der den objectiven Unterschied in seiner absoluten Einheit haͤlt. Er ist daher we- sentlich der Schluß an ihm selbst. Er ist das sich gleiche Allgemeine , und zwar als die sich von sich abstossende Negativitaͤt enthaltend; zunaͤchst die allge- meine, insofern noch unbestimmte Thaͤtigkeit ; aber weil diese die negative Beziehung auf sich selbst ist, bestimmt sie sich unmittelbar, und gibt sich das Moment der Besonderheit , welche als die gleich- falls in sich reflectirte Totalitaͤt der Form Inhalt, gegen die gesetzten Unterschiede der Form ist. Eben unmittelbar ist diese Negativitaͤt durch ihre Beziehung auf sich selbst, absolute Reflexion der Form in sich, und Einzelnheit . Einerseits ist diese Re- flexion die innere Allgemeinheit des Subjects , andererseits aber Reflexion nach Aussen ; und in- sofern ist der Zweck noch ein subjectives und seine Thaͤ- tigkeit gegen aͤusserliche Objectivitaͤt gerichtet. Der Zweck ist nemlich der an der Objectivitaͤt zu sich selbst gekommene Begriff; die Bestimmtheit, die er sich an ihr gegeben, ist die der objectiven Gleich- guͤltigkeit und Aeusserlichkeit des Bestimmtseyns; seine sich von sich abstossende Negativitaͤt ist daher eine solche, deren Momente, indem sie nur die Bestimmungen des Begriffs selbst sind, auch die Form von objectiver Gleich- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Gleichguͤltigkeit gegen einander haben. — Im formellen Urtheile sind Subject und Praͤdicat schon als selbststaͤndige gegen einander bestimmt; aber ihre Selbst- staͤndigkeit ist nur erst abstracte Allgemeinheit; sie hat nunmehr die Bestimmung von Objectivitaͤt erlangt; aber als Moment des Begriffs ist diese vollkommene Verschiedenheit in die einfache Einheit des Begriffs ein- geschlossen. Insofern nun der Zweck diese totale Refle- xion der Objectivitaͤt in sich , und zwar unmittelbar ist, so ist erstlich die Selbstbestimmung oder die Be- sonderheit als einfache Reflexion in sich von der concreten Form unterschieden, und ist ein bestimm- ter Inhalt . Der Zweck ist hienach endlich , ob er gleich seiner Form nach unendliche Subjectivitaͤt ist. Zweytens weil seine Bestimmtheit die Form objectiver Gleichguͤltigkeit hat, hat sie die Gestalt einer Voraus- setzung , und seine Endlichkeit besteht nach dieser Sei- te darin, daß er eine objective , mechanische und chemische Welt vor sich hat, auf welche sich seine Thaͤ- tigkeit, als auf ein Vorhandenes bezieht, seine selbstbestimmende Thaͤtigkeit ist so in ihrer Identitaͤt un- mittelbar sich selbst aͤusserlich und so sehr als Re- flexion in sich, so sehr Reflexion nach Aussen. Insofern hat er noch eine wahrhaft ausserweltliche Existenz, insofern ihm nemlich jene Objectivitaͤt gegenuͤbersteht, so wie diese dagegen als ein mechanisches und chemi- sches, noch nicht vom Zweck bestimmtes und durchdrun- genes Ganzes ihm gegenuͤbersteht. Die Bewegung des Zwecks kann daher nun so ausgedruͤckt werden, daß sie darauf gehe, seine Vor- aussetzung aufzuheben, das ist, die Unmittelbarkeit des Objects, und es zu setzen als durch den Begriff bestimmt. Dieses negative Verhalten gegen das Object ist ebensosehr ein negatives gegen sich selbst, ein Aufhe- ben III. Kapitel. Teleologie . ben der Subjectivitaͤt des Zwecks. Positiv ist es die Realisation des Zwecks, nemlich die Vereinigung des objectiven Seyns mit demselben, so daß dasselbe, wel- ches als Moment des Zwecks unmittelbar die mit ihm identische Bestimmtheit ist, als aͤusserliche sey, und umgekehrt das Objective als Voraussetzung vielmehr als durch Begriff bestimmt, gesetzt werde. — Der Zweck ist in ihm selbst der Trieb seiner Realisirung; die Bestimmtheit der Begriffsmomente ist die Aeusserlichkeit, die Einfachheit derselben in der Einheit des Begrif- fes ist aber dem, was sie ist, unangemessen und der Be- griff stoͤßt sich daher von sich selbst ab. Diß Abstossen ist der Entschluß uͤberhaupt, der Beziehung der negati- ven Einheit auf sich, wodurch sie ausschliessende Einzelnheit ist; aber durch diß Ausschliessen ent- schließt sie sich, oder schließt sich auf , weil es Selbstbestimmen , Setzen seiner selbst ist. Ei- nerseits indem die Subjectivitaͤt sich bestimmt, macht sie sich zur Besonderheit, gibt sich einen Inhalt, der in die Einheit des Begriffs eingeschlossen, noch ein innerlicher ist; diß Setzen , die einfache Reflexion in sich, ist aber, wie sich ergeben, unmittelbar zugleich ein Vor- aussetzen ; und in demselben Momente, in welchem das Subject des Zwecks sich bestimmt, ist es auf eine gleichguͤltige, aͤusserliche Objectivitaͤt bezogen, die von ihm jener innern Bestimmtheit gleich gemacht, d. h. als ein durch den Begriff bestimmtes gesetzt werden soll, zunaͤchst als Mittel . B. Das II. Abschnitt. Objectivitaͤt . B. Das Mittel . Das erste unmittelbare Setzen im Zwecke ist zu- gleich das Setzen eines innerlichen , d. h. als ge- setzt bestimmten, und zugleich das Voraussetzen einer objectiven Welt, welche gleichguͤltig gegen die Zweckbe- stimmung ist. Die Subjectivitaͤt des Zwecks ist aber die absolute negative Einheit ; ihr zweytes Be- stimmen ist daher das Aufheben dieser Voraussetzung uͤberhaupt; diß Aufheben ist insofern die Ruͤckkehr in sich , als dadurch jenes Moment der ersten Ne- gation , das Setzen des Negativen gegen das Subject, das aͤusserliche Object, aufgehoben wird. Aber gegen die Voraussetzung oder gegen die Unmittelbarkeit des Bestimmens, gegen die objective Welt ist es nur erst die erste , selbst unmittelbare, und daher aͤusserliche Negation. Diß Setzen ist daher noch nicht der ausge- fuͤhrte Zweck selbst, sondern erst der Anfang dazu. Das so bestimmte Object ist erst das Mittel . Der Zweck schließt sich durch ein Mittel mit der Objectivitaͤt und in dieser mit sich selbst zusammen. Das Mittel ist die Mitte des Schlusses. Der Zweck bedarf eines Mittels zu seiner Ausfuͤhrung, weil er endlich ist; — eines Mittels, das heißt, einer Mitte, welche zugleich die Gestalt eines aͤusserlichen , gegen den Zweck selbst und dessen Ausfuͤhrung gleichguͤltigen Da- seyns hat. Der absolute Begriff hat in sich selbst so die Vermittlung, daß das erste Setzen desselben nicht ein Voraussetzen ist, in dessen Object die gleichguͤltige Aeusserlichkeit die Grundbestimmung waͤre; sondern die Welt als Geschoͤpf hat nur die Form solcher Aeusserlich- keit, III. Kapitel. Teleologie . keit, aber ihre Negativitaͤt und das Gesetztseyn macht vielmehr deren Grundbestimmung aus. — Die Endlich- keit des Zweckes besteht sonach darin, daß sein Bestimmen uͤberhaupt sich selbst aͤusserlich ist, somit sein erstes, wie wir gesehen, in ein Setzen und in ein Voraussetzen zer- faͤllt; die Negation dieses Bestimmens ist daher auch nur nach einer Seite schon Reflexion in sich, nach der andern ist sie vielmehr nur erste Negation; — oder: die Reflexion-in-sich ist selbst auch sich aͤusserlich und Reflexion nach Aussen. Das Mittel ist daher die formale Mitte eines formalen Schlusses; es ist ein Aeusserliches gegen das Extrem des subjectiven Zwecks, so wie da- her auch gegen das Extrem des objectiven Zwecks; wie die Besonderheit im formalen Schlusse ein gleichguͤltiger medius terminus ist, an dessen Stelle auch andere tre- ten koͤnnen. Wie dieselbe ferner Mitte nur dadurch ist, daß sie in Beziehung auf das eine Extrem Bestimmtheit, in Beziehung aber auf das andere Extrem Allgemeines ist, ihre vermittelnde Bestimmung also relativ durch an- dere hat, so ist auch das Mittel die vermittelnde Mitte nur erstlich, daß es ein unmittelbares Object ist, zwey- tens daß es Mittel durch die ihm aͤusserliche Bezie- hung auf das Extrem des Zweckes; — welche Bezie- hung fuͤr dasselbe eine Form ist, wogegen es gleich- guͤltig ist. Begriff und Objectivitaͤt sind daher im Mittel nur aͤusserlich verbunden; es ist insofern ein bloß mecha- nisches Object . Die Beziehung des Objects auf den Zweck ist eine Praͤmisse, oder die unmittelbare Be- ziehung, welche in Ansehung des Zwecks, wie gezeigt, Reflexion in sich selbst ist , das Mittel ist inhaͤri- rendes Praͤdicat; seine Objectivitaͤt ist unter die Zweck- be- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . bestimmung, welche ihrer Concretion willen, Allgemein- heit ist, subsumirt. Durch diese Zweckbestimmung, wel- che an ihm ist, ist es nun auch gegen das andre Ex- trem, der vorerst noch unbestimmten Objectivitaͤt, sub- sumirend. — Umgekehrt hat das Mittel gegen den sub- jectiven Zweck, als unmittelbare Objectivitaͤt, Allgemeinheit des Daseyns , welches die subjec- tive Einzelnheit des Zweckes noch entbehrt. — Indem so zunaͤchst der Zweck nur als aͤusserliche Bestimmtheit am Mittel ist, ist er selbst als die negative Einheit aus- ser demselben, so wie das Mittel mechanisches Object, das ihn nur als eine Bestimmtheit, nicht als einfache Concretion der Totalitaͤt an ihm hat. Als das Zusam- menschliessende aber muß die Mitte selbst die Totalitaͤt des Zwecks seyn. Es hat sich gezeigt, daß die Zweckbestim- mung am Mittel, zugleich Reflexion in sich selbst ist; in- sofern ist sie formelle Beziehung auf sich, da die Bestimmtheit , als reale Gleichguͤltigkeit , als die Objectivitaͤt des Mittels gesetzt ist. Aber eben- deßwegen ist diese einerseits reine Subjectivitaͤt zugleich auch Thaͤtigkeit . — Im subjectiven Zweck ist die negative Beziehung auf sich selbst, noch identisch mit der Bestimmtheit als solcher, dem Inhalt und der Aeusser- lichkeit. In der beginnenden Objectivirung des Zweckes aber, einem Anderswerden des einfachen Begriffes treten jene Momente aus einander, oder umgekehrt be- steht hierin diß Anderswerden, oder die Aeusserlich- keit selbst. Diese ganze Mitte ist somit selbst die Totalitaͤt des Schlusses, worin die abstracte Thaͤtigkeit und das aͤus- sere Mittel die Extreme ausmachen, deren Mitte die Be- stimmtheit des Objects durch den Zweck, durch welche es Mittel ist, ausmacht. — Ferner aber ist die Allge- meinheit die Beziehung der Zweckthaͤtigkeit und des III. Kapitel. Teleologie . des Mittels. Das Mittel ist Object, an sich die Tota- litaͤt des Begriffs; es hat keine Kraft des Widerstands gegen den Zweck, wie es zunaͤchst gegen ein anderes unmittelbares Object hat. Dem Zweck, welcher der ge- setzte Begriff ist, ist es daher schlechthin durchdringlich, und dieser Mittheilung empfaͤnglich, weil es an sich identisch mit ihm ist. Es ist aber nunmehr auch ge- setzt , als das dem Begriffe durchdringliche, denn in der Centralitaͤt ist es ein Strebendes nach der negativen Einheit; eben so im Chemismus ist es als Neutrales so wie als differentes ein unselbststaͤndiges geworden. — Seine Unselbststaͤndigkeit besteht eben darin, daß es nur an sich die Totalitaͤt des Begriffs ist; dieser aber ist das Fuͤrsichseyn. Das Object hat daher gegen den Zweck den Character, machtlos zu seyn, und ihm zu dienen; er ist dessen Subjectivitaͤt oder Seele, die an ihm ihre aͤusserliche Seite hat. Das Object, auf diese Weise dem Zwecke unmit- telbar unterworfen, ist nicht ein Extrem des Schlus- ses; sondern diese Beziehung macht eine Praͤmisse dessel- ben aus. Aber das Mittel hat auch eine Seite, nach welcher es noch Selbststaͤndigkeit gegen den Zweck hat. Die im Mittel mit ihm verbundene Objectivitaͤt, ist weil sie es nur unmittelbar ist, ihm noch aͤusserlich; und die Voraussetzung besteht daher noch. Die Thaͤtig- keit des Zwecks durch das Mittel ist deswegen noch gegen diese gerichtet, und der Zweck ist eben insofern Thaͤtigkeit, nicht mehr bloß Trieb und Streben, als im Mittel das Moment der Objectivitaͤt in seiner Bestimmt- heit als Aeusserliches gesetzt ist, und die einfache Einheit des Begriffs sie als solche nun an sich hat. C. Der II. Abschnitt. Objectivitaͤt . C. Der ausgefuͤhrte Zweck . 1. Der Zweck ist in seiner Beziehung auf das Mit- tel schon in sich reflectirt; aber es ist seine objective Ruͤckkehr in sich noch nicht gesetzt. Die Thaͤtigkeit des Zwecks durch sein Mittel ist noch gegen die Objectivitaͤt als urspruͤngliche Voraussetzung gerichtet; sie ist eben diß, gleichguͤltig gegen die Bestimmtheit zu seyn. Inso- fern die Thaͤtigkeit wieder bloß darin bestuͤnde, die un- mittelbare Objectivitaͤt zu bestimmen, so wuͤrde das Pro- duct wieder nur ein Mittel seyn und so fort ins unend- liche; es kaͤme nur ein zweckmaͤssiges Mittel heraus, aber nicht die Objectivitaͤt des Zweckes selbst. Der in seinem Mittel thaͤtige Zweck muß daher nicht als ein aͤusserliches das unmittelbare Object bestimmen, so- mit dieses durch sich selbst zur Einheit des Begriffes zu- sammengehen; oder jene aͤusserliche Thaͤtigkeit des Zwecks durch sein Mittel muß sich als Vermittlung be- stimmen und selbst aufheben. Die Beziehung der Thaͤtigkeit des Zwecks durch das Mittel auf das aͤusserliche Object ist zunaͤchst die zweyte Praͤmisse des Schlusses, — eine unmit- telbare Beziehung der Mitte auf das andre Extrem. Unmittelbar ist sie, weil die Mitte ein aͤusserli- ches Object an ihr hat, und das andre Extrem ein eben solches ist. Das Mittel ist wirksam und maͤchtig gegen letzteres, weil sein Object mit der selbstbestimmen- den Thaͤtigkeit verbunden, diesem aber die unmittelbare Bestimmtheit, welche es hat, eine gleichguͤltige ist. Ihr Proceß in dieser Beziehung ist kein anderer als der me- chanische oder chemische; es treten in dieser objectiven Aeus- III. Kapitel. Teleologie . Aeusserlichkeit die vorigen Verhaͤltnisse, aber unter der Herrschaft des Zweckes hervor. — Diese Processe aber gehen durch sich selbst, wie sich an ihnen gezeigt, in den Zweck zuruͤck. Wenn also zunaͤchst die Beziehung des Mittels auf das zu bearbeitende aͤussere Object eine un- mittelbare ist, so hat sie sich schon fruͤher als ein Schluß dargestellt, indem sich der Zweck als ihre wahrhafte Mitte und Einheit erwiesen hat. Indem das Mittel also das Object ist, welches auf der Seite des Zwecks steht und dessen Thaͤtigkeit in sich hat, so ist der Mecha- nismus, der hier Statt findet, zugleich die Ruͤckkehr der Objectivitaͤt in sich selbst, in den Begriff, der aber schon als der Zweck vorausgesetzt ist; das negative Ver- halten der zweckmaͤssigen Thaͤtigkeit gegen das Object ist insofern nicht ein aͤusserliches , sondern die Veraͤn- derung und der Uebergang der Objectivitaͤt an ihr selbst in ihn. Daß der Zweck sich unmittelbar auf ein Object bezieht, und dasselbe zum Mittel macht, wie auch daß er durch dieses ein anderes bestimmt, kann als Ge- walt betrachtet werden, insofern der Zweck als von ganz anderer Natur erscheint, als das Object, und die beyden Objecte eben so gegen einander selbststaͤndige To- talitaͤten sind. Daß der Zweck sich aber in die mit- telbare Beziehung mit dem Object setzt, und zwischen sich und dasselbe ein anderes Object einschiebt , kann als die List der Vernunft angesehen werden. Die Endlichkeit der Vernuͤnftigkeit hat, wie bemerkt, diese Seite, daß der Zweck sich zu der Voraussetzung d. h. zur Aeusserlichkeit des Objects verhaͤlt. In der unmit- telbaren Beziehung auf dasselbe traͤte er selbst in den Mechanismus oder Chemismus und waͤre damit der Zufaͤlligkeit und dem Untergange seiner Bestimmung, an und fuͤr sich seyender Begriff zu seyn, unterworfen. So II. Abschnitt. Objectivitaͤt . So aber stellt er ein Object als Mittel hinaus, laͤßt dasselbe statt seiner sich aͤusserlich abarbeiten, gibt es der Aufreibung Preis, und erhaͤlt sich hinter ihm gegen die mechanische Gewalt. Indem der Zweck endlich ist, hat er ferner einen endlichen Inhalt; hienach ist er nicht ein absolutes, oder schlechthin an und fuͤr sich ein Vernuͤnftiges . Das Mittel aber ist die aͤusserliche Mitte des Schlus- ses, welcher die Ausfuͤhrung des Zweckes ist; an dem- selben gibt sich daher die Vernuͤnftigkeit in ihm als solche kund, in diesem aͤusserlichen Andern und gerade durch diese Aeusserlichkeit sich zu erhalten. In- sofern ist das Mittel ein hoͤheres als die endli- chen Zwecke der aͤussern Zweckmaͤssigkeit; — der Pflug ist ehrenvoller, als unmittelbar die Genuͤsse sind, welche durch ihn bereitet werden und die Zwecke sind. Das Werkzeug erhaͤlt sich, waͤhrend die unmittelba- ren Genuͤsse vergehen und vergessen werden. An sei- nen Werkzeugen besitzt der Mensch die Macht uͤber die aͤusserliche Natur, wenn er auch nach seinen Zwecken ihr vielmehr unterworfen ist. Der Zweck haͤlt sich aber nicht nur ausserhalb dem mechanischen Processe, sondern erhaͤlt sich in demselben, und ist dessen Bestimmung. Der Zweck als der Be- griff, der frey gegen das Object und dessen Proceß exi- stirt, und sich selbst bestimmende Thaͤtigkeit ist, geht, da er ebensosehr die an und fuͤr sich seyende Wahrheit des Mechanismus ist, in demselben nur mit sich selbst zu- sammen. Die Macht des Zwecks uͤber das Object ist diese fuͤr sich seyende Identitaͤt; und seine Thaͤtigkeit ist die Manifestation derselben. Der Zweck als Inhalt ist die an und fuͤr sich seyende Bestimmtheit , wel- che am Object als gleichguͤltige und aͤusserliche ist, die Thaͤ- III. Kapitel. Teleologie . Thaͤtigkeit desselben aber ist einerseits die Wahrheit des Processes und als negative Einheit das Aufheben des Scheins der Aeusserlichkeit . Nach der Ab- straction ist es die gleichguͤltige Bestimmtheit des Ob- jects, welche eben so aͤusserlich durch eine andere ersetzt wird; aber die einfache Abstraction der Bestimmt- heit ist in ihrer Wahrheit die Totalitaͤt des Negati- ven, der concrete und in sich die Aeusserlichkeit setzen- de, Begriff. Der Inhalt des Zwecks ist seine Negativitaͤt als einfache in sich reflectirte Besonderheit , von seiner Totalitaͤt als Form unterschieden. Um dieser Einfachheit willen, deren Bestimmtheit an und fuͤr sich die Totalitaͤt des Begriffes ist, erscheint der Inhalt als das identisch bleibende in der Realisirung des Zweckes. Der teleologische Proceß ist Uebersetzung des distinct als Begriffs existirenden Begriffs in die Ob- jectivitaͤt; es zeigt sich, daß dieses Uebersetzen in ein vorausgesetztes Anderes das Zusammengehen des Begrif- fes durch sich selbst, mit sich selbst ist. Der In- halt des Zwecks ist nu n diese in der Form des Identi- schen existirende Identitaͤt. In allem Uebergehen erhaͤlt sich der Begriff, z. B. indem die Ursache zur Wirkung wird, ist es die Ursache, die in der Wirkung nur mit sich selbst zusammengeht; im teleologischen Uebergehen ist es aber der Begriff, der als solcher schon als Ur- sache existirt, als die absolute gegen die Objectivitaͤt und ihre aͤusserliche Bestimmbarkeit freye concrete Ein- heit. Die Aeusserlichkeit, in welche sich der Zweck uͤber- setzt, ist, wie wir gesehen, schon selbst als Moment des Begriffs, als Form seiner Unterscheidung in sich, gesetzt. Der Zweck hat daher an der Aeusserlichkeit sein eige- nes Moment ; und der Inhalt, als Inhalt der con- creten Einheit, ist seine einfache Form , welche sich R in II. Abschnitt. Objectivitaͤt . in den unterschiedenen Momenten des Zwecks, als sub- jectiver Zweck, als Mittel und vermittelte Thaͤtigkeit, und als objectiver, sich nicht nur an sich gleich bleibt, son- dern auch als das sich gleichbleibende existirt. Man kann daher von der teleologischen Thaͤtigkeit sagen, daß in ihr das Ende der Anfang, die Folge der Grund, die Wirkung die Ursache sey, daß sie ein Wer- den des Gewordenen sey, daß in ihr nur das schon Exi- stirende in die Existenz komme u. s. f. das heißt, daß uͤberhaupt alle Verhaͤltnißbestimmungen, die der Sphaͤre der Reflexion oder des unmittelbaren Seyns angehoͤren, ihre Unterschiede verloren haben, und was als ein An- deres wie Ende, Folge, Wirkung u. s. f. ausgesprochen wird, in der Zweckbeziehung nicht mehr die Bestimmung eines Andern habe, sondern vielmehr als identisch mit dem einfachen Begriffe gesetzt ist. 2. Das Product der teleologischen Thaͤtigkeit nun naͤher betrachtet, so hat es den Zweck nur aͤusserlich an ihm, insofern es absolute Voraussetzung gegen den sub- jectiven Zweck ist, insofern nemlich dabey stehen geblie- ben wird, daß die zweckmaͤssige Thaͤtigkeit durch ihr Mit- tel sich nur mechanisch gegen das Object verhaͤlt, und statt einer gleichguͤltigen Bestimmtheit desselben eine an- dere , ihm eben so aͤusserliche setzt. Eine solche Be- stimmtheit, welche ein Object durch den Zweck hat, unter- scheidet sich im allgemeinen von einer andern bloß me- chanischen, daß jenes Moment einer Einheit , somit ob sie wohl dem Objecte aͤusserlich, doch in sich selbst nicht ein bloß aͤusserliches ist. Das Object, das eine solche Einheit zeigt, ist ein Ganzes, wogegen seine Thei- le, seine eigene Aeusserlichkeit, gleichguͤltig ist; eine be- stimmte, concrete Einheit, welche unterschiedene Be- ziehungen und Bestimmtheiten in sich vereinigt. Diese Ein- III. Kapitel. Teleologie . Einheit, welche aus der specifischen Natur des Objects nicht begriffen werden kann, und dem bestimmten In- halte nach ein anderer ist, als der eigenthuͤmliche Inhalt des Objects, ist fuͤr sich selbst nicht eine mechanische Bestimmtheit, aber sie ist am Objecte noch mechanisch. Wie an diesem Producte der zweckmaͤssigen Thaͤtigkeit der Inhalt des Zwecks und der Inhalt des Objects sich aͤusserlich sind, so verhalten sich auch in den andern Mo- menten des Schlusses die Bestimmungen derselben gegen- einander, — in der zusammenschliessenden Mitte, die zweckmaͤssige Thaͤtigkeit, und das Object, welches Mit- tel ist, und im subjectiven Zweck, dem andern Extreme, die unendliche Form, als Totalitaͤt des Begriffes, und sein Inhalt. Nach der Beziehung , durch welche der subjective Zweck mit der Objectivitaͤt zusammenge- schlossen wird, ist sowohl die eine Praͤmisse, nemlich die Beziehung des als Mittel bestimmten Objects auf das noch aͤusserliche Object, als die andere nemlich des sub- jectiven Zwecks auf das Object, welches zum Mittel ge- macht wird, eine unmittelbare Beziehung. Der Schluß hat daher den Mangel des formalen Schlusses uͤber- haupt, daß die Beziehungen, aus welchen er besteht, nicht selbst Schlußsaͤtze oder Vermittlungen sind, daß sie vielmehr den Schlußsatz, zu dessen Hervorbringung sie als Mittel dienen sollen, schon voraussetzen. Wenn wir die eine Praͤmisse , die unmittelbare Beziehung des subjectiven Zwecks auf das Object, wel- ches dadurch zum Mittel wird, betrachten, so kann jener sich nicht unmittelbar auf dieses beziehen; denn dieses ist ein eben so unmittelbares, als das des andern Ex- trems, in welchem der Zweck durch Vermittlung ausgefuͤhrt werden soll. Insofern sie so als verschie- dene gesetzt sind, muß zwischen diese Objectivitaͤt und den subjectiven Zweck ein Mittel ihrer Beziehung ein- R 2 ge- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . geschoben werden; aber dieses Mittel ist eben so ein schon durch den Zweck bestimmtes Object, zwischen des- sen Objectivitaͤt und teleologische Bestimmung ist ein neues Mittel und so fort ins unendliche einzuschieben. Damit ist der unendliche Progreß der Vermitt- lung gesetzt. — Dasselbe findet statt in Ansehung der andern Praͤmisse, der Beziehung des Mittels auf das noch unbestimmte Object. Da sie schlechthin selbststaͤn- dige sind, so koͤnnen sie nur in einem Dritten, und so fort ins unendliche, vereinigt seyn. — Oder umgekehrt, da die Praͤmissen den Schlußsatz schon voraussetzen, so kann dieser, wie er durch jene nur unmittelbare Praͤ- missen ist, nur unvollkommen seyn. Der Schlußsatz oder das Product des zweckmaͤssigen Thuns, ist nichts als ein durch einen ihm aͤusserlichen Zweck bestimmtes Object; es ist somit dasselbe was das Mittel . Es ist daher in solchem Product selbst nur ein Mit- tel , nicht ein ausgefuͤhrter Zweck herausgekom- men; oder: der Zweck hat in ihm keine Objectivitaͤt wahrhaft erreicht. — Es ist daher ganz gleichguͤltig, ein durch den aͤussern Zweck bestimmtes Object als aus- gefuͤhrten Zweck, oder nur als Mittel zu betrachten; es ist diß eine relative, dem Objecte selbst aͤusserliche, nicht objective Bestimmung. Alle Objecte also, an welchen ein aͤusserer Zweck ausgefuͤhrt ist, sind ebensowohl nur Mittel des Zwecks. Was zur Ausfuͤhrung eines Zwecks gebraucht und wesentlich als Mittel genommen werden soll, ist Mittel nach seiner Bestimmung aufgerieben zu werden. Aber auch das Object, das den ausgefuͤhrten Zweck enthalten, und sich als dessen Objectivitaͤt darstel- len soll, ist vergaͤnglich; es erfuͤllt seinen Zweck eben- falls nicht durch ein ruhiges, sich selbst erhaltendes Da- seyn, sondern nur, insofern es aufgerieben wird, denn nur insofern entspricht es der Einheit des Begriffs, in- dem sich seine Aeusserlichkeit d. i. seine Objectivitaͤt in der- III. Kapitel. Teleologie . derselben aufhebt. — Ein Haus, eine Uhr koͤnnen als die Zwecke erscheinen, gegen die zu ihrer Hervorbrin- gung gebrauchten Werkzeuge; aber die Steine, Balken, oder Raͤder, Axen u. s. f. welche die Wirklichkeit des Zweckes ausmachen, erfuͤllen ihn nur, durch den Druck, den sie erleiden, durch die chemischen Processe, denen sie mit Luft, Licht, Wasser preis gegeben sind, und die sie dem Menschen abnehmen, durch ihre Reibung u. s. f. Sie erfuͤllen also ihre Bestimmung nur durch ihren Ge- brauch und Abnutzung, und entsprechen nur durch ihre Negation dem, was sie seyn sollen. Sie sind nicht po- sitiv mit dem Zwecke vereinigt, weil sie die Selbstbe- stimmung nur aͤusserlich an ihnen haben, und sind nur relative Zwecke, oder wesentlich auch nur Mittel. Diese Zwecke haben uͤberhaupt wie gezeigt, einen beschraͤnkten Inhalt; ihre Form ist die unendliche Selbstbestimmung des Begriffs, der sich durch ihn zur aͤusserlichen Einzelnheit beschraͤnkt hat. Der beschraͤnkte Inhalt macht diese Zwecke der Unendlichkeit des Begrif- fes unangemessen, und zur Unwahrheit; solche Bestimmt- heit ist schon durch die Sphaͤre der Nothwendigkeit, durch das Seyn, dem Werden und der Veraͤnderung preis ge- geben, und ein Vergaͤngliches. 3. Als Resultat ergibt sich hiemit, daß die aͤussere Zweckmaͤssigkeit, welche nur erst die Form der Teleolo- gie hat, eigentlich nur zu Mitteln, nicht zu einem ob- jectiven Zwecke kommt, — weil der subjective Zweck als eine aͤusserliche, subjective Bestimmung bleibt, — oder insofern er thaͤtig ist und sich, ob zwar nur in einem Mittel vollfuͤhrt, ist er noch unmittelbar mit der Objectivitaͤt verbunden, in sie versenkt; er ist selbst ein Object, und der Zweck kann man sagen, kommt inso- fern nicht zum Mittel, weil es der Ausfuͤhrung des Zwecks II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Zwecks schon vorher bedarf, ehe sie durch ein Mittel zu Stande kommen koͤnnte. In der That aber ist das Resultat nicht nur eine aͤussere Zweckbeziehung, sondern die Wahrheit derselben, innere Zweckbeziehung und ein objectiver Zweck. Die gegen den Begriff selbststaͤndige Aeusserlichkeit des Ob- jects, welche der Zweck sich voraussetzt, ist in dieser Voraussetzung als ein unwesentlicher Schein gesetzt , und auch an und fuͤr sich schon aufgehoben; die Thaͤtig- keit des Zwecks ist daher eigentlich nur Darstellung dieses Scheins, und Aufheben desselben. — Wie sich durch den Begriff gezeigt hat, wird das erste Object durch die Mittheilung Mittel, weil es an sich Totalitaͤt des Begriffes ist, und seine Bestimmtheit, welche keine andere als die Aeusserlichkeit selbst ist, nur als aͤusser- liches, unwesentliches gesetzt, daher im Zwecke selbst als dessen eigenes Moment, nicht als ein gegen ihn selbststaͤndiges ist. Dadurch ist Bestimmung des Ob- jects zum Mittel schlechthin eine unmittelbare. Es be- darf fuͤr den subjectiven Zweck daher keiner Gewalt, oder sonstigen Bekraͤftigung gegen dasselbe, als der Be- kraͤftigung seiner selbst, um es zum Mittel zu machen; der Entschluß , Aufschluß, diese Bestimmung seiner selbst ist die nur gesetzte Aeusserlichkeit des Objects, welches darin unmittelbar als dem Zwecke unterworfen ist, und keine andere Bestimmung gegen ihn hat, als die der Nichtigkeit des An- und -Fuͤrsichseyns. Das zweyte Aufheben der Objectivitaͤt durch die Objectivitaͤt ist hievon so verschieden, daß jenes als das erste, der Zweck in objectiver Unmittelbarkeit ist, dieses daher nicht nur das Aufheben von einer ersten Un- mittelbarkeit, sondern von beydem, dem Objectiven als einem nur gesetzten, und dem Unmittelbaren. Die Ne- ga- III. Kapitel. Teleologie . gativitaͤt kehrt auf diese Weise so in sich selbst zuruͤck, daß sie eben so Wiederherstellen der Objectivitaͤt, aber als einer mit ihr identischen, und darinn zugleich auch Setzen der Objectivitaͤt als einer, vom Zwecke nur be- stimmten, aͤusserlichen ist. Durch Letzteres bleibt diß Product wie vorhin, auch Mittel; durch ersteres, ist es die mit dem Begriffe identische Objectivitaͤt, der reali- sirte Zweck, in dem die Seite, Mittel zu seyn, die Reali- taͤt des Zwecks selbst ist. Im ausgefuͤhrten Zwecke verschwindet das Mittel darum, weil es die nur erst unmittelbar unter den Zweck subsumirte Objectivitaͤt waͤre, die im realisirten Zwecke als Ruͤckkehr des Zwecks in sich selbst ist; es verschwindet ferner damit auch die Vermittlung selbst, als welche ein Verhalten von Aeus- serlichem ist, theils in die concrete Identitaͤt des ob- jectiven Zwecks, theils in dieselbe als abstracte Identi- taͤt und Unmittelbarkeit des Daseyns. Hierin ist auch die Vermittlung enthalten, welche fuͤr die erste Praͤmisse, die unmittelbare Beziehung des Zwecks auf das Object, gefodert wurde. Der ausge- fuͤhrte Zweck ist auch Mittel, und umgekehrt ist die Wahr- heit des Mittels eben so diß, realer Zweck selbst zu seyn, und das erste Aufheben der Objectivitaͤt ist schon auch das Zweyte; wie sich das zweyte zeigte, auch das erste zu enthalten. Der Begriff bestimmt sich nemlich, seine Bestimmtheit ist die aͤusserliche Gleichguͤltigkeit, die unmittelbar in dem Entschlusse als aufgehobene , nemlich als innerliche, subjective , und zugleich als vorausgesetztes Object bestimmt ist. Sein weiteres Hinausgehen aus sich, welches nemlich als un- mittelbare Mittheilung und Subsumtion des voraus- gesetzten Objects unter ihn, erschien, ist zugleich Auf- heben jener innerlichen, in den Begriff einge- schlossenen , d. i. als aufgehoben gesetzten Bestimmt- heit II. Abschnitt. Objectivitaͤt . heit der Aeusserlichkeit, und zugleich der Voraussetzung eines Objects; somit ist dieses anscheinend erste Auf- heben der gleichguͤltigen Objectivitaͤt auch schon das zweyte, eine durch die Vermittlung hindurch gegangene Reflexion-in-sich, und der ausgefuͤhrte Zweck. Indem hier der Begriff in der Sphaͤre der Ob- jectivitaͤt, wo seine Bestimmtheit die Form gleichguͤl- tiger Aeusserlichkeit hat, in Wechselwirkung mit sich selbst ist, so wird die Darstellung seiner Bewegung hier doppelt schwierig und verwickelt, weil sie unmittel- bar selbst das gedoppelte, und immer ein erstes auch ein zweytes ist. Im Begriff fuͤr sich, d. h. in seiner Subjectivitaͤt, ist der Unterschied seiner von sich als unmittelbare identische Totalitaͤt fuͤr sich; da hier aber seine Bestimmtheit gleichguͤltige Aeusserlichkeit ist, so ist die Identitaͤt darin mit sich selbst, auch unmittel- bar wieder das Abstossen von sich, daß das als ihr Aeusserliches und Gleichguͤltiges bestimmte, vielmehr sie selbst, und sie als sie selbst, als in sich reflectirt, vielmehr ihr Anderes ist. Nur indem diß festgehalten wird, wird die objective Ruͤckkehr des Begriffs in sich, d. i. die wahrhafte Objectivirung desselben aufgefaßt; — aufge- faßt, daß jedes der einzelnen Momente, durch welche sie sich diese Vermittlung verlaͤuft, selbst der ganze Schluß derselben ist. So ist die urspruͤngliche innere Aeus- serlichkeit des Begriffs, durch welche er die sich von sich abstossende Einheit, Zweck und dessen Hinausstreben zur Objectivirung ist, das unmittelbare Setzen, oder die Voraussetzung eines aͤusserlichen Objects; die Selbst- bestimmung ist auch Bestimmung eines als nicht durch den Begriff bestimmten, aͤusserlichen Objects; und umgekehrt ist sie Selbstbestimmung, d. i. die aufgehobene, als innere gesetzte Aeusserlichkeit; — oder die Ge- wißheit der Unwesentlichkeit des aͤussern Ob- jects. III. Kapitel. Teleologie . jects. — Von der zweyten Beziehung, der Bestimmung des Objects als Mittel, ist so eben gezeigt worden, wie sie an ihr selbst die Vermittlung des Zwecks in dem Ob- jecte mit sich ist. — Eben so ist das Dritte, der Mecha- nismus, welcher unter der Herrschaft des Zwecks vor sich geht, und das Object durch das Object aufhebt, einerseits Aufheben des Mittels, des schon als aufgeho- ben gesetzten Objects, somit zweytes Aufheben und Re- flexion-in-sich, andererseits erstes Bestimmen des aͤus- serlichen Objects. Letzteres ist, wie bemerkt worden, wieder im ausgefuͤhrten Zwecke die Hervorbringung nur eines Mittels; indem die Subjectivitaͤt des endlichen Begriffs das Mittel veraͤchtlich wegwirft, hat sie in ih- rem Ziel nichts besseres erreicht. Diese Reflexion aber, daß der Zweck in dem Mittel erreicht, und im erfuͤllten Zwecke das Mittel und die Vermittlung erhalten ist, ist das letzte Resultat der aͤusserlichen Zweckbe- ziehung , worin sie selbst sich aufgehoben und das sie als ihre Wahrheit dargestellt hat. — Der zuletzt be- trachtete dritte Schluß ist dadurch unterschieden, daß er erstens die subjective Zweckthaͤtigkeit der vorhergehenden Schluͤsse, aber auch die Aufhebung der aͤusserlichen Ob- jectivitaͤt, und damit der Aeusserlichkeit uͤberhaupt, durch sich selbst , hiemit die Totalitaͤt in ihrem Ge- setztseyn ist. Nachdem wir nun die Subjectivitaͤt , das Fuͤr- sichseyn des Begriffes, in das Ansichseyn desselben, die Objectivitaͤt uͤbergehen gesehen, so hat sich fer- ner in der letztern die Negativitaͤt seines Fuͤrsichseyns wieder hervorgethan; der Begriff hat sich in ihr so be- stimmt, daß seine Besonderheit aͤusserliche Ob- jectivitaͤt ist, oder als die einfache concrete Einheit, deren Aeusserlichkeit ihre Selbstbestimmung ist. Die Bewegung des Zweckes hat nun diß erreicht, daß das Mo- II. Abschnitt. Objectivitaͤt . Moment der Aeusserlichkeit nicht nur im Begriff gesetzt, er nicht nur ein Sollen und Streben , sondern als concrete Totalitaͤt identisch mit der unmittelbaren Ob- jectivitaͤt ist. Diese Identitaͤt ist einerseits der einfache Begriff, und eben so unmittelbare Objectivitaͤt, aber andererseits gleich wesentlich Vermittlung , und nur durch sie, als sich selbst aufhebende Vermittlung, jene einfache Unmittelbarkeit; so ist er wesentlich diß, als fuͤr- sichseyende Identitaͤt von seiner ansichseyenden Ob- jectivitaͤt unterschieden zu seyn, und dadurch Aeusserlich- keit zu haben, aber in dieser aͤusserlichen Totalitaͤt die selbstbestimmende Identitaͤt derselben zu seyn. So ist der Begriff nun die Idee . Drit- Dritter Abschnitt. Die Idee . D ie Idee ist der adaͤquate Begriff , das ob- jective Wahre , oder das Wahre als solches . Wenn irgend Etwas Wahrheit hat, hat es sie durch seine Idee, oder Etwas hat nur Wahrheit, in- sofern es Idee ist . — Der Ausdruck Idee ist sonst oft in der Philosophie wie im gemeinen Leben, auch fuͤr Begriff , ja gar fuͤr eine blosse Vorstel- lung gebraucht worden; ich habe noch keine Idee von diesem Rechtshandel, Gebaͤude, Gegend, will weiter nichts ausdruͤcken, als die Vorstellung . Kant hat den Ausdruck: Idee wieder dem Vernunftbegriff vindicirt. — Der Vernunftbegriff soll nun nach Kant der Begriff vom Unbedingten , in Ansehung der Er- scheinungen aber transcendent seyn, d. h. von ihm kein ihm aͤdaͤquater empirischer Gebrauch ge- macht werden koͤnnen. Die Vernunftbegriffe sollen zum Begreiffen , die Verstandesbegriffe zum Verstehen der Wahrnehmungen dienen. — In der That aber, wenn die letztern wirklich Begriffe sind, so sind sie Begriffe , — es wird durch sie begriffen, und ein Verstehen der Wahrnehmungen durch Verstandesbe- griffe wird ein Begreiffen seyn. Ist aber das Ver- stehen nur ein Bestimmen der Wahrnehmungen durch solche Bestimmungen, z. B. Ganzes und Theile, Kraft, Ur- III. Abschnitt . Ursache und dergleichen, so bedeutet es nur ein Bestim- men durch die Reflexion, so wie auch mit dem Ver- stehen nur das bestimmte Vorstellen von ganz be- stimmtem sinnlichem Inhalte gemeynt seyn kann; wie wenn einer, dem man den Weg bezeichnet, daß er am Ende des Waldes links gehen muͤsse, etwa erwiedert: ich verstehe , so will das Verstehen weiter nicht sagen, als das Fassen in die Vorstellung und ins Ge- daͤchtniß. — Auch Vernunftbegriff ist ein etwas ungeschickter Ausdruck; denn der Begriff ist uͤberhaupt etwas Vernuͤnftiges; und insofern die Vernunft vom Verstande und dem Begriff als solchem unterschieden wird, so ist sie die Totalitaͤt des Begriffs und der Ob- jectivitaͤt. — In diesem Sinne ist die Idee das Ver- nuͤnftige ; — sie ist das Unbedingte darum, weil nur dasjenige Bedingungen hat, was sich wesentlich auf eine Objectivitaͤt bezieht, aber eine nicht durch es selbst be- stimmte, sondern eine solche, die noch in der Form der Gleichguͤltigkeit und Aeusserlichkeit dagegen ist, wie noch der aͤusserliche Zweck hatte. Indem nun der Ausdruck Idee fuͤr den objecti- ven oder realen Begriff zuruͤckbehalten, und von dem Begriff selbst, noch mehr aber von der blossen Vorstel- lung unterschieden wird, so ist ferner noch mehr dieje- nige Schaͤtzung der Idee zu verwerfen, nach welcher sie fuͤr etwas nur Unwirkliches genommen und von wah- ren Gedanken gesagt wird, es seyen nur Ideen . Wenn die Gedanken etwas bloß subjectives und zufaͤlliges sind, so haben sie allerdings keinen weitern Werth, aber sie stehen den zeitlichen und zufaͤlligen Wirklichkeiten darin nicht nach, welche ebenfalls keinen weitern Werth als den von Zufaͤlligkeiten und Erscheinungen haben. Wenn dagegen umgekehrt die Idee darum den Werth der Wahrheit nicht haben soll, weil Idee . weil sie in Ansehung der Erscheinungen transcen- dent , weil ihr kein congruirender Gegenstand in der Sinnenwelt gegeben werden koͤnne, so ist diß ein son- derbarer Mißverstand, indem der Idee deßwegen ob- jective Guͤltigkeit abgesprochen wird, weil ihr dasjenige fehle, was die Erscheinung, das unwahre Seyn der objectiven Welt, ausmacht. In Ansehung der prakti- schen Ideen erkennt es Kant, daß „nichts schaͤdlicheres und eines Philosophen unwuͤrdigeres gefunden werden koͤnne, als die poͤbelhafte Beruffung auf vorgeblich, gegen die Idee, widerstreitende Erfahrung . Diese wuͤrde selbst gar nicht existiren, wenn z. B. Staatsan- stalten zu rechter Zeit nach den Ideen getroffen waͤren, und an deren Statt nicht rohe Begriffe , eben da- rum, weil sie aus Erfahrung geschoͤpft wor- den , alle gute Absicht vereitelt haͤtten.