Wunderhorn Alte deutsche Lieder A. von Arnim C. Brentano III. Heidelberg bey Mohr und Zimmer 1808. Des Knaben Wunderhorn . Alte deutsche Lieder gesammelt von L. A. v. Arnim und Clemens Brentano. Dritter Band . Heidelberg , bey Mohr und Zimmer . 1808. Des Knaben Wunderhorn . 3. Band. 1. Liebesklagen des Maͤdchens . 1. N ach meiner Lieb viel hundert Knaben trachten, Allein der, den ich lieb, will mein nicht achten, Ach weh mir armen Maid, vor Leid muß ich verschmachten. Jeder begehrt zu mir sich zu verpflichten, Allein der, den ich lieb, thut mich vernichten, Ach weh mir armen Maid, was soll ich dann anrichten. All andre thun mir Gutes viel verjehen, Allein der, den ich lieb, mag mich nicht sehen, Ach weh mir armen Maid, wie muß mir dann geschehen. Von allen keiner mag mir widerstreben, „Allein der, den ich lieb, will sich nicht geben, Ach weh mir armen Maid, was soll mir dann das Leben. 2. Ich wollt, daß der verhindert mich An meinem Gluͤck, sollt halten sich Ein Jahr nach meinem Willen, Ich wollt ihm gar in kurzer Zeit, all seinen Hochmuth stillen. Ich wollt, daß der mein jezund spott, Ein Jahr sollt halten mein Gebot, Er wuͤrd dermassen buͤssen, Daß ihm gewiß in Tagen kurz, seins Lebens sollt ver- driessen. 3. Ich bin gen Baden zogen, Zu loͤschen meine Brunst, So find ich mich betrogen, Denn es ist gar umsunst, Wer kann das Feuer kennen, Das mir mein Herz thut brennen! Ich thu mich vielmals waͤschen Mit Wasser kalt und heiß, Und kann doch nicht erloͤschen, Ja mein kein Rath mehr weiß, Kann nicht das Feuer kennen, Das mir im Herz thut brennen. 4. Wenn ich den ganzen Tag Gefuͤhrt hab meine Klag, So giebts mir noch zu schaffen Bey Nacht, wann ich soll schlafen. Ein Traum mit großem Schrecken Thut mich gar oft aufwecken. Im Schlaf seh ich den Schein Des Allerliebsten mein, Mit einem starken Bogen, Darauf viel Pfeil gezogen, Damit will er mich heben Aus diesem schweren Leben. Zu solchem Schreckgesicht Kann ich stillschweigen nicht, Ich schrei mit lauter Stimmen: „O Knabe laß dein Grimmen, „Nicht wollst, weil ich thu schlafen, „Jezt brauchen deine Waffen.“ 5. Ach hartes Herz, laß dich doch eins erweichen, Laß mich zu deiner Huld doch noch gereichen; Wen sollt doch nicht erbarmen, Daß ich muß als erarmen. Ach starker Fels, laß dich doch eins bewegen, Thu dein gewohnte Haͤrt eins von dir legen; Wen sollt doch nicht erbarmen, Daß ich muß als erarmen. Ach veste Burg, laß dich doch eins gewinnen, Ach reicher Brunn, laß mich nicht gar verbrinnen; Wen sollt doch nicht erbarmen, Daß ich muß als erarmen. 6. Wer sehen will zween lebendige Brunnen, Der soll mein zwey betruͤbte Augen sehen, Die mir vor Weinen schier sind ausgerunnen. Wer sehen will viel groß und tiefe Wunde, Der soll mein sehr verwundtes Herz besehen, So hat mich Lieb verwundt im tiefsten Grunde. 7. Mit Weinen thu ich meine Zeit vertreiben, Kein Mensch auf Erd den Jammer kann beschreiben, Den ich erduld bey Nacht und auch bey Tage, Und red ich nicht, so toͤdtet mich die Plage. Die Augen mein, vertrocknet tiefe Brunnen, Durch Weinen sind so gaͤnzlich ausgerunnen, Daß ich deswegen muß gar bald verschmachten Beym vollen Brunnen, wo ich naͤchtlich wachte. 8. Der suͤsse Schlaf, der sonst stillt alles wohl, Kann stillen nicht mein Herz mit Trauren voll, Das schafft allein, der mich erfreuen soll. Kein Speis, kein Trank mir Lust noch Nahrung giebt, Kein Kurzweil mehr mein traurig Herze liebt, Das schafft allein, der so mein Herz betruͤbt. Gesellschaft ich nicht mehr besuchen mag, Ganz einig sitz in Unmuth Nacht und Tag, Das schafft allein, den ich im Herzen trag. 9. Recht wie ein Leichnam wandle ich umher Zu seiner Thuͤre Nachts und seufze schwer, Aus meiner Brust an Trost und Wohlseyn leer. Mein Athem stoͤhnet wie ein Fichtenwald, Ein Ungluͤckszeichen mein Gesang erschallt, Daß alle Nachbarn sich ergrimmen bald. Sie laͤrmen, nicht zu hoͤren all mein Weh, Sie nehmen Umweg, daß mich keiner seh, Jezt fuͤrcht ich nichts, war scheu sonst wie ein Reh. Wie von dem Ast im Traum ein Vogel faͤllt, So flattre ich des Nachts, so ungesellt; Ein Ungluͤcksvogel nimmermehr gefaͤllt! Was soll draus werden? fraget alle Welt. Was ist die Welt? Wer schuf sie unbestellt? Die schuf allein, die mich so sehr entstellt. Ich freu mich, wie mein Fleisch so schwinden thut, Mein festes Land zerreißt der Strom vom Blut, Der aus dem Herzen kommt und niemals ruht. O meine Thraͤnen, keiner schaͤtzet euch, Ihr seyd den Himmelsgaben darin gleich; An allem bin ich arm, in euch so reich. Abendstern . (Muͤndlich.) S chlaf nur ein geliebtes Leben, Schlaf, ich will ja gern zufrieden seyn, Deine lieben Augen geben Dennoch deinem Diener hellen Schein. Hast du dich verschlossen, Will ich unverdrossen Liebend doch vor deiner Thuͤre stehn; Daß sie Liebe quaͤle, Jauchzet meine Seele, Darf ich liebend doch an deiner Thuͤre stehn. Schlaf nur ein, dein Sternenschimmer Laͤßt mich nie zu meinem Bette gehn, Meine muͤden Augen sehn dich immer, Bis sie vor den deinen untergehn, Wie die Blaͤtter fallen, Also werd ich fallen, Unter deinem Fuße rauschen hin, Mild bist du den Armen, Trage mir Erbarmen, Unter deinem Fuße rausch ich hin. Schlaf nur ein, und heiß mich wachend gehen, Herz und Seele bleibet doch bei dir, Will mir mit dem Tag die Sonne untergehen, Ist ein Liebeshimmel doch in mir, Denn da seh ich immer Deiner Sterne Schimmer, Wie sie fluͤchtig auf mein Herze gehn, Saͤh ich dich doch morgen, Ließ ich alle Sorgen Also fluͤchtig durch mein Herze gehn. Der Fuͤrstentochter Tod . (Procopii Aestivale p. 246.) E s fuhr gen Acker ein grober Baur, Arbeitet wacker im Schweis so sau'r, Im Fruͤhling, Maͤrzen, May, April, Im Feld standen der Bluͤmlein viel, Die ihn anlachten in der Still. Er ließ sich solches bewegen nicht, Mit seinem Pflug er sich druͤber richt, Er schnitt darein der wilde Mann, Und grif an ihren Wurzeln an Die schoͤnen Blumen lobesan. Die Bluͤmlein neigten die Koͤpfe zart, Sanken darnieder zu Boden hart, Ich sie anschaute sinniglich, Von Herzen sie erbarmten mich, Haͤtt sie wohl gern errettet ich. Auf unsres Fuͤrsten sein Wiesen gruͤn Da that ein holdselig Bluͤmlein bluͤhn, Das war sein liebstes Toͤchterlein, Zwoͤlfjaͤhrig, edel, huͤbsch und fein, Ein Herzentrost den Aeltern sein. Da kam der grimmige Tod daher, Trabanten, Garden, nichts achtet er, Frey trat er in die Burg hinein, Schlug grausam ins Frauenzimmer drein, Und traf das Fuͤrstliche Fraͤulein allein. Nun kommt zum Saale ihr Christenleut, Nun gehet ins Feld mit bitterem Leid, Zwey Blumen stehn auf einem Feld, Die eine frisch, die andre welk, Rath, welche laͤnger sich erhaͤlt. Da kommt gegangen ein Wandersmann, Der traͤgt Verlangen zu greifen an, Der Blumen eine mit Gewalt, Die Hand darnach er ausstreckt bald, Nimmt die am besten ihm gefallt. Die halbverwelkte will er nicht, Die frische ihm in die Augen sticht, Er laͤßt die alt und nimmt die neu, Thut dran gar recht bey meiner Treu, Ich machets auch so ohne Scheu. Ach was hilft ein Bluͤmelein . (Muͤndlich.) S terben ist eine harte Buß, Weiß wohl daß ich sterben muß, Und ein Roͤslein rosenroth Pflanzt mein Schatz nach meinem Tod. Wenn ich mal gestorben bin, Wo begrabt man mich denn hin? Schau nur in den Kirchhof nein, Da wird noch Plaͤzlein seyn! Wachsen schoͤne Bluͤmlein drauf, Geben dir ein schoͤnen Straus. Ach was hilft ein Roͤslein roth, Wenn es bluͤht nach Liebes Tod! Dort hinein, und nicht hinaus, Traͤgt man mich ins Grabeshaus, Habs gesehen in der Nacht, Hats ein Traum mir kund gemacht. Auf den Kirchhof wollt ich gehn, Thaͤt das Grab schon offen stehn, Ach das Grab war schon gebaut, Hab es traurig angeschaut. War wohl sieben Klafter tief, Drinnen lag ich schon und schlief, Als die Glock hat ausgebraußt, Gingen unsre Freund nach Haus. Sterben ist ein harte Pein, Wenns zwey Herzallerliebste seyn, Die des Todes Sichel scheidt, Ach das ist das groͤßte Leid. Denn was hilft ein Bluͤmelein, Wenn es heißt ins Grab hinein; Ach was hilft ein Roͤslein roth, Wenn es bluͤht nach Liebes Tod. Nachtlieder an die Braut . (Muͤndlich.) I. A ch Schatz willst du schlafen gehn, Schlafe wohl, schlafe wohl, Schlafe wohl in guter Ruh, Und thu deine schwarzbraune Aeuglein zu, Und ruh, und ruh, und ruh in sanfter Ruh. Ach Schatz, wenn ich nur bey dir waͤr, Allein, allein, allein, Allein im Federbett, Wir beyde wollten vergnuͤget seyn, Und wollten gern allein beynander seyn, Ach wenn ich dich doch allein in meinen Armen haͤtt. Die Geig, die fuͤhrt einen sanften Ton, Zeiget an, Zeiget an, Zeiget an du edle Kron, Sie zeiget an du edle Kron, Wie vielmal ich geklopfet schon, Ich muß, ich muß, ich muß vergeblich stohn. Ach Schatz nimm dieses Liedlein an, Es ist, es ist, es ist, Es ist auf dich gericht, Nimm nur dies schlechte Liedlein an, Wie vielmal ich geklopfet an, Gute Nacht, gute Nacht, gute Nacht mein Schatz. 2. Ach edler Schatz verzeih es mir, Daß ich so spaͤt bin kommen, Die grosse Lieb aus Herzens Begier Hat mich dazu gezwungen. Jezt liegt mein Schatz, mein edler Schatz Gar sanft in seinem Bettchen, Ey moͤcht ich ihn ganz inniglich Mit meiner Musik wecken. Erweck ich sie, erschreck ich sie, Es muͤß mich herzlich reuen, Ach koͤnnte ich doch bey ihr seyn, Und ruhn in ihren Armen. Sie hat zwey Cristallinisch Stein, Auf Elfenbein auch Purpur, Solt ihr geschehn daran ein Leid, So spraͤng mein Herz in Stuͤcken. Vision . (Muͤndlich.) U eber den Kirchhof gieng ich allein Zu meines Liebchens Kaͤmmerlein, Und als ich wollt von dannen gehn, Da hielt es mich, ich mußt da stehn. Ein Seel stand traurig an eim Grab, Und schrie mit heller Stimm hinab, „Steh auf mein Leib, verantwort dich, „Dann ich bin hier, beschuldge dich. Da hebet sich des Grabes Stein, Und geht hervor ein weis Gebein, Der Leib steht auf gar bald und schnell, Und geht dahin, spricht zu der Seel: „Wer ist daraus, der mein begehrt, „Der mich da rufet aus der Erd, „Bist du es Seele, die vor Jahren „Aus meinem Leibe ist gefahren? Die Seele sprach: „Hab ich beten woͤllen, „Da pflegtest du dich krank zu stellen, „Wenn ich anfieng das Abendgebet, „Da hast du dich gleich schlafen gelegt. Der Leib sprach: „Ach ich schien nur faul, „Und gaͤhnte, macht ein schiefes Maul, „Und war zum niederknien verdrossen, „Denn ich hatt einen Bettgenossen. „Ach weh! Ach weh, antwort die Seel, „Daß ich gewesen dein Gesell, „Wovon die Ursach du allein „Darum leid ich die Hoͤllenpein. „Im Thal Josaphat am Juͤngsten Tag, „Da will ich fuͤhren grosse Klag, „Alsdann wird angehn auch dein Leid, „Du wirst brennen in Ewigkeit. Da sprach der Leib: „Du seyst verklagt, „Du warst die Frau, und ich die Magd, „Du traͤgst mit mir die Suͤndenlast, „Weil du mich boͤs gefuͤhret hast. Die Seel wollt da noch wiedersprechen, Da thaͤt der Morgenstern anbrechen, Sankt Petrus Vogel thaͤt auch kraͤhen, Da waren beid nicht mehr zu sehn. Ich aber schrieb dies Liedelein, Und steckts an Liebchens Fensterlein, „Ich war mit Leib und Seel zu Gast, „S ist mir leid, wenn du auf mich gewartet hast. Nicht Wiedersehn . N un ade mein allerherzliebster Schaz, Jezt muß ich wohl scheiden von dir, Bis auf den andern Sommer, Dann komm ich wieder zu dir. Und als der junge Knab heimkam, Von seiner Liebsten fing er an, Wo ist meine Herzallerliebste, Die ich verlassen hab? Auf dem Kirchhof liegt sie begraben, Heut ists der dritte Tag, Das Trauren und das Weinen Hat sie zum Tod gebracht. Jetzt will ich auf den Kirchhof gehen, Will suchen meiner Liebsten Grab, Will ihr alleweil rufen, Bis daß sie mir Antwort giebt. Ey du mein allerherzliebster Schaz, Mach auf dein tiefes Grab, Du hoͤrst kein Gloͤcklein laͤuten, Du hoͤrst kein Voͤglein pfeifen, Du siehst weder Sonn noch Mond! Hessisch . A ls ich kam zur Stube rein, Da ist gut wohnen! Ich hab so lang draußen gestanden, Daß Gott erbarm! Ich seh dies an deinem Hut, Wie dein Hut troͤpflen thut, Von Regen ist er naß, Von wegen meinem Schatz. Ich gieng wohl uͤber Berg und Thal, Waͤr mir kein Weg zu schmal, Zu meinem Schaͤtzchen wollt ich gehn, Alle Wochen siebenmal. Dort steht ein schoͤner Lorbeerbaum, Der steht schoͤn da, Und ein schoͤner Reutersbub, Der steht mir an. Herz mich ein wenig, kuͤß mich ein wenig, Hab mich ein wenig lieb, Wenns auch regnet oder schneit, Wenns unser Herz nur erfreut. Heimlicher Liebe Pein . M ein Schatz der ist auf die Wanderschaft hin, Ich weiß aber nicht, was ich so traurig bin, Vielleicht ist er todt, und liegt in guter Ruh, Drum bring ich meine Zeit so traurig zu. Als ich mit meim Schatz in die Kirch wollte gehn, Viel falsche falsche Zungen unter der Thuͤre stehn, Die eine redt dies, die andre redt das, Das macht mir gar oft die Auͤgelein naß. Die Distel und die Dornen, die stechen also sehr, Die falschen falschen Zungen aber noch viel mehr, Kein Feuer auf Erden auch brennet also heiß, Als heimliche Liebe, die Niemand nicht weiß. Ach herzlieber Schatz, ich bitte dich noch eins, Du wollest auch bei meiner Begraͤbniß, seyn, Bei meiner Begraͤbniß, bis ins kuͤhle Grab, Dieweil ich dich so treulich geliebet hab. Ach Gott! was hat mein Vater und Mutter gethan, Sie haben mich gezwungen zu einem ehrlichen Mann, Zu einem ehrlichen Mann, den ich nicht geliebt, Das macht mir ja mein Herz so betruͤbt. 3. Band . 2. Salomo sprich Recht . E s waren einmal zwei Gespielen, Sie giengen ins Feld spazieren. Die eine die war so munter und wohl auf, Die andre trauret sehre, ja sehre. Wir beide haben einen Knaben so lieb, Den koͤnnen wir nicht theilen, ja theilen. Ach Gespielin liebe meine, Laß mir den Knaben alleine. Ich will dir meinen Bruder geben, Meines Vaters Gut zum Theile, ja Theile. Ei deinen Bruder mag ich nicht, Deines Vaters Gut veracht ich nicht. Ich wollt nicht nehmen Silber und Gold, Daß ich den Knaben lassen sollt, ja lassen sollt. Liebesaugen . S obald du hebst die klaren Aeugelein, Freut sich Gestirn und auch der Sonnenschein, Also gar sehr, du Liebeszier, Sind sie geneiget dir. Sobald du auch die Erde blickest an, Ist sie erhizt, schickt Bluͤmelein heran, Wie sollt dann ich nicht herziglich, Jungfrau auch lieben dich. Und schließest du, o Herz, die Auͤgelein, Da giebt der Stern der Venus großen Schein Wie ihrem Kind, wenn sie offen sind, Die Fackel heftig brinnt, Und huͤllst du ein die hellen Auͤgelein, Der Himmel traurig zieht die Sterne ein, Die Erd ist kalt, Frau Venus alt, Ohn Feuer Amor bald. Ade zur guten Nacht . (Fliegendes Blat aus 1500.) D er Mond, der steht am hoͤchsten, Die Sonn will untergehn, Mein Feinslieb liegt in Noͤthen, Ach Gott, wie solls ihr gehn, In Regen und in Wind, Wo soll ich mich hinkehren, Da ich mein Feinslieb find! Mein Feinslieb wollt mich lehren, Wie ich ihr dienen soll, In Zuͤchten und in Ehren, Das weiß ich selbst gar wohl, Und kann auch noch viel mehr, Wer sich seins Buhlen ruͤhmet, Dem bringt es wenig Ehr. Mancher geht zu seinem Buhlen Bei lichtem Mondenschein, Was giebt sie ihm zum Lohne? Ein Rosenkraͤnzelein, Ist gruͤner als der Klee, Ich muß mich von dir scheiden, Thut meinem Herzen weh. Ach Scheiden uͤber Scheiden, Wer hat dich doch erdacht, Hast mir mein junges Herze Aus Freud in Trauren bracht, Dazu in Ungemach. Dir ists schoͤns Lieb gesungen, Ade zu guter Nacht. Liebes- Noten . W ahres Lieben, suͤßes Leben, Wo zwei Herzen eins nur sind, Wie zwei Turteltaͤublein schweben, Die ein treues Band verbind, Wo die Lieb den Chor anstimmet, Und die Treue giebt den Takt, In dem Blut die Freude schwimmet, Und der Puls auf Lauten schlagt. Wo die Sproͤde muß pausiren, Wenn die Lust ein Solo singt, Wenn die Aeuglein pizikiren, Bis der Lieb ein Saite springt, Wenn die Herzen konkordiren, Und schoͤn singen in dem Ton, Wird der Mund auch sekundiren, Und ein Kuß giebt ihm den Lohn. Will ein Ton ins Kreuzlein steigen, Will ein B wie Weh erschalln, Mag aufs Herz der Finger zeigen, Und Musik ganz leise halln, Weil die Noten in zwei Herzen Einfach stehen in der Terz, Laß uns ganz piano scherzen, Und allegro leiden Schmerz. Schlummer unter Dornrosen . I ch legte mich nieder ins gruͤne Gras, Und lauert auf meinen Herzliebsten Schatz, Ich lauert so lange bis mich es verdroß, Da fielen zwei Roͤselein mir in den Schoos. Die Roͤselein, die waren wie Blut so roth, Jezt schlaͤft ja mein Schatz oder er ist todt, Er schlaͤft ja nicht, er schlummert ja nur, Es blinken seine Aeuglein, es laͤchelt sein Mund, Da ließ ich meine Augen herummer gehn, Da sah ich mein Schaͤtzlein bei einem andern stehn, Bei einem andern stehn, Das hab ich gesehn. Dem Tode zum Trutz . (Muͤndlich.) K omm zu mir in Garten, Komm zu mir ins Gras, Sprich aus deinen Jammer, Es bringt mir nicht Schmerz. Geh hol mir den Mantel, Geh hol mir den Stock, Jezt muß ich von dannen, Muß nehmen B'huͤt Gott! Und wenn schon bisweilen Die Falschheit schlaͤgt ein, So muß ich halt denken Es muß also seyn. Und wenn schon bisweilen Der Tod auch regiert — Ach er hat mein Lieb mir Von dannen gefuͤhrt! Mein allerfeinst Liebchen War die schoͤnst in der Sonn, Verblendet die Sonne, Verdunkelt den Mond. Mein allerfeinst Liebchen, Nimm mich in deinen Schooß, Jezt will ich dich erst lieben, Den Leuten zum Trotz. Den Leuten zum Possen, Dem Tode zum Truz, Will ich mein Schaz lieben, Wenns mich gleich nichts nuzt. Bivouack . H abt ihr die Husaren gesehn, Auf dem gruͤnen Wieschen, Hinterm gelben Veilchenstock, Bei der Jungfer Lieschen. Jungfer Lieschen, was ist das? Auf der Wiese waͤchst das Gras, Auf dem Acker waͤchst der Klee, Maͤdchen trau kein'm Buben meh. Hab einmal dem Buben getraut, Hat mich sieben Jahr gereut, Sieben Jahr ist noch nichr lang, Reut mich wohl mein Lebenlang. Ey ! Ey ! E y Ey, wie scheint der Mond so hell, Wie scheint er in der Nacht. Hab ich am fruͤhen Morgen Mein Schatz ein Lied gemacht. Ey Ey, wie scheint der Mond so hell, Ey Ey, wo scheint er hin. Mein Schatz hat alle Morgen Ein andern Schatz im Sinn. Ey Ey, wie scheint der Mond so hell, Ey Ey, wie scheint er hier. Er scheint ja alle Morgen Der Liebsten vor die Thuͤr. Ey Ey, wie scheint der Mond so hell, Ey Jungfer, wann ists Tag? Es geht ihr alle Morgen Ein andrer Freier nach. Einsiedler . D ort droben auf dem Huͤgel, Wo die Nachtigall singt, Da tanzt der Einsiedel, Daß die Kutt in die Hoͤh springt. Ey laßt ihn nur tanzen, Ey laßt ihn nur seyn, Zu Nacht muß er beten Und schlafen allein. Dort druͤben auf dem Huͤgel Wos Fuͤchsle rum lauft, Da sizt der Einsiedel, Hat die Kutte verkauft. Dort drunten im Thale Geht er ins Wirthshaus, Geh leih ihm dein Dirnel, Daͤs mein hat ein Rausch. Ich geh nit aufs Bergle, Ich geh nit ins Thal, Ich leih ihm nits Dirnel, Der Weg ist zu schmal. Der Berggesell . (1500–50) W aͤr ich ein wilder Falke. So wollt ich mich schwingen auf, Ich wollt mich nieder lassen, Fuͤr eins Reichen Buͤrgers Haus. Darinn ist ein Maͤgdelein, Madlena ist sie genannt, So hab ich alle meine Tag Kein schoͤners brauns Maͤgdlein erkannt. An einem Montag es geschah, An einem Montag fruͤh, Da sah man die schoͤne Madlena, Zu dem Obern Thor ausgehn. Da fragten sie die Zarten: Madlena, wo willt dn hin? In meines Vaters Garten, Da ich naͤchten gewesen bin. Und da sie in den Garten kam, Wohl in den Garten einlief, Da lag ein schoͤner junger G'sell, Unter einer Linden und schlief. Steh auf junger Geselle, Steh auf, denn es ist Zeit, Ich hoͤr die Schluͤssel klingen, Mein Muͤtterlein ist nicht weit. Hoͤrst du die Schluͤssel klingen, Und ist dein Muͤtterlein nicht weit, So zeuch mit mir von hinnen, Wohl uͤber die breite Heid. Und da sie uͤber die Heide kamen, Wohl unter ein Linde was breit, Da ward denselben zweien, Von Seiden ein Bett bereit. Sie lagen beieinander, Bis auf drithalbe Stund, Kehr dich brauns Maͤgdlein herum, Beut mir dein'n roten Mund. Du sagst mir viel von kehren, Sagst mir von keiner Eh, Ich fuͤrcht ich hab verschlafen, Mein Treu und auch mein Ehr. Fuͤrchst du, du habst verschlafen Dein Treu und auch dein Ehr. Laß dichs Feinslieb nicht kuͤmmern, Ich nehm dich zu der Eh. Wer ist der uns dies Liedlein sang, Von neuen gesungen hat, Das hat gethan ein Berggesell, Auf Sanct Annenberg in der Stadt. Er hats gar frei gesungen, Bei Meth, bei kuͤhlem Wein, Darbei da seyn gesessen, Drei zarte Jungfraͤulein. Hat gesagt — bleibts nicht dabei . (Muͤndlich.) M ein Vater hat gesagt, Ich soll das Kindlein wiegen, Er will mir auf den Abend Drey Gaggeleyer sieden; Siedt er mir drei, Ißt er mir zwei, Und ich mag nicht wiegen, Um ein einziges Ey. Mein Mutter hat gesagt, Ich soll die Maͤgdlein verrathen, Sie wollt mir auf den Abend Drei Voͤgelein braten; Braͤt sie mir drei, Ißt sie mir zwei, Um ein einziges Voͤglein Treib ich kein Verraͤtherei. Mein Schaͤtzlein hat gesagt, Ich soll sein gedenken, Er woͤllt mir auf den Abend Drei Kuͤßlein auch schenken; Schenkt er mir drei, Bleibts nicht dabei, Was kuͤmmert michs Voͤglein, Was schiert mich das Ey. Dae schwere Koͤrblein . (Musikalisch Rosengaͤrtlein.) S ag mir o Maͤgdelein, was traͤgst im Koͤrbelein So schwer und dich bemuͤhest? Es ist ein Knaͤbelein, der hat das Herze mein So oftmals sehr betruͤbet, Drum muß er jezt thun henken, Im Korbe und sich kraͤnken, Bis daß er faͤllt hindurch. Ich sprach o Maͤgdelein, thu doch genaͤdig seyn, Und nicht so grausam tobe, Laß heraus das Knaͤbelein, und rett das Leben sein, Es bringt dir sonst kein Lobe, Wenn du ihn laͤßt verderben, Und gar in Unmuth sterben, Folg mir, ich rath es dir. Billig waͤr es daß du, anziehest seine Schuh, Und tretest an seine statt, So wollt ich tragen dich, im Korbe saͤuberlich, Daß dir widerfuͤhr kein Schad! Hiemit nahm ich das Koͤrbelein, Und rettete das Knaͤbelein, Sezt drein die Jungfrau fein. Laß mir doch jezt der Weil, und mit mir nicht so eil, Sprach sie mit Ungemache, Nein nein, sprach ich zu ihr, ich will nicht folgen dir, Weil gut ist jezt die Sache, Und mußt also thun henken, Im Korbe und dich kraͤnken, Bis du erloͤset wirst. Uebersichtigkeit . (1560-1600.) S choͤn waͤr ich gern, das bin ich nicht, Fromm bin ich wohl, das hilft mir nicht; Geld hilft mir wohl, das hab ich nicht, Darum bin ich kein Buhler nicht. Schoͤnheit hilft mir wohl zur Buhlerey, Schoͤne Gestalt macht stolz darbey; Dich nicht verlaß auf schoͤne Gestalt, Daß du nicht in Verfall koͤmmst bald. Wenn ich schoͤn waͤr, und haͤtt viel Geld, Waͤr ich der beste in der Welt; Dieweil ich aber solches nicht haben kann, So muß ich im Elende bleiben stahn. Froͤmmigkeit hat einen schlechten Platz, Geld ist doch der Welt bester Schatz, Froͤmmigkeit hilft nichts zur Bulerei, Darum mir dasselbig verboten sey. Haͤtte ich solches alles drei, So waͤr mir geholfen frey; Geldswerth hilft noch wohl, Liebe ein jeder, was er lieben soll. Froͤmmigkeit hat einen rechten Schein, Geldswerth ist auch wohl fein, Schoͤn Gestalt halt dich nur werth, Dieweil du lebest auf dieser Erd. Kennst die bewegliche Drei du noch nicht und der Viere Gebilde , Wahrlich , so wollt es der Gott , findest du nimmer die Eins . (Zur Beruhigung einer gewissen Kritik, die immer wissen muß, ob etwas wirklich alt sey, um zu fuͤhlen, daß es schoͤn sey, wird hier bemerkt, daß dieses Lied unveraͤndert abgedruckt.) D ie 4 heilige 3 Koͤnig mit ihrem Steara, Der Casper, der Melchar, der Baltes, der Beara, Sie seaga de' nagelnuia Steara, Potz Blitz! s' wird g'wiß was Nuis draus weara. Sie stiefla, sie waidle, sie fuͤlla de Bauch, Und springa, wie d' Schelma, zum Staͤdtle hinaus. Und do sie sain kuma fuͤrs Herodes sei Thuͤr, Herodes der Koͤnig trat selbsta herfuͤr. Ey, wo koͤmmt ihr her in so schneller Uyl? Sizt any aufs Baͤnkli, und g'ruhet a Wuyl. Mie koͤnna nit gruahga, mie han nit de Wuyl. Mie muͤasse huͤnt noch fuͤnfhalba Muͤyl. Ey woruma koͤnnt' ir nit g'ruahga, es thut jo nit Nauth, I will uͤch vor gea a Kaͤß und a Brout. Mer moͤaga kui Kaͤs, mer moͤaga kui Brout, Mer muͤssa gau gea, s' thut werli gau Nauth. Ey moͤagat er kui Kaͤs, so fraͤsset e Dreck, Un schaͤrt i ins Teufels paar Daza a weg. Und do mer sin koͤmme uͤbers Staͤdle hinaus, Denka mer, blos es der Herodes da Hobel fein aus. Und do mer sin komma ge Betlahai, So sind a mirs Kindli aͤ Mueters allai. Und do mer im han brunge Butter, Nuß, und a Milach, Hats Kindli klo bizli druf aini gschilacht. Sankt Joseph nahm waioli die Wiege-Schnuar, Und macht go dem Kindli a Gugel fuar. Do stundes en Engeln hinter der Thuͤr, Und both es a Muͤmfeli Brout herfuͤr. — Jez sin mer halt gestorben, und leabe nimmai, Und liega zua Koͤlla am Bodasai. Lebewohl . (Muͤndlich) M orgen muß ich weg von hier, Und muß Abschied nehmen O du allerhoͤchste Zier, Scheiden das bringt Graͤmen. Da ich dich so treu geliebt, Ueber alle Maaßen, Soll ich dich verlassen. Wenn zwei gute Freunde sind, Die einander kennen, Sonn und Mond bewegen sich, Ehe sie sich trennen. Noch viel groͤßer ist der Schmerz, Wenn ein treu verliebtes Herz In die Fremde ziehet. Dort auf jener gruͤnen Au Steht mein jung frisch Leben, Soll ich dann mein Lebelang In der Fremde schweben? Hab ich dir was Leids gethan, Bitt dich, wolls vergessen, Denn es geht zu Ende. Kuͤsset dir ein Luͤftelein Wangen oder Haͤnde, Denke daß es Seufzer seyn, Die ich zu dir sende, Tausend schick ich taͤglich aus, Die da wehen um dein Haus, Weil ich dein gedenke. Das wunderthaͤtige Mannsbild . (*** Galliarden von Nost. 2 Th. 1593.) D ie Tochter bat die Mutter schoͤn, Sie moͤchte in die Kirche gehn, Die Bilder anzubeten, Denn sie jezt große Heiligkeit Inbruͤnstig haͤtt betreten. O Tochter das war gar verrucht, Die Schrift ein solches Thun verflucht, Gottes Wort allein sollst hoͤren; Das kann dir geben Trost und Freud, Die Bilder thun bethoͤren. Das Bild o liebste Mutter mein, Das mich zieht in die Kirch hinein, Ist nicht von Holz formieret; Es ist ein schoͤner stolzer Knab, Sein Leib gar wohl gezieret. Solch lebend Bild die Kraft jezt han, Ziehn in die Kirch manch Frau und Mann, Wenn sich die Augen drehen, Das man also verstehen kann, Manch Wunder ist geschehen. O Himmel , was hab ich gethan . D as Klosterleben ist eine harte Pein, Weil ich ohn mein Liebchen muß seyn; Ich habe mich drein ergeben zur Zeit, Den Orden ertrag ich mit Schmerz und mit Leid. O Himmel, was hab ich gethan? Die Liebe war schuldig daran. Und komm ich am Morgen zur Kirche hinein, So sing ich die Metten allein; Und wenn ich das Gloria patri da sing, So liegt mir mein Herzallerliebster im Sinn. 3. Band . 3. Ach Himmel, was hab ich gethan? Die Liebe ist schuldig daran. Des Mittags wenn ich zum Essen hin geh, So find ich mein Tischlein allein; Da eß ich mein Brod und trinke mein Wein, Ach koͤnnt ich bei meinem lieb Schaͤtzelein seyn. O Himmel, was hab ich gethan? Die Liebe ist schuldig daran. Des Abends, wenn ich nun schlafen da geh, So find ich mein Bettlein ja leer; Da greif ich bald hin, da greif ich bald her, Ach wenn ich bei meinem Herzliebsten doch waͤr! Ach Himmel, was hab ich gethan? Die Liebe ist schuldig daran. Da koͤmmt ja mein Vater und Mutter auch her, Sie beten wohl fuͤr sich allein; Sie haben bundfaͤrbige Roͤcklein auch an, Und ich, ich muß in dem Kuttenrock stahn. Ach Himmel, was hab ich gethan? Die Liebe ist schuldig daran. Die gute Sieben . (Muͤndlich.) E s war einmal ein junger Knab, Der liebt sein Schaͤtzlein sieben Jahr, Wohl sieben Jahr und noch vielmehr, Die Lieb, die nahm kein Ende mehr. Er liebte des Bauers Toͤchterlein, Auf Erden konnte nichts Schoͤnres seyn; Die Knaben gingen ihm um sein Haus: „Ach Bauer geb uns dein Tochter heraus.“ „Ich geb die Tochter nicht heraus, „Ich geb ihr kein Geld, ich geb ihr kein Haus; „Ich kaufe ihr ein schwarzes Kleid, „Das soll sie tragen zur Kirch und zum Leid,“ Da reist der Knabe ins Niederland, Da ward ihm sein Herzallerliebste krank; Die Botschaft ihm kam krank auf den Tod, Drey Tag und drey Nacht redt sie kein Wort. Und als der Knab die Botschaft hoͤrt, Daß sein Herzliebste so krank da waͤr; Da ließ er gleich sein Hab und Gut, Und schaut, was sein Herzallerliebste thut. Und als er in die Stub hinein kam, Sein Herzallerliebste auf den Tod war krank: „Seyst du mir willkommen getreuer Schatz, „Der Tod will jezt wohnen an deinem Platz.“ „Gruͤß Gott, gruͤß Gott liebs Schaͤtzelein, „Was machst du hier im Bettelein? „Dank Gott, dank Gott, mein lieber Knab, „Mit mir wirds heissen fort ins Grab. „Nicht so, nicht so mein Schaͤtzelein, „Die Lieb und Treu muß laͤnger seyn; „Geht gschwind, geht gschwind und holt ein Licht, „Mein Schatz der stirbt, daß niemand sieht.“ Was zog er aus seiner Tasche mit Fleiß, Ein Aepfelein das war roth und weiß, Er legts auf ihren weis rothen Mund, Schoͤn Schaͤtzl, bist krank, werd wieder gesund. Er wollt sie legen in seinen Arm, Sie war nicht kalt, sie war nicht warm; Sie thut ihm in seinen Arm verscheiden, Sie thut eine reine Jungfrau bleiben. Was zog er aus der Tasche sein, Von Seide war es ein Tuͤchlein fein; Er trocknet damit sein Auge und Haͤnd, Ach Gott wann nimmt mein Trauren ein End. Er ließ sich machen ein schwarzes Kleid, Er trugs wegen seiner Traurigkeit, Wohl sieben Jahr und noch viel mehr, Sein Trauren das nahm kein Ende mehr. Spinnerlied . (Muͤndlich.) S pinn, Maͤgdlein, spinn! So wachsen dir die Sinn, Wachsen dir gelbe Haar, Kommen dir die kluge Jahr! Ehr, Maͤgdlein, ehr Die alte Spinnkunst sehr; Adam hackt und Eva spann, Zeigen uns die Tugend-Bahn. Lieb, Maͤgdlein, lieb Der Hanna ihren Trieb; Wie sie mit der Spindel kann Naͤhren ihren blinden Mann. Preiß, Maͤgdlein, preiß Der Mutter Gottes Fleiß; Diese heilge Himmelskron Spann ein Roͤcklein ihrem Sohn. Sing, Maͤgdlein, sing, Und sey fein guter Ding; Fang dein Spinnen lustig an, Mach ein frommes End daran. Lern, Maͤgdlein, lern, So hast du Gluͤck und Stern; Lerne bei dem Spinnen fort Gottes Furcht und Gotteswort. Glaub, Maͤgdlein, glaub, Dein Leben sey nur Staub; Daß du koͤmmst so schnell ins Grab, Als dir bricht der Faden ab. Lob, Maͤgdlein, lob, Dem Schoͤpfer halte Prob; Daß dir Glaub und Hoffnung wachs, Wie dein Garn und wie dein Flachs. Dank, Maͤgdlein, dank Dem Herrn, daß du nicht krank, Daß du kannst fein oft und viel Treiben dieses Rockenspiel. Dank, Maͤgdlein, dank. Lied des Verfolgten im Thurm . (Nach Schweizerliedern.) Der Gefangne . D ie Gedanken sind frey, Wer kann sie errathen; Sie rauschen vorbei Wie naͤchtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, Kein Jaͤger sie schiessen; Es bleibet dabey, Die Gedanken sind frey. Das Maͤdchen . Im Sommer ist gut lustig seyn, Auf hohen wilden Heiden, Dort findet man gruͤn Plaͤtzelein, Mein Herzverliebtes Schaͤtzelein, Von dir mag ich nicht scheiden. Der Gefangne . Und sperrt man mich ein Im finstern Kerker, Dies alles sind nur Vergebliche Werke; Denn meine Gedanken Zerreissen die Schranken, Und Mauern inzwey, Die Gedanken sind frey. Das Maͤdchen . Im Sommer ist gut lustig seyn, Auf hohen wilden Bergen; Man ist da ewig ganz allein, Man hoͤrt da gar kein Kindergeschrey, Die Luft mag einem da werden. Der Gefangne . So sey es wie es will, Und wenn es sich schicket, Nur alles in der Still; Und was mich erquicket, Mein Wunsch und Begehren Niemaud kanns mir wehren; Es bleibet dabei, Die Gedanken sind frey. Das Maͤdchen . Mein Schatz du singst so froͤhlich hier, Wies Voͤgelein in dem Grase; Ich steh so traurig bey Kerkerthuͤr, Waͤr ich doch todt, waͤr ich bey dir, Ach muß ich denn immer klagen. Der Gefangne . Und weil du so klagst, Der Lieb ich entsage, Und ist es gewagt, So kann mich nicht plagen, So kann ich im Herzen Stets lachen, bald scherzen; Es bleibet dabey, Die Gedanken sind frey. Spinnerlied . (Muͤndlich.) S pinn, spinn meine liebe Tochter, Ich kauf dir ein paar Schuh. Ja, ja meine liebe Mutter, Auch Schnallen dazu; Kann warlich nicht spinnen, Von wegen meinem Finger, Meine Finger thun weh. Spinn, spinn, meine liebe Tochter, Ich kauf dir ein paar Struͤmpf. Ja, ja meine liebe Mutter, Schoͤn Zwicklen darin; Kann wahrlich nicht spinnen, Von wegen meinem Finger, Mein Finger thut weh. Spinn, spinn, meine liebe Tochter, Ich kauf dir einen Mann. Ja, ja meine liebe Mutter, Der steht mir wohl an; Kann wahrlich gut spinnen, Von all meinen Fingern, Thut keiner mir weh. Spruch vom Gluͤck . (Docens Miscellanen I. S. 282.) I ch sag, wems Gluͤck wohl pfeifet, Der mag wohl lustig tanzen, Wems Gluͤck zum Wuͤrfel greifet, Gewinnt oft manche Schanzen, Mit Freuden mag rumschwanzen. Wems Gluͤck das Hoͤrnel blaͤßt, Der faͤngt, wenn andre jagen, Gluͤck, wem das Feld du saͤest, Der mag Getreid heim tragen, Und niemand darf drum fragen. Wems Gluͤck, ist Keller, Koch, Der trinkt, wenn ihn thut duͤrsten, Ißt, wenn ihn hungert noch, Nach Gluͤck oft gleich thut buͤrsten, Dem Bettler, wie den Fuͤrsten. Wenns Gluͤck das Faͤhnlein schwingt, Da giebts gut Beut und Kriegen, Wenns Gluͤck dem Buhler singt, Da ist gut Kinder wiegen, Galanisieren und Lieben. Doch jeder ist der Schmidt Des eignen Gluͤcks allzeiten, Wer wohl gebettet sich, Der lieget auch in Freuden, Ob man ihn gleich thut neiden. Dein Gluͤck stieht nicht vor dir, Was dir auf Erd beschaffen, Schau nur, wenns vor der Thuͤr, Daß dus nicht thust verschlafen, Brauch Mittel, Zeit und Waffen. Gimpelgluͤck . (Postiglionder Lieb. XXIII. ) I ch that einmal spazieren gehn, Da hoͤrt ich also singen schoͤn Der Voͤglein viel und mancherlei, Ganz lieblich war ihr Melodei; Da kam ich auch zu einem Nest, Das war geziert aufs allerbest, Konnt mich aber nicht richten drein, Was doch dies fuͤr ein Nest moͤcht seyn. Nahm mir drum also wohl der Weil, Ei da sah ich im Nest ein Cuk, Dieselb erzeigt sich schoͤn geziert, Groß und klein Voͤgelein sie vexirt, Des muß ich mirs lachen in Still, Dieweil deren warn vorhanden viel, Und jeder wolt der Naͤchste seyn, Und durft doch keiner ins Nest hinein. Endlich gar bald ich einen ersah, Der zu dem Nest gieng dreist und nah, Und dieser flog geschwind hinein, Ich dacht bei mir: Wer mag dies seyn? Daß es ohn Scheu der andern alle, Der Eulen also wohl that gefallen, An Federn ich ihn gleich erkannt, Daß er der Gimpel ward genannt. Wie ihr nun weiter hoͤren werdt, Vom Gimpel, der ist lobenswerth, Drum will ich jezt verhalten nicht Sein Lob in diesem kleinen Gedicht: Der Gimpel ist ein Vogel schon, Der naͤchste bei den Eulen dran; Kein andrer darf sich nahen frey, Hin zu dem Nest, wer es auch sey. Du Gimpel aber magst nach Lust Bei der Eule seyn ganz wohl bewußt; Drum ich forthin werd haben keine Ruh, Bis daß ich ein Gimpel werd wie du; Kein schoͤnern Gimpel sah ich nie, Denn dich jezt gegenwaͤrtig hie, Von Art bist du ganz wohl geziert, Gleichwie eim Gimpel sich gebuͤhrt. Magst darum wohl ein Gimpel bleiben, Denn dich wohl keiner wird vertreiben, Dessen darfst dich doch fuͤrchten nicht, Denn dies wohl nimmermehr geschicht, Ihr rechter Gimpl du bist allein, Den sie vor andern liebt gemein, Auch wegen deines suͤßen Gesangs, Bleibst du ein Gimpel dein lebenlang. Drum billig bist du lobenswerth, Du bleibst ein Gimpel wohl heur als sehr, Wie gern wolt ich ein Gimpel seyn, Damit ich duͤrft ins Nest hinein, Ob dich schon vexirt jedermann, So laß nur Red vor Ohren gehn, Gedenk in deinem Sinn allzeit, Wer dir nichts geit laß dich ung'heit. (ungeschoren.) So bleibst du recht ein Gimpel allein, Und fleugst mit ihr wohl aus und ein, Bei deiner liebsten Eulen zart, Ein rechter Gimpel bist von Art; Wuͤnsch dir hiermit viel guter Nacht, Zu Ehre sey dir dies Lied gemacht; Drum lieber Gimpel sey nur verliebt, Ich bin nicht boͤs und nicht betruͤbt. Ich stand an einem Morgen . (Hundert und funfzehn neue Lieder. Nuͤrnberg 1544. Johann Ott Buch- drucker Seite 73.) I ch stand an einem Morgen Heimlich an einem Ort, Da haͤtt ich mich verborgen, Ich hoͤrt klaͤgliche Wort, Von einem Fraͤulein huͤbsch und fein, Sie sprach zu ihrem Buhler, Es muß geschieden seyn. Herzlieb, ich hab vernommen, Du wilt von hinnen schier, Wann wilt du wieder kommen, Das sollst du sagen mir, Merk mein Feinslieb, was ich dir sag, Mein Zukunft thust du fragen, Ich weiß weder Stund noch Tag. Das Fraͤulein weinet sehre, Ihr Herz war Trauren voll: „So gieb mir weis und Lehre „Wie ich mich halten soll, „Fuͤr dich sez ich mein Hab und Gut, „Und willst du hier nun bleiben, „Ich verehr dich in Jahr und Tag. Der Knab der sprach aus Muthe, Dein Willen ich wohl spuͤr, Verzehr ich dir dein Gute, Ein Jahr ist bald dahin, Ich will dich zaͤrtlich bitten, Setz du dein Willen drein. Das Fraͤulein das schreit Morde! Mord uͤber alles Leid: „Mich kraͤnken deine Worte, „Herzlieb nicht von mir scheid; „Fuͤr dich setz ich mein Gut in Ehr, „Und sollt ich mit dir ziehen, „Kein Weg ist mir zu fern.