S ammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen S chriften, Zur Verbesserung des Urtheiles und des Witzes in den Wercken der Wolredenheit und der Poesie. Drittes Stuͤck. Zuͤrich , Bey Conrad Orell und Comp. 1742 . Erklaͤrung auf einige Antworten, welche jemand dem Verfasser der Let- tres sur la Religion Essentielle à l’hom- me gegen gewisse Einwuͤrffe Hr. Prof. Breitingers geliehen hat. J Ch bin Eu. Hoche. fuͤr ihr guͤtiges, mit ge- schickten Anmerckungen angefuͤlltes Antwort- schreiben sehr verbunden: Sie loͤsen sich dadurch fuͤr die Uebersendung der Breitingerischen Schrift wieder den ungenannten Verfasser der Lettres sur la Relig. Essent. so voͤllig, daß al- ler fernere Danck, den sie mir deßwegen abzustat- ten belieben, uͤberfluͤssig und nur eine Wuͤrckung ihrer Hoͤflichkeit ist. Sie erklaͤren sich bey die- sem Anlasse, daß man auch rechtglaͤubige Saͤtze wohl vertheidigen koͤnne: Jch habe dieses Urtheil, welches ihnen die Wahrheit abgenoͤthiget, mit Vergnuͤgen gelesen, und ich hoffe den Tag noch zu erleben, da Eu. Hoche. gestehen sollen, daß es der guten Orthodoxie uͤberhaupt weit minder an der Wahrheit fehlet, als an deutlicher Vorstel- lung, und Auswicklung der dabey vorkommenden Begriffe. Lachen sie hier, wann sie wollen; ich lasse darum meine gefasste Hoffnung nicht fahren: Olim hæc meminisse juvabit. Was indessen meine Gedancken in ihrem Schrei- ben meistens an sich gezogen, war die Anmer- kung, daß der Ungenannte, und die, so seiner Leh- re folgen, vielleicht glauben werden, er habe auf Hr. Breit. Schrift schon vorlaͤuftia, eh sie aus Crit. Sam̃l. III. St. A Licht Erklaͤrung auf einige Saͤtze Licht gekommen, geantwortet; auch habe dieser ei- nige Wahrheiten erwiesen, welche jener zugeste- he, und in seinem Systeme selbst gebrauche. Jch schlug die von Eu. Hoche. mir hieruͤber angewie- sene Introduction aux quatorze Lettres de l’A. A. de l’edition d’Amsterdam 1733. begierig nach; und da ich sie mit Bedacht durchgelesen, werden Eu. Hoche. mir die Freyheit, ihnen meine Meinung uͤber ihre Anmerckung des mehrern zu er- oͤffnen, hoffentlich nicht in uͤblem vernehmen. Jch gestehe dann Eu. Hoched. es sey moͤglich, daß der Ungenannte sich auf die von ihnen bemel- dete Weise gegen Hr. Breit. werde schuͤtzen wol- ler: Es sey daß er das, was in dieser Einleitung stehet, bey einer kuͤnstigen Antwort wiederhohle, oder sich lediglich darauf beziehe: Allein ich glau- be zugleich daß nicht eine jede Antwort auch noth- wendig alsobald eine gruͤndliche, und genugsame Antwort sey; und daß insbesondere die in gedach- ter Schrift des Ungenannten vorkommende Be- antwortungen, mit dem andern von sich selbst fal- len, wann man mercket, wie weit Hr. Breitin- gers festgestellte und erwiesene Saͤtze reichen; ob dieser gleich nicht ausdruͤcklich gesagt, der Unbe- kannte hat auf dieß und jenes so und so, schon vorlaͤuftig geantwortet, ich aber zeige aus dem, und diesem nun abgehandleten, daß er damit unmoͤg- lich auskommen koͤnne. Gescheute Leser, wenn man sie einmahl auf die Spuhr der Wahrheit ge- fuͤhret, koͤnnen sich selbst leicht forthelffen; und es ist so fern daß die Begriffe von der Freyheit des Menschen, von seiner Faͤhigkeit gluͤcklich zu- werden, in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. werden, von den natuͤrlich-nothwendigen Folgen und Wirckungen der Dinge, von der Weisheit Gottes ꝛc. welche der franzoͤsische Verfasser zum Behuffe seiner Sache auch zu gebrauchen noͤthig gehabt, die gruͤndliche Anwendung derselben, so wie sie Hr. Breit. das Syst. des Gegners umzu- stuͤrtzen machet, aufhebe, daß dieser vielmehr durch das, was er der gedachten Begriffe halben gantz freywillig gesteht, selbst Hrn. Breitingern die Waffen in die Haͤnde liefert, mit denen er den Sieg uͤber ihn desto sicherer und gewisser erfech- ten kan. Jch glaube hiermit nicht zuviel zu sagen: Eu. Hoche. belieben doch sich die Ordnung der Begrif- fe beyder Gegner, mit wenigem vorzustellen, und urtheilen dann selbst, wie zulaͤnglich oder unzulaͤnglich der Jnhalt dieser Einleitung sey, und was der Fremde sonst von gleichem Gelichter in seinen Wercken hin und wieder gegen die Be- griffe Hr. Breitingers einfliessen laͤßt. Dieser ge- lehrte Mann denckt so: Gott suchet bey allen sei- nen Wercken ausser sich, keinen eigenen Vortheil: Gott kan aber, wann er wuͤrcket, doch nicht anderst wuͤrken, als gemaͤß seinen Eigenschaften: Diese erforderten, daß er eine Welt erschuͤffe, in welcher neben tausenderley andern hoͤhern und niedern Geschoͤpfen sich auch der Mensch befaͤnde; das ist, ein Geschoͤpfe, welches just diejenigen und keine andern Eigenschaften, und Grade der Kraͤf- te hat, als die zum Begriffe eines Menschen ge- hoͤren; Ein Geschoͤpfe, wo jedes Individuum Kraft seiner besondern so und nicht anderst beschaffenen A 2 Be- Erklaͤrung auf einige Saͤtze Bestimmungen, mit dem Gantzen nach Zeit und Ort auch seine eigene besondere Verbindungen als die beste von Gott bekommt. Seine Guͤte er- streckt sich uͤber alle Geschoͤpfe. Seine Weisheit zeiget ihm, wie die hoͤchstmoͤgliche Vollkommen- heit in dem Gantzen koͤnne erhalten, und mithin auch die hoͤchstmoͤgliche Guͤte erwiesen werden. Und durch die Gerechtigkeit endlich eignet Gott ei- nem jeden seiner Geschoͤpfe, und also auch dem Menschen das zu, was seine Weisheit als gerei- chend zur Erhaltung des hoͤchstmoͤglichen Guten einsiehet. Da aber die Menschen durch den Miß- brauch ihrer Freyheit sich in Suͤnde, und folglich in Unvollkommenheit stuͤrtzen koͤnnen, wer will darthun, daß in der bestmoͤglichen Verknuͤpfung, in welcher sie mit dem Gantzen stehen moͤgen, dies mit enthalten seyn muͤsse, daß Gott nicht zulassen koͤnne, daß sie wuͤrcklich fallen; oder wann sie gefallen, er dieselbe durch uͤbernatuͤrliche Mittel entweder insgesamt, oder einiche darvon, wieder herstellen muͤsse; daß es geschehen muͤsse jetzo in der Zeit, oder dann in der Ewigkeit ꝛc. ꝛc. Dieses zu bestimmen meinet Hr. Breitinger sey uͤber unsere Kraͤfte; und ich glaube, es werde jeder, der nach- sinnet, was dazu erforderet wuͤrde, es mit ihm auch so glauben muͤssen. Hingegen ist des Ungenannten Lehrgebaͤude zu folge obgedachter Einleitung dieses: Gott der fuͤr sich bey der Erschaffung aller Dinge keinen eige- nen Vortheil suchen konnte, mußte nothwendig das Gluͤck seiner Geschoͤpfe, in so fern sie dessel- ben faͤhig sind, zum Zwecke haben. Sie sind aber in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. aber desselben faͤhig, wo nicht allemahl hier in Zeit, doch in der Ewigkeit. Dieß ist der einige Zweck, den Gott hat haben koͤnnen. Seine Weisheit, und seine Gerechtigkeit sind keine Begriffe, die der Guͤte im Weg stehen; sie gewaͤhren nur die Art und Weise, nach welcher Gott zu seinem Zweck kommt, und die Menschen zum Gluͤcke bringt. Die Gerechtigkeit insbesondere, so wie sie in Gott wesentlich ist, sollte ehe Billichkeit (Equité) heis- sen; der Begriff der Haͤrte (de la Rigueur) ist bey derselben nur zufaͤllig, und haͤtte ohne den Fall des Menschen keinen Platz: So fern aber diese Billichkeit mit oder ohne die Haͤrtigkeit ein Mittel wird, dadurch seine Guͤte erwiesen wird, harmonieren beyde, und kan es nicht fehlen, denn daß alle Menschen zur Gluͤckseligkeit gelangen. Jch frage nun Eu. Hoche. ob nicht aus den ve- sten Saͤtzen Hr. Breit. nemlich der besonders be- stimmten Einschraͤnckung der menschlichen Natur, der Unwissenheit der Menschen, auf was Weise in der gantzen verknuͤpften unendlichen Reihe der Din- ge die hoͤchste moͤgliche Vollkommenheit erhalten, und wie also in Ansehung derselben auch die hoͤchste moͤgliche Guͤte erwiesen werden koͤnne, natuͤrlich fliesse daß der Unbekannte viel zufruͤhe den Schluß mache: Die Menschen alle und jede seyn nach ihrem Zustand, ihrer Auffuͤhrung und Verknuͤp- fung mit dem Gantzen ohne Widerrede der Gluͤck- seligkeit faͤhig, und weil Gott bey der Hervorbrin- gung aller Dinge nicht seinen eigenen Vortheil suchen koͤnne, muͤssen sie zu derselben nothwendig gelangen. Wie wenig will es sagen, wann dersel- A 3 be Erklaͤrung auf einige Saͤtze be wieder Hr. Breit. Saͤtze gleichsam als eine un- hintertreibliche Abfertigung vorbringt: Es lasse sich die Gerechtigkeit Gottes ꝛc. seiner Guͤte nicht entgegensetzen, so daß eine die andere aufhebe; Gott sey ein einfaches Wesen, in welchem also die Eigenschaften, und derselben Wuͤrckungen nicht wider einander stehen. Dieß alles bleibt ja auch in Hr. Breit. Lehrgebaͤude wahr. Lieber wer kan sich vorstellen, daß Got- tes Guͤte um deßwillen endlich, und eine in so weit aufgehobene Guͤte sey, weil sie sich nicht wei- ter erstreckt, als es durch das Wesen und die Natur der Dinge und durch diejenige Verknuͤp- fung eines jeden Individui mit der gantzen Welt, vermittelst welcher in dem Gantzen, zusammenge- rechnet, die meiste und hoͤchste Vollkommenheit erhalten wird, moͤglich ist. Mir faͤllt es unmoͤg- lich zu begreiffen, daß die Guͤte Gottes anderst in Gott sey, als wie sie mit der hoͤchsten Weis- heit, Gerechtigkeit ꝛc. besteht; wird sie weiter ausgedehnt, so wird sie ein Non Ens; noch mehr, sie wird eine Sache, die wann sie moͤglich waͤre, das Werck Gottes nothwendig, durch den und diesen Erfolg muͤßte unvollkommener machen als es jetzo ist. Dieses nun vorausgesetzt, und daß die eigene Beschaffenheit, und bestmoͤgliche Ver- knuͤpfung einicher Individuorum mit allen uͤbri- gen Dingen nicht zulasse, daß diese einzele Ge- schoͤpfe zu mehrerem Gluͤcke gelangen als sie ge- langen, wenn je die meiste und hoͤchste Vollkom- menheit in dem Gantzen soll erhalten werden; soll es dann heissen, die Gerechtigkeit Gottes werde sei- ner in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. ner Guͤte entgegen gesetzt, ein Begriff hebe den andern auf, wenn Gott bey diesen einzelen Indi- viduis ein Uebel zulaͤßt, damit nicht ein noch groͤs- seres entstehe, im Fall daß er es nicht zuliesse? Wenn Eu. Hoche. einem traͤgen und unnuͤtzen Bett- ler nicht einen Thaler schencken, sowohl in Be- trachtung der Convenienz dieses ihres gegenwaͤr- tigen Betragens, als in Absicht auf die viele gu- te Folgen, die dieser Abschlag, ich will setzen nur fuͤr ein Jahr haben wuͤrde, (weil doch derselbe mit allem Kuͤnftigen verknuͤpfet ist,) hebet dann ih- re Weisheit, und Gerechtigkeit, die sie diesfalls erzeigen, ihre Guͤte auf? Mich duͤnckt ein Weiser werde sich nicht einmahl eine andere Guͤte wuͤnschen. Eu. Hochedlen gedencken vielleicht; es sey eine unerwiesene Sache, daß das Bestmoͤgliche welches Gott bey seinen Geschoͤpfen erhalten kan, wircklich mit dem Ungluͤck einzeler Ar- ten, oder Individuorum begleitet sey. Sie haben gantz recht: Allein es ist nur darum zu thun, ob es moͤglich, nicht ob es wircklich sey; ob man einen Widerspruch finde, wenn man es se- zet: Und ob in diesem Falle dann die Eigenschaf- ten Gottes einander aufheben. Von diesem letz- tern habe ich Eu. Hoche. die Ehre gehabt meine Meinung zu sagen: Werden sie mir aber nicht auch die Moͤglichkeit des erstern gestehen, wenn sie belieben sich des oben schon angedeuteten zu er- innern? Eine jede Art der Geschoͤpfe und also auch der Mensch hat seine besondere Einschraͤn- kung, durch welche er eigentlich der wird, der er ist. Diese machet ihn nun tuͤchtig, just in die, A 4 und Erklaͤrung auf einige Saͤtze und keine andern Umftaͤnde gesetzt zu werden, als er gesetzet wird: Gesetzt nun, er mißorauche in denselben seine Freyheit so, und denn, wie er es thut; ist es ein Widerspruch, daß die Folgen dieser Auffuͤhrung so beschaffen seyn, daß er na- tuͤrlicher Weise nicht aus dem Elend herauskom- men wird: Und was haben wir einzuwenden, wenn Gott dann durch wuͤrckliche Zulassung der- selben weit mehr gutes in andern Geschoͤpfen, mit denen diese verknuͤpfet sind, erhaͤlt, als wann er es hinterte? Jch habe ja nicht noͤthig Eu. Hoche. zu erinnern, in wie viel tausend Faͤllen etwas Un- vollkommenes dienen koͤnne, etwas Gutes zu befoͤr- dern, und sage nur, wie ich nicht sehe, daß es ein Widerspruch sey, setzen, daß auch ein im- merdaurendes Ungluͤck einicher einzeler Geschoͤpfe, natuͤrlicher Weise in der Welt platz haben koͤnne; eben so wenig, als es nach des frantzoͤsischen Ver- fassers eigenen Gestaͤndniß eine solche Unmoͤglich- keit ist, daß die Menschen wenigstens eine Zeit lang Elend und Ungluͤck ertragen. Die Offenba- rung muß dann aber ausmachen, ob es wircklich seyn werde. Hier hat man genug, wann man es als moͤglich begreifft. Eu. Hoche. scheinen aber selbst in ihrem Schrei- ben mehr von der folgenden Antwort zu halten, welche der Ungenannte in besagter Einleitung nicht undeutlich auf diese gesetzte innere Moͤglichkeit ei- ner solchen Verbindung der Dinge giebt, bey welcher das beste in dem Gantzen, nicht ohne das Uebel einicher Theile bestehen kan: Nemlich; Wenn Gott seine Geschoͤpfe nicht koͤnnte gluͤk- lich in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. lich machen, so sollte er lieber keine erschaffen haben; weil doch die verderbte Menschen selbst, wenn sie das Vermoͤgen haͤtten, Geschoͤpfe ausser sich hervor zu bringen, es in dem Falle nicht thaͤten, da sie wuͤßten daß dieselbige un- gluͤcklich wuͤrden. Jch darf gegen Eu. Hoche. frey seyn, und da- rum ohne Scheue sagen, daß dieses mich von Her- zen schwach duͤnckt: Der Schluß ist nemlich darauf gebauet, daß die Geschoͤpfe Gottes nur aus den einigen Menschen bestehen. Es ist frey- lich wahr, eine Welt ohne das Merckmahl der Guͤte Gottes, ja der hoͤchsten Guͤte die moͤglich ist, wuͤrde ein Werck seyn, das Gott nicht geziemet; aber wer hat denn dem Unbekannten gesagt, daß nur die Menschen auf der Welt seyn, und mit- hin Gott nur allein fuͤr sie zu sorgen habe? Lieber wie viel andere Dinge kan der Mensch unter und uͤber ihm erkenneu, die eben sowohl Gottes Ge- schoͤpfe sind, als die Menschen: Und wie viel tau- send Arten, vermuthlich auch noch andrer vernuͤnf- tiger Geschoͤpfe, moͤgen seyn, die wir nicht erken- nen? Jch meines Theils moͤchte in Ansehung der Verschiedenheit und Menge der Geschoͤpfe Gottes eben nicht den Schnitzer begehen, den die guten Kirchenvaͤter in Ansehung der Gegenfuͤsser ge- macht. Jch wollte doch gern hoͤren, was der Un- genannte gedaͤchte, wenn er nach Durchlesung der Entdeckungen der Gestirnsverstaͤndigen und des Ge- dichtes Essai on Man von Herr Pope, etwann bey einer hellen Nacht den Himmel betrachtete. Wir haben aber zu unserm Zwecke nicht einmahl A 5 so Erklaͤrung auf einige Saͤtze so viel noͤthig; lasse man den Satz nur gelten, in so fern er gantz keinen Widerspruch leydet; ich will sagen in Absicht auf die Geschoͤpfe Gottes, ver- nuͤnftige und unvernuͤnftige, die uns neben den Menschen bekannt sind, und in Absicht auf die Verschiedenheit der Individuorum, die unter dem Geschlechte der Menschen stehen, es ist schon ge- nug. Nemlich diese Geschoͤpfe alle zusammen ge- nommen (gesetzt es seyn weiter sonst in der gan- zen Welt nirgend keine andere mehr als die wir kennen,) machen ein gantzes aus: Und in diesen, (alle zusammen genommen,) kan es wegen ihrer besondern und jedem Individuo eigenen Einschraͤn- kung, und der daher entstehenden NB. auch einzi- ger moͤglich besten Verbindung mit einander, ja wohl seyn, daß einiche einzele Arten oder einiche Individua gewisser Arten, fuͤr sich des Gluͤcks entweder fuͤr eine gewisse Zeit, oder aus dem glei- chen Grunde fuͤr immer missen; und daß eben da- durch das hoͤchstmoͤgliche Gute in dieser Welt ent- steht; welches allezeit gegen das berechnet, was unvollkommen ist, weit mehr betraͤgt. Aber nun gesetzt, die Menschen waͤren eine solche einzele Art dieser Geschoͤpfe, oder doch wenigstens un- ter den Menschen einiche Individua; warum soll Gott lieber keine Welt erschaffen? Warum sollen nur diese allein seine Lieblinge seyn? Gewiß dieß ist ein wenig zu vornehm von sich selbst, und hin- gegen zu schlecht von der Unendlichkeit der Eigen- schaften Gottes gedacht: Mich nimmt oftmahl mehr wunder, daß fuͤr die Menschen uͤberhaupt und fuͤr einzele Individua dieser Art der Geschoͤpfe nach in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. ihrer Beschaffenheit, und dem Ort, den sie in der Welt ausfuͤllen, noch so viel unverdiente Guͤ- te Gottes platz haben kan, als daß ihnen nicht mehr zukommen mag. Urtheilen demnach Eu. Hoche. uͤber den Satz des Ungenannten, und uͤber folgende Rettung desselben, welche mich an einem andern Orte seiner Schriften besinne gelesen zu ha- ben: „ Gesetzt (sagt er) daß durch die Zulas- „sung des Ungluͤcks einicher Geschoͤpfe das „hoͤchstmoͤgliche Gute in dem Gantzen erhal- „ten werde, was haben diese einzeln davon?„ Nichts: Man gestehet es gern. Aber der Geg- ner soll erweisen, daß Gott um deßwillen lieber noch das uͤbrige Gute, welches zusammengerechnet weit mehr betraͤgt, als das, so man sich bey der gaͤntzlichen Unterlassung des Werckes der Schoͤp- fung vorstellen kan, hervorzubringen haͤtte unter- lassen sollen. Der Beweiß kommt mir etwas schwer vor, wenigstens glaube ich dißfalls nicht, bis ich sehe. Jch muß E. Hochedlen bitten, sich die Zeit nicht lange werden zu lassen. Jch habe das meiste gesagt: Doch thaͤte es mir weh, wann ich nicht noch etwas uͤber die Anwendung einicher Be- griffe beybringen duͤrfte, welche der Ungenannte zum Behuffe seines Systeme eben sowohl ge- brauchet, als Hr. Breitinger bey dem seinigen. Schreiben sie diese Verlaͤngerung ihnen selbst zu; sie haben mir den Anlaß dazu durch ihre nicht unbegruͤndete Vermuthung gemachet, es moͤchte Leute geben, die glaubten Hr. Breitingers Schrift muͤßte eben nicht gar zu gruͤndlich seyn, weil der fremde Erklaͤrung auf einige Saͤtze fremde Verfasser diese Sachen selbst gestehe, und so gar gebrauche. Nemlich Eu. Hochedlen, indem sie die gedachte Anmerckung gemachet, richteten ihre Augen auf die Begriffe von der Freyheit, von der besondern Einschraͤnckung, von der Faͤ- higkeit und Unfaͤhigkeit der Geschoͤpfe, item von der natuͤrlich-nothwendigen Wuͤrckung, und den Folgen der Dinge; aus welchen Hr. Breitinger zeiget wie es moͤglich sey, daß durch eben diese Sachen das Gluͤck einicher einzeler Geschoͤpfe, so wie es der Ungenannte haben will, gehintert werde, und gehintert bleiben koͤnne, (denn der Grund gehet auf dieses so gut an, als auf jenes,) dabey zugleich behauptet wird, man schraͤncke die goͤttliche Guͤte deßwegen nicht ein, wenn man glaubt sie thue nichts, als was mit der hoͤchsten Weisheit bestehen koͤnne. Diese Begriffe sind es, die der Unbekannte beyzubehalten gut befun- den, obschon man meinen sollen, es waͤren just die Sachen, die er nimmermehr wuͤrde gelten lassen, da sie seinem Systeme so sehr schaden. Nemlich fraget man denselben; wie kommts, da der Be- griff von der Guͤte Gottes fuͤr sich betrachtet nur lauter Gutes thun in sich schließt, daß dessen un- geachtet der Mensch sich in Unvollkommenheit, Suͤnde, Elend und Jammer befindet, wenigstens in dieser Zeit? Wie reimt sich dieß mit der goͤttli- chen Guͤte? ꝛc. So ist die Antwort eben dieje- nige, welche Hr. Breitinger giebt seine Sache zu erweisen. Da, heißts, stehen im Wege, die Freyheit des Menschen, die natuͤrliche Ordnung der Dinge, da jedes seine bestimmte Folgen nach seiner in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. seiner Beschaffenheit, seinen Umstaͤnden ꝛc. haben muß. Or Dieu ne renverse point l’ordre Na- turel: Ce seroit desavouer la sagesse qui re- gne dans toutes ses œuvres: La Bonté infinie ne sçauroit s’opposer à cet ordre sans lequel tout seroit confondu: Jtem; les Miseres de la vie sont une demonstration parlante de la necessité des Moyens indirects, nemlich die Menschen zum Gluͤck zu bringen: La divine Bon- té consentiroit-elle à ce que les hommes souffrissent tant de maux, si elle pouvoit les leur epargner? Jtem: Un être sans Liberté ne seroit plus l’homme, \& il faudroit de- mander, pourquoi Dieu a trouvé a propos, de former des hommes. La liberté de l’hom- me exige que Dieu se serve de Moyens pour les ramener à l’ordre, tout changement subit aneantiroit l’usage de sa liberté \&c. So schreibt der Ungenannte, und durch diese unerwar- tete Freygebigkeit koͤnnten gewisse Leute Anlaß neh- men von Hr. Breitingers Schrift nicht allzuguͤn- stig zu urtheilen; ich gestehe es, aber gestehen Eu. Hochedlen mir auch, (ich fordere nur was wahr ist,) daß ein solch Urtheil, wer es immer faͤl- len moͤchte, uͤbereilet sey; und der Ungenannte sich mit seinen eigenen Waffen schlage. So bleibt es denn dabey; nach dieser Bekaͤnntniß des Geg- ners bleibt die Guͤte Gottes dieselbe in ihrer voͤlli- gen Kraft, ob sie schon der Beschaffenheit, Faͤ- higkeit, und natuͤrlichen Ordnung, die sich in und bey den Geschoͤpfen befinden, auf gewisse Weise nachgeben muß. Kan ich nun den Ungenannten nach Erklaͤrung auf einige Saͤtze nach seinem andern mit diesem nicht wohl zusam- menstimmenden Grundsatz nicht mit Recht fragen: Warum erspart die goͤttliche Guͤte den Menschen nicht auch dieses Uebel alles; und bringt sie nicht ohne dasselbe zur Gluͤckseligkeit? Sie kan es nicht, sagt er, weil jenes im Wege steht. Wie aber wenn es immer im Weg stehen sollte? Wie ist zu erweisen, daß dieses und jenes einzele Indivi- duum \&c. zur Erhaltung der Absicht Gottes, das hoͤchstmoͤgliche Gute in dem Gantzen zu befoͤr- dern, nothwendig durch sein eigen Gluͤck etwas beytragen werde? Man weiß ja so wenig daß die kuͤnftige Beschaffenheit und immerwaͤhrende Um- staͤnde, welche einem jeden besondern Individuo als eigen zukommen, diese Gluͤckseligkeit in sich schlies- sen, als wenig man weiß, daß sie (gleich den ge- genwaͤrtigen) dieselbe nicht mit sich bringen wer- den. Der Ungenannte will darum auch lieber den Nodum gordium zerschneiden, als ihn aus der Natur der Dinge aufloͤsen: Er sagt, es muß so seyn, daß die Menschen zum Gluͤcke kommen, weil sonst Gottes Guͤte durch seine Weisheit und Gerechtigkeit eingeschraͤnckt wuͤrde. Gleich als ob diese Einschraͤnckung, (wenn dieß wahr ist,) nicht schon vorhanden sey, wenn die goͤttliche Guͤte nach des Gegners eigener Gestaͤndniß den Menschen nicht anderst als durch viel Elend und Unvollkom- menheit zum Gluͤcke bringen kan; und gleich als ob man dieselbe, so wie sie in Gott ist, sich ohne Weisheit und Gerechtigkeit vorstellen muͤßte. Jch beziehe mich aber uͤber diese Einwendungen im mehrern auf das oben gedachte. Gewiß diese lezte Eigen- in den Lett. sur la Rel. Essent. \&c. Eigenschaften sind in dem Begriff, nach welchem man sich Gott vorstellt, da er jetzt eine Welt er- schaffen wollen, eben so wesentlich, als die Guͤte: und es ist eine Verwirrung der Dinge, wenn der Ungenannte vorgiebt, das, was in der Jdee der Gerechtigkeit Haͤrte beißt, sey nur etwas Zufaͤlli- ges; etwas, das nicht platz gehabt haͤtte, wenn die Menschen nicht wuͤrden gesuͤndiget haben. Die- se besondere Ausuͤbung der goͤttlichen Gerechtig- keit ist wohl zufaͤllig; eben wie auf gleiche Art die Ausuͤbung der goͤttlichen Guͤte zufaͤllig ist, als die ja auch erst zu sehen ist, nachdem Gott Hand an sein Werck geschlagen hat: Aber nicht die Ei- genschaft, und der Wille Gottes so und nicht an- derst gegen seine Geschoͤpfe zu handeln, in so fern derselbe in Gott betrachtet wird. Man kan ja doch seyn, was man ist, ob man es gleich nicht immer in dem Wercke zeiget; ‒ ‒ Quamvis tacet Hermogenes, Cantor tamen atque Optimus est modulator. ‒ ‒ Der Zweck Gottes bleibet auch immer einfach. Dieser ist das moͤgliche Beste, wie es die Be- schaffenheit und Verknuͤpfung seiner Creaturen lei- det, in dem Gantzen zu erhalten. Dasselbige aber einzusehen und zu erlangen ist ein Werck nicht al- lein seiner wesentlichen Guͤte, sonder dazu gehoͤren auch noch seine Weisheit, Gerechtigkeit und Macht, welche in ihm sind, wie die Guͤte: Oder besser zu sagen, die von seiner Guͤte, welche auf die moͤgli- che Foͤrderung des Gluͤcks der Geschoͤpfe geht, nicht unterschieden sind, nur daß wir wegen unsrer Schwach- Erklaͤrung auf einige Saͤtze Schwachheit die Guͤte durch abgezogene Begriffe uns bald vorstellen, in so fern sie bloß eine Nei- gung ist Gutes zu erweisen, bald aber in so fern sie eine erleuchtete Guͤte ist, die sich nach den Geschoͤpfen, und der Erkaͤnntniß dessen richtet, was in der gantzen Welt, bey so beschaffenen Sa- chen wie sie sind, das hoͤchste Gute, die meiste Vollkommenheit, heissen kan: Unsre Vorstellun- gen aͤndern indessen in dem einfachen Wesen Got- tes nichts. Dieses sind meine Gedancken: Jch bin zum Zwecke gekommen, wenn Eu. Hochedlen daraus erkennen, es werde vergebens seyn, wenn der Ungenannte, oder andere, in Ansehung der Schrift Hr. Breitingers sich auf die von ihnen vermuthete Weise verhalten sollten. Kaͤme es darzu, so wuͤr- de Hr. Breitinger mit mehrerm Recht sich hinwie- derum statt einer Antwort auf seine Saͤtze und derselben natuͤrliche Folgen beruffen koͤnnen. Jn- dessen laßt uns immer die Wahrheit suchen. Wis- sen sie daß naͤchstens eine franzoͤsische Uebersetzung von Hrn. Breitingers Schrift ans Licht treten wird? Jch verharre mit aller Hochachtung ꝛc. Von Von der verbluͤmten Schreibart. Jst die Fertsetzung der Abhandl. von dem Sinnr. und Scharssinn, aus der Ankl. des verd. Geschmacks. D Jese verbluͤmte Schreibart bestehet aus uneigentlichen, figuͤrlichen und verbluͤmten Ausdruͤcken und Gleichnissen. Sie ist ein- gesuͤhrt worden, I. den Begriff durch die Ver- gleichung mit einem andern, der eine gewisse Aehn- lichkeit damit hat, in ein klaͤreres Licht zu setzen, und gleichsam sichtbar zu machen: Opportunus translationis usus illustrat orationem, schreibt Quintilianus; II. den Ausdruͤcken eine besondere Kraft, ein Gewicht und einen Nachdruck zu geben, da- mit sie desto tiefer in das Gemuͤthe des Lesers eindrin- gen, wann sie durch ihre reichen Bilder aͤhnlicher Dinge die Sinne und das Gemuͤthe fuͤllen. Segnius irritant animos demissa per aurem, Quam quæ sunt oculis subjecta fidelibus. Horat. A. P. III. Durch die Entdeckung der verborgenen Aehn- lichkeiten der Dinge den Geist des Menschen zu er- goͤtzen und zu belustigen. Car nous aimons sui- vant la remarque d’Aristote, à voir une cho- se dans une autre, \& ce qui ne frappe pas de soy même, ni à face decouverte, sur- prend dans un habit emprunté, \& avec une masque.. Demnach irren diejenigen groͤblich, die sich bereden, daß die Vorstellungen aͤhnlicher Dinge, oder die Vergleichungen die Kraft eines Beweises haben, massen sie alleine dienen zu er- klaͤren und zu belustigen. Jch habe wahrgenom- men, daß dieser Jrrwahn bey unsern Poeten ast [Crit. Sam̃l. III. St.] B allge- Von der verbluͤmten Schreibart. allgemein ist, wie ich solches an einem andern Orte und zu einer andern Zeit darthun will. Wann nun die verbluͤmte Schreibart ihren Zweck treffen soll; so muß sie nach den Grundregeln des Scharf- sinnigen eingerichtet seyn, die ich oben ausgefuͤh- ret habe, und nach denselben muß sie auch beur- theilt werden. Die Schweitzerische Mahler Diesen Titel hat eine moralische Wochenschrift, die in den Jahren 1721. 1722. zu Zuͤrich herausgekommen, daher empfangen, weil die Verfasser derselben, die Ar- beit eines jeden von des andern zu unterscheiden, solche mit den Nahmen beruͤhmter Mahler gezeichnet haben. Da uͤbrigens der Character eines solchen Blats mit dem Cha- racter des Mahlers, dessen Nahme darunter geschrieben steht, wenig oder gar nichts Gleiches hat, soll der erste Titel in der verbesserten Auflage, die man juͤngst verspro- chen hat, mit dem einfaͤltigen Nahmen des Zuschauers vertauschet werden. Doch wird man den Character, den Addison und Steele ihrem Zuschauer gegeben haben, in etlichen absonderlichen Zuͤgen veraͤndern. haben eine Probe von der verbluͤmten Schreibart gegeben, da sie nach Opizens und andrer Exempel eine Be- schreibung des Reiches der Freude gema- chet. Dieselbige hat Herr Philologus in dem 24- sten Stuͤcke der Tadlerinnen sehr unbescheiden an- gezaͤpft. Jch will die Stelle gantz hersetzen, da- mit ihr daraus die Scharfsinnigkeit und Hoͤflich- keit dieses critischen Magisters um etwas ermessen koͤnnet. Die Mahler scheinen mir nicht die rech- ten Richter der sinnreichen Schreibart zu seyn. Wie sollte ich das Urtheil derer annehmen/ die mit eben den Fehlern behaftet sind/ so sie an andern tadeln? Herr Rubens weiß von nichts als Von der verbluͤmten Schreibart. als Phoͤbus/ Galimathias und Wortspielen zu schreyen; weiß aber nicht/ daß er selbst ein Meister in diesen Kuͤnsten ist. Leset doch seine Beschreibung die er vom Reiche der Freu- de gegeben. Jch will jetzo nicht an seine uͤber das Land spatzierende Augen/ auch nicht an die Blumen gedencken/ die ihre Haͤlse hervor- recketen/ und die heiterste Strahlen der Mor- genroͤthe nachmahleten/ ja ihm Geruch von Bal- sam/ Weyhrauch und Myrrhen in die Nase bliesen; wiewohl man uͤber diese hochgetriebe- nen Redensarten eben so lustige Dinge sagen koͤnnte/ als uͤber Neukirchs Verse von ihm geschrieben worden. Wenn aber der Hunds- stern geruͤhmet wird, daß er niemahls die Saat verbrennet habe; wenn der Nordwind die Waͤlder niemals ihres gruͤnen Haares be- raubet hat; wenn die Blumen wie Rubinen brennen/ und ihre Blaͤtter mit Atlas und Da- mast schmuͤcken; wenn der Winter sein glaͤ- sernes Eis auf die Berge getragen; wenn endlich die Freude uͤber alle Sachen/ so sie beruͤhret/ einen neuen Glantz saet, so weiß ich nicht/ was ich von dem Luchsaugigten Verfolger unnatuͤrlicher Gedancken und Aus- druͤckungen dencken soll? Jch enthalte mich alle diese Redensarten so laͤcherlich zu machen, als dieser Schweitzerische Scioppius des Hoff- mannswaldaus/ Lohensteins und andrer Ge- dichte gemacht/ und wollte nichts mehr wuͤn- schen/ als daß ihr/ wehrteste Tadlerinnen, den scharfsichtigen Herren Rubeen zu einer Vertheidigung seiner Redensarten bringen koͤn- tet; denn ich bin gewiß/ daß seine Entschul- B 2 digun- Von der verbluͤmten Schreibart. digungen zugleich alle von ihm getadelte Poe- ten rechtfertigen wuͤrden. Weil diese unzeitige Critick, so viel mir bewußt ist, von den schweitzerischen Kunstrichtern nicht anderst als mit Verachtung beantwortet und wiederlegt worden; so will ich die Muͤhe nehmen, ihre so kuͤhn geforderte Vertheidi- gung zu verfertigen. Jch habe ausserdem Exem- pel noͤthig meine Saͤtze recht deutlich zu machen; ich schmeichle mir aber daß diese Vertheidigung eine weit andre Wirckung haben werde, als sich Philologus davon versprechen doͤrffen. Kubens nennet sich derjenige unter den Mahlern, der sei- ne Feder allein gewiedmet hat, einiche grobe Feh- ler unsrer deutschen Poeten, die den guten Ge- schmack verletzen, zu bestreiten. Er hat deßfalls den Frantzosen gefolget, und ihre Gedancken, da- mit ich mit denselben rede, geheyrathet Diese Redensart wird hier einem Frantzosen zu- geleget, und also nur vor Franzoͤsisch-Deutsch ange- bracht. Nichtsdestoweniger wuͤrde ein Frantzose einen ziemlichen Grund fuͤr sie in der engen Verbindung finden, die zwischen den Gedancken zweyer Personen so genau seyn kan, als zwischen ihren Coͤrpern. ; aber sie mit Exempeln aus unsern deutschen Poeten erlaͤu- tert, und bekraͤftiget: So daß derjenige Sinn, der auf die Vertheidigung der getadelten Stellen nur gedencket, in der critischen Wissenschaft schlecht bewandert seyn muß. Der Herr Philologus hat sich nicht getrauet, auch nur eine einige von diesen Stellen zu retten, oder die Lehrsaͤtze des Hrn. Rubens anzugreiffen; er laͤßt es daran bewenden daß er eine Gegenbeschuldigung machet. Aber Nil Von der verbluͤmten Schreibart. Nil agit exemplum litem quod lite resolvit. Seine Beschuldigungen fallen auf etliche Metapho- ren, die ihm nicht gefallen. Opitz wird eingefuͤhrt, wie er den Rubens also anredet: O Freund mei- ner Poesie! Lasse deine Augen uͤber dieses lu- stige Land hinspatzieren; fuͤhre sie laͤngst diesem grossen Flusse hinauf. ꝛc. Philologus meint, er koͤnnte sich, wenn er wollte, uͤber diese Stelle recht lustig machen. Jch moͤgte es gern sehen. Weiß er nicht, daß diese Metapher, prome- ner ses yeux, bey den Frantzosen so gemein ist, daß sie fast nicht mehr fuͤr eine Metapher gehalten wird. Aber auch die deutsche Sprache hat kei- ne eigene Woͤrter, die verschiedenen Bewegun- gen der Augen und Blicke auf die aussern Ge- genstaͤnde auszudruͤcken, sie ist gezwungen sich derjenigen Woͤrter zu bedienen, durch welche die verschiedene Bewegungen des menschlichen Coͤr- pers bezeichnet werden; daher entspringen die ge- braͤuchlichen und auch in taͤglichen Gespraͤchen vorfallende Redensarten, er laͤßt seine Augen frey herum gehen; er wirfft die Augen auf mich; er hat sie auf diesen schoͤnen Gegenstand angeheftet; er verfolgete mich mit seinen Au- gen. ꝛc. Diese Redensarten koͤnnen ihm neue Materie sich lustig zu machen vollauf an die Hand geben. Er kan sich verwundern, wie die Augen ohne Fuͤsse gehen koͤnnen; ob man sie ohne Schmer- zen auf einen Gegenstand anheften koͤnne; ob es moͤglich sey, daß ein Mensch seine Augen selbst wegwerffen werde; ꝛc. Wenn von den Augen B 3 gesagt Von der verbluͤmten Schreibart. gesagt wird, daß sie gehen; so wird die gemesse- ne Bewegung ihrer Gesichtesstrahlen von einem Gegenstande zu dem andern angedeutet; koͤnnen sie nun gehen, warum nicht auch spatzieren? Spa- zieren bezeichnet eine freye Bewegung der Ge- sichtesstrahlen von einem Gegenstande zu dem an- dern, wenn sie mit einem Ergoͤtzen vergesellschaf- tet ist. Oder sage mir Philologus, wie er diesen Begriff eben so starck mit einem einigen Worte ausdrucken wolle? Aber die Augen koͤnnen nicht nur spatzieren, sie koͤnnen gar laufen. Der geistreiche Poet Hr. J. U. Koͤnig sagt in dem Heldenlobe Sr. Koͤnigl. Majest. in Pohlen: Er kan den Augen kaum den freyen Lauf erlauben, Aus Zweifel ob er auch soll dem Gesichte glauben. Und der eben so scharfsinnige Hr. Brocks in dem Gedichte von der Allee: Sonst aber war die Wand so dicke, Daß, wann die Augen oftermahl Von Blat auf Blat in Schatten-reichen Tiefen Verwirret hin und wieder liefen, Sie keine Thuͤr zu finden wußten, Und, angenehm beschaͤmt, zuruͤcke kehren mußten. Ja sie machen zuweilen weitlaͤuftige Reisen, z. E. in desselben Ode von den Bergen ꝛ So entsetzlich sind die Hoͤhen, Die bald steil, bald rauch, bald glatt, Daß das Aug von vielem sehen, Und so ferner Reise, matt, Kaum zun Gipseln kan gelangen, Die, wenn sie voll Wolken hangen, Nach Von der verbluͤmten Schreibart. Nach dem bloͤden Augenschein, Selbst des Himmels Stuͤtzen seyn. Und grad auf dem dritten Blatte stehen diese schoͤ- ne Zeilen auf das Firmament: Als juͤngst mein Auge sich in die Saphirne Tiefe Die weder Grund noch Strand, noch Ziel, noch End (umschraͤnckt, Jns unerforschte Meer des holen Luft-Raums senckt’ , Und mein verschlungner Blick bald hie bald dahin liefe Doch immer tiefer sanck. ‒ ‒ ‒ ‒ Philoloaus aͤrgert sich ferner, daß Rubens sagt: Als wir an dem Fusse desselben waren/ gien- gen wir Landwerts ein/ von allen Seiten mit Huͤgeln umschlossen/ auf welchen Blumen ihre Haͤlse hervorreckten/ welche die heitersten Strahlen der Morgenroͤthe nachmahlten/ die auf die Wolcken fallen; und die uns Geruch von Balsam Weyhrauch und Myrrhen in die Nase bliesen. Es ist auch in den gemeinen Re- den uͤblich, daß man den Blumen ein Haupt zu- schreibet. Besser in dem Lebenslaufe seiner Kuͤhl- weinin: Wenn sie unter ihnen stuhnd/ ließ es ihr wie einer Lilien auf einem Blumen-Fel- de, welche mit ihrem Atlas-Haupte uͤber alle hervorraget. Und ich finde in dem 39sten St. der Tadlerinnen einen gleichen verbluͤmten Ausdruck: Die Tulpe schien ihren Hals aus Ehr-Begier- de hoch zu tragen. Und der Herr Brockes re- det in der Betrachtung eines zeitigen Fruͤhlings von der Stirne einer Blume: Es bluͤhete bereits Die Silber-weisse Schnee- die guͤldne Crocus-Blume B 4 Die Von der verbluͤmten Schreibart. Die letzte hebt der guͤldnen Stirne Zier Fast ohne Stiel gleich an der Erd herfuͤr. Und an einem andern Orte vergleicht eben dieser vornehme Poet die vermischten Farben des Regen- bogens und der Abendroͤthe mit den buntvermisch- ten Farben eines Blumenselds: Der Jris farbenreicher Krantz, Des hellen Abendsterns so lieblich reiner Glantz, Erquicken kaum so sehr das menschliche Gesicht, Als das auf hundert tausend Arten Gefaͤrbet und gebrochne Licht Von einem bunten Blumen-Garten. Das Wort nachmahlen zeiget sehr nachdruͤcklich die Aehnlichkeit der Farben. Aber vielleicht aͤr- gert ihn am meisten, daß Rubens beyfuͤget: Und die uns Geruch von Balsam, Weyhrauch und Myrrhen in die Nase bliesen Doch ich will zur Vertheidigung dieses verbluͤmten Ausdruckes abermahl eine aͤhnliche Stelle aus Hrn. Brockes beysetzen. Haucht ihre Menge nicht den staͤrcksten Visam aus, Sie wuͤrtzen durch so angenehme Duͤfte, Die voller Amber und Ziebeth, Die ausgespannten lauen Luͤfte, Daß ihre Balsam-Kraft uns recht ans Hertze geht. Die Beschreibung der Arten Geruches ist uͤberaus schwer und muß nothwendig durch Vergleichung mit Balsam und andern bekannten wohlriechenden Dingen geschehen. Aber die folgenden Ausdruͤcke kommen dem Hrn. Philologus noch weit laͤcherli- cher Von der verbluͤmten Schreibart. cher vor: Die Jahrszeiten veraͤndern unsre Felder nicht, der Hundsstern hat niemahls unsere Saat verbrennet/ und der kalte Nordwind hat niemahls unsere Waͤlder ihres gruͤnen Haa- res beraubet. Er muß in guten Schriften der alten und neuen Poeten schlecht bewandert seyn, daß ihn diese Metaphoren fremd duncken. Horatz: Hic in reducta valle caniculæ Vitabis æstus. ‒ ‒ Carm. L. I. Od. 17. Und Persius. En quid agis, siccas insana canicula messes Jamdudum coquit. Sat. III. lin. 5. Welches Opitz in seinem Vielgut also nachahmet: Jndem der Hundesstern anjetzt so heftig gleißt, Und Feld und Wiesen kocht mit seinem schweren Hitzen. Die andre verbluͤmte Gleichnißrede erklaͤret Opitz in dem dritten B. der P. W. Ein jeder Baum der muß sein Haar die Blaͤtter legen, Jst todt bis sich der West im Lentzen pflegt zu regen. Welches er aus Horatz nachgemachet hat: Diffugere nives, redeunt jam gramina campis, Arboribusque comæ. ‒ ‒ ‒ ‒ Carm. L. IV. 7. B 5 Noch Von der verbluͤmten Schreibart. Noch eine Stelle in der Beschreibung des Reiches der Freude, welche des Philologi Geschmack be- eckelt, lautet also: Ein ewiger Fruͤhling be- herrschet sie, und die sanften Zephire wehen einen kuͤhlen Wind auf unsre Blumen, die un- gepflegt hier wie Rubinen brennen, dort ih- re Blaͤtter mit Arlas und Damast schmuͤcken. Jn des Hrn. Lieentiat Brockes Abschilderung ei- nes Gartens finden wir diese geschickte Stelle. Die dunckel-rothe Glut der Aramanthen, Der bunte Mahn, worauf, wie Diamanten, Der Tropfen Menge lag, Samt der Peonien Blut-rothem Funckeln; Convolvulen, Violen und Ranunckeln, Die theils, wie Himmel-Blau und Silber, theils verguͤldet, Und theils in rothen Flammen gluͤh’n. ꝛc. Sonst duͤnckt mich, daß Rubens seine Ausdruͤ- kung dem Hrn. von Besser abgeborget, der in Florens Fruͤhlings-Fest von der ungezehlten Blu- men-Menge also schreibet: Hier sieht man euch als wie Smaragden gruͤnen, Hier brennet ihr als wie Rubinen, Dort werdet ihr dem Tuͤrckis gleich geacht. Der bunte Schmeltz, den man auf euch erblicket, Der Atlas und Damast, der eure Blaͤtter schmuͤcket, Jst reicher, als was sonst Natur und Kunst erdacht. Auch der folgende Ausdruck duͤnckt unsern Kunst- richter zu kuͤhn, wann Rubens sagt: Der Win- ter selbst hat uns seinen Schnee und sein glaͤ- sernes Eis geschencket/ das er vor unser Ge- sicht auf diese hohe Berge in dem Norden ge- tragen, Von der verbluͤmten Schreibart. tragen, die ꝛc. Kan er dann nicht begreiffen, wie der Winter das Eis auf die Berge hintra- ge? Was koͤnnte aͤhnlicher seyn, als das Glas und das Eis? Traͤgt nicht der Winter den Schnee herbey? Jch kan fast nicht errathen, was er an dieser Stelle aussetzt. Horatz in dem Schreiben an Mecenas druͤckt dieses noch kuͤhner dergestalt aus: Quod si Bruma nives Albanis illinet agris. Aber warum mißfaͤllt ihm folgende Redensart: Die Freude saͤet uͤber alle Sachen einen neuen Glantz. Es ist ja eine sehr uͤbliche Redensart der Mahler, die einem so grossen Kunstlehrer, als Herr Philologus in seiner Einbildung ist, nicht unbekannt seyn sollte. Jch gebe ihm darum den wohlmeinenden Rath, daß er ein andermahl zu- erst seine Kraͤfte pruͤffe, bevor er sich so verwegen bloß giebt. Sumite materiam vestris, qui scribitis, æquam Viribus, \& versate diu, quid ferre recusent, Quid valeant humeri. ‒ ‒ ‒ Horat. de A. P. Von Anm. Der Herr Philologus hat um alles, was ihm hier zur Vertheidigung dieser metaphorischen Redensarten gesagt worden, sein Urtheil nicht geaͤndert. Jn dem fuͤnf und siebenzigsten Blate des Biedermanns, in welchen die Haͤllischen Tadlerinnen sich 1728 verwandelt haben, ist ein Schreiben unter Philologi Nahmen eingeruͤcket wor- den, wo er seinen ersten Ausspruch davon wiederholet, und vornehmlich damit behaupten will, weil diese Aus- druͤcke im Deutschen unerhoͤrt seyn. Dennoch giebt er nicht zu verstehen, daß er den Grund der Aehnlichkeit, worauf dieselbe beruhen, nicht offenbar und richtig darin- nen Von der verbluͤmten Schreibart. nen finde, oder daß solcher jemand verborgen bleiben koͤnne, wenn er gleich, wie in den Metaphoren geschieht, nicht angezeiget wird. Er sieht auch nicht, daß sein Grundsatz ihn so weit fuͤhret, daß er nach demselben uns alle neuen und unerhoͤrten Gleichnisse verbieten muͤßte: Weil die Metaphoren nichts anders sind, als abgekuͤrtzte Vergleichungen. Er sollte sich erklaͤren ob er die Ueber- einstimmung, die sich zum Ex. zwischen dem Haupt, der Stirn, und dem Halse einer Blume und eines Men- schen befindet, nicht erkenne, und ob ihm diese so uner- hoͤrt sey, oder wenn er sie erkennet, ob er darum uns nicht erlaubet, eine Metapher daraus zu formieren, weil dieses noch von niemanden geschehen ist? Wenn das ist, so wird er uns sagen muͤssen, was ihm erhoͤrt oder un- erhoͤrt sey, und es scheinet, daß seine Sprache und Re- dekunst gar trucken und leblos herauskommen werden. Haben die Blumen Haupt, Stirne, und Hals, sagt er, warum nicht auch eine Nase, Ohren und Schul- tern? Will er denn haben, daß niemahls zwey Dinge mit einander verglichen werden, welche nicht in allen Theilen und Stuͤcken mit einander uͤbereinstimmen, das ist, wel- che nicht einerley sind? Allein ich verweise ihn auf den siebenten Abschnitt der Fortsetzung der critischen Dichtkunst Bl. 331. Jch sage nichts von der Anmerckung, womit er seine Critick zu verstaͤrcken sucht, daß in der