“ Kant sieht die Idee als etwas nothwendiges als das Ziel an, das als das Urbild fuͤr ein Maximum aufzustellen und dem den Zustand der Wirklichkeit immer naͤher zu bringen, das Bestreben seyn muͤsse. Indem sich aber das Resultat ergeben hat, daß die Idee die Einheit des Begriffs und der Objectivitaͤt, das Wahre, ist, so ist sie nicht nur als ein Ziel zu betrach- ten, dem sich anzunaͤhern sey, das aber selbst immer eine Art von Jenseits bleibe, sondern daß alles Wirkliche nur insofern ist , als es die Idee in sich hat, und sie ausdruͤckt. Der Gegenstand, die objective und subjective Welt, uͤberhaupt sollen mit der Idee nicht bloß con- gruiren , sondern sie sind selbst die Congruenz des Be- griffs und der Realitaͤt; diejenige Realitaͤt, welche dem Begriffe nicht entspricht, ist blosse Erscheinung , das Subjective, Zufaͤllige Willkuͤhrliche, das nicht die Wahr- heit ist. Wenn gesagt wird, es finde sich in der Er- fahrung kein Gegenstand, welcher der Idee vollkommen con- III. Abschnitt . congruire, so wird diese als ein subjectiver Maasstab dem Wirklichen gegenuͤbergestellt; was aber ein Wirkli- ches wahrhaft seyn solle, wenn nicht sein Begriff in ihm, und seine Objectivitaͤt diesem Begriffe gar nicht angemessen ist, ist nicht zu sagen; denn es waͤre das Nichts. Das mechanische und chemische Object, wie das geistlose Subject, und der nur des Endlichen, nicht seines Wesens bewußte Geist, haben zwar, nach ihrer verschiedenen Natur, ihren Begriff nicht in seiner ei- genen freyen Form an ihnen existirend. Aber sie koͤnnen uͤberhaupt nur insofern etwas wahres seyn, als sie die Vereinigung ihres Begriffs und der Realitaͤt, ih- rer Seele und ihres Leibs, sind. Ganze, wie der Staat, die Kirche, wenn die Einheit ihres Begriffs und ihrer Realitaͤt aufgeloͤßt ist, hoͤren auf zu existiren; der Mensch, das Lebendige ist todt, wenn Seele und Leibe sich in ihm trennen; die todte Natur, die mechanische und chemische Welt, wenn nemlich das Todte fuͤr die unor- ganische Welt genommen wird, sonst haͤtte es gar keine positive Bedeutung, — die todte Natur also, wenn sie in ihren Begriff und ihre Realitaͤt geschieden wird, ist nichts als die subjective Abstraction einer gedachten Form und einer formlosen Materie. Der Geist, der nicht Idee, Einheit des Begriffs selbst mit sich, — der Be- griff, der den Begriff selbst zu seiner Realitaͤt haͤtte, waͤre der todte, geistlose Geist, ein materielles Object. Seyn hat die Bedeutung der Wahrheit erreicht, indem die Idee die Einheit des Begriffs und der Reali- taͤt ist; es ist also nunmehr nur das, was Idee ist. Die endlichen Dinge sind darum endlich, insofern sie die Realitaͤt ihres Begriffs nicht vollstaͤndig an ihnen selbst haben, sondern dazu anderer beduͤrfen; — oder umge- kehrt, insofern sie als Objecte vorausgesetzt sind, somit den Begriff als eine aͤusserliche Bestimmung an ihnen ha- Idee . haben. Das Hoͤchste, was sie nach der Seite dieser Endlichkeit erreichen, ist die aͤussere Zweckmaͤssigkeit. Daß die wirklichen Dinge mit der Idee nicht congruiren, ist die Seite ihrer Endlichkeit, Unwahrheit , nach welcher sie Objecte , jedes nach seiner verschiedenen Sphaͤre, und in den Verhaͤltnissen der Objectivitaͤt, me- chanisch, chemisch oder durch einen aͤusserlichen Zweck bestimmt ist. Daß die Idee ihre Realitaͤt nicht vollkom- men durchgearbeitet, sie unvollstaͤndig dem Begriffe un- terworfen hat, davon beruht die Moͤglichkeit darauf, daß sie selbst einen beschraͤnkten Inhalt hat, daß sie, so wesentlich sie Einheit des Begriffs und der Realitaͤt, eben so wesentlich auch deren Unterschied ist; denn nur das Object ist die unmittelbare, d. h. nur an sich seyen- de Einheit. Wenn aber ein Gegenstand z. B. der Staat seiner Idee gar nicht angemessen, das heißt, vielmehr gar nicht die Idee des Staates waͤre, wenn seine Reali- taͤt, welche die selbstbewußten Individuen ist, dem Be- griffe ganz nicht entspraͤche, so haͤtten seine Seele und sein Leib sich getrennt; jene entfloͤhe in die abgeschiede- nen Regionen des Gedankens, diese waͤre in die einzel- nen Individualitaͤten zerfallen; aber indem der Begriff des Staats so wesentlich ihre Natur ausmacht, so ist er als ein so maͤchtiger Trieb in ihnen, daß sie ihn, sey es auch nur in der Form aͤusserer Zweckmaͤssigkeit in Reali- taͤt zu versetzen oder ihn so sich gefallen zu lassen ge- drungen sind, oder sie muͤßten zu Grunde gehen. Der schlechteste Staat, dessen Realitaͤt dem Begriffe am we- nigsten entspricht, insofern er noch existirt, ist er noch Idee, die Individuen gehorchen noch einem Machtha- benden Begriffe. Die Idee hat aber nicht nur den allgemeinern Sinn des wahrhaften Seyns , der Einheit von Begriff und Realitaͤt , sondern den bestimmtern von subjecti- vem III. Abschnitt . vem Begriffe und der Objectivitaͤt . Der Be- griff als solcher ist nemlich selbst schon die Identitaͤt seiner und der Realitaͤt ; denn der unbestimmte Aus- druck Realitaͤt heißt uͤberhaupt nichts anders als das bestimmte Seyn ; diß aber hat der Begriff an sei- ner Besonderheit und Einzelnheit. Eben so ist ferner die Objectivitaͤt der aus seiner Bestimmtheit in die Identitaͤt mit sich zusammengegangene, totale Be- griff . In jener Subjectivitaͤt ist die Bestimmtheit oder der Unterschied des Begriffes ein Schein , der unmit- telbar aufgehoben und in das Fuͤrsichseyn, oder die ne- gative Einheit zuruͤckgegangen ist, inhaͤrirendes Praͤ- dicat. In dieser Objectivitaͤt aber ist die Bestimmtheit als unmittelbare Totalitaͤt, als aͤusserliches Ganzes ge- setzt. Die Idee hat sich nun gezeigt, als der wieder von der Unmittelbarkeit, in die er im Objecte versenkt ist, zu seiner Subjectivitaͤt befreyte Begriff, welcher sich von seiner Objectivitaͤt unterscheidet, die aber eben so sehr von ihm bestimmt und ihre Substantialitaͤt nur in jenem Begriffe hat. Diese Identitaͤt ist daher mit Recht als das Subject-Object bestimmt worden; daß sie ebensowohl der formelle oder subjective Begriff als sie das Object als solches ist. Aber diß ist bestimm- ter aufzufassen. Der Begriff, indem er wahrhaft seine Realitaͤt erreicht hat, ist diß absolute Urtheil, des- sen Subject als die sich auf sich beziehende negative Einheit sich von seiner Objectivitaͤt unterscheidet, und das An- und- Fuͤrsichseyn derselben ist, aber wesentlich sich durch sich selbst auf sie bezieht, — daher Selbst- zweck und Trieb ist ; — die Objectivitaͤt aber hat das Subject eben darum nicht unmittelbar an ihm, es waͤre so nur die in sie verlorne Totalitaͤt des Obiects als solchen; sondern sie ist die Realisation des Zwecks, eine durch die Thaͤtigkeit des Zweckes gesetzte Ob- jectivitaͤt, welche als Gesetztseyn ihr Bestehen und ihre Idee . ihre Form nur als durchdrungen von ihrem Subject hat. Als Objectivitaͤt hat sie das Moment der Aeus- serlichkeit des Begriffs an ihr, und ist daher uͤber- haupt die Seite der Endlichkeit, Veraͤnderlichkeit und Erscheinung, die aber ihren Untergang darin hat, in die negative Einheit des Begriffes zuruͤckzugehen; die Negativitaͤt, wodurch ihr gleichguͤltiges Aussereinander- seyn sich als unwesentliches und Gesetztseyn zeigt, ist der Begriff selbst. Die Idee ist daher, dieser Objectivitaͤt ungeachtet, schlechthin einfach , und immateriell , denn die Aeusserlichkeit ist nur als durch den Begriff bestimmt, und in seine negative Einheit aufgenommen; insofern sie als gleichguͤltige Aeusserlichkeit besteht, ist sie dem Mechanismus uͤberhaupt nicht nur preis gegeben, sondern ist nur als das Vergaͤngliche und Unwahre. — Ob die Idee also gleich ihre Realitaͤt in einer Materiatur hat, so ist diese nicht ein abstractes, gegen den Begriff fuͤr sich bestehendes Seyn , sondern nur als Werden , durch die Negativitaͤt des gleichguͤltigen Seyns als ein- fache Bestimmtheit des Begriffes. Es ergeben sich hieraus folgende naͤhere Bestim- mungen der Idee. — Sie ist erstlich die einfache Wahrheit, die Identitaͤt des Begriffes und der Objecti- vitaͤt als Allgemeines , in welchem der Gegensatz und das Bestehen des Besondern in seine mit sich iden- tische Negativitaͤt aufgeloͤßt, und als Gleichheit mit sich selbst ist. Zweytens ist sie die Beziehung der fuͤr sich seyenden Subjectivitaͤt des einfachen Begriffs, und seiner davon unterschiedenen Objectivitaͤt; jene ist wesentlich der Trieb , diese Trennung aufzuheben, und diese das gleichguͤltige Gesetztseyn, das an und fuͤr sich nichtige Bestehen. Sie ist als diese Beziehung der Proceß , sich in die Individualitaͤt, und in deren un- organische Natur zu dirimiren, und wieder diese unter S die III. Abschnitt . die Gewalt des Subjects zuruͤckzubringen und zu der er- sten einfachen Allgemeinheit zuruͤckzukehren. Die Iden- titaͤt der Idee mit sich selbst ist eins mit dem Pro- cesse ; der Gedanke, der die Wirklichkeit von dem Schei- ne der zwecklosen Veraͤnderlichkeit befreyt und zur Idee verklaͤrt, muß diese Wahrheit der Wirklichkeit nicht als die todte Ruhe, als ein blosses Bild , matt, ohne Trieb und Bewegung, als einen Genius, oder Zahl oder einen abstracten Gedanken vorstellen; die Idee hat, um der Freyheit willen, die der Begriff in ihr erreicht, auch den haͤrtesten Gegensatz in sich; ihre Ruhe besteht in der Sicherheit und Gewißheit, womit sie ihn ewig er- zeugt und ewig uͤberwindet, und in ihm mit sich selbst zusammengeht. Zunaͤchst aber ist die Idee auch wieder erst nur unmittelbar oder nur in ihrem Begriffe ; die ob- jective Realitaͤt ist dem Begriffe zwar angemessen, aber noch nicht zum Begriffe befreyt, und er existirt nicht fuͤr sich als der Begriff . Der Begriff ist so zwar Seele , aber die Seele ist in der Weise eines unmit- telbaren , d. h. ihre Bestimmtheit ist nicht als sie selbst, sie hat sich nicht als Seele erfaßt, nicht in ihr selbst ihre objective Realitaͤt; der Begriff ist als eine Seele, die noch nicht seelenvoll ist. So ist die Idee erstlich das Leben ; der Be- griff, der unterschieden von seiner Objectivitaͤt einfach in sich, seine Objectivitaͤt durchdringt, und als Selbst- zweck an ihr sein Mittel hat und sie als sein Mittel setzt, aber in diesem Mittel immanent und darin der realisirte mit sich identische Zweck ist. — Diese Idee hat um ih- rer Unmittelbarkeit willen die Einzelnheit zur Form ihrer Existenz. Aber die Reflexion ihres absoluten Pro- cesses in sich selbst, ist das Aufheben dieser unmittelba- ren Einzelnheit; dadurch macht der Begriff, der in ihr als Idee . als Allgemeinheit das Innre ist, die Aeusserlichkeit zur Allgemeinheit, oder setzt seine Objectivitaͤt als Gleichheit mit sich selbst. So ist die Idee zweytens die Idee des Wahren und des Gu- ten , als Erkennen und Wollen . Zunaͤchst ist sie end- liches Erkennen und endliches Wollen, worin das Wah- re und Gute sich noch unterscheiden, und beyde nur erst als Ziel sind. Der Begriff hat sich zunaͤchst zu sich selbst befreyt und sich nur erst eine abstracte Objectivitaͤt zur Realitaͤt gegeben. Aber der Pro- ceß dieses endlichen Erkennens und Handelns macht die zunaͤchst abstracte Allgemeinheit, zur Totalitaͤt, wodurch sie vollkommene Objectivitaͤt wird. — Oder von der andern Seite betrachtet, macht der endliche, das ist, der subjective Geist, sich die Voraussetzung einer objectiven Welt, wie das Leben eine solche Vor- aussetzung hat ; aber seine Thaͤtigkeit ist, diese Voraus- setzung aufzuheben und sie zu einem Gesetzten zu ma- chen. So ist seine Realitaͤt fuͤr ihn die objective Welt, oder umgekehrt, die objective Welt ist die Idealitaͤt, in der er sich selbst erkennt. Drittens erkennt der Geist die Idee als seine ab- solute Wahrheit , als die Wahrheit die an und fuͤr sich ist; die unendliche Idee, in welcher Erkennen und Thun sich ausgeglichen hat, und die das absolute Wissen ihrer selbst ist . S 2 Erstes III. Abschnitt. Idee . Erstes Kapitel. Das Leben . D ie Idee des Lebens betrifft einen so concreten und, wenn man will, reellen Gegenstand, daß mit der- selben nach der gewoͤhnlichen Vorstellung der Logik ihr Gebiet uͤberschritten zu werden scheinen kann. Sollte die Logik freylich nichts als leere, todte Gedankenformen enthalten, so koͤnnte in ihr uͤberhaupt von keinem sol- chen Inhalte, wie die Idee, oder das Leben ist, die Re- de seyn. Wenn aber die absolute Wahrheit der Gegen- stand der Logik, und die Wahrheit als solche wesent- lich im Erkennen ist, so muͤßte das Erkennen we- nigstens abgehandelt werden. — Der sogenannten reinen Logik pflegt man denn auch gewoͤhnlich eine ange- wandte Logik folgen zu lassen, — eine Logik, welche es mit dem concreten Erkennen zu thun hat; die viele Psychologie und Anthropologie nicht mit gerechnet, deren Einflechtung in die Logik haͤufig fuͤr noͤthig erachtet wird. Die anthropologische und psycho- logische Seite des Erkennens aber betrifft dessen Er- scheinung , in welcher der Begriff fuͤr sich selbst noch nicht dieses ist, eine ihm gleiche Objectivitaͤt, d. i. sich selbst zum Objecte zu haben. Der Theil der Logik, der dasselbe betrachtet, gehoͤrt nicht zur angewandten Logik als solchen; so waͤre jede Wissenschaft in die Lo- gik hereinzuziehen, denn jede ist insofern eine ange- wandte Logik als sie darin besteht, ihren Gegenstand in For- I. Kapitel. Das Leben . Formen des Gedankens und Begriffs zu fassen. — Der subjective Begriff hat Voraussetzungen, die in psycholo- gischer, anthropologischer und sonstiger Form sich dar- stellen. In die Logik aber gehoͤren nur die Voraus- setzungen des reinen Begriffs, insofern sie die Form von reinen Gedanken, von abstracten Wesenheiten haben, die Bestimmungen des Seyns und Wesens . Eben so sind vom Erkennen , dem sich selbst Erfassen des Begriffs, nicht die andern Gestalten seiner Voraus- setzung, sondern nur diejenige, welche selbst Idee ist, in der Logik abzuhandeln; aber diese ist nothwendig in ihr zu betrachten. Diese Voraussetzung nun ist die un- mittelbare Idee; denn indem das Erkennen der Be- griff ist, insofern er fuͤr sich selbst aber als Subjectives in Beziehung auf Objectives ist, so bezieht er sich auf die Idee, als vorausgesetzte oder unmittelbare . Die unmittelbare Idee aber ist das Leben . Insofern wuͤrde sich die Nothwendigkeit, die Idee des Lebens in der Logik zu betrachten, auf die, auch sonst anerkannte Nothwendigkeit, den concreten Begriff des Erkennens hier abzuhandeln, gruͤnden. Diese Idee hat sich aber durch die eigene Nothwendigkeit des Be- griffes herbeygefuͤhrt; die Idee , das an und fuͤr sich Wahre , ist wesentlich Gegenstand der Logik; da sie zuerst in ihrer Unmittelbarkeit zu betrachten ist, so ist sie in dieser Bestimmtheit, in welcher sie Leben ist, aufzufassen und zu erkennen, damit ihre Betrachtung nicht etwas leeres und bestimmungsloses sey. Es kann nur etwa zu bemerken seyn, inwiefern die logische Ansicht des Lebens von anderer wissenschaftlicher Ansicht desselben unterschieden ist; jedoch gehoͤrt hieher nicht, wie in unphilosophischen Wissenschaften von ihm ge- handelt wird, sondern nur wie das logische Leben als reine Idee, von dem Naturleben, das in der Natur- phi- III. Abschnitt. Idee . philosophie betrachtet wird, und von dem Leben, insofern es mit dem Geiste in Verbindung steht, zu unterscheiden ist. — Das erstere ist als das Leben der Natur, das Leben, insofern es in die Aeusserlich- keit des Bestehens hinausgeworfen ist, an der un- organischen Natur seine Bedingung hat, und wie die Momente der Idee eine Mannichfaltigkeit wirklicher Ge- staltungen sind. Das Leben in der Idee ist ohne solche Voraussetzungen , welche als Gestalten der Wirk- lichkeit sind; seine Voraussetzung ist der Begriff , wie er betrachtet worden ist, einerseits als subjectiver, andererseits als objectiver. In der Natur erscheint das Leben als die hoͤchste Stuffe, welche von ihrer Aeusserlichkeit dadurch erreicht wird, daß sie in sich ge- gangen ist, und sich in der Subjectivitaͤt aufhebt. In der Logik ist es das einfache Insichseyn, welches in der Idee des Lebens seine ihm wahrhaft entsprechende Aeus- serlichkeit erreicht hat; der Begriff, der als subjectiver fruͤher auftritt, ist die Seele des Lebens selbst; er ist der Trieb, der sich durch die Objectivitaͤt hindurch seine Realitaͤt vermittelt. Indem die Natur von ihrer Aeus- serlichkeit aus diese Idee erreicht, geht sie uͤber sich hin- aus, ihr Ende ist nicht als ihr Anfang, sondern als ihre Graͤnze, worin sie sich selbst aufhebt. — Eben so erhalten in der Idee des Lebens die Momente seiner Realitaͤt nicht die Gestalt aͤusserlicher Wirklichkeit, son- dern bleiben in die Form des Begriffes eingeschlossen. Im Geiste aber erscheint das Leben theils ihm gegenuͤber, theils als mit ihm in eins gesetzt, und diese Einheit wieder durch ihn rein herausgebohren. Das Leben ist hier nemlich uͤberhaupt in seinem eigentlichen Sinne als natuͤrliches Leben zu nehmen, denn was das Leben des Geistes als Geistes genannt wird, ist seine Eigenthuͤmlichkeit, welche dem blossen Le- ben I. Kapitel. Das Leben . ben gegenuͤbersteht; wie auch von der Natur des Gei- stes gesprochen wird, obgleich der Geist kein Natuͤrli- ches, und vielmehr der Gegensatz zur Natur ist. Das Leben als solches also ist fuͤr den Geist theils Mittel , so stellt er es sich gegenuͤber; theils ist er lebendiges In- dividuum, und das Leben sein Koͤrper, theils wird diese Einheit seiner mit seiner lebendigen Koͤrperlichkeit aus ihm selbst zum Ideal herausgebohren. Keine dieser Beziehungen auf den Geist, geht das logische Leben an, und es ist hier weder als Mittel eines Geistes, noch als sein lebendiger Leib, noch als Moment des Ideals und der Schoͤnheit zu betrachten. — Das Leben hat in beyden Faͤllen, wie es natuͤrliches und wie es mit dem Geiste in Beziehung steht, eine Bestimmtheit seiner Aeusserlichkeit , dort durch seine Voraus- setzungen, welches andere Gestaltungen der Natur sind, hier aber durch die Zwecke und Thaͤtigkeit des Geistes. Die Idee des Lebens fuͤr sich, ist frey von jener vor- ausgesetzten und bedingenden Objectivitaͤt, so wie von der Beziehung auf diese Subjectivitaͤt. Das Leben in seiner Idee nun naͤher betrachtet, ist an und fuͤr sich absolute Allgemeinheit ; die Ob- jectivitaͤt, welche es an ihm hat, ist vom Begriffe schlechthin durchdrungen, sie hat nur ihn zur Substanz. Was sich als Theil oder nach sonstiger aͤussere Reflexion unterscheidet, hat den ganzen Begriff in sich selbst; er ist die darin allgegenwaͤrtige Seele, welche ein- fache Beziehung auf sich selbst, und Eins in der Man- nichfaltigkeit bleibt, die dem objectiven Seyn zukommt. Diese Mannichfaltigkeit hat als die sich aͤusserliche Ob- jectivitaͤt, ein gleichguͤltiges Bestehen, das im Raume und in der Zeit, wenn diese hier schon erwaͤhnt werden koͤnnten, ein ganz verschiedenes und selbststaͤndiges Aus- sereinander ist. Aber die Aeusserlichkeit ist im Leben zu- III. Abschnitt. Idee . zugleich als die einfache Bestimmtheit seines Be- griffs; so ist die Seele allgegenwaͤrtig in diese Man- nichfaltigkeit ausgegossen, und bleibt zugleich schlechthin das einfache Einsseyn des concreten Begriffs mit sich selbst. — Am Leben, an dieser Einheit seines Begriffs in der Aeusserlichkeit der Objectivitaͤt, in der absoluten Vielheit der atomistischen Materie, gehen dem Denken, das sich an die Bestimmungen der Reflexionsverhaͤltnisse und des formalen Begriffes haͤlt, schlechthin alle seine Gedanken aus; die Allgegenwart des Einfachen in der vielfachen Aeusserlichkeit, ist fuͤr die Reflexion ein abso- luter Widerspruch, und insofern sie dieselbe zugleich aus der Wahrnehmung des Lebens auffassen, hiemit die Wirk- lichkeit dieser Idee zugeben muß, ein unbegreifli- ches Geheimniß , weil sie den Begriff nicht erfaßt, und den Begriff nicht als die Substanz des Lebens. — Das einfache Leben ist aber nicht nur allgegenwaͤrtig, sondern schlechthin das Bestehen und die immanen- te Substanz seiner Objectivitaͤt, aber als subjective Substanz Trieb , und zwar der specifische Trieb des besondern Unterschiedes, und eben so wesentlich der Eine und allgemeine Trieb des Specifischen, der diese seine Besonderung in die Einheit zuruͤckfuͤhrt und darin erhaͤlt. Das Leben ist nur als diese negative Einheit seiner Objectivitaͤt und Besonderung sich auf sich beziehendes, fuͤr sich seyendes Leben, eine Seele. Es ist damit wesentlich Einzelnes , welches auf die Objectivitaͤt sich als auf ein Anderes, eine unlebendige Natur bezieht. Das urspruͤngliche Urtheil des Le- bens besteht daher darin, daß es sich als individuel- les Subject gegen das Objective abscheidet, und in- dem es sich als die negative Einheit des Begriffs con- stituirt, die Voraussetzung einer unmittelbaren Ob- jectivitaͤt macht. Das I. Kapitel. Das Leben . Das Leben ist daher erstlich zu betrachten als lebendiges Individuum , das fuͤr sich die sub- jective Totalitaͤt, und als gleichguͤltig vorausgesetzt ist gegen eine ihm als gleichguͤltig gegenuͤberstehende Ob- jectivitaͤt. Zweytens ist es der Lebensproceß , seine Voraussetzung aufzuheben, die gegen dasselbe gleichguͤlti- ge Objectivitaͤt als negativ zu setzen, und sich als ihre Macht und negative Einheit zu verwirklichen. Damit macht es sich zum Allgemeinen, das die Einheit seiner selbst und seines Andern ist. Das Leben ist daher Drittens der Proceß der Gattung , seine Vereinzelung aufzuheben, und sich zu seinem objectiven Daseyn als zu sich selbst zu verhalten. Dieser Proceß ist hiemit einerseits die Ruͤckkehr zu seinem Begriffe, und die Wiederhohlung der ersten Diremtion, das Wer- den einer neuen, und der Tod der ersten unmittelbaren Individualitaͤt; andererseits aber ist der in sich ge- gangene Begriff des Lebens das Werden des sich zu sich selbst verhaltenden, als allgemein und frey fuͤr sich existirenden Begriffes, der Uebergang in das Er- kennen . A. Das lebendige Individuum . 1. Der Begriff des Lebens oder das allgemeine Leben ist die unmittelbare Idee, der Begriff, dem seine Objectivitaͤt angemessen ist; aber sie ist ihm nur ange- messen, insofern er die negative Einheit dieser Aeusser- lichkeit ist, das heißt, sie sich angemessen setzt . Die un- III. Abschnitt. Idee . unendliche Beziehung des Begriffes auf sich selbst, ist als die Negativitaͤt das Selbstbestimmen, die Diremtion seiner in sich als subjective Einzelnheit, und in sich als gleichguͤltige Allgemeinheit . Die Idee des Lebens in ihrer Unmittelbarkeit ist nur erst die schoͤpferische allgemeine Seele. Um dieser Unmit- telbarkeit willen ist ihre erste negative Beziehung der Idee in sich selbst, Selbstbestimmung ihrer als Be- griff , — das Setzen an sich , welches erst als Ruͤck- kehr in sich Fuͤr-sich-seyn ist; das schoͤpferische Voraussetzen . Durch diß Selbstbestimmen ist das allgemeine Leben ein Besonderes ; es hat sich damit in die beyden Extreme des Urtheils, das unmit- telbar Schluß wird, entzweyt. Die Bestimmungen des Gegensatzes, sind die all- gemeinen Bestimmungen des Begriffs , denn es ist der Begriff, dem die Entzweyung zukommt; aber die Erfuͤllung derselben ist die Idee. Das eine ist die Einheit des Begriffs und der Realitaͤt, welche die Idee ist, als die unmittelbare , die sich fruͤher als die Objectivitaͤt gezeigt hat. Allein sie ist hier in anderer Bestimmung. Dort war sie die Einheit des Begriffs und der Realitaͤt, insofern der Begriff in sie uͤbergegangen und nur in sie verloren ist; er stand ihr nicht gegenuͤber, oder weil er ihr nur Innres ist, ist er nur eine ihr aͤusserliche Reflexion. Jene Objecti- vitaͤt ist daher das Unmittelbare selbst auf unmittelbare Weise. Hier hingegen ist sie nur das aus dem Be- griffe hervorgegangene, so daß ihr Wesen das Gesetzt- seyn, daß sie als Negatives ist. — Sie ist als die Seite der Allgemeinheit des Begriffes anzu- sehen, somit als abstracte Allgemeinheit, wesentlich nur dem Subjecte inhaͤrirend , und in der Form des unmittelbaren Seyns , das fuͤr sich gesetzt, gegen das Sub- I. Kapitel. Das Leben . Subject gleichguͤltig sey. Die Totalitaͤt des Begriffes, welche der Objectivitaͤt zukommt, ist insofern gleichsam nur eine geliehene ; die letzte Selbststaͤndigkeit, die sie gegen das Subject hat, ist jenes Seyn , welches seiner Wahrheit nach nur jenes Moment des Begriffes ist, der als Voraussetzend in der ersten Bestimmt- heit eines an sich seyenden Setzens ist, welches noch nicht als Setzen, als die in sich reflectirte Einheit ist. Aus der Idee hervorgegangen ist also die selbststaͤndige Objectivitaͤt unmittelbares Seyn, nur als das Praͤdi- cat des Urtheils der Selbstbestimmung des Begriffs, — ein zwar vom Subjecte verschiedenes Seyn, aber zu- gleich wesentlich gesetzt als Moment des Begriffs. Dem Inhalte nach ist diese Objectivitaͤt die Tota- litaͤt des Begriffes, die aber dessen Subjectivitaͤt, oder negative Einheit sich gegenuͤberstehen hat, welche die wahrhafte Centralitaͤt ausmacht, nemlich seine freye Einheit mit sich selbst. Dieses Subject ist die Idee in der Form der Einzelnheit ; als einfache aber negative Identitaͤt mit sich; das lebendige In- dividuum . Dieses ist erstlich das Leben als Seele ; als der Begriff seiner selbst, der in sich vollkommen bestimmt ist, das anfangende, sich selbst bewegende Princip . Der Begriff enthaͤlt in seiner Einfachheit die bestimmte Aeusserlichkeit als einfaches Moment in sich einge- schlossen. — Aber ferner ist diese Seele in ihrer Un- mittelbarkeit , unmittelbar aͤusserlich, und hat ein objectives Seyn an ihr selbst; — die dem Zwecke un- terworfene Realitaͤt, das unmittelbare Mittel , zunaͤchst die Objectivitaͤt als Praͤdicat des Subjects, aber fernerhin ist sie auch die Mitte des Schlusses; die Leiblichkeit der Seele ist das, wodurch sie sich mit der aͤusserlichen Objectivitaͤt zusammenschließt. — Die Leib- lich- III. Abschnitt. Idee . lichkeit hat das Lebendige, zunaͤchst als die unmittelbar mit dem Begriff identische Realitaͤt; sie hat dieselbe insofern uͤberhaupt von Natur . Weil nun diese Objectivitaͤt Praͤdicat des Indi- viduums und in die subjective Einheit aufgenommen ist, so kommen ihr nicht die fruͤhern Bestimmungen des Objects, das mechanische oder chemische Verhaͤltniß, noch weni- ger die abstracten Reflexionsverhaͤltnisse von Ganzem und Theilen u. drgl. zu. Als Aeusserlichkeit ist sie sol- cher Verhaͤltnisse zwar faͤhig , aber insofern ist sie nicht lebendiges Daseyn; wenn das Lebendige, als ein Gan- zes, das aus Theilen besteht, als ein solches, auf wel- ches mechanische oder chemische Ursachen einwirken, als mechanisches oder chemisches Product, es sey bloß als solches oder auch durch einen aͤusserlichen Zweck be- stimmtes genommen wird, so wird der Begriff ihm als aͤusserlich, es wird als ein Todtes genommen. Da ihm der Begriff immanent ist, so ist die Zweckmaͤs- sigkeit des Lebendigen als innre zu fassen; er ist in ihm als bestimmter, von seiner Aeusserlichkeit unterschie- dener, und in seinem Unterscheiden sie durchdringender und mit sich identischer Begriff. Diese Objectivitaͤt des Lebendigen ist Organismus ; sie ist das Mittel und Werkzeug des Zwecks, vollkommen zweckmaͤssig, da der Begriff ihre Substanz ausmacht; aber eben des- wegen ist diß Mittel und Werkzeug selbst der ausgefuͤhr- te Zweck, in welchem der subjective Zweck insofern un- mittelbar mit sich selbst zusammen geschlossen ist. Nach der Aeusserlichkeit des Organismus ist er ein vielfaches nicht von Theilen , sondern von Gliedern , welche als solche a) nur in der Individualitaͤt bestehen; sie sind trennbar, insofern sie aͤusserliche sind, und an die- ser Aeusserlichkeit gefaßt werden koͤnnen; aber insofern sie getrennt werden, kehren sie unter die mechanischen und I. Kapitel. Das Leben . und chemischen Verhaͤltnisse der gemeinen Objectivitaͤt zuruͤck. b) Ihre Aeusserlichkeit ist der negativen Einheit der lebendigen Individualitaͤt entgegen; diese ist daher Trieb , das abstracte Moment der Bestimmtheit des Begriffes als reellen Unterschied zu setzen; indem dieser Unterschied unmittelbar ist , ist er Trieb jedes einzelnen, specifischen Moments sich zu pro- duciren, und eben so seine Besonderheit zur Allgemein- heit zu erheben, die andern ihm aͤusserlichen aufzuheben, sich auf ihre Kosten hervorzubringen, aber ebensosehr sich selbst aufzuheben und sich zum Mittel fuͤr die an- dern zu machen. 