“ Ich stand an einem Morgen . (Gassenhauer geistlich, von Knaus. S. 28.) 2. I ch stand an einem Morgen Heimlich an einem Ort, Da hielt ich mich verborgen, Ich hoͤrt klaͤgliche Wort, Von einem frommen Christen fein, Er sprach zu Gott seinem Herrn: Muß denn geliten seyn? Herr Gott ich hab vernommen, Du willt mich lassen schier, In viel Anfechtung kommen, Thut nicht gefallen mir. Merk maͤnnlich auf, was ich dir sag, Thu dich nicht hart beklagen, Ein Christ muß haben Plag. Der fromm Christ weinet sehre, Sein Herz war unmuthsvoll, So gieb mir Weis und Lehre, Wie ich mich halten soll, Der Glaub ist schwach und kalt in mir, Mein Fleisch will mich verfuͤhren, Daß ich soll weichen von dir. Gott sprach, lachend zu muthe, Dein Willen ich wohl spuͤr, Du wollst wohl han das gute, Wenns dir nicht wuͤrde saur, Wer aber will mit mir han Theil, Muß alles fahren lassen, Viel Gluͤck ist ihm nicht feil. Der fromme Christ schrie morde, Mord uͤber alles Leid, Mich schrecken deine Worte, Herr Gott mach mich bereit, Ich wollt doch alles tragen gern, Die Weltlust gerne hassen, Sie lassen von mir fern. Gott sprach: ich thu dich zuͤchten, Hab nur ein guten Muth, Und thu mich allzeit fuͤrchten, Erkauft bist mit mein'm Blut; Daran gedenk mit ganzem Fleiß, All die ich fast thu lieben, Straf ich, das ist mein Weis. Da kehrt Gott ihm den Ruͤcken, Er redt zu ihm nicht mehr, Der arm Christ thaͤt sich schmuͤcken In einem Winkel leer; Er weint aus der massen viel: „Dem Herrn im Creutz aushalten, „Das ist kein Kinderspiel.“ 3. I ch stand an einem Morgen: mein wo? Hat dich niemand gesehen? Warum? Vor wem? von wem? wer war sie dann? Ists vielleicht die breite Gretha gewesen? Was hat sie dann gesagt? Gluͤck zu, Gluͤck zu, Gluͤck zu wohl auf die Reiß. Gluͤck der Schlemmer . (Blum und Ausbund allerhand auserlesene zuͤchtiger Lieder. Deventer 1602. 12. Der Sammler ist Paul von der Aelst. Mitgetheilt von H. H. Eschenburg.) E s steht ein Baum in Oesterreich, Der traͤgt Muskaten Blumen; Die erste Blume, die er trug, Die brach ein's Koͤnigs Tochter. Darzu so kam ein Reuter gegangen, Der freit des Koͤnigs Tochter; Er freit sie laͤnger denn sieben Jahr, Er konnt sie nicht erfreien. Laß ab, laß ab du junger Knab, Du kannst mich nicht erfreien; Ich bin viel besser geborn denn du, Von Vater und auch von Mutter. Bist du viel besser geborn, denn ich, Von Vater und auch von Mutter, So bin deines Vaters gedingter Knecht, Und schwing dem Roͤßlein sein Futter. Bist du mein's Vaters gedingter Knecht, Und schwingst dem Roͤßlein sein Futter; So giebt dir mein Vater auch großen Lohn, Damit laß dir genuͤgen. Den großen Lohn, den er mir giebt, Der wird mir viel zu sauer; Wenn andre zum Schlafkaͤmmerlein gehn, So muß ich zu der Scheuer. Des Nachts wohl um die halbe Nacht, Das Maͤgdlein begunnt zu trauren; Sie nahm ihre Kleider untern Arm, Und gieng wohl zu der Scheuer. Des Morgens da der Tag anbrach, Die Mutter begunnt zu rufen; Steh auf, steh auf, du gedingter Knecht, Und gieb dem Roß das Futter. Das Futter, das ich ihm geben will, Das liegt in meinen Armen, Nechten Abends war ich euer gedingter Knecht, Euer Eidam bin ich worden. Daß du mein Eidam worden bist, Deß muß sich Gott erbarmen! Ich hab' sie Rittern nnd Grafen versagt, Dem Schlemmer ist sie worden! 3. Band . 4. Dem Schlemmer, dem sie worden ist, Der kann sie wohl ernaͤhren; Er trinkt viel lieber den kuͤhlen Wein Denn Wasser aus dem Brunnen, Der uns dies neue Liedlein sang, Er hat's gar wohl gesungen; Er ist dreimal in Paris gewesen, Und immer wieder kommen. Laͤndlich , sittlich . (Abele kuͤnstliche Unordnung, IV. S. 412. Alte Buchhaͤndleranzeige von einem Classiker? ‒) E in schoͤnes Jungfraͤulein, die von geschickten Sitten Wird in die Stadt gefuͤhrt, zu Markt auf einem Schlitten, Der lieblich glaͤnzt und prahlt mit Blumen, Laub und Kraut, Der schoͤnste Rosmarin beschmuͤckt die junge Braut; Die Pferde sind gepuzt, und freudig ausgezieret Mit Rosen uͤberall, und der die Jungfrau fuͤhret, Kommt gruͤn bekroͤnt daher, er treibet nach Gebuͤhr Die stolzen Hengste fort, sie tanzen fuͤr und fuͤr. Beim Schlitten gehn zu Fuß drei und noch vier Jung- frauen, Die nimmer ihren Leib den groben Gaͤsten trauen; Die streuen Palmen aus, und sonsten ander Kraut, Zur Ehr und suͤssen Lust der wunder schoͤnen Braut. So faͤhrt der Schlitten her, auf Palmen und Zeitlosen, Und kehrt sich niemals um, als auf gestreuten Rosen, So sizt die junge Braut mit Blumen wohl bestreut, Dies ist die hoͤchste Ehr in ihrer jungen Zeit. Fuͤnf Meister, wohl geuͤbt, die Stimmen einzuzwingen, In Floͤten, Lautenklang, wenn sie aufs beste klingen, Die spielen auf der Laut, und sonst ein Iustrument, Auf welchen suͤssen Thon ein jeder kommt gerennt, Ja alles Volk kommt frisch her zu den Schlitten springen, Sie schoͤpfen Freud und Lust aus allen schoͤnen Dingen. Doch was dem lieben Volk am treflichsten behagt, Das ist das schoͤne Bild, das ist die junge Magd. Wann dieser Zierrath nun ist auf den Markt gekommen, Und eine Menge Volks, den Schauplatz eingenommen, So trit der Ruffer auf hart bei der jungen Braut, Und faͤllt die Jungfrau an, und ruft so uͤberlaut: Kommt her ihr jungen Leut, ihr frische junge Knaben, Wer eine Labung sucht, das Bild das kann ihn laben. Wer Schoͤnheit sucht, der komm, und biethe Geld dafuͤr, Dies ist ein schoͤnes Bild, von recht erwuͤnschter Zier, Kommt hie und kauft das Bild, kommt, kommt ihr jun- gen Leute, Hie ist ein Lilienherz, wohl! dem es wird zur Beute, Hie ist ein Roͤselein, von keinem nicht gepfluͤckt, Von niemand angeruͤhrt, von keinem unterdruͤckt, Hie ist ein rother Mund, hie ist ein ehrbar Wesen, Hie ist ein schoͤner Schatz, von tausend auserlesen, Hie ist ein treues Herz, hie ist ein junger Leib, Hie ist fuͤr euer Lieb ein ehrlich Zeitvertreib, Hie ist ein wackres Aug, und Rosen gleiche Wangen, Hie ist das schoͤnste Haar, der Menschen Herz zu fangen, Hie ist ein edel Pfand, das einem frischen Mann Die ganze Lebenszeit, zur Freude dienen kann. Was ist ein schoͤnes Weib, mit lieblichen Geberden? Es ist ein Paradies, ein Himmel auf der Erden, Es ist ein Augentrost, und eine stete Freud, Es ist ein sanfter Ort, und Port fuͤr junge Leut, Was ist ein haͤßlich Weib? Ein Ungeheur im Hause, Medusen Schlangenhaupt, das immer lebt im Sause, Wer solcher einmal sich hat ehelich verpflicht, Wie klar die Sonn auch scheint, doch ist er ohne Licht. So ruft der Ruffer aus, die Jugend tritt entgegen, Biet Geld, Geld uͤber Geld, weil ihr daran gelegen, Und wenn man dann zulezt nicht hoͤhern Vortheil spuͤrt, Wird dem, ders Meiste bieth, die Jungfrau zugefuͤhrt. Und dann ruft alles Volk, ein gluͤcklich langes Leben, Muß Gott der neuen Braut, und ihrem Liebsten geben, Und solches siebenmahl, ja endlich setzt sich auch Der Kaͤufer bei ihr auf, nach ihres Lands Gebrauch, Dann fahren sie zur Kirch, und fangen an zu beten, Wann dieses dann geschehn, so kommt er her getreten, Umarmet sie, und wenn er sie nach Haus gebracht, Genießt er drauf mit Lust, wornach er hat getracht. Schlittenfahrt . (Eingesandt.) D aß uns der Winter nicht steht will seyn, Des trauren die Maͤdlein gar sehre; Weil uns der Schnee nit bleiben will, Und ander gut Gesellen mehre. Heut ist trocken, morgen ist naß, Da hat uns der Teufel den Winter herbracht; Der Winter thut sich biegen, Die Lerchen thun sich schmiegen, Die Schlitten thun sie uͤben. Ach feins mein Lieb, so sey mir hold, Um Eins will ich dich bitten, Kauf du mir ein gespiegeltes Roß, Dazu ein gemahlten Schlitten. So fahren wir mit Schallen, So fahren wir mit Schallen, So fahren wir mit Schallen, Die Gaͤßlein allenthalben, Feinslieb, laß dirs gefallen. Ach feins mein Lieb, so spar mich nit, Ich bin darzu gewachsen. Nimm nur dein Muͤfflein in die Hand, Ich schau dir uͤber die Achsel, Weiß zugeschneites Osterlamm, Mein Roͤßlein rasselt mit dem Kamm, So fahren wir mit Schallen, Die Gaͤßlein allenthalben, Feins Lied laß dirs gefallen. Ach feins mein Lieb, nun spitz die Fuͤß, Wohl auf mit mir zum Tanze, Zieh mir die Raͤdlein um und um, Mit deinem Schleppenschwanze; Und schwenkst du mirs nit in die Sporn, Setz ich ein Kranz dir auf die Ohr'n, So fahren wir mit Schallen Die Gaͤßlein allenthalben, Feins Lieb laß dirs gefallen. Ob einer kaͤm, der murren wollt, Wir wollen nichts drum geben, Es muß vorbei gestochen seyn, Und kost es Leib und Leben, So fahren wir uͤber die Heide, So fahren wir uͤber die Heide, So fahren wir uͤber die Heide, Wohl manchem Mann zu Leide, Feins Lieb, ich muß mich scheiden. Schoͤn Daͤnnerl . (Fliegendes Blat.) B in ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Schleuß Federn; Da kommen die Jaͤgerbursch all Wollens lernen. Geht nur all ihr Gesellen, Ihr koͤnnt euch nicht anstellen: Ich bin das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Und bleib das schoͤn Daͤnnerl allemal. Bin ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Strick Baͤndlein; Da kommen die Schreibersbuben, All wollen taͤndeln. Ich laß euch nicht taͤndeln, Mit meinem Vortuchbaͤndlein: Ich bin etc. Bin ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Eß Zucker; Da kommen die Schubladenbuben all, Wollen kucken: Geht, laßts euch vergehen, Ich laß euch nichts sehen. Ich bin etc. Bin ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Strick Socken; Da kommen die Gassenbuben all, Wollen locken. Geht, reist, ich mag nicht spielen, Ihr seyd mir zu viele: Ich bin etc. Bin ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Thu giessen; Da kommen die Schuͤtzenbursch all, Wollen schiessen. Geht, lasset das nur bleiben, Mein Blumen sind kein Scheiben: Ich bin etc. Bin ich das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Thu lieben; Da komnten Studentenbursch all Mit den Hiebern. Ja ja ihr meine Herren, Ich will euch nicht aussperren: Ich bin das schoͤn Daͤnnerl im Thal, Und bleib das schoͤn Daͤnnerl allemal. Bei Nacht sind alle Kuͤhe schwarz . B ei der Nacht ist so finster im Weg, Man sieht weder Bruͤcke noch Steg, Weder Stock noch Stein, Man stoͤßt sich ans Bein, Drum geh ich nicht gern allein. Bei der Nacht ist meine Frau auch so schoͤn, Bei Nacht mag ich nicht mit ihr gehn. Bei der Nacht so schoͤn! Kanns gar nicht verstehn, Mag halters nicht mit ihr gegehn. Und wann ich wieder heurathen thu, So nehm ichs Laternel dazu; Da sieht man beim Licht, Doch was einer kriegt, Eine Wuͤste, die mag ich mehr nicht. Und wenn ich ein Kindelein krieg, So muß es so schoͤn seyn als ich, Sonst g'hoͤrt es nicht mein, Ich gehs halt nicht ein, Es muß wie ich so schoͤn seyn. Bei der Nacht hat mich oft was gefreut, Ich denk halt, 's giebt noch mehr so Leut, Da schlaͤft man in Ruh, Und deckt sich brav zu, Es geht, ich weiß selber nicht wuh! Den dritten thu ich nicht nennen . (Muͤndlich.) M ein Buͤbli isch e Stricker, Er strickt e manche Nacht, Er strickt an einer Haube, Haube, Haube, Sisch noch nit ausgemacht. Von Seiden isch die Haube, Von Sammet isch die Schnur, Bisch du ein wackres Maͤdle, Maͤdle, Maͤdle, Bind du dein Haͤrle zu. Ach nein, will sie nit binden, Wills noch mehr fliegen lahn, Bis ander Jahr im Sommer, Sommer, Sommer, Will zu dem Tanze gahn. Mit Freuden zu dem Tanze, Mit Trauren wieder heim, So geht es jedem Maͤdle, Maͤdle, Maͤdle, Und nit nur mir allein. Dort droben auf jenem Berge, Da steht ein schoͤnes Haus, Da schauen alle Morgen, Morgen, Morgen, Drey schoͤne Herren raus. Der Erst der ist mein Bruder, Der Zweite geht mich an, Den Dritten thu ich nicht nennen, Nennen, nennen, Der ist euch wohl bekannt. Und unten an dem Berge, Da geht ein rothe Kuh. Wenn sie die Magd thut melken, Melken, melken, Schaun ihr die Herren zu. Sie thaͤt die Milch verschuͤtten, Mit Wasser fuͤllt sie zu: Ach Mutter, liebe Mutter, Mutter, Mutter, Die Milch giebt unser Kuh. Wir wollen die Kuh verkaufen, So kommt der Gstank vom Haus; So koͤnnen huͤbsch die Herren, Herren, Herren Spazieren um unser Haus. Und druͤben an dem Berge, Da stehn zwey Baͤumelein, Das eine traͤgt Muskate, Muskate, Muskate, Das zweyt braun Naͤgelein. Muskatennuß sind suͤße, Braun Naͤglein die sind raͤß (scharf), Die geb ich meinem Liebchen, Liebchen, Liebchen, Daß es mich nicht vergeß. Hab deiner nie vergessen, Hab alle Zeit an dich gedenkt; Du liegst mir stets am Herzen, Herzen, Herzen, Wie d'Ros' am Stiele haͤngt. Dort unten auf der Wiese, Da geht ein Muͤhlen Rad, Das mahlet nichts als Liebe, Liebe, Liebe, Vom Abend bis zum Tag. Das Muͤhlenrad isch brochen, Die Lieb hat noch kein End; Und wann zwey Liebchen scheiden, Scheiden, scheiden, So geben sie sich die Haͤnd. Ach Scheiden uͤber Scheiden, Isch gar ein bittres Kraut; Wann ich wuͤßte, wo es wuͤchse, Wuͤchse, wuͤchse, Wollt graben Wurzel raus. Grab raus, grab raus mit Freuden, Und nimm sie mit dir heim; Leg sie in dein Schlafkaͤmmerlein, Schlafkaͤmmerlein, So hast du Wuͤrzelein. Bienenlied . (Fliegendes Blat.) E in Liedlein will ich singen, Vom Honigvoͤgelein, Die hin und her sich schwingen, Wie bunte Blumen seyn. Das Voͤlklein in dem Gruͤnen, Es schmauset auf der Weid, Ich singe von den Bienen, Auf dieser freien Haid. Der Winter haͤlt gefangen Das zarte Jungfernvolk, Bis daß der Schnee vergangen, Frost, Schauer, Nebelwolk. Und wann die Weste stimmen, Nach linder Lenzen Art, So machen sich die Immen Auf ihre Blumenfarth. Sie ziehen mit der Trummel, Der Stachel weist das Schwerdt; Ihr Brummel und Gehummel Hat niemand noch gefaͤhrdt. Sie nehmen sonder Morden Den zarten Blumenraub, Und ihre Beut ist worden Der Baum und Bluͤthen Laub. Wie sie die Wachsburg bauen, Aus guͤldnem Pergament, Kann niemand nicht beschauen, Ja keines Kuͤnstlers Haͤnd Hat man so sehr bewundert, Die Zimmerchen so gleich, Sechseckigt ist gesondert Das Honigkoͤnigreich. Man sieht sie friedlich leben Ohn Eigennutz und Streit, In steter Muͤhe weben, Zu Lenz und Winterszeit; Sie pflegen einzutrageu Der Blumen Saft und Thau, Und fuͤhren mit Behagen Gesammt den Zuckerbau. Die Schwalben . E s fliegen zwei Schwalben ins Nachbar sein Haus, Sie fliegen bald hoch und bald nieder; Aufs Jahr, da kommen sie wieder, Und suchen ihr voriges Haus. Sie gehen jezt fort ins neue Land, Und ziehen jezt eilig hinuͤber; Doch kommen sie wieder heruͤber, Das ist einem jeden bekannt. Und kommen sie wieder zu uns zuruͤck, Der Baur geht ihnen entgegen; Sie bringen ihm viel mahl den Segen, Sie bringen ihm Wohlstand und Gluͤck. Ein Heller und ein Pfenning Das ist ein kleiner Werth . (Vier Baurenmaͤdchen sammelten sonst mit diesem Liede von Haus zu Haus einiges Geld, um das Muttergottesbild, welches sie bei Pro- cessionen trugen, vorher auszuschmuͤcken, in den rheinischen Doͤrfern Sponheim, Spabruͤck oder Geillesheim.) G ott gruͤß euch all ihr Herren, Und die darinnen sind; Gott troͤst' die betruͤbten Seelen, Die in dem Fegfeuer sind. Wir sind daher gegangen, Wir sind daher gesandt; Wir bettlen fuͤr die Krone, Die noch steht in Himmelshand. Fuͤr einen Schleier heischen wir, Und eine schoͤne Kron; Zu Sponheim in der Kirche Die Maria soll sie han. Maria Koͤniginn, Sie ist eine reine Magd; Sie kann gar treulich bitten, Fuͤr unsre Missethat. Ein Heller und ein Pfenning, Das ist ein kleiner Werth; Maria Koͤniginne, Ist aller Ehren werth' Wir danken fuͤr die Gaben, Die ihr uns habt gethan; Gott wirds an euren Seelen Euch zum Guten lassen stahn. Von alten Liebesliedern . (Venusbluͤmlein von Ambrosius Metzger. Nuͤrnberg 1612.) S pazieren wollt ich reiten, Der Liebsten vor die Thuͤr, Sie blickt nach mir von weitem, Und sprach mit großen Freuden: „Seht dort meines Herzens Zier, „Wie trabt er her zu mir. „Trab Roͤßlein trab, „Trab fuͤr und fuͤr.“ Den Zaum, den ließ ich schiessen, Und sprengte hin zu ihr, Ich thaͤt sie freundlich gruͤssen, Und sprach mit Worten suͤß: „Mein Schatz, mein hoͤchste Zier, „Was macht ihr vor der Thuͤr? „Trab Roͤßlein trab „Trab her zu ihr. Vom Roͤßlein mein ich sprange, Und band es an die Thuͤr, Thaͤt freundlich sie umfangen, Die Zeit ward uns nicht lange, In Garten giengen wir Mit liebender Begier; Trab Roͤßlein trab, Trab leis herfuͤr. Wir sezten uns da nieder Wohl in das gruͤne Gras, Und sangen hin und wieder Die alten Liebeslieder, Bis uns die Aeuglein naß, Wegen der Klaͤffer Haß. Trab Roͤßlein trab, Trab, trab fuͤrbas. Don Juan . (Vergl. Buͤschings und und von Hagens Sammlung.) I ch hatt nun mei Trutschel Ins Herz nei geschlosse, Sie hat mir geschworen, Sie woͤll mich net losse, Da reit mir der Teufel Den Schulzen sei Hans, Der fuͤhrt sie zum Tanz. So gehts wenn die Maͤdcher Zum Tanzboden gehn, Da muß man bald immer In Sorgen bey stehn, Daß sie sich verliebe In andere Knecht, So Maͤdcher sind schlecht. Es schmeckt mir kein Essen, Es schmeckt mir kein Trinke, Und wenn ich soll arbeit, So moͤcht ich versinke; Kurz wenn ich mei Trutschel Net bald wieder seh, So muß ich vergeh. Und wenn ich gestorbe, Ich lat mich begrabe, Und lat mer vom Schriner 3. Band . 5. Zwey Bretcher abschabe, Und lat mer zwey firige Herzer druf mahle. Ich kann sie bezahle. Und lat mer anstimme Die Sterbegesaͤnge: „Da leit nu der Esel „Die quer und die laͤnge, „Der allzeit gesteckt hat in Liebesaffaͤre, „Zu Erde muß wern. Hoͤlzerne Noth . S haͤtt sich mol ener zu mer welle kuͤpple, Haͤts Laͤdel n'in welle kruͤpple, Un als er maint er stoht, Heb ich de Haͤnd bluͤmbe loth, Dazu uf et Mist, Duͤ Hoͤnd der de bist, Jetz westa was Gosategeh ist. Er haͤtt mi au mol zum Tanz welle fuͤhre, Haͤtt welle mit mer agire, Er tanzt wie e Baͤr so toll, Mer maͤnt er haͤtt sich g'soffe voll, Der wuͤst Sapperlot, Er tanzt wie er goht, 'S is glatt e hoͤlzerne Noth. Was waͤre min Kamerade sahe Wenn i so e Stumpe nehm? Gieng i mit am uͤber d'Gaß, D' Lit haͤtte de groͤßte Gespaß, Mit er solche Crot, 'S waͤr e Schand un e Gespott. Des Centauren Tanzlied . (Christoph Demantius Taͤnze. Nuͤrnberg. 1601. S chau gut Gesell, was fuͤhr ich allhier, Schau, was fuͤhre ich allhier, Ein fein braun Maͤgdlein, Guter Ding nach meinem Begier, Wir wollen fein miteinander seyn. Drum sing mir bald ein kleines Taͤnzlein, Ja ein kleines Taͤnzlein, Ich will dirs lohnen, Und dir bringen das Jungfraͤulein, Du mußt ihr aber wohl verschonen. Gleich wie ein hurtig Roͤsselein trabt, Ja ein Roͤsselein trabt, Leis unbeschlagen, Also dies Maͤgdlein zu Tanz gaht, Und springet, huͤpfet ohn Verzagen. Nachtanz . Schau wie er trabt, der wackre Gaul, Auf scharfe Sporn thut er nit harren; Stroh, Heu, dient gar nit fuͤr sein Maul, Bei ihm kann man das alles sparen. Ein reichen Herrn muß es traun han, Der es allzeit so wohl mag warten, Der dies Roͤßlein fein zaͤumen kann, Zu reiten es in seim Lustgarten. Gemachte Blumen . (Muͤndlich.) E s wollt ein Maͤgdlein Wasser holen, Bei einem kuͤhlen Brunnen; Ein schneeweiß Hemdlein hat sie an, Dadurch scheint ihr die Sonne. Sie sah sich um, sie sah sich her, Sie meint, sie waͤr alleine; Da kam ein Reuter daher geritten, Er gruͤßt die Jungfrau reine. Gott gruͤß euch zartes Jungfraͤulein, Wie stehet ihr hier allein; Wollt ihr dies Jahr mein Schlafbuhl seyn? So ziehet mit mir heime. Und euer Schlafbuhl bin ich nicht, Ihr bringt mir dann drei Rosen, Die in der Zeit gewachsen seyn, Wohl zwischen Weihnacht und Ostern. Er reit uͤber Berg und tiefe Thal, Er konnt ihrer keine finden; Er reit wohl vor der Mahlerin Thuͤr: Frau Mahlerin seyd ihr darinnen? Seyd ihr darin, so kommt herfuͤr, Und mahlet mir drei Rosen, Die dieses Jahr gewachsen seyn, Wohl zwischen Weihnachten und Ostern. Und da die Rosen gemahlet waren, Da hub er an zu singen: „Erfreu dich Maͤgdlein, wo du bist, „Drei Rosen thu ich dir bringen. Das Maͤgdlein an dem Laden stund, Gar bitterlich thaͤt sie weinen; Sie sprach: Ich habs im Scherz gered't, Ich meint ihr findet keine! Hast du es nur im Scherz geredt, Gar scherzlich woll'n wirs wagen; Bin ich dein Scherz, bist du mein Scherz, So scherzen wir beid zusammen. Der Brunnen . (Mitgetheilt von Frau von Patberg.) H ab ein Bruͤnnlein mal gesehen, Draus thaͤt fliessen lauter Gold, Thaͤten dort drei Jungfern stehen, Gar so schoͤn und gar so hold. Thaͤten all so zu mir sprechen: Trinkst du aus dem Bruͤnnelein, Kriegt dich einer bei dem Kragen, Wirft dich in den Brunnen n'ein. Ihr schoͤn Jungfern kuͤhnlich glaubet, Will den Durst nicht loͤschen hier, Wenn die schoͤnste mir erlaubet Einen zwoten Kuß allhier. Diese mit den schwarzen Augen Kuͤß ich gern, trau aber nicht; Sie kann nur zum Zancken taugen, Aber zu der Liebe nicht. Diese mit den grauen Augen, Diese falsche mag ich nicht; Kann allein zum Roppen taugen, Krazt den Buhlen ins Gesicht. Diese mit den blauen Augen, Diese kuͤß ich gar zu gern; Diese kann zur Liebe taugen, Diese gleicht dem Morgenstern. Ein warmes Stuͤblein . (Altes Musikbuch.) W ann ich des Morgens fruͤh aufstehe, So ist mein Stuͤblein geheitzet, So kommt mein Lieb, und beut mir einen guten Morgen. Ein guter Morgen ist bald dahin, Gott geb meiner Lieb ein steten Sinn, Dazu ein froͤhlich Gemuͤthe. Verlobung . (Greflingers Rosen und Doͤrner, Huͤlsen und Koͤrner. Hamburg 1655.) H aben die Goͤtter es also versehen, Liebet euch lieblich, ich willige zu, Wollet euch ehrlich und ehlich begehen, Mehren und ehren in lieblicher Ruh. Wiederhall . (Musikalischer Zeitvertreiber. Nuͤrnberg 1609. XLII. ) I n diesem gruͤnen Wald, Wir wollen froͤhlich singen, Hoͤrt wie es wiederhallt, Und froͤhlich thut erklingen. Ach wie ein Lieblichkeit Und holdseliges Leben Die schoͤne Sommerzeit Und helle Sonn thut geben. Dieweil die Voͤgel all In Luft und Freuden schweben; Voraus die Nachtigall Ihr Stimmlein thut erheben. Warum soll uns denn nicht, Der Sang aus uns erfreuen; Hoͤrt Echo widerspricht, Und will uns uͤberschreien. Der Herr vom Himmelsthron Woll seine Gnade geben, Daß wir den Sommer schon Oefter mit Freud erleben. Der wohlgezogene Knecht . E s gieng ein wohlgezogner Knecht Wohl uͤber die breite Aue, Da sah er einen schoͤnen Tanz Von adlichen Jungfrauen; Den Tanz, den wollt er schauen. Da sprach der wohlerzogne Knecht: „Gott gruͤß euch Jungfraun alle!“ Da sprach das Fraͤulein Rosenthal: „Daß dir ein Ohr abfalle, „Eh ich dir wohlgefalle.“ Da sprach der wohlerzogne Knecht: „Ihr seyd ein grobe Maide. Da sprach das Fraͤulein Rosenthal: „Du bist hier auf der Weide „In deinem groben Kleide.“ Da sprach der wohlerzogne Knecht: „Die Rosen immer stechen!“ Da sprach das Fraͤulein Rosenthal: „Laß die zum Kranz mir stehen, „Dir Nesseln wohl anstehen.“ Da sangen die Jungfraͤulein all: Ja Nesseln mußt du schneiden, Die Rosen in dem Rosenthal, Die thust du nur abweiden, Wir tanzen drin mit Freuden. Auch ein Schicksal . (Muͤndlich.) I ch habe mein Feinsliebchen So lange nicht gesehn, Ich sah sie gestern Abend, Wohl vor der Thuͤre stehn. Sie sagt, ich sollt sie kuͤssen, Als ich vorbey wollt gehn; Die Mutter sollts nicht wissen, Die Mutter hats gesehn. Ach Tochter, du willst freyen, Wie wird es dir ergehn; Es wird dich bald gereuen, Wenn du wirst andre sehn. Wenn alle junge Maͤdchen Wohlauf zum Tanzboden gehn, Mit ihren gruͤnen Kraͤnzerchen Im Reihentanze stehn. Dann mußt du junges Weibchen Wohl bey der Wiege stehn, Mit deinem schneeweissen Leibchen, Der Kopf thut dir so weh. „Das Feuer kann man loͤschen, „Des Feuer brennt so sehr; „Die Liebe nicht vergessen, „Je nun und nimmermehr.“ Abschiedsklage . (Bragur I. 170.) A ch in Trauern muß ich leben, Ach! wie hab ichs denn verschuldt? Weil mirs hat mein Schatz aufgeben, Muß ichs leiden mit Gedult. Vater und Mutter, die wollens nicht leiden, Gelt mein Schatz, das weißt du wohl? Du hast recht in allen Sachen, Kannst dein Gluͤck noch besser machen, Weil ich dich nicht kriegen soll. Rosmarin und Lorbeerblaͤtter Verehr ich dir zu guter lezt, Das soll seyn das lezt Gedenken, Weil du mich nochmals ergoͤtzt. Es sind zwey Stern an dem Himmel, Leuchten wie das klare Gold, Der eine leucht zu meim Schaͤtzchen, Der andre durch das finstre Holz. Sind wir oft beisammen gesessen, Manche schoͤne halbe Nacht. Haben wir oft den Schlaf vergessen, Und mit Lieben zugebracht. Morgens wenn ich fruͤh aufstehe, Ist mein Schatz schon aufgeputzt; Schon mit Stiefeln, schon mit Sporen, Giebt er mir den Abschiedskuß! Warnung . (Muͤndlich.) Die Trutschel und die Frau Nachtigall, Die saßen auf einer Linden; „Ach du mein Herzallerliebster Schatz, „Wo werd ich dich Abends finden?“ Wo du mich Abends finden wirst, Des Morgens wirds dich reuen; „Ach du mein Herzallerliebster Schatz, „Was brichst du mir die Treue. Und all dein Treu die mag ich nicht, Will doch viel lieber sterben; Was soll ich dann mein jung frisch Blut An einem Knaben verderben. Ach Maͤdchen behalt deine Ehre fest, Und laß dich nicht betriegen; Denn Geld und Gut ist bald verzehrt, Deine Ehr ist nimmer zu kriegen. Ach Maͤdchen behalt deine Ehre fest, Als wie der Baum sein Aeste; Und wenn das Laub herunter faͤllt, So trauren alle Aestger. Wenn einer dich betrogen hat, So zieh er aus dem Lande, Er steckt die Feder auf sein Hut, Laͤßts Maͤdchen brav in Schande. Schoͤn bin ich nicht . (Schoͤne Lieder Henrici Finkeis. 1536.) S choͤn bin ich nicht, mein hoͤchster Hort, Laß mich das nicht entgelten, Lieb gilt fuͤr schoͤn an manchem Ort, Lieb soll vor aller Schoͤnheit gelten. Schoͤn bin ich nicht, acht das gar klein, Lieb thut all Ding bezwingen, Lieb zwingt die Schoͤnheit ganz allein, Kann sie allein besingen: „Ihr findet in Geschichten „Vom Fisch Delphin genannt, „Kein Netz haͤlt ihn mit nichten, „Und zieht ihn an das Land, „Allein durch lieblich Singen „Thut man ihn also zwingen, „Daß er kommt selbst ans Land. „Zum wunderbaren Zeichen „Auch die Waldvoͤgelein, „Ihr Herzelein erweichen „Einander insgemein, „Mit lieblichem Gesange, „Das waͤhret alsolange, „Bis sie vereinigt seyn.“ Himmelsboten zu Liebchens Himmelbett . D er Mondschein, der ist schon verblichen, Die finstre Nacht ist hingeschlichen; Steh auf du edle Morgenroͤth', Zu dir all mein Vertrauen steht. Phoͤbus ihr Vorbott wohlgeziert, Hat schon den Wagen angeschirrt; Die Sonnenroß sind vorgespannt, Zuͤgel ruht in seiner Hand. Ihr Vorbott der Don Lucifer, Schwebt allbereits am Himmel her, Er hat die Wolken aufgeschlossen, Die Erd mit seinem Thau begossen. O fahrt vor ihr Schlafkaͤmmerlein, Weckt leis die suͤße Liebste mein; Verkuͤndet ihr, was ich euch sag, Mein Dienst, mein Gruß, ein guten Tag. Doch muͤßt ihr sie fein zuͤchtig wecken, Dabei mein heimliche Lieb entdecken; Sollt sagen, wie ihr Diener wacht, So kummervoll die ganze Nacht. Schaut an fuͤr mich die gelbe Haar, Ihr Haͤlslein blank, ihr Aeuglein klar; Kuͤßt ihr fuͤr mich den rothen Mund, Und wenn sie's leid't die Bruͤstlein rund. Armer Kinder Bettlerlied . (Fliegendes Blatt.) E s sungen drei Engel einen suͤßen Gesang, Mit Freuden es im Himmel klang; Sie jauchzten froͤhlich auch dabei, Daß Petrus sey von Suͤnden frey, Von Suͤnden frey. Denn als der Herr Jesus zu Tische saß, Mit seinen zwoͤlf Juͤngern das Abendmahl aß, So sprach der Herr Jesus: Was stehest du hier, Wenn ich dich ansehe, so weinest du mir, So weinest du mir. Ach! sollt ich nicht weinen du guͤtiger Gott! Ich hab uͤbertreten die zehen Gebot; Ich gehe und weine ja bitterlich, Ach komm, erbarme dich uͤber mich, Ach uͤber mich! Hast du dann uͤbertreten die zehen Gebot, So fall auf die Knie und bete zu Gott, Und bete zu Gott nur allezeit, So wirst du erlangen die himmlische Freud, Die himmlische Freud. Die himmlische Freud ist eine selige Stadt, Die himmlische Freud die kein End mehr hat; Die himmlische Freude war Petro bereit, Durch Jesum und allen zur Seeligkeit, Zur Seeligkeit. Abendsegen . (Muͤndlich.) D er Tag hat seinen Schmuck auf heute weggethan, Es ziehet uun die Nacht die braunen Kleider an; Und deckt die Welt in angenehmer Ruh Mit ihren Schatten zu. Wohlan ich suche nun auch meine Lagerstadt, Worauf der muͤde Leib sich zu erquicken hat; Und wo der Geist geruhig und vergnuͤgt In suͤßer Stille liegt. Ein gut Gewissen wird mein Abendsegen seyn, Die Unschuld machet mich von aller Falschheit rein, Mein Herz ist treu, wer anders von mir spricht, Der kennet mich noch nicht. So kleide dich nun aus, mein ungebundner Sinn, Durch dich leg ich vergnuͤgt die Sorgenkleider hin; Die Brust ist frey, die Kummer und Verdruß Bei andern quaͤlen muß. Ein froh Gemuͤthe soll mein saubres Nachtzeug seyn, In solchen schlaf ich sanft und ohne Schwermuth ein; Und machte mir auch was Melancholey, So schwebt sie doch vorbey. Der Himmel wacht bei mir, sein Auge das mich kennt, Muß mir die Lampe seyn, die mir zum Troste brennt; Und weil das Oel der Gnade nie gebricht, Ach so verloͤscht sie nicht. Die suͤßre Hoffnung ist auf meinen Dienst bereit, Die lauter Rosen mir zum Ruhebette streut; Und die Geduld deckt mich mit Myrthen zu, So schoͤn ist meine Ruh. Zum Schlafgesellen nehm ich die Vergnuͤgung an, Die druͤck ich an mein Herz, so fest ich immer kann, Man schlaͤft, wenn so ein Schaz in Armen liegt, Unmoͤglich mißvergnuͤgt. Und treibt ihr Traͤume ja ein Sinnenspiel mit mir, So stellt in suͤßer Ruh mir meine Freundinn fuͤr; Vielleicht wird das, was jetzt ein Schatten ist, Noch in der That gekuͤßt. Nun dir befehl ich mich, du angenehme Nacht, Und wenn das Morgengold am fruͤhen Himmel lacht, So werde doch dem Herzen das geschenkt, Worauf es schlafend denkt. Bildchen . A uf dieser Welt hab ich keine Freud, Ich hab einen Schatz und der ist weit, Er ist so weit, er ist nicht hier, Ach wenn ich bei mein Schaͤtzgen waͤr! Ich kann nicht sitzen und kann nicht stehn, Ich muß zu meinem Schaͤtzgen gehn; Zu meinem Schatz, da muß ich gehn, Und sollt ich vor dem Fenster stehn. 3. Band . 6. Wer ist denn draussen, wer klopfet an? Der mich so leis aufwecken kann; Es ist der Herzallerliebster dein, Steh auf, steh auf und laß mich rein! Ich steh nicht auf, laß dich nicht rein, Bis meine Eltern zu Bette seyn; Wenn meine Eltern zu Bette seyn, So steh ich auf und laß dich rein. Was soll ich hier nun laͤnger stehn, Ich seh die Morgenroͤth aufgehn; Die Morgenroͤth, zwey helle Stern, Bey meinem Schatz, da waͤr ich gern. Da stand sie auf und ließ ihn ein, Sie heißt ihn auch willkommen seyn; Sie reicht ihm die schneeweiße Hand, Da faͤngt sie auch zu weinen an. Wein nicht, wein nicht mein Engelein! Aufs Jahr sollst du mein eigen seyn; Mein eigen sollst du werden gewiß, Sonst keine es auf Erden ist. Ich zieh in Krieg auf gruͤne Haid, Gruͤne Haid die liegt von hier so weit, Allwo die schoͤnen Trompeten blasen; Da ist mein Haus von gruͤnem Rasen. Ein Bildchen laß ich mahlen mir, Auf meinem Herzen trag ichs hier; Darauf sollst du gemahlet seyn, Daß ich niemal vergesse dein. Waldvoͤgelein . (Muͤndlich.) I ch ging mit Lust durch einen gruͤnen Wald, Ich hoͤrt die Voͤglein singen, Sie sangen so jung, sie sangen so alt, Die kleinen Waldvoͤglein in dem Wald, Wie gern hoͤrt ich sie singen. Nun sing, nun sing Frau Nachtigall, Sing du's bei meinem Feinsliebchen: „Komm schier, komm schier wenns finster ist, „Wenn niemand auf der Gassen ist, „Herein will ich dich lassen.“ Der Tag vergieng, die Nacht brach an, Er kam zu Feinslieb gegangen; Er klopft so leis' wohl an den Ring, Ei schlaͤfst du, oder wachst du Kind, Ich hab so lang gestanden. Daß du so lang gestanden hast, Ich hab noch nicht geschlafen; Ich dacht als frey in meinem Sinn, Wo ist mein Herzallerliebster hin, Wo mag er so lang bleiben? Wo ich so lang geblieben bin, Das darf ich dir wohl sagen; Beim Bier und auch beim rothen Wein, Bei einem schwarzbraunen Maͤdelein, Haͤtt deiner bald vergessen. Liebeswuͤnsche . A uf der Welt hab ich kein Freud, Ich hab ein Schatz und der ist weit; Wenn ich nur mit ihm reden koͤnnt, So waͤr mein ganzes Herz gesund. Frau Nachtigall, Frau Nachtigall! Gruͤß meinen Schatz viel tausendmal; Gruͤß ihn so huͤbsch, gruͤß ihn so fein, Sag ihm er soll mein eigen seyn. Und komm ich vor ein Goldschmidtshaus, Der Goldschmidt schaut zum Fenster raus; Ach Goldschmidt, liebster Goldschmidt mein! Schmied mir ein feines Ringelein. Schmied's nicht zu groß, schmied's nicht zu klein, Schmied's fuͤr ein schoͤnes Fingerlein; Auch schmied mir meinen Namen dran, Es solls mein Herzallerliebster han. Haͤtt ich ein Schluͤssel von rothem Gold, Mein Herz ich dir aufschliessen wollt, Ein schoͤnes Bild das ist darein, Mein Schatz es muß dein eignes seyn. Wenn ich nur ein klein Waldvoͤglein waͤr, So saͤß ich auf dem gruͤnen Zweig; Und wenn ich genug gepfiffen haͤtt, Floͤg ich zu dir, mein Schatz ins Reich. Wenn ich zwey Taubenfluͤgel haͤtt, Wollt fliegen uͤber die ganze Welt; Ich wollt fliegen uͤber Berg und Thal, Hin wo mein Herzallerliebster waͤr. Und wann ich endlich bey dir waͤr, Und du redst dann kein Wort mit mir; Muͤßt ich in Trauren wieder fort, Adje mein Schatz, adje von dir. Sommerlied . G eh aus, mein Herz, und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit, An deines Gottes Gaben; Schau an der schoͤnen Gaͤrten Zier, Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmuͤcket haben. Die Baͤume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem gruͤnen Kleide. Narcissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schoͤner an, Als Salamonis Seide. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Taͤubchen fleucht aus seiner Kluft, Und macht sich in die Waͤlder. Die hochgelobte Nachtigall Ergoͤtzt und fuͤllt mit ihrem Schall Berg, Huͤgel, Thal und Felder. Die Glucke fuͤhrt ihr Kuͤchlein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwaͤlblein speißt die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh, und kommt aus seiner Hoͤh, Ins tiefe Gras gesprungen. Die Baͤchlein rauschen in dem Sand, Und mahlen sich in ihrem Rand Mit schattenreichen Myrthen; Die Wiesen liegen hart dabei, Und klingen ganz von Lustgeschrey Der Schaaf und ihrer Hirten. Die unverdroßne Bienenschaar Fleucht hin und her, sucht hier und dar Ihr edle Honigspeise; Des suͤßen Weinstocks starker Saft Bringt taͤglich neue Staͤrk und Kraft In seinem schwachen Reise. Ich selber kann und mag nicht ruhn, Des grossen Gottes grosses Thun Erweckt mir alle Sinnen; Ich singe mit, wenn alles singt, Und lasse, was dem Hoͤchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. Ach, denk ich, bist du hier so schoͤn, Und laͤssest uns so lieblich gehn, Auf dieser armen Erden; Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem festen Himmelszelt Und guͤldnem Schlosse werden. O waͤr ich da! o stuͤnd ich schon, Ach suͤßer Gott vor deinem Thron, Und truͤge mein Palmen; So wollt ich nach der Engel Weis Erhoͤhen deines Namens Preis Mit tausend schoͤnen Psalmen. Unseliger Kreislauf . W ohl taͤglich will erscheinen Die schoͤne Morgenroͤth, Den Thau muß nieder weinen, Die weis bekleidet geht, Luna ist sie genannt; Schneeweis thut sie uns leuchten, Macht uns den Tag bekannt. Und uͤber ihr in Wonne Phoͤbus mit Gold bekleidt, Das ist die Liebessonne, Die alle Welt erfreut; Jedoch ihr klarer Schein Soll mich nicht gar abwenden, Wohl von dem Trauren mein. Hoͤrt auf ihr Sturmwind alle, Die wehn vom Himmeisschild, Mir ist in Sinn gefallen Ein adeliches Bild; Hoͤflich und tugendreich, Selbst Absalon muß weichen, An Schoͤnheit ihm nichts gleich. Orpheus, der konnte zwingen die wilde Thier im Wald, Sein Harfen und sein Singen Lockt sie zusammen bald; Das Wild in Fels und Stein Hoͤrt wohl das tiefe Klagen Und große Trauren mein. Suͤß Orpheus Saiten hallen, Und bitter meine Stimm In armer Lieb muß schallen; O Venus, laß den Grimm, Durch Lieb des Buhlen dein, Send meinem kranken Herzen Doch bald der Huͤlfe Schein. In mir hoͤrt man stets schlagen Ein unruhige Uhr, Und jeder Schlag will klagen Um sproͤde Schoͤnheit nuͤr; Hoffnung die Uhr zieht auf, So geht sie ewig, ewig Den schmerzlich bittern Lauf. Es rennen alle Bronnen Zusammen in das Meer, Und sind sie hingeronnen, So kehren sie daher; So auch die Seufzer mein Ziehn aus betruͤbtem Herzen, Und kehren wieder drein. Und sterbend schon in Leiden, Bitt ich dich auch allein, Du wollst mein Herz ausschneiden, Und legen in einen Stein; Damit anzeig ich blos, Daß dich ein Stein gebohren, Und nicht des Weibes Schoos. Fuͤr's andre lasse bauen Ein Gitter ob dem Stein, Daß jeder koͤnne schauen Das elend Herze mein; Dem Amor vor der Zeit Durch Lieb und heimlich Leiden Genommen all sein Freud. Zum dritten ich begehre Begleite mich ins Grab, Ein Kraͤnzlein mir verehre, Von bitterm Kraut Schabab; Leb wohl dies Kraut bedeut, Drum wird es auch wohl billig An meinen Leib gestreut. Zulezt ich noch begehre, Daß du mir trauren sollt, In Veilbraun mir zur Ehre, Der Farbe war ich hold; Trug sie im Leben mein, Veilbraun will nichts bedeuten, Als Lieb und heimlich Pein. In der wuͤsten Heide . A llhier in dieser wuͤsten Haid Wohnt keine Seele weit und breit, Die wilden Thier allein, Die seh ich selbst Mitleiden tragen, Die Voͤgel traurig seyn, Und mich mit schwacher Stimm beklagen; Die kalten Brunnen staͤrker fließen, Viel Thraͤnen gleichfalls zu vergießen. Nein, Waͤlder, Wiesen, Feld und Thal, Hoͤr ich beklagen meinen Fall, Sie fuͤhlen meine Pein; Die Schafe wollen nicht mehr weiden, Du Delia allein, Wirst nicht bewegt durch meine Leiden, Du Wonn und Zier der Schaͤferinnen, Du strenge Fuͤrstin meiner Sinnen. Und laß ich diese gruͤne Welt, Ist meine Treu doch fest gestellt, Die Liebe mein zu dir, Hab ich an manchen Baum geschnitten, Da liest man fuͤr und fuͤr, Was ich fuͤr Angst und Pein erlitten; So lang Arkadia wird stehen, Soll auch mein Name nicht vergehen. Es tritt Diana selber hin, Mein Grab zu machen in dem Gruͤn, Die Goͤttin Flora geht, Sich nach Violen umzuschauen, Mein Leichstein ist erhoͤht, Darein die Nimphen werden hauen: „Hier hat den Geist dahin gegeben, „Den seine Liebste bracht ums Leben.“ Des guten Kerls Freierey . E instens, da ich Lust bekam, Mir zu freien eine Dam, Und sie freundlich fragte, Ob ich ihr auch wohl gefiel; Wahrlich nicht besonder viel! Sie gar spoͤttisch sagte. Ich sprach wieder, bin ich nicht Ein gut Kerle, gebt Bericht. Drauf fragt sie mich wieder: Was dann ein gut Kerle waͤr? Ich sprach: Sezt euch unbeschwert Etwas zu mir nieder. Fuͤr das Erst so bin ich recht, Und von ehrlichem Geschlecht, Hab auch aller Orten Mich geuͤbt von Jugend auf, Nach der Welt Gebrauch und Lauf, Daß ich groß bin worden. Habe auch nicht viel studiert, Bin nicht schoͤn von Leib geziert, Auch nicht reich von Gelde; Dennoch bin ich auch nicht dumm, Blind, lahm, sprachlos oder krumm, Sondern frisch zu Felde. Zu der Kaufmannschaft und auch Zu dem Handwerk ich nicht taug, Sondern mich ernaͤhre Mit dem Degen und Pistol, Und von meinen Feinden hol Ich, was ich begehre. Ich hoͤr gern der Armen Bitt, Hab ich was, so theil ich mit; Ich spendir die Heller Auf ein gut Pferd und Gewehr, Schenkt mir Gott noch Etwas mehr, Schick ichs nach dem Keller. Auch lieb ich der Musickklang, Stimm gern ein in den Gesang Wackerer Gesellen; Ich verderb kein gut Gelag, Bei der Burst mich lustig mach, Pfleg mich frisch zu stellen. Esse gern was Gutes auch, Immer hab ich den Gebrauch, Ein gut Kleid zu tragen. Ich bin fromm, so lang ich kann, Wo nicht, pfleg ich mich alsdann Frisch herum zu schlagen. Jedem laß ich seine Ehr, Liebe junge Maͤdchen sehr, Thu mich auch befleißen, Weil ich nicht bin schoͤn und fein, Daß ich doch moͤcht freundlich seyn, Dienste zu erweisen. Werbe auch um ihre Gunst, Seh ich, daß es ist umsonst, Ich darum nicht zuͤrne; Ist die Jungfer stolz von Sinn, Laß ich sie, und mach mich hin, Zu der Baurendirne. Weil ich, wie dafuͤr ich halt, Nicht zu jung bin, noch zu alt, Will ich mich umschauen, Daß ich nicht allein mehr schlaf, Sondern mir zum Weib verschaff Eine schoͤn Jungfraue. So ein gut Kerl bin ich nun, Bitt, wollt mir zu wissen thun, Wie ich euch gefalle; Sonst sollt ihr versichert seyn, Ich will lieben euch allein Fuͤr das andre alle. Wollt ihr nun, so ist es klar, Und wir werden bald ein Paar, Drauf spricht sie gar sachte: Ihr moͤgt mir nach allem Schein Gar ein guter Kerle seyn; Schmunzelt drauf und lachte. Als die Antwort ich bekam, Ich sie in die Arme nahm, Kuͤßt sie eins und fragte: Was der Abschied endlich waͤr. Komme morgen wieder her, Sie gar freundlich sagte. Ich schwoͤr so wahr, als ich bin, Ein gut Kerl und geb euch hin Meine beiden Haͤnde; Daß wie ein gut Kerle ich Euch will ganz bestaͤndiglich Lieben bis ans Ende. Wir verstehen sie nicht . E in Schneider haͤtt ein boͤses Weib, Vorwitzig, stolz, doch fein von Leib, Sehr eigenwillig, frech und steil, Trug ihre Ehr auch ziemlich feil, Stets ihrem Mann zuwieder lebte, In allem Guten wiederstrebte; Kein Ding er ihr befehlen kunnt, Allzeit sie das unrecht verstund. Sie sollt ihm einstens bringen Wachs, Da kam sie heim und brachte Flachs; Noch einmal schickt er sie nach Zwirn, Da brachte sie statt dessen Birn. Sie sollte weisse Seide holen, Sie brachte Saiten unbefohlen; Sie sollt ihm holen eine Scheer, Sie bracht daher viel Schweineschmeer. Er sprach einmal zu ihr mit Fleiß, Mach eilends mir ein Eisen heiß; Sie ließ ein Eisen machen bald, Der Schmied brachts hin, da war es kalt. Er sprach: Ich hab zuvor genug Eisen, Ich hab kein neues machen heißen; Mein Weib mich nimmer recht versteht, Mit allem sie den Krebsgang geht. Einst sprach er: Gieb mir her die Ell. Da bracht sie ihm Lissabonisch Oehl; Mehr sagt er: Dieses Kleid zertrenn, Und sie verstand, das Kleid verbrenn. Alsbald warf sie dasselb ins Feuer, Das kam den Schneider gar sehr theuer; Er hieß sie bringen ander Tuch Zum Kleid, sie aber bracht ein Buch. Er hieß sie fruͤher aufzustehn, Zur Predigt in die Kirch zu gehn; Die Kinder uͤberbringen hin, Zur Schule was zu lernen drinn. Die Kinder in die Kirch sie fuͤhrte, Sie aber in der Schul studierte; Einst folgt er ihr nach auf dem Fuß, Und sah was, das ihm bracht Verdruß. Als sie zu Hause wieder kam, Geschwind er die Flachshechel nahm; Schlug ihr damit den Kopf und Leib, O weh! was thust du, sprach das Weib. Er sprach: Ich muß mich nur bemuͤhen, Den Flachs fein durch die Hechel ziehen: Sie rief o weh, weh meine Stirn! Er sprach: ich speise dich mit Birn. Sie rief o weh, mein Ruͤck und Seit, Er sprach: wie klingt die Zittersait, Sie schrie: schlag mich doch nicht so sehr; Er sprach: das Leder darf viel Schmeer. Sie bat: er sollt ihr Gnad erweisen, Er sprach: ich schmied ein neues Eisen; Sie schrie: o daß es Gott erbarm! Er sprach: es ist noch nicht recht warm. Sie rief, ich geb auf meine Seel, Er sprach: ich heil dich mit dem Oehl; Sie bat: vergieb mirs nur diesmal, Er sagte: mir dies Kleid bezahl. Sie sprach: die Schuld will ich bekennen, Er sprach: das heißt mirs Kleid verbrennen; Sie sprach: hoͤrt auf, ich schaff euch Tuch, Er sprach: ich les' in deinem Buch. Sie sprach: erwuͤrge mich nicht gar, Er sprach: o nimm die Kirch fuͤrwahr; Und lerne da nicht in der Schul, Sie sprach: ich hab da keinen Stuhl. Er sprach: du sollst die Predigt hoͤren, So laͤßt du dich Studenten lehren; Sie sprach: es soll nicht mehr geschehn, Er sprach: ich kann dich nicht verstehn. Also ein boͤses Weib wohl kann Boͤs machen einen frommen Mann; 3. Band . 7. Hat diese Frau durch Schlaͤge sich Bekehrt, das soll fast wundern mich. Denn man schlaͤgt wohl raus einen Teufel, Sechs aber drein ohn allen Zweifel; Doch die dem Mann nicht folget bald, Die soll er schlagen warm und kalt. Maushund . (Musikalischer Zeitvertreiber. Nuͤrnberg bei Kanfmann 1609.) E in Maußhund kam gegangen, Von einem hohen Dach; Der Kuͤrschner wollt ihn fangen, Zog ihn bald hinten nach. That ihn beim Schwanz ergreifen, Die Katz fing an zu pfeifen, Pfuch, pfuch, pfuch, miau, mau mau. Da sagt er zu der Katzen: Miau, Mach kein Geschreien, Magst mich erfreuen; Allein dein Balg Mir wohl gefallt, Den wird es dich jetzt kosten, Denn er ist ziemlich alt. In ihren großen Noͤthen Sprach die Katz: Mau, Der Kirschner will mich toͤdten, Mau mau, er nahm mir einmal ein Kind, Darzu ein langes Messer, damit er schindt; Und wenn der Kirschner will tanzen, So nimmt er die Katz beim Schwanze. Ein huͤbsch Lied , genannt der Striegel , gar lustig zu singen und zu lesen in des Lin- denschmids Ton . (Fliegendes Blat, gedruckt zu Zuͤrich, bei Augustin Fries.) Z u Constanz saß ein Kaufmann reich, Der hat ein Fraͤulein war wonnigleich, Denn sie war huͤbsch und kluge, Sie hatt' ein Doktor gar zu lieb, Groß Lieb sie zammen trugen. Die Liebe, die war offenbar, Und waͤhrt gar noch wohl sieben Jahr, Der Kaufmann ward ihr innen; Erfahr ich dann die rechte Maͤhr, Du magst mir nit entrinnen. O Fraͤulein, mir ist Botschaft kommen, Ich darf mich auch nit laͤnger saͤumen, Muß reiten in fremde Lande; Nun halt dich wohl, und halt dich recht, Daß wir nicht kommen zu Schande. Nun halt dich wohl und halt dich recht, Gedenk an unser beider Geschlecht, Wir haben fromm Vater und Mutter, Dazu ein kleines Schwesterlein, Halt mirs in guter Hute. Er reit zum obern Thor hinaus, Zum untern reit er wieder hinein zu Haus, Des Abends also spate; Er reit vor seiner Freunde Haus: Gebt mir ein guten Rathe. Ein guten Rath, den geben wir, Bleib hier, bis an den Morgen fruͤh, Du hast ein eigen Hauße; Drinn hast du ein Badstuͤblein warm, Da lebt der Doktor im Schmause. Der Kaufmann tratt fuͤrs Schlossers Haus, Und bist du drinn, so tritt heraus, Ein Striegel gut ich moͤchte; Er bracht daher wohl zehen Paar, Es war ihm keiner rechte. Mach mir ein Striegel in einer Stund, Ich geb dir drum ein baares Pfund, Mach mir ihn scharf und haͤrte; Mach Zaͤhn dran eines Fingers lang, Ich hab zwei freche Pferde. Der Schlosser dacht in seinem Muth, Was meint er mit dem Striegel gut, Er hub ihn an zu machen; Manch Buͤrger vor sein Laden tratt, Und thaͤt des Striegels lachen. Der Kaufmann war ein weiser Mann, Sein Sachen griff er weislich an, Ging ins Badstuͤblein warme, Sein ehlich Fraͤulein fand er da, Dem Doktor in seim Arme. Da er schritt in das Badstuͤblein, War da bereit gut Brod und Wein, Mit andern guten Dingen; Die zwei, die sassen im Wasserbad, Das Fraͤulein thaͤt entrinnen. Er strigelt den Doktor also hart, Von unten an bis auf den Bart, Das Blut thaͤt ihm abfließen; Hoͤr auf mein lieber Kaufmann gut, Laß mich mein Suͤnd hie buͤßen. Es waͤhrt wohl auf ein halben Tag, Man legt den Doktor in das Grab, Das Rauchfaß thaͤt man ihm bieten; Ein Fraͤulein zu dem andern sprach, Vor dem Striegel wolln wir uns huͤten. Dieß Lied ist gemacht mit hohem Fleiß, Vorm Striegel huͤt dich, bist du weiß! Daß dir nicht misselinge; Es sangs ein freier Schreiber gut, Vor Freud thaͤt er aufspringen. Ein Striegel fuͤr den Kritikus, Der diesem Buch giebt falschen Kuß, Der liegt bei meinem Zimmer; Er ist gemacht mit hohem Fleiß, Vorm Striegel huͤt dich, bist du weis. Reit du und der Teufel . (Eingesandt.) D er Schiffmann faͤhrt zum Lande, Wem laͤutet man so sehr? Wem singt man also sanfte, Zu seiner letzten Ehr? Die Jungfern sieht er heben Wohl einen schoͤnen Kranz, Zum Sterben oder Leben, Es war ein schwerer Gang. Der Gang der war so schwere, Zu seiner Liebsten Haus; Ob sie gestorben waͤre, Oder eins andern Braut. Er fand sie auf dem Kaͤmmerlein, Da sie die Haar aufbund; Gott gruͤß dich, o mein Engelein, Daß ich dich seh gesund. Ich hab mir lassen sagen, Du naͤhmst den Baͤndersknab; So gieb du mir die Treuheit, Die ich dir geben hab. Ich weiß von keiner Treuheit, Ich weiß von keinem Geld; Der Reiter soll mich holen, Wenn ich von Treuheit weiß. Da stehts an bis den dritten Tag, Als da die Hochzeit war, Da kam ein stolzer Reiter, Der setzt sich oben an. „Nun eßt und trinkt ihr Jungfern, „Ich kann nicht froͤhlich seyn.“ Trompeten und Schalmeyen Die gehen insgemein. Das erste, das er thaͤte, Den Tanz wohl mit der Braut; Er schwenkt sie dreimal r'umme, Damit zur Thuͤr' hinaus. Sie kamen uͤber ein' Haide, Ein Land, es war wohl breit. Der Hals war ihr zerbrochen, Die Seel war eigen sein. Ob sie von sonder — von sonder - lichem Brod esse ? (Christoph Demantius Taͤnze. Nuͤrnberg 1601.) N un freue dich mein Herzelein, der Sommer, Der Sommer, der bricht an, Weiche alle Traurigkeit, Und kehrt wieder Froͤhlichkeit, Mir und dir ohn Unterlahn. Die Heide gruͤnt und traͤgt nun, so schoͤne So schoͤne Bluͤmelein, Und von diesen Bluͤmlein allen, Thust du mir gar wohl gefallen, Ach zart liebes Jungfraͤulein! Schau ich dich an, du daͤuchst mir viel schoͤner Viel schoͤner noch jetzund, Als zuvor, wo koͤmmt dies her? Sag mirs, das ist mein Begehr, Lieblein zart zu jeder Stund. Ißt du etwa mein Liebchen von sonder Von sonderlichem Brod? Oder macht es dein Gebet? Daß dir alles wohl ansteht, Auch bist so weiß und roth. Schlesisches Gebirgshirtenlied . (Hagen und Buͤschings Volkslieder, hat Aehulichkeit mit Wohl Heute noch und Morgen. II. B.) I ch ging ins Vaͤters Gaͤrtela, Ich laͤht mich nider, aͤ schlief; Da traͤumte mir aͤ Traͤumila, As schneit es uͤber mich. Un do ich nu erwachte, Do waͤr es aber nich, So waͤrens rutha Ruselaͤ, Die bluͤhta uͤber mich. Ich braͤhch mir anes aͤbe, Zu anen Ehrenkranz; Ich naͤhms der Liebsta mitte, Zu anen Ehrentanz. An do der Tanz im Besta war, Do war daͤs Giga aus, Do soll ich m'r nu mein Schatz heimfuͤhre, An haͤhs kein ehga Haus. A Haͤusla will ich mir baua, Von Ruhs an Rosmarin; An will mirs wohl bestecka, Mit ruthan Ruislanschien. Un wenn ich's nu war fert'g han, Beschar mir Gott was 'nein, Das ich zu jauhr kaͤnn spreche: Das Haͤusla das ist mein! Die hohe Unterhaͤndlerin . (Buͤschings und van der Hagens Volkslieder. S. 89.) „ S chwing' dich auf, Frau Nachtigall, geschwinde, Vor meines Liebsten Fensterlein dich finde; Sing' ihm das Lied, welches, ohn Beschweren, Mir erdacht, mein'm Schatz zu Ruhm und Ehren.“ „Ich komm' her von eurer Schoͤnen, Zarten, Welche mich aus ihrem Rosengarten, Sendet zu euch sammt einem Kranz geringe, Den ich euch von ihrentwegen bringe.“ „Gluͤck und Heil sie wuͤnscht von Herzensgrunde Ihrem Schatz zu jeder Zeit und Stunde, Ihr zartes Herze ist gar sehr besessen Sie kann ihres Liebsten nicht vergessen.“ „Je laͤnger, je lieber heißt ein Bluͤmelein, Daraus hat sie gemacht das Ehrenkraͤnzelein, Augentrost ist darunter gemenget, Vergiß mein nicht mit eingesprenget.“ „Auch ist so viel Ehrenpreiß darinnen, So werdet ihr des Wohlgemuthes innen; Der Kranzbuͤgel ist mit Ehren gewunden, Ein treues Herzelein hat ihn gebunden.“ „Merkt noch mehr, was sie mir hat befohlen, Das sag' ich euch ganz frey und unverholen: Ohn' Antwort soll ich nicht wieder kommen, Darum merkt wohl, was ihr von mir vernommen.“ „Fleißig hab' ich dein' Botschaft verstanden, Antwort soll auch seyn bei mir vorhanden; Schwing' dich auf mit deinem zarten Gefieder Und gruͤße mir mein tausend Herzelein wieder.“ — „Nichts liebers haͤtte sie mir koͤnnen schicken, Dadurch sie thaͤt mein junges Herz erquicken; Als das Kraͤnzelein mit den schoͤnen Blumen, Die man sonsten selten thut bekommen.“ „Ein Demant, ein Stein gar hart und theuer, Welchen doch verzehren kann das Feuer; Ist kaum meinem Herzen zu vergleichen, Drum thaͤt es das Kraͤnzelein erweichen.“ „Von mir sag dem allerschoͤnsten Herzen, Eitel Freud' und Wonn' ohn' alle Schmerzen; Thu ihr fuͤr das Geschenk großen Dank sagen: Froͤhlich bin ich, weil sie mir ist gewogen.?“ „Sprich, ich will ihr'r wieder nicht vergessen, Ob ich mich gleich nicht kann hoch ermessen! Schwing dich auf, sag' ihrem rothen Mund: Gute Nacht, Gluͤck, Heil zu aller Stund.“ Der Abschied im Korbe . (Muͤndlich.) Er . W o gehst du hin du Stolze, Was hab ich dir gethan; Daß du vorbei thust gehen, Und schaust mich gar nicht an. Du schlaͤgst die Aeuglein nieder, Und schaust nicht zu mir her; Wie wenn ich deines Gleichen Niemals gewesen waͤr. Sie . Der Abschied ist geschrieben, Das Koͤrblein ist gemacht; Waͤrst du bei mir geblieben, Haͤtt ich dich nicht veracht. Er . Nimm du das Koͤrblein mit nach Haus, Und leg den Abschied nein; Hinfuͤhro aber lasse brav Das falsche Lieben seyn. Steile Liebe . S ist mir auch kein Nacht so finster, S'ist mir auch kein Weg so weit; Wenn ich zu mein Schaͤzlein gehe, Sehen mich die boͤsen Leut. Regnets, schneits, und geht der Wind, Wenn mein Schatz nur vors Fenster kaͤm; Steh nur auf, mach auf fein bald, Bei der Nacht ists draus gar kalt. Wenn die Sonn so schoͤn ans Gebirg aneglanzt, Und das Gemsel auf der Hoͤh umme tanzt; O du schoͤne Morgenroͤth! Wenn ich dich allzeit bei mir haͤtt! Schatz, du bist mein und ich bin dein, Wir sind ja zwey Verliebterlein; Von dir kann ich nit mehr lassen, Ach bis ich komme ins kuͤhle Grab! Das Dinterle faͤngt zu weinen an, Ach Buberle, was haben wir gethan? Wir wollen wieder gehn nacher Haus, Wollen gern stehen alles aus. Druck und Gegendruck . (Musikalisches Rosengaͤrtlein. Nuͤrnberg 1612.) S choͤn klar einstmal die Sonne Leuchtet mit ihrem Schein, Als ich nach Herzens Wonne Spazieren gieng allein, In gruͤnen Wald am Morgen, Darin fand ich verborgen Ein schoͤns Jungfraͤulein voll Sorgen; Drum fragt ich es bald in Geheim, Auf wen sie wartet hier allein. Sie sprach: ich liebt im Herzen Ein Juͤngling tugendvoll; Er aber thaͤt nur scherzen, Und lohnte mir nit wohl, Drum will ich hier verderben. Ich sprach: Ihr sollt nit sterben, Laßt mich euer Gunst erwerben, Und druͤckt mich an ihr Herz hinan, Daß mir vor Lieb das mein zersprang. Petersilie . W as hab ich meinem Schaͤtzlein zu Leide gethan? Es geht wohl bey mir her, und sieht mich nicht an; Es schlaͤgt seine Augen wohl unter sich, Und sieht einen andern Schatz wohl lieber als mich. Petersilie, das edle gruͤne Kraut! Was hab ich meinem Schaͤtzelein so vieles vertraut; Vieles Vertrauen thut selten gut, So wuͤnsch ich meinem Schaͤtzelein alles Guts. Alles Guts und noch vielmehr, Ach wenn ich nur ein Stuͤndelein bei meiuein Schaͤtz- gen waͤr; Ein Viertelstuͤaͤdchen zwey und drey, Damit ich mit meinem Schatz zufrieden sey. Das St . Hubertuslied . I m gruͤnen Wald bin ich gewesen, Sah ich es ein Hirschelein stehn; Das Hirschlein, das wollt ich erschiessen, O Wunder, was hab ich gesehn. Es thut mir die Flinte versagen, Ein Kreutz thut das Hirschelein tragen; Stolzierend auf seinem Gewicht, Die Gnade zum Suͤnder wohl spricht. Da thaͤt ich zur Erden hinsinken, Wohl auf meine bogene Knie; Thaͤt mir es entgegen blinken, Ein silbernes Kreuzlein schneeweiß. Jezt thu ich kein Hirschlein mehr schiessen, Will lieber in's Kloster mich schließen; Dem gruͤnen Wald sag ich gut Nacht, Die Gnade hat alles gemacht! Abloͤsung . (Musikbuch.) K ukuk hat sich zu todt gefallen An einer holen Weiden, Wer soll uns diesen Sommer lang Die Zeit und Weil vertreiben. Ey das soll thun Frau Nachtigall, Die sitzt auf gruͤnem Zweige; Sie singt und springt, ist allzeit froh, Wenn andre Voͤgel schweigen. Unbeschreibliche Freude . (Muͤndlich.) W er ist denn draussen und klopfet an? Der mich so leise wecken kann? Das ist der Herzallerlieble dein, Steh auf und laß mich zu dir ein. Das Maͤdchen stand auf, und ließ ihn ein, Mit seinem schneeweissen Hemdelein; Mit seinen schneeweissen Beinen, Das Maͤdchen fing an zu weinen. Ach weine nicht, du Liebste mein, Aufs Jahr sollt du mein eigen seyn; Mein eigen sollt du werden, O Liebe auf gruͤner Erden. Ich wollt daß alle Felder waͤren Papier, Und alle Studenten schrieben hier; Sie schrieben ja hier die liebe lange Nacht, Sie schrieben uns beiden die Liebe doch nicht ab. Schweitzerlied . (Lauberl Diminutiv von Laubi, Stier, Gitzeli Geißlein.) M is Buͤbli is wohl aͤnetem Rhin, I wollt' aͤ klini Wile bi ihm si; Lauberl, lauberl, liri lauberl, Lauberl, lauberl, litum da. Mi's Buͤbli kauf mir aͤ Buchsigs Loͤffeli, Giri, Giri, Gitzeli, Lauberl, lauberl, liri lauberl, Lauberl, lauberl, litum da. Buchsigs Loͤffeli ohne Stiel: Der schmutzigen Sennen giebt es viel; Lauberl, lauberl, liri lauberl, Lauberl, lauberl, litum da. Mi Mueter ist a Schwitzeri, Giri, giri Gitzeli; Lauberl, lauberl, liri lauberl, Lauberl, lauberl, litum da. Mi Vater ist a Appenzeller, Hat weder Win noch Most im Keller; Lauberl, lauberl, liri lauberl, Laubelr, lauberl, litum da. Mi Vater hat a rothen Stier, Ist mir lieber weder diese all vier; Lauberl, lauberl, liri lauberl, Lauberl, lauberl, litum da. Wollte Gott . (Ein Bremberger. Gedruckt zu Zuͤrich aus 1500.) M einer Frauen rother Mund, Der brennt recht scharlachfarb; 3. Band . 8. Er brennt recht wie ein rothe Ros', In ihrer ersten Bluͤth. Er brennt recht wie der roth Rubin, In Goldes Farb; Er brennt recht, wie ein heiße Kohl, Liegt in des Feuers Glut. Ihr Haͤlslein weiß, ihr schwarze Auͤglein klar, Darzu traͤgt sie ein goldfarb krauses Haar; Ihr werther Leib ist weißer als kein Hermelein, Kein Meister lebt auf dieser Erd, Der mirs mahlen koͤnnt so fein. Wollt Gott, waͤr ich ein lauter Spiegelglas! Daß sich die allerschoͤnste Frau All Morgen vor mir pflanzieret; Wollt Gott, waͤr ich ein seiden Hemdlein weiß, Daß sich die allerschoͤnste Frau An ihrem Leibe truͤge. Wollt Gott, waͤr ich ein roth Goldringelein! Daß mich die allerschoͤnste Frau An ihre Haͤndlein zwinge; Wollt Gott, waͤr ich ein Eichhorn traun, Und spraͤng auf ihren Schooß, Von rechter Liebe sie mich in ihr Aermlein schloß. Sie kuͤßt mich an mein rosenfarbes Muͤndlein, Das nehm ich fuͤr des Kaisers Gut, Sollt ich drum desto aͤrmer seyn. Die Welt geht im Springen . (Albert's Arien 1638. I. S. 16.) D ie Sonne rennt mit Prangen Durch ihre Fruͤhlingsbahn; Und lacht mit ihren Wangen Den runden Weltkreiß an. Der Himmel koͤmmt zur Erden, Erwaͤrmt und macht sie naß; Drum muß sie schwanger werden, Gebieret Laub und Gras. Der Westwind laͤßt sich hoͤren, Die Flora seine Braut, Aus Liebe zu verehren, Mit Blumen, Gras und Kraut. Die Voͤgel kommen nisten, Aus fremden Laͤndern her; Und haͤngen nach den Luͤften, Die Schiffe gehn ins Meer. Der Schaͤfer hebt zu singen Von seiner Phillis an; Die Welt geht wie im Springen, Es freut sich, was nur kann. Leztes Toilettengeschenk . Z art Auͤglein zu winken, Die Maͤgdlein jetzund han; Ihr Angesicht zu schminken, Groß Fleiß sie legen an. Ihr Haupt thun sie beladen, Mit Gold und Perlen schon; Und sollten sie's bezahlen, Sie braͤchten nichts davon. Sie muͤssen seyn geschmuͤcket, Daß es nur hab groß Schein; Ob sie schon Armuth druͤcket, Geborget muß es seyn. Daß man sie doch lieb habe, (Wenn ja solchs huͤlfe nicht,) So gebens selbst aus Gaben, Wie man erfaͤhrt und sicht. Wenn sie den Knaben haben, Und jeder bezahlt will seyn; Muß viel zum Juden traben, Was vor gab großen Schein. Aus dem Odenwald . E s steht ein Baum im Odenwald, Der hat viel gruͤne Aest; Da bin ich schon viel tausendmal Bey meinem Schatz gewest. Da sitzt ein schoͤner Vogel drauf, Der pfeift gar wunderschoͤn; Ich und mein Schaͤtzlein lauern auf, Wenn wir mitnander gehn. Der Vogel sitzt in seiner Ruh, Wohl auf dem hoͤchsten Zweig; Und schauen wir dem Vogel zu, So pfeift er allsogleich. Der Vogel sitzt in seinem Nest, Wohl auf dem gruͤnen Baum; Ach Schaͤtzel bin ich bey dir g'west, Oder ist es nur ein Traum. Und als ich wiedrum kam zu dir, Gehauen war der Baum; Ein andrer Liebster steht bei ihr, O du verfluchter Traum. Der Baum, der steht im Odenwald, Und ich bin in der Schweiz; Da liegt der Schnee, und ist so kalt, Mein Herz es mir zerreißt. Erinnerung beym Wein . E s dunkelt auf jenem Berge, Nach Hause wollen wir gehen; Den Wein, den wollen wir trinken, Den wir gewohnet seyn. Ich hoͤr ein Hirschlein rauschen, Wohl rauschen durch den Wald; Ich hoͤr ein feines Lieb klagen, Klagen, es haͤtt' die Ehr verloren. Hast du deine Ehr verloren, Hab ich die meine noch; So gehen wir miteinander, Und tragen die Kraͤnzelein. Ein Kraͤnzelein von Rosen, Ein Kraͤnzelein von Klee; Zu Straßburg auf der Brucke, Da liegt ein tiefer Schnee. Wenn der Schnee thut schmelzen, So lauft das Wasser in See; Darauf bin ich gesessen, Und gefahren bis hieher. Und dieß und das und das ist mein . H eute wollen wir Haber maͤhn, Morgen wollen wir binden: Wo ist denn die Liebste mein? Wo soll ich sie finden? Gestern Abend sah ich sie Unter einer Linden; Ich gedacht in meinem Sinn, Ich will sie schon finden. Was fuͤhr ich dann an meiner Hand, Das ganze Hausgesinde — Und dieß und das, und das ist mein, Das soll meine Liebste seyn. Tanzreime . A ufe ist nit abe, 's ist aber we'ger wahr, Wann ich meinen Schatz am Tag nit seh, Und in der Nacht nit bei ihm steh, Meyn ich, es sey ein Jahr. Zu dir bin ich gangen, Durch Regen und Wind; Zu dir geh ich nit mehr, Du gehst mit nem Kind. Geh mir nit uͤber mein Aeckerle, Geh mir nit uͤber mein' Wies'; Oder ich pruͤgel dich wegerle (wahrlich), Oder ich pruͤgel dich g'wiß. Und die Blaͤtter sind gruͤn, Und die Rosen sind roth; Und die lutherschen Buben Sind gut in der Noth. Und wenn der Mond hell scheint, Und 's platzregnet thut, Und die Fremden nit kommen, Sind die Heimischen gut. Mein Daumen, mein Finger, Mein Ellebogo; Mein Sinn und Gedanke Sind zu Sigmaringo. Heruͤber, hinuͤber, Ich hoff mir ein Gluͤck; Hab kuͤrzlich ein Boten Bei Sickingen geschickt. Der Bote ist kommen, Was hat er gebracht? Ein Ringle am Finger, Ein Schnupftuch im Sack. (Ast's Zeitschrift fuͤr Wissenschaft und Kunst. 1. S.93.) D ie Kirschen sind zeitig, Die Weichseln sind braun; Hat jede einen Buben, Muß auch um einen scha n, Du schoͤner Kuckuk, Wo singest denn du; Du singest im Walde, Verfuͤhrest mich balde. Bin ich oft mit meinem Schaͤtzchen In den Wald hineingegangen; Und die Voͤglein haben gesungen Nach meinem Verlangen. Wann ich jezt oft allein In den Wald hinaus geh, So thuts mir im Herzen Tief drinnen so weh. Dort laß ich mein Kuͤhlein Am liebsten fressen; Wo ich oft bin des Abends Bei meinem Buͤbchen gesessen. Ein schoͤns, ein schoͤn Haͤuschen, Ein schoͤn, ein schoͤn Bett, Ein schoͤns, ein schoͤns Buͤbchen, Sonst heirath ich nicht. K lein bin ich, klein bleib ich, Drum werd ich veracht; Jezt will ich studieren, Will werden ein Pfaff. Was willst du studieren, Und willst ein Pfaff seyn; Man giebt dir ins Kloster Kein Weibchen hinein. S ilberner Degen, Ein goldener Knopf; Die Maͤdle sind traurig, Franzosen sind fort! U eber dem Wald, uͤber dem Wald, Hats nen schoͤnen Reifen; Dem Maͤdle sind die Ohren kalt, Die Buben wollens greifen. S mein seyn und 's dein seyn, Und's zu dir liego, Das bringt mich sechs Jahr lang Ins Soldatelebo. Sechs Jahr und drei Monat, Dann ist mein Zeit aus; Nach koͤmmt es mein Schaͤtzle, Und fuͤhrt mich nach Haus. I ch weis nicht wo's Voͤglein ist, Ich weiß nicht wo's pfeift; Hinterm kleinen Laͤdelein, Schaͤtzlein wo leist? Es sitzt ja das Voͤglein Nicht alleweil im Nest; Schwingt seine Fluͤgelein, Huͤpft auf die Aest. Wo ich gelegen bin, Darf ich wohl sagen; Hinterm gruͤn Naͤgeleinstock Zwischen zwei Knaben. Er . D u Dienerl, du nett's, Du liegst mir im Herz; Du koͤmmst mir' nicht raus, Bis die Liebe ist aus. Sie . Aus ist sie mit dir, Im ganzen Revier; Wenn die Donau eintrocknet, Dann heurathen wir. Er . Sie trocknet nit ein, Bleibt alleweil naß; Jezt muß ich halt schauen, Um ein anderen Schatz. W ann mein Schatz Hochzeit macht, Hab ich einen traurigen Tag: Geh ich in mein Kaͤmmerlein, Wein um meinen Schatz. Bluͤmlein blau, verdorre nicht, Du stehst auf gruͤner Heide; Des Abends, wenn ich schlafen geh, So denk ich an das Lieben. O du mein liebes Hergottle, Was han i der denn thaun; Daß du mir an mein lebelang, Net willst heurathen laun. Jezt will i nimmer betta, Will net in Kirche gaun; Geb acht, i kann de noͤtha, Du wirst me heura laun. Adam und Eva, habens Lieben erdacht, Ich und mein Schaͤtzle habens auch so gemacht. Mein Gott und mein Herr, Wie faͤllt mirs so schwer; Kein Vater, kein Mutter nit mehr, Kein lieb Schaͤtzele mehr! Wegen eim Schaͤtzele trauern, Das waͤr mir ein Schand; Kehr mich nur herummer, Geb der andern die Hand. Jin der Kirch, da ist ein Tritt, Wo man zwei Lieben zusammen giebt. Hab ein Ringlein am Finger, Dadurch seh ich nur; Da seh ich meiu Schaͤtzle Seine falsche Natur. Aus ist es mir dir, Mein Haus hat kein Thuͤr; Mein Thuͤr hat kein Schloß, Von dir bin ich los. Dort druͤben am Rhein, Da liegen drei Stein; Dort fuͤhrt mir ein Andrer Mein Schaͤtzele heim! Fuͤhrt er mir sie heim, So ist mir es recht; So ist er der Meister, Und ich bin der Knecht. M ein Schaͤtzle ist Nunn, Mach mich nit lachun; Die Lieb ist brochun, Kanns nimmer machun. Schatzlein freu dich, juchze, Das Abscheiden thut weh; Die Liebe thut wanken, Wie ein Schiff auf der See. Daß im Wald finster ist, Das machen die Birken; Daß mich mein Schatz nicht mag, Das kann ich merken. Daß im Wald finster ist, Das machen die Aest; Daß mich mein Schatz nit mag, Das glaub ich fest. Ich hab geheurat, ich hab gehaußt, Hab einen Mann wie eine Faust; Hab ein Herz wie eine Nuß, Ist keine Freud und keine Lust. H ab Holzaͤpfel gehaspelt, Kein Zaunstecken, kein Spitz; Bin oft zu meim Schatz gangen, Hats kein Mensch gewuͤßt. Klein bin ich, das weiß ich, Groß mag ich nit wern; Ein Schaͤtzel muß ich haben, Wie ein Haßelnußkern. Ich hab ein schoͤns Schaͤtzlein, Wenns nur auch so bleibt; Stells naus in Krautgarten, Daß es die Voͤgel vertreibt! M ein Schaͤtzle ist huͤbsch, Aber reich ist es nit; Was nuͤtzt mir der Reichthum, Das Geld kuͤß ich nit. Schoͤn bin ich nit, reich bin ich wohl, Geld Hab ich auch a ganz Beuterl voll; Gehn mer noch drey Batze ab, Daß ich grad zwoͤlf Kreutzer hab. 's Kranzerle weg, Und 's Haͤuberle her; Jungfrau gewest, Und nimmermehr. (Aus der Polizey Fama.) Aufs Gaͤssel bin ich gangen, Aufs Gaͤssel geh ich noch; Der Scherg will mich fangen, Ey haͤtt er mich doch. Wie soll er mich denn fangen, Bey Tag geh ich nit; Bey der Nacht is stockfinster, Da sieht er mich nit. S o und so so geht der Wind, So und so pfeift er; Und wenn ich mein Schaͤtzle saͤh, Waͤr mirs gleich viel leichter. So lieb als mir mein Leben ist, So lieb ist mir mein Schatz; Und wenn er auch gestorben ist, So lieb ich noch den Platz. Das Liederl ist gesungen, Der Kreutzer ist gewunnen; Und wer mir ihn nit geit, Dem singe ich auf Beut. E s ist ein Maͤdel hier, Es hat ein Gulden vier; Hat ein spitzigs Maͤule, Ein Naͤsle als wie ein Saͤule; Zwey Augen als wie ein Stier, Trotz allen Maͤdchen hier. Jetzt ist mein Liedel aus, Es beißt mich noch eine Laus; Ich bin so keck und nehm sie, Und nehm ein Messer und schind sie; Und stech ihr beide Augen aus, Jetzt hasts meine liebe Laus. S chwimmen zwei Fischle im Wasser herum, Strecken die Schwaͤnzerl in die Hoͤh; Liegt es mein Schatzerl im Federbett, Thut ihm sein Koͤpfle so weh. Komm ich bei Mitternacht, Wird mir gleich aufgemacht; Habem sein Koͤpfle vollgeschwaͤtzt, Hab' ihms voll gelacht! In dem schaͤtzbaren Tyroler Sammler Insbruck 1807. II. B. finden sich von S. 57 – 96 allerley Tyroler Tanzreime abgedruckt mit Erlaͤute- rungen, die Sprache liegt der unsern sehr fern, und bedarf daher dieser Erlaͤuterungen sehr; und doch liegt der groͤßte Reitz gerade in dieser Sprache. Dies waͤre zu weitlaͤuftig geworden fuͤr den Umfang unsres Buchs; Freunde dieser Liedergattung verweisen wir daher auf jenes Buch selbst. Bei der Schusterrechnung zu singen . S echsmal hab ich sie angetroffen, Siebenmal bin ich fehl geloffen, Auf der Haide hin und her! „Nein mein Bue, es geschieht nicht mehr.“ Sechs paar Schuh und sieben paar Sohlen Hab' ich von wegen meiner Sennerin verloffen, Auf der Haide hin und her! „Nein mein Bue, es geschieht nicht mehr!“ Der Gruß . M ir ist ein roth Gold Ringelein Auf meinen Fuß gefallen; So darf ichs doch nicht heben auf, Die Leut, die sehens alle. 3 Band . 9. Mit Lust tret ich an diesen Tanz, Ich hoff, mir wird ein schoͤner Kranz Von einem schoͤn Jungfraͤulein, Darum will ich ihr eigen seyu; So tret ich hin auf einen Stein, Gott gruͤß dich zart Jungfraͤuelein; Und gruͤß euch Gott allsammt gleich, Sie seyn arm oder reich. Gott gruͤß euch alle als gemein, Dazu auch die klein, So ich gruͤß die ein, die andre nicht, So waͤr ich kein Rechter, die andre spricht. Lied des abgesetzten Sultan Selim im alten Serail, nachdem er sich der Kunst gewidmet . D er Guguck ist ein braver Mann, Der sieben Weiber brauchen kann; Di eerste kehrt die Stube aus, Die zweite wirft den Unflath n'aus; Die dritte nimmt den Flederwisch, Und kehrt des Guckuck seinen Tisch; Die vierte bringt ihm Brod und Wein, Die fuͤnfte schenkt ihm fleißig ein; Die sechste macht sein Bettlein warm, Die siebente schlaͤft in seinem Arm. Weihnachtlied . (Muͤndlich.) O du mein Mopper, wo willt du hinaus, Ich kann dir nicht erzaͤhlen Meine guͤldene Klaus: Laß klinken, laß klanken, Laß all herunter schwanken; Ich weiß nicht, soll ich huͤten Ochs oder Schaf, Oder soll ich essen Einen Kaͤs und ein Brod. Bei Ochsen und bei Schafen Kann man nicht schlafen, Da thut es sich eroͤffnen Das himmlische Thor, Da kugeln die Engel Ganz haufenweis hervor. Gute Lehre . G rad Herz brich nicht, Lieb mich und sags nicht, Liebst du mich, Wie ich dich, Bleibt die Lieb bestaͤndiglich. Schoͤnste Rose fall nicht ab, Bis ich komm und brech dich ab; Wenn mich schon die Dornen stechen, Will ich doch die Ros' abbrechen. Wer die Rosen will abbrechen, Muß nicht achten der Dornen Stechen; Rosendornen stechen sehr, Falsche Liebe noch viel mehr! Mailied . I m Maien im Maien ists lieblich und schoͤn, Da finden sich viel Kurzweil und Wonn'; Frau Nachtigall singet, Die Lerche sich schwinget Ueber Berg und uͤber Thal. Die Pforten der Erde, die schließen sich auf, Und lassen so manches Bluͤmlein herauf, Als Lilien und Rosen, Violen, Zeitlosen, Cypressen und auch Naͤgelein. In solchen wohlriechenden Bluͤmlein zart, Spazieret eine Jungfrau von edeler Art; Sie windet und bindet, Gar zierlich und fein, Ihrem Herzallerliebsten ein Kraͤnzelein. Da herzt man, da scherzt man, da freuet man sich, Da singt man, da springt man, da ist man froͤhlich; Da klaget ein Liebchen Dem andern sein' Noth, Da kuͤßt man so manches Muͤndlein roth. Ach Scheiden, ach Scheiden, du schneidendes Schwerdt, Du hast mir mein junges frisch Herzlein verkehrt. Wiederkommen macht, Daß man Scheiden nicht acht't; Ade, zu tausend guter Nacht. Im Maien, im Maien, da freuet man sich, Da singt man, da springt man, da ist man froͤhlich, Da kommet so manches Liebchen zusammen; Ade, in tausend Gottes Namen. Schweizerisch Kriegsgebet . L aßt uͤs abermal betta Fuͤr uͤsra Stadt und Flecka, Fuͤr uͤsre Kuͤh und Geissa, Fuͤr uͤsre Wittwa und Weißa, Fuͤr uͤsre Roß und Rinder, Fuͤr uͤsre Weib und Kinder, Fuͤr uͤsre Henna und Hahna, Fuͤr uͤsre Kessel und Pfanna, Fuͤr uͤsre Gaͤns nnd Endta, Fuͤr uͤsre Oberst und Regenta, An insonderheit fuͤr uͤsre liebi Schwitz, Wenn der blutig Krieg wett ko, Wett alls naͤ, so wetten wir uͤs treuli wehra, Und ihn niena dura loh, Au den Find gar ztod schloh, Und dann singa; „Eia Viktoria! der Find ischt ko, hett alles gno, „Hett Fenster i gschlaga, hets Blie drus graba, „Hett Kugla drus goßa, und dBaura erschossa; „Eia Viktoria! nu ischts us, geht wiedri na Hus.