ungebun- denen Schreibart nicht alles erlaubt sey, was in der Poe- sie vergoͤnnet wird, denn die Schrift, darinnen Rubens sich der angetasteten Redensart bedienet hat, ist eben pro- saisch-poetisch, Poesie in Prosa. Endlich, wenn es ihm laͤcherlich vorkoͤmmt, daß Rubens sich durch Hr. Brockes schuͤtzer, den er, wie er sagt, sonst so oft eines uͤbeln Geschmacks beschuldiget hat, so sollte er gedacht haben, daß die aus demselben angefuͤhrten Exempel ihre Kraft nicht von dieses beruͤhmten Mannes Ansehen, son- dern von ihrer Uebereinstimmung zwischen den Bildern, bekommen sollen. Und scheint es ihm laͤcherlich, daß ein Kunstrichter in einem Buche von ve mischtem Witze einige Sachen tadelt, andere verwirfft; haͤlt er vor weiser und billiger, daß in einem Wercke alles entweder verurtheilt, oder erhoben werde? Von der possenhaftigen Schreibart. W Enn die verbluͤmte Schreibart keinen Ge- setzen noch Regeln folget, sondern uͤber die gesetzten Schrancken ausschweiffet, wenn die Aehnlichkeiten, die sie in den Dingen entdecket, allzu entfernt sind; wenn entweder gros- se Dinge mit kleinen, oder kleine mit grossen in Vergleichung gestellt werden; so verartet sie in die possenhaste Schreibart. Von dieser Art sind insgemeine die Ausdruͤcke des Patrioten, so oft er etwas Geistreiches vorbringen will. Jch darf nur hier und dort einige Blaͤter aufschlagen, so werden sich Exempel vollauf hervorthun, diese elende Schreibart nach ihrer Haͤßlichkeit vor Au- gen zu legen. N. 1. faͤllt mir gleich der Titel in die Augen: An alle meine Mitbuͤrger in und ausser Hamburg/ in Staͤdten/ Doͤrffern und Flecken. Jch kan nicht wissen/ ob er seine Blaͤter nur den Hamburgern, sie wohnen jetzt in oder ausser der Stadt, wiedmen will; doch ich lerne aus dem Verfolge, daß seine Anrede an alle Men- schen, die er fuͤr seine Mitbuͤrger haͤlt, gerichtet ist: Nur schade, daß dieselbigen nicht in einer allgemeinen Schrift gedruckt sind; oder daß die wenigsten seiner Mitbuͤrger deutsch verstehen! Aber was diese Zuschrift recht possierlich machet, ist die Proportion, welche er in der Eintheilung des menschlichen Geschlechtes beobachtet hat: An die Hamburger und uͤbrige Menschen. Er kan auf dem Globo sehen, was seine Residentz-Stadt mit dem uͤbrigen Raum der Erdkugel verglichen, fuͤr Von der possenhaften Schreibart. fuͤr eine grosse Figur machet. N. 4. auf der er- sten Seite: Tausend Dinge kommen vor/ wor- durch die Gesundheit/ der Wohlstand/ und das Vermoͤgen Anstoß leidet. Auch diese brau- chen ihrer eigenen Cur/ und ist ihnen oft durch ein blosses auslachen abgeholffen worden. Die Hechel ist mancherley/ wodurch ein solches Flachs rein wird; wiewohl auch die allerge- lindeste ihre Spitzen haben muß. Die Ursa- che, die mich bewogen, diese Stelle unter die possenhaften zu zehlen, ist, weil die Metaphoren zu weit getrieben und die Aehnlichkeiten allzu ent- fernet sind. Es geht noch wohl hin, daß die sa- tyrische Manier die Laster zu bestraffen einer He- chel verglichen wird; so sagt man, etwas durch die Hechel ziehen: Aber entdecke er mir die Aehnlich- keit zwischen dem Flachs und den Lastern; wie werden die Laster rein? N. 9. Es erhob sich so manche nachdruͤckliche Stimme der Herren Pferde-Regenten, daß es schien/ als ob sie die Haͤuser weiter von einander schreyen woll- ten/ um Raum zu gewinnen. Wir hatten Gelegenheit/ uns uͤber die handfeste Beredt- samkeit zu verwundern/ die von den Bier- Karren mit so vieler Veraͤnderung der Schelt- worte durchspicket, in unsre Ohren fielen. Dergleichen Ausdruͤcke wuͤrden trefflich in Hans Wurstens Locos communes dienen. Die Hrn. Pferde-Regenten, ist eine possierliche Ver- gleichung kleiner Dinge mit grossen; was darauf folget, ist so ausschweiffend, daß es auch die Graͤn- zen des Moͤglichen uͤberschreitet, und das es schien reimt sich trefflich damit. N. 24. Jn Ausrich- tung Von der possenhaften Schreibart. tung meines Amts, als Aufseher uͤber die Klei- der-Tracht/ werde ichs machen, wie ein ge- schickter Gaͤrtner/ und alle uͤberfluͤssige Zwei- ge wegschneiden/ die nur den vornehmsten Stuͤcken des Baums ihre Nahrung entziehen. So weit ist das Gleichniß ertraͤglich. Aber es wird laͤcherlich, wenn er es weiter treibet: Zuerst wird mein Garten-Messer sich an die Reif- und Unterroͤcke machen/ welche ꝛc. Hiernaͤchst gedencke ich die grossen geknuͤpften Peruͤcken/ die Haar-Beutel ꝛc. unter mein Messer zu neh- men. Warum verwandelt er seine Feder in ein Garten-Messer, und nicht lieber in eine Scheer, oder ein Beil, oder einen Hirschfaͤnger, welche ihm den Dienst, darzu er das Garten-Messer brauchte, eben sowohl oder besser thun koͤnnten? N. 25. Er stellet mit seinen Gliedmassen eine Schlaf-Muͤtze vor. N. 40. Noch andere mußten es fuͤr die beste Augenweide halten/ wenn man gar nichts sehen kan. N. 39. Er hat einen Lehrer/ ich weiß nicht von wie viel Rechten und Lincken/ mit sich gebracht. N. 64. Sie meinten sie waͤren Flachs und befan- den sich in den Zaͤhnen einer Hechel. Dahin gehoͤren alle poͤbelhafte Spruͤchwoͤrter und Re- densarten, deraleichen folgende sind. Pithago- ras ist kein Narr gewesen; sich zu Boden zanken; die sehr practische Kunst den Leu- ten die Koͤpfe einzuschlagen; dem Lands- Frieden nicht trauen; Saͤtze abwuͤrtzen; eine hagenbuͤchene Politick ꝛc. An dergleichen sind die Blaͤtter des Patrioten sehr reich. Aber auch die Tadlerinnen verfallen zuweilen auf solche niedri- ge Von der possenhaften Schreibart. ge und possierliche Schertze. Bl. 227. Das sechs- te Gebot gantz und gar durchloͤchern. Bl. 228. Seine Neugierigkeit hat ihn an das Schluͤs- sel-Loch angeheftet. Bl. 278. Den Schmal- Hans als Kuͤchen-Meister in Bestallung neh- men. ꝛc. Aber neben diesen einzeln Ausdruͤcken, finden sich gantze Stuͤcke sowohl in dem Patrioten, als in den Tadlerinnen, die in diese Classe gehoͤren: Jch will nur einige zur Probe anfuͤhren: Die zweite N. in dem Patrioten ist mit einem possierli- chen Briefe, und einer eben so possierlichen Ex- tract-Rechnung eines verdorbenen Kauffmanns angefuͤllet: Es hatte der Patriot in dem ersten Stuͤ- ke sich erboten, seine Leser durch seine Lehren auf einen Weg zu fuͤhren/ wobey sie Ansehen/ Reichthum und gute Tage sollten geniessen koͤnnen. Diese Metapher hat das gantze zweite Stuͤcke gebohren, denn er dichtet einen durch die tolle Verschwendung seines Sohnes in den aͤusser- sten Ruin gestuͤrtzten Kauffmann, der mit dieser Metapher also spielen muß: Jch kan demnach sagen/ daß es mir in meinen alten Tagen ei- ne grosse Freude gewesen, wie ich aus dero gedruͤckten Schrift wahrgenommen daß mein Hochgeehrter Herr Patriot uns Hamburger auf einen Weg zu fuͤhren sich erbietet/ wobey wir Ansehen/ Reichthum und gute Tage soll- ten geniessen koͤnnen. Eu. Hochadel. Gestr. Herrlichkeiten kan ich versichern, daß sie nie- mand antreffen werden/ der alles dieses mehr beduͤrftig/ und in dessen Erlangung den Vor- zug vor andern zu fordern/ berechtiget sey/ als Von der possenhaften Schreibart. als eben ich/ der alle diese Vortheile vorhero besessen, derselben aber durch schwere Ungluͤcks- Faͤlle leider ploͤtzlich bin beraubet worden. Jeder gescheide Leser wird erwarten, daß die fol- gende Erzehlung des Kauffmanns von dem Ver- falle seiner Handlung und ihrem dießmahligen elenden Zustande das Mitleiden bey ihm erwecke, aber er wird mit Bestuͤrtzung sehen, daß sie ihn viel- mehr zum Lachen beweget. Jch will nur die Un- terschrift melden: Jch hoffe Eu. Gnaden wer- den mich mit einer troͤstlichen Antwort erfreuen/ dafuͤr ich lebenslang zu verharren gedencke Eu. Hochadelichen Gestrengen Herrlichkeiten/ Deh- und Wehmuths-voller Diener/ Matz Scham- roth/ Senior. Daß dieses meines Hrn. Groß- vaters Unterschrift sey/ und der Brief von mir concipirt und geschrieben worden/ auch alles/ was darinn befindlich, sich wuͤrcklich also verhalte; solches attestire hiermit in fidem requisitus Ego MATTHIAS CHAMMAROTIUS, Jun. Matthiæ ex filio Nepos, J. V. C. \&c. Notari- andus. Und endlich, was will dieser gantze Vor- trag sagen, als, die Verschwendung sey die Ursa- che, daß viele Kauffleute ungluͤcklich werden. Aber auch die folgenden Stuͤcke schickten sich bes- ser in einen lustigen Redner, oder in eine Samm- lung possierlicher Schwaͤncke. N. 9. und 16. wer- den abentheurliche Erzehlungen von einem alberen Baccalaureus, und seinem Buche gemachet; des- sen Titel lautet: Ochippologia exetastico eristica: Das ist: Tiefgeholte Widerlegung der vor- nehmsten Einwuͤrffe wider die so ansehnliche als nuͤtzliche Mode/ mit Kutschen und Pfer- [Crit. Sam̃l. III. St.] C den Von der possenhaften Schreibart. den einen Staat zu machen/ wodurch allen grossen Handels-Staͤdten/ und deren zum Theil gar zu bedachtsamen Einwohnern ein Triumph uͤber alle Ungemaͤchlichkeit angewie- sen; dagegen die Vertheidiger der Haushalte- rischen Klugheit in diesem Stuͤcke eines Singu- larismi, Menagianismi und Patriotismi mit der- ber Gelindigkeit uͤberfuͤhret werden. Alles aus der allergesundesten Vernunft/ und so wohl Juͤdischen/ als Griechischen und Roͤmischen Staats-Gelehrten und Weltweisen hergelei- tet/ auch mit Ein- und Ausfuͤhrung vieler sonderbaren Neben-Dinge ausgestaffiert von Philippo Schmalwitz P. H. Baccal. Es wird dasselbe N. 16. der Laͤnge nach recensirt. Aber ich schaͤme mich, daruͤber weitlaͤuftiger zu seyn: Dergleichen Erfindungen stuͤhnden besser einem Pickel-Hering, als einem Patrioten und ernst- haften Moralisten an. N. 42. enthaͤlt zwey ziemlich weitlaͤuftige Briefe, die mit gleichmaͤssigem abge- schmacktem Zeuge angefuͤllet sind. Der erste ist von Gerh. Liebenthaler, einem angehenden Buch- haͤndler, unter dessen Person sich der Patriot uͤber einiche Betruͤge dieser Professions-Verwandten, und uͤber die allzugrosse Schreibsucht lustig ma- chen will, aber es laͤßt so erbaͤrmlich, daß man es fast nicht errathen kan, daß dieses sein Vor- haben gewesen. Er hat demselben ein Verzeich- niß etlicher Buͤcher beygefuͤgt, von denen gedich- tet wird, daß der gedachte Buchhaͤndler sie in sei- nem Verlage gedruͤckt habe: Zum Ex. La Revol- te des Brassellets, oder rechtmaͤssige Beschwer- den der Arm-Baͤnder wider die schmalen Muffen Von der possenhaften Schreibart. Muffen; worinn das Frauenzimmer kaum die Finger bergen, hingegen selbige uͤber die Hand stossen/ und dadurch den Arm-Baͤn- dern in ihrem Rechte Eintrag thun kan: Aus dem Frantzoͤsischen des Hrn. D * * in drey Tagen uͤbersetzt. Zweiter Druck/ von vielen Fehlern gesaͤubert/ und mit einem poetischen Anhange von der gelehrten Baͤren-Haut ver- mehret. 13. Bogen in 8. Kurtz und gut/ d. i. 23. Lob-Gedichte auf die Contuschen/ worinn allein 23. Façons derselben erzehlet werden. 4. Bogen in 8. Der wohl unterwiesene Beutel- Schneider/ welcher besondere Handgriffe an- zeiget/ einen Haar-Beutel nach der neuesten Mode zu schneiden ꝛc. samt einer Zugabe von der schwartzen Kunst in dem lebendigen Haa- re 9. Bogen in 12. Der zweite Brief ist eben so abgeschmackt, er faͤngt also an: Ein sehr Kunst- reicher Grob-Schmid hiesiges Ortes/ der seit kurtzer Zeit das Perlensticken angefangen/ hat eine neue Art zu punctieren erfunden ꝛc. er hat gluͤcklich herauspunctiert/ daß der Patriot gantz gewiß mit dem letzten Stuͤcke aufhoͤren werde/ welches die Zeit zweifels- ohne bestaͤtigen wird. Aber ich wuͤrde mich sei- ner Thorheit theilhaft machen, wenn ich mehre- re Stellen von dieser Art, dergleichen N. 70. 79. und anderstwo haͤuffig zu finden sind, anfuͤhren wollte. Doch muß ich in Ansehung des N. 70. eingeruͤkten possierlichen Briefs erinnern, daß er sich nicht geschaͤmt, durch folgende Vorrede diese Possen an- zupreisen: Jn dieser Absicht gebe ich den fol- genden Brief oͤffentlich zu lesen/ weil er nicht C 2 allein Von der possenhaften Schreibart. allein belustigen/ sondern auch zu allerhand dienlichen Untersuchungen veranlassen kan. Fuͤr- wahr das muß ein kleiner Geist seyn, der sich mit dergleichen Salbadereyen belustiget; und ich glau- be nicht, daß der Hr. Patriot vorwitzig seyn wer- de, zu wissen, zu was fuͤr Untersuchungen mich dieser Brief veranlasset habe. Zwar hat er mei- stens die Vorsichtigkeit gehabt, die mehresten von diesen Possen fremden Personen anzudichten, aber dieses rechtfertiget ihn bey weitem nicht; wenn er sie nicht fuͤr was schoͤnes angesehen haͤtte, wuͤrde er seine Leser damit verschonet haben. Was die haͤllischen Tadlerinnen anlanget, so muß ich bekennen, daß sie in diesem Stuͤcke uͤber den Patrioten einen grossen Vorzug haben. Sie sind mit dergleichen possierlichen Einfaͤllen sparsa- mer: Jch finde unter denen Blaͤtern, die mir bishero zu Gesicht gekommen, mehr nicht als zwey, die in diese Classe gehoͤren, nemlich das fuͤnfte und daͤs ein und zwanzigste Stuͤck, in jenem wird eine ausschweiffende Gesellschaft unter dem Nahmen Societé des galants hommes beschrieben, die zum Zweck hat, die Einmischung fremder Woͤr- ter in unsre Mutter-Sprache mit ihrem Ansehen gegen die Gesellschaft der deutschen Musen zu ver- theidigen. Das andre Stuͤck enthaͤlt eine solche gemischte Unterredung zwischen Deutschlieb und Mischmasch, die ein wenig zu ausschweiffend ist. APOLO- APOLOGIA DEL EDIPPO DI SOFOCLE CONTRA LE CENSURE DEL SIGNOR DI VOLTAIRE. H O letto con piacere, Onoratissimo mio sigr. N. che sienvi state in grado le Os- servazioni da me fatte sopra il nuovo Edippo; uso peró la Confidenza di mandarvi anche l’apologia di Sofocle, che m’era impegnato d’aggiungere. Vero egli é bensi, che nell’ intendere per vostra Lettera che un tale mio aborto doveva passare sotto gli occhi altrui, aveva quasi perduto il coraggio di trasmettervelo, perche non ardiva prometter- mene quell’ aggradimento, che per aventura era toccato alla mia critica: Ma considerando poscia C 3 che Anm. Da diese Sammlung vornehmlich fuͤr solche Le- ser gewiedmet ist, welche die Poesie und was zu der Er- kenntniß derselben dienet, mit einer gewissen Affectvollen Heftigkeit lieben, so darf ich mich versichern, daß die Jta- liaͤnische Sprache denselben vollkommen bekannt seyn wer- de: Angesehen in dieser Sprache nicht wenig der vortreff- lichsten Meisterstuͤcke verfasset sind, die gantz bequem sind, eine solche Begierde mit Vergnuͤgen zu unterhalten. Jch habe darum kein Bedencken gehabt, gegenwaͤrtiger Schrift, die den Verfasser des Paragone della poesia trag. d’Italia con quella di Francia zum Urheber hat, in ihrer Grundsprache ei- nen Platz unter den deutschen Stuͤcken einzuraͤumen. Man wird mir dieses um so viel lieber zu gut halten, weil sie noch niemals gedruckt worden, und selbst in der Hand- schrift in sehr weniger Leute Haͤnde gekommen ist, vor- nehmlich auch ohne meine Vorsorge niemals im oͤffentlichen Drucke erschienen waͤre. APOLOGIA DI SOFOCLE che tanto avete per me di benevolenza, quanto di giudizio per discernere il valore dell’ opera, ho ripreso animo; perche mi sono assicurato, che o ritrovandola Voi indegna dell’altrui vista non l’esporrete à quel biasimo, che le potrebbe pro- venire; o piacendovi all’ incontro di communi- carla ad altri, essa non sarà cotanto immerite- vole, come io l’averei considerata. Io non voglio essere nel numero di Coloro, che preoccupati dalla riputazione degli antichi autori si persuadono che sien senza difetti, e giun- gono talora a far legge de’loro stessi errori; restan- do quindi sforzati a fare apologie, in cui mostra- no più d’arte che di raggione; come osservo essere avenuto in questi ultimi anni appunto in Francia d’alcuni partiggiani d’Omero, che sono stati tanto ap- passionati difensori d’ogni sua Censura quanto ar- diti gli avversari in condannare più cose degne di lode non che capaci di giustificazione. Che che abbia scritto Mr. Dacier nelle sue Riflessioni sulla poetica in favore delle Tragedie de’ Greci; assai comune é tra Francesi il giudizio poco loro favo- revole, il che credo essere accaduto particolarmente 1. per il mal esito che hanno avuto i primi loro imitatori Jodelle e Ronzard. 2. Per i Costumi che paiono sovente poco dicevoli, non tanto per la diversità loro, quanto per una certa rozzezza di quel secolo, in cui s’aveva minor dilicatezza nella decenza de’ Caratteri, e mancava certa no- biltà de’ sentimenti che i tempi posteriori hanno acquistato. 3. Per alcuni difetti eziandio, che io non negarei appartenere all’arte delle mede- sime Tragedie più ch’al Tempo in cui furono scritte; come averò occasione di mostrare in alcune mie CONTRA M. DI VOLTAIRE. mie osservazioni sopra la Tragica poesia- Ma Mr. Voltaire parmi che siasi oltre modo avanzato mor- dendo e lacerando in più luoghi fuori d’ogni rag- gione quel Edippo che per tanto tempo é stato il modello della perfetta Tragedia. Non potendo io peró di buon animo vedere tanto ingiustamente inalzarsi la Critica contra i padri si benemeriti delle buone arti come é Sofocle; ho voluto esa- minare ad una ad una le censure del Critico Fran- cese per farvi quindi scorgere quanto sieno elleno mal fondate e quanto per conseguenza inconvene- voli al merito di cosi celebrato autore. Dovereb- be à dir vero esser egli abbastanza difeso da se stesso per quel lungo possesso di Gloria, che sin ad ora ha goduto presso tutti piú dotti: Ma poscia- che siamo in un secolo in cui si contende agli an- tichi autori tutto ció, che non appare legittimato con i fondamenti della Raggione; e si pretende che gli applausi resi loro dalle passate età abbiano fomentato mille pregiudizii ne’ loro ammiratori; traendo questi ad una adorazione superstiziosa; non sara forse inutile questa mia impresa; ed an- corche non giovasse ad altro, metterà maggior- mente in chiaro gli artifizii del Edippo calunniato, siccome pomice tergendo dalle machie i metalli fa meglio risplendere la loro finezza. Incomincia questa Tragedia da un atto di pater- no amore che usa Edippo verso i suoi sudditi, i quali essendo per l’estrema loro desolazione, cag- gionata dalla gravissima pestilenza, ragunati di buon mattino appresso le soglie della Reggia per implorare quasi con solenne ambasciata il soccorso del loro Sovrano, ivi sedeansi attendendo ora più propria d’incommodarlo. Esce egli dunque C 4 scor- APOLOGIA DI SOFOCLE scordatosi non pure della sua dignitá: ma dell’a- more della propria salute come privato, e per far comprendere à que’ Citadini una azione si pietosa, dice Ἀυτὸς ὧδἐληλυθα Ὁ πᾶσι κλεινός ὀιδὶπους καλούμενος. Ecco che vengo io stesso Cui tutti voi chiamate inclito Edippo. Il che vale come se dicesse. „Io che sono quel „Edippo tanto da voi stimato, e venerato, de- „posta ogni mia dignità vengo ad ascoltare le „vostre suppliche per recarvi quèl soccorso, che „posso.„ Ora veggasi quanto sia inetta la pri- ma taccia imposta a Sofocle dall’autor della Critica. Condanna egli in primo luogho il poeta perche siasi servito d’una troppo rozza maniera di far co- noscere i suoi personaggi, introducendo Edippo a dire, je suis Edipe si vanté par tout le monde E. per caricarlo maggiormente soggiunge; che ció vale quanto insegnare il suo nome, cioé dire je m’apelle Oedipe. Per il Testo da me sopra allegato appare, che Mr. de Voltaire ho preso motivo di qui credere difetto d’arte dalla Traduzione francese, che assai s’allontana dal senso dell’ originale Gre- co; perocche la dove secondo quello suona male il discorso d’Edippo; giusta questa spicca la di lui pietà, ed estimazione; delle quali cose l’una e l’altra giova mirabilmerte per disporre li uditori ad una maggiore compassione delle sue disgrazie. Jo non mi stendero dunque maggiormente in ripro- vare una censura si mal fondata. Ma non posso qui trapassare sotto silenzio la debolezza della difesa, che CONTRA M. DI VOLTAIRE. che Mr. Dacier reca in favore di questo Testo da lui malamente interpetrato; che a dir vero io mi sono stupito assai, che non ostante la sua celebre letteratura, e lo studio particolare ch’egli ha fatto sopra Sofocle, sia caduto nell’ errore di credere, che questi faccia dire ad Edippo; je suis si vanté par tout le monde, per dimostrarlo di natura orgo- glioso. S’egli venisse in scena a cosi parlare senza un giusto motivo, offenderebbe troppo con tale indecenza. Primamente le parole ὁ πασι καλουμε- νος significano che dalla cittadinanza circostante veniva esaltato il suo nome; come osserva anche un anticho autore di greci scolii, che dice πιϑανος δε το ὀνομα του προλογιζοντος ἐδηλοσεν; e come ap- pare anche meglio da seguenti versi della risposta del sacerdote. Θεοῖσι μεν νυν οὐκ ἰσουμενόνσ ἐγὼ οὐδ᾽ὁι πᾶιδες ἑζομεσθ᾽ἐφέςιοι, ἀνδρῶν δὲ πρῶτον ἔντε συμφοραῖς βίου κρίνοντες. L’esposizione de’ quali versi non é per mio giudi- zio se non questa: Noi stiam qui tutti assisi appoi tuoi Lari Asserendo che sei Se non eguale a Dei Almen tra tutti gl’uomini il migliore Per liberarci dagli umani mali. Quindi è ch’egli non viene in scena a gloriarsi fuori di proposito: Ma piglia occasione dagli ap- plausi fattigli di mostrare l’umanitá sua, come ho gia sopra accennato. Ma dato ancora, che senza le dette raggioni Edippo prendesse a dire i C 5 suoi APOLOGIA DI SOFOCLE suoi vanti, a me sembra in vero, che avereb- bessi potuto addurre una migliore difesa. Ed ecco, se qui v’aggrada, ch’io mi stenda alquan- to, ciò che io averei piú tosto detto in tal caso. Egli é certo, che in molte occasioni non solo si può scusare il lodare se stesso: ma merita ap- probazione. Plutarco nel trattato della lode di se medesimo, dopo aver dimostrato potersi sovente ciò fare senza riprenzione in sei occasioni; cioè: Se s’ha a liberare di qualche calunnia; se prouasi assai avversa fortuna; se trovansi degli ingrati; se l’opere ben fatte si veggono biasimate; se alcuno lodasse di cose frivole un uomo pregievole per azioni grandi; se si mischia la lode con i difetti; passa indi ad annoverare tre cagioni, per cui le proprie lodi sono talor convenevoli, e nicessarie. Cioè: Quando con eßi puossi eccitare altri ad im- prese onorevoli; come fece Nestore nel II. dell’ Ili- ade rammentando a Patroclo le sue glorie e Raimon- do a sua imitazione nell’VIII. della Gierusalemme del nostro Tasso. 2. Quando si tratta di reprimere alcun feroce. Cosi vantasi Achille essendo per combattere con Enea nel XXI. dell’ Iliade, e cosi pure nell’ Eneide Liguri contro Enea, Enea contro Turno. 3. Quando s’animano i Cittadini, o gli amici abbatuti da disgrazie, o da timore, sicco- me fece Ulisse nell XII. dell’ Odissea, accennando a’ Compagni suoi la prudenza e destrezza, con cui gli aveva già liberati dal pericolo del Ciclope. A che io tre altre occasioni aggiungerei in cui conviene assai la lode propria; e sono, qualor si vede non aversi riguardo a proprii meriti; peró disse con frutto i suoi vanti quell’ Orazio, che rimasto solo de tre fratelli liberatore della patria, fu tosto dopo il CONTRA M. DI VOLTAIRE. il trionfo condannato a morire, per avere ingiu- stamente trafitta la moglie di un Curiazio. 2. Qua- lor il lodarsi giova a captivarsi la benevolenza, il che avvenne a M. Valerio Corvino dittatore, quan- do a’ Soldati congiurati contro la Patria cosi parló, come leggesi in Tito Livio Lib. 7. Ego sum M. Valerius Corvinus, Milites, cujus vos nobilitatem be- neficiis erga vos, non injuriis sensistis ‒ ‒ ac si cui gens, si cui sua virtus, si cui etiam majestas, si cui honores subdere spiritus potuerunt, iis eram natus, id speci- men mei dederam, ea ætate consulatum adeptus, ut potuerim tres \& viginti annos natus Consul patribus quoque ferox esse, non solum plebi. Finalmente qua- lor la lode datasi promove cose utili, o buone ritraendo dalle inutili, o ree, di che puó servire per esempio ció che disse Q. Fabio Massimo pure presso Tito Livio D. 3. L. 8. persuadendo i padri a sospendere la spedizione dell’ Africa. Cunctatio- nem meam metum pigritiamque homines adolescentes apel- lent, dum me non pœniteat adhuc aliorum speciosiora primo aspectu consilia semper visa, mea usu meliora. Ora venendo al caso nostro dico io, chi non vede che averebbe Edippo molta raggione di ram- memorare le sue glorie, nell’udire le querele de suoi sudditi afflitti; mentre giova a sollevarli, ed em- pierli di speranza la memoria della sua sperimen- tata Virtú, per cui già furono liberati da altre dis- grazie per l’addietro sofferte? La jattanza in simili casi é non gia un’ostentazione di chi cerca plauso: Ma un offrire il proprio potere in pegno di con- fidenza. In fatto qual animo non averebbono dovuto acquistare quelle genti, vedendosi in tal guisa fidanzare da colui che stimavano non solo qual Ré; ma qual Sapiente; come spiegansi ne’- greci APOLOGIA DI SOFOCLE greci scolii quelle parole ἀνδρων δε πρωτον sopra citate. La seconda censura si fonda sopra la risposta del sacerdote. Dicesi che la descrizione, che questo fa delle persone ivi presenti, che dovevano es- sere dal Ré conosciute, e della pestilenza, di cui egli doveva avere tutta la notizia, é poco naturale, e peró un mezzo poco artifizioso d’in- struire gli uditori del soggetto della Tragedia. Ma il fine, per cui eransi congregate tutte quel- le persone, era di movere la Compassione del Ré loro; perche avendone questi concetto d’uo- mo quasi divino, pareva loro, che per essere li- berati dalle calamitá, non mancasse che la sua accurata sollecitudine: Quindi ne siegue, che il sa- cerdote, chi pare essere il loro Oratore dovesse servirsi di tutti quei mezzi, che potevano essere efficaci per la loro commozione. Or vediamo quali sieno essi, e come se ne sia egli servito nella sua perorazione, per poscia conoscere se questa meriti la taccia d’inverisimile. Io qui non voglio entrare in altro raggionamento, dimostrando che per muovere la nostra Volontá sieno il più idoneo mezzo le impressioni della nostra imaginativa, per- che avendo questa, come materiale, una particolar comunione colle nostre passioni, il di cui moto age- volmente trae seco la nostra Elezione; queste tanto più s’eccitano facilmente, quanto é più quella agitata. Basta per comprendere ció la quotidiana esperienza. Da questa prese motivo Cartesio di racchiudere sotto nome di passioni le di lei impres- sioni confondendole col timore, colla compas- sione ed altre simili commozioni dell’ anima. Da ció derivasi, che tutte le cose opportune per im- primere CONTRA M. DI VOLTAIRE. primere maggiormente nella fantasia nostra oggetti eccitatori d’alcun affetto, sieno altresi più vale- voli à persuadere. Or chi non sá che le cose an- corche note non producono giammai si notabile effetto, come allorche se ne ravviva l’impressione. Questo accade in due maniere. Una é quando si richiama la memorla delle specie dal tempo miti- gate, a che s’aspetta il caso d’Enea, allorche do- vendo raccontare l’eccidio di Troja a Didone, disse: Che alla minuta rimembranza di tale storia averebbono pianto i Mirmidoni ed i Dolopi stessi. Il medesimo puó dirsi del Commovi- mento, ch’egli sentissi nel Tempio di Cartagine, vedendo rappresentati i combattimenti dello Asse- dio di Troja, a cui non poté frenare le lagtime. L’altra é quando si considerano con particolarità molti oggetti, i quali tuttoche presenti, se con- fusamente da noi fossero appresi, restarebbero privi della loro efficaccia, come molti aghi congiunti assieme perdono la virtú del loro acume. Quinci pre- se Argomento M. Valerio di sedare i soldati armati contro la Patria, facendo loro considerare men- tre già erano a vista di Roma, che quello non era già il paese de’ Volsci, o de’ Sanniti, ma il Romano; che i colli che avevano sotto gli occhi erano quelli della patria; ch’egli era il suo Con- sole, e loro concittadini quelli, con cui avereb- bon dovuto combattere. A questa appartiene anche il presente caso, nel quale il sacerdote con artifizio Oratorio proccura di rendere più com- passionevole ad Edippo la disgrazia de’ circostanti ivi rifugiati, con indicargli singolarmente chi fossero tutti coloro, che stavano implorando il suo soccorso, e di renderla più terribile con il specifi- APOLOGIA DI SOFOCLE specificare l’universale desolazione. Io concordo in dire, che non convenga alla narrazione istori- ca la particolare esposizione delle cose notorie, ma non posso approvare lo stesso della narrazione Ora- toria, quale deve riputarsi questa. Il fine della prima é solo la notizia delle cose; onde note che queste sieno essa si rende superflua; il fine della seconda è la persuasione; peró si rende tanto più perfetta, quanto abonda più di Circostanze, che conducono al suo fine. Sarei troppo lungo, s’io qui volessi addurre altri esempii di quelli infiniti, che si trovano ne’ poeti e negli Oratori, ne’ quali con Artificio descrivonsi le cose più manifeste. Ben si scorge per le cose fin ora dette, quanto ingiusta sia anche in questa parte la Critica di Mr. de Voltaire, biasimando egli una perorazione si raggionevole, e che merita anzi che biasimo mol- ta lode; perocche con tale occasione rendesi più patetica l’introduzione della Tragedia, ed é più propria che la sua per interessare la Curiositá degli spettatori. Per altro è troppo chiaro, quanto sia inetto il dire, che l’accennamento delle persone ivi affollate sia una invenzione da Sofocle prattica- ta per notificare agli uditori il soggetto Tragico; perche qual bisogno aveva egli d’avvertire di ció? é egli cosa nicessaria per il comprendimento della favola l’annoverare tali persone? Si deve notare altresi, che la traduzione di cui s’é servito non é neppur qui totalmente espressiva del Testo Greco, ἐγω μεν φηνος, dovendosi intendere, che doppo che il sacerdote ha nominati i suoi compagni dica come di cosa nota, di cui sono il diale. La censura che siegue riguarda l’ignoranza d’E- dippo circa la morte di Laio. Questa CONTRA M. DI VOLTAIRE. Questa taccia é la piu giusta, che si possa dare al Edippo di Sofocle: Ma non é nuova; son gia più secoli, che scrittori autorevoli hanno di- sapprovato l’inverisimile di questa ignoranza. Pure acciocche facciate giudizio proporzionato alla qua- lità del errore, diró ció che si puó recare per la sua scusa. Aristotile che é stato il primo, che ci ha lasciato memoria di tale censura, scusa questa ignoranza nel tempo stesso, che l’accusa, poscia- che avendo nella poetica detto, che non si devo- no costituire le favole di parti irraggionevoli- soggiunse: ἐι δε μη ἐξω του μυθευματος, ὡσπερ ὀι- διπους το μη ἐιδεναι πως ὁ λαιος ἀπεϑανεν. Cioé: Se pure si facesse altrimenti, sia l’irraggionevole fuori del Tessimento della favola; siccome é nell’ Edippo il non aver saputo in qual guisa Laio fosse morto. Il che parmi giustamente da lui detto, perche l’u- ditore occupato dalle imagini costumate de’ suc- cessi presenti, non riflette tanto agevolmente al difetto de’ passati. Siccome dunque nella Pittu- ra si rimedia sovente a qualche proporzione delle figure con nasconderne parte nel buio, cosi si lascia fuori della presente favola la sconvenevoleza del non aver udito in tempo proprio le circostanze d’un passato avvenimento, senza offendere almeno assai sensibilmente l’uditore. Aggiungesi a questo il giovamento della favola che quinci nasce, il quale appartiene principalmente all’arte del poeta, ed é degno di tanta considerazione, che sovente s’é creduto più tolerabile l’irraggionevolezza d’una azione, che la mancanza di questo; per la quale restano fredde le invenzioni ancorche verisimili. Peró vedesi essersi disapprovata la trasformazione delle navi d’Enea in ninfe; tuttoche sia credi- bile APOLOGIA DI SOFOCLE bile che Cibele la volesse, per onorare quelli al- beri, ch’erano stati su’l monte Ida allei consacra- ri; mentre ció non giova nulla alla costituzione della favola. All’incontro s’approva la caccia data ad Ettore da Achille presso Omero, ed il favore prestato da Menelao a Tindaro piùtosto, ch’al nipote Oreste, appresso Euripide; perche sebbe- ne ambedue queste azioni vengono riputate al- quanto irragionevoli, giovano di molto al ma- raviglioso Commovimento. Quindi si passa a censurare la fama sparsa da colui, ch’erasi salvato con la fuga; cioè: Che Laio fosse stato occiso da ladri, parendo impos- sibile che il testimonio della morte di quel Ré volesse asserire, che molti l’havevano occiso, quando era stato un solo. Non avvi nulla di più verisimile, che il dire, che un servo atto a pascer pecore più tosto, che a trattar armi, [come appare di ció, che dice egli medesimo dappoi,] il quale intimorito dalla improvisa uccisione del suo signore e d’altri com- pagni, aveva pensato più alla fuga, che ad altro, riferisse male il seguito. L’ardire straordinario d’E- dippo poteva fargli apprendere per inimici che lo spallegiassero altri passageri innocenti, e poteva egli medesimo essersi servito di tale pretesto, per coprire la sua viltá; mentre era per altro mol- to agevole a credersi allora una sorpresa di Ladri, perche in que’ tempi, come s’ha nella vita di Te- seo di Plutarco, la Grecia era infestata talmente da Masnadieri ch’ Ercole stesso non poté liberar- nela affatto. Onde é probabile che si fossero per l’addietro ritrovati in que’contorni, ove secondo l’antica Geografia erano i confini della Beozia e della CONTRA M. DI VOLTAIRE. della Focide frequentatissima per l’oracolo di Del- fo. Ma perche nella Critica dell’ Edippo di Pier Cornelio dice Mr. de Voltaire, che l’azione d’E- dippo e gigantescha; perche si fanno da lui uc- cidere sette persone, giudico che non mi con- venga ommettere qui la risposta di questa ripren- zione; e prima d’ogni cosa piacemi di citare i versi stessi del poeta. Πεντ᾽ ἠσαν ὁι ξυμπαντες ἐν δ᾽ ἀυτο῀ισιν ἠν Κηρυξ, ἀπηνη δ᾽ ηγε λαιον μια. Cinque soli erano dunque in tutto, ne’ quali se s’eccettua chi doveva essere inabile all’armi, non debbesi considerare colui, che vien chia- mato κηρυξ, che qui significa colui, che noi chia- miamo il cavalcante, perche come racco- gliesi da varii antichi autori, e particolarmente da Omero, ἀπηνη era una specie di carro, a cui qualor attaccavasi più di due muli, o ca- valli, montava alcuno sopra uno degli anteriori, e chi stava nel Cocchio reggeva quelli del Timone; come appunto pare esser seguito nella congiontu- ra presente, dicendo Edippo a Giocasta, ch’e- gli fu spinto a forza giu della strada dal rettor de’ Cavalli, che precedeva, indi dal vecchio Re percosso colla sferza, che anch’ esso aveva. E tanto meno si deve far conto di costui, quanto che fu ferito all’ improviso dall’ impetuoso garzone. Nulla più si puote avere in considerazione Laio, che olt r e l’avere le mani impacciate, e l’essere pure sorpreso da colpo non aspettato, era inabile per la Vecchiaia a resistere al furore giovanile d’E- dippo. Degli altri tre il pastore sopra vissuto e Crit. Sam̃l. III. St. D cre- APOLOGIA DI SOFOCLE credibile che tosto si volgesse in fuga; onde due soli rimangono quelli, che potevano contra- stargli. Or qual meraviglia è, che un giovane ardente e feroce, quale ci vien qui rappresentato Edippo, potessegli vincere, e trucidare? Dirò solo che non v’ha soldato in Omero, ed in Vir- gilio, che non faccia maggiori prodezze senza pa- ragone; per non parlare di quel valore assai particolare, che i riprensori del primo hanno ri- conosciuto in Achille, allorche col suo braccio fa stragge di molti illustri Trojani. Per altro con- cesso, che fosse una tale Azione assai rara e poco propria per una verisimile invenzione, niun pre- giudizio ne risultarebbe a questa Tragedia per esser ella un punto d’istoria, (come si legge in Diodo- ro Siculo) il quale a tempi di Sofocle doveva essere assai famoso; onde egli averebbe anzi mal fatto ad alterarlo, dovendo il poeta seguitare la fama, la quale, come bene osserva il Castelvetro, è in luogho di possibilità, e di credibilità, di che ci sono essempi i voli di Dedalo, e di Pegaso. Che se a Sofocle fosse appartenuto il fingerla, qual difficoltá poteva egli avere d’aggiungere ad Edippo alcun Compagno? La Critica che succede non è manco degna d’am- mirazione. Dicesi che Edippo confessa aver udi- to che Laio e stato ucciso da Viandanti, e che però contradicesi una fama all’ altra; da che ne nasce una oscurità maggiore, che non era quella degli Enimmi della Sfinge. Quando anche fosse vero, che qui si trovi con- tradizione, non veggo quale inconvenienza potes- se nascere dalla diversità della fama, la quale ap- punto suole essere varia ed incerta, e mesce ordi- naria- CONTRA M. DI VOLTAIRE. nariamente il vero con il falso; siccome la dipin- ge Silio Italico nel Lib. 6. ove dice. Vera ac ficta simul spargebat fama per urbem. Pero nella invocazione delle Muse disse Omero. Ημεις δε κλεος ὁιον ἀκουομεν οὐδε τι ἰδμεν. Cioé: Noi che la Fama sola udito abbiamo Nulla bene sappiamo. Ma prendee errore Mr. de Voltaire ingannato for- ze dalla Traduzione di Mr. Dacier in credere che qui siaci opposizione. La Voce ὁδοιπορος non significa qui propriamente Viandante, ma è sino- nimo, o un attributo degli assassini di sopra men- tovati, che vale Vagabondo, e chi batte le strade. Ciò si prova con quelle parole che Gio- casta dice in una Scena posteriore, parlando de- gli stessi, ξενοι ληςαι φονευουσι, cioé Ladri pellegrini. Si vede dunque per tutto ch’ogni discorso conco r- da, ma quello che merita altresì particolare os- servazione, è, che la circostanza de’ pellegrini è posta con artifizio per rendere più verisimile la poca cura avutasi al Tempo della Morte di Laio. Il che ho voluto dire, acció veggiate, quanto ciò sia lontano dalla Sconvenevolezza. Si biasima ancora ch’ Edippo cerchi come ab- biano potuto i Ladri ammazarlo, se Laio non aveva seco Dinari. Due raggioni si ponno rendere di questo discor- so d’Edippo; una é che senza la Certezza d’un grosso bottino, non sembrava probabile, che D 2 da APOLOGIA DI SOFOCLE da masnadieri si tentasse un’ impresa si atroce; l’altra che non avendo egli gran cosa à prerdere, non pareva credibile che gli avesse irritati ad ucci- derlo. Quale sconcio é dunque in questa risposta, se ritrovando Egli dificoltá per credere si strano avvenimento della morte di Laio, cerca per ap- pagarsi più minute circostanze di tal fatto? S’oppone inoltre al Poeta, ch’ Edippo dopo aver inteso che vive ancora il pastore, che scam- pò, non pensi a farlo cercare ma si perda in fare imprecazioni, ed in consultare Oracoli. A ques- to facilmente rispondesi, che allor ch’esso si trat- tiene in fare imprecazioni non ha notizia alcuna di lui; egli non sa, se non per voce di Creon- te, che uno si salvó con la fuga; ma che costui viva, \& dove sia il Poeta glielo fa scoprire con arte solamente nell’ atto 3. mentre parla con Gio- casta, laquale gli palesa d’avergli permesso, che si ritirasse in Campagna, a pascere le Greggie, il che a pena viene da lui scoperto, dice egli tosto ció, che suppone il Critico, che dovesse dire, cioé, che lo facesse tosto venire. Io non so dunque come si possa se non per gran confusione di mente riprendere Sofocle, il quale ha fatto ap- punto ciò, che stimasi, che convenisse. Io giu- dico questo uno sbaglio di memoria, per cui Mr. de Voltaire abbia creduto esser palesato da Cre- onte ció, che solo Giocasta manifesta, da che non- dimeno si comprende, ch’egli non ha conosciu- to l’arte del poeta. Dicesi poi ch’era dificile spiegarsi meno oscu- ramente, che Tiresia, allor’che terminando i suoi vaticinii scopre ad Edippo, ch’Egli é l’uc- cisore del padre, marito della madre, e tutto il restante, CONTRA M. DI VOLTAIRE. restante, e che però pecchi Sofocle non conservan- do il Costume degli Oracoli, siccome pure in termi- nare la riccognozione della Tragedia nel principio del secondo atto, giacche la risposta di Tiresia s’uni- forma in tutto ai pronostici d’Apollo ed alla di- chiarazione gia fattagli da colui, che nell’ altera- zione dell’ Ebriachezza l’aveva rimproverato per figlivolo supposto. Si puo col fondamento di molte storie prova- re, che non sempre gli Oracoli, e gli indovini rispondevano oscuramente. Calcante presso O- mero non parla certamente men chiaro scoprendo la cagione della peste, che infestava i Greci; nè punto astrusa secondo cio, che narra Diodoro Siculo, nel Lib. 4. fu la risposta ch’ebbe Laome- donte Ré di Troja da Apollo delfico allor ch’es- so ricorsogli per la Balena, che divorava tutti gli abitanti, e per la pestilenza che tutti i frutti cor- rompeva intese, che la cagione di tanto male era Nettuno, ilquale si sarebbe mitigato, con il sagrifizio d’un fanciullo Trojano a sorte scelto. Lo stesso potrebbesi dire dell’ Oracolo che denun- ziò a Danao il pericolo della morte machinatagli da uno de cinquanta nipoti; come s’ha da Pau- sania e da Apollodoro. Il vaticinio con cui da Giove Ammone fú predetto ad Alessandro il Do- minio di tutto il mondo, come dicono Curzio, e Plutarco, fu parimente apertissimo. Ma so- pra tutti puo servire per Esempio di chiarezza l’Ora- colo dato a Cipselo Figliolo di Dezio di Corinto dalla Pitia in Delfo, e rapportato da Erodoto Lib. V. Ολβιος οὑτος ἀνηρ ὁς ἐμου δομον ἐσχατα βαινει Κυψελος Ηετιδις βασιλευς κλρινοιο Κορινθου Αυτος καὶ καιδες, παιδων δε μεν οὐκ ἐτι παιδες. D 3 Che APOLOGIA DI SOFOCLE Che cosi si potrebbe tradurre: Questo d’Eezio filio, uomo felice Cipselo che qui scese entro i miei Lari Celebrato sara Ré di Corinto: Nel Regno i Figli a lui succederanno, Ed i figli de’ figli exclusi sieno. Ma si distrugge la Censura in altra maniera, ella a dir vero non puote essere più strana; si ripren- de il parlare dell’ Indovino perche non s’assomi- glia all’ oscuritá degli Oracoli, quando l’Ora- colo già gli aveva pronosticato le cose medesime. Vero é che Tiresia aggiunge più cose ommesse da Apollo dicendo ch’egli non è figlivolo di Poli- bo; ma Tebano, e che le maledizioni del padre e della madre l’hanno scacciato dal suo paese; ma tutto questo benche paia detto assai chiaramente, non è però che non sia oscuro in riguardo d’E- dippo, ch’ era persuasissimo d’esser Figlivolo del Ré di Corinto. Che se un Uomo caldo di vino lo aveva gia gran Tempo rimproverato d’esser Fi- glio supposto, esso aveva a fare la dovuta stima di ciancie pronunciate da persona resa irragione- vole dal vino, ne doveva sopra un detto tale stabilire la fede di si mirabili paradossi. Oltre di che pare verisimile, che avesse ad allontanarlo da tale credenza il sospetto concepito, che l’Indo- vino fosse subornato da Creonte. Resta pero di- mostrato ancora, che sin qui non si forma la ri- cognizione pretesa. Ma ciò che sopra modo è degno d’osservazione é che i presaggi dell’ Indo- vino si fanno