JACOB GRIMMS DEUTSCHE GRAMMATIK. ZWEITER THEIL. GÖTTINGEN BEI DIETERICH 1826. HERRN HOFRATH UND BIBLIOTHECAR BENECKE IN GÖTTINGEN GEWIDMET. VORREDE . Der zweite theil meines werks liefert nur drei, freilich aber die wichtigsten capitel des dritten buchs, so daß alles, was noch davon übrig ist, und die ganze syntax, für die folge aufgehoben bleiben. Ich war an- fangs entschloßen, die gesamte wortbildungslehre in einen band zu faßen, daher man auch die beiden ersten capitel gedrängter und enthaltsamer abgehandelt finden wird; so- bald ich die unmöglichkeit einsah, jenen vorsatz auszu- führen, fieng ich an, mich mehr gehen zu laßen, die zusammensetzungen sind darum weitläuftiger, oder wenn man will, vollständiger bearbeitet worden, als sonst hätte geschehen können. Allein selbst ohne dieses zufällige ver- hältnis würde in jedweder untersuchung der deutschen wortbildungen die derivation beträchtlich geringeren raum einnehmen, als die composition, wofür sprache und sprach- geschichte den reichsten stoff darbietet. Es ist bei der letztern auch leichter grund zu spüren, als bei dem dun- keln, oft nur in einzelnen, sparsamen erscheinungen vor- blickenden gesetz, das die ableitungen regiert. Das erste capitel beschäftigt sich mit einem bisher unbeachteten gegenstand und bedarf vor allen vielfältiger berichtigung und erweiterung. Wird das ganze buch jemahls einer umarbeitung, wozu es sich beinahe verhalten möchte, wie zu der zweiten ausgabe des ersten theils die erste, theil- haftig und ist überhaupt der gedanke, daß die wesentliche form unserer starken conjugation alle anderen wortbildun- gen durchdringt, es werth, größer gezogen zu werden; so muß diese lehre, und was sich alles aus ihr folgern läßt, ungleich reichhaltiger ausfallen. Das neueste in den beiden andern capiteln dürfte mein versuch sein, manche dunkle wortbildungen aus dem wegfall des bildenden a und der davor stehenden spirans zu deuten, so wie die eintheilung der zusammensetzungen in eigentliche und uneigentliche. Die deutsche grammatik befindet sich jetzt in einem, vor kurzem noch ungeahnten, zustande der aufregung, wozu zwei an sich völlig verschiedene ursachen mit- wirken. Nachdem das studium der orientalischen sprachen, so lehrreich und lohnend es an sich selbst sein mag, in un- mittelbarer beziehung auf die europäischen immer un- fruchtbar geblieben war, ist nunmehr endlich die reihe Vorrede . an das sanskrit gekommen, dessen unleugbarer, naher zu- sammenhang mit den letzteren ein weites feld eröffnet. Sein hohes alterthum, seine fast alles übertreffende form- vollkommenheit, setzen in den stand, ja nöthigen, von dem engeren gesichtspunct abzuweichen, auf welchen uns die gewohnheit der griechischen oder lateinischen oder die noch größere beschränkung der einheimischen lan- dessprachen gebannt hatte. Alle vergleichungen erhalten nun erst ihren festen hinterhalt und es scheint bald ein regulativ gewonnen werden zu müßen, nach welchem die verwandtschaft zwischen dem deutschen, lettischen, slavischen, griechischen, lateinischen und celtischen für diesen beinahe ausgestorbnen stamm findet sich das wenigste vorgearbeitet, obgleich die gehaltvollen denkmähler der cymrischen (wallisischen) und noch mehr die älteren der irischen sprache zum studium derselben treiben sollten. In England und selbst in Italien und Deutschland liegen althiber- nische werke und glossen ungedruckt. Es wäre schon verdienst- lich, die in würzburger (münchner?) sangaller und mailänder handschriften des achten und neunten jahrh. zerstreuten bruch- stücke herauszugeben und grammatisch zu erläutern, vgl. Eccard sr. or. 1, 452. 453. 847-853. und Am. Peyron Ciceronis orationum sragm. inedita Stuttg. 1824. p. 188-191. sprachstamm, anders als es bisher zu thun möglich war, auszuführen ist. Wenn aber dadurch selbst die übliche behandlungsart der griechischen und lateinischen gramma- tik, in denen zumahl die wortbildungslehre ungebührlich verabsäumt worden war, einen stoß, vielleicht eine um- wälzung erhalten muß; so ist vorauszusehen, daß die heil- samen wirkungen dieser erschütterung am wenigsten für die deutsche sprache ausbleiben können. Ich bezweifle nicht, daß die erscheinungen unseres lauts und ablauts mit der indischen vocalveränderung durch guna und vriddhi (Bopp lehrgeb. §. 33.) zusam- menhängen. Keine der übrigen genannten sprachen be- rührt sich hierin so nahe mit dem sanskrit. Was ich darüber muthmaße ist aber eigentlich für die flexionslehre zu erörtern und ich behalte mir vor, den gegenstand erst noch reiflicher zu prüfen. Gleich dem deutschen erkennt das sanskrit einsilbig- keit der wurzeln an. Hält man die von Bopp §. 107. aufgestellten wurzelclassen zu meinen s. 1-5, s. 388. 389. gefundenen sätzen, so gehen diese darin weiter, als die indische grammatik, daß ich wurzeln aus bloßem vocal, wie sanskr. i (gehen) î (wünschen) im deutschen leugne Vorrede . und weggefallene consonanten dabei annehme, so wie daß ich in wörtern, mit zwei consonanten nach dem vocal, bemüht gewesen bin, den letzten derselben einem ablei- tenden princip zuzuweisen, während Bopp auch zusam- mengesetzte, zur einheit verbundne consonanten als wur- zelhaft zuläßt. Freilich sind solche wörter im deutschen sogar des ablauts fähig und es scheint, wie dem wurzel- vocal zwei consonanten vorhergehen dürfen, daß ihm auch zwei sollten folgen können. Umgedreht macht sich zuweilen der vordere der beiden anlautenden consonanten verdächtig, aus einer zusammensetzung herzurühren (s. 406. 700. 701.). Daß die frühere sprache ihre wurzeln be- kleide (s. 3.), während sie die spätere häufig nackt auf- stellt, bestätigt gleichfalls das sanskrit (Bopp §. 106.), das bloß in einigen abstracten substantiven und im zweiten theil von zusammensetzungen, wie die lat. frugi-fer, ar- mi-ger (welche ich s. 4. in der anmerkung hätte anfüh- ren sollen) reine wurzelsilben verwendet. Schon band 1. s. 594. ist gehörig hervorgehoben wor- den daß es im sanskrit nur drei kurze vocale gibt vgl. für das aethiopische, arabische und syrische: Hupfeld exercitationes aethiopicae, Lips. 1825. p. 8. ; im deutschen muste die unursprünglichkeit des e und o histo- risch erkannt werden, im sanskrit lehrt sie der augen- schein, weil selbst buchstaben dafür mangeln. Und wenn unter den langen vocalen außer dem â, î, û auch ein ê, ô erscheinen, beweisen die schriftzüge unwidersprechlich den zusammenhang der letztern mit den diphthongen ai und au. In der aussprache sollen zwar e und o vorhan- den sein; es wird angenommen (Bopp §. 10.), daß a im anlaut rein bleibe, im inlaut aber wie o und im auslaut wie e klinge. Hierin sehe ich nichts, als verderbnis, die wahrscheinlich den heutigen indischen landessprachen ge- mäß ist, keineswegs für die echte und alte aussprache des sanskrit entscheidet, denn wer wollte z. b. amala (flecken- los) amole lesen? Der anlaut sichert in allen sprachen vocale und consonanten am meisten und gewisse modifi- cationen (z. b. das ahd. Ʒ, altn. ð) gelten bloß für die mitte oder das ende der wörter. Wären o und e orga- nische laute, so würden sie nicht nur im sanskrit geschrie- ben, sondern auch im anfang der wörter ausgesprochen werden, wie nicht geschieht. Mit gutem fug scheine ich mir daher in der deutschen derivation nur die drei vo- Vorrede . cale a, i, u als ableitende angenommen zu haben. Unter ihnen ist a gleichsam der vornehmste und edelste. Er dul- det keine entstellung von den umlauten des a in e und ö (durch i und u) ist hier gar nicht die rede. , wie i in ë, u in o, sondern er haftet oder tritt ganz ab. Keine unter allen deutschen mund- arten hat das ableitende a länger bewahrt, als die hoch- deutsche, schon in den ältesten denkmählern wird es aber wechselnd bald geschrieben, bald ausgelaßen, wahrschein- lich immer ausgesprochen, während i und u, wo sie ge- sprochen werden sollen, nothwendig geschrieben sein müßen. Im sanskrit wird in- und auslautendes i, u ge- schrieben, in- und auslautendes a nie geschrieben, wohl aber nach jedem consonauten ausgesprochen (Bopp §. 2.). Ohne zweifel ist auch a der wahrhafte, organische com- positionsvocal. Seite 966. ist der indischen zusammensetzung keine er- wähnung gethan worden, in der absicht hier noch eini- ges davon zu sagen. Merkmahl einer wahrhaften zusam- menfügung zu untheilbarer einheit, erkennen die gram- matiker an, sei, daß ein declinables wort, ohne irgend ein zeichen der biegung, einem andern vorgesetzt werde (Schlegel ind. bibl. 1, 328.). Dies stimmt genau zu der von mir vorgetragnen erklärung der eigentlichen, jede flexion ausschließenden zusammensetzung. Allein sie re- den dabei von gar keinem bindevocal, sondern behaupten anfügung des ersten worts in seiner nackten, oder soge- nannten grundform (Bopp §. 115.) an das zweite. Da aber diese grundform in sehr vielen fällen auf a ausgeht, so erscheint der größte theil der sanskritischen zusammen- setzungen (z. b. hima-pânduras, schneeweiß; chitra-kêtus buntfahnig; râja-puttrâs königssöhne; pîna-srôni voll- hüftig) mit einem der wurzel des ersten glieds hinzuge- fügten a und es bleibt, wenn man die übrigen sprachen und das sanskrit in einstimmung setzen will, zwischen zwei annahmen die wahl. Entweder ist auch das goth. und ahd. a, das griech. und slav. o, das lat. i kein die composition anzeigender vocal, sondern einer grundform angehörig oder die ansicht von der indischen grundform muß modificiert und ebenwohl im sanskritischen a ein compositionsvocal erkannt werden. Keine dieser voraus- setzungen scheint mir ohne erhebliche schwierigkeit; bei der ersten meine ich die meisten zu erblicken. Die ana- logie der sanskr. griech. und deutschen compositionsvo- Vorrede . cale würde noch deutlicher hervortreten, wenn man auch bei ersterem absorptionen durch bildende u oder i und den vocalischen anlaut des zweiten glieds annähme. Ue- brigens bemerke ich, daß meines wißens alle indi- schen zusammensetzungen nominal sind und keine verba im ersten glied weder eigentlich, noch nach griechischer weise uneigentlich (mit einfließender flexion) vorkommen. Partikelcomposita sind überaus häufig, vgl. die von Bopp §. 111-114. aufgezählten praefixa. Ich vermag mich keiner selbsterworbenen, tiefer ein- gehenden kenntnis der sanskritgrammatik zu rühmen; es genügt mir die trefflichen arbeiten der forscher in die- sem fach für allgemeine oder auffallende einzelne verglei- chungen zu nutzen, welche man als bescheidene, unwe- sentliche zugaben zu meiner arbeit betrachte. Die deut- sche sprache nimmt bis jetzt noch meine angestrengten kräfte so sehr in anspruch, daß ich nur hin und wieder den blick über ihre grenze zu werfen wagen darf. Das angelegenste und liebste ist mir immer, mich innerhalb dieser schranke auszubilden, was ich darin finde und ent- decke, fühle ich auch, wird einen dauerhafteren werth ha- ben, als wenn ich bemüht wäre, vor der zeit die betrach- tung unserer einheimischen quellen abzuschließen und all- gemeineren oder höheren sätzen nachzuhängen. Wer zu solchen geschickt ist oder geschickt werden wird, mag sich dessen, was meine untersuchungen darbieten, mit desto gefahrloserer sicherheit bedienen. Einen, der, ohne der indischen noch der deutschen sprachregel vollkommen mächtig zu sein, diese aus jener meistert, neide ich nicht um seine dürren resultate. Die andere ursache der unschlüßigkeit deutscher gram- matik ist das anhaltende oder bevorstehende zuströmen bisher unbekannter quellen. Es gehört einiger muth da- zu, in unserer zeit, wo man jahr aus jahr ein höchst be- deutenden ergänzungen der gothischen bibel entgegen- harrt, an die aufführung eines gebäudes, das vor allem auf gothische sprache gegründet werden muß, hand an zu legen, oder in ihm ein eignes gesach für die altsäch- sische zu zimmern, wozu das völlige material ausbleibt. Wer hätte vor acht jahren gedacht, daß die herausgabe dieser denkmähler heuer noch eben keinen schritt vor- gerückt sein würde. Mit dem Ulphilas zaudern die Ita- liener, allen wünschen und erbietungen ausweichend; es ist doch ein kleiner ruhm, sich die erste schläfrige be- kanntmachung eines von barbarischen Gothen herstam- Vorrede . menden werkes vorzubehalten, gegen den edleren, es offen und frei den leuten hinter den alpen, die mehr daraus machen und mehr damit anzufangen wißen, zur unverzögerten sorgfältigen benutzung zu überlaßen. Die evangelienharmonie in München sieht der erlösung aus ihren banden seit der regierung könig Ludwigs getroster entgegen, eines fürsten, der sich, wir hoffen es, auch einmahl vaterländischer sprache und alterthümer anneh- men wird. Statt dieser nachtheiligen entbehrungen sind mir uner- wartete begünstigungen zugefloßen. Unter ihnen steht oben an Lachmanns beispiellose gefälligkeit, der mir die reiche ausbeute seiner reise nach Sangallen, bevor er selbst irgend einen gebrauch davon machte, mittheilte. Gegen den schluß des zweiten capitels, wie die anführungen lehren, fange ich an, mich dieser neuen hilfsmittel, doch aber nicht aller auf einmahl, zu bedienen. Nächstdem erwähne ich dankbar, daß mir herr doctor Maßmann alle glossen, die er auf seiner reise angetroffen, mit der größten sorgfalt und bereitwilligkeit abgeschrieben hat. Von den ansehnlichen, in den letzten monaten durch Graff zu Paris und Carlsruhe glücklich aufgefundnen bis- her völlig unbekannten althochdeutschen glossensammlun- gen, die sich wahrscheinlich über zwölftausend wörter belaufen, habe ich leider erst ganz kleine proben durch seine briefe kennen gelernt. Beneckes verwendungen zu Ox- ford sind von dem erfolg gewesen, daß sich des Junius alte handschrift der hymnen, deren verlust ich in der vorrede zum ersten theil beklagte und seitdem aus den anführungen zu Willeram näher ermaß, nebst dem co- dex der glossen wiedergefunden hat. Abschrift davon wird schon besorgt und dann dieses bedeutende denk- mahl durch eine baldige ausgabe gesichert werden. Meinem vorigen theil ist neulich nicht ohne grund mangel an belegen vorgeworfen worden; der gegenwär- tige wird in dieser absicht mehr leisten, aber doch nicht genügen, sondern viele beispiele sind dem raum zu ge- fallen unbelegt geblieben. Die beispiele selbst streben nach einer gewissen vollständigkeit, nur versteht es sich, daß diese jetzt noch nicht erreicht werden kann. Ich hatte für das alt- und mittelhochdeutsche kein alphabetisches wörterbuch zur hand und muste mit mühe zusammentra- gen; die untersuchungen sind zu mannigfaltig, als daß ich für jede im voraus sammlungen angelegt und ausgefüllt haben könnte. Graff und Benecke werden fast nur auf- Vorrede . zuschlagen brauchen, um zu sehen, was mir abgeht. In- dessen muß selbst aus den glossarien, wenn sie dereinst er- schienen sind, vieles in die grammatik eingetragen wer- den, für welche unentbehrlich ist mit schnellem blick alles, was zusammen gehört zu überschauen, da es sich in jenen der natur ihrer anordnung nach, doch wieder zer- streut oder wenigstens in andrer weise versammelt. Ich habe darum auch selten auf Lye und Biörn verwiesen, lieber gleich aus ihnen, was mir nöthig schien, herbei- gehohlt. Hierauf beruht, mehr als man denken sollte, die lust und das vermögen der fortsetzung und ergänzung. Viele wohlentworfne arbeiten bleiben liegen, weil sie ihr material zu weit aus einander halten und es sich nicht genug versinnlichen. Die äußere einrichtung hätte ich, hier wie im ersten band, durch weglaßen der vielen raumverderbenden und im satz hinderlichen strichlein, wodurch die beginnende flexion, derivation und compo- sition anschaulich gemacht werden soll, offenbar gesördert. Sie sind etwan in allgemeinen abhandlungen am rechten platz, die specielle untersuchung hebt jedesmahl hervor, worauf es ankommt, und bedarf keines solchen behelfs. Der nachtrag wird denen lästig sein, die gleich alles fertig haben wollen, brauchbar den andern, die begreifen, warum an erschöpfung nicht zu denken ist. Uebrigens gründet er sich keineswegs auf nochmahlige durcharbei- tung des ganzen seit nun fünfundzwanzig monaten bo- genweise für den druck niedergeschriebenen buchs, son- dern auf zufällige wahrnehmung einzelner irrthümer. Niemand kann das auge an jede stelle hinrichten, noch alle anhöhen gewinnen, die den überblick verschaffen. Vom standpunct einer historisch erörterten deutschen me- trik aus werden sich hoffentlich bald manche dunkelheiten der formlehre und wortbildung erhellen. Cassel 25. jan. 1826. Neue abkürzungen: ags. angelsächsisch; ahd. althochdeutsch; Bert. Bertholds predigten; Bth. Notkers Boethius; Cap. Notkers Capella; carlsr. carlsruher glossen; emm. emmeraner glossen, vgl. s. 818; elw. elwanger glossen; francof. frankfurter glos- sen; ker. keronische glossen; Lampr. Lamprechts toch- ter Sion, cod. giss.; mhd. mittelhochdeutsch; mnl. mittel- niederländisch; nhd. neuhochdeutsch; par. pariser glossen; pf. ch. pfaff chuonrât; Rab. Ravennaschlacht; sgall. san- galler glossen. DRITTES BUCH . VON DER WORTBILDUNG . Einleitung: wortbildung geschieht entweder durch innere änderung oder durch äußere mehrung der wurzel. Innere wortbildung hebt die einfachheit des wortes nicht auf; ein wort, dem außen etwas hinzuwächst, ist kein einfaches mehr. Dieser zuwachs, nachdem er aus einer anderen deutlichen wurzel besteht, oder aus bloßen dun- kelen buchstaben, heißt zusammensetzung oder ableitung . Zusammensetzung kann vornen oder hinten an der wur- zel eintreten, ableitung nur hinten. Von der ableitung unterscheidet sich die im vorigen buche verhandelte flexion , d. h. das einfachen sowohl als abgeleiteten wör- tern zuständige allgemeine. Jede wurzel gründet sich auf vereinigung von con- sonanten und vocalen, die consonanz gestaltet, der vocal bestimmt und beleuchtet das wort. Durch wesentliche änderung ihrer consonanz würde die wurzel zerstört werden; unwesentliche consonanzübergänge (zumahl nach der abstufung verwandter lautreihen) dergleichen das erste buch lehrt, sind hiermit nicht gemeint, sie afficieren die echte form des worts, ohne sie aufzuheben, noch we- niger vermögen sie das wort fortzubilden. Alle innere wortbildung kann demnach nur in dem vocalismus ge- sucht werden. Wieder aber kommen hier umlaute und andere unwesentliche vocalwechsel in keinen betracht, sondern innere wortbildung beruhet auf dem verhältnisse des lauts und ablauts . Die formeln starker conjugation gewähren uns nicht allein die vocalleiter, sondern auch den consonantenstand aller deutschen wurzeln. Auf bloßem vocal beruhet keine; wo etwa langer vocal das ganze wort zu machen scheint, ist er aus auf- gelöften oder abgefallenen consonanten zu erklären, vgl. A III. wortbildung. einleitung. alth. ei (ovum) mit altn. egg; altn. â (flumen) mit alth. aha. Der vocal darf die wurzel anheben, z. b. goth. ab-a (vir) and-i (finis), beschließen nur in unablautba- ren partikeln, pronominal- und zahlwortsformen, wie: ni, bi, du, þu, ba, tva etc. nicht im eigentlichen ver- bum und nomen, d. h. höchstens scheinbar, bei abgefal- lenen consonanten, vgl. mhd. sê, zwî mit goth. sáivs, ags. tvîg. Die consonanz der wurzel kann einfach sein, oder verbindung mehrerer. Der eine consonant, den sie geringsten falls hat, steht im nomen und verbum noth- wendig hinten, z. b. áus-ô (auris), weit häufiger wird der vocal von zwei consonanten eingeschloßen: mal-an (molere). Es dürfen aber auch zweie anheben, zweie schließen: blind (coecum); zweie anheben und einer schließen: trud-an (calcare); einer anheben und zwei schließen: bind-an (nectere). Dreie heben an: spráutô (subito) alth. strît (pugna), schließen aber niemahls d. h. jeder auf den vocal folgende dritte cons. gehört der ab- leitung, z. b. kunst (ars) ist nothwendig kun-s-t Einziger einwand gegen diesen grundsatz kann aus den adj. përht (lueidus) zorht (splendidus) vorht (timens) herge- nommen werden; davon cap. 3. in der anmerkung über die verbal-adjectiva. . Mithin sind fünf consonanten das höchste, was einer deut- schen wurzel gebührt, z. b. alth. streng-i (fortis), ge- wöhnlich zählt sie deren zwei, drei, vier, selten fünfe und einen. Die reihen starker conjugation ordnen sich nach dem einfachen oder doppelten cons., welcher die wurzel schließt; auf die anlautende consonanz kommt nichts da- bei an. Auch die wortbildungslehre scheint der conso- nantanlaut wenig anzugehen, weil die ableitung hinten, nicht vornen zufügt und anlaute insgemein dauerhafter, als auslaute sind. Gleichwohl blicken hin und wieder in dem anlaut verdächtige, d. h. unursprünglichkeit ver- rathende elemente durch, die eine tiefer greifende unter- suchung auszuscheiden hätte; wer übersieht z. b. die ver- wandtschaft zwischen dem goth. áusô (auris) und háuljan (audire) alth. ôra, hôrjan? Ein so fuhlbares verhältnis weiß unsere sprache nicht mehr nachzuweisen Noch näher liegen sich lat. auris und audire, directe ab- leitung scheint auch dabei unthunlich; vgl. litth. ausis (au- ris) mit klausyti (audire) d. h. alth. hlos e n. und III. wortbildung. einleitung. die wurzeln áus-, háus- bleiben grammatisch völlig ver- schiedene. Ebenso beurtheile ich das goth. ôgan (terrere) ags. brôga, alth. pruoko (terror), wir durfen beide for- men nicht mischen, da wir das anlautende br- nicht mehr verstehen. Den versuch einige anlautende sl-, sm-, sn-, fl- fr- zu zerlegen wage ich im dritten cap. bei der composition mit vorpartikeln; sollte er auch ge- lingen, so deuten solche wörter auf eine frühere, der niedersetzung deutscher sprache vorausgegangene zeit und wir haben z. b. meltan und smëltan als zweierlei gram- matische wurzeln anzuerkennen. Ossenkundige, geschicht- lich nachweisliche entstellung oder zusammensetzung in neuern dialecten und gar volksmundarten wird hier nicht gemeint, z. b. das nhd. barmherzig, gnâde, glied, blei- ben, zackern (sulcare) nêben (juxta) entspringen aus und sind zu zerlegen in armherzig, ge-lit, ge-nâde, be- lîben, zi-ahharen, en-ëben. Aber jenen dunkleren er- scheinungen mag wohl ähnliches unterliegen. Zu solchen spuren älterer sprachformation leiten uns noch deutlicher gewisse verhältnisse des ablautes (cap. I. schlußb. 5.) und der ableitung (cap. II.); sie durfen weder verkannt, noch als den historischen organismus der spra- che aufhebend angesehen werden. Sie sind gleichsam vororganisch. Ich habe auch in den vorigen büchern einzelne buchstaben- und flexionseinrichtungen über die zeit un- serer denkmähler und quellen hinaus gemuthmaßt. Auf diesen vororganismus beziehe ich ferner folgende wahr- nehmung: der neuste stand unserer mundarten entblößt eine menge von wurzeln, d. h. er stellt sie uns dar ohne flexions- und ableitungszeichen. Je höher wir aufsteigen, desto häu- figer erscheinen die wurzeln bedeckt. Die goth. sprache zeigt nakte wurzel beim subst. nur im acc. und voc. sg. erster und vierter männl. und vierter weibl., dann im nom. acc. voc. erster neutraler decl.; beim adj. nur zuweilen im acc. voc. neutr. erster decl.; beim verbum nur im II. sg. imp. (analog dem voc.) und I. III. sg. praet. ind. starker con- jugation; nie in allen den vielen übrigen fällen, wo z. b. im nhd. und neuengl. flexion und ableitung weggeworfen werden. Da nun ein goth. vaúrdata f. vaúrd, fiskana f. fisk, háiháitam f. háihait etc. 1, 808. 1043. vermuthet wurden, im lat. und griech. auch noch weniger baare A 2 III. wortbildung. einleitung. wurzeln vorkommen Fast nur im nom. subst. dritter decl.; die ausnahmsweisen lat. imp. es, dic, duc, fac, fer, welche zum deutschen starken imp. stimmen, bezeichnen anhebendes verderbnis, frühere denkmähler haben auch noch: duce, dice, face, der pl. ducite etc. nicht ducte, wie ferte. ; so scheint in der ursprache die wurzel niemahls bloß zu liegen. Dieser satz muß be- hutsam machen, wenn davon die rede ist, die bedeutung der wurzeln einer späteren sprache auszumitteln; z. b. die wurzel hand bedeutete schwerlich manus, weil hand f. hand-u, hand-us stehet und die verlorene ableitung-u und flexion -s den begriff jenes subst. aus der wurzel bestimmen. Das neuengl. fish entspricht sowohl dem goth. fisk-s (piscis) als fisk-ôn (piscari), wer könnte nun aus dem engl. den sinn der wurzel schöpfen? Wirk- lich oder möglicherweise zerstörte flexionen und ablei- tungen sind darum immer mit in anschlag zu bringen. Die wurzelreiche älteste sprache ersreut sich leben- diger namen und wörter, für deren nothwendige und geheime beziehungen ihr eine fülle von ablauten und flexionen zu gebote stehen. Die spätere, indem sie wur- zeln aufgibt, ablaute fahren läßt, strebt durch förderung der ableitungen und zusammensetzungen beweglichkeit und deutlichkeit des ganzen zu vervollkommnen. Man kann sagen, daß die frühere leichtigkeit der form oft den gedanken erschwert und neben glücklicher mannigfaltig- keit der benennungen einseitigkeit kaum vermeidet. Um dieser auszuweichen, um den gedanken überall zu lösen, pflegt die jüngere sprache sogar lieber zu umschreiben, als ableitungen und bildungen beizubehalten, mit denen sie nicht mehr ausreicht. Für die gesammte wortbil- dung hat zwar die analogie große gewalt und aus den grundsätzen fließen reichliche folgerungen ab; allein dem geistigen wesen der sprache ist es auch wieder angemeßen gewesen, daß sich kein bildungstrieb vollständig nach allen seiten hin entfaltete, vielmehr jeder fand im zu- sammenstoß mit andern und nach besonderheit der mund- arten seine eigenthümliche begünstigung sowohl als schranke. Die einzelnen wortbildungen handle ich nach folgen- dem plane ab: cap. I. innere wortbildung; cap. II. ab- leitung; cap. III. zusammensetzung; cap. IV. V. bildung des pronomens und der partikeln (es ist rathsam, diese III. laut und ablaut im allgemeinen. zum theil verdunkelten und einer früheren sprachnieder- setzung gehörigen wörter abzusondern); cap. VI. lehre vom genus oder der motion; cap. VII. comparation; cap. VIII. diminution; cap. IX. negation. ERSTES CAPITEL . VON DER BILDUNG DURCH LAUT UND ABLAUT. Verba scheinen grundlage aller wörter. In der deutschen sprache tritt dieser ursprung oft noch hand- greiflich vor augen, und daß der ablaut bis auf ihren grund und boden reicht, fließt schon aus einer einfachen beobachtung: ableitungen, zusammensetzungen nehmen zu, ja laßen sich nach nüchterner analogie fortsetzen, d. h. auf diesem wege neugeschaffene formen würden, wenn auch mislungen und lästig, doch an sich selbst verständlich sein. Die echten ablaute hingegen neh- men ab, neuerfundene würden fehlschlagen, weil sie geradezu niemand verstehn könnte. Versuche man z. b. von laben, beben, sischet die praeterita luob, bab, fasch und davon weiter ein luobe, luebeln, bâbe, feschen zu leiten; gegen solche, äußerlich nach graben, gruob, gruobe, gruebeln, gâbe, lischet, lasch, leschen gebildete wörter lehnt sich alles gefühl auf. Weil also die spätere sprache keine macht mehr über die ablaute hat, weil sie sie nur verlieren, nicht erweitern kann, eben deshalb müßen sie als ihr ältestes princip betrachtet werden. Fehlende und verlorene darf man nur nach feinerer ana- logie der form und bedeutung aufsuchen, sie klingen un- serm ohr schon wie fremde wörter. Da die anlautende consonanz unberücksichtigt bleibt, dem vocal der wurzel aber höchstens zwei consonanten folgen, so zerlegen sich alle deutschen wurzeln in zwei classen: 1) solche, wo ein consonant und 2) solche wo zwei consonanten auslauten. Die erste zahlreichste und mächtigste classe umfaßt zugleich die scheinbar auf lan- gen vocal ausgehenden wurzeln mit abgeworfner con- sonanz. Unsere sprache besitzt nur drei kurze vocale (1, 571.) a, i, u; die verwandlung des i und u in aí und aú (alth. ë, o) bleibt für gegenwärtiges capitel gleichgültig. III. laut und ablaut im allgemeinen. Sie besitzt sodann sieben lange (1, 578.): ê, ô, û, ái, áu, ei, iu Allgemeine lautverhältnisse gebe ich am liebsten nach dem gothischen an. . In der ersten wurzelclasse wären daher nur folgende formeln möglich: al, am, an, ar; ap, ab, af, av; at, ad, aþ, as; ak, ag, ah; ïl, ïm, ïn, aír; ïp, ïb, ïf, ïv; ït, ïd, ïþ, ïs; ïk, ïg, aíh; ul, um, un, aúr; up, ub, uf, uv; ut, ud, uþ, us; uk, ug, aúh; êl, êm, ên, êr; êp, êf, êb, êv; êt, êd, êþ, ês; êk, êg, êh; ôl, ôm, ôn, ôr; ôp, ôb, ôf, ôv; ôt, ôd, ôþ, ôs; ôk, ôg, ôh; ûl, ûm, ûn, ûr; ûp, ûb, ûf, ûv; ût, ûd, ûþ, ûs; ûk, ûg, ûh; áil, áim, áin, áir; áip, áib, áis, áiv; áit, áid, áiþ, áis; áik, áig, áih; ául, áum, áun, áur; áup, aub, áuf, áuv; áut, áud, áuþ, áus; áuk, áug, áuh; eil, eim, ein, eir; eip, eib, eif, eiv; eit, eid, eiþ, eis; eik, eig, eih; ïul, ïum, ïun, ïur; ïup, ïub, ïuf, ïuv; ïut, ïud, ïuþ, ïus; ïuk, ïug, ïuh. Die ablautenden conjugationen VII. VIII. IX. X. XI., wurzeln erster classe enthaltend, gewähren nachstehende formeln: (VII.) al, ôl: an, ôn; ar, ôr; ap, ôp; ab, ôb; af, ôf; at, ôt; ad, ôd; aþ, ôþ; ak, ôk; ag, ôg; ah, ôh; (VIII.) eim, áim, ïm; ein, áin, ïn; eip, áip, ïp; eib, áib, ïb; eif, áif, ïf; eiv, áiv, ïv; eit, áit, ït; eid, áid, ïd: eiþ, áiþ, ïþ; eis, áis, ïs; eik, áik, ïk; eig, áig, ïg; eih, áih, aíh; (IX.) ïup, áup, up; ïub, áub, ub; ïuf, áuf, uf; ïuv, áuv, uv; ïut, áut, ut; ïud, áud, áuþ; ïus, áus, us; ïuk, áuk, uk; ïug, áug, ug; ïuh, áuh, aúh; (X.) ïp, ap, êp; ïb, ab, êb; ïf, af, êf; ït, at, êt; ïd, ad, êd; ïþ, aþ, êþ; ïs, as, ês; ïk, ak, êk; ïg, ag, êg; aíh, ah, êh; (XI.) ïl, al, êl, ul; ïm, am, êm, um; ïn, an, en, un; aír, ar, êr, aúr. Beide verzeichnisse mit einander verglichen fehlen in letzterem 1) alle fälle des langen û. 2) folgende ein- zelne: av, êv; ôm, ôv, ôs; áil, áir; ául, áum. áun, áur; eil, eir; ïul, ïum, ïun, ïur. Hingegen sind die kurzvocalischen mit a und i häufig zweimahl vorhanden, nämlich al, an, ar VII. und XI.; ap, ab, af, at, ad, aþ, ak, ag, ah VII. und X.; ïm, ïn, VIII. XI.; ïp, ïb, ïf, ït, ïd, ïþ, ïs, ïk, ïg, aíh, VIII. und X. Die mit lan- gem vocal finden sich durchaus nur einmahl . Obgleich also die ablautende conjugation jene reihe der möglichen wurzeln nicht auserschöplt, bleibt den- III. laut und ablaut im allgemeinen. noch die einstimmende zahl überwiegend und unabweislich. Unter jenen einzelnen formen kommen mehrere nur höchst selten wirklich vor, andere waren früher im ab- laut vorhanden, wie nachher gezeigt werden soll. Auf- fallend ist die abwesenheit des û in der starken conjuga- tion (1, 838. nr. 8.) außer wo es sich hin und wieder statt des iu , am liebsten vor k, g, f, (1, 842. 860. 897. 918. 941. 999. vgl. 1036.) entwickelt. Muß man anneh- men, daß eine alte form des ablauts ausgestorben sei, in welcher auch dem û seine stelle gebührte? oder daß gleich jenen ûk, ûg, ûf etc. alle û auf ein ursprüng- liches iu deuten? Ersteres bezweifle ich bei der uralten dauer und abgeschloßenheit aller ablautenden conjugatio- nen, und letzteres hilft nur für einige wörter aus (vgl. skûr f. skiur nr. 522.) Der umlaut des û in iu , welcher gleich jedem umlaut, etwas späteres, eine schwächung des vocalprincips ist, be- zeugt zwar die verwandtschaft beider laute, kann aber os- feubar nicht û aus dem iu erklären helfen. . Die meisten scheinen einsam und außer berührung mit ablautsverwandten da zu ste- hen. Es ist gut, hier die wichtigsten dieser wörter an- zuführen: [mhd.] mûl (os) sûl (columna) vûl (putris) gûl (aper) rûm (spatium) kûme (aegre) tûme (pollex) sûmen (tardare) rûne (mysterium) brûn (fulvus) hiune (gigas,? ursus, altn. hûn catulus ursinus) schûr (imber) mûr (murus) sûr (acer) hûbe (calantica) trûbe (nva) tûbe (co- lumba) strûben (horrere) stûde (frutex) hût (cutis) brût (sponsa) krût (herba) lût (sonorus) trût (fidus) ûƷ (ex) strûƷ (struthio) grûƷ (arena) mûs (mus) lûs (pediculus) hûs (domus) tûsent (mille) sûs (stridor) bûch (venter) strûch (frutex) stûch (uter) rûch (hirsutus) brûchen (frui) stûche (manica) tûchen (mergi). Meistentheils uralte wör- ter von dunkelster herkunft. Einigemahl schwanken û und ou, für tûbe findet sich toube geschrieben (1, 98.) was der form, kaum der bedeutung nach, zu toup (sur- dus) toben (errare) hinführt [vgl. hernach starke verba nr. 210.]; eher mag hûbe hoube sein und dem ags. heá- fola (tegmen capitis) alth. houpilo? verwandt. Am wahr- scheinlichsten ist anzunehmen, daß das lange û aus älte- rem kurzen u (wie zuweilen î aus i) erwachsen und vielleicht noch ein goth. dubô, hus etc. statt dûbô, hûs zu behaupten sei, folglich die stämme dieser wörter in die VIII. oder XI. conj. fallen. III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. Wurzeln zweiter classe (mit doppelter consonanz) dulden nur kurzen vocal (a, i, u) vor sich; die verbin- dung der consonanten selbst wäre auf mannigfalte weise möglich, allein die sprache erkennt bloß folgende wur- zelhafte fälle an: 1) die geminationen Il, mm, nn, rr; pp, tt, kk. 2) die liquiden verbindungen lm, lp, lb, lf, lv, lt, ld, lþ, ls, lk, lg, lh; mp, mb, mf, ms; nt, nd, nþ, ns, nk, ng; rm, rn, rp, rb, rf, rt, rd, rþ, rs, rk, rg, rh. 3) außerdem noch: ft, fs, zd, zg, sp, st, sk, ht, hs. — Dieselben consonanzen treten nun in der zwölf- ten conjugation vor, mit ausnahme von lm, rm, mb, mf, ms, ls, zd, zg, welche sich auf doppelte art besei- tigen laßen, theils können starke verba ausgestorben, theils mögen einzelne solcher verbindungen deutlich aus ableitungsbuchstaben nachzuweisen sein. Außer der zwölften stehet doppelte consonanz nur sehr selten in andern conjugationen, nämlich in VII. ask und abs in X. ësk, ëst, eht, ëhs, welche darum auch allmählig aus X. in XII. entweichen; die formel ask und ahs kann sich folglich in VII. und X. (XII.) begegnen. — Ist es durch die bisherige allgemeine untersuchung wahrscheinlich geworden, daß die wurzeln mit dem grundsatze des ablauts, dieser mit der natur der wurzeln wesentlich in gemeinschaft stehe; so muß das ganze ver- hältnis nunmehr im einzelnen bewiesen werden. Die erörterung zerfällt in drei abtheilungen, insofern das ab- lautende verbum wirklich (sei es in einer einzelnen deut- schen sprache, sei es in allen) vorhanden, oder das ver- lorne nur aus der wortbildung zu folgern ist, oder end- lich die verwaiste wurzel keinen sichern schluß auf das verlorne verbum mehr gestattet. A. verbliebene starke verba. die nummern beziehen sich auf das register theil 1, 1023- 1030; zugetrelene ableitungsbuchstaben bleiben hier un- berücksichtigt. Umlaute und andere der ablautslehre gleichgültige vocalveränderungen werden für jede mund- art aus dem ersten buche vorausgesetzt; die einzelnen ab- laute in jeder wortreihe scheide ich durch ein semicolon. Warum die 65 ersten nummern übergangen sind, weist sich in der sechsten schlußanmerkung aus. [ al , ôl ] nr. 66. altn. ala (nutrire, generare) goth. aljan (saginare) aljan (vigor) alth. ellan, altn. eljan (la- bor) alth. alt (vetus, d. i. adultus, vegetus). — nr. 67. III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. altn. gala (canere) galdr (incantatio) alth. nahti-kala (luscinia) kalstar (incantamentum); altn. gœlur (cantio- nes) goth. gôljan (salutare, vgl. quetjan nr. 287.) — nr. 68. altn. kala (frigere) kaldr, goth. kalds, alth. chalt (frigidus); alth. chuoli (subfrigidus) chuoljan (refrigerare) — nr. 69. alth. malan (molere) altn. melja; muoltra (alveo- lus,? molae gl. mons. 398. capisterium gl. doc. 226 a ). [ an , ôn ] nr. 71. alth. spanan (eigentlich lactare, dann wie von lac allicere, allectare, und suggerere, i. e. lac, mammam) alth. spanst (suggestio) spenstîc (allicibilis) nhd. gespenst (fallacia) alth. spenjan (sollicitare) mhd. entspe- nen (ablactare) altn. speni (papilla); das alth. spunni, mhd. spunne (uber) unorg. übertritt in die form nr. 375. — [ ar , ôr ] nr. 73. goth. faran (ire) farjan (vehere) alth. verjo (nauta) vart (iter); vuorjan (ducere) vuora (cibus, sumptus, zusuhr) vnorôn (procurare, cibare) kivuori (commodum) altn. fœr (meabilis) vgl. nr. 269. ziohan, zuht. — nr. 74. altn. sverja (jurare) svar (responfum) alth. eidsuart (conjuratio); altn. sœr (jurandus) sœra (ad- jurare) nhd. schwûr (juramentum). [ ap , ôp ] nr. 75. goth. skapan (formare) gaskafts (creatio) altn. skap (indoles) skapt (hastile) sköp (fata und membra genitalia); ags. scôp (poëta) alth. scuof (gl. doc. 233 b ) — nr. 76. alts. stapan (gradi) alth. staph (gressus) stasal (gradus) stepfen (gradi) ags. stäpe (vestigium) nhd. fûß-stapfe; alts. stuopo (vestigium) nhd. stûfe (gradus) ags. stêpel (turris). [ ab , ôb ] nr. 77. goth. graban (fodere) alth. krap (se- pulcrum) altn. gröf (fovea); goth. grôba (fovea) altn. grôf (lacuna) alth. kruopa (fovea) kruopilôn (indagare) — nr. 78. altn. skafa (scalpere) skafa (radula) alth. irscaporôn (deradere) mhd. schabe (tinea); altn. scôf (crusta) ags. scôf (scops, scobs) — nr. 80. altn. kefja (supprimere) kaf (submersio) kafna (fuffocari); kôf (suffocatio) — nr. 81. goth. hafjan (tollere) andhafjan (respondere) mhd. anhe- ben (incipere) urhap (origo) altn. haf (elevatio und aequor, die sich hebende, volle flut) vielleicht alth. ha- van (olla, vas cavum)? hevî (gravitas, soliditas) hevîc, altn. höfugr (gravis) alth. (N.) erhaven (solidus) nhd. erhâben (sublimis, gewölbt); altn. hôfr alth. huof (un- gula equi, vom aufheben?) altn. hôf (modus) nhd. hûb, abhûb (res sublata) hûbe, mhd. huobe (mensura terrae); fällt zu dieser wurzel auch haban (habere, tenere, weil was man hebt man hält?) mhd. habe (opes und portus) III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. alth. hapuh (accipiter Von aceipere? wie slav. jastreb von jati (capere)? ) goth. hafts, alth. haft, altn. haptr (vinctus) alth. haft, schwed. hafvande (praegnans, gra- vida). — nr. 82. insefjan (intelligere) alts. sebo (mens) altn. sefi (animus) hierher vielleicht mhd. saf (succus) nhd. saft. [ at , ôt ] das verbum 2 ter anom. môtan (capere. va- care) alth. muoƷan, muoƷa (vacuitas, licentia) goth. môtjan (obviam ire) vgl. kinâda und nâhjan nr. 544 b ; gleicher wurzel scheint mats (cibus) alth. maƷ, altn. matr Vgl. niutan (capere) nioƷan (vesci); vielleicht cibus mit ca- pere verwandt, b und p wechselnd (Schneider 1, 225. 226.) alth. kimaƷo (conviva, socius). — [ ad , ôd ] nr. 83. altn. hlada (struere, onerare) hladi (strues) hlad (agger) hlada (horreum) mhd. lade (cista) ags. hläd (onus) hläst (onus navis, ladung) altn. hlaß (onus carpenti); hlôd (fulcrum) vielleicht hlôdyn (eddi- scher name der erde); da im ags. hladan außer onerare auch haurire bedeutet, könnte das mhd. ledic (vacuus) durch exhaustus erklärt werden. — nr. 84. altn. vada (incedere, ruere) alth. watan; altn. ôdr (vehemens, ra- bidus) goth. vôds, ags. vôd (rabies) alth. wuot, altn. œdi (furor) œda (furere) vgl. ôdinn, ags. vôden, alth. wuo- tan (n. deastri), gehört auch das dunkle goth. veitvôdjan (testari, gleichsam ire in testimonium, procedere testa- tum) dahin? [ aþ , ôd ] nr. 85. goth. fraþjan (sapere) fraþi (mens) alth. vrad (strenuus); goth. frôds (intelligens) altn. frôdr. ags. frôd, alth. vruot, goth. frôdei (prudentia) alth. vruotî, altn. frœdi. — nr. 86. goth. raþjan (ratiocinari) raþjô (ratio) alth. redja, reda (ratio und sermo) redôn (loqui); goth. rôdjan (loqui) Schwierig scheint der wechsel zwischen þ und d in fraþjan, frôþ, frôþun und frôds, raþjan und rôdjan (desgleichen in stôþ, stôþun und stôdjan, nr. 72.), zweierlei wurzel zu vermuthen verbietet die nähe der bedeutungen. Und das alth. vrad neben vruot stimmt völlig zur goth. anomalie, wiewohl neben redja kein retja, reta, aber ruota. Wie wenn ablaut und ableitung noch nicht gehörig erkannten einfluß auf abstufung des þ in d, des d in t ausübten? Ich vergleiche das ags. sëóðan, sudon, snîðan, snidon, das alth. mîdan, mitun (1, 252. 408. 867.). Also theilweise, dem gange der ganzen sprache vorauseilende lautsenkung, aber genau nach dem gesetz der verschiebung (1, 584.) Nicht unanalog geht die abstumpfung des s in r und die des h in g; vgl. schlußb. 10, α . altn. rœda (dicere) ags. III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. rêdan (legere), kann das ags. rôd (pertica, virga) alth. ruota (virga, fascis) a colligendo dahin gehören? — nr. 72. goth. standan (stare) f. staþan, praet. stôþ, stôþun; us- staß (resurrectio für us-stands) mhd. urstende (resur- rectio) nhd. stand (status); goth. anastôdjan (incipere; alth. gistuont, incepit) vgl. nr. 545. — nr. 87. goth. fkaþjan (nocere) alts. scatho (noxius, hostis) alth. scado (damnum), sollte sich das alth. scanta, ags. scande (dedecus) zu sca- dan (nocere) wie stantan zu stuod verhalten? Die begriffe schade und schande (damnum und ignominia) reichen aneinander; das alth. hôno, altfries. hâna bezeich- net den beschädigten (gehöhnten). . [ ak , ôk ) nr. 89. goth. sakan (increpare) gasakan (ar- guere) alth. sahhan (causari) sahha (causa, lis, grgumen- tum) widarsahho (adversarius) secchja (lis) altn. sök (causa) saka (arguere); goth. sôkjan (quaerere) alth. suoh- han, altn. sœkja. — nr. 90. erst die verschollene urbe- deutung von bakan, bôk würde lehren, wie damit die idee von puoh (liber, codex) von puohha (fagus) viel- leicht selbst von pah (rivus) zu verbinden sei; daß puohha ags. bôc ablaut von pah, bac ist, folgt aus fagus und daraus, daß die Römer den germanischen buochenwald silva bacenis nennen. — nr. 91. altn. aka (vehere, agere) akr (ager) alth. ahhar; vielleicht gehört dazu uoht, uecht, oecht im schweiz. uechtland? vgl. das niederd. uker- mark. — nr. 92. ags. scacan (qualere) altn. fkekja, altn. skak (quassatio) skackr (distortus, obliquus) skack-borinn (in adulterio procreatus) vielleicht alth. scahho (lingua terrae? sinuosa); alts. skôk (adultera) altn. skœkja (mere- trix). — nr. 93. ags. väcan (nasci, oriri, suscitari) vacjan (vigilare) vacor (vigil) alth. wahhar (alacer) wecchan (ex- citare) wahhên (vigilare) wahha (vigilia) wahta (excu- biae); goth. vôkrs (lucrum) ags. vôcor (proles, foenus) alth. wuohhar. — [ ag , ôg ] das verbum 2 ter anom. ôgan (timere): agjan (terrere) agis (timor) alth. ekì (disciplina) ekiso (terror) altn. agi (disciplina, severitas); œgja (terrori esse) œgir (terrisicus) wahrsch. auch œgir (mare, grimme flut, wilde fee) — nr. 94. altn. draga (gerere, ferre) dragi (bajulus) drâttr (tractus) ags. droht (tractus) mhd. tragen (ferre) trage (feretrum) trahte (gestus, meditatio) nhd. ertrâg (proventus); altn. drœgr (tolerabilis) — nr. 95. mhd. nagen (rodere, radere) nagel (unguis, quo raditur); III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. nuogel (runcina) — nr. 96. mhd. behagen (placere) altn. hagr (dexter) hagna (prodesse); hôgvær (mitis) hœgr (tranquillus) hœgð (placor) hœgja (moderare). — [ ah , ôh ] nr. 99. goth. slahan (percutere) slahs, alth. slac (verber) slahta (genus, ordo) ags. släge (caedes) slecge (malleus); altn. slœgr (vafer, verschlagen) slœgr (com- modum, was anschlägt) slœgja (pratum demessum) — nr. 103. hlahan (ridere) alth. hlahtar (risus) altn. hlâtr; goth. ufhlôhjan (exhilarare) — [ ahs , ôhs ] nr. 108. goth. vahsjan (crescere) vahstus (statura) alth. wahsmo (fructus) kiwahst (statura) wahso (nervus) ags. västm (fructus) altn. vöxtr (incrementum); nhd. wûchs. fällt hierher vahs (cera)? das slav. vosk (Dobr. p. 113.) litth. wászkas ist ohne wurzel. — [ eim , áim , ïm ] nr. 109. alth. girîman (contingere) rîm (numerus, contactus) altn. rîm (concentus); reimr (sonorus) — nr. 110. nnl. zwîmen (in deliquio esse); altn. sveima (circumferri) mhd. sweime (motio, volatus); ags. svima (vertigo) altn. svim (vertigo) [ ein , áin , ïn ] nr. 112. mhd. schînen (lucere) schîn (splendor); scheinen (monstrare) vgl. 496. — nr. 113. ags. hrînan, altn. hrîna (sonare, clamare) dahin rîn (rhe- nus) früher hrîn flumen stridens? oder, wie von hëllan (strepere) hëll (purus) [nr. 332.] flumen limpidum?; goth. hráinis, alth. hreini, altn. hreinn (purus); altn. hrinr (clamor); von der ags. und alth. nebenbedeutung hrînan (tangere, sonare facere, wie im franz. toucher un instru- ment, die saiten rühren) scheint ags. hrine (tactus) altfries. hrëne und etwan ags. hrind, alth. hrinta, rinta (cortex) nhd. rein (limes) abzuhängen. — nr. 115. ags. asvînan alth. suînan, arsuînan, mhd. swînen (tabescere, decrescere, evanescere) swîne (tabes, schwindsucht, oberdeutsch schweinsucht); alth. sueinjan, mhd. sweinen (perdere, minuere) ags. asvânjan (consumere) alth. suein (taedium, gl. jun. 252.); hiernach könnte goth. svein, alth. suîn, ags. altn. svîn (sus) etwa animal tabidum, sordidum be- deuten, wie tabes, tabum auch für sordes, venenum stehet. Vermuthlich ist aber dieses unrichtig, da den Deutschen das schwein für ein nützliches, eßbares thier galt und eher anzunehmen, daß tabescere, perire nicht ursprüngliche bedeutung, solche vielmehr gewesen sei: agi, ferri (vgl. nr. 435. wirbel mit schwindel nr. 386.). Dann wäre sum: animal, quod pastum agitur? und nun erklärte sich weiter alth. suein, gl. ker. suên (bubulcus) III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. ags. svân (subulcus, bubulcus, famulus, puer qui pastum agit?) engl. swain (servus, puer, adolescens) altn. sveiun (puer, juvenis, ohne nebensinn von pastor und subulcus) alth. sueinesbërc, suênesbërc Oder suênebërc, vgl. marburg. beítr. III. 171. (nie suînesbërc) sedes fa- miliae nobilis hassiacae prope Marburgum (bedeutete wohl arx ministri?), noch die heutige niederhess. mundart un- terscheidet swîn (sus) swein (subulcus) So auch die frankenberger gewohnh. von 1493. (Schminke mon. 2, 702.) hannöv. swîn und swên, anderwärts heißt der hirte: bub, junge. — nr. 116. alth. hvîna (fremere); hvinr (fremitus) — nr. 117. altn. gîna (hiare); gin (rictus) mhd. ginen (oscitare) nhd. gænen. — nr. 118. mhd. grînen (clamare); ags. grânjan (lamentari) — nr. 119. ags. acvînan (tabescere); cvânjan (langucre, lugere) neben vânjan (lugere, ejulare) goth. quáinôn, alth. weinôn, altn. veina (lamentari, plorare) vein (planctus) alth. wênac f. weinac (lugubris, deplo- randus, miser, exiguus) nnl. wênig, weinig (miser, pau- cus); nhd. winzig (exilis, tabidus). — [ eip , áip . ïp ] nr. 121. altn. grîpa (rapere) grîpir (raptor); greip (ansa); grip (raptus) mhd. grif. — nr. 122. alth. slîfan (labi); mhd. sleif (lubricus) altn. sleipr — nr. 123. alth. wîfan (involvere); goth. váips (corona); vipja (corona) — nr. 124. altn. svîpa (involvere) goth. midjasveipains ( κατακλυσμός, weniger wohl diluvium als revolutio); altn. sveipr (involucrum); svipr (vibratio) — nr. 125. nhd. pfeifen (fistulare) pfeife (fistula); pfiff (sibi- lus) — nr. 126. nhd. kneifen (premere); kniff (fraus, torsio). — [ eib , áib , ïb ] nr. 128. goth. dreiban (pellere, pelli) alth. trîpan, altn. drîfa (nix); goth. dráibjan (urgere) ags. drâf (grex) altn. dreisa (spargere) dreif (sparsio); drif (procella) alth. dana-trip (repudium) nhd. trîb (com- pulsio) trist (pascuum) — nr. 129. alth. chlîpan, mhd. klî- ben (haerere, glutinari); alth. kachlep (rupes, gl. hrab. 974 a ) mhd. klëp (viscus) altn. klif (clivus) nhd. klippe, mhd. kleben (haerere) aus welchem einige dialecte die falsche form nr. 276. gebildet zu haben scheinen, im engl. mengt sich kleben mit klieben (nr. 208.) — nr. 130. goth. leiban (manere) altn. lîf (vita) alth. lîp (vita); goth. lái- bôs (reliquiae) altn. leifar, alth. âleipâ (reliquiae) kaleip (sodalis); goth. liban, altn. lifa, alth. lëpen (vivere) [vgl. III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. nhd. leiben und lêben] pilipi (oder pilîpi? panis, ad vitam necess.) — nr. 131. alth. scrîpan (scribere) scrîpo (scriptor); scrift (scriptum) — nr. 133. altn. svîfa (ferri) sveif (verticil- lum) svif (vibratio) dahin vermuthl. das mhd. swëben (ferri) und nicht zu nr. 275. — nr. 134. altn. þrîfa (curare); þreifa (tangere); þrif (diligentia) þrifill (diligens). — [ eit , áit , ït ] nr. 140. goth. beitan (mordere) alth. pîƷan, impîƷan (vesci) impîƷ (refectio) mhd. imbîƷ (Flore 766.) bîƷ (morsus Wilh. 2, 146 a ); báitrs (acer- bus) altn. beitr (acutus) beit (pascuum) beita (esca) beita (pastum agere) mhd. beiƷen (venari); altn. bit (morsus) bitr (acerbus) bitill (frenum) mhd. biƷ (morsus Ulr. Trist. 2525.) bitter (amarus) biƷƷe (morfiuncula) — nr. 141. goth. smeitan (illinere); alth. pismîƷ oder pismiz? (ma- cula) nhd. beschmitzen (maculare) geschmeiß (colluvies) — nr. 142. ïnveitan (adorare, obsequi) ïdveitjan (reprehen- dere) alth. wîƷan (imputare) wîƷi (supplicium); altn. veita (praebere, largiri) veitull (largus) alth. weiƷan (praebere); vitan (scire) wiƷan, aus dem praet. wissa er- klärt sich das verbale adj. altn. viß, alth. ki-wis, -sses (certus), das mit wîsi (sapiens) (nr. 513.) nicht zu ver- mengen ist [vgl. huas, -sses nr. 477.] — nr. 143. alth. vlîƷan (contendere) ags. flîtan; flît (certamen) alth. vlîƷ (cura) — nr. 144. ags. vrîtan (scribere) alth. rîƷan (exa- rare); alth. reiƷ (linea) mhd. reiƷen (incitare) altn. reita (carpere, irritare); goth. vrits (apex literae) altn. rit (scriptura) alth. riƷ (apex) — nr. 145. alth. slîƷan (discer- pere) altn. slîta (rumpere); sleita (dissidium animi) alth. sleiƷan (vellicare) slit (ruptura) alth. sliz. — nr. 147. ags. vlîtan (videre) goth. andavleizns ( πρόσωπον ); vláitôn (circumspicere) ags. vlâtjan; goth. vlits ( ὄψις ) altn. lit (aspectus) litr (color, species) ags. vlite (splen- dor) vliteg (pulcher) — nr. 148. mhd. glîƷen (nitere) glîƷ (nitor) — nr. 151. altn. drîta (sordes ejicere); drei- till (gutta); drit (excrementum). — [ eid , áid , ïd ] nr. 153. goth. beidan, alth. pîtan (ex- spectare) pîta (mora); peitôn (cunctari); altn. bid (mora) mhd. bite (mora) neben bîte. — nr. 154. ags. rîdan alth. rîtan (equitare, urbegriff proficifci, expediri?); ags. râde (iter) gerâd (paratus, instructus ad iter) gerædjan (parare) altn. reid (equitatio, currus) reida (equo vehere und prae- parare) goth. garáids (praeparatus) alth. reiti, mhd. be- reit, -eites (expeditus) gereite (apparatus equestris); mhd. ritære (eques) — nr. 155. alth. scrîtan (gradi) ags. scrî- III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. ðan, scrîðol (vagabundus); altn. skreidaz (reptare); skrid (cursus) alth. scrit (passus). — nr. 156. alth. strîtan (cer- tare) strît (certamen) ags. strîð (pugna) altn. strîd (bellum) strîdr (severus) mhd. strîtec (contentiosus, nhd. streitig, fehlerhaft strittig). — nr. 157. mhd. glîten (labi) ags. glîdan; glâde (lapsus) — nr. 158. ags. hlîdan (tegere) altn. hlîd (latus montis) alth. hlîta, mhd. lîte, foramen; ags. hlid (operculum) altn. hlid (ostium, foramen) alth. hlit, mhd. lit, -tes (tegumen) — nr. 159. ags. cîdan (rixari) cîd oder cid? (rixa) — nr. 160. ags. gnîdan (subigere); gnidel (pistillum) — nr. 162. mhd. brîten (pandere, texere); goth. bráids, alth. preit, ags. brâd, altn. breidr (pansus, latus) altn. breid (expansio) breida (expandere); ags. bri- del (frenum) alth. pritil. — nr. 163. mhd. schîten (scin- dere) schît (asser) ags. scîde (scindula); alth. scitôn (discer- nere). — [ eiþ , áiþ , ïþ ] über das schwanken einiger bildungen dieser formel aus þ in d und aus d in t vergl. die anm. s. 10. nr. 164. goth. leiþan (ire, ferri, ferre) ags. lîðan (navigare) altn. lîda, alth. lîdan; ags. lâde (iter) altn. leid (iter, conventus) leida (ducere) alth. leitan (ducere) leita (funus) nhd. geleiten, begleiten, mhd. leit, -des (dolor) leit (invisus) altn. leiðr (invisus) ags. lâð; goth. liþus (membrum) ags. lið, altn. liðr (artus) lið (auxilium) liðar (socii, comites) alth. mhd. lit, -des (mem- brum) nhd. glied liþus mit leiþan zu verbinden, wird gewagt scheinen, glied ist das helfende, begleitende, mitgehende, daher mit glied = socius, comes; vgl. nr. 404. selbst membrum [für me- brum, -brum ableitung wie in cere-brum, tere-brum, candela-brum etc.] darf zu meare gezogen werden; vgl. Lucans (phars. 3, 640.) diversa membra meantis. leit. (dolor) verwandt wie passio mit pati, passus. . — nr. 165. goth. sneiþan (secare) alth. snîdan, altn. snîða mhd. schneide (acies); ags. snæd (buccella) altn. sneid (segmen) sneida (secare); alth. snita (buccella) snit (? snitu) forma vestium, altn. snid. mhd. snitære (messor) — nr. 166. alth. mîdan, ags. mîðan (latere, carere, abstinere) alth. mîdunga (pudor, timidi- tas); goth. gamáids (mancus, debilis, πηρός ) alth. kimeit (hebes, cassus, gl. hrab. 954 b bardus gl. jun. 242. ob- tunsus) in-gimeitun (incassum) kameit-kengo (so zu lesen gl. jun. 258? gyrovagus) mhd. gemeit (hilaris, der begriff von eitel, leer in den von heiter übergehend); goth. máidjan (transsormare) altn. meida (lacerare, lae- III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. dere); altn. mida (movere) In den verwandlungen dieser wurzel noch zweifelhaftes, ich führe nicht alles an, was buchstäblich dahin gehören dürfte, z. b. altn. meiðm, ags. mâðm (donum, opes) und selbst midr (medius) miþ, miti (praepos.) — nr. 167. ags. vrîðan (torquere) mhd. rîden; ags. vrâð (iratus, pravus gleich- sam contortus) altn. reiðr (iratus) reiði (ira) mhd. reit, -des (crispus, flexus) mnl. wrêt (iratus). — nr. 170. mhd. nîden (invidere) goth. neiþs (invidia) alth. nîd, ags. nîð, altn. nîð (convitium, humiliatio); vielleicht alth. nidar (deorsum, depresse) ags. niðer verwandt. — [ eis , áis , ïs ] nr. 171. goth. reisan, alth. rîsan, ags. rîsan, altn. rîsa [dunkeles urbegriffs, die alth. bedeutung cadere sogar der altn. surgere entgegen stehend, im goth. und ags. kein einfaches verbum, nur das comp. urreisan, arîsan surgere; bestimmende vorpartikeln mögen abgefal- len sein, jede mundart behielt den in ihr vorwaltenden nebensinn; vielleicht reisan = ruere, urreisan proruere, aparîsan decidere]; goth. urráisjan (erigere) ags. arâsjan (reprehendere) aræran (erigere) alth. reisa (iter, also nicht von rîsan cadere) reisunga (machinatio, casus) rei- sôn (moliri?) mhd. rêren (profligare, sternere von rêsen cadere) ags. ræs (impetus) altn. reisa (proficisci, excitare); alth. urrist resurrectio (von urrisan surgere) girisan (con- gruere) praet. girista, giristîc (decens) petti-riso (aegro- tus, caducus) vielleicht risi (gigas, insurgens?) mhd. risel (grando) riselen (stillare) — nr. 173. mhd. brîsen (nodare); altn. bris (compages) brisl (connodatio). [ eik , áik , ïk ] nr. 178. alth. suîhhan, ags. svîcan, altn. svîkja (fallere); altn. svik (fraus) svikull ags. svicol (fal- lax), svica (proditor). — nr. 179. alth. slîhhan (repere); mhd. sleichen (insinuare); slichære (reptabundus) nhd. schlich (obreptio) — nr. 180. alth. kirîhhan (praevalere) rîhhi (potentia) rîhhi (valens) goth. reikis (opulentus) altn. rîkr; mhd. reichen (tendere) erreichen (assequi) — nr. 181. ags. blîcan (splendere); blâc (pallidus) alth. pleih, altn. bleikr, mhd. bleichen (dealbare); alth. plih (fulgor) altn. blik (nitor) — nr. 182. altn. vîkja ags. vîcan (rece- dere) vâc (mollis, infirmus) alth. weih; altn. vic (reces- sus) goth. vikô (series) — nr. 183. mhd. gelîchen (pro- bari, placere) die dunkele urbedeutung von leikan, láik, likun war gewis eine andere, vielleicht jungere? goth. leik (caro, corpus) manleika (effigies) alth. lîh, altn. lîk III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (corpus) goth. galeiks alth. kilîh (similis) lîhhizan (simu- lare); goth. láiks, altn. leikr (ludus, saltus) alth. leih, mhd. leich (ludus, lusus) nhd. laich (lascivia, sperma) goth. láikan (salire) altn. leika (ludere); vgl. die analogie der bedeutungen in nr. 415. 565. und cap. III. der zu- sammensetzungen -laik, -leiks, -sams. — nr. 184. mhd. strîchen (linere); mhd. streichen (caedere); goth. striks (linea) altn. strik, alth. strih, vgl. 553 b — nr. 186. nnl. kîken, dän. kîge (speculari) altn. kîkir (dioptra); schickt sich hierzu das altn. keikr (curvus) kikna (curvari)? [ eig , áig , ïg ] nr. 187. goth. hneivan (vergere) altn. hnîga, alth. hnîkan; goth. hnáivjan (deprimere) altn. hneigja, hnêgja (inclinare); altn. hnigna (caducum esse) — nr. 188. goth. steigan (scandere) altn. stîgi (climax) mhd. stîc (semita); goth. stáiga (semita) altn. steigr (contumax); stigr (semita) mhd. stëc (ponticulus) stëge (gradus) — nr. 189. altn. sîga, alth. sîkan (decidere, labi) mhd. sîgen; mhd. seigen (deprimere) seigære (perpendiculum); altn. sig (demissio aucupis, pondusculum) ags. sige (occasus), zweifelhaft ob altn. sigl (velum) alth. sëgal, sëkal (a demit- tendo?) und sigr (victoria) alth. siku (a sternendo hostem, wie victoria von vincere?) hierher gehören? die redens- arten siku nëman, siku winnan stimmen nicht dafür, noch stehet seigen f. profligare hostem, weshalb man an sîhen und seigen (nr. 200.) denken dürfte; altn. be- deutete sigur auch felicitas (wie sinc opes) vgl. nr. 398. — nr. 192. mhd. swîgen (tacere); sweigen (compescere); ags. svigjan (oder svîgjan) silere, stupere; urbedeutung von swîgen scheint premere, flectere, und premere vocem abgeleitete, den nordischen mundarten gänzlich man- gelnde: altn. sveigja (flectere); svig (suppressio). — [ eih , áih , aih ] nr. 194. goth. leihvan (mutuare) alth. lîhan; lêhan (mutuum, f. leihan, goth. láihvan?) ags. læn (mutuum) lænan (mutuari) — nr. 195. goth. teihan (nuntiare, dicere) alth. zîhan (accusare); zeigôn (indi- care) zêha (digitus, i. e. index); goth. taíhun, alth. zë- han (decem) goth. tigus (decas, numerus index) alth. zic, unorg. zuc (altn. tugr) alth. ziht, inziht (indictio, criminatio) altn. tiginn (celeber, dignus) Nach der regel 1, 586. bilden die gr. und lat. sprache aus derselben wurzel dieselben wörter: teihan = dicere, δείκειν ; di- gitus = zêha; decem, δίκ = taíhun; tign = dignus; inzîhan = indicere. ; im ags. B III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. tëóna (accusatio, injuria, damnum) altn. tión (damnum) tŷna (perdere) ist das wurzelhafte h. ausgeworfen und dadurch der vocalorganismus gestört. — nr. 197. goth. þeihan (proficere) alth. deihsmo (fermentum, profectus); wahrscheinl. nhd. dicht (densus, veges, pollens) welches ich alth. noch nicht gefunden habe, [mhd. reimt gedihte (spisse) Trist. 94 b : lîhte] altn. þêttr (Biörn þiettr, soli- dus) alth. dicchi (grossus), vielleicht alth. dëkan ags. þëgen (vir nobilis, provectus)? — nr. 198. goth. þrei- han (premere); þráihns (compressio); mhd. drîhe (com- pressorium) — nr. 199. alth. rîhan (tegere) ags. vrîgels (vestis) — nr. 200. mhd. sîhen (colare); verseigen, ver- seien (M. S. 1, 45 a ) sîhte (vadosus) — nr. 201. das noch dunkle alth. wîhan (?facere, sacrare, wie lat. facere sc. rem divinam) erwîhan (conficere) goth. veihs (sacer) veiha (pontifex) veihan (consecrare) alth. wîhên; mhd. weigen (vexare) vielleicht goth. vaíhts, alth. wiht, altn. vëttr (aliquid, nihil)? — [ ïup , áup , up ] nr. 202. goth. hniupan (nectere?) vgl. nr. 521. dishniupan (rumpere, von netzen und ket- ten); dishnáupnan (rumpi); altn. hnupl (surreptio) — nr. 203. alth. sliofan (clam et subito intrare); alts. slopjan (evadere) alth. intsluphan (elabi) slupf (latebrae) — nr. 204. alth. sûfan, altn. sûpa (sorbere); altn. saup (jusculum) alth. pisoufan (immergere in fluentum); altn. sopi (hau- stus) ags. sype (irrigatio) — nr. 205. alth. triofan (stillare); troufa (stillicidium) pitroufan (aquâ imbibere) altn. draupnir (annulus, qui dicitur aurum stillavisse); alth. trof (gutta, nur als partikel übrig) tropho (stilla) altn. drop, dropi, ags. dropa (gutta) dropjan (stillare) — nr. 206. ags. crëó- pan (repere) altn. kriúpa (genu flectere); kropning (genu- flectio). — [ ïub , àub , ub ] nr. 207. goth. hiuban? oder hiufan? (plorare) alts. hiofan (plorare); hofna (ploratus); gehört hierher altn. hiúfr (pluvia tenuis)? — nr. 208. alth. chlio- pan, altn. kliúsa (findere) ags. clëósu (rupes, fissura) altn. klauf (ungula fissa) klaufi (bos, animal bifidum) kleyf (fissura rupium); alth. chlopo (baculus fissus) chlopolouch (allium, gl. mons. 414. chlovolouch) chluft (forceps, a forma fissili) nhd. kluft (fissura) ags. clufe (spica) clyfer- fête (fissipes) altn. klofi (fissura) — nr. 209. alth. sciupan (trudere) ags. scëósan, scëófel (ligo) nhd. schieber (trudes) nnl. schuif (obex), alth. scûvila (ventilabrum) nhd. schau- fel; nhd. schûb, aufschûb (trusio, dilatio) mhd. schupfen III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (trudere) ags. scyfe (trusio); war der wurzel urbedeutung umfaßender: pellere, agere, congerere; so darf das alth. scoup (fasciculus, congeries straminis) ags. sceáf, nhd. schôber (acervus) vielleicht das goth. skufts (capillus, a congerendo, retrudendo?) nhd. schopf, dazu genommen werden. — nr. 210. ags. dëófan (mergi); dyfjan (mergere) doppetan (mersare) nhd. tupfen, tüpfen; es kostet beden- ken, bei einstimmender form, die bedeutung folgender wörter hierher zu ziehen: goth. dáubs, alth. toup, ags. deáf (stupidus, hebes, surdus, mutus; etwa: versunken, unsinnig?) altn. dausr: surdus, subtristis, obscurus) goth. dáubjan (stupefacere) alth. topôn (insanire) ags. dofung (deliramentum) altn. dofi (torpor) dofna (marcescere) goth. dobnan (mutescere); kann die taube (goth. dûbô oder dubô? alth. tûba, altn. dûsa) vom spielen im waßer so heißen, oder hieß ursprünglich der taucher (mergus) so? N. hat doubfugeli (mergulus) vgl. nr. 523., vielleicht steht ags. dëófan unorg. für dëópan? — 211. ags. rëófan, altn. riúfa (solvere, rumpere, findere, retegere) hierhin alth. â-riup (dirus)? altn. rauf (foramen) ags. reáf (spo- lium, vestis, a solvendo, wie indusium ab exuendo?) alth. hrê-raup, wala-raup (spoliatio mortui) ags. väl- reáf, altu. val-rauf (Snorra-edda p. 1. gewöhnl. val-rân) alth. raup (rapina) kiroupi (spolium) goth. ráubôn (spo- liare) altn. raufari (raptor) hierher stammt altfranz. robe (nach Roquef. proie, depouille, habit); ags. ryft (velum) altn. rof (ruptura) [vgl. das dunkle ô-rof. gl. edd. tom. I. saevities, immanitas] — nr. 212. alth. mhd. stiopan, stieben (spargere, ciere); stoup (pulvis) zistoupjan (dissi- pare); goth. stubjus (pulvis) alth. stuppi, nhd. gestœber (nix pulverulenta, alth. kistupiri?) altschwed. stoft (pul- vis). — nr. 214. nhd. schrauben (torquere) schraube (cochlea) verschroben (contortus) altn. scrŷfa (contor- quere) — [ ïut , áut , ut ] nr. 220. goth. giutan (fundere) ags. gëótan, alth. kioƷan (fundere) altn. gióta (parere) Gerade so das lat. fundere für gignere, parere, edere, Cic. de nat. d. 2, 62. tuscul. 5, 13. Plin. h. nat. 8, 30. 17, 22. 18, 10. Virg. Aen. 8, 139. und mhd. ein bilde gieƷen (creare). alth. kioƷo (fusio fluminis) altn. gióta (ovarium piscium); mhd. gôƷ (fusura?); goth. usgutnan (effundi) ags. gyte (inun- datio) mhd. guƷ (fusio, imber) — nr. 221. goth. niutan B 2 III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (capere) alth. nioƷan, ags. nëótan (frui) altn. niótr (usu- fructuarius) mhd. genieƷ (ususfructus Parc. 115 b ); alth. kinôƷ, ags. geneát, altn. nautr (socius) naut (pecus) alth. nôƷ, ags. neát (animal, quod captum est? quo fruimur?) altn. nautn (esus) neytja (manducare) neytsla (cibus) ags. nŷten, nêten (animal); goth. nuta (captor) alth. nuƷi (utilis) altn. nyt (commodnm) nytja (in usum vertere) nytr (utilis) not (usus) ags. not (utilitas) nyt (utilis) — nr. 222. goth. þriutan (dolere) usþriutjan (molestare) altn. þrióta (deficere) þriótr (morosus) alth. drioƷan (aegre ferre) mnl. verdriet (aegritudo); altn. þraut (labor) þreyta (fatigare) ags. þreát (castigatio, turba) þreátjan (urgere, turbare); goth. þrutsfill (lepra, i. e. cutis, quae dolet, morbo laborat?) alth. urdruƷ (taedium) druƷisam (mo- lestus) altn. þrotna (deficere) — nr. 223. alth. dioƷan (stri- dere) ags. þëótan, altn. þióta (ululare) schwed. tiuta (nr. 238.) ags. þëóta (cataracta, a stridore); alth. mhd. dôƷ (sonitus, fragor) altn. þaut (murmur, b. Biörn p. 371. fehlerhaft taut); altn. þot (aura) þytr (fremitus) mhd. duƷ (sonitus) — nr. 224. alth. hlioƷan, ags. hlëótan (sor- tiri) altn. hlióta (obtinere); goth. hláuts (sors) altn. hlaut (victima) alth. hlôƷ (sors); ags. hluta (fortilegus) altn. hlutr (sors, pars) ags. hlyte (sors) alth. ëpanhluƷeo (con- sors) — nr. 225. alth. rioƷan (plorare); rôƷ (mucus, oder roz?) rôƷac (lacrimabundus); gehört hierher das alts. griotan (lacrimari)? — nr. 226. alth. slioƷan (claudere); mhd. slôƷ (claustrum); sluƷ (finis) slüƷƷel (clavis) altn. slota (remittere) slot (arx) — nr. 227. alth. vlioƷan, ags. flëótan, altn. flióta (manare, fluere) ags. flëót (amnis) altn. fliót (fluvius) fliótr (celer) nnl. vliet (fluentum) mhd. vlieƷe (Trist. 140 c ); alth. vlôƷa (pennula) mhd. vlôƷ (fluxus) vlœƷen (fluere facere) altn. fleyta (natare fa- cere); altn. floti (classis) flot (liquamen) flytja (vehere) ags. flota (classis) mhd. vluƷ (fluvius) vlüƷƷic (manans) — nr. 229. altn. brióta (frangere) briótr (fractor); dahin altn. braut (via fracta, strata?) alth. prôƷ (grossus, ausbre- chende knospe)?; altn. broti (anfractus) alth. pruƷî (fra- gilitas) pruƷîc (fragilis) ags. brytan (comminuere). — nr. 230. ags. scëótan, alth. scióƷan (jaculari) altn. skiótr (celer); goth. skáuts (fimbria vestis) altn. skaut (sinus, la- cinia) alth. scôƷa (gremium gl. mons. 410. plaguncula? plagula, genus vestis) kiscôƷ (jaculum) altn. skeyti (sa- gitta und nodatio panni) ags. sceát (gremium); altn. skot (jactus) skyti (sagittarius) skutill (spiculum) mhd. schuƷ (jactus) schütze (jaculator) ags. scotjan (sagittare) scyte III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (praecipitium) scyta (linteum) Die begriffe jaculari und gremium erläutert etwan unser nhd. werfen und wurf (plica vestis, sinus) die alten rockschöße waren gefältelt und gefranzt; parallel stehet auch gêr (telum) und gêre (lacinia); schüßel (catinus) alth. scuƷila, altn. skutull, ags. scutel halte ioh für ausländisch (franz. escuelle, span. escu- dilla aus dem lat. scutum). — nr. 233. altn. lûta (incurvare) lûtr (cernuus); laut (locus depressus); lot (curvatura) vgl. ags. aleát (procubuit) — nr. 234. alth. sprioƷan (pullulare, surgere) spriuƷa (fulcra) ags. sprëôtan (crescere) sprëót (contus) nnl. spriet (hasta); goth. spráuto (cito); altn. sproti (virga) ags. sprota (sarmentum) alth. sproƷƷo (surculus, fulcrum). [ ïud , áud , ud ] nr. 240. goth. biudan (offerre, jubere) alth. piotan, goth. biuds (mensa, opfertisch) altn. biódr, ags. beód, alth. piot, biet (mensa); kipot, altn. ags. bod (mandatum); alth. poto, altn. bodi, ags. boda (nuntius) altn. bodn (oblatio) ags. bydel (praeco) alth. putil. — nr. 241. goth. liudan (crescere) alth. liotan (zuweilen un- organisch: hliotan) alth. liut (populus) ags. lëód, altn. liód; goth. láuþs, -dis (homo) juggaláuþs, -dis (ado- lescens); alth. sumar-lota (virgulta, palmites i. e. qui una aestate creverunt, gl. rhab. 976 b jun. 242.) mhd. verderbt sumer-late (M. S. 1, 124 b 2, 61 a virga, herba); zweifelhaft, ob goth. ludja (facies) alth. andlutti hierher zu rechnen? — nr. 242. altn. rióda (cruentare, illinere) riódr (rubicundus) ags. rëód (rubicundus); altn. raudr, ags. reád, alth. rôt (ruber) rôtên (rubere) mhd. rôt (rubigo) ags. reádjan; rudu (rubor) ryden (lolium rubrum) ryd (rubigo) altn. rod, rodi (rubor) roda (leviter inaurare) mhd. roten (le- viter rubere); das alth. riot (arundo) fällt nicht hierher, sondern lautete früher hriot, ags. hrëód. — [ ïuþ , áuþ , uþ ] Schwankend in áud, ud (s. oben). nr. 244. alth. siodan (fervere, co- quere) altn. sióða; goth. sáuds (victima, cocta vel com- busta) altn. sauðr (vervex); sod (jusculum) sodning (coctio) nhd. sôd (arsura stomachi); darf ags. seáð (puteus, abyssus) mhd. sôt (Barl. 402.) hierher genommen werden (warme quelle)? vgl. brunno nr. 371. gewis nicht das ags. suð (meridies) altn. suðr, = alth. sund (auster), so nahe die idee von calor, fervor gelegen scheint. — [ ïus , áus , us ] nr. 245. goth. driusan (cadere, ruere) driusô (praecipitium); dráusjan (praecipitare) dráusns III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (mica, πίπτουσα ἀπὸ τ ῆ ς τραπέζης, driusandei af biuda) alth. trôr (cruor) altn. dreyri (sanguis); goth. drus (casus) hochd. trusel (n. rivi) ags. dryre (cruor); das goth. us- drusts ( τραχεῖα ) müste via ruinosa bedeuten, wenn es hierher gehört. — nr. 246. goth. kiusan (eligere); káusjan (gustare); alth. chur (electio) nhd. kosten (gustare) agf. cyst (electio) costjan (probare) altn. kostr (electio) — nr. 247. goth. liusan (perdere) mnl. verlies (jactura); goth. láus (liber) láusjan (liberare) alth. lôs (solutus) lôsjan (solvere) lôsên (fallere) mhd. lœsen (solvere) lôsen (decipere) altn. laus (liber) lausn (liberatio) leysa (solvere) ags. leás (fal- lax) leásjan (mentiri) lŷsan, alŷsan (solvere); altn. los (solutio) ags. lor, lyre (jactura) goth. fralusts, nhd. verlust (amissio) — nr. 248. alth. vriosan (gelare) altn. friósa, ags. frŷsan, nhd. friesel (febris); mhd. vrœren (gelare facere); altn. frost, ags. frost, forst, alth. vrost (gelu) — nr. 249. ags. hrëósan (ruere) hrëóse (caducus) hrŷsan (corruere); hruse (mons, terra; ab aspredine? vgl. goth. usdrusts nr. 245, oder a lubrico? vgl. das altn. hnaus nr. 251.) hror (pronus) hryre (ruina) — nr. 250. altn. giósa (eructare, efflare); geys (furor) geysa (grassari) geysir (fons bulliens); gosa (spirare) gusa (eructare) gustr (fla- tus); vielleicht heißt das alth. gusu (T. 43, 1.) flamina st. flumina und gehört nicht zu gioƷan (nr. 220. vgl. th. 1, 171.) — nr. 251. altn. niósa (sternutare) niósa (scrutari) alth. niusan, (steht goth. niuhseináis Luc. 18, 44. f. niu- seináis?) ags. nëosjan (visitare) altn. niósn (exploratio); nausna (olfacere); nostr (nimia sollicitudo munditiei); hierzu stimmt das ags. nose (nasus) mnl. nose, nnl. neus, doch im hochd. nasa und altn. nös, nasar widerstrebt der vocal. — Anderer wurzel ist altn. hniósa (labi) hnaus (cespes) hneysa (lapsus) und merkwürdig die einstim- mung des lat. cespitare (auf glatten boden straucheln). [ ïust , áust , ust ] nr. 253. goth. kriustan (stridere); krusts (stridor) — nr. 254. altn. liósta (ferire); losti (libido) lostugr (lubens) lyst (voluptas) lysta (cupere) goth. lustus (cupiditas) alth. lust; die bildung von lust aus liósta be- stätigt durch gabaúris aus baíran (nr. 325.) und gir aus geisan (nr. 511.) — [ ïuk , áuk , uk ] nr. 255. goth. lûkan (claudere) altn. lûka (janua); laukr, alth. louh, ags. leác (cepe, olus, herba, ab aperiendo folia); alth. loh (foramen) luccha (lacuna) nhd. locker (patens, mollis) alth. loh (opercu- lum, übrig in houpitloh, mhd. houbetloch, capitium) III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. piloh (claustrum, woher das mhd. bloch, nhd. block) altn. lok (operculum) lok (finis) lykja (solvere) lykt (con- clusio) lykill (clavis) ags. loc (clausura). — nr. 256. alth. riohhan (fumare, exhalare) altn. riúka (fumare, turbari); alth. rouh (fumus) altn. reykr, ags. rêc (fumus) rêcels (thus); mhd. ruch (thus) nhd. geruch (olfactus) gerücht (fama) altn. roka (turbo; gehört hierher das alth. ita- ruhhan, ags. ëd-rêcan (ruminare, wiederschmecken?) ëd-roc (ruminatio)? und das ags. rocettan (eructare, alth. ropfizan)? vgl. nr. 250. — nr. 257. ags. smëócan (fumare); smoca (fumus) smöcjan (fumare) nhd. schmau- chen, die ganze form vielleicht aus nr. 553. entsprun- gen? — nr. 258. altn. striúka (elabi); stroka (cursus) — nr. 259. altn. fiúka (vento ferri) fŷkja (affectu rapi) fûki (foetor) mhd. viuhte, nhd. feucht (putridus, madidus); feykja (in auras spargere); sok (ningor, procella, vgl. nr. 128.) alth. fuhtî (odor; ist die mhd. interj. fiu, psiu, psî, neben pfuch, nhd. psui verwandt?) vgl. nr. 543. — [ ïug , áug , ug ] hierher das anomale dugan, alth. tugan (valere) wovon ich das alth. doht, toht (validus, probus) tohtar, goth. daúhtar (silia, wie magus, filius, von magan) ags. duguð, alth. tugid, nhd. tugend (virtus) ableite und das goth. daúhts ( δοχή von δέχομαι, d. i. aufnahme, wirtschaft) ableiten möchte, wenn ein über- gang des begriffs tugend in den von gastfreundschaft zu- läßig ist, vgl. ags. duguð-gisu (munificentia) — nr. 262. goth. biugan (flectere, vertere) altn. biúgr (curvus) biúga (farcimen) alth. piuko (flexuositas, sinus) ags. bûgan (flectere, submittere) bëógol (consentiens) goth. biuhts (solitus) biuhti (mos, i. e. inclinatio, submissio?); alth. pouc, altn. baugr, ags. beáh (corona, annulus) altn. beygja (flectere) goth. us-báugjan (verrere, σαίρειν, i. e. ausschwingen?); alth. poko (arcus) ags. boga, altn. bogi; alth. pucchan (inclinare) nhd. bucht (sinus) altn. bugr (curvatura) buga (curvare, gratificare alicui); hicrher auch goth. bugian (emere) praet. baúhta, ags. bycgan, bohte, engl. buy, bought? vermuthlich aus einem alten rechtssymbol bei dem kauf zu erläutern. — nr. 263. alth. liukan, altn. liúga (mentiri, celare) goth. liugus (menda- cium) liugnja (mendax) goth. liugan, -áida (nubere, i. e. tegi, vgl. hæman nr. 566.) goth. láugns (celatus) láugni- jan (inficiari) alth. loukinan, nhd. leugnen, altn. laun (f. laugn, occulte) leyna (f. leygna occultare) leynd (f. leygnd, occultatio, alth. louknida); alth. luki (mendaeium) III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. loga (mendax) altn. lyga und lygd (mendacium). — nr. 264. alth. sûkan, altn. siúga (sorbere); mhd. söugen (lactare); altn. suga (suctus) nhd. suckeln. — nr. 265. alth. triokan (decipere) triokâri (fallax) ist altn. drŷgja, ags. drëógan mit der abweichenden bedeutung: exercere, pa- trare, pati, tolerare das nämliche? altn. draugr (umbra mortui, gespenst); alth. kitroc (fallacia, phantasma) mhd. getroc, alth. trukida (superstitio) trukinâri (deceptor) — nr. 266. alth. vliokan (volare) altn. fliúga, ags. flëóge (musca) mhd. vliege; altn. flaug (volatus) fleygr (volu- cris) fleygja (in sublime mittere) alth. vlougjan; alth. vluc (volatus) vlucchi (par volando) ags. flugol (volucris) altn. fluga (musca) nhd. flügel (ala) — nr. 267. altn. smiúga (repere) smiúgr (foramen); smeyga (irrepere fa- cere); smuga (ostiolum). — [ ïuh , áuh , aúh ] nr. 269. goth. tiuhan (ducere, tra- here); altn. taug (funis) teygja (attrahere); alth. -zoho, später -zogo (dux) ags. -toga (idem) alth. zuhil (ha- bena) zuht (disciplina, alimentum) ags. tyht, mhd. gezoc (tractus) zücken (rapere) — nr. 270. goth. þliuhan (fu- gere) alth. vliohan; goth. þlaúhs (fuga) mhd. vlœhen (fugare); vluht (fuga) altn. flôttr, ags. flyht. — [ ïp , ap , êp ] nr. 272. altn. drëpa (percutere) drëp (ictus) nhd. treff, triftig (pertingens); altn. drâp (caedes) dræpr (reus convictus). — [ ïb , ab , êb ] nr. 273. goth. giban (dare) giba (donum) alth. këpa, ags. gifu (gratia) ags. gëof (donum) gëofjan (donare) gifol (largus) altn. giöf (donum) goth. fragibts (desponsatio) ags. gist (donum, nuptiae) giftjan (nuptum dare) nhd. gift (venenum); goth. gabeigs (dives, ditatus, begabt) gabei (opulentia) altn. göfugr (dives) ags. gafol (vectigal); mhd. gâbe (donum) gæbe (acceptus) altn. gæfa (felicitas) — nr. 274. altn. vëfa, alth. wëpan (moveri huc illuc, vagari, hernach von der hin und herfahrenden spule: texere) ags. vëfel, vifel, nhd. wêbel (scarabaeus, a volitando) altn. vëfr (tela) alth. wëppi (tela, bald auch wuppi oder wuppa N. 89, 10. wie im part. gewoben f. gewëben) ags. vëft, altn. vëftr (subtegmen) mhd. wift, inwift, ags. vëofung (textura) vëfels (pallium); alth. wapo, mhd. wabe (favus, quem apes texunt, ge- wirk) altn. vaf (trama, involucrum) vafra (vagari, nhd. wabern, von gespenstern) vafr-logi (flamma magica) alth. wabar-siuni (spectaculum) ags. väfersŷne, vasung (stupor) altn. vafa (ingruere spectri instar) vafa, vofa III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (spectrum). — nr. 275. altn. sofa (f. svëfa, dormire) svëfn (somnium) alts. suëban; alth. ansuebjan, mhd. ensweben (sopire); altn. svæfa (pacare) svæfill (cervical); hierher fugt sich der name alth. swâpâ (suevi) ags. svæfas, viel- leicht pacifici? vielleicht pacificantes? — [ ït , at , êt ] nr. 277. goth. ïtan, ags. ëtan, alth. ëƷan, (edere) dahin wohl ags. ëten, ëoten, altn. iötunn (gigas i. e. edo, lurco)?; goth. atisk (seges) alth. eƷisc, altn. etja (concitare) nhd. ätzen (mordere) altn. atall, ötull (mordax, severus) alth. aƷal, woher das n. pr. atli, ezilo; altn. ât (esus) âta (cibus) æti (edulia) ætr (vescus) goth. af-êtja (edax) uz-êta (praesepe) — nr. 278. goth. fritan (vorare); alth. vraƷar (procax wo nicht vrahar zu lesen? vgl. altn. frâr, pernix); mhd. vrâƷ (lurco) gevræƷe (vo- ratio) — nr. 279. altn. gëta (gignere, assequi) goth. bi- gitan (invenire) alth. âkëƷ (oblivio) altn. gëta (conjectura); goth. gatvo, altn. gata, alth. kaƷa (via, semita) altn. gat (foramen) mhd. ergetzen (restituere, reficere); altn. gât (cura) gætir (custos) gæta (observare) gâta (aenigma) — nr. 280. goth. mitan (metiri) mitôn (cogitare, ermeßen) alth. mëƷ (mensura) altn. mët (trutina); altn. mat (aesti- matio); alth. mâƷa (modus) altn. mâti (modus) mâta (moderari) mhd. gemæƷe (congruus) — nr. 281. goth. sitan (sedere) sitls (sedes) altn. sët (scamnum) sëtr (sedes) alth. sëƷ (sedes) pisëƷ (obsidio) frasëƷ (aerugo); goth. satjan (collocare) altn. setja, nhd. satz (positio) mhd. widersaz (oppositio); goth. andasêt (horrendum) altn. sât, sâtr (insidiae viarum) sâta (meta foeni) sæti (sedes) [ ïd , ad , êd ] nr. 282. goth. bidjan (rogare) bida (preces) bidagva (mendicus) alth. pëta (rogatio) kapët (preces) pëtôn (adorare) pëtalôn (mendicare) mhd. ane- bët (quem adoramus) altn. bidill (procus) Keine ablautsbildung, wenn man orare, rogare für die ur- bedeutung von bidjan hält, doch das ableitungs -i und der transitive sinn deuten auf anderes; gilt rathen, so hieß bidan früher liegen, jacere, humi prosterni, als ein flehender? hernach ward daraus bidjan precari, einem anliegen, mit dem acc. der person? so nur erklärt sich goth. badi, alth. petti, altn. bedr (eigentlich und bei Ulfilas lectulus κλινίδιον , κράββκτος ) analog dem goth. ligrs (lectus, κλίνη ) mhd. lëger (größeres bett) von ligan, so wie dem stôls (thronus) von stalan (nr. 464.) und wie bett, sänfte, ruhe scheint das alts. gibada oder gibâda: levamen, beruhigung. — nr. 283. goth. trudan (calcare, subigere) altn. troda, ags. trëdan, III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. alth. trëtan, goth. ustrudja (segnis,? secedens) altn. trodnîngr (callis) nhd. mundarten trotte, trottbaum (torcular) ags. trëd (passus) trode (vestigium) mhd. trit (gradus); altn. tröd, pl. tradir (pascua) tradka (suppri- mere) trödkun (suppressio) mhd. trat (vestigium Trist. 126 a ) alth. trata (conculcatio) mhd. treten (conculcare); altn. trâda (terra culta) mhd. trât (abactio in pascua) — nr. 285. alth. chnëtan (depsere) kachnët (massa) [ ïþ , aþ , êþ ] Auch hier die mehrbemerkten übergänge aus þ, d in d, t. nr. 287. goth. qviþan (dicere) altn. qvëda (canere) alth. quëdan (dicere) altn. qviðr (testi- monium) qviða (poema): altn. qvedja (salutare) alth. qvetjan (salutare) queti (salutatio) — nr. 288. goth. viþan (ligare) altn. vidja (vinculum) alth. witta; altn. vadr (funis) ved (pignus) vedja (pignorare) alth. wetti (pignus); altn. vâd (pannus) alth. wât (vestis) altn. vædaz (vestes induere) — [ ïs , as , ês ] nr. 290. goth. lisan (eig. sammeln, dann aufs lesen der buchstaben angewandt) vgl. nr. 411. alth. altn. list (ars, wohl eigentl. peritia legendi literas) lëso (lector); altn. læs (literatus), das alth. lâri (vacuus), im nord. und sächs. ungebräuchlich, steht ohne wurzel, sollte es hierher fallen und bedeuten: wo schon aufgelesen ist? dagegen gehört lêran (docere) gar nicht zu lësan. — nr. 291. goth. ganisan (sanari) alth. kanist (servatio); goth. nasjan (sanare) alth. nerjan, nara (servatio, cibus); altn. næra (fovere, nutrire). — nr. 292. goth. visan (manere, existere, tegi?) vis (tranquillitas) alth. wist (substantia, cibus) heimwist (patria) andere compos. mit wist cap. III. wisa (pratum, terra gramine vestita?); goth. gavasjan (vestire) gavaseins (vestitus) vasti (vestis) alth. waso (cespes) mhd. wasec (herbosus) verwasec (muscosus) Wigam. 12 a vgl. Stald. 2, 436. mhd. wastel (genus panis, woher franz. gasteau, gâteau) vgl. nr. 572. [ ïk , ak , êk und schwankend uk ] nr. 294. goth. brikan (srangere) altn. brëk (debilitas, vitium); braka (crepere) brak (stridor) alth. praht (crepitus); altn. brâka (debilitare) alth. prâhha (ager sterilis, infirmus); goth. gabrak (fragmentum) alth. pruh (fragmen) widar- pruht (repugnantia) — nr. 295. goth. rikan (congerere) mhd. rechen (congerere) alth. girih, girëh (dispositio) ungirëh (tumultus) altn. rik (pulvis)?; goth. rakjan (ex- III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. tendere) altn. rekja (evolvere) alth. recchjan, rahha (ex- positio, causa) ags. racu (narratio) mnl. raken, gheraken (pertingere, consequi) altn. raka (colligere); goth. birêkja (periclitans); gehört hierher goth. raíhts, alth. rëht (ex- positus, rectus)? — nr. 296. goth. vrikan (persequi) alth. karih (ultio) mhd. gerich, altn. rëk und rëkftr (propulsio); goth. vrakja, alth. recchjo (expulsus) ags. vracu (vindicta); alth. râhha (ultio) ags. vræc (exsilium) altn. ræki (vin- dicta) rækr (extorris) — nr. 297. alth. sprëhhan (loqui) ags. sprëcan; alth. sprâhha (lingua) ags. spræce; alth. spruh (dictum); urbedeutung schwerlich loqui, vielleicht ramificare? noch heißt ags. sprëc (sarmentum) altn. sprëk (ramentum) sprâk (macula) alth. sprahhulla (? sprâhhulla) siliqua, quisquiliae, ramentum, absehneidsel, sprâhhôn (scindere, zerschneiden) — nr. 298. alth. stëhhan (pungere) ags. sticjan, goth. stiks (punctum) alth. stih, ags. sticel (aculeus) altn. stikill (apex) goth. stikls (poculum, cor- nu?); nhd. stachel (aculeus) ags. stace (palus) alth. steccho (sudes); nhd. stock (baculus) stücke (frustum) — nr. 299. alth. suëhhan (foetere) suëhhado (foetor) mhd. swëcher (foetidus) ags. svëcan (odorari); ags. sväc (odor) altn. svak (status) svaka (flare); altn. svækja (vapor sufsocans) das im alth. und sonst fehlende mhd. swach (infirmus, exilis) könnte zu dieser wurzel hören, wie vielleicht effoetus zu foetere? — nr. 300. altn. lëka (stillare, colare) lëkr (rimosus) lëki (stillatio); lakr (stillatio) lakra (aegre fluere) alth. lecchjan, lahta (rigare T. 138.) nhd. lache (aqua stagnans) lechzen (hiscere) lechen (siccescere); altn. lækr (rivus); das goth. lêkeis, leikeis, alth. lâhhî, altn. læknir (medicus) würde sich hierher fügen, wenn ein lêk für wunde (fließende oder spaltige?) zu erweisen stünde. [ ïg , ag , êg ] hierher das anomale magan (posse, va- lere, pollere, gignere) alth. makan, mekin (vis, potentia) altn. megin, ags. mägen [vgl. nr. 66. aljan von alan] goth. magus (genitus, filius) ags. mëagol (potens) altn. mögr, goth. magaþs, alth. makad (virgo) goth. mahts (possibilis) mahts (vis) alth. maht, altn. mâttr; goth. mêgs (gener) alth. mâk, altn. mâgr. — nr. 303. goth. ligan (jacere.) ligrs (lectus) alth. lëkar (cubile) altn. lëg (cubile) lëgr (castra); goth. lagjan (ponere) altn. lög (positio, statutum) lag (ordo) laga (aptare) mhd. gelac (societas); altn. lâg (insidiae) mhd. lâge, altn. lægr (aptus, gelegen) læga (suc- cuba) alth. lëpar-lâko (uterinus). — nr. 304. goth. vigan (moveri, agi, auch movere, agere) goth. vigs (via) altn. vëgr, alth. wëgôn (juvare) nhd. gewicht (pondus librae); III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. goth. vagjan (excitare) alth. wakan (currus) alth. vagn (ab agendo) mhd. wage (cunae, nhd. wiege, a movendo); goth. vêgs (motus, fluctus) altn. vâgr, alth. wâc (fluctus, mare) altn. vâg, alth. wâka (libra) mhd. wâgen (moveri ad aliq., audere) mhd. wæge (utilis, promovens, auxilians) wægest (optime) — nr. 305. mhd. pflëgen (solere) pfliht (officium, obligatio) inphliht (tutela N. 134, 4.) — nr. 306. altn. þiggja (accipere, acceptare, δέχεσθαι ); þegi (accep- tor); þâga (gratia) þægr (acceptus) þægja (gratificari); þegja (tacere) alth. dagên durch: empfangen haben, nichts mehr fordern zu erklären scheint mir gezwungen und im goth. þahan gilt h statt g. — [ aíh , ah , êh ] nr. 307. goth. fraíhan (quaerere) alth. chafrëgin (fando accipio) altn. frêtt (nuntius); vrâka (quae- stio) vrâkanôn (consulere), andere formen bei der conjug. nachzusehen. — nr. 308. goth. saíhvan (videre) alth. sehan (videre) sëha (pupilla) kasiht (visus, visio); in dem alth. siuni (visio) ags. sŷne, altn. sión, sŷn, mhd. siene scheint sich der unorganische vocal auf eine, durch ausstoß des h bewirkte verkürzung zu gründen; (vgl. tión nr. 195. læn nr. 194.) — nr. 309. alth. kivëhan (gaudere) alts. gi- fëho (gaudium) goth. faíhu (pecus, opes) alth. vihu Wie das lat. gaudere den begriff der erfreuenden habe einschließt und so andere wörter in den sprachen. ; altn. fagna (gaudere) goth. faginôn (gaudere) fahêds (lae- titia), das goth. fahan (opes acquirere, capere) gafahs (captura) scheint hierher zu nehmen, zumahl sich aus dem pluralablaut die alth. form vâhan wohl begreift vgl. nr. 221. — nr. 310. alth. kiscëhan (fieri) kisciht (factum) niusciht (miraculum). — [ ïl , al , êl , ul ] das anomale goth. skulan (debere) skula (reus, debitor) alth. scolo, mhd. geschol (Gudr. 72 b ) goth. skulds (debitus, fas) alth. sculd, -dî (debitum, pec- catum, crimen); ohne zweifel bekennen sich andere gangbare wörter mit den vocalen i und a zu diesem stamme, die ich aber der dunkeln übergänge halber nicht anführe, vgl. nr. 563. — das anomale viljan (velle, bene- velle) vilja (voluntas) altn. vil- und vël- alth. wili- (in compos. bene-, εὐ- ) alts. wëlo, ags. vëla (bona, opes) scheint nicht allein wegen val (placitum, electio) valjan (eligere) sondern auch des schwankens der partikel wela, wola, wël, wale (1, 82. 471.) und der form wollen, wolta st. wëllen, wilta ganz in conj. XI. gehörig, machte nur das goth. váila (bene) keinen anstand, wonach 1, 853. III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. ein veilan, váil aus conj. VIII. gemuthmaßt wurde, vgl. 884. 885., sollte ausnahmsweise váila für vaíla, vila gelten? — nr. 313. goth. stilan (furari) altn. stëla; nhd. diebstâl, ags. stalu (furtum); altn. stulðr (furtum) ags. stulor (furtivus) alth. stulingun (furtive). — nr. 314. alth. hëlan (celare) hëlm (galea) altn. hiâlmr (galea) hilmir (galeatus) hilma (occultare) alts. hëliðhëlm, alth. hëlôt- hëlm (larva) mhd. gehilwe (nubes); goth. hali (tartarus, caverna) alth. helja, hella, mhd. helle, nhd. hölle, altn. hel (mors) alth. heljan (velare) helî (velamentum) halm (calamus, culmus, a cavitate?) vielleicht hierher alth. helid (galeatus, personatus? miles) ags. häleð, mhd. he- let, nhd. held, altn. halr (vir); altn. hæli (refugium, latebra) alth. hâlingun (occulte O. I. 17, 84.) mhd. hæ- linc (occultatio) hæle (cura), ob alth. hâli (lubricus) mhd. hæle, aus dem begriffe dubius, obscurus gefolgert wer- den kann? goth. huljan (occulere) mhd. hüllen, goth. hulundi (chasma) altn. hul (tegmen) hylja (tegere) hylr (gurges) hulstr (theca) hulins-hiâlmr (larva) goth. huls (cavus) ushulôn (excavare) alth. hol (cavus) altn. hol (cavitas) Vgl. κοῖλος und coelum, da s wölbende, deckende. wie hi- minn nr. 566. hola (foramen) mhd. holre (calamus), wahrsch. stammt auch alth. hold (favens) huldî (protectio) altn. hollr, hylli aus der wurzel. — nr. 315. alth. quëlan (cru- ciari, mori) ags. cvilm (nex) cvild, alth. quilt (pestis); alth. queljan (necare) ags. cvellan, altn. qvelja, altn. qvöl (cruciatus) qvalari (tortor) alth. qualm (excidium) ags. cvëalm (nex); alth. quâla (supplicium); altn. qvol (cre- bra tractatio); der verlorne sinnliche urbegriff würde auch das altn. qveld (vesper) aufhellen. — nr. 316. alth. tuëlan (torpere, sopiri); goth. dvals (stupidus) altn. dvali (deliquium) dvöl (mora) alth. tueljan (morari) tualm (so- por); tuâla (mora); tulisc (fatuus, f. tuulisc) nhd. toll, altn. dul (stultitia f. dvul) dylja (illudere). — nr. 317. alth. suëlan (ardere) suilizan (calere) ags. svëlan (ustulare) svile (apostema); altn. svalr (subfrigidus) sval (aestus mo- dicus) daher alth. suala-pah, suala-heim namen von örtern, wo mineralquellen sind, sualm (?tepor) sualmaha (n. fluvii in Hassia); altn. svæla (suffocare); nhd. schwül (calidus, alth. swuli?) ags. svole, svolað (aestus, cauma); stutzig macht das oe im nnl. zwoel (tempus calidissimum) dem ein alth. swuoli und ags. svôle (nach VII.) ent- spräche? — III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. [ ïm , am , êm , um ] nr. 318. goth. niman (sumere, cape- re) altn. nëma (nisi, ausgenommen); alth. nama (praeda) namo (nomen) Gerade so gehören im slavischen die mit der deutschen wur- zel identischen wörter und begriffe imu (capio) und imja (no- men) zusammen. Die aphärese des n ist leicht darzuthun, bei einigen compositis tritt es wieder vor, vgl. russ. emlju (capio) vnemlju (intelligo, vernehme) snemlju (ich nehme ab). Litth. immu (capio) lett. jemmu und njemmu. ; altn. nâm (occupatio) alth. nâmi (ac- ceptus) goth. andanêms (gratus) altn. næmr (capax); goth. arbinumja, ags. yrfenuma (heres) goth. andanumfts (ac- ceptio) alth. sikinumft (victoria) etc. — nr. 319. goth. qviman (venire); alth. piquâmi (commodus) altn. kæmr; goth. ga- qvumfts (conventus) alth. chumft, altn. koma (adventus). — nr. 320. goth. gatiman (decere) alth. zëmen; alth. zemjan (domare) altn. (temja) alth. zam (mansuetus); kizâmi (de- cens, conveniens); kizumft (decus) nhd. zunft (conventus). — nr. 322. mhd. stëmen (cohibere) mit hin und wieder aus- brechender gemination, goth. stamms (balbutiens i. e. loqui cohibitus) altn. stamr (haesitans) stama (lingua haesitare) alth. stamalôn (balbutire) nhd. stemmen (aquam stagnare facere, mole truncove) alth. stam, -mmes (truncus, stirps,? cohi bens, vgl. stockstill, stumm wie ein stock, block); alth. stum, -mmes (mutus) mhd. stum, -mmes und daneben unorg. stump, stumbes (1, 1079.) nhd. ungestüm (inquietus, im- petuosus). — nr. 323. mhd. schëmen (erubescere) schëm (pudor); scham (pudor) schamen (pudere). — [ ïn , an , ên , un ] das anomale man ( μέλλω ) alth. manôn (monere) varmanên (contemnere) varmano (con- temptor) altn. mana (provocare); goth. munan (cogitare, putare) gamunan (meminisse) gamunds (memoria) altn. mynd (effigies, memoria) mynda (formare) muni (ani- mus) munir (facultates) munr (voluptas, voluntas); auch hierher fallen sicher andere bekannte wörter, deren ver- bindung noch ein räthsel ist; unorganischen übergang in die form inn, ann, unn bewähren: goth. ufarmunnôn (oblivisci) alth. minnôn (meminisse, amare) minna (re- cordatio, amor) altn. minni (memoria) minna (monere) — nr. 324. mnl. stënen (gemere); alth. stunôd (suspirium) altn. stynja (suspirare) — [ aír , ar , êr , aúr ] das anom. goth. gadar, alth. tar (audeo, praesumo) tarôn (temerare, laedere) tara (no- cumentum) terjan (laedere) alts. derjen; goth. gadaúrsta III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (audebat) alth. tursta, katurst (temeritas) und mit unorg. gemination turrum (audemus); gehört hierher das mhd. adj. untære (debilis, tristis, pusiltus? Stolle hinter Trist. 147 b ) adv. untâre (perpusillum, gegensatz von audac- ter)? dann verdiente die schreibung târe vor dâre vor- zug (1, 340); in dem altn. diarír (audax) weiß ich das f nicht zu erklären, zu pidërpi (nr. 439) fügt es sich gar nicht. — nr. 325. goth. baíran (ferre, prae se ferre, ma- nifestare) alth. përan, altn. bëra, bëri (portator) alth. pirîc (fertilis) perd (genimen) pirihha, altn. biörk (betula) alth. pira (pyrum, wegen des kurzen i schwerlich aus dem lat.); alth. par, altn. ber (manifestus, nudus) goth. baris, ags. bere (hordeum) goth. barn (infans) barms, alth. param (gremium) alth. perjan, altn. berja (ferire, formare) mhd. ber (ictus); goth. bêrusjôs (parentes von parere) alth. pâra (feretrum) altn. bær (ferendus) alth. -pâri (ferax) kipârida (gestus); goth. baúrs (genitus) gabaúrds (generatio) baúrjôdus (voluptas, vgl. nr. 254.) alth. kipurt (genus) kipurjan (convenire) purdî (onus) pora- (elate-, valde-) urbor (reditus) Vgl. vôkrs (nr. 93.) und τόκος (foenus und proles) τοκ ȣ ύς (pa- rens) von τίκτω . altn. byrja (in- cipere). — nr. 326. goth. taíran (rumpere) alth. zëran; zerjan, zerran (lacerare) mhd. zern (consumere); goth. gataúra (ruptura) taúrnan (rumpi) wahrsch. alth. zorn (ira, i. e. eruptio) vgl. cap. V. die partikel zër- zur-, altn. tor-. — nr. 327. alth. scëran (tondere, secare) scëro (talpa, a fodiendo terram); altn. skör (barba, a ton- dendo) skard (incisura) alth. scarta, alth. scara (sectio, co- hors); scârî (forfex) altn. scæri; alth. scurt (tonsura) altn. skurdr (vulnus, sculptura) skora (incidere) ags. scëort (brevis, abgeschnitten?) — nr. 328. alth. suëran (dolere) suëro (dolor, ulcus) mhd. schwierig (difficilis); suerido (dolor) suarm (turba, a gravando, incumbendo?); goth. svêrs (honoratus, i. e. gravis?) Vgl. lat. onus, onustus mit honos, honestus; früher galt honus f. onus (Schu. 1, 183.) alth. suâri (gravis, molestus) vgl. nr. 222. — [ ïll , all , ull ] nr. 332. alth. hëllan (sonare) mhd. hël, -les (sonorus, allmählig später clarus); ags. hëal, hëalle (aula, quae resonat) alth. halla, altn. höll (aula) hellir (antrum). — nr. 333. mhd. bëllen (latrare) ags. bël, bëlle (campana) alth. mist-pëlla (lycisca) mhd. wider III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. bille (repugnans); ags. bulluca (vitulus) nhd. bulle (tau- rus); wenn der übergang auf ein hallendes, rundes ge- fäß statthaft ist, so gehören hierher: altn. böllr, mhd. bal (pila) ags. bolla (vas, globus) mhd. hirnbolle (cra- nium) bolle (gemma arboris) vgl. bolster (glomeratio) und unten C, b. — nr. 334. alth. scëllan (sonare) nhd. schelle (campanula) altn. skëllr (tinnitus) skillîngr (aes sonans); mhd. schal, -lles (clangor); vielleicht alth. scollo (gleba, terra resonans) [vgl. 563.] und mhd. schülle (? Ben. 261.) — nr. 335. mhd. swëllen (tumere) swëlle (limen, i. e. sublime, turgens); nhd. schwall (tumor); altn. sullr (tumor) alth. suulst, swulst (tuber) — nr. 336. alth. wëllan (volvere) wël und verstärkt sina-wël (ro- tundus, volubilis) wëlla (unda, a volvendo); wal, -lles (fundamentum, agger) altn. völlr (campus) mhd. gewelbe (fornix); alth. wullido (nausea, a revolvendo) nhd. wulst (involucrnm); ist das goth. vilvan (rapere) nr. 348. vilva (raptor) derselben wurzel? — nr. 337. mhd. gëllen (personare) gëlm (strepitus); galm (idem). — nr. 338. altn. hvëlla (tinnire) hvëllr (sonorus) hvëllr (clangor) hierher das alth. huëllêr (procax, vorlaut)? — nr. 339. altn. smëlla (crepere) smëllr (crepitus) — nr. 541. mhd. knëllen (strepere); nhd. knall (fragor) — nr. 342. mhd. quëllen (scatere) quëlle (fons). [ ïlp , alp , ulp ] nr. 343. alth. hëlfan (juvare) hëlfa, hilfa (juvamen) mhd. gehülfic (auxilians) — nr. 345. ags. gëlpan (superbire) mhd. gëlpf, gëlf (arrogans, corruscans) gegëlfe (arrogantia) ags. gëalp (sonitus) altn. giâlp (stre- pitus); gûlpa (tumere) ags. gylp (gloria). — [ ïlb , alb , ulb ] nr. 344. ags. dëlfan (fodere) dëlfing (fossio) nnl. dëlf, dëlve (fossa). — nr. 346. altn. skiâlfa (tremere) skiâlf (tremor); skelfa (terrere). — [ ïlt , alt , ult ] nr. 349. goth. sviltan (mori) altn. svëlta (esurire) svëlta (fames); goth. svults (mors) ags. svylt, altn. sultr (fames f. svultr) — nr. 350 ags. smël- tan, alth. smëlzan (liquefieri) nhd. schmelz (electrum); alth. smalz (adeps eliquatus) alth. smultar (liquidus, sere- nus) ags. smylte, smolt (serenus und dann placidus, tran- quillus, vespertinus, wie das lat. serenus zu serus ge- hört) — der davon abzusondernden ags. form mëltan fällt zu: alth. milzi, ags. milte, altn. milti (lien, splen) a concoquendo, solvendo succum, forte urinam?; alth. malz, altn. malt (polenta concocta) altn. melta (solvere, chylificare). — III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. [ ïld , ald , uld ] nr. 351. goth. gildan (rependere) gild (tributum) alth. këlt (cultus, oblatio, tributum, pe- cunia) altn. giald (pecunia) goth. gilstr (tributum) alth. këlstar (tributum) kilstirro (tributarius); mhd. gülte (de- bitum) nhd. gültig. — nr. 352. alth. scëltan (inculpare) scëlta (convitium) vielleicht verwandt mit sculd (culpa) [s. oben sculan] nach dem bekannten verderbnis des d in t. — [ ïlk , alk , ulk ] nr. 353. mhd. mëlhen (mulgere) praet. malch (nicht mëlken, malc) milch (lac) altn. miólkr; altn. mylkja (mulgere) mylkr (lactans) nhd. molke (serum). — [ ïlg , alg , ulg ] nr. 355. alth. pëlkan (tumere, irasci); goth. balgs, alth. palk, altn. belgr (sollis, venter, pellis); altn. bylgja (unda). — [ ïlh , alh , ulh ] nr. 356. mhd. swëlhen (glutire) swëlch (lurco) vgl. nr. 277.; altn. svelgja (devorare) svelgr (gurges). — nr. 357. goth. filhan, alth. vëlehan, altn. fela (condere, recondere, occulere, commendare, sepelire) alth. vëlaho (conditor) goth. usfilhs (sepultura) mhd. bevëlch, nhd. be- fehl (mandatum); goth. fulhsni (latibulum) fulgins (ab- sconditus). — nr. 358. mhd. dëlhen (celare) altn. dylja (celare) versch. von dylja f. dvylja nr. 316? dylgjur (in- sidiae, occultationes) dyljendr (insidiatores, dissimulatores, inimici) dolgr (hostis), vgl. goth. dalgs (fovea). [ ïmm , amm , umm ] nr. 359. alth. primman (rugire); nhd. brummen. — nr. 360. alth. suimman (natare); goth. svamm (spongia, quae diluit, dann fungus); nhd. schwem- men (abluere) schwemme (piscina); goth. svumsl (nata- torium) vielleicht auch sumft (palus, zus. geschwomme- nes waßer, f. swumft?) nhd. sumpf; Pictorius hat schwumm f. natatus und spongia. — nr. 361. ags. grim- man (saevire) grim, grimme (asper, ferus). — nr. 362. mhd. klimmen (scandere); nhd. klemmen (arctare) altn. klemma (angustiae). — nr. 364. nhd. glimmen (micare) nhd. glinster (scintiHa) f. glimster? vgl. nr. 495. [ ïmp , amp , ump ] nr. 365. goth. trimpan (calcare); altn. trampa (conculcare) tramp (conculcatio) trampr (equus succussator) nnl. trampelen (pedibus proculcare). — n. 366. ags. limpan (evenire) gelimpan (convenire) gelimp (casus) alth. kalimpf (modestia) nhd. glimpf; altn. lempa (temperare) lempi (moderatio). — nr. 367. ags. rimpan, mhd. rimpfen (rugare); nnl. ramp (insortunium, contorsio) alth. rampst, nhd. ranst (labrum, margo); rumpf (truncus) altn. rumpr (clunes). — nr. 368. mhd. C III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. dimpsen (fumare); dampf (fumus) dempfen (suffocare) altn. dampi (vapor); nhd. dumpf (vaporosus) alth. dumphilo (gurges) — nr. 369. mhd. klimpfen (stringere); altn. klampi (fibula) — nr. 370. mhd. krimpfen (premere); krampf (spasmus) altn. krappr (arctus, curvus) kreppa (coarctare) nhd. krempfen; krump (curvus, nicht krumpf) scheint anderer wurzel. — [ ïnn , ann , unn ] das anomale kunnan (novisse, dann valere, gignere, wie magan) alth. chinni (gena, mala) altn. kinn (mala) alth. chind (infans); goth. kannjan (notificare) alth. chennjan (noscere) altn. kanna (scrutari) kenna (sentire, docere) kendr (notus) kennîng (nota) kensl (notio); goth. kunþs (notus) kuni (genus)-kunds (-gena) kunnan (observare) alth. chunni (genus) chuninc (generosus) altn. kyn (genus) alth. chunst (scientia). — das anomale unnan (favere) dahin vielleicht goth. ïnn (intro) altn. inni (domicilium); goth. ansts (favor) alth. anst, altn. âst; nhd. gunst (favor) altn. unnusta (amica) yndi (jucunditas) — nr. 371 goth. brinnan (ardere) brinnô (febris); inbrannjan (cremare) alth. prennjan (comburere) prant (titio) altn. brandr (titio, lamina ensis) brensla (combustio); altn. bruni (ustio) brynja, alth. prunnja (lorica coruscans) alth. prunno, altn. brunnr (fons, a limpitudine, an a fervore scaturiginis?) goth. allbrunsts (holocaustum, alth. allbrandopher N. 64, 2) — nr. 372. goth. duginnan, alts. biginnan (incipere) alth. anakin, pikin, -nnes (initium) mhd. begin, -nnes. — nr. 374. goth. rinnan (fluere) urrinnan (oriri) rinnô (torrens) mhd. rinne (curriculum aquae) rinnel (canalis); goth. urranjan (oriri facere) alth. rennjan (currere) vielleicht rant (margo, quod emersit?); goth. runs (curfus) alth. antrunnjo (profugus) altn. runnr (surculus). — nr. 375. goth. spinnan (nere) alth. spinnala (fusus) nhd. spindel, alth. spinna (aranea) nhd. gespinnst (tela, filum); alth. spannan (tendere) spanna (spithama); alth. uspunna (aus urspunna, das ausgesponnene? stupa) unorganisch aber hat lich spunni (uber) in diese form verloren, vgl. nr. 71. — nr. 376. goth. vinnan (pati) alth. vinnan, alth. vinna (la- borare, acquirere) vgl. nr. 503. alth. uparwinnan (vincere) nhd. unorg. überwinden, nhd. gewinn und gewinnst (lucrum) altn. vinna (opus) alth. uberwint (victoria) N. 75, 4. uberwunt stehet 70, 1. ?); ubarwant (victoria) O. V. 10, 24. — nr. 378. alth. sinnan (ire, tendere, in- tendere) goth. sinþs, alth. sind (iter) goth. gasinþja, alth. sindjo (comes) altn. sinn (punctum temp., vices) sinni III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (animus); goth. sandjan (mittere) alth. sant (missus); viel- leicht goth. sunna, sunnô (sol), die am himmel reiset? oder müßen die formeln sinnan und sinþan ganz ge- trennt werden? — nr. 379. mhd. trinnen (congregare, segregare?); trennen (separare); trunne (grex). — [ ïnt , ant , unt ] nr. 380. ags. stintan (hebetare) nhd. stinz, stint (ein kleiner fisch); stenzen (truncare, decer- pere); stunt (hebes) nhd. stunz (vas angustum, exiguum). [ ïnd , and , und ] nr. 382. goth. bindan (ligare) alth. anapint (liciatorium) pinta (fascia) mhd. underbint (dis- crimen) altn. bindîng (ligatio): goth. bandi (vinculum) bandja (vinctus) alth. pant, altn. band (vinculum) altn. benda (funis) goth. bandvô (signum) bandvjan (nutare) altn. bendîng (nutus) benda, banda (innuere); goth. and- bundnan (solvi) nhd. bund (unio). — nr. 383. goth. vin- dan (volvere, involvere) altn. vindr (obliquus) nhd. win- del (involucrum); goth. vandjan (vertere) alth. want (paries) wantalôn (mutare, negotiari) altn. vöndull (vo- lumen) vöndr (virga, scopae) mhd. gewant (pannus); vielleicht fügen sich hierher wunta (vulnus) und wuntar (miraculum). — nr. 384. alth. scrintan (findere); nnl. schrand (acutus) schrandse (scissura); alth. scruntussa (rima). — nr. 385. alth. slintan (glutire); mhd. slunt (guttur). — nr. 386. ags. svindan, alth. suintan (evanes- cere) nhd. schwindel (vertigo); suentan (perdere) mhd. swant (destructor Parc. 71 b ) — nr. 389. mhd. schinden (excoriare) alth. skinn (corium); nhd. schund (purgamen) wie fügt sich mhd. schünden, alth. scuntan (incitare, al- licere)? die haut reizen? — nr. 390. ags. grindan (molere); alth. grendil (grave robur, gl. jun. 388. wie lat. molere zu moles?) altn. grannr (tenuis,? comminutus); grunnr (fundus) ags. grund (terra, pulvis). — [ ïnþ , anþ , unþ ] mit übergängen des þ in d. nr. 394. goth. finþan (invenire) altn. finna; ags. fandjan (tentare); altn. sundr (conven- tus) mhd. vunt (inventum) — nr. 395. goth. hinþan (capere) altn. hinð, alth. hinda (cerva);? goth. handus (manus, qua capimus) vgl. 498. handugs (prudens, capax?) alth. hantalôn (negotiari); vielleicht hunds, alth. hunt (canis, qui capit feras)? hunta (captura). [ ïns , ans , uns ] nr. 396. goth. þinsan (trahere), alth. dinsan; mhd. gedense (commotio Parc. 144 b ); daher vielleicht das rom. dansa (chorea) bei der zurucknahme in tanz vergröbert?; vielleicht das alth. dunst, dunist C 2 III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (procella, turbo, zus. gezogenes wetter, nhd. vapor, vgl. aufgedunsen, aufgeblasen und nr. 571)? — [ ïnk , ank , unk ] nr. 397. goth. drigkan (bibere) altn. drëcka (potare) drickr und drëcka (potio) ags. drinc (potus) alth. trinho (potator); goth. draggk (potus) alth. tranh, goth. dragkjan (potum praebere) altn. dreckja (mergere); mhd. trunc (haustus) altn. dryckja (potatio) druckna (submergi) alth. trunhanan. — nr. 398. goth. sigqvan (labi) alth. sinhan, ags. sincan (delabi) sinc (cu- mulus, congregatio, opes) vgl. die idee von versunkenen schätzen und ze samen sîgen hieß: cumulari, congeri; goth. sagqvs (occidens) ags. sencan (mergere). — nr. 399. goth. stigqvan (ruere, ferri) mhd. stinken (exhalare); goth. gastagqvjan (offendere) mhd. stanc (odor) ags. sten- can (spargere) altn. stöckva, schwed. stänka (adspergere) nhd. durchstänkern (investigare) — nr. 400. altn. hröckva (torquere) ags. vrincle (ruga); vrence (machinatio) nhd. ränke — nr. 401. ags. acvincan (perire); acvencan (ex- tinguere). — nr. 402. ags. scrincan (contrahi); screncan (supplantare) mhd. schrank (fraus) altn. skrök (figmentum, dolus) — nr. 403. ags. svincan (laborare) svinc (labor); svencan (fatigare) hierher scheint, nach irgend einer mo- dification des begriffs das mhd. swanc (vibratio) swankel (vibratilis) zu fallen. — nr. 404. mhd. hinken (claudicare); altn. hökt (claudicatio) hökta (claudicare,? mhd. henke- zen) — nr. 405. mhd. winken (nuere) winc (nutus); wanken (nutare) wenken (retrocedere) wanc (cessio, mo- tus) — nr. 406. blinken (micare); blank (nitidus) blenken (dealbare). — nr. 408. ags. slincan (repere); nhd. schlank sinuosus, gracilis?) das altn. slökva (extinguere) weiß ich nicht hierher zu bringen. — [ ïng , ang , ung ] nr. 411. goth. siggvan (legere lite- ras, urspr. aber sammeln, colligere vgl. nr. 290.) später- hin: das gelesene hersagen, recitare, canere, mhd. singære (recitator, poëta); altn. sængr (lectus) mhd. sange (manipulus, fasciculus) sanc (cantus) altn. söngr (cantus) sângra (murmu- rare) ags. sängan (engl. singe) nhd. sengen (ustulare, d. h. kni- stern machen? vgl. Parc. 25 a ); mhd. süngeln (crepitare) — nr. 412. mhd. dringen (urgere); drengen (premere) gedranc (pressura Wilh. 2, 180 b ) gedrenge (idem) altn. þrengja (coer- cere) þröngr (arctus) þröng (angustiae) — nr. 413. mhd. twingen (cogere) alts. gethuing (coactio); mhd. getwanc (coactio) twengen (comprimere) altn. þvengr (corrigia) — nr. 414. alth. prinkan (afferre); heim-prunc (reditus) — nr. 415. mhd. springen (salire) ursprinc (origo, sca- III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. turigo) nhd. bespringen (insilire, coire) alth. hewi-sprinko (locusta) altn. sprînga (disrumpi); mhd. sprengen (ad salien- dum excitare) altn. sprengja (rumpere) sprengr (ruptura) alth. sprankôn (salire) altn. sprânga (transcendere); nhd. sprung (saltus, ruptura) ursprung (origo) — nr. 416. ags. svingan (verberare) sving (flagellum) altn. svîngl (in- certa vagatio); svengan (quassare) svenge (concussio); nhd. schwung (vibratio); wahrsch. hört hierher alth. suangar, mhd. swanger (gravidus, i. e. deses, concussus) ags. svon- gor (desidiosus) [vgl. altn. þûngr nr. 420] altn. svângr (famelicus, jejunus) — nr. 417. ags. cringan (occumbere) altn. krîngr (gyrus) krîngr (dexter); krûngr (gibber). — nr. 418. altn. stînga (pungere) stîngr (punctio); mhd. stange (contus) stengel (caulis); alth. stunknissi (compunc- tio) altn. stûnga (punctura) — nr. 419. ags. vringan (tor- quere) mhd. gerinc (contentio) — nr. 420. ags. þingan (?gravescere) þing, alth. dinc (res gravis? litigium) ags. þingjan (intercedere); altn. þûngr (gravis, praegnans, deses, segnis) oder für þvûngr zu nr. 413? — nr. 421. altn. slöngva (jacere, projicere) slîngr (vacillatio) slîngr (agilis) mhd. slingære (funda); mhd. slange (serpens) altn. slânga (serpens, sunda) slöngvi (coluber, funditor) — nr. 422. mhd. klingen (sonare) klinge (torrens) nhd. klinge (lamina coruscans); mhd. klanc (sonitus); seltner klunc (sonitus) Ottoc. 21 a , altn. klûngr (saxetum) mhd. hôhklunge (altisonus, superbus M. S. 2, 205 a ; wahrsch. Ben. 291. hôhklingære, superbiens, zu beßern?) — nr. 423. mhd. lingen (succedere) gelinge (successus) alth. linkiso (prosperitas); goth. laggs (longus) alth. lank (ductilis, continuus) lankara (deambulatio) ki- lankan (pertingere) lanksam (diuturnus) kilenkida (affini- tas); alth. lungar (citus, prosper) ags. lungre (subito); ob lunge (pulmo) verwandt? vgl. altn. lingvi (coluber) lûngr (serpens) — nr. 425. stringan (stringere); mhd. stranc (vinculum stringens) strenge (rigidus) altn. strengr (funis) strângr (severus) strengja (stringere) — nr. 426. ags. hringan (sonare campanas) hring (annulus) vgl. nr. 419. — [ irr , arr , orr ] nr. 428. mhd. schërren (scalpere); scharren (idem) — nr. 429. mhd. wërren (offendere) wërre (scandalum) woher das rom. guerre (bellum) wirric (intricatus); nhd. wirrwarr (confusio); ags. vyrre (bellum). [ aírp , arp , aúrp ] nr. 433. goth. vaírpan (jacere) altn. vërpa (ova facere, wie noch nhd. junge werfen) vërpill (culeus missilis); varpa (jacere) varp (ovatio, teli jactus) ags. vearp (stamen textorium); alth. wintworfa III. laut u. ablaut. verbliebene starke verba. (ventilabrum) mhd. wurf (jactus) würfel (tessera) ags. vyrp (jactus). — [ aírb , arb , aúrb ] nr. 435. goth. hvaírban (vertere) hveila-hvaírbs (temporarius, wetterwendisch) altn. hvërfr (versutus) hvërful (caducus) hvërfa (latus) alth. huërpal (volubilis) umpihuërft (orbis) mhd. wirbel (vertex, ver- tigo) gewërp (negotium) erwërben (acquirere); goth. hvarbôn (vagari, ire) alth. huarapôn (reverti) alts. huarab (conventus publ.) altn. hvarf (discessus) hvörf (amissio bonorum furtiva) mhd. werbel (nuntius); ags. hvyrft (circuitus) — nr. 436. goth. svaírban (tergere) altn. svërfa (minutim auferri); svarf (scobs); die bedeutung des nnl. zwerven (vagari) scheint vermischung mit nr. 435, das gilt auch von nhd. (mundartischen) schwurbel, schwirbel (vortex, revolutio) und wahrsch. vom mhd. swërben, vgl. th. I, 940. — nr. 437. alth. stërpan (mori) stirpîc (morticinus) stërpo (pestis) ags. steorfa (lues); altn. starf (labor) starfa (laborare) ags. stëarfjan (fame perire) vgl. 349. — nr. 438. ags. cëorfan (scindere, secare); cyrf (ab- scissio) nhd. kerbe (segmen) vielleicht dahin altn. kersi (compages) und karfa, alth. chorop (corbis)? — nr. 439. mhd. verdërben (perire); verderben (perdere); beide verba mangeln den älteren dialecten, verdërben scheint eigentlich vilescere und verderben vilem reddere, so daß zus. hang mit dem anom. goth. þaúrban (egere) þaúrfts (necessitas) þarbs (egenus) unverkennbar ist. In dieser wurzel schwankt die alth. labialis, neben durst, durust (necessitas) und durfan (egere) darf (egeo) wofür niemahls durpan, darp — findet sich darpên (egere) und pidirpi, piderpi (utilis, fructuosus, was für die noth hilft, nhd. in bieder entstellt) pidërpisôn (expedire) unpidarpeo (ne- quam, nullius frugis) wofür ebensowenig: darfên, pidërfi etc. ags. und altn. herrscht überall f: þëarfa (indigens) þëarf (necessitas) beþëarf (eget) beþëarfad (expedit, prodeft) altn. þurfa (indigere) þörf (indigentia) þurft (necessitas) þerfill (egenus) þarf (utilitas) þarfr (utilis), Zu bestätigen bleibt, ob wie ich glaube alth. dërap, dërp (azymus) ags. þëorf hierher zu rechnen, und so viel als vilis, rudis be- deuten? wofür das nhd. derb (grob) spricht, welches mit dem altn. diarfr (audax) nichts gemein hat. — [ aírt , art , aúrt ] mhd. vërzen, ags. fëortan, altn. frëta ( πέρδειν ) ags. feort, nnl. vërt, altn. frëtr (crepitus ventr.); altn. frata neben frëta; nhd. furz (crep. v.) — [ aírd , ard , aúrd ] nr. 441. goth. gaírdan (cingere) gaírda (cingulum) altn. giörd (cingulum, vimen) girdi III. laut u. ablaut verbliebene starke verba. (vimen) giardari (vietor); goth, gards (domus) garda (stabulum) altn. gardr (agger, praedium) gerdi (sepes) alth. karto (sepimentum, hortus) kart (vimen, aculeus) kartea, kerta (virga); kurtan (cingere) nhd. gurt, gürtel (cingulum). — [ aírþ , arþ , aúrþ ] Uebergänge des þ in d, d in t wie oben. nr. 442. goth. vaírþan (fieri, evenire) vaírþs (futurus, vergens, dignus) andvaínþi (praesentia) vaírþôn (taxare) alth. wërd (pretium), mhd. wirde (dignitas) wirdic (dignus) goth. gavaírþi (pax); goth. vaúrd (verbum, eig. effatum) alth. wort, altn. ord, ags. vord, von diesem neutr. unterschieden das fem. ags. vyrd, altn. urdr, alth. wurt (fatum, fortuna) giwurt (de- cus) nhd. würde (honor) würdig (dignus). — [ aírs , ars , aúrs ] nr. 444. goth. þaírsan (arere); alth. derran (siccare) nhd. darre (locus in quo torretur) altn. þerra (siccare, tergere) þerrir (siccitas); goth. þaúrsus, alth. durri (siccus) goth. þaúrsjan (sitire) altn. þurr, þyr- rîngr (aridus) alth. durst (sitis) altn. þyrsta (sitire). [ aírk , ark , aúrk ] nr. 445. alts. suërkan (obscurari) gisuërk (nubes) ags. svëorc (caligo) gesvëorc (nebula). — [ aírg , arg , aúrg ] nr. 446. goth. baírgan (arcere, tueri) baírgs (mons) alth. përac [vgl. hlîta nr. 158.] altn. biarg (saxum) bërg (auxilium) mhd. gebërc (refugium); vielleicht altn. bergja (gustare); goth. baúrgs, alth. puruc, altn. borg (arx, civitas) alth. purkio, mhd. bürge (vas, sponsor) borgen (cavere, spondere) altn. borgun (vadi- monium). — [ aîrh , arh , aúrh ] nr. 447. mhd. twërhen (obliquari) alth. duërah (transversus) goth. þvaírhs (iratus) ags. þvëorh (protervus); þvyrlic (transversus). — [ itt , att , utt ] nr. 449. altn. dëtta (cadere) dëttr (ca- sus); datta (palpitare); dotta (nictare) dott (dormitatio) nnl. dut (levis somnus) — nr. 450. altn. sprëtta (illidi, crescere) sprëttr (cursus); spretta (solvere) scheint unorg. abweichung von 234. — nr. 451. alth. prëttan (stringere, rapere); pruttilîh (terribilis) pruttjan (terrere) ungewis, ob damit einer wurzel altn. brëgda (movere, agere) brigd (mutatio); bragd (gestus, motus) brögdugr (calli- dus)? es gibt auch ein altn. bretta (retorquere) brettr (recurvus). — [ ïst , ast , ust ] nr. 452. alth. prëstan (frangi, deficere) mhd. gebreste (defectus) altn. brestr (des.); hierher würde III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. prust (pectus) alts. brustjan (erumpere) zu fallen scheinen, (das knospende, vorbrechende?), wenn nicht das altn. brióst (pectus) brysti (pectusculum) auf die formel iust, aust, ust (conj. IX.) wiese. — nr. 453. altn. gnësta (stre- pere) gnist (stridor) allein Biörn hat guîst, was zur conj. VIII führt und dann auch gneisti (scintilla) alth. kneisto erzeugen kann, vgl. nhd. gnistern (von sprühenden funken). — [ ïsk , ask , usk ] nr. 454. alth. drëskan (triturare); goth. giþrask (tritura); nnl. dorschen (triturare) — nr. 455. alth. lëskan (extingui); leskjan (extinguere). [ aíht , aht , aúht ] nr. 460. alth. vëhtan (pugnare) kavëht und vëhta (pugna) ags. gefëoht (bellum); nhd. fuchtel (ensis) — nr. 461. alth. vlëhtan (scirpare) nhd. geflecht, flechtwerk, flechte. — [ aíhs , ahs , aúhs ] nr. 462. mhd. dëhsen (linum fran- gere, vertere?) was aber sicher abgeleitete bedeutung ist, auf die verlorene ursprüngliche leiten andere, selbst ver- dunkelte wörter, zunächst der name des grabenden, wüh- lenden thiers melis, alth. dahs (woher und nicht umge- kehrt mlat. taxus, ital. tasso, franz. taisson) welches altn. greifîngi (? grefingi) schwed. gräf-svîn, dän. grävling, nnl. und plattd. grevinc heißt und wohl vom graben. Ferner ist das alth. wort egidëhsa (lacerta) nhd. eidechse ags. â-þexe, nnl. age-disse, das von irgend einer eigen- schaft dieses thiers rühren mag (vielleicht von seinem hüpfenden gang, da es auch sonst ags. e-fête, schwed. fŷr-fôt, dän. fir-bên, hochd. springer heißt) und end- lich das alth. dihsil (dîhsil nach dem nhd. deichsel?) ags. þixl, þisl (temo) zu erwägen Adelung meint, eidechse verleugne nicht das gr. α᾽ίθαξ , das aber ein unwort ist, von Erasm. Alberus zur deutung des deut- schen namens erdichtet. Auffallend sieht im litth. drezas (eidechse) drezle (deichsel) nebeneinander, so wie grezule (deichsel) gryszte (flach s knoten) von greszti bohren, wenden, winden. . B. verlorne starke verba. Untergegangene starke verba, d. h. in keiner einzel- nen mundart wirklich nachweisliche, dürfen vermuthet werden; das folgt im allgemeinen schon aus der erfah- rung, daß die früheren mundarten mehr, die späteren III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. weniger verba stark flectieren. Gleichwie demnach in den neueren vieles fehlt, was die älteren beseßen haben, so muß in noch höher hinaufreichender zeit die starke con- jugation wiederum beträchtlicher gewesen sein, als sie in allen quellen erscheînt, die uns zugänglich geblie- ben sind. Die vermuthung ist kräftig, sobald in den verglichenen wörtern laut und ablaut nebeneinander vor- liegen. Ein a und ô weisen nothwendig auf die siebente conjugation; die achte, neunte, zehnte, zwölste lautet zweimahl ab, die eilfte sogar dreimahl, in diesen fällen scheint es hinreichend, daß neben dem laut wenigstens ein ablaut oder ohne den laut zwei ablaute nachgewiesen werden, obgleich durch das dasein auch der übrigen das verhältnis noch sicherer begründet steht. Bei den doppelt vorhandenen formeln (s. 6.) hebt die zweideutigkeit jedes- mahl der hinzugefundene laut oder ablaut. Der sinn des verlornen verbums ist beinahe nur zu rathen. Ich laße die nummern fortlaufen. [ al , ôl ] nr. 463. dalan, dôl (deprimi)? goth. dals, alth. tal (vallis); alth. tuola (vallicula gl. mons. 322.) schweizerisch tuele (vertiefung) altn. dœll (vallestris) dœla (locus depressus) — nr. 464. stalan, stôl (jacere, collo- cari)? die gemination im alth. stal, -lles (locus, sedes) alt. stallr scheint unorganisch aus stallan, stellan f. staljan (collocare) eingedrungen (vgl. doch unten nr. 560.), auch stehet gl. jun. 192 stalo-piot (statua?) vgl. litth. stalas (mensa); goth. stôls, alth. stuol (thronus, sedes) — nr. 465. halan, hôl (trahere, schleisen)? alth. halôn, holôn (her- schleppen) altn. hali (cauda) hala (vulpium more se eri- gere caudis); altn. hœl, ags. hêl (calx) ags. hôl (calumnia) hôlinga (frustra, vane) alth. huoljan (frustrari J. 396) goth. hôlôn (fraudare) altn. hôl (jactantia) hœla (jactari) vgl. nhd. wedeln, schwänzeln, fuchsschwänzen f. schmei- cheln, heucheln und gl. edd. tom. 1. v. hali. — [ am , ôm ] nr. 466. daman, dôm? alth. sirdamnôn, nhd. verdammen (condemnare) engl. damn (maledicere); goth. dôms, altn. dômr, ags. dôm, alth. tuom (judicium, potestas) goth. dômjan (judicare) ags. dêman, alth. artuom- jan (condemnare); warum aber schreiben alth. quellen, neben tuom, damnôn und nicht tamnôn? (O. damnôn und duam) stammte damnôn aus lat. damnare, engl. damn aus franz. damner? — nr. 467. laman, lôm (remittere, recedere)? alth. lam, ags. lama, altn. lami, lama (fractus, debilis) alth. lemjan, altn. lama (debilitare) lemja (percu- tere); alth. luom (mollis, mitis, frequens) ags. gelôme III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. (frequenter, dense) gerade so geht dick, dicht, mild in den begriff von oft (saepe) uber, vgl. auch nr. 182. — [ an , ôn ] nr. 468. granan, grôn (virere, crescere)? alth. kran, mhd. gran, altn. grön (barba) mhd. gran- sprunge-zît (adolescentia); alth. kruoni, ags. grêne, altn. grœnn (viridis) vgl. altn. grôa (virescere) f. grôna? — nr. 469. hanan, hôn (canere, welches wörtlich dasselbe)? goth. hana, alth. hano, altn. hani (gallus) d. i. singer, wie slav. pjetel pjevaz von pjeti, pjevati (canere) und im Reinhart-fuchs: chanteclair, crayant. alth. henna, d. i. hanja (gallina); alth. huon, pl. huonir, altn. hœns d. i. hœnis, hœnir (pullus gallinaceus) vgl. unten cap. VI. in der geschlechtslehre. — nr. 470. sanan, sôn? altn. senna f. sanja? (lis) sannr (verus, justus); alth. suona (judicium) suonjan (pacare) altn. sôn (reconciliatio) doch schwierigkeit macht das goth. sáun (lytrum) welches auf fiunan weist. — [ ar , ôr ] nr. 471. hraran, hrôr (sonare)? die sorm hraran noch bedenklich, Stald. 1, 258. rären (mugire) ags. rarjan (mugire) kann es f. hraran stehen? lautet es nicht vielmehr rârjan, vgl. engl. roar? aber die bedeutung des ablautenden alth. hruorjan (tangere) altn. hrœra (movere) stimmt zum ideengang von hrînan (mugire, tangere) in nr. 113; eine dunkle stelle der E. H. von der tanzenden Herodias: thiu thiorne spilôde hrôr aftar them hûse, läßt mich ungewis, ob hrôr subst. (nur nicht rôr arundo) oder verbum? oder hror (prona, saltans) zu lesen sei? — nr. 472. snaran, snôr (verti, necti)? alth. snaraha (tendi- cula) altn. snara (laqueus) snara (illaqueare) snerill (obex versatilis) snar (celer, versatilis); alth. snuor (funis, dann nurus, cognatione nexa) snuorjan (illaqueare). nr. 472 b . haran, hôr (mingere)? harn (urina) gl. mons. 330; goth. hôrs ( μοιχός ) hôrinôn (moechari) ags. hôring (adulter) alth. huora (adultera, meretrix) wie μοιχός ablaut von μίχω, ὀμιχέω (ags. mîge nr. 190.) und sollte das ags. mil- teltre (meretrix) zu mëltan, milte (nr. 350.) gehören? vgl. neuengl. milt, laichen, besamen. [ ab , ôb ] nr. 473. daban, dôf? goth. gadaban (conve- nire) ags. gedafan (decere) und das starke part. praet. gedafen (conveniens) gedassum (consentiens); gedêfe (con- gruus) goth. gadôfs (conveniens) — nr. 474. aban, ôf (pollere)? dieser wurzel scheinen, außer einigen uralten III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. partikeln, folgende wörter: goth. aba (vir) [vgl. guma nr. 516. und vaír nr.572.] abrs (validus) afar (progenies) [vgl. oben magus von magan] altn. afi (avus) afl (robur) afla (posse, gignere, parare) alth. afalôn, afarôn (compa- rare, satagere) alts. abal (vis) abaro, ags. ëafera (proles); alth. uop (studium) uopjan (exercere) alts. ôbjan (studere) ôbast, ags. ôfost (diligentia, celeritas) altn. œfa (exercere) œfîng (exercitatio) — nr. 475. goth. þraban, þrôf, alth. fraban, fruof (solari)? goth. þrafst (solatium) þrafstjan (consolari); alts. fruobar, alth. T. fluobar, ags. frôfer (solatium) frêfrjan, T. fluobiren (consolari); ob das alth. trôst, altn. traust (solatium, refugium) entstellung jenes þrafst sind? aus þrafst, þravst, traust, troust, trôst? auch die tr für dr, þr scheinen unrecht. [ at , ôt ] nr. 476. batan, bôt? goth. batiza (melior) batnan (proficere) alth. paƷ (melius) peƷiro (melior); goth. bôtjan (prodesse) gabôtjan (emendare) alth. puoƷa (emendatio) etc. — nr. 477. hvatan, hvôt (acuere) altn. hvatr (alacer) hvetja (incitare) hvöt (incitamentum) auch alth. huas, -sses, altn. hvaß (acer) scheint desselben stam- mes und zu erklären wie wis, -sses aus wiƷan]; goth. hvôtjan (increpare) — nr. 478. kratan, krôt? alth. chra- zôn (vellere) mhd. kraz (fricatio); goth. gakrôtôn (con- quassare) — nr. 479. fatan, fôt? altn. fat (vinculum, vestis, vas) fatla (impedire) fata (vestire) fet (pes, gressus) feta (gradi) fetill (balteus) alth. vaƷ (vas) veƷal (catena, impedimentum) vaƷôn (vestire); goth. fôtus (pes) alth. vuoƷ etc. das lat. pes, pedica, impedio verräth ähnliche ideenverbindung. — [ ad , ôd ] nr. 480. fadan, fôd (alere)? goth. fadrein (parentes) ags. fäder, alth. vatar (pater); goth. fôdjan (pascere) alth. vuotar (pabulum) altn. fœda (parere, nu- trire) fôstr (foetus, educatio) fôstri (nutritor, alumnus); wäre die form aþ, ôd? dann dürfte das goth. faþs, -dis (praepositus) brûþ-faþs (nutritor sponsae, vgl. nr. 516.) vielleicht das ags. fäðm, altn. faðmr, alth. vadam (sinus, cubitus, amplexus) vgl. goth. faþa (sepes)? hinzugenom- men werden. — nr. 481. gadan, gôd? mit unserm gôds, kuot (bonus) das gr. ἀγαθός zu verbinden, dieses für ἀ-γαθός zu nehmen (Welcker zu Sehwenck p. 293) scheint gewagt; vgl. altn. gœda, ags. gôdjan (bene se habere, ditare) — [ aþ , ôþ ] nr. 482. saþan, sôþ? goth. saþs, -dis (satur) alth. satôn (saturari); goth. gasôþjan (saturare) — III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. nr. 483. aþan, ôþ (generare)? alth. adal (genus) edili, ags. äðele (nobilis); alth. uodal, ags. ôðel, êðel, altn. ôðal (praedium hereditarium, patria). [ as , ôs ] nr. 484. basan, bôs? alth. pasa (amita, quae ex eodem gremio nascitur); puosum (gremium, sinus); vielleicht fällt bast (cortex, ligamen) hierher? — nr. 485. grasan, grôs (virere, crescere)? gras (gramen, herba) alth. grast (foenum) T. 38, 5. altn. gresja (pabulari); mhd. gruose (succus, semen troj. 45 a schmiede 272) altn. grôska (gramen vernum) vgl. nr. 468. und 292. waso, wisa von wësan. — [ ak , ôk ] nr. 486. snakan, snôk (repere)? altn. snakr, snaka (anguis) alth. sneccho (limax) altn. sneckja (celox); snôkr (anguis), sollte J. 394 dhurah snuoh (irrepsit) zu snahhan gehören? — [ ag , ôg ] nr. 487. dagan, dôg (lucere)? goth. dags, alth. tac (dies, lux) takên (lucescere) vielleicht taht, nhd. dacht (das leuchtende, brennende in der lampe)?; goth. fidurdôgs ( τεταρταῖος ) ahtáudôgs ( ὀκταήμερος ) altn. dœgr (semissis diei nat.) ags. dôgor. — nr. 488. fagan, fôg (decere, ornare)? goth. fagrs (utilis) altn. fagr, alth. vakar (pulcher, aptus) mhd. fegen (mundare); alth. ki- vuoki (aptus) vuoka (concinnitas) altn. fœgja (polire). [ ah , ôh ] nr. 489. nahan, nôh? goth. ganah (suffi- cit) Matth. 10, 25, Joh. 14, 8. alth. kinah (wofür th. 1, 883. kein kinuah zu muthmaßen); goth. ganôhs, alth. kinuoc, altn. nôgr (copiosus, abundans) goth. ganôhjan (contentum reddere) alth. kinuokan, mhd. genuegen (sufficere); auffällt das diesen formen widerstrebende alth. kinuht, mhd. genuht (satietas, abundantia), wofür nie kinuoht, wäre wohl die goth. form ganaúhts? vgl. nr. 559 und schlußb. 5, α . — [ ahs , ôhs ] nr. 490. ahsan, ôhs (jungere, coassare)? alth. ahsa (axis) ahsala (scapula); uohfa, mhd. uohse, uehse (axilla, ala) ags. ôxn (ascella, hircus in alis) ôhsta (idem) — [ eil , áil , ïl ] nr. 491. seilan, sáil, silun (laqueare)? alth. seil, altn. seil, ags. sâl (habena, lorum) goth. insáiljan (illaqueare) ags. sælan (vincere); alth. silo, mhd. sil (funis) altn. sili (ansa restis) — nr. 492. deilan, dáil, dilun (partiri)? altn. dîli (macula, punctum); goth. dáils, alth. teil (pars); alth. tili, ags. dile (anethum, ein krausästiges, feingegabel- tes kraut, gleichsam ramusculum; vgl. hlutr nr. 224 und táins nr. 497. pars, sors, ramus, dann in zwî, zweig III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. u. a. analogen die idee von zweiung, theilung, ferner alth. tilôn, nhd. tilgen, ags. diljan (delere) analog dem goth. usqvistjan (delere) alth. urchuistan von quist (ramus) und dem lat. exstirpare von stirps. — nr. 493. beilan, báil, bilun wurde 1, 389 vermuthet, vgl. schlußb. 5, β . — [ eim , áim , ïm ] nr. 494. leiman, láim, limun? alth. lîm, altn. lîm (gluten) lîma (glutinare); altn. leim (argilla); altn. lîm (frons, -dis) lim (membrum) vermuthlich das haftende, bleibende vgl. nr. 164. — nr. 495. gleiman, gláim, glimun (nitere)? alth. kleimo (nitor); nhd. glim- mer (scintillatio) woraus unorganisch nr. 364. — nr. 496. skeiman, skáim, skimun (paululum lucere) goth. skeima, alth. scîmo, altn. skîma (lux crepera); nhd. schimmer. [ ein , áin , ïn ] nr. 497. teinan, táin, tinun? altn. tîna (producere, recensere); goth. táins, alth. zein (ramus, virga, sors) altn. teinn (bacillus) alth. zeinôn (ostendere, portendere) ags. tân (virgula) tænel (fiscella). [ eir , áir , aír ] nr. 497 b . skeiran, skáir, skaírun (lucere)? goth. skeirjan (clarum reddere) altn. skîr, ags. scîr (lucidus, albus) altn. skîra, nhd. scheuern f. scheieren (mundare). [ eib , áib , ïb ] nr. 498. hreiban, hráib, hribun? altn. hrîfa (rapere); hreifa (manu tractare) hreifa (manus) vgl. 395. [ eiv , áiv , ïv ] nr. 498 b sneivan, snáiv, snivun? mhd. snîen (ningere); snê, goth. snáivs (nix). [ eit , áit , ït ] nr. 499. heitan, háit, hitun (calere)? alth. heiƷ, altn. heitr (calidus); alth. hiza, altn. hiti (ca- lor) — nr. 500. sveitan, sváit, svitun (sudare)? alth. sueiƷ, altn. sveiti (sudor); mhd. switzen (sudare) altn. sviti (sudor) — nr. 501. teitan, táit, titun (zart sein)? altn. tîta (res tenera); teitr (equuleus, säugendes füllen) teitr (laetus, delectatus) alth. zeiƷ (tener, tenellus, in de- liciis); ags. tit (mamilla) nhd. zitze [tutto th. 1, 155. 590. scheint anderer wurzel] vgl. das lat. deliciae, delicatus, allicio und lac, auch spanan nr. 71. — nr. 502. feitan, fáit, fitun (pinguere)? altn. feitr (pinguis) alth. veiƷit (pingue- factus); altn. fita (pinguedo) fitna (pinguescere) — nr. 503. streitan, stráit, stritun (laborare)? altn. strîta (laborare) strît; streita (labor) [ eid , áid , ïd ] nr. 504. eidan, áid, ïdun (splendere, lucere)? alth. îtal, ags. îdel (splendidus, gloriosus, vanus, vacuus) alth. îtis, ags. îdes, oder itis, ides? (femina, formosa, splendida?); alth. eit (ignis) ags. âd (rogus) — nr. 505. sveidan, sváid, svidun (ardere)? altn. svîda (adu- rere); svidi (ignis) svidna (aduri) — nr. 506. geidun, gáid, gidun, (incitari)? alth. kît, mhd. gît, nhd. mit falscher III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. asp. geiz (avaritia) alth. kîtac, mhd. gîtec (avidus, stimu- latus); ags. gâd (cuspis, stimulus) — nr. 507. seidan, sáid, sidun (late patere)? alth. sît, ags. sîd, altn. sîdr (latus, amplus, laxus) alth. sîta, ags. sîde, altn. sîda (pleura, la- tus mit dem adj. latus verwandt); alth. situ, ags. sido, altn. sidr (mos, ἔθος, das verbreitete?) — [ eiþ , áiþ , ïþ ] nr. 507 b . seiþan, sáiþ, siþun (laqueare) altn. siða (incantare, bestricken, Locas. 32. siðo, incanta- verunt?); seiðr (ars magica) alth. seid (laqueus K. 28 b ) ags. sâd (sâð? laqueus) alth. seito (funis T. 148.) nhd. saite, chorda); wiefern das goth. seiþu, altn. sið, ags. sið (sero) hierher falle, weiß ich nicht — nr. 508. smeiþan, smáiþ, smiþun (fabrefacere)? mhd. gesmîde, nhd. ge- schmeide (opus fabrile) geschmeidig (tractabilis); alth. smid, ags. smið (faber) mhd. smitte, ags. smiðða (offi- cina) — [ eis , áis , ïs ] nr. 509. hreisan, hráif, hrisun? alth. altn. hrîs (frutex) hrîsla (virga); hreisi (cubile virgul- teum), hört hierher das alth. reisan (hreisan? nodus)? — nr. 510. leisan, láis, lisun (sequi, vadere)? alth. liso (pe- detentim, leniter); leisa (vestigium) wakanleisa (orbita) mhd. niuwe leise (schneespur) goth. láisjan (docere, i. e. sequi facere, in viam ducere) láisaris (doctor) alth. lêran, lêrâri, alth. leisinan (imitari) anakileisit (invadit) ags. lâst (vestigium) goth. láistjan, alts. lêstean, alth. leistan (exse- qui) volleist (exsequutio) nhd. leist (mensura pedis); alth. lirnên, lërnên (discere, aus lisanên, leisanên?) — nr. 511. geisan, gáis, gisun (ferire)? goth. usgeisnan (stupere, per- celli) mhd. gîsel (obses, captivus? perculsus); altn. geisli (radius) alth. keisila, mhd. geisel (flagellum) goth. gáisjan (percellere) gáis (vgl. 1, 91.) alth. kêr, altn. geir. (hasta) alth. keist, ags. gâst (spiritus, quo ferimur) wie fügt sich hierher keisenî (sterilitas) gl. jun. 224‥ geisen N. (ege- stas)?; alth. kir, mhd. gir (cupiditas) këron, gërn (cupere) kërn, gërn, altn. giarn (proclivis) scheinen zwar aus die- ser wurzel zu folgen, doch nehme ich wegen des goth. r und nicht s in gaírnjan einen besonderen stamm an, vgl. nr. 576 b — nr. 512. eisan, áis, ïsun (splendere)? alth. îs (glacies) goth. eisarn, alth. îsarn, îsan (ferrum) ags. îren (ferrum); goth. áis, alth. êr, ags. âr, altn. eyr f. eir? (aes), wohl hierher alth. êra, altn. æra, ags. âre (splendor, gloria, honor) goth. áiza?; altn. iârn (ferrum, früher iarn f. irn? vgl. giarn, gërn, lërnên) — nr. 518. veisan, vais, visun (ducere, tueri)? goth. veisôn, alth. wîsôn (visitare) alth. wîsan (monstrare, indicere) wîsal, III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. mhd. wîsel, nhd. weisel (dux, rex, index, zumahl rex apum) altn. vîsir (rex) vîsundr, alth. wîsant (bubalus, rex boum) wîsi, altn. vîs (sapiens, viae gnarus) alth. wîsa (modus) altn. vîs (modus, modulatio) alth. wîsunga (ob- latio); alth. weiso, mhd. weise, nhd. waise, nnl. wês (pupillus, orphanus) welches allen übrigen dialecten ge- brechende wort die durchs praet. ausgedrückte negation scheint, das unmündige, schirm und vaterlose (wîsellôs orphanus, wie altn. födrlaus) kind wie pupillus mit pupilla, dem augenstein (altu. augnasteinn) berührt sich mit weise das mhd. weise, der berühmte edelstein deutscher reichskrone, ags. ëarcnastân, altn. iarknasteinn (alth. ërhanstein?) nach der edda aus kinderangen genommen, Sæmundar- edda p. 137 b : enn or augom iarknasieina. ? gerade so drückt der ablaut des pl. praet. im ags. visnjan, engl. wizzen, altn. visna (arescere) visinn (aridus) kraftlosigkeit aus, vgl. altn. veisa, ags. vâse (palus, versumpftes land. engl. ooze) — [ eig , áig , ïg ] nr. 514. deigan, dáig, digun (madere)? alth. teic, altn. deig (massa) deigr (madidus) deigja (ma- defacere); digna (madescere) — nr. 515. geigan, gáig, gigun (fidibus ludere, verm. abgeleitete bedeutung); im mhd. die starke form gîgen, geic, gigen noch erweislich, altn. geiga (tremere) geigr (tremor), jenes also vom schwingen der saiten? das goth. gageigan (lucrari) weiß ich aber nicht damit zu vereinen. — [ ïum , áum , um ] nr. 516. giuman, gáum, gumun (nutrire)? alth. kouma (epulae, dann cura) altn. gaumr (cura) goth. gáumjan (observare) altn. geyma (custodire) geymir (custos) ags. gŷman (gubernare, custodire); goth. guma, ags. guma, altn. gumi, alth. kumo, komo (vir, homo i. e. gubernator, rex, custos) Snorraedda p. 195: gumar eða gumuar heita flokstiórar, svâ sem gumi er kallat î brûðför. alth. prûtikumo, ags. brŷdguma (sponsus, i. e. sponsam custodiens) vgl. goth. brûþfaþs nr. 480. und die berührung zwischen vaír (vir) wirt (dominus, nutritor) — nr. 517. gliuman, gláum, glumun (strepere)? altn. glaumr (strepitus) gleymja (oblivisci, verschallen, verrauschen) ags. gleám (jubar); altn. glumr (strepitus) glymr (resonantia) glymja (stre- pere) — nr. 518. ïuman, áum, umun (dolere)? goth. ïumjô ( ὄχλος, plebs, gesindel?); altn. aumr (miser) eyma (dolere) vgl. wenac nr. 119. — III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. [ ïun , áun , un ] nr. 519. hriunan, hráun, hrunun? altn. hrión (scabretum); hraun (aspretum); hrun (ruina). — nr. 520. þiunan, þáun, þunun (sonare)? mhd. dôn (sonitus) dœnen (sonare); ags. þunjan (tonare) þunor alth. donar, nhd. donner (tonitru), gehört hierher das mhd. gedon (nicht gedôn) impetus, violentia? (vgl. nr. 571.) da schon im ags. neben þunjan mit anlauten- der media dynja (strepere) alts. dunjan, altn. duna (to- nare) duna (tonitru) vorkommt, darf im nhd. tôn, tœ- nen die tenuis (obgleich neben donner) nicht verwun- dern, dem lat. tonitru entspricht aber das frühere, ge- nauere verhältnis. — nr. 520 b liunan, láun, lunun (ac- cidere, contingere)? alth. liunî (forte, casu) mhd. lûne, nhd. laune (fortuna, casus); goth. láun, alth. lôn, ags. leán, altn. laun (merces, emolumentum, id quod con- tigit?) — [ ïur , áur , aúr ] nr. 521. stiuran, stáur, staúrun (pol- lere, vigere, fulciri)? goth. stiurs, mhd. stier (juvencus, taurus) alth. stiur (magnus, superbus) goth. stiurjan, altn. stŷra (gubernare, cohibere) alth. stiura, nhd. steuer (gu- bernaculum, baculus, fulcrum) altn. stióri, alth. stiuro (gubernator) altn. stiórn, ags. stëorn (gubernaculum); altn. staur (fustis, sudes) steyra (arescere vgl. nr. 621.) alth. stôrjan, zistôrjan, mhd. stœren, zestœren (movere, agitare, excitare, ventilare, destruere, turbare); alth. stur (magnus) sturiro (magnas) sturilinc (tyro) sturî (majestas) ags. styran (regere, cohibere, corripere, commovere, vexare) sty- rung (commotio, agitatio) alth. sturm (agitatio, procella), das u und y im alth. stur, ags. styran noch zweifelhaft und vielleicht û, ŷ? oder wäre stŷran (regere) von sty- ran (agitare) engl. stir zu unterscheiden? das ô im altn. stôr (magnus) scheint unorg. für stor? vgl. nr. 610. 540. 554. — nr. 522. skiuran, skáur, skaúrun (impellere, tru- dere)? alth. scioro (cito, impetuose) vgl. nhd. hurtig von hurt, altn. skiarr (fugax) alth. sciura (horreum) scûr (grando, procella, impetus, horror) goth. skûra (procella) nhd. schauer (horror, receptaculum); goth. skáurô (tru- des, pala); alth. scurkan, nhd. schürgen (protrudere); merkwürdige analogie des lat. horror und horreum, vgl. nr. 209. schober und schaufel. — [ ïup , áup , up ] nr. 523. diupan, dáup, dupun (mergi, fundi)? goth. diups, alth. tiof (mersus, profundus) goth. diupjan (profundare); dáupjan, alth. toufjan (immergere, lavare); nhd. topf (vas profundum, olla) nnl. dop, doppe (testa) vgl. 210. — nr. 524. hiupan, háup, hupun (con- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. gerere, tumere)? ags. heáp, alth. houf (agger) neben hûso (f. hiufo?); goth. hups, alth. huf (von schwellen- den theilen des leibes: femur, femen, clunes, lumbus, genae); kann alth. hiofa, ags. hëópe (hagebutte) dieser wurzel sein? — nr. 525. ïupan, áup, upun (aperiri, tolli)? goth. ïup (sursum); alth. ûf, mhd. ûf neben ouf, nhd. auf (in die höhe, aufgerichtet); offan, altn. opinn (aper- tus, das gebliebene starke part. praet.) altn. upp (sursum) — nr. 526. stiupan, stáup, stupun (fundere, invertere)? alth. stiuf, ags. steóp, altn. stiúpr (privignus, orbatus, gleichs. inversus?); ags. steáp (praeceps) altn. steypa (fundere) steypir (praecipitium) staup, alth. stouf (poculum, opus fusile?); vielleicht altn. stopull (fluxus) — nr. 527. striu- pan, stráup, strupun (vellere)? mhd. bestroufen (vellicare) stroufe (castigatio) nhd. abstreifen f. sträufen?; nhd. strup- fen. — nr. 528. kniupan, knáup, knupun (nodare)? mhd. knouf (capitulum, nodus columnae); nhd. knopf (nodus) knüpfen (nectere) vgl. nr. 202. [übertritt des hn. in chn, kn.] — [ ïub , áub , ub ] nr. 529. þiuban, þáub, þubun (occul- tare)? goth. þiubs (fur) þiubjô (clam) alth. diup, mhd. diep (fur) alth. scëfdiup (tyro, pirata, junger held, der verstolen zur see zieht? vgl. sturilinc nr. 521.) mhd. minnendiep (liebesabenteurer); altn. þauf (actus furtivus) þaufa (palpare in tenebris); mhd. dube (res furtiva, fur- tum) — nr. 530. liuban, láub, lubun (tegere, fovere)? goth. liubs, ags. lëóf, altn. liop, liup (carus, acceptus) altn. liufr (gratiosus) alth. liupî (favor) liupên (placere); goth. láubs, alth. loup, altn. lauf (folium, tegmen?) goth. usláubjan (permittere, gönnen) alth. urloup (permissio) goth. galáubjan (credere) alth. kiloupa (fides, consensus) altn. leyfi (vnia) leyfa (laudare); ags. lufu (gratia) engl. love, alth. lopôn (laudare, d. i. beifall geben) — [ ïut , áut , ut ] nr. 531. griutan, gráut, grutun? altn. griót (lapides) grŷta (lapidare) mhd. grieƷ (arena) grûƷ (granum f. griuƷ?); altn. grautr (puls) greyta (pultisicum esse) — nr. 532. sniutan, snáut, snutun (emungere)? nnl. snuit, nhd. schnauze (nasus, rostrum); schnotz, ags. snote (mucus) goth. snutrs, ags. snotor (sapiens, sagax, emunctae naris) alth. duft-snuƷƷa (? snuza) emunctoria gl. jun. 204. — [ ïud , áud , ud ] nr. 533. sollten sich die dunkeln alth. mieta, ags. mêd (merces, munus) goth. gamáudjan (sug- gerere, einhelfen, eingeben) im stamme miudan, máud, D III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. mudun, mietan, môt, mutun (donare) begegnen? das altn. mûta (munus, largitio), wenn es verwandt ist, hätte mûda zu lauten. [ ïuþ , áuþ , uþ ] mit gewohntem übergange des þ in d, des d in t. — 534. niuþan, náuþ, nuþun (figi, teneri)? ags. nëôd (studium, opus) nëódlic (studiosus) alth. niot (occupatio, delectamentum) niotôn, mhd. nieten (occu- pari, detineri, adimpleri) nhd. nieten (figere) niet (vin- culum); goth. náuþs, -dis (necessitas) náuþjan (cogere) ags. neád, altn. nauðr, alth. nôt (necessitas, labor). — [ ïus , áus , us ] nr. 535 riusan, ráus, rusun? mhd. riuse (nassa, rohrgeflecht) nhd. reuse das s. blieb wie in kinse, kiese, obschou rôr älter als kôr ist. ; goth. ráus, alth. rôr, altn. reyr (arundo) — nr, 535 b þiusan, þáus, þusun (sonare)? ags. þŷs (procella) þŷstre, alth. thiustri (cali- ginosus); altn. þausn (strepitus) þeysa (celerrime ferri) nhd. tôsen; altn. þysja (ruere). — [ ïug , áug , ug ] nr. 536. giugan, gáug, gugun? mhd. giege (stultus); alth. koukal, mhd. gougel (praestigiac) gougelære (praestigiator); gogel (fallax, volitans) vgl. altn. gugna (tristari). [ ïuk , áuk , uk ] nr. 537. siukan, sauk, sukun (lan- guere)? goth. siuks, alth. sioh, nhd. siech (aegrotus); goth. saúhts (f. sukids) alth. suht, altn. sôtt (morbus). [ ïuh , áuh , aúh ] nr. 538. liuhan, láuh, laúhun (lucere)? goth. liuhaþ, alth. liohed, lioht, mhd. lieht (lux) goth. liuhtjan, alth. liuhtan (lucere) altn. liómi (lux); goth. láuhmuni (fulgur) láuhatjan, alth. lôhizan (fulgere) louc (flamma) louga (K. 59 b ) lauhmoni (hymn. vet.) nhd. lôhe; altn. log (lux) logi (flamma) loga (ar- dere) — nr. 539. hiuhan, háuh, haúhun (attollere)? goth. hiuhma (grex, acervus); háuhs (altus) háuhjan (erigere) alth. hôh (sublimis) houc (collis) altn. haugr (tumulus); hierher hugu (animus, der aufsteigende gedanke) hugjan (cogitare) gihuht (memoria)? — [ ïb , ab , êb ] nr. 540. ïban, af, êbun? goth. ïbns, altn. iafn, alth. ëpan (planus, aequus, continuus) in-ëpan, mhd. en-ëben, nhd. nêben (pone) goth. ïba (an) alth. ipu, upi, oba (wie trudan nr. 283.) goth. ïbuks (retro- gradus) ïftuma (posterus); hierher wohl die praep. af, apa (entfernung, senkung bedeutend?) altn. aftan (a tergo) aftan, alth. abant (oder âbant, mit zweitem ablaut? vgl. 1, 88) vesper, ital. ponente, der sinkende tag? vgl. nahts III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. nr. 559, goth. astra (rursus) alth. avar (iterum) avarôn (iterare) mhd. æber (terra regelata)? — nr. 540 b stiban, staf, stêbun (fulcire)? alth. stap, altn. stafr, ags. stäf ( a- culus, regula) alth. arstapên (rigere); stift (fundatio, insti- tutum); das goth. stáua (judicium) zähle ich nicht hier- her, vgl. nr. 521. — nr. 541. kriban, kraf, krêbun? altn. krafa (exactio) krefja, ags. crafjan (exigere) alth. chraft, ags. cräft, altn. kraptr (robur, vis, ars) ags. cräfta (artifex); altn. kræsr (robustus); letzteres wort hält mich ab, den stamm kripan zu setzen und das alth. chrapho (uncus) damit zu verbinden, vgl. altn. kreptr (curvus) krepta (contrahere). — [ ït , at , êt ] nr. 542. kitan, kat, kêtun? altn. kitl (titillus) alth. chizilôn (titillare); altn. kâtr (laetus) kæti (laetitia) — nr. 543. vitan, vat, vêtun (madere)? goth. vatô, alth. waƷar (aqua); ags. væt, altn. vâtr (humidus) væta (humor) mhd. wâƷe (odor, olfactus) wâƷen (olere) weil sich die begriffe feucht und duftend berühren vgl. nr. 259. — nr. 544. vritan, vrat, vrêtun (agi, ferri)? goth. vritus (grex); vratôn (ire, circumire) altn. rata (ferri, elabi); hierher alth. râƷi (rapax, vagans)? — [ ïd , ad , êd ] nr. 545. studan, stad, stêdun, studans (stare) [das u für i zu nehmen wie in trudan nr. 283. daher die alth. form sein würde stëtan wie trëtan] ags. studu (postis) altn. stod (fulcrum, columna) alth. [mit be- haltner med. statt tenuis] kastudnôs (fundas hymn 950. denn fundasti wäre kastudnôtôs) kestudit (fundatus K. 18 b ) und noch bei Dasypod. stud (columna) türstodel, stëdel (postis) altn. stoda (juvare) stydja (sulcire) mhd. [mit falscher aspiration) stützen, understützen (fulcire M. S. 2, 92 b ); hierher gehören und nicht zu nr. 72. die ab- laute: goth. stads (locus, munimen) ob auch staþs (littus) ags. stäð, mhd. stat, -des, vom stehen des flußes? die consonanzstufen dieser wurzel scheinen seit lange schwankend und verwirrt. alth. stat (locus) stata (occasio) kistatôn (locum dare) ags. stede, altn. stadr (locus) stada (statio) stadr (contumax) stedja (statuere) mhd. stadel (horreum); alth. stâti, mhd. stæte (firmus, con- stans) — nr. 545 b gidan, gad, gêdun (jungere)? altn. gëd, alth. kët (mens, a combinando?) këti-lôs, mhd. gët-lôs (amens, furens); alts. gigado, alth. kikato, ags. gegada (socius) alth. gaduling, alth. katilink, mhd. gete- linc (parens, cognatus) ags. gëador, alts. gador (simul) nhd. gatte (maritus) alth. pikatôn (accidere, franz. joindre). — D 2 III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. [ ïþ , aþ , êþ ] nr. 546. ïþan, aþ. êþun? alth. ida (vena) gl. mons. 350., bei N. Arist. heißt ida linea, altn. iðull (continuus); alth. âdara, altn. æð (vena, nervus). — [ ïs , as , ês ] nr. 547. svisan, svas, svêsun? goth. svi- star, alth. suëstar (soror) nhd. geschwister (fratres et so- rores, propinqui); goth. svês (proprius, domesticus) alth. suâs (familiaris, privatus, carus) — nr. 548. kisan, kas, kêsun? nhd. kis (geschr. kies, arena, vielleicht allg. ar- gilla, lutum, terra) alth. chisilinc (silex) ags. ciselstân (sabulum); goth. kas (vas fictile, irden gefäß) kasja (figu- lus) alth. char (vas) altn. ker (vas, aber auch palus, lutum) altn. kös (congeries) kasa (congerere); alth. châsi (caseus, in irdener form gemacht? oder aus dem lat.?) — nr. 549. fisan, fas, fêsun (gignere)? alth. vësa (festuca T. 39, 6.) mhd. vëse (frumenti genus) alth. visal? (penis) mhd. visellîn (Parc. 27 b ); alth. vasal, ags. fäsl (soboles) nhd. faseln (prolificum esse) alth. vasôn (quaerere N. 100, 6) mhd. fase (fibra, caulis) nhd. faser; ags. fæs (fimbria) oder fäs? alth. vesti, altn. fastr (firmus, tenax); kann farre (bos initor) alth. var, pl. varrî dieser wurzel zufallen (1, 123 steht schwerlich richtiges, vgl. cap. VI. vom genus)? sicher muß aber das longobard. fara (generatio, linea, prosapia Paul. Diacon. 2, 9. lex longob. 1, 14) von fisan, wie nara, wara von nisan, wisan, geleitet werden, und nicht von faran nr. 73. — nr. 550. hisan, has, hêsun (etwa comari)? dahin deuten der form nach: alth. haso, ags. hara (lepus, a hirsutia? Plin. XI, 39. villosissimum animalium lepus. alth. hasal, ags. häsl, altn. hasl (corylus, von zottiger gestalt der blüte, nhd. läm- merchen, kätzchen, nucamentum?) ausgemacht ist hasal nach 1, 587. eins mit corylus (früher cosylus? vgl. κάρυον und κάρη ), alth. haru, altn. hör (linum); alth. hâr, altn. hâr, ags. hær (crinis, vielleicht = caesaries und dies, oder nicht? von caedere) merkwürdig gebraucht Ulfilas für crinis nicht dieses wort, sondern tagls, alth. zakal, altn. tagl (in der bedeutung von cauda). — [ ïk , ak , êk ] nr. 551. qvikan, qvak, qvêkun (movere, vigere)? altn. qvikr, ags. cvic, alth. quëh, goth. qvius (vivus, sese movens) altn. qvika (movere se) ags. cvice (gramen) nhd. erquicken (excitare); ags. cveccjan (com- movere) cvacjan (tremere) altn. qvaka, qvakla (minu- rire, sonum edere tremulum) qvak (minuritio) mnl. qva- kele (coturnix, alth. wahtela nach nr. 93. vgl. wach mit III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. quick); nhd. quâken (vagire, coaxare) — nr. 552. þikan, þak, þêkun (tegi)? altn. þak, alth. dah (tectum) altn. þekja, alth. decchjan (tegere) — nr. 553. smikan, smak, smêkun (sapere)? altn. smëkr (gustus) ags. smicor, alth. smëhhar (delicatus, politus) smëhharôn (polire); ags. smäc (sapor, gustus) alth. kismah, mhd. smach (beßer als smac, vgl. 1, 429. odor, sapor) alth. kismahhan (sapere) altn. smacka (gustare) ags. gesmecgan, vgl. nr. 257. — nr. 553 b strikan, strak, strêkun (dirigere, porri- gere?) hierher goth. striks, alth. strih? (sinea) vgl. nr. 184.; alth. strah, mhd. strac, nhd. strack, ags. sträc (rectus, strictus) mhd. strecken (extendere) nhd. strecke (tractus). [ ïg , ag , êg ] nr. 554. rigan, rag, rêgun (agi, ex alto moveri)? altn. riga (movere) alth. rikal, mhd. rigel (obex, vgl. hartrigel cornus), vielleicht goth. rigns, alth. rëkan, altn. rëgn (pluvia, excitamentum, commotio nubium?); goth. ragin ( γνώμη , motus animi, consilium) raginôn (regere, imperare) garaginôn (consulere) altn. regin (dü motores, die obenwaltenden) mhd. ragen (eminere, herr- schen) regen (excitare) altn. raga (lacescere) ragan, rö- gun (imprecatio); vergl. mit diesen noch gewagten wort- verbindungen nr. 521. — nr. 555. trigan, trag, trêgun (dolere, pigere)? altn. trëgr (invitus, segnis); trega (de- siderare) tregi (moeror) ags. trega (damnum, tribulatio) tregjan (vexare) alth. artrakên (pigere, taedere), trâki, mhd. træge (piger). — [ aíh , ah , êh ] nr. 556. spaíhan, spah, spêhun (vi- dere, intelligere)? alth. spëhôn (explorare, speculari); altn. spâ (vaticinium) alth. spâhi (prudens, callidus); viel- leicht hierher spëht (picus, der kluge vogel)? — nr. 557. taíhan, tah, têhun (stillare)? goth. tagrs, alth. zahar, altn. târ, ags. tëar (gutta, lacrima); altn. tær (limpidus, Iiquidus ) alth. zâhi (aegre stillans, tenax) ags. târe (pix) — nr. 558. svaíhan, svah, svêhun? goth. svaíhra, alth. suëhur (socer) goth. svaíhrô, alth. suigar (socrus) mhd. geswîe f. geswige (uxor fratris); mhd. swâger (maritus sororis) — nr. 559. naíhan, nah, nêhun, naúhans (f. naíhans, wie brukans f. brikans 1, 842) vielleicht genauer: naíhvan, nahv, nêhvun (wie goth. saíhvan alth. sehan) incumbere, attingere? nahts, naht (nox, die einbreehende, nahe, θοὴ νύξ ?); goth. nêhv, nêhva (prope) alth. nâh (vicinus) nâhjan (appropinquare) altn. nâ (consequi, con- tingere) nâð, alth. kinâda (gratia, quies, otium); alth. kinuht, mhd. genuht (satietas, abundantia) vgl. nr. 489. III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. der übergang der begriffe erreichen, gereichen, auslan- gen, suppetere, scheint einleuchtend. — [ ïl , al , êl , ul ] nr. 560. milan, mal, mêlun, mulans (conterere, comminuere, contundere)? alth. mëlo, altn. miöl (farina) alth. mili-tou (rubigo) ags. mildëav (mel- ligo) altn. mëldropi Sæm. edda p. 32 b Snorraedda p. 11. von mel (lupatum) dem speichelmalmenden gebiße des rosses hrîmfaxi abgeleitet; gram- matisch gleichviel, ob von mehl. nhd. mehlthau, alth. miliwa, nhd. milbe, altn. melr (tinea) mhd. mëlm (pulvis); goth. malô, altn. mölr (tinea) nhd. malmen (contundere) altn. mel (lupatum, a contundendo?) goth. mêl, alth. mâl (pars minuta, frustum, zeittheil, wie das heutige minute, dann zeichen, örtliche theilung, aufsatz, schrift, punc- tation, franz. minute, und davon manigfalte ableitun- gen); alth. muljan, altn. mylja (conterere) mhd. mül (mola) goth. mulda, alth. molta (pulvis, terra) — nr. 561. silau, sal, selun, sulans (tenere, possidere, gaudere) altn. salr, alth. sal (domus, aula) goth. saljan (divertere, offerre) saliþva (diversorium) alth. selida (mansio) seljan, sellan, altn. selja (tradere, praestare, vendere) altn. sala (venditio) alth. kisello (contubernalis); goth. sêlja (bonus) altn. sæll, alth. sâlîc (beatus, felix, dives) goth. sêlei (boni- tas) alth. sâlida (beatitudo) altn. sæla (felicitas) vgl. 309. — nr. 562. tilan, tal, têlun, tulans (pertinere, aptum esse)? goth. gatils (aptus) andtilôn (convenire) ags. til (bonus) tiljan (parare, quaerere) tilja, tiligea (cultor) altn. til (ad, nimis) tili (numerus) alth. zil (scopus) zilôn, ziljan (niti, tendere) nhd. erzielen (acquirere); goth. untala (ineptus, intractabilis) talzjan (docere, aptare? vgl. frama nr. 568) altn. tal, tala, alth. zal, zala (ordo, numerus, enumeratio, sermo) alt. telja, alth. zeljan, zellan (nume- rare, referre); altn. tâl, alth. zâla (fraus, insidiae, mala intentio) zâlîc (nequam, insidiosus) kizâl (velox, callidus); bedenklich ist das im verhältnis zu zil (scopus) auf conj. VIII. weisende alth. zîla (linea, ordo) — nr. 563. skilan, skal, skêlun, skulans (separare, glubere)? altn. skil (dis- crimen) skilja (discernere, intelligere) skilmr (fractus, quassatus); goth. skaljôs (tegulae) altn. skel (crusta, con- cha) mhd. schal (cortex, putamen, cranium) scheln (de- glubere) nhd. schelse (putamen); altn. skal (poculum) mhd. schâle neben schal (patera); hierher alth. scollo (gleba, erdrinde f. sculjo)? vgl. nr. 334 und das ano- male sculan (debere) womit sich skil (fas, debitum) be- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. rührt. — nr. 564. gilan, gal, gêlun, gulans (flavere)? alth. ëlo, mhd. gël, nhd. gelb (flavus) mhd. gilwe (fla- vor); galle (bilis, a colore f. galja); altn. gulr, schwed. gul (flavus) goth. gulþ, alth. kolt, altn. gull (aurum, a flavedine) vgl. slav. shelt (flavus) sheltsch (fel) zlato (aurum) litth. geltas, geltonas (flavus) lat. gilvus. . — [ ïm , am , êm , um ] nr. 565. simam, sam, sêmun, su- mans (jungere)? O. IV. 20, 11. gi-sëmôn?; goth. sama, altn. samr (similis, aequalis, idem) in compos. altn. -samr, alth. -sam [analog dem-leikr, -likr, -lîh] alth. saman, ags. samod (unâ) alth. samanôn (congregare) altn. semja (componere, moderari); alth. sâmo (semen, origo) vgl. nr. 183. laik, nr. 415. ursprung; da jenes-samr ags. mit drittem ablaut-sum heißt, darf wohl das goth. sums, ags. sum (quidam) verglichen werden, gewagter sumar (aestas)? im lat. simul, similis, semen etc. dieselbe wurzel. — nr. 566. himan, ham, hêmun, humans (tegere, involvere)? goth. himins, altn. himinn, alth. himil (coelum, tegmen) vgl. slav. nebo mit lat. nuhes; litth. dengti (tegere) dan- galas (tegumen) dangus (coelum); die edda nennt den himmel: helm, haus der erde, gestirne etc. himelzi (laquear); altn. hams (cutis) hamr ags. hama (exuviae) alth. hemidi (indusium) altn. hamaz (transfor- mari, exuere cutem) hemja (cicurare) hem (exuviae) hemill (custodia); ags. hæman (coire, nubere) hæmed (coi- tus, nuptiae) vgl. liugan nr. 263. — nr. 567. þriman, þram, þrêmun, þrumans? altn. þrimil (tuber) þrëmr (limen) mhd. drëmel (vectis, trabs); mhd. drum (extre- mitas) drümen (finire, nhd. zertrümmern) [scheint dem lat. -tremus wie das folg. frum dem primus verwandt, vgl. cap. VII.] — nr. 568. friman, fram, frêmun, fru- mans (promovere, aptum esse)? altn. framr (liber, au- dax) frama (edocere) frami (profectus) framar (praeterea) goth. fram (ultra) alth. vram (ultra, longius) vremjan (praestare, perficere) goth. framaþis, alth. vremidi (alieni- gena, e longinquo veniens); goth. frums (initium) fruma (primus) altn. frum (primitiae) frômr (richtiger fromr) alth. vrum (probus, idoneus) vruma (commodum) vrum- jan, vrumman (exercere, urgere). — [ ïn , an , ên , un ] nr. 569. vinan, van, vênun, vu- nans? alth. wini, ags. vine, altn. vinr (amicus, fidus, fide- lis) goth. vinja (pascuum) nhd. wonne und weide; altn. van (defectus) vanan, vönun (diminutio) goth. van-vi- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. san, alth. wan-wësan (deesse) altn. vanr (inops, vanus); goth. vêns, alth. wân, altn. von st. vân (fiducia, spes) altn. vænn (sperandus und formosus); ags. vunjan (habi- tare, degere) alth. wonên (habitare, manere) kiwon (sue- tus, familiaris) ags. vyn, alth. wunna (gaudium); van (defectus) scheint verneinung des dunkeln urbegriffs, vgl. lâri nr. 290. und den übergang von spes certa, fiducia, ins nhd. wahn, eitele, leere hoffnung, so wie gemeit nr. 166. umgekehrt früher mancus, carens, später laetus bedeutet. — nr. 570. qvinan, qvan, qvênun, qvunans? goth. qvinô (femina) alth. chëna, altn. qvën; goth. qveins = qvêns (uxor) altn. qvænaz (ux. ducere); alth. chona, altn. kona (mulier) was vielleicht nicht ablaut u, sondern aus dem v entsprang? — nr. 571. þinan, þan, þênun, þunans (ten- dere)? goth. þanjan, alth. denjan (extendere); nhd. dône (tendicula) mhd. gedon (insidiae) vgl. nr. 520, sodann mit unorg. gemination alth. dunni, altn. þunnr (tenuis, tener, gracilis), vielleicht dunst (odor sparsus) vgl. 396. — [ aír , ar , êr , aúr ] nr. 571 b . aíran, ar, êrun, aúrans (laborare)? goth. aírus (nuntius); alth. aran (arare, labo- rare) altn. erja (idem) ar (labor) erill (labor) erindi, örundi (negotium, pausa); alth. ârunti, ags. ærend (nego- tium, nuntium) altn. âri (minister, famulus, nuntius). Ob und wie sich goth. ara, alth. aro (aquila) und alth. arac, arc (vgl. 622.) zu dieser wurzel fügen? entscheide ich noch nicht. nr. 572. vaíran, var, vêrun, vaúrans? die bedeu- tung: manere, tutum esse? goth. vaír, altn. vërr (vir, tutor) vgl. guma nr. 516. alth. wërên, wërôn, mhd. wërn (durare, praestare) goth. vaírilô (labium, analog dem gr. ἕρκος ὀδόντων und in der edda f. mund: hûs, borg tûngu, tanna?); goth. varjan (prohibere) altn. verja (tueri, am- plecti) alth. werjan, mhd. wern (defendere) werî (defen- sio) weri (arma) wara (custodia) altn. vör, varir (labia); alth. kiwâri (cautus, providus) wâr (certus, verus) ohne die goth. s-formen in nr. 292. und den bestimmten unterschied zwischen vasjan und varjan würde man leicht beide wurzeln verschmelzen, da sich alth. wara zu wësan wie nara zu nësan zu verhalten scheint und die begriffe existere, fovere, vestire, defendere aneinander stoßen. . — nr. 573. faíran, far, fêrun, faúrans? goth. faírina, alth. virina (scelus) virinâri (scelestus); goth. fêrja (insidiator) alth. vâra (insidiae) vârâri (tentator) altn. fâr (periculum) fâra (insidiari) nhd. gefahr, gefährde (periculum, dolus); goth. gafaúrds (concilium judaeorum); die dunkele urbe- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. deutung muß weiter sein, so daß sie das goth. fêra (regio, vgl. lâge nr. 303.) alth. vurt (vadum) und die partikeln vir-, vër- (lat. per) vora, faúra miterklärt. — nr. 574. smaíran, smar, smêrun, smaúrans (linere)? alth. smëro (adeps) pismërôn (maculare); goth. smarna (lutum) alth. pismarôn (illudere, exprobrare); altn. smyrja (ungere) — nr. 575. spaíran, spar, spêrun, spaúrans (quaerere, investiga- re)? alth. spër, altn. spiör (hasta, i. e. vestigium in corpore relinquens, vulnerans? vgl. lat. quiris mit quaerere; Snorra-edda: fôtspor jârns (vestigium ferri) dôlgspor (vest. hostis) = vulnus. alth. zi spërî (nempe, videsicet, gleichsam: ad quaestionem); altn. spari (telum); alth. altn. spor (vestigium, zumahl vulneris) alth. sporo (calcar, aus gleichem grunde wie spër) altn. spyrja (quaerere) spurull (novi cupidus) goth. spaúrds, alth. spurt (stadium, nach fußschritten); wiefern alth. spar, ags. spär (parcus) alth. sparôn, altn. spara (parcere) alth. spor (putridus?) und der name alth. sparo, altn. spörr (passer) aus dieser wur- zel folgen, kann ich noch nicht genügend nachweisen. — nr. 576. kaíran, kar, kêrun, kaúrans (dolore affici)? goth. kar, kara (cura) unkarja (incuriosus) alth. chara (luctus, passio) ags. cëarjan (queri) altn. kör, karar (lectus mortis) vielleicht auch mhd. karc (alth. charac? sollicitus, avarus, solers) vgl. 623.; kæra (queri); goth. kaúrjan (gravare) altn. kor (squalor, luctus?) — nr. 576 b . gaíran, gar, gê- run, gaúrans? aus dieser dunkeln wurzel scheint zu fließen alth. kër, kir (cupido) goth. gaírns, alth. kërn, altn. giarn (cupidus) vgl. nr. 511; goth. gaúrs (afflictus) gaúrjan (affligere) doch das alth. gôr (fimus) gôrag (mi- ser) scheint wegen des langen ô anderer wurzel (etwa zu giusan, gôr gehörig nr. 250?) — [ ïll , all , ull ] nr. 577. fillan, fall, fullun (turgere)? goth. fill, alth. vël, -lles (pellis, cutis) altn. filla (pellis piscium) goth. þruts-fills (leprosus, hautkrank) alth. villan (percutere) villa (percussio, verber) mhd. villen (verberare, excoriare); goth. fulls, alth. vol, -lles (ple- nus, turgidus) fulljan (implere); verbindung der be- griffe fell und voll scheint unleugbar, haut ist das ge- füllte, gerade wie balg (nr. 355.) daher auch plenus zu pellis hört und litth. pilnas (plenus) pilwas (venter) heißt, vgl. die redensart: hülle und fulle. — nr. 578. stillan, stall, stullun (quiescere, sedari)? alth. stil, -lles (quietus) stillî (silentium) altn. stilla (moderare) stillir (mo- derator) stillîng (modestia); alth. stal, -lles, altn. stallr III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. (stabulum, locus requiei) vgl. oben nr. 464; alth. stulla (hora, momentum, pause) stollo (gradus) vgl. das lat. sēdes und sēdare von sĕdēre, sēdi. — nr. 579. snillan, snall, snullun (celeriter ferri)? alth. snël, -lles, altn. sniallr (impetuosus, celer); mhd. snellen (subito movere, trudere) snal, -lles (motus subitaneus) nhd. schnalle (fibula, elastisches, schnurrendes band?) — nr. 579 b gril- lan, grall, grullun (asperari)? mhd. grël, nhd. grell (asper, trux); ags. grellan (ad litem provocare); nhd. groll (fe- ritas, odium). [ ïlb , alb , ulb ] nr. 580. hvilban, hvalf, hvulbun? goth. hvilftri oder hvilstrjô ( σορός ) gewölbter sarg, nicht feretrum; ags. hvëalfa (fornix) mhd. gewelbe (camera); altn. hvolf (convexitas) mhd. wolbe (fornix). — nr. 581. kilban, kalf, kulbun? alth. chilpirra (agna) ags. cilforlamb (agnus f.); alth. chalp, ags. cealf (vitulus); dunkel, ob und wie altn. kâlfi (sura) kôlfr (bulbus radicis) alth. cholpo (fustis, caulis) hierher zu rechnen? — [ ïlþ , alþ , ulþ ] mit übergang des þ in d. nr. 582. vilþan, valþ, vulþun (vigere)? goth. vilþis, alth. wildi, ags. vilde, altn. villr (ferox, ferus, rudis, silvestris) nhd. wild (fera); alth. walt, ags. vëald (silva) goth. valdan, alth. waltan, ags. vëaldan (imperare, superbire, saevire) alth. kiwalt, altn. valdr (potestas, vis, violentia); goth. vulþus, ags. vuldor (potestas, gloria) gleichverwandt sind die lat. fortis, ferus, ferox, fero etc. — [ ïlg , alg , ulg ] nr. 583. tilgan, talg, tulgun (crescere, vigere)? ags. tëlg (planta, virgultum); alts. tulgo (valide) goth. tulgjan (roborare); das altn. telgja (scindere) vereint sich dem stammbegriff, wenn man die übergänge zweig, ast, theil (nr. 492.) theilen, schneiden erwägt, auch nr. 562. zu vergl. — [ ïmm , amm , umm ] nr. 584. flimman, flamm, flum- mun (splendere)? nhd. flimmen, flimmern (micare); flamme (lux, jubar). — [ ïmp , amp , ump ] nr. 585. himpan, hamp, hum- pun? altn. himpi (ingens massa in manibus); hampa (ma- nibus volvere) nhd. hampfel (quotquot manu rapitur, nicht aus handvoll zu deuten, Stald. II, 16.) gehört hanf (gerauftes, in der hand geschwungenes dahin, oder stammt es direct aus cannabis?) — nr. 586. stimpan, stamp, stumpun (tundere)? alth. stamf (pila); stumpf (obtusus) stumpf (truncus) pistumplan (truncare) entw. für pi- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. stumpflan oder zu nr. 322. gehörig f. pistumlan, vgl. nhd. stümmeln? — nr. 587. strimpan, stramp, strumpun? nhd. strampfen, strampfeln (pedibus plodere, tibias movere); strumpf (tibiale). — nr. 588. skimpan, skamp, skumpun (jocari)? altn. skimp (irrisio) alth. scimf, scimpf (jocus) — nr. 589. kimpan, kamp, kumpun? altn. kippa (raptare, colligere); kappi (athleta) keppa (contendere) alth. champf (agon) chempho (pugil) ags. camp und cempa. — [ ïmb , amb , umb ] nr. 590. gimban, gamb, gumbun? alth. cambar (strenuus, sagax) cambrî (strenuitas) gl. jun. 225. 235. 250. altn. gambr (jactatio) gambra (blaterare) dunkel ist gamban (edd. gambanteinn, gambansumbl, viel- leicht pracht?) und das ags. gombon gëldan Beov. 2. Cädm. 43, 22; mhd. gumpen (nugari) — nr. 591. dimban, damb, dumbun? ags. dim, -mmes (obscurus) altn. dimmr (opacus) alth. timbar (obscurus) timbrî (caligo); nhd. dämmern (obscurari) ob dieses anderm stamme folgt? Schilter hat 215 b aus den verlornen hymn. dhëmar (crepusculum) das kaum für tëmar steht, vielleicht þëman, þam, þêmun, þumans fordert? ; ags. dumb (mutus) goth. dumbnan (mutescere) alth. tump (mutus, fatuus) mhd. tump (non- dum sapiens) nhd. dumm (stolidus) alth. horotumbil (ono- crotalus, nhd. rohrdommel) — nr. 592. kimban, kamb, kumbun? alth. champ (corona, pecten, crista) ags. camb, altn. kambr (pecten, crista); alts. kumbal, ags. cumbol, altn. kuml (signum militare) alth. chumbirra (tribus); das mhd. kumber, nhd. kummer (dolor) scheint mir auslän- disch (franz. encombre, comble). — [ ïnn , ann , unn ] nr. 593. dinnan, dann, dunnun? unter diesem muthmaßlichen thema weiß ich wörter wie ags. den, denne (vallis) alth. tenni (area) alth. tanna (abies) tinna (tempus capitis) bedeutungsweise noch nicht zu vereinigen. [ ïnt , ant , unt ] nr. 594. glintan, glant, gluntun (ni- tere)? mhd. glinzen (micare); glanz, alth. klanz (nitor). — [ ïnd , and , und ] nr. 595. blindan, bland, blundun (miscere, turbare)? goth. blinds, alth. plint (coecus); altn. blanda (miscere) bland (mixtura) alth. plantan (mi- scere) mhd. enblanden (turbare, onus imponere) blenden (coecare); altn. blunda (dormire) blundr (sopor) — nr. 596. tindan, tand, tundun (ardere)? altn. tinna (silex, pyri- tes) tendra (accendere) alth. zantro (calculus, feuerstein); zuntro (fomes) zuntjan (incendere). — III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. [ ïnþ , anþ , unþ ] nr. 597. svinþan, svanþ, svunþun (vigere, valere)? goth. svinþs, ags. svið (sortis, vehe- mens, dexter) goth. svinþnan (crescere) altn. svinnr (tenax, prudens) mhd. swint (violentus); ags. svaðe (vio- lentia? scissio, ruptura, vestigium) wahrscheinlich das schweiz. schwand, schwändten (berghang, waldgehau, schnitt) vgl. Stald. 2, 359. 360. Oberlin 1606. — nr. 597 b tinþan, tanþ, tunþun (comminuere)? alth. zand (dens); goth. tunþus, ags. toð. — [ ïnk , ank , unk ] nr. 598. hlinkan, hlank, hlunkun (torquere, flectere); mhd. selten, nhd. gewöhnl. link (sinister i. e. sinuosus, obliquus, wie recht: gerade, strack); alth. hlancha (ilia, lumbus a flexuositate) nhd. gelenk (articulus) altn. hleckr (torques, catena); steht bei O. inklenkan (infibulare) f. inhlenkan und unser klinke (pessulus januae) f. linke? — nr. 599. þinkan, þank, þunkun? goth. þagkjan, alth. denhan (cogitare) alth. danh, altn. þöck (gratia) alth. danhôn, altn. þacka (agere gratias); goth. þugkjan, alth. dunhan (putare, videri) mhd. dunke (opinio, ambitio) altn. þotti (arrogantia) þyckja (irasci, superbire) — nr. 600. dinkan, dank, dun- kun (obscurari)? altn. döckr (niger) döckva (obscurare); alts. dunkar, alth. tunhal (obscurus) nhd. dunkel f. tun- kel. — nr. 601. finkan, fank, funkun (scintillare)? alth. vinho, mhd. vinke (sringilla, a colore flavo, aureo); vanke (scintilla); nhd. funke. — nr. 602. skinkan, skank, skunkun? mhd. schinke (crus, perna); ags. scanca (tibia, crus) mhd. schenkel (femur); nhd. mundart. schunke f. schinke; sollte nicht alth. scenhan, mhd. schenken, ags. scencan, altn. skênkja (vinum infundere, promere und allmählig largiri, donare) daher rühren, daß man in frühster zeit das getränk mit einer (knöchernen?) röhre aus dem faß laufen ließ? [oestr. ein pfiff weins, vgl. 1, 462. über pîpen] auch bei tibicen (flötenspieler) dachte man später nicht an den begriff von crus in tibia. [ ïng , ang , ung ] nr. 603. fingan, fang, fungun (ca- pere, accipere)? goth. figgrs, alth. vinkar, altn. fingur (digitus); alth. vanc, altn. fâng (captura, acquisitio) alth. vankôn, altn. fânga (occupare) — nr. 604. gingan, gang, gungun (tendere)? alth. O. gingo, mhd. ginge (deside- rium, sinnen und trachten); goth. gaggan, alth. kankan, altn. gânga (ire) etc. — nr. 605. hingan, hang, hungun (teneri, impeti)? altn. hânga (pendere) alth. hankan (suspendere) nhd. hang (cupido, propensio); goth. huhrus, III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. alth. hunkar, altn. hûngur (fames, appetitus vehemens) — nr. 606. tingan, tang, tungun (pangere)? ags. getinge (facundus, wahrsch. getynge); alth. zanka, altn. töng (forceps) tângi (lingula terrae, erdzunge) ags. betenge, getenge, alth. O. gizengi (vicinus, proximus, junctus) altn. tengja (jungere) tengdr (junctus, affiuis) tengdir (affinitas); goth. tuggô, alth. zunka, altn. tûnga (lingua) altn. tûngl (luna, lingulata?) ags. tungel, alth. himil-zunkal (sidus) alth. kizunkal (facundus) kizunkalî (poësis) — nr. 607. bingan, bang, bungun? altn. bâng (pulsatio) bânga (pul- sare); plattd. bunge (tympanum). — [ aírr , arr , aúrr ] nr. 608. snaírran, snarr, snaúrrun (strepere)? mhd. snar, -rres (strepitus) snarren (sonare) nhd. schnarre (turdus) schnarchen (stertere); mhd. snurren (sonum facere celerem et tremulum) — nr. 609. spaírran, sparr, spaúrrun (patere, ringere)? alth. sparro, mhd. sparre (vectis, trabs, pessulus) alth. sperran (claudere) in-sperran (recludere) nhd. gesperre (contignatio) altn. sperra (repagulum) sperra (distendere); verwandt mit 575? — nr. 610. staírran, starr, staúrrun (rigere)? nhd. starr (rigidus) starren (rigescere); goth. andstaúrran (an- starren) mhd. storre (truncus). — [ aírm , arm , aúrm ] nr. 611. vaírman, varm, vaúr- mun (tepere, calere)? alth. warm, altn. varmr, ags. vëarm (tepidus, calidus) goth. varmjan (calefacere) altn. verma (fovere); goth. vaúrms, alth. wurm, ags. vyrm, altn. ormr (vermis, anguis) nach dem glauben, daß würme durch wärme und fäulnis gezeugt werden Snorraedda p. 15. die zwerge entspringen aus fäulnis in wurmgeftalt; yrmlîngr, würmlein, nicht bloß vermiculus, sonderu überhaupt catulus, brut, kleines geschöpf, das eben ausschloff, fotus a fovendo. , oder daß sie faul, eiterig, giftig sind? vgl. altn. eitr-ormr (serpens) ags. hand-vyrm (paronychia, geschwür, wurm am finger) ags. vorms (pus, sanies) alth. wërmuot (oder wermuot?) ags. vërmôd, vormôd (absinthium, wärmen- der, bitterer, beißender trank, schwerlich wurmvertrei- bender, obwohl engl. wormwood, nnl. wormkruit). — [ aírn , arn , aúrn ] nr. 612. skaírnan, skarn, skaúr- nun (irridere)? alth. skërn (scurrilitas) scirno (scurra); altn. skarn, ags. skëarn (lutum, stercus). — nr. 613. kaír- nan, karn, kaúrnun? alth. chërn, chërno (granum); chorn (frumentum) alts. curni, goth. kaúrn, kaúrnô (fru- III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. mentum) — nr. 614. haírnan, harn, haúrnun? alth. hirni, altn. hiarni (cerebrum) altfries. hërne (angulus); goth. haúrn, alth. horn (cornu, gleichs. aus dem hirn gewachsen) ags. hyrne (? hirne, angulus) — nr. 615. faír- nan, farn, faúrnun? goth. faírnis, alth. virni (vetus); altn. sorn. — [ aírp , arp , aúrp ] nr. 616. scaírpan, scarp, scaúr- pun? alth. sarf, scarf, altn. skarpr, ags. scëarp (acer, du- rus) altn. skerpa (acuminare); ags. scyrpan (acuere) alth. scursan, mhd. schürfen (excudere) altn. scorpa (vehe- mentia). — [ aírt , art , aúrt ] nr. 617. aírtan, art, aúrtun? kann ërz (metallum, das wachsende) sich mit goth. aúrts (her- ba) aúrti-gards (hortus) ags. ort-gëard, engl. orchard berühren? — nr. 618. vaírtan, vart, vaúrtun? goth. vaúrts, altn. urt, alth. wurz, ags. vyrt (radix). — [ aírd , ard , aúrd ] nr. 619. haírdan, hard, haúrdun (firmari)? goth. haírda (grex) haírdeis, alth. hirti, altn. hirdir (custos) ags. hëord (grex) hirde (pastor) altn. hird (satellitium) hirdr (tutus); goth. hardus, alth. herti, altn. hardr. ags. hëard (durus, eigentl. firmus); goth. haúrds, alth. hurt (janua, clathrum, munimen) alth. hort, ags. hord (thesaurus, a custodiendo?) wobei nur die goth. form huzd bedenken macht, vgl. unten ïzd, azd, uzd. [ aírþ , arþ , aúrþ ] mit senkung des þ in d. nr. 620. aírþan, arþ, aúrþun? goth. aírþa, alth. ërda, ags. ëorðe, altn. iörd (terra); alth. art, ags. ëard (solum, natura, indoles) alth. artôn (habitare, colere) artâri (cultor) ags. ëardjan (habitare) altn. ardr (aratrum) oder dies zu 571 b ? wie slav. ralo, oralo zu orati. — [ aírk , ark , aúrk ] nr. 621. staírkan, stark, staúrkun (rigere, pollere) alth. starah, ags. stëare, altn. sterkr (for- tis, rigidus); goth. staúrknan, altn. storkna (rigescere, erstarren) altn. styrkr (fortis), hierher wohl alth. storah ags. storc (ciconia) ags. styrc (juvencus)? — [ aírg , arg , aúrg ] nr. 622. aírgan, arg, aúrgun? alth. arac (tenax, avarus) longob. arg (iners, P. Diac. 6, 24) ags. earg, altn. argr (iners, deses, vecors); ags. yrgð, yrhð (segnities, ignavia) — nr. 623. kaírgan, karg, kaúrgun? mhd. karc, -ges (astutus) nhd. karg (tenax); mhd. kurc, -ges (lepidus, callidus) — nr. 624. vaírgan, varg, vaúrgun? goth. vargjan (condemnare) altn. vargr (latro, maleficus, lupus) ags. vëarh (furcifer) III. laut u. ablaut. verlorne starke verba. mhd. warc; ags. vyrgean (exsecrare, maledicere) mhd. würgen (strangulare, occidere); die ganze zus. stellung noch unsicher, selbst ob der stamm nicht aírh, arh, aúrh? — [ aírh , arh , aúrh ] nr. 625. þaírhan, þarh, þaúrhun (pertundere)? goth. þaírh (per) þaírkô für þaírhô (fora- men) alth. durah, durh (per) durahal, durhel, mhd. dürkel (pertusus) ags. þurh (per) þyrl (foramen) þyrel (perforatus). — [ ïsk , ask , usk ] nr. 626. friskan, frask, fruskun (vi- vere, vigere)? alth. sriscing (victima, i. e. geopfertes junges sleisch, caro recens) nhd. frischling (porcellus) mhd. vrisch (recens, vividus, viridis) altn. frëskr (viri- ridis, von katzenaugen); ital. frasca, franz. fraise (frische, wilde beere) gleich fresco, frais aus dem deutschen; alth. frosc (rana, von der grünen farbe) fruscinga (victima, i und u in diesem worte zweifelhaft, aber beide hierher dienend). — nr. 627. diskan, dask, duskun? alth. tisc (mensa) tisco (alumnus, commensalis) altn. diskr (patina); dask (ictus) daska (percutere) der übergang der bedeu- tung noch dunkel, alth. tasca (pera, auch wohl cista, vgl. gl. mons. 328. 