“ Des Hirten Einsamkeit . (Alpenlied. I sch aͤbi aͤ Mensch uf Erde, Simeliberg, Un Fraͤneli ab de Kuggisberg Un Sibethals Jaͤggeli aͤnne de Berg, Isch aͤbi aͤ Mensch uf Erde, Daß y mag by em sy. An mag der my nit werde, Simeliberg Un Franeli u. s. w. Un Sibethals u. s. w. Us Kummer sterben y. In mines Buhiis Garte, Simeliberg u. s. w. Da stan zwei Baͤumeli. Das eine treit Muskate, Simeliberg u. s. w. Das andre Naͤgeli. Muskate, die sind suͤßi, Simeliberg u. s. w. Die Naͤgeli schmecke raͤß. Dort aͤne in der Tiefi, Simeliberg u. s. w. Da stand aͤ Muͤhlirad. Das Muͤhlirad isch broche, Simeliberg u. s. w. Die Liebi hat aͤn End. Emmenthaler Kuͤhreihen . Knabe . M ys Lieb' isch gar wyt inne, Dort inne uf der steinige Fluh; Wenn i scho zun ihm wetti, O so reute mi di Schuh! Meitscheni . La du di dSchuh nit reuen, Leg du dine Bantoͤffeli a; We du si de hest broche, So chast ja de angeri ha. Knabe . J ma nit i der Wuche Uf d Fluh zu mynem Schaͤtzeli ga, Es gitt ja so ne Fyrtig, Wo ni zum Schaͤtzeli cha! Meitscheni . My Schatz cha gar gut hornen, Er cha di Meyhli alli gar wohl; Er hornt mer alli Morgen, O wenn i ga melche soll. Knabe . Mys Lieb' trybt uͤber d' Gasse, Gar s'tusigs schoͤnes Truͤppeli Veh! O i ha gar laͤngi Zyti, Wenn is de so nimme eha g'fah! Meitscheni . Wenn i de soll ga maͤlche, So steyt mer de mys Kuͤhli nit recht; Da stellen i d's Kuͤhle naͤbe mi, Und gaugle mit dem Knecht. Knabe . O d's Kuͤhli wey mer verkaufe, U d's Kalbeli wey mer de no b'ha; Wenn fruͤh de d'Meitscheni maͤlche, O han i de no zu der gah. Schweizerisch . S isch no nit lang daß gregnet haͤtt, Die Laͤubli troͤpfle no, I hab e mohl e Schazli ghaͤtt, I wott, i haͤtt es no. Jez isch er gange go wandere, I wuͤnsch em Loͤcher in d'Schuh, Jez hab i wieder en andere, Gott gaͤb mer Gluͤck dazu. S'isch no nit lang, daß er g'heirat haͤtt, S'isch gar e kurzi Zyt; Si Roͤckli ist em loderich, Si Struͤmpfli sin em z'wyt. Jahreszeiten . S chwarzbraun ist meine dunkle Farbe, Darin will ich mich kleiden; Den besten Schatz und den ich hab, Der will jezt von mir scheiden. Ei scheidet sich dann der Winter von mir, So kommt ein frischer Sommer; Hat er dann Lust und Liebe zu mir, So wird er wiederum kommen. Dort droben vor meines Vaters Haus, Da steht eine gruͤne Linde; Darauf saß die Frau Nachtigall Und sang von heller Stimme. Ei sitzest du da Frau Nachtigall, Und singest von heller Stimme; Ei zwinget dich dann der edle Schnee, Das gruͤne Laub vor der Linde. Und wann die Linde das Laub verliehrt, So trauren alle Aeste; Daran gedenkt ihr Maͤdechen jung, Und setzt eure Kraͤnzlein feste. Setzt ihr sie fest und nicht zu fest, Setzt ihr sie nach euren Maasen; Und wenn es einmal zum Scheiden kommt, Daß ihr sie koͤnnt ablassen. Schreibstunde . (Drey weltliche neue Lieder i. J. 1642.) E s bat ein Bauer ein Toͤchterlein, Daß es doch thaͤte den Willen sein; Er bot ihr Silber und rothes Gold, Daß sie ihn lieb haͤtt und heirathen sollt, Gar oͤffentlich. Als ein Studente das hat erhoͤrt, Er seinem Haus den Ruͤcken kehrt; Kam vor der Jungfrauen ihre Thuͤr, Und klopft mit seinem Finger dafuͤr, Gar heimlich. Die Jungfrau im Arm auf dem Bette lag, Und zum Studenten ganz leise sprach: Ist jemand draussen, begehret mein, Der zieh das Schnuͤrlein und komm herein Gar heimlich. Als das der Bauer doch hat gehoͤrt, Dem Hause sein er den Ruͤcken kehrt; Und kam vor der Jungfrauen Thuͤr, Er klopft mit seinem Stiefel dafuͤr Gar oͤffentlich. Die Jungfrau war in Freuden wach, Und zu dem Bauern da lachend sprach: Ist jemand da, der begehrt hinein, Der such sich ein ander Jungfraͤulein Garheimlich. Wer ists, der heut uns dies Liedlein sang? Ein freyer Studente ist er genannt; Er lehrt der Jungfrau Lesen und Schreiben, Braucht dazu weder Feder noch Kreiden, Gar heimlich. Und wenn das Maͤdchen erst schreiben kann, Dann reist er wieder, wird Doktor dann; Und sitzt bei Buͤchern und bei dem Wein, Ihr Brieflein troͤstet ihn doch allein, Gar heimlich. Erdtoffeln mit Rippenstuͤckchen . E insmals ein Maͤgdlein frisch und jung, Gieng aufrecht wie ein Hirsch im Sprung; Und von einem Juͤngling, den sie kannt, Ihre Aeuglein klar durchaus nicht wandt. Der Juͤngling schalt und sprach zu ihr, Wie ihr mit nichten dies gebuͤhr, Sondern sie sollt ganz zuͤchtiglich Die Aeuglein schlagen unter sich. Sie sprach gar bald: Mit nichten das, Dies Anschaun ich nit unterlaß; Zur Erd zu schauen dir gebuͤhrt, Weil aus der Erd dein Ursprung ruͤhrt. Des Mannes Ripp mein Ursprung ist, Die such ich auch ohn Falsch und List; Und daß solch Ripp in Zucht und Ehr Mit mir vereint werd ich begehr. Der verwandelte Einsiedler . (Muͤndlich.) D a droben aufm Huͤgel, Wo die Nachtigall singt, Da tanzt der Einsiedel, Daß die Kutt in die Hoͤb springt. Der Knabe . Ey laßt ihn nur tanzen, Ey laß ihn nur seyn; Zu Nacht muß er beten, Und schlafen allein. Da droben aufm Huͤgel, Wo's Fuͤchslein drauf lauft; Da sitzt der Einsiedel, Hat d' Kutte verkauft. Der Knabe . Da droben aufm Huͤgel, Wo die Nachtigall singt, Da ist es mein Schaͤtzel, Mein allerliebst Kind. Das Maͤdchen . Der Einsiedel auf dem Zitterbaum, Der schaute wo der Tag her kam. Der Knabe . Der Tag, der kommt vom Morgenstern, Bei meinem Liebchen bin ich gern. Espenzweigelein . (Forsters frische Liedlein.) H aͤtt mir ein Espenzweigelein Gebogen zu der Erden; Den liebsten Bulen, den ich hab, Der ist mir leider allzuferne. Er ist mir doch zu ferne nicht, Bei ihm hab ich geschlafen; Von rothem Gold ein Fingerlein Hab ich in seinem Bett gelassen. Und da ichs da gelassen hab, Will ichs auch wieder bekommen; Und thun, als ob ichs bei mir haͤtt, Und waͤr mir keinmal genommen. Ja zwischen Berg und tiefe Thal Da geht ein enge Straße: Wer seinen Buhl nicht haben will, Der soll ihn allzeit fahren lassen. Scheid dich nit Herzensdoͤckelein, Von dir will ich nit weichen; Hab Andre lieber nit als mich, Im Reich findt man nit dein's Gleichen. Kurzweil . (Muͤndlich.) I ch weiß nicht, was ich meinem Schaͤtzchen verhieß, Das sie den Riegel wohl hinter sich stieß; Wohl hinter sich in die Ecke, Dann schlich ich zu ihr ins Bettchen. Die zwei, die liegen die halbe Nacht, Bis daß das Gloͤcklein zwoͤlfe schlagt: Steh auf Braunes Maͤdchen zum Laden, Schau ob es noch nicht will tagen. Sie gab dem Laden einen Stoß, Da scheint ihr der helle Mond in den Schoos: Bleibt liegen gut Ritterlein stille, Es taget nach unserm Willen. Die zwei, die liegen die ganze Nacht, Bis das das Gloͤcklein Sechse schlagt; Steh auf braunes Maͤdchen zum Laden, Schau ob es noch nicht will tagen? Sie gab dem Laden einen Stoß, Da scheint ihr die helle Sonn in den Schoos; Steh auf gut Ritterlein balde, Die Sonn steht uͤberm Walde. Ei scheint die Sonn, und ich bin noch hier, O Gott! wie wirds ergehen mir; Ich hab mich gestern Abend vermessen, Bin's leztemal bei dir gewesen. Das Maͤdchen war so hurtig und eil, Ließ den Knaben herunter am Seil, Sie meint, er waͤre schon drunnen, Da lag er im kuͤhlen Brunnen. Es stand wohl an drei viertel Jahr, Da Braußinde ein Kind gebahr; Wir wollen tauffen Haͤnschen den Jungen, Sein Vater ertrunken im Brunnen. Schnelle Entwickelung . (Nach dem Jenaer Codex.) E in junger Mann nahm sich ein Weib, Holdselig und gar fein von Leib. Dem Weib er uͤbersah gar viel, Schwieg ihr in allen Dingen still. Also gewinnt das Weib den Mann, Daß er nicht mehr zu Wein gehn kann. Muß der Gesellen auch ablassen, Darf nur mit ihr allein noch spassen, Doch einsmal seht, da gieng er aus, Kam ohngefaͤhr vors Schenkwirthshaus. Gesellen sein darinnen sassen, Recht froͤhlich tranken, sangen, assen. Sie thaͤten ihm gar balde winken, Der ein stand auf, bot ihm zu trinken. Er schuͤttelte den Kopf und lachte, Die Leute grosse Augen machten. Der ein fuͤhrt ihn hinein geschwind, Er sizt bei ihnen wie ein Kind. Es war sein Herz ihm noch so schwer, Hub an zu seufzen gar zu sehr. Wie er ans Heimweh nur gedacht, Der Frau Gesundheit ward gebracht. Er tranks hinein, er trank es aus, Und dachte gar nicht mehr nach Haus Sein Glas, das ruͤckt er immer vor, Und war der lauteste im Chor. Doch die Gesellen giengen eben, Zwei mußten ihn nach Hause heben. Recht mit Gewalt sie mußten schleppen, Er stuͤrzt hinauf die schmalen Treppen. Das Weib mit Angst kam angegangen, Ein Ungluͤck meint sie, waͤr ergangen. Sie hat die ganze Nacht gewacht, Und im Gebet an ihn gedacht. 3. Band . 10. Da ist er hart sie angegangen, Mit Schlaͤgen hat er sie empfangen. Was ist fuͤr Lehr daraus geflossen, Nicht jede Eh ist im Himmel geschossen. Kurzweil . (Aus H. v. Stromers Familienbuche v. J. 1581.) I ch hab mir ein Maidlein auserwaͤhlt, Dasselbig mir im Herzen wohlgefaͤllt; Von Ehren ist sie hoch zu loben, Mein junges Herz In Schimpf und Scherz Muß gar bei ihr vertoben. Dasselbig Maidlein, das ist mein, Soll mir also gesinnet seyn; Mein Herz ist traurig volle Wieder hinum, Das Maidlein frum, Mich herzlich troͤsten solle. Am Abend, wenn ich soll schlafen gehn, Nachdem so wird sie's wohl verstehn, Nehm ich sie freundlich an meinen Arm, An meinen Leib Sie als mein Weib, Ich als ihr lieber Mann. Und wenn denn solches als geschicht, So zweifelt mir mit nichten nicht, Gott wird sein Segen dazu geben; Drauf daß uns komm Ein Kindlein fromm, In solchem ehlichen Leben. Wird solches Kind ein Maidelein, So soll Elß sein Nahme seyn; Gleich wie man mein liebes Weib thut nennen, Daß durch die Tauf Sein Suͤnd ersauf, Drauf daß es Gott erkenne. Beschehrt mir Gott ein werthen Sohn, Bin ich mehr erfreuet von; Also in solcher Gestalte, Sein Nahm christlich, Heissen wie ich, Mit Nahmen Jorg Gruͤnenwalde. Sonnenblicke . (Muͤndlich.) D er Sommer und der Sonnenschein, Ganz lieblich mir das Herze mein Erquicken und erfreuen; Daß ich mit Lust im gruͤnen Gras Mag springen an dem Reihen. Des lacht die Allerliebste mein, Wollt Gott, ich sollt heut bei ihr seyn, In Zuͤchten und in Ehren; Das waͤr meins Herzens groͤßte Freud, Darauf darf ich wohl schwoͤren. Demselben wackren Maͤgdelein, Schickt neulich ich ein Kraͤnzelein, Mit rothem Gold umwunden; Dabei sie mein gedenken sollt, Zu hunderttausend Stunden. Ich ritt durch einen gruͤnen Wald, Da sangen die Voͤglein wohlgestalt, Frau Nachtigall mit ihnen; Nun singt ihr klein Waldvoͤgelein, Um meines Buhlen willen. Ehestand . (Procopü decalogate conjugale II. T. p. 469.) I ch gieng spazieren in ein Feld Ohne Suͤnde; Mich umzusehen in der Welt, Wie es stuͤnde. Es war an einem Sonntag gut, Nach dem Essen; Mein Leid, das mich so quaͤlen thut, Zu vergessen. Mit Gedanken thaͤt ich zanken, Thaͤt ich zanken. Sehr tief gedacht ich hin und her, Wo ich auswollt; Mir selbst wußt nicht zu rathen mehr, Was ich thun sollt. Allein zu bleiben mich verdroß, Mit der Weile; Zum Heurathen die Lust war groß, In der Eile. Wollt schier wagen, ja zu sagen, Ja zu sagen. Und sieh, ein Juͤngling trat herfuͤr, Wohlbekleidet; Er gruͤßt mich freundlich in Gebuͤhr, Mich begleitet. An Haͤnden trug er guͤldne Ring, Die ihn zierten; Auch noch mehr andre koͤstlich Ding Ihn beruͤhrten. An dem allen haͤtt Gefallen, Haͤtt Gefallen. Bei neben ward ich auch gewahr, Daß der Juͤngling Ein schweres Joch trug immerdar, Das ihm anhing. An Fuͤssen haͤtt er Ketten stark, Stahl und Eisen; Das schmerzt ihn bis auf Bein und Mark, Konnt aufreissen. Ottern, Schlangen auch dran hangen, Auch dran hangen. Da ich nun ward mit ihm bekannt, Ich ihn fragte: Juͤngling wer bist? Wie wirst genannt? Er mir sagte: Ich bin der Ehstand dieser Welt, Also heiß ich; So mancher, tapfre kuͤhne Held Um mich reißt sich. Zum Heurathen thu ich laden, Thu ich laden. Dann ich ihn erst recht schaute an, Mit Verwundern; Gedacht: Sollt denn ich freyer Mann Gleich jezunder Beladen mich mit solchem Joch, Und verbinden? Ich wills wohl lassen bleiben noch, Kanns nicht finden; Will mich drinnen das besinnen, Bas besinnen. Todesahndung einer Woͤchnerin . M ein Auge wankt, Am Mond erkrankt, Er moͤchte mir beyspringen, Mir drohn des Todes Klingen. Muß Sichelschein Den Zirkel rund Zur Todesfackel fuͤllen, Ich bild mirs ein, Ich sterb zur Stund; Helft weinen ihr Gespielen! Vergoͤnnt es mir, Das Gruͤn hinfuͤr Allhier noch anzuschauen, Auf Bergen, Thal und Auen; Was Laub und Bluͤth Ins Auge traͤgt, An Buchen, Eichen, Tannen, Und was nur hie Der Fruͤhling pflegt, Fuͤr Teppich aufzuspannen. Die Wasserfluͤß Bezeugen dieß, Die rauschend weiter fließen, Die Buͤsche gruͤn begiessen; Nie stehn sie still, Sind ohne Ruh, Die Reis' mir anzudeuten; Wenn ich erfuͤllt Mein Werk dazu, Nach den erkannten Zeiten. Ein Monat Licht, Von hinnen fluͤcht; Das Trauern in dem Hirne Treibts Uhrwerk der Gestirne. Wohlan so lauf O Thraͤn den Weg, Zur Wanderschaft mußt fliessen; Verlobt zum Kauf Dich niederleg, Den juͤngsten Tag zu gruͤssen. Wenn ich schon klag, So viel ich mag, Mein schwache Stimm zu heben, Weil ich moͤcht laͤnger leben; Mein Herz vernimmt In gleichem Schall, Umsonst ist mein Bewerben. Es bringt die Stimm Im Wiederhall, Ich muͤsse leider sterben! Die Klinge zuͤck, Ich nicht verruͤck Die perlenweisse Kehle, Gott gnadet meiner Seele! In weiß und roth Geziert will seyn, In hocherwuͤnschten Farben; Denn Jesu Tod Bricht Roͤselein, Die nie bisher verdarben. Der verschwundene Stern . (Von M. Claudius.) E s stand ein Sternlein am Himmel, Ein Sternlein guter Art; Das thaͤt so lieblich scheinen, So lieblich und so zart. Ich wußte seine Stelle Am Himmel, wo es stand; Trat Abends vor die Schwelle Und suchte bis ichs fand. Und blieb dann lange stehen, Hat grosse Freud in mir; Das Sternlein anzusehen, Und dankte Gott dafuͤr. Das Sternlein ist verschwunden, Ich suche hin und her; Wo ich es sonst gefunden, Und find es nun nicht mehr. Ein hohes Lied . (In des Schillers Ton. 1450-1500.) M ein Herz das schwebt in Freudenspur, Gedenk ich, wie die Kreatur In Zweiheit ist gebildet; Des sey gelobt der Schoͤpfer weis', Der uns erschuf im Paradeis, Erschuf jungfraͤulichs Bilde, Die er da einem Juͤngling gab, Den er gemacht aus Erden; Darum dien jezt ich junger Knab Wohl einer Jungfrau werthe. Ihr hohes Lob, das will ich ihr verkuͤnden, Ob ich es moͤgt durchgruͤnden, Nach meines Herzens Gier, Ob ich gefiel auch ihr. Gott gruͤß die schoͤnste Jungfrau fein, Die gaͤnzlich hat das Herze mein, Mit ihrer Lieb besessen; Darum hab ich sie auserwaͤhlt, Ein Jungfrau, die mir wohl gefaͤllt, Ich kann ihr nicht vergessen. Wohl Tag und Nacht, wohl fruͤh und spaͤt Liegt sie mir in dem Sinne; All meine Hoffnung auf ihr steht, Moͤcht ihre Huld gewinnen. Mir liebt ihr Zucht, ihr jungfraͤuliche Guͤte, Sie fuͤhrt ein frei Gemuͤthe; Sie lebt mit Ehren ganz, Mit Recht traͤgt sie den Kranz. Das Kraͤnzlein, das sie tragen soll In Wort und Sitte traͤgt sie's wohl So ganz ohn allen Wandel; Hutsam behaͤlt sie ihr Gesicht, Kein Aergerniß giebt's keinem nicht, In Ihrem Gang und Wandel. Sie geht so schnelle auf der Straß, Wer sie darauf thaͤt gruͤßen, Schließts Muͤndlein auf in sanfter Maas, Und dankt mit Worten suͤße. Ihre Wort sind wahr und nicht erlogen, Sie hat mich nie betrogen; Mich nie gefuͤhrt am Seil, Sie biet sich selbst nicht feil. Drum hab ich sie auserkorn, Sie ist von gutem Stamm geborn, Zu Ehren schoͤn erzogen; Darum will ich ihr Diener seyn, Sie hat erleucht das Herze mein, Ist wahr und nicht erlogen. Sie traͤgt ein ehrentlich Gewand, Gar adelich gesticket, Mit ihr zarten Kunstes Hand, Und wer sie anerblicket, Dem moͤcht sein Herz in lauter Freude lachen; Auf Reinheit thut sie wachen, Darum bin ich ihr hold Vor Silber und vor Gold. Gott gruͤß die Jungfrau wohl gethan, Gar schwer ich gnugsam loben kann, Wohl ihren werthen Leibe; Ihr Haar ist lang, goldfarb und gelb, Ihr Oehrlein sind gar fein gewoͤlbt, Kein Spott ich damit treibe. Sie hat zwei huͤbsche Auͤglein klar, Lieblich als ein Demante; Darin das Weisse ist nicht gespart, Ihr Braͤulein stehn ohn Schande. Ihr Naͤßlein scharf, wie schwer kann ich sie loben, Ihr Kinn ist sanft erhoben, Ihr Mund geschwungen fein, Brennt recht als ein Rubein. Die Zaͤhnlein sind ihr ganz und weiß, Die Waͤnglein roth nach allem Fleiß, Darin zwei Gruͤblein kleine; Ihr Angesicht, das scheint sogar Gleich als der recht Kristall so klar, Polieret also reine. Ihr Kehle, die ist grad und schoͤn, Ihr Haͤlslein Lilienweisse; Auf ihrem Haupt ein Kron sollt stehn, Gezieret recht mit Fleiße. Ihr Haͤnd sind lind, gleich wie ein Hermeleine, Und weis wie Helfenbeine, Darin die Adern blau, Gott gruͤß dich o Jungfrau. All Ebenmaaß in ihrer Brust, Ihr Herz geziert in aller Lust, Daran zwei Bruͤstlein kleine, Sind nicht zu klein, und nicht zu groß, In Zuͤchten traͤgt sie auch nicht blos, Sie hat zwei grade Beine. Ihr zarter Leib ist wohl gestalt, Nach aller Freud und Ziere. Ihr Schoͤnheit hab ich nun gemahlt, Jungfrau erhoͤr mich schiere, Und sprecht zu mir ein liebreich freundlich Worte, Und wo ich das erhoͤrte, Mein Weh waͤr gar vorbei, Also erquickt ein Leu. Erquickt mit seiner Stimm die Woͤlf (Jungen) Also mir ihre Tugend helf, Mit einem lieben Gruͤßen; Dann thaͤt sie mir groß Freundschaft kund, Aus ihrem rosenfarben Mund, Sogar ohn alles Verdrießen. Dein Angesicht mich so erquickt, Gleich als der Strauß sein Junge; Du bist mein Freud, mein Trost, mein Gluͤck, Mich lockt dein suͤße Zunge. Wie auch der Jungfrau klares Singen, Das Einhorn koͤmmt mit Springen; Legt ihr das Haupt in Schoos, Und schlaͤft ganz kummerlos. Also bezwingt mich deine Stimm, Und wo ich dich Herzlieb vernimm, Besaͤnftet sich mein Grimme; Du machest mich so tugendsam, Demuͤthiglich gleich einem Lamm, Das macht dein milde Stimme. Daß mich hat deine Lieb und Guͤt So kraͤftiglich bezwungen; Daran gedenk du treu Gemuͤth, Acht nicht der falschen Zungen. Und wolle meinen Worten treulich glauben, Ich will dich nie berauben; Dein Ehr ist allen kund, Ich fuͤhr sie nie im Mund. Dies glaube meiner Staͤtigkeit, Es waͤr mir fuͤr dich selber leid, Mislaͤng dir deine Ehre; Deß lasse mich genießen schier, Nach Gott ist niemand lieber mir, Dein Dienst ich stets begehre. Wenn ich dir wohlgefaͤllig waͤr, Und waͤre nicht dein Spotte; Vergangen waͤr mir all Beschwer, Darum fleh ich zu Gotte. Wie große große Lieb ich zu dir trage, Getrau ich nicht zu sagen; Ach sieh mein Herze an! Gott gruͤß dich wohlgethan! O Jungfrau, adeliches Blut, Womit der Pelikanus gut Die Jungen mag ernaͤhren, Das nimmt er aus dem Herzen sein, Und koͤmmt darum in schwere Pein, Er thut sein Blut verzehren. Also verzehr ich Leib und Blut, Nach dir Sinn, Lieb und Witze; Du bist mir uͤber Phoͤnix gut, Der in der Glut thut sitzen. Darin verjuͤngt er sich mit Feuers Brennen, Wo ich dich, Lieb, hoͤr nennen; Da thut mein Herz ein Sprung, Und wird vor Freuden jung. Von dir mein Herz empfaͤnget Kraft, Recht nach des Panthers Eigenschaft, Wenns gehet in den Mayen; Dann steigt er auf ein Berg hinan, Viel andre Thiere folgen dann, Stehn um ihn an den Reihen. Jungfrau, koͤnnt ich dich loben bas, Das thaͤt ich allzeit gerne; Du gehst mir uͤber Laub und Gras, Wie der Mond uͤber die Sterne. Ach feins mein Lieb, laß mich der Treu genießen, Thu mir dein Herz erschließen, Vernimm den Willen mein, Zart edles Jungfraͤulein. Jungfrau vernimmst du den Gesang, Und hab ich dir gedienet lang, Das magst du wohl vergelten; Ich diene allezeit dir gern, Du bist mein lichter Morgenstern, Doch seh ich dich so selten. Das schafft, o Lieb, der Schwaͤtzer Mund, Mit ihrem falschen Sagen; Glaub ihnen nicht zu aller Stund, Vernimm meins Herzens Klagen. In rechter Treu sollst du nicht von mir wenken, Dies Lied thu ich dir schenken; Aus rechtem Sinn erdacht, Gott gebe dir viel guter Nacht! Ein neu Klaglied eines alten deut - schen Kriegsknechts wider die greu - liche und unerhoͤrte Kleidung der Pluderhosen in des Penzenauers Ton . 1555. W as soll ich aber singen, Ein wunderbar Geschicht; Das Herz moͤcht dem zerspringen, Ders nur einmal ansicht. Was man doch hat erfunden Alldort in jenem Land, Sieht man zu allen Stunden Ein großes Uebel und Schand. Es hat die Welt gestanden, Mehr als fuͤnftausend Jahr, Ist solche große Schande Aufkommen nie fuͤrwahr; Daß man die Gottesgaben Also mißbrauchen soll, Das wird kein Mensch nicht loben, Und ihnen sprechen wohl. Und wer denn nun will wissen, Was doch erfunden sey, Die Kriegsleut sind beflissen Auf solche Buberey; Sie lassen Hosen machen, In einem Ueberzug, Der haͤngt bis auf die Knochen, Ist doch noch nicht genug. Ein Latz muß seyn darneben, Wohl eines Kalbskopfs groß; Karteken drunter schweben, Seiden ohn alle Maaß. Kein Geld wird da gesparet, Und sollt man betteln gehn; Damit wird offenbaret Wer ihnen giebt den Lohn. Da gehen sie einher waten, Gleich als der Teufel recht; 3. Band . 11. Und schoͤren sie sich ein Platten, Sie waͤren seine Knecht. Auch hangen dran die Zotten Einer halben Elle lang. Thut man dann ihrer spotten, So hebens an ein Zank, Und wollen da verfechten Die ungeheuer Gestalt, Als haͤtten sies zu rechten, Und stuͤnd in ihrer Gewalt. Nach Gott thun sie nicht fragen, Wies ihm gefallen werd; Was er dazu wird sagen, Ist ihnen ohn alles Gefaͤrd. Und waͤr es ihnen befohlen, Sie thaͤtens nimmermehr! Sollt man den Teufel mahlen, Mit seinem ganzen Heer, Aerger koͤnnt mans nicht machen, Als mit ein solch Gestalt; Doch sind sie freye Hachen, Wer wills ihnen wehren bald. Sie meinen, wenn sie tragen Ein solch Gesperr am Bein; So darf sie niemand schlagen, Kriegsleut sind sie allein. Da doch wird oft gefunden Ein solch verzagtes Herz, So man ihn wollt verwunden, Er gaͤb die Flucht ohn Scherz. Nun wollt ich doch gern sehen, Wie ers wollt greifen an; Wenn sollt ein Sturm geschehen, Als ich gesehen han. Zu laufen noch zu steigen, Kann man ihn brauchen nicht; Vom Waten will ich schweigen, Wie denn da oft geschicht. Da steht er wie ein Luͤllen, In sein zerhackten Kleid; Wie will er doch erfuͤllen Seinen geschwornen Eyd? Er kann sich selbst nicht schuͤtzen, Wenn Laufen noͤthig waͤr; Bleibts Herz in Hosen sitzen, Sein Herz muß halten her. Kein Tuͤrk, kein Heid, kein Tartar Solch Unflat je erfind. Davon sonst ein Hausvater Gekleidet Weib und Kind, Das muß jezt einer haben Zu einem paar Hosen gar; Doch sind sie freye Knaben, Truz wers ihnen wehren darf. Sechs Ellen luͤndisch Gewande Wird einem begnuͤgen kaum; Ist das nicht große Schande, Darunter hat sie Raum. Wohl neun und neunzig Ellen Karteken muß er han; Dann sind sie freye Gesellen, Und stehen fuͤr einen Mann. Es tragens auch Studenten, Von den man lernen soll; Sie sollten seyn Regenten, Exempel geben wohl. Ihre christlichen Lehren Findens nicht in der Schrift; Sie solltens andern wehren, So sind sie selbst vergift. Schickt man sie auf die Schulen Mit groß Unkosten frey; Sie lernen saufen und buhlen, Das muß auch seyn dabey. Ein solch paar Pluderhosen, Dann sind sie Doktor schon; Weils tragen die Franzosen, Drum lassens nicht davon. Dazu die Handwerksgesellen, Die kaum das Badgeld hand; Doch Hosen tragen woͤllen, Und kostet es ein Land. Was sie durchs Jahr erkratzen, Das tragen sie daran; Dann sind sie freye Fratzen, Wann sie solch Hosen han. Wann sie dann unser Herrgott Angreift mit Krankheit schwer, So haben sie kein Vorrath, Spital muß halten her, Die großen Pluderhosen, Haben das Geld verzehrt; In leeren Beutel blasen, Wird manchen dann gelehrt. Ein Beyspiel thun sie geben, Mit ihren Hosen recht; Das ihnen gleich woll leben Schinder und Henkersknecht. Die tragen auch solch Hosen, Wann sie jagen die Hund; Und fluchen wie Franzosen, So sind sie gleich im Bund. Noch eins das ist geschehen, Das ich euch melden muß; Ich hab es selbst gesehen, Hosen bis uͤbern Fuß. Die Seiden, die muß lappen, Wohl hinten nach ers schleppt; Dazu ein kurze Kappen, Die ihm den Latz nicht deckt. Vor Zeiten macht man Roͤcke, Daß man den Latz bedeckt; Jetzund so muß er blecken, Auch sind daran gesteckt: Viel Farben mancherleyen, Die sind daran gestickt; Man moͤchte sie anspeien, Wenn man sie nur erblickt. Es haben unsre Alten Die Kleider drum gemacht, Daß sie sich vor dem Kalten Beschirmten Tag und Nacht, So geben diese Kleider Doch weder kalt noch warm, Groß Straf die fuͤrcht ich leider Fuͤr uns, daß Gott erbarm! Wie kann Gott Gluͤck doch geben, Dem deutschen Kriegesheer; Da sie so schaͤndlich streben Wider sein Lob und Ehr. Niemand soll Wunder nehmen, Daß der Tuͤrk nimmt uͤberhand; Wir sollten uns doch schaͤmen Vor jedem andern Land. Der Teufel mag wohl lachen Zu solchem Affenspiel; Ihm gefallen wohl die Sachen. Fleißig ers foͤrdern will, Seinem Rath folgen sie nach; Bis er bezahlt ihr Thaten, Reu ist zu spaͤt hernach. Dies Laster thut verklagen Ein alter Landsknecht gut; Der hat all seine Tage Gehabt ein Loͤwenmuth. Sein Leib thaͤt er nicht sparen, In deutsch und welschem Land; Doch hat er nie erfahren Von Deutschen groͤßre Schand. Drum er dies Liedlein sange, Und wundert sich so sehr; Ihm ward darob auch bange, Wo doch herkommen waͤr Ein solch greuliche Trachte Wider alle Billigkeit; Wer sie doch wohl erdachte, Ist Gott im Himmel leid. Ihr Fuͤrsten und ihr Herrn Laßt's euch zu Herzen gehn; Thut diesem Laster wehren, Heißt sie davon abstehn. Denn Gott wills an euch raͤchen, Er gab euch die Gewalt; Thut ihren Willen brechen, Denn Gottes Straf kommt bald. O Gott thu du drein sehen, Verzeih uns unsre Suͤnd; Und laß uns nicht geschehen, Den Suͤndern trag Erbarmen Ueber ihre Hosen weit, Und hilf zuletzt uns Armen In die ewige Seligkeit, Amen. Aufklaͤrung . (Fliegendes Blatt in Preussen.) W as soll ich thun, was soll ich glauben? Und was ist meine Zuversicht? Will man mir meine Zuflucht rauben, Die mir des Hoͤchsten Wort verspricht? So ist mein Leben, Gram und Leid, In dieser aufgeklaͤrten Zeit. Ein jeder schnitzt sich nach Belieben Jezt selber die Religion; Der Teufel, heißt es, ist vertrieben, Und Christus ist nicht Gottessohn; Und nichts gilt mehr Dreyeinigkeit, In dieser aufgeklaͤrten Zeit. Die Taufe, das Kommunicieren, Ist fuͤr die aufgeklaͤrte Welt Nur Thorheit wie das Kopulieren, Und bringet nur den Priestern Geld; Der Kluge nimmt ein Weib und freyt Nach Art der aufgeklaͤrten Zeit. Der Ehebruch ist keine Suͤnde, Noch weniger die Hurerey; Und obs gleich in der Bibel stuͤnde, , Steht doch der Galgen nicht dabey. Drum ists gelante Sittlichkeit In dieser aufgeklaͤrten Zeit. Der Aufgeklaͤrte folgt den Trieben, Und diese sind ihm Glaubenslehr; Was Gottes Wort ihm vorgeschrieben, Das deucht ihm fabelhaft und schwer. Dem Poͤbel ist es nur geweiht Und nicht der aufgeklaͤrten Zeit. Die Tugend sucht man zwar zu preisen, Als die alleine selig macht; Doch nur den Glauben zu verweisen, Weil der uns unsre Laster sagt. Und Laster suchet man nicht weit In dieser aufgeklaͤrten Zeit. So liegt nun in dem Suͤndenschlafe Das ganze aufgeklaͤrte Land; Weil auch die ewge Hoͤllenstrafe Ist gluͤcklich aus der Welt verbannt. Denn jeder hofft Barmherzigkeit In dieser und in jener Zeit. So schreiben alle Antichristen, Weil es dem Leichtsinn wohlgefaͤllt; Denn diese sind als Kanzelisten Vom Satan selber angestellt: Durch sie gewinnt der Teufel mehr, Als wenn er selbst zugegen waͤr. O laßt' mich doch bei meiner Bibel, Laßt mich in meiner Dunkelheit: Denn ohne Hoffnung wird mir uͤbel, Bei dieser aufgeklaͤrten Zeit; Und ohne Hoffnung bin ich hier Ein elend aufgeklaͤrtes Thier. Drum Thoren sprecht, ich mag nichts hoͤren, Verschonet mich mit eurem Gift; Gesetzt, wenn es auch Fabeln waͤren, Das, was ich lese in der Schrift; So macht mich doch dies Fabelbuch Zum Leben und zum Sterben klug. Es spricht: Erwach vom Suͤndenschlafe, Du thoͤrigt aufgeklaͤrtes Land; Es naht die schwere Hoͤllenstrafe, Der boͤse Feind ist nicht verbannt; Ich will euch lesen aus dem Buch Im Ungluͤck giebts mir Ruh genug. St . Meinrad . G raf Berthold von Sulchen, der fromme Mann, Er fuͤhrt sein Soͤhnlein an der Hand; Meinrad, mein Soͤhnlein von fuͤnf Jahren, Du mußt mit mir gen Reichenau fahren. Hatto, Hatto, nimm hin das Kind, Alle liebe Engelein mit ihm sind; Die geistlich Zucht mag er wohl lernen, Und mag ein Spiegel der Muͤnche werden. Er ging zur Schul barfuß ohne Schuh; Und legt die geistlich Kunst sich zu; Die Weisheit kam ihm vor der Zeit, Da ward er zu einem Priester geweiht. Da schickt ihn Hatto auf den Zuͤrcher See, Daß er ins Kloͤsterlein bei Jona geh; Bei Jona zu Oberzollingen, Da lehrt er die Muͤnch beten und singen. Da er lange ihr Schulmeister war, Und ihn die Bruͤder ehrten gar; Thaͤt er oft an dem Ufer stehen, Und nach dem wilden Gebirg hinsehen. Sein Gewissen zog ihn zur Wuͤste hin, Zur Einsamkeit stand all sein Sinn; Er sprach zu einem Muͤnch: Mein Bruder, Ruͤst uns ein Schifflein und zwey Ruder. Ueber See zur Wildniß zur Wuͤsteney, Hab ich gehoͤrt gut fischen sey; Da gehn die Fischlein in den einsamen Baͤchen! — Ja Herr, mein Meister, der Muͤnch thaͤt sprechen. Sie fuͤhren gen Rapperswyl uͤber See, Zu einer frommen Wittib sie da gehn; Bewahr uns die Gewand, sie zu ihr sprechen, Daß sie uns nicht in der Wildniß zerbrechen. Sankt Meinrad und der Bruder gut, Sie folgten wohl der Baͤchlein Fluth: Sie fischten hinan in dem Fluͤßlein Sille, Bis in die Alp gar wild und stille. O Herr und Meister, lieber Sankt Meinrad, Wir haben Fischlein schon mehr als satt; Noch nit genug Meinrad da saget, Steigt wo der Finsterwald herraget. Und da sie gegangen den dritten Tag Im finstern Wald eine Matte lag; Ein Born da unter Steinen quillet, Da hat Sankt Meinrad den Durst gestillet. Nun lieber Bruder, nun ists genug, Gen Rapperswyl die Fisch er trug; Die fromm Wittib stand vor der Pforten, Und gruͤßt die Muͤnch mit frohen Worten. Willkomm, willkomm ihr bleibt schier lang, Die reißende Thier, die machten mich bang; Die Fisch, die thaͤt sie braten und sieden, Die assen sie in Gottes Frieden. Frau hoͤrt mich an durch Gott den Herrn! — Die Wittib sprach: Das thu ich gern! Ein armer Priester hat das Begehren, Sein Leben im Finsterwald zu verzehren. Nun sprecht ob hier ein Frommer leb, Der ihm ein klein Almosen geb; Sie sprach: Ich bin allein allhiere, Ich werd ihm ein Almoseniere. Da thaͤt Sankt Meinrad ihr vertrauen, Daß er sich wollt ein Zelle bauen; Und kehrt nach Oberpollingen, Thaͤt noch ein Jahr da beten und singen. Aber die Einsamkeit draͤngt ihn sehr, Er hat kein ruhig Stund da mehr; Und eilt nach Rapperswyl zu der Frauen, Die ließ ihm da seine Zelle bauen. Am Aepfel wohnt er sieben Jahr, Viel fromme Leut die kamen dar; Seine Heiligkeit macht groß Geschrey, Ung zog da gar viel Volks herbei. Solch weltlich Ehr bracht ihm viel Schmerz, Sein Huͤttlein ruͤckt er waldeinwaͤrts; Zum finstern Wald, wo das Bruͤnnlein quillet, Das ihm einst seinen Durst gestillet. Und wenn er sich das Holz abhaut, Daraus er seine Zelle baut; Findt er ein Nest mit jungen Raben, Die thaͤt er da mit Brod erlaben. Die fromm Frau auch von Rapperswyl Schickt ihm Almosen ein gut Theil; So lebt er waͤhrend funfzehn Jahren, Sein Freund die beiden Raben waren. Von Wollrau war ein Zimmermann, Der kam da zu dem Wald heran; Und bat auch den St. Meinrad eben, Sein Kindlein aus der Tauf zu heben. Da gieng St. Meinrad hinab ins Land, Dem Zimmermann zur Taufe stand; Und kam da wieder zu vielen Ehren, Das thaͤten zwei boͤse Moͤrder hoͤren. Peter und Reinhard dachten wohl, St. Meinrads Opferstock waͤr voll; Und wie sie zum Finsterwald eintreten, Die Raben schreien in großen Noͤthen. St. Meinrad las' die Meß zur Stund, Der Herr thaͤt ihm sein Stuͤndlein kund; Da betet er aus ganzer Seele, Daß ihn der Himmel auserwaͤhle. Die Moͤrder schlagen an die Thuͤr: Du boͤser Muͤnich tret herfuͤr; Thu auf, gieb uns dein Geld zusammen, Sonst stecken wir dein Haus in Flammen. Im Finster Wald schallts ganz verworrn, Die Raben mehren ihren Zorn; Um ihre Haͤupter sie wuͤthend kreisen, Nach ihren Augen hakken und beißen. St. Meinrad sanft zu ihnen tritt, Bringt ihnen Brod und Wasser mit; Eßt, trinkt, ihr Gaͤste, seyd willkommen, Dann thut, warum ihr hergekommen. Der Reinhard sprach: Warum komm ich? St. Meinrad sprach: Zu toͤdten mich; Da schrien sie beide: Kannst du es wissen? So werden wirs vollbringen muͤssen. Nun gieb dein Silber und all dein Gut! — Da schlugen sie ihn wohl aufs Blut; Und da sie seine Armuth sahen, Thaͤten sie ihn zu Boden schlagen. Da sprach der liebe Gottesmann: Ihr lieben Freund nun hoͤrt mich an; Zuͤndt mir ein Licht zu meiner Leiche, Dann eilt, daß euch kein Feind erreiche. Der Peter gieng da zur Kapell, Zu zuͤnden an die Kerze hell; Die thaͤt durch Gott von selbst erbrennen, Die Moͤrder da ihr Schuld erkennen. Die Kerze brennt an seiner Seit, Ein Wohlgeruch sich auch verbreit; Sein Seel thaͤt zu dem Himmel ziehen, Die Moͤrder da erschrocken fliehen. Aber die frommen Raben beid, Die gaben ihnen boͤs Geleit; Um ihre Haͤupter sie zornig kreisen, Und ihnen Haar und Stirn zerreissen. Durch Wolrau kamen sie gerannt, Der Zimmermann die Raben kannt; Da thaͤt er seinen Bruder bitten, Zu folgen ihren wilden Schritten. Indeß lief er in den Finsterwald, Sucht seinen lieben Gevatter bald; Der lag erschlagen auf gruͤner Heide, Die Kerze brannt an seiner Seite. Er kuͤßt ihn auf den blutgen Mund, Huͤllt in den Mantel ihn zur Stund; Legt weinend ihn in die Kapelle, An seines heilgen Altars Schwelle. Und eilt herunter in das Land, Sein Jammer allen macht bekannt; Und schickt hinauf sein Kind und Frauen, Nach ihrem heilgen Freund zu schauen. Die Moͤrder fand er im Wirthshaus, An der Schifflande zu Zuͤrich draus; Die Raben stießen die Fenster ein, Und warfen um das Bier und Wein. Die Moͤrder man ergriff und band, Ihr Schuld, die haben sie bekannt; Und bis hin auf den Scheiterhaufen, Die Raben sie wohl hakken und raufen. Der Abt zu Reichenau da hoͤrt, Der fromm St. Meinrad sey ermoͤrdt; Schickt auch mit Licht und Fahn viel Bruͤder, Zu holen des St. Meinrads Glieder. Und da der Leib zum Etzell kam, Wo er gewohnt ber heilge Mann; Da war der Sarg nicht zu bewegen, Sie mußten ihn da niederlegen. Sein heilig Herz und Ingeweid Sie da begruben zu der Zeit; Den Leib sie dann mit Beten und Singen Nach Reichenau zur Kirche bringen. Wo er gestorben und gelebt, Das Kloster Einsiedeln sich erhebt; Fuͤr fromme Pilger ein Wunderquelle, Quillt dort in St. Meinrads Kapelle. Goldarbeiten auf dem Liebesbande . (Christian Fende Anleitung fuͤr eine gottsuchende Seele. Graͤtz 1732. S. 175.) I ch wollt um meines Herren Haupt, Das ganz von Dornen war umschraubt, Ein Kronenband von Golde binden; Das sollte meine Liebe seyn, Da braucht ich nun ein Schmelzwerk drein, Das wußt ich nirgends aufzufinden; Doch traf mein Geist auf guter Bahn Noch endlich einen Goldschmied an. Der legte mir zu dieser Zier Der Muster eine Menge fuͤr; Ich waͤhlt und weiß es noch zu nennen, Ein Haupt, darauf man Balsam goß, Der auch davon herunter floß, Doch, daß der Leib nicht wohl zu kennen; Dabei war dies die Nebenschrift: Wohl dem, den dieser Balsam trift. Zur andern ward mir vorgelegt Ein Oehlbaum, den man abgesaͤgt, Und frisch mit Reisern uͤbersetzet; 3. Band . 