con tal arte prevedere dal poeta, che ben lontani dall’ impedire il piacere della ri- cognizione, accrescono la bellezza della Tragedia. Se CONTRA M. DI VOLTAIRE. Se lo spettatore non é prima disposto ad attendere che colui che ha fatto ignorantamente cosa orribi- le debbe al fine ricconoscerla, non puo ricevere gran diletto in tal sorta di favole, perciocche l’at- tenzione di vedere quando ed in qual guisa devesi fare il ricconoscimento, ne fa gustare ogni Cir- costanza, massimamente ove questo siegua per vie verisimili insieme e maravigliose. Quindi aviene, che si da luogo a fare spiccare certi tratti che chia- mansi commotivi del Teatro, di cui moltissimi ne sono stati osservati in questa favola dagli Uomi- ni dotti. Sotto tal Titolo si ponno ridurre tutti quelli, ove si vede, ch’Edippo incorre nella sua disaventura per que’ mezzi stessi, onde credeva evitarla; e quegli altri ove dicendo egli alcune cose per un fine diverso coglie fatalmente nel vero della sua disgrazia. L’Abb: Lazzarini, Autore dell’Ulis- se, che fra le moderne Tragedie occupa quel luo- go, che ha sempre avuto l’Edippo di Sofocle fra le antiche, avvedutosi giudiziosamente del bell’ effetto che questi fanno in tal genere di favole, avvene quà e la sparso, come quando Polinio che era stato presso Eurinome in figura di padre do- vendo dallei partire dice parlando d’Ulisse ch’era suo vero padre, ma non conosciuto: Ei da qui’n poi ti sara sposo e padre. Il simile accade quando dicendo Ulisse d’avere schivato il destino, allorch’ appunto s’era compi- to, il Coro casualmente risponde: E molte volte ancor per quelle vie Per cui fugge il destino altri l’incontra. D 4 Nulla APOLOGIA DI SOFOCLE Nulla meno si puo giustificare il disprezzo ch’Edip- po ha dell’ indovino, il quale si dice essere con- tro il Decoro. Egli é tanto credibile che sembra quasi contro il verisimile, che maggiormente non si risentisse un Re nel vedersi improvisamente rim- proverare di cose, in contrario delle quali doveva essere sì fermamente persuaso, che conveniva, che gli paressero incredibili. Che poteva egli giu- dicare se non, ch’a stimolo di maligni Insidiato- ri, che non sono mancati a più giusti, e più ben veduti Monarchi, costui volesse presso il popolo, che suole essere di sua natura superstizioso, impe- dirgli la venerazione ch’aveva, giacche appunto come poscia Alessandro M. ebbe a dire del suo Augure Demofonte, nullum majus impedimentum, quam Vates superstitione captus. Sapeva, ch’un Re straniero, per acclamato che sia non puo non ave- re degli Emoli, e de’ malevoli, e doveva avere avanti gli occhi l’esempio d’Egeo Ré d’Atene, il quale sì perche non apparteneva alla stirpe degli Eretidi; come perche meditava la suvversione del figlivolo creduto straniero, assalito fu da’ Pelopidi che speravano d’occupare il regno dopo di lui. Ma rendeva ancor più probabile l’intelligenza dell’ indovino con qualche suo Emolo, il considerare che costui, il quale era creduto profeta anche al Tempo della morte di Laio non aveva giammai fatto menzione d’Edippo, ancorche non regnasse. Che se i suoi vaticinii erano uniformi alle predizioni d’Apollo in qualche parte, non poteva esso crede- re che si servisse dell suo profetico spirito per con- fonderlo, e rendere credibili le sue calunnie? Molte posteriori storie c’insegnano quanti inganna- tori siansi ritrovati tra l’indovini antichi. Raccon- ta CONTRA M. DI VOLTAIRE. ta Erodoto nel Lib. 5. che sbanditi gli Alcheme- nidi da Ippia Ré d’Atene, cercavano ogni mezzo per ritornare in patria; ottennero però costoro mentre stettero a Delfo dalla Pitia Divinatrice del Tempio, che ogni volta che i Lacedemoni chiedes- sero alcuna risposta, dicesse loro, che dovessero liberare Atene dalla Tirannia; onde avenne ch’essi mandarono Anchiolio, a cacciare Ippia da Atene, benche fossero collegati con esso lui. Il medesi- mo narra nel Lib. 6. che mal contento Cleome- ne Ré di Sparta di Demareto suo Collega nel re- gno, s’ingegnò di far credere agli Spartani, ch’e- gli non fosse figlivolo d’Aristone, a cui era succe- duto; per il che parve loro necessario proccurare dall’ Oracolo di Delfo la certezza della sua Origine. Cleomene peró corruppe Colono figlio di Aristo- fante, Uomo molto Autorevole nella Cittá di Delfo, accioche persuadesse a Perilla una delle Vergini vaticinanti a rispondere, che Demareto non era nato da Aristone. Eseguita pero da cos- tei la trama, questi fu deposto dal Trono. Mi riccorda ancora che Xenofonte racconta nella spe- dizione di Ciro, aversi avuto sospetto di se me- desimo, che avesse corrotto Avecione Augure dell’ Esercito accio dicesse che gli Intestini degli Ani- mali sagrificati non erano favorevoli alla partenza, che i soldati bramavano. Ora quello, che più volte é posteriormente accaduto, non doveva es- sere nuovo nè pure al Tempo d’Edippo, e se alcuno poteva aver penetrato le frodi loro, esso s’ha a credere che fosse il più atto, venendoci rap- presentato di si fino Intendimento che solo aveva potuto indagare la nascosta significazione del più celebre Enigma. Aggiungo, ch’egli non s’era fi- D 5 dato APOLOGIA DI SOFOCLE dato dell’ Indovino nel caso stesso del contaggio, benche dovesse essergli noto; per segno mani- festo che di lui non aveva tutta la fede e tutta la venerazione. Sembra ancora a Mr. de Voltaire mal fondato il sospetto d’Edippo contra Creonte, massima- mente poiche l’ha chiamato poc’anzi suo fedele Amico. Per conoscere la perfezione d’alcuna di- pinta Tavola non avvi miglior mezzo, che pareg- giarla con l’originale Idea della natura; in tal gui- sa mi avviso di dover far io per far vedere con quanto retta imitazione abbia Sofocle rappresenta- to il sospetto che cade sopra Creonte. Gia per le cose sopra dette appare quanta rag- gione avesse Edippo di credere Tiresia subornato dalla malignitá di qualche mal contento persecu- tore; ora resta a vedersi chi dovesse tra gli altri essere il più sospetto, il che si può scoprire con più riflessioni, ch’io faccio sopra l’ordinaria qualitá delle azioni Umane, che si sono vedute in simili occasioni: Prima io trovo, che la fede de’ mag- giori Amici è molte volte mancata per l’interesse del comando. Antipatro, che fu scelto da Ales- sandro tra tutti i suoi amici per il più fedele; é preposto al Governo della Grecia, e della Mace- donia, fu poscia il suo Traditore. Massimino alla cui fede fu commessa la direzione di tutto l’E- sercito da Severo Alessandro, tolse al suo Signo- re la vita, e l’imperio. Rufino fu tutore d’Ar- cadio, poi suo fellone e. Stilicone fu per l’amici- zia inalzato alla cognazione d’Onorio, gli tese poscia insidie, per trasportare su’l Capo d’Euche- rio suo figlivolo la Corona, e mill’ altri, che non mi sovvengono, e che sarebbe superfluo rammen- tare CONTRA M. DI VOLTAIRE. tare, si sono serviti dell’ amicizia per maggiormen- te assicurare i loro tradimenti. Molto piu però debbesi stimare mal sicura la Fede di coloro, che con qualche raggione potrebbono aspirare al Domi- nio. Tiberio ch’era altrettanto sagace nel conos- cere i pericoli de’ regnanti quanto crudele nell’ e- vitargli ben ciò previde, però benche fosse adot- tato per figlivolo da Augusto, ed instituito erede dell’ imperio, non soffri che vivesse Agrippa, che poteva avere pretenzione al medesimo; e Taci- to atto più d’ogni altro a penetrare i consiglii, che nascono dalla gloria del regnare, benche la morte d’Agrippa avesse apparenza del tutto con- traria, e per i pubblici rimproveri a lui giá fatti dall’ Imperatore defonto, e per il bando a cui dal medesimo era stato condannato, non lascia di dire essere nondimeno più probabile che la sua morte provenisse da Tiberio per il sospetto che doveva avere di chi poteva essergli Competitore. Veggiamo ora come s’adattino al nostro propo- sito queste cose. Creonte era il più distinto, ed il più potente tra’ Tebani, e l’unico che potesse aspirare ad esser Ré, come in fatti divenne poco appresso, estinta che fu la schiatta d’Edippo. Egli oltre ciò era colui ch’ aveva persuaso il cognato ad affidarsi all’ Indovino, il quale e perche non aveva mai fatto motto alcuno della sua reitá, quando il male era recente, e non doveva aver rispetto alcuno a parlare, perche ancora non re- gnava e per altre cagioni sopra toccate, si doveva credere subornato. Chi sarebbe dunque stato si scemo, che non giudicasse Creonte reo di quelle insidie apparenti? Sopra tale fondamento era agevole di passare al sospetto anche della Morte APOLOGIA DI SOFOCLE Morte di Laio, perche chi si mostra capace d’un misfatto, puo facilmente esserne stato anche d’un altro. In fatti Edippo si trattiene nel solo sos- petto, perche trattando di voler condannare Cre- onte alla morte, mostra di non moversi per questo, ma principalmente per il tradimento con- tro di se machinato, e per la propria sicurezza. Devesi per tanto conchiudere ch’Edippo non po- tevasi far procedere con maggiore naturalezza e che i suoi giudizii sono tanto verisimili, che pai- ono necessarii, e che sono si lontani dalla follia, di cui vengono accusati, che non ponno essere piu saggi e convenienti alla politica di un sagace regnante. S’accusa indi la difesa che si fa Creonte come frivola e poco spettante al soggetto, risponden- do Egli che preferisce la sicurezza dello stato privato a quella d’essere Ré, perche ha la sorte di godere mercé di lui la reale potenza, libero nello stesso tempo da quelle cure, che porta seco il regnare; in vece di scolparsi. Se l’Autore della Critica avesse osservato tutto ció, che doveva, averebbe ritrovato, che ques- to non è che l’esordio della sua risposta, e di vero molto convenevole, perche cerca prima di mitigarlo con mostrare la ricconoscenza del favore che godeva; dimanda poi più oltre tempo, ac- cioche possa far apparire la sua innocenza; dice che un sospetto non é fondamento bastante per condannare, e non potendo far altro conferma la sua integritá co’giuramenti. Come puo dunque meritare le sopradette taccie questa risposta, s’ha detto tutto ciò che dir poteva? L’Altera- CONTRA M. DI VOLTAIRE. L’Alterazione d’Edippo con Creonte, che pur viene riprovata, non ha bisogno di Difesa, pe- rocche già s’é provata la raggionevolezza del tras- porto del Re; nè Creonte dice nulla difenden- dosi, ch’oltrepassi la moderazione, ma perche qui fa’l Critico molto schiamazzo contro il pocode- coro d’un tale contrasto, specialmente per queste parole che cosi tradotte egli reca: Edippo. O Thebe Thebe! Creon. Il m’est permis de crier aussi Thebe, Thebe! stimo opportuno dire alcune cose ancor intorno a questa. E degno primieramente d’osservazione l’errore di molti, che dal costume de’ Ré moderni pigliano la norma del decoro degli antichi. La Grecia a tempi d’Edippo era divisa in gran numero di pic- coli stati, i cui principi non viveavno con quella grandezza, che colla vastità de’ Dominii s’é pos- cia introdotta. Quindi e ch’essi veggonsi spesso in tutte le greche Tragedie famigliarizzarsi con i Cori, e trattenersi con più persone in discorsi, che disdicerebbono a’ regnanti de’ nossri tempi. Ed in vero averebbono peccato contro il costume i poeti di que’ tempi, attribuendo loro una gra- vitá superiore al consueto. Se un Re dunque non fosse ora per degnare della propria presenza una persona creduta rea di lesa Majestà, non per questo si potrebbe dedurne, che non convenisse ad Edippo udir Creonte a scolparsi. Se seguissero tra APOLOGIA DI SOFOCLE tra di loro reciproche ingiurie, la Censura non disconverrebbe, perciocche le regole del costume sono in questo inalterabili, e si debbono in ogni tempo osservare: Ma quale Indegnita é egli, ch’un Innocente si difenda presso un ingannato Ré, che l’incolpa? Che se il sopracitato Verso sembra poco dicevole, aviene questo per la traduzione, che veste il sentimento di Sofocle d’una maniera sconcia e puerile. Il Verso Greco é tale. Καμοι πολεος μετεςι τηςδ᾽ου σοι μονω. Cioé: A me nulla men cale Ch’ a te del comun ben della Cittade. Ove si vede, che Creonte non puo meglio ri- spondere, poiche dalla Esclamazione d’Edippo piglia motivo di scolparsi mostrando il zelo ch’e- gli ha per la patria. Non posso dire quanto mi sembri sciocca e disadatta la Critica di ciò, che non s’intende che per altrui interpretazione, per- ciocche oltre il soggiacer sovente a cattive spiega- zioni, come é questa, i sentimenti anche più fedelmente tradotti perdono talora tutto il loro vigore. Per quanto riguarda la Lingua francese, ciò m’ è occorso d’osservare in alcuni versi d’O- mero, che sono da Longino citati, per Esempii d’uno stile sublime, e che portati in Francese da Madama Dacier con tutta la fedeltà, non hanno pregio considerabile. I versi son questi: Ζευ πατερ ἀλλα συ ρυσαι ὑπ ἠρεος ὑιας Αχαιων Ποιησον δ᾽αιθρην, δος δ᾽οφθαλμοισιν ἰδεϑαι Εν δε φαρι καὶ ὀλεσσον ἐπει νυ τοι ἐυαδεν οὑτως. Cui CONTRA M. DI VOLTAIRE. Cui traduce così Mad. Dacier: Grand Jupiter! dis- sipés cette obscuritè, qui couvre les Grecs, rendés nous la Lumiere, permettes que Nous puissions voir, \& pour- vu que ce soit à la Clartè des Cieux, faites nous perir, puisque c’êst votre volontè. Mr. Despreaux sentendo il difetto della esatta traduzione la quale riusciva troppo verbosa e languente giudicò meglio tras- portarli cosi. Grand Dieu, chasse la nuit, qui nous couvre les yeux, Et combats contre nous à la clarté des cieux. Poi soggiunge in una Annotazione: Il y a dans Ho- mere, aprés ce fais nous perir si tu veux à la Clarté des Cieux: Mais cela auroit eté foible en nôtre Lan- gue \& n’auroit pas si bien mis en jour la remarque de Longin. Da tutto ciò risulta quanto sia vana l’Im- presa di Mr. de Voltaire in criticare ció, che a fondo non intende. L’esempio di Perrault do- verebbe avere persuaso a bastanza ogni Francese della insufficienza della Critica scompagnata dalla cognizione delle Lingue. E benche si dica che la bella traduzione che ha fatto Mad. Dacier d’O- mero abbia aperta una sicura strada agli ignoranti di criticarlo, ella medesima confessa, ch’egli perde assai nella traslazione; oltre che mi riccorda aver letto più d’un Autore, che ha notato degli er- rori nel suo volgarizzamento. Si dice che Sofo- cle ha pure errato nel far che Giocasta sentendo che dal Coro le vengono negate le notizie dallei richieste intorno alla contesa d’Edippo con Creon- te non passi ad altre interrogazioni: Ma resti paga come se sapesse il tutto. Il fatto convince Mr. de Voltaire. Giocasta non perde punto di tempo a dimandare il resto ch’e- APOLOGIA DI SOFOCLE ch’erale nascosto: A pena aveva il Coro finito di parlare, Edippo a lui soggiunge due versi, a cui come era di dovere, ne risponde quello pochi altri; poi tosto Giocasta scongiura per gli Dei Edippo che gli narri la Cagione del suo sde- gno; dicendo: προς ϑεων διδαξον καμ᾽ αναξ ὁτου ποτε μηνην τοσην δεπραγματος στησας ἐχεις. Cioè: Deh dimmi per gl’ Idii quale cagione Ora ti move o Rege a tanto sdegno? Avendo dopo il Coro parlato tosto Edippo non era egli decentissimo, ch’ella differisse si pochi momenti la sua dimanda? Si rinova dappoi la Critica spettante alla ricco- gnizione. Si dice che nella Scena in cui Edippo e Giocasta si fanno vicendevoli scoprimenti dove- vasi conoscere il fine della Tragedia, particolar- mente perche ella sentendo le predizioni d’Apol- lo non poteva non rammentarsi, e non dire che le stesse erano state fatte al suo Figlivolo: Di più per l’insulto gia fatto ad Edippo dall’ ebbro ingiu- riatore, e per le cicatrici ch’egli doveva ancor avere ne’ piedi, come cose tutte, che s’acor- davano a confermare il parricidio. Rispettivamen- te a Giocasta rispondo essere credibile, che s’u- niformassero in tutto l’oracolo del Figlivolo di Laio, e quello d’Edippo, benche non consti ad evidenza, che fossero o totalmente concordi, o egualmente chiari; ma che non veggo in lei ver- una necessità di palesare questa concordia, perche del canto suo ella appare si persuasa della morte del proprio Figlivolo, e per conseguenza della va- nità del vaticinio, che una tale uniformità in ve- ce CONTRA M. DI VOLTAIRE. ce di recarle alcun Timore, la rendeva incredu- la, e dispregiatrice d’ogni pressaggio; Sícche dice: Βροτων οὐδεν, μαντικης εχον τεχνης. Non avvi tra mortali Scienza divinatrice. All’ incontro vedeva ella Edippo tutto agitato da Timori ed Anzietá, sicche s’affligeva, come ivi confessa di cosí rimirarlo. Per qual fine dun- que aveva essa a palesarla, poiche averebbegli so- lamente accresciuti i suoi sospetti, la dove si mo- strava anzi intenta a confortarlo? Certamente So- focle averebbe fallito in trasgredire qui l’osservan- za d’un costume si idoneo. Ma posto ch’ella gli avesse palesato essere l’oracolo del figlivolo di Laio interamente uniforme al suo, che poteva egli perciò conchiudere? Nè l’asserzione d’un Uomo preso dal vino, di cui gia sopra ho notato qual Conto si doveva fare; nè le Cicatrici de’ piedi ch’erano un indicio lontano, perche pote- vano essere per altra cagione, era verisimile, ch’avessero levato ad Edippo la credenza ch’ave- va d’essere Figlivolo di Polibo. Come poteva egli dunque rinunziando alle sensibili notizie, che avevano già fatto in esso una antica impressione, spogliarsi d’ogni prevenzione, e per la sola uni- formitá di questi Oracoli, credere ch’ Esso fosse il Figlivolo di Laio? Le notizie però che qui si vanno scoprendo, se bene s’esaminano sono tali che bastano solamente per isvegliare in Edippo del sospetto. In che debbesi osservare un arti- fizio notabile, perciocche trattandosi d’una peri- pezia si strepitosa, come è quella che siegue poi, [Crit. Sam̃l. III. St.] E la APOLOGIA DI SOFOCLE la Concordia di questi precedenti avisi serve per render ad evidenza credibili le cose, che indi si scoprono dal Ministro di Polibo. Altrimenti chi sulla fede d’un Uomo ignoto sarebbe si credulo di tali stranezze che venisse in risoluzione d’amma- zarsi, come fa Giocasta, o di cavarsi gli occhii, come fa nel fine Edippo? Ma cio che mi rende più strana la presente Censura si è che gli scoprimenti medesimi si fanno nella scena prima dell’ atto 4. nel nuovo Edippo di Mr. di Voltaire con maggiore chiarezza, e l’avvenimento della morte di Lajo si conforma a quello, che rac- conta Edippo essergli accaduto nel medesimo di- stretto, sicche gli resta ivi assai meno luogo di du- bitare, ch’egli ne fosse l’uccisore: pure non ap- pare che in tale scena ciò si creda provato ad evi- denza; perche sopraggiungendo Forba dice Edippo: Mon doute affreux va donc être eclairci: Nè però nell’ esame che prende a farsi si rigorosamente l’Autore s’ascrive questo difetto. S’inoltra il Cri- tico ad affermare, che quando il Pastor di Corin- to scopre ad Edippo che ei non é figlivolo di Polibo, ma che fu da Fanciullo esposto sopra il monte Citerone da persona Tebana, egli con tutto ciò non sospetti ancora di nulla, e che peró la sua Ignoranza é un artificio assai rozzo del poe- ta, che per dare giusta lunghezza alla Tragedia trasporta sino al fine del quarto atto una ricogni- zione si manifesta. Che Edippo non sospetti ancor di nulla é cosa contraria al fatto. Egli ha cominciato a dubitare sino nella sopradetta scena, al sentire le notizie, che gli da- va Giocasta, d’esser l’omicida ricercato; peró dice: Οιον μ᾽ ἀκουσαντ᾽ αρτιος εχρι γυναι Ψυχης πλανεμα κ᾽ ανακινεσις φρενων. Ahi CONTRA M. DI VOLTAIRE. Ahi quale o Donna in ascoltar tai Casi Consormevoli a miei mi si risveglia Tumulto di pensier ch’ agita l’Alma! Circa la sua nascita non ci ha dubbio, ch’egli a- verebbe qualche raggione di concepire gran sospet- to del vero; quando nulla non ne lo ritraesse. Ma gli si oppone l’opinione, che s’aveva che’l figlivolo di Laio fosse gia perito; siccome prima ha mostrato di credere anche Giocasta allorche ha recato la sua Morte per prova della Vanitá degli Oracoli; e le circostanze della narrazione del Ministro di Corinto, che dice aver ricevuto il Bambino da un pastore della Famiglia di Laîo, sono contrarie altresi agli Ordini dati da Laio me- desimo: Però non s’offende lo spettatore di questa Arte del poeta, la quale non tanto giova per dare una giusta lunghezza alla Tragedia, come dice l’autor Francese, quanto per rendere piu sensibile e violenta la peripezia, che poi siegue in un sol punto. Molto meno per tanto si puo dire che qui si faccia una compita riccognizione. Che se Giocasta senza attendere altro s’uccide, ella ha motivi assai maggiori. S’avvede che tutto s’accorda con l’oracolo del suo figlivolo, ed alla qualità del pastore nominato dal Ministro sopradetto, con- nosce che non puote essere, se non quegli à cui esso fu consegnato. Ma non voglio a tale Pro- posito lasciar qui di dirvi, che quando anche fos- sero eguali in ambedue i motivi di disperare, non sarebbe fuori di raggione ch’ella piu tosto s’abbattes- se. Cercasi da Philosophi naturali per quale rag- gione di due persone poste in uno stesso pericolo una pur si lusingha, l’altra dispera. Non v’ha dub- E 2 bio APOLOGIA DI SOFOCLE bio ch’egli proviene dalla diversa Disposizione, ch’abbiamo circa l’ardire ed il timore. Ove il languor de spiriti disponga al timore, a mesura che cresce questa passione, piu si ristringono le vie, per cui essi hanno il lor moto; onde piu facilmente restano sorpresi ed oppressi da quello stupore dal quale nasce l’abbatimento dell’ animo, e lo sgomento, ch’ha talor resa amabile la mor- te. Il contrario avviene ne’ temperamenti atti all’ ardire; perche avendo questo una comune ori- gine con la speranza, colui ch’inclina ad un’ af- fetto, sentesi portato anche all’ altro; peró si leg- ge nel 2. della Rettorica d’Aristotele το τε ἐλπι- ζειν ἀγαϑον τι ταργαλεον ἐςι; avendo egli osser- vata la loro ordinaria corrispondenza, della qua- le rende appieno raggione Cartesio nel trattato delle passioni. Quinci e sovente avvenuto, che s’é preso un affetto per l’altro, come fece Ora- zio, da cui la turba de giganti, che da l’assalto al cielo, viene chiamata fida Juventus. Per tan- to ad Edippo il cui carattere é d’ardito, qualor anche avesse tutti i mottivi di Giocasta conver- rebbe forse il lusingarsi, ed a questa giusta il co- stume timido delle donne l’abbatersi. Una altra taccia qui s’impone a Sofocle perche mostri obliare, che il soggetto della tragedia é la vendetta della morte di Laio, introducendo Edip- po a porre ogni sua cura nel ricercare la propria origine. Se soggetto della favola si chiama il prin- cipale suo scopo, questo certo é la riccognizione d’aver comesso cosa orribile; che s’ella consiste nello scoprimento d’avere ucciso il padre, e spo- sata la madre; come puo dirsi fuori del soggetto, che Edippo cerchi di cui sia figlivolo; cioé la no- tizia CONTRA M. DI VOLTAIRE. tizia di cui dipende tutto il ricconoscimento? Il castigo dell’ uccisore di Laio voluto dagli Iddii é piu tosto occasione, che scopo della favola: Ma quando ancor si consideri solamente per sog- getto della Tragedia l’impresa d’Edippo intento ad eseguire il volere de Numi; in qual guisa piu ar- tifiziosa e piu propria si poteva venirne al fine, tanto piu sorprendente, quanto meno aspettato; che per mezzo d’una ricerca, che pare manco acconcia al proposito? Dall’ altro canto quale inconvenienza é egli ch’ Edippo interroghi il pa- store delle cose spettante alla sua origine; men- tre l’occasione cosi richiedeva, e l’attuale commo- zione del suo cuore a ciò lo portava, senza guari interrompere l’altre sue cure? S’aggiunge che il coro dimostra una ignoranza affettata non meno ch’ Edippo, poiche sebbene é stato presente a tutti gli avvenimenti della trage- dia ed é composto di gente illuminata, esso si trattiene in raggionamenti che riguardano solo la conoscenza, che spera avere de di lui parenti. Intorno a questa ignoranza del coro si potrebbe ri- spondere (oltre che egli rappresenta la moltitudi- ne de Cittadini, la quale suol possedere le noti- zie imperfettamente) ció che sopra ho detto d’E- dippo stesso. Anzi doveva avere difficoltá di per- suadersi le strane di lui sciagure piu che questo in- felice Re; essendo come ci si rappresenta nel de- corso di tutta la tragedia si prevenuto in suo favo- re, che lo credeva un semideo generato da Mer- curio, o da Bacco, o nato di qualche figlivola di Febo. Tutto l’atto 5. é l’oggetto della censura che siegue. Riprovasi questo come superfluo, e se E 3 ne APOLOGIA DI SOFOCLE ne trae una raggione dal poco applauso, ch’ebbe il nuovo Edippo allorche fu rappresentato con una simile aggiunta, la quale fu peró levata dall’auto- re. Un’ altra se ne cava dalle annotazioni di Mr. Dacier nelle quali s’avverte, che la favola non é finita nel quarto atto; dice per tanto il nostro critico, n’est ce pas avouer, qu’elle est finie que d’etre obligé de prouver, qu’elle ne l’est pas? Il fondamento, si puo dir, unico di questa censura é la disapprovazione ch’ebbe la prima vol- ta la Tragedia di Mr. de Voltaire, e da questo egli ha preso motivo di sofisticare sopra l’asserzi- one di Mr. Dacier. Io non posso sapere tutte le cagioni per cui fu disaprovata questa parte che da lui poscia é stata ommessa, non avendo avuto la sor- te di vederla. Una nondimeno io ne deduco dalla lettura delle cose precedenti della stessa sua Tragedia; ed é che la peripezia del nuovo Edip- po si compie in due volte; perche prima si ric- conosce, ch’egli é parricida, poi ch’egli é figli- volo di Giocasta; quindi é che gran parte della passione essendo nella prima catastrophe, la se- conda fa molto minore impressione che nella Tragedia di Sofocle, in cui si fà tutta la ricco- gnizione e tutta la catastrofe in un sol punto; onde tocco lo spettatore da piu recente e da piu grande sorprendimento, attende piu vivamente gli effetti, che son per seguire. Per altro Mr. de Voltaire mostra di poco conoscere la perfe- zione della favola tragica, nel dire che questa nell’ atto quarto sia compita. Non basta dar l’esse- re all’azione, che s’imita. Ma debbesi formare la favola grande bella e perfetta: E sicome un ca- vallo di fresco nato, ancorche abbia le parti es- senziali, CONTRA M. DI VOLTAIRE. senziali, che costituiscono il suo corpo, riceve dalla natura solo dopo il debito crescimento quel- la bellezza e quello Spirito, che ci fa godere nella sua giusta grandezza; cosi l’arte imitatrice della natura, benche colla riccognizione dia qui l’essere alla favola, non dalle se non dappoi quel compimento, onde ella acquista maggior va- ghezza e maggiore energia. In fatti quanto deb- bono accrescere la compassione le circostanze delle dolorose azioni, che poi fanno Edippo e Giocasta? Sofocle ch’aveva dipinto Edippo nel colmo maggiore della felicitá, per cui parreggia- vasi a’ Dei, doveva opporgli un altro termine pa- ri d’infelicitá: Però dopo che gli ha fatto conosce- re esser egli parricida, incestuoso, condannato da se stesso imprudentemente alla perdita del re- gno, ed all’esilio; aggiunge la perdita della ma- dre e della vista che dopo la vita é la piu dolce cosa che abbiamo. L’ultima censura é di que’ Versi del quinto Atto, che Mr. Voltaire rapporta cosi tradotti da Des- preaux. Hymen funeste Hymen tu m’as donné la vie, Mais dans ces mêmes flancs, où je fus renfermé, Tu fais rentrer ce sang, donc tu m’avois formé; Et par là tu produis \& des fils \& des Peres, Des freres, des maris, des femmes, \& des meres, Et tout ce, que du sort la maligne fureur Fit jamais voir au jour \& de honte \& d’horreur. Si riprova l’ammirazione ch’ebbe Longino di que- ste espressioni, e dicesi che bisognava esprimere, che nella medesima persona si trovino le dette qualitá; di piu che l’investigazione si curiosa del- E 4 le APOLOGIA DI SOFOCLE le circostanze del suo delitto, si minuta com- memorazione dit tanti titoli incestuosi, e la com- binazione di tanti orrori, in vece d’aggungere all’azione attrocitá, la diminuiscono. Qui prima é degno d’avvertimeno che la tra- duzione francese ha certa condotta e certe locuzio- ni che pregiudicano al bello e passionato senti- mento di Sofocle: Ma non si puote ad ogni mo- do compatire la franchezza con cui s’accusa si ce- lebrato poeta ed un critico si dotto e giudizioso qual é Longino. Per altro qual bisogno aveva Edippo di spiegarsi piu chiaramente, se parlava di cose a tutti note, come soggetto della sua dis- grazia e motivi delle passate querele? Una es- pressione piu chiara sarebbe da riporsi nel nume- ro di que difetti, che secondo Aristotele fanno il parlar freddo. Ma piu si convince il critico nostro sì perche Edippo parla qui seco medesimo per modo d’esclamazione, lagnandosi del suo perver- so destino; come perche s’esprime meglio il trasporto delle passioni con l’ommissione di qual- che cosa ancor che fosse necessaria. Però Virgilio volendo esprimere meglio il trasporto di Niso nel vedere che si trucidava Eurialo dice, che egli es- clamó quasi impazzito per lo furore Me me adsum qui feci, in me convertite ferrum. Per ció che s’aspetta all’ altra parte della censura dico, che per movere meglio l’altrui compassi- one non v’era mezzo piu ptoprio, che mostrare l’eccesso del proprio dolore giusta quel verso d’O- razio. Si vis me flere, dolendum est Primum ipsi tibi, tunc tua me infortunia lædent. Ne CONTRA M. DI VOLTAIRE. Ne si poteva meglio dimostrare il dolore eccessi- vo, che con l’esprimere il cumulo delle sciagu- re; onde era tormentata in quel punto la sua tan- tasia; ne questo finalmente si poteva in forma piu idonea rappresentare che con l’accoglier molto in poco; perche in tal maniera l’espressione é piu grave piu viva ed una immagine piu retta di ció che si rappresenta. Non so come si possa dire, che le particolaritá delle sue fatali e lagrimevoli disaventure scemino la forza delle sue querele; se quelle appunto sono i mezzi unici per commovere gli Uditori. Cicerone che nel Libro del Oratore dice come Orazio, neque fieri potest ut doleat is qui audit, ‒ ‒ ut ad fletum misericordiamque deduca- tur, nisi omnes illi motus, quos Orator adhibere volet ju- dici, in ipso Oratore impressi esse atque inserti videantur, esequisce poi per tutto questo precetto con l’acce- namento di simili circostanze. Virgilio chi come bene osserva l’abbate Terrason, é stato sino a no- stri tempi il poeta piu atto ad esprimere passioni tristi, solo di quelle medesime si serve. Esempio siane questo della sorella di Didone, laquale si lagna sulla di lei pira cosi. Hoc illud Germana fuit? Me fraude petebas? Hoc rogus iste mihi, hoc ignes, aræque parabant? Quid primum deserta querar? Comitemque sororem Sprevisti moriens? Eadem me ad fata vocasses: Idem ambas ferro dolor, atque eadem hora tulisset! His etiam struxi manibus, patriosque vocavi Voce Deos, sic te posita ut crudelis abessem? Exstinxi te meque soror, populumque patresque Sidonios urbemque tuam. Qual circostanza avvi del dolore di questa mes- china, che non sia espressa in tale lamento? Ed E 5 all’ APOLOGIA DI SOFOCLE. all’ incontro qual commozione recarebbe egli, se terminasse in alcuni generali sospiri? Non po- teva dunque Sofocle meglio adempiere l’ufficio del poeta tragico in rappresentare gli affetti al na- turale, ed in quella maniera che piu sembra ef- ficace per eccitarli in altrui. Però ben ebbe raggione Longino di lodarlo in questa parte come maraviglioso, e merita tanto d’approvazione il suo sentimento, quanto é degno di dispregio, chi lo disapprova. I riflessi fatti intorno a queste espres- sioni di Sofocle bastano per far conoscere i suoi vantaggi sopra quella di Pier Cornellio, la quale il Critico qui paragona, indi Paridis suffragio, co- me suol dirsi, l’antepone. Eccomi al fine delle censure di Mr. de Voltai- re. Se voi le avete prima di me ben considerate, vi farete stupito del applauso, che gli hanno in Francia ottenuto Se non ci avete fatto sopra os- servazione, spero che vene stupirete ora, e giudi- carete meco, che tutta la riputazione di que- sta opera s’é stabilita piu su’l numero che su’l va- lore delle medesime, per le quali si puo dire che l’Autore, giusta l’adagio antico convicii pœnam debet. Onde devesi conchiudere, ch’assai grande é la fallacia de volgari giudizii, appo cui é passato per ingegnosa critica cio che non é stato se non un arte per far pregio maggiore alla nuova Tra- gedia. Abhand- Abhandlung von der Schreibart in Miltons verlohrnen Paradiese. J Ch habe die Begierde noch nicht verloh- ren, meinen Landesleuten das Vortreff- lichschoͤne und Angenehme in Miltons Paradiese zu ihrem Gebrauche zu entdecken und mitzutheilen. Die neue Uebersetzung und vor- nehmlich die Erklaͤrungen von des Poeten Erfin- dungen, Vorstellungen, und der Ausbildung der- selben, sind Zeugen davon. Diese neue Uebersetzung kan auf kuͤnftige Oster- messe aus der Presse kommen. Jch habe mich in derselben beflissen die Tuͤchtigkeit der Kunst- mittel vor Augen zu legen, welche der Poet ge- braucht hat, eine gewisse Wuͤrckung seiner eige- nen Absicht gemaͤß in dem Gemuͤthe hervorzubrin- gen; ich habe gezeiget, daß selbige in der Natur des menschlichen Gemuͤthes und dessen Verhaͤltniß mit den Sachen gegruͤndet sind; daher die Wuͤr- kungen derselben natuͤrlicher Weise und ohne Zwang folgen muͤssen. Jch habe viele besondere Nach- richten und Anmerckungen einfliessen lassen, wel- che dienen, die Faͤhigkeit des Lesers zu erweitern, ihn in die Gedancken, und Vorstellungen des Poeten einzufuͤhren, und die Vorurtheile, wel- che desfalls im Lichte stehen, wegzuraͤumen. Der ausserordentliche Jnhalt mußte nothwendig in ei- nem gemeinen und am Jrdischen klebenden Verstande, der weder genugsam angebauet, noch Von der Schreibart mit Wissenschaften bereichert ist, viele Schwie- rigkeiten sinden. Diese Hindernisse sind durch das Bestreben derer, welche des Poeten Gedan- ken bey ihren kurtzen Einsichten und grossen Eigen- duͤnckel mit verkehrten Auslegungen verstellet ha- ben, noch mehr verstaͤrket worden. Eben dieser schaͤdlichen Bemuͤhung habe ich meine Arbeit ent- gegengesetzet, und das gute Zutrauen, das ich in die Verstandes- und Geistes-Kraͤfte der Deut- schen setze, laͤßt mich nicht zweifeln, daß sie nicht die natuͤrlichen Eindruͤcke von Miltons Vorstellun- gen nach ihrer vollen Macht mit Vergnuͤgen bey sich empfinden, und mit ihrem Beyfall die stoltze Vermessenheit derjenigen zu Schande machen wer- den, welche den Verstand und das Hertz der Na- tion nach ihrer eigenen Bloͤdigkeit und Kaltsinnig- keit schaͤtzen. Mithin ist mir noch ein Vorurtheil wider Miltons Gedichte zu bestreiten uͤbrig geblie- ben, welches man den Leichtglaͤubigen mit aller Macht beyzubringen gearbeitet hat. Solches ist von einigen besondern Eigenschaften hergenommen, die man in Miltons Sprache wahrnimmt. Jch muß mich darum befleissen die wahre Beschaffen- heit der miltonischen Schreibart mit einer sorgfaͤl- tigen Genauigkeit zu untersuchen. Jn den An- merckungen uͤber des Poeten Erfindungen habe ich nichts davon gesagt, damit ich den Leser nicht allzuweit von den Sachen abfuͤhrete. Jch dachte, daß es sich besser in einer absonderlichen Schrift schickete, wo man es lieber in einem fort lesen wuͤrde. Alles, oder das meiste, was Milton in der Spra- che besonders hat, beruhet darauf, daß er die Ei- genschaf- in Miltons verlohrnen Paradiese. genschaften gantz fremder Sprachen in der Form der Woͤrter und Redensarten in die seinige hin- uͤber getragen. Virgil hatte dieses vorlaͤngst ge- than, und hundert Formen der Rede von den griechischen Scribenten geborget, welche von den Kunstrichtern Hellenismi geheissen werden. Und Horatz hat solche in seinen Oden noch haͤufiger als Virgil angebracht. Und wer hat nicht von den verschiedenen Mundarten reden gehoͤret, welche Homer gebraucht hat? Dadurch beflissen sie sich, die Sprache zu erheben, und ihr eine poetische Gestalt zu geben. Die alten Kunstlehrer hielten so viel darauf, daß Aristoteles eine Regel daraus formiert hat. „Der herrliche Ausdruck, sagt er, „der sich von den gemeinen Redensarten der Leu- „te entfernet, entsteht von dem Gebrauche ent- „lehnter Woͤrter. Jch heisse entlehnte Woͤrter „die Woͤrter fremder Sprachen, die Metapho- „ren, die verlaͤngerten Woͤrter, kurtz, welche „nicht eigentliche Woͤrter sind. ‒ ‒ Soll „der Ausdruck weder poͤbelhaft noch niedrig wer- „den, so muß man seine Zuflucht zu fremden „Woͤrtern nehmen, zu Metaphern, zu Figu- „ren, und dergleichen. Ein gantz sicheres Mit- „tel, die Rede zugleich deutlich und praͤchtig zu „machen, ist dieses, daß man die Worte ver- „laͤngere oder beschneide, oder sonst auf eine „andre Weise veraͤndere; denn was in diesen „Woͤrtern ungewoͤhnliches ist, und was sie von „den eigentlichen und gemeinen Woͤrtern entfer- „net, theilet ihnen eine gewisse Pracht mit; und „was sie von dem gemeinen Gebrauche noch be- „halten, machet sie deutlich.„ Milton Von der Schreibart Milton hat sich aller dieser Mittel ebenfalls be- dienet, jedoch dieses mit gewisser Maasse und Bescheidenheit, in soweit als es ihm seine Spra- che zugelassen hat. Diese hat von Alters her ein grosses Belieben gehabt, die nachdencklichen und nachdruͤcklichen Woͤrter aus fremden Sprachen aufzunehmen und zu gedulden, wie sie denn nichts anders als ein Gemische von verschiedenen Spra- chen ungleichen Stammes ist. Sie hat diese Nei- gung noch zu unsern Zeiten behalten, und einige Scribenten haben derselben in ihren Schriften so uͤbel mißgebraucht, daß sie zuletzt ohne Noth aus- laͤndische Woͤrter in ihre Schreibart gemenget, welches die Sprache auf eine seltsame Weise zer- hudelt haͤtte, wenn nicht verstaͤndige Kunstlehrer diesem ausschweifenden Mischmasch Einhalt ge- than haͤtten. Milton hat sich damit in den gebuͤh- renden Schrancken gehalten, und kein fremdes Wort gebraucht, das nicht seinen gewissen Werth gehabt haͤtte. Also hat er auch mit einigen For- men aus fremden Sprachen gethan, welche er ge- schickt nachgemachet hat; dergleichen sind, daß er das Beywort nach dem Hauptworte gestellt, daß er das Beywort in ein Hauptwort verwan- delt, und, daß er die Woͤrter in einer veraͤnder- ten Ordnung zusammengesetzet hat. Die Meta- phoren hat er allemahl angebracht, so oft sie sei- nen Vorstellungen Zierde, Licht, Glantz, oder Nachdruck mittheilen konnten. Also hat er eine Menge Metaphoren und metaphorischer Reden, die er selbst zu seinen Absichten erfunden hat. Die- ses that er kraft der natuͤrlichen Freyheit, nach wel- in Miltons verlohrnen Paradiese. welcher einem jeden erlaubt ist, neue Vergleichun- gen zu erfinden, oder aͤhnliche Dinge unter gantz neuen emblematischen, jedoch deutlichen und leb- haften Bildern vorzustellen, folglich auch vergoͤnnet ist, solche Vergleichungen in Metaphoren einzu- kleiden. Zu diesen neuen Metaphoren hat er fer- ner eine grosse Anzahl andrer zusammengelesen, welche er in seiner Sprache schon seit uralten Zei- ten so wohl eingefuͤhrt gefunden, daß sie izo von den wenigsten mehr vor Metaphern angesehen werden. Die Englische Sprache ist an dergleichen vor an- dern reich. Aber Milton begnuͤgete sich nicht an denen, welche zu seiner Zeit in dem gemeinen Um- gange gebraucht wurden, sondern zog eine Men- ge solcher, die theils dem Untergange nahe waren, theils schon ins Vergessen gekommen, wieder ans Licht hervor. Er bemaͤchtigte sich solcher in Spen- sers, Fletschers, und Sakspers Schristen, so oft sie ihm dieneten, eine Sache und einen Begriff nach einer absonderlichen Einschraͤnckung vorstellig zu machen. Daneben thaten ihm diese veralterten Woͤrter den Dienst, daß sie seinem Gedichte ei- nen gewissen Schein von Alterthum mittheileten. Auch das lezte Mittel, das Aristoteles in Vorschlag gebracht hat, hat Milton mit Nutzen anzuwenden gewußt. Er hat eine Redensart mit Hinzusezung solcher Woͤrter laͤnger gemacht, welche nach Be- lieben gesetzet oder ausgelassen werden koͤnnen; und er hat absonderliche Woͤrter mittelst Einschiebung oder Hinauswerffung gewisser Sylben ausgedaͤh- net, oder abgestutzet. „Giebt man auf das „Maaß seines Verses acht, sagt Addison, so „wird Von der Schreibart „wird man sehen, daß er in verschiedenen Wor- „ten mit grosser Geschicklichkeit eine Sylbe ver- „druͤckt, und andre mahl zweysylbigte Woͤrter „in eine Sylbe zusammengedrungen, wodurch „er seine Sprache erhoͤhet, und seinem Sylben- „maasse ein verschiedeneres Aussehen mitgetheilet „hat. Dieses hat er insonderheit in den Nah- „men der Personen und der Laͤnder gethan, in- „dem er entweder den Nahmen einigermassen ge- „aͤndert, oder einen gebraucht, der am wenig- „sten bekannt war, damit er die Sprache des „gemeinen Volckes desto besser vermiede.„ Eben derselbe berichtet uns, daß Milton ver- schiedene Woͤrter aus eigener Macht gepraͤget ha- be, und verweiset den Leser, der sich daran aͤr- gerte, auf eine Schrift des Plutarchs, worin- nen gezeiget wird, wie vielmahl Homer sich eben dieser Freyheit bedienet habe. Wenn wir ihm Glauben zustellen, so hat der Poet mittelst aller dieser Huͤlfsmittel, und mittelst der trefflichsten Woͤrter und Redensarten, so ihm die Englische Sprache mittheilete, dieselbe zu einer groͤssern Hoheit erhoben, als jemahls ein Englischer Poet vor oder nach ihm gethan hat, und seine Schreib- art eben so erhaben gemachet, als seine Gedan- ken sind. Die Herren Richardsonen, Vater und Sohn, haben in ihrer Lobschrift des verlohrnen Paradieses mit eben demselben Lobe von Miltons Schreibart geredet. Und der Journaliste, der in der Britan- nischen Bibliotheck im April 1737. I. Artick. einen Auszug davon gemachet, giebt zu verstehen, daß er in Miltons verlohrnen Paradiese. er es ihnen nicht wiedersprechen koͤnne, wiewohl er ziemlich unbestimmte Begriffe davon hat, und zu fuͤrchten scheinet, seine franzoͤsischen Leser wer- den mit den Hrn. Richardsonen nicht eines seyn.