2. Dieser Proceß der lebendigen Individualitaͤt ist auf sie selbst beschraͤnkt, und faͤllt noch ganz inner- halb ihrer. — Im Schlusse der aͤusserlichen Zweckmaͤs- sigkeit ist vorhin die erste Praͤmisse desselben, daß sich der Zweck unmittelbar auf die Objectivitaͤt bezieht und sie zum Mittel macht, so betrachtet worden, daß in ihr zwar der Zweck sich darin gleich bleibt, und in sich zu- ruͤckgegangen ist, aber die Objectivitaͤt an ihr selbst sich noch nicht aufgehoben, der Zweck daher in ihr in- sofern nicht an und fuͤr sich ist, und diß erst im Schlußsatze wird. Der Proceß des Lebendigen mit sich selbst, ist jene Praͤmisse, insofern sie aber zugleich Schluß- satz, insofern die unmittelbare Beziehung des Subjects auf die Objectivitaͤt, welche dadurch Mittel und Werk- zeug wird, zugleich als die negative Einheit des Begriffs an sich selbst ist; der Zweck fuͤhrt sich in dieser seiner Aeusserlichkeit dadurch aus, daß er ihre subjective Macht, und der Proceß ist, worin sie ihre Selbstaufloͤ- sung und Ruͤckkehr in die seine negative Einheit aufzeigt. Die Unruhe und Veraͤnderlichkeit der aͤusserlichen Seite des Lebendigen ist die Manifestation des Begriffs an ihm, der als die Negativitaͤt an sich selbst, nur Objecti- vitaͤt III. Abschnitt. Idee . vitaͤt hat, insofern sich ihr gleichguͤltiges Bestehen als sich aufhebend zeigt. Der Begriff producirt also durch seinen Trieb sich so, daß das Product, indem er dessen Wesen ist, selbst das Producirende ist, daß es nemlich Product nur als die sich eben so negativ setzende Aeus- serlichkeit, oder als der Proceß des Producirens ist. 3. Die so eben betrachtete Idee ist nun der Be- griff des lebendigen Subjects und seines Pro- cesses ; die Bestimmungen, die im Verhaͤltnisse zu ein- ander sind, sind die sich auf sich beziehende negative Einheit des Begriffs und die Objectivitaͤt , welche sein Mittel , in welcher er aber in sich selbst zuruͤck- gekehrt ist. Aber indem diß Momente der Idee des Lebens innerhalb seines Begriffes sind, so sind es nicht die bestimmten Begriffs-Momente des leben- digen Individuums in seiner Realitaͤt . Die Objectivitaͤt oder Leiblichkeit desselben ist concrete To- talitaͤt; jene Momente sind die Seiten, aus welchen sich die Lebendigkeit constituirt; sie sind daher nicht die Mo- mente dieser schon durch die Idee constituirten Lebendig- keit. Die lebendige Objectivitaͤt des Individuums aber als solche, da sie vom Begriffe beseelt und ihn zur Substanz hat, hat auch an ihr zu wesentlichem Unter- schiede solche, welche seine Bestimmungen sind, Allge- meinheit, Besonderheit und Einzelnheit ; die Gestalt , als in welcher sie aͤusserlich unterschieden sind, ist daher nach denselben eingetheilt, oder einge- schnitten ( insectum ). Sie ist hiemit erstlich Allgemeinheit , das rein nur in sich selbst Erzittern der Lebendigkeit, die Sensibilitaͤt . Der Begriff der Allgemeinheit, wie er sich oben ergeben hat, ist die einfache Unmittelbar- keit, welche diß aber nur ist, als absolute Negativitaͤt in sich. Dieser Begriff des absoluten Unterschie- des , I. Kapitel. Das Leben . des , wie seine Negativitaͤt in der Einfachheit auf- geloͤßt und sich selbst gleich ist, ist in der Sensibilitaͤt zur Anschauung gebracht. Sie ist das Insichseyn, nicht als abstracte Einfachheit, sondern eine unendliche be- stimmbare Receptivitaͤt, welche in ihrer Bestimmt- heit nicht ein mannichfaltiges und aͤusserliches wird, sondern schlechthin in sich reflectirt ist. Die Bestimmt- heit ist in dieser Allgemeinheit als einfaches Prin- cip ; die einzelne aͤusserliche Bestimmtheit, ein sogenann- ter Eindruck , geht aus seiner aͤusserlichen und man- nichfaltigen Bestimmung in diese Einfachheit des Selbst- gefuͤhls zuruͤck. Die Sensibilitaͤt kann somit als das Daseyn der in sich seyenden Seele betrachtet wer- den, da sie alle Aeusserlichkeit in sich aufnimmt, dieselbe aber in die vollkommene Einfachheit der sich gleichen Allgemeinheit zuruͤckfuͤhrt. Die zweyte Bestimmung des Begriffs ist die Be- sonderheit , das Moment des gesetzten Unterschie- des; die Eroͤfnung der Negativitaͤt, welche im einfachen Selbstgefuͤhl eingeschlossen, oder in ihm ideelle noch nicht reelle Bestimmtheit ist; — die Irritabilitaͤt . Das Gefuͤhl ist um der Abstraction seiner Negativitaͤt willen, Trieb; es bestimmt sich; die Selbstbestim- mung des Lebendigen ist sein Urtheil oder Verendlichung, wornach es sich auf das Aeusserliche als auf eine vor- ausgesetzte Objectivitaͤt bezieht, und in Wechselwir- kung damit ist. — Nach seiner Besonderheit ist es nun theils Art neben andern Arten von Lebendigen; die formale Reflexion dieser gleichguͤltigen Verschie- denheit in sich ist die formale Gattung und deren Systematisirung; die individuelle Reflexion aber ist, daß die Besonderheit die Negativitaͤt ihrer Bestimmtheit, als einer Richtung nach Aussen, die sich auf sich beziehende Negativitaͤt des Begriffes ist. Nach III. Abschnitt. Idee . Nach dieser dritten Bestimmung ist das Leben- dige als Einzelnes . Naͤher bestimmt sich diese Re- flexion- in- sich so, daß das Lebendige in der Irritabili- taͤt Aeusserlichkeit seiner gegen sich selbst, gegen die Ob- jectivitaͤt ist, welche es als sein Mittel und Werkzeug unmittelbar an ihm hat, und die aͤusserlich bestimmbar ist. Die Reflexion- in- sich hebt diese Unmittelbarkeit auf, — einerseits als theoretische Reflexion; insofern nemlich die Negativitaͤt als einfaches Moment der Sen- sibilitaͤt ist, das in derselben betrachtet wurde, und welches das Gefuͤhl ausmacht, — andererseits als reelle indem sich die Einheit des Begriffes in sei- ner aͤusserlichen Objectivitaͤt als negative Ein- heit setzt, die Reproduction . — Die beyden ersten Momente, die Sensibilitaͤt und Irritabilitaͤt, sind ab- stracte Bestimmungen; in der Reproduction ist das Le- ben Concretes und Lebendigkeit, es hat in ihr, als seiner Wahrheit, erst auch Gefuͤhl, und Widerstands- kraft. Die Reproduction ist die Negativitaͤt als ein- faches Moment der Sensibilitaͤt, und die Irritabilitaͤt ist nur lebendige Widerstandskraft, daß das Verhaͤltniß zum Aeusserlichen Reproduction und individuelle Iden- titaͤt mit sich ist. Jedes der einzelne Momente ist we- sentlich die Totalitaͤt aller, ihren Unterschied macht die ideelle Formbestimmtheit aus, welche in der Repro- duction als concrete Totalitaͤt des Ganzen gesetzt ist. Diß Ganze ist daher einerseits als Drittes, nemlich als reelle Totalitaͤt jenen bestimmten Totalitaͤten entgegen- gesetzt, andererseits aber ist es deren Ansichseyende We- senheit, zugleich das worin sie als Momente zusammen- gefaßt sind, und ihr Subject und Bestehen haben. Mit der Reproduction als dem Momente der Ein- zelnheit, setzt sich das Lebendige als wirkliche Indi- vidualitaͤt, ein sich auf sich beziehendes Fuͤrsichseyn; ist aber I. Kapitel. Das Leben . aber zugleich reelle Beziehung nach Aussen ; die Reflexion der Besonderheit oder Irritabilitaͤt gegen ein Anderes , gegen die objective Welt. Der innerhalb des Individuum eingeschlossene Proceß des Le- bens geht in die Beziehung zur vorausgesetzten Objecti- vitaͤt als solcher dadurch uͤber, daß das Individuum, indem es sich als subjective Totalitaͤt setzt, auch das Moment seiner Bestimmtheit als Beziehung auf die Aeusserlichkeit, zur Totalitaͤt wird. B. Der Lebens-Proceß . Daß das lebendige Individuum sich in sich selbst gestaltet, damit spannt es sich gegen sein urspruͤngliches Voraussetzen, und stellt sich als an und fuͤr sich seyen- des Subject, der vorausgesetzten objectiven Welt gegen- uͤber. Das Subject ist der Selbstzweck, der Begriff, welcher an der ihm unterworfenen Objectivitaͤt sein Mit- tel und subjective Realitaͤt hat; hiedurch ist es als die an und fuͤr sich seyende Idee und als das wesentliche Selbststaͤndige constituirt, gegen welches die vorausge- setzte aͤusserliche Welt nur den Werth eines Negativen und Unselbststaͤndigen hat. In seinem Selbstgefuͤhle hat das Lebendige diese Gewißheit von der an sich seyenden Nichtigkeit des ihm gegenuͤberstehenden Andersseyns . Sein Trieb ist das Beduͤrfniß, diß Andersseyn aufzuheben, und sich die Wahrheit jener Ge- wißheit zu geben. Das Individuum ist als Subject zu- naͤchst erst der Begriff der Idee des Lebens; sein sub- jectiver Proceß in sich, in welchem es aus sich selbst zehrt, und die unmittelbare Objectivitaͤt, welche es als T na- III. Abschnitt. Idee . natuͤrliches Mittel, seinem Begriffe gemaͤß setzt, ist ver- mittelt durch den Proceß, der sich auf die vollstaͤndig ge- setzte Aeusserlichkeit, auf die gleichguͤltig neben ihm stehende objective Totalitaͤt bezieht. Dieser Proceß faͤngt mit dem Beduͤrfnisse an, das ist dem Momente, daß das Lebendige erstlich sich bestimmt, sich somit als verneint setzt, und hiedurch auf eine gegen sich andre , die gleichguͤltige Objectivitaͤt bezieht; — daß es aber zweytens ebensosehr in die- sen Verlust seiner nicht verloren ist, sich darin erhaͤlt und die Identitaͤt des sich selbst gleichen Begriffes bleibt; hiedurch ist es der Trieb jene ihm andre Welt fuͤr sich , sich gleich zu setzen, sie aufzuheben und sich zu objectiviren. Dadurch hat seine Selbstbestimmung die Form von objectiver Aeusserlichkeit, und daß es zugleich identisch mit sich ist, ist es der absolute Widerspruch . Die unmittelbare Gestaltung ist die Idee in ihrem ein- fachen Begriffe, die dem Begriffe gemaͤsse Objectivitaͤt; so ist sie gut von Natur. Aber indem ihr negatives Moment sich zur objectiven Besonderheit, d. i. indem die wesentlichen Momente ihrer Einheit jedes fuͤr sich zur Totalitaͤt realisirt ist, so ist der Begriff in die absolute Ungleichheit seiner mit sich entzweyt , und indem er eben so die absolute Identitaͤt in dieser Entzweyung ist, so ist das Lebendige fuͤr sich selbst diese Entzweyung und hat das Gefuͤhl dieses Widerspruchs, welches der Schmerz ist. Der Schmerz ist daher das Vorrecht lebendiger Naturen; weil sie der existirende Begriff sind, sind sie eine Wirklichkeit von der unendlichen Kraft, daß sie in sich die Negativitaͤt ihrer selbst sind, daß die- se ihre Negativitaͤt fuͤr sie ist, daß sie sich in ihrem Andersseyn erhalten. — Wenn man sagt, daß der Widerspruch nicht denkbar sey, so ist er vielmehr im Schmerz des Lebendigen sogar eine wirkliche Existenz. Die- I. Kapitel. Das Leben . Diese Diremtion des Lebendigen in sich ist Ge- fuͤhl , indem sie in die einfache Allgemeinheit des Be- griffs, in die Sensibilitaͤt aufgenommen ist. Von dem Schmerz faͤngt das Beduͤrfniß und der Trieb an, die den Uebergang ausmachen, daß das Individuum wie es als Negation seiner fuͤr sich ist, so auch als Identitaͤt fuͤr sich werde, — eine Identitaͤt, welche nur als die Negation jener Negation ist. — Die Identitaͤt, die im Triebe als solchem ist, ist die subjective Gewiß- heit seiner selbst, nach welcher es sich zu seiner aͤusser- lichen, gleichguͤltig existirenden Welt als zu einer Er- scheinung, einer an sich begrifflosen und unwesentlichen Wirklichkeit verhaͤlt. Sie soll den Begriff in sich erst durch das Subject erhalten, welches der immanente Zweck ist. Die Gleichguͤltigkeit der objectiven Welt gegen die Bestimmtheit und damit gegen den Zweck, macht ihre aͤusserliche Faͤhigkeit aus, dem Subject ange- messen zu seyn; welche Specificationen sie sonst an ihr habe, ihre mechanische Bestimmbarkeit, der Mangel an der Freyheit des immanenten Begriffs macht ihre Ohn- macht aus, sich gegen das Lebendige zu erhalten. — In- sofern das Object gegen das Lebendige zunaͤchst als ein gleichguͤltiges Aeusserliches ist, kann es mechanisch auf dasselbe einwirken; so aber wirkt es nicht als auf ein Lebendiges; insofern es sich zu diesem verhaͤlt, wirkt es nicht als Ursache, sondern erregt es. Weil das Le- bendige Trieb ist, kommt die Aeusserlichkeit an und in dasselbe, nur insofern sie schon an und fuͤr sich in ihm ist; die Einwirkung auf das Subject besteht daher nur darin, daß dieses die sich darbietende Aeusserlichkeit entsprechend findet ; — sie mag seiner Totalitaͤt auch nicht angemessen seyn, so muß sie wenigstens einer besondern Seite an ihm entsprechen, und diese Moͤg- lichkeit liegt darin, daß es eben als sich aͤusserlich ver- haltend ein Besonderes ist. T 2 Das III. Abschnitt. Idee . Das Subject uͤbt nun, insofern es in seinem Be- duͤrfniß bestimmt sich auf das Aeusserliche bezieht, und damit selbst aͤusserliches oder Werkzeug ist, Gewalt uͤber das Object aus. Sein besonderer Charakter, sei- ne Endlichkeit uͤberhaupt, faͤllt in die bestimmtere Er- scheinung dieses Verhaͤltnisses. — Das Aeusserliche daran ist der Proceß der Objectivitaͤt uͤberhaupt, Mechanis- mus und Chemismus. Derselbe wird aber unmittelbar abgebrochen und die Aeusserlichkeit in Innerlichkeit ver- wandelt. Die aͤusserliche Zweckmaͤs s igkeit, welche durch die Thaͤtigkeit des Subjects in dem gleichguͤltigen Object zunaͤchst hervorgebracht wird, wird dadurch aufgehoben, daß das Object gegen den Begriff keine Substanz ist, der Begriff daher nicht nur dessen aͤussere Form werden kann, sondern sich als dessen Wesen und immanente, durchdringende Bestimmung, seiner urspruͤnglichen Iden- titaͤt gemaͤß, setzen muß. Mit der Bemaͤchtigung des Objects geht daher der mechanische Proceß in den innern uͤber, durch welchen das Individuum sich das Object so aneignet , daß es ihm die eigenthuͤmliche Beschaffenheit benimmt, es zu seinem Mittel macht, und seine Subjectivitaͤt ihm zur Substanz gibt. Diese Assimilation tritt damit in eins zusammen mit dem oben betrachteten Reproductionspro- ceß des Individuums; es zehrt in diesem zunaͤchst aus sich, indem es seine eigene Objectivitaͤt sich zum Objecte macht; der mechanische und chemische Conflict seiner Glieder mit den aͤusserlichen Dingen ist ein objectives Moment seiner. Das Mechanische und Chemische des Processes ist ein Beginnen der Aufloͤsung des Lebendi- gen. Da das Leben die Wahrheit dieser Processe, hie- mit als Lebendiges die Existenz dieser Wahrheit und die Macht derselben ist, greift es uͤber sie uͤber, durchdringt sie als ihre Allgemeinheit, und ihr Product ist durch das- I. Kapitel. Das Leben . dasselbe vollkommen bestimmt. Diese ihre Verwandlung in die lebendige Individualitaͤt macht die Ruͤckkehr die- ser letztern in sich selbst aus, so daß die Production, welche als solche das Uebergehen in ein Anderes seyn wuͤrde, zur Reproduction wird, in der das Lebendige, sich fuͤr sich identisch mit sich setzt. Die unmittelbare Idee ist auch die unmittelbare, nicht als fuͤr sich seyende Identitaͤt des Begriffes und der Realitaͤt; durch den objectiven Proceß gibt sich das Lebendige sein Selbstgefuͤhl ; denn es setzt sich darin als das, was es an und fuͤr sich ist, in seinem als gleichguͤltig gesetzten Andersseyn, das identische mit sich selbst, die negative Einheit des Negativen zu seyn. In diesem Zusammengehen des Individuums mit sei- ner zunaͤchst ihm als gleichguͤltig vorausgesetzten Ob- jectivitaͤt hat es, so wie auf einer Seite sich als wirk- liche Einzelnheit constituirt, so sehr seine Besonder- heit aufgehoben und sich zur Allgemeinheit er- hoben. Seine Besonderheit bestand in der Direm- tion, wodurch das Leben als seine Arten, das indi- viduelle Leben, und die ihm aͤusserliche Objectivitaͤt setz- te. Durch den aͤussern Lebensproceß hat es sich somit als reelles allgemeines Leben, als Gattung , gesetzt. C. Die Gattung . Das lebendige Individuum zuerst aus dem allge- meinen Begriffe des Lebens abgeschieden, ist eine Vor- aussetzung, die noch nicht durch sich selbst bewaͤhrt ist. Durch den Proceß mit der zugleich damit vorausgesetzten Welt III. Abschnitt. Idee . Welt hat es sich selbst gesetzt, fuͤr sich als die nega- tive Einheit seines Andersseyns, als die Grundlage sei- ner selbst; es ist so die Wirklichkeit der Idee, so daß das Individuum nun aus der Wirklichkeit sich hervor- bringt, wie es vorher nur aus dem Begriffe hervor- ging, und daß seine Entstehung, die ein Voraussetzen war, nun seine Production wird. Die weitere Bestimmung aber, welche es durch die Aufhebung des Gegensatzes erlangt hat, ist, Gattung zu seyn, als Identitaͤt seiner mit seinem vorherigen gleichguͤltigen Andersseyn. Diese Idee des Individuum ist, da sie diese wesentliche Identitaͤt ist, wesentlich die Besonderung ihrer selbst. Diese ihre Diremtion ist nach der Totalitaͤt, aus der sie hervorgeht, die Verdopplung des Individuums, — ein Voraussetzen einer Objectivi- taͤt, welche mit ihm identisch ist, und ein Verhalten des Lebendigen zu sich selbst, als einem andern Lebendigen. Diß Allgemeine ist die dritte Stuffe, die Wahrheit des Lebens, insofern es noch innerhalb seiner Sphaͤre eingeschlossen ist. Diese Stuffe ist der sich auf sich be- ziehende Proceß des Individuums, wo die Aeusserlichkeit sein immanentes Moment ist, zweytens diese Aeus- serlichkeit ist selbst als lebendige Totalitaͤt, eine Objecti- vitaͤt, die fuͤr das Individuum es selbst ist; — in der es nicht als aufgehobener , sondern als bestehen- der , die Gewißheit seiner selbst hat. Weil nun das Verhaͤltniß der Gattung die Identi- taͤt des individuellen Selbstgefuͤhls in einem solchen ist, welches zugleich ein Anderes selbststaͤndiges Individuum ist, ist es der Widerspruch ; das Lebendige ist somit wieder Trieb. — Die Gattung ist nun zwar die Vol- lendung der Idee des Lebens, aber zunaͤchst ist sie noch innerhalb der Sphaͤre der Unmittelbarkeit; diese Allge- mein- I. Kapitel. Das Leben . meinheit ist daher in einzelner Gestalt wirklich ; der Begriff, dessen Realitaͤt die Form unmittelbarer Ob- jectivitaͤt hat. Das Individuum ist daher an sich zwar Gattung, aber es ist die Gattung nicht fuͤr sich ; was fuͤr es ist, ist nur erst ein anderes lebendiges In- dividuum; der von sich unterschiedene Begriff hat zum Gegenstande, mit dem er identisch ist, nicht sich als Be- griff, sondern einen Begriff, der als Lebendiges zugleich aͤusserliche Objectivitaͤt fuͤr ihn hat, eine Form, die da- her unmittelbar gegenseitig ist. Die Identitaͤt mit dem andern, die Allgemeinheit des Individuums ist somit nur erst innerliche oder subjective ; es hat daher das Verlangen, dieselbe zu setzen und sich als Allgemeines zu realisiren. Dieser Trieb der Gattung aber kann sich nur realisiren durch Aufheben der noch gegen einander besondern, einzelnen Individualitaͤten. Zunaͤchst insofern es diese sind, wel- che an sich allgemein die Spannung ihres Verlangens befriedigen, und in ihre Gattungs-Allgemeinheit sich auf- loͤsen, so ist ihre realisirte Identitaͤt die negative Ein- heit der aus der Entzweyung sich in sich reflectirenden Gattung. Sie ist insofern die Individualitaͤt des Le- bens selbst, nicht mehr aus seinem Begriffe, sondern aus der wirklichen Idee erzeugt . Zunaͤchst ist sie selbst nur der Begriff, der erst sich zu objectiviren hat, aber der wirkliche Begriff; — der Keim eines lebendigen Individuums . In ihm ist es fuͤr die gemeine Wahrnehmung vorhanden , was der Begriff ist, und daß der subjective Begriff aͤusserliche Wirklichkeit hat. Denn der Keim des Lebendigen ist die vollstaͤndige Concretion der Indivi- dualitaͤt, in welcher alle seine verschiedenen Seiten, Ei- genschaften und gegliederte Unterschiede in ihrer gan- zen Bestimmtheit enthalten und die zunaͤchst im- ma- III. Abschnitt. Idee . materielle , subjective Totalitaͤt unentwickelt, einfach und nichtsinnlich ist; der Keim ist so das ganze Leben- dige in der innerlichen Form des Begriffes. Die Reflexion der Gattung in-sich ist nach die- ser Seite diß, wodurch sie Wirklichkeit erhaͤlt, indem das Moment der negativen Einheit und In- dividualitaͤt in ihr gesetzt wird, — die Fort- pflanzung der lebenden Geschlechter. Die Idee, die als Leben noch in der Form der Unmittelbarkeit ist, faͤllt insofern in die Wirklichkeit zuruͤck, und diese ihre Reflexion ist nur die Wiederhohlung und der unendliche Progreß, in welchem sie nicht aus der Endlichkeit ihrer Unmittelbarkeit heraustritt. Aber diese Ruͤckkehr in ih- ren ersten Begriff, hat auch die hoͤhere Seite, daß die Idee nicht nur die Vermittlung ihrer Processe innerhalb der Unmittelbarkeit durchlauffen, sondern eben damit diese aufgehoben, und sich dadurch in eine hoͤhere Form ih- res Daseyns erhoben hat. Der Proceß der Gattung nemlich, in welchem die einzelnen Individuen ihre gleichguͤltige, unmittelbare Existenz in einander aufheben und in dieser negativen Einheit ersterben, hat ferner zur andern Seite seines Products die realisirte Gattung , welche mit dem Begriffe sich identisch gesetzt hat. — In dem Gattungs- Proceß gehen die abgesonderten Einzelnheiten des indi- viduellen Lebens unter; die negative Identitaͤt, in der die Gattung in sich zuruͤckkehrt, ist wie einerseits das Erzeugen der Einzelnheit , so andererseits das Aufheben derselben , ist somit mit sich zusammen- gehende Gattung, die fuͤr sich werdende Allge- meinheit der Idee. In der Begattung erstirbt die Unmittelbarkeit der lebendigen Individualitaͤt; der Tod dieses Lebens ist das Hervorgehen des Geistes. Die Idee I. Kapitel. Das Leben . Idee, die als Gattung an sich ist, ist fuͤr sich , in- dem sie ihre Besonderheit, welche die lebendigen Ge- schlechter ausmachte, aufgehoben, und damit sich eine Realitaͤt gegeben hat, welche selbst einfache All- gemeinheit ist; so ist sie die Idee, welche sich zu sich als Idee verhaͤlt , das Allgemeine, das die Allgemeinheit zu seiner Bestimmtheit und Daseyn hat; — die Idee des Erkennens . Zwey- III. Abschnitt. Idee . Zweytes Kapitel. Die Idee des Erkennens . D as Leben ist die unmittelbare Idee, oder die Idee als ihr noch nicht an sich selbst realisirter Be- griff . In ihrem Urtheil ist sie das Erkennen uͤberhaupt. Der Begriff ist als Begriff fuͤr sich , insofern er frey als abstracte Allgemeinheit oder als Gattung exi- stirt. So ist er seine reine Identitaͤt mit sich, welche sich so in sich selbst unterscheidet, daß das unterschiede- ne nicht eine Objectivitaͤt , sondern gleichfalls zur Subjectivitaͤt oder zur Form der einfachen Gleichheit mit sich befreyt, hiemit der Gegenstand des Begriffes der Begriff selbst ist. Seine Realitaͤt uͤberhaupt ist die Form seines Daseyns ; auf Bestimmung die- ser Form kommt es an; auf ihr beruht der Unterschied dessen, was der Begriff an sich , oder als subjecti- ver ist, was er ist in die Objectivitaͤt versenkt, dann in der Idee des Lebens. In der letztern ist er zwar von seiner aͤusserlichen Realitaͤt unterschieden und fuͤr sich gesetzt, doch diß sein Fuͤrsichseyn hat er nur als die Identitaͤt, welche eine Beziehung auf sich als ver- senkt in seine ihm unterworfene Objectivitaͤt oder auf sich als inwohnende, substantielle Form ist. Die Erhe- bung des Begriffs uͤber das Leben ist, daß seine Reali- taͤt II. Kapitel. Das Erkennen . taͤt die zur Allgemeinheit befreyte Begriffsform ist. Durch dieses Urtheil ist die Idee verdoppelt, in den subjectiven Begriff, dessen Realitaͤt er selbst, und in den objectiven, der als Laben ist. — Denken, Geist, Selbstbewußtseyn , sind Bestimmungen der Idee, insofern sie sich selbst zum Gegenstand hat, und ihr Daseyn d. i. die Bestimmtheit ihres Seyns ihr eige- ner Unterschied von sich selbst ist. Die Metaphysik des Geistes , oder wie man sonst mehr gesprochen hat, der Seele , drehte sich um die Bestimmungen von Substanz, Einfachheit, Im- materialitaͤt; — Bestimmungen, bey welchen die Vor- stellung des Geistes aus dem empirischen Bewußt- seyn als Subject zu Grunde gelegt, und nun gefragt wurde, was fuͤr Praͤdicate mit den Wahrnehmungen uͤbereinstimmen; — ein Verfahren das nicht weiter gehen konnte, als das Verfahren der Physik, die Welt der Erscheinung auf allgemeine Gesetze und Reflexionsbe- stimmungen zu bringen, da der Geist auch nur in seiner Erscheinung zu Grunde lag; ja es mußte noch hinter der physicalischen Wissenschaftlichkeit zuruͤckbleiben, da der Geist nicht nur unendlich reicher, als die Natur ist, sondern da auch die absolute Einheit des Entgegen- gesetzten im Begriffe , sein Wesen ausmacht, so zeigt er in seiner Erscheinung und Beziehung auf die Aeus- serlichkeit den Widerspruch in seiner hoͤchsten Bestimmt- heit auf, daher fuͤr jede der entgegengesetzten Reflexions- bestimmungen eine Erfahrung angefuͤhrt, oder aus den Erfahrungen auf die entgegengesetzten Bestimmungen nach der Weise des formalen Schliessens muß gekom- men werden koͤnnen. Weil die an der Erscheinung un- mittelbar sich ergebenden Praͤdicate zunaͤchst noch der empirischen Psychologie angehoͤren, so bleiben eigentlich nur ganz duͤrftige Reflexionsbestimmungen, fuͤr die me- ta- III. Abschnitt. Idee . taphysische Betrachtung uͤbrig. — Kant in seiner Kri- tik der rationalen Seelenlehre haͤlt diese Meta- physik daran fest, daß insofern sie eine rationale Wis- senschaft seyn soll, durch das mindeste, was man von der Wahrnehmung zu der allgemeinen Vorstel- lung des Selbstbewußtseyns hinzunaͤhme , sich jene Wissenschaft in eine empirische verwandelte und ihre rationale Reinigkeit und Unabhaͤngigkeit von aller Erfahrung, verderbt wuͤrde. — Es bleibe somit nichts als die einfache, fuͤr sich an Inhalt ganz leere Vorstel- lung: Ich , von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein Begriff sey, sondern ein blosses Bewußt- seyn , das alle Begriffe begleitet . Durch die- ses Ich , oder auch Es (das Ding) welches denket, wird nun nach den weitern kantischen Folgerungen nichts weiter, als ein transcendentales Subject der Gedanken vorgestellt = X , welches nur durch die Gedanken, die seine Praͤdicate sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, niemals den mindesten Begriff ha- ben koͤnnen; diß Ich hat dabey nach Kants eigenem Ausdruck, die Unbequemlichkeit , daß wir uns jederzeit seiner schon bedienen muͤssen , um ir- gend etwas von ihm zu urtheilen; denn es ist nicht so- wohl eine Vorstellung , wodurch ein besonderes Ob- ject unterschieden wird, sondern eine Form derselben uͤberhaupt, insofern sie Erkenntniß genannt werden soll. — Der Paralogismus , den die rationale See- lenlehre begehe, bestehe nun darin, daß Modi des Selbstbewußtseyns im Denken, zu Verstandesbe- griffen als von einem Objecte gemacht, daß jenes: Ich denke als ein denkendes Wesen , ein Ding- an-sich genommen werde; auf welche Weise daraus, daß Ich im Bewußtseyn immer als Subject und zwar als singulaͤres , bey aller Mannichfaltigkeit der Vor- stellung identisches , und von ihr als aͤusserlicher mich II. Kapitel. Das Erkennen . mich unterscheidendes vorkomme, unberechtigt abgeleitet wird, daß Ich eine Substanz , ferner ein qualitativ einfaches , und ein Eins , und ein von den raͤum- lichen und zeitlichen Dingen unabhaͤngig existi- rendes sey. — Ich habe diese Darstellung ausfuͤhrlicher ausgezo- gen, weil sich sowohl die Natur der vormaligen Me- taphysik uͤber die Seele , als besonders auch der Kritik , wodurch sie zu Grunde gegangen ist, bestimmt daraus erkennen laͤßt. — Jene ging darauf, das ab- stracte Wesen der Seele zu bestimmen; sie ging da- bey von der Wahrnehmung urspruͤnglich aus und ver- wandelte deren empirische Allgemeinheit und die an der Einzelnheit des Wirklichen uͤberhaupt aͤusserliche Re- flexionsbestimmung, in die Form von den angefuͤhrten Bestimmungen des Wesens . — Kant hat dabey uͤberhaupt nur den Zustand der Metaphysik seiner Zeit vor sich, welche vornemlich bey solchen abstracten, ein- seitigen Bestimmungen ohne alle Dialektik stehen blieb; die wahrhaft speculativen Ideen aͤlterer Philosophen uͤber den Begriff des Geistes beachtete und untersuchte er nicht. In seiner Kritik uͤber jene Bestimmungen folgte er nun ganz einfach der Humeschen Manier des Skepticismus; daß er nemlich das festhaͤlt, wie Ich im Selbstbewußtseyn erscheint, wovon aber, da das Wesen desselben, — das Ding an sich , erkannt werden solle, alles empirische wegzulassen sey; nun blei- be nichts uͤbrig, als diese Erscheinung des: Ich den- ke , das alle Vorstellungen begleite, — wovon man nicht den geringsten Begriff habe. — Gewiß muß es zugegeben werden, daß man weder von Ich, noch von irgend etwas, auch von dem Begriff selbst den mindesten Begriff hat, insofern man nicht begreift , und nur bey der einfachen, fixen Vorstellung und dem III. Abschnitt. Idee . dem Nahmen stehen bleibt. — Sonderbar ist der Ge- danke, — wenn es anders ein Gedanke genannt werden kann, — daß Ich mich des Ich schon bedienen muͤsse, um von Ich zu urtheilen; das Ich, das sich des Selbst- bewußtseyns als eines Mittels bedient , um zu ur- theilen, diß ist wohl ein X , von dem man, so wie vom Verhaͤltnisse solchen Bedienens, nicht den geringsten Be- griff haben kann. Aber laͤcherlich ist es wohl, diese Natur des Selbstbewußtseyns, daß Ich sich selbst denkt, daß Ich nicht gedacht werden kann, ohne daß es Ich ist, welches denkt, — eine Unbequemlichkeit und als etwas fehlerhaftes, einen Cirkel zu nennen; — ein Verhaͤltniß, wodurch sich im unmittelbaren empirischen Selbstbewußtseyn, die absolute, ewige Natur desselben und des Begriffes offenbart, deßwegen offenbart, weil das Selbstbewußtseyn eben der daseyende , also em- pirisch wahrnehmbare , reine Begriff , die abso- lute Beziehung auf sich selbst ist, welche als trennendes Urtheil sich zum Gegenstande macht und allein diß ist, sich dadurch zum Cirkel zu machen. — Ein Stein hat jene Unbequemlichkeit nicht, wenn er gedacht oder wenn uͤber ihn geurtheilt werden soll, so steht er sich selbst dabey nicht im Wege; — er ist der Beschwerlich- keit, sich seiner selbst zu diesem Geschaͤfte zu bedienen, enthoben; es ist ein anderes ausser ihm, welches diese Muͤhe uͤbernehmen muß. Der Mangel, den diese barbarisch zu nennenden Vorstellungen darein setzen, daß bey dem Denken des Ich dasselbe als Subject nicht weggelassen werden koͤnne, erscheint dann umgekehrt auch so, daß Ich nur als Subject des Bewußtseyns vorkomme, oder Ich mich nur als Subject eines Urtheils brauchen koͤnne, und die Anschauung fehle, wodurch es als ein Object gegeben wuͤrde; — daß aber der Be- griff II. Kapitel. Das Erkennen . griff eines Dings, das nur als Subject existiren koͤnne, noch gar keine objective Realitaͤt bey sich fuͤhre. — Wenn zur Objectivitaͤt die aͤusserliche, in Zeit und Raum be- stimmte Anschauung gefodert, und sie es ist, welche ver- mißt wird, so sieht man wohl, daß unter Objectivitaͤt nur diejenige sinnliche Realitaͤt gemeynt ist, uͤber welche sich erhoben zu haben, Bedingung des Denkens und der Wahrheit ist. Aber allerdings wenn Ich begrifflos als blosse einfache Vorstellung, nach der Weise genommen wird, wie wir im alltaͤglichen Bewußtseyn Ich ausspre- chen, so ist es die abstracte Bestimmung, nicht die sich selbst zum Gegenstand habende Beziehung seiner selbst; — es ist so nur Eins der Extreme, einseitiges Subject ohne seine Objectivitaͤt, oder es waͤre auch nur Object ohne Subjectivitaͤt, wenn nemlich die beruͤhrte Unbe- quemlichkeit hiebey nicht waͤre, daß sich von dem Ich als Object das denkende Subject nicht wegbringen laͤßt. Aber in der That findet dieselbe Unbequemlichkeit auch bey der erstern Bestimmung, dem Ich als Subjecte, Statt; das Ich denkt etwas , sich oder etwas anderes. Diese Untrennbarkeit der zwey Formen, in denen es sich selbst entgegensetzt, gehoͤrt zur eigensten Natur seines Begriffs, und des Begriffs selbst; sie ist gerade das, was Kant abhalten will, um nur die sich in sich nicht unterscheidende, und somit ja nur die begrifflose Vorstellung fest zu erhalten. Ein solches Begrifflo- ses darf sich nun zwar wohl den abstracten Reflexions- bestimmungen oder Kategorien der vorigen Metaphysik gegenuͤberstellen; — denn an Einseitigkeit steht es auf gleicher Linie mit ihnen, obwohl diese doch ein Hoͤheres des Gedankens sind; dagegen erscheint es desto duͤrftiger und leerer gegen die tiefern Ideen aͤlterer Philosophie vom Begriff der Seele oder des Denkens, z. B. die wahrhaft speculative Ideen des Aristoteles. Wenn die Kantische Philosophie jene Reflexionsbestimmungen un- ter- III. Abschnitt. Idee . tersuchte, so haͤtte sie noch mehr die festgehaltene Ab- straction des leeren Ich, die vermeynte Idee des Dings- an-sich untersuchen muͤssen, das sich eben um seiner Abstraction willen vielmehr als ein ganz Unwahres zeigt; die Erfahrung der beklagten Unbequemlichkeit ist selbst das empirische Factum, worin die Unwahrheit je- ner Abstraction sich ausspricht. Nur des Mendelssohnschen Beweises von der Be- harrlichkeit der Seele erwaͤhnt die Kantische Kritik der rationalen Psychologie, und ich fuͤhre ihre Widerlegung desselben noch um der Merkwuͤrdigkeit desjenigen willen an, was ihm entgegengestellt wird. Jener Beweis gruͤndet sich auf die Einfachheit der Seele, vermoͤge der sie der Veraͤnderung, des Uebergehens in ein anderes in der Zeit nicht faͤhig sey. Die qualitative Einfachheit ist die oben betrachtete Form der Ab- straction uͤberhaupt; als qualitative Bestimmtheit ist sie in der Sphaͤre des Seyns untersucht und bewie- sen worden, daß das Qualitative als solche sich abstract auf sich beziehende Bestimmtheit vielmehr eben darum dialektisch und nur das Uebergehen in ein anderes ist. Beym Begriffe aber wurde gezeigt, daß wenn er in Be- ziehung auf Beharrlichkeit, Unzerstoͤrbarkeit, Unvergaͤng- lichkeit betrachtet wird, er vielmehr darum das an und fuͤr sich seyende und Ewige ist, weil er nicht die ab- stracte sondern concrete Einfachheit, nicht sich auf sich abstract beziehendes Bestimmtseyn, sondern die Ein- heit seiner selbst und seines andern ist, in das er also nicht so uͤbergehen kann, als ob er sich darin veraͤnderte, eben darum, weil das Andre , das Be- stimmtseyn, er selbst ist, und er in diesem Uebergehen daher nur zu sich selbst kommt. — Die Kantische Kritik setzt nun jener qualitativen Bestimmung der Be- griffseinheit, die quantitative entgegen. Obgleich die II. Kapitel. Das Erkennen . die Seele nicht ein mannichfaltiges Aussereinander sey, und keine extensive Groͤsse enthalte, so habe das Be- wußtseyn doch einen Grad , und die Seele wie je- des Existirende eine intensive Groͤsse ; dadurch sey aber die Moͤglichkeit des Uebergehens in Nichts durch das allmaͤhlige Verschwinden gesetzt. — Was ist nun diese Widerlegung anders, als die Anwendung einer Kategorie des Seyns , der intensiven Groͤs- se , auf den Geist? — einer Bestimmung, die keine Wahrheit an sich hat, und im Begriffe vielmehr auf- gehoben ist. Die Metaphysik, — auch selbst die, welche sich auf fixe Verstandesbegriffe beschraͤnkte und sich zum Specu- lativen, und zur Natur des Begriffes und der Idee nicht erhob, hatte zu ihrem Zwecke, die Wahrheit zu er- kennen , und untersuchte ihre Gegenstaͤnde darnach, ob sie ein Wahrhaftes seyen oder nicht, Substanzen oder Phaͤnomene. Der Sieg der Kantischen Kritik uͤber dieselbe besteht aber vielmehr darin, die Untersu- chung, welche das Wahre zum Zwecke hat, und die- sen Zweck selbst zu beseitigen; sie macht die Frage, die allein Interesse hat, gar nicht, ob ein bestimmtes Sub- ject, hier das abstracte Ich der Vorstellung , an und fuͤr sich Wahrheit habe. Es heißt aber auf den Begriff und die Philosophie Verzicht leisten, wenn man bey der Erscheinung, und bey demjenigen stehen bleibt, was sich im alltaͤglichen Bewußtseyn fuͤr die blosse Vor- stellung ergibt. Was daruͤber hinausgeht, heißt in der Kantischen Kritik etwas Ueberfliegendes, und zu dem die Vernunft keineswegs berechtigt sey. In der That uͤber- fliegt der Begriff das Begrifflose, und die naͤchste Be- rechtigung daruͤber hinauszugehen, ist einestheils er selbst, anderntheils nach der negativen Seite, die Un- wahrheit der Erscheinung und der Vorstellung, so wie U sol- III. Abschnitt. Idee . solcher Abstractionen, wie die Dinge- an- sich und jenes Ich ist, das sich nicht Object seyn soll. In dem Zusammenhang dieser logischen Darstellung ist es die Idee des Lebens , aus der die Idee des Geistes hervorgegangen, oder was dasselbe ist, als deren Wahrheit sie sich erwiesen hat. Als dieses Resultat hat diese Idee an und fuͤr sich selbst ihre Wahrheit, mit der dann auch das Empirische oder die Erscheinung des Gei- stes verglichen werden mag, wie es damit uͤbereinstim- me; das Empirische kann jedoch selbst auch nur durch und aus der Idee gefaßt werden. Von dem Leben haben wir gesehen, daß es die Idee ist, aber es hat sich zu- gleich gezeigt, noch nicht die wahrhafte Darstellung oder Art und Weise ihres Daseyns zu seyn. Denn im Leben ist die Realitaͤt der Idee als Einzelnheit , die All- gemeinheit oder die Gattung ist das Innere ; die Wahrheit des Lebens als absolute negative Einheit ist daher, die abstracte oder was dasselbe ist, die unmittel- bare Einzelnheit aufzuheben, und als identisches mit sich identisch, als Gattung sich selbst gleich zu seyn. Diese Idee ist nun der Geist . — Es kann aber hier- uͤber noch bemerkt werden, daß er hier in derjenigen Form betrachtet wird, welche dieser Idee als logisch zukommt. Sie hat nemlich noch andere Gestalten, die hier beylaͤufig angefuͤhrt werden koͤnnen, in welchen sie in den concreten Wissenschaften des Geistes zu betrach- ten ist, nemlich als Seele, Bewußtseyn und Geist als solcher . Der Nahme: Seele wurde sonst vom einzelnen endlichen Geiste uͤberhaupt gebraucht, und die rationale oder empirische Seelenlehre , sollte so viel bedeuten als Geisteslehre . Bey dem Ausdruck: Seele schwebt die Vorstellung vor, daß sie ein Ding ist, wie die II. Kapitel. Das Erkennen . die andern Dinge; man fragt nach