12. Dabei ein alter Gaͤrtner stund, Von dem der ungehackte Grund Mit Wasser ward umher benetzet; Und schiens, als sagte dieser Greis: Wohl dem, der hier steht, wie ein Reis. Drauf legt er einen Weinstock dar, Der voller gruͤner Reben war, Die theils mit Trauben angefuͤllet, Theils aber stunden nur zum Schein, Und schnitt der Gaͤrtner frisch darein, Wo solches Laub den Stock verhuͤllet; Sein Wort schien dies zu jeder Frist: Weg, was kein fruchtbar Reben ist. Das vierte war ein weisses Kleid, Ein Sinnbild der Gerechtigkeit, Mit Christi Werken ausgesticket; Das gab ein Vater anzuziehn, Der Sohn warf seinen Kittel hin, Der ganz mit Flicken zugestuͤcket; Und wie es schien, fing dieser an: Wohl, wenn ich mich so kleiden kann. Drauf kam mir vor ein Waizenfeld, Das große Bild der Christenwelt, Mit Unkraut hin und her besprenget; Da stand ein hurtger Ackermann, Und schlug mit seiner Sichel an, Wiewohl der Acker so gemenget; Doch schiens, als spraͤch er dies darein: Wohl dem, der hier kann Waizen saͤ'n. Und was zum sechsten vor uns kam, Das war ein edler Braͤutigam, Mit Hochzeitkleidern ausgeschmuͤcket; Der bot der Braut die Liebeshand, Die war in reiner Lieb entbrannt, Und schaut auf ihn, wie halb entzuͤcket; Vom Himmel gab es diesen Laut: Wie selig ist des Hoͤchsten Braut. Darauf kam mir ein Schaͤfer fuͤr, Zwar schlecht von Kleid und sonder Zier, Doch lag ein Schaf auf seinem Ruͤcken; Das schien, als haͤtt ers aus der Nacht Und aus der Irr auch heimgebracht, Und wollt es bei der Heerd erquicken; Dabei dies Wort gelesen ward: Wohl, wenn man hat des Schaͤfleins Art. Zum achten zog in einem Kahn Ein Schiffer seinen Zug heran, Als wollt er nun das Netz ausleeren; Da sah man Fisch und Koth und Stein In einem Garn ergriffen seyn, Das fing er gleich an umzukehren; Und mischte diesen Spruch darein: Wohl dem, der wie ein Fisch kann seyn. Drauf sah ich, wie Metall da floß, Das einer in die Forme goß, Ein Crucifix darauf zu giessen, Das im Metall darneben stund; Wie da der Herr fuͤr unsern Bund Sein Blut ließ, wie die Stroͤme fliessen; Daruͤber stand dies Wort erhoͤht: Wohl, wer in dieser Forme steht. Zum zehnten war da ein Spital, Und Kranken drinnen ohne Zahl, Und wollt ein Arzt zu ihnen treten, Den liessen viel von ferne stehn, Zu einem schien er hinzugehn, Der ihn zuvor mit Ernst gebeten; Dabei ward dies mit angefuͤhrt: Wohl dem, den dieser Arzt kurirt. Daraus mach ich mein Liebesband, Und bring es als mein Seelenpfand, Und ehre dich mit diesem Namen: Herr, dessen Schrift dies selbst erdacht, Sey dies fuͤr mich, was ich dir bracht, Und sprich zu allem selbst das Amen; So werd ich sonder Bild und Schein In dir wahrhaftig selig seyn. Vorbereitung . (S. 63.) E wiger Bildner der loͤblichen Dinge, Der du mich Armen so ferne erdacht; Ruͤhr mir die Zunge, damit ich dir singe, Und eins beginne nach aͤußerster Macht; Dich zu erheben, Und dir zu leben, Weil du mich mit so viel Gnaden bewacht. Danket ihr Augen dem ewigen Lichte, Daß ihr so sehend und offen dasteht; Danket ihm fuͤr das erlangte Gesichte, Das auch noch dauret und noch nicht vergeht. Schauet mit Wonne Auf ihn die Sonne, Bis er euch uͤber die Sterne erhoͤht. Danket ihr Ohren dem Worte des Lebens, Daß ihr vernehmen koͤnnt, was es euch heißt; Oeffnet euch, daß es nicht rufe vergebens, Laßt euch regieren den ewigen Geist; Bis ihr koͤnnt hoͤren, Wie man mit Choͤren Dorten ihn ewig erhebet und preißt. Danket Gedanken, Verstand und du Wille, Danke Gedaͤchtniß und Urtheil dazu; Schwinget die Fluͤgel zur ewigen Fuͤlle, Laßt euch nicht halten das zeitliche Nu. Lob und Gefieder Sincke nicht nieder, Bis ihr gelanget zur himmlischen Ruh. Augustinus und der Engel . (Muͤndlich.) M it der Muschel schoͤpft das Buͤblein, Aus dem Meer in ein Sandgruͤblein; Augustinus stille stand, Und das Kind zu ihm begann. Engel . Augustinus, Licht des Glaubens, Fromm und rein gleich wie die Tauben; Sag mir an, wo gehst du hin? Du hast Neues wohl im Sinn. Thust vielleicht was Neu's studieren, Oder gehst du nur spazieren; Augustinus sag es gleich, Sonst ich nicht von dir abweich. Augustinus . Liebes Kind, ich thu betrachten, Ach und kann doch nimmer fassen, Die allerheiligste Dreifaltigkeit Als eine wahre Einigkeit. Engel . Eh will ich das groß Weltwasser In dies klein Sandgruͤblein fassen; Eh du dir wirst bilden ein, Wie die Sach kann moͤglich sein. Augustinus . O wie hoch bin ich geflogen, Wie hat mich das Gemuͤth betrogen; Als ich nach dem Kindlein sah, War es fort, war nicht mehr da. Nimmer werd ich so hoch fliegen, Nimmer michs Gemuͤth betruͤgen; Bis zergehen wird die Erd, Und ich nicht mehr denken werd. Dies ist das ander Land . (Manuscript. 1477.) E s ist nit allewege Festabend, Der Tod koͤmmt und bringet den Abend; Und bindt uns mit einem festen Band, Daß er uns bringe in das ander Land. Auch so ist allezeit nit Maye, Wir muͤssen tanzen an dem Reihe; Daß uns der May wird entwandt, Dann singen wir fort in das ander Land. Alleweg moͤgen wir nit hie bleiben, Der Tod will uns von hinnen treiben; Noch morgen oder alle zur Hand, Gott weiß, wir muͤssen in das ander Land. Wie schoͤn wir uns zieren und waschen, Wir sind doch erst kommen von Aschen; Das erst Volk, das man fand, Das ist auch fort in das ander Land. Ach was ist suͤßer, als das Leben, Wir muͤssen doch sterbend uns deß begeben; Der Tod koͤmmt sonder Wiederstand, Und schleift uns in das ander Land. Ich wach, ich sorg, ich bebe, ich kreide, Um Gut, das ist doch andrer Leute; Es war auch hie, als ich es fand, Hier laß ich es, und fahr in das ander Land. Ich gehe scharren und schuͤrchen, Um Gut, als wollt ich mich erwuͤrgen; Gott hat mich nit darum hergesandt, Muß nacket und bloß in das ander Land. Ich sollte Gott hie zu allen Zeiten Loben, danken und benedeien; Das waͤr mein Schutz und mein Gewand Vor Satanas in dein andern Land. Herr Geyer, Herr Geyer, was ihr hie moͤgt erkriegen, Es muß doch alles hie bleiben liegen; Mit uns muͤßt ihr unter den Sand, Fahren hin in das ander Land. Keines Menschen Gut oder Ehr sollst du ihm nehmen, Freund! deß sollst du dich schaͤmen; Die das thaten, die wurden geschand't, Hie und auch im andern Land. Kein Schande oder Schaden sollst du klaffen, Auf Moͤnche, Nonnen oder Pfaffen; Sie sind Gottes Schatz und edel Persant, Sie geben Rede in dem andern Land. Wo ist Karle, Hektor und Alexander! Julius, Artus und mancher ander? Ritter, Knecht und mancher Wigand, Wo anders denn im andern Land. Waͤr irgend ein Kaiser von Rome, Der edel waͤr oder so schone; Als ein Karfunkel oder Diamant, Er muß nacket in das ander Land. Wir gehen, als die vor uns waren, Starke, weise, schoͤn von Jahren; Wie man sie nennt, oder waren genannt, Sie sind all vor uns in das ander Land. Der Tag mag zu Abend kommen, Es sey zu Schaden oder zu Frommen; Nach dem Leben kommt der Tod gerannt, Und treibt uns in das ander Land. Als wir sind tod, wir moͤgen kriegen, Ein alt Leylach, darin wir liegen; Oder ein neue Kiste bekannt, Also fahren wir in das ander Land. Wir werden alle nackend geboren, Kein eigen Gut haben wir zware; Denn unsre Seele ist ein Unterpfand, Ihr Werk findet sie in dem andern Land. O Seele, o Seele, geistliche Kreature, Gott schuf dich selber nach seiner Figure; Was du hast gesaͤet oder gepflanzt, Das sollst du erndten in dem andern Land. Das Beste, des ich mich kann entsinnen, Das ist Gott fuͤrchten und allzeit minnen; Das soll seyn unsrer Seele Gewand, So fahren wir sicher in das ander Land. Wenn wir werden alt, krank und krumm, So waͤr es Zeit, daß wir uns saͤhen um; Und wenn uns entfaͤllt der Leckerzahn, So wollen wir bald in das ander Land. Ach Gott, wer soll unser Geleitsmann seyn? Wir wissen ja nichts von unsrer Pein; Der Weg ist fern und unbekannt, Den wir hinfahren in das ander Land. Nachdem als man beschrieben findt, So ist unser Leben als der Wind; Der da flieget uͤber den Sand, So schnell fahren wir in das ander Land. Ach daß ich je ward geboren! Daß ich meine Zeit also hab verloren; Ach Herre, ich setze meine Seel in deine Hand, Wenn ich hinfahre in das ander Land. Wir wollen immer das beste hoffen, Die Gottesgnade steht uns allzeit offen; Wiewohl uns Gott hat hergesandt, Doch muͤssen wir in das ander Land. Bitten wir Maria die Jungfrau rein, Daß sie unsre Troͤsterin wolle seyn; Und bleiben doch immer unser Vorstand, Wenn wir fahren dahin in das ander Land. Unser Herr Jesus hat uns gegeben Im Himmelreich fein ewiges Leben; Er behuͤte uns vor dem boͤsen Volant, Daß wir nit kommen in das hoͤllische Land. Das ist aus: Ich kann nit mehr beschreiben, Gott! der weise uns in sein ewig Leben; Daß wir da werden moͤgen bekannt Mit allen Heiligen in dem himmlischen Land. Amen. Siegslied . ( Marcarium epithalanium. S. 148.) F angt an zu singen, Die Trommel ruͤhren, Zertrennt ist Pharaos groß Heer; Laßt Saiten klingen, Und jubiliren, Verschont hat uns das rothe Meer. Hat nachgelassen So stark zu fliessen, Gestanden wie die Mauren fest; Durch gute Straßen, Mit trocknen Fuͤssen Gehn wir hindurch, wir sind getroͤst. Will Moses fuͤhren Das Heer der Maͤnner, Kommt ihr zu mir ihr Jungfraͤulein; Mein Heer zu zieren, Trotz euch Bekenner, Bin Aron ich die Schwester dein. Weil wir entronnen Den Wasserwellen, Sollt ihr der hoͤchsten Majestaͤt So viel vergoͤnnen, Ein Fest anstellen, Und singen, daß der Osten weht. Der Thau wird fallen, Und euch begiessen, Herab vom hohen Himmelsblau; Ihr sollt vor allen Das Herz erschliessen, Dem Honig suͤssen Himmelthau. Dann wird benetzet, Was vor geblieben, Und ohne dies wohl Frucht gebracht; Zugleich ergoͤtzet, Mehr angetrieben, Was ausgedorret und verschmacht. Eine heilige Familie . ( Marcarium epithalanium. Von Joh. Kuen. Muͤnchen 1659.) D er Tag war schoͤn, ins Gruͤne gehn, Trieb an das lust'ge Wetter; Das Feld geziert, vom Wind beruͤhrt, Roth wie die Rosenblaͤtter. Maria rein, haͤtt Sorg allein, Ihr Kindlein umzutragen; Moͤcht ja von Haus, aus wohl hinaus, Soll doch die Mutter fragen: Ob sie dies duͤrfe wagen? „Ey warum nit? Ich komm auch mit!“ Die Mutter Anna sprache; „Dem Kind, auch dir, ingleichen mir „Ein Freud im Feld ich mache. „Die Luft man spuͤrt, gelind regiert, „Laß uns der Zeit genießen; „Und allerlei Tapezerey „Gesprengter Bluͤmlein gruͤssen, „Die reichlich vorher spriessen.“ Die Nachtigall, mit edlem Schall, Ein Musik anzurichten, Schwingt sich gar frey, zunaͤchst hiebey, Faͤngt lieblich an zu dichten. Das schoͤn Revier, gab gut Quartier, Ein gruͤnes Dach zu eigen; Der Feigenbaum, enthaͤlt sich kaum, Kann sich genug nicht neigen, Auch dienstbarlich erzeigen. Maria wollt, wie sie auch sollt, Mit ihrer Mutter theilen: „Nimm Anfran, nimm! „O suͤße Stimm! „Will dein Verlangen heilen.“ Gab ihren Sohn, der Freude Lohn, Der Mutter auf die Schoßen; Inzwischen sie, sucht Rosenbluͤt, Mit Blaͤttern, klein und grossen, Gleich wies hervor gesprossen. Zur selben Frist, auch Joseph ist, Hienach mit Freuden kommen; Hat Speis und Fruͤcht, im Korb gericht, Aus Vorsorg mitgenommen. Damit das Kind und Hausgesind Im Fall es wuͤrd begehret; Wo nicht nach Gust, jedoch zur Lust, Was haͤtt davon verzehret, Dem Kind hat ers verehret. „O schoͤn Geschenk! die Anfrau denks, „Ein Apfel reich dem Kinde; „Sieh ob ein Freud, koͤnnt seyn der Zeit, „Die meine uͤberwinde? „Hab in dem Schooß, den Herren groß, „Der Himmel wird erfuͤllen; „Die Weisheit hoch, in Kindheit noch, „Seh ich nach meinem Willen, „Wie doch die Kinder spielen! Der Engel Kreis, stand rings so leis, Und war doch ganz zugegen; Der ungespart, in Gegenwart Sein Schuld auch wollt ablegen. Das Kind sich wendt, streckt seine Haͤnd, Als waͤr ihm Leid geschehen; Wendt hin und her, und in die Fern, Und dann auch in die Naͤhen, Bis es die Recht ersehen. Der Lilienstamm, schier wieder kam, Maria brachte Blumen; Hat Mayengab gebrochen ab, Als reines Weiß zu ruhmen. Bald Anna bund ein Kraͤnzlein rund. So war das Kind ergoͤtzet; Der Jungfrau Sohn, nahm an die Kron, Hats der aufs Haupt gesetzet, Die wuͤrdig wird geschaͤtzet. „Herbei Johann, bist gut Gespann, „Komm her zu lieben Kindchen; „Mit uns verbleib, da Kurzweil treib, „Wie bald entweicht ein Stuͤndchen. „Dein Laͤmmlein laß im gruͤnen Gras, „Nur neben uns, da weiden; „Bringst auch mit dir ein Mayenzier, „Und bist noch so bescheiden? „Bringst Rosen von der Haiden.“ Die Rosen dein, hoch Leibfarb seyn, Bedeuten schmerzlich Leben; Was machst damit, was bringt sie mit, Will zwar nicht widerstreben. O Rosenroth! O Pein! O Noth, Johannes mein verschone; Mach mir nicht neu, die Prophezey, Vermeldt von Simeone, Bis ich des Leids gewohne. „Ey ja so seys, so roth und weiß, „Ist des Geliebten Zeichen; „Hab Lust hiezu, mein Jesus fruh, „Thu selber danach reichen; „Theil auch mit mir, ich bitt dafuͤr, „Ich nehm von dir mit Freuden „Die Rosen roth, ja gar den Tod, „Und alles, was zu leiden, „Wenns je nicht ist, zu meiden.“ Der Lilien weiß, ein ganz Gestraͤuß, War fuͤr den Joseph eben; Und Anna warb um Goldlackfarb, Johannes hats ihr geben; Das uͤbrig ward geworfen dar Ins Feld fuͤr einen Samen; Daraus zerstreut, zu seiner Zeit, Gepflanzt in Jesus Namen, Viel tausend Bluͤmlein kamen. Erloͤsung . (Koͤnigshoven Straßburger Chronik. S. 526.) Maria . M ein Kind sieh an die Bruͤste mein, Kein Suͤnder laß verloren seyn. Christus . Mutter, sieh an die Wunden, Die ich fuͤr dein Suͤnd trag alle Stunden. Vater, laß dir die Wunden mein, Ein Opfer fuͤr die Suͤnde seyn. Vater . Sohn, lieber Sohn mein, Alles was du begehrst, das soll seyn. 3. Band . 13 Liebscherz mit dem neugebornen Kinde Maria . ( Procopii Mariale festivale. p. 228.) W ann wuͤnschen waͤr koͤnnen, Maria rein, So moͤcht ich jezt wohl ein Baumeister seyn; Ich wuͤnschte mir Salomons Schaͤtze, Dukaten und Thaler viel Metzen, Blos deinen Geburtsort zu ehren, Mein Andacht und Trost zu vermehren. Ich wollte dir bauen ein Kirchelein, Das sollte mit Golde gepflastert seyn; Von Edelstein alle Gewoͤlbe, Der Altar, das waͤre ich selber; Mein Herze, das muͤsse der Altardom seyn, Drauf muͤssest du wohnen mein Kindelein. Mein Seel sollt ein guͤldenes Rauchfaß seyn, Mit dem ich dir taͤglich wollt opfern sein, Gewuͤrzwerk, so viel dir behaget, So viel ganz Arabia traget; Die Menschen, die haͤtt ich an einer Kett, Und jeder ein englische Stimmlein haͤtt. Maria, du jezt ein Kindlein bist, Das sauget der heiligen Mutter Bruͤst; Die Kinder gern alles verschenken, Drum wollest auch meiner gedenken; Mein Grobheit, die wollest verzeihen, Viel Gnade dafuͤr mir verleihen. Wenn schlafest, so will ich aufwecken dich, Thust weinen, so will ich erfreuen mich; Die Engel, die werden dich stillen, Gott selber wird thun deinen Willen; Ihm opfre ein kleines Paar Zaͤhrlein, Es wird ihm viel lieber als Perlen seyn. Vorbote des juͤngsten Gerichts . (Nach Procop.) Pater Friedrich Procop, Kapuziner der Oesterreichischen Provinz, zu Templin, in der Mark Brandenburg, gegen das Ende des sechzehn- ten Jahrhunderts geboren; zn seiner Zeit ein beruͤhmter Redner und Dichter, (seine weitlaͤuftigen Schriften erhielten mehr von Auflagen) durch den Religionsstreit in der Geschichte der Dichtkunst, wie so manche andere vergessen, in dem ersten und zweyten Bande des Wun- derhorns durch Proben einniger seiner zierlichsten Lieder wieder be- kannt gemacht; schließt seine Abschiedsrede mit folgenden Versen. Nun lob mein Seel den Herren gut, Deß Weisheit so regieren thut; Daß alles in der ganzen Welt, So suͤß und lieblich ist bestellt. Ganz gnaͤdiglich mich Wuͤrmlein arm Beruft er aus des Luthers Schwarm; Fuͤrwahr durch wunderliche Weg, Als ich oft nachzudenken pfleg. Er mich versorgt zu seinem Ruhm, Im Ordensstand und Priesterthum; Begabt mich mit so viel Verstand, Daß ich das Weiß von Schwarz erkannt. Die Biebel und die heilge Schrift, So viel dos Predigtamt betrifft, Wolt er, daß ich begreifen must, Verlieh dazu mir Lieb und Lust. Ich predigt vier und zwanzig Jahr, Bis ich an Kraͤften abnahm gar; Die Kanzel ich dann fahren ließ, Mein Obrigkeit mir selbst es hieß. Und wagte mich an dieses Werk, Dazu mir Gott gab Gnad und Staͤrk; Viel mehr als ich gehoffet haͤtt, Maria Huͤlf mich troͤsten thaͤt. Was ich gelehrt mit Zung und Mund, Auch selbst geglaubt von Herzensgrund; Das bracht ich fleißig zu Papier, Der Leser kann es finden hier. Vermein es manchem dieuen soll, Der sich des mag gebrauchen wohl; Der Predigten ist groß die Zahl, Daraus man hat die freye Wahl. Gar vielmals hat man wenig Zeit, Leidt auch nicht die Gelegenheit, Daß man erst lang studieren thu, Geschaͤfte lassen es nicht zu. Nehm er nur meine Buͤcher her, So hat er schon gnug gut Lehr; Zu Dank sag er nach meinem Tod, Nun mein Procop, nun gnad dir Gott. Gesaͤnge macht ich allerley, Versah sie mit der Melodey; Damit theil ich die Predigt ab, Niemand dran Mißgefallen hab, Sing oder brauch ein Instrument, Doch mittlerweil zu Gott dich wend; Dies war allein mein Zweck und Ziel, So hast ein nuͤtzlich Musickspiel. E instmals war ich ein Wandersmann, Reisend durch fremde Land, In eine Stadt ich kaͤme an, Wo ich nicht war bekannt; Ich war so muͤd und ja so matt, Daß ich kaum essen mocht, Mich duͤnkt, ich war vorhin schon satt, Eh noch was ward gekocht. Ich ließ das juͤngst Gerichte, Und legt mich auf das Stoh, Wohl mit dem Angesichte, Wie ich denn pflegte so. Ich lag gar sanft geschlummert ein, Und gleich im besten Schlaf, Erquickte fein die Glieder mein, Als wie ein muͤdes Schaf; Da hebt sich an ein grosser Lerm, Es ward ein Feuersbrunst: Es brennt, es brennt, daß Gott erbarm, Schrie man und nicht umsunst. Bringt Wasser, Leiter, Hacken, Ihr Nachbarn eilt herzu; Sturm schlug man an den Glocken, Das machte groß Unruh. Bald ich erhub auch meinen Kopf, Wust nicht, ob traͤumte mir, Ich mußte auf, ich armer Tropf, Da half mir nichts dafuͤr; Ich lief zum Fenster, schaut hinaus, Nahm ein den Augenschein; Ich sah das grosse Elend draus, Es mocht nicht aͤrger seyn. Was sollt ich weiter machen, In der betruͤbten Nacht; Mir wohl verging das Lachen, Ein jeder es eracht. Es war ein Zeit gekommen schon, Das Wasser war zu theuer, Und wo ich schau und wo ich wohn, Das vielgefraͤßge Feuer; Gar alle Gassen lief es auf, Die Funken flogen sehr; Von Platz zu Platz, von Haus zu Haus, Um sich griffs immer mehr. Gluͤckselig sich der schaͤtzte, Ders Leben bracht davon; Auf Glut und Asche setzte Sich hoch des Feuers Thron. Propheten, Patriarchen Choͤr, Und die Apostel auch, Evangelisten, ander mehr, Nach ihrem alten Brauch; Sie schreien rings und machen Lerm Aufmuntern Boͤs und Fromm; Es brenn, es brenn, daß Gott erbarm, Wer loͤschen mag, der komm. Die Haͤuser man verlasset, Und eilet auf die Berg; Mich da der Anblick fasset, Daß ich mich bald verberg. Da schrie und rief die tiefe Stimm, Wohl bei dem Feuer-Thron mit Grimm: Der juͤngste Tag wird sich bald finden, Solches verkuͤndge den Menschenkindern; Mann und Weib, dem thu ichs klagen, Was ich in meinem Herzen thu tragen; Ich eß oder trink, ich schlaf oder wach, Oder was ich auf Erden mach, So kommet mir nimmer aus meinem Ohrn, Das greulich und grimmige Horn, Das da thoͤnet ohne massen Grimm, Und schreit mit erschrecklicher Stimm: Steht auf ihr todten Leut, Zu dem Gericht Gottes muͤßt ihr heut; Die Posaune die Todten auferweckt, Und auch die ganze Welt erschreckt. Nun hoͤret zu, was ich euch sag, Es kommen vorher funfzehn Tag, An dem ersten Tag, da fang ich an: Die Wasser lassen ihr laufen stahn, Sie rinnen nicht mehr uͤber Land, Sie lehnen auf wie eine Wand, Sie thun gar graͤulich sausen, Daß mans in der ganzen Welt hoͤrt brausen. Darnach wohl an dem andern Tag Nach der lieben heiligen Sag, So kommen die Wasser wieder hernieder, Daß man sie kaum siehet wieder, Ja daß man sie kaum gesehen mag. O weh, wie jaͤmmerlicher Tag. Der dritte Tag ist so grimm, Die Fisch im Meer schreien mit lauter Stimm, Und gar jaͤmmerlich schreien alle Meerwunder, Doch ein jeder in seiner Art besunder; Also hart klagen sie ihre Noth, Daß sie muͤssen leiden den Tod. Der vierte und jaͤmmerliche Tag, Und hoͤret zu, was ich euch sag, So muß die Welt groß Leid gewinnen, Wenn sie thut sehen das Wasser brinnen, Und das ganze Erdreich zumal, Da ist grosser Jammer uͤberall. Der fuͤnfte Tag gar greulichen thut, Alles Laub und Gras, das schwitzet Blut, Das Laub wohl an den Aesten rinnt, Wer das ansieht groß Leid gewinnt, Das Erdreich wird von Blut so roth, Das mag wohl seyn ein grosse Noth. Darnach kommt der sechste Tag, Und bringet mit sich ein greulich Klag, Haus und Hof niederfaͤllt, Wie fest es auf Erden war gestellt; Doch faͤllt alles nieder zu der Erd, Silber und Gold wird seyn gar unwerth. Der siebente Tag gar greulich ist, Ein grausam Geschrey hoͤrt man zur Frist, Ein Stein thut sich am andern schlagen, Daß die Leut schier moͤgten verzagen; Wer dann lebt, der muß alten, Wenn er sieht die Stein verspalten. Der achte Tag, vernehmt mich wohl, Gar greulich Wunder bringen soll, Der grossen Erdbeben kommen so fast, Daß weder Menschen noch Vieh hat Rast. Es faͤllt alles nieder zu der Stund, Und spricht: O weh, der Tod kummt! Der neunte Tag laͤßt nichtes stahn, Alle Berg und Huͤgel muͤssen sich niederlahn, Die grausamen, hohen Berge uͤberall, Die fallen hernieder in das Thal, Und wird das Erdreich ganz eben, O wie bitter wird seyn das Leben. Der zehnte Tag kommt bitterlich, Die Leut schreien gar jaͤmmerlich, Die sich in Kluͤften haben verborgen, Die kommen hervor mit grossen Sorgen; Ihr keiner schier mehr reden mag, Also sehr fuͤrchten sie den juͤngsten Tag. Der eilfte Tag kommt gar klaͤrlich, Die Todtenbein erzeigen sich, Vor dem Grab sieht man sie liegen, Das soll euch nicht seyn verschwiegen; Wann die lebendigen Leut das sehen, Vor grosser Angst sie dann vergehen. Der zwoͤlfte Tag thut so grausam wallen, Dann sieht man die Stern vom Himmel fallen; Und fliehen durch die ganze Welt zumal, Da ist groß Jammer uͤberall. An dem dreyzehnten und schrecklichen Tag, Nun hoͤret zu, was ich euch sag, Daran muͤssen alle Menschen sterben, Die kommen sind aus dieser Erden, Daß sie von dem Tod auferstehen, Und saͤmmtlich vor den Richter gehen. Der vierzehnte Tag gar greulich ist, Davon verbrennt die Welt in kurzer Frist, Luft, Wasser und Erdreich, alles da brinnt, Und uͤberaus groß Leid gewinnt; Denn alles, was gemacht ist aus der Erden, Muß wieder zu Staub und Aschen werden. Am funfzehnten Tag, das ist wahr, Da wird eine neue Welt gar schoͤn und klar, Alsdann muͤssen alle Menschen auferstehen aus dem Grab, Wovon uns die heilige Schrift klar Zeugniß gab; Der Engel mit dem grossen Zorn, Ruft allen Menschen durch das Horn! Anmuthiger Blumenkranz aus dem Gar - ten der Gemeinde Gottes , ans Licht gegeben im Jahre 1712 . E s moͤgten sich nit wenige verwundern, daß man bei der Menge alter und neuer Gesangbuͤcher doch wieder ein neues Liederbuch vor den Tag bringt, dazu zu einer Zeit, da man in der ganzen Welt nichts als Klag, Angst und Gefahr vorsiehet, und da die rechtschaffenen Saͤnger so rar, und die Harmonie unter denen, so den Namen der Freunde Gottes tragen, so gar schlecht und gering ist, daß Zion mehr Ursach findet, uͤber sich und ihre Kin- der zu weinen, als sie Lust gewinnen sollte, die Harfe vor dem Herrn zu ruͤhren. Der Anlaß dieser neuen Samm- lung war das Verlangen vieler Freunde, die unter den vielen Drangsalen den Muth nicht sinken lassen, vielmehr die innern Seelenkraͤfte durch vielerlei Anfechtungen an dem Kreutze Jesu ausspannen, und also vom Geiste der Weisheit in lebendiger Wahrheit gestimmet werden. Diese allein werden wohl die allerangenehmsten Saͤnger und Musikanten Gottes seyn; besonders da alle die aͤusseren Gerichte und die inneren Anfechtungen nichts anders als unfehlbare Verboten sind, daß sich unsere Erloͤsung nahe. Wer wollte es einem treuen Kinde Gottes verdenken, wenn es mitten unter den Drangsalen sein Herz dem freudenreichen Geiste der Gnaden, als ein Werkzeug des Lobes Gottes darbietet, und den Herrn in seinem Herzen spiegeln laͤßt, so daß auch der Leib und die aͤusseren Organe zu einem an- daͤchtigen Gesang getrieben werden. Der Geist Gottes wech- selt Seufzen und Gebet mit einem staͤrkenden Gesange. Man hat also allen Fleiß angewendet, den Kern der Besten zu finden, ob man es allen recht gemacht habe, daran zweifelt man, worauf man daher auch nicht hat sehen koͤnnen. Ja man kann nicht in Abrede seyn, daß hier eine mehrere Freyheit gebraucht worden, als man bishero bei dergleichen Gesangbuͤchern moͤgte gewohnt seyn, und daß man der Regel nicht genau nachgekommen sey, die gern haben will, daß man alles beim Alten lasse. Man hat kein Bedenken getragen; hie und da in den Gesaͤngen zu aͤndern, je nachdem es sich der eignen Seele durch die geheime Wir- kung der Gnade Gottes naͤher anfuͤgte oder sonst dem Vor- bild des heilsamen Wortes gemaͤsser wurde, nicht aus Ver- achtung der Singer, darum man auch nicht hoffet, daß irgend ein noch lebender Verfasser eines hierin befindlichen Liedes dieses uͤbel nehmen werde, da man doch keines kei- nem zuschreibt, sondern der allgemeinen Erbauung, die der Hauptgrund aller wahren Freiheit seyn soll. So sind dann auch einige Lieder wieder in ihre erste Gestalt hergestellt wor- den, da solche von andern durch Zusaͤtze und Veraͤnderung eben nicht allezeit verbessert worden. Gleichwie man nun gedachter massen Freyheit genommen, zu thun, was mau gethan, so laͤsset man auch Freiheit, daruͤber mit Beschei- denheit zu urtheilen. Sollte aber jemand die verschiedenen Ausdruͤcke und ungewohnten Redensarten dieser Lieder nach den Lehrsaͤtzen irgend einer Religion pruͤfen, und die uner- forschlichen Wege Gottes mit dem kanonisirten Maaßstabe der sogenannten Orthodoxie abcirkeln wollen, der wird diese Ehle an beiden Enden zu kurz finden. Viele werden auch die hierinn befindlichen Lieder nicht verstehen, viele koͤnnen ihnen nicht anstehen. Der in der Welt nur Vergnuͤgen oder nur Melancholie, oder die Zeit zu vertreiben suchet, und darum diese Liedlein herlallen wollte, der wird Zeug- niß darin finden, die seine eitle Ertheiligung bestrafen. So hat man auch nicht die Meinung, daß man durch Ausge- bung so vieler Lieder die Weise einiger Werkheiligen billigen wolle, die entweder fuͤr sich allein, oder in Gesellschaft mit andern, so viele Lieder nach einander daher singen, und meinen Gott damit einen Dienst zu thun, da doch die aͤus- sere Stimme nnr ein Ausdruck der inneren Begierde und Andacht, und dienet mehr zum Dienste dessen, der selbst anbetet, als eigentlich zum Dienste Gottes. Manche Seele sitzet oft von aussen unter den Saͤngern, da sie der Geist von innen ins Klagehaus fuͤhret, aͤussere menschliche Satzun- gen gehen oft ganz gegen die inneren Wirkungen des Geistes; dagegen geschieht gar oft, daß die allergeheimsten Freunde Gottes inwendig von dem Geiste so getrieben werden, daß ihre Aeusserung ein Gesang. Das goͤttliche Wesen ist kein toͤnend Erz, noch eine klingende Schelle, aber ein solches Singen ist kraͤftig, nicht nur sich selbst in heiliger Andacht zu erhalten, sondern auch andere, die es hoͤren, zur wah- ren Andacht zu erwecken. Ja pruͤfet es und erfahret es, und der Geist wird zeugen, daß Geist Wahrheit sey! 1. Kampf des erwaͤhlten Volkes . A uf, auf, auf ihr Helden, waget Gut und Blut, Wuͤrget mit vereinten Kraͤften Babels Brut! Eure Feldposaunen, Trommeln und Kartaunen, Lasset toͤnen und erwecken Loͤwenmuth. Wann die Blutfahn flieget, so seyd unverzagt, Josua hat vor euch schon den Feind verjagt! Unser Loͤwe bruͤllet, Und mit Schrecken fuͤllet Das Heer der Assyrer, so sich an uns wagt. Auf, auf, zuckt die Schwerdter, schlaget muthig drein, Stuͤrmt die Thuͤrme Babels, reißt die Mauern ein. Auf, sie sollen fallen, Wenn Posaunen schallen, Denn die Stunde, sie zu richten, bricht herein. Du o Jesu fuͤhre selbsten deinen Krieg, In uns, durch uns, mit uns, daß der Feind erlieg. In der Kraft erscheinen Wir nun als die deinen, Koͤnnen triumphiren nach erlangtem Sieg. Preis, Kraft, Macht und Staͤrke sey dir starker Hort, Von uns zubereitet immer fort und fort. Jo, Jo, Jo, durch Sterben Wollen wir erwerben Deine Siegeskrone bei dem Friedensport. Dann wird erst ertoͤnen der Trompeten Hall, Wenn wir werden jauchzen uͤber Babels Fall. Da wir koͤnnen springen, Neue Lieder singen; Mit erhabnen Stimmen bei dem Jubelschall. 2. Erziehung durch Geschichte . L oͤwen laßt euch wieder finden, Wie im ersten Christenthum; Die nichts konnte uͤberwinden, Seht nur an ihr Marterthum. Wie in Lieb sie gluͤhen, Wie sie Feuer spieen; Da sich vor der Sterbenslust Selbst der Satan fuͤrchten must. In Gefahren unerschrocken, Und von Luͤsten unberuͤhrt; Die aufs Eitle konnten locken, Alles sie zum Himmel fuͤhrt. Keine Furcht in ihnen, Auf die Kampfschaubuͤhnen Sprangen sie mit Freudigkeit, Hielten mit den Thieren Streit. Ey wohlan, nur fein standhaftig, O ihr Bruͤder tapfer drauf; Lasset uns doch recht herzhaftig Folgen jener Zeugen Hauf! Nur den Leib beruͤhrets, Was ihm so gebuͤhret; Er hats Leiden wohl verdient, Und die Seel darunter gruͤnt. Fort weg mit dem Sinn der Griechen, Denen Kreutz ein Thorheit ist; O laßt uns zuruͤck nicht kriechen, Wenn ans Kreutz soll Jesu Christ! Reiht euch dicht zusammen, Wenn der Schlange Samen Sich dem Glauben widersetzt, Und das Schlachtschwerdt auf uns wetzt. Schwaͤngre vor, o goldner Regen, Uns dein duͤrres Erb und Erd; Daß wir dir getreu seyn moͤgen, Und nicht achten Feuer, Schwerdt. Als in Liebe trunken, Und in dir versunken; Mach die Kirch an Liebe reich, Daß das End dem Anfang gleich. 3. Triumph des erwaͤhlten Volkes . A uf Triumph, es kommt die Stunde, Da sich Zion, die Geliebte, die Betruͤbte hoch erfreut, Babel aber geht zu Grunde, Daß sie klaͤglich uͤber Jammer, uͤber Angst und Kum- mer schreit. Diese Dirne hat beflecket Ihr geschenktes, schoͤn geschmuͤcktes jungfraͤuliches Eh- renkleid; Und mit Schmach und Hohn bedecket, Die dem Lamme auf die Hochzeit ist zum Weibe zu- bereit. Stolze Dirne nicht verweile, Die da auf den vielen, vielen, vielen grossen Wassern sitzt; Und mit Angeln und am Seile Ganze Voͤlker zu sich ziehet, und in schnoͤder Brunst erhitzt. Zion siehet auf den Straßen Die entbloͤßten und geschminkten stolzen Toͤchter Ba- bels an; Wie sie sich beschauen lassen, Koͤnig, Priester, hoch und niedrig haben ihre Lust daran. Auf dem Lande, in den Staͤdten Hat die Dirne mit dem Becher, alle Heyden toll ge- macht; Sie stolzieren in den Ketten, Haben sie als Schicksalsgoͤttin, sich als Goͤtzen hoch geacht. Zions Schoͤpfer schaut vom Himmel Auf die vollen, tollen Heyden und sein heilig Herz entbrennt; 3. Band . 14. Daß das wuͤste Weltgetuͤmmel Sich sein trautes Zion nennet, welches ihn doch nicht erkennt. Zion netzet ihre Wangen Mit so vielen heissen Thraͤnen uͤber den Verwuͤstungs- graͤuel; Und erwartet mit Verlangen In den Banden der Chaldaͤer ihres Gottes Sieg und Heil. Amen, Zion ist erhoͤret, Unsre Thraͤnen sind wie Wasser gegen Mittag aufge- zehret; Seht, Chaldaͤa ist zerstoͤret, Unser Weinen ist in Jauchzen, unsre Last in Lust ver- kehrt. Freue dich mit Herz und Munde, Du erkauftes, auserwaͤhltes und erloͤstes Israel; Siehe Babels eigne Hunde, Die die Frommen jagen mußten, fressen diese Jesabel. Da wir noch an Babels Weiden Unsre Harfen haͤngen muͤsten, war ein Tag wie tausend Jahr; Aber nun in Zions Freuden Wird fuͤr einen Tag gerechnet, was sonst tausend Jahre war. O wie groß ist deine Wonne, Schoͤnstes Zion, es ist kommen, dein erwuͤnschtes Hoch- zeitsfest; Da sich Jesus, deine Sonne Der dich kroͤnet, deinen Braͤutigam, deinen Koͤnig nennen laͤßt. Nach der Hochzeit wird die Nymphe Aus dem Hause ihrer Mutter in des Vaters Haus gefuͤhrt; Die mit ewigem Triumphe In der Krone ihrer Hochzeit, ewig, ewig, triumphirt. Auf ihr Cimbeln, auf ihr Saiten, Psalter, Pauken und Trompeten, lobt des Herren Heiligkeit; Laßt uns ihm ein Lob bereiten, Er ist Koͤnig, er ist Koͤnig in der Zeit und Ewigkeit. 4. Erziehung der erwaͤhlten Seele im erwaͤhlten Volke . F ahre fort mit Liebesschlaͤgen, Suͤßer Jesu, liebster Hort; Laß sich Truͤbsalsstuͤrme regen, Denn sie treiben mich zum Port. Da mein Herr, hier ist mein Ruͤcken, Schlag nur zu, ich habs verschuldt; An das Kreutz mit Liebesstricken Zieht mich deine grosse Huld. Ich bin lang von dir gewichen, Lang war mir das Eitle lieb; Doch bist du mir nachgeschlichen, Weil dich deine Liebe trieb. Liebe, die dir Haͤnd und Fuͤsse An das Kreutzesholz gespießt; Liebe, die so honigsuͤße Auf die armen Suͤnder fließt. Ach so denke nicht, wie lange Ich dich Braͤutigam nicht erkannt; Wie ich mich zur alten Schlange Oft mit Herz und Sinn gewandt. Sondern denk an deine Wunden, Die dein heilig Fleisch durchritzt; Denk an deine Trauerstunden, Da du Blut fuͤr mich geschwitzt. 5. Erziehung durch Natur . A ch hoͤr das suͤsse Lallen, Den allerschoͤnsten Ton Der kleinen Nachtigallen, Auf ihrem niedern Thron. Hoͤr, was sie dir da singet, In ihrer gruͤnen Claus; Ihr schlechtes Wesen bringet Viel weise Lehr heraus. Sie spricht: ihr Menschen sehet, Mein Nothdurft ist sehr klein; Mein Wunsch nicht weiter gehet, Aus Nachtigall zu seyn. Ich laß die hohen Nester, Und liebe Niedrigkeit; Das meine ist weit fester, Und ruhig allezeit. Ich hab, was Adler haben, Sie aber nicht, was ich; Der Luft und Erde Gaben, Sind eben wohl fuͤr mich. Die großen Schwan und Storchen, Die reisen her und hin; Sie sind voll Muͤh fuͤr morgen, Und dies ist ihr Gewinn. 