„ „Doͤrffen wir, sagt er, auch alles erwaͤhnen, was „Richardson von Miltons Schreibart sagt? Al- „le unsre Leser wissen, was Boileau von Ron- „sard gesagt hat, ihn herunter zu machen, nem- „lich daß seine Muse im Franzoͤsischen Grie- „chisch und Latein geredet habe. Wo sind „nun die Frantzosen, welche bey dem Vorur- „theile, das sie von diesen Worten empfangen, „ohne Erstaunen hoͤren koͤnnten, daß jemand „mit Worten, die eben das sagen, was Boi- „leau gesagt hat, die Schreibart eines heutigen „Poeten loben wollte? Dennoch ist dieses ein „Paradoxum, welches sie verdauen muͤssen, „wenn sie begreiffen wollen, worinnen der wah- „re Werth der miltonischen Schreibart bestehe. „Vielleicht ist die Englische Sprache, die aus „der augenscheinlichen Vermischung vieler and- „ren entstanden ist, schon daran gewoͤhnt, daß „sie sich nach den Eigenschaften auslaͤndischer „Sprachen bequeme. Vielleicht hat sie so viel „von dem Naturelle derer, die sie reden, in sich, „daß ihre Natur nicht so enge eingeschraͤncket ist, „als der frantzoͤsischen Sprache. Vielleicht las- „sen sich alle Sprachen aus dem Vorrathe der „andern bereichern, und der vornehmste Unter- „scheid zwischen Milton und Ronsard besteht da- „rinnen, daß jener desfalls mehr Geschicklichkeit „und mehr Behutsamkeit gebraucht hat, als Ron- [Crit. Sam̃l. III. St.] F „sard. Von der Schreibart „sard. Das ist gewiß, daß die Herren Richard- „sonen unsern Poeten damit loben wollen, und „ihn in der That loben, wenn sie sagen, daß „man in einem gewissen Dinge, das man nicht „recht nennen koͤnne, das seine Schreibart so nach- „druͤcklich und so eigen mache, was fremdes und al- „tes erkenne, welches viel von dem Roͤmischen und „Griechischen an sich habe, aber naturalisirt „Englisches sey. Da Milton viele alte und neue „Sprachen verstuhnd, nahm er aus jeglicher, „was sich vor die Natur der Englischen schickete. „Jndem das Feuer, dessen er voll war, alle „Theile dieser Vermischung durchdrang, sah „man ein neues Gemische daraus entstehen, wel- „ches nach dem Urtheile der Kenner in den Spra- „chen eben das ist, was das Corinthische Ertzt eh- „mahls unter den Metallen war. ‒ ‒ Ueber- „haupt zu reden, hat Miltons Schreibart zu ih- „rem Eigenthume, daß sie reich und uͤberfliessend „ist, ohne Gewasche. Der Ueberfluß ist viel- „mehr in den Begriffen als in den Worten. Sie „ist allemahl nachdruͤcklich, klar und genau. Die „Genauigkeit ist so groß, daß Hr. Richardson „sagt, sie verursache bisweilen etwas, das den „Schein einer Dunckelheit habe, aber doch nicht „dunckel sey, oder wenn es dunckel sey, so sey die „Schuld nicht der Schreibart sondern des acht- „losen und im Denken ungeuͤbten Lesers, und „solcher Leute, welche in Miltons Ausdruͤcken aus „derselben Ursache keinen Verstand finden, als „wir bey hellem Mittage in der Sonnenscheibe „nichts sehen, dieweil ihr eigner Glantz sie vor „uns verbirgt.„ Man in Miltons verlohrnen Paradiese. Man hat von dem Character der franzoͤsischen Sprache angemercket, daß sie von einer sehr zaͤrt- lichen, lekeren und eingeschraͤnckten Beschaffen- heit sey, insbesondere daß sie eine Menge eigen- sinniger und gleichsam geweiheter Redensarten ha- be, welches machete, daß sie deßwegen der Grundschrift, die man aus einer andern Spra- che in dieselbe uͤbersetzen will, nicht lange Fuß fuͤr Fuß nachgehen koͤnne. Einige der geschickte- sten Franzosen selbst haben sich geklaget, daß ih- re Sprache arm, mager, und truken gemachet worden, daß man sie in Fesseln und Bande ge- zwungen habe; und sie bekennen, daß sie keinen Schritt thun doͤrfe als nach den strengesten und alle- zeit gleichfoͤrmigen Regeln der Sprachlehre. Der Herr von Fenelon, Boileaus und andrer, die eine gleiche Klage gefuͤhrt haben, an diesem Orte nicht zu gedencken, hat in seinem Entwurffe einer Poe- tick ihre Strengigkeit sonderlich in Ansehung der Versetzungen der Woͤrter beklaget. „Man hat „sich, sagt er, ohne Noth selber die Folter zu- „erkannt, damit man eine Schrift verfertigen „koͤnnte. Man duͤrfte schier auf die Gedancken „fallen, daß man sich mehr um das, was schwer „ist, als um das, was schoͤn ist, bekuͤmmert „habe. Bey uns hat ein Poete eben so sehr „noͤthig sich in den Gedancken zu schlagen, wie „er die Sylben in Ordnung stellen, als wie er „starcke Empfindungen, lebhafte Schildereyen, „kuͤhne Gedancken erfinden wolle.„ Nach die- sen Worten bringt er etliche Exempel von dem Gebrauche, zu welchem die Alten die Versetzun- F 2 gen Von der Schreibart gen der Woͤrter angewendet, und worinnen die franzoͤsische Sprache zu kurtz koͤmmt; welches ihm Anlaß giebt von Ronsard zu reden: „Ronsard, „sagt er, hatte der Sache auf einmahl zu viel „gethan. Er hatte unsrer Sprache durch allzu „verwegene und dunkele Versetzungen Gewalt „angethan. Er machte eine rohe und ungestalte- „te Sprache daraus. Er brachte allzu viel zu- „sammengesetzte Woͤrter in dieselbe, welche in „dem gemeinen Umgange noch nicht eingefuͤhrt „waren. Er redete franzoͤsisch auf griechisch, „und dieses ohne die Einwilligung der Franzo- „sen. Er hatte meines Beduͤnckens nicht un- „recht, daß er das Eis brechen wollte, unsre „Sprache zu bereichern, und unsre Poesie kuͤh- „ner zu machen. Aber in den Sprachen richtet „man ohne die Beystimmung der Leute, fuͤr „welche man redet oder schreibet, nichts aus. „Man muß niemahls zween Schritte zugleich „thun, man muß stille stehen, sobald man sie- „het, daß die Leute uns nicht nachfolgen. Vor „sich allein stehen, ist allemahl und in allen Din- „gen mit Gefahr begleitet; und in Sachen, „wo es bloß auf den Gebrauch ankoͤmmt, ist „man nicht zu entschuldigen, wenn man allein „bleibet.„ Jn dem Verfolge sagt er, eben die- ses, daß Ronsard der Sache zu viel gethan ha- be, sey die Ursache gewesen, daß die Franzosen auf das Gegentheil gefallen, uud zu furchtsam geworden seyn; dadurch sey nun die franzoͤsische Sprache duͤrftig und schwindsuͤchtig geworden. Wenn zween Menschen sich vornehmen, einer- ley zu thun, so bringen sie doch nicht einerley her- aus. in Miltons verlohrnen Paradiese. aus. Sie greifen die Sache nicht mit gleichem Vermoͤgen, nicht mit gleicher Geschicklichkeit und Behutsamkeit an; sie sind nicht in gleichen Um- staͤnden und dergleichen. Von Milton wissen wir, daß er in seinem Gebrauche der auslaͤndi- schen Mundarten die damahlige Verfassung seiner Sprache nicht aus den Augen gesetzet, sondern auf den Grund derselben gebauet; er hat sie nicht gekruͤmmet, er hat sie nur gelenket. Jn dieser Arbeit ist ihm trefflich zu statten gekommen, daß er sie gantz biegsam gefunden hat, Addison hat von ihr als ein besonderes Gluͤck an- gemerket, daß die Hebraͤischen Mundarten mit einer son- derbaren Anmuth und Schoͤnheit in die Englische Spra- che einschlagen. „Unsere Sprache, sagr er, hat un- „zaͤhlige Zierlichkeiten und Verbesserungen von denen „Hebraͤischen Redensarten empfangen, welche aus den „poetischen Stellen in der Heil. Schrift in dieselbe her- „uͤbergebracht worden. Sie geben unsern Ausdruͤckun- „gen einen kraͤftigen Nachdruck, sie machen unsre Spra- „che warm und lebhaft, und treiben unsre Gedancken in „feurigere und strengere Ausdruͤcke als sonst in unsrer „Sprache angetroffen werden. Wenn jemand urthei- „len will, sagt er ferner, wie sanft sich die Hebraͤischen „Redensarten mit der Englischen Sprache vermischen, „und mit ihr zusammenfliessen, der mag das Buch der „Psalmen lesen, und dann eine buchstaͤbliche Uebersetzung „des Pindarus oder Horazen dagegen halten. Er wird „in den beyden letztern lauter Ungeschicklichkeit und Ver- „wirrung der Schreibart wahrnehmen.„ noch mehr, daß er bey den- jenigen, die sie reden, ein so ungezwungenes, so freyes, und kuͤhnes Naturell wahrgenommen, daß er sich ver- sichern koͤnnen, sie wuͤrden seine Neuerungen nicht nur nicht verwerffen, sondern sie mit dem noͤthi- F 3 gen Von der Schreibart gen Beyfalle aufnehmen; zumahl, da der wun- derbare Jnhalt seiner Gedichte eine ungewoͤhnliche Schreibart erfoderte. Ronsard hat hingegen nicht nur dem Naturell der franzoͤsischen Sprache, wie sie zu seiner Zeit beschaffen war, zu viel Zwang angethan, wie wir von Fenelon berichtet werden, sondern er hat auch die Gemuͤthesart seiner Lan- desleute, fuͤr die er geschrieben, nicht genug ein- gesehen, und nicht betrachtet, daß es allzuschwer ist, sie von ihren gewohnten Manieren abzubrin- gen, und ihnen an deren Statt etwas auslaͤndi- sches beyzubringen. Er sollte wenigstens uͤberle- get haben, daß sie mit den Schriften der Grie- chen und Roͤmer, keine so genaue Bekanntschaft hatten, daß sie die Redensarten, die Bilder und Figuren, so von ihren Gebraͤuchen hergeholet waren, in das Franzoͤsische uͤbersezt, ohne Schwie- rigkeit haͤtten verstehen, und mit Vergnuͤgen auf- nehmen koͤnnen. Man hat ohne dies angemerket, daß die Franzosen uͤberhaupt mehr Muͤhe als and- re Nationen haben, sich aus ihrer Sphaͤr her- aus zu begeben, und sich in die Gedanken, die Gewohnheiten, die Lebensart andrer Voͤlker zu richten. Welches Ursache ist,, daß man in ih- ren Tragoͤdien die Moden, die Lebensregeln, die Hoͤflichkeit, die Galanterie von Paris und Ver- sailles wahrnimmt, wenn die Scenen gleich zu Athen, Mycene, Corinth, und Babylon sind. Also hat man den Racine beschuldiget, daß er seine Helden nach Paris habe reisen lassen, daselbst die Kunst zu lieben zu erlernen, und z. Ex. des Eu- ripides Hippolitus in Mr. Hippolite verwandelt habe. Dem- in Miltons verlohrnen Paradiese. Demnach muß man die Freyheiten, die Mil- ton in seiner Sprache genommen, und nach der Faͤhigkeit und der Verfassungsart derselben, und dem Naturelle der Engellaͤnder abgemessen hat, nicht nach der gewissenhaften Sorgfaͤltigkeit der franzoͤsischen oder sonst einer eingeschraͤncktern Sprache beurtheilen, noch sich einbilden, was in den furchtsamern nicht angehet, stehe auch in den kuͤhnern nicht wohl. Man handelt verstaͤndi- ger, wenn man dergleichen kuͤhnen Gebrauch nach demjenigen mißt, was in einer eben so freyen, und eben so gelenkigen Sprache einer großmuͤthi- gen und gelehrten Nation ohne jemandes Aerger- niß geschehen kan. Eine solche Sprache war eh- mahls die Griechische, in welcher Homer mit so gutem Fortgange die Formen und Arten fremder Sprachen und Dialecten eingepfropfet hat. Ei- ne solche ist zu unsern Zeiten die Jtaliaͤnische, von der man ruͤhmet, sie sey wie Wachs, und neh- me alle Figuren an, die man darinnen ausdruͤ- ken wolle, sie bequeme sich, wozu es sey, und lenke sich, wie die Regula Lesbia, nach den Sachen; sie sey nicht so sproͤde, nicht so eigen- sinnig und mit sich allein zufrieden, daß sie nicht die Formen andrer Sprachen gerne an sich nehme, und sich eigen mache. Wir haben auch den Be- weis dessen aus der Erfahrung. Denn eben des- wegen ist es einigen geschickten Jtalienern gelun- gen, daß sie die Redensarten des verlohrnen Pa- radieses mit alle den Freyheiten des Englischen Poeten gegeben haben. Salvini, Magalotti, Rolli haben gemeiniglich alle seine Worte, und F 4 mit Von der Schreibart mit seiner Ordnung, und Zusammensetzung gelie- fert. Derselbe Salvini hat eben dieses mit Homer und den besten griechischen Poeten gethan, und Maffei hat das erste Buch der Jlias mit einem noch weit genau- ern Einschlagen in die Worte, die Form, die Fuͤgung und Ordnung der griechischen Sprache in der Jtalienischen uͤbersetzet. Sie haben in ihre Uebersetzungen nicht nur die Gedancken Miltons, sondern auch seine Sprache hinuͤbergebracht, welche die Form und das Siegel der Gedancken ist. Und nie- mand hat ihnen vorgeworffen, daß sie damit den Character ihrer eigenen wohlverfaßten Sprache verletzet, oder dieselbe dunkel, anstoͤssig, unzier- lich oder ungereimt gemachet haben. Nun muß man sich in der Englischen Sprache eben derglei- chen Fertigkeit und Vermoͤgen vorstellen, die gluͤcklichen Eigenschaften andrer Sprachen nach- zuahmen. Man muß denn Milton eben so viel in seiner Sprache erlauben, als seine Jtalieni- schen Uebersezer sich in der ihrigen erlaubet haben, und auch niemand von ihren geschicktesten Landes- leuten ihnen veruͤbelt hat. Wir koͤnnen selbst in unsrer Sprache eine weit groͤssere Faͤhigkeit wahrnehmen, die Mundarten und Manieren fremder Sprachen an sich zu neh- men, und nachzumachen, als die franzoͤsische besizet. Die deutsche Mundart hat wahrhaftig keine ekelnde Abneigung gegen einigen von diesen Huͤlfsmitteln selbst, welche die alten Kunstlehrer so sehr angepriesen haben, die Rede helle, kurtz, genau, nachdruͤcklich und erhaben zu machen. Es in Miltons verlohrnen Paradiese. Es mag der Muͤhe werth seyn, solches mit etli- chen Exempeln auszufuͤhren, weil es dienet, die Freyheit, so Milton desfalls in der weit kuͤhnern Sprache einer geschickten und großmuͤthigen Na- tion genommen hat, zu rechtfertigen. Jndem wir dieses thun, wollen wir ein sorgfaͤltiges Auge auf die Gemuͤthesart unsrer Nation, und die dießmahlen gewissermaassen eingerichtete Verfas- sung unsrer Sprache richten, und fleissig Acht haben, was ohne Abbruch derselben, und ohne daß wir die Eigenschaften unsrer Sprache umkeh- ren, oder Dunkelheit und Verwirrung darinnen anrichten, geschehen moͤge. Die deutsche Sprache koͤnnte vielleicht auf den Grad der Reinigkeit gebracht werden, daß nicht ein einziges fremdes Wort mehr darinnen gelit- ten wuͤrde, wenn eine Gesellschaft geschickter und erfahrner Maͤnner waͤre, welche Befehl und Ge- walt haͤtten, fuͤr die neuen Sachen, und fuͤr neue Begriffe alter und gewissermaassen schon be- kannter Sachen, neue Nahmen zu erfinden, die deutschen Ursprungs, Stammes, und Aussehens waͤren. Alleine da die Aufrichtung einer solchen Gesellschaft, die mit der erforderlichen Geschick- lichkeit und Klugheit zu diesem Werke versehen waͤre, sehr grosse Schwierigkeit findet, da uͤber dieses wenig Hoffnung vorhanden ist, daß so vie- le verschiedene und freye Provinzen der deutschen Nation sich vereinbaren werden, die Gewalt ei- ner solchen Gesellschaft zu erkennen, und sich ih- rem Ansehen und Geschmacke zu unterwerffen, so wird es izo sehr schwer seyn, sich allemahl zu ent- F 5 bre- Von der Schreibart brechen, solche juͤngst erfundene Dinge und Be- griffe, die noch keine Nahmen bey uns haben, mit denjenigen zu benennen, mit welchen sie von einer andern Nation schon bezeichnet worden, zu- mahl wenn wir die Erkenntniß derselben eben von Fremden bekommen haben. Einige mahl, in- sonderheit in Begriffen und Sachen, die von deutscher Erfindung sind, wird man freylich sich noch ziemlich wohl aus seinem eigenen helffen koͤnnen, wovon ich unten bey Gelegenheit der neugepraͤgten Woͤrter etwas mehrers sagen werde. Diejenigen, die eine Sache zuerst erfunden haben, sind ohne Zweifel am meisten berechtiget, ihr einen Nahmen zu geben; sie koͤnnen es auch mit der meisten Geschicklichkeit thun, weil sie die Natur derselben am besten kennen. Was Oer- ter, Laͤnder, Staͤdte, Gegenden, Berge, beson- dere Menschen und Thiere anlangt, wird dieses Recht denjenigen, so den ersten Besitz und die er- ste Bekanntschaft davon gehabt haben, insgemei- ne eingeraͤumet. Wir heissen darum Pantheon und Rotonda den Tempel, den seine Stifter und Besucher also genannt, wir heissen mit den my- thologischen Poeten Elysium die anmuthreichen Auen, die sie so genannt haben, Styr den Fluß, Cer- berus den Hoͤllenhund, Pluto den Gott der Hoͤl- le; Gratien die Goͤttinnen der Holdseligkeit. Eben so halten wir es mit Zeug und Geraͤthe. Cothurn sagen wir, wenn wir den griechischen Stifel der Personen im Trauerspiele, Jamben, wenn wir einen gewissen Fuß des Griechischen und Lateinischen Verses, Romanzen, wenn wir die Erzeh- in Miltons verlohrnen Paradiese. Erzehlungen, die zuerst in der Romanischen Spra- che geschrieben worden, Persienne, Jndienne, wenn wir gewisse fremde Arten woͤllinnen Tuches anzeigen wollen. Dergleichen auslaͤndische Woͤr- ter werden zugleich mit der Erkenntniß der Sa- chen erlernet. Und wenn sie gleich mit Nahmen von deutschem Stamme bekleidet wuͤrden, so wuͤrden auch diese gleicherweise gelernet werden muͤssen. Wenn wir von diesen Dingen reden wollen, so sind wir genoͤthiget diese Nahmen zu brauchen, weil uns unsre Sprache keine eigenen dazu leihet, und wir noch unverstaͤndlicher wuͤr- den, wenn wir neue ersinnen wollten. Und wie soll man es anstellen, wenn man die Ei- genschaften ausdruͤken soll, welche uns der Sinn des Geschmakes in den Gegenstaͤnden zu erkennen giebt, falls wir nicht Sapores, oder irgend ein Wort aus einer an- dern Sprache, das eben dasselbe bedeutet, entlehnen duͤrf- fen? Der Mangel dieser Benennung in unsrer Sprache zeiget uns eine Nachlaͤssigkeit in einem von den gemeinesten Begriffen. Das laͤcherliche Thun der Sprachenmengerey bestehet ei- gentlich darinnen, daß man fremde Nahmen fuͤr solche braucht, die man zu Hause in seinem ei- genen Vorrath eben so gut oder besser findet. Es entsteht bald, weil man seiner eigenen Sprache nicht maͤchtig genug ist, bald weil man aus Ei- telkeit das entfernte, das schwere und das unbe- kannte, dem leichten und bereitstehenden vorzieht. Die alten Deutschen haben sich sonst vor undenck- lichen Jahren schon die Freyheit genommen, auch die Nahmen aus andern Sprachen zu entlehnen, aus welchen sie die Begriffe und Sachen sich nicht geschaͤ- Von der Schreibart geschaͤmet zu borgen. Solches bezeugen die ural- ten Woͤrter, Natur, Kirche, Thuͤr, Moͤnch, Mate- rie, Priester, Coͤrper, Vers, Chor, Messe, Thron, Kron ꝛc. Und wir sagen nach ihrem Beyspiele, System, Phantasie, Symphonie, Harmonie, Pro- sa, Religion, Sphaͤr, Historie, Allegorie. Jch erinnere mich bey diesem Anlasse einer frem- den Mundart, die nicht in den Woͤrtern selbst, sondern in ihrer Form besteht, wie diese Exempel zu erkennen geben: Er bracht ihr in den Sinn, wie oft hier Hand in Hand Ulysses sie gefuͤhrt. Wie Zeil- und Reihenweis die Ding’ in Dingen stecken. Laͤßt Maͤrtrer in den Streit auf andre Maͤrtrer gehen, Und Jnfeln in dem Feld vor Feindes Jnfeln stehen. Der Bann von Niedergang zerblizt den Bann aus Norden. Jch finde diese Form der Rede zwar in kei- nem Saͤchsischen Poeten, doch ist sie bey ihrer Ein- falt sehr nachdruͤcklich, weil das wiederholte Hauptwort die Sache selbst weit lebhafter anzei- get, als das Vornennwort gethan haͤtte. Jst es in oben bestimmtem Falle vergoͤnnet, Woͤrter aus fremden Sprachen in die unsrige auf- zunehmen, so ist es ohne Zweifel mit demselben Rechte erlaubt, veralterte Woͤrter, die ehmahls in der Sprache gewesen, wieder zuruͤck zu holen, so oft dieselben mit keinen andern ersezet worden. Es in Miltons verlohrnen Paradiese. Es ist nicht billig, daß die Begriffe davon zu- gleich mit den Nahmen untergehen, und wenn ich ihrer gedenken soll, so kan ich es mit keinen bequemern Nahmen thun, als den vormahligen, welche der izigen Sprache so nahe verwandt sind, als die Wurzeln den Zweigen, wiewohl sie wie dieselben im Dunkeln verborgen liegen. Haͤtten unsre Scribenten mehr Bekanntschaft mit den Schriften der alten Deutschen, so wuͤr- den ihnen dergleichen Woͤrter nicht so fremde, noch wegen ihres fremden Wesens so ungereimt und hart vorkommen; und durch den Gebrauch, so sie davon macheten, wuͤrden solche auch ihren Lesern gelaͤuftig werden. Wir duͤrften dann Pfeisen sagen, den Sibi- lum der Schlangen auszudruͤken, welches wir in dem Amadiese finden, wo es heißt: Eine sehr grosse Schlange, welche, sobald sie den Rit- ter erblikete, auf die Erde sprang, und mir grossem Pfeisen davon lief. B. XXIII. Bl. 281. Pfeisen schickte sich da nicht. Wir duͤrften Bul- gen brauchen, das wir in Wikrams Uebersezung des ovidischen Gedichtes von der Veraͤnderung der Gestalten finden, wo im eilften B. steht: Das Schiff leidt groß Noth zu der Fahrt, Die Bulgen fuͤhrten es aufwart, Daß es in aller Hoͤhe stuhnd. Bulgen sind nicht schlechtweg Wellen, sondern ungeheure Wellen. Wir duͤrften uns des Wor- tes ungefug bedienen, das in eben derselben Ue- berse- Von der Schreibart bersezung oͤfters vorkoͤmmt, und kraft seiner Ab- stammung sehr nachdruͤcklich ist, und uns man- gelt. Jch finde es daselbst in diesen Zeilen: Jndem ein Ries groß und ungefug Mir auch sehr grosse Liebe trug. Und in folgenden: Polyphemus lief Aci nach, Der rolandisch ungefuge Mann. Und wenn wir verschiedene Arten von Fahrzeuge anzeigen wollen, duͤrften wir die Nahmen ge- brauchen, die man ihnen gegeben, als sie erfun- den worden, und welche sie an denen Orten, wo sie noch gebraucht werden, noch haben. Z. Ex. Barke, Fuste, Nave; welche wir in Seb. Branden Narrenschiffe antreffen, und in der deutschen Uebersezung des Amadieses, wo ich finde: Leztlich erschienen anstatt der brennen- den Fusten drey Schlangen, welche so groß waren, als drey grosse Naven. Und: Wir haben ihn allein auf dem Meer in einer kleinen Barke schiffen lassen. Mich duͤnket, daß die Nahmen der Kunstwerke mit dem besten Recht gebraucht werden, wenn die Werke selbst gleich nicht mehr in Uebung sind, so oft man von den- selben wieder zu reden koͤmmt. Wir duͤrften Est- rich nicht nur von einem solchen Boden brau- chen, der von Thone geschlagen ist, sondern von allen Stratis, welches das Wort ist, wovon jenes seinen Ursprung genommen, das noch in vielen Provinzen Deutschlands in einem weitlaͤuftigen Ver- in Miltons verlohrnen Paradiese. Verstand uͤblich ist. Wir duͤrfften das Wort Gauch noch immer anwenden, das Sebastian Branden so manchen guten Dienst gethan hat, und seine Kraft von der Bloͤdsinnigkeit des Vo- gels, der ehmahls diesen Nahmen gefuͤhrt, er- halten hat. Jzo heißt er gewoͤhnlicher Gukguk, ist aber noch wie zuvor ein Sinnbild der Thorheit, wofuͤr ihn Brand bestaͤndig gebraucht hat. Jch weiß daß Vinum heisset Wein, Cuc’lus ein Gauch, Stultus ein Thor. Dagegen sind viel Narren auch, Die ausgebruͤtet hat ein Gauch. Des Eifers Zeit ist nicht die beste, Er fuͤrcht ein andren Gauch im Neste. Auch das Wort Ungefaͤll wuͤrde uns nicht gerau- bet werden, das seinen so guten und augenschein- lichen Grund in der Abstammung hat. Aber mit was vor Rechte kan man uns verbieten, noch auf den heutigen Tag die eigenen Nahmen der Personen, der Goͤtter, der Geister, und dergleichen zu gebrauchen, wenn wir davon zu re- den haben, ungeachtet wir sie nicht mehr glauben? Also duͤrffen wir den Nahmen Alf, Aelf, Ael- fen, Wasseraͤlfen, Landaͤlfen sezen, so oft wir die Art Geister anzeigen wollen, welche die An- gelsachsen mit diesem Nahmen genannt hatten. Und wenn wir eine andere Art, so man ehmahls Feyen geheissen, auffuͤhren wollen, so wird uns auch Von der Schreibart auch dieser Nahme erlaubet seyn, welchen die Franzosen noch gewoͤhnlich brauchen; und der in Wikrams Veraͤnderungen der Gestalten oͤfters vor- koͤmmt. Einsmahls als die Waldfeyen zugen Jn obgemeldten Wald. Jtem: Zu den Waldfeyen schwamm sie dar, Von welchen sie erzogen war. Diejenigen, welchen diese Nahmen, sowohl als diese Geister, welche dadurch benennet werden, fremd und unbekannt sind, werden sie bald aus den Eigenschaften und Handlungen, so ihnen zu- geschrieben werden, kennen lernen, und sich da- mit keine groͤssere Muͤhe geben doͤrffen, als die Nahmen der Helden in einer Geschichte oder ei- nem Gedichte ins Gedaͤchtniß zu fassen. Wenn wir denn in diesem Stuͤke der deutschen Sprache eine gewisse Ungelenkigkeit beymessen wollen, so ist diese nicht weiter in derselben, als insoweit diejenigen, die darinnen reden, und schreiben, ungelenkig sind. Sie selber ist des- falls eben so wenig steif, und unbiegsam, als in den folgenden Mitteln, die Schreibart zu erhoͤ- hen. Erstlich, da das Beywort nach dem Haupt- worte gesezet wird. Unsere geschicktesten Poeten haben dieses mit gutem Fortgange gethan; z. Ex. Haller: Ein Kind ist noch ein Baum von eiteln Blaͤttern gruͤn. Ein in Miltons verlohrnen Paradiese. Ein Unselbst reich an ja. ‒ ‒ Eine Racht, wie Erndte-Tage lang. ‒ ‒ Mein noch wundes Hertz von langer Wehmuth weich. Drollinger: Die Wiesen, reich an Klee, an Holtz und Wild die Waͤlder. ‒ ‒ Eine Frevelhand begierig auf Verderben. Gebaͤude mancher Art, nicht duͤrftig, nicht zu stoltz. Ferner gehet die Verwandlung des Beywortes in ein Hauptwort bey uns sehr leicht an: Z. Ex. Der Purpur, der im Westen funkelt, Erblasset in ein falbes Grau. Der unerfuͤllte Raum, das ungeheure Laͤhre, Hoͤrt auf, und ist nicht mehr. ‒ ‒ ‒ Der Wahrheit Heiterkeit Faͤngt in dem Groͤsten an, und faͤngt auch an im Kleinen. Am Grossen und Unendlichen sich weiden. Das Uebel in dem Theil ist Wohl im Allgemeinen. Jch will nicht, daß mir zu gefallen, Mir Staͤubgen von dem grossen Allen, Des Ganzen Ordnung stille steh. Ja wir koͤnnen auf gleiche Weise das Zeitwort in seinem Infinitivo, oder der unbestimmten Wei- se, in ein Hauptwort veraͤndern. Koͤnig: Jhr freundlichs Hoͤflichseyn. Brocks: Jhr feurig unaufhoͤrlichs Regen. [Crit. Sam̃l. III. St.] G Unbe- Von der Schreibart ‒ ‒ Unbeschreiblich ist das Glaͤnzen. Der leichten Vogel Zwitschern. Drollinger: Jch will nicht, daß der Wolken Triefen. Mein duͤrres Land zu oft begießt. Auch die Versezung der Woͤrter aus der prosai- schen Fuͤgung koͤmmt mit dem Naturell unsrer Sprache besser uͤberein, als der furchtsame Wei- se seinen Schuͤlern vorgegeben hat. Man wuͤrde in der gemeinen Prosa sagen, mache deinen Rau- penstand nicht zu deinem Zwecke, und einen Tro- pfen Zeit nicht zur Ewigkeit. Ein Poet versezet diese Worte ohne Zwang: Mach deinen Raupenstand und einen Tropfen Zeit, Den nicht zu deinem Zweck, die nicht zur Ewigkeit. Und mit eben dieser Herumwerffung hat ein and- rer Poet gesagt: Hier war ein schwarzer Hut, hier wehlte man Kamaschen, Mit Silber den bebraͤmt, und schneeweiß die gewaschen. Dieses haͤtte ein Prosaist von Weisens Phlegma ohne dergleichen Herumschiebung gegeben: Hier war ein schwarzer mit Silber bebraͤmter Hut, hier wehlte man schneeweiß gewaschene Kamaschen. Jn der ordentlichen Prosa heißt es: O das ge- rechte Wesen hat mir recht in seinem Zorn dieses ferne Land zur Wohnung auserlesen; wie folget versezet, hat es mehr Affect in sich: O recht in Miltons verlohrnen Paradiese. O recht in seinem Zorn hat das gerechte Wesen Mir dieses ferne Land zur Wohnung auserlesen. Und die Deutlichkeit leidet dabey nicht das wenig- ste. Jn der prosaischen Fuͤgung lautet es sehr sorg- faͤltig: Wenn du eine laͤngere Zeit in dem Fin- sterniß, worinnen wir, die mit Denken noch nicht fest, und an den Sinnen klein sind, begra- ben sind, gehangen seyn wuͤrdest. Aber wenn diese Worte folgendermassen verworffen werden, sind sie nichts destoweniger verstaͤndlich genug, und reizen uͤber dieses die neugierige Aufmercksam- keit: Wenn in dem Finsterniß, worinn wir sind begraben, Mit Denken noch nicht fest, und an den Sinnen klein, Du eine laͤngre Zeit gehangen wuͤrdest seyn. Dieses ist auch nicht so matt gesetzt, als das er- stere. Mithin wird man dergleichen Herumwerf- fung auch in der alltaͤglichen Prosa derer Men- schen, die im Affecte reden, oder auf einen beson- dern Nachdruck bedacht sind, sehr haͤufig antref- fen. Der Pater Buhurs hat fuͤr seine Sprache ein Lob darinnen gesucht, daß die Versezungen in derselben nicht angehen. Allein wer es recht erweget, wird leicht fassen, daß sie dadurch ei- nes wahren Vortheiles beraubet ist. Es ist zu ei- nem geschickten Vortrage nothwendig, daß wie die Gedanken und Meinungen, auch die Worte, die Absaͤze der Rede, und die Ordnung derselben von des Poͤbels seinen unterschieden seyn, damit die poetische Schreibart majestaͤtischer, herrlicher G 2 und Von der Schreibart und wunderbarer klinge. Und gesezt, daß die Versezungen bisweilen einige Dunkelheit zu ver- ursachen scheinen, so wird diese Dunkelheit selbst, wenn wir dem Herren Muratori Glauben zustel- len, sofern sie mit Verstand begleitet ist, zu ei- ner Tugend; so wie es in der Schreibart eine Tugend ist, wenn man die Gedanken und Mei- nungen mit einer verstaͤndigen Dunkelheit bede- ket, massen uns nicht allemahl angenehm ist, alle Dinge mit ihren gemeinen, eigenen und natuͤrli- chen Nahmen aussprechen zu hoͤren. Derglei- chen Dunkelheit verdient nemlich diesen Nahmen nur in Absehen seichter Leser, die mit Wissen- schaft und Gaben uͤbel versehen sind. Aber in der franzoͤsischen Sprache sind die Versezungen selten moͤglich, ohne daß man dem Vortrage nicht die nothwendige und unentbaͤhrliche Klarheit nehme. Der Hr. Fenelon hat es in der Stelle, die ich schon oben angezogen habe, bekennet und zugleich beklaget. Er hat dabey auch angemerket, daß die Alten mittelst haͤufiger Herumwerffungen den Wohlklang in dem Falle der Rede, die aͤndernde Abwechselung, und die Affectreiche Ausdruͤkung trefflich vermehrt und befoͤdert haben. „Die „Versezungen, sagt er, wurden zu einer zierli- „chen Figur gemachet, und unterhielten den Geist „mit der Hoffnung des Wunderbaren, das sie „verhiessen. Dieses sieht man in dem Anfange „dieser Ecloga.: „Pastorum musam Damonis \& Alphesiboei, „Immemor herbarum, quos est mirata juvenca „Certantes, quorum stupefactæ carmine Lynces, „Et in Miltons verlohrnen Paradiese. „Et mutata suos requierunt flumina Cursus, „Damonis musam dicemus \& Alphesiboei. „Loͤset diese Versezung auf, und stellet diese Wor- „te in eine grammatische Ordnung, so wird alle „ihre Cadantz, ihre Pracht, ihre Anmuth und „Harmonie wegfallen. Wie furchtsam und wie „angsthaft ist hingegen unsre Sprache? Soll- „ten wir folgenden Vers, in welchem alle Wor- „te von ihrer Stelle gehoben sind, nachmachen „duͤrffen? „ Aret ager, vitio moriens sitit aëris herba. „Wenn Horatz seinen Leser zu irgend einem vor- „nehmen Gegenstande vorbereiten will, so fuͤh- „ret er ihn mit sich fort, ohne daß er ihm sage, „wohin er gehen wolle, und ohne daß er ihn aus- „rasten lasse: Qualem ministrum fluminis alitem \&c. Der Herr Fenelon gedenket nach diesem, wie man auch in der franzoͤsischen Sprache dergleichen Ver- sezungen einfuͤhren koͤnnte: „Jch bekenne, sagt „er, daß man nicht auf einmahl eine grosse Zahl „solcher Versezungen anbringen muß. Man ist „derselben nicht gewohnet, sie wuͤrden hart und „gantz dunkel scheinen. Man muͤßte zuerst die „gelindesten auslesen, diejenigen, welche mit „denen, die unsre Sprache schon erlaubet, am „naͤchsten graͤnzen, und so von einer zur andern „fortgehen.„ G 3 Mit Von der Schreibart Mit dieser behutsamen Vorsicht werden wir es mit den Versezungen in der deutschen Sprache sehr weit bringen koͤnnen, und eben sowohl wird uns dieselbe in Ansehen der Auslassungen gewisser Huͤlfswoͤrter zustatten kommen. Der seltene Ge- brauch dieses Huͤlfsmittels, das unter dem Nah- men der Ellipsis bekannter ist, in unsern wohl- fliessenden Poeten, koͤnnte uns vermuthen lassen, die deutsche Sprache litte dergleichen nicht: Allein die Exempel einiger neuren Poeten, welche mittelst derselben einen ungemeinen Nachdruck und eine Verstandesvolle Kuͤrze in ihre Rede gebracht ha- ben, geben uns vielmehr zu erkennen, daß eben die Verabsaͤumung dieses Kunstmittels an der Mat- tigkeit, welche wir in gewissen Schriften wahr- nehmen, nicht geringe Schuld hat. Herr Hal- ler hat gesagt: Du schwinge selbst vielmehr des Geistes Kraͤfte los, Nicht ewig fuͤr die Zeit, nicht fuͤr die Erde groß, Und hoͤhrer Dinge werth. Hier ist es ein so angenehmes als leichtes Geschaͤfte fuͤr einen verstaͤndigen Kopf in der zweyten Zeile zu ergaͤnzen: Gedenke, daß du nicht fuͤr die Zeit ewig, nicht fuͤr die Erde groß, gemachet seyst. Ein geschickter Kopf freuet sich, daß ihm Anlaß gege- ben wird, seine Fertigkeit zu erzeigen, wenn die- ses nur mit gewisser Maasse geschieht, so daß er nicht uͤberlaͤstiget wird; und er danket dem Scri- benten, daß er ihn ungesaͤumt fortgefuͤhrt hat. Dieses Exempel lehret uns auch, daß der Vers durch die Ellipsis nicht hart gemachet wird. Wer sich in Miltons verlohrnen Paradiese. sich hier uͤber eine Haͤrtigkeit klaget, der verraͤth sich, daß die Schwierigkeit, die sein langsamer Verstand findet, die Auslassung zu ergaͤnzen, ihm den Jnhalt des Verses schwer gemachet hat; denn nichts anders als dieses hat ihn auf den Wahn gebracht, der Vers selbst, und die Redensart waͤren nicht fliessend noch sanft. Eben derselbe Poet sagt: Der nur ans izige sich, klug wie Thiere, haͤnckt. Wie langsam und frostig wuͤrde er gesezt haben: Der sich nur an das Jzige haͤnckt, und nur so klug ist, als die Thiere. Ein munterer Kopf kan dieses Verstandes in dem Verse nicht verfehlen, wenn er gleich auf obige Art zusammengepreßt ist. Eben so wenig in folgenden Exempeln: Du hast getrost durch sie, und kuͤhn durch eigne Kraft, Schon oft den Goͤzendienst des Wahnes abgeschafft. Von der Art dieser Ellipsis sind alle Participia passiva, alle leidenden Mittelwoͤrter; nicht ge- zwungner und nicht dunckler. Mein Sinn verwirrt vor Angst, vor Schmerzen und Begier, Wuͤnscht bald sie wieder mein, bald aber mich zu ihr. Jn der lezten von diesen beyden Zeilen ist die El- lipsis bey ihrer Kuͤrze von solcher Deutlichkeit, daß man diese Art derselben vor ein herrliches Vor- recht der deutschen Sprache preisen darf. Fol- gende hat ihren Ursprung in der Schnelligkeit des Affectes: G 4 Ach Von der Schreibart Ach nur ein Blick von ihr, nur eine von den Stunden, Die zwischen ihr und mir oft unvermerckt verschwunden! Wie weit es in der deutschen Sprache mit der Ellipsis zu bringen sey, ohne daß sie eingezwaͤnget werde, wird man am allerbesten abnehmen koͤn- nen, wenn man solche in der Unterredung mit ei- nem hurtigen und scharfsinnigen Kopfe pruͤfet, so daß man Achtung giebt, ob ihn dieselben leicht oder schwer ankommen. Unter die Ellipses gehoͤrt auch folgende Art: Jndem er drauf, die er sich ausgewaͤhlt, Den Wuͤrden nach vertheilet, stellt, und zaͤhlt, Bezeichnet er die ihm recht artig scheinen. Haged. Diese Art der Ellipsis koͤnnen die Engellaͤnder nicht nur mit den persoͤnlichen Vornennwoͤrtern, son- dern mit den Hauptwoͤrtern selbst auf diese Weise bewerckstelligen. ‒ ‒ ‒ ‒ Plead to her With all the strenght and heat of Eloquence Fraternal Love and friendship can inspire. Ein Huͤlfsmittel von einer andern Art dessen Mil- ton sich bedienet, die Rede von der Prosa zu un- terscheiden, ist der geschickte Gebrauch der Meta- phoren, welche er nach aͤhnlichen von ihm selbst entdeckten Bildern formirt hat. Dieses laͤßt sich darum wegen des allgemeinen Grundes, den es in der Natur hat, in allen Sprachen mit dem groͤsten Rechte und am sichersten nachmachen. Von in Miltons verlohrnen Paradiese. Von dieser Art sind folgende: Eine Ruthe mit Feuer besprenget; Er redet von einer Zuͤndru- the; mit Schilfe und Straͤuchern verbraͤm- tes Gestade; Violen und Hyacinthen brodir- ten den Boden mit einem reichen Stickwerke; Die Erdenkloͤsser kalbeten. Jch will die ganze Stelle ausschreiben: „Die „Erde oͤffnete ihre fruchtbare Schooß, und begunte eine „unzaͤhlige Menge von lebendigen Geschoͤpfen mit voll- „kommenen Gestalten und ausgewachsenen Gliedmassen „auszuheken; ‒ ‒ die Grasreichen Erdkloͤsser kalbeten „iezo; izo erschien der braune Loͤwe mit dem halben Leib.„ Jst schier nach dem Buchstaben wahr, weil sie Kaͤlber her- vorbrachten. Also gruͤndet sich dieser wunderbare Aus- druck auf die Erzehlung einer sonderbaren Geschichte. Von dieser Art ist, was Herr Haller von den Egyptern gesagt hat, daß sie die Gartenbetter zu heiligen Tempeln gemacht und ihre Goͤtter geduͤnget haben. So wunder- lich und krause die Verbindung dieser z wey wiederwaͤrti- gen Jdeen scheinet, Goͤtter, und, Duͤngen, wird sie doch durch die Geschichte genugsam gebilliget, daß die Egypter dem Knoblauch goͤttliche Ehre bezeiget haben. Man sollte darum nicht fuͤrchten duͤrffen, daß jemand von un- sern deutschen Sprachlehrern dergleichen Re- densarten verwerffen wuͤrde, wenn es nicht wuͤrck- lich geschehen waͤre; denn welcher Deutscher ver- stehet nicht, was besprengen, was verbraͤmt, was brodirt, und endlich was kalben ist? Und wenn diese Bilder zu den Woͤrtern Feuer, Schilf, Violen, Erde, gesezet werden, wer ist so plump, daß er dasjenige, was von diesen Dingen gesagt wird, nicht in der aͤhnlichen Vorstellung erkenne? Jch erinnere mich hier, daß man in der Abhand- lung von poetischen Gemaͤhlden, welche zuerst un- G 5 ter Von der Schreibart ter dem Titel vernuͤnftiger Gedanken von dem Einflusse der Einbildungskraft in den Schrif- ten der Redner und der Poeten an das Licht gekommen, in einer Beschreibung der wunderba- ren Faͤhigkeit der Phantasie einige Zuͤge von die- ser Art hat einfliessen lassen. Man wollte in der Erzehlung zugleich das Muster und Exempel von dem, was man sagte, hinzufuͤgen. „Der „Poet, heißt es daselbst, versetzt euch durch die „Kraft seiner Beschreibungen in eine anmuthrei- „che Gegend, eine Herberg der Silvanen und „der Waldnymphen, wo der Schatten der hoͤchsten „Wipfel, der Ceder, der Tanne, der Fichte, „und des zakigten Palmenbaumes, indem sie staf- „felweise hinter einander hinaufwerts steigen, „ein Waldtheater auffuͤhren, das uͤberaus praͤch- „tig anzuschauen ist. Mitten darinnen stellet er „dem Gesichte einen Krantz der besten Obstbaͤu- „me dar, welche zu einer Zeit mit Bluͤthe und mit „Fruͤchten einer guͤldenen Farbe, die mit einem „heitern Schmeltz eingesprenget ist, beladen sind. „Er tischet euch in ihrem Schatten die niedlich- „sten Speisen auf, mit einer fleissigen Sorge, „daß er die von unterschiedenem Geschmake nicht „vermenge, nicht uͤbel zusammenfuͤge, sondern „eine Gattung Geschmakes nach der andern auf- „trage. Er haͤufet allerley Arten Fruͤchte in Haͤu- „ten, in rauchen oder weichen Rinden, oder in „baͤrtigen Huͤlsen, oder in Schalen auf; fuͤr „den Tranck druͤket er einen unschaͤdlichen Most „aus den Trauben aus. Die linden Weste „floͤssen euch durch das sanfte Weben ihrer ge- „ruch- in Miltons verlohrnen Paradiese. „ruchreichen Fluͤgel ein natuͤrliches Rauchwerck „in die Nase, das sie von den kraͤstigsten Spe- „cereystauden gestohlen haben. Und damit euer „Gehoͤre nicht allein ohne Speise bleibe, so laͤßt „er die Voͤgel ihre Choͤre anstimmen, und die „Blaͤtter der Baͤume, wenn die Fruͤhlingsluͤfte „damit spielen, von einem wohlklingenden Schal- „le erthoͤnen.„ Diese Metaphoren sind saͤmmt- lich oder doch meistentheils aus Miltons Be- schreibung des Paradieses im vierten B. genom- men. Von denselben nun hat der bekannte Kunst- richter, der von unsers Englischen Poeten Schreib- art so uͤbel denket, folgender Gestalt geurtheilet: „So poetisch oder vielmehr so ausschweifend klin- „get eine prosaische Beschreibung nach dem Ge- „schmacke dieses schweizerischen Kunstlehrers.„ Und dieses Urtheil hat er mit diesen Worten zu behaupten vermeinet: „Wenn mich, sagt er, „die Furcht vor der Weitlaͤuftigkeit nicht abhielt, „so wollte ich mir die Lust machen, und unserm „hochsinnigen Schreiber darthun, daß er machi- „nalische Gedaͤchtnißkuͤnste, unnoͤthige und aus „einem poetischen Lexicon erborgte Beywoͤrter, „und seltsame Metaphoren, oder verbluͤmte Aus- „druͤkungen darinnen angewandt. Was ist sei- „ne Herberg der Faunen und Silvanen, sein za- „kigter Palmenbaum, sein Waldtheater, sein „Krantz von Obstbaͤumen, die guͤldene und mit „einem heitern Schmeltz eingesprengte Farbe, „der unschaͤdliche Most, die geruchreichen Fluͤ- „gel des linden Westes, die ein natuͤrliches Rauch- „werck von den Specereystauden gestohlen haben, „end- Von der Schreibart „endlich die Blaͤtter, die von den Fruͤhlingsluͤf- „ten mit einem wohlklingenden Schalle erthoͤnen? „Was sind alle diese herrlichen Bluͤmgen anders, „als Lohensteinische und Hofmannswaldauische „Broken, die nach dem heutigen Geschmake „kaum in der Poesie, geschweige denn in der „Prosa zu dulden sind.