ihrem Sitze , der raͤumlichen Bestimmung, von der aus ihre Kraͤfte wirken; noch mehr darnach, wie dieses Ding unver- gaͤnglich sey, den Bedingungen der Zeitlichkeit unterworfen, der Veraͤnderung darin aber entnommen sey. Das System der Monaden hebt die Materie zur Seelenhaftigkeit herauf; die Seele ist in dieser Vor- stellung ein Atom wie die Atome der Materie uͤberhaupt; das Atom, das als Dunst aus der Kaffeetasse aufsteige, sey durch gluͤckliche Umstaͤnde faͤhig sich zur Seele zu entwickeln, nur die groͤssere Dunkelheit seines Vor- stellens unterscheide es von einem solchen Dinge, das als Seele erscheint. — Der fuͤr sich selbst seyen- de Begriff ist nothwendig auch in unmittelbarem Daseyn ; in dieser substantiellen Identitaͤt mit dem Leben, in seinem Versenktseyn in seine Aeusserlichkeit ist er in der Anthropologie zu betrachten. Aber auch ihr muß jene Metaphysik fremd bleiben; worin diese Form der Unmittelbarkeit , zu einem Seelen- ding , zu einem Atom , den Atomen der Materie gleich wird. — Der Anthropologie muß nur die dunkle Re- gion uͤberlassen werden, worin der Geist, unter, wie man es sonst nannte, siderischen und terrestri- schen Einfluͤssen steht, als ein Naturgeist in der Sym- pathie mit der Natur lebt, und ihre Veraͤnderungen in Traͤumen und Ahndungen gewahr wird, dem Gehirn, dem Herzen, den Ganglien, der Leber u. s. w. innwohnt, welcher letztern nach Plato der Gott, damit auch der unvernuͤnftige Theil von seiner Guͤte be- dacht und des Hoͤhern theilhaftig sey, die Gabe des Weissagens gegeben habe, uͤber welche der selbst- bewußte Mensch erhoben sey. Zu dieser unvernuͤnfti- gen Seite gehoͤrt ferner das Verhaͤltniß des Vorstellens und der hoͤhern geistigen Thaͤtigkeit, insofern sie im ein- zelnen Subjecte dem Spiele ganz zufaͤlliger loͤrperlicher U 2 Be- III. Abschnitt. Idee . Beschaffenheit, aͤusserlicher Einfluͤsse und einzelner Um- staͤnde unterworfen ist. Diese unterste der concreten Gestalten, worin der Geist in die Materiatur versenkt ist, hat ihre unmittel- bar hoͤhere im Bewußtseyn . In dieser Form ist der freye Begriff als fuͤrsischseyendes Ich , zuruͤck- gezogen aus der Objectivitaͤt, aber sich auf sie als sein Anderes , als gegenuͤberstehenden Gegenstand bezie- hend. Indem der Geist hier nicht mehr als Seele ist, sondern in der Gewißheit seiner selbst die Unmit- telbarkeit des Seyns vielmehr die Bedeutung ei- nes Negativen fuͤr ihn hat, so ist die Identitaͤt, in der er im Gegenstaͤndlichen mit sich selbst ist, zugleich nur noch ein Scheinen , indem das Gegenstaͤndliche auch noch die Form eines Ansichseyenden hat. Diese Stuffe ist der Gegenstand der Phaͤnomenolo- gie des Geistes , — einer Wissenschaft, welche zwi- schen der Wissenschaft des Naturgeistes, und des Geistes als solches inne steht, und den fuͤr sich seyenden Geist zugleich in seiner Beziehung auf sein Anderes , welches hiedurch sowohl, wie erinnert, als an sich seyendes Object wie auch als negirtes bestimmt ist, — den Geist also als erscheinend , am Gegentheil seiner selbst sich darstellend betrachtet. Die hoͤhere Wahrheit dieser Form ist aber der Geist fuͤr sich , fuͤr welchen der dem Bewußtseyn an sich seyende Gegenstand, die Form seiner eigenen Bestimmung, der Vorstellung uͤberhaupt hat; dieser Geist, der auf die Bestimmungen als auf seine eigenen, auf Gefuͤhle, Vorstellungen und Gedanken, thaͤtig ist, ist insofern in sich und in seiner Form unendlich. Die Betrachtung dieser Stuffe gehoͤrt der eigentlichen Gei- steslehre an, die dasjenige umfassen wuͤrde, was Ge- II. Kapitel. Das Erkennen . Gegenstand der gewoͤhnlich empirischen Psycholo- gie ist, die aber um die Wissenschaft des Geistes zu seyn, nicht empirisch zu Werke gehen, sondern wissen- schaftlich gefaßt werden muß. — Der Geist ist auf die- ser Stuffe endlicher Geist, insofern der Inhalt sei- ner Bestimmtheit, ein unmittelbarer gegebener ist; die Wissenschaft desselben hat den Gang darzustellen, worin er sich von dieser seiner Bestimmtheit befreyt, und zum Erfassen seiner Wahrheit, des unendlichen Geistes, fortgeht. Die Idee des Geistes dagegen, welche logi- scher Gegenstand ist, steht schon innerhalb der reinen Wissenschaft; sie hat daher ihn nicht den Gang durch- machen zu sehen, wie er mit der Natur, der unmittel- baren Bestimmtheit und dem Stoffe oder der Vorstel- lung, verwickelt ist, was in jenen drey Wissenschaften betrachtet wird; sie hat diesen Gang bereits hinter sich, oder was dasselbe ist, vielmehr vor sich, — jenes inso- fern die Logik, als die letzte Wissenschaft, dieses in- sofern sie als die erste genommen wird, aus welcher die Idee erst in die Natur uͤbergeht. In der logischen Idee des Geistes, ist Ich daher sogleich, wie es aus dem Begriffe der Natur als deren Wahrheit sich gezeigt hat, der freye Begriff, der in seinem Urtheile sich selbst der Gegenstand ist, der Begriff als seine Idee . Aber auch in dieser Gestalt ist die Idee noch nicht vollendet. Indem sie der zwar freye sich selbst zum Gegen- stande habende Begriff ist, so ist sie unmittelbar , ebendarum weil sie unmittelbar ist, noch die Idee in ihrer Subjectivitaͤt , und damit in ihrer Endlich- keit uͤberhaupt. Sie ist der Zweck , der sich realisiren soll, oder es ist die absolute Idee selbst noch in ih- rer Erscheinung . Was sie sucht , ist das Wahre , die- III. Abschnitt. Idee . diese Identitaͤt des Begriffs selbst und der Realitaͤt, aber sie sucht es nur erst; denn sie ist hier wie sie zuerst ist, noch ein subjectives . Der Gegenstand, der fuͤr den Begriff ist, ist daher hier zwar auch ein gegebener, aber er tritt nicht als einwirkendes Object, oder als Gegenstand wie er als solcher fuͤr sich selbst beschaffen sey, oder als Vorstellung in das Subject ein, sondern dieses verwandelt ihn in eine Begriffsbe- stimmung ; es ist der Begriff, der im Gegenstand sich bethaͤtigt, darin sich auf sich bezieht, und dadurch daß er sich an dem Objecte seine Realitaͤt gibt, Wahr- heit findet. Die Idee ist also zunaͤchst das eine Extrem eines Schlusses, als der Begriff, der als Zweck zunaͤchst sich selbst zur subjectiven Realitaͤt hat; das andre Extrem ist die Schranke des Subjectiven, die objective Welt. Die beyden Extreme sind darin identisch, daß sie die Idee sind; erstlich ist ihre Einheit die des Begriffs, welcher in dem einen nur fuͤr sich , in dem andern nur an sich ist; zweytens ist die Realitaͤt, in dem einen ab- stract, in dem andern in ihrer concreten Aeusserlich- keit. — Diese Einheit wird nun durch das Erkennen gesetzt ; sie ist, weil es die subjective Idee ist, die als Zweck von sich ausgeht, zunaͤchst nur als Mitte . — Das Erkennende bezieht sich durch die Bestimmtheit seines Begriffs, nemlich das abstracte Fuͤrsichseyn, zwar auf eine Aussenwelt; aber in der absoluten Ge- wißheit seiner selbst, um die Realitaͤt seiner an sich selbst, diese formelle Wahrheit zur reellen Wahrheit zu erheben. Es hat an seinem Begriff die ganze Wesenheit der objectiven Welt; sein Proceß ist, den concreten In- halt derselben fuͤr sich als identisch mit dem Begriffe , und umgekehrt diesen als identisch mit der Objectivitaͤt zu setzen. Un- II. Kapitel. Das Erkennen . Unmittelbar ist die Idee der Erscheinung, theore- tische Idee, das Erkennen als solches. Denn un- mittelbar hat die objective Welt die Form der Unmit- telbarkeit oder des Seyns fuͤr den fuͤr sich seyen- den Begriff, so wie dieser zuerst sich nur als der ab- stracte noch in ihn eingeschlossene Begriff seiner selbst ist; er ist daher nur als Form ; seine Realitaͤt die er an ihm selbst hat, sind nur seine einfachen Bestimmun- gen von Allgemeinheit und Besonderheit ; die Einzelnheit aber oder die bestimmte Bestimmt- heit , den Inhalt erhaͤlt diese Form von Aussen. A. Die Idee des Wahren . Die subjective Idee ist zunaͤchst Trieb . Denn sie ist der Widerspruch des Begriffs, sich zum Gegen- stand zu haben und sich die Realitaͤt zu seyn, ohne daß doch der Gegenstand als Anderes , gegen ihn Selbst- staͤndiges waͤre, oder ohne daß der Unterschied seiner selbst von sich zugleich die wesentliche Bestimmung der Verschiedenheit und des gleichguͤltigen Daseyns haͤtte. Der Trieb hat daher die Bestimmtheit, seine eigene Subjectivitaͤt aufzuheben, seine erst abstracte Rea- litaͤt zur concreten zu machen, und sie mit dem Inhal- te der von seiner Subjectivitaͤt vorausgesetzten Welt zu erfuͤllen. — Von der andern Seite bestimmt er sich hie- durch so: der Begriff ist zwar die absolute Gewißheit seiner selbst; seinem Fuͤrsichseyn steht aber seine Voraussetzung einer an sich seyenden Welt gegenuͤber, deren gleichguͤltiges Andersseyn aber fuͤr die Ge- wißheit seiner selbst den Werth nur eines Unwesent- lichen III. Abschnitt. Idee . lichen hat; er ist insofern der Trieb, diß Andersseyn aufzuheben, und in dem Objecte die Identitaͤt mit sich selbst anzuschauen. Insofern diese Reflexion-in-sich der aufgehobene Gegensatz und die gesetzte , fuͤr das Subject bewirkte Einzelnheit ist, welche zunaͤchst als das vorausgesetzte Ansichseyn erscheint, ist es die aus dem Gegensatz hergestellte Identitaͤt der Form mit sich selbst, — eine Identitaͤt, welche damit als gleichguͤl- tig gegen die Form in deren Unterschiedenheit, bestimmt, und Inhalt ist. Dieser Trieb ist daher der Trieb der Wahrheit , insofern sie im Erkennen ist, also der Wahrheit als theoretischer Idee, in ihrem eigentlichen Sin- ne. — Wenn die objective Wahrheit zwar die Idee selbst ist, als die dem Begriffe entsprechende Realitaͤt, und ein Gegenstand insofern an ihm Wahrheit haben kann oder nicht, so ist dagegen der bestimmtere Sinn der Wahrheit dieser, daß sie es fuͤr oder im subjecti- ven Begriff, im Wissen sey. Sie ist das Verhaͤltniß des Begriffs-Urtheils , welches als das formelle Urtheil der Wahrheit sich gezeigt hat; in demselben ist nemlich das Praͤdicat nicht nur die Objectivitaͤt des Be- griffes, sondern die beziehende Vergleichung des Begriffs der Sache und der Wirklichkeit derselben. — Theore- tisch ist diese Realisirung des Begriffs, insofern er als Form noch die Bestimmung eines subjectiven , oder die Bestimmung fuͤr das Subject hat, die seinige zu seyn. Weil das Erkennen die Idee als Zweck oder als subjective ist, so ist die Negation der als an sich seyend vorausgesetzten Welt, die erste ; der Schluß- satz, worin das Objective in das Subjective gesetzt ist, hat daher zunaͤchst auch nur die Bedeutung, daß das Ansichseyende nur als ein subjectives, oder in der Be- griffsbestimmung nur gesetzt , darum aber nicht so an und II. Kapitel. Das Erkennen . und fuͤr sich sey. Der Schlußsatz kommt insofern nur zu einer neutralen Einheit, oder einer Synthesis , d. h. einer Einheit von solchen, die urspruͤnglich geschie- den, nur aͤusserlich so verbunden seyen. — Indem da- her in diesem Erkennen der Begriff das Object als das seinige setzt, gibt sich die Idee zunaͤchst nur einen Inhalt, dessen Grundlage gegeben und an dem nur die Form der Aeusserlichkeit aufgehoben worden. Diß Erkennen behaͤlt insofern in seinem ausgefuͤhrten Zwecke noch seine Endlichkeit , es hat in ihm denselben zugleich nicht erreicht, und ist in seiner Wahrheit noch nicht zur Wahrheit gekommen. Denn inso- fern im Resultate der Inhalt noch die Bestimmung ei- nes gegebenen hat, so ist das vorausgesetzte An- sichseyn gegen den Begriff, nicht aufgehoben; die Einheit des Begriffs und der Realitaͤt, die Wahr- heit, ist somit ebensosehr auch nicht darin enthal- ten. — Sonderbarer Weise ist in neuern Zeiten diese Seite der Endlichkeit festgehalten und als das ab- solute Verhaͤltniß des Erkennens angenommen wor- den; — als ob das Endliche als solches das Absolute seyn sollte! Auf diesem Standpunkte wird dem Objecte eine unbekannte Dingheit-an-sich hinter dem Er- kennen zugeschrieben, und dieselbe und damit auch die Wahrheit als ein absolutes Jenseits fuͤr das Erken- nen betrachtet. Die Denkbestimmungen uͤberhaupt, die Categorien, die Reflexionsbestimmungen, so wie der for- male Begriff und dessen Momente erhalten darin die Stellung, nicht daß sie an und fuͤr sich endliche Bestim- mungen, sondern daß sie es in dem Sinne sind, als sie ein subjectives gegen jene leere Dingheit-an-sich sind; diß Verhaͤltniß der Unwahrheit des Erkennens als das wahrhafte anzunehmen, ist der zur allgemeinen Mey- nung neuerer Zeit gewordene Irrthum. Aus III. Abschnitt. Idee . Aus dieser Bestimmung des endlichen Erkennens erhellt unmittelbar, daß es ein Widerspruch ist, der sich selbst aufhebt; — der Widerspruch einer Wahrheit, die zugleich nicht Wahrheit seyn soll; — eines Erkennens dessen, was ist , welches zugleich das Ding-an-sich nicht erkennt. In dem Zusammenfallen dieses Wider- spruchs faͤllt sein Inhalt, das subjective Erkennen und das Ding-an-sich, zusammen, d. h. erweißt sich als ein Unwahres. Aber das Erkennen hat durch seinen eige- nen Gang seine Endlichkeit und damit seinen Widerspruch aufzuloͤsen; jene Betrachtung, welche wir uͤber dasselbe machen, ist eine aͤusserliche Reflexion; es ist aber selbst der Begriff, der sich Zweck ist, der also durch seine Rea- lisirung sich ausfuͤhrt, und eben in dieser Ausfuͤhrung seine Subjectivitaͤt, und das vorausgesetzte Ansichseyn aufhebt. — Es ist daher an ihm selbst in seiner positi- ven Thaͤtigkeit zu betrachten. Da diese Idee, wie ge- zeigt, der Trieb des Begriffes ist, sich fuͤr sich selbst zu realisiren, so ist seine Thaͤtigkeit, das Object zu be- stimmen, und durch diß Bestimmen sich in ihm identisch auf sich zu beziehen. Das Object ist uͤberhaupt das schlechthin Bestimmbare, und in der Idee hat es diese wesentliche Seite, nicht an und fuͤr sich gegen den Be- griff zu seyn. Weil diß Erkennen noch das endliche, nicht speculative ist, so hat die vorausgesetzte Objectivi- taͤt noch nicht die Gestalt fuͤr dasselbe, daß sie schlecht- hin nur der Begriff an ihr selbst ist, und nichts beson- deres fuͤr sich gegen ihn enthaͤlt. Aber damit, daß sie als ein an-sich-seyendes Jenseits gilt, hat sie die Be- stimmung der Bestimmbarkeit durch den Begriff darum wesentlich, weil die Idee der fuͤr sich seyende Begriff und das schlechthin in sich unendliche ist, worin das Object an sich aufgehoben, und der Zweck nur noch ist, es fuͤr sich aufzuheben; das Object ist daher zwar von der Idee des Erkennens als an sich seyend vor- II. Kapitel. Das Erkennen . vorausgesetzt, aber wesentlich in dem Verhaͤltniß, daß sie ihrer selbst und der Nichtigkeit dieses Gegensatzes gewiß, zu Realisirung ihres Begriffes in ihm komme. In dem Schlusse, wodurch sich die subjective Idee nun mit der Objectivitaͤt zusammenschließt, ist die erste Praͤmisse dieselbe Form der unmittelbaren Bemaͤch- tigung und Beziehung des Begriffs auf das Object, als wir in der Zweckbeziehung sahen. Die bestimmende Thaͤtigkeit des Begriffs auf das Object ist eine unmit- telbare Mittheilung und widerstandslose Verbrei- tung seiner auf dasselbe. Der Begriff bleibt hierin in der reinen Identitaͤt mit sich selbst; aber diese seine unmittelbare Reflexion-in-sich hat eben so die Bestim- mung der objectiven Unmittelbarkeit; das was fuͤr ihn seine eigene Bestimmung ist, ist ebensosehr ein Seyn , denn es ist die erste Negation der Voraussetzung. Die gesetzte Bestimmung gilt daher ebensosehr als eine nur gefundene Voraussetzung, als ein Auffassen eines Gegebenen , worin die Thaͤtigkeit des Begriffs viel- mehr nur darin bestehe, negativ gegen sich selbst zu seyn, sich gegen das Vorhandene zuruͤckzuhalten und passiv zu machen, damit dasselbe nicht bestimmt vom Subjecte, sondern sich, wie es in sich selbst ist, zeigen koͤnne. Diß Erkennen erscheint daher in dieser Praͤmisse nicht einmal als eine Anwendung der logischen Be- stimmungen, sondern als ein Empfangen und Auffassen derselben als Vorgefundener, und seine Thaͤtigkeit er- scheint als darauf beschraͤnkt, nur ein subjectives Hin- derniß, eine aͤusserliche Schaale von dem Gegenstande zu entfernen. Diß Erkennen ist das Analytische . a. Das III. Abschnitt. Idee . a. Das analytische Erkennen . Den Unterschied des analytischen und synthetischen Erkennens findet man zuweilen so angegeben, daß das eine vom Bekannten zum Unbekannten, das andere vom Unbekannten zum Bekannten fortgehe. Es wird aber, wenn man diesen Unterschied naͤher betrachtet, schwer seyn, in ihm einen bestimmten Gedanken, vielweniger einen Begriff zu entdecken. Man kann sagen, das Er- kennen fange uͤberhaupt mit der Unbekanntschaft an, denn etwas, womit man schon bekannt ist, lernt man nicht kennen. Umgekehrt auch faͤngt es mit dem Bekannten an; diß ist ein tavtologischer Satz; — das, womit es anfaͤngt, was es also wirklich erkennt, ist eben dadurch ein Bekanntes; was noch nicht erkannt worden, und erst spaͤter erkannt werden soll, ist noch ein Unbekann- tes. Man muß insofern sagen, daß das Erkennen, wenn es einmal angefangen hat, immer vom Bekannten zum Unbekannten fortgehe. Das Unterscheidende des analytischen Erkennens hat sich bereits dahin bestimmt, daß ihm als der ersten Praͤmisse des ganzen Schlusses, die Vermittlung noch nicht angehoͤrt, sondern daß es die unmittelbare, das Andersseyn noch nicht enthaltende Mittheilung des Be- griffes ist, worin die Thaͤtigkeit sich ihrer Negativitaͤt entaͤussert. Jene Unmittelbarkeit der Beziehung ist je- doch darum selbst Vermittlung, denn sie ist die negative Beziehung des Begriffs auf das Object, die sich aber selbst vernichtet und sich dadurch einfach und identisch macht. Diese Reflexion-in-sich ist nur ein subjectives, weil in ihrer Vermittlung der Unterschied nur noch als der vorausgesetzte Ansichseyende , als Verschie- denheit des Objects in sich, vorhanden ist. Die Be- II. Kapitel. Das Erkennen . Bestimmung, die daher durch diese Beziehung zu Stande kommt, ist die Form einfacher Identitaͤt , der ab- stracten Allgemeinheit . Das analytische Erken- nen hat daher uͤberhaupt diese Identitaͤt zu seinem Prin- cip und der Uebergang in Anderes, die Verknuͤpfung Verschiedener ist aus ihm selbst, aus seiner Thaͤtigkeit ausgeschlossen. Das analytische Erkennen nun naͤher betrachtet, so wird von einem vorausgesetzten , somit einzelnen, concreten Gegenstande angefangen, er sey nun ein fuͤr die Vorstellung schon fertiger oder er sey eine Aufgabe , nemlich nur in seinen Umstaͤnden und Be- dingungen gegeben, aber aus ihnen noch nicht fuͤr sich herausgehoben und in einfacher Selbststaͤndigkeit darge- stellt. Die Analyse desselben kann nun nicht darin be- stehen, daß er bloß in die besondern Vorstellun- gen , die er enthalten kann, aufgeloͤst werde; eine solche Aufloͤsung und das Auffassen derselben ist ein Ge- schaͤft, das nicht zum Erkennen gehoͤrte, sondern nur eine naͤhere Kenntniß , eine Bestimmung innerhalb der Sphaͤre des Vorstellens betraͤffe. Die Analyse, da sie den Begriff zum Grunde hat, hat zu ihren Pro- ducten wesentlich die Begriffsstimmungen, und zwar als solche, welche unmittelbar in dem Gegenstande enthalten sind. Es hat sich aus der Natur der Idee des Erkennens ergeben, daß die Thaͤtigkeit des subjecti- ven Begriffs von der einen Seite nur als Entwick- lung dessen, was im Objecte schon ist , ange- sehen werden muß, weil das Object selbst nichts, als die Totalitaͤt des Begriffs ist. Es ist ebenso einseitig, die Analyse so vorzustellen, als ob im Gegenstande nichts sey, was nicht in ihn hineingelegt werde, als es einseitig ist, zu meynen, die sich ergebenden Bestimmun- gen werden nur aus ihm herausgenommen . Jene Vor- III. Abschnitt. Idee . Vorstellung spricht bekanntlich der subjective Idealismus aus, der in der Analyse die Thaͤtigkeit des Erkennens allein fuͤr ein einseitiges Setzen nimmt, jenseits dessen das Ding-an-sich verborgen bleibt; die andere Vorstellung gehoͤrt dem sogenannten Realismus an, der den subjectiven Begriff als eine leere Identitaͤt erfaßt, welche die Gedankenbestimmungen von aussen in sich aufnehme . — Da das analytische Erkennen, die Ver- wandlung des gegebenen Stoffes in logische Bestim- mungen, sich gezeigt hat, beydes in Einem zu seyn, ein Setzen , welches sich eben so unmittelbar als Vor- aussetzen bestimmt, so kann um des letztern willen das Logische als ein schon im Gegenstande fertiges , so wie wegen des erstern als Product einer bloß subjecti- ven Thaͤtigkeit erscheinen. Aber beyde Momente sind nicht zu trennen; das Logische ist in seiner abstracten Form, in welche es die Analyse heraushebt, allerdings nur im Erkennen vorhanden, so wie es umgekehrt nicht nur ein gesetztes , sondern ein an-sich-seyen- des ist. Insofern nun das analytische Erkennen die aufge- zeigte Verwandlung ist, geht es durch keine weitern Mittelglieder hindurch, sondern die Bestimmung ist insofern unmittelbar und hat eben diesen Sinn, dem Gegenstand eigen und an sich anzugehoͤren, daher ohne subjective Vermittlung aus ihm aufgefaßt zu seyn. — Aber das Erkennen soll ferner auch ein Fortgehen , eine Entwicklung von Unterschieden seyn. Weil es aber nach der Bestimmung, die es hier hat, begriff- los und undialektisch ist, hat es nur einen gegebenen Unterschied , und sein Fortgehen geschieht allein an den Bestimmungen des Stoffes . Nur insofern scheint es ein immanentes Fortgehen zu haben, als die abgeleiteten Gedankenbestimmungen von neuem analysirt wer- II. Kapitel. Das Erkennen . werden koͤnnen, insofern sie noch ein Concretes sind; das hoͤchste und letzte dieses Analysirens ist das ab- stracte hoͤchste Wesen, — oder die abstracte subjective Identitaͤt, und ihr gegenuͤber die Verschiedenheit. Die- ses Fortgehen ist jedoch nichts anderes als nur die Wie- derhohlung des einen urspruͤnglichen Thuns der Analy- se, nemlich die Wiederbestimmung des schon in die ab- stracte Begriffsform aufgenommenen als eines Concre- ten , und hierauf die Analyse desselben, dann von neuem die Bestimmung des aus ihr hervorgehenden Ab- stracten als eines Concreten und sofort. — Die Gedan- kenbestimmungen scheinen aber in ihnen selbst auch einen Uebergang zu enthalten. Wenn der Gegenstand als Ganzes bestimmt worden, so wird davon allerdings zur andern Bestimmung: des Theils ; von der Ur- sache zur andern Bestimmung der Wirkung u. s. f. fortgegangen. Aber diß ist hier insofern kein Fortge- hen, als Ganzes und Theile, Ursache und Wirkung, Verhaͤltnisse sind, und zwar fuͤr dieses formale Er- kennen so fertige Verhaͤltnisse, daß die eine Bestim- mung an die andere wesentlich geknuͤpft vorgefunden wird. Der Gegenstand, der als Ursache oder als Theil bestimmt worden, ist damit durch das ganze Verhaͤltniß, schon durch beyde Seiten desselben bestimmt. Ob es schon an sich etwas synthetisches ist, so ist dieser Zusammenhang fuͤr das analytische Erkennen ebensosehr nur ein gegebenes , als anderer Zusammenhang sei- nes Stoffes, und gehoͤrt daher nicht seinem eigenthuͤm- lichen Geschaͤfte an. Ob solcher Zusammenhang sonst als ein priorisches oder aposteriorisches bestimmt werde, diß ist dabey gleichguͤltig, insofern er als ein vorge- fundener gefaßt wird, oder wie man es auch genannt hat, als eine Thatsache des Bewußtseyns, daß mit der Bestimmung: Ganzes die Bestimmung: Theil verknuͤpft sey und so fort. Indem Kant die tiefe Be- mer- III. Abschnitt. Idee . merkung von synthetischen Grundsaͤtzen à priori aufgestellt und als deren Wurzel die Einheit des Selbst- bewußtseyns, also die Identitaͤt des Begriffes mit sich, erkennt hat, nimmt er doch den bestimmten Zusam- menhang, die Verhaͤltnißbegriffe und synthetischen Grund- saͤtze selbst, von der formalen Logik als gegeben auf; die Deduction derselben haͤtte die Darstellung des Uebergangs jener einfachen Einheit des Selbstbewußt- seyns in diese ihre Bestimmungen und Unterschiede seyn muͤssen; aber die Aufzeigung dieses wahrhaft syntheti- schen Fortgehens, des sich selbst producirenden Begriffs, hat Kant sich erspart, zu leisten. Bekanntlich wird die Arithmetik und die all- gemeinern Wissenschaften der discreten Groͤs- se , Vorzugsweise analytische Wissenschaft und Analysis genannt. Die Erkenntnißweise derselben ist in der That am immanentesten analytisch und es ist kuͤrzlich zu betrachten, worauf sich diß gruͤndet. — Das sonstige analytische Erkennen faͤngt von einem concreten Stoffe an, der eine zufaͤllige Mannichfaltigkeit an sich hat; aller Unterschied des Inhalts und das Fortgehen zu weiterem Inhalt haͤngt von demselben ab. Der arithmetische und algebraische Stoff dagegen ist ein schon ganz abstract und unbestimmt gemachtes, an dem alle Eigenthuͤmlichkeit des Verhaͤltnisses getilgt, dem somit nun jede Bestimmung und Verknuͤpfung ein Aeus- serliches ist. Ein solches ist das Princip der discreten Groͤsse, das Eins . Diß verhaͤltnißlose Atome, kann zu einer Vielheit vermehrt und aͤusserlich zu einer Anzahl bestimmt und vereinigt werden, dieses Vermeh- ren und Begraͤnzen ist ein leeres Fortgehen und Be- stimmen, welches bey demselben Princip des abstracten Eins stehen bleibt. Wie die Zahlen ferner zusam- mengefaßt und getrennt werden, haͤngt allein von dem Setzen II. Kapitel. Das Erkennen . Setzen des Erkennenden ab. Die Groͤsse ist uͤber- haupt die Kategorie, innerhalb welcher diese Bestimmun- gen gemacht werden; — was die gleichguͤltig ge- wordene Bestimmtheit ist, so daß der Gegenstand keine Bestimmtheit hat, welche ihm immanent, also dem Er- kennen gegeben waͤre. Insofern sich das Erkennen zunaͤchst eine zufaͤllige Verschiedenheit von Zahlen ge- geben hat, so machen sie nun den Stoff fuͤr eine wei- tere Bearbeitung und mannichfaltige Verhaͤltnisse aus. Solche Verhaͤltnisse, deren Erfindung und Bearbeitung, scheinen zwar nichts dem analytischen Erkennen immanen- tes, sondern ein zufaͤlliges und gegebenes zu seyn; wie denn auch diese Verhaͤltnisse und die sich auf sie bezie- henden Operationen, gewoͤhnlich nacheinander , als verschiedene ohne Bemerkung eines innern Zusam- menhanges vorgetragen werden. Allein es ist leicht, ein fortleitendes Princip zu erkennen, und zwar ist es das immanente der analytischen Identitaͤt, die am Ver- schiedenen als Gleichheit erscheint; der Fortschritt ist die Reduction des Ungleichen auf immer groͤssere Gleich- heit. Um ein Beyspiel an den ersten Elementen zu ge- ben, so ist die Addition das Zusammenfassen ganz zu- faͤllig ungleicher Zahlen, die Multiplication, dagegen von gleichen , worauf noch das Verhaͤltniß der Gleichheit von der Anzahl und der Einheit folgt, und das Potenzenverhaͤltniß eintritt. Weil nun die Bestimmtheit des Gegenstandes und der Verhaͤltnisse eine gesetzte ist, so ist die weitere Operation mit ihnen auch ganz analytisch, und die analytische Wissenschaft hat daher nicht sowohl Lehr- saͤtze , als Aufgaben . Der analytische Lehrsatz enthaͤlt die Aufgabe schon fuͤr sich selbst als geloͤßt, und der ganz aͤusserliche Unterschied, der den beyden Seiten, die er gleich setzt, zukommt, ist so unwesentlich, X daß III. Abschnitt. Idee . daß ein solcher Lehrsatz als eine triviale Identitaͤt er- scheinen wuͤrde. Kant hat zwar den Satz 5 + 7 = 12 fuͤr einen synthetischen Satz erklaͤrt, weil auf einer Seite Dasselbe, in der Form von Mehrern, von 5 und 7, auf der andern in der Form von Einem, von 12, dar- gestellt ist. Allein wenn das analytische nicht das ganz abstract identische und tavtologische 12 = 12 bedeuten und ein Fortgang in demselben uͤberhaupt seyn soll, so muß irgend ein Unterschied vorhanden seyn, jedoch ein solcher, der sich auf keine Qualitaͤt, keine Bestimmtheit der Reflexion und noch weniger des Begriffs gruͤndet. 5 + 7 und 12 sind durchaus ganz derselbe Inhalt; in jener Seite ist auch die Foderung ausgedruͤckt, daß 5 und 7 in Einen Ausdruck zusammengefaßt, das heißt, daß wie fuͤnf ein Zusammengezaͤhltes ist, wobey das Abbrechen ganz willkuͤhrlich war, und eben so gut weiter gezaͤhlt werden konnte, nun auf dieselbe Weise fortgezaͤhlt werden soll mit der Bestimmung, daß die hinzuzusetzenden Eins sieben seyn sollen. Das 12 ist also ein Resultat von 5 und 7 und von einer Opera- tion, welche schon gesetzt, ihrer Natur nach auch ein ganz aͤusserliches, gedankenloses Thun ist, daß es daher auch eine Maschine verrichten kann. Hier ist im Ge- ringsten kein Uebergang zu einem Andern ; es ist ein blosses Fortsetzen d. h. Wiederhohlen derselben Ope- ration, durch welche 5 und 7 entstanden ist. Der Beweis eines solchen Lehrsatzes, — einen sol- chen erfoderte er, wenn er ein synthetischer Satz waͤ- re — wuͤrde nur in der Operation des durch 7 be- stimmten Fortzaͤhlens von 5 an, und in dem Erkennen der Uebereinstimmung dieses Fortgezaͤhlten mit dem beste- hen, was man sonst 12 nennt, und was wieder weiter nichts, als eben jenes bestimmte Fortzaͤhlen selbst ist. Statt der Form der Lehrsaͤtze waͤhlt man daher sogleich die II. Kapitel. Das Erkennen . die Form der Aufgabe , der Foderung der Opera- tion, nemlich das Aussprechen nur der Einen Seite von der Gleichung, die den Lehrsatz ausmachen wuͤrde, und deren andere Seite nun gefunden werden soll. Die Aufgabe enthaͤlt den Inhalt, und gibt die bestimmte Operation an, die mit ihm vorgenommen werden soll. Die Operation ist durch keinen sproͤden, mit specifischen Verhaͤltnissen begabten Stoff beschraͤnkt, sondern ein aͤus- serliches, subjectives Thun, dessen Bestimmungen der Stoff gleichguͤltig annimmt, an welchem sie gesetzt wer- den. Der ganze Unterschied der in der Aufgabe gemach- ten Bedingungen, und des Resultates in der Aufloͤ- sung ist nur der, daß in diesem wirklich auf die bestimmte Weise vereinigt oder getrennt ist, wie in je- ner angegeben war. Es ist daher ein hoͤchst uͤberfluͤssiges Geruͤste, hier die Form der geometrischen Methode, welche sich auf synthetische Saͤtze bezieht, anzuwenden und der Aufgabe ausser der Aufloͤsung auch noch einen Beweis fol- gen zu lassen. Er kann nichts als die Tavtologie aus- druͤcken, daß die Aufloͤsung richtig ist, weil man operirt hat, wie aufgegeben war. Wenn die Aufgabe ist, man soll mehrere Zahlen addiren, so ist die Aufloͤsung: man addire sie; der Beweis zeigt, daß die Aufloͤsung richtig ist, darum weil aufgegeben war zu addiren, und man addirt hat. Wenn die Aufgabe zusammengesetztere Be- stimmungen und Operationen z. B. etwa Decimalzahlen zu multipliciren enthaͤlt, und die Aufloͤsung gibt nichts, als das mechanische Verfahren an, so wird wohl ein Beweis noͤthig; dieser aber kann weiter nichts seyn, als die Analyse jener Bestimmungen und der Operation, woraus die Aufloͤsung von selbst hervorgeht. Durch diese Absonderung der Aufloͤsung als eines mechani- schen Verfahrens, und des Beweises als der Ruͤck- X 2 er- III. Abschnitt. Idee . erinnerung an die Natur des zu behandelnden Gegen- standes und der Operation selbst, geht gerade der Vor- theil der analytischen Aufgabe verloren, daß nemlich die Construction unmittelbar aus der Aufgabe ab- geleitet, und daher an und fuͤr sich als verstaͤndig dargestellt werden kann; auf die andere Weise wird der Construction ausdruͤcklich ein Mangel gegeben, welcher der synthetischen Methode eigen ist. — In der hoͤhern Analysis, wo mit dem Potenzenverhaͤltnisse vornemlich, qualitative und von Begriffsbestimmtheiten abhaͤngende Verhaͤltnisse der discreten Groͤssen eintreten, enthalten die Aufgaben und Lehrsaͤtze allerdings wohl synthetische Bestimmungen; es muͤssen daselbst andere Bestimmun- gen und Verhaͤltnisse zu Mittelgliedern genommen wer- den, als unmittelbar durch die Aufgabe oder den Lehrsatz angegeben sind. Uebrigens muͤssen auch diese zu Huͤlfe genommenen Bestimmungen von der Art seyn, daß sie in der Beruͤcksichtigung und Entwicklung einer Seite der Aufgabe oder des Lehrsatzes gegruͤndet sind; das synthetische Aussehen kommt allein daher, daß die Aufgabe oder der Lehrsatz diese Seite nicht selbst schon nahmhaft macht. — Die Aufgabe z. B. die Sum- me der Potenzen der Wurzeln einer Gleichung, zu finden, wird durch die Betrachtung und dann Verknuͤpfung der Functionen geloͤst, welche die Co ë fficienten der Gleichung von den Wurzeln sind. Die hier zu Huͤlfe genommene Bestimmung der Functionen der Co ë fficienten und deren Verknuͤpfung ist nicht in der Aufgabe schon ausgedruͤckt, uͤbrigens ist die Entwicklung selbst ganz analytisch. So ist die Aufloͤsung der Gleichung X m — I = O mit Huͤlfe der Sinus, auch die immanente bekanntlich durch Gauß gefundene algebraische Aufloͤsung mit Huͤlfe der Betrach- tung des Residuums von X m — I — I durch m divi- dirt, und der sogenannten primitiven Wurzeln, — eine der wichtigsten Erweiterungen der Analysis der neuern Zeit, II. Kapitel. Das Erkennen . Zeit, — eine synthetische Aufloͤsung, weil die zu Huͤlfe genommenen Bestimmungen, die Sinus oder die Betrach- tung der Residuen, nicht eine Bestimmung der Auf- gabe selbst ist. Ueber die Natur der Analysis, welche sogenannte unendliche Differenzen veraͤnderlicher Groͤssen betrachtet, der Differential- und Integralrechnung, ist im ersten Theile dieser Logik, ausfuͤhrlicher gehandelt worden. Daselbst wurde gezeigt, daß hier eine qualitative Groͤs- senbestimmung zu Grunde liegt, welche allein durch den Begriff gefaßt werden kann. Der Uebergang zu dersel- ben von der Groͤsse als solcher ist nicht mehr analytisch; die Mathematik hat daher bis diesen Tag nicht dahin kommen koͤnnen, die Operationen, welche auf jenem Uebergange beruhen, durch sich selbst, d. h. auf mathe- matische Weise, zu rechtfertigen, weil er nicht mathema- tischer Natur ist. Leibnitz , dem der Ruhm zugeschrie- ben wird, die Rechnung mit den unendlichen Differen- zen zu einem Calcul geschaffen zu haben, hat, wie ebendaselbst angefuͤhrt worden, den Uebergang auf eine Art gemacht, welche die unzulaͤnglichste, eben so voͤllig begrifflos als unmathematisch, ist; den Uebergang aber einmal vorausgesetzt, — und er ist im gegenwaͤrtigen Stande der Wissenschaft mehr nicht als eine Voraus- setzung, — so ist der weitere Verfolg allerdings nur eine Reihe gewoͤhnlicher analytischer Operationen. Es ist erinnert worden, daß die Analysis syn- thetisch wird, insofern sie auf Bestimmungen kommt, welche nicht mehr durch die Aufgaben selbst gesetzt sind. Der allgemeine Uebergang aber vom analytischen zum synthetischen Erkennen, liegt in dem nothwendigen Uebergange von der Form der Unmittelbarkeit zur Ver- mittlung, der abstracten Identitaͤt zum Unterschiede. Das III. Abschnitt. Idee . Das Analytische bleibt in seiner Thaͤtigkeit bey den Bestimmungen uͤberhaupt stehen, insofern sie sich auf sich selbst beziehen; durch ihre Bestimmtheit aber sind sie wesentlich auch von dieser Natur, daß sie sich auf ein anderes beziehen . Es ist schon erinnert worden, daß wenn das analytische Erkennen auch an Verhaͤltnissen fortgeht, die nicht ein aͤusserlich gegebener Stoff, sondern Gedankenbestimmungen sind, so bleibt es doch analytisch, insofern fuͤr dasselbe auch diese Verhaͤlt- nisse gegebene sind. Weil aber die abstracte Identi- taͤt, welche diß Erkennen allein als das seinige weiß, wesentlich Identitaͤt des Unterschiedenen ist, so muß sie auch als solche die seinige seyn, und fuͤr den subjectiven Begriff auch der Zusammenhang als durch ihn gesetzt und mit ihm identisch werden. b. Das synthetische Erkennen . Das analytische Erkennen ist die erste Praͤmisse des ganzen Schlusses, — die unmittelbare Bezie- hung des Begriffs auf das Object, die Identitaͤt ist daher die Bestimmung, welche es als die seinige erkennt, und es ist nur das Auffassen dessen, was ist . Das synthetische Erkennen geht auf das Begreiffen dessen, was ist , das heißt, die Mannichfaltigkeit von Bestimmun- gen in ihrer Einheit zu fassen. Es ist daher die zwey- te Praͤmisse des Schlusses, in welchem das Verschie- dene als solches bezogen wird. Sein Ziel ist deswe- gen die Nothwendigkeit uͤberhaupt. — Die Ver- schiedenen, welche verbunden sind, sind es theils in ei- nem Verhaͤltnisse ; in solchem sind sie ebensowohl be- zogen, als gleichguͤltig und selbststaͤndig gegeneinander; theils aber sind sie im Begriffe verknuͤpft, dieser ist ihre II. Kapitel. Das Erkennen . ihre einfache, aber bestimmte Einheit. Insofern nun das synthetische Erkennen zunaͤchst von der abstracten Identitaͤt zum Verhaͤltnisse , oder vom Seyn zur Reflexion uͤbergeht, so ist es nicht die absolute Reflexion des Begriffes, welche der Begriff in seinem Gegenstande erkennt; die Realitaͤt, welche er sich gibt, ist die naͤchste Stuffe, nemlich die angegebene Identitaͤt der Verschiedenen als solcher, die daher zugleich noch in- nere und nur Nothwendigkeit, nicht die subjective, fuͤr sich selbst seyende, daher noch nicht der Begriff als sol- cher ist. Das synthetische Erkennen hat daher wohl auch die Begriffsbestimmungen zu seinem Inhalt, das Object wird in denselben gesetzt; aber sie stehen erst im Verhaͤltnisse zu einander, oder sind in unmittel- barer Einheit, aber damit eben nicht in derjenigen, wodurch der Begriff als Subject ist. Diß macht die Endlichkeit dieses Erkennens aus; weil diese reelle Seite der Idee in ihm noch die Iden- titaͤt als innre hat, so sind deren Bestimmungen sich noch als aͤusserliche ; da sie nicht als Subjectivitaͤt ist, so fehlt dem Eigenen, das der Begriff in seinem Gegenstande hat, noch die Einzelnheit , und es ist zwar nicht mehr die abstracte, sondern die bestimmte Form, also das Besondere des Begriffes, was ihm im Objecte entspricht, aber das Einzelne desselben ist noch ein gegebener Inhalt. Diß Erkennen ver- wandelt die objective Welt daher zwar in Begriffe, aber gibt ihr nur die Form nach den Begriffsbestimmungen, und muß das Object nach seiner Einzelnheit , der bestimmten Bestimmtheit, finden ; es ist noch nicht selbst bestimmend. Eben so findet es Saͤtze und Gesetze, und beweißt deren Nothwendigkeit , aber nicht als eine Nothwendigkeit der Sache an und fuͤr sich selbst, d. i. aus dem Begriffe, sondern des Erkennens, das an den ge- III. Abschnitt. Idee . gegebenen Bestimmungen, den Unterschieden der Erschei- nung fortgeht, und fuͤr sich den Satz als Einheit und Verhaͤltniß, oder aus der Erscheinung deren Grund erkennt. Die naͤhern Momente des synthetischen Erkennens sind nun zu betrachten. 