6. Erziehung durch Gluͤck . A ch Gott, du bist, wie mans begehrt, Du bist uns, was wir wollen; Du bist ganz gut und ganz verkehrt, Lieb kommt aus dir gequollen Und Heil fuͤr den, der dies verlangt, Wer aber Zorn will, Zorn empfangt; O wunderbares Wesen. Mach mich mein Schoͤpfer nur ganz stumm, Und in die Still mich bringe; Mein Will ist doch verkehrt und dumm, Und will leicht solche Dinge, Die selbst mich strafen wie ein Kind, Ja mach mich taub und dazu blind, Zu allem, was nicht ewig. 7. Erziehung durch Leidenschaft . O Zorn, du Abgrund des Verderbens, Du unbarmherziger Tyrann; Du frissest, toͤdtest sonder Sterben, Und brennest stets von neuem an; Wer da geraͤth in deine Haft Bekommt der Hoͤlle Eigenschaft. Ach waͤren wir verwahret blieben, Vor deiner strengen Widrigkeit; Wie selig waͤren wir im Lieben, Und wuͤßten nicht, was Ungleichheit Im Guten und im Boͤsen sey, So waͤren wir des Zornes frey. O daß wir doch wohl moͤgten fassen, Woher der Grimm entsprungen sey; Und stuͤnden in der Lieb gelassen, Und hielten uns des Zornes frey; Der Hochmuth und die Eigenheit Erregen Zorn und Grimmigkeit. Laß mich aus Eigenheit ausgehen, Und aller Selbheit sterben ab; Die Lieb heiß in mir auferstehen, Und allen Zorn schick in das Grab; Daß keine Noth mir mehr setz zu, Kein Widerwille brech die Ruh. Die Liebe, die nicht ist ihr eigen, Die sich in allem macht gemein; In mir sich laß in Demuth zeigen, Laß mich ein Kind der Liebe seyn; Der alten Schlange Kopf zerbrich In mir und dann erkenne dich. Wo ist o Liebe deine Tiefe, Der Urgrund deiner Wunderkraft; Seel, komm ein einzig Troͤpflein pruͤfe Von dieser Wirkungseigenschaft. O wer in diesem tiefen Meer Gleich einem Troͤpflein sich verloͤr! 8. Erziehung durch Erkenntniß . O finstre Nacht, wann wirst du doch vergehen, Wann bricht mein Lebenslicht herfuͤr; Wann werd ich doch von Suͤnden auferstehen, Und leben nur allein in dir. Wann werd ich in Gerechtigkeit Dein Antlitz sehen allezeit? Wann werd ich satt und froh mit Lachen, O Herr nach deinem Bild erwachen. Darum mein Geist sey wacker, wach und streite, Fahr immer in der Heilgung fort; Vergiß, was ruͤckwaͤrts ist, die grosse Beute Steht noch an ihrem Orte dort. Streck dich darnach, eil nach ihr zu, Du findest sonsten doch nicht Ruh; Bis du hast diese Kron erstritten, Und mit dem Herrn den Tod erlitten. O goldnes Meer, durchbrich doch deine Daͤmme, Komm wie die aufgehaltne Fluth; Und alles Fleisch, was lebet, uͤberschwemme, Das vor dir immer Boͤses thut. O Gottes Lamm! dein Blut allein Macht uns von allen Suͤnden rein; Das Kleid, das drinn gewaschen worden, Das traͤgt allein dein Priesterorden. 9. Erziehung durch Langeweile . W o flieh ich hin? wo soll ich bleiben? Wo wird die suͤße Stille seyn? Da ich mich koͤnnte schliessen ein, Und mich nicht lassen mehr umtreiben In Unruh dieser aͤussern Dinge. Ist keine Einsamkeit bereit, Darin ich Gott ein Loblied singe, Der von Zerstreuung mich befreit? Mein Geist will in die Wuͤste ziehen, Und wuͤnscht sich Taubenfluͤgel an; Weil er vor Angst nicht bleiben kann, Da wo die Menschen sich bemuͤhen, Von Gott noch weiter wegzugehen Und niemals bei sich selbst zu seyn; Ich kann den Jammer nicht mehr sehen, Und bleibe selbst dabei nicht rein. Drum fort o Seel! entzeuch geschwinde Dich der Gesellschaft dieser Welt! Zerreiß, was dich gefangen haͤlt, Damit dein Fuß die Ruhe finde, Wo kein Geraͤusche dich verstoͤret; Kein Zuspruch, Sorgen und Verdruß Den Umgang dir mit Gott verwehret, Der hier oft unterbleiben muß. Ich freu mich schon auf eine Kammer, Die mich in sich verschliessen wird; Und durch den engen Raum abfuͤhrt, Von aller Unruh, Streit und Jammer, Den große Staͤdt und Schloͤsser haben; Hier soll nur meine Ruhstaͤdt seyn, Da Sicherheit und Fried mich laben, Und kein Unfriede bricht herein. Nun will ich erst recht singen, beten, Und in der Andacht kommen weit; Weil ich nicht durch so viel zerstreut, Vor Gott mit stillem Geist darf treten. Da soll kein Feind mich hindern koͤnnen, Ich geh in Canaan schon ein, Mein Paradies soll man es nennen, Hier will ich auch begraben seyn. Gegensatz . A ch triumphir nicht vor dem Siege, O Seel wo willt du fliehen hin; Da dein verblendter Eigensinn Vor Feinden frey und sicher liege. Suchst du noch Ruh in aͤussern Dingen, Ach glaube mir, du findst sie nicht; Wirst du nicht nach dem Innern ringen, So ists mit dem nicht ausgericht. Drum bleib nun im Gehorsam stehen, Kein Kriegsmann weicht von seinem Post; Wenns auch schon Blut und Leben kost, Wenn ihn sein Herr dahin heißt gehen. Der Glaub weiß nichts von eignem Willen, Er sieht sich selbst den Weg nicht aus, Dadurch er Gottes Will erfuͤllen, Und aus dem Streit will kommen raus. Du bist dir selbst die groͤßte Plage, Du traͤgst noch Babel stets in dir; Willt du noch Ruh genießen hier, So laß dir keine suͤße Tage Durch suͤße Traͤume hier verlegen, Du machst dich nur mehr misvergnuͤgt; Der liebe Jesu wird dich hegen, Der alles Wissen uͤberwiegt. Du kannst auch mitten im Getuͤmmel Der Welt, den Vater beten an; Der dich ja bald erloͤsen kann, Wenn dir erst nuͤtze jener Himmel Und dich Egypten nicht sollt uͤben, Daß deiner Treiber schweres Joch Dich lehrte recht den Himmel lieben, Und dein Verlangen stillte noch. Hier ist kein Canaan zu hoffen, Kein Paradies ist mehr allhier; Es hat noch niemand der mit dir Entfliehen will, den Zweck getroffen. Die Hoffnung naͤhrt sich mit den Dingen, Die suͤß und doch unsichtbar sind; Es muß uns doch zulezt gelingen, Bleib nur in Einfalt Gottes Kind. Nur freue dich auf jene Kammer Des Friedens, da du wohnen wirst, Wenn dich nicht mehr nach Ruhe duͤrst, Und bist befreyt von allem Jammer, Den hier noch Staͤdt und Wuͤsten haben, Und wo du nur willt fliehen hin; Die Einsamkeit kann dich nicht laben, Wenn mit dir zieht dein Eigensinn. 10. Erziehung durch Vergoͤttligung . V erborgenheit! Wie ist dein Meer so breit Und wundertief, ich kann es nicht ergruͤnden, Man weiß kein Maaß, noch Ziel, noch End zu finden, So lang man ist in der Vergaͤnglichkeit, Verborgenheit. Die Herrlichkeit, Die du hast allbereit, Den Kindern deiner Lieb hier beygeleget, Ist sonderlich. Wer dies Geheimniß heget, Der traͤgt in sich auch zur elendsten Zeit Die Herrlichkeit. Du selber bist Der Brunn, der ihnen ist In ihrem Geist zum steten Heil entsprungen, Durch dich ist ihnen manches Werk gelungen; Doch leidets nicht so mancher falsche Christ, Daß selbst du's bist. Der Liebe Band Ist vielen unbekannt; Wie segnet sich der Geitzige im Herzen, Wenn er mit Geld die Christen siehet scherzen; Das macht, er kennt nicht Gottes Wunderhand In diesem Band. Darum versteckt Der Herr, was er erweckt, Die Kinder gehn nur immer im Verborgen, Die doch noch kein Gericht besorgen; Bis endlich Gott die Herrlichkeit entdeckt, Die war versteckt. So wandelt er Im Heiligthum umher, Mit leisem Schritt, der kann ihn nicht vernehmen, Wer sich zur Einfalt nicht will ganz bequemen, Wie er sonst nichts zu thun pflegt ohngefaͤhr, So wandelt er. 11. Erziehung durch Ahndung . D enkst du nicht, Maria, mehr an die ausge- standnen Schmerzen, Als das kleine Jesulein in dir ein Gestalt gewann? O wie sollt ich ihn nicht drum tausendmal im Glauben herzen, Da er nun zusehens waͤchst, mir zum Braͤutgam und zum Mann. Hat Johannes nicht vor Freud, schon im Mutter- leib gesprungen, Spielt er nicht zum voraus schon, eh er noch kam an das Licht; Haben wir nicht seine Freund oft sein Hochzeitslied ge- sungen, Hat man mir mit Fingern da dieses Kind gezeiget nicht. Nun liegt mir dies Kind im Schooß! Nun hab ich das Lamm vor Augen, Schaue, wie es mir zur Lust treibt so manches suͤße Spiel; Ist dies nicht mein Freund, der pflegt meiner Mutter Brust zu saugen, Ist er nicht mein Salomon, den ich niemals kuͤß zu viel. Ja er ists, und was ich will, kann ich in dem Kindlein finden, Kind und Braͤutigam zugleich heißt und ist er in der That; Denn die zarte Liebe kann auch wohl Kinder ehlich binden, Daß in Unschuld als sich selbst, eins das andre lie- ber hat. 12. Erziehung durch Ueberzeugung . W ohl dem, welcher unverwirret Von der irdischen Unruh Wie ein einsam Taͤublein girret, Und fleugt holen Felsen zu, Dessen Herz auf Gott gericht, Horchet, was er zu ihm spricht. Wohl dem, welcher nimmt die Haue, Grabet, hackt mit Lust und Schmerz, Auf daß er den Acker baue Und noch mehr sein duͤrres Herz, Der die Welt mit ihrer Pracht Ehr, Gemaͤchlichkeit verlacht. Wohl dem, welcher dann alleine Sitzt bei einem klaren Bach, Lebet nur, auf daß er weine, Uebe an sich selber Rach; Daß der keuschen Engel Hauf Fasset seine Thraͤnen auf. Wohl dem, dessen Aug und Wangen Wie ein uͤberstroͤmend Fluth Seinen Weg, den er gegangen, Netzet mit dem Herzensblut Wohl der Erde, Holz und Au, Dieses ist ihr Himmelsthau. 13. Erziehung durch Genuß . S teh auf Nordwind, Und komm Suͤdwind! Weh mit deiner heilgen Luft Durch den Garten, Ich will warten Dein in meines Herzens Gruft; Laß dein Sausen Auf mich brausen, Meine Seele nach dir ruft. Steh auf Nordwind, Und komm Suͤdwind! Jag die schwarzen Wolken hin' Mach das Dunkle, Daß es funkle, Alle Finsterniß zerrinn! Finstre Suͤnden Laß verschwinden, Und mach helle Herz und Sinn. Steh auf Nordwind, Und komm Suͤdwind! Mach mein kaltes Herze heiß; Dich zu lieben, Das zu uͤben, Was gereicht zu deinem Preis. Sey mir guͤnstig, Mach mich bruͤnstig, In mein Herz die Liebe geuß. 14. Pruͤfung in heiliger Flamme . B rennt immerhin Ihr angezuͤndte Flammen! Bewahrt die Kraft beisammen, Und hebt den schweren Sinn Mit euren Liebesfluͤgeln Nach jenen Weihrauchhuͤgeln, Da mein verliebter Sinn Brennt immerhin. Ich weiß es schon, Wo ich den Schoͤnsten funden, Der meinem Geist verbunden! Er ist der Liebe Lohn, Der sich mir selbst muß geben, Soll anders ich noch leben. Wo seine Schoͤnheit wohn, Daß weiß ich schon. Ich hab ihn nun, Und such ihn doch noch immer In meines Herzens Zimmer, Wo er so gern will ruhn; Das sehnliche Verlangen Der Lieb' hat mich gefangen, Mir staͤtig wohl zu thun. Ich hab ihn nun. Kein Auge sieht, Kein Herz hat uͤberkommen, Kein Ohr hat je vernommen, Wenn unser Bette bluͤht; Was Gott hat dem bereitet, Der sich von ihm nicht scheidet, Und Liebe in sich zieht, Die man nicht sieht. Man kann auch nicht Von dem Geheimniß schreiben; Es muß verschwiegen bleiben, Was Lieb' in uns verricht. Es ist recht groß zu nennen, Wenn Jesus will erkennen Die Braut in seinem Licht, Man kennt es nicht. 15. Bekenntniß . U nschaͤtzbares Einfaltwesen! Perle, die ich mir erlesen; Vielheit in mir ganz vernicht, Und mein Aug auf dich nur richt. Mach mich los vom Doppeltsehen! Laß auf eins den Sinn nur gehen; 3. Band . 15. In recht unverruͤckter Treu, Und von allen Tuͤcken frey. Ey so mach mich dann aufrichtig, Einen Leib, der ganz durchsichtig; Licht sey, schaff und ruf in mir Aus der Finsterniß herfuͤr. Mache neu die alte Erde, Daß sie kristallinisch werde; Und das Meer laß seyn nicht mehr, Ausser nur dein glaͤsern Meer. Dieses laß mit Feuerguͤssen Aus dir in mich uͤberfließen: Komm o stark erhabne Fluth, Reiß mich hin ins hoͤchste Gut. 16. Hochzeitmorgen . W eil ich nun seh die goldnen Wangen Der Himmelsmorgenroͤthe prangen, So will auch ich dem Himmel zu, Ich will der Leibsruh Abschied geben, Und mich zu meinem Gott erheben, Zu Gott, der meiner Seele Ruh. Ich will durch alle Wolken dringen, Und meinem suͤßen Jesu singen, Daß er mich hat ans Licht gebracht; Ich will ihn preisen, will ihm danken, Daß er mich in des Leibes Schranken Durch seinen Engel hat bewacht. 17. Hochzeitmittag . W enn die Seele sich befindet In des Braͤutgams Keller stehn, Wird sie als vom Wein entzuͤndet, Jauchzet voll einherzugehn, Daß ihr Leib und ganzer Geist Trunken und entzuͤcket heißt. Alsdann wird sie aufgezogen, Und in stille Luft gefuͤhrt, Aus den wilden Meereswogen, Aus den Dingen, die sie spuͤrt. Unertraͤglich leer zu seyn, Wenn die Sinnen dringen ein. Alles liegt zu ihren Fuͤssen, Was zu dieser Welt gehoͤrt, Ja sie kann auch leichtlich missen, Was durch guten Schein bethoͤrt; Denn sie hat den klugen Geist, Der ihr bessre Guͤter weist. Wie ein Trunkner liegt sie stille, Der wie unempfindlich scheint, Daß der sonst zertheilte Wille Aufgeopfert nicht mehr meint, Als nur Gott und seine Kraft, Die den Sohn der Liebe schafft. 18. Hochzeitabend . N un muß ich ihn lieben, nun muß ich allein, Des goͤttlichen Braͤutgams Verlobete seyn! Ihn lieben ist Freude und selig genug, Drum folg ich mit Lust dem heiligen Zug. Was bringet die irdische Liebe als Tod? Was wirken die fleischlichen Luͤste als Noth? Wie bald ist ein Blick der Freude vorbei? Da sieht man wie kurz die Eitelkeit sey. Der goͤttliche Funken kann nimmermehr ruhn, Als wenn er zum Ursprung sich wieder kann thun; Da findet er Lust, da giebt er sich ein, Da waͤchset sein Licht vom lieblichsten Schein. Und wenn er nun waͤchset, so mehrt sich die Kraft, Die Gottes liebreitzendes Kuͤssen verschafft, Da stirbet das Fleisch, da lebet der Geist, Der Christi Verlobte nun ewiglich heißt. Und ist dem Verliebten nur Reinheit bewußt, So oͤffnet sich rein paradiesische Lust; Da kaͤmpfet und siegt vereinigte Staͤrk, Wird taͤglich erfrischt zum goͤttlichen Werk. Bewegst du o Jesu den innersten Grund, So oͤffnet des Glaubens erweiterter Mund, Erfuͤlle das Herz mit Liebe zu dir, Und bleibe im Schmerz und Freude bei mir. Genug hast du Liebe, o Liebe fuͤr mich, Drum such ich sie bei dir mein anderes Ich, Nun sink ich in deine Vollkommenheit ein, Ich kann nicht ohn dich, mein Leben, mehr seyn. 19. Hochzeitnacht . E rmuntert euch ihr Frommen, Zeigt eurer Lampen Schein; Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet Der Braͤutigam mit Pracht; Auf! betet, kaͤmpft und wachet, Bald ist es Mitternacht. Macht eure Lampen fertig, Und fuͤllet sie mit Oehl; Seyd nun des Heils gewaͤrtig, Bereitet Leib und Seel! Die Waͤchter Zions schreien, Der Braͤutigam ist nah, Begegnet ihm im Reihen, Und singt Halleluja. Ihr klugen Jungfraun alle Hebt nun das Haupt empor, Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thuͤr ist aufgeschlossen, Die Hochzeit ist bereit, Auf! auf ihr Reichsgenossen, Der Braͤutgam ist nicht weit. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlaft nicht wieder ein; Man sieht die Baͤume bluͤhen Der schoͤne Fruͤhlingsschein. Verheißt Erquikungszeiten, Die Morgenroͤthe zeigt Den schoͤnen Tag von weiten Vor dem das Dunkle weicht. Wer wollte denn nun schlafen? Wer klug ist, der ist wach; Gott kommt, die Welt zu strafen, Zu uͤben Grimm und Rach An allen, die nicht wachen, Und die des Thieres Bild Anbeten, sammt dem Drachen: Drum auf, der Loͤwe bruͤllt. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden, Und seyd nicht mehr betruͤbt! Es sind die Freudenstunden Gekommen und der Braut Wird, weil sie uͤberwunden, Die Krone nun vertraut. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid; Hier stehn die Waitzenhalmen, Im Frieden nach dem Streit, Und nach den Wintertagen, Hier gruͤnen die Gebein, Die dort der Tod erschlagen, Hier schenkt man Freudenwein. Hier ist die Stadt der Freuden, Jerusalem der Ort, Wo die Erloͤsten weiden, Hier ist die sichre Pfort. Hier sind die goldnen Gassen, Hier ist das Hochzeitmahl; Hier soll sich niederlassen, Die Braut im Rosenthal. 20. Triumph der erwaͤhlten Seele . T riumph, Triumph! Es kommt mit Pracht Der Siegesfuͤrst heut aus der Schlacht; Wer seines Reiches Unterthan, Schau heute sein Triumphfest an! Triumph! Triumph! Victoria! Und ewiges Hallelujah. Vor Freuden Thal, Berg, Wald erklingt, Die Erde schoͤnes Blumwerk bringt, Der Zierath, die Tapezerey Zeigt daß ihr Schoͤpfer Sieger sey. Triumph u. s. w. Die Sonne sich aufs Schoͤnste schmuͤckt, Und wieder durch das Blaue blickt; Die vor pechschwarz im Trauerkleid Beschaut den blutgen Todesstreit, Triumph u. s. w. Das stille Lamm jezt nicht mehr schweigt, Sich muthig als ein Loͤw erzeigt; Kein harter Fels ihn haͤlt und zwingt, Grab, Siegel, Riegel vor ihm springt. Triumph u. s. w. Der andre Adam heut erwacht, Nach seiner harten Todesnacht; Aus seiner Seite er erbaut, Uns seine theur erloͤste Braut. Triumph u. s. w. Wie Aarons Ruthe schoͤn ausschlug, Am Morgen bluͤht und Mandeln trug; So traͤget Frucht der Seligkeit Des hohen Priesters Leichnam heut. Triumph u. s. w. Nun ist die Herrlichkeit erkaͤmpft, Der Suͤnden Pest und Gift gedaͤmpft; Der schweren Handschrift Fluch und Bann Vertrit hier mein Erloͤsersmann. Triumph u. s. w. Du theure Seel bist ausgebuͤrgt, Der hoͤllische Tyrann erwuͤrgt, Sein Raubschloß und geschworne Rott Ist ganz zerstoͤrt, der Tod ein Spott. Triumph u. s. w. Herr Jesu, wahrer Siegesfuͤrst, Wir glauben, daß du schenken wirst Uns deinen Frieden, den du bracht Mit aus dem Grab und aus der Schlacht. Triumph! Triumph! Victoria! Und ewiges Hallelujah. Hans Sachsens Tod . (Eine Traumweise nach Adam Puschmann, in Hans Sachsens Lebens- beschreibung von Ranisch. S. 326.) A ls man schrieb um Weihnachten Gleich Sechs und Siebenzig, Mich da aufwachen machten Die Nachtraben frostig, Daß ich nicht mehr konnt schlafen, Mich trafen Gedanken allzuviel. Da kam mir vor mein Wandern, Und was ich trieb darin, Mir fiel ein unter andern, Wie viel Hans Sachs vorhin Macht Lieder, geistlich Geschichte, Gedichte, Fabeln, Gespraͤch und Spiel, Und wie es fromm', Und Nutz draus komm', Wohl jedem, der sich des annomm'. Indem entschlief ich wiederum, Und Morgens drauf mir in den Sinn Ein froͤhlich Traum da fiel. Mich daͤucht, ich reist' aus ruͤstig, Und kam zur Mayenzeit, In eine Stadt groß, lustig, Von Haͤusern schoͤn bereit, Die Wohnung der geduͤrsten (kuͤhnen) Reichsfuͤrsten War mitten in der Stadt. Und auch ein Berg hoch, gruͤne, Darauf ein schoͤner Gart, In Freuden war ich kuͤhne, Weil drin gepflanzet ward Wohl mancher Baum voll Fruͤchte, Gezuͤchte, Pomranzen und Muskat, Mehr fand ich drein Rosinlein fein, Mandlen, Feigen, allerlei rein Wohlschmeckend Fruͤchte, groß und klein, Genoß viel Volk da insgemein, Das drin spatzieret hat. Mitten im Garten stande Ein schoͤnes Lusthaͤußlein, Darin ein Saal sich fande, Mit Marmor pflastert fein, Mit schoͤn lieblichen Schilden Und Bilden, Figuren frech und kuͤhn. Ringsum der Saal auch hatte Fenster geschnitzet aus, Durch die man all' Frucht thate Im Garten sehen draus. Im Saal stand auch ohnecket Bedecket Ein Tisch mit Seiden gruͤn An selbem saß Ein Altmann blaß, In einem großen Buch er las, Haͤtt einen langen Bart fuͤrbas Grauweis, wie eine Taub er saß Auf einem Blatte gruͤn. Das Buch lag auf dem Pulte Auf seinem Tisch allein, Und auf den Baͤnken, gulden, Mehr andre Buͤcher fein, Die alle wohl beschlagen Da lagen, Der alt Herr nit ansah. Wer zu dem alten Herren Kam in den schoͤnen Saal, Und gruͤsset ihn von ferren, Den sah er an diesmal, Sagt nichts und thaͤte neigen, Mit Schweigen Gen ihn sein alt Haupt schwach. Dann Rede und Gehoͤr begunnt, Ihm abzugehn aus Altersgrund. Als ich nun da im Saale stund, Und sein alt lieblich Antlitz rund Beschaute, dacht ich nach. Die große Stadt und Garten Ein finstre Wolk bezug, Daraus blitzt in mein Warten Ein Feuerstrahl und schlug Ein Donnerstrahl erbittert Es zittert Alles an dieser Staͤtt. Ob diesem harten Knallen Erschrack der alte Herr, That in ein Ohnmacht fallen, Bald ein Platzregen schwer Ein Wasserfluth thaͤt geben, Die eben Sehr großen Schaden thaͤt Zween Tag hernach Der alt Mann schwach Starb, ihm gab ichs Grabgleit hernach, Mein Herz mit Weinen laut durchbrach, Drob mich mein Weib aufweckt ich sah Daß ich getraͤumet haͤtt. W eihnachten, ach Weihnachten, Du warst der Kinder Trost, Die noch im Schlafe lachten, Du Schlaf mir bald entflohst, Die Stunden hell mir schlagen. Wem sagen Sie an den Tag so schnell, Mein Waͤchter ist da druͤben, Er sagt mir an den Tag, In Schmerzen vorzuuͤben, Was hohe Lust vermag. Zur Kirch bin ich gegangen, Vergangen War mir Verzweiflung schnell, Es bleibt zuruͤck Ein saͤumend Gluͤck, Und in den Traum ein tiefer Blick, Wie in der Kinder Aug entzuͤckt, Wie ich sie halb noch schlafend druͤck, Suͤß springt der Augen Quell. Des Traumes deutend Summen Ich nun ermessen kann: Soll alle Lust verstummen, Erstirbt ein hoher Mann? Die Thraͤnenfluthen brausen Mit Grausen, Der Menschen Haus versinkt! Der Alte steigt als Taube Verjuͤnget aus der Fluth, Mit einem gruͤnen Laube Im Schnaͤblein sorgsam gut, Auf einem Buch sie sitzet, Das blitzet, Und schwimmt und nicht ertrinkt, Mit Perlen ist Beschlagen, wißt, Das wars, was da der Alte liest, Als er die arme Neugier gruͤßt; Dies Buch such auf du frommer Christ, Das dir den Frieden bringt. Die Schmerzensfluthen weichen, Der Berg bleibt unverletzt, Die neuen Menschen gleichen Den Staͤmmen, die versetzt, Es treibt sie edler Leben, Sie geben Nun edle Fruͤchte nur. Es wird aus Erdenschluͤnden Das Buch der Vorzeit mein, Und ihre schweren Suͤnden Sind abgewaschen rein, O wollt das Trauren stillen, Will fuͤllen Mosaisch jede Spur, Am Boden hell Der Himmelsquell Ist eingelegt, so Well auf Well, Die Taube bleibet mein Gesell Und trinkt des Buches ewgen Quell, Gottes Wort in der Natur. Schluß . 3. Band . 16. Sr . Excellenz dem Herrn Geheimerath von Goͤthe, und allen Foͤrderern dieser Sammlung unser Dank zum Schluß , L. Achim v. Arnim. Clemens Brentano. Lieder - Anfaͤnge des Zweyten Bandes . A ch Gott mich thut verlangen 111 Ach Gott was wollen wir aber heben an 436 Ach Jungfrau klug von Sinnen 442 Ach koͤnnt ich meine Stimm, dem Donner gleich etc. 96 Ach! wie sanft ruh ich hie 48 Ach wie so schoͤn, wie huͤbsch und fein 167 Allbert, Graf von Nuͤrnberg spricht 232 Als Barnim de fast luͤtke Mann 124 Als Conradin zu Jahren kam 145 Als Gott die Welt erschaffen 399 Als ich bei dunkler Nacht 378 Als ich einmal spazieren gieng 127 Als ich verwichen lag in sanfter Ruh 375 Als Jupiter gedacht 358 Als sich der Hahn thaͤt kraͤhen 207 An allem Ort und Ende 13 An einem Montag es geschah 175 An welcher Zelle knien nun 335 Amor erheb dich edler Held 344 Auf einem schoͤnen gruͤnen Rasen 20 Bald gras ich am Neckar 15 Bons dies, Bock! 347 Bruder Liederlich 386 Seite Da drunten auf der Wiesen 222 Da er nun Abschied hat genommen 316 Das Schneiderlein sah am Wege stehn 372 Das geit hir gegen den Sommer, gegen de leve etc. 249 Der edel Herzog Heinrich zu Pferd 260 Der edel Thedel Unverfehrt 309 Der edle Wein 418 Des Junker Thedels fromme Eltern 304 Der Muͤller auf sein Roͤßlein saß 393 Der Schneider Franz der reisen soll 381 Der Vater vom Himmelreich spricht 4 Der Winter wollte lang bei uns seyn 137 Die liebste Buhle die ich han 423 Du kannst mir glauben liebes Herz 52 Die loͤbliche Gesellschaft zwischen Rhein 189 Die Koͤnigin blickt zum Laden aus 237 Die Sonn mit klarem Scheine 336 Dort unten an dem Rheine 427 Drum ihr Gesellen halt euch gut 390 Einen freundlichen Gruß 54 Ein Graf von frommen edlen Muth 319 Ein guten Rath will ich euch geben 107 Einmal lag ich 223 Ein Maͤgdlein jung gefaͤllt mir wohl 443 Ein Musikant wollt froͤhlich seyn 412 Eins Bauren Sohn haͤtt sich vermessen 435 Einsmals in einem tiefen Thal 33 Einsmals zu Frankfurt an dem Main 341 Es flohen drei Sterne wohl uͤber den Rhein 210 Es gieng ein Knab spazieren 191 Es gieng ein Hirt gar fruͤh austreiben 202 Es hat ein Koͤnig ein Toͤchterlein 274 Es hat gewohnt ein Edelmann 302 Es hat sich ein Maͤdchen in'n Faͤhndrich verliebt 29 Es hatt' ein Herr ein Toͤchterlein 250 Es hatten sich siebenzig Schneider verschworen 374 Es ist auf Erden kein schwerers Leiden 395 Es kamen drei Diebe aus Morgenland 200 Es reitet die Graͤfin weit uͤber das Feld 262 Es ritt ein Herr und auch sein Knecht 271 Es sterben zwei Bruͤder in einem Tag 219 Es sterben zwei Schwestern an einem Tag 218 Seite Es stehn die Stern am Himmel 19 Es sprach eine Mutter zu ihrem Sohn 208 Es traͤgt ein Jaͤger ein gruͤnen Huth 154 Es war einmal ein Zimmergesell 235 Es waren zwei Edelkoͤnigs Kinder 252 Es war ein wacker Maͤdlein wohl gethan 212 Es waren einmal die Schneider 376 Es waren drei Soldaten Soͤhne 196 Es war Herr Burkhard Muͤnch bekannt 140 Es wird am Sankt Matheustag 65 Es wohnet Lieb bei Liebe 243 Es wollt eine Frau zu Weine gahn 420 Es wollt ein Fuhrmann uͤber Land fahren 194 Es wollt ein Maͤdchen fruͤh aufstehn 206 Es wollt ein Schneider wandern 366 Ey Jungfer ich will ihr 407 Ey du mein liebe Thresel 158 Frankfurt, die hochgelobte Stadt 339 Freut euch ihr lieben Knaben 430 Frisch auf ins weite Feld 24 Frisch auf ihr lieben Gesellen, ein neue Zeitung gut 440 Fruͤh morgens wenn der Tag bricht an 398 Georg von Freundsberg, von großer Staͤrk 343 Gleich wie die lieb Waldvoͤgelein 174 Gleich wie des Noah Taͤubelein 162 Gleich wie ein fruchtbarer Regen 325 Graf Friedrich thaͤt ausreiten 289 Graf Friederich woͤtti wibe 294 Gruͤß dich Gott mein Schmidt 70 Guk Bastel, was ich funden han 447 Hab ich denn schon rothe Haar, rothe Haar 396 Hannes, der Herzog zu Sagan 261 Hast du nicht gefischet 209 Henneke Knecht, was willst du thun 150 Heute marschieren wir 31 Herr Doktor ich will fragen 438 Herr Hinrich und sine Broͤder alle dree voll grone 248 Herr Konrad war ein muͤder Mann 277 Hie auf dieser Liebesmatt 363 Hoͤr Bauer, was ich sage 25 Hoͤr mich du armer Pilgerim 172 Hoͤrt zu, ein neuer Pantalon ist auf dem Markt etc. 82 Seite Jakele guck zum Fenster 'naus 22 Ich bin der Gott Bachus genannt 40 Ich bin durch Frauen Willen 282 Ich hab den Schweden mit Augen gesehn 93 Ich habe einen Schatz und den muß ich meiden 201 Ich habe mein Herz in deines hinein geschlossen 52 Ich gieng einmal nach Graßdorf nein 417 Ich gieng wohl bei der Nacht 204 Ich hoͤrt ein Sichlein rauschen 50 Ich weis nicht wie mirs ist 61 Ich weis mir ein Lieblein huͤbsch und fein 37 Ich will einmal spazieren gehn 369 Jetzt bin ich wiederum recht vergnuͤgt 444 Igels Art ist manchem bekannt 448 Im Land zu Frankereiche 269 In den Garten wollen wir gehen 21 In den finstern Waͤldern 196 Joseph, lieber Joseph, was hast du gedacht 204 Jungfrau merk auf meinen Schall 203 Komm heraus, komm heraus du schoͤne schoͤne Braut 12 Konrad der Degenfelder hat 263 Kuchlebu, Schifflebu fahren wohl uͤber den Rhein 272 Kummet her! kummet her ihr junge Leut 298 Lasset uns Mayen und Kraͤnze bereiten 3 Liebster Schatz wohl immerdar 410 Liegst du schon in sanfter Ruh 216 Lill du allerschoͤnste Stadt 100 Man sagt wohl in dem Maien 428 Maria fuͤhrt einen Reihen Kindlein klein 215 Mein Freund ein guter Freund 58 Mein Fleiß und Muͤh ich nie gespart 344 Mir traͤumt, ich floͤg gar bange 161 Mit Urlaub Frau, um euren werthen Dienstmann 229 Mitten im Garten ist 11 Muͤller, warum thust erbleichen 353 Mutter, ach Mutter! es hungert mich 10 Nach diesem Zug des Thedels Weib 317 Nach Reitersbrauch ich reite 27 Neun Schwaben giengen uͤber Land 445 Nicht aber lang zu dieser Zeit 313 Nichts kann auf Erden 47 Nichts schoͤneres kann mich erfreun 17 Seite Nun wollt ihr hoͤren neue Maͤhr 34 O allerschoͤnstes Jesulein 187 O du verdammtes Adelleben 46 O Luft, du edles Element 50 O Magdeburg halt dich feste 103 O suͤße Hand Gottes! 8 O Roͤschen roth 11 O wie gehts im Himmel zu 403 Papiers Natur ist Rauschen 7 Schoͤns Salsburger Maͤdl 373 Schlagt ihr muntern Nachtigallen 69 Schlimm Leut sind Studenten, man sagts uͤberall 441 Schwarzbrauns Babeli 56 Schwer, langweilig ist mir mein Zeit 112 Schwer, langweilig ist mir mein Zeit 115 Schwer, langweilig ist mir mein Zeit 115 Seyd lustig und froͤhlich 383 So geht es in Schnuͤtzelputz Haͤusel 406 So viel Stern am Himmel stehen 199 Soll ich denn sterben 215 Sollt ich ein Feldherr seyn und Kriegesheere fuͤhren 32 Stoͤrtebecher und Goͤdte Michael 167 Stuͤrmt, reißt, rast ihr Ungluͤckswinde 14 Und wollt ihr hoͤren singen 392 Vier Jungfraͤulein von hohem Stamm 5 Voͤgel thut euch nicht verweilen 229 Von einem Koͤnig Lobesan 119 Wann alle Waͤsserlein fliessen 193 Wann der heilge Sankt Martin 434 Was haben die Urner und Zuger gethan 142 Was wollen wir singen und heben an 173 Was wollen wir aber singen 180 Was wollt ihr aber hoͤren 258 Weiß mir e Herr, haͤtt siebe Suͤh 285 Wenn jetzt die Schmieder zusammen geloffen 74 Wer das Elend bauen woͤll 327 Wer fragt da nach 421 Wer hat Lust mit mir zu ziehen 405 Wer noch in Freiheit leben will 371 Wie bin ich krank 214 Wie die goldnen Bienlein schweben 60 Wie war ich doch so wonnereich 191 Seite Wie steht ihr allhie und wartet mein 4 Wilhelm bin ich der Telle 129 Willkomm mein lieber Eremit 350 Will ii hoͤren en mie Gedicht 163 Winter ist hin, der Pillgrim zieht ins Feld 332 Wo find ich deines Vaters Haus 413 Wo soll ich mich hinkehren 425 Wohl auf ihr Landsknecht alle 149 Wohl heute noch und morgen 221 Wnnderschoͤn Praͤchtige 179 Zieh Schimmel zieh 90 Zeuch Fahler zeuch 95 Zu Backnang wohnt ein Schneiderlein 370 Zu Felsberg bat mich Kledte 254 Zu Guͤnzburg in der werthen Stadt 360 Zu Klingenberg am Maine 414 Zu singen will ich fangen an 116 Lieder - Anfaͤnge des Dritten Bandes . Seite A ch in Trauren muß ich leben 74 Ach Schatz willst du schlafen gehn 12 Allhier in dieser wuͤsten Haid 90 Als ich kam zur Stube rein 16 Auf! auf! auf ihr Helden, waget Gut und Blut 206 Aufe ist nit abe, 's ist aber wegar wahr 119 Auf Triumph! es kommt die Stunde 208 Auf dieser Welt hab ich keine Freud 81 Auf der Welt hab ich kein Freud 84 Bei der Nacht ist so finster im Weg 56 Bin ich das schoͤn Danerl im Thal 54 Da droben aufm Huͤgel 141 Das Klosterleben ist eine harte Pein 33 Daß uns der Winter nicht steht will seyn 52 Der Guguck ist ein braver Mann 130 Der Mond, der steht am hoͤchsten 19 Der Mondschein, der ist schon verblichen 78 Der Schiffmann faͤhrt zum Lande 102 Der Sommer und der Sonnenschein 147 Der Tag hat seinen Schmuck auf heute weggethan 80 Der Tag war schoͤn, ins Gruͤne gehn 189 Die Gedanken sind frei 38 Die Kirschen sind zeitig 120 Seite Die Sonne rennt mit Prangen 115 Die Tochter bat die Mutter schoͤn 32 Die Trutschel und die Frau Nachtigall 75 Die vier heilige drei Koͤnig mit ihrem Stern 30 Dort droben auf dem Huͤgel 24 Du Dienerl du nett's 123 Ein junger Mann nahm sich ein Weib 144 Ein Liedlein will ich singen 60 Ein Maushund kam gegangen 98 Ein Schneider haͤtt ein boͤses Weib 95 Ein schoͤnes Jungfraͤulein, die von geschickten Sitten 50 Einsmals ein Maͤgdlein frisch und jung 140 Einstens da ich Luft bekam 91 Einstmals war ich ein Wandersmann 197 Es bat ein Bauer ein Toͤchterlein 138 Es dunkelt auf jenem Berge 118 Es fliegen zwei Schwalben ins Nachbar sein Haus 61 Es fuhr gen Acker ein grober Bauer 8 Es gieng ein wohlgezogner Knecht 72 Es ist ein Maͤdel hier 128 Es ist nit allewege Festabend 183 Es stand ein Sternlein am Himmel 153 Es steht ein Baum im Odenwald 116 Es steht ein Baum in Oesterreich 48 Es sungen drei Engel einen suͤßen Gesang 79 Es waren einmal zwei Gespielen 18 Es war einmal ein junger Knab 34 Es wollt ein Maͤgdlein Wasser holen 68 Ewiger Bildner der loͤblichen Dinge 180 Ey ey wie scheint der Mond so hell 23 Fangt an zu singen 188 Geh aus mein Herz und suche Freud 85 Gott gruͤß euch all ihr Herrn 62 Grad Herz brich nicht 132 Graf Berthold von Sulchen der fromme Mann 170 Hab ein Bruͤnnlein mal gesehen 70 Hab Holzaͤpfel gehaspelt 126 Haben die Goͤtter es also versehen 71 Habt ihr die Husaren gesehn 23 Haͤtt mir ein Espenzweigelein 142 Heute wollen wir Haber maͤhn 118 Ich habe mein Feinsliebchen 73 Seite Ich hab mir ein Maidlein auserwaͤhlt 146 Ich hatt nun mei Trutschel 65 Ich gieng ins Vaͤters Gaͤrtela 105 Ich gieng mit Lust durch einen gruͤnen Wald 83 Ich gieng spazieren in ein Feld 148 Ich legte mich nieder ins gruͤne Gras 21 Ich sag, wems Gluͤck wohl pfeifet 41 Ich stand an einem Morgen 44 Ich stand an einem Morgen 46 Ich stand an einem Morgen, mein wo? 48 Ich that einmal spazieren gehn 42 Ich weis nicht, was ich meinem Schaͤtzchen verhieß 143 Ich weis nicht wo's Voͤglein ist 123 Ich wollt um meines Herren Haupt 177 Im gruͤnen Wald bin ich gewesen 110 Im Maien, im Maien ists lieblich und schoͤn 132 In diesem gruͤnen Wald 71 Isch aͤbi aͤ Mensch uf Erde, Simeliberg 134 Klein bin ich, klein bleib ich 121 Komm zu mir in Garten 21 Kukuk hat sich zu todt gefallen 111 Laßt uͤs aber mal betta 134 Loͤwen laßt euch wieder finden 207 Mein Auge wankt 151 Mein Buͤbli isch e Stricker 57 Meiner Frauen rother Mund 113 Mein Herz das schwebt in Freudenspur 154 Mein Kind sieh an die Bruͤste mein 193 Mein Schatz der ist auf die Wanderschaft hin 17 Mein Schtzaͤle ist huͤbsch 117 Mein Schaͤtzle ist Nunn 125 Mein Vater hat gesagt 27 Mi's Buͤbli is wohl aͤnetem Rhein 112 M'ys Lieb isch gar wit inne 135 Mir ist ein roth Gold Ringelein 129 Mit der Muschel schoͤpft das Buͤblein 182 Morgen muß ich weg von hier 31 Nach meiner Lieb viel hundert Knaben trachten 3 Nun ade mein allerliebster Schatz 15 Nun freue dich mein Herzelein, der Sommer 104 Nun lieb mein Seel den Herren gut 195 O du mein Mopper, wo willt du hinaus 131 Seite Sag mir o Maͤgdelein, was traͤgst im Koͤrbelein 28 Schau gut Gesell, was fuͤhr ich allhier 67 Schoͤn bin ich nicht mein hoͤchster Hort 77 Schoͤn klar einstmal die Sonne 109 Schoͤn waͤr ich gern, das bin ich nicht 29 Schlaf nur ein geliebtes Leben 7 Schwarzbraun ist meine dunkle Farbe 137 Schwing dich auf, Frau Nachtigall geschwinde 106 Schwimmen zwei Fischle im Wasser herum 128 'S haͤtt sich wol einer zu mer welle kuͤpple 66 'S ist mir auch kein Nacht so finster 108 'S mein sein und 's dein sein 122 Sechsmal hab ich sie angetroffen 129 Sobald du hebst die klaren Aeugelein 18 So und so geht der Wind 127 Silberner Degen 122 Sisch no nit lang daß gregnet haͤtt 137 Sterben ist eine harte Buß 10 Spazieren wollt ich reiten 63 Spinn Maͤgdlein spinn 36 Spinn, spinn meine liebe Tochter 40 Ueber dem Wald, uͤber dem Wald 122 Ueber den Kirchhof gieng ich allein 13 Wahres Lieben suͤßes Leben 20 Wann mein Schatz Hochzeit macht 124 Wann wuͤnschen wir koͤnnen, Maria rein 194 Waͤr ich ein wilder Falke 25 Was hab ich meinem Schaͤtzlein zu Leide gethan 110 Was soll ich thun, was soll ich glauben 167 Was soll ich aber singen 160 Wenn ich des Morgens fruͤh aufstehe 71 Wer ist denn draussen und klopfet an 112 Wo gehst du hin du Stolze 107 Wohl taͤglich will erscheinen 87 Zart Aeugelein zu winken 116 Zu Constanz saß ein Kaufmann reich 99 Uebersicht des Inhalts einiger Lieder . I. Geistliche Lieder . II, S. 4. 11. 13. 162. 167. 172. 174. 179. 187. 215. 218. 332. III, 79. 80. 177. 189. 193. 195. 206. u. f. II. Handwerkslieder . II, S. 70. 74. 347. 353. 360. 366. 370. 372. 374. 376. 381. 383. 390. 392. 393. 395. 398. III. Historische Romanzen . II, Gustav Adolph 96. Magdeburg 107. Landgraf 116. Ladislaus 119. Kremmerdamm 124. Tell 129. Orban 137. Burk- hart Muͤnch 140. Conradin 145. Wiben Peter 163. Seeraͤuber 167. Reutlinger 173. Rezstett 175. Schil- tensamen 180. Bremberger 229. Orlamuͤnde 232. Albertus 237. Bessa 254. Tartarfuͤrstin 258. Treb- niz 260. Herzog von Sagan 261. Pfalzgraf 262. Nachtwandler 263. Koͤnig von Mayland 285. Graf Friedrich 289. Thedel von Walmoden 302. III. Meinrad 170. IV. Liebeslieder . II, 11. 14. 46. 50. 52. 56. 58. 60. 193. 196. 199. 201. 207. 209. 214. 216. 221. 344. III, 3. 7. 10. 12. 15. 17. 18. 20. 23. 31. 63. 65. 73. 74. 78. 104. 106. 109. 112. 146. V. Trinklieder . II, 3. 90. 412. 414. 417. 418. 420. 421. 423. 425. 427. 428. 430. 434. III, 118. VI. Kriegslieder . II, 17. 19. 20. 21. 22. 24. 25. 27. 28. 29. 31. 32. 65. 93. 95. 100. 103. 127. 142. 149. 336. 339. 