„ Poetisch moͤgen diese Ausdruͤkungen mit gutem Rechte heissen, weil sie voller lebhafter und scharf- sinniger Bilder sind; weil sie auch die wunderba- ren Wuͤrkungen der poetischen Phantasie nach der Art der Poeten auf eine wunderbare Weise vor Augen fuͤhren, und das, wovon da geredet wird, in der Zeit, daß sie es beschreiben, vollziehen. Daher steht diese Poesie hier mitten unter der Pro- sa an dem rechten Orte; und die Worte stimmen mit den Sachen und der Absicht allzu genau uͤber- ein, als daß man sie mittelst einer mechanischen Kunst haͤtte aus dem Gedaͤchtniß nehmen, oder aus einem Hamanischen Lexicon borgen koͤnnen. Und warum werden sie vor ausschweifend, Lohen- steinisch, und Hoffmannswaldauisch erklaͤret? Die waldigten Lauben, die Zaken des Palmenbaumes, die theatralische Form eines Waldes, der Schmeltz des Obstes, das Rauchwerck der Specereystau- den, der Schall der Blaͤtter, sind ohne Zweifel in der Natur. Derjenige muß eine magere Wissen- schaft von den irdischen Dingen besizen, der sie darinnen noch nicht wahrgenommen hat. Mißfaͤllt denn dem Tadler die metaphorische Einkleidung dieser Vorstellungen? Aergert es ihn, daß dem Obst ein Schmeltz, den Specereystauden ein Rauch- in Miltons verlohrnen Paradiese. Rauchwerck, dem Wald eine theatralische Ge- stalt, zugeeignet wird? Er muß demnach nicht lei- den wollen, daß aͤhnliche Dinge unter aͤhnlichen Bildern vorgestellt werden. Wie es scheint, stoͤßt er sich noch mehr an der Herberg der Sylvanen, an den Fluͤgeln des Westwindes, und an dem Diebstal, den sie begangen haben. Dieses giebt uns zu verstehen, daß er kein Poet ist; er hat das Reich des Wahrscheinlichen niemahls besucht; er weiß nicht, daß das Moͤgliche eben sowohl nach der Natur ist, als das Wuͤrckliche, und daß ein Poet ein Schoͤpfer ist, der das Moͤgliche zur Wuͤrcklichkeit bringt; die Dichtung, die reichste Quelle des Neuen und des Wunderbaren, hat keinen Reitz fuͤr ihn. Man muß sich nicht schmei- cheln seinen Beyfall zu erhalten, wenn man die platte und alltaͤgliche Prosa verlassen darf. Wer die poetischen Schriften der Alten und der geschickten Neuren fleissig studirt hat, wird un- gleich kuͤhnere Figuren und diese haͤufig darinnen angetroffen haben, als die bisher vertheidigten sind. Jch will nur einer Art von dergleichen ge- denken, die bey unserm Englischen Poeten oͤfters vorkoͤmmt. Da nemlich die abgesonderten Din- ge, die fuͤr sich kein eigenthuͤmliches Wesen besi- zen, in materialische Sachen verwandelt, und ihnen solche Eigenschaften, Veraͤnderungen und Eindruͤke zugeschrieben werden, die sonst nur dem Coͤrper und der irdischen Materie zukommen. Von dieser Art sind folgende: Die Eitelkeit versuͤssen. Das Leid ersaͤuffen. Die verwelckte Pracht. Mit Wahrheit untersetzt. Mein Geist war in Von der Schreibart in seinen Geist gewebet. Es wird in seinen Reden niemahls Tag. Das Leben vergies- sen. Um des Poeten Lob ihr Leben zu vergiessen. Character der deutsch. Ged. V. 39. Die Hoͤlle stille stellen. Milt. im zweyten B. Jhr Gesang war parthey- isch, aber die Harmonie desselben stellete die Hoͤlle stille. Their song was partial but the harmony Suspended Hell. Die Re- de in Ertzt giessen. Auf diese Weise hat Boileau gesagt, peindre la parole, parler aux yeux, donner de la couleur \& du corps aux pensées, welche Redensarten von den franzoͤsi- schen Kunstlehrern sehr bewundert worden. Ein Begriff streift an den andern. Das Gemuͤthe in Lust wie- gen. Kuͤhlung in das Gebluͤte giessen. Die Neigung stimmen. Mit Spott gewuͤrtzt. Die Gedanken senken sich in einander. Wahr- scheinlichkeit in die Fabel senken. Ein Gedicht mit falschem Witze duͤngen. Den Witz mit Un- witz besprengen. Den Gang der Neigung auffangen. Die Lust in Thiere und Men- schen senken. Den Geist erschoͤpfen. Der Schmerz, der mit Haken ausgespizt ist. Die Tiefe, die im Schicksal haͤngt. Verstand und Anmuth fliessen in seinen Versen. Die Trauer von den Wangen wischen. Jch habe dieses Bild in der Klageschrift gebraucht, der ich die Aufschrift gemacht hatte, die Trauer eines Vaters, welche hernach von dem Herausgeber mit der lang- Das Wun- in Miltons verlohrnen Paradiese. Wunderbare in diesen Redensarten entsteht daher, daß Dinge, die keinen Coͤrper haben, die sich nur empfinden und gedenken lassen, als Sachen vorgestellet werden, welche materialischer Zufaͤllig- keiten und Veraͤnderungen faͤhig waͤren. Nun ist dieses eine Freyheit, welche die Nothwendig- keit selbst in der gemeinen Rede eingefuͤhrt hat. Es kommt nur darauf an, daß diese coͤrperlichen Bilder bequem seyn, die Beschaffenheit, die Fol- gen und die Eindruͤke der empfundenen und gedach- ten Sachen durch ihre Uebereinstimmung in das Gemuͤthe zu bringen. Da nun die Natur sich selbst in allen Laͤndern gleich ist, duͤrffen wir die- ser und aller andern Metaphoren und Figuren hal- ber, welche auf Aehnlichkeiten beruhen, so in der Natur vorhanden sind, gegen gewisse furchtsame Sprach- langsamen Ueberschrift vertauschet worden: Trauerge- dichte eines Vaters uͤber seinen Sohn; als ob das Wort Vater die Beziehung auf den Sohn nicht ohne dieses in sich schloͤsse, und die Trauer fuͤr sich allein nicht was weit empfindlicheres sagte, als Trauergedichte, das so viel ist, als ein Gedichte von einer Trauer. Jn dieser Trauer eines Vaters hatte ich nun geschrieben: Die Einsicht wischet ihm die Trauer von den Wangen. Worauf sich auch die naͤchst darauf folgenden Zeilen schiken: Die meinen dunkeln Geist mit Aengsten hat umfangen; Und nicht verlassen wird. ‒ ‒ ‒ ‒ Ohne Zweifel aber hatte das Bild, die Trauer von den Wangen wischen, den Herausgeber zu seltsam gedaucht, daher er vor dasselbe gesezet: Die Einsicht wischet ihm die Thraͤnen von den Wangen. Von der Schreibart Sprachlehrer ohne Furcht behaupten, daß sie sich aus einer jeden Sprache in eine jede andre uͤberse- zen lassen, ohne daß sie von ihrem Werthe oder ihrem Lichte, etwas verliehren. Sie muͤssen nothwendig allen denjenigen verstaͤndlich seyn, wel- chen nur die Bilder bekannt sind. Aus dieser Ur- sache empfehlen sich diejenigen Bilder, welche aus dem gemeinen und bekanntesten Laufe der Natur hergeholet sind, vor allen andern. Daher wuͤr- de ich kein Bedenken haben, selbst in der gemei- nen Rede nach dem franzoͤsischen zu sagen: Pfeile von allerley Holtz machen. Was Bilder sind, die von den Sitten und Gebraͤuchen besonderer, vornehmlich entfernter und alter, Nationen ent- lehnet worden, so haben solche ihren Preiß und Glantz vornehmlich, wenn man geschickte und in den Geschichten der Voͤlker und ihrer Sitten er- fahrne Leser hoffen darf. Also ist folgende Re- densart sehr geschickt und deutlich fuͤr diejenigen, welche in den Manieren der alten Griechen und Roͤmer keine Fremdlinge sind: Sie gestatten nicht daß etwas in den oͤffentlichen Druck kom- me, welches nicht vorher unter ihrem Schwam- me gewesen ist. Aber unwissende Leser aus dem Poͤbel werden nicht wissen, was sie aus diesem Schwamme machen sollen. Mithin muß ich auch noch mit wenigem dieses erinnern. Wenn die Metaphoren, sie moͤgen auf natuͤrliche Werke oder auf Gewohnheiten der Nationen sehen, in der Uebersezung geschickt klin- gen sollen, muß man vielmehr auf den Grund der- selben, der in der Aehnlichkeit lieget, Achtung geben, in Miltons verlohrnen Paradiese. geben, als nur allein darauf bedacht seyn, daß man sie mit denen Woͤrtern gebe, welche in den Woͤrterbuͤchern als gleichguͤltig mit denselben hin- gesezt werden. Denn es geschieht allzu gerne, daß die Woͤrter, welche in verschiedenen Spra- chen vor gleichguͤltig unter einander gehalten wer- den, wiewohl sie in dem Hauptbegriffe eines sa- gen, dennoch durch gewisse Nebenideen, so sich daran anzuhaͤngen pflegen, unvermerckt davon abgefuͤhrt, und nach und nach hauptsaͤchlich veraͤn- dert werden. Diese Behutsamkeit wird desto noth- wendiger, weil es in den Sprachen gewisse ange- nommene Metaphoren und Formen der Rede giebt, welche blosse Anomalien sind, indem sie nur auf irgend eine aͤusserliche und zufaͤllige Aehnlichkeit, oder den willkuͤrlichen Eigensinn eines Volkes ge- gruͤndet sind. Dergleichen Metaphoren in der Uebersezung beybehalten, wird sie eben so unge- reimt machen, als sie in der Grundsprache selbst sind, und jedermann so vorkommen wuͤrden, wenn sie nicht durch den langen Gebrauch waͤren vor buͤndig erkennt worden, so daß sie izo vor eigent- liche Woͤrter gehalten werden, nachdem ihre un- aͤchte Geburt ins Vergessen gekommen ist. Aber mit diesen unbegruͤndeten Metaphoren muß man diejenigen nicht vermischen, die einen natuͤrlichen Ursprung haben, wiewohl solcher nicht mehr bekannt ist, oder nicht mehr in Acht genom- men wird, weil die Dinge und Geschaͤfte, so dazu Anlaß gegeben, aus der Uebung gekommen sind, oder ein langer und alltaͤglicher Gebrauch gemacht hat, daß sie vor eigentliche Woͤrter [Crit. Sam̃l. III. St.] H ge- Von der Schreibart nommen werden. Es giebt in unsrer deutschen Sprache noch eine Menge von dieser Art, und doch ist eine starke Anzahl dergleichen aus der Gewohn- heit gekommen, wiewohl sie wegen ihres Nach- drukes und ausgemessener Bedeutung vor andern werth sind, beybehalten zu werden. Man ver- stehet mich wohl, daß ich von solchen rede, wie folgende sind: Seine Kunst behaͤlligen; Sich mit Reden verhauen; Einen spoͤttisch aufzie- hen; Ein Adler, der die Fluͤgel leichtet; Einem einen Fehltritt aufheben; Einem Schre- ken einspinnen; Sich auf seine Macht trie- gen; Der Reichthum ist zerronnen; Jn einen Anschlag gehaͤllen; Nach mißschlagender Ver- heissung; Schwartzbraune Haare, welche sich wohl werffen; Gewand, das mit seinen Schlingungen wohl geworffen ist; Das Aeh- renfeld spreußt sich. Einige von diesen Exem- peln moͤgen noch hier und dar im Gebrauche seyn, andere sind in dieser Bedeutung ins Vergessen ge- rathen. Und die deutsche Sprache hat in der That an dieser Art Woͤrter einen grossen Ver- lust erlitten, wie denjenigen nicht verborgen seyn kan, welche in den alten Schriften von Luthers bis zu Opizens Zeiten wohlbelesen sind. Wer uͤber Luthers Zeiten hinaus in das Alter der Kai- ser aus dem Hause von Hohenstaufen zuruͤckstei- get, wird eine noch groͤssere Empfindung von die- sem Verlust bekommen. Wir finden in der heu- tigen Hollaͤndischen Sprache noch eine ziemliche Anzahl derselben, die von den Seribenten dieser Nation aufbehalten und bis auf unsere Zeiten ge- bracht in Miltons verlohrnen Paradiese. bracht worden. Sollte es nun dem Naturell der deutschen Sprache zuwiederlaufen, wenn Woͤr- ter von dieser Beschaffenheit wieder in Uebung ge- bracht wuͤrden, wie Milton in seiner Sprache gethan hat? Man hat nicht zu fuͤrchten, daß da- durch eine Dunkelheit in dem Vortrage verursachet wuͤrde; denn diese Woͤrter haben noch so viel Aehnlichkeit mit andern noch izo gebraͤuchlichen Woͤrtern, die mit ihnen verwandt und von einem Stamme sind, daß man ihre Bedeutung ohne Muͤhe verstehet; und es ist allemahl noch eine Provintz Deutschlandes, wo sie noch in der taͤg- lichen Rede gehoͤret werden, wiewohl sie aus den Schriften weggekommen sind. Opitz und die ge- schickten Scribenten, die mit ihm zu einer Zeit gelebet, haben viele dergleichen in ihren Schrif- ten zuruͤckgeholet, und man haͤtte wahrhaftig bes- ser gethan, daß man solche um dieser Schriften willen aufgenommen haͤtte, als daß man die Schrif- ten um dieser Woͤrter willen verworffen hat. Wer besorgt ist, auch die geringen Absaͤtze in gleich- maͤssigen Begriffen vor Augen zu legen, wird die Zuruͤckholung dergleichen Woͤrter vor gantz noth- wendig finden, und sich darum keine Scrupel ma- chen, sie wieder ins Leben zu bringen. Doch wollte ich rathen, vor allen andern diejenigen wie- der hervorzusuchen, von welchen uns die Abstam- mung und Zusammensezung samt der Uebereinstim- mung mit einem natuͤrlichen Werke noch nicht gantz unbekannt ist. Unter den Mitteln, die Aristoteles vorgeschla- gen hat, die Poesie von der Prosa zu unterschei- H 2 den, Von der Schreibart den, ist die Manier ein Wort um eine Sylbe zu verkuͤrzen, oder zu verlaͤngern, unsrer Sprache in vielen Woͤrtern so gemein und eigen gewor- den, daß sie den Dienst, den dieser Kunstlehrer damit sucht, nicht mehr thut. Jn wieviel Zeit- woͤrtern und Endungen der Nennwoͤrter darf das leise E. behalten oder weggeworffen werden? Je- mand hat dieses zwar eine Duͤrftigkeit genennet, die man nicht muͤsse von sich spuͤren lassen. Man muͤsse nicht zeigen, daß man es nur des Maasses wegen uͤbrig, oder noͤthig gehabt habe. Es ist in der That eine Duͤrftigkeit, die von der Natur des Verses entsteht, daß der Poet bald eine Syl- be uͤbrig, bald eine noͤthig hat. Es ist darum umsonst, daß er diese Duͤrftigkeit verbergen wolle. Es ist auch nicht nothwendig, weil er sich dersel- ben nicht zu schaͤmen hat, er wolle sich denn des Verses selber schaͤmen. Wenn es aber eine Duͤrf- tigkeit bey dem Versmacher ist, so ist es auf der andern Seite ein Reichthum in der Sprache, die dieser Duͤrftigkeit so geschickt zu Huͤlfe koͤmmt. Jst es nicht eine Geschicklichkeit derselben, daß sie sich nach dem Beduͤrffniß des Aussprechenden rich- tet, wann er eilfertig ist, und wann er gemaͤchlich gehet? Eben dergleichen Geschicklichkeit weiset unsre Sprache auch in der Verschluͤkung des Buch- stabens J. Zum Exempel: So sah man damahls auch den ein’gen Opitz fliegen. So hat sein gluͤcklich Schiff zwar einen lust’gen Grund. Wenn er den sel’gen Schluß an seinem End erwegt. Wie in Miltons verlohrnen Paradiese. Wie stuhnd’s mit ihm die vor’ge Nacht? Mich duͤnckt, man koͤnne diese Verschluͤkungen der Haͤrtigkeit nicht beschuldigen, man wolle denn die Sprache selbst einer solchen anklagen, weil in derselben ganze und ungestuͤmmelte Woͤrter sind, wo eben diese schweren Mitlauter beysammenste- hen. Da haben wir Beingen, Gustgen, ich borge, Schwelgen. Und ich daͤchte, daß die- jenigen Elisionen, die sich auf diese Weise schuͤzen koͤnnen, Verzeihung verdieneten. Die von folgen- der Art faͤllt es schon schwerer zu entschuldigen: Ob er im kuͤnft’gen Wohl das iztge Leid ersaͤuft. Und nur ein Zeitvertreib von recht vernuͤnft’gen Leuten. Sie steigt vom Abgrund an mit einem einz’gen Schritte Bis an des Himmels Thor. ‒ ‒ ‒ ‒ Noch harter ist die Zusammenkunft von Mitlau- tern in folgendem Exempel, wo das A. verbissen wird: Unfruchtb’rer Muͤssiggang! ‒ ‒ ‒ Wenn ein Poet dergleichen Haͤrtigkeit Platz giebt, so hat man alles Recht von ihm zu fodern, daß er solche durch den Nachdruck, den sie in den Vers bringt, erseze und verbessere. Man kan sich auch destoweniger entbrechen ihm diese Licenz zu gestat- ten, wenn man bey sich uͤberleget, was vor eine Menge zweysylbigter Beywoͤrter in der Sprache liegt, welche in den Abfaͤllen fuͤr den jambischen Vers gantz und gar unbrauchbar werden, wenn H 3 sie Von der Schreibart durch dergleichen Zusammenziehung nicht dazu be- quem gemachet werden Unsre Sprache erlaubet noch einige Ausstossungen der Sylben. Die gan- ze Endung es in den Beywoͤrtern kan ausgelassen oder gesezet werden. Z. Ex. Da du dein maͤchtig Heer noch jeden Tag vermehrest. Unselig Mittelding von Menschen und von Vieh. Man darf sich auch nicht allemahl Scrupel ma- chen, einige Artikel mit dem Vornennworte zusam- men zu schmelzen: Und wuͤtend uͤbern Schwarm entbauchter Hunde sezet. So hat man auch in den Zeitwoͤrtern die lezte Sylbe et, wenn ein t vorhergegangen, mit der anderlezten in eine Sylbe zusammengeschlungen, als acht, veracht, statt, achtet, verachtet; welches noch klinget, aber andre mahl das Ge- hoͤr ziemlich verlezet. Z. E. Es lautt zwar herrlich in den Ohren. Und wo manch Schiff vergieng, izt Lastenkorn geerndt. Jch habe hier Anlaß zu gedenken, daß die dritte Person der gegenwaͤrtigen Zeit in den ungleichflies- senden Zeitwoͤrtern von vielen Scribenten wieder ausgedaͤhnet wird, da sie eigentlich nach der Na- tur dieser Art Zeitwoͤrter zusammengepreßt seyn soll. Zum Exempel: Was Goͤttlich ist, verdirbet nicht. Der Mond verbirget sich. Und in Miltons verlohrnen Paradiese. Und er durchlaͤufet izt von Hindernissen frey. Er stirbet allzugern. Niemand hat noch erhaͤltet, giltet, gesagt. Addison hat angemerket, daß Milton dieses Mittel den Vers von der Prosa zu entfernen, mei- stens in den Nahmen der Oerter und Personen angebracht, zum Exempel da er Hessebon statt Heßbon und Beelzebub statt Belzebub gesezet. Auf diese Weise wird es auch in unsrer Sprache eben so gluͤcklich angehen. Was eben dieser Kunst- verstaͤndige bey diesem Anlaß gedenket, daß Mil- ton aus derselben Ursache allemahl die Nahmen der Staͤdte und Personen gesezet, welche am we- nigsten bekannt sind, damit er nur die Sprache des Poͤbels vermiede, kan uns zu diesem Ende eben so wohl dienen. Jch habe darum lieber Lindemag, welches der alte und schier vergesse- ne Nahme ist, als den heutigen Nahmen der Limmat gesezet; in dem Verse: Der an die Lindemag die Musen pflegt zu bringen. Und eben deßwegen habe ich auch Graͤcien statt Griechenlands gesezet: Erschallt gantz Graͤcien nebst Priams Fuͤrstenthume. Darum gefaͤllt mir auch Barde besser, als Dich- ter, in der Zeile: Kein Einfall wird von Barden unterdruͤket. Die Freyheit endlich anlangend, womit Milton, seine Sprache zu erheben, neue Woͤrter gepraͤget, H 4 so Von der Schreibart so ist auch diese, wenn sie nicht ohne Ursache ge- nommen, und mit Vorsichtigkeit und Bescheiden- heit gebraucht wird, der deutschen Nation in ih- rer Sprache nicht zuwieder, und die Sprache laͤßt es ihr nicht entgegen seyn, daß sie auf diese Weise erweitert wird, massen sie wohl empfindet, daß sie noch nicht auf den hoͤchsten Grad der Voll- kommenheit gestiegen ist, dessen sie faͤhig ist. Da- rum koͤnnen wir ohne Furcht neue Woͤrter von der Sittsamkeit der folgenden einfuͤhren: Verpa- radiest, Paradiesmaͤssig, mißgeschaffen, Miß- thon, Holleverdammt, Verkehrtheit, Ent- haltsamkeit, sonnigt, abaͤndern, thauend, daͤmmernd, Unding, veredeln, uͤberthuͤr- men, uͤberfliessen, schlakigt, unablaͤnglich, Empfindniß, Nothgeschicke, abgezogen, braͤut- lich, unwillkommen, Unreife, Unform, Jn- nigkeit, Zugethanheit, Luftig fuͤr Aereus, be- schoͤnen, unerkennbar, Begriff in seiner ur- spruͤnglichen Bedeutung, die es in dem Verse hat: Dieweil er im Begriff von ihrem Wuͤrbel stand. Muͤrben: Und muͤrbte sie der fremde Zwang. Spreng 106. Ps. Vervielfachen: Die in gehaͤufter Zahl sich izt vervielfacht haben. Koͤnig. Alle diese und dergleichen Woͤrter sind eigentlich nur in ihrer Zusammensezung neu, wegen der vor- gesetzten oder angehaͤngten Sylben, das Grund- wort darinnen ist gantz bekannt; ja diese Beysaͤ- ze selber haben schon eine bestimmte Bedeutung in unsrer in Miltons verlohrnen Paradiese. unsrer Sprache, welche in dieser Zusammense- zung beybehalten wird. Daneben koͤnnen sie sich auch durch ihren Nuzen schuͤzen. Wenn wir sie auch nur in Ansehen des Vortheils betrachten, den sie haben, die Rede aͤndernd, harmonisch, rund, zierlich zu machen. Der Begriff, den sie vorstel- lig machen, hat seinen trefflichen Werth. Eini- ge davon sind noch nicht in der deutschen Spra- che, ausgenommen mittelst der Umschreibung, also daß ihre nachdruͤckliche Kuͤrze sie allen denen empfiehlt, welche nichts von Weitlaͤuftigkeit und Geplauder halten. Ueber das Wort abgezogen muß ich absonderlich erwaͤhnen, daß man das Wort allgemein dafuͤr hat sezen wollen. Jch hatte in der Vorrede zu der Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie gesagt: Die Nei- gung zu philosophischen Wissenschaften und abge- zogenen Wahrheiten haͤtte die Deutschen so ver- nuͤnftig und schliessend gemacht, daß sie zugleich matt geworden. Da hat man lieber schreiben wol- len, allgemeine Wahrheiten. Allein wer sieht nicht, daß dieses nicht das ist, was ich habe sa- gen wollen? Stygisch, Cerberisch, Satanisch, Chaotisch, Centaurmaͤssig, sind auch dergleichen neue Woͤrter, welche man erlauben muß; so bald man die Grundwoͤrter derselben erlaubt, die zwar ganz neu doch nichts anders sind, als eigene Nahmen der Personen und besondern Oerter, welche mit der Historie gelernet werden, daher sie niemanden unverstaͤndlich seyn koͤnnen, als denen, welche in den historischen Wissenschaften unerfahren sind. H 5 Man Von der Schreibart Man siehet demnach, daß dasjenige, was Miltons Schreibart sonderbares und in das Ge- hoͤre fallendes in sich hat, so beschaffen ist, daß die deutsche Sprache selbst, die doch nach dem Naturell derjenigen, die sich vor ihre Erhalter und Pfleger ausgeben, weit furchtsamer und zag- hafter ist, als die Englische, dasselbe in gewissen Schranken nachthun kan. Wie boͤse und unbil- lig sind denn diejenigen deutschen Kunstrichter, welche dem Englischen Poeten seine gebrauchte Freyheit, die ihm seine Landesleute gegoͤnnet, und gutgeheissen, verarget haben? Denn ob die Eng- lischen Kunstrichter gleich angemerket haben, daß Milton sich der obenerzehlten Kunstmittel zu haͤu- fig bedienet, und seine Rede dadurch manchmahl etwas steif und dunkel gemachet haͤtte, so haben sie doch zugleich gestanden, daß sie uͤberhauyt recht wunderbar und vortrefflich sey. Das Schlim- meste, das Addison und Schaftsbuͤri davon ge- sagt haben, war, daß man in seinen Worten manchmahl eine Art Geschaͤlles wahrnaͤhme, wie zum Exempel in folgenden Stellen: Er bracht eine Welt voll Weh in die Welt; dieses fuͤhrte uns in Versuchung, daß wir es mit ihm ver- suchten; du wirst dann sehen, ob wir kom- men, den Thron des Allmaͤchtigen zu vereh- ren, oder zu verheeren. Hingegen hat einer von unsern deutschen Sprachlehrern Miltons Schreibart vor ein Gewebe ausgeschrien, das in Fehlern wieder die Englische Grammatick, in Verkehrungen aller gewoͤhnlichen Wortfuͤgungen, und in tausend andern sonst unerlaubten und von keinem in Miltons verlohrnen Paradiese. keinem andern Poeten begangenen Schnizern be- stuͤhnde: „Wenn das eine Sprache reich und „geschmeidig machet, sagt er, daß man sie ver- „derbt, wieder alle Regeln handelt, und fast „bey jedem Worte Schnizer macht; so ist ja „Hans Sachse unser geschmeidigster und bester „Poet gewesen, und man hat sehr uͤbel gethan, „daß man die Freyheit der alten Poeten in die- „sem Stuͤke gezaͤhmet. Man haͤtte ja billig das „ hahn, lahn, und stahn, beybehalten sollen, wie „die Jtaliener ihr Alma fuͤr Anima und speme „fuͤr spe sezen.„ Dieses Urtheil traͤgt das Brandmahl eines aufgebrachten Richters so deut- lich, daß ich mich vor den Engellaͤndern schaͤme, indem ich es anziehe; was Milton in zerstreuten Stellen, in einzeln Woͤrtern oder deren Zusam- menordnung vor Licenzen genommen, wird hier soweit aufgemuzet, als ob er seine ganze Sprache daraus formiert haͤtte. Ein paar Worte dieses Kunstrichters, die nach Miltons Schreibart ge- geben seyn sollen, verrathen noch mehr, was vor einen verkehrten Begriff er davon gehabt habe: „Addisons Cato, sagt er an einem Orte, lan- „get im Original, ich will einmahl auf gut Mil- „tonisch reden, nicht an das gedankentraͤchti- „ge, sinnenschwangere, und graͤßlich-erha- „bene Wesen Miltons.„ Dieses wird vornehmlich das seyn, was er Ziegle- rischen und Lohensteinischen Schwulst heißt, dessen er den Poeten beschuldiget. Doch hat er diesen nicht nur in dergleichen hochtrabenden Aus- druͤkungen, sondern auch in der ungeheuren Ein- bildung Von der Schreibart bildung und unrichtigen Urtheilskraft Miltons herr- schend gefunden. „Jch habe die Probe gemacht, „sagt er, und ganze Stuͤke aus dem deutschen „Milton mit aller moͤglichen Lebhaftigkeit Leu- „ten vorgelesen, die sonst im Lesen der Poeten „unverdrossen sind: Allein man hat theils an der „seltsamen und wiederlichen Art des deutschen „Ausdrukes, der sonst in allen unsern Buͤchern „unerhoͤrt ist, theils an den schrecklichen und wil- „den Gedanken des Poeten einen Ekel bekommen, „und mich aufhoͤren geheissen.„ Jch zweifele nicht, daß diese guten Leute das verlohrne Para- dies nicht in seiner Grundsprache eben so verdruͤß- lich gefunden haͤtten, weil Miltons Verse, nach dieses Richters Aussage, die er den Engellaͤndern selbst in den Mund geleget hat, sehr rauh und hart, seine Sprache altvaͤterisch ist, seine Wort- fuͤgung wider den Gebrauch und wider die Sprachlehre laͤuft, sein Ausdruck gezwungen ist. Die widerliche und unerhoͤrte Art des deut- schen Ausdrukes ist zweifelsfrey aus dem Origi- nale mit gehoͤriger Treue und Geschicklichkeit in die Uebersezung geflossen. Allein wenn der Ueberse- zer gleich die Sprache Miltons verschoͤnert haͤtte, wie Pietsch von Hrn. Prof. Gottsched das sonder- bare Zeugniß erhalten hat, daß er mit Fenelons Sprache im Telemach gethan habe, so waͤren doch die Gedanken des Poeten wild und schrecklich geblieben. Oder, sollte der Uebersezer wie die Schreibart des Poeten verschoͤnert, also die Ge- danken desselben und derer Personen, die er auf- fuͤhret, zahmer und menschlicher gemacht haben; sollte in Miltons verlohrnen Paradiese. sollte er dem Satan, Beelzebub, und Moloch, die zarten, lieblichen und fliessenden Gedanken eines deutschen Poeten in den Mund geleget haben? Als- dann waͤren sie vielleicht den geschickten Kennern, welchen der Criticus den deutschen Milton vorgele- sen hat, nicht so widerlich und seltsam vorgekom- men, daß sie ihn haͤtten aufhoͤren geheissen; zumahl da sie im Lesen der deutschen Poeten so unverdros- sen sind. Aber Satan, Beelzebub und Moloch waͤren dann nicht mehr Teufel mit teuflischen Gedanken geblieben, sondern in Amthore, Gott- scheden und Pietschen verwandelt worden. Oder will der Kunsttadler sagen, in Satans Gedan- ken selber, so fern sie als Satans, und nicht als des Poeten Gedanken betrachtet werden, sey Lo- hensteinischer und Zieglerischer Schwulst, und et- was zu schreckliches und wildes? Was vor Ge- danken aber koͤnnen zu aufgeschwollen fuͤr denjeni- gen seyn, welchen der Schwulst aus dem Himmel gestuͤrzet hat? Das thoͤrigtste waͤre, wenn der un- besonnene Richter den Schwulst, den der Poet in die Gedanken dieses hochmuͤthigen Geistes geleget hat, vor Miltons eigene Gedanken genommen, und in solcher Betrachtung verurtheilet haͤtte. Jm uͤbrigen werden von Milton nicht lauter Teufel aufgefuͤhrt, es kommen auch Engel in seinem Ge- dichte vor, und Menschen von der vollkommensten Art: Da moͤgte ich wissen, ob die Gedanken der- selben diesen Leuten von so poetischem Naturelle, denen sie von unserm Momus vorgelesen worden, eben so wild, schrecklich, und ekelhaft vorgekommen waͤren. Er sagt uns in seiner Schrift von dem Bathos Von der Schreibart Bathos in den Opern, Milton, der doch von vielen so bewundert worden, seit dem Addi- son und Steele ihn ihren Landesleuten so angepriesen, wuͤrde dem Dechant Swift gantz allein alle Exempel zu seinem Tractat von der Kunst zu kriechen haben hergeben koͤnnen; so viel falsche Hoheit steke in seiner Schreibart; der regellosen Phantasien zu geschweigen, da- von sein verlohrnes Paradies, auch selbst nach des Grafen Schaftesbuͤry Gestaͤndniß, uͤber- all voll sey. Hier geschieht nicht nur Milton son- dern auch Schaftesbuͤry Gewalt. Dieser war geschickter und gerechter, als daß er unsers Kunst- richters Anklage mit seinem Ansehen verstaͤrket haͤt- te. Er hat niemahls gedacht, noch gesagt, daß Miltons Paradies voll regelloser Phantasien sey. Er hat nur erwaͤhnet, daß Miltons Schreibart von Pun und Quibble noch nicht voͤllig rein sey. Nun heissen Pun und Quibble nicht abgeschmack- tes und phantastisches Zeug, wie der Tadler es uͤbersezet, sondern Spiele mit Worten und Schal- le, und kleine Spitzfuͤndigkeiten, dergleichen oben einige von uns ausgesezet worden. Dahin gehoͤ- ren auch: Die kleine ne Jnfanterie, die von den Kranichen bekrieget wird; eine neue Flut er- traͤnckte dich ebenfalls Adam, eine Flut haͤf- tiger Thraͤnen, und Schmerzen. Ovidius ist an dergleichen sehr reich, man mag ihn aufschla- gen, wo man will, so faͤllt uns ein Exempel da- von in die Augen: ‒ ‒ ‒ ‒ Ex omnibus unum Elige, in Miltons verlohrnen Paradiese. Elige, Myrrha, tibi, dum ne sit in omnibus unus. Metam. L. X. 317. Nunc quia tam meus est, non est meus. Ib. L. V. 339. Unter den Titel Pun und Quibble moͤgte man auch die zweydeutigen Spottreden Satans und Belials uͤber die Wuͤrkungen ihres teuflischen Ge- schosses bringen, welche dennoch in dem Munde des Vaters der Luͤgen eine gewisse eigene Anstaͤn- digkeit haben. Wer diese Kleinigkeiten in Mil- ton finden will, muß sie mit Fleisse, und lange suchen. Und diese wenigen sind in seinem Gedichte nur da- rum desto anstoͤssiger, weil sie darinnen so fremd sind. Wieder auf Miltons Gedanken zu kommen, welche gewissen Leuten von unsers scharfen Rich- ters Gesellschaft so widerlich, so wild, und ver- druͤßlich scheinen, so kennen wir auch eine Menge dergleichen, die in ihren Gewerb, ihre taͤgliche Lebensart, ihren kleinen Witz, ihre Provinzial- sprache, wie in einen Zauberkreis eingesperrt sind, so daß sie sich daraus nicht einen Fußbreit bege- ben duͤrffen. Miltons Thema von den Entschluͤs- sen, Meinungen und Handlungen der Engel, der Teufel, und solcher Menschen, die den uͤbrigen Menschen, ihren Nachkommen und Kindern, so ungleich sind, so viel erhabene Dinge, die Milton ihrem eigenen Character gemaͤß ausbildet, sind kein leichter Unterhalt fuͤr Leute, die in Amthors, Gottscheds, Neukirchs, Schule reden und denken, entschliessen und handeln gelernet haben. Satans, Beelzebubs, Michaels, Raphaels, Adams und Evens Reden sind der Sprache dieser deutschen Poeten Von der Schreibart Poeten so ungleich, als eben derselben Gedanken, Entschluͤsse und Geschaͤfte. Die Begriffe, die viele Leser von Miltons Worten nicht bekommen, und der Eindruck, der dann bey ihnen ausbleibet, zeigen nicht, daß die Worte, oder die Vorstel- lungen nicht geschickt seyn, sondern daß diese Leu- te zu dergleichen Begriffen und Sachen nicht ge- schickt seyn. Wie weit entfernt waren denn die- se, solche Begriffe und Dinge zu erfinden, da sie selbige sich nicht einbilden koͤnnen, nachdem sie schon erfunden sind? Es gehoͤrt kein plumper Geist da- zu, sich aus der Tiefe, in welcher wir niederge- druͤckt sind, zu erheben, und uͤber die Graͤnzen des Weltgebaͤudes hinwegzufliegen, hernach uͤber das ungemessene Chaos in den Kerker der verdamm- ten Geister uͤberzusezen, die Geschaͤfte und Anschlaͤ- ge der Einwohner in diesen dunkeln Gegenden zu verkundschaften. Und zu Ausdruͤkung dieser Ge- danken und Geschichte braucht es freylich fremde Bilder, seltsame Erscheinungen, ungewoͤhnliche Worte und Ausdruͤke. Jn Betrachtung dieser Dinge haben die Eng- laͤndischen Kunstverstaͤndigen nicht ohne Ursache ge- sagt, daß ihre Sprache unter Milton eingesunken waͤre, wenn er sie nicht gewußt haͤtte seinen Be- griffen gemaͤß zu erhoͤhen, und darum haben sie ihm die verschiedenen Arten von Freyheit, die er sich genommen hat, mit Willen und gerne gegoͤnnet. Und dennoch hatte die Englische Sprache ohne diese Beyhuͤlfe auslaͤndischer Sprachen solche ei- genthuͤmliche Eigenschaften, welche ungemein be- quem sind, den Vortrag vor Mattigkeit, Lang- samkeit, in Miltons verlohrnen Paradiese. samkeit, und Niedrigkeit, zu bewahren, und mit Licht, Leben und Nachdruck zu versehen. Nur einiger zu gedenken, wie reich ist sie an so verschie- denen und begriffreichen Mittelwoͤrtern, wodurch sie zwey und drey Glieder eines Sazes, die wir im Deutschen nicht anderst als durch so viele Saͤ- ze vortragen koͤnnen, ohne Dunkelheit in einem ein- zigen zusammenfasset? Was vor Dienste thut den Scribenten das Vermoͤgen dieser Sprache, die Verba Neutra, die eine Actionem imma- nentem bedeuten, so zu gebrauchen daß sie eine Actionem transeuntem anzeigen, und per Enal- lagen generis aus intransitivis zu transitivis und Activis werden Wie im Deutschen waͤre: Ein Pferd zu Tode ren- nen, seinen Gegner muͤde schreiben, die Zeit wegplau- dern; einen kranck trinken; einen in Verwunderung sin- gen; einen in das Paradies hinein betriegen. ; hingegen viele Activa intransitive oder als Neutra zu gebrauchen Er wollte nicht gern um der Religion willen brennen. ; die Activa bisweilen neutraliter, fast wie reci- proca zu sezen; zu den Neutris, die eine Actio- nem immanentem bedeuten, wie im Griechi- schen und Lateinischen, einen Accusativum vel suæ Originis vel congruæ significationis zu sezen, wie im Deutschen waͤre, den guten Kampf kaͤmpfen; den Tod der Gerechten sterben; das Leben leben; welches leztere ich in einem Schaͤ- ferspiele von Jacob und Lea sehr artig gebraucht sinde: Sollt’ ich also ein muͤssigs Leben leben? [Crit. Sam̃l. III. St.] J Was Von der Schreibart Was vor einen Reichthum besitzt sie an sogenann- ten Verbis facessentibus; was vor Vortheile geben ihr so viele und so verschiedene Gerundia, und daher entstehende Gerundial redensarten, da unsre Sprache nicht ein einziges Gerundium hat, wiewohl sie im vierzehnten Jahrhundert dergleichen besessen hatte; anderer und anderer Vortheile zu geschweigen, welche denjenigen nicht verborgen bleiben koͤnnen, die sich befleissen, aus der Engli- schen Sprache mit Beybehaltung des Nachdru- kes, der Kuͤrze, der genaubestimmten Abmessung, und der Mannigfaltigkeit im Ausdruke, zu uͤbersezen. Man kan hieraus wohl abnehmen, was vor Schwierigkeiten es giebt, Miltons Schreibart im Deutschen mit Nachdruck und Klarheit ohne Mattigkeit zu geben; nicht nur die Gedanken nach ihrem fluͤchtigen Umfange, sondern auch ihre Form, wodurch ihre Grade bestimmet werden, aus- zudruͤken. Denn ohne diese Sorge muß man noth- wendig in eine periphrastische Kaltsinnigkeit und Fluͤchtigkeit verfallen, dergleichen man dem Poe- ten Schuld gegeben, der Popens Versuch von dem Menschen in deutschen Versen uͤbersezet hat; man wird nur Uebersezungen machen, die gegen die Originale gestellt das seyn werden, was um- gekehrte Tuͤrkische Tapeten. Einige haben zwar dieses Gleichniß auf alle Uebersezungen ohne Unter- scheid, auch die moͤglichbesten erstreken wollen, worinnen sie aber zu weit gegangen sind. Ein Verstand, ein Geist, kan ohne Zweifel dem an- dern seine Gedanken durch die Rede mit einer Ge- nauigkeit zu verstehen geben, daß die Aehnlichkeit dersel- in Miltons verlohrnen Paradiese. derselben in beyder Kopfe ungleich vollkommener wird, als sie zwischen den beyden Seiten Tuͤrki- scher Tapeten ist; die Dinge mahlen gleiche Bil- der in gleichbeschaffenen Geistern, und die Saͤze haben eine gleiche Wahrheit in einem jeden gesun- den Verstande, der sie begreifet: Darum kan man nicht sagen, daß ein Bild, oder ein Satz, der von einem Menschen in den andern gebracht wird, umgekehret werde, wie mit den umgekehr- ten Tapeten geschieht. Wenn nun die Bilder und Begriffe erstlich diese vollkommene Aehnlichkeit in dem Kopfe des Uebersezers und des Urhebers haben, so wird er sie dann mit der Genauigkeit liefern koͤnnen, als er faͤhig ist, wenn er selbst der Urheber und Erfinder davon gewesen waͤre. Jch schmeichle mir nicht, alle erzehlten Schwie- rigkeiten uͤberwunden zu haben, ich will doch sa- gen, daß ich in meiner Uebersezung auf dieses alles die Gedanken gerichtet gehabt habe. Meine Le- ser thun mir auch ein voͤlligs Genuͤgen, wenn sie meine Bestrebungen Miltons Schreibart zuweilen nach seiner eigenen Weise auszudruͤken, nur fuͤr ei- nen Versuch nehmen, und wenn es ihnen scheint, daß ich seine Freyheiten wider das Naturell der deutschen Sprache gebraucht habe, mich andre Redensarten lehren, welche damit besser uͤberein- stimmen, und doch zugleich Miltons Gedanken, in Zahl, Gewicht, Maaß und Grad erschoͤpfen. Meine Furcht ist in waͤhrender Arbeit der Ueberse- zung bestaͤndig groͤsser gewesen, daß ich Miltons nachdruͤckliche, kurze und erhabene Schreibart nicht erreichen moͤgte, als daß ich durch die genaue J 2 Aus- Von der Schreibart Ausdruͤknng derselben gewissen Sprachlehrern un- deutsch scheinen wuͤrde; welchen Opitz selbst we- gen einiger geschickt nachgemachten Metaphern aus den Griechischen und Lateinischen Scribenten, barbarisch geschienen hat. Z. Ex. in dem Verse des Lobgedichtes von Mars: Dann ist es gar zu spat den Esel auszuschlagen. Wel- ches das Lateinische excutere asinum ist. Jch zweifle nicht, wenn ich mit meinen Erklaͤrungen der Erfindun- gen Miltons die Leser etwas tiefer in sein Vorneh- men und dessen Gruͤnde hineingefuͤhrt habe, daß die Miltonische Sprache ihnen schon leichter und fliessender vorkommen werde. Sollte dennoch unge- achtet aller meiner Bemuͤhungen das verlohrne Paradies den Jztlebenden die Lust nicht machen, welche meine Anmerkungen davon verheissen, und zwar auf diejenigen, die es im Englischen lesen koͤnnen, eben so wenig Eindruck thun, als auf andre, die es nur in meiner schwachen und pro- saischen Uebersezung lesen, so ist dieses ein Uebel, das in dem Laufe unsrer menschlichen Welt nur allzu gemein ist. Es ist so hergekommen, und wird ferner so seyn, daß der Verstand mit dem Unverstand, der Geschmack an dem Schoͤnen mit dem Geschmack an dem Schlechten und Mittelmaͤssi- gen in einem schweren Streit stehen, ja daß der Jrrthum oͤfters eine groͤssere Anzahl Anhaͤnger hat, als die Wahrheit. Aber eine Zeit mag kom- men, da die poetische Herrschaft, welche bisdahin den Gedichten in Deutschland mit ihrem Ansehen ein Schicksal nach ihrem Belieben zuwegegebracht hat, wird gestuͤrzet werden. Ein folgendes Ge- schlecht in Miltons verlohrnen Paradiese. schlecht Menschen wird seiner Phantasie einen weitern Kreis vergoͤnnen, sich darinnen umzuse- hen und zu uͤben, als diese enge Erde, oder auf dieser Erden die schmale Wissenschaft eines Hoch- zeitsaͤngers, oder eines Liebesdichters, oder die matten Empfindungen eines Lehrers der Rheto- rischen Figuren. Und diese erweiterte Phantasie wird ein hoher Verstand in ihrem Fluge regie- ren, wie bey Milton geschehen ist. Jn demsel- ben Weltalter wird Milton die Lust und das Wun- der der Deutschen seyn, und die Jztlebenden, wel- che Miltons Stoff, Erfindungen, und Vorstellun- gen so unnatuͤrlich und ausschweifend heissen, wer- den dann nicht nur ihren Schriften sondern auch dem Nahmen nach todt und vergessen seyn. Und vielleicht wird dieses Weltalter unmittelbar auf das unsrige folgen, so daß eine gute Anzahl von den Jztlebenden dasselbe noch erleben wird. J 3 Nach- Nachrichten von gelehrten Schriften. I. M An hat in dem Heumonate des laufenden Jahres an dem poetischen Horizont zu Leipzig eine ausserordentliche Lufterscheinung gese- hen, die anfaͤnglich jedermann in ein grosses Er- staunen Anmerkungen. Diese Nachrichten und Auszuͤge sind uns von Hrn. Conrector Erlenbach eingesandt worden. Er mag sich wohl selbst vorgestellt haben, daß wir Bedenken tragen wuͤr- den, eine Schrift in unsre Sammlung einzutragen, die bey ihrer guten Absicht, wegen der allzu scharfen Schreibart, nur dienen moͤgte, den unbaͤndigen Eifer einiger Leipzigischen Schriftsteller noch mehr zu reizen. Er hat darum vor noͤthig gehalten, sich in einem besondern Schreiben an uns gegen diese nicht ohne Grund vermuthe- te Bedencklichkeiten zu vertheidigen. Er thut dieses mit so buͤndigen Vorstellungen, daß wir uns nicht entbre- chen koͤnnen, seiner Schrift einen kleinen Platz allhier einzuraͤumen. Er sagt unter anderm: „Wir sollten „uns nur einmahl zu Gemuͤthe fuͤhren, mit was vor „Stoltz eine Zeit her einige ungehirnte Koͤpfe sich die „Vormundschaft der ganzen deutschen Nation angemas- „set, und nicht anderst geschwaͤrmt haͤtten, als ob ih- „nen der Ruhm des deutschen Wizes verpachtet waͤre. „Wie schimpflich und veraͤchtlich sie alle diejenigen, die „sich dem Tyrannischen Joch ihrer angemaßten Gericht- „barkeit nicht willig unterwerffen wollen, gemißhandelt „und ausgehoͤhnet: Mit welchem Trotz sie sich an dem „Ruhm der verstaͤndigsten Europaͤischen Nationen, der „Engellaͤnder und Franzosen, vergriffen: Und wie spoͤttisch „und unbescheiden sie in offentlichen Ausspruͤchen von „den Schriften der beruͤhmtesten Maͤnner geurtheilet „haͤtten. Nachrichten von gelehrten Schriften. staunen sezete, bis ein gewisser Schwabe, der als ein grosser Wahrsager und Zeichendeuter beruͤhmt ist, in einer offentlichen Anrede die ganze deutsche Nation der Poeten auf seinen Credit gutherzig versicherte, dieses ungewohnte Luftzeichen haͤtte eine eben so troͤstliche Bedeutung fuͤr das Reich der deutschen Poeten, als ehmahls die Erscheinung des ersten Regenbogeus nach der Suͤndflut fuͤr J 4 die „haͤtten. Was dann seine Schreibart betreffe, die uns „zuweilen etwas zu lebhaft und anstoͤssig vorkommen moͤg- „te, sollten wir uns nur erinnern, daß dieselbe noch „um einen guten Grad glimpflicher und hoͤflicher waͤre, „als die in den Leipzigischen Beytraͤgen gewohnte Criti- „sche Sprache. Er beruft sich dieser halben auf das „ XVII. Stuͤck dieser ebenerwaͤhnten Beytraͤge, und da- „selbst auf den dritten, vierten, und fuͤnften Artikel. Des- „gleichen St. XXI. 4ter u. 6ter Art. St. XXIII. 5ter Art. ꝛc. „Mithin, ob er gleich ein diesen kleinen deutschen Hof- „meistern verhaßter Schweizer sey, so habe er es doch „in der Grobheit noch nicht so weit getrieben, als „der Verfasser der Anmerkungen uͤber die Ausgebung „des Ergaͤnzungs-Stuͤkes, in denen Belustigungen „des Augustmonats, als welcher sich vermessen, ei- „nen offentlichen Lehrer aus einem leichtsinnigen Ver- „dacht mit den groͤbsten Anzuͤglichkeiten anzugreiffen, „wodurch dieser Verfasser seinem Vorbilde, dem Prof. „ Philippi an stolzer Wuth gleich, und fuͤr einen Liscov „reif geworden, der ihn auch durch eine wohlverdiente „Zuͤchtigung demselben vollends aͤhnlich machen doͤrfte. „Da inzwischen der erwaͤhnte Lehrer es unter die andern „Zufaͤlligkeiten rechnen werde, daß ihn ein Esel gestos- „sen, und dem Rath jenes sinnreichen Kopfs folgen, „der gesagt hat: wenn man von einem Schweine, dem „man nicht ausweichen koͤnne, besudelt werde, so sey „der beste Rath, daß man es trucknen lasse, und dann „ausreibe. Nachrichten die Einwohner der damahligen neuen Welt gehabt haben mag: Hingegen bedrohete eben dasselbige ih- re benachbarte Feinde, die Franzosen und Schwei- zer, mit einer schweren critischen Zuͤchtigung. Diese suͤsse Versicherung schmeichelte den unruhigen Ge- muͤthern der Saͤchsischen Dichter zaͤrtlich, und preßte ihnen tiefgeholte Seufzer ab, daß doch die- se so wohlgemeinte Schwaͤbische Weissagung ihre Hoffnung nicht betriegen moͤgte! Allein da in den folgenden Monaten dieses Luftzeichen sich gegen Mittag je laͤnger je weiter uͤber den deutschen Ho- rizont ausbreitete, so daß die hart bedrohten Ein- wohner der Schweizerischen Alpgebuͤrge, die sich um die poetischen Aspecte der deutschen Luft bekuͤmmern, es selbst gewahr wurden, und die erfahrensten Astronomos daruͤber zu Rath zogen, so fand sich nach einer genauen Untersuchung, daß dasselbe nichts anders waͤre, als ein seit einigen Jahren nicht unbekannter Nordschein, oder wie andere behaupten wollten, (verzeihet mirs, daß ichs vor keuschen Ohren nicht rein Saͤchsischdeutsch aussprechen darf,) ein wahrhafter ignis fatuus. Ein Kluger lacht euch aus, und sagt wohl gar dabey, Daß Schriften solcher Art der bloͤden Welt zum Schreken, Wie Mißgeburten sonst, des Himmels Zorn entdeken. Gottsched. II. Erst kuͤrtzlich ist wieder ein franzoͤsischer Schriftsteller hervorgewachsen, der in seinen Briefen von dem Character der deutschen Poeten dem deutschen Witze offentlich hohngesprochen, in- dem er diese nicht alleine uͤberhaupt beschuldiget, daß von gelehrten Schriften. daß sie oͤftern Ohnmachten und Bloͤdigkeiten, ja gar der fallenden Sucht, (die man auf gut Saͤch- sisch die schwere Noth heißt,) maͤchtig unter- worffen seyn; sondern denselben gar alle Geschick- lichkeit zum Erfinden mit trozigen Worten ab- spricht, und sich uͤberdies nicht entbloͤdet, sie (in dem X ten Brief Bl. 362.) durch ein schmaͤhlerisches Cartel aufzufordern: Nommez-moi un Esprit Createur sur vôtre Parnasse, c’est à dire, nom- mez-moi un Poëte Allemand, qui ait tiré de son propre fond un ouvrage de quelque re- putation; je vous en défie. Diese ungeheure Laͤsterungen, womit der Franzoͤsische Goliath das deutsche poetische Jsrael schmaͤhlerisch angegriffen, wollten dem redlichen Hrn. Magister S**, der sich schon lange Zeit als ein Feiltraͤger der Gottschedi- schen Schriften und des Breitkopfischen Verlags mit Nuzen brauchen lassen, fast das deutsche Hertz abdruken. Gottsched, Triller, Neukirch ꝛc. sol- len keine poetische Schoͤpfer seyn! Welche un- verschaͤmte Verlauͤmdung! Wer konnte besser wissen, mit was vor saurem Schweiß sie ihre unzaͤhlbaren Reimen und Verse aus den Fingern herausgesogen, als eben dieser Hr. Magister der einigen von diesen grossen poetischen Schoͤpfern in ihrer Arbeit als ein getreuer Handlanger bey- gestanden; und welcher Vernuͤnftige wird an dem Werth eines Buches zweifeln koͤnnen, das in ei- ner sehr kurzen Zeit etliche mahl hat muͤssen aufge- legt werden? Allein ungeachtet der Ungrund und die Bosheit dieser Verlauͤmdung allen redlichen deutschen Seelen von sich selbst offenbar seyn muste, J 5 so Nachrichten handelte dennoch der Hr. Magister sehr kluͤg- lich, daß er um der Schwachen willen auf eine offentliche Abfertigung dieses trozigen Philisters, und eine nachdruͤckliche Ehrenrettung des deutschen Wizes bedacht war. Jn dieser Ueberlegung hielt er vor das rathsamste, daß er ein allgemeines Land- Aufbot an alle, die sich der allgemeinen Noth des deutschen poetischen Reichs anzunehmen Muth und Faͤhigkeit haͤtten, ergehen ließ, und ihnen ei- nen allgemeinen Sammelplatz anwieß, von wel- chem sie auf die Franzoͤsischen und Schweizerischen Philister mit vereinigten Kraͤften loosgehen koͤnnten. Er steckte zu diesem Ende zu Leipzig vor dem Breit- kopfischen Hause die Fahne auf, auf welcher ein zottigter Baͤr, der sich in einer einsamen Wuͤsten auf seinen Hintern gantz geruhig niedergelassen, und mit zufriedenem Gemuͤthe an seiner Tatze sauget, mit der Aufschrift, Ipse alimenta sibi, kuͤnstlich geschildert war: Und es fanden sich so gleich eini- ge herrenlose Klopffechter daselbst ein, die sich un- ter diese Fahne anwerben liessen. Der Hr. Ma- gister fuͤhrte diese handfeste Truppen in den Hunds- tagen das erste mahl an den Feind, er selbst stell- te sich an die Spize, und that mit einem grossen Geschrey den ersten Angriff auf den feindlichen Haufen, der von dem Kriegserfahrnen Franzoͤsi- schen Officier, der aus seinen Lettres Françoi- ses \& Germaniques bekannt ist, commandirt wurde: Aber nach einigen leichten Versuchen, die mehr foͤrchterlich als gefaͤhrlich waren, zog sich der deutsche Feldherr mit seinem Voͤlcklein gantz vergnuͤgt wiederum in seine Sicherheit zuruͤke. III. Zu von gelehrten Schriften. III. Zu Leipzig koͤmmt seit dem Heumonat eine ansehnliche Monatschrift zum Vorschein, die we- gen ihrer stolzen Absicht die Aufmercksamkeit aller derjenigen verdienet, denen der Ruhm der deut- schen Musen recht von Herzen angelegen ist. Sie fuͤhret den praͤchtigen Titel: Belustigungen des Verstandes und des Wizes. Auf das Jahr 1741. Heumonat. Leipzig, bey B. Chr. Breitkopf. 