1. Die Definition . Das erste ist, daß die noch gegebene Objectivitaͤt in die einfache, als erste Form, somit die Form des Begriffes verwandelt wird; die Momente dieses Auffassens sind daher keine andern, als die Mo- mente des Begriffs; die Allgemeinheit, Beson- derheit und Einzelnheit . — Das Einzelne ist das Object selbst als unmittelbare Vorstellung , dasjenige, was definirt werden soll. Das Allgemeine des Objects desselben hat sich in der Bestimmung des objectiven Urtheils, oder des Urtheils der Nothwendig- keit, als die Gattung , und zwar als die naͤchste ergeben, das Allgemeine nemlich mit dieser Bestimmt- heit, welche zugleich Princip fuͤr den Unterschied des Besondern ist. Diesen Unterschied hat der Gegenstand an der specifischen Differenz , welche ihn zu der bestimmten Art macht, und welche seine Disjunction gegen die uͤbrigen Arten begruͤndet. Die Definition, indem sie auf diese Weise, den Gegenstand auf seinen Begriff zuruͤckfuͤhrt, streift sei- ne Aeusserlichkeiten, welche zur Existenz erforderlich sind, ab; sie abstrahirt von dem, was zum Begriffe in seiner Realisation hinzukommt, wodurch er erstlich zur Idee, und II. Kapitel. Das Erkennen . und zweytens zur aͤusserlichen Existenz heraustritt. Die Beschreibung ist fuͤr die Vorstellung und nimmt diesen weitern der Realitaͤt angehoͤrigen Inhalt auf. Die Definition reducirt aber diesen Reichthum der man- nichfaltigen Bestimmungen des angeschauten Daseyns auf die einfachsten Momente; welches die Form dieser einfachen Elemente, und wie sie gegen einander bestimmt ist, diß ist in dem Begriff enthalten. Der Gegenstand wird hiemit, wie angegeben, als Allgemeines gefaßt, welches zugleich wesentlich bestimmtes ist. Der Gegen- stand selbst ist das dritte, das Einzelne, in welchem die Gattung und die Besonderung in Eins gesetzt ist, und ein Unmittelbares , welches ausser dem Begriffe, da er noch nicht selbstbestimmend ist, gesetzt ist. In jenen Bestimmungen, dem Formunterschiede der Definition, findet der Begriff sich selbst, und hat darin die ihm entsprechende Realitaͤt. Aber weil die Reflexion der Begriffsmomente in sich selbst, die Einzelnheit, in dieser Realitaͤt noch nicht enthalten, weil somit das Ob- ject, insofern es im Erkennen ist, noch nicht als ein sub- jectives bestimmt ist, so ist das Erkennen dagegen ein subjectives und hat einen aͤusserlichen Anfang, oder wegen seines aͤusserlichen Anfangs am Einzelnen ist es ein subjectives. Der Inhalt des Begriffs ist daher ein Gegebenes und ein Zufaͤlliges. Der concrete Begriff selbst ist damit ein Zufaͤlliges nach der gedoppelten Sei- te, einmal nach seinem Inhalte uͤberhaupt, das andre- mal darnach, welche Inhaltsbestimmungen von den man- nichfaltigen Qualitaͤten, die der Gegenstand im aͤusserli- chen Daseyn hat, fuͤr den Begriff ausgewaͤhlt werden, und die Momente desselben ausmachen sollen. Die letztere Ruͤcksicht bedarf naͤherer Betrachtung. Es ist nemlich, da die Einzelnheit als das an und fuͤr sich III. Abschnitt. Idee . sich Bestimmtseyn ausser der eigenthuͤmlichen Begriffsbe- stimmung des synthetischen Erkennens liegt, kein Prin- cip vorhanden, welche Seiten des Gegenstandes als zu seiner Begriffsbestimmung und welche nur zu der aͤusser- lichen Realitaͤt gehoͤrig angesehen werden sollen. Diß macht eine Schwierigkeit bey den Definitionen aus, die fuͤr dieses Erkennen nicht zu beseitigen ist. Doch muß dabey ein Unterschied gemacht werden. — Vors erste von Producten der selbstbewußten Zweckmaͤssigkeit laͤßt sich leicht die Definition auffinden, denn der Zweck, fuͤr welchen sie dienen sollen, ist eine Bestimmung, die aus dem subjectiven Entschlusse erzeugt ist, und die wesentliche Besonderung, die Form des Existirenden ausmacht, auf welche es hier allein ankommt. Die sonstige Natur seines Materials oder andere aͤussere Eigenschaften sind, insofern sie dem Zweck entsprechen, in seiner Bestim- mung enthalten, die uͤbrigen sind dafuͤr unwesentlich. Zweytens die geometrischen Gegenstaͤnde sind abstracte Raumbestimmungen; die zum Grunde liegende Abstraction, der sogenannte absolute Raum, hat alle wei- tern concreten Bestimmungen verlohren, und hat nun ferner nur solche Gestalten und Figurationen, als in ihm gesetzt werden; sie sind daher wesentlich nur, was sie seyn sollen ; ihre Begriffsbestimmung uͤberhaupt, und naͤher die specifische Differenz hat an ihnen ihre einfache ungehinderte Realitaͤt; sie sind insofern dasselbe, was die Producte der aͤussern Zweckmaͤssigkeit, wie sie auch mit den arithmetischen Gegenstaͤnden darin uͤbereinkom- men, in welchen gleichfalls nur die Bestimmung zum Grunde liegt, die in ihnen gesetzt worden. — Der Raum hat zwar noch weitere Bestimmungen, die Dreyheit seiner Dimensionen, seine Continuitaͤt und Theilbarkeit, welche nicht durch die aͤusserliche Bestimmung an ihm erst gesetzt werden. Diese gehoͤren aber zu dem aufge- nom- II. Kapitel. Das Erkennen . nommenen Material, und sind unmittelbare Voraussetzun- gen; erst die Verknuͤpfung und Verwicklung jener sub- jectiven Bestimmungen mit dieser eigenthuͤmlichen Natur ihres Bodens, in welchen sie eingetragen worden, bringt synthetische Verhaͤltnisse und Gesetze hervor. — Bey den Zahlbestimmungen, da ihnen das einfache Princip des Eins zu Grunde liegt, ist die Verknuͤpfung und weitere Bestimmung ganz nur ein Gesetztes, die Bestimmungen hingegen im Raume, der fuͤr sich ein continuirliches Aussereinander ist, verlauffen sich noch weiter, und haben eine von ihrem Begriffe verschiedene Realitaͤt, die aber nicht mehr zur unmittelbaren Definition gehoͤrt. Drittens aber sieht es mit den Definitionen concreter Objecte der Natur sowohl als auch des Geistes ganz anders aus. Solche Gegenstaͤnde sind uͤberhaupt fuͤr die Vorstellung Dinge von vielen Ei- genschaften . Es kommt hier zunaͤchst darauf an aufzufassen, was ihre naͤchste Gattung, und dann was ihre specifische Differenz ist. Es ist daher zu bestim- men, welche der vielen Eigenschaften, dem Gegenstande als Gattung, und welche ihm als Art zukomme, ferner welche unter diesen Eigenschaften die wesentliche sey; und zu dem letztern gehoͤrt, zu erkennen, in welchem Zu- sammenhange sie mit einander stehen, ob die eine schon mit der andern gesetzt sey. Dafuͤr aber ist kein ande- res Kriterium noch vorhanden, als das Daseyn selbst. — Die Wesentlichkeit der Eigenschaft ist fuͤr die Definition, worin sie als einfache, unentwickelte Be- stimmtheit gesetzt seyn soll, ihre Allgemeinheit. Diese aber ist im Daseyn die bloß empirische; — Allgemein- heit in der Zeit, ob die Eigenschaft dauernd ist, waͤh- rend die andern sich als vergaͤnglich in dem Bestehen des Ganzen zeigen; — oder eine Allgemeinheit, die aus Vergleichung mit andern concreten Ganzen hervorgeht, und III. Abschnitt. Idee . und insofern nicht uͤber die Gemeinschaftlichkeit hinaus- kommt. Wenn nun die Vergleichung den totalen Habi- tus, wie er sich empirisch darbietet, als gemeinschaftliche Grundlage angibt, so hat die Reflexion denselben in eine einfache Gedankenbestimmung zusammenzubringen, und den einfachen Charakter solcher Totalitaͤt aufzufassen. Aber die Beglaubigung, daß eine Gedankenbestimmung oder eine einzelne der unmittelbaren Eigenschaften, das einfache und bestimmte Wesen des Gegenstandes aus- machte, kann nur eine Ableitung solcher Bestimmung aus der concreten Beschaffenheit seyn. Diß erfoder- te aber eine Analyse, welche die unmittelbaren Beschaf- fenheiten in Gedanken verwandelt, und das Concrete derselben auf ein einfaches zuruͤckfuͤhrt; eine Analyse, die hoͤher ist als die betrachtete, weil sie nicht ab- strahirend seyn, sondern in dem Allgemeinen das Be- stimmte des Concreten noch erhalten, dasselbe vereinigen und von der einfachen Gedankenbestimmung abhaͤngig zeigen sollte. Die Beziehungen der mannichfaltigen Bestim- mungen des unmittelbaren Daseyns auf den einfa- chen Begriff waͤren aber Lehrsaͤtze, die des Beweises be- duͤrften. Die Definition aber als der erste, noch un- entwickelte Begriff, indem sie die einfache Bestimmtheit des Gegenstandes auffassen, und diß Auffassen etwas unmittelbares seyn soll, kann dazu nur eine seiner un- mittelbaren sogenannten Eigenschaften, — eine Be- stimmung des sinnlichen Daseyns oder der Vorstellung, gebrauchen; ihre durch die Abstraction geschehene Ver- einzelung macht dann die Einfachheit aus, und fuͤr die Allgemeinheit und Wesentlichkeit ist der Begriff an die empirische Allgemeinheit, das Beharren unter veraͤnder- ten Umstaͤnden und die Reflexion verwiesen, die im aͤus- serlichen Daseyn und in der Vorstellung d. h. da die Be- II. Kapitel. Das Erkennen . Begriffsbestimmung sucht, wo sie nicht zu finden ist. — Das Definiren thut daher auch auf eigentliche Begriffs- bestimmungen, die wesentlich die Principien der Gegen- staͤnde waͤren, von selbst Verzicht, und begnuͤgt sich mit Merkmahlen , d. i. Bestimmungen, bey denen die Wesentlichkeit fuͤr den Gegenstand selbst gleichguͤl- tig ist, und die vielmehr nur den Zweck haben, daß sie fuͤr eine aͤussere Reflexion Merkzeichen sind. — Eine solche einzelne, aͤusserliche Bestimmtheit steht mit der concreten Totalitaͤt und mit der Natur ihres Begriffs zu sehr in Unangemessenheit, als daß sie fuͤr sich gewaͤhlt und dafuͤr genommen werden koͤnnte, daß ein concretes Ganzes seinen wahrhaften Ausdruck und Bestimmung in ihr haͤtte. — Nach Blumenbachs Bemerkung z. B. ist das Ohrlaͤppchen etwas, das allen andern Thieren fehlt, das also nach den gewoͤhnlichen Redensarten von gemeinsamen und unterscheidenden Merkmahlen, mit al- lem Recht als der distinctive Charakter in der Definition des physischen Menschen gebraucht werden koͤnnte. Aber wie unangemessen zeigt sich sogleich eine solche ganz aͤusserliche Bestimmung mit der Vorstellung des totalen Habitus des physischen Menschen, und mit der Fode- rung, daß die Begriffsbestimmung etwas Wesentliches seyn soll! Es ist etwas ganz Zufaͤlliges, wenn die in die Definition aufgenommene Merkmahle nur solche reine Nothbehelfe sind, oder aber sich der Natur eines Princips mehr naͤhern. Es ist ihnen um ihrer Aeusserlichkeit willen auch anzusehen, daß von ihnen in der Begriffs- Erkenntniß nicht angefangen worden ist; vielmehr ist ein dunkles Gefuͤhl, ein unbestimmter aber tieferer Sinn, eine Ahndung des Wesentlichen, der Erfindung der Gat- tungen in der Natur und im Geiste vorangegangen, und dann erst fuͤr den Verstand eine bestimmte Aeusserlich- keit aufgesucht worden. — Der Begriff, indem er im Daseyn in die Aeusserlichkeit getreten ist, ist er in seine Un- III. Abschnitt. Idee . Unterschiede entfaltet, und kann nicht an eine einzelne solcher Eigenschaften schlechthin gebunden seyn. Die Eigenschaften als die Aeusserlichkeit des Dinges, sind sich selbst aͤusserlich; es ist in der Sphaͤre der Erschei- nung, bey dem Dinge von vielen Eigenschaften aufge- zeigt worden, daß sie deßwegen wesentlich sogar zu selbststaͤndigen Materien werden; der Geist wird, von demselben Standpunkte der Erscheinung aus betrachtet, zu einem Aggregate von vielen selbststaͤndigen Kraͤften. Die einzelne Eigenschaft oder Kraft hoͤrt durch diesen Standpunkt selbst, wo sie gleichguͤltig gegen die andern gesetzt wird, auf, charakterisirendes Princip zu seyn, womit die Bestimmtheit, als Bestimmtheit des Begriffs uͤberhaupt verschwindet. Noch tritt an den concreten Dingen neben der Verschiedenheit der Eigenschaften gegeneinander der Un- terschied zwischen Begriff und seiner Verwirkli- chung ein. Der Begriff in der Natur und im Geiste hat eine aͤusserliche Darstellung, worin seine Bestimmt- heit sich als Abhaͤngigkeit von aͤusserem, Vergaͤnglichkeit und Unangemessenheit zeigt. Etwas Wirkliches zeigt daher wohl an sich, was es seyn soll , aber es kann auch nach dem negativen Begriffsurtheil, ebensosehr zei- gen, daß seine Wirklichkeit diesem Begriffe nur unvoll- staͤndig entspricht, daß sie schlecht ist. Indem die Definition nun in einer unmittelbaren Eigenschaft die Bestimmtheit des Begriffes angeben soll, so gibt es keine Eigenschaft, gegen welche nicht eine Instanz beygebracht werden koͤnne, in der der ganze Habitus zwar das zu definirende Concrete erkennen laͤßt, die Eigenschaft aber, welche fuͤr dessen Charakter genommen wird, sich unreif oder verkuͤmmert zeigt. In einer schlechten Pflanze, ei- ner schlechten Thiergattung, einem veraͤchtlichen Men- schen, einem schlechten Staate sind Seiten der Existenz man- II. Kapitel. Das Erkennen . mangelhaft oder ganz obliterirt, welche sonst fuͤr die Definition als das Unterscheidende und die wesentliche Bestimmtheit, in der Existenz eines solchen concreten ge- nommen werden konnten. Eine schlechte Pflanze, Thier u. s. f. bleibt aber immer noch eine Pflanze, Thier u. s. f. Soll daher auch das Schlechte in die Definition aufge- nommen seyn, so entgehen dem empirischen Herumsuchen alle Eigenschaften, welche es als wesentlich ansehen wollte, durch die Instanzen von Mißgeburten, denen die- selbe fehlen, z. B. die Wesentlichkeit des Gehirns fuͤr den physischen Menschen, durch die Instanz der Acephalen, die Wesentlichkeit des Schutzes von Leben und Eigen- thum fuͤr den Staat, durch die Instanz despotischer Staa- ten und tyrannischer Regierungen. — Wenn gegen die Instanz der Begriff behauptet, und sie an demselben gemessen fuͤr ein schlechtes Exemplar ausgegeben wird, so hat er seine Beglaubigung nicht mehr an der Erschei- nung. Die Selbststaͤndigkeit des Begriffes ist aber dem Sinne der Definition zuwider, welche der unmittel- bare Begriff seyn soll, daher ihre Bestimmungen fuͤr die Gegenstaͤnde nur aus der Unmittelbarkeit des Da- seyns aufnehmen und sich nur an dem vorgefundenen rechtfertigen kann. — Ob ihr Inhalt an und fuͤr sich Wahrheit oder Zufaͤlligkeit sey, diß liegt ausser ih- rer Sphaͤre; die formelle Wahrheit aber, die Ueberein- stimmung des in der Definition subjectiv gesetzten Be- griffs und eines ausser ihm wirklichen Gegenstandes, kann darum nicht ausgemacht werden, weil der einzelne Gegenstand auch schlecht seyn kann. Der Inhalt der Definition ist uͤberhaupt aus dem unmittelbaren Daseyn genommen, und weil er unmit- telbar ist, hat er keine Rechtfertigung; die Frage nach dessen Nothwendigkeit ist durch den Ursprung beseitigt; darin daß sie den Begriff als ein bloß unmittelbares aus- III. Abschnitt. Idee . ausspricht, ist darauf Verzicht gethan, ihn selbst zu be- greiffen. Sie stellt daher nichts dar als die Formbe- stimmung des Begriffs an einem gegebenen Inhalt, ohne die Reflexion des Begriffes in sich selbst, d. h. ohne sein Fuͤrsichseyn . Aber die Unmittelbarkeit uͤberhaupt geht nur aus der Vermittlung hervor, sie muß daher zu dieser uͤber- gehen. Oder die Inhaltsbestimmtheit, welche die Defi- nition enthaͤlt, ist darum weil sie Bestimmtheit ist, nicht nur ein unmittelbares, sondern durch ihre andere ver- mitteltes; die Definition kann daher ihren Gegenstand nur durch die entgegengesetzte Bestimmung fassen, und muß daher zur Eintheilung uͤbergehen. 2. Die Eintheilung . Das Allgemeine muß sich besondern ; insofern liegt die Nothwendigkeit der Eintheilung in dem Allge- meinen. Indem aber die Definition schon selbst mit dem Besondern anfaͤngt, so liegt ihre Nothwendigkeit, zur Eintheilung uͤberzugehen, im Besondern, das fuͤr sich auf ein anderes Besonderes hinweißt. Umgekehrt scheidet sich eben darin das Besondere, indem die Be- stimmtheit im Beduͤrfnisse ihres Unterschiedes von der ihr andern festgehalten wird, von dem Allgemeinen ab; dieses wird hiemit fuͤr die Eintheilung vorausge- setzt . Der Gang ist daher zwar dieser, daß der ein- zelne Inhalt der Definition, durch die Besonderheit zum Extrem der Allgemeinheit aufsteigt, aber diese muß nun- mehr als die objective Grundlage angenommen werden, und von ihr aus stellt sich die Eintheilung als Dis- junction des Allgemeinen, als des ersten, dar. Hie- II. Kapitel. Das Erkennen . Hiemit ist ein Uebergang eingetreten, der, da er vom Allgemeinen zum Besondern geschieht, durch die Form des Begriffs bestimmt ist. Die Definition fuͤr sich ist etwas einzelnes; eine Mehrheit von Definitionen gehoͤrt der Mehrheit der Gegenstaͤnde an. Der dem Be- griff angehoͤrige Fortgang vom Allgemeinen zum Beson- dern ist Grundlage und Moͤglichkeit einer syntheti- schen Wissenschaft , eines Systems , und syste- matischen Erkennens . Die erste Erforderniß hiefuͤr ist, wie gezeigt, daß der Anfang mit dem Gegenstande, in der Form eines Allgemeinen gemacht werde. Wenn in der Wirk- lichkeit, es sey der Natur oder des Geistes, die concrete Einzelnheit dem subjectiven, natuͤrlichen Erkennen als das erste gegeben ist, so muß dagegen in dem Erkennen, das wenigstens insofern ein Begreiffen ist, als es die Form des Begriffes zur Grundlage hat, das Einfache , von dem Concreten ausgeschiedene das Erste seyn, weil der Gegenstand nur in dieser Form die Form des sich auf sich beziehenden Allgemeinen und des dem Be- griffe nach unmittelbaren hat. Gegen diesen Gang im Wissenschaftlichen kann etwa gemeynt werden, weil das Anschauen leichter sey als das Erkennen, so sey auch das Anschaubare, also die concrete Wirklichkeit zum An- fang der Wissenschaft zu machen, und dieser Gang sey naturgemaͤßer als der, welcher vom Gegenstand in seiner Abstraction beginnt, und von da umgekehrt zu dessen Besonderung und concreten Vereinzelung fort- geht. — Indem aber erkannt werden soll, so ist die Vergleichung mit der Anschauung bereits entschieden und aufgegeben; und es kann nur die Frage seyn, was innerhalb des Erkennens das Erste und wie die Folge beschaffen seyn soll; es wird nicht mehr ein na- turgemaͤßer , sondern ein Erkenntnißgemaͤßer Y Weg III. Abschnitt. Idee . Weg verlangt. — Wenn bloß nach der Leichtigkeit gefragt wird, so erhellt ohnehin von selbst, daß es dem Erkennen leichter ist, die abstracte einfache Gedanken- bestimmung zu fassen, als das Concrete, welches eine vielfache Verknuͤpfung von solchen Gedankenbestimmun- gen und deren Verhaͤltnissen ist; und in dieser Art, nicht mehr wie es in der Anschauung ist, soll es aufgefaßt werden. An und fuͤr sich ist das Allgemeine das erste Begriffsmoment, weil es das einfache ist, und das Besondere erst das nachfolgende, weil es das Ver- mittelte ist; und umgekehrt ist das Einfache das all- gemeinere, und das Concrete als das in sich unterschie- dene, hiemit Vermittelte, dasjenige, das den Uebergang von einem Ersten schon voraussetzt. — Diese Bemer- kung betrifft nicht nur die Ordnung des Ganges in den bestimmten Formen von Definitionen, Eintheilungen und Saͤtzen, sondern auch die Ordnung des Erkennens im Allgemeinen, und bloß in Ruͤcksicht auf den Unterschied von Abstractem und Concretem uͤberhaupt. — Daher wird auch z. B. beym Lesenlernen vernuͤnftigerweise, nicht mit dem Lesen ganzer Worte oder auch der Sylben der Anfang gemacht, sondern mit den Elementen der Woͤrter und Sylben, und den Zeichen der abstracten Toͤne; in der Buchstabenschrift ist die Analyse des con- creten Wortes in seine abstracten Toͤne und deren Zei- chen schon vollbracht, das Lesenlernen wird ebendadurch eine erste Beschaͤftigung mit abstracten Gegenstaͤnden. In der Geometrie ist nicht der Anfang mit einer concreten Raumgestalt, sondern mit dem Punkte und der Linie und dann weiter mit ebenen Figuren zu machen, und unter diesen nicht mit Polygonen, sondern mit dem Dreyecke, unter den krummen-Linien mit dem Kreise. In der Physik sind die einzelnen Natureigenschaften oder Materien von ihren mannichfaltigen Verwicklun- gen, in denen sie sich in concreter Wirklichkeit befinden, zu II. Kapitel. Das Erkennen . zu befreyen, und mit den einfachen, nothwendigen Be- dingungen darzustellen; auch sie, wie die Raumfiguren sind ein auschaubares , aber ihre Anschauung ist so vor- zubereiten, daß sie zuerst von allen Modificationen durch Umstaͤnde, die ihrer eigenen Bestimmtheit aͤusserlich sind, befreyt erscheinen und festgehalten werden. Magnetis- mus, Electricitaͤt, Gasarten u. s. f. sind solche Gegen- staͤnde, deren Erkenntniß allein dadurch ihre Bestimmt- heit erhaͤlt, daß sie aus den concreten Zustaͤnden, in denen sie an der Wirklichkeit erscheinen, herausgenom- men, aufgefaßt werden. Das Experiment stellt sie fuͤr die Anschauung freylich in einem concreten Falle dar; aber theils muß es um wissenschaftlich zu seyn, nur die nothwendigen Bedingungen dazu nehmen, theils sich ver- vielfaͤltigen, um das untrennbare Concrete dieser Be- dingungen als unwesentlich zu zeigen, dadurch daß sie in einer andern concreten Gestalt und wieder in ande- rer erscheinen, hiemit fuͤr die Erkenntniß nur ihre ab- stracte Form uͤbrig bleibt. — Um noch eines Beyspiels zu erwaͤhnen, so konnte es als naturgemaͤß und sinnreich erscheinen, die Farbe zuerst in der concreten Erschei- nung des animalischen subjectiven Sinnes, alsdenn ausser dem Subject als eine gespenstartige, schwebende Erschei- nung, und endlich in aͤusserlicher Wirklichkeit an Ob- jecten fixirt, zu betrachten. Allein fuͤr das Erkennen ist die allgemeine, und hiemit wahrhaft erste Form, die mittlere unter den genannten, wie die Farbe auf der Schwebe zwischen der Subjectivitaͤt und Objectivitaͤt als das bekannte Spectrum steht, noch ohne alle Ver- wicklung mit subjectiven und objectiven Umstaͤnden. Letz- tere sind fuͤr die reine Betrachtung der Natur die- ses Gegenstands zunaͤchst nur stoͤrend, weil sie als wirkende Ursachen sich verhalten und es daher unent- schieden machen, ob die bestimmten Veraͤnderungen, Ueber- gaͤnge und Verhaͤltnisse der Farbe in deren eigener specifi- Y 2 schen III. Abschnitt. Idee . schen Natur gegruͤndet, oder vielmehr der krankhaften specifischen Beschaffenheit jener Umstaͤnde, den gesunden und krankhaften besonderen Affectionen und Wirkungen der Organe des Subjects, oder den chemischen, vegeta- bilischen, animalischen Kraͤften der Objecte zuzuschreiben sind. — Mehrere und andere Beyspiele koͤnnten aus der Erkenntniß der organischen Natur und der Welt des Geistes angefuͤhrt werden; allenthalben muß das Ab- stracte den Anfang und das Element ausmachen, in wel- chem und von welchem aus sich die Besonderheiten und die reichen Gestalten des Concreten ausbreiten. Bey der Eintheilung oder dem Besondern tritt nun zwar eigentlich der Unterschied desselben von dem Allge- meinen ein, aber diß Allgemeine ist schon selbst ein be- stimmtes, und damit nur ein Glied einer Eintheilung. Es gibt daher ein hoͤheres Allgemeines fuͤr dasselbe; fuͤr diß aber von neuem ein hoͤheres, und so zunaͤchst fort ins unendliche. Fuͤr das hier betrachtete Erken- nen ist keine immanente Graͤnze, da es vom Gegebenen ausgeht, und die Form der abstracten Allgemeinheit sei- nem Ersten eigenthuͤmlich ist. Irgend ein Gegenstand also, welcher eine elementarische Allgemeinheit zu haben scheint, wird zum Gegenstande einer bestimmten Wissen- schaft gemacht, und ist ein absoluter Anfang insofern, als die Bekanntschaft der Vorstellung mit ihm vor- ausgesetzt wird, und er fuͤr sich als keiner Ableitung beduͤrftig genommen wird. Die Definition nimmt ihn als einen unmittelbaren. Der weitere Fortgang von ihm ist zunaͤchst die Eintheilung . Fuͤr diesen Fortgang wuͤrde nur ein immanentes Princip, d. h. ein Anfang aus dem Allge- meinen und dem Begriffe erfodert; das hier betrachtete Erkennen ermangelt aber eines solchen, weil es nur der Form- II. Kapitel. Das Erkennen . Formbestimmung des Begriffes ohne ihre Reflexion- in- sich nachgeht, daher die Inhalts-Bestimmtheit aus dem Ge- gebenen nimmt. Fuͤr das Besondere, das in der Einthei- lung eintritt, ist kein eigener Grund vorhanden, weder in Ansehung dessen, was den Eintheilungsgrund aus- machen, noch in Ansehung des bestimmten Verhaͤlt- nisses, das die Glieder der Disjunction zu einander ha- ben sollen. Das Geschaͤft des Erkennens kann daher in dieser Ruͤcksicht nur darin bestehen, theils das im em- pirischen Stoffe aufgefundene Besondere zu ordnen, theils auch allgemeine Bestimmungen desselben durch die Ver- gleichung zu finden. Die letztern gelten alsdann als Eintheilungsgruͤnde, deren vielfaͤltige seyn koͤnnen, so wie auch der Eintheilungen eben so mannichfaltige dar- nach Statt haben. Das Verhaͤltniß der Glieder einer Eintheilung zu einander, der Arten, hat nur diese all- gemeine Bestimmung, daß sie nach dem angenom- menen Eintheilungsgrund bestimmt gegen einan- der seyen; beruhte ihre Verschiedenheit auf einer an- dern Ruͤcksicht, so wuͤrden sie nicht auf gleicher Linie einander coordinirt seyn. Wegen des ermangelnden Princips des Fuͤrsich- selbst-Bestimmtseyns, koͤnnen die Gesetze fuͤr dieses Ein- theilungsgeschaͤft nur in formellen, leeren Regeln beste- hen, die zu nichts fuͤhren. — So sehen wir als Regel aufgestellt, daß die Eintheilung den Begriff erschoͤpfen solle; aber in der That muß jedes einzelne Einthei- lungsglied den Begriff erschoͤpfen. Es ist aber ei- gentlich die Bestimmtheit desselben gemeynt, welche erschoͤpft werden soll; allein bey der empirischen, in sich bestimmungslosen Mannichfaltigkeit der Arten traͤgt es zur Erschoͤpfung des Begriffs nichts bey, ob deren mehr oder weniger vorgefunden werden; ob z. B. zu den 67 Arten von Papageyen noch ein Dutzend weiter aufgefun- den III. Abschnitt. Idee . den werden, ist fuͤr die Erschoͤpfung der Gattung gleich- guͤltig. Die Foderung der Erschoͤpfung kann nur den tavtologischen Satz bedeuten, daß alle Arten vollstaͤn- dig aufgefuͤhrt werden sollen. — Bey der Erweiterung der empirischen Kenntnisse kann es sich nun sehr wohl zutragen, daß sich Arten finden, welche nicht unter die angenommene Bestimmung der Gattung passen, weil diese haͤufig mehr nach einer dunklen Vorstellung des ganzen Habitus angenommen wird, als nach dem mehr oder weniger einzelnen Merkmahl, welches ausdruͤcklich fuͤr ihre Bestimmung dienen soll. — In solchem Falle muͤßte die Gattung geaͤndert, und es muͤßte gerechtfer- tigt werden, daß eine andere Anzahl von Arten als Ar- ten Einer neuen Gattung anzusehen seyen, das heißt, die Gattung bestimmte sich aus dem, was man aus irgend einer Ruͤcksicht, die man als Einheit annehmen will, zusammenstellt; diese Ruͤcksicht selbst wuͤrde dabey der Eintheilungsgrund. Umgekehrt, wenn an der zuerst an- genommenen Bestimmtheit als dem eigenthuͤmlichen der Gattung festgehalten wird, schloͤsse sich jener Stoff, den man als Arten mit fruͤhern in Eins zusammenstellen wollte, aus. Dieses Treiben ohne Begriff, welches das einemal eine Bestimmtheit als wesentliches Moment der Gattung annimmt, und die Besondern darnach ihr un- terstellt oder davon ausschließt, das andremal bey dem Besondern anfaͤngt und in dessen Zusammenstellung sich wieder von einer andern Bestimmtheit leiten laͤßt, gibt die Erscheinung eines Spiels der Willkuͤhr, der es an- heimgestellt sey, welchen Theil oder welche Seite des Concreten sie festhalten, und hiernach ordnen will. — Die physische Natur bietet von selbst eine solche Zufaͤl- ligkeit in den Principien der Eintheilung dar; vermoͤge ihrer abhaͤngigen, aͤusserlichen Wirklichkeit steht sie in dem mannichfaltigen, fuͤr sie gleichfalls gegebenen Zu- sammenhange; daher sich eine Menge Principien vorfin- den, II. Kapitel. Das Erkennen . den, nach denen sie sich zu bequemen hat, in einer Rei- he ihrer Formen also dem einen, in andern Reihen aber andern nachfolgt, und ebensowohl auch vermischte Zwit- terwesen, die nach den verschiedenen Seiten zugleich hin- gehen, hervorbringt. Hiedurch geschieht es, daß an ei- ner Reihe von Naturdingen Merkmahle als sehr bezeich- nend und wesentlich hervortreten, die an andern un- scheinbar und zwecklos werden, und damit das Fest- halten an einem Eintheilungsprincip dieser Art un- moͤglich wird. Die allgemeine Bestimmtheit der empirischen Arten kann nur diese seyn, daß sie von einander ver- schieden uͤberhaupt sind, ohne entgegengesetzt zu seyn. Die Disjunction des Begriffs ist fruͤher in ih- rer Bestimmtheit aufgezeigt worden; wenn die Beson- derheit ohne die negative Einheit des Begriffs, als eine unmittelbare und gegebene aufgenommen wird, so bleibt der Unterschied nur bey der fruͤher betrachteten Refle- xionsform der Verschiedenheit uͤberhaupt. Die Aeus- serlichkeit, in welcher der Begriff in der Natur vornem- lich ist, bringt die gaͤnzliche Gleichguͤltigkeit des Unter- schiedes herein; eine haͤufige Bestimmung fuͤr die Ein- theilung wird daher von der Zahl hergenommen. So zufaͤllig das Besondere hier gegen das Allge- meine und daher die Eintheilung uͤberhaupt ist, so kann es einem Instincte der Vernunft zugeschrieben wer- den, wenn man Eintheilungsgruͤnde und Eintheilungen in diesem Erkennen findet, welche, so weit sinnliche Ei- genschaften es zulassen, sich dem Begriffe gemaͤßer zei- gen. Z. B. Bey den Thieren werden die Freßwerk- zeuge, Zaͤhne und Klauen als ein weitdurchgreiffender Eintheilungsgrund in den Systemen gebraucht; sie wer- den zunaͤchst nur als Seiten genommen, an denen sich die III. Abschnitt. Idee . die Merkmahle fuͤr den subjectiven Behuf des Erkennens leichter auszeichnen lassen. In der That liegt aber in jenen Organen nicht nur ein Unterscheiden, das einer aͤussern Reflexion zukommt, sondern sie sind der Lebens- punkt der animalischen Individualitaͤt, wo sie sich selbst von dem Andern der ihr aͤusserlichen Natur als sich auf sich beziehende und von der Continuitaͤt mit anderem ausscheidende Einzelnheit setzt. — Bey der Pflanze machen die Befruchtungstheile denjenigen hoͤchsten Punkt des vegetabilischen Lebens aus, wodurch sie auf den Uebergang in die Geschlechtsdifferenz, und damit in die individuelle Einzelnheit hindeutet. Das System hat sich daher mit Recht fuͤr einen zwar nicht aus-, doch weitreichenden Eintheilungsgrund an diesen Punkt ge- wendet, und dadurch eine Bestimmtheit zu Grunde ge- legt, welche nicht bloß eine Bestimmtheit fuͤr die aͤusser- liche Reflexion zur Vergleichung, sondern die hoͤchste an und fuͤr sich ist, deren die Pflanze faͤhig ist. 3. Der Lehrsatz . 