396. sitarcia). — [ ïzd , azd , uzd ] dieser goth. formel würde die altn. ëdd, add, odd entsprechen, aber die alth. ërt, art, urt, welche schon oben der gothischen aírd, ard, aúrd pa- rallel lief, vgl. theil 1, 67. 126. 319. Wäre das goth. huzd und vielleicht azd nur gemilderte aussprache für haúrd, ard? vgl. nr. 619. 620. oder ist die alth. vermi- schung beider formeln unorganisch? Ablaut verräth sich in folgenden: nr. 628. ïzdan, azd, uzdun? altn. ëdda (proavia, vielleicht: origo generis? oder summa, aucto- ritas, acumen als name für die alten dichtungen?); oddr (cuspis, mucro), ags. ord (acies, acumen, initium) alth. ort (margo, extremitas, initium, ort-vruma auctori- tas) — nr. 629. brizdan, brazd, bruzdun? altn. brëdda (culter brevis) ags. brërd (? brëord) summa, margo; alth. prart (ora, labrum, labium); prort (idem) ags. brord (punctus, spica frumenti) altn. broddr (aculeus, telum). — [ aíhs , ahs , aúhs ] nr. 630. faíhsan, fahs, faúhsun (comari)? alth. vahs, ags. fëax, altn. fax (coma)?; alth. vuhs, ags. altn. fox (vulpes, das haarige thier?) vgl. nr. 550. haso. — nr. 631. laíhsan, lahs, laúhsun (splen- dere)? alth. lahs, ags. leax (salmo); alth. luhs, ags. lox (lynx). — III. laut u. ablaut. verwaiste wurzeln. C. verwaiste wurzeln. Von den der sprache verbliebenen starken verbis ist eine ansehnliche zahl wortbildungen, welche sich ohne zweifel noch sehr vermehren läßt, dargelegt wor- den. Sodann habe ich eine gleichfalls nicht geringe reihe von wörtern, die mir im verhältnisse des lauts und ab- lauts zu stehen scheinen auf verlorene starke stämme zurückzuführen gesucht. Was im einzelnen verfehlt wurde mag sich aufheben gegen das richtige, welches fortgesetzter forschung hinzuzufügen vorbehalten bleibt. Im ganzen betrachtet kann immer angenommen wer- den, daß aus den solchergestalt nachgewiesenen quellen über siebenthalbhundert deutscher wurzeln eine unzahl von wörtern aller art in größter fülle und fruchtbarkeit ströme. Sie machen die deutlichste kraft und grundlage unserer sprache aus. Es bleibt aber eine wo nicht gleiche, doch bedeu- tende masse von wörtern zurück, die auf ihren ein- fachen bestandtheil geführt, d. h. aller ableitungsbuch- staben entbunden, der vergleichenden untersuchung wei- ter keine verhältnisse des lauts und ablauts darzubieten scheinen. Sie nenne ich verwaiste wurzeln. Nur nach dürrer, unsicherer analogie laßen sie sich in die ablau- tende conjugation einstellen, während bei den unter B angeführten wörtern einstimmige verwandtschaft mehrerer glieder eines geschlechts den schluß auf den untergegan- genen stamm wahrscheinlich machte. Statt von solchen allein stehenden wörtern im all- gemeinen unnöthige beispiele zu geben, will ich die gründe entwickeln, welche hier dem etymologen große behutsamkeit anzuwenden rathen: a) die regeren kurzen vocale a, i, u sind schwieriger zu faßen; außer den s. 6. angeführten formeln, welche zweimahl verschieden vorkommen können, haben uns die vermuthlichen starken verba noch folgende weitere ergeben: ïl steht VIII und IX; um , un stehen IX und XI. Zweifelhaft würde also z. b. sein, ob das alth. suan, altn. svanr (cignus) von svinan, svan oder von svanan, svôn stamme? zweifelhaft, ob das goth. nati (rete) der form natan, nôt oder nitan, nat, nêtun an- gehöre? für jenes ließe sich etwa nôta (puppis) her- beiziehen, für letzteres mit mehr wahrscheinlichkeit alth. nëƷila, ags. nëtele (urtica), aus der man faden III. laut u. ablaut. verwaiste wurzeln. spinnt; die in der bedeutung wieder ablenkenden nats (madidus) natjan (rigare) führen auch in der form nicht weiter. Solche bedenken in vielen fällen. Viel- leicht lehrt sie die sorgsamer untersuchte ableitungs- lehre (cap. II.) manchmahl entscheiden. b) kurzer vocal mit doppelter consonanz weist in der re- gel auf conj. XII. z. b. fisc (piscis) auf den ablaut fasc; theils aber scheint auch hierbei die ableitungslehre noch nicht weit genug vorgerückt, um die beschaffenheit des hinteren vocals überall sicher zu beurtheilen, theils zeigte buch I, daß viele cons. geminationen später ent- sprungen sind. Wer wollte aus einem nhd. held (he- ros) fels (rupes) henne (gallina) hülle (tegmen) ein hël- den, vëlsen, hinnen, hillen schließen! Das goth. vullô (lana) deutet mit mehr schein auf ein villan, vall, vul- lun, als das mhd. bal, -lles (pila) auf bëllen, bal, bul- len nr. 333. führt, welches mit unvereinbarer anderer bedeutung schon vorhanden ist. Vergleicht man boln, alth. polôn (jacĕre) so wird die form bëln, bal, bâlen, boln (nach XI.) viel glaublicher. c) der lange vocallaut, schwerfälligerer natur, bezeichnet an sich jedesmahl eine bestimmte starke conjugation, folglich führt goth. hrôt (tectum) auf hratan, hrôt; þeihvô (tonitru) auf þeihvan, þáihv, þaíhvun; stáins (lapis) auf steinan, stáin, stinun; áusô (auris) auf ïusan, áus, usun; liuþ (cantus) auf liuþan, láuþ, luþun; mêna (luna) auf minan, man, mênun, munans etc. Gleichwohl wäre der schluß in allen fällen trügerisch, wo contraction und consonantauflösung den diphthon- gen erzeugt haben könnte, wie in späteren mundarten häufig geschieht, das mhd. meit (virgo f. maget) das nhd. hain (lucus aus hagen) weisen daher auf kein mî- den, meit, hînen, hein. Auch ältere dialecte gewäh- ren dergleichen unorganische diphthongen. Das altn. haukr (accipiter) läßt sich nicht zu hiuka (fovere) stellen, es entsprang aus havekr, hafukr (ags. hëafoc, alth. hapuh); eben so wenig ist gaukr (cuculus) ablaut von giuki (nom. pr.), welches aus giveki, gifeki, alth. kipihho erklärt werden muß. Ein merkwürdigeres beispiel gewährt das alth. poum (arbor) und viel- leicht andere subst. auf -oum mehr, ich führe sie nicht auf eine starke sorm ïuman, áum, umun zurück; poum, früher paum entspricht dem goth. bagms, altn. E III. laut u. ablaut. verwaiste wurzeln. badmr, scheint folglich aus pagam (wie später meit aus maget, magit) hervorgegangen Diese wahrnehmung wird wichtig für das ags. eá (1, 238.), das verwiekelter und abgewichener, als das alth. au, ou erscheint; aus bägm, bëagm wurde bëavm, beám (stipes, arbor, lignum) vgl. bŷm (tuba, blaseinstrument aus holz). Doch bleiben zweifel; teám, ahd. zoum gemahnt an nr. 320! . d) andere schwierigkeit machen späterhin vergröberte und vermischte consonantverhältnisse. Namentlich zähle ich hierher die weitgreifende verwandlung des s in r und die aphärese der spiranten h und v. Wenn jener zarte unterschied zwischen s und r individuelle wurzeln bildet, z. b. nr. 292. visan nr. 572. vaíran; nr. 547. svisan, nr. 328. svaíran; nr. 548. kisan, nr. 576. kaíran, ohne vergleichung mehrerer mundarten daher, zu welchem stamme das alth. char (vas) gehöre, [es dürste formell zu beiden letzteren nicht nur, sondern auch zu einem karan, kôr oder kasan, kôs] unbestimmbar sein würde; so sind verwaiste wurzeln mit diesen buchstaben nicht leichtsinnig aus ihrem dunkel zu reißen. Das alth. peri (bacca) fügt sich nicht zu baíran (nr. 325.) weil die goth. form basi lautet, welches ein bisan, bas, bê- sun verlangt, oder zu basan, bôs (nr. 484.) fällt. Dem worte stâr (sturnus) z. b. getraue ich mir nicht seinen stamm anzuweisen, etwas leichter wäre es für alth. aro (aquila) altn. ari, wo auch im goth. ara das r bleibt, also kein ïsan, as, êsun, eher ein aíran, ar, êrun, aúrans, da andere gründe wider ein aran, ôr stimmen. Ferner, da in den späteren mundarten, nach abgefallenem anlaut h und v, ganz unterschiedene wurzeln scheinbar vereinigt werden, so sind wörter mit anlautendem l, n, r, v, wo bedeutung und analogie keinen ausschlag gibt, lieber als verwaiste wurzeln aufzustellen und nicht unvorsichtig mit anderen wör- tern zu verbinden, die mit ihnen auf gleicher reihe oder selbst im ablaut zu stehen scheinen. Viele etymo- logen halten z. b. die mhd. wörter wolf (lupus) und wëlf (catulus) für einer wurzel, da sie ursprünglich gar nichts, weder an- noch auslautend miteinander gemein haben (jenes goth. vulfs, alth. wolf, wolves, altn. ûlfr; dieses alth. huëlf, huëlfes, altn. hvëlpr). — e) fremde eingeführte wörter sind in der regel nicht auf ein deutsches ablautsverhältnis zu beziehen, noch mit echtdeutschen, die ihnen buchstäblich verwandt schei- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. nen, zu verbinden. Das goth. faskja (lat. fascia) kann mit fisks (piscis) nichts gemein haben. Manche sehr frühe aufgenommene wörter verbergen aber ihren ausländischen ursprung, wenige, wie scrîben, prîsen, haben sich ausnahmsweise starke conjugation errungen. Ueber einzelne bleibt die untersuchung zweifelhaft, so z. b. scheint das alth. weit (isatis) verglichen dem ags. vâd, engl. woad echtdeutsch auch formell mit alth. wît, ags. vîd (amplus) vereinbar, schwerer mit alth. witu, ags. vudu (lignum), alle bedeutungen sträuben sich, man müste denn weitîn, das gewöhnlich durch caeru- leus (hrab. 956 b ) zuweilen durch aëreus (doc. 243 a ) glossiert wird, dem begriffe raum, weite, luft verwandt erklären; woher aber das s, welches romanische for- men jenes wortes einschalten: guaisda, waisda, guesde, guastum? vgl. Bruns beitr. zum deutschen recht p. 386. — Schlußbemerkungen . 1. Etymologie will die mannigfaltigkeit der gereiften sprache auf anfängliche einfachheit der formen und be- griffe zurückführen. Daß es hier um zweierlei zu thun sei, um den buchstaben und um den geist, haben leicht alle eingesehen. Das leibliche mit seinen stufen und far- ben reicht nimmer aus, die gänge und wege von sinn auf sinn, von gestalt auf gedanken zu deuten, denen sich die menschliche seele ergibt; dahingegen in dem meere der begriffe alle bedeutungen, wenn sie nicht durch die formen der sprache geordnet und festgehalten werden, fehl und irre schweifen. In der deutschen etymologie ist aber bisher das körperliche princip zur ungebühr ge- ring geschätzt worden; von einer groben einsicht in laut und formverhältnisse ausgehend hat man sich ihrer an- wendung auf den begriff unterfangen und viel zu frühe die vergleichung fremder verwandter sprachen hineinge- zogen. Unerkannt blieben die gemeßene färbung der vocale, die so tief eingreift, die genaue abstufung der consonantischen organe, die der untersuchung förderliche dialectische abweichung in beiden Ten Kate hat die ablaute zuerst in ihrer wichtigkeit her- vorgehoben, nur die vocalunterschiede nicht strenge genug, am wenigsten die der consonanten beobachtet. . Vocale nach orien- talischer weise für gleichgültig angesehen, in den conso- E 2 III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. nanzen harte, zu keiner zeit erlaubte wechsel zugelaßen, kostete es geringe mühe, die verschiedenartigsten wurzeln zu vereinbaren oder unter willkürliche bedeutungen zu zwängen. Und mit irgend einem der heutigen dialecte ist wenig anzufangen, wenn nicht die sämmtlichen übri- gen, voraus die ältesten, hinzugenommen werden. 2) Indem ich der falschen methode auszuweichen trachte, scheint mir freilich, daß ich eine richtigere noch sehr unvollkommen ausübe. Liegen, darf gezweifelt wer- den, jetzt schon alle verhältnisse deutscher buchstaben und laute am tage? kann nicht fortschreitende feinere zergliederung derselben erst den blick auf den rechten etymologischen grund und boden leiten? Ich antworte mit einer unterscheidung. Die bestimmung der einzelnen buchstaben und laute, ihrer zusammensetzung und ver- änderung läßt sich gewis noch erweitern und, da in die- ser hinsicht die jüngeren mundarten so grob, die älteren so fein erscheinen, genauere bekanntschaft mit den letz- teren wünschenswerth bleibt festsetzung und durchführung des richtigen unterschieds zwischen d und ð beim altnordischen in- und auslaut; ich habe 1, 315 die ungenügende Raskische regel bezweifelt, hernach doch befolgt, in gegenwärtigem bande be- stimmt verlaßen, so oft mich die analogie der übrigen mundarten dazu berechtigte. Die reiche nordische sprache besitzt nur so manche wörter ausschließlich, wo man leider nicht weiß, ob ihnen med. gebühre oder asp. wird uns neue ansichten eröffnen, um deren willen manche der von mir versuchten etymologien auf- zugeben sind. Was aber den ablaut, die eigentliche grundlage des ganzen capitels angeht, so glaube ich nicht, daß in dieser lehre noch bedeutende änderungen erfolgen können. Alle deutschen sprachen ohne ausnahme bewah- ren die tiefgewurzelte unterscheidung der sechs ablau- tenden conjugationen bis auf den heutigen tag. Die go- thische, die formreichste, besitzt hier nicht mehr als die neuenglische, die formärmste. Einzelne verba dieser sechs classen verblühen, die abtheilung selbst dauert fort und ausgestorbene stämme haben wortbildungen hinterlaßen, welche der nämlichen abtheilung zugethan bleiben, durch- aus keine andere zu erkennen geben. Es ist darum un- wahrscheinlich, daß die vollständige goth. mundart oder eine noch reichere frühere ein weiteres, unbekanntes verhältnis des ablauts beseßen habe, bloß in jeder classe erfreuen sie sich einer reicheren zahl von wörtern. Hier- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. durch wird, dünkt mich, die hauptrichtung deutscher wurzelforschung unwandelbar und erschöpfend vorge- zeichnet. 3) ein anderer erheblicher zweifel scheint der: müßen sich denn alle und jede deutschen wörter aus diesem verhältnisse des lauts und ablauts erklären laßen? Unsere sprache stehet bei ihrem ersten historischen auftreten be- reits in einer beträchtlichen ferne von ihrem ursprung, d. h. ihrer individuellen niedersetzung. Unleugbar hat, gerade wie sie noch heute eine menge formen und flexio- nen fortfuhrt, welche wir nicht aus ihrem jetzigen stande, vielmehr nur aus dem uns gegebenen früheren zu deuten vermögen, sie schon damahls dunkle und zer- trümmerte formen beibehalten, deren befriedigende er- klärung erst aus dem uns nicht mehr gegebenen anfäng- lichen stande zu erwarten wäre. Es soll aber auch nicht jedes wort auf diesem wege wirklich erläutert werden, sondern nur behauptet, daß in seiner inneren gestaltung an sich nichts im widerspruch stehe mit der zwar fort- rückend vollständiger, niemahls ganz zu lösenden auf- gabe. Daß in der that keine solche äußeren widersprüche stören rechtfertigt den zusammenhang des ablautenden princips mit dem element der deutschen sprache. Ihr ganzer stoff ist durchsichtiger geworden, als der irgend einer andern mir bekannten sprache; durchsichtiger, d. h. wir sehen oft noch auf den grund, wenn wir auch nicht dahin reichen. 4) Will jemand einwenden, die unter B. angeführ- ten wörter, gleich andern nichtangeführten, seien noch kein nothwendiger schluß auf den jemahligen bestand der vermutheten starken verba, sondern nur in allgemeiner analogie unbewußt den herrschenden vocallauten gemäß gebildet; so heißt das eine lebendige, wahrscheinliche erklärung rauben und eine mechanische, unwahr- scheinliche für sie hinstellen. Auf beispiele des lauts und ablauts, die sich bloß mit hülfe späterer mundarten, nicht aus den älteren an sich, aufbringen ließen, würde sie am ersten passen. So könnte z. b. das mhd. trëhten (dominus) verglichen mit dem alth. truntìn, altn. drottinn auf rohem wechsel des ë und o (1, 336.) zu beruhen scheinen, keineswegs auf einem verbo drëhten, draht, druhten (wie vëhten, vaht, vuhten); den ausschlag ge- ben müste das ags. drihten, wenn es mit sicherheit der schreibung dryhten vorzuziehen ist. (1, 226, 268.) Schein- barer wäre folgendes beispiel: die mhd. eigennamen diet- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. leip, ortleip, gotleip etc. lauten nhd. dietlieb, ortlieb, gottlieb, man sprach so, weil und seit man blieb, trieb, schrieb f. das mhd. bleip, treip, schreip sprach. Doch gerade hier waltet offenbarer ablaut, -leip gehört zu nr. 130. und bedeutete ursprünglich relictus, permanens augenscheinlich bedeutet-lieb hier nicht-carus, gottlieb nicht Deo carus; die goth. oder ags. formen wären þiudláibs, guþláibs, uzdláibs; þëódlâf, godlâf etc. die goth. urkunde von Arezzo liefert dagegen ein wirkliches guþliubs, wenn richtig ge- lesen wurde. , berührt sich also genau mit beleip, blieb (remansit), die innere berührung war längst unverstanden, aber wie durch geheimen instinct wandeln sich diese ablaute einer reihe gleichmäßig nach jeder färbung der zeiten. Das ist im nhd. nicht überall geschehen, z. b. heiƷ bleibt heiß und wird kein hiß (wie reiƷ riß); durch ähnliche in- consequenzen sind die nhd. lautverhältnisse oft aus der fuge gerathen. — 5) gewisse erscheinungen des ablauts laßen sich aber nicht anders beseitigen, als durch die annahme, daß der- selbe wortstamm zuweilen zwei oder mehr starke verba gezeugt hat, das zweite ist aus dem ersten erwachsen und in so früher zeit, daß es selbst wieder des ablauts fähig wurde. Nicht nothwendig begreift die starke conjugation unabgeleitete wurzeln (1, 839.), aber nur selten haben sich beide formeln nebeneinander erhalten, meistens ist die ältere, zuweilen die jüngere verloren. Ich unter- scheide drei arten ob es nicht noch einige mehr gibt? nämlich berührungen der VIII. und IX. mit der X. und XIten? Denkbar wäre, daß das i des pl. VIII. und das u des pl. IX. ein praes. X. (vgl. tru- dan nr. 283. f. tridan) zeugte. Ich wüste kein beispiel außer stri- kan (nr. 553 b ) und streikan (nr. 184.) Einfluß der IX. auf die XIIte geht aus der anmerkung s. 72. hervor. der aus reinen wurzeln stammen- den dennoch starken verba: α ) verba der siebenten entspringen aus dem praet. sg. älterer der zehnten und eilften conjugation: ma- lan, môl (nr. 69.) aus mal von milan (nr. 560.) ohne letzteres ließen sich mëlo, mâl etc. nicht erklären; — galan, gôl (nr. 67.) aus gal von gilan (nr. 564.), die begriffe von farbe und ton einander berührend; — vielleicht halan, hôl (nr. 465.) aus hal von hilan (nr. 314.)? hâli (lubricus) bezeichnet den übergang in III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. die bedeutung von heimlichem schleppen und schlei- fen; — aban, ôf (nr. 474.) aus af von ïban (nr. 540.)? avar (iterum) könnte vermitteln; — standan (nr. 72.) ver- hält sich zu studan (nr. 545.) fast wie das slav. staniti zu stati; — gewagter scheint stalan, stôl (nr. 464.) aus stal von stilan (nr. 313.) zu leiten? den gang der begriffe könnte niman erläutern, das wie stilan auferre heißt, wie nama (nomen, ordo, status) sich mit stal (locus, sta- tus) vergleicht; — bestätigung der form swuoli (tepidus) st. swuli würde zu einem svalan, svôl aus sval, svilan (nr. 317.) nöthigen; — sind faíran, far (573.) und faran, fôr (nr. 73.) verwandt? — fatan, fôt (nr. 479.) erklärt nicht auslänglich alle wortformen, namentlich fordern das altn. fiötur, alth. vëƷar (compedes) das altn. fit (ruga, plica) fitja (plicare) ein verlorenes fitan, fat; — vahsjan (nr. 108.) scheint aus vaíhan, vah entsproßen, woraus sich das alth. wâhi (venustus) und vielleicht vaíhts, wiht sammt andern, die ich zu nr. 201. ge- schlagen habe, verständigen? — hiermit fällt endlich auch erwünschtes licht auf ginuht nr. 489. vergl. mit naíhvan nr. 559. β ) die zweite classe ist zahlreicher und begreift sämmt- liche verba der zwölften conj., die wegen ihrer doppel- ten consonanz niemahls reine wurzel zu enthalten schei- nen, der zweite hinzugetretene cons. nämlich ist unorg. gemination oder ableitungsbuchstabe. Sie entstehen aber entw. aus dem plur. praet. der achten, oder aus dem praes. der zehnten und eilften. Die, welche ich zur zeit auf diesem wege nachweisen kann, sind folgende: billan (nr. 333.) setzt ein verlorenes beilan, báil, bilun voraus (nr. 493.) dunkeler bedeutung, aus welchem aber das mhd. bîl (latratus, Ulr. Trist. 3207., momentum, quo canes feram captam allatrant?) niederhess. noch heute beil, ferner das altn. bil (momentum) alth. piladi (imago) u. a. m. gedeutet werden müßen; — glimmen (nr. 364.) aus glîman (nr. 495.); — sincan (nr. 398.) aus sîgan (nr. 189.) — svîndan (nr. 386.) aus sveinan (nr. 115.), im alth. und mhd. bestehen beide starke verba gleichzeitìg; — ganz analog fließt aus geinan (nr. 117.) ein mhd. ginden (hiscere) zu dem ich aber das praet. gant noch nicht gefun- den habe; — das dunkle þaíhsan, dëhsen (nr. 462.) gehört wohl zu þeihan (nr. 197.)? — gilpan (nr. 345.) führe ich auf gilan (nr. 564.) das folglich zwei starke verba zeugt, galan und gilpan; — brimman (nr. 359.) stammt aus ver- lornem briman, bram, brêmun, brumans, wovon noch III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. das alth. prëmo (oestrus) übrig; — grimman (nr. 361.) aus verlornem griman, gram, grêmun, grumans woher altn. gramr (fremens, iratus) mhd. gram, altn. gremja (offendere) etc.; — þinsan (nr. 396.) aus þinan (nr. 571.); — finkan (nr. 601.) aus verlornem finan, fan, fênun, funans (lucere, ardere) wovon goth. funa, altn. funi (ignis) viel- leicht goth. fana, alth. vano (linteum, a splendore?) und noch andere; — sollte milkan (nr. 353.) zus. hängen mit milan (nr. 560.)? vgl. die ähnlichkeit der milch mit dem mehl und schnee (altn. miöll nix, mialli candor); — faíhtan (nr. 460.) mit faíhan (309) und fahan (nr. 18.)? doch faihsan (630.) scheint ein verlornes fiuhan, fáuh faúhun vorauszusetzen, aus dessen pl. praet. noch faúhô (vulpes f.) übrig ist, so daß sich aus dem pl. praet. neunter ein pl. praet. zwölster und daraus das ganze thema gebildet hätte? bestätigung gewährt nr. 621. 631. das auf stiuran nr. 521. und liuhan nr. 538. weiset. — Andere wird fortgesetztes studium entdecken; begehrt die theorie für jedes verbum zwölfter conj. einen einfache- ren starken stamm, so sieht man, da sich nur wenige nachweisen laßen, welche menge untergegangen ist. γ ) die dritte, wiederum zahlreiche classe bezieht sich auf die reduplicierenden conjugationen, von welchen nach- folgende anmerkung handelt. 6) bisher ist, bei der ganzen anwendung des systems starker conjugation auf die wortbildung, der reduplicieren- den gar noch nicht erwähnt worden. Denkbar wäre nun, so gut der ablaut des praet. auf andere wörter ein- fließt, daß auch die verdoppelung des praet. auf sie ein- flöße. Durch alle deutschen sprachen gilt aber die aus- nahmlose regel: reduplication, auf das praet. ind. und conj. beschränkt, nicht einmahl in das participium über- tretend, erstreckt sich nie in die übrige wortbildung. Die bloß reduplicierenden verba stehen darin den schwa- chen verbis gleich, daß der vocallaut des praesens in allen davon gebildeten wörtern bleiben muß. Beispiele: alth. val, -lles (casus) valla (decipula); goth. salt (sal); valdufni (potestas); goth. gastalds (possessor) alth. haku- stalt (coelebs); alth. spalt (rima); mhd. schalte (contus); goth. -falþs (-plex); alth. hals (collum); mhd. ban (in- terdictum); spanne (sibula); goth. gafahs (captura) alth. vanc; goth. faúrahah (velum) alth. vorahanc; kanc (itio, ambulacrum); heiƷ (jussio); untarsceit (discrimen); goth. fráistubni (tentatio); alth. pigiht (confessio); leih, altn. III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. leikr (ludus); alth. hlouf (cursus); hruof (clamor); goth. havi, alth. houwi (foenum) altn. högg (verber) schweiz. hau (Stald. 2, 25) nhd. verhau (ligna caesa); alth. stôƷ (pulsus); anapôƷ (incus) altn. bauti (compulsor); blôt (sacrificium) goth. blôstr; alth. scrôt-îsarn (scalprum); vluoh (imprecatio); slâf, goth. slêps (somnus); vielleicht leitils (parvus) f. lêtils? altn. læti (gestus); grâtr (planctus); alth. rât (consilium); prâto (petaso); plâsa (bulla) plâst (flatus); pâka (lis). Einzig und allein ließe sich hiergegen das nhd. subst. hieb (ictus) einwenden, darf aber umsoweniger für eine wahre ausnahme geachtet werden, da es den älteren und übrigen dialecten, ja unsern meisten heutigen volksmund- arten fremd ist und sich offenbar nach den selbst unorga- nischen nhd. praet. schrieb, blieb, trieb in später zeit gestaltet hat. Man bildete das subst. hieb, wie trieb (propensio) st. des mhd. trip. Die neben der verdoppelung zugleich ablautende fünfte und sechste conj. wäre an sich auch ablautender wortbildung fähig. Inzwischen gewährt die goth. sprache keinen beleg dazu, in den übrigen schwanken diese verba, d. h. sie werden entw. rein reduplicativ, und dann gilt von ihnen die regel, oder reinablautend, wohin bloß das altn. taka (nr. 64. nicht tâka = goth. têkan) gehört, wel- ches völlig nach conj. VII. zu beurtheilen, mithin für ab- lautende bildungen empfänglich ist, vgl. die altn. eigen- namen tôki und palnatôki, so wie tœki (occasio) tœkr (idoneus); stammt aber têkan aus takan, lautet das mhd. vâhen früher fahan, so darf auch brâten (assare) auf ein älteres braten und der ablaut bruot (genimen) brueten (so- vere, wärmen) auf es bezogen werden. Jene regel, der mangel aller aus dem praet. gezoge- nen wortbildungen spricht klar dafür, daß die allmählige zusammendrängung der reduplication in die doppelvocale ie und ê die natur organischer ablaute niemahls erreichte. Desto weniger dürfen die wahren ablaute aus früheren reduplicationen erklärt werden. Die ablautenden conju- gationen sind älter als die reduplicierenden und diese, wie schon ihr schwerfälliger langer vocal oder ihre doppelte consonanz zu erkennen gibt, aus jenen entsprungen. Hiermit nimmt die folgende den schluß der vorherge- henden fünften bemerkung wieder auf. 7) den ablaut aller deutschen wortbildung zum grund gelegt, offenbaren sich im allgemeinen drei abstufungen, auf denen der sprachgeist vorrückte. Die erste erkenne III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. ich in aus reinen ablautenden wurzeln gezeugten unein- fachen, dennoch wiederablautenden (anm. 5.) verbis. Als diese kraft erlosch, wandte sich die sprache zur redupli- cation, ohne von den formen starker flexion sonst etwas nachzulaßen. Mit der schwachen conjugation entsprang die dritte stufe. Das ganze verhältnis läßt sich auch so bezeichnen: reine wurzeln drücken die vergangenheit durch bloßen vocalwechsel aus (conj. XI. X. VIII. IX.) auf der ersten stufe wurden noch einige neue vocalbe- stimmungen deutlich und unstörend befunden, um die herrschaft des ablautenden princips über wurzeln zu er- strecken, die schon aus reinen ablauten herstammten (conj. VII. XII.). Die zweite stufe bildete ihr praet. durch vornen angesetzte wiederholung der wurzel oder eines stücks der wurzel (conj. I-IV.) zuweilen mit noch darunter gemischtem ablaut, (conj. V. VI.) welche mi- schung uns nur die goth. sprache, keine spätere wahr- nehmen läßt. Endlich drittens muste die vergangenheit durch eine mit der wurzel hinten verwachsende, noch nicht befriedigend erklärte anfügung einer auxiliaren wurzel bewirkt werden (schwache conj.). Was die auseinandergesetzte entstehung der zweiten abstufung merkwürdig bestätiget, ist, daß gerade aus jeder einzelnen ablautenden conjugation auch eine reduplicative form hervorzugehen scheint, aus VII. entsteht III; aus VIII:II und V; aus IX:III; aus X:IV und VI; aus XI:IV und VI; aus XII:I. Nachzuweisen aber und zu vermuthen vermag ich nur folgende: saltan (nr. 3.) stammt aus verlornem siltan, salt, sultun, wovon das mhd. sulze, nhd. sülze (salsugo) über ist, siltan selbst mag wieder aus silan, sal, sêlun, sulans herrühren, vgl. th. 1, 826. über sal-t; — valdan (nr. 6.) habe ich aus vilþan (nr. 582.) geleitet; — staldan (nr. 7.) aus stalan (nr. 464.) vgl. kistaltê (collocet) gl. jun. 259. — spannan (nr. 14.) stammt aus spinnan (nr. 375.); — fahan (nr. 18.) aus faí- han (nr. 309.) die später damit verflochtene nebenform fangan aber aus fingan (nr. 603.); — hangan (nr. 19.) aus hingan (nr. 605.) die nebenform hahan begehrt ein ana- loges haíhan, woher vielleicht das goth. dunkle haíhs (monoculus, hangendes, verhängtes auges? suspensus?) vielleicht das alth. hëhera (graculus)? — gangan (nr. 20.) aus gingan (nr. 604.) die nicht unvermuthliche neben- form gaíhan könnte dann doch das nhd. gêhen (f. gëhen) rechtfertigen, zugleich das alth. kâhôn, mhd. gâhen (praevenire, celerare) gæhe (celer, impetuosus) aufhel- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. len. — háitan (vocare nr. 23.) aus heitan (calere nr. 499.) zu leiten scheint gefährlich, anführen ließe sich dafür, daß analoge wörter z. b. mhd. grueƷen, ags. grêtan außer clamare, vocare den sinn von hortari, excitare, compellere, also incendere haben (vgl. hitzig, hestig, aufgeweckt) und das altlat. calare ( καλεῖν ) nahe an calere rührt; — skáidan (nr. 25.) setzt ein skeidan, skáid, skidun voraus und ein alth. scitôn (nr. 163.) ist erweislich, sonst aber unerklärbar; — láikan (nr. 30.) beziehe ich auf leikan (nr. 183.); — lêtan (nr. 56.) laßen, gewähren laßen, in friede laßen, fordert ein verlornes litan, lat, lêtun (quiescere?) von welchem das goth. latjan (tardare) lats, alth. laƷ (deses, piger) lezan (impedire, irretire) mhd. letzen (impedire, gewöhnlich laedere) letze (finis, obsta- culum) geblieben sind; wie neben leitils (s. 73.) ahd luzil etc. statt findet, erklärte sich dann eher. — verwâƷan (nr. 59.) findet sich genau in dem lat. abolere und stammt, wie dieses von olere, von wâƷe (odor) ab, gehört folglich zu wiƷan (nr. 259.) verwâƷan ist abolitus, ἐξαλειφθείς, was den geruch verliert, abstirbt, daher die bekannte fluchformel: sî verwâƷen, abolescat! — râtan (nr. 59.) könnte nebst raþjan (nr. 86.) von einem untergegangnen riþan, raþ, rêþun herrühren, man erwäge die dunkeln wörter alth. taka-ruod, mnl. daghe-raed, mnd. dage-rât (crepuscu- lum, tageskunft) und gerâten in der bedeutung von wer- den, kommen. — Einige laßen sich nicht geradezu, son- dern nur unter voraussetzungen erklären. So scheint mir wallan (nr. 2.) unabhängig von wëllan (nr. 336.) zu sein und auf ein verlornes wëlan, wal, wâlun (fervere) zu führen, von dem noch das adj. wal (tepidus) vor- handen ist. Diese vermuthung wird vielleicht selbst durch das einfache l im reduplicierenden praet. wiel bestärkt? Resultat der sechsten bemerkung ist also: für wort- bildung bleibt das princip der reduplication gleichgültig, [doch vgl. cap. IV. die interjectionen], die ihm unterwor- fenen verba stammen selbst aus älteren ablautenden. 8) die ganze entwickelung, wenn sie beifall findet, wird zugleich eine zweckmäßige ordnung der conjuga- tionen bestimmen, welche ich im zweiten buche noch nicht gehörig erkannt habe. So wie die schwache flexion erst nach der starken abgehandelt wurde, muß die redu- plicierende der ablautenden nachstehen. In der ablauten- den gebührt der VII. und XII. die unterste stelle, obenan gehört XI, dann X. und darauf folgen VIII. IX, welchen beiden gleicher rang zukommt. XI. erscheint als die III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. älteste, auch in der form vollkommenste, denn sie allein verändert den laut dreimahl, X. VIII. IX. nur zwei- mahl, VII. nur einmahl, XII. zwar zweimahl, doch ihr weisen die gehäuften consonanten den letzten ort an. Diese rangordnung gewinnt durch die vergleichung der wortbildungen ein besonderes gewicht, es ist augenschein- lich, daß die stämme der eilften conjugation die frucht- barsten und tiefgreifendsten sind. Außer der fülle von wörtern, mit ihren vier vocallauten erzeugt, können aus ihnen neue stämme in VII. und XII. und in der redupl. form erwachsen. In den andern sinkt der bildungstrieb, am sichtlichsten in VII. und XII, die zwölfte ist die un- behülflichste. Die edelste naturkraft kann sich nur eine zeitlang durch sich selbst halten und ausbreiten, sie ver- siegte, wo sie nicht durch äußere beimischungen neue be- lebung empfienge. Ein einziger grundzug der sprache zeigt uns diese richtung an, es ist aber ihr gang über- haupt in allen zügen. — 9) eine frage, deren weitführende wichtigkeit und schwierigkeit ich wohl begreife, ist: ob man den grund- satz, daß zwei verschiedene wurzeln auch in dem buch- staben nothwendig verschieden sein müßen, anerkennen dürfe? Mit andern worten: ob zwei äußerlich zusam- menfallende wurzeln innerlich einander ganz fremd sein können? Gälte letzteres, so würde dadurch die wurzel- forschung begrenzt und gehemmt, jeder ablenkenden be- deutung zu gunsten ein gesonderter stamm aufgestellt werden müßen und die menge der wurzeln unabsehlich sein. Dagegen, wenn erstere annahme statt fände, haupt- geschäst des etymologen bliebe, die individuelle form jeder wurzel sicher zu stellen, dann aber alles, was sich zu denselben buchstaben bekennt, schienen die bedeutun- gen noch so abweichend, unter ihr zu vereinigen. Ich halte dafür, daß das letztere verfahren der würde deutscher sprache angemeßen und am ende allein frucht- bar ist. Jene bloß analytische methode kann nur be- schränkt wirken, sie wird trefflichen nutzen leisten, so bald es sich um die genaue kenntnis eines abgesteckten dialects handelt, dem weder alle formen noch alle bedeu- tungen jeder wurzel zukommen können. Der vorliegende practische sinn der wörter erregt dann meiste aufmerk- samkeit, er braucht gleichsam nur an die form angelehnt zu werden. Synthetische sprachforschung umgekehrt, nachdem sie sich jene analyse einzelner dialecte zum III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. grunde gelegt hat, wird eben durch die wahrnehmung unendlicher spaltungen der bedeutung genöthigt werden, die reine form als den einzigen haltpunct, der ihr übrig bleibt, zu faßen und von ihm aus die lösung des mannig- faltigen zu unternehmen. Sie darf es nicht scheuen, in den feinst zergliederten formen und bedeutungen nunmehr auch das bleibende und ähnliche zu verbinden und zus. zusetzen. Was aber dem buchstaben nach eins ist, kann der sache nach nicht ein anderes sein, oder wir hätten verwirrenden zufall gerade da anzunehmen, wo instinct- mäßig waltende ausspreitung eines geistigen ganzen, je näher wir ihm treten, lebhaftere bewunderung weckt. Die anatomie der form ist freilich noch unvollendet und dies erst langsam zu tilgende gebrechen wird manchen fehler der etymologen unvermeidlich machen; doch ist auch kein fehlschlagen der arbeit im ganzen betrachtet, wie es die ungründliche kenntnis der form begleiten muste, länger zu fürchten. Wir werden endlich, nachdem wir die eintheilung, verstufung und abänderlichkeit der laute und flexionen erforscht haben, durch ihre anwendung auf die bedeutung, gleichsam die seele der wörter, gehei- men gängen und unterscheidungen des sprachgeistes auf die spur gerathen, und eine methode der bedeutungen erkennen, welche mit dem studium der form verbunden, glückliche wortforschungen überhaupt bedingt. Darf der geäußerten allgemeinen ansicht ein augen- scheinliches argument zu statten kommen, so liegt es am tage: die gesammte starke conjugation in allen deutschen zungen kennt keine zwei wurzeln gleicher form, un- gleicher d. h. unverwandter bedeutung; sie leidet einzelne zweimahl auftretende formeln (s. 6.), immer aber an verschiedener stelle, so daß durch den eindruck des gan- zen, dessen sich heimlich die sprache bewußt bleibt, mög- liche zweideutigkeit aufgehoben wird [z. b. vis ist in nr. 292 laut, in 513 ablaut, aber die vollen reihen visan, vas, vêsun; veisan, váis, visun haben sich eingeprägt; vgl. vritus nr. 544. mit vrits nr. 144. u. a. m.] oder wirklicher zweideutigkeit unorganische abweichung zu grunde liegt [vgl. fara nr. 549. st. fasa]. Was aber die starke verbal- form, die sich als wesentlichste eigenheit der sprache er- weist, an sich trägt, soll es nicht in allen engeren und dunkleren gegenden desselben gebietes vermuthet werden? Dem schluße von der identität der form auf ver- wandtschaft der bedeutung widerstreben freilich viele wör- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. ter, d. h. solche deren vereinigenden begriff wir verloren haben . So scheint es unthunlich, bora (terebrare) an bëra (nr. 325.), forare an ferre, zu knüpfen; wahrschein- lich ist, wie in berja und ferire, ein activer sinn hervor- gehoben, vielleicht bohrer das die späne herausschaffende werkzeug? vgl. ûƷ-bora (scobs) gl. flor 990 a . Die ver- suchte einstellung mancher wörter unter verbliebene oder verlorne starke verba betrachte man als ein vorläufiges wagestück, dessen formelle gültigkeit materielle gewähr erst in der folge erlangen kann. Formelle schwierigkeiten sind dabei immer beachtet worden und ich habe mich z. b. gehütet, analog dem aus kalb und kolbe vermuthe- ten kilban (nr. 581.), silber (argentum) und salbe (unguen- tum) auf ein silban zu ziehen, weil schon im goth. silubr und salbôn (weder silbr noch salubôn) von einander weichen. 10) keine form bleibt bei sich stehen, sie ändert ihre gestalt, doch sie springt nie ganz von ihrem wesen ab, sonst würde sie zur unform und unerfaßlich. Ebensowe- nig haftet der begriff des wortes fest, aber auch seine wechsel, töne und farben sind niemahls sprünge, sondern einander verknüpft durch offene und verborgene fäden. Oft scheinen die verwandlungen des stoffs und des sinns mit einander gleichsam schritt zu halten, oft weichen sie zu noch festerer harmonie des ganzen ab, brechen hier oder dort aus, zögern oder eilen vor, treffen ein oder fehlen. Auf solcher durchdringung und entäußerung be- ruhet am ende reichthum und armuth der sprache, ja, weil sich nicht alles an einer stelle entfalten kann, die nothwendigkeit der dialecte. An den wechsel der buchstaben und laute sind wir mehr gewohnt, er muß unserer betrachtung geordneter und faßlicher scheinen, als der hohe, kühne flug der ge- danken. Nähern wir uns einmahl diesem, so wird uns auch die vorher roh erfaßte form tiefere geheimnisse verrathen. Im grunde sind beide eins, gestalt und bedeu- tung, von dem gedanken lieb auf laub überzugehen ist nicht gewagter, als von den buchstaben iu auf au . Mit hülfe der form müßen wir anfangs zu dem geist aufstei- gen, bis wir dann wieder von ihm auf sie zurückschließen können. Auch der gedanke mag misgreifen und auf ab- wege gerathen, wie die form auf ausnahmen und ano- malien; in beide hat sich unorganisches und fremdartiges eingedrängt. III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. Ich will suchen, das wenige was ich bisher über das verhältnis der bedeutung zur form, in bezug auf den ab- laut, wahrgenommen habe, hier mitzutheilen; es sind noch dürftige, unsichere bruchstücke: α ) davon gehe ich aus, daß der laut , d. h. das prae- sens wesentlicher und älter , als der ablaut , d. h. das praeteritum sei. Das lehrt schon die form des ablauts. Der kurze vocal lautet erst in kurzen, dann auch in lan- gen ab: visan, vas, niman, nam, hernach vas, nam in vêsun, nêmun; oder gleich in langen: faran, fôr. Nur wenn das praes. bereits langen hat, muß auch das praet. lang einablauten: reisan, ráis; friusan, fráus. Es scheint, daß nach einem satze mit langem vocal die nächste stufe noch einen langen fordere, daher auch fôr, fôrun, daß hingegen auf zwei längen nothwendig wieder kürze er- scheine, darum risun, frusun. Das praes. ist demnach überall erste, praet. sg. zweite und praet. pl. dritte stufe. In zwölfter conj. ist durch den zugetretenen cons. der ableitung überall vocalkürze nöthig die formeln der sechs conjug. laßen sich kurz so darstellen; XI. X. ⏑ ⏑—; VIII. IX. — —⏑; VII. ⏑— —; XII. ⏑ ⏑ ⏑ oder — — — nachdem man auf den vocal oder die position sieht; un- möglich sind: —⏑ ⏑; —⏑—; ⏑—⏑. . Das part. praet. scheint außer dem eigentlichen stufengang der conjugation zu stehen, hat aber durchaus kurzen vocal, es mag ab- lauten (numans, risans, frusans, bundans) oder nicht (visans, farans). Merkwürdigerweise bestätiget auch die unorganisch erfolgende consonanzversenkung jene drei stufen, die reine urform des praes. ist ihr am mindesten ausgesetzt, mehr der sg. praet., zumeist aber der pl. praet. Daher im alth. wisan, was, wârun; risan, reis, rirun; vriosan, vrôs, vrurun; mîdan, meid, mitun; ziohan, zôh, zugun; nhd. aber weiter vorschreitend wâr, frôr, zôg, doch noch im praes. wêsen, ziehen, zuletzt auch im praes. frieren. Das praes. ist die festeste, ursprünglichste gestalt der wurzel, gleichsam ihr kern und ergibt sich der zerstörung und verderbnis zuletzt. Viele starke verba der mundarten haben sich im praes. forterhalten, während ihr praet. lange außer gebrauch gerathen war. β ) im praet. kann also auch eine abänderung der urbedeutung zu suchen sein. Am sichtbarsten erfolgt sie dann, wann der satz des praes. im praet. verneint wird. Mehrere aus dem praet. gebildete nomina sind unge- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. zwungen durch solche negation zu deuten: schwach (nr. 299.) bezeichnet etwas, das ausgerochen hat, ver- welkt ist; zâhi (nr. 557.) was nicht mehr fließt; weiso (nr. 513.) einen der geleitet wurde, also gegenwärtig außer schutz und geleite ist; chuoli (nr. 68.) das, was kalt war, also neue wärme gewonnen hat, gerade so svalr (nr. 317.) das heiß gewesene, wieder erkaltete und brunno (nr. 371.) sôt (nr. 244.) das aus der wärme ge- quollene, kühle waßer; van (nr. 569.) das leere, ver- laßene, einsame; lâri (nr. 290.) vielleicht den ort, wo schon lese gehalten wurde; leisa (nr. 510.) das vom ge- hen hinterbliebene, die spur, wie spur (nr. 575.) das, wo man gesucht hat; blâc, pleih (nr. 181.) was geschie- nen, die farbe verloren hat (sublucidum); glaumr (nr. 517.) den schall, gleymja das vergehen im schall, verklingen, vergeßen; in dergleichen wörtern wird durch das auf- hören einer thätigkeit der begriff von oede, stille, ver- laßenheit, minderung hervorgebracht, vgl. unten κ, 6. Daher auch anderemahle das praet. nicht eigentlich das gegentheil, nur die abnahme und verkleinerung der wur- zel aufstellt, vgl. tuola (nr. 463.) mit tal; huon (nr. 469.) mit hano; dœgr (nr. 487. semissis diei) mit dagr; uohsa (nr. 490. axilla) mit ahsa (axis); vôcor (nr. 93.) u. a. m. hierher wäre auch der begriff der ungleichheit, unvollen- dung, unebenheit zu rechnen, welchen das praet. ab im gegensatz zu dem praes. ïbn (nr. 540.) enthält. Wör- ter, welche ein schließen , decken, voll sein ausdrücken, pflegen im praet. zuweilen das offene , hohle zu bezeich- nen, wie der schlüßel zu, aber auch wieder aufmacht, die thüre deckt und öffnet, vgl. liukan (nr. 255. claudere) laukr die sich erschließende pflanze, loh, luccha (fora- men) lok (operculum); hlîdan (nr. 158. tegere) hlid (oper- culum und foramen); hilan (nr. 314. tegere) hali (der ab- grund) hol (das hohle, die öffnung) riufan (nr. 211. sol- vere) rauf (foramen) reáf (vestis) nicht im verhältnis des praet. zum praes., vielmehr in der zweideutigkeit des begriffs selbst gegründet ist die entgegengesetzte bedeutung, wenn z. b. in einer mundart rîsan fallen, in der an- dern aufstehen ausdrückt (nr. 171.); oder wörter wie ort, drum bald den anfang bald das ende, bald oben bald unten bezeichuen. . γ ) diese schwächung, umdrehung, leugnung des ur- begriffs gilt überhaupt nur als hin und wieder vortre- tende ausnahme und hat sich nirgends festgesetzt. In der regel gibt der ablaut nichts als das geschehene , d. h. III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. den erfolgten und bleibenden eintritt des unveränderten wurzelbegriffs an; so ist par (nr. 325.) das sichtbar ge- wordene, heiƷ (nr. 499.) das warm gewordene; stuopo (nr. 76.) das eingetretene; namo (nr. 318.) das angenom- mene; ginuht, ginuoc, ginâda (489.) die eingetroffene befriedigung und ruhe; herizoho (nr. 269.) der ausge- rückte anführer; suein (nr. 115.) der hirte, welcher aus- getrieben hat; sunnô (nr. 378.) die gereisete; tropho (nr. 205.) der gefallene; reiƷa (nr. 144.) das gerißene; preit (nr. 162.) was gebreitet wurde, das weite; grôba (nr. 77.) die gegrabene; chlopo (nr. 208.) der gespaltene; láus (nr. 247.) das frei gewordene; wabe (nr. 274.) das gewebte etc. in zahllosen beispielen. Es kann demnach in fällen, wo es nicht daran lag, das geschehende von dem geschehenen merklich zu unterscheiden, dieselbe sache gleichgültig mit dem laut oder ablaut bezeichnet werden, vgl. nr. 188. stîc, stáiga, stëc; nr. 220. gieƷe, gôƷ; 227. vlieƷe, vlôƷ; 247. verlies, verlust etc. die verschieden- heit bezieht sich oft nur auf mundarten und perioden, vgl. nr. 86. goth. rôdjan, alth. redôn; nr. 397. das goth. dragk mit dem ags. drinc; das nhd. sänger mit dem mhd. singer, wiewohl letzteres angemeßener scheint. Denn überall wo es eine stete, nicht auf einmahl vorge- fallener handlung gegründete eigenschaft, das geschehende und lebendige gilt, drückt sie der vocal des praesens beßer aus, vgl. trinho (potator) scëro (talpa) hana (gal- lus); umgedreht hat arbinumja ( κληρονόμος ) den vorzug vor dem nhd. erbnehmer (? mhd. erbenæme); ja wörter wie strît (nr. 156.) flîƷ (143.) werden in allen mundarten durchaus mit dem laut, nie mit dem ablaut gebildet, denn sie geben einen anhaltenden, dauernden zustand zu er- kennen. Daher auch die merkwürdigen verba zweiter anomalie die geschwächte, abstract gewordene praesens- bedeutung gänzlich durch die ablautende form der praet. ausdrücken. Sind laut und ablaut beide nebeneinander zu einer wortart gebraucht, so beruhen darauf meistens feine unterscheidungen, vgl. nr. 242. das ags. altn. rëód, riódr mit reád, raudr, dieses stehende, rothe farbe, jenes aufsteigende, blühende röthe; rëód: rubescens, rubicun- dus, aber reád: ruber. δ ) dunkeler und schwieriger scheint die frage nach einem unterschiede der bedeutung zwischen dem ablaut des sg. und pl. , dessen nicht einmahl alle conjugatiónen formell fähig sind? So viel ist wohl klar, daß hier nicht der begriff der einheit und vielheit selbst in betracht F III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. kommt, wie denn auch der vocal des plur. zur bildung des ganzen conjunctivs (pl. und sg.), in einigen mund- arten sogar zur II. sg. ind. gereicht. Eine stufung des ablauts, die früher vielleicht gar ein eignes tempus be- zeichnete, scheint sich auf den plur. eines anderen tem- pus geworfen zu haben und nun mit ihm in die herr- schaft zu theilen. Was verräth uns die wortbildung von dem wesen dieser beiden stufen? Unseren ungeschärften augen müßen sie freilich obenhin betrachtet gleichbedeu- tend vorkommen, ja sie gelten häufig, indem der eine dialect den ablaut des sg., der andere den des pl. anwen- det, einerlei; das goth. tunþus (nr. 597.) das alth. zand; das mhd. vanke (nr. 601.) das nhd. funke; so auch das goth. báitrs (nr. 140.) das alth. pitar etc. begegnen sich in der bedeutung. Doch nicht in allen wurzeln, auch nicht in allen mundarten. Welch ein fühlbarer unter- schied zwischen nhd. trank (potus) und trunk (haustus); zwischen altn. beitr (acutus, schneidend) und bitr (acer- bus, scharf); altn. (nr. 121.) greip (ansa) grip (raptus); (nr. 128.) dreif (sparsio) drif (procella); (nr. 245.) alth. trôr (stilla), goth. drus (casus); ags. (nr. 262.) beáh (an- nulus) boga (arcus) und vielen ähnlichen. Mich dünkt, wie der erste ablaut schon den begriff des urlauts min- dere, und aus heller gegenwart in stillere vergangenheit setze, daß der zweite ablaut die bedeutung wiederum noch mehr abstumpfe, entstelle sonderbar, wenn sich aus einer wurzel die idee des bösen , schädlichen hervorthut, daß diese wendung häufig erst mit dem zweiten ablaute erfolgt, vgl. nr. 303. lâga (insidiae) nr. 281. sâtr (dolus) nr. 562. zâla (fraus). und gegen jenen gehal- ten abstracter mache: bitr scheint weniger als beitr; (nr. 205.) tropfo, tropf (stilla) weniger als troufa (stillici- dium); (nr. 144.) vrits (apex literae) weniger als reiƷa (linea exarata); und so vergleiche man ferner nr. 242. rôt (ruber) mit roten (leviter rubere); nr. 204. saup (po- tio) mit sopi (haustus); nr. 221. nautr (consors) mit nuta (captor); nr. 140. beit (pascuum) mit bit (morsus); nr. 145. sleita (dissidium) mit sliƷ. Anderemahl fällt der sinn bei- der ablaute wirklich zusammen, z. b. im goth. váips und vipja, die wenigstens Ulfilas beide für στέφανος braucht. Im alth. und mhd. bilden verba auf -ieƷ gewöhnlich substantiva mit beiderlei ablaut: nr. 226. slôƷ (claustrum) unterschieden von sluƷ (conclusio); nr. 230. schôƷ, ge- schôƷ (jaculum) von schuƷ (jactus); nr. 221. genôƷ (so- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. cius) von genuƷ (usus); nr. 220. gôƷ (infundibulum) von guƷ (fusio); aber kaum zu scheiden vermag ich die be- deutungen von nr. 223. dôƷ und duƷ (beide: rauschen des waßers, der wellen, des sturmes, donners, der po- saune, geräusch redender menschen und singender vögel) nr. 227. vlôƷ und vluƷ (fluß des waßers, blutes etc.) vgl. dôƷ Parc. 91 c 98 c Wilh. 2, 19 a 196 a Trist. 124 b Iw. 2 d 57 b Bit. 80 b Ben. 160. Georg 22 b Barl. 229. Nib. 3777. 8281. 8285. 9019. — duƷ Parc. 25 a 43 c MS. 2, 66 b 234 b Georg 13 a 27 a Nib. 3794. Frig. 6 a — vlôƷ Parc. 106 c Wilh. 2, 193 a Barl. 81. 155. Trist. 124 b 140 c troj. 2 c 55 a — vluƷ Parc. 145 b Wilh. 2, 199 a MS. 2, 66 b 234 b , kommt mhd. vlôƷ f. ratis vor? . Allmählig verblaßte oder gieng unter was früher getrennt und manigfalt da gewesen war, ja, wie ich glaube, in einer uralten, vollständigeren entwickelung der conjuga- tionsformen für die vergangenheit seinen guten grund hatte. Als sich das gefühl für die unterscheidung mehrerer tempora verlor, hörte die abstufung der ablaute auf, et- was wesentliches zu sein, die praeterita schmolzen zu- sammen und in der einen conjugation erhielt sich nur ein ablaut in der andern zwei oder mehrere. Gerade diese ungleichheit des zufälligen spricht dafür, daß es aus etwas wesentlichem entsprungen ist. — ε ) größte mannigfaltigkeit der form zeigt sich in der eilften conjugation, wo noch ein dritter ablaut zutritt, der im part. praet. fortdauert, vor zeiten weiter gegan- gen sein mag. Daher auch aus verbis dieser conj. die meisten und verschiedensten wörter gebildet werden mit dem reichsten wechsel der bedeutung, vgl. nr. 314. 325. 560. u. a. m. Der formellen stufe des dritten ablauts sollte nun eine analoge in dem begriff der damit gebildeten wörter entsprechen. Beispiele zur unterstützung führe ich lieber nicht an, um dem vorwurfe kühner abschwei- fung auf unsicherem boden auszuweichen. — ζ ) für die ansicht einiger sprachforscher, nicht das praesens, sondern das praet. sei als der eigentliche stamm aufzustellen, laßen sich wenigstens aus der deutschen sprache keine haltbaren gründe gewinnen. Sie lehrt viel- mehr, daß in der form das praesens einfach, das prae- teritum manigfalt und abgewichen sei, wie denn nach einer auch auf die starke zurückdeutenden analogie, die reduplicirende und schwache conjugation offenbar äußere mittel, ihr praet. zusammenzusetzen, anwenden. Das mannigfache und zugleich zusammengesetzte ist aber im- F 2 III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. mer das spätere. Damit stimmt die, so weit wir vom oft verdunkelten und verlorenen sinne des urstamms zu urtheilen vermögen, lebendigere, kräftigere bedeutung des praesens. Übrigens reicht es hin, die wortbildungen von dem laut und den ablauten abhängig zu machen und ist meiner meinung ganz müßig, danach zu fragen, von welchem einzelnen tempus und modus sie wirklich abhängen? Die II. sg. imp. starker verba gewährt zwar in der regel flexionslose wurzel, darum keine reinere, als jede andere form des praesens gewährt. Man kann nicht sagen, z. b. das subst. strît (pugna) stamme aus dem imp. strît, so wenig als aus strîte (pugno) oder strîte (pugnem) oder strîten (pugnare); vielmehr es stammt aus dem in allen praesentialformen lebendigen wurzellaut. Hierwider gilt auch nicht einzuwenden, daß z. b. wirbel (vertex) sich nicht aus wërben sondern nur aus wirp oder aus wirbe, wirbet leiten laße. Es folgt ebenso sicher aus wërben oder wërbe, da die an sich unwesent- liche verwandlung des i in ë bei der auf wesentlichen lautverhältnissen beruhenden, weit früher erfolgten wort- bildung nichts verschlägt. Oft hat sich nun in einzelnen bildungen das alte i uud u erhalten, z. b. in stirbîc (mor- ticinus) guldìn (aureus); in stërbe (pestis) golt (aurum) und andern, einfacheren als jene, nicht; alth. gelten hëlfa und hilfa, këpa und kipa nebeneinander, will man jedes derselben auf eine verschiedene praes. form zurück- führen? Dem Gothen gelten aírp, aúrp überall, neben ilp, ulp; im alth. wechseln irf, urf, ilf, ulf ab mit ërf, orf, ëlf, olf; in den auf eine unwandelbare wurzel zu- rückzuführenden wortbildungen dieser art verhält es sich gerade eben so. Nicht anders müßen die ablaute des praet. in bezug auf wortbildung genommen werden. — η ) bis hierher ungefähr führte die vergleichung der bedeutung mit der form, d. h. dem lautenden und ablau- tenden verhältnisse. Es laßen sich jedoch auch einige wahrnehmungen mehr aus dem wesen der bedeutung selbst schöpfen. Dahin rechne ich zunächst den grund- satz: in der wurzel erscheint die sinnliche bedeutung früher , die geistige später. Nur aber war jene weder rohleiblich, noch diese dürr verständig, beide hält und hielt ein geheimer zug verbunden; zuerst wuchs das sinn- liche, in ihm schlummerten die begriffe, aus ihm er- wachten sie nach und nach. Ohne ihre wechselwirkung wäre nicht wohl ursprüngliche bedeutsamkeit der wurzeln denkbar. Könnte der geist seine begriffe in willkürlich III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. erwählte formen gießen, so müsten diese, an sich todt, erst durch ihn belebt werden. Allein das vermag er nicht zu thun und es gibt kein ursprünglich unlebendiges wort. Namen schafft der sprachgeist in glücklichem wurf durch kühne und kurze beschreibung der sachen. Hier- nach wird man leicht beobachten, daß in allen sprachen, z. b. jeder einfachere thier-, stein- und pflanzenname aus einem verbum stammt und eine lebendige eigenschaft des thiers oder der pflanze ausdrückt. So auch im deut- schen, obgleich die meisten solcher namen, ihres hohen alters halben, aus verlorenen und verdunkelten wurzeln nicht mehr gedeutet werden können; beispiele auslegbarer kommen vor: nr. 115. suîn; 266. fliuga; 469. hano, huon; 550. haso; 630. vuhs; 601. finke; 626. frosc; 631. lahs, luhs; 462. dahs, dëhsa; 513. wîsant; 521. stiurs; 208. klaufi; 221. naut; 512. eisen; 548. kisil; 564. gold; 255. lauk; 550. hasal; 325. baris und pirihha; 492. tili u. a. m. spätere, zusammengesetzte namen bestärken der unzusam- mengesetzten wahre bedeutung. Eine andere folgerung ist, daß verba ganz abstracter bedeutung immer eine sinn- liche zur grundlage oder begleitung gehabt haben müßen; auf solche ist nr. 115. bei suînan; 282. bei bidjan; 602. bei scinkan u. a. m. gerathen worden. Insgemein, wo aus starker wurzel wenige oder keine ablautsbildungen vorkommen, scheint die alte urbedeutung verloren oder verfinstert. — θ ) man pflegt sämmtliche verba, nach ihrer entw. bloß innerlichen, oder außenhin gerichteten thätigkeit einzutheilen in intransitiva und transitiva . Eine in so allgemeiner faßung für deutsche form- und wortbildungs- lehre gleichgültige unterscheidung; es ließe sich bloß be- haupten, daß in starker form intransitive bedeutung vor- walte, in schwacher transitive, daneben finden sich aber genug transitiva dort, genug intransitiva hier. Auch können die meisten gewöhnlichen intransitiva den umständen nach transitivisch gestellt werden, z. b. trinken bald heißen potu satiari, bald vinum consumere; lesen bald legendo occupari, bald legere librum. Einige grammatiker verbinden mit der transition einen engeren begriff und verstehen darunter die übertragung eines immediativen zustandes auf ein an- deres subject, z. b. tränken, setzen bedeuten: einen trin- ken, sitzen machen. Diesem bestimmteren sinne entspre- chen allerdings die meisten der mit dem vocal i abgelei- teten schwachen verba, doch nicht jedes, wie z. b. das goth. gasvôgjan (ingemiscere) beweist. Der ableitungs- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. buchstabe, nicht der ablaut wirkt jene transitive bedeu- tung, welches theils daraus folgt, daß auch der laut des praes. in solchen verbis bestehen kann, vgl. gablindjan (occoecare) aljan (saginare) gadiupjan (profundum facere) etc. theils aus dem intransitiv bleibenden sinne anderer mit dem ablaut gebildeten wörter zu sehen ist. So sind zwar goth. dragkjan, dráusjan, alth. sueinjan transitiva von drigkan, driusan, suînan, aber dráus (alth. trôr) drückt nicht das gefällte, suein nicht das vertriebene aus, viel- mehr das, was gefallen ist und getrieben hat; dragk ist das, was man getrunken hat, nicht das getränkte oder das, was getränkt hat. Das gebildete subst. kann freilich zuweilen transitiven begriff enthalten, z. b. nara (conser- vatio) wist sowohl existentia, mansio als cibus (das leben fristende). ι ) wie mithin die urbedeutung der wurzel schon keime intransitiver und transitiver bedeutungen in sich trägt, die nach verschiedenem anlaß daraus erwachsen können; ebenso liegen in ihr beide, die active und passive bedeutung eingeschloßen. Der formelle unterschied zwi- schen activum und passivum ist etwas äußerliches, hin- zugetretenes. Die syntax hat zu lehren, wie bei abge- stumpften flexionen, auf den alten grund jener gemein- schaft, zuweilen active oder scheinbar active form das passivum ausdrückt, am fruchtbarsten wird diese ansicht für das participium praet. Viele ableitungsbuchstaben be- stimmen bald den activen, bald den passiven sinn, manche dulden jenen und diesen; der wortbildung durch laut und ablaut sind aber beide völlig gerecht und sie springt von dem einen auf den andern uber. So bedeutet ata was gegeßen wird, êtja den eßenden; giba was gegeben wird und die gebung selbst; schîn was leuchtet; swîn was ge- weidet wird; grab was gegraben wird, grôba was gegra- ben worden ist, grabo einen gräber; beitr das beißende, beit was gebißen wird; baúrs was getragen wurde, pâri was trägt oder trug; guß sowohl das gegoßene, als was sich ergoßen hat; nuta den, der gefangen hat u. a. m. κ ) einige der hauptsächlichsten begriffsübergänge oder verknüpfungen sind: 1) ( ton und farbe ) wir brauchen jetzt erlöschen nur vom licht, fruher galt es auch vom ton (Parc. 44 a . der schal lasch); aus gleichem grunde nr. 332. hëllan (sonare) hëll (sonorus, später lucidus); nr. 67. 564. galan (sonare) gëlo (lucidus, flavus) gold (sonorum et lucidum) altn. giallr (sonorus vel fulgidus); nr. 579 b . grëll (rauh, schreiend von schall und der farbe); III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. nr. 345. gëlp (strepens dann coruscans) giâlp (strepor, gloria); nr. 517. gleám (jubar) glaumr (strepitus); nr. 113. hrînan (stridere) hrîn (der rauschende und helle strom) hrein (purus) hrinr (clamor); brëhen (lucere) braht (strepitus) alth. përaht (lucidus) nhd. pracht (splendor); nr. 422. klingen (sonare) klinge (tönender, glänzender stahl); nr. 591. dim, dumm, dumpf (obscurus, mutus, ohne ton); nr. 411. singen (canere) sengen (verbren- nen) die sprachen, nicht bloß die deutsche, pflegen sonnenauf- gang und tagesanbruch mit ausdrücken zu bezeichnen und zu um- schreiben, die bald vom schall, bald vom licht hergenommen sind; dieses nehme ich mir vor an einem andern orte ausführlich ab- zuhandeln. . Auffallend daß in den meisten dieser beispiele der schall die frühere, die farbe die spätere bedeutung hergibt. Zuweilen bedeutet der heftige schall auch die verwirrung des schalls, sturm und wildes geräusche, darum auch verwirrung des lichts, d. i. finsternis vgl. nr. 535 b — 2) ( geruch , geschmack , guter und übeler) nr. 256. riechen (exhalare) itruchen (wiederkauen); nr. 259. fûki (foetor) fuhtî (odor); nr. 299. swëchen (foe- tere) sväc (odor); nr. 399. stanc (odor); nr. 553. smäc (odor, gustus); auch der sinn des gefühls fällt damit oft zusammen, altfries. hrëne (olfactus) verwandt ist der be- griff von feuchte und näße , vgl. nr. 399. stanc und stänka (irrorare) nr. 259. fuhtî und fiuhti (humidus) nr. 543. wâƷe (odor) waƷar (humor, aqua). — 3) ( lesen , singen , reden ) geistige verbindung der buchstaben und wörter war anfangs sinnliches sammeln, binden, zählen der stäbe; nr. 86. ruota (fascis) rêdan (legere) rôdjan (lo- qui); nr. 290. lisan (colligere, legere); nr. 411. siggvan (legere) sange (manipulus) singen (canere); nr. 562. tilôn (aptare) tal (ordo, numerus, sermo); nr. 297. sprëc (ra- mentum) sprëhhan (loqui) vgl. sagen (dicere) mit sæge (serra) und ags. sagol (fustis); sermo mit sarmentum und den verwandten nächstfolgenden übergang. — 4) ( theilen , schneiden ) nr. 492. dáils (segmentum) dîli (macula) dile (anethum); nr. 224. hláuts, hlutr (pars, sors); nr. 298. stucchi (frustum) stock (sudes); nr. 583. telg (planta); nr. 297. táins (baculus) zeinôn (recensere); nr. 560. mêl, mâl, (frustum, signum, macula) mêljan (scribere); vgl. zweig, zwist etc. — 5) ( vermögen , zeugen , gebähren , nähren , gedeihen , wachsen ) vgl. nr. 66. alan, nr. 75. skapan, nr. 108. wahsan, nr. 197. þeihan, nr. 325. baí- III. laut u. ablaut. schlußbemerkungen. ran, nr. 474. aban, nr. 480. fadan, nr. 549. fisan etc. so wie die anomalen tugan, kunnan, magan mit ihren vie- len sich berührenden bildungen, namentlich den wörtern für die begriffe: vater, sohn, tochter, kind, eltern; für die nährenden, zeugenden leibestheile, als mago (stoma- chus) gemächte (von maht, vis) skap, fisel u. dgl. — 6) ( wonne , schœne , gnade , ruhe , wohnung , raum , leere ) s. das anomale môtan, muoƷa; nr. 166. gemeit (wonnig, eitel, stumpf); nr. 504. eitel; nr. 561. selida (mansio, do- mus) sâlida (felicitas); nr. 282. badi und gibada; nr. 559. genâde; nr. 569. wohnen, wahn, wonne; wie nämlich vorhin (unter β ) der gegensatz von schließen und öffnen vereinigt wurde, so scheinen sich auch die begriffe von geschäft und muße zu begegnen, nachdem auf die faßung, erfüllung des raums oder auf die leere in dem raum ge- sehen wird. Daher z. b. das lat. vacare bald ledig sein, ruhen, bald befleißigen, arbeiten ausdrückt, oder unser feiern bald nichts thun, bald celebrare; das altn. erindi (nr. 571 b ) bald pausa, bald negotium; das nhd. emßig (assiduus) und engl. empty (inanis) sind dasselbe wort, sogar dieselbe bildung, vgl. altn. amr (labor) alth. emiƷîc (assiduus, jugis) ameiƷa (formica) ags. ämetig (otiosus) ämtegian (vacare). — 7) ( stärke , schnelle , kühnheit , gesundheit , schönheit , artigkeit , klugheit , list und ge- genüber schwäehe , krankheit , geringfügigkeit etc. in un- zähligen adjectiven wahrzunehmen. Wie der sinn auf die gute und böse seite schwanken kann, z. b. geizig bald aus sparsam, haushältisch, standhaft bald aus böse, mis- günstig abgeleitet wird; so schwanken auch einzelne wör- ter dahin oder dorthin, nachdem sie zeit und mundart bestimmt haben. Auf andere übergänge ist bei einzelnen wurzeln ge- deutet und gewiesen worden. Befremden manche dar- unter durch ihre seltsamkeit, so scheint mit der verlor- nen oder entstellten sinnlichen urbedeutung der schlüßel bloß verlegt. Was kann auf den ersten blick seltsamer sein, als die verbindung der begriffe heirathen und lü- gen oder heirath und gift? Und doch wißen wir, daß gift (das eingegebene) gipta, gifta (nuptui dare, wegge- ben, dem manne geben) einer wurzel sind, daß liugan (nubere) hæman (coire) wie das lat. wort aus dem be- griffe verhüllen, unter eine decke bringen (nubes, ne- bula) herleitbar, ganz nahe bei liugan (celare, tegere) hamr (tegmen) steht, vgl. span. velar (velare) velarse (nubere) velado (conjux) — III. von der ableitung im allgemeinen. 11) es ist darum schwierig, den auf der ablautung beruhenden wechsel der bedeutung rein zu erfaßen, weil, wie gleich oben s. 3. bemerkt wurde, selten oder nie nakte wurzeln vorliegen, vielmehr ursprüng- lich überall flexionen, häufig ableitungen im spiel sind, deren einfluß auf modificationen der urbedeutung schwer anzugeben steht. Unabgeleitet sind in der regel nur die starken verba und nur die einfachen nomina erster und vierter starker declination. Nützlich, aber leicht wäre es, die im zweiten buche angegebenen substantiva und adjectiva nach den reihen der ablaute eigens zusammenzustellen; verwaiste wurzeln, deren for- mel zweimahl vorkommt, hätte man dabei vorläufig dop- pelt einzutragen. Wenn aber jene behauptung, daß an- fänglich nie weder laut noch ablaut der wurzel bloß ge- standen habe, richtig ist; so könnte man, da die lehre vom laut und ablaut in das zweite buch gehört, das im gegenwärtigen capitel vorgetragene überhaupt aus der lehre von der wortbildung verweisen. Historisch scheint es mir jedoch passender, weil so viele starke verba aus- gestorben sind, ihre wirkung und nachwirkung zusam- menzufaßen und als ein princip innerer wortbildung auf- zustellen, wie ich gethan habe. ZWEITES CAPITEL . VON DER ABLEITUNG . Allgemeine grundsätze: 1) ableitung heißt die zwi- schen wurzel und flexion eingeschaltete, an sich selbst dunkele mehrung des worts, kraft welcher der begriff der wurzel weiter geleitet und bestimmt wird. Sprach- verderbnis pflegt aber häufig bald die ableitung, bald die flexion, zuweilen beide miteinander zu zerstören. Ohne sie in solchen fällen historisch herzustellen läßt sich die spätere wortform nicht gehörig verstehen, z. b. das alth. reda, sunu muß ergänzt werden: rad-i-a, sun-u-s, das engl. tell: tal-i-an. Practisch findet sich die ablei- tung, bei vernichteter flexion, freilich oft zu ende des worts, z. b. alth. mah-t (vis) goth. mah-t-s; oder goth. mah-t (vim) früher mah-t-a? Auf die ableitung folgt aber theoretisch immer noch die flexion, auf die flexion folgt nichts mehr. III. von der ableilung im allgemeinen. 2) man kann die flexion , d. h. die dem verbum an- wachsende pronominalform, die dem nomen anwachsen- den geschlechtszeichen und partikeln strenge genommen nicht vom begriffe der wortbildung die flexion des nomens oder die declinationsform enthält im nom. das bloße geschlechtskennzeichen, das sich in den ob- liquen casus mit partikeln mengt. Das geschlechtszeichen scheint ursprünglich jedem unabgeleiteten oder abgeleiteten nomen zuzu- stehen, fällt also bei seiner allgemeinheit mit den ihm vorausge- henden ableitungsbuchstaben durchaus nicht in eine linie. Daß die 1, 817 ff. vorgetragene hypothese vom ursprung der schw. form hier unberücksichtigt bleiben muß, versteht sich. ausschließen. Auch durch sie wird die wurzel gebildet und bestimmt; starke verba, nomina erster und vierter decl. sind, in sofern sie schon das princip der flexion erfahren, keine ein- fachen wurzeln mehr. Niemand wird jedoch, wenn das verbum selbst grund und stamm alles übrigen ist, z. b. das -a in nim-a (capio) eine ableitung nennen. Eher würde man dag-s (dies) nam-ô (nomen) für aus den verbis dagan, niman abgeleitet erklären. Sie sind daraus gebildet, aber ohne ableitungsbuchstaben, folglich un- abgeleitet. Einfache wurzelbildungen oder wörter kön- nen alle solche heißen, in denen keine ableitung waltet. Da nun in der schwachen conjugation durchgängig, in der zweiten und dritten (starken oder schwachen) de- clination eben so durchgängig ableitung eintritt; so darf man nur in der starken conj. und in den ersten und vierten declinationen einfache wörter suchen, nicht aber immer (weil auch in ihnen ableitungen möglich sind) erwarten. Nicht selten mischen sich vo- calische ableitung und vocal der flexion, welches die richtige erkenntnis beider erschwert; beispiele sind in dem vorigen buche zu finden (vgl. nachher die langvo- calischen ableitungen). 3) die ableitung unterscheidet sich von der zusam- mensetzung (cap. III.): α ) letztere verbindet zwei leben- dige oder doch deutliche wurzeln miteinander; die ab- leitende vermehrung ist zwar nicht bedeutungslos, aber für sich betrachtet unselbständig, undeutlich. Ob auch die ableitung eine allmählig entstellte, verdunkelte wurzel sei? läßt sich fragen und wenigstens bei der rein kurz- vocalischen kaum begreifen. β ) ableitung tritt unmittel- bar an die wurzel oder an eine vorausgehende ableitung, III. von der ableitung im allgemeinen. niemahls hinter eine flexion; zus. setzung kann zuweilen die flexion der ersten wurzel ganz oder theilweise stehen laßen und daran die zweite wurzel fügen, d. h. die flexion kann in der mitte bleiben. γ ) die zweite componierte wurzel macht immer (wenige entstellte formen ausge- nommen) eine silbe; die ableitung häufig nicht. δ ) noch andere verschiedenheiten werden unter 5. 6. angegeben. 4) die ableitung ist reinvocalisch , wenn bloß vocale, reinconsonantisch , wenn bloß consonanzen, oder endlich gemischt , wenn beiderlei hinzutreten. Die reinconsonan- tische erscheint unursprünglich, d. h. syncopierte vocale voraussetzend; sie bildet keine silbe, sondern fügt sich zur wurzelsilbe, nicht zur folgenden flexionssilbe, z. b. gib-t-s, gen. gib-t-áis, d. i. gibt-s, gibt-áis. Bei der reinvocali- schen umgedreht apocope eines consonanten anzunehmen, wäre allzukühn. Die reinvocalische und gemischte, so- lange ihr vocal nicht aus allgemeinen gründen wegfällt oder sich mit der flexion mischt, gewähren eine neue silbe. 5) die ableitung kann, vorausgesetzt daß vor dem consonanten der reinconsonantischen ein früherer vocal ausgefallen sei, wesentlich nur vocalisch beginnen, nie consonantisch; sie darf mit einem oder zwei cons. schließen, z. b. -al, -ar; -isk, -ung, nicht den vocal zwischen zwei consonanten haben, daher z. b. -leik, -sam zusammensetzend, nicht ableitend sind; -ling, -lîn, -nissi, -sal u. a. zwar ableitend aber zusammenfluß mehrerer ableitungen und dann unorganischer misbrauch. 6) die ableitung bildet höchstens eine silbe, scheinbar mehrsilbige beruhen auf häufung mehrerer, z. b. -ari auf -ar-i. Regeln der verbindung verschiedener ableitungen können vor erörterung aller einzelnen nicht gegeben wer- den. Ueber vier ableitungstriebe vereinigen sich jedoch an keinem worte, es gibt folglich einfache , zweifache , dreifache , vierfache ableitungen, welche man nicht gerade nach ihrer wirklichen ein-, zwei- oder dreisilbigkeit beur- theile. Einfache sind z. b. goth. vêp-n, eis-arn; zwei- fache vint-r-us, eis-arn-ein; dreifache alth. pin-uƷ- ah-i, vok-al-ar-i (goth. fug-l-ar-eis); vierfach drâh-is-al- ar-i (nhd. drechsler). Wieder ein unterschied von der zusammensetzung, die unbeschränkter ins mehrfache stei- gen kann. 7) die vocalverhältnisse der ableitung, so groß hier die versunkenheit der heutigen sprachen scheint, sind durchaus nicht gleichgültig. Außer den drei kurzen vo- III. reinvocalische ableitungen. calen a, i, u (und deren unwesentlicher abweichung in e, ë, o) kommen die langen, ê (â); ái (ê); ei (î); ô; vor, weder û, áu noch iu. Willkürlicher wechsel dieser vo- cale hat in der regel keine statt, z. b. für das alth. himil- zunkal, scamac, mahtîc darf gar nicht stehen himalzunkil, scamîc, mahtac. Zur entstellung des organismus haben theils assimilation (z. b. kizunkilî) theils allmählig eintre- tende unbetonung der ableitungssilben beigetragen. Ich theile die ableitungsvocale in gebliebene und geschwun- dene; consonanzen schwinden hier nicht oder kaum in den neusten sormlosesten dialecten, z. b. das g im engl. many f. manig. 8) zuerst erörtere ich die reinvocalischen, dann die reinconsonantischen verbunden mit den gemischten, weil sowohl die stets ohne vocal auftretenden consonanten ihn früher gehabt haben werden, als auch diejenigen, denen er meistens voransteht, nach verschiedenheit der mund- art, zumahl späterhin, ihn entbehren. Nach dem subst. adj. und verbum die ganze abhandlung zu trennen und dieselben verhältnisse bei jedem derselben zu wiederholen hat mir unzweckmäßig geschienen. Billig bleiben nur die ableitungen der pronomina und partikeln hier ausge- schloßen und auf cap. IV. V. verspart. 9) bei jeder ableitung ist theils ihr wesen an sich und welche veränderung sie allmählig erfahre, theils aber zu untersuchen, womit sie sich verbinde? ob mit der bloßen wurzel oder einem bereits gestalteten worte? Letzteres (die anfügung der ableitung) ist oft dunkel und schwierig; regeln und beobachtungen, die sich darüber mittheilen laßen, bringt oder sammelt die erste schluß- anmerkung. I. Reinvocalische ableitungen. Ableitende vocale herrschen in der zweiten und drit- ten (starken und schwachen) declination, in der gesamm- ten schwachen conjugation. Und zwar finden ihrer viere statt: i, u, ô, ái, weder a noch ê (â), schwerlich ei. Die ausschließung des kurzen a, welches sonst dem i und u gleichstehend auch in consonantischen ableitungen neben jenen wirksam ist, hat etwas befremdliches. Viel- leicht muß dabei eine noch nicht genug aufgehellte ei- genheit der allgemeinen vocallehre angeschlagen werden, in mehr als einer hinsicht stehet a nicht auf derselben III. reinvocalische ableitungen. linie mit den beiden andern kürzen i und u, nämlich 1) i und u verkehren sich in ë und o (aí und aú) in la- gen, wo das a gewöhnlich unangefochten bleibt. 2) i und u verkehren sich in j und v, welche consonantisierung das a wieder nicht trifft. 3) i und u zeugen umlaute, niemahls das a. Wenigstens mitwirken mögen diese ur- sachen dazu, daß dem a keine ableitungskraft an und für sich beiwohnt, es auch, wie sich hernach zeigen wird, mit cons. verbunden leichter, als i und u schwindet. Das mittlere a im altn. kallada (1, 923.) scheint assimiliert oder entstellt; im ags. vîsade (1, 906.) alth. êrata (1, 879.) habe ich â (für ê) angenommen. Die eintretenden ableitungsvocale sind nunmehr im einzelnen zu betrachten; wörter, in denen sie geschwun- den sind, dürfen historisch, so scheinbar sich ihr ansehen durch die entstellung vereinfacht haben mag, nie für einfache gelten. Belege für die reinvocalischen ableitun- gen brauchen hier nicht gegeben zu werden, sie sind im zweiten buche zu suchen, oder, wenn sie consonantischen derivationen hinzutreten, bei diesen. (I) ableitung durch kurzes i hat 1) statt regelmäßig in der ersten schwachen conj. und in sämmtlichen zweiten declinationen, vgl. nas-i-an, sôk-i-an, har-i (voc.) haírd-i (voc.) þiv-i, kun-i, vil-i-a, raþ-i-ô, mid-i-s; ausnahmsweise in einigen verbis starker conj. bid-i-an etc. in einigen verbis zwei- ter, seltner dritter schw. conj., deren ableitungs-i eigent- lich schon in dem nomen steckt, von welchem sie her- stammen, z. b. goth. aúh-i-ôn, alth. her-i-ôn, altn. her-i-a; endlich in einzelnen masc. dritter starker (stub- jus, vaddjus) und einzelnen fem. erster starker decl. wie sun-i-a (1, 603.). Daß die alth. zweite weibliche der goth. nicht recht parallel liegt wurde schon 1, 618. be- merkt, weiteres hernach bei den ableitungen -ei (-î). 2) wandlung des i in j vor flexionsvocalen, deren silbe es dann hinzutritt, leidet nach genauer goth. schrei- bung keinen zweifel: nas-jan, har-jis, þiu-jôs, kun-jis, vil-jins, raþ-jôn; im altn. entscheidet die isländ. aus- sprache für tel-ja, kyn-ja (gen. pl.) vil-ja, kirk-ja; im alth. ist j nur nach goth. und altn. analogie gesetzt worden. Doch im alth. zuweilen, häufiger im alts., noch entschiedner im ags. zeigt sich vocalisches ë statt i, näm- lich alth. vor flexionsvocalen a, o, ô (offenbar erregen und fordern die schwächungen ë, o einander wechsel- III. reinvocalische ableitungen. seitig) als: sunt-ë-a, arp-ë-o, arp-ë-ônô; sunt-ë-ônô; nicht vor ë, i, u, sondern nur sunt-i-ûn oder sunt- jûn etc.; auch nicht vor consonanten, z. b. nur ner-i-ta, niemahls ner-ë-ta; im flexionslosen fall erst späterhin bei N. z. b. hirt-ë, suoƷ-ë f. hirt-i, suoƷ-i. Alts. wechseln j-e und ë-a (1, 207. 633.); ags. zeigt sich ins- gemein ë vor vocalen, consonanten und auslautend, z. b. hird-ë, rîc-ë, ner-ë-de, aglæc-ë-a, sêc-ë-an (1, 905.); nur praesensformen hegen j: ner-jan, ner-je, selbst in -ig erweitertes (1, 903.); misbräuchlich haben -j, -ig sich ins praes. zweiter schw. conj. gedrängt (1, 907.). 3) unterdrückung des -i erfolgt stufenweise, im goth. schwindet es beinahe nie (nur z. b. in mahta f. mag-i-da u. dgl.) im nhd. fast überall, z. b. nær-en, sûch-en, hêr-, lêrer (alth. lêr-âr-i) will-e, red-e, nær-te, kaum daß es auslautend in einzelnen wörtern zweiter decl. gelitten ist: hirt-e, muͤd-e. Umlaut und cons. gemination sind oft gebliebene wirkung des geschwunde- nen ableitungs-i. — (U) kurzes u leitet ab 1) nomina dritter starker decl., als: sun-u-s, skad-u-s, fôt-u-s, hand-u-s, faíh-u, hard-u-s, þaúrs-u-s, auch als zweite ableitung: vint-r-u-s, agg-il-u-s, as-il-u-s. Alth. ist es weit seltner, z. b. noch da in sun-u, huk-u, vih-u, gewöhnlich in -i verwandelt: hert-i, durr-i, oder völlig geschwunden: vuoƷ-, wint-ar-, es-il, eng-il- für vuoƷu, wintaru, esilu. Altn. scheint es überall verloren, hat aber in wurzeln mit a umlaut hinterlaßen, als mög-r, vönd-r, tönn-, hönd-, welche ein älteres mög-u-r, vönd-u-r, tönn-u, hönd-u bedeuten, zugleich für unumlautbare derselben decl. mitbeweisen, daher auch lim-r f. lim-u-r stehet, rôt f. rôt-u. Die -u ableitungen sind also hauptsächlich aus dem goth. und altn. zu erkennen. 2) für kein ableitungs-u, sondern für bloß flexivisch halte ich das -u, welches im nom. sg. fem. und nom. acc. pl. neutr. der ersten decl. subst. und adj. verschiedene ältere dialecte weisen, wofür jedoch goth. überall -a stehet. 3) auffallend, daß keine schwachen verba mit -u, pa- rallel denen mit -i, abgeleitet werden, in den ableitun- gen mit -ô ließen sich ursprüngliche -u höchstens ver- muthen, nicht beweisen (krôt-uda f. krôt-ôda 1, 855, wo das û unwahrscheinlicher, vgl. 1, 96.) III. reinvocalische ableitungen. 4) übergang des u in v bei den unter 1. genannten wörtern erfolgt nur im goth. abgeleiteten schwachen verbo skad-v-jan (umbrare) und im gen. pl. sun-ivê, fôt- ivê, þaúrn-ivê, liþ-ivê, tunþ-ivê, vint-r-ivê; un- belegt sind as-il-ivê, þiud-in-ass-ivê, doch zu er- warten, oder as-il-vê? as-l-ivê? Im gen. dat. sg.; dat. acc. pl. verschmilzt das-u mit der flexion (1, 601.); die einschaltung eines i im nom. gen. pl. bleibt noch räthselhaft. Soll man-iv für einen paragogischen zu- wachs halten? vgl. 1, 601. Schwerlich habe ich aber die im altn. adj. glöggr, fölr vor flexionsvocalen aus- brechenden-v 1, 742. richtig angesehen, indem diese-v ursprüngliche bildungs-v scheinen, wie die vergleichung des goth. glagg-v-us mit glögg-r (f. glögg-v-r und dann erst für glögg-v-ur) lehrt, fölr lautete goth. ver- muthlich fal-vs, nicht fal-v-us. Hiervon, überhaupt von andern-v, hernach bei den consonantischen bildungen. (OO) die ableitung-ô 1) findet sich in der zweiten schw. conj. und ver- zehrt den sie berührenden flexionsvocal (1, 849.). Dieses ô geht im alth. und alts. nicht, oder höchst selten in- uo über (1, 96.). Ags. hat es sich nur schwankend im praet., nicht im praes. erhalten (1, 906.); altn. in a (oder â?) verändert. Gleiches a behält unter den spätern sprachen nur die schwedische, alle übrigen zeigen e, das sie sogar hin und wieder im praet. wegwerfen; ihr e im praes. kann man für das alte ô oder für den flexionsvocal hal- ten. Alle wörter der gedachten conj., so einfach sie in neuern sprachen aussehen, sind jederzeit abgeleitete. 2) das ô in der goth. ersten decl. schwed. fem. (tugg-ô, tugg-ôns) gehört nicht der ableitung, bloß der flexion, α ) weil ihm alth. â, û, kein ô wie in zweiter schw. conj. entspricht. β ) weil das dem adj. blind- ô (coeca) ganz parallele masc. blind-a (coecus) kein ô hat. Man darf also nicht blindô aus blindôa erklären, wie salbô aus salbôa. (AI) auch die ableitung -ái , alth. -ê herrscht ledig- lich in der dritten schw. conj., verbindet sich aber anders mit den flexionsvocalen (1, 850.); sie hat im alth. zu- längst gedauert, in den übrigen mundarten sich gleich dem ô in a, e verwandelt. Wo bei dem nomen -ái, -ê vor- kommt, ist es flexivisch, ebenso im praes. conj. aller conjugationen. — (EI) goth. -ei , alth. -î keine organische einfache ableitung, vielmehr III. reinvocalische ableitungen. 1) in manag-ei (1, 609.) entw. a) gleich dem ô in tugg-ô flexivisch, wie aus dem comparativ blindôz-ei, speidiz-ei neben dem masc. blindôz-a hervorzugehen scheint? — oder b) wie-ei in haírd-eis (1, 599.) nas-ei (1, 846) aus kurzem i entsprungen? hierfür spricht: α ) das bleibende kurze i in haírd-i (1, 599.) hulund-i (1, 603.) kun-i, mêl-i, gen. mêl-jis (1, 606.) — β ) das sich aus alth. -i in den neutris kipil-i, eimper-i, hûsil-i allmählich entwickelnde kipil-î, eimper-î, hûsil-î (1, 631. 632.); noch mehr das spätere -lîn f. il-în statt il-i. — γ ) das altn. kurze-i der fem. zweiter decl. fest-i (1, 656.). — Wie sehr auch form und flexion dieser weibl. subst. schwanken darf doch-ei, -î nie als ihr reiner, wahrer ableitungsbuchstabe betrachtet werden. 2) die mhd. weibl. endung-î-e, nhd. -ei (mit ab- gelegtem-e der flexion) ist aus romanischem-ia, -ie ent- lehnt, folglich undeutsch (daher keinen umlaut wirkend, aber sogar tiefbetont) auch den ältern mundarten fremd. α ) anfangs findet sie nur statt an ausländischen namen und wurzeln, als: florîe, deidamîe, astronomîe, planîe, massenîe, banekîe, vesperîe, amîe, prâerîe, prophezîe, nigromanzîe etc., als aber diese formen im 13 jahrh. gangbar geworden waren, fügte sich β ) -îe auch zu einigen deutschen, meist solchen wörtern, die ein bil- dungs -en oder -er hatten, als: lâchen-îe (unguen- taria, sortilegium troj. 140 a ) arzen-îe (medicina) galster- îe (veneficium) zouber-îe (idem) tenter-îe (nugae), ta- delnswerther scheinen dörper-îe (rusticitas) jeger-îe (venatio) gebildet von dörper, jeger, noch seltner ist vürst-îe (dignitas principis Wilh. 2, 136 a ) nach der ana- logie von abbet-îe (abbatia) voget-îe (advocatio), da abbet und voget in unsere sprache eingang gefunden aptei Nib. 4584 a E. L. ist eine andere, ältere form, da schon gl. mons. 326. 329. 356 etc. oblei (xenium eulogia) mittellat. oblia, obleia, und gl. trev. 40 a abteia und 62 b orlei (horologium) gewähren; dieses -ei muß aus irgend einem roman. -aja, -ajo, -ejo stammen. ; γ ) das nhd. hat diese bildungen auf- ei (statt-eie) über- mäßig und wider die natur der sprache gemehrt, indem nicht nur amt-ei, vogt-ei, abt-ei, rechen-ei, arzen-ei, wüsten-ei, termin-ei, zauber-ei, jäger-ei, meier-ei, bäcker-ei, verræter-ei etc. gelten, sondern auch bil- dungen mit-el das-ei zugefügt wird: gaukel-ei, heu- chel-ei, tändel-ei, tölpel-ei (jene mhd. tenterîe, dör- III. reinvocalische — consonant. ableitungen. perîe) andächtel-ei, seien nun verba oder subst. stamm. Der häufige ausgang-n-ei, -r-ei veranlaßte aber den misbrauch, daß man von den bloßen pluralfor- men länder, græser, buͤcher, kinder: länder-ei — kinder-ei bildete, ja endlich -rei für den bildungstrieb nehmend, es an einfache wörter (wo gar kein -r-ei denkbar ist) hieng: ziere-rei, râse-rei, sclâve-rei, schel- me-rei, bübe-rei, sæme-rei, schweine-rei etc., statt wel- ches unfühlende sprachlehrer gar ein noch unleidlicheres sâm-ei, schwein-ei empfohlen haben. In fremden wör- tern wurde bald tieftoniges -ei gelaßen, wie partei, schal- mei, türkei, barbarei, pedanterei etc., bald die französ. aussprache hergestellt: astronomie, theorie, artillerie (wo- für im 15-17 jahrh. durchaus -ei) einigen ländernamen hingegen -ien gegeben: italien, romanien, gallien, spanien etc., nach der analogie von schwêden, franken, hessen (d. h. schwêden-land etc.) vgl. 1, 779. 780 oder stammt persien, indien aus dem alten persiân, indiân? — δ ) ebenso sehr oder noch mehr häufen sich neuniederl. ab- leitungen -î (geschrieben ij oder y) als: vôgd-î, hêr- schapp-î, mâtschapp-î, woesten-î, jâger-î, boever-î, ver- wer-î, asgoder-î, verrâder-î etc. und ähnlich dem nhd. -rei hat sich ein unorg. -nî nach der bildung -er in folgende wörter gedrängt: lâzer-nî (lepra) râzer-nî (furor) slâver-nî (servitus) spotter-nî (derisio) zotter-nî (stultitia) dorper-nî st. lazer-î, râzer-î. — ε ) seltner sind verba auf -îen ge- bildet worden, mhd. benedîen, verketzerîen (MS. 2, 129 a ) merƷîen (Trist. 24 b ); nhd. benedeien, vermaledeien, schal- meien, casteien, prophezeien und noch einige, ein nhd. -reien ist unstatthaft, z. b. kein verketzereien. — Daß in allen unter α bis δ berührten fällen das undeutsche, spä- ter noch vom flexionsvocal entbundne -î, -ei dem unter 1. genannten goth. -ei, ahd. -î, welches in neuern mund- arten unbetontes -e wird, unvergleichbar sei, noch daraus entsprungen sein könne, liegt am tage. II. consonantische ableitungen. Vorbemerkungen: 1) alle einzelnen consonanten jedes organs besitzen ableitende kraft, doch vor allen thätig sind die liquiden. 2) jedem ableitungsconsonanten geht ein vocal voraus, oder scheint ihm ursprünglich vorausgegangen zu sein; von diesen begleitenden vocalen bemerke ich im allgemeinen α ) es kommen die drei kurzen a(e), i(ë), u(o), aber nur G III. consonantische ableitungen. L. drei lange vor: alth. â, ô, î (goth. ei); niemahls ê (goth. ái). — β ) die drei langen schwinden in den älteren dia- lecten nie, sondern erst in den späteren. — γ ) die kurzen schwinden schon in den älteren, am leichtesten a, seltner u und i, aber u eher als i. — δ ) die ahd. mundart über- trifft alle anderen selbst die goth. darin, daß sie das a am wenigsten wegwirft; sie läßt es sogar zuweilen in for- meln der zwölften conj. stehen, wo es die goth. nie dul- det, ja wo seine syncope zur niedersetzung der starken form mitwirkte. — ε ) die unflectierte gestast, also im no- men der nom. sg. masc. neutr. zeigt die natur der vocale am sichersten, da bei zutretender flexion leicht syncope oder assimilation erfolgen. 3) zuerst handle ich die fälle, wo ein consonant die ableitung macht, ab und schließe mit den wenigern, wo zwei consonanzen in derselben ableitung stehen. Zwei- fache ableitungen führe ich da auf, wohin sie nach dem consonanten der letzten ableitung hören, z. b. jamarag, vestisal sind nicht unter r und s zu suchen, sondern unter g und l. ableitungen mit L. hier finden -al , -il , -ul , statt, späterhin verwandelt in -el . [AL] das a im goth. fast überall, im ahd. fast nie gewichen; im ags. in e verdünnt und oft in o (-ol) es ist zwar 1, 227. nicht ohne grund angenommen worden, daß die ags. -ol, -or = -al, -ar stehen; da inzwischen in der verbalflexion ags. -on dem goth. -un entspricht, in den ableitun- gen sehr oft -el das -al zu vertreten scheint, so ist es rathsamer, -ol und -or für -ul, -ur zu halten. schwankend; altn. zuweilen vorhanden, zuweilen auf- gegeben. 1) substantiva , α ) starke masculina , gothische: fug-ls (avis); sit-ls (nidus); stik-ls (calix); svib-ls (sulphur). ahdeutsche: char-al (mas, maritus); vas-al (soboles); finach-al (foeniculum) gl. mons. 414; vok-al (avis); hak-al (grando); has-al (corylus) gl. mons. 414, oder neutrum? vgl. has-ala fem.; huot-al (custos) mûrhuot-el W. 5, 7; kîs-al (obses) gl. flor. 983 b ; koum-al (custos); lumb-al (lumbus)? J. 404; nak-al (clavus, unguis) gl. flor. 986 a nag-ala unguis, was zu dem nord. fem. nögl und der unterscheidung von nag-al (clavus) stimmte; aber viel- leicht ist ungues zu lesen und uagalâ der pl. masc.? gl. hrab. 951 b nëb-al (ne- III. consonantische ableitungen. L. bula) nur in comp. nëbal-kouwi, nibalkouwi vorhanden und in nibulnissi in -ul streifend; scam-al (scabellum) T. 130.; sat-al (ephippium); sëk-al (velum) gl. hrab. 974 a ; sëƷƷal (sedes) gl. jun. 253.; spieg-al (speculum) gl. mons. 396.; stad-al (horreum) gl. mons. 393.; stah-al (cha- lybs); stehh-al (calix) gl. cass. 854 b ; stod-al (postis, co- lumua); suëv-al (sulphur) T. 146.; tiuv-al (diabolus); waht-al (custos); want-al (ambulatio, conversio) lîp-wand-el N. conversatio; was-al (humor, pluvia) gl. mons. 347. wo nur der dat. pl. wasalun (pluviis) vgl. wasilus (hu- mor) in der lex allemann. addit. 4, 8. und das altn. neutr. vasl; zad-al (penuria); zak-al (cauda); zieg-al (tegula) T. 54, 8.; zuîv-al (dubium). agsächsische: cëor-l (mas); ëor-l (comes); säs-el (proles); fug-el (avis); häg-el (grando); näg-el (unguis); sëg-el (velum); sët-el (sedes); snäg-el (limax); svës-el (sulphur); täg-el (cauda). altnordische, mit bleibendem vocal: að-all (indoles); hag-all (grando); hâk-all (carcharias); kad-all (rudens); þum-all (dactylotheca); vad-all (aqua vada); zuweilen mit wegfallendem: fug-l (avis); gis-l (obses); hrag-l (plu- via tenuis); iar-l (comes) kar-l (vir) vag-l (trabs). mhdeutsche: vog-el; gîs-el (zuweilen auch neutr. Parc. 99 b ); goum-el Parc. 85 b ; hag-el; nag-el; nëb-el; sëg-el; sëƷƷ-el (thronus); scham-el MS. 2, 244 b ; sitz-el (clunes) MS. 2, 67 a ; spieg-el; stad-el; stah-el; stod-el; swëb-el; tad-el (reprehensio); tiev-el; trieg-el (deceptor) MS. 2, 211 a ; wad-el MS. 2, 244 b ; wand-el; grieƷwartel; zad-el; zag-el; zieg-el; zob-el; zwîv-el. nhdeutsche: vôg-el; geis-el; hâg-el; hasp-el; nêb-el; sêg-el; stah-l etc. englische: chur-l; ear-l; und mit schmelzung des ugel in oul , des agel, egel in ail: fow-l; hai-l; nai-l; sai-l; snai-l; tai-l. — β ) starke feminina , gothische: nêþ-la (acus); sáiv-ala (anima) wohl einer wurzel mit sáivs (mare, fluctus): die bewe- gende, wogende kraft. . ahdeutsche: af-la (anima) gl. blas. 19 a vielleicht av-ala? vis, intellectus?; ëg-ela (sanguisuga) gl. flor. 984 a ; vach-ala (taeda) gl. mons. 412; has-ala (corylus); kap-ala (tri- dens); mas-ala (slegmen) gl. zwetl. 122 b ; nâd-ala (acus); për-ala (unio) gl. mons. 400.; sên-la, sê-la (anima); G 2 III. consonantische ableitungen. L. spën-ala (acus) speihh-ala (sputum) O. III. 20, 46; waht- ala (coturnix); wis-ala (mustela); wurz-ala (radix) T. 71, 3.; zeis-ala, wolves zeis-ala (nom. plantae); ziƷ-ala (culex) gl. zwetl. 118 b ; zuis-ala (furca) gl. flor. 988 a ; man findet die fehlerhafte schreibung has-ila, zuis-ila. agsächsische: âd-el, âd-l (morbus, tabum); häs-el, häs-l (corylus); næd-el, næd-l (acus); sâv-el, sâv-l (anima) tæs-el, vulfes tæs-el (chamaeleon alba). altnordische: nâ-l (acus); nög-l (unguis, verschieden von nag-li clavus); qvis-l (ramus arboris); sâ-l (anima); vîf-l (fustis lotorius). mhdeutsche: bër-le; vack-el; gab-ele; nâd-el; sê-le; zwis-ele (furca) Trist. 2934. nhdeutsche: hâs-el; sack-el; gâb-el; nâd-el; per-le; sê-le; wacht-el; wies-el. englische: haz-el; need-le; sou-l; teas-el. — γ ) starke neutra , gothische: maþ-l (concio); tag-l (crinis). ahdeutsche: ad-al (prosapia) gl. jun. 245.; chand-al (lampas) gl. jun. 194.; chnuos-al (genus) nur das flectierte cnuosles (generis) im Hild.; duah-al (lavacrum) gl. hrab. 960 b ; koukal (praestigium); lap-al (pelvis, mare) D. Cange: mare vitreum, species vasis. gl. jun. 214. mons. 413. (wo lapul) T. 105, 2.; mad-al nur in alten eigennamen wie madal-përht etc.; mah-al (fo- rum, concio) gl. jun. 200. 237.; sëd-al (thronus) J. 345. T. 106.; temp-al (templum) T. 117.; thuuih-al (vaccula) gl. hrab. 955 a ; top-al (saltus); wëv-al (subtegmen) gl. jun. 224.; zins-al (thuribulum); himilzunk-al (sidus). agsächsische: bot-el (aedes); cand-el (candela); cnôs-l (genus); sus-el (supplicium); tung-el (sidus). altnordische, zuweilen noch mit dem vocal: að-al (in- doles); mëd-al (medium); ôð-al (praedium avitum); ge- wöhnlich ohne ihn: as-l (robur); amb-l (labor assiduus); bast-l (rudis labor); bram-l (tumultus); bris-l (conno- datio); brut-l (venundatio); bumb-l (resonantia); bust-l (tumultus); dras-l (verba inania); dög-l (nom. pl. arma); dub-l (aleatorum jactus); dust-l (levis opera); fîf-l (fatuus); fip-l (contactus); gaf-l (extremitas); gag-l (avis); gruf-l (coeca attrectatio); gut-l (agitatio liquido- rum); has-l (corylus); hnup-l (compitatio); hras-l (tracta); hruf-l (laesio cutis); hvîs-l (susurrus); kit-l (ti- tillatio); krab-l (contrectatio levis); kuf-l (larva); kum-l (cumulus); kurf-l (virgarum frustula); miat-l (parva de- III. consonantische ableitungen. L. tractio); qvot-l (convallis); râng-l (gressus obliquus); rîs-l (manutractatio) rid-l (tumultus); rug-l (confusio); rup-l (rapina); rus-l (quisquiliae); sâng-l (murmur); skrif-l (res lacera); sprik-l (concussio membrorum); svam-l (va- gatio); suf-l (sorbillum); svîng-l (vagatio); sumb-l (com- potatio); tab-l (alea); tag-l (cauda); tut-l (detractio); tûng-l (luna); vës-l (tunica); vîng-l (vertigo); vit-l (levis occupatio); þvog-l (balbutiae). mhdeutsche: ad-el MS. 2, 244 b : had-el (linteum scissum) MS. 2, 177 b ; lâm-el (culter, ensis) MS. 2, 232 b ; sëd-el (sedes); tob-el (saltus); wast-el (panis) Wilh. 2, 62 a . δ ) starke masc . auf -alî; nur goth. faúra-maþ-l-eis praefectus. — ε ) starke feminina auf -alî können ahd. von jedem adj. auf -al geleitet werden, als: tunh-al-î (obscuritas) suîk-al-î (taciturnitas) vrav-al-î (temeritas) N. 106, 17. vorsc-al-î (curiositas) scam-al-î (verecundia) part-sprunk- al-î (lanugo) ka-zunk-al-î (facundia) upar-âƷ-al-î (cra- pula) upar-trunh-al-î (ebrietas) etc. Das a aflimiliert sich oft: uparâƷilî etc. In den andern dialecten bemerke ich diese wortbildungen nicht und sie sind auch bereits im mhd. veraltet. Nhd. sagt man wohl: die dunkle (caligo); die mhd. form würde lauten: dunk-el. ζ ) starke neutra auf -ali , collectiva die theoretisch jedem subst. auf -al entsprechen, gern aber in -ili assi- milieren, z. b. ahd. kitub-ili (convallis); kivuk-ali (com- plexus avium) kinib-ali (congeries nubium) kisid-ili (dispositio sedium) und mhd. (mit dem aus der assim. er- wachsenen umlaut): gevüg-ele, genib-ele, gesid-ele. Diese collectiven neutra unterscheiden sich von den vorherge- henden femininis dadurch 1) daß sie aus subst., jene aus adj. entspringen, 2) daß sie früher gebildet zu sein schei- nen, weil sie die alten vocale i und u behaupten, wäh- rend ihre stämme bereits ë und o angenommen haben (tobal, vokal, nëbal, sëdal). Nhd. schwankend: gevœg-el, genêb-el, gesîd-el, gezüng-el ( γλωττισμός ). η ) schwache masculina: goth. svig-lja (tibicen) wäre ahd. suëk-alo, suëk-alëo, das aber nicht vorkommt; der goth. dat. gib-lin (culmine) Luc. 4, 9. läßt zweifelhaft, ob der nom. gib-la oder gib-lô lautet. Auch den goth. ei- gennamen am-ala könnte man hierher zählen. — Ahd. fällt hierher nap-alo (umbilicus) gl. jun. 232. mons. 339. 353. W. 7, 2; anch-alo (talus) gl. jun. 230. ist bedenklich, weil tali dasteht und anchalâ (nom. pl.) gelesen werden könnte, indessen entspricht jenem altn. öck-li, das nur III. consonantische ableitungen. L. zu der form -ul gehört. — Ags. heáf-ela (tegmen ca- pitis, nicht hëafela) wurde ahd. houp-alo lauten und mit hoube, hûbe, nhd. haube verwandt sein; sodann: naf-ela (umbilicus) vielleicht fëorh-genið-la (homicida?) Beov. 74. 117. 214. — Altnordische: af-li (acquisitio) ap-li (vitu- lus) draf-li (colostrum) kaf-li (spatium, intervallum) nag-li (clavus) naf-li (umbilicus) saf-ali (mustela); daß diese wör- ter der al- und nicht der il-form zufallen zeigt der mangelnde umlaut. Aus dem ersten theil ist bekannt, daß auch das -i der flexion unorganisch sei, ein älteres -a scheint der eigenname stur-la (terrens) zu bewahren, vgl. unten cap. VI. — Mhd. nur nab-ele (in einem un- gedruckten gedicht reimt der dat. nabelen: zabelen); das nhd. nâb-el decliniert fehlerhaft stark. θ ) schwache feminina: goth. ag-lô (molestia); — ahd. cuc-ala K. 51 b ; sëmm-ala (similago) gl. doc.; sport-ala (cor- bis) gl. doc.; suëk-ala (calamus, tibia) O. V. 23, 396. gl. hrab. 964 b . jun. 199; kimah-ala (sponsa) gemah-ela W. 2, 13. 14. 4, 10, 11.; want-ala (negotium) gl. jun. 215.; wurz-ala, wurz-ela (radix) O. I. 3, 53. 23, 102.; diese fem. schwanken zwischen al, il, ul und zwischen starker oder schw. declination. — Noch unsichrer sind die ags. schwachen fem. mit -l der al, il oder ul-form zuzusprechen, vgl. fimb-le (fabula) eg-le (arista) sving-le (flagellum) dessen pl. bald svingelan, bald svingla lautet. — Der unumlaut weist folgende altnordische hierher: ham-la (catena) tab-la (tabula) ug-la (noctua) vielleicht vës-la (mi- series). — Mhd. buck-el (umbo) ge-mah-ele (conjux) papp-el (populus) semm-el; wurz-el, deren aller schwa- che decl. mir noch nicht ausgemacht ist. — Nhd. gehen papp-el, semm-el, schauf-el, wurz-el natürlich im sg. stark. ι ) schwache neutra der form -al gibt es nicht. — 2) adjectiva. α ) erster declination , gothische, einfacher ableitung, sind in den ulfil. fragmenten kaum erhalten, nach der analogie aber nicht zu bezweifeln, erst das mail. spec. hat uns Tit. 1, 7. slah-als ( πλήκτης ) bekannt gemacht, wo der wohllaut keine syncope des a gestattete. ahdeutsche: âƷ-al (edax) nicht zu belegen, aber zu folgern aus den subst. upar-âƷalî; pët-al (mendicus) nach dem verb. pëtalôn; ëƷƷ-al (edax) K. 23 b . 39 b .; vank-al (capiens) nach dem verb. vankalôn; voraht-al (timidus); vorsk-al (novi cupidus); ham-al (mutilus); haƷƷ-al (ma- litiosus); ît-al (vacuus, inanis); kam-al (vetus) nur noch III. consonantische ableitungen. L. in der composition von eigennamen; këƷƷ-al (attentus) âkëƷƷ-al (obliviosus) nach analogie von âkëƷƷalî (oblivio); scad-al (noxius); scam-al (verecundus); scranh-al (fallax) nach dem verb. seranh-alôn; slâf-al (somnolentus); sprâhh- al (linguosus); sprunk-al (exultans) part-sprunk-al (pubes); stumb-al (trunceus) gl. jun. 230; stehh-al (arduus); suîk-al (taciturnus); touk-al (clandestinus); truop-al (turbulentus); tunh-al (obscurus); wad-al (egenus, pauper) gl. hrab. 962 a ; wanh-al (infirmus); sina-wërp-al (tornatilis); ka- zunk-al (facundus). — Im ags. sind falt alle diese adj. zu der ol-form übergegangen, doch nie îdol, stets îd-el (inanis). Nicht weniger im altn. hat sich -all wegen der im nom. sg. fem. aus der flexion entspringenden assimilation meist in -ull verwandelt. Da nämlich das fem. von atall nicht atal, sondern ötul (f. ötulu) lautet, so schlich sich auch das masc. ötull und neutr. ötult (lt. atalt) ein. Doch zieht die edda in vielen adj. das -all dem -ull vor, als: at-all (strenuus) gam-all (vetus) gët-all (prudens, vgl. sann-gët-all Grimn. 46.) svip-all (mobilis) þag-all (tacitur- nus) etc. später öt-ull, svip-ull, þög-ull, kaum aber göm- ull f. gam-all; forsi-âll (providus) wäre ahd. vora-sëh-al. Die mhdeutschen adj. -el sind schon in geringer zahl: crisp-el (crispus) troj. 145 b ; gog-el (lascivus) MS. 2, 82 b . Wilh. 2, 169 a ; ît-el (inanis) përht-el (splendidus) Mar. 174; stîg-el (praeceps) En. 4026. 5520; swank-el (exilis); sîv-el (placidus?) Wilh. 3; tunk-el (obscurus); wank-el (incon- stans); behag-el (gratus, behaglich) bei Herb. 90 c . streift ins niederdeutsche, wie die mnl. mundart solche wortbil- dungen enthält: behagh-el Stoke 1, 570. Maerl. 1, 90; onnos-el (innocens) 1, 160; scam-el (verecundus) 1, 358; wand-el 1, 149; verghët-el 2, 204; wantrouw-el (incredulus) 1, 233, 246. Nnl. finde ich: îd-el, scham-el (miser); vermêt-el (audax); onnoz-el (simplex); nhd. nur dunk-el und eit-el. β ) zweiter declination , gothische sind keine übrig; im ahd. glaube ich drei annehmen zu müßen, welche ihr -ali gern in -ili assimilieren: ad-al-i (nobilis) vrav-al-i (temerarius) zuîv-al-i (anceps) von den subst. adal, vraval, zuîval hergeleitet. Die form adali nicht zu belegen, das assimilierte edili bekannt genug; fravili hat doc. 209 a O. IV. 11, 87. V. 24, 62; flectiert fravalêr (procax) gl. jun. 185.; zuîvalemo, zuîvalêr O. V. 11, 38. gl. jun. 185, für das un- flectierte zuîvili bürgt ein altsächs. uifli. — Agf. äð-el-e (nobilis, nicht eðele) vermuthlich auch fräf-ele wurzel frafan (audere) nr. 475. . — Mhd. III. consonantische ableitungen. L. ed-ele; vrev-ele wofür aber schon ed-el, frev-el, wie nhd. êd-el, frêv-el. γ ) dritter declination , goth. ag-l-us (difficilis); wäre ahd. ak-al-u, das sich nicht findet, so wenig als ak-al-i, ek-il-i, mit übergang in die vorige decl. Ags. eg-el-e (molestus) — 3) verba. α ) erster schwacher conjugation: goth. maþ-l-jan (sermocinari) sig-l-jan (signare) us-ag-l-jan (molestare); ahd. mah-al-jan (loqui) ki-mah-il-it f. ki- mah-al-it (despondet) gl. jun. 201; nak-al-jan (clavis figere); pistump-al-jan (truncare) mons. 363. 373; mhd. ver-meh-el-en (desponsare); neg-el-en; steh-el-en; nhd. ver-mäh-l-en näg-el-n, stäh-l-en, sêg-el-n, schwêf-el-n. Umlaut erregt bloß das i der ableitung, der al-form zum trotz. Ags. mäð- el-jan; näg-el-jan; eg-el-jan; sig-el-jan (navigare), [engl. nail, sail, ail vgl. vorhin s. 99.] — Altn. neg-l-a; sig-l-a. β ) zweiter schw. conjugation: goth. svig-l-ôn (tibia canere). ahd. alôn , zumahl bei O. häufig in olôn assimiliert. av-al-ôn (comparare) O. I. 23, 41. IV. 7, 85; chranh-al-ôn, krank-ol-ôn (in- firmari) O. IV. 4, 38; vank-al-ôn J. 377. gl. mons. 364. 388. 389. 397; vok-al-ôn (aucupari); hant-al-ôn (tracta- re); juhh-al-ôn (scalpere) mons. 377; kouk-al-ôn (gesti- culari); mah-al-ôn (postulare) mons. 378; mang-ol-ôn (carere) O. IV. 11, 72; mëƷƷ-al-ôn (triturare) gl. doc. 229 a ; pët-al-ôn (mendicare); ramm-al-ôn (coire); sat- al-ôn (addextrare) gl. jun. 227. blas. 10 b ; pi-scranh-al-ôn, bi-skrank-ol-ôn (insidias struere) O. IV. 16, 82; sprat-al- ôn (palpitare) gl. jun. 222. [gl. flor. 986 a spratelendo odo- rus? wohl odorando? stam-al-ôn (balbutire); stumb-al-ôn (truncare) gl. jun. 230, pistumplôt gl. hrab. 971 a für pistum- pilit? wad-al-ôn (fluctuari) gl. doc.; zad-al-ôn (egere); zap-al-ôn (palpitare) gl. doc. jun. 222; zorh-al-ôn, zork- ol-ôn (aegrotare) O. III. 23, 50; zuîv-al-ôn (dubitare) früher vielleicht zuîvaljôn? Obgleich die meisten ags. stämme -ol für -el haben, ziehen sie doch im verbo wieder das -el vor: dëág-el-jan (abscondere) sad-el-jan (dextrare) stað-el-jan (fundare) svëot-el-jan (manifestare). Altn. zeigt der unumlaut diese verba an: af-l-a (com- parare) amb-l-a (assidue laborare) bag-l-a (imperite se gerere) bram-l-a (tumultuari) dras-l-a (succursorie ferri) III. consonantische ableitungen. L. hvarf-l-a (divagari) jap-l-a (mandere) sag-l-a (saepius serrare) svam-l-a (vagari) vamb-l-a (ventre repere); zweifelhaft sind die umlautsunfähigen mit den wurzel- vocalen i, ei, halbzweifelhaft die mit u, als: bid-l-a (pro- cari) dreit-l-a (stillare) seig-l-a (tardare) hnud-l-a (sub- igere) hnup-l-a (surripere) rug-l-a (turbare) etc. Mhd. vog-el-en; gauk-el-n; hand-el-n; mang-el-n; sat-el-en; stamm-el-n; swëg-el-en Barl. 255, 18; zab-el-en Parc. 25 b ; zwîv-el-n. Nhd. fâs-el-n; gâb-el-n; hand-el-n; mang-el-n; praß-el-n; ramm-el-n; raß-el-n; satt-el-n; samm-el-n; schauk-el-n; sprûd-el-n; sûd-el-n; stamm-el-n; tromm-el-n; tumm-el-n; wand-el-n; zapp-el-n; zweif-el-n; und an- dere unumlautende. — γ ) dritter schw. conjugation , da hier auch kein umlaut statt findet, so sind diese verba in allen sprachen, denen der unterschied zwischen dem ô und ê zweiter und dritter conj. erloschen ist, wenn nicht die frühere volle flexion dabei leitet, nicht mehr auszumitteln. Nach dem ahd. ar-ît-al-ên (evanescere) tunh-al-ên (tenebrescere) muß freilich ein mhd. und nhd. ver-eit-el-n, dunk-el-n hierher gezählt werden. Ließe sich annehmen, daß sie nur von adj. nicht von subst. ge- bildet werden (die zweiter conj. stammen von beiden); so würde z. b. funk-el-n (scintillare) nicht hierher gehö- ren, da wenigstens kein adj. funkel bekannt ist. Wer weiß aber, ob nicht das nhd. wurz-el-n ahd. wurz-al-ên lautete? — [IS-AL] goth. s-l; ahd. is-al; altn. s-l; diese dop- pelte ableitung wird, weil es kein s-il, is-il; s-ul, is-ul gibt, füglich hinter dem einfachen -l, -al abgehandelt. Das einfache -s, -is suche man unten beim S. 1) substantiva , α ) starke masculina scheinen selten, ich wüste nur ein ahd. drâh-is-al (tornarius) und nicht einmahl in der reinen form anzuführen, gl. blas. 33 b haben drah-s-il, gl. trev. drhasil (verschr. f. drahsil), mhd. dræh-s-el Parc. 7697. Fehlerhaft kommen einzelne neutra männlich gebraucht vor, z. b. gruoƷ-s-al (salutatio) Maria 65. 172. und ahd. wëh-s-al (vices, f. wihh-is-al?) gl. jun. 199. hrab. 951 a , mhd. wëh-s-el, nhd. wech-s-el. β ) starke feminina: ahd. am-is-ala (merula) gl. flor. 984 b ; mhd. am-s-el MS. 2, 192 a amur 5 b ; nhd. am-s-el. III. consonantische ableitungen. L. N. 65, 13. stehet wart-s-ala (corruptio) vielleicht f. wart- s-alî? Ferner dëh-s-ala (ascia) doc. 207 b mons. 337. 349.; ah-s-ala (f. ah-is-ala?, scapula) ags. ëax-el, altn. öx-l, mhd. ah-s-el, nhd. ach-s-el [doch muß die coalition ahf. alt sein, weil sie ablautsfähig wurde, vgl. nr. 490.] Altn. pîn-s-l, pî-s-l (cruciatus). γ ) starke neutra: goth. hun-s-l (sacrificium); svum-s-l (natatorium); skôh-s-l (daemonium). Ahdeutsche: chuoƷ-is-al (taedium) gl. doc. 252. auch das s. 100. zu dem einfachen -al gerechnete chnuosal (genus) entspringt vielleicht aus chnuoh-is-al? vgl. chnâhen (noscere). , vest-is-al (munimentum) gl. herrad. 191 a trev. 37 b ; vuor- is-al (alimentum) gl. trev. 53 b ; vuot-is-al (pastio) gl. doc.; houw-is-al (albugo) gl. mons. 385. august. 123 a hou-s-al gl. trev. 64 b dunkles, der spätern sprache ungekanntes wort, das ich aus der wurzel houwan noch nicht verstehe. ; harm-is-al (aerumna) herm-es-al W. 1, 5.; hruom-is-al (ostentatio) gl. doc.; cruon-is-al (ger- men) gl. mons. 408.; cruoƷ-is-al (molestia) gl. mons. 402.; marr-is-al (laesio) gl. mons. 401. 413.; neiƷ-is-al (afflictio); gl. doc. uop-is-al (exercitium, cultus) gl. doc. 250. mons. 409.; wert-is-al (corruptio) O. IV. 18, 46. 28, 22. V. 12, 68, 77. und sicher noch manche andere. Im ags. finde ich außer hû-s-l (eucharistia f. hun-s-l?) und cnô-s-l (genus) keine, aber viele im altn.: beyg-s-l (frenum) bœg-s-l (pinnae balaenarum) dat-s-l (motus claudorum) herm-s-l (luctus) hun-s-l, hu-s-l (venerabile) ken-s-l (notio) kyn-s-l (res insolita) meid-s-l (laesio) œr-s-l (furor) ren-s-l (alveus, decursus) skram-s-l (cro- citus) skrym-s-l (monstrum) smyr-s-l (unguentum) spen-s-l (fibula) ven-s-l (necessitudo) vîx-l (vik-s-l? cambium) þŷng-s-l (gravitas) þyrm-s-l (necessitas parcendi). Mhd. haben fast alle diese wortbildungen, zum vor- theil des wohllauts, aber gegen den organismus der spra- che, das a behalten, nicht in e verdünnt; ja sie laßen ihm vollen tiefton, daher der ausgang -sal auf al, val, tal reimt (vgl. Mar. 65. 172. Georg. 42 b Ottoc. 462 b 630 a grundriß 301.). Man nahm -s-al vielleicht schon im zehn- ten jahrh. für die wurzel -sal (nr. 561.). Aber keine andere sprache componiert wirklich mit -sal und is-al, -s-al kann so wenig dafür gehalten werden, als das völlig analoge is-ôd für -sôd (s. unten beim D). Auch hat sich im parallelen fem. aus is-ala kein -sala, -sal er- zeugt (d. h. aus amisala wurde richtig amsele, amsel) III. consonantische ableitungen. L. weil dem oberflächlichen gefühl das ahd. sala, mhd. sal (traditio) ferner lag, als das masc. sal (aula), welchem letztern der übertritt aus dem üblichen neutr. in das masc. (vgl. oben gruoƷ-s-al) zugeschrieben werden muß. Ich kenne beinahe keinen mhd. dichter, der im neutr. oder masc. das natürliche -s-el behauptet hätte, alle setzen -sal für es-al, -s-al, vgl. derre-sal (ariditas) Georg. 4152.; ehte-sal (persequutio) cod. pal. 361, 12 c , 37 d ; velle- sal (afflictio) MS. 2, 211 b ; vluh-sal (was man fliehet) Parc. 28 b Barl. 238, 28.; irre-sal, ir-sal (error, vagatio) mehrmahls bei Ottoc.; ræt-sal (aenigma) Rote im grundr. 301.; nur alle gebrauchen wëh-s-el (nie wëh-sal) eben der frühern coalition des hs. in diesem worte wegen, weshalb auch nnl. wissel und nicht wiksel steht. und in der unreinen mundart eines spätern gedichts (lieder- sal 619.) lese ich trum-s-el (frustum). Doch sind über- haupt auch die -sal unhäufig. Kein solches -sal, vielmehr das organische -s-el kennt die mnl. sprache, vgl. dek-s-el (operculum) Maerl. 1, 131.; doep-s-el (baptismus) 2, 104.; minc-s-el (demi- nutio) 3, 208; raed-ch-el f. raed-s-el (aenigma) 1, 197. Merkwürdig bestehen im nhd. beiderlei formen neben einander; viele -sal dauern in der schriftsprache fort, viele -s-el haben sich, vielleicht durch die volkssprache, wieder geltend gemacht. Vgl. drang-sâl, feind-sâl, irr- sâl, lâb-sâl, muͤh-sâl, rach-sâl (H. Sachs) rinn-sâl (altn. renn-s-l) saum-sâl, schick-sâl, scheu-sâl, truͤb-sâl, wirr- sâl, zwang-sâl; und auf der andern seite: überbleib-s-el, fêg-s-el, füll-s-el, anhäng-s-el, gemeng-s-el, heck-s-el (d. i. hexel) gemet-s-el (d. i. gemetzel), ræt-s-el, schreib- s-el, schmier-s-el, schnit-s-el (d. i. schnitzel), stöpf-s-el, wech-s-el, gewin-s-el. Diese scheinen gemeiner, jene durch ihren wohllaut edler. Doch schließen sich beide ab und weder drang-s-el, ist zuläßig noch überbleib-sal. Vielleicht dürfte man einige der letztern form für neutra zweiter decl. nehmen, z. b. gemengsel, gewinsel für ein älteres gemengsele, gewinsele? Nnl. lauter-s-el: bloei-s-el, knie-buig-s-el, dôp-s-el, uit-druk-s-el, begin-s-el, verguld-s-el, mâk-s-el, meng- s-el, râd-s-el, schik-s-el, schrâp-s-el, uitspan-s-el, stroi- s-el, stys-s-el, hand-vat-s-el (ansa) bî-voeg-s-el, wind-s-el (fascia, involucrum) wis-s-el (cambium) welf-s-el (ge- wölbe) u. a. m. — III. consonantische ableitungen. L. δ ) starke feminina auf -is-alî und zwar mit umlaut -is-elî kommen bloß im ahd. vor: neiƷ-is-elî (afflictio) gl. jun. 196. 233; hruom-is-elî (ostentatio) gl. mons. 360. 389; wart-s-alî (? wart-s-elî, corruptio) N. 19, 7. — ε ) starke neutra auf -is-ali, ahd. das einzige drâh- is-ali (toreuma), vollständige form des gl. hrab. 975 b ver- zeichneten drâsli. Altn. haben einige der vorhin ange- gebnen neutra auf -s-l später die form -s-li, als: ren-s-li, beyg-s-li (Rask §. 137.). Daß die nhd. gemengsel, ge- drechsel, geschnitzel dieser form angehören können, wurde eben gemuthmaßt. ζ ) schwache masculina; keine. η ) schwache feminina im altn. häufig: ûtbreid-s-la (divulgatio) brŷn-s-la (exacutio) eyd-s-la (prodigalitas) fœd-s-la (alimentum) fœg-s-la (politura) fœr-s-la (ductus) gæt-s-la (tutela) geym-s-la (custodia) grœd-s-la (sanatio) hræd-s-la (terror) leid-s-la (ductus) neyt-s-la (esus) reid-s-la (trutina) ræk-s-la (cultura) reyn-s-la (experien- tia) seyd-s-la (coctura) veit-s-la (epulum) vörd-s-la (tu- tela) þræ-s-la (rancor). 2) adjectiva dieser form, wiewohl als unterlage der 1, δ . angeführten fem. zu vermuthen, scheinen nicht vorräthig; Pictorius gibt ramfler (lascivus), das dürfte ein ahd. adj. ramm-is-al, aber auch ein subst. ramm- is-al-âri (wie drechsler drâhisalâri) anzeigen. Dagegen sind bereits im ahd. aus der vermeinten composition -sal adjectiva auf -selîg entsprungen, N. 37, 5. warta-selîg (corruptibilis), nicht -sâlîg (mhd. sælic, beatus, dives), obgleich im nhd. feindsêlig, armsêlig (mhd. vientselic, armselic, sumeselic?) mit siegsêlig, arbeitsêlig, gottfêlig, glücksêlig (mhd. sigesælic Trist. 117 a. b. altn. sigr-sæll, mhd. arbeitsælic Trist. 15 c ) untereinander rinnen; vgl. nnl. rampzâlig (infelix). — 3) verba. ahd. wëh-s-al-ôn (mutare) T. 31, 6. N. 44, 1. gl. hrab. 951 a 964 a wihslen, wihslit nach erster schw. conj. für wëh-s-il-jan, wih-s-il-en, vgl. anm. s. 107. altn. vîx-l-a (f. vik-s-l-a?) mhd. wëh-s-el-n; altn. ax-l-a (in humeros sublevare); altn. ven-s-l-a (necessitate jungi); nhd. drech-s-el-n, win-s-el-n, entræt-s-el-n, schnitz-el-n, metz-el-n laßen auf ahd. drâh-is-al-ôn, win-is-al-ôn, rât-is-al-ôn schließen. Dem begriffe nach frequentativa, III. consonantische ableitungen. L. diminutiva derer auf -is-ôn, vgl. winisalôn mit winisôn (mugire). [IL] der vocal schwindet weder im goth. noch im ahd.; das ags. hat e, das vermuthlich ë war, der tonlo- sigkeit wegen aber nicht vom eigentlichen e unterschie- den werden darf, weshalb ich die schreibung e vorziehe. Altn. i, das bei zutretender flexion ausfällt. In den übri- gen sprachen allgemeine verdünnung in e, umlautbare wurzelvocale jedoch stets umgelautet. 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. das einzige kat-il-s (ahenum) einfach abgeleitet, zweifach hingegen: agg-il-us (angelus) as-il-us (asinus). Diese zweite ableitung mit -u laßen die andern mund- arten nicht mehr wahrnehmen, weshalb in den folgen- den beispielen masc. zus. fließen, die im goth. der ersten oder dritten decl. zustanden. ahd. enk-il (angelus) bei-J. noch ang-il; es-il (asinus); chek-il, cheg-il, zëlt-cheg-il (paxillus, clavus) gl. jun. 220. mons. 321. 324.; chneb-il (columbar, vinculi genus) gl. trev. 58 a ; cheƷƷ-il (lebes) gl. mons. 325.; chis-il (silex) O. I. 23, 93.; chnut-il (contulus) gl. zwetl. 117 b chrouw-il oder chrew-il (fuscinula) mons. 322. 331.; chum-il (cumi- nus); dist-il (carduus) mons. 414.; dorn-drâh-il, -drâ-il (lanius, avis) zwetl. 123 b ; drem-il (pessulus) doc. 208 b ; hef-il (funis elevator); him-il (coelum, tectum) hrek-il (spolium) hreg-il Hild. reg-il gl. aug. 117 b , vielleicht neu- trum?; hrîs-il (acus) rîs-il flor. 985 b ; ik-il (hericius) mons. 334. 410.; vuoƷ-kenk-il (pedes) blas. 31 a ; kreb-il (paxillus) doc. 216 b ; krint-il (repagulum) J. 347. mons. 335. doc. 207 b W. 5,6. gerind-el N. 106, 16. 107.; kriph- il (graphium); prust-leff-il (cartilago) zwetl. 115 b ; merk-il (argilla) flor. 986 b lind. 992 a ; nesp-il (mespilum) doc. 226 a ; nuo-il (runcina) mons. 335.; pir-il (cophinus) T. 80.; pit-il (procus); plû-il (vectis) mons. 412.; steinpôƷ-il (la- tomus) mons. 328.; pritt-il (frenum, habena); stein- pruhh-il (latomus) trev. 42 b ; puh-il (acervus) hrab. 951 b ; put-il (praeco); pût-il (marsupium) doc. 204 a ; rid-il (discriminale) mons. 332. [wurzel nr. 167., geflochtnes band]; rik-il (pessulus) hart-rik-il (ligustrum); reit-riht-il (au- riga) mons. 345. zwetl. 114 a ; sceph-il (creator) eo-skef-el (legislator) N. 9, 21.; sench-il (anchora) doc.; sleg-il (tu- des); sluƷ-il (clavis) T. 90. O. III. 14, 179.; stiak-il (gra- III. consonantische ableitungen. L. dus) K.; sted-il (fundamentum) J. 340.; stempf-il (pilum); stenk-il (thyrsus) zwetl. 133 a ; stôƷ-il (pilum); suint-il (vertigo); tinch-il (siligo) T. 139.; trek-il (bajulus) mons. 327. sametrek-il (symbola) doc.; tûhh-il (mergulus) mons. 321.; horo-tup-il (onocrotalus) mons. 321. 335.; veƷƷ-il (fasciola) doc. 240 b ; vlek-il (tribulum) mons. 331.; vriud-il (amator) mons. 336. 394.; wâd-il (penicillum) flor. 989 b ; wib-il (scarabaeus); winh-il (angulus); wînzur-il (vinitor) T. 124. trev. 42 a wînzurn-el W. 8, 12.; wurph-il (tesse- ra); zuh-il (frenum) hrab. 965 b zug-il mons. 329. — ags. brem-el (tribulus); byd-el (praeco); byr-el (pro- mus); cet-el (cacabus); eng-el; es-el; feng-el (princeps) Beov. 106.; fet-el (balteus); grind-el (pessulus); gyrd-el (cingulum) hrîs-el (radius textorius); for-rîd-el (praecur- sor); ryn-el (cursor); sleg-el (plectrum); smyg-el (ami- culum); stêp-el (turris); sveð-el (instita); þist-el (carduus); vinc-el (angulus) und eigennamen wie grend-el etc. — altn. bend-ill (villus); ber-ill (culeus); beng-ill (va- rus); bid-ill (procus); bit-ill (frenum); bled-ill (foliolus); brim-ill (vitulus marinus); bœk-ill (luxatus); byr-ill (pin- cerna); dreit-ill (gutta); dymb-ill (crotalum lign.); dep-ill (nubecula); dind-ill (pendulum quid); dreg-ill (limbus); eit-ill (glandula in ligno); er-ill (labor assid.); eng-ill (an- gelus); eck-ill (viduus); eys-ill (haustrum); fer-ill (tra- mes); feng-ill (dux); fet-ill (balteus); fîf-ill (taraxacum); frið-ill (concubinus, vielleicht f. frŷð-ill?); geist-ill (ra- dius); gep-ill (cochleare latum); gimb-ill (agnus); gref-ill (daemon); hef-ill (dolabra); hem-ill (tutela) hnîf-ill (cor- niculum); hnik-ill (glomus); hvirf-ill (vertex) hyp-ill (vestis ampla); hæk-ill (extremitas); ket-ill (cacabus); kist-ill (cistella); knŷt-ill (fasciculus); kræk-ill (uncus); kymb-ill (fasciculus); kynd-ill (lux); kyrt-ill (tunica); leig-ill (seria); lep-ill (cochleare); lyk-ill (clavis); meit-ill (cuneus); mid-ill (facultates); rind-ill (terebra); nirf-ill (homo parcus); rid-ill (manipula militum); rist-ill (zona); ref-ill (tapes); ræf-ill (res lacera); sem-ill (collector); send-ill (nuntius); skef-ill (scalprum); skut-ill (venabu- lum); snef-ill (odor levis); snep-ill (praesegmen); snid-ill (falx); snîg-ill (limax); speng-ill (homo ejuncidus); stik-ill (cornu); stimp-ill (typus); strîp-ill (corpus nudum); svæf-ill (cervical); tef-ill (remorator); tref-ill (lacera vestis); trit-ill (homo vanus); trŷg-ill (linter); tæf-ill (cauda vulpis); þeng- ill (rex); þist-ill (carduus); þrif-ill (vir diligens); þveg-ill (tersorium); verp-ill (culeus missilis); væsk-ill (mustela); außerdem eigennamen, wie eg-ill etc. Wo das -ill keinen III. consonantische ableitungen. L. umlaut zeugt scheint es mir unorganisch, z. b. in ad-ill (auctor) dras-ill (equus) dus-ill (servus) f. ad-all etc., manch- mahl wechseln -ill und -all ab, z. b. neben gref-ill gilt graf-all. — mhd. bit-el (procus) Mar. 1494. fragm. 39 a ; vride- brëch-el Cod. pal. 361, 92 b ; brit-el Trist. 6930. En. 7302.; büt-el; dift-el; drüƷƷ-el (gula) troj. 71 c ; eng-el; erm-el MS. 2, 85 b ; es-el; vuoƷ-geng-el troj. 181 a ; gürt-el Nib. 2558. Trist. 10836.; him-el; ig-el; keg-el; keƷƷ-el; kis-el; knüt-el; merg-el; rig-el; senk-el; schenk-el Parc. 51 a Wig. 8464; sleg-el; sluƷƷ-el; spreng-el (dioecesis); sprenz-el MS. 2, 72 b ; steng-el (caulis) troj. 143 b ; swenk-el Parc. 6304; vor-tenz-el (choragus) MS. 2, 72 b ; sak-treg-el Bon. 51. veng-el (dux); veƷƷ-el; vleg-el; vried-el MS. 1, 41 b ; wink-el; würf-el; züg-el; es gibt noch andere, die schwer anzugeben sind, weil ihr geschlecht unbestimmt ist, oder die abschleifung der nachher folgenden bildun- gen äußerlich mit ihnen zus. fällt. — nhd. beng-el; beut-el; bütt-el; dink-el; dist-el; eng-el; ês-el; fluͤg-el; gürt-el; hêb-el; henk-el; himm-el; huͤg- el; îg-el; kêg-el; keß-el; kîs-el; knêb-el; knütt-el; krüpp-el; kuͤb-el; kümm-el; löff-el; meiß-el; münd-el; pruͤg-el; merg-el; rüß-el; rîg-el; schæd-el; schenk-el; schlêg-el; schlüß-el; schweng-el; spreng-el; steng-el; stoeß-el; wink-el; würf-el; zuͤg-el u. a. m. doch hat sich im ganzen die zahl dieser bildungen verringert. — β ) starke feminina auf -ila scheint es nicht zu geben, wenigstens bietet Ulf. keine solche an, noch das altn. fem. auf -il. Alle ahd. auf -ila gehen entw. schwach, oder im fall starker decl. stehen sie misbräuchlich für -ala, z. b. gl. doc. hasila (corylus) f. hasala, daher auch mhd. hasele, nicht hesele. Misbrauch anderer art ist, daß ei- nige mhd. dichter gürtel weiblich setzen, z. b. Wirnt Wig. 6937. — γ ) starke neutra , goth. das einzige sáu-ïl (sol) oder saú-ïl für sav-il? Marc. 1, 32. 13, 24. das masc. würde -ïls fordern. Altn. ist dieser bildungslaut in die wurzel verwachsen: sôl f. sô-l, sô-il? und das wort weiblich vgl. den ahd. runennamen suhil, sugil, sigil = sonne, ags. sigel, zuweilen sygel für sonne und für halsband; sigel-vare die Aethiopen im sonnenland; schwerlich sagil zu vermuthen, das dem goth. sáuïl näher käme? . III. consonantische ableitungen. L. ahd. wenige, zum theil unsichere: lek-il, leg-il (do- liolum) oder ist die wahre form leg-ili?; mitt-il (liciato- rium) doc., aber mons. 326. geben mitt-uli, jun. 212. mitt-ule (dat.)?; nusk-il (fibula) flor. 988 a zwetl. 122 a doc. 227 a ; pig-il (securis)?; sehh-il (marsupium) O. III. 14, 179. T. 138. wirceb. 977 a ; sât-il (mensura frumenti?) T. 74, 1.; uod-il (praedium avitum, solum patriae) T. 78. oder uod-al (altn. ôð-al, ags. êð-el)? — ags. cyrn-el (glandula); êð-el (allodium, patria); symb-el (convivium); þyr-el (foramen). altn. keine auf -il, sondern oð-al, sumb-l. mhd. biut-el (pera) Vrib. 1530.; leg-el (dolium); nüsch-el (fibula) MS. 2, 72 b ; andere sind zweifelhaft; da sie für ahd. -ilî stehen können, z. b. heft-el Vrib. 1529., ahd. heft-il oder heft-ilî? letzteres des nhd. heft-lein we- gen sogar wahrscheinlicher. — δ ) starke masc. auf -ili , kaum im altn. zu spüren, insofern man gem-lir (aquila) und eg-lir (coluber, neben öglir, wie egdir neben ögdir) aus gem-ilir, eg-ilir deu- tet, wogegen aber die ableitung des ersten von gam-all streitet. Und das letzte -i könnte den umlaut zeugen, d. h. gemlir f. gam-alir stehen? ε ) starke ( oder schwache? ) fem. auf ilî , von adj. auf -il herleitbar. Goth. mik-ilei (magnitudo) ahd. mihh-ilî K. 26 a 44 a luz-ilî (parvitas) O. II. 7, 96. mons. 357.; up-ilî (pravitas). Mhd. sagt man nicht: diu mich-el, lutz-el. ζ ) starke neutra auf -ili und -ilî , beide im goth. man- gelnd, im ahd. von einander zu scheiden: α ) die mit kurzem vocalauslaut setzen subst. auf -il voraus, schieben im obliquen fall nichts ein, wandeln ihr -ili später in -ele, -el und haben nicht den begriff der verkleinerung; sie stehen den neutris auf -ali parallel, um so mehr, da diese meist -ili assimilieren, ahd. epf-ili (pomum); kip-ili (frons) mons. 321. 331.; ki-punt-ili (fasciculus) jun. 206.; innôd-ili (viscera) jun. 209. T. 4, 18.; cheƷƷ-ili (cacabus) jun. 185.; tûp-ili (castratura) doc. 240 a ; mân-ili (monile, lunula) mons. 332., zweifelhaft ob nicht mân-ilî? oder man-ili (vgl. altn. men = mani)?; insig-ili (gemma inaurata, annulus, monile) ags. sig-ele, offenbar von dem in der vorausgehenden note angeführten sigil (sol) wie mânili (monile) von mâno (luna), sei glanz des geschmeides oder sonnen- und mondförmiger schmuck der namen anlaß gewesen. mons. 342.; III. consonantische ableitungen. L. drî-winch-ili (trigonum) mons. 393.; vielleicht wunsc-ili (optatio) jun. 383. belegen nur wunschili-garta (caduceus) nhd. wünschelruthe; lauc-med-ili (fulgur) jun. 191. 206. vgl. med-ili (assis) doc., also wohl feuerstrahl, donner- keil?; — mhd. insig-ele, gebünd-el; nhd. insîg-el, bünd-el; — ags. svëg-le, alts. suig-li (aether); — altn. ep-li (pomum); fyg-li (aves); sig-li (monile); skef-li (truncus ligni). b) die mit ahd. langem vocalauslaut sind weit zahl- reicher, schieben im gen. dat. sg. und pl. -n ein, drücken eine verkleinerung aus und scheinen von jedem subst. möglich, z. b. lant (ager) lent-ilî (agellus) gen. lent-ilînes. Folgerichtig wird daher wie aus ahhar ahhar-ili, ahhar-lî aus vogal vugal-ilî, assim. vugililî (foetus, junge brut) mons. 411. wofür aber auch vugilî steht. Weiteres und beispiele unten cap. VIII. Diese diminutiva haben im mhd. zuweilen -el (z. b. schiff-el, navicula, Nib.) ge- wöhulich -lîn, nhd. -lein . η ) schwache masculina (ohne begriff der diminution), vorerst viele eigennamen, im goth. nicht aus Ulf. sondern aus den geschichtschreibern und urkunden zu nehmen: att-ila, mêr-ila, mund-ila, svinþ-ila etc.; ahd. az-ilo, ez-ilo, wolf-ilo, suâp-ilo etc.; ags. fit-ela; altn. at-li, bud-li (rückumlautend f. et-ili, byd-ili?); mhd. etz-el etc. Sodann andere subst., deren das goth. inzwischen keine bietet; ahd. enh-ilo (talus) mons. 327. vgl. oben s. 101. anh-alo; nest-ilo (vitta) jun. 206. 231. mons. 323. 335.; doch scheint hosa-nestila mons. 319. weiblich; uo-chum-ilo (racemus, acinus) mons. 322. 334., wiewohl 357. und doc. 239 a dem pl. auch starke sorm gegeben ist; sid-ilo (colo- nus) jun. 235., chamar-sid-ilo (sarabaita) jun. 260., hôh- sid-ilo (altithronus) jun. 179.; — altn. ök-li (talus) scheint für ök-uli zu stehen, also der ul-classe zuzufallen; geis-li (radius); nag-li (clavus); — mhd. enk-el (talus) pl. enk-eln? die meisten stellen entscheiden nicht; späterhin gewis stark enk-el, a. w. 3, 84.; ein-sid-ele (eremita) Barl. 8. — θ ) schwache feminina (selten verkleinernd) goth. ïn-ilô ( πρόφασις ); mav-ilô (puella); vaír-ilô (la- bium) — ahd. drisk-ila (flagellum) mons. 331. zwetl. 134 a ; er-ila (alnus) doc. 210 a lindebr. 991 b ; hiuf-ila (gena) jun. 261. hrab. 965 a ; liuz-ila (parvitas) J. 372.; keis-ila (scutica) geis-ila O. II. 10, 18.; hawi-krimm-ila (ophio- machus) mons. 412.; krost-ila (cartilago); neƷƷ-ila (urtica) mons. 343. 352.; nipht-ila (neptis) mons. 382.; purk-ila H III. consonantische ableitungen. L. (castellum) burg-ila T. 44, 7. 63, 1. 111. 129. 135. 224, 1. 228, 1.; riff-ila (serra) mons. 334. 335. wo bloß der pl. riffilun, der vielleicht einem masc. riffilo gehört?; sceit- ila (vertex) N. 67, 22.; scuƷƷ-ila (patera) T. 83. 158, 5. mons. 328.; snuob-ila (catenula) jun. 200.; sihh-ila (falx) T. 76.; spinn-ila (fusus) doc.; suff-ila (sorbitiuncula) mons. 327.; wint-ila (involucrum) doc. 224 a . — ags. mëov-le (virgo); net-ele (urtica); — altn. emb-la (n. pr.); frið-la (amalia); grâ-fyg-la (anser f.); gimb-la (agna); hek-la (cucullus); heng-la (animal effoetum); hnyt-la (nodulus); hrîs-la (virga); ig-la (scopelismus); ker-la (anus); krek-la (frutex); myg-la (mucor); mys-la (mus f.) neg-la (obturamentum); reng-la (ramus); sig-la (ma- lus navis) skerp-la (v. Biörn); steg-la (rota); sŷs-la (nego- tium); — mhd. er-le; geis-el; neƷƷ-el; nist-el; scheit-el Wig. 870. Vrib. 697.; schüƷƷ-el; sich-el; wind-el; schwanken in die starke form reißt schon frühe ein, vgl. Kolocz 181. schüƷƷel: slüƷƷel. — nhd. er-le; geis-el; neß-el; schüß-el; sich-el, wind-el etc. scheit-el ist masc. — ι ) schwache neutra , bloß im goth. barn-ilô (infans); ub-ilô (malum) — 2) adjectiva. α ) erster declination goth. leit-ils (parvus); mik-ils (magnus); ub-ils (malus) — ahd. luz-il; mihh-il; up-il; chnuod-il (notus) ein-chnuod-il (insignis) jun. 210.; durih-il (pertusus) mons. 388. — ags. lyt-el; mic-el; yf-el; þyr-el. — altn. lît-ill; mik-ill; îllr (nicht îll) für if-ill, iflr. — mhd. lütz-el; mich-el; üb-el; dürh-el. Ich weiß nicht, ob man die altn. heim- ill (jure acquisitus) krypp-ill (claudus) für wahre adj. ansehen darf? oder ob sie nur substantivisch als masc. gelten? Unsicher auch mhd. einz-el (singulus) ahd. einiz-il? β ) zweiter declination; keine, indem die s. 103. an- geführten ahd. ed-ili, vrev-ili vielmehr assimilation aus -ali sind. Oder wäre, da sonst im ahd. bei vorstehendem ein- adj. zweiter decl. gelten, ein-chnuod-ili (insignis) anzunehmen? 3) verba. α ) erster schw. conjugation , aus adj. auf -il gebildet: goth. mik-iljan (magnificare); — ahd. mihh-iljan, vgl. das part. mihh-elit N. 103, 24.; pi-chnuod-iljan (notum facere?) vgl. becnuod-elen W. 5, 2.; — ags. lyt-eljan, mic-eljan, yf-eljan, þyr-eljan; — altn. folgt mik-la der zweiten conj., praet. mik-ladi st. des vielleicht richtigern III. consonantische ableitungen. L. mik-ldi? — mhd. kein mich-eln, lütz-eln, üb-elen, doch meine ich dürh-eln (perforare) gelesen zu haben; — nhd. ver-uͤb-eln. β ) zweiter schw. conj. aus subst. auf -il entspringend, daher verlorne beweisend: gothische sind nicht übrig; ahd. chiz-ilôn (titillare) mons. 409.; chlenk-ilôn (tinnire) doc. 205 b ; him-ilôn (la- queare) mons. 345. 360.; kruop-ilôn (scrutari) warum steht grubilôn, nicht gruabilôn O. III. 7, 151. V. 25, 127. und mons. 351. grupilet f. grupilôt?; mûhh-ilôn (clam occi- dere)? zu folgern aus mûhhil-suërt (sica) u. mûhhilâri (sicarius); hals-nest-ilôn (subnervare); prit-ilôn (frenare) doc. 230 a ; purk-ilôn (in custodiam recipere) mons. 362. wo giprug-ilôn (contutari) ohne sinn; quihh-ilôn (fovere) zu schließen aus quihhilunga (fomes) mons. 397.; quit- ilôn (narrare) O. V. 9, 9; rid-ilôn (discriminare) mons. 360.; riff-ilôn (serrare) mons. 335.; rig-ilôn (claudere) O. V. 2, 1. jun. 207.; rink-ilôn (circulatim torquere); zi-sceit-ilôn (discriminare) wirzeb. 977 b ; scrip-ilôn (scripti- tare) blas. 7 b ; ir-scrud-ilôn (explorare) doc. 234 a mons. 392.; sid-olôn (f. sid-ilôn, considere) O. I. 25, 47.; hals- slek-ilôn (colaphizare) mons. 368. 396.; sprëhh-ilôn (ma- culare) doc. 236 b ; spur-ilôn (investigare) O. V. 25, 145. doc. 236 b ; suint-ilôn (aporiari) mons. 336. 396.; vlig-ilôn (adulari) doc. 211 a . — ags. brid-ljan (frenare); byr-ljan (haurire); byt-ljan (aedificare) u. a. m. — altn. beyg-la (obliquare); bid-la (procari); byr-la (miscere); bæk-la (luxare); dep-la (nictare); ef-la (ro- borare); er-la (continue laborare); hef-la (dolare); hrîng- la (quati); mid-la (impertire) etc. — mhd. geis-eln; keg-elen; rig-elen; scheit-eln; sich-eln; sung-eln f. süng-eln? (strepere) Parc. 3082.; sid-elen; wed-elen; würf-eln; züg-elen u. a. m. nhd. viele, zumahl frequentativa, die ich im ahd. und mhd. noch nicht aufgefunden habe: äug-eln; frömm- eln; fröst-eln; gäng-eln; gruͤb-eln; heuch-eln; kränk-eln; kräus-eln; kluͤg-eln; lisp-eln; läch-eln; meuch-eln; næs-eln; ries-eln; rütt-eln; schütt-eln; schmeich-eln; schnitz-eln; spött-eln; stich-eln; streich-eln; tänd-eln; tröpf-eln; träuf-eln; aufwieg-eln; züng-eln u. a. m. Eine noch größere zahl solcher verba auf -eln mit umlaut des wurzelvocals ist den volksmundarten eigen, s. St. 251. 252. Schm. §. 1067. So ausdrucksvoll für die begriffe H 2 III. consonantische ableitungen. L. der älmlichkeit, wiederhohlung und wenigkeit sie un- leugbar sind; scheint doch ihr -l, wo es sich auf kein substantivisches -el zurückführt, unorganisches, der ältern sprache wenigstens unbekanntes bildungsmittel noch andere -il sehe man in den formeln -ari , -în , und -ing , -unga denen sie gern vorherstehen. . — [UL] Ulfilas zeigt kein -ul außer in mag-ula (und dem fremden aípistula, diab-ulus, neben diab-aúlus), so daß es also wenigstens dem goth. organ nicht zuwider erscheint und das u in andern wörtern vor dem l kaum synco- piert worden ist. Ahd. schwanken ul und ol , auch ge- hen beide in al und il über, zumahl um sich dem fol- genden flexionsvocal zu assimilieren; vielleicht entwickelt sich aber auch ul aus al gern nach weichen labialen, z. b. nib-ul st. nib-al (altn. nis-l, nicht nif-ul) suëb-ul st. sueb-al (goth. svib-ls). Das altn. -ul vermengt sich spä- terhin mit -al und noch häufiger steht das ags. -ol für -al. Die neuern sprachen haben bloß -el. 1) substantiva α ) starke masculina , ahd. ank-ul (hamus) ang-ol doc. ang-ul T. 93.; aph-ul (malum) O. II. 6, 45. apf-ol mons. 328. 345.; dëp-ul (tapetum)? flor. 990 b , ein unsicheres wort; hahh-ul (cu- cullus) jun. 250. 257.; harz-ol (pix) mons. 341. 342. doc. 218 a 227 b ; capit-ul (titulus, inscriptio)? mons. 343. 348, wo a für u steht?; këp-ul (frons, cranium) gëp-ol-sceini (calvaria) mons. 329. vgl. lex bajuv. 3, 1.; linn-ol (alpha- betum) mons. 336. 341. 360.; liv-ol (libellus) mons. 337. O. I. 20, 45. V. 19, 72. 25, 190, 249.; mank-ul, mang-ol (penuria) unbelegbar, aber aus dem verb. zu folgern; nib-ul (nebula) folgt aus nibulnissi, doch scheint nib-al beßer; psell-ol (pallium, byssus) mons. 333. 374.; sat-ul (ephippium) wirceb. 978 a , doch mons. 399. sat-al, bei der ähnlichkeit des schriftzuges für a und u keins von beiden sicher; snab-ul (rostrum) jun. 191. mons. 412. O. I. 25, 55.; staf-ol (basis) doc. 236 b ; stif-ul (ocrea) das ich nur aus dem verbo stif-ulen folgere; suëb-ul (sul- phur) J. 3, 5.; tit-ul (titulus)? J. 373. tit-ulo (titulum) f. tit-ulu nach dritter decl.?; tiuv-ol (diabolus) doc. 239 a ; vill-ol (filiolus, taufpathe) beichtformel und doc. 240 b . — III. consonantische ableitungen. L. ags. ang-ol; ap-ul? aus apulder (malus) zu schließen, sonst steht ap-el; capit-ul, capit-ol; crad-ol (cunae); gaf-ul, gaf-ol (vectigal); gic-ul, gic-el (stiria); sad-ul (eph.); sag-ol (fustis); stap-ul (fulcrum); stað-ul, stað-ol (basis). — altn. bögg-ull (fasciculus); deig-ull (situla fusoria); dig-ull (catinus); diöf-ull (diabolus); dîng-ull (stiria); drös-ull (equus); heig-ull (herba quaedam); hök-ull (tho- rax); hörg-ull (extremitas); jök-ull (stiria); mönd-ull (axis rotae); mött-uli (pallium); öck-ull (talus); röd-ull (sol) beßer wohl raud-ull; söd-ull (eph.); skög-ull (prominentia); skök-ull (temo); stöð-ull (stabulum); stöck-ull (balaena); stöp-ull (columna); stuð-ull (columna); svirg-ull (redimicu- lum capitis); tig-ull (argilla lapidea); þin-ull (expanditor); þöng-ull (fucus); virg-ull (laqueus); vönd-ull (manipulus). — mhd. ang-el; apf-el; gëb-el MS. 2, 2 b Geo. 43 a ; krang-el (labor, molestia) mehrm. im Reinfr.; mang-el; pfëll-el; sat-el; snab-el; tiuv-el. — nhd. [ang-el ist weiblich] apf-el; gîb-el; mang-el; satt-el; schuâb-el; teuf-el. β ) starke feminina , wenige wörter, mit sicherheit nur ahd. rëg-ula (canon) mons. 358. O. I. 1, 70., mhd. rëg-ele? doch reimt im Tit. rëgel: sëgel; vielleicht noch einige thier- und pflan- zennamen, deren starke decl. ich nicht beweisen kann, die ich aber auch oben bei der al-form hierher genommen habe: waht-ula (coturnix) mons. 412.; chërv-ola (cere- folium) wirceb. 980 b ; quën-ula (satureja) mons. 414.; suërt-ula (gladiolus) ibid. — altn. skög-ul (nympha bellica). γ ) starke neutra; die altn. mög-l (murmur) snör-l (ronchus) setzen ein volleres mög-ul, snör-ul voraus. — neutr. auf -ul oder -uli? scheint auch das schon s. 112. bemerkte mitt-uli (liciatorium) jun. 212. — δ ) schwache masc.; das goth. aípist-ula; mag-ula (puer) dem ein altn. mög-li entsprechen würde, es gibt aber einige andere altn. hierher gehörige formen, die eigennamen fiöt-li und sör-li (ahd. fëƷ-ulo, sar-ulo?) außerdem kapit-uli (curia). Ahd. sit-ulo (titulus) pl. tit- ulon? vgl. mons. 376. 378. wo tit-alun. ε ) schwache feminina: ahd. chug-ula (cucullus) hrab. 963 a ; scind-ula (assis) flor. 983 b ; sport-ula (fiscella) lind. 995 a ; stacch-ula (cuspis) zwetl. 118 b ; hant-tab-ula (pu- gillaris) doc. 217 b ; torc-ula (prelum) mons. 383. wo der dat. torc-alûn; vid-ula (barbyton) O. V. 23, 395.; — Altn. fid-la; mhd. vid-ele; gug-ele (cucullus); tâv-el III. consonantische ableitungen. L. oder tav-ele? Vielleicht die ags. hac-ele (chlamys, man- tile) und þac-ele (lucerna)? oder häc-ele, þäc-ele? — 2) adjectiva: ahd. keine und wenn es ihrer gab, in die al-form über- gegangen; umgedreht viele ags. und altn. aus der al- in die ul-, ol-form. ags. ac-ol (pavidus, consternatus) Cädm. 43, 11. 75, 3. 77, 22. 90, 16; ât-ol (turpis, deformis); bëog-ol (consentiens); cvëð-ol (dicax); frët-ol (edax); flug-ol (fugax); deág-ol (occultus); gam-ol (senex), and- git-ol (intelligens); for-git-ol (obliviosus); hat-ol (odiosus); hnit-ol (petulcus); mëag-ol (fortis, strenuus); nëov-ol (pronus, praeceps); scëarp-num-ol, tëart-num-ol (acri- ter prehendens); sag-ol (dicax); scrið-ol (vagus); slâp-ol (somnolentus); bäc-slit-ol (detractor); sprëc-ol (linguosus); svëot-ol (manifestus); þicc-ol (corpulentus); þonc-ol (pro- vidus); þynn-ol (macilentus); vanc-ol (vacillans); vað-ol (vagabundus). — altn. brigd-ull (mobilis); fâ-för-ull (infrequens); göng-ull (ambulans); giöf-ull (largus); ið-ull (continuus); hvërf-ull (transitorius); hvîk-ull (vagus); rös-ull (sternax); sög-ull (dicax); spur-ull (curiosus); sviþ-ull (fugax); svör-ull (obloquens); stop-ull (inconstans); þög-ull (taciturnus) — 3) verba , wenige zu bestimmen, da im ahd. assimila- tion die al- und ul-formen vermengt. Verba erster conj . wohl nur von substantivis geleitet: nib-ulen (caligare) jun. 197. ar-stif-ulen (farcire) hrab. 963 b f. nib-uljan, ar- stif-uljan; das nhd. schnæb-eln weist auf ein ahd. snab- ul-en, snab-ul-jan zurück, nicht etwa auf snabilôn. — Zweiter conj . gleichfalls aus subst. capit-olôn (inscribere) mons. 348.; mang-olôn (deficere) O. epil. 11.; mhd. nhd. mang-eln; ebenso ang-eln, vid-elen, fid-eln. Altn. hönd- la (tractare); mög-la (murmurare); söd-la (equum ster- nere); tög-la (mastigare). Die verderbte gl. jun. 253. se achulot torpit ist etwa zu beßern: sih achulôt (torpet)? und ach-ulôn stammte aus ahd. adj. ahh-ul, dem ags. ac-ol parallel? Anmerkungen zu den L- ableitungen: a) das ableitende l verleugnet sich selten; da es in wur- zelhafter, ablautsfähiger consonanzverbindung nie auslau- tet, kann es nur einfach, hinter langem vocal stehend, bisweilen schein der wurzel gewinnen. Alsdann ist eine spirans vor ihm unterdrückt. Dahin das altn. sôl, III. consonantische ableitungen. L. ahd. sêla d. i. sô-l, sê-la, goth. sau-ïl, sáiv-ala; ferner ahd. plûil, nhd. bläul, bläuel; ahd. nuol, nuoil f. plûw-il, nuoh-il; mhd. strôl, strôel Vrib. 5454. f. strouw-el; mhd. knielen, Eracl. 3403. mnl. knielen (genuflectere) Maerl. 1,462. 2,248 f. kniew-elen, engl. kneel. Mnd. nâlen (appropinquare) Zeno 837. 1099. könnte aus nâh-elen, oder aus nâ-liken (ahd. nâh-lîhhôn, nâ-lîhhôn T.) altn. nâlgaz, schwed. nalkas erklärt werden, vgl. cap. III. die comp. mit -leik. — b) einigemahl, nach verschiedenheit der mundart, fehlt die ableitung, ohne daß anscheinend die bedeutung sehr verändert wäre; vgl. altn. fem. grind (clathrum) mit grind-il; ags. fem. studu (postis) mit stod-al; mhd. siz (se- des) mit sit-ls, sëƷƷ-el. — c) wechsel mit andern ableitungsconsonanten. Nur zu- weilen mit r. Statt des ahd. suanh-al (exilis) tunh-al (obscurus) stehet ags. svanc-or (gracilis) alts. dunk-ar, mnl. donk-er, umgekehrt vergleicht sich das ahd. kank-ar (am- bulans) kank-ar-arî (peregrinus) dem altn. göng-ull, gâng-l-eri. Neben ahd. er-ila (alnus) blas. 52 a mit zu- gleich getauschtem wurzelcons. el-ira mons. 414., wie noch nhd. erle und eller beide gelten, Für das ahd. mart-olôn, mhd. mart-eln sagen wir heute mart-ern, aber schon mhd. gebrauchten einige mart-elære, andere marter-ære. So wechseln mhd. had-el, had-er; pfell-el, pfell-er; was O. I. 4, 39. zins-er (thuribulum, aus mit- tellat. incensorium) nennt, heißt gl. jun. 295. zins-el; mhd. tent-erîe, dörp-erîe lautet nhd. tänd-elei, tölp-elei. Die bedeutung, zumahl in den fremden wörtern, bleibt die nämliche und die abweichung ist bloßes kennzeichen der mundart. Wo aber in einer mundart l und r an denselben wurzeln vorkommen, wird ein unterschied der bedeutung fühlbar sein; das nhd. wand-eln (ambulare) fâs-eln (sobolescere) läch-eln (paulum ridere) ist etwas an- ders als wand-ern (peregrinari) fas-ern (filatim distrahi) läch-ern (ad risum moveri). Und was die neuere sprache vermischt, z. b. feß-el (catena und fascia) schied die äl- tere: ahd. veƷ-il (balteus) ags. fet-el, altn. fet-ill, aber ahd. vëƷ-ar, vëƷ-ur (compages) altn. siöt-ur, ags. fët-or, vgl. altn. fat-la (impedire) fiöt-ra (vincire) verwandt sind sich veƷil und vëƷur freilich, wie ich oben s. 71. nachweise [s. 43, 26. berichtige man den druckfehler veƷal in veƷil]. . In solchen fällen sind daher beide consonanten eigentlich unverwech- III. consonantische ableitungen. L. selbar und l das sanftere, r das härtere verhältnis aus- drückend. — Zwischen l und n fast gar kein tausch, obgleich einige lat. wörter gerade -in , n statt des deutschen -il haben, z. b. asinus, catinus, cuminum, alnus, magnus: esil, cheƷƷil, chumil, erila, mihhil. Mit esil stimmen aber auch das slav. osel, litth. asilas und es ist an keine ent- lehnung aus dem latein zu denken, eher bei den andern angef. subst. Merkw. altn. asni, dän. asen. vgl. unten beim n. d) wie weit dem l ein begriff der diminution inliege untersucht cap. VIII., offenbar ist nicht l an sich, son- dern erst in verbindung mit i verkleinernd; al und ul sind es keineswegs, selbst il ist es nicht immer. Daß die vocale a, i, u für die bedeutung des folgenden l wich- tigkeit haben, lehrt meine darstellung, denn nie könnte für mihhil mihhal stehen, noch für vogal vogil. Wer wollte in den alten völkernamen vand-ali, vin-ili, her-uli die ableitungsvocale wechseln? upali gl. mons. 349. scheint mir verwer flicher schreibf. für upili und das merkwür- dige goth. adv. leit-l (paululum) Marc. 1, 19. f. leit-il bedarf wohl näherer bestätigung. Unleugbar sind die al- und ul- formen weniger geschieden, als die al- und il- formen. Ja es mögen einzelne al und il schwanken, vielleicht dialectisch, z. b. scamal, scemil (scabellum); am leichtesten in unumlautbarer wurzel. Den umlaut in späteren mundarten muß man nur vorsichtig beurthei- len, er kann oft einen doppelten grund haben, z. b. das nhd. verübeln umlauten wegen des i in ubil oder in -jan (ubiljan). Ein umlautendes verbum erster conj. gehört darum doch der al-form an, z. b. vermæhlen. e) bei so nöthiger vorsicht und ehe erst alle beispiele der drei formen nach den ältesten denkmählern sicher ermittelt sind, scheint es mir kühn, über ihre bedeutung zu entscheiden. Bemerkenswerth ist folgender gegensatz der il- zu der al- , ul -form: es gibt viel subst. auf il , wenig adj., verba erster conj. stammen von adj., verba zweiter conj. von subst. Die al-, ul- form hingegen zählt viel adj. und leitet verba erster von subst., verba zweiter conj. von adj. und subst. her. Im ganzen ge- nommen mag al , ul etwas ruhigeres, il etwas regeres ausdrücken, daher beschreibende thier- und pflanzenna- men in -al, thätige menschen und werkzeuge in -il; der wartal, goumal, wahtal (der stille wächter) stehen dem unruhigen gengil, pitil, tregil, putil gegenüber. Man muß es nur nicht zu genau damit nehmen. Hinter aus- nahmen ihre regeln zu verstecken liebt die sprache. III. consonantische ableitungen. R. f) einigemahl auch scheint der vocal bereits von dem worte, dem die ableitung zutritt, abzuhängen, es heißt magula, mavilô, höndla weil es schon magus, mavi, hönd hieß. Allein dies verhältnis erklärt doch die aller- wenigsten al, il, ul; barnilô z. b. kann sein i gar nicht aus dem einfachen barn haben. g) der ul- form fallen viele fremde (undeutsche) wör- ter zu. ableitungen mit R. [AR] beinahe, doch nicht völlig lautet die regel wie vorhin s. 98. beim al; im goth. tritt der vocal meistens zurück, außer in wörtern, deren nom. sg. das -s ent- behrt; im ahd. verhält sich -ar gerade wie -al; das ags. -el swankt in -ol; das altn. -ar scheint ungefähr be- schränkt wie -al und nur in einigen, zum theil gerade jenen wörtern verblieben, die auch im goth. -ar, nicht -rs haben. 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. ak-rs (ager); figg-rs (digitus); lig-rs (lectus); tag-rs (lacrima); vôk-rs (fructus); sodann mit -ar und nicht -rs: kaís-ar (caesar); brôþ-ar (srater) offenbar, weil das -s fehlt, bleibt der vocal, woraus man aber fehlschließen würde, daß akrs im acc. sg. akar bekomme, denu es heißt akr; jenes -s muß früher weggefallen sein. So sind auch die übrigen falle des bleibenden ar anzusehen. . — ahd. ahh-ar (ager); ank-ar (arvum); chohh-ar (pha- retra) jun. 174.; don-ar (tonitru) jun. 254.; ët-ar (sepi- mentum); eiv-ar (zelus) folgere ich nur aus dem adj. eiv-ari; ëp-ar (aper); ham-ar (malleus) hlaht-ar (risus); hliod-ar (sonitus, revelatio) hrab. 970 a mons. 405. T. 145; hov-ar (gibbus); jâm-ar (dolor) O. I. 20, 24.; keis-ar T. 5, 11.; leiht-ar, lêht-ar (secundinae); meist-ar; mas-ar (tuber in ligno) mons. 412.; nëhh-ar (nicrus, n. fl.); pip-ar (fiber) mons. 414.; psalt-ar O. I. 5, 19.; pruod-ar (frater); quërd-ar (esca) mons. 394.; sah-ar (carex) flor.; sint-ar (scoria) mons. 332.; sum-ar (aestas); tën-ar (vola manus); vat-ar (pater); vink-ar (digitus); wid-ar (aries) mons. 383. 400.; wuohh-ar (fructus); zah-ar (lacrima); einige nachher bei den neutris angeführte vielleicht hier- III. consonantische ableitungen. R. ber gehörig, andere im geschlecht schwankend, wie z. b. jâm-ar gar nicht fallen hierher die composita ein-par, eimpar (situla) zui-par (gerula) obgleich sie nhd. den schein von eim-er, zûb-er annehmen; auch die endungen -tar, -tara in mchrern banmnamen weise ich in die eomposition. . — ags. äc-er (ager); bëof-er (fiber); ëd-er (septum); ëof-er (aper); fäd-er (pater); fing-er (digitus); häs-er (caper); hof-er (gibbus); hreð-er (animus); nic-er (mon- strum fluviatile); stäg-er (gradus); sum-er (aestas); täh-er (lacr.); þun-er (tonitru); vël-er (labium); veð-er (ver- vex); die übrigen ziehen die or-form vor, die auch viele der aufgeführten annehmen, z. b. ëd-or, ëof-or etc. Doch kein ac-or, haf-or, fing-or findet sich (wichtig für den wesentlichen unterschied des ar und ur). — altn. ak-r; ald-r (actas); bald-r (n. pr.); blômst-r (flos); sing-r; gald-r (incantatio); has-r (caper); heid-r (honor); hlât-r (risus); lëg-r (castra); ot-r (lutra); rëkst-r (propulsio); sig-r (victoria); vëð-r (vervex); a behalten: ham-ar (malleus) kop-ar (aes) naf-ar (terebra) pip-ar (piper). Die es wegwerfen, sind freilich im nom. sg. von andern masc. mit bloßem -r (ursprüngl. -s) der flexion z. b. dag-r, arm-r schwer zu scheiden; aber akrr, aldrr wird doch niemand schreiben wollen und fehlerhast schreiben einige akur, aldur, da die alte form akar, aldar war. Statt fad-ir (pater) brôð-ir (frater) sollte lieber geschrieben werden fad-r, brôð-r vgl. 1, 663. — mhd. ack-er; ang-er; bruod-er; don-er; ëb-er; ët- er; gat-er (clathrum); had-er (linteum scissum) Parc. 3314; ham-er; jâm-er; keis-er; kërd-er (esca) Mar. 9, wo ich chërder f. chorder lese, Barl. 79. MS. 2, 119 b ; klëb-er (viscus) troj. 9720; koch-er Nib. 3838; kult-er (culcitra) Nib. 7333; kumb-er (dolor); sum-er; tën-er; vat-er; ving-er; wuoch-er; zah-er; zuck-er. — nhd. ack-er; ang-er; bech-er; brûd-er; donn-er; eif-er; eit-er; êb-er; fehl-er; fing-er; geif-er (saliva); hâd-er (scissio panni und jurgium); hamm-er; jamm-er; kais-er; kât-er (selis m.); mard-er (martes); kœd-er; kumm-er; mâs-er; schlumm-er; somm-er; splitt-er; vât-er; widd-er; wuch-er; zaub-er. — engl. broth-er; fath-er; fing-er; laught-er; slumb- er; slaught-er (mactatio); summ-er; stai-r (gradus); tea-r; thund-er. — III. consonantische ableitungen. R. β ) starke feminina auf -ara und ar: goth. nur hleiþ-ra (taberna) — und auf -ar: daúht-ar; svist-ar — ahd. âd-ara (vena) N. 77, 44; cham-ara (ca- mera) O. II. 9, 5.; vëd-ara (penna) N. 53, 7.; fluob-ara (solatium) T. 7, 4. 23, 1; mânôd-pluot-ara (menstrua) jun. 213; scult-ara (scapula); — und auf -ar: hleit-ar (scala) K. 26 b gen. hleit-râ ibid.; muot-ar; suig-ar (so- crus); suëst-ar; toht-ar; vielleicht ott-ar (lutra) mons. 414. Das verhältnis dieser -ara und -ar bedarf noch aufhel- lung; sollten sich im goth. -ra und -ar dem masc. -rs und -ar vergleichen? Das -a wäre denn auch im ahd. hleit-ar weggefallen? 1, 618. sind überhaupt die ahd. -ara und dieses -ar aus versehen weggelaßen. . ags. cëast-er (urbs); sëð-er (penna); srôf-er (solatium) auch mit -or frôf-or; sculd-er. — altn. siöð-ur, welches nicht ur-form, sondern gewöhnl. assimilation des nom. sg. fem. scheint, statt: fiöð-ur-u = fiað-ar-a. Gleiches gilt von æð-ur (vena), vielleicht beßer öð-ur? îst-r (adeps) geht auch schwach îstr-a. — mhd. âd-er Trist. 109 b 110 a ; vëd-ere; leit-er; kam- ere; welche sämtlich stark declinieren, womit ich 1,684 berichtige. Die anomalen muot-er etc. verstehen sich von selbst. — γ ) starke neutra: goth. áib-r (munus); avist-r (ovile, nicht áivistr); blôst-r (sacrificium) aus dem masc. blôst-reis gefolgert; gilst-r (tributum); maúrþ-r (homicidium); spáiskuld-r (sputum); silub-r (argentum). — ahd. alt-ar (aetas); chort-ar (grex) chupf-ar; dëm-ar (crepusculum) Schilt. 215 b ; eit-ar (venenum); jâm-ar O. IV. 32, 12; kalst-ar (fascinum); këlst-ar (oblatio) J. 395.; last-ar (crimen); lëk-ar (cubile); lëd-ar (corium); lot-ar (vanitas); malt-ar (mensura frumentaria); oph-ar (sacrificium); polst-ar (cervical) K. 52 a mons. 321.; phlast- ar; ruod-ar (remus); silup-ar (arg.); vëƷ-ar (catena) viel- leicht vëƷ-ur?; viu-r (ignis, f. viuw-ar?); vlud-ar (rates)? jun. 224; vuod-ar (onus); vuot-ar (pabulum); wab-ar (vagatio) nur im comp. wabar-siuni zu belegen; waƷ-ar (aqua); wët-ar (tempestas); wunt-ar (miraculum); wold- ar (gloria) nur in comp. erhalten; zank-ar (? mons. 410. pitres zaugares, mordacitatis, vielleicht auch masc.); zëp- ar (sacrificium) hrab. 965 b ; zimp-ar (materies); zoup-ar (veneficium) zous-er N. 57, 6. — III. consonantische ableitungen. R. ags. nur folgende ziehen -er vor, die andern sind bei -or aufzusuchen: bolst-er (cervical); corð-er (cohors); fôd-er (pabulum); fôst-er (nutritio); fŷ-r (ignis); gëolst- er (virus); hät-er (vestitus); hëolst-er (latebrae); läf-er (scirpus); lëg-er (lectus, decubitus); tib-er (hostia); timb- er (lignum); ud-er (uber pecudum); vëd-er (aër); vät-er (aqua); väf-er auch nur in comp. väfer-gang, väfer-sŷne; vuld-er (gloria). — altn. âng-r (angor); bolst-r; eit-r (pus); fôst-r (nu- tricatus); gamb-r (blateratio); lëð-r (corium); slât-r (carnes mactatae); silf-r; tâ-r (lacrima); timb-r; vëd-r (aër); — auf -ar nur allein sum-ar (aestas). — mhd. alt-er; eit-er; îs-er (ferrum) nur bei Wolfr. u. a.; opf-er; kord-er; kopf-er, kupf-er; kult-er MS. 2, 195 a ; kund-er (prodigium); last-er; lëd-er; lëg-er; luod-er (esca, luxuria); muod-er (mamillare); ruod-er; silb-er; vlat-er? kol. 134; vuod-er; vuot-er; waƷƷ-er; wët-er; wund-er; zimb-er; zoub-er. — nhd. alt-er; eut-er; feu-er; fûd-er; futt-er; kupf-er; lâg-er; last-er; lêd-er; lûd-er; malt-er; mied-er; polst-er; rûd-er; silb-er; waß-er; wett-er; wund-er; zimm-er. — engl. bolst-er; fodd-er; fost-er; lay-er; timb-er; udd-er; wat-er; weath-er. — δ ) starke masc. auf -aru. goth. huh-rus (fames); vint-rus (hiems) welche ahd. hunk-aru, wint-aru lauten sollten, aber mit weggeworf- nem -u hunk-ar, wint-ar, folglich den einfachen auf -ar gleichlauten. Eine nachwirkung glaube ich doch zu spü- ren. Wenn sich nämlich im goth. sum-rs (aestas, das wort kommt nicht vor und wird bloß vermuthet) und vint-rus unparallel stehen, so scheint auch ahd. das a in sum-ar haftender als in wint-ar, nämlich bei zutretender flexion zu gelten sum-ares (aestatis) und wint-res? vgl. hild. 43. „sumarô enti wintrô“ (goth. sumrê jah vin- trivê?) welches wohl nicht bloß metrisch so gesetzt ist, da das umgekehrte: wintarô enti sumro unzuläßig wäre? auch bei K. 51 b finde ich: in wintre neben in sumere (sumare) und 31 b 44 a sumares (freilich auch 31 b wintares, nicht wintres). Ferner heißt es im altn. gerade sum-ar (aestas) neben vët-r (hiems); hûng-r ist neutral; ags. vint-er, nie vint-or, wie sum-or. Aus dem mhd. hung-er, wint-er etc. läßt sich nichts mehr schließen oder sollte dun-re, don-re Trist. 6794. Barl. 207, 14. 251, 16; hol-re (fistula) Bit. 8661. noch ein früheres ahd. dun-aru (goth. III. consonantische ableitungen. R. þun-rus? Ulf. gebraucht þeihvô) hol-aru verrathen? vgl. hernach ven-re. Nähere bekanntschaft mit dem goth. würde ausweisen, ob nicht noch andere der im ahd. -ar und altn. -r zus. fallenden wörter gothisch -rus und nicht -rs haben? Unser blick ist hier so beschränkt, wie er es auf bloß nhd. standpunct sein würde, wenn entschieden werden sollte, ob lês-er (lector) ahd. lës-ar oder lës-arî lautete. — ε ) starke masculina auf -arî; eine fruchtbare ablei- tung, aber mehrere schwierigkeiten darbietend. goth. sind zwei arten zu unterscheiden. Eine, wo dem schon vorhandnen -r (=ar) die vocalische ablei- tung -ei zutritt; ich finde hierher gehörig nur blôst-reis (cultor), das sich genau verhält, wie bei den l- und n-ableitungen maþ-leis, as-neis. Die zweite art, wo das -ar (nicht -r) mit dem -ei neuhinzutritt: bôk-areis (li- brarius); dáimôn-areis ( δαιμονιζόμενος, δαιμονισθείς ) da Ulfilas δαιμό ν ια unhulþôns übersetzt, warum bildete er nicht unhulþareis? ; láis-areis (doctor); liuþ-areis (cantor); môt-areis (telo- narius); vagg-areis (cervical); vull-areis (fullo). ahd. findet die erste goth. art gar nicht statt, sondern es wird dem schon vorhaudnen -ar noch ein vollständi- ges arî oder -ârî angefügt, es heißt nicht pluost-ari, sondern pluost-ar-arî, pluost-r-ârî mons. 405; kalst-r-ârî (incantator) jun. 210. mons. 405; zoup-ar-ari (veneficus) jun. 214; fluob-ar-erî, fluob-r-erî (consolator) T. 164, 2. 165, 4. phedirârî (aries, balisia) doc. ist das der deutschen form angebildete mittellat. petraria. ; dieses ahd. ar-arî steht dem al-arî, an-arî z. b. in vok-al-arî (auceps) as-an-arî (mercenarius) ganz gerecht und es bleibt dahingestellt, ob der Gothe fug-leis (wie maþ-leis und as-neis) oder etwa fug-lareis gesagt haben wird? Das auslautende î scheint fruhe schon in i verkürzt. Die regel für die verlängerung -âri oder die beibehaltung des dem goth. -areis gemäßen -ari läßt sich nach den verschiednen ahd. mundarten nicht ein- stimmig geben. lm T. entscheidet der umlaut -eri für den kurzen vocal, gleichviel ob kurze oder lange wur- zelsilbe vorausgehe: alt-eri (altare) 147; as-n-eri (merce- narius) 97; bët-eri (adorator) 87; bi-bot-eri (praeceptor) 111; buoch-eri (scriba) 183, 1. 205, 3; carc-eri (carcer) 163, 3; bi-gang-eri (cultor) 102, assim. bigengiri 132; III. consonantische ableitungen. R. gart-eri (hortulanus) 221, 4; bi-halt-eri (custos) 215, 4; hunt-eri (centurio) 210, 1; in-lîh-eri (foenerator) 138; lîhh-ez-eri (hypocrita) 84, 146; muniz-eri (monetarius) 149; sol-eri (coenaculum) 157, 4; scrîb-eri (scriba) 141; spent-eri (dispensator) 146; scâh-eri (latro) 133; fenning- want-el-eri (numularius) 117. Wenn folglich in andern, quantitativ gleichen wörtern kein umlaut gebraucht ist, so wird man ihnen doch a und kein â zuerkennen: arn-ari (messor) 72, 6. 76; bët-al-ari (mendicus) 107. 132; carc-ari (carcer) 21, 2; cost-ari (tentator) 15, 3; cês-al- ari (fullo) 91; fisc-ari (piscator); lêr-ari (doctor) 12, 4. 128; nôt-numft-ari (raptor) 118; teil-ari (judex) 105; touf-ari (baptizator) 64, 7; trumb-ari (tibicen) 60, 12; wart-ari (speculator) 79; wiz-in-ari (tortor) 99. — Bei O. lehrt das metrum, daß in dreîsilbigen wörtern dieser form, wenn die erste silbe lang und in viersilbigen, wenn sie kurz ist, nur -âri, kein -ari gelte: alt-âri I. 4, 43. II. 9, 93; bët-al-âri (mendicus) III. 20, 61. 21, 11; brëd-ig-âri (praedicator) V. 12, 166; buach-âri (scriba) I. 17, 65. II. 3, 87; sâr-âri (tentator) II. 4, 9. IV. 16, 27; fisg-âri (piscator) V. 13, 68; gart-âri V. 7, 92; heil-âri (salvator) II. 14, 242; kark-âri IV. 13, 47. V. 20, 153, 176; lug-in-âri (mendax) IV. 7, 20; mun-iz-âri II. 11, 15; scâch-âri (latro) IV. 27, 6; sek-il-âri (saccularius) IV. 2, 58. 12, 94; spent-âri V. 8, 72; wî-âri (piscina) III. 4, 6; zuht-âri (praeceptor) Sal. 56. Dreisilbige mit erster kurzer silbe und viersilbige mit erster langer scheinen dagegen -ari zu behalten: sol-ari (coenaculum) IV. 9, 20. 21, 2; scrib-ari (nicht scrîb-) I. 20, 46; mëz-al-ari (la- nio) II. 11, 14, 51; kost-inz-eri (constantiensis) Sal. 4. wofür auch der umlaut den sonst O. in unbetonten silben wohl entbehrt, vgl. widari, nidari; fehlerhaft wäre aber alteri II. 9, 93. und scâhero II. 11, 46. geschrieben. Auffall e nde assimilation ist spîh-iri (hor- reum) I. 28, 31. und leit-iri (ductor) IV. 16, 46. f. spîh-âri, leit-âri. in letzterm spricht. — N. ent- scheidet durch seine schreibung -âre für langen vocal, ohne rücksicht auf die vorhergehenden silben; beispiele: aht-âre (persequutor) 19, 2. 30, 16; ambaht-âre (mini- ster) 102, 21. 103, 4; chund-âre (angelus) 32, 14; fâr-âre (seductor) 55, 9; frum-âre (minister) 77, 49; halt-âre (servator) 49, 24; hëlf-âre (adjutor) 18, 15; jëh-âre (testis) 26, 12; last-er-âre (calumniator) 38, 2; los-âre (auditor) 45, 5. 103, 4; lôs-âre (redemtor) 18, 15; un- liumend-âre (calumniator) 71, 4; pe-neimed-âre (testator) III. consonantische ableitungen. R. 82, 6; aba-nëm-âre (susceptor) 13, 3; prëdi-âre 65, 15; priev-âre (scriba) 68, 3; reiƷ-âre (provocator) 67, 8; scâp-âre (vellus) 71, 6; scuol-âre 33, 4; sel-ed-âre (in- quilinus) 60, 5; sund-âre (peccator) 31, 9; uob-âre (cul- tor) 68, 8; misse-wend-âre (obtrectator) 38, 2 u. a. m. Unrichtig steht zuweilen e geschrieben: arn-era (messo- res) 88, 36. sprang-ere (saliens) 38, 8; inphang-ere (susceptor) 53, 6. 58, 10, 17; etc. — In ältern denk- mählern, wo uns genaue schreibung, umlant und me- trum im stiche laßen, wage ich nicht über -arî, ari, ârî, âri zu entscheiden und begnüge mich mit anfuhrung der wörter: art-ari (cultor) jun. 198; ell-an-ari (aemu- lator) doc.; in-kang-ari (invasor) hrab. 965 a ; gang-ar-ari (peregrinus) K. 50 b ; germ-in-ari (incantator) doc.; has-in-ari (strator) doc.; hav-an-ari (sigulus); heil-is-ari (haruspex); her-j-ari (grassator) hrab. 965 a ; missa-huarp- ari (eversor) 972 a ; jag-ari (venator) hrab. 951 b ; irr-ari (haereticus) 962 a 966 a ; lad-ant-ari (fullo) mons. 333; int-lêh-an-ari (foenerator) mons. 349; leid-iz-ari (osor) mons. 369; list-ari (artifex) K. 53 b ; hlioƷ-ari (sortilegus) jun. 251; lupp-ari (veneficus) hrab. 976 a ; mëld-ari (pro- ditor) 959 b ; mëƷƷ-ari (mensor) mons. 345; mûr-ari (caementarius) doc.; mûs-ari (larus); olpent-ari (drome- darius) doc.; pâk-ari (altercator) hrab. 952 a ; ana-pët-ari (adorator) hrab. 953 a ; pët-al-ari (mendicus) 960 b ; pilid- ari (aemulator) doc.; pint-ari (strator) mons. 328; priev- ari (librarius) doc.; rât-iss-ari (conjector) mons. 325; rëhh-ari (aemulator) mons. 345; rûn-ari (susurro) hrab. 975 a ; rûn-az-ari (idem) jun. 227; sang-ari (cantor) K. 30 b ; salp-ari (pigmentarius); sacc-ari (rogus) jun. 191. mons. 339. 384; sat-al-ari (ephippiarius); troum-sceid-ari (interpres somnii); scunt-ari (assentator) doc.; sez-ari (conditor) doc.; sliht-ari (blanditor) hrab. 954 b ; sloph- ez-ari (circumcellio) doc.; span-ari (suasor) 974 b ; spîh-ari (horreum); spih-ari (explorator) jun. 203; stam-al-ari (balbus); stiur-ari (recuperator) mons. 355; stuot-ari (mulio) mons. 384. 400. jun. 383; suon-ari (praesul) jun. 244. mons. 379; suohh-ari (quaestor) hrab. 973 a ; suëg-al-ari (tibicen) jun. 253; sueig-ari (bubulcus) doc.; suihh-ari (gyrovagus) K. 20 a ; trumb-ari (tibicen) jun. 253; tûm-ari (histrio) jun. 228. 315; vir-in-ari (scelestus) K. 29 b jun. 246; vlêh-ari (adulator) jun. 186. mons. 410; vog-al-ari jun. 187. hrab. 951 b ; vuok-ari (ordinator) doc.; waht-ari (vigil) mons. 342; wart-ari (idem) doc. 219 a ; wak-an-ari (rhedarius); wëhh-ari (hebdomadarius) III. consonantische ableitungen. R. K. 43 a ; wërr-ari (schismaticus) mons. 375; wemm-ari (corruptor) hrab. 958 a ; wurz-ari (herbarius) 976 a ; zëh- an-ink-ari (decanus) K. 56 b 59 a ; zoll-an-ari (telonarius) jun. 246. und eine menge ähnlicher vgl. gl. blas. 31-40. Namentlich fallen hierher alle von ländern und örtern ge- bildeten benennungen der leute, z. b. vranhônô-vurt-ari (francosurtensis) dieses-ari verbindet sich natürlich nur mit dem unflectier- ten subst., nie mit dem dat. sg. pl., in welchem so viele stadte und ländernamen stehen (1, 776. 777.); daher z. b. das nhd. sach- senhausener st. sachsenhauser undeutsch ware, ahd. sahsônô-hûs- ari (unmöglich-hûsum-ari). Freilich erlaubt sich der gefühllose sprachgebrauch: ein hom-berg-er (von hom-berg, d. i. zë hôm- bërge, zë hôhem bërge) st. hôch-berg-er. Gleich undeutsch ist Wirtemberger. dergleichen sich in diplomen des 8. 9. 10. jahrh. überall finden, z. b. walt-chirihharô-marha, huninc-hovarô-marha bei Neug. nr. 546. 541. Nicht selten begegnet da die schreibung -arro statt und neben -aro, wie Neug. 512. obor-dorfarro, hasinchovarro etc. welche gemination vielleicht die kürze des a bezeugt? Auch K. 40 a altarres, 52 b listarra, 20 a suihharro, doch nicht minder bei N., dem â gebührt, prievarra 68, 3. sunderra 100, 8. losarra 103, 4 etc. Es mag also eher nachwir- kung des ableitungs -i sein, listarra = listarjâ etc. — ags. kurzvocalisch -ere: câs-ere (caesar); dôm-ere (ju- dex); ët-ere (commessator); fug-el-ere (auceps); fisc-ere; hunt-ere (venator); plëg-ere (lusor); reáf-ere (praedo); rûn-ere (susurro); sæd-ere (sator); svëlg-ere (lurco); tvic-ere (offarius); vang-ere (cervical); vrît-ere (scriptor); vud-ere (calceus ligneus) etc. — altn. gleichfalls organisches -ari , nur mit unorganisch schwacher flexion (1, 652.): bak-ari (pistor); borg-ari (civis); brut-l-ari (vendax); dôm-ari (judex); fisk-ari; giard-ari (vietor); keis-ari (caesar); kiall-ari (cella); mal-ari (molitor); mâl-ari (pictor); meist-ari (magister); pîp-ari (tibicen); pund-ari (trutina); rup-l-ari (praedo); rût-ari (ebriosus); skap-ari (creator); skrif-ari (scriptor); þamb-ari (heluo) u. a. m. Ob man umlaut eri in gâng-l-eri (viator) ætt-l-eri (degener) vermuthen darf? Biörn erklärt gâng-leri, ætt-leri durch composition, vgl. v. leri. — mhd. herrscht zwar -ære und bestätigt die ausbrei- tung des ahd. -âri; beispiele ergeben sich aus den ahd. von selbst, hier noch andere: biet-ære (oblator) Parc. III. consonantische ableitungen. R. 182 c ; dien-ære (minister) Wilh. 2, 160 b ; es-el-ære (agaso); eg-ed-ære (herpicarius); be-halt-ære (conservator); heime- lîch-ære Trist. 8472. (8589); kall-ære (garrulus); mâd-ære (messor); minn-ære (amator); mord-ære (homicida); pfand- ære (pignerator) Parc. 144 a ; pfeter-ære (balista) Parc. 47 c ; pusûni-ære (buccinator) Parc. 137 b ; tavel-runder- ære Parc. 156 b ; sager-âre (sacrarium) Mar. 59; schâp- ære (vellus) trev. 51 b Mar. 114; scheid-ære Nib. 6373; scilt-ære (pictor) Parc. 38 b ; sculd-ære (debitor); sened- ære; slîch-ære (irreptor) Parc. 41 c ; sling-ære (funditor) Parc. 44 b ; hâr-sliht-ære (compositor cincinni, homo mollis) Wilh. 2, 145 b ; slüƷ-el-ære (claviger) Barl. 304; snarrenz-ære (garrulus) MS. 1, 127 a ; sparw-ære (spar- varius) Parc. 172 b ; suoch-ære (aggressor) Parc. 50 a ; tiht-ære; trink-ære; vid-el-ære; valsch-ære (falsarius) Parc. 87 c ; gewalt-es-ære Trist. 10898. (11031); wat-ære (pervasor) MS. 2, 9 a ; wund-er-ære Trist. 9893 (10013) etc. Die wurzel lautet durch das e in ære nicht um; etwas an- ders ist, wenn in mehrfacher ableitung der umlaut sonst begründet wird, z. b. in eselære, slüƷƷelære weckt ihn das -el (-il). Die häufige ableitung -en-ære pflegt aber schon jetzt eine unorg. einschiebung des en zu verur- sachen. Organisch sind z. b. ëb-en-ære MS. 2, 146 a ; hav-en-ære (figulus); wag-en-ære (carpentarius); lüg- en-ære (mendax) trüg-en-ære (fallax) Parc. 87 c ; untadel- haft auch die fremden: marn-ære (marinier) valken-ære (fauconier) Parc. 172 a ; palten-ære (pautonier) Trist. 113 a ; zoln-ære (telonarius Parc. 129 b ); garten-ære (cod. pal. 361. gertenâre) wage ich nicht aus dem franz. jardinier zu führen, da die gl. mons. 394. gartinari höheres alter bewährt hatte die flexion garto, gartin hier und in andern einfluß? oder gab es ein fem. gartina? vgl. jardin, das deutscher wurzel ist. ; aber in barm-en-ære (misericors) MS. 1, 125 b ; bog-en-ære (sagittarius) MS. 1, 127 a ; wild-en-ære (venator) MS. 2, 134 a Trist. tiht-n-ære (poëta) lieders. etc. läßt sich das -en nicht rechtfertigen, es wäre denn schon in andern vorausgegangenen ableitungen (wie in hav-en, lüg-ene) erweislich. Stände smeichen (adulari) f. smei- chenen (wie wâfen f. wâfenen) so bliebe smeich-en-ære (adulator) MS. 2, 132 b unangreifbar und der misbrauch nimmt grade zu in den spätern mundarten. — Neben dem regelmachenden -ære finden sich indessen spuren der alten kurzvocalischen ableitung, wie es scheint, im sinne der otfriedischen unterscheidung. Nach kurzer wurzel- I III. consonantische ableitungen. R. lbe steht bei guten, alten dichtern kaum -ære, sondern -ere , -er und wenn l, n vorausgieng, -re, überall mit nun ein- tretendem umlaut. Mithin kein jag-ære, pflëg-ære, van- ære, sol-ære, hël-ære vielmehr: jeg-ere (venator) Nib. 3736. 3745. 3770. 3773. im einschnitt; jeg-er bei Conr. schm. 262. troj. 137 b : lëg-er; hël-re Ulr. Trist. 2956. 64. 70; ven-re (vexillifer) blas. 31 a jun. 299. Cod. pal. 361, 42 a. b. Ben. 97. MS. 2, 89 b troj. 189. (Oberlin 1717.); söl- re (coenaculum) jun. 318. etwan auch böl-re (mortarium) von boln (jacere)? Hier müßen besonderheiten jedes dich- ters geprüft werden, denn nicht nur einzelne, zumahl spätere erlauben sich bei kurzer wurzel ære, z. b. wel-ære (elector) MS. 2, 131 b , sondern auch ältere -er bei langer, mit oder ohne umlaut? vgl. soum-er Nib. 6353; huot-er Wilh. 2, 186 b ; harpf-er Trist. 3395. (Hag. 3508. gegen das metr. harpfære); schæp-er (vellus) troj. 50 b ; zuweilen noch tieftonig wie MS. 2, 196 b dien-èr: gër. lieders. 189. vugl-èr: hër. Auch mnl. wechseln -are, -ere, -er nach an- dern grundsätzen, vgl. 1, 688. 