343. III, 134. Kinderlieder . Das Federspiel , A. B. C. mit Fluͤgeln . W ohl auf ihr klein Waldvoͤgelein, die ihr in Luͤf- ten schwebt, Stimmt an, lobt Gott den Herren mein, singt all, die Stimm erhebt; Denn Gott hat euch erschaffen, sich selbst zu Lob und Ehr, Sang, Feder, Schnabel, Waffen, kommt alles von ihm her. A a Adler . Der aller Voͤgel Koͤnig ist, macht billig den Anfang, Komm Adler! komm hervor, wo bist? stimm an den Vo- gelsang, Der Vorzug dir gebuͤhret, kein Vogel ist dir gleich, Drum dich im Wappen fuͤhret, der Kaiser und das Reich. B b Bachstelz . Die Bachstelz thut oft schnappen, und faͤngt der Muͤcken viel, Es hoͤrt nicht auf zu knappen ihr langer Pfannenstiel, Den Schweif thut sie stets zwingen, sie laͤßt ihm niemals Ruh, Wenn andre Voͤgel singen, schlaͤgt sie den Tackt dazu. C c Canarivogel . Das lieb Canarivoͤgelein koͤmmt her aus fremdem Land, Es singt gar schoͤn, zart, hell und rein, wie allen ist bekannt, Den Zucker frißt es gerne, doch nimmt es auch vorlieb, Wenn man ihm Hanfsaamkerne, und Ruͤbesaamen giebt. D d Distelfink . Merk auf wie lockt so lieblich mir, der schoͤne Distelfink, Beißt Distel auf und sticht sich nit, sein Witz ist nit gering, Gar wohl ist er gezieret, schoͤn gelb und roth bekleidt, Sein Stimm er nie verlieret, singt froͤhlich alle Zeit. E e Emmeriz . Der Emmeriz bis zum Abend spat, singt uͤbel, uͤbel hin, Er sagt, wenns Feld nur Aehren hat, ich auch ein Schnit- ter bin, Im Feld thut er sich naͤhren, bleibt Tag und Nacht darauf, Was Gott ihm thut beschehren, das klaubt er fleißig auf. F f Fink . Des Morgens fruͤh, des Abends spat, der Fink hat keine Ruh, Die Musen er ins Gruͤne lad't mit seinem Reit her zu, Fruͤh ist gar gut studieren, wenns kuͤhl, still, ruhig ist, Steh auf und thu's probieren, du fauler Prinzipist, Grammatist, Syntaxist, Humanist, Froͤhlich der Fink im Fruͤhling singt, sa sa, sa sa hui Dieb, Im ganzen Wald sein Stimm erklingt, wenns Wetter nicht zu truͤb, Die Dieb will er verjagen, die rund heraus er schilt, Dem Sperling thut er sagen, daß er viel Waizen stiehlt. G g Gimpel . Ein rother, dir gar wohl bekannt, ist schoͤn, doch singt nicht viel, Er koͤmmt aus deinem Vaterland, heißt Gimpel in der Still, All thun sich seiner schaͤmen, weil er ein Gimpel ist, Thu du ihn zu dir nehmen, weil du sein Landsmann bist. H h Henne und Hahn . Die Henne froͤhlich gaggagagt, und macht ein groß Geschrei, Die Baͤurin weiß wohl, was sie sagt, und geht und holt das Ey, Der Hahn thut fruͤh aufwecken den Knecht und faule Magd, Sie thun sich erst recht strecken, und schlafen bis es tagt. I i Imme (Biene.) Das Honigsuͤße Immelein sich spaͤt und fruͤh bemuͤht, Es sizt auf allen Bluͤmelein, versuchet alle Bluͤth, Sehr emsig fliegts herummer, traͤgt ein mit großem Fleiß, Und sucht den ganzen Sommer, auch fuͤr den Winter Speiß. K k Koͤniglein . (Zaunkoͤnig) Das winzigkleine Koͤniglein, wie macht es sich so groß, Wie zwitzerts mit seim Stimmelein, und ist so schlau und los', Wie lieblich thut es singen nach Wunsch und nach Begehr, Wie lustig thut es springen, wie huͤpft es hin und her. L l Lerche . Das Lerchlein in den Luͤften schwebt, und singt den Himmel an, Vom gruͤnen Feld es sich erhebt, und troͤst den Acker- mann, Gar hoch thut es sich schwingen, daß mans kaum sehen mag, Im Kreis herum thuts singen, lobt Gott den ganzen Tag. M m Meise . Die Meise haͤngt am Tannenast, als ob sie sich ver- berg, Singt allezeit, was giebst, was hast, singt ewig Zizer- berg, Man thut ihr freundlich locken, bis sie zum Kloben springt, Da huͤpft sie unerschrocken, bis man sie gar umbringt. N n Nachtigall . O Nachtigall dein edler Schall, bringt uns sehr große Freud, Dein Stimm durchstreift all Berg und Thal, zur schoͤnen Sommerzeit, Wenn du faͤngst an zu zuͤcken, die Voͤglein schweigen still, Es laͤßt sich keiner blicken, keiner mehr singen will. O o Omeis . (Ameise) Du fauler Tropf, der muͤßig ist, die Ameis schau wohl an, Dein Meisterin sie worden ist, die dich viel lehren kann, Schau wie sie ist ergeben der Arbeit Tag und Nacht, Schaͤm dich, der du dein Leben mit Faulheit zugebracht. P p Papagai . Du Vogel auserlesen, der Federn hast du viel, Wo bist so lang gewesen, warum schweigst du so still? Papagai Zuckerfresser, ruft dir der Schulknab zu, Geh in die Schul und lern besser, giebst ihm zur Ant- wort du. Q q Qu Qu Qu qu der Kukuk immer schreit, das ist an ihm das Best, Sonst legt er andern allezeit sein Eier in ihr Nest, Sein Ruf bringt allen Bangen, drum will kein Voͤgelein Mit einem Q anfangen den edlen Nahmen sein. R r Rabe . Der Rab thut taͤglich singen, sein groben rauhen Baß. Heut will ihm nichts gelingen, drum singt er cras, cras, cras, cras ist lateinisch, und heißt morgen. Wer alles schiebt auf morgen, und nichts gerichtet heut, Der muß stets seyn in Sorgen, daß es ihm fehle weit. Rothkehlchen . Das Rothkehlchen gar fruͤh aufsteht, und wenn ich dann erwach, Gruͤßt es die liebe Morgenroͤth, hoch oben auf dem Dach, Wie lieblich ist sein Zuͤkken, wie roͤthlich seine Kehl, Mein Herz thut es erquicken, ermuntern meine Seel. S s Schwalbe . Schwaͤzzerlein wie schwaͤtzst so toll, und plauderst hin und her, Fruͤh hast du Kisten und Kasten voll, Abends ist alles le le leer, Zu morgen eh die Sonn aufsteht, erzaͤhlst du deinen Traum, Und Abends wenn sie niedergeht, hast du geendet kaum. St st Staar . Der Staar schwaͤzt, pfeift und singet, er ists, der alles kann, In Kopf er alles bringet, nimmt, was er hoͤret, an, Er ist gar schlau und lose, und merket auf mit Fleiß, Waͤscht oft sein schwarze Hose, und bringt sie nimmer weiß. T t Turteltaube . Die Turteltaub ohn allen Trost, will nicht mehr froͤhlich seyn, Wenn ihren Gesell der Habich stoßt, traurt sie und bleibt allein, Wenn dir das Liebste, was du hast, der Tod nimmt mit Gewalt, So traure, sey kein frecher Gast, vergiß es nicht so bald. U u Uhu . Der Uhu sieht gar ernsthaft aus, als haͤtt er hoch studiert, Geht nicht aus seiner Hoͤl heraus, bis Nacht und finster wird, All Dunkelheit ist ihm ganz hell, doch sieht er nichts bei Tag, Drum ist er auch ein solch Gesell, den nie kein Vogel mag. V v Vogel Straus . Der Vogel Straus hat große Bein, doch klein ist sein Verstand, Es bruͤtet ihm der Sonnenschein die Eier aus im Sand. Oft Stein und Eisen er verschluckt, sein Magen der ist gut, Sein Federn sind der Weiber Schmuck, sie steckens auf den Hut. W w Wiedhopf . Der Wiedhopf ist sehr wohlgeziert, doch hat er keine Stimm, Sein Kroͤnlein er stets mit sich fuͤhrt, steckt doch nichts hinter ihm, Wie mancher hat viel Kleider, als waͤre er ein Graf, Sein Vater ist ein Schneider, sein Bruder huͤt die Schaaf. Z z Zeisig . Komm her du schoͤnes Zeißelein, komm fliege her be- hend, Sing, spring auf gruͤnem Reiselein, und mach dem Lied ein End, Lob Gott den Herren mein und dein, thu froͤhlich singen ihm, Ihn preisen alle Voͤgelein mit ihrer suͤßen Stimm. Wohin geht all dies Dichten, du edles Federspiel, Als daß wir alles richten zu gutem End und Ziel, Daß wir im Herzen sorgen fuͤr einen guten Klang, Wer weis ob heut, ob morgen uns ruͤhrt der lezt Gesang. O sagt ihr lieben Voͤgelein, wer ists der euch erhaͤlt, Wo fliegt ihr hin, wo kehrt ihr ein, wenn Schnee im Winter faͤllt, Wo nehmt ihr eure Nahrung, so viel als ihr begehrt? Es zeigt ja die Erfahrung, daß Gott euch all ernaͤhrt. Ihr habt kein Feld, kein Heller Geld, nichts das die Tasche fuͤllt, Der Tannebaum ist euer Zelt, troz dem, der euch was stiehlt, Euer Pflug ist lustig singen, stets lobt ihr Gott den Herrn, Die Toͤne thut ihr schwingen bis zu dem Abendstern. Ihr habt nicht Koch, nicht Keller, und seyd so wohl- gemuth, Ihr trinkt nicht Muskateller, und habt so freudig Blut, Nichts haben, nichts begehren, ist euer Liverei, Ihr habt ein guten Herren, er haͤlt euch alle frei. Gott sey mein Herz auch heimgestellt, was er thut ist gethan, Wenn Sonn und Mond vom Himmel faͤllt, er ists, der helfen kann, Was lebt auf Erd, in Luͤften schwebt, was sich im Was- ser ruͤhrt, Gott all mit einem Finger hebt, ohn alle Muͤh regiert. Kein Sperling von dem Dache faͤllt, von meinem Haupt kein Haar, Es sey dann, daß ihms wohlgefaͤllt, der ewig ist und war, Er ruft dem Storch zu seiner Zeit, der Lerch, der Nachtigall, Er fuͤhr uns all zur Seeligkeit, bewahr uns vor dem Fall. Dort singt die rechte Nachtigall den rechten Vogel- sang, Den ganzen weiten Himmelssaal durchstreicht ihr Freuden- klang, Mit Freud dort ewig singen die Englein auf neun Choͤr, Vor Freud thut ewig springen das ganze Himmelsheer. Musik dort ewig waͤhret, zu lang doch keinem waͤhrt, Je mehr sie wird gehoͤret, je mehr sie wird begehrt, Wer Gott hier thut verehren, ihm dient mit Sang und Klang, Der wird dort ewig hoͤren himmlischen Vogelsang. Die A B C - Schuͤtzen . R athe, was ich habe vernommen, Es sind achtzehn fremde Gesellen ins Land gekommen, Zu mahlen schoͤn und saͤuberlich, Doch keiner einem andern glich, All ohne Fehler und Gebrechen, Nur konnte keiner ein Wort sprechen, Und damit man sie sollte verstehn, Hatten sie fuͤnf Dolmetscher mit sich gehn, Das waren hochgelehrte Leut, Der erst erstaunt, reißts Maul auf weit, Der zweite wie ein Kindlein schreit, Der dritte wie ein Maͤuselein pfiff, Der vierte wie ein Fuhrmann rief, Der Fuͤnft gar wie ein Uhu thut, Das waren ihre Kuͤnste gut, Damit erhoben sie ein Geschrei, Fuͤllt noch die Welt, ist nicht vorbei. Die zwei Hirten in der Christnacht . Als das Christkindlein geboren war, saßen die zwei Hirten, Damon und Halton Nachts bei ihrer Heerde, und erzaͤhlten sich einander, was sie dem Christkindlein fuͤr Geschenke machen wollten, es war bei einem Bache, unter einem Palmbaum, ihre Schaafe lagen um sie her, und schliefen, es war auf einer weiten, weiten Wiese, oben auf einem Berge, der Mond war ganz groß, und rechts waren am Himmel eine Menge kleine Wolken, wie Schaͤfchen so weiß, und der Mond war wie der Schaͤfer dazu; auf der linken Seite aber stand am Him- mel der Morgenstern, ganz hell wie ein Kristall, der stand uͤber dem Stall, worin das Jesuskindlein lag, die Hirten aber saßen unter dem Palmbaum am Bach, der rauschte ganz leis, da haben sie so ge- sungen: Halton . I ch will dem Kindlein schenken Ein silberweises Lamm, So viel ich mich bedenke, Kein schoͤners ich bekam; Es hat zur linken Seite Wie Blut so roth ein Fleck, Weis nicht, was der bedeutet, Und was dahinter steckt. Damon . Und ich schenk diesem Kinde Ein Kaͤlbchen zart und klein, Mit rothen Baͤndern binde Ich ihm die Fuͤßlein sein; Und so will ich es tragen Gar schoͤn auf meinem Hals, Das Kindlein wird da sagen: Ach Mutter, mir gefallts. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein junges Boͤcklein schoͤn, Es treibt wohl tausend Schwaͤnke, Und bleibt nicht lange stehn; Es klettert, stutzt und springet, Und bleibt an keiner Stell, An seinem Halse klinget Ein goldnes Gloͤcklein hell. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein rothes Hirschkaͤlblein, Sein Fuͤßlein und Gelenke Sind gar so zart und fein; Da mirs auf gruͤner Straßen Im Wald entgegen kam, Ließ sichs ganz gerne fassen, Gieng mit und wurde zahm. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein schoͤnes Eichhoͤrnlein, Kann schnell herum sich schwenken, Ein hurtig Meisterlein; Das Christkindlein wird lachen, Wenn es die Nuͤßlein packt, Und schnell sie thut aufkrachen, Trick track wohl nach dem Takt. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein weises Haͤselein, Es ist voll tausend Raͤnken, Will stets bei Menschen seyn; Es wird beim Kripplein spielen, Und trommeln eigentlich, Die Schlaͤge nieder zielen Mit Fuͤßen meisterlich. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein wachsam Huͤndelein, So klug, man solls kaum denken, Es tanzet ganz allein; Es kann auch apportiren, Und stehen auf der Wacht, Sucht, was man thut verlieren, Was gilts, das Kindlein lacht. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein mausig Kaͤtzelein, Ihm darf kein Haͤrlein kraͤnken Halton, dein Huͤndelein. Es laͤßt sich auch nicht beissen, Gar schnell sich widersetzt, Thut bruͤsten sich und spreissen, Bleibt immer unverlezt. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein Stuͤckchen Einerlei, Mein, jetzo wirst du denken, Was dieses doch wohl sey? Zu deinem Kaͤtzlein eben Will ich ihm noch dabei Ein pelzern Mausfall geben, So hats der Kaͤtzlein zwei. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein muntres Taͤubelein, Das lauft auf Tisch und Baͤnken Mit seinem Schwesterlein; Ein Ringlein ihnen beiden Bezirkelt Hals und Brust, Aus Pflaum und Feder-Seiden, Recht farbig nach der Lust. Halton . Und ich will ihm noch schenken Zwo Turteltauben keusch, Die spreiten, heben, senken Die Fluͤgel ohn Geraͤusch; Ihr Stimmlein, wie man spuͤret, Sind lauter Seufzerlein, Gott weiß, welch Leid sie ruͤhret, In ihrem Herzelein. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein großen bunten Hahn, Der Haupt und Hals thut schwenken, Gleich einem edlen Schwan; Mit Sporn und Busch er gehet, Stolz als ein Rittersmann, Und Morgens fleißig kraͤhet Der bunte Wettermann. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein Fink und Nachtigall, Die Kopf und Ohren lenken, Nach meiner Floͤte Schall; Spiel ich die Schaͤferlieder, So kommen sie herbei, Und pfeifen sie mir wieder In ihrer Melodei. Damon . Und ich will ihm noch schenken Ein weißes Koͤrbelein, An Balken soll mans henken, Voll kleiner Voͤgelein; Ich selber habs geschnitzet In siebenthalben Tag, Ist neu und unbeschmitzet, Nicht gnug man's loben mag. Halton . Und ich will ihm noch schenken Ein schoͤnen Hirtenstab, Mit Farben ihn besprengen, Wie es noch keinen gab; Die Kunst hab ich gelernet, Wie man es machen soll, Daß ganz er wird gesternet, Und bunter Flecken voll. Damon . Und ich will ihm noch schenken Viel schoͤne Sachen mehr, Ja schenken und noch schenken Je mehr und je noch mehr; 2 Auch Aepfel, Birn und Nuͤsse, Milch, Honig, Butter, Kaͤß, Ach wenn ich doch koͤnnt wissen, Was es recht gerne aͤß. Halton . Wohl dann, so laßt uns reisen Zum schoͤnen Kindelein, Und unsre Gaben preisen, Dem kleinen Schaͤferlein; Ihm alles auf soll heben Die Mutter mit Bescheid, Daß es ihm wird gegeben Hernach zu seiner Zeit. Ein Wahrheitslied . A ls Gott der Herr geboren war, Da war es kalt, Was sieht Maria am Wege stehn? Ein Feigenbaum, Maria laß du die Feigen noch stehn, Wir haben noch dreißig Meilen zu gehn, Es wird uns spaͤt. Und als Maria ins Staͤdtlein kam, Vor eine Thuͤr, Da sprach sie zu dem Baͤuerlein, Behalt uns hier, Wohl um das kleine Kindelein, Es moͤcht dich warlich sonst gereun, Die Nacht ist kalt. Der Bauer sprach von Herzen ja, Geht in den Stall! Als nun die halbe Mitternacht kam, Stand auf der Mann; Wo seyd ihr dann, ihr armen Leut? Daß ihr noch nicht erfroren seyd, Das wundert mich. Der Bauer gieng da wieder ins Haus, Wohl aus der Scheuer, Steh auf mein Weib, mein liebes Weib, Und mach ein Feuer, Und mach ein gutes Feuerlein, Daß diese armen Leutelein Erwaͤrmen sich. Und als Maria ins Haus hin kam, Da war sie froh, Joseph, der war ein frommer Mann, Sein Saͤcklein holt; Er nimmt heraus ein Kesselein, Das Kind thaͤt ein bischen Schnee hinein, Und das sey Mehl. Es that ein wenig Eis hinein, Und das sey Zucker, Es that ein wenig Wasser drein, Und das sey Milch; Sie hiengen den Kessel uͤbern Heerd, An einen Hacken, ohn Beschwerd Das Muͤßlein kocht. Ein Loͤffel schnitzt der fromme Mann Von einem Span, Der ward von lauter Helfenbein Und Diamant; Maria gab dem Kind den Brei, Da sah man, daß es Jesus sey, Unter seinen Augen. Sommerverkuͤndigung . (In einigen Gegenden von Hollstein ziehen die Kinder, um den Som- mer anzukuͤndigen, von Haus zu Haus; eines traͤgt in einem Korb einen todten Fuchs voraus, sie singen dazu:) H anns Voß heißt er, Schelmstuͤck weis er, Die er nicht weis, die will er lehren, Haus und Hof will er verzehren; Brod auf die Trage, Speck auf den Wagen, Eier ins Nest, Wer mir was giebt, der ist der Best! Als ich hier vor diesem war, War hier nichts als Laub und Gras, Da war auch hier kein reicher Mann, Der uns den Beutel fuͤllen kann, Mit einem Schilling drei, vier oder mehr Wenns auch ein halber Thaler waͤr. Droben in der Hausfirst Haͤngen die langen Mettwuͤrst, Gebt uns von den langen, Laßt die kurzen hangen, Sind sie etwas kleine, Gebt uns zwei fuͤr eine; Sind sie ein wenig zerbrochen, So sind sie leichter kochen, Sind sie etwas fett, Je besser es uns schmeckt. Havele Hahne . (Zur Fastnacht gehn die Kinder am Rhein mit einem Korb, in dem ein gebundener Hahn liegt, sie schauckeln mit ihm und singen:) H avele havele Hahne, Fastennacht geht ane, Droben in dem Hinkelhaus, Haͤngt ein Korb mit Eier raus; Droben in der Firste, Haͤngen die Bratwuͤrste, Gebt uns die langen, Laßt die kurzen hangen, Ri ra rum, Der Winter muß herum; Was wollt ihr uns denn geben, Ein gluͤckseligs Leben, Gluͤck schlag ins Haus, Komm nimmermehr heraus. Kinderpredigt . E in Huhn und ein Hahn, Die Predigt geht an, Ein Kuh und ein Kalb, Die Predigt ist halb, Ein Katz und ein Maus, Die Predigt ist aus, Geht alle nach Haus, Und haltet ein Schmaus. Habt ihr was, so eßt es, Habt ihr nichts, vergeßt es, Habt ihr ein Stuͤckchen Brod, So theilt es mit der Noth, Und habt ihr noch ein Brosaͤmlein, So streuet es den Voͤgelein. Das Wappen von Amsterdam . I ch gieng einmal nach Amsterdam, Auf der Faullenzer Straße, Man fragt mich, ob ich faullenzen kann, Ich sagte nein, und meint doch ja, Ich sezt mich nieder und faullenzt da, Es war wohl tausend Gulden werth, Dafuͤr kauft ich ein schoͤnes Pferd, Wars kein junges, wars ein alts, Ohne Kopf und ohne Hals, Ohne Schenkel, ohne Bein, Auf dem Pferd ritt ich allein, Auf dem Pferd ritt ich so lang, Bis ihm gar der Bauch zersprang. Flog heraus ein Goͤckerlein, Kraͤhte grob und kraͤhte fein, Hatt auf seinem Kopf ein Kamm, Drauf stand das Wappen von Amsterdam. Erschreckliche Geschichte vom Huͤnchen und vom Haͤnchen . Ein Huͤnchen und ein Haͤnchen sind miteinander in die Nußhecken gegangen, um Nuͤsse zu essen, und jedes Nuͤßchen, welches das Haͤnchen fand, hat es mit dem Huͤnchen getheilt, endlich hat das Huͤnchen auch eine Nuß gefunden, und das Haͤnchen hat sie ihm aufgepickt, aber das Huͤnchen war neidisch, und hat nicht theilen wollen, und hat aus Neid den Nußkern ganz verschluckt, der ist ihm aber im Halse stecken geblieben, und wollte nicht hinter sich, und nicht vor sich, da hat es geschrien: lauf zum Born und hol mir Wasser. Haͤnchen ist zum Born gelaufen, Born du sollst mir Wasser geben, Huͤnchen liegt an jenem Berg, Und schluckt an einem Nußkern; Und da hat der Born gesprochen: Erst sollst du zur Braut hinspringen, Und mir klare Seide bringen, Haͤnchen ist zur Braut gesprungen, Braut du sollst mir Seide geben, Seide soll ich Brunnen bringen, Brunnen soll mir Wasser geben, Wasser soll ich Huͤnchen bringen, Huͤnchen liegt an jenem Berg, Und schluckt an einem Nußkern. Und da hat die Braut gesprochen: Sollst mir erst mein Kraͤnzlein langen, Blieb mir in den Weiden hangen; Haͤnchen ist zur Weide flogen, Hat das Kraͤnzlein runter zogen, Braut ich thu dirs Kraͤnzlein bringen, Sollst mir klare Seiden geben, Seide soll ich Brunnen bringen, Brunnen soll mir Wasser geben, Wasser soll ich Huͤnchen bringen, Huͤnchen liegt an jenem Berg, Und schluckt an einem Nußkern. Braut gab fuͤr das Kraͤnzlein Seide, Born gab fuͤr die Seide Wasser, Wasser bringt er zu dem Huͤnchen, Aber Huͤnchen war erstickt, Hat den Nußkern nicht verschlickt. Da war das Haͤnchen sehr traurig, und hat ein Waͤgelchen von Weiden geflochten, hat sechs Voͤgelchen davor gespannt, und das Huͤnchen darauf gelegt, um es zu Grabe zu fah- ren, und wie es so fort fuhr, kam ein Fuchs. Wohin Haͤnchen? Mein Huͤnchen begraben. Darf ich aufsitzen? Sitz hinten auf den Wagen, Forne koͤnnens meine Pferdchen nicht vertragen. Da hat sich der Fuchs aufgesetzt, kam ein Wolf. Wohin Haͤnchen? u. s. w. kam ein Loͤwe, kam ein Baͤr, u. s. w., alle hinten drauf, endlich kam noch ein Floh, Wohin Haͤnchen? u. s. w. aber der war zu schwer, der hat grade noch gefehlt, das ganze Waͤgelchen mit aller Bagage, mit Mann und Maus ist im Sumpfe versunken, da braucht er auch kein Grab, das Haͤnchen ist allein davon gekommen, ist auf den Kirch- thurm geflogen, da steht es noch, und dreht sich uͤberall herum, und paßt auf schoͤn Wetter, daß der Sumpf aus- trocknet, da will es wieder hin, und will sehen, wie er sei- nen Leichenzug weiter bringt, wird aber wohl zu spaͤt kom- men, denn es ist allerlei Kraut und Gras druͤber gewachsen, Huͤnerdarm und Hahnenfuß, und Loͤwenzahn und Fuchsia, und lauter solche Geschichten, wer sie nicht weis, der muß sie erdichten. Auf dem Grabstein eines Kindes in einem Kirchhof im Odenwald . L iebe Eltern gute Nacht! Ich soll wieder von euch scheiden, Kaum war ich zur Welt gebracht, Hab genossen keine Freuden, Ich das kleinste eurer Glieder, Geh schon fort, doch nicht allein, Eltern, Schwestern, und die Bruͤder, Werden auch bald bei mir seyn, Weil sie wuͤnschen, bitten, weinen, Daß ihr Tag mag bald erscheinen. Kindergebet . L ieber Gott und Engelein, Laßt mich fromm und gut seyn, Laßt mir doch auch mein Hemdlein Recht bald werden viel zu klein. Wie oft Gott zu danken sey ? W ie viel Sand in dem Meer, Wie viel Sterne oben her, Wie viel Thiere in der Welt, Wie viel Heller unterm Geld, In den Adern wie viel Blut, In dem Feuer wie viel Glut, Wie viel Blaͤtter in den Waͤldern, Wie viel Graͤßlein in den Feldern, In den Hecken wie viel Doͤrner, Auf dem Acker wie viel Koͤrner, Auf den Wiesen wie viel Klee, Wie viel Staͤublein in der Hoͤh, In den Fluͤssen wie viel Fischlein, In dem Meere wie viel Muͤschlein, Wie viel Tropfen in der See, Wie viel Flocken in dem Schnee, So viel Lebendig weit und breit, So oft und viel sey Gott Dank in Ewigkeit. Amen Abendgebet . A bends wenn ich schlafen geh, Vierzehn Engel bei mir stehn, Zwey zu meiner Rechten, Zwey zu meiner Linken, Zwey zu meinen Haͤupten, Zwey zu meinen Fuͤssen, Zwey die mich decken, Zwey die mich wecken, Zwey die mich weisen In das himmlische Paradeischen. St . Niklas . Vater . E s wird aus den Zeitungen vernommen, Daß der heilige Sankt Niklaus werde kommen, Aus Moskau, wo er gehalten werth, Und als ein Heilger wird geehrt; Er ist bereits schon auf der Fahrt, Zu besuchen die Schuljugend zart, Zu sehn, was die kleinen Maͤgdlein und Knaben In diesem Jahre gelernet haben, In Beten, Schreiben, Singen und Lesen, Auch ob sie sind huͤbsch fromm gewesen. Er hat auch in seinem Sack verschlossen, Schoͤne Puppen aus Zucker gegossen, Den Kindern, welche huͤbsch fromm waͤren, Will er solche schoͤne Sachen verehren. Kind . Ich bitte dich Sankt Niklaus sehr, In meinem Hause auch einkehr, Bring Buͤcher, Kleider und auch Schuh, Und noch viel schoͤne gute Sachen dazu, So will ich lernen wohl, Und fromm seyn, wie ich soll. Amen. Sankt Niklas . Gott gruͤß euch lieben Kinderlein, Ihr sollt Vater und Mutter gehorsam seyn, So soll euch was Schoͤnes beschehret seyn; Wenn ihr aber dasselbige nicht thut, So bringe ich euch den Stecken und die Ruth. Amen. Kinderlied zu Weihnachten . G ott's Wunder, lieber Bu, Geh, horch ein wenig zu, Was ich dir will erzaͤhlen, Was geschah in aller Fruh. Da geh ich uͤber ein Heid, Wo man die Schaͤflein weidt, Da kam ein kleiner Bu gerennt, Ich hab ihn all mein Tag nicht kennt. Gott's Wunder, lieber Bu, Geh, horch ein wenig zu! Den alten Zimmermann, Den schaun wir alle an, Der hat dem kleinen Kindelein Viel Gutes angethan. Er hat es so erkußt, Es war ein wahre Lust, Er schafft das Brod, ißt selber nicht, Ist auch sein rechter Vater nicht. Gott's Wunder, lieber Bu, Geh, lausch ein wenig zu. Haͤtt' ich nur dran gedenkt, Dem Kind haͤtt ich was g'schenkt; Zwei Aepfel hab ich bei mir g'habt, Es hat mich freundlich angelacht. Gott's Wunder, lieber Bu, Geh, horch ein wenig zu. Sterndreherlied . W ir reisen auf das Feld in eine Sonne, Des freuet sich die englische Schaar, Wir wuͤnschen euch allen ein gluͤckseelig Neujahr. Wir wuͤnschen dem Herrn einen goldnen Hut, Er trinkt keinen Wein, denn er sey gut, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen dem Herrn einen tiefen Bronnen, So ist ihm niemals sein Gluͤck zerronnen, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen dem Herrn einen goldnen Mutzen, Er laͤßt sich auch von keinem trutzen, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen dem Herrn einen goldnen Tisch, Auf jeder Eck einen gebacknen Fisch, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen der Frau einen goldenen Rock, Sie geht daher als wie eine Dock, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen dem Sohn eine Feder in die Hand, Damit soll er schreiben durchs ganze Land, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen der Tochter ein Raͤdelein, Damit soll sie spinnen ein Faͤdelein, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen der Magd einen Besen in die Hand, Damit soll sie kehren die Spinnen von der Wand, Des freuet sich etc. Wir wuͤnschen dem Knecht eine Peitsch in die Hand, Damit soll er fahren durchs ganze Land, Des freuet sich etc. Dreikoͤnigslied . G ott so wollen wir loben und ehrn, Die heiligen drei Koͤnig mit ihrem Stern, Sie reiten daher in aller Eil In dreisig Tagen vierhundert Meil, Sie kamen in Herodis Haus, Herodes sahe zum Fenster raus: Ihr meine liebe Herrn, wo wollt ihr hin? Nach Bethlehem steht unser Sinn. Da ist geboren ohn' alles Leid Ein Kindlein von einer reinen Maid. Herodes sprach aus großem Trotz: Ey warum ist der hinder so schwarz? O lieber Herr, er ist uns wohl bekannt, Er ist ein Koͤnig im Mohrenland, Und woͤllend ihr uns recht erkennen, Wir doͤrffend uns gar wohl nennen. Wir seynd die Koͤnig vom finstern Stern, Und braͤchten dem Kindlein ein Opfer gern, Myrrhen, Weihrauch und rothes Gold, Wir seynd dem Kindlein ins Herz nein hold. Herodes sprach aus Uebermuth, Bleibend bei mir, und nehmt fuͤr gut, Ich will euch geben Heu und Streu, Ich will euch halten Zehrung frey. Die heiligen drei Koͤnig thaͤten sich besinnen, Fuͤrwahr, wir wollen jezt von hinnen. Herodes sprach aus trutzigem Sinn, Wollt ihr nicht bleiben, so fahret hin. Sie zogen uͤber den Berg hinaus, Sie funden den Stern ob dem Haus, Sie traten in das Haus hinein, Sie funden Jesum in dem Krippelein. Sie gaben ihm ein reichen Sold, Myrrhen, Weyhrauch und rothes Gold. Joseph bei dem Kripplein saß, Bis daß er schier erfroren was. Joseph nahm ein Pfaͤnnelein, Und macht dem Kind ein Muͤßelein. Joseph, der zog seine Hoͤselein aus, Und macht dem Kindlein zwey Windelein d'raus. Joseph, lieber Joseph mein, Hilf mir wiegen mein Kindelein. Es waren da zwey unvernuͤnftige Thier, Sie fielen nieder auf ihre Knie. Das Oechselein und das Eselein, Die kannten Gott den Herren rein. Amen. Christkindleins Wiegenlied . O Jesulein zart, O Jesulein zart, Das Kripplein ist hart, Wie liegst du so hart, Ach schlaf, ach thu die Auͤgelein zu, Schlaf, und gieb uns die ewige Ruh. 3 Schlaf Jesulein wohl, Nichts hindern soll Ochs Esel und Schaf, Sind alle im Schlaf. Schlaf Kind schlaf, thue dein Auͤglein zu, Schlaf und gieb uns die ewige Ruh. Die Seraphim singt, Und Cherubim klingt, Viel Engel im Stall, Die wiegen dich all. Schlaf Kind schlaf, thu dein Auͤglein zu, Schlaf und gieb uns die ewige Ruh. Sieh Jesulein sieh, Sankt Joseph ist hie, Ich bleib auch hiebei, Schlaf sicher und frei. Schlaf Kind schlaf, thu dein Auͤglein zu, Schlaf, und gieb uns die ewige Ruh. Schweig Eselein still, Das Kind schlafen will, Ey Ochsle nicht bruͤll, Das Kind das schlafen will. Schlaf Kind schlaf, thu dein Auͤgelein zu, Schlaf, und gieb uns die ewige Ruh. Wiegenlied . O Jesu liebes Herrlein mein, Hilf mir wiegen mein Kindelein, Im Himmelreich, und in der lieben Christenheit, Eya! Eya! Schlaf du liebes Kindelein, Der heilig Christ will bei dir seyn, Mit seinen lieben Engelein, in Ewigkeit. O du liebes Jesulein, Du Troͤster mein, erfreu dich fein, Und mach uns arme Wuͤrmelein Zu Dienern dein! O Jesu, Gottes Soͤhnelein, Und Marien Kindelein, Laß dir mein Kind befohlen seyn, Im Himmelreich, und in seim kleinen Wiegelein, Eya! Eya! Schlaf mein liebes Kindelein, Dein Christ bringt dir gut Aepfelein, Baut dir ein schoͤnes Haͤuselein im Himmelreich. Du trautes Jesulein, Gottes Laͤmmelein, erbarm dich mein, Und faß mich auf dein Ruͤckelein Und trag mich fein. O Jesu, liebes Bruͤderlein, Du wollst Emanuelchen seyn, Und unser ewigs Priesterlein, Im Himmelreich, und in der lieben Christenheit. Eya! Eya! schweig du trautes Kindelein, Es beißt dich sonst ein Eselein, Und stoͤßt dich Josephs Oechselein, zu Bethlehem: O du suͤßes Jesulein, Erhalt uns rein, im Glauben dein, Bitt fuͤr uns arme Suͤnderlein, Den Vater dein. Jesus das zarte Kindelein, Lag in ein'm harten Krippelein, Gewindelt in ein Tuͤchelein, Zu Bethlehem, im finstern Stall, beim Oechselein. Eya! Eya! Joseph kocht ein Muͤselein, Maria streichts ihrm Soͤhnlein ein, Das Kuͤßlein waͤrmt ein Engelein; Nun singet fein, o du liebes Jesulein, Die Unschuld dein, laß unser seyn, Und mach uns arme Leute fein Heilig und rein. Fruͤhlingsumgang . H eut ist mitten in der Fasten, Da leeren die Bauren die Kasten. Die Kasten sind alle so leer, Bescheer uns Gott ein andres Jahr! Die Fruͤchte im Felde, sie kleiden so wohl, Sie kleiden dem Baͤuerlein die Scheuerlein voll. Wo sind unsere hiesigen Knaben, Die uns den Sommerkranz helfen rumme tragen. Sie liegen wohl hinter dem Wingertsberg, Und schaffen ihre Haͤndelein rauh. Jetzt gehn wir vor des Wirten Haus, Da schaut der Herr zum Fenster raus. Er schaut wohl raus und wieder n'ein, Er schenkt uns was ins Beutelein n'ein. Wir schreibens wohl auf ein Lilienblatt, Wir wuͤnschen dem Herrn einen guten Tag. Wir wuͤnschen dem Herrn einen goldenen Tisch, Auf jeden Spitzen gebackene Fisch. Mitten darinnen eine Kante voll Wein, Damit soll er brav lustig seyn. Wir wuͤnschen der Frau eine goldene Wiege, Damit soll sie ihr Kindelein wiegen. Wir wuͤnschen der Frau eine goldene Schnur, Damit bindt sie ihr Kindelein zu. Wir wuͤnschen dem Herrn einen silbernen Wagen, Damit soll er ins Himmelreich fahren! Wenn die Kinder ihre heiße Suppe ruͤhren . L irum larum Loͤffelstiel, Alte Weiber essen viel, Junge muͤssen fasten, Brod liegt im Kasten, Messer liegt daneben, Ey was ein lustig Leben! Das Sommertagslied . In der Pfalz und umliegenden Gegenden gehen am Sonntag Laͤtari, welchen man den Sommertag nennt, die Kinder auf den Gassen herum mit hoͤlzernen Staͤben, an welchen eine mit Baͤndern geschmuͤckte Bretzel haͤngt, und singen den Sommer an, woruͤber sich jedermann freut. Auch gehen oft zwei erwachsene junge Bursche ver- kleidet herum, won welchen einer den Sommer, der an- dere den Winter vorstellt, diese kaͤmpfen miteinander, und der Winter verliert. Im Kraichgau tragen die Maͤgd- lein bei diesem Fest einen mit Immergruͤn umwundenen Reif auf einem Stecken, an dem Reife haͤngen kleine Spiegel, Goldflitter und Bretzeln. Die Knaben aber tra- gen viele solche kleinere Kraͤnze an ihren Stecken, und geben immer einen als Gegengabe in jedem Hauße ab, wo sie fuͤr ihren Gesang Geld, Eier, Schmalz oder Mehl erhalten. Dieser Kranz wird in der Mittenstube uͤber dem Tisch an einem Faden aufgehaͤngt, und bleibt bis zum naͤchsten Jahre haͤngen. Durch die Ofenwaͤrme, die in die Hoͤhe zieht, bewegt sich der Kranz zuweilen, dann sagen die Kinder: das bedeute was Gutes, wenn aber eine Hexe in die Stube koͤmmt, sagen die alten Weiber, stehe der Kranz still. Das Sommerlied aber heißt so: T ra, ri, ro, Der Sommer der ist do! Wir wollen naus in Garten, Und wollen des Sommers warten, Jo, jo, jo, Der Sommer, der ist do. Tra, ri, ro, Der Sommer, der ist do! Wir wollen hinter die Hecken, Und wollen den Sommer wecken, Jo, jo, jo, Der Sommer, der ist do! Tra, ri, ro, Der Sommer, der ist do! Der Sommer, der Sommer! Der Winter hats verloren, Jo, jo, jo, Der Sommer, der ist do. Tra ri etc. Zum Biere, zum Biere, Der Winter liegt gefangen, Den schlagen wir mit Stangen, Jo etc. Tra, ri etc. Zum Weine, zum Weine, In meiner Mutter Keller, Liegt guter Muskateller, Jo, etc. Tra, ri, etc. Wir wuͤnschen dem Herrn Ein goldnen Tisch, Auf jeder Eck ein gebacknen Fisch, Und mitten hinein Drei Kannen voll Wein, Daß er dabei kann froͤhlich seyn. Jo, jo, jo, Der Sommer, der ist do. Brunneneyer - Liedlein . In Kreuznach und andern Staͤdten am Rhein wer- den um Johannistag die Brunnen gereinigt, und neue Brunnenmeister erwaͤhlt, wobei sich die Nachbarn versam- meln, und nachdem sie manche nachbarliche Angelegenheit besprochen, ein kleines Fest geben. An dem Tage dieses Festes ziehen die Kinder in der Nachbarschaft Eyer samm- len herum, die sie in einen mit Feldblumen geschmuͤckten Korb auf Blaͤtter legen, und sich Abends zu einem eignen Feste backen lassen, bei ihrem Eyersammlen singen sie fol- gendes Lied. Diese Gelage waren bereits im funfzehnten Jahrhundert. G aͤrtlein, Gaͤrtlein, Brunneneyer, Heut han wir Johannistag, Gruͤn sind die Lilien, Rufen wir Frau Wirthin an, Draus auf den Leyen, (Leye, Schiefer) Steht ein Korb voll Eier, Sind sie zerbrochen, Gebt mir eure Tochter, Sind sie zu klein, Gebt mir zwey fuͤr ein, Strih, strah, stroh, Heut uͤbers Jahr sind wir all miteinander wieder do! Knecht , Magd , Ochs , Esel , und alles , was mein ist . A ls ich ein armes Weib war, Zog ich uͤber den Rhein, Bescheert mir Gott ein Huͤhnelein, War ich ein reiches Weib, Gieng ich uͤber die Wiese, Fragten alle Leut, Wie mein Huͤhnlein hiese, Bibberlein heißt mein armes Huͤhnelein. Als ich ein armes Weib war, Zog ich uͤber den Rhein, Bescheert mir Gott ein Entelein, War ich ein reiches Weib, Gieng ich uͤber die Wiese, Fragten alle Leut, Wie mein Entlein hiese, Entequentlein heißt mein Entlein, Bibberlein heißt mein armes Huͤnelein. Als ich ein armes Weib war, Zog ich uͤber den Rhein, Bescheert mir Gott ein Gaͤnselein, War ich ein reiches Weib, Gieng ich uͤber die Wiese, Fragten alle Leut, Wie mein Gaͤnselein hiese, Wackelschwaͤnzlein heißt mein Gaͤnslein, etc. Als ich u.s.w. Bescheert mir Gott ein Zickelein, u. s. w. Klipperbein heißt mein armes Zickelein, Wackelschwaͤnzlein u. s. w. Als ich u. s. w. Bescheert mir Gott ein Schweinelein, u. s. w. Schmortoͤpflein heißt mein armes Schweinelein, Klipperbein u. s. w. Als ich u. s. w. Bescheert mir Gott ein Kuh, Gute Muh heißt mein Kuh, Schmortoͤpflein heißt mein Schwein, u. s. w. Als ich u. s. w. Bescheert mir Gott ein Haus, Guckeraus heißt mein Haus, Gute Muh u. s. w. Als ich u. s. w. Bescheert mir Gott ein Mann, Kegelbahn heißt mein Mann, u. s. w. Bescheert mir Gott ein Kind, Goldenring heißt mein Kind. Bescheert mir Gott ein Magd, Hat er gesagt heißt meine Magd. Bescheert mir Gott ein Pferd, Ehrenwerth heißt mein Pferd. Bescheert mir Gott ein Knecht, Haberecht heißt mein Knecht. Bescheert mir Gott ein Hahn, Wettermann heißt mein Hahn. Bescheert mir Gott ein Floh, Huͤpf ins Stroh heißt mein Floh. Nun kennt ihr mich mit Mann und Kind, Und all meinem Hausgesind. Fuͤr die Juͤngelcher von unsern Leut . E in Zicklein, ein Zicklein, Das hat gekauft das Vaͤterlein Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Da kam das Kaͤtzlein, Und aß das Zicklein, Das hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Ein Zicklein! Da kam das Huͤndelein, Und biß das Kaͤtzelein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Da kam das Stoͤckelein, Und schlug das Huͤndlein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Da kam das Feuerlein, Und verbrennt das Stoͤckelein, Das da hat geschlagen das Huͤndelein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Da kam das Wasserlein, Und verloͤscht das Feuerlein, Das da hat verbrennt das Stoͤcklein, Das da hat geschlagen das Huͤndlein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Da kam der Ochse Und trank das Wasserlein, Das da hat verloͤscht das Feuerlein, Das da hat verbrennt das Stoͤckelein, Das da hat geschlagen das Huͤndelein, Das da hat gebissen das Kaͤtzelein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft mein Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Ein Zicklein! Da kam der Schòchet, (Metzger) Und schlecht den Ochsen, Der da hat getrunken das Wasserlein, Das da hat verloͤscht das Feuerlein, Das da hat verbrennt das Stoͤckelein, Das da hat geschlagen das Huͤndelein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft das Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! ein Zicklein! Da kam der Màlach hammòves, (Engel des Todes) Und schlecht den Schòchet, Daß er hat geschlecht den Ochsen, Daß er hat getrunken das Wasserlein, Das da hat verloͤscht das Feuerlein, Das da hat verbrennt das Stoͤckelein, Das da hat geschlagen das Huͤndelein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft das Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Ein Zicklein! Da kam unser lieber Herr Gott, Und schlecht den Màlach Hammòves, Der da hat geschlecht den Schòchet, Der da hat geschlecht den Ochsen, Daß er hat getrunken das Wasserlein, Das da hat verloͤscht das Feuerlein, Das da hat verbrennt das Stoͤckelein, Das da hat geschlagen das Huͤndelein, Das da hat gebissen das Kaͤtzlein, Das da hat gegessen das Zicklein, Das da hat gekauft das Vaͤterlein, Um zwey Schilling Pfennig, Ein Zicklein! Ein Zicklein. Kinder - Konzert , prima vista . K leins Maͤnnele, kleins Maͤnnele, was kannst du machen? Ich kann wohl spielen auf meiner Trumm, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum. Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Floͤt, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill. Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen, etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Geig, Ging ging ging, so macht meine Geig, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Zitter, Brin bring bring, so macht meine Zitter, Ging ging ging, so macht meine Geig, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, bring bring, bring. Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Laute, Blum blum blum, so macht meine Laute, Bring bring bring, so macht meine Zitter, Ging ging ging, so macht meine Geig, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, bring bring bring, blum blum blum. Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meinem Fagot, Du du du, so macht mein Fagot, Blum blum blum, so macht meine Laute, Bring bring bring, so macht meine Zitter, Ging ging ging, so macht meine Geige, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, bring bring bring, blum blum blum, du du du. Kleins Maͤnnele, etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Leier, Eng eng eng, so macht meine Leier, Du du du, so macht mein Fagot, Blum blum blum, so macht meine Laut, Bring bring bring, so macht meine Zitter, Ging ging ging, so macht meine Geig, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Bum bum bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, bring bring bring, blum blum blum, du du du, eng, eng eng. Kleins Maͤnnele: etc. was kannst du machen etc. Ich kann wohl spielen auf meiner Baßgeig, Gu gu gu, so macht meine Baßgeig, Eng eng eng, so macht meine Leyer; Du du du, so macht mein Fagot, Blum blum blum, so macht meine Laut, Bring bring bring, so macht meine Zitter, Ging ging ging, so macht meine Geig, Dill dill dill, so macht meine Floͤt, Rum bum, bidi bum, so macht meine Trumm. Rum bum, bidi bum, dill dill dill, ging ging ging, bring bring bring, blum blum blum, du du du, eng eng eng, Gu gu gu, in Ewigkeit amen. Der wunderliche Kittel . I ch weiß mir einen Kittel, Geht vornen nicht zusammen, Bin ich zu einer Nonn gegangen. 4 „Ach liebe Nonn gieb auch dazu, „Daß der Kittel fertig wird! Sprach die Nonn: Das soll geschehn, „Will dir meine Kutte geben. — Ey so haben wir eine Kutt'! Hinten Zipf, Freu' dich Maͤdel der Kittel wird huͤbsch. Ich weiß mir einen Kittel, Geht vornen nicht zusammen, Bin ich zu einem Hahn gegangen. „Ach lieber Hahn, gieb anch dazu! Sprach der Hahn: Das soll geschehn, „Will dir meinen Kamm geben, „Ey so haben wir einen Kamm! Hahnenkamm, Nonnenkutt, Hintenzipf, Freu dich Maͤdel, der Kittel wird huͤbsch! Ich weiß mir einen Kittel, Geht vornen nicht zusammen, Bin ich zu einer Gans gegangen. „Ach liebe Gans gieb auch dazu! „Daß der Kittel fertig wird. Sprach die Gans: Das soll geschehn, „Will dir meinen Kragen geben, „Ey so haben wir einen Kragen! Ganskragen, Hahnenkamm, Nonnenkutt, Hintenzipf, Freu dich Maͤdel, deiu Kittel wird huͤbsch! Ich weiß mir einen Kittel, Geht vornen nicht zusammen, Bin ich zu einer Ent' gegangen. „Ach liebe Ent' gieb auch dazu! „Daß der Kittel fertig wird. Sprach die Ent' Das soll geschehn, „Will dir meinen Schnabel geben. „Ey so haben wir einen Schnabel! Entenschnabel, Ganskragen, Hahnenkamm, Nonnenkutt, Hintenzipf, Freu dich Maͤdel, dein Kittel wird huͤbsch! Ich weiß mir einen Kittel, Geht vornen nicht zusammen, Bin ich zu einem Haas gegangen. „Ach lieber Haas, gieb auch dazu! „Daß der Kittel fertig wird. Sprach der Haas: Das soll geschehn, „Will dir meinen Lauf geben. „Ey so haben wir einen Lauf! Haasenlauf, Entenschnabel, Ganskragen, Hahnenkamm, Nonnenkutt, Hintenzipf, Freu dich Maͤdel, dein Kittel wird huͤbsch. Was der Gans alles aufgepackt worden ist . W as traͤgt die Gans auf ihrem Schnabel? Federgans? Einen Ritter, mit sammt dem Sabel, Traͤgt die Gans auf ihrem Schnabel. Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihrem Kopf? Federgans? Einen dicken Koch mit sammt dem Topf, Traͤgt die Gans auf ihrem Kopf. Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihrem Kragen? Federgans? Einen Fuhrmann, mit Roß und Wagen, Traͤgt die Gans auf ihrem Kragen. Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihren Fluͤgeln? Federgans? Einen stattlichen Ritter, mit sammt den Buͤgeln, Traͤgt die Gans auf ihren Fluͤgeln. Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihrem Ruͤcken? Federgans? Ein altes Weib, mit sammt den Kruͤcken, Traͤgt die Gans auf ihrem Ruͤcken. Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihren Zehen? Federgans? Ein Jungfer, die thut Hemdlein naͤhen; Traͤgt die Gans auf ihren Zehen? Federgans. Was traͤgt die Gans auf ihrem Schwanzerl? Federgans? Ein Jungfrau in dem Hochzeitskranzerl, Traͤgt die Gans auf ihrem Schwanzerl, Federgans. Kinder - Predigt . Q uibus, quabus, Die Enten gehn barfuß, Die Gaͤns haben gar keine Schuh, Was sagen dann die lieben Huͤner dazu? Und als ich nun kam an das kanaljeische Meer, Da fand ich drey Maͤnner, und noch viel mehr, Der eine hatte niemals was, Der andre nicht das, Und der dritte gar nichts, Die kauften sich eine Semmel, Und einen Zentner hollaͤndischen Kaͤse, Und fuhren damit an das kanaljeische Meer. Und als sie kamen an das kanaljeische Meer, Da kamen sie in ein Land, und das war leer, Und sie kamen an eine Kirche von Papier, Darin war eine Kanzel von Korduan, Und ein Pfaffe von Rothstein, Der schrie: Heute haben wir Suͤnde gethan, Verleiht uns Gott das Leben, so wollen wir morgen wieder dran! Und drey Schwestern Lazari, harina, Sibilla, Schweigstilla, Weinten bitterlich, Und der Hahn kraͤhete Buttermilch! Das buckliche Maͤnnlein . W ill ich in mein Gaͤrtlein gehn, Will mein Zwiebeln giessen, Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Faͤngt als an zu nießen. Will ich in mein Kuͤchel gehn, Will mein Suͤpplein kochen, Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Hat mein Toͤpflein brochen. Will ich in mein Stuͤblein gehn, Will mein Muͤßlein essen; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Hats schon halber gessen. Will ich auf mein Boden gehn, Will mein Hoͤlzlein holen; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Hat mirs halber g'stohlen. Will ich in mein Keller gehn, Will mein Weinlein zapfen; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Thut mir'n Krug wegschnappen. Setz ich mich ans Raͤdlein hin, Will mein Faͤdlein drehen; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Laͤßt mirs Rad nicht gehen. Geh ich in mein Kaͤmmerlein, Will mein Bettlein machen; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Faͤngt als an zu lachen. Wenn ich an mein Baͤnklein knie, Will ein bislein beten; Steht ein bucklicht Maͤnnlein da, Faͤng als an zu reden. Liebes Kindlein, ach ich bitt, Bet' fuͤr's bucklicht Maͤnnlein mit! Einquartierung . D ie Enten sprechen: Soldaten kommen! Solda- ten kommen! Der Enterich spricht: Sackerlot, sackerlot! Der Haushund spricht: Wo? wo? wo? wo? Die Katze spricht: Von Bernau, von Bernau! Der Hahn auf der Muuer: Sie sind schon da. Kriegsgebet . B et' Kinder bet', Morge kommt der Schwed, Morge kommt der Orestern, Der wird die Kinder bete lern. Trompeterstuͤckchen . H eiderlau! Stirbt meine Frau, Reis' ich in die Wetterau, Hol mir eine andre, Die soll seyn, Huͤbsch und fein, Schoͤner als die andre. dito A Herr verscho o o ne mich, Jesus Maria a a, Ist dann kein Kavallerie mehr da, Jesus Marie, Wo bleibt dann die Infanterie, Haͤtten wir dies, Haͤtten wir das, Haͤtten wir Heu, Haͤtten wir Gras, So haben wir aber nichts als diese Alte, alte, alte Schindmaͤhrerere. Kriegslied . H usaren kommen reiten, Den Saͤbel an der Seiten! Hau dem Schelm ein Ohr ab, Hau's ihm nicht zu dicht ab, Laß ihm noch ein Stuͤcklein dran, Daß man den Schelm erkennen kenn. Vor der rechten Schmiede . B eschlag, beschlag's Roͤßle, Zu Ulm steht ein Schloͤßle, Steht ein Schmiedle nah dabei, Schmiedle adschlag mirs Roͤßle gleich, Hab ich Naͤgele zu tief rein g'schlage, Muß ichs wieder rausser grabe. Werda . D rey Gaͤns im Haberstroh Saßen da und waren froh, Dann kam ein Bauer gegangen, Mit einer langen Stangen, Nuft: Wer do! Werdo! Drei Gaͤns im Haberstroh Saßen da und waren froh! Proklamation . A ennele wehr, Aennele wehr, Buben sind im Garten, Steck den hintern Riegel fuͤr, Und laß die Narren warten. Engelsgesang . O du mein Gott, o du mein Gott, Singen Engellein so fein, Singen aufe, singen abe, Schlagen Trillerlein drein! Morgenlied von den Schaͤfchen . S chlaf, Kindlein, schlaf, Der Vater huͤt die Schaaf, Die Mutter schuͤttelts Baͤumelein, Da faͤllt herab ein Traͤumelein, Schlaf, Kindlein, schlaf. Schlaf, Kindlein, schlaf, Am Himmel ziehn die Schaaf, Die Sternlein sind die Laͤmmerlein, Der Mond der ist das Schaͤferlein, Schlaf, Kindlein, schlaf. Schlaf, Kindlein, schlaf, Christkindlein hat ein Schaaf, Ist selbst das liebe Gotteslamm, Das um uns all zu Tode kam, Schlaf, Kindlein, schlaf! Schlaf, Kindlein, schlaf, So schenk ich dir ein Schaaf, Mit einer goldnen Schelle fein, Das soll dein Spielgeselle seyn, Schlaf, Kindlein, schlaf! Schlaf, Kindlein, schlaf, Und bloͤck nicht wie eiu Schaaf, Sonst koͤmmt des Schaͤfers Huͤndelein, Und beißt mein boͤses Kindelein, Schlaf, Kindlein, schlaf. Schlaf, Kiudlein , schlaf, Geh fort und huͤt die Schaaf, Geh fort du schwarzes Huͤndelein, Und weck mir nicht mein Kindelein, Schlaf, Kindlein, schlaf. Wiegenlied im Freien . D a oben auf dem Berge, Da rauscht der Wind, Da sitzet Maria, Und wieget ihr Kind, Sie wiegt es mit ihrer schneeweisen Hand, Dazu braucht sie kein Wiegenband. Reiterlied auf des Vaters Knie . T roß troß trill, Der Bauer hat ein Fuͤll, Das Fuͤllen will nicht laufen, Der Bauer wills verkaufen, Verkaufen wills der Bauer, Das Leben wird ihm sauer, Sauer wird ihm das Leben, Der Weinstock, der traͤgt Reben, Reben traͤgt der Weinstock, Hoͤrner hat der Ziegenbock, Der Ziegenbock hat Hoͤrner, Im Wald, da wachsen Doͤrner, Doͤrner wachsen im Wald, Der Winter, der ist kalt, Kalt ist der Winter, Vor der Stadt wohnt der Schinder, Wenn der Schinder gessen hat, So ist er satt. Die arme Bettelfrau singt das kranke Kind in Schlaf . E ya popeya popole, Unser Herrgottche wird dich bald hole, Koͤmmt er mit dem gulderne Laͤdche, Legt dich hinunter ins Graͤbche: Ueber mich, Ueber dich, Kummer mitnander ins Himmelrich! Wiegenlied einer alten frommen Magd . I ch wollte mich zur lieben Maria vermiethen, Ich sollte ihr Kindlein helfen wiegen; Sie fuͤhrt mich in ihr Kaͤmmerlein, Da waren die lieben Engelein, Die sangen alle Gloria! Gelobet sey Maria! Ammen - Uhr . D er Mond, der scheint, Das Kindlein weint, Die Glock schlaͤgt zwoͤlf, Daß Gott doch allen Kranken helf! Gott alles weiß, Das Maͤuslein beißt, Die Glock schlaͤgt Ein, Der Traum spielt auf dein Kuͤssen dein. Das Noͤnnchen laut Zur Mettenzeit, Die Glock schlaͤgt zwei! Sie gehn ins Chor in einer Reih. Der Wind, der weht, Der Hahn, der kraͤht, Die Glock schlaͤgt drei, Der Fuhrmann hebt sich von der Streu. Der Gaul, der scharrt, Die Stallthuͤr knarrt, Die Glock schlaͤgt vier, Der Kutscher siebt_den Haber schier. Die Schwalbe lacht, Die Sonn erwacht, Die Glock schlaͤgt fuͤnf, Der Wandrer macht sich auf die Struͤmpf. Das Hun gagackt, Die Ente quackt, Die Glock schlaͤgt sechs, Steh auf, steh auf du faule Hex. Zum Becker lauf, Ein Wecklein kauf, Die Glock schlaͤgt sieben, Die Milch thu an das Feuer schieben. Thut Butter nein, Und Zucker fein, Die Glock schlaͤgt acht, Geschwind dem Kind die Supp gebracht. Meelaͤmmchen . M ee Laͤmmchen, mee! Das Laͤmmchen lauft in Wald, Da stieß sichs an ein Steinchen, That ihm weh sein Beinchen, Da schrie das Laͤmmchen mee! Mee Laͤmmchen, mee! Das Laͤmmchen lauft in Wald, Da stieß sichs an ein Stoͤchelchen, That ihm weh sein Koͤppelchen, Da schrie das Laͤmmchen mee! Da stieß sichs an ein Straͤuchelchen, That ihm weh sein Baͤuchelchen. Da stieß sichs an ein Hoͤlzchen, That ihm weh sein Haͤlschen. Da schrie das Laͤmmchen mee. Die Magd an der Wiege . H ab ich mirs nicht laͤngst gedacht, Sitz ich an der Wiegen, Hab den Wedel in der Hand, Wehr dem Kind die Fliegen. Wenn die Leut spazieren gehn, Muß ich an der Wiege stehn, Muß da machen knick und knack, Schlaf du kleiner Habersack. Ein Popeia etzetera . E ia im Sauße, Zwei Wiegen in einem Hauße, Soll der Vater nicht werden bang, Um zwei Wiegen in einem Gang, Eia im Sause. Eia wiwi! Wer schlaͤft heut Nacht bei mir, Solls mein liebes Haͤnschen seyn, Wird es auch huͤbsch freundlich seyn, Eia wiwi. Eia pum pum, Unser kleiner Jung, Will noch nicht alleine schlafen, Will sich noch rumpumpeln lassen, Eia pum pum. Eia polei, Kocht dem Schelm ein Brei, Thut brav Zucker und Butter hinein, So kriegt der Schelm ein geschmeidigen Sinn, Eia polei. Eia schlaf suͤße, Ich wieg dich mit den Fuͤßen, Ich wieg dich mit dem schwarzen Schuh, Schlaf mein Kind schlaf immer zu. Eia schlaf suͤße. Eia popei, Willst du immer schreien, Flenn Els auf der Geigen, Kannst du nit geschweigen, Eia popeien. 5 Eia popille, Schweigst du mir nicht stille, Geb ich dir du Suͤnderlein, Die Ruthe vor dein Hinterlein, Eia popille! Wiegenlied . E io popeio was rasselt im Stroh, Die Gaͤnslein gehn barfus, Und haben keine Schuh, Der Schuster hats Leder, Kein Leisten dazu, Kann er den Gaͤnslein Auch machen kein Schuh. Eio popeio, schlags Kikelchen todt, Legt mir keine Eier, Und frißt mir mein Brod, Rupfen wir ihm dann Die Federchen aus, Machen dem Kindlein Ein Bettlein daraus. Eio popeio, das ist eine Noth, Wer schenkt mir ein Heller? Zu Zucker und Brod, Verkauf ich mein Bettlein, Und leg mich aufs Stroh, Sticht mich keine Feder, Und beißt mich kein Floh. Eio popeio. Walte Gott Vater! E ya popeya! Schlief lieber wie du, Willst mirs nicht glauben, So steh mir nur zu. Sieh mir nur zu, Wie schlaͤfrig ich bin, Schlafen, zum schlafen, Da steht mir mein Sinn. Ey eya popeya. Hab ich mein Kindele Schlafen niedergelegt, Hab ichs mit Walte Gott Vater! zugedeckt. Das Walte Gott Vater, Sohn, heiliger Geist, Der mir mein Kindele Traͤnket und speißt. Ey eya popeya. Zu Bett . Z u Bett, zu Bett, Die ein Kindle haͤtt, Die keines haͤtt; Muß auch zu Bett. Der Vogelfaͤnger . H ab ein Voͤgele gefangen, Im Federbett, Habs in Arm 'nein g'nommen, Habs lieb gehaͤt! Gute Nacht , mein Kind ! G uten Abend, gute Nacht, Mit Rosen bedacht, Mit Naͤglein besteckt, Schlupf unter die Deck, Morgen fruͤh, wenns Gott will, Wirst du wieder geweckt. Morgenlied . S teht auf ihr lieben Kinderlein, Der Morgenstern mit hellem Schein, Laͤßt sich sehn frei gleich wie ein Held, Und leuchtet in die ganze Welt. Sey willkommen, du lieber Tag, Vor dir die Nacht nicht bleiben mag, Leucht uns in unsre Herzen fein, Mit deinem himmelischen Schein. Saͤmanu . H utsch he! hutsch he! Der Ackermann saͤet, Die Voͤgelein singen, Die Kernlein zerspringen, Hutsch he! hutsch he! Mondliedchen . W ie der Mond so schoͤn scheint, Und die Nachtigall singt, Wie lustig mags im Himmel seyn, Beim kleinen Jesuskind. Tanzliedchen im Gruͤnen . H eidelbeeren, Heidelbeeren Stehn in unserm Garten, Mutter gieb mir auch ein Paar, Kann nicht laͤnger warten. Tannebaum . O Tannebaum, o Tannebaum! Du bist ein edles Reis! Du gruͤnest in dem Winter, Als wie zur Sommerszeit! Warum sollt ich nit gruͤnen, Da ich noch gruͤnen kann? Ich hab kein Vater, kein Mutter, Der mich versorgen kann. Sonnenlied . S onne, Sonne scheine, Fahr uͤber Rheine, Fahr uͤbers Glockenhaus, Gucken drey schoͤne Puppen raus, Eine die spinnt Seiden, Die andre wickelt Weiden, Die andre geht ans Bruͤnnchen, Findt ein goldig Kindchen; Wer solls heben? Die Toͤchter aus dem Loͤwen. Wer soll die Windeln waͤschen? Die alte Schneppertaͤschen. Wo bist du dann gesessen ? A uf'm Bergle bin ich gesessen, Hab dem Voͤgele zug'schaut, Ist ein Federle abe geflogen, Hab'n Haͤusle draus baut. Im Fruͤhling , wenn die Maigloͤckchen laͤuten . K ling, kling Gloͤckchen, Im Haus steht ein Doͤckchen, Im Garten steht ein Huͤnernest, Stehn drei seidne Doͤckchen drin, Eins spinnt Seiden, Eins flicht Weiden, Eins schließt den Himmel auf, Laͤßt ein bischen Sonn heraus, Laͤßt ein bischen drinn, Daraus die Liebfrau Maria spinn, Ein Roͤcklein fuͤr ihr Kindelein. Beim Spaziergang . S teig auf das Bergle, Fall aber nit herab, O herzig liebs Schaͤtzle, Brichs Fuͤßle nit ab! Guten Apetit . E s regnet, Gott segnet, Die Sonne scheint, Der Mond greint, Der Pfaff sitzt aufm Laden, Frißt all die Palisaden! Die Nonne geht ins Wirthshaus, Und trinkt die Glaͤser all, all aus. Anschauungs - A B C . A , b, ab, Thu die Kapp ab. A b c Die Katz, die laͤuft in Schnee, Der Vater hinter her, Mit einem großen Stuͤcke Schmeer. Wenn der Schelm die ersten Hosen anzieht . Z immermaͤntle, Zimmermaͤntle, Leih mir deine Hosen. — Nein, nein, leih dir sie nit, Sie hangen hinterm Ofen! Wenn man die kleinen Jungen mit ihren Schlappertuͤchlein am Hals zu Tische setzt . H au dich nit, stich dich nit, brenn dich nit, Suppen ist heiß, Schneider, wenn du reiten willt, Setz dich auf die Geis. Wenn das Kind etwas nicht gern ißt . B um bam beier, Die Katz mag keine Eier, Was mag sie dann? Speck aus der Pfann! Ey wie lecker ist unsre Madam! Wenn das Kind allzu wißbegierig ist . W arum? Darum. Warum denn darum? Um die Krumm. Warum denn um die Krumm? Weils nicht grad ist! Wenn die Huͤhner im Garten sind . M ein Hinkelchen, mein Hinkelchen, Was machst in unserm Garten, Pfluͤkst uns all die Bluͤmchen ab, Machst es gar zu arg, Mutter wird dich jagen, Vater wird dich schlagen, Mein Hinkelchen, mein Hinkelchen, Was machst in unserm Garten. Wenn die Kinder gehen lernen . T rommel auf dem Bauch, hast ein schweren Ranzen, Kannst du erst auf Stelzen gehn, so kannst du auch bald tanzen. Wenn die Kinder auf der Erde herum rutschen . G uck hinuͤber, fuff heruͤber, Wohl uͤber die Straß hinum, Kann Deutschland nicht finden, Rutsch alleweil drauf rum. Wenn man die Kinder im Schlitten faͤhrt . S chaͤfele hat ein Kuͤttele an, Haͤnget voller Roͤllen, Wann es uͤber d' Gassen geht, Fangen die Hnnd an bellen. Schaͤfele komm, Schlag mir die Tromm, Fuͤhr mir mein Fritzle Im Schlittle herum. Weinsuͤppchen . A nne Margrittchen! Was willst du, mein Liebchen? Ich trinke so gerne Gezuͤckerten Wein. Zwey Pfund Zuckerchen, Ein Pfund Butterchen, Zwey Maaße Wein, So muß es gut seyn. Schuͤtt' es in ein Kesselchen, Ruͤhr es mit dem Loͤffelchen, Anne Margritchen, Welch Suͤpplein ist das? Eine Weinsupp! eine Weinsupp! Wetterprophet . D rei Wolken am Himmel, Was soll dies bedeuten? Der Mesmer soll heimgeh, Soll Wetter laͤuten! Wenn die Kinder uͤble Laune haben . Z uͤrnt und brummt der kleine Zwerg, Nimm er alles uͤberzwerg, Ein Backofen fuͤr ein Bierglaß, Den Mehlsack fuͤr ein Weinfaß, Den Kirschbaum fuͤr ein Besenstiel, Den Flederwisch fuͤr ein Windmuͤhl, Die Katz fuͤr eine Wachtel, Den Sieb fuͤr eine Schachtel, Das Hackbrett fuͤr ein Loͤffel, Den Hansel fuͤr den Stoͤffel. Wiegenlied . H oͤre mein Kindchen, was will ich dir singen, Aepfel und Birnen soll Vater mitbringen, Pflaumen, Rosinen und Feigen, Mein Kindchen soll schlafen und schweigen. Schulkrankheit . B ist so krank als wie ein Huhn, Magst gern essen und nichts thun. Den kleinen Kindern in die Hand gepatscht . P atsche, patsche Kuͤchelchen, Mir und dir ein Kruͤgelchen, Mir und dir ein Tellerchen, Mir und dir ein Hellerchen, Sind wir zwey Gesellerchen. Butzemann . E s tanzt ein Butzemann In unserm Haus herum di dum, Er ruͤttelt sich, er schuͤttelt sich, Er wirft sein Saͤckchen hinter sich, Es tanzt ein Butzemann In unserm Haus herum. Zu Gaste gebeten . G eh mit mir in die Heidelbeeren, Heidelbeeren sind noch nit blo, (blau) Geh mit mir ins Haberstoh, Haberstoh ist noch nit zeitig, Geh mit mir ins Besenreisig, Besenreisig ist noch nit auf, Geh mit mir die Trepp hinauf, Trepplein ist verbrochen, Sind wir nauf gekrochen, Sind wir in dem Kaͤmmerlein, Schenk ein Schoͤpplein Wein ein. Bicht weit her . E in Himmel ohne Sonn, Ein Garten ohne Bronn, Ein Baum ohne Frucht, Ein Maͤgdlein ohne Zucht, Ein Suͤpplein ohne Brocken, Ein Thurm ohne Glocken, Ein Soldat ohne Gewehr, Sind alle nicht weit her. Ich schenk dir was . W as ist denn das? Ein silbernes Wart ein Weilchen, Und ein goldnes Nixchen, In einem Niemahlenen Buͤchschen. Hast du auch was gelernt ? W acker Maͤgdlein bin ich ja, Rothe Struͤmpflein hab ich an, Kann stricken, kann nehen, Kann Haspel gut drehen, Kann noch wohl was mehr! Was moͤchtest du nicht . I ch moͤcht vor tausend Thaler nicht, Daß mir der Kopf ab waͤr, Da spraͤng ich mit dem Rumpf herum, Und wuͤßt nicht, wo ich waͤr, Die Leut schrien all und blieben stehn: Ey guck einmal den! Ey guck einmal den! Als Hans vom Markt heimgieng, und seinem Schatz ein neu Spinnrad mitgebracht, und sich eine neue Peit- sche gekauft hatte, sang er lustig: B uchsbaumes Raͤdle, Ein' flaͤchsene Schwing, Mein Schatz heißt Antonele, Wie freut mich das Ding. Ach und weh , kein Schmalzele meh ! I ch hab' emahl ein Bettelmaͤdele kuͤßt, 'S Schmalz ist ihm aus dem Haͤfele 'raus g'spritzt. Bettelmaͤdele schreit Ach und Weh, Hab ja kein Schmalzele meh! Wenn ers nur nicht krumm nimmt ! U m um um mein Krummer, Krummer du bist mein, Ei du krummer Dingerler, Wie magst so lustig seyn? Was hast du dann zu dem Schustersbuben gesagt ? S chusterbue! Flick mir die Schuh, Gieb mirs Leder auch dazu, Es ist kein Gerber in der Stadt, Der ein solches Leder hat. Ein lustiger Bu Braucht oft ein Paar Schuh, Ein trauriger Narr, Hat lang an eim Paar. Kommt Huͤner bibi . D er Reiter zu Pferd, Die Koͤchin am Heerd, Die Nonne im Kloster, Der Fischer im Wasser, Die Mutter backt Kuchen, Sie laͤßt mich nicht gucken, Sie giebt mir ein Brocken, Soll Huͤner mit locken, Koͤmmt Huͤner bibi, Die Knochen ißt sie. Lied , mit welchem die Kinder die Schnecken locken . K losterfrau im Schneckenhaͤußle, Sie meint, sie sey verborgen? Kommt der Pater Guardian, Wuͤnscht ihr guten Morgen! An den Storchschnabel . S torch, Storch, Steiner! Mit den langen Beiner, Flieg mir in das Beckerhaus, Hol mir ein warmen Weck heraus! 6 Ist der Storch nit ein schoͤnes Thier, Hat einen langen Schnabel und saͤuft kein Bier. Klapperstorch . S torch, Storch, Langbein, Wann fliegst du ins Land herein, Bringst dem Kind ein Bruͤderlein. Wenn der Roggen reifet, Wenn der Frosch pfeifet, Wenn die goldnen Ringen In der Kiste klingen, Wenn die rothen Appeln, In der Kiste rappeln. Der Goldvogel . G oldvogel, flieg aus, Flieg auf die Stangen, Kaͤsebrode langen; Mir eins, dir eins, Alle gute G'sellen eins. Maikaͤferlied . M aikaͤfercher, Maikaͤferchen, fliege weg! Dein Haͤusgen brennt, Dein Muͤtterchen flennt, Dein Vater sitzt auf der Schwelle, Flieg in Himmel aus der Hoͤlle. Petrus und Pilatus auf der Reise . Bei diesem Liede reichen sich zwei Kinder die Haͤnde kreutzweiß, und gehen singend auf und ab, und bei: sprach Pilatus, drehen sie sich, durch einen Zug der Haͤnde schnell herum, und wandern wieder zuruͤck. P ilatus wollte wandern, Sprach Petrus. Von einer Stadt zur andern, Juchheisasa andern. Sagt Pilatus. Jetzt kommen wir vor ein Wirthshaus, Sprach Petrus. Frau Wirthin schenkt uns Wein heraus, Juchheisasa etc. Sagt Pilatus. Womit willst du ihn bezahlen? Sprach Petrus. Ich hab noch einen Thaler, Juchh. etc. Sagt Pilatus, Wo hast du dann den Thaler bekommen? Sprach Petrus. Ich hab ihn den Bauern genommen, Juchh. etc. Sprach Pilatus. Jetzt hast du keinen Seegen. Sprach Petrus. Daran ist nichts gelegen, Juchh. etc. Sprach Pilatus, Jetzt kommst du nicht in Himmel ein. Sprach Petrus, So reit ich auf einem Schimmel hinein. Juchh. etc. Sprach Pilatus, So faͤllst du herunter und brichst das Bein, Sprach Petrus. So rutsch ich auf dem Hintern hinein, Juchh. etc. Sprach Pilatus. Abzaͤhlen bei dem Spiel . E ins, zwei, drei, In der Dechanei, Steht ein Teller auf dem Tisch, Koͤmmt die Katz und holt die Fisch, Koͤmmt der Jaͤger mit der Gabel, Sticht die Katze in den Nabel, Schreit die Katz: Miaun miaun, Wills gewiß nicht wieder taun. E ins, zwei, drei, Hicke, hacke, Heu, Hicke, hacke Haberstroh, Vater ist ein Schnitzler worden, Schnitzelt mir ein Bolz, Zieh ich mit ins Holz, Zieh ich mit ins gruͤne Gras, Altvater, was ist das? Kind, es ist ein weißer Haas! Puh, den schieß ich auf die Nas. J aͤger bind dein Huͤndlein an, Daß es mich nicht beissen kann, Beißt es mich, Straf ich dich, Um sechshundert dreissig. Aus einem Kindermaͤhrchen . K oͤnigstochter juͤngste, Mach mir auf, Weißt du nicht, was gestern Du zu mir gesagt, Bei dem kuͤhlen Brunnenwasser? Koͤnigstochter juͤngste Mach mir auf. Linsenlied . D ie Linse, Wo sin se? Im Tippe, Se hippe. Deck se zu, So han se Ruh. Ringelreihe - Lied . Die Kinder tanzen im Kreiß, und setzen sich ploͤtzlich zur Erde nieder. R ingel, Ringel, Reihe! Sind der Kinder dreie, Sitzen auf dem Holderbusch, Schreien alle musch, musch, musch, Sitzt nieder. Sitzt ne Frau im Ringelein, Mit sieben kleine Kinderlein, Was essen's gern? Fischlein. Was trinken's gern? Rothen Wein. Sitzt nieder. Spiellied des Koͤnigs Toͤchterlein . Ein Maͤgdlein setzt sich in die Mitte, ihren Rock zieht sie uͤber den Kopf in die Hoͤh, die Kinder stehn um sie, und halten den Rock, einer geht herum und fragt: R ingel, Ringel, Thale, ringen, Wer sitzt in diesem Thurm drinnen? Das Maͤgdlein antwortet: Koͤnigs, Koͤnigs-Toͤchterlein. Der Herumgesandte: Darf man sie auch anschauen? Maͤgdlein. Nein, der Thurm ist gar zu hoch, Du mußt ein Stein abhauen. Nun schlaͤgt er auf eine der Haͤnde, und diese laͤßt den Rock fallen, nun fragt er von neuem: sind alle Steine herunter, so lauft das Koͤnigs-Toͤchterlein nach, und wer erhascht wird, muß nun in den Thurm. Erbsenliedchen . G ieb mir eine Erbse. „Ich habe keine, “ Geh zum Muͤller, und hol dir eine. „Er giebt mir keine.“ So such dir eine. „Ich finde keine.“ So blas ich dich. „So wehr ich mich. Nun blasen sich die Kinder ins Gesicht, wer es am laͤngsten, ohne zu lachen, aushaͤlt, bekoͤmmt von dem andern eine Erbse. Abzaͤhlen . E ins, zwey, drey, Bicke, borne hey, Bicke borne Pfefferkoren, Der Muͤller hat seine Frau verloren, Haͤnschen hat sie g'funden. D' Katzen schlagen d' Tromme, D' Maus kehren d' Stuben aus, D' Ratten tragen den Dreck hinaus: 'S sitzt ein Maͤnnel unter dem Dach, Hat sich bald zu krank gelacht. Dergleichen . G ickes gackes Eyermuß, Gaͤnse laufen barfuß, Hinterm Ofen steht sie, Vor dem Ofen geht sie, Hat sie Schuh, Sie legt sie an. Hat sie keine, So kauft sie ein Paar. Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen . I st ein Mann in Brunnen gefallen, Haben ihn hoͤren plumpen, Waͤr der Narr nit nein gefallen, Waͤr er nit ertrunken. Voͤglein auf der Wiege . V oͤglein auf der Wiege. Singst so klare Zuͤge, Also klar, Sieben Jahr, Sieben Jahr herum. Maikaͤferlied . (am Ueberrhein.) T uͤrkenmaͤnnchen, flieg hinweg, Die Weiber mit den Stangen, Wollen dich empfangen. Tuͤrkenweibchen flieg hinweg, Die Maͤnner mit den Spiessen, Wollen dich erschießen. Flieg in den Himmel, Bring mirn Sack voll Kuͤmmel, Tunk ich meinen Weck hinein, Bei dem rothen kuͤhlen Wein. Abzaͤhlen , den die letzte Silbe trift , der muß nachlaufen . A hne, Krahne, wickele, wahne, Wollen wir nit nach England fahren, England ist verschlossen, Schloͤsser sind verrostet, Schluͤssel ist verloren, Muͤssen wir ein Loch nein bohren, Sind wir nein gekrochen, Haben die Toͤpf verbrochen, Wenn der Kessel tief ist, Wenn die Milch suͤß ist, Wenn die Puppen tanzen, Wollen wir Lanzen pflanzen. Abzaͤhlen . E ins, zwey, drey, vier, fuͤnf, sehs, sieben, acht, neun, Geh ich in das Gaͤssel h'nein, Schlag dem Bauer die Fenster ein, Kommt der Buͤttel, setzt mich ein, Setzt mich in das Narrenhaus, Geb' ich drey, vier Batzen aus, Ri ra Ofenloch, Haͤtt' ich mein' drey Batzen noch! Wirst du mir keine schoͤne Singerin . H inter der Donaubruͤck Steht ein schoͤn Haͤusle, Sitzt ein schoͤu Maͤdle drin, Singt als wie ein Zeisle. Geh , du schwarze Amsel . W ann ich schon schwarz bin, Schuld ist nicht mein allein, Schuld hat mein Mutter gehabt, Weil sie mich nicht gewaschen hat, Da ich noch klein, Da ich wunderwinzig bin gesein. Vorbereitung zur Tanzstunde . M aͤdele bind den Geisbock an, Gieb ihm brav Heu, Gieb ihm nur, was er mag, Daß er brav tanzen kann, Wie ein Lakei. Heubuͤndele . M aͤdle, was hast du, Was traͤgst in deinem Buͤndele? Mehl und Schmalz und ein Salz, Fuͤr mein klein Kindle? Etikette auf des Bettelmanus Hochzeit . W idele wedele, Hinterm Staͤdele Hat der Bettelmann Hochzeit, Pfeift ihm Laͤusle, Tanzt ein Maͤusle, 'S Igele schlaͤgt die Trommel, Alle die Thier, die Wedele haben, Sollen zur Hochzeit kommen. Was haben wir dann zu essen ? G uten Abend Aennele, Zu essen haͤben wir wenele, Zu trinken haͤben wir unsern Bach, Haͤben wir nit die beste Sach. Wer bist du, armer Mann ? D er Himmel ist mein Hut, Die Erde ist mein Schuh, Das heil'ge Kreuz ist mein Schwerd, Wer mich sieht, hat mich lieb und werth. Was ißt du gern , was siehst du gern ? G eschnittne Nudele eß ich gern, Aber nur die feine, Schoͤne Maͤdele seh ich gern, Aber nur die kleine. Ach wenn ich doch ein Taͤublein waͤr . D ort oben auf dem Berge, Da steht ein hohes Haus, Da fliehen alle Morgen, Zwey Turteltaͤublein raus. Ach wenn ich nur ein Taͤublein waͤr! Wollt fliegen aus und ein, Wollt fliegen alle Morgen! Zu meinem Bruͤderlein. Ein Haus wollt ich mir bauen, Ein Stock von gruͤnem Klee, Mit Buchsbaum wollt ichs decke, Und rothen Naͤgelein. Und wenn das Haus gebauet waͤr, Bescheert mir Gott was n'ein, Ein kleines, kleines Kindelein, Das soll mein Taͤublein seyn. Rothe Auͤglein . K oͤnnst du meine Aeuglein sehen, Wie sie sind vom Weinen roth, Ich soll in das Kloster gehen, Und allein seyn bis in Tod. Es sitzen auch zwey Turteltaͤublein Druͤben auf dem gruͤnen Ast, Wenn die von einander scheiden, So vergehen Laub und Gras. Korbflechterlied . I ch will ein Koͤrblein flechten, Ein Koͤrblein huͤbsch und fein, Nimm du dein falches Herze, Und legs mit groͤßtem Schmerze In dieses Koͤrblein fein. Tanzliedchen . B in ich nit ein Buͤrschlein In der Welt? Spring ja wie ein Hirschlein, In dem Feld? In dem Feld, im gruͤnen Holz, Begegnet mir ein Jungfrau stolz. Guten Morgen, Jungfrau! Mach geschwind, Du sollst mit mir tanzen, Munter Kind! Bischen auf und abgeschwenkt, Und ein Glaͤschen eingeschenkt. Schoͤne Musikanten Spielet auf! Spielet mir ein Taͤnzlein Oben drauf; Aufgepuzt, eingeschnuͤrt, Lustig dann zum Tanz gefuͤhrt. Heisasa. Wenns Kind verdrieslich ist . D er Muͤller thut mahlen, Das Raͤdle geht 'rum, Mein Schatz ist verzuͤrnet, Weiß selbst nit warum. Liebesliedchen . M ein Schaͤtzle ist fein, 'S koͤnnt feiner nit seyn, Es hat mirs versprochen, Sein Herzle gehoͤr' mein. Vom Voͤglein . G ruͤß dich Gott mein lieb Regerl! Ich komm aus dem Wa Hab gefangen ein schoͤns Voͤgerl, Entwischt waͤr mirs bald. Ich thaͤt dirs gern schenken, Nimms an, sey so gut, Es wird dich nicht kraͤnken, Weils schoͤn singen thut. Ey du mein liebs Regerl, Ich bitt dich um ein Gnad, Verschaff doch dem Voͤgerl Ein Haͤusle von Drath, Thu auch nicht vergessen, Ein Troͤgerl zum Trank, Ein Troͤgerl zum Fressen, Daß 's dir nit wird krank. Der gescheide Hansel . H ansel am Bach, Hat lauter gut Sach, Hats Haͤusel verbrennt, Hat Lumpen drum gehenkt. Hansel am Bach, Hat lauter gut Sach, Hat Fischlein gefangen, Hat die Schuppen heimbracht. Hansel und Gretel, Zwei lustige Leut, Der Hansel ist naͤrrisch, Die Gretel nit gescheidt. 7 Liebeslieder . H erzigs Kindlein, Zuckermuͤndlein, Ich hab ein Wecklein, in meinem Saͤcklein, Ich will dirs bringen, Bis nach Bingen, Zerrißne Hemder, Die Schuh voll Baͤnder, Papierne Absaͤtz, Hoͤlzerne Sohlen; Knaͤblein willst du mich, So thu mich holen. Mein Schaͤtzlein, mein Kaͤtzlein, O warte nur ein Jahr, Und wann die Weiden Kirschen tragen, So nehm ich dich fuͤrwahr. Die Weiden tragen keine Kirschen, Die Koͤnigskerze ist kein Licht, Also kannst du gedenken, Daß ich dich nehme nicht. Und wenn ich dich schon nehme, So haben wir kein Haus, Da setzen wir uns in die Kieze, Und schauen oben raus. Vergiß mein nicht . I st es nicht eine harte Pein; Wenn Liebende nicht beysammen seyn, Druͤck mich fest in dein Herz hinein, Wachsen heraus Vergiß nicht mein. Trotzliedchen . M ein Schaͤtzle ist klein, Es bildt sich viel ein, Jetzt mag es mich nimmer, 'S muß aber nit seyn. Scherzlied . ' S Band aufe, 's Band abe, Mein Schaͤtzle ist mir lieb, Dort in dem braunen Kittele, Schoͤn Straͤusle auf dem Hut. Ey der tausend . I ch saß auf einem Birnenbaum, Wollt gelbe Ruͤben graben, Da kam derselbe Bauersmann, Dem diese Zwiebeln waren! Ach, ach du Schelm, ach, ach du Dieb! Was machst du in den Nuͤssen, So hatt' ich all mein Lebetag Kein beßre Pflaumen gessen. Der Esel hat Pantoffeln an, Kam uͤbers Dach geflogen, Ach, ach, ich armes Maͤdelein, Wie bin ich doch betrogen. Scherz - und Liebes - Liedchen . W as hilft mir ein rother Apfel, Wenn er innen faul ist; Was hilft mich ein schoͤns Kindlein, Wenn sein Herzlein falsch ist. Wenn ich ein schoͤn Maͤgdlein seh, Mein ich, es sey mein, Wenn ich mirs dann holen will, Laͤßt michs nicht hinein. Und wenn mein Kindchen auf dem Tannen- baum waͤr, Ich wolls hinauf klettern, wenns' noch so hoch waͤr. Ziehs nauß . M argritchen, Margritchen, Dein Hemdchen guckt fuͤr, Ziehs nauß, ziehs nauß, So tanz ich mit dir. Tanzliedchen . T anz Kindlein tanz, Deine Schuͤhlein sind noch ganz, Laß dir sie nit gereue, Der Schuster macht dir neue. Konterfait und Aussteuer . M ein Schatz ist kreideweiß, Hat krumme Glieder, Geht schief zum Thor hinaus, Koͤmmt bucklicht wieder. Ein ungleich Paar Ochsen, Eine bucklichte Kuh, Die giebt mir meine Mutter, Wenn ich heurathen thu. Von Adel und Tadel . E in silberne Scheide, Ein goldene Kling, Mein Schatz ist von Adel, Wie freut mich das Ding. Kreideweiße Haare, Schwarz gewichste Schuh, Ein Degen an der Seite, Ein Goldstuͤck dazu. Mein Schatz ist von Adel, Von Adel ist er, Was hat er fuͤr einen Tadel? Kein Waden hat er. Gelegenheitsverse . Wenn ein Schiff vom Stapel laͤuft, so singen in Luͤbeck die Kinder, die zu ihrem Vergnuͤgen sich darauf befinden: L aß ihm, laß ihm seinen Willen, Er hat den Kopf voll Grillen. Wenn die Knaben beim Spiel das lezte, was sie haben, einsetzen, singen sie: Die lezte Hand klopft an die Wand, Die wird mich nicht verlassen. Schluß . D ormi Jesu, mater ridet, Quae tam dulcem somnum videt, Dormi Jesu blandule. Si non dormis, mater plorat, Inter fila cantans orat; Blande veni somnule.