8. sechs Bogen. Der Verfasser der- selben ist Herr Magister Joh. Joachim Schwa- be, der schon einige Jahre daher in Hrn. Breit- kopfs Diensten gestanden, und das Aufnehmen der deutschen Musen mit der Ausbreitung des Breit- kopfischen Verlags geschickt zu verbinden gewußt hat. Die besondere Absicht gegenwaͤrtiger Schrift, worinnen man einige Fruͤchte des deutschen Wi- zes und Verstandes zu sammeln willens ist, stel- let uns der Herr Magister auf dem Titelblatte in einem emblematischen Bilde vor Augen; wenn er die deutschen Poeten und Redner in einem feinen Kupferstiche unter dem Sinnenbilde eines sizenden Baͤren abbildet, der an der Tatze sauget, und solches mit der Aufschrift, Ipse alimenta sibi, erlaͤutert: Wodurch er den eigenthuͤmlichen Reich- thum und die Fruchtbarkeit des deutschen Wizes auf eine recht edle, lebhafte und sinnreiche Art er- hebet, und vertheidiget: Hr. M. Schwabe ist zu der Verfassung dieser Monatschrift durch die von einem ungenannten Franzosen neulich herausgegeben Lettres germa- niques verleitet worden. Dessen Unfug und Ver- laͤumdungen mit deutschem Muth abzufertigen, hat Nachrichten hat er allen faͤhigen Geistern Deutschlandes ei- nen Tummelplatz eroͤffnen, und eine erwuͤnschte Gelegenheit zeigen wollen, ihre kleinen scharfsin- nigen Aufsaͤze der Welt vorlegen zu koͤnnen. Denn er hatte sich vorgesezet, das leichtsinnige Gespoͤtte des franzoͤsischen Briefstellers nicht so fast durch theoretische Widerlegungen und weitlaͤuftige Er- weise, als vielmehr durch practische Proben abzu- weisen, und die ehrbare Welt von der Faͤhigkeit des deutschen Wizes durch die Empfindung zu uͤber- fuͤhren. Dieses ist auch unstreitig der beste und gewisseste Weg der Vertheidigung, eben wie die- ses die beste Busse ist, eine Thorheit nicht mehr begehen: Aber diese Art der Vertheidigung ist dabey die allergefaͤhrlichste; denn woferne die Pro- ben, auf die man den Credit des Wizes und Ver- standes einer ganzen Nation sezet, nicht von dem besten Schrote und Korn sind, so bekraͤftigen sie nicht alleine den Vorwurff eines verderbten Ge- schmacks und des Unverstands, sondern sind ein unausloͤschliches Denckmahl der Dummheit, und schlimmer als ein offentliches Gestaͤndniß der An- klage. Doch es scheinet, daß der Hr. M. Schwa- be keine Ursache habe einiges Mißtrauen in die Fruchtbarkeit und Faͤhigkeit des deutschen Wizes zu sezen, weil er sich zum Voraus anheischig ma- chet, alle Monate sechs Bogen voll sinnreicher Ge- danken und Einfaͤlle zum Beweisthum der uner- schoͤpflichen Kraft des deutschen Wizes zu liefern. Meine Leser werden verlangen, daß ich ihnen nunmehr einen naͤhern Unterricht von diesem gros- sen Vorhaben des Hrn. M. Schwabe ertheile; dessen von gelehrten Schriften. dessen heldenmaͤssige Absichten ich bisdahin ent- deket habe. Jch kan ihnen auch um so viel eher zu Willen werden, da der Hr. Magister die Guͤ- tigkeit gehabt hat, uns in einer weitlaͤuftigen Vorre- de unter mancherley Ausschweiffungen davon selbst auf das sorgfaͤltigste zu unterrichten. Er zeiget uns an, daß diese seine Arbeit von allen andern bey der deutschen Nation bisher so beliebten Mo- natschriften, auch von Hrn. Gottscheds critischen Beytraͤgen und den Nachrichten und Anmerkun- gen der deutschen Gesellschaft, darinnen vornehm- lich unterschieden seyn werde, daß er sein Augen- merck mehr auf die Muster, als auf die Regeln gerichtet habe: „Er sey nemlich gesonnen, in die- „ser Sammlung allerhand wohlgerathene, klei- „ne, fluͤchtige, Stuͤke; sie moͤgen von einer „Materie handeln, von was fuͤr einer sie wollen, „poetisch oder prosaisch, und entweder gedruckt „oder ungedruckt seyn, wenn sie nur deutsch „geschrieben worden, zusammen zu tragen. „Man werde nichts, was wizig, vernuͤnftig, „und tugendhaft ist, von dieser Sammlung „ausschliessen: Ernst und Schertz werden darin- „nen ohne Unterschied auftreten; auch die Ga- „lanterie werde daran Theil haben.„ Wenn aber die Haupt-Absicht dieser Monatschrift vornehm- lich dahin gehet, daß man durch wohl ausgear- beitete Proben kund mache, wieviel der deutsche Witz vermag; so wird man keinen blossen Ue- bersezungen, sondern allein den deutschen Origi- nal-Stuͤken, und aus Gnaden etwann auch ge- schickten Nachahmungen noch einen Raum ver- statten, Nachrichten statten, weil man darzu doch Witz noͤthig hat; da hingegen die Uebersezungen eine schlechte Arbeit sind, worzu eben kein Witz noͤthig ist. Zu En- de eines jeden Stuͤcks oder Monats wird man von denen auf der Leipzigischen Schaubuͤhne auf- gefuͤhrten Stuͤken jedesmahl eine Nachricht ge- ben, und zwar von den Original-Stuͤken wird man Auszuͤge mittheilen; die uͤbersetzten Stuͤke aber, womit sich die Deutschen noch meistens behelffen muͤssen, bloß anzeigen. Der Hr. Ma- gister hat sich hierinnen, wie in der ganzen uͤbri- gen Einrichtung seiner Monatschrist, den franzoͤsi- schen Mercur zum Muster genommen; ausgenom- men daß er die politischen Neuigkeiten und die Nachrichten von neuen Buͤchern eigenen dazu ge- wiedmeten Zeitungen und Journalen uͤberlassen wird. Er hat sich ohne Zweifel ein so schlechtes Muster mit Fleisse zur Nachahmung ausgewaͤhlet, damit er die Vollkommenheit desselben desto leichter erreichen, und in einigen Stuͤken noch uͤbertrefsen koͤnnte: Und ich zweifle keineswegs, er werde durch diese Schrift bey der Art Leser, die ihren feinen Geschmack an dem Mercure Galant, Mer- cure François, auch Mercure Suisse, zu ver- gnuͤgen gewohnt sind, die Ehre des deutschen Wi- zes leicht behaupten koͤnnen. Jn welchem Falle der trozige Franzoß mit seiner Aufsorderung, nom- mez-moi un Auteur Allemand, qui ait écrit un ouvrage de quelque reputation, zu spaͤte kom- men wird. Doch wenn ich meiner Muthmassung trauen darf, so will mich beduͤnken, daß der Hr. Magister dieses Bekaͤnntniß, daß er seine Mo- natschrift von gelehrten Schriften. natschrift bey den Franzosen abgesehen, nur in der Jronie abgelegt habe, damit er Gelegenheit bekaͤme, mit dem ungenannten Verfasser der Let- tres Germaniques anzubinden. Diese geistrei- che Herren sind in der Anwendung dieser spotten- den Figur so subtil und unbestaͤndig, daß man oͤfters nicht recht wissen kan, ob sie im Ernst re- den, was sie sagen: Es waͤre darum wohl zu wuͤnschen, das man dieselben verpflichten koͤnnte, daß sie nach dem Beyspiel der Mathematiker, (die ihre Saͤze absonderlich mit ihren Taufnahmen be- nennen und unterscheiden,) so oft sie diese Figur der Jronie brauchen wollen, die Jronische Rede allemahl absonderlich unter ihrem Titel sezen muͤß- ten, damit unschuldige Leser wissen koͤnnten, wo die Jronie anfange, und wo sie endige. Mithin mag meine angegebene Muthmassung so viel Grund haben, als sie will, so ist doch dieses gewiß, daß unser Hr. Magister dieses Bekaͤnntniß geschickt an- zuwenden gewußt, den Uebergang zu der Streit- frage von der Erfindungskraft der deutschen kleinen Geister unvermerckt zu machen: Und es ist eine rechte Lust zu sehen, wie er an dem guten Fran- zosen zum Ritter wird; mit welcher Geschicklich- keit er seine Worte verdrehet, ihm falsche Gedan- ken andichtet, mit welchem Eifer er dieselbigen widerleget, und dann bald darauf diese boshafte Verdrehungen mit dem Recht der Nachahmung entschuldiget. Wenigstens ist die Schlußstelle Bl. 10. von einem so uͤberzeugenden Nachdruck, daß der ungenannte franzoͤsische Schriftsteller schwerlich was dagegen einzuwenden haben wird: „Waͤren Nachrichten „Waͤren wir, heißt es, so zeitig als andere, „auf die Ausbreitung der schoͤnen Wissenschaften „in unserer Muttersprache gerathen: So wuͤrden „ vielleicht (ein schweres Vielleicht) diejenigen „izo von uns lernen muͤssen, welche wir uns zu „Mustern bey Befoͤrderung der freyen Kuͤnste „vorstellen.„ Auf diesen Thon muß man wissen bey seiner Armuth groß zu thun, wie jener Bett- ler, der den Edelmanu zu einer milden Beysteuer zu vermoͤgen, ihm mit Betheurungen verheissen, sobald er wuͤrde schlachten lassen, wollte er ihm dafuͤr gute Wuͤrste und Schinken zur Verehrung schi- ken. Wo man nicht auf gegenwaͤrtige Verdienste pochen kan, da muß man seine Scientiam me- diam zu Huͤlfe ruffen, und auf das, was unter gantz andern Bedingnissen und Umstaͤnden moͤg- lich gewesen waͤre, fein dreiste großsprechen. Aber meines Beduͤnkens hat es der Hr. Magister da- bey noch um etwas versehen, daß er durch das eingeschaltete Vielleicht in obiger Stelle noch ei- niges Mißtrauen bliken laͤßt. Woher mag wohl dieses Mißtrauen bey ihm entstanden seyn? Viel- leicht daher, daß er sich selbst heimlich erinnerte, wie so schlechten Fortgang die deutsche Poesie in einer Zeit von mehr als hundert Jahren seit des grossen Opizen Zeiten gehabt, so daß dieser grosse Vorgaͤnger, wenn er wieder auf Erden kommen sollte, sich der meisten von seinen Nachkindern schaͤmen wuͤrde. Weit kuͤhner und gluͤcklicher ist der Einfall, womit Hr. Schwabe die Schuld des schlechten Credits des deutschen Wizes von den Scribenten abzulehnen und auf die Dumm- heit von gelehrten Schriften. heit der deutschen Leser zu schieben weiß, wenn er sich Bl. 15. also vernehmen laͤßt: „Deutschland „ist von allem Witze und Verstande so leer nicht, „als man wohl denket. Allein unter hundert „kleinen Schriften werden kaum zehne solchen „Personen bekannt, welche deren Wehrt oder „Unwehrt recht zu schaͤtzen wissen. Es ist man- „ches artige Stuͤke darunter, welches mehr als „hundert Personen zu Gesichte kommen sollte, zu- „mahl da unter denen hundert Personen, die es „sehen, zuweilen nicht dreye sind, welche die „Schoͤnheit desselben erkennen, und es des Auf- „hebens wuͤrdig achten.„ Wer wollte nicht da- her, daß Deutschland an guten Kennern und Le- sern so arm ist, den richtigen Schluß ziehen, daß die deutschen Scribenten hiemit nothwendig geist- und sinn-reiche Koͤpfe seyn muͤssen? Wer diese Folge laͤugnen wollte, der wuͤrde eben so thoͤricht handeln, als wenn er die Moͤglichkeit der Plane- ten-Einwohner bloß aus dem Grunde nicht zuge- ben wollte, weil er sie mit seinen Augen nicht se- hen kan. Dem Hrn. M. Schwabe hat beliebt, (denn ein jeder Vater hat das Recht seine Kinder, die er selbst gezeuget, oder die er an Kindesstatt an- nimmt, nach Belieben taufen zu lassen,) diese Monatschrift mit dem Titel: Belustigungen des Verstandes und des Witzes, zu belegen. Wol- let ihr den Grund dieser Benennung wissen, die mit der Absicht des Verfassers eben nicht die naͤch- ste Uebereinstimmung hat, so kan ich euch aus dem Munde des Hrn. Magisters berichten, daß [Crit. Sam̃l. III. St.] K er Nachrichten er diese Monatschrift vielmehr in Absicht auf die Form; als in Absicht auf die Materie und den Jn- halt derselben, mit dem Titel der Belustigungen ausgezieret hat. „Belustigungen, sagt er Bl. „17. muͤssen keine Arbeiten seyn, und nicht ermuͤ- „den; und man theilet allhier auch nur solche „ kleine Schriften mit, von denen man dieses „nicht sagen kan.„ Versteht sichs, daß sie als Arbeiten den Leser ermuͤden werden. Der Schluß ist gantz richtig: Alles was den Leser nicht ermuͤ- det, das muß ihn nothwendig belustigen; kleine Schriften werden den Leser nicht ermuͤden, de r o- wegen muͤssen sie ihn nothwendig belustigen. Der Hr. Magister gruͤndet auf dieses die feste Hoff- nung, daß andere sich bey deren Durchlesen belustigen werden: Sollte aber gleich diese Hoff- nung fehlschlagen, so tragen nichts desto minder diese gesammelte kleinen Schriften den Nahmen der Belustigungen mit Recht, weil deren Ver- fasser sich bey ihrer Verfertigung belustiget haben. Jn einem Schauspiele werden die Scenen da- durch mit einander verbunden, daß selten ei- ne Person von der Buͤhne weggehet, bevor sie den Auftritt einer andern ankommenden Person verkuͤndiget hat: Auf dieselbe Weise hat der Hr. Magister die Vorrede mit dem folgenden Stuͤke der Sammlung geschickt zu verbinden gewußt, da er an dem Ende der Vorrede das Jronische Schrei- ben an den Herausgeber wegen der Unnuͤtzlich- keit seines Vorhabens, welches Bl. 18. die erste Scene eroͤffnet, verkuͤndiget; nemlich bevor er diesem von gelehrten Schriften. diesem ungenannten Briefsteller, der vielleicht mit Hrn. M. Schwaben in einer Haut steket, das Wort uͤberlaͤßt, fuͤhret er mit einer hoͤflichen Mine einen zureichenden Grund an, damit er sei- nen unvermutheten Abzug entschuldige, wobey er dennoch Hoffnung machet, daß er etwa mit Gele- genheit wieder zum Vorschein kommen doͤrfte: Die Stelle ist an sich selbst so vortrefflich sinn- geist- und wortreich, daß ich mich nicht entbre- chen kan, selbige als ein Muster der deutlichen, reinen und wohlfliessenden Saͤchsischen Schreibart anzufuͤhren, zumahl da sie wegen ihrer Kuͤrze nicht ermuͤden kan, und also nothwendig belustigen muß. Sie lautet: „Ein mehrers hat man dem gefaͤlli- „gen Leser izo nicht zu sagen. Sollte aber kuͤnf- „tig noch etwas zu erinnern vorfallen: So wird „man Gelegenheit nehmen, solches gehoͤrig bey- „zubringen. Nachdem ich also meinen Lesern durch eine voll- staͤndige Beschreibung der kuͤhnen Absicht, und des grossen Vorhabens unsers Hr. Magisters die Zaͤhne lang und das Maul waͤssernd gemacht, so koͤnnen sie mit Recht von mir erwarten, daß ich ihnen von den sieghaften Proben des deutschen Wi- zes und Verstandes, die in dem Heumomat ent- halten sind, eine zuverlaͤssige Nachricht, und ei- nige von den besten Mustern vorlege und mittheile: Um soviel mehr, als nicht zu zweifeln ist, daß nicht bey einem so reichen Vorrath von Materialien, die Wahl fuͤr das erste Stuͤk auf die besten Prob- schriften werde gefallen seyn; es waͤre denn Sa- che, daß die Hrn. Verfasser wie Horatz gesinnet K 2 waͤren, Nachrichten waͤren, der von sich gestehet: Exfumo dare lu- cem cogito. Jn der Absicht meine Leser zu ver- gnuͤgen, will ich demnach die Probstuͤke, die das Recht der Erstgeburt erhalten haben, und am be- sten von der noch ganzen und unerschoͤpften Kraft des deutschen Witzes zeugen koͤnnen, untersuchen, und die merckwuͤrdigsten Stellen, die den benach- barten Franzosen und einigen ungerathenen Schwei- zern ein rechter Dorn in Augen seyn muͤssen, be- leuchten. Das erste Stuͤck ist Bl. 18. das oben erwaͤhnte Schreiben an den Herausgeber, von welchem ich vermuthet habe, daß es aus der Fe- der des Verfassers geflossen sey, und daß der Ver- fasser und der Herausgeber nur in einer Haut ste- ken. Dasselbige kan statt einer zweyten Vorrede dienen, in welcher dem Verfasser der Lettres germaniques beylaͤuftig mancher Stich, der nicht blutet, versezet wird. Jn seinem Jnhalt ist es eine schimpfliche Satyre wider den schlimmen Ge- schmack der deutschen Leser, auf welchen sich die Propheceyung dieses Briefschreibers gruͤndet, daß diese Monatschrift keine Leser finden werde, und also dieses Vorhaben unnuͤtzlich sey. Der Hr. M. Schwabe giebt uns in der Vorrede den Schluͤssel, die wahre Absicht dieses Schreibens zu entdeken, wenn er Bl. 17. davon sagt: „Man „uͤberlaͤßt es der Folge der Zeit, ob diese Schrift „wuͤrcklich das Schicksal haben werde, welches „er ihr prophezeyet.„ Er sagt dieses mit desto groͤsserer Zuversicht, weil er wohl weiß, daß aus- ser denen in diesem Schreiben angefuͤhrten Gat- tungen schlimmer Leser, es noch eine unzaͤhlbare Menge von gelehrten Schriften. Menge Leser von verderbtem Geschmack giebt, die an frostigen Witzspielen und seichten Schriften ih- re Belustigung suchen, und deren Anzahl den Hrn. Breitkopf gewiß schadlos halten wird. Jch fin- de in diesem Schreiben auf der 27sten Seite eine Stelle, wo der Verfasser den lieblosen Franzo- sen auf eine so geistreiche und buͤndige Art abwei- set und zum Gespoͤtte machet, daß ich sie der weit- laͤuftigen Schutzschrift, die in der Vorrede ent- halten ist, weit vorziehe. Es heißt: „Der sinn- „reiche Verfasser von den Lettres germaniques „fordert, daß man ihm nur einen Schoͤpfer un- „ter den deutschen Dichtern zeigen solle: Und „er kan gewiß seyn, daß seine Forderung nicht „werde erfuͤllet werden, da er sie an einen Sol- „daten richtet, dessen Unwissenheit er kennet.„ Wuͤrde er seine Forderung an einen Saͤchsischen Poeten, deren Anzahl bald so groß ist, als der Flie- gen in den schwuͤhlen Sommertagen, gerichtet haben, so wuͤrde ihm ein jeder in seiner eigenen Person einen Schoͤpfer haben zeigen koͤnnen; nur mit dem Unterschiede, daß dieselbigen bey ihrer Schoͤpfungs-Arbeit mehr die Haͤnde, als den Kopf abmatten. Damit ich aber meinen Lesern auch ein Muster von der geschickten Jronie, die in diesem Schreiben herrschet, vor Augen lege; so will ich die Stelle, die sich auf die auswaͤrti- gen Leser beziehet, und Bl. 26. zu finden ist, her- sezen: „Sie verlassen sich vielleicht auf den Bey- „fall der Auswaͤrtigen. Jch weis wohl, daß „der Leipziger Witz und die Leipziger Lerchen an- „derwaͤrts am meisten gelten. Allein, glauben K 3 „sie Nachrichten „sie wohl, daß auch ihr Werck bis an die ent- „gegengesetzten Graͤnzen Deutschlands komme? „von dem Orte an, wo sich die Elbe ins Meer „geußt, bis dahin: ‒ ‒ Wo die Lindmat dort das alte Zuͤrich theilet, Und wo um Nuͤchtlands Haupt die Aar gebogen eilet. „Bilden sie sich doch nicht ein, daß ihre Samm- „lung von Leipziger Sachen, die sonst verloh- „ren giengen, wie sie unlaͤngst jemand nennen „wollte; daß ihre Arbeit ungenannter und unbe- „kannter Verfasser, die Ehre haben werde, die „den Schriften beruͤhmter Maͤnner wiederfaͤhrt.„ Jch kan Hrn. M. Schwaben zur Beruhigung seines Gewissens im Vertrauen versichern, daß seine monatliche Belustigungen bey uns in der Schweitz besser gebraucht werden koͤnnen, als die Leipziger-Lerchen; allermassen diese Belustigun- gen, wenn sie noch gantz frisch bey uns ankom- men, wenigstens nicht stinken: Und es giebt bey uns noch eine gute Anzahl Leser, die sich am Durch- lesen kleiner Schriften weniger ermuͤden, und folg- lich noch mehr belustigen, als an dem Reiche der Todten oder dem Allgemeinen Lexicon, davon uns doch das guͤtige Leipzig einen so grossen Vorrath geliefert hat, daß unsre spaͤthen Nachkoͤmmlinge noch Papier uͤbrig haben werden, ihre Kaͤse und Zieger darein zu paken, die sie an Fremde senden muͤssen. Das zweyte St. dieser Sammlung ist ein Schreiben der Wahrheit an Se. Hochgraͤfliche Excellentz den Herren von Manteuffel an des- sen Gebuhrtstage den 23. Jul. 1740. Es scheint, daß von gelehrten Schriften. daß auch dieses poetische Schreiben aus der Feder des Hrn. M. Schwaben geflossen sey, allermas- sen er in der Zuschrift dieses Heumonats an des Hr. Reichsgrafen Excellentz sich auf dieses Schrei- ben ausdruͤcklich beruft; wenn er beylaͤuftig sagt: „Mein Kiel ist zu unvermoͤgend, als daß er ei- „nen geschickten Herold von dero preiswuͤrdigen „Thaten abgeben koͤnnte. Die Wahrheit hat „auch dieses Amt bereits mit weit gluͤcklicherm „Erfolge uͤbernommen, und ich beziehe mich izo „auf ihr Schreiben, welches Ew. Excell. in die- „sen Blaͤttern wiederum finden werden.„ Es stehet Bl. 31. und es soll nach der Absicht des Poeten ein feines Lob, wie es in dem Munde der Wahrheit wohlstaͤndig ist, auf diesen vornehmen Herrn enthalten. Allein es zeigt sich auch an diesem Beyspiele, daß oͤfters die besten Absichten und die gluͤcklichsten Erfindungen fehlschlagen koͤnnen, wenn sie von einem seichten Kopfe aus- gefuͤhrt werden sollen; und wenn man dieses vor ein Meisterstuͤck des deutschen Witzes ausgeben wollte, so wuͤrde man durch diesen Ausspruch die deutschen Meisterstuͤke unendlich vervielfaͤltigen. Doch ich irre, daß ich ihm den Titel eines Mei- sterstuͤcks streitig machen will, wenn es anderst seine Richtigkeit hat, daß Hr. M. Schwabe des- sen Verfasser ist, denn Meister-Saͤnger koͤnnen nichts als Meisterstuͤke zur Welt bringen. Der Anfang dieses poetischen Schreibens lautet: Du wunderst dich vielleicht, gepriesner Maͤcenat, Warum die Wahrheit dir noch nie geschrieben hat? Dieses ist in dem Munde der Wahrheit ein biß- K 4 gen Nachrichten gen zu frech und boshaft, massen diese Zeilen alle andern Personen, die bisdahin an diesen vorneh- men Herrn und Reichsgrafen geschrieben haben, einer leichtsinnigen Schmeicheley, und den Herr Reichsgrafen selbst einer Bloͤdigkeit solchen das Ohr zu leihen, offenbar bestraffen; welches mit der Haupt-Absicht des Poeten sich eben so wohl reimet, als die Unverschaͤmtheit mit dem Lobe. Wollte man sagen, des Poeten Meinung in die- sen Zeilen sey nur zu erinnern, daß noch keiner von den andern Lobrednern ihrer Reichsgraͤflichen Ex- cellentz auf die poetische Erfindung gefallen sey, die Wahrheit als eine Person redend einzufuͤhren; so wuͤrde diese Ausflucht selbst ein Zeugniß von ei- ner unzeitigen und ruhmraͤthigen Prahlerey able- gen, und einen so matten Sinn an die Hand ge- ben, der von dem Verfolge selbst bestritten wuͤrde. Auf der 32sten Seite, wo die Wahrheit sich er- klaͤrt, was sie bisanhero abgeschreckt habe, an ihre Excell. zu schreiben, heißt es: Dieß hat mich, grosser Graf, bisher noch abgeschreckt: Der Staatsmann hatte mir den Wahrheits-Freund verdekt. Doch hab ich dich geliebt. ‒ ‒ ‒ ‒ Hier macht sich diese Schwaͤbische Wahrheit aber- mahl recht unnuͤtze, wann sie sich nicht scheuet, ei- nem so grossen Manne unter das Angesicht zu sa- gen: „Sie, die Wahrheit, habe Jhn zwar fuͤr „einen Staatsmann, aber nicht fuͤr einen Freund „der Wahrheit erkennt, und doch geliebet.„ Diese Wahrheit mag wohl selisame Begriffe von einem aͤchten Staatsmanne haben, wenn sie den Wahrheitsfreund davon trennen kan. Sie wird ihn wohl nach den Regeln des Machiavells abbil- den. von gelehrten Schriften. den. Der Poet aber hat es wohl so boͤse nicht gemeinet, als er es wuͤrcklich sagt, massen er auf der 33sten Seite in einem Gegensaze dergleichen Cha- racter selbst verabscheuet: Was ist doch wohl ein Mensch, dem mein Erkaͤnntniß fehlt? Ein unvernuͤnftig Thier, das Wahn und Blindheit quaͤlt. Ein Freund der Tyranney, die alles das verdammt, Was nicht aus ihrem Sinn, aus ihrer Lehre stammt. ꝛc. Das Versehen ist nur dieses, daß der gute Mann vermeint hat, die Wahrheit koͤnne so leicht durch Jrrthum betrogen werden, als er selbst; und daß er so bald wieder vergessen, daß er sein Wort der Wahrheit uͤbergeben hat. Die vier schoͤnsten Zei- len in diesem Schreiben stehen auf der 35sten Sei- te, und damit man sehe, daß es mir nicht ver- drießlich faͤllt, was sich mir als schoͤn anpreiset, auch also vorzustellen, so will ich sie zu einem Mu- ster hersezen: ‒ Wer durch Lehren erst den Menschen Mensch seyn lehret, Geht dem gekroͤnten vor, den nur das Schmeicheln ehret; Und den, wenn seine Macht ihn vor der Schande deckt, Doch innerlich die Furcht vor meinem Urtheil schreckt. Das dritte St. dieser geistreichen Sammlung ent- haͤlt Staats- und gelehrte Zeitungen des Ca- klogallinischen Correspondenten N. I. Anno 1738 und koͤmmt auf der 36sten Seite vor. Die- ses ganze Stuͤck, welches mehr als einen halben Bogen anfuͤllet, ist ein rechtes Muster von des deutschen Harlequins Witz, Einfaͤllen und Spra- che, die dem Verfasser gelaͤufiger ist, als die Swiftische Schreibart, die er doch mit grosser K 5 Ge- Nachrichten Geschicklichkeit ausgedruͤckt zu haben scheinen will. O Imitatores servum pecus! \&c. Welcher Sauertopf will sich des Lachens erwehren koͤnnen, wenn er Bl. 39. liest. „ Flanflasnick, den 10. „Maͤrtz. Allhier ist ein Mann von 100. Jahren „gestorben, welcher noch vor 15. Jahren eine „Frau von 95. Jahren geheirathet, mit der er „Kinder gezeuget haben wuͤrde, wenn sie nicht „beyde schon so lange die Krone der Ehren getra- „gen haͤtten. Jmgleichen hat vorgestern ein star- „ker Sturm aus Suͤdost, in umliegenden Ge- „waͤssern, eine solche Ueberschwemmung verur- „sachet, daß dadurch alle Bruͤken eingeaͤschert „worden sind.„ Und Bl. 38. Lugnagg, den „29. Febr. Jhro M. der Koͤnig sind vorgestern mit „einem allerhoͤchsten Schnupfen befallen worden, „weswegen sich dieselben gestern ein allerunter- „thaͤnigstes Clystir sezen lassen, so auch seinen „treugehorsamsten Effect gethan. ‒ ‒ ‒ ‒ „Sonst ist hier neulich ein Edict publicirt wor- „den, nach welchem verbothen worden ist, kuͤnf- „tighin bey den Mittagsmahlzeiten Lichte anzu- „zuͤnden. Dieser Befehl doͤrfte in fremden Lan- „den viel Aufsehens machen.„ Man darf nur ein kleines Muͤsterlein von dieser Schreibart den geistreichen Franzosen verstaͤndlich machen, so wer- den sie gezwungen erkennen muͤssen, daß die deut- schen von Witz uͤberfliessen, und rechte Ertzlustig- macher sind. Doch es hat schon einige unter den Franzosen, denen die deutschen geistreichen Schrif- ten nicht versiegelt sind, die diese Wahrheit erken- nen, und davon ein offentliches Zeugniß abgele- get haben: Wie zum Exempel der franzoͤfische Officier, von gelehrten Schriften. Officier, der die Lettres germaniques geschrie- ben hat, in dem X ten Brief Bl. 355. bekennet: Il n’est point étonnant de voir ici un Bouffon en titre d’Office. Und an einem andern Orte Bl. 349. En Allemagne un homme d’esprit \& un bouffon, ne sont qu’une même chose. Und bald hernach: Il n’y a que les bouffons, qui fassent fortune dans ce pays. Wenn nach dem eigenen Gestaͤndniß dieses Franzosen ein bouffon und ein homme d’esprit gleichguͤltig sind, mit was vor einem Gewissen kan derselbige denn den Deutschen den Witz absprechen? Das vierte St. dieser Sammlung ist eine Sap- phische Ode von Hrn. Magister Th. L. Pit- schel an seinen Hrn. Bruder D. Friedr. L. Pit- schel, von der Unsinnigkeit der Gottes-Veraͤch- ter. Bl. 45. Diese Ode ist wohl geschrieben, und verdienet, sowohl in Absicht auf die Verse, als die Fluͤssigkeit der Schreibart, und den Schwung der Gedanken ihr billiges Lob. Nur kan man mit Grund sagen, daß sie ausser der Sapphischen Scansion und dem Reime nicht viel poetisches an sich habe; welches Urtheil aber nicht die Ausfuͤh- rung tadelt; sondern eine andere Absicht als Hr. Pitschel gehabt, zum Grund der Ausfuͤhrung er- fodern wuͤrde. Die erste Strophe lautet: Jst es auch moͤglich, daß aus Welt und Sternen Sehende Menschen Gott verkennen lernen? Daß wir den Schoͤpfer unter Kraut und Thieren Gaͤntzlich verlieren? Mich will fast beduͤnken, daß die Sternen dem Reime zu gefallen auf der ersten Zeile erschienen seyn, zumahlen da sie den Begriff von der Welt nicht Nachrichten nicht erweitern. Und in der dritten Zeile duͤnken mich Kraut und Thiere nicht zum besten geweh- let, den Verlust des Schoͤpfers als unmoͤglich vorzustellen; weil Kraut und Thiere nur in einer Nebenabsicht, in so ferne sie als Geschoͤpfe Got- tes betrachtet werden, zur Betrachtung des Schoͤp- fers fuͤhren, da sie sonst zum Nuzen und Dienst der Menschen geschaffen worden sind. Wenn man sich nun diese Nebenbetrachtung nicht gegen- waͤrtig machet, so ist der Zusammenhang und die Schluͤssigkeit des Gedankens um etwas dunkel und versteckt. Allein ich bescheide mich wohl, daß die Deutlichkeit in dieser Art Verse dem Zwang der Reime und des Sylbenmasses oͤfters nachgeben muß. Das fuͤnfte St. Bl. 49. hat die Aufschrift: Der deutsche Dichterkrieg. Erstes Buch. Es ist dieses der Anfang eines kleinen Epischen Gedichtes in Prosa, nach dem Muster des Pul- tes von Boileau, und Tassons Secchia rapita, welches einen geraubten Wasser-Eimer, nicht aber, wie Hr. Gottsched in dem fuͤnften Band seiner Beytraͤge Bl. 169. und seine Schuͤler hier und da behaupten, ein geraubtes Siegel bedeutet. Es verdienet auch dieser erste Gesang eine besondere Betrachtung, die uns vermuthlich in einige Weit- laͤuftigkeiten hineinfuͤhren koͤnnte, dahero ich hier nichts mehrers davon melde. Das sechste St. ist ein Schaͤfergedichte, verfasset von Gottl. Benjamin Straube. Es muß Hr. M. Schwabe seine vormahligen ver- aͤchtlichen Gedanken von dieser Art Gedichte seit wenig Jahren sehr geaͤndert haben, daß er dieses Stuͤck von gelehrten Schriften. Stuͤck unter die Proben des deutschen Witzes in seine Sammlung aufgenommen hat: Denn in dem Jahr 1736. als er die Gottschedischen Gedich- te herausgegeben, hat er in der lustigen Vorrede, womit er diese Gedichte anbefehlen wollen, sehr veraͤchtlich von den Schaͤfergedichten geurtheilet. Er hat gesagt: „Es wird dich nicht wenig Wun- „der nehmen, geliebter Leser! daß du hier den „Titel, Schaͤfergedichte, nicht gewahr wirst. „Wundere dich aber daruͤber nicht; du weist, „daß ein Dichter die Natur zum Vorbilde hat, „und nur deren Schoͤnheiten nachzuahmen sucht. „Wo zeigt aber izt die Natur das alte Schaͤfer- „leben? Wo herrscht die Unschuld, die darin- „nen vorkommen soll? Wo ist die guͤldene Frey- „heit, die reine Liebe und die tugendhafte Ein- „falt, die das Wesen derselben sind? Wie kan „nun ein Dichter das wieder vorstellen, was er „nirgends mehr erblickt? Gebt uns erst das al- „les wieder, dann wollen wir euch Schaͤferlie- „der genug singen: Jzt verzeiht es uns nur, daß „wir euch mit keinen Hirngeburten unterhalten, „denen ihr doch nicht aͤhnlich seyn wollt.„ Der gute Mann muß damahls noch geglaubt haben, ein Dichter brauche nichts weiter als gute Augen; er doͤrffe die Sachen nicht vorstellen, wie sie in andern als den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden seyn koͤnnten; sondern nur wie sie wircklich seyn; die Natur habe alle ihre Kraͤfte gaͤntzlich erschoͤpft, und also stehe nichts mehrers in ihrem Vermoͤgen, als was sich aus ihren Wirkungen erzeiget, d. i. ein Poet sey kein Dichter, sondern ein blosser Hi- storicus der Natur. Allein wer dieses Gedichtes welche, Nachrichten welches einen furchtsamen Liebhaber natuͤrlich be- schreibet, liest, der wird sichs nicht Wunder neh- men lassen, daß Hr. M. Schwabe seine alten um etwas plumpen Begriffe, bey denen es ihm sonst bloß halb Ernst gewesen, verlaͤugnet hat; zumahlen da das Gedicht, an sich selbst betrachtet, den Character eines furchtsamen Liebhabers nach der Natur ausdruͤket und beschreibet: Nur laͤßt sichs fast zweifeln, ob dieser Character fuͤr den ehmahligen Stand der Unschuld und Freyheit nicht zu weit getrieben sey, und ob er seine genugsame relatife Wahrscheinlichkeit habe? Sonst hat der geschickte Verfasser auch selbst in dem Ausdruke und der Mundart den Character seines Schaͤfers recht gluͤcklich nachgeahmet. Eine einzige Stelle duͤnckt mich ein wenig zu gekuͤnstelt; Bl. 70. ‒ ‒ ‒ ‒ Wer weis es, ob auch nicht Die Furcht, daß sie mich flieht, sobald ich mich erklaͤret, Dem aͤngstlichen Gestehn den leichten Ausdruck wehret. O Kind, ich bin dir gut ‒ ‒ ich bin ‒ ‒ dir ‒ ‒ gar zu gut. Und weiter kan ich nicht, ich seh verschaͤmt in Hut. Die Redensart: Die Furcht wehret dem aͤngst- lichen Gestehn den leichten Ausdruck, ist fuͤr diesen Philander schier zu hoch, und das Einschieb- sel, daß sie, so bald ich mich erklaͤret, fliehen werde, macht dieselbe noch um etwas dunkel und verworren. Aber die Anmerkung; ich seh ver- schaͤmt in Hut, ist recht mahlerisch. Das siebende St. hat die Aufschrift: Kurzer Erweis, daß sich alle Studierende eine histo- rische Erkaͤnntniß von guten Kuͤnsten und Handwerken zuwegebringen muͤssen. Der ganze Erweis beruhet auf folgenden Sazen: „Al- „le von gelehrten Schriften. „le gelehrten Leute muͤssen Philosophen seyn; we- „nigstens muͤssen sie in der Naturlehre keine Fremd- „linge seyn: Die Kunst hat mit der Natur ei- „nerley Absichten, und beyde machen die herrli- „chen Eigenschaften Gottes kund: Ergo muͤssen „alle Studierende sich von Kuͤnsten und Handwer- „ken wenigstens eine historische Erkaͤnntniß zuwe- „gebringen.„ Es ist wohl zu bedauren, daß der praͤchtige Nahme eines Erweises von einem je- den Schul-Regenten entweihet wird, seinem ver- worrenen Gewaͤsche ein Ansehen zu machen. Jn der Ausfuͤhrung dieser angenommenen Grundsaͤze koͤmmt noch manches vor, welches von demselben Gelichter ist: Als, wenn der Verfasser bey Anlaß des ersten Grundsazes erweiset, daß auch die Phi- losophen Philosophen seyn muͤssen Bl. 74. „Von „den insbesondere sogenannten Weltweisen darf „ich nichts erwaͤhnen; weil der Nahme die Sa- „che an sich selbst unmittelbar bezeichnet.„ NB. Dieses ist Saͤchsischdeutsch. Ferner wenn er Bl. 76. folgenden Schluß machet, auf welchen er sei- nen dritten Grundsatz gebauet hat: „Was die „Menschen durch die von Gott verliehene Kraͤfte „zur Nothdurft, Bequemlichkeit, und zu ihrem „Vergnuͤgen erfinden, das ist eine goͤttliche Ab- „sicht. Ergo sind alle Kuͤnste und Handwerke „Absichten und Erfindungen Gottes: Wir muͤs- „sen sie nicht anders ansehen, als Ausfluͤsse des „goͤttlichen Verstandes. ꝛc.„ Jch wollte nicht gerne sagen, daß die Kunst Spiel-Charten zu ma- chen, das Seil-Tanzen ꝛc. in den goͤttlichen Absich- ten gegruͤndet waͤren, wenn sie schon durch des Men- schen Kraͤfte moͤglich sind, und zu seinem Vergnuͤ- gen Nachrichten gen gebraucht werden. Aber der Verfasser mag wohl nicht nachgedacht haben, wie weit dieser an- genommene Satz fuͤhrt: Alles was durch die menschlichen Kraͤfte moͤglich ist, und zu des Menschen Vergnuͤgen gereichet, ist der goͤttli- chen Absicht gemaͤß, ja ein Werck Gottes; sonst wuͤrde er ihn wohl nicht zum Grunde seines Erwei- ses geleget haben. Dergleichen Erweise wuͤrden sich besser in eine Sammlung von Schuluͤbungen, als unter die Meisterstuͤke des deutschen Verstan- des und Witzes schiken. Jn dem 6ten und letzten Bogen sind noch vier kleine Stuͤke enthalten, von denen ich bloß den Titel hersezen will. Das erste ist eine Fabel, der Schaͤfer und die Sirene: Wo die Ausbil- dung gluͤcklicher ist, als die Erfindung. Das zweyte ist ein Briefwechsel zwischen einer Manns- person und einem Frauenzimmer, warum man dem schoͤnen Geschlechte nur in einer ar- tigen Kleidung gefaͤllt. Das dritte ist eine Abbildung der Jugend in vier Strophen. Und das letzte eine Nachricht von denen im vorigen Monate in Leipzig aufgefuͤhrten Schauspielen, von ꝛc. ꝛc. Ein aufgeweckter, aber dabey etwas leichtsinniger Kopf hat, nachdem er diesen Auszug gelesen hatte, den Einfall gehabt, diese Monat- schrift wuͤrde in Absicht auf die meisten Stuͤke mit besserm Recht den Titel fuͤhren koͤnnen: Die MENSES der deutschen Musen zur allgemei- nen Belustigung aufgefasset von M. Johann Joachim Schwabe. Das Das Complot der herrschen- den Poeten u. Kunstrichter. D As Papier war so wolfeil geworden, und die Pressen hatten sich so starck vermeh- ret, daß ganz Deutschland von Schriften uͤber- schwemmt ward, worinnen keine Erfindung, kein Nachdruck, kein Affect, keine Ordnung war. [Crit. Samml. III. St.] L Die Ein Paar geistreiche Graubuͤnder, denen ich diese Geschichte vorgelesen, haben vermeint, daß sie sich in den Charactern und den Reden allzu weit von der Wahr- scheinlichkeit entfernte. Einige der beruͤhmtesten deut- schen Poeten wuͤrden darinnen vor so alberne und dabey boshaftige Leute ausgegeben, daß man das Zeugniß, so sie in ihren Schriften von sich selber ablegeten, gaͤnzlich aus dem Gesichte verloͤhre. Jn ihren eigenen Nach- richten sagten sie uns, Deutschland philosophirte mehr, als vorhin jemals; die Vernunft sey unter den Deut- schen sehr gelaͤutert, der wilde Wiz gebaͤndiget, und die ausschweifende Phantasie in ihre gebuͤhrende Graͤn- z en eingeschraͤnket worden. Dadurch sey auch der Ge- schmak in den freyen Kuͤnsten um ein vieles verbessert worden, und man habe Dinge zu verachten angefan- gen, die man vorhin himmelhoch erhoben haͤtte. Jch has- se die Falschheit, in so weit daß ich ihr auch in der Fabel selbst keinen Plaz einraͤumen wolte. Jch habe auch meine Cha- racter und alle daraus hergeleitete Reden nach ihren Ori- ginalen der Wahrheit gemaͤß geschildert, und darf be- haupten, daß sie nicht nur wahrscheinlich, sondern so gut als wahr seyn. Jch fodere nicht, daß es mir jemand auf mein Wort glaube, denn ich kan es mit historischen Urkun- den beweisen. Die Nahmen Schottged ꝛc. gehoͤren zwar keinen Personen zu, die jemahls gelebt haͤtten, aber die Ge- danken, die ihnen zugeschrieben werden, sind wuͤrklich in den Seelen u. Schriften beruͤhmter Jztlebenden vorhanden. Jch stamme aus einem Hause, in welchem Maͤnner und Frauen Das Complot Die Gedanken waren falsch, und der Ausdruk platt. Niemand lief in Gefahr, der etwas druͤ- ken ließ, denn man las ohne Geschmak, und es war kein Richter in dem Lande, der die poe- tischen Uebelthaͤter zur Straffe gezogen haͤtte. Sie bildeten sich sehr viel darauf ein. Sie waren uͤberredet, daß ein jeder unter ihnen der groͤsseste Dichter seiner Zeiten waͤre; und viele hatten sich durch ihre Schmeichler vor- sagen lassen, daß sie noch etwas mehr als aus allen griechischen und roͤmischen Poeten zu- sammengeschmolzene grosse Geister waͤren. Zielt auf Hrn. Hofr. Weichmanns Lobgedichte auf Hr. Brokes vor dem ersten Th. des irdischen Vergn. und auf das Lob, so der Hr. von Boͤhlau dem Hrn. D. Tril- ler in seinen Jugendfruͤchten bl. 430. beygeleget hat. Sie vergoͤtterten einander wechselsweise, und diese heuchlerische Hoͤflichkeit hatte sie sammt- lich eingeschlaͤfert. Alles was sie sangen, mußte recht seyn, und die elendesten Knit- telreime fanden ihre Liebhaber. Seht das erste B. des Dichterkrieges im Heu- mon. der Belustigungen des Verst. u. des Wizes bl. 51. Wenn man ihnen glaubete, so konnten sie des Ge- schmakes nicht verfehlen. Denn sie sagten, der Geschmak waͤre Verstand, der von dunkeln Sa- chen ohne Erkenntniß nach der blossen Empfin- dung Frauen sich von alters her eine Ehre darinnen gesucht- daß sie die Wahrheit, sie moͤgte angenehm oder ver- haßt seyn, allen Absichten der Affecte und des Eigen- nuzens vorgezogen; und ich will kein so ungerathenes Kind seyn, daß ich unserm Geschlecht, zu dem ich mich hier oͤffentlich bekenne, durch gedruͤkte Luͤgen vor der ehrlichen Welt einen Schandfleken anhaͤnge. Henrich Effinger. der herrschenden Poeten. dung urtheilte; wenn er denn zufaͤlliger Weise der Wahrheit gemaͤß urtheilete, so waͤre es gu- ter Geschmak, wofern er sich betroͤge, waͤre es schlimmer. Also erklaͤret sich Hr. Prof. Gottsched daruͤber im 9ten §. des dritten Hauptst. seiner Dichtk. bl. 119. Und weil sie sich allemal uͤber- redeten, daß sie gluͤklich geurtheilet haͤtten, so schrieben sie sich allezeit den geschikten und guten Geschmak zu. Sie sezten einen Tax von Lob auf ihre Werke, der mehr als tyrannisch war. Wer sich weigerte denselben abzutragen, dem lies- sen sie nicht fuͤr einen Heller Verstandes uͤbrig. Wernicke hatte in schweren Tagen und unter einer Welt voll Pfuscher die Rechte der goͤtt- lichen Critik hervorgesucht und verfochten, aber er ward zur Straffe in die unterirdischen Gewoͤl- ber des hamburgischen Doms zu Spierings Mak- latur geworffen, wo er des Tageslichts bis auf unsre Zeiten beraubet gewesen. Es schien die Goͤttin der Beurtheilungskunst haͤtte die Deut- schen ihren eigenen verkehrten Wegen uͤberlassen, und suchte sich keine Ehre von ihrer Urtheilskraft. Doch nach manchem Umlaufe der Jahre und Zeiten erinnerte sie sich der Germanischen Na- tion und warf ein mitleidiges Auge auf dieselbe. Es schmerzete sie, daß ungehirnte Koͤpfe ein Recht ausuͤbeten, nicht nur ungetadelt dumm zu seyn, sondern fuͤr ihre Thorhe ten noch Lob und Beyfall einzufodern. Sie beschloß ihren Nahmen auch in diesem Lande bekannt zu machen, und ihre gerechten Gerichte uͤber diese Stuͤmper zu schiken. Sogleich bemerket sie sich an der baltischen See L 2 einen Das Complot einen durchdringenden und unverzagten Geist; der zum Denken Freyheit, und zur Ausbildung der Gedanken Scharfsinnigkeit und Munterkeit fuͤgete. Denselben unterrichtete sie, daß er das Recht der Menschen die Schriften andrer Men- schen zu beurtheilen, durch buͤndige Lehrsaͤze be- hauptete, und sie spizete ihm die Einfaͤlle, daß er den Deutschen einen Geschmak an der Cri- tik beyzubringen, die kleinen Geister in allen Ar- ten von Schriften auf die Hechel sezete. Er stellte sich insgemeine an, als wann er der geheimeste Freund der Stuͤmper waͤre, er versah ihre Gedan- ken mit Wiz und ihre Sprache mit Ordnung, aber zu ihrer lebhaftesten Verspottung. Die dunkelsten unter denselben wußte er so hoch zu erheben, und die angesehnsten so tief zu erniedrigen, daß sie auf einen gleichhohen Grad der Vortrefflich- keit zu stehen kamen. Er geisselte die unbe- kanntesten, wenn es die beruͤhmtesten empfin- den solten; Philippi mußte die Schultern dar- strecken, wenn Schottged gesuͤndiget hatte. Die Goͤttin bedekete ihn mit ihrem Schilde, daß er mit offener Brust einhergieng, und ihm weder die Macht bloͤder Herren, noch die Scheinheilig- keit dummer Priester auf den Leib kommen konn- ten. Neben diesem kannte sie an dem andern Ende Deutschlands unter den freyen und eben darum natuͤrlichen Einwohnern Helvetiens ein Paar Freunde, die ihr von Jugend auf aufge- wartet hatten; auch dieselben ruͤstete sie mit ih- ren Gaben aus, und bestellte sie zu ihrem Dien- ste. Sie befahl ihnen absonderlich, daß sie die deut- der herrschenden Poeten. deutsche Welt unterweisen sollten, wie ihre Herr- schaft nicht auf die willkuͤrlichen Ausspruͤche eines despotischen Geschmakes gegruͤndet waͤre, welche niemand bestimmen kan, und ein jeder vor un- betruͤglich ausgiebt: Wie dasjenige, was sie vor schoͤn und angenehm anpreise, nothwendig so waͤre, weil es seinen Grund in der Natur des Menschen haͤtte; wie sie denn dasselbe aus solcher herleitete, und die Grundregeln der Kunst auf diesen Grund auffuͤhrete. Sie folgeten ih- ren Eingebungen, und legten das Schoͤne, das in der Uebereinstimmung mit dem Gemuͤthe des Menschen gegruͤndet ist, zum Grund ihrer cri- tischen Regeln. Dieses entdeketen sie hernach nicht allein in derjenigen Form, da es sich durch haͤftige Reizungen empfindlich machet, sondern sie giengen ihm auch in denen Faͤllen auf die Spur, wo seine Eindruͤke durch die verkehrte Anfuͤh- rung, die