689; unorganische en-are scheinen morden-are (interfector) molen-are (molitor) doch vgl. franz. meûnier f. meul-nier, moul-in und ital. mulinaro. Nhd. sind alle -ære aufgegeben, und, gleichviel was vorausgehe, in -er gekürzt: böll-er; fisch-er; gêb-er; jæg-er; werk-er; mörd-er; müll-er; pfänd-er; ritt-er; rett-er; säng-er; söll-er (coenaculum); schöpf-er; sünd- er; venn-er (vexillifer); wæl-er etc. Die zahl dieser wörter ist größer und kleiner als früherhin. Größer, weil man den grundsatz stellt, daß sich aus jedem inf. ein solches masc. zeugen laße, wiewohl das gefühl ab- leitungen wie fließer, schießer, lieber, brenner (nicht mordbrenner) etc. aus fließen, schießen, lieben, brennen verwirft cap. VI. wird ausführen, daß die alte sprache viele subst., die wir jetzt mit -er ableiten, durch das einfache wort in schw. form ausdrückte, z. b. scolo (schuldner) trinho (trinker) etc.; was mhd. mord-ære, hieß früher murd-r-jo. . Nach den ins. regelt man auch den schwan- kenden umlaut, es heißt: vogler, maurer, zauberer, stammler, gaukler, sûcher etc. lästerer, münzer, lieb- äugler, heuchler etc. wegen der inf. vogeln — lästern. Allein es hinterbleiben ausnahmen, welche jenes prin- cips unhaltbarkeit zeigen, z. b. erhalter, handlanger be- stehen zwar mit erhalten, handlangen, nicht behälter, III. consonantische ableitungen. R. empfänger, taglöhner mit behalten, empfangen, tagloh- nen. Ferner folgt jæger, pfänder aus jâgen, pfänden, nicht aber müller, mæther, venner etc. überhaupt aus infinitiven. Die alte sprache leitete eben die meisten solcher wörter aus substantiven, in der that stammen vo- galari, viscari nicht aus vogalôn, viscôn, sondern aus vogal, visc; einzelnen stehen gar keine parallele verba zur seite. Und wie heute aus subst. weiter keine ablei- tungen auf -er treiben, sind anch manche alte bildun- gen, weil die verkehrung des organismus den inf. für sie nicht wuste, erloschen, z. b. nhd. kein schlüßeler, ese- ler, stuͤter, lister (wohl aber überlister). — Der unorg. -ner sind mehr geworden, neben hâfner, gärtner, lügner, eigner, wâgner gilt ein: bôgner, bildner, gleisner, hütt- ner, harfner, glöckner, klempner, kürschner, lautner, redner, schuldner dieses scheint doch älter, ja ahd., wenigstens sieht sculde- n are in der gebetsformel bei Lambec. II. p. 462. , söldner etc. in eigennamen sogar: müllner, kästner, schildner. Noch unrichtiger ist schil- derer (pictor) nach dem inf. schildern (mhd. sciltære, nnl. schilder). — Engl. gilt bloßes -er: fish-er; fowl-er; glov-er; hatt-er; kill-er; swill-er (vorax); slumber-er u. a. m.; garden-er, jewell-er, marin-er entspringen aus dem franz. — Die meisten ableitungen auf -arî drücken handelnde masc. ob art mit dem starken verbo nr. 571 b zus. hängt? dann erläuterte der ablaut zugleich -ârî. aus, doch nicht nothwendig alle; namentlich bezeichnen die aus dem latein stammenden altari (altare) karkari (carcer) solari (solarium) spîhhari (spicarium) wîari, wîwari T. 88. (vivarium) sagerâre (sacrarium) bunre (bonnarium, terminus) jun. 306. pfeterære (petraria) kiallari (cellarium) wofür mhd. kelre jun. 285. pundari (pondus) zentner (centenarius) lauter sachen. Woher rührt saccari (rogus)? es könnte auch deutsch sein wie vaggareis, mhd. wangære (culcitra) hals-âri (cervical) flor. 983 a oder ahd. ehirari (spicarium) blas. 32 b . — ζ ) starke ( oder schwache ) femin. auf -arî , können aus jedem adj. auf -ar entstehen, dem nur das î zugefügt wird, daher sie sich von den (meisten) männ- lichen ableitungen -arî, wo auch das -ar hinzutritt, sehr unterscheiden; goth. finde ich nur mund-rei (scopus) I 2 III. consonantische ableitungen. R. Philip. 3, 14.; — ahd. hërapaƷ-arî (mediocritas) mons. 377. 380., ein gleich dem adj. etymologisch dunkles wort; êrach-arî (antelucanum) mons. 353; camb-rî (sa- gacitas) jun. 235. 250; mak-arî (tenuitas) mons. 394; pitt- arî (amaritudo) assim. pitt-irî O. V. 8, 99.; slëff-arî (lu- bricitas); smëhh-arî (elegantia); vak-arî, fag-arî (claritas) T. 179, 2.; vinst-arî, finst-rî (obscuritas) K. 17 a ; sûp-arî (mundities) etc.; weik-arî, weig-rî (fastus, fastigium) mons. 348. 376. 384. 387. weig-arî (abusio) doc. vgl. das verb. weigern (denegare, stolz abweisen?) — mhd. bitt-er, heis- er (raucedo) trev. 63 b vinst-er, liuter (Trist. 48 a ) doch sel- ten vorkommend; nhd. noch seltner, nur dichter gebrau- chen: die finst-re, heit-re, bittre, nie aber: die mäg-re, säub-re, täpf-re, läut-re. — η ) starke neutra auf -ari , goth. filêg-ri, filig-ri (latibulum), falls es kein masc. filêg-reis? wenn sich der vorsatz fi- erklären ließe, so wäre lêg-ri, lig-ri ein ahd. lâk-ari, lëk-ari (ein gelä- ger). — ahd. collectiva, von subst. auf -ar stammend: ki-wit-ari (tempestas) un-gi-wit-iri O. III. 8, 19; un- wit-ari jun. 215. hrab. 970 a ; ki-zimp-ari (tabulatum) und ohne zweifel andere, wie ki-hlaht-ari, ki-vid-ari etc. — mhd. ge-wit-ere; ge-vid-ere; ge-zimb-er; ge-hem-ere; ge-tæp-er (? vielleicht fem.) troj. 50 b ; ge-linst-er (? Loh. 55.) etc. — nhd. eine ziemlich häufige form: ge-witt-er; ge- fid-er; ge-hämm-er; ge-lächt-er; ge-jämmer u. a. m. wie- wohl einige, zumahl alle, welche nicht von subst. sondern von verbis gebildet scheinen, näherer prüfung bedürfen: gelichter, gewimmer, geflüster. Unrichtig fehlt auch der umlaut in geschnatter, gedonner u. a. — ags. finde ich nur getimb-re (structura) und altn. keine solche bildungen, akk- eri (anchora) ist fremdes ursprungs. — Dem ahd. vink- iri (annulus) jun. 195., assim. f. vink-ari, gebricht col- lective bedeutung (welche auch eigentlich durch den vor- satz ki- bei den übrigen entspringt); später galt fing-ir-în T. 97. N. (Stald. p. 268.) trev. 52 b , welches man wie δακτύ- λιος für das adject. (digitalis) nehmen könnte vgl. slav. prst ( δάκτυλος ) prsten (ring, δακτύλιος ); doch goth. das compos. figgra-gulþ, altn. fîngr-gull. noch mhd. vingerîn Roth. 5 a 40 b Parc. 170 b Wilh. 2, 147 b , woraus endlich, aber unpassend das subst. vingerlîn jun. 294. Parc. 18 c 31 a gemacht wurde, welches im grund nur einen kleinen finger, keinen ring bedeuten kann. — III. consonantische ableitungen. R. θ ) schwache masculina (erster oder zweiter decl.) goth. maúrþ-rja (homicida); tim-rja (faber lign.); svaíh- ra (socer). — ahd. ki-alt-aro (coaevus) zsg. galtro (col- lactaneus) mons. 363. 365, von dem subst. alt-ar zu lei- ten; am-ero (avis quaedam) trev. 15 a ; anh-aro (anchora) blas. 106 a , doch der bestätigung bedürfend, da mhd. starke decl. gilt, auch trev. 60 b ank-er haben; ham-ist-aro (gur- gulio)? flor. 984 a hamistro und jun. 270. hamelstre); hap- aro? zwetl. 113 b hav-aro? (avena) altwestph. hav-oro, vielleicht mit â zu schreiben, nach dem altn. hâfri?; mard- -aro (? caro) jun. 200. wo quëc mardaro, (caro viva) ein bedenkliches wort; molcht-ero (emolumentum etwa mo- litorum?) jun. 314. scheint verderbt; murd-rëo (homi- cida) hrab. 965 a misc. 1, 19, st. der vollen form murd- arjo; vat-arjo (patruus) wofür fatur-ëo hrab. 971 a und später assim. vet-iro, vet-ero trev. 7 b desgl. ge-vat-ero (compater) f. kivat-aro? gl. jun. 266; zant-aro (calculus) jun. 236. mons. 333. zand-eren (carbones) N. 17, 9. 139, 10. — ags. ëaf-ora (proles) alts. ab-aro; gand-ra (anser mas); rêð-ra (remex). — altn. hâf-ri (avena) doch gibt Biörn. nur den pl. hâfrar an; fôst-ri (nutritor). — mhd. g’alt-er (coaetaneus) Mar. 140; gâland-er (alauda) hab-ere (avena) wofür hab-er (stark) Ottoc. 17 b ; vet-er (patruus); ge-vat-ere (compater); nhd. declinieren vett-er, gevatt- er, hab-er, hamst-er stark. — So wie einige der hier auf- geführten wörter der bedeutung und form nach ungewis sind, da die assim. und der durch das -i zweiter decl. gezeugte umlaut die reine ar-form verdunkeln; habe ich einige andere, ohne hinlängliche überzeugung, den ir- und ur- formen beigezählt. — ι ) schwache feminina, goth. svaíh-rô (socrus); hvilft-rjô (loculus). — ahd. âkal- ast-ara (pica) âgalastra mons. 412; am-ara (miliaria, avis) jun. 268; halft-ara (capistrum); kaneist-ara (scintilla); lang- ara (deambulatio) mons. 340. doc. 222 a ; vol-leist-ara (assistrix) mons. 343; lûd-ara, lûd-ra (cunae, cunabula, involucrum) hrab. 957 a flor. 982 b doc. (vgl. altn. lûðr, culeus, saccus, arca, cistella) zugleich auch buccina, tuba; woraus sich vielleicht die sage von Aslög erklärt, die als kind in einer harfe (harpa f. lûðr?) herumgetragen wird? vgl. Vasþr. 35. legja â lûðr. ; chuo-mëlht-ara (mulctra) chu-mëlhtra doc. (vgl. Stald. 2, 207. melchtere); vlëdar-mûst-ara III. consonantische ableitungen. R. (vespertilio) jun. 232; nat-ara (vipera); ôst-ara (pascha) K, 33 a 44 b O. I. 22, 5. IV, 9, 8. T. 153, 2. 155, 1. 157, 1; psîf-ara (tibia) jun. 253. vielleicht tibicina?; plat-ara (vesica); salp-ara (unguentaria) mons. 325; naht-sank- ara (degallinatio?) zwetl, 119 a ; speihh-alt-ara (sputum) T. 132; ki-vat-ara (commater); viur-ara (socaria) mons. 326; winist-ara (sinistra manus) die baum- und pflanzennamen affoltera, hiesaltera, weh- haltera suche man bei der composition, vgl. die note s. 122. und sicher noch andere. — ags. äd-re (vena); bläd-re (vesica); culuf-re (columba) vgl. slav. golub; eást-re (pascha) kann ich nicht gehörig belegen, es stehet oft eástro und eástron im pl.; näd- re (vipera); zumahl aber viele auf -estre, istre, welche mei- stens handelnde feminina ausdrücken, z. b. bäc-est-re (pistrix); ëov-est-re (ovile); cänn-est-re (genitrix); fôst- re (nutrix); lær-est-re (doctrix); milt-est-re (meretrix); ræd-est-re (lectrix); sang-est-re (cantatrix); seám-est-re (sartrix); vëbb-est-re (textrix); vit-eg-est-re (prophetissa) etc. — altn. blad-ra; nad-ra; fôst-ra (nutrix); îst-ra (adeps); ost-ra (ostrea) sonst keine auf -stra, sondern pistrix, canta- trix wird umschrieben: bakara-kona, saungvara-kona. — mhd. âgelst-er (pica); blat-ere; nat-ere; vip-ere; kult-er (culcitra) Parc. 16419. 22723; ganst-er (oder genster, gæn- ster? scintilla); gænester herrad. 198 b ; schült-er schw. decl. Parc. 5642. — nhd. amm-er; aust-er; elst-er (pica); blatt- er; natt-er; ôst-ern nur im pl. — nnl. add-er (vipera); bladd-er und viele auf -ster, z. b. bakst-er (pistrix); be- del-ârst-er (mendicula); koppel-ârst-er (lena); mâkst-er; nâist-er (netrix); voedst-er (nutrix); zangst-er, zingst-er (cantatrix) etc. — engl. add-er; bladd-er; culv-er; auch noch einige auf -ster: spinst-er (filatrix) webst-er (textrix); da aber letzteres ebenwohl textor, und seamst-er (sutor) [neben seamst-reß, sartrix] gamest-er (lusor) bedeutet, so läßt sich daraus auf ags. schwache masc. vëbbestra (textor) gamestra (lusor) schließen und geht (wie aus dem ahd. hamistro, altn. fôstri) hervor, daß die bildung -st gar nicht aufs fem. beschränkt werden darf [mehr davon hernach beim ST.] — 2) adjectiva. α ) erster declination. goth. ab-rs (validus); fram-ald-rs (provectus aetate) nur der comp. ald-rôza zu belegen; báit-rs (amarus); fag-rs (aptus); mund-rs (vigil, citus?) es kommt nur das subst. III. consonantische ableitungen. R. mund-rei vor, dessen bedeutung nicht recht zu citus passet; láus-qviþ-rs (jejunus, eig. losbäuchig); snut-rs (callidus); und mit bleibendem a, ohne s: anþ-ar (alius) sowie die possess. ïggv-ar, ïzv-ar, ugk-ar, uns-ar (1, 783). — ahd. and-ar (alius) sowie die poss. uns-ar etc.; êrahh- ar? ërahh-ar? (antelucanus) O. I. 19, 31, auch in ahd. urkunden eigenname; heit-ar (serenus) hrab. 974 b ; hë- rapaƷ-ar (mediocris) mons. 355; hlût-ar (purus) T. 36, 3. 44, 11; kamb-ar (strenuus) jun. 225; kank-ar (ambu- lans) eigenname in ahd. dipl. und aus gangarari K. 50 b zu folgern; lunk-ar (expeditus) jun. 203; mak-ar (exi- lis) mag-er N. 101, 6; munt-ar (vigil) aus dem verbo zu schließen; pit-ar (amarus); seik-ar (languídus) aus dem verbo zu schließen; sihh-ar (immunis) mons. 356, beßer wohl sihh-ur; slëff-ar (lubricus, proclivis) Schilt. 746 b mons. 409. auch wohl richtiger slëff-ur; smëhh-ar (venustus) hrab. 961 b blas. 5 a ; suank-ar (praegnans) jun. 192. O. I, 5, 74; suëph-ar (vafer) hrab. 976 a ; taph-ar (? gravìdus) mons. 390; timb-ar (obscurus) N. 17, 10, 13. 96, 2; tûb-ar (ignobilis, stolidus) mons. 396. dûf-ar O. II. 22, 58; vak-ar (pulcher); vinst-ar (obscurus); vult-ar (hirtus) fult-ar, fult-er O. IV. 29, 78. vgl. altn. fyldr (hirtus); oder wäre das subst.? vgl. valter (? dolus) lìe- ders. 269; vrâƷ-ar (procax) mons. 356. doc.; wahh-ar (vigìl) O. IV. 7, 106, 123; weig-ar (fastuosus) nach dem subst. zu schließen; winist-ar (sinìster)? ich finde nur das fem. winist-ra substantivisch und schwach. — ags. nur wenige, die meisten -or vorzìehend: fäg-er (pulcher); lung-er (celer) aus dem adv. lung-re (con- festim) zu schließen; mäg-er (macer); oþ-er (alter) des- gl. die possess. — alts. dunk-ar (obscurus); hêd-ar (serenus); lung-ar (celer); oth-ar (alius). — altn. ann-ar (alius); dap-r (obscurus, languidus); dig-r (crassus); fag-r (pulcher); gag-r (absurdus); gîf-r (vehe- mens); ît-r (eximius); lip-r (agilis); mag-r (macilentus); snot-r (prudens); vit-r (sapiens); die poss. haben -ar. — mhd. and-er; dimst-er (obscurus) Roth. 17 a , ist eigent- lich mnd.; gland-er (splendidus) Parc. 165 a 181 c Vrib. 3998. 4405. 4511. 4804. 6815; hag-er (macer) Vrib. 5106; heis-er (raucus) troj. 17758. Ernst 154; heit-er; klëb-er (viscosus) Loh. 136; lung-er (avidus) Wilh. 3. 321 b 414 a ; lût-er (limpidus); mund-er (alacer) MS. 1, 130 b troj. 14116. 25111; schit-er (fragilis) Loh. 116. (vgl. Stald. 2, 320); seig-er (aegre stillans) troj. 6916; sëck-er III. consonantische ableitungen. R. (? libidinosus) Tit. 264: lëcker; sich-er (securus); sûb-er (purus) Wig. 5435. Barl. 239, 2; swang-er; tapf-er (pul- cher, exilis?) troj. 19896. die mon. boica XXIII, 670. haben: handel also groß und tapfer (ponderosus); timb- er (caliginosus); tunk-er fr. belli 12 a ; vinst-er (obscurus) wack-er (vigil); weig-er (superbus) zu folgern aus weiger- lîch Nib. 2044. 7581; winst-er (sinister) Parc. 265; zang-er (strenuus) mehrmahls im Tit. und bei Jeroschin. — mnl. dapp-er (fortis) Maerl. 2, 24; dêmst-er (tene- brosus) 1, 6; donk-er (obscurus) 2, 243; weigh-er (su- perbus) 2, 213. — nhd. and-er; finst-er; hâg-er (macer); heis-er; heit- er; laut-er; leck-er (delicatus); mâg-er; munt-er; saub- er; sich-er; schwang-er; tapf-er (validus); wack-er; in volksmundarten noch andere, vgl. Stald. unter: nuf-er, schleit-er, stob-er, zimpf-er etc. — nnl. dapp-er; dimst-er, demst-er; donk-er; leck-er (lau- tus); schrand-er (subtilis); têd-er (tener); zwang-er. — engl. dapp-er (agilis) zus. hang der bedeutungen dieses adj. in den verschiednen sprachen: alacer, fortis, gravis, hebes auf der einen, und alacer, agilis, exilis, venusius auf der andern. ; fai-r; oth-er. — β ) zweiter declination , goth. keine; ahd. nur eiv-ari (amarus) N. 10, 7. (eivero adv. 104, 28); sûp-ari (mundus) assim. sûbiri T. 46, 3. 155, 6; beide von den subst. eiv-ar und sûp-ar entsprin- gend, daher sich noch manche andere denken laßen, z. b. drî-wint-ari (triennis). — ags. läf-eld-re (planus); lŷð-re (pravus); ted-re (tener, fragilis); þŷst-re (tene- brosus) alts. thiust-ri; þri-vint-re (triennis) ebenso tvelf- vint-re, hund-vint-re (duodecim, centum annos natus); sŷf-re (sobrius). — mhd. vermag ich weder ein eiv-er noch ein siub-er zu beweisen, vielmehr habe ich, nach dem nhd. unumlaut, sûb-er zur ersten decl. gerechnet; oder zeigen gute hss. siuber? Der umlaut im nnl. duist-er und zuiv-er beweist nichts und das nhd. düst-er ist un- hochdeutsch, wie finster beinahe unniederdeutsch (doch alts. finistri (caligo). 3) verba α ) erster schwacher conjugation , goth. bi-ab-r-jan (stupere, percelli); ga-fah-r-jan (f. fag- r-jan, aptare); hugg-r-jan (esurire); maúrþ-r-jan (oc- cidere); tag-r-jan (flere); tim-r-jan (aedificare). — III. consonantische ableitungen. R. ahd. eit-ar-jan (venerare) jun. 254; heit-ar-jan (serenare) hymn. 5, 3; hint-ar-jan (impedire); hunk-ar-jan (esurire) T. 121. 152. hungren, hungrita; murd-ar-jan (necare) mons. 404. 411. far-murdran, far-murdrit; nid-ar-jan (humiliare) nidiru O. IV. 11, 96. nidarremês K. 26 a kanidartêr K. 54 a fornidaren T. 39, 2. 193, 1; sûp-ar-jan (mundare) sûbiren T. 13, 24; vinst-ar-jan (caligare) bifinstrit T. 145; vuot- ar-jan (pascere) fuotritun T. 152; vluob-ar-jan (solari) fluobiren T. 10, 2. 22, 10. 135; zimp-ar-jan (aedificare) zimberrên (aedificent) K. 43 b aber 45 a zimbrôê (aedificet). ags. frôf-er-jan, frêf-rjan (consolari); glend-r-jan (de- vorare); mist-r-jan (caligare); hind-r-jan (impedire); ge- nið-er-jan (humiliare); ge-timb-er-jan (aedificare) þŷst-er- jan (caligare); es ist gleich schwer, sowohl die er- von der or-form, als die erste von der zweiten conj. zu scheiden. — altn. gehen alle solche verba nach zweiter. — mhd. hem-er-en (malleare); hind-er-n; hung-er-n (f. hüng-er-n nach 1, 337.) ver-klüt-er-en? Trist. Reinfr. 212 b ; bekümb-er-n; liut-er-n; nid-er-en; siub-er-n; tem- er-en Geo. 13 a ; vuet-er-n; zeh-er-en (lacrimari) cod. pal. 361, 35 a mit zeherden (f. zeherenden?) ougen. — nhd. änd-er-n; fütt-er-n; hämm-er-n; hind-er-n; kümm- er-n; läut-er-n; plünd-er-n; säub-er-n; erschütt-er-n; durch stänk-er-n; räusp-er-n; wäß-er-n; zœg-er-n etc. β ) zweiter schwacher conjugatíon , goth. nur aíht-r-ôn (mendicare). — ahd. av-ar-ôn (repetere) O. IV. 31, 59; don-ar-ôn (tonare); kank-ar-ôn (degere) gangarôn mons. 400; kouk- ar-ôn (vacare) caugrôn, gaugrôn K. 49 a 60 a ; kobôron O. IV. 31, 60. V. 12, 68. scheint undeutsch, aus dem lat. recuperare, franz. recouvrer. last-ar- ôn (infamare); mas-ar-ôn (extuberare) trev. 68 a ; meist- ar-ôn (gubernare) doc.; op-ar-ôn (differre) jun. 201. mons. 404; opf-ar-ôn (sacrificare); scap-ar-ôn (conqui- rere) irscaborôn O. IV. 2, 59; smëhh-ar-ôn (polire); sunt-ar-ôn (segregare); tant-ar-ôn (delirare); uob-er-ôn (exercere) N. 118, 23; vlak-ar-ôn (volitare) flagarôn jun. 232 oder vlog-ar-ôn? vgl. vlogorazan mons. 409.; vord-ar-ôn (anteriorare, ? praeire) mons. 412, bei W. vorderôn (quae- rere); wahh-ar-ôn (vigilare) O. I. 12, 62; ar-wid-ar-ôn (respuere) doc. 203 a ; wunt-ar-ôn (mirari); zimp-ar-ôn (ae- dificare) zimborôn O. II. 11, 74; zoup-ar-ôn (fascinare). — ags. viele, darunter auch solche, deren stamm -or hat: ge-feð-er-jan (pennis instruere); ge-fët-er-jan (vin- III. consonantische ableitungen. R. cire); sôst-er-jan (educare); ge-gad-er-jan (colligere); gëom-er-jan (dolere); hlëóð-r-jan (personare); hväst-r- jan (murmurare); hvisp-r-jan (susurrare); sig-er-jan (triumphare); flum-er-jan (dormitare); vuld-r-jan (glo- riari); þot-er-jan (ulusare). altn. ohne umlaut: âng-r-a (molestare); dap-r-az (aegrescere); fôst-r-a (nutrire); gîf-r-a (blaterare); halt-r-a (claudicare); hind-r-a (impedire); hûng-r-a; iôrt-r-a (ru- minare); klif-r-a (clivum ascendere); lat-r-a (pigrescere); fkak-r-a (tremere); flât-r-a (mactare); smiad-r-a (adulari); snot-r-a (ornare); svolg-r-a (absorbere); timb-r-a (con- struere); und-r-az (mirari); das umgelautete feg-r-a (poli- re) setzt entw. feg-r-ja voraus, oder gehört, wenn es aus dem compar. segri geleitet ist, gar nicht hierher. — mhd. jâm-er-n (dolere) Nib. 2501. 5601; er-kob-er- en (acquirere) Vrib. 5057; last-er-n; meist-er-n; er- mord-er-n Nib. 4063, Geo. 42 a ; murm-er-n; opf-er-n; plod-er-en (strepere) a. w. 3, 22; sich-er-n; sum-er-en Gudr. 14 a ; sund-er-n; temp-er-n (temperare); vord-er-n (exigere); weig-er-n (renuere) Nib. 1704. fr. belli 17 b Loh. 85; wit-er-en MS. 2, 31 b 37 b ; wund-er-n; zeng-er-n (odorare) lieders. 376: mengern; zimb-er-n; zoub-er-n. — nhd. ack-er-n; ank-er-n; verbitt-er-n; dämm-er-n, f. demmern, d. i. dëmmern, das ä. also kein umlaut; donn-er-n; eif-er-n; feu-er-n; fied-er-n; fing-er-n; flack-er-n; flimm-er-n; ford-er-n; gâg-er-n; geif- er-n; gnist-er-n; hâd-er-n; jammer-n; er-inn-er-n; klett-er-n; klimp-er-n; er-ôb-er-n; plaud-er-n; polt- er-n; polst-er-n; rûd-er-n; schach-er-n; splitt-er-n; schult-er-n; wand-er-n; wieh-er-n; wimm-er-n; über- wint-er-n; wuch-er-n; zaud-er-n; zimm-er-n; zitt-er-n; zuck-er-n. Es gibt auch einige, deren -er nicht in dem zu grunde liegenden wort, sei dies nun subst. adj. oder partikel, enthalten ist, z. b. folg-er-n (concludere) das die frühere sprache nicht kennt. Sodann scheint das einge- schobne -r bisweilen den hang nach etwas auszudrücken, z. b. in den fast nur unpersönlich gebrauchten; mich durst-ert, trink-ert, schläf-ert, läch-ert, lüst-ert, piss-ert, u. a. Ich würde sie allein der gemeinen volkssprache zuschreiben, und für unorganisch nach misverstandner analogie von: mich hungert, jammert, das maul wäßert, es wittert, wintert etc. gebildet halten für sie streiten doch auch die lat. meditativa: esurio, par- turio, dormiturio, micturio. , stünde III. consonantische ableitungen. R. nicht Vriged. 1833. ein mhd. durstert zu lesen, das freilich der bestätigung bedarf (ahd. mih durstit, slâ- fôt), und enthielten nicht auch einige der angeführten altn. verba solch ein zwischengeschoßnes -r mit factiti- ver oder frequentativer bedeutung, z. b. haltra, latra. Vgl. vorhin s. 119. über -l. — γ ) dritter schwacher conjugation , intransitiva, wie es scheint, bloß aus adj. gebildet; ahd. hlût-ar-ên (liquefieri) mhd. lût-er-n Trist. 8149. (verschie- den von liut-er-n, liquefacere, ahd. hlût-ar-jan); ir- munt-ar-ên (excitari); ir-seig-ar-ên (languescere) mons. 343; wohl auch pit-ar-ên (amarescere) Vriged. 1612. mir bittert. Späterhin verlieren und vermischen sich diese bildungen. — [IR] dieses bildungsprincip, wenn es anders überhaupt statt findet, ist von ganz geringem umfang. Die goth. sprache läßt kein ir zu, sondern statt dessen -aír , aber nirgends weder beim nomen noch verbum wird aír zur ableitung verwandt, daß aí vor dem r weggefallen sei, läßt sich nicht annehmen. Warum sollte ein ahd. hualira auf goth. nicht hvalaíra lauten dürfen? Wir werden auch unter den ableitungen mit zwei consonanten hernach einem goth. -aírna begegnen. Im ahd. ist kein adj. mit -ir aufzuweisen, einige subst. und verba schei- nen es anzusprechen. Man muß aber gegen ahd. ir in wörtern, deren goth. parallele fehlt, vorsichtig sein, sie könnten aus goth. is, iz entspringen und gehören dann gar nicht hierher, z. b. das ahd. ahir (spica) mhd. eher steht für ahis, und wird beim S abgehandelt. Möglich also, daß unter den ahd. ir noch einige unbekannte is stecken, z. b. daß jenes hualira goth. hvalisô lautete? Diese schwierigkeit des cons. beiseite gesetzt, kann das ir fehlerhaft für ar stehen (z. b. in der schreibung flastir f. flastar, emplastrum) und iri aus ari durch assim. entspringen. In umlautbaren wörtern der umlaut bleibt daher fast das einzige merkmahl und selbst er beweiset kein ir , so oft ein ableitungs-i weggefallen sein darf. Die wörter, welche hier in betracht kommen, sind fol- gende: das ags. bremb-er (vepres) liegt dem üblicheren bremb-el (engl. bramble) parallel; das mhd. æb-er (oben s. 51. nr. 540.) Parc. 29 a wäre als starkes masc. oder neu- tr. ahd. âb-ir; für das geschlecht streitet der spätere aus- III. consonantische ableitungen. R. druck: auf dem æber (a. w. 3, 109). Lachm. vermuthet (ausw. 267) ein schw. fem. = ahd. âb-ira. Ist jedoch jener neuere dat. æber (nicht æbern) hinreichend, uns zu versichern, daß nicht âbiro (schw. masc.) die echte form war? und wäre sies, so dürfte auch âbiro f. âbirjo, âbarjo stehen, wie vetiro für vatarjo (vorhin s. 133.)? oder ist æber ein neutr. zweiter decl. ahd. âb-iri f. âb-ari? In einer wie der andern annahme fiele das wort der ar -form anheim. Darin bestärkt sogar, daß man in Graubündten spricht: es âbert (nix solvitur). Bei den weiteren beispielen stelle man sich ähnliche oder gleiche fchwierigkeiten vor: trest-ir (vinacea, floces, acini) jun. 195. mons. 338. 400. trest-er N. 8, 1. (schwerlich pl. neutr. da der sg. trast doch vorkommen müste) — meƷ-ir, mess- ir? neutr. (culter)? blas. 49 a trev. 43 b mhd. meƷƷ-er; — die schw. masc. chev-iro (bruchus) trev. 15 a , doch N. 104. 34, 35. chev-ir, chev-er; mhd. kev-ere jun. 270.; nhd. kæf-er; — heig-iro (caradrion? alcedo) mons. 412. doc. heig-ir; — hreig-iro (ardea) ags. hrâg-ra, mhd. reig-er. — accar-bi-gengir-o (agricola T. 167, 1. vgl. for-leit-ero (se- ductor) T. 215, 2. (f. bigengeri, forleiteri?) Die schw. fem. hual-ira (balaenae, dentix) flor. 986 b 988 b (gl. blas. 70 a walirim trev. 13 a walrin f. walirûn balaenae) jun. 278. walre unterschieden vom masc. hual, wal (cetus) altn. hvalr, ags. hvät; — el-ira (alnus) mons. 414; — sleng-ira (funda) blas. 46 b — zund-ira (isca? fomes) flor. 988 b zundera trev. 51 b , auch ags. þyndre (fomes). Ueber mart-ira, welches stark decliniert, nachher. Im fünften cap. wird das ahd. adv. vurd-ir (amplius, porro) angeführt, davon stammt vurd- r-jan (promovere) mhd. vürd-er-n Wig. 23. 1432. nhd. förd-er-n, verschieden von dem vorhin angegebnen vord- ar-ôn, vord-er-n, ford-er-n (exigere) dem ein adv. vord- ar (ultra) unterliegt, das ich ahd. nicht nachweisen kann, das aber ags. furð-or, engl. furth-er lautet, woneben kein fyrd-er gilt, wohl aber fyrð-r-jan (provehere). Näher besehen ist also vurdir aus vurdiri (mons. 398.) gekürzt, dies aber assim. von vurdari und allcs gehört zur ar-form. Auch das mhd. enk-er (anchora), dessen sich einzelne dichter statt ank-er bedienen, deutet auf kein ursprüngliches -ir, vielmehr wohl auf ein neutr. anh-ari, assim. anh-iri, enh-iri, bestätigt durch das altn. neutr. akkeri, vgl. oben s. 133. [UR] gothisch gilt wiederum aúr für ur , kommt aber so wenig als aír in irgend einer ableitung vor. In- III. consonantische ableitungen. R. zwischen ist die ur- , or -form der übrigen sprachen vor- handen, obgleich schwankend in ar . 1) substantiva α ) starke masc . ahd. nur cheis-ur (caesar) nach dem dialecte einiger, vgl. alts. kês-ur, cheis-ur-ing (Hild.) und keis-or, keis-ores O. I. 11, 38. IV. 24, 12. 27, 19; ëb-ur (aper) st. ëb-ar; mëjur (villicus) jun. 255; suëh-ur (socer). — ags. ald-or (senior); anc-or (anchora); bald-or (prin- ceps) brôð-or (frater); cëaf-or (scarabaeus); cult-or (cul- ter); êg-or (aequor); viell. neutr.?; ëof-or (aper); ham- or (malleus); hung-or (fames); hlëóð-or (sonus); hlëaht- or (risus); las-or (lolium); lëaht-or (crimen); rod-or (ae- ther); sig-or (victoria); svë-or (socer); tac-or (levir, fra- ter mariti vel uxoris); tap-or (cereus); vôc-or (fructus). — altn. etwa nur iöf-ur (rex) tîv-or (? Völuspâ 36.) und vët-ur (vgl. 1, 663.) neben vët-r. β ) starke feminina . ahd. lëff-ura (labium) T. 84. and. lëp-ora; nat-ura O. V. 12, 97. N, 101, 6; altn. lif-ur (jecur). — γ ) starke neutra . ahd. tris-ur (thesaurus) nach tri- sur-hûs (aerarium) jun. 195. zu schließen, vgl. franz. tre- sor, die übrigen quellen haben tris-u, trës-u, drës-u, gen. tris-ewes; vermuthlich auch das noch unbelegliche vëƷ- ur (compes). — ags. ât-or (venenum); fët-or (compes); gald-or (ve- neficium); pund-ur (pondus); sëolf-or (argentum); tëlg- or (virgultum); tud-or (soboles); vund-or (miraculum). — altn. fiöt-ur (compages); und-ur (miraculum). — δ ) schwache masc . ahd. tut-uro (vitellus) zwetl. 135 a dod-ero jun. 284. ε ) schwache fem . ahd. chihh-ura (cicer) mons. 327. der pl. chihh-ur-jûn. — 2) adjectiva . ahd. sihh-ur (securus) alts. sik-ur (purus); slëf-ur (lubricus, nhd. schlüpf-er-ig). — ags. dunc-or (obsc.); gëom-or (moestus); hâd-or (serenus); mim-or, ge-mim-or (memor, notus) slip-ur (lubricus); snot-or (prudens); stul- or (furtivus); svanc-or (gracilis) Beov. 163; vacc-or (vi- gil). — altn. haben keine masc. der ar-form nach dem assimilierten fem. -ur (st. -uru, aru) das -ur und den umlaut angenommen, d. h. man sagt nur fagr, dapr nicht fögur, döpur (fögurr, döpurr), wie þögull (s. 118.) III. consonantische ableitungen. R. 3) verba zweiter schw. conj. ahd. murm-ur-ôn murmurare) jun. 239.; sihh-ur-ôn (excusare) T.; vielleicht auch vëƷ-ur-on (vincire) wofur vëƷ-ar-ôn hrab. 958 b ; — die ags. verba ziehen im ins. -er dem -or vor, und sind daher vorhin s. 138. ange- führt. — altn. fiöt-r-a (vincire). — [IER, YR, IUR] finden bloß statt in einzelnen frem- den wörtern. Masc. auf -ier , mhd. beschelier (franz. ba- chelier) troj. 27 a 28 c ; soldier:degensier Parc. 5 c 6 c Geo. 4 a ; schevalier; harpiers Trist. 96 b ; Wolfr. gebraucht auch -irre in astronomirre Parc. 184 b ; chrigirre Pare. 8 b ; floitirre Parc. 3 b ; partirre (fallax) Parc. 71 c ; patelirre Parc. 44 b Wilh. 2, 101 a . Statt partirre stehet Trist. 60 b parâtiere oder partierære. Nhd. gilt dieses -ier statt des deutschen -er in falkenier (mhd. valkenære, d. i. falkner) juwelier, kämmerier und nnl. almôsenier, valkenier, ja deut- sche wörter sind mit der ausländischen ableitung versehen worden: hovenier (hortulanus, alts. hof-ward) tuinier (idem) kruidenier (pharmacopola); engl. chandelier, soldier etc. — Starke fem. auf -iere : mhd. baniere (vexillum); amesiere Parc. 4896. 4967; surziere u. a. m. — starke neutra: ba- nier; hærsenier; refier; turnier etc. — Schwache verba zweiter conjug. mhd. nhd. auf -ieren in menge: parlie- ren, schantieren, turnieren etc.; mnl. nnl. auf -êren, schwed. auf -êra . Alle diese -ier reißen erst seit dem 13. jahrh. ein, und sind der älteren sprache unbekannt, welche nur einige, an ihrem ort verzeichnete, fremde -ur aufgenom- men hatte. Mhd. werden auch fremde masc. auf -iur , -ùr , sem. auf -iure , ûre eingeführt, deren schwanken, weil der ganze gegenstand nicht in die deutsche wortab- leitung gehört, ich hier übergehe. Da martira (marty- rium) nhd. marter eigentlich ein fremdes y, kein i hat, so scheint ihm deshalb der umlaut zu gebrechen; vgl. martyrâ (martyres) O. V. 23, 122. Im nhd. märterer rührt der umlaut nämlich aus dem i in -âri (marterâri). — Anmerkungen zu den r-ableitungen a) auch das ableitende r ist, gleich dem I und aus demselben grunde, gewöhnlich leicht zu kennen. Wör- ter in denen es, wegen syncopierter spiranten, anschein III. consonantische ableitungen. R. der wurzel hat ahd. tio-r, altn. dŷ-r (fera) scheint dem S. zu gehören vgl. goth. diuh-s? mehr davon an seinem ort. , sind: ahd. viur, altn. sŷr (ignis) f. viuw-ar? ags. tëar f. täh-er, ahd. zah-ar, goth. tag-rs, gr. δάκ-ρυ , lat. lac-rima; engl. fair f. fah-r, fag-r, ags. fäg-er, goth. fag-rs und fah-rjan; engl. stair, ags. stäg- er; dän. seir, sejr (victoria) f. sig-er. — b) häufiger als das l fehlt das ableitende r der einen mundart, während es die andere besitzt, bei gleichen bedeu- tungen. Das goth. vat-ô lautet ahd. waƷ-ar, ags. vät-er; das goth. vulþ-us ahd. wold-ar, ags. vuld-or; das altn. œg-ir (gen. œgis) ags. êg-or (vgl. lat. aequ-or); das ags. mearð (martes) ahd. mard-ar; das ahd. sik-u ags. sig-or, altn. sig-r (gen. sigrs); das mhd. heƷ (vestitus) ags. hät-er; das nnl. mes (culter) nhd. mess-er; das ags. secg ahd. sah-ar; das nhd. mord goth. maúrþ-r, ahd. mord-ar; das altn. last ahd. last-ar; das ags. vulf (lupus) besteht neben vulf-er (lupus) mist-rjan (caligare) neben mist-jan etc. Die beispiele lehren, daß kein dialect dem -r gerade geneigt oder abgeneigt sei; jeder hegt oder verwirft es für einzelne wör- ter. Wie alt muß es daher sein, wenn es ohne dem ge- nauen sinn abzubrechen in ihnen bald haften, bald fehlen darf. Die meisten r-ableitungen führen es freilich durch alle dialecte; ein môd, muot f. môdor, muotar würde in keiner deutschen sprache verstanden werden, so wenig als mat im lat. für mater, doch dem Litthauer ist mote, dem Slaven mati (wenigstens im nom.) ohne r zuläßig. — c) wechsel mit andern ableitungsconsonanten. Zwi- schen r und l; davon oben s. 119., hier noch einige bei- spiele: statt des ags. bremel, brembel (rubus) steht Cädm. 63. 2. brember; das nhd. schüttern, erschüttern ist stärker als schutteln, doch stammeln einerlei mit stammern das mhd. wispeln (sibilare, vgl. slangen-wifpel weltchr. cass. 31 c , wis- pel-wort MS. 2, 202 b ) das engl. whisper ags. hvisprjan (su- surrare); das ags. hvästrjan (murmurare) verwandt mit hvistljan, engl. whistle (sibilare) vgl. die nhd. lispeln, flispern, flüstern; für viscera, intestina gilt der ahd. ausdruck innô- dilu (pl. neutr. vom sg. innôdili) jun. 209. T. 4. 18. inôbli doc. 221 a schiene verderbt, wenn nicht altn. innîfli vorkäme; die wurzel ist inn (das innere, innerste) wovon ohne l oder r ableitung ags. innôð, pl. innôðas (viscera), vgl. innôdi jun. 231. innadir (?) doc. 221 a ob eine compos. inn-âdara eintrete? bezweifle ich. Vielleicht klärt auch das noch ungewisse goth. haírþra ( σπλάγχνα ), hilem. 5, 12. auf, vom sg. haírþr. III. consonantische ableitungen. R. neben innuadri (= innuodri, innôdri) jun. 184, später ina- dere, inedere, trev. 9 b jun. 263. 276. Zwischen r und n; ahd. waƷ-ar (lat. ud-or) altn. vat-n, vgl. mit goth. dat. pl. vat-n-am (1, 609.); mhd. îs-er (ferrum) jun. 291. 292. 335. und Wolfr. îser unterschieden von îs-en, nhd. eis- en, doch die ältere form scheint beide cons. zu verbin- den, goth. eis-arn, ahd. îs-arn. — d) sehr viele ahd. ags. altn. wortbildungen, die mit -r abgeleitet scheinen, gehören, wie uns die goth. mund- art, zuweilen die altn. lehrt, zu den S-ableitungen, na- mentlich alle comparativischen wörter und alle mit para- gogischem -ir. Insinitive, wie die nhd. beßern, mindern, begeistern, bebändern etc. sind darum unten beim S an- zuführen. — e) die einschränkung, vielleicht gänzliche abwesen- heit der ir -ableitungen ist beachtungswerth, da das il einen breiten raum einnimmt. Es könnte scheinen, als habe dîe sprache den (anm. d. gemeinten) zahlreichen pseudo -ir freieres spiel laßen wollen, doch dies erklärt nichts, denn der Gothe hat keine aír-ableitungen, unge- achtet sie seine is-ableitungen gar nicht stören würden. f) da sich fast keine masc. auf -alî , ali finden, viele auf -il ; umgekehrt viele auf -arî , ari , keine auf -ir ; so entspringt die vermuthung: ob nicht alle -il durch kürzung und assim. aus -ali hervorgehen könnten? Scheint doch das nhd. wärter (aus wartari) dem nhd. keßel (aus cheƷil) ziemlich parallel? Ich halte diese muthmaßung für verwerflich. Das goth. katils ist von maþleis scharf gesondert, und so wenig katils aus katleis stammt, kann aus maþleis maþils werden. Selbst der unterschied zwi- schen nhd. ä und e lehrt es uns, daß weder käßel noch werter darf geschrieben werden (1, 522.) — g) vielleicht eher sind einige -ur, -or aus assimilation und apocopiertem vocal deutbar, z. b. ahd. suëhur, suë- hor aus älterem schw. suëhoro, f. suëharo, goth. svaíhra, vgl. lat. socerus neben socer. Oder altn. vëtur, hûn- gur aus goth. vintrus, huhrus, f. vëturu, hûnguru? Dergleichen bleibt höchst unsicher, wird auch durch vie- les nicht bestätigt, z. b. dem ahd. cheisur würde dann eher ein goth. káisarus entsprechen, lautet aber káisar. III. consonantische ableitungen. M. ableitungen mit M. es finden nur am und um statt, kein im . [AM] der vocal im goth. altn. ags. überall wegge- laßen; im ahd. und alts. (vgl. das mnl. 1, 467. 489.) nur noch nach r geduldet, bald auch unterdrückt. In den meisten m-ableitungen, zumahl bei vorausgehendem l, r und langem vocal fügt sich das m so nahe an die wur- zel, daß es selbst neue ablautsformeln zeugt (nr. 516. 517. 611.). Die am- ableitungen liegen daher oft ver- steckt, im gegensatz zu den l und r-ableitungen. Ich wage es in den formen áum , áim , -ôm ableitendes -m nachzuweisen, d. h. sie auf wurzeln iuhan, iuvan; eihan, eivan etc. zu beziehen. Erst dadurch kommen die ablei- tungen mit -m in ihr gleichgewicht; sie würden ohne das an zahl und einfluß unerklärlich hinter denen mit l und r zuruckbleiben. 1) substantiva α ) starke masculina , goth. ar-ms (brachium, wurzel etwa nr. 571 b ?); bag-ms (ar- bor) für bavms, bauvms? wurzel vielleicht biuvan (aedificare) da man mit bäumen, balken baut? ; bar-ms (gremium, wurzel nr. 325.); máiþ-ms (donum, wurzel nr. 166?); vaúr-ms (ver- mis, wurzel vielleicht nr. 572., neuen ablaut zeugend nr. 611.) — ahd. ar-am (brachium); dar-am (ile); dou-m (vapor) thaum jun. 191. toum doc. 239 a vgl. serb. tama (nebula); hal-m (festuca, calamus, culmus, wurzel nr. 314.); har- am (luctus) vgl. har-ac (lugubris); hël-m (galea, wurzel nr. 314.): hei-m (domus), der acc. heim dauert adver- bialisch fort wurzel scheint ein verlornes heivan, háiv oder heihan, háih (498 c 515 b ) fovere, domi esse? vgl. goth. heivafráuja οἰκο- δεσπότης ) ahd. hîha (sponsa) ka-hei (cauma) altn. hî (mansio se- cura domus) mhd. hîen (nubere) ahd. hîleih (connubium) u. a. m., háim also für háihm, heim f. heiham, heiwam? kal-m (sonitus) K. 43 a galm O. V. 19, 50. (wurzel nr. 67.); mël-m (pulvis) T. 44, 7. (wurzel nr. 560.); par-am (sinus) alts. bar-am (wurzel nr. 365.); po-um (arbor) aus paum, pagam?; qual-m (nex, wurzel nr. 315.); sou-m (sarcina und ora mons. 321.) wurzel ein verlornes starkes siuvan, siuhan (suere) soum f. sôham? die doppelte bedeutung sutura und onus erklärt das lat. sarcina (last, bündel) von sarcio (ich nähe, binde) wie last von lisan nr. 290. colligere; vgl. auch mit saum das gr. σάγμα . ; scër-m K III. consonantische ableitungen. M. (protectio) N. 26, 4, 5.; strou-m (torrens); stur-m (pro- cella); suar-am (turba, wurzel nr. 328.); suil-m (sopor, wurzel nr. 317.) jun. 225.; trou-m (somnium); tual-m (sopor, wurzel nr. 316.); var-am (filix) doc. 240 b ; vlou-m (floum O. V. 1, 42. wohl nicht colluvies, φλέγμα, son- dern exilium, miseria, wurzel nr. 270. f. vlôham? goth. þláuhms?); wur-m (vermis); zou-m (habena), funiculus, was zieht oder gezogen wird, wurzel nr. 269. f. zôham, goth. táuhms?). — ags. æð-m (halitus); beá-m (arbor, trabs, tuba); bëarht-m (splendor, visus, Beov. 133. fragor Cädm. 52, 12.) alts. ist brahtm neutral; bëar-m (gremium); bot-m (fundum); cvëal- m (pestis); dreá-m (jubilum, canor, modulatio) wichtig für die geschichte der bedeutungen, daß das ags. dreám nie somnium ausdrückt, wofür ahd. troum, altn. draumr, ja sogar engl. dream allgemein gilt (ags. für somnium svëfen, ; gehört eá-m (avunculus) hierher?; ëar-m (brachium); fäð-m (cu- bitus); fëar-m, fëor-m (coena, victus); fleá-m (suga, exi- lium, elend); gël-m (manipulus); gleá-m (jubar, corusca- tio); hâ-m (mansio); hëal-m (culmus); hëar-m (calamitas); hël-m (cassis); hreá-m (clamor); seá-m (sutura, onus); streá-m (torrens); svëar-m (examen); teá-m (soboles, was erzogen wird); þëar-m (intestinum); väst-m (fructus); vël-m (fer- vor); vyr-m vermis). — altn. ar-mr; bad-mr (arbor = bag-mr?); bar-mr; drau-mr; fad-mr (sinus, f. fag-mr?); far-mr (onus nau- ticum); fël-mr (metus); glau-mr (strepitus vgl. nr. 517.); hâl-mr (stipula); heim-r (domus); hiâl-mr (galea); hlió- mr (sonus); hôl-mr (insula); mâl-mr (metallum); meið-mar (pl. opes); or-mr (vermis); sau-mr (sartura); ftrau-mr (fluxus aquar.) taum-r (habena); þar-mar (pl. ilia). — mhd. ar-m; bou-m (arbor, trabs, vinculum Geo. 19 b 49 a ); dar-m; gal-m, gël-m; hal-m; har-m (aerumna) unüblich; hël-m; mël-m; qual-m; schër-m, schir-m (pro- tectio); sou-m (sartura) Parc. 59 a , onus Parc. 70 b ); swar-m; trou-m; tou-m (vapor) Karl 128 b ; twal-m Bit. 128 b ; var-m Parc. 107 b ; 111 a. b. ; zou-m. — β ) starke feminina goth. nur hái-ms (vicus) vgl. 1, 605. — ahd. kou-ma (epulae und cura) vol-ma (manus) J. 367. durch παλάμη , palma bestätigt; beide kouma und volma in schw. decl. schwankend. — altn. gâl-m (ruga); miöð-m (coxendix); skâl-m (framea). — mhd. gou-me. — III. consonantische ableitungen. M. γ ) starke neutra nhd. gedär-me, geschwär-me, ge- wür-me etc. δ ) schuache masculina goth. ah-ma (spiritus) vgl. ahjan (cogitare); aha (mens) blô- am (flos) welche spirans ist ansgefallen? sieht es für blôs-ma nach dem ags. (vgl. flos, sloris f. flosis? Schn. 1, 342. 343.)? oder für blôh-ma? vgl. ahd. pluohan (florere) oder für blôv-ma? vgl. ags. blôvan (florere). glit-ma (nitor) folgere ich aus glitmunjan (nitere); hiuh-ma (turba); laúh-ma (splendor) bloß gefolgert aus laúh- muni (fulgur); hliu-ma (auris); mal-ma (pulvis); milh- ma (nubes); skei-ma (lucerna) von verlornem stamm. — ahd. ah-amo (mens) finde ich zwar nicht, schließe es aber aus mhd. ach-me, ja nhd. ah-men in nâch-ahmen (imitari); chî-mo (germen) wäre goth. kei-ma von kei-an, kai? vgl. 1, 854. 855. und unten bei ST cheist (ger- men) steht keima f. keisma so vergleicht sich das lat. germen (f. gesmen) vollkommen. ; chuh-mo (cacabus) mons. 325. 383. doc. 208 a wo überall der acc. chuhmun, so daß es auch weiblich sein könnte? vielleicht fremdes wort, vgl. κύμβη (trink- gefäß) nhd. kumpf; deihs-amo (fermentum) deis-mo K. 20 a theis-mo T. 74, 1. wurzel nr. 197. fram-dêhs-mo (profectus) mons. 355; har-amo (migale) mons. 322; joh- hal-mo (lorum) mons. 347. 357. 366; klei-mo (nitela) gleimo doc. 216 a ; kliz-amo (nitor) glizemo N. 103, 15; lîh-mo (corpusculum) mons. 408., vielleicht verschrieben f. lîh-hamo?; har-amo (migale) mons. 422; kiu-mo, giu- mo (faux); niu-mo (modulatio) ein dunkles wort bei N., auf diesem wege vielleicht zu deuten; pêd-emo (pepo, melone) jun. 330. pfedemo trev. 21 a fedema (l. fedemo) blas. 61 a , doch trev. 19 a blas. 57 a pebenun (melones) was freilich näher zum lat. wort und dem oberd. pfebe stimmt; pës-amo (scopa) mons. 334; pluo-mo (flos) bei einigen weiblich; phras-amo (usura, foenus) T. 149. 150, wo der dat. phrasamen schwerlich pl., so daß das masc. zweifel- haft wäre, indessen steht jun. 309. praseme und niederd. psalm. 54, 12. prisma (usura) 71, 14. prismon (usuris); pros-amo (mica) brosmo O. III. 6, 93; riu-mo (lorum); sis-omo (muscus) mons. 400. vermuthl. sesamum; ros-amo (aerugo) hrab. 974 a ros-omo K. 58 a verhält sich zu rost wie vorhin cheisamo zu cheist; rôt-amo (rubor) mons. 412; scal-mo (pestis) jun. 219; scî-mo (splendor); ki- alts. suëƀan. Hielt man den traum für geistige musik, frohe be- täubung der seele? vgl. Nib. 7376. ensweben (einschläfern durch süßes fideln) und entzückung: freude, jubel. K 2 III. consonantische ableitungen. M. smah-mo (sapor) gesmagmo N. 77, 8; wahs-amo (incre- mentum, fructus) J. 396. (wo zu lesen waxsmun, oder fona waxsmin) jun. 205. wirceb. 981 a T. 4, 3. O. I. 16, 15. IV. 10, 13; zas-amo (fibra) N. (Stald. dial. p. 185). — ags. bës-ma (scopa); blôs-ma und blôst-ma (flos); flŷ- ma (profugus); gläd-ma (glaudium)? Beov. 30; hoð-ma (nubes) Beov. 183; lëó-ma (lux); ôm-a (ignis sacer, ru- bigo); rëo-ma (ligamentum) scî-ma (coruscatio); smëd- ema, smëd-ma (similago); tî-ma (tempus, wurzel nr. 195, goth. etwa teîh-ma, was verkündet, angesagt wird?); vað-ema (fluctus, oceanus); þæsma (fermentum). — altn. blô-mi (flos); tî-mi (tempus). — mhd. ach-me (spiritus) bloß cod. pal. 361, 22 d lese ich den gen. achmens (f. achmen?); bals-em, bals-me (balsamum); bis-eme (moschum); bës-eme (scopa); bluo- me; bros-eme, bros-me (mica) Barl. 85, 32; deis-me, dês- me jun. 281; schël-me (pestis). — mnl. blix-eme, nnl. blix-em (fulgor) und schon alts. blics-mo; nnl. bloes-em, bloeis-em (flos); dês-em, dêgs- em (fermentum). — nhd. (mit übergängen in starke form, auch in das fem.) bês-en f. bês-em; blû-me; die beibehaltung des tieftonigen a in bros-am (mica) und oberdeutsch deis-am, teigs-am (fermentum Dasyp.) vergleicht sich dem nhd. muͤhsal, irrsal (oben s. 107.), man dachte wohl auch an die adjectivbildungen mit -sam oder gar an sâme (semen) und hörte ein bro-sam, deig-sam in jenen wörtern oder hatte die endung der fremden wörter balsam, bîsam, chrî- sam einfluß? Nicht unähnlich ist auch das engl. besom, blossom, nur allgemeiner (s. unten bei der um -form). In dia- lecten dauert ge-schmach-en (sapor) f. -em (Schm. §. 1046.) ε ) schwache feminina; vielleicht goth. ïu-mjô (grex); ahd. zuweilen kou-ma und pluo-ma auch wohl brosama, vgl. blas. 96 a trev. 54 a ; ags. bŷ-me (tuba); fol-me (palma); altn. âl-ma (scapus hami); bros-ma (insectum quoddam); skâl-ma (so viel wie skâlm). — 2) adjectiva ahd. ar-am (miser) ags. ëar-m, altn. ar-mr das adj. und subst. arm wahrscheinlich einer wurzel; ar-m der arbeitende, mühselige knecht; ar-m das arbeitende glied. Ul- filas hat zwar arman (misereri) aber kein adj. arms, indem er τωχός stets durch un-lêds übersetzt, ags. un-læd. ; goth. us- fil-ms oder nur schwach us-fil-ma? (pavidus) vgl. das III. consonantische ableitungen. M. altn. subst. fël-mr (pavor); ahd. war-am (calidus) altn. var-mr; altn. ôl-mr (furiosus); skil-mr (quassatus, tritus) vgl. skâlm; vielleicht altn. au-mr (miser) nau-mr (angu- stus. parcus) rû-mr (amplus) u. a. m. deren bestätigung uns noch verborgen liegt. — 3) verba α ) erster schw. conj. goth. gáu-m-jan (observare) var-m-jan (calefacere). — ahd. ka-hir-m-jan (quiescere, cessare) jun. 188. N. 57, 8; kou-m-jan (observare); scir- m-jan (protegere) war-am-jan. — ags. drŷ-m-an (jubilare); gŷ-m-an (observare); flŷ-m-an (in exilium mittere); sŷ- m-an (onerare) styr-m-an (furere); vyr-m-an (calefa- cere); yr-m-an (miserum reddere). — altn. drey-m-a (somniare); gey-m-a (custodire); gley-m-a (oblivisci); sey-m-a (consuere); strey-m-a (fluere); tey-m-a (fune ducere). — mhd. blue-m-en (floribus ornare); gou-m-en; schir-m-en; ge-hir-m-en En. 7805. 12324; sou-m-en (onerare); wer-m-en (calefacere). — nhd. bäu-m-en; bl ü -m-en; här-m-en; säu-m-en (suere); schwär-m-en; träu-m-en; wär-m-en; zäu-m-en. β ) zweiter schw. conj. ahd. kou-m-ôn (prandere) K. 44 b ; niu-m-ôn (modulari) N. — ags. æð-m-jan (exae- stuare); fäð-m-jan (manu complecti). — mhd. bës-em-en (scopare); bals-em-en (nhd. balsamieren); bis-em-en MS. 2. 131 b ; kris-em-en, chris-em-en (ungere, baptizare); zis-em-en (sequi, imitari) Loh. 167. und Tit. (in einer stelle, wo der falsche reim bisem: zisem zu ändern ist in bisemen, acc. sg. und zisemen). — nhd. nach-ah-m-en (imitari) der frühern sprache unbekannt. — γ ) dritter , goth. ar-m-an (misereri); ahd. ar-par- am-ên (misericordia moveri); ar-war-am-ên (calefieri); ags. vëar-m-jan (calere). — mhd. nhd. er-bar-m-en, β. γ ) ags. und altn. fallen zweite und dritte conj. zusammen: blôs-m-jan (florere); bŷ-m-jan (buccinare); fëar-m-jan (victum praebere); ôl-m-az (furere); sau-m-a (suere). Manches bleibt hier schwer zu bestimmen und unsi- cher; volksmundarten liefern untergegangene verba, vgl. z. b. Schm. §. 1068. gal-m-en; geid-m-en (laudare) f. göudmen, von mhd. göuden); sur-m-en (susurrare, sur- ren). — III. consonantische ableitungen. M. [UM] der vocal bleibt im goth. wie im ahd., doch schwankt in letzterm das u in a, theils wirklich, theils durch verwechselung der ähnlichen schriftzüge; die mei- sten ags. wörter der um -form sind zur m- (am-) form übergetreten, im engl. gilt aber -om . Merkwürdig, daß alle wortbildungen auf -um dem altn. gebrechen häufig geht dem -um ein ahd. d-, ags. ð- voraus; daß dieses unwurzelhaft, jedes dieser wörter also zweifach abgeleitet sei, z. b. vadum ein vahadum, widum ein wihadum voraussetze, wird unten beim þ entwickelt. . 1) substantiva , α ) starke masculina , keine gothische; ahd. ât-um (spiritus) hymn. mat. gl. jun. 252. ât-am doc. richtiger mit der media âd-um ατμός J. 356; chrad-um (strepitus) gl. jun. 250. wo chrad-un; eid-um (gener) mons. 411. jun. 207; pod-um (carina) jun. 187. auch wohl pot-am, da der bodensee in alten urk. lacus potamicus heißt; puos-um (sinus) jun. 207. T. 39, 1; vad-um (filum) fad- um O. IV. 29, 82; wid-um (dos) verschieden von, oder neben der schw. form? gl. mons. 373. wid-am-huopa (ager dotalitius?). — ags. nur zuweilen wird bôs-um, bôs- om (sinus) meistens bôs-m, so wie æð-m (spir.) und fäð-m, umgekehrt mâð-um (Beov. 154.) f. mâð-m geschrieben; ob ëald-om (senectus, Oros. p. 69.) hierher zu rechnen sei oder für ëald-dôm stehe? davon hernach, doch nie finde ich ëaldm; fult-um (auxilium)? oder ful-tum f. ful- dôm? — mhd. ât-em, im reim auch ât-en; ërd-bid-em (terrae motus) gefolgert aus dem verbo er-bid-em-en; bod-em (fundus) kommt nicht mehr vor, sondern schon die abschwächung bod-en (in boden-sê, erd-boden); brod- em (vapor, odor) prad-em Loh. 192. später auch frad- em bradem Tit. 387. etwas anders, etwa prasem ( πράσιος ) ein grüner edelstein, En. 8251. ; buos-em (sinus) Trist. 8949. Mar. 39. bei Conr. schon buos-en; eid-em (gener); krad-em (sonitus) Parc. 12175. Geo. 1550. Nib. 2428. Loh. 127; lud-em (tumul- tus) Nib. 3777. Loh. 110. später lud-en (Petz); lud-em? lûd-em? (animal ignotum) Nib. 3829; svad-em (exhalatio) MS. 2, 219 a ; vad-em (filum) später vad-en; wid-em (dos) die starke form noch zweifelhaft, Karl 119 b zwar: mit widem (e) wol beriet, doch könnte leicht widemen stehen müßen, aber jüngere stellen bei Oberlin liefern den gen. widemes (dotis). — nhd. âth-em, ôth-em (spir.); III. consonantische ableitungen. M. selten brôd-em (vapor) hingegen bôd-en; bûs-en (noch im 17. jahrh. öfter bûs-em); fâd-en; schwâd-en, die übri- gen veraltet, mit tiefton aber eid-àm (gener) und als scheinbares comp. wit-thûm (vidualitium mit eidàm vorhin s. 148. brosàm und rinnsal s. 107., mit wit- thûm f. widum, widèm (während das verbum widmen blieb) her- nach unten beim þ heimàt, armût etc. zu vergleichen. . — engl. nicht allein bos-om, bott-om, sondern auch in andern -om, die eigentlich der am-form gehören: bes-om, bloss-om. — β ) starke feminina goth. mid-uma oder mid-ums ( μέσον )? es kommt allein der dat. midumái vor; aus der ahd. sprache sind keine nachzuweisen, doch mag es ihrer gegeben haben, Oberl. führt aus neueren quellen an: buos-eme (linea recta in computatione graduum) wid-eme (dedicatio). — γ ) starke neutra , nur ahd. kad-um (cubile, pene- trale) jun. 203. 225. hrab. 969 b O. I. 27, 134.); mhd. gad- em, später gad-en. — δ ) schwache masc . goth. ald-uma (senectus) bedarf der bestätigung, da nur L. 1, 36. der dat. aldômin vor- kommt, welches f. aldumin (wie umgekehrt krôtuda, su- puda f. krôtôda, supôda; vgl. 1, 855.) stünde? Compo- sition mit -dôm (aldôma f. ald-dôma) anzunehmen, wi- derstrebt der sonst immer starken form des -dôm, -tuom (vgl. cap. III.) obgleich ahd. alt-duom, alt-tuom statt fin- det; zweifelhaft ist auch das vorhin angegebne ags. ëal- dom? oder ëald-dôm (nicht ëald-dôma)? und analog falsche verbindung zeigt eben das nhd. wachsthûm, wit- thûm. — ahd. wid-umo (dos)? wid-emen (dote) stehet W. 3, 10. wozu auch das ags. vëoð-uma, vëoð-oma (Lyes un- belegte schreibung vëotuma, vëotoma ist kaum recht? doch vgl. botm, engl. bottom mit ahd. podum) paßt. Ge- hört hierher das ags. gärs-uma (gaza, thesaurus)? das man bald schwach, bald stark declinieren findet, vgl. ags. chro- nik (Ingram p. 208. 274. 275.) das altn. gersemi (vgl. Yngl. saga cap. 13. mit Snorraedda p. 37.) ist weiblich und wird aus ger-semi componiert erklärt, wo- für auch das adv. gër-sam-liga (omnino) spricht, und daß sich das ags. gärs-uma schwerer deuten läßt als gär-suma. . — mhd. glid-eme (jubilum)? Wittich z. 3545; schalmeien, flœten und glidemen (jubila): bidemen, vgl. glädma vor- hin s. 148; vielleicht auch wid-eme (dos). — III. consonantische ableitungen. M. ε ) schwache feminina entspringen aus adjectiven die- ser form, goth. hleid-umei (sinistra); ein goth. taíhs-umei f. taihsvô (dextera) finde ich so wenig, als ein ahd. zës- uma f. zës-awa, lese aber mhd. in der heil. Martina diu zëseme (dextra): bëseme gereimt. — 2) adjectiva es ist ein alter, schon fast verwischter zug deutscher sprache, daß sie adjectiven des begriffs der lage und folge die bildung -um anfügt. Eigentlich, wie cap. VII. aus- führen soll, scheint dieses -um superlativisch, gilt auch zuweilen so, wird aber gewöhnlich wieder zum positiv genommen und alsdann gleich den übrigen adjectiven nochmahls compariert dies verfahren hat analogie mit den verbis zweiter anoma- lie, deren praet. wieder zum praesens wird, welches dann ein neues, schwaches praet. zeugen muß. Auch dürftc man den alten superlativ -um den starken, den spätern -ist den schwachen nennen. . Bemerkenswerth, daß die po- sitivisch stehenden adj. dieser bildung organischerweise nur schwach declinieren. goth. fr-uma (primus) fr-umei (prima) galt gewis schon seit uralter zeit für frum-a und wurde dann ablautend (nr. 568.); gleiches gilt von einem bloß muthmaßlichen þr-uma (extremus) n. 567; deutlicher liegt die bildung in den folgenden vor: aft-uma (ultimus); aúh-uma (su- perus); hind-uma (postremus); hleid-uma (sinister) hleid- umei (sinistra); ïst-uma (posterus); mid-uma (medius); spêd-uma (novissimus) und wohl manche andere. ahd. nicht mehr vr-umo (primus) sondern vrum, vrum-êr (provectus, probus); aber noch mit umo, mët- umo (medius, mediocris) wofür fehlerhaft geschrieben steht oder gebraucht wird mët-amo, mitt-amo, vgl. mëta- min-pahhe Neug. nr. 49. und K. 55 b T. 77. 189, 3. 230. 1. 333, 5. mittimo O. III. 17, 100. mittemo N. 81, 1; rëht-umo (rectus)? rëht-emo O. I. 1, 104; duërh-umo (obliquus) tuërh-eme gl. herrad 179 a falls es kein dat. sg. von tvërh ist?; viele andere, z. b. hint-umo, spât-umo, laƷ-umo sind leicht zu vermuthen. ags. äft-ema (posterus); for-ma (primus) Beov. 58. 171; hind-ema (ultimus) Beov. 154. 187; inn-ema (intimus); (novissimus); mëd-ema (medius); nið-ema (infimus); norð- ema (septentrionalis); sið-ema (novissimus); sûð-ema (an- stralis); uf-ema (superior); ût-ema (exterior); vëst-ema (occidentalis); verschiedne darunter folgere ich bloß aus III. consonantische ableitungen. M. den superlativen (ästemest), niðemest, norðmest, sûð- mest etc.) nicht -mæst, welches erst die spätere engl, mundart aus dem em-est gemacht und es darum in -môst verkehrt hat; weiteres hier- über cap. VII. . mhd. ist einzige spur das zwar seltene, aber nicht ganz verwerfliche zës-eme, zës-em (dexter) statt des gewöhn- lichen zës-ewe. Belege hat Oberlin 55. und 2101., ich will zwar weder En. 3555. noch Karl 90 a 115 b das m für w vertheidigen, nur ist es kein sinnloser fehler, son- dern dialect des schreibers, wie das vorhin angeführte subst. zëseme, auf bëseme gereimt, darthut. Vom nhd. mundartischen nächner, schwed. närmare, dän. närmere u. a. ähnlichen unten cap. VII. Stalder führt neben dem schweizerischen schlaß (flaccidus) auch ein, vielleicht hierher bezügliches schlaßem an. — 3) verba α ) erster schwacher conj. ahd. chrad-um-jan? (tumultuari, vociferari) chradumen mons. 404. chradamen doc. 206 a chrademen N. 9, 8. schwer- lich chradumên; mët-um-jan? (dimidiare) mëtemen N. 54, 24; vermuthlich auch vad-um-jan (filare) wid-um- jan (dedicare)? — mhd. be-ged-em-en (hospitari, recipere) schmiede 427; ved-em-en (filare); bred-em-en (olfacere)? vgl. lieders. 376. frademet f. fredemet?; wid-em-en schmiede 1237. Loh. 89. nhd. fæd-m-en, ein-fæd-m-en; wid-m-en. β ) zweiter, dritter conj. ahd. âd-um-ôn (spirare, flare) J. 361. mhd. ât-em-en MS. 2, 128 a . nhd. âth-m-en; mhd. er-bid-em-en (per- tremiscere) MS. 2, 219 a schmiede 1237. [ahd. ar-pid-um- ên oder ar-pid-um-ôn?]. Anmerkungen zu den M-ableitungen a) sie verleugnen sich viel mehr, als die mit l und r, namentlich gewinnen die verbindungen lm, rm wurzel- haftes ansehen. Daher sind nicht bloß diese, sondern auch die fälle, wo dem m langer vocal vorausgeht und spiranten unterdrückt scheinen, so fern es jetzt schon thunlich ist, aufgelöst worden. Zu weit durfte ich aber die auflösung nicht treiben. Denn wenn auch das m in III. consonantische ableitungen. M. sâmo (semen) ableiterisch schiene und aus sah-amo, saj- amo (von sajan, sahan, serere) deutbar; mochte ich es doch nicht, noch weniger namo (nomen), der in beiden lebendigen ablaute wegen (nr. 565. 318.), angreifen. Hier bleibt erst behutsam fort zu untersuchen, damit sich der gegenstand nicht verflüchtige. Wollen wir hruom (glo- ria) tuom (judicium) rûm (spatium) rîm (numerus) heimo (cicada, ags. hâma) u. a. zerlegen, weil uns poum, pluo- mo, chîmo der zerlegung fähig vorkamen; so würden auch eine menge l und r (heil, teil etc.) wankend wer- den und unwurzelhaft scheinen. Selbst bei dem m müßen daher schranken gesetzt, und die verbindungen -eim, îm, ûm, âm (geschweige wenn kurzer vocal vorhersteht) vor- sichtiger behandelt werden, als -oum, lm, rm, bei denen verdacht der ableitung kaum abzuwenden war. Vielleicht muß man sich für diesen und alle ähnlichen fälle an fol- gende regeln halten: 1) ein wurzelhaft scheinender cons. ist dann für ableitend zu erachten, wenn, ihn hinweg- genommen, klare, erweisliche wurzel zurückbleibt, z. b. pluo-han, chî-an bei pluo-mo, chì-mo, oder hël-an, për- an bei hël-m, par-m. 2) wenn die auflösbarkeit einer for- mel überwiegt, wie bei -oum der fall ist; weil flou-m, sou-m, zou-m etc. ohne zweifel die wurzel fliuhan, siu- han, ziuhan etc. verrathen, so dürsen wir auch troum, stroum theoretisch für trou-m, strou-m nehmen, obgleich uns die wahre wurzel dunkel bleibt. 3) wenn die ver- gleichung der dialecte oder auch fremder sprachen den schein der wurzel aufhebt. Wer wollte z. b. in poum das m der wurzel zuschreiben, wenn er bagms und badmr verglichen hat? wer in halm, wenn er calamus hinzu- nimmt? Erweitert sich unsere sprachkenntnis, so kann auf manches, jetzt noch für wurzelhaft geltende wort licht fallen und dadurch auf ganze reihen. — b) wechsel des m mit andern consonanten. Selten mit l ags. midmesta und midlesta (medius); nhd. einsæd- men und einsædeln. Zuweilen mit n nach verschie- denheit der sprachen, ahd. varm (filix) ags. fëarn, engl. fern; ahd. podum, ags. botm, altn. botn in welchem worte auch das verhältnis der hd. media zur ags. und altn. tenuis auffällt; nach der regel müste es entw. ags. boðm oder ahd. poƷum heißen. Doch selbst das lat. sundum bestärkt botm und in podum scheint d spur einer ahd. adspirata dh, die vielleicht älter ist, als Ʒ. . Die spätere III. consonantische ableitungen. N. hd. verdünnung in n ist kein wechsel, sondern verderb- nis, nhd, fâden, bêsen, bûsen etc. f. fâdem etc. — c) die ungleichgültigkeit der dem ableitenden cons. vorausgehenden vocale wird durch den gänzlichen man- gel der im- (wie der ir- ) form bestätigt, da doch il- und in- vielfach vorkommen. Und wie nothwendig a und u geschieden werden müßen geht eben aus der abwesen- heit der um-form im altn. einleuchtend hervor. In die bedeutung läßt das adjectivische -um einmahl einen blick thun, der uns aber das substantivische noch nicht auf- schließt. ableitungen mit N. hier finden statt -an , -in , -un , außerdem aber -ein (-în), selten oder anscheinend -ôn . [AN] die allgemeine regel über wegwerfung des a ist höchst schwierig, beinahe für jede wortart scheint im goth. und altn. etwas eignes einzutreten; ags. -en, selten in -on schwankend aber sehr mislich zu beurtheilen, weil auch en für in und în stehet. Das ahd. -an haftet weni- ger als -am, nämlich nach r fällt es weg, es gilt kein r-an (sondern r-n) nur gl. wirceb. 891 b lese ich zoran-ouga (scotomaticos, der glossator meinte wohl nicht schwindlig?) f. zorn-ouga? oder zorn- aga? Im ahd. part. praet. ki-poran, ki-zoran, var-loran haftet aber das a nothwendig. während noch r-am (neben r-m) vorkommt. Daß die verbindung rn jederzeit in r-n (r-an) aufzulösen sei, kann nicht bezweifelt werden; ln (analog dem lm) findet hingegen keine statt. 1) substantiva , α ) starke masculina goth. mit -an nur: sab-ans ( σάβανον , also fremdes wort, das geschlecht aus dem ahd. unsicher geschloßen, vielleicht neutr.); þiud-ans (rex); ohne a: aúh-ns (clibanus) wohl ganz das ahd. ovan, ags. ofen, nach bisher uner- kanntem verhältnis des ags. uf, of, alts. oƀ zum goth. aúh; vgl. auhuma ags. usema etc. ; aúhs-ns (bos, nach dem gen. pl. auhsnê Luc. 14, 19. da schwaches aúhsa aúhsanê forderte); faíhu-þraíh-ns (mam- mona), die bedeutung des einfachen þraíhns dunkel, schwerlich aber coactio (gegen 1, 598.) eher cista (ver- wandt mit ags. þruh, ahd. druho?) — III. consonantische ableitungen. N. ahd. dëk-an, dëg-an (vir fortis); dëot-an (nur n. pr. in alten urkunden); dor-n (spina); har-n (urina); hak- an (paliurus) mons. 414; hav-an (olla); hol-an (genus ar- boris) vielleicht zu schließen aus holan-tar (sambucus) mons. 414?; hrab-an (corvus, hrab = corv, crov, serb. gavran); irm-an (n. pr.) vgl. irman-sûl mons. 362. schwankt in -un und -in; leis-an (vestigium) wakan-leisan (orbita) jun. 191, vielleicht fem. oder neutr,?; louk-an (inficiatio) loug-en N. 3, 8; morak-an, morg-an (mane) alle ahd. quellen haben in diesem worte die an-form; për-n, dem ags. bëorn, altn. biörn entsprechend, findet sich in vielen ahd. eigennamen z. b. adal-përn, regin-përn, dëot-përn, megin-përn etc. so wie in përn-hart etc.; ov-an (for- nax); rëk-an (pluvia); rot-an (rhodanus); sab-an (lin- teum) O. IV. 11, 25; sëk-an (benedictio); trah-an (la- crima) N. 79, 7. 95, 7. [zsg. trâ-n 36, 34. 114, 8.] W. trev. 8 a ; vêh-an? (picus varius) mons. 351. wo vêhen; wak-an (currus); wuot-an (n. pr.); zor-n (ira, wurzel nr. 326.); zuir-n (filum tortum). — alts. hëƀ-an (coelum) Hild. hëv-an; gëƀ-an (mare); morg-an; suëƀ-an (somnium); thiod-an (rex). — ags. bëor-n (vir); bräg-en (cerebrum) vielleicht neu- trum?; ëot-en (gigas); ëar-n (aquila); fëar-n (filix); gëof- en (pelagus); hëof-en (coelum) beide auch mit -on gëof- on, hëofon; hol-en, cnëó-hol-en (ruscus); hräf-en (cor- vus später hräm-n); morg-en; of-en; rëg-en (pluvia); sëg-en (signum, vexillum); stëar-n (sturnus); stëm-n (ba- sis); svëf-en (somnium); tor-n (ira); þëg-en, þên (miles, minister); þëód-en (rex); þor-n (spina); väg-en (currus); vôd-en (n. pr.) — altn. hraf-n (corvus); of-n (fornax); svëf-n (somnus); þëg-n (homo liber); vag-n (currus); einige noch mit -an: apt-an (vesper); herj-an (bellator); þiód-an (rex) nur in den comp. þiódans-barn, þiódans-kona; þiódans-rëckr; für ôd-an steht allgemein ôd-inn. — mhd. ar-n (aquila) nur selten statt des gewöhnl. ar, vgl. arnes-nëst Wilh. 2, 87 a ; bâr-en (praesepe) Parc. 40 a 69 c ; dëg-en; dor-n; hag-en; har-n; hav-en; meid-en (equus); morg-en; ord-en (ordo); ov-en; rab-en Parc. 5 b vgl. wal-rab-en (n. pr.) Kol. 83. 85; rëg-en; rot-en; sab- en Nib. 2541; sëg-en; trah-en; wag-en; zor-n. — nhd. dêg-en; dor-n; hâf-en; har-n; morg-en; ôf- en; rêg-en; sêg-en; wâg-en; zor-n; zwir-n; viele andere sind unorganisch (1, 703.) — III. consonantische ableitungen. N. engl. brai-n; fer-n; heav-en; ov-en; rai-n; rav-en; tha-ne (vir nobilis); thor-n; wai-n. — β ) starke feminina. goth. theils nach erster, theils nach vierter decl. Die nach erster haben sowohl -ana : ahana ( ἄχυρον , palea) Luc. 3, 17 das griech. wort entscheidet für den acc. sg. fem. und ge- gen den acc. pl. neutr. (wonach 1, 605. zu beßern). ; als -na : draúhs-na (mica) faírz-na ( πτέρ-να calx); hláivas-na (sepulcrum); smar-na (stercus); stib-na (vox). Die nach vierter hingegen zuweilen -ans : as-ans (messis); gewöhnlich -ns : ana-bus-ns (lex) mandatum, vielleicht von anabiudan (praecipere)? wiewohl keine verwandlung des d in s (wie in báust f. báudt 1, 844.) hier- bei annehmlich ist. ; vielleicht auch liug-ns (mendacium) obgleich das genus unsicher, da nur der acc. liugn Joh. 8, 44. steht; rôhs-ns (atrium); táik-ns (signum). — Außerdem kann die goth. sprache aus jedem schwachen (nie aus einem starken) verbo fe- minina vierter decl. auf -ns (= ans) bilden, welchem der herrschende ableitungsvocal vorantritt, folglich in erster conj. i , in zweiter ô , in dritter ái , so daß -eins , -ôns , -áins entspringen. Bildungen auf -eins, ôns, áins nenne ich sie aber nicht, weil die vocale von dem verbo, das sie ableiteten, abhängen und das a der substantivab- leitung weggefallen scheint, d. h. eins aus jans, ôns aus ôans, áins aus áians erwächst, vgl. 1, 847. 849. 850. Vom inf. darf man diese verbalia nicht bilden wollen, practisch richtig aber nur dem imp. -ns zufügen, z. b. nasei, laþô, báuái: naseins (salvatio) laþôns (invitatio) báuáins (aedifi- catio). Die meisten stammen aus erster conj. als: un- ageins (securitas) balveins (cruciatus) dáuþeins (baptismus) fôdeins (cibus) gôleins (salutatio) haúheins (exaltatio) háu- seins (auditio) hazeins (laudatio) and-huleins (revelatio) faúr-lageins (propositio) galáubeins (fides) us-lauseins (li- beratio) af-marzeins (scandalum) ïn-máideins (mutatio) maþleins (sermo) gamêleins (scriptura) hnáiveins (humi- liatio) niuhseins (visitatio) ga-ráideins (constitutio) hrái- neins (purificatio) bi-rôdeins (disputatio) hlêþra-stakeins (scenopegia) ana-stôdeins (initium) þrafsteins (consolatio) us-táikneins (ostensio) timreins (aedificatio) us-valteins (eversio) ga-vaseins (vestis). Verbalia zweiter conj. sind noch: mitôns (cogitatio) salbôns (unctio); und dritter: III. consonantische ableitungen. N. libáins (vita) lubáins (spes)? midja-sveipáins (diluvium) at-vitáins (observatio). ahd. wenige und alle nach erster decl.: ak-ana, ag- ana (palea) jun. 281; as-ana (servitium)? vermuthe ich lediglich nach dem altwestph. asna; liut-ana (lugdunum) mons. 408; louk-ana (negatio) loug-na O. I. 27, 35. II. 3, 2. III. 20. 178; rab-ana (ravenna) wirzeb. 978 a ; sig- ana (sequana) sigona trev. 24 b , sigena blas. 79 a ; stim-ana (vox)? diese volle form kommt nie vor, sondern stets mit weggeworfnem a entw. ftim-na J., oder assim. stimma K. N. O. und stëmma T. wurzel nr. 540 b wegen des zusammenhangs der begriffe rede und stab (oben s. 87.); aus stibna (ags. stëfen) wurde stimma (ags. stëmm), wie aus hraban hramn, hramm (vgl. suëban mit somnus und schwed. sömn); vermuthlich entspringt auch das nhd. stamm (stipes) aus stamn, staman, staban, vgl. ags. stämn (basis). — ; truos-ana (faex) truosena N. 74, 9. truosina steht mons. 418; vërs-ana (calx) mons. 325. fërsna T. (fërsena N. 55, 7. schwach) vërfina trev. 9 b ; vorh-ana (truta) trev. 13 a ; war-na (instructio) N. 29, 10. — Nach vierter decl. nur ar-n (messis) T. 72, 6. 76. O. II. 14, 208; und quër-n(mola). — Verbalia auf an , jenen gothischen analog, gibt es nicht, wenigstens nicht solche, die deutlich der vierten starken decl. folgten. Doch scheinen mir einige der 1, 629. angeführten auf în spu- ren davon; mend-în, ka-loub-în, touf-în; in ar-lôs-nîn, ur-suoh-nîn stünde aber doppeltes n (statt: ar-lôs-în, ur- suohh-în); übrigens wäre -in für -jan gesetzt. Und bald heißt es noch abgestumpster touf-î, mend-î. Auf -ôn für -ôan, auf -ên , f. êan laßen sich gar keine spüren (z. b. kein fem. lëpên, vita, oder ladôn, invitatio) viel- mehr steht auch hier -î (z. b. spar-î, parsimonia, doc. 236 a von sparên; goth. etwa sparáins) die goth. sem. -ns auszudrücken bedient sich die ahd. sprache meis t ens der, dem Gothen gerade mangelnden, bildungen -unka, unga. Erst im nhd. wird der ins. allgemein und häufig als ein neutrales subst. gebraucht. . — alts. hôf-na (ploratus); log-na (flamma); stëm-na (vox); unsicher liud-stam-na (gens). — ags. ungefähr folgende: bläg-en (pustula); cvëor-n (mola); drôs-en (faex); stëf-en, später stëm-n (vox); stëor-n (gubernaculum); vëar-n (denegatio, repugnantia) Beov. 30; bys-en (norma, exemplum) vergleicht sich zwar dem goth. bus-ns, hat aber einen aus der ableitung unerklärlichen umlaut. Dagegen gelten noch einige deut- III. consonantische ableitungen. N. liche verbalia auf -en, deren umlaut nicht aus der sub- stantivableitung folgt, sondern im schwachen verbo erster conj. begründet ist: byrg-en (sepultura); gŷm-en (cura); ræd-en (institutio, nicht räden, sondern = goth. ga-ráid- eins) und davon manche composita; syl-en (donum) von sylan st. sëllan (dare); vêst-en (desertum) von vêstan (va- stâre) und wohl einige andere. Von verbis zweiter conj. aber keine auf -ôn, sondern, wenn daraus verbalia ge- bildet werden, gleichfalls auf -en, etwa lëof-en (victus, alimentum, von sëofjan, vivere; goth. lib-áins). — altn. auð-n (desertum); bod-n (oblatio); eig-n (pos- sessio); seik-n (vehementia); fôr-n (victima); qvër-n (mola); stiór-n (imperium, latus navis); hös-n (portus); laus-n (liberatio); lîk-n (clementia); nor-n (fatidica); ög-n (palea); niós-n (exploratio); sög-n (relatio); sŷk-n (im- munitas); vör-n (defensio); þög-n (silentium) etc. der umlaut aus unterdrückten -u der flexion entspringend. Die verbalia vierter decl. haben sich in vollem gebrauch erhalten, und zwar alle aus erster conj. stammenden fü- gen bloßes -n hinzu (wie das praet., dessen rückumlaut oder umlaut sie gleichfalls behaupten, den bildungsvocal ausstößt): heyr-n (auditus, háuseins); spur-n (quaestio) etc. Weit üblicher sind aber die von verbis zweiter conj. und sie gehen auf -an aus, welches, wenn sich das â in kal- lâdi (1, 924.) rechtfertigt, früherhin -ân gewesen sein wird, z. b. laðan (invitatio) = goth. laþôns. Die neuere iständ. mundart pflegt indessen das -an noch in -un zu verwandeln (1, 658.) was umlaut des a der wurzel nach sich zieht z. b. vönun, rögun statt und neben vanan, ra- gan. Beispiele solcher verbalia zweiter conj.: bod-an (annuntiatio) byrj-an (initium) dŷrk-an (cultus) eggj-an (exhortatio) elj-an (labor) iat-an (confessio) iðr-an (poeni- tentia) mâl-an (pictura) prêdik-an (concio) notk-an (ver- sio in rem) rag-an (exprobratio) svip-an (festinatio) þrælk- an (redactio in servit.) undr-an (admiratio) van-an (mu- tilatio) and-varþ-an (suspirium grave, eigentl. emissio spi- ritus) vërk-an (operatio) u. a. m. mhd. etwa: loug-en (negatio) zweifelhaft, da in der redensart âne lougen, und sonst z. b. Parc. 32 b auch der infin. stehen könnte?; vgl. sin lougen troj. 126 b ; Benecke macht mich aufmerk- sam auf die variante: eine lougen Trist. 17793, Groote. Im ahd. gelten masc. und fem. rab-en (ravenna) stim-me (vox); III. consonantische ableitungen. N. stir-ne (frons); vërs-en (calx); vorh-en (truta) a. Tit. 148. wo ich vorhene (trutas) st. vorhenne lesen würde, wie- wohl auch irgendwo vërsenne (calces) steht. Verbalia auf -en gänzlich verschwunden. nhd. ah-ne (palea); stim-me; stir-ne für fersen aber ferse, so daß kaum eine dieser bildungen zu erkennen ist. engl. aw-n (palea); blai-n (pustula); droß (faex) st. drôs-n; ster-n; stev-en; (vox, tumultus). — γ ) starke neutra goth. mit -an: akr-an (fructus); alj-an ( ζῆλος ); — mit bloßem -n: bar-n (infans, wurzel nr. 325); haúr-n (cornu); kaú-rn (granum); kêlik-n (turris) fremd scheinend, doch vgl. altn. gâlk-n; raz-n (domus); rig-n (pluvia) Matth. 7, 25, 27; vêp-n (arma). — ahd. chor-n (granum); ell-an (f. el-jan, al-jan, vis, robur, auch zelus T. 117.); eik-an (praedium, dominium) mons. 376. O. II. 2, 43; kam-an (jocus); kar-n (filum) gar-n O. I. 5, 24. verwandt mit kar-o (paratus) kar-wjan (parare). ; îs-an (ferrum, st. des frühern îs- arn) N.; lahh-an (linteum); lêh-an (commodatum); mak- an (vis) misc. 2, 5. 411. jun. 254. gewöhnlicher mek-in; par-n (infans); pouhh-an (signum, nutus) heri-pouhhan (vexillum); rah-an (rapina) folgere ich aus dem verb. ra- hanen und aus dem altn. rân; raƷ-an? (lolium) mons. 113. unsicher dem geschlecht und der schreibung nach, vgl. das masc. rato (lolium) doc.; reis-an (nodus) jun. 184.; scër-n (scurrilitas) K. 26 a 45 b ; veihh-an (fraus, dolus) T. 34. 126. 153. W. 1, 15; wâf-an (arma); wolh- an (nubes) wolk-an O. II. 1, 35; zeihh-an (signum). — alts. bar-n; bôk-an (signum); ell-an; fêg-an (dolus) so scheint für fêkan zu stehen; gam-an (laetitia, ludus); lak-an (pannus); têk-an (signum); wâp-an; wolk-an. — ags. bëar-n (proles); beác-en (signum, prodigium); ell- en, nur in comp. wie ellen-dæd, ellen-cempa etc.; fâc- en (fraus); gam-en, gäm-en (jocus); gëar-n; hor-n; îr- en (ferum); læ-n (commodatum); mäg-en (vis) üblicher als meg-en; räs-en (laquear); scëar-n (stercus); tâc-en (signum); væp-en (telum); volc-en (nubes); vor-n (ca- terva, multitudo). — altn. mit -an bloß: âng-an (Biörn s. v.); gam-an (jo- cus); gîm-an (rima) andre bewandtnis scheint es mit noch einigen neutris auf -an zu haben: ô-âran (annonae caritas) ô-vëdr-an (intempestas) ô-kyn-jan (monstrum) etc. vgl. gl. edd. I, 637 a . ; mit -n: bar-n; fió-n (odium); gag-n (victoria); gâlk-n (rupes, saxetum) edd. sæm. 55 b ; III. consonantische ableitungen. N. gar-n (filum, intestina); halk-n (aspretum) edd. sæm. 55 b ; hiar-n (gelu indurata); hor-n (angulus); kor-n (seges); mag-n (robur) üblicher meg-in; naf-n (nomen); rag-n (dirae); râ-n (rapina); rëgn (imber); saf-n (congeries); taf-n (victima); tâlk-n (branchiae); teik-n (signum); tió-n (damnum); vap-n, vop-n (arma); vat-n (aqua); þor-n (spina). — mhd. bar-n; ell-en; gam-en Vrîg. 5 c ; Herb. 11 a ; gar-n; hor-n; îs-en; kor-n; lach-en; lêh-en; wâf-en; wolk-en; zeich-en. — nhd. nur noch eis-en; gar-n; hor-n; kor-n; lâk-en; lêh-n; wapp-en (woneben weibl. die waff-e, so wie die wolk-e); zeich-en. — engl. beac-on; cor-n; hor-n; îr-on; mai-n; tok-en; weap-on; yar-n; also mit übergängen in die on-form; für gam-en aber gam-e. — δ ) starke masc. auf -anî. goth. as-neis (servus) ags. es-ne, ahd. aber nicht as-ani, as-ni, es-ni sondern as-an-ari, as-n-eri (oben s. 125. has- an-ari, has-in-ari (strator) doc. 218 a . ε ) starke masc. auf -anu : goth. þaúr-nus (spina) ahd. dor-n, war also früher dor-nu (d. i. dor-anu)? altn. ör-n (aquila) biör-n (ursus) der um- laut das abgeworfne -u andeutend, ags. ëar-n, bëor-n ohne solche spur, daher vorhin unter α ) angeführt. ζ ) starke (oder schwache) fem. auf anî werden eigentlich nur von adjectiven geleitet, doch gibt es noch andere erscheinungen: a) von adj. auf -an stammen: goth. ana-láug-nei (oc- cultatio). — ahd. ëp-anî (planities); keis-anî (sterilitas) jun. 224.; of-anî (apertura); touk-anî (mysterium) mons. 341. 391. 393. toug-eni N. 16, 14. 17, 1. etc.; trucch-anî (ari- ditas) mons. 319; upar-trunh-anî (temulentia) K. 44 a jun. 252. — ags. keine solche bildungen; altn. heið-ni (paga- nismus); krist-ni (religio christ.); hlŷð-ni (obedientia); for- vit-ni (curiositas) obgleich ihre stämme unorg. -inn st. -n haben. — mhd. ëb-ene, nhd. êb-ne. — b) da die starken part. praet. den adj. auf -an mehr oder wenig gleichen, so scheint natürlich, daß auch aus ihnen solche fem. entspringen. Allein die goth. ags. und altn. sprache bedienen sich dieses bildungsmittels gar nicht, die ahd. sehr häufig. Hier beispiele nach ordnung der conjugationen: I. var-halt-anî (incestus) ki-salz-anî L III. consonantische ableitungen. N. (condimentum) zi-kank-anî (interitus) in-pland-anî (ti- mor); II. apa-var-meiƷ-anî (abscissio); IV. var-lâƷ-anî (relictio) int-lâƷ-anî (essrenatio, wofür mons. 387. verle- sen -steht indaƷini) ir-rât-anî (propositio) var-wâƷ-anî (anathema); VII. var-var-anî (caducitas) untar-krap-anî (sussossio) ir-hap-anî (assumtio) upar-lad-anî (obesitas) ir- stant-anî (resurrectio) umpi-stant-anî (multitudo circum- stans) ir-slag-anî (peremtio) var-sahh-anî (renuntiatio); VIII. var-suin-anî (defectus) hina-ka-lit-anî (discessus) pi- smiƷ-anî (tinctio) ka-dik-anî (castitas) ka-suihh-anî (scan- dalum); IX. ir-pot-anî (exhibitio); X. ir-wër-anî (senium) wofür ër-wër-nî N. 70, 7. pi-sëƷ-anî (obsessio) var-sëh- anî (suspicio); XI. pi-nom-anî (condemnatio) var-nom- anî (captus) ar-quom-anî (stupor) êrist-por-anî (primo- genitura) ki-scor-anî (rasura); XII. ir-polk-anî (commo- tio) ki-duunk-anî (coactio) wort-anî (exhibitio) var-wort- anî (perditio) lîhham-wort-anî (incarnatio) untar-worf- anî (subjectio) var-vloht-anî (perplexitas) hina-ir-prott-anî (raptus) warum mons. 388. gihëllanî st. gihollanî; lautet das part. praet. zuweilen (nach X.) gihëllan? wirklich gl. doc. 218 b gi- hëllanêr (tinnulus, oder gihëllantêr?); vgl. mons.-365. irquëmanî (stupor) doc. 208 b durahquëmanî (perventio) wo ebenfalls ë für o. ; assimilation, umlaut des anî in inî , enî , verstehen sich, doc. 211 a firsuininî f. sirsuinanî, jun. 256. farmeiƷinî; N. hat -enî oder inî . Wichtiger ist es wahrzunehmen, daß K. jun. mons. N. genug solcher participialbildungen darbieten, J. T. wo ich nicht irre, keine einzige, O. wohl nur wësinî (substantia) V. 12, 99. Sie scheinen also kaum die grenze des streng ahd. zu überschreiten vergl. unten bei den lingualableitungen die seltnern, aber ganz analogen aus partic. schwacher conj. stammenden ahd, feminina. , wie sie dem alts. ags. völlig fremd sind. Aus dem altn. wüste ich das einzige um-gêng-ni (conversatio) wenn man es vom part. umgênginn und nicht lieber vom subst. um- gângr leiten will. Merkwürdigerweise haben sie auch im mhd. fast gar nicht statt, ich finde bloß ge-lëg-ene (oc- casio) livl. 58 a ge-wiƷƷ-en (aequitas, prudentia) MS. 1, 185 a Wig. 994. 11547; ge-tæne Cod. pal. 361, 69 d wol- ge-tæne MS. 1, 106 b 2, 79 a von den part. gelëgen, ge- wiƷƷen und getân. Und nhd. nicht das geringste über- bleibsel dieser ableitungsart. — c) aus der partikel gag-en, geg-en hat erst die hd. sprache des 14. 15. jahrh. ein subst, geg-ene (regio) ge- zogen. III. consonantische ableitungen. N. d) die goth. sprache hängt die bildung -ni (— ani) an einige bildungen mit -ub : fráist-ub-ni (tentatio) vund- ub-ni (vundufni, plaga, ulcus), deren unbelegbarer nom. sg. kaum -ubnja haben wird. Gewöhnlicher sind solche bildungen neutral. In den späteren sprachen nichts ähn- liches; mehr davon unten bei B. — e) es gibt endlich altn. fem., deren -ni unorganisch für -i zu stehen scheint: blind-ni (coecitas) ein-feld-ni (simplicitas) ein-læg-ni (smceritas) âr-vek-ni (vigilantia) von den adj. blindr, einfaldr, einlægr, ârvakr [Rafk. §. 333]. Oder will man das letzte vom part. âr-vakinn stammen laßen? — η ) starke fem. auf -anu. goth. qvaír-nus (mola) so daß das ahd. quir-n in der vorzeit quir-an-u könnte geheißen haben. Zieht sich der umlant des altn. qvör-n dahin? — θ ) starke neutra auf -ani. goth. ataþ-ni (annus) ein räthselhaftes wort (buchstäbl. ahd. aƷadani?) fulhs-ni (latibulum) und ähnlich den un- ter ζ d erwähnten femininis: fast-ub-ni (jejunium) vald- ub-ni (potestas) vit-ub-ni (sapientia). — ahd. mitti-gar-ni (ferina?) hrab. 951 b ; hir-ni (cere- brum); und dann collectiva von andern subst. auf -an: ki-dik-ani (famulitium, militia, mit dem vorhin s. 162. angeführten fem. ki-dik-anî nicht zu verwechseln) githi- gini O. I. 15, 77. 20, 17; vielleicht gi-siuni (visus) aus gi-sih-ani?; ki-stir-ni (militia) mons. 323. 330. 334. 345, dunkler ausdruck, der doch vielleicht mit ki-stir-ni (sidus) zus. hängt? vgl. sibun-stirri f. stirni jun. 188.; ki-wâp-ani (armamentum). — alts. kur-ni (frumentum). — altn. fils-ni (latibulum). — mhd. hir-ne; die collectiva: ge-dig-ene; ge-dür-ne (du- metum); ge-hür-ne; ge-rig-ene (pluvia) Rud. weltchron.; ge-sih-ene (aspectus, vultus) Nib. 6956. ein seltner aus- druck, von dem substantivisch genommenen inf. sëhen geleitet wer dies, von aller analogie verlaßene gesihene ganz tadel- haft findet, kann sich bei der variante gesiune E. M. beruhigen. ; gestir-ne (constellatio) troj. 29 a 70 c ; ge-wæf- en (arma). — nhd. hir-n; ge-hör-n; ge-dör-n; ge-stir-n. — ι ) schwache masculina. goth. ga-raz-na (vicinus); liug-nja (mendax). — L 2 III. consonantische ableitungen. N. ahd. scir-no (scurra); stër-no (stella) bei einzelnen assi- milirt stër-ro anders das lat. stella aus ster-la; vgl. gr. ἀστήρ . . — ags. stëor-ra (stella). — altn. as-ni (asinus); hiar-ni (cerebrum); jaf-ni (herba quaedam); gran-ni (vicinus, von rannr, domus = goth. razn. — mhd. stër-ne, bei einigen schon starkformig stër-n. — κ ) schwache feminina. goth. hvaír-nei (calvaria) scheint verwandt mit ahd. hirni, (cerebrum) nur das hv. für h noch zu erklären; staír- nô (stella). — ahd. vielleicht wër-na (aerumna)? dem ags. vorn (turba) verwandt? mons. 409. bloß der dat. pl. wërnun (aerum- nis), vgl. das. 400. wërna (varix)? wofür nach doc. 245 a etwa warza zu lesen? fallen hierher die weiblichen nom. pr. die in ahd. urkun- den vorkommen, z. b. bërtana (përahtana) muotana, diotana, wa- lahana etc.? — ags. fæm-ne (femina) nicht fämne; die ahd. form wäre veimna, die goth. faáim- nô und der zus. hang mit dem lat. fêmina, fœmina (d. i. foimina, vgl. 1, 44.) bleibt unabweislich, obgleich das lat. wort mit p an- lauten sollte. Altn. ohne ableitendes n feima. Verwandtschaft mit ahd. veim, ags. fâm (spuma) wage ich nicht aus ἀφρός und ἀφροδίτη zu beweisen. hyr-ne (angulus); altfries. fôv-ne, hër-ne. — altn. as-na (asina); href-na (corvus f., woher der um- laut?); hyr-na (securis); stiar-na (stella); sŷk-na liber- tas). — 2) adjectiva α ) erster declination goth. gaír-ns (cupidus) aus gaírnjan zu folgern, wurzel nr. 576 b ; háiþ-ns (ethnicus) es kommt nur háiþnô (eth- nica) vor; ïb-ns (aequalis); ana-láug-ns (occultus); svêg- ns (laetus)? aus svêgnjan zu folgern?; svik-ns (in- noxius) nr. 178 und 299. bieten sich als wurzeln dar, aber keinen leichten übergang auf den begriff; insofern sveikan deesse bedeu- tet, könnte svikns expers, insons ausdrücken? . — ahd. ëp-an (aequalis); eik-an (proprius); ërh-an (ge- nuinus, germanus, simplex) alleinstehend J. 359. dhër ërchno (egregius) im ungedruckten N. verschiedentlich [ërchen, superl. ërchenôst] sonst nur in comp., wo es III. consonantische ableitungen. N. echt-, fest-, edel- Pictor. v. staus hat urchin-guldiner stauf (crater auro solidus). bedeutet: J. 340. ërcna-êwa (certa lege) mons. 411. ërchan-pruoder (frater germanus); has- an (pulcher)? ich kenne nur das adv. has-ano (affabre) jun. 206; heid-an (ethnicus) vgl. heidan-këlt jun. 183. 210; keis-an (sterilis) aus dem fem. keisanî zu folgern; kër-n (cupidus); of-an (apertus); preh-an (lippus)? blas. 5 a brëhenên (lippis) aber aug. 123 a plëhin-ouger (lip- pus)?; scaf-an (praegnans) T. 5, 7, 12. 145., verschieden vom part. praet. ki-scafan? das doch auch sonst das ki- wegwirft, vgl. ags. ëarm-scapen, mhd. wintschaffen; touk- an (occultus) touganju (occulta) hymn. VI, 1., dougna (occultam) O. V. 6, 11.; trunh-an (ebrius) jun. 230; trucch- an (siccus) vgl. trucchanjan (siccare); vruohh-an (audax, strenuus) nur noch in eigennamen, fruochan-olf, frua- chan-olf, fruochen-olf, frôchon-olf bei Neugart nr. 19. 22. 25. 233. 571., die bedeutung aus dem alts. und ags. entnommen, vielleicht auch vruohh-ani? offenbar nah verwandt mit vrëh (audax) goth. friks, doch das verhältnis der vocale zwingt nach s. 70. 71. zwei starke verba zu setzen: nr. 553 c frikan, frak, frêkun und daraus 486 b fra- kan, frôk. . — alts. ëb-an (planus) häufig das adv. ëf-no (pariter); êg-an (proprius); fruoc-an, frôc-an (audax) in den mir zugänglichen stellen nur das adv. fruoc-no, frôc-no (au- dacter, strenue) oder fruoc-ni, nach zweiter decl.? vgl. das ags. frêcene; lung-an (citus) scheint einmahl für lung- ar vorzukommen; op-an (apertus). — ags. âg-en (proprius); drunc-en (ebrius); ëf-en (par); ëorc-en? nie alleinstehend, aber in dem compos. ëorcnan- stân (margarita, topasion, edelstein); gâs-en oder gæs-en (sterilis, carus) vgl. chron. sax. Ingr. p. 337; gëor-n (cu- pidus); hæð-en (ethnicus); op-en (apertus); ëarm-scap- en (miser) Beov. 103. Cädm. 88. — altn. for-n (vetus); frœk-n (strenuus); giar-n (cupi- dus); iaf-n (aequalis); iark-n, wieder nur in iarkna-steinn (lapis pretiosus); sŷk-n (insons) für svikn, wie þŷ f. þvi, systir f. svistir etc. ; einige haben unor- ganisches -inn, wie es scheint, als: eig-inn (proprius) op-inn (apertus).) — mhd. ëb-en; eig-en; off-en; wint-schaff-en (volubilis) Trist. 114 a ; truck-en (aridus) Flore 42 b ; toug-en; trunk-en. — III. consonantische ableitungen. N. nhd. êb-en; eig-en; off-en; trock-en; trunk-en. — engl. ev-en; fai-n; op-en; ow-n. — β ) zweiter declination. goth. ar-nis (tutus) aus dem adv. arniba gefolgert; faír- nis (vetus). — ahd. ter-ni (alts. der-ni, occultus); vir-ni (vetus). — ags. dyr-ne (occultus); frêc-ene, frêc-ne (pe- riculosus, audax); styr-ne (rigidus) engl. ster-n; vielleicht auch gny-rne (moestus). — bemerkung zu den adjectiven der an -form. Man hat diese adj. von den part. praet. starker verba, deren flexion gleichfalls -an lautel (1, 1009) zu unter- scheiden, wobei folgende kennzeichen 1) das goth. adj. syncopiert das a, das part. nicht, vgl. ïbns, ïbna, ibnata, ïbnamma mit gibans, gibana, gibanata, gibanamma ebenso stcht das subst. þaúrnus, ahd. dorn, zorn vom part. baúrans, poran, zoran ab, vgl. oben s. 155. . Im ahd. fällt der unterschied freilich weg, ëpan geht wie këpan; auch ags. haben beide -en, altn. hingegen zeigt das adj. in der regel -n, das part. -inn, obgleich auch einige adj. -inn annehmen. — 2) wenn aus adj. verba geleitet werden, so bleibt das -an, -en in der ableitung, z. b. nhd. êbnen, öffnen, trocknen, aneignen. Aus part. fließen keine solche verba. Mit dem allem leugne ich doch nicht, daß ursprüngliche part. sich allmählig zu adj. verhärtet haben können, vgl. ëpan mit nr. 540. trunh- an mit nr. 397., lung-an mit nr. 423., offan mit nr. 525., fägen mit nr. 488. etc. und den zweifel bei scafan. Die ags. alts. part. eád-en, ôd-an (genitus) eác-en, ôc-an (praegnans) stehen in der that nur noch adjeetivisch. In andern wie ërhan, keisan, toukan etc. widerspricht der vocal deutlich den participialablauten. — 3) verba α ) siarke verba der siebenten goth. anomalie (1, 854). Daß starke verba abgeleitete sein können, darf nach 1, 839. 2, 70. 71. nicht wundern. Die hierher gehörigen auf -nan (nicht njan) sind aber nur in der goth. sprache zu treffen, deutlich in keiner der übrigen. Sie conjugie- ren bloß die praesensformen stark, die des praet. schwach, im praet. gleichen sie also den nachher anzuführenden altn. auf -na (deren praes. vielleicht früher stark gieng?) Ihr ableitendes -n ist nicht schon in einem nomen vor- handen, sondern scheint grade diese verba mit intransit. III. consonantische ableitungen. N. begriff zu zeugen. Man könnte zwar darauf verfallen, einige derselben aus dem starken part. praet. und ihr -n aus dem participialen -an zu deuten, namentlich vaknan aus vakans nr. 93.; lifnan aus libans nr. 130.; gutnan aus gutans nr. 220.; luknan aus lukans nr. 255.; bundnan aus bundans m. 382. Da aber, wie eben gezeigt worden ist. das a sonst im goth. part. -an nicht wegzufallen pflegt; so müste befremden, warum nicht auch vakanan, libanan, gutanan, lukanan, bundanan, gälte? Ohnehin schickt sich bei den wenigsten der vocal zum part. praet., viele ha- ben langen (z. b. geisnan, hailnan) oder andern dem par- ticipialablaut widerstrebenden (z. b. svinþnan). Die inei- slen scheinen aus adj. zu entspringen, namentlich ga-háil- nan, ga-dáuþ-nan, veih-nan, svinþ-nan, ga-qviu-nan; ga-sull-nan, af-dumb-nan, ga-hast-nan, obgleich bei and- bund-nan, us-gut-nan, geis-nan, dis-taúr-nan fra-qvist- nan kein adj. nachzuweisen ist. Am sichersten leitet man sie daher bloß von dem starken stamm, wie geis-nan von nr. 511; ga-bat-nan von nr. 476. etc. fraíh-nan (1, 855.) gehört auch in ihre reihe, zeugt aber kein praet. fráíh- nôda, sondern nimmt es vom stamme fraíhan diese verba laßen in die wortbildung etwas tiefer schauen. Wo sich das ableitende -n so innig zur wurzel fügte, daß eine ablautsformel aufkommen konnte, entsprang ein völlig starkes ver- bum, z. b. ur. 111. ahd. chînan, chein, während im goth. viel- leicht die nachwirkung der ausgeworsnen s. (vorhin s. 147. note) ein praet. káin hinderte und nur keinôda verstattete. Die vermu- theten skairnan, kairnau, hairnan, fairnan, nr. 612-615. würden ebenso entspringen. Aber in den meisten fällen, z. b. svinþnan, fullnan, gutnan konnte sich das -n nicht eng anschließen, folglich kein neues starkes verbum ablautmäßig gestaltet werden. Die Augelsachsen duldeten aber sogar ein starkes frägn, fran (1, 910.) . — Wenn auch einige ahd. verba ein solches ableitungs- an besäßen (1, 887.) so steht doch bis jetzt ihr starkes praes., noch weniger ihr praet. auf anôta nicht zu erweisen, ja sie scheinen dritter schwacher conj. — β ) schwache verba erster conj. ; hier steckt das -n , an immer schon im nomen etc. aus dem sie abgeleitet werden. goth. ïb-njan (aequare); haúr-njan (tuba canere); láug-njan (insiciari); rah-njan (computare); für rak-njan? rig-njan (pluere); svêg-njan (exultare). — ahd. dur-njan, pi-dur-njan (spinis cingere) O. IV. 23, 11.; kak-anjan (obviare) K. 57 b O. IV. 5, 36. N. 73, 4.; III. consonantische ableitungen. N. leis-anjan (vestigium premere, imitari) K. 25 a 28 b leisanonti K. 28 a wohl fehler f. leisananti? übrigens gehört leisanan sicher zur wurzel 510 und folgt aus dem subst. leisan (später leisa); aber lir-nên (discere) aus lisanên? darf zu 510. oder 290. geschlagen werden. ; louk-anjan (negare) jun. 215. fir-loug-nen O. V. 25, 25; pouhh-anjan (lignificare) bouh-nan J. bouh-nen O. I. 9, 47. in-bouch-init (significatum) doc.; ki-pir-njan (erigere)? gi-pirnen, pi-pirnen mons. 359. 364. 391. vgl. aug. 126 a ; rah-anjan (spoliare)? einziger beleg Hild., wo bi-hraha- nen, doch alliteration (rëht, rauba) und das altn. ræna verurtheilen die anlautende spirans; rahh-anjan compu- tare) ein von dem vorigen ganz verschiedenes verbum, das ich nicht belegen kann, sondern bloß aus dem subst. rechnunga (dispensatio, computatio) gl. doc., mhd. reche- nunge Barl. 369. folgere, es wird später rahnan, rech- nan gelautet haben, ein rahhinôn anzunehmen verbietet das goth. rahnjan; pi-spur-njan (offendere) T. 15, 4. spur- njan mons. 325., vgl. pi-spurn-ida (offenfio) mons. 389. bei O. fir-spirnen I. 2, 30. 23, 60.; pi-tar-njan (conster- nare) jun. 174. alts. bi-der-njan; trucch-anjan (siccare) mons. 408. 411.; ki-wah-anjan? (mutire, memorare) doc. 216 a giwahannen, mons. 387. part. giwahinit [das nomen wahan nicht nachzuweisen, stamm nr. 102.]; war-njan, wer-njan (recusare)? Hild. warnê (deneget) alts. gi-wernjan (denegare) mnl. wernen, Rein. z. 190. ; zeihh- anjan (consignare) zeihhannê (consignet) K. 41 b ; zuir- njan (torquere fila); zur-njan (indignari) mons. 363. 364. O. IV. 30, 11. — ags. bŷc-nan (innuere) neben bŷc-njan, beác-njan; dyr-nan (occultare); ëf-nan (praestare); ät-spyr-nan (cespitare); vyr-nan (denegare). — altn. geg-na (respondere); hëf-na (vindicare); nëf-na (nominare); ræ-na (spoliare); rig-na (pluere). — mhd. ver-dür-nen (sepire); be-geg-enen; hür-nen Trist.; er-kir-nen (enucleare); loug-en (f. loug-enen; we- gen des fehlenden umlauts 1, 951.) Nib. 5028. Parc. 17874. Barl. 269. 280. Geo. 38 a ; rech-en (rechente, computare); ûf-weg-enen (imponere currui) Nib. 3897; zür-nen Parc. 86 a Barl. 16. 24. 118. 199. — nhd. be-gêg-nen; ker-nen; leug-nen; er-wæh-nen; rech-nen; zür-nen. — γ ) schwache verba zweyter conj. auch hier wird das -an vorausgesetzt. III. consonantische ableitungen. N. goth. nur þiud-anôn (regnare), — ahd. ar-nôn (me- tere) O. II. 14, 217; vir-dam-ôn (damnare, fremdes wort); dëk-anôn (militare) jun. 258; ell-anôn (aemulari) ell-inôn mons. 365; ëp-anôn (sternere, aequare) mons. 338. 345. 357; has-anôn (polire) jun. 184. 210; int-lêh- anôn (foenerari) mons. 337. 396; mak-anôn (valere)? ich finde nur nach der in -form: upar-meg-inôn (praevalere) jun. 217; of-anôn (aperire); rëk-anôn (pluere) J. 351; sam-anôn (congregare); sëk-anôn (benedicere) T. 152; veihh-anôn (insidiari) feih-nôt hrab. 969 a , vêh-nôt T.; wâf-anôn (armare); war-nôn (custodire, defendere); wër- nôn (? haerere, latere) O. III. 20, 329; zeihh-anôn (sig- nare) T. 82. aus halftanôd (medietas) truganôd (apocrypha) truganari (deceptor) ließe sich halftanôn (dimidiare) trukanôn (fallere) schließen, deren -an nicht ursprünglich im nomen zu liegen scheint; oder gebührt ihnen -inôn? Aus dem selbst dunklen wë- danôdi? (venalia) folgere ich lieber nichts. — mhd. [mit-en für -enen bei langer wurzelsilbe] ar-nen; ver-dam-nen; ëb-enen; off-en (of- fente); rëg-enen; sam-enen; wâf-en (wâfente); war-nen; be-zeich-en (zeichente, significare) Barl. — nhd. verdam- men; êb-nen; öff-nen; rêg-nen; waff-nen; war-nen; zeich-nen. — δ ) schwache verba drittèr conj. goth. nur maúr-nan (moerere). — ahd. scheide ich zwei arten 1) solche, deren -an, -n im nomen liegt: louk- anên (repellere) verschieden von louk-anjan? gl. doc. louganêta?; ar-trucch-anên (arescere) hrab. 957 a O. II. S, 98. scheint die lesart drukanên (sitire) vorzügli- cher als drunkanên (ebriari). ; ar- vir-nên (senescere). 2) solche, wo es erst mit der ver- balableitung zu entspringen scheint, die also den unter α . angeführten goth. gleichen: lir-nên (discere); mor-nên (moerere); përaht-anên (splendere) vgl. përahtannet (-anêt?) clarum (fit?) hrab. 951 b ; stor-nên (stupefieri) vgl. stornêntên (attonitis) mons. 351; storh-anên (rigescere) jun. 216. vgl. goth. staúrknan (nicht staúrknjan); tërh- anên (palliare, colorare, dissimulare)? doch stehet mons. 386. -init f. anêt, hingegen -êta 326. -êt 373. 378. 377. 389, tërchnê (palliat, wohl palliet?) aug. 124 a , vielleicht e statt ë in der wurzel? vgl. tarchneta mons. 326; wës- anên, wës-nên (marcescere; (flaccere) mons. 334. — mhd. lër-nen; schat-nen (umbrare) Gudr. 4 a ? vielleicht schat- III. consonantische ableitungen. N. wen; nhd. ler-nen; in volksdialecten noch andere auf -nen (Schm. §. 1068.) meist unorganische. — zu γ. δ ) ags. und altn. fallen conj. 2. 3. zusammen, auch hier unterscheide ich das früher vorhandene -n von dem neuhinzutretenden: ags. 1) beác-njan (nutare) engl. beck-en; bys-enjan (exempl. dare); eác-njan (concipere); el-njan (aemulari); gäm-enjan (joculari); ge-mäg-enjan (stabilire); tâc-njan (signare); ge-þëg-enjan (ministrare); ge-væp-njan (armare). 2) bros-njan (corrumpi); gnor- njan (lugere); mur-njan (moerere); vis-njan, vëos-njan (arescere) schott. wizz-en. — altn. 1) fôr-na (immolare); iaf-na (aequare); lîk-na (parcere); rag-na (diis dicare); saf-na (congerere); sof-na (indormire); stir-na (micare). 2) bat-na (meliorescere); biart-na (albescere); blik-na (pal- lescere); blot-na (madefieri); brâd-na (liquescere); brot-na (frangi); dofna (marcescere); fag-na (gaudere); föl-na (pal- lescere); glap-na (deficere); glûp-na (tristari); grât-na (flere); hag-na (prodesse); hard-na (indurescere); hit-na (calere); hnig-na (decrescere); hnip-na (moerere); kaf-na (suffocari); kôl-na (frigescere); los-na (solvi); qvik-na (reviviscere); rak-na (respirare); rod-na (rubescere); sak-na (deside- rare); sort-na (nigrescere); stik-na (torreri); þag-na (con- ticescere); vak-na (expergisci); vik-na (mollescere); vis- na (arescere) u. a. m. Die meisten scheinen zwar aus adj. leitbar, doch nicht alle, weshalb ich sie, gleich den gothischen, lieber auf den starken stamm zurückführe, z. b. hitna, hnigna, stikna, vikna auf hîta, hnîga, stîka steikan, stáik, stikun (wovon auch altn. steika, torrere) kann nr. 513 b eingeschaltet werden. , vîka; kôlna auf kala etc. — [IN] goth. ahd. altn. -in: ags. -en; später ahd. wie mhd. -en , oder tieftoniges -ìn . 1) substantiva α ) starke masculina ; goth. him-ins (coelum); kind- ins ( ἡγεμών ); maúrg-ins (mane). — ahd. moh-in, mô-in (moenus); truht-in (dominus) oder truht-în? hier ist über kürze oder länge des i schwer zu entscheiden, da das wort im goth. fehlt und das ags. -en, altn. -inn, so wie Notkers -en (truht-en 24, 8.) bald für-în, bald für -in stehen. — ags. dryht-en (dominus); vielleicht sëg-en (labarum) III. consonantische ableitungen. N. lieber hierher, als zur an-form, weil jun. 373. segin ge- schrieben steht? — altn. drôtt-inn (dominus); morg-inn; ôd-inn; wie es scheint unorganisch, weil der umlaut fehlt. — mhd. trëht-en (dominus) bei einigen, bei an- dern trëht-în (1, 368. 370.) — β ) starke feminina; goth. das einzige faír-ina (sce- lus). — ahd. nach erster decl. chuhh-ina (culina); lew-ina (torrens) jun. 228; lug-ina (mendacium); mist-ina (ster- quilinium) mons. 346. schwach decliniert; red-ina (ratio) O.; seg-ina (sagena) T. 77; skug-ina (tugurium) doc.; scëll- ina? (tintinnabulum) mons. 385; vir-ina (scelus) jun. 192; wirt-ina (virodunum) gl. trev. — nach vierter aber eine menge aus masc. geleiteter feminina (wovon mehr cap. VI.) z. b. pir-in (ursa) in alten eigennamen häufig, auch wei- ter zus. gesetzt: adal-pirin, wolf-pirin, kêr-pirin, as-pi- rin etc.; vora-sak-in (fatidica) forasagin O. I. 16, 5; chnët- ar-in (pistrix); zamar-in (domitrix) zwetl. 120 a etc. Auch hier bin ich unschlüßig zwischen -in und -în, doch mehr zu der kürze geneigt, wegen der alten contraction des pirin in pirn (Waltharius 122. 366. os-pirn); N. hat -en (herzog-en, chuning-en) und flectiert eigenthümlich (1, 631.) vgl. unten die ableitungen -inna , auch 1, 631. 7, α die fem. auf -î, welche im plur. -in entwickeln, die aber nicht auf N. zu beschränken sind, denn salz-sutî (salina) mons. 337. 349. 397; gen. pl. salz-sutino 327; purdî (faseis) mons. 334. 351. purdinon (sasci- bus) 405; vermuthlich auch hartî (scapula, im gegensatz zu weihhî, lumbus) untar hartinum (inter scapulas) gl. cass. 853 b ; mhd. diu herte Nib. 3623. Unsicher ist daher das angegebene scëllina aus dem bloßen dat. pl. scëllinun zu schließen, zumahl mhd. schëlle gilt, Trisi. 15851. — ags. byrð-en (onus); fir-en (crimen); mix-en (sterquilinium); myl-en (mola) und dann auch movierte feminina, z. b. þin-en (ancilla, f. þëgen-en); þëóv-en (serva) vil-en (mancipium, f. vilh-en, vëalh- en, eigentl. wallica, vom masc. vëalh, welscher, d. i. dienst- barer) etc. — altn. gehört nichts hierher, die fem. wer- den anders moviert, z. b. jenes pirin heißt birna und de- cliniert schwach merkliche abweichung der mundarten, ahd. përo (ursus) pirin, pirn (ursa); altn. biörn (ursus) birna (ursa); doch von dem ahd. përn (ursus), vorhin s. 156. würde das fem. pirnin lauten. . — mhd. erster decl. ket-ene (catena) Trist., aber Kolocz 177. këten: gebëten; küch-en (culina) Nib. 3849; lüg-ene Nib. 8227; mett-en, met-ine (matu- tina) Nib, 4031. 5012. Die movierten fem. vierter decl. III. consonantische ableitungen. N. schwanken zwischen -in und -în, ja sie gehen häufig in die form -inne über. Beispiele des -ìn: gest-ìn Parc. 128 a ; vürst-ìn, herzog-ìn Geo. 1 a. b. ; wesch-in (lotrix) Gudr. 4847. 4892 zwar nicht im reim, aber diese hs. schreibt -ein f. în; die zweite form wescher-in 4850. 5100. 5179. 5436. rührt vom masc. wescher, oder waschære, hingegen wesch-in vom masc. wesch-e (ahd. wafcjo); eine dritte ist wesch-inne (misc. 2, 164.); eine vierte wesch-e (ahd. wascja) misc. 2, 163. 164. ; gell-in (pellex) Herb. 106 h ; bei- spiele des -în: wirt-în Parc. 89 c Wigal. 8657; vâlent-în Wigam. 3 b etc. mundartlich ist der unterschied nicht, beide formen wechseln hinter einander ab, z. b. küneg- ìn und küneg-în Parc. 104 b ; vgl. auch lins-în (lens) Reinh. 1485. Das unbetonte, notkerische -en ist aber im mhd. ungebräuchlich. — nhd. gilt einförmiges tieftoniges ìn, z. b. bær-in, wirt-in, könig-in, wäscher-in etc. weder -ein, noch -inne (obwohl einige -inn für -in schreiben), tonloses -en nur in gemeiner volksaussprache, z. b. kö- mg-en, amtmänn-en etc. Die mhd. fem. erster decl. haben das -en ganz weggeworfen: luͤg-e, kett-e, küch-e, mett-e, mist-e, schell-e. — γ ) starke neutra , goth. áig-in (proprietas); rag-in ( γνώμη ) Philem. 5, 14. — ahd. and-in (frons, -tis) J. 394. 407; für eik-in gilt ge- wöhnlich eik-an; mek-in (robur) häufiger als mak-an; makad-in (puella) magat-in T. oder magat-în?; pecch-in (pelvis) bekin O. IV. 11, 27; rak-in, rek-in, reg-in, nur in compos. wie regin-vrid, regin-hart, regin-heri, re- gim-pald etc. — ags. mæd-en, gen. mædenes (puella) f. meged-en; meg-en (robur) seltner als mäg-en. — altn. meg-in (vis); reg-in plur. (dii motores). — mhd. entschie- den maged-în, meged-în mit langem vocal; beck-en (pel- vis) kann ich nicht belegen, vielmehr stehet becke Iw. 583. 624. — nhd. beck-en (pelvis). — engl. maid-en; mai-n. — δ ) starke masc . auf -inî . goth. nur rag-ineis (consiliarius); denkbar wären auch áig-ineis, faír-ineis. — ahd. so wenig vir-inî (homo sce- lestus) als oben s. 161. asanî, oder s. 125. pluostarî; son- dern vir-inârî, jun. 246. (wie asanârî, pluostarârî). — altn. læk-nir (medicus) goth. leikeis, uicht leikineis. . III. consonantische ableitungen. N. ε ) starke masc . auf -in-assus . eine mehrfache ableitung, die nur im goth. stattfindet, und woraus sich die unorganischen feminina und neutra auf -nassi, -nussi, -nissi im ahd. etc. entwickelt zu haben scheinen. Näheres folgt beim SS. Alle hierher fallenden goth. subst. hängen wohl mit verbis auf -inôn zusam- men: blôt-in-assus (cultus sacer); gudj-in-assus (sacerdo- tium); hôr-in-assus (adulterium); kalk-in-assus (fornica- tio); leik-in-assus (medicina); þiud-in-assus (imperium) letzteres vielleicht für þiud-an-assus von þiudanôn (nicht þiudinôn), die analogie der übrigen -inassus überwog. — Andere laßen sich vermuthen: fráuj-in-assus (domina- tio); fag-in-assus (gaudium); kind-in-assus (praefectura) etc. — 2) adjectiva , kaum einige: goth. fag-ins (hilaris)? oder fah-ins? vgl. nr. 309; auch das ahd. vag-in? unerweislich, nur in alten eigennamen wie fagin-mar, fagin-hilt, fagin-olf, fegin-olf (analog gaman-olf) zu vermuthen; vorhanden aber ags. fäg-en, feg-en; engl. fai-n; altn. feg-inn. — goth. fulg-ins (oc- cultus) welches der form nach kein partic. sein kann (1, 1009.) aber in andern dialecten seines gleichen nicht findet. — Nähere prüfung bedarf, ob man eine menge altn. scheinbarer adj. bildungen auf -inn, wie fell-inn (spissus); hygg-inn (prudens); gleym-inn (obliviosus); ið-inn (solers); þyrr-inn (aridus) etc. (Rask §. 366, a.) für organisch halten könne, oder ob sie eigentlich schwache participia praet. seien, die das -inn der starken angenom- men haben? vgl. 1, 1009. 1034. Einige, wie þyrr-inn, froek-inn (audax) neben froek-n deuten vielleicht auf nichts, als auf die zweite adj. declination. — 3) verba , bloß zweiter schwacher conj. (weder erster, noch dritter). goth. fag-inôn (gaudere); fráuj-inôn (dominari); hôr- inôn (adulterari); gudj-inôn (fungi sacerdotio); leik-inôn (sanare Luc. 6, 7. passive sanari Luc. 5, 15. 8, 43.); zu vermuthen sind: blôt-inôn, kalk-inôn etc. — ahd. alt-inôn (dissimulare, differre) K. 21 b 22 a jun. 203. mons. 403. 409; dio-nôn (servire) scheint verkürzt aus diow- inôn (vgl. fráunjinôn); ell-inôn (aemulari) mons. 365; hahs- inôn (nervum praecidere) aug. 120 a ; hep-inôn (tractare) mons. 357. 367. int-hep-inôn (sustentare) doc.; karm-inôn (in- cantare) aus karminôd, germinôd (incantatio) und germinari (incantator) gefolgert; kird-inôn (cupere) T. 97.; kliz-inôn III. consonantische ableitungen. N. (micare, flavescere, vibrare) jun. 173. doc. 207 a 205 a (wo f. chizinot zu lesen clizinot) mons. 347. (wo Pez dizinot aus clizinot gemacht hat); lâhh-inôn (mederi) doc.; upar- mek-inôn (praevalere) jun. 217; ord-inôn (ordinare) T. pip-inôn (tremere) bib-inôn O. IV. 34, 1; purd-inôn (one- rare) O. I. 5, 121; red-inôn (ratiocinari); riuƷ-inôn? (la- cerare) doc. 245 a ; uff-inôn (promere)? jun. 205; vest-inôn (sirmare); weid-inôn (pasci) doc. weid-enen W. 1, 7; wîƷ-inôn (damnare) jun. 190. 220. mons. 369. blas. 5 b . — ags. fäg-enjan (blandiri); glis-njan (coruscare); glit- njan (micare); lâc-njan, læc-njan (sanare); vît-njan (pu- nire). — altn. wegen syncope des i kaum zu erkennen und etwa nur durch den umlaut von den s. 170. verzeichneten auf -na zu unterscheiden: el-na (maturescere) freg-na (interrogare) læk-na (mederi). — mhd. [bei langer wurzel -en f. -enen] bib-enen (tre- mere) misc. 1, 41; bürd-en (bürdente) cod. pal. 361, 7 d ; die-nen; ord-en (praet. ordente); schmeich-en (schmei- chente nicht smeichete; vgl. das subst. smeichenære (oben s. 129.) , adulari); vest-en (vestente). — nhd. die-nen; ord-nen. anm . die wenigsten verba auf -inôn setzen ein sub- stantives -in voraus (faginôn, redinôn; bei ellinôn, me- ginôn scheint die richtigere form -anôn). Einigemahl kann das plural-in der fem. eingewirkt haben, z. b. in purdinôn u. a. Meistentheils tritt jedoch -in mit dem verbo neu auf und bezeichnet neutra, aber verschiedenes begriffs von den s. 169. verhandelten auf -anên. Aus den verbis -inôn müßen die organischen subst. auf -in- assus, -in-arî, -in-unga abgeleitet werden, wiewohl sich später auch unorganische -nissi, nære (s. 129.) -nunge bil- deten, die ich auf kein -inôn zurückführen mag, z. b. das mhd. barmenære nicht auf barmen = barmenen, da es umlautend heißen müste barmenen. — [UN] eine ableitung, von der nur die letzten spuren zu erblicken sind. Das goth. taíh-un (decem) ist ahd. schon zëh-an und niun (novem), welches auch ahd. niun lautet, läßt sich nicht ganz auf dieselbe reihe setzen, weil sich der wurzel-consonant mit der ableitung verschmolzen hat (niun fuͤr nivun, niuwun? vgl. novem); doch sib-un III. consonantische ableitungen. N. (septem) lautet auch ahd. noch sip-un. Ein deutliches fem. -uni findet sich im goth. laúhm-uni (fulgor) Luc. 10, 18. und glitm-uni (splendor), welches aus glitm-unjan (splendere) Marc. 9, 3 sicher folgt. Beide wörter sind mehrfach abgeleitet, nämlich ahd. klizamo beweist ein goth. glit-ma, mithin würde die ahd. volle form für glit-m-uni lauten kliz-am-uni. Statt lauhamuni haben aber die hymn. vet. lauhmoni (Schilt. 530 b ) falls es mit diesem eitat richtig ist; denn Junius ad W. p. 173. führt aus hymn. II, 3. laugînêm radum, flammeis rotis, an und dieselbe stelle im gloss. goth. v. lauhmôni; nirgends lauhmoni als ahd. wort. und selbst bei Ulf. gehet -uni über in -oni, das nicht wohl -ôni sein kann, vgl. lauhmoni Luc. 17, 24. Ferner zu mer- ken ist das goth. neutr. faírg-uni (mons, terra montana), womit mir das altn. fem. fiörg-yn (terra) und das ags. firg-en einerlei scheint, letzteres hat sich nur in den comp. firgen-gât (capra montana) firgen-bucca (ibex) firgen-streám (wilder bergstrom) Beov. 103. 159. firgen- beám (arbor silvestris) firgen-holt Beov. 106. 107. be- wahrt. Die vermuthl. ahd. form würde vërakuni, vëra- guni, vërguni lauten in Schwaben hieß ein alter gau (an der jaxt, unweit El- wangen) die virgun (Crusius dodec. 1, 305. tractus virgunensis) auch virgunt; vgl. Wolfr. Wilh. 175 a : der swarzwalt und diu vërgunt. . Gehört das verdächtige ahd. scaftr-uni (semissis?, vielleicht amussis) jun. 226. hierher? die übrigen sprachen haben nichts dergleichen. — Einige ahd. fem. auf -unna scheinen sich zu -un zu verhalten, wie die auf -inna zu -in ; mehr davon beim NN; wich- tiger ist, daß verschiedene an -formen organische -un ge- wesen sein mögen, namentlich das ahd. irm-an, ërm-an, verglichen mit altn. iörm-un und bestätigt durch den volksnamen ërmun-duri, hërmun-duri (= irmen-dure, ërmen-dure). So wechseln auch im ags. ëot-on, gëof-on, hëof-on, fâc-on mit ëot-en, gëof-en, hëof-en, fæc-en. Das schwanken altn. fem. zwischen elj-an und elj-un etc. wurde s. 159. angemerkt, doch scheint dabei -an die ältere form, Rask §. 162. — [EIN] goth. -ein , ahd. -în (bei N. auch schon -en) alts. -in , ags. -en , altn. -inn , mhd. -în , -en , nhd. -en, III. consonantische ableitungen. N. -n; eine hauptsächlich im adj. fruchtbare ableitung, sehr wenigen subst. und gar keinen verbis eigen. 1) substantiva. goth. nur das fem. all-eina (ulna), ein ahd. ell-îna kann ich nicht beweisen, das altn. al-in hat die besonderheit, den wurzelvocal zu verlängern, so oft das i der ableitung durch die flexion wegfällt, gen. âlnar, nom. pl. âlnir (Rask §. 162.) Weder goth. masc. auf eins , noch neutra auf -ein , ob sich ahd. -în (wenigstens unorganische für -in ) annehmen laßen, bleibt unausge- macht. Mhd. finden dergleichen -în allerdings statt (vgl. oben s. 171.) — 2) adjectiva auf ein , -în werden in der regel von einem subst. geleitet und be- zeichnen etwas daraus bestehendes oder gemachtes; zu- weilen treten jedoch andere bedeutungen ein, ja die ahd. sprache scheint solche adj. auch aus andern adj. bilden zu können. gothisch, α ) den stoff drücken aus: bariz-eins (hordea- ceus); silubr-eins (argenteus); eisarn-eins (ferreus); fill- eins (pelliceus); þaúrn-eins (spineus). β ) andere bezie- hungen: áiv-eins (aeternus); ga-láub-eins (fidelis) Tit. 1, 6; liuhad-eins (lucidus); riqviz-eins (obscurus); sint-eins (perpetuus, von einem verlornen subst. abgeleitet, schwer- lich sin-teins); sunj-eins (verax); seltsam ist das dem griech. text Joh. 12, 3. nachgebildete pistik-eins der übersetzer verstand νάρδος πιστική (trinkbare, flüßige narde) nicht und behielt das fremde wort, zu goth. adj. geformt, bei: Ein nacharbeiter erklärte es sich aus πίστις , daher die glosse filu- galáubis. . — ahd. α ) aus jedem wort, das gewächse, mineralien, elemente, bezeichnet, kann ein solches adj. gezogen wer- den; beispiele: eihh-în (quernus); hasal-în (colurnus); salah-în (populeus); rôr-în (arundinaceus); hagan-în (spi- neus); tenn-în (abiegnus); poum-în (arboreus); pinoƷ-în (scirpeus); alpar-în (populeus); girst-în (hordeaceus); weit-în (coeruleus); hulz-în (ligneus); stein-în (lapideus); chupfar-în (aereus); silipar-în (argenteus) îsan-în, îsn-în (ferreus); plî-în (plumbeus); ird-în (terreus) ërd-în N. 15, 3; hurw-în (luteus); dâh-în (testaceus) etc. ferner von andern stoffen: hâr-în (cilicinus); goto-wëbb-în (pur- pureus); âwirh-în (stupeus); purpur-în (purpureus); âdar-in, sënew-in (nerviceus); lîn-în (linteus); helphant- pein-în (eburneus); ziegal-în (lateritius) lust-în (aëreus) III. consonantische ableitungen. N. doc. 243 a ; loug-în (flammeus) hymn. 2, 3. viur-în (igneus) waƷ-ar-în (aquosus) etc. Von thieren, insofern speisen oder kleidungsstücke aus ihrem fleisch und sell bereitet werden, z. b. irh-în (hircinus) gl. cass. 854 b von irh (hircus)? vgl. mhd. irch amgb. 2 a und oefir. iren (gegerbt leder) Höfer h. v. ; pilh-în (glireus); hes-în (leporinus); mius-în (murinus); russ-în (equinus); scâf-în (ovinus); varr-în (taurínus) etc.; aus dem pl. auf -ir gezogen ist hrindir-în (bubalus) mons. 331; huonir-în (gallinaceus) doc. 220 a nach dem lat. adj. — β ) andere, sonst seltnere beziehungen wagt zumahl N. mennisc-în (humanus) 29, 13. 44, 5; bluot-în (sanguineus) 82, 7. fleisk- în (carnalis) 72, 26; vâr-în (insidiosus) hrab. 960 b ; lieht- în (lucidus) flectiert lieht-eneƷ (lucidum) N. 18, 9; êw- în (aeternus) T.; wîl-în (temporalis) T. 75, 2; vinkar-în (digitalis) vgl. oben s. 132. — γ ) folgenden liegen andere adj. auf -al, -il, -ali, -ili zu grunde: huoril-în (adulte- rinus, procax) mons. 339. 385. 397; luzil-în (paucus) O. V. 14, 10; ruomil-în (gloriosus) mons. 332; scamal-în (pudoratus, verecundus) mons. 356. 386. aug. 124 a ; pi- suîhhil-în (subdolus) hymn. 2, 10; vorskal-în (curiosus) jun. 188; zuîvil-în (dubius) O. V. 11, 67; und mehrere wären denkbar, wenn wir den eigentlichen gang und sinn dieser ableitung genan wüsten. Rühren sie unmittel- bar vom adj. her. so fragt sich welcher unterschied zwi- schen scamal und scamalîn, vorscal und vorscalîn, luzil und luzilîn sei? erhöht oder mindert die mehrfache ab- leitung den begriff. Wahrscheinlich ist noch ein zwi- schenliegendes subst. auf -alî, -ilî anzunehmen, z. b. sca- malî (verecundia) vorscalî (curiositas) luzilî (paucitas) und erst aus ihm das adj. auf -în zu bilden, so daß dann sca- malîn von scamalî, wie vârîn von vâra stammt und etwa ausdrückte, was wir heute mit: zusammengesetzt aus, voll von etc. umschreiben? vârînêr, voller betrug, vor- scalînêr, aus neugierde zusammengesetzter. Oder will man diese derivation für einen unorg. misgriff halten? wenigstens hat sie weder in andern deutschen mundarten, noch auch später im mhd. statt und man begreift nicht recht, warum sie auf l-ableitungen beschränkt bleibe? z. b. warum von sûpar oder sûparî nicht auch ein adj. sûparîn? — alts. bôm-in (arboreus) lîn-in (linteus); die kürze des i schließe ich aus dem altwestph. gërst-en (hordeaceus) neben gërst-in, even-in (avenaceus). — M III. consonantische ableitungen. N. ags. bloß materielle, keine der zweiten goth. und ahd. bedeutung gleiche: äsc-en (fraxineus); trëóv-en (arbo- reus); sëoloc-en, sëolc-en (sericus); bêc-en (fagineus); flëax-en (lineus); lîn-en (linteus); stæn-en (lapideus); gyld- en (aureus); silfr-en (argenteus); cyper-en, bräs-en (ae- neus); leád-en (plumbeus); tigel-en (fictilis); gläs-en (vi- treus); hyrn-en (corneus); fëll-en (pelliceus); vyll-en (laneus); fŷr-en (igneus); bër-en (ursinus); gæt-en (ca- prinus); svîn-en (porcinus); yter-en (lutrinus) etc. — altn. nur materielle und dazu auf das mineralreich be- schränkt: gyll-inn (aureus); sylfr-inn (arg.); stein-inn (lapideus); send-inn (arenosus); bei Biörn finde ich keine von gewächsen noch thierischen stoffen geleitet, doch Sæm. edda 232 b birk-inn (betulinus). — mhd. α ) materielle: lind-în (tiliaceus) Karl 57 a ; rœs-în Trist. 130 c ; distel-în, ibid.; îw-în (taxeus) Parc. 118 a ; bluern-în Parc. 56 b 93 c 184 c ; rœr-în (arundineus) Parc. 81 a ; best-în (corticeus) Parc. 61 c ; hæber-în (avenaceus) Parc. 63 c ; weit-în (coeruleus, d. h. von weit, guastum) Parc. 185 c ; dürn-în (spineus); esch-în (fraxineus); eich-în (quernus); viol-în (violaceus) schmiede 68; hülz-in (ligneus) cod. pal. 361, 12 b ; tübel-în (ex asserculis, funiculis confectus? vgl. tübel Frig. 10 a ) Wilh. 2, 184 a ; viur-în a. Tit. 123; güld- în; filber-în; küpfer-în; êr-în; vëls-în Mar. 188; mer- mel-în; gles-în (vitreus) Parc. 149 c ; stein-în; spiegel-în Parc. 168 a ; kërz-în (cereus) Parc. 154 a ; îsen-în (ferreus) MS. 2, 175 b ; îser-în fr. de bello sar. 3953; schirb-în (te- staceus) M. S. 2, 175 b ; leim-în (fictilis) Geo. 358 a ; hær-în Parc. 106 a ; hürn-în (corneus) Parc. 188 a ; pfellel-în Roth. 14 b En. 128. 1277; eiter-în (venenatus) Trist. 14926; pfæw-în Parc. 145 a ; lider-în Parc. 31 b ; merder-în Parc. 142 a ; visch-în Wig. 809; zöbel-în Parc. 68 c ëber-în Reinh. 2015; hirƷ-în Reinh. 2029; schæf-în MS. 2, 191 b ; samt vielen andern, mit dem pl. auf -er ist gebildet kel- ber-în (vitulinus) Parc. 30 c ; rinder-în (bovinus); cod. pal. 341, 123 a steht: hâr krûs, reit, vleder-în, (volitans)? oder vëder-în? — β ) andere beziehungen sind selten: menn-în (virilis) MS. 2, 161 b ; vröuw-în (femininus) Trist. 6447, vröuwîne hende, fräuliche hände, materiell ge- braucht wird es daselbst z. 9229. 11518. diu vröuwîne schar, die aus frauen bestehende; wülv-în (lupinus, ferus) von gebärden, sitten, blicken, die die eines wolfes sind, Mar. 150. 219. fr. d. bell. 763. 4131; geist-în (spiritualis) S. Anno 25, doch läßt sich auch erklären: besteht aus dem geist. — Ob alle diese mhd. adj., wie ich angenom- III. consonantische ableitungen. N. men habe, umlauten, ist noch genauer zu prüfen, we- nigstens scheinen gute hss. ohne umlaut zu lesen: bluo- mîn, pfâwîn, vrouwîn, rôsîn, marmelîn, hornîn, zobe- lîn. Selten verkürzt sich das -în in tonloses -en , doch gibt es beispiele, Herb. 54 b steinen (lapideus): weinen. — nhd. ist diese ableitung beschränkt, auch formell ge- sunken, dem mhd. -în entspricht kein -ein, sondern -en , bei vorausgehendem bildungs-er bloßes -n . Der umlaut hört auf. Außer der materiellen findet keine weitere be- ziehung statt. Beispiele: eich-en; tann-en; gold-en; sil- ber-n; eiser-n; eher-n (f. ehr-en, êr-en); kupfer-n; me- tall-en; ird-en; woll-en; seid-en; lein-en; tûch-en; lê- der-n; hanf-en. Mit paragogischem plural-er und davon abhängigem umlaut sind geleitet: hölzer-n; dörner-n; hör- ner-n; bretter-n; gläser-n; und diese -er-n sowohl als die in silb-er-n, kupf-er-n etc. für -ern nehmend, hat man misgegriffen und ein unorg. bein-ern; stein-ern; thœn-ern; wächs-ern (cereus); flächs-ern; stähl-ern; mes- sing-ern; für bein-en, stein-en etc. eingeführt; das ge- meine volk wagt selbst: gold-ern, tûch-ern etc. Viele sind abgestorben, z. b. es läßt sich nicht mehr sagen: blûmen, rôsen, linden, disteln, feuern etc. ebensowenig von thierfleisch und pelzwerk ein solches adj. brauchen; nur oberdeutsche volksdialecte haben in diesem sinne: lämmern, kälbern, schweinern, schæfen etc. behalten. — nnl. keine solche verwilderung, sondern regelfestes -en: ârd-en (terreus): glâz-en (vitreus); îzer-en (ferreus); bên-en (osseus): goud-en; zilver-en; hout-en (ligneus); hennip-en (cannabinus); gerst-en (hordeaceus) etc. — engl. nur wenige: ash-en; beech-en; braz-en; flax- en; glaz-en; gold-en; lead-en; silk-en; wood-en; wooll- en. — allgemeine anmerkung: es liegt in der natur dieser ableitung, insofern sie ganz unmittelbar vom subst. ent- springende adj. zeugt, daß aus ihnen nicht wie aus an- dern adj. adverbia, feminina auf -î und verba gebildet werden können. Aus ahd. ëpan fließt z. b. ëpano (ae- qualiter) ëpanî (aequalitas) ëpanôn (aequare); allein aus hulzîn weder hulzîno, noch hulzînî, noch hulzînôn. Sie leiden eigentlich auch keine steigerung (cap. VII.); wo stünde ein hulzînôro, hulzînôstêr zu lesen? gerade so bilden die latein. auf -eus, -aceus weder ein adv. auf -e, -iter, noch werden sie compariert, (woran nicht ge- . Sie sind M 2 III. consonantische ableitungen. N. wenn ich so sagen darf, substantivischer als andere ad- jective; daher sie auch die spätere sprache als etwas zu rohes gern fahren läßt und den begriff mit dem substan- tiv componiert, z. b. jenes mhd. vrouwîne hende, vrou- wîniu schar drücken wir nhd. aus: frauen-hände, frauen- schâr die französ. sprache hat alle materiellen adj. aufgegeben und umschreibt: d’or, d’argent, de fer, de soie, de laine etc. Im grunde werden auch, wie mich Benecke lehrt, die angeführten engl. adj. heutzutag nicht mehr materiell, sondern nur figürlich gebraucht, brazen für unverschämt, silken für weich, lea- den, wooden für schwerfällig etc. Aus gleichem grunde sind nhd. viele dieser sinnlichen adj. ausgestorben, die noch mhd. bestanden. . Doch alsdann, wann das -în andere (unter β verzeichnete) beziehungen ausdrückt, fallen solche schranken weg, d. h. adverbium, comparation etc. sind verstattet, wie gleich das goth. sinteinô (semper) lehrt und ein êwîni (aeternitas) bei T. kann ich mir denken. — [OON] -ôn, wird sich kaum als ableitung beweisen laßen. In betracht kommen die goth. subst. sip-ôneis (discipulus) und láuhm-ôni. Jenes, samt dem daraus ent- sprungenen verbo sip-ônjan, steht im cod. arg. zu häufig, und wird nie mit kurzem u geschrieben, als daß sich die länge des vocals bezweifeln ließe. Eher zweifelhaft ist mir die deutschheit des worts in der vorrede zu Wuks serb. gramm. p. II. habe ich sei- nen zus. hang mit dem slav. shupan (dominus, nobilis, junior) aufgestellt. [Bemerkenswerth der eigenname Siboni in Oestreich, vgl. morgenblatt 1818. nr. 3.] Otfried nennt Christi jünger thëganâ und das ahd. chnëht bedeutet puer, minister, nobilis, miles. . In láuhmoni hingegen scheint das o allerdings für kurzes u gesetzt, s. vorhin s. 175. — Ahd. nehmen die adj. zur bezeichnung der weltgegenden ein -ôni in anspruch, wobei das ô, wie in den flexionen -ô, ôn, einem älteren (gothischen) ô treu- geblieben, d. h. nicht in ahd. uo übergetreten sein mag allmählig wird freilich das ô gekürzt worden sein, wie aus dem nordruni doc. 244 a zu schließen; T. 75, 5. sogar sundi- rinu (so die s. gall. hs.) australis, nom. sg. sem. für sundarônu. . Die namen sind bei Eginhard (vita Caroli cap. 29.) er- halten: ôstr-ôni (orientalis); wëstr-ôni (occidentalis); sundr- ôni (australis); nordr-ôni (borealis) und dann die compo- rade der mislaut schuld ist, da man von idoneus, tenuis, arduus etc. idoneior, tenuior, arduior findet); nhd. wagen wir freilich: der goldenste und: sich hölzern benehmen; aber ist es gut deutsch? III. consonantische ableitungen. N. sita: ôst-sundr-ôni, sund-ôstr-ôni etc. vgl. auch gl. mons. 367. wëstiordrônun (l. wëst-nordrônun) chorum; gl. blas. 76 a ôstrôno-wint (l. ôstrôni-wint), sundrôni-wint, wëstrô- no-wint (l. -ôni), nordrôni-wint. Volle form wäre: ôsta- rôni, wêstarôni, sundarôni, nordarôni, nämlich die adv. ôstar, wëstar, sundar, nordar zum grund gelegt, die aber eigentlich bedeuten: versus orientem etc., denn ab oriente heißt: ostana, ab occidente: wëstana, wie bei den adv. ausgeführt werden wird. Inzwischen kommt mhd. ost- ern, wëst-ern (für oster-en, wëster-en?) statt osten, wë- sten vor, vgl. Wig. 10882. MS. 2, 10 a . Alts. gilt noch voll ôstrôni, northrôni etc. die heil. drei könige keißen ërlos ôstrôniê (viri orientales). Die ags. adj. lau- ten schon sämmtlich -ern (für -er-en, er-ôn, er-êne?): eástern, wëstern, sûðern, norðern und ebenso engl. ea- stern, western, southern, northern. Alterthümlicher das altn. austr-œnn, vëstr-œnn, suðr-œnn, norr-œnn (f. norðr- œnn), welches œ umlaut des ô (folgl. nicht æ zu schrei- ben) mithin -œnn dem ahd. ôni völlig parallel ist. Al- lein aus dem altn. entsteht ein anderes bedenken gegen die adj. ableitung -ôni, es scheint gar keine ableitung, sondern eine zus. setzung mit -rôni (-ruoni?) -rœnn im spiel, nämlich nach analogie von ald-rœnn, al-rœnn (humanus) ein-rœnn (difficilis) haf-rœnn (pelagicus) fiall- rœnn (montanus) anzunehmen aust-rœnn etc. also ahd. ôsta-rôni oder ôst-rôni? vgl. Rask §. 375. Damit ver- schwände auch der anstoß, daß ostrôni die richtung her, und nicht hin, bezeichnet, Gleichwohl gestehe ich, daß ich das ableitende -ôni noch nicht für ganz wider- legt halte. Das ahd. -rôni gewährt keinen sinn und selbst das von Biörn aufgestellte altn. rœnn (similis) scheint mir bloß aus eben jenen adj. abstrahiert. Und will man undrœnn (absurdus) nicht lieber aus undr-œnn deuten als durch und-rœnn? Das r in fiallrœnn, hafrœnn ließe sich vielleicht auch anders erklären oder für unorganisch? Uebrigens bildet die altn. sprache aus diesen adj. die fe- minina: austrœna (aura orientalis) norrœna (aura bo- realis, auch: lingua borealis); hafrœna (aura pelagica) fiallrœna (aura montana). Anmerkungen zu den N-ableitungen: a) die verbindung rn ist theoretisch immer in r- an aufzulösen. Aber -n nach langem vocal auf früheres III. consonantische ableitungen. N. -han (wie -m auf -ham) zurückzuführen, habe ich mir nur in einigen entschiedenen fällen erlaubt, vgl. ahd. ra- han mit altn. rân; ahd. lêhan mit ags. læn. Vermuthet wurden siuni aus sihani; dionôn aus diowinôn. Andere uns noch verhüllte beispiele wird die zukunft ent- decken. — b) einigemahl scheint auch hier die hinzugetretene ab- leitung für den sinn gleichgültig; so steht dem goth. ara, ahd. aro, altn. ari (aquila) ein ags. ëar-n, altn. ör-n zur seite. Nicht anders verhalten sich ahd. përo (ursus) und das frühere për-n, altn. biör-n; ahd. staro (sturnus) und ags. stëar-n. — c) wechsel des -n mit -l und -m bereits oben s. 120. 154. berührt. Ersterer ist nicht allzuselten, wie auch folgende beispiele lehren: goth. himins, altn. himinn, ahd. himil (wurzel nr. 566.): ahd. tougan und tougal (oc- cultus) jenes O. N. dieses T.; ahd. trunhan (ebrins) und trunhal; goth. ahana, ahd. agana (palea) ags. egle; mhd. samnen, smeichen (smeichenen), vorhene, nhd. sammeln, schmeicheln, forelle (f. forchel). Finden in einem und dem- selben dialect l und n statt, so weicht wohl die bedeutung ab, vgl. ags. sëgen (vexillum) sëgel (velum). Zwischen n und r (oben s. 144.) ist der auffallendste wechsel in altn. vatn., ahd. waƷar; vielleicht auch altn. taf-n, ahd. zëp-ar; neben lung-ar (citus) scheint lung-an zu gelten, vgl. den eigen- namen lungan bei Schannat 393; neben dëmar (crepuscu- lum) findet sich dëmenunga doc. 208 a , nhd. demmerung; ags. glitnjan, nhd. glitzern. — d) die a und i vor dem -n schwanken ungemein, magan, megin; ragan, regin; eigan, eigin; irman, irmin u. a. scheinen im ahd. beinahe gleich berechtigt. Einiges mag für dialectisch erklärt werden, z. b. goth. maúrgins, ahd. morakan. Anderes halte ich für tadelhaft z. b. firan- wuachar (usura) f. firin-wuachar. Es gibt aber auch fälle, wo sich beide vocale nicht vermischen, z. b. die verba auf inôn, die subst. auf -inassus zeigen kein -anôn, anassus. Das u vor -n erscheint beinahe gar nicht mehr und ahd. langes und kurzes i rinnen in ein ags. e und altn. kurzes i zusammen, sind aber auch im ahd. nicht für alle fälle sicher zu unterscheiden. e) in der composition finden sich verschiedne -an, die es ungewis laßen, ob sie von subst. oder adj. herrühren; z. b. das angan- oder agan- in den eigennamen angan- dëo, angan-trud, agam-bërt, agan-frid etc.; das canan-, III. consonantische ableitungen. P. cannin- in dem uralten cannine-fas etc. In der E. H. heißt es von dem zerreißenden tempelvorhang: that fa- han-lakan të-brast, wo mir fahan unverständlich ist, viel- leicht fehan-lakan (bunter teppich)? vgl. vêh-lachen (stra- gulum) gl. blas. und trev. und oben s. 156. das gleichfalls unsichere masc. vêhan (buntspecht). — ableitungen mit P (ahd. F). sind längst nicht mehr rege, müßen aber in allen ver- bindungen lp , rp , mp , np und sp angenommen werden. Beispiele: goth. hil-pan (juvare) ags. gël-pan (superbire) altn. skol-p (eluvies); goth. vaír-pan (jacere) ahd. scar-f (acer) altn. sor-p (quisquiliae) snar-pr (acer); goth. trim- pan (calcare) ags. lim-pan (evenire) ahd. cham-f (pugna) scim-f (ludibrium) sum-f (palus) dam-f (vapor) stum-f (hebes) altn. kam-pr (mystax); han-pr (cannabis); ahd. has-pal (girgillus) und viele ähnliche. Der ableitungsvo- cal läßt sich zuweilen im ahd. blicken und zwar zwischen lf, rf, nf, nicht zwischen mf und sp (nicht sf). So findet sich war-af (stamen), scil-uf, scil-of (scirpus) und in einer gl. vind. gëll-of (levir), das masc. zu gëll-a (concubina), wenn nicht etwa gëll-olf, gël-olf (analog dem rîch-olf, biter- olf etc.) gebeßert werden muß, da niemahls gël-f in gleichem sinne vorkommt; harl-uf (licium, funis) mons. 412. zwetl. 124 a flor. 982 b harl-ifa lind. 990 a ist vielleicht har-luf und compositum. Vocal zwischen rf. haben: dor- of (villa); â-wër-af (abjectio) K. 29 a ; char-oso (carpio, pisc.); har-afa (cithara); zwischen nf. han-of (cannabis) wirceb. 980; sen-if (sinapi) wofür auch ags. hen-ep, sen-epe. Das alter und die verhärtung der formeln lp, rp, mp ergibt sich daraus, daß sie in ablautenden verbis vor- kommen, für np, sp weiß ich keine anzuführen. Die ableitende natur des p folgt aber α ) aus nicht unwahrscheinlichen nachweisungen des einfachen stammes: gil-pan = gil-apan (nr. 345.) gehört zu gil-an (nr. 564.); hil-pan = hil-apan (nr. 343.) ver- muthlich zu hil-an (nr. 314.), denn adjuvare ist zugleich tueri, celare; skaír-pan = skaír-apan (nr. 616.) zu skaír- an (nr. 327.), secare sich berührend mit acuere, was schneidet, hat schärfe; vaír-pan = vaír-apan (nr. 433.) wohl zu vaír-an (nr. 572.) ungefähr wie jacio zu jaceo oder wie liga zu lagja? vaíran bedeutet ruhig liegen, III. consonantische ableitungen. P. B. vaírpan in die lage bringen, legen, sternere; dim-pan = dim-apan (nr. 368.) fordert ein oben s. 55. nicht aufge- stelltes dim-an (tenebrescere) wovon dëm-ar (tenebrae) dim-ster (tenebrosus), da sich dampf, nebel, finsternis be- rühren, vgl. serb. tama (nebula, caligo); stim-pan (nr. 586.) zu stim-an (nr. 322.), das stumpfe ist das verstümmelte, gehemmte etc. β ) aus vergleichung urverwandter sprachen, welche labialmedia statt der goth. ten. und ahd. asp. in diesen wörtern haben : cann-abis, hen-ep, han-of; litth. gel-beti (auxiliari), hël-pan, hël-fan; ich wage tur-ba zu þaúr-p, dor-of, kaum aber die (rauschende) har-fe, ags. hëar-pe, altn. har-pa zu κορ-ύβας, κύρ-βας zu halten. Wo goth. oder sächs. tenuis lat. ten. begegnet liegt spätere unmittelbare entlehnung unter; so in sinapi (gothisch Marc. 4, 31.) viel- leicht auch in scirpus vgl. mit scilf. Das ahd. mf in mft entspricht zuweilen gothischem mf (nicht mp), z. b. in fimfto (decimus) durft (necessitas) semfti (facilis) welche daher nicht unter die p-ableitun- gen gehören. ableitungen mit B (ahd. P). mcistentheils ausgestorben, doch erkennbarer, als die mit -p, welche nur noch im ahd. den ableitungsvocal zeigten. Hier aber steht er bisweilen auch im gothischen. 1) der Gothe bildet adverbia auf -aba , -uba , denen nichts in den übrigen dialecten entspricht, näheres cap. V. 2) feminina und neutra auf -ubni , schwankend in -ufni (1, 604. 606). Auch diese ableitung mangelt den andern deutschen sprachen, sie ist mehrfach und würde ahd. -up-ani, op-ani lauten? oder wäre sie vielmehr composition, ubni f. ôbni (wie auch sonst u und ô schwan- ken 1, 40. 855.) aus ôbjan (exercere) ahd. uopan zu er- klären? zumahl die syntax eine häufige abstracte con- struction dieses verbi lehren wird. Inzwischen fehlt ge- rade ôbjan im gothischen, das auch sonst ableitungen mit -ub zu hegen scheint. 3) es findet sich zwar nur das einzige sil-ub-r, ahd. sil-up-ar (assim. silipar oder silapar); mit ausgestoßnem vo- cal ags. sëolfer, altn. silfr. 4) in den goth. formeln lb , rb , mb (nb und sb gibt es nicht) ist der ableitungsvocal a ausgeworfen; beispiele: ul-bandus (camelus), hal-bs (dimidius), sal-bô, sil-ba (ipse), III. consonantische ableitungen. B. ar-bja (heres), þaúr-ban, hvaír-ban, lam-b (agnus) dum- bs (mutus) etc. Auch hier tritt im ahd. das a zwischen lp, rp hervor, nie zwischen mp, z. b. hal-ap (manu- brium), huër-apan, praet. huar-ap, dër-ap (azymus), dar- apên (egere), ar-apjo (heres), so gewis früher statt des spätern er-ibo; hingegen kein lam-ap, tum-ap f. lam-p, tum-p. Ags. und altn. keine spur des gebliebenen vocals. 5) ableitendes b erkenne ich auch (wie vorhin s. 154. 182. ableitendes m, n) nach ausgeworfner spirans h in du- bô, dû-bô (columba), welches Ulf. nur in der compos. mit hráiva f. τρυγών setzt, da er περιστερά durch ahaks aus- drückt; wurzel scheint nämlich nr. 261. diuhan (mer- gere) ahd. tiuhan und dubô stünde f. duh-abô, gerade wie sich columba mit κολύμβαω vergleicht und κολύμβος mergus bedeutet. Von dem taucher wurde der name auf die laube übertragen, vgl. oben s. 19. Selbst das ags. ver- bum dëófan könnte aus diuh-aban gedeutet werden. Auf diesem wege löset sich vielleicht einmahl überhaupt die dunkelheit der scheinbaren wurzeln mit û (oben s. 7.); es sind spiranten ausgefallen. 6) bestätigungen wie vorhin beim P. α ) aus nachweisung des einfachen stamms weiß ich wenig zu gewinnen; tim-bar, zim-par (aedisicatio) könnte aus tim-an, zim-an (nr. 320.) aptare, construere? geleitet werden, vgl. das urverwandte domus mit domare; scir- pi (testa) mons. 344. bezeichnet eigentlich das zerbrochene und fügt sich zu scir-an (nr. 327.) scindere, so daß skaír- pan und skaírban zwei ganz verschiedene fortbildungen einer wurzel wären. Noch unsicherer ist mir aber hal- ap (manubrium) aus hal-an (nr. 465.), ar-bi (hereditas) aus aír-an (nr. 571 b ) und ähnliches β ) im griech. entspricht die asp. dem goth. b, ahd. p, vgl. ἀμφί mit umpi, daher ist ulbandus unbedenklich ul-bandus, ahd. ol-panta = ol-apanta, wie ἔλ-εφας , ein großes thier, kameel oder elephant. staír-ban, stër-apan ist vielleicht στρ-έφειν , κατα-στρ-έφειν ? läßt sich sviltan (nr. 349.) aus us-viltan deuten? wenigstens fällt mir auf, daß der hd. dialect kein suëlzan kennt und von wëlzan nur das abgeleitete schwache welzan; wäre ein ahd. ur- wëlzan für sviltan nachzuweisen, so gewänne jene er- klärung von stërpan, dessen simplum stëran längst ver- dunkelt liegt. Da die Slaven den lippenlaut nicht aspi- rieren, so vergleicht sich goth. b ihrem b, sil-ubr, sr- ebro; folglich ist slav. labe (fluvius) labud (cygnus) sicher III. consonantische ableitungen. F. das ahd. alp = alap, el-piƷ = el-apiƷ (vgl. lat. ol-or) und man hat nicht nöthig versetzung des l anzunehmen, da der eigentliche wurzelvocal, wie im slav. öfter, aphäresis erlitten hat, labud f. alabud, olabud. Im litth. mangelt gleichfalls f, weshalb die häufigen feminina auf -ybe je- nen gothischen auf -ubni vergleichbar scheinen. — 7) die ags. und altn. mundart aspiriert gothische me- dia in- und auslautend, daher man zu ahd. p das ags. altn. f. halte, vgl. ags. el-fet, yl-fet (olor) altn. al-ft; el-f (fluvius) etc. Dieses f. begegnet wiederum in hochdeut- schen dialecten inlautendem b statt p, wie in tûba (co- lumba), wofür ich noch nie tûpa gelesen habe. Und auch der Gothe schwankt zwischen ubni und ufni. ableitungen mit F (ahd. V). sind völlig unwirksam und nur in den seltnen verbindun- gen lf , mf , nf , die in keinem ablautenden verbo fortle- ben, zu muthmaßen, vgl. die goth. wörter vul-fs (lupus) fim-f (quinque) han-fs ( κυλλός , mancus, mutilus). Ahd. findet sich noch der ableitungsvocal im pl. fin-evî T. 44, 23. Im griech. lat. etc. herrscht hier parallele tenuis, fim-f ist das dorische πέμ-πε ; vul-fs ist lu-pus (für ul- pus oder für ul-upus? wie λύ-κος = slav. vul-k) und das in keiner andern deutschen mundart als der gothi- schen bekannte han-fs ist wohl das litth. kum-pas (krumm) vgl. kam-pas (winkel, krümmung). Die ft sämmtlicher deutscher sprachen erfordern vorsicht, da sie aus ältern lautverhältnissen übrig sein können und der verschiebung widerstanden haben. Das ahd. sem-fti (facilis) scheint genau das ags. sof-te, folglich hierher unter F zu rech- nen. In chun-ft, nun-st f. chum-ft, num-ft entspricht das ahd. ft dem goth. in num-fts; ob nun hier ein wirk- lich ableitendes f im spiel, oder es bloß euphonisch zwi- schen m und t geschoben sei, wage ich noch nicht zu entscheiden. Das gilt auch vom goth. hvil-ftri. ableitungen mit V (ahd. W). in der älteren sprache gangbar und erkenntlich, in der neueren verwischt und abgestorben; schon im ahd. macht die vocalische auflösung des w schwierigkeiten. Ich un- terscheide hier wieder nach den drei ableitungsvocalen III. consonantische ableitungen. V. av , iv , uv , wiewohl die beiden letzten von ganz be- schränktem umfang sind. [AV] im goth. der vocal überall gewichen, ahd. oft erhalten, wenn auf das w flexionsvocale folgen, sonst mit dem w in o verschmolzen. Nhd. verwandeln sich die gebliebenen w in b. Von dem ableitenden v muß man aber das wurzelhafte v unterscheiden, wie ich 1, 598. 613 etc. nicht gethan habe. Ableitendes ist nur an- zunehmen, wo der die wurzel schließende consonant ihm vorausgeht, z. b. im goth. bal-vjan oder im ahd. pal-o = pal-aw; geht kein solcher cons. vorher, so gehört das v selbst zur wurzel, da es unwahrscheinlich ist, daß vor einer spirans eine andere spirans ausgefallen sei. In sáivs, snáivs, þius, qvius, ahd. sêo, snêo, diu und allen ähnli- chen steckt daher gar keine ableitung. 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. nur sagg-vs (cantus) daß in den goth. formeln ggv. gqv das v consonantisch ab- leitend sei, nicht zu dem gg, gq (= ng, nk) gehöre, folgt aus den wörtern, wie gaggs, drigkan, die es nicht haben. Ebenso beurtheile man hv. In allen übrigen dialecten hat sich hinter ng, nk, h das v meist verloren. , aber andere laßen sich ver- muthen, z. b. aus dem verbo bal-vjan ein bal-vs (oder neutr. bal-v?) malum. Zur dritten decl. gehört faírh- vus (mundus); doch in skad-us (umbra) haír-us (cardo, ensis), nicht skad-vus, haír-vus, scheint kein ableitendes v zu liegen? vgl. indessen das verbum skad-vjan und die übrigen mundarten zwischen ableitendem v und ableitendem u, das in v über- tritt (oben s. 95.) ist die rechte scheide schwer; ich sehe hier noch nicht klar und muß im ahd. aw annehmen, die goth. u scheinen. . — ahd. mat-o (pratum) mat- awes? nur in compos. mato-scrëcch (locusta) N. 104, 34; pal-o (malum) O. II. 6, 71. gen. pal-awes; sal-o (salix) sal- awes jun. 227; scat-o (umbra) scata-wes; vielleicht rit-o (fe- bris) rit-awes?; von phul-awî (pulvilli) mons. 339. kann ich den sg. phul-o nicht weisen (mons. 385. phul-ju neutral?), später decliniert dies aus dem latein entlehnte wort schwach; aber sank, sank-es, sang, sang-es, nicht sang-o, sang-awes. — ags. bëal-o (malum) bëal-ves; bëar-o (lucus) bëar-ves; scëad-o (umbra) scëad-uves; vielleicht auch hëor-o (cardo) hëor-ves. — altn. hiör-r (ensis) dat. hiör-vi; spiör-r (passer); in söng-r (cantus) scheint der umlaut ein aus v entsprungnes u zu bedeuten? vgl. söng-vari (cantor); zur III. consonantische ableitungen. V. zweiten decl. gehören eigennamen wie skir-vir, vir- vir. — mhd. schon keine spur übrig, mat-e (pratum)? unsicher nach form und geschlecht, Wilh. 3. der dat. mat. im reim; schat-e (umbra) gen. schat-es; rit-e (febris) gen. rit-es (?), bei den spätern beide schwach declinierend. — engl. shad-ow; mead-ow. β ) starke feminina , goth. ah-va (flumen); friaþ-va (dilectio); nid-va (aerugo) oder schw. masc.?; saliþ-va (mansio); trigg-va (pactio); ubiz-va (porticus). — ahd. hël-awa, hël-ewa (paiea) mons. 392. N. 34, 18. 48, 3; sual-awa (hirundo); var-awa (spe- cies, color); doch ah-a (fluvius); opas-a (doma, tectum) selid-a (mansio) haben kein-aw mehr und opasa gehet schwach, mons. 352; ältere ah-awa, opas-awa, selid-awa sind zu vermuthen, wohl auch pat-awa (pugna)? — ags. fär-bu (color) Boet. 197 b mit übergang der spirans in die media, f. fär-evu; frät-evu, frät-ev (ornatus); das nur noch in der compos. häufige bead-o lautete wahrscheinlich bëad-evu (pugna)? — altn. böd, gen. böd-var (pugna). mhd. nur var-we, beßer var-ewe (color); nar-we (cica- trix) hat Herb. 89 a ; swal-ewe, swal-we Trist. 8606. oder mit ausgestoßnem w swal f. swal-e MS. 1, 51 b 2, 166 a . — nhd. far-be; nar-be; schwal-be; matt-e (pratum). — γ ) starke neutra , goth. vaúrst-v (opus); vielleicht bal-v (malum)? — ahd. mël-o, mël-awes (farina); hor-o, hor-awes (lutum); sar-o (machinae, apparatus) Hild., der gen. sar-awes aus ki- sar-awi zu folgern; trës-o, trës-ewes (thesaurus); früher vielleicht scranh-o, scranh-ewes (fraus)? — ags. mël-o, mël-eves (farina); ëal-o, ëal-eves (cerevisia); sëar-o, sëar- ves (insidiae). — altn. böl (malum); lîng (frutex); miöl (farina); öl (cerevisia); söl (alga); skrök (figmentum); das v bricht in den dativen böl-vi, lîng-vi, miöl-vi, fkrök-vi, vor und zeigt sich als u in dem umlaut; in fiör, dat. fiör-vi scheint v das h zu vertreten. — mhd. mël, mël- ewes, mël-wes; hor, hor-wes; sar nur in den comp. sar-wât, sar-rinc. — nhd. mêl, mêl-s (nicht melbes). — δ ) starke feminina auf avî , von adjectiven, z. b. ahd. mar-awî (teneritudo); zës-awî O. I. 4, 43; mhd. gil- we (flavedo). — ε ) starke neutra auf avi , collectiva, z. b. ahd. ki- kar-awi O. V. 4, 64; ki-sar-awi, ki-ser-wi (zaba, arab. = lorica) zwetl. 135 b mhd. ge-ser-we fragm. bell. 2513; mhd. ge-hil-we (nimbus) MS. 2, 204 b etc. — III. consonantische ableitungen. V. ζ ) schwache masculina , goth. bidag-va (mendicus); nid-va (aerugo) wenn es nicht starkes fem.?; spar-va (passer); vaúrst-vja (opera- rius); vil-va (raptor). — ahd. spar-awo (passer)? ich finde nur spar-o T. 44, 21. N. 101, 7; phul-wo (capitale) blas. 45 a trev. 51 b . — ags. räs-va (dux); spëar-va (passer). — altn. döck-vi (nigredo); myrk-vi (caligo); lîng-vi (serpens); ŷng-vi (n. pr.) — engl. sparr-ow; pill-ow (cervical). — η ) schwache feminina , goth. band-vô (signum); gat-vô (via); taíhs-vô (dextera); uht-vô (crepusculum); þeih-vô (tornitru); vaht-vô (vigi- lia). — ahd. sën-awa (nervus) gl. mons. 353. avena ver- stehe ich nicht, sën-ewa N. 7, 13; zës-awa (dextera); aber kaƷƷ-a, uht-a (N. uoht-a), waht-a etc. ohne -aw. — ags. meal-ve (malva); sval-eve (hirundo) ; sin-eve (ner- vus) aber uht-e. — altn. völ-va (sybilla) neben val-a, so wie nur ohne v: sval-a (hirundo) ; bend-a (funis); gat-a (via); òtt-a (matutina). — mhd. sën-ewe; zës-ewe; swal- ewe (cithara) Parc. 18628. [l. swalwen st. sinalwen] 19820 scheint fremder name des instruments, oder bedeutet harpfe und swalwe in diesen stellen ganz etwas anderes? — nhd. sên-e (nervus). — engl. mall-ow; swall-ow; sin-ew. — 2) adjectiva α ) erster declination , goth. trigg-vs (fidus); vráiq-vs (obliquus); naq-vaþs (nu- dus); läßt sich aus dem adv. nêh-va (prope) ein adj. nêh-vs schließen? — ahd. ohne kennzeichen -o , mit kennzeichen awêr : ël-o, ël-awêr (fulvus) jun. 205. doch mons. 319. steht eleawaƷ (fulvum), wo das zweite e fehler- haft scheint; chal-o, chal-awêr (calvus); kar-o, kar-awêr (paratus); mar-o, mar-awêr (marcidus); sal-o, sal-awêr (ater); sar-o, sar-awêr (armatus) O. IV. 17, 15; val-o, val-awêr (gilvus); var-o, var-awêr (tinctus); zës-o, zës- awêr (dexter). — alts. gar-u, gar-awêr (paratus); nar-u, nar-awêr (angustus). — ags. stark -o , schwach -va : cëal- o, cëal-va (calvus); fëal-o, fëal-va (flavus); gëar-o, gëar-va (paratus); gëol-o, gëol-va (fulvus); mëar-o, mëar-va (mollis); nëar-o, nëar-va und nëar-a (angu- stus) 1, 734. nachzutragen, daß alle diese ags. adj. den acc. sg. masc. auf -one bilden: fëalone, gëarone, nëarone etc. nicht fëalvne. . — altn. fallen die goth. adj. erster und dritter decl. zusammen, denn beide werfen das v vor flexions- consonanten weg, beide laßen es vor flexionsvocalen III. consonantische ableitungen. V. erscheinen und beide lauten das a um: döck-r, döck-vi (niger); föl-r, föl-vi (pallidus); glögg-r, glögg-vi (parcus); gör-r, gör-vi (paratus); hrygg-r, hrygg-vi (tristis); myrk-r, myrk-vi (tenebrosus); öl-r, öl-vi (ebrius); öng-r öng-vi (angustus); ör, ör-vi (celer); rösk-r, rösk-vi (stre- nuus); snögg-r, snögg-vi (glaber); sögg-r, sögg-vi (ma- didus); trygg-r, trygg-vi (fidus); þraung-r, þraung-vi (angustus). — mhd. gël, gël-wer; gar, gar-wer; kal, kal- wer; sal, sal-wer; var, var-wer. — nhd. gel-b; far-b; fal-b (neben fâl); aber kâl (nicht kal-b). — engl. call-ow; fall-ow; narr-ow; yell-ow. β ) zweiter declination goth. keins nachzuweisen, zu vermuthen ar-vis (frustra- neus) aus dem adv. ar-vjô. — ahd. desgleichen ar-awi aus dem adv. arawun (incassum); in triuwi (fidus) scheint das w der ableitung zu gehören, wenn man das goth. trigg-vs zum maßstab stellend ein trink-awêr, trink-wêr, zwischen welchen und triu-wêr andere, uns ver- lorne mittelglieder liegen müßen, annähme; oder wäre triuwi die einfachere, triggvs die erweiterte form (1, 325. 326.)? in enk-i (angustus) ist das w ausgeworfen, früher ank-awi, ank-awu? — γ ) dritter declination , goth. agg-vus (angustus); hnasq-vus (tener); glagg-vus (solers) aus dem adv. glaggvuba gefolgert; man-vus (pa- ratus); þlaq-vus (mollis). — das ahd. kla-o, kla-wêr ist einziges überbleibsel und verhält sich einigermaßen zu glagg-vus wie triuwêr zu triggvus, nur daß es ohne kennzeichen nicht klawi heißt, wie triuwi, sondern klao, klau. Das altn. glöggr und ähnliche sind als zur ersten decl. übergegangen anzusehen. — 3) verba , α ) starker conjugation , die goth. verba leih-van (nr. 195.); saíh-van (nr. 308.); vil-van (nr. 348.); sigg-van (nr. 389.); stigg-van (nr. 399.); bligg-van (nr. 410.); sigg-van (nr. 411.) und wahrschein- lich noch einige ähnliche, die noch nicht nachzuweisen stehen; alle von den verbis mit bloßem h, l, gq und gg genau zu unterscheiden z. b. von fraíhan (nr. 307.); drigkan (nr. 397.) und stiggan (pungere), nr. 318) wo die goth. form übersehen worden ist; sie steht zwar nur Matth. 5, 29. wenn man us-stagg in us-stigg emendiert, da staggau kein inf. sein kann. . Im III. consonantische ableitungen. V. ahd. sind alle diese -v zu grunde gegangen und ein sëh- awan, wël-awan, sink-awan laßen sich höchstens vermu- then, doch pliuwan verhält sich zu bliggvan, wie zu triggvs triuwi. Im altn. dauern slîng-va, sëck-va, stëck- va, hrëck-va d. h. übergetreten in slŷng-va, söck-va, stöck-va, hröck-va (1, 916.) fort, auch högg-va (caedere) scheint hierher gehörig. Die übrigen dialecte zeigen der- gleichen gar nicht mehr. β ) erster schwacher conjugation goth. bal-vjan (torquere); mal-vjan (conterere); val-vjan (volvere); man-vjan (parare); band-vjan (innuere); skad- vjan (umbrare); stagg-vjan (impingere); vái-faírh-vjan (ejulare) etwa vái fairhvu! (wehe welt) rufen? vgl. Parc. 115 b . ; nêh-vjan (appropinquare). — ahd. kar-awan (praeparare); var-awan (tingere); sal-awan (decolorare); scat-awan (umbrare); ki-chal-awan (decalvare) mons. 332.; diese lösen im praet. das aw in o auf: kar-ota, sal-ota, var ota, scat-ota, ki-chal-ota (1, 886.) und haben im part. praet. ohne flexion ka-karawit, ka-scatawit, bei zutreten- der flexion aber die auflösung: ka-karotêr, ka-scatotêr (wo- nach 1, 887. die angeblich dritte form karwita zu streichen ist). — ags. gyr-van (parare); hyrvan (contumelia afficere); syr-van (moliri); scead-evan (adumbrare); praet. gyr-ede, scead-ede (1, 910). — altn. gör-va (parare) wofur aber üblicher gör-a; hröck-va (torquere); flöck-va (extin- guere); stöck-va (aspergere); praet. ger-di, hrök-ti etc. Hiernach sollten auch dögg-va, slöng-va, göt-va gehen, die ich aber in die zweite conj. gestellt finde. — mhd. ger-wen; ver-wen; ser-wen (instruere, armare); vel- wen; sel-wen; wel-wen (convexum reddere) MS. 2, 62 b ; be-schat-wen Barl. 66, 1; praet. gar-te, var-te, sal-te etc. doch stehet mus. 2, 43. ver-var-wete, nicht ver-var-te. — nhd. ger-ben; fär-ben; fäl-ben; wöl-ben; aber beschatt-en. χ ) zweiter und dritter schwacher conj. keine gothische; ahd. rit-awôn? (tremere) wofür aber N. 2, 11. rid-ôn, oder ist dies rid-on?; sêr-awên (arescere) mons. 390. 399. N. 38, 12. 118, 139; andere sind leicht zu vermu- then, z. b. chal-awên (calvescere). — ags. fëal-vjan, fëal-vô- de (flavescere); frät-vjan (ornare); ful-vjan (baptizare); nëar-vjan, nëar-vôde (arctari). — altn. dögg-va (rigare); göt-va (investigare); slöng-va (projicere); röckva (vesperas- III. consonantische ableitungen. V. cere) etc. — mhd. ver-gël-wen (flavescere); rid-wen (tre- mere) Bon. 48, 88. schil-wen (strabum esse) Herb. 21 b . — nhd. ver-nar-ben (cicatrice obduci). [IV] der vocal i vor dem ableitenden v ist kaum mit sicherheit nachzuweisen. In dem goth. gen. pl. sunivê, tunþivê (1, 601.) scheint das v an sich nicht ableiterisch (2, 95.); auch nicht in den adjectiven háiþivisks, judái- visks (vergl. unten beim SK). Mehr hierher gehörig ist das ahd. mil-iwa (tinea) T. 36, 1. falls dabei keine assimi- lation aus mil-awa wirkt. In hul-iwa (sordes, uligo) gl. flor. kann keine assim. eintreten, aber diese glossen sind in den vocalen unsicher. Mhd. kommen mil-we und hül-we (nur beim Stricker) vor; wo der umlaut, wenn man seiner sicher wäre, entscheiden würde. Nhd. nur mil-be. Aus den übrigen sprachen ergibt sich gar nichts für iv . [UV] gleichfalls selten und unsicher: gothisch schwan- ken vid-uvô und vid-ôvô, ein vielleicht undeutsches, aus dem lat. vidua entlehntes wort (altn. eckja); ahd. wit- awa oder wit-uwa? mhd. wit-ewe, wit-we; nhd. wit-we (nicht wit-be, wohl aber veraltend wittib); ags. vid-uve, vid-eve; engl. wid-ow. Ein dunkles wort ist sisuva, viel- leicht sis-uwâ, das gl. mons. 319, gleichbedeutend mit spâniseiu giposi zur übersetzung von iberas nenias braucht; eine elwang. gl. hat sisva (? siswa) neniae. Die parallele gl. doc. 223 b läßt es weg und gibt dafür lotar-sprâhha. Der sinn ist entweder lügen, eitle erdichtungen oder klag- gesänge. [EV] êv erscheint nur im goth. al-êv (oleum), dem aber kein ahd. al-âw entspricht, da es ol-i, gen. ol-jes, ol-es, mhd. öl, ags. el-e, gen. el-es heißt. Diese ahd. ags. formen find offenbar aus dem latein gefloßen, wel- ches ich von der goth. nicht glaube. In ihr verhält sich das goth. a zum lat. o wie in namô zu nomen. Auch hat die litth. form allêjus. anmerkungen zu den v-ableitungen: a) das ableitende v ist gleich den übrigen spiranten häufig weggefallen, zumahl in den neueren sprachen. III. consonantische ableitungen. V. T. b) da die spiranten keiner lautabstufung unterliegen, so entspricht es auch dem lat. v, oft in den nämlichen wörtern, vgl. ahva mit aqva, aeqvor; viduvô mit vidua, vidva; ëlo, ëlawêr mit gilvus; valo, valawêr mit flavus oder fulvus; chalo, chalawêr mit calvus. In den beiden letzten läßt die zu große einstimmung der anlautenden cons. fast auf entlehnung schließen. Dasselbe -v herrscht auch in vielen andern lat. wörtern, z. b. mil-vus, ner- vus, ung-vis auf dieselbe weise. c) wechsel des v mit andern consonanten: mit m in swal-me Bon. 23, 2. 40, 21. f. swal-we, vermuthlich nach- dem vorher w in b verhärtet worden war, denn lb wird in den volksdialecten leicht zu lm vgl. alb und alm; so- gar altn. helmîng (dimidium) f. helfîng, hâlfîng. Orga- nischer ist wechsel zwischen v und h, ahd. vërah, dat. vërahu (anima) altn. fiör, fiörvi; ags. frätvum (ornamen- tis) alts. fratahun; mhd. schilhen und schilwen; und so wird aus ags. fur-h (sulcus(ahd. vur-iha, engl. furr-ow. Tadel- hafter scheint das im engl. so häufige -ow statt des ags. g, z. b. bill-ow (unda); will-ow (salix); morr-ow; sorr-ow; burr-ow; tall-ow; harr-ow st. des ags. byl-ige, vil-ige etc. d. h. sowohl für das wahre g, als das aus -j entsprungne -ig, letzteres auch in den verbis hol-low (excavare, holi- gean); bel-low (latrare) winn-ow (ventilare) etc. in foll- ow, hall-ow ist wahres g (fylgian, hâlgian). In wind- ow (fenestra) steckt sogar die compos. altn. vind-auga, obgleich ich kein ags. vind-eáge weiß. ableitungen mit T. hier tritt der eigne fall ein, daß sich in gewissen con- sonanzverbindungen viele ableitende t erhalten haben, die der gewöhnlichen lautverschiebung widerstreben, d. h. dem lat. t entsprechen, nicht dem lat. d. Sie bleiben auch in allen deutschen dialecten unverrückt, d. h. solche goth. t werden keine hochd. z, Ʒ. Von ihnen sind die andern t, welche der lautverschiebung folgen, sorgfältig zu trennen. I. goth. T. = ahd. T, = lat. T. sie finden statt in den verbindungen ft , st , ht , deren erster consonant offenbar zur wurzel oder zu einer vor- hergehenden ableitung gehört. Das t bewirkt aber eine ableitung, sei es die erste oder die zweite, und darf nie zur wurzel gerechnet werden. ft und ht lauten im deut- N III. consonantische ableitungen. T. schen niemahls an, von dem anlautenden st gilt aber das- selbe, was von dem in- und auslautenden, d. h. auch es scheint älter als die regel der lautverschiebung. Das hohe alter dieser drei consonanzverbindungen wird ferner da- durch bestätigt 1) daß kein ableitungsvocal zwischen dem f, s, h und dem t zum vorschein kommt (denn das ahd. lioh-at, lioh-et lautet goth. liuh-aþ, -adis, nicht liuh-at). ausnahmen mis-it mons. 400 fëh-eta Hild. 2) daß die verbindungen zuweilen unorganischerweise als ableitun- gen auftreten statt des einfachen t. [F-T] vom goth. schwanken in b-t, vom altn. in p-t siehe anmerkungen. 1) substantiva α ) starke masculina, goth. das einzige hlif-tus ( κλέπτης ); es mag noch andere geben, heißt aër luf-ts oder luf-tus? vielleicht gehört skuf-ts hierher? (s. hernach das neutr.) und dem weiter abgeleiteten hvilftrjô (oben s. 133.) liegt ein hvilf-t zu grunde, dessen geschlecht freilich unbestimmbar ist. — ahd. huërf-t (iter?) umbiwërf-t (circuitus) T. 5, 11; hruof-t (clamor) hrôf-t (evocatio) hrab. 962 a dat. sg. hruof-te (jubilo) J. 389. acc. pl. ruaf-tî (querelas) jun. 178. ant-hruof-t (aemulatio) catech.; luf-t (aër) dat. luf-te O. II. 4, 159; ramf-t (margo, labrum) jun. 200; scaf-t (ma- nubrium, hasta) schon im capitulare Ludov. pii und Ca- roli calvi von 829. 864. scaft-legî (armorum depositio) Baluze I, 668. II, 190. (wo fehlerhaft scastlegi) scaf-t, pl. scef-tî jun. 196. 255; sumf-t, sunf-t (palus) O. V. 23, 219; sueif-t, umbi-sueif-t (femoralia) jun. 173; tunf-t (procella) jun. 245, unsicheres geschlechts; wuof-t (fletus, luctus) T. 113. N. 6, 9. aber K. 38 a wuaf-t (luctus, oder wuaf-e zu lesen?) 49 b wuaf-um (flctibus); ûƷwurf-t (jactus) mons. 367. — ags. crof-t (agellus) vielleicht fem.?; hvyrf-t (circuitus); scëaf-t (telum); vëf-t (subtegmen). — altn. hvop-tr (bucca); kiap-tr (maxilla); krap-tr (vis); lop-tr (eleva- tor); vëf-tr (subtegmen, verschieden von vëf-r (tela). — mhd. be-grif-t (complexus) Parc. 97 c , die übri- gen sagen begrif, umbegrif; hast (vinculum) MS. 2, 7 a 149 b Barl. 359, 10; louf-t (cursus, canalis) bei Wolfr. Parc. 123 a 176 b 177 a Wilh. 2, 195 a Geo. 46 a vor-louf-t (praecursor) Parc. 128 c Karl 13 a , die meisten setzen louf, namentlich Conr. troj. 89 c 161 c , vor-louf a. w. 3, 13. doch behält Conr. brût-louf-t (nuptiae) troj. 169 c , im Barl. 88. 89. stehet brût-louf männlich, 90, 6. weiblich und 298, 15. III. consonantische ableitungen. T. brût-louf-t weiblich, doch nicht im reim, so daß das schwanken emendiert werden kann, mus. 2, 43. brût-louft männlich; luf-t (aër) bei allen männlich; ranf-t (margo); ruof-t (clamor, fama) Parc. 4 b wider-ruof-t Parc. 177 b , doch stehet ruof Wilh. 2, 9 b 31 b (Wilh. 2, 93 b ruof: wuof könnte auch ft sein, so wie der nämliche reim Trist. 5479, 80.), Conr. hat ruof troj. 6 a etc.; schaf-t (hasta); tuf-t (vapor) Parc. 57 c Barl. 2, 4. MS. 2, 241 b Vrîb. 1766; wif-t (textum) Loh. 191; wuof-t (clamor) Trist. 5480. andere wuof. — nhd. duf-t; haf-t; lauf-t nur noch im pl. zeit- läuf-te und im adj. weit-läuf-tig; ranf-t nur noch von der brot-rinde; saf-t (succus, wofür mhd. stets saf, ohne t); schaf-t; schuf-t (nebulo) scheint nicht hochdeutsch. — β ) starke feminina , goth. fra-gif-ts, fra-gib-ts (desponsatio); ga-grêf-ts (edic- tum Luc. 2, 1; anda-numf-ts (assumtio) es ist unsicher, ob der C. A. Luc. 9, 51. so oder anda-num-ts liest, die gleichfolgende form würde auch num-þs erlauben; ga- qvum-þs (conventus) mehrmahls vorkommend und nie weder qvumf-ts, noch qvum-ts, über das þ in diesem worte s. die schlußbemerkungen; ga-skaf-ts (creatura); þaúrf-ts (necessitas). — ahd. chluf-t (forceps) mons. 328. 331; chraf-t (vis) jun. 255; chumf-t, chunf-t (adventus) aftar-chumf-t (pofteritas) jun. 218; duruf-t, durf-t (necessitas) K. 38 a O. IV. 5, 98. mons. 355 folgt ein half-t (dimidium) aus dem nhd. hälf-te? aus dem ahd. half-tanôd? und half-tara (capistrum) ags. hëals-tre? ; hlouf-t (cursus) ana-hlauf-t, saman-hlauf-t hrab. 954 a 958 b , das fem. beweiset der dat. anahlauftî in ersterer stelle, weniger entscheidet der dat. pl. louftin O. III. 10, 3. und acc. pl. louftî O. III. 10, 7, woneben V. 6, 3. loufa (ohne ableitendes t, aber unsicher ob sg. fem- oder pl. masc. von louf), deutliches fem. ist der acc. pl. brût-louftî (nuptias) T. 45, 1. O. II. 8, 6. IV. 6, 30; kif-t (donum, gratia) giph-t mons. 365. 369. gif-t O. V. 24, 52. zua-gif-t O. V. 12, 109; ob krâf-t, kraf-t, grâf-t, graf-t (sculptura)? N. 96, 7. gibt graft-pilide (sculptile) und mons. 340. grephtî (sculpturae); composita -numf-t, nunf-t, allein mit merkwürdigem schwanken der dialecte zwischen der f und s-form (die in den hss. leicht ver- schrieben und verlesen wird) und dem behalten oder aus- stoßen des m, n: dana-numf-t (elatio) doc. 207 b ; var- numf-t, var-nunf-t (ratio, intellectus) kann ich nicht be- N 2 III. consonantische ableitungen. T. legen, K. 39 b far-nufs-t und jun. 256. fer-numfs-tîgên (capacibus) beide formen vereinigt, fir-nuns-t mons. 348. 353, N. hat überall fer-numes-t, fer-numis-t (nie fernu- meft, überall wo Schilter so herausgibt, zeigen die hss. deutliches s. wie mir Füglist. meldet). — nôt-numf-t (vio- lentia) mons. 403. T. 64, 10, 141. [keinmahl nôt-nums-t]. — siku-numf-t (victoria) jun. 177. lesen sigi-numstî (vexilla) boxh. 906 b (aus derselben hs.) aber sigi-numftî, mons. 326. gibt siga-nuftlîh (triumphalis) doc. 234 b sigannumft- lîh (wo das doppelte n fehlerhaft), N. 64, 13. sige-nunft und 111, 5. sige-nunftâre (triumphator). — teil-numf-t (participatio) K. 37 b aber 46 b teil-nuf-t. — O. bedient sich keines der vier wörter für ratio, vis, victoria, con- sortium, in keiner form; kiscaf-t (creatura), hingegen die composition -scas (nie -scaft) in vriunt-scaf, lant-scaf etc.; scrif-t (scriptura); zumf-t (conventus) K. 36 a ki-zumf-t, gi-zunf-t, (pactum) jun. 217. mons. 339. 361. 379. un-gi- zumf-t (seditio) jun. 250. O. V. 23, 220. — ags. cräf-t (vis); gif-t (donum, pl. gif-ta nuptiae); lyf-t (aer); scëaf-t (creatura); scrif-t (confessio) engl. shrif-t; þof-t? (transtrum). — altn. gif-t (donum); skrif-t (pictura, scriptura, cen- sura eccles.); þurf-t (defectus); tôf-t (area) steht f. tôm-t und gehört nicht hierher, mhd. durf-t, nôt-durf-t; gif-t (donum) livl. 10 b 52 b hant-gif-t troj. 90 c ; graf-t (fossa) Eilh. 6530. 6585.; gruf-t (caverna) Parc. 111 b Loh. 100; guf-t (clamor, odor) Parc. 5 b 119 b dann arrogantia, vanitas? Parc. 57 c 179 b Wilh. 2, 170 a Geo. 37 b Barl. 213, 5. 233, 10. (wo der dat. gufte fehlerhaft) troj. 9 c Vrîb. 1748, ohne t guf Nib. 6230; haf-t (custo- dia, vinculum M. S. 2, 235 b (manubrium) Ben. 195; kluf-t (forceps); kraf-t (robur); krif-t? lieders. 491. 631. (viel- leicht trif-t zu lesen?); kunf-t (adventus); compos. mit -nunf-t: ver-nunf-t nicht zu belegen, es heißt ver-nuns-t MS. 2, 132 a Barl. Bon., erstim 14. jahrh. vernunf-t, grundriß 443. lieders. 381. vernuf t Fürtrer. — nôt-nunf-t und teil- nunf-t braucht noch Wolfr., sonst sind sie selten — häufiger stehet sige-nunf-t MS. 1, 60 b Barl. etc. wofür Conr. sige- nuf-t setzt und reimt (1, 407.); comp. mit -schaf-t, st. des ahd. -scaf (1, 407.); ge-schaf-t (creatura) Barl.; schris-t; stif-t (aedificium, fundatio) troj. 3 b 34 b 53 b 90 o 127 c 132 c Loh. 191. vgl. ert-stif-t Parc. 97 c ; trif-t (pas- cuum) troj. 56 b 68 b ; zunf-t, ge-zunf-t kommt bei den dichtern kaum vor. — III. consonantische ableitungen. T. nhd. brunf-t (ardor) neben dem üblichen bruns-t; nôt-durf-t; gif-t nur in den comp. ab-gift, mit-gift; haf-t (custodia); huf-t und endlich hüf-te (femur) statt des mhd. huf; kunf-t, an-kunft, zu-kunft, ab-kunft; kluf-t; luf-t; nunf-t nur in ver-nunf-t (nie ver-nuns-t), die andern composita abgestorben; comp. mit -schaf-t; schrif-t; trif-t; zunf-t (tribus). — γ ) starke neutra , goth. skuf-t (capillamentum), da nur der dat. vorkommt, könnte es auch masc. sein, wofür selbst das nhd. schopf (ohne -t) sprechen würde. — ahd. weiß ich keine neutra dieser form. — ags. häf-t (vinculum) engl. haf-t; lëf-t, lyf-t (votum). — altn. dup-t (pulvis); haf-t (retinaculum); lop-t (aër) skap-t (manubrium). mhd. gif-t (venenum) scheint noch nicht bei den äl- tern dichtern üblich, die dafür eiter oder lüppe gebrau- chen, findet sich aber schon bei Conr. troj. 68 b 72 b , älter ist vielleicht ver-gif-t MS. 2, 254 a Vrîg. 1054. 2978. welsch. gast. 118 b MS. 2, 254 a Ottoc. 399 a ; stif-t (fundatio) livl. 10 b . — nhd. gif-t (venenum); stif-t; werf-t. — δ ) starke feminina auf -ftî , aus adj. entspringend, ahd. samf-tî, senf-tî (facultas) jun. 182; sama-haf-tî (compago) jun. 200. — mhd. senf-te. — ε ) starke neutra auf -fti , altn. rif-ti (rescissio). — mhd. hef-te (manubrium) MS. 2, 80 a Parc. 3067. und zweimahl im Tit. — nhd. hef-t; geklüf-t; geschäf-t (negotium) f. hefte, ge- klüf-te, geschefte, welches letzte ich in der älteren sprache nicht nachzuweisen wüste. — ζ ) schwache masculina , ahd. heit-haf-to (sacerdos). ags. ge-þof-ta (consors alts. gibenkëo). 2) adjectiva , sehr wenige, goth. haf-ts, ahd. mhd. haf-t, altn. hap-tr (vinctus, fixus) und dann in vielen zus. setzungen; ags. svif-t (velox) engl. swif-t; zorf-t bei N. gehört nicht hierher, da es unorganisch für zor-aht stehet; der zwei- ten decl. folgt ahd. samf-ti, semf-ti (facilis) ags. sof-te, mhd. senf-te, nhd. sanf-t; vermuthlich auch wît-sueif-ti (diffusus) dessen decl. aus N. 72, 2. nicht deutlich hervor- geht. Es könnte ein gleichbedeutiges ahd. wît-hlouf-ti gegeben haben. — III. consonantische ableitungen. T. 3) verba α ) erster schwacher conj. goth. haf-tjan (figere); skaf- tjan (parare). — ahd. hef-tan (nectere) jun. 179. — ags. fif- tan (cribare). — altn. gif-ta (nuptui dare); rif-ta (rescindere); svip-ta (raptare). — mhd. ver-gif-ten troj. 10 c ; güf-ten (jac- tare) Wilh. 2, 8 b Parc. 63 a Wig. 11151; senf-ten (facile red- dere); stif-ten; swif-ten (sedare) Nib. 7321. 8119. — nhd. hef-ten; ver-gif-ten; lüf-ten (tollere); schäf-ten; stif-ten. — β ) zweiter oder dritter. ahd. haf-tên (figi) O. II. 9, 165. N. 30, 17. — ags. ge-þof-tjan (associare). — mhd. haf-ten; schuf-ten (equo citato contendere). — nhd. duf- ten (spirare odorem); haf-ten. — [S-T] das s gehört zur wurzel, sei es nun schon rein in ihr enthalten, oder entwickele es sich aus einer andern wurzelhaften lingualis; einigemahl scheint es sich auch unorganisch zu erzeugen. Ich unterscheide von diesem s-t die durch einen vocal von der wurzel getrennte ab- leitung -st (in henk-ist, herb-ist, ern-ust, dion-ust etc.) welche weiter unten abgehandelt werden soll, obgleich für einzelne dunkle wörter die scheide schwer zu treffen ist und zuweilen selbst dem s-t ein vocal voraussteht (z. b. ahd. dun-is-t, vapor, f. das richtigere duns-t; altn. kunn- usta, scientia). 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. as-ts (ramus); bans-ts (horreum); beis-ts (fermen- tum) grams-ts (festuca) oder beis-t grams-t neutrum?; gas-ts (peregrinus); vielleicht us-drus-ts (aspredo) das lieber fem. ist; muthmaßlich qvis-ts (ramus) þrafs-ts (solatium) nach den verbis qvistjan, þrafstjan; dritter decl. gehören: lus- tus (cupido); maihs-tus (fimus); vahs-tus (statura). — ahd. as-t (ramus); chîs-t (germen, semen) vrumi-chîs-t (primitiae) jun. 220. ur-chîs-t (reditus) jun. 224., die länge des vocals folgere ich aus dem schweiz. kîst (keist Stald. 2, 94, germen, räb-keist, auswuchs der reben); duns-t (vapor); durs-t (sitis); hlas-t, las-t (onus) genus unsicher; hurs-t? (frutex); kas-t (hospes); keis-t (spiritus); klas-t (splendor)?; leis-t (calepodium); mas-t (malus); nris-t (fi- mus) mis-it stehet mons. 400; pas-t (cortex); pios-t (co- lostrum) mons. 413. bies-t jun. 285. doc. 228, das männl. ge- schl. entnehme ich aus der heutigen volkssprache; plâs-t (flatus); rôs-t (craticula) mons. 321; ros-t (aerugo); trôs-t (solamen); uns-t (procella) hrab. 972 a alts. us-t, das ge- III. consonantische ableitungen. T. schlecht nach dem ags. ys-t bestimmt; vnas-t (anhelitus) aus dem verb. zu schließen?; vros-t (gelu). — ags. bäs-t (cortex tiliae); bëós-t, bŷs-t (colostrum); dus-t (pulvis); es-t (amor); fros-t (gelu); gäs-t (hospes); gâs-t (spiritus); gërs-t, gris-t (molitura); gors-t (erica, rubus); lâs-t (vestigium); mäs-t (malus); mis-t (caligo); þurs-t (sitis); us-t, ys-t (procella). — altn. blâs-tr (flatus); blis-tr (sibilus); ges-tr (hospes); gus-tr (aura frigida); hes-tr (equus) f. hengstr?; kos-tr (electio, facultas); mas-tr (malus, navis); mis-tr (caligo); os-tr (easeus); qvis-tr (ramus); þiós-tr (asperitas); vöx-tr (statura); â-vöx-tr (fructus). — mhd. as-t; bas-t; blâs-t; duns-t; durs-t; gas-t; geis-t; glas-t (splendor); hurs-t (frutex) Trist. Bon. las-t (onus); lis-t (ars); mas-t; mis-t; rost; rôs-t; runs-t (alveus flu- vii) Geo. 41 a st. des üblicheren runs; trôs-t; virs-t (cul- men) Tit.; vors-t (silva); vrôs-t. — nhd. as-t; bas-t; duns-t; durs-t; fors-t; fros-t; gas-t; geis-t; hors-t; ver-lus-t; mas-t; mis-t; ros-t; rôs-t; trôs-t; ge-wins-t (lucrum) neben ge-winn; wans-t (ven- ter, abdomen) aus wamb-est?; wûs-t; zwis-t (lis). — engl. dus-t; fros-t; ghôs-t; gues-t; gris-t; mas-t; mis-t; thirs-t. — β ) starke feminina (vierter decl.), goth. ans-ts (gratia); all-bruns-ts (holocaustum); brus-ts (pectus); vielleicht us-drus-ts; fra-lus-ts (perditio); ur- ris-ts (resurrectio). — ahd. ans-t (gratia) ab-ans-t (invidia) K. 59 a ap-ans-t mons. 407. doch aus dem dat. ap-ons-te (zelo) mons. 365. scheint auch masc. zu folgen; chnis-t, chnîs-t? (contritio) N. 9, 2; chus-t (praestantia, puritas) kus-t O. IV. 37, 18. häu- figer â-chust (vitium) K. N. â-kust O. und un-chus-t (scelus); chuns-t (scientia); hars-t oder hars-tî (frixura) doc. 218 a ; vol-leis-t (auxilium) mons. 324. 380. N. 59, 12. andere setzen vol-lus-t, eidschw. und O. IV. 14, 32. (wo thînô st. thîna?) was tadelhaft scheint oder als wahres comp. mit lust satisfactio, volle befriedigung bedeuten würde; lis-t (ars, argumentum); in luf-t vermengen sich wohl schon die goth. lustus und lusts, obgleich ich zwar lus-t (appetitus) und viele composita, als analust O. II. 11, 127. hugu-lust I. IV, 84. leid-lust I. 20, 35. zur-lust (fastidium) doc. 246 b etc. belegen kann, kein vir-lust (amissio, perdi- tio), das ich doch kaum bezweifle, weder in der vollen form var-lust, vir-lust, noch in der zus. gezognen v-lust III. consonantische ableitungen. T. (vgl. vliusit, vliosâri mons. 361. 381.); nis-t, ki-nis-t (sal- vatio, conservatio) das einfache wort nicht zu belegen, das comp. chi-nist hat J. 384. und wahrscheinl. stehet auch wëka-nëst (viaticum) mons. 320. 323. 324. 326, des- sen genus aus dem ags. erhellt, für wëka-nist (sustentatio iter facienti concessa); -nums-t, nuns-t, für numf-t sind vorhin beim f-t angegeben; pruns-t (ardor) jun. 218. 231. T. 2, 4; prus-t (pectus); ir-puns-t (invidia) aus ir-bun- stîg N. 36, 12. zu folgern; pus-t (vinculum)? ein dunkles wort, das sich bloß in dem comp. eid-bus-t T. 4, 15. (jusjurandum) vorfindet; quis-t (calamitas) O.; ur-ris-t (resurrectio)? nicht hinlänglich belegbar, T. 7, 8. 127. 209, 4. hat ur-rëstî; ki-spans-t (suasio, suggestio) K. 39 a jun. 182; trus-t (agmen) jun. 233. wo managju aber auch den pl. neutr. begleiten kann? indessen scheint trustis in frän- kischen gesetzen und formeln (D. Cange h. v.) damit in zus. hang, welches weiblich gebraucht wird; ki-turst (au- dacia); vris-t (occasio, terminus) jun. 216. O. IV. 14, 27; vûs-t (pugnus); wahs-t (statura) T. 114. ki-wahs-t jun. 221. mons. 403. vrumi-wahs-t (primitiae) jun. 220. uo- wahs-t, ô-wahs-t (stirps, nutrimentum) hrab. 952 a 975 a doc. 249; wis-t (cibus, substantia, stipendium, mansio) hrab. 975 a O. II, 22, 39. N. 88, 48. und composita: ana- wist (natura) N. 88, 7. chorn-wist (frumentum) N. 80, 17. heim-wist (patria) O. I. 18, 113 II. 7, 43. heri-wist (ex- ped. bellica) Ludw. lied. nâh-wist (vicinia, praesentia) O. IV. 5, 79. 11, 68. sam-wist, samant-wist (commercium, consortium) J. 404. mons. 378. doc. 232 b . — ags. brëós-t; cys-t (electio, largitas); firs-t (spatium); fyls-t (auxilium) aus ful-læs-t?; hläs-t (onus); hyrs-t (or- natus); lis-t (ars); lys-t (voluptas); nës-t (stipendium) väg- nës-t, väg-nis-t (viaticum); res-t (quies); vis-t (victus) und composita, z. b. ge-gador-vist (contubernium); vris-t (carpus). — altn. âs-t (amor); baus-t, bus-t (fastigium) val-bus-t (ca- pulum gladii?) Edda; frës-t (mora); inn-koms-t (proventus); lis-t (ars); lys-t (voluptas); ris-t (sartago und convexum plan- tae pedis); raus-t (vox); rös-t (pausa); vis-t (mansio, cibus) inn-vis-t (cibus domesticus), þar-vis-t (da-wesenheit). — mhd. bruns-t; brus-t; ur-buns-t (invidia) Barl. 160, 13. das genus unausgemacht; guns-t (favor) wann hat aust aufgehört? wann ist gunst (f. geunst) iu brauch gekommen? Barl. 29, III. consonantische ableitungen. T. 24. troj. 15 b ; guns-t (initium) Trist. Hag. 2, 105 a , übli- cher beguns-t Barl.; kuns-t (scientia); kus-t (perfectio) amur 6 b häufiger das verneinende â-kus-t (dolus, vitium) Trist. Barl. Bon.; vol-leis-t (auxilium, efficacia) Mar. 9. 110. 122. 128. Parc. 189 c MS. 2, 256 a Karl 125 b a. H. 866. Barl. etc.; lus-t; ver-lus-t; nuns-t für nuns-t vor- hin beim f-t angegeben; ge-nis-t (salvatio) Wig. 197. Geo. 39 b Trist. troj. 108 a MS. 2, 220 b ; ris-t (carpus) Wi- gam. 4943; ge-spans-t nicht nachzuweisen, wegen des adj. ge-spens-tic vorauszusetzen; ge-spuns-t (filum duc- tum) troj. 116 a ; swuls-t (tumor); vris-t; vûs-t; wis-t nur noch in heim-wis-t (domicilium) mite-wis-t (consortium). beide in Trist.; wors-t (tricae, fartura) troj. 2 a oder ist vors-t zu lesen? — mnl. drûs-t (vis, impetus) Huyd. op St. 3, 110. 111. — nhd. bruns-t; brus-t; faus-t; fris-t; guns-t; has-t (celeritas); kos-t; lis-t; lus-t; ver-lus-t (in oberdeutschem volksdial. fehlerhaft ver-lur-st); ras-t; schwul-st; trans-t? vgl. Frisch h. v.; wurs-t (farcimen). — nnl. außer be-gons-t (initium) auch koms-t (adven- tus); vangs-t (captura); ver-langs-t (desiderium) u. a. welche offenbar vang-st, verlang-st sind. Schweden und Dänen haben in-koms-t, an-koms-t, til-koms-t etc. doch scheint selbst das isländ. in-koms-t nicht sehr alt. γ ) starke neutra , nur wenige, goth. vielleicht beis-t (fermentum), wenn es kein masc. ist? — ahd. kras-t, gras-t (foenum) T. 38, 5; nës-t (ni- dus); pors-t (jaculum) nach dem pl. porstir mons. 410?; vielleicht trus-t (agmen)? vgl. vorhin beim fem. — altn. sind verschiedene neutral, die in den übrigen dial. an- deres geschlechts: bas-t (cortex); briós-t (pectus); dus-t (pulvis); gnîs-t (stridor); kas-t (jactus); nis-t (fibula); qvis-t (sternutamentum). — mhd. nës-t; vës-t (festum). — δ ) starke feminina ( erster oder zweiter decl. ) goth. ras-ta (stadium); vas-tja oder vas-ti? (vestis). — ahd. chnis-tî (contritio) N. 13, 3; res-ta (requies) was-tî (deser- tum). — mhd. ras-te; was-te, wuos-te (desertum) troj. 1645; wuos-te (lumbus) troj. Oberlin. 1380. — ε ) starke neutra auf -i, ahd. ki-rus-ti (machina) O. I. 17, 19. II. 11, 23. III. 12, 67. V. 1, 29. — mhd. ge-nis-te (nidisicatio). — nhd. ge- nis-t; ge-rüs-t; ge-spens-t (spectrum); ge-spins-t (fila- mentum). III. consonantische ableitungen. T. ζ ) schwache masculina , goth. vaíhs-ta (angulus). — ahd. dos-to (origanum) trev. 18 b ; huos-to (tussis); pas-to (altile) T.; trus-tjo? vgl. das altfränk. antrus-tio. — ags. ge-fyls-ta (adjutor); ôhs-ta (ascella). — altn. gneis-ti, neis-ti (scintilla); lis-ti (taenia); mas-ti (papilla); nës-ti (viaticum). — mhd. gneis-te (scintilla) huos-te; quës-te, ques-te? (castula) Parc. 28 a Wilh. 2, 195 b . — η ) schwache feminina goth. þrams-tei ( ἀκρίς ). — ahd. hars-tja (sartago) mons. 408; kërs-ta (hordeum); chrus-ta (cortex) O. III. 7, 52. — ags. dyls-te (tabum). — 2) adjectiva , goth. þvas-ts (certus); fas-tis (firmus) aus fas-tan gefol- gert. — ahd. ëpan-plas-t (praeceps) jun. 246. oder ist es subst.?; hlût-reis-t (clamosus) oder hlut-reis-ti?; ves-ti (firmus). — altn. gläs-tr (splendidus); þyrs-tr (sitiens). 