1. Die dritte Stuffe dieses nach den Begriffsbe- stimmungen fortschreitenden Erkennens ist der Uebergang der Besonderheit in die Einzelnheit; diese macht den Inhalt des Lehrsatzes aus. Was hier also zu be- trachten ist, ist die sich auf sich beziehende Be- stimmtheit , der Unterschied des Gegenstands in sich selbst, und die Beziehung der unterschiedenen Bestimmt- heiten auf einander. Die Definition enthaͤlt nur Eine Bestimmtheit , die Eintheilung die Bestimmtheit gegen andere ; in der Vereinzelung ist der Gegen- stand in sich selbst aus einander gegangen. Insofern die II. Kapitel. Das Erkennen . die Definition beym allgemeinen Begriffe stehen bleibt, so ist dagegen in den Lehrsaͤtzen der Gegenstand in seiner Realitaͤt, in den Bedingungen und Formen seines reellen Daseyns erkannt. Mit der Definition zusammen stellt er daher die Idee dar, welche die Einheit des Begriffs und der Realitaͤt ist. Aber das hier betrachtete, noch im Suchen begriffene Erkennen kommt zu dieser Darstel- lung insofern nicht, als die Realitaͤt bey demselben nicht aus dem Begriffe hervorgeht, also ihre Abhaͤngigkeit hie- von und damit die Einheit selbst nicht erkannt wird. Der Lehrsatz nun nach der angegebenen Bestim- mung, ist das eigentlich Synthetische eines Gegen- standes, insofern die Verhaͤltnisse seiner Bestimmtheiten nothwendig , das ist, in der innern Identitaͤt des Begriffes gegruͤndet sind. Das Synthetische in der Definition und Eintheilung ist eine aͤusserlich aufgenom- mene Verknuͤpfung; das Vorgefundene wird in die Form des Begriffes gebracht, aber als vorgefunden wird der ganze Inhalt nur monstrirt ; der Lehrsatz aber soll demonstrirt werden. Da dieses Erkennen den In- halt seiner Definitionen und der Eintheilungs-Bestim- mungen nicht deducirt , so scheint es, koͤnnte es sich auch das Beweisen derjenigen Verhaͤltnisse ersparen, welche die Lehrsaͤtze ausdruͤcken, und sich in dieser Ruͤck- sicht gleichfalls mit der Wahrnehmung begnuͤgen. Al- lein wodurch sich das Erkennen von der blossen Wahr- nehmung und der Vorstellung unterscheidet, ist die Form des Begriffs uͤberhaupt, die es dem Inhalte er- theilt; diß wird in der Definition und Eintheilung ge- leistet; aber da der Inhalt des Lehrsatzes von dem Be- griffsmomente der Einzelnheit herkommt, so besteht er in Realitaͤtsbestimmungen, welche nicht mehr bloß die einfachen und unmittelbaren Begriffsbestimmungen zu ih- rem Verhaͤltnisse haben; in der Einzelnheit ist der Begriff zum III. Abschnitt. Idee . zum Andersseyn zur Realitaͤt, wodurch er Idee wird, uͤbergegangen. Die Synthesis, die im Lehrsatze enthal- ten ist, hat somit nicht mehr die Form des Begriffs zu ihrer Rechtfertigung; sie ist eine Verknuͤpfung als von Verschiedenen ; die noch nicht damit gesetzte Einheit ist daher erst aufzuzeigen, das Beweisen wird also hier diesem Erkennen selbst nothwendig. Zunaͤchst bietet sich hiebey nun die Schwierigkeit dar, bestimmt zu unterscheiden , welche von den Be- stimmungen des Gegenstandes in die Defi- nitionen aufgenommen werden koͤnnen, oder aber in die Lehrsaͤtze zu verweisen sind. Es kann hieruͤber kein Princip vorhanden seyn; ein solches scheint etwa darin zu liegen, daß das was einem Gegenstande unmit- telbar zukomme, der Definition angehoͤre, von dem uͤbri- gen aber als einem vermittelten die Vermittlung erst aufzuzeigen sey. Allein der Inhalt der Definition ist ein bestimmter uͤberhaupt, und dadurch selbst wesentlich ein vermittelter; er hat nur eine subjective Unmit- telbarkeit, das heißt, das Subject macht einen willkuͤhr- lichen Anfang, und laͤßt einen Gegenstand als Voraus- setzung gelten. Indem diß nun ein in sich concreter Gegen- stand uͤberhaupt ist, und auch eingetheilt werden muß, so ergibt sich eine Menge von Bestimmungen, welche ih- rer Natur nach vermittelte sind, und nicht durch ein Princip, sondern nur nach subjectiver Bestimmung als unmittelbare und unerwiesene angenommen werden. — Auch bey Euklid , welcher von jeher als der Meister in dieser synthetischen Art des Erkennens mit Recht an- erkannt worden, findet sich unter dem Namen eines Axioms eine Voraussetzung uͤber die Parallel- Linien , welche man fuͤr des Beweises beduͤrftig ge- halten, und den Mangel auf verschiedene Weise zu er- gaͤnzen versucht hat. In manchen andern Lehrsaͤtzen hat man II. Kapitel. Das Erkennen . man Voraussetzungen zu entdecken geglaubt, welche nicht unmittelbar haͤtten angenommen werden sollen, sondern zu beweisen gewesen waͤren. Was jenes Axiom uͤber die Parallel-Linien betrifft, so laͤßt sich daruͤber bemer- ken, daß wohl darin gerade der richtige Sinn Euklids zu erkennen ist, der das Element, so wie die Natur sei- ner Wissenschaft genau gewuͤrdigt hatte; der Beweis jenes Axioms waͤre aus dem Begriffe der Parallel- Linien zu fuͤhren gewesen; aber ein solches Beweisen gehoͤrt so wenig in seine Wissenschaft, als die Deduction seiner Definitionen, Axiome und uͤberhaupt seines Ge- genstandes, des Raums selbst und der naͤchsten Bestim- mungen desselben, der Dimensionen; — weil eine solche Deduction, nur aus dem Begriffe gefuͤhrt werden kann, dieser aber ausserhalb des Eigenthuͤmlichen der Euklidi- schen Wissenschaften, liegt, so sind es fuͤr dieselbe noth- wendig Voraussetzungen , relative Erste. Die Axiome , um derselben bey dieser Gelegen- heit zu erwaͤhnen, gehoͤren zu derselben Classe. Sie pflegen mit Unrecht gewoͤhnlich als absolut- Erste ge- nommen werden, als ob sie an und fuͤr sich keines Be- weises beduͤrften. Waͤre diß in der That der Fall, so wuͤrden sie blosse Tavtologien seyn, da nur in der ab- stracten Identitaͤt keine Verschiedenheit Statt findet, also auch keine Vermittlung erforderlich ist. Sind die Axiome aber mehr als Tavtologien, so sind sie Saͤtze aus ir- gend einer andern Wissenschaft , weil sie fuͤr diejenige Wissenschaft, der sie als Axiome dienen, Vor- aussetzungen seyn sollen. Sie sind daher eigentlich Lehrsaͤtze , und zwar meist aus der Logik. Die Axiome der Geometrie sind dergleichen Lemmen, logische Saͤtze, die sich uͤbrigens den Tavtologien darum naͤhern, weil sie nur die Groͤsse betreffen und daher die qualitativen Unterschiede in ihnen ausgeloͤscht sind; von dem Haupt- axiome, III. Abschnitt. Idee . axiome, dem rein quantitativen Schlusse ist oben die Rede gewesen. — Die Axiome beduͤrfen daher, so gut als die Definitionen und Eintheilungen, an und fuͤr sich betrachtet eines Beweises, und werden nur darum nicht zu Lehrsaͤtzen gemacht, weil sie als relativ erste, fuͤr ei- nen gewissen Standpunkt als Voraussetzungen angenom- men werden. In Ansehung des Inhaltes der Lehrsaͤtze ist nun der naͤhere Unterschied zu machen, daß da der- selbe in einer Beziehung von Bestimmtheiten der Realitaͤt des Begriffes besteht, diese Beziehungen mehr oder weniger unvollstaͤndige und einzelne Verhaͤltnisse des Gegenstandes, oder aber ein solches Verhaͤltniß seyn koͤnnen, das den ganzen Inhalt der Realitaͤt befaßt, und dessen bestimmte Beziehung ausdruͤckt. Die Ein- heit der vollstaͤndigen Inhaltsbestimmthei- ten ist aber dem Begriffe gleich; ein Satz, der sie enthaͤlt, ist daher selbst wieder die Definition, aber die nicht nur den unmittelbar aufgenommenen, sondern den in seine bestimmten, realen Unterschiede entwickelten Be- griff, oder das vollstaͤndige Daseyn desselben ausdruͤckt. Beydes zusammen stellt daher die Idee dar. Wenn man die Lehrsaͤtze einer synthetischen Wis- senschaft und namentlich der Geometrie , naͤher vergleicht, so wird sich dieser Unterschied zeigen, daß ei- nige ihrer Lehrsaͤtze nur einzelne Verhaͤltnisse des Gegen- standes enthalten, andere aber solche Verhaͤltnisse, in wel- chen die vollstaͤndige Bestimmtheit des Gegenstands aus- gedruͤckt ist. Es ist eine sehr oberflaͤchliche Ansicht, wenn die saͤmmtlichen Saͤtze an Werth einander gleich- geachtet werden, weil uͤberhaupt jeder eine Wahrheit enthalte, und im formellen Gange, im Zusammenhange des Beweisens, gleich wesentlich sey. Der Unterschied in Ansehung des Inhalts der Lehrsaͤtze haͤngt mit diesem Gan- II. Kapitel. Das Erkennen . Gange selbst aufs engste zusammen; einige weitere Be- merkungen uͤber den letztern werden dazu dienen, jenen Unterschied wie die Natur des synthetischen Erkennens naͤher aufzuhellen. Zunaͤchst ist von jeher an der Eukli- dischen Geometrie, welche als Representant der synthe- tischen Methode, wovon sie das vollkommenste Muster liefert, als Beyspiel dienen soll, die Anordnung in der Folge der Lehrsaͤtze angeruͤhmt worden, wodurch fuͤr je- den Lehrsatz diejenigen Saͤtze, die zu seiner Construction und Beweis erforderlich sind, sich immer schon als fruͤ- her bewiesen vorfinden. Dieser Umstand betrift die for- melle Consequenz; so wichtig diese ist, so betrift er doch mehr die aͤusserliche Anordnung der Zweckmaͤssigkeit, und hat fuͤr sich keine Beziehung auf den wesentlichen Unter- schied von Begriff und Idee, in dem ein hoͤheres Prin- cip der Nothwendigkeit des Fortgangs liegt. — Die Definitionen, mit welchen angefangen wird, fassen nem- lich den sinnlichen Gegenstand als unmittelbar gegeben auf, und bestimmen ihn nach seiner naͤchsten Gattung und specifischen Differenz; welches gleichfalls die ein- fachen, unmittelbaren Bestimmtheiten des Begriffs, die Allgemeinheit und Besonderheit sind, deren Verhaͤlt- niß weiter nicht entwickelt ist. Die anfaͤnglichen Lehr- saͤtze nun koͤnnen selbst sich an nichts als solche unmit- telbare Bestimmungen halten, wie die in den Defini- tionen enthaltene sind; ingleichen kann ihre gegenseitige Abhaͤngigkeit zunaͤchst nur diß allgemeine betreffen, daß die eine durch die andere bestimmt uͤberhaupt ist. So betreffen die ersten Saͤtze Euklids uͤber die Dreyecke nur die Congruenz, d. h. wie viele Stuͤcke in einem Dreyecke bestimmt seyn muͤssen , damit auch die uͤbrigen Stuͤcke eines und desselben Dreyecks, oder das Ganze bestimmt uͤberhaupt sey. Daß zwey Dreyecke mit einander verglichen und die Congruenz auf das Decken gesetzt wird, ist ein Um- III. Abschnitt. Idee . Umweg, dessen die Methode bedarf, die das sinnliche Decken statt des Gedankens: Bestimmtseyn , gebrauchen muß. Sonst fuͤr sich betrachtet, enthalten jene Lehrsaͤtze selbst zwey Theile, deren der eine als der Begriff , der andere als die Realitaͤt als das jenen zur Realitaͤt Vollendende angesehen werden kann. Das vollstaͤndig Bestimmende nemlich z. B. die zwey Sei- ten und der eingeschlossene Winkel, ist bereits das ganze Dreyeck fuͤr den Verstand ; es bedarf zur voll- staͤndigen Bestimmtheit desselben nichts weiter; die uͤbri- gen zwey Winkel und die dritte Seite ist der Ueberfluß der Realitaͤt uͤber die Bestimmtheit des Begriffs. Was jene Lehrsaͤtze daher thun, ist eigentlich diß, daß sie das sinnliche Dreyeck, das allerdings dreyer Seiten und dreyer Winkel bedarf, auf die einfachsten Bedingungen reduciren; die Definition hatte nur der drey Linien uͤberhaupt erwaͤhnt, welche die ebene Figur einschliessen und zu einem Dreyeck machen; ein Lehrsatz enthaͤlt erst ausdruͤcklich das Bestimmtseyn der Winkel durch das Bestimmtseyn der Seiten, so wie die uͤbrigen Lehr- saͤtze die Abhaͤngigkeit anderer dreyer Stuͤcke von dreyen solchen Stuͤcken. — Die voͤllige Bestimmtheit aber der Groͤsse des Dreyecks nach seinen Seiten in sich selbst , enthaͤlt der pythagoraͤische Lehrsatz ; dieser ist erst die Gleichung der Seiten des Dreyecks, da die vor- hergehenden Seiten es nur im Allgemeinen zu einer Bestimmtheit seiner Stuͤcke gegeneinander, nicht zu einer Gleichung bringen. Dieser Satz ist daher die vollkommene, reelle Definition des Dreyecks, nem- lich zunaͤchst des rechtwinklichten, des in seinen Unter- schieden einfachsten und daher regelmaͤssigsten. — Euklid schließt mit diesem Satze das erste Buch, indem er in der That eine erreichte vollkommene Bestimmtheit ist. So beschließt er auch das zweyte, nachdem er vorher die mit groͤsserer Ungleichheit behafteten, nicht rechtwink- lich- II. Kapitel. Das Erkennen . lichten Dreyecke auf das gleichfoͤrmige zuruͤckgefuͤhrt hat, mit der Reduction des Rectangels auf das Qua- drat, — einer Gleichung zwischen dem sich selbst gleichen, dem Quadrat, mit dem in sich ungleichen, dem Rechteck; so macht die Hypotenuse, die dem rechten Winkel, dem sich selbst gleichen entspricht, im pythagoraͤischen Lehr- satze, die eine Seite der Gleichung aus, und die andere, das sich ungleiche, nemlich die zwey Catheten. Jene Gleichung zwischen dem Quadrat und dem Rechteck liegt der zweyten Definition des Kreises zu Grunde, — die wieder der pythagoraͤische Lehrsatz ist, nur insofern die Catheten als veraͤnderliche Groͤssen angenommen wer- den; die erste Gleichung des Kreises ist in eben dem Ver- haͤltnisse der sinnlichen Bestimmtheit zur Glei- chung , als die zwey verschiedene Definitionen der Ke- gelschnitte uͤberhaupt zu einander sind. Dieser wahrhafte synthetische Fortgang ist ein Uebergang vom Allgemeinen zur Einzelnheit , nemlich zum an und fuͤr sich bestimmten oder der Einheit des Gegenstands in sich selbst , insofern die- ser in seine wesentlichen reellen Bestimmtheiten aus ein- ander gegangen und unterschieden worden ist. Der ganz unvollkommene, gewoͤhnliche Fortgang aber in andern Wissenschaften pflegt zu seyn, daß der Anfang zwar von einem Allgemeinen gemacht wird, die Vereinzelung und Concretion desselben aber nur eine Anwendung des Allgemeinen auf anders woher hereinkommenden Stoff ist; das eigentliche Einzelne der Idee ist auf diese Weise eine empirische Zuthat. Von welchem unvollkommnern oder vollkommnern Inhalte nun auch der Lehrsatz sey, so muß er bewie- sen werden. Er ist ein Verhaͤltniß von reellen Bestim- mungen, die nicht das Verhaͤltniß von Begriffsbestim- mun- III. Abschnitt. Idee . mungen haben; wenn sie dieses haben, wie es in den Saͤtzen, welche wir die zweyten oder reellen Defi- nitionen genannt haben, aufgezeigt werden kann, so sind diese eben darum einerseits Definitionen, aber weil ihr Inhalt zugleich aus Verhaͤltnissen reeller Bestimmun- gen, nicht bloß in dem Verhaͤltnisse eines Allgemeinen und der einfachen Bestimmtheit besteht, sind sie im Ver- gleich mit solcher ersten Definition auch des Beweises beduͤrftig und faͤhig. Als reelle Bestimmtheiten haben sie die Form gleichguͤltig bestehender und ver- schiedener ; sie sind daher nicht unmittelbar eins; es ist deswegen ihre Vermittlung aufzuzeigen. Die unmit- telbare Einheit in der ersten Definition ist die, nach welcher das Besondere im Allgemeinen ist. 2. Die Vermittlung , die itzt naͤher zu betrachten ist, kann nun einfach seyn, oder durch mehrere Vermitt- lungen hindurch gehen. Die vermittelnden Glieder haͤngen mit den zu vermittelnden zusammen; aber in- dem es nicht der Begriff ist, aus welchem die Vermitt- lung und der Lehrsatz in diesem Erkennen zuruͤckgefuͤhrt wird, dem uͤberhaupt der Uebergang ins Entgegengesetz- te fremd ist, so muͤssen die vermittelnden Bestimmungen, ohne den Begriff des Zusammenhangs, als ein vorlaͤu- figes Material zum Geruͤste des Beweises irgendwoher herbeygebracht werden. Diese Vorbereitung ist die Construction . Unter den Beziehungen des Inhalts des Lehrsatzes, die sehr mannichfaltig seyn koͤnnen, muͤssen nun nur die- jenigen angefuͤhrt und vorstellig gemacht werden, welche dem Beweise dienen. Diese Herbeyschaffung des Ma- terials hat erst ihren Sinn in diesem; an ihr selbst er- scheint sie als blind und ohne Begriff. Hintennach beym Beweise sieht man wohl ein, daß es zweckmaͤssig war, II. Kapitel. Das Erkennen . war, an der geometrischen Figur z. B. solche weitere Linien zu ziehen, als die Construction angibt, aber bey dieser selbst muß man blindlings gehorchen; fuͤr sich ist diese Operation daher ohne Verstand, da der Zweck, der sie leitet, noch nicht ausgesprochen ist. — Es ist gleich- guͤltig, ob es ein eigentlicher Lehrsatz oder eine Aufgabe ist, zu deren Behuf sie vorgenommen wird; so wie sie zunaͤchst vor dem Beweis erscheint, ist sie etwas aus der im Lehrsatze oder der Aufgabe gegebenen Bestim- mung nicht abgeleitetes, daher ein sinnloses Thun fuͤr denjenigen, der den Zweck noch nicht kennt, immer aber ein nur von einem aͤusserlichen Zwecke dirigirtes. Dieses zuerst noch Geheime kommt im Beweise zum Vorschein. Er enthaͤlt, wie angegeben, die Ver- mittlung dessen, was im Lehrsatze als verbunden ausge- sprochen ist; durch diese Vermittlung erscheint diese Verknuͤpfung erst als eine nothwendige . Wie die Construction fuͤr sich ohne die Subjectivitaͤt des Be- griffes ist, so ist der Beweis ein subjectives Thun ohne Objectivitaͤt. Weil nemlich die Inhaltsbestimmungen des Lehrsatzes nicht zugleich als Begriffsbestimmungen gesetzt sind, sondern als gegebene gleichguͤltige Thei- le , die in mannichfaltigen aͤusserlichen Verhaͤltnissen zu einander stehen, so ist es nur der formelle, aͤusser- liche Begriff, in welchem sich die Nothwendigkeit er- gibt. Der Beweis ist nicht eine Genesis des Ver- haͤltnisses, welches den Inhalt des Lehrsatzes ausmacht; die Nothwendigkeit ist nur fuͤr die Einsicht, und der ganze Beweis zum subjectiven Behufe des Er- kennens . Er ist deswegen uͤberhaupt eine aͤusser- liche Reflexion, die von aussen nach innen geht , d. h. aus aͤusserlichen Umstaͤnden auf die innre Beschaf- fenheit des Verhaͤltnisses schließt. Diese Umstaͤnde, wel- che die Construction dargestellt hat, sind eine Folge Z der III. Abschnitt. Idee . der Natur des Gegenstandes, hier werden sie umgekehrt zum Grunde und zu den vermittelnden Verhaͤlt- nissen gemacht. Der Medius Terminus, das Dritte, worin die im Lehrsatze verbundenen sich in ihrer Ein- heit darstellen, und welches den Nerv des Beweises ab- gibt, ist deßwegen nur ein solches, woran diese Ver- knuͤpfung erscheint und aͤusserlich ist. Weil die Folge , der dieses Beweisen nachgeht, vielmehr die umgekehrte der Natur der Sache ist, so ist das was als Grund darin angesehen wird, ein subjectiver Grund, woraus nur fuͤr das Erkennen die Natur der Sache hervorgeht. Aus dem bisherigen erhellt die nothwendige Grenze dieses Erkennens, welche sehr haͤufig verkannt worden ist. Das glaͤnzende Beyspiel der synthetischen Methode ist die geometrische Wissenschaft, — aber unpassen- der Weise ist sie auch auf andere Wissenschaften, selbst auf die Philosophie angewendet worden. Die Geometrie ist eine Wissenschaft der Groͤsse , daher ist das for- melle Schliessen ihr aufs passendste angehoͤrig; da die bloß quantitative Bestimmung in ihr betrachtet, und von der qualitativen abstrahirt wird, so kann sie sich inner- halb der formellen Identitaͤt , der begrifflosen Ein- heit halten, welche die Gleichheit ist, und der aͤus- serlichen abstrahirenden Reflexion angehoͤrt. Der Ge- genstand, die Raumbestimmungen, sind schon solche ab- stracte Gegenstaͤnde, die fuͤr den Zweck zubereitet wor- den, eine vollkommene endliche, aͤusserliche Bestimmtheit zu haben. Diese Wissenschaft hat durch ihren ab- stracten Gegenstand einerseits das Erhabene, daß in diesen leeren stillen Raͤumen die Farbe ausgeloͤscht, eben so die andern sinnlichen Eigenschaften verschwunden sind, daß ferner jedes andere Interesse darin schweigt, das an die lebendige Individualitaͤt naͤher anspricht. An- derer- II. Kapitel. Das Erkennen . dererseits ist der abstracte Gegenstand noch der Raum , — ein unsinnlich sinnliches ; die Anschauung ist in ihre Abstraction erhoben, er ist eine Form der An- schauung, aber ist noch Anschauung, — ein Sinnliches, das Aussereinander der Sinnlichkeit selbst; ihre reine Begrifflosigkeit . — Man hat in neuern Zei- ten genug von der Vortrefflichkeit der Geometrie aus dieser Seite sprechen gehoͤrt; — man hat diß, daß sie sinnliche Anschauung zum Grunde liegen habe, fuͤr ihren hoͤchsten Vorzug erklaͤrt, und gemeint ihre hohe Wissen- schaftlichkeit gruͤnde sich sogar hierauf, und ihre Bewei- se beruhen auf der Anschauung. Es ist gegen diese Flachheit die flache Erinnerung zu machen noͤthig, daß durch das Anschauen keine Wissenschaft zu Stande kom- me, sondern allein durchs Denken . Die Anschau- lichkeit, welche die Geometrie durch ihren noch sinnli- chen Stoff hat, gibt ihr allein diejenige Seite der Evi- denz, welche das Sinnliche uͤberhaupt fuͤr den gedan- kenlosen Geist hat. Klaͤglicherweise daher hat man die- se Sinnlichkeit des Stoffs ihr fuͤr einen Vorzug ange- rechnet, welche vielmehr die Niedrigkeit ihres Stand- punkts bezeichnet. Nur der Abstraction ihres sinnlichen Gegenstands verdankt sie ihre Faͤhigkeit zu einer hoͤhern Wissenschaftlichkeit, und den grossen Vorzug vor denje- nigen Sammlungen von Kenntnissen, die man gleichfalls Wissenschaften zu nennen beliebt, und die concretes, empfindbares Sinnliches zu ihrem Inhalte haben, und nur durch die Ordnung, die sie hinein zu bringen suchen, eine ferne Ahndung und Anspielung an die Foderun- gen des Begriffes zeigen. Dadurch daß der Raum der Geometrie die Abstrac- tion und Leere des Aussereinanderseyns ist, ist es nur moͤglich, daß in seine Unbestimmtheit, die Figurationen so hineingezeichnet werden, daß ihre Bestimmungen in Z 2 fester III. Abschnitt. Idee . fester Ruhe aussereinander verbleiben und keinen Ueber- gang in das Entgegengesetzte in sich haben. Ihre Wis- senschaft ist dadurch einfache Wissenschaft des Endli- chen , das nach der Groͤsse verglichen wird, und dessen Einheit die aͤusserliche, die Gleichheit , ist. Aber in- dem nun bey diesem Figuriren zugleich von verschiede- nen Seiten und Principien ausgegangen wird, und die verschiedenen Figuren fuͤr sich entstehen, so zeigt sich bey ihrer Vergleichung doch auch die qualitative Un- gleichheit, und Incommensurabilitaͤt . Die Geo- metrie wird an derselben uͤber die Endlichkeit , in der sie so geregelt und sicher fortschritt, zur Unend- lichkeit getrieben, — zum Gleichsetzen solcher, die qua- litativ verschieden sind. Hier hoͤrt ihre Evidenz von der Seite auf, als ihr sonst die feste Endlichkeit zu Grunde liegt, und sie nichts mit dem Begriffe und des- sen Erscheinung, jenem Uebergange, zu thun hat. Die endliche Wissenschaft ist hier an ihre Grenze gekommen, da die Nothwendigkeit und Vermittlung des Syntheti- schen nicht mehr nur in der positiven Identitaͤt , sondern in der negativen gegruͤndet ist. Wenn die Geometrie, wie die Algebra bey ihren abstracten, bloß verstaͤndigen Gegenstaͤnden bald auf ihre Grenze stoͤßt, so zeigt sich die synthetische Methode fuͤr andere Wissenschaften von Anfang an um so un- genuͤgender, am ungenuͤgendsten aber bey der Philoso- phie. In Ansehung der Definition und Eintheilung hat sich das Gehoͤrige schon ergeben; hier waͤre nur noch vom Lehrsatze und Beweise zu sprechen, aber ausser der Voraussetzung der Definition und Eintheilung, die den Beweis schon fodert und voraussetzt, besteht ferner in der Stellung derselben uͤberhaupt zu den Lehrsaͤtzen das Ungenuͤgende. Diese Stellung ist vornemlich merk- wuͤrdig bey den Erfahrungswissenschaften, wie z. B. die Phy- II. Kapitel. Das Erkennen . Physik, wenn sie sich die Form von synthetischen Wissen- schaften geben wollen. Der Weg ist dann dieser, daß die Reflexionsbestimmungen von besondern Kraͤften , oder sonst innerlichen und wesenhaften For- men, welche aus der Weise, die Erfahrung zu analy- siren, hervorgehen, und die sich nur als Resultate rechtfertigen koͤnnen, an die Spitze gestellt werden muͤssen, um an denselben die allgemeine Grundlage zu haben, welche nachher auf das Einzelne ange- wendet und in ihm aufgezeigt wird. Indem diese allgemeinen Grundlagen fuͤr sich keinen Halt haben, so soll man sie sich einstweilen gefallen lassen; an den abgeleiteten Folgerungen aber merkt man erst, daß diese den eigentlichen Grund jener Grundlagen ausmachen. Es zeigt sich die sogenannte Erklaͤrung , und der Beweis des in Lehrsaͤtze gebrachten Concreten theils als eine Tavtologie, theils als eine Verwirrung des wahren Verhaͤltnisses, theils auch, daß diese Ver- wirrung dazu diente, die Taͤuschung des Erkennens zu verstecken, das Erfahrungen einseitig aufgenommen hat, wodurch es allein seine einfachen Definitionen und Grund- saͤtze erlangen konnte, und die Widerlegung aus der Er- fahrung damit beseitigt, daß es diese nicht in ihrer con- creten Totalitaͤt, sondern als Beyspiel und zwar nach der fuͤr die Hypothesen und Theorie brauchbaren Seite vornimmt und gelten laͤßt. In dieser Unterordnung der concreten Erfahrung unter die vorausgesetzten Bestim- mungen wird die Grundlage der Theorie verdunkelt und nur nach der Seite gezeigt, welche der Theorie gemaͤß ist; so wie es uͤberhaupt dadurch sehr erschwert wird, die concreten Wahrnehmungen unbefangen fuͤr sich zu be- trachten. Nur indem man den ganzen Verlauf auf den Kopf stellt, erhaͤlt das Ganze das rechte Verhaͤltniß, worin sich der Zusammenhang von Grund und Folge, und die Richtigkeit der Umbildung der Wahrnehmung in Ge- III. Abschnitt. Idee . Gedanken uͤbersehen laͤßt. Eine der Hauptschwierigkei- ten beym Studium solcher Wissenschaften ist daher, in sie hineinzukommen ; was nur dadurch geschehen kann, daß man sich die Voraussetzungen blindlings gefallen laͤßt, und ohne weiter einen Begriff, selbst oft kaum eine bestimmte Vorstellung, hoͤchstens ein ver- worrenes Bild der Phantasie davon sich machen zu koͤn- nen, die Bestimmungen von den angenommenen Kraͤf- ten, Materien und deren hypothetischen Gestaltungen, Richtungen und Drehungen, vor der Hand ins Gedaͤcht- niß einpraͤgt. Wenn man die Nothwendigkeit und den Begriff der Voraussetzungen, um sie anzunehmen und gelten zu lassen, fodert, so ist nicht uͤber den Anfang hinauszukommen. Ueber das Unpassende der Anwendung der synthe- tischen Methode auf die streng analytische Wissenschaft ist oben die Gelegenheit gewesen, zu sprechen. Durch Wolf ist diese Anwendung auf alle moͤgliche Arten von Kenntnissen ausgedehnt worden, die er zur Philo- sophie und Mathematik zog, — Kenntnisse, die zum Theil ganz analytischer Natur, zum Theil auch einer zufaͤlli- gen, und bloß handwerkmaͤssigen Art sind. Der Con- trast eines solchen leicht faßlichen, seiner Natur nach keiner strengen und wissenschaftlichen Behandlung faͤhi- gen Stoffes mit dem steifen wissenschaftlichen Umwege und Ueberzuge hat fuͤr sich selbst das Ungeschickte solcher Anwendung gezeigt und um den Credit gebracht. Z. B. Wolfs Anfangsgruͤnde der Baukunst heißt der achte Lehrsatz Ein Fenster muß so breit seyn, daß zwey Personen gemaͤch- lich neben einander in demselben liegen koͤnnen. Beweiß. Den II. Kapitel. Das Erkennen . Den Glauben an die Tauglichkeit und Wesentlichkeit die- ser Methode fuͤr eine wissenschaftliche Strenge in der Philosophie konnte jedoch jener Mißbrauch nicht be- nehmen; Spinoza’s Beyspiel in Darstellung seiner Philosophie hat noch lange als ein Muster gegolten. In der That aber ist durch Kant und Jacobi die gan- Beweiß. Denn man pflegt sich oͤfters mit einer anderen Person an das Fenster zu legen, und sich umzusehen. Da nun der Bau- Meister den Haupt-Absichten des Bau-Herrens in allem ein Genuͤge thun soll (§. 1.); so muß er auch das Fenster so breit machen, daß zwey Personen gemaͤchlich neben einander in demselben liegen koͤnnen. W. z. E. Desselben Anfangsgruͤnde der Fortification: Der zweyte Lehrsatz. Wenn der Feind in der Naͤhe campiret, und man vermu- thet, er werde durch einen Succurs die Festung zu entsetzen suchen; so muß eine Circumvallations-Linie um die ganze Festung herumgezogen werden. Beweiß. Die Circumvallations-Linien hindern, daß niemand in das Lager von aussen hineindringen kann (§. 311). Diejenigen aber, welche die Festung entsetzen wollen, verlangen in das Lager von aussen hineinzudringen. Wenn man sie also ab- halten will, muß eine Circumvallations-Linie um das Lager gezogen werden. Derowegen wenn der Feind in der Naͤhe campiret, und man vermuthet, er werde durch Succurs die Festung zu entsetzen suchen, so muß das Lager in Circum- vallations-Linien eingeschlossen werden. W. z. E. III. Abschnitt. Idee . ganze Weise der vormaligen Metaphysik und damit ihre Methode uͤber den Hauffen geworfen worden. Kant hat von dem Inhalte jener Metaphysik nach seiner Weise gezeigt, daß derselbe durch die strenge Demonstration auf Antinomien , deren uͤbrige Beschaffenheit an den gehoͤrigen Orten beleuchtet worden ist, fuͤhre; aber auf die Natur dieses Demonstrirens selbst, das an einen endlichen Inhalt geknuͤpft ist, hat er nicht reflectirt; das eine aber muß mit dem andern fallen. In seinen Anfangsgruͤnden der Naturwissenschaft hat er selbst ein Beyspiel gegeben, eine Wissenschaft, welche er auf diese Weise der Philosophie zu vindiciren gedach- te, als eine Reflexionswissenschaft und in der Methode derselben zu behandeln. — Wenn Kant mehr der Mate- rie nach, die vormalige Metaphysik angriff, so hat sie Jacobi vornemlich von Seiten ihrer Weise zu demon- striren angegriffen, und den Punkt, worauf es ankommt, aufs lichteste und tiefste herausgehoben, daß nemlich solche Methode der Demonstration schlechthin in den Kreis der starren Nothwendigkeit des Endlichen gebunden ist, und die Freyheit , das ist, der Begriff , und da- mit alles, was wahrhaft ist , jenseits derselben liegt, und von ihr unerreichbar ist. — Nach dem Kan- tischen Resultate ist es der eigenthuͤmliche Stoff der Me- taphysik, der sie in Widerspruͤche fuͤhrt, und das Un- zureichende des Erkennens besteht in seiner Subjecti- vitaͤt , nach dem Jacobischen ist es die Methode und ganze Natur des Erkennens selbst, das nur einen Zu- sammenhang der Bedingtheit und Abhaͤngig- keit erfaßt, und daher dem, was an und fuͤr sich und das absolut-Wahre ist, sich unangemessen zeigt. In der That, indem das Princip der Philosophie der un- endliche freye Begriff ist, und aller ihr Inhalt allein auf demselben beruht, so ist die Methode der be- grifflosen Endlichkeit nicht auf jenen passend. Die Syn- II. Kapitel. Das Erkennen . Synthese und Vermittlung dieser Methode, das Be- weisen bringt es nicht weiter als zu einer der Frey- heit gegenuͤberstehenden Nothwendigkeit , — nem- lich einer Identitaͤt des Abhaͤngigen, welche nur an sich ist, es sey daß sie als innerliche oder als aͤusserliche aufgefaßt werde, worin dasjenige, was die Realitaͤt daran ausmacht, das Unterschiedene und in die Existenz getretene schlechthin ein selbststaͤndig- Verschiedenes und daher Endliches bleibt. Darin kommt also diese Identitaͤt selbst nicht zur Existenz und bleibt das nur innerliche , oder sie ist das nur aͤusserliche , indem ihr bestimmter Inhalt ihr gegeben ist; — in beyden Ansichten ist sie ein abstractes und hat die reelle Seite nicht an ihr selbst, und ist nicht als an und fuͤr sich bestimmte Identitaͤt gesetzt; der Begriff , um welchen es allein zu thun, und der das an und fuͤr sich unendliche ist, ist somit aus diesem Er- kennen ausgeschlossen. In dem synthetischen Erkennen gelangt also die Idee nur insoweit zu ihrem Zweck, daß der Begriff nach seinen Momenten der Identitaͤt und den realen Bestimmungen , oder nach der Allge- meinheit und den besondern Unterschieden, — fer- ner auch als Identitaͤt , welche Zusammenhang und Abhaͤngigkeit des Verschiedenen ist, — fuͤr den Begriff wird. Aber dieser sein Gegenstand ist ihm nicht angemessen; denn der Begriff wird nicht als Einheit seiner mit sich selbst in seinem Ge- genstande oder seiner Realitaͤt ; in der Noth- wendigkeit ist seine Identitaͤt fuͤr ihn, in der aber nicht selbst die Bestimmtheit , sondern als ein ihr aͤusser- licher, d. i. nicht durch den Begriff bestimmter Stoff ist, in welchem er also nicht sich selbst erkennt. Ueber- haupt ist also der Begriff nicht fuͤr sich, nach seiner Einheit nicht III. Abschnitt. Idee . nicht zugleich an und fuͤr sich bestimmt. Die Idee erreicht deßwegen in diesem Erkennen die Wahrheit noch nicht, wegen der Unangemessenheit des Gegenstandes zu dem subjectiven Begriffe. — Aber die Sphaͤre der Noth- wendigkeit ist die hoͤchste Spitze des Seyns und der Reflexion; sie geht an und fuͤr sich selbst in die Freyheit des Begriffes, die innere Identitaͤt geht in ihre Mani- festation, die der Begriff als Begriff ist, uͤber. Wie dieser Uebergang aus der Sphaͤre der Nothwendig- keit in den Begriff an sich geschieht, ist bey Betrach- tung der erstern gezeigt worden, so wie er auch als die Genesis des Begriffs zu Anfang dieses Buchs sich dargestellt hat. Hier hat die Nothwendigkeit die Stellung, die Realitaͤt oder der Gegenstand des Begriffes zu seyn, wie auch der Begriff, in den sie uͤbergeht, nunmehr als Gegenstand desselben ist. Aber der Uebergang selbst ist derselbe. Er ist auch hier nur erst an sich und liegt noch ausser dem Erkennen in unserer Reflexion, d. h. ist dessen noch innere Nothwen- digkeit selbst. Nur das Resultat ist fuͤr ihn. Die Idee, insofern der Begriff nun fuͤr sich der an und fuͤr sich bestimmte ist, ist die praktische Idee, das Handeln . B. Die Idee des Guten . Indem der Begriff, welcher Gegenstand seiner selbst ist, an und fuͤr sich bestimmt ist, ist das Subject sich als Einzelnes bestimmt. Er hat als subjectives wie- der die Voraussetzung eines an sich-seyenden Anders- seyns; er ist der Trieb sich zu realisiren, der Zweck, der sich durch sich selbst in der objectiven Welt Ob- jecti- II. Kapitel. Das Erkennen . jectivitaͤt geben und sich ausfuͤhren will. In der theo- retischen Idee steht der subjective Begriff, als das All- gemeine , an- und fuͤr sich Bestimmungs-lose , der objectiven Welt entgegen, aus der er sich den be- stimmten Inhalt und die Erfuͤllung nimmt. In der praktischen Idee aber steht er als Wirkliches, dem Wirk- lichen gegenuͤber; die Gewißheit seiner selbst, die das Subject in seinem An- und fuͤr-sich-Bestimmtseyn hat, ist aber eine Gewißheit seiner Wirklichkeit, und der Un- wirklichkeit der Welt; nicht nur das Andersseyn derselben als abstracte Allgemeinheit, ist ihm das Nich- tige, sondern deren Einzelnheit und die Bestimmungen ihrer Einzelnheit. Die Objectivitaͤt hat das Sub- ject hier sich selbst vindicirt; seine Bestimmtheit in sich ist das Objective, denn es ist die Allgemeinheit, welche ebensowohl schlechthin bestimmt ist; die vorhin objective Welt ist dagegen nur noch ein gesetztes, ein unmittel- bar auf mancherley Weise bestimmtes, aber das, weil es nur unmittelbar bestimmt ist, der Einheit des Begrif- fes in sich entbehrt, und fuͤr sich nichtig ist. Diese in dem Begriffe enthaltene, ihm gleiche, und die Foderung der einzelnen aͤusserlichen Wirklichkeit in sich schliessende Bestimmtheit, ist das Gute . Es tritt mit der Wuͤrde auf, absolut zu seyn, weil es die Totalitaͤt des Begriffes in sich, das Objective zugleich in der Form der freyen Einheit und Subjectivitaͤt ist. Diese Idee ist hoͤher als die Idee des betrachteten Erkennens, denn sie hat nicht nur die Wuͤrde des Allgemeinen, sondern auch des schlechthin Wirklichen. — Sie ist Trieb , in- sofern dieses Wirkliche noch subjectiv, sich selbst setzend ist, nicht die Form zugleich der unmittelbaren Vor- aussetzung hat; ihr Trieb sich zu realisiren, ist eigentlich nicht sich Objectivitaͤt zu geben, diese hat sie an sich selbst, sondern nur diese leere Form der Unmittelbar- keit. III. Abschnitt. Idee . keit. — Die Thaͤtigkeit des Zwecks ist daher nicht gegen sich gerichtet, um eine gegebene Bestimmung in sich auf- zunehmen und sich zu eigen zu machen, sondern vielmehr die eigene Bestimmung zu setzen, und sich vermittelst des Aufhebens der Bestimmungen der aͤusserlichen Welt die Realitaͤt in Form aͤusserlicher Wirklichkeit zu geben. — Die Willens-Idee hat als das selbstbestimmende fuͤr sich den Inhalt in sich selbst. Dieser ist nun zwar bestimmter Inhalt, und insofern ein endliches und beschraͤnktes ; die Selbstbestimmung ist wesent- lich Besonderung , da die Reflexion des Willens in sich als negative Einheit uͤberhaupt auch Einzelnheit im Sinne des Ausschliessens und des Voraussetzens eines Andern ist. Die Besonderheit des Inhalts ist jedoch zunaͤchst unendlich durch die Form des Begriffs, dessen eigene Bestimmtheit er ist, und der in ihm die negative Identitaͤt seiner mit sich selbst, hiemit nicht nur ein Be- sonderes, sondern seine unendliche Einzelnheit hat. Die erwaͤhnte Endlichkeit des