Rohigkeit, Dummheit, Boßheit, verhindert, geschwaͤcht, oder gar verderbt wer- den. Die Goͤttin wollte, daß sie nach diesem den Urtheilsstab in die Hand naͤhmen, und nie- manden ungestraft thoͤrigt schreiben liessen, keine Sammlung von Mißgeburten hirnloser Saͤnger aus Ober- und Niedersachsen sollte kuͤnftig ans Licht treten, die nicht fuͤr ihr Gerichte gezogen wuͤrde, auch die Poeten, die doch von andern fuͤr Koͤnige des Helicons ausgeschrien wuͤrden, soll- ten von ihnen vorgefodert werden. Greibertin und Merbod, also hiessen die bey- den Beamtete der Beurtheilungskunst, folge- ten den Trieben der Goͤttin in allen Dingen. L 3 Nicht Das Complot Nicht ohne einen gluͤklichen Fortgang. Sie ward bey der Nation bekannt. Man fieng hier und dar an, sie zu verehren; ihre Gesetze wurden einge- fuͤhret. Man schrieb mit Verstand, nach Plan und Absicht, und man las mit einem sichern Ur- theile. Der herrschende Geschmak erschrak dar- uͤber, er sah seinen Untergang vor Augen, wenn er diese Bemuͤhungen nicht in ihrem Anfange unterdruͤkete. Alsobald legete er seine Sorgen Schottgeden in die Gedanken, seinem arbeitsa- men Lieblinge, der vordiesem durch seine Ein- gebungen den Unwiz in Kunstregeln verfasset, und die Regeln mit seinen eigenen Exempeln er- klaͤrt hatte. Er redete so feines Deutsch, daß seine Ausdruͤke an Gedanken reich schienen, ob sie gleich nicht eine Unze derselben in sich hatten. Alle sein Wiz war lauter Gluͤk, und keine Frucht der Vergleichung oder Uebereinstimmung. Wenn er seine Reden hersagte, uͤberwelzte er die Wor- te mit einer Geschwindigkeit, welche ihnen ein sanftes und fliessendes Wesen mittheilete, das ih- nen nicht eigen war. On ne peut nier, que les langues graves, com- me l’Allemand, ne doivent être parlées lentement \& di- stinctement: Cependant les Saxons parlent avec une vo- lubilité qui frise le begayement; ils ne le font que pour donner à leur langue une douceur qu’elle n’a pas, \& qui la defigure. \&c. Lettre IX. sur les Allemans p. 344. Die Worte liefen seinem Beduͤrfniß zuvor, und stellten sich in Ver- sen oder Prosa in Ordnung, mittelst gewisser Springfedern der hochdeutschen Mechanik, nicht anderst als die Dreyfuͤsse des Vulcanus Geist und Leben der herrschenden Poeten. Leben in ihnen selber hatten, und vor sich selbst zu rennen kamen, wenn Homer sie zu den Ban- keten der Goͤtter noͤthig hatte. Die Unruhe, in welche ihn der Abgott gesezet hatte, machte ihm eine schlaflose Nacht, er waͤlzte sich von einer Seite auf die andre, indem er sich mit tausend Sorgen schlug, wie wenn Perrault einen fetten Laͤmmerbraten bey einem grossen Feuer bestaͤndig umwendet, und aus Hunger verlanget, daß er bald moͤgte gahr werden; also kehrete Schottged sich von einer Seite auf die andere voll inner- licher Angst, und uͤberlegete bey sich die Gefahr, welche dem herrschenden Geschmak uͤber dem Haupt schwebete, und die Mittel, wie dieselbe noch moͤgte abzuwenden seyn. Die weise Mus- kul lag ihm in einem ruhigen Schlaffe zur Seite. Beyde trieb seit vielen Jahren ein Geist; ein gleicher Sinn herrschete in ihren Koͤpfen, und ein langer Umgang hatte sie fast so vertraut gemachet, als Hercules und Jole, Theage- nes und Chariclea, Medor und Angelica vor Zeiten gewesen. Diese geschikte Freundin be- wunderte ihren Freund, so wie dieser sie ver- ehrete. Nicht anders, wie die Naturkuͤn- diger lehren, daß nicht nur der Magnet das Eisen, sondern auch das Eisen den Magnet mit einer unsichtbaren Gewalt nach sich zieht, wenn die Sphaͤren ihrer Wirksamkeit einan- der beruͤhren; also waren auch diese beyden verbunden, so daß weder sie ohne ihn, noch er ohne sie leben konnte. Dieses alles ist aus dem Dichterkriege parodiert. Der Sie erwachete L 4 von Das Complot von seinem Winseln, nahm Theil daran, und fragte ihn um die Ursache desselben. Du warest sonst nicht gewohnt, sagte sie, dich lange mit Nachsinnen zu plagen, woher du neue Gedanken zu einem Gedichte nehmen, oder in was vor Bilder du dieselben einkleiden, und wie du sie in ein zusammenhangendes Gewebe ordnen woll- test. Die Verse kamen dir ohne eine muͤhsa- me Ueberlegung, du durftest nicht warten, daß eine von den neun Musen sie dir zu Ohren braͤch- te. Es muß ein ausserordenliches Begegniß seyn, was Gedanken bey dir verursachen kan. Er gab ihr mit einem sanstfliessenden Seuf- zer zur Antwort. Freylich schrieb ich bisdahin mit aller Gemaͤch- lichkeit. Die Einfaͤlle kamen mir ohne daß ich sie suchte, ohne daß ich selbst wußte, wie sie ka- men, und woher sie entstunden, oder warum sie da waren, ich fand sie insgemeine am Schluß- worte der Zeilen. Die Worte paareten sich mit dem ersten Gedanken, den sie erhaschen konnten. Alle Arbeit bestuhnd in dem Sylbenmaasse, dem Abschnitte, und den Reimen Man hat bisher auͤsserlich an den Versen ge- puzt, die Abmessung der Sylben richtiger; die Reimen reiner; die Saͤtze klingender; und das ganze Gedichte fliessender gemacht. Auf die Gedanken und deren Rich- tigkeit hatte niemand gesehen. Hr. M. Schwabe in der Zuschrift vom Bathos. ; und diese war noch mit Arbeitsamkeit und Hamans Lexi- con Der geneigte Leser mag urtheilen, ob das Gleichniß in gegenwaͤrtigem Lichte nicht ungleich bequemer sey, als in der nachgeahmten Stelle. der herrschenden Poeten. con zu uͤberwinden. Auf diese Weise bracht ich Oden und Gesaͤnge, Satiren, Elegien, und Schaͤfergedichte an den Tag; ich verfertigte Lehr- buͤcher und Kunstschriften, in welchen ich den deut- schen Poeten die Seyten stimmete, ich lobete die, so mich verehreten, ich schmaͤhete auf die, so mich tadelten, ich machte mich denen zum Schreken, die mich nicht liebeten. Aber dieses soll izo ein Ende nehmen. Oder weissest du nicht, was vor erboß- te Zuchtmeister von den beschneyten Alpen heruntergestiegen kommen Mich duͤnkt nicht anders, als saͤh ich den er- boßten Critikverfassrr mit einem graͤmischen Gesichte und der Ruthe in der Hand von seinen beschneyten Alpen heruntergestiegen kommen. Hr. Gottsch. im 56sten Bie- dermann. Er poltert und stoͤret in unsern Buͤchern her- um. Ibid. , was vor har- te Geseze der Erfindung, des Wahrscheinlichen, des Neuen und Wunderbaren, der Einheit, der verknuͤpften Absichten sie dem Verse aufdringen wollen, solche Dinge, die in keinem Woͤrterbuch angetroffen, und in keinem Register aufgeschlagen werden; siehest du nicht, wie sie in unsern Buͤ- chern herumpoltern; sie fuͤhren ihre Censuren uͤber Todte u. Lebende. Die Verstorbenen zwar etwas unparteyisch zu beurtheilen, das koͤnnte doch einem jeden Critikverstaͤndigen frey ste- hen, denn diesen schadet ein freyes Urtheil von ihren Schriften nicht mehr. Die Neuern selbst nach Swiftischer Art durch die Musterung passiren zu lassen, wollte ich zwar bey ihrem Aber die Jztlebenden, die es noch fuͤhlen und empfin- L 5 den, Das Complot den, durch die Musterung passiren zu lassen, ist wahrhaftig zu scharf. Sie machen sich eine Pflicht auch die Fehler zu ruͤgen, die sie in den Schriften ihrer besten Freunde entdecken. Aber was recht thoͤrigt ist, sie loben etwas schoͤnes in den Wer- ken eines Menschen, der ihnen nicht gut ist, recht herzlich. Mich stellet weder mein erlangter Nah- me, noch das Ansehn und Schreken meiner Fe- der, vor ihnen sicher, daß sie nicht mit kuͤhnen Augen in meine beruͤhmtesten Gedichte hineinse- hen, und die Fleken darinnen mit der groͤssesten Kaltsinnigkeit wahrnehmen. Das machet mich unruhig, und reibet mir den Schlaf aus den Au- gen. Das schlimmste ist, daß sie hier und dar Ge- hoͤr finden. Jch sehe, wie die Critik sich ein neu- es Reich in unserm Reiche stistet, und dieses seit der Zeit, daß Silcow ihr zuerst in Deutschland einen Altar erbauet, und ihr Menschen, Sie- vers, Rodigasten, und Philippi, zum Opfer ab- gewuͤrget hat. Wie stuͤhnde es mit mir, wenn er mich diesen beygesellete? Er hat eben nicht Ur- sache, mit mir wol zufrieden zu seyn. Und wie, wenn Dornhage auf mich loszoͤge, dem es nicht gefallen kan, daß ich sein Lob mit meines Freun- des Steppo vermischet habe? Ein franzoͤsischer Pralhans ist wuͤrklich aufgestanden, und hat die Frechheit gehabt, mir und dem ganzen geistrei- chen ihrem Leben niemanden anrathen; die Verstorbenen aber etwas unparteyisch zu beurtheilen, das muͤßte doch ei- nem jeden Critikverstaͤndigen frey stehen. Diesen scha- det ein freyes Urtheil von ihren Schriften nicht mehr. Hr. Gottsched in seinen Gedanken vom Bathos in den Opern. der herrschenden Poeten. chen Deutschland hohnzusprechen. Jch bekenne die Schweizer ligen mir hart auf dem Naken, und ich weiß mir nicht zu rathen. Soll ich meine eige- nen Regeln widerruffen, die ich aus meinen Fin- gern herausgesogen habe; die so mechanisch sind, daß man weder Kopf noch Geist zum schreiben noͤthig hat; soll ich sie um andere vertauschen, die ganz theoretisch und speculatif sind, wozu Na- turell, Talent uud Schoͤpfungskraft, erfodert werden? Seine geschikte Freundin richtete ihn mit trost- vollen Worten auf. Aengste dich nicht ohne Noth, mein Freund, es ist noch lange nicht an dem, daß die Deutschen von den Schweizern werden lernen wollen, wie sie schreiben sollen. Sie werden es lieber von dir lernen: Sie haben die ersten Eindruͤke schon von dir empfangen. Deine Art zu denken, deine Ver- standes- und Einbildungskraͤfte stimmen mit ihrer Faͤhigkeit, mit ihren Gemuͤthesgaben, am besten uͤberein. Es ist keine so leichte Sache, ihnen den Kopf in ein anderes Gelenke zu sezen. Sie koͤn- nen sich von dem Ergezen nicht so leicht entwoͤh- nen, das ihnen gelaͤuftig ist. Wer hat mehrere und staͤrkere Proben von ihrer Geduld in Haͤnden, als du selber in dem Beyfall findest, den sie deinen Schriften noch taͤglich geben, dieser ist dir da- vor gut, daß sie von den Schweizern noch nicht bekehret worden. Erinnere dich auch, wie du sie in dem Biedermanne mit einer Fabel und ein paar spoͤttischen Ausdruͤken zuruͤkgewiesen hast. Sil- cow haͤtte laͤngst Anlaß gehabt, dir eines zu ver- sezen, Das Complot sezen, wenn er Lust dazu gehabt, oder sich dein erinnert haͤtte. Dornhagen zu beguͤtigen, will ich auf mich nehmen. Dem franzoͤsischen Groß- sprecher setze Riccoboni entgegen, der sich um die ganze deutsche Nation so verdient gemacht hat, indem er den Franzosen die bittere Wahrheit ge- sagt, daß die Deutschen eben so wol und richtig denken koͤnnen, als sie, welches ihm jedermann wird eingestehen muͤssen, nachdem er es mit deinen Schriften erwiesen hat. Hr. Prof. Gottsched hat dieses in der Vorr. zum zweyten Th. der deutschen Schaub. gethan, bl. 26. Daß Riccoboni mir die Ehre gethan, sagt er, aus meinem ster- benden Cato einen langen Auszug zu machen, das uͤber- gehe ich billig mit Stillschweigen; Doch kan ich nicht laͤugnen, daß es mir sehr lieb gewesen ist; weil er aus dem allem Gelegenheit genommen, den Franzosen die bittere Wahrheit zu sagen, daß die Deutschen auch so wol, und so richtig denken koͤnnten als sie. Endlich kanst du dich damit staͤrken, daß deine Ehre an die Ehre so vieler andern Scribenten gebunden ist. Du kanst nicht alleine fallen. Dein Fall wuͤrde hun- dert andrer Fall nach sich ziehen. Und dieses fuͤh- ret mich auf den Gedanken, daß wol der beste Rath seyn wuͤrde, wenn du die herrschenden Poeten Deutschlandes in einen Synodus zusam- men beriefest, damit sie gemeinschaftlich berath- schlageten, mit was vor Mitteln sie die neue Dichtkunst unterdruͤken, und den herrschenden Geschmak beym Ansehen erhalten wollten. Dieser Zuspruch besaͤnftigte die unschluͤssigen Bewegungen in Schottgeds Brust; er beschloß bey sich, dem Weiberrath zu folgen. So bald der drr herrschenden Poeten. der graue Morgen den Tag wiedergebracht, setzte er sorgfaͤltige Mahnungsschreiben an die vornehmsten Haͤupter der Dichter in den poeti- schen Provinzen Deutschlandes auf; worinnen er die Gefahr, so uͤber ihnen schwebete, aͤngst- lich vorstellete, und sie bat, daß sie mit ihm auf Tiberkopfs Parnasse in einen Synodus zusam- mentreten wollten, der an St. Ulrichs Abend in den geheimen Schatten der mitternaͤchtlichen Stunden sollte gehalten werden. Goͤniken lud er nicht ein, er hielt ihn stark im Verdacht, daß er den Schweizern insgeheim guͤnstig waͤre, weil sie die Schoͤnheiten seines Augusts im La- ger mit willigerm Herzen gelobet, als desselben Fehler getadelt hatten. Goͤnik war in der That mit ihnen nicht uͤbel zufrieden. Er wußte daß man Leute, deren Faͤhigkeit man nur fuͤr mittelmaͤssig haͤlt, schon lobt, wenn sie ihre Sachen nur nicht schlecht machen: Aber von wem man sich eine groͤssere Staͤrke vermu- thet, dem nichts schenket, bis er vollkommen ist. Dieses ist aus dem fuͤnfzehnten Beytrage genom- men. bl. 487. Sie erschienen alle an dem anberaum- ten Abend in voller Anzahl. Hundert und mehr Soͤhne des herrschenden Geschmaks, und je- der war ein Dichterkoͤnig, jeder war maͤchtig ge- nug die Monarchie seines Vaters zu regieren, und der goͤttlichen Critik seiner Feindin zu wie- derstehen. Korbs alleine blieb daheim, weil er den Ruhm, so er fuͤr den kleinern Theil seines Jrdischen Vergnuͤgens empfangen hatte, vor ei- nen Das Complot nen reichen Ersatz des Tadels hielt, so auf den groͤs- sern Theil gefallen war. Mit ihnen kam ein star- kes Gefolge von Buchhaͤndlern, Buchdruͤkern, Journalisten, Zeitungsschreibern, Kupferstechern, Holtzschneidern, und andern Handlangern, die ihnen iu der Verarbeitung ihrer Werke beyge- standen waren, und zu deren Aufnahme eben so viel als sie selber beygetragen hatten. Doch wur- den sie nicht in den grossen Versammlungssaal ein- gelassen, sondern mußten ihren Herren in dem Vor- gemach auf den Dienst warten. Sie sezten sich auf Baͤnke, aber Schottged nahm seinen Sitz auf einer Catheder. Der Anblik so vieler gros- sen Maͤnner, des Ausbundes der Geister Deutsch- landes, die ihn theils bewunderten, theils fuͤrch- teten, hatte ihn mit Stolz und Muth erfuͤllet; er eroͤffnete die Ursache dieser Zusammenkunft mit folgenden Worten. Niemand unter euch, herrschende Poeten, wird mir diesen hoͤhern Sitz mißgoͤnnen, der be- denket, daß der foͤderste Rang mich nur zufoͤ- derst stellet, wo die spitzigen Pfeile der Critik, die wir in reinem Deutsch Schmaͤhsucht und Zank- lust heissen, von allen Seiten auf mich losgedruͤkt werden. Jch habe diesen Sitz auch nur darum so dreist eingenommen, damit ich mit meiner Brust die Stiche und Schlaͤge auffienge, die einem an- dern unertraͤglicher seyn wuͤrden, welcher nicht so gut als ich mit der Unempfindlichkeit, wie mit einem Panzer von dreyfachem Ochsenleder bewap- net waͤre. Bisdahin haben wir unsre Schrif- ten nach Regeln verfertiget, welche wir selbst ge- macht der herrschenden Poeten. macht hatten; unser Gehorsam gegen dieselben war freywillig, wie der Grund, worauf sie ge- bauet waren, nur unsre Willkuͤr und freyer un- gebundener Wille war. Der Maßsiab des Schoͤ- nen und Angenehmen lag in unserer Empfindung, und diese ward von unsern eigenen Affecten und keiner anderer Menschen erweket. Daran hatten wir unser Vergnuͤgen; wir fanden unser Gluͤck bey uns selbst, und hatten nicht noͤthig, es an et- was fremdes ausser uns zu binden. Wir hatten das Lob, den Ruhm, den Beysall und die Be- wunderung in unsrer Gewalt, und theilten sie mit freyem Willen denjenigen aus, die uns eben so viel davon zuruͤkgaben. Kuͤnftig soll dieses alles aufhoͤren. So scheinet es. Denn man will uns eine neue Dichtkunst, neue Regeln dessen, was schoͤn, angenehm, geistreich, neu und wunder- bar heissen soll, auferlegen. Nach diesen Gese- zen will man uns richten, in die wir doch nie- mals gewilligt haben. Man meint sie zwar da- mit zu behaupten, daß sie aus der Natur der Menschen, und der Dinge hergeholet waͤren, und daß sie sicher zu dem wahren Endzwek der Poesie fuͤhrten. Aber was thut es uns, daß sie aus der Natur des Menschen hergeleitet wor- den, nachdem sie nicht aus unsrer Natur her- genommen sind? Und daß dieses nicht sey, giebt uns unsre Abneigung dagegen, gnugsam zu ver- stehen. Fuͤr den Endzwek der Poesie sind uns unsre Regeln auch gut genug; massen wir aus der Erfahrung wissen, daß unsre Leser sich an denen Schoͤnheiten, die ihren Ursprung unsrem freyen Das Complot freyen Willen zu danken haben, belustigen, daß sie in unsern Gedichten finden, was sie darinnen suchen; daher wir zu gleicher Zeit auch unsre Absicht dabey erreichen, allermassen sie uns fuͤr Lieder, Haͤuser und Guͤter, Aemter und Wei- ber, geben. Das sind die Sachen, die izo auf dem Spiel stehen, und es ist um dieselben ge- schehen, wenn wir die Herrschaft verlieren; wenn wir uns des willkuͤrlichen Urtheiles von dem, was Geschmak sey, berauben lassen; wir muͤssen dann den Beyfall, den wir bisdahin un- ter uns getheilt hatten, bey andern suchen, wel- che nicht geneigt sind, uns denselben zu geben, oder doch den theuren Preis darauf setzen, daß wir ihn durch die Beobachtung ihrer schweren und uns unertraͤglichen Regeln gewinnen muͤs- sen. Koͤnnen wir dieses nicht, so werden sie uns durch ihre critischen Ausspruͤche, alle Schoͤnheit, allen Witz absprechen. So viel Witzes, Geistes, Geschmakes sie dann uns wegnehmen eben so viel muß ihnen als ein Erb von uns zufallen. Jch kenne euch besser als daß ich fuͤrchten sollte, ihr wuͤrdet euern ungelenkigen Geist unter dem Jo- che der Critik biegen koͤnnen; euer Eifer fuͤr den herrschenden Geschmak, der vielmehr un- ter eurer, als ihr unter seiner Herrschaft, stehet, gestattet es euch nicht: Und ihr habet noch Mu- thes genug, die Hoheit desselben mit des Fein- des oder eurer eigenen Schande zu versiegeln. Unsre Gegner sind voll Hasses und Stoltzes; sie geben und verlangen kein Quartier. Jhr sehet und empfindet, wie uͤbel sie uns schon zugerich- tet der herrschenden Poeten. tet haben. Tirller mag es sagen, dem sie neulich so viel Kletten angeworffen haben, daß er damit gantz behangen nach Hause gekommen, wie ein muthwilliger Bube/ Dieses schoͤne Gleichniß ist ven dem Urheber des Dichterkrieges erfunden worden, dem ich es aber genom- men, weil er es nicht zu brauchen gewußt hat. der aus Uebermuth im Unkraute herumgelaufen ist/ wo es am dikesten ist; die sorgfaͤltige Mutter rupfet die- selben aus den Struͤmpfen und Falten/ kan aber in ganzen Stunden nicht damit fertig werden. Das Gluͤck, das ihnen ein wenig guͤn- stig gewesen, hat sie unversoͤhnlich gemacht, Freund und Feind gelten ihnen gleich, sie schonen weder Lebendige noch Todte. Niemand ist ausgedun- gen. Welcher von uns sieht seinen Nahmen nicht in ihren beissenden Registern; welcher ist ohne ein paar Ohrfeigen davon gekommen? Jn dieser an- wachsenden Gefahr lasset uns vor allen Dingen unsren absonderlichen kleinen Fehden, womit wir nur uns selber durch innerliche Zertheilungen schwaͤ- chen, einen Anstand geben, lasset es Frieden und Einigkeit unter uns seyn, damit wir uns den verderblichen Anschlaͤgen unsrer gemeinen Feinde mit gemeinschaftlichem Rath und vereinigter Macht wiedersezen. Wir wollen Lob und Tadel, Eh- re und Schande, Schoͤnheiten und Fehler, mit einander gemein haben. Eines Ruhm soll Aller Ruhm, eines Schmach Aller Schmach seyn. Wenn einer getroffen wird, sollen Alle schreyen, Alle sollen den Streich empfinden, und raͤchen. Hierzu wollen wir uns erstlich mit feyerlichen Cere- monien verbinden, hernach wollen wir Rath halten, [Crit. Sam̃l. III. St.] M mit Das Complot mit was vor Mitteln wir dem Feinde am meisten Abbruch thun, wie wir ihn unterdruͤken, und die mit uns gebohrne Freyheit ungetadelt nach unsrem Kopfe zu schreiben behaupten wollen. Der Vortrag fand ohne Muͤhe bey ihnen Ge- hoͤr. Der Abgott des herrschenden Geschmakes, der ungesehen bey ihnen gegenwaͤrtig war, hatte ihre Gemuͤther gelenket, daß sie ihm mit allgemei- nem Beyfall beypflichteten. Sie schwuren mit maͤchtigen Stimmen bey den unsterblichen Wer- ken derer deutschen Dichter, vor denen sich die Poeten Griechenlands und Roms verkriechen muͤs- sen, bey den furchtbaren Nahmen Moraths, Stel- pos, und Kirchneus, daß sie ihren Geschmack, der allein unbetruͤglich urtheilete, um keinen Er- weis, um keine Vernunftsschluͤsse, auch um kei- ne Spoͤtterey der satyrischen Critick aͤndern woll- ten. Wer die Frechheit haͤtte, von ihren herge- brachten Regeln abzuweichen, sie auf die Probe zu sezen, oder einen Lehrsatz aus der neuen Dicht- kunst anzunehmen, derselbe sollte als ein Abtruͤn- niger von ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen, sein Nahme aus den Registern der deutschen Poeten ausgeloͤschet, und wenn er in ihrem Gebiethe be- treten wuͤrde, Kinzen, Nohren, und Mahanen uͤbergeben werden, daß sie ihn mit ihren poetischen Schellen zu Tode klingelten. Also verbanden sie sich, und zur Bezeugung ihrer Vereinigung fielen sie einander gantz liebreich um den Hals. Es war sehr erbaulich zu sehen, wie Schottged Tirllern mit hertzlicher Zuneigung auf die Stirne kuͤßte, und dabey bezeugte, daß er ihn kuͤnftig vor einen Hierarchen in dem Reiche der der herrschenden Poeten. der deutschen Poesie, und vor seines gleichen er- kennen wollte: Dahingegen Tirller sich eben so guͤtig erklaͤrete, daß er nicht ermangeln wollte, Schottgeden in seinem naͤchstfolgenden Wercke vor einen erbaulichen Schriftverfasser anzupreisen, wel- cher das Gluͤcke haͤtte, so wie er, vielmehr viele, als nur wenige, zu erbauen, obgleich diese nur kluge gelehrte und erfahrne Kenner sind; jene hingegen meist aus mittelmaͤssigen oder gemeinen Leuten bestehen. Hr. D. Triller zieht hieraus sein groͤstes poetisches Lob, in der Vorrede zum dritten Th. seiner poetischen Betrachtung. Nach dieser feyerlichen Handlung rief Schott- ged mit erhabener Stimme, wer einen guten Rath zu geben wuͤßte, wie man den schweizeri- schen Kunstrichtern am sichersten beykommen, und den alten wahren deutschen Geschmack vor ihren Anfaͤllen in Ruh und Sicherheit sezen koͤnnte; moͤg- te das Wort nehmen, doch einer nach dem an- dern, und die kluͤgsten zuerst. Hekenei stuhnd zuerst auf, der vor diesem den griechischen Longi- nus gelehret, was er durch das Erhabene, wo- von er ein Buch geschrieben hat, verstanden ha- be; Schottged hatte ihn vormahls beschuldiget, daß er ausser vielen Schmeicheleyen gegen ei- nige noch lebende Dichter, und manchen ver- gaͤllten Censuren wider andere, denen seine Schutzgoͤtter nicht wohl gewollt, nicht viel deutliches zuwegegebracht haͤtte Seht Hrn. Gottscheds Dichtk. fuͤr die Deutschen im eilften Hauptstuͤcke. §. 22. : Hinge- gen hatte Hekenei Schottgeden vorgeworffen, daß er in der Eintheilung der Schreibart ein Misch- M 2 masch Das Complot masch gemacht, wovon kein Mensch den Grund zu finden wuͤßte Heineken in der Untersuchung vom Erhabenen Bl. 319. ; ferner, daß er in der Zu- sammensezung der Woͤrter dunkel und unverstaͤnd- lich sey. Eben daselbst Bl. 321. Sie waren daruͤber in eine aͤrgerliche Feindschaft mit einander gerathen. Jzo hatte der gemeine Feind sie so sanftmuͤthig gemacht, daß ei- ner dem andern bekennte, er haͤtte recht gehabt. Hekenei fieng dergestalt an. Jst der richtige Verstand, den ich in der Be- stimmung der Erhabenen, und aller uͤbrigen Schreibarten gewiesen habe, noch nicht von mir gewichen, so versichert er mich izo, daß wir die neuen Kunstlehrer nur darum zu fuͤrchten haben, weil sie geschrieben haben; haͤtten sie nicht geschrie- ben, so duͤrften wir nicht hier sitzen, und uns in den Gedanken schlagen, wie wir uns bey unsrem alten Ansehen erhalten wollen; wir duͤrften nicht fuͤrchten, daß wir des lange besessenen Rechtes entsezet wuͤrden, das Lob und den Beyfall fuͤr uns- re Schriften als eine Gebuͤhr zu fodern: Doch thaͤte uns das noch keinen Schaden, daß sie ge- schrieben haben, wofern sie nur nicht gelesen wuͤr- den. Der schreibt nicht dessen Zeug kein Mensch zu lesen pflegt. Nun wird uns nicht unmoͤglich seyn zu machen, daß sie ungelesen bleiben Hr. D. Triller hat in der Vorrede zum dritten Th. seiner poetischen Betrachtungen nach eben dergleichen Gedan- . Nichts wird ge- lesen, der herrschenden Poeten. lesen, was wir nicht anpreisen, was nicht einen Paßport, ein Empfehlungsschreiben, einen Al- mosenbrief von uns aufweiset. Nur durch uns wird die Thuͤre des Lichtes den Schriften aufge- schlossen. Wir wollen denn diese schweizerischen Scribenten in den finstern Gewoͤlbern der Buch- haͤndler des Tages auf ewig berauben. Wir wol- len ihr Gedaͤchtniß von der Erden vertilgen. Las- set uns unsren Buchhaͤndlern verkuͤndigen, daß nach gewissen zusammenstimmenden Zeichen, die von ei- nem Barden vorgesagt worden, und nicht mehr weit von ihrer Erfuͤllung sind, die schweizeri- schen Werke den unsrigen den Untergang dro- hen. Lasset uns allen denen, die mit unsren Au- gen sehen, und mit unsrem Kopf verstehen, mit einem anstekenden Gifte drohen, wenn sie diese Buͤcher durchblaͤttern. Durch dieses Mittel ha- ben unsre Vorfahren Wenikern in den Staub da- nieder geleget, welcher sich mit nicht geringerer Wuth wieder den Geschmack Holensteins und Waldmannshofaus aufgelehnet hatte, als Mer- bod und Greibertin sich wider den unsrigen aufleh- nen. Jhr koͤnnet ihnen keine groͤssere Straffe thun, als wenn ihr sie ins Vergessen verurtheilt, wie sie euch zu einem Nahmen verurtheilen wollen. Sie haben selbst gestanden, sie wollten lieber ge- tadelt, als mit Stillschweigen uͤbergangen wer- M 3 den. Gedanken gesagt: Ob sie zwar an ihrem Orte die Macht haben zu schreiben und zu schelten, wie sie wollen; so hat man doch hingegen hier auch die Freyheit, es nicht an- zuhoͤren oder zu lesen, wie solches bisher geschehen, und auch noch kuͤnftig geschehen soll. Das Complot den. Es ist der verdruͤßlichste Zustand fuͤr sie, wenn niemand ihrer gedenket. Dadurch werdet ihr ihnen das Schreiben zugleich niederlegen, die Spoͤtterey wird bald muͤde, ihren Witz zu ver- schwenden, wenn er nicht empfunden wird. Wie unvorsichtig, wie uͤbel errathen waͤre es denn, wenn wir uns mit ihnen ins Schreiben geben wuͤr- den! Unsre Antwort, unsre Rettung, liesse ih- nen nur unsre Empfindlichkeit sehen. Und das ist das, was sie vornehmlich suchen. Jhr wuͤrdet ihren Schriften damit eine gewisse Wuͤrdigkeit beyle- gen, die sie ohnedies nicht haben, ihr wuͤrdet sie fuͤr Autores erkennen, die mit euch in einem Rang stuͤhnden, und wie die Welt stoltz genug ist, so duͤrfte sie wohl einen richterlichen Spruch zwischen euch und ihnen ausfaͤllen, auf den ich es niemahls wollte ankommen lassen. Handelt darum vorsich- tig, und nehmet eurer Wuͤrde wahr. Jhr ha- bet alles auf dem Spiel, sie haben nichts darauf ge- sezet. Jhr alleine koͤnnet dabey verlieren, sie koͤn- nen nur gewinnen. Was sie verlieren koͤnnen, sind nur ungemessene Hoffnungen, schmeichelnde Anschlaͤge. Nachdem er ausgeredet, stuhnd Tirller auf dir Fuͤsse, auf welchen er sich doch kuͤmmerlich hal- ten konnte. Wie auf Nisrocs Stirne in Mil- tons verlohrnem Paradiese, nachdem er aus der Schlacht im Himmel, trefflich abgemattet, sein Kleid uͤbel zerfezet, entronnen war, tiefe Runzeln eingegraben waren, also stuhnd Tirller mit einer umwoͤlckten Mine, und fieng dergestalt an. Mein der herrschenden Poeten. Mein Gott! wie so wohl waͤre es mir bekom- men, wenn ich diesem Rath gefolget/ haͤtte, wenn ich die knarrenden Censuren der Schweizer vor ungeschrieben gehalten haͤtte, wenn ich mit stiller Geduld zugesehen haͤtte, daß sie etliche Quartan- ten gegen meine Schriften und ein eigenes Buch gegen meine ungluͤcklichen Fabeln herausgegeben haͤtten. Und haͤtte ich nur die Abhandlung von der Aesopischen Fabel vor nicht geschrieben gehal- ten, so haͤtte ich keine Schutzvorrede dagegen auf- gesezet, und diese haͤtte meinen Feinden nicht An- laß gegeben, mich auf eine so unbarmherzige Wei- se zu durchhecheln. Aber ich habe es mit meinen poetischen Suͤnden verdienet, warum habe ich die Baͤume bey ihren Seelen schwoͤren lassen, wa- rum habe ich die Maͤuse einander zu Gevater bit- ten lassen? Dergleichen Vermischung der fleisch- lichen Dinge mit geistlichen verdienete eine solche Straffe. Warum wollte ich auch scharfsinniger seyn, als mich Gott in seiner Gnade gemacht hat- te? Jch sollte ihm gedanket haben, daß er mich mit einer unmaͤssigen Scharfsinnigkeit nicht gestrafet, und mit einem durchdringen- den feinen Geschmake verschonet hatte. Sind dieses nun die gesunden, nuͤtzlichen, und einem vernuͤnftigen Manne wohlanstaͤndige Urtheile, das scharfe Saltz, und der gute und auserlesene Geschmack; so hat man billig hohe Ursache, Gott hertzlich zu danken, daß er einen mit einer solchen unmaͤssigen Scharfsinnig- keit nicht gestraft, und mit einem so durchdringenden fei- nen Geschmake gnaͤdig verschonet hat. Hr. D. Triller in dem Ergaͤntzungsstuͤke zu seiner Schutzvorrede. Kuͤnstighin bin ich gewitziget, und kan izo nichts M 4 bessers Das Complot bessers thun, als euch mit meinem Exempel zu warnen, daß ihr der Schweizer und ihrer Dicht- kunst mit keinem Worte gedenket, sie mit keinem Finger anruͤhret, am allerwenigsten euch in die Gedanken aufsteigen lasset, Schriften mit ihnen zu wechseln. Ein solches weitlaͤuftiges Gewaͤ- sche von lauter Kleinigkeiten verdienet keine Widerlegung. Unnuͤtze Streitschriften und unnoͤthige Federkriege, wie gewiß dieser zu unsrem besten nicht noͤthig war, sind kein Werck vor Leute, die ihre ohne dem enge Zeit nuͤtzli- cher anzuwenden gedenken. Eben daselbst. Jhr wuͤrdet sie doch nicht bekehren. Sie sind unverbesserlich, deliberatâ mente ferociunt. Die Gutherzig- keit und das Mitleiden haben sie gantzlich verlassen. Seine Rede ward mit einem Gesumse aufge- nommen, welches zu sagen schien, daß sie Bey- fall bekommen haͤtte. Dieses fuͤrchtete Waschbe, ein muthiger Juͤngling, der unlaͤngst Wenelzen, Morathen, Waldmannshofau, und andre laͤngst- verstorbene Fuͤrsten der deutschen Poesie in die seich- ten Thaͤler des Swiftischen Bathos gestuͤrtzt hat- te. Er haͤtte ihnen auch die Jztlebenden dahin nachgesandt, wenn er nicht gefuͤrchtet haͤtte, daß diese sich noch vertheidigen koͤnnten. Annoch lebende Dichter habe ich gar nicht durch- gesuchet, damit es nicht das Ansehen haben moͤgte, als ob man aus einer unzeitigen Begierde zu tadeln etwas an- getastet haͤtte, das sich noch vertheidigen liesse. Schwa- be in der Vorrede zu der Uebersezung des Bathos Bl. XXI. Er hatte nachgehends eine Abhandlung von der M 4 Beschaf- der herrschenden Poeten. Beschaffenheit der verbluͤmten Redensarten, wenn sie gut seyn sollen Jn der Vorrede zu Hrn. Gottscheds Gedichten. , entworffen, aber ein ungestuͤmer Querwind hatte sie noch vor ih- rer Geburt in den Limbo der Eitelkeit getragen, wo sie mit Schottgeds Entdekungen der Kunst- streiche Virgils in der Aeneis Hr. Gottsched hatte dieses in der Vorrede zu der ersten Herausgabe seiner Dichtkunst versprochen. im Wirbel herumflatert, bis ein deutscher Astolfo dahin flie- get, sie mit Kabuchs Leid um seinen Muffel da- selbst aufzufangen. Waschbe ward er in der poe- tischen Goͤttersprache genannt, in der Saͤchsischen hieß er Schwabe. Er suchte den gefallenen Muth seiner Bundsgenossen mit diesen Worten wieder aufzurichten. Man wird mir nicht uͤbel nehmen koͤnnen, herr- schende Dichter, wenn die Hertzhaftigkeit dieser beyden sonst nicht unvernuͤnftigen Leute, die zu ei- nem stillen und schlaͤgefaulen Leiden rathen, in ein ziemlich schlechtes Ansehen bey mir koͤmmt. Man daͤchte, daß die unblutigen Stiche, die Tirller empfangen hat, ihn nicht auf seine blossen Fabeln, sondern auf die Haut getroffen, und bis in das Hertz durchgedrungen haͤtten. Sie ent- stuhnden doch nur von Worten, und Worte wer- den ohne Wundtranck und Pflaster mit Worten geheilet, woran wir einen reichen Vorrath ha- ben. Wollen wir den schweizerischen Tadlern An- laß geben, mit einem grossen Scheine zu ruͤh- men, daß sie uns mundtod gemacht haben? Dann wird sich niemand mehr scheuen, auf uns, als M 5 todten Das Complot todten Hunden herumzuspringen. Allein ob wir gleich gerne leiden und schweigen wollten, so ist es zu spaͤ- te. Wir haben schon geschrien, und den Mund nur zu weit aufgethan. Wir haben schon durch unser Winden und Kruͤmmen verrathen, daß wir nicht unempfindlich sind, die Zeichen unsers ver- wundeten Gemuͤthes sind in unsern Minen hervor- gestiegen. Die boͤse Welt hat es wahrgenom- men, und die Schriften, die uns solche Unge- behrden verursachet haben, begierig aufgesucht. Al- so ist es umsonst ihr Gedaͤchtniß zu unterdruken. Jhr Nahme ist zu weit erschollen. Wir koͤnnen ihn nicht tilgen: Aber wir koͤnnen ihn wohl auf die Weise noch beruͤhmter machen, wie die Nah- men Herostratus, Mahometh, Spinosa, beruͤhmt sind. Zu diesem Ende ist zwar nicht nothwendig, daß wir ihnen Schriften um Schriften, Lehrsaͤze um Lehrsaͤze zuschiken. Wir haben weder Zeit noch Gelegenheit besondere Buͤcher wieder sie zu schreiben; Jch insbesondere brauche mei- ne Haͤnde weiter, als daß ich sie wegen fremder Thorheiten lahm schreiben sollte. Und ich huͤte mich davor so sehr, als die frommen Buhlschwestern des Sonntags vor den Hin- dernissen des Kirchengehens Seht im Augustm. der Belustigungen des Verst. und des Wizes die Anmerkungen zu Hrn. D. Trillers Be- schuͤzung Bl. 165. . Die Din- ge, die nicht nach unsrem Kopfe sind, wiederlegen sich von sich selbst. Es ist schon genug, daß wir ihren Vorsatz, von dem Jnnerlichen abgesondert, in kurzen Anmerkungen anschwaͤrzen; sie haben sich der herrschenden Poeten. sich schon wieder uns versuͤndiget, sie haͤben uns schon nach unsrer Ehre gegriffen, als sie sich nur in die Gedanken kommen lassen, in unsren Schrif- ten falsche Begriffe, Plattheit, oder Schwulst, zu entdeken. Sie verdoppelten die Suͤnde, als sie die Frechheit gehabt haben, unsre Schande der ganzen Welt zu offenbaren. Und diese Suͤn- de, die so schon so verdammlich war, haben sie dnrch die Art und Umstaͤnde, womit sie dieselbe begleitet haben, noch verdammlicher gemacht. Al- so haben wir schon Zeuges genug, ihr Gedaͤchtniß schwartz zu machen, ohne daß wir noͤthig haben, uns mit ihnen ins Controversschreiben zu geben; und aus gruͤndlich befestigten Grundsaͤzen zu erwei- sen, das Possierliche, das Platte, das Frostige, das Schwulstige in unsren Schriften sey ernst- lich, gesetzt, lebhaft, erhaben. Jch erkenne auch, daß dergleichen Entschuldigung uns nicht anstuͤhnde; es geziemt uns nicht, daß wir uns vor ihren Gerichtesstuhl, als Beklagte und Uebel- thaͤter stellen. Es ist allemahl mit Schimpfe be- gleitet, wenn man genoͤthiget wird, sich zu ent- schuldigen; und Bezuͤchtigungen finden insgemei- ne Glauben. Nach meinen Begriffen wuͤrde fuͤr uns das Vortraͤglichste seyn, wenn wir unter uns lustige und aufgeraͤumte Koͤpfe haͤtten, denen es niemahls an muthwilligen Einfaͤllen fehlte, Erweise mit Gelaͤchter, und Wahrheiten mit Pos- sen zu erwiedern, welche die Geschicklichkeit be- saͤssen, nicht das Ungereimte allein, das schon vor sich laͤcherlich ist, und darum nicht erst darf laͤcherlich gemacht werden, sondern auch dasjeni- ge, Das Complot ge, was nichts laͤcherliches in sich selber hat, zum Gelaͤchter zu machen. Wahrhaftig ein solcher wuͤrde sich um uns sehr verdient machen, der Thorheiten sprechen koͤnnte, welche unsren Geg- nern auf ihre Kosten gerechnet wuͤrden, wenn man glaubte, man lachte uͤber die Unvernunft unserer Wiedersacher, da man nur uͤber eine ungeschickte Vorstellung des Lustigmachers lachete; der Schimpf und Ernst, Jronie und Aufrichtigkeit, so fein durch einander mischete, daß man sie nicht von einander unterscheiden koͤnnte. Jn dieser Absicht wuͤrden Fabeln, Erdichtungen, Allegorien, Gleichnisse, und Sinnenbilder treffliche Dienste thun; wofern nur die parteilige Natur, oder unser nordliches Clima nicht den dummen Deutschen den erfindsa- men Kopf eines Schoͤpfers verweigert haͤtte. Doch ich rede dieses nur nach der ironischen (*) uns eigenen Weise, denn ich kenne einen solchen scharf- sinnigen Kopf unter uns, der die schertzhafte Art zu denken und zu schreiben in seiner Ge- walt hat; und der uns die Lust machen koͤnn- te/ zu sehen, wie er mit einem Wiedersacher/ der ihn mit schlechten Waffen angreift/ her- umspringen kan. Doch es hat uns diese Feder solche Lust noch nicht machen wollen: Jch weis auch nicht fuͤr gewiß zu sagen/ ob und wie bald sie uns dieselbe machen wird. Viel- leicht hat die ungeschliffene Art/ womit man ihr begegnet ist/ sie stoltz gemacht/ so daß sie sich in keinen so niedrigen Kampf einlassen mag; wobey wir aber in der That ein Ver- gnuͤgen verlohren haben. Diese troͤstliche Zuversicht wird schier mit eben diesen Nach der herrschenden Poeten. Nach ihm fassete Schottged das Wort. Er stuhnd nicht auf, sondern blieb in vollem Staat auf seinem Stuhle sizen, weil er redete. Er redete, als einer, der seiner Kraͤfte und seiner Kunst sich wohl bewußt ist, mit zufriedenen Augen. Was du am Schlusse deiner Rede mit soviel Rechte foderst, Waschbe, was du vonnoͤthen achtest, unsre Gegner mit Schamroͤthe und Schan- de zu uͤberdeken, ist schon von meinem erschaffen- den Wize erfunden. Jch will auch unsren Freun- den die Lust, so du ihnen davon verheissest, nicht vorenthalten. Jch habe Parabeln, Gleichnisse, Fabeln, und ganze Heldengedichte wuͤrcklich bereit. Verlangt man eine Parabel, die Leichtsinnigkeit der Engellaͤnder zum Gelaͤchter zu machen, wo- mit sie sich von Addison uͤberreden liessen, Miltons Gedichte von dem verl. Paradiese zu bewundern? Hr. Gottsched hat dieses auf folgende Art bewerck- stelliget: Es kommt mir mit der Englaͤnder Empfindlich- keit fuͤr Miltons Paradies bald so vor, wie damit, was Erasmus, wo ich nicht irre, in seinen Gespraͤchen erzaͤhlt, daß ein leichtfertiger Kopf die Gefaͤhrten, so mit ihm uͤber Land ritten, beredet sie saͤhen ein Luftzeichen am Himmel. Er stellte sich erstaunt; er rief, sie sollten doch sehen; er wies mit dem Finger; er beschrieb, was er sa- he; er fragte, ob sie es denn nicht auch saͤhen? Er schimpf- te Soll ich in einer Fabel beweisen, daß die Deut- diesen Worten in der Vorrede zum ein und zwanzigsten St. der critischen Beytraͤge entdeket. (*) Es waͤre gut, wenn diese scharfsinnigen Scribenten uns allemahl so sorgfaͤltig warneten, wenn sie in der Jronie reden; denn sie thun dieses oͤfters so fein, daß man es ohne eine ausdruͤckliche Erinnerung nicht wahrnimmet. Das Complot Deutschen Witz bekommen werden, wenn die Franzosen den ihrigen werden vergessen haben Dieses ist von einem jungen Dichter in der Fa- bel von der Nachtigall und der Wachtel geschehen; im XXIV sten St. der Beytraͤge. Art. 12. Bl. 521. ? Oder soll ich in einer solchen die schweizerischen Kunsttadler vor Splitterrichter erklaͤren, die ihre eigenen Balken nicht sehen Hr. Gottsched selbst hat dieses in dem 75sten Bie- dermanne gethan, durch die Fabel von dem Spottvogel. ? Soll ich sie in einem Gleichnisse in Corsaren verwandeln, die um guten Wind bitten, ein christliches Kaufmanns- schiff einzuholen Seht den Dichterkrieg Bl. 64. ? Oder soll ich um etliche Toͤne hoͤher steigen; so will ich den Habsburgi- schen Ottobert nach derselben Art anpreisen, wie Addison und Merbod das verlohrne Paradies aus- gestrichen haben Hr. Gottsched glaubt, Bodmer haͤtte im Ot- tobert, im Wittekind, oder in der Proserpina eben so viel vortreffliches finden koͤnnen, als er im Milton ge- funden hat. Und er nimmt ihm fuͤr uͤbel, daß er es lieber im Milton gesucht hat. Haͤtte er seinem Vaterlande, sagt er, eben den Dienst thun wollen, den Addison dem seinigen gethan hat; warum hat er nicht etwa einen Habspurgischen Ottoberr, eine Proserpina, oder einen Wittekind, oder sonst das Gedichte eines alten Schwei- zeri- ; ich will einen Krieg der alpini- te sie endlich fuͤr blind, wofern sie es nicht erkennen koͤnn- ten. Und siehe! endlich sahen die guten Leute auch, was sie doch nicht sahen; erzaͤhlten zu Hause grosse Dinge, und erzaͤhlten es so oft, bis sie selbst endlich glaubten, sie haͤttens gesehen, und bereit waren, darauf zu schwe- ren. Addison macht es eben so. Jm 4ten Art. des XXIV. Beytr. Bl. 656. der herrschenden Poeten. alpinischen Riesen ersinnen, den sie wieder den oͤstreichischen Jupiter gefuͤhrt haben, da will ich das Ungeheure, das Merboden so wohl gefaͤllt, nach dem Leben nachmachen Eben derselbe meinet, Bodmer haͤrte selbst ein Milton werden koͤnnen, wenn er uns ein Heldengedich- te von dem Kriege der alpinischen Riesen wieder den oͤsterreichischen Jupiter gesungen haͤtte. Da haͤtte er ja, sagt er, das ungeheure und graͤsliche, das ihm im Mil- ton so gefaͤllt, anbringen, Berge auf Berge tragen, und den Himmel bestuͤrmen koͤnnen. Da haͤtte er die Fabeln und die Bibel, Cyclopen und Titanen unter die Schweizer, und die Teufel unter die Furien mengen koͤnnen; um die Einbildungskraft seiner Leser recht in Erstaunen zu sezen. . Doch ich ha- be noch was lustigers als dieses alles. Jch habe einen deutschen Dichterkrieg Dieser deutsche Dichterkrieg ist in dem Heumo- nat der Belustigungen des Verst. und des Wizes enthalten. ausgebruͤtet, wo die Goͤttin der Zweytracht die Gestalt der goͤttlichen Critick annimmt, Merboden zu hinter- gehen, daß er die Geissel in die Hand nehme, die Poeten zu zuͤchtigen, die in Germanien beschaͤf- tiget sind, Sylben zu messen und Reimen zu paa- ren. Er lißt in Brands Narrenschiffe, obgleich sich eine viel sanftere Muse bemuͤhete, ihn auf die neuern Schoͤnheiten unserer Schriften zu lenken. Eris wirfft ihm eine Nater ins Dintenfaß, wel- che ich der Alekto aus dem Kopfe gerissen habe. Doch zerischen Barden hervorgesucht, und uns dasselbe eben auf die Art angepriesen, wie jener es im Zuschauer mit dem Milton gemachet hat ? Vielleicht waͤre es ihm ge- lungen, uns davon zu uͤberreden. Das Complot Doch nimmt die gutherzige Muse sie auf des Apol- lo Befehl wieder heraus, kan es aber nicht hin- dern, daß sich etliche Tropfen ihres stygischen Gif- tes darein gemenget haͤtten. Merbod kan sich zwar nicht so gleich entschliessen, das Reich der Dich- ter von neuem anzutasten, dieses hiesse ein We- spen-Nest stoͤren, welches mit tausend Stacheln gewaffnet ist. Seine Ruhe scheint ihm lieber zu seyn, als die Besserung der Undanckbaren. Aber Greibertin muntert ihn auf, den Willen der goͤtt- lichen Beurtheilungskunst auszufuͤhren, und die Ungeheuer eines verfallenen Wizes auszurotten. Jch verwandle Greibertinen in einen Druiden, der die griechische Dollmetschung der Bibel, mit allen ihren Unrichtigkeiten im Kopf hat, und die Sprache der Rabbinen und Masorethen ohne An- stoß redet. Merbod laͤßt sich von ihm uͤberreden, der Goͤttin zu gehorchen, und auch uns selbst nicht zu schonen, die doch von andern fuͤr Koͤnige des He- likons gepriesen werden. Jch verehre ihm zu die- sem Vorhaben eine Rabenfeder, die ich Swif- ten aus dem linken Fluͤgel gezogen habe. Er giebt uns, seinen Bruͤdern, damit heftige und schmertz- hafte Stiche, obgleich die sanfte Muse nicht von seiner Seite wich, und durch gelindere Eingebun- gen seine Ausspruͤche zu versuͤssen beschaͤftiget war. Die gedruckten Papierballen in Relos Buchla- den entsatzten sich, als sie dieses vernahmen, und die schwersten Stoͤsse poetischer Schriften erzitter- ten aus einer aͤngstlichen Ahnung des Schicksals, welches sie bedrohete. Aber Relo freuete sich, daß seine Landesleute noch Hertz genug haͤtten, sich wider der herrschenden Poeten. wider unsre Herrschaft abermal aufzulehnen. Die- ses ist nur das magere Gerippe meiner poetischen Schoͤpfung, welches ich mit miltonischem Rie- senwitz, einem prasselnden Feuer, einer bunt durch einander gewuͤrkten Belesenheit, einer alpinischen Mundart, unerschoͤpflichen Gleich- nissen angekleidet u. uͤberzogen habe. Jch schmeich- le mir, daß ich die heroische Sprache Miltons vollkommen nachgemacht habe, und darinnen be- steht die scharfsinnigste Verspottung in meinem Dichterkriege. Jst zum Exempel das nicht gut Mil- tonisch geredet, wenn Merbods patriotischer Eifer sich uͤber uns sinnarme Wortkraͤmer aͤngster, und wuͤnschet, daß ein helvetischer Geist, mit seinen centnerschweren Einfaͤllen, die leichten Sylben unsrer Gedichte schwaͤn- gern, und sie von unergruͤndlichem Witze traͤchtig machen moͤgte ? Dieses einzige Spott- gedichte soll ein  zulaͤngliche Antwort auf alle die Untersuchungen und Betrachtungen in sich ent- halten, auf welche Greibertin und Merbod die Lehrsaͤze und Entdekungen gruͤnden, welche wider unsre symbolischen Buͤcher und selbsterwehlte Re- geln, die so leicht und gemaͤchlich und doch so fruchtbar an Ruhme sind, so grob anstossen. Es soll nicht noͤthig seyn, das zweyte Vuch zu dem ersten zu versertigen; so sehr hat mich bey die- sem die zehnte Muse unserer Zeiten beguͤnstiget, ob ich sie gleich nicht angeruffen habe, die kuͤnst- liche Circe/ die aus unwissenden Koͤpfen gros- se Dichter und aus magern Reimregistern nie- mals versiegende Hippokrenen macht; ja Knit- [Crit. Sam̃l. III. St.] N telverse Das Complot telverse in Heldenlieder/ und Pritsch meisterzo- ten in Scherzgedichte verwandelt; die guther- zige Mutter/ An diese ist die Anruffung vor dem Dichterkrie- ge nicht gerichtet, sondern an etliche andere, insbeson- dere an diejenige, welche Buttlern bey Verfertigung des Hudibras beygestanden war. Dieses war eine Muse, die Wythers, Pryn, und Vicars mit saurem Biere be- geistert, und sie der Natur und ihrem Geburtsstern zu Trutze zum Versemachen gezwungen; die nichts anders, als die Sucht ist, sein Bild mit Lorbeerblaͤttern, und schlimmen Reimen darunter, vor dem Buche geheftet zu sehen ꝛc. die so viel armselige Buchdruͤ- ker ernaͤhrt/ indem ihre im Schreiben und Sin- gen unermuͤdete Soͤhne ihre Pressen beschaͤff- tigen; gesezt daß sie in Ermangelung groͤsse- rer Helden nur Schneider und Kraͤmer besin- gen muͤssen. Er schwieg. Einige lobeten den erfindungsrei- chen Kopf, und straften den boshaften Franzo- sen der Luͤgen, der den Deutschen die Schoͤ- pfungskraft abgesprochen hatte. Andere bewun- derten die Kunst Schottgedens, eine Erweiskraft in Fabeln und Erdichtungen zu legen. Er sog das suͤsse Gift ihres Lobes mit langen Zuͤgen in sich, als Werzasch winkete, daß er Gehoͤr ver- langte. Ein frecherer Kopf fand sich nicht in dem gantzen Heere der herrschenden Poeten; er getraute sich auch die Fehler zu verbessern, wel- che Virgil nicht harte verbessern koͤnnen, weil er von dem Tode uͤbereilet woͤrden. Bey der praͤchtigen Beschreibung des Jupiters (Di- Sei- nen Schriften konnte der scharfsichtigste Aristar- chus der herrschenden Poeten. chus kein Versehen abgewinnen, denn er hatte sich bedinget, daß man sie beurtheilen sollte, nicht wie sie aus der Presse gekommen, sondern wie sie bey Hause auf seinen Papieren stuͤhn- den. Hr. Schwarze beklaget sich in der eben ange- zogenen Stelle, daß sein Gegner die Verse beurtheilte, wie sie in den Beytraͤgen, nicht, wie sie auf seinem Pa- pier stuͤhnden. Er gab seinen Rath folgendermas- sen. Das alles ist sehr gut, herrschende Poeten und Kunstlehrer, es ist tuͤchtig uns in der Hoheit, die wir in dem poetischen Reiche besitzen, zu erhal- ten: Doch koͤnnen wir nach meinem Beduͤnken noch etwas mehrers thun. Jhr habet selbst wahr- genommen, daß die Schriften unsrer Widersa- cher nicht bloß stechend, beissend und stachligt sind; sie sind grossentheils dogmatisch, lehrend und N 2 schlies- (Divum pater atque hominum Rex,) halte ich dafuͤr, daß Virgil hertzlich gerne das Wort Jupiter gesetzet haͤtte, wenn es nur alsobald in dem Verse angegangen waͤre. Denn wer wird wol dafuͤr halten; Virgil habe alle Wor- te mit Fleiß und grossem Bedachte hingeschrieben, und in einem jeden eine besondere Schoͤnheit gesuchet? Hat er denn nicht das gantze Werk verbrennen wollen, weil er solches wegen Uebereilung des Todes nicht hat verbes- sern koͤnnen? Hr. Schwartze in der Vertheidigung des Versuches einer Uebersetzung Virgils. XXI. Beytr. 