3) verba , α ) starker conjugation , krius-tan (nr. 253.); liós-ta (nr. 254.); prës-tan (nr. 452.); gnës-ta (nr. 453). — β ) schwache verba erster conj. goth. fra-qvis-tjan (perdere); þrafs-tjan (consolari). — ahd. durs-tan (sitire); hars-tan (frixare); leis-tan (exse- qui); mes-tan (pinguefacere); ana-ples-tan (ingruere); res-tan (requiescere); gi-rus-tan (instruere); ar-was-tan (depopulari). — alts. brus-tjan (erumpere); thrus-tjan (sitire). — ags. hläs-tan (onerare); hyrs-tan (ornare). — mhd. bles-ten; gles-ten (splendere); mes-ten. — γ ) schwache verba zweiter , dritter conj. goth. áis-tan ( ἐντρέπειν ). — ahd. abans-tôn (invidere) mons. 386; âchus- tëôn (vitiare); chos-tôn (tentare); lus-tôn (appetere); nis- tôn (nidificare); pras-tôn (concrepare); vas-tôn; vnas-tôn (anhelare) hrab. 961 a ; vris-tôn. — mhd. bras-ten; kos-ten; nis-ten; ras-ten; tas-ten (palpare); vas-ten; vris-ten. — bemerkung : es gibt noch manche weiter abgeleitete oder componierte wörter, die ein s-t enthalten, bis auf näheres aber hier nicht unter die nomina oder verba eingestellt werden können. Folgende z. b. setzen sämt- lich unsere ableitung voraus: goth. fráis-tubni (tentatio); blôs-treis (cultor); gis-tra-dagis (cras); þrafs-tjan (solari); svis-tar (soror); gils-tr (tributum); ahd. os-tar; pols-tar (pul- vinar); rus-tagî (barbaries); kals-tar (veneficium; las-tar (opprobrium); lûs-trêntêm (attonitis); vras-t-munti (secre- III. consonantische ableitungen. T. tum); tres-tir (vinacea); altn. flaus-tr (praecipitantia); fôs-tr (educatio); nos-tr (mundities); huls-tr (theca) u. a. m. [H-T] auch von dem h-t, dessen h grund in der wurzel hat, ist das ableitende, in den frühern mundar- ten noch durch einen vocal getrennte -ht zu unterschei- den, wiewohl bei seltnen, schwierigen wörtern die gren- zen ineinanderlaufen können und zuweilen vor dem h-t gleichfalls ein vocal steht, z. b. in gi-bulah-t, gi-bulih-t (ira) f. gi-bulh-t. So habe ich fehlerhaft, wie es mir jetzo scheint, 1, 725. die adj. përah-t, zorah-t für për- aht, zor-aht genommen. 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. and-bah-ts (minister); ga-draúh-ts (satelles). — ahd. chnëh-t (puer, minister, miles); am-pah-t (mi- nister, conductor); spëh-t (picus) blas. 72 b trev. 14 a , das ë beweist der mhd. reim und die s. 53. versuchte ablei- tung gegen das engl. speight, welches auf spêht führen könnte. — ags. am-bih-t, om-bih-t (famulus); cnih-t (servus, puer). — altn. drât-tr (tractus); hât-tr (mos, dispositio); mât-tr (vis); rêt-tr (jus); flât-tr (ictus); þât-tr (sectio, pars); þvât-tr (lotura). — mhd. brah-t (fragor, clamor) Wig. 194; knëh-t; schah-t (puteus metallicus) ged. vom veldbauer z. 253. 337; spëh-t (picus) MS. 2, 94 b ; wih-t (daemon) Geo. 36 a. b. — mnl. doch-t (timor) Huyd. op St. 3, 68; knech-t. — nhd. doch-t, dach-t (ellychnium); knech-t; be-rich-t; schach-t; spech-t; ver-dach-t; wich-t. — engl. knigh-t; speigh-t. — β ) starke feminina , (vierter decl.) goth. daúhts (epulae) unsicheres geschlechts; ïnna-gah-ts, ein dunkles nur Luc. 1, 29. vorkommendes wort, das kaum λόγος ausdrückt, vielleicht dem altn. gâtt ver- wandt? oder f. înn-at-gah-ts (introitus) aus gaggids; mah-ts (vis); nah-ts (nox); raúh-ts (fremitus) nicht auf- zuweisen, höchstens aus raúhtjan zu folgern; sah-ts, wie- derum dunkel, ïnn-sahts ( διήγησις ) stehet Luc. 1, 1. und fri-sahts ( ὑπόδειγμα ) Joh. 13, 15, ich vermuthe fra-sahts? vgl. altn. sâtt, ags. saht (reconciliatio) etwa compositio?; III. consonantische ableitungen. T. saúh-ts (morbus); ga-þlaíh-ts (consolatio); vaíh-ts (res); fra-vaúrh-ts (peccatum). — ahd. ana-dâh-t (attentio) aus ana-dâhtîgo doc. 201 b zu folgern; vram-dih-t (profectus) mons. 405; ëh-t; pi-gih-t; ki-huh-t (memoria) ge-huht N. 29, 5. gi-hugt O. V. 13,38; mah-t; nah-t; ki-nuh-t (abundantia); phlih-t (obligatio, tu- tela) in-phliht (protectio) N. 134. 4; widar-pruh-t (proter- via); ki-pulh-t (ira); ki-scih-t (eventus) niu-scih-t (prodi- gium); ki-sih-t (visio); slah-t, versch. von slah-ta, aber nur in duruh-slaht (perfectio) man-slah-t (homicidium) ur-slaht (exscensus?) Ecc. fr. or. 1, 675; suh-t (morbns); truh-t (agmen, copiae) habe ich noch nicht gelesen, folgere es aber aus truhtîn und dem mhd. truht; vluh-t (fuga); vrah-t (meritum) K. 21 a mons. 370; ki-wah-t (recorda- tio); wëh-t, wih-t (res, causa); zih-t? nur in-zih-t (ac- cusatio); zuh-t (disciplina etc.) ebenso: âtam-zuht doc. 240 a volla-zuh-t (subsidium). — alts. fruh-t (fructus); mah-t; nah-t; suh-t; gi-thâh-t (cogitatio); wih-t; wrôh-t (accusatio). — ags. droh-t (conversatio? umgang, begleitung, umge- bung); fëoh-t (bellum); flyh-t (volatus); ge-hyh-t (refu- gium, spes); mih-t; nih-t; ge-nyh-t (ubertas); plih-t (periculum, obligatio); sah-t (reconciliatio)? aus dem verbo gefolgert; ge-sih-t (visus); slih-t (caedes) mon- slih-t (homicidium); ge-stih-t (dispositio); tih-t (inculpa- tio); tyh-t (disciplina); vrôh-t. — altn. ât-t (regio) æt-t (genus) beide urspr. wohl das- selbe; drôt-t (populus, multitudo); frêt-t (interrogatio); gât-t (hiatus inter postes januae); sât-t (pax); sêt-t (se- nio); sôt-t (morbus). — mhd. dâh-t (cogitatio) Ulr. Trist. 1774, die comp. an- dâht troj. 117 a 137 b misse-dâht Trist.; gih-t (arthritis); ver-gih-t (confessio) Wilh. 2, 31 b , bei späteren üblicher bîhte; mah-t, â-maht; nah-t; ge-nuh-t (abundantia); pfah-t (pactum, lex); pflih-t; ge-schih-t, un-ge-schih-t; ge-sih-t, an-ge-sih-t; slah-t nur in man-slah-t (homici- dium); suh-t (tabum); truh-t (eopia, turba, impetus) misc. 2, 285. amgb. 26 c 30 c ; vluh-t (fuga); vruh-t (fruc- tus); in-zih-t; zuh-t; ht für ft nur sehr selten in der mundart solcher, die ans niederd. streifen, z. b. grah-t En. 6817. sige-nuh-t misc. 2, 285. — mnl. organische cht in: an-dach-t; mach-t; nach-t; plich-t; tuch-t; mên-tuch-t Maerl. 1, 449. 452. 2, 17. 196. III. consonantische ableitungen. T. merch-tuch-t 2, 85. — unorganische für ft in: grach-t (fossa); hach-t (custodia); krach-t (vis); brû-loch-t (nup- tiae); stich-t (fundatio). — nhd. an-dach-t; buch-t; fluch-t; frach-t; fruch-t; gich-t; mach-t, ohn-mach-t; nach-t; pach-t; pflich-t; prach-t (bei Opitz noch brach-t männlich); schlach-t (pugna); schluch-t; such-t; wuch-t; in-zich-t; zuch-t. — engl. bough-t; draugh-t; figh-t; migh-t; nigh-t; pligh-t: sigh-t. — γ ) starke neutra , aus den älteren sprachen außer ahd. rëh-t, ags. rih-t eben keine nachzuweisen; mhd. bâh-t (sordes, lutum) Parc. 121 c Frig. 21 a Otto bart 94 c ; rëh-t; tâh-t (ellychnium) weltchr. cass. 145 a kerzen-dâh-t wartb. kr. jen. 36. 39.; nhd. rech-t; engl. righ-t. — δ ) starke feminina (erster, zweiter decl.) ahd. ah-ta (cura, meditatio); slah-ta (genus); trah-ta (co- gitatio); vëh-ta (pugna) Hild. fëh-eta; vorah-ta (metus); wah-ta (custodia); zuah-ta (stirps, progenies) nur O. I. 3, 51, wo Flacius zuahta, nicht zuuahta, vgl. zuac (pam- pinus) jun. 183; êra-krëh-tî (majestas) êra-grëh-tî O.; du- rah-noh-tî (consummatio); rih-tî (rectitudo); slih-tî (pla- nitudo); vûh-tî (mador). — mhd. ah-te; bîh-te (confessio) Ben. 148. misc. 2, 215; rih-te; slah-te (genus); slih-te Wilh. 2, 176 c ; trah-te; tih-te (poëma) Trist. 162; vëh-te (pugna) Trist. 1667; viuh-te (mador); vorh-te (metus); wah-te (custodia); die auf-ahte (nicht die ührigen) pflegen zuweilen das e weg- zulaßen, z. b. ah-t Nib. 5518. troj. 7 c slah-t Frig. 20 c trah-t MS. 2, 138 b troj. 6058. etc. nhd. (mit nothwendiger unterdrückung des e nach acht) ach-t, ob-ach-t; furch-t; feuch-te; leuch-te; rich-te; schlich-te; trach-t; wach-t. — ε ) starke neutra (zweiter decl.) goth. anda-nah-ti (vesper); biuh-ti (mos). — ahd. am-pah-ti (officium); ki-chnih-ti (famulitium); ki-rih-ti (judicium) ki-vëh-ti (bellum) J. 381. der gen. chi-fëhtes, doch hrab. 969 a ca-fëh-t (mars). ags. om-bih-te (officium); ge-vih-te (pondus). altn. em-bæt-ti; gæt-ti (cardo). — mhd. im zwölften jahrh. wohl noch am-bah-t, am- beh-te, neben am-be-t, mit betonter erster silbe; ge- breh-te (clamor) Parc. 102 a ; ge-gih-te (arthritis); ge- III. consonantische ableitungen. T. rih-te (judicium); ge-sleh-te (genus); ge-tih-te (poëma) ge-vëh-te (pugna) Ern. 10 a ; ge-würh-te (opus textile) Nib. 1732. Trist. 2534. 2748. — nhd. am-t (veraltet amp-t); ge-dich-t: ge-fech-t; ge- flech-t; ge-rich-t; ge-rüch-t; ge-sich-t; ge-schlech-t; ge- wich-t; ge-züch-t. — ζ ) schwache masculina , goth. fra-vaúrh-ta (peccator). — ahd. wurh-to (operarius) in den comp. ubil-wurh-to, leim-wurh-to bei T. (bei andern -wurko). — ags. vyrh-ta (opifex), selten-vëorca, und in vielen comp. scip-vyrh-ta, trëov-vyrh-ta etc. — altn. flôt- ti (fuga); þôt-ti (cogitatio). — mhd. vor-vëh-te ( πρόμα- χος ) Karl 57 b ; kein-würh-te, nur wurk-e. — engl. wrigh-t und in vielen comp. cart-wrigh-t, wain-wrigh-t etc. — η ) schwache feminina , goth. faúrh-tei (timor); uh-tvô, vah-tvô (vorhin s. 189.) — ahd. uoh-ta für uh-ta, alts. uh-ta, ags. uh-te, altn. ôt-ta (tempus matutinum. — 2) adjectiva α ) erster declination goth. baírh-ts (lucidus); biuh-ts (solitus); faúrh-ts (timi- dus); mah-ts (possibilis); raíh-ts (rectus); ga-raíh-ts (ju- stus); þah-ts in anda-þah-ts (consideratus); þuh-ts in mi- kil-þuh-ts (arrogans); vaúrh-ts in us-vaúrh-ts (consum- matus). — ahd. dâh-t in gote-dâh-t (devotus) N. 107, 9; durah- noh-t (consummatus, perfectus, merus) jun. 239; për- ah-t (fulgidus); rëh-t (rectus) krëh-t (ki-rëht, justus, di- rectus); ki-slah-t (constitutus); slëh-t (lenis); vorah-t (ti- midus); zorah-t (splendidus); ouka-zorah-t (manifestus). — ags. bëorh-t (lucidus); forh-t (timidus); rih-t (rectus); torh-t (splendidus). — altn. biar-tr (lucidus); lêt-tr (levis); rêt-tr (rectus); sât-tr (reconciliatus); þêt-tr (spissus). — mhd. rëh-t, ge-rëh-t; ge-slah-t; slëh-t. — nhd. ech-t; rech-t, ge-rech-t; ge-schlach-t; schlech-t; schlich-t. — nnl. ech-t; dich-t; lich-t; rech-t; ge-slach-t; slech-t; zach-t (lenis). — β ) zweiter declination , ahd. lîh-ti (levis); vûh-ti (madidus). — mhd. dîh-te (spis- sus), nicht dih-te, da in der oben s. 18. angezognen stelle kein falscher reim zu vermuthen ist und noch heute in III. consonantische ableitungen. T. volksdialecten deich-t f. dich-t gehört wird; lîh-te (le- vis); dur-nëh-te MS. 2, 184. Trist. 1062; sîh-te MS. 2, 16 a (zu emendieren); viuh-te. — nhd. dich-t; leich-t; seich-t; feuch-t. — 3) verba α ) starker conjugation: vëh-tan (nr. 460.); vlëh-tan (nr. 461). — β ) erster schwacher: goth. and-bah-tjan (ministrare); ana-mah-tjan (cogere); faúrh-tjan (timere); ga-raíh-tjan (dirigere); in-raúh-tjan (fremere). — ahd. ah-tan, eh-tan (persequi); am-pah-tan (ministrare); rih-tan (dirigere); slih-tan (mulcere); vorahtan (timere); ki-nio-wih-tan (an- nihilare). — ags. dih-tan (constituere); ge-tih-tan (inci- tare). — mhd. eh-ten; ent-nih-ten; rih-ten; slih-ten. — nhd. äch-ten; ver-nich-ten, rich-ten; schlich-ten; fürch- ten. — nnl. stich-ten (fundare); zwich-ten (reprimere). γ ) zweiter schwacher conj. ahd. ah-tôn (considerare); ki-durah-noh-tôn (consummare); tih-tôn; trah-tôn (me- ditari); vrëh-tôn (mereri) jun. 193. — ags. ge-stih-tjan (disponere); ge-þëah-tjan. — mhd. ah-ten; tih-ten; trah- ten. — nhd. ach-ten; dich-ten; befrach-ten; rech-ten (litigare); sich-ten; schlach-ten; trach-ten etc. — bemerkung: verschiedne ableitungen h-t haben in das vorstehende verzeichnis nicht aufgenommen werden kön- nen, weil ihnen noch weitere ableitungen anhängen, z. b. hlah-tar (risus); toh-tar (filia); truh-tîn (dominus); leih- tar (secundinae) ags. lëah-tor (probrum) etc. Sie setzen alle ein einfacheres h-t voraus, ein hlah-t, toh-t, truh-t, leih-t, wie z. b. bei den analogen vorah-tal (timidus) për- rah-tal (lucidus) bëorh-tm (splendor) das einfachere vo- ah-t, përah-t, bëorh-t einleuchtet. Allgemeine anmerkungen zu den formeln FT, ST, HT. 1) das -t ist die eigentliche ableitung; da wo dem wur- zelvocal unmittelbar f, s und h nachfolgen, laßen sie sich bei jedem organ aus der tenuis, media oder spirans der wurzel nachweisen. a) f-t aus wurzelhaftem p: hlaupan, hlouft; hrôpan, hruoft; skapan, scaft; greipan, grift; hiupan, hüfte; giu- pan, guft; sveipan, sveift. b) f-t aus wurzelhaftem b: giban, gift; viban, wift; skreiban, scrift; saban, saft; haban, haft; graban, graft und gruft f. gruoft; skaban, scaft; skiuban, skuft; kliu- III. consonantische ableitungen. T. ban, chluft: dreiban, trift, sliuban, schluft; riuban, ryft; sveiban, svifte; stiban, stift; ïban, ïftuma; kriban, chraft; siban (cribrare), sift. c) f-t aus wurzelhaftem v kommt nieht vor, denk- bar wäre aber ein snift (ningor) von sneivan; vgl. das altn. snifinn, sniofga. d) s-t aus wurzelhaftem t: blôtan, blôstreis; beitan, beist (sauerteig, von seiner beißenden, ätzenden kraft); fliutan, flaustr; matan oder mitan, mast (denn sicher hängt es mit dem subst. mats, maƷ, cibus, zusammen); fatan (oder sisan?), fest. e) s-t aus wurzelhaftem d und þ: qviþan, quist, queste (vgl. s. 87. den übergang der begriffe reden, theilen, ast, zweig); knidan, chnist; hladan, hlast; fraþan, frast-munti?; fadan, fôstr. f) s-t aus wurzelhaftem s: svisan, svistar; ni-san, nist (conservatio); visan, wist; reisan, ur-rist; gei- san, geist; fráisan, fráistubni; blêsan, plâst; liusan, lusts; leisan, leist; grasan, grast; lisan, list; þiusan, þiustri; ba- san, bast; kiusan, chust, âchust und chost; giusan, gustr; driusan, drusts; friusan, frost. g) h-t aus wurzelhaftem k: vakan, wahta; rikan, raíhts; siukan, saúhts; skakan, scaht (vom durcharbeiten. erschüttern des erdbodens?); riukan, gerücht; brikan, braht (fragor) und widar-pruht; fiukan, vûhti. h) h-t aus wurzelhaftem g: biugan, biuhts und bucht; dugan, daúhts; dragan, trahta; pligan, pfliht; vigan, gewicht; magan, mahts. i) h-t aus wurzelhaftem h: slahan, slaht und slahta; vahan, ki-waht; hlahan, hlahtar; tiuhan, zuht; þeihan, dîhti; teihan, ziht; veihan, vaíhts; saíhvan, ki-siht; skaíhan, ki-sciht; seihan, sîhte; hiuhan, ki-huht; þliuhan, fluht; spaíhan, spëht. k) die stämme einiger der angeführten sind unsicher, andere bleiben noch zur zeit völlig zweideutig, z. b. soll man ast, gast, bast, bust, lust, bâht etc. aus wurzelhafter tenuis, media oder spirans ableiten? tâht auf dagan (leuchten, brennen) zurückführen? das würde taht er- fordern, wie ich s. 44. angenommen, dem aber die mhd. reime auf brâht und das nhd. docht neben dacht wider- sprechen. In chnëht könnte h aus v entsprungen sein, vgl. kniu, chnëo, cnëóv, aber alts. knëo, knëohes (1, 636). — III. consonantische ableitungen. T. 2) geht dem f-t, s-t, h-t noch ein andrer wurzelhaf- ter consonant (und es kann nur liquida oder spirans sein) voraus, so ist das f, s und h der eigentlichen wurzel fremd und scheint selbst ableiterisch. Die hier in be- tracht kommenden formeln sind mft , lft , rft , lst , mst , nst , rst , hst , lht , rht; ich unterscheide a) die erste ableitung hat sich mit der wurzel so enge verbunden, daß sie ablautend geworden ist; hier tritt das -t der ablautenden formel ganz wie unter 1. hinzu, folg- lich: rimpan, ramft; hvilban, hvilftri; hvaírban, huurft; þaúrban, durft; þinsan, dunst; þaírsan, durst (zum be- weis, daß man auch ahd. früher dursi f. durri gesagt hat); vahsan, vahstus; ahsan, ôhsta; bilgan, gi-bulht; vaírkan (?) vaurhts. b) in einigen fällen vermuthe ich solche ablautsfor- formeln, kann sie aber nicht belegen; so scheint mir maíhstus (fimus) ahd. misit, mist f. mihst ags. (ohne ableitendes -t) mix = mihs (wie fox; fuhs); vgl. mix-en (stercorarium) ahd. mist-unnea. , ein verbum maíhsan (nr. 632.) zu fordern, welches (wie þaíhsan s. 71. auf þeihan) wahrscheinlich auf nr. 190. meigan oder viel- leicht richtiger meihan (mejere, mingere) zurückweist. Nicht anders gehört vaíhsta (angulus) verglichen mit veihs und wëhsal (lat. vicus, vices) zu einem verlornen vaíh- san (nr. 633). Das goth. þrafstjan leite ich von þrifsan? þrafsan? und dieses von þraban. përht, zorht begehren ein starkes verbum baírhan, taírhan; faúrhts ein faírhan; worst, gramst, galstar, banst (neben banse) runst (neben runs) ein vaírsan (später wërren, nr. 429.) grimsan, gil- san, binsan, rinsan? und sind daraus wirrsal, rinnsal (oben s. 107.) zu erklären, wie irrsal aus goth. aírzis (ahd. irri, früher irsi)? Weiteres unten beim S. c) anderemahl kann aber auch das f und s (von h weiß ich kein beispiel) unorganisch eingeschoben sein, weil sich f gern mit m, s mit n verbindet. Dahin ge- hören chumft, zumft, numft, sumft von qviman, timan, niman, svimman, denn Ulfilas sagt noch numts, nicht numsts, jedoch qvumþs, welches für qvumfts stehen könnte, wie im anlaute þl, þr sich mit fl, fr berühren (1, 66.) und svumfsl, svumsl. Hier ist schwerlich ein qvimpan, timpan, nimpan, svimpan dazwischen. Bei- spiele des eingefloßenen s: anst, chunst, prunst, unst, gunst, kispanst, gespinst, gewinst, beginst, geschwulst von O III. consonantische ableitungen. T. unnan, kunnan, brinnan, spanan, spinnan, vinnan, gin- nan, suillan. Für ein brinsan, vinsan, spinsan, ginsan die altnord. brënsla (combustio) kënsla (notio) spensl (fi- bula), das nl. beginfel (initium) anzuschlagen, halte ich für zu gewagt, da ihnen auch schwache verba auf -isôn zu grunde liegen können, (vgl. anm. 8. über die st. im praet. einiger dieser verba). — 3) einige verba haben sogar das ableitungs-t mit in den ablaut eingelaßen, d. h. die mit ihnen verwandten nomina zeigen kein neues t. Hierher gehören bloß die formeln ft und ht in folgenden wörtern: kriustan, krusts; liustan, lustus (verschieden von liusan, lusts) bristan, brëstr, brusts; gneistan, gneisti; faíntan, ki-vëht; flaíhtan (? þlaíh- tan), ki-vlëht. 4) die bedeutung des ableitenden -t, da es nach ab- wechselung der mundarten in vielen wörtern bald vor- kommen, bald fehlen kann, muß schon lange nicht sehr fühlbar gewesen sein. goth. þlaúhs, vrôhs, nicht þlaúhts, vrôhts, wie ahd. vluht, alts. wrôht; dagegen goth. skufts, gaskafts, wo nhd. schopf, mhd. geschaf (Parc. 77 a Wilh. 2, 113 b ). Erst nhd. saft und hüfte (f. huft) wo mhd. saf und huf (goth. hups), saft scheint aber schon im 14. jahrh. aufzukommen, da es schlechte handschriften darbieten. Für das gewöhnliche guft nur einmahl mhd. guf, umge- kehrt selten durf f. durft (Wilh. 3. nôt-durf: wurf) ags. þëarf. Nhd. sumpf, rûf, lauf statt des ahd. sumft, hruoft, hlouft; spur des letztern im nhd. zeitläufte, weitläuftig; auch ags. hleáp, altn. hlaup, wie ags. vôp, mhd. schwan- kend wuof, wuoft, ruof, ruoft. Die ags. sprache begünstigt das t am wenigsten, sie setzt außer þëarf, vôp, hleáp auch cyme, bryne, dyne (fragor) lyre s. ahd. chumft, prunst, tunst, varlust (goth. qvumþs, brunsts, fralusts). Doch gilt ags. vyrhta, goth. vaúrhta, ahd. wurhto, mehr als vëorca, ahd. wurho; mhd. schwanken wohl würke und würhte wie gewürke und gewürhte. Runst, begrift, umbesweift sind mhd. seltner als runs, begrif, umbesweif, hingegen haben sich die comp. mit -schaft mhd. und nhd. durchaus das t angewöhnt, statt des ahd. -scaf. Das fast allgemein gültige chnëht, ags. cniht, scheint mons. 363. 413. ohne t vorhanden (chneh- lîch und chnëh, wie für chnez zu lesen sein wird vgl. das slav. knez (princeps, nobilis). ; in einer stelle O. haben alle hss. knet f. knëht. — III. consonantische ableitungen. T. 5) unorganische vertauschung des f, s, h untereinander. a) für kumft, -numft: kunst, -nunst, wozu die verdün- nung des m in n mitgewirkt haben mag, doch altn. schwed. dän. auch komst, altschwed. förnumst. Umgedreht nhd. brunft, brumft f. brunst, vom begattungstriebe des wil- des. Zuweilen wird das n vor dem f ausgeworfen: ver- nuft, sigenuft (doch nie kuft); so auch tunft und tuft (vapor); sind tunft und tunst ein wort? b) für hd. kraft, luft, stift, haft, graft, brûtlouft etc. nd. verdorben kracht, lucht, sticht, hacht, gracht, bru- lôcht; so auch nach erfolgtem auswurfe des n für sige- nuft, sigenucht, für sost (statt sanft) socht, sacht, zacht, woher das nhd. adv. sachte (sensim, leniter), ungeachtet sanft geblieben ist; unser nichte (f. nifte) steht neben neffe; sichten (explorare) scheint jedoch nicht das engl. sift (cribrare) sondern mit seihen und seicht verwandt, durchseihen. Das mhd. swisten haben wir aufgegeben und aus dem nd. zwichten beschwichtigen angenommen. Umgekehrt macht N. zorst aus zorht. c) h und s tauschen am seltensten, doch scheint trust f. truht vorzukommen und vielleicht goth. vaúrstv (opus) f. vaúrhtv zu stehen; vgl. 1, 416. über foreht und for- est. — 6) es muß nunmehr auch bewiesen werden, daß un- ser ableitendes -t völlig dem lat. -t entspricht, folglich an alter über die lautverschiebung hinausreicht. Die lat. sprache verbindet aber im lippen und kehllaut die tenuis, im zungenlaut gleichfalls die spirans mit dem -t, es ste- hen daher die lat. p-t, s-t, c-t den deutschen f-t, s-t, h-t parallel. Beispiele: aptus, captus (haft), raptus, ruptus (ryft), scriptus (scrift), neptis (niftila), nuptus; hostis (gasts), festum (fest), hesternus (gistra), haustus, tostus f. torstus (durst), vastus (wuosti), comestus, ustus; rectus (raíhts), macte von mactus (mahts), dictare (tihtôn), tractus (droht), factus, actus, ambactus Caesar de B. G. 6, 15. Festus, nach Ennius, ein gallisches (deutsches) wort, = servus, offenbar das goth. and-bahts, ahd. ampaht: Scaliger leitet es vom lat. ambigere. , nox, noctis (naht), vectus. Die p, s, c erwachsen aus allen stufen jedes organs: capio, captus; nubo, nuptus; comedo, co- mestus; torreo f. torseo, tostus; uro f. uso, ustus; facio, factus; ago, actus; veho, vectus; zus. gezogen würde θυγάτηρ θύκτηρ lauten (litth. dukte, dukteries) wie das O 2 III. consonantische ableitungen. T. goth. daúhtar, unzus. gezogen dugaþar, dugadar? svistar ist das slav. sestra, litth. sess ü , lat. soror f. sosor, ohne ableitungs-t. Denn wie dieses -t nach anm. 4. im deut- schen fehlt, kann es auch im lat. daher z. b. picus viel- leicht f. pictus (buntspecht) steht. Ausnahmsweise und sehr selten folgt das deutsche st dem gesetze der laut- verschiebung, d. h. entspricht lateinischem sd., ein bei- spiel ist nëst, = nisdus, woraus nidus (mit langem i) entsprungen sein muß, slav. gniezdo vgl. litth. lizdas (lett. lisda) f. nizdas, wie laksztingala f. naksztingala (nahtigala). . 7) offenbar dürfen die deutschen ft, st, ht nicht aus einer bloßen wohllautsregel erklärt werden, da wenig- stens pt und kt wohllautend und unserer sprache sonst gemäß sind (vgl. die ahd. schwachen praet. uopta, loupta, dacta, hancta). Die lat. pt, ct verwandelten sich viel- mehr in ft, ganz nach der lautverschiebung pater, fadr, cornu, haúrn. Aber das t blieb gefeßelt und wurde kein deutsches þ, d, wie es, sobald vocale die consonanzver- bindung trennten, immer der fall war, z. b. liuhaþ ent- spricht einem lat. lux, luctis (wie es f. lucis heißen könnte) und wird erst durch syncope zu liuht, lëoht. Aus die- sem grunde muß die zus. ziehung der formen magida, áigida, sukids und vielleicht sagids in mahta, aíhta, saúhts, sahts in eine sehr frühe zeit gesetzt werden, da später- hin z. b. im schwed. genug kt hervortauchen (1, 557.), der Isländer neben tt auch kt zuläßt (ikt, paralysis, gicht; akt, aestimatio etc.) und zwischen ft und pt schwankt (1, 313.) wie schon der Gothe zwischen ft und bt (wenn der stamm media hatte). Im mhd. erzeugt die contrac- tion kein ft in geschepfde, gelübde etc. 8) die anomalen praeterita môsta, vista (vissa), daúrsta, káupasta, ôhta, mahta, aíhta, þaúrfta, onsta, chonsta, pi- gunsta, farmunsta etc. (1, 853. 883. etc.) stimmen genau zu der entwickelten lehre vom ft, st, ht. Obgfeich im goth. noch onda, konda gelten, beweist doch das subst. ansts daß das ahd. onsta, chonsta etc. längst begründet war; unst (procella) alts. ust verhält sich zu unda (fluctus) alts. uthia, ags. yð altn. unn, wie chunst, kust zu chund, kuth, kunnr. Unorganisch folgen der analogie das nhd. gewinnst oder das nnl. fangst, verlangst. 9) ob sich alle -st in s-t auflösen und keine organische ableitung st anzunehmen ist? untersuche ich unten beim III. consonantische ableitungen. T. ST. Die nhd. ernst, dienst, herbst, hengst, angst, obst haben freilich das ansehen, als seien sie mit dunst etc. in eine reihe zu stellen. II. T. = ahd. Z. hier müßen die drei vorstehenden vocale unterschieden werden; das ahd. zeigt in der regel, wenn der ableitungs- vocal ausgeworfen ist, härteres z, wenn er vorsteht, wei- cheres Ʒ, in gewissen wörtern sogar noch die tenuis. [AT] der vocal fehlt im altn. gänzlich, hat sich aber im goth. schwachen verbo, im ahd. und ags. hin und wieder häufiger erhalten. 1) substantiva , α ) starke masculina , goth. svul-ts (mors), wovon indessen nur der dat. svulta zu belegen ist; nach dritter decl. kin-tus ( κοδράντης , quadrans, vgl. litth. keturi, quatuor). — ahd. klan-z (nitor); pal-z (paean?) mons. 362. 364. sonst flor. 983 a bal-z (baltheus); pol-z (puls) mons. 322; sarz (arabs) oder sar-aƷ? beleglich der pl. ser- zî mons. 398. schwache sg. ser-zo mons. 333; stur-z, nur in avar-stur-z (febris recidiva) mons. 386. 394; vil-z (matta, sagum) K. 52 a mons. 383.; wil-z (veletabus) pl. wil-zî. — ags. bel-t (baltheus); bol-t (catapulta); dyn-t (ictus); en-t (gigas); fil-t; an-fil-t (incus); flin-t (silex); gyl-t (debi- tum); mun-t (mons); stëor-t (cauda): svyl-t (mors). — altn. gölt-r (verres); kant-r (ora, margo); krëm-tr (vox crepera); snër-tr (tactus); fkol-tr (rostrum); stër-tr (cauda equi); sul- tr (fames); ym-tr (rumor evulgatus). — mhd. bol-z (cata- pulta); glan-z; kan-z (margo?) nur in kanz-wagen Nib. Trist.; kël-z (superbia) Geo. 19 b Herb. 49 a ; kran-z; mër-z (gemma? res pretiosa?) Mar. 125. Geo. 2761. mus. 1, 70; schran-z (rima) Barl. 75; snar-z (phantasma?) roseng. 2 b amgb. 2 a ; spran-z (fragrantia); stur-z (lapsus); swan-z (saltatio); tan-z Parc. 153 b ; vil-z; vur-z. — nhd. bol-z; pil-z; fal-z; fil-z; fur-z; glan-z; kran-z; schmer-z; schmel-z; schwan-z; stol-z; stun-z; stur-z; tan-z. — β ) starke feminina , goth. vaúr-ts (radix) versch. von aúr-ts (olus, herba) das nur im comp, aúrti-gards (hortus) vorkommt. — ahd. scheint wur-za (radix) J. 342. unterschieden von wur-z (herba) T. 73, 2. W. 1, 12.; nach erster decl. auch wal-za (pedica, deliberatio) mons. 336. 338. — ags. vyr-t (herba III. consonantische ableitungen. T. olus); vëar-t (verruca) oder schwach vëar-te? — altn. âlf-t (cygnus); ur-t (herba). — mhd. wur-z (herba) Parc. 117 a 154 b Barl. 107. troj. 137 c neben wir-z (aroma) troj. 79 b schm. 1313. — Ableitenden vocal erhalten finde ich etwa nur in dem ahd. worm-aƷ (vormatia) mhd. worm- eƷ, nhd. worm-s (f. worm-ß), wenn man an der deutsch- heit dieses worts keinen anstoß nimmt. — γ ) starke neutra , goth. sal-t (sal). — ahd. har-z (bitumen) jun. 173. doc. 218 a ; hol-z (lignum); mal-z (polenta); sal-z; das a be- halten: op-aƷ (pomum) und samb-aƷ (sabbatum). — ags. hol-t; mëal-t; sëal-t; und mit bleibendem vocal of-ät (pomum). — altn. blak-t (palpitatio); flim-t (calumnia); gan-t (ludificatio); glym-t (insultatio); hial-t (pomum ca- puli); hol-t (silva); mal-t; sal-t; snök-t (singultus). — mhd. har-z; hol-z; mal-z; sal-z; smal-z; mit bleibendem vocal ob-eƷ: lobeƷ schm. 335; samb-eƷ-tac. — nhd. har-z; hol-z; mal-z; sal-z; schmal-z; aber ob-st statt ob-s, ob-ß, und sam-s-tag st. sam-ß-tag. — δ ) starke neutra auf -ati , ahd. mil-zi (splen); êr-eƷi (aes) jun. 290; himil-eƷi (la- quear) mons. 328; mahal-eƷi (causa) mons. 366. 376. ver- kürzt mahal-zi doc. 224 b ; die unumgelautete form wäre êr-aƷi, himilaƷi, mahalaƷi?; steht auch fisg-iƷƷi (pisca- tio) O. II. 7; 152. V. 13, 2. f. fisg-aƷƷi (strengahd. visc- aƷi)? oder ist das i keine assimilation? und haben alle diese vielleicht -azi? s. unten beim schwachen verbo. — ags. bärn-ete (combustio); lig-ete (fulmen); mit-te (lien); rêv-ete (remigium, navigatio). — altn. bel-ti (zona); mil- ti (lien). — mhd. ge-hil-ze (capulus) En. 44 a ; ge-himel-ze Flore 32 a En. 71 b ; ër-ze (f. êrze) Geo. 40 a schm. 375. mus. 1, 70; mil-ze (lien); ge-smil-ze En. 44 a ; ge-reg- eze (? Schilter 354 b ); ein denkmahl des 15. jahrh. liefert ge-stein-ze, ge-bein-ze, ge-ding-ze u. a. — nhd. er-z, ge- höl-z, aber nur noch in volksdialecten: himmel-ze, ge- bein-ze, ge-thier-ze etc. mil-z ist weiblich. — ε ) schwache masculina , goth. aúr-tja (hortulanus). — ahd. man-zo (uber) T. 58, 2; (f. mam-zo?) pan-zo, pen-zo (incola? der in der panz, nie- derd. bant, wovon bra-bant, teister-bant etc. wohnt?) eli- ben-zo (alienigena?) O. III. 18, 28. — ags. hil-ta (capulus); hun-ta (venator); mit vocal äm-eta, äm-etta (otium) Boet. 116. 127. — altn. frum-ti (clunis); gal-ti (majalis); hial-ti (gladius); bol-ti (ferrea compes). — mhd. blik-ze (ful- III. consonantische ableitungen. T. gur) MS. 2, 166 b ; mër-ze nicht mer-ze (mensis martius); siuf-ze (zuweilen noch sius-te, suspirium); smër-ze (do- lor); tër-ze (terciolus, genus falconis); vël-ze (stria) troj. 73 a Oberl. 1715. (schwerlich sinen f. sinem und velzen f. dat. pl. von valz zu nehmen). — nhd. schmer-z. — ζ ) schwache feminina , ahd. kal-za, gal-za (sucula) trev. 11 a ; min-za (mentha); phlan-za (planta); smër-za (dolor); spël-za (frumenti ge- nus); sul-za (muria) mons. 400. — ags. gil-te (sucula); min-te; plan-te. — altn. heim-ta (postulatio); kel-ta, köl- ta (sinus, gremium). — mhd. hël-ze (capulus) troi. 73 a MS. 2, 58 a ; lan-ze; min-ze; pflan-ze; run-ze (ruga) Barl. 32, 20. run-sche?; sprin-ze (festuca) man könnte zwar Geo. 35 b sprinzen: glinzen in spriƷen: glîƷen ändern; allein wegen spranz und glanz muß auch jene form behauptet werden (s. hernach die starken verba dieser sorm) schan-ze MS. 1, 153 a ; war-ze (verruca). — nhd. lan-ze; lef-ze (unorg. f. lef-se); min-ze; pflan-ze; stel-ze; sül-ze; wan-ze; war-ze. — η ) schwache neutra goth. haír-tô; ahd. hër-za; ags. hëor-te; altn. hiarta; mhd. hër-ze; nhd. her-z. — 2) adjectiva , goth. hal-ts (claudus); háuh-haír-ts (Tit. 1, 7.); svar-ts (niger). — ahd. chur-z (brevis); hal-z (claudus); kan-z (integer) N. 94, 4. gan-z O. III. 2, 44; klan-z (splendidus) mons. 350; scur-z (brevis) K. 51 b ; suar-z (niger); den ableitungsvocal hätte, wenn es hierhergehört, das dunkle hërap-aƷ (mediocris) mons. 355, dem ein ags. hëors-t, altn. hiörf-tr entsprechen würden, die sich aber nicht fin- den hëra-paƷ durch ein compositum, aus dem adv. beßer-her, mehr in die mitte (vgl. altn. hingat-betr, propius) zu deuten, hat wider sich, daß sonst aus comparativen keine feminina gebil- det werden, wie herapaƷarî (mediocritas) mons. 377. 380. ja, daß das adv. selbst nicht hëra-paƷ lautet, sondern hërapaƷiro (medio- criter) mons. 383. . — ags. hëal-t (claudus); scëor-t (brevis); smol-t (serenus) alts. smul-t; stun-t (hebes); svëar-t (niger); të- ar-t (asper); sine-vëal-t (rotundus). — altn. sir-tr (iratus); mal-tr (marcidus); stol-tr (superbus) svar-tr. — mhd. gan-z; glan-z; hal-z; kur-z; lër-z, lur-z (sinister); stol-z; swar-z. — nhd. gan-z; kur-z; stol-z; schwar-z hat es ein ahd. adj. ein-aƷêr (siugulus) gegeben? kann es aus dem adv. ein-aƷun, ein-eƷun (summatim) ein-iƷen O. III. 22, 23, ein-iƷis N. 50, 5. gefolgert werden? mhd. die weitere ablei- tung ein-zel, aber selten, Trist. 19450; nhd. ein-zeln sehr ge- bräuchlich. . — III. consonantische ableitungen. T. 3) verba , α ) starker conjugation : svil-tan (nr. 349); mil-tan, smil-tan (nr. 380); stin-tan (nr. 380); glin-tan (nr. 594); snër-ta (nr. 440); aír-tan (nr. 617); vair-tan (nr. 618). Es sind aber noch mehrere zu vermuthen, als ich oben s. 58. 59. 62. angeführt habe, So gut glintan (nr. 594) aus glei- tan (nr. 148) durch einschiebung des n verba zwölfter conj., die n haben, können auf doppelte weise aus einfacheren stämmen hervorgehen (welches oben s. 71. nicht hinlänglich auseinander gesetzt ist): entw. tritt dem wurzel- haften n ein ableitender cons. zu, wie in svindan, oder es wird ein noch räthselhaftes n eingeschaltet, wie in glintan, sprintan. Hieraus folgt, daß in solchen und vielleicht in allen fällen des nt , nz , das t, z. nur scheinbar zur ableitung gehöre, da es gerade wurzelhaft ist. Bei weiterer untersuchung sind daher diese sor- meln wegzulaßen. entspringt, wird auch ein sprintan ahd. sprinzan (findi) nr. 594 b anzu- setzen sein, dessen quelle spreitan, ahd. sprîƷan (nr. 503 b ) wäre. Von ersterm stammt spranz (fissura) und sprinze (festuca) von letzterm das gleichbedeutige sprîƷe. Auf gleiche weise verwandt scheinen mir kranz (corona) und kreiƷ (circulus) von den verbis krîƷen (nr. 503 c ) und krinzen (nr. 594 c ). Die subst. vilz, vëlze, samt dem schwachen velzen verlangen ein vëlzen, valz (nr. 581 b ) und wahrscheinlich berühren sich auch halz (claudus) hëlze (capulus) mit holz (materies, lignum) in hëlzen, halz (nr. 581 c ) u. a. m. siltan neben saltan ist s. 74. ver- muthet worden; smërzan, smarz (nr. 618 b ) läßt sich noch mhd. beweisen, in Eckenausfahrt steht der ablaut; von këlzen (superbire) MS. 2, 58 a kaun ich noch kein kalz beibringen. — β ) schwache verba erster conjugation; hier unter- scheide ich solche die das -t (-z) schon im starken verbo oder nomen haben, von den intensivis, die es erst in die- ser verbalableitung bekommen und zwar gewöhnlich noch den vorstehenden vocal dulden: a) goth. val-tjan. — ahd. hel-zan (debilitare); smel- zan (liquefacere); stur-zan; wel-zan. — altn. fir-ta (bi- lem movere). — mhd. er-gen-zen troj. 130 a ; glen-zen troj. 92 a ; helzen; lür-zen; kür-zen; pël-zen Vrîb. 6824. 6827; schren-zen (findere); schür-zen; smël-zen; stür- zen; swen-zen; swer-zen; vel-zen troj. 23 a ; wel-zen; wür- zen. — nhd. er-gän-zen; glän-zen; kür-zen; schür-zen; III. consonantische ableitungen. T. schmel-zen; stür-zen; schwän-zen; schwär-zen; wäl-zen; wür-zen. — b) intensiva auf atjan , goth. nur láuh-atjan ( ἀστράπτειν ), es wird viele andere gegeben haben. — Daß im ahd. der organische ableitungs- vocal a sei, fehlerhaft i dafür geschrieben werde, folgt theils aus dem goth. a, theils aus den unumlaut im mhd., theils aus dem a der heutigen oestreich. volkssprache. Ich werde darum in den folgenden beispielen durchgehends a setzen, auch wenn die belege i (oder geschwächtes e) bieten sollten. Bedenklicher ist das Ʒ oder z. Bei J. kommt keins dieser wörter vor, sonst würde seine schrei- bung zss und tz entscheiden. Für Ʒ streitet die analogie von opaƷ, sambaƷ und des freilich auch nur muthmaß- lich angenommenen himilaƷi, mahalaƷi, hërapaƷarî. Scheint das z erst durch ausfall des a zu entspringen? daher es im mhd. unleugbar gilt. Gleichwohl nehme ich ein ahd. az und nicht aƷan an 1) weil -azan aus goth. atjan folgt, wie sezan aus satjan 2) weil im ags. häufig mit ge- mination geschrieben wird -ettan; 3) weil nhd. volks- mundarten auch bei haftendem vocal -azen, -izen (-atzen, -itzen) und nicht -aßen, -ißen gewähren. Die einzelnen wörter (keins darunter bei O.) sind: an-azan (incitare) von der praep. ana gebildet, jun. 183. mons. 362. 364. 365. 368. 403. blas. 8 b hymn. mat., praet. anazita, anazta, imp. anazi, assim. anizi, weitere ableitungen: anazâri (in- stigator) mons. 362. 378. anazunga (instinctus) ibid. 380. 388.; âtum-azan, âtm-azan (anhelare) jun. 196.; heil-azan (salutare) T. 44, 8. 91; hug-azan, hog-azan (cogitare) cass. 855 b ; ki-jâ-zan (consentire) f. ki-jâ-azan, ki-jâh-a- zan? schwerlich hängt die partikel jâ (immo) mit jëhen (affir- mare) zusammen, denn jene lautet auch goth. ja, dieses aber aikan. ki-jâzunga (conniventia) doc. 214 b ; juw-azan (ju- bilare) ich kenne nur juwezunge (jubilatio, jauchzung) misc. 1, 27; krim-azan, krëm-azan (fremere, rugire) ge- nau zu unterscheiden von krim-isôn (saevire), ersteres ags. grim-etan, letzteres grim-sjan, indessen gestehe ich, daß krëmazan, kremizan nicht zu belegen ist, sondern alle quellen kremizôn auch ags. neben grimetan die form grimetjan, praet. gri- metode, offenbar nach zweiter conj. zeigen: cremizòn hrab. 964 b cremi- zôntêr (expostulans) mons. 319. doc. 207 b cremizunga (rugitus) gremizôn T. 135., in welchen sogar nicht e, III. consonantische ableitungen. T. sondern e (das a durch das i in izôn umgelautet) anzuneh- men scheint?; krocc-azan (crocitare) mons. 382; leid- azan (detestari) mons. 347. T. 188, 5.; lîhh-azan (singere, simulare) T. 228, 1.; lôh-azan (micare, flavescere) doc. 223 b , mit unterdrücktem h, lôazit jun. 182.; ir-mucch- azan (mutire) doc. 226 a ; naph-azan (dormitare) doc. 226 a ; T. 146.; plëcch-azan (micare) jun. 178; roff-azan (eruc- tare) hrab. 962 b ir-ropf-zen N. 18, 3. 44, 1. ar-roff-ozen T. 74, 1,; rûn-azan (mussitare) doc. 232 a jun. 213. rûna- zâri (susurro); sêr-azan (dolere) K. 23 a sêr-ezan (partu- rire) mons. 336. 355. sêr-ezi (dole) mons. 344.; slak-azan (plaudere) mons. 337.; sloph-azan (vagari) sloph-ezâri (circumcellio) doc. 235 a ; top-azan (furere) topazunga (deliramentum) doc. 239 a ; tropf-azan (stîllare) W. 5, 5.; vall-azan (collabi) mons. 326; vlocch-azan (volitare) mons. 409. stehet vlogorazan?; vnësc-azan (singultire) doc. 211 b vielleicht vnëh-azan zu lesen?; ki-vuol-azan (attrectare) jun. 193.; wâr-azan (adserere) doc. 242 b ; winh-azan (nu- tare) winchezunga (nutus) mons. 332. 351; worf-azan (jactare) gi-worph-ozit (jactatus) T. 81. — Ags. mit be- haltnem vocal -etan oder -ettan (früher vielleicht -ätan?) äm-etan, am-ettan (vacare)? gewöhnlicher äm-tjan; and- etan, ge-and-etan (confiteri) von der partikel and, gleich- sam entgegnen, antworten; bëalc-etan (eructare); blic- etan (fulgurare); brod-etan (tremere, palpitare); crac- etan (crocitare); dop-etan (mersare); drop-etan (stillare); ëmn-etan (aequare); fall-etan (concidere); flog-etan (fluc- tuare); gaff-etan (deridere); grim-etan, grëm-etan (fre- mere); haf-etan (plaudere); hâl-etan (salutare); hâm- etan, ge-hâm-etan (domum assignare); hleáp-etan (ex- silire); hop-etan (saltare); lâð-etan (detestari); ge-lîc-etan (simulare); on-etan (properare, festinare) von der praep. on gebildet, parallel dem ahd. an-azan; or-etan, ge-or- etan (infamare) von der partikel or?; räsc-etan (stridere); roc-etan, rocc-etan (eructare); spigetan (spuere); sporn- etan (calcitrare); stomm-etan (balbutire); svor-etan (anhe- lare). — Altn. mangelt der ableitungsvocal durchaus: blak-ta (palpitare); bug-ta (inclinare); er-ta (irritare); gan-ta (ludificare); glym-ta (insultare); heim-ta (recupe- rare, postulare); hen-ta (prodesse); jâ-ta (affirmare); krim- ta (aegre animam trahere); nei-ta (negare); skem-ta (jo- cari, eig. zeitkürzen, von skammr); ym-ta (susurrare). — mhd. kaum einige, ohne ableitenden vocal: blik-zen, aus dem subst. blik-ze zu folgern; dû-zen oder du-tzen tuis- sare) Parc. 178 c ; gag-zen (crocitare) MS. 2, 234 b ; ir-zen III. consonantische ableitungen. T. Parc. 178 c ; psûch-zen, Vrîb. 4572; tok-zen (motitare) Wilh. 2, 178 a vgl. Kolocz 148; vlog-zen (volitare) Wilh. 2, 178 a MS. 1, 88 a , vlag-zen MS. 234 b ; wûch-zen (ju- bilare) Herb. 117 b . — nhd. oft mit unorganischem um- laut: äch-zen; bli-tzen (f. blik-zen); dû-tzen (dau-tzen); duk-sen (f. duk-zen); grun-zen; hun-zen; jauch-zen; ihr- zen; kräch-zen; lech-zen; muk-sen (f. muk-zen); schluch- zen; schmat-zen (f. schmak-zen?); sie-zen. Die volks- sprache besitzt weit mehrere, z. b. brun-zen (mingere) gau-zen (latrare) spei-zen (spuere); namentlich die bai- rische, und zwar ohne umlaut und mit erhaltnem vocal (Schm. §. 1069.): ach-ezen; blink-ezen; dû-ezen; feuer- zen; gack-ezen; garr-ezen; gluck-ezen; gmauk-ezen; gmeg-ezen; guruk-ezen; himmel-zen; juch-ezen; muck- ezen; naff-ezen (dormitare); nach-zen; pfuch-ezen; pip- ezen; scharr-ezen; schnupf-ezen; starr-ezen; tock-ezen; tropf-ezen; zuck-ezen. Die östreichische braucht noch -azen: ach-azen; auch-azen; bog-azen (tremere); psnech- azen (suspirare); plach-azen (efflare); dog-azen (moti- tare) etc. — nnl. und engl. keine solcher bildungen, (vgl. engl. belch mit bëalcetan), deren auch die niederdeut- schen volkssprachen ganz zu entbehren scheinen. — γ ) schwache verba zweiter conjugation. ahd. sal-zôn (saltare) T. 64, 12. — ags. hun-tjan (ve- nari) ein der ags. mundart eigenthümliches wort, das man wegen des -t nicht mit nr. 395. [wozu vielmehr das ags. huð (ahd. hunda captura) gehört] vermenge; Boet. 168 a stehet ge-hentan (capere, praetendere). ; salt-jan (saltare); tëal-tjan (vacillare). — altn. scheinen einige der vorhin angegebenen wörter, wie gan- ta, blak-ta etc., schon des mangelnden umlauts halben, dieser conj. zu folgen. — mhd. swan-zen Parc. 163 a . — nhd. fal-zen; pfal-zen; sal-zen (sale condire); schmal- zen; schnal-zen; er-schwar-zen; tan-zen. — engl. hun-t. [IT] von beschränktem umfange, goth. die fremd- scheinenden kumb-itus (cubitus) Luc. 9, 14; mil-itôn (militare); ob der schwan wohl alb-its hieß? ahd. alp-iƷ (offenbar flußvogel, der auf der elbe, slav. labe wohnt, vgl. vorhin s. 185.) jun. 200. doc. 201 b masc. oder fem.? für jenes das slav. lab-ud, mhd. der elb-eƷ Ben. 125. und schweiz. der ölb-s, elb-s (Stald. 2, 250). Doch altn. âlf-t, âlp-t, gen. âlf-tar, weiblich, auch scheint III. consonantische ableitungen. T. das ags. ylf-et, ylf-ete weiblich, da Lye die unbelegte form ilf-etu beibringt. Auch bei churp-iƷ (cucumis) jun. 186. schwankt das geschlecht, gl. mons. 322, 329. geben den pl. churpiƷâ und daneben wildâ (im acc. vgl. 1, 723.) also mase., wozu das nhd. der kürb-s, kürb-iß stimmt. Allein nach dem lat. cucurbita mag das fem. ebenfalls gelten, blas. 61 a trev. 21 a wildiu kurb-iƷ (colocynthis); ags. cyrf-ät. Beov. 19. steht ein mir dunkles ags. ëol-et, das hierher gehören könnte. ahd. chrep-iƷ (cancer) trev. 13 b ; mhd. kreb-eƷ, nhd. kreb-s (f. krebß) nnl. krev-et, ist von einem verlornen chrapo, chrapjo (?) weiter ge- leitet, ags. crabb-a und kann kein ë haben, obgleich Cou- rad in der schm. krëbƷ: lëbƷ reimt; das franz. ecrevisse, ecrevice scheint aus dem hochd. entlehnt. Lateinisches ursprungs sind dagegen pum-iƷ (pumex) nhd. entstellt in bim-s (f. büm-ß); pul-iƷ (boletus) blas. 61 b trev. 21 a ; phiph-iƷ (pituita) trev. 71 b nhd. pfipf-s, pip-s; mhd. pëll-eƷ (oder pëll-ez? pellicium) Wigal. 701. 757. nhd. pel-z. Nicht minder undeutsch sind die fem. mun-iza, mhd. nhd. mün-ze (moneta) ags. myn-et; und kal-iƷia (caligae, tibialia) K. 51 b , wofür mhd. kol-ze Parc. 163 b Wilh. 2, 133 b , nach dem nom. calezon, chausson. Das nhd. gren-ze (limes), mhd. noch unerhört, scheint aus dem slav. krajina, graniza. Ueber araw-iƷ, araw-îƷ, araw-eiƷ? hernach beim -eiƷ. Andere fälle der ableitung -it, -iƷ sind nicht zu be- weisen, für -aƷ schreiben spätere denkmähler häufig -iƷ, z. b. trev. 16 a ob-iƷ (pomum). Vielleicht gehört das s. 214. angeführte fisgiƷi zu der ableitung -iƷ; aber wohin gehören die ags. þëóv-et (servitus) frëót (libertas) f. frëóv-et? [UT] wieder nur einige substantiva. Ein goth. haír- uts (cervus) vermuthe ich nach dem ahd. hir-uƷ jun. 199. alts. hir-ut, hir-et gl. lips. ags. hëor-ot, altn. hiör-tr, mhd. hir-Ʒ, später hir-z (Fischart hir-tz) nhd. hir-sch (st. hir-ß), engl. har-t. horn-uƷ (crabro) trev. 15 a mit dem pl. hornuƷâ jun. 226. oder hornuƷî doc. 219 b ? jun. 176. horn-aƷ f. horn-uƷî? ags. hyrn-et, engl. horn-et, mhd. der horn-uƷ Iw. 207. (l. horn-eƷ) nhd. die horn-iß. pin-uƷ (juncus) T. 212, 7. 214, 2. zwetl. 129 a , mhd. der bin-Ʒ Parc. 20 b 133 a Geo. 56 b , nhd. die bin-se (f. bin-ße), engl. ben-t. ags. gan-ot (fulica) engl. gan-et, mangelt den übrigen dialecten. ahd. trib-uƷ (tributum) T. 194, 2. ist nach dem latein, nhd. tribùt; auch pîp-oƷ (artemisia) blas. III. consonantische ableitungen. T. 55 b trev. 18 a nhd. beif-uß, in welchem man irrthümlich ein comp. beifuß erblickte, scheint undeutsch. Lye hat äle- puta (capito)? vielleicht äler-uta? nhd. elr-itze (phoxinus) Popowitsch p. 106. [AIT] diese noch problematische ableitung stützt sich bloß auf wenige wörter. Das erste derselben ist ahd. am-eiƷa (formica) trev. 12 a und mhd. im reim auf reiƷen, eiƷen Parc. 99 a Conr. vor Wigal. LXIII. am-eiƷe, pl. ameiƷen, seltner im reim auf weiƷ MS. 2, 166 a am-eiƷ, nhd. am-eise (f. am- eiße); ags. äm-ete, äm-ette, gen. äm-ettan; engl. emm-et. Den anlautenden vocal habe ich s. 88. kurz angenommen, weil mir das altn. ami (molestia), das ags. äm-eta (otium) äm-etan, äm-tjan (vacare a labore) äm-ettig (otiosus, va- cuus) engl. emp-ty, das ahd. em-aƷîc (jugis, assiduus, frequens) nhd. em-sig (f. em-ßig) damit verwandt zu sein scheinen. Denn da sich em-iƷîc findet, mag e das um- gelautete kurze a sein. Der ameise gebührt der name des arbeitenden thiers, das sprichwort geht von bienen- fleiß wie von ameisenfleiß. Hat es ein verlornes ahd. subst. am-aƷo, em-iƷjo (otium, negotium), wie im ags. äm-etta, gegeben, so wurde die benennung des thierleins durch den abweichenden ableitungsvocal ei (am-eiƷa) da- von unterschieden. Volksdialecte zeigen indessen om-eiß, welches auf âm-eiƷe mit langem vocal schließen läßt und bis wir über den ablaut der wurzel am- näher aufgeklärt sind, hat iman, am, âmun, wonach kurzer oder langer vocal in unserm wort bestehen kann, nichts widerspre- chendes oder wäre hier gar kein ableitendes -eiƷe, sondern âmeiƷa anzunehmen, von meiƷan (secare)? entw. das gelenkige, einge- schnittene thier (insectum, ἔντομον ) vgl. Parc. 12131, oder das ein- freßende? doch warum ags. ämetta, nicht æmæta? . — Das zweite wort dieser ableitung ist weiter ausgebreitet und schon im goth. nachzuweisen. agl-áitei ( ἀσέλγεια , luxuria, fastus) Marc. 7, 22. scheint mit aglus verwandt (oben s. 104., also mehrfache ableitung ag-l-ait- ei) eigentlich studium, solertia zu bedeuten; jenes subst. setzt ein adj. agl-áitis (instans, vehemens, procax) vor- aus, Tit. 1, 7. agl-áit-gastalds ( αἰσχρσκερδής , hab-gierig). Das adj. lautet ahd. akal-eiƷi (solers, sagax) O. III. 10, 53., weder âkaleiƷi, noch weniger âkaleiƷ, wie 1, 724. angenommen wurde. Häufiger ist das adv. akal-eiƷo (stu- III. consonantische ableitungen. T. diose) akal-eiƷôr (studiosius) mons. 351. 353. 390. jun. 210. agal-eiƷo O. II. 22, 77. IV. 13, 10. das subst. fem. akal- eiƷî (importunitas) doc. 201 a (aestus, agilitas) mons. 342. 390. 392, doch O. scheint ein neutr. (oder masc.) agal- eiƷi zu gebrauchen I. 1, 2. III. 11, 57. Das verbum schwankt zwischen agaleiƷan O. IV. 24, 17. V. 23, 335. und agaleiƷôn V. 7, 101. Mhd. das adv. agel-eiƷe cod. pal. 361, 68 d 70 a ; En. 9 a ; Herb. 67 a 108 a ; nicht bei an- dern und später ausgestorben. Ags. und altn. keine spur, wohl aber alts. agl-êto (Hickes gramm. franc. p. 76.) — Drittens kommt hier in betracht das ahd. araw-eiƷ (pi- sum) mons. 327. wofür aber 413. araw-îƷ oder araw-iƷ gelesen wird; altwestph. er-it, altn. er-t, überall wohl weiblich. Der seltenheit wegen haftete (wie in ameise, horniß, kürbiß) der alte ableitungsvocal noch in dem nhd. volksdialectischen arb-eis, erb-eis, neben erb-es, erb-s; die schriftsprache hat erb-se. — Die mhd. -eiƷ in romanischen wörtern, wie puneiƷ, kanvoleiƷ, kardeiƷ, matribleiƷ, secureiƷ etc. gehen uns nichts an. bemerkungen zu den ableitungen T (ahd z). a) diesem t entspricht eigentlich lateinisches d, vgl. claudus mit halts; cor, cordis (sl. srdze) mit haírtô; qua- drans mit kintus; πέρδω mit faírta; lab-ud mit alb-its, elp-iƷ; vielleicht stolidus mit stolt; um vaúrts, aúrts und radix zus. zustellen muß man aber annehmen, daß das r versetzt (ardix) oder ein anlaut weggefallen ist, im altn. finden sich beide formen urt und rôt. b) einzelne aus dem latein entlehnte wörter haben das lat. lt , nt , rt beibehalten, kein deutsches lþ, nþ, rþ angenommen: ags. saltjan, gigant, munt, palant, palan- tea, plante, portic, turtle, altn. kortr verglichen mit sal- tare, gigas, gigantis, mons, montis, palanteum, planta, porticus, turtur, curtus; ebenso das slav. smrt (mors) mit smëorte (dolor). Sie würden ganz wie die oben ab- gehandelten t in ft, st, ht zu beurtheilen sein, wenn nicht die ahd. mundart den laut verschoben und ihr lz, nz, rz eingeführt hätte: salzôn, phalanza, phlanza, phorzih, churz, smërza wiewohl schwankend, neben gigant, tur- tila (nicht giganz, turzila) und selbst für churz galt ein früheres ahd. churt. Diese lt, nt, rt gehören folglich halb hierher und halb nicht. Sie stehen den echtdeut- schen lt, nt, rt (salt, glintan, haírtô) gleich, insofern sie III. consonantische ableitungen. T. ahd. zu lz, nz, rz werden; ungleich, insofern ihnen keine lat. ld, nd, rd entsprechen, sondern ebenfalls lt, nt, rt. Es gibt aber auch einige echtdeutsche nt , die sich im hochd. nicht in nz verwandelt haben, namentlich vintrus, mantls (?), sinteins (perpetuus), ahd. wintar, mantal, sint-vluot ewige, große flut, voraus man später sünd-slut misgegrif- fen hat; goth. sint-flôdus? vgl. über sinteins vorhin s. 176. c) hält man die s. 217. 218. verzeichneten intensiva zu ähnlichen lateinischen, als: dub-itare, cog-itare, vol- itare, croc-itare, ag-itare, muss-itare, haes-itare, fluct-itare, dorm-itare, vol-utare (st. volv-itare) palp-itare etc.; so scheint auch hier die goth. tenuis der lat. völlig gleich, folglich das ahd. z gerade zu nehmen, wie in salzôn, phlanza, churz. Selbst einzelne wörter stimmen zu den lat. z. b. hugazan, chrochazan zu cogitare, crocitare, vgl. wînizâri oder wînizurilo (nhd. winzer, dialectisch wein- zierl) mit vinitor. Ich weiß, da hier keine consonanz- verbindung erklären hilft, den grund nicht anzugeben, welcher die regel der lautverschiebung störet; ist das lat. t organisch, so sollte im goth. þ, im ahd. d stehen. Grie- chische frequentativa haben -ζειν : ῥιπτ-άζειν, στεν-ά- ζειν, γενει-άζειν, βλιμ-άζειν; βαπτ-ίζειν, βλεφαρ-ίζειν, κακ-ίζειν, αἰτ-ίζειν; ἑρπ-ύζειν etc. d) die bedeutung des ableitenden t (z) liegt im dun- kel, zuweilen zeigen verwandte sprachen in parallelen wörtern gar keine ableitung, vgl. ἅλς, αλός , sal mit sal-t, ὕλη mit hol-t. In diesem -t wurde 1, 826. erhärtete, neutrale flexion gemuthmaßt, es könnte eben sowohl wirkliche, der bedeutung wenig zu oder abthuende ab- leitung sein. In horn-uƷ erscheint aber die ableitung unentbehrlich: das mit dem horn oder stachel gewaff- nete thier (corn-utus?). e) wechsel des t (z) mit anderen consonanten: selten mit der spirans s, doch lautet das ags. flin-t (silex) ahd. vlin-s (niemahls vlin-Ʒ); später mischen sich wohl die verba -azan mit denen auf -isôn. Nhd. gehen Ʒ und s über in sch: hir-sch, her-schen, doch scheint schon mhd. run-sche f. run-ze vorzukommen. Einige lat. wörter haben v an der stelle unseres t (z): sil-va (syl-va), cer-vus, vol-vo; hol-z, hir-uƷ, wal-zu. f) wechsel der vorstehenden vocale: ags. þëóv-ot, neben þëóv-et (d. i. -ët?) oder þëóv-ete (?ahd. diuw- III. consonantische ableitungen. D. þ. izi, wie fisc-izi); ahd. horn-uƷ, nhd. horn-iß. Nicht an- ders slav. lab-ed und lab-ud (elp-iƷ). g) ableiterisches -t (z), unmittelbar nach langem wur- zelvocal, wage ich nicht nachzuweisen. — D. þ. vorbemerkung über den unterschied zwischen d und þ. Regel ist goth. d = ahd. t; gotn. þ = ahd. d. Aber sie reicht nicht aus, um alle ableitungen, die mit beiden stufen des lingualorgans eintreten, gehörig zu sondern. Denn schon im goth. beginnen d und þ zu schwanken (1, 62. 63.); in vielen wörtern, wo der lingualis langer oder kurzer vocal voransteht, pflegt der nom. sg. -þs, þ, oft auch der acc. þ, alle übrigen casus hingegen, de- nen flexion hinzutritt, -d zu haben, z. b. sêþs, sêdáis; liuhaþ, liuhadis; doch nicht immer, man lieset auch sêds, sêd, stads, stad etc. und þiuþa (bono), þiuþeigs, þiuþjan, fraþjan man hüte sich, diesen wechsel dem mhd. auslautenden t, in- lautenden d zu vergleichen; im goth. ist sêþs organisch, sêdáis unorganisch, im mhd. umgekehrt tôt unorganisch, tôdes organisch (außer wo sich falsche media eingeschlichen hat, wie in brant, brandes etc). . Gehet liquida vorher, so scheiden sich d und þ reinlicher. Welches von beiden ist aber in allen wör- tern, wo sie wechseln, für organisch zu halten? ohne zweifel das þ, nicht das d, der grundsatz folgt aus dem gesetze der lautverschiebung. Das þ wird zu d, nicht aber das d zu þ; das þ kann mithin in einzelnen wör- tern und formen einer constituierten mundart wiederum, dem gange der sprache vorauseilend, in d übergehen. Hätte ich diesen wichtigen satz schon im ersten theile er- kannt, so würde ich dem goth. schwachen part. kein d zugeschrieben haben, das auslautend und vor s in þ überträte (1, 1009.); gerade þ ist das organische und d die verschiebung, ja selbst dem schwachen praet. scheint eigentlich þ statt d zuständig. Theil 2, 10. note *** stellt das richtige auf, davon sind seite 15. 21. 26. 33. 35. 39. 50. 58. 62. weitere anwendungen gegeben, wiewohl noch verschiedene verlorne verba mit d angenommen worden, welchen þ gebührte, z. b. nr. 480. erfordert faþan und nr. 545. stuþan, da im goth. faþs, staþs erscheint, laut- verschoben aber fadrein und stads. Das d muß sich III. consonantische ableitungen. D. þ. freilich sehr frühe in einzelne wörter und ganze reihen festgesetzt haben, denn im ags. zeigt sich da. wo goth. þ und d schwanken, entschieden d und kein ð, nicht we- niger im ahd. t und kein d. So stehet z. b. für goth. sêþs (satio) ags. sæd, ahd. sât, statt der organischen for- men ags. sæð, ahd. sâd. Die richtigkeit meiner ansicht bestätigt sehr einleuchtend das griechische und lateinische. Wäre nämlich das ahd. t, ags. d in dergleichen formen organisch, so entspräche ihm ein gr. θ , allein alle ver- gleichbaren wörter gewähren τ , woraus offenbar ein ags. ð und ahd. d folgt. Hiermit schwindet jeder zweifel über das verhältnis der gr. formen μετά, πατήρ, μήτηρ (1, 590.) zu den deutschen, die ags. mid, fäder, môder, soll- ten mið, fäðer, môðer lauten, die ahd. mit, vatar, muo- tar: mid, vadar, muodar, wie es goth. richtig heißt miþ und es zwischen fadrein und faþs schwankt. Durch die voreilige lautsenkung bildete sich hier ags. eine media, die erst der ahd. mundart geziemt hätte, und ahd. eine tenuis, die fälschlich zur griechischen einstimmt ein beispiel der theil 1, 1075. 15. zu 584, vermutheten rückkehr. . Dieses angewandt auf unsere lingualableitungen richte ich mich nach folgenden regeln: 1) wo im goth. þ, im ags. ð, im ahd. d erscheint, waltet kein bedenken, z. b. goth. mêriþa, ahd. mârida (fama). 2) wechseln im goth. þ und d, so rechne ich die ableitung zu þ, wenn schon im ags. durchaus d, im ahd. durchaus t stehen sollte, z. b. háubiþ, háubidis, ags. heásod, ahd. haupit. 3) kommt im goth. nur d vor und zwar im nom. und acc. sg., wo sonst gewöhnlich þ erscheint; so entscheide ich mich für d, wiewohl völlige sicherheit abgeht; noch größere un- gewisheit herrscht für das d in wörtern, deren nom. und acc. nicht nachzuweisen ist, z. b. es könnte zwar un- lêds (pauper) aber auch un-lêþs heißen. 4) mangelt ein wort im goth. ganz, welches ahd. t, ags. d zeigt, so darf es nur muthmaßlich unter die d-ableitungen gesetzt wer- den. 5) einzelne ableitungen bestimmt die analogie oder die vergleichung des griechischen, nämlich τ fordert goth. þ, ahd. d; hingegen θ goth. d, ahd. t. Das latein hilft hier wenig aus, weil ihm asp. fehlt und in beiden fällen t zu stehen pflegt. Am meisten zu bedauern ist die unsicherheit zwischen d und ð im altn. (2, 68). Rasks regel entfernt sich nicht nur vom ags. und ahd. gebrauch, sondern auch vom go- P III. consonantische ableitungen. D. thischen zu sehr, als daß ich sie der wahren altn. aus- sprache für gemäß halten könnte, wenn sie es schon der heutigen isländischen ist. Die ältesten hss. verdienten in dieser absicht genaue prüfung. Uebrigens gibt jene regel (1, 315.) dem ð großen umfang und schränkt das d auf den fall ein, wo ihm l, m, n vorausgehen. Es stimmen dadurch freilich manche ð zu dem goth. þ, wo die ags. und ahd. verderbnis d und t hat (z. b. goth. miþ, altn. mëð). Aber sollte das altn. eben von einer ver- derbnis frei sein, die schon im goth. anhebt und im ahd. ags. einförmig herrscht? Widerspricht nicht auch garðr dem goth. gards? ableitungen mit D (ahd. T.) die vorausstehenden vocale sind a, i, u und ô. [AD] das a beständig ausgefallen, selbst ahd. 1) substantiva α ) starke masculina , goth. gard-s (domus); hun-ds (canis); spaúr-ds (stadium); ga-stal-ds (possessor, gestor); vind-s (ventus); vielleicht uƷ-ds (cuspis); nach zweiter decl. and-eis (finis); haír-deis (custos); nach dritter ul- ban-dus (camelus). — ahd. hor-t (thesaurus); hun-t (ca- nis); kar-t (stimulus) mons. 326. 364. 387. 396; or-t (mu- cro); par-t (barba); pran-t (torris); pror-t (labium, ora); ran-t (margo); san-t (arena); scil-t (clypeus); spal-t (rima); spur-t (stadium); haga-stal-t (famulus, tyro, cae- lebs) hrab. 956 a jun. 213. blas. 31 b doc. 217 a ; vur-t (va- dum); wal-t; win-t; wir-t (herus) O. II. 8, 7, 85; zar-t (te- neritudo) mons. 327. 386; nach zweiter decl. hir-ti (custos). — ags. bëar-d (barba); bran-d (titio); brëor-d (ora); ëar-d (pa- tria); fël-d (campus); gëar-d (domus); grun-d (solum); hor-d (thesaurus); olfen-d (camelus); or-d (acies); ran-d (margo); san-d (arena); scyl-d (clypeus); spil-d (praeci- pitium); häg-steal-d (caelebs, virgo, tyro) auch hëah- stëal-d; vëal-d (nemus); win-d (ventus); nach zweiter hyr-de (pastor). — altn. ar-dr (aratrum) R. ar-ðr; bran-dr (titio); brod-dr (aculeus); gar-dr (agger) R. gar-ðr; lun- dr (nemus); od-dr (cuspis); san-dr; skiöl-dr; stul-dr (fur- tum); vin-dr (ventus); vön-dr (virga); vör-dr (custos) R. vör-ðr. — mhd. pflegt inlautend zumahl nach n, doch auch nach l, r, tenuis in media überzugehen, was auf kein goth. þ führt, sondern einfluß des niederdeutschen III. consonantische ableitungen. D. d scheint: ar-t (modus); bar-t; bran-t; gar-t (stimulus) Parc. 22 a ; grun-t; har-t (silva) in comp. wie spëhtes- har-t; hër-t (solum) troj. 89 a ; hor-t; hun-t; or-t; ran-t; san-t; schil-t; slun-t (gula); spal-t: stran-t (littus); vur-t; wal-t; win-t; wir-t; zar-t MS. 1, 28 a ; nach zweiter hir- te. — nhd. haben sich die mhd. inlautenden nd, ld auch der auslaute bemächtigt, doch dauern noch einige -lt und die meisten rt: bar-t; bran-d; fur-t; grun-d; -har-t; her-d (focus); hir-t; hor-t; hun-d; or-t; ran-d; san-d; schil-d; spal-t; stran-d; tan-d; wal-d; win-d; wir-t. — engl. bëar-d; bran-d; fiel-d; for-d; groun-d; hoar-d; houn-d; ran-d; san-d; shiel-d; weal-d; win-d; year-d. — β ) starke feminina , goth. nach erster: gaír-da (cingulum); mul-da (pulvis); raz-da (lingua); spil-da (tabula); nach dritter han-dus (manus); nach vierter: ga-faúr-ds (conventus); haúr-ds (ostium). — ahd. nach erster: har-ta (durities); hër-ta (grex) N. 39, 7; hil-ta (pugna); kert-a (virga); mol-ta (pulvis); rar-ta (sermo, vox); scan-ta (confusio); sun-ta (peccatum); scar-ta (laesio); war-ta (specula); wun-ta (vulnus); nach vierter: tak-al-t (ludus); chuil-t (perni- cies); han-t (manus); mun-t (tutela); scul-t (debitum); scur-t (tonsura) K. 19 a ; eid-suar-t (jusjurandum); var-t (iter); ki-wal-t (vis); wur-t (fatum). — ags. ben-d (vincu- lum); cvil-d (pernicies); han-d (manus); hil-d (pugna); rë- or-d (sermo); scyl-d (debitum); ge-vëal-d (potentia) oder neutrum?; vun-d (vulnus); vyr-d (fatum). — altn. fer-d (iter) R. fer-ð; grin-d (clathri); grun-d (solum); hin-d (cerva); hil-dr (bellona); hön-d (manus); lin-d (tilia); lun-d (indoles); röd-d (vox); rön-d (margo); ur-d (saxetum) R. ur-ð. — mhd. ger-te; schan-de; schar-te; sün-de; stun-de; war-te; wun-de; tag-al-t; han-t; schul-t; var-t; ge- wal-t. — mhd. ger-te; her-de (grex); schan-de; schar-te; stun-de; sün-de; war-te; wun-de; ar-t; han-d; schul-d; var-t; ge-wal-t. — engl. ben-d; han-d; woun-d. — γ ) starke neutra , goth. baúr-d (tabula); huz-d (thesaurus); lan-d (terra); vaúr-d (verbum). — ahd. chin-t (infans); lan-t; pan-t (vinculum); suër-t (ensis); wor-t; zweiter decl. en-ti (finis). — ags. bor-d (tabula); cil-d (infans); lan-d; svëor-d; vor-d. — altn. bor-d (mensa, ora); gnud-d (mur- mur); hod-d (gaza); lan-d; nud-d (taediosa fricatio); or-d (verbum); spial-d (tabula); svër-d (ensis); sun-d (fre- tum); tial-d (tentorium). — mhd. ban-t; gël-t (retribu- P 2 III. consonantische ableitungen. D. butio); kin-t; lan-t; swër-t; wor-t; zël-t. — nhd. ban-d; gel-d; kin-d; lan-d; schwer-t; wor-t; zel-t. — engl. boar-d; chil-d; lan-d; swor-d; wor-d. δ ) schwache masculina , goth. gar-da (stabulum). — ahd. an-to (ira, zelus, studium, eigentlich spiritus) gen. an-tin K. 59 b hrab. 976 b O. IV. 22, 77. mons. 365, mit ableitungsvocal an-ato, an-ado finde ich nicht (vgl. nachher das verbum); ê-hal-to (pon- tifex); kar-to (hortus); vora-mun-to (advocatus); kot- scël-to (blasphemus); lant-wal-to (gubernator). — ags. an-da (ira). — altn. an-di (spiritus). od-di (lingula terrae). — mhd. an-de (ira); gar-te. — nhd. gar-ten (st. gar-te). ε ) schwache feminina , goth. miz-dô (merces); var-dô (custos). — ahd. hin-ta (cerva); hrin-ta (cortex); lin-ta (tilia, fascia); olpan-ta (camelus); par-ta (ascia); pin-ta (fascia); win-ta (troch- lea). — ags. fol-de (terra). — altn. ben-da (funis). — mhd. bin-de; bar-te; hin-de; lin-de; olben-de; rin-de; win- de. — nhd. bin-de; lin-de; rin-de; win-de. 2) adjectiva goth. blin-ds (coecus); kal-ds (frigidus); kund-s (-gena); in-vin-ds (injustus); nach dritter har-dus (durus). — ahd. al-t (senex); chal-t (frigidus); plin-t; wun-t (vulnera- tus); zar-t (tener); nach zweiter her-ti (durus). — ags. blin-d; cëal-d; cun-d; ëal-d; hëar-d; vun-d. — altn. blin-dr; kal-dr; har-dr, R. har-ðr. — mhd. al-t; blin-t; kal-t; wun-t; zar-t; her-te. — nhd. al-t; blin-d; bun-t; har-t; kal-t; wun-d; zar-t. — engl. blin-d; col-d; har-d; ol-d; woun-d. — 3) verba α ) starker conjugation: hal-dan (nr. 5.); val-dan (nr. 6. vgl. nr. 582.); ga-stal-dan (nr. 7.); spal-dan (nr.8.); skal-dan (nr. 9.); blan-dan (nr. 16. vgl. nr. 595.); stan- dan (nr. 72.); gil-dan (nr. 351.); skil-dan (nr. 352.); bin- dan (nr. 382.); vin-dan (nr. 383.); skrin-dan (nr. 384.); slin-dan (nr. 385.); svin-dan (nr. 386.); hrin-dan (nr. 387.); grin-dan (nr. 390.); gaír-dan (nr. 441.); blin-dan (nr. 595. vgl. nr. 10.); tin-dan (nr. 596.); haír-dan (nr. 619.); ïz-dan (nr. 628.); briz-dan (nr. 629.) — β ) erster schwacher conjugation: goth. ga-blin-djan (occoecare); tan-djan (incendere); van-djan (vertere); ubil-vaúr-djan (maledicere). — ahd. her-tan (durum fa- cere); kur-tan (cingere); plen-tan (coecare); rer-tan N. III. consonantische ableitungen. D. 12, 5. 32, 1. 100, 3. 146, 7.; scen-tan (probro afficere); suen-tan (perdere); wen-tan (vertere); zun-tan (incen- dere). — ags. gyr-dan; ven-dan. — altn. ven-da. — mhd. blen-den; gur-ten; her-ten; schen-den; swen-den; wen- den; zün-den. — nhd. blen-den; gür-ten; här-ten; schän- den; ver-schwen-den; wen-den; zün-den. — γ ) zweiter und dritter schwacher conjugation: goth. vun-dôn (vulnerare). — ahd. tac-al-tôn (ludere); an-tôn (zelari) O. I. 22, 50, warum aber mons. 361. 366. 392. 396. an-adôn mit beibehaltnem ableitungsvocal, für an- atôn?; ar-tôn (habitare); chin-tôn (esse prolificum); en- tôn (finire); hër-tôn (alternari); mun-tôn (tueri); vo- kal-rar-tôn (augurari); ren-tôn O. II. 9, 147. III. 20, 173. V. 19, 18; spen-tôn; sun-tôn (peccare); win-tôn (ventilare); wir-tôn (epulari); wun-tôn; al-tên (senes- cere); chal-tên (frigescere); ir-har-tên (indurescere); par- tên (pubescere); ir-plin-tên (coecari); war-tên (atten- dere). — ags. an-djan (irasci); end-jan (finire); ëal-djan (differre); ëar-djan (habitare); fan-djan (tentare); rëar- djan (loqui); vëar-djan custodire). — altn. en-da (finire); nud-da (frequenter fricare); tial-da (tentorium figere. — mhd. al-ten; an-den (ulcisci); en-den; er-har-ten; kin- den; sün-den; war-ten. — nhd. al-ten; ahn-den; en-den; er-har-ten; sün-den; war-ten. — [ID] der vocal wird in den älteren mundarten nicht aus- gestoßen; nur wenige wörter können auf diese ableitung an- spruch machen, kein gothisches [áuþ-ida? vgl. s. 241.]. Im ags. äl-ed (ignis) altn. el-dr scheint wegen des umlauts der vocal i, die ahd. form wäre al-it, el-it, ist aber unerhört. Neben ags. hac-od (lucius piscis) gilt auch häc-ed, und das ist das ahd. hehh-it, hech-it trev. 13 b , mhd. hech-et (: geswechet) nhd. hech-t, alts. hak-ed? jun. 403. hac-eth. Neben ags. rec-ed (domus, aula) finde ich kein rac-od, allein die alts. form lautet rak-ud, im ahd. weder ein rehh-it, noch rahh-ut. Ebensowenig entsprechen ahd. subst. den ags. vëor-ed, vër-ed (turba, gens); ëor-ed (turma) oder eór-ed?; hæm-ed (coitus, nuptiae), für die beiden ersten gilt auch die od-form: vëor-od, ëor-od. Das neutr. ëov-ed (grex ovium) ist das ahd. ew-it, ew-iti T. 6, 1. 53. 9. ouw-iti doc. 227 b , doch das goth. av-êþi Joh. 10, 16. macht beide verdächtig (? ags. ëoveð, ahd. ewîd) also zu þ gehörig; nicht unähnlich scheint die III. consonantische ableitungen. D. ags. form fal-ed, fal-od, fal-d (stabulum) alts. fal-ed (jun. 405.) engl. fol-d; täpp-ed, ahd., tepp-it mhd. tep-et, tep-t stammt aus lat. tapetum. — Von adj. kommen in be- tracht das ags. vër-ed (dulcis) fräc-ed (turpis) doch mit der nebenform vëor-od, frac-od, zwei allen andern dia- lecten abgehende ausdrücke; sodann das ahd. veiƷ-it (pin- guis) O. I. 5, 135, welches aber vielleicht ein part. praet. ohne ki- ist und dann noch weniger hierher gehört. [UD] den hierher bezüglichen ags. substantiven schreibe ich kurzes o, und nicht ô zu, weil sie in e überschwan- ken, zuweilen aber im ags. alts. und altn. wirkliches u vorkommt. Ein paralleles ahd. -ut finde ich gar nicht, vermuthlich war es in -it übergetreten, d. h. für hebhit konnte früher hahhut gegolten haben. Außer den eben- angeführten ëor-od (turma) vëor-od (multitudo) fal-od (ovile) hac-od (lucius) stehet auch Cädm. 73, 7. ein dunk- les vitr-od; häufiger ist das masc. mëot-od, mëot-ud, mët-od, mët-ud (creator, deus), welches nicht unwahr- scheinlich von mëtan (metiri) abgeleitet wird, der alle dinge bemißt und erfindet (schöpfer). Altn. miöt-udr R. miöt-uðr, deshalb und nach analogie der ahd. masc. -id (s. 241.) richtiger þ-ableitung. Das ags. vëosod (altare) scheint nicht vëof-od, sondern entstellung des compos. vëo-bed, vi- bed (heiliges bett, thron), welche form die ältesten quellen zeigen. Alts. neben wër-od (multitudo) rak-ud (templum.) Der ags. adj. vëor-od und frac-od ist beim -id erwäh- nung geschehen, bloß mit -od lese ich for-od (labefacta- tus), alle drei bedürfen näherer aufhellung; nac-od (nu- dus) ahd. nahh-ut. mhd. nack-et (: zerhacket) statt nach- et, engl. nak-ed fällt nach dem goth. naqv-aþs zu den þ-ableitungen. [OOD] das goth. aúhj-ôdus (tumultus) Marc. 5, 38. 15, 7. würde unter diese ableitung fallen, wenn ihm nicht vielmehr þ gebührte? vgl. ga-baúrj-ôþum Luc. 8, 14. Auch die ahd. -ôt, -ôti handle ich lieber unter den þ- ableitungen ab. [IID] nur mhd. findet in fremden wörtern die ablei- tung -ît statt, z. b. sam-ît, rav-ît, ham-ît, perm-ît etc. gen. sam i tes, ravîtes etc. Andere solche -ît bekommen III. consonantische ableitungen. D. inlautend media, so runz-ît, dav-ît, psær-ît, gen. run- zîdes. Analoge feminina sind margar-îte, en-îte etc. anmerkungen zu den d-ableitungen: a) viele scheinbare d-ableitungen, welche goth. d, ahd. t, ags. d zeigen, sind unter þ zu suchen, da ihnen or- ganisch goth. þ, ahd. d, ags. ð gebührt. Verschiedene hier noch zum d geschlagene werden bei näherer prü- fung auch dem þ zufallen, unsicher zumahl scheinen sämmtliche -id, -ud, ôd. Die -ad, oder vielmehr mit ausgestoßnem vocal die -d, haben mehr gewähr, weil Ulfilas zwischen ld, nd, rd und lþ, nþ, rþ rein unter- scheidet. Die goth. zd, ahd. rt, altn. dd enthalten un- zweifelhaftes -d und die goth. ld, nd deshalb, weil lþ, nþ im altn. zu ll, nn werden. b) obschon die þ-ableitungen in unserer sprache weit zahlreicher sind, ist doch kein grund da, ihr alle d-ab- leitungen abzusprechen. Es wäre selbst unwahrschein- lich, daß sie gar keine gehabt hätte. Im griech. spielt die ableitung -θ (= goth. d, ahd. t, als: αἶθος , ags. âd, ahd. eit) eine merkliche rolle, vgl. ἀγερ-έθω, τελ-έθω, βαρ-ύθω und die subst. neutr. μέγ-εθος, τέλ-θος, ἄχ- θος, μόχ-θος, βέν-θος, πέν-θος etc. bei andern tritt das θ erst im gen. hervor: ὄρν-ις, ὄρν-ιθος ; κόρ-υς, κόρ-υθος etc. Dem Lateiner mangelt θ , er gebraucht dafür inlautend die tenuis ( ἄρθρον, artus; πάθω , patior; λάθω , lateo;) daher die lat. t sowohl ein goth. d als þ bedeuten können, ersteres z. b. in hor-tus (gar-ds) ven- tus (vin-ds). Stimmen freilich beide fremde sprachen in der tenuis zusammen, so wird die goth. media verdäch- tig, z. b. in ulb-andus ( ἔλεφ-ας, ἔλεφ-αντος, eleph-an- tis) altn. ar-dr ( ἄρ-οτρον , aratrum) weshalb Rasks ar-ðr vorzüglicher scheint, vgl. oben s. 62. c) übrigens ist die ableitende natur des d in vielen deutschen wörtern noch sehr fühlbar. Unleugbar stammt al-t, chal-t von alan, chalan (nr. 66. 68.); gal-dr von gala (nr. 67.); gewagter leitet sich el-dr (ignis) von ala (nutrire, sustentare, excitare nr. 66.) ab, etwa wie qveikr (fomes) zu qvikr (vivus) gehört, eldr die geweckte, ge- nährte, lebendige flamme? auf andern ablaut weist jedoch das altn. ilr, ylr (calor, te- por) ylja (calefacere); vgl. ags. älan (accendere). Aus den wurzeln sveinan III. consonantische ableitungen. D. (nr. 115.) geinan (nr. 117.) erzeugen sich swin-den, gin- den (oben s. 71.); zu bin-dan (nr. 382.) ist das analoge beinan verloren, von welchem jedoch pein (os, ossis, goth. báin? vgl. báina-bagms (morus, συκ ύ μινος ) bein-baum? wozu doch kein anderer name stimmt. und das altn. beina (expedire) übrig ge- blieben scheinen. Wahrscheinlich entspringt auf gleichem wege kin-d (infans) aus keinan (germinare nr. 111.) vgl. γενέθλη . Ohne zweifel sind pran-t, upar-wan-t aus prin- nan, winnan (nr. 371. 376.) geleitet, unsicher ran-t aus rinnan (nr. 374.), wie wenn es für ram-t stünde und aus riman flöße, dem auch rim-pan (nr. 367.) gehörte? dann wären ram-t und ram-pht einander näher. Ebenso könnte man das sonst unerklärliche san-t (arena) deuten aus sam-t, sam-at und dem griech. ψάμ-αθος ( ψάμμος, wie ἄμαθος, ἄμμος ) zur seite stellen; die wurzel wäre nr. 565. Von qvilan (nr. 315.) stammt cvil-d; von milan (nr. 560.) mul-da, mol-ta; von faran (nr. 73.) var-t; von skaíran (nr. 327.) skar-d, scar-ta, scur-t; von svaran (nr. 74.) suar-t; von baíran (nr. 325.) par-t; von taíran (nr. 326.) vermuthlich zar-t (zerbrechlich, tener, delica- tus) und so noch andere. Oft aber liegt die wurzel im dunkel. Wenn auch stal-dan aus stalan (nr. 464.) her- rührt, so weiß man nicht recht, ob in standan das d ab- leitend sei (stan-dan) oder wurzelhaft und das n einge- schoben (wie vorhin s. 216. in glintan)? und wie blind-s (coecus)? vgl. das s. 218. übersehene blin-zen (coecutire) Parc. 187 c [ahd. plin-azan? d) da noch so viele -d (-t) bedenklich sind, läßt sich ihr unterschied von den ableitenden -þ (d) für die be- deutung kaum auseinandersetzten. Warum hat ga-faúr- ds ein d und ga-baúr-þs ein þ? Man müste von der- selben wurzel ein wort mit jeder ableitung vor fich ha- ben, um ihren abweichenden sinn zu laßen (vgl. schluß- bemerk. zu -þ über chunt, chund, enti, endi, chind, cîd und cîld). Merkbarer steht von beiden die ableitung -t (-z, Ʒ) ab, vgl. z. b. ags. tëar-t (asper) mit ahd. zar-t (tener), beide aus nr. 326. fließend, nur daß der ahd. mundart gerade zar-z, der ags. tëar-d mangelt, der altn. das eine wie das andere. Zuweilen kann durch entstel- lung des organismus ein ableitungsbuchstabe für drei ver- schiedene stehen, z. b. das -t im nhd. nach-t, hech-t, lich-t entspricht gothischem nah-ts, hak-ids (?), liuh-aþ. III. consonantische ableitungen. þ. e) manche inlautende -d. t, denen noch weitere ab- leitungen anhängen, konnten nicht mitaufgeführt wer- den, z. b. das goth. mun-drei (scopus) Philip. 3, 4; das ahd. ful-tar (oben s. 135.) wun-tar (miraculum) u. a. dgl. ableitungen mit þ (ahd. D). vorstehende vocale sind a, i, u, ê, ô, ái. [Aþ] das a nicht ganz verschwunden, im goth. noch erhalten nach lingualen und gutturalen, im ahd. nach gut- turalen und zuweilen nach l, (m), n. Versteckte -aþ sind aufzusuchen in den formeln êþ (ahd. âd) ôþ (ahd. uod) áuþ (ahd. òd) áiþ (ahd. eid) eiþ (ahd. îd) iuþ (ahd. iud, iod). Es ist dabei eine spirans (meistens h) ausge- fallen. Im ags. fällt n vor ð aus (1, 244.) folglich ent- spricht gothischem n-þ (ahd. n-d) ein ags. -ð. Altn. assi- miliert sich aber goth. l-þ und n-þ zul-l, n-n (1, 306. 307). 1) substantiva α ) starke mascnlina goth. mô-þs (animus, ira), zwar kommt nur oblique môdis, môda vor, doch läßt sich daraus kein môds be- weisen, so wenig als aus dem ahd. muot, ags. môd schließen, daß kein älteres muod, môð gegolten habe, wurzel scheint das ahd. muoh-an (agitare, fatigare), so daß muo-t (agitatio, animus) stünde für muo-d, muoh- ad, folglich mô-þs für môh-aþs? bestätigt wird das þ (ahd. d) durch das ahd. adj. muo-di (agitatus) wovon nachher; mun-þs (os, oris); sin-þs (iter); nach dritter decl. dáu-þus (mors), wurzel dáu-an (vgl. altn. dey-ja mori, dâ-iun, mortuus)? wovon dáu-jan, as-dáu-jan (co- gere, consumere), bedeutung also: verschmachtung (vgl. svults); lei-þus (sicera) von ganz dunkler wurzel; tun- þus (dens); vul-þus (gloria). — ahd. mit a: marh-at (nundinae (mons. 350. 392. f. marh-ad; vok-at (advocatus); ohne a: chrâ-d (cantus, crocitus) es findet sich nur chrâ-t, hana-chrâ-t (galli can- tus) alts. hano-crâ-d, wurzel chrâhan oder chrah-an (cro- citare) also für chrah-ad, bestätigung des d gewährt chra- dum (vorhin s. 150.) f. chrah-ad-um; drâ-t für drâ-d (filum ductum, tortum), wurzel drâh-an (torquere) also drâ-t f. drah-ad; lî-d (sicera); muo-t für muo-d (animus, ira); mun-d (os); sin-d (via); tô-d (mors) gen. tôdes, richtiger als tô-t, tô-tes; zan-d (dens). — ags. blæ-d (flatus) f. blæ-ð; cî-ð (genimen, gramen) wurzel das goth. kei-an (1, 855)? cræ-d (crocitus) f. III. consonantische ableitungen. þ. cræ-ð, han-cræ-d (galli cantus); deá-ð (mors); mô-d (animus) für mô-ð; mû-ð (os); si-ð (via); tô-ð (dens); þræ-d (filum) f. þræ-ð. — altn. mark-aðr: bur-ðr (partus); fun-dr (res inventa) für fun-nr; hlun-nr (phalanga)? oder scheint nach dem ahd. lun (obex) jun. 282. dieses altn. nn andrer natur? doch vgl. zan neben zan-d; môðr (animus); mun-nr (os); skur-ðr (sculptura); þrâ-ðr (filum). — mhd. mark-et troj. 142 c ; vog-et; drâ-t (filum); krâ-t (crocitus); lî-t (sicera); muo-t; mun-t; flâ-t (rauchfang) Geo. 1918, etwa aus flah-ad entsprungen?; sprâ-t (im- ber, torrens) MS. 2, 240 b aus sprah-ad, von verlornem sprahan?; tô-t; zan-tneben zan. — nhd. drâ-t; mark-t; mun-d; mû-t; schl-ôt und schlo-tt; tô-d; vog-t; zân (ohne lingualableitung). — engl. dea-th; moo-d; mark-et; mou-th; too-th; threa-d. — β ) starke feminina , goth. nach erster decl. aír-þa (terra); gil-þa (falx); vgl. fri- aþva (dilectio) — nach vierter und zwar mit haftendem ab- leitungsvocal: mag-aþs (virgo); mit-aþs (mensura); ohne denselben: ga-baúr-þs (nativitas, genus); brû-þs (nurus, sponsa) von verlorner wurzel bruh-an (nubere, gignere)? für bruh-aþs?; dê-þs (facinus), es kommt nur der acc. pl. missa- dêdins (peccata) vor, wurzel ein verlorenes dah-an, dái-an? so daß aus dái-aþs dê-þs entsprünge? denn die ahd. ags. ver- balformen tuo-n, dô-n scheinen entstellt und erklären das ê (â) nicht; dul-þs (festum, solemnitas); ga-kun-þs (ma- nifestatio); knôþ-s (genus) Philip. 3, 5. der dat. knô-dái, wurzel knahan, knôh? (noscere, gignere) und knô-þs für knôh-aþs?; ga-máin-þs (congregatio) Neh. 5, 13. ver- schieden von dem weiter abgeleiteten gamaíndáiþs; náu- þs (necessitas) nur ubrig in náudi-bandi, aber das þ erweislich aus náuþjan (cogere), die wurzel náuan, nau- han, folglich náuþs f. nauh-aþs? die conjectur náuþs aus naúhaþs wird nicht wenig bekräf- tiget durch vergleichung des lat. nec- (= naúh-, wie noctis = nahts; sex, sec-s = saih-s; sec-o verwandt mit sah-s; decem = taihun etc.) in nec-esse, nec-essitas, nex = nec-s, nec-is (tod, höchste noth) nec-to (binde, wie das deutsche nôt auch vinculum bedeutet). obgleich sich hernach ein ablautendes niuþan (nr. 534.) bildete; nê-þs, nê-dáis (sutura) fehlt, doch aus ahd. nâ-t zu folgern, wurzel nái-an? aus nái-aþs nê-þs? das þ bestätigt durch nêþla III. consonantische ableitungen. þ. (acus); ga-qvum-þs (conventus) s. schlußbemerkung c; sê-þs (satio, semen) schwankend in sei-þs, beide nur in dem comp. mana-sêþs (mundus, menschensaat, ja nicht menschensitz) vorkommend, wurzel sái-an (serere) sê-þs aus sái-aþs?; — nach dritter decl. das einzige flô-dus (diluvium) Luc. 6, 49. für fiô-þus, das geschlecht aus der stelle nicht zu ersehen, doch schwerlich masc. (wie ich 1, 600. angenommen) sondern nach aller analogie fem., die wurzel flôh-an, welche im altn. flô-a und unl. vloej-en fortlebt, flô-þus für flôh-aþus? — ahd. nach erster decl. ër-da (terra) für ër-ada; hun-da (praeda); mâ-da (foenisecium) zu folgern aus guggi-mâda (Ecc. fr. or. 1, 675.) und mâdâri (foeniseca), wurzel mâh-an (secare)?; ki-nâ-da (gratia, humanitas), unbe- kannter wurzel, wohl mit nâh-an (goth. nêhvjan) ver- wandt, aber nicht aus ki-nâh-ida entstanden, weil es sonst mhd. umlautend heißen würde genæde und nicht genâde; ki-pâ-da (levamen, fomentum, recreatio) habe ich nie gelesen, vermuthe es bloß nach dem alts. gi-bâ- da (f. gi-bâ-tha), wurzel pâh-an (nhd. bæhen, fovere, torrere), kipâda f. kipâhada?; un-da, un-dëa (fluctus); ki-wâ-da (afflatus) mons. 367. 387. 390. von wâh-an (goth. váian, flare) st. ki-wâh-ada?; noch andere analoge sind denkbar, z. b. ein ki-plâ-da (balatus oder auch spi- ramen) von plâhan. — nach vierter decl. mit haftendem vocal das einzige mak-ad (virgo) später mag-at, mag- adî; ohne vocal folgende: chnuo-t (genus) für chnuo-d, bei K. chnua-t, mons. 408. chonôt (genealogia) steht ent- weder f. chnôt = chnuot, oder ist eine ganz andere ab- leitung chon-ôt? Ammian hat den eigennamen chono- do-marius (illustris genere); chnâ-t (cognitio) versch. vom vorigen chnuo-t, obgleich der selben wurzel (chnahan, chnâhan), ich kenne bloß ur-chnâ-t (agnitio) jun. 234; kluo-t (candor, ardor) gluo-t T. 186, 5. vom verbo kluo-n (candere) mons. 339. 341. 342, kluo-d für kluoh-ad?; kun-d (bellum)? nur noch in compos. wie hilti-gund, chuoni-gund etc. übrig, oder in der weiteren ableitung kundahâri, gundahâri, später guntahâri; nâ-t (sutura) für nâ-d, das d bestätigt durch nâdala (acus, für nâh- ad-ala); nô-t (necessitas) f. nô-d; nuo-t (compages) jun. 209. f. nuo-d und dieses aus nuoh-ad von der wurzel nuoh-an (jungere, concatenare)?; pluo-t (flos) f. pluo-d, aus pluoh-ad, von pluoh-an (florere); pruo-t (foetus) f. pruo-d, aus pruoh-ad, von verlornem pruoh-an (incu- III. consonantische ableitungen. þ. bare)? denn das verbum pruotan, mhd. brueten, ist wieder aus pruot gebildet wäre pruo-dar (frater) goth. brô-þar (qui ex eodem foetu nafcitur?) verwandt, so bestärkt es das þ (d). ; prû-t (sponsa) f. prû-d; ki-pur-t (nativitas) f. ki-pur-d, aus ki-pur-ad; sâ-t (sa- tio) f. sâ-d, aus sâh-ad; spuo-t (successus, prosperitas) f. spuo-d, aus spuoh-ad, von spuoh-an; tâ-t (factum) f. tâ-d; tul-d (solemnitas) jun. 225; vluo-t (diluvium) f. vluo-d, aus vluoh-ad vom verlornen vluoh-an (fluere), wenn jun. 224. f. fludar (rates) fluodar gebeßert werden dürfte, gereichte das d zur bestätigung; zî-t (tempus) f. zî-d, aus zîh-ad (indictio?) von zîh-an (nr. 195.)? — ags. nur nach vierter declination (ëor-ðe geht schwach): bry-d (sponsa) f. bry-ð; ge-byr-d (nativitas) f. gebyrð; dæ-d (factum) f. dæ-ð; flô-d (diluvium) f. flô-ð; gû-ð (bellum); hû-ð (praeda); mäg-ð (virgo), nicht mehr mäg-eð, doch scheint sich das ð, wegen des noch nicht lange ausgestoßenen vocals, behauptet zu haben; neá-d (necessitas) f. neá-ð: sæ-d (semen) f. sæ-ð; spê-d (even- tus. prosperitas) f. spê-ð; tî-d (tempus) f. tî-ð; ŷ-ð (fluc- tus). — Scheinbar mengen sich mit diesen ableitungen auf ursprüngliches -að die gleichfalls den vocal auswer- fenden auf ursprüngliches -ið, z. b. sæl-ð, streng-ð, yrm-ð etc., doch sind letztere an dem unverletzten -ð erkennbar, während die hier abgehandelten das ð (mägð, gûð, ŷð ausgenommen) in d geschwächt habeu . — altn. brû-ðr (sponsa); dâ-ð (virtus); glô-ð (pruna); gun-n (pugna); nau-ð (necessitas); tî-ð (tempus); tön-n (dens); un-n (fluctus). Von ihnen sind andere, meist an dem wurzelumlaut erkenntliche -ð zu unterscheiden, die für -ið stehen (z. b. ferð, fylgð, stœrð etc.) — mhd. nach erster decl. nur: ër-de; ge-nâ-de; un-de; mâde unbelegbar, obgleich aus mâ-dære Ottoc. 500 b fol- gend; nach vierter mit haftendem vocal noch mag-et, gen. meg-ede, meg-de, woraus mei-de, endlich der nom. mei-t (virgo); ohne vocal: bluo-t; bruo-t; brû-t; ge- bur-t; gluo-t; nâ-t; nô-t; sâ-t; spuo-t; tâ-t; vluo-t; zî-t. — nhd. er-de; gnâ-de; — brau-t; brû-t; ge-bur-t; flû-t; glû-t; mag-d; nâ-t; nô-t; sâ-t; tâ-t; zei-t. — engl. bir-th; bri-de; dee-d; ear-th; floo-d; mai-d; nee-d; see-d; spee-d; tid-e. — III. consonantische ableitungen. þ. mnl. nnl. einige, die den übrigen mundarten fehlen, z. b. smâ-de (opprobrium) Maerl. 1, 353. von smah-an. — γ ) starke neutra , goth. mit haftendem vocal das einzige liuh-aþ (lux), wurzel liuhan (nr. 538.) ob in ataþni (annus) ein ableitendes at-aþ steckt? die volle form wäre at-aþ-ani; oder ist at partikel und aþni wurzel? Die buchstaben in latein gesetzt ergäbe adatn…, vgl. oben s. 163. ; ohne vocal: blô-þ (sanguis) für blôh-aþ?; gul-þ (aurum) von gilan (nr. 564.) — ahd. mit ableitungsvocal lioh-at? ich finde nur einmahl bei K. 17 a den dat. lëoh-ete und mit tadelhaftem i mons. 355. lioh-it. die gewöhnliche form ist schon lioh-t; folgende haben nie den vocal: hrin-t (armentum) f. hrin-d; kol-t (aurum) f. kol-d; për-d (genimen) T, 160, 3. wo aber der dat. bërde steht, so daß form des nom. und genus unsicher sind, vielleicht berdi?; pluo-t (sanguis). — ags. blô-d (sanguis) f. blô-ð; gol-d (aurum) f. gol-ð für hri-ð (quadrupes) die weitere ableitung hri-ðer; lëoh-t. — altn. blô-ð (sanguis); flô-ð (diluvium); gul-l (aurum); sâ-ð (seminatio); vielleicht auch snâ-ð (cibus); sin-n (momen- tum temp.). — mhd. bluo-t; gol-t; lieh-t; rin-t. — nhd. blû-t; gol-d; lich-t; rin-d. — engl. bloo-d; gol-d; ligh-t. — δ ) starke feminina auf -aþi , goth. hái-þi (ager) für haiv-aþi?; kun-þi Luc. 1, 77. Phi- lip. 3, 8. — ahd. hei-di (campus); hul-di (favor); pur- di (onus). — ags. hæ-ð (erica) f. hæ-ðe; hyl-de (gratia) f. hyl-ðe; mäg-ðe (provincia); aber weiter gebildet byr- ðen (onus). — altn. hei-ði (tesqua montana); hyl-li (fa- vor). — mhd. bür-de; hei-de; hul-de. — nhd. bür-de; hei-de; hul-d. — engl. hea-th; bur-den, bur-then. — ε ) starke neutra auf -aþi , goth. ga-vaír-þi (pax); and-vaír-þi (facies). — ahd. an- di (frons, frontis) verschieden von an-ti, en-ti (finis) O. V. 2, 6, 9; chî-di (genimen) frumi-kî-di (primitiae) O. IV. 34. 24; mak-adi (virgo) gewöhnlich mag-eti; pil-adi (imago) assim. pil-idi; diese neutra schieben bei einigen oblique n ein (1, 631. 632.), daher der gen. magatines und ebenso an- dines (frontis) andine (fronte) J. 394. andinum (frontibus) J, 407. doch nie piladines für pilades. — ags. würde das ahd. andi (goth. anþi?) lauten müßen eðe, das ich nicht antreffe; bil-eðe, bil-eð (exemplum). — altn. en-ni (frons) III. consonantische ableitungen. þ. sæ-ði (semen); in bîl-æti (effigies) verstehe ich weder das î der wurzel, noch das æ und t der ableitung. — mhd. mag-edîn (puella); bil-de (imago). — nhd. bil-d. — ζ ) schwache masculina , goth. vái-dêd-ja (maleficus); un-hul-þa (daemon) Ulfilas überträgt das neutrum δαιμόνιον schwankend durch das masc. unhulþa und das fem. unhulþô, öfter durch letzteres, wo- zu auch das ahd. unhulda stimmt, womit (und nicht mit unhuldo masc.) das lat. masc. diabolus ausgedrückt werden soll. Ich be- ziehe das auf deutsch-mythologische vorstellungen; Matth. 9, 33. vergißt sich der Gothe so sehr, daß er auf das part. usdribans sein fem. folgen läßt. ; ga- sin-þja (comes), doch könnte der dat. pl. gasinþjam Luc. 2, 44. auch auf ein gasinþjis nach zweiter starker decl. führen, wozu das ags. gesið, pl. gesiðas stimmt, zu der schwachen form aber das ahd. sindo. — ahd. ar-ër-dëo (extorris) doc. 231 a ; saman-sin-do (comes) O. V. 9, 18; upil-tâ-to (maleficus) ubildâto O. III, 20, 226.; ven-dëo (phalanx) hrab. 963 b , vuoƷ-ven-do (pedes, pedissequus T. 79; vin-do (repertor) jun. 179 a ; piƷ-ado (morsus) s. bei -ido, -ôdo. — ags. fe-þa (pedes); hvëo-ða, hvi-ða (aura lenis) vermuthlich von hvëos-an (spirare) engl. wheeze, also f. hvëos-ða?. — altn. dau-di (mors). — η ) schwache feminina, goth. he-þjô (cubiculum), vielleicht aus heiv-aþjô ent- sprungen? ein sonst dunkles wort; un-hul-þô (daemon); kil-þei (uterus) in-kil-þô (femina praegnans); mag-aþei (virginitas); mit-adjô (mensura) f. mit-aþjô Luc. 6, 38; svin-þei (fortitudo). — ahd. un-hol-da (daemon) hymn. 24, 3. — ags. ëor-ðe (terra). — 2) adjectiva α ) erster declination : goth. mit ableitungsvocal das einzige naqv-aþs (nudus), wo ahd. und ags. der vocal u, o waltet; ohne vocal: bal-þs (audax); dáu-þs (mor- tuus) auch im obliquen casus mit þ geschrieben; -fal-þs (-plex); frô-þs, frô-dis (sapiens) scheint mir, obgleich ablaut von fraþjan, hierher gehörig, nämlich selbst fra- þjan (nr. 85.) deutbar aus frah-aþjan, frô-þs aus frôh- aþs, mein grund dafür ist der zusammenhang zwischen frôþs, ahd. vruod, vruot und ahd. vruo, das nicht eigent- lich praecox, antelucanus, sondern vetustus bedeutet, auf goth. aber frôh-is gelautet haben kann einige mhd. stellen gebrauchen vruot und vrueje synonym. ; kun-þs (no- III. consonantische ableitungen. þ. tus) svê-kun-þs, svî-kun-þs (manifestus) s. cap. III. die zus. setzungen mit sva- und svê. ; svin-þs (for- tis); vaír-þs (dignus) ana-vaír-þs (futurus). — ahd. ehun-t (notus) f. chun-d; hal-d (vergens) in comp. wie vram- hal-d, zuo-hal-d etc.; hlû-t (sonorus) f. hlû-d? wurde ich von hluoh-an (mhd. luejen, mugire, ags. hlôv-an, engl. low) leiten und aus hluoh-ad erklären, wenn sich ein hluot, hluod nachweisen ließe, und wenn nicht hlio- dar (strepitus, sonus) ags. hlëoðor ein verlornes hliuþan, hláuþ, hluþun anriethen, zu dem auch der eigenname hludowîc (mit kurzem u) gehört; wie aber, wenn hlû-d aus hliu-d, hliuh-ad entspränge?; pal-d (audax); suin-d (validus) nicht zu belegen, aber zu vermuthen; tô-t (mortuus) f. tô-d, vgl. die schlußbem. f; val-t (-plex) f. val-d, nur in zus. setzungen; vruo-t (vetustus, prudens) f. vruo-d; wër-t (dignus) f. wër-d. — ags. bëal-d f. bëal-ð; cûð (notus); dëá-d (mortuus) f. dëa-ð; fëal-d (-plex) f. feal-ð, in comp. wie ân-fëald etc.; frô-d (grand- aevus) f. frô-ð; hlû-d (sonorus) f. hlûð?; hëal-d (pro- clivis) f. hëal-ð; sô-ð verus) erwächst aus san-ð und würde ahd. san-d lauten; svi-ð (fortis); vëar-d f. vëar-ð in comp. wie and-vëard (praesens) etc. — altn. bal-lr (fortis); dau-ðr (mortuus); frô-ðr (multiscius); hal-lr (propensus); hlió-ðr (taciturnus), welche sorm die ver- muthung eines ahd. hliud f. hlûd zu bestätigen scheint, denn es gilt kein altn. hlûðr daneben und die abwei- chende fast entgegengesetzte bedeutung ist so zu erklären: hlióð heißt sonus, dann aber auch vox non interpellata, silentium, hlióðr ein lauschender, still zuhörender, den der laut trifft; kun-nr (notus); san-nr (verus); smâ-ðr (contemtus); svin-nr (fortis); vër-ðr in ofan-verðr etc. — mhd. bal-t; kun-t; lû-t; mor-t (occisus); swin-t; tô-t; -val-t; vruo-t; wër-t. — nhd. fal-t in manig-falt; kun-d; lau-t; ge-schwin-d; tô-dt; wér-th. — engl. bol-d; cou-th, nur in un-couth gebräuchlich; dea-d; -sol-d; lou-d; soo-th; wor-th. β ) adjectiva zweiter decl. goth. mit vocal fram-aþis (alienus); ohne vocal vil-þis (silvestris). ahd. vrem-idi assim. f. vram-adi; lin-di (mollis); muo-di (fessus) aus muoh-adi?; vruo f. vruo-i, jun. 221. herrad. 193 a vruoh-i (praecox); wil-di (ferus). — ags. frem- ede f. frem-eðe; li-ðe (mollis); vil-d (ferus) f. vil-ðe. — III. consonantische ableitungen. þ. altn. fram-andi (advena) scheint weniger das goth. fram-aþis, als part. praes. von frama. lin-r (lenis) f. lin-nr?; mô-ðr (anhelus, fatigatus); vil-lr (ferus). — mhd. ge-nen-de (audax); vrem-ede; lin-de; mue-de; vrue-je? als adj. selten (Trist. 1152. vrue- heƷ) als adv. häufig vruo; wil-de. — nhd. frem-d; lin-d; muͤ-de; fiuͤh-e; wil-d. — engl. li-the; wil-d. 3) verba α ) starker form: fal-þan (nr. 10.); vil-þan? (nr. 582.); fin-þan (nr. 394.); svin-þan (nr. 597.); tin-þan (nr. 597 b ); vaír-þan (nr. 442.); aír-þan (nr. 620.); fra-þjan (nr. 85.); niu-þan (nr. 534.); vielleicht hliu-þan (534 b sonare)? u. a. m. β ) schwache verba erster conjugation , goth. ga-svê-kun-þjan (manifestare); nan-þjan (audere); náu-þjan (cogere); san-djan f. san-þjan (mittere); svin-þ- jan (roborare); dis-vin-þjan (dissipare). — ahd. chun-dan (notum facere); nen-dan (audere); nô-tan (cogere); sen- tan (mittere) f. sen-dan. — ags. cŷ-ðan (testari); nŷ-dan (cogere) f. nŷ-ðan; sen-dan (mittere) f. se-ðan (?). — altn. ken-na (docere); mœ-ða (fatigare); ney-da (cogere); nen-na (audere); sen-da (mittere) f. sen-na?; sæ-ða (se- minare). — mhd. brue-ten; kun-den; nœ-ten; sen-den. — γ ) schwache verba zweiter conjugation , goth. vaír-þôn (aestimare); ahd. wër-dôn; ags. cû-ðjan (innotescere); fan-djan (tentare); svi-ðjan (praevalere). — anmerkung: es gibt noch manche -þ = -aþ in wei- ter abgeleiteten wörtern, denen sich hier keine stelle an- weisen ließ, z. b. goth. maúr-þr (occisio) ahd. mor-dar; ags. cor-ðer (multitudo) ahd. chor-dar; goth. an-þar (al- ter) ahd. an-dar, ags. o-ðer, altn. an-nar etc. Ueberall, wo vor iulautendem þ (d) vocale, zumahl lange, stehen, ist der ausfall einer spiraus möglich, ahd. ruo-dar (remi- gium) scheint auf ruoh-adar zu deuten (vgl. mhd. rue- jen, remigare); pruo-dar (frater) vielleicht aus pruoh- adar (vorhin s. 236.) wie nâ-dala (nê-þla aus nah-adala; nicht anders die nhd. sprû-del (bei Gellert prû-del) strû- del, nû-del aus spruoh-adal (vgl. sprue-jen, sprůh-en) struoh-adal, nuoh-adala (vgl. nuo-d, aus nuoh-ad, compages). Besonders gern pflegt diese ableitung mit der weiteren ab- leitung -um zusammenzustehen (oben s. 150.) und dann auch mitunter kurzer vocal vor dem þ (d) zu bleiben, III. consonantische ableitungen. þ. vgl. ahd. va-dum (filum) aus vah-adum; chra-dum (so- nitus) aus chrah-adum, wie chrâ-t aus chrah-ad; wi- dum (dos) aus wih-adum von wîhan (nr. 201.); â-dum (spiritus) leite ich von ah-adum, so daß es mit dem goth. ah-a (mens) ah-ma (ah-ama spiritus) einer wurzel ist. Dem mhd. lu-dem (sonitus) steht die nämliche bedenk- lichkeit zur seite, die ich vorhin bei dem adj. lût erör- tert habe, die herleitung von luejen forderte luo-dem wie luo-t vgl. inzwischen hernach s. 243. den unterschied zwischeu lûtida und luotida; in beiden steht l für hl. ; war die ahd. form hluo-dum, hlu-dum, hlû- dum? für das volle hluoh-adum, hluh-adum? übrigens könnte ludem (das thier) dieselbe ableitung sein und ein brüllendes, schreiendes bezeichnen. Swa-dem (exhalatio) läßt sich nur aus der hd. mundart erklären, die wurzel ist unleugbar svikan (nr. 299.), durch vertauschung der asp. mit der spirans wurde aus suëhh-adum, suahh-adum suëh-adum, suah-adum und daraus sua-dum; ein ags. sväc-ðom, wenn es statt fand, hätte sich nicht verwan- delt in svæ-ðm. Läßt sich ei-dum (gener) aus eih-adum und von der wurzel áigan (aíh, aíhta) leiten, der wel- cher die tochter zur ehe genommen hat? Ich stelle diese und andere hier versuchte ableitungen als bloße vermu- thungen auf, die solange erlaubt sind, bis es uns gelingt festere regeln zu finden, nach welchen wir jene bestimmt zulaßen oder ausschließen können. [Iþ] der vocal haftet im goth. und ahd., wird im altn. überall, im ags. gewöhnlich weggeworfen, zuweilen steht noch ë. Umlaut in wurzeln, die seiner fähig sind. 1) substantiva α ) starke masculina , goth. keine. — ahd. hal-id, hel- id (heros); leit-id (dux) J. 387. 388. hymn. 22, 2. T.; ki-mein-id (communio) J. 361. (chi-mein-idh), vielleicht fem.?; sceph-id (creator) J. 383. (wo scheffidhes, creato- ris); stiur-id (gubernaculum) insofern stiur-idâ (guberna- cula) wirceb. 977 a pl. masc. ist und kein fem. — ags. frym-ð (initium)? Lye hat den pl. frym-ðas (primitiae); häl-eð (heros). — altn. gar keine. — mhd. hel-et, hel- des; vielleicht wîs-et (dux apum) MS. 2, 3 a , wenn nicht wîs-el zu lesen ist? ahd. wîs-id? — nhd. hel-d. Q III. consonantische ableitungen. þ. β ) starke feminina sind desto häufiger: goth. aírz-iþa (error); dáub-iþa (stupiditas); diup-iþa (profunditas); gaúr-iþa (tristitia); arma-haírt-iþa (miseri- cordia); háuh-iþa (celsitudo); mêr-iþa (fama); niuj-iþa (novitas); ïn-niuj-iþa (encaenia); qvramm-iþa (humor) Luc. 8, 6. bedenklich; ga-raíht-iþa (justitia); svêgn-iþa (gau- dium); þvast-iþa (certitudo) Philipp. 3, 1; varg-iþa (dam- natio); ïn-vind-iþa (injustitia); veit-vôd-iþa vielleicht kein comp. sondern veitv-ôd-iþa? falls sich ein goth. veitvjan f. ahd. weiƷan oder ein ahd. weiƷôt f. goth. veit- vôds sicher ergäbe. (testimo- nium); alle diese haben unverrückt þ, kein d, es ist da- her schwer zu erklären, warum áuþ-ida (eremus) in allen stellen (Matth. 11, 7. Marc. 1, 4. 8, 4. Luc. 1, 80. 5, 16.) media und keine asp. hat. Wegen des in der wurzel vorhergehenden þ sicher nicht, weil sonst, z. b. þiuþa, þiuþeigs etc. zwei þ hintereinander unbedenklich sind. Gehört es gar nicht hierher, sondern zu den d-ableitun- gen? ahd. weder ôd-ida noch ôd-ita. — In sal-iþva (man- sio) folgt noch eine v-ableitung, wie in fri-aþva. — Ue- brigens laßen sich alle angeführten goth. fem. auf -iþa sowohl von adj. leiten, von aírzis, dáubs, diups, gaúrs, arma-haírts, haúhs, mêris (ahd. mâri), niujis, qvramms (?), garaíhts, svêgns, þvasts, vargs (damnatus, reus)?, ïnvinds, veitvôds [oder etwa auch von den subst. vargs, veitvôds] als von schw. verbis erster conj., welche sich fast zu sämmtlichen wörtern darbieten, ausgen. zu arma- haírtiþa, niujiþa, qvrammiþa und ïnvindiþa, wo sie doch auch vorausgesetzt werden dürfen. ahd. herrscht die organ. media standhaft und geht nicht in t über doch K. 42 a ubar-fluat-ita (superfluitate). , N. schon-eda statt -ida; aus einer menge von beispielen, die sich überall darthun, wähle ich: arak-ida, arg-ida (ignavia); arend-ida (asperitas) mons. 404; arm-ida (paupertas); pi-chenn-ida (scientia) N. 138, 6; chund-ida (nuntiatio) cuat-chund-ida (evangelium); chûm-ida (mor- bus); chusc-ida (castitas); pi-decch-ida (velamentum) N. 89, 16; pi-derh-ida (utilitas); eg-ida (occa) zwetl. 120 b ; êw-ida (aeternitas) T. 3, 5. 155, 4; ê-haft-ida (religio) hrab. 973 b oder zu lesen êr-haft-ida (pietas) ibid. 972 a ? un-ka-mëƷ- haft-ida (intemperantia); pi-hals-ida (amplexus); pi-halt- ida (custodia) ki-halt-ida (observantia) ê-halt-ida (religio) var-halt-ida (incestus) hrab. 966 b ; vul-hant-ida (incestus) jun. 211; ka-henk-ida (concessio); ant-hep-ida (sustentacu- III. consonantische ableitungen. þ. lum) blas. 132 b ; hert-ida (durities); herm-ida -(dolor); arm-hërz-ida (misericordia) vora-herz-ida (praecordia) jun. 189; heil-ida (salus); hôn-ida (contumelia); hôr-ida (auditus); hrein-ida (puritas); ki-hruor-ida (tactus); hursc- ida (alacritas); pi-huct-ida (sollicitudo) K. 36 b ; missa-huarp- ida (eversio) hrab. 961 b ; huass-ida (acrimonia); zur-kank-ida (interitus); kanz-ida (sanitas); karaw-ida (praeparatio); kir- ida; klaw-ida; knitt-ida (contritio) N. 146, 3; krimm-ida (saevities); lâhch-ida (medicamen) K. 39 a ; ki-lenk-ida (affi- nitas); upar-lik-ida (adulterium) jun. 195; liht-ida (leva- men) O. III. 23, 91; ana-lîhh-ida (imago) blas. 8 a ; ka-limph- ida (opportunitas); ar-lôs-ida (redemtio); lust-ida (gaudium); lût-ida (musica) O. V. 23, 351. aber verschieden davon luot- ida (latratus) blas. 8 a ?; ki-mahh-ida (cubile) doc. 213 a (con- nubium) jun. 180. 188; mâr-ida; merr-ida (impedimentum); ki-mein-ida O. IV. 11, 64; milt-ida; pi-neim-ida f. pi-nim- ida? (testamentum) N. häufig; ki-nuok-ida (ubertas); ki- nemn-ida (appellatio); pald-ida, beld-ida (temeritas); ki- pâr-ida (gestus, habitus); ar-parm-ida; ki-plâ-ida f. ki-plâh- ida (flamen) hrab. 963 b : plîd-ida (hilaritas); preit-ida (elatio); ki-priev-ida (descriptio); ki-prûhh-ida (usus); missi-prûhh-ida (abusus); ki-pur-ida (eventus); ki-pûw- ida (aedificatio); ki-rât-ida (consilium); ki-recch-ida (trans- latio, interpretatio) ar-recch-ida (editio), vram-recch-ida (translatio); ka-rert-ida (aptatio, directio?) doc. 294; ka- hant-reihh-ida (conspiratio) hrab. 955 b ; ant-reit-ida (ordo, dispositio); ant-sek-ida, ant-seg-ida, ant-seida (defensio); sel-ida (mansio) nicht sel-idawa nach dem goth.; sâl-ida (felicitas); salp-ida (unctio); sarph-ida (acritudo); leit- sam-ida (abominatio); samft-ida (lenitas) un-semst-ida (durities); pi-sez-ida (obsidio) ki-sez-ida (ordo); ki-scent- ida (ignominia); ki-scih-ida (periculum) doc. 215 a ; scôn- ida (pulcritudo); wuntar-scaw-ida (spectaculum) jun. 228; var-scurk-ida (praecipitium); slaff-ida (relaxatio); zëlt- ki-slek-ida (scenopegia); slëht-ida (blandities) K. 21 b ; upar- sliht-ida (superficies) blas. 8 b ; pi-smar-ida (calumnia; snium-ida (celeritas); spâ-ida, spâh-ida (sapientia); pi- spërn-ida (offensio) ana-spurn-ida (offendiculum) jun. 216; spriuƷ-ida (fulcrum); ana-stant-ida (constantia) var-stant- ida (intelligentia); starh-ida (fortitudo); strenk-ida (aspe- ritas); un-still-ida (clamor); zi-stôr-ida (destructio); ki- stunk-ida (compunctio); ki-sunt-ida (valetudo); ki-suohh- ida (perquifitio) ur-suohh-ida (examen); ki-suon-ida (pac- tio) jun. 221; pi-suihh-ida (fraus); ar-teil-ida (decretum); tiur-ida (gloria); ur-triuw-ida (suspicio) hrab. 958 a ; ki- Q 2 III. consonantische ableitungen. þ. truk-ida (fallacia); wîn-uop-ida (temulentia) doc. 244 b ki- uop-ida, k-uop-ida (colonia) doc. 217 a ; ant-vank-ida (re- ceptio) vokal-vank-ida (aucupium); mânôt-venk-ida (ca- lendae) mons. 322. 332. 349. in-vind-ida (compassio) N. 33, 20; ana-ki-vluƷ-ida (alluvio); ant-vrâh-ida (interrogatio); vrow-ida, frew-ida (gaudium); ki-vuok-ida (aptitudo); vûl- ida (putredo); ki-walt-ida (potestas) ana-walt-ida (ditio) sëlp- walt-ida (privilegium) letzteres aber aus hrab. 971 b nicht sicher zu beweisen, da der pl. auch von einem masc. sëlp-walt-id rühren könnte, vgl. sëlp-walt-ôdî (privilegia) jun. 222; sëlp-wart-ida (arbitrium) doc. 234 b vielleicht schreibf. f. sëlp-walt-ida; ar-went-ida (diverticulum) hrab. 959 b ; ki-war-ida (industria) un-ki-war-ida, un-ki-wer- ida (incuria) zur-war-ida (scandalum); wîh-ida (dedica- tio) opfer-wî-eda (sacramentum) N. 73, 3; ki-wiss-ida (ex- perimentum) doc. 254. kast-wiss-ida (diversorium); puoh- ki-wiƷƷ-ida (scientia librorum); pi-woll-ida (contagium); widar-wurt-ida (adversitas); zal-ida (discrimen) hrab. 959 b ; wîp-ki-zior-ida (ornamentum mul.); in-zunt-ida (incensio); zurn-ida (iracundia). — Anmerkungen hierzu: 1) dunkel ist mir urgawida (fastidium) jun. 182. aus hymn. 25, I., vielleicht ur-ga-wis-ida nach der dabei stehenden anderen glosse urkawisôntêm (fastidientibus)? — 2) einige- mahl, doch selten, fügt sich die ableitung -ida hinten an die vorausgehende ableitung -n-uss, -n-iss: vûlnuss-ida (corruptio); lût-nussida (harmonia); ophanuss-ida (indago, significatio); vlornuss-ida (jactura) doc. 212 a 224 a 227 b 241 a , ferlorniss-eda N. 34, 7. 92, 4; ophanuss-ida mons. 348. 356. ja mit unorg. doppelung zi-deniss-idida (distentio) doc. 245 b f. zi-deniss-ida? — 3) die herleitung dieser fem. auf -ida scheint verwickelter, als im goth., zwar können die meisten ebenfalls auf adj. oder verba erster schw. conj. zurüekgebracht werden. Allein es gibt einige darunter, die von starken verbis stammen (halt-ida, walt-ida, kank- ida, rât-ida, stant-ida, vank-ida, pisuihh-ida, upar-lik- ida, limph-ida, stunk-ida), andere, die sich auf verba zwei- ter und dritter schw. conj. beziehen, ohne darum das i vor dem d mit ô oder ê zu vertauschen (salp-ida, scaw- ida, pi-smar-ida, ar-parm-ida von salpôn, scawôn, pi- smarôn, arparmên ki-mahh-ida nicht von mahhôn zu leiten, sondern von dem adj. ki-mah (aptus). . Hieraus folgt, daß auch in jenen, die mit verbis erster schw. conj. zus. hängen, das i der III. consonantische ableitungen. þ. ableitung -ida gehört und nichts mit dem i, welches die verba ableitet, zu thun hat. Woher sind sâlida und êwida unmittelbar herzuleiten? ersteres sicher von dem zwar ausgestorbnen adj. sâli (goth. sêlis), letzteres von dem subst. ê, goth. áiv. — 4) nach und nach mindert sich die zahl dieser bildungen merklich, K. und die glos- sen zeigen ihrer viel, weniger O. und T., noch weniger N. — 5) sind auch starke fem. vierter decl. auf -id an- zunehmen? sehr wenige kommen in erwägung: her-id (?) Ecc. sr. or. 1, 675. in dëro heride (heridì oder he- ridê = goth. -ái); ki-mein-id? (communio) J. 361; tnk- id (virtus)? tukida, tugida findet sich nirgend, N. 17, 33. tugede (virtute), organisch scheint aber tug-und (ags. dug-ôð) mhd. tug-ent. — ags. ist diese ableitung weit eingeschränkter, der vo- cal i überall weggeworfen (mit zurücklaßung des um- lauts) und selbst das -u der ersten decl. aufgegeben, so daß fast alle wörter der vierten folgen, also ein bloßes -ð haben. Ich finde nur noch das einzige heáh-ðu (cul- men, goth. haúhiþa) nach erster decl. Die wichtigsten beispiele sind: ëarm-ð, yrm-ð (miseria); hæl-ð (sanitas); hlëóv-ð (apricitas); hyg-ð (conatus, ahd. hukida); leng-ð (longitudo); ge-mäg-ð (potentia); mær-ð (gloria); mirg-ð, myrh-ð (gaudium) mir dunkeles ursprungs; sel-ð (sedes); sæl-ð (prosperitas); streng-ð (fortitudo); trëóv-ð (fidelitas); þëóf-ð, þŷf-ð (furtum); ge-þyng-ð (dignitas, gravitas). Die mundart scheint diese bildung zu meiden, sobald schon die wurzel lingualisch schließt, denn t-ð, d-ð (ahd. z-ida, t-ida) klänge übel, doch mag ð-ð (ahd. d-ida) zuläßig sein; cŷð-ð, ge-cŷð-ð (patria, ahd. chundida) oder muß es heißen cŷðe (ahd. chundi)? Zuweilen wird fehler- haft hð geschrieben für ht, namentlich gesihð (visus) f. gesiht; denn ich wüste kein ahd. ki-sih-ida verschieden von ki-sih-t, wiewohl es der bildung ki-scih-ida (casus) versch. von ki-scih-t (historia) analog wäre. — altn. häufiger als im ags., doch seltner als im ahd. Der wegfall des i vor dem ð zieht modificationen des linguallauts nach sich, nämlich -ð wandelt sich in -d und -t ganz nach der bei der schw. conj. (1, 921. unter 4.) gegebenen regel es wird dadurch das characteristische der ableitung dem allgemeinen lautgesetze geopfert; bei der flexion des schw. praet. läßt sich mehr dafür sagen. : breid-d (latitudo); bŷg-ð (aedificatio); III. consonantische ableitungen. þ. deil-d (distributio); dŷp-t (profunditas); erf-ð (hereditas); fylg-ð (comitatus); girn-d (cupido); hæ-ð (altitudo); hëfn-d (vindicta); hvîl-d (quies); leng-ð (longitudo) R. leingð; sæl-d (beatitudo) comp. mit-sem-d, z. b. nyt- sem-d (utilitas); smæ-ð (parvitas); stœr-ð (magnitudo); sveng-ð (fames) R. sveingð; þyck-t (crassities); vîd-d (amplitudo); væg-ð (lenitas). — Rask §. 351. zählt auch fer-ð (iter) hier mit auf, das mir aber organisch zu den d-ableitungen fällt (ahd. var-t, nicht var-ida), auch nekt (nuditas) weil das t schon in dem adj. liegt (nak-tr s. nak-aðr), gehört nicht darunter. — mhd. hat sich die zahl dieser ableitungen sehr verrin- gert, einzelne schwanken zwischen fem. und neutr. (ahd. -ida und -idi); die hauptsächlichsten sind: er-berm-de (misericordia) Barl.; ge-bær-de (habitus), tadelhaft bei späteren (Vrîb. Reinfr.) ge-bër-de (:ërde); gir-de (cu- pido) Ben. 166. troj. 33 b 48 b , seltner gër-de livl. 3 b amgb. 44 b ; be-greb-ede (sepultura) Rud. weltchr.; heb-ede (opes) ibid.; be-heg-ede (deliciae) misc. 2, 297; hœn-de (derisio) cod. pal. 361, 74 a Rother 1811. 2240; ge-hœr- de (auditus) Barl. an-ge-hœr-de Rud. weltchr.; ge-hüg- ede, be-hüg-ede (memoria) Barl. MS. 2, 171 a ; kleg-ede (querela) MS. 2, 207 b ; ge-lüb-ede (votum) Parc. 8477. 21430; ge-mein-de (communio) Trist. Bon.; be-nem-de (appellatio) Barl. ge-nen-de (persona) Wigal. f. ge- nenn-de; sæl-de (felicitas) liut-sæl-de Rud.; sel-de (do- mus) Gudr. 49 a naht-sel-de (diversorium) Nib.; sêr-de (vulnus) livl. 124 a Oberl. h. v.; schem-de (pudor) Morolf 48 a ; ge-schepf-de, ge-schepf-ede (creatura) Wi- gal. ge-schepf-ede (conditio, constitutio, besonders corpo- ris) Trist. 3959. 6539. 6558. 10968. (Müll.) unterschieden von dem neutr. ge-schepf-ede, ge-schef-ede (occupatio); ge-schick-ede (indoles, aptitudo, nh. geschick, anstellig- keit) Parc. 5072. 10786. Wilh. 2, 112 b ; be-schöu-de (con- templatio) Mar. und Tit.; be-swær-de (molestia) Flore 23 b Karl 77 a Barl.; ur-teil-de (judicium) MS. 2, 121 b ; be-trueb- de (afflictio) Bon.; ge-ueb-de, g’ueb-de (cultura) cod. pal. 361, 18 a ; be-vil-de (sepultura): wilde Kolocz 186. Wigal. 8325. f. be-vilh-de; ge-vær-de (insidiae) Bon.; vröu-de (gaudium); vrüm-ede (probitas) Trist.; be-wær-de (te- stificatio) Trist.; ge-zier-de (ornatus) Parc. 2504. Trist.; zimier-de (ornamentum galeae) Parc. 4892. 10659. — mnl. scheinen diese bildungen seltner als im nnl.; be- sondrer crwähnung verdienen die der ableitung -en an- III. consonantische ableitungen. þ. gehängten -ede, welche später wieder absterben: ghe- bûr-n-ede (femina, ancilla) Maerl. 1, 352. 353; grav-en- ede (comitissa) Huyd. 2, 184. 185; ghe-sel-n-ede (socia) Maerl. 2, 52; swas-en-ede (amica) Huyd. op St. 2, 186, man darf nicht -nede annehmen (die ahd. form würde sein krâv-in-ida, ki-sell-in-ida, suâs-in-ida? statt welcher es aber heißt: krâv-inna, kî-sell-inna) oder nur ein un- org. n-ede (vgl. hernach die ags. n-ôð, altn. n-aðr für ôð, aðr). — nhd. noch wenigere als mhd.: ge-bær-de (gestus); ge- fær-de, bloß in der formel: ohne gef.; freu-de; gier-de, be-gier-de; be-hœr-de (id quod competit); lieb-de, bloß in titulaturen (ein mhd. lieb-de, ahd. liup-ida kenne ich nicht, aber nnl. ist lief-de ganz gewöhnlich, also wohl nd. einfluß?); be-schwêr-de; zier-de. Bücher des 17. 16. jahrh. gewähren noch andere, z. b. Sittewald: wärmb-de (calor) bärmb-de (misericordia) krümb-de (curvamen) etc. Schöbers bericht von bibeln hat be-fuͤl-de (experientia), be-greb-de, ver-heng-ede (permissio) ge-hœr-de (auditus) be-ruͤr-de (tactus) be-wær-de (probatio). Heutige volks- mundarten enthalten ihrer mehrere, die niederhess. z. b. breit-ede, hœch-de, läng-de, tief-de, schweb-de (per- pendiculum), sogar meng-de (multitudo) von dem adj. men-g, da organischerweise von adj. auf -ag, -ig keine solche subst. gebildet werden (kein ahd. manak-ida!) doch vgl. das nnl. Die vielen schweiz. fem. auf -eta , ete (Stald. dial. 217 — 220.) treffen häufig mit unserer ablei- tung zusammen, z. b. misch-eta (mixtio); ůb-eta (exer- citatio); mit-lîd-eta (compassio); doch wage ich, der be- stimmten bedeutungen halber, nicht, alle auf ein ahd. -ida zurückzuführen; oft fehlt ihnen der umlaut. — nnl. schwanken -de und -te , sie sollten es nach der 1, 992. entwickelten regel, doch scheint -te zu überwie- gen, neben be-gêr-de (desiderium); lief-de (amor); vreug- de (laetitia) finde ich auch: warm-te (calor) ge-mên-te (communitas); klein-te (parvitas); menig-te, meng-te (multitudo); weinig-te (paucitas); leng-te (longitudo); be- lof-te (votum); be-hoef-te (necessitas) etc., richtiger stehet -te in diep-te (profunditas); grôt-te (magnitudo); jeuk-te (prurigo) etc. — engl. nur: heal-th (sanitas); heigh-t (altitudo) f. heigh-th; leng-th (longitudo); mir-th (gaudium); thef-t (furtum) f. thef-th; tru-th (fides); weal-th (salus) und wohl noch einige andere. — III. consonantische ableitungen. þ. γ ) starke neutra auf -iþ , goth. háub-iþ (caput); mil-iþ (mel). — ahd. houp-it f. houb-id; kein mil-it, oder wäre mili-tou (honigthau) mons. 328. 343. 349. eigentlich milit-tou? oben s. 64. anders verstanden; wiewohl miliþ könnte selbst zu nr. 560. gehören. ; — ver-id (navigium) mons. 413. in dëmo veride (remigando) ibid. 396; vielleicht mër-id (coena) oder ist es ein -ad? N. 80, 17. hat ze sînemo mërcde, der nom. könnte auch sein: mer-idi? — ags. und altn. bekennen sich heáf-od und höf-uð zur uþ-form. — mhd. houb-et, nicht umlautend, wie die verba -ouben (1, 951, 11.); mër-d (coena)? vgl. fragm. belli 981, wurzel scheint mërn (imbuere, tingere). — nhd. haup-t, haup-tes f. haub-ed, im 16. 17. jahrh. zuwei- len heup-t, heub-et, nachwirkung des umlauts. — nnl. hôf-d. δ ) starke neutra auf -iþi , im goth. ags. altn. keine; im ahd. das i nicht gesichert, da es durch assim. aus -adi erwachsen kann (wie pil-idi aus pil-adi); ich kenne nur folgende vier: hem-idi (in- dusium) jun. 226; junk-idi (foetus, pullus) mons. 351. 395; ki-mahh-idi (par conjugum, ein paar) mons. 388. 395 mit junkidi, kimahhidi vgl. die serb. feminina auf -ad (in- stitt. p. 298.) ; ki-sem-idi (agmen) doc. 215 a ; nach dem mhd. zu schließen, muß es noch andere gegeben haben. — mhd. hem-ede; ge-jeg-ede (venatio) Nib. Trist. verkürzt ge-jei-de; jung- ede (pullus) Mar. 27. Rud. weltchr.; ge-lüb-ede (votum) Trist.; ge-mæl-de (pictura) Wigal. 8306. Geo. 58 a schmiede 583, versch. von ge-mæl-de in hant-ge-mæl-de Parc. z. 169. das mit dem alts. hand-mahal (Hickes gr. ags. 117.) und dem gerichtl. hand-mâl (Oberl. v. hantgemahl) zus. hängt; ge-schef-ede (negotium) Trist. (Müll.) 4382. 5049. 17037 in einem ungedruckten Stricker (mihi p. 173.) reimt ge- schef-te (negotio): klef-te; es wird aber zu lesen sein geschef-ede: hlef-ede (garrulitas) ahd. chlaf-ida oder chlaf-idi? ; ge-swister-de (frater sororque) Parc. 14232 Wilh. 3. stehet einmahl ge-swister-îde. ; treg-ede, ge-treg-ede (was getragen wird, victus, com- meatus) troj. 19297. 23472. MS. 2, 207 b 233 b cod. pal. 361. 70 a livl. 96 b , verkürzt ge-trei-de. — nhd. ge-bäu-de (aedif.); ge-bräu-de; hem-de; ge-höf-te (complexus aedium) f. ge-hös-de; ge-lüb-de; ge-mäch-te, eh-ge-mäch-te (con- juges), nur provinziell, aber das ahd. wort, also f. ge- mäch-de; ge-mæl-de; ge-schäf-te, ge-schäf-t (negot.), III. consonantische ableitungen. þ. welches oben s. 197. nicht anzuführen war, da es unorg. f. ge-schäf-de stehet; ge-trei-de (frumentum). — Da die sonst parallelen neutra den ableitungsconsonanten aus einem einfacheren subst. erhalten, z. b. das nhd. gevögel, ge- zimmer, gedärm, gestirn, geklüft sein l, r, m, n, t schon in vogel, zimmer, darm, stern, kluft hat, so fragt sich, ob auch unsere neutra ein, nicht nachweisliches, einfa- cheres subst. voraussetzen? z. b. hemidi, junkidi, kisemidi ein hemid, junkid, semid oder hamad, junkad, samad? vgl. das nhd. fem. jag-d mit ge-jeg-ede. ε ) schwache masculina , ahd. hruom-ido (arrogantia) ruam-ido gl. vindob.; irr-ido (error) T. 145. 215, 3. N. 48, 14. 59, 3. 64, 4; juhh-ido (prurigo) jun. 226. doc. 221 a ; prunn-ido (odor ignis) mons. 342; sueb-ito s. sueb-ido (sopor) blas. 9 b ; suër-ido (dolor) suër-do N. 40, 4; vûl-ido (spurcities) T. 141; will-ido, wull-ido (nausea) jun. 215. hrab. 957 a . Doch schwankt es in -ado, vgl. irr-ado (scanda-lum, impedimentum) mons. 361. 388. und -ido könnte aus dem assimilierten gen. irr-i- din f. irr-adin auf den nom. übertragen worden sein? gl. doc. 244 a haben will-ôd f. will-ido und mons. 333. 384. maga-piƷ-ado, 357. maga-piƷ-ido (syncope, tortura). — mhd. das einzige swër-de (dolor) und dies nur im vater- unser 3286. 4041. 4739. —. ζ ) schwache feminina dieser form scheinen zu man- geln, doch schweist das ahd. -ida zuweilen in schwache decl. aus, vgl. selidûn (tabernaculo) K. 17 b 53 a miltidûn (misericordiam) T. 22, 12. — 2) adjectiva der ableitung -iþ finde ich keine fora-perahtida (praeclara) K. 16 b scheint fehler f. fora- përahtiu. ; an- deres sind die part. praet. erster schw. conj. auf -iþs . — 3) verba sehr wenige und lediglich zweiter schwacher conj. ahd. houp-itôn (habere caput) f. houp-idôn; lust-idôn (delectari) K. 41 a un-lust-idôn (taedio affici); sel-idôn (in do- mum recipere) N. 131, 5; ziug-idôn (enutrire) N. 54, 23, von den subst. houpit, lustida, selida abgeleitet. Folglich wird auch wim-idôn (scatere, ebullire) mons. 320. 345. 350. doc. 237 b für ein subst. wim-ido oder wim-ida (scaturigo) zurückbeweisen [die schreibung wimidôn ziehe ich lieber der aus wiumman (scatere) jun. 225. und wiomente (ebulliens) doc. 244 b gefolgerten wiomidôn (1, 878.) vor, da das nhd. wimmeln für jene spricht. Dunkel bleibt III. consonantische ableitungen. þ. noch vig-idôn (aemulari, zelare); wenn man es auch f. vij-idôn nehmen will (1, 188.), muß immer ein bedenk- liches subst. vij-ida (zelus) nachgewiesen werden. Uebri- gens sind noch viele aus subst. dieser form fließende ähn- liche verba denkbar. Mhd. gelten houb-eten (Rud. welt- chr.) ent-houb-eten (decollare); nhd. ent-haup-ten, be- haup-ten. [Uþ] gar nichts gothisches wäre hier anzuführen, wenn nicht die sonderbare bildung ajukduþ erwägung forderte, deren sich Ulf. in der redensart ïn ajukduþ ( εἰς τοὺς αἰ- ῶνας , εἰς τὸν αἰῶνα, abwechselnd mit: und áiv, du áiva, du áivam, ïn áivins) bedient, der nom. scheint ajukduþs oder ajukduþ (aeternitas). Mehrere ableitungen stoßen darin zusammen, von ajuk wird unten beim K die rede sein, -duþ halte ich für das lat. -tud in longitudo, pul- critudo etc. wiewohl die lautverschiebung nicht zutrifft. Vielleicht ist in beiden sprachen ein fehler, nämlich das lat. -tud stehet für -tut, das goth. -duþ für -þuþ? letz- teres sehr statthaft, da þ inlautend gerne zu d wird, ja der gen. von ajukduþs, wenn es fem. wäre, wahrschein- lich ajukdudáis lauten, d. h. zwei unorganische d zeigen würde. Unser wort enthält eine geminierte ableitung, der ableitende consonant ist zweimahl, obgleich in ver- bindung mit verschiednen vocalen, gesetzt. Bestätigung für das lat. -tut hole ich aus dem analogen -tut in ju- ventutis so wie aus -tat in aetatis, novitatis etc. (juventus, aetas, novitas für juventuts, aetats, novitats); wie die romanischen sprachen joventut, etat, novitat in joventud etad, novitad (und gar -dad) verschoben, hatte sich schon im latein. früher -tuto in -tudo abgeschliffen. Läßt sich meine conjectur billigen, so lautet die volle organische form von ajukduþ, ajuk-aþ-uþ. Diesem merkwürdigen wort steht nur das gleich anzuführende gamáindáiþ zur seite. Der adverbialische gebrauch scheint ajukduþ län- ger gesichert zu haben. Die späteren deutschen sprachen haben gar nichts mehr übrig von dem goth. -þ-uþ, -þ-áiþ, (wohl aber kennen sie das goth. -þ-iþ, lat. -t-it, vgl. die schlußbem. zu diesem cap.); im latein waren -t-ut, -t-at, ganz häufig. Einfache -uþ finden fich in dem ags. heáf-od f. heáf- -oð und altn. höf-uð (caput). Die ags. o sind zweideutig, sie können = u sein, oder = ô; ich weiß nicht wohin al- oð (cerevisia) gehört; fal-ud (ovile) f. fal-uð schwankt in III. consonantische ableitungen. þ. fal-ed (vgl. jun. 405). Ob das ahd. salz-utî (salsugo, salina) pl. salz-utinâ mons. 337. 327. 349. für salz-udî ge- nommen werden darf? fordert erst bestätigung. Adj. die- ser form sind ahd. nahh-ut f. nahh-ud (goth. mit a naqv- aþs), ags. nac-od f. nac-oð, altn. nak-tr f. nak-aðr oder nök-uðr?; ags. ëars-oð (aerumnosus) vielmehr ëarf-ôð?; vëor-od (dulcis), ähnliche habe ich, ihres schwankens in -ed wegen, vorhin s. 230. beigebracht. [AIþ] zu dieser noch seltneren ableitung bekennt sich zuvörderst das goth. ga-máin-dáiþ-s ( κοινωνία ) Philipp. 3, 10, versch. von ga-máiu-þs ( ἐκκλησία ) Neh. 5, 13, beide fehlten dem C. A. Das letztere aber bestärkt meinen zweifel gegen die media in ersterem, welches organisch ga-máin-þáiþs heißen sollte. Die gründe sind vorhin bei ajukduþs entwickelt worden; volle form wäre ga-main- aþ-áiþs und sie stimmt consonantisch zum lat. com-mun- it-a(t)s den lat. novitas, libertas, liberalitas etc. parallel stehen die gr. σεμνότης , ἰσότης , μικρότης etc. für τητς , wie der gen. -τητος lehrt. Alle solche fem. stammen wie das goth. gamáindáiþs, aus adj. . Das ahd. ki-mein-ida wäre ein goth. ga- máin-iþa. Einfaches -áiþ hat das goth. arb-áiþs (labor) das ich bloß aus arb-áid-jan (laborare) Matth. 6, 28. Luc. 5, 5. folgere, und daß hier wiederum þ organisch sei, lehrt das ags. ëarf-ôð (laboriosus) und das altn. neutr. erf-iði (labor) Edd. sæm. 141 a fälschlich deutet es Biörn durch ar-vinni, ar-viði; ebenso irren alle hd. ctymologen, die ar-beit theilen. . Das ahd. arap-eit (labor) muß also für arap-eid stehen, mhd. areb-eit, arb-eit, nhd. arb-eit (in volksdialecten mit richtigem gefühl des wurzel und ableitungsvocales arb-et, erb-et, wie em-eße statt des am-eiße der schriftsprache, vorhin s. 221. — Ein drittes hierher gehöriges wort scheint das ahd. vuotar- eidî (auctrix, l. altrix, nutrix) doc. 251, von vuotar (nutrimentum), ich weiß aber nichts ähnliches in den andern sprachen. [EEþ, EIþ] es ist nicht ganz sicher, wie man den langen vocal in den goth. ableitungen fah-êþs (gaudium) gen. III. consonantische ableitungen. þ. fah-êdáis, dat. fah-êdái, Marc. 4, 16. Luc. 1, 14. Joh. 15, 11. 16, 21, 24; av-êþi (ovile eig. ποίμνη ) Joh. 10, 16, zu nehmen habe, für parallel dem ahd. â oder î? Er wech- selt mit ei: fah-eid Luc. 2, 10. fah-eidái Luc. 8, 13, wie veisun, seiþs f. vêsun, sêþs (1, 36. 844.) ahd. wârun, sât und vgl. altn. fagnaðr, das wohl fagnâðr war (unten s. 255). Da aber auch goth. ê in i übergeht (spillê, spilli) und ei mit i vertauscht wird (gabeigs, gabigs), so verdient das ahd. î rücksicht. Ich wüste nun für hd. ableitungen -âd kaum etwas vorzubringen (denn die s. 233. 235. abgehandelten âd, âda entspringen aus ah-ad), es wären denn die mhd. femiuina wëhsel-ât (vicissitudo) marter-ât (martyrium), wie sie in der nikolsburger hs. des (nicht von Rud. ge- dichteten) passionals stehen Wien. lit. zeit. 1816. p. 164. 173. einigemahl; die meinunger hs. liest merteler rât (grundr. p. 264.). und etwa den fremden wör- tern trinitât, nativitât etc. analog gebildet scheinen. Mehr gewicht für goth. ei = ahd. î hat hier das ahd. ouw-îti (caula) doc. 227 b ew-ît, ew-îti (so l. für eutti) grex, T. 6, 1. 53, 9. nämlich ouw, ew verhalten sich zum goth. av (die lesart aiveþi ist ganz falsch) wie houwi, hewi zu havi; daß ouwîti, ewîti f. organ. ouwîdi, ewîdi stehe, be- weist das goth. þ. Auch schwanken die ags. ëov-ed, ëov-od, eov-ð (grex, ovile) zwischen d und ð, die be- schaffenheit des ags. vocals e, o wage ich nicht zu be- stimmen. [OOþ] diese ableitungen sind wieder zahlreicher; der ahd. vocal schwankt zwischen ô und uo, der ags. zwi- schen ô und â (oder ist auch kurzes o, a statthaft?) 1) substantiva , α ) starke masculina goth. mên-ôþs (mensis) und nach dritter aúhj-ôdus (tu- multus) f. aúhj-ôþus; ga-baúrj-ôþus (voluptas). — ahd. ziemlich viele, doch kann ich nicht für alle das geschlecht sichern, einzelne gelten bei verschiednen schrift- stellern neutral, auslautend wird zumahl später ein unorg. -t statt -d geschrieben, alle bedeuten handlungen, zu- stände, nie personen (wie die auf -id): arn-ôd (messis) N. 88, 36; chepis-ôd (pellicatus) mons. 322; chërr-ôd (stridor) doc. 205 b ; chizil-ôd (titillatio) mons. 413; chlak- ôd (querimonia) der gen. chlag-idis N. 101, 28. ist assimi- liert; drâs-ôd (sternulatio) doc. 208 b steht für drâhis-ôd; III. consonantische ableitungen. þ. ellin-ôd (aemulatio, certamen) für eljan-ôd, jun. 196. K. 59 a wo der übersetzer aemulationis f. aemulationes an- nahm; halftan-ôd (medium) mons. 335. T. 79. 114; han- tal-ôd (manus immissio) decr. Taffilonis XV; heilis-ôd (augurium, oscen, omen) mons. 330. zwetl. 127 b ; inn-ôd (viscus, eris) jun. 231; karmin-ôd, germin-ôd (incantatio) mons. 333. doc. 213 b ; koukal-ôd (fascinatio) fr. or. 1, 939; lîhhis-ôd (dissimulatio, fictio) K. 40 a ; mân-ôd (mensis); mêr-ôd (augmentatio) K. 43 a doc. 203 b blas. 96 b ; mittil-ôd (medium) K. 30 a T. 75; murmul-ôd (murmuratio) mur- mulôdî K. 42 a 44 b ist acc. pl., murmulôdin K. 44 b dat. pl., da K. âno beides mit acc. und dat. verbindet, der dat. sg. murmulôde K. 25 a beweist das masc.; niuw-ôd (innovatio) N. 29, 1; opfar-ôd (sacrificium) mons. 401. kommt neutral vor; pill-ôd (rictus) so ändere ich nach boxh. das sinnlose rutus jun. 191. oder rugitus?; pëtal- ôd (mendicatio) N. 106, 10; ërd-pib-ôd (terrae motus) N. 34, 16; pipin-ôd (tremor) N. 54, 6; rîhhis-ôd (impe- rium) mons. 404; hôh-sank-ôd (psalmus) N. 146, 1; scu- tis-ôd (trepidatio) mons. 404; sind-ôt f. sind-ôd (comiratus) aug. 117 b ; hant-slak-ôd (plausus) mons. 410; hërze-slag- ôd (pavor) N.; screi-ôd (clamor) N. 143, 14; spil-ôd (ex- ultatio) stro-pal-ôd (horror) doc. 273 b mons. 362; stun-ôd (hostorium? zwetl. 124 a , suspirium, stöhnen?); sûst-ôd mons. 326. doc. 237 b N. 11, 6. 30, 11. 78, 11. 101, 5, 20; suintil-ôd (vertigo) jun. 179. 193. mons. 334; takar-ôd (crepusculum)? jun. 187. 194. mons. 327. hrab. 956 b , eine gewagte muthmaßung, die hauptsächlich davon abhängen wird, daß sich ein verb. takarôn (lucescere) nachweisen laße oben s. 75. schien mir das schwierige wort ein comp. taka- rôt, wofür manches spricht; an rôt (ruber) zu denken darf das nhd. tagesröthe, morgenröthe nicht verleiten, denn die gl. hrab. hat ein ô, welches strengahd. uo ist (nicht ô, wofür sie ao setzt, ruber würde sie raot schreiben, nicht rôd). Bedenklich ist freilich das mnd. fem. dag-rât (En. 11 c ): krât; nml. daghe-râd; mhd. fehlt das wort. Ags. dägred, was nicht entscheidet, doch heißt es nie dägr ô ð, dägrað. ; trëtt-ôd (pressura) N. 55, 2; trukan-ôd (apocry- phum) mons. 331. doc. 239 b ; vokal-ôd (ancupium) mons. 322; sëlp-walt-ôd (privilegium) jun. 222; wann-ôd N. 24, 21; wëhsal-ôd (talio) jun. 252; wëdan-ôd (? venale) ver- stehe ich nicht, mons. 410. der pl. wëdanôdî (venalia); wein-ôd (planctus) jun. 203. mons. 397. N. 29, 12; wëk- ôd (intercessio) hrab. 979 b mons. 403; wëll-ôd (fluctuatio) III. consonantische ableitungen. þ. N. 54, 23; wërm-ôd (absinthium)? vgl. oben s. 61, gehört vielleicht anderswohin, da gl. mons. 414. den pl. wër- môtâ schreiben, nicht -ôdâ, ô-dî; will-ôd (nausea) mons. 322. doc. 244 a , sonst mit andrer ableitung will-ido, wull- ido; wintem-ôd (vindemia) W. 8, 11. undeutsch und bloß der deutschen bildung angepaßt; wispel-ôd (sibilus) doc. 244 b ; kast-wiss-ôd (diversorium) mons. 337, mit an- drer ableitung kast-wiss-ida, weiblich, man sollte wîs-ôd, wîs-ida, oder wist-ôd, wist-ida (von wist, oben (s. 200.) vermuthen?; wiƷƷ-ôd (lex, testamentum) O. I. 14, 4. V. 8, 71, bei andern neutral?; zëss-ôd (fervor) mons. 344; es muß noch viele dergl. gegeben haben, nur nicht bei allen, namentlich enthält sich O. (von mânôd, wëgôd und wiƷ- Ʒôd abgesehen) ihrer ganz. Meist folgen sie vierter decl. (mit dem pl. -î) doch kommt auch nach erster vor: wegôdâ hrab. 979 b sûstôda N. 17, 5. wermôda (?) und mânôd hat wohl überall mânôdâ, nicht mânôdî. Wichtiger ist uns hier zu betrachten, welcher stamm diesen ableitungen zu grunde liegt. Den meisten sichtlich ein verbum zweiter schwacher conj., vgl. chlakôn, hantslakôn, hôh-sankôn, zëssôn, pibôn und zumahl viele auf -alôn, -ilôn, -anôn, -arôn; alle substantiva mit -is-ôd (chepisôd, drâhisôd, heilisôd, lîhhisôd, rîhhisôd, scutisôd) stammen aus verbis -isôn. Bringen sie also das ô daher mit und gibt es keine characteristische ableitung -ôd? Ich nehme dennoch letz- teres an, theils weil die den subst. -isôd analogen -isal (oben s. 106.) gleichfalls aus verbis -isôn herrühren und das ô dem vocal a der neuen ableitung weicht, folglich das ô in ôd unabhängig vom ô in ôn sein kann; theils weil einige der angeführten subst. nicht auf schw. verba -ôn zuruckgebracht werden dürfen, namentlich mânôd, wiƷƷôd, vielleicht auch waltôd von waltan? (oder gilt ein sëlpwaltôn?) — ags. dar-ôð (hasta); fisc-ôð (piscatura); fugel-ôð (an- cupium); folg-ôð (sequela) hunt-ôð (venatio); häftn-ôð (captivitas); inn-ôð (viscus); môn-ôð (mensis); var-ôð (littus). Offenbar sind sie seltner als im ahd., man merke 1) hänfig wird a für o gefunden, d. h. â für ô (wie in der zweiten schw. conj. 1, 906.) z. b. dar-âð, fiscâð, mô- nâð, huntâð etc. 2) einigen pflegt unorg. n einzurücken, z. b. hunt-n-âð (venatio) fugel-n-âð (aucup.) fisc-n-âð (pis- catio), welche tadelhaft sind, da sich kein verbum huntnjan, fiscnjan weisen läßt, wie zu häftnâð allerdings ein häftnjan. Dieses n-ôð vergleicht sich dem falschen n-ei, n-î (oben s. 96. 97.) dem falschen n-ede (s. 247.), dem n-issi und ähnl. III. consonantische ableitungen. þ. abirrungen. 3) von verbis auf sjan (ahd. -isôn) finde ich solche subst. nicht gebildet, z. b. kein ricsôð (imperium) hælsôð (augurium). 4) beständig wird ð geschrieben, aber vermôd (absinthium) welches gegen das vermuthete ahd. wërmôd streitet, wie denn auch ahd. wërmôt stehet. altn. in dem einzigen arm-ôðr (penuria) hat sich der organ. vocal bewahrt, die übrigen haben -aðr: bûn-aðr (instrumenta); darr-aðr (hasta); fagn-aðr (gaudium); hern- aðr (militia); jasn-aðr (paritas); kostn-aðr (sumptus); lifn-aðr (vita); mân-aðr (mensis); mëtn-aðr (honor); safn-aðr (coetus); skiln-aðr (divortium); sparn-aðr (par- simonia); trûn-aðr (fidelitas) u. a. m. Also statt des goth. ahd. ô hier ein a, das früher â gewesen sein könnte, wie in der zweiten conj. (1, 924), jetzt aber kurz ist, da es in u überschwankt: fögn-uðr, mân-uðr, jöfn-uðr, söfn- uðr, dörr-uðr. Von den org. kurzen -aðr, z. b. mark- aðr (nundinae) sind sie schwer zu unterscheiden. Wie im ags. unorg. n-aðr in hernaðr, kostnaðr, sparnaðr, skilnaðr etc. weil sich kein verbum herna, kostna, sparna, skilna etc. wohl aber fagna, jafna, lifna, mëtna, safna nachweisen läßt; mit fagnaðr vgl. goth. fahêþs (s. 252). — mhd. mangeln (wie ahd. bei O.) fast alle diese mas- culina, doch mân-ôt, -ôdes (mensis) bestehet, sogar mit un- verdünntem abieitungsvocal, wie es bei vereinzelten bil- dungen pflegt; mânôt reimt noch: rôt, tôt, nicht mânet: ânet. Geschwächte endung haben: nutz-et (utilitas) Parc. 23178, das aber erst beßeren beweis fordert (ahd. nuz- ôt? von nuzôn O. I. 5, 80.) und lium-et (fama) gen. liu- medes? troj. 179 c 180 a Trist. 15398. 15404, das für lium- ent (ahd. hlium-unt, lium-unt, nhd. leum-ùnd) gesetzt ist, folglich nicht hierher gehört. — nhd. mon-àt (mensis); zier-àt (ornamentum) doch kenne ich kein ahd. zior-ôd, vielleicht dachte man sich zier-rath (wie haus-rath)? einige schreiben zier-art; und kommen wermuth, wißmuth (das metall) hier in betracht? vgl. hernach -ôti. Die schweizersprache hat viele echte masc. auf -et bewahrt, wovon die beispiele dial. p. 214 — 216, auch der bedeutung wegen, nachgelesen werden müßen. engl. dar-t (hasta) f. dar-th; mon-th. — β ) starke feminina der ôþ-form gibt es beinahe nicht, neben so vielen masculinis (wäh- rend umgekehrt der weise sprachhaushalt reichlichen III. consonantische ableitungen. þ. fem. der iþ-form zur seite fast keine masc. duldet); goth. weder ein fem. auf -ôþa, noch -ôþs, noch -ôþi. Auch ahd. kein -ôda, doch scheint doppelter misgriff ein -ôdî herbeigeführt zu haben. Man nahm das organ. neutr. aram-ôdi (paupertas) für ara-môdi, ara-môti, d. h. für ein compos. mit muot und setzte es nun ähnlichen fem. zweiter decl. gleich, die aus adj. mit -muoti (animatus) entspringen. Z. b. die adj. vast-muoti (constans) dio- muoti (humilis) ein-muoti (concors) luzil-muoti (pusilla- nimis) mihhil-muoti (magnanimus) heiƷ-muoti (iracundus) laßen aus sich ebensoviel parallele fem. vast-muotî (con- stantia) dio-muotî (humilitas) etc. ziehen. Das fehlerhafte von ara-muotî (paupertas) mons. 336. O. II. 16, 3. III. 3, 28. 20, 81. fließt schon aus der abwesenheit eines adjecti- vischen ara-muoti; was sollte es auch bedeuten? Inzwi- schen begegne ich wirklich zuweilen der schreibung arm- muati (O. III. 20, 81. cod. vind.) wodurch die echte ab- leitung völlig verfinstert und ein ganz neues compos. er- zeugt wird; auch N. wagt 68, 30. (nicht arm-muote, son- dern) arm-muotig (pauper) und davon arm-muotigî (pau- pertas), aber 71, 2. stehet armuotig. Das zweifache m ist verwerflich, wie ein altn. armmôðr f. armôðr ver- werflich wäre. — Mhd. treten die bildungen -muete aus der zweiten in die vierte decl., und nach den nom. die- muot, über-muot bildete man auch einen nom. ar-muot, gen. armuete. Mittlerzeit hatte man aber noch ein an- deres org. neutrum -ôdi auf demselben wege ins fem. verwandelt, das ahd. heim-ôdi (patria) erst in heimuoti, heimmuoti, hein-muete, endlich in hein-muot Barl. 310, 6. 371, 36. 372, 7. Nib. 5520, wiewohl hier die wurzel nauot noch weniger sinn gibt, als in ar-muot. Maria 50. noch heim-ôde: brôde aber weiblich. — Nhd. ist ar-muth auf dem fuß von dê-muth, groß-muth geblieben (nur die volkssprache hat oft das richtigere arm-et, erm-et, erm-edei), heimuth wieder aufgegeben, man sagt heim- àt (volksspr. heim-et, hâm-et) wie zier-àt. Zweiter decl. folgen das mhd. ein-œte Barl. 372, 37. Trist. 1274. nhd. ein-œde. Außer diesen entstellten formen sind noch zu erwäh- men: ahd. manak-ôtî (manus? copia?) mons. 343, schwer- lich plur. masc. (f. manakôdî), ob der nom. sg. -ôt oder -ôtî lautet? vielleicht manak-ôti neutral?; mhd. gegen- ôte (regio, wie franz. contrée, span. contrada) das sicher fem., aber nur livl. 57 b zu lesen ist, mnl. jeghen-ode, III. consonantische ableitungen. þ. vgl. Huyd. op St. 3, 434. es ist das nhd. gegen-d. — Ags. hat ëarf-ôð (labor, molestia) diesen ableitungsvocal (st. goth. ái, ahd. ei); einige andere ags. ôð oder uð, oð? entsprechen ahd. -und (wie mûð, cûð = mund, chund) namentlich dug-ôð (virtus) gëog-ôð (juventus) engl. you-th. γ ) starke neutra goth. vit-ôþ (lex) ahd. wiƷ-ôd J. 357. N. 21, 30. 47, 10. 68, 22. 103, 3, 15. (niederd. psalm. 70, 4. f. wit-at zu lesen wit-ath), bei O männlich, wogegen andere vorhin ange- führte masc. zuweilen neutral stehen, z. b. vûhtaƷ ophr- ôd mons. 407. Das altn. hêr-að (tribus) glaube ich steht für org. hêr-ôð, vgl. ahd. hêr-ôti; im freckenh. denkm. p. 13. das neutr. hunder-ôd, nhd. das hunder-t. — Neu- tra zweiter decl.: ein goth. háim-ôþi (praedium avitum) ist nur zu beweisen, wenn man den pl. háim-ôþaja Marc. 10, 29. in háim-ôþja emendiert, wo es nicht nach Zahns guter bemerkung heißen muß háim-ôþlja, sg. háim-ôþli (ahd. heim-uodali?). Jenes unterstützt jedoch das ahd. heim-ôdi N. 40, 3., mhd. heim-ôde (oder heim-œde? Herb., heim-ôte cod. pal. 361, 18 b , bei späteren heim-uete Flore 26 a , woraus sich das fem. heim-uot, hein-muot entwickelte, vgl. Bit. 57 a 121 b . Ein ahd. aram-ôdi (pau- pertas) wird sich vielleicht auffinden laßen, da noch Roth. 41 b von deme armôde und Trist. 4454. arm-uetes. Un- bedenklich sind das ahd. ein-ôti (solitudo) O. I. 23, 7. V. 21, 42. und hêr-ôti (dignitas), zweifelhaft manak-ôti (?mul- titudo) mons. 343.; in allen stünde -ôti f. -ôdi; beide letztere mhd. mangelnd, ersteres weibl. geworden; — klein-œde (res pretiosa) lautet mhd. richtig um, Wilh. 3, 456 b : brœde, die texte geben oft -ôde (Parc. 14869. 15512.), Ottoc. reimt klein-ât: wât (631 a etc.), klein-et Gudr. 14 a , nhd. klein-òd, ahd. vermuthl. chlein-ôdi, -ôti. — W. 3, 10. scheint mittel-ôde neutral zu brauchen statt des vorhin angesetzten masc. mittil-ôd. δ ) schwache masculina ahd. hol-ôdo (foramen) doc. 219 b wo der gen. holôdin, so daß man schwerlich hol-odo f. hol-ado, hol-ido anneh- men darf; maka-piƷ-ado (tortura, magenweh) mons. 333. 384. für piƷ-ôdo? oder für piƷ-ido, wie das. 357? — das ags. të-ôða, alts. tëg-ôtha (decima) steht f. ahd. zëh- undo, nhd. zeh-ente, wie vorhin dug-ôd f. tug-und. ε ) schwache feminina , nur das altn. arm-œða (pau- pertas). — R III. consonantische ableitungen. þ. 2) adjectiva , goth. baj-ôþs (ambo) Luc. 5, 38., das ahd. pê-dê scheint entsprungen aus pê-ôdê, vgl. 1, 765; wëk-ôd, wëg-ôd (intercedens) O. IV. 9, 63? scheint mir der construction nach sehr wohl für das vorhin angegebene subst. inter- cessio genommen werden zu dürsen. — 3) verba dieser ableitung bietet bloß die zweite schw. conj. und zwar aus masc. der ôþ-sorm, belege weiß ich nur ahd. für mittil-ôdôn (mediare) K. 48 b und spil-ôdôn (exultare) ludw. lied. Sofern nun jenen masc. selbst schon schwache verba unterliegen, müßen die verba zweiter stufe eine kenntliche modification des begriffs ergeben, vgl. spil-ôn (ludere) spil-ôdôn (exultare), aber wie wäre mittil-ôn, das ich ahd. nicht nachweisen kann, unterschieden von mittil-ôdôn? oder wie scutis-ôn (tremere) von scutis- ôdôn? Es gebricht an hinreichenden beispielen dieser bald aussterbenden form, um schranken und lebendige bedeutung des sprachgebrauchs zu erfaßen. anmerkungen zu den þ-ableitungen überhaupt. a) viele ableitende þ lagen versteckt, d. h. die unter- suchung muste ihr unwurzelhaftes wesen offenbaren, so sind nât, sât, vluot, nôt, nâdala, mâdâri, ruodar und ähn- liche mehr verständigt worden aus nâh-ad, sâh-ad, vluoh- ad, nôh-ad, nâh-adala, mâh-adâri, ruoh-adar. Meist habe ich h als die weggefallene spirans aufgestellt; es kann aber nach verschiedenheit der mundart auch v und j ausgeworfen sein, vgl. die ags. blôv-an, rôv-an, mhd. bluej-en, ruej-en; seltner scheint hier s, doch vgl. hvëó- ða mit hvëós-an, d. h. es entspringt aus hvëós-ða, hvëós-aða. Die ableitung þ hat es mit der ableitung m (oben s. 145.) gemein, daß sich hauptsächlich vor ihnen die unterdrückung der wurzelhaften spirans ereignet, bisweilen an derselben wurzel bei beiden, wodurch sie licht aufeinander werfen. Aus der wurzel liuh-an entspringen die gleichbedeutigen liuh-ama (lëó-ma, lió- mi) und liuh-aþ; aus teih-an die gleichbedeutigen teih- ama (tî-ma, tî-mi) und teih-aþ (tî-ð, zî-t); aus kei-an (germinare) kei-ma (chîm-o) und kei-aþs (chî-d) oder war die wurzel keis-an, keis-ama, keis-aþs?; aus heiv- an, heih-an hái-ms und hái-þi (praedium); aus sái-an III. consonantische ableitungen. þ. sâ-mo vgl. jedoch den zweifel s. 154. oben; oder entspränge siman, sam aus sihaman, saham? die länge oder kürze der wurzelvocale in solchen wörtern hat noch viel dunkelheit; vgl. chradem f. chrâdem. und sâ-had. Ferneres zus. halten beider wird den blick schärfen. Alle versteckten ableitungen -m und -þ habe ich weder aufdecken können noch wollen; wie manche jenen nachgewiesenen äußerlich gleiche wörter (áiþs, sáuds, biuds, gôds, un-lêþs, þiuda, sleiþa; ahd. nît, strît, rôt, wât etc.) laße ich unangerührt. So oft die form ablautet (wie wât von wëtan, nît von nîdan) hat die wurzelhaftigkeit der lingualis mehr gewicht, aber entschieden und ursprünglich wird sie damit noch nicht, weil auch die ableitung ablautend werden kann (niuþan, náuþ = niuhaþan, náuhaþ eben wie aírþan, arþ = aír- aþan, araþ). Uebrigens versteht sich, daß der parallelis- mus der ableitungen m und þ auch da hervortritt, wo der wurzelconsonant nicht ausgefallen ist, vgl. z. b. par-am (gremium) ki-pur-d (generatio); vielleicht vol-ma (ma- nus, f. val-ma?) mit val-dan (plicare). — b) dem -þ (-d) in aþ, iþ, uþ etc. entspricht gr. und lat. tenuis: μέλι, μέλιτος , miliþ ; ἱμάτιον , hemidi; dens, dentis, tunþus; mors, mortis, maúrþr; ἕτερος , alter (= anter), anþar, oþer; caput, capitis, haubiþ; notus (gnotus) kunþs, cûð; fluctus, flôþus (flôhaþus); -τητ , -tat, -tut sind vorhin s. 250. 251. den goth. -þáiþ, -þuþ ver- glichen worden, die ahd. -ôd sind vergleichbar den lat. -atus (meatus, latratus etc.). Und das verhältnis der þ zu den m-formen erweist sich ebenso in fluctus, flumen (ahd. vluot, vloum, vgl. s. 146.); lux (ohne lingualablei- tung, wie nex, naúhts, náuhaþs) lumen, goth. liuhaþ, liuma (liuhma); satus, semen (sêþs, sêma); tectum, teg- men; ἐρετμός (ruodar), remus u. a. m. Welche lat. con- sonanten von den wurzeln gefallen sind, bedarf erst eig- ner untersuchungen, stammt flumen aus flucmen, flug- men? semen aus sesmen (sero=seso)? Oft ist in beiden sprachen nur eine der beiden ableitungen und zwar die verschiedene, vgl. sutura mit soum. c) wenn aber die deutschen þ (d) den lat. t gleich sind, so folgt, daß die deutschen verhärteten t in ft, st, ht (s. 193. ff.) eigentlich und ursprünglich die nämliche ab- leitung sein müßen, die wir eben unter þ abgehandelt haben. Hier zeigte sich der ableitende cons. lebendiger und folgte der lautverschiebung, die spirans der wurzel R 2 III. consonantische ableitungen. þ. fiel oft weg; dort haftete der wurzelconsonant und mit ihm verwachsen die alte lingualis der ableitung. Ein- zelne wörter laßen sich gleichgut an beiden stellen unter- bringen, z. b. das ahd. lioht dort beim h-t, hier als h-ad (wegen des goth. liuhaþ das nhd. lôdern (flammare) erkennt dieselbe wurzel und ab- leitung, es lautete ahd. etwa lô-darôn f. lôh-adarôn? und chîs-t, chî-di, chî-mo (= chîs-adi, chîs-amo?) treten einander nahe. Das schwan- ken der spirans s und h hilft mit erklären, pluo-mo, pluo-t folgen aus pluoh-amo, pluoh-ad, aber bluos-t, blôs-ma aus blôs-ad, blôs-ama. Die verhärteten ft, st, ht begegnen den m-ableitungen auf gleiche weise, z. b. zuh-t dem zou-m (s. 146.) aus der wurzel ah-an (moveri) leiten sich ah-a (mens); ah-ma (spiritus); â-dum = ahadum (spiritus); ah-ta (observatio) = ah-ada; ah-va (aqua, a movendo, vgl. sáivs und sáivala s. 99. note und môþs s. 233). . Neben chumft besteht das goth. gaqvumþs völlig gerecht. Einander verwandt und doch verschieden sind die ahd. ableitungen ki-huh-t und ki-huk-ida; ersterem gleicht das goth. ga-hug-þs (= ga-haúh-ts) wovon ich nur den dat. gahugdái Marc. 12, 30. Luc. 1, 51. lese. d) wo die ableitungsvocale haften, zumahl also bei denen auf iþ und ôþ, sind die wurzeln leicht zu erken- nen, einzelne wörter bleiben gleichwohl schwierig, z. b. das ahd. hal-id, hel-id (vir fortis), das ich s. 29. zu nr. 314. gerechnet und von hël-ôd (weil hier das ô kein e gestattet) unter- schieden; dieses siehet nur in hëlôt-hëlm (latibulum) hrab. 969 a vgl. altn. hiâlmr huliz (= huliðs) Edd. sæm. 50 a . habe, etwa wie diup und latro auch in edler bedeutung stehen, vgl. ahd. scëf-diup (tyro, pi- rata), oben s. 49. mhd. ritter unde diep Parc. 232. Das altn. halr (vir) scheint eben so zu deuten. Hemidi stammt von himan nr. 566.; piladi von pîlan nr. 493.; framaþis von friman nr. 568. Dunkel sind viele, deren ableiten- des a weggefallen ist, z. b. gilþa (falx), gehört es wie gulþ (aurum) zu gilan nr. 564? oder fällt mël-dôn (pro- dere) zu milan nr. 560? fließt vaírþan (fieri) aus vaíran nr. 572. oder visan nr. 292? (vgl. 1, 1038). e) zwischen dem -þ dieser ableitungen und dem -þ im praet. schwacher verba findet eine deutliche analogie statt, obgleich das -þ schon im goth. nur noch im nom. des part. stand hält, inlautend zu -d wird (dáupiþs, salb- III. consonantische ableitungen. þ. ôþs, habáiþs, gen. dáupidis, salbôdis, habáidis), desgl. im praet. ind. (dáupida, salbôda, habáida) während es in- lautend in verschiedenen ableitungen haftet (in den fem. auf -iþa) nicht in allen (háubidis, liuhadis von háubiþ, liuhaþ). Organische form der praet. ind. scheint also auch -iþa, -áiþa, -ôþa gewesen zu sein. Das bestätigt 1) das lat. -t der part. lectus, auditus, amatus. 2) das -þ des anomalen goth. kun-þa (novi) kun-þs (notus) nicht kunda, kunds; ahd. chon-da, chun-d; ags. cu-ðe, cu-ð (cû-ðe, cû-ð?); altn. kun-ni, kun-nr. Hier ist kein i ausgeworfen, wie ich bereits 1, 853. richtig sah, aber vielleicht ein a (wie finþan, vaírþan = finaþan, vaíra- þan) kunnaþa, kunnaþs? In scul-da, mun-da (1, 852. gegen den C. A. munþa) hat sich das þ schon in d ge- schwächt, daher auch altn. sculdi, mundi (nicht sculli, munni). In þaúrf-ta, môs-ta, daúrs-ta, ôh-ta, mah-ta, áih-ta steht hingegen das uralte -t, für þaúrb-aþa, môt- aþa, daúr-aþa, ôg-aþa, mag-aþa, aíg-aþa? vis-sa = vis- ta, für vit-aþa? 3) die ahd. praet. und part. fünfter anomalie (1, 885.) chrâta, pluota, tâtun entsprechen sicht- bar den subst. chrât, pluot, tât; da aber vorhin gezeigt worden ist, daß letztere f. chrâd, pluod, tôd stehen (be- weis: chradum, nâdala, ruodar etc.) so folgt, daß auch jene praet. früher lauteten chrâda, pluoda, tâdun, sâda, mithin goth. -þ hatten, wie die subst. sêþs etc. — Ver- halten sich diese annahmen richtig, so durfen viele no- mina entw. mit uraltem ft, st, ht, oder mit organischem -þ, oder mit geschwächtem -d, für verbalia erklärt wer- den, d. h. für entsprungen aus praeteritivischen -þ (lat. t-) der schwachen conjugation. Hiervon und von subst. oder adj. der n-form, die mit verbalem -n der starken conj. zus. hängen, handle ich weiter unten. Es gibt aber außer diesen verbalien, die ich verborgene, ungefühlte nennen möchte, substantiva und zwar weibliche die fühl- bar von part. praet. schwacher conj. hergeleitet werden müßen, allein bloß im ahd. dialect. Nämlich wie er fem. auf -anî bildet (oben s. 161. 162.), hat er auch fem. auf -itì , -ôtî , -êtî . Warum sind sie jedoch viel seltner? ich weiß nicht mehr als folgende: un-var-dew-itî (indigeries) K. 43 b ; ir-pur-itî (tumor); mons. 384. ein-vleiƷ-ti (sagina) mons. 412. f. ein-vleisc-itî? vielleicht ein-veiƷ-iti? vgl. veiƷ-ten (saginare) Vrîg. 18 a ; er-wel-itî (electio) K. 56 b ; nam-ôtî (nominatio, invocatio) von namôn, nam-âtî O. II. 23, 51. [wie thionâta, korâta 1, 879.] assim. nam-itî O. I. 9, 27; upar-vankal-ôtî (excessus) mons. 374. 387; ki- III. consonantische ableitungen. þ. peƷir-ôtî (aedificatio) mons. 350; vir-wëhsal-ôtî (vicissi- tudo) mons. 368. (wo der gen. sg. -ôtî, -tudinis); ki- hasn-êtî (linitio) mons. 357; terhin-êtî (color) mons. 389. vir-terhin-êtî (praetextus) mons. 374. 387. Diese fem. -itî, -ôtî, -êtî (obwohl ursprünglich -idî, -ôdî, -êdî) sind den vorhin abgehandelten bildungen -ida, -ôd ungleich, in welchen kein participiales -t fühlbar ist, daher auch nicht die characteristischen conjugationsvocale auftreten. Einzelne wörter mögen aber zweifelhaft sein, z. b. uparvan- kalôtî dürfte auch genommen werden für den pl. masc. von uparvankalôd. f) noch einiges über die schwächung des þ in d (ahd. d in t). Sie tritt oft in den verschiednen erscheinungen eines wortes ein, vgl. 1, 252. 408. 867. ahd. wërdan, wurtun; mîdan, mitun. Gerade so altn. finna, part. fun- dinn (nicht funninn) = ahd. vindan, vuntan; goth. sinþs und sandjan, altn. sinn, senda, ahd. sind, sentan. Hier stimmen die dialecte, aber es hat auch einer, was der andere nicht, z. b. goth. dáuþus (mors) dáuþs (mortuus), altn. dauði (mors) dauðr (mortuus); hingegen ahd. tôd (mors) tôt (mortuus), ags. deáð (mors) deád (mortuus), nhd. tôd, tôdt, engl. death, dead, eine vielleicht nütz- liche, aber unorg. unterscheidung, noch tadelhafter ist O’s tôd und dôt (1, 157.) wiewohl IV. 36, 16. bei vor- ausgehendem s tôtêr stehet. In allen diesen und vielen ähnlichen wörtern ist -þ (-d) die ursprüngliche ableitung. In andern nehme ich aber auch organische -d (-t) an, z. b. goth. kalds, ahd. chaltêr, altn. kaldr und nicht kalþs, chaldêr, kallr. Man unterscheide voneinander kunþs (no- tus) kunds (-gena); ahd. endi (frons) enti (finis) wie altn. enni (frons) endir (finis); der wurzel nach sind sie frei- lich verwandt. g) mit andern ableitungscons. wechselt -þ kaum; eini- gemahl scheint es gleichbedeutig mit -l, ahd. scef-id (crea- tor) und scef-il; mhd. wîs-et (dux, besonders apum) MS. 2, 3 a (in zwei hss.) und häufiger wîs-el Mar. 204. Wilh. 1, 114 b Loh. 39. [ahd. einfache schw. form wîso trev. 15 a blas. 74 a ]; also nur zwischen persönlichen masc. auf -iþs, -ils. Oder läßt sich auch die bildung jungidi (foe- tus) vergleichen mit vugilili (foetus) und ähnlichen? Be- kanntlich wechseln im latein d und l, doch mehr in wur- zeln, als in der ableitung (Schn. 1, 255-257.) III. consonantische ableitungen. S. ableitungen mit S. Das goth. s geht inlautend über in z: hatis, hatiza; dihs, dihzam; aírzis; doch bleibt auch s: ahs, ahsa; vahsjan; þaúrsus; für die ableitung beide gleichviel. In den übri- gen dialecten hat sich -s häufig in -r geschwächt, wel- ches -r ich von der organ. liquida (oben s. 121-144.) sorgsam trenne. Diese verwandlung des s der ableitung (von dem der wurzel ist hier keine rede) kann eigentlich nur eintreten, wenn der ableitungsvocal haftet natürlich, ist sie einmahl eingetreten, so besteht das -r, wenn gleich nachher der ableitungsvocal weggeworfen wird. , also meist nach i, kaum nach a, welches gewöhnlich schon ausgefallen ist, von -r (= s) nach u (das dadurch o werden würde) kenne ich kein beispiel (doch s. lepora). Ausnahme macht das -s nach organischem r der wurzel, hier fehlt der ab- leitende vocal und dennoch wandelt es sich in r, d. h. das goth. r-s wird zu r-r assimiliert. Allein jene schwä- chung ist auch nach vocalen nicht allenthalben nothwen- dig, sondern in vielen fällen verbleibt die spirans noch den späteren dialecten. Nhd. wird -s nach r in mehre- ren wörtern zu sch. Altn. fällt das n vor s aus, wenn der ableitungsvocal a war (gâs, âs = ganas, anas), nicht, wenn er i war (hœns = hônis). Ebenso ags. — Ablei- tungsvocale sind dabei: a, i, u, ô. [AS] nur im goth. und ahd., doch selten goth. hláiv-asna; ahd. ah-ar; dram-afa; op-asa; aƷ-asi; doch vgl. ags. ef-ese, engl. eav-es. , taucht der vocal vor; in allen übrigen mundarten ist er ganz verwischt. Gewöhnlich stößt -s an liquida oder h der wur- zel (l-s, m-s, n-s, r-s, h-s), zuweilen an p, t, k, nie an b, d, þ, g, v, s. Ableitendes -s nach wurzelvoca- len darf bloß angenommen werden, wo die spirans h oder die liquida n ausgefallen ist, z. b. altn. lió-s (lux, f. lióh-s) vgl. 1, 318. ahd. mi-st (stercus) ags. gô-s altn. gâ-s (ahd. kan-s), wiewohl verschiedene der von mir aufgestellten altn. -âs, -îs, denen kein ahd. -ans, -ins zur seite steht, nähere prüfung sordern. 1) substantiva , α ) starke masculina goth, am-s (humerus) vielleicht auch am-sa schwach, da nur der acc. pl. am-sans vorkommt; an-s (trabs), pl. vermuthl. an-zôs zum unterschied vom folgenden; an-s (heros, divus) pl. an-zeis? gefolgert aus Jornandes: Gothi III. consonantische ableitungen. S. proceres suos semideos, i. e. anses vocavere, auch kommt in der genealogie ein ansila vor; hal-s (collum); run-s (cursus) ur-run-s (oriens). — ahd. an-s (vir divinus) pl. en-sî? übrig in eigennamen wie anso, ans-hëlm, ans-hilt, ans-pald, ans-walt etc.; ar-s (anus) pl. er-sî, in der freckenhorst. urk. ein dorf genannt hundes-ars; dah-s (melis); hal-s (collum) sollte nicht auch ahd. die altn. andere, von collum verschie- dene, bedeutung vir gegolten haben? ich schließe es aus den vie- len compositis mit -hals, welche cap. III. aufführen wird, z. b. geiz-hals, wage-hals etc. zumahl dem ahd. vrî-hals (homo liber, ags. srëóls, altn. friâls, frêls) gerade wie sonst vrî-man, frëó-man verbunden steht. ; kran-s (rostrum) scëffes-krans (prora navis) hrab. 972 a ; lah-s (salmo); luh-s (lynx); tur-s (gigas) N. 17, 32; vuh-s (vulpes mas); vlin-s (silex), vgl. vlins-steinâ mons. 404; zër-s (penis) doc. 204 b . — ags. bô-s (praesepe) vermuthete ich nach analogie des altn. bâ-s und Lye’s bôsig (bô-s-ig) bestätigte es; ëar-s (podex); flëax d. i. flëac-s (linum); fox, d. i. foc-s (vul- pes); fyr-s (lolium); hëal-s (collum); lox d. i. loc-s (lynx); mëox d. i. mëoc-s (fimus); ô-s (heros) muß dem goth. an-s, altn. â-s entsprochen haben, hat sich aber auch nur in eigennamen erhalten, wie: ôs-vëald, ôs- bëorn etc.; tëor-s (penis); þyr-s (gigas); þrëac-s (caries) dunkel und zweifelhaft. — altn. ar-s (anus) neuisl. ras; â-s (trabs, transtrum) pl. â-sar; â-s (numen) pl. æ-sir; bâ-s (stabulum, praesepe); dâ-s (candela tenuis); for-s (cataracta); frum-s (primiti- ae); hâl-s (collum); hâl-s (vir fortis) pl. hâl-sar; hâm-s; (cutis); lâ-s (sera); lax (salmo); stan-s (stupor) f. stand-s; þus-s (gigas) f. þur-s. — mhd. ar-s; bar-s (perca) scheint mir undeutsch und aus dem lat. wort; bim-s (pumex) MS. 2, 215 a Herm. Dam. 66 a , gleichfalls undeutsch: buh-s (buxus) MS, 2, 206 a ; gip-s (gypsum) schmiede 1793; gran-s (rostrum) schmiede 1577. Partenopier 84. Apollonius 4546, vgl. grenselîn Parc. 27 b schiffes-grans (prora) troj. 182 c Apol- lonius 5424; lah-s; luh-s; run-s (cursus) Flore 34 b ; sim-s (prominentia) MS. 2, 215 a H. Dam. 66 a ; vlah-s (li- num) schmiede 1016. MS. 2, 199 b ; vlan-s (os, rictus oris) Parc. 59 b vgl. vlenselîn 27 b ; vlin-s; vuh-s; zin-s (cen- sus). — III. consonantische ableitungen. S. nhd. ar-sch; bar-sch; bim-s; buch-s; bur-sch; flach-s; flin-s; fuch-s; gip-s; lach-s; luch-s; schöp-s (vervex) undeutsch, aus dem böhm. skopec; sim-s; zin-s. engl. ar-se; flax; fox; laxe. — β ) starke feminina , goth. nach erster gáit-sa ( χίμαρος ); han-sa (cohors); — nach vierter ga-run-s (forum, platea); vielleicht stas-s in af- stas-s (repudium) us-stas-s (resurrectio) gen. stassáis, da sich kaum afst-aß, ust-aß annehmen läßt, ein dunkles wort, entspringt es aus stat-s (wie vissa aus vitþa)? ahd. nach erster und mit a: dram-asa (flagrantia) doc. 208 b wo der dat. dramasô (flagrantiâ); op-asa (doma, tec- tum) mons. 327. 352; ohne a: ah-sa (axis); egi-dëh-sa (lacerta) vgl. oben s. 40; hah-sa (poples); han-sa (cohors) T. 200, 1; lëf-sa (labium) K. 17 b N. 30, 19., in den nie- derd. psalmen stehet lëp-ora, das wohl aus lëp-osa, lëp- asa entspringt? vgl. unten bei -us; uoh-sa (ascella). — nach vierter: kan-s (anser). — alts. spun-sja (spongia) undeutsch. — ags. eax, d. i. ëac-s (axis); gô-s (anser); häp-s (sera, fibula) âþëxe, d. i. âþëc-se (lacerta) und wohl noch an- dere Weber 3, 410. irrt, wenn er das goth. hansa noch im alt- engl. finden will, er würde ags. nicht hanse, sondern hôse lauten, das nicht vorkommt. In der redensart: tô gôde hans (metr. rom. 1, 68. 124.) ist haus das roman. hance, haunce, franz. encan, vgl. engl. enhance. . altn. flî-s (festuca); gâ-s (anser); kió-s (convallis); krâ-s (pulpamentum); öx, d. i. ök-s (humerus); þió-s f. þióh-s (frustum exos); up-s (ima pars tecti). — mhd. nach erster: ah-se; bir-se (ancilla, socia) fragm. 42 b ; ege-dëh-se; hah-se (poples) Wig. h. v.; kir-se (ce- rasum) undeutsch; lëf-se MS. 2, 169 b ; wëf-se (vespa); — nach vierter: gan-s. — nhd. ach-se; äh-re (spica) f. ah-re; ban-se (horreum); brëm-se (oestrus); ei-dech-se; far-se, fer-se (vacca) ei- gentlich nur in volksdialecten (nl. vâr-se); flech-se; gem-se (rupicapra) in oberd. volksspr. auch masc. gam-s, gäm-s, vgl. franz. chamois, ital. camoscia, ich habe dies wort ahd. und mhd. nicht gefunden; han-se, nur historisch von der gesellschaft niederdeutscher kaufleute; kir-sche; lef-ze f. lef-se; leuch-se (furcale) Frisch h. v. — nach vierter: gan-s. — III. consonantische ableitungen. S. γ ) starke neutra , goth. ah-s (spica); dih-s (fera) es steht nur der dat. pl. dih-zam Marc. 1, 13, wofür ich früher diuzam vermu- thet hatte; veih-s, vêh-s (vicus) und sicher noch andre, die uns fehlen. — ahd. mit a: ah-ar (spica) f. ah-as, einige schreiben ah-ir mons. 334. T. 68, 1. und dann kann umlaut eintre- ten eh-ir, doch steht bei W. 4, 14. noch ah-er und zwetl. 132 a eh-ar (f. ah-er?); tih-ar? könnte, wenn sich das goth. dih-s bestätigt, aus einem früheren tih-ar, tih-or allmählig ti-ar, ti-or, ti-er (fera) geworden sein, ags. dëór, altn. dŷr? man vgl. z. b. das goth. taíhun (decem) mit ags. tëón, altn. tiú oder goth. maíhstus, ags. mëox mit ahd. mis-t, allein warum heißt es goth. nicht daíh-s auf diesem wege bricht vielleicht licht ein über mehrere ahd. -iur , -ior , z. b. über zior (ornatus) das sich aus zih-ar (goth. tih-s, taih-s) verkehrt haben könnte; wurzel wäre nr. 195. und die ausgefallene spirans h erwiese sich hier aus dem lat. dec-us, dec- or, vgl. das adj. taihsvs, dexter von derselben wurzel ?; — ohne a: sah-s (culter); vah-s (capillus); wah-s (cera). — ags. ëa-r (spica) f. ëax, ëah-s ganz verschieden von eáre, eár (auris, goth, áusô); im engl. ear mengen sich beide wörter und begriffe. ; dëó-r (fera) f. dëoh-s?; fëax, fëac-s (coma); hor-s (equus); sëax, sëac-s (culter); vëax, vëac-s (cera); vorm-s, vyrm-s (pus, sa- nies). — altn. ax, ak-s (spica); bof-s (singultus); fax, fak-s (juba); fió-s (bovile); fox, fok-s (vulpes); gum-s (fraus); hor-s (equus); kal-s (jocus); lió-s (lux); of-s (violentia); sax, sak-s (culter); sëm-s (tardatio) oder sem-s? und dann zu den i-ableitungen; strun-s (fallacia); vol-s (luxus, splendor). — mhd. ah-er (arista)? vermuthlich eh-er; or-s (equus); sah-s; trëf-s (lolium); vah-s; wah-s. — nhd. nur noch: wach-s (cera). — δ ) starke masc. zweiter decl. ahd. hir-si (milium); altn. her-sir (princeps); mhd. hir-se (milium); nhd. hir-sen (volksspr. hir-schen). — ε ) starke feminina zweiter decl. ahd. lin-sì (lens, tis) mons. 400. aug. 117 a N. 46, 5. macht den pl. lin-sinin (lentibus), doc. 223 a ist lin-sò wohl gen. pl.?; altn. öxi, ök-si (securis); mhd. nhd. lin-se. — III. consonantische ableitungen. S. ζ ) starke neutra zweiter decl. ahd. aƷ-asi (suppellex jun. 225. 231. 251. blas. 5 b insofern man aƷ (die partikel) für den stamm nehmen darf; wäre es aber ein compos. aƷ-zasi und das dunkle zasi stamm, so gehörte es gar nicht hierher, vgl. isarn-aƷasi (ferramentum) K. 40 b scrîb-aƷusi (cautio) T. 108. ; altn. hel-si (torques); mhd. ge-den-se (protractio) Parc. 144 b ; nhd. ge-sim-se (projectura); ge-wäch-se (planta). — η ) schwache masculina goth. aúh-sa (bos) sofern der gen. pl. aúh-snê Luc. 14, 19. f. aúh-sanê, vielleicht ist aber auch mit einer weite- ren ableitung der nom. aúh-s-ns (ahd. oh-s-an) statt- haft; — ahd. kan-so (anser mas); oh-so (bos); sah-so (saxo, d. h. messerträger); wah-so (nervus) walt-wah-so jun. 214. mons. 411. blas. 14 b . — ags. gëoc-sa. (singultus); nëorc-sa (otium) bloß aus dem gen. pl. nëorxena in der verbindung në- orxena-vong (paradisus) gefolgert; die 1, 268. verworfne ablei- tung aus ne-vëorxa, obgleich ich das einfache vëorc-sa (labor) sowenig nachweisen kann, wie das verneinende ne-vëorc-sa (quies), scheint mir jetzt ziemlich statthaft. Nicht unanalog heißt der sonntag im slav. ne-djelja (von ne und djelati) der nicht-werk- tag, im gegensatz zu den werktagen. ; oxa, oc-sa (bos); sëaxa, sëac-sa (saxo). — altn. ap-si (procax); bër-si, bes-si (ursus); faxi, fak-si (colu- ber); gal-si (procacitas); gâ-si (anser mas) fehlerhaft ge- schr. gâssi; glô-si (flamma) geschr. glôssi, von glôa, die ahd. form wäre etwa kluoh-so, kluoh-aso?; gum-si (aries) findet sich nicht bei Biörn, ich folgere es aus dem gang- baren schwed. gum-se; kal-si (frigus); os-si (superbia); oxi, ok-si (bos); van-si (defectus). — mhd. oh-se; sah- se; tür-se (gigas). — θ ) schwache feminina , ags. brim-se (tabanus); hram-se (allium ursinum, bären- klau). — altn. hrëm-sa (sagitta, ungula) oder hrem-sa? — ahd. mhd. keine, es müsten denn einige bei der nhd. starken decl. angegebene thiernamen wie brem-se, fär-se, gem-se früher hierher zu rechnen sein; was heißt gel- sen amgb. 11 b ? — 2) adjectiva goth. aír-zis (erroneus) ahd. ir-ri f. ir-si; ahd. vun-s (promptus) ags. fu-s; goth. þaúr-sus (torridus) ahd. dur-ri f. dur-si; die ahd. verbalia huas-s (acer) ki- wis-s (certus) entspringen aus hvatþ, vitþ und gehö- ren nicht hierher. Tadelhaft ist die schreibung wah-s III. consonantische ableitungen. S. (acutus) f. was-s. Vahs, fëax werden ahd. und ags. auch adjectivisch für comatus gebraucht, vorzüglich in der zus. setzung (beispiele cap. III.). Das nhd. mor-sch ist un- deutsch. Vgl. die 1, 755. angeführten schwed. adj. sam-s und var-se. 3) verba α ) starke stämme, nur auf n-s, h-s: þin-san (nr. 396.) vah-san (nr. 108.) ah-san (nr. 490.) þaíh-san (nr. 462.) faíh-san (nr. 630.) laíh-san (nr. 631.) maíh-san, vaíh-san (vorhin s. 209.) u. wohl noch andere dergl. Zu untersu- chen bleibt, ob einige der formen -aírran (nr. 428. 429. 608. 609. 610.) ein r-s enthalten? — β ) schwache verba erster conjugation goth. aír-zjan (seducere); mar-zjan (offendere); plin-sjan (saltare); tal-zjan? gefolgert aus dem voc. tal-zjand ( ἐπι- στάτα ! sprecher, tale-man, lehrer?); þaúr-sjan (si- tire). — ahd. mit a: ah-arjan (spicare) mons. 389; ohne a: der-rjan f. der-sjan (arefacere): hel-sjan (am- plecti); mer-rjan f. mer-sjan (impedire); ref-sjan (casti- gare). — ags. lixan f. lic-san (fulgere); mer-ran, myr- ran (impedire). — mhd. ir-ren (in errorem ducere); der- ren (siccare); hel-sen; ref-sen. — nhd. dör-ren f. der- ren; ir-ren. — γ ) schwache verba zweiter conj. ahd. dan-sôn (trahere); ich nehme keine form -asôn an, da mir alt-asôn (differre) aug. 124 a alt-asunga (suspendium) mons. 347. 381. assim. scheint für alt-isôn, alt-isunga, vgl. gi- alt-isôt mons. 388. — ags. häp-sjan (fibula nectere) steht f. häspjan; ir-sjan (irasei); mær-sjan (amplificare); min-sjan (minuere); van-sjan (deficere); — altn. â-sa (perticis pandere vela); dval-sa (morari); gum-sa (deludere); hram-sa (violen- ter arripere); kal-sa (jocari) sëm-sa (tardare); stan-sa (stupere, morari) f. stand-sa, dän. stand-se; vol-sa (superbire); vin- sa, ving-sa (paleas secernere). — nhd. rap-sen (arripere), sum-sen (hum-sen Oberl. h. v.), in gemeinen dialecten andere wie: bam-schen, ram-schen, wich-sen etc. — Viele -s (-as) sind bei den weiteren ableitungen, die ihnen zugetreten sind, aufzusuchen, z. b. goth. hlaív-asna (tumulus) faír-zna (calx) draúh-sna (mica) rôh-sns (atrium) an-sts (amor) ban-sts (horreum) maíh-stus (fimus) gram-st (festuca) vah-stus (statura) fulh-sni (latibulum); ahd. zin- sar (thuribulum) oben s. 119. wah-samo (incrementum) deih-smo (profectus) etc. Besonders gibt es viele -s-l (= as-al) die ich s. 105-109 mit denen auf -is-al ver- mischt habe, ableitendes i ist aber nur, wo es wirklich und III. consonantische ableitungen. S. organisch steht, anzunehmen. Demnach erklären sich die goth. hun-sl, svum-sl, skôh-sl beßer aus hun-asal, svum- asal, skôh-asal als aus hun-isal; das ahd. wëh-sal, ah-sala, dëh-sala aus wëh-asal, ah-asala, dëh-asala und vielleicht ist kein -isal anzusetzen, außer wo verba -isôn im spiel sind? Daher auch in am-sel, ach-sel kein umlaut, trotz dem i, das die in vocalen fahrläßige gl. flor. am-isala schreibt, st. am-asala. Das ags. wort ô-sle, engl. ou-sle scheint mir so zu erklären: aus am-sle wurde an-sle und daraus ô-sle (wie aus gans gôs). — Ob die doppelten ab- leitungen -ans und -als aus an-as, al-as gedeutet wer- den dürfen? erörtere ich im verfolg. [IS] schwankt zuweilen in -as und -us. 1) substantiva , α ) starke masculina , hierher bloß das ahd. vël-is, alts. fël-is (rupes), das auch vel-is, fel-is sein könnte, wiewohl nie fal-is vorkommt und das verwandte altn. fiall (mons) für ë spricht. Diese wortbildung fehlt allen übrigen mundar- ten, scheint auch nicht bei jedem ahd. schriftsteller vor- handen (N. hat es nicht? T. 90. stehet stein) und schwankt im genus. Alts. bestimmt fël-is, pl. fël-isôs männlich und so O. I. 23, 94. allê fël-isâ (acc. pl. m.) aber III. 24, 129. fël-isa weiblich, der dat. pl. fël-ison IV. 35, 72 mons. 408. nicht entscheidend. Der gen. pl. fël-isônô mons. 406. verlangt wieder ein fem. fël-isa. Mhd. vël-s (erst spätere dichter scheinen vëlsen: helsen zu reimen) Parc. 111 a Trist. etc. immer masc., wie auch nhd. fel-s. Fremd, aus dem lat. pituita stammend, ist pfipf-is (morbus galli- narum) lindebrog. 999 b nhd. pip-s. — β ) starke feminina , das goth. aqv-izi (securis) gehört zur zweiten decl. und ub-izva (porticus) hat noch ein ableitendes v hinter der lingualableitung (ahd. nicht upisawa, sondern opasa, altn. up-s, nicht yp-s, ags. aber yf-ese, engl. eav-es). Hier- her fallen die ahd. flußnamen em-isa (amisia) nhd. em-s; en-isa (anisus) blas. 78 b mhd. en-se Nib. nhd. en-s; et-isa (athesis) doc. 210 a trev. 24 b nhd. et-sch. Vermuthl. auch einzelne pflanzennamen, z. b. pil-isa, bil-isa (hyoscyamus) blas. 14 a , nhd. bil-sen; ein dem nhd. hül-se (putamen) entsprechendes ahd. hul-isa, mhd. hül-se kenne ich nicht. Läßt sich hual-ira (balaena) deuten aus hual-isa? Daß ein ahd. sem. vël-isa (saxum) gelte, wurde eben beim masc. bemerkt. Dunkel ist mir chup-isi (tugurium) jun. III. consonantische ableitungen. S. 230. kub-isi mons. 413, welches, da auch der dat. auf -i (-î) ausgeht, fem. zweiter decl. scheint. Beßeres gewähr bedarf auch das altwestph., in der freckenh. urk. zwei- mahl stehende of-lig-esa (praestatio, obligatio), es stamme nun von of-leggen (ab-legen) oder of-ligen (obliegen her. — γ ) starke neutra , goth. ag-is (timor); hat-is (odium); bar-is (hordeum) nur gefolgert aus bar-izeins (hordeaceus) wie riqv-izeins von dem entschiednen neutr. riqv-is (caligo); sonst keine, auch keine spur von dem pluralaugment -iz , welches in den andern mundarten, zumahl im ahd. eingeschoben zu werden pflegt. Und wiewohl Ulf. lamba (agni) lambê (agnorum) setzt, nicht lamb-iza, lamb-izê, so läßt es sich damit noch nicht allen andern wörtern der goth. sprache abstreiten, z. b. ein pl. hôn-iza (pullus gall.) wäre immer möglich. Dieses eingeschobne -iz , -is hat unleugbare ähnlichkeit mit dem -iz der comparative, ja man dürfte es eine steigerung der substantive heißen, es wird da- durch der begriff einer vereinigten vielheit ausgedrückt. Beispiele sind im zweiten buch bei der decl. des neutr. angeführt, zumahl im hochd. und ags., in welchen bei- den dialecten sich aber schon das -is in -ir verwandelt hat eine malb. gl. zum vierten tit. der lex salica lautet nach dem wolfenb. cod. lampse, welches ich kaum auf ein früheres lampis, lampisu f. lempir, lempiru zu deuten wage. Dem altn. sprach ich damahls 1, 659. diese bil- dung völlig ab, und, wenn nach analogie der compara- tive neutra mit dem augment -r nachgewiesen werden sollen, hat die sache keinen zweifel. Allein es ist eine deutliche spur und zwar in der eigentlichen s-form vor- handen, nämlich in dem neutr. pl. hœn-s (gallus et gal- lina), wie der umlaut lehrt = hœn-is, also in form und bedeutung einstimmend zu dem ahd. huon-ir und vermu- theten goth. hôn-iza. Dieses hœn-s (nicht hæn-s) lebt im schwed. und dän. fort, wird aber auch singulariter gebraucht Rask §. 331. hat die weiterbildung hœnsni (ahd. gleichsam huonirni, huonirani?) . Vielleicht hat es früher noch andere ge- geben, z. b. ein altn. kelf-s (ahd. chelp-ir) lemb-s (lemp- ir) egg-s (eig-ir) bled-s (plet-ir) etc. — Andere neutra dieser form, die aber das -is schon im sg. haben und ohne es nicht vorkommen, sind noch ahd. eh-ir (spica), III. consonantische ableitungen. S. neben und für ah-ar; ags. eh-er neben ëa-r; altn. hris-s (raptus) glen-s (jocus), letzteres wie hœn-s mit unent- stellter spirans. Aus dem ahd. adj. ekis-lîh (horrendus) später eges-lîch, eis-lîch sieht man, daß ein ahd. ak-is, ek-is (horror) bestanden hat und untergegangen ist, ohne sich in ak-ir gewandelt zu haben. — δ ) schwache masculina : ahd. ek-iso (horror) K. 21 a 50 b O. IV. 7, 172. V. 4, 43.; illit-iso (hiaena? nhd. iltis) trev. 12 a blas. 66 b ; link-iso (prosperitas) N. 89, 11 was soll agipiso (muscat? vielleicht musca oder muscas) mons. 400? lieber ein comp. agi-piso? vgl. bise-wurm (oestrus) blas. 74 b trev. 15 a . . — ags. eg-esa (horror, tempestas); gæl-sa (luxus). ε ) schwache feminina: ahd. chep-isa (pellex); mhd. keb-ese Nib.; nhd. nur das comp. keb-s-weib. 2) adjectiva dieser form gibt es nicht, man wolle denn anschlagen, daß ahd. für und neben viƷ-us (callidus) auch viƷ-is gesagt wird. Von der steigerung durch -is , -ir handelt cap. VII. 3) verba finden sich nur der zweiten schwachen con- jugation, aber ziemlich viele, zumahl im ahd. goth. hat-izôn ( χολᾶν , irasci) joh. 7, 23. mit dem dat., verschieden von hat-an ( μισεῖν ), offenbar von dem subst. hat-is abgeleitet; ein nicht vorhandnes ag-izôn (horrescere) riqv-izôn (tenebrescere) von ag-is, riqv-is läßt sich denken. — ahd. folgende: alt-isôn (suspendere, differre) mons. 388; chep-isôn (pellicem facere); pi-dërp-isôn (expedire, pro- desse) T. 135. 172, 3; drâh-isôn (sternutare) aus drâsôd (vorhin s. 252.) vermuthet; ek-isôn (horrere) jun. 241. 256. O. IV. 6, 24; harm-isôn (calumniari) mons. 330; heil-isôn (expiare) mons. 402. wirceb. 979 b ; hërr-isôn (dominari) N. 71, 8. hêr-ison doc. 219 a scheint mir falsch; hrein-isôn (piare) jun. 245; hriuw-isôn (poe- nitere) kann ich nicht belegen; huor-isôn (scortari) folgt aus dem subst. huorisunge herrad. 194 a ; keil- isôn (luxuriari) aus geil-sunge herrad. 194 a ; krim-isôn (saevire) jun. 225, versch. von krimizôn, vgl. oben s. 217; in-krû-isôn (abhorrescere) mons. 363. vielleicht ir-kr.?; lîhh-isôn (dissimulare K. 18 b doc. 223 a mons. 356; lust-isôn (luxuriari) mons. 355. ur-lust-isôn (taedere) jun. 230; ki-meit-isôn (increscere) mons. 326; mihhil-isôn (magnificare) T. 115. 141. wo assim. mihilosôn; upar- III. consonantische ableitungen. S. muot-ison (superbire) N. 10, 2. 54, 13.; plûk-isôn (dubitare) bluch-isôn J. 351; procch-isôn (frangere) assim. procch-osôn mons. 374; rîhh-isôn (dominari) mons. 401. T. 11, 3. 95. 150; serf-isôn (saevire) jun. 174; spur-isôn (sentire, wittern?) aus dem subst. spur-isunga doc. 236 b geschloßen; scut-isôn (horrescere) hrab. 966 a jun. 208; strenk-isôn (confortare) T. 182, 1; tiur-isôn (glorificare) T. 103, 129. 164, 1. 210, 2; wemm-isôn (corrumpere? corrumpi?) jun. 195. wo zu l. gi-wemm-isôt, corruptus; win-isôn (mutire) doc. 244 b ; und sicher noch manche andere. Zu bemerken ist a) bei dem einzigen ek-isôn scheint das -is schon in dem früheren subst. ek-is (goth. ag-is) zu lie- gen, bei den andern wäre es gewagt, verlorne subst. alt-is, harm-is etc. anzunehmen, vielmehr erzeugt sich das -is erst zu der verbalform, aus welcher dann die subst. auf -iso, -isa, -isal (s. 105-107.), -isâri, -isôd (s. 254.) -isunka wieder herfließen. b) die bedeutung ist meist intransitiv, aber nicht immer, vgl. mihhilisôn, strenkisôn. c) oft liegt ein adj. zu grunde: sarf, ki-meit, plûk, hreini, lîhhi, krimmi, strenki, pi-dërpi etc. zuweilen ein subst. wie harm, wamm, lust; einigemahl kann es beides sein, z. b. heil und rîhhi. — ags. fällt der ableitende vocal aus, weshalb es kaum thunlich ist, die folgenden verba von den vorhin (s. 268.) bei der as-form angeführten genau zu scheiden: bên-sjan (supplicare); blet-sjan, bles-sjan (benedicere); blis-sjan (gaudere); clæn-sjan (mundare); cur-sjan (devovere); ef- sjan (tondere); eg-sjan (terrere, terreri); fäl-sjan (ex- piare; fyr-sjan (elongare); gæl-sjan (luxuriari); grim-sjan (saevire); gît-sjan (concupiscere); hâl-sjan (obsecrare, au- gurari); hlyn-sjan (sonare); hrëóv-sjan (poenitere); ge- mët-sjan (comparare); ge-mild-sjan, milt-sjan (misereri); ric-sjan, rixjan (regnare); svin-sjan (modulari); ge-un- rot-sjan (contristare); ge-un-trëóv-sjan (scandalizari). — altn. bif-sa (motitare); bop-sa (tremere); glen-sa (jo- cari); hug-sa (cogitare); hrein-sa (mundare); hrif-sa (ra- pere); hvept-sa (sannis irritare). mhd. nur noch wenige: ge-lîch-esen, ge-lîh-sen (dissi- mulare) Barl.; ver-keb-esen Nib. 3373; rîch-esen, rîh- sen (dominari) MS. 2, 198 b ; aus den subst. gît-esære a. w. 3, 71; kling-esære MS. 2, 12 a ; ruom-esære Ben. 262. Bon.; riuw-esære Barl.; ge-walt-esære Trist. darf man wenig- stens auf veraltete verba gît-esen; kling-esen; ruom-e- sen; riuw-esen; gewalt-esen schließen. III. consonantische ableitungen. S. nhd. glei-sen (simulare) f. gleich-sen, ganz verschie- den von gleiß-en (splendere) mhd. glîƷen, daher zu schreiben gleisner (fallax) mhd. gelîchsenære Kol. 407. 420. und nicht gleißner; grin-sen steht entw. f. grim-sen (ahd. krimisôn) oder grin-zen (ahd. krimizôn); herr-schen (regnare) scheint das ahd. hërr-isôn und nicht aus dem adj. herrisch zu leiten; keb-sen; win-sen übrig im wei- ter abgeleiteten win-seln; feil-schen (licitari); be-nam-sen (nominare) ist kein schriftdeutsch, sollte auch umlauten. anmerkung: unabhängig von diesen verbis auf -isôn, -esen, deren spirans nie in r übertritt, leitet zumahl die nhd. und mhd. mundart theils von comparativen, theils von den plur. neutr. (mit der einschiebung) verba ab, deren -irôn , -ern dem -isôn begegnen würde, wenn in der älteren sprache solche ableitungen statthaft wären. Ahd. finde ich, aber nur selten, einige infinitive aus com- parativen geleitet (nie aus plur. neutr.), namentlich minn- irôn (minui, minuere) T. 21, 6; peƷ-irôn (emendare, lu- crari) mons. 368. 877. 387. 392. 397; arg-erôn N. 22, 4. gehört nicht hierher, früher arg-ôrôn (nicht argi-rôn). Auch mhd. keine verba -ern aus neutris, wohl aus compar. als: beƷƷ-ern Trist.; bœs-ern Barl. 401; er-hœh-ern Bon.; minn-ern Trist.; lîht-ern Ben. 126; lind-ern Mar. 105; ring-ern; swech-ern Rud. weltchr.; næh-ern Parc. 14088. 