Inhalts in der praktischen Idee ist damit eins und dasselbe, daß sie zunaͤchst noch unausgefuͤhrte Idee ist; der Begriff ist fuͤr ihn das an und fuͤr sich seyende; er ist hier die Idee in der Form der fuͤr sich selbst seyenden Objectivitaͤt; ei- nestheils ist das Subjective darum nicht mehr nur ein gesetztes , Willkuͤhrliches oder Zufaͤlliges, sondern ein Absolutes; aber anderntheils hat diese Form der Existenz, das Fuͤrsichseyn , noch nicht auch die des Ansichseyns . Was so der Form als solchen nach, als Gegensatz erscheint, erscheint an der zur ein- fachen Identitaͤt reflectirten Form des Begriffes, d. i. am Inhalt, als einfache Bestimmtheit desselben; das Gute ob zwar an und fuͤr sich geltend, ist dadurch irgend ein besonderer Zweck, der aber durch die Realisi- rung nicht erst seine Wahrheit erhalten soll, sondern schon fuͤr sich das Wahre ist. Der II. Kapitel. Das Erkennen . Der Schluß der unmittelbaren Realisirung selbst bedarf hier keiner naͤhern Ausfuͤhrung; er ist ganz nur der oben betrachtete Schluß der aͤusserlichen Zweck- maͤssigkeit ; nur der Inhalt macht den Unterschied aus. In der aͤusserlichen als der formellen Zweckmaͤs- sigkeit war er ein unbestimmter endlicher Inhalt uͤber- haupt, hier ist er zwar auch ein endlicher, aber als sol- cher zugleich absolut geltender. Aber in Ansehung des Schlußsatzes, des ausgefuͤhrten Zwecks, tritt ein weite- rer Unterschied ein. Der endliche Zweck kommt in sei- ner Realisirung ebensosehr nur bis zum Mittel ; da er nicht in seinem Anfange schon an und fuͤr sich be- stimmter Zweck ist, bleibt er auch als ausgefuͤhrt ein solches, das nicht an und fuͤr sich ist. Ist das Gute auch wieder als ein Endliches fixirt, und wesentlich ein solches, so kann es auch, seiner innerlichen Unend- lichkeit unerachtet, dem Schicksale der Endlichkeit nicht entgehen; — ein Schicksal, das in mehrern Formen er- scheint. Das ausgefuͤhrte Gute ist gut durch das, was es schon im subjectiven Zweck, in seiner Idee ist; die Ausfuͤhrung gibt ihm ein aͤusserliches Daseyn; aber da diß Daseyn nur bestimmt ist, als die an und fuͤr sich nichtige Aeusserlichkeit, so hat das Gute in ihr nur ein zufaͤlliges, zerstoͤrbares Daseyn, nicht eine seiner Idee entsprechende Ausfuͤhrung erreicht. — Ferner da es sei- nem Inhalte nach ein beschraͤnktes ist, so gibt es auch des Guten mehrerley; das existirende Gute ist nicht nur der Zerstoͤrung durch aͤusserliche Zufaͤlligkeit und durch das Boͤse unterworfen, sondern durch die Collision und den Widerstreit des Guten selbst. Von Seiten der ihm vorausgesetzten, objectiven Welt, in deren Voraussetzung die Subjectivitaͤt und Endlichkeit des Guten besteht, und die als eine Andere ihren eigenen Gang geht, ist selbst die Ausfuͤhrung des Guten Hindernissen, ja sogar de r Unmoͤglichkeit ausgesetzt. Das Gute bleibt so ein S o l- len ; III. Abschnitt. Idee . len ; es ist an und fuͤr sich , aber das Seyn als die letzte, abstracte Unmittelbarkeit, bleibt gegen dasselbe auch als ein Nichtseyn bestimmt. Die Idee des vollendeten Guten ist zwar ein absolutes Postulat , aber mehr nicht als ein Postulat, d. i. das Absolute mit der Bestimmtheit der Subjectivitaͤt behaftet. Es sind noch die zwey Welten im Gegensatze, die eine ein Reich der Subjectivitaͤt in den reinen Raͤumen des durchsichtigen Gedankens, die andere ein Reich der Ob- jectivitaͤt in dem Elemente einer aͤusserlich mannichfalti- gen Wirklichkeit, die ein unaufgeschlossenes Reich der Finsterniß ist. Die vollstaͤndige Ausbildung des unauf- geloͤßten Widerspruchs, jenes absoluten Zwecks, dem die Schranke dieser Wirklichkeit unuͤberwindlich gegenuͤbersteht, ist in der Phaͤnomenologie des Geistes S. 548 ff. naͤher betrachtet worden. — Indem die Idee das Moment der vollkommenen Bestimmtheit in sich enthaͤlt, so hat der andere Begriff, zu dem der Begriff sich in ihr verhaͤlt, in seiner Subjectivitaͤt zugleich das Moment eines Objects; die Idee tritt daher hier in die Gestalt des Selbst-Bewußtseyns , und trift nach dieser einen Seite mit dessen Darstellung zusammen. Was aber der praktischen Idee noch mangelt, ist das Moment des eigentlichen Bewußtseyns selbst, daß nemlich das Moment der Wirklichkeit im Begriffe, fuͤr sich die Bestimmung des aͤusserlichen Seyns er- reicht haͤtte. — Dieser Mangel kann auch so betrachtet werden, daß der praktischen Idee noch das Moment der theoretischen fehlt. In der letztern nemlich steht auf der Seite des subjectiven, vom Begriffe in sich angeschaut werdenden Begriffs nur die Bestimmung der Allgemeinheit ; das Erkennen weiß sich nur als Auffassen, als die fuͤr sich selbst unbestimmte Iden- titaͤt des Begriffs mit sich selbst; die Erfuͤllung, d. i. die an II. Kapitel. Das Erkennen . an und fuͤr sich bestimmte Objectivitaͤt ist ihr ein Ge- gebenes , und das wahrhaft-Seyende die un- abhaͤngig vom subjectiven Setzen vorhandene Wirklich- keit. Der praktischen Idee dagegen gilt diese Wirklich- keit, die ihr zugleich als unuͤberwindliche Schranke ge- genuͤbersteht, als das an und fuͤr sich Nichtige, das erst seine wahrhafte Bestimmung und einzigen Werth durch die Zwecke des Guten erhalten solle. Der Wille steht daher der Erreichung seines Ziels nur selbst im Wege dadurch, daß er sich von dem Erkennen trennt, und die aͤusserliche Wirklichkeit fuͤr ihn nicht die Form des Wahr- haft-Seyenden erhaͤlt; die Idee des Guten kann daher ihre Ergaͤnzung allein in der Idee des Wahren finden. Sie macht aber diesen Uebergang durch sich selbst. In dem Schlusse des Handelns ist die eine Praͤmisse die unmittelbare Beziehung des guten Zweckes auf die Wirklichkeit , deren er sich bemaͤchtigt und in der zweyten Praͤmisse als aͤusserliches Mittel gegen die aͤusserliche Wirklichkeit richtet. Das Gute ist fuͤr den subjectiven Begriff das Objective; die Wirklichkeit in ihrem Daseyn steht ihm nur insofern als die unuͤber- windliche Schranke gegenuͤber, als sie noch die Be- stimmung unmittelbaren Daseyns , nicht ei- nes Objectiven nach dem Sinne des An und fuͤr sich- seyns hat; sie ist vielmehr entweder das Boͤse oder Gleichguͤltige, nur Bestimmbare, welches seinen Werth nicht in sich selbst hat. Dieses abstracte Seyn, das dem Guten in der zweyten Praͤmisse ge- genuͤbersteht, hat aber die praktische Idee bereits selbst aufgehoben; die erste Praͤmisse ihres Han- delns ist die unmittelbare Objectivitaͤt des Begriffes, wornach der Zweck ohne allen Wi- derstand sich der Wirklichkeit mittheilt, und in einfa- cher, identischer Beziehung mit ihr ist. Es sind in- III. Abschnitt. Idee . insofern also nur die Gedanken ihrer beyden Praͤmissen zusammen zu bringen. Zu dem, was in der ersten von dem objectiven Begriffe unmittelbar schon vollbracht ist, kommt in der zweyten zunaͤchst nur diß hinzu, daß es durch Vermittlung, hiemit fuͤr ihn gesetzt wird. Wie nun in der Zweckbeziehung uͤberhaupt der ausgefuͤhrtee Zweck zwar auch wieder nur ein Mittel, aber umge- kehrt das Mittel auch der ausgefuͤhrte Zweck ist, so ist gleichfalls in dem Schlusse des Guten, die zweyte Praͤ- misse schon unmittelbar in der ersten an sich vorhan- den; allein diese Unmittelbarkeit ist nicht hinreichend, und die zweyte wird schon fuͤr das erste postulirt; — die Ausfuͤhrung des Guten gegen eine gegenuͤberstehende andre Wirklichkeit ist die Vermittlung, welche wesentlich fuͤr die unmittelbare Beziehung und das Verwirklichtseyn des Guten nothwendig ist. Denn sie ist nur die erste Negation oder das Andersseyn des Begriffs, eine Ob- jectivitaͤt, welche ein Versenktseyn des Begriffs in die Aeusserlichkeit waͤre; die zweyte ist das Aufheben die- ses Andersseyns, wodurch die unmittelbare Ausfuͤhrung des Zwecks, erst Wirklichkeit des Guten als des fuͤr sich- seyenden Begriffes wird, indem er darin identisch mit sich selbst, nicht mit einem Andern, hiemit allein als freyer gesetzt wird. Wenn nun der Zweck des Guten dadurch doch nicht ausgefuͤhrt seyn sollte, so ist diß ein Ruͤckfall des Begriffs in den Standpunkt, den der Be- griff vor seiner Thaͤtigkeit hat, — den Standpunkt der als nichtig bestimmten und doch als reell vorausgesetzten Wirklichkeit; — ein Ruͤckfall, welcher zum Progreß in die schlechte Unendlichkeit wird, seinen Grund allein darin hat, daß in dem Aufheben jener abstracten Realitaͤt diß Aufheben eben so unmittelbar vergessen wird, oder daß vergessen wird, daß diese Realitaͤt vielmehr schon als die an und fuͤr sich nichtige, nicht objective Wirklichkeit vor- ausgesetzt ist. Diese Wiederhohlung der Voraussetzung des II. Kapitel. Das Erkennen . des nicht ausgefuͤhrten Zweckes nach der wirklichen Aus- fuͤhrung des Zweckes bestimmt sich daher auch so, daß die subjective Haltung des objectiven Begriffes reproducirt und perennirend gemacht wird, womit die Endlichkeit des Guten, seinem Inhalte, so wie seiner Form nach als die bleibende Wahrheit, so wie seine Ver- wirklichung schlechthin immer nur als ein einzelner Act nicht als ein allgemeiner erscheint. — In der That hat sich diese Bestimmtheit in der Verwirklichung des Guten aufgehoben; was den objectiven Begriff noch begraͤnzt , ist seine eigene Ansicht von sich, die durch die Reflexion auf das, was seine Verwirklichung an sich ist, verschwindet; er steht nur sich selbst durch die- se Ansicht im Wege, und hat sich daruͤber nicht gegen eine aͤussere Wirklichkeit, sondern gegen sich selbst zu richten. Die Thaͤtigkeit in der zweyten Praͤmisse nemlich, die nur ein einseitiges Fuͤr sichseyn hervorbringt, da- her das Product als ein subjectives und einzel- nes erscheint, darin somit die erste Voraussetzung wie- derhohlt wird, — ist in Wahrheit ebensosehr das Setzen der an sich seyenden Identitaͤt des objectiven Be- griffs und der unmittelbaren Wirklichkeit. Diese letztere ist durch die Voraussetzung bestimmt, nur eine Realitaͤt der Erscheinung zu haben, an und fuͤr sich nichtig, und schlechthin vom objectiven Begriffe bestimmbar zu seyn: Indem durch die Thaͤtigkeit des objectiven Begriffs die aͤussere Wirklichkeit veraͤndert, ihre Bestimmung hiemit aufgehoben wird, so wird ihr eben dadurch die bloß erscheinende Realitaͤt, aͤusserliche Bestimmbarkeit und Nich- tigkeit genommen, sie wird hiemit gesetzt , als an und fuͤr sich seyend. Es wird darin die Voraussetzung uͤber- haupt aufgehoben, nemlich die Bestimmung des Guten, als eines bloß subjectiven und seinem Inhalte nach be- A a schraͤnk- III. Abschnitt. Idee . schraͤnkten Zwecks, die Nothwendigkeit, ihn durch sub- jective Thaͤtigkeit erst zu realisiren, und diese Thaͤtigkeit selbst. In dem Resultate hebt die Vermittlung sich selbst auf, es ist eine Unmittelbarkeit , welche nicht die Wiederherstellung der Voraussetzung, sondern vielmehr deren Aufgehobenseyn ist. Die Idee des an und fuͤr sich bestimmten Begriffs ist hiemit gesetzt, nicht mehr bloß im thaͤtigen Subject, sondern ebensosehr als eine unmit- telbare Wirklichkeit, und umgekehrt diese, wie sie im Er- kennen ist, als wahrhaftseyende Objectivitaͤt zu seyn. Die Einzelnheit des Subjects, mit der es durch seine Voraussetzung behaftet wurde, ist mit dieser verschwun- den; es ist hiemit itzt als freye, allgemeine Iden- titaͤt mit sich selbst , fuͤr welche die Objectivitaͤt des Begriffes ebensosehr eine Gegebene , unmittelbar fuͤr dasselbe Vorhandene ist, als es sich als den an und fuͤr sich bestimmten Begriff weiß. In diesem Re- sultate ist hiemit das Erkennen hergestellt, und mit der praktischen Idee vereinigt, die vorgefundene Wirk- lichkeit ist zugleich als der ausgefuͤhrte absolute Zweck bestimmt, aber nicht wie im suchenden Erkennen, bloß als objective Welt ohne die Subjectivitaͤt des Begriffes, sondern als objective Welt, deren innerer Grund und wirkliches Bestehen der Begriff ist. Diß ist die ab- solute Idee. Drit- Drittes Kapitel. Die absolute Idee . D ie absolute Idee, wie sie sich ergeben hat, ist die Identitaͤt der theoretischen und der praktischen, wel- che jede fuͤr sich noch einseitig, die Idee selbst nur als ein gesuchtes Jenseits und unerreichtes Ziel in sich hat; — jede daher eine Synthese des Stre- bens ist, die Idee sowohl in sich hat als auch nicht hat, von einem zum andern uͤbergeht, aber beyde Ge- danken nicht zusammenbringt, sondern in deren Wider- spruche stehen bleibt. Die absolute Idee als der ver- nuͤnftige Begriff, der in seiner Realitaͤt nur mit sich selbst zusammengeht, ist um dieser Unmittelbarkeit seiner ob- jectiven Identitaͤt willen einerseits die Ruͤckkehr zum Le- ben ; aber sie hat diese Form ihrer Unmittelbarkeit eben- sosehr aufgehoben, und den hoͤchsten Gegensatz in sich. Der Begriff ist nicht nur Seele , sondern freyer sub- jectiver Begriff, der fuͤr sich ist und daher die Per- soͤnlichkeit hat, — der praktische, an und fuͤr sich bestimmte, objective Begriff, der als Person undurch- dringliche, atome Subjectivitaͤt ist, — der aber ebenso- sehr nicht ausschliessende Einzelnheit, sondern fuͤr sich Allgemeinheit und Erkennen ist, und in seinem Andern seine eigene Objectivitaͤt zum Gegenstande hat. Alles Uebrige ist Irrthum, Truͤbheit, Meynung, Streben, Willkuͤhr und Vergaͤnglichkeit die absolute A a 2 Idee III. Abschnitt. Idee . Idee allein ist Seyn , unvergaͤngliches Leben, sich wissende Wahrheit , und ist alle Wahrheit . Sie ist der einzige Gegenstand und Inhalt der Philosophie. Indem sie alle Bestimmtheit in sich enthaͤlt, und ihr Wesen diß ist, durch ihre Selbstbestim- mung oder Besonderung zu sich zuruͤckzukehren, so hat sie verschiedene Gestaltungen, und das Geschaͤft der Phi- losophie ist, sie in diesen zu erkennen. Die Natur und der Geist, sind uͤberhaupt unterschiedene Weisen, ihr Da- seyn darzustellen; Kunst und Religion ihre verschiede- nen Weisen, sich zu erfassen und ein sich angemessenes Daseyn zu geben; die Philosophie hat mit Kunst und Religion denselben Inhalt und denselben Zweck; aber sie ist die hoͤchste Weise, die absolute Idee zu erfassen, weil ihre Weise die hoͤchste, der Begriff, ist. Sie faßt daher jene Gestaltungen der reellen und ideellen Endlichkeit, so wie der Unendlichkeit und Heiligkeit in sich, und be- greift sie und sich selbst. Die Ableitung und Erkenntniß dieser besondern Weisen ist nun das fernere Geschaͤft der besondern philosophischen Wissenschaften. Das Logi- sche der absoluten Idee kann auch eine Weise dersel- ben genannt werden; aber indem die Weise eine be- sondere Art, eine Bestimmtheit der Form bezeich- net, so ist das Logische dagegen die allgemeine Weise, in der alle besondern aufgehoben und eingehuͤllt sind. Die logische Idee ist sie selbst in ihrem reinen Wesen, wie sie in einfacher Identitaͤt in ihren Begriff einge- schlossen, und in das Scheinen in einer Formbe- stimmtheit, noch nicht eingetreten ist. Die Logik stellt daher die Selbstbewegung der absoluten Idee nur als das urspruͤngliche Wort dar, das eine Aeusserung ist, aber eine solche, die als Aeusseres unmittelbar wie- der verschwunden ist, indem sie ist; die Idee ist also nur in dieser Selbstbestimmung, sich zu vernehmen , sie III. Kapitel. Die absolute Idee . sie ist in dem reinen Gedanken , worin der Unter- schied noch kein Andersseyn , sondern sich vollkom- men durchsichtig ist und bleibt. — Die logische Idee hat somit sich als die unendliche Form zu ihrem Inhalte; — die Form , welche insofern den Gegensatz zum Inhalt ausmacht, als dieser die in sich gegange- ne und in der Identitaͤt aufgehobene Formbestimmung so ist, daß diese concrete Identitaͤt gegenuͤber der als Form entwickelten steht; er hat die Gestalt eines An- dern und Gegebenen gegen die Form, die als solche schlechthin in Beziehung steht, und deren Bestimmt- heit zugleich als Schein gesetzt ist. — Die absolute Idee selbst hat naͤher nur dieß zu ihrem Inhalt, daß die Formbestimmung ihre eigene vollendete Totalitaͤt, der reine Begriff, ist. Die Bestimmtheit der Idee und der ganze Verlauf dieser Bestimmtheit nun, hat den Ge- genstand der logischen Wissenschaft ausgemacht, aus wel- chem Verlauf die absolute Idee selbst fuͤr sich hervor- gegangen ist; fuͤr sich aber hat sie sich als diß gezeigt, daß die Bestimmtheit nicht die Gestalt eines Inhalts hat, sondern schlechthin als Form , daß die Idee hier- nach als die schlechthin allgemeine Idee ist. Was also hier noch zu betrachten kommt, ist somit nicht ein Inhalt als solcher, sondern das Allgemeine seiner Form, — das ist, die Methode . Die Methode kann zunaͤchst als die blosse Art und Weise des Erkennens erscheinen, und sie hat in der That die Natur einer solchen. Aber die Art und Weise ist als Methode nicht nur eine an und fuͤr sich bestimmte Modalitaͤt des Seyns , sondern als Modalitaͤt des Erkennens gesetzt als durch den Be- griff bestimmt, und als die Form, insofern sie die Seele aller Objectivitaͤt ist, und aller sonst bestimmte Inhalt seine Wahrheit allein in der Form hat. Wenn der III. Abschnitt. Idee . der Inhalt wieder der Methode als gegeben und als von eigenthuͤmlicher Natur angenommen wird, so ist sie wie das Logische uͤberhaupt in solcher Bestimmung eine bloß aͤusserliche Form. Aber es kann hin- gegen nicht nur auf den Grundbegriff vom Logischen sich beruffen werden, sondern der ganze Verlauf desselben, worin alle Gestalten eines gegebenen Inhalts und der Objecte vorgekommen sind, hat ihren Uebergang und Unwahrheit gezeigt, und statt daß ein gegebenes Object die Grundlage seyn koͤnnte, zu der sich die absolute Form nur als aͤusserliche und zufaͤllige Bestimmung ver- hielte, hat sich diese vielmehr als die absolute Grund- lage und letzte Wahrheit erwiesen. Die Methode ist daraus als der sich selbst wissende, sich als das Absolute, sowohl Subjective als Objective, zum Ge- genstande habende Begriff , somit als das reine Entsprechen des Begriffs und seiner Realitaͤt, als eine Existenz die er selbst ist, hervorgegangen. Was hiemit als Methode hier zu betrachten ist, ist nur die Bewegung des Begriffs selbst, deren Natur schon erkannt worden, aber erstlich nunmehr mit der Bedeutung , daß der Begriff Alles , und seine Be- wegung die allgemeine absolute Thaͤtigkeit , die sich selbst bestimmende und selbst realisirende Bewe- gung ist. Die Methode ist deßwegen als die ohne Einschraͤnkung allgemeine, innerliche und aͤusserliche Wei- se, und als die schlechthin unendliche Kraft anzuerken- nen, welcher kein Object, insofern es sich als ein Aeusserliches, der Vernunft fernes und von ihr unab- haͤngiges praͤsentirt, Widerstand leisten, gegen sie von einer besondern Natur seyn, und von ihr nicht durch- drungen werden koͤnnte. Sie ist darum die Seele und Substanz , und irgend etwas ist nur begriffen und in seiner Wahrheit gewußt, als es der Methode voll- III. Kapitel. Die absolute Idee . vollkommen unterworfen ist; sie ist die eigene Methode jeder Sache selbst, weil ihre Thaͤtigkeit der Begriff ist. Diß ist auch der wahrhaftere Sinn ihrer Allgemeinheit ; nach der Reflexions-Allgemeinheit wird sie nur als die Methode fuͤr Alles genommen; nach der Allgemeinheit der Idee aber ist sie sowohl die Art und Weise des Erkennens, des subjectiv sich wissenden Begriffs, als die objective Art und Weise, oder vielmehr die Substantialitaͤt der Dinge , — d. h. der Begriffe, insofern sie der Vorstellung und der Reflexion zunaͤchst als Andere erscheinen. Sie ist darum die hoͤchste Kraft oder vielmehr die ein- zige und absolute Kraft der Vernunft nicht nur, son- dern auch ihr hoͤchster und einziger Trieb, durch sich selbst in Allem sich selbst zu finden und zu erkennen. — Hiemit ist zweytens auch der Unter- schied der Methode von dem Begriffe als solchem , das Besondere derselben, angegeben. Wie der Begriff fuͤr sich betrachtet wurde, erschien er in sei- ner Unmittelbarkeit; die Reflexion oder der ihn betrachtende Begriff fiel in unser Wissen. Die Methode ist diß Wissen selbst, fuͤr das er nicht nur als Gegenstand, sondern als dessen eigenes, subjectives Thun ist, als das Instrument und Mittel der erkennenden Thaͤtigkeit, von ihr unterschieden, aber als deren eigene Wesenheit. In dem suchenden Erkennen ist die Me- thode gleichfalls als Werkzeug gestellt, als ein auf der subjectiven Seite stehendes Mittel, wodurch sie sich auf das Object bezieht. Das Subject ist in diesem Schlusse das eine und das Object das andere Extrem, und jenes schließt sich durch seine Methode mit diesem, aber darin fuͤr sich nicht mit sich selbst zusammen . Die Extreme bleiben verschiedene, weil Subject, Me- thode und Object nicht als der eine identische Be- griff gesetzt sind, der Schluß ist daher immer der for- mel- III. Abschnitt. Idee . melle; die Praͤmisse, in welcher das Subject die Form als seine Methode auf seine Seite setzt, ist eine un- mittelbare Bestimmung und enthaͤlt deswegen die Bestimmungen der Form, wie wir gesehen, der Defi- nition, Eintheilung u. s. f. als im Subjecte vorge- fundene Thatsachen. Im wahrhaften Erkennen da- gegen ist die Methode nicht nur eine Menge gewisser Bestimmungen, sondern das An- und fuͤr- sich bestimmt- seyn des Begriffs, der die Mitte nur darum ist, weil er ebensosehr die Bedeutung des Objectiven hat, das im Schlußsatze daher nicht nur eine aͤussere Bestimmtheit durch die Methode erlangt, sondern in seiner Identitaͤt mit dem subjectiven Begriffe gesetzt ist. 1. Das, was die Methode hiemit ausmacht, sind die Bestimmungen des Begriffes selbst und deren Beziehun- gen, die in der Bedeutung als Bestimmungen der Me- thode nun zu betrachten sind. — Es ist dabey erstens von dem Anfange anzufangen. Von dem- selben ist bereits bey dem Anfange der Logik selbst, wie auch vorhin beym subjectiven Erkennen gesprochen und gezeigt worden, daß wenn er nicht willkuͤhrlich und mit einer kategorischen Bewußtlosigkeit gemacht wird, zwar viele Schwierigkeiten zu machen scheinen kann, jedoch von hoͤchst einfacher Natur ist. Weil er der Anfang ist, ist sein Inhalt ein Unmittelbares , aber ein solches, das den Sinn und die Form abstracter Allgemeinheit hat. Er sey sonst ein Inhalt des Seyns oder des Wesens oder des Begriffes , so ist er insofern ein aufgenommenes, vorgefun- denes, assertorisches , als er ein unmittelba- res ist. Vors erste aber ist er nicht ein unmittel- bares der sinnlichen Anschauung oder der Vor- stellung , sondern des Denkens , das man, wegen seiner Unmittelbarkeit auch ein uͤbersinnliches, inner- liches III. Kapitel. Die absolute Idee . liches Anschauen nennen kann. Das Unmittelbare der sinnlichen Anschauung ist ein Mannichfaltiges und Einzelnes . Das Erkennen ist aber begreiffen- des Denken, sein Anfang daher auch nur im Ele- mente des Denkens ; ein einfaches und allge- meines . — Von dieser Form ist vorhin bey der De- finition die Rede gewesen. Bey dem Anfang des endli- chen Erkennens wird die Allgemeinheit, als wesentliche Bestimmung gleichfalls anerkannt, aber nur als Denk- und Begriffsbestimmung im Gegensatze gegen das Seyn genommen. In der That ist diese erste Allgemeinheit eine unmittelbare , und hat darum ebensosehr die Bedeutung des Seyns ; denn das Seyn ist eben diese abstracte Beziehung auf sich selbst. Das Seyn bedarf keiner andern Ableitung, als ob es dem Abstracten der Definition nur daraus zukomme, weil es aus der sinn- lichen Anschauung oder sonst woher genommen sey, und insofern es monstrirt werde. Dieses Monstriren und Herleiten betrift eine Vermittlung , die mehr als ein blosser Anfang ist, und ist eine solche Vermittlung, die nicht dem denkenden Begreiffen gehoͤrt, sondern die Er- hebung der Vorstellung, des empirischen und raͤsonniren- den Bewußtseyns, zu dem Standpunkte des Denkens ist. Nach dem gelaͤufigen Gegensatze von Gedanken oder Be- griff und Seyn erscheint es als eine wichtige Wahrheit, daß jenem fuͤr sich noch kein Seyn zukomme, und daß diß einen eigenen vom Gedanken selbst unabhaͤngigen Grund habe. Die einfache Bestimmung von Seyn ist aber so arm an sich, daß schon darum nicht viel Auf- hebens davon zu machen ist; das Allgemeine ist unmit- telbar selbst diß Unmittelbare, weil es als abstractes auch nur die abstracte Beziehung auf sich ist, die das Seyn ist. In der That hat die Foderung, das Seyn aufzuzeigen, einen weitern innern Sinn, worin nicht bloß diese abstracte Bestimmung liegt, sondern es ist da- III. Abschnitt. Idee . damit die Foderung der Realisirung des Begriffs uͤberhaupt gemeynt, welche nicht im Anfange selbst liegt, sondern vielmehr das Ziel und Geschaͤfte der gan- zen weitern Entwicklung des Erkennens ist. Ferner indem der Inhalt des Anfangs durch das Monstriren in der innern oder aͤussern Wahrnehmung gerechtfertigt und als etwas Wahres oder Richtiges beglaubigt wer- den soll, so ist damit nicht mehr die Form der Allge- meinheit als solche gemeynt, sondern ihre Bestimmt- heit , wovon gleich zu sprechen nothwendig ist. Die Beglaubigung des bestimmten Inhalts , mit dem der Anfang gemacht wird, scheint ruͤckwarts desselben zu liegen; in der That aber ist sie als Vorwartsgehen zu betrachten, wenn sie nemlich zum begreiffenden Er- kennen gehoͤrt. Der Anfang hat somit fuͤr die Methode keine an- dere Bestimmtheit, als die, das Einfache und Allgemei- ne zu seyn; diß ist selbst die Bestimmtheit , wegen der er mangelhaft ist. Die Allgemeinheit ist der reine, ein- fache Begriff, und die Methode als das Bewußtseyn desselben weiß, daß die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in ihr noch nicht an und fuͤr sich bestimmt ist. Aber mit diesem Bewußtseyn, das den Anfang nur um der Methode willen weiter fuͤhren wollte, waͤre diese ein Formelles, in aͤusserlicher Reflexion gesetztes. Da sie aber die objective, immanente Form ist, so muß das Un- mittelbare des Anfangs an ihm selbst das Mangel- hafte, und mit dem Triebe begabt seyn, sich weiter zu fuͤhren. Das Allgemeine gilt aber in der absoluten Methode nicht als bloß abstractes, sondern als das ob- jectiv-Allgemeine, d. h. das an sich die concrete Totalitaͤt , aber die noch nicht gesetzt , noch nicht fuͤr sich ist. Selbst das abstracte Allgemeine als sol- ches, im Begriffe, d. i. nach seiner Wahrheit betrachtet, ist III. Kapitel. Die absolute Idee . ist nicht nur das Einfache , sondern als Abstractes ist es schon gesetzt als mit einer Negation behaf- tet. Es gibt deswegen auch, es sey in der Wirklich- keit oder im Gedanken , kein so Einfaches und so Abstractes, wie man es sich gewoͤhnlich vorstellt. Sol- ches Einfache ist eine blosse Meynung , die allein in der Bewußtlosigkeit dessen, was in der That vorhanden ist, ihren Grund hat. — Vorhin wurde das Anfangen- de als das Unmittelbare bestimmt; die Unmittelbar- keit des Allgemeinen ist dasselbe, was hier als das Ansichseyn ohne Fuͤrsichseyn ausgedruͤckt ist. — Man kann daher wohl sagen, daß mit dem Ab- soluten aller Anfang gemacht werden muͤsse, so wie aller Fortgang nur die Darstellung desselben ist, insofern das Ansichseyende der Begriff ist. Aber darum weil es nur erst an sich ist, ist es ebensosehr nicht das Absolute, noch der gesetzte Begriff, auch nicht die Idee; denn diese sind eben diß, daß das Ansichseyn nur ein abstractes, einseitiges Moment, ist. Der Fort- gang ist daher nicht eine Art von Ueberfluß ; er waͤre diß, wenn das Anfangende in Wahrheit schon das Ab- solute waͤre; das Fortgehen besteht vielmehr darin, daß das Allgemeine sich selbst bestimmt, und fuͤr sich das Allgemeine, d. i. ebensosehr Einzelnes und Subject ist. Nur in seiner Vollendung ist es das Absolute. Es kann daran erinnert werden, daß der Anfang, der an sich concrete Totalitaͤt ist, als solcher auch frey seyn, und seine Unmittelbarkeit die Bestimmung eines aͤusserlichen Daseyns haben kann; der Keim des Lebendigen , und der subjective Zweck uͤberhaupt, haben sich als solche Anfaͤnge ge- zeigt, beyde sind daher selbst Triebe . Das Nicht- Geistige und Nicht-Lebendige dagegen ist der concrete Begriff nur als reale Moͤglichkeit ; die Ursache ist III. Abschnitt. Idee . ist die hoͤchste Stuffe, in der der concrete Begriff als An- fang in der Sphaͤre der Nothwendigkeit, ein unmittel- bares Daseyn hat; aber sie ist noch kein Subject, das als solches sich auch in seiner wirklichen Realisirung er- haͤlt. Die Sonne z. B. und uͤberhaupt alles Nicht- lebendige sind bestimmte Existenzen, in welchen die reale Moͤglichkeit, eine innere Totalitaͤt bleibt, und die Mo- mente derselben weder in subjectiver Form in ihnen gesetzt sind, und insofern sie sich realisiren, eine Exi- stenz durch andere Koͤrperindividuen erlangen. 2. Die concrete Totalitaͤt, welche den Anfang macht, hat als solche in ihr selbst den Anfang des Fortgehens und der Entwicklung. Sie ist als Concretes in sich unterschieden ; wegen ihrer ersten Unmittelbar- keit aber sind die ersten Unterschiedenen zunaͤchst Ver- schiedene . Das Unmittelbare ist aber als sich auf sich beziehende Allgemeinheit, als Subject, auch die Ein- heit dieser Verschiedenen. — Diese Reflexion ist die erste Stuffe des Weitergehens, — das Hervortreten der Differenz, das Urtheil , das Bestimmen uͤber- haupt. Das Wesentliche ist, daß die absolute Methode die Bestimmung des Allgemeinen in ihm selbst findet und erkennt. Das verstaͤndige endliche Erkennen ver- faͤhrt so dabey, daß es von dem Concreten das, was es bey dem abstrahirenden Erzeugen jenes Allgemeinen weggelassen, nun eben so aͤusserlich wieder aufnimmt. Die absolute Methode dagegen verhaͤlt sich nicht als aͤusserliche Reflexion, sondern nimmt das Bestimmte aus ihrem Gegenstande selbst, da sie selbst dessen immanentes Princip und Seele ist. — Diß ist es, was Plato von dem Erkennen foderte, die Dinge an und fuͤr sich selbst zu betrachten , theils in ihrer Allgemeinheit, theils aber nicht von ihnen abzuirren, und nach Um- staͤnden, Exempeln und Vergleichungen zu greiffen, son- dern III. Kapitel. Die absolute Idee . dern sie allein vor sich zu haben, und was in ihnen immanent ist, zum Bewußtseyn zu bringen. — Die Me- thode des absoluten Erkennens ist insofern analytisch . Daß sie die weitere Bestimmung ihres anfaͤnglichen All- gemeinen ganz allein in ihm findet , ist die absolute Objectivitaͤt des Begriffes, deren Gewißheit sie ist. — Sie ist aber ebensosehr synthetisch , indem ihr Ge- genstand, unmittelbar als einfaches allgemeines bestimmt, durch die Bestimmtheit, die er in seiner Un- mittelbarkeit und Allgemeinheit selbst hat, als ein An- deres sich zeigt. Diese Beziehung eines Verschiede- nen, die er so in sich ist, ist jedoch das nicht mehr, was als die Synthese beym endlichen Erkennen gemeynt ist; schon durch seine ebensosehr analytische Bestimmung uͤberhaupt, daß sie die Beziehung im Begriffe ist, un- terscheidet sie sich voͤllig von diesem Synthetischen. Dieses so sehr synthetische als analytische Moment des Urtheils , wodurch das anfaͤngliche Allgemeine aus ihm selbst, als das Andere seiner sich bestimmt, ist das Dialektische zu nennen. Die Dialektik ist eine derjenigen alten Wissenschaften, welche in der Metaphysik der Modernen, und dann uͤberhaupt durch die Popular-Philosophie sowohl der Alten als der Neuern, am meisten verkannt worden. Von Plato sagt Dio- genes Laërtius, daß wie Thales der Urheber der Natur- philosophie, Sokrates der Moralphilosophie, so sey Pla- to der Urheber der dritten zur Philosophie gehoͤrigen Wissenschaft, der Dialektik gewesen; — ein Ver- dienst, das ihm vom Alterthume hiemit als das Hoͤchste angerechnet worden, das aber von solchen oft gaͤnzlich unbeachtet bleibt, die ihn am meisten im Munde fuͤhren. Man hat die Dialektik oft als eine Kunst betrachtet, als ob sie auf einem subjectiven Talente beruhe, und nicht der Objectivitaͤt des Begriffes angehoͤre. Welche Ge- III. Abschnitt. Idee . Gestalt und welches Resultat sie in der Kantischen Phi- losophie erhalten, ist an den bestimmten Beyspielen ih- rer Ansicht schon gezeigt worden. Es ist als ein un- endlich wichtiger Schritt anzusehen, daß die Dialektik wieder als der Vernunft nothwendig anerkannt worden, obgleich das entgegengesetzte Resultat gegen das, welches daraus hervorgegangen, gezogen werden muß. Ausser dem, daß die Dialektik gewoͤhnlich als etwas zufaͤlliges erscheint, so pflegt sie diese naͤhere Form zu haben, daß von irgend einem Gegenstande, z. B. Welt, Bewegung, Punkt u. s. f. gezeigt wird, es komme dem- selben irgend eine Bestimmung zu, z. B. nach der Ord- nung der genannten Gegenstaͤnde, Endlichkeit im Raume oder der Zeit, an diesem Orte seyn, absolute Nega- tion des Raumes; aber ferner eben so nothwendig auch die entgegengesetzte, z. B. Unendlichkeit im Raume und der Zeit, nicht an diesem Orte seyn, Beziehung auf den Raum somit Raͤumlichkeit. Die aͤltere eleatische Schule hat vornemlich ihre Dialektik gegen die Bewe- gung angewendet, Plato haͤufig gegen die Vorstellungen und Begriffe seiner Zeit, insbesondere der Sophisten, aber auch gegen die reinen Kategorieen und Reflexions- Bestimmungen; der gebildete spaͤtere Skepticismus, hat sie nicht nur auf die unmittelbaren sogenannten Thatsa- chen des Bewußtseyns und Maximen des gemeinen Le- bens, sondern auch auf alle wissenschaftlichen Begriffe ausgedehnt. Die Folgerung nun, die aus solcher Dia- lektik gezogen wird, ist uͤberhaupt der Widerspruch und die Nichtigkeit der aufgestellten Behauptungen. Diß kann aber in doppeltem Sinne Statt haben, — entweder im objectiven Sinne, daß der Gegenstand , der solchermassen sich in sich selbst widerspreche, sich auf- hebe und nichtig sey; — diß war z. B. die Folgerung der Eleaten, nach welcher z. B. der Welt, der Bewegung, dem III. Kapitel. Die absolute Idee . dem Punkte die Wahrheit abgesprochen wurde; — oder aber im subjectiven Sinne, daß das Erkennen mangelhaft sey . Unter der letztern Folgerung wird nun entweder verstanden, daß es nur diese Dialektik sey, welche das Kunststuͤck eines falschen Scheines vor- mache. Diß ist die gewoͤhnliche Ansicht des sogenannten gesunden Menschenverstandes, der sich an die sinn- liche Evidenz und die gewohnten Vorstellungen und Ausspruͤche haͤlt, — zuweilen ruhiger, wie Dio- genes der Hund, die Dialektik der Bewegung durch ein stummes Auf- und Abgehen in ihrer Bloͤsse zeigt, oft aber in Harnisch daruͤber geraͤth, es sey bloß als uͤber eine Narrheit, oder wenn es sittlich wichtige Gegenstaͤnde betrift, als uͤber einen Frevel, der das wesentlich Feste wankend zu machen suche, und dem Laster Gruͤnde an die Hand zu geben lehre, — eine Ansicht, die in der so- kratischen Dialektik gegen die sophistische vorkommt, und ein Zorn, der umgekehrt wieder selbst den Sokrates das Leben gekostet hat. Die poͤbelhafte Widerlegung, die, wie Diogenes that, dem Denken das sinnliche Be- wußtseyn entgegensetzt, und in diesem die Wahrheit zu haben meynt, muß man sich selbst uͤberlassen; inso- fern die Dialektik aber sittliche Bestimmungen aufhebt, zur Vernunft das Vertrauen