4. Art. bl. 77. Eben daselbst sagt Hr. Schwarze: Jch bin ein eifriger Verehrer unsers Marons, aber ich bethe ihn des wegen nicht als einen Gott an, der nicht fehlen koͤnnte. Das Wort Pius hat sich gar zu gut zu seinem Aeneas in den Vers geschikt, darum hat er solches bis- weilen auch an solchen Orten gebraucht, wo es mehr ei- nen Fehler als eine Schoͤnheit ausmachet. Das Complot schliessend; da werden Grundwahrheiten voraus- gesezet, und Lehrsaͤtze darauf gepflanzet, die her- nach weiter ausgebreitet werden. Mit dieser Ar- beit wird insgemein der foͤrdere Theil eines Ab- schnittes von ihnen angefuͤllt. Nun moͤgen wir gleich ihre Personen, ihr Vorhaben, ihre Faͤ- higkeiten, ihre Gemuͤthsneigungen und Absichten, verhaßt und zum Gelaͤchter machen, so sind doch unsre Landesleute so philosophisch geworden, daß wir ihnen nicht werden verwehren koͤnnen, uͤber dieses critischpoetische Lehrgebaͤude zu denken. Darum daͤucht mich lediglich nothwendig, daß wir dasselbe verdaͤchtig machen, untergraben, und auf den Kopf stellen. Das soll nun die Arbeit seyn, an die ich mich wagen will. Wenn mich gewisse Wahrscheinlichkeiten nicht betriegen, die mir ein grosses Vertrauen auf meine Ge- schiklichkeit machen, soll es mir nicht uͤbel feh- len. Wir wissen aus der Erfahrung, daß unsre Schriften belustigen, welches uns zeigt, daß sie mit der Natur des Menschen uͤbereinstim- men, denn man wird unsre Leser, die ihr Ver- gnuͤgen daran finden, doch auch fuͤr Menschen erkennen. Nun sind sie auf gantz andre Lehrsaͤtze und Grundregeln gegruͤndet, als die Zuͤrchischen Kunstlehrer aufzubauen bemuͤhet sind. Hieraus fliesset nothwendig, daß die Kunstregeln dieser lez- tern auf einem falschen Grunde beruhen. Wir haben unsre eigenen Empfindungen, unsre be- sondere Eindruͤke, einen Geschmak und Geschma- keswerkzeuge fuͤr uns; von diesen lernen wir daß unsre Gedichte vortrefflich, schoͤn, erhaben, seyn. Die der herrschenden Poeten. Die Schweizer sagen nein dazu, weil sie dieses nicht empfinden. Wollen sie denn, daß wir ih- rem Fuͤhlen und Empfinden mehr als unsrem ei- genen glauben sollen. Warum verlangen sie von uns nicht auch, daß wir nicht mehr dasjenige vor suͤß, oder sauer, oder bitter halten, was unsere Zunge uns so zu empfinden giebt, sondern das, was sie uns davor zu halten befehlen? Jch will ihnen ihren Geschmak und ihre Einsichten goͤnnen, welches wahrhaftig schier zu viel ein- geraͤumet ist, aber dann seh ich auch nicht, woher sie sich ein Recht anmassen koͤnnen, ihre Meinungen auch uns aufzudringen. Man goͤnnet einem jeden seinen Geschmak, und seine Einsicht; sieht aber hingegen auch nicht, wo- her man sich ein Recht anmassen koͤnne, seine Meinung auch andren aufzudringen. ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ Doch was brauchet es viel, sich gegen einen Rich- ter zu verantworten, dem die Beurtheilung dieser Sache nicht zusteht? Es hat uns gefallen, die Untersuchung, so wie sie war, einzuruͤken. Was hat man dawider zu sagen? Steht jemand das darinnen gefaͤllte Urtheil nicht an, so steht es ihm frey, ein anders davon zu faͤllen, und alles dasjenige zu loben, was hier geta- delt worden. Vorrede zum XXI. Beytr. Man wird mich spaͤte uͤberreden, daß alles, was sie schreiben, lauter Orakel seyn; daß ihnen die Unfehlba keit und Unbetruͤglichkeit zugetheilt sey. Sie w e rden wenigstens hier oder da ihre Schwaͤ- chen, ihre Maͤngel, ihre Fehler haben. Jhr beeistes Vaterland verheißt uns nichts vollkom- menes, nichts reifes, die Musen sind daselbst neu und fremde. Haben sie schwache Theile, N 3 wie Das Complot wie ich denn hoffen darf, so werden sich solche noch wol ausfinden lassen. Uberdies moͤgte ich wissen, ob diese spitzfuͤndigen Gruͤbler in Homers, Virgils, Miltons, Opizens Kopfe gesessen seyn, als sie ihre Gedichte geschrieben haben? Haben sie die Seelen dieser Dichter gesehen, wie sie ihre Ge- danken, Vorstellungen, Einfaͤlle verarbeitet ha- ben? Man sollte es schier glauben; mit solcher Gewißheit wissen sie uns von dem Ursprung, der Geburt, dem Anwachse eines jeden absonderli- chen Gedankens in der Jlias, der Odyssea, und der Eneis Nachrichten zu geben. Es scheint daß diese Gedichte von ihnen vor ein mechanisches Uhrwerk angesehen werden, wo die Gedanken dem Geist nicht kraft seiner Natur ohne seinen Beytrag eingefallen, sondern wie die Raͤder und Springfedern geschmiedet, und in einander ge- stossen worden. Jch traue die Allwissenheit nie- manden zu/ daß er es werde wissen koͤnnen, wie der Poet auf diesen oder jenen Gedanken kommen koͤnnen/ oder muͤssen/ da er es oft selbst nicht weis. Sehet meine Saͤchsische Correspondenz vom 30sten Octob. 1739. Jch muß derer lachen/ die glauben, daß Virgil alle Worte mit Fleiß und grossem Bedacht hingeschrieben/ und in einem jeden eine besondere Schoͤnheit gesucht habe. Sehet oben die Note F f bl. 195. Jhr sehet, daß ich Stofs genug vor mir habe, Scrupel einzustreuen, und Zwei- fel und Mißtrauen zu erweken, welches schon genug ist, die Lehrsaͤze der Schweizerischen Kunst- hof- der herrschenden Poeten. hofmeister zu untergraben, und verdaͤchtig zu machen. Bey vielen seichten Gemuͤthern muß eben dieses sie gar vernichten. Denn wer muß zulezte in diesen zweifelhaften Dingen den Entscheid ge- ben? Es ist kein anders Mittel, sie zu entschei- den, als durch die mehrere Stimmen. Diese haben wir richtig auf unsrer Partey. Es sind zehen Leute, die unsren Geschmak, unsre Em- pfindung fuͤr die wahre halten, gegen einen, der mit den Schweizern stimmt. Was zehen sagen ist ohne Zweifel zehnmahl gruͤndlicher, als was ei- ner sagt, denn es erhaͤlt in eines jeden Mun- de einen neuen Grad der Wahrheit. Dazu koͤmmt izo noch das Ansehen und die Wuͤrde derer Leu- te, die auf unsrer Seite stehen. Staatsmini- ster, Rathsherren, Freyherren, Consisto rialraͤ- the, Aebte, halten es mit uns. Dieses giebt unsren Lehrsaͤtzen abermahl einen hoͤhern Grad der Wahrheit, dessen der gruͤndlichste Erweis, wenn ihm das Ansehn fehlt, beraubet ist. Werzasch schwieg, oder ward nicht mehr ver- nommen, denn es erhub sich ein brausendes Zu- ruffen, und starkes Haͤndeklatschen der herrschen- den Poeten und Kunstrichter. Es war ein hei- sernes Getoͤse, wie dasjenige, das Lucanus ge- hoͤret, als er vermeint, es haͤtte unter dem Bo- den gedonnert. Als es ein wenig stiller gewor- den, erhub Mannweich die Stimme, und ver- sprach Werzaschen großmuͤthig, daß er ihm zur Erleichterung seiner Arbeit gewisse von ihm er- fundene mechanisch-magische Geheimnisse mitthei- len wollte; mit Nahmen ein Wetterglas des N 4 Ver- Das Complot Verstands, eine philosophische Sakuhr, ein Pekad Enosch, ein himmelblaues Wasser aus China, ein japonesisches Kraͤuterkuͤssen. Er ruͤhmte, daß sie ihm selbst bey Verfertigung sei- ner patriotischen Blaͤtter so gute Dienste gethan haͤtten, daß er weiter keiner Vernunft oder Ue- berlegung beduͤrft haͤtte; und versicherte, daß man mittelst derselben ohne Vernunft vernunftmaͤssig handeln koͤnnte. Jezo zweifelten sie nicht laͤnger an dem Untergange der Schweizerischen Kunst- schriften. Sie begluͤkwuͤnschten einander deß- wegen mit der aufrichtigsten Schmeicheley, ihr Muth wuchs, und der Stoltz kehrete in ihr Hertz zuruͤke. Henak alleine schien noch unzufrieden. Es verdroß ihn, daß dieses alles nur durch die Kunst der Pleisse vollfuͤhrt werden sollte. Die- ser hatte vordem seine eigenen Gedichte mit An- haͤngung einiger von Kirchneues vortheilhaf- ter anzuwerden gewußt Sehet Neukirchs Vorrede zum ersten Theile sei- ner Uebersetzung des Telemachs. ; hernach den bil- ligen Unwillen, den Kirchneu deswegen empfan- gen, zu mildern, ihn uͤber alle gewesenen und noch lebenden Poeten hinaufgesezt. Er hatte des Herren Grafens von Spork in einigen Schriften ruhmwuͤrdig gedacht, wobey er erinnert, daß er dazu genugsame Ursache haͤtte/ weil dieser tugendhafte Herr seines wenigen Lobes nicht beduͤrfte. Jukner ein geschikter Kopf, den die Critik kannte, und schon in seiner Jugend lie- bete, hatte die Muͤhe genommen, seine poetischen Raritaͤten-Kammern, Schraͤnke, und Schub- kasten der herrschenden Poeten. kasten auszustaͤuben, welches aber Henak so uͤbel empsunden, daß er es ihm durch die Machtstimme des weltlichen Richters verbieten lassen. Er stuhnd auf, und sprach mit einem wolbeobachteten Nu- merus: Jst es schon so weit gekommen, daß man dem gelehrten Herrn von Holenstein, und dem beruͤhmten Herrn Kirchneu, ungeachtet der erstere bey Kennern wahrer Gelehrsamkeit einen allgemeinen Beyfall und unsterblichen Ruhm er- worben, der andere aber unter allen gewesenen und noch lebenden Poeten keinen seines gleichen ge- funden, in oͤffentlichen Schriften viele Fehler bey- zumessen, und ihnen andere Leute, welche vielleicht noch nicht unter die Deos medioximos gehoͤren, vorzuziehen weis, so stelle ich mir das Prognosti- con, daß man mit mir nicht saͤuberlicher verfah- ren, sondern Dieses ist von Wort zu Wort aus Hrn. Han- kens Vorrede zu seinen Gedichten genommen. ‒ ‒ Allein er konnte den kraus- verflochtenen Periodus nicht vollenden, denn siehe ein Cimmerischer Nebel erfuͤllte den ganzen Saal ploͤzlich, welcher sich nach und nach in der Mit- ten desselben in eine Wolke sammelte, und ei- nen Thron von etlichen erhabenen Stafeln for- mierte. Ein blauer Dunst stuhnd uͤber demsel- ben, woraus augenbliklich eine lange, schwere, fette und gravitetische Gestalt mit kuͤpfernen Au- gen, einer zweydeutigen Mine, und einem bunt- schekigten Gewand an das Licht hervorstieg. Sie erkannten straks ihren Abgott und Vater, den herrschenden Geschmak; ein jeder sah sein eige- nes Bildniß in ihm ausgedruͤkt. Auch of- N 5 fenbarte Das Complot fenbarte ihn sein Wapen, das er auf dem linken Ermel in einem heraldischen Schildlein angehef- tet hatte. Es war ein sitzender Baͤr, der an der Tatze sog. Sie stuhnden ehrerbiehtig vor ihm auf, und neigeten sich bis zur Erden. Er saß auf dem Stuhl mit Majestaͤt umwoͤlkt, der An- tichrist des Wizes. Dreymahl schneuzte er sich, uud raͤusperte sich dreymahl, worauf er den Mund aufthat, Und wie man sagt und glaubt, hat er also gesprochen. Eine beruͤhmte Zeile aus Herr Neukirchs Ueber- sezung des Telemachs, welche von dem Verfasser der Lettres Germaniques unter einer Menge ihres gleichen angezogen worden. Telemach faͤngt damit die Erzeh- lung seiner Begebenheiten an, um welche Calypso ihn ersucht hatte. Ah que cela est joli, sagt der eben er- waͤhnte Franzose dazu, j’y trouve un air bouffon qui me ravit! Der Schuzgeist des herrschenden Geschmaks koͤmmt zu seinen Soͤhnen und Getreuen in koͤr- perlicher Gestalt mit menschlichen Gliedmassen ver- sehen, und mit irdischen Kleidern umhaͤngt. Jch bin zwar bestaͤndig bey euch gegenwaͤrtig, wie- wol ungesehen, ihr moͤget in einem Synodus versammelt seyn, euch von den Angelegenheiten unsers Staats zu unterreden, oder einzel in eu- ren Studierstuben sitzen, ein neugebohrnes Phoͤ- bus plaudern, oder halbausgebruͤtete Grillen in geschikten Reimenkuppeln auf poetischen Fuͤssen kriechen zu leren. Jch bin es, der euch die Ein- faͤlle zuschiket, welche euch oͤfters kommen, ohne daß ihr wisset, woher und warum. Wenn ihr Apollo der herrschenden Poeten. Apollo und die neun Musen um Beystand an- ruffet, so erhoͤre ich eure Bitte. Aber diese gros- se Berathschlagung erfoderte meine sichtbare Ge- genwart unter euch. Es war billig, daß ich euch durch das hertzstaͤrkende Anschauen meines Ange- sichtes beseeligte. Noch mehr war es noͤthig, daß ich in diesen boͤsen und treulosen Umstaͤnden euch ἀπὸ μηχανῆς beystuͤhnde. Denn ich kan euch nicht bergen, (es waͤre uns zu schaͤdlich, wenn wir es vor uns selber verbergen wollten,) daß wir mit spitzfuͤndigen Maͤnnern zu thun haben, derer Ur- theile und Lehren einen grossen Schein mit sich fuͤhren, dermassen, daß ich selbst im Zweifel stehe, ob sie nicht auf einem guten Grunde beruhen. Zu geschweigen daß sie mit allerley List, mit Ver- nunftsraͤnken und Kunstgriffen wol versehen sind, welche sie zu ihrem besten Vortheil anzubringen wissen. Jch sehe darum mit Lust und Vergnuͤ- gen, daß es euch an hartnaͤkigem Muthe, an ho- her Einbildung, und an blindem Eifer nicht fehlet, euch dagegen zu setzen; und ich merke wol, daß es noͤthiger ist euch zu hinterhalten, als anzuspornen. Denn diese hohen Regungen koͤnnen mehr Scha- den als Nuzen bringen, wenn sie nicht gemaͤssiget werden. Der Stolz muß uns nicht verfuͤhren, daß wir die gemeinsten und leichtesten Mittel, die uns zu dem Zweke fuͤhren, gegen denjenigen ver- achten, die zwar schwerer und erhabener, aber da- bey desto gefaͤhrlicher sind. Darum verwerffe ich, daß wir uns in eine Untersuchung der schweizeri- schen Grundlehren wagen. Es ist mehr Hochmuth, als Sicherheit und Nuzen in diesem Vornehmen. Wir Das Complot Wir kaͤmen in Gefahr, daß dergleichen Pruͤffung denjenigen, der sie anstellete, selber mit Scrupeln an- fuͤllete, und vielleicht gar auf die Seite unsrer Geg- ner lenkete. Gehet lieber mit Stillschweigen vor- bey, daß die Schriften unsrer Widersacher syste- matisch und dogmatisch seyn; gebet vielmehr zn verstehen, daß sie in Kleinigkeiten bestehen, daß es Gruͤbeleyen sind, dictatorische Ausspruͤche, Ge- spoͤtte uͤber abgesonderte Stellen aus Poeten, de- nen sie gern eins haben versezen wollen. Huͤtet euch wahrhafte und ausfuͤhrliche Auszuͤge daraus zu verfassen. Ziehet nichts davon mit ihren eigenen Worten, noch in seinem Zusammenhang an. Es ist euch eigentlich nicht darum zu thun, daß ihr ei- ne gruͤndliche Wissenschaft bekommet, vielweniger dienet es euch, daß ihr andern dazu behuͤlflich seyd, ob die Kunstbuͤcher der Schweizer in dem Grund und Erweise ihrer critischen Lehrsaͤtze, nach wel- chen sie unsre Schriften verurtheilen, recht haben, oder nicht, ob sie irren, oder wir, ob sie noch et- was gutes haben, oder ob alles darinnen verwerf- lich sey. Das alles hilft uns nicht, und giebt uns keinen Trost. Wir setzen kein Mißtrauen in un- sern empfindenden Geschmak, und unterwerfen ihn nicht erst der Untersuchung; und dieser sagt uns ohne Untersuchung, daß der schweizerische Ge- schmak falsch, irrig und verdammlich ist, weil er dem unsrigen zuwider laͤuft. Vermeidet darum alle Pruͤffung, so viel als ihr koͤnnet. Entfernet euch von der Hauptfrage, und springet auf hun- dert Nebensachen. Widerstehet der hochmuͤthigen Begierde die angefochtenen Stellen zu retten, wel- ches drr herrschenden Poeten. ches euch allzuleicht zu Untersuchung und Bestim- mung absonderlicher Grundsaͤtze, wobey man euch fassen koͤnnte, verfuͤhren wuͤrde, ohne daß jene da- durch mehr Licht, mehr Kraft und Lebhaftigkeit er- hielten. Es ist wol erinnert worden, daß Gegenbe- schuldigungen am besten dienen, die Beschuldigungen zu zerstreuen, und die Entschuldigungen unnoͤthig zu machen. An dergleichen wird euer Amtszorn euch keinen Mangel leiden lassen. Das Vorur- theil hat unter unsrer politen Nation vorlaͤngst Fuß gefasset, daß die Schweizer ein grobes, ungeschlif- fenes, und unhoͤfliches Volk seyn, machet euch die- ses zu Nuzen, und pflanzet es weiter an. Eine jede Censur, darinnen sie eine von euren Schrif- ten, oder eine absonderliche Stelle, oder Ausdruͤ- kung verwerffen, kan euch zu einem Beweißthum ihrer Grobheit dienen. Sprecher den Gratien den Aufenthalt daselbst ab, wo ein ewiges Eis ihrem zarten und nakten Fuß den Zugang ver- wehrer. Dieses ist in dem Dichterkriege bl. 53. geschikt geschehen. Wie sollten diejenigen zu leben wis- sen, die in den Spaͤlten der Berge alles Umgangs mit den Menschen beraubet sind, die allda zu den Murmelthieren in einen Winterlangen Schlaf ver- bannet sind! Die sich bisher nicht uͤber einen Steinwurf von den vaͤterlichen Felsen verlau- fen haben! Belustigungen bl. 174. im Augustm. Sollte die Freyheit, in der sie leben, sie nicht rauh machen, und von der Zaͤrtlichkeit der unterthaͤnigen Deutschen entfer- nen! Was koͤnnte wilder seyn als ihre Sprache, wenn Das Complot wenn ihre fliessenden Gedanken uͤber kieselhar- te Worte hinstolpern! Ruhet nicht, bis ihr es so weit gebracht habet, daß der blosse Nahme eines Schweizers zu einem Scheltwort wird. Jn diesem Verstand wird von den Anmerkun- gen uͤber die Zuͤrichische Auflage des Ergaͤnzungst. gesagt: Es ist so schweizerisch, daß es nicht schweizerischer seyn koͤnnte. Belustigungen im Augustm. Die- se Vorruͤkung der Unhoͤflichkeit wird mithin eu- rer eigenen Grobheit einen Paßport ertheilen. Sie nehmen die Freyheit alles nach ihrer Einsicht und Meynung zu beurtheilen: So wird es denn auch uns freystehen, ein gleiches zu thun, ob wir gleich sonst gegen lebendige Scribenten andern Grundsaͤtzen zu folgen gewohnt sind. Es ist auch keine Folge, daß wir es deswegen ge- gen andre Scribenten eben so machen sollten. XXIV. Bey- trag Art. 4. bl. 668. Jhr duͤrfet desto frecher unhoͤflich seyn, je derbere Verweise ihr andern deßwegen gebet, je erbaulichere Reden ihr von der Sittsamkeit fuͤh- ret. Stellet euch darum als die hoͤflichsten Maͤn- ner an, neiget und buͤket euch unaufhoͤrlich vor einander, lobet die groͤbsten Fehler eurer Freunde lieber, als daß ihr die Unhoͤflichkeit begehet, sie vor denselben zu warnen. Wenn ihr nur ihrer Drukfehler gedenken sollet, so thut es mit einer dehmuͤthigen Abbitte. Verstaͤrket die Anklage der Grobheit mit der Bezuͤchtigung, daß sie die Ma- jestaͤt der deutschen Nation laͤstern. Beweiset die- ses daher, weil sie euch laͤstern, die herrschenden Poeten, die Lust und Ehre der Deutschen. Jn Wahrheit diese Laͤsterung wider unser Vater- land Schliesset die weitlaͤuftige Nation der Deutschen ganz der herrschenden Poeten. ganz ins Enge, setzet sie auf die geringe Anzahl eurer Personen und eurer Freunde hinunter: Deut- scher Witz und deutsche Kunst fliessen in euch zu- sammen. Sind sie nicht in euren Gedanken und Reden, so seyn sie nicht in der deutschen Nation. Nach euren Proben muͤsse man von der Hoͤhe des Verstandes und Witzes schliessen, auf welche ein deutscher Kopf steigen kan. Euer Ruhm sey mit ihrem Ruhme verknuͤpfet. Er koͤnne ohne Ab- bruch des andern weder bestehen noch fallen. Auf diesen Grund nehmet dann das Schuzamt der deut- schen Nation auf eure Schultern, deren Stelle ihr iezo vertretet. Machet euch zu ihrem Munde, redet fuͤr sie, leget ihr eure Gedanken, eure Mei- nungen, eure Schoͤnheiten und Fehler zu. Die- ses giebt euch ein Recht, eure Neider und Wider- sacher im Nahmen der deutschen Nation auszu- filtzen, und euch durch euch selbst in ihrer Person eine Danksagung dafuͤr abzustatten. Auf diese Weise koͤnnet ihr ihnen den Haß und Zorn aller Deutschen uͤber den Hals ziehen, ihr koͤnnet da- durch euren eigenen Ruhm unter dem Schirme der Nation sicher stellen; ihr koͤnnet die Ehrfurcht, so der Nation insgesammt gebuͤhrt, auf eure Per- sonen lenken. Es wird euch dann vergoͤnnet seyn, mit vollem Munde zu ruffen, daß Deutschland Poeten hat, die Schoͤpfer und Erfinder sind, wenn ihr niemanden als euch selbst dadurch versteht. Nennet sie aber niemals selber, damit ihr in je- dem land und alle seine Poeten, duͤnkt mich so ungerecht zu seyn, daß ich nicht umhin gekonnt, zu ihrem Schutze die Feder zu ergreifen. Art. IV. im 24sten Beytr. bl. 659. Das Complot dem Falle die Freyheit behaltet zu sagen, ihr ha- bet diesen und nicht jenen verstanden. Druͤket man zu stark auf euch, und verlangt man daß ihr die Werke der deutschen Schoͤpfungskraft aufweiset, so zeiget in der kuͤnftigen Zeit, was die gegenwaͤr- tige noch nicht hat; ihr werdet allemal in dem Vermoͤgen der deutschen Koͤpfe finden, was nicht im Werke vorhanden ist. Was nicht geschehen ist, das ist darum nicht unmoͤglich; und was einem franzoͤsischen oder deutschen Chapellain noch nicht gelungen ist, das kan wol, vielleicht ehestens, von einem geschiktern Dichter ins Werk gerichter werden. Jm XIX ten Beytr. 8. Art. bl. 444. Sprich: Jst der Erde drum ein Baum zur Last erzeuget, Der noch die Aeste nicht voll reifer Fruͤchte beuget. Aus dem XXIV sten Beytr. 12. Art. bl. 521. Werffet insonderheit euren Antagonisten den Geist des Widerspruchs vor. Schreibet es nur ihm zu, daß sie das Schoͤne in den Schriften derer loben, welche ihnen feind sind. Leget in ihre bestgemeinten Absichten eine Begierde zu tadeln. Vergiftet da- mit ihre reinsten Lehren. Erstreket ihre Boßheit so weit, daß sie derselben eine Gnuͤge zu thun, sich eine Fertigkeit in der Kunst alles laͤcherlich zu ma- chen zugeleget haben. Hr. Triller hat schon in dem Ergaͤntzungsstuͤke daran Behauptet daß es wuͤrklich eine solche Kunst gebe, welche dasjenige, was in seiner Natur und seinem Jnnerlichen gut, schoͤn, und herrlich ist, durch fremde Ausdruͤke und Vorstellungen, so dieselbe nichts angehen, den- noch der herrschenden Poeten. noch lachenswuͤrdig machen kan. Dadurch ge- winnet ihr den Vortheil, daß die Leute glauben, wenn die Schweizer eine Stelle in euren Schrif- ten in ihrer wahren und natuͤrlichen Mißgestalt vor Augen gestellt haben, das Lustige und Aben- theurliche beruhe nur auf ihrem Ausdruke; wenn ihr hingegen ihrer Gedanken mit ungeheuren Vor- stellungen spottet, wird man ihre Gedanken selber vor ungeheuer halten. Das geschikteste Gespoͤtte ist das, welches ein unmaͤssiges Gelaͤchter verur- sachet, das seinen Grund nur einzig in dem Ge- hirne des Spottenden hat, wozu man dem ver- spotteten Scribenten nicht das geringste abgebor- get hat. Dergleichen Lustigmachen hat nicht nur den Nuzen, daß es den Gegner schamroth ma- chet, ohne ihn zu bekehren, sondern es giebt uͤber- dies eine gewisse Freudigkeit eines Menschen zu erkennen, der sich seiner gerechten Sache, und seiner Geschiklichkeit wol bewußt ist. Nun ha- ben unter den verschiedenen Arten zu spotten frey- lich die Gleichnisse, Parabeln, Allegorien, einen Vorzug, allermassen die meisten Leser ihnen eine Kraft dasjenige zu beweisen zueignen, was sie nur vor bekannt annehemen, und erklaͤren. Man ist gantz geneigt, die Niedrigkeit, die Thorheit, die Boßheit der erdichteten Personen, die dann in eine Handlung verbunden werden, auf dieje- [Crit. Sam̃l. III. St.] O nigen daran gedacht: Eine Hand voll muthwilliger Einfaͤlle sagt er, und die schaͤdliche und elende Kunst alles laͤcher-, lich zu machen ist der ganze Grund, worauf diese sonder- bare theatralische Kunst beruhet. Das Complot nigen zu ziehen, welche sie vorstellen. Wie, wenn man einem sittsamen und ehrbaren Rathsherren ein Narrenkleid mit Schellen an der Kappe an- zieht, die Zuseher glauben, sie lachen uͤber die Person, da sie nur uͤber die Maske lachen. Aber nehmet in solchen Fabeln wol in Acht, daß ihr nicht dem Gegner in der Hize der Arbeit, da ihr mehr auf den Fortgang der allegorischen Geschichte als auf den mystischen Sinn derselben bedacht seyd, Waffen wider euch selbst leihet: Also wird dem boshaften Merbod in dem Dichterkriege allzu viel eingeraͤumet, daß er nicht anderst als durch die goͤttliche Critik verfuͤhrt werden kan, und Eris derselben Gestalt, Reden und Gedanken, an sich nehmen muß; ferner daß ihm die gut- hertzige Muse bestaͤndig aufwarten muß, und daß ihm der Vorsatz zugeschrieben wird, die Unge- heuer eines verfallenen Witzes auszurotten. Es ist auch sehr ungeschikt gedichtet, daß wir eine so traurige Figur in dieser Geschichte machen. Der urtheilende Merbod giebt uns haͤftige und schmertzhafte Stiche, die uns bis in das Jn- nerste der Seelen dringen. Und wir wissen uns dagegen nicht besser zu helffen, als daß wir un- ser empfindliches Fell schuͤtteln, und wie ein toller Hengst hinten aus schlagen, und ei- nen Sprung thun, wovon eine Wolke in die Hoͤhe faͤhrt, die uns unsichtbar macht. Hinge- gen werden unsre Widersacher in einem stillen Ver- gnuͤgen, und suͤssen Hoffnung eingewieget. Sehet in dem Dichterkriege Bl. 66. Allein der herrschenden Poeten. Allein ich will hievon nichts mehr gedenken, da- mit es nicht scheine, als ob ich durch meine Offen- hertzigkeit die schweizerische Unhoͤflichkeit nachahmen wolle. Jch weis daß dem Hrn. Schottged mit meiner deutschen Hoͤflichkeit mehr gedienet ist, und daß er lieber mit Stillschweigen uͤbergangen, als scharf getadelt und beurtheilet werden will. Er haͤlt es nicht mit den Schweizern, denen Hr. Gottsched zu Ende des 4ten Art. im 24sten Beytr. vor- ruͤckt, daß ihnen mit seiner Hoͤflichkeit nichts gedient sey, und daß sie lieber scharf beurtheilet und getadelt; als mit Stillschweigen uͤbergangen werden wollten. Es ist aus unsren Geschichtbuͤchern und der Chro- nologie offenbar, daß die Schweitzer die Lust an critischen Schriften zuerst nach Deutschland ge- bracht haben, wir hatten zu unserm Wohlseyn nicht noͤthig, dieselbe zu erwecken: Und sie haben vermittelst der Critik Opizen wieder in Ansehen ge- bracht, den wir verdrungen hatten, und hingegen Holenstein, Morath und andre von unsren Freun- den herunter gesetzet. Diesen Vorzug muͤssen wir ihnen nicht goͤnnen; sie wuͤrden daher ein allzu vortheilhaftiges Vorurtheil vor ihre Werke erhal- ten. Wiewol uns die Critick mit ihren Unter- suchungen und Beurtheilungen nicht gut ist, so hat sie doch einen ansehnlichen Nahmen, der uns zu statten kommen mag. Desselben muͤsset ihr euch bemaͤchtigen, heisset euch darum ungescheut die wahren Kunstlehrer und Kunstrichter, die Ver- besserer des Geschmakes, gebet dreiste vor, daß die heutigen critischen Zeiten euch ihren Anfang zu danken haben; buͤrdet den Schweizern auf, O 2 daß Das Complot daß sie die Spur des sittsamen Opizes verlassen haben, und daß sie den holensteinischen Schwulst wieder einfuͤhren wollen. Ruͤhmet euch, daß ihr die deutsche Poesie von Schwulst, Phoͤ- bus, Possen, und Narrenschertz gereiniget ha- bet, gesetzt daß ihr sie nur von Reimen und Vernunft gesaͤubert haͤttet. Saget, zuvor haͤtte man nur aͤusserlich an den Versen ge- putzt: doch ihr haͤttet angefangen/ unsern Deutschen die falschen Begriffe von der poeti- schen Schoͤnheit der Gedanken aus dem Kopfe zu bringen. Jhr haͤttet gewiesen/ daß das- jenige, was man fuͤr lebhaft oder nachdruͤcklich gehalten/ matt und kalt gewesen. Als die Natur der Sachen aus unsern Gedichten ver- bannet war/ haͤttet ihr sie wieder hergestellt. Man glaubte/ ein Dichter muͤßte die Natur uͤbersteigen/ ihr aber haͤttet gelehret/ ein Dich- ter muͤßte der Natur nachahmen Aus Hrn. M. Schwaben Zuschrift zu seiner Uebersezung vom Bathos, Bl. IX. X. . Traget kein Bedenken zu ruͤhm e n, daß ihr von den groͤsten Meistern und Kennern der Dichtkunst eure Regeln und Beurtheilungen erlernet habet, schreibet ein langes Register derselben zusammen, und preiset sie vor die Lehrer, die euch unterwiesen haben. Leset Hrn. Prof. Gottscheds Vorrede zur zwey- ten Auflage seiner eigenen Dichtkunst, 4te Seite. Wenn gleich hernach alle Blaͤtter euers Buchs wider dieses Vorgeben Zeugniß ab- legen, so thut es doch seine Wuͤrkung. Es fuͤhret die Leser von diesen Criticis ab, die unser Unter- gang der herrschenden Poeten. gang seyn wuͤrden, und giebt ihnen davor eure Werke in die Hand. Brauchet aber anbey die Vorsichtigkeit, daß ihr das Jahr nirgend ausse- zet, in welchem eure grosse Verbesserung ange- fangen hat, damit man euch nicht durch eine chro- nologische Rechnung zwischen die Ohren schlage. Euren Kunstschriften einigen Anstrich aus der Be- urtheilungskunst zu geben, so werffet mit derglei- chen allgemeinen Hauptregeln waker um euch, wie folgende sind: Man muß die Natur nachah- men; unter gewissen Bedingungen kan etwas wahrscheinlich werden; was nicht wahr ist/ kan nicht schoͤn seyn. Diese Regeln geben einem Kunstbuche ein grosses Ansehen, und sind doch von einem geringen Nutzen, weil sie ganz unbe- stimmte Begriffe geben, und wenn sie in besondern Faͤllen angewandt werden sollen, eine weitlaͤuf- tige Wissenschaft von tausend Sachen erfodern. Es giebt auch ein treffliches Ansehen, wenn man hier und dar philosophische Woͤrter einstreuet, zum Exempel, die Geister Welt, ein Glied aus der besten Welt, die Kette der Begebenheiten, die Leiter der erschaffenen Dinge. Dieses zei- get eine genaue Bekanntschaft mit der neuen Phi- losophie. Jch lasse mir auch nicht mißfallen, daß ihr andremahl die Dichtkunst und Poesie mit einer veraͤchtlichen Sproͤdigkeit tractiert, insoweit daß ihr sie unter die Kunst des schlechtesten Handwerkers hinuntersezet, J. C. B. hat dieses in der Vorrede zu dem zwey- ten Theile der Trillerischen Gedichte mit ausdruͤcklichen Worten gethan. als ob sie allein mit Sylben O 3 und Das Complot und Worten umgienge. Dieses ist sehr bequem die Censuren von sich abzukehren, weil niemand gern etwas angreist, was der Autor selbst vor ge- ring und liederlich erkennt. Und wenn es jemand wuͤrdiget, sich daran zu reiben, so ist die Entschuldi- gung gut, daß man anf Kleinigkeiten nicht mehr Fleiß oder Geist gewendet hat. Wenn ihr Lob oder Tadel austheilet, so machet einen billigen Un- terschied zwischen Freunden und Feinden. Lobet nicht unbedachtsam, bevor ihr von jemands Freund- schaft gewisse Kennzeichen habet. Es war eine grosse Uebereilung, daß man in unsren Beytraͤ- gen die Uebersezungen des verl. Paradieses und des Hudibras, imgleichen den Briefwechsel vom Ge- schmack so uͤbermaͤssig gelobet hat. Gewiß alle Kenner Miltons sind erstaunet, als sie Bodmers Dollmetschung des verl. Par. gelesen ha- ben. Denn wer haͤtte sichs eingebildet, daß dieses mit Gedanken so beschwerte Gedichte, dessen Ausdruck so koͤr- nigt, sinnreich und tief ist, sich so nachdruͤcklich und voll- staͤndig deutsch wuͤrde geben lassen? Und doch hat es der Hr. Bodmer gethan. Jn Wahrheit wer nun mehr unsre Sprache noch matt, seicht, und plauderhaft nennen will, der verdient, daß man ihn damit auslachet. Jm XIX. Beytr. Art. 8. Bl. 448. Es koͤmmt zu haͤmisch heraus, daß wir dieses Lob we- gen der izigen Umstaͤnde zuruͤcknehmen muͤssen. Wenn es gleich wahr ist, daß Bodmers Mil- ton gegen die Discurse der Mahler zu rechnen, recht vor- trefflich deutsch geschrieben ist, so folget es doch nicht, daß Jch halte darum grosse Stuͤke von der Klugheit meines Goͤnners des Hrn. Mag. Wasch- be, der herrschenden Poeten. be, der sein Lob des Hrn. Silkovs sehr verstaͤn- dig verspart hat, bis derselbe uns unzweifelhafte Proben von seiner Freundschaft gegeben haͤtte. Jn den Belustigungen August. 1741. Bl. 168. Jch will hiemit dem Hrn. Liscow nicht geschmeichelt haben. Denn Dieses wenige mag genug seyn, euch den Thon zn geben. Eure eigene Scharfsinnig- keit wird euch schon weiter fuͤhren. Jch thaͤte der- selben zu kurtz, wenn ich euch unterrichten wollte, wie ihr die Woͤrter niemahls in der bekannten Be- deutung brauchen sollet, in welcher sie eure Geg- ner brauchen, wie ihr keinem Wort einen ausge- messenen Verstand geben sollet, und wenn ihr euch anstellet, daß ihr eines erklaͤren wollet, sol- ches durch eine zehnfache Umschreibung und Ein- O 4 sch r aͤn- daß ein jeder deutscher Leser nicht was fremdes, rauhes und hartes in dem verl. Par. finden und sich daran stossen sollte. Ueber diesen Uebelklang sind hundert und hundert Leser sogar nicht weg, daß sie die Geduld haben koͤnnten, ein gantz Buch hindurch ihren Ohren die Gewalt anzu- thun, und daß sie aus Begierde nach den Sachen, eine neue Art deutsch zu reden lernen sollten. Jm XXIV. Beytr. Art. IV. Jch will doch sagen, in welchem Falle es moͤglich sey, daß beydes, (nachdruͤcklich und selt- sam oder wiederlich) zugleich seyn koͤnne; wenn ich naͤm- lich seze, daß ein Buch in der Grundsprache rauh und wiederlich klinge; wenn ich auch ferner seze, daß der Ue- bersezer seine Arbeit dem Urbilde unter andern auch in An- sehung des Rauhen aͤhnlich macht, so muß die Ueberse- zung noch eher als sonst, nachdruͤcklich (denn im Rauhen steckt der Nachdruck) und vollstaͤndig genennt werden. Belustig. im Weinm. Bl. 379. Wir lernen hieraus warum gewisse Scribenten sich vor der nachdruͤcklichen Schreibart so fleissig huͤten: Sie wollen nicht rauh schreiben. Das Complot schraͤnkung mit Dunkelheit umhuͤllen sollet, daß es niemand versteht. Erinnert euch nur bestaͤndig, daß uns in gegenwaͤrtigen treulosen Umstaͤnden, da man uns nach unsrer Ehre, Ansehen und Herr- schaft greift, alles erlaubt wird, was uns sonst Suͤnde waͤre, dergestalt daß die grobe Luͤgen selbst zu einer frommen, unschuldigen Kunst wird: Jn allen uͤbrigen Handlungen seyd aufrichtig und fromm. Praͤget euch meine Worte tief ins Herze. Ha- bet bestaͤndig die Vermehrung meines Reiches und Ruhmes vor Augen. Es ist euer Reich, euer Ruhm. Jch gebe euch meine Hand, wenn ihr meine Lehren beobachtet, daß ihr die Schweizer in ihre alpinischen Gebuͤrge zuruͤck jagen werdet, wo sie die Graubuͤndner und Walliser, zwo geist- reiche Nationen, in ihrer neuen Dichtkunst und Critick unterweisen koͤnnen. Nach Abtreibung dieser furchtbaren Feinde wird das Schreken vor eurem Nahmen in alle Provinzen Deutschlandes ausgehen; die verirrten werden ihre verkehrten Wege verlassen, und sich wieder zu euch wenden. Alle Barden und Meistersaͤnger des grossen Ger- maniens von Hanken dem Schlesier bis zu Hinuͤber dem Braͤmer werden den Thon ihrer Lieder von euch erbitten. Die Critick soll mit niedergeschla- genen Augen zu den barbarischen Franzosen und leichtfertigen Englaͤndern fluͤchten. Ein unzerstoͤr- barer Friede wird in euern Wohnungen, und eure Dich- Denn er weis nicht, ob ich sein Freund oder Feind, sein Verehrer, oder Tadler bin: Und ich weis es auch nicht. Denn meine Waage giebt noch auf keine Seite Ausschlag genug. der herrschenden Poeten. Dichterkriege nur Kinderspiele seyn. Kein Criti- cus soll euch mehr striegeln, keine Dichtkunst in eurer Selbstzufriedenheit stoͤren. Schulen, Raths- zimmer, und Fuͤrstliche Hoͤfe sollen sich unter eu- rem Scepter buͤken. Von Pommern bis in Schwa- ben, von Crayn bis in Westphalen soll nur ein Geschmack, nur eine Poesie, nur eine Bande seyn. Diesen Segen verlasse ich euch zum Ab- schiede. Wiewohl ich euch aber diese meine fleisch- liche Gestalt anizo aus dem Gesichte wegruͤke, so weichet doch mein besserer Theil nicht von euch. Mein Geist bleibt bestaͤndig bey euch, und ruhet auf euch. Jndem der falsche Goͤze dieses sagte, zerfloß sein Thron und sein geborgter Coͤrper in eine blaue Wolke, woraus sie auch entstanden waren. Die- selbe zertheilte sich in viele kleine Duͤnste, wovon sich auf einen jeden Dichter und Kunstrichter, so viele deren in der Versammlung waren, eine Por- tion niedersetzte. Der Dampf drang bis durch die Hirnschale durch, saͤuberte das Haupt von Verstand, und nahm es mit stolzen Einbildungen ein. Sie erhuben dankbarlich die Gunst ihres himmlischen Hauptes, der ihnen den Verstand mit diesem subtilen Dampf aufgeklaͤrt, und verheis- sen, daß er sie auf ihren finstern Wegen sicher be- wahren wollte. Der zaghafteste von ihnen zeigete einen Heldenmuth und vermaß sich Troja zu er- retten. Ein jeder verwuͤnschte seinen Kopf mit al- le dessen Witz und Hirn, daß er den herrschenden Geschmack an den Schweizern raͤchen wollte. O 5 Sie Das Complot Sie wollten sich mit Wort- und Sinnenspielen, mit Sylbengeklingel, mit Gegensaͤzen, mit Schelt- worten und Laͤsterungen wieder sie ruͤsten. Sie wollten fuͤr die Ehre ihres Abgottes die Augen blind sehen, und sich das Hirn bis auf die Hefen aus dem Kopf denken, sie wollten ihm zum Lobe solche Schriften verfertigen, dergleichen niemahls ge- schrieben worden, oder wenn dergleichen geschrie- ben, doch niemahls gelesen worden. Dieser wollte sie in Leberreimen zu Tode klingeln, jener in einem Schaͤfergedichte durch die Hechel ziehen, ein ande- rer wollte Ueberschriften mit faulen Eyern und muͤr- ben Aepfeln laden, und auf sie losschiessen. Tirl- ler selbst vergaß der empfangenen Streichen, von welchen ihm doch der Kopf noch izo schwindelte, und drohete der Welt mit dem dritten Theile seiner Gedichte. Jhre enthusiastische Wuth stekete auch diejeni- gen an, die ihnen in dem Vorgemache auf den Dienst warteten. Der Witzbringende Dunst hatte sich durch die Rizen der Thuͤren gedrungen und sich auch ihnen mitgetheilet. Es war ein ent- setzlicher Lermen und ein betaͤubendes Getuͤmmel, die Gassen und Haͤuser erklangen in allen ihren Winkeln und Gewoͤlbern von einem heisernen Wie- derschalle. Die goͤttliche Critick, welche gleich damahls im Hirschbergischen Hofe mit Luchsin- gern beschaͤftiget war, Werzaschens Uebersezung der Aeneis auf den Ambos zu legen, hoͤrete den Tumult, und verstuhnd die Ursache desselben. Sie lachete uͤber ihre Ungebehrden und ihren aberwizi- gen der herrschenden Poeten. gen Truz. Denselben niederzulegen, hengte sie mitten in dem Saale der Versammlung oben an der gegypseten Deke desselben ihre Waage auf, in welcher sie den innerlichen Werth der Buͤcher ab- zuwegen pflegt. Sie legete in die eine Schale Greibertins critische Dichtkunst, in die andere Schottgedens Versuch, zu dieser warff sie noch zwanzig oder dreissig von den besten Werken der herr- schenden Dichter und Kunstlehrer. Sie flogen wie leichte Spreu aufwaͤrts. Der Querbalke stieß oben an dem Ringe an, an welchem er aufgehan- gen war. Jhre Verfasser sahen das himmlische Zeichen und erkennten ihre Waageschale. Aber sie wurden davon nichts desto kluͤger, der blaue Dunst, welchen der Schutzgeist des schlimmen Geschma- krs ihnen auf das Gehirn geworffen, hatte ihren Verstand umnebelt.