23554; hœh-ern Parc. 21601 etc. allen, denen der ahd. comp. ôr gebührt, sollte der umlaut fehlen, also nâh-ern, hôh-ern. Nhd. aus comparativen (und stets umlautend): ärg-ern; beß-ern; ver-fein-ern; lind-ern; er-leicht-ern; mind-ern; næh-ern; er-neu-ern; ver-ring-ern; ver- schœn-ern; er-weit-ern; ver-wild-ern; doch nicht aus jedem comp. laßen sie sich ziehen, z. b. man sagt nie: sänst-ern, schwäch-ern, ver-suͤß-ern, zæm-ern. Aus pl. neutr. gebildet sind: be-bänd-ern; bild-ern (bilder auf- schlagen); blätt-ern; be-geist-ern; ræd-ern; ränd-ern; zer-trümm-ern; be-völk-ern schildern (pingere) kann nicht aus dem pl. sehilder geleitet werden, stammt von schilder (mhd. sciltære, pictor) und ist eine tadelhafte bildung. . Man darf alle diese -er nicht mit den organischen (z. b. in läut-ern, ver-bitt- ern etc.) verwechseln. [US] die wörter, welche hier in betracht kommen, sind: der goth. pl. bêr-usjôs (parentes), dessen sg. bêr- S III. consonantische ableitungen. S. usis fehlt, keiner der übrigen dialecte kennt ähnliches (vgl. dän. bar-sel, partus) die form würde ahd. lauten pâr-usi, pl. pâr-usjâ? Eine, nicht genau bekannte münze hieß auf ags. manc-us, manc-s. Feminina vierter decl. sind drei ahd. subst. nämlich: ahh-us (securis) ak-us O. I. 23, 126. T. 13, 15. mhd. ack-es (st. ach-es), nhd. mit zugesetztem t axt, d. i. ak-st. HaƷ-us (strio, d. i. strix) mons. 400. haƷ-asa (strio- nibus? striones? f. striges) mons. 377. haƷ-asa (eumenides) ebner. 1004 b , die wahre pl. form sollte sein haƷ-usî, oder der sg. müste auch haƷ-usa, haƷ-asa lauten? Oder wäre nach bekanntem lesefehler hah-us zu vermuthen? dahin führt das ags. heg-tis, häg-tesse, häg-esse (strix) und das nhd. hexe, d. i. hek-se f. hech-se, hech-es? Dasyp. schreibt häg-s, die mhd. form ist noch aufzufinden, viel- leicht hech-es oder heh-se? der umlaut zeigt, daß das ältere u uon i verdrängt wurde. Das dritte wort ist (wie- der mit wurzelhaftem kehllaut) nihh-us (crocodilus) mons. 322. 412. nich-es jun. 270., nhd. nix, nixe (flußgeist, fluß- ungeheuer) f. nich-se. Vielleicht auch masc. wie das altn. nikr (hippopotamus) ohne ableitendes -s, denn der gen. hat nik-s (nicht nik-urs) schwed. neck, dän. nök. Entspringt lëff-ura (labium) T. 84. aus lës-usa? — Von adj. dieser bildung kenne ich bloß das ahd. viƷ-us (astu- tus, callidus) jun. 181. blas. 8 a , vgl. das comp. viƷ-us-heit (dolus) hymn. mat. Später viƷ-is, viƷ-es mons. 351. 387. doc. 241 a 242 b N. 34, 19. 54, 24. Vielleicht ist aber viz-us, viz-is anzunehmen? [OOS] findet bei der comparation statt, wovon cap. VII. anmerkungen zu den s-ableitungen überhaupt: 1) die verwandlung des -s in -r geht, wie eingangs gesagt wurde, nicht anders vor sich, als wenn der ab- leitungsvocal haftete und insgemein nur bei den comp. und plur. neutr., ausnahmsweise in ah-ar, eh-ir, tio-r, zio-r, dur-ri, ir-ri. Wogegen die auf -iso, -isôn das -s behaupten. Ob noch einige andere mhd. nhd. -r, die wir im goth. nicht vergleichen können, ursprüngliche -s waren? namentlich die s. 138. 139. berührten medita- tiva oder desiderativa? denn im griech. findet allerdings -σείω statt, z. b. γελασείω (mich lächert) πολεμησείω (mich kriegert, lüstet nach krieg); schläfern, lächern wäre ein III. consonantische ableitungen. S. ahd. slâfisôn, hlahhisôn? und selbst das lat. -urio aus -usio zu deuten? 2) die vorstehenden vocale schwanken nur im einzel- nen (ahar, ehir; opasa, ubizva; viƷus, viƷis); im gan- zen bewirken sie deutliche unterschiede und der pl. neutr. duldet kein ar für ir, der inf. kein asôn f. isôn, es schlage denn assimilation ein. 3) das unwurzelhafte des ableitenden -s springt oft in die augen, denn es mangelt verwandten wörtern oder in andern dialecten und sprachen den nämlichen, vgl. vlan-s mit vlannen (os torquere) N. 268 a nhd. flennen; ah-s (spica) mit ahana (palea) oben s. 157; agei mit ag-is, ekî mit ek-iso, ek-is; haƷ mit hat-iƷ; lôhe (flamma) mit lió-s; ahd. dioh (femur) mit altn. þió-s; lëf-sa mit lippe, labium; brëm-se mit brëme, beide derselben bedeutung; gum-si mit gumr; hal-s mit collum; hâl-s (vir) mit halr; ham-s (cutis) mit hamr, hamo, hemidi; goth. veih-s (vicus) mit ahd. wîh; vël-is mit fiall; vuh-s mit dem fem. voha; luh-s mit dem schwed. lô u. a. m. Man könnte in einigen wörtern ein verhärtetes kennzeichen des masc. erblicken, z. b. in luh-s (lynx, lyncis) fuh-s, veih-s (vi- cus) obschon letzteres hernach neutral geworden ist; ana- log wäre das neutrale -t in sal-t (1, 826.) doch vgl. vor- hin s. 223. Das -s einiger verba, z. b. din-san, wah-san, vielleicht auch derer auf -ison läßt sich dem -s des fu- turums vergleichen (1, 1051. 1058.), wie man die gr. desiderativa auf -σείω , da sie auf etwas künftiges gerich- tet sind, mit recht aus dem -s des fut. deutet. 4) auffallend viele thiernamen sind mit -s abgeleitet: dah-s, vuh-s, luh-s, kan-s, oh-so, gem-se, brem-se, fär-se, gum-se; auch goth. gáit-sa; vgl. hal-s (mann, mensch) und etwa hual-ira f. hual-isa? 5) die lat. entspricht der deutschen spirans, vgl. anser mit gans; ansa (manubrium) mit ans (trabs, pertica) und x = cs dem deutschen hs, z. b. sex, saíhs; axis, ahsa; lux, lucis: altn. liós = lióhs; saxum (scharfer, schroffer fels) seco, sahs (culter); pecten, pexus ist derselben wur- zel mit vahs (capillus); plecto, plexus mit vlahs. In dem slav. gus, hus (anser) fehlt das n wie im ags. gôs, altn. gâs. 6) für den wechsel des s mit t ist schon oben s. 223. das ahd. vlin-s, ags. flin-t beigebracht worden. Das altn. hug-sa steht nicht einem ahd. hugisôn zur seite, sondern S 2 III. consonantische ableitungen. K. dem hog-azan, vgl. die lat. cog-ito, clam-ito etc. auch lens (lent-s) lentis mit unserm linsî. Merkwürdiger scheint der wechsel zwischen s und þ in lió-s = lióh-as und líuh- aþ, lieh-t, so wie dem altn. þió-s (weiche, hüfte) viel- leicht ein ahd. dioh-t gegenübersteht, falls der mhd. pl. diehter st. dieher troj. 4011. die vermuthung aufbringt. ableitungen mit K. nach der lautverschiebung entspricht der goth. ten. ein lat. g [genus, kuni], der lat. ten. aber ein goth. h oder g [coecus, haíhs; oculus, áugô]; in gewissen wörtern stimmen jedoch lat. goth. und ahd. tenuis miteinander. Beide arten goth. tenuis verlangen (wie beim t, oben s. 193.) gesonderte abhandlung. I. goth. K = ahd. C = lat. C. bloß in der verbindung sk , wo s der wurzel gehört, k die ableitung macht. Ableitender vocal zwischen s und k findet sich niemahls. Es wird aber bei den ableitun- gen mit zwei cons. ein -ask, isk vorkommen, dessen s nicht zur wurzel geschlagen werden darf, dennoch unserm s-k verwandt scheint. Einzelne fälle laßen zweifelhaft, welche ableitung s-k oder -sk anzunehmen sei, nament- lich hat -sk viel für sich, so oft dem s ein andrer cons. voraussteht, oder eine spirans davor ausgefallen sein könnte (vgl. die schlußbem.). Im nhd. gilt in verschied- nen wörtern unorganisches -sch für -s (oben s. 265.) und selbst -Ʒ (s. 223.) z. b. in arsch, hirsch, welchem durch- aus kein ahd. s-c entspricht. Mhd. findet sich das nur in roman. wörtern. — Wenn sich das s vor k in goth. z mildert, so tritt lautverschiebung, nämlich g ein, da nur engverbunden mit s die tenuis zu beharren scheint; auch einige ahd. quellen, zumahl O. zeigen sg für sc. 1) substantiva α ) starke masculina: goth. fisk-s (piscis). — ahd. as-c (fraxinus); los-c? ein unbekanntes thier, wovon los- ces-hût (pellis ianthina, violfarb, purpurn?) mons. 331, vgl. das mhd. lœsche; thros-c (glis, glidis = glarea, jun. 271.) mons. 412. ein bedenkliches wort, schon des th wegen, vielleicht chros-c?; teis-c deis-c (stercus) doc. 239 a flor. 988 a , vielleicht neutr.?; tis-c (mensa) dis-c (ferculum) jun. 187; vis-c; vros-c (rana); wuns-c (optio). — ags. äs-c; dis-c; fis-c; fros-c; mers-c (mariscus); tus-c (dens maxil- III. consonantische ableitungen. K. laris). — altn. as-kr (fraxinus und homo); blös-kr (stu- por); dis-kr (patina); fis-kr; þros-kr (vigor). — mhd. bus-ch (arbustum) Trist. 8913. aus dem rom. bosco, bois; brûs-ch, vielleicht auch neutrum, dunkler bedeutung livl. 48 b , vgl. Frisch 129 a brausche (plaga) 136 b breusch (fragilis); tis-ch; vis-ch; vros-ch; wis-ch, strô-wis-ch Wilh. 2, 116 a ; wuns-ch; nach zweiter decl. vielleicht mus-che (passer)? jun. 268. nnl. mos-ch, mus-ch, in nie- derrhein. volksspr. mös-ch. — nhd. baus-ch; bus-ch; fis-ch; fro-sch; misch-mas-ch; tis-ch; wis-ch; wurs-ch. — engl. as-h; dis-h; fis-h; mars-h. — β ) starke feminina: goth. fas-kja (fascia), zu bele- gen nur der dat. pl. faskjam. — altn. ôs-k (votum). — γ ) starke neutra: goth. ga-þras-k (area). — ahd. vleis-c (caro). — ags. flæs-c (caro) hus-c (contumelia). — altn. briós-k (cartilago); das-k (verber); flês-k (lardum); mos-k (palea); ras-k (tumultus); tus-k (lucta). — mhd. vleis-ch; nach zweiter decl. (wo nicht masc.) lœs-che (co- rium cortice praeparatum) troj. 44 b 90 b . — nhd. fleis-ch. — engl. das-h; fles-h. — δ ) schwache masculina: goth. fis-kja (piscator). — ahd. as-co (thymallus) blas. 13 a ; tis-co (alumnus) jun. 195. dis-co K. 20 b etc.; was-co (fullo). — ε ) schwache feminina: goth. az-gô (cinis) statt as-ko. — ahd. as-ca; nus-ca (fibula); vlas-ca (lagena); vas-ca (fo- mentum); tas-ca (pera). — altn. flas-ka; fros-ka (rana). — mhd. as-che, es-che (cinis); vlas-che; tas-che. — nhd. as- che; flas-che; tas-che. — 2) adjectiva , goth. hnas-qvus (mollis). — ahd. chûs-ci (castus); hors-c (alacer); ras-c (vivax, celer); peis-c (mordax)? mons. 410. peifkres? vris-c (recens)? steht zuerst in der spätern gl. jun. 276. — ags. cûs-c; hnes-ce (tener); hors-c (cal- lidus). — altn. beis-kr (amarus); breys-kr (infirmus); els- kr (amans); frës-kr (glaucus); heims-kr (stultus); hors-kr; lös-kr (ignavus); nas-kr (gnarus); rös-kr (strenuus); treis-kr (difficilis). — mhd. kius-che (castus); ras-ch (ala- cer) scheint ungewöhnlich, wogegen zuweilen das gleich- bedeutige ris-ch M. S. 2, 250 a livl. 8 b 13 a ; rœs-che (ri- gidus) troj. 44 b ; vals-ch, undeutsch, aus falsus, franz. faulx, faux entsprungen; vris-ch (recens). — nhd. fals-ch; fris-ch; keus-ch; ras-ch; über barsch, breusch, harsch, morsch s. anmerk. b. — III. consonantische ableitungen. K. 3) verba α ) starker form: vas-kan (nr. 88.) eis-chen, vreis- chen (nr. 28.) þris-kan (nr. 454.) lis-kan (nr. 455.); fris- kan (nr. 626.) dis-kan (nr. 627.) β ) erster schwacher conjugation: ahd. les-can (exstin- guere); mis-can (miscere) K. 21 a ; wuns-can (optare). — ags. dväs-can (exstinguere). — mhd. les-chen; mis-chen; wis-chen; wüns-chen. — γ ) zweiter und dritter: goth. ga-vris-qvan (fructum ferre) Luc. 8, 14. (vielleicht starkformig?) — ahd. eis-côn (postulare); los-cên (delitescere) mons. 384. N. 17, 12; vis-côn (piscari). — ags. æs-cjan (exigere); fis-cjan; hnes- cjan (mollire); vis-cjan (optare). — altn. das-ka (percu- tere); knûs-ka (conterere). — mhd. his-chen (singultire); psnës-chen (suspirare) Tit., vielleicht stark?; rûs-chen (strepere); tus-chen, ver-tus-chen (celare) Trist. 9032; vis-chen. — nhd. fis-chen; has-chen (arripere); laus-chen (auscultare); nas-chen (delicatum esse); raus-chen: taus- chen (permutare); auf-tis-chen; ver-tus-chen. — anmerkungen zu der formel SK. a) das sk ist den st, st, ht (s. 207. 208.) analog, seine stämme liegen aber weit verborgner. Sie müsten auf wurzelhaftes t, d, þ oder s ausgehen. Ich kann nur einen einzigen aufdecken, peisc, beiskr (mordax) ent- springt von beitan (nr. 140.) d. i. báifks stehet für báitks. Wie aber der stamm von fisks laute, ist schwer zu sagen; vielleicht fisan (nr. 549.)? gleich möglich wären jedoch fitan, fiþan. b) geht dem s. liquida voraus oder muß eine synco- pierte spirans angenommen werden, so kann die ableitung -sk (für -ask, -isk) sein und nicht -k. Alsdann gehört das s nicht zur wurzel. Hat man wuns-c anzusetzen oder wun-sc? Für hor-sc (und nicht hors-c) spricht die ahd. vocalzwischenschiebung hor-iscôr (maturius) mons. 367. Und lœsche scheint beinahe zu sein loh-ische, we- gen des nhd. loh-gärber, vgl. Frisch 620 a. b. Zumahl halte ich die nhd. harsch, morsch u. a. für -sch und die altn. s-k mit vorstehender liquida für -fk, wohin daher die meisten beispiele verwiesen werden. c) die völlige gleichheit der lat. und deutschen s-c lehren urverwandte wörter wie pis-cis, mis-ceo; da wo im anlaut lautyerschiebung fehlt, nehme ich lieber ent- lehnung an, z. b. aus lat. fas-cia, dis-cus. Zweifelhaft mersc aus mariscus? III. consonantische ableitungen. K. d) beispiele des s-c sind auch unter weiter zugetrete- nen ableitungen zu suchen, ags. räs-cetan (strepere) ahd. mis-celôn (miscere) nhd. ras-chelen (strepere) etc. II. goth. K = ahd. CH. statt der naturgemäßen ahd. aspirata wird auslautend überall, inlautend, sobald die ableitungsvocale ausgestoßen sind, -h denkmähler, welche die asp. nicht durch hh ausdrücken, sondern durch ch, setzen auch inlautend ch. sei es nach vocalen oder consonanten. geschrieben, das nicht zu verwechseln ist mit der organischen spirans. Dieser entspricht stets auch goth. spirans; jenes ahd. h muß aber erkannt werden theils an der ihm zur seite gehenden goth. sächs. nord. tenuis, theils daran, daß es inlautend, so oft ein vocal vorsteht, zu hh wird, pot-ah, gen. pot-ahhes (nicht pot-ahes). Mhd. nhd. häufiger übertritt dieser asp. in die tenuis, nach n immer, nach l und r meist; das engl. schwankt zwischen -k und -ch. — Die begleitenden vocale sind a, i, u. [AK] der vocal haftet mitunter im goth.; im ahd. mehrentheils, außer nach l und n. 1) substantiva α ) starke masculina goth. ah-aks (columba) fem?; skal-ks; þank-s? Luc. 17, 9. — ahd. dan-h (gratia); ëb-ah (hedera) flor. 988 a ; pot- ah (corpus, der leib, bauch, ohne kopf) jun. 199. mons. 398. doc. 229 b N. 78, 2, 89, 6; rin-h (procer); scal-h; scran-h (fraus); spor-ah (juniperus) mons. 329; stan-h (odor); stor-ah (ciconia) mons. 321, wo ὀφιομάχος, weil er die schlangen tödtet; tran-h (potus); trun-h (haustus); vëd- ah (ala) boxh. 904 a , geschrieben fëthdh-ah J. 368, fëtt- ach N. 35, 8. fëtt-ag N. 67, 14, nebenform ist vëdar-ah geschrieben fëder-ah doc. 210 b T. 142. später vider-ich jun. 312, die asp. bestätigt durch das niederd. fëther-ac, gen. pl. fëther-aco gl. lips. — ags. dren-c (potus); fin-c (frigilla); hol-c (vena) ne- ben hol-oc; or-c (crater, urceus); rin-c (heros); scëal-c (servus); stor-c (ciconia); styr-c (juvencus); þan-c (gratia); vren-c (fraus); einige wörter sind unorganisch aus der ac-form in die ig-form übergetreten, namentlich III. consonantische ableitungen. K. bod-ig (statura, truncus); if-ig (hedera) statt bod-ac, if- ac oder bod-oc, if-oc und wirklich hat gl. jun. 369. das richtige ib-ac. — altn. bâl-kr (strues); bec-kr (scamnum); blað-kr (cus- pis folii); dryc-kr (potus); for-kr (fustis); hau-kr (acci- piter) f. hav-kr; hlec-kr (catena); hôl-kr (tubus, cavi- tas); lur-kr (furka); mað-kr (vermis); skâl-kr (nequam); skröc-kr (fraus); stor-kr (ciconia); styr-kr (robur); þur- kr (siccitas). — mhd. bot-ech (corpus) finde ich nur in einem unge- dr. Stricker mihi p. 162. [bod-ik muß wohl im halbnie- derd.fragm. belli 2603. 2934. gelesen werden]; dan-c; schal-c; schran-c; stan-c; stor-ch, neben stor-c; tran-c; trun-c; vët-ech, im Anno 204. vëder-ich; wan-c (vacillatio). — nhd. bott-ich (bauchiges gefäß); dan-k; epp-ich (he- dera) die schriftsprache zieht das compos. epheu, d. i. ep-heu, früher ep-houwe vor; fitt-ich; schal-k; schran-k (scrinium); schwan-k; stan-k; stor-ch; strun-k; tran-k; trun-k; win-k; daß -ich für -ech stehe zeigt der unum- laut bott-ich, denn epp-ich entspringt nicht aus app-ich, sondern ëpp-ech. — engl. dren-ch; fin-ch; stor-k; than-k; win-ch; (troch- lea); wren-ch; aber nach der ags. ig-form ebenfalls: bod-y (truncus); iv-y (hedera). — β ) starke feminina , goth. ar-ka (cista) undeutsch, aus lat. arca. — ahd. ar-ha (cista); hlan-ha, lan-ha (lumbus) K. 17 b mons. 337. N. 72, 21; tren-ha (aquare); nach vierter: pan-h (scam- num). — ags. ben-c (scamnum); ëar-c (cista). — altn. ör-k (arca); þöc-k (gratia). — mhd. ar-ke; bar-ke; mar- ke; ban-c, gen. ben-ke. — nhd. ar-ke; bar-ke; mar-ke; trän-ke; ban-k. — engl. ben-ch; wen-ch (meretrix). — γ ) starke neutra , goth. dragg-k (potus) Joh. 6, 55. — ahd. vol-h (populus); wër-ah (opus) K. 27 b . — ags. fol-c; svëor-c (caligo); vëor-c (opus). — altn. fôl-k; spar-k (conculcatio); vër-k. — mhd. swër-c (nubes) Beham in Hagens samml. p. 59; vëtt-ech Wigal. 5069. vol-c; wër-c. — nhd. vol-k; wer-k. — engl. fol-k; wor-k. — δ ) schwache masculina , ahd. en-ho (agricola) blas. 32 b mons. 408; hol-ahho (navis actuaria)? stützt sich bloß auf jun. 280; pal- ho (trabs) bal-co T. 39, 6; scin-ho (tibia) val-ho (falco) doc. 210 a aus dem latein, vielleicht mit dem ab- leitungsvocal u, da mons. 412. fal-uhho steht, wo nicht III. consonantische ableitungen. K. zu lesen ist fal-ahho? die glossen erklären damit hero- dius, herodion, vgl. misc. 1, 39; vin-ho (fringilla); vran- ho (francus); zin-ho (albugo) doc. 207 a . — altn. ân-ki (defectus); fâl-ki (falco); hân-ki (funiculus); har-ki (vis) f. hard-ki; mac-ki (juba equina); vân-ki (vertigo). — mhd. bal-ke; hol-che (celox)? Beham b. Hagen p. 56. 58. hat höl-ch; tol-ke (interpres) grundr. 263; val-ke; van-ke (scintilla); vin-ke; vlin-ke; (frustum metalli splendentis); vran-ke. — nhd. bal-ke; fal-ke; fin-ke; fun-ke. — ε ) schwache feminina , goth. kal-kjô (meretrix). — ahd. lêr-ahha (alauda) mons. 321, spätere schreiben ler-ihha, aber unorganisch, denn die wurzel hat nicht den umlaut e, sondern ê, das aus contraction entsprungen scheint, vielleicht war die frü- here, vollständigere form leiwar-ahha? woher sonst die sonderbaren niederd. lewer-ke, niederhess. löwenecker- che, nl. lewer-ick?; snarr-ahha (tendicula), der nom. un- sicher, weil mons. 350. nur der dat. pl. snarrahhun ste- het; rin-ha (fibula) jun. 206. wo fehlerhaft rin-ga. — ags. lâver-ce, lâver-c (alauda). — altn. blad-ka (fosium); ec-kja (vidua) dän. en-ke; grœn-ka (viror); hâl-ka (lu- bricitas); har-ka (vis); stor-ka (gelatio). — mhd. lêr-che; rin-ke (fibula) MS. 2, 80 b Parc. 74 a Wigal. 31. 387. Wilh. 1, 146 b . — nhd. ler-che. — engl. lar-k. ζ ) schwaches neutrum: goth. þaír-kô (foramen). 2) adjectiva , goth. keines anzuführen, es ließe sich denn aus dem dun- keln adv. anaks ( ἐξάπινα, ἐξαίφνης ) ein adj. an-aks (re- pentinus), etwa von der praep. ana, herleiten? aber in jenem adv. scheint das -s unflexivisch, wo es nicht für den gen. anakis, anakáis stünde? vgl. 1, 610. 853. die gen. nahts, baúrgs und den imp. ôgs: übrigens wird man auch an die griech. adv. auf -άξ , -ίξ erinnert ( ὀδαξ , παραλλάξ , ἀναμίξ ). — ahd. chran-h (fra- gilis); plan-h (pallidus); star-h (fortis) star-ah noch K. 20 a ; wël-h (marcidus) mons. 410. N. 54, 22. 146, 8. — ags. blan-c; dëor-c (tenebrosus); stëar-c (asper); vlan-c (superbus). — altn. blân-kr; döc-kr (niger); frac-kr (li- ber); krân-kr (aeger); myr-kr (obscurus); styr-kr (ro- bustus); vir-ki (profestus). — mhd. blan-c; kran-c; lër-c, lur-c; ten-c; star-c; wël-c. — nhd. blan-k; flin-k; fran-k; kran-k; lin-k; schlan-k; schwan-k; star-k; wel-k (dia- lektisch schwel-k). III. consonantische ableitungen. K. 3) verba α ) starkformige: val-kan (nr. 12.) drig-kan (nr. 397.) sig-qvan (nr. 398.) stin-kan (nr. 399.) hröc-kva (nr. 400.) cvin-can (nr. 401.) skrin-kan (nr. 402.) svin-kan (nr. 403.) hin-kan (nr. 404.) win-kan (nr. 405.) blin-kan (nr. 406.) klin-kan (nr. 407.) slin-kan (nr. 408.) skin-kan (nr. 409. 602.) svëor-can (nr. 445.) hlin-kan (nr. 598.) þin-kan (nr. 599.) din-kan (nr. 600.) fin-kan (nr. 601.) staír-kan (nr. 621). — β ) erster schwacher conjugation: goth. drag-kjan (potum praebere); stag-qvan (impingere); þug-kjan (videri); vaúr-kjan (operari). — ahd. chren-han (debilitare); den-han (cogitare); dun- han (videri); scen-han (infundere); sen-han (demittere); sten-han (soetidum reddere); ster-han, früher star-ahjan (confortare); tren-han (potum dare); wur-han (ope- rari). — ags. dren-can; scren-can; sen-can; vyr-can. — altn. drec-kja; kren-kja; mer-kja; styr-kja (roborare); þec-kja; þen-kja; yr-kja; vgl. die s. 191. augeführten auf -kva. mhd. den-ken; dün-ken; hen-ken; len-ken; kren- ken; mer-ken; schen-ken; sen-ken; ster-ken; tren-ken; wür-ken. nhd. den-ken; dün-ken; krän-ken; len-ken; mer-ken; ver-ren-ken; schen-ken; sen-ken; stär-ken; trän-ken; wir-ken. — engl. dren-ch; sten-ch; thin-k; wor-k; wren-ch. — γ ) zweiter und dritter: ahd. dan-hôn (grat. agere); tun-hôn (tingere); wan-hôn (vacillare); wër-hôn (operari); win-hôn (nutare). — ags. bëal-cjan (eructare); bëor-cjan (latrare); mear- cjan (notare); svëor-cjan (caligari); vin-cjan (nivere); þan- cjan (gratias agere). — altn. or-ka (valere); vir-ka (opus facere); þac-ka. — mhd. dan-ken; wan-ken; win-ken. nhd. dan-ken; hor-chen (auscultare) ein ahd. hôr-ahhôn, mhd. hôr-chen nicht nachzuweisen, vgl. das ags. weiter abgeleitete hear-cnjan, engl. hear-ken; goth. haus-kôn? ; tun-ken; wan- ken; win-ken; zan-ken. — engl. bel-ch; mar-k; than-k; win-k. III. consonantische ableitungen. K. anmerkung: den nord. sprachen sind mit -ka gebil- dete verba zweiter schw. conj. eigen, die ich von den eben angeführten orka, virka, þacka sondere. Sie stam- men von adjectiven her und werden erst durch das ab- leitende k zu verbis, während jene das k schon im subst. oder starken verbo haben. In ihnen allen ist darum stamm und ableitung sehr fühlbar. Die altn. sprache bil- det sie von positiven und comparativen: 1) von aumr (miser) blîðr (mitis) dŷr (carus, venerabilis) frîðr (pul- cher) grœnn (viridis) harðr (durus) iðr, iðinn (solers) seinn (tardus) tîðr (frequens) þurr (aridus) entspringen: aum-ka (misereri); blîð-ka (placare); dŷr-ka, dyr-ka (co- lere); frîð-ka (venustatem induere); grœn-ka (virere) har-ka f. harð-ka (durescere); ið-ka (solere); sein-ka (tar- dare); tîð-ka (frequentare); þur-ka (siccare, siccescere). 2) von den comparativen hærri (altior) minni (minor) miórri (tenuior) stœrri (major) rühren hæc-ka (elevare, elevari) assim. f. hær-ka; mîn-ka (minuere, minui) f. minn-ka; miór-ka, mióc-ka (extenuare, extenuari); stœc- ka f. stœr-ka (crescere). Ihre zahl ist aber eingeschränkt, d. h. man kann sie nicht aus allen adj. herleiten, sie schei- nen fast nur aus solchen gebildet, deren wurzel auf li- quida oder ð auslautet. Im schwed. und dän. gibt es noch wenigere und nur aus positiven, so viel ich sehe. Schwed. dyr-ka; id-ka; œm-ka (misereri); sin-ka (retar- dare); tor-ka (siccare). Dän. dyr-ke; sin-ke; tör-ke; yn-ke f. ym-ke. Dagegen heißt es schwed. min-ska, dän. mind-ske (minuere). Daß diese verba zu der ak- form, nicht zu -ik, -uk gehören, lehrt der unumlaut. In der goth. hochd. und sächs. mundart sind sie nicht anzutreffen, dem blîðka, þurka würde ein ahd. plîdah- hôn, durrahhôn (oder -ên statt -ôn) gemäß sein einen zweifel regt nâlihhôn (appropinquare) T. 182, 7. 183, 3. welches aber nicht für nâlahhôn stehen kann, sondern ein com- pos. ist, nâ-lîhhôn, ags. neá-læcan, vgl. cap. III. . Merk- wurdige spuren gewährt jedoch das mnl. in gra-ken (il- lucescere) Huyd. 2, 496; na-ken (appropinquare); min-ken (minuere) Maerl. 2, 225. die von den adj. grâ, min und nâ geleitet sind. Nnl. nur noch ge-nâ-ken. — Was sonst noch zur ak-form gerechnet werden muß, ist unter den weiteren, dazugestoßenen ableitungen zu suchen. Hier einige beispiele. Das goth. táikns (signum) hat keine wurzel, sobald man k zur wurzel schlägt; wie III. consonantische ableitungen. K. wenn es ableitung und die wurzelhafte spirans h ausge- fallen wäre? tái-kns f. táih-akns, von nr. 195, woher so viel entspringt? folglich stünde das ahd. zeihhan f. zeih- -ahhan. Die ahd. tun-hal (obscurus) win-hal (angulus) stehen f. tun-ahhal, win-ahhal, en-hil (talus) f. en-ahhil; wol-han (nubes) f. wol-ahhan; ër-han (s. 164.) f. er-ah- han, wogegen das a haftet in êr-ahhar (s. 135). Das ags. ven-cle (ancilla, dirne) setzt ein ven-c (engl. wen-ch) vor- aus. Vgl. nhd. mor-chel (fungus) spor-kel (februarius) schnör-kel u. a. m. zum theil fremdes ursprungs. [IK] läßt sich beinahe nur im hochd. nachweisen, denn das goth. kêl-iku (oben s. 160.) ist weiter abgeleitet [buchstäblich ahd. châl-ihhan?] 1) substantiva α ) starke masculina: ahd. chel-ih (calix) kel-ih O. IV. 10, 25. mhd. nhd. kel-ch, altn. kâl-kr, kaleikr; ahd. chum-ih (cippus)? doc. 206 b ; ahd. eƷ-ih (acetum) abweichend von goth. ak-eit (ac-etum) und lautverschiebend alts. ek-id; ags. ec-ed; wahrscheinlich wurde ehh-iƷ verderbt in eƷ-ih. mhd. eƷƷ-ich (Trist. 11223.) nhd. eß-ich, fehlerhaft eß-ig; ahd. mun-ih (monachus) hrab. 969 b mhd. mün-ich, nhd. mön-ch; ahd. meƷ-ih (syrieum) hrab. 955 a ; ahd. rat-ih (raphanus) doc. 230 b nhd. rett-ich; mhd. sitt-ech (psittacus); mhd. nhd. tepp-ich. Bei den compos. mit -rîh näheres, ob wörter wie putrih, estrih etc. noch hierher zu zählen sind. β ) starke feminina? die meisten, wo nicht alle ahd. fem. auf -ihha declinieren schwach. γ ) starke neutra , die hierher fallenden diminutiva alts. -ikin , nhd. -ichen , -chen handle ich cap. VIII. ab. δ ) schwache masculina dieser form kommen in ei- gennamen vor, ahd. kib-ihho, sib-ihho, imm-ihho (Neu- gart nr. 459. 540.); mhd. gib-eche, sib-eche; viele bietet die altniederdeutsche mundart dar, z. b. die freckenhor- ster urkunde benn-iko, mann-iko, sahs-iko, liev-iko, suith- iko etc. Man sollte auch ein ahd. wit-ihho, mhd. wit- eche (nhd. witt-ich) vermuthen, vgl. das goth. vid-icula bei Jornandes, allein in diesem namen scheint frühe die media zu gelten, ahd. wit-igo (Neug. nr. 420.) mhd. wit- ege (Nib. 6812.), wie selbst die Wilk. saga aus nord- III. consonantische ableitungen. K. deutscher quelle vid-ga (wid-iga) neben sif-ka (fif-ika) hat. Altn. gehören hierher die nom. pr. giú-ki (f. giv-ki, gif- ki) svein-ki (?ahd. suein-ihho, woher noch das spätere schwein-iche) brŷn-ki (ahd. prûn-ihho?) und vermuth- lich ist das eddische bi-ki aus sib-iki entstellt. Nach Rask §. 327. verkleinert das altn. -ki; ob auch das ahd. -ihho, alts. -iko verkleinere? untersucht cap. VIII. — δ ) schwache feminina , ahd. chir-ihha, mhd. kir-che, chil-che, nhd. kir-che, ags. cyr-ice, engl. chur-ch, fremdes ursprungs; ahd. men- ihha (armilla) mons. 359. scheint verkleinerung von mani, meni, altn. men (monile); pir-ihha (betula) mhd. nhd. bir-ke, ags. bëor-ce, engl. bir-ch, altn. biör-k, das i die- ser ableitung könnte aus assim. entspringen (st. pir-ahha?); tun-ihha aus dem lat. tunica und theils für das kleid (O. IV. 28, 10. T. 13, 16.) theils für die bekleidung der mauer, wand (dealbatio) N. 70, 7. (stark decl.) nhd. tün-che; vul-ihha (puledra) gl. cass. 854 a . Jenen männl. eigenna- men entsprechen weioliche auf -ihha, das mhd. hel-che (Nib.) mag ahd. hel-ihha gelautet haben, altn. her-kja, vielleicht hël-ihha, hël-che, hër-kja? Vgl. stein-ka (Rask §. 328.), ahd. stein-ihha? 2) adjectiva dieser ableitung keine; das weiter mit -il abgeleitete ahd. dur-ihhil steht für dur-ahhil (goth. þaír- kls?) mhd. dür-kel. 3) verba , mir fällt bloß ein: ahd. tun-ihhôn (linire) mons. 323. 339. nhd. tün-chen. — [UK] ags. -oc, ahd. -uh, früher in -ah, später schwan- kend in -ich, -ech. 1) substantiva α ) starke masculina: ahd. chran-uh, chran-oh (grus) hrab. 965 b ; hap-uh (accipiter); — mhd. kran-ech, kran-ch Parc. 11932, wo vielleicht kran-c anzunehmen?; hab- ech; — nhd. krân-ich; hâb-icht f. hab-ich. — ags. bëall- oc (testiculus); gëall-oc (herba quaedam); haf-oc (accipi- ter); hlëóm-oc (herba quaedam); mëtt-oc, matt-oc (ligo); fëol-oc (sericum) neben sëol-c; vëol-oc (concha). — engl. hav-ock (rapina); haw-k (accipiter); matt-ock; sil-k: wil-k. — altn. hau-kr (accip.) — III. consonantische ableitungen. K. β ) starke feminina: das einzige ahd. mil-uh (lac) J. 389. mil-oh W. 4, 11; mhd. nhd. mil-ch; ags. mëol-oc; altn. miól-k; engl. mil-k. γ ) schwache masculina: ahd. val-uhho (herodion) mons. 412. später fal-ho (oben s. 280.); ich vermuthe auch einige eigennamen -uhho, alts. -oko. Altn. sil-ki (sericum). — 2) adjectiva: goth. aj-uks (aeternus), folgere ich aus dem subst. ajukduþ (vorhin s. 250.), es scheint für áiv- -uks zu stehen, etwa wie táujan f. tavjan?; ïb-uks (re- trogradus) Luc. 17, 31. Joh. 6, 66. 18, 6. verwandt mit dem ahd. subst. ëp-ah (hedera), dem wahrscheinlich ein adj. ëp-uh, ip-uh entsprach, vgl. ëb-ich (carmen retro- gradum) mus. 2, 200. 222. oder gehört dies zum ahd. ap-ah unten beim H). Es gibt ein ahd. adj. mël-h, mël-uh, das von milchgebenden, melkbaren kühen gebraucht wird, gl. blas. 5 b mël-chô) (foetas) nhd. frisch-mel-k, in mund- arten mül-k (Frisch 658 b ); altn. myl-kr. — 3) verba , die starken mil-kan (nr. 353.); sil-kan (nr. 354.); statt des mhd. mël-hen hat sich allmählig ein un- org. mel-ken eingeführt, da doch im subst. mil-ch die asp. haftet. Erster schw. conj. ist das altn. myl-kja (mul- gere). — anmerkungen zu sämmtlichen K-ableitungen. a) nach der regel entspricht das lat. g, und so ver- gleichen sich mul-geo ( ἀμέλ-γω ) mil-ka, mil-hu; an-gu- lus, win-hal. b) in entlehnten wörtern stimmt aber goth. sächs. nord. tenuis zur lateinischen, vgl. ar-ca, fal-co, cal-ix, cal-x (kal-k) etc. ahd. mit lautverschiebung hh: ar-ha, fal-uhho, chel-ih, tun-ihha, chir-ihha, zum beweis, daß dïese wörter schon in der deutschen sprache bekannt waren, als sich die asp. aus der ten. entwickelte. c) in einigen slav. wörtern entspricht tenuis, nament- lich in ml-ek, miól-k, mil-uh und pl-k (pol-k, krain. pu-k, böhm. plu-k, agmen, turba) altn. fôl-k, ahd. vol-h, litth. pul-kas. Entlehnung braucht hier nicht angenom- men zu werden, da auch das lat. lac (?l-ac) sich wie ml-ek verhält, d. h. von mul-geo absteht. Die litth. sprache hat zwar mél-zu (mulgeo), aber für das subst. milch wörter anderes stamms. — III. consonantische ableitungen. G. d) stamm und ableitung sind sehr fühlbar in den altn. verbis auf -ka (s. 283.), weniger in andern fällen. Doch gehört sun-ke (scintilla) offenbar zu funa, funi (ignis); ân-ki (defectus) zu ân (sine); hôl-kr zu hol (cavus); hôr- chen, hear-ken zu hôrjan, hear; hap-uh vielleicht zu hapên (oben s. 10.). Das goth. þaír-kô (foramen) scheint für þaírh-kô zu stehen, da kanm eine bloße verwand- lung des h in k anzunehmen ist, und dann entspränge das ahd. durihhil aus durah-ahhil? Dem ahd. chran-oh entspräche ein ags. cran-oc, allein es heißt ohne ablei- tung crane (grus, γέρανος ). c) übergang des -k in -g nur im ags. bod-ig, if-ig und ahd. wit-igo; gleich unorganisch schwankt das hochd. -ch in -k und das engl. -k in -ch. ableitungen mit G (ahd. K). begleitende vocale sind a, u, und ei (î); kurzes i läßt sich nicht nachweisen, d. h. nur als abschwächung des frühe- ren ei (î) oder entstellung aus a, i vor ng. [AG] der vocal haftet da, wo sich die ableitung ver- dunkelt hat, selten, und nur bisweilen im ahd. nach r; im adj. aber, wo die ableitung fühlbar ist, meistentheils. 1) substantiva α ) starke masculina: goth. bal-gs (cutis); baír-gs (mons) bloß zu folgern aus der fortableitung baírgahei; pug-gs (marsupium); sag-gvs (cantus). — ahd. chlan-c (sonitus); hrin-c (annulus); vram-kan-c (processus); pal-c (cutis); për-ac (mons); phun-c (mars.); ur-sprin-c (origo); stran-c (funis); ana-van-c (initium). — ags. bëor-g (mons); dvëor-g (pumilio); gan-g (iter); hrin-g (annulus); san-g (cantus). — altn. bel-gr (follis); dol-gr (hostis); dvër-gr (nanus); gân-gr; hrîn-gr; lûn-gr (serpens); mer-gr (me- dulla); þven-gr (corrigia); var-gr (lupus). — mhd. bal-c; bër-c; gan-c; klan-c; rin-c; san-c; ur-sprin-c; stran-c; ane-van-c. — nhd. bal-g; ber-g; dran-g; an- fan-g; gan-g; han-g; klan-g; ran-g; san-g; sprun-g, ur- sprun-g; stran-g; schwun-g; zwan-g; zwer-g. — β ) starke feminina: goth. hrug-ga (baculus); saúr- ga (cura); baúr-gs (urbs). — ahd. por-aka (cautio, ob- servatio) bor-ga N. 105, 39; sor-aka (cura); val-ka (oc- casio); pur-c (urbs), nie pur-ac, wofür aber das vor- kommende pur-uc durch assim. stehen kann, so daß die III. consonantische ableitungen. G. ableitung -uc nicht organisch wäre? — ags. bur-g (urbs); sor-g (cura). — altn. bor-g; sor-g; taun-g (forceps). — mhd. bor-ge (conservatio); san-ge (manipulus); sor-ge; vol-ge (sequela); bur-c. — nhd. fol-ge; sor-ge; bur-g. — engl. bor-ow, bor-ough; sorr-ow. — γ ) starke neutra: ahd. din-c (causa) ags. þin-g, altn. þîn-g, mhd. din-c, nhd. din-g, engl. thin-g; ahd. san-c (cantus); altn. tor-g (forum); mhd. ge-twër-c (pumilio); vielleicht ahd. zuî-c (ramus) ags. tvî-g, mhd. zwî-c und zwî (vgl. 1, 425), nhd. zwei-g, engl. twi-g? wenn man darin ein ursprüngl. zuî-ac, zuei-ac erkennen darf. Das -c, g scheint nicht zur wurzel zu gehören, die jedoch selbst in tvái, zuei unvollständig erhalten, d. h. einer älteren spirans verlustig sein könnte, wie gerade durch das goth. tveihnôs (duas) bestätigt wird vgl. 1, 761. Setzt das ahd. zuênê (duo) ein früheres zueih-anê voraus? stünde folglich zuî-c f. zueih-ac? oder bloß für zueih, mit übergang der spirans in media? Wie lautete die goth. form? tvei-g, tveih, tveih-ag? δ ) feminina auf -agei , -akî , aus adj. gebildet, be- dürsen keiner besondern angabe, nur bemerke ich, daß die ahd. form häufig assimiliert, z. b. man-ikî, kît-ikî etc. statt man-akî, kît-akî, daher der spätere umlaut men- egî, men-ege, men-ge. Dies assimilierte i vermische man nicht mit dem organ. î ähnlicher subst., die von adj. der îc-form herrühren, z. b. stât-îkî, hep-îkî. — ε ) schwache masculina: goth. baúr-gja (civis); gal- ga (patibulum). — ahd. an-ko (cardo); chlin-ko (tor- rens); kal-ko (patib.); kin-ko, gin-go (cupido); man-ko (machina); pur-iko, pur-igo (fidejussor) mons. 352. 356. 373. worin das i durch assim. entspringt, aus dem her- nach unterdrückten i der zweiten ableitung, näml. erste form wäre pur-ak-jo, por-ak-jo, später pur-ik-jo, end- lich pur-iko wie lautete aber das goth. baúrgja (civis) auf ahd.? pur-uk- jo, pur-kjo, pur-go? ich finde es nicht und auch mhd. gilt bür- gære, nhd. bürger, versch. von bürge (vas). Wie wäre ahd. pu- rigo ins goth. zu übersetzen? auch baúrgja? Beide wörter, der verschiedenheit des begriffs und der herleitung (eins aus dem subst. baúrgs, das andere aus dem verb. baúrgan) uubeschadet, könnten in den buchstaben zus. treffen; in solchen fällen sorgt aber jede mundart für eigne unterscheidungen. . — ags. bor-ga (fidejussor); gal-ga; tel-ga (ramus). — altn. gâl-gi; tân-gi. — mhd. bür-ge; gal-ge; III. consonantische ableitungen. G. gin-ge; klin-ge; flan-ge (serpens). — nhd. bür-ge; gal- gen. — engl. gall-ow und borr-ower. ζ ) schwache feminina: goth. jug-gô (pullus f.); tug- gô (lingua) — ahd. lun-ka (pulmo); zan-ka (forceps); zun-ka (lingua). — ags. lun-ge (pulmo) oder neutrum?; tun-ge. — altn. tûn-ga. — mhd. lun-ge; stan-ge; zan-ge; zar-ge (septum); zun-ge. — nhd. lun-ge; schlan-ge; stan-ge; wan-ge (gena); zan-ge; zun-ge. η ) schwache neutra: ahd. wan-ka (gena). — ags. vielleicht lun-ge. — altn. lûn-ga. — mhd. wan-ge. 2) adjectiva , hier sind die den angeführten subst. ähn- lichen adj. zu trennen von denen, deren ableitung fühl- bar ist und die den ableitungsvocal nicht so leicht weg- werfen. α ) dunkler ableitung: goth. ag-gvus (angustus); jug- gs; lag-gs. — ahd. ar-ac (parcus) mons. 413; en-ki (an- gustus); jun-c; lan-c; mur-c (putris, marcidus?) nur in murg-fare (decolor?) N. 93, 22. 102, 15. vorhanden da N. zuweilen nach liquidis -g für -ch schreibt, z. b. dan-g f. dan-ch, so könnte mur-g f. mur-h, mur-ch stehen und dem altn. myr-kr vergleichbar sein? doch bestärkt die media der flußname murg (in Schwaben). ; vielleicht plû-c, pliu-c (verecundus) dessen adv. blû-go O. II. 4, 75. steht und das ich (analog dem subst. zuî-c) aus pliuw-ac deuten möchte, die wurzel scheint das ver- lorne subst. pliu, pliuwes (color)? ags. blëó, die bedeu- tung: färbig, erröthend?; stren-ki (severus). — ags. ëar-g (pravus); gëon-g (juvenis); lan-g; stran-g; be-ten-ge (incumbens). — altn. ar-gr; bliú-gr (verecundus); krîn- gr (aptus); lân-gr; ön-gr (angustus); rân-gr (obliquus); slîn-gr (callidus); strân-gr (fortis); svân-gr (jejunus); þrön-gr (angustus); þûn-gr (gravis); ûn-gr (juvenis). — mhd. ar-c; bliu-c, zuweilen noch geschr. bliuw-ec, bliu- ec, blouw-ec; en-ge; jun-c; kar-c; kur-c (prudens, cal- lidus) Parc. 82 a Wilh. 2. 5 a 30 b 103 a ; lan-c; mur-c (pu- tridus, paludinosus) Wilh. 2, 11 a Ottoc. 88 b 174 b 213 a , gen. mur-ges oder mur-kes?; stren-ge. — nhd. ar-g; ban-g; en-g; jun-g; kar-g; lan-g; stren-g. — engl. lon-g; stron-g; youn-g. — β ) adjectiva der fühlbaren ableitung -ag gibt es eine menge und zwar sind sie im goth. leicht von den verwandten adj. auf -eig zu unterscheiden. Ebenso rein- T III. consonantische ableitungen. G. lich (wo nicht assim. im spiel ist) stehen in den frühesten ahd. quellen -ac und -îc voneinander ab, in den späte- ren werden beide endungen zu -ec , -ic und die trennung fällt schwieriger. Aehnliche hindernisse liegen bei den übrigen dialecten im weg. goth. áud-ags (beatus); grêd-ags (famelicus); man-ags (multus); môd-ags (iratus); vulþ-ags (gloriosus) und ohne zweifel noch andere genug. — ahd. durst-ac (sitibundus) Samar. T. 82; ein-ac (unicus, unigenitus) T. 13, 7, 10. 49, 2. 92, O. der von diesem worte die schwache form vorzieht, assimiliert ein-egen (unico) IV. 29, 68. ein-ogo (unicus) II, 3, 98. nach cod. vind., und daraus scheinen die tadelhaften formen ein-ego I. 22. 100. ein-ega I. 22, 104. ein-igun I. 22, 92. ein-igo II. 3, 98. nach cod. pal. entsprungen, vgl. ein-ogo (monachus) jun. 238; kît-ac (gulosus, avidus) jun. 210. hrab. 965 a kît-agî (gula) hymn.; krât-ac (hians) jun. 211. hrab. 965 b 967 b ; kor-ac (miser, aerumnosus) gor-ag O. I. 10, 15. II. 9, 52. vgl. das goth. gaúrs (tristis); hant-ac (acer, ama- rus) doc. 217 b ; har-ac (lugubris) jun. 212; heil-ac (sanc- tus); hunkar-ac (esuriens) T. 82; jâmar-ac (moestus) O. IV. 34, 47. V. 23, 65; leid-ac (tristis); loup-ac (srondo- sus) un-ki-loup-ac (arens) doc. 241 b ; lust-ac (hilaris); man- ac (multus) un-man-ac (paucus); mand-ac (alacer) mons. 360; muot-ac (animosus) kann ich nicht belegen, muat- ikî (animositas) jun. 189. ist assim. f. muatakî; nôt-ac (coactus, vinctus) nôt-ag O. IV. 12, 126. un-nôt-ag III. 4, 71; ôt-ac (dives, locuples) K. 50 b T. 4, 7. 23, 1. aot- ac hrab. 959 a ôd-ag J. 383; pluot-ac (cruentus) hrab. 957 a mons. 407; rôƷ-ac vielleicht roz-ac (plorabundus) O. I. 18, 83. II. 16, 24. V. 5, 40; rust-ac (barbarus) rust-igju sanc (assim. f. rustagju) volkslieder, mons. 375, das subst. rustagî (barbaries) doc. 232 a , schwerlich nach dem lat. rusticus, vielleicht f. hrust-ac, vgl. hrustim Hild.; scam-ac (pudicus) un-scam-ac (infrunitus) jun. 211; sêr-ac (ama- rus) mons. 325. O. IV. 34, 44. V. 9, 44; flâf-ac (somno- lentus) K. 23 b ; snêw-ac (nivosus) gl. ker.; stûd-ac (ne- morosus) mons. 410; voraht-ac (timidus) jun. 256; vreid- ac (apostaticus) jun. 184, doch kommt von diesem adj. die îc-form häufiger vor; vrost-ac (algens) jun. 191; vuor-ac (cibo repletus, crapulatus) doc. 245 a ; wên-ac (miser, pauper, exiguus) entspringt aus wein-ac (deplo- randus, lugubris) hrab. 962 a jun. 213. mons. 410. O. IV, 26, 20. V. 6, 88; wîn-ac (vinolentus) gl. ker.; wîƷ-ac (sapiens) vora-wîƷ-ac (praescius) jun. 222. hrab. 971 b vgl. III. consonantische ableitungen. G. wîƷ-ako, später wîssage (propheta); wuot-ac (furiosus) jun. 207. 260; zorn-ac (iracundus) mons. 329. 335. 386. — Bei N. erscheint -ac geschwächt in -eg , unterscheidet sich aber noch von -îg , das vielleicht zuweilen in -ig , seltner in -ëg übergeht. Beispiele organischer -eg: durst- eg (sitiens) 35, 10. 41, 2. 62, 1, 2. 68, 22; gër-eg (avidus) 41, 3; gît-eg (rapax) 23, 2; gor-eg (pauper) 11, 6. 34, 10; gras-eg (herbosus); hand-eg (acerbus) 32, 8. 34, 3. 59, 6; harz-eg (resinosus); hunger-g (esuriens) 58, 7, 15. 106, 5, 38; leid-eg (afflictus) 34, 14. 37, 7. 41, 10. 76, 5. 89, 7. 106, 25; man-eg 3, 1. 34, 3, 17. 70, 20; muot-eg (iracundus)? wenigstens hat N. in einer ungedr. stelle muoteginâ (affectiones, quae cito pereunt); nôt-eg (coac- tus); riuch-eg (fumosus); riuw-eg (corde compunctus) 108, 16; scam-eg 24, 20. 30, 2, 18. 33, 6. 68, 7. 69, 3. un- scam-eg 24, 2; sêr-eg 12, 3. 68, 30; trûr-eg (tristis) 41, 6, 7. 68 21; vlîƷ-eg (diligens); wên-eg 31, 4. 37, 7. 81, 4. 87, 7. wîƷ-eg 9, 16. un-wîƷ-eg oder un-wiz-eg? (insi- piens) 73, 22; zorn-eg 94, 12. Allein neben dergl. -eg finde ich wenigstens in den psalmen zuweilen -ig, das darum noch kein -îg zu sein braucht, worüber uns erst die herausgabe der accente aufs reine bringen wird. So stehet durst-ig 106, 5; scam-ig 108, 29; wên-ig 74, 5; wuot-ig 28, 7. 33, 1; oft man-ig 3, 1, 3. 4, 6. 11, 9. 15, 4. 16, 4. 30, 14. 70, 7, 20 etc.; heil-ig 14, 1. 18, 10. 29, 5. — alts. in der E. H. sind -ag und -îg unterschieden, je- nes haben: crast-ag (potens) doch nur bamb., denn cott. gibt craft-îg; drôr-ag (cruentus): grâd-ag (vorax); hêl- ag (sanctus); muod-ag (iratus); man-ag (multus); sêr-ag (dolens) u. a. m. ags. muß die unterscheidung zwischen -ag und -îg aufgegeben werden, fur beide classen zeigen schon die ältesten denkmähler einförmiges -ig, kein -ag, -eg, -og. Ich nehme daher an, daß alle organischen -ag in die îg- form übergetreten sind und führe sie dort auf, obschon sich die länge des vocals bezweifeln läßt. Neben organ. -îg ein -ig (für -ag) anzunehmen wäre allzugewagt. Hier einige belege aus Beov. über wörter, denen offenbar die ag-form gebührt hätte: blôd-ig (cruentus) 182; eád-ig (felix); græd-ig 12. 115; man-ig 8. 32. 57. oder mon-ig 15. 65. 70. u. a. m. — altn. scheint der eigentliche organismus gleichfalls ge- stört, einziges überbleibsel der ag-form ist heil-agr (sanc- T 2 III. consonantische ableitungen. G. tus). Die andern alle schwanken zwischen -ugr und -igr, beispiele werden dort angeführt werden. Rask §. 365. hält -ig für alterthümlicher als -ug; das mag sein in wörtern, denen goth. -eig, ahd. -îc zusteht. In denen mit ursprüngl. -ag erkläre ich mir die verwandlung in -ug nicht anders als die des -all in -ull (1, 741. 2, 103.): aus dem fem. kröpt-ug bildete sich auch ein masc. kröpt- ugr statt krapt-agr. Noch ist zu merken, daß die altn. sprache den ableitungsvocal häufig ganz ausstößt, zumahl in solchen, so viel ich sehe, die ursprüngl. -ag hatten; das u oder i welches goth. -ei vertritt, scheint etwas fester. So findet sich neben heil-agr, höf-ugr, nauð- ugr, dreyr-ugr, môð-ugr, mâl-ugr, ur-igr verkürzt hel-gr, höf-gr, nauð-gr, dreyr-gr, môð-gr, mâl-gr, ur-gr, wo- bei die zutretenden flexionen ihren einfluß ausüben. Ja ein sehr gebräuchliches adj. kommt nur ohne den vo- cal vor, nämlich mar-gr (multus), das mit dem goth. man-ags, ahd. man-ac einerlei sein muß; n verwandelte sich in r nicht unähnlich wandeln die Serben dasselbe wort mnogi in mlogi, doch wohl aus anderm anlaß. , weil man-gr von dem compos. man-gi (nemo) schwer zu unterscheiden gewesen wäre. Die Schweden setzen aber neben mar-g bisweilen mån-g. — mhd. erscheint die volle endung -ac nirgends mehr, abgesehen von dem aus wîƷac misverstandnen subst. wîs- sage, wîs-sage (st. wîƷ-ege, wie oben s. 107. ehte-sal, irre- sal, st. ehtesel); sondern dafür die abschwächung -ec. Da aber auch die ableitung -îc in -ëc, -ec verdünnt wor- den ist, so verschwimmen beide endungen ineinander, d. h. es wird für beide ein gleichlautiges -ec oder -ic geschrieben, Wolfr. reimt Wilh. 111 a gîtec: strîtec (ahd. kîtac, strîtîc). Welche schreibung den vorzug verdiene, -ec oder -ic? muß wohl für einzelne dichter ausgemit- telt werden. Bei einigen kommen zuweilen noch be- tonte -îc, -ìc, -ìgen vor (beispiele stehen 1, 368. und deshalb sind die -ic nicht ganz aufzugeben; andere, na- mentlich Wolfr., scheinen nur -ec zu kennen. Den or- ganischen unterschied zwischen -ac und -îc auch in die- ser periode zu erfaßen, dient also 1) bei umlautbaren der umlaut; wo er mangelt ist ein altes -ac, wo er ein- tritt, ein altes -îc zu vermuthen. Doch jenes leidet die bekannten ausnahmen, in welchen die mhd. sprache den umlaut meidet, namentlich bei wurzelhaftem ou, ung, III. consonantische ableitungen. G. uld: geloub-ec, schuld-ec etc. gehören, ihrem unumlaut zum trotze, der îc-form an. 2) bei unumlautbaren ent- scheidet die analogie des ahd. z. b. gît-ec, ein-ec, wên- ec fallen der ac-form heim, will-ec, nîd-ec der îc-form, womit ich für einzelne wörter und dialectisch übergänge aus einer in die andere nicht ableugnen will, z. b. da schon im ahd. N. heilig oder heilîg f. heileg zuläßt, so verdient auch Hartmanns heilìgen: verswigen Jw. 58 a entschuldigung. 3) bei Wolfr. könnte eine mir von Lachm. mitgetheilte metrische regel aufschluß geben: in der penultima duldet er vor vocalisch anlautendem stumpfreim das -ec unserer adj. (vorausgesetzt, daß die wurzel lang sei,) nur wenn die urform -ac war, nicht wenn sie -îc war, in welchem falle -eg stehen muß. So z. b. schließt der vers: bluot-ec ist, zorn-ec ouch (nicht bluot-eg ist, zorn-eg ouch) hingegen: genæd-eg ist, sæl- eg ouch (nicht genæd-ec ist, sæl-ec ouch). Das wäre nachwirkung der alten länge in -îc, welche die media zwischen den zwei vocalen hervorruft: sælegist, während die alte kürze -ac kein verschmelzendes bluotegist erlaubt, sondern das -ec mehr mit der wurzel verbindet: bluotec ist. Inzwischen hilft die regel für unsere anwendung we- nig, da die beispiele wohl nur wörter darbieten, deren -ac oder -îc schon aus andern gründen feststeht; eher könnte sie lehren, daß Wolfr. in einzelnen adj. der un- org. form huldigte, z. b. wenn er schuldec ist sagt statt schuldeg ist, so folgt daraus für ihn ein schuldec = scul- dac statt schuldec = sculdîc. 4) auf die analogie der be- deutungen, da diese noch nicht gehörig bestimmt worden sind, ist sehr behutsam zu bauen. — Dies vorausgeschickt, laße ich die mhd. adj. der ac-form folgen: er-barm-ec (misericors) Wigal.; bluot-ec (cruentus); dorn-ec (spino- sus); durst-ec (sitiens); ein-ec (unicus); eiter-c (veneno- sus)? oder zur îc-form? Mar. 215. eitir-gem; gras-ec (herbosus); gît-ec (avidus); haft-ec in ê-haft-ec Barl. 387. teil-haft-ec; hand-ec (acer) Herb. 76 d ; heil-ec; hunger-c; jâmer-c Wigal. Parc.; ge-lang-ec Trist.; leid-ec; durch- liuht-ec; loub-ec (frondosus); lust-ec, ver-lust-ec; man- ec, un-man-ec; mord-ec (occisorius) Wigal.; muor-ec (pa- ludinosus) Parc. 97 a ; muot-ec; vruot-ec Tit. un-muot-ec: wuot-ec Wilh. 3, 24 a , wuot-ec Reinfr. 43 d ; narr-ec (stoli- dus) Bon.; nôt-ec (coactus); pfaff-ec, geschloßen aus pfaffec- lîche Barl. 398; harnasch-ram-ec Parc. 99 a ; riuw-ec; stoub- ec (pulverosus); snêw-ec; sweiƷ-ec Gudr. 78 a ; touw-ec (ro- rulentus); trûr-ec (tristis); -valt-ec, ein-valt-ec, drî-valt-ec; III. consonantische ableitungen. G. visch-ec (piscem olens) Parc. 118 b ; vlîƷ-ec (solers); vluot-ec (fluctuans): wuot-ec troj. 151 b (wo zu lesen über-vluot- ec) fragm. 45 a : bluot-ec Apollon. 11481; ge-volg-ec (obe- diens); vorht-ec (pavidus) MS. 2, 152 a Barl. vorhtec-lich; vrost-ec (algidus); ge-walt-ec (potens); ver-was-ec Wi- gam. 12 a ; wên-ec (paucus); wuot-ec (furiosus) troj. 151 b ; zart-ec (delicatus) gefolgert aus zarteclich; zorn-ec. E i - nige darunter könnten vielleicht îc ohne umlaut haben: valt-ec, gewalt-ec, zart-ec? nhd. hat sich, da sonst organisches i in vielen ableitun- gen (namentlich -il, -ir, -in, des adj., -it, -id) zu e verdünnt ist, dieser vocal in den ableitungen -ig (wie in -ich, -icht, -in des subst.) erhalten und selbst in die -eg, welche ursprüngl. -as waren, eingedrängt, ohne jedoch hier den umlaut nach sich zu ziehen. Kennzeichen sind daher wieder der unumlaut und die analogie des ahd. und mhd., wiewohl diese oft abgeht, der umlaut aber von den neuern willkürlich oder gar nach eingebildeten gründen es kann z. b. nichts verschlagen, ob das subst., von wel- chem das adj. hergeleitet wird, im pl. umlaute oder nicht, und doch haben einige deshalb lang-arm-ig neben lang-händ-ig aufge- stellt; lang-ärm-ig sollte es heißen, wie langnæsig, langhälsig, tief- ängig, hochbrüstig, langöhrig, kurzfüßig etc. gesetzt und nicht ge- setzt zu werden pflegt. Beispiele: art-ig; ast-ig; blûm- ig; blût-ig; dorn-ig; dust-ig; durst-ig; eifer-ig; eiter-ig; falt-ig; farb-ig; frost-ig; geiz-ig; gras-ig; graus-ig; ge- halt-ig; hâr-ig: harz-ig; heil-ig; hunger-ig; jammer-ig; klotz-ig; laub-ig; durch-laucht-ig; laus-ig; lust-ig, ver- lust-ig; mast-ig; mann-ig, verkürzt man-ch; mût-ig; narr-ig; rauch-ig; reu-ig; rôs-ig; rôst-ig; rotz-ig; rûh- ig; salz-ig; sand-ig; schaur-ig; schatt-ig; scholl-ig; schuft- ig; schwamm-ig; schnê-ig; sonn-ig; staub-ig; ge-stalt-ig; hals-starr-ig; strotz-ig; sumpf-ig; traur-ig; trotz-ig; thau- ig; wald-ig; gewalt-ig; wên-ig; zorn-ig u. a. m. ich getraue mir nicht aus der älteren sprache alle zu erweisen, einige sind offenbar ganz neu. Richtig gebildet scheint hoch- alter-ig, fehlerhaft hoch-bûs-ig (st. hochbûsnig) da wir bûsen, nicht bûse sagen, wie wolke f. wolken, weshalb wolk-ig beßer ist. Wo der umlaut in etwas andern be- gründet liegt, z. b, in dem plural-er: blätter-ig, ränder- ig; zwei-ræder-ig wäre immer noch ac-form möglich, obschon ich keinen beweis, höchstens die analogie von laub-ig (loup-ac) beibringen kann. Den offenbar moder- III. consonantische ableitungen. G. nen bildungen aus partikeln, wie dort-ig, ôb-ig, vôr-ig (im unedlen geschästsstil auch unt-ig, dâs-ig f. dâ-ig, des- falls-ig) gibt man keinen umlaut; doch können weder sie, noch alle ähnlichen unumlautbaren, z. b. hies-ig f. hie-ig, (wobei keine wandlung des r in s, hier in hies, möglich ist) auch nicht die von den possessiven geleiteten mein-ig, dein-ig etc. auf organische ec oder îc-form anspruch machen. In volksmundarten finden sich andere beispiele unumlautender oder des umlauts unfähiger adj. auf -ig, vgl. Schm. §. 1034. — Die nnl. sprache liefert zwar viele adj. auf -ig, ist aber, weil sie überhaupt keinen umlaut zuläßt, unfrucht- bar für die unterscheidung der alten -ag und -ig. 3) verba der ag-form. α ) starker form , bloß mit dunkler ableitung; fân-ga (nr. 18.) hân-ga (nr. 19.) bil-gan (nr. 355.) svil-gan (nr. 356.) blig-gvan (nr. 410.) sig-gvan (nr. 411.) þrin-gan (nr. 412.) brin-gan (nr. 413.) þvin-gan (nr. 414.) sprin- gan (nr. 415.) svin-gan (nr. 416.) krin-gan (nr. 417.) stin- gan (nr. 418.) vrin-gan (nr. 419.) þin-gan (nr. 420.) flin- gan (nr. 421.) klin-gan (nr. 422.) lin-gan (nr. 423.) flin- gan (nr. 424.) strin-gan (nr. 425.) rin-gan (nr. 426.) baír- gan, ahd. për-akan (nr. 446.) til-gan (nr. 583.) fin-gan (nr. 603.) gin-gan (nr. 604.) hin-gan (nr. 605.) tin-gan (nr. 606.) bin-gan (nr. 607.) aír-gan (nr. 622.) kaír-gan (nr. 623.) vaír-gan (nr. 624. — β ) erster schwacher conj. , wiederum nur dunkler ableitung, theils aus den starken herfließend, z. b. die mhd. spren-gen, klen-gen, dren-gen, twen-gen etc. theils ver- lorne stämme voraussetzend z. b. pfren-gen, men-gen etc. Ableitenden vocal zeigt noch das ahd. scur-akan (tru- dere, propellere) praet. scur-ucta doc. 234 a f. scur-acta (scur-akita) neben scur-kan hrab. 972 b 973 b jun. 244. mons. 364; nhd. schür-gen; auch ant-lin-kan, ant-lin-gen (respondere) T. gehört hierher. γ ) zweiter , dritter schwacher conj. a) dunkler ab- leitung: ahd. por-akên (cavere) K. mhd. bor-gen; scor- akên, scor-akôn? (propellere) doc. 233 b wo-das part. scor- aguntên; sor-akên (angi) mhd. sor-gen; stran-kên (cor- roborari); vol-kên (sequi) mhd. vol-gen; vgl. die mhd. wal-gen, wor-gen, sol-gen u. a. — b) von adj. der ag- form: heil-akôn (sanctificare) ki-heil-igôn jun. 215. gî-heil- igôn N. 106, 22; leid-akôn (accusare) leid-ogês (accuses) mons. 352: leid-egôst N. 143, 6; rost-akên (aeruginare) doc. 232 a III. consonantische ableitungen. G. pluot-akên (sanguinare) mons. 357; sêr-akôn (macerare, vul- nerare) mons. 362. 365. 379. N. 143, 6. doc. 234 b wo gi- fêrigôt; wîƷ-akôn T. 4, 14; vielleicht lust-akên (delectari)? welches aus lust-ogês (delecteris) mons. 350. nicht sicher zu entnehmen ist, da dieses für lustôês, lustôs stehen könnte (1, 875) wie offenbar zanôgê (dilaniet) doc. 245 b plôdê- gên (pavescant) ibid. 229 b f. zanôê, plôdêên, ir-geilisôgê (insolescat) mons. 360. f. irgeilisôê mithin keinen inf. za- nagen, plodagên, irgeilisogên beweisen meinen irrthum zi-ahharagên (1, 880.) hat Graff praep. p. 261. berichtigt. , Alts. be-drôr- agan (mori). Mhd. schimel-gen (mucere) MS. 2, 68 b . Nhd. ein-igen: be-fleiß-igen; heil-igen; be-leid-igen; er-lust-igen; er-muth-igen; be-ruh-igen; ver-ge-walt-igen. — Altn. verba dieser art sind: auð-ga (locupletare) blôð-ga (cruentare) hel-ga (sacrare) doch läßt sich in einigen andern das -g nicht aus dem adj. herleiten, sondern scheint, wie vor- hin s. 283. das -k, eigne, den übrigen sprachen man- gelnde verbalbildung, vgl. blôm-ga (florere facere) frióf- ga (foecundare) fiöl-ga (multiplicare) lîf-ga (refocillare) u. a. m. — anmerkung: einzelne -ag sind unter den ableitungen zu suchen, die ihnen weiter hinzutreten, z. b. ahd. hun- kar (fames) mor-akan, mor-gen etc. [IG] diese ableitung läßt sich, wie schon gesagt, nicht unter die organischen zählen. Falsches -ig entspringt aber: 1) aus organischem -ac, -ic; so in den ags. subst. bod- ig, if-ig (vorhin s. 280.) im nhd. eß-ig (s. 284.); vgl. auch wit-ige (s. 284.) 2) aus organ. -ang, -ing, durch auswerfung des na- sallauts; so ahd. hon-ec (mel) J. 389. K. 16 a hon-ag, hon-îg (?) Hagen 34. (vgl. 1, 120.) freckenh. han-ig, agf. hun-ig, mhd. hon-ec, nhd. hôn-ig, engl. hon-ey, gegenüber altn. hun-âng, ahd. hon-ang bei Notker. Desgl. mhd. kün-ec, nhd. kœnig (rex) st. des ahd. chun-inc, altn. kun-ûngr, nnl. kon-ing; nhd. pfenn-ig neben und statt pfenn-ing noch einige andere subst. auf -ig geben verdacht, z. b. das ags. bôs-ig (praesepe) nhd. zeis-ig (acanthis) f. zîs-inc oder zîs- ich? ahd. chluurigo (cicerulae) doc. 206 a f. chihhurjûn? ; nhd. ver-theid-igen, das aus ver-tage-dingen entspringt. In allen diesen -ig kann nie -îg angenommen werden. III. consonantische ableitungen. G. Umgekehrt ist das org. -ec, -îc einzelner adj. mitunter in -inc verkehrt worden, vgl. mhd. wên-inc Barl. (doch nie im reim) f. wên-ec; grimm-inc Flore 18 c : jungeline wo aber die lesart verfälscht scheint (? sîn gerinc); ni- hein-inga f. ni-hein-îga stehet T. 196, 1. 3) aus organ. -ag, -îg im altn. ags. nhd. adjectiv, zu- weilen auch im ahd., in fällen, wo man kein langes î annehmen darf. Beispiele folgen unten. 4) die composition der zahlwörter mit -tigus, -zuc, -zec, -zig (decas) hat nur bei oberflächlicher betrachtung den schein eines ableitenden -ec. -ig, zweinz-ec, drîƷ-ec, da es doch zwein-zec, drî-Ʒec (st. drî-zec) heißt. [UG] hierher fällt das ahd. masc. har-uc, pl. har-ukâ, (delubrum, fanum, idolum, lucus), ein nur in den älte- sten glossen stehendes, zum heidenthum gehöriges wort, hrab. 959 a 963 b 969 a jun. 212. (wo haragâ assim. f. ha- rugâ) 214. (wo haruch f. haruc). Ags. hëar-g, hëar-h; altn. hörg-r, pl. hör-gar (nicht her-gir, zum zeichen, daß das u vor, nicht nach dem g ausfiel). In der lex ripuar. stehet mehrmahls: in haraho conjurare, an feier- licher stätte schwören. Ferner ist dieser bildung das altn. elsk-ugi (amor, amator) schwed. elfk-og; dän. elfk-ov; das ahd. mêr-ugi? mër-ugi? (frutex) mons. 354. verstehe ich nicht; pur-uc halte ich für assim. aus pur-ac. Von adjectiven auf -ug hat die altn. sprache eine menge und sie, meiner ansicht nach (s. 292.) aus org. -ag zum theil -îg entstellt; beispiele: blôð-ugr (cruentus); dreyr-ugr (idem); grâð-ugr (gulosus) göf-ugr (nobilis, largus); hâr-ugr (crinosus); heipt-ugr (vindictae cupidus); hönd-ugr (dexter); hörd-ugr (trux); kröpt-ugr (potens); kunn-ugr (gnarus); leir-ugr (lutosus); lûs-ugr (pediculosus); mâl-ugr (loquax); mold-ugr (pulverolentus); môð-ugr (ani- mosus); mynd-ugr (majorennis); nâð-ugr (clemens); nauð- -ugr (invitus); nert-ugr (pulcer); öfl-ugr (robustus); râð- ugr (peritus consilii); sinn-ugr (cordatus); skörn-ugr (sor- didus); sôt-ugr (fuligineus); târ-ugr (lacrimans); þol-ugr (patiens); vërð-ugr (dignus); vit-ugr (sapiens). [EIG] ahd. -îc, bloß adjectiva, aus ihnen gezogene feminina (ïdreiga? vgl. unten bei ïdreigôn) und verba. III. consonantische ableitungen. G. goth. gab-eigs (dives); maht-eigs (potens); anda-nêm- eigs (excipiens) Tit. 1, 19; sin-eigs (senex) Luc. 1, 18; þiuþ-eigs (bonus); ga-vaírþ-eigs (pacificus). — ahd. gibt es ihrer weit mehrere, als der auf -ac, da ich dort den N. besonders aufgezählt habe, so thue ich es auch hier: anst-îc, enst-îc (benignus) hrab. 955 a , cuat- enst-îc (eucharis) jun. 188, ab-anst-îc (invidens) K. 52 b , ab-unst-îc (aemulus) doc. 202 b ; chreft-îc (gravis, potens) mons. 350. 361. un-chrest-îc K. 42 b ; chûm-îc (infirmus) T. 135. O. III. 4, 31; chumft-îc (venturus) hymn.; chunst- îc (gnarus) jun. 207. un-chunst-îc (rudis) mons. 331 380; ar-chust-îc (fraudulentus) hrab. 960 b un-chust-îc (impu- rus) mons. 387. doc. 241 a ; ana-dâht-îc (attentus) doc. 201 b ; eli-diot-îc (barbarus) J. 393. jun. 235; diuv-îc? diup-îc (furtivus) doc. 208 a ; ur-druƷ-îc (molestus) jun. 213; un-dult-îc (impatiens) hrab. 966 b ; duruft-îc (indi- gens) K. 45 a T. 18, 2; eht-îc (avidus) jun. 233. (dives) hrab. 959 b (idoneus) mons. 392; ein-îc (ullus, aliquis, quis- piam) K. 29 b 38 a.b. J. 374. 379. jun. 174. hrab. 958 b 976 b T. 53, 4. 62, 6. O. II. 7, 94; emaƷ-îc (frequens, ju- gis) K. 39 a jun. 178. 209. mons. 358; and-îc, ent-îc (emi- nens, von andi frons, nicht von enti finis) kommt nicht allein vor, sondern in folgenden comp. opan-ent-îc, opan- ont-îc (centralis, summus, supremus) jun. 179. doc. 227 a T. 14, 4. 209, 1. O. II. 8, 72. nidan-ent-îc mons. 321. ûƷan-and-îc (extremus) jun. 192. vorn-ent-îc mons. 324. 331; êw-îc (aeternus) K. 15 a 17 a 23 b J. 374. 379. jun. 246. êwîn-îc K. 24 b O.; lîhham-haft-îc (corporeus) phys. (ger- manus) mons. 383; ki-halt-îc (parcus) mons. 389. ê-halt-îc (religiosus) jun. 189. 191; hep-îc (gravis) mons. 367. un- ki-hep-îc (lubricus) doc. 223 a , aber T. 40, 2. 138. schreibt hev-îg, hef-îg (molestus) O. heb-îg; ki-henk-îc (consen- tiens) T. 27, 2; heift-îc (vehemens) nhd. heft-ig. von dem oben s. 195. 196. übersehenen fuhst. heist (iracundia)? altn. heipt. O. III. 13, 11. wenn für heistîgo zu lesen ist heistîgo?; mana-heit-îc (multus, liberalis) mons. 336. 352. 382; ki-hirm-îc (tranquillus) un- ki-hirm-îc (insolens) doc. 241 b ; ki-hôr-îc (obediens) J. 355. 383; ki-huct-îc (memor) K. 20 b , pi-huct-îc (sollici- tus) K. 22 a 27 a hrab. 974 b , upar-huct-îc (superbus) T. 4, 7; huor-îc (meretricius) jun. 236; zui-jâr-îc, drî-jâr-îc, finf- jâr-îc doc. 220 b T. 10, 1. jun. 173. mons. 362; îl-îc (dili- gens) jun. 293. mons. 359; kep-îc (opulentus) kep-îkî (opu- III. consonantische ableitungen. G. lentia) doc. 204 b ; duruh-kenk-îc (obstinatus) doc. 240 a mons. 40; hôh-kir-îc (altipetax) doc. 219 b ; vilo-chôs-îc (magniloquus) doc. 206 a ; lanz-îc (vernus) doc. 222 a ; ki- loub-îc (fidelis) K. 28 a ; ant-lâƷ-îc (praestabilis, inclinatus) mons. 343. 378. 396; leid-îc (odiosus) doc. 222 b ; leim-îc (argillosus) doc. 222 b mons. 328; list-îc (artificiosus) mons. 389. hinter-list-îc (versutus) doc. 219 a ; virin-lust-îc (luxu- riosus) T. 97; maht-îc, un-maht-îc K. 23 a 40 a 49 a hrab. 952 b 967 a al-maht-îc J. 340. 344. 346; meist-îc nur als adv. praesertim, maxime jun. 219. O. IV. 12, 19; mek- in-îc (valens) J. 363. jun. 192; un-meƷ-îc (immoderatus) K. 44 b jun. 214; un-ki-mëƷ-îc (incomparabilis) mons. 358; upar-muot-îc (superbus) J. 348. ôt-muot-îc (humilis) J. 375. T. 4, 7; muoƷ-îc (otiosus, lentus) mons. 357. 385; ka-nâd-îc (clemens) hrab. 956 a T. 32, 8. un-ka-nâd-îc hrab. 967 a ; nîd-îc (subdolus, invidiosus) J. 404. jun. 260. O. V. 23, 107; vir-numfst-îc (capax) jun. 256. vir-nunst- îc (ingeniosus) mons. 353. nôt-nunft-îc (violens) T. 64, 10; oft-îc (frequens) T. 63, 3; palaw-îc (pestilens) mons. 351. un-palaw-îc (innocens) J. 404; nôt-pent-îc (vinctus) T. 199, 1; un-bâr-îg W. 4, 2. danh-pâr-îc (gratiosus) mons. 351. un-lastar-bâr-îg O. III. 17, 132. un-wërah-pâr-îc (in- tempestus) mons. 328; pir-îc (docibilis) T. 82; widar-pirk-îc (arduus) K.; pruƷ-îc (fragilis) O. II. 12, 66; widar- pruht-îc (rebellis) J. 383. mons. 355. 386; un-puohh-îc (idiota) jun. 211. hrab. 968 a ; ki-pulaht-îc (iracundus) jun. 173; â-pulg-îc (furiosus) jun. 182; ana-purt-îc (genuinus) vuri-purt-îc (parcus) mons. 355. (longanimis) hrab. 953 b ; un-ki-rist-îc (indignus, impar) doc. 241 b mons. 379. 384; ki-ruor-îc (floridus, viridis) mons. 351. 390. 394; sâl-îc (beatus); ant-sâƷ-îc (erectus, suspectus) mons. 384. doc. 202 a ; jâr-sâm-îc (annosus) jun. 234; hintar-screnh-îc (versutus) mons. 351; scult-îc (reus) K. 29 b jun. 216. T. 26, 1. un-sculd-îc hrab. 964 b ; zëhan-seit-îc mons. 349; lop-sink-îc (hymnidicus) mons. 392; un-sit-îc (malemora- tus) O. V. 25, 242; ouc-siun-îc (evidens) mons. 364. doc. 227 b ; it-flaht-îc (recidivus) aug. 124 b ; sliun-îc (citus) doc. 235 a pi-siun-îc jun. 228; spât-îc (serotinus) jun. 175; grâ- ne-sprung-îc (juvenis); spuot-îc jun. 181; stât-îc, (stabilis) K. 24 b 53 b 56 a mons. 335. un-stât-îc mons. 347. 384. 385; widar-stent-îc (repugnans) mons. 385; stet-îc (fixus) O. V. 17, 62; stirp-îc (morticinus) jun. 213; strît-îc (contentiosus) mons. 374. ein-strît-îc (contumax) jun. 236. 259; suht-îc (morbidus) K. 39 a T. 243, 4. mânôt-suht-îc (menstruus) mons. 322; var-sûm-îc (desidiosus) jun. 257; sunt-îc (pec- III. consonantische ableitungen. G. cator) K. 18. T. 32, 5, un-sunt-îc jun. 181; suntar-îc (pri- vatus, peculiaris, vernaculus) J. 365. K. 32 a 46 a jun. 204. 254. T. 86. mons. 346; êr-tak-îc (antelucanus) doc. 210 a mitti-tak-îc (meridianus) mons. 357; ab-trunn-îc (apo- stata) mons. 378. doc. 201 a ; truht-îc (pronubus) doc. 240 a ; tuâl-îc (morosus) jun. 259; upp-îc (otiosus) K. 26 a ubb-îg O. V. 1, 36; vall-îc, vell-ic (declivis) mons. 340. 381; manac-valt-îc (multiplex) mons. 347; ant-vank- îc, ant-venk-îc (acceptus) K. 25 b mons. 404; vart-îc, vert-îc (expeditus) mons. 319. doc. 240 b ; viƷus-îc, viƷis- îc (astutus) mons. 331. 351; vlîƷ-îc (diligens) O. I. 1, 214; vorn-îc (antiquus) hrab. 955 a ; vilo-vrâƷ-îc (edax) doc. 240 b ; vilo-vreht-îc (emeritus) ibid.; vreid-îc (profugus, apostata) K. 44 b jun. 217. hrab. 954 a doc. 212 a , doch jun. 184. stehet freidaken (apostaticum) f. freidekan?; vrum-îc (efficax) doc. 212 a ; ki-walt-îc, gi-welt-îg O. I. 3, 85. IV. 23, 73; wint-warap-îc (ventosus) mons. 413; in-wart-îc (intimus) mons. 369. 388. aftar-wart-îc (retro vergens) mons. 345. kakan-wart-îc (praesens) gegin-wert-îg O. II. 14, 134; wahsam-îc, wasm-îc (fertilis) hrab. 951 a ; will- îc (ultroneus, devotus) J. 364. jun. 231. 238. ki-will-îc (intentus) mons. 396. ein-will-îc (pertinax) jun. 222. wo- la-will-îc (benevolus) hrab. 955 a O. III. 10, 34. upil-will- îc (malevolus) O. III. 17, 14; wintir-îc (hiemalis) O. III. 22, 6; wird-îc (dignus) K. 29 b 20 a 56 b mons. 319. T. 13, 23. 44, 6. êr-wird-îc (celeber, gloriosus, religiosus) J. 408. hrab. 951 b 956 a jun. 224; tiuvol-winn-îc (daemoniacus) mons. 337. 391; wiz-îc (sensatus) mons. 351; ki-wurt-îc O. II. 8, 71; in-ziht-îc (zelotypicus) mons. 356; zuht-îc (foetus) mons. 335. doc. 246 b , aftar-zuht-îc (postfoetans) mons. 349, un-zuht-îc (indisciplinatus) mons. 353; ki-zumft- -îc (conveniens) T. 189, 2; zuom-îc (vacuus) T. 57, 7. — Nachstehende sind aus N., ich gebe allen -îg, obwohl er (und wohl schon O.) mitunter -ig zu schreiben scheint: bir-îg (fer- tilis) 1, 3. 51, 10. 67, 17. 127, 3.; burt-îg (nativus) 44, 11. ërd- burt-îg (terrigena) 48, 3. fure-burt-îg (? magnanimus, loco celso natus) 32, 16. anderwannen-burt-îg (alienigena) 82, 7; wider-bruht-îg (resiliens) 100, 7; chel-îg (afflictus); chumft-îg (futurus); un-chust-îg (dolosus) 108, 1; ge- dult-îg 91, 15; dunist-îg (procellosus) 106, 25; durft-îg 15, 2. 34, 10. 69, 6; oben-eht-îg (summus) 45, 3. auch oben-aht-îg 18, 7. 71, 16. beide für oben-ent-îg, -ant-îg?; êw-îg; ge-vell-îg (opportunus) 31, 6. undanc-fell-îg (in- gratus) 77, 1; siben-falt-îg 80, 4; fâr-îg (dolosus) 16, 12; fesel-îg (prolificus) 143, 13; hôh-fert-îg (superbus) 74, 7; III. consonantische ableitungen. G. ke-folg-îg (sequens) 36, 6. rëht-folg-îg 65, 2; freis-îg (terri- bilis) 7, 1. 9, 18. 25, 2. 69, 4. 103, 26; zîtsrist-îg (temporalis) 11, 9; rëht-frum-îg (justus) 100, 1; geist-îg 12, 5; gëster-îg (hesternus) 89, 4; grias-îg p. 263 a , 10; ze-samene-hab-îg 96, 1; ein-lîcham-îg (incorporatus) 68, 36; ke-heng-îg 68, 11; wider-hôr-îg (inobediens) 81, 2. ge-hôr-îg (obe- diens) 39, 4; hiut-îg (hodiernus) 142, 2; ke-huht-îg (me- mor) 8, 15. 19, 4. 76, 12. un-ge-huht-îg (imm.) 87, 13; jiht-îg (confitens) 6, 6. 51. 11. ein-jiht-îg 54, 14; mitte- land-îg (mediterraneus) 71, 8; ant-lâƷ-îg 17, 33; fer-leit- îg (seducens) 67, 31; un-lîd-îg (impassibilis) 83, 12; un- ge-loub-îg 17, 33; ge-lust-îg 72, 21; frido-mach-îg (pa- cificus) 36, 37; maht-îg 23, 8; mâƷ-îg (moderatus) 72, 6; arm-muot-îg 68, 30. (vgl. oben s. 256.) ein-muot-îg 67, 2. die-muot-îg 17, 28. lint-muot-îg 95, 18. lang-muot-îg 102, 8. starc-muot-îg 68, 30. truob-muot-îg 67, 6; muoƷ-îg (otiosus) 49, 20; nend-îg (audax) 34, 26; niet-îg (cupi- dus) ke-nuht-îg 67, 16; fer-numeft-îg 13, 2; ein-rât- îg (concors) 40, 8; rûd-îg (scabiosus) 48. 15; sâl-îg 109, 1; ant-sâƷ-îc 11, 5; neiƷe-sel-îg (afflictus) 43, 20. warta-sel-îg (corruptibilis) 37, 5, über beide vgl. oben s. 108; seit-îg (chordatus) 32, 2; ant-seid-îg (excusabilis) aus ant-segid-îg; ana-siht-îg 81, 1. durch-siht-îg 16, 2. ver-siht-îg 10, 9. un-ge-siht-îg 41, 5; sinn-îg (intelligens) 46, 8; sit-îg 85, 5; oug-siun-îg 42, 5; rëht-sceid-îg (schis- maticus) 54, 22; skiht-îg (fugax) 67, 2; hinter-scrench- îg 11, 3. 42, 1; scëf-souf-îg (naufragus) 91, 6; spenst-îg (alliciens) 67, 31; spuot-îg, fram-spuot-îg (citus, prosper); stât-îg (stabilis) 30, 14; stirb-îg (mortalis) 18, 14. 72, 9; suht-îg 106, 25; sund-îg; sunder-îg 21, 22. 32, 15. 55, 11; uber-sueif-îg (abundans) 24, 17; mitte-tag-îg 90, 6; arg-tâht-îg (nequam) 21, 17. 25, 5. 27, 4; michel-tât-îg (magnificus) misse-tât-îg 21, 2. 74, 5. ubel-tât-îg 6, 9; zên-teil-îg 143, 9; tôd-îg (mortalis) 15, 3. 29, 8. 74, 5; tuged-îg 32, 16. 61, 10; ir-b-unst-îg 36, 12; upp-îg 30, 7; ge-walt-îg 44, 4. 71, 12. sëlp-walt-îg (liber) 37, 21. 86, 16; uber-wân-îg (superbus) 68, 36; un-weg-îg (im- mobilis) pag. 260 b , 16; wend-îg (declinabilis) un-wend-îg (immutabilis) 41, 5; gegen-wart-îg 59, 12. wider-wart-îg 25, 2. 30, 7. 59, 12; â-wërf-îg (reprobus) 78, 12; ab- wërt-îg 108, 24. fram-wërt-îg 67, 20. in-wërt-îg 36. 25. 109, 1. ûƷ-wërt-îg 59, 12; will-îg 29, 10. 67, 10. arg- will-îg 10, 15. 34, 17. 36, 1, 63, 6. gërno-will-îg 36, 9. guot-will-îg 61, 5. sëlb-will-îg 36, 9. übel-will-îg 63, 6; wir-îg (firmus) 72, 4. un-wir-îg (indurabilis) 38, 7; III. consonantische ableitungen. G. wird-îg (dignus) lobe-wird-îg 104, 3; wiz-îg (sapiens) 106, 43. un-wiz-îg (ignorans) 13, 1. 38, 9. 70, 2; michel- wurch-îg (magnificus) 95, 6; zâl-îg (dolosus) 25, 2. 139, 3; zît-îg (tempestivus); un-zuht-îg 24, 18. — alts. -îg oder schon -ig? gi-bith-îg (futurus, exspec- tandus); craft-îg neben crast-ag; ên-îg (ullus); êw-îg; gi-hôr-îg (obediens); hriw-îg (poenitens); gram-hugd-îg (moestus); maht-îg; gi-nâth-îg; sâl-îg, lof-sâl-îg; sculd-îg; strîd-îg (contentiosus); thult-îg; guod-will-îg; rëht-wîs-îg (justus); wird-îg; wlit-îg (pulcher); sith-wôr-îg (fessus itinere) u. viele andere. — ags. fallen in -ig, das ich für -îg zu nehmen mir nicht getraue, die organ. -ag und -îg untereinander, doch pfle- gen die -ig für -ag keinen umlaut zu haben (môd-ig, nicht mêd-ig). Beispiele: æn-ig (aliquis) næn-ig (nullus); blôd-ig (cruentus); bys-ig (occupatus); clud-ig (saxosus); cräft-ig; dreór-ig (lugubris); dyrst-ig (audax); dys-ig (stultus); eád-ig (felix); græd-ig (inhians); hâl-ig (sanctus); horv-eg (sor- didus); hrad-ig (citus); hrêm-ig (compos); hrëóv-ig (poe- nitens); hyd-ig (cautus) f. hygd-ig, ân-hyd-ig (pervicax); mêð-ig (fessus); lyt-ig (astutus); miht-ig, ëal-miht-ig; mist-ig (tenebrosus); môd-ig (animosus); mon-ig (mul- tus); ge-mynd-ig (memor); myr-ig (jocundus); om-ig (rubiginosus) Beov. 205. 226; riht-ig; sæl-ig; salov-ig (lu- ridus); sâr-ig (tristis); synn-ig (scelestus) Beov. 105; scyld- ig; spêd-ig (prosperus); stæd-ig (sterilis); svât-ig (cruen- tus); tëar-ig (lacrimosus); el-þëód-ig (peregrinus) Beov. 28; þyld-ig (patiens); vël-ig (dives) Beov. 194; ver-ig (malignus); vêr-ig (fessus); vind-ig (ventosus); vit-ig (sapiens); vorð-ig (dignus) u. a. m. — altn. findet sich zuweilen -igr statt -ugr, offenbar un- organisch geschrieben, weil kein umlaut dabei ist: blôð- igr, heipt-igr, nauð-igr, môð-igr etc. — mhd. schwankend -ec und -ic, ich setze ersteres: æn-ec (orbatus) MS. 1, 68 a troj. 19 c ; benn-ec (banno damnatus) M. S. 2, 185 b ; bend-ec a. Tit. 110. un-bend-ec Wilh. 2, 173 b ; bir-ec (ferax); brœd-ec gefolgert aus brœdec-heit, brœd- ec-lich; wider-brüht-ec MS. 2, 128 a ; kiel-brüst-ec MS. 2, 133 b , nider-brust-ec: verlust-ec Wilh. 2, 75 b ; gebürt-ec; vor-be-dæht-ec; ge-dult-ec; dürft-ec; eht-ec (locuples) Mar. 117. 159. (:mehtec); emeƷ-ec folgt aus emeƷecheit Trist.; êw- -ec; gell-ec (biliosus) MS. 2, 221 a Bon. 51, 39; gir-ec (cu- pidus); gird-ec (idem) fragm. 16 c ; giht-ec (confitens) troj. 102 a ; grimm-ec; grueƷ-ec Tit. êren-grueƷ-ec MS. III. consonantische ableitungen. G. 2, 132 a ; be-hend-ec zu folgern aus behendeclich; hërz-ec aus herzeclich; ge-hœr-ec (obsequens) Oberl. h. v.; ge- hulf-ec; jær-ec (aunosus); îl-ec (citus); be-kêr-ec Parc. 9 b ; kreft-ec; kund-ec (gnarus); künft-ec; kunst-ec (arti- ficiosus); ge-lang-ec Trist.; ant-læƷ-ec (remissibilis) un- gedr. Strick. m. p. 24; led-ec (vacuus) oder lëd-ec? weil auch lid-ec geschrieben steht, z. b. Bon., dann zerfiele aber die oben s. 10. versuchte leitung von laden. ; un-lid-ec (in- tolerabilis); list-ec (callidus) vâr-list-ec (dolosus); dur- liuht-ec; ein-lœt-ec; ge-loub-ec (credulus); lüpp-ee (ve- nenatus) Geo. 42 b ; wandel-mæl-ec fragm. 45 a ; mæƷ-ec und compos. wie swërt-mæƷ-ec Gudr. 49 a , risen-m. Bit. 80 a , zucker-m. etc.; meht-ec (potens) â-meht-ec (impo- tens) Trist.; meil-ec MS. 2, 220 b misse-meil-ec Geo. 47 a ; meist-ec, nur adv.; hôch-muet-ec, vol-muet-ec Trist.; mu e Ʒ- ec (otiosus); münd-ec amgb. 27 a ; ge-næd-ec; naht-ec? neht-ec Karl 94 b ; über-neht-ec MS. 2, 144 a ; dur-neht- ec; ge-nend-ec; nîd-ec; ge-nüht-ec MS. 2, 172 b troj. 154 c ; sige-nünft-ec MS. 2, 226 a ; an-ræt-ec Wilh. 2: 139 a nâch-ræt-ec Karl 19 a ; rein-ec Rud. weltchr.; be-riht-ec, ûf-riht-ec Trist.; sæl-ec; wider-sæƷ-e Bit. 80 a ; ge-sell-ec; be-scheff-ec Trist.; zuo-scheft-ec MS. 1, 134 a ; schell-ec (pavidus?) Parc. 1 a MS. 2, 94 b durch-schell-ec kolocz 62; schem-ec (pudicus) troj. 124 c , vielleicht schem- ec und zu den ag-ableitungen zu rechnen, da Conr. schëm sagt, nicht scham?; schuld-ec; siht-ec, vor-be- siht-ec, über-siht-ec; sinn-ec; snîd-ec (secans) Vrîb. 6212; nas-snit-ec? Parc. 25 b ; wider-spæn-ec troj. 19 c ; ge- spenst-ec; spitz-ec; stæt-ec; ver-stend-ec; strît-ec; stünd- ec Trist.; suht-ec, waƷƷer-süht-ec; sünd-ec: siusz-ec Parc. 105 a 108 c Wilh. 2, 77 a ; under-tæn-ec; misse-tæt-ec; teg- ec, drî-teg-ec etc.; tœd-ec (mortalis) Trist.; be-treht-ec Rud. weltchr.; über-ec (superbus) grundr. 272. (liber, so- lutus) Vrîb. 6741; üpp-ec; vell-ec (victus) ge-vell-ec (ap- tus); veng-ec, wît-veng-ec Parc. 76 c ; hôch-vert-ec; virr- ec (longinquus) Parc. 2 c 10 c ; viur-ec Parc. 120 c ; vlæt- ec (venustus) Parc. 161 a ; vlüht-ec; vlüƷƷ-ec; gevölg-ec (ob- sequens) Bon. oder ge-volg-ec? vgl. gevolgîc Ernst 49 a ; vreid- -ec (trux, immanis?) troj. 180 a MS. 2, 93 b a. w. 1, 300; vrüht- -ec; vrüm-ec Mar. 186. Wilh. 2, 21 b Wigal. 16; uber-vünd- ec MS. 2, 123 b ; vürt-ec (permeabilis MS. 2, 138 a ; arc- wæn-ec; weig-ec (vacillans, tremulus?) Rud. weltchr. hat lîht-weig-ec, houbet-weig-ec; well-ec (fervidus) Barl.; wend-ec; un-wend-ec; ge-wert-ec Kolocz 179. III. consonantische ableitungen. G. wider-wert-ec Trist.; will-ec; wir-ec (durabilis) schmie- de 242; wird-ec; witz-ec; zît-ec; züht-ec; zünd-ec amgb. 27 a . Zu diesen mhd. adj. bemerke ich: a) vrüm- ec, birec, girec, wirec geben der allg. lautregel nicht nach, welcher die kürzungen vrümc, birc etc. ge- mäß wären; die ableitung ist noch zu fühlbar. — b) um- laut fehlt bei ou (geloubec), schwankend bei ng, lg, ld, lt (gelangec, vengec; gedultec, schuldec; gevolgec? viel- leicht gehören auch valtec, gewaltec lieber zur îg-, als zur ag-form?) — c) selten werden adj. dieser form aus dem part. praes. auf -ende gebildet, (wovon im ahd. noch gar kein beispiel); das häufigste ist lëbend-ec Mar. 24. Parc. 13765. Wigal. 4764. 5213. Nib. 4080. Trist. 10729. (auch bei Hartm. Rud.?); sodann finde ich wal- dend-ec nur Rother 3 a 6 b 11 a 24 b ; brinnend-ec nur Parc. 3085. 6910. (der mhd. inf. lautet brinnen, nicht brënnen); gluend-ec nur Parc. 2415. 13700; tobend-ec Bit. 111 b ; kradmed-ec Mar. 86. stehet f. kradmend-ec vom verb. krademen (oben s. 153). — d) man hüte sich, adj., deren wurzel mit l schließt und die mit -lich zus. gesetzt sind, für adj. der ec-form zu halten, z. b. vol-lich (Trist. 338.) snël-lich (Parc. 138 c ) bil-lich (klage 260. 1322.) etc. es gibt kein mhd. voll-ec, snëll-ec, bill-ec. Hagen gl. der Nib. führt zwar billec-liche auf, aber ohne citat und ich glaube nicht, daß es im texte vorkommt; vollec-liche läßt sich nicht abstreiten (gloss. Nib. Barl. etc.) und mag ein viel älterer fehler sein, da schon N. 107, 13. folleg- lîchôr und mons. 381. sogar follichliho haben, eine un- begreifliche lesart, vermuthlich folliclihho zu emendieren. Fol-lîh-lîhho scheint mir unsinn, wie bil-lich-liche. Auf keinen fall beweist das fehlerhaftgebildete vollic-lîh, vol- lec-lich ein für sich stehendes voll-îc, völl-ec, und die echte form ist ohne zweifel ahd. vol-lîh, mhd. vol-lich, ags. ful-lîc (nie full-ig). — e) ob aus jedwedem comp. mit ec-lich, ec-heit ein adj. -ec zu folgern steht, unter- sucht cap. III, in der regel allerdings. — nhd. sind die hauptsächlichsten: blau-äug-ig, hohl- äug-ig; un-bänd-ig; bärt-ig; leer-bäuch-ig; lang-bein- ig; biß-ig; warm-blüt-ig etc.; brüch-ig; hoch-brüst-ig; aus-bünd-ig; bürt-ig; an-dächt-ig, ver-dächt-ig; dræt-ig; ge-dult-ig; dürft-ig; eil-ig; emß-ig; êw-ig; fæh-ig; ein- fält-ig, viel-fält-ig neben manigfalt-ig, dreifaltigkeit; fert- ig; feur-ig; un-flæt-ig; flücht-ig; ge-fræß-ig; freud-ig; bar-füß-ig, viel-füß-ig; durch-gäng-ig; frei-gêb-ig; er- gieb-ig; gier-ig; grimm-ig; gült-ig; günst-ig; gult-ig; III. consonantische ableitungen. G. lang-häls-ig; ab-häng-ig; ge-häß-ig; häuf-ig; häut-ig; heft- ig; ein-hell-ig; heur-ig; hitz-ig; ge-hœr-ig (nicht mehr obediens, bloß pertinens); jähr-ig, ein-jähr-ig; inn-ig; körn- ig; kräft-ig; kund-ig; kunft-ig; läß-ig (negligens, von laƷ, piger) fahr-läß-ig; un-ab-läß-ig (von lâƷen); läst- ig; g-laub-ig; durch-laucht-ig; weit-läuft-ig; lêd-ig; leid- ig; list-ig; löth-ig; wol-lüst-ig; mächt-ig; mäß-ig; groß- mäul-ig; münd-ig; hoch-müth-ig; muß-ig; g-næd-ig; nicht-ig; nöth-ig; ver-nünst-ig; prächt-ig; ge-räum-ig; räud-ig; auf-richt-ig; rühr-ig; rüst-ig; viel-seit-ig; sêl- ig; ge-sell-ig; ge-schäst-ig; ge-schæm-ig; schleun-ig; un- schlüß-ig; schmier-ig; schmächt-ig; ge-schmeid-ig; schneid- ig; schuld-ig; schwier-ig; all-seit-ig; an-sicht-ig, durch-s.; sinn-ig; sitt-ig; spitz-ig; ge-spräch-ig; stämm-ig; an-ständ- ig; stæt-ig; an-stell-ig; ein-stimm-ig; streif-ig; streit-ig; stünd- ig; waßer-sücht-ig; sünd-ig; mit-tæg-ig; thæt-ig; tücht-ig; ab-trünn-ig; über-ig; üpp-ig; wider-wärt-ig, gegen-w.; wäßer-ig; kurz-weil-ig; wicht-ig; will-ig; lang-wier-ig; witz-ig; würd-ig; würz-ig; zeit-ig; zücht-ig; frei-zug- ig. — anmerkungen: a) hierunter gibt es verschiedene, die mhd. nicht vorkommen, z. b. bärtig, freudig, fæhig, gütig, prächtig, schmächtig, schmierig, schwierig, wäße- rig etc. umgedreht sind aber noch mehr mhd. veraltet, z. b. kein nhd. bierig (ferax), freidig, fruchtig, grüßig, ohnig, reinig, weigig, zündig etc., einzelne, nicht geson- dert übliche, dauern in den comp. frömmig-keit (mhd. vrümec-heit) behendig-keit, geschwindig-keit, reinig-keit, für nächtig gilt mit unrecht nächtlich. — b) umlaut fehlt noch in glaubig, wiewohl man auch gläubig geschrieben hat; gedultig; schuldig; durchlauchtig; kundig; faltig und fältig schwanken; etwas anders scheint die doppelform lustig und -lüstig, muthig und -müthig, wovon nachher. — c) mit dem part. praes. gebildet währt das einzige leben- dig fort, dazu seiner echten betonung beraubt. — d) un- organisch, d. h. aus dem comp. -lich entsprungen sind die nhd. adj. adel-ig, bill-ig, allmähl-ig, völl-ig, unzähl- ig (mhd. adel-lich, bil-lich, almâl-lich?, vol-lich, unzal- lich) und gleich tadelhaft die subst. billig-keit, schnellig- keit; wer die verderbnis nicht gelten lassen will (da doch im subst. eß-ig etc. der fehler durchdringt) und wenig- stens adelich, allmählich zu schreiben vorzieht, müste zweí l gebrauchen. Tadel-ig, zweifel-ig statt des richtigen ta- del-lich, zweifel-lich setzen wenige. — e) von dem me- ditat. schläfern (oben s. 138.) bildet die schriftsprache schläser-ig, die volkssprache auch durster-ig, trinker-ig, U III. consonantische ableitungen. G. vgl. die nnl. dodder-ig, flâper-ig, vâker-ig (alle drei: somnolentus). — engl. die ags. -ig sind zu -y geworden: an-y; blood-y; bloom-y; bus-y; cloud-y; craft-y; dizz-y; drear-y; greed-y; gust-y; heart-y; hol-y; man-y; merr-y; might-y; mo- ther-y; mould-y; flough-y; flurr-y; sorr-y; speed-y; spinn-y; wealth-y; wear-y; wind-y; worth-y und viel dergl. Auch hier haben sich compos. mit -lic unorga- nisch in -ly verwandelt, zwar in den meist adverbialisch stehenden: bloodily, craftily, grimly, rightly, smally etc. (ags. blôdlîce, cräftlîce, grimlîce, rihtlîce). — 3) verba der îg-form, bloß der zweiten schw. conj. goth. gehört hierher idr-eigôn (poenitere). Dies mit dem ahd. hriuwôn, ags. hrëóvjan, mhd. riuwen unver- wandte wort kann nicht ïd-reigôn sein, wie das altn. idraz lehrt. Seine einfachere form wäre ïdrôn und -eig ist unsere ableitung. Ob nun ein adj. ïdr-eigs (poenitens) gegolten haben wird, aus welchem das subst. ïdr-eiga (poenitentia) und das verbum herfließen? bleibt dahin- gestellt. Die entsprechende ahd. form würde lauten: itar- îc, itar-îkôn? — ahd. wenige wörter und nicht alle herleitbar aus adj., daher -ig oder -îg zweifelhaft: chriuz-igôn (cruci figere) N. 16, 12. 44, 1, O. IV, 23, 36. hat krûzôn; hev-îgôn (gravare) N. 40, 10. vom adj. hev-îg; bi-mun-igôn (admonere) O. IV. 19, 93. ein adj. mun-îg nicht bekannt; gi-munt-îgôn (memorare) T. 4, 8. hier scheint das adj. munt-îg zu ver- muthen, nachweisen kann ich es nicht; pir-îkôn (foe- cundare) bir-îgôn N. 32, 6, sicher von dem adj. bir-îg; fer-til-igôn (delere) mons. 389. N. 149, 7. hier scheint mir das i assimiliert, also das verbum der îg-form fremd. — ags. aus adjectiven: blôd-gjan (cruentare) Beov. 200; bys-gjan (occupare); eád-gjan (beatificare); fâm-gjan (spu- mare; ge-hâl-gjan (consecrare); be-lyt-egjan (decipere); mynd-gjan, myn-egan (monere) u. a. m. — altn. synd-ga (peccare). — mhd. er-led-egen Wigal.; leid-egen Trist.; sæl-egen Trist.; un-sæl-egen Parc. 154 b ; schad-gen, sched-egen? Bon.; schuld-egen Trist. un-schuld-egen Nib. — nhd. gibt es weit mehrere: bill-igen f. bil-lichen; beeid- -igen; be-end-igen; be-erd-igen; ver-ein-igen; be-fæh- igen; ver-viel-fält-igen; be-fehl-igen; ver-fert-igen; be-fleiß- igen; ver-flücht-igen; be-gnâd-igen; be-glaub-igen; be-güt- III. consonantische ableitungen. G. igen; ein-händ-igen; be-hell-igen; be-herz-igen; huld- igen; be-kräft-igen; kreuz-igen; künd-igen; be-läst-igen; er-led-igen; be-leid-igen; er-mächt-igen; er-mäß-igen; de-müth-igen; ab-müß-igen; ge-nehm-igen; nöth-igen; pein-igen; rein-igen; be-richt-igen; be-seit-igen; be- sêl-igen; be-schäd-igen; be-sänft-igen; be-schäst-igen; be-schein-igen; be-schleun-igen; schmeid-igen; be- schœn-igen; be-schwicht-igen; beschuld-igen; be-stæt- igen; ver-ständ-igen; stein-igen; be-werk-stell-igen; sünd-igen; be-thät-igen; be-theil-igen; ver-gegen-wärt- igen; ein-will-igen; witz-igen; würd-igen; zeit-igen; zucht-igen. Die meisten, aber nicht alle laßen sich auf adj. zurückführen und in letzterm fall scheinen sie be- sonders unorganisch (steinigen, beseitigen, huldigen, peini- gen, endigen, eidigen, beerdigen, beschœnigen); die frühere sprache bediente sich überall lieber der einfachen wörter, sie sagte: beenden, vereinen, ërden, hulden, künden, pî- nen, reinen, beschœnen, steinen, sünden wie wir noch heute: beeiden, besaiten, vernichten, vereinen etc. Das -ig in befehligen mag aus dem alten -h in befelh, später befelich (mandatum) herrühren. bemerkungen zu den G-ableitungen insgemein. a) die ableitung liegt bei den adj. auf -ag und -eig am tage; in den meisten andern fällen bleibt sie dunkel, wie schon die vielen ablautenden verba auf -lg, -ng, -rg vermuthen laßen. Indessen kann die ableitende natur des -g keinem zweifel unterworfen sein, jung z. b. muß schon darum für jun-g genommen werden, weil die ver- wandten sprachen den stamm jun- beweisen, vgl. lat. jun-ior, litth. jaun-as, serb. jun-ak (heros juvenis) jun- az (juvencus) lat. jun-ix (junge kuh); analog isi sin-eigs vom stamme sin- gebildet, vgl. sin-ista mit dem litth. sen- as und lat. sen-ior, sen-ex. Warum aber jun-gs nicht jun-eigs lautete und wahrsch. aus jun-ags entspringt, läßt sich nicht mehr erklären. Die ahd. për-ac (mons) und pir-îc (ferax) würden goth. lauten baír-gs und baír-eigs; aber përîc fällt zu baíran (nr. 325.) përac zu baírgan (nr. 446.), der neue ablautende stamm verdunkelt die urver- wandtschaft beider. Da übrigens baúrgs so gut wie baírgs zu baírgan fällt, so bestätigt das meine vermuthung s. 297, daß pur-uc für pur-ac stehe und das -uc nur aus assim. hervorgehe. Ableitendes -g nach vocalen der wurzel habe ich in zwî-c und plû-c gemuthmaßt. — U 2 III. consonantische ableitungen. G. b) die wichtigkeit der ableitungsvocale zeigt sich dies- mahl einleuchtend bei den adj. auf -ag und -eig , es darf weder für manags, grêdags stehen maneigs, grêdeigs, noch für mahteigs, gabeigs stehen mahtags, gabags. Ja zu denselben wurzeln fügen sich einigemahl beide ablei- tungen mit verschiedner bedeutung, ahd. heißt einac uni- cus, einîc aber aliquis und noch nhd. fühlen wir den unterschied zwischen blutig und vollblütig, kaltblütig; muthig, anmuthig und demüthig, langmüthig; lustig, ver- lustig und wollüstig, weil ihn der umlaut in solchen fäl- len sicherte. Es ist daher unrichtig, die ursache des um- lauts oder nichtumlauts in nhd. adj. auf -ig von etwas anderm abhängig zu machen, als eben von den alten -eig und -ag; noch weniger läßt sich nach willkür beiderlei form mit jeder umlautbaren wurzel verbinden. Wohin- aus lauft aber nun der sinn jeder dieser ableitungen? Ich bin früher versucht gewesen erste ausg. der grammatik p. 560. , das -eig aus dem ano- malen áigan, d. h. aus dem verlornen wahren praesens goth. eigan, ahd. îkan, îgan zu deuten, doch befriedigt der gedanke nicht recht, weil die allgemeinheit des be- griffes -habend für viele adj. beider classen und dann wie- der lange nicht für alle der eig-classe gerecht ist. Die individuelle bedeutung der -ag und -eig muß sich nahe berühren, weil einige mundarten den formellen unter- schied, ohne empfindlichen verlust für den sinn der wör- ter, fahren laßen. Warum also maneigs und mahtags unstatthaft sind, scheint unsern blicken nicht viel durch- dringlicher, als der grund, welcher fugls und mikils ge- bietet, fugils, mikls verbietet. Zwar ließe sich sagen, daß die adj. auf -ag eine fülle bedeuteten: bluotac, muot- ac, scamac, nôtac, hungarac, vrostac, lustac, grasac gleich- sam voll von blut, muth, scham etc. wogegen die auf -îg einfach die gerade eigenschaft ausdrückten: mahtîc, suhtîc, vluhtîc, waram-bluotîc (nach dem nhd.) der mit macht versehen, mit der sucht behaftet ist, warmes blut hat, die flucht ergreift, welches jener erklärung des -îc aus eigan zuspräche. Allein manac ist nicht: voll von menschen, sondern ganz das abstracte multus, einac aus dem hohen grad der einsamkeit zu deuten scheint ge- zwungen. Auch wäre dann ein verstärkendes mahtac, suhtac etc., überhaupt öftere anwendung des worts in bei- derlei gestalt zuzugeben. Ganz den sinn bei seite gesetzt III. consonantische ableitungen. G. habe ich überlegt, ob das î der îg-form nicht darin be- gründet sein könne, daß dem subst., aus welchem das adj. geleitet wird, in seiner bildung oder flexion ein -i oder -î zustehe? dies past auf mehrere adj. wie mahtîc, suhtîc, vertîc, heiƷmuotîc u. a. muß aber verworfen werden wegen meginîc, palowîc, jârîc, tagîc etc. und weil umgekehrt -ac bei nôtac besteht. Hauptsache ist also, das urtheil über ihre bedeutung noch offen haltend, erst aus den ältesten quellen den unterschied jeder form sicher zu stellen und die später eingetretenen mischungen zu be- richtigen. Uebrigens werden diese adj. geleitet 1) aus subst., wie der augenschein lehrt; selten aus personen und thiernamen (nhd. geistig, pfaffig, manig?, fischig, lau- sig). 2) aus verbis: ërparamac aus ërparamên, pirîc aus përan, stirbîc aus stërban, hruorîc (rührig, frisch, blü- hend?) aus hruorjan, lopsingîc aus lopsingôn? etc. slâfrec (somnolentus) Barl. 90, 12. vielleicht slâferec, slâferc? nhd. schläferig, bewiese ein mhd. desiderativum slâfern (oben zu s. 139.) . 3) aus adv. sliunîc f. sliumîc aus sliumo, chûmîc aus chûmo, oftîc aus ofto, vgl. hiut-îg (hodiernus) N. 142, 2. aus hiutû; nhd. heur-ig aus heuer. 4) aus andern adj. viƷus, viƷusîc; êwîn, ewînîc; namentlich denen zweiter decl. die schon ein ableitungs-i haben: wintiri, wintirîc; einmuoti, einmuotîc; zuomi, zuomîc; andanêmis, andanêmeigs; last- arpâri, lastarpârîc; antsâƷi, antsâƷîc; obgleich die letz- tern auch unmittelbar von den verbis stammen können. — c) die unorganischen -ig, welche sich zumahl im ags. aus der reinvocalischen ableitung i, die zu j geworden ist, erzeugen (1, 260. 903. 907. 2, 94. vgl. auch das con- junctivische g vorhin s. 296.) gehören gar nicht hierher. Mit diesem falschen -ig stehet übrigens das nhd. -ig der infinitive, die es früher nicht haben (vorhin s. 306.), in keiner verbindung, d. h. man darf reinigen nicht aus dem j im goth. hráinjan erklären wollen. — d) den deutschen adj. vergleichen sich griech. und lat. auf -ικός, -ακός , -icus, -ix und ax: ἄγροικός, απειλη- τικός, γεωργικός, δακτυλικός, δηκτικός, ἐπιθυμητικός, μοναδικός, πεινητικός, ποτικός, δαιμονιακός, ζωδιακός etc. hosticus, mordicus, rusticus, unicus, postîcus, pudîcus, felix, audax, bibax, edax, ferax, minax, tenax, vorax etc. mithin, wie im deutschen, die vocale a und i (î) unter- schieden; nur scheint in den wenigen vergleichbaren ein- III. consonantische ableitungen. G. H. zelnen wörtern und begriffen gerade a dem deutschen î, aber i, î dem deutschen a zu entsprechen: ferax, pirîc; vorax, vrâƷîc; felix, ôtac; pudicus, scamac; unicus, ein- ac. Die gr. und lat. tenuis stimmt nach der lautverschie- bung nicht zu goth. g, ahd. k (oder man hätte oculus, augô hier zum maßstab zu nehmen?). Eigentlich läßt die lat. ten. eine goth. spirans erwarten. e) wirklich schwankt das goth. g und ahd. k in die spirans h über, nämlich Ulf. hat neben manags kein áin- ags, sondern (schwachformig) áinaha, fem. áinôhô (assim. f. áinahô), was sich genau nach der siebenten formel der lautverschiebung zu unicus, unica verhält. Althd. scheint J. bisweilen einîh (aliquis) f. einîc zu gestatten, z. b. 395, wo aber auch einich vorkommt; jun. 222. fora-wîƷah f. ac und ein-willîh f. -îc; 210. kît-achî (ingluvie) f. kît- akî. Das nhd. man-che f. man-ige wage ich nicht an- zuschlagen, eher das haraho in der lex rip. f. harago, haraco; von den übergängen des h in g wird noch her- nach geredet werden (H. zweite bem.). Man vgl. auch mit manags das slav. mnogi. ableitungen mit H. ihrer sind nicht sehr viel und fast nur mit dem vocal a; das ahd. -h ist von der auch auf -h auslautenden aspirata daran zu unterscheiden, daß es inlautend bleibt (nicht zu hh, ch wird) und ihm goth. ags. h (nicht k, c) zur seite steht. Altn. fällt aber die spirans völlig weg, doch tritt einigemahl media an ihre stelle. [AH] goth. fehlt, ahd. findet der vocal sich meistens. 1) substantiva, α ) starke masculina goth. ana-fil-hs (traditio) us-fil- hs, ga-fil-hs (sepultura), oder neutra? — ahd. ël-ah (alce) mons. 414, doch üblicher scheint die schwache form; par-ah (majalis)? nur aus den spätern glossen zu bele- gen: bar-ch jun. 275. blas. 63 a trev. 11 a ; pruohh-ah (zona, balteus) jun. 197. T. 13, 11. 44, 6. pruahh-ac ste- het K. 52 a , es ist verschieden von dem unabgeleiteten sem. pruoh (femorale) altn. brôk, oder pruohha (cingu- lum) J. 404; sël-ah (phoca) flor. 980 a ; pi-vël-ah (man- datum) habe ich noch nicht angetroffen, wohl aber witu- vël-ah (strues ligni?) jun. 208, von ungewissem genus; vir-ah (homo)? es ist bloß der pl. vir-ahi (homines) zu III. consonantische ableitungen. H. belegen; wal-ah (peregrinus, italus) cass. 855 b . — ags. bëar-h (majalis) neben bëar-g; ëol-h (alce) vermuthe ich, Lye hat die schlechte form elch; sëol-h (phoca); vëal-h (peregrinus, wallicus, servus); spätere denkmähler zeigen mit weggeworfner spirans sëal, sëol, vëal. — altn. ël-gr (alce mas); fir (homo); mar (equus); sëlr (phoca); valr (peregrinus, gallus, italus) zu schließen aus val-land (gallia), italia). — mhd. ël-ch, ël-hes (alce) Nib. 3761. a. w. 3, 13; schël-ch, schël-hes (tragelaphus) Nib. 3762; swël-hes, swël-ch (lurco, bibax); be-vël-ch scheint nicht vorzukommen, so häufig das verbum ist; wal-ch, wal-hes (italus) Wilh. 1, 14 b MS. 2, 68 b . — nhd. be-fehl, im 16. 17. jahrh. noch be-fel-ch, be-fel-ich; schwel-g? gewöhnl. schwel-ger. — engl. barr-ow; el-k; seal (phoca). — β ) starke feminina , goth. al-hs (templum), alts. al-ah, ags. ëal-h, al-h, und daß auch im ahd. al-ah gegolten hat, zeugen die alah-stat (in pago hassorum) alah-dorp (in mulahgowe) bei Schan- nat nr. 404. 476; ahd. mal-aha (pera) O. III. 14, 179. hrab. 972 a mhd. mal-he MS, 2, 68 b , vgl. franz. malle viele andere -aha in ahd. ortsnamen gehören nicht hierher, es sind composita mit aha (fluvius) z. b. van-aha, gruon-aha, elm- aha, stein-aha etc. ; ahd. sal-aha (salix) Hagen denkm. 36. vgl. sal-ahîn (po- puleus) aug. 117 b , ags. sëal-h; ahd. vor-aha (pinus) geht vermuthl. schwach; ahd. vur-aha? (sulcus) ags. fur-h, mhd. vur-he, engl. furr-ow. — Nach zweiter decl. goth. aúr-ahi (sepulcrum). — γ ) starke neutra: ar-ah oder âr-ah scheint ahd. ein künstliches geweb oder bildwerk zu bedeuten, kommt aber nur in dem comp. arah-lahhan (stragula) mons. 329. doc. 233 a und in arahâri (polymitarius) mons. 321. 327. so wie dem verbo arahôn, arihôn (stragulare) doc. 228 a 233 a vor, wahrsch. entspricht ihm das gleichdunkle altn. âr oder ar in âr-salr (aulaeum, stragula), selbst das genus habe ich hier nur willkürlich angesetzt; ahd. mar-ah (equus) lex bajuv. 13, 10. mhd. mar-ch, mar-hes, bald fehlerhaft mar-c, mar-kes; ahd. var-ah (porcus) pl. var-ahir, var- hir cass. 854 a Hag. denkm. 36. ver-ihir, nhd. fer-k, fer- kel; ahd. vër-ah (anima, vita) mhd. vër-ch, vër-hes, alts. fër-ah, ags. fëor-h, altn. fiör; alts. frat-ah (ornamentum) ? geschlecht und endung aus dem dat. pl. fratahun un- sicher zu entnehmen. — III. consonantische ableitungen. H. δ ) starke oder schwache fem. auf -ahei , von adjec- tiven hergeleitet: goth. baírg-ahei (regio montana) eben so ließen sich stáin-ahei (regio petrosa) etc. denken; þvaír- hei (ira); — ahd. ap-ahî (versutia). ε ) starke neutra auf -ahi ; diese ableitung scheint nur im genus von der vorausgehenden goth. auf -ahei abwei- chend, ist aber merkwürdig allein in der hochd. mundart anzutreffen, die niederd. ags. und nord. zeigen keine spur davon. Sie wird meist auf bäume, sträuche, pflanzen an- gewandt und bedeutet den ort, wo solche zus. wachsen, oder ihre menge, entsprechend dem lat. -etum. Aus dem ahd. habe ich folgende beispiele gesammelt: dorn-ahi (spinetum); eihh-ahi (quercetum) vgl. tradit. fuld. nr. 570. in daƷ smal-eihh-ahi; heid-ahi (myricetum?) mons. 337. 397. doc. 218 b wo überall bloß myricae stehet; gabiss-ahi (migma, quisquiliae) gavess-ahi doc. 213 a , wohl eigentlich der platz, wo gabissa, ein schlechtes unkraut (O. I. 27, 132.) wächst? Stald. hat gabüse (artemisia), oder wäre gabissa gar keine pflanze?; mirtil-ahi (myrtetum) mons. 345; pinuƷ-ahi (juncetum) mons. 320. doc. 228 b ; poum- ahi (arboretum) vîh-poum-ahi (ficetum) mons. 344; prâm- ahi (rubetum) hrab. 975 b wo das unverständl. testitudo etwan in tesquitudo für tesquetum? zu ändern; riot-ahi (carectum) blas. 57 b , etwas anders scheint rëot-ahha (sa- liunca) zwetl. 131 a ; rôr-ahi (arundinetum) doc. 245 b ; sa- har-ahi (carectum) doc. 232 b mons. 320. zwetl. 131 b von sahar (carex) oestreich. saher (spitzes gras) Höf. 3, 57; se- mid-ahi (carectum, juncetum) mons. 320. doc. 232 b , von einem subst., das ich oben s. 241 ff. unter den id-ablei- tungen wegen unsicherheit der endung nicht aufgeführt habe, sem-id oder sem-ida? Frisch 263 b hat semde, sende, sebde (scirpus) vgl. Hös. 2, 336; spiz-ahi (vepretum?) zwetl. 134 b Frisch 304 b spitze, wegerich, plantago minor; spreid-ahi (fruticetum) doc. 236 b , blas. 50 a ein einfaches spreid oder spreida (frutex) kenne ich noch nicht; stein- ahi (saxetum) T. 75, 2. (so liest cod. s. gall. für steinohti); stohh-ahi (gremium; cremium, späne, reiser scheint un- passend?) mons. 349; stûd-ahi (frutetum) mons. 365; varm-ahi (filictum) doc. 240 b ; vorah-ahi (pinetum) ein bekannter wald am rhein; zein-ahi (cannetum) doc. 245 b . — Schon in den späteren ahd. glossen wird das i weggeworfen und die ableitung zum bloßen -ach , ohne bleibenden umlaut: ab-sneit-ach (sarmenta) doc. 201 a ; spreid-ach, gi-spreid-ach, gl. vindob.; pimƷ-ach doc. 228 b ; rîs-ach (arbustum) herrad. 182 a und dieses -ach gilt denn III. consonantische ableitungen. H. auch im mhd., wo es nur selten und bei wenigen dich- tern gelesen wird: albern-ach (populetum) vielleicht al- ber-ach? Wilh. 2, 23 a ; busch-ach (fruticetum) Ottoc. 738 b ; dorn-ach (dumetum) Parc. 69 a ; gras-ach (multi- tudo graminis) Parc. 111 a ; stûd-ach Wilh. 2, 27 b troj. 4 c . Auffallend gebraucht Herbort in seiner mundart umlau- tendes -ech , -ee (f. ehe, = ahd. -ahi) 12 b busch-ê, 68 d busch-êe, 116 d busch-ech (arbustum) 11 a gesindel-ehe (co- mitatus?) 116 b gevertel-êe (?) — Die nhd. schriftsprache hat -ich : dick-ich; dorn-ich; reis-ich; gespül-ich; ge- treid-ich; weid-ich doch so, daß sie in diesen und ähn- lichen häufig ein t zufügt; (vgl. habicht oben s. 285.) büsch-icht; dick-icht; eich-icht; ecker-icht; stein-icht; röhr-icht; weid-icht. Oberdeutsche volksidiome in Baiern, Salzburg, Steier und Kärnthen behalten das volle -ach: aich-ach; ast-ach; birk-ach; erl-ach; gras-ach; halm-ach; lätsch-ach (?); saher-ach; staud- ach; tächs-ach; weid-ach; zett-ach; neben kiefer- ich; kräuter-ich (Schm. §. 1028). Zugleich geht aber aus der neueren sprache deutlicher hervor, daß der begriff der ableitung nicht auf gewächse einzuschränken sei, sondern auch fülle und anhäufung von andern din- gen, selbst menschen und thieren ausdrücke, z. b. das stein-icht; feil-icht (scobs); kehr-icht; spül-icht, wonach auch das ahd. gavissahi anders genommen werden könnte und wie ist das ahd. vir-ahi, assim. vir-ihi (vulgus) boxh. 904 a jun. 231. (wo ich lese smal-firahi) zu nehmen? nämlich das -ah steckt hier schon im masc. virah; vgl. alts. firiho-barn und Hild. fireo in solche, so wie vërah (vita). . Höf. 1, 5. hat: gaiß-ach, kinder-ach, soldaten-ach, wei- ber-ach (maße von geißen, kindern etc.) Schm. a. a. o. gewand-ach. Vgl. das lat. saxetum, viretum, glabretum (maße von kahlheit, öde) und die deutschen orts und geschlechtsnamen: erl-ach, stock-ach, pils-ach etc. Das örtliche dieser ableitung verdient genauer ausgemacht zu werden, da sie nicht einmahl durch alle hochd. mund- arten geht; so scheint sie selbst der schwäbischen und schweizerischen fremd, wenigstens hat im ahd. weder N., im mhd. weder Hartm. Rud. etc. spuren davon, noch Stalder und Pictorius, der z. b. spinetum durch ror-busch umschreibt. — ζ ) schwache masculina: goth. brôþr-aha (frater) wenn der begriff der cognation hervorgehoben werden soll, daber vielleicht nur im pl, broþr-ahans; obgleich die form im Marc. 12, 20. — ahd. ël-aho, hël-aho (alce) Hag. denkm. III. consonantische ableitungen. H. 36. jun. 184. 230. und vermuthl. auch scël-aho (tragela- phus, doch nicht schielendes blickes wegen?), wofür ich schël-o trev. 11 a , schël blas. 63 a finde, da auch in einer urk. bei Heda de episc. ultraj. ël-o und schël-o (f. ël-ho, schël-ho) nebeneinander stehen, so mag sich ihre benen- nung verwirren und darum die gl. jun. ëlaho durch tra- gelaphus wiedergeben; vël-aho (conditor, instructor) hymn. noct. 7. jun. 193. η ) schwache feminina: ahd. ël-aha (alce fem.) altn. il-gja; ahd. mor-aha (pastinaca) lindenbr. 999 a ; vor-aha (pinus) Hag. denkm. 36. altn. fur-a. — 2) adjectiva , goth. áin-aha (unicus) nur schw. decliniert wie O’s ein- ogo (oben s. 290.); un-barn-ahs ( ἄτεκνος , improlis) da klahs, in der einzigen stelle Luc. 10, 21, mir verdächtig ist, vermuthe ich ein noch dunkles oder entstelltes niukl-ahs mit unserer ableitung, das den sinn des gr. νήπιος (in-fans) wiederge- ben soll; etwa ni-ukl-ahs? un-mikil-ahs wäre zu kühn. Oder vergliche sich niu-klahs dem altn. nŷ-klakinn (recens natus) neu- klangig? ; stáin-ahs (petrosus); þvaír-hs (iratus). — ahd. ap-ah (perversus) scheint richtiger ap-uh, wovon nachher; duër-ah (transversus) hrab. 975 a mons. 348. — ags. þvëor-h, þvëor. — mhd. dwër-ch, twër-ch, nhd. zwer-ch, quer; mhd. schël-ch (limus) Tit., nhd. schêl; wël-ch (flaccidus) nhd. wel-k, oder gehört dies zu den k-ableitungen? gar nicht hierher fallen drilch (trilex, triplex) zwilch (bi- nus, duplex) deren l unwurzelhaft ist, aus der composition dri- lich, zwi-lich entspringend. 3) verba α ) starker form: svil-han (nr. 356.) ahd. suël-ahan doc. 238 b ; fil-han (nr. 357.) ahd. vël-ahan; dil-han (nr. 358.); þvaír-han (nr. 447.) vgl. twir-het Parc. 128 c ; þaír- han (nr. 625). — β ) erster schwacher conj. goth. ga-tar-hjan (insig- nire?) Matth. 27, 16. — mhd. schil-hen MS. 1, 3 b nhd. schiel-en (limis intueri oculis). ahd. noch nicht aufgefunden ist, so war sie doch sicher vorhan- den, da im hochd. des 17. 18. jahrh. zuweilen geschwister-iche, geschwister-ichte gilt (Frisch 2, 250 a ). Die analogie fordert auch ein goth. svistr-ahô. Schwer zu erklären ist ein ags., im Cädm. mehrmahl stehendes suhtr-iga, suhter-ga (fratruelis) das mir hier- her zugehören scheint, vgl. suhter-gefäderan Beov. 89. III. consonantische ableitungen. H. γ ) zweiter schw. conj. ahd. ar-ahôn (opus polymite seu stragulatum conficere) doc. 210 b 228 a wo ar-ihôn. — Unter weitern ableitungen sind goth. fair-hvus fáirhvus (mundus) ahd. vërahawu? ist ohne zweifel ver- wandt mit virah (homo) vërah (vita) goth. faírh? , ful-hsni, ahd. dur-ahil, vor-ahana (truta), ags. vil-en. vyl-en f. vil-hen (serva) und andere -h mehr zu suchen. [IH] im goth. keine spur eines ableitenden -aíhs wie es doch wohl und nicht -ihs heißen müste; das ver- dächtige þarihis Matth. 9, 16. kann hier wenig beweisen, vielleicht gehört das übergeschriebne i vor das r: þairhis? obgleich ich dies auch nicht verstehe. Vgl. inzwischen dihs (fera) st. daíhs? , -aíha; ahd. kommen höchstens einige fem. auf scheinbares -iha in erwägung: mer-iha (equa) mer-ha blas. 65 a trev. 11 b , mer-ihûn-sun (filius meretricis) mons. 326. 330, ein in den gesetzen verpöntes schimpfwort (merchen-sun, jus august. Schilt. 188 b ) wie das ähnliche zâgûn-sun mons. 330. sonst zôhen-sun, von zôhe (canicula). Ob nun gleich der umlaut des marah in meriha ein i fordert, d. h. nicht aus maraha erklärt wird, so glaube ich doch, daß die eigentliche form marahja lautete, woraus sich marihja, merihja, meriha assimilierte; alsdann fiele es wieder zu den ah-ableitungen, gl. cass. 854 a hat mar-he (equa) ohne umlaut und ohne i. Denn warum sollte marah mit -ah und meriha mit -ih abgeleitet sein? Uebrigens lautet auch das ags. myr-e (equa) um; steht es für mëar-hëa? Sollte das vorhin s. 285. beim -k angeführte ful-ihha viel- mehr ful-iha sein und wieder aus ful-ihja, ful-ahja zu deuten? vgl. vul-hin (pultridus) trev. 11 b blas. 65 a ; dann stünde auch vol-o für vol-ho, vol-aho? doch ist das kaum anzunehmen, da im goth. fula kein h ist und auch O. IV. 4, 20, 28. fulin schreibt. Das umlautende nhd. möhre (pastinaca) reicht nicht hin, das ahd. môraha in môriha zu verwandeln. Ar-ihôn für ar-ahôn; duër-ih doc. 245 b f. duër-ah; dur-ih f. dur-ah scheint tadelhaft; dur-ih-il ist assim. aus dur-ahil. [UH] gleichfalls selten; der vocal u muß in dem ahd. adj. ap-uh (perversus, pravus) unbedenklich angenommen werden und stehet geschrieben T. 75. 92. O. I. 4, 74. 21, III. consonantische ableitungen. H. 4. III. 5, 59. 15, 86. IV. 15, 59 etc., wogegen ab-ah K. 23 b 58 a T. 13, 3. O. III. 7, 163. etc. assimilation scheint, ab-oh aber J. 379. 399. wegen verwandlung des u vor h ganz gerecht. N. hat ab-eh 71, 4. Nur auf den conso- nanten fällt der zweifel, ob hier nicht die auslautend zu -h werdende ahd. aspirata gemeint, und ap-uh einerlei oder nahverwandt mit dem goth. ïb-uks sei? dem ich oben s. 286. das ahd. subst. ëp-ih zur seite gestellt habe. Da indessen der wurzelvocal abweicht, auch das ahd. adj. inlautend einfache spirans behält, nicht in hh, ch verändert; so halte ich lieber ibuks und apuh für ver- schiedne wörter. Jenes würde auf ahd. ëp-uh, ëp-uhhes heißen, dieses auf goth. ab-aúhs? Die schweizersprache kennt noch ab-äch (schief, verkehrt) und das räume ich ein, daß das meistersängerische ëbech (retrogradum) auch für ein ebech (perversum) genommen werden möge. Das verbum ab-ahôn (evertere, improbare) liest man bei O. häufig. bemerkungen zu den H-ableitungen 1) dem deutschen h entspricht lat. tenuis (cornu, haúrn; ccecus, haíhs) daher sich auch ëlaho, salaha, va- rah mit alce, salix, porcus vergleichen. 2) da sich das goth. áinaha von dem ahd. einac (= goth. áinags) entfernt; stáinahs aber eben wohl ahd. steinac (= goth. stáinags) heißen könnte; so dringt die vermuthung auf, daß sämmtliche goth. -ags und ahd. -ac aus älteren, organischen -ahs, -ah erwachsen seien? wodurch sie mit den lat. icus, -ax in größere ein- stimmung treten würden, vgl. vorhin s. 310. und hernach unten die -ht statt -h. 3) des wechsels zwischen -h und -v ist bereits s. 193. gedacht worden; läßt sich auch ëlaho zus. stellen mit griech. ἔλαφος ? — Nach abhandlung der ableitungen mit einzelner con- sonanz (s. 98.) kommt jetzt die reihe an die mit zwei consonanten, zuerst an die geminationen, dann an die übrigen fälle. Sie alle zeigen weit geringere bildungsfä- higkeit, als die ableitungen, wo bloß ein consonant im spiel war; gewöhnlich finden sich von ihnen nur substantiva, selten adjectiva, noch seltner verba. III. consonantische ableitungen. LL. ableitungen mit LL. so entschieden -all, -ill, -ull im lateinischen walten und so gern sich unsere sprache sonst zu dem ll neigt, läßt es sich gleichwohl in ihr als organische ableitung nicht be- gründen. Im goth. ags. altn. zeigt es sich nie auf solche weise. Bloß einige ahd. fem. machen anspruch auf -alla , -illa , -ulla: spîch-alla (saliva) Hag. denkm. 35; duah- illa, dueh-illa (mappula, manutergium) doc. 208 b flor. 983 a ; hant-illa (mappa) flor. 982 a ; ihs-illa? (stiria) herrad. 179 a ; kib-illa, gib-illa (calvaria) N. 41, 1. 43, 1. 105, 19; quëd-illa (pustula) jun. 220. chuëd-illa doc. 206 b von dunk- ler wurzel, vielleicht verwandt mit quâd (malus, cor- ruptus)?; sid-illa (sedile) doc. 205 a ; stig-illa (semita) O. II. 4, 17; stahh-illa (cuspis) flor. 982 a ; sprâhh-ulla (siliqua) mons. 397. doc. 209 a . Allein selbst hiergegen erheben sich noch zweifel; spîhhalla steht vermuthlich entw. f. speih- haltra T. 132. (verw. dem gotk. spáiskuldr? Joh. 9, 6.) vgl. speicholiva (?speicholtra) jun. 260, oder f. speihh-ila jun. 227. speich-ela O. III. 20, 46; für duahilla findet sich theils das ältere duah-ila K. 52 a , theils das mhd. tweh- ele mit einfachem l und so habe ich in schlechten glossen zwis-elle (furca) statt des beßeren zuis-ala (oben s. 100.) mhd. zwis-ele angetroffen. Ob sich nun auch in den an- dern wörtern ll aus l, vielleicht aus lj (quëd-ilja, sprâhh- ulja?) entwickelt hat, bleibt näherer bestätigung vorbe- halten, gibilla muß doch mit gibal, gëbol (oben s. 101. 116.) zus. hängen, folglich selbst das i in -illa auf dem wege der assim. (gibalja, gibilja) gedeutet werden. Außer- dem gibt es noch einzelne ll in fremden wörtern: ahd. chapp-ëlla doc. 205 a , mhd. kapp-ëlle, nhd. cap-elle; ahd. charh-ëlla (carcer, roman. carcel) hrab. 969 a (wo lato- miae, weil übelthäter zum steinbrechen verdammt wur- den; auch ags. wird carcern latomiae glossiert); ahd. sport-ëlla (sporta) T. 89; dahin gehören ferner die mhd. masc. aberëlle (aprilis); cocatrëlle (crocodilus) troj. 6215. oder kokodrille MS. 2, 206 b ; berille troj. 7862; das neutr. kastël, gen. kastëlles u. a. m. ableitungen mit RR. finden ebensowenig im goth. ags. altn. statt, sondern nur im ahd., wo sie mir deutlich aus -rj zu entspringen scheinen. Wie nämlich aus purjo purro wird (in-burro, III. consonantische ableitungen. RR. NN. vernaculus, dili-burro jun. 230); so erklärt sich auch kilst-irro (tributarius) jun. 229. aus kilst-irjo, këlst-arjo, vgl. lêr-arrâ (doctores) N. 50, 10. kejiht-errâ (martyres) N. 43, 13. und die mhd. -irre (oben s. 142). Nicht an- ders die schw. fem. chilp-urra (agna) jun. 193. kilb-irra blas. 63 a aus chilp-urja, kilb-irja; zimp-irra, zimb-irra (structura) K. 25 b N. 101, 17. aus zimp-arja. Zum be- weis kommt auch die ungeminierende form vor: chilp- ira zwetl. 111 a trev. 10 b . Zaturra (meretrix) jun. 225. nehme ich nicht zat-urra, sondern za-turra = za-turja, d. h. die za turi, an der thüre sitzt, wie man prostibu- lum deutete aus ante stabulum; das r ist also wie in purro wurzelhaft. Wie ist aber chuburra (ratis) jun. 224. zu verstehen? ich lese es nur an der einen stelle; mehrmabls chumbirra, chumbarra, chumberra (tribus) jun. 228. N. 67, 28. 71, 17. 85, 16. 107, 8. 121, 4. p. 261 b , 9. und zwar scheint es an einigen dieser stellen als stark. masc. pl. ge- braucht. Berührt es sich mit dem ags. cumbol (signum militare) woneben auch cumbor gilt, und setzt es ein ahd. chumpar (signum, tessera) voraus? Dann könnte chumparra f. chumparja stehen und distinctio agminum secundum vexilla, hernach agmen, tribus ausdrücken, vgl. altn. kuml (cumulus) her-kuml (insigne militum). Oder wäre es componiert aus chun-burra mit verwand- lung des n in m durch die folgende labialis? vgl. alts. kuni-burd (genus, familia). ableitungen mit NN, scheinen wiederum unorganisch, im goth. und ags. uner- hört, haben sich aber im ahd. mhd. ziemlich verbreitet. Es sind lauter starke feminina, theils auf -unna, theils -inna (keins auf -anna, bil-anna, gingiva, Hag. denkm. p. 35. ist zu berichtigen in bil-arna). Von der form -unna kenne ich nur folgende beispiele; lung-unna (pul- mo? oder pneumonia, lungensucht?) jun. 221. (gen.); mist-unnëa (sterquilinium) hrab. 975 a ; pirt-unna (eulo- gium) mons. 402. (nom. pl.) verdächtig und wohl ver- derbt; scrund-unna (rima) doc. 234 a (gen. pl.) die form scrundunnô (rimarum) f. scrundunnônô ist wohl nicht zu verwerfen, sondern überrest der organ. starken gen. pl. Auch in den níederd. psalm. 67, 26. timparinnô (tympanistarum). wofür mons. scrunt-ussa haben. Es ist schwer von diesen bil- III. consonantische ableitungen. NN. dungen rechenschaft zu geben; vermuthlich liegen ein- fachere -un zum grunde, die ich s. 175. angeführt hätte, wenn sie mir vorgekommen wären. Später mag i an die stelle des u getreten sein, vgl. mist-ina mons. 346. und umgekehrt manches der nachfolgenden -inna früher -un- na geheißen haben. Die altn. sprache leitet einige fem. (namen lebendiger wesen) mit -ynja ab: âs-ynja (mulier diva); ap-ynja (simia); varg-ynja (lupa) sämmtlich schwa- cher decl. Da sich wirklich neben dem -ynja ein -ynna zeigen läßt (Vasþr. 4. âsynnom) und die bedeutung zu der des ahd. -inna stimmt; so wird nicht unwahrschein- lich, daß für ein späteres ahd. ans-inna, aff-inna ein äl- teres ans-unna, aff-unna d. i. ans-unja, aff-unja gegolten habe. O. I. 6, 6. stehet wirklich wirt-un (hospita) (später wirt-in), bei dessen flexion wirt-unna zum vorschein kommen könnte. — Die ahd. -inna beziehen sich zwar auch auf sachen: choph-ënna N. 80, 7. ist aus dem lat. cophinus; vast-inna (praesidium) jun. 218; ver-ënna (na- vigium) T. 136, 7. (dat.); wuost-inna (desertum) T. 4, 19. 13, 1. 15, 1. 64, 119. 135. 145. wuast-inna O. I. 23, 6, 38. 25, 79; so auch alts. heng-inna und heng-innja (suspendium). meist aber sind es lebendige aus masc. mo- vierte feminina: asil-inna (asina) T. 116. (gen.); chuning- inna (regina) O. ad Lud. 168. (gen.) Georgslied (dat.); kut-inna, gut-inna (dea); mâk-inna, mâg-inna (cognata) O. I. 6, 4. (dat.) meistar-inna W. 1, 6. (dat.) prahh-inna (canis f.) blas. 115 a ; prût-inna (sponsa) doc. 230 a ; trût- inna, drût-inna (amica) O. III. 23, 28. (nom. pl.); vriunt- inna (amica) T. 96; vriudil-inna (concubina) mons. 378; ê-wart-inna (sacerdos f.) mons. 362. (nom. pl.) und ge- wis noch ähnliche. Alle diese -inna, glaube ich, sind aus einfachen -in , die häufig daneben fortbestehen und von welchen cap. VI. weiter geredet werden wird, entsprun- gen, entw. durch zutritt eines -ja, so daß aus -inja her- nach -inna wurde, oder lieber durch einwirkung der bloßen flexion. Denn wie das ags. fem. auf -en bei zu- tretenden e der flexion geminiert (räden, rädenne; gy- den, gydenne; vilen, vilenne; þinen, þinenne, 1, 643.) gerade in analogen wörtern; so mag auch im ahd. die flexion das nominativische n verdoppelt haben, bis end- lich nn in den nom. drang vgl. das nn bei der decl. des inf. (1, 1021.); N. 46, 5. êris- porinni (primogenitura) f. êrist-poranî; truhtënna 38, 8. f. truht- ën (dominus) ist mir unverständlich; vorhenne a, Tit. 148. f. vorhene. . Hierzu nehme man die III. consonantische ableitungen. NN. anomale beugung dieser fem. bei N. (1, 631. β .) der dem nom. gut-ën, gut-in (dea) den gen. gut-ënnô, pl. gut- ënnâ gibt, folglich noch keinen, bei andern schon hin- gehenden nom. acc. sg. gut-ënna zuläßt. Und selbst manche der vorhin zur sorm -unna, -inna beigebrach- ten belege zeugen gar nicht ausdrücklich für diesen ca- sus, sondern stehen im gen. dat. sg. oder im pl. Ihr nom. sg. könnte einfaches -un, -in haben, wirklich ist T. 116. neben jenem gen. asilinnâ der acc. esilin; O. V. 25, 30. dei nom. drûtin; T. 57, 5. cuningin; O. I. 16, 5. fo- rasagin; IV. 4, 18, esilin; W. 19, 15. 2, 14. friuntin; der acc. sg. wuostinna aber T. 15, 1. 64, 4. O. I. 23, 6. zu lesen. — Auch im mhd. darf der declination ein feinerer unterschied zwischen beiden formen -în und -inne noch nicht ganz genommen werden. Die dichter ziehen er- stere für den nom. sg., letztere für die obliquen casus vor, wenn nicht (wie freilich oft geschieht) reim oder metrum das gegentheil rathen; da wo es diese erlauben find fehler der abschriften nach der regel zu beßern. Vgl. die nom. sg. gestîn Parc. 128 a wirtîn Parc. 89 c hei- denîn Parc. 79 a Wig. 285. künegîn Parc. 24 b und die gen. vriundinne, wâleisinne Parc. 19 c mûlinne Parc. 132 b kü- neginne Parc. 21 b , dat. viendinne Jw. 11 a plur. grævinne klage 3270. Häufig ist aber auch der nom. -inne: wülv- inne (lupa) Gudr. 53 a 54 b 62 b (denn wulpinne ist nicht mhd.) heideninne, götinne, meistrinne MS. 1, 148 b Parc. 89 b 178 b gebietærinne, vuegærinne, küneginne MS. 1, 101 117 a 119 a. b. viurærinne Trist. 928. oder der acc. klosnærinne Parc. 105 b , so wie umgedreht der gen. dat. sg. künegîn Parc. 25 c 28 c . Uebrigens gibt es solcher bil- dungen auf -in (-in) -inne im hd. eine unzahl, da sie von vielen masc., hauptsächlich von allen auf -ære (s. 129.) moviert werden können: sündær-inne (peccatrix) unkiu- schær-inne (scortum) grundr. 269. untrôstær-inne MS. 2, 19 b , weschær-inne (lotrix), selbst von eigennamen, z. b. nampotenisinne Vrîb. 6090. — Nhd. haben sich beide for- men so getheilt und verschmolzen, daß -inne aus dem sg., -in aus dem pl. verbannt ist, der plur. aber (nach 1, 701. anm. 1.) schwach geht: könig-in, pl. könig-innen; füchs-in, füchs-innen; bewältiger-in, bewältiger-innen. Die menge dieser fem. ist fast so unbeschränkt, wie im mhd. Wenn sie aus masc. auf -erer geleitet werden, fällt ein -er weg, z. b. zauberin, nicht zaubererin. Eine frage wäre: ob die nhd. in-form aus der mhd. übrig geblieben, oder verkürzung der inne-form ist (wie man III. consonantische ableitungen. NN. SS. -ung, -nis, f. -unge, -nisse sagt)? Einige schreiben auch im sg. -inn. — Rask vermuthet §. 330. daß die ableitung -inna erst aus Deutschland nach Island gedrungen sei, welchem ich auch deshalb beipflichte, weil der gen. des masc. dazu gesetzt wird, folglich wahre composita ent- springen: liôns-inna (leaena) keisara-inna (imperatrix) von den masc. liôn, keisari; gleichsam den vollen be- griff frau in das inna gelegt. Die Schweden haben mehr das ableitende -inna : lejon-inna, keisar-inna, värt-inna; die Dänen -inde (f. -inne): löv-inde, keiser-inde, slav- inde, tiener-inde, ven-inde (amica) vert-inde (hospita) u. a. m.; im dän. ist diese ableitung häufiger als im schwed. z. b. der Schwede sagt nicht vän-inna (amica), altn. vin-kona. ableitungen mit SS. der vorstehende vocal ist bald a (und umgelautet e), bald i, bald u; auch schwankt genus und declination. goth. finden nur -assus und ussi statt: α ) die mascu- lina blôtin-assus (cultus); gudjin-assus (sacerdotium); hô- rin-assus (adulterium); kalkin-assus (scortatio); leikin-as- sus (curatio); þiudin-assus (dominatio) alle diese aus ver- bis auf -inôn gebildet und ihr -in daher habend; ufar- assus (abundantia) wovon nur der adverbialisch gesetzte dat. ufarassáu ( ὑπερπερισσῶς ) vorkommt Marc. 7, 37. Luc. 15, 17. — β ) das fem. fil-ussi (turba) dat. filussjái Neh. 5, 18. (wo filussiai). — ahd. herrscht viel verschiedenheit: α ) bei J. und T. stehen diese bildungen sehr häufig, auch in den gl. jun. mons.; seltner bei K. und O.; noch seltner bei N. und W.; in gl. hrab. beinahe gar nicht. — β ) die organisch mit einem vocal anhebende ableitung gilt nur in weni- gen wörtern, nämlich folgenden weiblichen: gehört hierher auch das sonderbare masc. oder neutr. mëƷ- Ʒar-as, gen. mëƷƷar-asses (culter) oder mëƷƷar-assi? gl. aug. 118 a mëƷƷr-as (cultrum) doc. 233 b scrîp-mëƷer-esse (scalpellum) mons. 337. scrîp-mësr-esse (scalpello). gab-issa (quisquiliae) O. I. 27, 132. mons. 344; rât-ussa (aenigma) jun. 218. 245. hrab. 953 a mons. 344. doc. 231 a rât-issa jun. 177. T. 72, 1. 73, 1; scrunt-ussa (rima) mons. 332. 353. 384. 389; wohin man auch die mit adj. oder part., welche auf -n ausgehen, gebildeten zählen darf, wenn sie nur X III. consonantische ableitungen. SS. ein n haben: ein-assi (unitas) doc. 249; un-hrein-issa (in- luvies) jun. 210; vuntan-issa (inventio) jun. 195; offan- ussi (significatio) mons. 354. 362. 388 etc. — γ ) theils ge- rade die häufige ableitung aus solchen adj. und starken part. praet., theils das einzelnen wörtern (wie im goth.) dunkel zum grunde liegende verbale -in (oben s. 173.) scheint den sprachgeist verführt zu haben, nicht mehr -ass , -iss , -uss , sondern -nass , -niss , -nuss für das hier wirksame princip zu nehmen; weshalb auch von späte- ren grammatikern in dem -niss eine wirkliche wurzel gesucht worden ist. Wäre das, so müsten alle unsere ableitungen für wahre composita gehalten werden. Al- lein es hat so wenig ein wurzelhaftes -nass, -niss gege- ben, als ein wurzelhaftes -nei, -nede, -nâð, -naðr (s. 96, 247. 254. 255.) oder -môdî (s. 256.); wie die unter β ge- sammelten überreste des organischen verhältnisses dar- thun. Doch ist schon in den ältesten denkmählern der irrthum durchgedrungen, d. h. es wird nicht nur in wörtern, wo sich kein begründetes -an, -in denken, we- nigstens nicht mehr nachweisen läßt (obgleich viele ahd. verba -inôn untergegangen sein mögen) die liquida ein- gerückt wohllauts halber oder um die ableitung mehr hervorzuhe- ben, kann es nicht geschehen; warum wären tougal-issi, fagar-issi un wohllautiger oder unklarer? z. b. tougal-nissi (secretum) fol-nissa (expletio) nibul-nissi (obscuritas) fagar-nessi (claritas); sondern selbst geminierte geschrieben, wo der stamm bereits n hatte: ein-nissa J. 367. pouhhan-nissa (nutus) jun. 181; kihal- tan-nissa (castitas) jun. 219; ein-nussi (contractus) mons. 378 etc. Einzelne wörter schweben zwischen der schrei- bung n und nn; welche soll man für nachläßig halten? — δ ) der vor dem ss stehende vocal ist gl. mons. doc. zu- weilen a (wie im goth.) wenn ich der verwechselbarkeit der schriftzüge a und u traue, entschieden hat in e um- gelautetes a durchgängig T.; nur i haben J. K. O. N. W., die glossen wechselnd mit a und u; u hin und wieder die glossen. Im ganzen i überwiegend. — ε ) masculina dieser bildung sind verschwunden; das geschlecht schwankt zwischen fem. und neutr., im fem. selbst wieder zwischen erster und zweiter decl. (nissa, nissî). J. K. kennen bloß fem. auf -nissa, -nissi; O. bloß neutra -nissi; bei T. sind bald. fem. -nessî, bald neutra -nessi; bei N. fem. -nissa neben neutris -nisse; zuweilen und in den glossen III. consonantische ableitungen. SS. häufig läßt sich schwer sagen, ob ein fem. -nissî oder neutr. -nissi gemeint ist sonderbarer gen., dat. fem. auf -ê (?) statt -î: sûbarnessê T. 7, 2. 21, 3. . T. und N. wechseln beider- lei formen sogar in den nämlichen wörtern, vgl. sûbar- nessî fem. T. 7, 2. 21, 3. unsûbar-nessi neutr. 141. giwiƷ- nessî fem. T. 4, 15. giwiƷ-nessi neutr. 160, 2; ferlor-nissa fem. N. 48, 1. ferlor-nisse neutr. 10, 2. — Dies voraus- geschickt folgen nun belege für die ahd. drei formen, 1) fem. auf -nissa : arauc-nissa (manifestatio) J. 935; drî- nissa (trinitas) J. 358. 361. 363. K. 30 b driu-nissa hymn. 948 a ; ein-nissa (unitas) J. 367; ki-haltan-nissa (castitas) jun. 219, versch. von kihalt-nissa (salus) N. 34, 23; hart- nissa (durities) J. 382; heilac-nissa (sanctificatio) J. 369; hôh-nissa (celsitas) J. 204; hrein-nissa (mundities) jun. 210; kihuorvan-nissa (conversio) K. 57 a ; îtal-nissa (desolatio) J. 381; kër-nissa (devotio K. 35 b 36 a ; kot-nissa (divini- tas) J. 350. 352 etc.; kiloup-nissa (fides) 7. 406; leid-nissa (abominatio) jun. 194; kilîh-nissa (imago) J. 349. 350. jun. 210. 226; farloran-nissa (dispendium) jun. 179. ferlor-nissa (interitus) N. 48, 10; lûtar-nissa (sinceritas) jun. 192; man- nisc-nissa (natura humana) J. 386; milt-nissa (misericordia) J. 898; pauhhan-nissa (nutus) jun. 181; plîd-nissa (gau- dium) J. 384; rëht-nissa (justitia) J. 345. 384; stât-nissa (status) jun. 227; arsuoh-nissa (experimentum) jun. 174; toukan-nissa (secretum) jun. 194; int-vanc-nissa (assump- tio) J. 373. jun. 223; invleisc-nissa (incorporatio) J. 375; vol-nissa (expletio, plenitudo) K. 34 a J. 403; vuntan-nissa jun. 195; kivuac-nissa (nexus) jun. 215; untarvuor-nissa (subvectio) jun. 225; wâr-nissa (veritas) J. 396; irwart- nissa (corruptio) N. 37, 4; unwërd-nissa (contemptio) J. 383; wuot-nissa (dementia) J. 350. jun. 238. — 2) fem. auf -nissî: ahte-nessî (persequutio) T. 22, 15. 75, 2. 106; churt-nassî (brevitas) exhort.; kidâht-nissî (devotio) jun. 257; ein-nassî (universitas) doc. 249. ein-nussî (contractus) mons. 375; kihalt-nissî (salvatio) eidschw.; haƷ-nissî (dam- natio) jun. 238; ubarhlaup-nissî (?) J. 379; hold-nissî (pla- catio) doc. 219 b ; kihôr-nussî (auditus); hlût-nussî (clan- gor) mons. 327; varlâƷan-nissî (dimissio) jun. 212; kalîh- nassî (habitus) doc. 250. 252, kilîh-nissî jun. 234. 252. wëa- lîh-nissî (qualitas) K. 51 b ; piloh-nissî (clausura) jun. 256; intlohhan-nassî (reseratio) mons. 408; vloran-nussî (dam- num) mons. 363. 380; michel-nessî (majestas) T. 91. 152; milt-nassî (beneficium) doc. 250; offan-nussî (revelatio) X 2 III. consonantische ableitungen. SS. mons. 354. 362 388; arougan-nessî (ostensio) T. 4, 19; pë- raht-nissi (splendor) J. 344. beraht-nessî T. 6, 1. 88; ka- saz-nassî (statio) mons. 411; spreit-nessî (dispersio) T. 129; arstant-nessî (resurrectio) T. 110; stunc-nissî (compunctio) K. 49 b ; sûbar-nessî (purgatio) T. 7, 2. 21, 3; fagar-nessî (claritas) T. 177, 3. 179, 3; vol-nassî (summa) doc. 250. vol-nissî K. 33 b ; vûl-nussî (corruptio) mons. 348; vunt- nussî (praebitio) mons. 362; var-walp-nussî (subversio)? mons. 402; werd-nussî (justificatio) mons. 331. 342. 397; wîh-nassî (dedicatio) misc. 2, 288; kiwiƷ-nessî (testamen- tum) T. 4, 15; pizeih-nussî f. pizeihhan-ussî (allegoria) mons. 397. — 3) neutra auf -nissi: bihaban-nessi (obten- tus) T. 141; bihalt-nessi (observatio) T. 140. gihalt-nissi O. II. 18, 35. (wo ich -û für den instr. halte); ingalt- nisse (supplicium) N. 78, 9; got-nissi (divinitas) O. V. 6, 118; galîh-nissi hrab. 952 a ; glîh-nessi T. 91. 126. gelîche- nisse N. 103, 18. glîh-nisse W. 1, 15; ferlori-nisse N. 10, 2; nibul-nissi (caligo) O. V, 19, 53; giruor-nessi (motus) T. 52, 2, 88. 210, 1; gisaz-nessi (tractatio) T. 84; irstant- nissi (resurrectio) O. V. 24, 22. 53; firstant-nissi (intellec- tus) O. I. 179. furstant-nesse T. 128; stil-nissi (tranquillitas) O. IV. 7, 98. stil-nessi T. 128, fehlerhaft scheint stilte-nessi 52, 6; suaƷ-nissi (dulcedo) O. V. 20, 101; finstar-nissi (te- nebrae) O. III. 20, 39. 21, 16. T. 21, 12. 36, 4, 47, 7. 119. 125. 185, 8. 207, 1. 216, 1; wâr-nissi (veritas) O. IV. 21, 72; irwart-nissi (corruptio) O. V. 12, 44; giwiƷ-nessi (te- stimonium) T. 14, 6. 44, 9. 84. 160. 2. 171, 1. 198, 5; ziworph-nessi (desolatio) T. 145. — Ueber nachstehende bei T. bin ich zweifelhaft, ob sie fem. oder neutr. sind: thruc-nessi (pressura) 145. 176, 5; gihôr-nessi (auditus) 74, 6. 143; forlâƷ-nessi (remissio) 13, 2. 160, 2. 232, 2; arlôs- nessi (redemptio) 7, 10; nidar-nessi (damnatio) 225, 2. for- nidar-nessi 141; intrigan-nessi (revelatio) 7, 6; bisnît-nessi (circumcisio) 104; tougal-nessi (absconsum) 33, 3; gitruob- nessi (tristitia) 172, 2. 174, 4; tump-nessi (stultitia) 84. — Einzelne wörter fügen zu dem -niss noch ein-ida: einuss- ida (unio) mons. 340. 375. ferlornisseda (perditio) N. 57, 11. 87, 12. 106, 19. (vgl. oben s. 244.) — In der alts. E. H. erscheint diese bildung, so weit ich urtheilen kann, nur einmahl im cap. von Christi taufe, wo der dat. gelîc-nesse (similitudine) auf ein neutr. gêlic- nessi deutet. Allein man darf hieraus nicht gerade eine gleiche seltenheit der form in der alts. prosa folgern (s. das ags.). Auch zeigen die niederd. psalmen viele -nussi , wie es scheint, lauter neutra; wenigstens läßt sich dieses III. consonantische ableitungen. SS. genus für rëht-nussi aus 68, 28. 70, 15. entnehmen und kein fem. für eins der andern wörter: tebrocan-nussi (contritio) 59, 3. farbrocan-nussi (praevaricatio) gl. lips.; fager-nussi (pulcritudo) gl. lips.; gigravan-nussi gl. lips.; îdel-nussi (vanitas) 61, 10. 62, 10; gilîc-nussi (similitudo) 57, 5; rëht-nussi (justitia) 57, 2. etc.: giruor-nussi (com- motio) 65, 9; suoke-nussi (scrutinium) 63, 7; thiuster-nussi (tenebrae) 54, 6; farwâtan-nussi (abominatio) gl. lips.; gi- wësan-nussi (substantia) 68, 3. — Den ags. gedichten gebricht diese ableitung beinahe; in Beov. ist kein beispiel (88. ändere man glëo-manness in glëo-mannes, histrionis); Judith 22. stehet vîn-essa druncen (ebrius) wofür Lye lesen will: vîne svâ dr., ich weiß nicht, ob mit fug und nach der handschrift; unbe- zweifelt ist das fem. cnëoris (stirps, genus) gen. cnëórisse Jud. 26. Cädm. 37. 38. 43, doch ich weiß mich in cnëór- is oder, wie in der prosa häufig geschrieben wird, cnë- óvr-is nicht zu finden, d. h. das r nicht zu erklären. Eher vermuthe ich ein compos. cnëó-ris, cnëóv-ris, ähn- lich dem altn. knê-runnr (progenies), das ich von rîsan (surgere) leiten würde, wenn nicht die gemination ss in cnëó-risse entgegenstünde. In Cädm. und zumahl Boeth. begegnen aber andere unabwendliche beispiele wirklicher -nes , die im obliquen cas. -nesse erhalten; im Cädm. mit dem vocal i; onlîc-nis (similitudo) 10; êc-nis (aeternitas) 12; im Boeth. mit dem vocal e (den ich weder für um- laut des a, noch für ë zu erklären wage): gedrêf-nes (turbatio) 155 a 184 a ; geset-nes (constitutio) 165 a ; gescâd- vis-nes (discretio) 178 b ; ofergëotol-nes (oblivio) 183 a ; rihtvîs-nes (justitia) 188 a ; hefig-nes (gravitas) 184 a ; sôð- fäst-nes (veracitas) 183 b ; hâthëort-nes (ira) 187 b ; vræn- nes (lascivia) 187 a . Die meisten sind ausdrücklich femi- nina, einmahl Boeth. 183 b lese ich den gen. rihtvîsnesses, der, wenn die lesart richtig ist, ein neutr. verräth. In der ags. prosa kommen die ableitungen -nes , gen. -nesse (die schreibung schwankend in -nis , -nisse und -nys , -nysse , welches letztere umlaut des u entlialten könnte) so häufig vor, daß es unthunlich wäre, die menge von belegen hier beizubringen. Alle scheinen weiblich. Bei- spiele: unbërend-nes (insertilitas); endebyrd-nes (ordo); cnëord-nes (cura); vilddëor-nes (desertum, lustrum); drî- nes (trinitas); dysig-nes (stultitia); êce-nes (aeternitas); oferëtol-nes (gulositas); êð-nes (facilitas); frêcen-nes (pe- riculum); oferfêr-nes (transitus); forgŷmed-nes (negligen- tia; mildhëort-nes (misericordia); hnäsc-nes (mollities); III. consonantische ableitungen. SS. forhoged-nes (contemptus); oferlëor-nes (praevaricatio); forlige-nes (fornicatio); gelîc-nes (similitudo); âlŷsed-nes (redemtio); micel-nes (magnitudo); môdig-nes (superbia); niv-nes (novitas); nivel-nes (abyssus); nŷte-nes (ignoran- tia f. ne-vite-nes); unriht-nes (injustitia); unrot-nes (tri- stitia); besmîte-nes (inquinatio); gesvenced-nes (afflictio); tôtvæmed-nes (distinctio); tôvëard-nes (futuritas); vem- med-nes (foedatio); verig-nes (maledictio) u. v. a. Spä- terhin wird auch -nesse, -nisse im nom. sg. gebraucht. Es gibt dieser ags. ableitungen weit mehrere, als der ahd. — Im altn. mangeln sie durchaus, den liedern, wie der prosa; auch die neunord. sprachen wißen nichts davon. Denn daß einige hochd. wörter dieser sorm ins dänische eingedrungen sind, z. b. vild-nis kommt in keinen be- tracht. — Die mhd. dichter bedienen sich der ableitungen mit- nis, -nisse äußerst selten, und, da man sie in der prosa der urkunden des 13. 14. jahrh. häufiger antrifft, sicht- bar ungern. Die form mag ihnen metrisch unbequem, der abstracte begriff zu unlebendig gewesen sein. Wolfr. im Parc. gebraucht nur bekant-nisse 92 c , gevanc-nusse 93 c , gevanc-nisse 186 c ; Hartm. im Iw. vanc-nusse, vanc- nus 9 a 22 a ; beide wörter sind fem. wie auch aus vanc- nusse Wigal. 6816. Barl. 162, 4. vanc-nisse MS. 2, 229 b erhellt. Im Trist., in den Nib. etc. steht gar kein solches wort. Die weltchr. cass. 281 d gibt behalt-nisse, cod. pal. 341, 51 b gestalt-nusse, cod. pal. 368, 4 c beswær-nisse, übel- nisse und so mögen sich einzelne belege mehr zusam- menlesen laßen. Wo die mundart ans niederd. streift, bieten sie sich öfter: vinster-nisse En. 24 c weiblich (desgl. MS. 2, 203 a mus. 2, 220. aber MS. 2, 9 a neutral); wilt- nisse fem. En. 28 b ; versuoche-nisse, unservater 3763; der eine Herbort hat folgende: beswêr-nisse: übel-nisse 4 c ; verrête-nisse 12 b 44 a 99 a 103 d ; venc-nisse, gevenc-nisse 44 a 114 a ; finsternisse (neutr.) 114. a 118 a ; gestelte-nisse (fi- gura) 118 a etc. Er lautet auch, wenigstens der hs. nach, den wurzelvocal um, während die übrigen mhd. belege nicht umlauten. Das genus scheint in einzelnen wörtern zu schwanken, doch (wie im ahd.) das fem. zu über- wiegen. Ottoc. hat-nus (1, 448). — Der nhd. sprache sind die ableitungen -nis zwar ge- läufiger, als der mhd., doch läßt sie ihnen weit geriugern umfang, als die engl. oder selbst niederländische. Sie zer- III. consonantische ableitungen. SS. fallen in sem. und neutra, allein jetzt überwiegen letz- tere. 1) feminina auf -nis , im sg. inflexibel, im pl. -nisse (überrest der starken form und ausnahme von der nhd. regel 1, 701. welche -nissen fordern würde): verdamm- nis; bedräng-nis; fäul-nis; finster-nis; befug-nis; kent- nis, erkent-nis; erlaub-nis; empfäng-nis; besorg-nis; be- trüb-nis; bewandt-nis; wild-nis. — 2) neutra auf -nis , gen. -nisses , pl. -nisse: ärger-nis; bild-nis; bünd-nis; ge- dächt-nis; verderb-nis; bedürfnis; ereignis (f. eräug-nis); gefäng-nis; erforder-nis; leichenbegäng-nis; ergeb-nis; begeg-nis; gleich-nis; begräb-nis; verhält-nis; verhäng- nis; geheim-nis; hinder-nis; verlöb-nis; vermächt-nis; versäum-nis; geständ-nis, einverständ-nis; verzeich-nis; zeug-nis; erzeug-nis. Einige leiden wohl beiderlei ge- nus: empfäng-nis; versäum-nis; verderb-nis; erspar-nis; andere gelten fast nur im pl. (schreck-nisse, kümmer- nisse). In den meisten wirkt das -nis umlaut, in erlaub- nis nicht, aus dem grunde, der auch glaubig f. gläubig verstattet; in bewandtnis, besorgnis, ersparnis, verdamm- nis etc. nicht aus andern ursachen. Einzelne dieser ab- leitungen klingen schon steif (z. b. ergebnis) wag-nis, ganz unerträglich von schlechten schriftstellern neuerfundne (z. b. verkentnis, labnis, steilnis, trocknis); analogie hat bei dieser ableitung fast alles recht verloren. Die ge- meine volkssprache enthält einzelne, die von der schrift- sprache nicht gebraucht werden; oft bestimmt sie auch das geschlecht anders, namentlich begünstigt die ober- deutsche das femin. Neben oder für -nis duldet sie hin und wieder -nus , oder umgelautetes -nüs vgl. Schm. §. 1053. Der schweizerdialect scheint die ableitung we- nig zu lieben. — Mnl. scheint -nesse (weiblich) ziemlich gangbar, z. b. besnîde-nesse (circumcisio) Maerl. 1, 66; verdoeme-nesse (condemnatio) 2, 80; verrîse-nesse (resurrectio) 2, 142; quîte-nesse (liberatio) 2, 210. wilder-nesse Rein. 2578. 3149. — Nnl. -nis , meist feminina: erbarme-nis; bêlte- nis; dêr-nis (misericordia); beduide-nis; verdoeme-nis; erfe-nis (hereditas); hinder-nis; ken-nis (zuweilen ken- nisse); erkente-nis; gelîke-nis; verrîze-nis; besnîde-nis; gevange-nis; wilder-nis. Einige gelten für neutra: erger- nis; geheime-nis; geschiede-nis; getuige-nis; bezwâr-nis. Engl. eine menge, z. b. busi-neß.; fresh-neß; ful- neß, fright-ful-neß; great-neß; heavi-neß; kind-neß; end-leß-neß, shame-leß-neß; like-neß; moodi-neß; III. consonantische ableitungen. SS. mouldi-neß; new-neß; righteous-neß; sound-neß; wil- der-neß (aus dem ags. vildëornis, doch vgl. das nnl. wil- der-nis); wit-neß; (wo dem neß i vorausgeht, ist ein adj. auf -y = -ig zu verstehen, z. b. bußi-neß, môdi- neß, ags. bys-ig-nes, môd-ig-nes). Die ableitung ist der sprache so gefüge, daß sie auch zu romanischen wörtern tritt, z. b. perfective-neß; perfidious-neß etc. Ja, was bei dieser ableitung sonst und selbst im ags. unerhört scheint, es ist sogar das verbum wit-neß (testificare) ge- wagt worden. — bemerkungen zu der ableitung SS. 1) daß -nass, -niss, -nuss keine wurzel sei, sich aus -ass, -iss, -uss hervorgethan habe, wurde gleich eingangs gewiesen. In letzteren könnte aber das ss entw. gemina- tion für älteres einfaches s sein, oder assimilation aus hs, sk? Niederdeutsche dialecte wandeln hs in ss (1, 498 vgl. egidëhsa, egedësse), nie aber hochdeutsche, welche gleichwohl jenes iss leiden. Für sk stritte, daß sich wirk- lich neben râtissa (aenigma) râtiski doc. 231 a râtiscâ N. 41, 5. vorfindet. Inzwischen ändern selbst niederdeutsche mundarten organ. sk nicht gern in ss, umgekehrt ss in sk sch (hernach unter 3.). Wahrscheinlicher ist mir da- her gemination. 2) im griech. gibt es fem. auf -ασσα, -ισσα, z. b. ἄν- ασσα, θάλ-ασσα; βασίλ-ισσα, κίλ-ισσα, μέλ-ισσα; meist persönlich, kaum abstract. Hält man dazu die weibl. adj. auf -εσσα : χαρί-εσσα, μελιτό-εσσα ( μελιτοῦσσα ) und die epischen σσ in der plur. dativflexion: δέπασσι, βέλεσσι, παίδεσσι, νέκυσσι; so unterliegt keinem zweifel, daß auch diese ss erst aus gemination oder assim. entspringen. 3) das latein hat wenige ableitungen -issa: mant-issa, fav-issae, vibr-issae, in denen früher einfaches s gewaltet zu haben scheint; wie in den flexionen -sse (Schn. 443). Romanische sprachen movieren feminina auf -essa, -esse; ital. duch-essa, princip-essa; franz. duch-esse, princ-esse, prêtr-esse, pêcher-esse; daher das mittellat. duc-issa, co- mit-issa; im span. ungeminiert: duqu-esa, princ-esa. Quelle der form war das lat. -ix, netr-ix, piscatr-ix etc. das nur weiter ausgedehnt wurde. Aus dem roman. ent- lehnte solche fem. das mhd., z. b. prophet-isse Parc. 113 a En. 24 c 26 b dosch-ësse Parc. 105 b ; nach r stehet bloßes -se: suldier-se (altfranz. soudoieresse, soldatenweib); trip- panierse (? meretrix) Parc. 82 c und schon in älteren, halb- niederd. glossen: clûsener-se, meier-se, tolner-se, mun- III. consonantische ableitungen. SS. zer-se jun. 302. becker-sa (pistrix) jun. 352. statt der rein- mhd. klosnærinne, zolnærinne, beck-inne. Dieses -se aber erklärt uns den ursprung des noch heute in Nieder- deutschland geltenden -sche in frauennamen meier-sche, wever-sche, naier-sche, auch ohne vorstehendes r: kök- sche (köchin) adam-sche (Adams frau) etc. welche min- der gut aus dem adjectivischen -isc, -isch gedeutet wer- den. Denn in diesem fall hätten sie früher -sk und nicht -s. Auch hat sich im nnl. das -es, -esse erhalten, nicht in -esch, -esche verwandelt, aber ziemlich um sich ge- griffen, vgl. mêster-esse (maîtresse), minnar-es, minnar- esse, môrdenar-esse, verrader-esse u. a. m. Mnl. tover- esse (venefica) Maerl. 3, 256. Selbst daß aus abbet-isse. ebbed-isse jun. 302. mhd. ept-ischin Bon. 48, 20. (nhd. abt- issin) wurde, vgl. tûmer-schin (saltatrix) Herb. 60 c (nnl. tuimelar-esse), zeugt wider organ. -fk, woran bei diesen wörtern niemand denken wird. Vgl. die engl. abbat- eß, count-eß, dutch-eß, princ-eß, prophet-eß. 4) es gibt aber auch in abstracten französ. fem. ein -esse, das auf den ersten blick dem deutschen -niss ver- wandt scheinen könnte, vgl. just-esse, trist-esse, fin-esse, vit-esse, grand-esse, jeun-esse, forter-esse u. v. a. Allein das span. -eza, ital. -ezza in gleichen wörtern (alt-eza, grand-eza, trist-eza, vist-eza, fortal-eza, bell-ezza, grand- ezza, fort-ezza, giocond-ezza) lehren die wahre quelle, nämlich das lat. -tia (justitia, tristitia). Daher auch in andern franz. formen -ce waltet (justice, patience) und es ist alle berührung jenes -esse mit den deutschen -nisse zu leugnen. 5) wichtiger ist es für das wesen dieser letzteren, zu untersuchen: welcher art wörter die ableitung hinzu- trete? Das goth. -assus offenbar verbis auf -inôn, mit ausnahme von ufar-assus unverwandt dem ahd. compos. ubar-aƷ? ubar-âƷ (crapula) T. 146. von ubar-ëƷƷan; wenn veinnas ( πάροινος ) Tit. 1, 7. nur ein u hätte, ließe sich ein goth. vein-assus (vinolentia) folgern. und fil-ussi, die aus den par- tikeln ufar und filu (vielleicht also filu-ssi?) gezeugt wer- den. In den übrigen sprachen vervielfältigt sich die ab- leitung, sie tritt a) zu subst. got-nissi, nibul-n, mennisc-n, pouhhan-n. b) häufiger zu adj. finstar-n., wâr-n., tump- n., sûbar-n., gilîh-n., îtal-n., bëraht-n., hrein-n., auch zu denen auf -ac, -îc: heilac-n., zumahl im ags. mô- dig-n., hefig-n., dysig-nis. c) zu part. praet. starker III. consonantische ableitungen. SS. LF. verba: antrigan-n., intlohhan-n., farlâƷan-n., farwâƷan-n. farprohhan-n. und im ags. vorzüglich oft zu part. praet. schw. verba: forgŷmed-n., forhogedn., tvæmed-n., wovon ich kein anderes ahd. beispiel weiß als gidâht-n., mhd. bekant-n., nhd. bekent-n., gedächt-n., vermächt-n., be- wandtn. d) nicht wenige scheinen aber auch herzurüh- ren aus einer verbalform, die verkürzt worden ist: gi- hôr-n., arlôs-n., farstant-n., irwart-n., gisaz-n. (ags. ge- set-n.), gihruor-n., gihalt-n., gifanc-n., infleisc-n., ar- suoh-n., untarfuor-n., etc. Ist hier das -an des inf. aus- geworfen? gihôran-n., etc., oder liegen zum theil ver- lorne verba -inôn zu grunde? z. b. infleiscinôn bei in- fleisc-nissa f. infleiscin-issa? Möglichkeit der verkürzung thut das nhd. verzeichnis dar, welches sicher f. verzei- chennis, verzeichnenis stehet. 6) bei fast keiner ableitung scheinen die vorausgehen- den vocale so gleichgültig und verwechselbar, als hier vor dem ss die a, i, u. Größere fülle alter beispiele würde uns erst lehren ihre wahre unterscheidung zu be- obachten. ableitungen mit LF. vorstehender vocal ist hier bloß u, das sich nach der re- gel in o wandelt, also die formel -olf , womit die alt- deutsche sprache eine menge eigennamen bildet. Bei- spiele aus ahd. urkunden: agil-olf; aman-olf; ar-olf; ast- olf; diot-olf; fagin-olf; far-olf; fast-olf; flôƷ-olf; frëhh- olf; fruohhan-olf; gaman-olf; grâ-olf; gund-olf; hamar- olf; horfk-olf; hruod-olf; hun-olf; irmin-olf; madal-olf; môr-olf; neri-olf; nord-olf; plîd-olf; rand-olf; ring- olf; sand-olf; scerpf-olf; stahal-olf; stang-olf; suntar-olf; tal-olf; tuom-olf; wâg-olf; war-olf; wërn-olf; zît-olf; zeiƷ-olf. Noch frühere, zumahl lat. schriftsteller gothi- scher, fränkischer, lombard. herkunft gebrauchen lieber -ulsus, z. b. ata-ulfus; baud-ulfus; ëbar-ulfus; frec-ulfus; gang-ulfus; gib-ulfus; hild-ulfus; marc-ulfus; râd-ulfus; sig-ulfus; sunni-ulfus u. a. m. Im mhd. zeitraum sind diese mannsnamen viel seltner geworden, doch findet sich: biter-olf, in dem bekannten heldenliede; auch-olf (?) MS. 2, 83 b ; ruod-olf; heute haben wir nur ad-olf, rûd-olf übrig, einige dauern entstellt fort, z. b. aus agil-olf wurde egel-olf, egl-olf (mon. boica XXIV, 172.) endlich egl-of. Bei dieser ableitung ist unverkennbar, daß sie aus einer III. consonantische ableitungen. LF. wahren composition entsprang, nämlich mit goth. vulfs, ahd. wolf (lupus), indem 1) das f nach dem l durch alle deutschen mundarten zieht, nicht hochd. f. hier sächsi- schem p entspricht; die ahd. flexion würde folglich v zeigen: suntar-olf, gen. suntar-olves? Mhd. mag freilich biterolfes f. biterolves gesetzt werden. 2) im ags. deut- lich -vulf stehet, z. b. bëo-vulf, auch in nhd. zusammen- setzungen das w hervortaucht: schöne-wolf, heide-wolf, bienen-wolf; die nord. sprache, welche überall Ulfr. sagt, zeigt es natürlich in der compos. noch weniger, z. b. qveld-ulfr in der Egilssaga. 3) die Grieehen ebenfalls eigennamen mit λύκος componieren: αὐτό-λυκος, ἀρηΐ- λυκος etc. Hiernach scheint die ganze formel in das dritte cap. zu gehören. Allein ich nehme sie hierher, weil sich ohne zweifel schon im ahd. durch aphärese der spirans ursprung und bedeutung des -olf so verdunkelt hatten, daß eine wirkliche, anwendbare und angewen- dete ableitung daraus wurde, bei der niemand mehr an den begriff wolf dachte. So mögen auch verschiedene der angeführten eigennamen gebildet worden sein, man leitete mit -olf männliche wesen ab, wenn die idee des ungeheuern (unheimlichen) und bösen vorwalten sollte. N. im Mart. Cap. übersetzt die heidnischen götternamen consus und nocturnus durch will-olf, naht-olf, sicher keine anspielung auf wolf. Ps. 48, 12. drückt er dives durch rîch-olf aus, weil von dem reichen manne die rede ist, der in die hölle kommt. So scheint mir gëll- olf (oben s. 183.) einen mann zu bezeichnen, der kebs- weiber unterhält. Im mhd. sind ähnliche ableitungen noch nicht ausgestorben: bitter-olf stehet Geo. 42 b für einen bißigen wüterich; giem-olf MS. 2, 215 a für einen thoren; trieg-olf, wân-olf Bon. 80, 23. für einen betrü- ger und leichtgläubigen. Vielleicht ist dieb-olt, man-olt (? mein-olt), roub-olt MS. 2, 147 a in dieb-olf, mein-olf, roub-olf zu ändern, wo nicht das -olf wirklich in -olt übergieng, vgl. Ben. 209. gouchgouolt (gouch-gouch-olf?). Dasyp. verdeutscht galbula (namen eines vogels) durch ger-olf, und mark-olf nennt man den heher an einigen orten. Selbst auf die steirische form pischolf f. bischof (1, 444.) mag dieses -olf einfluß gehabt haben. Ich weiß nicht, wie guter-olf (phiala) Wilh. 2, 147 a später guttr- olf, kutr-olf Oberl. 850. hierhergehört, dessen ursprung ich nicht kenne. III. consonantische ableitungen. LD. ableitungen mit LD. laßen sich hauptsächlich im altn. nachweisen; ich schicke einzelne, zweifelhafte wörter, welche in andern dialec- ten auf diese form anspruch machen könnten, voraus. 1) im goth. kommt bloß das dunkle spáiskuldr oder spáiskuldrs ( πτύσμα ) in erwägung, ob es ein compos. spáis-kuldr sei, oder eine ableîtung spáisk-uldr? Letzte- res ist mir wahrscheinlicher. Zwar die ahd. form lautet nicht speisc-oltar, sondern speihh-altra (schw. fem.) T. 132. speihh-oltra, wie ich jun. 262. emendiere; aber hier wird man noch weniger spei-chaltra annehmen wollen. Die übrigen mundarten kennen nichts ähnliches, Beßere auf- schlüße müßen erwartet werden. 2) einige analogie gewährt das altn. masc. þrësk-uldr, þrësk-öldr (limen) offenbar von der wurzel þrëska (nr. 454.) weil vor der schwelle, auf der tenne, gedroschen wird. Ags. þërsc-old, þërsc-vold, þërsx-old; engl. thresh- old; dän. verkürzt tärsk-el. Ahd. drisc-uvili (limen) aug. 120 a (wo dirsgucfili) trev. 37 a (driscuuile) blas. 87 a (drůs- cuuel) Schilt. 115 b (truscheufel) neutrum; was -ufili, ûfili bedeute, weiß ich nicht, ist es aus -ult, -wolt, ver- dorben? wäre auch das altn. wort entstanden aus þrësk- valdr? 3) die benennungen verschiedner bäume scheinen die formel -ld , ahd. lt zu enthalten: altn. apaldr (malus) masc. dän. abild, ags. apuldre fem. ahd. affoltra fem. mons. 326. affaltera W. 2, 3. 8, 5. Desgl. ags. mapuldre (acer); ahd. maƷaltera (acer); wëhhaltra (juniperus); hiefeltra (tribu- lus); nhd. maßholder, wachholder; Dasypod. hat affhol- der, aftholder (opulus, viscum) niederländisch: appel- târe; mispeltâre; noteltâre etc. Gegen ableitendes -uldre, -altra, -older streitet aber, theils daß in apholtra das ol deutlich zu aphol gehört, folglich nur -dre, -tra zur ab- leitung; theils daß -dre, -tera (wie schon s. 122. in einer note gesagt ist) wahre composition zu bewirken scheinen, nämlich aus uralten dëru (arbor) übrig sind. Zwar heißt dies bereits goth. triu, ags. trëóv, altn. trê; allein in der zus. setzung erhielt sich leicht die alte media ohne laut- verschiebung. Und im engl. apple-tree, maple-tree hat sich die composition sichtbar hergestellt. Vgl. holan-tar (sambucus) mons. 414. nhd. holun-der und das niederd. machandel f. wacholder. III. consonantische ableitungen. LD. 4) für schmetterling pflegt man auch falter, zweisal- ter zu sagen, volksmundarten haben pfeifalter, fîsolter, pipolter (Stald. 1, 173.) niederl. vîfelder, vîvouter, wie- wouter. Ahd. fifaltra, vîvaltra, (papilio) zwetl. 127 b trev. 15 a blas. 74 b pîsoldre jun. 269; ags. fiffalde, fisalde. Das wort läßt sich nicht wohl durch zus. setzung mit -faldre erklären, fif-feald ist ags. quintuplex, das auf das thier nicht past und ahd. fimf-faltra wäre, nicht îfaltra. Lie- ber halte ich -altra für die ableitung, fîf-für die ent- stellte wurzel. Die altn. benennung ist fiðr-ildi und dar- in wurzel fiðr, fiöðr (pluma) erkennbar. Steht vîvaltra f. vidar-alta? 4) im ags. findet sich fär-eld (progressus, cursus) ût- fär-eld (exitus), dem ein altn. far-aldr entspricht; beides neutra. Composition mit aldr (aetas) masc. hat bedenken, warum heißt es ags. nicht fär-eald, fär-yldu? vgl. inzwi- schen das ags. ëaldjan, ahd. eltan, altôn (morari), ahd. mhd. tag-alt (ludus, tagvertreib). Dem ags. adj. läfel-dre (planus) engl. level weiß ich nichts ähnliches in den übrigen sprachen. 5) altn. masc. auf -aldi : dôm-aldi (n. pr.) Yngl. S. p. 17. 18; glôp-aldi (fatuus); hrîm-aldi (fuliginosus); þumb- aldi (vir inconcinnus) scheinen in der bedeutung dem ahd. -olf vergleichbar; ribb-aldi (homo violentus) ist das alt- franz. ribaut, woher auch mhd. ribbalt; ulf-aldi (came- lus) steht f. ulf-andi. 6) altn. neutra auf -ald: fol-ald (pullus equinus); gim- ald (hiatus); kaf-ald (ningor densus); ker-ald (vas); rek- ald (ejectamenta marina). Für kerald schwed. kär-il. 7) altn. neutra auf -ildi: seig-ildi (nervositas); þick- ildi (callus); fiðr-ildi (papilio) schon vorhin erwähnt. Den ursprung mindestens einiger -ald aus der zus. setzung -vald . verrathen uns viele lombardische, fränki- sche nomina pr., des 6 — 8. jahrh. bei Mabillon, Marini, Lupi, Fumagalli, z. b. arioaldus, ansoaldus, bërtoaldus, chadoaldus, dructoaldus, ërmenoaldus; grimoaldus, magno- aldus, môdoaldus, radoaldus, ragnoaldus, rîchoaldus, wul- foaldus etc. In ihnen scheint eben das o aus u ent- sprungen (vgl. ingualdus Fumag. nr. 15.), das u aus v, folglich grimoald, bërtoald aus grim-vald, bërt-vald, viel- leicht das altn. dôm-aldi aus dôm-valdi, da diese mund- art das v von valda ohnehin im praet. ausläßt. Spätere ital. urkunden haben denn auch grimaldo, bertaldo, ber- III. consonantische ableitungen. LS. toldo. reinaldo; französ. bertould, bertoud, arnould, ar- noud. Fränkische, ältere aber zuweilen -vald, -wald, vgl. môdo-wald Miraeus 1, 242. clodo-wald testam. Remi- gii; ja im ags. stehet immer -vëald , z. b. ôs-vëald, wel- ches unstreitig = ansoald. Alemannische diplome zeigen mitunter -olt , z. b. megin-olt, liut-olt, muot-olt, kêr-olt, gêr-olt, u. a. bei Neugart und so ließe sich das vorhin s. 331. angeführte dieb-olt roub-olt des 13. jahrh. rechtfer- tigen, vgl. amer-olt MS. 2, 73 a . Nhd. waltet in den überresten dieser namen doppelte form, bald das organ. -wald , z. b. rein-wald, bald falsches -hold , das aus -old gemacht wurde, z. b. rein-hold; beider namen quelle ist dasselbe regin-oald. Zuweilen nhd. rein-old wie arn-old. Altn. ist, wenn der erste theil vocalisch auslautete, das v geblieben, z. b. in ey-valdr. ableitungen mit LS. verbreiten sich nicht über das ags. altfries. und nord. hinaus Conrads marmels troj. 79 a scheint adverbialisch stehender gen. von marmel (rigor, deliquium) schweiz. marfel, Stald. 2, 198; vgl. die von Oberlin 1004. aus dem noch ungedr. theil (fol. 171.) beigebrachte andere stelle. . 1) ags. masc. auf -els , pl. -elsas , doch nicht sehr viele: byrg-els, byrig-els (sepultura); fêd-els (altile); fät-els, fet- els (vasculum, pera); fët-els (balteus); hyd-els (latibulum); ræd-els (aenigma); rêc-els (fumigatio); scycc-els (chlamis); scytt-els (repagulum); sticc-els (aculeus); vëf-els (vela- men); vrîð-els (fascia). Neben rædels auch ein schw. fem. ræd-else (aenigma) gen. ræd-elsan. Von fëtels ein verbum fëtelsjan (balteo ornare) hat Lye, der aber ge- fëtelsod svëord durch ensis perpolitus übersetzt. Des um- lauts wegen ist ëls f. ils anzunehmen. — Späterhin geht die ableitung unter, byrgels heißt mit abgeworfnem s auf engl. burial, rædels heißt riddle. Nahm man das s für ein pluralisches und bildete daraus den sg. ohne das- selbe? buriels C. T. 15654. vielleicht noch der alte sg? 2) in den altfries. gesetzen stehen einige fem. auf -elsa , -ilsa , nämlich blôd-elsa, blôd-ilsa (blutrunst) Br. §. 185. 203. As. 99. 177; blow-elsa (tumor) As. 156; wlem- elsa (? wemm-elsa, deformitas) As. 179. III. consonantische ableitungen. LS. 3) altn. neutra auf -elsi sind zufolge Rask §. 353. erst später aufgekommen und unhäufig: fâng-elsi (carcer); reyk-elsi (thus); stîf-elsi (obstinatio). Desto mehr gibt es solcher ableitungen im schwed. und dänischen. Die schwed. -else sind in der regel feminina: änd-else (terminatio); fri-giör-else (liberatio); giut-else (effusio); märk-else (sig- num); rätt-else (correctio); rêns-else (purgatio); rêt-else (irritatio); rök-else (thus); rör-else (motus); hug-sval- else (solatium); var-else (mansio); und viele ähnliche; fäng-else (carcer) ist neutr. Beispiele dän. fem.: bind- else (impedimentum); domm-else (judicium); end-else föl-else (sensus); til-föj-else (additio); grämm-else (moe- stitia); hör-else (auditus); bekräft-else (affirmatio); til- lad-else (concessio); nägt-else (negatio); rög-else (thus); fort-sätt-else (continuatio); skikk-else (forma); störr-else (magnitudo); betyd-else (significatio) etc. Neutral bleibt vär-else (hypocaustum). — anmerkungen zu der ableitung -els : a) sie scheint mehrfach und in zwei einzelne auflös- bar, und zwar so, daß beide die stelle vertauscht haben. Da sich nämlich im ags. cynegils findet für cynegisl, hors f. hros (1, 245. 246.); so können auch fêd-els, rêc-els für fêd-esl, rêc-esl stehen. Den beweis liefern die nie- derd. psalmen, welche 62, 6. mend-islis (exultationis) 64, 13. mend-isle (exultatione) und nach dergl. lips. burg-isli (sepulcrum) haben. Diese muthmaßlichen neutra burg- isli, mend-isli entsprechen den ags. masc. byrg-els, mend- els (?) f. byrg-esl, mend-esl. b) es wären folglich ahd. ableitungen auf -isal (oben s. 105-108.), d. h. fêd-els parallel dem ahd. vuot-isal, ræd- els dem mhd. ræt-sal, nhd. ræt-sel dies wort hat schwankende ableitungen: ahd. rât-ussa, rât- issa; rât-isci oder rât-isca; rât-isal, nhd. räth-sel; ags. ræd-els (masc.), ræd-else (fem.); engl. ridd-le; bei K 0 isersp. u. a. ræt- ersche (fem.). . Im altn. herrscht die form -sl , -sli vor (oben s. 106. 108.), -ls , -lsi wä- ren erst spätere verderbnis. Im dän. bestehet neben -else noch in einigen wörtern -sel: föd-sel (partus) fem., fäng- sel (carcer) neutr., schwed. beides föd-sla und föd-else (partus). c) das ags. frëols, frëolsjan, altn. friâls, friâlsa etc. ge- hört nicht hierher, sondern zu den compositis mit -hals. III. consonantische ableitungen. RN. ableitungen mit RN. 1) substantiva , meist neutra. α ) masculina; aus dem goth. acc. pl. viduv-aírnans ὀρφανούς ) Joh. 14, 18. ein subst. viduv-aírns oder viduv-aírna zu folgern, ist unsicher, man brauchte cin bloßes adj. viduv-aírns (orbus) anzunehmen? Masc. scheint mir das ahd. pil-arn (gingiva) pl. pil-arnâ (gingivae) mons. 342. (wo die worte tres ordines nicht das deutsche wort angehen können) flor. 988 b , der sg. pil-ern, pil-ren stehet gl. vind. und trev. 8 b , pil-ari (?) doc. 228 b , die heutige oberdeutsche volkssprache hat noch: bild-ern, bilg-ern, bill-er, vgl. Frisch 1, 97 a Stald. 1, 171. Fischart pill-er-lein Garg. mihi 46 a 112 a . Ferner ahd. zuit-arn (hermaphroditus, spurius) jun. 228. doc. 220 a , nhd. zwitt-er, in mundarten aber zwid-arn, zwied-orn, zwied- arm. Da in der ersten hälfte des wortes offenbar zui- (lat. bi-) steckt und das folgende t schwer zu deuten ist, so fragt sich, ob nicht statt zuit-arn ein compos. zui-tarn anzunehmen sei? das mir jedoch ebenfalls dunkel bleibt. Das altn. tvî-tôli (hermaphroditus) dän. tve-tulle ist in der that mit tôl (instrumentum) ags. tôl, engl. tool zu- sammengesetzt, doch kann in dem hochd. ausdrucke nicht dasselbe wort liegen, da sonst z stehen müste. Zeiz- arn, ein eigenname bei Neugart kann auch mit arn (aquila) componiert sein. Auf -orn weiß ich nur ah- orn (platanus) trev. 17 a blas. 52 a , das lat. acer; in andorn marrubium) blas. 56 a jun. 330. lindebr. 997 b depandorn (rhamnus) hrab. 973 a steckt dorn? β ) feminina , das ahd. diorna, (puerpera) jun. 246. traga-diorna (gerula) jun. 208. thiorna (virgo) O. dierena (puella) W. 6, 5, 8. scheint aus dem einfachen diu, thiu (ancilla) T. 3, 9. O. I. 5, 129. fortgebildet und eigentlich: dîuw-arna, dio-arna dionôn, mhd. dienen (servire) ist verkürzt aus diuw-inôn; dionust, dienest aus diuw-inust. Ags. þëóvjan, þëóvôde (servire) ohne ableitendes -n; das wäre ahd. diuwôn. . Gleichergestalt erwuchs aus dem altn. þŷ (mancipium, ancilla prolifera) þërna (famula) schwed. tärna, dän. tärne. Die bedeutungen virgo, an- cilla fließen in diesem und ähnlichen wörtern (z. b. ma- gad) untereinander. Bald wurde die form durch elision des vocals weiter verkürzt, schon trev. 10 a blas. 24 a dirna (puella) und mhd. reimt dirne: gestirne; doch stehet Parc. 62 b dieren; mnl. dieren Rein. 1875. Die Angelsachsen haben in dem worte nicht die ableitung -rn, sondern -n: III. consonantische ableitungen. RN. þëóv-en, þŷv-en (ancilla) unterschieden davon ist þînen (ancilla) abgeleitet von þên f. þëgen (miles, servus); þînen wäre ahd. digin-in. , welches ahd. diuw-in sein würde. — γ ) neutra: goth. eis-arn (ferrum) ahd. îs-arn zwetl. 133 a mons. 325. 327. cass. 855 a (wo îsran in îsarn zu beßern), bei O. N. schon îs-an, mhd. îs-en, doch unter- scheiden einige îs-en und îs-er und fr. belli 27 b 39 a ste- het das adj. îsern-în; nhd. eis-en; ags. îr-en, engl. îr-on; altn. mit elision der spirans iârn im eddischen îsarn-kôl Grimn. 37. scheint die alte sorm übrig. ; man könnte auch das r im ags. worte, statt aus dem s, aus umsetzung des arn erklären, îren f. iern? inzwischen hat noch Beov. in einigen compositis ganz das alte îs-ern, z. b. 52. îscrn- byrne, 231. îsern-scure, neben 221. îren-byrne, 60. 77. îren-bend etc. Ferner goth. luk-arn, welches aber un- deutsch und aus dem lat. lucerna aufgenommen ist, Ulf. übersetzt damit λύχνος , mit lukarna-staþa λυχνία ; keine der anderen mundarten hat sich dieses fremden worts bedient. Altn. ak-arn (glans) ags. äc-ern (glans quernea) engl. ac-orn, dän. ag-ern scheint einerlei mit dem s. 160. angeführten goth. akr-an, das wie glans allgemein für fructus stehet; im ahd. mhd. fehlt das wort man sagt eihhilâ (glandes) und vermuthlich auch puoh- hilâ (glandes fageae) nhd. eicheln, b û cheln. nhd. gilt noch eck-ern, aber wie ein plur. von ecker gebraucht, bald für glandes, bald für glandes fagineae (bûch-eckern) und die oestr. volkssprache besitzt ein der goth. form ähnliches akr-am, agr-am (glans fagea) masc.; mit eik, eih (quercus) kann akarn nicht verwandt sein, eher mit akrs (ager), das was das feld trägt. Das goth. compos. undaúrni-mats (prandium) läßt unentschieden, ob und- aúrni oder und-aúrn (meridies) stattfinde; ahd. unt-orni oder unt-orn? der gen. untornes steht mons. 319. doc. 207 a (wo ich untrons in untornes beßere), der dat. un- tarne Sam.; ags. häufig und-ern; altn. und-orn, Edd. sæm. 2 a ; wurzel scheint die partikel und, ahd. unt (etwa zwischenzeit?), ein compos. un-daúrni anzunehmen ver- werflich vis-urn (ren) jun. 264. ist unerhört und für die spätere gl. zu alterthümlich, als daß ich nicht, der zufalligen ähnlichkeit dem ungar. vese (ren) zum trotz, entstellung aus niero, nierun vermuthete. Wegen eih-horn (sciurus) das man freilich für eih- . — Im ags. gibt es eine reihe von neutris Y III. consonantische ableitungen. RN. auf -ern (in den ältesten quellen lieber -ärn geschr.) welche sämmtlich den örtlichen begriff von behälter, auf- enthalt ausdrücken: bläc-ern (atramentarium); brëáv-ern (coquina cerevisiae); carc-ern (carcer); cvëart-ern (custo- dia); dôm-ern (praetorium); gäst-ern (hospitium); hëal- ern (aula); hêd-ern (cellarium); holm-ern (navis); hord- ern (gazophylacium); mëdo-ern (apotheca mulsi); slæp- ern (dormitorium); þryð-ern (turmarum statio); vîn-ern (cellarium). Nimmt man hier wirkliche composita mit ern, ärn (casa, domus, habitaculum) an, vgl. ahd. erin (pavimentum) jun. 220. altn. arin, arn (socus domesticus); so scheint doch in einzelnen das -ern für bloß ableiterisch zu gelten, namentlich in carc-ern, cvëart-ern (vgl. alten- gl. quert, securitas, b. Ritson). — Verschieden davon sind zum theil die altn. neutra auf -erni (Rask §. 334.): ætt-erni (genus); brôð-erni (fraternitas); fað-erni (pater- nitas); lîf-erni (vita); lund-erni (animi indoles); môd- erni (maternitas); sal-erni (atrium); einige enthalten den begriff von art, beschaffenheit. Bei brôð. fað. môd. steckt das -er schon in den stämmen. 2) adjectiva: hierher vielleicht das angeführte goth. viduv-aírns (orbus)? Ahd. nuoht-urn (jejunus) doc. 227 a noht-urn (nocturnus) N. 76, 5; mhd. nuecht-ern (jejunus) Wilh. 2, 80 b ; nhd. nücht-ern, nnl. nucht-er, schwed. nykt-er; aus dem lat. wort?, das freilich, selbst im mittellatein, die bedeutung von ungetrunken nicht hat, doch fließt diese ungezwungen daraus her; oder ist nuoh deutscher ablaut von nahan (nr. 489.)? Ahd. duërh-ern (obliquus) doc. 208 b bedarf weiterer bestäti- gung. Nhd. außer nücht-ern auch noch: alb-ern (insi- pidus); lüst-ern (avidus); schücht-ern (timidus), keines so in der ältern sprache zu finden, albern entstellt aus dem mhd. al-wære (wovon cap. III.), für schüchtern hat N. 67, 2. skiehtîg (so lese ich f. skihtig). Gar nicht hier- her gehören die unorg. nhd. gold-ern, bein-ern (oben s. 179.), zweideutig ist eisern, entw. von eiser eiser-n, oder für eisern-en (goth. eisarn-eins). Daß die ags. eást- ern, norðern etc. mhd. ôstern, wëstern entstellung einer vollständigeren sorm sind, wurde s. 181. gewiesen. — horn nehmen könnte (ags. âc-vern, altn. îk-orni) verweise ich auf das folgende cap., wo noch andere bedenkliche comp. mit -horn zur sprache kommen. III. consonantische ableitungen. RN. RD. 3) verba? zwei bedenkliche ahd. wörter: it-ernôn (crescere, surgere) mons. 385; uoƷ-ernan (spernere, asper- nari) T. 64, 9. (urzarnitun, l. uoz.) 67, 2. (uozirnit) 118. (uozurnitun) 143. (uozernit) 196, 7. (nozzirnita). Erste- res scheint von der partikel it- (re-) hergeleitet; letzteres verstehe ich weder so, noch wenn ich ein compositum uo-zernan annehme, vgl. cap. III. die vorpartikel uo. In der gemeinen volkssprache ist ein verbum ûƷen (ludi- brio habere) sehr verbreitet, vgl. Stald. 2, 425., sollte das mit uozernan zus. hängen? — anmerkungen: a) da, wo -rn aus keiner composition entspringt, sondern wahre ableitung ist, könnte es bei näherer untersuchung in zwei einfache -r-n aufgelöst werden; doch weiß ich diese ansicht weiter nicht zu be- stätigen, man müste denn das goth. akran mit altn. akarn verglichen daraus die volle form akaran muthmaßen. b) vergleichbar sind die lat. -ern in cav-erna, cist-erna, lav-erna, luc-erna, vet-ernus (morbus) und in den adj. hest-ernus, hib-ernus, pat-ernus, mat-ernus, ext-ernus, int-ernus, ho-rnus, diu-rnus, noctu-rnus etc. doch liegt bei mehrern derselben das -er schon in pater, ma- ter, extra, intra. ableitungen mit RD. von der ableitung -ard gilt ungefähr was vorhin bei -olf angemerkt wurde: sie entspringt aus einer ursprünglichen composition wirkliche composita bleiben aber die altn. -urd , -yrdi , in denen der begriff von ord (verbum) haftet, daher sie bloß in cap. III. gehören. Ein andres -urd entspringt aus vërd in dög-urdr (prandium) und dem eigennamen sig-urdr, vgl. hol-urd (saletum cavum) fem.; das -ard in dem adj. ein-ardr (audax, consians) hin- gegen aus hardr, wie das gleichbedeutige ahd. adj. ein-herti lehrt. — Wie das ags. hl a f-ord (dominus) gebildet sei, ist noch nicht be- friedigend erläutert, schwerlichmit dem 1, 229. vermutheten ord = oddr (cuspis). mit -hard , ahd. hart . Nur daß hier nicht der hochd. dialect die spirans wegwirft und die zus. setzung verdunkelt, sondern der niederländische. Statt der ahd. männl. eigennamen: dëgan-hart: ëbur-hart; en- gil-hart; megin-hart; regin-hart (später mein-hart, rein- hart) përin-hart; wolf-hart etc. gebraucht die mnl. sprache, mit bloßem -aert , nnl. aard , die formen bern-aert; ëver- aert; rein-aert (ever-ârd), rein-ârd etc. Allein sie ver- Y 2 III. consonantische ableitungen. RD. wendet nun auch dieses -aert ableiterisch zu benennun- gen für mannsleute in bösem sinn, trifft also mit der bedeutung des ahd. mhd. -olf, überein, oder mit dem, was wir nhd. durch die zus. setzungen -vogel, -bart, -bold, -hans, -hals ausdrücken. So mnl. galgh-aert (gal- genvogel) Maerl. 3, 127; nnl. dick-ârd (dickhals); dronk- ârd (trunkenbold); gêr-ârd, gierig-ârd (geizhals); grîz- ârd (graubart) lui-ârd (faulenzer) flamländ. lêg-aerd, von lêg, ledig, otiofus; nîdig-ârd (neidhammel); plomp-ârd (plumphans); rîk-ârd (reicher, mit dem nebensinn von stolz, geiz); vrek-ârd (karghals); tâi-ârd (zäher vogel) u. a. m. Ich weiß aus dem ahd. keine beispiele des so gebrauchten -hart. Mhd. aber findet fich fluc-hart MS. 2, 147 a und in einer stelle des Renners (bei Adelung 2, 136. 137.): nëm-hart, nag-hart, lüg-hart, trügen-hart, gleiƷen-hart, slink-hart, aus spätern quellen führt Halt- aus an: frei-hart (exlex, homo dissolutus). Nhd. ist noch bank-hart (spurius); buß-hart (buteo, falco); neid-hart homo invidus) im gang, in der volkssprache andere mehr, z. b. ding-hart, ding-hartel (der dings, verächtlich) Hö- fer 1, 155; faul-hart, Eyering sprichw. 2, 326, 613; zu- weilen mit abgeworfnem h und -ert f. -art: plump-ert. Die deutsche gaunersprache leitet häufig mit -hart und -ert ab, nicht bloß personen, auch thiere und sachen, z. b. gan-hart (teusel); flunk-art (huhn); glat-hart (tisch); spitz-ert (thurm) rausch-ert (stroh); grün-hart (grasgar- ten) etc. ohne alle üble bedeutung. Angemerkt zu werden verdient, daß die roman. spra- chen nicht nur viele deutsche eigennamen der composi- tion -hard, mit gleicher unterdrückung des h, aufgenom- men haben (ger-ardo, ger-ard; ricc-ardo, rich-ard; bern- ard); sondern sich dieses -ardo , ard auch als eines eig- nen bildungsmittels bedienen, das romanischen wurzeln hinzutritt, z. b. ital. cod-ardo, franz. cou-ard, co-ard (feige, von thieren, die aus furcht den schwanz, coda, coue, queue, hängen laßen, daher in der thierfabel name des hasen); gagli-ardo, gaill-ard; fuy-ard etc. Verächtli- chen nebensinn hat das -ard sowenig in col-ard, poup- ard etc. als in ren-ard (rein-hart, rein-aert). Einzelne solcher wörter sind hernach wohl ins deutsche eingedrun- gen, z. b. mhd. stant-hart Wilh. 2, 165 a nhd. stand-arte (fem.!) aus rom. estand-ard, franz. êtend-ard, von estan- dre, extendere, ausbreiten, entfalten. III. consonantische ableitungen. NT. ableitungen mit NT. sind bloß im hochd. und ags. anzutreffen, überhaupt aber selten. 1) ahd. schw. masc. auf -anzo , -enzo -inzo in urkundlichen eigennamen; slouganzo; fahenzo; wëgalenzo? megalenzo?; regenzo, reginzo; deginzo; werinzo; liubinzo; lopenzo; sûbarenzo u. a. bei Neugart, Schannat, Pistorius, im cod. lauresham. Zum theil scheinen sie entstellt, zum theil composita mit lanzo, lenzo, das auch für sich vorkommt, namentlich wëga-lenzo? ist mega-lenzo schreibfehler? oder magan-lenzo, megin-lenzo? bei sûbar-enzo steht volles -enzo, bei dëgan-zo, regin-zo bloßes -zo. — Im ags. finde ich das einzige rac-enta, racc-enta (catena), keine manns- namen. 2) ahd. schw. fem. auf -anza , -enza , außer den weibs- namen rîhh-enza; mag-anza; chot-enza?; folgende sub- stantiva: astr-enza (aristolochia) trev. 19 b , vielleicht ôstar- enza? da sie heutigestags osterluzei genannt wird; troph- inza (stillicidium) doc. 239 b wo der dat. pl. trophinzin f. trophinzun?; vohh-enza (laganum, collyra) mons. 321. zwetl. 124 b sëmal-vohh-enza (similago) mons. 326. doc. 234 b , ags. lautet das simplex foca (panis sub cinere pistus), das wäre ahd. vohho?? visc-enza (piscatura) muthmaße ich nach dem fisch-enze heutiger mundarten, vgl. Erisch 1, 270 b Stald. 1, 372. 3) ahd. verba zweiter schw. conj. nav-enzôn (cavil- lari) wenn ganavenzôta (cavillabatur) mons. 341. richtig ist (schwerlich g’ana-venzôn). Ein mhd. snarr-enzen (garrire?) steht zu folgern aus snarr-enzære (garrulus?) MS. 1, 127 a ; umbi-gaginzâri (peripateticus) trev. 46 b scheint zu beßern in umbi-gengizâri, wie blas. 39 a , von umbi- gengizan (circumire). In nhd. dialecten sind verba auf -enzen üblich, um die ähnlichkeit des geschmacks und geruchs auszudrücken: bock-enzen; jud-enzen (sapere ju- daeum); kupfer-enzen; rauch-enzen; wild-enzen, vgl. Schm. §. 1065. Die schriftsprache hat bloß faul-enzen (pigrescere) und davon faul-enzer. Was ist aus der ent- stellten gl. mons. 363. varrinenzenon (tauris) zu machen? etwa ein verbum varr-enzôn? oder abzusondern varrînên zenon (dentibus taurinis)? — 4) andrer art ist das -anz, -enz in einigen fremden wörtern: ags. pal-aut, ahd. pal-inza O. pel-enze jun. 303. (palatium) mhd. pfall-enze Mar. 217; den städtenamen III. consonantische ableitungen. NT. ND. mag-anza, meg-inze, mai-nz (moguntiacum) nhd. cobl- enz, breg-enz, veld-enz etc. Ein fluß reb-enze MS. 2, 212 a . — anmerkung: bei den unter 1 — 3 angegebenen formen wage ich nicht, das -nt, nz weiter in -n-t, -n-z zu zer- legen. Könnte nicht das n bloß nasal und eingeschoben sein? vgl. fisc-iƷi, fisc-izi (oben s. 214.) mit fisc-enza; troph-ezen mit troph-enza, überhaupt die s. 217-219. verzeichneten verba -azan, -ezan mit denen auf -enzen, wiewohl jene nicht gerade so auf sinnliches riechen und schmecken zu beziehen sind. ableitungen mit ND. [AND] hierher fallen alle substantivisch gebrauchten part. praes. 1) masculina , bereits 1, 1017. abgehandelt. Keine participia sind jedoch das goth. ulb-andus (camelus), ags. olf-end (pl. olfendas) wosur altn. ulf-aldi; ahd. hëlf-ant (elephas) Hagen denkm. 35., mhd. hëlf-ant, nhd. eleph- ant. Ob der heldenname ags. vêl-and Beov. 36. Bocth. 162 a. b. Joannes monachus in vita Gaus- sredi ducis normannor. Paris. 1610. p. 19. nennt ihn: Galannus, sabrorum superlativus. : mhd. wiel-ant (ahd. wial-ant?) part. sein könne, weiß ich nicht, vgl. altn. vêla (decipere) aber völ-undr. 2) feminina: ahd. olp-enta (camelus) mhd. olb-ende; sceph-enta (parca, creatrix) zwetl. 128 a , beide schwach decl. In den noch ungedr. gl. ker. sollen mehrere fem. auf -antî vorkommen, z. b. gëb-antî (gratia); hêrêandî (?êrêntî, parcitas) offenbare participia. Nach Rask §. 318. wird qvëd-andi (cantus) altn. weiblich gebraucht, nach Biörn ist es männlich, wie hyggj-andi (sapientia) u. a. m. 3) adjectiva , das einzige ahd. ar-andi (asper, auste- rus) vgl. arandiu (aspera) K. 53 b arendôr (austerius) mons. 403. arendidôn (austeritatibus) mons. 404. wofur doc. 202 b arendinôn (asperitatibus) und arendinero (aspere)! vielleicht arendêro (asperae)? Die kürze oder länge des wurzelvocals bleibt auch unentschieden. — [IND] dieser form sind bloß altn. neutra, die fast im- mer im plur. gesetzt werden: bind-indi (abstinentia); III. consonantische ableitungen. ND. er-indi (pausa); fegr-indi (res nitidae); hard-indi (an- nonae caritas); hœg-indi (commoditas); hlynn-indi ful- crum); hygg-indi (sapientia); lîk-indi (probabilitas); rêtt- indi (justitia); sann-indi (veritas); sâr-indi (dolor); tîd- indi (relationes); vîs-indi (philosophia) u. a. m. Das i scheint nicht einmahl organisch, weil vielen der umlaut fehlt, und dieser, wo er eintritt, in etwas anderm be- gründet. Vermuthlich entspringen alle diese -indi aus älteren -undi, vgl. erindi mit ahd. arunti. Dän. tid-en- der (relationes novae). — [UND] im goth. ahd. altn. 1) masculina: ahd. hlium-unt, lium-unt gen. -untes (fama) jun. 207. mons. 342. 361. 366. 397. T. 17, 8. lium-ent N. 32, 15. 130, 1. mhd. lium-et Trist. Hag. 211 b troj. 179 c 180 a , der mir unbelegliche gen. muß wohl lium-edes, lium-des heißen? Bon. 53, 2. der dat. lium-den schwachformig st. des beßeren lium- de; nhd. mit alter, tieftoniger ableitung leum-ùnd. Ahd. wis-unt (bubalus) jun. 197. (wo wizsunt) mons. 402. wi- sunt-wangas, wisantes-wangun, wisontes-steiga, ortsna- men b. Neug. nr. 168. 401. 625. später wis-int trev. 11 a Gerbert p. 138, wis-intin (bubala) zwetl. 129 b und wis- ent jun. 271. 276. (wo wies-ent); mhd. wis-ent Nib. 3680. 8026; altn. vis-undr (urus, Biörn schreibt vîsundr). Un- sicher, der form und dem geschlechte nach, sind ahd. hëll-unt (hiaena) flor. 954 b (viell. hella-hunt? vgl. unten s. 346.) lanch-unt (ilia) jun. 209. wofür sonst das einfache lancha. Es gibt einige altn. eigennamen auf -undr: ön- undr und völ-undr (vgl. oben das ags. vël-and); außer- dem noch das subst. hör-undr (cutis, caro) gen. hörun- dar, später hörunds. — Masc. schwacher form sind goth. nêhv-undja (proximus) vgl. das ahd. adv. nâh-unt (nu- per) doc. 226 b ; und der volksname goth. baúrg-undja? ahd. puruk-untjo? den ich aus dem lat. burg-undio, gen. -onis folgre, erweislich sind die plurale ags. burg-endan bei Alfred im periplus, altn. borg-undar, mhd. burg-en- den der nom. burg-enden, burg-onden Nib. 2264. der gen. burg- onden 1814. 1882. 3163. 3981. verdient den vorzug vor burg-ende, das Hagen einigemahl setzt; 1814. burgenære, vgl. ahd. burgun- dâre trev. 39 a burgundera blas. 79 a . , der nicht anzutreffende sg. muß gelautet haben, ags. burg-enda, altn. borg-undi, mhd. burg-ende, wie III. consonantische ableitungen. ND. nhd, burg-ùnde (versch. von burg-ùnder, d. i. burgunder- wein). 