haben, daß sie dieselben, aber in ihrer Wahrheit, und dem Bewußtseyn ihres Rechts aber auch ihrer Schranke, wieder herzustellen wissen werde. — Oder aber das Resultat der subjecti- ven Nichtigkeit betrift nicht die Dialektik selbst, sondern vielmehr das Erkennen, wogegen sie gerichtet ist; und im Sinne des Skepticismus, ingleichen der Kantischen Philosophie, das Erkennen uͤberhaupt . Das Grundvorurtheil hiebey ist, daß die Dialektik nur ein negatives Resultat habe, was sogleich seine naͤhere Bestimmung erhalten wird. Zunaͤchst ist uͤber III. Abschnitt. Idee . uͤber die angefuͤhrte Form , in der sie zu erscheinen pflegt, zu bemerken, daß sie und ihr Resultat nach der- selben den Gegenstand , der vorgenommen wird, oder auch das subjective Erkennen betrifft, und die- ses oder den Gegenstand fuͤr nichtig erklaͤrt, dagegen die Bestimmungen , welche an ihm als einem Dritten aufgezeigt werden, unbeachtet bleiben, und als fuͤr sich guͤltig vorausgesetzt sind. Auf diß unkritische Verfah- ren ist es ein unendliches Verdienst der kantischen Phi- losophie die Aufmerksamkeit gezogen, und damit den An- stoß zur Wiederherstellung der Logik und Dialektik, in dem Sinne der Betrachtung der Denkbestimmungen an und fuͤr sich , gegeben zu haben. Der Gegen- stand, wie er ohne das Denken und den Begriff ist, ist eine Vorstellung oder auch ein Nahmen; die Denk- und Begriffsbestimmungen sind es, in denen er ist , was er ist . In der That kommt es daher auf sie allein an; sie sind der wahrhafte Gegenstand und Inhalt der Vernunft und ein solches, als man sonst unter Gegen- stand und Inhalt im Unterschiede von ihnen versteht, gilt nur durch sie und in ihnen. Es muß daher nicht als die Schuld eines Gegenstands oder des Erkennens genommen werden, daß sie durch die Beschaffenheit und eine aͤusserliche Verknuͤpfung sich dialektisch zeigen. Das eine und das andere, wird auf diese Weise als ein Subject vorgestellt, in das die Bestimmungen in Form von Praͤdicaten, Eigenschaften, selbststaͤndigen Allgemeinen so gebracht seyen, daß sie als fest und fuͤr sich richtig erst durch die fremde und zufaͤllige Verbin- dung in und von einem Dritten, in dialektische Verhaͤlt- nisse und in Widerspruch gesetzt werden. Ein solches aͤusserliches und fixes Subject der Vorstellung und des Verstandes, so wie die abstracten Bestimmungen, statt fuͤr Letzte , sicher zu Grunde liegen bleibende angesehen werden zu koͤnnen, sind vielmehr selbst als ein Unmit- tel- III. Kapitel. Die absolute Idee . telbares, eben ein solches Vorausgesetztes und Anfan- gendes zu betrachten, das wie vorhin gezeigt, an und fuͤr sich selbst der Dialektik unterliegen muß, weil es als Begriff an sich zu nehmen ist. So sind alle als fest angenommenen Gegensaͤtze, wie z. B. Endliches und Un- endliches, Einzelnes und Allgemeines, nicht etwa durch eine aͤusserliche Verknuͤpfung in Widerspruch, sondern, sind, wie die Betrachtung ihrer Natur gezeigt, vielmehr an und fuͤr sich selbst das Uebergehen; die Synthese und das Subject, an dem sie erscheinen, ist das Pro- duct der eigenen Reflexion ihres Begriffs. Wenn die begrifflose Betrachtung bey ihrem aͤusserlichen Verhaͤlt- nisse stehen bleibt, sie isolirt und als feste Voraussetzun- gen laͤßt, so ist es vielmehr der Begriff, der sie selbst ins Auge faßt, als ihre Seele sie bewegt und ihre Dia- lektik hervorthut. Diß ist nun selbst der vorhin bezeichnete Stand- punkt, nach welchem ein allgemeines Erstes an und fuͤr sich betrachtet , sich als das Andre seiner selbst zeigt. Ganz allgemein aufgefaßt, kann diese Bestim- mung so genommen werden, daß hierin das zuerst Un- mittelbare hiemit als Vermitteltes, bezogen auf ein andres, oder daß das Allgemeine als ein Be- sonderes gesetzt ist. Das zweyte , das hiedurch ent- standen, ist somit das Negative des Ersten; und in- dem wir auf den weitern Verlauf zum Voraus Bedacht nehmen, das erste Negative . Das Unmittelbare ist nach dieser negativen Seite in dem Andern unter- gangen , aber das Andere ist wesentlich nicht das leere Negative , das Nichts , das als das gewoͤhnliche Resultat der Dialektik genommen wird, sondern es ist das Andere des Ersten , das Negative des Un- mittelbaren ; also ist es bestimmt als das Vermit- telte, — enthaͤlt uͤberhaupt die Bestimmung B b des III. Abschnitt. Idee . des Ersten in sich. Das Erste ist somit wesentlich auch im Andern aufbewahrt und erhalten . — Das Positive in seinem Negativen, dem Inhalt der Voraussetzung im Resultate festzuhalten, diß ist das Wichtigste im vernuͤnftigen Erkennen; es gehoͤrt zugleich nur die einfachste Reflexion dazu, um sich von der ab- soluten Wahrheit und Nothwendigkeit dieses Erfordernis- ses zu uͤberzeugen, und was die Beyspiele von Be- weisen hiezu betrifft, so besteht die ganze Logik darin. Was hiemit nunmehr vorhanden ist, ist das Ver- mittelte , zunaͤchst oder gleichfalls unmittelbar genom- men, auch eine einfache Bestimmung, denn da das Erste in ihm untergegangen, so ist nur das Zweyte vorhanden. Weil nun auch das Erste im Zweyten enthalten , und dieses die Wahrheit von jenem ist, so kann diese Einheit als ein Satz ausgedruͤckt werden, worin das Unmittelbare als Subject, das Vermittelte aber als dessen Praͤdicat gestellt ist, z. B. das End- liche ist unendlich, Eins ist Vieles, das Einzelne ist das Allgemeine . Die inadaͤquate Form solcher Saͤtze und Urtheile aber faͤllt von selbst in die Augen. Bey dem Urtheile ist gezeigt worden, daß seine Form uͤberhaupt, und am meisten die unmit- telbare des positiven Urtheils unfaͤhig ist, das Spe- culative und die Wahrheit in sich zu fassen. Die naͤchste Ergaͤnzung desselben, das negative Urtheil muͤßte we- nigstens ebensosehr beygefuͤgt werden. Im Urtheile hat das Erste als Subject den Schein eines selbststaͤndigen Bestehens, da es vielmehr in seinem Praͤdicate als sei- nem Andern aufgehoben ist; diese Negation ist in dem Inhalte jener Saͤtze wohl enthalten, aber ihre positive Form widerspricht demselben; es wird somit das nicht gesetzt, was darin enthalten ist; was gerade die Absicht, einen Satz zu gebrauchen, waͤre. Die III. Kapitel. Die absolute Idee . Die zweyte Bestimmung, die Negative oder Vermittelte , ist ferner zugleich die Vermittelnde . Zunaͤchst kann sie als einfache Bestimmung genommen werden, aber ihrer Wahrheit nach ist sie eine Bezie- hung oder Verhaͤltniß ; denn sie ist das Negative, aber des Positiven und schließt dasselbe in sich. Sie ist also das Andre nicht als von einem, wogegen sie gleichguͤltig ist, so waͤre sie kein Anderes, noch eine Beziehung oder Verhaͤltniß; — sondern das Andre an sich selbst, das Andre eines Andern ; darum schließt sie ihr eigenes Andres in sich, und ist somit als der Widerspruch , die gesetzte Dialektik ihrer selbst . — Weil das Erste oder Unmittelbare der Begriff an sich , daher auch nur an sich das Ne- gative ist, so besteht das dialektische Moment bey ihm darin, daß der Unterschied , den es an sich enthaͤlt, in ihm gesetzt wird. Das Zweyte hingegen ist selbst das Bestimmte , der Unterschied oder Verhaͤlt- niß; das dialektische Moment besteht bey ihm daher darin, die Einheit zu setzen, die in ihm enthalten ist. — Wenn deßwegen das Negative, Bestimmte, das Verhaͤltniß, Urtheil und alle unter diß zweyte Moment fallenden Bestimmungen, nicht fuͤr sich selbst schon als der Widerspruch und als dialektisch erscheinen, so ist es blosser Mangel des Denkens, das seine Gedanken nicht zusammenbringt. Denn das Material, die entgegen- gesetzten Bestimmungen in Einer Beziehung , sind schon gesetzt , und fuͤr das Denken vorhanden. Das formelle Denken aber macht sich die Identitaͤt zum Ge- setze, laͤßt den widersprechenden Inhalt, den es vor sich hat, in die Sphaͤre der Vorstellung, in Raum und Zeit herab fallen, worin das Widersprechende im Neben- und Nach-einander, ausser einander gehalten wird, und so ohne die gegenseitige Beruͤhrung vor das Bewußtseyn tritt. Es macht sich daruͤber den bestimmten Grundsatz, B b 2 daß III. Abschnitt. Idee . daß der Widerspruch nicht denkbar sey; in der That aber ist das Denken des Widerspruchs, das wesentliche Moment des Begriffes. Das formelle Denken denkt denselben auch factisch, nur sieht es sogleich von ihm weg, und geht von ihm in jenem Sagen nur zur ab- stracten Negation uͤber. Die betrachtete Negativitaͤt macht nun den Wen- dungspunkt der Bewegung des Begriffes aus. Sie ist der einfache Punkt der negativen Bezie- hung auf sich, der innerste Quell aller Thaͤtigkeit, le- bendiger und geistiger Selbstbewegung, die dialektische Seele, die alles Wahre an ihm selbst hat, durch die es allein Wahres ist; denn auf dieser Subjectivitaͤt allein ruht das Aufheben des Gegensatzes zwischen Begriff und Realitaͤt und die Einheit, welche die Wahrheit ist. — Das zweyte Negative, das Negative des Negativen, zu dem wir gekommen, ist jenes Aufheben des Widerspru- ches, aber ist so wenig als der Widerspruch, ein Thun einer aͤusserlichen Reflexion , sondern das in- nerste, objectivste Moment des Lebens und Gei- stes, wodurch ein Subject, Person, Freyes ist. — Die Beziehung des Negativen auf sich selbst , ist als die zweyte Praͤmisse des ganzen Schlusses zu betrachten. Die erste kann man, wenn die Bestimmungen von analytisch und synthetisch in ihrem Gegensatze gebraucht werden, als das analy- tische Moment ansehen, indem das Unmittelbare sich darin unmittelbar zu seinem Andern verhaͤlt, und daher in dasselbe uͤbergeht oder vielmehr uͤbergegan- gen ist; — obgleich diese Beziehung, wie schon erin- nert, eben deßwegen auch synthetisch ist, weil es ihr Anderes ist, in welches sie uͤbergeht. Die hier be- trachtete, zweyte Praͤmisse kann als die synthetische bestimmt werden, weil sie die Beziehung des Unter- schie- III. Kapitel. Die absolute Idee . schiedenen als solchen auf sein Unterschiede- nes ist. — Wie die Erste das Moment der Allge- meinheit und der Mittheilung , so ist die zweyte durch die Einzelnheit bestimmt, die zunaͤchst aus- schliessend und als fuͤr sich und verschieden, sich auf das Andere bezieht. Als das Vermittelnde erscheint das Negative, weil es sich selbst und das Unmittelbare in sich schließt, dessen Negation es ist. Insofern diese beyden Bestimmungen nach irgend einem Verhaͤltnisse als aͤusserlich bezogen genommen werden, ist es nur das vermittelnde Formelle ; als die absolute Negativitaͤt aber ist das negative Moment der absoluten Vermitt- lung, die Einheit, welche die Subjectivitaͤt und Seele ist. In diesem Wendepunkt der Methode kehrt der Ver- lauf des Erkennens zugleich in sich selbst zuruͤck. Diese Negativitaͤt, ist als der sich aufhebende Widerspruch, die Herstellung der ersten Unmittelbarkeit , der einfachen Allgemeinheit; denn unmittelbar ist das Andre des Andern, das Negative des Negativen, das Positive, Identische, Allgemeine . Diß zwey- te Unmittelbare ist im ganzen Verlauffe, wenn man uͤberhaupt zaͤhlen will, das Dritte , zum ersten Un- mittelbaren und zum Vermittelten. Es ist aber auch das Dritte zum ersten oder formellen Negativen, und zur absoluten Negativitaͤt oder dem zweyten Negativen; insofern nun jenes erste Negative schon der zweyte Ter- minus ist, so kann das als Dritte gezaͤhlte auch als Viertes gezaͤhlt, und statt der Triplicitaͤt die ab- stracte Form als eine Quadruplicitaͤt genommen werden; das Negative oder der Unterschied ist auf diese Weise als eine Zweyheit gezaͤhlt. — Das Dritte oder das Vierte ist uͤberhaupt die Einheit des ersten und zweyten Moments, des Unmittelbaren und des Ver- mittelten. — Daß es diese Einheit , so wie daß die gan- III. Abschnitt. Idee . ganze Form der Methode eine Triplicitaͤt ist, ist zwar ganz nur die oberflaͤchliche, aͤusserliche Seite der Weise des Erkennens; aber auch nur diese, und zwar in be- stimmterer Anwendung aufgezeigt zu haben, denn die abstracte Zahlform selbst ist bekanntlich schon fruͤh, aber ohne Begriff, und daher ohne Folge aufgestellt wor- den, — gleichfalls als ein unendliches Verdienst der Kantischen Philosophie anzusehen. Der Schluß , auch das Dreifache, ist als die allgemeine Form der Vernunft immer erkannt worden, theils aber galt er uͤberhaupt als eine ganz aͤusserliche, die Natur des Inhalts nicht bestimmende Form, theils da er im formellen Sinne bloß in der verstaͤndigen Bestimmung der Identitaͤt sich verlaͤuft, fehlt ihm das wesentliche, dialektische Moment, die Negativitaͤt ; dieses tritt aber in der Triplicitaͤt der Bestimmungen ein, weil das Dritte die Einheit der zwey ersten Bestimmungen ist, diese aber, da sie verschiedene sind, in Einheit nur als aufge- hobene seyn koͤnnen. — Der Formalismus hat sich zwar der Triplicitaͤt gleichfalls bemaͤchtigt, und sich an das leere Schema derselben gehalten; der seichte Un- fug und das Kahle des modernen philosophischen soge- nannten Construirens , das in nichts besteht, als jenes formelle Schema, ohne Begriff und immanente Bestimmung uͤberall anzuhaͤngen, und zu einem aͤusserli- chen Ordnen zu gebrauchen, hat jene Form langweilig und uͤbel beruͤchtigt gemacht. Durch die Schaalheit die- ses Gebrauchs aber kann sie an ihrem innern Werthe nicht verlieren, und es ist immer hoch zu schaͤtzen, daß zunaͤchst auch nur die unbegriffene Gestalt des Vernuͤnf- tigen aufgefunden worden. Naͤher ist nun das Dritte das Unmittelbare aber durch Aufhebung der Vermittlung , das Ein- fache durch Aufheben des Unterschiedes , das Po- III. Kapitel. Die absolute Idee . Positive durch Aufheben des Negativen, der Begriff, der sich durch das Andersseyn realisirt, und durch Auf- heben dieser Realitaͤt mit sich zusammengegangen, und seine absolute Realitaͤt, seine einfache Beziehung auf sich hergestellt hat. Diß Resultat ist daher die Wahrheit . Es ist ebensosehr Unmittelbarkeit als Vermittlung; — aber diese Formen des Urtheils; das Dritte ist Unmittelbarkeit und Vermittlung, oder es ist die Einheit derselben, sind nicht vermoͤgend, es zu fassen, weil es nicht ein ruhendes Drittes, son- dern eben als diese Einheit, die sich mit sich selbst ver- mittelnde Bewegung und Thaͤtigkeit ist. — Wie das Anfangende das Allgemeine , so ist das Resultat das Einzelne, Concrete, Subject ; was jenes an sich , ist dieses nun ebensosehr fuͤr sich , das All- gemeine ist im Subjecte gesetzt . Die beyden ersten Momente der Triplicitaͤt sind die abstracten , un- wahren Momente, die eben darum dialektisch sind, und durch diese ihre Negativitaͤt sich zum Subjecte machen. Der Begriff selbst ist, fuͤr uns zunaͤchst, sowohl das An sich seyende Allgemeine, als das Fuͤr sich seyende Negative, als auch das Dritte an und fuͤr sich seyende, das Allgemeine , welches durch alle Momente des Schlusses hindurchgeht; aber das Dritte ist der Schluß- satz, in welchem er durch seine Negativitaͤt mit sich selbst vermittelt, hiemit fuͤr sich als das Allgemeine und Identische seiner Momente gesetzt ist. Diß Resultat, hat nun als das in sich gegangene und mit sich identische Ganze, sich die Form der Unmittelbarkeit wieder gegeben. Somit ist es nun selbst ein solches, wie das Anfangende sich be- stimmt hatte. Als einfache Beziehung auf sich ist es ein Allgemeines, und die Negativitaͤt , welche die Dialektik und Vermittlung desselben ausmachte, ist in die- III. Abschnitt. Idee . dieser Allgemeinheit gleichfalls in die einfache Be- stimmtheit zusammengegangen, welche wieder ein An- fang seyn kann. Es kann zunaͤchst scheinen, daß diß Er- kennen des Resultats eine Analyse desselben seyn und da- her diejenigen Bestimmungen und deren Gang wieder aus einanderlegen muͤsse, durch den es entstanden und der betrachtet worden ist. Wenn aber die Behandlung des Gegenstands, wirklich auf diese analytische Weise ge- macht wird, so gehoͤrt sie der oben betrachteten Stuffe der Idee, dem suchenden Erkennen, an, das von seinem Gegenstand nur angibt, was ist , ohne die Nothwen- digkeit seiner concreten Identitaͤt und deren Begriff. Die Methode der Wahrheit aber, die den Gegenstand begreift, ist zwar, wie gezeigt selbst analytisch, da sie schlechthin im Begriffe bleibt, aber sie ist ebensosehr syn- thetisch, denn durch den Begriff wird der Gegenstand dialektisch und als Anderer bestimmt. Die Methode bleibt an der neuen Grundlage, die das Resultat als der nunmehrige Gegenstand ausmacht, dieselbe, als bey dem vorhergehenden. Der Unterschied betrifft allein das Verhaͤltniß der Grundlage als solcher; sie ist diß zwar itzt gleichfalls, aber ihre Unmittelbarkeit ist nur Form , weil sie zugleich Resultat war; ihre Bestimmt- heit als Inhalt ist daher nicht mehr ein bloß aufgenom- menes, sondern abgeleitetes und erwiesenes . Hier ist es erst, wo der Inhalt des Erkennens als solcher in den Kreis der Betrachtung eintritt, weil er nun als abgeleiteter der Methode angehoͤrt. Die Methode selbst erweitert sich durch diß Moment zu ei- nem Systeme . — Zunaͤchst mußte fuͤr sie der An- fang in Ansehung des Inhalts ganz unbestimmt seyn; sie erscheint insofern als die nur formelle Seele, fuͤr und durch welche der Anfang ganz allein nur seiner Form nach, nemlich als das Unmittelbare und Allge- mei- III. Kapitel. Die absolute Idee . meine bestimmt war. Durch die aufgezeigte Bewegung hat der Gegenstand eine Bestimmtheit fuͤr sich selbst erhalten, die ein Inhalt ist, weil die in die Einfach- heit zusammengegangene Negativitaͤt die aufgehobene Form ist, und als einfache Bestimmtheit, ihrer Entwick- lung, zunaͤchst ihrem Gegensatze selbst gegen die Allge- meinheit, gegenuͤbersteht. Indem nun diese Bestimmtheit die naͤchste Wahr- heit des unbestimmten Anfangs ist, so ruͤgt sie denselben als etwas unvollkommenes, so wie die Methode selbst, die von demselben ausgehend nur formell war. Diß kann als die nunmehr bestimmte Foderung ausgedruͤckt werden, daß der Anfang, weil er gegen die Bestimmt- heit des Resultats, selbst ein Bestimmtes ist, nicht als Unmittelbares, sondern als Vermitteltes und Abgeleitetes genommen werden soll; was als die Foderung des un- endlichen ruckwarts gehenden Progresses im Beweisen und Ableiten erscheinen kann; so wie aus dem neuen Anfang, der erhalten worden ist, durch den Verlauf der Methode gleichfalls ein Resultat hervorgeht, so daß der Fortgang sich eben so vorwarts ins Unendliche fortwaͤlzt. Es ist schon oft gezeigt worden, daß der unend- liche Progreß uͤberhaupt der begrifflosen Reflexion ange- hoͤrt; die absolute Methode, die den Begriff zu ihrer Seele und Inhalt hat, kann nicht in denselben fuͤhren. Zunaͤchst koͤnnen schon solche Anfaͤnge wie Seyn, We- sen, Allgemeinheit von der Art zu seyn scheinen, daß sie die ganze Allgemeinheit und Inhaltslosigkeit ha- ben, welche fuͤr einen ganz formellen Anfang, wie er seyn soll, erfodert wird, und daher als absolut erste Anfaͤnge keinen weitern Ruͤckgang fodern und zulassen. Indem sie reine Beziehungen auf sich selbst, Unmittel- bare III. Abschnitt. Idee . bare und Unbestimmte sind, so haben sie allerdings den Unterschied nicht an ihnen, der an einem sonstigen An- fange sogleich zwischen der Allgemeinheit seiner Form und seinem Inhalte gesetzt ist. Aber die Unbestimmt- heit, welche jene logische Anfaͤnge zu ihrem einzigen Inhalte haben, ist es selbst, was ihre Bestimmtheit ausmacht, diese besteht nemlich in ihrer Negativitaͤt, als aufgehobener Vermittlung; die Besonderheit von die- ser gibt auch ihrer Unbestimmtheit eine Besonderheit, wodurch sich Seyn, Wesen und Allgemeinheit von einander unterscheiden. Die Bestimmtheit nun, die ihnen zukommt, ist ihre, wie sie fuͤr sich genommen wer- den, unmittelbare Bestimmtheit , so gut als die irgend eines Inhalts, und bedarf daher einer Ablei- tung; fuͤr die Methode ist es gleichguͤltig, ob die Be- stimmtheit als Bestimmtheit der Form oder des In- halts genommen werde. Es faͤngt deßwegen in der That fuͤr die Methode keine neue Weise damit, daß sich durch das erste ihrer Resultate ein Inhalt bestimmt ha- be; sie bleibt hiemit nicht mehr noch weniger formell als vorher. Denn da sie die absolute Form, der sich selbst und Alles als Begriff wissende Begriff ist, so ist kein Inhalt, der ihr gegenuͤbertraͤte, und sie zur einsei- tigen, aͤusserlichen Form bestimmte. Wie daher die In- haltslosigkeit jener Anfaͤnge sie nicht zu absoluten An- faͤngen macht, so ist es aber auch nicht der Inhalt, der als solcher die Methode in den unendlichen Progreß vor- oder ruͤckwaͤrts fuͤhrte. Von einer Seite, ist die Bestimmtheit , welche sie sich in ihrem Resultate er- zeugt, das Moment, wodurch sie die Vermittlung mit sich ist, und den unmittelbaren Anfang zu ei- nem Vermittelten macht. Aber umgekehrt ist es die Bestimmtheit, durch welche sich diese ihre Ver- mittlung verlauft; sie geht durch einen Inhalt als durch ein scheinbares Andre ihrer selbst, zu ihrem An- III. Kapitel. Die absolute Idee . Anfange so zuruͤck, daß sie nicht bloß denselben aber als einen bestimmten wieder herstellt, sondern das Re- sultat ist ebensosehr die aufgehobene Bestimmtheit, somit auch die Wiederherstellung der ersten Unbestimmtheit, in welcher sie angefangen. Diß leistet sie als ein Sy- stem der Totalitaͤt . In dieser Bestimmung ist sie noch zu betrachten. Die Bestimmtheit, welche Resultat war, ist, wie ge- zeigt worden, um der Form der Einfachheit willen, in welche sie zusammengegangen, selbst ein neuer Anfang; indem er von seinem vorhergehenden, durch eben die- se Bestimmtheit unterschieden ist, so waͤlzt sich das Er- kennen von Inhalt zu Inhalt fort. Vors erste bestimmt sich diß Fortgehen dahin, daß es von einfachen Be- stimmtheiten beginnt, und die folgenden immer reicher und concreter werden. Denn das Resultat enthaͤlt seinen Anfang, und dessen Verlauf hat ihn um eine neue Bestimmtheit bereichert. Das Allgemeine macht die Grundlage aus; der Fortgang ist deßwegen nicht als ein Fliessen von einem Andern zu einem An- dern zu nehmen. Der Begriff, in der absoluten Me- thode erhaͤlt sich in seinem Andersseyn, das Allge- meine in seiner Besonderung, in dem Urtheile und der Realitaͤt; es erhebt auf jede Stuffe weiterer Bestim- mung die ganze Masse seines vorhergehenden Inhalts, und verliert durch sein dialektisches Fortgehen nicht nur nichts, noch laͤßt es etwas dahinten, sondern traͤgt al- les Erworbene mit sich, und bereichert und verdichtet sich in sich. Diese Erweiterung kann als das Moment des Inhalts und im Ganzen als die erste Praͤmisse ange- sehen werden; das Allgemeine ist dem Reichthume des Inhalts mitgetheilt , unmittelbar in ihm erhalten. Aber III. Abschnitt. Idee . Aber das Verhaͤltniß hat auch die zweyte, negative oder dialektische Seite. Die Bereicherung geht an der Noth- wendigkeit des Begriffes fort, sie ist von ihm ge- halten, und jede Bestimmung ist eine Reflexion in sich. Jede neue Stuffe des Aussersichgehens , das heißt, der weitern Bestimmung , ist auch ein In- sich- gehen, und die groͤssere Ausdehnung , ebensosehr hoͤhere Intensitaͤt . Das Reichste ist daher das Concreteste und Subjectivste , und das sich in die einfachste Tiefe zuruͤcknehmende, das Maͤchtigste und Uebergreiffendste. Die hoͤchste zugeschaͤrfteste Spitze ist die reine Persoͤnlichkeit , die allein durch die ab- solute Dialektik, die ihre Natur ist, ebensosehr Alles in sich befaßt und haͤlt, weil sie sich zum Frei- sten macht, — zur Einfachheit, welche die erste Unmit- telbarkeit und Allgemeinheit ist. Auf diese Weise ist es, daß jeder Schritt des Fortgangs im Weiterbestimmen, indem er von dem unbestimmten Anfang sich entfernt, auch eine Ruͤck- annaͤherung zu demselben ist, daß somit das, was zunaͤchst als verschieden erscheinen mag, das ruͤck- warts gehende Begruͤnden des Anfangs, und das vorwartsgehende Weiterbestimmen des- selben in einander faͤllt und dasselbe ist. Die Metho- de, die sich hiemit in einen Kreis schlingt, kann aber in einer zeitlichen Entwicklung es nicht anticipiren, daß der Anfang schon als solcher ein abgeleitetes sey; fuͤr ihn in seiner Unmittelbarkeit ist es genuͤgend, daß er einfache Allgemeinheit ist. Insofern er diß ist, hat er seine vollstaͤndige Bedingung; und es braucht nicht de- precirt zu werden, daß man ihn nur provisorisch und hypothetisch gelten lassen moͤge. Was man gegen ihn vorbringen moͤchte, — etwa von den Schran- ken der menschlichen Erkenntniß, von dem Erforderniß, ehe III. Kapitel. Die absolute Idee . ehe man an die Sache gehe, das Instrument des Er- kennens kritisch zu untersuchen, — sind selbst Voraus- setzungen , die als concrete Bestimmungen die Foderung ihrer Vermittlung und Begruͤndung mit sich fuͤhren. Da sie hiemit formell nichts vor dem An- fange mit der Sache, gegen den sie protestiren, vor- aus haben, und vielmehr wegen des concretern Inhalts einer Ableitung beduͤrftig sind, so sind sie nur fuͤr eitle An- massungen zu nehmen, daß auf sie vielmehr als etwas anderes zu achten sey. Sie haben einen unwahren In- halt, indem sie das als endlich und unwahr Bekannte zu einem Unumstoͤßlichen und Absoluten machen, nemlich ein beschraͤnktes , als Form und Instrument gegen seinen Inhalt bestimmtes Erkennen; dieses un- wahre Erkennen ist selbst auch die Form, das Begruͤnden, das ruͤckwarts geht. — Auch die Methode der Wahr- heit weiß den Anfang als ein Unvollkommenes, weil er Anfang ist, aber zugleich diß Unvollkommene uͤber- haupt, als ein Nothwendiges, weil die Wahrheit nur das Zu-sich-selbst-kommen durch die Negativitaͤt der Un- mittelbarkeit ist. Die Ungeduld, die uͤber das Be- stimmte , es heisse Anfang, Object, Endliches, oder in welcher Form es sonst genommen werde, nur hin- aus, und unmittelbar sich im Absoluten befinden will, hat als Erkenntniß nichts vor sich, als das leere Ne- gative, das abstracte Unendliche; — oder ein gemeyn- tes Absolutes, das ein gemeyntes ist, weil es nicht gesetzt , nicht erfaßt ist; erfassen laͤßt es sich nur durch die Vermittlung des Erkennens, von der das Allgemeine und Unmittelbare ein Moment, die Wahr- heit selbst aber nur im ausgebreiteten Verlauf und im Ende ist. — Fuͤr das subjective Beduͤrfniß der Unbe- kanntschaft und deren Ungeduld kann wohl eine Ueber- sicht des Ganzen zum Voraus gegeben werden, — durch eine Eintheilung fuͤr die Reflexion, die von dem All- III. Abschnitt. Idee . Allgemeinen nach der Weise des endlichen Erkennens das Besondere, als ein Vorhandenes und in der Wissenschaft zu erwartendes angibt. Doch gewaͤhrt diß mehr nicht als ein Bild der Vorstellung ; denn der wahrhafte Uebergang vom Allgemeinen zum Besondern und zu dem an und fuͤr sich bestimmten Ganzen, worin jenes erste Allgemeine selbst nach seiner wahrhaften Bestimmung wieder Moment ist, ist jener Weise der Ein- theilung fremde, und ist allein die Vermittlung der Wissenschaft selbst. Vermoͤge der aufgezeigten Natur der Methode stellt sich die Wissenschaft als einen in sich geschlungenen Kreis dar, in dessen Anfang, den einfachen Grund, die Vermittlung das Ende zuruͤckschlingt; dabey ist die- ser Kreis ein Kreis von Kreisen ; denn jedes ein- zelne Glied, als Beseeltes der Methode, ist die Reflexion in- sich, die, indem sie in den Anfang zuruͤckkehrt, zu- gleich der Anfang eines neuen Gliedes ist. Bruchstuͤcke dieser Kette sind die einzelnen Wissenschaften, deren jede ein Vor und ein Nach hat, — oder genauer ge- sprochen, nur das Vor hat , und in ihrem Schlusse selbst ihr Nach zeigt . So ist denn auch die Logik in der absoluten Idee zu dieser einfachen Einheit zuruͤckgegangen, welche ihr Anfang ist; die reine Unmittelbarkeit des Seyns, in dem zuerst alle Bestimmung als ausgeloͤscht oder durch die Abstraction weggelassen erscheint, ist die durch die Vermittlung, nemlich die Aufhebung der Vermittlung zu ihrer entsprechenden Gleichheit mit sich gekommene Idee. Die Methode ist der reine Begriff, der sich nur zu sich selbst verhaͤlt; sie ist daher die einfache Be- ziehung auf sich , welche Seyn ist. Aber es ist nun auch erfuͤlltes Seyn, der sich begreiffende Begriff , das Seyn als die concrete , eben so schlecht- III. Kapitel. Die absolute Idee . schlech t hin intensive Totalitaͤt. — Es ist von dieser Idee zum Schlusse nur noch diß zu erwaͤhnen, daß in ihr erstlich die logische Wissenschaft ihren eige- nen Begriff erfaßt hat. Bey dem Seyn , dem An- fange ihres Inhalts erscheint ihr Begriff als ein dem- selben aͤusserliches Wissen in subjectiver Reflexion. In der Idee des absoluten Erkennens aber ist er zu ihrem eigenem Inhalte geworden. Sie ist selbst der reine Begriff, der sich zum Gegenstande hat, und der, indem er sich als Gegenstand die Totalitaͤt seiner Bestimmun- gen durchlaͤuft, sich zum Ganzen seiner Realitaͤt, zum Systeme der Wissenschaft ausbildet, und damit schließt, diß Begreiffen seiner selbst zu erfassen, somit seine Stel- lung als Inhalt und Gegenstand aufzuheben, und den Begriff der Wissenschaft zu erkennen. — Zweytens ist diese Idee noch logisch, sie ist in den reinen Gedan- ken eingeschlossen, die Wissenschaft nur des goͤttlichen Begriffs . Die systematische Ausfuͤhrung ist zwar selbst eine Realisation, aber innerhalb derselben Sphaͤre gehalten. Weil die reine Idee des Erkennens insofern in die Subjectivitaͤt eingeschlossen ist, ist sie Trieb , diese aufzuheben, und die reine Wahrheit wird als letz- tes Resultat auch der Anfang einer andern Sphaͤ- re und Wissenschaft . Dieser Uebergang bedarf hier nur noch angedeutet zu werden. Indem die Idee sich nemlich als absolute Einheit des reinen Begriffs und seiner Realitaͤt setzt, somit in die Unmittelbarkeit des Seyns zusammennimmt, so ist sie als die Totalitaͤt in dieser Form, — Natur . — Diese Bestimmung ist aber nicht ein Gewordenseyn und Uebergang , wie, nach oben, der subjective Be- griff in seiner Totalitaͤt zur Objectivitaͤt , auch der subjective Zweck zum Leben wird . Die reine Idee, in welcher die Bestimmtheit oder Realitaͤt des Be- griffes selbst zum Begriffe erhoben ist, ist vielmehr ab- so- III. Abschnitt. Idee . solute Befreyung , fuͤr welche keine unmittelbare Be- stimmung mehr ist, die nicht ebensosehr gesetzt und der Begriff ist; in dieser Freyheit findet daher kein Ueber- gang Statt, das einfache Seyn, zu dem sich die Idee bestimmt, bleibt ihr vollkommen durchsichtig, und ist der in seiner Bestimmung bey sich selbst bleibende Begriff. Das Uebergehen ist also hier vielmehr so zu fassen, daß die Idee sich selbst frey entlaͤßt , ihrer absolut sicher und in sich ruhend. Um dieser Freyheit willen ist die Form ihrer Bestimmtheit eben so schlechthin frey, — die absolut fuͤr sich selbst ohne Subjectivitaͤt seyende Aeusserlichkeit des Raums und der Zeit . — Insofern diese nur nach der abstracten Unmittelbarkeit des Seyns ist und vom Bewußtseyn gefaßt wird, ist sie als blosse Objectivitaͤt und aͤusserliches Leben; aber in der Idee bleibt sie an und fuͤr sich die Totalitaͤt des Be- griffs, und die Wissenschaft im Verhaͤltnisse des goͤttli- chen Erkennens zur Natur. Dieser naͤchste Entschluß der reinen Idee sich als aͤusserliche Idee zu bestimmen, setzt sich aber damit nur die Vermittlung, aus welcher sich der Begriff als freye aus der Aeusserlichkeit in sich gegangene Existenz emporhebt, in der Wissenschaft des Geistes seine Befreyung durch sich vollendet, und den hoͤchsten Begriff seiner selbst in der logischen Wissen- schaft, als dem sich begreiffenden reinen Begriffe, findet. Verbesserungen . S. 224. letzte Zeile, statt: Totalitaͤt; so lies: Totalitaͤt ist so S. 324. Z. 3. v. unten statt: X m —I—I lies: X m —1— I Anhang. Anhang . In der Verlagshandlung ist ferner erschienen, und durch jede gute Buchhandlung zu haben: Betrachtungen uͤber den gegenwaͤrtigen Zustand der Philosophie in Deutschland uͤberhaupt, und uͤber die Schellingische Philosophie im Besondern. gr. 8. 1813. 1 thlr. 6 gr. oder 1 fl. 57 kr. Die Schellingische Philosophie hat ungeachtet ei- nes vieljaͤhrigen Kampfes mit ihren zahlreichen Gegnern einen entschiedenen Einfluß auf alle Ansichten von der Religion, Wissenschaft und Kunst errungen, und Keiner kann sie nun mehr ignoriren, wenn er sich ein selbst- staͤndiges Urtheil uͤber den gegenwaͤrtigen Zustand der hoͤhern Kultur in Deutschland bilden will. Nichts desto weniger herrschen uͤber sie unter ihren Anhaͤngern und Gegnern die verschiedenartigsten und mit unter verkehr- testen Meinungen, welche in vielfacher Ruͤcksicht sehr nachtheilig auf das Ganze zuruͤckwuͤrken. Um so will- C c kom- kommener muß allen Freunden der philosophischen Wis- senschaften und einer wahren hoͤhern Bildung eine Schrift seyn, in welcher die so viel besprochene und so wenig gekannte Schellingische Philosophie sowohl in Beziehung auf die gleichzeitigen Philosopheme als nach ihrer Ei- genthuͤmlichkeit und ihrem Zusammenhange mit andern Wissenschaften mit Umgehung unverstaͤndlicher Kunst- ausdruͤcke so faßlich dargestellt ist, als es wohl noch in keinem zu diesem Zwecke erschienenen Werke ge- schehen ist. Kritik der Schrift „Darstellung des Wesens der Philosophie des Hrn. Friedr. Koͤppen“ von Friedr. Schafberger, nebst Darlegung der eige- nen Ansichten des Verfassers. gr. 8. 1813. 1 thlr. oder 1 fl. 36 kr. Diese eben so gruͤndlich als geistreich verfaßte Pruͤfung der Philosophie eines Mannes, der von viel- seitiger Wirkung auf die Nation ist, verdient um so mehr die allgemeine Aufmerksamkeit, da diese Philosophie mit der eines andern Gelehrten von großem Ruf und Ein- fluß in der genauesten Verbindung steht; weshalb vor- liegende Schrift als ein merkwuͤrdiger Beitrag zu dem juͤngst begonnenen großen Kampf auf dem Gebiet deut- scher Philosophie zu betrachten ist. Kalk- Kalkreuth, Graf von, der Dialog. gr. 8. 1811. 1 thlr. 21 gr. oder 3 fl. 30 kr. Ewig wird uns der goͤttliche Platon ein unerreich- tes Muster des philosophischen Dialogs bleiben. Als ein schoͤner Fortschritt zu diesem hohen Ziele darf gegen- waͤrtiges Werk empfohlen werden. Gleich befriedigend fuͤr die Anforderungen der Wissenschaft und Kunst wer- den hier die hoͤchsten Aufgaben der Philosophie in freyer lebendiger Mittheilung entwickelt. Mit geistreicher Leich- tigkeit und wahrhaft platonischer Kunst leitet jedes die- ser tiefsinnigen Gespraͤche sich ein, und nicht selten wird der Leser auf Stellen treffen, die, aus der Tiefe der Weltanschauung hervorgegangen, als ewige Gestirne in Platons unsterblichen Dialogen zu glaͤnzen verdienten. Allgemeine Zeitschrift von Deutschen fuͤr Deutsche, herausgegeben von F. W. J. Schelling. 4 Hefte, gr. 8. 4 thlr. 16 gr. oder 7 fl. 12 kr. Hegel, Dr. G. W. Fr. Wissenschaft der Logik. I. Band 1te Abtheil. (Die Lehre vom Seyn.) 1 thlr. 12 gr. oder 2 fl. 24 kr. I. Band 2te Abtheilung. (Die Lehre vom Wesen.) 1 thlr. 6 gr. oder 2 fl. II. Band. (Die Lehre vom Begriff.) 2 thlr. 6 gr. oder 3 fl. 48 kr. Das ganze Werk, 68 Bogen stark, kostet complett 5 thlr. — oder 8 fl. 12 kr.