2) feminina , goth. auf -undi: hul-undi (caverna); þûs-undi (mille); vielleicht auch aíhvat-undi (rubus), wenn man das -at nehmen darf, wie oben s. 217. in laúh- atjan? oder ein compos. áihva-tundi? tundi mit tunþus (dens) oder tûn (septum) zus. hängend? keine dieser er- klärungen reicht aus. Bloßes -ônd f. -und scheint zu haben taíhund-ônds oder taíhund-ônda (pars decima) Luc. 18, 12. — Ahd. jug-und (pubertas, juventus) J. 375. jun. 181. doc. 240 a O. I. 4, 67, 106, 108; leid-unt (abomina- tio) O. IV. 24, 52. bedarf fernerer belege; tal-undi (val- latione) gl. ker. (nach Fügl.) von dem nom. tal-und oder tal-undi?; tug-und (virtus) nicht zu belegen, vgl. oben s. 245. N. zeigt schon -end: jug-end und mamm-endî (lenitas) 44, 5. 84, 4. — Altn. teg-und (species); vit-und (notitia); þûs-und (mille) später neutral. — Mhd. jug- ent; tug-ent. — Nhd. jûg-end; tûg-end; aber gêgend ist gêgen-d (oben s. 257.). 3) neutra , ahd. auf unt: dûs-unt ( χιλιάς ) vgl. 1, 764; auf -unti : ar-unti oder nach O’s versbau âr-unti (mandatum, nuntium) I. 5, 8, 50, 83. 12, 20 etc. ar-onti mons. 324. 326. 329. 330. 333. 362. 373. âr-inde N. 85, 16. 103, 4; mamm-unti (dulcedo, placiditas) O. I. 25, 52. III. 6, 67. 14, 220. 19, 24. IV. 4, 31. 15, 92. V. 20, 216. 22, 7; murm- unti, murm-enti (erinaceus) N. 103, 18. nhd. murmel- thier. — Alts. ar-undi; ags. ær-end (mandatum, nego- tium). — Altn. er-indi (negotium, pausa, vgl. oben s. 88.) wurde schon vorhin bei -ind angeführt, die nebenform ör-indi deutet auf ör-undi (also hier nach beiden um- lauten kurzes a). Mhd. tûs-ent; er-ende oder êr-ende noch bei Herb. (der ê für æ setzt) 90 b , desgl. in der kaiserchronik. — 4) adjectiva: ahd. mamm-unti, mamm-enti (placi- dus, lenis) O. II. 16, 10. III. 11, 52. 14, 220. IV. 4, 56. 11, 50. mamm-unto (molliter) doc. 224 b mamm-ende (suavis) N. 85, 5. alts. madm-und. Part. praes. ist mam- munti nicht, da sich kein verbum mammôn, noch weni- ger memman beweisen läßt, welches ich 1, 871. aus N. 34, 14. unrichtig folgerte. Der text hat manta (gaude- bam) von menden. — 5) verba: ahd. un-hlium-untëôn (infamare) hrab. 957 b nhd. ver-leum-den (nicht verleum-unden); mhd. tug-enden (ornare virtute). — III. consonantische ableitungen. ND. NS. anmerkungen zu den ableitungen ND. α ) da im ags. das ahd. nd, nicht aber nt, in -ð, mit ausgeworfnem n, übergeht und ags. dug-ôð, gëog-uð (virtus, juventus) neben ær-end, olf-end, vêl-and etc. stehet; so scheinen die ahd. mhd. jug-und, jug-end, tug- end eigentlich nicht zu der formel -nd (ahd. -nt) zu ge- hören, sondern zu einer ableitung -nþ (ahd. nd). β ) wo -d (-t) zu einem schon früher abgeleiteten -un, -an tritt, ist unsre ableitung gar nicht vorhanden. Dies gilt namentlich von einigen ordinalzahlen. Die ordina- lien beruhen auf der ableitung -d (-t) und so bilden sich von sibun, niun, taíhun: sibun-da, niun-da. taíhun-da, ahd. sibun-to, niun-to, zëhan-to. Man darf hier kein sib-unda etc. annehmen. Das ahd. subst. zëhan-to (pars decima (ags. tëo-ða, alts. tëg-otha) unterscheidet sich sehr von dem goth. taíhund-ônds, dem ein ahd. zëhant-unt entsprechen würde. Allein die altn. subst. siöund, nîund, tîund (pars septima, nona, decima) sind pure ordinal- zahlen, welche Rask §. 344. nicht unter die ableitungen -und hätte mischen sollen. Das von den altn. cardina- lien siö, nîu, tîu apocopierte n hat sich nämlich in den cardinalien erhalten. γ ) eben so wenig ist unsre ableitung vorhanden, wo sich das altn. subst. und (vulnus) oder undur (prodigium) mit andern wörtern componieren, z. b. hol-und, merg- und fem. (vulnus ad cavitatem corporis, ad medullam permeans) vid-undur (morio) neutr. δ ) die ableitung -nd in -n-d zu zerlegen wage ich nicht; vgl. die lat. vol-untas; fac-undus, foec-undus, joc-undus, sec-undus etc. und mehrfach componierte auf -b-undus: vagabundus, tremebundus. ableitungen mit NS. hier sind nur wenige substantiva beizubringen und bei- nahe bloß aus dem hochdeutschen. 1) schw. mase. -anso: ahd. wag-anso (vomer) gen. dat. wagansin, acc. wagansun cass. 855 a jun. 232. doc. 242 a , bei N. 64, 11 steht der dat. wag-isin (vomere), wie er isila f. insila setzt (1, 121.); mhd. wag-ense Rud. weltchr.; später weg-enese Oberl. 488. schweizerisch wäg-ese (fem.) Stald. 2, 428., aus des Dasyp. weg-eiß sollte man ein compositum mit îsen (ferrum) folgern und bei N. wag- III. consonantische ableitungen. NS. îsin lesen, da vomer auch pflug-eisen heißt. Allein der pflug wird weder wag, noch wagen genannt und in letz- term fall müste wagen-îsen stehen. Ich halte dafür, daß die alte bildung später misverstanden und zuweilen in wag-eisen entstellt wurde. 2) starke fem. -ansa: al-ansa (subula) jun. 226. noch heute in der Schweiz al-ese, al-se, im berner oberland al-asme, al-esse Stald. 1, 98., ein wort, das sich sehr frühe aus der deutschen sprache in die romanischen ver- breitet haben muß: span. al-esna, ital. mit aphäresis des a, l-esina, franz. al-esne, später al-êne und (aus dem franz.?) nnl. ael-zene, el-zene, el-s. Das andere fem. dieser form ist: sëg-ansa (falx) cass. 854 b mons. 364. houwi- sëg-ansa mons. 383. sëg-insa lindenb. 995 a riuti-sëg-ansa, riut-sëg-ansa mons. 383. doc. 231 b ; mhd. sëg-ense Wilh. 1, 128 a wo der dat. së-gens, doch Vrîberc 2704. schon sense; nhd. sênse, sense zus. gezogen, schweiz. säg-ese Stald. 2, 298. bei Pict. Dasyp. wiederum sag-îsen sag- eis, bei Steinhöwel seg-esse; nnl. zeisse, plattd. seise. anmerkungen: α ) einige verdächtige formen verlangen prüfung und bestätigung, ehe man sie hierherzählen darf: habensa (ornata comas) ebner. 1003 a ? es käme auf den text im Aur. Prudentius an, vielleicht gar kein deutsches wort, sondern das lat. habens a? Ungedr. gl. vind. ha- ben ellinsîn (hiaeninum), woraus ein masc. ellinso oder fem. ellinsa (hiaena, vgl. vorhin s. 343. hellunt) zu schließen? Oberlin 488. führt aus einer alten übers. von Reg. 1, 13. geccisene an, das stiva bedeuten muß, denn Pictor. und Dasyp. kennen geitze (stiva). Doch Stald. gibt kein gä- gese, bloß jenes geitze, 1, 439. β ) Hagen denkm. 36. schreibt alunsa, sëgunsa, die hs. kann aber offnes a haben. γ ) die deutschheit der wurzeln weist jeden fremden ursprung der subst. waganso, alansa, sëgansa zurück. Altn. alr (subula), ags. äl, engl. awl, nhd. âle; altn. sigd (falx) nhd. sæge (serra) auch sêh (ligo) mons. 400 und sihhila (falx) mons. 370 lie- gen nahe, die sormel ist eih, áih, aíh und oben s. 47 nachzutra- gen: nr. 515 b seihan, sáih, saíhun (= lat. secare), versch. von nr. 200, das vielleicht seihvan (colare)?; aus seihan fließen: ahd. sêh (vo- mer), f. seih, mhd. sëch, ahd. sihhila (secula) f. sih-ila und h über- gehend in g (zîhan, zigun) altn. sig-ð (falx) mhd. sëge (serra) f. sige. Nicht unwahrscheinliche berührung mit sah-s (culter) ver- mittelt sich aber nicht anders, als wenn (nach s. 70. note **) aus dem plur. sihun ein praes. sihan, ablautend sah, erwachsen ware. ; das masc. scheint von wigan III. consonantische ableitungen. NS. NK. (movere) zu stammen. Alle drei wörter bedeuten schnei- dendes, scharfes werkzeug, an composition mit ans (trabs, pertica, oben s. 263) ist darum nicht wohl zu denken, die allerdings passende, durch entstellung wirklich schein- bar gewordene mit eisen muß, der älteren, bestimmt ver- schiedenen form wegen, verworfen werden. Vgl. auch Schm. p. 272. 273. δ ) der ags. und altn. mundart gehen diese bildungen ab. Zu lauten hätten sie etwa: ags. väg-ôsa, al-ôs, seg- ôs; altn. vag-âsi, al-âs, sig-âs (si-âs). ableitungen mit NK. im ahd. und ags. erscheinen diminutiva mit der ableitung inch , inc , der aber jederzeit noch eine weitere l-ablei- tung angefügt wird. Ich kenne nur zwei ahd. beispiele, was aber nicht gerade die seltenheit der form beweist, da in den denkmählern und glossen wenig gelegenheit für solche wörter war: esil-inch-ilîn (asellum) jun. 195; lêw- inch-li (leunculus) lêw-inch-ilinô (leunculorum) mons. 339. 344. beide neutra. Einige mehr im ags.: hûs-incle (do- muncula); râp-incle (funiculus); scip-incle (navicula); tûn-incle (praediolum); außer denen aber Lye noch sul- incela (aratiuncula) anführt, das ein schw. masc. wäre, wenn der anführung zu trauen ist, vielleicht sulh-incle? Ob jene -incle sicher neutra sind, wie ich 1, 644 ver- muthete, müßen flexion und construction bewähren, nach dem nom. dürsten sie ebenwohl schwache fem. sein. Weder mhd. noch engl., noch in nhd. volksdialecten spuren dieser ableitung. Aber mnl. das neutr. scimm- inkel (simiolus) vgl. Clignett bydragen p. 285 — 288., im Teutonista scham-ynckel, anderwärts schem-incel, schom- inkel und nnl. entstellt in scherm-inkel. Also im mnl. wie im ahd. werden thiere, im ags. sachen mit dieser formel abgeleitet. Ihre verwandtschaft mit dem lat. -un- culus (masc.) -uncula (fem.) ist offenbar: av-unculus; carb- unculus; fur-unculus; hom-unculus; latr-unculus; lenuncu- lus; ran-unculus; tir-unculus; arati-uncula; dom-uncula; car-uncula; narrati-uncula; orati-uncula; interrogat-iuncu- la; virg-uncula; die auf -unculus den ahd. thierbenennun- gen entsprechend, die auf -uncula der ags. sächl. bedeu- tung, wodurch auch das ags. fem. (und nicht neutr.) be- stärkt zu werden scheint. Man könnte überhaupt die ganze form für aus dem latein erborgt halten, zudem die rechte lautversclriebung abgeht. Allein diese vermuthung III. consonantische ableitungen. NK. NG. hat auch anderes wider sich, theils die eigene beschrän- kung auf die bedeutungen verschieden im ags. und ahd., theils daß bei scim-incle, dessen wurzel sogar aus dem lat. simia herzurühren scheint, gerade kein lat. simi-uncu- lus (auch kein le-unculus in den wörterbüchern) nach- zuweisen ist. Warum hätte man nicht das lat. u allent- halben behalten wie in karf-unkel? Und die lautver- schiebung findct sich in ableitungssilben und nasalrn verbmdungen wie nc, ng, ng, nh wohl öfter gestört. Außerdem wird in andern analogen ahd. diminutiven, das n weggelaßen, z. b. huon-ichli (pullus) N. 108, 5. (vgl. hun-kel bei Alberus, hün-kel, hin-kel oberhessisch, rheinisch) und das ahd. ch, sächs. k entsprechen dem c lateinischer verkleinerungswörter, ohne daß sich unmit- telbare entlehnungen beweisen ließen. In einer alts. for- mel stehet nëss-ikli (vermiculus). Näheres hierüber, so wie über die frage, ob in dem k (vgl. oben s. 285.) oder l der begriff der diminution stecke? im achten capitel. ableitungen mit NG. eine in allen deutschen sprachen, die gothische abgerech- net, fruchtbare form, wobei die vorstehenden vocale a, i, u gesondert werden müßen. [ANG] hier zwar begegnen wenige wörter: bals-ag- gan ( τράχηλον ) Marc. 9, 42. ist das einzige goth. wort der ableitenden form -gg überhaupt und so fremdartig klingend, daß in keiner der übrigen mundarten etwas analoges nachzuweisen steht. Luc. 15, 20. wird τράχηλος klar durch das bekannte hals übersetzt; ein schreibfehler für hals-aggan, wie Stiernhielm wirklich liest, würde we- nigstens -aggan als ableitung bestätigen. Bei balsaggan weiß man nicht, ob der nom. bals-agga oder bals-aggans laute oder gar ein comp. bal-sagga vorliege? — Ahd. hon-ang (masc) N. 18, 11. 118, 103. statt des hon-ec der andern (vorhin s. 296.); die ang-form scheint aber mehr für sich zu haben, wie das altn. hun-âng (neutr.) zeigt. Die freckenhorster urkunde schreibt vërsc-ang (porcellus) und samn-anga (congregatio) st. vërsc-ing, samn-unga, neben andern ing-formen, z. b. penn-ing, fcill-ing. — Die altn. masc. far-ângr (res arctae itineri sufficientes); hard-ângr (locus penuriae); lêtt-ângr (via facilis); mund- ângr (medium, modestia); ein-ângr (angustiae viarum); leid-ângr (expeditio navalis, contributio); frân-ângr (n. III. consonantische ableitungen. NG. pr. Snorraedda p. 69.); svar-ângr (n. pr. Säm. edd. 78 a ) scheinen nicht derivativa, sondern composita, aber ver- schiedner art, theils mit ângr (angustus) so daß sie das ausdrücken, dessen man bedarf, bedrängt, benöthigt ist, theils mit ângr (sinus). Ahd. urkundliche namen auf -anga (pl. masc.) z. b. wisind-anga Neug. nr. 866. erkläre ich aus der comp. mit wang (campus), wie sich denn auch wisint-wanga nr. 168. daneben findet. [ING] es gibt viel masculina dieser bildung, wenig fem., noch weniger neutra, organischerweise fast gar keine adjectiva, wohl aber adverbia. 1) starke masculina (erster decl.); grundsatz ist -ing , weil aber dieses -ing häufig zu derivativis mit -al, -il, -ul gefügt wurde, erzeugte sich sehr frühe ein fehlerhaf- tes -ling statt -ing; beweise in den schlußanmerkungen. Bei der aufzählung scheint es zweckmäßig, die echten -ing von den unechten -ling zu sondern, doch können sich unter letztern einzelne organische -l-ing befinden, d. h. deren ableitendes -l zu entdecken künftigen unter- suchungen vorbehalten ist. α ) -ing ; in Ulf. ist kein -iggs enthalten, doch bei alten schriftstellern stehen, wie es scheint, goth. volksna- men auf -ingi: asd-ingi bei Dracontius und Jornandes (vgl. 1, 126. 1070.); theru-ingi bei Ammianus Marc. 31, 5; oth-ingi, thur-ingi bei Jornandes. Tacitus nennt zwar kein deutsches volk auf -ingi (Germ. 40. 43. reu- digni, marsigni), im 5ten jahrh. geschieht der thur-ingi erste sichre meldung, vgl. Sidon. Apollin. VII, 323. tor- ingus; später bekannt werden mêrov-ingi, charal-ingi. In ahd. urkunden des 8. 9ten jahrh. folgende mannsnamen: dur-inc (alt-durinc, halb-durinc); halb-inc; ir-inc; mun- inc und wohl noch ähnliche ihre patronymische bedeutung kann ich nicht beweisen, be- zweifle sie aber für eine frühere zeit keineswegs; sie ist aus der großen menge solcher mannsnamen, diese aber wiederum aus der unzahl von ortsbenennungen auf -ingun in ahd. urkunden des 8. 9. 10. jahrh. zu folgern. Vgl. Neug. unter alamunt-inga, antar- march-inga, baƷmunt-inga, bërmuat-inga, birihh-inga und hun- derten ähnlicher bis auf die vielen nhd. -ingen herab. Es sind dat. pl. von dem nom. sg. alamunt-ing etc.; zi alamuntigun heißt: an dem orte, wo alamunds nachkommen, die alamundinge, woh- . Das capitulare de villis III. consonantische ableitungen. NG. (Bruns p. 40.) hat gormar-ingâ, gêrold-ingâ, benennun- gen von äpfeln. Die eigentlichen sprachquellen liefern: arm-inc (homo pauper) N. 33, 7: cheisur-inc (drachma) Hild.; chisil-inc (calculus) mons. 347. 352. doc. 205 b ; chun- inc (rex); edil-inc (homo nobilis) O. Lud. 35. I. 9, 18; enkir-inc (gurgulio) trev. 15 a doc. 209 b ; her-inc (halec) blas. 71 a scheint mir aus dem lat. wort entstellt; hert-inc (heros) N. ungedr.; hintr-inc (impostor) mons. 407; hliu- munt-inc, liumend-ing (favor) N. ungedr.; maht-inc (homo potens) N. 76, 5; muod-inc (homo infelix) N. 70, 19; phenn-inc (obolus); preit-inc (placenta) mons. 337. falls nicht nach doc. 225 b precilinc zu lesen?; pudem-inc (omentum) trev. 9 b blas. 23 a budem-ing N. bei Stald. 268., flor. 989 a lindenbr. 998 b , von podam deriviert?; scërn-inc (cicuta) gl. vind., gewöhnl. scërlinc; scill-inc (solidus); lant- sidel-ing (indigena) N. 104, 23; snurr-inc (scurra) gl. vind.; toukan-inc (deus opertaneus) N. ungedr.; truht-inc (sodalis) mons. 324; vior-inc (quaternio) jun. 192; vrisc-inc (victima); wihsel-inc (filius supposititius) N. 17, 46; wind-inc (fasciale) lindenb. 995 a ; zëhan-inc (decanus) K. 56 b 59 a ; zendr- inc (caro tosta) flor. 985 a zuinel-inc (gemellus) aus dem adj. zuinel W. 4, 2. gebildet. — Im ags. ist der gebrauch der ableitung -ing zu patronymicis ganz lebendig, jed- wedem mannsnamen kann sie hinzutreten und bildet dann den namen oder zunamen des sohnes oder nachkommen. So wird in der bibel filius Elisae übersetzt durch êlis- ing. Das geschlecht der alten, einheimischen vorfahren findet sich auf folgende kurze weise verzeichnet: ida väs ëopp-ing; ëoppa ês-ing; êsa ing-ing; inga angenvit-ing; angen-vit aloc-ing; aloc bëonoc-ing; bëonoc brand-ing; brand bældäg-ing; bældäg vôden-ing; vôden friðovulf- ing; friðo-vulf finn-ing; finn godvulf-ing; godvulf geát- ing; geát oder geáta ist dieser aller stammvater; und so in vielen fällen altfries. eigennamen sind nach der nämlichen sitte abgeleitet, wie es scheint aber schwacher decl., -inga (nicht -ing) z. b. ids- inga; schelt-inga; mann-inga; add-inga; tamm-inga; hug-inga; eits-inga; schult-inga; sik-kinga; hun-inga etc. . Im Beov. stehen die patronymica: brond-ing; hunlâf-ing; scêf-ing; scilf-ing; scyld-ing; nen. Ein solcher name kann ein ganzes land oder nur einen ort bezeichnen, nachdem das geschlecht ausgedehnter war, oder nicht, so z. b. ist dur-ingun von einem einzelnen orte gebraucht, Neug. v. duringas. III. consonantische ableitungen. NG. svert-ing; väls-ing; vylf-ing Beov. 220 stehen wechselnd; vulf vonreding und sunu vonredes. . Der plur. bezeichnet stämme und völker, die nach dem ahnherrn benannt werden z. b. bros-ingas (woher brosinga-men) hëlm-ingas (ides helm-inga, ein helminger-weib 49; ides scyldinga, ein scyldinger-weib 89.) vægmund-ingas (Beov. 209.) und so die þyr-ingas im periplus. Nachdem gibt es aber auch, wie im ahd., derivativa dieser form mit allgemei- ner (persönlicher und sächl.) bedeutung: äðel-ing (nobi- lis); brent-ing (? vielleicht patronymisch) Beov. 208; câser-ing (drachma); cyn-ing (rex); ëarm-ing, yrm-ing (miser); fleám-ing, flŷm-ing (profugus); her-ing (halec); hôr-ing (adulter); hrunt-ing (nom. ensis) Beov. 111. 113; lytel-ing (infantulus); nîð-ing (homo nequam); nägl-ing (ensis) Beov. 191; und sicher andere mehr. — Altn. be- zeichnen zwar manche ableitungen auf -îngr noch die nachkommenschaft, aber mehr im pl., als im sg., vgl. hild-îngar, skilf-îngar etc. der sg. -îngr in den eigen- namen bill-îngr, hund-îngr, mys-îngr etc. hat weniger jenen ags. sinn; andere analoge wörter ziehen -ûngr st. -îngr vor. Sonderbar sind die von ländernamen deri- vierten gentilia: færey-îngr, orkney-îngr, islend-îngr. Außer den eigennamen gibt es noch andere theils per- sönliche, theils sächliche. Persönliche: blind-îngr (coecu- tiens); and-fœt-îngr ( ἀντίπους ); hild-îngr (bellator); hyrn-îngr (aries, i. e. cornutus); kemp-îngr (senex bar- bam gerens); ætt-leid-îngr (heres adoptivus); fior-menn- îngar (abnepotes); mild-îngr (largitor); nîð-îngr (nequam); ræn-îngr (spoliatus); nidr-setn-ingr (miser); spek-îngr. (prudens); svêd-îngr (homo parcus); tein-îngr (acer ar- bor); vîk-îngr (bellator); lög-vitr-îngr (jureconsultus). Sächliche: bûn-îngr (amictus); dorn-îngr (pero); fedm- îngr (amplexus); flêtt-îngr (funiculus); giörn-îngr (faci- nus); hær-îngr (clipeus); hrist-îngr (tremor); hvît-îngr (mare); kît-îngr (contentio); kyrp-îngr (ruga); nist-îngr (stridor); reid-îngr (sagma); reikn-îngr (computatio); skill-îngr (solidus); skiln-îngr (intellectus); slæd-îngr (spi- cilegium); snûn-îngr (torsio); tæt-îngr (lanificium rude); ten-îngr (taxillus); varn-îngr (merces); vinn-îngr (victo- ria); þyrr-îngr (ventus aridus) etc. Die unter letztern, welche eine handlung ausdrücken, scheinen beßer fem. und man findet auch giörn-îng, vinn-îng etc. weiblich. III. consonantische ableitungen. NG. Das n vor -îngr mag sich in verschiedne unorganisch eingefuhrt haben. — Mhd. hat die zahl dieser bildungen abgenommen, gentilitia sind noch: dür-inc; kerl-inc; luter-inc; vlæm-inc MS. 2, 79 b Wilh. 2, 196 a ; wülv- inc; sie stehen aber auch als bloße mannsnamen, z. b. wülv-inc Ottoc. 484 b ; îs-inc MS. 2, 37 a ; wirsch-inc livl. 92 b etc. Andere subst.: bert-inc (barbatus) Reinh. 971. Wilh. 3, 427 b ; glîd-inc MS. 2, 234 b ; hels-inc (laqueus) Bon. 57, 92; hæl-inc (secretum) Trist. 12700. 13089. 13554. troj. 37 a 115 b ; hær-inc (halec) Geo. 40 a ; kisel- inc Mar. 190. troj. 143 a ; mimm-inc (n. ensis) En. 43 c ; mued-inc En. 96 b , klage, Barl.; nîd-inc (homo invidus) MS. 2, 234 b ; pfenn-inc; schill-inc; fliht-inc (compositor) a. w. 3, 208; snürr-inc (morio) fragm. 41 a verschieden von snuor-rinc Parc. 185 c ; statt kün-inc die verderbte form kün-ec. — Nhd. noch wenigere; außer vielen familienna- men, wie dœr-ing, êdl-ing, flemm-ing, henn-ing etc. finde ich nur: hêr-ing; kîsl-ing; pfenn-ing; schill-ing; zwill-ing (assim. aus zwinl-ing). — Mnl. einige, die der hochd. mundart fehlen: aerm-inc (miser, exsul, peregri- nus) Stoke 1, 418; con-inc (rex); ouder-inc (senior) ou- der-inghe (parentes) Maerl. 2, 119. — Nnl. edel-ing; har-ing (halex); kon-ing; nestel-ing; penn-ing; scell- ing. — Engl. etwa nur farth-ing (quadrans); herr-ing; k-ing f. kin-ing; shill-ing. β ) -ling , ahd. der pl. aphtar-linkâ (extales) mons. 325; kata-linc (propinquus, affinis) K. 51 a 54 b hrab. 979 a gati-ling O. I. 22, 41 (alts. gadu-ling); chamar-linc (cubicularius) N. 40, 14; chunne-linc (proximus) N. 87, 19; huori-linc (spurius) mons. 323. 379; junki-linc (juvenis); niu-quëma- linc (advena) mons. 368. chome-linc (miser, exsul) N. 38, 13; scëri-linc (cicuta) mons. 414; scuƷƷi-linc (palmes) trev. 15 b ; silupar-linc (nummus argent.) silabar-ling T. 193, 3; sniti-linc (sarmentum) mons. 367. doc. 245 b ; sturi-linc (tyro) mons. 330. flor. 985 a ; umpi-linc (gyrus, circuitus) doc. 241 a ; vûsti-linc (muffula, d. i. im mittellat. ein pelz, den man über die faust zieht) zwetl. 126 b doc. 212 b ; wîsi-linc (philosophus) N. 31, 6; heim-zugi-linc (idiota) doc. 218 b . — Ags. bäd-ling (homo mollis); cyð-ling (cognatus); cnäp-ling (adolescens); dëór-ling (dilectus); ëorð-ling (terricola); fôster-ling (alumnus); feórðling (quadrans); fiht-ling (proeliator); gäde-ling (socius, soda- lis); gëong-ling (adolcscens); hästling (captivus); hinder- III. consonantische ableitungen. NG. ling (spurius); hŷr-ling (mercenarius); nëst-ling (pullus tenellulus); nêd-ling, nŷd-ling (necessarius, famulus), ræp- ling (vinctus); sit-ling (cognatus); svert-ling (ficedula, avis). — Altn. außer geschlechtsnamen, wie del-lîngr assim. aus dög-lîngr, pl. dög-lîngar, öd-lîngar, sik-lîngar, ŷng-lîngar noch andere subst. als: bœk-lîngr (libellus); dyrð-lîngr (di- vus); fœt-lîngar (pedioli); gris-lîngr (porculus); kyk- lîngr (pullus, aus qvik-lîngr?); reif-lîngr (infans); ŷng- lîngr (adolescens); yrm-lîngr (vermiculus). — Mhd. biuder-linc (vulnus) Oberl. 1194; gete-linc (socius, auch mit dem nebensinn: schöner, saubrer gesell) fragm. bell. 3735. MS. 2, 71 a 74 a 81 a Bit. 900. 5698. 8729. 9095.; grius-lînc, lieber grîs-linc (senex) MS. 1, 81 a ; hege-linc (nom. gent.) Gudr.; helbe-linc (denarius); junge-linc; këbese-linc cod. pal. 361, 45 c ; kniewe-linc (periscelis) fragm. 29 b ; kün- linc, assim. kül-linc (agnatus) Mar. 200. Reinh. 1739; mur- ze-linc? Kolocz 178; ruete-linc oder riute-linc (teli ge- nus) MS. 2, 11 b ; schër-linc Trist. 17987; schüƷƷe-linc (pal- mes); silber-linc; stiche-linc (piscis) Vrîg. 20 c ; stær-linc Parc. 81 a ; vinger-linc MS. 2, 81 a ; viuste-linc; zîte-linc? MS. 2, 79 a . — Nhd. gibt es weit mehrere: bück-ling; däum- ling; dichter-ling; dril-ling; dümm-ling; enger-ling (ver- mis); fäust-ling; find-ling, fund-ling; finger-ling (dacty- lotheca); finster-ling; fremd-ling; frisch-ling (junges thier); früh-ling; frömm-ling; gründ-ling (piscis); häcker-ling; hänf-ling; häupt-ling; höf-ling; häus-ling; jüng-ling; kaiser-ling (boletus) Frisch; klůg-ling; empor-, ankömm- ling; lehr-ling; lieb-ling; wollüst-ling; miet-ling; neu-ling; pfiffer-ling; röm-ling (papist); säug-ling; schier-ling; schmetter-ling; schöß-ling; schüb-ling Frisch 2, 230 a ; sil- ber-ling; sonder-ling; spæt-ling; sper-ling; spröß-ling; stræf-ling; täuf-ling; vier-ling; wais-ling (orphanus) Hel- vicus 1. 130; weich-ling; weid-ling (scapha) Dasyp.; witz-ling; wuͤst-ling; zücht-ling; zünft-ling; davon die meisten in der älteren sprache unerhört sind; unter den eigennamen gibt es noch andere, oft sinnlose, z. b. kin- der-ling. — Mnl. einige besondere: bal-linc f. ban-linc (relegatus, exsul) Rein. 354. Stoke III, 119; vrî-linc (pro- cus); swase-linc (cognatus) Huyd. op St. III, 186. — Nnl. kamer-ling; ânkome-ling; lêr-ling; nieuwe-ling; ster- ve-ling (mortalis); vremde-ling; wêke-ling; uitwîke-ling (profugus) etc. — Engl. dar-ling; duck-ling; earth-ling; fat-ling; first-ling; found-ling; goos-ling; hinder-ling; hire-ling; kit-ling; nest-ling; wit-ling; world-ling; yean- ling; year-ling; young-ling; auch zu roman. wurzeln: Z III. consonantische ableitungen. NG. change-ling (wechselbalg). — Schwed. främ-ling; kyl- ling; kyr-ling; päp-ling (sacerdos nondum initiatus); vek- ling; yng-ling u. a. m. — Dän. gös-ling; kil-ling; kyl- ling; päb-ling; yng-ling etc. 2) siarke feminina , im allgemeinen merke man, a) daß sich hier nicht wie beim masc. unorganische -ling, neben -ing entwickeln. b) daß die ahd. mhd. nhd. sprache überhaupt keine fem. erster decl. auf -inka , -inge , -ing kennt und bloß bei O. das einzige, (einen zustand, keine handlung ausdrückende) fem. zweiter decl. gor-ingî (mi- seria, afflictio) I. 20, 30. II. 6, 68. IV. 26, 80. angetroffen wird. c) daß weder die alts., noch die ältesten ags. quel- len ein fem. -ing darbieten, z. b. im ganzen Beov. stehet sicher keins. Die spätere prosa bietet ihrer freilich viele dar, allein sie scheinen mir verdorben aus früheren -ung welches eben aus der progressiven verdrängung der or- gan. ung-form hervorgeht. Denn selbst in der ags. prosa überwiegt noch das -ung , im altengl. und engl. hat es sich ganz verloren und bloß -ing herrscht. Ebenso muß das schon im mnl. entschiedene -inghe , nnl. -ing dieser feminine auf ein älteres -unge zurückgeführt werden. d) im altn. unterscheide ich fem., die etwas persönliches von denen, die eine handlung bezeichnen. Erstere sind unbezweiflich alt und den masc. auf -îngr parallel, wie- wohl selten. Letztere kommen in der edda kaum vor (ich zähle in allem vier beispiele), in der prosa desto öfter; da aber kein -ûng daneben gilt, so wäre es ge- wagt, dasselbe für die org. form auszugeben. — Dies vorausgeschickt können einige proben solcher fast aus je- dem (starken oder schw.) verbo herleitbaren weibl. subst. hinreichen: ags. ärn-ing (cursus); bärn-ing (adustio); brëc-ing (fractio); byrg-ing (gustus); cenn-ing (partus) etc. Die critik wird aus dem höhern und niedern alter der denkmähler zu ermitteln haben, wann zuerst und in welchen wörtern -ing das -ung verdrängt; die aus ver- bis -ettan, -erjan, -eljan herrühren, scheinen das -ing gar nicht zu leiden, z. b. kein citel-ing (titillatio) gëo- mer-ing (gemitus) geniðer-ing (humiliatio) furðer-ing (expeditio) cancet-ing (cachinnus) blicet-ing (coruscatio), sondern nur -ung; dagegen schwanken frem-ung (effec- tus) lës-ung (collectio) gemêt-ung (conventus) u. a. in frem-îng, lës-ing, gemêt-ing; für einige, z. b. cenn-ing findet sich nie die ung-form. Im engl. allenthalben -ing, z. b. deal-ing, cleans-ing, meet-ing, quak-ing und selbst further-ing. Beispiele aus dem mnl.: dromm-inghe (stre- III. consonantische ableitungen. NG. pitus) rûsc-inghe (stridor) seker-inghe (societas) etc. aus dem nnl. mompel-ing, snorr-ing, snuister-ing und eine menge ähnlicher. — Altn. α ) persönliche: drôttn-îng (regina), hers-îng (centuria militum); ilf-îng (n. fluvii) edd. sæm. 33 a ; kerl- îng (anus); sie stammen nicht von verbis, sondern von den masc. drôttinn (also f. drottin-îng) hersir, karl. β ) sächliche, in der alten edda nur folgende: gisl-îng (obsidium) 36 a ; sköt-îng (petulantia) 80 b ; lækn-îng (me- dela) 174 b ; vîk-îng (bellum); — in der prosa unzählige, z. b. bind-îng (ligatio); ginn-îng (allectatio); hegn-îng (castigatio); kenn-îng (doctrina); refs-îng (castigatio); sigl- îng (navigatio); tenn-îngar (dentes ferarum). Ebenso in den neunordischen sprachen, worin sich auch einige per- sönliche bewahren: schwed. drottn-ing, dän. dronn-ing; schwed. kær-ing, dän. käll-ing. — 3) neutra der ing-form gebrechen beinahe. Im ahd. kennt bloß O. das neutr. heim-ingi (patria) I. 8, 16. 16, 44. 18, 78. 19, 11. 25, 1. II. 7, 42. (diese stelle beweist, daß in den übrigen kein masc. steht) 14, 2. III. 2, 48. 26. 34. Das nhd. mess-ing (aurichalcum) ist neutr., ver- muthlich auch das ahd. mëss-inc trev. 31 b mhd. mëss-inc Trist. 5961. 6320. 12607. 12611. 12675, Rud. weltchr. 4 d Ottoc. 308 a , welche stellen alle über das genus nicht entscheiden. Altn. aber ist mëss-îng sem.; welches ge- schlechts das ags. mäs-ling, mäst-ling? 4) schwache masculina zeigt nur das altn. auf: arm- îngi (pauperculus); ætt-îngi (cognatus); band-îngi (vinctus); erf-îngi (heres) dän. arv-ing; flæm-îngi (exsul); fôr-îngi (dux); greif-îngi (meles); hadd-îngi (n. pr.); heið-îngi (lupus, tesquarum incola); höfð-îngi (princeps); let-îngi (homo piger); laus-îngi (homo mutabilis); leys-îngi (li- bertus); morð-îngi (homicida); ofr-îngi (mendicus); ræn- -îngi (latro); van-îngi (n. pr.) edd. sæm. 86 b ; lauter le- bende wesen. Ein ags. int-inga (culpa, causa) scheint viel- mehr in-tinga f. in-þinga, wenigstens hat Lye neben jenem auch inþing mit gleicher bedeutung. 5) schwache feminina , altn. ham-îngia (felicitas, eig. genius). — 6) adjectiva scheinen selten, aber nicht abzuleugnen. Zwar jene männl. subst. -ing, wiewohl fast adjectivischer bedeutung (vgl. die ags. äðeling, ëarming, nîðing: homo nobilis, miser, invidus) declinieren niemals wie adjectiva, sind noch weniger dreigeschlechtig. Wenn T. 109. acce- Z 2 III. consonantische ableitungen. NG. perunt singulos denarios übersetzt wird: intsiengun sun- tringon phenningâ; so nehme ich hier lieber suntringon für ein adv. und den sinn an: accep. singillatim denarios, Allein in den redensarten: an hulingon (in occultis) nie- derd. ps. 63, 4; in hol-ing (frustra, in cassum) N. 36, 20; ags. on bäc-ling (retrorsum) kann man das adj. nicht umgehen. Noch deutlicher ist das mhd. âne hæl-ingen slich (absque fraude) Parc. 53 b . Die s. 297. angemerkten adj. grimminc, wêninc hingegen beruhen auf entstellung ebenso das mhd. wuetendinc, waldendinc (cod. pal. 361. 5 c 47 d ) f. waldendîc, wuetendîc (oben s. 304). Hans Sachs ge- braucht häufig -ing für -ig: bluting, listing, ehrling, hungring, gesiring, einsalting, heiling etc. , zweifelhafter mag nihein-ing T. 196, 1. sein. Die engl. part. praes. auf -ing (1, 1008), so sehr sie den umfang dieser form vermehren, können, da sie aus -end verderbt sind auch dieser verderbnis begegnet man in hochd. volksmund- arten, z. b. der hennebergischen (Reinw. I. vorr. IX.). , gar nicht hierher gerechnet werden. — 7) adverbia auf -ing ; diese bildungen schließen sich zweckmäßig gleich an die abhandlung der übrigen wör- ter und ich gehe ihnen zu gefallen von der regel ab, wo- nach alle adverbia ins fünfte cap. verwiesen worden sind. Die adv. auf -ing theilen mit den masc. dieser ableitung die eigenschaft, aus ursprünglichen -ing in -ling verwan- delt zu werden. Von beiden arten, die ich hier nicht zu sondern brauche, haben uns die ahd. quellen folgende aufbehalten, es müßen ihrer nach den übrigen mund- arten zu schließen, weit mehrere gewesen sein: araw- ingun, arw-ingun (frustra) mons. 343. hrab. 963 b , bei N. entstellt in ardingun 2, 1. 9, 2; chrumpi-lingun, chrumbe- lingun (oblique) N. 66, 5; hâl-ingon (clam) O. I. 17, 84 hâlingun (von nr. 314.) der wurzel nach ganz etwas anders als das ags. hôlinga (von 465.); wie hulingon (zu nr. 314.) und holing (= haling, zu 465.). Denn hulingon steht wie stu- lingon f. hâlingon, stâlingon, vgl. das mhd. subst. hælinc. Schwer- lich meinte O. halingun (frustra). ; kâh-ingun (subito) hrab. 973 b ; murzi-lingun, murze-lin- gun (absolute) mons. 375; plinti-lingun, blinti-lingon (la- tenter) O. III. 20, 231. 23, 75; rucchi-lingun (supinus) aug. 117 b ; suntar-ingun, suntr-ingun, suntr-ingon (seor- sim, singulatim) O. V, 8, 79. T. 66, 2. 74, 5. 79. 86. 91. 109; stul-ingun (furtim) hrab. 956 b mons. 373; stuzi-lîn- gun (temere, auf den stutz?) N. 9, 2; tarn-ingun (clam) III. consonantische ableitungen. NG. hrab. 956 b (nach der hs. gebeßert); unwar-ingun (casu, fortuito) hrab. 963 b mons. 410, umlautend unwer-ingun hrab. 956 a . Man darf diese -ingun , -lingun nicht für dat. pl. von substantiven nehmen, da die gl. hrab. -un schreiben, im dat. pl. aber -um. — Mhd. -ingen , -lingen , ich kenne: einze-lingen MS. 2, 205 b ; hæl-ingen (clam) Eilhart 1153; sunder-lingen Nib. 6971; stumpfe-lingen; Morolf 703; twirh-lingen (transverse) Parc. 148 a ; vinster- lingen Parc. 20 a troj. 62 c Ulr. Trist. 429. En. 8493; vlug- lingen (im flug) Parc. 93 a 121 c ; vær-lingen (dolose) oder ver-lingen (cito)? livl. 14 a . — Nhd. gilt -ings , -lings , die schriftsprache hat noch: blind-lings; gäh-lings; meuch- lings (clanculum); rück-lings; ritt-lings; schritt-lings; die volkssprache einige mehr: dunkel-ings (noctu); seit-lings französ. simplic. 1, 38; piper-lings (plorabunde); über- wind-lings (transverse); bücher des 15. 16. jahrh. gewäh- ren noch das richtigere -ingen, z. b. verstol-ingen Lin- denblatt p. 223; stumpfe-lingen Keisersp. (Frisch 2, 352 b ); gäh-lingen Dasyp.; finster-ling Fischart Gorg. 130 b . Da oberdeutsch blinderdings f. blindlings gesagt wird, so scheint auch das häufige allerdings (omnino) der schrift- sprache aus einem früheren all-ingen zu deuten, worin mich das ags. ëall-enga bestärkt, unerachtet weder ein ahd. all-ingun, noch mhd. ell-ingen, all-ingen nachzu- weisen stehet. Darf auf gleichem wege schon N’s ar- dingun aus arw-ingun, ar-ingun entstellt gedeutet wer- den? — Mnl. -inghe , -linghe : gâ-linghe (subito) Clign. 61; niew-inghe (nuper) Maerl. 1, 307. 2, 282. niewe- linghe das. 3, 3; onder-linghe (vicissim, mutuo) Maerl. 1, 73. 447. 448. 2, 85. 3. 40; var-inghe (repente) Clign. 61. — Nnl. -ling : blinde-ling; korte-ling (nuper); monde-ling (oretenus); onder-ling; rugge-ling; zonder-ling; zuwei- len -lings: rugge-lings. In diesem adv. weicht die alts. und ags. mundart ei- genthümlich von der ahd. ab, indem sie statt der endung -un erstere -o, letztere -a zeigen und der vocal i alts mit u vertauscht wird, ags. in u schwankt. Die alts. wenigen beispiele -ungo , wiewohl der ing-form unan- gehörig, bringe ich gleich hier vor: darn-ungo (clam); far-ungo (repente); gegn-ungo (certe, omnino). Ags. scheint -inga , -ënga , -linga ältere form, wie die belege aus Beov. zeigen: æn-inga (plane, prorsus); ëall-ënga (omnino); dëarn-ënga (clam); fär-inga (ex improviso) 107. 149; hol-inga (frustra) 82; irr-inga (iracunde) 118. 220. sonst auch irs-inga; un-mënd-linga, un-mynd-linga III. consonantische ableitungen. NG. (inopinato, immonito); neád-inga (aegre); rað-inga (su- bito); or-scëatt-inga (gratis); semn-inga (repente); woge- gen theils dieselben, theils noch einige andere auf -unga , -lunga endigen: ëall-unga; eáv-unga (palam); un-ceáp-unga (gratis) Cädm. 31. sonst or-ceáp-unga (gratuito); far-unga; gegn-unga (certe); grund-lunga (funditus); hand-lunga (co- minus); hëalf-unga (dimidiatim); svig-nnga (cum silentio); ven-unga (forte); auch Beov. 50. ân-unga; 213. gên-unga (gegn-unga) gefunden wird engl. weiß ich, was hierher gehörte, nur dark-ling (im dunkeln). . Das ags. -a verhält sich in die- sen adv. zu dem alts. -o wie in andern fällen mehr, z. b. das alts. schw. masc. endigt auf -o, das ags. auf -a, aber auch der alts. gen. pl. auf -o (? -ô), der ags. auf -a (? -â). Kann man nun in dem -ungo, -unga einen gen. pl. weibl. subst. auf -ung sehen? Rask muthmaßt es von dem ags. -unga (p. 88.) und freilich steht der gen. sg. -es so häufig ad- verbial; selbst das nhd. -lings scheint dafür zu sprechen. Die eine schwierigkeit, daß der alts. gen. pl. -ungono, nicht -ungo flectiert, ließe sich beseitigen, da auch aus andern gründen jenes unorg., dieses echte form scheint (1, 817, nr. 40.), die sich gerade im adv erhalten haben könnte. Zudem folgen die ags. fem. auf -ung der vier- ten decl., nicht der ersten, bilden also wirklich den gen. pl. -unga. Allein ich weiß nicht mit der conjectur zu vereinigen, daß gerade ahd. und ags. subst. der ing-form, welche bei den adv. die älteste scheint, mangeln, wollte man aber wenigstens im ags. dem -unga höheres alter vor dem -inga beilegen, daß sich zwar ein subst. ceápung (negotium) irsung (iracundia) u. a. nachweisen, jedoch schwerlich ein subst. ëallung, ânung u. a. gedenken laßen. Endlich ist, das ahd. -ingun weder ein gen. pl. (die ver- kürzung des -ônô in ôn tritt zu spät ein, als daß hier in den adv. ingôn f. ingônô genommen werden dürfte, (vgl. 1, 617. γ .), noch aus dem vorhin bemerkten grunde ein dat. pl. Darin aber, daß sich -lingun, -linga aus -ingun, -inga entwickelt, weisen diese adv. nicht auf fe- minina, bei welchen das nie geschieht, sondern auf masc. Wären sie überreste ganz verschwundner casus-formen von masc. auf -ing? blintilingun: instar coecutientis? (vgl. altn. blindîngr); nomina müßen als grundlage zugegeben werden, weil gleichbedeutiges -ing mit der praep. in, an, on construiert vorkommt (vorhin s. 358.), sind es also ad- jectiva? Wiederum kann das ahd. -ingun kein dat. pl. III. consonantische ableitungen. NG. adj. sein, der -ingêm fordert; und wenn sich das alts. darnungo zu einem vorausgesetzten adj. darnung verhielte, wie diupo (profunde) zu diup (profundus) so fügt sich das ags. -unga nicht, weil die einfachen ags. adverbia auf -e (nicht -a) ausgehen; und warum hätte das ahd. nicht nicht ebenfalls -ingo (wie tiofo)? Da die meisten der ab- gehandelten adv. die art ausdrücken, wie man etwas thut oder sich bewegt, so gleichen sie auffallend den lat. adv. auf -im: gradatim (schrittlings), generatim (ëallinga), singulatim (einzelingen), seorsim (suntaringun), furtim (stulingun), cursim (gählings), viritim, vicissim (onderling- he), raptim (färinga). Bemerkenswerth, daß weder das altn., noch das schwed. dän. eine spur solcher adv. hat. — 8) verba der ing -form müsten, da die fem. selbst aus verbis stammen von masc. gebildet werden, denkbar wäre z. b. ein chun-ingôn, etwa wie mhd. honigen bei Gotfr. vorkommt, das bei N. honangòn lauten könnte. Ich wüste jedoch kein wirkliches beispiel, böte nicht Oberlin ein ziemlich spätes zwill-ingen (duplicare) dar. [UNG] masculina, hauptsächlich feminina; im goth. überhaupt keine spur. 1) starke masculina; wichtig ist hierbei wahrzuneh- men, daß sich neben den -ung keine -lung (wie -ling neben den -ing) entwickelten. Zunächst kommen wieder gentilitia und propria in betracht: trut-ungi Pollio in Claudio cap 6; juth-ungi Amm. Marcell. 17, 6; greuth- ungi id. 31, 45. Ahd. urkunden gewähren mir den ei- gennamen snell-unc. Der februar heißt horn-unc bei Eginhart und herrad. 179. N. 28, 11. übersetzt Virgils Achates mit stein-ung (der gedruckte text hat wohl feh- lerhaft (steinunch). Ob J. 370. bauhn-unc (nutus) männ- lich oder neutral gebraucht werde, steht dahin, die ei- gentliche form wäre weiblich. — Ags. masc. kenne ich kaum (Lye hat fëorð-ung f. fëorðling), wohl aber altn.: âtt-ûngr (cognatus): brœðr-ûngr (consobrinus); fiors- ûngr (piscis); fiorð-ûngr (quadrans); frum-ûngr (aetate florens); ginn-ûngr (ala, maxilla); höfr-ûngr (delphinus); horn-ûngr (filius servilis); ioð-ûngr (infantulus); kot- ûngr (villicus); kûs-ûngr (colaphus); losd-ûngr (prin- ceps); nâ-ûngr (propinquus); nifl-ûngr (n. pr.); sifj- III. consonantische ableitungen. NG. ûngr (affinis); sutt-ûngr (n. pr.); systr-ûngr (sobrinus); þiôr-ûngr (bos castratus); þridj-ûngr (pars tertia). — Mhd. außer den eigennamen amel-unc; botel-unc; balm- unc; ils-unc MS. 2, 85 a ; nibel-unc; nîd-unc MS. 2, 147 a ; nuod-unc Nib.; râm-unc Nib.; schilb-unc Nib.; schilt- unc Parc. 12 a ; wild-unc Ottoc. 18 a 21 a ; wut-unc (? wuot- unc) grundr. 344; das sächliche vierd-unc (quadrans) MS. 2, 130 b . — Nhd. horn-ung (februarius) unsere vorfahren gaben zuweilen zwei aufeinander folgen- den monaten einen namen, beide durch adjective unterscheidend. So hieß ags. der junius ærra liða, der julius äftera liða (der erste und zweite milde monat). Bildete einen gegensatz hierzu der erste und zweite harte monat (januar und februar)? hartmo- nat für januar kommt vor im ahd. Da nun ein bauernreim lan- tet: der kleine horn (februar) spricht zum großen horn (januar) s. Bredows Eginhart p. 109. so scheint hornung = kleiner horn. Welchen sinn aber horn hier hat, weiß ich nicht. . 2) starke feminina , alle aus dem praesens nicht aus dem praet., also wenn ein starkes verbum zu grunde liegt, nie mit dem ablaut, z. b. kein midunga, scruntunga, vun- dunga, quâdunga etc. Es wird immer eine rege, geschehende handlung, ein gegenwärtiger zustand dadurch ausgedrückt. starker oder schw. verba geleitet, alle eine handlung, einen zu- stand, nie etwas persönliches ausdrückend. Ahd. sehr viele dieser fem. auf unka , unga und fast bei allen anzu- treffen (namentlich K. T. N. und den glossen), doch sel- ten bei O. (murmulunga, zeihnunga). Beispiele: aht-unga (persequutio); altis-unga (dilatio); arn-unga (meritum); art-unga (cultura) jun. 199; auhh-unga (incrementum); chlaf-unga (stridor); chor-unga (probatio) K. 19 a ; chost- unga (tentatio) T. 15, 6; chûm-unga (lassitudo); demph- unga (suffocatio); dëmen-unga (crepusculum); dîh-unga (provectus); dol-unga (passio); ellend-unga (captivitas) N. 84, 2; hab-unga (detentio) jun. 186; hal-unga (repe- titio); hantal-unga (tractatio); heiliz-unga (salutatio); heil-unga (sanatio); heilis-unga (omen, augurium) wofür doc. 218 b helisamunga fälschlich, da da verbum heilisôn heißt, nicht heilisamôn (!); gi-jâz-unga (conniventia); îl- unga (festinatio); innel-unga (eruditio) N. 66, 2; jûwiz- unga (jubilatio); kîn-unga (rictus); lâhhin-unga (medi- cina); lad-unga (invitatio); leidaz-unga (detestatio); for- lîhhis-unga (simulatio); liud-unga (jubilatio) N. 46, 6; lôs- unga (redemtio); lustis-unga (illecebrae); zuo-man-unga (admonitio); mendil-unga (gaudium); mîd-unga (pudor); murmul-unga (murmur) O. III. 15, 78. murmur-unga III. consonantische ableitungen. NG. T. 104; neihh-unga (libatio) jun. 188; nidar-unga (dam- natio); nius-unga (sternutatio); obar-unga (dilatio); ophar- unga (oblatio); peit-unga (exspectatio); peƷir-unga (emen- datio); pëtil-unga (mendicitas); ërd-pip-unga (terrae motus) auch pipin-unga; plëcchiz-unga (coruscatio); pouhhan-unga (nutus); ca-prëhh-unga (fractio); prëst- unga (damnum); fram-pring-unga (prolatio); ka-purj- unga (eventus) hrab. 956 a ; phîn-unga (cruciatus) hrab. 955 b ; widar-chëd-unga (contradictio) N. 80, 8; quihhil- unga (fomes) mons. 397; redin-unga (disputatio); rafs- unga, refs-unga (increpatio, redargutio); rëht-unga (re- gula) K. 19 b 45 b riht-unga (regimen) hrab. 973 b ; rôh-unga (mugitus); saman-unga (congregatio); scouw-unga (con- templatio); sceit-unga (dissidium) von sceitôn; scrint-unga (rima) hrab. 973 b ; scref-unga (incisio, schröpfen) doc. 233 b ; pi-smar-unga (opprobrium); spënt-unga (dispensatio) k. 36 b wît-spënd-unga N. 72, 16; zuo-spil-unga (allusio) N. 28, 11; spur-unga, spuris-unga (indagatio); strid-unga (stridor) T. von stridôn; starch-unga (firmamentum) N. 104, 16; suohh-unga (indagatio); suëd-unga (fomentum) doc. 237 b ; suîn-unga (detrimentum); suiliz-unga (cauma) hrab. 952 b ; tar-unga (laesio) un-tar-unga (innocentia) N. 44, 11; tëmpr-unga (compositio) mons. 321; tilg-unga (consumptio) dileg-unga N. 73, 14; top-unga, topaz-unga (deliramentum); trâd-unga (translatio) J. 348. ein außer dieser stelle nicht vorkommendes wort, verwandt mit trâdo (nicht trado) fimbria, lacinia, jun. 175. T. 60, 4, O. III. 9, 18. 14, 36., das wohl aus trahado entspringt und oben s. 238. anzuführen wäre, folglich identisch dem lat. tractus von trahere (das tr wie 1, 154.) Der begriff von ziehen wird überhaupt für überliefern, übersetzen gebraucht, vgl. ags. räccan (interpretari) und traducere. Im ags. trahtjan (exponere, interpretari) begriff und wort einstimmend, -ht = lat. -ct = ahd. -âd für -had. Un- verwandt sind drât (filum) von drâhan (torquere) und trëtan (calcare). ; vat- unga (sagina) mons. 410; vestin-unga (corroboratio); vill- unga (plaga); pi-vind-unga (inventio); vlêg-unga (adula- tio); ant-vrâg-unga (quaestio); ant-vrist-unga (editio); duruh-vrum-unga (perfectio); vrouwil-unga (exultatio); pi-wân-unga (deliberatio); warn-unga (monimentum); wehsil-unga (mutatio); wërch-unga (operatio) hrab. 967 b . michel-wërch-unga (magnificentia) N. 28, 4; winchez- unga (nutus); wîs-unga (visitatio); wîƷin-unga (vaticina- tio) wol-unga (religio); wull-unga (nausea); zeihn-unga (significatio) O. IV. 33, 75; zil-unga (festinatio); zunt- III. consonantische ableitungen. NG. unga (incensio); zuival-unga (dubitatio). Auffallend blei- ben die schon 1, 1076. bemerkten nom. sg. arn-unc, sa- man-unc, scaw-unc, bauhn-unc bei K. und J., woneben sie keinen auf unka, -unga gewähren. Allein der acc. sg. lautet ihnen bauhnunga, zuîvalunga K. 36 a , der dat. -ungu 16 a 19 a. b. 21 b 22 a 30 a 44 b , der gen. pl. -ônô K. 19 a 16 a . der dat. pl. -ôm K. 22 a , so daß an keine andere als die erste decl. gedacht werden darf. Fehlerhaft scheint der dat. masc. oder neutr. dhëmu bauhnunge J. 370.; und fastunge K. 44 b ist, der handschrift gemäß, in fastun zu bessern. — Die ags. feminina dieser form fol- gen entschieden vierter decl. und sind so zahlreich wie im ahd., nur daß sich hier allmählig -ing ne- ben -ung verbreitet und es endlich im engl. ganz ver- drängt. Beispiele: beácn-ung (nutus); clæns-ung (emun- datio); ceáp-ung (negotium); citel-ung (titillatio); dag- ung (aurora); dof-ung (deliramentum); efols-ung (blasphe- mia); fägn-ung (jubilatio); gliten-ung (coruscatio); gnorn- ung (moestitia); hlëóðr-ung (strepitus); hrëóvs-ung (poe- nitentia); lîcet-ung (dissimulatio); mamer-ung (dormitio); mang-ung (negotiatio); milts-ung (misericordia) u. a. m. im Beov. nur das einzige vëorð-ung, vurð-ung (veneratio, solemnitas) 16. 73. 187. 224. von vëorðjan (honorare). . — Altn. wenige, weil die îng-form vorwiegt: diörf-ûng (audacia); hörm-ûng (luctus); hâð-ûng (irrisio); laun-ûng (occultatio); laus-ûng (lascivia); vërð-ûng (ne- cessitas, satellitium regium) von den vorauszusetzenden verbis diarfa, harma, hæða, launa, lausa. Der volle vo- callaut der wurzelsilbe scheint das u der ableitung gesichert zu haben, weil sonst hermîng, leynîng entsprungen wäre. — Mhd. gute dichter bedienen sich der bildungen -unge fast so selten wie O., prosadenkmähler häufiger. Hier die haupt- sächlichsten belege aus jenen: ander-unge Trist.; atz-unge MS. 2, 135 b ; barm-unge MS. 2, 232 b ; beƷƷer-unge Trist.; ort-habunge Barl. 401; handel-unge MS. 2, 73 a Parc. 97 b ; hoffen-unge (spes) Herb. 73 c ; lërn-unge Trist.; ur-lœs-unge Parc. 191 c ; mand-unge (gaudium) Maria 4, 36. 143; man- -unge (monitio) Jw. 4858; offen-unge MS. 2, 113 a 166 b ; (für hoff.!); tiut-unge (interpretatio) Rud.; rechen-unge Barl.; schîd-unge w. gast 150 b ; schiff-unge Trist.; vesten- unge Parc. 175 b ; vorder-unge Trist.; wider-unge Trist.; wandel-unge MS. 2, 73 b ; wîs-unge Geo. 34 a ; warn- -unge: samen-unge Parc. 11 c Herb. 27 c ; be-zeichen- III. consonantische ableitungen. NG. unge MS. 2, 176 b u. a. m. — Nhd. sind die fem. auf -ung überall sehr häufig. Von starken, einfachen verbis ge- leitete sind: halt-ung; lâd-ung; reib-ung; scheid-ung; weis-ung; schreib-ung; bieg-ung; zieh-ung; sitz-ung; lês-ung; hêb-ung; gelt-ung; schwing-ung; werb-ung; nicht von andern (z. b. kein: grâb-ung, schein-ung, gieß- ung, bind-ung, wers-ung) außer von zus. gesetzten: ver- grâb-ung; er-schein-ung; ver-gieß-ung; ver-bindung; unter-bindung; unter-werf-ung; ab-nehm-ung; wahr- nehm-ung und eine menge solcher. Von schwachen ein- fachen: lähm-ung; lêg-ung; rêg-ung; stell-ung; psänd- ung; wend-ung; send-ung; nenn-ung etc. doch auch hier häufiger von zus. gesetzten und man kann ein noch nie gebrauchtes subst. dieser form leichter von ihnen, als von einfachen bilden, z. b. leichter sagen be-tauf-ung, aus- lach-ung als taus-ung, lach-ung. Woraus sich die ab- stracte, unsinnliche bedeutung dieser bildung überhaupt ergibt. — 3) neutra der ung-form kenne ich nicht; dhëmu bauhnunge J. 370. weist eher auf ein masc. — 4) schwache masculina scheinen in der ältesten sprache bei einigen verwandtschaftsbegriffen stattzufinden. Hier- her gehört das bekannte fatar-ungo aus Hild., das der nom. sg. sein muß. Nur was bedeutet es? patruus? Beov. 159. ist Grendels mutter genannt: fëóndes fädr- unga (fädr-unge?) was nichts anders bedeuten kann, als des teufels mutter oder großmutter (vatersmutter?), mo- dor geht 158 voraus. Wäre jenes fatarungo großvater? Der altn. pl. fedr-ûngar bezeichnet nach Biörn: pater et nepotes, einen sg. fedr-ûngi oder fedr-ûngr stellt er nicht auf, außer in dem comp. betr-fedr-ûngr, das filius me- lior patre und vër-fedr-ûngr, das degener bedeuten soll. Allein betr und vër heben hier, dünkt mich, keine sitt- liche artung oder entartung, sondern nähe und ferne der blutsabstammung hervor, wie auch altn. selbst vër-fadir (socer, pater mariti) vër-brôdir (frater uxoris, vel ma- riti) vër-môdir (socrus, mater mariti) also angeheirathete verwandtschaft franz. beau-père, belle-mère, beau-srère, belle-soeur; ein euphemismus? . Daher im dän. bedste-moder f. avia. Betr-fedrûngr (wofür auch umgestellt fedr-betrûngr vor- kommt) mag also einen echten blutsverwandten bezeich- nen. Brœdr-ûngar sind consobrini, fratrueles; systr-ûngar III. consonantische ableitungen. NG. matrueles. Es dürfen aus dem ahd. fatar-ungo analoge pruodar-ungo, suëstar-ungo gefolgert werden, welchen 5) schwache feminina entsprechen müßen, vgl. das vorhin vermuthete ags. fädr-unge und altn. steht systr- ûnga (consobrina) edd. sæm. 258 a . — 6) keine adjectiva auf -ung. 7) adverbia vorhin bei -ing, das zuweilen durch -ung vertreten wird, angezeigt. 8) verba weiß ich höchstens einige im altn. aus masc. auf -ûngr abgeleitete: kûf-ûnga (colaphizare) þuml-ûnga (pollice metiri). Feminina der ung-form, die eben selbst aus verbis fließen, können ihrer keine wieder zeugen. anmerkungen zu NG überhaupt: a) es liegt darin vorwaltend ein begriff der abstammung oder lieber verwandtschaft , wie zumahl die masc. auf -ing, -ung, ingi, -ungo, vielleicht auch die abwesenheit der neutra und adj. beweisen. Selbst die altn. fem. auf -îng und -ûnga führen dahin. Daß auch dinge auf -ing, -ung vorkommen, gründet sich zum theil in alten perso- nificationen, namentlich bei schwertnamen. Verkleine- rung drücken sie an sich nicht aus, nur in sofern die ab- stammung zugleich den begriff von jugend und kleinheit enthält; kuning, oudering etc. bezeichnen durchaus nichts kleines und fädrunge ascendenz, keine descendenz. Da- her ich auch zus. hang dieser bildung mit dem adj. junc, altn. ûngr leugne. Vgl. auch hornung s. 360. b) ohnehin würde dadurch die augenscheinlich begrün- dete unterscheidung zwischen ing und ung nicht verstän- digt; gerade die ing bezeichnen vorzugsweise das per- sönliche. In der ahd. mundart sondern sich die lebendi- gen masc. -ing von den abstracten fem. -ung am deut- lichsten; die übrigen sprachen mischen beide formen leichter. c) die berührung, welche zwischen dem begriffe der masc. auf -ng und dem der adv. und weibl. abstracte statt findet, ist mir dunkel. d) das -ling neben -ing (nicht -lung neben -ung) ist fehlerhaft entsprungen und setzt immer ein älteres -ing voraus, obgleich es in einzelnen wörtern (silberling, kämmerling) sehr alt sein kann. Das organische -ing III. consonantische ableitungen. NG. weist sich auch häufig in der frühern form, oder in der einer andern mundart. Vgl. ags. hôring, ahd. huorilinc; ahd. vriscinc, nhd. frischling; ahd. engerinc, nhd. enger- ling; ahd. hintrinc, ags. hinderling; mhd. bertinc, nhd. bärtling; mhd. helsinc, nhd. hälsling (Stald. 2, 15); ahd. chuninc (primus in stirpe) chuninc von chunni (goth. kuni) wie truhtîn von truht, þiudans von þiuda, fylkir von folk oder fylki. mhd. künlinc (ejusdem stir- pis); mhd. mëssinc, engl. mesling; mnl. ouderinc, nnl. ouderling; ahd. fiorinc. nhd. vierling. Jemehr man sich an das -ling gewöhnte, desto leichter bildeten sich neue der ursprünglichen art und weise widerstrebende wör- ter noch unorganischer sind die nnl. -ling für -lik: sterveling (sterblicher) mondeling (mündlich) korteling (kürzlich); vielleicht auch lieveling, liebling f. lieblicher? ; vielleicht auch dann erst mit dem nebenbegriff des verächtlichen (witzling, römling) und verkleinernden (duckling, kitling, nestling). Untadelhafte ableitungen sind chisalinc von chisal; wihsalinc von wëhsal; quëmalinc von quëmal (falls sich ein solches adj. erweisen läßt); charalinc von charal; nägling von nägel; litling von litel; edilinc von edili; þumlûngr von þumall u. a. m. Un- organisches -ring statt -ing finde ich bloß in nagel-ring (nom. ensis, ags. nägeling.) e) einzelne ahd. quellen haben sehr wenige masc. auf -ing, namentlich T. und O. (bloß jungiling, gatiling, silubarling), der letztere nur wenige fem. auf -unga. Das erklärt zum theil den mangel einer späterhin so gangbaren ableitung im gothischen. Denn obgleich einige goth. volksnamen auf -ing s. 349. gemuthmaßt wurden, so heißen doch die mhd. amel-unge bey Jornandes amali, nicht amalungi; Paul. Diac. 5, 10 hat einen amalongus; Ulf. übersetzt ἀργύριον durch das adj. silubrein, nicht durch silubriggs. Auch kann in der gr. und lat. sprache keine dem deutschen -ng gleiche ableitung nachgewiesen werden, es lehrten die adv. -im (s. 359.) einen weg. ableitungen mit BN? dieser schon oben s. 184. erwähnten mehrfachen ablei- tung, wenn es ableitung und nicht zusammensetzung vgl. im folgenden cap. die altn. composita mit ëfni . ist, gedenke ich hier nochmahls. Das goth. -ubni hätte III. consonantische ableitungen. BN. ahd. zu lauten -opani, folglich fast-ubni, vit-ubni: vast- opani, wiƷ-opani; aber nichts dergleichen kommt vor. Sollten sich einige altn. masc. vergleichen: vind-ofnir (appellatio coeli) edd. sæm. 49 b ; sâlg-ofnir, sâlg-opnir (gallus) 168 b ? falls das letztere von sâlga (necare) stam- men kann? die gewöhnliche erklärung ist sal-gofnir, sal- gopnir. Das einfache ofnir, opnir stehet 44 b 47 b , macht also eine composition wahrscheinlicher. Ohnehin gestat- ten die altn. persönlichen masc. keinen schluß auf die sächlichen goth. fem. und neutra. — Schm. §. 1052 hat die der bairischen volkssprache eigenthümlichen, bereits in urkunden des 14. 15. jahrh. gewöhnlichen vgl. Doc. wien. jahrb. 1819. VIII, 187. -umb , -um , statt des hochd. -ung, jenen goth -ubni an die seite gesetzt; wie mir scheint ohne grund. α ) er nimmt an, main-umb, fast-umb sei die richtigere, dem goth. -ubni nähere form, mein-ung, fast-ung die entstelltere; nun stimmen aber die ahd. mhd. ags. altn. mundart in dem (goth. freilich fehlenden) -ng so zusammen, daß kaum eine solche entstellung zu vermuthen ist. β ) wenn auch das goth. stibna zu ahd. stëmma, stimma wurde, so blieb im ags. stëfene, altn. stëfna, wogegen das goth. ïbn ahd. ëpan, altn. iafn, ags. ëfen und emn lautet. Aus fastubni hätte also ahd. vastopani werden dürfen, vastum- ni, vastummi werden können, schwerlich vastumpi, noch weniger vastungi. γ ) die goth. bildungen sind neutra und fem. (aber auf -i, nicht auf -a); die ahd. -unga lauter fem. erster decl. δ ) die goth. subst., so viel aus den selt- nen beispielen zu sehen ist, sind nicht gerade vom inf. praes. herzuleiten (fraistubni nicht fraisubni, inf. fraisan; vitubni von dem inf. praet. vitan) während alle ahd. -unga aus dem praes. fließen, daher auch kein wiƷunga, muoƷunga etc. — Die flavische sprache bildet aus verbis weibliche abstracta mit -b (aber ohne n) altsl. svatba (nuptiae) molba (preces) böhm. swatba, modlitba, (vgl. Dobr. inst. p. 287.); die litth. aus adj. feminina auf -ybe: daug-ybe (multitudo) bais-ybe (horror) aukszt-ybe (alti- tudo) etc., denen fast immer gleichbedeutende masc. auf -ummas entsprechen: daug-ummas, bais-ummas, aukszt- ummas, von dem adj. daugus, baisus, auksztas, so daß auch hierin keine bestätigung jenes muthmaßlichen ahd. vastummi zu finden und das -ybe (ohne n) kaum dem goth. -ubni zu vergleichen ist (gegen oben s. 186.) III. consonantische ableitungen. ST. ableitungen mit ST. Von dem superlativischen -st, vor welchem die vocale i, ô (entstellt in ë und â?) stattfinden, wird cap. VII. ge- handelt werden. Vor andern wörtern dieser ableitung stehen a , i und u; zweifelhaft ei . [AST] hier ist nur wenig anzuführen: das alts. ôb-ast (studium, festinatio) ags. ôs-est, êf-est (fehlerhaft geschr. æfest) dessen wurzel ôbjan (colere, exercere) kaum eini- gem zweifel unterliegt, also ahd. uopan und uop-ast? Nächstdem das weiter mit r abgeleitete ahd. â-gal-astra (pica) vgl. oben s. 133. Die wurzel galan (canere nr. 67.) und das componierende â = ar genommen (â-galan, ar- galan) geben den sinn: der singende, schreiende vogel, und wenn das in dem -astr be- gründet sein kann, den nebensinn: der rauhschreiende, krächzende. Mhd. â-gel-ster, nhd. verkürzt elster. Wie aber aus âgalastra âgelster wird, kann auch in an- dern fällen das a weggefallen sein. Entspringt ahd. kal- star, gal-star (incantatio) aus kal-astar? (wurzel galan nr. 67.) vin-star (obscurus) aus vin-astar? steht fin-istrî (tenebrae) f. fin-astrî? Haben die altn. masc. bak-str (panificium); rëk-str (propulsio); die neutra blôm-str (flos); hul-str (theca); lem-str (contusio) ein a ausgeworfen? Der unumlaut zeugt, daß es nicht i und u waren, und bei lemstr liegt der umlaut schon in dem verbo lemja. — Die nhd. môr-ast und pal-ast sind unorganisch und aus- ländisch (franz. marais, palais). — [IST] hierher zuvörderst die ahd. starken masc. heng- ist (equus) und herp-ist (auctumnus), beide mit umgelau- tetem a der wurzel? Für hengist haben trev. 11 b blas. 65 a heingist, inzwischen spricht das ags. heng-est, viel- leicht das chengisto (caballus spathus) der malb. gl. für kurzen vocal, nhd. heng-st. Wurzelhaft scheint mir nur h-n, nicht das g, jenes nach der lautverschiebung stim- mend zu dem flav. kon’ (jeriert, also koni, sprich wie franz. cogne) allgemein für pferd, vgl. litth. kuinas (schlechtes pferd). Sollte dem jer das g (für j?) gleichen, hengist für henjist stehen? Dann erklärte sich auch die altn. auswerfung des nasallauts leichter: hestr (? hêstr) für hen-str wie âst f. anst; dän. hest, schw. häst (daneben hinxt für den bestimmteren begriff aus dem hochd.?). Hengist und hestr müßen dasselbe wort sein. (oben s. 199). Ahd. herp- ist, herb-ist N. 80, 4. mhd. herb-est fragm. 30 b MS. 2, III. consonantische ableitungen. ST. 192 b . nhd. herb-st, ags. härf-est, engl. harv-est, nnl. herf-st, herf-t scheint ursprünglich messis man sagt noch heute der herbst f. weinernte. und hernach tempus messis zu bedeuten; herbist-mânôt ist der deutsche erntemonat (september) wie der röm. augustus mit auc- tumnus von derselben wurzel, nämlich augere stammt. Wörtlich nahe dem herpist liegt das gr. καρπός (frucht) καρπίζω (ich ernte). Die lautverschiebung sordert neben goth. b, ahd. p eigentlich gr. φ , nun scheint καρπός lange schon den etymologen einerlei mit καρφός (aufwachsendes reis, halm) wie καρφίζω und καρφίς (vindicta, schlagen mit reisern, ruthen) neben καρπίζω, καρπίς gelten. Die altn. form haust (neutr.), schw. dän. hœst, ist nicht aus dem lat. augustus (denn woher die aspiration?), sondern aus zus. ziehung des herfst, harfst zu erklären und dem hestr aus henstr, hengstr ähnlich vgl. bestr aus betstr; sigurðr aus stgfriðr; þuß aus þurs. . Läßt raust (vox) neben rödd = ahd. rarta, goth. razda, auf ein ahd. rart-ist, rart-ust schließen? oder sind raust und rödd unverwandt? Außer hengist und herpist kommt in betracht das goth. av-istr (ovile) oben s. 123. von einem muthmaßlichen ava oder avs (ovis f.) abgeleitet; ahd. ew-ist (caula) J. 404 K. 19 b jun. 198., mithin ohne die goth. r bildung, der ein ahd. ewistar (oder ewistra?) entsprechen würde. Verschiedene davon ist ew-îti, ouw-îti (grex) f. ew-îdi, goth. av-êþi (oben s. 152) wiewohl gl. doc. 227 b ouwiti, gl. vind. ewida caulas übersetzen. In einer malb. gl. scheint son- ista grex equarum zu bedeuten. Das schw. masc. ham- istro (gurgulio) wurde s. 133 angeführt, nhd. ham-ster, das vierfüßige dem getreide schädliche thier. Viele schw. feminina auf -estre (mit ë, wegen der nebenform -istre, -ystre) zählt das ags. und beispiele sind oben s. 134. nach- zusehen. Von adjectiven gehört hierher das einzige ahd. win-istar, mhd. win-ster (sinister). — [UST] auffallend schwankt bei dieser ableitung das genus; und, was damit zus. hängt, die bedeutung aus persönlicher ins sächliche. — angust (angor) ahd. weib- lich, O. III. 25, 21. IV. 6, 58. 18, 38. V. 10, 40; mhd. bald fem. Barl. 95. a Tit. 43. bald masc. Wilh. 2, 32 b 103 a. b. En. 74 b MS. 1, 92 a ; nhd. stets weiblich; der ags. altn. mundart ganz fehlend. — dion-ust (servitium) ahd. neutr. wenigstens bei O. thion-ost I. 8, 44. IV. 2, 31. 11, 60. V. 23, 527. T. 5, 11; muß aber in der bedeutung III. consonantische ableitungen. ST. von obsequiosus masc. sein, vgl. K. 62 b deon-ostun (servito- ribus) zwetl. 127 a dion-st (obsequalem); mhd. dien-est (obse- quium) meist neutr. Parc. 38 b Wigal. Nib. 3970. MS. 1, 53 b , auch in gleicher bedeutung männlich Nib. 1166. 8746. 9166. MS. 1, 10 a 46 a , im sinne von dienstmann immer: Trist. 5137. Reinh. 505, doch Nib. 3381. könnte der dat. dieneste auf ein fem. dien-est (ancilla) oder dien-este? bezogen wer- den; nhd. dien-st masc. aber nicht persönlich; ags. man- gelnd; altn. þión-usta schw. fem. (ministerium und mini- stra). — ërn-ust (res seria) ahd. weiblich, jun. 216. za ërn- ustî (serio, im ernst) O. I. 22, 35. IV. 37, 59. (wo ebenfalls der dat. ërn-usti); ërn-ost neutr. W. 8, 7; masc. ist in dem eigennamen ërn-est anzunehmen und die bedeutung: homo strenuus, alacer, pugil; mhd. ërn-est (studium, fervor) masc. (:gërnest) troj. 27 a 37 c ; nhd. ern-st masc.; ags. ëorn-ost (studium) engl. earn-est; fehlt im altn. wenn man das n für wesentlich hält, aber es könnte selbst ableitend sein (wie in gërn) oder unorganisch (wie in -nissi oder dem altn. full-nusta); unter solcher voraussetzung vergleicht sich das altn. or-usta (proelium) dem ahd. ërn-ust f. ër-ust, wofür spricht, daß nicht nur das ags. ëornosi bestimmt certamen, duel- lum bedeutet, sondern auch das mhd. ërnest eben dahin weist, vgl. Trist. 6754. ërnest-kreiƷ (kampsplatz). ; mnl. ërn-st. ëren-st und daneben naern-st, nëren-st (serium) das vorgeschobne n scheint aus der häufigen phrase: in ernste (gegensatz dem: in spële) entsprungen, ähnlich dem në- ven aus in ëven; obgleich nëven nicht substantivisch steht, wie nërnst und man nicht sagt: in nëven wie in nërnst. Huyd. op. St. 3, 228; nnl. ern-st, nern-st, nâr-st. — oug- ust (augustus mensis) habe ich ahd. nicht gelesen, der mo- nat heißt bei Eginh. aran-mânôt, herrad. 179. aerni-mâ- nôt (beßer erni-m.) von der ernte, die in ihm beginnt; in einem calender des 15. jahrh. wird julius der erste augst genannt, augustus der ander augst vgl. Stald. 1, 119. f. v. äugstler. ; mhd. bedeu- tet oug-est (masc.) den heißen august Parc. 1 c MS. 2, 176 a in welcher letztern stelle schwache form; nhd. nicht aug-est sondern aug-ùst nach dem lateinischen; nnl. ôg-st (masc.) f. messis, ohne daß es darum dem altn. neutr. haust (autumnus, nnl. herfst) gleichgestellt werden dürfte. — Außer dem schon angeführten altn. þiôn-usta noch fol- gende schw. fem.: fulln-usta (satisfactio) für full-usta? full-usta wird bestätiget durch das schwed. syll-est, dän. fyld-est, so wie dem holl-usta schwed. hyll-est entspricht; dän. auch ynd-est (savor, nicht amicus; amica). A a III. consonantische ableitungen. ST. gehört auch hierher das ahd. voll-ust und ist es kein compos. vol-lust (oben s. 199.)? vgl. hernach unter -eist; holl-usta (fides); kunn-usta (scientia); orr-usta, or-usta (proelium) von der wurzel or (incitamentum, gl. synt.) oder örr (celer, alacer), kein compos. or-rusta, wie Biörn meint, wahrscheinl. dem ags. ëorn-est, ahd. ërn-ust ver- wandt; unn-usta (amica) und daneben das masc. unn-usti (amicus). — Zuletzt erwähne ich des mit -r weiter ab- geleiteten ahd. putt-uster (venter) doc. 230 b , das mir un- deutsch scheint unorganisch stehet -st im nhd. ob-st (pomum) f. obeß, obes, mhd. ob-eƷ. . [EIST]? zwei wörter, die sich beide anders nehmen laßen: ahd. gân-eistara (scintilla)? gân-eistra blas. 91 b , wo- für trev. 63 a ganehaista? gaenester steht herrad. 198 b ; mhd. gan-eiste troj. 4 a ? scheint zu beßern in gneiste, wie troj. 29 c 92 b , weshalb es oben s. 40. zu nr. 453. gerechnet wurde. Indessen begegnet man auch a. Tit. 115. der schreibung gnâneisten (scintillare) und Parc. 25 a gænstern (scintillis) 106 a gænsterlîn (scintillula) was eher ein gæn- ster voraussetzt, als sich in gneister ändern läßt. Altn. gilt neben gneisti auch neisti, wonach ein ahd. ga-neisto, aber kein mhd. ga-neiste (st. ge-neiste) begreiflich würde. Andrerseits bliebe die wurzel gân sehr räthselhaft. — Das andere subst. ist das vorhin berührte ahd. mhd. voll- eist, statt vol-leist (oben s. 199). anmerkungen zu ST. α ) die grenze zwischen -st und dem s. 198-203. ver- handelten s-t ist unsicher. Da wo bei letzterm das s zur wurzel gehört, die ableitung also aus bloßem -t besteht, findet keine berührung statt. Anders, wenn die wurzel mit einer liquida schließt und das s in s-t entweder eigne ableitung oder unorganischen einschub verräth (s. 209. b. c.). Der unterschied zwischen solchem s-t und unserm -st beruht alsdann darauf; 1) daß jenem kein, diesem aber ein vocal vorherzugehen pflegt: an-st, chun-st; ob-ast, ërn-ust, dion-ust. 2) darauf, daß dem s-t nur ein con- sonant (immer liquida oder spirans) voraussteht, dem -ast, -ist, -ust aber auch zwei consonanten vorausstehen kön- nen (deren letzter ten. oder med. sein darf): ern-st, herb- III. consonantische ableitungen. ST. st, heng-st. Wo das -st gar keinen cons. vor sich hat, sind sie ausgefallen, namentlich im altn. he-str und hau-st f. heng-str, harf-st? — Die zweifelhaftesten fälle sind dem- nach die, wo dem st einfache liquida vorangeht und man nicht weiß, ob ein vocal ausgefallen ist oder nicht. Steht ahd. gal-star (incantatio) f. gal-astar oder f. gal-dar mit eingeschobnem s, also gal-s-tar? Daß an-s-t, chun-s-t nicht aus ann-ast, chunn-ast gedeutet werden durfen, lehrt ihre verwandtschaft mit dem praet. (s. 212, 8.) obwohl dem anst das dän. ynd-est, dem chunst das altn. kunn- usta parallel scheint, dem nhd. gespinst (s. 201,) das engl. spin-ster (s. 134.). Vielleicht bloß zufällige ähnlichkeit. Das altn. âst entfernt sich vom dän. yndest und vom altn. unnusta in form und bedeutung. Zufällig gleicht also auch das nhd. ernst, dienst, hengst, herbst dem kunst, gunst, gespinst u. a. m. β ) verschieden hiervon ist die frage: ob sich nicht alle -st (-ast, -ist, -ust) in zwei ableitungen zerlegen? so daß z. b. obast, herbist, ërnust, bakstr, bäcëstre ein ver- bales (ableiterisches oder flexivisches) obasôn, herbisôn, ërnusôn, bakasôn oder dergleichen voraussetzen? Aus der deutschen sprache läßt sich das nicht befriedigend bejahen, den schwachen verbis auf -asôu, -isôn (s. 268. 271.) entsprechen keine subst. unserer ableitung, letzteren keine verba auf -asôn, -isôn. Allein in uralter zeit kann eine solche berührung dennoch bestanden haben, vgl. das gr. καρπίζειν mit herbist, das lat. equiso (bereiter) mit equestris. γ ) zwischen unserm und dem superlativischen -st be- steht keine unmittelbare verwandtschaft, denn dem super- lativischen gehet i und ô (kein a) voraus, dem ableiteri- schen a, i, u (kein ô). Auch die bedeutung zeigt meist keine steigerung der begriffe; unnusta (amica) entspräche zwar dem dän. superl. kæreste, dem nhd. liebste, allein es gibt kein adj. unnr (carus), folglich stammt hollusta nicht aus dem adj. hollr (fidus), sullusta nicht aus fullr (plenus), ahd. angust, altn. ângist nicht aus dem adj. angu (goth. aggvus) noch weniger dionust, ërnust aus adjecti- ven. Der sinn bleibt ganz positiv: enge, bedienung, fleiß. Wahre, substantivisch gebrauchte superlative z. b. ahd. vuristo (princeps) unterscheiden sich seicht. Doch kann die zerlegung des superlativischen st in s-t (dem s des comparativs tritt t hinzu, blindôza, blindôsta) dem bestätigung geben, was unter β vermuthet worden ist A a 2 III. consonantische ableitungen. ST. und unter δ . zeigen sich noch andere berührungen mit dem superlativ. δ ) das latein ist reich an ableitenden -ast, -est, -ist, -ust. Die mit -aster verringern den begriff: fili-aster (stiefsohn, vgl. das altn. vër- vorhin s. 363.) poët-aster (dichterling) ole-aster, pin-aster (wilder, schlechter ölbaum, fichten- baum) pull-aster (altn. kyklîngr) calv-aster (ein wenig kahl) surd-aster (ein wenig taub) recalv-aster (vornen kahl) und es muß ihrer in der gemeinen sprache noch viel mehrere gegeben haben, wie das romanische beweist. Franz. -âtre (f. -astre) mar-âtre (noverca) par-âtre (no- vercus) roug-âtre, bleu-âtre, jaun-âtre (röthlich, bläu- lich, gelblich) gentil-âtre u. a. m. Ich weiß nur die be- deutung des ahd. âgal-astra zu vergleichen: schlecht, ge- ring singender vogel. Die lat. adj. -estis , -estris haben nichts verringerndes: agr-estis, silv-estris, camp-estris, ped-estris, equ-estris, alp-estris, vall-estris, terr-estris. Seltner -ister: mag-ister, min-ister, sin-ister; hier schei- nen alte superlative im spiel (vgl. gr. μέγιστος , goth. máists, minnists; aber wie berührt sich sinists, ältester mit sinister link?) nicht in cap-istrum, can-istrum etc. Auf superlative führen ferner die mit -ustus : ven-ustus (altn. vænstr) ang-ustus, aug-ustus (vgl. auctumnus und ôgst), doch nicht -ustris: pal-ustris, lig-ustris, auch nicht -usta: loc-usta. — Die slav. sprache leitet viele abstracte fem. auf - ost von adj. her (Dobr. institt. p. 302. Vuk p. 23.); adj. auf -st scheinen selten, vgl. russ. rog-ast (magnis cor- nibus) njedr-ist (sinum latum habens) serb. kril-ast (no- tam albam habens) institt. p. 329. — ε ) verba der ableitung -st sind selten und setzen subst. gleicher form voraus: ahd. ang-usten O. III. 20, 206. 24, 221; ags. êf-estan, êf-stan (festinare); nnl. ôg-sten (mes- sem colligere) altfranz. aouster, aoster (Trist. 1775). neben herf-ten (f. herfsten) schwed. hœsta; altn. lem-stra (vulnerare); dän. blom-stre (florere). ableitungen mit SK. begleitende vocale sind a, i, u; doch i der häufigste. [ASK] im goth. keine spur; Tacitus hat aber den deutschen eigennamen gann-ascus (ann. XI, 18, 19.). Ahd. III. consonantische ableitungen. SK. finde ich das adj. mann-ask (humanus) K. 42 b . Altn. gibt es mehrere -esk , die mir geschwächte -ask zu sein schei- nen, weil sie die wurzel nicht umlauten und weil -isk (und dafür -sk) verschieden davon vorkommen. Auch erklärt sich in dem substantivischen -eskja der umlaut aus -askja von selbst; es sind schwache feminina: forn-eskja (antiquitas, paganismus, mos ethnicorum); mann-eskja (homo, anima) das dän. menn-eske und schwed. männ-iska sind neutral. ; vitn-eskja (notitia) von vitni (testis) oder vitna (testari) geleitet hardneskja (lorica ist das franz. harnois, mhd. harnasch, nhd. harnisch: so mnl. marassch (palus) Maerl. 2, 12. franz. ma- rais, nnl. maras, moeras, nhd. morast; doch vgl. ags. mersc. . Seltner neutra -eski : lîkn- eski (effigies). Sollte nicht auch barn-æska (infantia) edd. sæm. 187 a 261 a aus barn-eskja, barn-eska zu erklären sein? dafür spricht das ahd. chind-isca und goth. barn- iski, dawider aber das altn. æska (juventus) edd. sæm. 175 a Biörn und gl. Nial. erklären æska aus ærska (von âr, an- nus). Wie wenn es von ôsk (votum) herkäme und die wunsch- zeit, die zeit der glücklichen kindheit bedeutete? dann sollte œska geschrieben werden. ; wonach barn-æsca compositum wäre. Vgl. liód-æska (vanitas). Altn. adj. mit -esk sind nur: himn- eskr (coelestis); iarð-neskr (terrestris) mit unorg. n statt iarð-eskr (dän. jord-isk) da hier weder ableitung (wie in himinn) noch schwache flexion (wie in den folgenden adj.) n mit sich führen, übrigens bestärkt das ia in iarð- neskr (nicht iörðneskr, noch irðneskr) meine deutung des -eskr aus -askr; und die von volksnamen geleiteten: gotn- eskr (gothicus) saxn-eskr (saxonicus) valn-eskr (vallicus) sæm. edd. 235 b von den pl. gotnar, saxnar, valnar st. go- tar, saxar, valar (1, 661.) — [ISK] ags. ësc , altn. sk (mit umlaut), später erst -isk . 1) substantiva , das geschlecht ziemlich schwankend, α ) starke masculina: goth. at-isks (seges) ahd. eƷƷ- isc jun. 226. dër heilego eƷ-esg N. 140, 7. vgl. eƷƷ-isc- zûn lex bajuv. 9, 11. die wurzel scheint itan, ëƷƷan (edere) wie fructus und fruges von frui, cibus von capere (niu- tan, nieƷan), in der edda ist æti frugis vocabulum; heim- isc (idiota) pl. heim-iscâ mons. 365. Unsicher ist mir das geschlecht des ags. ed-isc (vivarium) engl. ed-ish; valw- isch, falw-isch (favilla) wird mhd. und oestr. männlich ge- braucht, vgl. Lohengr. 31. (wo die blühende rose falber asche entgegensteht) und Höser s. v. — III. consonantische ableitungen. SK. β ) starke feminina: ahd. rât-isca (problema) N. 41, 5. her- rad. 186 b flor. 989 a ; falaw-isca (favilla) jun. 205. blas. 91 b her- rad. 181 b falaw-isga O. V. 20, 54. mhd. valw-isce Mar. 222. von dem adj. valu, valawêr (pallidus) abgeleitet; zweiter de- clination (von adj. auf-isc): heim-iscî (rusticitas) doc. 218 b (wo idiota, rusticus); menn-iscî (humanitas) O. IV. 29, 23; vrôn- isci (decor, splendor) mons. 368. 378. frôn-isgî O. V. 7, 123; chind-iscî (infantia) doc. 205 b misc. 1, 27; heidan-iscî (pa- ganismus) N. 103, 6; ird-iscî (mundus) gl. ker. 193. — γ ) starke neutra : goth. barn-iski (infantia); ahd. hîw- isci (familia) K. 20 b hî-iske N. 97, 3 (wo fehlerhaft hûske) kum-isci, gum-isgi (complexus virorum) mons. 342. O. I. 3, 43; rât-isci (problema) doc. 231 a ; ags. menn-isc (gens); þëód-isc (gens); æv-isc (dedecus)? mhd. hiuw-ische (familia) Mar. 16.; menn-esche (homo) Parc. 112 b 114 a Barl. 55. 75. verk. men-sche Barl. 62. 213. und menn-esch Parc. 126 b ; nhd. men-sche (mancipium). — δ ) schwache masc. ahd. menn-isco (homo) N. 269 b W. 7, 12. menn-isgo O. V. 12, 92; mhd. menn-esche, men- sche; nhd. men-sch; altn. föl-ski (favilla) Snorraedda p. 69; köl-ski (senex, satanas), da fölski von fölr abstammt und = ahd. falawisco wäre, könnte auch kölski von einem verlornen kölr (calvus) sein, = ahd. chalawisco (kahl- kopf)? — ε ) schwache feminina: ahd. diut-isca (lingua germa- nica) N. 80, 3; chind-isca (infantia) Ecc. fr. or. 2, 942; frenk-isga O. I. 1, 67. (lingua francica); heid-esca (paga- nismus) N. 43, 3; menn-isca (anima) mons. 320. 362. wo aber bloß der plur. steht, der auch dem masc. menn- isco gehören könnte? — altn. bern-ska (puerilitas) versch. von barn-eskja oder barn-œska (pueritia) Ni á ls S. p. 30. (cap. 19.) ist barnesku variante zu bernsko. ; dirf-ska (au- dacia); eingel-ska (lingua anglica); el-ska (amor); fol-ska (imprudentia); gœd-ska (bonitas); gri-ska (lingua graeca); heim-ska (stultitia); ill-ska (malitia); mæl-ska (loquela, fa- cundia); compos. mit-menn-ska als stôr-menn-ska (magni- ficentia) etc; tîd-fka (mos communis); fâ-vit-ska (rudi- tas); sam-vit-ska (conscientia); þŷd-ska (lingua germ.); seltner und nach Rask neuer ist die volle form -iska in: mâl-iska (dialectus) versch. von jenem mæl-ska; pâp-iska (religio romana); sie erweckt auch den umlaut nicht. — Mhd. diu tiut-sche (lingua germ.) welsch. gast; hüb-ische (concubina) troj. 154 c . — III. consonantische ableitungen. SK. 2) adjectiva dieser ableitung gibt es ziemlich viele; schon Tacitus hat die deutschen volksnamen arav-isci, nar-isci; Aurel. Victor cap. 33. das n. pr. attal-iscus. Bei Ulf. kommen nur vor: mann-isks (humanus); háiþiv- isks (silvestris); judáiv-isks (judaeus) Tit. 1, 14; saurini- fynik-isks (syrophoenix) Marc. 7, 26. Ahd. un-adal-isc (degener) mons. 407; âdamant-isc (adamantinus) mons. 337. 342; chencil-isc (uncialis) mons. 346. doc. 265 a ; chu- ning-isc (regius) jun. 250; drî-sc (trinus) f. drî-isc K. 19 b 20 a woher drisc-heit (trinitas) Ecc. fr. or. 1, 934. N. 269 a ; ender-sc (alienigena) N. 104, 22. endir-sc (barba- rus) doc. 293. vollständig andar-isc; entr-isc (antiquus, priscus) jun. 234. 235. 245, von dem vorigen ganz ver- schieden; êvangel-isc (evangelicus); lîh-ham-isc, assim. sîh- him-isc (physicus) mons. 411; heidan-isc (ethnicus); heim- isc (rusticus) doc. 218 b ; himil-isc (coelestis) T. 6, 4. O. I. 12, 18; ni-huëdar-isc, ni-wëdr-isc (neuter) jun. 239; ird- isc (terrenus) O. V. 23, 203; judi-isg (judaeus) O. II. 14, 34; nazianzên-isc (nazianzenus) doc. 226 b ; nazarên-isc (na- zarenus) T. 115; purg-isc (urbanus) jun. 255; rium-isc (lo- reus) gl. vind. Denis I. 1, 143; samaritân-isc T. 87; sarƷ-isc, serƷ-isc (arabicus) mons. 346. doc. 232 b ; spân-isc (iberus) mons. 319; tul-isc (fatuus, stultus) jun. 211; hymn. 949; varr- isc (torosus) jun. 254; vëoc-isc (quaternus) K. 20 a ; frenk- isg (francicus) O.; vrôn-isk (nitens, elegans, pictus) mons. 385. doc. 212 a jun. 205. O. II. 22, 22. III. 20, 317. V. 7, 27; wëralt-isc (vulgaris) doc. 243 b ; zui-sc (binus) f. zui- isc [dessen dat. pl. zuiscêm, zuiscên adverbial für inter (duos) gebraucht wird] K. 19 b O. II. 12, 80. — Ags. cild- isc (puerilis); cyren-isc (cyrenaeus)) engl-isc (anglicus); ëoton-isc (giganteus) Beov. 118 195. vgl. ent-isc 221; geágl-isc (lascivus); græc-isc (graecus); hæðen-isc (eth- nicus); jude-isc (judaeus); seden-isc (latinus); lunden-isc (londinensis); menn-isc (humanus); mil-isc (mulsus, dul- cis); vyl-isc (wallicus) etc. — Altn. außer el-skr (amans, von ala, fovere?); heim-skr (stultus) nur völkerschaftliche: eng-skr (anglicus); gaut-skr (gothicus); îr-skr (hiberni- cus); islend-skr (islandicus); þŷð-skr oder þŷð-vër-skr (germanicus) u. a. m. — Mhd. sind diese ableitungen fast seltner als ahd., weit seltner als nhd. Der vocal vor dem sch ist e oder i, wird aber, wenn tonlose silbe voraus- geht, weggeworfen, nicht wenn stumme: abrahem-isch (? hebraicus, vgl. Oberl. 5 a 7 a ) Otnit 2228 (dresd. aber- heim-isch); arâb-esch (arabicus) Parc. 185 b ; ge-biur-sch (rusticus) MS. 2, 238 b ; elb-isch (fascinatus, dem die III. consonantische ableitungen. SK. geister etwas angethan haben); gird-isch (avidus) welsch. gast 35 b 86 a 104 a ; heiden-sch (ethnicus) Parc. 4 a 75 b 179 b Wigal. Barl. heim-isch (domesticus) Bon. 15, 28; hem-isch? (malig- nus) Vrîb. 4655; himel-isch Barl. MS. 1, 118 b ; höv-esch (auli- cus) verkurzt höf-sch Trist. Barl.; hiun-isch (hunnicus) Nib. 6864; ird-esch (terrestris) MS. 2, 135 a Barl.; kind-esch a. Heinr. 199 c Trist. 6223; kriech-esch (graecus) Trist. 4695; meig- esch (vernus, mense majo) a. Tit. 137. Trist. 2547; mërz- isch (austerus, mense martio) Gudr. 63 a ; narr-isch (stul- tus) Vrîg. 2645. beßer nerr-isch Vrîb. Trist. 5155; tœr- isch, tœr-sch (stultus) Barl. 243. 247, Vrîb. 5113; tiut-sch (theodiscus) Wigal. 288. MS. 1, 119 b gewöhnl. verkürzt in tiusch Parc. 196 c Wigal. 141. Nib. 5423; unger-sch (hungaricus) Parc. 75 b ; wel-sch (peregrinus, italicus, gal- licus) cod. pal. 361, beier-isc (noricus) 2 c 41 d ; frenk-esc 3 c ; rom- esc 3 b ; swab-isc 89 a ; walh-esc 40 c . . Zu merken ist, daß sich nach falscher analogie von heidensch? oder nach anderer? unorganische n ein- zuschieben pflegen: arâbensch Tit. 131; irdensch Barl. irdenisc cod. pal. 361, 1 b ; kindensch MS. 1, 97 a kriechen- sch Wolfdiet. 273; risenisc (giganteus) Rother 7 b 8 a . Richtig ist das n, wenn sonst die bildung statthaft, in dem adv. anderthalbensch Parc. 169 e vgl. heidensch ibid. 186 a (ahd. heidanisco?); andere form ist tœrschen (stulte) MS. 1, 42 a . — Nhd. hat sich die ableitung gewaltig ausgebrei- tet. Außer den schon mhd. vorhandnen: bäur-isch; hæm- isch; heidn-isch; heim-isch; himml-isch; hœf-isch unter- sch. von hüb-sch; ird-isch; kind-isch; närr-isch; und den aus volks- und ortsnamen gebildeten: arâb-isch; deut-sch; engl-isch; fränk-isch; jüd-isch; pers-isch; thüring-isch; wel-sch; berlin-isch; götting-isch; straßburg-isch etc. gibt es eine menge anderer: α ) bůb-isch; dieb-isch; aber- gläub-isch; ab-gött-isch; herr-isch; höll-isch; höhn-isch; hünd-isch; knecht-isch; aus-länd-isch; läpp-isch; läuf-isch; link-isch; kauf-männ-isch; mürr-isch; neid-isch; pfäff-isch; selbst-isch; spött-isch; städt-isch; thier-isch; tück-isch; vieh-isch; weib-isch; arg-wöhn-isch; zänk-isch etc. von welchen höchstens einige noch in der ältern sprache auf- gefunden werden dürsten, am wenigsten die mit böser bedeutung. β ) zumahl gern gebildet werden sie aus subst. mit -er: verbrecher-isch; buhler-isch; dichter-isch; er- finder-isch; gleißner-isch; heuchler-isch; krieger-isch; ver- leumder-isch; mahler-isch; mörder-isch; ver-räther-isch; räuber-isch; redner-isch; meister-sänger-isch; schänder-isch; III. consonantische ableitungen. SK. schöpfer-isch; ver-schwender-isch; träumer-isch; betruͤger- isch, altväter-isch; zauber-isch (f. zaubererisch, wie zauberin s. 320.) etc. wiewohl sie nicht von allen solchen subst. bild- bar sind, z. b. man kann nicht sagen: verächterisch, buͤßerisch, jägerisch. meisterisch, ritterisch, siegerisch, fünderisch, thäterisch, wächterisch u. dgl. Keine solcher ableitungen kennt das mhd. γ ) die beliebtheit dieser -erisch hat einige unorganische bildungen erzeugt, wie: regner-isch (pluviosus); frei-, schön-geister-isch (wahrsch. von dem plur. geister); wiener-isch; schweizer-isch (st. wien-isch, schweiz-isch, wie es heißt, bern-isch, salz- burg-isch, memming-isch und nicht berner-isch, salzbur- ger-isch). δ ) man leitet auch aus mannsnamen, was die ältere sprache nie that, adj. auf -isch, z. b. schmidt-isch, wielaud-isch etc. ε ) fremde lat. oder roman. adj. auf -anus, -aticus etc. nehmen das deutsche -isch an: african- isch, asiat-isch, hanseat-isch (st. hans-isch), pedant-isch. romant-isch, philosoph-isch u. dgl. bei später gebildeten aus eigennamen unterbleibt gern der umlaut, um keine zweideutigkeit zu veranlaßen; so wielandisch, marburgisch und selbst gothisch (gothicus) neben sächsisch, frän- kisch, jüdisch. . — Engl. -ish : engl-ish, jew-ish etc. — 3) verba: goth. áiv-iskôn ( ἀτιμᾱν ) ein adj. áiv-isks ( ἄτιμος ) oder ein subst. (s. 374. ags. ævisc voraussetzend? Vgl. das plattd. aisk (turpis), das im brem. w. b. 1, 8. mit eislich (egislih) verwechselt wird. Ahd. ki-tul-iscôn (infa- tuare) jun. 211. Altn. el-ska (amare); föl-skva (marcescere, pallescere); heim-skaz (obbrutescere). Mhd. höv-ischen, höf-schen (altfranz. cortoiser) Nib. 1415. 3664. hüb-eschen stehet MS. 2, 71 b ; tœr-ischen Vrîb. 2903; im 17. jahrh. jüd-schen (zum juden machen) Helvicus 1, 149. 2, 54. Nhd. ver-deut-schen (germanice vertere); wel-schen kau- derwel-schen; ent-menschen. [USK] hier läßt sich nur der alte volksnamen der chêr-usci bei J. Caesar und Tac. anführen. — bemerkungen zu SK. α ) wie -st mit s-t, berührt sich -sk mit s-k (oben s. 276 — 278.) vgl. lœsche aus loh-ische und hor-isc f. horsc. Flusc (fluxus) fram-flusc (profluvium) jun. 206. 220. läßt sich wohl nur aus fluoh-isc erklären? (vgl. s. 236. fluot aus fluoh-ad). III. consonantische ableitungen. SK. β ) zerlegungen des -isk in -is-k sind zu vermuthen, nicht nachzuweisen. Das nhd. herschen stammt aus hër- risôn und bezeugt noch keinen zus. hang dieses mit dem nhd. adj. herrisch. γ ) berührung des -sk mit -ss (oben s. 328.) scheint unorganisch und erst späterhin einzutreten. Die ältesten beispiele wären râtissa und râtisca. Aus der altn., dem ss abholden mundart ließen sich lîkneski (effigies) vit- neskja (notitia) neben das ags. lîcnesse, vitnesse halten. Allein beides sind verschiedne ableitungsformen, deren bedeutung natürlich nicht weit aus einander liegt. Die schwed. sprache moviert fem. mit -ska , z. b. barnmoder- ska (obstetrix) blêker-ska, twätter-ska (lotrix) danser-ska (saltatrix) väfver-ska (textrix) etc. da aber nichts ähnli- ches im altn., selbst nicht im dän. (wo dandserinde, blê- gekone, väverinde) statt findet, so scheinen mir diese -ska aus plattdeutschen -sche hergenommen, welche nach s. 329. aus roman. -esse entspringen altfranzös. findet sich nicht selten -sc: noblesce, largesce etc. . Das goth. ahd. altn. -isk dient durchaus nicht zur motion, sondern zu anderen begriffen. δ ) im gegensatze zu -îg , das sich meist mit sächlichen, selten mit persönlichen wörtern verbindet (s. 309.), leitet -isc mehr persönliche als sächliche ab. Es gibt daher, in der früheren sprache wenigstens, beinahe keine colli- sionen beider bildungen. eli-diot-îc (peregrinus) jun. 235. 252. könnte nicht eli-diut-isc heißen, noch diut-isc (ger- manicus) diot-îc, obwohl ihnen beiden diot (gens) zu grunde liegt; diutisc, wegen des u, scheint länger im ge- brauch; -isc drückt abstammung, abkunft, etwas leben- digeres, -îc allgemeine ableitung, etwas abstracteres aus; himil-isc entspricht dem goth. compos. himina-kunds ( οὐ- ράνιος ), für elidiotîc würde auch die noch gelindere ab- leitung elidioti, elidiotjo, goth. aljaþiudja (wie aljakunja) stehen dürfen. Erst die nhd. sprache hat neben narrig (wenn dies nicht ganz verwerflich ist) ein närrisch, ne- ben glaubig, gläubig ein abergläubisch und für das ahd. mittelandîg N. 71, 8. ein mittelländisch. Erst sie legt auch in das -isch die idee des verächtlichen oder tadelhaften: kindisch, weibisch, knechtisch, abgöttisch, diebisch, lin- kisch etc. im gegensatz zu den die gute bedeutung ent- haltenden compos. mit -lich: weiblich, kindlich, göttlich. Näher besehen liegt aber das böse nicht in dem -isch, III. consonantische ableitungen. SK. sondern in dem wurzelbegriff an sich oder einer wen- dung desselben (weib, kind, dieb, abgott, link) daher man auch nicht männisch, göttisch, rechtisch von gott, mann, recht (die nie böses bedeuten) ableiten kann. Das goth. mannisks, ahd. chindisc sind eins wie das andere frei von einer nebenidee und das veraltete ahd. wëraltisc bedeutet gerade unser nhd. weltlich (ahd. wërolt-lîh K. 53 a ags. veorold-lîc). Berührung des -sc mit ‚ -ht zeigt das nhd. thöricht statt des mhd. tœrisch und neben när- risch gilt auch narricht, närricht (?). ε ) die lat. sprache besitzt eine menge intransitiver verba auf -esco: marc-esco, pall-esco, surd-esco, vir- esco etc. aber wenige subst. auf -isca , -usca: lyc-isca, labr-usca, gar keine adj., die gerade im deutschen bei dieser ableitung vorwalten. Den begriff der abstammung drückt bloßes -icus aus: german-icus, franc-icus, ala- mann-icus. Ist es deutscher einfluß, daß die roman. dia- lecte ziemlich viele -esco bilden? ital. donn-esco, grott- esco, marin-esco, parent-esco, pedant-esco, pittor-esco, poltron-esco, romanz-esco, ted-esco etc. franz. arab-esque (ital. rabesco) gigant-esque, grot-esque, tud-esque etc. Der Grieche verkleinert mit -ισκος : νεανίσκος , οὐρανίσ- κος, στεφανίσκος. παιδίσκος . Näher dem deutschen ste- hen die slav. adj. auf -sk , womit auch namentlich genti- lia abgeleitet werden (Dobr. institt. p. 330. Vuk p. 44.) aber nie fügt sich das slav. sk , wie das nhd. -isch zu mannsnamen, vielmehr tritt dafür eine andere ableitung, nämlich -ov , -ev ein (Dobr. p. 322.) z. b. pavlov (nhd. paulisch, paulinisch) nicht pavlski. Die litth. -iszkas glei- chen sehr den deutschen: lêtuwiszkas (litthauisch) rymio- niszkas (römisch) dangiszkas (himmlisch) buriszkas (bän- risch) kuniszkas (leiblich) dwasiszkas (geistlich) smertiszkas (tödtlich) diewiszkas (göttlich) dieniszkas (tägsich) kiaulisz- kas (schweinisch) etc. ableitungen mit HT. für -ht ist der altn. zunge -tt gemäß; der vorherrschende vo- cal scheint o (für u), schwankend in a (ahd bei N.) und i; die goth. sprache weist noch kein beispiel dieser ableitung auf. 1) nomina substantiva: ahd. kenne ich bloß inn-ah- ten (visceribus) N. 50, 12. und das daher geleitete adj. inn-ahtîg N. p. 267 a , 78. Wie lautet der nom. sg.? — III. consonantische ableitungen. HT. Altn. gibt es schwache fem. auf -âtta (nicht -ôtta, folg- lich dem adj. -ôttr kaum verwandt): bar-âtta (pugna, ae- rumna); for-âtta (aestus maris, odium); kunn-âtta (scien- tia); vëdr-âtta (temperies aeris) ô-vëdr-âtta (intemperies); vîd-âtta (latitudo); vin-âtta (amicitia); wären sie mit âtt (regio, plaga) oder ætt (genus) componiert? doch diese subst. gehen stark, wie das ahd. ahta. Barâtta gehört zu berja (schlagen, schlacht, wie das compos. bar-dagi); die wurzel von forâtta ist mir dunkel, die der übrigen liegt am tage. — Nhd. subst. auf -icht sind aus organischem -ich erwachsen: hab-icht (oben s. 285.) dorn-icht, kehr-icht etc. (s. 313.) geschwistr-icht (s. 314.) — 2) adjectiva: ahd. ang-oht (aculeatus) mons. 338; astal-oht, assim. astol- oht (nemorosus) jun. 240; chrinn-oht (torosus) doc. 206 b mons. 390. (wo chirinnoht, doch chi-rinn-oht verbietet das gi-chrinn-oht bei Doc.) vgl. chrinnin (chrinnûn) tes- serae, quibus frumentorum numerus designatur, doc. l. c. und Stald. 1, 132. unter krinne; chrâph-aht (uncinosus) N. Boeth.; hastal-oht (scorpius?) doc. 218 a , vermuhl. astal-oht?; haol-oht (ponderosus) cass. 855 a = hôl-oht (herniosus) mons. 332. aug. 119 a ; holz-oht (nemorosus) jun. 240; horn-oht (cornutus) jun. 199. horn-aht N. Boeth.; hovar-oht (gib- bosus) jun. 207; masar-oht (tuberosus) gl. vind.; misel- oht (leprosus) N. 73, 11; sui-pog-oht (forniceus) doc. 238 b ; poum-oht (nemorosus) aug. 119 b ; ringil-oht (hama- tus) mons. 326. doc. 231 b ; scîp-oht (polymitus) mons. 321. 339. 340; scoup-oht? (scabrosus) gl. vind.; sprëckil-oht (maculosus) doc. 236 b ; stein-oht (petrosus) T. 75, 2. bei Palth. (doch hat der s. gall. cod. das subst. steinahi) 71, 3. stehet stein-aht; stucchil-oht (divisus) doc. 273 a ; strimal-oht (segmentatus) doc. 237 b ; flor. 983 a talli-oht (convallestris?) jun. 198. scheint entstellt, vielleicht tal-oht, oder talj-oht?; vlecch- oht (maculosus) hrab. 969 a ; wurm-oht (vermiculosus) jun. 231; zuisil-oht (bifurcus) gl. s. gall. — In den meisten dieser belege steht flectierte form, die unflectierte T. 71, 3. jun. 240. wo astolohti, holzohti adj. zweiter decl. scheinen, vielleicht aus adj. gebildete neutrale subst. sind? holzohti (locus ne- morosus)? Aber auch gl. ker. 130. quî-ohti (frondosus) 161. unbart-ohti (imberbis) 183. thorn-ohteo (spinosa)? 277. bestimmt das subst. tal-ohti (valla). — Haben einige unorg. l eingeschoben? für astaloht sollte man ast-oht (ra- mosus) vermuthen, oder liegt ein verlornes subst. astal, astali? ein verbum astalôn zu grunde? wie bei ringiloht ringili, ringilôn. III. consonantische ableitungen. HT. ags. -iht , zuweilen -eht aber beides ohne umlaut: bog-iht (arcuatus); cropp-iht (racemosus); dylst-iht (sa- niosus); hær-iht (crinitus); hôc-iht (aduncns); stæn-iht (lapidosus); þô-iht (argillosus); þorn-iht (spinosus). altn. -ôttr: hâ-bein-ôttr (longipes); bild-ôttr (albus, palpebris nigricantibus); blett-ôttr (maculatus); brögd- ôttr (dolosus); brös-ôttr (irritabundus); depl-ôttr (scutu- latus) von depill (nubecula); drop-ôttr (guttatus) stor- drop-ôttr (dicktropficht); dil-ôttr (maculosus); dröfn-ôttr (undulatus) von dröfn (unda); fleck-ôttr (discolor); frëkn- ôttr (lentiginosus); giör-ôttr (venenosus) edd. sæm. 170; gols-ôttr (ventre furvo); hnöck-ôttr (cervice discolore); hnöckr-ôttr (scaber); hnodr-ôttr (floccosus); hnött-ôttr (glo- bosus); hol-ôttr (foraminosus); hvæl-ôttr (lacunosus); kilp- ôttr (sinuosus); klepr-ôttr (nodosus) von kleppr (tumor); koll- ôttr (obtusus); krîngl-ôttr (rotundus); krekl-ôttr (tortuosus); lûn-ôttr (inconstans); môâl-ôttr (glaucus) vgl. môâla (equa colore glaucino); mold-ôttr (cinereus); grâ-mön-ôttr (jubâ griseâ); mög-ôttr (ventre nigro); rönd-ôttr (stria- tus); snepl-ôttr (villosus); sök-ôttr (culposus); sprëkl-ôttr (maculosus); stiörn-ôttr (alba macula frontis insignitus); for-stock-ôttr (caducus); tind-ôttr (dentatus). mhd. meist noch -oht , zuweilen -aht , allmählig (na- mentlich bei Conr.) -ëht , wurzelumlaut nur begründet, wenn eine zwischenableitung mit i einwirkt: bart-oht (barbatus) Parc. 127 c ; hover-oht Jw. 4 b ; hocker-ëht Bon. 76, 7; krupp-ëht Morolf 44 b ; reidel-oht, reidel-ëht (crispus) Parc. 60 c 192 b ; rœsel-oht (roseus) amur 649. 2120. rœsel-ëht Ben. 29. 62. 71. troj. 116 b schmiede 63. mit unorg. l für rôs-ëht? oder von dem diminutiv rœsel und darum umlautend?; rœtel-ëht (subrufus) kl. 1848. (1759) wo rôteliht, von einem verbo rœteln (subrubere)?; runzel-oht (rugosus) troj. 79 b ; schîbel-ëht (rotundus) Vrîb. 1328, wieder von einem dimin.?; snabel-aht (ro- stratus) Ernst 32 b im reim; sprikel-ëht (maculosus) troj. 72 b ; strîf-ëht (virgatus) schwanr. 910; stück-oht (frustu- lentus) Parc. 93 b ; swibel-ëht (sulphuratus) Karl 33 a ; tôr- ëht (stultus) Bon. 52, 53; triutel-oht (amabilis) MS. 2, 180 b triutel-ëht MS. 1, 25 b Ben. 22. 58. 62. 66. von dem dim. triutel, triutelîn; velwel-oht (albicans?) Parc. 27 b , von velwelen (albicare) wurzel val (pallidus); wegg-ëht (cuneatus) troj. 28 c ; weser-ëht fragm. 32 b , wenn die les- art richtig, verstehe ich nicht; schâch-zabl-ëht (in mo- dum ludi latr. divisus) troj. 23 a ; zinnel-oht (carminatus) Maria 102. wenn nicht, wegen des vorstehenden ge- lie- III. consonantische ableitungen. HT. ber ein part. anzunehmen und zu lesen ist gezinnelôten hare?; zinzel-ëht (cinctus?) MS. 2, 86 a , denn bei demsel- ben dichter scheint zinzel für cingulum zu stehen, 2, 80 a , auf jeden fall gehört es zur weibl. brustbekleidung. — Conr. gebraucht in den meisten der hier aus ihm gegeb- nen belege -ëhte st. ëht, was an das ahd. -ohti st. oht gemahnet. nhd. -icht , in der regel ohne umlaut, der mir in höckericht und thœricht unbegründet scheint: bein-icht; berg-icht; bins-icht; buckel-icht; dorn-icht; erd-icht; fels-icht; sett-icht; grâs-icht; haar-icht; höcker-icht; holz-icht; holper-icht; kahn-icht (mucidus); kropf-icht; mehl-icht; mos-icht; nerv-icht; runzel-icht; schimmel- icht; schwefel-icht; sprenkel-icht; stein-icht; sumpf- icht; thœr-icht u. a. m. Man merke a) das schwanken der schriftsprache zwischen diesem -icht und -ig (ahd. -ac), z. b. es heißt ebenwohl: bein-ig (hochbeinig, drei- beinig, wie vierfuͤßig) berg-ig, erd-ig, grâs-ig, môs-ig, stein-ig etc., seltner -ig (ahd. -îc): bärt-ig, här-ig (kaum aber thœr-ig). — b) die volkssprache kürzt zuweilen das -icht (wofur sie auch noch -echt , -ocht , -acht gebraucht in -et : knorr-et (knorricht) klapper-et (klappericht) stink- et (stmkicht) vgl. Schm. §. 1032. dergleichen adj. häufig bei H. Sachs. — c) anderemahl fugt sie den compositis mit -lich der schriftsprache, welch egestalt, farbe, oder ge- schmack anzeigen, ein scheinbar ungehöriges -t hinzu, statt läng-lich, gruͤn-lich, gelb-lich, röth-lich, ründ-lich, süß-lich, säuer-lich setzend; länglicht: grünlicht, gelb- licht, süßlicht etc. Allein hier scheint der irrthum fast auf seiten der schriftsprache, nämlich gruͤnlicht nicht zu nehmen für gruͤn-lich-t sondern für gruͤnl-icht, von ei- nem verbo gruͤneln, weißeln, suͤßeln (subvirere, subal- bicare, subdulce sapere). Diese verba enthalten eigentlich den begriff der farbähnlichkeit, des beigeschmacks. Ich habe sie oben s. 115. für unorganisch erklärt, und es läßt sich freilich kein ahd. kruonilôn, suoƷilôn oder kruonilên, suoƷilên nachweisen, so wenig als ein adj. kruonil-oht, suoƷil-oht. Das mhd. rœtel-eht, velwel-oht führen in- zwischen auf rœteln, velwelen (vielleicht rœsel-oht, rei- del-oht auf rœseln, reideln?) und deutlich streitet wider das nhd. gruͤnlich, suͤßlich, daß die frühere sprache keine solche compos. erkennt, wohlzuverstehen in der bedeutung subviridis, subdulcis. Kruoni-lîh, kruon-lîh würde näm- lich viridis heißen, wie suaƷ-lîh dulcis heißt (O. V. 12, 180.), bitter-lich noch heutzutage amarus, nicht amari- III. consonantische ableitungen. HT. cans (pittaril-oht?), unerachtet wir mit dem formell gleichen suͤßlich den begriff von subdulcis, nicht von dul- cis verknüpfen. — d) die volkssprache pflegt ihrem -icht, -echt, -ocht, -acht noch die weitere ableitung -ig bei- zugeben, folglich zu sagen: bins-acht-ig (juncosus) dorn- acht-ig (spinosus) gras-acht-ig (herbosus) kahn-echt-ig (mucidus) rind-echt-ig (crustosus) etc. Eine menge bei- spiele schweizerischer -ocht-ig hat Stald. dial. 221-223. Ich weiß weder ein ahd. -oht-îc (-oht-ac?), noch ein mhd. -ëht-ec, noch ein nhd. -icht-ig. Auch die ags. mundart kennt kein -iht-ig, die altn. kein -ôtt-ugr, neben -iht, -ôttr. Im engl. haben sich alle -iht in -y (= ig) verwandelt: hook-y (aduncus) ston-y (petrosus) thorn-y (spinosus) und an ein thorn-ight-y ston-ight-y ist nicht zu denken. Aber im nnl. treten haufenweise adj. bildungen mit -acht-ig (dorn-achtig, wît-achtig, bitter-achtig, hout-achtig etc.) im schwed. mit -akt-ig (grå-aktig, glas-aktig etc.) im dän. mit -agt-ig (nöj-agtig, tyv-agtig etc.) hervor. Bloßes -acht, -akt, -agt hat keine dieser sprachen. Was ist davon zu halten? Vorerst entsprechen die schwed. -aktig, dän. -agtig nicht den altn. -ôttr, aus welchen schwed. -ot , -at , dän. -et geworden ist, vgl. schwed. fläck-ot (fleck-ôttr); schwed. frekn-ot, dän. fregn-et (frëkn-ôttr); dän. mank-et (mön- ôttr); dän. spragl-et (sprëkl-ôttr); nopp-et (floccosus); brog-et (discolor) schwed. brok-ot; dän. haard-nack-et (schwed. hård-nack-at) etc. Wohl aber vergleichen sich jene -aktig, agtig den nnl. -achtig und den -echtig, och- tig, deutscher volksmundarten. Sie scheinen daher aus der fremde eingeführt. Vgl. schwed. gras-aktig, dän. gräs-agtig, nnl. gras-achtig, schweiz. gras-ochtig; schwed. grôn-aktig, dän. grœn-agtig, nnl. grœn-achtig, schweiz. gruͤn-ochtig; schwed. barn-aktig, dän. barn-agtig, nnl. kinder-achtig, schweiz. kind-ochtig und viele ähnliche, denen theilweise nhd. -icht oder -lich f. l-icht zur seite stehen, oft aber nicht, z. b. kein nhd. kind-icht oder kin- der-icht (wofür kind-isch). Was dann die nnl. -achtig insbesondere betrifft, so mögen wenigstens einzelne der- selben wahre composita sein und dem nhd. -haftig ent- sprechen, ft in cht verwandelt und h weggeworfen, bei- des nach nl. lautlehre. Beispiele: dêl-achtig (theil-haftig) wâr-achtig (wahr-haftig) fabel-achtig (fabel-haft) zu de- nen schwerlich schweiz. teil-ochtig, war-ochtig angeführt werden können, obschon Stald. dial. 224. fabel-ochtig wagt. Da nun der dän. schwed. zunge jene aphäresis III. consonantische ableitungen. HT. des h und verwandlung des ft in gt, kt unangemeßen ist, gleichwohl ein dän. dêl-agtig (particeps) fabel-agtig, var- agtig (verax) schwed. var-aktig (durabilis) dêl-aktig (par- tic.) vorkommt; so sollte man beinahe denken, daß die dän. schwed. -agtig, aktig dem grundtypus nach aus den Niederlanden her eingedrungen seien. — 3) verba der ableitung -ht kenne ich nicht wirihtê (revereatur) mons. 399. ist verdächtig. . anmerkungen zu HT: α ) berührung mit h-t (s. 203-207.); daß aber das ahd. përaht, zoraht nicht për-aht, zor-aht sei, fließt schon aus dem abweichenden vocal (nicht për-oht, zor-oht) und aus dem altn. biartr (nicht bër-ôttr) ags. bëort (nicht ber-iht). Auch wird hol-oht hernach nicht zu holht, wie përaht zu përht. β ) bezweifelt werden darf gleichwohl nicht, daß -ht in zwei ursprünglich gesonderte ableitungen h und t zer- falle. Es folgt aus seiner verwandtschaft mit der ablei- tung -h und selbst -g. Dem Gothen scheint -ht noch unbekannt, er setzt stáin-ah (petrosum) statt des ahd. stein-aht, stein-oht. Im subst. lautet aber auch die ahd. form noch hap-uh, eihh-ahi; die nhd. hab-icht, eich- icht. Das ahd. apuh lautet schweiz. abächtig. Das t scheint sich allmählig anzubilden (vgl. s. 210.). γ ) wie -ah an -ag grenzt (s. 316.), so auch -aht, -oht an -ag , ahd. -ac (minder an -eig, ahd. -îc). Statt der ahd. loupac, snêwac, riuchac ließe sich ein loupoht etc. denken, denn alle übersetzen lat. auf -osus und wenn poumoht zuläßig, warum nicht loupoht? Oben s. 293. ist aus Barl. 42, 10. ein mhd. dornec (spinosus) beige- bracht, im ags. stehet þorniht. Um so weniger darf das nhd. schwanken zwischen -ig und -icht (s. 382.) ver- wundern. δ ) verschiedne sprachforscher haben in unsrer ablei- tung die wurzel ahta (cura, cogitatio) ahtôn (putare) ge- funden, also composition statt derivation. Diese ansicht ist schon vorhin für die altn. subst. auf -âtta verworfen worden und muß noch bestimmter für die adj. -oht, -ôttr verworfen werden. Das -t scheint (anmerk. β. ) unur- sprünglich; es könnte also in dem goth. stáinahs und ahd. III. consonantische ableitungen. HT. eihhahi wieder kein aht, sondern nur dessen wurzel ah liegen, was niemand behaupten wird. Selbst bei den späteren nnl. achtig, schwed. aktig, dän. agtig ist, da keine dieser sprachen einfaches adj. achtig etc. kennt, kaum an eine solche zus. setzung gedacht worden. ε ) die adj. -oht , -ôttr beziehen sich meist auf etwas leibliches, sinnliches, wie es von außen erscheint. Sie stehen daher den adj. auf -în (s. 176.), die den innern stoff ausdrücken, gewissermaßen gegenüber, vgl. steinîn, hulzîn, durnîn, poumîn, eihhîn etc. mit steinoht, holz- oht, dornoht, poumoht, eihhoht. Die sprache bezeich- net durch sie hervorstechende äußere merkmahle, flecken und gebrechen. Zuweilen gelten sie aber auch von un- sinnlichen eigenschaften, z. b. altn. brögdôttr, brösôttr, sökôttr. Die bedeutungen von -haft, -ähnlich, scheint erst das spätere -ochtig, -achtig mitzuführen. ζ ) die beigesetzten lat. wörter thun eine große über- einstimmung dieser deutschen adj. mit den lat. auf -osus dar; wenn -ahs die ursprüngl. deutsche form wäre, könnte selbst die verwandtschaft der spiranten s und h (1, 584. 592.) in anschlag kommen zumahl die Slaven in ähnlichen wörtern dem l ein t, wie die Deutschen dem h ein t zuzufügen scheinen, vgl. die vorhin s. 372. angeführten rogast, krilast, njedrist. . Doch reichen die lat. -osus weiter und begegnen auch andern deutschen ableitungen, namentlich denen mit -ag, -al (animosus, formosus, samosus, linguosus). Aus dem litth. sind zweier- lei derivata zu vergleichen 1) die mit -otas , -ůtas: ak- menůtas (steinicht) akstinnůtas (dornicht) barzdůtas (bär- tig) groblótas (narbicht) guz’ótas (knorricht) kampůtas (eckicht) karbůtas (schrumpflicht) klajotas (heckicht) mi- glotas (neblicht) miltotas (mehlicht) plaukotas (haaricht) plunksnótas (sedericht) ragůtas (hornicht) snegotas (schnee- icht) etc. 2) die mit -okas , welche annäherung in ge- stalt, farbe, geschmack ausdrücken: baltokas (albicans) ilgokas (sublongus) kartokas (subamarus) saldokas (subdul- cis) apskrittókas (subrotundus) etc. Das k könnte dem deutschen h, das t dem deutschen t (in ht ) entsprechen; doch gleicht das t auch dem lateinischen in alatus (slav. krilat, versch. von krilast) cornutus (sl. rogat, versch. von rogast) barbatus (sl. bradat) crinitus (böhm. vlasaty) pen- natus (böhm. pernaty) nivatus (neben nivosus) ansatus, B b III. ableitung. schlußbemerkungen. hamatus etc. vgl. πτερωτός γενειήτης κομἧτης κ . τ . λ . . In ihnen scheint zwar das t verbaler natur; oder wäre das nicht und eine spirans davor aus- gefallen, wie in dem schwed. -ot, dän. -et und dem -et deutscher volksdialecte? Schlußbemerkungen zum zweiten capitel. 1) [ vocale der ableitung ] die reinvocalischen liefern: a i u ái ô die (einfachen) consonantischen: al il ul ar ur am um an in un ein ôn ab? ib? ub? av iv? uv? êv? at it ut áit? ad id ud ôd aþ iþ uþ áiþ? êþ? ôþ as is us ak ik uk ag ug eig ah uh die mehrfachen und wahrscheinlich zusammengesetzten: ll, ull, arr, irr, urr, inn, unn, ass, iss, uss, olf, ald, ild, els, arn, irn, urn, ant, int, and, ind, ink, ang, ing, ung, ist, ust, ask, isk, aht, iht, oht. Durch alle diese ableitungen wird ein hauptresultat des ersten buchs, die beziehung sämtlicher vocallaute auf die drei kurzen a, i, u, bestätiget. Goth. aí und aú ent- wickeln sich in den ableitungen fast gar nicht (nur aírns s. 336.); ebensowenig ahd. ë, wohl aber o (aus u). Die langen vocale stehen in der ableitung sehr zurück; áu (ou), û und iu kommen nicht vor (wie kein û im ab- laut, vgl. oben s. 7.); ê = â kaum (vgl. s. 192. 252.); mehr ô, ái. ei (î). Indessen sind die von keiner consonanz be- gleiteten ableitungen ô und ái (ê), in ihrer häufigen mischung mit flexionsvocalen (s. 95.), eine seltsame, künf- tige aufklärung bedürftige erscheinung. III. ableitung. schlußbemerkungen. Nach und nach werden die alten vocalverhältnisse der meisten ableitungen gestört und aufgehoben, ihre leben- dige färbung erblaßt. Langvocalische retten sich nur in seltnen fällen, wenn sie den zweideutigen schein von wur- zeln annehmen, so -eiƷ (s. 221.) -eit (s. 251.) -uot (s. 256.) In der regel werden lange und kurze vocale zu unbe- tontem und stummem e oder i, das nach umständen ganz ausfällt. Seit dem zehnten jahrh. ist im ahd. fast kein a, i, u der ableitung in ursprünglicher reinheit mehr anzu- treffen. Nur da, wo schein einer wurzel entspringt, kann sich auch der kurze vocal erhalten, vgl. -sal (s. 106. 107.), -und (s. 343.), -niss , -ling , in mehrfachen selbst ohne solchen schein, -ing , -ung ; zuweilen verändert er sich (eidam, s. 151.). Reinvocalische ableitungen schwinden häufig ganz, zumahl bei nachfolgender flexion (nament- lich in den schwachen conjugationen und in den zweiten declinationen); bisweilen auch unflectiert, z. b. im nhd. netz, bett, heer, meer, glück. Geschwundnes i, oder daß tonloses e der ableitung früher i, î war, zeigt der umgelautete wurzelvocal an (nhd. netz, engel, knüttel), so wie unumlaut unorganisches i verräth (muthig, gewal- tig). Aehnliches gilt vom altn. u der ableitung. Betrachten wir die vocale in dem ältesten stande die- ser ableitungen, so scheint zwar das u mehrern formeln zuzukommen, als das i , da es namentlich kein ir , im , ig , ih gibt. Allein die meisten formeln des i sind dafür reichhaltiger, beinahe wie die des a. Frühere u pflegen mitunter in i überzutreten (sigu, sigi; wirtun, wirtin) und dann das schicksal der übrigen i zu theilen. Das wichtigste in dem verhältnis der drei ableitenden kurzen vocale ist aber theils die abwesenheit des a in reinvoca- lischen ableitungen (s. 92. 93.), theils sein übergewicht in den consonantischen, theils in diesen sein leichterer aus- fall. Drei erscheinungen, deren ursachen vermuthlich nahe zusammenhängen. Warum ist das bloße, von consonanten unbegleitete a in der wortbildung kein ableiter? Der grund, daß es in der flexion zu viel gebraucht werde, reicht nicht hin, zumahl die flexionsvocale nach den dialecten großer ver- schiedenheit unterworfen sind. In goth. und ags. flexio- nen mag a freilich vorherrschen, von den ahd. läßt es sich weniger behaupten. Auch haben i und u in den flexionen keine kleine rolle zu spielen. Es muß also ein tieferer grund vorhanden sein, den uns die geschichte B b 2 III. ableitung. schlußbemerkungen. deutscher sprache nicht mehr durchschauen läßt ich habe zu Vuks serb. gr. in der vorr. XXXIV-XXXIX. aufgestellt, daß die slav. jer und jerr aus (vermuthlich ableitenden) vocalen i und u entspringen und daß beide die wurzel auf eine weise afficieren, die sich dem deutschen umlaut durch i und u vergleichen läßt. Folglich auch die sl. sprache weiß von keinem auslautenden (ableitenden) vocal a . . Ist das a , die mitte haltend zwischen i und u, überhaupt ein neutraler, zur bestimmung des besondern ungeschick- ter laut? Drückt es auch in consonantischer ableitung ein allgemeineres, ruhigeres verhältnis aus, als die mit consonanten verbundnen i oder u? Wird es darum in consonantischer ableitung leichter entbehrlich, als i und u, die sich später verlieren, denen in den meisten fällen noch ein umlaut gleichsam nachscheint? Die älteste deutsche mundart, die gothische, stößt kein ableitendes i und u aus, aber sehr viele a. Es gibt sogar fälle, in denen alle deutschen sprachen, selbst die ahd., den ablei- tungsvocal, d. h. das a, unterdrücken, nämlich α ) bei den ableitungen f-t, s-t, h-t, s-k; haftete er hier, so würde lautverschiebung erfolgt, für t ein þ eingetreten sein, vgl. ahd. lioht, lieht mit goth. liuhaþ (s. 237,); aber die vollen formen gasaþs, magaþs, fisahs statt gasts, mahts, fisks wären unerhört ist hiernach fëheta f. sëhta (s. 205.) verwerflich? steht es = fëheda? vgl. nhd. fehde (das vielmehr ahd. vêhida, odium, scheint). . β ) da, wo zugleich die spi- rans der wurzel verloren geht, am häufigsten also vor ableitendem m und þ: blôma, môþs statt des volleren blôhama, môhaþs; sêla statt sêvala zuweilen wird mit dem a (nie mit dem i, u) der ablei- tung auch das wurzelhafte n weggerißen, meist der wurzelvocal dadurch afficiert, vgl. s. 263. gâs f. ganas. . Diese beiden allgemeineren ausnahmen abgerechnet bringe ich den wegfall des a zwischen zwei consonanten (einem der wurzel, dem andern der ableitung) unter fol- genden gesichtspunct. Es scheint grundgesetz unserer sprache, nur solche als wahre wurzeln anzuerkennen, die auf den vocal einfache consonanz haben (s. 6. erste wur- zelclasse). Von zwein consonanten auf den wurzelvocal ist der hintere ableitend und zwar entw. muta auf liq., dann kann die muta noch mitablauten und es entspringt ein analogon von wurzel (s. 8. zweite wurzelclasse); oder liq. auf liq. und muta, muta auf muta, dann ist kein ab- laut möglich und die ableitung liegt am tage. Der erste III. ableitung. schlußbemerkungen. fall ( muta auf liq. ) wenigemahl auch muta auf spirans (vëhtan); schwerer zu deuten ist der ablaut in den formeln rm , rn (nr. 431. 432. 611-614.) wo liq. auf liq. folgt; ablautendes lm läßt sich schwerlich aufwei- sen, vgl. oben s. 6. Das ags. irnan entspringt aus rinnan, in an- dern rn war vielleicht r früher s? Daß auch die geminationen ll , rr , mm , nn der XII. conj. auf keiner ableitung beruhen ist wahrscheinlich. begreift die starken verba zwölf- ter conj. und ähnliche reduplicierende, samt dem, was aus ihnen hergeleitet wird. Hier dulden die meisten mundarten, namentlich die gothische keinen ableitungs- vocal; die muta der ableitung ist mit der liq. der wurzel enge verwachsen. Für goth. sviltan, finþan, vaírþan, þinsan, drigkan, baírgan, filhan gibt es durchaus kein svilatan, finaþan, vaíraþan, þinasan, drinakan, baíragan, filahan. Die ablaute scheinen eben erst aus so inniger ver- bindung beider consonanten hervorgegangen zu sein (vgl. oben s. 98.). Allein die ahd. mundart zeigt noch ver- schiedentlich das a der ableitung, hauptsächlich zwischen l und r der wurzel und gutturalis der ableitung, vgl. vë- lahan, përakan und ablautend valah, parac, vuluhun, pu- rukun (assim. f. vulahun, purakun) desgl. die subst. vëlah, vëlaho, përac, puruc. Zuweilen auch vor labialer ablei- tung, man darf aus waraf, huerabôn ein starkes verbum wërasan, huëraban folgern, denen ein hëlafan f. hëlfan völlig analog wäre. Wie aber jene vëlahan, përakan bald aussterben, so können früherhin zwischen l und r der wurzel und lingualis der ableitung a gestanden ha- ben? und warum nicht auch nach m und n, wie nach l und r? Für smëlzan, wërdan, dimphan, vindan, din- san, trinchan ältere smëlazan, wëradan, dimaphan, vina- dan, dinasan, trinachan? Wer die möglichkeit leugnete und in velahan, përac, waraf ein bloßes der ahd. sprache eigenthümliches wohllautsprincip ungefähr wie im nhd. mauer (1, 697.); etwas anderes ist der zwischen zwei anlautende consonanten der wurzel geschobne vocal, wie cherestig N. 88, 1. gerindela N. 106, 15. f. chrestig, grindela. , behauptete, föchte den theoretischen satz an, von dem ich vorhin ausge- gangen bin, daß der zweite auslautende cons. nicht wur- zelhaft sein könne. Ihn beweisen einzelne beispiele, z. b. das aus swînen herzuleitende swinden. Die ableitung aber zugegeben, sehe ich kaum ein, wie der vocal vor dem cons. abzusprechen ist. Und fehlt er nicht minder im goth. zwischen muta und liq.? wäre er auch da im ahd. III. ableitung. schlußbemerkungen. bloß euphonisch? Im andern hauptfalle ( liq. auf liq. und muta , muta auf muta ) wo die ableitung fühlbarer ist, tritt das a noch zuweilen im goth. hervor, im ahd. weit öfter, als bei dem ersten fall. Der Gothe läßt es zwi- schen m und l (amala), nicht zwischen m und r (timr- jan) r und m (arms) r und n (barn, þaúrnus, außer wenn in mehrfacher ableitung schon ein vorausgehendes a weg- fiel, akran, nicht akrn), von r und l ist kein beispiel da (sagte er karls oder karals?). Gern bleibt a nach h (sla- hals, ahaks, ahana, liuhaþ, láuhatjan, doch stehet ahma, hiuhma, þraíhns, aúhns) nach v (sáivala, hláivasna), in framaþis, þiudans, magaþs, mitaþs, naqvaþs, káisar, brô- þar (vgl. s. 121. note) anþar und in allen ableitungen -areis, -ags, -ahs. Beispiele fehlender a sind sodann: svibls, ïbns, áibr, sitls, maþl, snutrs, vintrus, blôstr, máiþms, hleiþra, fugls, ligrs, akrs etc. ob die goth. liquida hier noch das recht einer eignen silbe habe (Schm. p. 111. 112.)? müsten erst gothische lieder lehren. Mir scheint fugls und arms gleich einsilbig, wie das engl. fowl und nhd. arm. . Die entspre- chenden ahd. formen haben meist den vocal bewahrt, bloß zwischen r und n scheint er auszufallen, von dem flexivischen a verschieden, das sich zwischen r und n er- hält (s. 155. not.) Den gebrauch der übrigen dialecte lehrt die abhandlung; allermeist im altn. wird das a, selbst wo es noch im goth. haftet, ausgeworfen, vgl. ömlûngar mit amala, naktr mit naqvaþs, in þiódan dauert es. — 2) [ ableitende consonanten ] unter allen treten die li- quidae vor, zumahl l, r, n, weniger schon m. Damit hängt wohl zusammen, daß auch bei den mutis die dem m verwandten labiales geringen, die dem n näheren lin- guales u. gutturales bedeutenden einfluß in der ableitung zeigen. Zu l und r verhalten sich alle organe gleichför- mig. Von den mutis erscheint aber þ in der ableitung der wichtigste laut, um so mehr, da gezeigt worden ist, daß ihm eigentlich auch das t in den verbindungen ft, st, ht gleichstehe, wie das k in der formel sk, der lautver- schiebung nach, h sein sollte. Das kehlorgan hat sich in unsrer sprache unvollständig entwickelt. Im goth. fehlt die wahre aspirata, die dem lat. c entspräche, wie þ dem lat. t. Erklärt sich daraus das schwanken der ableitenden h und g? h mag bald die wahre spirans vertreten, bald jene mangelnde aspirata. Aehnliche irrungen aus dersel- III. ableitung. schlußbemerkungen. ben ursache entfpringen im ahd. Resultat wäre: nächst dem l, r, n weisen sich die mutae þ (= lat. t) und h, g (= lat. c) in der ableitung die geschästigsten der wechsel des d und g in slinden, slingen ist erst späte verwechselung zwischen nr. 385. und nr. 421. . Wegfallen können keine ableitenden cons. leichter, als die spiranten v, s, h (s. 192. 275. 310); t pflegt, unbe- schadet der bedeutung, zu schwinden oder zuzutreten (s. 210. 3; vgl. 1, 429. 1073.) ebenso r (s. 143.) und n (s. 182, b). Das n bedarf auch in einer umarbeitung des ersten buchs neuer untersuchungen. Vor ableitendem þ und s unterdrücken es einige mundarten (cûð, liðe, s. 239; gâs s. 263); anderemahl scheint es selbst in die wurzel zu dringen etwas anders ist die eindringung des f und s (s. 209.). und dem auslautenden wurzelcon- sonanten ansehen einer ableitung zu geben. S. 216. not. und s. 232. ist der fall berührt worden vgl. das n im lat. mingo (mejo) ningo (nix) frango (fregi) etc. . Für einzelne wörter mit nt, nd, ns, nk, ng bleibt es auszumitteln, ob ihr n. oder ob ihre ling. und gutt. wurzelhaft sind. — Ungehörige liquidae drängen sich in folgenden fällen zwi- schen die wurzel und den ableitungsvocal ein; l in -ling (s. 364.); r in -rei (s. 97.) -rer (s. 131.) -ring (s. 365.) -rœni? (s. 181.) -risch (s. 377.); m in -muot (s. 256.); n in -nei (s. 97.) -nære, -ner (s. 129.) -nede (s. 247.) -nâð (s. 254. 255.) -nissi (s. 322.) -nisc (s. 376.). Seltner und später schiebt sich r unmittelbar vor den ableitungscons. ein: adj. -ern (s. 179.) verba -ern (s. 273.) vergl. auch das eingeschaltete s im nhd. dâsig, hiesig (s. 295.). — Ob sich ableitende consonanten aus ursprünglich flexivischen entwickeln können? darf etwa bei einigen n (s. 373.) s (s. 275. vgl. 1, 1051. 1058.) oder t (s. 261. 223. vgl. 1, 826.) gefragt werden. Der fall wäre ganz verschieden von dem s. 91. geleugneten, daß ableîtungen an flexionen hinzutreten dürften. — 3) [ fühlbare und dunkle ableitungen]. Hätte ich in der abhandlung mehr darauf ausgehen sollen, die deut- lichen, practischen ableitungen von den ausgestorbnen, bloß theoretischen zu unterscheiden? Ist nicht das g in durstig, das z in jauchzen, das t in monat, das l in vo- gel ganz ein anders, als das in berg, wälzen, bluͤte, seele? Läßt sich nicht aufstellen: eine fühlbare , fortlebende ab- leitung hält ihren vocal vor ihrem cons. fester, verbin- III. ableitung. schlußbemerkungen. det sich nicht bloß mit wurzeln, sondern auch mit vor- ausgehenden ableitungen, man darf sie wegschneiden und das wort bleibt deutlich, sie ist fortsetzbar, d. h. sie lei- det neue anwendungen? eine ausgestorbne , veraltete gibt ihren vocal auf, schließt sich nur an die theoretische wur- zel selbst an, den ableitenden buchstaben weggenommen bleibt eine unverständliche form zurück, sie dient zu kei- nen neuen bildungen? Ich glaube nicht, daß hiermit weit zu reichen sei, am wenigsten, daß danach die dar- stellung der einzelnen ableitungen habe geordnet werden dürfen. Es werden in dieser unterscheidung merkmahle angegeben, die nicht immer nebeneinander bestehen kön- nen. Der vocal a fällt schon seit der frühsten zeit aus, wie die erste anm. dargethan hat: soll das goth. fugls we- niger abgeleitet sein, als mikils? der hochd. dialect läßt die a aufrecht und noch heute sagen wir vogel wie beu- tel (ahd. piutil); die länger dauernden i und u leiten nicht deutlicher ab, als die eher schwindenden a; aber zuletzt schwinden ja auch die i und u (nhd. stück, reich, sieg, menge f. menige). Der fehlende vocal in berg, arm be- rechtiget also nicht, diese ableitungen für dunkler zu hal- ten, als die ableitungen ameise, arbeit, deren vocal vol- lautend geblieben ist. Auf die verknüpfung mehrerer ableitungen werde ich in der siebenten anm. kommen. Das dritte kennzeichen würde ganz identische ableitun- gen von einander trennen, z. b. sollen jâmar, nëbal nicht wie hlahtar, huotal beurtheilt werden, weil in jenen, nicht in diesen, durch wegnehmung der ableitenden buchstaben das wort verdunkelt wird? Dobrowsky inst. p. 79. theilt sämmtliche slavische wörter in simplices und compositas . Die simplices sind ihm wiederum primitivae und derivatae (quae a vocibus jam formatis deducuntur); primitivae entw. nudae (sine litera servili) oder auctae (servili li- tera formatae). Was mir hierbei bedenklich scheint, ist der un- terschied zwischen litera servilis und dem element der derivation. Das system auf die deutsche sprache angewandt fragte sich z. b. ob gift eine vox aueta oder derivata heißen soll? es stammt von giban, wie zisiôrida von zistôran, wie topazunga von topazan. Wenn also gift deriviert ist, warum soll es lust, dessen verbum unnachweislich scheint, nicht sein? Das goth. sitls und fugls ste- hen deutlich auf gleicher reihe, ich möchte sie nicht jenes als derivatum, dieses als auctum einander gegenüberstellen. Oder will man bloß mehrfach abgeleitete wie giftig, luftig, vogler de- rivata nennen? Noch enger isi das vierte merkmahl, denn wie deutlich uns heutzutage die wurzel von zierde, behœrde geblieben ist, dürfen wir doch nicht III. ableitung. schlußbemerkungen. mehr ähnliche subst. mit -de fortbilden. Was aber der einen mundart bildbar erscheint, weist leicht die andere von sich ab, was jener eine ableitung verdeutlicht, kann sich in dieser verdunkelt haben. Die vierte anm. hebt das wichtigste hervor, was die hauptdialecte in der ab- leitung auszeichnet. Es ist freilich lehrreich, die ablei- tungen, welche am tiefsten eingreifen, zulängst dauern, fortgesetzt werden können und deutliche wurzeln erken- nen ( jede aber muß im augenblick ihres ursprungs mit einer klaren wurzel verbunden worden sein) zusammen- zustellen. Unsere nhd. schriftsprache besitzt in diesem sinne nur noch wenige ableitungen. Unter den reinvo- calischen das einzige -e für fem., die von adj. stammen, fühlbar (guͤte, weite von gût, weit) aber nicht fortführ- bar und in vielen anwendungen veraltet. Schw. verba mit hülfe des umlauts neu zu bilden versagt sie längst. Unter den consonantischen ableitungen sind lebendig ge- blieben: fürs subst. lein, -chen (verkleinerungen), -in (movierte fem. s. 320.) -er, -ner (handelnde masc.) -ling (masc.) -ung (handlungen) vielleicht auch -nis; fürs adj. -ig (weniger -icht) und -isch (aber nicht mehr fürs subst.); für verbum lebt eigentlich keine ableitung, es müsten denn -eln (s. 115.) oder -ern (s. 137.) gewagt wer- den, die -etzen (s. 219.) und -enzen (s. 341.) gehören der volkssprache. Fühlbar bleiben einige mehr, z. b. die ma- teriellen adj. auf -en, die neutra auf -icht. Es ist leicht einzusehen, wie sich überhaupt die neuere sprache von der ableitung zur composition neigt, daß unter jenen haftenden ableitungen die meisten durch vorschiebung unorg. consonanten falschen schein zus. gesetzter wörter angenommen haben; die sprache leitet, ihrer intention nach, fast nicht mehr ab. Dies alles wird rechtfertigen, daß ich in darstellung der ableitungen mich streng an die form gehalten habe, ohne rücksicht auf die seltenheit oder geläufigkeit der einzelnen formeln. Nur wo es nöthig war und angieng, sind bestimmte reihen hervorgehoben (s. 161. fem. -anî; s. 261. fem. itî, -ôtî, êtî; s. 157. fem. -ns) und geschie- den worden (s. 113. verkleinerungen -ili; s. 125. -r und -ar; s. 217. intensiva -atjan; s. 283. verba -ka; s. 289. adj. -ac). Für die ältesten, in sämmtlichen deutschen sprachen frühst erloschenen ableitungen sind zu halten: α ) alle, welche ich versteckte nenne, d. h. vor deren cons. ein cons. der wurzel nebst dem ableitungsvocal a (nicht i, u) III. ableitung. schlußbemerkungen. weggefallen ist. Hauptsächlich verlieren sich die spiran- ten vor l (s. 118.) r (s. 143.) m (s. 154.) n (s. 182.) þ (s. 258.), auch wohl n vor s (s. 263.). Der ableitende cons. rührt alsdann unmittelbar an den vocal der wurzel und scheint nach der oberfläche betrachtet wirklicher bestandtheil derselben. Die scheidung solcher anscheinen- den wurzelconsonanten von den wahrhaften ist noch lange nicht für vollführt zu achten und namentlich bleibt weiterer untersuchung vorbehalten, ob auf diesem wege ableitungsconsonanten des ablauts mittheilhaftig werden? (vgl. s. 154.). β ) alle außer der lautverschiebung liegen- den, mit wurzelhaftem f, s, h verwachsnen t und k. Diese können ablautend werden; zwar sind keine starken verba st nachzuweisen, wohl aber st (s. 202.) ht (s. 207.) sk (s. 278.). Die wurzel geht nach wegnahme des -t nur zuweilen klar hervor (z. b. in hlouft, hruoft). Gefühltere ableitungen treten schon in den formeln auf, welche muta auf liq. enthalten und theoretisch ins- gesammt des ablauts befähigt worden sind. Und noch um eine stufe sichtbarer erscheint die derivation in den, des ablauts unfähigen, formeln mit liq. auf muta und mut. auf muta. Beide fälle setzen a als ursprünglichen, leicht verflüchtigten ableitungsvocal voraus, gewähren aber, wenn man die derivativen elemente wegschneidet, selten practisch anschauliche wurzeln. Hierauf folgen ungefähr die rein vocalischen ableitun- gen, deren princip sich von früher zeit an so zu schwä- chen und zu verlieren pflegt, daß dem gewöhnlichen blicke die baare wurzel vorzuliegen scheint. Nach abge- löstem ableitungsvocal ergeben sich zwar viele deutliche, aber auch manche dunkle wurzeln. Nur die an sich be- denkliche ableitung -ei, -î (s. 96, 1.) fügt sich an lauter klare. Die consonantischen ableitungen mit den vocalen i und u oder mit diphthongen werden niemahls ablautend, tre- ten aber darum nicht immer zu anschaulichen wurzeln. Welche ableitungen die fühlbarsten sind, läßt sich beßer in den formeln darlegen, als definieren. Es sind unter den reinvocalischen die fem. auf -ei (-î); unter den consonantischen die subst. auf -areis, -ili (s. 113.), -ubni, -iþ, -iþa, -ôþ, -iki (s. 285.), -ahi, -inna, -ing, -unga, -assus; die adj. auf -ein, -ag, -eig, -isk, -aht; die verba auf -isôn, III. ableitung. schlußbemerkungen. -atjan (und die goth. -nan, die altn. -na, -ka). Sie kön- nen an den schon berührten kennzeichen geprüft wer- den 1) ihr ableitungsvocal haftet (man-ags, vit-ubni, diup-iþa, vit-ôþ etc.), doch mit ausnahmen, altn. -na, -ka, nhd. -lein, -chen und im einzelnen z. b. altn. mar- gr, höf-gr, nhd. men-ge, man-che etc. 2) sie treten zu deutlichen wurzeln. 3) sie fügen sich auch an vorausge- gangne ableitungen (mah-t-eigs, fas-t-ubni, jâm-ar-ac, hov-ar-oht etc.). 4) sie bieten größere reihen dar und stehen zu neuen bildungen länger offen. Keins dieser kennzeichen ist aber ausschließlich, einzelne können auch bei dunkleren ableitungen stattfinden. — 4) [ dialectisches und geschichtliches ]; jeder dialect und in jedem zeitraum pflegt und vervielfacht gewisse ableitungen vor andern. So ist bemerkt worden, daß die ahd. abstracta auf -ida, -nissi und -unga im mhd. viel ge- ringern umfang erhalten, desgleichen die masc. auf -ing allmählig aussterben, wogegen die nhd. fem. -in sich aus- gebreitet haben. Eigenthümlich der goth. sprache ist die ableitung -ubni; von -ugg, -oht, inna weiß sie nichts. Der ahd. fremd sind die goth. und altn. verbalia auf -ns (s. 157. 159.), die goth. und altn. verba auf -nan, -na (s. 166. 170.); aber die aus part. praet. gebildeten fem. wiederum bloß ahd. (s. 161. 261.). Die altn. kennt nichts, was dem ahd. -nissi, -ahi (s. 312.) und -inna (s. 319.) ent- spräche, wofür ihr die neutra auf -indi (s. 342.) verba -ka (s. 283.) eigen sind. Im schwed. und dän. haben die -else weit um sich gegriffen; -nt, -nk findet sich bloß ahd. und ags. (s. 341. 347.); -ns bloß ahd. (s. 345.). Selbst innerhalb derselben mundart laßen sich hin und wieder engere grenzen ziehen, die in der abhandlung, so viel es mir möglich war, bezeichnet worden sind. Vgl. z. b. die seltenheit der -ôd bei O. (s. 254.). — 5) [ bedeutung ] wie die mit bloßem laut und ablaut gezeugten nomina der ersten (und vierten) declination (welche, da sie keinen ableitenden buchstaben zeigen, nicht unter die ableitungen gerechnet werden können, s. 90.), die größte manigfaltigkeit der bedeutungen kundgeben; so läßt es sich erwarten, daß die ableitungsmittel den schon im wesen der wurzeln gegründeten wechsel und übergang des sinnlichen und abstracten, des persönlichen und sächlichen nicht auf ein offenbares oder leichterklär- liches system zurückführen werden. Sie gewähren nur einzelne, großentheils selbst noch zweifelhafte bestimmun- III. ableitung. schluβbemerkungen. gen. Bei wörtern lebendiger ableitung wird wurzel und anfügung gesondert gefühlt, eine ganze reihe gleicher anfügungen erlaubt es auf den sinn zu schließen. Bei dunkeln ableitungen machen wurzel und zuthat einen totaleindruck und nach vollbrachter zerlegung der formen sind damit die begriffe noch nicht klar gesondert, z. b. wenn muot (animus) aus muoh-ad entspringt, so hält es schwer anzugeben, was eigentlich das -ad bedeute und wie es die idee der wurzel modificiere. Doch läßt sich zuweilen, selbst wenn die wurzel dunkel bleibt, aus zahl- reichen ableitungen etwas über ihr eigenes wesen ver- muthen. Was ich im allgemeinen voranzustellen ver- mag, ist: unter den ableitenden vocalen scheint a vor- zugsweise das ruhige, i und u das bewegte zu bedeuten. Daher vielleicht, weil ein bloßes, unabgeleitetes wort an sich den stand der ruhe ausdrückt, keine reinvocalische ableitung a (s. 387.); treten aber ableitende consonanten auf, so wird nähere vocalische bestimmung nöthig. Man er- wäge die subst. -al, -ar, -am, -an, -ahi, -assus und die adj. -ag, -aht, im gegensatze zu -il, -in, -iþ, -ing, -ung, -isk, isôn und selbst zu den reinvocalischen ableitungen der zweiten declination und ersten schwachen conjugation, wodurch viele lebendig wirkende wesen, sachen und tran- sitiva gebildet werden. Ueber ableitende diphthongen weiß ich nichts, von den consonanten etwa nur das zu sagen, daß l mehr das liebliche, weiche, r mehr das harte auszudrücken hat eine heftige, laute, stürmische bewegung zeigen die ahd. subst. donar, hliodar, hlahtar, jâmar, galstar, hamar, hungar, wë- tar, waƷar, viur (das ranschende, flackernde element) an; eine linde, sanfte die altn. dustl, gutl, hvîsl, krabl, sângl etc. vgl. oben s. 143. und daß häufung zweier cons. gern für das widrige gebraucht wird. Am schwer sten ist die eigenthümlichkeit der spiranten, des n und t zu durch- dringen, welche alle bisweilen zu- oder abtreten (vorhin s. 391.) ohne die bedeutung zu stören. Gleiches dunkel liegt auf dem m, das sich sehr fruhe in n, so wie s in r zu verwandeln anhebt bemerkenswerth, daß diese beiden, der entstellung zumeist ausgesetzten buchstaben gerade das superlativische und comparati- vische element bezeichnen. , vgl. auch die verwandlung des h in g. Nur die vocale sind freilich noch veränder- licher. Die hauptsächlichsten begriffe, welchen einzelne ableitungen entsprechen, mögen nunmehr folgen. III. ableitung. schluβbemerkungen. α ) männliche personen: masculina der zweiten (st. und schw.) decl.; -il (s. 120.); -ari (s. 131.); -id (s. 241. vgl. 262.); -ing (s. 349.); -isco (s. 374.). β ) weibliche: fem. der zweiten declinationen; -ila (s. 113. 114.); -ara (s. 133.) -estre (s. 134.); -in, -un, in- na (s. 319.); -îng (s. 355.); -iska (s. 378.); vgl. unten cap. VI. γ ) verkleinernd: -il (s. 120.); -ing, -ung (s. 360. 364. 365.); -ik (s. 284.) -ink (s. 348.); über alle vgl. cap. VIII. δ ) abstammung von land und leuten: -ari (s. 128.); -ing, -ung (s. 349. 364.); -erni (s. 338.); -isk (s. 375.) ε ) haus, ort: -ern (s. 338.); -ahi (s. 312.). ζ ) menge, fülle: -ahi (s. 313.); -idi (s. 248.); vgl. -is, -ir (s. 270.); bei den neutris collectivis auf i- scheint aber der begriff wesentlich in dem vorgesetzten gi- zu be- ruhen. η ) thiere: -s (s. 275.) vgl. das plurale -ir (s. 270.) θ ) werkzeuge; -il (s. 120.); -ans (s. 347.). ι ) fehler, gebrechen, gehäßiges: -olf (s. 331.); -aldi (s. 333.); -ard (s. 340.); -ast (s. 356. 367.); -oht (s. 388.); -isch? (s. 378.); -ling (s. 365.). κ ) materielles: -ein (s. 176.). λ ) abstractes: fem. zweiter st. und dritter schw. decl. auf -ei, -î; goth. auf -ns (s. 157,); ahd. auf -anî (s. 162.); -ubni (s. 184. 365.); -iþa (s. 242.); -ôþ (s. 252.); -isal und -elsi (s. 106. 335.); -indi (s. 342.) -assus (s. 321.); -unga (s. 360.); aber mit manchen unterschieden. Die geschehende handlung drücken -ns, -unga, -ôþ aus; den erfolgten stand der dinge -î, -assus (-nassi); zwischen bei- den in der mitte liegen -isal, -iþa. Einerlei mit murmu- lunga ist murmulôd; einerlei mit suoƷî suoƷnissi. Für das ahd. tiufi stehet goth. diupiþa, nicht diupei, aber auch das ahd. scônida wird kaum etwas anders bedeuten, als scônî; arparmida, zistôrida drücken wir heute durch er- barmung, zerstœrung aus, wie kihaltnissi, irstantnissi durch erhaltung, auferstehung. Das nhd. -ung dient öfter für den ruhigen zustand, als das alte -unga (vgl. festung). Handlung und zustand bezeichnen manchmahl auch die dunkleren ableitungen -m und -t (qualm, galm, flucht, geschicht). III. ableitung. schlußbemerkungen. μ ) verba: die erste schw. conj. gewährt meistens tran- sitiva, die zweite und dritte gewöhnlich neutra um den einfluß der ableitungsvocale näher kennen zu ler- nen, wäre es wichtig, vollständige verzeichnisle der schwachen verba aufzustellen, die reinvocalisch von substantiven (mhd. z. b. ammen, dieben, ërden, siten, steinen, vriden) oder von adjectiven (alten, dicken, jungen, rîchen) geleitet sind. . Die goth. intrans. auf -nan gehen anomal (1, 854.), die altn. -na (s. 170.) nach zweiter schwacher. Nach erster schw. die intensiva -atjan (s. 217.); unsicher nach welcher? die geruch und geschmack anzeigenden -enzen (s. 341.). Nach zweiter alle folgenden: die frequentativa -isôn (s. 271.); die altn. -ka, -ga (s. 283. 287. 296.); die neueren -eln (s. 119.) und die meditativa -ern (s. 138.) fühlbarer consonantischen ableitungen fürs verbum, ver- glichen mit denen fürs nomen, gibt es in unsrer sprache auffal- lend wenige; ein grund mit, um in dem zweiten cons. der zwölf- ten conj. ungefühlte anzunehmen. . Verwirrungen der bedeutung ist von dem sprachgeiste oft dadurch vorgebaut, daß einzelne formen reichlich oder sparsam zwischen subst. und adj. oder zwischen verschiedene geschlechter vertheilt werden. Vielen adj. auf -al stehen wenig subst. zur seite, wenigen adj. auf -il viele subst. (s. 120.); es gibt wenig fem. auf ôd, viel masc., aber viel fem. auf -ida, wenig masc. auf -id (s. 255.); die fem. auf -ing, -ung schieben kein l vor, wohl aber die masc. (s. 349. 364.). Neben den masc. auf -ari ha- ben sich keine analogen auf -ali gebildet (s. 144.). — 6) [ anfügung ] an welche arten von wörtern fügen sich nun die einzelnen ableitungen? Nach s. 5. stecken freilich verba zuletzt in allen wörtern; da aber theils nomina und partikeln aus der bloßen wurzel, ohne zwi- schenkraft einer ableitung, theils mittelst einer solchen ge- bildet werden, so können im ersten fall einfache, im andern mehrfache ableitungen aus nomen und partikel erfolgen. α ) ableitung aus partikeln ist die seltenste. Partikeln die selbst auf diesem wege entspringen, kommen cap. V. vor. Die subst. filussi und ufarassus (s. 329.) sind das frühste beispiel; inilô (s. 113.) und undorn (s. 337.) von ïn, und herzuleiten, ist noch unsicher. Auch die adj. ôstarôni etc. (s. 181.) beziehen sich auf die adv. ostar etc. Fließt þaírkô und das adj. durihil aus þaírh, durah? III. ableitung. schlußbemerkungen. oder ist das verlorne starke verbum (nr. 625.) anzuneh- men? Das subst. gegene erscheint nicht fruhe (s. 162.) doch steht es mhd. in Wernh. Maria. noch später das masc. gegner. Unleugbar alt sind die verba anazan, kijâzan, andetan, onetan, oretan (s. 217. 218.) aus den part. ana, jâ, and, on, or; vgl. altn. jâta, neita (be- jahen, verneinen); vielleicht gründet sich juwazan, jauch- zen auf eine interj. ju, juch! (nicht ächzen auf ach). Alt sind ferner die verba hindarjan, obarôn, arwidarôn (s. 137.), zum theil neuer unser: äußern, entäußern, hindern, er- innern, erobern, erwiedern, begegnen, entgegnen. Hier- her gehören auch die nhd. adj. dortig, obig u. a. (s. 295.) niedrig, übrig (erniedrigen, erübrigen); überec schon mhd. (s. 303.), hiutîc schon ahd. (s. 301.) desgl. sliumîc, oftîc (s. 309.). β ) ableitungen. die sich dem nomen anfügen, und zwar: a) dem subst. : alle collectivneutra auf -i (gevügele, gevidere, gederme, gedigene, geserwe, geklüfte, geruste, geslehte, gehülze, gevilde, gemælde, gesimse) — alle neu- tra auf -ahi (folgt daraus etwas wider das nhd. kehricht, feilicht, die aus kehren, feilen zu stammen scheinen?) — alle neutra auf -inkili (s. 347.) — alle fem. auf -in inna (s. 319.) auf -ing (s. 355.) — alle adj. auf -ag (doch ist für grêdags, harac, wênac u. e. a. das subst. nicht vor- handen) — alle adj. auf -ein (ausgen. die ahd. scama- lîn etc. s. 177.) — alle adj. auf -isc — alle auf -oht . b) dem adj. : alle fem. auf -ì (guete, vrevele, liuter, ëbene) — die altn. verba auf -ka (s. 283.). c) bald dem subst. , bald dem adj. : die masc. auf -ing — auf -olf — auf -ard — die subst. auf -nissa — die adj. auf -eig — die verba auf -isôn und -enzen . γ ) ableitungen die sich dem verbum anfügen: alle go- thischen subst. auf -ns — die masc. auf -id — auf ôd (mit widerspruch von manod und wiƷôd) — alle fem. auf -unga — alle neunord. -else — alle goth. -nassus (-inôn voraussetzend). δ ) dem particip. praes. bloß einige mhd. adj. -ec (s. 304.) und ags. -fem. -nes (unbërendnes (s. 325.) viel- leicht auch masc. -ari? (vgl. ladantari s. 127.); dem part. praet. ahd. fem. auf -î (s. 161. 261.) sowohl st. als schw. conj. — ahd. fem. -nissa, bloß dem starker conj. — ags. fem. -nes , dem part. st. und schw. conj. III. ableitung. schlußbemerkungen. ε ) ableitungen, die sich an verbum und nomen fügen: die masc. -ari — fem. -iþa , — die verba -atjan zuweilen dunkel, z. b. bei dem goth. láuhatjan und káupat- jan (vom schlagen beim kauf?) . ζ ) bei den übrigen läßt sich zwar zuweilen das ver- bum oder nomen, dem sie hinzutreten, erkennen, sehr oft aber auch nur die bloßc, dunkle wurzel. Verbalia sind namentlich viele subst. auf -il (stôƷil, pôƷil, plûil, sluƷil, zuhil, stemphil, scephil etc.) auf -am (baram, galm, qualm, zoum etc.) auf -ar (lëgar, donar) auf -an (barn, lêhan, zeihhan etc.) — viele adj. auf -al (slahal, ëƷal, sprunkal, stëhhal, wërpal) zumahl mit -t , -þ (vgl. ft 197. st. 202. ht 206. nþ 238. 239. ich werde anderswo untersuchen, in wie fern die lingualis in den verbaladjectiven kunþs, raíhts, baírhts etc. überhaupt ab- leitend heißen kann, da sie mit dem participialen t oder þ zus. zuhängen scheint. In viss (certus), das s. 202. anzuführen war, wie in kunnr (notus), das s. 239. steht, hat sie sich assimiliert (f. vist, kunþ); in dem schw. praet. gleichfalls. . Vom nomen geleitet sind z. b. burgila (castellum) niftila (neptis) barnilô (in- fans). Aber in andern ähnlichen ableitungen läßt sich das verbum und nomen nicht nachweisen. Oft, wo ein nomen unterzuliegen scheint, z. b. in zunkal (linguosus) truobal (turbulentus) haƷal (odiosus) wißen wir nicht sicher, ob keine laute und ablaute verlorner verba im spiel sind. Und wohin gehören ìtal, gamal, luzil, mihhil und dergleichen in menge zu fremden wurzeln gesellt sich eigentlich keine deutsche ableitung, ausgenommen das -ari , (dáimônareis, scuolâri, predigâri), das -inne zu mannsnamen (waleisinne etc.), das -isch zu orts- und eigennamen: römisch, mexicanisch, miltonisch etc. und die di- minutivableitungen. Selten tritt -ung zu inf. -ieren: unterminie- rung, stassierung. Die Engländer verbinden -neß und -ling auch mit roman. wurzeln (s. 328. 354.) . — 7) [ häufung ] es fragt sich: welche und wie viel ein- zelne ableitungen zusammen eintreten können? α ) gemination, oder daß sich dieselbe ableitung hin- tereinander wiederhohlt, ist der seltenste fall. Er findet statt im goth. ajukduþs und gamáindáiþs, wenn diese, wie s. 250. 251. gemuthmaßt wird, für -þuþs, þáiþs ste- hen; doch sind die ableitenden vocale verschieden. Auf- fallender wäre das s. 244. angeführte ahd. zidenissidida. Im ahd. chundida, paldida etc. tritt zwar derselbe ablei- tungscons. doppelt auf, (wie im lat. notitia), allein das erstemahl in ungefühlter, das anderemahl in fühlbarer ableitung. Auch vugilili (s. 113.), sobald man die assim. III. ableitung. schlußbemerkungen. aufhebt, zeigt unterschledne ableitungsvocale. Wir schrei- ben nhd. vöglein, mhd. lieber vogellîn. Oefter erfolgt im ahd. masc. -ar-ari (zouparari, fluobarari s. 125.), wel- ches andere mundarten meiden, mit bloßem -i, statt mit -ari ableitend, goth. blôstreis (ahd. pluostarari) alts. tim- bari, timberi (ahd. zimparari). Nhd. zwar zauberer, zim- merer, aber zauberin (s. 320.) zauberisch (s. 377.). Das doppelte n im ahd. vuntannissa, pouhhannissa ist s. 322. erläutert. β ) die reinvocalische ableitung -i, -î kann zu jedwe- der consonantischen hinzutreten, ausgenommen zu den goth. verbalen auf -ns. Nomina zweiter decl. können hinter ihrer consonant. ableitung die vocalische gar nicht entbehren. Zwischen wurzel und zweiter ableitung er- scheint das -i bloß bei -ari (her-j-ari), -unga (her-j-unga), -òd (gabaúr-j-ôþus), vielleicht -oht (vgl. tallioht?). In der zweiten schw. conj. stoßen zwei reinvocalische ablei- tungen zusammen (her-j-ôn = her-j-ô-an?) γ ) ableitungen mit zwei consonanten (s. 317 — 385.) leiden selten eine weitere consonantische hinter sich, z. b. man kann nie sagen chuninginnisc. Ausnahme machen die masc. auf -ing , denen sich -inna, -ari, -isc anfügt (chuninginna, zëhaningari, chuningisc) denkbar auch -ili (chuningili, königlein?); -inch , womit nothwendig -ili verbunden wird (s. 347.); -und , womit sich -ari, -unga binden (hliumundari, verleumder, verleumdung, hliumun- dunga?); -and , womit -ida (arendida); -isc , womit -nissi (menniscnissa, æviscnisse); oht womit -ig (s. 383.); -iss , welchem noch -ari und -ida folgen dürfen (râtissari, ein- ussida). Warum sollten die masc. -olf , -ard nicht das adjectivische -isc vertragen? es fehlt nur an beispielen. δ ) ableitungen mit einem cons. fügen sich leichter zu andern consonantischen (mit einem oder zwei cons.), so weit es die unter 6 vorgetragnen grundsätze verstatten. Unmöglich wäre ein adj. scamagîn, mahtîgisc; statthaft aber sind êwînîc, manniscîn. Man wird keinem -niss- unga begegnen, denn es gibt keine verba auf -nissôn. Vom verbo selidôn geleitet scheint selidunga statthaft, wie houpitunga (enthauptung). Vor -ari, -unga, -ôd, -nissa, -ing, -isc zumahl dürfen mannigfalte einfache ableitungen stehen (-alari, -arari, -anari, -ilari, -inari, -isari, -azari, -idari, -ahari; -alunga, -arunga, -amunga, -anunga, -ilunga, -inunga, -isunga, -azunga; -alôd, -arôd, -anôd, -ilôd, -inôd, -isôd; -alnissa, -arnissa, -annissa, -ilnissa, C c III. ableitung. schlußbemerkungen. -inassus; -aling, -aring, -aning, -iling; -alisc, -arisc, -anisc, -ilisc). Auch -ahi und -inna leiden das meiste vor sich (-alinna, arinna, -ilinna, -alahi, -arahi, -idahi, -issahi). ε ) hinter f-t, s-t, h-t, s-c darf wohl jederlei ablei- tung folgen; -al, -ar, -am, -an verbinden sich nicht un- tereinander, zuweilen mit în (scamalîn) -nissa (tougal- nissa) und -ag (jâmarac); das adj. -în mit nichts, als zu- weilen mit -îg (êwînîc); -is nur mit -al, -ôd, -unga, -ari (vestisal, rîhhisôd, heilisunga, heilisari); -id nur mit -ari, -ahi (egidari, semidahi); -ag, -îg nur mit -nissa (heilac- nissa), nicht mit -unga, die nhd. -igung entspringen erst aus den spätern inf. -igen (s. 306.). Ganz unstatthafte formeln, soviel ich bis jetzt urtheilen kann, wären: -alida, -arida, -anida, -ilida, -inida, -isida, -azida; -idôd, -azôd; -ising, -azing, -iding, -ôding; -ôdunga, -agunga, -îgunga; -ôdisc, -azisc, -isisc; -isnissa, -aznissa). ζ ) es können einfache, zweifache, dreifache (vugilili, râtissari) vierfache (esilinchilîn) ableitungen eintreten, vgl. oben s. 91. Letztere sind schon selten, fünffache mir gar nicht vorgekommen. — 8) welche ableitungen statt finden können, ist abge- handelt worden. Welche bei jeder einzelnen wurzel wirklich eintreten, gehört in die wörterbücher. Keine wurzel hat vielleicht ein viertel, geschweige die bälfte oder die summe aller derivationen an sich entfaltet. Ver- schiedene ableitungen erzeigen sich ja nur an wenigen wur- zeln, selbst die geläufigsten lange nicht an allen. Eine der reichsten wurzeln mag z. b. baíran (nr. 325.) sein, daraus entspringen nach laut und ablaut: -përa (pariens) chnëht-përa (puerpera); pirîc, pirîkî; vielleicht pirihha, pirihhîn; par (nudus)?; param, arparamên, arparamac, arparamunga; barn, barniskî; vielleicht parn (praesepium, beßer als pâ- ran s. 156?); vielleicht baris, barizeins; barâtta; berja, berill; berd; vielleicht part, partoht; bêrusjôs; pâra (se- retrum); kipâri, kipârida; byrja, byrill, kipurjunga; purdi, kipurt, kipurtîc; gabaúris, baúrjôþus; bor (elatio) -poro (träger); das componierende pora und das verbum porôn (forare) mit seinen eignen ableitungen; endlich, zu- gegeben daß mit neuem ablaut baírgan (nr. 464.) daher stamme: baírgs, baírgahei, bergicht, gebirge; baúrgs, baúrgja, purigo, burgære, purgisc, borgun und wahr- III. ableitung. schlußbemerkungen. scheinlich noch einige mehr es fragt sich, ob nicht auch briggan, brahta (nr. 414.) aus bairan hervorgehe (baír-iggan)? wofür die bedeutung spricht; und bairhts (manifestus, offenbar)? Solche ableitungen sehen jetzt noch verdächtig aus. . Dazu halte man nun die äußerlich gleiche wurzel taíran (nr. 326.) woraus zerjan, zerunge, zorn, zornac, vielleicht zart, zartôn, zärteln, zartnissi abgeleitet werden kann. Hier welche beschrän- kung, dort welche fülle; und doch sind selbst bei baíran die möglichen ableitungen lange nicht erschöpft, wie schon daraus folgt, daß sich unter den wenigen von taíran fast lauter andere zeigen. Diese beispiele mögen statt aller weiteren beweisen, daß in der ableitung, wie in der sprachbildung überhaupt, das gesetz der analogie nie vollständig durch- zuführen ist. Die sprache ergibt sich ihm gleichsam nur kurze strecken, und bricht dann wieder ab, um auf eine neue richtung einzugehn oder ganz einzuhalten. War- um können wir dem geistig kein leibig, sondern nur das compos. leiblich entgegensetzen, während geistlich dem weltlich gegenübersteht und leibig nur in der verbin- dung dickleibig gilt? Warum darf zerung, aber nicht berung, warum durfte pirîc, aber nicht zirîc gesagt wer- den? Warum mag ein dialect ableiten, wie dem andern versagt ist? Diese einrichtungen gehören zur heimlich- keit jeder sprache und wer z. b. anleit, einleit statt anlei- tung, einleitung, anfangung, beginnung statt anfang be- ginn brauchen wollte, sündigt wider die natur des hoch- deutschen. In seltner, dichterischer anwendung können dichter fühlbare ableitungen neu gebrauchen. Dunkle lei- den gar keine erweiterung. 9) es ist unverkennbare richtung der späteren sprache, die ableitungen aufzugeben und durch compositionen zu ersetzen. Dieses bestätigt uns eben, daß jetzt erloschene ableitungen vormahls lebendig, jetzt unverständliche oder zweideutige vormahls fühlbar und deutlich gewesen sein müßen. Die zusammensetzung sagt der schärferen be- stimmung der begriffe zu, die ableitung, solange der alte, volle accent es gehört nicht hierher zu erörtern, welche betonung die alten ableitungssilben hatten, wie sie sich allmählig schwächte, endlich ganz verlor. Im nhd. sind tieftonig und zum reim taug- lich geblieben: -ei (s. 96); -in, -inne; -ing; -ung; nis, und nicht einmahl in jedem fall; ausnahmsweise auch einzelne wie einœde, burgunde; untauglich sind der haftenden betonung unerachtet: lábsàl, árbeìt, léumùnd, ámeìse, mónàt. Mhd. reimen außer -îe, ihre silben noch begleitete, war ein poe- C c 2 III. ableitung. schlußbemerkungen. tischeres princip. Derivata, die durch eingeschaltete con- sonanten den schein von compositis annehmen (s. 391.), sind der jüngeren sprache die hebsten, vielleicht thun sie es ebendeswegen; in verschiednen ableitungen ist der alte vocal, ganz gegen die regel allgemeiner vocalverdünnung, stehen geblieben, weil zufall der letzten silbe das anse- hen einer zus. gesetzten gab (labsal, armuth). Einige composita sind zwar umgekehrt zu ableitungen geworden, wie ich bei -olf und -ard glaube nachgewiesen zu haben und es können noch mehr beispiele entdeckt werden; allein solche fälle waren ziemlich frühe eingetreten und wurden der spätern schriftsprache bald wieder fremd. Ganz einzelne composita, die sich wie ableitungen aus- nehmen (vorbem. 5 c zum folg. cap.) bestehen fast nur in gemeiner volkssprache. Welche composita die ableitungen verdrängen und ersetzen, läßt sich erst am schluße des dritten cap. nebeneinanderhalten. 10) die fremden sprachen sind in den anmerkungen zu jeder einzelnen ableitung verglichen worden, doch will ich hier einiges nachhohlen. Unserm ableitenden -i und -u und ihrem verschwinden ist das sl. jer und jerr ähnlich (vgl. oben s. 367. 388.), mit dem jer werden nament- lich aus adj. abstracta geleitet (Dobr. inst. p. 274.), wie im deutschen mit -ei, -î, der lange vocal scheint aus mischung mit der flexion hervorzugehen. Unter den mu- tis hat auch im lat. und griech. die lingualreihe das größte, die labiale das geringste gewicht. Dem -ein , în unsrer materiellen adj. entspricht das gr. -ινος : ξύλινος (hulzîn) λίθινος (steinîn) ἀνθρώπινος (menniscîn), das oben s. 176. übersehene goth. neutrum gumein vergleicht sich dem gr. ἄῤῥεν , ἄρσεν . Die litth. -innis: gelezinnis (ferreus) sidabrinnis (argenteus) stikklinnis (vitreus) medinnis (lig- neus, silvestris) laukinnis (agrestis) etc. bestärken meine ansicht von entwickelung der deutschen subst. -inna aus älteren -in . — Der, möglicherweise, flexivische ursprung verschiedner þ und d in verbis (vgl. s. 261. und schluß- anm. 2. am ende) gestattet es, deutsche insinitive wie fin- þan, hin-þan, vin-þan, vaír-þan, bin-dan, flin-dan, svin-dan, gin-dan (beide letztere zumahl neben svînan, gînan, vgl. s. 232.) den persischen inf. auf -den , sansk. -inc, -unge, -în, inne, -nisse auch noch -ære, -ach, das adj. -în, zuweilen -îc, -ôt (1, 368. 369.); auch noch das -eit und -eiƷe in arbeit, ameiƷe. III. zusammensetzung. vorbemerkungen. -tum , sl. -ti (1, 1066.) an die seite zu stellen. Ueber- haupt, daß viele zweite consonanten nach dem wurzelvo- cal wirklich zur ableitung gehören, weist die vergleichung einzelner wörter mit fremden, z. b. des deutschen hun-d mit lat. can-is, gr. κύων , litth. szů. Aus noch unvor- bereitetem tieferen studium der doppelten consonantan- laute deutscher wurzeln (oben s. 2.), das sich fast bloß auf die urverwandten sprachen zu stützen hat, wird dereinst auch hervorgehen können, wie manche erste consonan- ten nach dem vocal nicht der wurzel zufallen, sondern der ableitung. Der eigentliche wurzelvocal ist dann ausgeworfen. Man halte hraban zu corvus, es scheint bloß hr, cr wurzelhaft und b, v ableitend. DRITTES CAPITEL . VON DER ZUSAMMENSETZUNG . Vorbemerkungen: 1) zusammensetzung (compositio) ist das aneinanderfügen zweier deutlicher wörter. Wer- den mehr als zwei verbunden, so heißen sie decomposita . Es können einfache mit einfachen, einfache mit abgelei- teten und abgeleitete mit abgeleiteten componiert wer- den. Auch laßen sich nomen mit nomen, nomen mit verbum, partikel mit beiden, partikel mit partikel, nicht aber verbum mit verbum in composition ein. Nähere bedingungen ergibt die abhandlung. 2) in der regel setzen sich nur verschiedne wörter zusammen, verschiedenheit des begriffs ist nicht grade erforderlich, vielmehr dürfen nahverwandte oder gleiche miteinander verbunden werden, z. b. ahd. ampaht-scalc, nhd. dieb-stâl. Ausnahmsweise componiert sich aber auch ein wort mit sich selber, welches ich bloß bei adj. wahr- genommen habe, z. b. ahd. sëlp-sëlpo, mhd. wilt-wilde. Man könnte das eine gemination des wortes nennen. 3) dem begriffe nach ist jedes compositum mindestens zweisilbig , oder bestimmter ausgedrückt, da, wo die an- fügung geschehen ist, spalten sich auch zwei silben. Es kommen inzwischen einsilbige composita und solche vor, deren zusammengefügte silben in eine verwachsen sind. Das setzt aphärefen und syncopen voraus. Das engl. lord und lady entspringen aus ags. hlâs-ord, hlâf-dige; III. zusammensetzung. vorbemerkungen. das nhd. welt aus ahd. wër-alt; das altn. frelsa aus frî- halsa. Die wichtigsten, häufigsten fälle ereignen sich aber bei der composition mit partikeln, theils durch apocope des auslautenden partikelvocals, z. b. mhd. bloch, nhd. block aus ahd. pi-loh; nhd. glück aus mhd. ge-lücke; theils durch aphärese des anlautenden, z. b. schwed. på aus altn. up-â; ahd. fana, fona, nhd. von wahrscheinlich aus älteren af-ana, welches zu einer zeit componiert sein muß, da man noch af, nicht aba, apa sagte; jünger ist neben aus in-eben. Verschiedne mit s vor liq. und mut. anlautende wurzeln scheinen auf uralte composition mit einer partikel as, is, us zu deuten, deren vocal geschwun- den ist, z. b. smal, smëltan, flingan auf s-mal, s-mëltan, s-lingan, wovon weiter bei der composition mit partikeln zu handeln ist. Offenbarer stammt frëƷƷan, fliosan aus fer-ëƷƷan, fer-liosan. 4) die deutlichkeit der beiden wörter leidet aber nicht bloß durch diese verminderung der silbenzahl, d. h. aus- laßung von vocalen, sondern auch durch die damit zu- gleich oder allein für sich ergehende unterdrückung und entstellung der consonanten. Vornämlich trifft das die drei spiranten. Beispiele von schwindendem s liefert die partikelzusammensetzung; h schwindet im schonangeführ- ten frelsa, frîals f. frîhalsa, frî-hals; in lîchame f. lîch- hame, später entstellt in lîch-name, altn. lîkamr f. lîk- hamr; im nnl. willem f. wil-helm, altn. viljâlmr f. vil- hiâlmr; altn. norðrâlfa f. norðr-hâlfa; nnl. reinaard f. rein-hard (oben s. 339. 340.); nhd. composita mit -heit entstellen es oft in -keit; v schwindet im altn. noregr, dän. norge f. nor-vëgr; in den formeln -olf für -wolf (s. 331.), -ald für -wald (s. 333.), -anga f. wanga (s. 349.); in niht aus ni-wiht; im ags. nât, nylle aus ne-vât, ne- ville. Seltner verliert sich muta, vgl. hiutû aus hiû-ta- gû, teidinc aus tage-dinc, mage-tuom f. maget-tuom und Wolframs herzen-tuom f. herzogen-tuom; ahd. mû-wërf, nhd. maul-wurf f. molt-wërf. Durch gemination entstellt sich annuzi T. aus ant-luzi; durch bloßen wechsel schwed. hustru aus hus-fru beispiele die menge liefern heutige ortsnamen, da verwan- delt sich -dorf in -druf (thorp in trup); -heim in -hem, -em etc. . 5) unterschied zwischen zusammensetzung und ablei- tung (vgl. s. 90. 91.): α ) beide bestehen aus zwei theilen, aber bei der derivation ist der erste theil das hauptsäch- lichere und deutlichere, der zutretende zweite an sich selbst III. zusammensetzung. vorbemerkungen. dunkel; auf jenen fällt der stärkste ton, auf diesen ein schwacher oder gar keiner, ja sein vocal kann mangeln und wegfallen; die ableitenden buchstaben bestimmen die wurzel näher, womit sie verwachsen. Bei der composi- tion ist das zweite wort hauptsache, das erste gereicht bloß zu seiner bestimmung, beide sind deutlich und be- tont. β ) löst man die ableitung ab, so hinterbleibt oft eine dunkle wurzel, z. b. in him-il, vog-al; jedes aufge- löste compositum gewährt aber zwei deutliche, d. h. ein him-schaft, vog-schaft u. dgl. wären unmöglich. Hatten nun jene ableitungen, zur zeit ihres entstehens, gleich- falls deutliche wurzeln, so folgt, daß das princip der de- rivation älter, als das der composition sei. Die compo- sita gleichen in dieser rücksicht den fühlbaren ableitun- gen, die an lebendigen wurzeln haften. γ ) zwischen wurzel und ableitung darf sich keine flexion drängen (seltne ausnahmen vorhin s. 391.), eine ganze classe von composition beruht aber auf flexion des ersten worts. — Dieser verschiedenheit ungeachtet berühren sich dennoch in zwei fällen ableitung und composition: a) gewisse ab- leitungen durch vorschiebung unorg. consonanten gewin- nen wurzelhaften schein, folglich den des zweiten worts der composition, dahin gehören -lîn, -ling, -naðr, -muot, zweiconsonantische auch ohne solche vorschiebung z. b. -âtta, -ûng, -æska. b) umgekekrt werden durch ein- buße ihrer spirans die zweiten theile wahrer composita zur bloßen ableitung, indem sie bedeutung, oft auch be- tonung aufgeben, namentlich -olf, -ard, -ald, im nnl. -acht f. -hacht (s. 404.) und vielleicht noch andere. c) dasselbe ereignet sich bei einzelnen wörtern dadurch, daß dem letzten theil der ton entzogen wird. Das mhd. iemen, niemen sieht aus wie iem-en, niem-en, da es doch aus ie-man, nie-man entspringt (1, 369.); das nhd. drit- tel, viertel, fünftel etc. ist nicht dritt-el, sondern drit-teil. Mehr dergleichen erlauben sich volksdialecte, z. b. wolsel f. wol-feil, nachber f. nach-bar, hensche (dän. hanfke) f. hand-schuh, wingert f. wîn-garte, kirmes f. kirch-messe. d) geläufige compositionsformeln, wenn auch äußerlich unentstellt bleibend und den ton haltend, geben ihre le- bendige bedeutung auf und nehmen den allgemeinern sinn einer bloßen ableitung an, z. b. die nhd. -schaft. -heit, -lich etc. 6) hauptaugenmerk in der lehre von der composition ist es, die eigentliche von der uneigentlichen zu unter- scheiden. Zweck der zusammensetzung scheint zu sein. III. zusammensetzung. vorbemerkungen. daß dadurch begriffe leichter und schöner, als es sonst geschehen kann, ausgedrückt werden. Nothwendigkeit liegt nicht darin; eine sprache ohne alle zusammensetzung wäre denkbar, so gut wie die meisten deutschen compo- sita z. b. ins französische nicht durch composita übertra- gen werden können. Aber welche begriffe hat die com- position auszudrücken? sicher solche nicht, für welche der sprache schon ein anderes, ebenso bündiges mittel zusteht, ich meine die flexion. Da der Gothe sagen kann þaírkô nêþlôs Marc. 10. 25. slahs lôfin ( ῥάπισμα ) Joh. 18, 22. 19, 3., wozu soll er hier componieren? Hingegen wenn das, wofür es der sprache an einem wort, an einer ableitung fehlt, oder was durch adjectiva, praepositionen und andere partikeln umschrieben werden müste, zu bezeich- nen ist, dann findet die eigentliche zusammensetzung ihre stelle. Z. b. es gibt kein deutsches simplex oder derivatum für ἄμ- πελος, κλῆμα, σταφυλή , folglich wird componiert goth. vei- na-triu, veina-táins, veina-basi, wie nhd. wein-stock, wein- rebe, wein-beere; hier ist kein bloßes casus noch praeposi- tionenverhältnis, der weinstock kein stock des weins, sondern ein stock, der wein trägt. Unter tag-stern soll nicht ein stern des tages, unter donner-gott nicht ein gott des don- ners verstanden werden, vielmehr der den tag brin- gende, bei tagsanbruch leuchtende stern, der donnernde gott. Feuer-roth, gras-grün vergleichen: roth wie feuer, grün wie gras. Als formelles kennzeichen dieser eigent- lichen zusammensetzung betrachte ich nun, daß ursprüng- lich das erste wort an das zweite durch einen composi- tionsvocal geheftet wurde, der für etwas eigenthümli- ches und für keinen flexionsvocal zu nehmen ist. Er er- scheint aber nur noch im goth. und ahd. und verschwin- det nachher; die spätern und übrigen ältern dialecte ken- nen ihn kaum mehr, sondern fügen das erste wort, wie es uns vorkommt, geradezu an das andere, bei der un- tersuchung muß aber jener vocal im geiste hinzugedacht werden. Diese eigentliche composition ist die älteste, an- fänglich wohl die einzige art. Allmählig erzeugt und ver- breitet sich aber eine uneigentliche , die nämlich, welche unmittelbar anstoßende casus und partikeln, wie sie der alten freien construction gemäß waren, gleichsam aus die- ser zieht und mit dem zweiten worte verbindet. Solche composita gelten dann für den bestimmten begriff, den die construction mit sich brachte, z. b. tages-licht, don- ners-tag ist das licht des tages (lux diei), der tag des donnergotts (dies jovis). Der umfang aller uneigentli- III. zusammensetzung. vorbemerkungen. chen zusammensetzungen läßt sich begreiflich nur histo- risch ermitteln und ist nach zeiten und mundarten ganz verschieden. Was heutzutage zur composition geworden ist, braucht mhd. und ahd. für keine gehalten zu wer- den. Es wäre wohl irrthum, in dem ausdrucke firihô barn der alts. E. H. ein compositum zu erblicken, uner- achtet das nhd. menschen-kinder offenbar ein solches ist. Die frühe sprache hat wenig uneigentliche compositionen, die neue eine menge. Durch nomina propria, benennun- gen der bäume und pflanzen scheinen sie vorzüglich her- beigeführt worden zu sein. Ja, es hat sich zuletzt aus dem genitivischen -s, als der häufigsten uneigentlichen composition, für gewisse fälle ein analogon von compo- sitionsbuchstaben zu eigentlicher entfaltet, welches formell und materiell den casus verleugnet, daher sich auch an feminina fügt (z. b. liebes-dienst, vorstellungs-vermögen). Die anwendung einer oder der andern composition, der eigentlichen oder uneigentlichen, beurtheilt sich nach dem begriffe und nach dem sprachgebrauch; nur selten kommt es dabei auf den wohllaut, nie aber auf die flexionsei- genthümlichkeit der componierten wörter an. Mischun- gen und unorganische verwechselungen beider arten müßen gleichwohl zugegeben werden. 7) woran sind composita und nichtcomposita zu ken- nen? Der compositionsvocal lehrt, wie sich hernach zei- gen wird, verhältnismäßig nur noch eine geringe zahl. Die art und weise, wie alte handschriften einzelne wörter verbinden und trennen, halte ich nicht für eine genü- gende auskunft. Im goth. werden alle wörter ungetrennt geschrieben. N., der im ahd. hier die meiste aufmerksam- keit verdient, und nach einem festen plane trennt oder bindet (z. b. alle praepositionen an den casus den sie re- gieren), sondert, mit ausnahme der untrennbaren parti- keln, fast immer das erste und zweite wort der zusam- mensetzung, der eigentlichen wie der uneigentlichen. Einzige regel, woran man sich zu halten hat, scheint mir demnach: composition ist vorhanden , wenn das erste wort derselben für sich selbst unconstruierbar ist , keine, sobald es gesondert construirt werden kann. Eigentliche composita fallen leicht zu erkennen, weil ihr erstes wort von aller flexion entblößt, der construction sichtbar wi- derstreitet; den fall ausgenommen, wo es zweifelhaft bleibt, ob nicht eine uneigentliche accusativcomposition gemeint sein könne. Uneigentliche sind nach der ge- schichte und gewohnheit jeder mundart zu beurtheilen, III. zusammensetzung. vorbemerkungen. was sich nhd. nicht mehr construiert, war leicht früher unbedenklich, z. b. tages lioht nehme ich ahd. für kein compositum. 8) die partikelcomposition hat besondere bestimmun- gen, deren erklärung erst nach der abhandlung unter- nommen werden kann. Namentlich kommt bei ihnen keine spur von compositionsvocal vor; hätte es also ur- sprünglich gar keine eigentliche partikelzusammensetzung gegeben? Uneigentliche, d. h. historisch schwankende, wäre in allen fällen anzunehmen, wo veraltete partikeln sich nur durch die composition erhalten, d. h. zu un- trennbaren geworden sind? Da, wo sich noch trennbar- keit zeigt, wäre (nach anm. 7.) zusammensetzung zu leug- nen? z. b. wenn wir sagen: ausbrechen, eintreffen, so scheint das vielmehr aus brechen, ein treffen, weil tmesis stattfinden und gesagt werden kann: der krieg bricht aus, der bote trifft ein. Der grund, warum es bei partikeln keines compositionsvocals bedarf, ist einleuchtend der, daß sie sich, ihrer beziehung auf das nomen oder verbum wegen, überhaupt frei und los in die construction einstel- len. Gleichwohl scheinen eben diese näheren beziehun- gen schon in frühster zeit und auch bei sonst trennbaren partikeln wahre zusammensetzungen bewirkt zu haben. 9) die ordnung der abhandlung richtet sich nach dem ersten wort, als dem bestimmenden, in der construction des satzes nicht mit regierenden. Indessen müßen bei jeder einzelnen abtheilung geläufig gewordene formeln des ersten und zweiten worts besonders verzeichnet wer- den. Zuerst handle ich die nominalen zusammensetzun- gen, §. 1. die mit substantiven, §. 2. die mit adjectiven, dann die verbalen (§. 3.) und die mit partikeln (§. 4.) ab, endlich die decomposita (§. 5.), anhangsweise composita mit dem unflexivischen -s (§. 6.) mit zahlwörtern (§. 7.) und solche, die aus ganzen redensarten erwachsen (§. 8.). Ausgeschloßen und auf cap. IV. V. verwiesen bleiben die pronominalen composita, sowie die deren zweites wort partikel ist. — §. 1. Substantivische composition. I. die eigentliche. Einleitung: von dem compositionsvocal. Das mittel, dessen sich unsere sprache bedient, um eine beziehung des substantiv a (welche aber eine andere ist, als die des III. substantivische eigentl. composition. bloßen casusverhältnisses) auf ein zweites wort auszu- drücken, gewährt ihr der vocal a . Dieser wird an das von seiner flexion entblößte wort gefügt und dann ver- bindet es sich mit dem zweiten. Jedes eigentliche com- positum ist demnach ursprünglich wenigstens dreisilbig: vein-a-táins, daúr-a-vards, ich werde jedoch schreiben veina-táins, daúra-vards. Dieses a scheint, wiewohl es auch in der flexion vorkommt, durchaus unflexivisch, denn 1) es soll einen andern begriff geben, als den einer flexion; mit táins läßt sich weder der dat. sg., noch der nom. acc. pl., die beide veina flectiert werden, vereinigt denken. 2) im ahd. ändern sich die flexionen und den- noch bleibt a compositionsvocal, z. b. ein wîna-zein dürste nur noch mit dem alten dat. sg. wîna, später wîne verglichen werden, da der nom. acc. pl., wenn es neutrum geblieben wäre, nur wîn, wenn es masc. ge- worden ist, wînâ haben würde. 3) das flexivische a, oder der an seine stelle tretende vocal dauert länger, als der compositionsvocal. 4) die urverwandten fremden sprachen zeigen gleichfalls compositionsvocale (griech. o, lat. i, slav. o), welche wiederum flexionsvocalen begeg- nen, in der einzelnen anwendung sich aber deutlich als etwas anderes darstellen, z. b. wie könnte das i in lani- ger flexivisch sein, da lana in seiner ganzen decl. kein -i zeigt? Nähere ausführung dieser wichtigen einstim- mung folgt in einer schlußanmerk. dieses capitels. Keiner der andern vocale wird zur composition ver- wendet, namentlich i und u nicht, wie auch daraus hervorgeht, daß späterhin, nachdem der vocal gewichen ist, die composition an sich keinen umlaut des ersten worts bewirkt der vocal des zweiten worts kann ihn wohl wirken. . Der grund aber, warum gerade das a componiert, mag mit seiner ausschließung von der reinvocalischen ableitung (s. 387.) zusammenhängen. Das verhältnis zwischen den drei ursprünglichen vocalen wird dadurch ausgeglichen und die unterscheidung der ableitung von der composition fundamental bewerkstelligt. Indessen darf nicht unerwähnt bleiben, daß, neben dem a und für es, ein gleichbedeutiges compositionelles o erscheint, das ich nicht aus ursprünglichem u herleite, sondern als aus dem a entstellt betrachte, wie in den wurzeln selbst a in o übertritt (1, 75. 85). Grade die äl- testen deutschen sprachdenkmahle, die uns von Römern III. substantivische eigentl. composition. überlieferten eigennamen, scheinen ein solches o zu ver- rathen, vgl. lango-bardi (ahd. lanc-partâ) marco-manni, teuto-burgiensis, malo-vendus, maro-bodvus, crupto-ri- cus, ario-vistus, inguio-merus, cario-valda, chario-me- rus, cario-viscus (bei Vopiscus), hario-baudes, lanio- gaiso, bucino-bantes, chnodo-marius, u. a. m. War hier o dem gehör und der aussprache des Römers gefüger (vgl. nomen, rota mit namo, rad)? oder fand es sich wirklich schon bei einigen deutschen völkern? Bedeu- tend ist, daß composita ohne vocal kaum vorkommen (nur das dunkle ger-mani und mit zweisilbigem ersten wort hermun-duri, adgan-destrius?); mit a idista-viso (wenn es comp. ist); mit e cannine-fates und halide-ga- stes (bei Vopisc.); die i und u (segi-merus, segi-mundus, asci-burg, catu-merus) werden sogleich deutlich werden. Im gothischen stellt sich a ohne zweifel als eigentli- ches compositionsmittel dar und nach folgenden grund- sätzen 1) einsilbige subst. der ersten starken und schw. declinationen, ohne rücksicht auf ihr geschlecht, legen alle flexion ab, fügen a hinzu und componieren sich nun mit dem zweiten wort: α ) starke masc. viga-deinôm Matth. 7, 16; guda-faúrhts Luc. 2. 25; garda-valdands Matth. 10, 25; svulta-vairþs Luc. 7, 2; mana-sêþs (von mans, homo); figgra-gulþ Luc. 15, 22; — β ) starke fem. hveila-hvaírbs Marc. 4, 17; môta-staþs Luc. 5, 27; hléþra-stakeins Joh. 7, 2; stáua-stôls Matth. 27, 19; — γ ) starke neutra: báina-bagms Luc. 17, 6. (wenn sich ein neutr. báin, morum, erweisen läßt); veina-basi Matth. 7, 6. Luc. 6, 44; veina-gards Marc. 12, 1; veina-táins Joh. 15, 4; veina-triu Joh. 15, 1; blôþa-rinnandei Matth. 9, 20; heiva-fráuja Marc. 14, 14; gilstra-mêleins Luc. 2, 2; hunsla-staþs Luc. 1, 11; liugna-práufêtus Matth. 7, 15. daúra-vards Joh. 10, 3; — δ ) schw. masc. smakka- bagms Marc. 11, 13; guma-kunds Luc. 2, 23; manna- maúrþrja Joh. 8, 44; — ε ) schw. fem. peika-bagms Joh. 12, 13. (falls ein f. peikô, palma, bewiesen werden kann) — ζ ) dunkles subst. liegt in hráiva-dubô Luc. 2, 24; von hráiv funus?); skáuda-ráip Marc. 1, 7; ob aíhva-tundi hie- her falle, oder ein derivatum sei (s. 344.), bleibt unsicher und ob das compositive missa- substantivisch sei? wird unten besprochen werden. — 2) mehrsilbige schwanken zwischen behaupten und weglaßen des compositionsvo- cals; so stehet alêva-bagms Luc. 19, 37; akrana-láus Marc. 4, 19; vitôda-fasteis Luc. 7, 30; vitôda-láisareis Luc. 5, 17; eisarna-bandi Luc. 8, 29; himina-kunds Luc. III. substantivische eigentl. composition. 2, 13; káisara-gild Marc. 12, 14; lukarna-staþa Matth. 5, 15; synagôga-faþs Marc. 5, 22 vgl. die eigennamen athala-ricus, ërmana-ricus etc. ; dagegen aber þiu- dan-gardi Matth. 6, 13. Marc. 11, 10; midjun-gards ein masc. midjuns voraussetzend, wie das ahd. mittin-gart ein mittin, welche s. 175. und 170. nachzutragen sind. Luc. 2, 1. — 3) in subst. zweiter und dritter declination absorbieren die ableitungsvocale i und u den componie- renden vocal: arbi-numja Luc. 20, 14; mari-sáivs Luc. 8, 22; undaúrni-mats Luc. 14, 12; ich glaube, statt arbja-num- ja, marja-saivs, undaurnja-mats, wie die vergleichung der römischen -io (s. 412, 4, 5.) und der adjectivischen composition bestätiget, wo noch midja-sveipáins, hráinja-hairtans statt- findet; grundu-vaddjus Luc. 6, 48; handu-vaúrhts Marc. 14, 58; quiþu-hafts Marc. 13, 17; fáihu-skula Luc. 16, 5; fáihu-frikei Marc. 7, 22; fáihu-gaírnei Tit. 1, 11; fôtu- bandi Luc. 8, 29; fôtu-baúrd Matth. 5, 35; asilu-qvaírnus Marc. 9, 42; statt welches u gleichfalls ältere -va vermu- thet werden dürfen: sôtva-baúrd, sáihva-skula? — 4) auch subst. vierter declination haben keinen compositions- vocal, sondern i, gleich denen zweiter decl.: mati-balgs Marc. 6, 8; gasti-gôds Tit. 1, 8; aúrti-gards Joh. 18, 1; náudi-bandi Mauc. 5, 3; von den masc. mats, gasts und fem. aúrts, náuþs; vermuthlich auch vinþi-skaúrô ( πτύον ) Luc. 3, 17. von einem dunkeln subst. vinþs, ver- schieden von vinds (ventus). Diese letzte regel lehrt, was ich schon 1, 811. anm. 28. ahnte, daß das in der vierten decl. erscheinende i nicht flexivisch sein kann, sondern der ableitung zufällt, denn sonst würde es nicht in der composition haften die vierte decl. wird also historisch wegfallen; sie ist nur eine andere modification des in die flexion eingreifenden ablei- tungs-i, als die zweite. Nähere darstellung dieser verhältnisse ge- hört nicht hierher. . Es muß also hier, wie bei 3) ein früheres matja-balgs etc. angenommen werden. Ausnahmen von diesen regeln kenne ich sehr wenige und zum theil scheinbare: vein-drugkja Luc. 7, 34. ( οἰνο- πότης ) welches eine uneigentl. acc. compos. sein könnte, oder gar keine, wie 7, 33. vein drigkands ( οἶνον πίνων ) vorausgeht? in vein-nas ( πάροινος ) Tit. 1, 7. verstehe ich das zweite wort nicht sicher, bedeutet es nasus, nasutus? Das altn. nâ-nös (ava- rus, opes emungens) ist weiblich. ; guþ-blôstreis ( θεο-σεβής ) Joh. 9, 31; man-leika ( εἰκών ) Marc. 12, 16; brûþ-faþs ( νυμφίος ) III. substantivische eigentl. composition. Marc. 2, 19. Matth. 9, 15; nahta-mats (coena) Marc. 6, 21. Luc. 14, 12. würde nach 4. nahti-mats heißen dür- f n, stimmt aber vielleicht zur anomalen decl. von nahts (1, 610.). Und sind die vier andern einschleichende ent- stellungen der ältern formen veina-drugkja, guda-blôstreis, mana-leika, brûdi-faþs? Im ahd. werden die auslaßun- gen des compositionsvoc. ganz häufig. Vorher will ich nur erwähnen, daß altfränk. quellen des 6. und 7. Jahrh. in eigennamen fast beständig o da- für zeigen, z. b. dago-berctus, vulfo-leudus, gundo- berctus, nordo-perctus, lando-berctus, vulfo-laëcus, ra- geno-berctus, karolo-mannus u. a. m., welches o sich nur in wenigen fällen aus dem anlautenden v des zwei- ten worts deuten ließe, wie in droctoaldus, ansoaldus (vgl. oben s. 333.). Im ahd. ist der compositionsvocal noch ziemlich im gebrauch, doch mehr bei gewissen wörtern (meist mit kurzer wurzelsilbe), was schon das absterbende princip ankündigt; die auslaßung überwiegt bereits; einzelne denkmähler haben o, die meisten a; absorption durch ableitungsvocale wie im goth. Es scheint mir nützlich, die beispiele genau zu sammeln. 1) a gewähren alle quellen des 7. 8. 9. jahrh. mit ausnahme von J. Hild. und Wessobr.; seit dem 10 ten verliert es sich und haftet höchstens in seltnen, dunkeln wörtern. α ) composita mit starken masc. und neutr. erster decl. asc (fraxinus): asca-pah ortsname bei Neug. nr. 91. 164; — âƷ (esus); âƷa-lôsî (inedia) mons. 347. — hac (condi- tio) nach dem altn. hagr?: haga-stalt (coelebs) doc. 217 a haga-stolt jun. 213. hagu-stalt hrab. 956 3 . — har f. haru (linum): hierher hara-poƷo (stipula) mons. 324.? — hof (aula): hova-man (aulicus) doc. 220 a francof. 119; hova-gelt (vectigal) mons. 404; hova-stat (area) mons. 326. 331; hova-wart (canis) lex bajuv. 19, 9. — kot (deus): eigennamen wie cota-danch; cota-dëo; cota-lint etc. vielleicht cota-wëppi (byssus) hrab. 955 a 972 a jun. 197. cotu-wëppi jun. 237. goto-wëbbi T. 200, 1, 4. O. v. 19, 91; vgl. theil 1, 148. — kras (gramen): grasa-wurm (eruca) zwetl. 120 b ; — lid (artus): lida-weih (mollis, tractabilis) un-lida-weih (intractabilis) hrab. 966 b 967 b , ist diese deutung richtig, so muß lid entw. auch neutr. gewesen, oder als masc. der ersten decl. (neben der vier- ten) gefolgt sein? — mac (puer) statt eines älteren maku: III. substantivische eigentl. composition. maga-zoho (nutritor) mons. 330. 395. flor. 982 a 984 a ma- ga-zohâ (nutrix) doc. 224 a . — man (homo, servus): ma- na-heitî (humanitas, liberalitas, munuscula) K. 51 a gl. ker. 73. jun. 228. francof. 145. un-mana-heiti (immanis) gl. ker. 158. mana-heitîc (munisicus) mons. 352. 363. 382. 388. 397.; mana-haupit (mancipium) gl. ker. 190. mana- houbit O. II. 6, 103. V. 19, 93. die übereinstimmung mit dem lat. mancipium ist groß, nicht vollständig (es heißt nicht manciput); das deutsche wort mag lie- ber von man (persona) geleitet werden, als von manus (hand); knecht und mann mischen sich im begriff u. wort. mana-haupiton (manci- pare) gl. ker. 187; mana-lîh (homini similis, statuarius) mons. 331; mana-lîhho (imago, statua) gl. sgall. 189. ker. 161. zwetl. 112 a mons. 342. 404. 412; mana-liup (huma- nus) gl. ker. 72; maua-luomi (mitis) un-mana-lômi (im- manis) gl. ker. 158; mana-perga (cancelli) wirceb. 977 a (wo manabirge). — por (fastus) aus dem mhd. bor ge- folgert; pora-tiuri (valde pretiosus) mons. 392. doc. 229; pora-vilo (magnopere) mons. 327. doc. 226; bora-lang (perlongus) O. II. 3, 25. 11, 6.; boradrâto (praecipitanter) O. IV. 24, 56. — slac (ictus) pl. slakâ?: slaga-hamar (mal- leus) cass. 855 a . — scrit (passus) pl. scritâ: scrita — mâl (passus) gl. ker. 261. hrab. 975 a mon. boica VII, 374. — snit: suita-zît (tempus putationis). — spil (ludus): spila- hûs mons. 404. — spër: spëra-scaít (hasta) hrab. 972 a . — stap (regula): stapa-slingûn (tormenta) mons. 361. — star (mor- bus oculorum): stara-plint gl. ker. 145. cass. 855 a wirceb. 981 a . — suan oder suano? (olor): suana-hilt, suana-burc eigennamen bei Neug. nr. 98. 164. 305. — tac (dies): taga-dinc (induciae) doc. 212 a 238 b mons. 330. daga- thing O. V. 9, 2; taga-garawa zwetl. 132 b ; taga-lîh (diurnus, quotidianus) K. 17 a 18 b 24 a 27 b 28 a 43 b (so zu lesen 46 b mons. 396. daca-lîh gl. ker. 91; taga-muos (prandium) T. 110. 125. daga-muas O. II. 14, 192; taga- rôd (crepusculum) hrab. 956 a taga-rôd jun. 187. 194. 235 (vgl. oben s. 253 und taga-prot mons. 412); daka-stërn gl. ker. 168. taga-stërn (lucifer) hymn. 949. daga-stërro O. IV. 9, 48; daga-frift O. I. 10, 35; taga-wërh (pensum) zwetl. 119 b ; ahd. eigennamen wie taga-përht, taga-lint, taga-rât etc. — tal (vallis): tala-slaht (convallis) W. 6, 10; urkundl. ortsnamen tala-heim, tala-hûs etc. — teic (massa): teiga-trouc (alveolus) hrab. 961 b . — tisc: tisca- lachan zwetl. 132 a . — volch (gens): eigennamen folcha- rât etc. — wal (strages): walu-kirêr (crudelis) hrab. 957 a walu-giri gl. ker. 10. vielleicht auch der eigenname wala- III. substantivische eigentl. composition. frid (oder ist es walah-frid?); — wëc (via): wëga-nëst (viaticum) jun. 232. mons. 320. 323. francof. 20; assim. wëge-nëst O. III. 14, 178; wëga-rih (plantago); wëga-rihtî jun. 232; wëga-wîso hrab. 971 b ; — wîn (vinum): wîna- rëba hrab. 974 a mons. 405. 406. — β ) composita mit starken fem. erster decl. aha (aqua): aha-strôm (torrens) unzweifelhaft, aber nicht zu belegen. — chara (luctus): caru-wât (vestis lugubris) francof. 33. — êra (honos): êra-grëhtî O. IV. 31, 37. gewöhnl. steht (assimiliert?) êre-grëhtî I. 4, 33. III. 20, 236. 21, 66. IV. 1, 104. 5, 44. 37, 81. V. 23, 580. — êwa (lex): êwa-duom T. 141; êwa-lêrari T. 128. — hella (inferi): hella-grunt mons. 408; hella-gruoba N. 142, 7; hella-haft mons. 403; hella-sun T. 141; hella-wîƷi T. 44, 20. — këpa (gratia): këpa-lint n. pr. — mieta (merces): mêta-nemo (mercenarius) gl. ker. 132. — nasa (nasus): nasa-hëlm (vectigal) gl. ker. 279. bedarf bestätigung. — napa (mediolus): naba-gêr (terebrum) gl. sgall. napu-gaer cass. 955 a . — pëta (preces): pëta-pûr (delubrum) gl. ker. 85. mons. 375; bëta-hûs O. II. 11, 42. — pira (pirum): pira-poum (pirus) gl. sgall. — scama (reverentia): scama- haft gl. ker. 172. 227. — scara (ordinatio): scara-mëƷ (arapennis) mon. boic. VII, 374. — traga (feretrum), aus dem nhd. trage gefolgert: traga-petti T. 88; traga- stuol mons. 363; traga-diorna jun. 208; eigennamen tra- ga-poto, traga-pold etc. — vara (generatio, linea?) in eigennamen fara-munt, fara-man, fara-purc etc. — vruma: fruma-haft (beneficus) gl. ker. 43. hrab. 954 b . — wona (mos) wona-heit K. 29 b . γ ) composita mit schwachen masc. erster decl. hano (gallus): hana-chrât doc. 206 a — komo (homo): goma-heit (natura hum.) cat. theot. O. I. 27, 6. III. 15, 38. IV. 9, 61. — mago (stomachus): maga-pîƷado mons. 333. 357. 384. — namo (nomen): nama-haft lindenbr. 998 b — narro (stultus): narra-heit gl. ker. 252. jun. 180. — poto (nuntius): bota-scaf O. V. 8, 107. — kisello (so- cius): gisella-skaf T. 80. δ ) comp. mit schw. fem. und neutr. hosa (femorale): hosa-nestila mons. 319. — kouma (cura): kouma-lôsî (negligentia) gl. ker. 158. — ouga (oculus): auga-tora (fenestra) sgall. 183; auka-zorht (manifestus) gl. ker. 225. auku-zorht ibid. 114. 228. ouga-zorht jun. 236. 244. T. 231, 1. 237, 6. — rëpa: rëpa-kerta jun. 218. 221; rëpa-zuî (palmes) jun. 222. — ruohha (cura): ruachha- lôs K. 21 b 32 a . — spinna (aranea): spinna-wëppi doc. III. substantivische eigentl. composition. 236 a . — sunna (sol): sunna-vëlt doc. 238 a . — tincta: tincta-horn mons. 339. — wolla (lana): wolla-champ. ε ) composition mit mehrsilbigen. kentila-stab (candelabrum) T. 25, 2; spinnila-poum (arbor fusarius); zuistila-vincho (carduelis) gl. sgall. 203. ζ ) comp. mit ungewissen substantiven. ata-haft (continuus) N. Boeth. 74. 97?; këla-gunt (rubigo) jun. 224; hega-druosi (inguina) mons. 407 doc. 218 b ; chëla- tuoch (strophium) khëla-toah (sagum) flor. 983 a ker. 92, von chëla (guttur)?; khuna-withi (catena) gl. ker. 184. (ags. cyne-viðe, redimiculum); laka-rida (cunabula) jun. 184; viele mit missa- (später missi-) z. b. missa-huarpida hrab. 961 b missa-weiƷ ibid. 959 b ; sara- oder sâra? in den eigennamen sara-poto, sara-man, sara-purc etc.; sisa? in sisa-gomo (pellicanus) mons. 349; spara-lîh (frugalis) K. 44 b . jun. 188. von einem f. spara (parsimonia)? u. a. m. — 2) statt des componierenden a zeigen einzelne denk- mähler o , das bei ihnen dialectisch scheint, weil sie da- neben keine oder seltne beispiele des a haben; dieses o erinnert an die altfränkischen und von den Römern auf- gezeichneten eigennamen (s. 412., 414.). J. 353. 354. 355. 356. stehet wëro-dhëodha druhtîn (dominus exercituum), man darf nicht lesen wëro-dhëodha-druhtîn, denn dhëod- ha (oder dhëodhâ) ist der uncomponierte gen. sg., das compos. wëro-dhëodha entspricht aber dem ags. vër- þëód, altn. vër-þióð (complexus hominum) und hätte goth. zu lauten vaíra-þiuda. Dann findet sich 359. man- no-waldendeo (dominator), das vielleicht uncomponiert mannô waldendeo ist? für die composition spricht das goth. garda-valdands. Zwei andere belege liefern Hild. und wessobr. in arbëo-laos und marëo-sêo, bestätigend arbja- numja und marja-sáivs. Nächstdem begegnen bei N., der außer jenem dunkeln ata-haft mit keinem a subst. compo- niert, mehrmahls o, z. b. hello-vreisa 114, 3., im Boeth. spilo-man, spilo-lîh, redo-lîh, redo-haft, samo-lih, scado-haft, tago-lih, lido-weih, tago-stërno, grabo-hûfo u. a. m. Ver- einzelter stehen die o in den übrigen, sonst a zeigenden quellen: spilo-hûs jun. 257.; tago-lîh hrab. 960 a ; bëto- man O. II. 14, 135, 138.; redo-haft K. 29 b ; ougo-zorht T. 164. 6. 177, 4.; walto-wahso (nervus) blas. 14 b ; hodo- lôs doc. 219 a ; piro-poum zwetl. 129 a ; poto-lîh (apostoli- cus) K. 21 a 40 a ; boto-scaf O. II. 13, 14; gomo-heit O. Sal., 29. doch in den drei letzten hat der wurzelvocal assi- D d III. substantivische eigentl. composition. milation gewirkt. Einige wörter sind mir räthselhaft, z. b. piro-man (ambro) mons. 412; in noch andern ent- springt aber o aus ableitendem u (wovon nachher), ist also kein compositionelles. 3) aus dem a verdünntes e kommt schon in mor- gane-giba (unten s. 429.) auch in den gl. jun. vor: go- te-këlt 178. 197; hare-kiwât 180; walte-wahso 214; fle- dere-mûstrun 232; spile-hûs 257; take-maƷ 259; in hrusse-hiruz 199. könnte es auch für ableitendes i stehen? (K. 37 b ist zu lesen lîhcham-lîh). Das vorhin angeführte êre-grëhtî bei O. kann assimilation sein? Mit dem 10. jahrh. werden diese e häufiger, N. schreibt z. b. hove- stat, hove-gîra, gote-dehto, mane-heit (humanitas), bore- vilo, rôse-bluomo, suane-ring, tage-ding, tage-lîh etc. W. smide-ziereda, rebe-snit, glase-vaƷ; die gl. flor. hege-tûba (palumbes) gehört es zum dunkeln hega- (s. 417.)? oder ist hecge- tûba zu lesen (nach den hegge-holeron bei W. 2, 13, 14.)? 989 a ; hofe-stat 984 a ; lide-suht (podagra) 986 a ; gote-wëppe 986 b ; grase-wurm 988 a ; wolle-rocho 988 b ; wëge-wîso 990 b ; die gl. lindenbr. stabe-wurz (abro- tanum); glase-copf; hege-druose; wëge-rich (plantago); die gl. trev. spinne-wëppi; sise-goum 14 a ; wëge-breita 18 a ; tage-stërro; bëte-hûs, bëte-kamera; hove-trût; wîne- gëbo (caupo) 42 b ; tage-dinc; muole-stein 61 b ; trage-stuol 62 a ; brunne-krâso 62 a etc. Lauter compositionsvocale, die sich, meist in kurzen wurzelsilben, den frühern a entsprechend, erhalten haben und noch ins mhd. verbrei- ten, während sie nach langen und mehrsilbigen wurzeln längst untergegangen sind. 4) entstellungen des a in u (aus fehlern der abschrei- ber wie aus dem schwanken in o erklärbar) sind bei den einzelnen belegen mitangegeben, assimilationen des a in o und e bereits erwähnt worden. Es gibt auch assimila- tionen in i, z. b. wîni-scencho mons. 337; spili-man jun. 228. doc. 233 b spili-lîh doc. 236 a ; piri-boum mons. 414. endlich ganz tadelhafte i für a oder e : tragi-stuol doc. 227 b ; wolli-champ doc. 245 a ; rebi-plat flor. 985 b ; bëti- bûr flor. 990 a ; wëgi-sceida trev. 28 b ; rebi-mëƷer trev. 33 b und alle solche. Man hüte sich vor verwechselung dieser assimilierten und unorganischen i mit den ableitenden i. 5) ableitende (den compositionsvocal absorbierende) i haben im ahd. wie im goth. statt. III. substantivische eigentl. composition. α ) in subst. der zweiten declinationen; folgende bei- spiele werden hinreichen: hrucki-pein cass. 955 a ; wini- scaf jun. 176; châsi-char zwetl. 122 a ; fenni-stat jun. 218; heri-scaf, heri-stiura, heri-zoho; endi-tago; chinni-pein; meri-gras (alga) zwetl. 111 a ; hawi-scrëcchi (locusta); wîƷi- poum (patibulum) jun. 242; petti-siuh jun. 191; helli- gruopa doc. 210 a ; helli-wiƷi T. 141. O. V. 19, 36; helli- rûna doc. 218 b ; sippi-teil doc. 250; sibbi-sam T.; willi- haft jun. 176; feri-scaz (naulum) jun. 191. 239. zwetl. 127 a etc. So der eigenname pruni-hilt, von prunia (tho- rax). Die, deren ableitungs-i frühe schwankt und aus- fällt, zeigen dialectisch oder abwechselnd auch den com- positionsvocal. Es ist daher beides richtig, z. b. helli-rûna und hella-rûna, sippi-teil und fippa-teil, nur setzt erstere form den gebrauch von hellia, sippia, letztere den von hella, sippa voraus. Fehlerhaft schiene dagegen mera- gras, hrucka-pein, weil da das i nicht gebrechen kann. β ) in substantiven der vierten. asci-pah, esci-pach n. pr.; lidi-scart mons. 378; sali-hûs gl. ker. 7; scriti-mëƷ jun. 221; slegi-fëdera sgall. fordern den plur. ascî, lidî, scritî, salî, slagî wie lida-scart, scrita- mëƷ etc. den pl. lidâ, scritâ, d. h. in scrita-mëƷ steht der vo- cal der composition, in scriti-mëƷ der derivation. Dieses schwanken ist erklärlich, da die masc. der ersten und vier- ten decl. ineinander schwanken. Mit fem. vierter decl. zusammengesetzte: steti-got (genius loci) zwetl. 123 a ; turi- sulî sgall. 182. turi-porta hymn. 949; prûti-gomo hymn. 948. prûti-poto doc. 204 a ; truhti-gomo wirceb. 981 a ; nahti- gala hrab. 958 b , allein gl. sgall. stehet nahta-gala und hrab. 970 a ein zweideutiges nahte-gala. Die a-form könnte hier assimilation sein, ist aber richtiger, wie im goth. nahta- mats zu nehmen. Hanta-slagôn (plaudere) hrab. 971 a mons. 355. stimmt zu dem goth. handus und dem dat. pl. hantum (1, 620.) st. hentim, ich habe noch kein henti- in der comp. bemerkt. Aus den vielen mit hilti- compo- nierten eigennamen muß entw. ein hilt pl. hiltî (pugna) oder ein hiltëa geschloßen werden. Zuweilen darf dieses ableitende i fortfallen (vgl. 7.). 6) ableitende u (o). α ) in subst. dritter decl. z. b. witu-hoffa (upupa) jun. 232. doc. 244 b witu-vina (strues ligni) O. II. 9, 96. ags. vudu-fin; hugu-lust O. IV. 37, 17; situ-lîh hrab. 961 a K. 53 b assim. siti-lîh K. 45 a , sita-lôsî mons. 348. schreibfeh- D d 2 III. substantivische eigentl. composition. ler oder übergang in die erste decl. voraussetzend; fihu- stërbo jun. 219. β ) in subst. erster decl., die mit v abgeleitet sind (oben s. 187.): palo-lîh hrab. 971 b palo-tât hrab. 963 a ; scato-haft hrab. 970 a ; sêo-waƷar hrab. 952 b ; mato-scrëcche (locusta) N. 104, 34. 108, 23. Denkbar wären hier ältere formen mit compositionsvocal: palawa-tât u. dgl. 7) endlich in sehr vielen fällen, wo auch kein ablei- tungsvocal im spiel ist, namentlich bei langsilbigen und mehrsilbigen substantiven, hat sich das zusammenfügende a verloren. Es braucht hier nur einiger beispiele, da sich andere aus dem verfolg der abhandlung genugsam ergeben werden: α ) starke erste decl. rant-pouc (umbo) misc. 1, 19; poum-scapo cass. 955 a zwetl. 129 a ; lant-scaf K. 23 b ; pein- perga jun. 216; wîn-faƷ hrab. 958 a wîn-garto hrab. 954 a jun. 224. wîn-trunchal K. 23 b wîn-peri jun. 195. 224. wîn-reba, wîn-blat T. 167, 1, 4. doc. 244 a ; ërd-rîhhi J. 347. ërd-waso J. 367; molt-wërf (talpa) jun. 270; rûn- stap K. 51 a ; himil-zungal hrab. 974 b himil-rinna jun. 192; fogal-hûs; chandal-stap jun. 194; eitar-gëbo (vene- ficus); dëonost-man; irmin-got; adal-përaht etc. β ) schwache erste decl. han-chrât mons. 358; gart- brunno W. 4, 13; fîg-boum O. II. 7, 127. IV. 6, 10. W. 2, 13; brunn-âdara N. 77, 43; hint-chalp (hinnulus) mons. 351. W. 2, 9; hërz-blîdi O. I. 4, 61; hërz-lih, hërz-rihtî N. 118, 7; ouc-salba, ouc-suëro mons. 329. lindenbr. 994 a 998 b ouc-fane (orarium) herrad. 190 a ouc-pinta (fascinatio) aug. 124 a ; ôr-slac (alapa) ôr-hrinc, ôr-golt etc. γ ) das ableitende i und u kann nicht unterbleiben, z. b. kein her-dëgan, fih-stërbo stattfinden für heri-dë- gan, fihu-stërbo; wohl aber das, auch in der sing. flexion erlöschende i der vierten declination. So gilt hant-grif J. 367. hant-slagôd mons. 410; cast-luamî (hospitalitas) K. 56 a ; prût-petti jun. 187. prût-chamara hrab. 975 b ; tât- rahha (historia); naht-lob K. 33 a. b. , um so mehr bei zweisilbigen wie magad-burt, itis-lîh (matronalis), itis- lint (n. pr.) — Im alts. scheint, so viel ich aus den mir zugänglichen stellen der E. H. urtheilen darf, der compositions- vocal weit mehr erloschen, als im ahd. Selbst nach kurzen silben stehet er nicht z. b. in man-kunni, bod- III. substantivische eigentl. composition. scepi, gum-scepi, hof-ward (hortulanus); geschweige nach langen z. b. in gold-fat, ërl-scepi, ord-frumo. Nur in dem aus der bamb. hs. doc. 206 a beigebrachten hano-crâd (galli cantus) treffe ich ihn mit sicherheit, woraus zu- gleich erhellt, daß er nicht a, sondern wie in einigen ahd. denkmählern o war. Unsicherer sind wâgo-strôm (fluctus maris) und lido-cosp (vinculum), indem wâgo und lido gen. pl. und dann höchstens uneigentliche com- posita sein können. Dafür spricht sogar das vorkom- mende aha strôm (torrens aquae) und gebanes strôm, wie- wohl das ags. væg-streám für wâgo-stróm. Ist godu-wëbbi = godo-wëbbi? — Uebrigens versteht sich, daß die ab- leitungsvocale i und u wie im ahd. haften, z. b. meri- strôm, erbi-ward, kuni-burd, heri-togo; fri du -barn, hëru- bendi, lagu-strôm. — Die freckenh. urkunde gibt dag- mâthon, scip-hurst, han-hurst, spëc-suîn, has-winkil etc. ohne comp. vocal; doch mit e (für o oder a?) smithe- hûson und besonders merkwürdig s. 11. 12. 17. bikie-stër- ron, bikie-sêton, bikie-tharp (daneben s. 15. beki-stër- ron). — Der ags. comp. vocal ist in der regel noch deutlicher verschwunden: α ) beispiele von starken subst.: däg-stëorra (lucifer) däg-rêd (aurora) gräs-hoppa (locusta) häg-stëald (coelebs) hof-vëard (aedilis) god-cund, god-vëbbe, god-hëlm, disc- þëgn (disciphorus) vër-þëod (genus hum.) bëd-hûs (ora- torium) vëg-gesiða (comes) vëg-nëst (viaticum) vîn-ëard, vîn-hûs, vîn-berige, hel-dor (ostium infern.) hel-dëoful (diabolus) hen-fugel (gallina) gläs-fät (vitrum) gläs-hlûtor (pellucidus) scëam-leás (procax) scëam-lim (pudenda) etc. β ) beispiele von schwachen: boda (nuntius) bod- scipe, bod-lâc (decretum); guma (homo) gum-rinc, gum- cyn, gum-rîce; hana (gallus) han-cræð; nama (nomen) nam-cuð; sunne (sol) sun-beám, sun-bryne (solis aestus) sun-fëld (elysium); vuce (hebdomas) vuc-þên (servus heb- domadarius); cyrice (ecclesia) cyric-þên; uhte (tempus mat.) uht-gebëd, uht-sang; eáge (oculus) eág-äppel, eág- duru (fenestra) eág-hringas (palpebrae); eáre (auris) eár- finger, eár-hring, eár-loccas (antiae); hëorte (cor) hëort- coð (cardialgia) hëort-hama (praecordia) hëort-sëóc (car- diacus). γ ) ableitendes e (für i) und u (o) bleiben aber, z. b. here-stræt, here-vulf, mere-streám, cyne-dôm, cyne- hëlm, vine-leás (amicis destitutus) liðe-byge (flexibilis) III. substantivische eigentl. composition. liðe-vâc (mitis); vudu-bill (runcina) lagu-streám, frëo- ðo-scëalc etc. ausgenommen, wenn sie schon im unzu- sammengesetzten fall fehlen, z. b. da es heißt hel (in- fernum, ahd. hella = hellia) gilt auch hel-duru (ahd. helli-tur). δ ) es steht dahin, ob nicht die ältesten denkmähler spuren des compos. vocals haben, und war er zuletzt e? jun. 376. stehet neba-gâr (l. nabe-gâr?) wofür Lye auch naso-gar, nafe-gar beibringt, derselbe: nihte-gale (lusci- nia) name-leás (ignotus) hare-fôt (lagopus) hare-hune (marrubium). — Auch der altn. verbindungslaut fehlt, α ) componierte starke subst.: dag-stiarna, dag-mâl, dal- vërpi (convallis), gud-laus, gud-vëfr, gras-hoppa, glas- ker, gras-grœnn, hof-madr, hof-gardr, sôl-skîn, sôl-sëtr, skip-madr, skip-brot (naufragium) vîn-ber (uva) vîn-fat, vîn-gardr etc. β ) schwache subst.: bodi (index) bod-skapr, bod-ord; bogî (arcus) bog-madr, bog-sveigir (sagittarius); auga (oculus) aug-liós, aug-sŷn; hiarta (cor) hiart-grôinn (cordi fixus) hiart-slâttr (palpitatio cordis) hiart-vërkr (car- dialgia). γ ) ableitungsvocale haften nur, wenn sie im unver- bundnen subst. geblieben sind, z. b. engi (pratum) engi- -sprëtta (locusta) engi-gardr (sepes prati); erfi (hereditas) erfi-drapa (epicedium). Hingegen heißt es, wenn z. b. mit her (exercitus) hel (mors) nef (nasus) componiert wird, her-bergi, her-fâng, hel-vîti, hel-blâr, nef-hryggr, nef-stôr, also mit beibehaltnem umlaut. Ableitendes u er- scheint meines wißens nie in der compos. und es tritt selbst rückumlaut ein; vgl. fë-giarn (ahd. fihu-kërn) miad- drecka (ahd. mëtu-tranch?) tann-fê (goth. tunþu-faíhu?) tann-vöxtr (dentitio); von örn (aquila) biörn (ursus) iörd (terra) stammen arn-hofdôttr (capite aquilino) biarn-ylr (calor ursinus) iard-hûs, iard-bûar (terricolae). δ ) spuren des componierenden vocals? da in altn. so viele genitive auf -a endigen, namentlich alle gen. pl. und die gen. sg. des schw. masc. und neutr., so dürfen nur wenige a für bloß verbindend gehalten werden; solche nämlich, wo flexion oder sinn ein genitivisches verwer- fen. Dahin gehört vielleicht vëga-nësti (viaticum) hana- gal (gallicinium); sicherer z. b. der eigenname pâlna-tôki (mit pâlnir, gen. pâlnis gebunden). Der compositionsvo- III. substantivische eigentl. composition. cal scheint hiernach, wie im goth. und ahd. a gewesen zu sein. — Mhd. hat sich der zu e verdünnte compositionsvocal hinter einigen kurzsilbigen wörtern, die ihn im ahd. haben, erhalten, insoweit er nicht nach allgemeiner laut- regel auch hier weichen muste, namentlich wenn l und r vorhergeht (also spil-man, spër-schaft, nicht spile-man. spëre-schaft). Einigemahl, besonders bei schw. subst. währt er noch nach langer silbe fort. 1) beispiele des haftenden, α ) nach starken masc. und neutr.: glase-vaƷ Trist.; gote-heit Barl. 75, 40. gote-lîch; hove-bære MS. 1, 105 a hove-bëlle MS. 1, 132 a hove-diet, hove-site Trist. hove-vart kl. 453.; mage-zoge Wilh. 2, 148 b ; rade-brëchen Barl. 113. Wilh. 3, 203 b ; stabe-wurz (abrotanum) jun. 330; swane-vëlt Nib. 6113. swane-gœi MS. 1, 143; tage-liet MS. 1, 107 b tage-stërne Trist. tage-wîse MS. 1, 147 a ; wëge-lôs, wëge-muede, wëge-reise Trist. Auch donre-strâle und holre- blâsen gehören hierher, vgl. oben s. 124. — β ) nach star- ken fem.: bëte-hûs Barl. 338; rede-gesëlle Parc. 89 a MS. 1, 106 b rede-rîche MS. 1, 105 b ; gewone-heit Trist.; zwei- felhaft ob das häufige nahte-gal? da auch in der flexion unumlautendes nahte gilt (1, 686). — γ ) nach schwachen subst.: bote-schaft Barl. 66. MS. 1, 119 a ; bluome-vaƷ Barl. 290; klobe-wurst MS. 2, 194 b ; hërze-leit, -liep, -sêr etc.; kone-schaft Wigal. kone-mâgen kl. 848. Bit. 123 b ; schade-haft Trist.; gesëlle-schaft Parc. 163 c 170 a ; seite-spil Wigal. — Ohne zweifel darf das e aber auch in allen fällen kurzer silben, wie es die umstände for- dern, wegfallen, d. h. bot-schaft, got-heit, gewon-heit, tag-weide sind erlaubt und Bon. 75, 33 heißt es bat-stube f. bade-stube. 2) ungleich häufiger mangelt der comp. vocal, so- wohl nach kurzen silben, wie eben gesagt wurde, als nach langen in der regel. α ) composita mit starken masc. und neutris: lant- volc, grunt-wal, schif-man, nît-spil, touf-napf, wîn- blat, volk-dëgen, stap-slinge Parc. 137 c , vogel-weide etc. β ) mit starken fem.: ërt-ber meist. Alex. 144 c ërt- gruft Nib. 1059. kl. 1009; wart-hûs Parc. 180 a etc. γ ) mit schwachen subst.: han-boum Parc. 46 c han- krât Tit., lintrache Nib. (s. lint-trache) tan-boum cod. III. substantivische eigentl. composition. pal. 361, 3 a ; ôr-rinc, ouc-salbe, die vermuthlich vor- kommen, weiß ich jetzt nicht zu belegen das wegwerfen des flexionsvocals verwandelt in den fällen β . γ . nach mhd. lautlehre die media in tenuis, vgl. ërde, ouge mit ërt-ber, ouc-salbe. . 3) das aus den bildungsvocalen i, u entspringende e ist mit dem compositions-e nicht zu verwechseln; bei- spiele: kinne-bein, netze-vogel, ende-haft, vihe-stërbe. Nach l und r schwindet auch dieses: her-zoge, mer- grieƷ. Substantiva vierter decl. zeigen selten solches e, doch vgl. briute-goume troj. 34 b . — Nhd. hören, seit verlängerung jener silben, welche den compositionsvocal noch zulängst bewahrten, die mei- sten fälle desselben auf, d. h. wir sagen nun glâs-korb, grâs-mücke, hôf-mann, gott-heit, râd-brechen, tâg-stern, wêg-steuer, gewôn-heit, bêt-haus, bôt-schaft, nâm-haft, schâd-haft, wie wir sagen: schiff-mann, wein-blatt, erd- bêre, gesell-schaft, lind-wurm, brunn-quell, bær-pfeife, grâf-schaft, herz-blût, woll-markt, ohr-ring. Gleich- wohl hat sich in einzelnen zusammensetzungen und gern nach mediis das e erhalten, z. B. rübe-sâmen, râde- macher, bâde-gast, bâde-magd, hunde-loch, pferde- fleisch, hâge-stolz, tâge-bûch, tâge-reise, reise-kleid, auch wohl in schweine-fleisch u. a. m., aber die verkürzung gilt daneben, rüb-sâme, schwein-fleisch, wie in bâd- stube, kalb-fleisch u. a. immer. Das ableitende e ist meistens untergegangen (kinn-bein, hirn-schâle, vieh- sterben), zuweilen dauert das e der vierten declination, z. B. mäuse-falle. läuse-kraut, und selbst verhärtetes i in nachti-gall und bräuti-gam. — Die vorgenommene historische erörterung des compo- sitionsvocals bestätigt (vgl. oben s. 411.) a) daß er im goth. fast überall, im nhd. fast nirgends anzutreffen sei, in den dazwischen liegenden mundarten mehr oder minder. Diese abstufung berechtigt anzuneh- men, daß er das wahre princip der eigentlichen substan- tivzusammensetzung, folglich in jeder, die ihn späterhin entbehrt, organischerweise vorauszusetzen ist. Unser heutiges schiff-mann, amt-haus muß daher auf ein goth. skipa-manna, andbahta-hûs zurückgeführt werden; beide formen, die anfängliche und entstellte, sind identisch. b) daß er sich von den flexionsvocalen ganz unter- scheide, denn III. substantivische eigentl. composition. α ) er schwindet nicht auf dieselbe weise, sondern früher; es heißt z. b. schon im ahd. himil-rîhhi, vokal- weida, mhd. himel-rîche, vogel-weide, da doch der dat. sg. ahd. himila, vokala, der gen. pl. himilô, vokalô, mhd. beide casus himele, vogele lauten. Erst das nhd. himmel-reich stimmt zu dem dat. sg. und gen. pl. him- mel. Im nhd. haften noch manche flexionsvocale, der der composition fehlt lange schon. β ) wenn ihm flexionsvocale in einzelnen dialecten zufällig gleichen, so braucht man nur die übrigen zu rathe zu ziehen, um die verschiedenheit beider fälle zu finden; z. b. im mhd. tage-stërne kann tage darum nicht dem gen. pl. tage identisch sein, weil das ahd. taka-stërno und goth. daga-staírnô die gen. pl. takô, dagê unberührt laßen. Und wer den dat. sg. darin sehen wollte, der freilich goth. daga, ahd. taka flectiert, würde durch das ags. widerlegt, wo der dat. däge, das compositum däg- stëorra (nicht däge-st.) lautet. Auch das altfränkische o statt a in dago-bërct, karloman schickt sich nicht zum dativ andere gründe gegen den dativ werden sich aus der be- deutung ergeben. . γ ) völlige überzeugung gewährt hierbei die compo- sition mit schwachen subst., deren oblique casus meistens n einschieben, folglich flexionen bekommen, die dem compositionsvocal und dessen wegfall gar nicht ähnlich sehen. Man halte das nhd. brunn-quell zur decl. von brunnen, das ahd. hërz-plîdi, ouc-fano zu der von hërza, ouka, das ags. hëort-hama zu der von hëorte. Im goth. würde áusa-hriggs von áusô abstehen. δ ) wäre die vermuthete, aber noch nicht überall er- forschte länge der flexionsvocale zur gewisheit gebracht, so müste sich der wahrscheinlich immer kurze composi- tionsvocal noch merklicher unterscheiden. Ist N.’s hello- vreisa eigentliche zus. setzung (= hella-vreisa)? oder un- eigentliche hellô-vreisa? c) daß der compos. vocal mit den ableitenden voca- len i und u nichts gemein habe, obschon beide auf sei- nen ausfall einwirken. Seine bestimmung ist, das erste mit dem zweiten worte zu verbinden, für diese idee gilt es gleichviel, ob das erste wort ein einfaches oder abgeleitetes und auf welche art abgeleitetes sei. In der III. substantivische eigentl. composition. ausführung wird aber die ableitung dem componierenden vocale hinderlich. So gilt bald himil-rîhhi statt himila- rîhhi. Bestand aber goth. himina-reiki, so muß auch theoretisch marja-sáivs, grundva-vaddjus angesetzt wer- den f. mari-sáivs, grundu-vaddjus. Beweis das ahd. ma- rëo-sêo. d) zweifel zwischen eigentlicher und uneigentlicher composition erwachsen, sobald eine zus. setzung nicht durch alle zeiten und mundarten verfolgt werden kann; hauptfälle: α ) wenn das des componierenden vocals entblößte wort auch der acc. sg. masc. neutr. starker subst. β ) wenn der haftende compositionsvocal ein gen. oder acc. sg. starker fem. oder ein gen. pl. aller geschl. sein dürfte. Die erörterung dieser fälle erfolgt erst, nachdem un- tersucht sein wird, ob und in wie fern die uneigentlichen compositionen statt finden. e) zweifel über die bedeutung des ersten worts kann eintreten, so oft sich ein starkes und schwaches subst. durch die eigentliche composition zufällig gleich werden, z. b. maga- im ahd. maga-zoho stammt von mag, magu (filius), in maga-piƷado von mago (stomachus, magen- reißen); das altn. eyr- könnte von eyr (aes) und eyra (auris) herrühren, aus welchem grund wahrscheinlich ge- mieden wird, mit eyr- (auri-) zu componieren. Allein solche zweideutigkeiten hebt gewöhnlich schon das zweite wort und noch sichrer der zusammenhang der rede; sie finden sich nicht weniger in andern sprachen, z. b. das lat. auri- darf zu auris (auri-scalpium) und aurum (auri- fur, auri-fodina) gehören. — Hiermit, glaube ich, ist das formelle gesetz der eigent- lichen zus. setzung erlediget und die folgende abhandlung kann, ohne rücksicht darauf, ob der compositionsvocal geblieben oder weggefallen, ob der ableitungsvocal stehe oder nicht, die begriffe und wichtigsten fälle der einzel- nen compositionen entwickeln. Substantiv mit substantiv. Der sinn dieser zusammensetzungen läßt sich auf drei ver- hältnisse des ersten zu dem zweiten wort zurückführen, 1) auf ein präpositionelles, 2) appositionelles, 3) casuelles, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. abgesehen von solchen, die ganz verdunkelt worden sind. I. präpositionenverhältnisse. Sehr viele, wo nicht die meisten substantivzusammensetzungen werden erklärt, wenn man sich eine praeposition zu dem ersten worte und dieses in dem davon abhängigen casus denkt. Da nun ursprüng- lich die präpositionen räumliche begriffe enthalten, kann man auch sagen, daß das erste wort den raum bestimmt, der dem zweiten zusteht, berg-schloß ist ein auf dem berge, luft-schloß ein in der luft erbautes. Das verbum mag, wie in den gegebnen beispielen, hinzugedacht wer- den, oder in der verbalen natur des zweiten wortes be- gründet sein, z. b. berg-sprung, luft-sprung, ein sprung vom berge und in der luft. Es können aber auch, wie die präposition selbst auf andere zustände, causal- und zeit- verhältnisse angewendet wird, composita im sinne dieser anwendungen stattfinden, z. b. geld-noth ist noth an gelde, hand-arbeit die mit der hand gemachte, morgen-stern der am morgen aufgehende. Weiter bemerke ich im allge- meinen folgendes. Die hauptpraepositionen zerfallen in zwei einander entgegengesetzte reihen, deren eine ich die positive nennen will, die andre die negative. Jene drückt für das verhältnis das bezeichnet werden soll, nähe oder näherung, diese ferne oder entfernung aus. Nun ist es einleuchtend, weil die composition eine verbindung und nicht trennung zweier begriffe enthält, daß sie vorzüg- lich durch die positiven praepositionen der nähe, selten durch die der näherung, noch seltner dnrch die der ent- fernung, nie durch die der wirklichen ferne erklärt wer- den könne. Aus diesem grund greifen die praepositio- nen aus, ab, von, (insofern sie die bereits vollendete trennung anzeigen) und ohne (welches nur gänzliche ent- äußerung bedeutet) nicht in den kreis unsrer untersu- chung. Uebrigens versteht es sich, daß durch die auflö- sung in praepositionenverhältnisse nur der begriff einer reihe von zusammensetzungen erörtert werden soll, nicht daß sie grade dieser auflösung völlig entsprechen, und überall damit verwechselt werden dürfen. Was hier sonst noch zu erläutern ist, kann erst am schluße bespro- chen werden. 1) [ruhiges in ] α ) raumverhältnis. goth. heiva-frauja ( οἰκοδεσπότης ) Marc. 14, 14; grundu-vaddjus (fundamentum). — ahd. chamar-ginôƷ (cubicularius) mons. 359. chamar-sidilo (sa- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. rabaita) jun. 260; ërth-bibunga (terrae motus) T. 217, 1; himil-rîhhi k. 18 a ; holz-muoja (lamia) doc. 219 b ; holz- tûba trev. 14 b ; hûs-kinôƷ jun. 202; cart-sanc (chorus) jun. 199. gart-brunno W. 4, 15; lant-sidilo gl. ker. 29; lëbar-lâgo (uterinus, qui jacet in utero) jun. 231; meri- crëoƷ (margarita) hrab. 955 a flor. 982 b meri-scala (con- cha) meri-gras (alga) meri-minni (siren); petti-strou flor. 983 a ; purc-liut hrab. 963 a 967 a ; scëph-sanc (celeuma, gesang im schiff) mons. 337. scëf-sausi (naufragus) hrab. 961 a ; stein-loh (spelunca) jun. 224. W. 2, 13; fëld-tenni (area) jun. 194; fenni-stat (palus) jun. 218; wald-fëld (campus saltus) N. 131, 6. walt-holz W. 2, 3; witu- hopfo oder -hopfa (upupa, im wald hüpfender vogel?) mons. 321. doc. 244 b jun. 268. trev. 14 b ; wôstan-sëthalo l. wuostun-sëdalo (solitarius) gl. ker. 199; hierher eine menge ahd. ortsnamen wie tala-hûs, walt-chirihha, wa- Ʒar-puruc etc. — alts. briost-githâht (cogitatio); himil- fader (vater im himmel); land-wîse (brauch im land); worold-cuning (rex terrae). — ags. cyric-sang (cantus in ecclesia); ëorð- bëofung (terrae motus) ëorð-cyning (rex terrae) ëorð-hûs (spelunca); gëofon-hûs (domus marina); grund-stânas (rudera) grund-vëall (fundamen- tum); hûs-cëorl (famulus domesticus, knecht im hause) hûs-vëard (paterfam.); land-folc (populares) land-hlâford (fundi dominus) land-sæta (colonus); mere-hengest (na- vis) mere-hûs (marina domus) mere-mën (siren); rand-beáh (umbo in clypeo); scip-here, scip-hlâford (gubernator); vä- ter-älfen (nympha aquae) väter-vëg (via aquosa); vudu- beám (arbor silvae) vudu-bucca (caper agrestis). — altn. gard-vördr (hortulanus); grund-völlr (fundam.); haf-srû, haf-gŷa (siren) haf-svëlgr (vortex); himin-bûar (coelites) himin-rîki; hûs-bôndi (herus) hûs-fadir (paterf.); iard- eldr (ignis subterraneus) iard-hûs (domus subt.) iard- skiâlsti (terrae motus); munn-vatn (saliva, waßer im mund); land-gudir (dii tutelares) land-þîng (forum generale); skip- hërra (nauclerus) skip-rûm (interscalmium); vid-biörn (ur- sus silvestris) aber veidi-hoppa, nicht vid-hoppa (upupa). — mhd. burc-grâve Parc. 84 a burc-mûs (urbanus mus) a. w. 3, 185; ërt-gruft klage 1009; grunt-veste Barl. grunt-wal Nib.; himel-rîche, himel-strâƷe MS. 2, 219 b ; holz-wëc Ulr. Trist. 1393; hûs-genôƷ; lant-vride Parc. 165 a ; mer-grieƷ (arena maris) Trist. 4670. mer-wîp Nib.; vëlt-mûs (ru- sticus mus) a. w. 3, 185. vëlt-strît Parc. 86 a ; walt-schrat (satyrus); wolken-riƷ Wilh. 2, 174 b . — nhd. aug-apfel; berg-höhle; blût-bâd; blût-taufe; burg-grâf; ei-dotter; III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. erd-apfel, erd-bêben, erd-feuer; feld-maus, feld-schlacht, feld-weg; fluß-gott; grund-birne; hâr-laus; haus-genoß, haus-herr, haus-knecht; herz-kummer; herze-leid; him- mel-reich; kammer-frau, kammer-herr; kæse-wurm; korn-blûme; land-grâf, land-recht; leib-weh; luft-schloß; luft-erscheinung; mâgen-wêh; mêr-gras, mêr-jungfer, mêr-linse; nuß-kern; rohr-busch; sê-bâd; schiff-junge; schûl-bank; stadt-maus; stein-höhle; stall-fütterung; wald- taube, wald-teufel; waßer-bau, waßer-jungfer, waßer- taufe (Graff p. 32. 51.) waßer-mann; zahn-lücke, zahn- schmerz etc. β ) zeitverhältnis; da sich die sprache hierzu der beiden praepositionen in und an bedient (Graff p. 24. 78), so ist es gleichgültig, ob man die composita mit jahr, sommer, winter, herbst, monat, tag, nacht, morgen, abend etc. durch die eine oder die andere erklärt. Ulf. gewährt nur zwei beispiele nahta-mats (coena) Marc. 6, 21. Luc. 14, 12. und in letzterer stelle auch undaúrni- mats (prandium) gehört das sonderbare gistra-dagis (cras) Matth. 6, 30 auch hierher? ist gistra-dags (es bedeute nun dies crastinus oder he- sternus) subst. mit subst. zusammengesetzt? . — ahd. âbant-cauma k. 43 b âbant- lob K. 35 a âbant-muos T. 239, 2. âbinte-stërro trev. 23 a âbint-stërro blas. 76 a ; herbist-ram (istrix, l. strix) trev. 14 b blas. 72 b (wo fälschlich hebistram) ein sonst auch naht-ram genannter vogel; jâr-marchat (nundinae); mâ- nôt-pluotara (menstrua) jun. 213; morgane-giba (donum matutinale) conventus ap. andelaum anni 587. bei Baluz 1, 14. morgan-gëba lex ripuar. 37. alam 56, 2. morgan- lob K. 30 a 31 b ; nahta-gala (luscinia) naht-ram (noctua, nycticorax) mons. 349. 412. N. 101, 6. naht-sangara (de- gallinatio? unverständlich) zwetl. 119 a naht-wahha mons. 358. K. 34 b ; sumar-lota (virgulta, l. virgula) hrab. 976 b jun. 242 sumar-lata (pampinus) mons. 407. 412, reb- schößlinge, die im sommer treiben; taga-muos (pran- dium) T. 110. taga-scalc (operarius diurnus) taga-stërno (lucifer). — ags. æfen-dreám, æfen-sang (cantus vesper- tinus) æfen-gerëord (coena) æfen-gloma, æfen-scîma (crepusculum) æfenstëorra, æfen-tungel (hesperus); däg- lëoð (diurna cantio) däg-rim (aurora) däg-stëorra (luci- fer) däg-vëorc (pensum) däg-vëard (vigil); gëar-cyning (consul, der im jahr regiert); härfest-væta (autumni hu- miditas); morgen-gifu, morgen-spæce (postridianum con- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. cilium) morgen-stëorra; mônað-âdl (morbus menstrualis) mônað-blôd (menstrua); nihte-gale (lusc.) niht-genga (noctivagus) niht-hräfn, -hrämn (nycticorax) niht-rest (quies nocturna) niht-sang (completorium); sumor-seld (aula aestiva); uht-gebëd (preces matutinae) uht-sang (cantus antelucanus) uht-þênung (servitium matut.); un- dërn-gerëord, undërn-mete (prandium) undërn-sang (tertianus cantus); vinter-burna (torrens hiemalis) vin- ter-feld (mansio hiberna); vuc-þên (servus hebdomada- rius) vuc-þênung (servitium hebd.) — altn. âr-galli (de- fectus annonae) âr-gœdska (ubertas annonae); dag-blinda (nyctalopia) dag-ferd (iter unius diei) dag-stiarna (luci- fer) dag-vërdr (prandium); haust-annir (opera autumna- lia) haust-bod (convivium aut.) haust-vëdr (autumnitas); morgun-dagr (dies crastinus) morgun-giöf (donum nup- tiale) morgun-rodi (aurora mat.) morgun-stiarna; nâtt- bôl (hospitium noct.) nâtt-blinda (hemeralopia) nâtt- dögg, nâtt-fall (roratio nocturna) nâtt-far (iter nocturn.) nâtt-hrafn (nycticorax) nâtt-vërdr (coena); qvöld-rida (lamia, die nachts ausfährt) qvöld-rodi (aurora vesper- tina) qvöld-stiarna (hesperus) qvöld-vaka (vigilia); sumar- blettr (ephelis) sumar-giöf (munus aestivum); vëtur-lidi (ursus, winterschläfer) vëtur-sëta (hiematio). — mhd. âbent-mærlîn (narratiuncula vespertina) fragm. 21 a ; mor- gen-huote (custodia mat.) morgen-sprâche (colloquium mat.) morgen-stërne; nahte-gal, naht-gengel (noctivagus) naht-selde Nib. naht-var (lamia) Wilh. 1, 82 a ; sumer-late troj. 3061. MS. 2, 61 a 1, 124 b sumer-töckel MS. 2, 67 a su- mer-töcken 2, 59 b ; tage-dinc, tage-liet, tage-vart, tage- weide, tage-worhte (operarius diurnus) Oberl. 1620, — nhd. âbend-dämmerung, âbend-mâl, âbend-lied, âbend- roth, âbend-sonne; herbst-blûme, herbst-ernte; jahr-markt; johannis-wurm; morgen-gâbe, morgen-lied, morgen-sonne, morgen-stern, morgen-thau; nacht-herberg, nacht-kleid, nacht-thau; sommer-fleck, sommer-korn, sommer-haus, sommer-sproße, sommer-vôgel; tâg-lied, tâg-stern, tâg- lohn; winter-butz (larva hiemalis) Oberl. 2041. winter- freuden, winter-garten, winter-rock, winter-sât etc. γ ) durch ein in für umstände, zustände und cau- salverhältnisse auflösbare composita scheint die alte sprache noch nicht zu kennen. Erst aus dem nhd. weiß ich beispiele zu geben: angst-schrei (schrei in der angst); bann-forst; blût-zeuge; gleichnis-rêde; gewalt-thât (Graff p. 36.); holz-bedeckung (Graff p. 38.); noth-rûf, nôt- schrei; rætsel-sprâche. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 2) [bewegendes in ] nur wenige beispiele, darunter aber schon alte; bei allen ist im zweiten wort der verbalbegriff deutlich rege, auch beziehen sich alle auf das reine raumverhältnis: ahd. ôr-kirûno (der ins ohr flüstert) jun. 196. mons. 328.; petti-riso (der ins bett gefallen, aufs krankenlager ge- worfen worden ist) O. III. 14, 132. V. 16, 80. — altn. hel-för (fahrt in den tod); sôl-skrîckja (alauda, die in die sonne schmetternde). — mhd. bette-rise Parc. 122 a ; hant-gist (was in die hand gegeben wird) troj. 82 b ; helle-val (fall in die h.) Gotfr. minnel. 2, 47. helle-vart Parc. 112 b ; sëgel-wint (der in die segel bläst) MS. 2, 220 a Wilh. 2, 203 a (wonach wohl Parc. 179 b sëgels luft zu ändern in sëgel-luft?) vgl. unten anm. b.; walt-reise Nib. Barl.; — nhd. feld-zûg; grâb-lêgung; hand-geld; himmel-fahrt (höllen-f. statt hölle-f. ist fehlerhaft); kirch- gang; thier-verwandlung. — 3) [bewegendes aus ]. α ) raumverhältnis: hier sind viele composita denk- bar, deren zweites wort den begriff von fallen, springen, fließen, gießen, strömen, schöpfen u. a. enthält, oder wo ein solches verbum hinzugedacht werden muß. Anzu- führen weiß ich nur das ahd. himil-rinna (cataracta) jun. 192. 198. und himil-brôt (manna) N. 77, 24. (panis coeli). Mhd. donre-strâle (strahl der aus dem donner fährt) Barl.; himel-brôt, himel-tou (brot, thau, die aus dem him- mel fallen) schûr-stein (donnerkeil) Bit. 105 a . Nhd. bauch- stimme, berg-sprung, donner-keil, fels-sprung, fenster-sprung, himmel-rêgen, mond-stein, stern-schnupfe und wohl noch andere ist das ags. sun-beám ebenso zu nehmen: von der sonne aus- gehender strahl? aber die hochd. sprache componiert hier unei- gentlich sonnen-strahl, wie altn. sôlar-geisli. . Einerlei ist es, ihnen die praep. aus oder von unterzuschieben; die alte sprache gebrauchte noch gern ar (ex) gegenüber dem positiven in , wo aber positives an steht, kann auch negatives von gelten. Bei einigen vorhin unter das ruhige in gerechneten läßt sich auch die bewegung aus denken, namentlich könnte meri- grieƷ etc. die aus dem meer gefischte perle bedeuten? β ) verhältnis des stoffs , aus dem etwas gemacht, gewirkt ist, wobei wiederum die praepositionen aus und von abwechseln (Graff p. 65. 230). Goth. eisarna-bandi (vinculum ferreum); ahd. êr-faƷ (aeramentum) jun. 248. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. T. 84; fëder-bette N. glase-vaƷ W. 8, 6; ags. gold-fät; îren-bend; altn. gull-men (torques aureus); iarn-spadi (ligo ferreus) iarn-völr (baculus ferr.); mhd. golt-faƷ Parc. 57 a ; hëlfen-bein Parc. 56 a ; nhd. eisen-stange; fêder- bett; gold-schnalle; lêder-schuh; stahl-dêgen; stein-haus und viele ähnliche, die erst später häufig geworden sind. Denn die alte sprache bedient sich lieber des materiellen adj. (oben s. 176 — 179.); sie zieht z. b. þaúrneina vipja Ulf. Marc. 15, 17. þaúrneins váips Joh. 19, 5. thurnînêr ring O. IV. 22, 42. durnînu corona W. 3, 11. etc. dem compositum vor. 4) [ruhiges an ] α ) raumverhältnis , goth. figgra-gulþ (ring am fin- ger); fôtu-bandi (seßel am fuß); vielleicht viga-deina oder deinô (tribulus, weg-distel) Matth. 7, 16, dessen zweites wort unbekannt ist. Ahd. ahsal-pein (humerale) ker. 119; chinni- pahho, chinni-pein (maxilla); ërd-hewe (foenum terrae) N. 71, 16. ërd-marcha hrab. 963 b ërd-ring O. I. 1, 189. N. 97, 9. ërd-waso J. 367; fuoƷ-suht (podagra); grasa-wurm (eruca) zwetl. 120 b ; hals-pouc (torques) jun. 190; helli- porta, helli-tur; himil-zeihhan hymn. 948. himil-zunkal (sidus) hrab. 974 b ; hofa-man (aulicus) hofa-stat flor. 984 a ; hosa-nestila mons. 319; lant-marcha hrab. 963 b ; muole- stein trev. 61 b ; ôr-rinc (inauris) mons. 332. 348; burg- wahtel (excubitor) W. 3, 1; rëpa-plat (folium vitis) flor. 985 b ; sant-wërf (syrtes) hrab. 974 b (wo fehlerhaft sentis) ker. 142. 247; spëra-scaft hrab. 972 a ; strâƷ-puruc (ar- gentoratum); wëge-breita (plantago) trev. 18 a . — ags. eár-hring (inauris) eár-loccas (antiae); ëarm-beág (ar- milla) ëarm-scanca (os brachii); ëorð-rest (cubatio humi) ëorð-vëall (agger); fôt-âdl (podagra) fôt-cosp (pedica); hëals-mene (monile); hëofon-tungel (sidus); land-sæta (colonus); sand-gevëorp (syrtes); streám-vëall (ripa); vëg-bræde (plantago) vëg-färeld (iter). — altn. arm- band, arm-spöng (armilla); fôt-lëggr (tibia); gras-lidr (geniculum, culmus); hals-bein (claviculae) hals-kedia (monile); hiâlm-fiödr (crista galeae); hiarn-skal (cranium); himin-teikn (prodigium coeleste) himin-tûngl (astra); iard-vëgr (crusta-soli); land-seti (praedii conductor); sand- eyri (sabuletum); vëg-ferd (iter). — mhd. ahsel-bein troj. 23 b ; hëlm-vaƷ Nib.; himel-wagen troj. 139 b hirne- schal troj. 30 b ; kinne- bein Wigal.; klobe-wurst MS. 2, 194 b ; mül-stein troj. 46 c ; ort-stein meist. Alex. 144 a ; rîn- vranken (franci rhenani) kl. 281; schilt-rieme, -vëƷƷel; III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. spër-lachen Trist. Vrîb. spër-zeichen (vexillum) jun. 299; stein-want kl. 4386; wâc-sant cod. pal. 361, 73 b ; zëlt- stange a. Tit. 149. — nhd. alp-rôse; arm-band; berg- kräuter, berg-haus; blatt-laus; erd-nähe; fûß-eisen; gras- bank; hals-band; hirn-schâle; mühl-stein; ohr-ring, ohr- läppchen; rhein-wein; sand-bank; stirn-bein; schwert- knopf; thür-angel; zahn-fleisch etc. — β ) zeitverhältnis; beispiele vorhin s. 429. beim in angegeben. — γ ) an bei umständen, zuständen etc. auch hier erst nhd. beispiele: geld-noth, geld-mangel, geld-klemme, land-verlust, waßer-noth, waßer-mangel = mangel an geld und waßer (versch. von dem uneigentl. comp. waßers-noth, d. h. gefahr, die übertretendes waßer bringt). — 5) [bewegendes an ] ahd. hals-slac (colaphus); ôr-slac (alapa) mons. 409; së- dal-ganc (occasus solis, wann sie zur ruhe, in ihre woh- nung geht) hrab. 967 b K. 24 a N. 49, 1. — ags. hâm-fä- reld (domuitio); hand-sylen (traditio in manum, an hand gebung); sëtel-gang. Im altfries. häufig gers-fall, was an die erde, zu boden, aufs gras fällt. — altn. ham-hleypa (lamia, quae in varias formas se mutat); heim-bod (invita- tio ad epulas) heim-fŷsi (nostalgia) heim-för (reditus) heim- koma (idem); land-gângr (exscensio, an land gehung. — mhd. mûl-slac Parc. 87 b wofür auch mûl-streich vor- kommt. — nhd. heim-gang, -fahrt, -kunft; maul-schlag. maul-schelle; ohr-schlag, ohr-feige; stuhl-gang (gang auf den stuhl, hernach mit euphemismus excrement). — In allen beispielen ist der verbalbegriff des zweiten worts unverkennbar oder ein ausgelaßenes verbum naheliegend, z. b. maulschelle ein ans maul schallender schlag oder ein ans maul fahrender und schallender. Man kann aber auch durch andere praep. erklären, z. b. durch in, auf, zu; das ags. sëtel-gang, weil es heißt ëode tô sëtle bezieht sich lieber auf zu. Bei heim darf das adverbium oder der bloße acc. (domum) angenommen werden und dann wären es gar keine eigentl. composita. — 6) [bewegendes von , ab ,] auch hier berühren sich die beispiele mit den beim aus gegebenen. α ) raumverhältnis , nhd. dach-traufe (stillicidium); erd-ferne; alp-luft, berg-luft, see-luft, die vom berge, meere her weht (kann aber auch die auf dem b. oder m. E e III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. wehende bedeuten; zuweilen ist das zweite wort mit der praep. selbst componiert, z. b. kreuz-abnahme und so dürfte auch im rechten zusammenhang weg-abführung und dgl. gesagt werden. β ) stoffverhältnis , s. vorhin s. 431. — 7) [ruhiges auf ] die heutige praep. auf ist eine urspr. conjunction, die mit den praep. in und an verbunden den begriff der oberfläche hervorhebt (Graff p. 170.). Es werden daher von den bei in und an unter 1 und 4. an- geführten beispielen einige hierher passen, wie von den jetzt anzuführenden einige dorthin. Hauptsächlich sind es zus. gesetzte thiernamen, deren erstes wort den auf- enthaltsort bestimmt. Ahd. distila-vincho (carduelis) wo- für gl. sgall. 203. zuistila-vinco, distil-vinko trev. 15 a ; fuoƷ- gengil (pedes); hewi-scrëcki (locusta) T. 10, 1. hou-scrë- chil lindenbr. 996 b houwi-stapho mons. 335. hoi-staffel N. 104, 35. houwe-spranca jun. 270; in hawi-grimmila (ophiomachus) mons. 412. ist mir mit dem zweiten wort auch das erste dunkel; îs-vogel trev. 15 a ; mato-scrëcche (locusta) N. 108, 23; mist-bëlla (lycisca) lindenbr. 966. trev. 12 a blas. 66 b das auf dem mist bellende thier, wird von einer art bauerhunde und vom murmelthier ge- braucht (Oberl. 1055.), mistbellisch und hündisch sind sy- nonym, übrigens liest die handschrift der gl. lind. wirk- lich onstbella oder kann so gelesen werden, da das an- fangs- mi täuschend wie on aussieht, entscheidend hier- für hat gl. ker. 262. onstun (sterquilinium) f. mistun = mi- stunnëa (s. 318.); pirih-huon trev. 15 a ; puoh-spëht trev. 14 b und manche ähnliche thierbenennungen. — alts. knëo- bëda (gebet auf gebognen knien). — ags. gärs-hoppa, gärs-stapa (locusta); þistel-tvîge (carduelis avis) steht zwar bei Lye, doch verstehe ich hier tvige nicht. — altn. engi-sprëtta (locusta); fiall-drapi (betula agrestis) fiall-bûi (monticola); gras-hoppa (cicada). — mhd. distel-vinke; hœi-staffel Barl. -stueffel (mit dem ablaut von nr. 76.) Bon.; hove-bëlle (homo in aula latraus, hosschwätzer, müßiggänger) MS. 1, 132 a kamer-bëlle (virgo cubicularia, die in der kammer plaudert) fragm. 41 b . — nhd. berg- predigt; dach-fahne, dach-stroh; eis-bär; grâb-schrift, grâb-stein; heu-schrecke; seil-tänzer; schulter-träger; schôß-kind; thurm-wächter und außerdem thier- und pflanzennamen, (bûch-fink, distel-fink etc.) besonders der volksmundarten, z. b. in der bairischen heißt das huhn mist-kratzerl. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 8) [bewegendes auf ] ahd. mhd. vuoƷ-val, nhd. sûß- fall, altn. knê-fall; ebenso würde zu nehmen sein hrucki- val, das ich ahd. nicht belegen kann, aber N. hat rucke- sturzo (diabolus, sonst nider-riso, der auf den rücken stür- zende), rucki-chêro (tergiversator) mons. 408. scheint bloß accusativisch, altn. bak-fall (lumbare, auf den rücken fal- lendes gewand), im nhd. rück-fall ist rück schon partikel- haft; die lex alam. 65, 31. bestimmt eine verwundung des knies danach, ob der gelähmte mit dem fuß noch an das bethaute gras streifen könne, das hieß tou-tregil, bis an den thau ruhrend, schleppend? — vgl. mhd. acker- ganc troj. 71 c weide-ganc Parc. 29 a . — 9) [ zu ] diese praeposition kann im reinen raumverhäl- nisse bei verschiednen zusammensetzungen an die stelle des bewegenden in , an , auf gedacht werden, z. b. kirch- gang auch ein gang zur kirche sein. Ebenso vertritt sie ruhiges in , bei , z. b. haus-andacht, haus-gottesdienst. Im ags. heißt hand-prëost, hand-þëgen ein priester, diener, der zur hand ist (ahd. aƷ henti, bei der hand, praesto, Graff p. 94.). Ungleich häufiger erläutert aber ihr causa- ler gebrauch (Graff p. 259.) das verhältnis der bestimmung und des nutzens, worin das erste wort zu dem zweiten steht. Das zweite pflegt dann ein geräth, einen behäl- ter, ein kleidungsstück, nahrungsmittel u. a. m. auszu- drücken. Man kann auch causales für dabei annehmen (Graff p. 146.). α ) beispiele von geräthschaft: goth. hunsla-staþs (al- tare) fotu-baúrd (fuß-schemel) lukarna-staþa (candelabrum) mati-balgs (pera) stáua-stôls (tribunal); ahd. lid-faƷ jun. 218. salp-faƷ hrab. 954 a T. 138. lioht-faƷ hymn. 948. pëor-faƷ hrab. 957 b wîn-faƷ hrab. 958 a poah-faƷ (biblio- theca) ker. 44. lëoht-kar hymn. 949. rouh-kar jun. 229. lîh-kar jun. 211. teiga-troug hrab. 961 b scaz-sung jun. 213. chandal-stap jun. 194. satal-giziugi mons. 399. maƷ-sahs (eß-messer) sgall. 199. mist-gabala sgall. 199. wunschili- garta (caduceus) jun. 383. und so durch alle dialecte eine menge von wörtern. Hier noch einige aus dem nhd.: bier-faß, rauch-faß, wein-faß, leich-korb (provinziell f. sarg) licht-korb, teig-trôg, feuer-eimer, feuer-leiter, geld- beutel, öhl-flasche, tauf-napf, eßig-krug, mist-gabel, mehl- sack, wünschel-ruthe, hand-feile etc. β ) von behältern: ahd. cast-hûs (diversorium) ker. 268. jun. 201. 202. hrab. 959 b fogal-hûs zwetl. 114 a chorn- hûs (horreum) ker. 27. chorn-stadal mons. 393. buoh-cha- E e 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. mara zwetl. 112 b , vgl. die ags. -ern (s. 338.). Nhd. gast- haus, vogel-haus, vogel-bauer etc. γ ) von kleid und tuch: ahd. hant-fano sgall. 203. panch-lahhan jun. 226. wind-lahhan ker. 92. sueiƷ-lahhan (sudarium) T. 220, 4. ahsal-kiwât jun. 226. houpit-pant hrab. 969 a wîc-garawi mons. 363. — nhd. hand-tuch, schweiß-tuch, haupt-binde, achsel-binde u. a. m. Hierher können auch einzelne von den unter 4, α angeführten gerechnet werden, z. b. arm-band ist sowohl band an dem arm, als für den arm. δ ) von speisen , getränken , arzneien: ahd. lîp-nara (victus) jun. 238. T. 118. meƷi-môs (dapes) ker. 87; nhd. leib-speise, schlâf-trunk, schlâg-balsam, mâgen-tropfen, brust-thee. ε ) noch andere verhältnisse: ôr-vinger trev. 9 a snita- zît (tempus putationis) jun. 187; altn. svëfn-þorn (acus soporifera) etc. die franz. sprache umschreibt die von α — verzeichneten composita, wenn sie keine einfachen wörter dafür hat, mit der praep. à (lat. ad) z. b. tonneau à vin, fourche à fumier, panier à chandelle, echelle à feu, grange aux bleds, pot aux fleurs, flâcon à Phuile, lime à main; bisweilen stehet pour . . — 10) [ bei ] berührt sich mit den räumlichen begriffen an , um , neben und kann gleich ihnen für einzelne zus. setzungen gedacht werden, z. b. kirch-hof, haus-garten, weg-breite (plantago); schild-wache (mhd. schilt-wahte Nib.) ist die wache bei dem aufgehangnen schild, der grabwächter wacht bei dem grab; altn. baug-eiðr bedeutet einen bei dem heiligen ring geschwornen (man sagte schwö- ren in , aƷ , pî , durah , Graff p. 56. 94. 108. 205, altn. vinna eið at baugi). Im zeitverhältnis wechselt es mit in , an , z. b. nacht-arbeit, tage-werk. Ist regen-wurm, regen-bogen (ahd. rëgan-pogo) der beim regen, während es regnet, oder nach dem regen erscheinende? 11) [ über , unter ] hiervon kommen wenige beispiele vor, bett-decke kann sowohl durch auf und bettvorhang durch vor erklärt werden, als durch über; ërd-fiur mons. 360. ërd-prust (vorago terrae) mons. 328. 332. nhd. erd- feuer, dach-kammer erläutern sich durch unter wie durch in . Das altn. iarð-fiúk bedeutet ein über die erde hin stürmendes schneegestöber. Einige bei 7. angeführte thiernamen (houwi-scrëcchi, mato-scrëcchi) dürfen auch III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. bedeuten: das über das heu, über die wiese springende thier, ahsal-giwât das gewand über die achsel; vihu- stërbo, vieh-seuche die seuche unter dem vieh? 12) [ vor , nach ] räumliches vor drücken aus: ahd. heri-zoho, ags. here-toga, der vor dem heer zieht, desgl. alts. folktogo, ags. folc-toga; goth. daúra-vards, ahd. turi- wart, der vor der thür steht, welches aber auch an der thür bedeuten kann; ebenso die nhd. ôfen-schirm, rêgen- schirm. Räumliches nach (hinter) ahd. fuoƷ-fendo (ags. feða) T. 79. der dem fuß des herrn nachtretende knecht (pedisequus) altn. fôt-spor (vestigium) ags. fôt-læst, nhd. fuß-stapfe; ahd. wagan-leisa oder -leisan (orbita) nhd. wâgen-leise, die hinter dem wagen zurückbleibt, altn. vagn-slôd; richtung nach enthält ahd. sunna-huirpila (sol- sequium) sunne-wirpila wirceb. 980. lindenbr. 1001 a (wo die hs. sunne-wirbel, nicht sonnenwirbel hat) von huërpan (sich kehren, drehen, wenden). Bedeutet schlâf-trunk einen vor dem schlaf genommenen oder für den schlaf? 13) [ durch , um , neben ] einige bei in und an aufge- zählte composita fallen auch hierher, z. b. land-fahrt, land-reise (durch das land); arm-band; arm-gürtel, leib- gürtel, feld-zaun, haus-mauer (um den arm, leib, das feld und haus) luft-flug, waßer-gang, wolken-fahrt (durch die luft, das waßer, die wolke) kêgel-schnitt (sectio co- nica). Causales durch (Graff p. 206.) könnte in den com- positionen angenommen werden, welche causales mit er- klärt, z. b. im mhd. hant-getât, nhd. feuer-prôbe, waßer- taufe. 14) [ mit ] die sinnliche bedeutung von mit (zusammen) herrscht wohl in wenigen compositis, doch ließe sich he- ri-zoho für einen nehmen, der mit dem heer auszieht, huor-winiscaft (vita meritricia) N. 70, 7. für den umgang mit huren und aus dem adj. tiuvol-winnîc (daemoniacus) mons. 391. ein subst. tiuvol-giwin folgern, vgl. O. III. 14, 124. Unter raub-mord versteht man einen zugleich mit raub voll- führten mord, unter dienst-ehre (N. ambaht-êra) die mit dem dienst verbundne, ihn begleitende. Unter baug-reid altn. den ritt, wobei ein beringter spieß auf dem pferde liegt (Gulaþîngsl. p. 412. 413.), also der ritt mit dem ring. Desto häufiger gilt das causale mit, von mittel und zu- stand (Graff p. 114. 121.). α ) im zweiten wort ist die handlung, im ersten das, womit sie verrichtet wird, enthalten: goth. handu-vaúrstv, das ich bloß aus handu-vaúrhts folgere; ahd. hant-grif III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (pugillus) J. 367. hant-slac (alapa) T. 187, 4. hant-slagôd (plausus); ags. hand-grið (pax manu data) hand-gescëaft (creatura) hand-gevrit (manu scriptum) hand-vëorc (ma- nusactura), gehört dahin auch list-fanc (argumentum) jun. 194, wodurch man künstlich gefangen wird? altn. fôt- gânga (iter pedestre); hand-vërk (opisicium) hand-sal (stipulatio manu facta); stein-kast (jactus lapidis); spiôt- kast (jactus teli); mhd. hant-getât (creatura) hant-spil Trist.; vûst-slac (alapa) desgl. dûm-slac. — nhd. beil- hieb; faust-kampf, faust-schlag; finger-zeig (mhd. kenne ich bloß das verb. vingerzeigen); flügel-schlâg; fuß-tritt; hand-schrift, hand-schlâg, hand-werk; messer-schnitt, messer-stich; nâdel-stich; pfleil-schuß; spêr-wurf; schwert- streich; stein-wurf; stock-schlâg etc. In diesen zusam- mensetzungen allen ist der verbalbegriff des zweiten wor- tes unverkennbar. β ) das zweite wort drückt eine sache aus, die das erste näher bestimmt, hier muß das verbum meist hin- zugedacht werden, ahd. sali-hûs gl. ker. 8. (worin oder wobei sich ein saal befindet); mhd. strô-sack MS. 2, 108 b (mit stroh gefüllt); nhd. fêder-hût (gefüttert mit f.) pelz- rock; grâs-hügel (bewachsen mit gras); leim-ruthe (be- strichen mit l.); schild-kröte (gedeckt mit sch.); finger- handschuh (verschen mit f.) beide fälle umschreiben die Franzosen mit à (d. h. avec = lat. ab, verschieden von dem s. 4. angeführten à = lat. ad) oder de : combat à coups de poing, chapeau à plumet, gant à doigts, panier à anse, coup de pied, de bâton, de couteau, jet de pierre, pluie de feu etc. . — anmerkungen zu der praepositionellen composition des subst. mit subst. a) der versuch, zusammensetzungen aus praepositions- verhältnissen zu deuten, ist nicht so anzusehen, als ob jene in der that aus diesen entsprungen oder ihnen in der bedeutung völlig gleich wären. Daß letzteres gar nicht der fall sei, ergibt sich schon bei geringer auf- merksamkeit. Ein haushund, bûchfink, morgenlied sind keineswegs einerlei mit einem hund im hause, einem finken auf der buche, einem lied am morgen, denn es könnte auch ein jagdhund im hause sein, ein distelfink auf die buche fliegen, ein abendlied morgens gesungen werden. Umgekehrt hört der haushund nicht gleich auf ein solcher zu sein, wenn er sich aus dem hause verlauft. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Die composition drückt also ein innigeres band aus, als der praepositionsfall, das bleibende, natürliche, gewöhn- liche, nicht das vorübergehende, einmalige. Daher auch die viel bestimmteren präpositionellen begriffe nicht je- derzeit in compositionen übertragbar sind, z. b. in den redensarten: der sperling auf dem dach, der hahn im korb wäre es übel angebracht zu sagen: der dachsper- ling, der korbhahn. b) ein und dasselbe compositum kann darum einen mehrseitigen, ja außer dem zusammenhang unsichern sinn haben. Haushund bezeichnet den in oder vor dem hause liegenden, oder auch nur den dazu gehörigen, da- für angeschafften hund; neßelraupe nicht allein die auf dieser pflanze wohnende, sondern auch die sich davon nährende raupe. Dem zusammenhang bleibt es vorbe- halten zu bestimmen, ob unter handschlag ein schlag an die hand oder mit der hand, unter bettsprung ein sprung in das bett oder aus dem bett gemeint sei, ob sëgelwint (oben s. 432.) das lebendige: wind in die segel, oder das abstracte: wind für die segel bedeute (letzteres bestärkt die beifügung des adj. guot troj. 131 b 142 a und das pa- rallele sëgel-wëter Parc. 182 c ). c) in vielen fällen mag die zus. setzung ganz mit dem praepositionsausdruck übereintreffen, z. b. es ist gleichviel gesagt sunnûn sëdalganc (solis occasus) oder diu sunnâ gât in sëdal (sol occidit). Insgemein scheint die bedeutung bestimmter, wenn das zweite wort sinn- lich verbal ist, z. b. bei handarbeit, schwerthieb besinnt man sich der redensarten mit der hand arbeiten, mit dem schw. hauen, wogegen es bei thalweg an sich un- gewis bleibt, ob der weg durch das thal laufe oder an dem thal her führe. Bergwege pflegt man zu nennen, die über die gebirge ziehen, bergstraße in der pfalz heißt, die an den bergen hin geht. d) einigemahl steht auch die erläuternde praeposition als bloße partikel vor dem zweiten (verbalen) wort, z. b. in kreuz-abnahme, haus-einbruch, kegel-durchschnitt, wovon mehr §. 4. II. appositionelle verhältnisse. Viele composita fügen sich theils gar nicht, theils nur gezwungen in die er- klärung durch praepositionen; die begriffe ihrer beiden III. subst. eigentl. comp. — subst. mit comp. wörter scheinen bloß neben einander gestellt und etwa durch ausgelassene conjunctionen in verbindung gebracht. Ich sondere hier folgende einzelne fälle: 1) [ vergleichung ], diese deutung ist vornämlich auf adjectivische zus. setzung anwendbar und findet bei sub- stantivischer selten statt. Das erste wort enthält die sache, der das zweite gleicht. Ahd. golt-vincho (aurivittis) der vogel, dessen gefieder wie gold glänzt; sun-chëver (bru- chus) N. 104, 34. der käfer, mit leuchtenden flügeln (oder der in der sonnenwärme hervorkommt?). Nhd. laub-frosch (grün, wie laub); bîsam-käfer (wie bisam riechend); staub-rêgen (fein wie st.); mann-weib (wie ein mann); feuer-kopf (roth, hitzig wie feuer). Doch berühren sich hiermit uneigentliche composita, wie hunds- auge ( κυνὸς ὄμματ᾽ ἔχων ) schâfs-kopf (kopf von einem sch.) und altn. bedeutet dûna-logn federstille, wann sich in der lust keine flocke regt, aber dûna ist gen. pl. 2) [ species und genus ] in thier-, pflanzen- und steinnamen erscheinen oft zwei verwandte wörter neben- einander, das erste gibt die art zu dem geschlecht an. Ahd. hint-chalp (hinnulus) nhd. rêh-kalb, rêh-kûh, hirsch-kûh; ahd. stuot-hros, stuot-ros trev. 11 b ags. stôd- hors, stôd-myre, altn. stôd-hroß, nhd. mutter-pferd; mhd. ëber-swîn Nib. troj. 46 a , vgl. das alts. kô-swîn in der freckenh. urk.; nhd. rêh-thier, gems-thier, maul- thier, rêh-bock, schâf-bock, rind-vieh, schâf-vieh; wal- fisc jun. 277. nhd. wall-fisch. Eine menge zusammen- setzungen mit -baum, -beere, -gras, -kraut, -lauch, -wurz, -kohl, z. b. goth. veina-triu, alêva-bagms, ahd. oli-poum, nhd. apfel-baum etc. Beispiele aus dem erd- reich: ahd. vlins-stein, nhd. kiesel-stein (ags. cëosol-stân und sand-cëosol, sabulum) etc. man kann hierher auch viele composita mit strom und fluß zählen, z. b. meri-strôm, aha-strôm, rîn-strôm, elb-strôm; vgl. hernach 4, α . . Nun ließen sich zwar einige solcher wörter präpositionell faßen, z. b. hintkalb wäre das von der hindin geborne, apfelbaum der mit äpfeln behangne baum. Die deutung scheint mir aber falsch, theils weil sie bei den wenigsten zutrifft, theils weil bei den baumnamen das erste wort eben nicht die frucht ausdrückt. Die frucht des veinatriu heißt veina- basi, des eichbaums eichel, jene ansicht forderte also vei- nabasitriu, eichelbaum. Ueberhaupt mag in diesen com- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. positis das erste wort den hauptbegriff einschließen, das zweite bloß eine fehlende oder undeutliche ableitung er- setzen. Jenes ist das individuelle, dieses zeigt das allge- meine an. Früher kommen dergleichen wörter, wenn sie einheimische erzeugnisse ausdrücken, auch lieber un- zusammengesetzt vor, z. b. ahd. eih (quercus) puohha (fagus) vlins (silex) hrab. 962 b , folglich enthalten sie nicht in jenen zusammensetzungen das bestimmende, wie es in praepositionellen das erste wort enthielt. Man sagte erst hual, altn. hvalr (balaena) und fügte, als es vielleicht un- deutlich oder zweideutig zu werden anfieng, das kennzei- chen des ganzen geschlechts hinzu (wal-fisc, hval-fiskr). Diese composita, insofern auf ihrem ersten worte die hauptbedeutung ruht, gleichen den ableitungen, bei wel- chen allen die voran stehende wurzel den hauptsinn, das hinzugefügte eine bloße modification desselben gewährt. Daher es nicht befremden darf, daß die verdunkelung des zweiten worts in aphal-tera, hiofal-tera etc. beinahe derivativisch scheint (s. 122. 134.). 3) [ besonderes und allgemeines bei abstracten begrif- fen]. Noch mehr zeigt sich eine solche berührung mit derivatis, wenn das zweite wort der composition die an sich leere idee von status, classis, indoles u. dgl. enthält, welche durch das erste wort ausgefüllt werden muß. Hierher gehören alle zusammensetzungen mit ahd. -chunni, -heit, -leih, -scaf, -tuom, mit ags. -cyn, -dôm, -hâd, -lâc, -ræden, -scipe, mit nhd. -art, -heit, -schaft, thûm etc. Auch hier stehen beide wörter appositionell aneinander, z. b. ahd. fogal-chunni (genus avis) dëgan- heit (status servitii) wëtar-leih (tempestas) friunt-scaf (ami- citia) êwart-tuom (sacerdotium, status sacerdotis); das erste wort läßt sich durch kein präpositionsverhältnis erklären, eher durch einen genitiv, wie die lat. übersetzungen zei- gen und übergänge in die uneigentliche composition dem- nächst bestätigen werden; wir sagen zwar heutzutag: eine art von fisch, von vogel (oder eine art fische, vögel) st. und neben fisch-art, vogel-art, aber ich möchte nicht diesen modernen gebrauch der praep. von hier zur erläuterung nehmen. Uebrigens erschemt auch bei sol- chen abstracten wörtern, wie bei einzelnen thier-, baum- und steinbenennungen, das zweite wort bisweilen über- flüßig, z. b. das ags. gëoguð-hâd (juventus) alts. jugud- hêd bedeutet fast nichts anders, als was gëoguð, jugud; hâd, hêd heben bloß den abstracten begriff hervor, im hochd. ist jugend-heit unüblich. Nicht nur haben in III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. der bedeutung des ganzen compositums die zweiten wör- ter ihren eigentlichen wurzelbegriff meist (immer nicht) verloren; sondern die aussprache, zumahl im munde des volks, hat sie mitunter formell entstellt, so daß sie sich wie ableitungselemente ausnehmen, z. b. der gemeine mann spricht an einigen orten kind-et, ewig-et f. kind- heit, ewigkeit. Vielleicht sind die altn. -âtta (s. 380.) den- noch aus der composition (ahta) zu deuten? — Alle diese composita bilden und mehren sich fast erst später, wann die sprache geistiger wird; im goth. scheinen sie sogar zu fehlen. Was sonst noch zu bemerken ist, wird unten bei der einzelnen aufzählung der beispiele vorkommen. 4) es stehen aber auch begriffe in appofitionsbeziehung auf die das verhältnis des besondern zum allgemeinen nicht anwendbar ist, sowohl verwandte als ganz ver- schiedne. α ) verwandte wörter. Ulf. übersetzt θάλασσα durch marei, λίμνη (sumpf? oder ocean?) durch mari-sáivs; ags. heißt ein diener ombiht-scëalc, dem das nhd. dienst- bôte gleicht, wenn man sich erinnert, daß früher dienest einen diener bedeutete und bote im dienstverhältnis vor- kommt; auch dionost-man, ampaht-man läßt sich so be- trachten, weil in man der begriff des dienens liegt s. 415. note). Zweifelhafter scheint das alts. aha-strôm, ags. éa- streám, doch das ags. væg-streám entscheidet für die wirk- liche und eigentliche zusammensetzung. Beides stâla und diuba (?) bedeuten furtum, gleichviel das componierte dieb-stâl MS. 1, 136 a . Das ahd. fem. ôt-wala (divitiae) N. 136, 3. Boeth. 120. würde ags. eád-vëla, alts. ôd-wëlo (masc.) heißen; ich finde aber nur die einfachen eád und vëla, deren jedes an sich opes, felicitas bedeutet. Der sprache scheint manchmahl das einzelne wort zu gering, sie will ihm durch beifügung eines verwandten mehr nach- druck verschaffen, nicht grade seinen begriff abändern. Die meisten beispiele bietet hierzu die ags. poesie. β ) verschiedne , die beide einander bestimmen, z. b. wîl-sâlda (fortuna) N., das wetterwendische glück, mhd. wîle-sælde Geo. 61 a vgl. das goth. adj. hveila-hvaírbs ( πρόςκαιρος ); mhd. nëbel-tac Parc. 142 c ; nhd. milch- straße, sturm-wind; feuer-rêgen, blût-regen; donner-gott; wetter-hahn; speck-maus, kind-bett, und eine menge ähnlicher, wo sache zu sache, sache zu person, person zu sache, auch wohl person zu person gesetzt wird, z. b. christ-kind, gott-mensch, thier-mensch, fürst-bischof. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Einige laßen sich durch adjectiva deuten, z. b. der nebe- lichte tag, via lactea, der stürmische wind, rëgen viurîn, der göttliche mensch; einige gezwungen durch praeposi- tionen, z. b. blutregen der mit blut verbunden, begleitet ist; andere fordern ganze redensarten zur erklärung, wet- terhahn, der das wetter anzeigt, kindbett, worin ein kind geboren worden ist, speckmaus, die den speck frißt, vogelflinte, womit vögel geschoßen werden, das goth. asilu-qvaírnus die mühle, die der esel tritt (mola asinaria). Verschiedne vorhin bei der präp. zu angegebne erläutern sich lieber durch freie redensarten, z. b. schweißtuch, womit der schweiß getrocknet wird. Wir sehen, wie kühn in bildung solcher zusammensetzungen die volks- sprache verfährt und alle merkmahle zur unterscheidung nutzt, z. b. einer namens meier wird zops-meier heißen, weil er einen zopf trägt, löffel-meier weil er einen löffel gestolen hat, vieh-meier, weil er mit vieh handelt. 5) zuweilen ist, ganz im gegensatz von 2 und 3, das erste wort das allgemeinere, bloß zur verstärkung des zweiten vorgesetzte. Dahin gehören die ahd. subst. magan-, regin-, irman-, ellan-, diot-, worolt- und noch andere, von welchen hernach weiter gehandelt wer- den wird. So z. b. bedeutet magan-wëtar ein heftiges sturmwetter, regin-diob einen erzdieb, worolt-chraft eine erhöhte kraft. Die spätere sprache verschmäht solche composita meistens, doch sagen wir noch heute welt- schande von einer großen, öffentlichen; leut-betrüger, gau-dieb. Leise nebenbedeutungen in dem ersten wort sind jedoch nicht abgeleugnet. — anmerkung zu der appositionellen zusammensetzung: an formelle, wirkliche apposition ist in allen augeführten fällen so wenig zu denken, als bei der praepositionellen an zum grund liegende praepositionsfügungen. Wahre apposition fordert, daß die unverbunden nebeneinander gestellten subst. beide decliniert werden und in dem casus stehen, den der satz mit sich bringt. Hier aber ist das erste wort (theoretisch) durch den compositionsvocal an das zweite festgeknüpft und der begriff der apposition hat uns bloß die bedeutung der fraglichen zusammen- setzungen erklären helfen. III. casusverhältnisse. Es wurde (s. 480.) davon aus- gegangen, daß die eigentliche zusammensetzung etwas III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. anders als den begriff des bloßen casus enthalte, scheint also ein widerspruch, wenn hier dennoch versucht wird, einige composita aus der bedeutung einzelner casus zu erklären. Allein diese erklärung will, so wenig wie bei der aus praepositionen und appositionen, nicht völlig zu- treffen, sondern nur eine gewisse ähnlichkeit oder nähe- rung behaupten. Ein merklicher unterschied besteht im- mer zwischen einem mit dem wirklichen casus compo- nierten subst. und einem, wie bei allen eigentlichen zu- sammensetzungen durch den compositionsvocal verbund- nen, das sich gleichsam nur in jenes casusverhältnis übersetzen läßt. Dort liegt der form die leibhafte flexion zu grunde, hier der verbindende vocal; dort wird auch die bedeutung schärser, bestimmter, hier allgemeiner sein. Indessen streifen beide bedeutungen aneinander und oft componiert die eine mundart uneigentlich, was die andere eigentlich. Formell würden sich beide fälle frei- lich unterscheiden, wenn alle beispiele aus dem ältesten stand der sprache, d. h. mit unabgeschliffner casusflexion und haftendem compositionsvocal zu schöpfen wären. Später aber wird es oft zweifelhaft, welches von beiden verloren und in gedanken zu ergänzen ist. Die hier in erwägung kommenden casus sind der instrum. gen. und acc. 1) aus dem bloßen instrumentalis deuten sich alle vorhin s. 437. bei der praep. mit (unter α .) angeführten composita, da die älteste sprache das zum grund liegende verbum mit dem subst. ohne praep. construiert. 2) genitivisch nehmen sich aus a) verschiedne zus. setzungen, deren zweites wort die begriffe laut, stimme, gesang enthält, das erste bestimmt aber, von wo sie ausgehen. So sagen wir: natur-laut, thier-stimme, vogel-stimme, vogel-sang und ahd. heißt es han-chrât (f. hana-chrât) alts. hano-crâd, ags. han- cræd. Hier ist praepositionelle oder appositionelle deu- tung unpassend. Uneigentliche composition liegt ganz nahe, aber die eigentliche wird angewandt, um bei häu- fig vorkommender verbindung solcher wörter dem aus- druck alle bestimmtheit zu benehmen. Ulf. übersetzt Matth. 26, 75 πρὶν ἀλέκτορα φωνῆσαι faúr hanins hruk, d. h. ohne zusammensetzung, wie auch Luther: ehe der hahn krähen wird, in bestimmtem ausdruck. Daß aber für eine allgemeinere zeitangabe die eigentl. composition hana-chrât an der stelle sein wird, bezeugen die gr. und III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. lat. ἀλεκτρο-φωνία und galli-cinium. Im altn. finde ich nur uneigentlich hana-gal (= ahd. haniu-chrât) so wie fugla-qvak (concentus avium) hrafna-galdr (corvorum crocitus st. corvi-cinium); man schriebe richtiger hana gal, fugla qvak, wie mhd. Vrîg. 20 c tiuvels stimme. b) allgemeinere zeitbestimmungen lieben eigentliche zu- sammensetzung, obgleich sie sich auch durch den be- stimmteren gen. ausdrücken laßen. Wir sagen: rêgen- zeit, winter-zeit, ernte-zeit beinahe gleichbedeutig mit: die zeit des regens, der ernte, der zus. hang kann das eine oder andere vorziehen. So ahd. wintar-zît k. 30 a rëgan-mânôt, herbist-mânôt, snita-zît jun. 187. ags. vin- ter-däg, -tîd, -stund etc. Einige können auch durch die praep. an , in erläutert werden, wie s. 429. versucht worden ist, doch scheint wintarzît weniger die zeit im winter, als tempus hiemis oder hiemale. c) es gibt noch andere ähnliche fälle, z. b. unser brunnquell (ahd. prun-chulle gl. ker. 55. brun-âdara N.), die sich beßer anführen laßen werden, wann erst die uneigentlichen composita abgehandelt worden sind. Wenn das erste wort ein starkes fem. und die zusammensetzung nur in der sorm späterer sprache vorhanden ist, bleibt es schwer auszumitteln, ob eine eigentliche oder unei- gentliche darin enthalten sei, z. b. in nâdel-öhr, ernte- zeit. — 3) accusativischen begriff hat das erste wort einer menge von zusammensetzungen, in deren zweitem wort ein den accus. regierendes verbum lebt. Es sind meistens handelnde personen, bisweilen die handlung selbst. Z. b. land-bauer, minne-sänger, wein-trinker, gott-gebährerin, geschicht-schreiber, geschicht-schreibung und unzählige mehr; in der alten sprache gewöhnlich schwache masc. und fem., die man im sechsten cap. dieses buchs auf- schlage. Hier kommt es auch noch nicht darauf an, zu erörtern, ob in solchen wörtern eigentliche oder un- eigentliche composition enthalten sei, d. h. ob sie einen wahren compositionsvocal aufzuweisen haben und voraus- setzen, oder mit dem leibhaften acc. zusammengefügt seien. Und wenn sich auch letzteres nicht durchaus ab- sprechen ließe, so scheint es doch ausgemacht, daß in vielen, wo nicht den meisten fällen eigentliche compo- sition statt finde, folglich nicht die form, nur die be- deutung für accusativisch angesehn werden dürfe. Hauptsächlich beweisen dies zwei puncte a) der vor- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. handne compositionsvocal im goth. vitôda-fasteis Luc. 7, 30 dulga-háitja Luc. 7, 41 (nicht vitôþ-fasteis, dulg- háitja; wiewohl vein-drugkja Luc. 7, 34. statt veina- drugkja?) b) der mangel aller beispiele von zusammen- setzung mit dem schwachen acc. sg. masc. oder fem. Denn wenn im ahd. horn-plâso, troum-sceido, wîn- trincho, knëht-përa das erste wort wirklicher acc. sein soll, so müste doch auch ein namun-scepho, chnaphun- përa oder was dergl. componiert vorkommen. Einige zweifelhafte fälle unten bei der uneigentl. zusammen- setzung. Nach diesen grundzügen (I — III) wird sich die bedeutung aller eigentlichen zusammensetzungen beur- theilen laßen, insofern jedes der beiden wörter an sich verständlich ist. Es gibt aber nicht wenige composita, vorzüglich der früheren sprache, deren erstes oder zwei- tes wort formell entstellt oder im sinn verdunkelt wor- den ist, z. b. im nhd. rein-hart, bräuti-gam sind uns rein und gam heutzutage unverständlich und der gang ihrer zusammensetzung kann erst durch vergleichung der älteren formen ausgemittelt werden. Indessen besitzen schon unsere ältesten dialecte unentstellte composita genug, deren erstes wort schwierigkeit macht; seltner ist es natürlich beim zweiten, den hauptbegriff in sich faßen- den, worte der fall. Auf solche dunkele wörter sind die nachfolgenden verzeichnisse von substantivzusam- mensetzungen hauptsächlich gerichtet; die verbindung deutlicher und gewöhnlicher wörter, an sich unüberseh- bar, gehört in die glossare der einzelnen mundarten. A. verzeichnis nach dem ersten wort. ahsala (humerus): ahd. ahsal-pein ker. 119. ahsal-ki- wât. — ags. ëaxl-gestëalla (comes, qui est a latere) Beov. 101. 129. ëaxl-clâð (humerale). — mhd. ahsel-bein; nhd. achsel-band, achsel-träger. alah (domus regia, templum): ahd. eigennamen alah- dorof, alah-stat, ort, wo eine alah stand, alah-hilt, alah- gund, alah-trûd, frauen in der alah dienend? selten bei mannsnamen, doch findet sich alah-olf. — ags. ëalh-stede III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (palatia) Cädm. 89. — Kann das h wegfallen, so dürfen auch eigennamen wie ala-reiks (alaricus) u. a. hierher gezählt werden. aljan (robur, labor): ahd. nur eigennamen wie ellan- burc, ellan-stein, ellan-wart. — alts. ellan-dâd (magnum facinus). — ags. ellen-camp (pugna) ellen-dæd (facinus) Beov. 68. 69. ellen-læca (pugil) ellen-gäst Beov. 9. ellen- mærð (gloria) Beov. 64. 112. ellen-vëorc (facinus) Beov. 52. 74. 111. 179. 235; auch ortsnamen z. b. ellen-dûne. alp (dunkler bedeutung, geist, flußgeist, fluß selbst?): ahd. mannsnamen wie alp-cast, alp-rîli, alp-tac, alp-côƷ, alp-win, weibliche wie alp-lint, alp-hilt, alp-louc. — ags. älf-cynne (ephialtum genus) äls-däg etc. amal (unsicher, vielleicht das altn. aml labor) übrig in goth. und ahd. eigennamen: amala-fridus, amala-rî- cus, amala-bërga, amal-gêr, amal-côƷ, amal-rîh, amal- olf, später auch emil. ampaht f. antpaht, goth. andbahts (servus): ahd. ampaht-man, ampaht-scalh, ambaht-êra N. Boeth. 124. ambaht-sezeda (comitia) das. 126. — alts. ambaht-man, ambaht-scipi (servitium). — ags. ambiht-hûs (officina) ambiht-man, ambiht-secg Cädm. 14. ambiht-scëalc Cädm. 41. ambiht-þëgn Beov. 53. — mhd. ambet-liut, ambet- man. — nhd. amt-leute, amt-mann. andi , ahd. enti (finis): endi-dago O. IV. 7, 55. (dies mortis) endi-prurdî (extremi ordines) ker. 38 endi-prur- ditha (ordo) ibid. 248. endi-prurdnessi (series, ordo) ibid. 60. (182. enprurdi, ordine f. endiprurdi, 228. endipro- dio ordino f. endiprordio) von dem noch durch endi ge- steigerten prort, prart (ora, summitas). — ags. ende-däg Beov. 50. 225. ende-byrdnes (ordo) f. ende-bryrdnes von brëord (summitas) ende-leán (supplicium) Beov. 128. Cädm. 79. ende-stäf (terminus, finis). — altn. endi-mörk (ex- tremi limites). — mhd. ende-tac Parc. 81 b ende-zil Trist. — nhd. end-zweck, der letzte zweck. ans (deus): ahd. eigennamen anse-gis, ans-hëlm (an- selmus) ans-hilt, ans-nôt, ans-walt zuweilen ohne n as- ulf, as-pirin, as-përin (fem.) im Waltharius os-pirn und bei Goldast os-birin. — ags. ôs-däg, ôs-vëald — altn. âs-biörn, âs-laug, âs-lakr etc. Die bedeutung wohl bloß verstärkend, im altn. auch noch außer eigennamen in âs-megin (robur divinum, eximium) âs-lâkr heißt der hahn, mir unbekannt warum. ara (aquila) ahd. aro, ags. ëarn, altn. örn; davon viel- leicht die alten namen ario-vistus, ario-bindus? und die III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ahd. ari-dëo, ara-lint? denn es kommen auch die neben- formen arn-hëlm, arn-dëo, altn. arn-biörn vor. asc (fraxinus, dann hasta und liburna, weil aus eschen- holz speere und fahrzeuge gezimmert wurden, vgl. lex sal. 23, 3. ascus vel navis): ahd. namen von örtern als asci-burg, asca-pah neben asci-pah, esci-bach und von leu- ten, als asc-lint, asc-win; asca-man, asc-man hieß ein seeräuber, eigentlich schiffer (asco-mannus, Ad. brem.) — ags. außer dem eigenn. äsc-vine die composita äsc-bora (hastifer) äsc-holt Beov. 27. äsc-men (piratae) äsc-plëga (hastiludium) äsc-tir Cädm. 45. (äsca-tir steht 46, für äsca-tir?) äsc-þräc Cädm. 47. 98. äsc-viga (pugil) Beov. 153. — mhd. asch-man, noch bei Hartm. adal (genus) goth. aþal, aþl? woher aþala-reiks (atha- laricus); viel ahd. eigennamen: adalman, adal-funs (al- fonsus), adal-përo, adal-hëlm, adal-win, adal-rîh, adal- wart und weibl. adal-heit, adal-hilt, adal-lint, adal-trût, adal-pirin etc. nächstdem adal-chunni (prosapia nobilis) adal-erbi (hereditas) O. adal-erbo (heres) O. — ags. äðel- stân, äðel-hëlm. — altn. aðal-bôl (praedium avitum) aðal- flockr (cohors maxima) aðal-madr (nobilis) aðal-rûnir (rudimenta runarum) und eigennamen aðal-biörn. etc. alid? (ignis) ags. äled, altn. eldr: ags. äled-lëóma (flamma feuerflamme) Beov. 231. altn. eld-beri (ignitabu- lum) eld-særi (id.) eld-gângr (incendium) eld-hita (cande- factio) eld-hûs (culina) eld-ker (foculus) eld-neisti (scin- tilla) eld-qveikia (fomes) eld-töng (igniceps) eld-tinna (silex); eld-hrîmnir n. pr. aírmun , aírman? ahd. ërmun, ërman, irmin, altn. iör- mun, zuweilen mit vorgesetzter spirans h, aber dunkles sinnes, vielleicht name eines gottes? goth. aírmana-reiks (ermanaricus) Tac. hermun-duri; ahd. irmin-got Hild. irman-sûl (altissima columna) doc. 203 b mons. 360. und bei den chronisten; die eigennamen ërmine-rîh, irmin- rîh, ërman-dëo, ërmeno-aldus, irman-dëgan, irmin-drût, irman-gart u. a. — alts. irmin-diot (genus humanum) wie wenn germani hiermit zus. hienge, nämlich kein comp. ger-man wäre (s. 412.), sondern ein derivatum germ-an (oben s. 175.)? freilich findet sich weder hermani noch germunduri, aber der kehlanlaut kann bei verschiednen volksstämmen von der aussprache und dem ohr der Römer verschieden aufgenommen worden sein. — ags. ëormen-cyn (genus hum.) Beov. 147. ëormen-grund (terra) Beov. 66. ëormen-lâfe Beov. 101. 167. ëormen-rîc III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Beov. 192. — altn. iörmun-gandr (serpens maximus) iör- mun-rekr (bos jugalis) iörmun-grund (terra). — mhd. irmen-sûl cod. pal. 361 d 3 c , auch im Titurel. aírþa (terra), ahd. ërda: aërdh-chunni J. 392. ërd- hewe N. 71, 17. ërd-ephili mons. 322. ërd-fiur mons. 360. ërd-nuƷ mons. 414. ërd-lîp N. 68, 1. ërd-piba N. 81, 5. ërd-biba O. V. 4, 42. ërth-bibunga T. 217, 1. ërd-prust (vorago) mons. 328. 332. ërd-pûwo (terricola) N. 81, 8. ërd-ring O. I. 1, 189. N. 97. 9. ërd-rîhhi O. I. 3, 65. ërd-giruornessi T. 210, 1. aërdh-waso J. 367. — ags. ëorð- äppel, ëorð-bëofung, ëorð-byre (tumulus) ëorð-cëafor (taurus, nach Lye) ëorð-cyn (genus hum.) ëorð-cyning (rex) ëorð-dyne (t. motus) ëorð-draca Beov. 202. 210. ëorð-hnut, ëorð-isig (hedera nigra) ëorð-rêced Beov. 202. ëorð-rîce, ëorð-scrëf (spelunca) Cädm. 56. Beov. 225. ëorð- vëall Beov. 218. 229. ëorð-vëla Cädm. 51. ëorð-västm (fruc- tus t.). — altn. iarð-bûar (terrigenae) iarð-epli, iarð-eldr, iarð-hûs, iarð-munni (spelunca) iarð-skiâlfti (t. motus) iarð-vëgr (solum). — nhd. erd-apfel, erd-ball, erd-bêben, erd-feuer, erd-haus etc. aírls (comes, satelles principis) verwandt mit aírus (nuntius)? ahd. ërl, nur übrig in den mannsnamen ërla- win, ërl-olf, ërla-pald, irle-war. — alts. ërl-skepi (comi- tatus). — ags. ëorl (nobilis) ëorl-dôm (comitatus). — altn. iarl-dômr. badv (pugna)? ahd. patu? ags. bëado, altn. böd; da- von die nom. pr. badu-henna bei Tac.? und ahd. patu- rîh, patu-gis, patu-frid, pata-frid, pata-hëlm, pata-gëlt, pata-hilt, — ags. bëado-folme (manus cruenta) Beov. 76. bëado-hrägl (lorica) Beov. 44. bëado-lâc (bellum) Beov. 118. bëado-lëóma (flamma belli) bëado-mägen Cädm. 69. bëado-mêce (ensis) bëado-rinc (miles) Beov. 85. bëado- rûn (rixa) Beov. 40. bëado-sërce (thorax) bëado-scrud (idem) Beov. 36. bëado-vëorca (miles). — altn. böd-varr (pugnax) zugleich nom. pr.; böd-vildr n. pr. fem. ags. bæl (rogus) altn. bâl: ags. bæl-blyse (flamma) Cädm. 71. 80. bæl-fŷr (desgl.) Beov. 232. Cädm. 61. bæl- vudu (lignum rogi) Beov. 230. — altn. bâl-vidri (tem- pestas violenta). balv (malum, cruciatus) ahd. palo, ags. bëalo, altn. böl: ahd. palo-mund (tutor, mala fide administrans) schon in einem dipl. Ludw. d. deutschen pale-mundus; palo-tât (maleficium) hrab. 963 a jun. 214. — ags. bëalo-ben (vul- nus pestiferum) Cädm. 68. bëalo-cvëalm (nex) Beov. 169. bëalo-nîð (nequitia) Beov. 133. 179. 202. bëalo-spëll Cädm. F f III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 73. — altn. böl-môdr (angor) und die nom. pr. böl-þorn, böl-vërkr. báugs (torques): ahd. nur die namen poug-olf, poug- lint. — ags. beáh-gifa (princeps munisicus) Beov. 84. beáh-hord (thesaurus) Beov. 69. 70. beáh-sele (aula) wie sonst hring-sele; beáh-þëgo Beov. 163. beáh-vriða (prin- ceps) Beov. 151. — altn. baug-broti annulos frangens) baug-eiðr (juramentum ad annulum) baug-fìngr, baug- reid (vorhin s. 437.). ahd. panh (scamnum): panh-lahhan (sagma). — ags. benc-svêg (clangor s. tumultus convivantium) Beov. 88. bëorhtode heißt in dieser stelle nicht splenduit, sondern stre- puit, vgl. oben s. 87. benc-þël (tabulatum) Beov. 95. — hierher der altn. frauen- name beck-hildr? vgl. das hd. bank-hart (spurius, der auf der bank liegt). báín ? ahd. pein (os): hierher báina-bagms? — ahd. pein- përgâ (ocreae) mons. 412. — ags. bân-bëorgas (ocreae) bân- cofe? Beov. 110. bân-fät (knochenurne? oder membrum?) Beov. 85. bân-hëlm, bân-hring (knochengelenk)? Beov. 119. bân-hûs (ossea domus, i. e. corpus) Cädm. 73. bân-locan (ossium septa) Beov. 58. 63. bân-rift (tibialis) bân-vyrt (viola). — altn. bein-æta (caries) bein-brot (ossifragium) bein-gardr (spina dorsi) bein-serkr (os ilion) bein-stërtr (sacra spina) bein-vërkr (dolor ossium). — nhd. bein-bruch, bein-fraß, bein-hauer (u. pr.) bein-kleider etc. ags. brëgo (rex, princeps), der vocal ungewis und eher e, wenn es dem nord. bragr verwandt, oder gar ê?: brëgo-stôl (thronus) Beov. 164. 177. 178. brëgo-vëard Cädm. 59. ags. brim (mare) die brausende see, von briman (rugire): brim-flôd (diluvium) brim-hengest (navis) brim-hläste (pisces) Cädm. 5. brim-lâd (iter marinum) brim-streám Beov. 143. brim-vîf (siren) Beov. 114. brim- vîsa (dux navis) Beov. 217. brim-vylm (aestus maris) Beov. 113. — altn. brim-dŷr (bestia mar.) brim-dûsa (anas lit- toralis) brim-hliód (fragor undarum) brim-siór (mare un- dosum) brim-rûnir (characteres fluctuales). brusts (pectus): ahd. prust-leffil (cartilago) doc. 230 a prust-prâto ibid. prust-tuoh mons. 336. 336. prust-werî (propugnaculum) doc. 230 a . — alts. briost-hugi, briost-gi- thâht (cogitatio mentis). — ags. brëost-bân, brëost-bëorg (pectorale) brëost-cofa (cubile mentis) Cädm. 14. brëost- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. horð Beov. 130. 207. brëost-loca (septum p.) Cädm. 78. brëost-net (rete p.) Cädm. 68. Beov. 117. brëost-gevædu Beov. 92. 162. brëost-vylm (aestns mentis) brëost-geþanc Cädm. 83. brëost-vëall (propugnaculum). — altn. brióst- barn (infans lactens) brióst-brôdir (collactaneus) brióst- krîngla (orbicula pectoralis) brióst-skiöldr (aegis) brióst- verja (thorax). — nhd. brust-bein, brust-lappe, brust- schmerz, brust-wehr, brust-warze u. a. m. Die sächs. mundart gebraucht brust gern innerlich. brunjâ (lorica): ahd. eigennamen pruni-hëlm, pruni- hilt. — ags. byrn-homa (lorica) byrn-viga (pugil). — altn. bryn-hosur (ocreae ferreae) bryn-kolla (galea) bryn- stûkur (manicae ferreae) bryn-trôll (malleus milit.) bryn- þvari (id.) bryn-þîng (pugna) und die nom. pr. bryni- ôlfr, bryn-hildr. dags (dies): ahd. composita mit taka-, taga-, vorhin s. 429. angeführt, was soll es in eigennamen wie taga- frid, taga-lint etc. bedeuten? drückt es helle, glanz, schön- heit aus? vgl. die wurzel nr. 487. — ags. däg-hvîl (tem- pus diei) Beov. 203. däg-mæl (horologium) däg-rîm (nu- merus dierum) Beov. 64. Cädm. 23. 31. 47. 56. 99. 122. däg-tîma, däg-vëard (vigil) däg-vëorc (pensum); der ei- genname däg-hräfn Beov. 186. (gegensatz zu niht- hräfn). — altn. beispiele oben s. 430; mir scheint das eini- gen wörtern vorgesetzte dâ aus dag zu entspringen; es gibt zwar ein subst. dâ (deliquium), das aber selbst seinen consonanten apocopiert haben mag und für dag- spricht theils die sonstige verkürzung in ahd. hiutû, mhd. teidinc und altn. dellîngr (= deglîngr, döglîngr, daglîngr, d. i. nachkomme des dagr) theils die vergleichung von dâ- frîðr (perpulcher) mit dem ahd. n. pr. taka-frid (? taka- frîd) von dâ-vænn (pellucidus, clarus) mit taka-përaht. Auch erklären sich dadurch die subst. comp. dâ-leikr (fa- miliaritas) dâ-læti (admiratio) dâ-semð (miraculum) dâ-vi- vidri (malacia) vgl. vëdr-dagr. dáuþus (mors): ahd. tôd-heit (mortalitas) gefolgert aus undôtheit N. 37, 5. — ags. deáð-beám Cädm. 16. deáð- bed Beov. 215. deáð-cvëal, cvëalm Beov. 126. 129. deáð- däg Beov. 16. 68. deáð-godas (manes) deáð-reáf (exuviae) deáð-scusa (interfector?) Beov. 14. wo scua steht, deáð- scyld (crimen capit.) deáð-vîc (todesaufenthalt) Beov. 97. — altn. dauð-dagi (mors) dauð-leiki (mortalitas). — nhd. tôd-bette, tôd-feind. dêds (facinus): ahd. tât-rahha (historia) mons. 328. blas. 7 b katât-rahha mons. 405. 408. 413. ketât-scrift N. 80, 8. — F f 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ags. dæd-bêta (poenitens) dæd-fruma (perpetrans) Cädm. 23. dæd-hata (virtutis osor) Beov. 23. dæd-leán (virtutis praemium) dæd-vëorc (facinus) Cädm. 75. — altn. dâd- leysìngr (homo abjectus) dâd-rakkr (heros) edd. sæm. 55 b scheint dem ahd. tât-rahha verwandt. — nhd. that-erzäh- lung, that-sache. dôm (judicium): ahd. tuom-heit (magnificentia) N. 110, 3. 130, 1. und die nom. pr. tuom-hilt, tuom-olf. — alts. duom-dag. — ags. dôm-bôc (liber jud.) dôm-däg (dies jud.) dôm-hûs (curia) dôm-sëtl (tribunal). — altn. dôm-hrîngr (circulus jud.) dôm-hûs, dôm-rof (contemtus rei jud.) dôm-stôll (tribunal). draúhts (plebs): ahd. truhti-gumo (paranymphus) wirceb. 989 a — ags. dryht-bëarn Beov. 153. dryht-ëal- dor (architriclinus) dryht-folc (comitatus) Cädm. 63. 69. dryht-guma (paranymphus, proxeneta) Beov. 10. 94. 133. 135. dryht-sele (aula) Beov. 39. 60. 173. dryht-scipe (do- minatîo) Cädm. 12. 28. dryht-scîre Beov. 111. dryht-vë- ras Cädm. 40. — altn. drôtt-lâta edd. sæm. 252 b drôtt- megir (aulici) drôtt-seti (major domus). eisarn (ferrum): eisarna-bandi (vinculum ferreum). — ahd. îsarn-aƷƷasi (ferramentum) K. 40 b doc. 245 b îsan- gabala, îsarn-grasta oder grasto? (sarculum) mons. 326. îsarn-smid mons. 335; eigennamen îsan-dëo, îsan-grim etc. — ags. îsern-byrne (lorica ferrea) Beov. 52. îren-byrne 221. îsern-scûr (imber ferreus) Beov. 231. îren-bend Beov. 60. 77. — altn. îsarn-kol edd. sæm. 45 a iârn-broddar (soleae ferreae) iârn-krôkr (sarculum) iârn-litr (color fer- rugineus) iârn-meis (cribrum ferreum) iârn-nagli (clavus ferreus) iârn-smidr etc. eigennamen wîe iârn-saxa, iârn- vidr. — nhd. eisen-band, eisen-gâbel, eisen-geräth, ei- sen-schmid etc. fani (palus): ahd. fenni-stat (locus paludinosus) jun. 218. — ags. fen-cerse (nasturtium aquaticum) fen-fëarn (filix palustris) fen-fix, fen-fugel (piscis, avis pal.) fen- frëoðo (habitatio paludinosa) Beov. 66. fen-hlëoð (jugum montis pal.) fen-hôp (vimen palustre) Beov. 59. fen-gelâd (iter paludinosum) Beov. 103. — altn. fen-hrîngr (n. in- sulae) fen-salir (palatia palud.) sæm. edd. 6 b , der göttin Frigg wohnung. faíhu (pecus, opes): faíhu-gaírnei (avaritia) faíhu- skula (debitor) faíhu-þraíhns Luc. 16, 9, 11. — ahd. fihu- stërbo (morbus arment.) jun. 219. fëhe-wart (custos pec.) O. I. 13, 2. fihu-wîari (vivarium) O. III. 4, 6. — ags. fëoh-bôte (mulcta) fëoh-gafol (usura) fëó-gift Beov. 78. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 83. fëoh-hord, -hûs (aerarium) fëoh-scëatt Cädm. 91. — altn. fê-fâng (lucrum) fê-girni (avaritia) fê-giald (mulcta) fê-hirdsla (aerarium) fê-lag (communio bon.) fê-pŷngja (marsupium) fê-rân (rapina) fê-þûsa (cornu copiae). — nhd. vieh-hirt, vieh-seuche, vieh-stall, vieh-weide etc. — Die hochd. comp. geben nur die sinnliche, die übrigen nur die abstracte bedeutung. faírguni (mons): ags. firgen-beám (arbor silvestris) Beov. 107. firgen-bucca (ibex) firgen-gât (capra montana) firgen-holt (silva mont.) Beov. 106. firgen-streám (torrens mont.) Beov. 103. 159. — altn. comp. mit fiörgyn finde ich nicht, wegen des ahd. vërgun-walt vgl. oben s. 175. faírh (anima, vita): ahd. eigennamen fërah-pald, fërah-win; fërh-pluot N. Boeth. 94. andere comp. nach dem mhd. nicht zu bezweifeln. — alts. fërah-quâla (sup- plicium). — ags. fëorh-âdl (morbus fatalis) fëorh-bana (occisor) Cädm. 24. 46. Beov. 184. fëorh-bëalo (exitium) Beov. 14. 155. 168. fëorh-ben (vulnus letiferum) Beov. 204. fëorh-cvëalm (id.) Cädm. 25. 26. fëorh-cyn (anima) Beov. 169. fëorh-cyning Beov. 92. fëorh-däg Cädm. 51. fëorh-dolg (vulnus mortif.) fëorh-hirde (protector) fëorh- lege (fatum, letum) Beov. 208. fëorh-lastas (vitae vestigia) Beov. 65. fëorh-nere (vitae servatio) Beov. 82. 86. fëorh- geniðla (? moribundus) Beov. 74. 117. 214. fëorh-sveng Beov. 186. — altn. fiör-baugr (mulcta) fiör-brot (mors) fiör-lausn (redemtio vitae) fiör-râd (insidiae vitae structae) fiör-segi (cor). — mhd. vërch-ban fr. belli 3054. vërch- bluot das. 2533. Nib. 9354. faírina (flagitium): ahd. firin-lust ker. 64. hrab. 963 a firin-tât jun. 205. — alts. firin-quidi, firin-wërc, firin- word. — ags. firen-dæd Beov. 77. 126. firen-liger (forni- catio) firen-lust (incestus); ist nicht fyren zu schreiben, noch weniger mit fyrn- = altn. forn- zu vermengen. — altn. selten, nur edd. sæm. 155 a firin-vërk. flati (cubile, aedes)? ahd. flezi, ags. altn. flet: ags. flet- päð (hausweg, hausflur) Cädm. 58. (wo vaðas in paðas zu beßern) flet-reste Beov. 95. flet-gestëald Cädm. 26. 36. flet-vërod Beov. 38. — altn. flet-fœrîngr (dedititius, der sich auf den alten theil setzt), sodann die eigennamen flet- biörn, flet-vargr, die auch dichterisch für haus gelten (Thorl. obs. bor. VII, 38. 141.) ahd. volch (populus): eigennamen wie folcha-rât, folch-win. — alts. folk-scepi (populus) folk-togo (dux). — ags. folc-bëarn Cädm. 39. 48 folc-bëorn Beov. 168. folc- cvën (regina) Beov. 50. folc-cyning (rex) folc-dryht III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (comitatus) folc-freá (dominus) Cädm. 41. folc-mägen Cädm. 70. 79. folc-gerêfa (praefectus) folc-riht (jus publ.) folc-scëare (regio) Beov. 8. Cädm. 41. 60. folc-gestëalla Cädm. 7. folc-stede Cädm. 48. Beov. 111. folc-gestrëon Cädm. 43. folc-svëot Cädm. 75. folc-toga Beov. 65. Cädm. 43. 86. folc-vëras Cädm. 5. — altn. fôlk-nârûngr (dux) fôlk-iadar (idem) fôlk-orrusta (praelium) fôlk-stióri (sa- trapa). — mhd. volch-wîc (praelium) fr. de bello c. Sar. 1127. 2587. 2829. ahd. vridu (pax) verschieden davon das vrît, frît in frît-hof (atrium, coe- meterium) jun. 234. mons. 378. T. 18S, 1. 192, 3. O. III. 25, 12. ad hartm. 12. N. 83, 3. nhd, vreit-hof (Frisch 1, 294 a ) vgl. frîtet (sovet) frît- lich (deliciosus) N. Boeth. Gehört es zum altn. frîdr (formosus, tutus)? und steht es im ablaut zu fridu (pax) altn. friðr? : vridu-dinc (pactum) und die nom. pr. fridu-hëlm, fridu-rîh, fridu-win u. a. m. — altf. fridu-barn. — ags. friðu, neben frëoðu, frëoðo schwerlich frëóðo, wobei an das goth. friaþva (s. 188. 234.) und ahd. vriudil (amator) und au die wurzel frijôn zu denken wäre; eine höhere verwandtschaft aller dieser wörter mit fri (liber) ist leiohter zu vermuthen, als nachzuweisen. : frëoðo-beácen (signum pacis s. foederis) Cädm. 25. frëoðo-burh Beov. 41. frëoðo-dryhten Cädm. 41. frëoðo- scëalc Cädm. 54. friðu-sibb Beov. 151. frëoðo-spêd Cädm. 28. frëoðo-þeáv Cädm. 2. frëoðo-väre Beov. 84. 170. Cädm. 69. frëoðu-vëbbe? Beov. 146. frëodo-vong Beov. 219; die spätere form ist frið-, mit ausgelaßnem ablei- tungsvocal, z. b. frið-bêna (pacem petens) frið-burh, frið-candel Cädm 55. frið-hûs (asylum) frið-stov (idem) frið-land etc. — altn. frið-briótr (pacis violator) frið-rof (p. violatio) frið-stôll (asylum) frið-sæla (deliciae p.). ahd. fluobara (solatium) alts. fruobar, ags. frôfor: ahd. fluobar-geist T. 171, 1. ags. frôfor-gâst; frôfor-bôc (liber consolationis). ags. syrd (militia) richtiger vielleicht fird? nach dem altn. firdar (milites), die übrigen dialecte kennen nichts ähnliches: fyrd-esne (bellator) fyrd-färeld (expeditio) fyrd-homa (vestis milit.) Beov. 114 (wo homan zu le- sen?) fyrd-hrägl (desgl.) Beov. 116. fyrd-lëóð (carmen mil.) Cädm. 75. fyrd-gemaca (commilito) fyrd-rinc (he- ros) fyrd-sëaro (arma) fyrd-gestëalla (pugnator) Cädm. 44. fyrd-vërod (phalanx) fyrd-vîc (statio) fyrd-vyrð (dignitas mil.) Beov. 100. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. gaman (gaudium, jocus): ahd. der eigenname kaman- olf. — ags. gomen-päð (via gaudii) so vermuthe ich Beov. 66. st. gomen-vâð; gomen-vudu (lignum ludi. d. h. musik-instrument) Beov. 81. — altn. gaman-leikar (ludi) gaman-læti (gestus ludicri) gaman-semi (facetiae) gaman-yrdi (joci). gagg (via, iter): ahd. gang-përht. gang-olf (n. pr.) — ags. gang-dagas (dies processionis) gang-getëld (papi- lio) gang-here (pedestris exercitus) gang-vëg (via) gang- vuce (septimana ambulationum). — altn. gâng-dagar, gâng-ker (occa) gâng-limir (pedes pecudum) gâng-rûm (ambulacrum) gâng-silfr (moneta communis) gâng-skör (stratum planum) gâng-vëgr. gards (domus): garda-valdands (herus). — ahd. cart- sanc (chorus) jun. 199. vgl. cart (chorus) K. 46 a ; bei Neug. nr. 68. der weibsname cart-diuha (? diuwa, ancilla, hausmagd). — altn. gard-briótr (pecus sepem diruens) gard-hrîfa (occa) gard-lag (structura sepis) gard-lendi (locus septus) gard-madr, -vördr (hortulanus). gáis (jaculum): gáisa-reiks? bei Idatius gaise-ricus. — ahd. kêr-hart, kêr-hëlm, kêr-leih, kêr-mund, kêr-nôt, kêr-vrit, ker-trûd, kêr-lint, kêr-vlât u. a. m. — ags. gâr-beám (speerbaum) Cädm. 68. gâr-cvëalm (occisio ja- culo peracta) Beov. 153. gâr-heáp (jaculorum turma) Cädm. 69. gâr-holt Beov. 138. gâr-leác (allium) gâr-seg, secg (oceanus) Cädm. 3. 69. Beov. 6. gâr-viga (bellator) Beov. 209. gâr-vudu Cädm. 69. — altn. geir-nagli (cla- vus hastae) geir-hvalr (balaenae genus) geir-laukr (al- lium) geir-varta (papilla viri) und die eigennamen geir- mîmir, geir-mundr, geir-niflûngr, geir-rödr, geir-fkö- gul etc. gáut? ahd. kôƷ? dunkler bedeutung, vgl. das altn. gautr (vir sagax, inventor) von giutan (gignere, fun- dere) nr. 220? hierher die ahd. n. pr. kôƷ-përaht, kôƷ- hëlm, kôƷ-râm, zuweilen noch mit au statt ô: kauƷ- lint, kauƷ-përht, kauƷ-win. — altn. eigennamen: gaut- rëkr, gaut-hildr, gaut-elf; vermuthlich auch gaut-land, die provinz in Schweden, folglich nicht gothland, son- dern hochd. goßland? giba (gratia, donum): ahd. n. pr. këpa-lint, këpa- rîh. — ags. gif-hëal (aula magnifica) Beov. 65. gif-scëatt Beov. 31. gif-stôl (thronus) Beov. 15. 174. — altn. giaf- ord (consensus matrim.) giaf-laug (n. pr. s.). giban? (oceanus): ags. gëofon-hûs Cädm. 30. gëofon- yð (unda maris). III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ags. gilp (strepitus, jactantia) ahd. këlf, altn. giâlpr: ahd. gëlpf-heit O. III. 19, 19; n. pr. këlf-rât, mhd. gëlf- rât. — ags. gilp-ovide Beov. 50. gilp-scëaða Cädm. 3. gilp-spræce Beov. 75. gilp-vord Beov. 53. Cädm. 6. ahd. kîsal (obses): eigennamen kîsal-përaht, kîfal-vrit, kîsal-hëlm, kîsal-hilt, kîsal-mund etc. nhd. geisel-brecht. ags. glëó (gaudium): glëó-beám (instrumentum musi- cum) Beov. 169. glëó-cräft (musica) glëó-dreám (jubilum) Beov. 224. glëó-gomen (jubilatio) glëó-man (musicus histrio). grundus: grundu-vaddjus (fundamentum). — ahd. crunt-lacchâ (scaturigines) N. 77, 44. von lëchan (rigare), crunt-soufî (naufragium) N. 103, 17. — ags. grund-hirde Beov. 160. grund-stân (rudus) grund-svelige (senecio, kreuzwurz, engl. groundsel) grundvëall, grund-vëla Cädm. 23. grund-vong Beov. 113. 192. 206. grund-virgen (siren, monstrum maris) Beov. 115. fem. von grund- vëarg? — altn. grund-völlr; grunn-festi (anchora) grunn- gânga (aestus maris) grunn-sôp (extrema evacuatio) grunn-sævi (brevia). — mhd. grunt-veste, grunt-wal. — nhd. grund-lâge, grund-stein, grund-satz etc. alts. grûri (horror): ags. grŷre-gäst (monstrum) Beov. 191. grŷre-gëatva (apparatus horrendus) Beov. 27. grŷre- lëóð (cantilena horrenda) grŷre-sið (iter. horr.) gulþ (aurum): ahd. kold-smid (aurisex) kold-stein N. 80, 16. kolt-trako (digitus annularis) zwetl. 112 b kold- vaƷ. — ags. gold-äht (thesaurus) Beov. 204. gold- burh Cädm. 55. gold-fät Cädm. 91. gold-gifa Beov. 197. gold-hord Cädm. 75. gold-hvæte Beov. 228. gold- mâðm Beov. 180. gold-sele Beov. 56. 96. gold-þëóf (au- rifur) gold-vëard Beov. 228. gold-vine Beov. 112. 121. 180. 192. — altn. gull-armband, gull-bitill (frenum aur.) sæm. edd. 166 a , gull-epli, gull-hâlsar (viri torquati) gull- hlad (frontale aureum) gull-hûs (dactylotheca) gull-men (torques aur.) gull-viðiur (catena aur.) gull-smidr (auri- faber); sodann die nom. pr. gull-rönd, gull-veig, gull- tappr. — mhd. außer andern wörtern die eigennamen: gold-mâr, gold-rûn, gold-wart. — nhd. gold-berg, gold- ring, gold-kæfer, gold-schmid etc. und nom. pr. gold-ast, gold-mann etc. guma (homo): ahd. koma-heit (humanitas) kom-man (vir) K. 29 a ker. 42. 53. und n. pr. koma-dëo, koma-hilt, ko- ma-trûd etc. — alts. gum-kunni (genus hum.) gum-scepi. — ags. gum-cyn (gen. hum,) gum-cyst (munificentia) Beov. 130. 189. Cädm. 39. 40. gum-dreám (gaudium humanum, i. vita) Beov. 184. gum-dryhten Beov. 124. gum-feða III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Beov. 107. gum-rinc (bellator) Cädm. 35. gum-rîce Cädm. 78. gum-stôl (thronus) Beov. 147. gum-þëód (populus). — altn. keine, es müste denn gum-kaup (emtio rei nihili) hierher gerechnet werden können. gunþs (pugna)? goth. und vandal. n. pr. guntha-ri- cus, guntha-mundus. — ahd. kund-vano (vexillum, la- barum), gund-fano O. V. 2, 18. Ludw. 54, fehlerhaft chund-fano jun. 232. mons. 412 daher altfranz. gonfanon, gontfanon, ital. gonfalone. ; eigennamen kund- rîh, kund-hraban (guntramnus), kund-mâr, kund-hëlm, kunda-rât, kund-hilt etc.; nicht hierher gehört kunt- rëpa (acer) vielmehr hedera vulg. terrestris, hederich, officinell und einigen thieren schädlich. von kunt (venenum, pus) ags. gund, ob- schon gunde-rëba und gund mons. 414. 400. geschrie- ben. — ags. guð-bëorn (heros) Beov. 26. guð-byrne (lo- rica) Beov. 26. guð-bill (ensis bellicus) Beov. 62. 192. guð-cëare Beov. 96. guð-cyning Beov. 17. 174. guð-deáð (mors) Beov. 168. guð-fona (labarum) Jud. 11. guð-flân (sagitta) Cädm. 45. guð-floga (draco) Beov. 188. guð-ha- foc (accipiter) Beov. 169. guð-horn Beov. 109. guð-lâc (militia) guð-lëóð (cantilena) Beov. 115. guð-môd Beov. 25. guð-räs (impetus) Beov. 119. 176. 195. 222. guð-rêc (fumus belli) Beov. 85. guð-rinc (heros) guð-scëar (co- hors Beov. 93. guð-scëaða Beov. 173. guð-sëaro (appa- ratus) Beov. 19. guð-sele (aula) Beov. 36. guð-spëll (nuntius) Cädm. 46. guð-svëord Beov. 161. guð-þräo (virtus bellica) Cädm. 43. guð-þreát (turma) Cädm. 67. guð-vëard Cädm. 66. guð-gevëorc Beov. 75. 137. guð- viga (pugil) Beov. 158. guð-vin Beov. 203. guð-vudu (jaculum). — altn. gunn-fâni (vexillnm) sæm. edd. 162 b gunn-hvati (excitator pugnae) und die n. pr. gunn- hildr, gunn-löð u. a. — nhd. nur in eigennamen wie gund-helm, gum-pert (f. gund-bert) günde-rode etc. hag? (conditio, commoditas? septum?) ahd. haga- stalt, hagi-stalt (famulus, mercenarius) blas. 31 b doc. 217 a haga-dorn (alba spina)? ich kenne ahd. nur hagan, mhd. hagen. — ags. häg-stëald (tyro, coelebs) fehlerhaft ge- schrieben heáh-stëald; häg-þorn (alba spina). — altn. hag-lendi (pascua) hag-leikr (dexteritas) hag-qvisti (fru- ticetum) hag-rædi (commoditas) hag-sŷni (prudentia) hag-þorn (cornus). — nhd. hâge-dorn, hâge-stolz. Es kommt bei diesen zus. setzungen darauf an, den wahren III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. begriff der wurzel zu finden, oder zwei ähnliche, sinn- verschiedne wörter zu trennen. hali (tartarus) altn. hel und helja (mors) ahd. hellja, hella (orcus): ahd. helli-gruopa doc. 210 a hella-gruoba N. 142, 7. hella-grunt mons. 408. hel-loh (barathrum) zwetl. 114 a helle-borta N. 106, 18. helli-rûna doc. 218 b flor. 982 b hello-vreisa N. 116, 3. helle-wiht (diabolus) Georgsl. hella-wîƷi T. 44, 20. helli-wîƷi O. V. 19, 36. — alts. hell-dor, helli-porta. — ags. helle-bëarn, helle-brôga, hell-bend Beov. 228. helle-clommas Cädm. 9. helle-flôras Cädm. 93. helle-gâst Beov. 97. helle-hund, helle-heáf Cädm. 2. hel-rûna Beov. 15. helle-scëalc Cädm. 94. helle- scëaða Cädm. 17. helle-smið (vulcanus) hell-trega Cädm. 2. helle-vîte Cädm. 8. — altn. hel-blinda (fatalis coecitas) hel-för (iter fatale) hel-sôtt (morbus fat.) hel-strîd (agon) hel-vëgr (via lethi) hel-vîti (culpa morte digna). — mhd. helle-hunt, helle-val, helle-vart, helle-viur, helle- wîƷe. haliþs (heros eig. larvatus?): der eigenname halide- gastes bei Vopiscus und der ahd. helid-përht; oben s. 260 ist hëlôt-hëlm (latibulum) angenommen worden, für he- lid-hëlm stimmen aber das alts. helith-hëlm, ags. häleð- hëlm, wiewohl beide formen aus derselben wurzel fließen dürfen. alts. halla , ags. hëal (aula): ags. hëal-ärn Cädm. 8. hëal-gamen Beov. 81. hëal-rêced Beov. 8. hëal-þëgen Beov. 13. 56. hëal-vudu (tabulatio domus) Beov. 100. hals (collum): ahd. hals-pant (columbar) hals-pein, hals- përc (thorax) hals-pouc (torques) hals-phulawi (cervical) mons. 339. 385. hals-flac, hals-weri (scapulare) jun. 260. — ags. hëals-beáh (torques) hëals-gund (scrophulae colli) hëals-mene (monile) hëals-gebedda (consors thalami) Beov. 7. — altn. hâls-bein, hâls-biörg (lorica) hâls-bôlga (scrophula) hâls-fâng (amplexus) hâls-mâl (foramen ve- stis) hals-mein (angina). — nhd. hals-band, hals-bein, hals-eisen, hals-weh, hals-wirbel. handus (manus): ahd. hant-druha (manica) hant-krif (pugillus) hant-mâl (chirographum) ker. 145. hant-slac, hant-scuo (chirotheca) hant-kiscrip (chirographum) hant- tabula mons. 398. hant-vano (mappula) hant-wërah. — ags. hond-bana Beov. 37. 101. 186. hond-clâð (manuter- gium) hond-dint (alapa) hond-grip Beov. 74. hond-leán Beov. 117. 157. Cädm. 63. (lohn für das mit der hand vollbrachte?) hond-mägen Cädm. 6. hond-gemôt (con- flictus) Beov. 157. hond-plëga Cädm. 45. 69. hond-rä s III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Beov. 155. hond-rond (scutum) Beov. 194. hond-gestëalla (socius) Beov. 162. 182. 193. hond-sció (chirotheca) Beov. 155. hond-sliht (caedes) Beov. 217. 220. hond-sporu (ve- stigium) Beov. 76. hond-þëgen (servus a manibus) hond- gevëorc, hond-vyrm (teredo). — altn. hand-afli (robur manuum) hand-bendi, hand-biörg, hand-dûkr, hand- fâng, hand-grip, hand-klæði, hand-krykr (axilla) hand- leggr (cubitus) hand-qvörn (mola manuaria) hand-öxi (ascia) hand-rân (rapina e manibus) hand-sal (stipulatio) hand-fkiól, hand-fkôr (chirotheca) hand-fkrift, hand-stein (lapis missilis) hand-tak (apprehensio manus) hand-tîgill (zona) hand-vëgr (commissura thoracis) hand-vërk, hand- vopn. — nhd. hand-geld, hand-griff, hand-gelöbnis, hand-langer, hand-mühle, hand-schrift, hand-schuh, hand-schlâg, hand-werk, hand-zeichen etc. hari (exercitus) : ahd. heri-dëgan doc. 218 b heri- hunda (praeda) jun. 219. heri-man (miles) ker. 68. hari- numft (praeda) ker. 128. heri-përga (castrametatio, di- versorium, tabernaculum) mons. 320. N. 45, 5. 107, 7. W. 1, 5, 7, 8. heri-pouhhan (vexillum) jun. 232. heri- kirit (equitatus) jun. 203. heri-sezza (obsidium) doc. 218 b heri-stal (castra) heri-stiura mons. 361. doc. 219 a heri-str;âƷa (via publ.) zwetl. 110 a mons. 323. heri-vart (exped. mil.) mons. 359. 363. heri-wahta (statio) heri- zoho J. 393. ker. 100 nicht hierher gehören hêri-scaf (serenitas) hêr-scaf, hêr- stuol (thronus) hêr-tuom (dignitas) hrab. 956 a ; vielleicht auch hêr-fogeli N. 103, 17. wonicht das lat. her aus herodius darin steckt? vgl. ags. here-fugol. ; sodann die eigennamen: heri- dëgan, heri-leih, heri-lint, heri-man, heri-prant u. a. — ags. here-beácen (sign. bellicum) here-bërga, here-bŷma (classicum) Cädm. 65. here-byrne (lorica) Beov. 161. here-brôga Beov. 37. here-cyst Cädm. 66. 68. here-draca, here-fëoh (praeda) here-flŷma (desertor) here-folc, here- fugol (avis exercitum sequens) Cädm. 66. here-grima (galea) Beov. 32. 154. 194. here-huð (praeda) here-man, here-mäcg Cädm. 54. here-net (lorica) Beov. 118. here- reáf (praeda) Jud. 12. Cädm. 75. here-sërce (lorica) Beov. 115. here-spêð (felicitas) Cädm. 69. Beov. 7. here- stræte Cädm. 69. here-teám (manubiae) here-tŷma (dux) here-toga (id.) here-þreát (turma) here-væd (appara- tus mil.) Beov. 14? Jud. 11. here-vîsa (dux) Beov. 224. here-vîc (castrum) here-vulf (lupus belli); und die ei- gennamen here-man, here-rîc Beov. 90. 165. — altn. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. her-bërgi (hospitium, cubiculum) her-blâstr (classicum) her-brëstr (id.) her-fâng (praeda) her-siötr (terror pa- nicus) her-för (exped.) her-flockr (cohors) her-hlaup (tumultus) her-klædi (armatura) her-kongr (bellator) her-kuml (insigne mil.) her-lid (exercitus) her-lûðr (tuba) her-madr (miles) her-nâm (praeda) her-ôp (classicum) her-ör (sagitta convocandi exerc. causa cir- cumlata) her-pîpa (tuba) her-saga (nuntius hostilis) her- skiöldr, her-sveit (cohors) her-togi (dux) her-verk (ho- stilitas) her-vopn (arma) und die nom. pr. her-borg, her-fiötr, her-môðr, her-teitr, her-vardr, her-vör u. a. harm (dolor, malum): ahd. harm-quiti (calumnia) hrab. 956 a haram-scara (supplicium, poena) mons. 346. 349. mhd. harn-schar Trist. — alts. harm-quidi, harm-skara. — ags. hëarm-cvide (maledictio) Cädm. 16. hëarm-loca (car- cer) Cädm. 3. hëarm-plëga contentio) hëarm-scëaru (sup- pl.) hëarm-scëaða (maleficus) hëarm-gescylde Cädm. 84. hëarm-stäf Cädm. 23. hëarm-tân (virga miseriae) Cädm. 24. haþus? (bellum?): ahd. die eigennamen hadu-prant, hadu-përaht, hadu-frit, hadu-funs, hadu-mâr, und die fem. hadu-purc (mhd. hade-burc) hadu-louc, hadu-wîc (nhd. hed-wig); in einer fränk. urk. des 7. jahrh. hado- indus; vermuthlich sind catu-alda und catu-mêrus aus Tac. hierher zu nehmen. — ags. hëaðo-bëarn (heros) Beov. 152. 153. 155. hëaðo-byrne (lorica) Beov. 117. hëaðo-dëór (bellua pugnae?) Beov. 54. 60. hëaðo-fŷr (flamma) Beov. 188. 190. hëaðo-lâc (pugna) Beov. 46. 148. hëaðo-lâf n. pr. Beov. 37. hëaðo-reáf (spolium) Beov. 32. hëaðo-rinc (heros) Beov. 30. 184. Cädm. 68. Jud. 11. Boeth. p. 160. hëaðo-scëard? Beov. 210. hëaðo-svât (san- guis) Beov. 111. 121. 126. hëaðo-sveng Beov. 192. hëaðo- væð Beov. 6. 7. hëaðo-vëorc Beov. 214. hëaðo-vylm Cädm. 8. Beov. 9. 209. — altn. der eigenn. höð-broddr (ahd. hadu-prort, ags. hëaðo-brëord?) háims (domus): ahd. heim-gart (forum) mons. 384. 396. heim-wist O. I. 18, 113. heim-zugilinc doc. 218 b ; das n. pr. heim-rîh. — ags. hâm-färeld (iter ad dom.) hâm- scire (aedilitas) hâm-sted, hâm-tûn (domicilium) hâm- vëorod (vicini) hâm-vyrt (sedum, hauswurz). — altn. heim-bod, heim-burdr (ostiatim quaesitus cibus) heim-för, heim-kynni (patria) heim-sôkn (visitatio); heim-dallr n. pr. haírus (ensis): alts. hëru-bendi. — ags. hëoro-drëór (san- guis fusus) Beov. 39. 66. hëoro-drinc Beov. 176. hëoro- sërce Beov. 189. hëoro-stov? Beov. 104. hëoro-sveng Beov. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 120. hëoro-vëard Beov. 162. hëoro-vëarh (lupus, mon- strum) Beov. 97. — altn. eigennamen hiör-dîs, hiör-leifr, hiör-vardr. háubiþ (caput): ahd. houpit-këlt mons. 402. houpit- lahhan doc. 219 a houpit-loh (capitium) ibid. houpit-man, houpit-pant mons. 404. 406. houpit-polstar doc. 219 b hou- pit-purc mons. 330. 379. houpit-scaz mons. 375. houpit- sculd, houpit-sunta mons. 373. houpit-stat mons. 362. hou- pit-tuoh mons. 347. — ags. heáfod-beáh (corona) heáfod- bolla (cranîum) heáfod-bolster, heáfod-clâð, heáfod-cyrice, heáfod-fäder (patriarcha) heáfod-lëahter (crimen capitale) heáfod-man (dux) heáfod-mäg Beov. 46. 161. heáfod- panne (cranium) heáfod-sted, heáfod-svima (vertigo) Cädm. 35. heáfod-vëard Jud. 12. heáfod-vîsa, heáfod-vylm etc. — altn. höfud-band, höfud-bani etc. bei Biörn p. 383. 384. haúrn (cornu): ahd. horn-gibruader (herniosi) O. IV. 26, 29, V. 16, 73. mhd. horn-bruoder MS. 2, 153 a horn- boge (arcus) fr. de bello 1665. 1679. und n. pr. Nib. — ags. horn-âdl (hernia) horn-boga Beov. 182. Jud. 11. horn- bora (cornicen) horn-pic (pinnaculum) horn-rêced (do- mus pinnaculo ornata) Beov. 55. horn-sele Cädm. 40. — altn. horn-auga (oculus limus) horn-bogi n. pr. horn- blâstr (sonitus tubae) horn-klofi (corvus, der hornklauige) horn-stein (lapis angularis). heiv (familia): heiva-fráuja. — ahd. hî-leih, kihî-leih (matrimonium) jun. 180. mons. 378. 396. aug. 126 a N. 59, 10. hî-rât W. 8, 8. — ags. hîv-gedâl (divortium) hîv- ræden (familia) hîv-scipe (domus). — altn. hî-vîg (caedes famulitii) hiú-skapr (conjugium). — mhd. hî-leich und hiu-leich. — nhd. hei-rath. hilds? (pugna): ahd. nur eigennamen hilti-leih, hilti- louc, hilti-prant, hilti-wolf etc. — ags. hilde-bill (ensis) Beov. 44. 115. 126. 199. hilde-bord Beov. 32. hilde-calla (heros) Cädm. 68. hilde-cyst Beov. 193. hilde-dëór Beov. 26. 64. 124. 137. 158. 230. hild-fruma Beov. 126. 210. hilde-grâp (contrectatio hostilis) Beov. 110. hilde-gicel (sti- ria) Beov. 121. hilde-hlemma Beov. 165. 175. 189. hild- lata (pugnam deserens) Beov. 211. hilde-lëóð (carmen) hilde-lëóma (flamma) hilde-mêce (ensis) Beov. 62. 165. hilde-nædre (sagitta) Jud. 11. hilde-ræs (impetus) Beov. 25. hilde-rond Beov. 95. hilde-scëorp (vestitus) Beov. 161. hilde-sëtl Beov. 79. hilde-svât (sanguis) Beov. 190. hilde- svêg (sonitus) Cädm. 44. hilde-tux (dens belli, i. gladius) Beov. 115. hilde-þräc Cädm. 47. hilde-vîsa Beov. 81. hil- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. de-vulf Cädm. 45. — altn. n. pr. hildi-borg, hildi-gunn, hildi-svîn edd. sæm. 114 a . himins (coelum) ahd. himil, ags. hëofon, altn. himinn: ahd. himil-rîhhi, himil-rinna (cataracta) himil-prôt, himil-trûd (n. pr.) himil-zungal (sidus). — alts. himil-fader, himil-craft; hëban-kuning. — ags. hëofon-beácen (signum coeleste) Cädm. 65. hëofon-candel (lampas coeli) Cädm. 65. hëofon-col (carbo de coelo cadens) Cädm. 64. hëofon-fugel Cädm. 5. 34. 83. hëofon-rîce, hëofon-stôl Cädm. 1. hëofon-timber Cädm. 4. hëofon-tungel Cädm. 86. hëofon-vëard Cädm. 3. — altn. himin-bûar (coelites) himin-liós, himin-rîki, himin- teikn, himin-tûngl und die ortsnamen himin-biörg, himin- fiall, himin-vângr. hláiv (tumulus, agger, refugium) ahd. hlê, mhd. lê, ags. hlëóv, hlëó, altn. hlê, hlie: ags. hlëó-burh (asylum) Beov. 70. 131. hlëóv-fëðer (ala obumbrans) Cädm. 59. hlëó-mäg (consanguineus) Cädm. 24. 35. — altn. hlê-biörg (n. rupis). hriggs (annulus): ags. hring-boga Beov. 191. hring- mæl Beov. 115, 153. hring-naca Beov. 140. hring-net Beov. 205. hring-sele Beov. 151. 211. hring-sëte (cir- cus). — altn. hrîng-brot (ein tanz im kreis) hrîng-ormr (serpens). hrôþs? (gloria, laus): ahd. eigennamen hruod-flât, hruodi-choma, hruod-kanc, hruodi-kêr (mhd. ruede-gêr, nhd. ruͤdiger) hruod-munt, hruod-përht (nhd. ruppert, rupprecht) hruod-olf (nhd. rûdolf) u. a. — ags. hrôð- gâr, hrôð-mund. — altn. hrôð-mar, hrôð-vitnir, hrôð- laugr (assim. hrôllaugr). hugus? (mens): ahd. hugu-lust O. II. 11, 127. IV. 37, 17. huge-sang N. 107, 1. huge-screi N. 30, 20; und die n. pr. hugi-dëo, hugi-mund, hugi-suint etc. — alts. hugi- fkaft (animus). — ags. hyge-bend Beov. 141. hyge-cräft Cädm. 77. hyge-gëomor Beov. 180. hyge-mâðm Beov. 216. hyge-scëaft Cädm. 7. hyge-sorh Cädm. 19. Beov. 174. hyge-tëóna Cädm. 32. hyge-þrym Beov. 28. und der eigenn. hyge-lâc. — altn. hug-bod (praesagium mentis) hug-deiga (mollities an.) hug-ferdi (animus) hug-le l ding (meditatio) hug-lettir (levamen) hug-môðr (indignatio) hug-raun (angor) hug-svölun (recreatio) hug-þocki (fa- vor) hug-þôtti (opinio). hunus? hunis? dunkler form sowohl als bedeutung, altn. hûn (catulus ursinus und corbita mali); erklären sich dadurch die n. pr. huni-mund, hun-rât, ags. hun- ferd, hun-lâf, hun-rêd, altn. hûn-þiófr u. a. m.? III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. huzd (opes): ags. hord-ärn Beov. 170. 210. hord-burh Cädm. 44. hord-cofa (cista) hord-fät, hord-mägen Cädm. 89. hord—geneát Beov. 22. 120. 163. 180. hord-gestrëón Beov. 143. 229. hord-vëard Beov. 80. 139. 171. 190. hord- vëla Beov. 175. hord-vynne Beov. 170. ïbrs ? (aper) ahd. ëpar, ëpur, ags. ëofor, altn. iöfur: ahd. ëpar-suîn, mhd. eber-swîn; die eigennamen ëpur- hart, ëpur-hëlm, ëpur-munt, ëpur-rât, ëpur-win; nhd. êber-hard, êber-wein. — ags. ëofor-fëarn (herba quaedam) ëofor-heáfod (caput apri) Beov. 161. ëofor-sprëót (telum ad apros occid.) Beov. 109. ëofor-vîc (eboracum, york). ahd. inwit (dolus) hrab. 959 b . Hild. 35. ags. invid und invit, altn. îvið? die bedeutung dieses subst. ist un- zweifelhaft, die auslautende lingualis macht bedenken; entw. fordert die ahd. tenuis ags. media, die auch, wie- wohl seltner, vorkommt, oder die ags. ten. ahd. aspirata, die sich nie findet. Uebrigens hat es allen schein, daß das goth. ïnvinds (pravus, injustus) nichts anderes sei. Weitere vermuthungen über die formen ïn-vind, in-wit, in-vid gehören nicht hierher, wo es sich bloß von ihrem gebrauch in zusammensetzungen handelt. Gothische und ahd. beispiele sind nicht erhalten, wohl aber folgende ags. invit-feng (captus dolosus) Beov. 110. invit-gäst (nequam) Beov. 199. invit-hrof (tectum dolosum) Beov. 231. invit- net (insidiae) Beov. 162. invit-nìðas Beov. 140. 146. invit- scëar? Beov. 185. invit-sëaro (machinae) Beov. 84. invit- sorh Beov. 64. 161. 140. 146. invit-þonc Boeth. 192. Beov. 58. kara? (cura, dolor) alts. kara, ags. cëaru: ags. cëar- bend Beov. 144. cëar-sið (iter difficile) Beov. 179. cëar- sorh Cädm. 26. cëar-vëalm, vylm Beov. 23. 155. karls? (vir, mas) ahd. charal, ags. carl, cëarl, altn. karl, assim. kall: der altfränk. eigenname karolo-man, karlo-man woher das franz. charle-maigne, charle-magne, das man erst spät in carolus magnus auslegte. — ags. carl-cat (catus) carl-fugel (avis mascula). — altn. karl-maðr (vir fortis) karl-kyn (genus masc.) karl-menni (vir fortis) karl-syft, -svift (genus masc.); gehört hierher das altschwed. karl- vagen (arctos) wofür ags. carles vägen? kniu (genu, generatio) ahd. chnio-radun (poplites) ker. 227. alts. knio-bëda (genuflexio). — ags. cnëó-mäg (descen- dens recta linea) Cädm. 25. 39. 67. 90. cnëó-rîm (ge- nus). — altn. knê-leistr (solea genuum) knê-runnr (linea recta) knê-sig (lapsus in genua) knê-skel (patella) knê-skot III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (defectus poplitis) knê-tabl (alea). — nhd. knie-beugung, knie-scheibe. kumbl? (signum militare): ahd. chumpal-poro (signi- fer) khunpal-porun (cohortes) ker. 180. — ags. cumbol- gehnad, al. -gehnäst (vexillorum conflictus, stridor?) Aeðelst. cumbol-viga (bellator) Jud. 12. kuni (genus, nobilitas), ahd. chunni, ags. cyn, cynnes, in der composition scheint sich aber das alte, ungemi- nierte n bewahrt zu haben: ahd. chuna-widi (laurea, re- dimiculum capitis) ker. 184. (wo khuna-withi, auch das a für i widerstrebt der s. 419, α gegebnen regel) sodann die n. pr. chuni-hëlm, chuni-përaht, chuni-mund, chuni- wolf, chuni-gund, chuni-hilt etc. sollte statt der mir unverständlichen chumi-studalo (pastorum potentissimus) doc. 206 b cumi-stadul (gastaldus) zwetl. 115 b zu le- sen sein chuni-siudalo? — alts. kuni-burd (generatio). — ags. cyne-bëarn (regia proles) cyne-bend (diadema) cyne-bôt (compensatio regia) cyne-botl (pa- latium) cyne-cyn (genus regium) Beda 1, 25. (ed. cantabr. p. 76. mit der variante cyning-cyn) cyne-dôm (imperium) cyne-gëard (sceptrum) cyne-hâd (dignitas reg.) cyne- hëlm (diadema) cyne-rîce (regnum) cyne-scipe (regali- tas) cyne-sëtl, cyne-stôl Cädm. 97. cyne-stræt, cyne-þrym Cädm. 90. cyne-vîse (ritus reg.) cyne-viððe (redimicu- lum). — altn. kyn-ferdi (prosapia) kyn-fylgja (ingenium patronymicum) kyn-qvîfl (ramus prosapiae) kyn-slôd (ge- neratio) kyn-stafr (genus) kyn-þâttr (id.). — Die ahd. alts. und spätere ags. sprache setzt viele wörter, die vor- her einfaches chuni, cyne hatten, mit dem abgeleiteten chuninc, kuning, cyning zusammen, z. b. chuninc-hëlm (diadema) kuning-stuol, kuning-stërro, kuning-wîsa, cy- ning-dôm, cyning-rîce. lagus? (aqua, mare): alts. lagu-strôm. — ags. lagu- flôd Cädm. 3. lagu-streám Cädm. 42. Boeth. 164. 176. 188. Beov. 25. lagu-stræte Beov. 20. land (rus): ahd. lant-hêrro, lant-pikenkëo (indigena) hrab. 967 a lant-liut (populares) lant-man, lant-marha (fi- nes reg.) lant-pûwo jun. 199. lant-scat, lant-sidilo blas. 10 a jun. 235. lant-deri (latro) T. 199, 8. lant-volh, lant- walto u. a., die n. pr. lant-përaht, lant-frid, lant-rîh, lant-wart, lant-olf, die beiden ersten frühe in lam-përt, lam-bërt, lam-frid (franz. lamfroi) entstellt umgekehrt verdeutschte man das lat. lampetra, lampreta (muraena) in lantsrida W. 1, 11, lantfriga mons. 346. . — alts. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. land-scatho (latro) land-wîsa (mos regionis). — ags. land- älfen (faunus) land-ceáp (fundi emptio) land-ferd (iter) land-folc, land-fruma (princeps) Beov. 5. land-begenga (terricola) land-hlâf-ord, land-mëarc, land-gemæro (fines) land-gemyrcu Beov. 18. land-lëód, land-lyre (amissio t.) land-rîca (dominus) land-riht, land-sæta (colonus) land- scipe, land-spêd (opulentia) land-vare (incolae) Beov. 173. land-gevëorc Beov. 72. — altn. comp. mit land verzeich- net Biörn 2, 6-9. — mhd. die glossare zu Trist. Nib. Barl. Wig. — nhd. land-friede, -grâf, -grenze, -leute, -verlust, -räuber, -recht, -reise, -sitte, -schaft, -siedel, -volk u. a. m. láuhs (flamma)? nach dem ahd. loug N. 82, 15. 105. 7; láuha? nach dem ahd. lauga K. 59 a ; oder laúha? nach dem altn. logi; oder laúheis? nach dem ags. lyge, pl. lygëas, wofür jedoch immer lige geschrieben wird jun. 218. lauhido (prurigo); so lese man stait luahido und trage es oben s. 249. nach. : ahd. lauc-medili (fulmen) jun. 191. 206. — ags. lig-draca (draco ignivomus) Beov. 174. vgl. lëg-draca 225. lig-fŷr (feuerflamme) Cädm. 64. lig-yðu (aestus flammae) Beov. 199. — altn. log-brandr (torris). leib (vita): ahd. lîp-leita (victus) lîp-nara jun. 234. 195. mons. 393. T. 13, 18. lîb-puoch (liber vitae) N. lîb- scrîbo N. 67, 16. lîb-tôd N. 70, 1. lîp-vuora u. a. m. — ags. lîf-däg Beov. 62. 123. Cädm. 22. 71. lîf-gedâl (inter- itus) Beov. 65. Cädm. 55. lîf-freá (deus) Beov. 4. Cädm. 1. 21. 40. 68. 83. lîf-fruma (deus) Cädm. 89. lîf-lâde (vic- tus) lîf-lyre (vitae jactura) lîf-gescëaft Beov. 147. lîf- vëg Cädm. 65. lîf-vëla Cädm. 75. lîf-vrâd (furor?) Beov. 74. lîf-vynne (gaudium). — mhd. lîp-geselle Wh. 2, 153 b lîp-nar, lîp-rât. — nhd. leib-arzt, leib-pterd, leib- speise, leib-wacht: also immer in der bedeutung von cor- pus, nicht in der ältern von vita. leik (caro, corpus): ahd. lîh-char (sarcophagus) jun. 211. lîh-lawi (cicatrix) ker. 74. lîh-lôi hrab. 958 a , lîh-fahs (cae- saries) hrab. 957 b (wo leih-fahs) lîh-hamo, lîh-hemidi jun. 236. — ags. lîc-bëorg (sarcophagus) lîc-homa (cor- pus) lîc-hryre Cädm. 25. lîc-lëóð (epicedium) lîc-reste (sepulchrum) lîc-sâr (vulnus) Beov. 63. lîc-sërce Beov. 43. 85. lîc-þênung (exsequiae) lîc-tûn (coemeterium) lîc- vigelung ( νεκρομαντεία ). — altn. lîk-ami f. lîk-hami, lîk-blœa (palla sepulcralis) lîk-bönd (fascia sunebr.) lîk- G g III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. börur (feretrum) lîk-för (exsequiae) lîk-kista (loculus) lîk- pallr (castrum doloris) lîk-söngr (threni) lîk-þorn (helos) lîk-þrâ (lepra), — mhd. lîch-ame, lîch-lege (exseq.) a. Tit. 21. — nhd. leich-dorn, leich-huhn, leich-nam, leich- bestattung. leiþus (sicera, vinum), ahd. lîd, ags. lîð: ahd. lîd-faƷ (poculum) jun. 218. mhd. lît-gëbe (caupo) lît-hûs (cau- pona); nhd. der eigenname leid-gêber. lindô? (fascia, vexilium, vielleicht auch scutum?) ahd. linta (schw.) ags. lind (st.) altn. lindi (m. schw.): ags. lind-croda oder crôda? (vexillum) Cädm. 44. lind-plëga (bellum) Beov. 154. lind-gestëalla (? vexillifer) Beov. 148. lind-viga (pugil) Beov. 194. ahd. liut (gens) ags. lëód: ahd. liut-chilicha (ecclesia) N. 34, 18. liut-chuo N. 67, 31. liut-pâga (seditio) jun. liut-prôt (panes laici) mons. 330. liut-scaf (gens) ker. 28. liut-kisemini jun. 199. liut-rist (conditio) N. 64, 3. liut-stal (statio) jun. 228. liut-stam ker. 125. 146. mons. 410. O. III. 12, 13. IV. 8, 27. sodann die nom. pr. liut-olf, liut-sint liut-përaht, liut-prant, liut-pald (woraus leopold entstellt ist). — alts. liud-kunni. — ags. lëód-bëalo (pernicies) Beov. 130. lëód-byrig (civitas) Cädm. 54. Beov. 184. lëód-fruma (princeps) Cädm. 29. 51. 70. lëód-gëld (mulcta) lëód- gëard (civitas) Cädm. 39. lëód-hata (tyrannus) Cädm. 64. Jud. 10. lëód-hryre (jactura) Beov. 152. 178. lëód-magas (populares) lëód-mägen Cädm. 66. 67. lëód-scëare (gens) Cädm. 70. lëód-scëaða (diabolus) Cädm. 22. Beov. 157. lëód-scipe (gens) lëód-sërce Beov. 114. lëód-þeáv (mos regionis) lëód-vëras Cädm. 41. lëód-vërod (exercitus). — nhd. leut-priester, leut-gericht, leut-betrüger. ahd. luft (aër): ags. lyft-âdl (paralysis) lyft-ëdor (do- mus aërea) Cädm. 68. lyft-floga Beov. 173. lyft-hëlm (nu- bes) Cädm. 64. lyft-vynne (recreatio in aere) Cädm. 74. Beov. 225. — altn. lopt-eldr (fulgur) lopt-gina (chasma) lopt-teikn (meteoron) lopt-veifa (idem). — nhd. luft- röhre, luft-schloß, luft-sprung, luft-zug. magan , magin? (vis), ahd. makan, mekin: magen- chraft (majestas) N. 28, 3. 64, 7. 67, 5. 68, 6. Boeth. 127. makan-nôtduruft (summa necessitas) misc. 2, 289. magen- sûl (maxima columna) N. Boeth. 127. magan-wëtar (turbo) jun. 254. magen-wërch (magnificentia) und viele n. pr. als magan-gôƷ, magan-lôh, magan-rât, megin-hart, me-gin- hëlm, megin-pald, megin-poto, megin-rât, megin-frit, me- gin-wërh etc. — alts. megin-fard (bellum) megin-thiof (tri- furciser) megin-thioda. — ags. mägen-byrden (summum III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. onus) Beov. 123. 229. mägen-corder (ingens turba) mä- gen-cräft Cädm. 95. mägen-fultum (s. auxilium) Beov. 110. mägen-heáp (ingens caterva) mägen-räs (ing. impe- tus) Beov. 115. mägen-scipe (potentia) mägen-stân (ing. lapis) Boeth. 155. mägen-þreát (ing. turba) Cädm. 73. 75. mägen-þrym (majestas) mägen-vudu (ingens hasta) Beov. 20. — altn. megin-haf (oceanus) megin-hyggia (magnus animus) megin-rûnar (characteres efficaces) megin-tîr (glo- ria magna) megin-þörf (urgens necessitas) megin-þiód. — mhd. kenne ich nur magen-kraft troj. 3 c 67 c . — nhd. die eigennamen mein-hart, mein-fried, mein-werk. — engl. main-body, main-land, main-mast, main-sea, main- stream, main-stone, main-top, main-yard etc. magus (filius, puer): ahd. maka-zoho (nutritor) ma- ka-zoha (nutrix); mhd. entstellt magt-zoge Parc. 191 b Nib. 2890. 7925. — ags. mago-dryht (familia) Beov. 8. mago-räsva (caput fam.) Cädm. 36. 65. mago-rinc Cädm. 38. 50. Beov. 57. mago-þëgn (familiaris) Beov. 24. 33. 107. 112. 205. mago-timber (familia) Cädm. 26. 49. 102. mago- tuddor (proles) Cädm. 59. 132. man (homo, mancipium), form und bedeutung ver- laufen sich hier in ein unerreichbares alterthum. Einige mundarten trennen, z. b. die altn. das neutr. man (man- cipium, servus, serva, virgo) von dem masc. madr (= mannr) mit der form manna scheint in ablautsverhältnis minni (fe- mina) in meri-minni, vielleicht auch minnja (amor) vgl. oben s. 30. und das altn. man-söngr mhd. minne-sanc. . Im goth. erscheint mit einfachem n der gen. mans (f. manis?) nom. acc. pl. mans (f. manôs, ma- nans?) vgl. 1, 610. und ga-mans (socius) Luc. 5, 7. Phi- lem. 5, 17. 1. das abgeleitete adj. manags, das comp. pro- nomen man-hun (neben mann-hun, manna-hun) man- leika (imago) und mana-sêþs (neben manna-sêþs, mun- dus). Im ahd. gleichfalls das adj. manakêr, das pron. io- man, nio-man, sodann die oben s. 415. näher verzeich- neten composita maua-heit, mana-heitî (humanitas) ma- na-houpit (mancipium) mana-lîhho (imago) mana-përga (cancelli, gitter das einen birgt), ohne compos. vocal aber man-chunni N. 34, 23. 70, 14., man-ëƷo (ambro, menschen- freßer) N. Mart. Cap., man-pîƷo (ambro) mons. 413. sollte das oben s. 418. angeführte piro-man (ambre) man- piro zu lesen und in man-pîƷo zu beßern sein? man-slaht (homicidium) mons. 349. 384. 393. man-slecco mons. 327. 357. N. 5, 7. 25, 9. man-slago mons. 407. T. G g 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 26, 1; die n. pr. mana-liup, mana-loup (?) mana-kold (nhd. man-gold), falls letzteres nicht zu mani (monile) gehört? — alts. man-stërbo (pestis). — ags. comp. mit man (mon): man- æta (anthropophagus) man-bryne (febris) chron. sax. a. 961. man-bôt (mulcta hominis occisi) man-cild (puer) man-cvëalm, -cvild (pestis) man-cyn (genus hum.) Cädm. 59. man-dryhten Beov. 35. 94. 95. Cädm. 88. man- dreám (gaudium hum.) Beov. 96. Cädm. 28. 87. man-lîca (imago) Cädm. 55. 78. man-mägen (multitudo) man-rä- den (clientela) man-rîm (numerus hom.) Cädm. 39. 59. man-slege (homicidium) man-slaga (homicida) man-þëóf (fur) man-vîse (indoles) Cädm. 43. man-vyrð (aestimatio hominis). — altn. viele mit nn für die bedeutung homo: mann-baldr (rex) mann-biörg (auxilium) mann-burdir (virilitas) mann-dâð (virtus) etc. bei Biörn 2, 59-62; einige mit n für die bedeutung servus: man-sal (mercatus serv.) und virgo: man-söngr (carmen amatorium). — mhd. man-heit, man-slaht, vielleicht auch man-ëƷƷe (anthro- poph.). — nhd. mann-heit, mann-schaft. — engl. man- bote, man-child, man-eater, man-hater, man-kind, man- killer etc. marei (mare): goth. mari-sáivs. — ahd. marëo-sêo; meri-chalp, meri-gras, meri-grioƷ, meri-minni, meri-ra- tih, meri-snëcco, meri-scala u. a. m. auch die eigenna- men meri-poto, meri-lint, meri-gart. — ags. mere-cieste Cädm. 30. mere-fara Beov. 40. mere-fix Beov. 43. mere- flôd Cädm. 4. mere-grund Beov. 110. 157. mere-hengest (navis) Boeth. 118. mere-hregel Beov. 143. mere-hûs Cädm. 30. mere-stræt Beov. 41. mere-streám Cädm. 20. 73. 86. mere-torras Cädm. 73. mere-vîf Beov. 115. — altn. mar-backi (margo maris) mar-hâlmr (alga) mar- mennill (homuncio marinus) mar-svîn (delphinus) mar- þvari (lupus marinus). — mhd. mer-garte (mundus) cod. pal. 361. Annolied 444. Karl 38 b mer-grieƷ, mer-wîp u. a. marka (limes): hierher der volksname marco-manni? ahd. marh-man? marh-krâvo? und eigennamen wie marh-wart (marquardus) u. a. — ags. mëarc-land (con- finium) mëarc-stapa (limites habitans, percurrens) Beov. 103. mëarc-vëard (custos lim.) Cädm. 66. mëarc-þreát (limitanea cohors) Cädm. 66. — altn. mark-steinn. mats (cibus): mati-balgs (pera). — ahd. maƷ-sahs (cultellus) gl. sgall. maƷ-leidî (fastidium) N. 106, 18. — ags. mete-bëalg, mete-fätels (saccus ad cibum portandum) mete-lâfa (reliquiae cibi) mete-svam (fungus) mete-þgen Cädm. 65. — altn. mat-bord, mat-föng (cibaria) mat- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. giafir (alimenta) mat-hâkr (lurco) mat-leidi (fastidium cibi) mat-mâl (tempus prandii) mat-spörn (parcitas cibi) mat-sveinn (coquus) mat-urtir (olera) mat-þurfi (indigus) cibi). — mhd. maƷ-genôƷ (commensalis). maþl (concio): ahd. nur in n. pr. madal-gêr, madal-gart, madal-olf, madal-win. — ags. meðel-ern (praetorium) meðel- sted (concilium) Beov. 83. Cädm. 71. 74. 78. meðel-vord (verba concepta) Beov. 20. Es kommt zwar auch maðel vor, doch scheint meðel (mit -il abgeleitet und s. 112. zuzufügen) geläufiger. máin (noxa): ahd. mein-eid (perjurium) T. 30, 1. mein- tât (maleficium) hrab. 963 a N. 43, 22. 105, 37. O. I. 4, 16. IV. 6, 21. — alts. mên-dâd, mên-scatho (maleficus) mên- sculd, mên-githaht (prava cogitatio) mên-giwërk. — ags. mân-âð (perjurium) mân-dæd (scelus) Cädm. 11. mân- fëld (sceleratus campus) mân-fâcen (nequitia) mân-hûs (improborum domus) Cädm. 74. mân-scëaða Beov. 56. 102. 187. Cädm. 29. mân-svara (perjurus). — altn. mein- eiðr, mein-görd (nocumentum) mein-gripr (animal dam- nosum) mein-leiki (noxa) mein-semð (morbus) mein-sœri (perj.) mein-tak (violenta attrectatio) mein-tregi (dolor gravis) mein-vættr (malus daemon). — nhd. mein-eid. máiþms (res pretiosa): ags. mâðm-æht Beov. 122. 210. mâðm-ciste (gazophylacium) mâðm-fät (vas pretiosum) Beov. 179. mâðm-gife (donum pretiosum) Beov. 99. mâðm-hord (thesaurus) Cädm. 70. mâðm-hûs (id.) mâðm- hyrde (thesaurarius) mâðm-sigel (monile pretiosum) Beov. 205. mâðm-gestrëón Beov. 145. mâðm-vëla (opes) Beov. 204. — Keine der übrigen mundarten bewahrt comp. mit diesem wort. mêgs (affinis): ahd. mâg-scaf (cognatio) mâg-flaht (par- ricidium) N. 105, 37. — ags. mæg-älf (femina cognata) Beov. 194. Cädm. 40. 58. 130. mæg-burg (cognatio Beov. 214. Cädm. 70. mæg-bôt (cognati compensatio) mæg- gemôt (cognatorum conventus) mæg-gevrit (tabula ge- neal.) mæg-hämeð (incestus) mæg-morðor (parricidium) mæg-räden, mæg-scipe (cognatio) mæg-sibb (desgl.) mæg- vine (cognatus) Beov. 185. Cädm. 37. 66. mæg-vlite (spe- cies, similitudo) Cädm. 35. Boeth. 197. — altn. mâg-semð (affinitas). midjuns? (medium): midjun-gards οἰκουμένη γῆ , medi- tullium, medi-terra, wenn man so sagen kann, nach me- di-terraneus) Luc. 2, 1. versch. von faírhvus (mundus); ahd. mittin-gart (orbis terrarum, mundus) J. 340. 385. 386. 408; ags. middan-gëard Beov. 8. 58. Cädm. 4. 63. 86. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 133. spätere denkmähler haben middan-ëard. Andere dialecte componieren mit dem gleichbedeutigen mittil: ahd. mittili-gart (orbis) jun. 216. (mundus) T. 16, 1. 76. mittil-gart, mittel-gart T. 155, 1. 165, 1. 178, 2. 179, 1, 2, 3.; alts. middil-gard; der altn. mit dem bloßen midja (me- dium): mid-gardr (orbis), dem die Edda ût-gardr ent- gegensetzt. Noch ein schwed. volkslied hat medje- gård = konungsgård, das land, wo wir wohnen (visor 1, 140.). Vgl. goth. midja-sveipáins (diluvium). Daß midjun, mittin, middan, mittil, mid- einander ganz gleich- stehen, lehren weitere composita, z. b. ags. middan-vin- ter, neben mid-sumer und middel-hring, middel-tûn etc. ahd. mëtan-scaf (mediocritas) jun. 214. neben mëtel-scaf doc. 294. miss? missô? (vices, diversitas, defectus); in der an- geblich untrennbaren partikel mis- erblicke ich (wie in dem mit adjectiven componierten baúra-, pora-) ein wah- res subst. aus folgenden gründen 1) seine trennbarkeit zeigt sich theils in dem goth. missô (invicem), das hinter die pluralformen der persönlichen pronomina gesetzt zu werden pflegt, (beispiele cap. IV.), theils in dem altn. â mis (alternatim), wo die vorstehende praep. deutlich ein nomen verkündet. 2) der übergang der begriffe wechsel, abstand, abgang, fehler ist natürlich, das altn. mis bedeu- tet nicht nur per vices, sondern auch praeter, contra jus et aequum, de via und in der compos. tritt der begriff des wechselnden, wechselseitigen ( ἀλλήλως ) genug hervor, vgl. misdaudi, misnesi. 3) es gibt noch ein mhd. subst. misse (error) Parc. 113 a , das ohne zweifel schon ahd. war, obgleich ich es jetzt nicht belegen kann; aus ihm muß das schw. verb. missan (carere) jun. 181. O. I. 22, 40. II. 5, 36. V. 7, 19. oder missôn N. 108, 24. ags. missjan (er- rare) altn. missa (amittere) geleitet werden die eigentl. wurzel von miss, missô liegt verborgen, die ge- mination ss könnte, wie in vissa, qviss, stass, aus einer zusammen- ziehung erwachsen und mit , mid , miþ lauten, in letzterm falle ließe sich das lat. met vergleichen, das sich an persönl. pron. hängt, aber auch im sing. Verwandtschaft zwischen miss und dem adj. midja. so wie der praep. miþ ist mir nicht unwahrscheinlich. . — Subst. zusammensetzungen sind also: goth. missa-dêds (peccatum) missa-qviss (dissensio); ahd. (die gl. hrab. haben noch den comp. vocal a, andere quellen assimilieren ihn meist zu i; die gl. ker. geben mehrmahls bloßes mis-) missi-tât (pecc. error, commissio) mons. 355. 359. 389. mis-tât ker. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 121. 235. missa-huarpari (eversor) hrab. 972 b missa-huar- pida 961 b missi-fanc (excessus) mis-fanc ker. 110. 230. missi-triuwida (diffidentia) mons. 377. missa-zumft (disso- nantia) mons. 409. (wo bloß das verbum); ags. mis-byrd (abortio) mis-dæd, mis-fadung (mala dispositio) mis-gevi- der (intempestas) mis-lâr (prava doctrina) mis-ræd (fal- sum consilium) mis-ser, mis-sar (annus, semestre) Cädm. 37. 39. 51. 64. 107. das zweite wort verstehe ich nicht, weder im ags. noch altn.; âr (annus) liegt nicht darin, denn mis-æri ist verschieden und es steht kein ags. mis-gëar f. mis-ser, mis-sar. mis-vëorc (mala opera); altn. mis- æri (annonae caritas) mis-brëstr (varietas, defectus) mis- brigði (mutatio, delictum) mis-daudi (mors alterutrius) mis-eldri (dispar aetas) mis-ferli (error) mis-för (interi- tus) mis-grunr (suspicio) mis-indi (mediocratis) mis-minni (lapsus memoriae) mis-nesi (interseptum nasi) mis-seri, mis-siri, (tempus semestre) das zweite wort verstehe ich nicht, weder im ags. noch altn.; âr (annus) liegt nicht darin, denn mis-æri ist verschieden und es steht kein ags. mis-gëar f. mis-ser, mis-sar. mis-svëfni (diversitas somni) Fiölsv. 17. mis-unnan (invidia); mhd. misse-dâht (suspicio) misse-linge, misse-tât; misse-wende (vitium); nhd. mis- geburt, mis-griff, mis-gunst, mis-jahr, mis-wachs, misse- nur noch in misse-thât (nicht mis-thât). midus? (mulsum) ahd. mëtu, ags. mëodo, mëdo, altn. miödr: mëdo-ärn Beov. 8. mëodo-benc Beov. 60. 80. 82. 143. mëdo-burh Jud. 11. mëdu-dreám Beov. 151. mëdo- ful (poculum) Beov. 49. 78. mëodu-hëal Beov. 39. 50 më- du-seld Beov. 227. mëodo-sëtl Beov. 3. mëdo-sticg Beov. 71. mëodo-vong Beov. 124. mëdo-vyrt (herba quaed.). — altn. miad-drëcka (obba mulsi) miad-urt (ulmaria), vgl. das nom. pr. miöd-vitnir edd. sæm. 2 b 47 a mit der va- riante mod-vitnir. muk? bloß im alts. kenne ich moc-thief (summus la- tro), das ohne zweifel mit dem ahd. mûhëo (latro) gl. sgall. 195. mûhhari (grassator) ker. 139 und mûhhôn (gras- sari) ker. 140., wahrscheinlich mit mûhhil-suërt (sica) flor. 985 b und dem nhd. meuchel-mord, meucheln, meuch- lings, vielleicht mit muh-heimo (grillus) und muccha (musca, der schwärmenden?) altn. fluga (musca und assafinium a celeritate, muscae in- star Biörn). verwandt ist. muns? munus? (voluptas) nach dem altn. munr und dem alts. muni-lic (amabilis): daher die ahd. eigennamen muni-hilt, muni-frid, muni-gîsil, muni-mund? munds? (manus? auxilium) ahd. munt (palma) doc. 226 a ags. mund (manus): alts. mund-boro (protector) mund-burd (protectio). — ahd. munt-poro (defensor) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ker. 19. 287. mons. 394. munt-man (id.) N. 40, 10. — ags. mund-bora Beov. 112. mund-brëce (pacis violatio) mund- byrd (protectio) mund-grip Beov. 31. 59. 116. 145. — altn. mund-laug (malluvium) mund-ridi (ansa clypei). munþs (os) ags. muð-âdl (oscedo) muð-bërsting (fre- num). — altn. munn-flapr (vana verba) munn-biti (buc- cella) munn-mæli (adagium) munn-rœda (oratio non seripta) munn-varp (dictum inconsideratum) munn-vatn (saliva) munn-vik (canthus oris). — nhd. mund-fäule. môds (animus): ahd. muot-tât (facinus praemeditatum) muat-dât O. IV. 12, 91. muot-willo (propensio animi) O. I. 22, 32. IV. I, 80. — alts. muod-kara (luctus) muod- sëbo (sensus) muod-githâht (cogitatio) muod-thrac (tristi- tia). — ags. môd-cëare Beov. 134. 150. 232. môd-giomor Beov. 215. môd-hête (ira) Cädm. 39. môd-gehygd Beov. 20. môd-lufu (propensio) Beov. 137. môd-sefa Cädm. 12. Beov. 16. 29. 151. môd-sorg (luctus) Cädm. 18. môd-ge- þonc Cädm. 3. 78. 88. môd-þräc Beov. 31. — altn. môd- -akarn (cor) môd-guðr (n. pr. edd. snorr. p. 67.) môd- tregi (dolor animi). — mhd. muot-gedœne Trist. 8128. muot-wille. — nhd. muth-wille. nagls (unguis, clavus): ahd. nagal-hart n. pr. — ags. nägel-sëax (novacula). — altn. nagl-far (nomen navis). — mhd. nagel-friunt, nagel-mâc (cognatus) Oberl. 1107. na- gel-rinc (n. ensis). náuþs (vinculum): náudi-bandi. — ahd. nôt-durust (necessitas) K. 44 a doc. 227 a nôt-thurft T. 231. 3. nôt- meior (exactor) mons. 333. nôt-nâma (rapina) N. 68, 5. nôt-nëmo (raptor) jun. 188. nôt-numft (vis) mons. 403. nôt- pant zu folgern aus nôt-bendîg T. 199, 1. nôt-stallo (necessa- rius) Ludw. nôti-gistallo O. IV. 16, 8. nôt-suoh (exactio) mons. 358. 384. nôt-suana (examen) jun. 205. nôt-vriunt (necessarius) mons. 347. 362. doc. 227 a N. Boeth. 106. nôt-wëc (canalis) mons. 376. und die nom. pr. nôt-kêr, nôt-pald, nôt-olf etc. — ags. nŷd-bade (oder bâde? pignus) Beov. 47. nŷd-boda (invitus nuntius) Cädm. 72. nŷd-dæda (ne- cessario agens) nŷd-fara (nec. itinerans) Cädm. 67. nŷd- genga (id.) Cädm. 88. nŷd-maga (necessarius) nŷd-næme (violenta ereptio) nŷd-gestëalla (necessarius) Beov. 68. nŷd-þëarf (necessitas) nŷd-vyrhta (qui invitus agit) nŷd- vracu (vindicta) Beov. 17. — altn. naud-begja (arctissimae res) naud-hiâlpari (probatus amicus) naud-hæsi (extr. nec. remedium) naud-mâgr (affinis invitus?) naud-syn (neces- sitas) naud-verja (inculp. tutela) naud-þurst. — mhd. nôt- durst, nôt-hëlfære Barl. nôt-gestalle kl. nôt-gestalt troj. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. nôt-strëbe fr. belli. — nhd. noth-durft, noth-fall, noth- helfer, noth-taufe, noth-wehr, noth-zucht. neiþs (invidia): alts. nîth-scipe. — ags. nîð-draca Beov. 170. nîð-gäst Beov. 201. nîð-hete (odium) Cädm. 75. 81. nîð-scipe, nîð-sele Beov. 115. nîð-getëóna (gravis injuria) Cädm. 45. nîð-gevëorc Beov. 53. nîð-vräce (exi- lium) Cädm. 89. nîð-vundor Beov. 104. — altn. nîd- skâld (poëta probrosus) nîð-stöng (hasta in contumel. erecta) nîð-yrdi (verba contumeliosa). — mhd. nît-galle Trist. 15690. nît-lîder MS. 2, 144 b 145 a nît-spil MS. 2, 223 b nît-hart n. pr. — nhd. neid-hart. radrs? (coelum, firmamentum) alts. rador, ags. rodor, altn. rödull: ags. rodor-stôl (thronus dei). ragin (auctoritas, consilium): ahd. rakin-purkjo (ein angesehner, freier mann) die rachin-burgii, racin-burgii aus der lex sal. und rip. sind bekannt, sie heißen auch racine-burgii, regim-burgi, raim-burgi und gleichbedeutig boni homines Savigny rechtsg. 1, 177-185, wo unzuläßige ableitungen von rahha, rek (reiks) etc. vorgetragen werden; goth. volle form würde lauten ragina-baúrgja. Die bedeutung von ragin ist (wie von magin) bloß verstärkend. ; urkunden liefern die eigennamen re- gin-dëo, regin-rôc, regin-olf, regin-pald, regin-poto, ra- gin-bërn, regin-tac, regin-trud, regin-vrid etc. — alts. regin-scatho (maximus latro) regin-thiob (trifurcifer). — ags. regen-þëóf Cädm. 74. regen-vëard, rên-vëard (vir fortis) Beov. 60. (wo tadelhaft stehet venvearð). — altn. regin-fiöll (montes altissimi) regin-diúp (immensa prosun- ditas) regin-þîng (comitia) regin-leif (n. pr.). — mhd. nur in den eigennamen rein-bote, rein-frid, rein-mâr u. a. woraus die nhd. noch mehr entstellten reim-bot, reim-bold, reimer (f. rein-mer). randus? rands? (margo): ahd. rant-pouc (umbo) hrab. 951 b 976 b — ags. rand-beáh (umbo) rand-byrig (scutum) Cädm. 72. rand-gebëorh (idem) Cädm. 69. rand- viga (bellator) Cädm. 65. Beov. 99. 135. — altn. rand- fluga (culex) und die n. pr. rand-grið, rand-vër. — nhd. rand-glosse. rêds? (consilium): ahd. rât-këpo, rât-man, und die n. pr. rât-leih, rât-lint. — ags. ræd-bana (malisuasor) ræd-bora (consiliarius) Beov. 101. ræd-gifa (id.) ræd-þëah- teras (consiliarii). — altn. râd-bani (procurator necis) râd- gâta (aenigma) râd-giafi, râd-hërra (senator) râd-hûs (cu- ria) râd-krôkr (vafrities) râd-lag (propositum) râd-rûm III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (tempus consult.) râd-spiöll (pejoratio sortis) râd-stafi (providentia) râd-vîsi (prudentia). — mhd. rât-gëbe, rât- man, rât-vrâge. — nhd. rath-gêber, rath-haus. reim? (numerus): ags. rîm-cräft (ars numerandi) rîm- getäl (numerus) rîm-stafas (incantationes). — nhd. reim- kunst, reim-buchstab, reim-register, reim-zeile. rigns? (pluvia): ahd. rëgan-mânôt (m. defluus) mons. 356. rëgan-pogo (arcus coelestis) jun. 205. rëgen-wind N. Boeth. 110. — ags. rëgen-boga, rëgen-scûr (imber) rëgen-vyrm (lumbricus). — altn. rëgn-bogi, rëgn-dagr (dies pluvius) rëgn-vatn, rëgen-vidri. — nhd. rêgen-bô- gen, rêgen-mônat, rêgen-schauer, rêgen-waßer, rêgen- wetter, rêgen-wind, rêgen-wurm. rûna (secretum): ahd. rûn-stabâ (literae secretae) K. 51 a rûn-hilt (n. pr.). — ags. rûn-cosa (pectus, secretum claudens) Boeth. 184 a rûn-cräft (magia) rûn-stafas, rûn- vita (amicus, arcanorum particeps) Beov. 101. — altn. kenne ich nur die uneigentl. comp. rûna-stafr und rûna- kefli. sals? (aula): ahd. vielleicht sali-lant, seli-lant flor. 982 a ? und die eigennamen sali-gast, sali-man, assim. sala-man? — ags. sele-ful (poculum aulae) Beov. 49. sele-gâst? gäst? (dae- mon, hostis aulae) Beov. 117. sele-räden Beov. 6. sele- reste Beov. 54. sele-scot (tabernaculum) sele-vëard Beov. 52. sele-þëgen Beov. 135. — altn. sal-gardr, sal-hûs, sal- kona (fem. cubicularia). — nhd. sâl-wächter, wärter. sarv? (machinae) ahd. saro, ags. sëaro (vgl. oben s. 188.): ahd. kann ich saro-wât, saro-hrinc bloß nach dem mhd. vermuthen, die urkundlichen eigennamen sara- man, sara-poto, sara-purc, sara-trûd haben in der wur- zel schwerlich â und ihr ableitendes o (u) scheint in a assimiliert. — sëaro-bend Beov. 156. sëaro-cräft (machina, argumentum) Boeth. 158 b sëaro-gimma (lapis pretiosus) Boeth. 181 b Beov. 88. 204. sëaro-net (rete affabre factum) Beov. 33. sëaro-nîð (insidiae) Beov. 46. 92. 203. 227. sëaro- þonc (dolus) Beov. 60. sëaro-vundor Beov. 71. — mhd. sar-balc Wigal. sar-rinc En. 67 c sar-wât kl. sáivs (mare): ahd. sêo-waƷar, sêo-vocal, und sicher andere, obgleich diese mundart lieber mit meri- zusam- mensetzt; bei spätern schon sê-waƷƷer N. 113, 8. sê-fogil N. 106, 35. — ags. sæ-älfen (siren) sæ-bât (navis) Beov. 69. sæ-bëorg (mons maris) Cädm. 72. sæ-brim (mare) sæ-clif (rupes mar.) Boeth. sæ-draca, sæ-fisc, sæ-flôd Cädm. 33. sæ-solde Cädm. 5. sæ-genga (navis) Beov. 141. 143. sæ-grund Cädm. 69. Beov. 45. sæ-lâc (navigatio) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Beov. 125. sæ-lâfe Cädm. 75. sæ-lâd (iter per mare) Beov. 88. sæ-lëóð (cantilena maritima) sæ-man (nauta) sæ-nässas (promontoria) Beov. 19. 45. sæ-net (sagena) sæ- rinc (miles marit.) Beov. 54. sæ-scëaða (pirata) sæ-strand, sæ-streám Cädm. 68. sæ-þëóf (pirata) sæ-væg (fluctus) Cädm. 83. sæ-vëall, sæ-vëard, sæ-vîcing (incola maris) Cädm. 70. sæ-vong Beov. 148. sæ-vudu (navis) Beov. 19. — altn. comp., welche die form sió- und sæ- haben können, verzeichnet Biörn p. 248. 249. 364. 365. 366. sáivala (anima): ahd. sêl-lôsunga (redemtio animae) N. 83, 3. — ags. sâvel-drëór (sanguis vitae) Cädm. 34. Beov. 200. sâvel-scëat (pecunia sepulchralis). — altn. nur uneigentl. comp. — mhd. müßen sein sêl-bat, sêl-dinc, sêl-geræte u. a. die noch später gelten. — nhd. seel-mörder, seel-sorge. saúrga: ags. sorh-vord (querela) Cädm. 19. sorh- vylm (dolor) Beov. 70. 150. ags. sib (pax, consanguinitas): sib-äðeling Beov. 201. sib-fäc (gradus cons.) sib-gebyrd Cädm. 42. sib-gedryht Cädm. 67. sib-gemâga Cädm. 71. sib-lufu (amor) Cädm. 1. sib-lâc (eucharistia) sib-räden, sib-scipe. — altn. sif- kona (cognata) sif-skapr, sif-spiöll (cognationis violatio). — nhd. sipp-schaft. ahd. siku , sigu (victoria): sige-êra N. Boeth. 64. sige- gëba (quae dat victoriam) ibid. sige-lob ibid. sige-nëmo (triumphator) N. Boeth. 64. 65. siga-numst hymn. 22, 2. mons. 326. sige-numst N. 64, 12. und viele n. pr. sigi-frid, sigi-hëlm, sigi-lint, sigi-louc, sigi-man, sigi-mund, sigi- përaht, sigi-poto, sigi-râm, sigi-rât, sigi-trûd, sigi-walt, in einem dipl. bei Neug. nr. 13. auch sigur-mâr, von dem abgeleiteten sigur. — ags. sige-beáh (corona) sige-beácen (trophaeum) sige-bëorn (heros) sige-bŷma (tuba) Cädm. 74. sige-drihten Cädm. 13. Beov. 32. sige-gefëoht, sige- folc, sige-reáf (toga triumphalis) sige-rîce (provincia) sige-tiber (victima) Cädm. 71. sige-þëód; andere sind mit dem abgeleiteten sigor componiert, wie sigor-leán ( βρα- βεῖον ) Jud. 12. Cädm. 62. sigor-vëorca (victoriae auctor) Cädm. 69. — altn. die n. pr. sig-födur, sig-geir, sig- mundr, sig-rûn, sig-tryggr, sig-tŷr, sig-valdi; doch die gangbaren wörter wiederum mit dem deriv. sigur: si- gur-fat (toga palmata) sigur-giöf (victima) sigur-hrôs (triumphus) sigur-kufl (galea pars amnii) sigur-laun (pal- marium) sigur-merki, sigur-ôp (ovatio) sigur-vinnari, und die n. pr. sigur-drîfa, sigur-linn. — Zweifelhaft ist das merkwürdige goth. sigis laun Philipp. 3, 14, nämlich entw. gar kein comp. (wie das lat. victoriae praemium), falls III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. sich ein subst. sigs mit dem gen. sigis beweisen läßt, oder mit einem abgeleiteten sigis (wie hatis, agis s. 270.) com- poniert, sigis-laun dem sigor-leán, sigur-laun parallel. Dann würden aber auch das ags. sigor, altn. sigur nicht zu den r-ableitungen (oben s. 141.) gehören, sondern zu de- nen mit ursprünglichem -s. Zu dem sigis-laun stimmt die form des burgund. n. pr. sigis-mundus st. sigi-mund, sëges-rîcus neben sëge-rîcus und in altfränk. denkmählern bisweilen sigis-bërtus, sigis-mêrus neben sigo-bërtus vgl. thoris-mundus. Uebrigens ist das altn. sira (dominus) franz. sire, verkürzung aus ags. sigora (sihora, Augustin. epist. 178.). . Sigurmund, sigur-përaht kenne ich freilich nicht. Die ältesten formen bei Tac. lauten sëgi-mêrus, sëgi-mundus. silubr (argentum): ahd. silupar-smid. — alts. silubar- scatt (num. argenteus). — ags. lëolfor-fät, sëolfor-smið. alts. sink (cumulus, divitiae) ags. finc: finc-sät Beov. 49. 92. 172. finc-gifa (largitor) Beov. 77. 102. 172. sinc-ge- strëôn Beov. 83. 94. sinc-þëgo (opum cumulatio) Beov. 214. sinþs (iter) ags. sið: sið-bôc (itinerarium) sið-boda (nuncius itineris) sið-fät (iter) Beov. 18. 196. sis? ein der näheren form und bedeutung nach dunkles wort (im altn. heißt sisa difficilia lente moliri, man vgl. auch das oben s. 192. angeführte sisuva), womit die westgoth. nom. pr. sise-butus, sise-nandus, so wie auch sisi-gis, sisi-fridus bei Procop, 2, 28. 3. 12, sisi-vera b. Maffei p. 144. componiert scheinen, vgl. σεσίθακος bei Strabo VII, 1; ahd. findet sich sisa-gomo, sise-gumo (pellicanus) mons. 349. jun. 267. blas. 72 a trev. 14 a , wo- für jedoch eine andere gl. bei Gerbert 137. huosigom setzt; ags. sise-mûs (glis, ris) bei Lye, ohne citat. skatts (numus): ahd. scaz-func (marsupium) jun. 213. scaz-wurso (libertus) mons. 377. — ags. scëatt-cod (crume- na). — altn. skatt-bôndi (tributarius) fkatt-kongr (rex tri- butarius) fkatt-land (provincia) fkatt-fkrist (censura). — nhd. schatz-meister. skilds? (clypeus) daher das langob. scil-por (armiger) f. scilt-poro (scutifer) P. Diac. 2, 28; ahd. scilt-riemo (lo- rum cl.). — ags. scild-burh Jud. 12. Cädm. 98. sclld-hrëó- ða (scutum vimineum?) Cädm. 65. scild-truma (testudo) scild-vëall Beov. 231. scild-viga (miles clypeatus) Beov. 24. — altn. fkiald-borg, fkiald-fetill (catena cl.) fkiald- mey (virgo clypeata) fkiald-sveinn (armiger) fkiald-þak (testudo). — mhd. schilt-gesteine, schilt-gespenge, schilt- veƷƷel, schilt-wahte. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. skip (navis): ahd. scëf-diup (latro) mons. 404. 413. scëf-man mons. 334. 411. scëf-prohho ker. 107. scëf-sanc mons. 337. scëf-saufi hrab. 961 a . — ags. scip-cräft (ars nautica) scip-fät (cymba) scip-flota (classis) scip-fyrd (exer- eitus nav.) scip-here (id.) Beov. 20. scip-hlâford (guber- nator) scip-lâd (iter nav.) scip-râp (funis nav.) scip-rô- ðor (gubernaculum) scip-sëtel (transtrum) scip-stëorra (po- lus arct.) scip-tëaro (bitumen) scip-vyrhta (naupegus). — altn. skip-braud (pauis nauticus) skip-brot (naufragium) skip-drâttr (subductio navis) skip-flak (tabula naufragii) skip-madr (nauta) skip-pund (libra) skip-rûm (locus in- ter nautas) skip-stiôrn (gubernatio) skip-tapi (amissio na- vis) skip-verjar (nautae). — mhd. schif-man, schif-meister schif-liut etc. ahd. spil (ludus): spila-hûs (theatrum) mons. 404. spi- lo-hûs jun. 257. spili-hûs mons. 366. spili-man (histrio) mons. 375. 388. spilo-man N. Boeth. 124. spila-stat mons. 404. spilo-stat mons. 377. spile-wort (jubilum) N. 76, 4, hierher die eigennamen spila-hart, spili-hart, spili-gërn. — mhd. spil-man, spil-geselle etc. stáins (lapis): ahd. stein-geiƷ (ibex) stein-loh jun. 224. stein-ofan ker. 56. steim-bort (?) Hild. steim-cawërf doc. 237 a stein-wurho (lapidarius) mons. 357. — alts. stên-grâb, stên-wëg. — ags. stân-äx (bipennis) stân-bill (desgl.) stân- bëorg (tumulus) Cädm. 48. Beov. 165. stân-boga Beov. 190. 200. stân-bricge (via lapidea) stân-bucca (ibex) stân- clëofu (rupex) Beov. 189. stân-henge (saxum pendulum) stân-hliðo (clivus) Beov. 107. Cädm. 75. stân-torr (turris) Cädm. 38. stân-gevëorc, stân-vyrhta (lapicida). — altn. comp. b. Biörn 330. 331. ags. altn. sund (fretum, mare, urspr. natatus) gehört zur wurzel nr. 360. scheint mit d abgeleitet und stehet f. sumd (wie rant f. ramt, s. 232.) die ahd. form würde vollstän- dig suumat vgl. altn. sundl (vertigo) mit nhd. schwindel von nr. 115. 386. lauten; goth. svumd, svumþ? bei Marini nr. 76. finden sich die n. pr. sumthaharius und sumthul- fus, deren letzterer recht gut ags. sund-vylf, altn. sund- ûlfr heißen könnte. Nach dem th wäre aber die ablei- tung þ (ahd. svumad, svumd?) obgleich im ags. durch- weg media geschrieben wird. Ags. composita sind: sund- gebland (aequor) Beov. 110. sund-bûend (maris incola) sund-hengest (navis) sund-nytte (?) Beov. 176. sund-rê- ced (domus marina) Cädm. 31. sund-vudu (navis) Beov. III subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 18. 143. — altn. sund-dŷr (animal natatile) sund-madr (natator) sund-magi (schwimmblase) sund-vördr (custos maris). triu (arbor): ahd. der eigenname triu-laug. — ags. trëóv-cynn (genus arborum) trëóv-stede (locus arb.) trëóv-gevëorc (opus lignarium) trëóv-västm (fructus) trëóv-vyrhta (opifex lign.) trëóv-vyrm (teredo). — altn. trê-madr (imago hom. lign.) trê-madkr (ligniperda) trê- ormr (teredo) trê-reidi (instrum. lignea) trê-skôr (calceus lign.) trê-smiðr (faber lîgn.) trê-telgja (idem) trê-virki (fa- brica lign.) triggva (foedus) ahd. triuwa, ags. trëov das ags. fem. trëóv (foedus) und neutr. trëóv (arbor) unter- scheiden sich componiert nur durch die bedeutung; vermuthl. sind sie beide auch in der wurzel verwandt, etwa wie robur (eiche und festigkeit) robustus (firmus) und wie wir noch baumfest, baum- stark sagen. : alts. trëu- logo (foedifragus) ags. trëóv-loga, trëóv-räden (pactum) Cädm. 50. þank? (gratia) so geschr. Luc. 17, 9. aber die stelle ist bedenklich: ahd. dancho-tât (gratiarum actio) jun. 207. vielleicht uncomp. danchô tât? n. pr. dancha-rât (tan- crêd f. thancrêd) danch-mâr, danch-olf danch-wart, danch-lint. — altn. þack-læti (gratitudo) þack-semi (mens grata) þack-râdr (n. pr.) þigns? (famulus), miles) ahd. dëkan, dëgan: ahd. thëgan-heit (officium, dignitas) O. I. 3, 35. thëgan-kind (puer masc.) O. I. 14, 41. und die n. pr. dëgan-hart (nhd. dêgenhard, dên-hard) dëgan-mund, dëgan-pald. — alts. thëgan-scepi. — ags. þëgn-hyssas (clientes) þëgn-räden (clientela) þëgen-riht (privilegium) þëgn-scipe (officium). — altn. þëgn-gildi (homicidii mulcta) þëgn-scylda (officium) þëgn-skapr (virtus). þiuda (gens): eigennamen theude-mirus, theude-linda, theudi-gotha, thiodi-gisila etc. — ahd. diot-puruc (civitas magna, populosa) doc. 208 a mons. 403. N. 95, 7. diot-wëc (via publica) fr. or. 1, 675. und viel n. pr. als diot-hëlm, diot-përaht, diot-râm, diot-rîh, diot-olf, diot-win, diot- lint, diot-purc etc. — alts. thiad-quâla (supplicium) thiod- scatho (summus latro). — ags. þëód-cyning Beov. 3. 160. Cädm. 41. þëód-dohtor Beov. 163. þëód-fëónd (publicus hostis) þëód-guma (homo popularis) Jud. p. 24. 26. þëód- land (provincia) þëód-licetere (summus hypocrita) þëód- loga (publice mendax) þëód-mägen (cohors) þëód-mëarc III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Cädm. 66. þëód-scëaða (publ. latro) Beov. 170. 200. þëód- scipe (gens) þëód-gestrëón Beov. 6. 93. þëód-þreá Beov. 16. þëód-vita (philosophus). — altn. þiód-braut (via re- gia) þiód-gata (actus publ.) þiód-hagi (celebris artifex) þiód-kôngr (monarcha) þiód-land, þiód-leid (via regia) þiód-râd (optimum consil.) þiód-skâld (insignis poëta) þiód-vëgr (via publ.) und die eigennamen þiód-rëkr, þiód-rærir, þiód-varta, þiód-vitnir. þiudans (rex): þiudan-gardi (domus regis). þras? ein dunkles subst. womit der vandal. eigenn. thrasa-mundus, thrase-mundus, auch trase-mundus ge- schr., componiert ist, vgl. P. Diac. 4, 53. 5, 16. 6, 30. Ahd. diplome kennen gleichfalls thrasa-munt, thrasa-muat. Ags. heißt þräs instita, limbus; altn. aber þras lis, þrasa litigare, vgl. die eddischen namen dôlg-þrasir Völusp. 13. lîf-þrasir, mög-þrasir Va f þr. 45. 49. þrasir bedeutet rixator Thorl. obs. bor. VII, 36. 139. Vielleicht gehört das mhd. trasen fragm. 24 b dazu. altn. þrek (robur, moles) ags. þrec, þräc: þräc-vig (bellum) Cädm. 66. þrec-vudu (scutum) Beov. 95. — altn. þrek-raun (tentatio fortitudinis) þrek-virki (res laboriosa). ahd. undja (fluctus) altn. unn, ags. yð: yð-geblond (mare) Beov. 104. 120. yð-hengest (navis) yð-lâd (iter mar.) Beov. 19. yð-lâfe Beov. 45. Cädm. 75. yð-lida Beov. 17. yð-mëaras (naves). vals? (strages) ags. väl, altn. valr, mhd. wal: ahd. wala-raupa (trophaeum, spolium) lex bajuv. 18. 3. wofür uncomponiert oder uneigentlich wales rouba jun. 253; n. pr. wala-hraban wala-frid, wala-mund. — ags. väl- bedd (sepulcrum) Cädm. 24. Beov. 74. väl-benn (vulnus) Cädm. 73. väl-bend Beov. 145. väl-clom (vinculum mor- tis) Cädm. 46. väl-cyrige, cyrie (bellona, parca) belege hat Lye, aber keine aus Cädm. und Beov. väl-deáð (strages) Beov. 54. väl-drëór (sanguis) Cädm. 24. 26. väl- fähð (inimicitia) Beov. 152. väl-fëall Beov. 129. väl-fëld (campus) väl-fyll (caedes) Beov. 12. Cädm. 34. 55. väl- fŷr (flamma) Beov. 85. 192. väl-gâr (telum) Cädm. 44. väl-gäst Beov. 101. 150. väl-grŷre (horror) Cädm. 66. väl-here Cädm. 43. väl-hlem (fragor caedis) Beov. 224. väl-mist (cladis caligo) Cädm. 72. väl-nîð (crudelitas) Cädm. 75. Beov. 155. 222. väl-räs Beov. 64. 157. 189. 218. väl- reáf (spolium) Beov. 92. väl-reste (sepulcrum) Beov. 215. väl-sëax Beov. 201. väl-fliht (caedes) Cädm. 69. väl-scëaft Beov. 32. väl-streám Cädm. 30. väl-stòl Aeðelst. väl-stov (locus pugnae) Cädm. 44. 56. Beov. 154. 221. väl-svenge III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Cädm. 24. — altn. val-blîstra (lituus bellicus) val-daugg (cruor) val-galdr (naenia) val-gerdr (parca) val-grind (n. pr.) val-köstr (cadaverum acervus) val-kyrja (parca) val-mey (parca) val-rân (exspoliatio cadav.) val-rauf (desgl.) val-rûnir (secreta caedis indicatio) val-slânga (ba- lista) val-stëfna (proelium) einzelne altn. comp. mit val- sind zweifelhaft, weil sie von val (electio) oder valr (accipiter) rühren können, vgl. val-brâd, val-höll (aula praestans); s. auch das folgende walah. . — mhd. wal-bluot fr. belli 34 b wal-stat Wigal. — nhd. wâl-platz, wâl-statt. ahd. walah (peregrinus) ags. vëalh: ahd. eigennamen walah-hëlm, walah-mâr, walah-frid? — ags. vëalh-baso (vermiculum) vëalh-hafoc (peregrinus accipiter) vëalh- stod (interpres) Cädm. 73. Boeth. p. 486. — altn. val- biörk (acer) val-hnot (juglans) val-land (gallia, italia); berührt sich valr (falco) mit dem ags. vëalh-hafoc? — nhd. wall-nuß. alts. warag (lupus, furcifer, exsul) ags. vëarh, altn. vargr: alts. warag-trëo (furca). — ags. vëarh-rôd. — altn. varg-dropi (filius exsulis). vaír (vir): ahd. wër-alt (seculum) wër-olt, assim. worolt; wër-këlt, wëri-gëlt (capitis aestimatio) zwetl. 122 a doc. 243 b wëro-dhëod (oben s. 417.) — ags. vër-old, vor-old, vëor- old f. vër-ëald? vër-beám (stirps hominum?) Cädm. 73. vër-gëld (cap. aest.) vër-hâd (sexus virilis) vër-mägð (homines) vër-mete (cibus hom.) vër-scipe (virilitas) vër-vulf (lycanthropus) vër-þëód (genus hum.) Cädm. 60. 71. Beov. 69. — altn. vër-öld (mundus) vër-fâng (connubium) vër-þiód. — nhd. währ-wolf. ahd. wëralt (mundus): worolt-thiot O. I. 2, 28. II. 2, 13. V. 16, 43. worolt-kraft O. II. 1, 1. worolt-kunni O. IV. 7, 76. worolt-enti O. V. 16, 40. wëralt-êra mons. 383. worolt-êra O. III. 15, 52. worolt-frist O. IV. 37, 76. V. 17, 13. wëralt-gigarawi (militiae cingulum) francof. 19. wëralt-kirida mons. 403. worolt-lant O. II. 13, 43. III. 22, 102. worolt-man O. III. 12, 4. 20, 314. IV. 7, 91. O. I. 23, 10. woroltî man entw. nicht componiert, oder in worolt-man zu ändern. wër- o t-man doc. 243 b mons. 385. worolt-ring O. II. 2, 26. III. 26, 74. IV. 7, 22. worolt-slihtî O. II. 2, 34. wëralt-sprâhhî (? sprâhha) mons. 407. wërolt-tât K. 23 b wëralt-diurida ker. 116. wëralt-chiwaldida J. 404. wëralt-wîsun mons. 341. wëralt-wîstuom mons. 292. wëralt-wolo (mammona) T. 37, 2. — alts. worold-rîki, worold-kuning. — ags. vor- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. uld-âre Beov. 4. voruld-candel (sol) Beov. 148. voruld- cräft Cädm. 83. voruld-cyning Cädm. 51. voruld-dæd, voruld-dreám Cädm. 28. 64. voruld-ëarsoð Boeth. p. 155. 157. voruld-fëoh Cädm. 47. voruld-hâd, voruld-lîf Cädm. 77. voruld-lust, voruld-men (laici) voruld-gescëaft Cädm. 3. 5. voruld-scëame (ignominia) voruld-spræce, voruld- strûdere (publ. grassator) voruld-þëgn, voruld-vëla (di- vitiae) voruld-vita (philosophus) voruld-vuldor (pompa) und noch andere, die Lye angibt. — altn. gar keine ei- gentl. comp. mit vëröld, vielleicht weil es selbst noch fühlbares compositum blieb (das ahd. worolt, ags. voruld ist mehr entstellt) und die vielen decomposita gemieden wurden? uneigentlich setzt man jedoch vëraldar-madr. — mhd. wërlt-man Roth. 2237. wërlt-wunne Roth. 1923. Trist. wëlt-tôre, wëlt-zage a. Heinr. 200 a 207 a . — nhd. welt-bau, welt-bürger, welt-geist, welt-kind, welt-kör- per, welt-lauf, welt-mann, welt-mensch, welt-theil, welt- weise. — Die bedeutung ist bald die des bloßen genitivs, bald die von weltlich, zeitlich, irdisch, bald eine ver- stärkende (voruldscëame, öffentliche schande, vor aller welt, infamia, wëltzage, ein feiger in jedermanns augen); unter weltweisheit wird aber ursprünglich die weisheit dieser welt verstanden. vaúrd (verbum): ahd. wort-bilidi T. 176, 3. wort-sâo ( σπερματολόγος ) doc. 245 a . — alts. word-têkan (indi- cium) ahd. wort-zeichan N. Boeth. 29. mhd. wort-zeichen Oberl. 2059. später entstellt in wâr-zeichen und isländ. in jar-teikn, dän. jer-tegn; vgl. altn. ord-tak. . — ags. vord-bëót (comminatio) vord-cvide (edic- tum Cädm. 82. 86. 89. Beov. 138. 139. 205. vord-gyd (carmen) Beov. 235. vord-hord (custodia verborum = os) Boeth. 156. Beov. 22. vord-loca (dialectica) vord-loga (mendax) vord-riht (verba diserta) Beov. 196. Cädm. 63. vord-sâvere (seminator verb.) vord-vîsa (sophista). — altn. ord-bragd (rumor) ord-fall (haesitatio) ord-ferill (modus loq.) ord-flaug (rumor) ord-gifr (fem. loquax) ord-gnôtt (facundia) ord-hâkr (convitiator) ord-hnittir (sophismata) ord-rômr (fama) ord-rœda (sermo) ord-sendîng (nuncius) ord-snilli (eloquentia) ord-tak (proverbium, symbolum). vêgs (fluctus): alts. wâgo-strôm. — ags. væg-bora (monstr. marinum) Beov. 109. væg-bord (navis) Cädm. 31. væg-fär (navigatio) Cädm. 69. væg-holm Beov. 19. væg-streám (fluentum) Beov. 69. væg-svëord Beov. 113. gehört wohl anderswohin? væg-þële (navis, arca) Cädm. H h III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 31. 33. 34. væg-þreá Cädm. 34. væg-þreát Cädm. 31. — altn. vog-rëk (res naufragae). veig? (caedes): ahd. wîc-got (mars) doc. 244 a wîc-kiga- rawi (procinctus) wîg-horn (tuba) N. wîg-hûs (propugnacu- lum) W. 4, 4. 7. 4. wîg-gewâfene W. 4, 4. und die nom. pr. wîki-hraban (später wickram) wîki-hart, wîki-rîh, wîki- lint. — ags. vîg-bëalo Beov. 153. vîg-bil Beov. 121. vîg-bora (belliger) vîg-bord Beov. 175. vîg-cräft Beov. 218. vîg-cyrm (clamor) Cädm. 44. vîg-fruma Beov. 52. 169. vîg-grŷre Beov. 98. vîg-heáfola (galea) Beov. 198. vîg-heáp Beov. 38. vîg-hête Beov. 159. vîg-hryre Beov. 122. vîg-hûs (domus bellica) vîg-lëóð (classicum) vîg-man (bellator) vîg- sigor Beov. 118. vîg-sið (exped. bell.) Cädm. 46. vig-smið (bellator) Cädm. 58. vîg-vägen (currus b.) — altn. vîg- dîs (bellona) vîg-hëstr, vîg-lŷsîng, vîg-skörd, vîg-tennur (dentes canini) vîg-vêl (stratagema) vîg-völlr (locus pug- nae) und die n. pr. vîg-dalir, vîg-dvalinn, vîg-olfr etc. — mhd. wîc-wer fr. bell. 30 b 34 b wîc-liet das. 28 a 43 b . vein (vinum): goth. comp. oben s. 412. 413. — ahd. s. 416. 420. denen zugefügt werden kann wini-scencho (fusor vini) mons. 337. f. wîna-sc. wîn-truosana (vinacea) mons. 400. — ags. vîn-ärn Beov. 51. vîn-burh Cädm. 75. 88. vîn-gedrinc Jud. 10. vîn-gëard Cädm. 35. vîn-rê- ced Beov. 56. 67. vîn-sele Beov. 54. 60. 183. Cädm. 93. 98. vîn-tifor (libatio) vîn-þëge Cädm. 75. — altn. vîn- ber, vîn-gardr, vîn-gôlf, vîn-gud (bacchus) vîn-hûs, vîn- seljari, vîn-steinn, vîn-svëlgr, vîn-trê, vîn-vidr (vitis) vîn-yrkja. veiti? (supplicium): ahd. wîƷi-poum (patibulum) jun. 242. wîƷi-thrûunga (pascha) ibid. — ags. vîte-brôga (hor- ror suppl.) Cädm. 2. vîte-hûs (orcus) Cädm. 2. vîte-lâc (suppl.) Cädm. 55. vîte-räden (mulcta) vîte-scräf (ge- henna) Cädm. 105. vîte-tôl (instr. poenae). ahd. witu (lignum, silva): ahd. comp. s. 419. — ags. vudu-älfenne (dryades) vudu-beám Cädm. 21. 86. vudu- bind (herba silvestr.) vudu-culfre (palumbes) vudu-fin (ligni strues) u. a. m. vilja (voluntas): in der goth. quittung das nom. pr. vilja-riþ (?vilja-rêþs). — ahd. wili-hruomo (voti compos) doc. 244 a und die n. pr. wili-chomo, wili-danch, wili- hëlm, wili-hart, wili-gart, wili-munt, wili-muot, wili- përaht, wili-poto, wili-prort, wili-purc, wili-rîh, wili- rât, wili-frid. — alts. wil-spël (evangelium). — ags. vil- hoda (gratus nuncius) vil-cuma (gr. advena) Beov. 32. vil-däg (desiderata dies) Beov. 113. vil-fæmne (devota) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. mulier) vil-gëofu (donum) vil-sele (devota domus) vil- sið (iter exopt.) Beov. 19. vil-gesið (comes exopt.) Beov. 4. vil-gestëalla Cädm. 47. vil-vong (amoenus campus). — altn. vil-kör (benevolentia) vil-mögr (domesticus) vil- mæli (verba favorab.) vil-yrdi (promissio) und die n. pr. vil-meidr, vil-mundr, vil-hiâlmr. — mhd. wille-klage, wille-kür. wille-tôre Vrîb. 5192. — nhd. will-kür. vinjis? (amicus): in der goth. quitt. das n. pr. vin- jai-friþas s. vinja-fr.? — ahd. wini-scaf (amicitia) jun. 176. und die n. pr. wini-hart, wini-leih, wini-lint, wi- ni-man, wini-munt, wini-pald, wini-rât, wini-frid etc. — ags. vine-dryht (foederati) Beov. 202. 235. vine-dryhten. Beov. 67. 121. vine-mæg (cognatus) Beov. 7. Cädm. 24. 56. vine-scipe (sodalitium) — altn. vin-fengi (amicitia) vin-gœdi (desgl.) vîn-kona (amica) vin-mæli (amica compellatio) vin-sæld (gratia) vin-gôlf edd. sæm. 90 b . — visands ? (bubalus) kommt für sich als goth. n. pr. vor (Procop. 2, 11. 13, 22.), eine zus. setzung οὐϊσανδα-βαν- δαλάριος wäre möglich, aber Proc. 1, 18. stehet zweimahl οὐϊσανδος βανδαλάριος unverknüpft; ahd. begegne ich dem ortsnamen wisunt-wangas neben dem uncomponier- ten wisuntes w. (oben s. 343.). vulþus (gloria) ahd. woldar, ags. vuldor: ahd. n. pr. woldar-hilt, woldar-niu. — ags. vuldor-beáh (corona gl.) vuldor-blêd Jud. p. 23. vuldor-cyning Cädm. 1. vuldor- fäder, vuldor-gâst Cädm. 62. vuldor-hama Cädm. 82. vul- dor-spêd Cädm. 3. vuldor-gestëald Cädm. 2. 75. vulfs (lupus): ahd. wolf-piƷo (lyciscus) trev. 11 b wolf- vorz (eine pflanze, λυκόπορδον ) doc. 245 a und die n. pr. wolf-hart, wolf-hëlm, wolf-hûn, wolf-kanc, wolf-lint, wolf-hraban (wolve-râm) wolf-prant, wolf-win u. a. m. — ags. vulf-hole (lupinarium) und der eigenname vulf- stân. — altn. ûlf-liðr (carpus) ûlf-ûð (animus lupinus), die n. pr. ûlf-dalir, ûlf-siâr, ûlf-rûn etc. vulkn? (nubes): ahd. nur die n. pr. fem. wolchan- drût, wolchan-gart. — alts. wolkan-skion. — ags. volcen- faru Cädm. 83. volcen-gehnâste (uach Lye coeli im- mensitas). ahd. wuntar (mirac.): ahd. wuntar-zeihhan. — alts. wundar-quâla (summum suppl.) wundar-têkan. — ags. vundor-deáð (mors admiranda) Beov. 225. vundor-sät (vas egregium) Beov. 59. vundor-mâðum (cimelium) Beov. 162. vundor-smið (artifex) Beov. 127. — altn. undur- furda (prodigium) undur-læti (admiratio). — nhd. wunder- kind, wunder-quelle, wunder-that, wunder-zeichen. H h 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. B. verzeichnis nach dem zweiten wort. agisa? (terror) ahd. ekiso, ags. egesa wird gern für die schrecknisse der überschwemmung, des erdbebens gebraucht, vgl. O. V. 4, 43 und in der E. H. heißt es: wirkid thie gëbenes strôm egison; altn. ist das meer selbst œgir (das grauenvolle) genannt. : flôd-egesa Cädm. 72. väter-egesa Beov. 96. ahd. aƷƷasi (suppellex) über dies dunkle wort selbst vgl. oben s. 267., für aƷ-Ʒasi scheint das ags. ät-gâr (telum) ahd. aƷ-gêr, aƷi-gêr zu sprechen (Wigal. p. 523); beides Ʒ oder z, a oder â unsicher. : îsarn-aƷƷasi (ferramentum) K. 40 b doc. 245 b . scrîb-aƷƷasi (cautio) T. 108. badi (lectus): ahd. fëdar-petti sgall. 202. fëder-bette N. Boeth. 84. prût-p. jun. 187. traga-b. T. 88. vart-b. trev. 62 a wurz-b. W. 5, 13. 6, 1. — ags. brŷd-bed, deáð-bed Beov. 215. hlin-bed ( κλινίδιον ) so beßere ich Beov. 225. läfer-b. (juncetum) lëger-bed Beov. 77. nió-bed (mir unverst.) Cädm. 9. väl-bed Cädm. 24. Beov. 74. — mhd. span-bette Parc. 55 b . — nhd. braut-bett, fêder-b. moos-b. stroh-b. ruhe-b. tod-b. bagms (arbor, lignum) bei Ulf. mehr als triu, denn er sagt veinatriu, wie wir noch heute weinstock, nicht weinbaum; ags. ist trëóv allgemeiner. : alêva-bagms, báina-b. peika- b. smakka-b. — ahd. affalter-boum W. 8, 5. fîg-boum (be- lege s. 420.) hleitar-paum K. 26 b hnuƷ-boum blas. 5 a nuƷ-b. trev. 16 b chrieh-poum (cerasus) sgall. chriesi-p. mons. 414. kirs-boum trev. 16 b kirse-b. blas. 51 a lôr-poum (laurus) mons. 414. trev. 16 a blas. 51 a jun. 327. mandil-b. blas. 51 b mële-boum (lentiscus) blas. 51 b trev. 16 b mûr-boum (sico- morus) T. 114. N. 77, 46. mit verwandlung des r in l mûl-b. trev. blas. l. c. ôli-boum (olea) trev. blas. palm- boum W. 7 8 [wofür bal-b. pal-b. trev. blas.] peri-paum (arbusta) ker. 39. pîn-poum (pinus) sgall. pira-poum gl. sgall. piro-p. zwetl. 129 a spëre-boum (esculus) trev. blas. spinnila-poum (fusarius) sgall. spinnili-b. mons. 414. stel- boum (hesperus) trev. 22 b alter sternname? wëppe-b. trev. 51 b tirn-poum (cornus) mons. 406. — ags. firgen-beám Beov. 107. gâr-beám Cädm. 68. glëó-beám Beov. 169. vër-beám (stirps hom.) Cädm. 73. vudu-beám Cädm. 21. 86. — altn. ætt-badmr (arbor geneal.) hâr-badmr (arb. comata) sæm. edd. 3 b 89 a (vgl. 45 b badmr or hâri). — mhd. kërs-boum Eracl. 3359. lôr-boum Mar. 27. Bit. 101 a œl-boum Parc. 20 a schrank-b. Bit. 95 a tan-b. cod. pal. 361, 3 a vîc- boum? (Parc. 123 c Loh. 154. schon vîgen-b.) wuocher-b. MS. 2, 211 b . — nhd. apfel-baum, bûch-b. eich-b. man- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. del-b. kelter-b. nuß-b. œl-b. palm-b. stamm-b. weber- baum, und mit eingeschobnem beere lor-beer-baum, maul- beer-baum, die meisten andern haben -en. balgs (uter): mati-balgs (pera). — ahd. ûder-balg N. 32, 7. — ags. blâst-bälg (follis) mete bälg, vîn-b. — mhd. sar-balc Wig. bani (vulnus): ags. fëor-benn Beov. 204. väl-benn Cädm. 73. banja? (occisor): ags. deáð-bana (homicida, so lese ich st. Lyes dæð-bana) ecg-bona (qui ense interimit) Beov. 187. gâst-bona (deus ethnicus? qui animam eripit?) Beov. 16. sërhð-bana (interfector) Cädm. 71. fëorh-bona (id.) Cädm. 24. 46. Beov. 184. hand-bona (qui manu sua interficit) Beov. 37. 101. 186. muð-bona (qui ore devorat hominem) Beov. 159. ræd-bana (necem suadens). — altn. hand-bani Hym. 27. höfuð-bani (percussor) râd-bani (pro- curator necis). bandi (vinculum): eisarna-b. náudi-b. — ahd. haupit-pant hrab. 969 a flegil-bant trev. 62 a . — ags. cëar-bend? (vincl. doloris stimmt nicht zum sinn, Grundv. beßert oncer- bend, anchora) Beov. 144. fŷr-b. Beov. 56. hyge-b. Beov. 141. hell-b. Beov. 228. îren-b. Beov. 60. 77. lióðo-b. (?) Cädm. 9. sëaro-b. Beov. 156. väl-b. Beov. 145. — altn. höfuð-band. — mhd. hëlm-bant, minne-bant Trist. na- se-bant, nôt-bant, slôƷ-bant Barl. ags. benc (scamnum): ëalu-b. Beov. 79. 213. mëdu-b. mëodo-b. Beov. 60. 80. 82. 143. worauf bier, meth getr. wird. basi (bacca): veina-basi (uva). — ahd. ërt-peri (fra- gum) lindenbr. trev. blas. hint-peri (rubus idaeus) unbe- legbar, aber nicht zu bezweifeln, das erste wort ist hinta (cerva, die solche beeren freßen soll) lôr-peri, mûr-peri, wîn-peri. — ags. hind-berje, vîn-berje (fem.). — altn. vîn-ber. — nhd. erd-bêre, him-bêre (f. hind-b.) heidel-b. maul-b. wein-b. wacholder-b., alle fem., nur lor-bêr ist neutr. oder masc. bain? (os): ahd. [-pein und -peini] ahsal-pein ker. 119. chinni-pein cass. 853 a kinni-beini sgall. elfant-pein hrab. 962 b hals-pein flor. 983 a hrucki-peini cass. 853 b mons. 349. prust- peini jun. 220. flunt-pein blas. 21 a zagil-pein flor. 983 a . — ags. brëóst-bân, elpen-bân (ebur) f. elpend-b. hrycg-b. hup-b. (limbus) vido-bân (clavicula). — altfries. hensze- bên, nose-bên, wide-bên Br. §. 198. As. 216. — altn. hâls-bein, kinn-b. vid-bein. — mhd. ahsel-bein troj. 23 b III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Trist. brust-b. Trist. buoc-b. Trist. hirne-b. Parc. 117 b helfen-b. (ebur) P. 56 a huf-bein Trist. kinne-b. Iw. Wigal. nâdel-b. MS. 2, 186 b . — nhd. brust-b. elfen-b. fisch-b. hals-b. hüft-b. tischb. schlüßel-b. steiß-b. baírgs (mons): ahd. viele ortsnamen, z. b. himil- përac, vëlt-p. fridu-p. etc. suoƷstanch-përg N. 91, 13. altn. himin-biörg, val-biörg (plur. neutr.) baírga? (tegmen, refugium) fem., doch schwanken die comp. in numerus und geschlecht: ahd. lini-bërgâ (cancelli, reclinatorium) doc. 223 a W. 2, 10. 3, 9. flor. 988 a , frühere form wohl hlina-përga? von hlina, nhd. lehne; heri-përgâ (diversorium, tabernaculum) jun. 228. N. 45, 5. 59, 8. 83, 3. 107, 7. W. 1, 8; mana-përgâ (can- celli) wirceb. 977 b (wo-pirge); pein-përgâ (ocreae) sgall. jun. 216. mons. 412. vgl. lex rip. 36. bainbërgas bonas; wint-përgâ, wint-bërge herrad. 188 b ; diese ahd. comp. setze ich in der gewöhnl. pluralform an, will aber den sg. nicht leugnen. — ags. bân-bëorgas (ocreae) also masc., zweifelh. here-bëorgas? von hals-bëorg, lîc-bëorg (sar- coph.) gibt Lye nur den sg. cin-bërge (tegmen genarum) Cädm. 66. ist zweifelhaft. — altn. hâls-biörg (thorax) sem. sg., her-bërgi aber neutral, mann-biörg (auxilium) fem. sg. — mhd. hals-bërc, hals-përc masc. sg. Wigal. Trist. etc. (Nib. bloß der pl.) da sich kein ahd. hals-përc findet, so scheint das mhd. wort aus dem rom. hauberc, halberc wieder aufgenommen, das freilich deutsches ursprungs ist; auch aus herbërge wurde auberge, albergo. ; her-bërge, meist im pl. fem. — nhd. her-berge sg. fem. — Endlich fallen hierher verschiedne ahd. weibsnamen, die aber nicht nach erster decl. -përga, sondern nach vierter -pirc zeigen: adal-pirc, hruod-pirc, rât-pirc, wili-pirc etc., auch das altn. vil-biörg (sæm. edd. 46 a ) scheint nom. pr. baírns? (ursus, vir nobilis) ags. bëorn, altn. biörn: ahd. n. pr. adal-përn, magan-përn, regin-përn, hruod- përn, diot-përn u. a. m. — ags. folc-bëorn (princeps) Beov. 166. guð-bëorn (heros) Beov. 26. sige-bëorn. — altn. nom. pr. âlf-biörn, âs-b. geir-b. gunn-b. hrôð-b. iötun-b. îs-b. ketil-b. megin-b. stein-b. vîg-b. u. a. m. — Das entsprechende fem. lautete ahd. pirin , womit fol- gende namen componiert sind: adal-pirin, âs-pirin, gêr-p. hruod-p. sigi-p. wolf-p. etc. baíra? (-fer): altfries. walu-bëra (palmarius, stabträ- ger, pilgrim) As. 18. von walu (baculus) altn. völr alt- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. franz. gaule. — altn. brêf-bëri (tabellarius) eld-bëri (igni- tabulum) liós-bëri (lucerna) hiâlm-bëri edd. sæm. 46 a rôg-bëri (calumniator) der unterschied zwischen baira und -baúra erklärt sich nach oben s. 81.; eins ist aus dem praes., das andere aus dem praet. geleitet, jenes den bringer, träger ausdrückend, dieses den, der gebracht, getra- gen hat. Letzteres ersetzt in allen ähnl. fallen das verlorne part. praet. act. Beide aber mischen sich und zum theil dialectisch, im altn. gilt nur -bëri, kein -bori, im ags. nur -bora, kein -bëra. Auch im lat. wechseln -fer, -ger mit -lator, -gestor, obgleich letz- tere nicht eigentlich componiert werden. . baírô? (fem. pariens): nur das ahd. chnëht-përa (puer- pera) kenne ich aus ker. 229. und das altn. n. pr. kost-bëra. báugs? (corona tortilis): ahd. arm-pouc (armilla) hals- p. jun. 190. rant-p. (umbo) hrab. 951 b 976 b ker. 11. — ags. ëarm-beáh, hëals-b. Beov. 91. 162. rond-b. — altn. arm-baugr. — mhd. arm-bouc Nib. baúra? (lator): ahd. arunt-poro (nuncius, supplex) ker. 119. 256. chumpal-poro (cohors, vielmehr signifer?) ker. 180. munt-poro (auxiliator) ker. 19. 287. scilt-poro (scutifer) wofür scil-por bei Paul Diac. — ags. cäg-bora (claviger) Cädm. 102. loc-bora (comatus, i. e. nobilis) mund-bora Beov. 112. ræd-bora (consiliarius) Beov. 101. räs-bora (bellator) sôð-bora (vates, astrologus) stræl-bora (sagittifer) væg-bora Beov. 109. eher das im waßer ge- borne ungeheuer (der sæ-draca 108.) als das waßertra- gende? vielleicht waßeraussprützendes? — mhd. mag das einzige munt-bor (advocatus) bestehen, ich kann es aber aus keiner reinen quelle weisen, nur aus dem noch spä- ter üblichen, gerichtlichen mundber, momper etc. ver- muthen. Vielleicht fällt der niedersächs. name des storchs hierher: ade-bar, ade-ber, schon in der gl. jun. 267. ode- bore, plattd. ae-bär, ê-ber, âtje-bar (brem. w. b. 1, 285. vgl. 1, 31.) mnl. hode-vare (s. l. Rein. p. 342.) nnl. ôije- vâr, wiewohl ich das erste wort darin nicht verstehe. baúrgs (urbs): hiermit werden in allen dialecten viele ortsnamen componiert, z. b. ahd. asci-purc, hasal-p. salz- p. strâƷ-p. waƷar-p. etc. bland? (mixtio): ags. sund-gebland (motus maris, mare) Beov. 110. vind-blond (motus venti) Beov. 233. yð-ge- blond (m. undarum) Beov. 104. 120. ags. brôga (terror) ahd. pruoko: ags. bille-brôga Beov. 46. here-brôga Beov. 37. vîte-brôga Cädm. 2. brunjô? (lorica): ags. guð-byrne Beov. 26. hëaðo-b. Beov. 117. here-b. Beov. 161. îsern-b. îren-b. Beov. 52. 221. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. bruzds? (apex) ahd. prort, altn. broddr; ahd. vgl. endi- prort s. 447. und das n. pr. wili-prort; altn. höd-broddr. buda? (nuncius): ahd. prûti-poto (paranymphus) doc. 204 a sunni-boto (gerulus sunnis, vgl. lex sal rip.) trev. 43 a blas. 34 b walt-poto (procurator) doc. 242 b und die nom. pr. hilti-poto, kêr-p. mahal-p. megin-p. rât-p. regin-p. sara- p. sigi-p. traga-p. wili-p. — ags. nŷd-boda Cädm. 75. sið-b. Cädm. 68. spëll-b. Cädm. 54. 73. 84. buga? (arcus): ahd. elin-pogo sgall. rëgan-pogo sgall. satal-bogo zwetl. 112 b . — ags. flân-boga Beov. 109. 132. horn-b. Beov. 182. Jud. 11. hring-b. Beov. 191. scûr-b. (iris) Cädm. 35. stân-b. Beov. 190. 200. — altn. ætt-bogi (genealogia) rëgn-b. södul-b. stein-b. — mhd. ellen-boge MS. 1, 102 a 127 a horn-b. Nib. 5110. rëgen-b. satel-boge Parc. 71 b 93 a Wigal. 2526. videl-b. Nib. dags , auf dreierlei weise 1) in der frühe schon ver- flüchtigten bedeutung von lux, splendor (vgl. vorhin s. 451): die ahd. nom. pr. alp-tac, hëlm-tac, hruod-tac, regin-tac (mhd. regen-tac Bit.) sigi-tac u. a. m., besonders häufig sind sie im alts. (namentlich bei Falke traditt. corb.): alac- dag, alf-d. bërn-d. evir-d. folc-d. hëlm-d. heri-d. hildi-d. hrôd-d. liud-d. megin-d. os-d. ragen-d. rîc-d. sî-d. (f. sigi-d.) thëod-d. werin-d. wil-d. wulf-d. Ags. finde ich bäl-däg, vëg-däg und svëf-däg in der chron. sax. (In- gram p. 23. 24. 28), die den altn. bal-dagr, vëg-dagr, svip-dagr (Snorra-edda sormâli p. 14.) entsprechen, doch wird nicht baldagr gesagt, sondern baldr, das nicht aus jenem verkürzt sein kann, da es ein ableitendes r hat (gen. baldrs, nicht balds). — 2) in der gewöhnlichen be- deutung von dies: α ) die wochentage, bestimmten göt- tern heilig, haben ursprünglich keine eigentl. comp.; aus dem vorstehenden gen. bildet sich uneigentliche, ahd. sunnûn-tac O. V. 5, 44., ags. sunnan-däg, altn. sunnu- dagr; ahd. mânin-tac (ohne beleg) ags. monan-däg, altn. mâna-dagr; ahd. donares-tac, ags. þunores-däg, altn. þôrs-dagr etc. Doch mag schon ahd. mâna-tac gelten, denn N. 47, 1. hat mâne-tag und mhd. findet sich kein mânen-tac, nur mân-tac (z. b. Parc. 109 c 121 b ); über fria-dag O. V. 4, 12. frige-tag T. 211, 1. (d. veneris) mhd. frî-tac Parc. 108 a ist schwer zu entscheiden, altn. freyu-dagr und friâ-dagr; sambaƷ-t. T. 68, 1. samiƷ-t. N. 88, 40. 92, 1. (nach σάββατον ) scheint eigentlich com- poniert, Ulfilas setzt unverbunden zu dags den gen. pl. sabbatê oder sabbatô; vgl. noch pherin-tac hrab. 971 a . — β ) in andern fällen schwankt, bei eigentlicher zus. setzung, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. das ahd. tac in die schwache form tako ; so gibt die exh. hinter dem dat. suonu-tagin (die judicii) suonu-tage (so auch cod. cass., wo aber beidemahl richtiger a für u steht, sôna-tagin, sôna-tage) ein andres denkm. (misc. 2, 288) suono-takin, jedoch N. 13, 4. 100, 8. immer stark- formig suono-tag, suono-dag; gl. ker. 41. duldhi-daco (dies festus) 254. tulthi-dacon (annua) desgl. N. 80, 4. tult-tago (dies solemnitatis), derselbe fîr-tagen (sabbati) 37, 5, aber fîri-tage (sabbato) 37, 8; ferner mahal-tac (dies desponsationis) W. 3, 11. kipurti-dago (dies natali- tius) jun. 214. und endi-dago (dies noviss. O. IV. 7, 54; darf aus meddila-daccun (meridianus!) ker. 36. ein subst. mëddila-daco gefolgert werden oder bloß ein adj.? in ant-dago, an-dago (dies fixus) O. I. 9, 11. V. 11, 9. (aber an-dag I. 14, 1.) ist das erste wort kein subst., sondern die partikel ant. Alts. kenne ich das schwachformige ên-dago (dies fixus, fatalis), das im sinn zu dem eben- angeführten otfridischen worte trifft, allein mit dem zahl- wort ên (unus) zus. gesetzt ist, altn. ein-dagi, ags. ân- daga (vgl. Beov. 145. ân-däges) also wieder nicht hier- her gehört (ahd. ein-tako?). Die übrigen ags. comp. zei- gen nur däg, nicht daga: aldor-däg (dies vitae) Beov. 56. deáð-däg (d. mortis) Beov. 16. 68. dôm-däg (d. jud.) Cädm. 104. (unzus. gesetzt dômes däg Beov. 227.) ende- däg (d. ultimus) Beov. 50. 225. Cädm. 89. fëorh-däg (d. vitae) Cädm. 51. lîf-däg (idem) Beov. 62. 123. læn- däg (dies mutuo datus) Beov. 175 (wo fehlerhaft þendd.) 193. mæl-däg (d. constitutus) Cädm. 37. 51. svîg-däg (d. silentii) svilt-däg (d. mortis) Cädm. 28. Beov. 208. tîd- däg (d. vitae) Cädm. 27. tŷn-däg (d. luctus, calamitatis, = tëón-däg, oder wäre die zahl tŷn, decem gemeint?) Beov. 234. vin-däg, gevin-däg (d. laboris, aerumnae) Beov. 81. Cädm. 88; gëar-däg (d. antiquus) Beov. 3. 103. 167. Cädm. 37. scheint mehr mit der part. gëar (olim) zus. gesetzt, als mit dem subst. gëar (annus), unterschei- det sich aber von dem gleichbedeutigen ær-däg Beov. 12. 100. Cädm. 67. Viele dieser comp. stehen nur im plur. Altn. gelten meist uneigentliche compositionen dauða-dagr (d. mortis) dôma-dagr (d. judicii), dauða ist gen. sg. von dauði, dôma gen. pl. von dômr; eigentl. comp. ist aber far-dagi (dies itineris). Mhd. eigentlich comp. sind ende- tac (d. ultimus) Parc. 81 b Trist. 1934. nëbel-tac (d. nebu- losa) Parc. 142 c sumer-tac kl. 3342. suon-tac (d. jud.) Barl. 76. zorn-tac (d. irae, i. e. ult. jud.) Barl. 96., woneben aber uncomponiert stehet endes tac MS. 1, 109 a Wizlau 448. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. gëltes tac Wilh. 2, 152 a jâmers tac Wilh. 2, 166 a morgens tac Parc. 190 c stërbens tac Wilh. 1, 107 a strîtes tac Wilh. 2, 133 b urloubes t. Parc. 3 a vröuden tac Parc. 138 c u. s. w. Dar- aus entspringen die nhd. uneig. comp. gerichts-tag, geburts- tag, tôdes-tag, jahrs-tag. — 3) verschiedne composita ich verstatte mir, einige hier mit aufzuführen, deren erstes wort kein subst. ist. laßen den begriff von dies fahren und wenden dag in abstracter bedeutung auf zustände oder handlungen an (gerade wie in den zus. setzungen mit -mêl und -tîd ), wobei wiederum, doch nicht immer, dags in das schw. daga übertritt. Ahd. nakot-dag (nuditas) O. V. 20, 170. sieche-tago (morbus) W. 5, 8.; ags. blêd-däg (fructus) Cädm. 5. 38. und so verlieren sich ins allgemeinere auch unter den vorhin angeführten deáð-däg (mors) fëorh-d. lîf-d. (vita) mæl-d. (terminus) vin-d. (miseria); altn. âr- dagi (pueritia, antiquitas) bar-dagi (proelium) dauð-dagi (mors, versch. von jenem dauða-dagr) ein-dagi (terminus) mâl-dagi (contractus) skil-dagi (pactum) spur-dagi (fama) svar-dagi (juramentum) vëdr-dagr (aeris temperies). Mhd. lëp-tage (vita) häufig bei Conr., mahel-tac, mâl- tac (terminus) Oberl. s. v. nacke-tage f. nacket-tage (nu- ditas) Trist. schëlm-tac (pestis) Parc. 93 c siech-tage (mor- bus) a. Heinr. 144. troj. 7883. amgb. 20 b siech-tac (stark) Friged. 12 a , rîche-tage (divitiae) kenne ich nicht, wohl aber ein späteres westphäl. rîke-dage in diesem sinn. Nhd. sind diese wortbildungen verloren, die volkssprache gebraucht noch leb-tâge, leb-tâg (vita) und weh-tage (dolor) obersächs. wetter-tag f. wetter. Ohne zweifel liegt allen solchen wörtern die anfangs lebendige bedeu- tung von dies zu grunde. dáils (pars, portio): ahd. sippi-teil (affinitas); nhd. erb-theil, welt-theil. — ags. gedâl (separatio): aldor- gedâl (obitus) Beov. 62. frið-gedâl (idem) Cädm. 27. gâst-gedâl (id.) Cädm. 27. lîf-gedâl (id.) Cädm. 55. Beov. 65. voruld-gedâl (id.) Beov. 227. yrfe-gedâl (hered. di- visio). dáuþus (mors): ahd. scant-tôd N. 87, 8. — ags. guð- deáð Beov. 168. väl-d. Beov. 54. vundor-d. Beov. 225. dêds (factum): missa-dêds (peccatum). — ahd. firin- tât jun. 198. 205. T. 118. O. V. 21, 6. glust-tât N. 64, 1. mein-tât hrab. 963 a misc. 1, 19. mis-tât ker. 121. 170. muot-tât, palo-tât hrab. 963 a jun. 214. wër- olt-tât K. 23 b . — alts. ellëan-dâd (virtus). — ags. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. dëofol-dæd Cädm. 75. ellen-dæd Cädm. 12. Beov. 68. 69. firen-dæd Beov. 77. 126. hand-dæd (creatura) lâc-dæd (mu- nificentia) los-dæd Beov. 4. mân-dæd Cädm. 11. morð-dæd. — mhd. hant-getât, misse-tât, häufig uncomponiert heldes tât, riters tât etc. — nhd. misse-thât, wunder-thât, aber uneigentlich mannes-thât, ritters-th. helden-th. dôms? wird 1) an persönliche masc. gefügt und be- dentet dann stand, würde: ahd. chuninc-tuom, kheisar- toam ker. 161. leididh-duom (ducatus) J. 394. meistar-t. K. 16 a piscof-tuom (episcopatus) doc. 229 a schon N. 73, 3. entstellt in pisce-tuom, bisc-tuom trev. 39 b ; êwart-tuam (sacerdotium) K. 55 b 56 b . — ags. abbot-dôm, aldor-d. Cädm. 88. biscëop-d. cyning-d. Cädm. 87. cristen-d. hæ- ðen-d. ëorl-d. þëóv-d. (servitus). — altn. iarl-dômr (co- mitatus) konûng-d. mann-d. (status virilis) hërra-d. (prin- cipatus). — mhd. bis-tuom Parc. 120 b f. bischof-t. hei- den-t. Wilh. 1, 29 b 58 a 110 b herzen-t. (ducatus) Parc. 12 c 64 a f. herzoc-tuom? denn herzogen-t. wäre eine falsche, uneigentl. comp., die zwar Trist. 18690. steht, das metrum sordert herzoc-t. oder herzen-t., wie die varian- ten bei Groote bestätigen, Wilh. 2, 170 a Wigal. 410. ist ebenso zu beßern; vürsten-t. Tit. XII, 44, schwerlich in reineren quellen? rechte form wäre vürstuom. — nhd. bis-thum, burggraf-th. herzog-th. kœnig-th. kaiser-th, pabst-th. priester-th. christen-th. heiden-th.; man hat auch im 16. 17. jh. luther-th. mönch-th. gebildet; neuerdings erst und unorganisch volks-th.; fürsten-th. gilt aber allgemein f. fürst-th. — 2) seltner an persönliche fem. und neutra: ahd. thiarna-duam O. IV. 32. 10. wo der instr. thiarnu- duamû assim. gewirkt haben wird; mhd. mage-tuom f. maget-tuom Parc. 105 b 111 a Wigal. 404. etc. witwen- tuom Tit. VI, 99. ist verdächtig; altn. barn-dômr (insan- tia). — 3) erweitern sich die bedentungen zum theil in denselben wörtern; christan-th. nicht nur der stand eines christen, sondern auch die christliche lehre, heidan-t. da- her doc. 248. sacrilegium, gottlosigkeit. Nicht anders lâ- chi-toam ker. 194. ags. læce-dôm medicamentum, urspr. medela, doctrina medici. Das nhd. alter-thum (antiqui- tas) nnl. ouder-dôm scheint erst im 16. jh. gebildet und wohl fehlerhaft. ags. draca (draco): ëorð-draca Beov. 202. 210. fŷr-d. Beov. 200. her-d. lëg-d. lig-d Beov. 174. 225. nîð-d. Beov. 170. — altn. eitr-dreki, flug-dreki. — mhd. lin-trache Nib. (f. lind-t. nicht von linta, tilia, sondern von einem verlornen lind, lindo = altn. linnr, linni, serpens. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ags. dreám (jubilum): glëó-dreám Beov. 224. gum-d. Beov. 184. man-d. Beov. 96. Cädm. 28. 87. mëdu-d. Beov. 151. sin-d. (canor perpetuus) voruld-d. Cädm. 28. draúhts (agmen) ahd. truht, altn. drôtt: ags. mago- dryht Beov. 8. sib-gedryht Cädm. 67. sibbe-gedryht Beov. 31. vine-d. Beov. 202. 235. þëge-d. Cädm. 75. draúhteins? (dominus) ahd. truhtîn, altn. drôttinn: ags. freá-dryhten Cädm. 22. Beov. 62. 89. 195. frëoðo-d. Cädm. 41. gum-d. Beov. 124. man-d. Beov. 35. 94. 95. 149. Cädm. 88. sige-d. Cädm. 13. Beov. 32. vine-d. Beov. 67. 121. fana (pannus): ahd. hant-fano (manutergium) sgall. kund-fano (vorhin s. 457.) ouc-fano (orale, goth. aúrali) herrad. reine-vano (tanacetum) trev. 21 a jun. 331. — ags. guð-fona. — mhd. sturm-vane. — nhd. blût-fahne, dach-f. ahd. vanc (captus): list-fanc (argumentatio) jun. 194. mis-fanc (culpa) ker. 111. 230. missi-f. jun. 259. sueiƷ- vanc (sudarium) doc. 238 a wint-f. trev. 37 a . — ags. feax- fang (comae pre-hensio) hals-f. (collistrigium). — altfries. berd-fang, fax-f. ketil-f. — altn. hâls-fâng (amplexus) hand-f. (manubrium) her-f. (praeda) leik-f. (genus ludi) qvon-fâng (matrimonium) vër-f. (id) sæm. edd. 229 b . — nhd. rauch-fang, gnick-fang (bei jägern) fisch-f. vogel-f. fat? (vas): ahd. êr-faƷ (aeramentum) jun. 248. T. 84. eƷih-f. jun. 194. glase-v. (lampas) W. 8, 6. hant-v. herrad. 199 a lîd-f. (poculum) jun. 218. lioht-f. (candelabrum) T. 183, 1. N. 131. 17. ôli-f. jun. 234. poah-f. (bibliotheca) ker. 44. rouh-f. wîrouh-f. (thuribulum) mons. 331. salp-f. ker. 37. jun. 196. trëso-f. T. 8, 7. wîn-f. hrab. 958 a . — alts. gold-sat, lioht-f. rôk-f. — ags. bân-fät Beov. 85. drinc-f. Beov. 172. gold-f. Cädm. 91. hufl-f. (vas sacrum) Cädm. 90. lëóht-f. mâ- ðum-f. Beov. 179. gemët-f. (metreta) scip-f. (cymba) sinc-f. (geldfaß) Beov. 49. 92. 172. vundor-f. Beov. 89. — altn. hûd-fat (pera) vîn-f. — mhd. balsam-vaƷ Parc. 56 c brief- v. Wh. 3, 435 a bluome-vaƷ Barl. 290. glas-vaƷ a. w. 3, 159. glase-v. Trist. hel-vaƷ (vas gehennae) Herb. 88 b hëlm-v. (galea) Nib. Bit. 17 a 128 b golt-v. Parc. 57 a lieht-v. Mar. 14. 59. lüge-v. (mendax, nhd. lügenbeutel lügensack) MS. 2, 211 a vielleicht uncomp. lüge vaƷ wie gîtes vaƷ, nîdes vaƷ? ebendas. ôle-v. trinc-v. troj. 151 b . — nhd. mehl-faß, salz-f. wein-f. — Alle neutra, versch. davon das ags. masc. sið- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. fät (iter) Beov. 18. 196. Cädm. 64. 73. 89. Jud. 12; wie lautet der ahd. nom. sg. von gidancfaƷƷon (deliberatione) doc.? faþs (praefectus): bruþ-faþs (sponsus) hunda-faþs (centurio) synagôga-faþs, þûsundi-faþs, vgl. das westgoth. tiu-phadus lex visig. II. 1, 26. und die canine-fates bei Tac. flêþs? (mundities, nitor) ahd. vlât? übrig im mhd. vlætec (nitidus) und nhd. unflât (squalor) flêþs, vlât entspringt wie dêþs, sêþs, tât, sât, chrât (oben s. 233. 234) vgl. das mnl. vlaen (excoriare, purgare?) 1, 980. und das mhd. vlein, vleun, vleuwen, vlöuwen kl. 1800 (1889) mun- dare, exuere? : die goth. weibsnamen albo-flêda, aude-flêda und die ahd. gêr-flât gundi-flât, hruod-f. rât-f. rîh-f. sigi-f.; ags. nur älf-flæd. fluga (volans): ags. guð-floga Beov. 188. lyst-floga Beov. 173. uht-floga Beov. 205, lauter dichterische be- nennungen des drachen. ahd. vluot (fluctus) ags. flôd: ahd. unmëƷ-float (di- luvium) ker. 69. sin-vluot (cataclysmus) mons. 357. sind- vluot N. 101, 26. (aber Boeth. 89. geschrieben sîn-fluot) insofern das unten bei der adj. comp. häufiger vorkom- mende sin- von einem subst. herrührt, was noch im dun- kel liegt. — ags. lago-flôd Cädm. 5. mere-f. Cädm. 4. sæ-f. Cädm. 33. vill-f. (quellflut) Cädm. 32. — mhd. sin-vluot, nhd. fehler-haft sünd-flût. fruma? (auctor): ahd. ort-frumo hymn. 949. jun. 233. vgl. ort-fruma (auctoritas) hrab. 953 b ker. 33. K. 30 b 42 b . — alts. ord-frumo. — ags. dæd-fruma Cädm. 23. hild-f. (bel- lator) Beov. 126. 210. land-f. (princeps terrae) Beov. 5. lëód-f. (princeps) Cädm. 29. 51. 70. lëóht-f. (deus) Cädm. 42. 83. lîf-f. (idem) Cädm. 89. ord-f. (auctor) Cädm. 1. vîg-f. (bellator) Beov. 52. 169. — mhd. nur das abgelei- tete ort-frumære Barl. ahd. viur (ignis): ahd. ërd-viur. — ags. âd-fŷr Cädm. 71. bæl-f. Cädm. 61. Beov. 232. hëaðu-f. Beov. 188. 190. lig-f. Cädm. 64. väl-f. Beov. 85. 192. — mhd. helle-viur. gaggs (incessus): ahd. ahhar-ganc (agricultura) mons. 355. sëdal-ganc (occasus) hrab. 967 b K. 24 a N. 49, 1. vëlt- ganc (latrina) doc. 240 b flor. 982 b . — ags. bëó-gang (exa- men apum) sëtel-gang, väfer-gang (tela araneae). — altn. hôlm-gângr (duellum) skôg-gângr (exilium) vër-gângr (mendicatio). — mhd. acker-ganc troj. 9751. weide-ganc Parc. 29 a . — nhd. jahr-gang. — In der alten sprache wurde aber auch gang von personen gebraucht, wie die III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ahd. eigennamen hruodi-ganc, hruod-ganc, wili-ganc und wolf-ganc beweisen; in der edd. snorr. p. 83. heißt ein riese gângr und hropt-gângr ist unter den poetischen benennungen des seuers. Angemeßner schiene die form gaggja , wohin auch das ags. nŷd-genga (pauper) Cädm. 88. sæ-genga (navigator) Beov. 141. 143. vëald-g. (latro) gehören. gards (domus, aula, hortus) masc.: aúrti-gards (hor- tus) midjun-gards (orbis terr.). — ahd. schwanken starke und schwache formen; stark gehen mittin-kart, mittil- gart (citate s. 470.) meri-kart (domus aetherea?) ker. 162. (wo merikerte inetherium) wîn-gart T. 109; schwach nuƷ- garto W. 6, 10. boum-garto W. 4, 13. bluom-garto N. Boeth. 35. wîn-garto ker. 38. 246. hrab. 954 a W. 2, 15. wunni-garto jun. 189. 217. wunno-garto N. 37, 4. zart-garto N. 95, 10. zier-garto N. 6, 4. — ags. lëód-gëard Cädm. 5. mid- dan-g. Beov. 8. vîn-g. Cädm. 35. — altn. griôt-gardr (maceries) mid-g. stack-g. (foenile) vîn-g. — mhd. boum- garte Trist. mer-garte Karl. 38 b vgl. Annolied 444. tier- garte Ulr. Trist. 1398. wîn-garte Parc. 91 c , sämtlich schwacher decl. gards? fem. muß persönlich gewesen sein, altn. ist das einfache gerdr ein frauenname und ahd. die comp. adal-gart, hildi-gart, irmin-gart, madal-gart u. a. m.; altn. hrîm-gerdr, val-gerdr, þôr-gerdr etc. gasts (hospes): ahd. n. pr. alpi-gast, arpi-gast, hadu- gast, halide-gast, liudi-gast, nëvo-gast, poto-gast, sali-gast, wiso-gast; mhd. elbe-gast, liude-gast. — ags. ellor-gäst Beov. 63. 103. 122. 123. grŷre-gäst Beov. 191. invit-gäst Beov. 199. nîð-gäst Beov. 201. väl-gäst Beov. 101. 150. gáis (telum): hierher die eigennamen lanio-gaisus, rada-gaisus? — ahd. aƷi-gêr (jaculum) vorhin s. 484. madal-gêr (n. plantae) trev. 18 b naba-gêr (terebrum) sgall. nabi-gêr trev. 33 b blas. 49 a (wo sälschl. nageber) und die mannsnamen hruodi-gêr, hruod-kêr, nôt-kêr; mhd. liude-gêr. — ags. ät-gâr, bon-gâr (telum mortif.) Beov. 152. väl-gâr (id.) Cädm. 44. und die n. pr. friðu- gâr, here-gâr, hëor-gâr, hrôð-gâr, vulf-gâr. — altn. at-geir (lancea) und die eigenn. âlf-geir, hrôð-geir, sig-geir. gáists? (spiritus): ahd. fluobar-geist (paracletus). — ags. ellen-gâst Beov. 9. frôfor-gâst, helle-gast Beov. 97. vuldor-gâst Cädm. 62. gavi (regio): eine menge ahd. namen von landschas- ten, z. b. alpi-gouwi, nibal-gouwi etc. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. gáuts (s. 455.): viele ahd. mannsnamen als alp-kôƷ, amal-k. hëlm-k. hruod-k. madal-k. megin-k. truht-k. vrid-k. wolf-k. etc. — altn. val-gautr. — ags. vëder-geát Beov. 122. giba (largitor): ahd. eitar-këpo (veneficus) hrab. 976 a (wo -gerio fehlerhaft) wîni-gëbo (caupo) trev. 42 b . — alts. bag-gëbo (larg. epularum) vgl. bag-wini (epulo) und das ahd. pah-weiga (lanx, ferculum, discus). — ags. beáh-gifa, beág-gifa (annulorum largitor) chron. sax. 975. Beov. 84. ganz versch. vom alts. baggëbo; gold-gifa Beov. 197. Jud. 12. ræd-gifa (consiliarius) sinc-gifa Beov. 77. 102. 172. — altn. râd-giafi. — mhd. lît-gëbe (caupo) rât-gëbe Barl. — nhd. rath-gêber. giba (donum): ahd. anst-këpa (chrisma) blas. 8 a (wo ansgëba) morkan-këpa, prût-këpa jun. 228. widarmëƷ- këpa (repensatio) hrab. 946 a . — ags. duguð-gifu (munifi- centia) mâðm-gifu, svëord-gifu Beov. 214. vil-gifu Beov. 215. — altn. fê-giöf, mat-giöf (alimentum) morgun-giöf, sumar-giöf. — nhd. braut-gâbe, morgen-gâbe. gibô (largitrix): ahd. flôƷ-këba (fluvonia) N. sâmo- gëba (saticena) sige-gëba N. Boeth. 64. — altn. aur-giafa (opes largiens) sæm. edd. 118 b lîf-giafa (vitam servans). gild (debitum, cultus): káisara-gild. — ahd. heidan- këlt (idolatria) jun. 183. 210. kota-këlt (cultus dei) jun. 178. 197. tievol-këlt, wëri-këlt zwetl. 122 a . — ags. bryne-gild (holocaustum) Cädm. 62. dëósol-gild Cädm. 64. god-gild, hæðen-gild, vër-gild, vîh-gild Cädm. 78. — altn. mann-giöld (mulcta homicidii) nef-giöld (resarcitio nasi, i. capitis) edd. sæm. 150 b vgl. Yngl. S. cap. 8 und ahd. nasa-hëlm (vectigal) ker. 279. Dieses giöld ist der pl. von giald neutr., das goth. gild, ahd. këlt, ags. gild sind sg. neutr. Ein masc. gilds muß den goth. athana-gildus, hermini-gildus, lewi-gildus, den ahd. pata-këlt, hruod-k. sipi-k. zu grunde liegen, ja ein fem. spara-gildis findet sich. — mhd. bette-gëlt Trist. 12613. vërsen-g. Ottoc. 76 a . gîsal? (obses?): in vielen eigennamen ans-gîsil, gote- gîsil, hildi-g. madal-g. muni-g. liut-g. etc. es ist mir aber weder die länge des vocals ausgemacht, noch deutlich, warum sich zuweilen gisclus geschrieben findet, was kein fehler sein kann, da Procop. ein k setzt (1, 11. θευδε- γίσκλος, 4, 20. ἑρμεγίσκλος, woneben 4, 27. ἱλδιγισάλ .) Ueberdem kommt ein unabgeleitetes -gis in andern eigen- namen vor, z. b. adal-gis, anse-gis, batu-gis, neri-gis. wili-gis, dessen verkleinernde form -gisclus sein könnte? III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. vgl. cap. VIII. Ags. n. pr. zeigen -gils f. gisel, z. b. cyne-gils, wiht-gils. grip (captus): ahd. hant-grif J. 367. — ags. mund- grip (von mund, manus) Beov. 31. 59. 116. 145. — altn. hand-grip. — nhd. hand-griff. gulþ (aurum): figgra-g. (annulus). — ahd. hals-kolt (mouile) ôr-kolt (annulus) trev. 52 b mana-kolt (n. pr.). — ags. hæðen-gold (thesaurus) Beov. 170. guma (homo, vir) ahd. brûti-gomo hymn. 948. O. II. 13, 18. trev. 7 b sisa-gomo (vgl. s. 476. und hus-g. Oberl. 715.) truhti-gomo. — alts. thied-gumo. — ags. brŷd-guma, pryht-g. seld-g. Beov. 21. þeód-g. — mhd. briute-gome Barl. briute-goume troj. 34 b . — nhd. bräuti-gam. gunþs? (pugna, bellona): ahd. frauennamen anse- gund, bur-gund (ganz versch. das derivativum burg-undo s. 343.) hilti-gund, chuni-gund u. a. — altn. hildi-gunn sæm. edd. 115 b . ahd. hapuh (accipiter) ags. hasoc: crano-hafoc (qui gruem mordet) guð-hasoc (milvus) spëar-hafoc (fringilla- rius) auch nom. pr. hals (collum): mhd. hirƷ-hals (pars loricae) a. w. 3, 27. im 13 jahrh. war es auch eigenname eines magde- burgers (Luc. David preuß. chron. IV, 46, 47.) — nhd. keller-hals (n. herbae). — altn. net-hâls (epidromus). hama (induviae, cutis): ahd. lîh-hamo (corpus) J. 385. K. 15 a. b. 41 a kund-hamo (lorica) gefolgert aus guð-hamo Hild. — alts. fëther-hamo, lîk-hamo. — ags. homa in die starke form schwankend: byrn-homa (thorax) Jud. 11. feðer-homa (alae) Cädm. 11. flæsc-homa (corpus) Beov. 119. Cädm. 32. (vergl. fleisclîche brünne Mar. 113) fyrd- hom (lorica) Beov. 114. lîc-hama, vuldor-hama Cädm. 82. — altn. meistens stark fiaðr-hamr edd. sæm. 70. 71. geit-hamr (vespa, dän. gede-hamse) lîk-amr und lîk-ami, ûlf-hamr (cutis lupi) val-hamr (c. falconis); aber unei- gentl. comp. âlptar-hamr (induviae cygneae) sæm. edd. 133. — mhd. lîchame, nhd. entst. leichnam (schon mhd. bei Stricker lîch-nâme, ja ahd. lîcha-nâmo). hata? (osor). ags. bëó-hata (dunkel, wörtlich bienen haßend?) Cädm. 68. dæd-hata (virtutis osor) Beov. 23. lëód-hata (tyrannus) Cädm. 64. Jud. 10. Oder wäre in allen drein hâta = ahd. heiƷo anzunehmen? háims (domus, vicus): eine menge ahd. ortsnamen als holz-heim, pinuƷ-heim, stein-heim etc. die gl. herrad. 180 a geben auch vater-heim (patria); desgl. ags. ëofes- hâm, fëarn-hâm (vicus filiceus) etc. altn. nifl-heimr, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. sigr-heimr, þrym-heimr u. a. m. Es gibt aber auch viele uneigentliche comp. mit diesem wort, die den bestimm- teren begriff des besitzes auszudrücken haben. háids? (persona, ordo, habitus) bisher im goth. noch nicht aufzuweisen, so wie es dem altn. abgeht das altn. heið (gens) wovon heiðinn (gentilis) und heiði (campus) goth. háiþi (campus) haiþns (ethnicus, paganus) ahd. heidan (paganus) ags. hæðen, mhd. heide (campus) sind offenbar verschieden, wenn auch nach der succession von þ, d vielleicht verwandt. ; das ahd. heit (persona) J. 351. 352. 358. K. 21 a 58 a mons. 379. und ags. hâd nicht zu bezweifeln. Und zwar ist je- nes alleinstehend masc. , vermuthlich auch das ags. hâd, dessen gen. sg. hâdes mir bekannt ist, nicht der pl. hâ- das. Die ags. comp. mit -hâd bleiben männlich , die ahd. mhd. nhd. mit -heit und ebenso die mnl. mit -hêt, nnl. mit -heid werden insgesammt weiblich . Es binden sich damit α ) in der regel persönliche wörter: ahd. biscof-heit J. 395. chint-heit (pueritia) christan-h. (christianitas) exh. dëkan-h. (virilitas, fortitudo) thëgan-h. O. I. 3, 35. IV. 21, 43. dëo-h. (eig. status servi, dann humilitas) K. 24 b 26 b 40 a 47 b 55 b goma-h. (eig. natura humana, dann wie humanitas, benignitas) O. Sal. 29. I. 27, 113. IV. 9, 61. mana-h. (mit ähnlichen übergängen des begriffs) belege s. 415, makad-h. (virginitas) T. 7, 9. narra-h. (vesania) ker. 252. jun. 180. — ags. meines wißens in Beov. kein comp. mit -hâd (wohl aber uncomp. on svëordes hâd 164.). biscëop-hâd (episcopatus) brôðor-h. (fraternitas) cild-h. (pueritia) cniht-h. (juven- tus) cyric-h. (ordo eccl.) man-h. (virilitas) mæden-h. (virg.) prëóst-h. (sacerdotium) þëóv-h. (servitus) vër-h. (virilitas) vîf-h. (genus fem.). — mhd. christen-heit, dëgen- h. (virtus) Iw. Nib. Bit. 122 a dorper-h. Trist. gote-h. Barl. kint-h. Wig. man-h. (virtus, nicht mehr mit dem ahd. nebensinne liberalitas) a. Tit. 50. mennisch-eit (f. men- nisch-h.) Barl. pfaf-h. Barl. wîp-h. Trist. — nhd. chri- sten-h. gott-h. kind-h. mann-h. mensch-h. narr-h. schalk- h. thôr-h. — engl. child-hôd, brother-h. knight-h. mai- den-h. man-h. priest-h. widow-h. woman-h., man schreibt aber fälschlich in einzelnen st. hood, head, z. b. god- head, maiden-head (das wäre gotthaupt). — β ) seltner bedeutet das erste wort einen zustand, eine handlung: ahd. chamf-heit (militia) K. 21 a (könnte auch stehen f. chamsi-h. und von chamfjo, miles geleitet werden?) fi- I i III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Ʒus-h. (dolus) hymn. 949. scant-h. (confusio) jun. 257. topa-h. (deliramentum, gibt es ein subst. fem. topa?) mons. 410. tôt-h. (mortalitas) N. 37, 4. undôt-h. (im- mort.) N. 37, 5. tuged-h. N. 147, 3. Boeth. 113. tuom-h. (dignitas) N. 110, 3. kiwona-h. (consuetudo) K. 55 b O. IV. 22, 18. — alts. jugud-hêd (juventus). — ags. camp-hâd (militia) gëoguð-h. (juvenilitas). — mhd. smâcheit f. smâch-h. (ignominia) sunt-heit (sanitas) Barl. tobe-h. Barl. Trist. trüge-h. Barl. Trist. gewon-h. Wig. wuocher-h. (fructus) MS. 2, 170 a . — nhd. gesund-h. gewôn-h. — An- merkungen: 1) vielleicht hängt das heid , heit in ahd. frauennamen mit unserm -heit zusammen? Goldast hat adal-heid, alb-heid, engil-heid, em-heid, liut-heid, rîh- heid (bei Neugart stehen keine), freilich mit der media geschrieben, wiewohl 2, 146. auch adal-hait und in einer ungedr. urk. lin-heit vorkommt; nhd. adel-heid (adel- heidis). Sind die altn. lofn-heiðr, lŷng-heiðr sæm. edd. 182 a. b. so, oder lofn-heidr, lŷng-heidr zu schreiben? 2) die schwed. und dän. sprache haben einzelne comp. mit -hêt , -hêd lediglich aus dem hochd. überkommen, z. b. christen-hêt, christen-hêd, wenige mit subst., desto mehr mit adj. componierte. 3) im ahd. und mhd. ist mitunter zweifelhaft, ob das erste wort subst. oder adj. sei? z. b. kiwona-h. tôt-h. sunt-h. bei welchen ich hier die subst. kiwona (mos) tôt (mors) kisunt (sanitas) voraussetze. háitja (jussor): dulga-háitja (creditor); ahd. scult-haiƷëo (tribunus) sgall. 187. scult-heiƷo (procurator) mons. 403. jun. 222. sculd-h. (centurio) O. III. 3, 9. scult-heiƷo (com- mentariensis) N. 93, 4. dasselbe, was krâvo, grâvo, ags. gerêfa bedeutet (vgl. scult-suohho); mhd. schult-heiƷe amur 16 a. b. nhd. schult-heiß, schult-heß, schulze. Dies wort ist nicht ags., vielleicht fallen aber die unter -hata angeführten hierher, lëód-hâta (exactor)? háubiþ (caput): ahd. mana-houpit (mancipium) oben s. 415. rînaha-houbit (n. loci) trad. fuld. 570. hail-houpit (hermodactylus) gl. vind. wofür schwachformig heil-hou- bito trev. 19 a (fehlerh. helhubito blas. 57 a ) hunt-houbito (cynocephalus) flor. 984. vgl. zui-houpito (biceps) hrab. 955 a . — ags. eofor-heáfod (caput apri). — altn. schwachf. arn- höfdi (cap. aquilinum). — nhd. kraut-haupt, mohn-haupt (c. papaveris). haúrn : ahd. buoh-horn (n. loci) tincta-h. mons. 339. blas. 62 b wîc-horn (classicum) N. Boeth. 84. — ags. guð-horn (idem) Beov. 109. blâc-h. — altn. hrîng-horn (c. obliquum) skack-horn (obliquitas). — mhd. her-horn Barl. eichorn (sciu- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. rus) Parc. 156 a . — nhd. kuh-horn, wächter-h. etc. manns- und ortsnamen wie ball-horn, eich-h. gold-h. hirsch-h. kranz-h. mehl-h. schell-h. teut-h. etc. laßen sich nicht alle aus dem bloßen begriff von cornu deuten. Die volks- sprache auf der rhön sagt tüb-horn (columbus) im teuto- nista duif-horn f. taubert (vgl. cap. VI.) — engl. ink-horn. hilds (pugna): ahd. eine menge weibl. eigennamen, den begriff von bellona voraussetzend, abar-hilt, ans-h. alp-h. chuni-h. kîsal-h. koma-h. kund-h. madal-h. maht- h. (mathilde) mimi-h. muni-h. neri-h. patu-h. pili-h. pruni-h. rûn-h. suana-h. suâba-h. sind-h. scaf-h. tuom-h. trûd-h. wasa-h. wîp-h. woldar-h. wuni-h. u. a. m. so geläufig war das wort noch lange, daß ein reimer des 15. 16. jahrh. die welt spot-hilt nennet (Eschenburg denkm. 405.). — ags. treffe ich weder n. pr. noch andre comp. an, deren letztes wort hild wäre. — altn. n. pr. âlf-hildr, gaut-h. grîm-h. (bellona larvata) gunn-h. ragn- h. þôr-h. u. a. m. hilms? (galea): ahd. chuninc-hëlm (diadema) hrab. 959 b hëlôt-h. (latibulum) hrab. 969 a nasa-h. (vectigal) ker. 279; viel männl. eigennamen, eki-hëlm, enkil-h. ans-h. arn-h. diot-h. ëpur-h. fridu-h. friunt-h. kêr-h. kîsal-h. kund-h. mâc-h. mekin-h. muni-h. muot-h. ôt-h. patu-h. pili-h. pruni-h. siki-h. uodil-h. wîc-h. wili-h. wolf-h. — ags. bân-hëlm, cyne-hëlm (corona) grîm-hëlm (larva) Beov. 27. Cädm. 66. 69. componiert mit grîme (larva) häleð-h. Cädm. 11. lyft-h. Cädm. 64. niht-h. Beov. 135. und die nom. pr. äðel-hëlm, eád-hëlm, sig-h. vil-h. vulf- h. — altn. wenig oder keine n. pr. dieser zus. setzung, vil-hiâlmr vielleicht aus dem ags. entlehnt. hragil? (amiculum) ahd. hrekil, ags. hrägel: bëado- hrägl (thorax) Beov. 44. fyrd-h. (idem) hand-hr. (man- tile) mere-h. (velum) Beov. 143. sculdor-hr. (humerale). hriuþa? (testudo) bloß im ags. hrëóða bekannt, das wegen des ð nicht recht sicher aus hrëód (arundo) ahd. hriot, riot abgeleitet werden darf, so gut zum geflecht der schilde aus rohr und schilf der viminum textus Tac. ann. 2, 14. stimmt; hrëóða findet sich nur in den beiden comp. bord-h. Beov. 165. Cädm. 66. 68. 69. und scild-h. Cädm. 65., beides dichterische benennungen des schilds. Die eine stelle im Beov. liest wirklich hrëóda. huf? (aula, delubrum) oder war die goth. form haúh (nach oben s. 155. note)? ahd. sele-hof (curtis) lindenbr. 994 a vrît-hof (oben s. 454). — mhd. kirchof f. kirch-h. Nib. sëdel-h. Nib. stadel-h. vrît-h. Nib. gejeit-h. Bit. 135 a . I i 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. hugus? (mens): alts. briost-hugi, jâmar-hugi. hunþa (captura): ahd. heri-hunda (praeda) jun. 219. ags. here-huð. hùs (domus): guþ-hûs (templum) Joh. 18, 20. — ahd. abgot-hûs (fanum) trev. 36 a ambaht-hûs jun. 259. dinc-h. (forum) mons. 366. 367. chorn-h. (horreum) ker. 27. jun. 216. fogal-h. zwetl. 114 a gloc-h. (campanar) trev. 36 a huor-h. jun. 178. kast-h. ker. 268. jun. 201. 202. pëta-h. (templ.) trev. 36 a pluoƷ-h. (fanum) ker. 85. 125. rouh-h. flor. 983 b sali-h. (aula) ker. 8. spilo-h. jun. 257. sprah-h. (oracu- lum) jun. 216. triso-h. (thesaurus) mons. 337. wât-h. tûb-h. (columbarium) trev. 37 b wâfan-h. blas. 88 a (vestiarium) K. 51 b wîg-h. W. 4, 4. und in ortsnamen wie tala-hûs, përac- h. etc. — ags. bân-hûs Cädm. 73. fëld-h. Cädm. 64. 65. 67. gëofon-h. Cädm. 30. gift-h. (d. nuptialis) mân-h. Cädm. 74. mere-h. Cädm. 30. rëord-h. (coenaculum) vîte-h. Cädm. 2. etc. — mhd. bëte-hûs Barl. dinc-h. stein-h. a. w. 3, 199. vogel-h. Wigal. wart-h. Parc. 180 a weide-h. Parc. 49 c wîc- h. Parc. 85 a . — nhd. amt-haus, bein-h. bêt-h. fisch-h. gast-h. land-h. spîl-h. vogel-h. wald-h. zoll-h. hochzeit-h. huzd (thes.): ags. beáh-hord Cädm. 69. brëóst-h. Beov. 130. 207. gold-h. Cädm. 75. mâðm-h. Cädm. 70. vord-h. Beov. 22. — mhd. tris-kamer-hort (thesaurus) MS. 2, 149 b . ahd. chamara (camera): himil-ch. O. II. 9, 17. pet- ti-ch. (cubiculum) N. 104, 30. trev. 36 b prût-ch. (tha- lamus) hrab. 975 b puoh-ch. (bibliotheca) blas. 88 a trisu-ch. (arcarium) mons. 360. 398. — mhd. bette-kamer, brût-k. tris-k. — nhd. braut-kammer, boden-k. korn-k. pulver-k. stein-k. speise-k. schatz-k. ags. candel (candela): frið-candel Cädm. 55. hëofon-c. Cädm. 65. voruld-c. Beov. 148. kara (cura): ags. aldor-cëaru Beov. 70. guð-c. Beov. 96. mæl-c. Beov. 17. môd-c. Beov. 134. 150. 232. sorh-c. Beov. 183. — alts. muod-kara. kasi (vas): ahd. châsi-char zwetl. 122 a jun. 284. hant-ch. sgall. lëoht-ch. (lampas) hymn. lîh-ch. (loculus) herrad. 188 a meisi-ch. trev. 56 a pini-ch. (alvearium) bine- k. herrad. 180 a rouh-ch. (thurib.) ker. 275. jun. 229. sulzi- ch. (catinus) hrab. 961 b . — altn. eld-ker (soculus) skapt- ker (crater manubriatus). — mhd. kæs-kar kolocz 165. — nhd. entstellt-bien-korb, leich-korb. ahd. chind (proles): gomman-ch. gomen-ch. (pr. mascula) mons. 395. N. Boeth. 63. huor-ch. jun. 214. thëgan-k. T. 9, 2. O. I. 14, 22. fôtar-ch. doc. 211 b . — mhd. dëgen-kint Mar. 191. erbe-k. Karl 97 b . — nhd. hûr-k. mutter-k welt-k. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. knaíhts? (servus): ahd. here-chnëht N. Boeth. 132. fran-ch. (cacula) hrab. 958 a ? vielleicht fram? frôn? schilt- ch. trev. 41 b . — ags. râd-cniht. — nhd. haus-knecht, stall- k. stiefel-k. müller-k. reit-k. etc. krafts? (vis): ahd. makan-chraft, worolt-ch. ker. 75. O. II. 1, 1. — alts. megin-kraft. — ags. bôc-cräft (literae) drŷ-c. (ars magica) guð-c. Beov. 12. hyge-c. Cädm. 77. lagu-c. Beov. 18. lëóðo-c. Beov. 206. mägen-c. rûn-c. Cädm. 90. sëaro-c. stäf- c. (grammatica) smið-c. vîg-c. voruld-c. Cädm. 83. — mhd. magen-k. sippe-k. — nhd. thât-k. schwung-k. zauber-k. ahd. chrâpho (uncinus): brunne-krâso trev. 62 a sen- chel-chrâpho N. Boeth. 70. kuni (genus): ahd. unsre glossatoren denten ein fremdes wort, wofür ihnen der genaue deutsche ausdruck fehlt, durch comp. mit chunni; wie wir heutzutage cine baumart, thierart, vogelart etc. sagen. adal-chunni (nobilitas) O. I. 3, 8. aërdh-ch. J. 392. chorn-ch. (far) jun. 206. focal-ch. (genus avis) ker. 37. gomman-ch. (gen. masc.) doc. 216 b mons. 395. hant-ch. (xenium?) wirceb. 981 a man-ch. O. III. 21, 12. prëma-ch. (genus oestri, mit prëmo oestrus comp.) ker. 264. prôt-ch. (crustula) jun. 200. rëpa-ch. (genimen vitis) O. IV. 10, 9. waƷar-ch. ker. 40. wurm- ch. (genus vermis). — alts. adal-kunni, gum-kunni, man- kunni; gl. lips. haben thiade-kunni (generationes). — ags. âc-cyn (ilex) ëormen-cyn Beov. 147. ëorð-c. Cädm. 70. fëorh-c. Beov. 169. fisel-c. Beov. 10. gim-c. Cädm 5. hæð-c. (n. pr. masc. wörtlich silvigena?) Beov. 182. 217. mon-c. (genus hum.) sëalf-c. (amaricinum, eine art kräutersalbe) treóv-c. (lignum) tynder-c. (fomites, cremium) þorn-c. (tribulus, sentium genus). — altn. heim-kynni (patria) edd. sæm. 75 a man-kynni (puellarum genus? consuetudo?) ibid. 78 b sal-kynni (domicilium) ibid. 83 b das masc. sal- kynja bedeutet domesticus; karl-kyn (gen. masc.). kuniggs? (rex) ahd. chuninc, ags. cyning: bëorn- cyning Beov. 161. ëorð-c. Beov. 88. fëorh-c. Beov. 92. gâst-c. Cädm. 62. guð-c. Beov. 17. 148. 174. svëgl-c. Cädm. 57. þëód-c. Beov. 3. 160. vuldor-c. Cädm. 1. 4. etc. — alts. worold-kuning. — mhd. wërlt-kunic cod. pal. 361, 92 a . kusis? (opulentia, aestimatio): ahd. ërd-chust (fructus terrae) N. Boeth. 83. — ags. gum-cyst (munificentia) here-c. Cädm. 66. 68. hilde-c. (virtus bellica) Beov. 193. lakan? (pannus) ahd. lahhan, alts. lacan, mnl. laken (ags. und altn. mangelnd): ahd. arah-lahhan (stragula) mons. 329. ambaht-l. flor. 985 a churti-l. (cortina) hrab. 958 b decchi-l. blas. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 45 b trev. 51 b fêh-l. (stragulum) sgall. trev. 51 a blas. 45 b hemid-l. (camisile) sgall. blas. 43 a trev. 50 b hengi-l. (cor- tina) jun. 200. houbit-l. (peplum) blas. 47 a huli-l. (chla- mis) mons. 406. blas. 9 b lî-l. (linteamen) sgall. trev. 51 b nuski-l. (chlamis, fibulata?) ker. 223. vgl. Schilt. 525 b , für nuskil-l. oder nusc neben nuscil (fibula) beweisend? panch-l. (sagma) jun. 226. rucki-l. trev. 51 b scar-l. (rosilis) rev. 50 b blas. 43 b stuol-l. jun. 293. sueiƷ-l. (sudarium) T. 220, 4. tisca-l. zwetl. 123 a tisc-l. blas. 45 b tunih-l. flor. 990 a wind-l. ker. 92. 223. — alts. fâhan-lakan. — mhd. decke-la- chen Nib. lîn-l. Parc. 71 a lî-l. Trist. reis-l. Parc. 52 a s eit-l. rücke-l. Parc. 181 a . bade-l. Bit. 126 a brût-l. Parc. 75 c tisc- l. Parc. 193 c . land (terra): ags. eá-land (insula) Beov. 174. später ig- land; lagu-land (insula) Cädm. 73. — ahd. pfliht-lant (pro- vincia) fliht-l. N. 49, 8. Boeth. 126. crîƷ-l. N. Boeth. 94. sali- lant. — nhd. acker-land, ei-land (mhd. ein-lant troj. 50 a 102 a vgl. unten §. 7.) see-l. zins-l. — Völkernamen compo- neren sich mit lant nur uneigentlich oder stehen in der früh- sten sprache als genitive pl. los daneben, z. b. ahd. suâpô lant, lancpartô lant, sahsônô lant, franchônô lant, allmählig suâpô- lant, sahsônô-lant, mhd. swâbe-lant, sahsen-lant, engel-lant, tene-lant. Unorganisch sind darum die nhd. ruß-land, schott-land, fries-land, die wie eigentl. comp. aussehen und rußen-l. schotten-l. (mhd. MS. 2, 249 b der schotten lant) lauten sollten. Nur da findet eigentl. zus. setzung mit-land statt, wo das erste wort entw. kein volksname ist, oder ein verdunkelter, z. b. îs-lant (oder îsen-l.) Nib. 1685. îr-l. Gudr. Trist. Die altn. sprache fällt in densel- ben fehler, indem sie frack-land, grick-l. skot-l. gestat- tet, Rask pag. 218. Im nhd. deutsch-l. welsch-l. ist das erste wort adj. láida? (processio, conductus): ahd. lant-leita (popu- laris circumductio) vgl. Haltaus h. v. lîp-leita (victus) jun. 231. K. 40 a Samar. — ags. brim-lâdu (navigatio) Beov. 80. fen-gelâd (neutr.? iter paludinosum) Beov. 103. neád- lâdu (expeditio periculosa) Beov. 101. sæ-l. (navigatio) Beov. 88. desgl. yð-l. — altn. þiód-leid (via publ.) — mhd. brût-leite (proc. nuptialis) Trist. lant-leite, s. die urk. von 1160 bei Haltaus, swërt-leite Trist. láifs (superstes): hiermit sind mannsnamen der alten sprache componiert, vielleicht drückt es den begriff der nachkommenschaft aus? goth. daga-laiphus (consul a o 461.); altfränk. baudo-leif, daga-leif, marco-leif (alle drei im testam. Remigii); mhd. diet-leip, got-leip, ort-leip III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (vgl. oben s. 70.); ags. ecg-lâf, ëormen-l. Beov. 166. frið-l. hëaðo-l. Beov. 37. gud-l. Beov. 88. hun-l. os-l. vìg-l.; altn. finn-leifr, hiör-l. regin-l. þôr-l. etc. láiba (reliquiae): ags. here-lâfe Jud. 16. sæ-lâfe Cädm. 75. veá-lâfe Beov. 83. 84. yrfe-lâfe Beov. 80. 143. yð- lâse Beov. 45. die überbleibsel, die geborgenschaft aus dem heer, der seefahrt, dem unglück, der erbschaft, den wo- gen. Wie das goth. einfache láibôs, scheint die zus. setzung den pl. zu lieben; doch bringt Lye brôðor-lâfe (vidua fratris) bei und Beov. 209. stehet ende-lâf (ultima propago), das vielleicht masc. ist und zum vorhergehen- den lãf gehört? Häufig wird auch der gen. vor lâfe ge- funden, z. b. hreðles lâfe Beov. 164. svëorda lâfe Beov. 218. vätra lâfe Cädm. 35 etc. auf welche weise, uncompo- niert, altn. varga leifar (luporum reliquiae) sæm. edd. 232 a gesagt ist. láiks (ludus, munus): ahd. nom. pr. adal-leih, amal- leih, heri-l. hilti-l. ort-l. ôt-l. rât-l. sigi-l. wini-l. u. a. m. außerdem aber die subst. hî-leih (conjugium, goth. heiva- láiks?) kihî-leih, hî-leihi doc. 219 a (wo hîleiti) 214 a jun. 181. mons. 378. 396. aug. 126 a N. Boeth. 108.; chû-leih (sca- rabaeus) zwetl. 131 b , muß sich, wenn die lesart richtig ist, auf einen aberglauben vom ursprung des käfers (aus kuhmist?) beziehen; eiki-leihi (phalanx) ker. 124. sonst unerhört; sanc-leih (chorus) W. 6, 12. scîn-leih (mon- strum) hrab. 969 b jun. 214; vëhe-leih (probatica sc. piscina) doc. 240 b und sicher noch andre verloren gegangne. — ags. das nom. pr. hyge-lâc Beov. 17. etc. sodann aber: ag-lâc (miseria) Cädm. 80. das dunkle erste wort in dieser composition ist dem goth, aglô (aerumna) verwandt, wohl auch dem agláitei, ahd. akaleiƷi (oben s. 221.), welche sämtlich bloß abgeleitet, nicht componiert sind; man vergl. weiter das ahd. aga-wîs? in agawis-firinari hrab. 972 b , achiwiƷ-f. K. 29 b , ackiwislihho (specialiter) ker. 263. akiwis (publice) ker. 225; ag-lâc wäre goth. aga-láik, ahd. aka-leih? an ein âglâc, verwandt mit eikileih? ist schwerlich zu denken. wovon das häufigere ag-læca, ag-læ- cëa (miser); bëado-lâc (pugna) Beov. 118. brŷd-lâc (nup- tiae) ellen-lâc (pugna) fëoht-lâc (bellum) guð-lâc (proelium) hëaðo-lâc (idem) Beov. 46. 148. reáf-lâc (rapina) sæ-lâc (na- tatus?) Beov. 123. 125. scîn-lâc (portentum) vîte-lâc (sup- plicium) Cädm. 55; mehr andere sind aus den mit -l æ can componierten verbis zu folgern. — altn. (mit übergängen in schw. form) dâ-leikr (familiaritas) f. dag-leikr? daud- leiki (mortalitas) ôdaud-leikr (immort.) fit-leiki (s. Biörn.) hug-leikr (n. pr.) mein-leiki (noxa) vëdr-leikr (tempestas, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. dän. vejrlig). — mhd. kenne ich nur das einzige im ge- schlecht schwankende hî-leich cod. pal. 361, 73 d hiu-leich troj. 23182, andere finden sich wohl, z. b. wëter-leich, woraus das nhd. wetter-leuchten (fulgurare) entspringt, Dasyp. übersetzt fulgur durch wetter-leich (vgl. Stald. h. v.). Gemeine volksdialecte haben noch hillich, im nie- derhess. ist schin-leich, sching-leiche unverstandnes schimpf- wort geblieben. — altengl. love-laik (amor) Tristr. was nach engl. heutiger schreibung love-ledge wäre (vgl. 1, 266.), denn know-ledge, früher know-lecche entspricht dem altn. kunn-leikr, folglich hätte das ags. reas-lâc engl. zu lauten rove-ledge. — Alle diese zus. setzungen lehren, daß der lebendige sinn einer dunkeln wurzel (nr. 183.) auf mehrfache weise allgemein und abstract geworden ist; die composita mit -leika und -leiks, wie sie dazu im ab- lautsverhältnisse stehen, scheinen sich auch in der bedeu- tung mit -láiks zu berühren. ldugs? (lavacrum? wie das altn. laug fem.): hiermit sind viele ahd. frauennamen componiert, in welchen es badende, waschende, vielleicht auch reine bedeuten kann, adal-louc oder adal-loug, alp-l. ërcan-l. hadu-l. hilti-l. hruod-l. kund-l. muot-l. përaht-l. sigi-l. suana-l. (die sich gleich dem schwan badet?) triu-l. wîh-l. — ags. weder das subst. leág, noch eigennamen damit. — altn. viele weibl. namen: âs-laug (nicht âslög, denn der gen. lautet âslaugar, nicht âslagar) giaf-laug, guð-l. hiör-l. ker-l. (n. fluvii) edd. sæm. 44 a (wäre goth. kasjaláugs?) kêtil-l. svan-l. (Nialss.) þôr-l. und a. m. láuks (cepe, überhaupt herba succulenta): ahd. asc-louh (ascalonia) sgall. trev. 21 a blas. 61 b jun. 331. chlovu-louh (allium) sgall. jun. 195. trev. 21 a blas. 61 b prâh-louh? trev. 19 a blas. 57 a brach-l. mit einer verderbten lat. erklärung; snite-louh (serpillum) blas. 61 b jun. 330. — ags. gâr-leác (allium) yne-leác (unio, engl. onion, franz. oignon). — altn. ben-laukr (poetisch gladius) frió-laukr (wäre goth. fráiva-lauks) geir-laukr (allium) gras-laukr; in îtr-laukr edd. sæm. 150 a scheint das erste wort adj. — mhd. kno- be-louch entst. aus klobe-l. Barl. 265. — nhd. esch-lauch Frisch, knôb-l. schnitt-l. spieß-l. láun (merces): über das goth. sigis láun vorhin s. 476. — ags. ende-leán Cädm. 79. Beov. 128, dæd-leán Cädm. 68. Beov. 44. hond-l. Cädm. 63. Beov. 116. 157. sigor-leán Cädm. 62. — mhd. sumer-lôn, winter-l. (Oberl. 1599.). — nhd. hand-lohn, jahr-l. mieth-l. tâg-l. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. leika (imago?): man-leika (effigies); ahd. mana-lîhho, vorhin s. 425. belegt; ags. mon-lîca Cädm. 55; altn. mann- lîkan (fem.; vgl. mhd. wîp-lich troj. 114 b heim-lich troj. 67 a . linþs? dunkler bedeutung, ahd. lind, altn. linn, also ags. lið (von ahd. linta fascia, tilia, altn. lind, ags. lind völlig verschieden): ahd. weibsnamen wie alp-lind, asc-l. diot-l. ecki-l. hëlm-l. hugi-l. itis-l. kêr-l. kota-l. kôƷ-l. pouc-l. rât-l. sigi-l. taka-l. uodil-l. wini-l. wolf-l.; altn. sigr-linn sæm. edd. 147 a , vgl. das masc. linni (serpens); mhd. diet-lint, gote-l. her-l. sige-l. wine-l. liþa? lida? (iens, proficiscens) scheint in der zus. setzung besonders vom schiffe gesagt zu werden, ags. stehet yð-lida (wellenfahrer) Beov. 17. dichterisch für navis (denkbar wären mere-lida, sæ-lida) und ebenso in der chron. sax. ann. 871. sumor-lida (sommerfahrer, schiff dessen man sich im sommer bedient), Ingr. p. 101. über- setzt unrichtig a vast army. Im altn. sind sumar-lidi (vielleicht -liði?) vëtur-lidi auch mannsnamen (Egilss. p. 101.), urspr. von seefahrern, warum aber der bär vëtur-lidi heißt, der gerade im winter schläft, nicht aus- geht, weiß ich kaum, lidi muß hier etwa bloß gesell (comes) bedeuten, wie in âs-lidi (socius deorum) edd. sæm. 86 a . Ahd. analoge comp. meri-lito, sumar-lito, wintar-lito etc. fehlen, obgleich das wort lito, lido noch gilt, z. b. in fora-lido (antecessor) jun. 192. lists? (ars): ahd. zoupar-list, zouber-l. N. 10, 6. — mhd. arzet-list, houbet-l. zouber-l. alle im Trist. Die altn. comp. sind uneigentlîch, z. b. mâlara-list (Rask p. 219.) liuds? (populus): ahd. chouf-liut N. Boeth. 58. lant- liut ibid. 72. O. II. 3, 67. purc-liut hrab. 963 a 967 a N. Boeth. 65. — mhd. burc-liut, lant-l. Trist. und im pl. ambet-liute Parc. 159 c spil-liute Wigal. — nhd. nur im pl. amt-leute, berg-l. haus-l. kauf-l. land-l. spiel-l. etc. liuhma (splendor): ags. äled-lëóma Beov. 231. bëado-l. Beov. 115. bryne-l. Beov. 173. sŷr-l. Cädm. 94. hilde-l. Beov. 87. 192. svëord-l. — das altn. comp. ôgnar-liómi sæm. edd. 152 a 192 a ist wiederum uneigentlich. liuþ (cantus): ahd. scëf-liot (c. nauta r um) mons. 402. (wo scof unrichtig scheint, vgl. scëph-sanc ibid. 337; an scôf f. scuof, poeta kaum zu denken) wîc-l. (c. belli- cus) wini-l. (cant. plebejus, lieder unter gesellen gesun- gen, schwerlich beim weintrinken, wîna-l.) mons. 375. 402. — mhd. hüge-liet (jubilum, vgl. unten bei sanc) MS. 2, 174 b klage-l. kriuze-l. lobe-l. rege-l. (?) schimpse-l. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. tage-l. MS. 1, 107 b tanze-l. twinge-l. das subst. twiuc (oben s. 36. nachzutragen) lehrt Parc. 76 a . zuge-l. alle be- legt im cod. pal. 357, 5; minne-liet MS. 2, 76 a Apollon. 13302. (öfter minne-sanc); die späteren meister hatten auch haft-l. hof-l. preis-l. u. a. m. — ags. æfen-lëóð Cädm. 66. 67. fyrd-l. Cädm. 75. grŷre-l. Beov. 183. guð-l. Beov. 115. lîc-l. (epicedium) sorh-l. Beov. 183. vîg-l. Cädm. 67. — altn. eigentl. comp. mit lióð kenne ich nicht, uneigentlich sind begreislieh die benennungen eddi- scher gesänge wie hyndlu-l. sôlar-l. — nhd. âbend-l. grab-l. morgen-l. trink-l.; dagegen kriegs-l. liebes-l. hochzeits-l. volks-l. luga? (mendax): alts. treu-logo (fidem fallens). — ags. trëóv-loga Beov. 211. vær-loga (foedifragus) Cädm. 1. 29. 52. 54. 116. vord-loga (promissi violator). luka? (claustrum, inclusum): ags. bân-loca (cutis, cor- pus) Beov. 56. 63. brëóst-loca (animus) Cädm. 78. burh- loca (murus, septum arcis) Beov. 145. Cädm. 55. fŷr- loca (claustrum igneum) Cädm. 92. fërhð-loca (mens) Cädm. 68. hëarm-loca (claustrum damnosum) Cädm. 3. gevit-loca (mens) Jud. 68. ags. lufe (amor) in der comp. immer schw. fem.: ëard-lufe (patria dilecta) Beov. 54. (wo unrichtig ëarð-l.) môd-lufe (propensio animi) Beov. 137. sib-lufe (amicitia) Cädm. 1. vîf-lufe (amor feminae) Beov. 155. Merkwür- dig steht auch ein entsprechendes ahd. muot-luba (affec- tus) srancof. 49. das im gen. muotlubûn fordert, oben s. 49. nachzutragen und von liupî versch. ist. luslus (affectus): ahd. firin-lust (luxuria) ker. 64. hrab. 963 a T. 97. frawo-lust (gaudium) O. V. 7, 71. hugu-lust O. II. 11, 127. IV. 17, 37. huor-lust mons. 378. O. III. 17, 124. leid- lust (dolor) O. I. 20, 35. V. 7, 68. wuni-lust K. 19 b zart-lust (deliciae) W. 7, 6. — mhd. huor-gelust w. gast-47 b muot-ge- lust (appetitus) bei Conr. MS. 2, 207 a troj. 22 b 72 b 124 a . magn? (vis): ags. bëadu-mägen (virt. bell.) Cädm. 69. hand-m. (virtus manuum) Cädm. 6. hord-m. (thesaurus) Cädm. 89. lëód-m. (copiae) Cädm. 66. 67. — altn. âs- megin (vis divina) edd. sæm. 56 b vëdr-megin (tempestas = ahd. magan-wëtar vorhin s. 466.) edd. sæm. 50 a . magus (puer): þiu-magus (famulus). — ags. bëót- mecg (infelix, damnatus?) Cädm. 80. ëarfoð-mecg (ae- rumnosus, miser) Cädm. 88. hilde-mecg (bellator) Beov. 62. gigant-mecg (gigas) oret-mecg (heros, heldensohn) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Beov. 27. 30. 38. vræc-mecg (exsul) Beov. 177; offenbar stehet in den meisten dieser comp. mecg der bedeutung nach so, wie wir heute die wörter sohn, kind und mann zu construieren pflegen, z. b. ein mann des todes, sohn des kriegs, kind des unglücks; in oret-mecg ist das erste wort von oretta (heros) Beov. 189. und dies von oret (pugna) Cädm. 69. Lye gibt noch ein unbelegtes oret- stov (palaestra), ich weiß nicht ob oret oder ôret geschrie- ben werden muß und ob zus. hang mit dem s. 218. an- geführten verbo orettan (deturpare) statt findet? — altn. âs-mögr (vir divus, göttersohn) edd. sæm. 94 b 110 b drôtt- mögr (aulicus) ibid. 244 a vil-mögr (servus) ibid. 86 a ; gewöhnlich im pl. âs-megir, drôtt-megir, vil-megir. mans (homo): ahd. ahhar-man (agricola) mons. 408. ampaht-m. (minister) hrab. 958 a charl-m. (mas, fast nur als eigenname und mehr im altfränk. dialect, als in den übrigen) chouf-m. (institor) jun. 191. dinc-m. (conciona- tor) jun. 186. mons. 378. dëonost-m. K. 42 b 43 a thionost-m. O. I, 19, 3. als n. pr. findet sich das gleichbedeutige ein- fachere dio-man; engil-m. (n. pr.) frido-m. (pacificus) N. 71, 1. firno-man (homo scelestus) O. III. 14, 212. (o ist comp. vocal, andere quellen würden zeigen firin-man?) heri-man (miles) ker. 68. (auch als nom. pr.) houpit-m. hrab. 974 a hova-m. (tyro) mons. 377. kawi-man (incola, n. pr.) kom-man (mas, vir) ker. 188. K. 29 a Samar. gom-man T. 3, 1. 5, 4. O. I. 11, 13. march-m. (n. pr.) miet-m. (mercena- rius) trev. 41 b munt-m. (homo pacis) N. 40, 10. pëta-m. bëto-m. (adorator) O. II. 14, 135. piro-man? (ambro) vgl. oben s. 467. pû-man (colonus) trev. 42 a reit-man (eques, equester) mons. 363. 364. N. cant. moys. 1. (ascensor) von reita (currus) sala-m. (nom. pr.) scëf-m. (nauta) mons. 411. sigi-m. (n. pr.) spila-m. spili-m. (scurra) jun. 228. trev. 42 b spilo-m. N. Boeth. 58. 124. wald-m. (n. pr.) weidi-m. (venator) trev. 42 b wërah-m. (operarius) K. 17 a 28 b jun. 195. W. 5, 14. N. Boeth. 95. wëralt-m. (h. carnalis) mons. 385. wor- olt-m. O. III. 20, 314. IV. 7, 91. wîg-m. (pugnator) N. zim- par-m. trev. 42 b . — alts. ambaht-man. — ags. äcer-man, am- biht-m. carl-m. (maritus) ceáp-m. cäd-mon (n. pr.) flot-m. (nauta) glëó-m. (glig-m. histrio, musicus) heáfod-m. here-m. land-m. lîc-m. (libitinarius) lîð-m. (nauta) Beov. 123. gemët- m. (homo moderatus) Beov. 189. gemôt-m. (senator) sæ- m. (nauta) scip-m. þëóv-m. (servus) þëóf-m. (fur) vëorc- m. vëoruld-m. (secularis) vîf-man (femina, mulier) letz- teres ist gegensatz zu carl-m. (auch wohl væpned man) und bestätigt die urfprüngliche neutralität der wörter man III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. (vgl. s. 415.) aus vîs-man das engl. woman (der pl. women noch lautend wimen); aber woher leman (amica, dilecta)? aus ags. gleóman, gligman? das den sinn freudenmädchen gäbe, oder aus lus-man (love-man)? das ich nicht nachweisen kann. — altfries. brôc-mon (incola paludum) tale-mon (orator, tribunus pl.) — altn. aud-maðr (dives) her-m. (miles (hird-m. (satelles) karl-m. kaup-m. konûng-m. (vir regius) lik-m. (vespillo) ræsi-m. sund-m. (natator). — mhd. kouf-man, mark-m. Nib. schif-m. Nib. spil-m. Nib. rueje-m. (mnd. remex) jun. 279. wart-m. (speculator) Wh. 2, 105 b 151 a weide-m. Parc. 54 a wërlt-m. Roth. 23 b wërk-m. w. gast. 29 b . — nhd. acker-mann, amt-m. berg- m. burg-m. dienst-m. eh-m. fuhr-m. haupt-m. kauf-m land-m. mahl-m. schiff-m. see-m. spiel-m. stcuer-m. waid- m. wald-m. waßer-m. wunder-m. zim-mer-m. marei : ahd. endil-mere (oceanus) N. 71, 8. wendil-m. (idem) trev. 23 b herrad. lëber-m. (m. mortuum) trev. 24 a . — mhd. lëber-mer Barl. 56, 30. a. w. 2, 221. MS. 2, 15 a . — nhd. welt-meer. marka (limes): ahd. ërd-marcha hrab. 963 b lant-m. ibid. — ags. syrst-mëarc Cädm. 87. þëód-mëarc Cädm. 66. — im mhd. tene-marke Nib. scheint tene gen. pl., die comp. also uneigentlich zu sein. — nhd. seld-m. flûr- m. grenz-m. land-m. mats (cibus): nahta-mats, undaúrni-mats. — ahd. taka- maƷ (refectio) jun. 259. — ags. æfen-mete (coena) däg- mete (agape) mæl-mete (pastus) Cädm. 87. altn. meidr (arbor) vgl. ags. mæd, engl. medlar (me- spilus): eiki-meidr Nialss. œski-m. ibid. p. 634. vil-meidr (n. pr.) sæm. edd. 118 b . máiþms (res pretiosa): ags. hyge-mâðm (der theure schmuck, die leiche des todten herrn) Beov. 216. gold-m. Beov. 180. vundor-m. Beov. 162. ahd. meislar: holz-meistar jun. 195. 200. gëlt-m. trev. 41 b list-m. W. 7, 1. lugi-m. doc. 224 a wërah-m. T. 78. zins- m. trev. 42 a . — mhd. küchen-meister (von küchene, co- quina) Nib. schar-m. Nib. schif-m. (gubernator) Nib. stërn- m. (idem) Trist. müll. 7286. stiur-m. hagen 7401. vride-m. Bit. 9 a . — nhd. haus-m. hôf-m. küchen-m. steuer-m. maúrþrja (occisor): mana-maúrþrja (homicida) Joh. 8, 44. man braucht nicht, gegen den C. A., manna-m. zu lesen, da es, wie manna-sêþs, lieber von man als manna zu leiten ist. Entsprechende ahd. ags. comp. man-murdrjo, man-myrðra habe ich nicht gelesen. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. mêgs (affinis): ags. cnëov-mæg Cädm. 39. 67. frëó- mæg Cädm. 24. 70. heáfod-mæg Beov. 46. 161. hlëó- mæg Cädm. 24. 35. vine-mæg Beov. 7. voruld-mæg Cädm. 47. — mhd. kone-mâc Nib. nagel-mâc, spindel- mâc, swërt-mâc, die drei letzten kommen nicht in den gedichten vor, wohl aber in den gesetzen und urkunden. mêl (tempus, mensura, signum, loquela, causa): die ahd. comp. schwanken theils zwischen mâl und mâli (d. h. neutris erster und zweiter decl.) theils zwischen der schreibung mal und mahal, welches letztere vielleicht durch die aussprache maal herbeigeführt wurde älteste spur der nhd. weise, ein ungehöriges h zu schreiben, aber doch verschieden, weil es zwischen zwei vocalen steht; eben- so scheint pihil, pigil (s. 112.) f. pîl zu beurtheilen. , nicht für mâhal (1, 89.) zu halten ist, weshalb auch die oben s. 100. angenommene ableitung -al in mah-al muß fah- ren gelaßen werden. Dies vorausgeschickt ergeben sich hier folgende subst. zusammensetzungen: frist-mâli (indu- ciae) doc. 212 a hant-mâl (chirographum) ker. 145. hûf- mâl (caterva) aus dem adverbialen dat. pl. hûsmâlum (catervatim) hrab. 956 b gefolgert, lîh-mâl (stigma) lin- denbr. 1000 b ôd-mahali (gazophylacium) ker. 140. [vgl. das adj. ôdmahali (dives) ibid. 87.] aot-mâli (opes) hrab. 958 b 959 b jun. 175. scrita-mâl (passus) ker. 261. scrita- mâli hrab. 975 a mons. 399. (wo grit-mali steht) span- mâli (spithama) ker. 286. spurt-mâli (stadium) mons. 398. staf-mâl (gradus) geschloßen aus dem dat. pl. stafmâlum (gradatim) hrab. 965 a jun. 208. wunt-mâle (cicatrix) N. 37, 6. — alts. hand-mahal. — ags. däg-mæl (horologium) fôt-mæl (gradus) frið-mæl (pactum) hring-mæl (ornatus annulorum, ringschmuck, ringzeichen) Beov. 115. 153. undern-mæl (temp. matutinum) Beov. 108. — altn. dag- mâl (octava diei) sôt-mâl (gradus) gâng-mâl (tempus) mör- gun-mâl (jentaculum) nâtt-mâl, qvöld-mâl (coena) skot-mâl (scopus) sumar-m. (initium aest.); auch hier haben einige mæli (neutr. zweiter decl.) brigd-mæli (levitas) hag-mæli (verba lepida) sann-mæli (veritas) vom subst. sannr (ratio)? vin-mæli (amica compellatio, conciliatio). — mhd. bloß mâl, kein mæle: bluot-mâl Parc. 72 c golt-mâl fr. bell. 33 b hant- mâl? (das gleichbedeutende hant-gemælde Parc. 2 b ) hun- ger-mâl (indicium famis) Geo. 19 b 45 b (aber Parc. 46 a uncomp. hungers mâl) laster-mâl (opprobrium) MS. 2, 223 b 226 a 231 a sippe-mâl (cognatio) Wh. 1, 100 a . — III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. nhd. abend-mahl, gast-m. nacht-m. opfer-m. trauer-m.; volksmundarten kennen noch andere, z. b. um den schneeberg in oesterreich heißt der regenbogen wetter- mahl. mênôþs (mensis): unter den ahd. monatsnamen bei Eginhard und Goldast gehören hierher wintar-mânôd (jan.) lenzin-m. (mart.) bei Goldast lengizin-m. alterthümlicher, dem ags. lengten, lencten entsprechend; lenzin-mânôd darf kaum für ein uneig. comp. gehalten werden, wie wenn der nom. lautete lengizin? (zweimahl abgeleitet, leng-iz-in, s. 220 und 170 anzuführen) gen. lengizines? Unorganisch wäre dann das adj. lanzic (vernus) doc. 222 a st. lanzinîc und der schwache nom. lenzo (ver) N. 73, 17. acc. lenzen Boeth. 11. dat. lenzen Boeth. 36. 67. Für diese ansicht entscheiden die ags. composita lencten fästen (vernale jejunium) lencten-tîd (vernale tempus) nicht lenctan-f. Auch stehet jun. 305. der nom. lenten (ver). Ist das slav. ljeto (aestas) verwandt? ôstar-m. (apr.) von ôstara (pascha) wunni-m. (majus) prâh-m. (jun.) von prâhha (aratio agri novalis) hewi-m. (jul.) aran-m. (aug.) witu-m. (sept.) von witu (lignum)? windume-m. windum-m. wofür windumânôt (oct.) von winduma, windema? (vindemia, welches wort aus dem latein aufgenommen, vgl. das ab- geleitete wintemôd W. 8, 11) herbist-m. (nov.); der name des febr. hornunc ist nicht componiert, der des dec. heilac-m. adjectivisch. Außerdem findet sich rëgan-m. mons. 356. (m. defluus) und so nennt die cass. hs. Eginh. den november, indem andere herbist-m. dem sept. beile- gen, z. b. N. 80, 4. Die gl. herrad. 179. geben für jan. neben winter-m. jâr-m. und für dec. herte-m., für mart. apr. maj. neben den zus. gesetzten benennungen die ein- fachen mërze, abrëlle, meie, welche drei auch im mhd. häufig vorkommen, während die übrigen kaum genannt werden. Der nhd. gebrauch zieht gleichfalls vor, was kürzer ist, bestimmter (weil die bedeutenden namen ört- lich schwanken müßen), und mit der sitte anderer völ- ker einstimmt. In den volksdialecten dauern manche ab- weichende benennungen fort. — Die ags. monatsnamen liefern folgende comp. sol-mônað (febr.) hlyd-m. (mart.) mir dunkel, eáster-m. (apr.) sëar-m. oder midsumer-m. (jun.) mæð-m. (jul.) von mæð (foenisecium) vëod-m. (aug.) dunkel, dem ahd. witu-m. ähnlich, harfest-m. (sept.) blôt-m. (nov., mensis victimarum) midvinter-m. (dec.). Andere sind einfach: geóla (I. und II. dec. jan.) liða (I. II. jun. jul.) oder nicht substantivisch zus. gesetzt, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. wie þri-milchi (majus, vom dreimahligen melken der kühe? richtiger wäre þri-milca?). — Altn. monatsnamen, so viel ich sie kenne, werden uneigentlich componiert; was sonst von ihnen zu sagen ist, berührt nicht das ge- genwärtige capitel. milv? (farina): ahd. kërst-mëlo, gërst-mël, zwetl. 112 a së- mal-mëlo mons. 327. — mhd. krîde-mëltroj. 102 c 146 a . — nhd. korn-mehl, wurm-m., aber fehlerhaft gersten-m. weizen-m. mit? (mensura): ahd. elina-mëƷ ker. 286. gawi-mëƷ jun. 219. gewi-mëƷ O. I. 20, 15. scara-mëƷ mon. boic. VII, 374. scriti-mëƷ jun. 221. spita-mëƷ (linea) blas. 6 a . môs? (cibus): ahd. âbant-muos T. 239, 2. vgl. âband- muasôn K. 43 b choh-m. jun. 202. hrab. 959 b meƷi-m. (dapes) ker. 87. taga-m. T. 110. daga-m. O. II. 14, 192. ags. gemôt (conventus): folc-gemôt, hond-gemôt Beov. 176. torn-gemôt Beov. 87. ags. mêce (gladius) altn. mœkir; das ags. ê scheint ein altn. œ zu fordern, folglich würde das ahd. wort muohhi lauten?: bëado-mêce Beov. 110. häft-mêce (ensis capularis) Beov. 111. hilde-mêce Beov. 165. munds? (tutela, tutor): die goth. mannsnamen agila- mund, beris-mund, gunþa-mund, hildi-m. huni-m. sigis- m. transa-m. (trasa-m.) þoris-m. u. a. m. — ahd. egil- munt, chuni-m. dëgan-m. diot-m. fara-m. helid-m. hruod-m. hugi-m. kêr-m. sigi-m. scara-m. taga-m. trasa- m. wald-m. wolf-m. — altn. âs-mundr, aud-m. geir-m. hrôð-m. îngi-m. sig-m. etc. mundi? (memoria) neutr. ahd. munti, ags. mynd: ich finde ahd. frast-munti (secretum) doc. 211 b , worin mir das erste wort unverständlich ist (das vorherstehende fra- stot scheint zu ändern in fnâstôt; doch zu fnast-munti würde nicht secretum passen). — ags. fëorh-mynd Beov. 169. vëorð-mynd (honor, dignitas) Beov. 3. 118. 132. Cädm. 88. Jud. 12. mûs? (mus): ahd. flëdar-mûs (vespertilio) mons. 321. trev. 14 b jun. 268. allein die gl. sgall. 198. geben fredarmi (? frëdar-mûs) und jun. 232. das abgeleitete flëdere-mu- stro oder -mustra?; auch das mhd. vlëdra-mûs MS. 1, 9 a (wenn nicht in vlëder-mûs zu ändern?) hat etwas anomales, das a könnte der verhärtete comp. vocal sein (ahd. vlëdara-m.). Mhd. außerdem burc-mûs, vëlt-mûs a. w. 3, 185; nhd. feld-maus, flêder-m. haus-m. rell-m. (glis) stadt-m. Ags. sise-mûs (glis). nahts (nox): ags. middel-niht Beov. 207. 210. sin-niht (nox perpetua) Cädm. 2. — altn. hŷ-nôtt sæm. edd. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 87 b , vielleicht = ahd. hugi-naht? — nhd. herbst-n. sommer-n. winter-n. nanþs? (fortis, audax, vgl. anananþjan, audere, ahd. ginendan, altn. nenna, ags. geneðan): die goth. manns- namen sise-nandes, jor-nandes und der weibsname theo- de-nantha Procop 1, 8.). — ahd. ëpar-nand, gêr-n. heri- n. hlium-n. hruod-n. sigi-n. solch-n. weri-n. wîc-n. wi- li-n. wolf-n. — mhd. volc-nant, wîc-nant. — nhd. ser- di-nand, das aus dem span. hernando, fernando zu stam- men scheint und in der früheren sprache nicht vor- kommt. — In andern ahd. namen bildet nand das erste wort, z. b. nand-gêr, nand-gôƷ, nand-gis, nand-rât etc. vgl. die ableitungen nandunc. nendinc, nendihho; mhd. nant-wîn Bit. nent-wîn Nib. 5540. Das altn. n. pr. fem. nanna (gen. nönnu) entspricht jenem goth. nanþô? com- posita kenne ich keine; ags. fallen die comp. mit -noð (f. nað) hierher: äðel-noð, bëorn-noð, eáð-noð, vulf- noð, zur bestätigung findet sich wirklich ägel-nað (chr. sax. Ingr. p. 240. 265.) = ahd. egil-nand. nasa? nasja? (conservatio) ahd. nara: lîp-nara (victus), mhd. lîp-nar Trist. lîp-narunge troj. 5 a ; ags. aldor-nere Cädm. 54. fëorh-nere Cädm. 82. 86. nati (rete): ahd. mugge-neze flor. 983 a klëbe-n. trev. 61 a . — ags. brëóst-net Beov. 117. Cädm. 68. dëór-n (r. venaticum) fisc-net, flëóh-net (conopeum) Jud. 10. here-n. Beov. 118. hring-n. Beov. 205. invit-netB eov. 122. sëaro-n. Beov. 33. — mhd. mügge-netze s. l. Wigal. 380. visch-netze. náuts (consors): ahd. hûs-kinôƷ (domesticus) jun. 202. — ags. bëód-geneát Beov. 129. bord-g. Beov. 28. hord-g. Beov. 22. 120. 163. 180. — mhd. bette-genôƷ Vrib. Trist. eit-g. c. pal. 361, 32 a hûs-g. cod. pal. 361, 71 c a. w. 3, 237. kampf-g. Parc. 164 c maƷ-g. (commensalis) rât-g. Karl 36 b rede-g. Vrib. Trist. schar-g. Wh. 2, 185 b schuol-g. Flore 5 c . — nhd. bett-genoß, eh-g. fehm-g. haus-g. schif-g. stuhl-g. tisch- g. etc. — Alle diese comp. beziehen sich auf die sache, derentwegen man eines genoß ist, die person oder sache der genoßschaft selbst steht uncomponiert im gen. z. b. boumes genôƷ Karl 28 b engels g. Mar. 48. mangensteines g. Parc. 51 a knopfes g. Otnit 799. kolre g. MS. 2, 191 b der engel g. Barl. 83. náuþs (necessitas): ags. þreá-nŷd (afflictio) Beov. 24. 64. þëóv-nŷd (servitus, vinculum serv.) Cädm. 44. 81. — Im ahd. sind männliche n. pr. mit -nôt zus. gesetzt, adal- nôt, fridu-nôt, gêr-nôt; mhd. ecke-nôt, gêr-nôt, hëlm- nôt, sige-nôt. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. neiþs (invidia): ags. bëalo-nîð Beov. 133. 179. 202. fær-n. Beov. 38. hete-n. Beov. 14. invit-n. Beov. 140. 146. orleg-n. Cädm. 3. sëaro-n. Beov. 46. 92. 203. 227. väl-n. Cädm. 75. Beov. 9. 155. 222. nêms? (captio): altn. bôk-nâm (docilitas) land-nâm (occupatio). — nhd. theil-nahme. nima? (captor): ahd. mêta-nëmo (mercenarius) ker. 231. nôt-nëmo (raptor) ker. 235. jun. 188. sigi-nëmo, sige- nëmo (triumphator) N. Boeth. 64. 65. — mhd. erb-nëm? teil-nëm? kann ich nur vermuthen (eher als erb-næme, oben s. 81.) nicht belegen. — nhd. erb-nehmer, theil- nehmer. numja (captor): arbi-numja (heres). — ahd. erbi-nomo ker. 56. nôt-numëo (raptor) sgall. 194. — ags. yrfe-numa (heres) nŷd-numa. — Zwischen dieser und der vorausgehen- den composition besteht der s. 487. bei baíra und baúrja er- läuterte unterschied; die comp. mit dem ablaut des praet. scheinen älter und gehen später in den laut des praes. über. numts , numfts (captio): ahd. hari-numft (praeda) ker. 128. nôt-numft (raptus) T. 118. sigi-numft (victoria) sic- numf stehet ker. 225. teil-numft K. 37 b . — mhd. nôt- nunft, sige-n. teil-n. (vgl. oben s. 196.). paþs? (via) ahd. pfad (O. pad) ags. päð: ags. flet-päð Cädm. 58. her-p. Jud. 12. mîl-p. Cädm. 66. — nhd. fûß-pfâd. ags. plëga (ludus): äsc-plëga, ecg-p. hëarm-p. Cädm. 42. hond-p. Cädm. 45. 69. hild-p. Beov. 82. lind-p. Beov. 153. fast lauter benennungen des kriegs. ahd. pflëgo ? (curator) pflëga (quae curat, praedita est) gurtel-flëga (cinxia) N. qvalms? (nex): ags. bëalo-cvëalm Beov. 169. deáð-c. Beov. 126. fëorh-c. Cädm. 25. 26. gâr-c. Beov. 153. man-c. qvaírnus (mola): asilu-qvaírnus. — ags. hand-cvëorn (m. trusatilis) ëosol-c. qviþa? (dicus): ahd. wâr-quëto (veridicus). qviþi? (dictum): ahd. harm-quiti (calumnia) hrab. 956 a vgl. harm-quëtôn francof. 8. toam-quiti (sententia) ker. 57. — ags. gilp-cvide (arrogantia) Beov. 50. hëarm-c. Cädm. 16. hlëóðor-c. (vaticinium) Cädm. 78. Beov. 149. sôð-c. Cädm. 84. tëón-c. (convitium) vom-c. Cädm. 15. vord-c. Cädm. 86. 89. Beov. 138. 139. 205. qvêla? (supplicium): alts. fërah-quâla, wundar-quâla. qvuma? (advena): ahd. mannsnamen hruodi-como, wili-como, zeiƷi-como (vielleicht adjectivisch comp.) zîti- como, so wie entsprechende fem. hruodi-c. wili-c. hil- K k III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ti-c. etc. — ags. vil-cuma Beov. 32. — Auch hier schwankt das zweite wort zwischen laut und ablaut, neben wili- como findet sich wili-quëmo (vgl. niwi-quëmo, neophy- tus, doc. 227 a ) wiewohl bei dem verb. quëman selbst das o in das praes. dringt (1, 865.). ags. räden? ræden? (modus, ratio) fem., ich weiß nicht sicher, ob der wurzel kurzer oder langer vocal ge- bührt; für letztern stimmt das goth. garáideins (constitu- tio) und dann gehört es zu nr. 154; für ersteres das altn. röd (ordo) rada (disponere) und das ahd. redina (ratio) von der wurzel nr. 86. Die flexion geminiert das n (rä- denne). Hiermit werden viele ags. abstracta gebildet, in welchen es ungefähr was sonst -scipe (-schaft) bedeutet: gecvid-r. (pactum) gefer-r. (consortium) folc-r. (lex) frëónd-r. (amicitia) hîv-r. (familia) man-r. (clientela) mæg- r. (affinitas) sele-r. (mansio?) Beov. 6. tëón-r. (injuria) trëóv-r. (foedus) þing-r. (intercessio) voruld-r. Beov. 87. Den andern dialecten mangelt diese compositionsweise. randus? (margo): ags. hond-rond Beov. 194. hilde-r. Beov. 95. sîd-r. (cl. lateralis) Beov. 98. ags. räs? ræs? impetus, cursus) æ habe ich oben s. 16. angenommen und das wort zu nr. 171. gezählt, räs aber scheint mehr zum engl. race zu passen, vgl. altn. râs (cursus): fëónd-r. Cädm. 22. guð-r. Beov. 119. 176. 195. 222. hëaðo-r. Beov. 42. 44. 80. hilde-r. Beov. 25. mägen-r. Beov. 115. väl-r. Beov. 64. 157. 189. 218. rasta (requies, milliare), es muß aber zur erklärung des umlauts in den übrigen dial. ein rastja oder rastei da- neben angesetzt werden: alts. svëf-resta (dormitorium). — ags. æfen-reste Beov. 51. 96. bed-r. Cädm. 49. 58. flet-r. Beov. 95. niht-r. Cädm. 61. sele-r. Beov. 54. väl-r. Beov. 215. vind-gereste (patibulum, vento expositum?) Beov. 183. — mhd. bette-reste kl. 2594. lîch-r. (sepulcrum). ráida? (currus, equitatio) fem. ags. floc-râd (turma) hron- râd (oceanus, currus balaenae) Beov. 3. Cädm. 5. sëgel-râd (navigatio) Beov. 109. svan-râd (mare, c. cigni) þunor-râd (tonitru, im altn. bedeutet reid für sich schon blitz unddon- ner ). — altn. hel-reid (descensus in orcum) der urbegriff von reidan (nr. 154.) ist nicht aufs pferd einge- schränkt, wie man noch spät sagte: zu schiffe reiten, so hieß es ahd.: ûfen dëro reito rîten (zu wagen fahren) N. Boeth. 66; da- nach sind auch die comp. mit reita zu verstehen: reit-ros (equus curulis) mons. 330. nicht unser heutiges reitpferd; reit-rihtil (au- riga) mons. 345. zwetl. 114 a reit-man (equester) mons. 363. Ob . — ahd. ha- ri-reita, heri-r. (expeditio mil.) Baluz capit. 1, 46. 109. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. raiht (jus): ahd. lant-rëht N. 93, 4. purg-r. Boeth. 58. — alts. land-rëht. — ags. êðel-riht (jus patrium) Beov. 164. lond- r. (jus terrae) Beov. 214. vord-riht (verba solennia?) Beov. 196. — mhd. lant-r. Parc. 37 b troj. 131 b sent-r. cod. pal. 361, 50 c . — nhd. burg-recht, dorf-r. land-r. see-r. stadt-r. ráip (restis): skáuda-ráip (corrigia). — ahd. dio-reif (jugum, vinclum servitutis?) mons. 369. 366. — wât-reif (rudis? ein kleidrieme?) hrab. 974 a oder in wâc-reit (ru- dens) zu beßern? vgl. das folgende ags. væg-râp. — ags. sôt-râp (propes) stig-râp (funis scansilis) væg-râp (in væg- râpas berichtigt Grundtv. das sinnlose væl-varas der ausg.; entw. bedeutet vægrâp rudens, eingefrorne schiffstaue? oder es ist das eis selbst gemeint, das band der wogen) verwandtschaft zwischen ahd. reif (lorum) und rîso (pruina) bestehet nicht, denu letzteres war früher aspiriert (hrîso sgall. 192.), nicht ersteres. Beov. 122. — mhd. stëc-reif Parc. 81 c MS. 2, 228 a . — nhd. faß-reif, finger-reif (annulus, b. Luther, reif, wie band, auch von metall) helm-reif, stêg-reif. — engl. stirrup. ráuba (spolium): ahd. wala-roupa. — ags. hëaðo-reás Beov. 32. here-r. Cädm. 75. nêd-r. väl-r. Beov. 92. ráuks? (fumus); ags. guð-rêc (fumus stragis) Beov. 85. (der text hat fälschlich rinc f. rêc) vud-rêc (f. ligni). — altn. iô-reykr (nubes pulveris ex equitatu). — nhd. berg- rauch, feuer-r. holz-r. ofen-r. (weih-r. s. bei der adj. comp.) — Das ags. rêced (domus) mit langem vocal zu schreiben und auf rêc (fumus) zu beziehen, hat für sich, daß noch jetzt deutsche mundarten rauch = haus (feuer- stätte) nehmen; oben s. 229. habe ich reced, dem alts. rakud (nicht rôkud) zu gefallen angesetzt. Hierher die composita: eorð-rêced Beov. 202. hëal-r. Beov. 11. hide- r. Beov. 149. horn-r. Beov. 55. sund-r. Cädm. 31. vîn-r. Beov. 56. 76. rêds? (consilium, ratio, conditio) verwandt dem vorhergehenden ags. räden? wie überhaupt nr. 86. ein älteres riþan, raþ, rêdun erfordert, nach dem grund- satz s. 71. : hiermit sind wenig subst. von lebendiger bedeutung zus. gesetzt, ahd. palo-rât (pravum cons.) meine ich gelesen zu haben, altn. böl-râd könnte edd. sæm. 272 b st. böll râd gelesen werden; âst- râd (bonum cons.) stehet 196 b . Ein ags. däg-rêd (status diei? aurora) würde ein ahd. taka-rât nach sich ziehen, und wie aber die ahd. comp. prant-reita (andena) sgall. flor. 986 b und scaf-reita (toreuma) flor. 985 b 990 b hierher gehören? ent- scheide ich nicht. K k 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. dem die gewöhnlichen schreibungen widerstreiten (vgl. oben s. 75. 253. 415.). Sicherer ist das mhd. hî-rât (conjugium) a. Heinr. 208 a Frig. 11 a (masc.) Nib. 8796. (masc. fem.) nhd. hei-rath; ags. hî-rêd (familia) gen. hî-rêdes. Nhd. auch haus-rath; mhd. lîp-rât troj. 21 c . Aber viele nom. pr. beider geschlechter sind damit componiert: ahd. masc. chuni- rât, dancha-r. ëpur-r. hëlf-r. hugi-r. këlf-r. kund-r. wiel-r.; fem. anst-r. fast-rât, fridu-r. hilt-r. kast-r. land-r. lust-r. si- gir-r. etc. — ags. masc. älf-rêd (dieser berühmte name also auf ahd. alp-rât?) äðel-rêd etc. — altn. þack-râdr, masc. reiks (princeps) componiert eine reihe der ältesten mannsnamen selbst die celtischen -rix in ambio-rix, adiato-rix, cingeto-r. vercingeto-r. dumno-r. eporedo-r. lugoto-r. orgeto-r. sino-r. viri- do-r. scheinen verwandt. : goth. amala-rîcus, athala-r. ërmana-r. gaise-r. ganda-r. gisal-r. gëba-r. sëge-r. theode-r. u. a. m. — ahd. adal-rîh, alp-r. amal-r. diot-r. fridu-r. irmin-r. heim- r. (woraus später hein-rich) hëlf-r. hildi-r. heri-r. këlf-r. këpa-r. kôƷ-r. lant-r. megin-r. patu-r. sigi-r. uodil-r. (später ul-rich). — ags. älf-rîc, here-rîc Beov. 90. 165. sige-rîc. — altn. mit gekürztem vocal ey-rëkr, frið-rëkr, heim-r. hialp-r. etc. — Außerdem gibt es andere wör- ter, personen, thiere, sachen bezeichnend, welche mit -rîch, oder verkürzt -rich zusammengesetzt werden, bis- weilen tritt schwache form dazu. Hauptsächlich wird das männchen von einigen thieren dadurch ausgedrückt: ahd. anet-rëcho (anetus) trev. 14 b blas. 72 b zwetl. 112 a vgl. ital. anitroccio. ; altn. and-riki; nhd. ente-rich, bei Fischart 201 b ant-rach; engl. aphäretisch d-rake; dän. and-rik; altn. dû-riki f. dûf-riki (columbus) dän. du-rik, nhd. täube-rich; das nhd. gänse-rich (anser mas) fordert ein ahd. gensi-rîh oder -rîho, was in dem alten n. pr. gensi-rîcus stecken könnte? altn. gilt aber gassi, schwed. gåse, dän. gasse (ahd. ganso?); die östr. volkssprache hat auch bien-rich (apis mas), im kuhländchen heißt braite-rich bräutigam, din- ge-rich ein unbestimmter mann (Meinert p. 388.). Das nhd. fähnd-rich, fähn-r. (signifer) scheint mir bloß ent- stellt aus mhd. venre (fenner) ahd. vanari; begründeter ist wuͤte-rich (tyrannus) mhd. wuot-rich, jun. 323. Mar. 217. Ottoc. 696 a wuete-rich Barl. 254., dem ein tobe-rîch gleicht, das mir erst Kaisersp. in der form von döberich gewährt. Pflanzennamen sind wëge-rîch (plantago) trev. 18 a blas. 55 a Parc. 43 c nhd. hêde-rich (hedera terrestr.) Ganz säch- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. liche aber aste-rîch (pavimentum) N. 118, 25. mhd. este-rîch Trist. este-rich Barl. 307. Flore 44 b troj. 106 c 110 c nhd. est- rich (vgl. astricus plastar sgall. 182. d. i. pflaster); ahd. puti- rîh, but-rîch (uter) jun. 287. vgl. den eigennamen pütte-rich. reiki (regnum): ahd. ërd-rîhhi J. 347. O. I. 3, 65. chuninc-r. hrab. 975 a Hild. himil-r. K. 18 a O. I. 28, 30. II. 5, 56. — alts. hëban-rîki, wërold-r. — ags. fäder-rîce Cädm. 98. gimme-r. Beov. 37. voruld-r. Cädm. 87. — mhd. himel-rîche, künec-r. — nhd. erd-reich, himmel-r. könig-r. riba? (palmes): ahd. churpiƷ-rëpa (tanacetum) gl. vindob. gunde-rëba (acer) blas. 56 b trev. 18 b flor. 986 b hirni-rëba (cerebellum) flor. 987 a lindenbr. 994 a wîna- rëpa hrab. 974 a wîn-r. ker. 39. T. 167, 1. — mhd. bal- sam-r. MS. 2, 211 b hirn-rëbe (cerebrum) fragm. belli 31 b Karl 62 b wîn-rëbe. — nhd. donner-rêbe (n. plantae) gundel-r. (Höfer 1, 338.) wein-r. rigns (pluvia): ahd. clast-rëgan (imber) hrab. 967 a — ags. väll-regen Cädm. 31. — nhd. staub-r. feuer-r. ahd. rinch (heros): ags. bëado-rinc Beov. 85. fyrd-r. Cädm. 46. gum-r. Cädm. 35. guð-r. Beov. 65. 114. 141. 197. hëaðo-r. Beov. 30. 184. Cädm. 68. hilde-r. Beov. 100. 113. mago-r. Beov. 57. Cädm. 38. 50. sæ-r. Beov. 54. ahd. ruota (virga): sëgal-ruota (antenna) flor. 983 a . — mhd. lîm-ruote fragm. 19 a . — nhd. leim-r. wünschel-r. rûna (secretum) steht componiert fast nur im plur.: ahd. helli-rûnâ (runae mortiferae) flor. 982 b — ags. bëadu- rûn (runa certaminis) Beov. 40. hel-rûnan (schwachformig) Beov. 15. — altn. aðal-rûnir (r. primaevae) biarg-rûnir (auxiliantes) bôk-r. (acupictiles) brim-r. (fluctuales) gaman-r. (amatoriae, jocosae) vgl. gaman s. 455. und die composita glëo-gamen (jocus) hëal-gamen Beov. 81; altn. ist svëfn-gaman edd. sæm. 51 a ein name der nacht (traumfreude). hug-r. (animi, vgl. das mhd. hüge- liet) lim-r. (ramales) mâl-r. (familiares, forenses) man-r. (muliebres, vgl. man-söngr) öl-r. (cerevisiae) sig-r. (victo- riae); belege für die meisten edd. sæm. 194. 195. — Der sing. hat aber auch den persönlichen sinn von socia, amica in verschiednen weiblichen eigennamen. Im di- plom. 76. bei Marini: baude-rûna, chaide-rûna, childe- rûna, dommo-rûna; im andern ahd. urkunden fridu-rûn, hildi-rûn, sigi-rûn, wart-rûn; altn. geid-rûn, god-r. heid-r. öl-r. odd-r. sôl-r. ûls-r. vard-r. etc. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. sagja , saga? (-dicus): alts. eô-sago (qui legem dicit, sacerdos) ahd. findet sich nur êa-sagâri (legislator) mons. 382. aber altfries. â-sega (judex); alts. wâr-sago (veridi- cus), mhd. wâr-sage, nhd. wahr-sâger; mhd. leit-sage (index viae) w. gast und livl. 19 a 125 b . Ags. sind mit dem starkformigen secg zus. gesetzt ambiht-secg (nuncius) Cädm. 14. ærend-secg Cädm. 16. saggvs (cantus): ahd. chlaga-sanc zwetl. 127 a hugi-sanc (jubilum) gefolgert aus huge-sangôn (jubilare) N. 94, 3. 107, 1. cart-sanc (chorus) jun. 199. lop-s. (hymnus) salm-s. (psal- modia) K. 30 a scëf-s. (celeuma) mons. 347. — ags. lof-song Cädm. 94. sëalm-s. — altn. man-söngr (cantilena amato- ria). — mhd. minne-sanc, vogel-s. MS. 1, 103 b misc. 2, 205. sahs (culter): ahd. maƷ-s. (cultellus) sgall. scar-s. jun. 215. snite-s. trev. 33 b . — ags. hup-sëax (pugio, der an der hüfte steckt) Jud. 12. väl-sëax Beov. 201. vrît-s. (sty- lus). — mhd. schar-sahs. — Ein messerträger heißt ahd. sahso, ags. sëaxa, altn. saxi; edd. sæm. 118 b iarn-saxa, eine riesin, die ein eisenmesser trägt. sals (aula): alts. gast-seli. — ags. beáh-sele Beov. 90. bëór-s. Beov. 38. 39. 84. — dryht-s. Beov. 39. 60. 173. ëord-s. Beov. 180. 187. gest-s. Beov. 76. gold-s. Beov. 56. 96. guð-s. Beov. 36. horn-s. Cädm. 40. hring-s. Beov. 151. 211. hrôs-s. (aula tecta) Beov. 115. mëdo-s. nîð-s. Beov. 115. vîn-s. Beov. 54. 60. 183. Cädm. 93. 98. vyrm-s. Jud. 10. — altn. (meist im pl.) fen-salir, fold-salir, þrym- salr (Thorl. VI, 56.) salbô (unguentum): ahd. binnuƷ-salpa (aroma) T. 212, 7. 216, 2. ouc-s. (stibium) mons. 329. lindenbr. 994 a . sarv? (apparatus) ags. bëado-sëaro Cädm. 74. fyrd-s. Beov. 20. 195. guð-s. Beov. 19. invit-s. Beov. 84. sáivs (mare, lacus): mari-sáivs. — ahd. anut-sêo (la- cus anatum?) fr. orient. 1, 675. ëgal-sêo (l. hirudinum) ibid. marëo-sêo (oceanus) wessobr. wentil-sêo (oceanus) Hild. wofür weldel-sê jun. 276. — altn. ûlf-siâr (l. lupo- rum) edd. sæm. 133. saúhts (morbus): ahd. fuoƷ-suht (podagra) mons. 383. 394. lidi-s. (podagra) flor. 986 a mânôd-s. (morb. lunaticus) zu folgern aus mânôd-sioh (lunaticus) misal-s. (lepra) mons. 384. muot-s. N. 106, 27. und gewis viel ähnliche. — altn. hug-sôtt (aegritudo animi) sæm. edd. 81. stein-sôtt (cal- culus) — mhd. misel-suht, a. H. tobe-s. Barl. — nhd. schlâs- sucht, waßer-sucht. Das ags. componiert mit âdl (morbus). saúrga (cura): ags. cëar-sorh Cädm. 26. hyge-s. Cädm. 19. Beov. 174. invit-s. Beov. 131. 140. 146. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. sêta? (possessio?) ahd. sâƷa, mhd. sâƷe: ahd. chirih- sâƷa (territorium eccl.) fr. or. 1, 675. wo aber ein gau walt-sâƷi kurz vorhergeht. Hierher aus der freckenh. urk. die dat. pl. brôc-sêton, bikie-sêton, lac-s. vëld-s. einen nom. sg. -sêta fordernd? sêtja? sowohl angeseßner, als einer, der etwas hin- setzt: ahd. hlëodar-sâƷo (negromanticus) ker. 207. stuol- sâƷo (tricliniarches) mons. 395. — ags. hrëop-sæta (incola ripensis) land-sæta (incola) unsicher ob nicht land-sëta? (vgl. hernach -sitja) vil-sæta (viltunenfis). — mhd. lant- sæƷe (terricola) Trist. truh-sæƷe (dapifer) Parc. 159 c Trist. — nhd. land-saße, wald-s. aber truch-seß. siba? (mens): alts. môd-sëbo. — ags. gëomor-sëfa Beov. 6. 180. hrëóv-s. (poenitentia) wenn so f. hrëó-s. Beov. 163. zu lesen ist? môd-s. Beov. 16. 29. 151. Cädm. 12. 85. sinþs (iter): ags. ëarfoð-sið (iter molestum) Cädm. 33. 89. cëar-s. (idem) Beov. 179. grŷre-s. (iter horridum) Beov. 111. spild-s. (i. periculosum) Cädm. 66. sæ-s. Beov. 88. 179. vîg-s. (exp. bellica) Cädm. 46. vil-s. (iter jucun- dum) Beov. 19. vræc-s. (exsilium) Beov. 28. 171. gasinþja (comes) ags. gesið (starkformig) ahd. kasindo: ags. vil-gesið (comes gratus) Beov. 4. — gasinþi? (comi- tatus): mhd. heim-gesinde Nib. hove-g. klage 2303. kiel-g. Trist. — nhd. haus-g. hôf-g. sitja? (der sitzt, angeseßen ist): ahd. sizëo, sëƷo? ahd. hlëodar-sizëo (hariolus) hrab. 970 a lëodar-sëzo mons. 405. thrio-sëƷ (tri-cliniarches) O. II. 8, 75. [starker decl., da thrio-sëƷƷô gen. pl. ist, genaue übertragung des lat. worts und mit truh-sâƷo, dapifer gar nicht verwandt, strengahd. drî-sizo? vielleicht auch thrio-sëƷ (triclinium) neutr. der sitz mit drei polstern?]. — altn. drôtt-sëti (major domus, wiederum von truh-sâƷo versch., es ließe sich denn beweisen, daß dieses f. truht-sâƷo stehe, ob- schon truht nicht zu dapes stimmt) land-sëti (conductor praedii). sitls (sedes): ags. êðel-sëtl Cädm. 1. hilde-s. Beov. 79. mëodo-s. Beov. 3. — sitlja? (habitator): ahd. chamar- sidilo jun. 260. lant-fidilo ker. 29. -sidolo jun. 235. wôstun-sëthalo (solitarius) ker. 199. skadus (umbra): ahd. naht-scato W. 4, 5. — ags. beám-scëado Cädm. 20. hëolster-sc. (chaos) Cädm. 3. scûr-sc. (umbella) Cädm. 20. (engl. shower-shade). An- dere comp. sind mit -scûva: deáð-scûa (umbra mortis) Beov. 14. niht-sc. Cädm. 45. 65. — nhd. baum-schatten, nacht-s. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. skafts? skap? (indoles, ratio) diese zusammensetzung schwankt in form, genus und declination; das goth. kennt sie überhaupt noch nicht (vgl. gaskafts, creatio, creatura, fem.). — ahd. -scaf fem. (vgl. kiscaf, alimentum, jun. 235. und sceffî K. 55 b ): fîant-scaf (inimicitia) K. 59 a blas. 8 a friunt-scaf (amicitia) ker. 9. (auch mannsname, Neugart. nr. 515.) ergibt sich aus diesem persönlichen gebrauch, daß auch im ahd. (wie im alts. ags. altn.) -scaf ursprünglich masc. gewesen? heri-scaf (multitudo, copiae) T. 185, 5. O. I. 4, 29. 12, 42. II. 3, 26. IV. 4, 112. 5, 83. 17, 30. von heri, das selbst schon soviel bedeutet, zu leiten; ver- schieden von hêr-scaf (dominatus, potentia, imperium, serenitas) N. 21. 22. 70, 19. Boeth. 63. 82., das mit dem adj. hêr (potens, almus) componiert scheint, aber es auch mit hêriro, hêrro sein könnte und dann gleichfalls hierher gehörte, wofür wenigstens das nhd. herr-schaft spricht. lant-scaf (regio) K. 20 a 51 b 55 b ker. 24. fran- cof. 14. J. 388. 402. (389. lant-scap) T. 8, 8. 13, 1. 2. 21, 12. 53, 8. 97. 150. liut-scaf (natio) ker. 28. mëtan- scaf (mediocritas) jun. 214. mëtel-sc. doc. 294. (f. mitun, mittil-sc.? vgl. oben s. 470, oder adjectivisch aus mëtamo, goth. miduma zu leiten? vgl. K. 55 b dëro mëtamûn sceffî, so daß mëtan-s. stünde f. mëtam-, mitum-s.?) formunt- scaf (defensio) mons. 405. kinôƷ-scaf (consortium) K. 46 b 37 b jun. 200. 237. 260. canôƷ-scaf ker. 9. nôƷ-scaf doc. 227 a vgl. heri-ganôƷ-scaf mons. 406. pota-scaf, boto- scaf O. II. 13, 14. V. 8, 107. bote-scaf T. 150. pruodar- scaf (fraternitas) bruadar-scaf O. V. 23, 238. 25, 43. gisella-scaf (societas) T. 80. trût-scaf (familiaritas, trût substantive genommen) drût-scaf O. IV. 9, 60. wini-scaf (foedus) jun. 176. giwîƷ-scaf (testimonium) T. 13, 4. 21, 4. 87. 88. 134. 145. 189, 2. 195, 6. 239, 5. ein schw. masc. giwîƷo (testis, ags. gevîta) voraussetzend. Gegen das zehnte jh. beginnt die form -scaft , -schaft, vgl. gnôƷ- scaft N. 21, 22. wini-scaft N. 70, 7. blas. 103 b mëtel-scaft doc. 294. geselli-scaft W. 1, 7. Das masc. spëra-scaft (hasta) hrab. 972 a ist nicht hiermit zu vermengen (doch vgl. ags. dëoreð-scëaft; altn. skapt, hastile von -skapr un- terschieden). — alts. gilt -scepi , das meist männlich, zu- weilen neutral, nie aber weiblich ist: ambaht-scepi, bod- scepi, brôder-sc. ërl-sc. (principatus) folc-sc. gum-sc. heri-sc. junger-sc. thëgan-sc. wërd-sc. (coena) etc. nicht selten hat sich sogar i für e (wie sonst biki f. beki) einge- drängt, vorzüglich in den flexionen, z. b. gibod-scipies, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. gum-scipe (dat.). Außer diesen formen finde ich aber auch noch -scap neutral in wurd-giscap (fatum) pl. wurdgiscapu und -scaft weiblich in hugi-scaft (fides) pl. hugiscefti. Der vollständige text der E. H. wird mehr beispiele enthalten. Sollte nicht die freckenh. urk. p. 28. meƷa-skap (convictus), freilich für meta-scap, gewähren (meƷas-kâp ist unzuläßig)? gl. lips. haben urkund-scap (testimonium) von urkundo (testis). — ags. -scipe (masc.) pl. -scipas, mit dem entschiednen übertritt des e in i: bod-scipe, ëaldor-sc. frëónd-sc. land-sc. lëód-sc. mägen- sc. (potentia) met-sc. (convictus) þëgen-sc. gevît-sc. (testi- monium) vird-scipas (comitia) u. a. m. Daneben aber als ältere form (Beov. kennt noch kein -scipe) -scëaft (wiederum masc. vgl. gëó-scëaft grimne, acc. sg. Beov. 94.): dëoreð-scëaft (hasta) Cädm. 43. here-scëaft (agmen) Beov. 27. hyge-scëaft (mens) Cädm. 7. lîf-gescëaft Beov. 147. mæl-gescëaft Beov. 203. mëtod-scëaft (deus, divinitas) Beov. 82. 90. väl-scëaft Beov. 32. von-scëaft (defectus, vi- tium? ahd. wana-sc.) Beov. 12. voruld-gescëaft (creatura); endlich ist aus vyrd-gescëapum (fortuito) die form vyrd -ge- scëap (fatum) zu entnehmen. — altn. -skapr (masc.): dreng- skapr (virtus) fiand-sk. (inim.) grey-s. (indoles canina) höfdîng-sk. (magnisicentia) land-sk. (consuetudo) mat-sk. (victus, Biörn gibt nur das verbum) sel-sk. (societas) vin-sk. (amicitia). — mhd. -schaft (fem.): amûr-sch. Parc. 106 b bot-sch. MS. 1, 133 a erbe-sch. Wh. 2, 132 b fîent-sch. friunt-sch. Parc. 192 c her-sch. (multitudo) Trist. 4047. 4324. (versch. von hêr-sch. excellentia, dominatus Trist. 4042. 4324. Wigal. 332. oder verfließt die unter- scheidung?) hône-sch. MS. 2, 222 a kone-sch. (matrimo- nium) Wigal. künne-sch. (cognatio) Rud. weltchr. lant- sch. gemahel-sch. Barl. mâc-sch. (cognatio) MS. 1, 126 b meister-sch. Barl. nëve-sch. Reinh. 327. genôƷ-sch. Iw. 11 c Flore 7 b riter-sch. sip-sch. troj. 51 a geselle-sch. Wi- gal. 71. 85. Parc. 163 c 170 a trût-sch. Trist. wër-sch. (praestatio) Parc. 189 c wirt-sch. Wigal. Im Rother gilt noch das alte -scaf (fem.), z. b. bode-sc. 2103. heiden-sc. 2667. meister-sc. 2275. wirt-sc. 2561. (masc.) etc. desgl. cod. pal. 361, 40 c vriunt-scaf etc. — mnl. -scap (fem.): haet-scap (odium) Maerl. 1, 193. 224. 428. heidîn-sc. her-sc. (copiae, exercitus, ganz versch. von unserm herr- schaft) Clignett p. 238. maech-sc. (cognatio) Maerl. 1, 346. nut-sc. (utilitas) Maerl. 1, 358. wer-sc. (coena, hospitium) Maerl. 1, 451. 2, 135; bisweilen scheint das geschlecht neutral, z. b. jued-scap (religio jud.) Maerl. 2, 201. auch III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. kommt -scepe vor: vîant-scepe Barl. 1, 378. — nhd. -schaft (fem.): bauer-sch. bôt-sch. brüder-sch. (falsch f. brûder-sch.) bürger-sch. buhl-sch. diener-sch. dorf-sch. feind-sch. freund-sch. grâf-sch. heiden-sch. herr-sch. (nur in der bedeutung von imperium, dominatio) jünger-sch. land-sch. mann-sch. (copiae) meister-sch. vormund-sch. nachbar-sch. priester-sch. ritter-sch. gesell-sch. sipp-sch. vâter-sch. gevatter-sch. vetter-sch. wirt-sch. u. a. m. Un- organisch sind jûden-sch. leiden-sch. und dergl. — nnl. -schap , in der regel weiblich: bôd-schap, broeder-sch. mât-sch. ridder-sch. vriend-sch.; doch gelten verschiedne für neutra als: burger-schap, land-sch. mâg-sch. genôt- sch. priester-sch. zwager-sch. — auch beim schwed. und dän. -skap , -skab hat sich das neutr. eingeschlichen, z. b. land-skap, säll-sk. bud-skab, land-sk. sel-sk. ven-sk. (ami- citia); einzelne werden unneutral gesetzt. — engl. ship: friend-ship, lady-sh. lord-sh. etc. einigen hat der gebrauch -skip , -scape gegeben: land-skip, land-scape. skalks (famulus): ahd. ampaht-scalh, chouf-scalh jun. 203. und die n. pr. engil-scalh, gota-scalh (nhd. engel- schall, gott-schalk); marah-sc. findet sich nicht, nur das entstellte mari-sc. flor. 983 b mhd. mar-schalch, nhd. mar- schall (wie mar-stall, mar-burg.) — alts. hildi-scalc. — ags. ambiht-scealc Jud. 10. Cädm. 41. bëór-sc. Beov. 95. frëóðo-sc. Cädm. 54. helie-sc. Cädm. 94. skara? (ordo, agmen): ahd. haram-scara mons. 346. zëlt-scara (acies) W. 6, 3, 9. — ags. folc-scëare Beov. 8. Cädm. 41. 60. guð-sc. Beov. 93. hëarm-sc. Cädm. 11. in- vit-sc. Beov. 185 lëód-sc. Cädm. 7. — mhd. hal-schar f. hals-sch. cod. pal. 361, 31 b fragm. bell. 18 a harn-schar, hove-sch. troj. 65 c . — nhd. pflug-schâr? skards? (segmen): ahd. lidi-scart (mutilatio membri) lex alem. 60. bajuv. 3, 1. vgl. das adj. lida-scart (mur- cus? mutilus) mons. 378. — ags. hëaðo-scëard Beov. 210. mägen-scëard, Aethelst. — mhd. ist kein hëlm-schart Bit. 53 b 65 b 124 a rinc-sch. kl. 15. 80. Bit. 38 b schilt-sch. Bit. 131 a anzunehmen, sondern schart das adj. (vgl. Bit. 90 a 96 b 108 a. b. skatts (numus): ahd. feri-scaz (naulum) jun. 191. mons. 344. zwetl. 127 a lindenbr. 998 a frôno-scaz N. Boeth. 65. 127. miet-scaz T. 222, 2. zins-sc. T. 93. — alts. silubar-scatt (argen- teus). — ags. gis-scëatt (donum?) Beov. 31. mêd-sc. sâvel- sc. — mhd. houbet-schatz troj. 33 c kouf-schatz Wh. 2, 201 a gemahel-schatz Marl. 89. 95. Geo. 46 b mehel-schatz Parc. 106 b slege-schatz Oberl. 1509. (ver-schatz finde ich nicht III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. mehr, in den Nib. steht solt 6203. 6243.) — nhd. schlag- schatz. skaþa? (noxius, maleficus): alts. land-scatho (latro publ.) mên-sc. regin-s. thied-s. wam-sc. — ags. âtor-scëaða (ve- neficus) Beov. 211. dolh-sc. Beov. 38. fëónd-sc. Beov. 44. guð-sc. Beov. 173. hell-sc. Cädm. 17. hëarm-sc. Beov. 60. lëód-sc. Beov. 157. Cädm. 22. mân-sc. Cädm. 29. Beov. 56. 102. 187. uht-sc. Beov. 170. þëód-sc. Beov. 170. 200. ahd. scrîn (scrinium): sarh-scrîn jun. 211. — mhd. soum-schrîn Parc. 18 c 85 b leit-schrin Nib. slahs (ictus): ahd. hant-slac T. 187, 4. ôr-slac linden- br. 992 a pûli-slac lex alam. 59. baj. 3, 1. 4, 1. und sicher andre mehr, wie dûm-sl. hals-sl. — alts. huof-slag (ictus ungulae eq.) — mhd. brust-slac kl. bûl-slac Roth. 18 b 44 a 47 b donre-slac kl. 1542. s. l. Ben. 138. dûm-slac Schilde- ners gothl. gesetz p. 201. 202. hant-slac Roth. 33 b mûl- slac Parc. 87 b nît-slac kl. 1498. Bit. 110 b Wigam. 20 a ôr- slac cod. pal. 361, 65 a schirm-sl. heldenb. swërt-sl. kl. 771. vûst-s.; häufig steht auch uncomponiert gotes slac kl. 1432. gîgen slac Nib. 7317. zungen slac w. gast. 120 b geiseln slac Barl. 378, uneigentlich brâwen-slac (ictus oculorum) Barl. 213. backen-sl. MS. 2, 6 b bësmen-sl. ibid. (richtiger schiene bësem-sl.) — nhd. baum-schlâg, donner-schl. faust-schl. fluͤgel-schl. hand-schl. hâgel-schl. hûf-schl. ritter-schl. schwert-schl. stock-schl. tôd-schl. wet- ter-schl. zauber-schl.; uneigentlich aber gerten-schl. ru- then-schl. nerven-schl. slahts ? (percussio): ahd. man-slaht (homicidium) fater- sl. (parricidium) hrab. 971 a tala-slaht (depressio vallis) W. 6, 10. (viell. -sluht?). — ags. hond-sliht Beov 217. 220. väl-sl. Cädm. 69. — mhd. man-slaht Barl. slahta (genus): ahd. chnëht-slahta N. scalch-sl. (semen servorum) N. 68, 37. tiuvel-sl. (daemonia) N. 103, 20. Vermuthlich gehört das vorhingenannte nhd. baum-schlâg hierher (man sagt: ein schöner schlag leute, bäume). slahja? (percussor): ahd. man-slago, man-slecco (ho- micida) muoter-slecco (matricida) zwetl. 126 a . — ags. fä- der-slaga (parricida) man-slaga, engl. man-slayer. — nhd. tôd-schlæger. ahd. slinga (funda): stapa-slinga (tormentum) mons. 361. — mhd. stab-slinge Parc. 137 c . — altengl. staff-sling C. T. 13758. smiþs? (faber): ahd. îsarn-smid (f. ferrarius) mons. 335. kold-sm. silpar-sm. — ags. ambiht-smið (praefectus sabrorum) âr-sm. (f. aerarius) gold-sm. hlëahtor-sm. (ri- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. sus excitator) Cädm. 64. îsen-sm. vîg-sm. (motor belli) Cädm. 58. vundor-sim. Beov. 127. — altn. iarn-smiðr, skô-smiðr (sutor) trê-sm. (lignarius). — mhd. houbet-smit schm. 98. — nhd. gold-schmid, eisen-schm. reim-schm. silber-schm. waffen-schm. — Es treten auch uneigentliche compositionen ein, z. b. ags. væpna-sm. Beov. 110. altn. lióða-smiðr (poeta) skipa-sm. (faber navis) mhd. kampfes- smit Parc. 50 c nhd. luͤgen-schmid (oder vom alten lugina?). ahd. snitu? snit? (segmen): rëbe-snit W. 2, 11. — mhd. heiden-snit Karl 100 a . ahd. snuor (funis): mhd. boc-snuor Ottoc. 75 b zëlt- snuor Parc. 84 c . sôkja? (quaestor): ahd. sculd-suohho (exactor) jun. 203. wërah-suohho (idem) jun. 204.; denkbar sind këlt-s. rât-s. heim-s. und aus nôt-suoh (exactio) mons. 358. 384. folgt nôt-suohho (exactor) wofür schon nôt-suohhâri mons. 394. — nhd. stern-sûcher. ahd. spil (gaudium, jocus) gen. spiles (vgl. spilôn, gau- dere, spilôdôn, exultare): ahd. comp. habe ich keine be- merkt; mhd. zeigen auch noch nicht ganz den beschränk- tern sinn des nhd. spîl (ludus), streifen selbst an die all- gemeinheit des analogen leich (vorhin s. 504.): haspel- spil Geo. 59 a minne-sp. Ben. 154. nît-sp. (pugna seria) Parc. 168 c Karl 62 b Bit. 122 b riter-sp. Wigal. 49. Bit. 135 a scham-sp. misc. 2, 89. seite-sp. Wigal. 12. 64. vëder- sp. (venatio volucrum, dann auch accipiter, falco) Roth. 13. Parc. 96 c 118 b Wigal. 41. 184. Bit. 135 a wint-sp. (ver- tagus, eig. jagd mit windhunden) Bit. 71 b wunne-sp. (kann ich nicht belegen, troj. 124 c stehet uncomp. wunne spil, Ben. 160. wunnen spil misc. 1, 104. hërzen spil) zouber- sp. troj. 82 b — mnl. nît-spël (proelium) Huyd. op St. 1, 37. — nhd. brett-spîl, finger-sp. kêgel-sp. lust-sp. ritter-sp. schach-sp. schau-sp. trauer-sp. würfel-sp. und unorganisch schatten-sp.; fêder-sp. wind-sp. nur in der jägersprache für falke, hund; in der schweiz bedeutet wind-spîl ganz etwas anders, nämlich wirbelwind (St. 2, 452.); sonderbar ist kirch-spîl (parochia) nnl. kërk-spel, worin spîl menge, gemeinde ausdrückt (wie in der volkssprache mensche-sp. leute-sp. für multitudo plebis, frohes gewimmel der menge? oder abstract für -schaft, -leich?). spill (sermo, narratio) vgl. spillôn (narrare); ahd. spël, gen. spëlles (vom vorhergehenden spil, spiles ganz versch.); ags. spëll, altn. spiall, mhd. spël, -lles, nhd. nur entstellt übrig in bei-spiel (mhd. bî-spël, nicht -spil): III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. ahd. got-spël (evangelium) zu folgern aus got-spëllôn (evangelizare) O. hat êvangêliô, wie Ulf. aívaggêljô, der doch Luc. 3, 18. das verb. þiuþ-spillôn setzt; könnte für evangelium goth. þiuþ- spill stehen? es wäre dem kot-spël unähnlich, welches mit kot (deus) componiert ist, nicht mit kuot (bonum); auch heißt es ags. altn. nicht gôd-spëll, gôd-spiall. T. 13, 25. früher kota-spëll? — ags. bëalo-spell Cädm. 73. god-sp. (evang.) guð-sp. (nunc. belli) Cädm. 46. vëá-sp. Beov. 100. — alts. wil-spël (gra- tus nunc.) mut-spëlli (nunc. mutationis?) — altn. gud- spiall (evangelium). — engl. go-spel. ahd. spuot (felicitas) ags. spêd: frëoðo-spêd Cädm. 28. here-sp. Beov. 7. tuddor-sp. (fel. prohs) Cädm. 59. vul- dor-sp. Cädm. 3. stafs? (baculus) ahd. stap, ags. stäf, altn. stafr, wird aber auch von allen handlungen gebraucht, wobei der stab vorkommt und geht in abstracte begriffe über (ge- wöhnl. stehen dann die comp. im pl.): ahd. eid-stap (judicium, wo der eid gestabt wird) N. 111, 5. chandal- stap (hastile) jun. 194. kentila-stab (candelabrum) T. 25, 2. ovan-stap, oven-stab trev. 61 b puoh-stab K. 54 a mons. 325. 336. 409. zwetl. 234. buah-stab O. II. 10, 18. III. 7, 150. rûn-stap K. 51 a ruog-stap (accusatio) T. 194, 1. O. IV. 20, 19. 21, 26. — alts. buok-stab. — ags. âr-stäf (ho- nor) Beov. 31. 37. bôc-stäf Cädm. 90. candel-stäf (can- delabr.) êdulf-stäf (sustentaculum? das erste wort dunkel) Cädm. 26. ende-stäf (mors) Beov. 132. êdil-stäf (columna patriae) Cädm. 48. fâcn-stäf (flagitium) Beov. 78. hëarm- stäf (calamitas, damnum) Cädm. 23. — altn. blund-stafr (sopor) sæm. edd. 192 b bôk-stafr (character) böl-stafr (ma- lum, calamitas) ibid. 198 a dreyr-stafr (sanguis) ibid. 125 b feikn-stafr (dirae) ibid. 128 a Hervar. sag. p. 58. hel-stafr (dic- tum mortiferum) ibid. 145 b hiâlm-st. ibid. 184 b leið-stafr (fa- stidium) ibid. 63 b lîcn-stafr (lenimentum) ibid. 12 a mein-stafr (scelus) ibid. 63 b qvein-stafr (lamentatio) Biörn h. v.; uncomponiert scheinen laga stafr (mare) edd. sæm. 50 b 51 b lasta stafr (convitium) ibid. 61 a . — mhd. buoch-stap, pl. -stabe (bei den meisten und ältesten dichtern, einige, namentl. Conrad geben schw. form, pl. buoch-staben) leite-stap troj. 49 b sige-stap (n. pr., das sich nicht in ahd. urk. findet) videl-stap jun. 315. (sonst videl-boge). — mnl. boek-staf und der eigenname cals-staf Maerl. 1, 176. — nhd. bûch-stâb u. stâbe (pl. nur bûch-stâben) bettel-stâb (altn. vanar-völr) general-stâb; noch im 17. jh. häufig: III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. die stæbe = corpora, magistratus; bildlich: stab meines alters (mhd. Karl 115 b ). — engl. fall-staff (n. pr.) stáins (lapis): ahd. eggi-stein trev. 37 a houbet-stein N. 117, 22. marh-st. zwetl. 125 a muole-st. trev. 61 b renni-st. (colluviarium) staufe-st. (cautes) ker. 55. wentil-st. (cochlea) trev. 36 a wihsil-st. (penas) blas. 87 a wofür wihil-st. trev. 36 b neri-st. (n. pr.). — ags. cëosol-stân (calculus) cvëorn-st. (l. molaris) fôt-st. (fultura) harne-st. (saxum canum?) Beov. 68. 107. 190. 204. und die mannesnamen vëox-stân, vulf-stân. — mhd. alter-stein (altare) Parc. 111 b age-st. Trist. dil-st. (fundam.) schm. 33. lâƷ-st. En. 6895. Gudr. 3162. 5820. Bit. 1595. marmel-st. Nib. mül-st. troj. 46 c mûr-st. kl. 2157. mursel-st. fragm. 38. ort-st. Alex. 444 a rigel-st. Nib. sarc- st. Wh. 2, 161 a sarke-st. kl. 4055. (sarkes stein Parc. 192 b ) schûr-st. Bit. 105 a vëlt-st. Roth. 32 b waƷƷer-st. Parc. 137 c . — nhd. altar-st. eck-st. feld-st. fels-st. feuer-st. gränz-st. grund-st. kiesel-st. mauer-st. mühl-st. râben-st. rinn-st. sand-st. schiefer-st. schorn-st. tauf-st. winkel-st. etc. stáirnô (stella): die ahd. comp. schwanken zwischen schw. und st. form, vgl. âbent-stërno, tago-stërno N. Boeth. 106. 110. âbinte-stërro, tage-stërro trev. 23 a lëoht- stërro jun. 186. dagegen taga-stërn hymn. daka-stërn ker. 168. — alts. kuning-stërro (cometa). — mhd. schw. form: leite-stërne (st. polaris) troj. 35 b schm. 828. morgen-stërne MS. 1, 107 a 2, 5 b schm. 140. tage-stërne cod. pal. 361, 74 b Trist.; keine comp. sind aber: mers stërne MS. 2, 170 a tunkel stërne (vesperugo) MS. 1, 38 b von tunkel (crepusculum)? vgl. tunculle (gurgitem) ker. 42. mhd. tunc (abyssus) schm. 173. MS. 2, 200 b . stapa? (-gradus): ahd. hawi-stapho (locusta). — ags. gärs-stapa (locusta) hæð-stapa (der über die heide wan- dert) Beov. 104. mëarc-st. Beov. 103. mere-st. Beov. 10. (wo mære falsch scheint) môr-st. (sumpfwanderer). ahd. stal (locus) neutr.: cherzi-stal (candelabrum) sgall. trev. 56 a heri-stal (castra) hrind-stal (armentum, pascua) jun. 193. liut-stal (statio) jun. 228. — ags. burg-stëal (clivus) fäder- stëal (vaterstelle) Beov. 112. vîc-stëal (castra) Cädm. 65. väter- stëal (stagnum). — mhd. burc-stal (arx) Bit. 135 a Ottoc. 607 b criuze-stal cod. pal. 361, 89 d (uncomp. criuzes stal Gudr. 4681.) kërz-stal Parc. 55 c hirn-stal (frons) misc. 2, 73. tropf-stal (stillicidium) mon. boic. XIX, 66. XX, 7. — nhd. veraltet, nur die volkssprache kennt noch burg-stall (ru- dus arcis) vgl. Goldast scr. 1, 110. liecht-stall (candelabr.) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. Stald. 2, 171. so heißt auch die stadt luneville, vgl. Oberl. 932. versch. das masc. stal (stabulum), wovon z. b. mar-stal Parc. 111 b rinder-stall flor. 986 b . . ahd. stallo (socius, stallbruder): nôt-stallo, nôt-gistallo (vorhin s. 472.) — ags. ëaxl-gestëalla Beov. 101. 129. fyrd-gestëalla (socius belli) Cädm. 44. folc-gest. Cädm. 7. hond-gest. Beov. 162. 182. 193. lind-gest. Beov. 148. nŷd- gest. Beov. 68. vill-gest. Cädm. 47. — mhd. nôt-gestalle Parc. 112 b Frig. 22 b . gastalds (se gerens, vgl. das langobard. gastaldus, gestor, minister): agláit-gastalds (turpiter se gerens) Tit. 1, 7. — ahd. haga-stalt (tyro, coelebs) belegt vorhin s. 414. 457. es ist auch urkundlicher mannsname, außer ihm finde ich heri-stalt und win-stalt. — ags. häg-stëald (miles) Beov. 142. Cädm. 69. (in beiden stellen adjectivischer gen. pl. hägstëaldra, nicht hägstealda; ist es auch im goth. und ahd. adj.?). — altn. edd. sæm. 220 b 240 a gramr, vinr hauk-stalda poetisch für princeps (herr, freund der krie- ger) ich laße hier unausgemacht, ob dieses haukstaldr aus hökst. högst. entstellt, und dem ahd. ags. compos. gleich? oder ganz davon verschieden und an haukr (accipiter) zu denken sei? — mhd. hage-stalt habe ich noch nicht angetroffen, Conr. aber scheint nôt-gestalde fehlerhaft f. nôt-gestalle zu setzen (womit ich 1, 389. berichtige; nôt- gestalle gehört nicht zum goth. staldan) nhd. hâge-stolz, in der form verderbt, in der bedeutung beschränkt. — Im ags. gilt auch ein sächliches gestëald (mansio), wovon flet-gestëald Cädm. 26. 36. vuldor-gestëald Cädm. 75. staþs (locus, statio): hunsla-st. (altare) môta-st. (telo- nium) und in schw. form übertretend lukarna-staþa (can- delabrum). — ahd. fiur-stat (bustum) ker. 46. fenni-stat jun. 218. hamalunc-stat (locus calvariae) jun. 218. hamal- stat T. 202, 2. mhd. hamel-stat a. w. 3, 217. hova-stat flor. 984 a trev. 35 a N. Boeth. 97. sodann eine menge ortsna- men wie alah-st. dinc-st. mahal-st. etc. — ags. ëalh-stede (templum) Cädm. 89. folc-st. Cädm. 48. Beov. 111. glêd-st. (focus) Cädm. 61. meðel-st. Beov. 83. Cädm. 71. 74. 78. vîc-st. Beov. 184. — altn. ortsnamen, z. b. hrîng-stöð, pl. hrîng-staðir edd. sæm. 150 a (oft uneigentlich sævär-st. dan- par-st. — mhd. houbet-stat Barl. viuwer-st. Nib. Parc. 55 b . stôls (sedes): ahd. chuninc-stuol, dinc-st. jun. 230. valt- stuol (altfranz. faudesteuil) blas. 91 b sedil-stuol trev. 36 b traga- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. st. mons. 363. trev. 62 a . — ags. brêgo-stôl Beov. 164. 177. cy- ne-st. Cädm. 97. êðel-st. Cädm. 27. Beov. 160. 177. gif-st. Beov. 15. 174. gum-st. Beov. 147. hëofon-st. Cädm. 1. rodor- st. Cädm. 18. väl-st. yrfe-st. Cädm. 47. — altn. dôm-stôll (tribunal) rauk-st. (sedes caliginis? nach Biörn die wol- ken) edd. sæm. 1 b 2 a . — mhd. hêr-stuol (thronus) Geo. 47 b . stráums? (torrens): alts. aha-strôm, meri-str. wâgo- str. — ags. brim-streám Beov. 143. ëá-streám (t. aquae) Cädm. 5. eg-str. (t. horroris) Cädm. 32. Beov. 45. ëa- gor-str. (oceanus) Cädm. 31. Beov. 41. (vgl. s. 484. über egesa) firgen-str. (t. silvestr.) Beov. 103. 159. lagu-str. Beov. 25. mere-str. Cädm. 20. 73. 86. sæ-str. Cädm. 68. väl-str. Cädm. 30. vâg-str. Cädm. 69. — nhd. berg-strôm, meer-str. wald-str. strêta? (via strata): ahd. heri-strâƷa zwetl. 110 a . — ags. ceáp-stræte (via mercat.) here-str. Cädm. 69. lagu- str. Beov. 20. mere-str. Beov. 41. — mhd. burc-strâƷe, himel-str. Barl. 105. schm. 600. MS. 2, 219 b waƷƷer-str. Nib. — nhd. berg-strâße, hêr-str. milch-str. waßer-str. wein-str. (worauf gefahren wird, um wein zu holen). gastriun? (opes acquisitae): ags. botl-gestrëón Cädm. 25. 42. folc-gestrëón Cädm. 43. hord-gestr. Beov. 143. 229. mâðm-gestr. Beov. 145. sinc-gestr. Beov. 83. 94. þëód- gestr. Beov. 6. 93. voruld-gestr. Cädm. 41. 58. Der name des erwerbers steht aber im gen. ëorla gestr. Beov. 234. häleða gestr. Cädm. 89. ahd. sûl (columna): irmin-sûl (s. 448.) magan-sûl N. Boeth. 127. turi-sûl (postis) sgall. 182. wolchan-sûl N. 98, 7. — mhd. irmen-sûl cod. pal. 361, 3 c 24 c . — nhd. schand-seule, thür-s. wêg-s.; unorg. aber ist ehren-s. ahd. suand , suandjo? (perditor) bloß gefolgert aus dem mhd. valscheit-swant (destructor iniquitatis) Parc. 71 b valscheite laƷ Parc. 56 b d. valscheite widersatz (adversarius) Parc. 37 c 59 c valsches vrî Parc. 140 a etc. walt-swende (ligniperda, holzverderber, lanzen- brecher) vgl. a. Tit. 96. Parc. 19 b MS. 2, 252 b . Parc. 14 a Fürt. Iw. (Mich. II. 100). Da schon O. IV. 26, 98. then gruanon boum suentan ge- braucht; schweizerisch schwänden vom auslichten des holzes, waldes gilt (St. 2, 359. 360), der schwändten hieb und schnitt bedeutet; so scheint das ags. fem. svaðu (cae- sura, caesio, vestigium) verwandt, wovon die comp. bîl- svaðu (beilhauen) Cädm. 69. dolh-sv. (cicatrix, gehauene wunde) fôt-sv. (vest. pedis) svât-sv. (caedes, das blut III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. hauen Beov. 218. vald-sv. (waldverhau, waldweg) Beov. 107.; ahd. könnte das heißen walt-suanda, sueiƷ-suanda etc.? ahd. suanc? (ictus, vibratio) ags. sveng, pl. svengëas: fëorh-sveng Beov. 186. hëaðo-sv. Beov. 192. hëoro-sv. Beov. 120. hord-sv. (unveiständlich) Beov. 115. väl-sv. (todesstreich) Cädm. 24. — altfries. swarta-swang As. 94. müste d für t haben, um durch schwert oder schwarte (haut) erklärlich zu werden und schwarz fügt sich nicht in den sinn. — mhd. scate-swanc (zuwendung des sch.) Parc. 163 b swërt-swanc Nib. — Uncomponiert stehet svëordes sveng Beov. 178. swërtes swanc Wh. 2, 22 a ou genblickes sw. ibid. 70 b sëgenes sw. ibid. 66 a . ahd. suëro (dolor): ouc-suëro (ophthalmia) trev. 19 c . — mhd. zan-swër Frig. 1704. Herb. 78 d . ahd. suart, suert (juramentum): eid-suart, -suert hrab. 968 a jun. 210. — ags. âð-svëard Beov. 155. ahd. suërt (ensis); mûhhil-suërt (sica) flor. 985 b . — ags. guð-svëord Beov. 161. væg-sv. (?) Beov. 113. — mhd stabe-swërt (pugio) Rud. táikns (signum): ahd. himil-zeihhan hymn. 949. wort- zeihhan (oben s. 481.) — alts. word-têkan. — ags. luf-tâ- cen (s. amoris) Beov. 140. friðo-tâcen Cädm. 51. — mhd. her-zeichen Wh. 2, 148 a wâr-z. Parc. 150 b . wort-z. Barl. — nhd. feld-z. wahr-z. táins (palmes): veina-táins. — ags. âter-tân (virga venenata) Beov. 111. hëarm-tân (germen calamitatis) Cädm. 24. — altn. egg-teinn (n. ensis). mistil-teinn (acer). taúha (dux): ahd. heri-zoho J. 393. heri-zogo O. IV. 7, 34. maka-zoho (nutritor). — alts. folk-togo, heri-togo. — ags. folc-toga Beov. 65. Cädm. 43. 86. 89. — mhd. her- zoge, magt-zoge. — nhd. her-zôg, hahn-zôg (n. pr.). teihaþs? ahd. zît (tempus): ahd. arn-zît (t. messis) T. 76. arno-gizît O. II. 14, 208. wintar-zît K. 30 a . — ags. æfen-tîd Cädm. 52. morgen-t. Beov. 39. uht-t. Cädm. 67. — mhd. siecheit-zît Parc. 193 c tage-z. Nib. vride-z. Gudr. 34 a aber auch uncomp. winters z. sumers zît Ben. 151. — nhd. ernte-zeit, mahl-z. und uneig. sommers-, tags-, win- ters-z. timbr (materies): ags. fyrd-timber (exercitus) fugel-t. (ames) hëofon-t. Cädm. 4. mago-t. Cädm. 2 6. 49. 102. — altn. uneigentl. gâlga-timbr. triu (arbor): veina-triu. — alts. warag-trëow (patibulum). — ags. cirs-trëóv (cerasus) corn-tr. (cornus) fic-tr. (ficus) fugel-tr. (ames) gëalc-tr. (patibulum) Beov. 218. palm-tr. pin- tr. (pinus) plûm-tr. (prunus) ulm-tr. (ulmus) vîn-tr. (vitis). L l III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. — altn. varg-trê (patib.) edd. sæm. 271 a vîn-trê; andere componieren sich und zwar uneigentlich mit-vidr, z. b. pal- ma-vidr. — Alle diese composita (gëalc-tr. fugel-tr. und varg- tr. abgerechnet) zeigen im ersten wort undeutsche, erst durch den fremden baum zugeführte namen; einheimi- sche fruchtbäume werden nicht so zus. gesetzt, quercus, fagus heißen auf gut ags. âc, bôc, nicht âc-trëóv, bôc- tr.; ahd. eih, puohha, nicht eih-poum, puoh-p.; ver- muthl. auf goth. áiks, bôka und nicht áika-bagms, bôka- b. (vgl. oben s. 441.). Allein es zeigt sich hier ein merk- würdiges mittelglied und die sprache lehrt gleichsam den fortschritt unserer baumzucht. Einige obstarten und ge- sträuche, die dem Deutschen früher bekannt geworden sein müßen, als der weinstock, kirschenbaum, feigen- baum etc. führen zus. gesetzte namen und zwar mit dem nämlichen wort, das hier abgehandelt wird, nur in des- sen älterer gestalt. Dem goth. triu entspricht das celti- sche dero, slav. drevo (arbor, lignum), vor der lautver- schiebung wird also das goth. wort gelautet haben driu, daíru? oder wie sich die übrigen buchstaben gestalteten, es kommt hier bloß auf den anlaut an. Den goth. aus- druck fur malus können wir freilich aus Ulf. nicht erse- hen (in der version des hohenliedes stünde er), vermuth- lich war er ungefähr apldrô? apldrs? apldar? d. h. com- poniert, apl-drô, welches nun die nähere form gewesen seyn möge. Folgerichtig wandelt sich die goth. med. in ahd. ten. und hier begegnen die schon oben s. 332. berühr- ten benennungen: aphal-tera (malus) affol-tera, affol-tra mons. 326. 414. trev, 16 a W. 2, 3. afphol-ter gl. vind. [vgl. die urkundlichen ortsnamen affaltraha, affultarwang; welche von gepflanzten apfelbäumen herrühren]; hioful-tera, hiefel- tra, hiufal-tar ein strauch mit wilden beeren [vgl. hiafa O. II. 23, 27. mhd. hiefe MS. 2, 237 a Geo. 4032. ags. hëópe, rosa silv.] ker. 281. durch sentis, trev. 17 a blas. 53 a durch tribulus erklärt; maƷal-tera (acer) mons. 414. maƷil-tira flor. 986 b maƷul-tra (tamarica) sgall. maƷal-dra (myrica) blas. 52 b ; diese drei scheinen schw. fem., hingegen st. masc. holan- tar (sambucus) sgall. mons. 414. verkürzt hol-dir trev. 17 a und wëhhal-tar (juniperus) wechul-der trev. 17 a . Die mhd. dichter enthalten sich der gewis noch gangbaren na- men im reim, nur das ungedruckte wahtelmære (grundr. p. 324. nr. 45.) gewährt aphalter: malter; in prosa wer- den sie eher vorkommen, vgl. Oberl. 19. Nhd. dauern nach art solcher wörter verhärtet fort: holun-der, maß- hol-der, wachol-der (nd. queckol-der); affol-der gilt im III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. volksdialect zwar nicht für malus, sondern für cornus, opulus wie apsel (malum) auch von andern früchten gesagt wird: eich-a. erd-a. tann-a.; ags. sîc-äppel (feige). ; als veraltet nl. gibt Ki ian appel-tere (malus) und notel-tere neben appel-boom, not-b. Ags. apul-dor (malus) apul-dre (n. loci, engl. apple-doore); mapul-dor (acer) weder die bedeutung von maƷal und mapul, noch die ver- wandtschaft beider (da sich Ʒ und p nicht berühren) versiehe ich. . Altn. bloß apal-dr (pomus) gen. apaldrs? oder apaldrar? vgl. rôg-apaldr edd. sæm. 142 a brynþ i ngs ap. 194 b ; im dän. abil-d hat vom zweiten wort bloß das d gehaftet, im schwed. apal gar nichts (pomum altn. epli, schwed. äple, dän. äble). — Der pleonasmus in den wei- teren zus. setzungen affalter-boum W. 8, 5. wëchalter- poum mons. 329. flor. 996 a holdir-b. blas. 52 b wird nicht befremden; im dän. sind abild und äble-træ gleichviel. tuggl? (sidus): ahd. himil-zungal hrab. 974 b , alts. hë- ban-tungel, ags. hëofon-tungl Cädm. 86. tunþus (dens): ahd. chinni-zan (maxillaris) sgall. 190. hebir-zan? (oryx, ein thier) flor. 989 a . — ags. hilde-tux (d. pugnax) Beov. 115. — altn. ist dasselbe hildi-tönn ein n. pr. edd. sæm. 117 a , das schwachformige igul-tanni (igel- zahn) und jûg-tanni (milchzahn?) poetischer beiname des bären. — ahd. finde ich die uneigentl. componierten mannsnamen maorin-zan (Neug. nr. 48.) përon-zan (Ried nr. 15.) þank? (gratia, memoria): ahd. mannsnamen cota-danch, muot-danch, rîhhi-danch, wili-danch. — ags. brëóst-ge- þonc (animus) Cädm. 83. hyge-þonc (idem) môd-geþonc (cogitatio) Cädm. 3. 78. 88. invit-þonc (prava cog.) Beov. 58. sëaro-þonc (machinatio) Beov. 60. — ähnliche alts. comp. mit githaht: brëost-g. mên-g. (prava cog.) muod-g. þaúrnus (spina): ahd. an-dorn (marrubium) lindenbr. 997 b trev. 18 b (wo andor) blas. 56 a jun. 330. dëpan-dorn (rhamnus) hrab. 973 a , in beiden comp. das erste wort dunkel. — ags. þife-þorn (rhamnus) und umgedreht þorn- þifel in derselben bedeutung (torn-dyfvel schwed. sca- rabaeus). — altn. hag-þorn (cornus) lîk-þorn (helos) svëfn-þ. (acus soporifera) und der mannsname böl-þorn sæm. edd. 28 a , vgl. eik-þyrnir 43 a . — nhd. hage-dorn, kreuz-d. leich-d. schlâf-d. ags. þëgo (sumptio): beáh-þ. Beov. 163. bëór-þ. Beov. 11. sinc-þ. Beov. 214. vîn-þ. Cädm. 75. L l 2 III. subst. eigenlt. comp. — subjt. mit subst. þigns? (miles): ahd. eigennamen arn-dëgan, irmin- dëgan. — ags. aldor-þëgn Cädm. 93. Beov. 100. ombiht- þ. Beov. 53. hëal-þ. Beov. 13. 56. mago-þ. Beov. 24. 33. 107. 112. 205. mete-þ. Cädm. 65. sele-þ. Beov. 135. aber uncomp. fæmnan þëgn Beov. 154. vuldres þ. Cädm. 35. cyninges þ. Beov. 67 — mhd. brût-dëgen Mar. 133. 140. swërt-d. Nib. Wigal. 64. volk-d. kl. 1746. þilus? (tabulatum) ags. þëlu: benc-þëlu Beov. 95. bu- ruh-þ. væg-þ. (navis) Cädm. 31. 33. 34. þigg? (causa, judicium): ahd. taga-dinc (placitum) mons. 330. N. 147, 1. trev. 58 b . — altn. bryn-þîng (pugna) sæm. edd. 194 b land-þ. (forum gen.) — mhd. tege-dinc troj. 118 a 136 b tei-dinc Trist. þius (famulus), ahd. diu, lieber dëo, ags. þëóv, altn. þŷr: ahd. mannsnamen angan-dëo, arn-dëo, engil-d. hami-d. hëlm-d. hilti-d. hugi-d. irmin-d. coma-d. cota-d. piri-d. regin-d. etc. uneigentl. componiert ist cotes-diu (Goldast 2, 111 a ). — ags. ecg-þëóv (n. pr.) Beov. 22. 30. lâd-þëóv (dux) meist geschr. lâtþëóv, lâtëóv Cädm. 65. vëorc- þëóv Cädm. 49. 76. — altn. n. pr. ham-þŷr (ahd. hami- dëo) wofür in der edda ham-þir geschrieben wird. — Das entsprechende sem. goth. þivi (famula) lautet ahd. gleichfalls diu (nicht dëo), daher die weibl. nom. pr. adal- diu, engil-d. hilti-d. etc. mit den männlichen oft zus. fallen. þiubs (fur) scheint aber, wie das lat. wort, früher eine allgemeinere bedeutung zu haben: ahd. meri-diup (pirata) herrad. 192 b scëf-diup (tiro, latro, pirata) mons. 404. 413. doc. 220 a . — alts. regin-thiob (trifur). — ags. bëó-þëof (fur apum) regn-þëóf Cädm. 73. — altn. n. pr. ey-þiófr, frið-þ. geir-þ. her-þ. hroß-þ. (equifur) sæm. edd. 118 a bei Saxo gramm. p. 44. ein ros-tiophus; vgl. roß-diebold in Fischarts Garg. 114 b und das uncomponierte hrossa þiófr sæm. edd. 75 b . hun-þ. vin-þ. mann-þ. (plagiarius). vaddjus (vallum): grundu-vaddjus. ags. bord-vëall Beov. 221. burh-v. Cädm. 97. ëorð-v. Beov. 218. 229. grund- v. holm-v. Cädm. 72. sæ-v. Cädm. 69. Beov. 145. scild- v. Beov. 231. streám-v. Cädm. 34. — mhd. grunt-wal Nib. — nhd. erd-wall. vagns? (plaustrum): ahd. reit-wakan (currus) trev. 61 b vgl. reit-weko (auriga) jun. 183. — alts. rêdi-wagan nd. psalm. 67, 18. — ags. râd-vägen, -væn. — mhd. kanz- wagen Nib. Wh. 2. Trist. (schwerlich vom adj. ganz, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. eher vom subst. kanz? das dem altn. kantr gleichbedeu- tig war); noch bei Fronsperg heißt ein rüstwagen kanz- wagen. — nhd. heu-w. last-w. leiter-w. vahtvô (vigilia): ahd. heri-wahta jun. 228. naht-wahta zu folgern aus naht-wahtâri jun. 235? (K. 34 b naht-wah- cha) purc-wahta zu folgern aus burg-wahtel W. 3, 1. — mhd. scilt-wahte Nib. — nhd. feld-wacht, schild-wacht, aber nacht-wache (und nacht-wächter), wache das wa- chen, wacht das bewachen bedeutend. valda? (rector): ahd. lant-walto O. I. 27, 17. — ags. folc-vëalda Beov. 83. — altn. dôm-valdr edd. sæm. 124 b , fôlk-valdr ibid. 81 a þrûd-valdr 76 a . — mhd. sache-walte Parc. 27 b . — nhd. sach-walter. — In ahd. eigennamen er- scheint oft starke form, wie im altn. dôm-valdr, woge- gen umgekehrt altn. n. pr. schwache form annehmen, dôm-valdi, dôm-aldi; beispiele oben s. 333. 334. vaggs? (campus): ahd. holz-wanc (campus nemoreus) mons. 407. außerdem viele ortsnamen (vorzüglich in schwaben und in der schweiz), deren dat. pl. in dem heu- tigen -wangen steckt, auch ahd. urkunden ziehen die plu- ralform vor (-wangâ oder -wangas) z. b. affaltra-wangâ (campi pomiferi) wisunt-wangâ (c. bubali); das w ver- wischt sich zuweilen (oben s. 349.); viele sind uneigent- lich, z. b. përin-w. liubilin-w. — ags. frëoðo-vong Beov. 219. grund-vong (terra) Beov. 113. 192. 206. mëodo-v. (aula) Beov. 124. sæ-v. (mare) Beov. 148. sige-v. Jud. 12. stadol-v. Cädm. 42; uneigentlich aber nëorxna-vong Cädm. 4. — altn. fôlk-vângr sæm. edd. 42 a und im plur. þrûd- vângar snorr. edd. 25. 61. 110; aur-vângr, hlê-vângr sind namen von zwergen sæm. edd. 3 a . vards (custos): daúra-vards (janitor). — ahd. ê-wart (sacerdos) hrab. 974 a K. 55 a 56 a. b. êo-wart N. 50. 9. schwachformig ê-warto O. I. 18, 10. und der gen. êwar- tin K. 21 b fihu-wart (cust. gregis) O. I. 13, 2. grieƷ-warto (caduceator) jun. 383. helle-warto (diab.) N. turi-wart (janitor) ker. 169. duri-wart O. II. 4, 14. unter den mannsnamen finde ich erbi-wart, hova-w. hûs-w. lant-w. marh-w. sigi-w. taga-w. zîti-wart. — alts. erbi-ward (heres) hof-ward (hortulanus); uncomp. hëbenes ward, landes w. liudëo w. — ags. bât-vëard (gubernator navis) Beov. 143. brë- go-v. Cädm. 59. däg-v. (excubitor) ecg-v. (custos ensis) aus ecg-vëarde (custodia armorum, wie Beov. 20 f. and vëarde zu lesen ist) gefolgert, ëord-v. Beov. 174. êðel-v. Beov. 48. 165. edisc-v. (vivarii custos) ëoton-v. Beov. 52. dryhten- v. Cädm. 86. gold-v. Beov. 228. guð-v. Cädm. 66. heá- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. fod-v. Jud. 12. hëofon-v. Cädm. 3. hëord-v. Beov. 80. 139. 171. 190. hëoro-v. (c. ensis) Beov. 162. hŷd-v. Beov. 144. lâst-v. Cädm. 71. leác-v. (olitor) mëarc-v. Cädm. 66. rên- (f. regen-) v. (vir fortis) Beov. 60. sele-v. Beov. 52. vind-v. (custos venti?) Beov. 93. yrfe-v. (heres); häufig uncomp. svëgles v. Jud. 10. moncynnes v. Cädm. 59. hëofonrîces v. Cädm. 85. gumena v. Cädm. 88. engla v. Cädm. 1. gâsta v. Cädm. 1. 2. lîfes v. Cädm. 4. rodora v. Cädm. 1. 170. bëorges v. Beov. 188. 192. rîces v. Beov. 106. — altn. das n. pr. hiör-vardr (c. ensis) sæm. edd. 118 a [warum nicht vördr, wie sonst?] — mhd. ê-wart misc. 1. 51. ê-warte Mar. 21. Reinh. 405. Barl. grieƷ- warte (c. arenae) MS. 2, 1 b troj. 5 c helle-warte (diab.) Barl. stoc-warte (custos cippi) m. Alex. 144 c tür-warte; doch die eigennamen danc-wart, ecke-w. marc-w. blei- ben immer stark. — nhd. grieß-wärtel, stock-wärter, thuͤr- wärter, aber die n. pr. marquart, sieg-wart. vardô (custos f.): daúra-vardô (janitrix) neben-varda Joh. 18, 16, 17. — ahd. duri-warta T. 186, 3. vatô (aqua): ahd. sêo-waƷar (aequor) hrab. 952 b suê- waƷar (aqua brumosa) mons. 400. pah-waƷar (balastrum) ker. 44. — ags. salt-väter Beov. 149. — nhd. bach-w. fluß- w. meer-w. quell-w. rêgen-w. schnee-w. salz-w. see-w., unorganisch brunnen-w. statt brunn-w. váig? (potus, poculum?) ags. ëalo-væge Beov. 38. 39. 152. lið-væge Beov. 149. — altn. biór-veig edd. sæm. 53 a . vaíhts (daemon): ahd. hella-wiht (diabolus) Geo. lied. — altn. biarg-vættr (genius tutel.) mein-v. (cacodaemon) rög-vættr edd. sæm. 67. 68. ein schimpfwort, das nicht mit dem adj. ragr (timidus) comp. sein kann, weil es sonst rag-v. heißen müste, vielleicht ist aber rög vættr und letzteres weiblich anzunehmen. vaír (vir): ags. die pluralformen folc-vëras Cädm. 5. (alts. folk-wërôs) lëód-vëras Cädm. 41; vgl. ëorl-vërod Beov. 215. flet-vërod Beov. 38. váiþa? (mansio, stätte wo man rastet und weidet) ahd. weida: tëor-weida (lustrum ferarum) sgall. flor. 982 a her- rad. 180 a fogal-weida (aviarium) flor. 986 b , versch. vom altn. fugla-veiði (aucupium). — mhd. ougen-weide (der ort, wo sich die augen niederlaßen, Trist. 16760. überh. das, was man ansieht) Wigal. a Tit. 23. kl. 3709. 3849. MS 1, 68 a 127 b 128 a 193 a troj. 42 a 55 c (wo ougel-w.) [vgl. über dies comp. hernach anm 4.]; birse-weide c. p. 361. 102 d ; tage-weide (iter diei, eigentlich die rast nach voll- brachter tagfahrt) Bit. 115 b Trist. 16686. 16766. Frig. 1187. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. En. 8 a 45 a ; snabel-weide MS. 2, 179 a ; strich-weide Trist. 13491; vogel-weide MS. 1, 101 a ; wëge-weide (iter) Trist. 8102. vaúrd (verbum): ahd. skëlt-wort (convitia) jun. 186. mhd. gëlf-wort Orlenz 349. — ags. bëót-vord (minae) Beov. 187. gilp-v. (arrogantia) Beov. 53. Cädm. 6. gnorn- v. (moestitia) Cädm. 19. lyge-v. (mendacium) Cädm. 17. 90. meðel-v. (verba concepta) Beov. 20. sorh-v. Cädm. 19. þryð-v. Beov. 80. — altn. seltner mit -ord : gias-ord (conjugium) lëg-ord (fama stupri) lof-ord (votum) mët- ord (dignitas); häufiger mit -yrdi: hâk-yrdi (procacitas) hât-yrdi (sannae) heipt-yrdi (saeva dicta) krîngil-yrdi (ambages) etc. vaúrms (vermis): ahd. dou-wurm (serpedo) blas. 69 a trev. 13 a grase-w. (eruea) ibid. lindenbr. 994 b holz-w. (te- redo) ibid. hunt-w. jun. 271. lint-w. (jaculus) trev. 12 b lindenbr. 996 b rëgen-w. (lumbricus) ibid. flor. 996 b ruoƷ- w. (rubicer?) ibid. satil-w. (stellio) flor. 990 a goteweppe- w. (bombyx) flor. 986 b . — altn. eitr-ormr (coluber) högg-ormr (scorpius) dän. hug-orm, trê-ormr (teredo). — mhd. lint-wurm Mar. 6. En. 23 a vgl. oben -drache. vaúrstv (opus) ahd. wërah: taga-w. zwetl. 119 b . — alts. firin-wërk, mên-giwërk. — ags. däg-vëorc Cädm. 66. ellen-v. Beov. 74. 111. 235. guð-gev. Beov. 75. 135. hand-gev. Cädm. 6. 12. hëaðo-v. Beov. 214. land-g. Beov. 72. niht-v. Beov. 64. nið-gev. Beov. 53. orleg-v. Cädm. 44. sulh-gev. (aratio) Cädm. 25. þreá-v. Cädm. 18. — nhd. hand-werk, pelz-w. rauch-w. spiel-w. tage-w. vaúrstvja (opifex): ahd. eitar-wurho (veneficus) jun. 255. leim-wurhto (figulus) T. 193, 5. stein-wurho (lapi- darius) mons. 357. vgl. oben s. 206, 210. — ags. bëadu- veorca (bellator) Aethelst. sigor-vëorca (victor (Cädm. 69. später -vyrhta: hrof-vyrhta (tignarius) morð-v. (ho- micida) nŷd-v. (operarius coactus) umiht-v. (malefactor) scip-v. (naupegus) stân-v. (latomus) tigel-v. (figulus) treóv-v. (lignarius) vëal-v. (caementarius) vägen-v. (car- pentarius) u. a. m. — mhd. list-wurke Barl. und weltchr. — nhd. hand-werker, leid-werker (Stald. 2, 165.) tag- werker. — engl. cart-wright, ship-wr. wain-wr. — In ahd. und altn. mannsnamen kommt auch, wiewohl selten, ein stark-sormiges wërh, vërkr, vor: megin-wërh (mein- wercus) und bölvërkr (palo-wërh?). vaúrts (radix, herba): hiermit sind viele kräuternamen z. b. ahd. bein-wurz, giht-w. grint-w. hasel-w. hiruƷ-w. hûs-w. stabe-w. etc. componiert, vgl. trev. 18. 19. und stanch-w. W. 4, 10. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. vêds? (vestis) ahd. wât f. und kiwâti neutr.: ahsal-ki- wâti (humerale) jun. 226. hare-kiwâti (vestis lugubris) jun. 180. — ags. væd und gevæde: brëóst-gevæde Beov. 92, 162. guð-gevæðe (vestis bellica) Beov, 19. 212. hëaðo-væð (vestis ornatior) Beov. 6. 7. here-væd Beov. 143. — mhd. wât, gewæte und gewant: bette-wât Nib. Wh. 1, 126 a sar-wât kl. 2670. wîc-gewæte Roth. 10 a houbet-gewant Parc. 123 b kamer-gewant Parc. 85 b krâm-gewant Roth. 32 a Parc. 136 b wîc-gewant Roth. 28 a . — nhd. lein-wât und lein-wand. vêgs (fluctus): ahd. mere-wâg N. Boeth. 141. snê- wâc (aqua nivalis) ker. 55. — ags. sæ-væg Cädm. 83. — mhd. heila-wâc (lustralis aqua) MS. 2, 149 b (mit erhalt- nem comp. vocal? gleich darauf das uneigentliche heiles- wâc) heil-wæge Mar. 224. vêpn (arma): ahd. scirm-wâfan ker. 56. — ags. hëoru- væpen Jud. 13. sige-væpen Beov. 62. veib? (mulier): ags. brim-vîf? wenn so Beov. 114. 121. gelesen werden kann; mere-vîf Beov. 115. — mhd. kone-wîp (uxor) Bit. 1866. mer-wîp Nib. spil-wîp Parc. 87 c . — nhd. buhl-weib, eh-w. kebs-w. spiel-w. veisa? (dux): ahd. wëga-wîso hrab. 971 b flor. 990 a . N. Boeth. 151. — ags. aldor-vîsa Cädm. 28. brim-vîsa (nauta) Beov. 217. here-vîsa Beov. 224. Cädm. 69. (here- vôsa Cädm. 85.) hilde-vîsa Beov. 81; uncomp. vërodes vîsa Beov. 22. — nhd. wêg-weiser. veisa? (modus, modulatio): alts. cuning-wîsa (ritus regius) land-wîsa (mos regionis). — mhd. gougel-wîse (praestigium) troj. 7 b sanc-wîse, tanz-wîse, tage-wîse (Lachm. ausw. 224.) vibbi? (tela): ahd. cota-wëppi (byssus) hrab. 955 a jun. 197. 237. spinna-wëppi trev. 13 a . — alts. godu-wëbbi. — ags. frëoðu-vëbbi Beov. 146. god-vëbbe (purpura). — altn. gud-vëfr. — nhd. spinn-wêb. vidus? (arbor, lignum): ags. bæl-vudu Beov. 230. bord-v. Beov. 95. gâr-v. Cädm. 69. gomen-v. Beov. 81. guð-v. hëal-v. Beov. 100. holt-v. Beov. 175. mägen-v. Beov. 20. sund-v. Beov. 18. 143. sæ-v. Beov. 19. þrec-v. Beov. 95. — altn. bein-vidr (carpinus) gagl-vidr (arbor cygni?) sæm. edd. 6 a jârn-vidr (arb. ferrea) ibid. 2 b reyr- vidr (arundo sativa). In den altn. comp, herrscht die be- deutung von baum, in den ags. die von holz. vigs (via): ahd. diot-wëc (via publ.) franc. or. 1, 657; in renni-wëc (stadium) scheint das erste wort kein subst. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. — alts. stên-wëg (via lapidea). — ags. bäð-vëg (via bal- nei?) Cädm. 69. fold-vëg (terra) Cädm. 61. Beov. 67. 123. holt-vëg (via silvestris) Cädm. 66. lîf-vëg Cädm. 65. väter-vëg (via aquosa). — altn. hel-vëgr (via ad inseros) mold-vëgr (via terrae, terra) edd. sæm. 239 b . — nhd. holz-wêg, staub-w. stein-w. wald-w. viga? (pugnator): ags. äsc-viga Beov. 153. byrn-v. Beov. 216. cumbol-v. Jud. 12. gâr-v. Beov. 209. guð-v. Beov. 158. lind-v. Beov. 194. rand-v. Beov. 99. 135. Cädm. 95. scild-v. Beov. 24. ags. vëla (opes): botl-vëla Cädm. 40. burh-v. Beov. 230. ecg-v. Beov. 129. ëorð-v. Cädm. 41. grund-v. Cädm. 23. hord-v. Beov. 175. lîf-v. Cädm. 75. mâðm-v. Beov. 204. — alts. ôd-wëlo; ahd. ôt-walâ (pl. st.) N. 63, 3. Boeth. 120. ags. vëlm, vilm (aestus): brëóst-v. Beov. 141. brim-v. Beov. 113. bryne-v. Beov. 174. Cädm. 92. cëar-v. Beov. 23. 155. hëaðo-v. Beov. 209. Cädm. 8. 66. hyge-v. Cädm. 24. sæ-v. Beov. 32. sorh-v. Beov. 70. 150. vinjis? (amicus) ahd. wini, win: ahd. mannsnamen ëpur-win, engil-win, këpa-win, kund-win, ort-win, fri- du-win, frô-win, wolf-win. — alts. bag-win (commen- salis). — ags. äsc-vine (n. pr.) freá-vine folca Beov. 176. 181. 182. gold-vine gumena (oder geáta) Beov. 89. 112. 121. 180. 192. Jud. 22. mæg-vine Cädm. 66. Beov. 185. — altn. arf-vinr, ast-vinr (Egilss. 616.) aber uneigentl. freys- vinr edd. sæm, 219 b , vgl. frëó-vin edd. snorr. 14. und fro- winus Saxo gramm. p. 59. 60. — mhd. golt-win fr. belli 30 b (pf. ch. 64 b ) oder golt-wîn, denn in den eigennamen hat sich der vocal unorganisch verlängert, z. b. in ëber- wîn, gëbe-wîn MS. 2, 105 a , ort-wîn, sige-wîn MS. 2, 74 b wolf-wîn Nib. — nhd. der eigenname ort-wein. vôkr (fructus): ahd. ërd-wuochar N. Boeth. 79. nuzi- wuochar (ususfructus) K. 55 a . — nhd. geld-wucher. vulfs (lupus): ags. bëó-vulf (n. pr.) here-vulf Cädm. 44. hilde-vulf Cädm. 45. — in ahd. eigennamen stehet -olf für -wolf (beispiele s. 330. 331.) — altn. eigenna- men: herj-ôlfr, gunn-ôlfr, vîg-ôlfr, vîng-ôlfr u. a. m. vundr? (miraculum): ags. hond-vundor Beov. 206. nîð-v. Beov. 210. sëaro-v. Beov. 71. — mhd. mer-wun- der MS. 1, 132 b troj. 51 a . Was von der eigentlichen composition zweier sub- stantive zu sagen übrig ist, bezieht sich theils auf das erste III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. und zweite wort, theils auf den compositionsvocal und das ganze der zusammensetzung selbst. 1) das erste wort hat in der construction des satzes nichts zu thun und durch die verbindung mit dem zwei- ten seine selbständigkeit verloren. Da nun die verhält- nisse der flexion und rection so wesentlich zus. hängen, daß keine ohne die andere gedacht werden kann, so müßen dem weder mit regierenden noch mitregierten ersten worte zugleich alle declinationskennzeichen abge- sprochen werden. Keinem ersten worte ist es folglich an sich anzusehen, welcherlei flexion ihm gebühre, ob starke oder schwache (vgl. mhd. hantslac, ô rs lac von hant, ôre; ahd. mâkascaf, potascaf von mâc, poto). Hieraus scheint ein ausschluß über die natur der schwachen declination zu folgen. Offenbar ist sie eine wahre flexion , wenig- stens historisch eine solche geworden. Wäre ihr princip derivativisch, so dürste es in dem ersten wort der comp. nicht erlöschen aus gleichem grunde unterbleiben die kennzeichen schwa- cher form bei jedem daraus abgeleiteten worte, z. b. die adj. an- goht und poumoht sind eins wie das andere gebildet, obschon je- nes aus dem schw. ango, angin, dieses aus dem st. poum, poumes stammt. . Die ältesten mundarten zeigen aber in substantivzusammensetzungen keine spur weder von ei- genthümlichen vocalen der schwachen form (und mit recht wurde oben s. 95. das goth. ô in tuggô für unablei- tend erklärt) noch von dem schwachen n . Zwar fällt hierdurch, wie mir scheint, die 1, 817 — 821 versuchte erklärung dieses schwachen n nicht ganz zu boden, es muß aber doch das dabei angenommne bildungsprincip auf jeden fall in eine weit entlegne zeit zurückgesetzt werden, welche dem entstehen unserer ältesten composi- tionen um ein gutes vorausgegangen ist. 2) findet keine eigentliche comp. statt, deren erstes wort ein pluralis wäre, denn die kennzeichen des pl. gehören zu der flexion, wie des sg. In beziehung auf den numerus verhält sich daher jede eigentl. comp. ganz neutral; aúrti im goth. aúrti-gards drückt weder den sg. aúrts, noch den pl. aúrteis, mana im ahd. mana- përga weder den sg. man, noch den ebenso lautenden pl. aus und ohgleich viele kräuter im garten stehen, mehrere männer sich hinter den schranken bergen kön- nen, ist der begriff der zus. setzung gar nicht auf her- vorheben dieser vielheit gerichtet. Wir sagen nicht fe- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. dern-bette, sondern feder-bette, das doch aus einer menge von federn gemacht ist. Die nhd. sprache besitzt freilich viele composita, deren erstes wort umlautend, oder auf-en, -er endigend pluralisches kennzeichen an sich trägt; bei näherer betrachtung wird sich leicht ergeben, daß es lauter uneigentliche composita sind, die aus wirk- lichen gen. pl. erwachsen, z. b. kosten-verzeichnis, sachen-recht, götzen-dienst, bilder-dienst, hörner-schall, kinder-stube, kleider-pracht etc. grade wie es auch mit dem gen. sg. componiert heißt eigenthums-recht, gottes- dienst etc. Eigentliche zus. setzung streitet in solchen fällen meistens wider den begriff, es läßt sich z. b. nicht sagen horn-klang für klang des hornes, wohl aber hor- nes-klang; bild-seule und bilder-dienst stehen einander cntgegen als eigentl. und uneigentl. composition, nicht wie singularische und pluralische. Früherhin kommen die pluralischen, gleich allen uneigentlichen, viel seltner vor, vgl. rinder-stal flor. 986 b verhir-stal trev. 37 b d. h. ursprünglich hrindirô, verhirô stal böten denkmähler des 8ten jahrh. wirklich hrindir-stal, so würde daraus immer noch keine eigentl. pluralcomp. folgen, da das eingeschobne -ir nicht reinflexivisch, vielmehr bildend er- scheint, da es zwar meist im pl. aber auch im sg. eintritt (1, 622. 644. 2, 270.) Namentlich gilt das vom ags. hryðer, gen. hry- ðeres, es findet sich hryðera hëord neben hryðer-hëord (rinder- heerde). ; ein mhd. beleg ist kinder-spil a. w. 3, 192. MS. 2, 256 a (wo kinden druckf.). Neben dem aufgestellten grundsatz nehme ich folgende einschränkungen an a) zuweilen ist die nhd. form ganz tadelhaft, z. b. in brüderschaft, st. bruder- schaft, in bienen-korb f. bien-korb, augen-braune f. aug-braune (mhd. ouc-prâ En. 24 a Herb. 28 d ) wiewohl das letzte -en aus dem gen. sg. erklärt werden dürste. b) oft schwankt der begriff selbst zwischen eigentlicher und uneigentlicher zusammensetzung und dann hat sich die neuere sprache fast immer für letztere entschieden, ohne daß man ihr darum einen fehler zur last legen könnte; so z. b. heißt es wörter-buch (altn. orda-bôk) bücher-schrank (altn. bôka-stôll) st. des ahd. wort-puoh, buoh-faƷ. 3) seine ableitungszeichen gibt aber das erste wort nicht auf, es sei dann, daß sie, wie die reinvocalischen, auch außerhalb der composition verschwinden, z. b. in fieg-fried st. sigu-frid, weil sieg f. sigu gesagt wird. In III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. der regel scheint keine consonantische ableitung ausge- schloßen, häufig stehen die liquiden (himmel-reich, don- ner-keil, boden-treppe, raben-stein) aber auch derivata mit mutis, z. b. goth. vitôda-fasteis, ahd. houpit-man, ma- gad-burt, leitid-duom, pilid-puoh mons. 319. mânôt-fen- gida (calendae) alts. jugud-hêd etc. und mit zwei conso- nanten, z. b. goth. undaúrni-mats, ahd. dionust-man, chu- ninc-rîhhi, ags. ombiht-scëalc, ahd. offerunc-gëlstar (sa- criticium) J. 395. (zweimahl) hamalunc-stat jun. 218. Letztere sind die einzigen mir bekannten ahd. beispiele einer comp. mit -unc, -unka, mhd. weiß ich gar keins, nhd. werden sie ganz häufig (unten §. 6.). Subst. mit -iss, -niss bringt die ältere sprache auch nicht in compo- sition, wohl aber die nhd. (geheimnis-kræmerei, begræb- nis-kosten). Im nhd. wüste ich, was sich gegen eigent- liche comp. sträubte, nur die diminutiva auf -lein, -chen zu nennen; füßlein-tritt, schwertlein-schlag, vöglein-fang, mädchen-schaft, bübchen-streich u. dgl. läßt sich kaum sagen, vielleicht weil ihr -n ursprünglich flexivisch ist (1, 631.); ohne das n componieren sie wirklich, vgl. ahd. wunscili-gerta (caduceus) nhd. wünschel-ruthe und die n. pr. entili-puoh schweiz. entli-buch, fügli-staller. Indessen sagt man auch mädchen-herz, -stimme. 4) da in unzähligen ersten wörtern ein ableitungs-el, -en, -er steht, so ist begreiflich, wie einzelne verdunkelte ein ungehöriges el , en , er annehmen und gleichsam an die stelle des verwischten compos. vocals treten laßen. Doch das -en läßt sich auch in solchen fällen lieber ge- nitivisch aus uneigentlicher comp. erklären, nur daß selbst dieses uneigentliche -en in -el überschwankt. Beispiele des -el und -er liefern hauptsächlich die eigennamen von pflanzen und örtern. Aus dem alten esci-pah entspringt neben eschen-bach die form eschel-bach, eschil-bach; aus gunda-rëba gundel-rebe und gunder-rebe (gunder-mann, gunder-lunze); vermuthlich heidel-beere, heidel-berg, fichtel-berg aus heid-beri, heidan-bërc die form heidel-bërg begegnet nicht vor dem 12. jahrh. und neben ihr findet sich heiden-bërg (Dumbeck geogr. pagor. 166. 170.); mons myrtillorum (das wäre heidelberberg) kann es nicht bedeuten. , fihtôno-bërc. Mhd. handschriften (schwerlich alte und gute) gewäh- ren ougel-weide (troj. 7525. Vrib. Trist. 575.) f. ougen- weide. Gehört hierher das -el in hiesal-tera, niederl. notel-tere von hiefe, not? Wer es in solchen formen III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. überhaupt für organisch halten wollte, müste nachweisen, daß diminutive wie escili, heidili, ougili etc. oder andere ableitungen auf -al, -il zu grund liegen [vgl. oben s. 381. 382. das l in den adj. rôselëht] dann stünde heidel-berg für heidil-përc (wie wentil-sêo, endil-meri, wentil-stein) oder heidili-përc (wie wunscili-gerta), der sinn bliebe da- hingestellt. 5) in den verzeichnissen ist hin und wieder angeführt worden, wie neben den eigentlichen compositis uneigent- liche eintreten; reichliche beispiele wird hernach die ab- handlung der letzteren darbieten. Es geschieht aher theils organisch (indem der begriff uneigentl. comp. fordert, wenigstens zuläßt) theils unorganisch, so daß die ältere eigentliche zus. setzung durch eine spätere uneigentliche verdrängt wird, und hiervon bleibt noch einiges zu be- merken. Der hauptfall ist, wenn das erste wort ein schwachflexivisches -en annimmt, ohne daß ihm ein schwacher gen. sg. oder pl. zu grunde liegt. Nhd. bei- spiele: blumen-korb, dinten-faß, (mhd. tint-horn) dor- nen-krone, fürsten-thum (ahd. vurist-tuom, furstuom N. 70, 19. mhd. vermuthl. vürstuom), gerten-schlag, linden- baum, menschen-opfer, ruthen-streich, tannen-baum, trauben-kern u. a. m., wo blum-korb, dint-faß, dorn- krone etc. richtiger wären. Nur hüte man sich, ablei- tende -en für fehlerhaft zu halten, z. b. in fersen-geld, küchen-magd, raben-stein, raben-mutter (grausam wie raben, eine kühne, appositionelle zus. setzung oben s. 440.) wolken-seule, zeichen-schrift formeller zweifel über eigentl. oder uneigentl. comp. kann, seit wegfall des comp. vocals, bei den starken masc. entspringen, die dem gen. kein -s geben, also z. b. in vater-heim (patria) her- rad. 180 a , vater-land, vater-mörder etc. . Einzelne unorganische comp. sind aber ziemlich alt und schon im mhd. aufge- kommen, z. b. palmen-boum amgb. 46 a f. palm-boum mons. 328. 331. 340., das nicht genommen werden darf, wie palmônô gerta bei T. 6) umlaut erleidet kaum das erste wort durch ein zweites, dessen vocal i ist (z. b. -gift, -hilt, -lint, -list); die verbindung durch zus. setzung erscheint also weniger fest und innig, als der anwuchs ableitender silben, die den umlaut der wurzel nach sich ziehen (kerl-inc, gevenc- nisse etc.). Eine spur ist doch in dem eigennamen göte- lint Nib. EM., die meisten hss. lesen gote-lint. Assimila- tionen treten unbedenklicher ein: worolt f. wër-olt, wër- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. alt, vurstuom f. vurist-tuom u. dgl. Vielleicht muß auch bei götelint erst ein assimiliertes gotilint f. gotalint ange- nommen und aus dem i nach t der umlaut geleitet wer- den? vgl. 1, 363. und hernach -lîch beim adj. 7) erste wörter, mit denen häufig zusammengesetzt wird, büßen ihren besondern begriff ein und versiürken bloß im allgemeinen die bedeutung der zweiten wörter. Dahin rechne ich vornämlich: magan und ragin, irmin, lant, liut, diot und wëralt; in geringerem grade auch got, man, chuni, adal, ellan, tac, houbit, nît und in- wit. Die erstern können vor manchen wörtern gleich- gültig wechseln, vgl. ahd. megin-poto, regin-poto; ir- min-dëo, regin-dëo; diet-rîh, irmin-rîh; ags. lëód- scëaða, land-scëaða, regen-scëaða (regen-þëóf, erz-dieb, gau-dieb); das mhd. wëlt-zage darf auch heißen diet- zage Herb. 90 d etc. 8) bei verschiednen zusammensetzungen kann zweifel walten, ob das erste wort subst. oder adj. sei, dahin gehört z. b. wana in wana-scaf (s. 521 aus dem ags. von-scëaft gefolgert), wahn-witz, wahn-sinn, wahn-bett, wahn-korn, vom adj. wan (inanis) oder subst. wan (de- fectus); heil in heila-wâc; mennisc in mennisc-heit (vom adj. mennisc oder subst. mennisco) u. a. m. 9) das zweite wort jeder zusammensetzung gehört in die construction des satzes und kann sich der flexions- zeichen so wenig als irgend ein einfaches subst. begeben. Die wichtigste wahrnehmung hierbei scheint aber ein besonderes schwanken zwischen starker und schwacher declination . Es gibt zwar auch einfache subst., welche nach den mundarten, seltner in derselben mundart, bei- des stark und schwach flectiert werden (beispiele im zweiten buch). Allein composita zeigen diese doppelform weit auffallender, sei es nun, daß das simplex stark, das comp. schwach, oder das compositum abwechselnd stark und schwach decliniere; der dritte fall (comp. stark, simpl. schwach) tritt kaum ein (doch in stërno und -stern). Man vergleiche agis und -egesa; loc und -loca; dags und -dago; kart und -karto; hamr und -hami (-hamo, -homa); houpit und -houpito; liubî (amor) und -luba; rîh und -rîhho; secg und -sago; gesið und -ga- sinþja; stab und -stabe; staþs und -staþa; walt und -walto; wart und -warto. Einige andere fälle bedürfen erst weitere prüfung, z. b. das s. 499. angesetzte fem. hilds, wofür ahd. hilta (stark), aber die trad. fuld. 1, 25. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. lehren den schw. gen. wasa-hiltûn. Ich will bei dieser gelegenheit eine vermuthung mittheilen, welche stracks wider die 1, 823 vorgetragene theorie stößt. Wie, wenn auch die deutschen subst. früher im allgemeinen jedes der doppelten decl. fähig gewesen wären, die für alle adj. geltend geblieben ist? wenn eben die composita da- von deutliche spuren zeigten? Die regel, daß das deut- sche adj. bei vorstehendem artikel schwach, alleinstehend stark decliniere, ist, mehrfacher ausnahmen ungeachtet, in unserer sprache fest gegründet. Nun setzt Ulf. Joh. 10, 3. daúravards (janitor) Joh. 18, 16 daúravardái (ja- nitrici), beidemahl starkformig, beidemahl steht kein ar- tikel, den doch der text hat ὁ θυρωρός, τῇ θυρωρῷ; gleich daneben 18, 17. heißt es aber þivi sô daúravardô ( ἡ θυρωρός ). Nicht anders K. 55 a 56 a êwartô (sacer- dotum) ohne art., 21 b dës êwartin. Wirkliche adj. sind diese composita darum noch gar nicht. sonst hätte K. êwar- têrô gesagt und für jenes goth. daúravardái würde er turiwartu, nicht turiwartêru sagen. Späterhin muß der grundsatz, wenn er sich durch mehr belege aus der ältesten sprache bestätigt, in seiner reinheit freilich wie- der aufgegeben werden, denn schon O. verletzt ihn un- bedenklich, indem er ohne art. êwarto und mit art. thër duriwart gebraucht; ja die exh. (misc. 7. 8.) za suonutagin neben za suonutage, doch liest die cass. hs. merkwürdig za dëmo sônatagin, und dann za sônatage, wiederum misc. 2, 288 zë dëmu suonutakin; vgl. dës fîrtagen N. 37, 5. in vîritage 37, 8. Weitere ausfüh- rungen fügen sich nicht hierher. 10) nächst diesem schwanken zwischen beiderlei flexion herrscht nicht selten im zweiten wort unsicher- heit des geschlechts und der zutretenden oder wegblei- benden vocalischen ableitung -i; vgl. namentlich ahd. -pein und -peini, -leih und -leihi, -mahal und -mahali, neutra bald erster, bald zweiter decl. 11) auch das zweite wort pflegt in einigen fällen aus seiner sinnlichen bedeutung in eine allgemeine , ab- stracte überzugehen; dahin gehören -heit, -scaft, -tuom, ags. -räden allmählig in bloße ableitungssilben ausar- tend; ein geringerer grad von abgezogenheit findet statt bei -chunni, -leih, -mahal, -rât, -rîh, -spil, -stap, -tac und noch einigen andern. Diese abstracta sind gegen- stücke zu den unter 7. angeführten ersten wörten. Beide theile desselben comp. können natürlich nicht zusammen III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. verallgemeinert werden; treten solche wörter in verbin- dung, so behauptet immer das erste wort den vollen sinnlichen begriff (z. b. ags. mägen-scipe, potentia). Heil, schaft und thum vertreten einander zwar gewisser- maßen, doch bestehen feine, zum theil dialectisch be- gründete, unterschiede: thum bezeichnet mehr die würde, das gut, heit den bloßen namen, schaft den bloßen zu- stand. Es läßt sich christen-heit und christen-thum sagen, nicht christen-schaft, dagegen heiden-thum und heiden- schaft, nicht heiden-heit. Thum und heit binden sich auch mit adj., nicht aber schaft (doch mit part. praet., wohin eigen gehört). Das ags. vîs-dôm entspricht unserm nhd. weis-heit, für jenes gilt weder vîs-hâd, noch für weis-heit weis-thum, wohl aber galt ahd. wîs-tuom, mhd. beides wîs-heit und wîs-tuom in gleichem sinn. Mit al- len drein zusammensetzbar ist eigen: eigen-thum (domi- nium) eigen-heit (proprietas) eigen-schaft (qualitas), be- stimmt gesonderte bedeutungen. Zeichen dieser drei wör- ter (so wie der übrigen zweiten wörter, wenn sie abstract werden) ist, daß sie niemahls uneigentliche comp. einge- hen; begreiflich, da ein selbst leblos gewordnes wort kei- nen genitiv zu regieren vermag. Desto verwerflicher ist das vorhin schon getadelte nhd. brüder-schaft, nicht min- der fürsten-thum, volks-thum, völker-schaft. 12) das zweite verzeichnis lehrt auch viele synonyma lebendiger bedeutungen, deren feinere färbung in jeder mundart besonders erforscht werden muß. Man vgl. (für pannus) ahd. fano, hregil, lahhan, tuoh, wât; (für vas) ahd. faƷ, char, palc, stal, goth. staþa, altn. beri; (für statio) ahd. stal, weida; (für lignum, arbor, mate- ries) bagms, triu, timbr, þilus, vidus; (für opes, pecu- nia) goth. huzd, skatts, máiþms, faíhu, ags. sinc, gestrëón, vëla; (für vinculum) ahd. nôt, pant, reif, riemo, seil, dio-reif gleicht dem ags. þëóv-nŷd; (für praeda) ahd. hunta, numft, rouba, altn. fâng, nâm vielleicht ist doch das nhd. leichnam keine entstellung aus lîcham; es gibt nicht nur ein mhd. lîch-nâme Herb. 91 b Karl 46 b 118 a sondern auch ein ahd. lîcha-nâmo (zweimahl in einem cod. claustroneuburg.) welche spolium, exuviae, corpus, mithin dasselbe bedeuten, was lîh-hamo. Die einfachen hamo und nâmo sind beide veraltet. ; (für domus, aula) ags. hûs, gëard, rêced, stëal, gestëald; (für via) ahd. leita, strâƷa, pfad, wëc; (für opifex) ags. smið, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. vyrhta, nhd. macher; (für servus) goth. skalks, þius, ags. þëgen, secg, vgl. lâd-þëóv mit mhd. leit-sage; (für socius) ahd. ginôƷ, gisello, gisindo, gistallo, girûno. Viele sind nicht angeführt worden, z. b. das neben -baíra und baúra geltende ahd. -trago in golt-trago (auriser) zwetl. 112 b swërt-trago (spatharius) lindenbr. 1001 a unnuzi-trago (nugigerulus) hrab. 965 a lieht-trage (lucerna) Ernst 40 b . 13) zweifel, ob das zweite wort subst. oder adj. sei (wie bei dem ersten wort, oben unter 8.) kann weniger eintreten, insofern die flexionen bald das eine oder das andere kundgeben, vgl. das ags. hägstëald (s. 527.) und unter 9. die bemerkung über -wart. Ein compositum, dessen zweites wort kein deutliches subst. gewährt, ist formell keine wahre substantivzus. setzung. Das nhd. sorg- falt (sollicitudo) erscheint also völlig abnorm, denn un- sere sprache kennt nur ein adj. -falt (plex), kein subst., ja die frühere nicht einmahl sorg-valt (sollicitus), wohl aber ein-valt (simplex) manic-valt (multiplex). Wie sich nun aus einvalt das ahd. subst. einvaltî (simplicitas) er- zeugt, so gilt auch im mhd. diu einvalte Barl. 179, 38. Trist. 16937. ohne umlaut, weil ihn die formel alt ver- meidet (1, 332. 942.), daher auch einvaltec lieber zur -îc, als zur ac-form gehört (oben s. 294.). Aus diesem mhd. subst. hätte nun ein nhd. einfälte werden können (nach analogie von kälte, güte und nach dem umlaut in einfäl- tig, sorgfältig) allein der alte unumlaut setzte sich durch (wie in manigfaltig) und man schnitt noch dazu den ab- leitungsvocal hinten weg, einfalt st. einfalte, ebenso sorgfalt st. sorgfalte, vgl. dêmuth st. demüthe, und schon mhd. diemuot. Resultat: die nhd. subst. einfalt, sorgfalt, dêmuth setzen adj. voraus, von denen sie herstammen und gehören insofern gar nicht hierher. 14) obgleich schon einfache wörter im geschlecht schwanken und noch mehr abgeleitete, so scheint doch die zusammensetzung vorzüglich herbeizuführen, daß das zweite wort hintereinander als masc. fem. und neutr. auf- tritt. Je lebloser und abstracter seine bedeutung wird, desto mehr ist das der fall, vgl. z. b. -skaft und -rât. Und da in den eigennamen offenbar der sinnliche inhalt bei- der wörter am meisten erlischt, so erklärt sich, wie ganz sächliche begriffe (z. b. -feld, -stein, berg) welches ge- schlechts sie auch formell seien, zu mannsnamen, wie einzelne (z. b. -rât) bald zu männlichen, bald zu weib- lichen gebraucht werden können. Weitere betrachtun- gen hierüber fallen in cap. VI. M m III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. 15) wenn in einem satz zwei composita hintereinan- der stehen, deren zweites wort dasselbe ist, so pflegt es die nhd. sprache, zumahl der canzleistil, das erste mahl wegzulaßen, z. b. gold- und silber-schmid, fisch- und krebs-fang, freund- und verwandt-schaft. Im mhd. und ahd. zeigt sich diese freiheit noch nicht, ungeachtet sie bei haftendem compositionsvocal, der gleich das erste wort als ein compositionelles bezeichnen würde (beßer als der nicht hörbare strich in nhd. schreibung), zuläßiger schiene. Das erste wort einer eigentl. comp. läßt sich nicht auf diese weise sparen, z. b. für land-recht und land-stte nicht sagen: land-recht und -sitte, wohl aber uneigentlich lan- des-recht und -sitte, indem dann landes nichts als der vorstehende gen. ist. 16) vom erlöschen des compositionsvocals ist s. 413- 424. gehandelt worden. Wie sich aber der ableitungsvo- cal in den nhd. wörtern bräuti-gam und nachti-gall er- halten hat, so scheint jener in den mhd. vlëdra-mûs und heila-wâc (s. 511 und 536.) versteinert fortzudauern. Es gibt wohl noch mehr beispiele. Ob sich in andern fäl- len -el und -er aus dem comp. vocal entwickelte? wurde s. 540. gefragt. 17) beide verzeichnisse, ihrer ausführlichkeit unerach- tet, liefern nur einen geringen theil der wirklichen zu- sammensetzungen deutscher substantive, bestätigen aber hinlänglich was von dem wesen der eigentlichen compo- sition gesagt worden ist. Der compositionsvocal gleicht einem mörtel, der zwei steine verkittet und selbst mit ihnen zu einem neuen , eigenthümlichen begriff verwächst, daß sie je länger je weniger auseinander gerißen werden können. Zwei componierte wörter gesondert und ihren inhalt ohne jenen lebendigen hauch wahrer composition (der nach dem vergehen seiner leiblichen gestalt a un- sichtbar fortwirkt) äußerlich wieder zusammengereiht, werden oft einen ganz andern, immer einen leise ver- schiednen sinn gewähren. Der echte begriff des compo- situms entspringt aus dem verhältnisse, in dem beide wör- ter zur zeit seiner bildung gedacht worden sind und pflanzt sich hernach historisch fort; veränderungen erlei- den kann er wie jedes einfache oder abgeleitete wort. 18) eine menge composita sterben aus und wiewohl ihre masse im ganzen wächst (simplicia und derivata ge- hen verloren und müßen durch composita ersetzt wer- den) so fehlen uns doch jetzt unzählige zusammensetzun- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. gen, die der alten epischen richtung der sprache ange- meßen waren. Welcher reichthum poetischer ausdrücke für krieg und krieger im ags. Beovulf allein, deren viel- leicht keinen einzigen der dichter neu hinzu erfunden hatte; sie waren gemeingut und würden in den verlornen gothischen liedern stehen, wie wir sie in den altnordi- schen antreffen. Einzelne ideenverbindungen der alten zus. setzung sind so geläufig, daß zuweilen das erste und zweite wort, ohne merkbare änderung des begriffs, ihre stelle wechseln (vgl. nhd. wind-sturm, sturm-wind; raub- mord, mord-raub; ahd. magan-wëtar, altn. vëdr-megin; ags. bëót-vord und vord-bëót; vine-mæg und mæg-vine; bëalo-cvëalm und cvëalm-bëalu; þife-þorn und þorn-þi- fel; die ahd. n. pr. kêr-nôt und nôt-kêr etc.). Eine fä- higkeit der älteren sprache, die mit der natur der allite- ration zusammenhängt, wie überhaupt keine alliteration ohne die manigfaltigkeit und behendigkeit des composi- tionsvermögens einer sprache würde geübt werden kön- nen. Auch die pleonasmen sind ihr nothwendig (z. b. goth. naudi-band; mhd. scâh-roup, cod. pal. 361, 92 b ; ags. hord-vëla, sinc-gestrëón, hord-gestrëón, vudu-beám, holt-vudu) welche zugleich der beschreibung stärke und schönheit verleihen ich habe s. 405. in abrede gestellt, daß sich ein fubst. mit sich selbst componiere; doch ist das ags. cyne-cyn nicht zu übersehen. ; zuweilen aber muß das zweite wort den verdunkelten sinn eines ihm vorherstehenden erfrischen, z. b. in affalter-boum. 19) bei aller verbreitung der meisten compositionen und ihrer mittel durch den gesammten sprachstamm muß die besonderheit einzelner für die erforschung der mund- arten erwünschte aufschlüße bringen; man sehe z. b. die ausdrücke für lucerna, candelabrum: goth. lukarna-staþa, ahd. lioht-faƷ, lioht-char, lioht-stal, lioht-trago, cherzi- stal, chantila-stap, ags. cändel-stäf, altn. liós-bëri. 20) schließlich einige bemerkungen über fremde wör- ter . Ableitungen treten ungern an undeutsche wurzeln (s. 400.); in der composition verbinden sie sich weit leich- ter. So stehet im ersten wort lukarna-staþa, cändel-stäf, piscof-tuom, meistar-tuom, trëso-chamara, salm-sanc etc. und im zweiten sind -meistar, -chamara etc. ganz übliche formeln; wir sagen ohne anstand: feld-soldat, land-soldat, M m 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit subst. see-s. stadt-s. und dgl. mehr. Mehrsilbige fremde wörter pflegt hingegen unsere ältere sprache (wie noch heute die des volks) gern so zu drehen und zu ändern, daß sie wie composita aussehen und wenigstens einer der beiden theile wort seine fremdheit verliert. Das ausländische element muß, um eingang zu finden, deutsche tracht anlegen. Viele römische namen sind auf diese weise verdeutscht worden, französische verwandelt das volk fortwährend. Beispiele: mediolanum mai-land; peregrinus pil-grim K. 55 b nhd. pil-grim, pil-gram, endlich pilger, altn. pîla- grîmr; lampetra lant-friga; ligusticum, lieb-stöckel, bei Dasyp. laub-stückel, lubi-stechil trev. 19 a lubi-stechal sgall.; moslim musel-mann. Aus aventure (was begegnet, avient) wurde aben-teuer, gleichsam âbend-teuer; aus arbaleste (arcubalista) arm-brust, mhd. arem-brust Parc. 9 a ; aus planchette blank-scheit. Solche entstellungen haben etwas barbarisches, aber alle natürlichen sprachen ergeben sich ihnen, weil sie der organismus der wortglieder und laute begehrt auch echtdeutsche verdunkelte wörter wandeln sich in ein ähnlich lautendes ganz verschiednes aus derselben ursache, z. b. sint-vluot in nhd. sünd-flût. . Einfachere fremde wörter bekommen oft ein allgemeineres deutsches zum geleit und zur deutlichma- chung mit (appositionell s. 440. 2.); so haben ausländische städte den zusatz -burg, z. b. augusta ouges-purc, augs- burg; roma rôma-burg; f. rosa sagt N. Boeth. 67. rôse- bluome und in volksliedern heißt es häufig rosen-blume, lilien-blume, weil das bloße rose, lilie früher unverständ- lich schien. Denn die gleiche ursache lehrte, wenn das erste wort deutsch aber verdunkelt war, -baum, fisch etc. hinzufügen (s. 441.) vgl. rôse-boum MS. 2, 209 a (wo rô- sen-boum). Substantiv mit adjectiv (vgl. s. 426.). die zusammensetzung erläutert sich wiederum I) durch ein praepositionen verhältnis; hauptsächlich kommen die praepositionen in oder an , aus oder von in betracht. Jene bei allen comp. deren zweites wort den begriff von haft und festigkeit enthält, vgl. das goth. qvi- þu-hafta ( ἐν γαστρὶ ἐχούσα ) Marc. 13, 17, ahd. bedeutet das einfache haft eben soviel O. I. 8, 4. kindes haft O. I. 14, 12; nhd. grund-fest, ags. hals-fäst (cervicosus); ahd. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. arm-strenki (manufortis) kanc-heil (pede firmus) etc. Umgekehrt werden ablösung und trennung durch die ne- gativen praep. aus oder von deutlich, z. b. das goth. hi- mina-kunds (e coelo oriundus) ahd. vart-muodi (fessus ex itinere, müde von der reise) friunt-lôs (entblößt von freunden) etc. Andere durch andere praep., je nachdem sie schon bei den einfachen adj. zu stehen pflegen, z. b. nhd. kugel-fest (wider) mhd. viuwer-var (nâcr; wie es heißt: gevar nâch dem viure) nhd. geld-gierig (nâch) dienst-willig (zu). II) durch ein appositionelles; vorzüglîch das der ver- gleichung und beschreibung. Diese erklärung ist hier weit anwendbarer, als bei den substantiven und wird sich her- nach in genug beispielen ausweisen, namentlich in un- zähligen adjectiven für die farbe: gras-grün, himmel- blau (wie das gras, der himmel). III) durch ein casuelles ; verschiedne einfache adj. haben den gen. bei sich (ob ein subst. ausgelaßen ist, ge- hört nicht hierher zu erörtern), werden sie mit einem subst. eigentlich zus. gesetzt, so kann dieses auch geniti- visch gedeutet werden, z. b. ahd. firn-fol (voll des lasters); andere regieren den dativ z. b. gleich, ahd. gilîh, so daß das comp. gota-lîh bedeuten könnte deo similis. Den acc. vermag kein adj. an sich zu regieren; ein zusam- mengesetztes aber, in dem noch die verbale abkunst fort- lebt, läßt accusativische deutung des vorstehenden subst. zu. Dahin sind namentlich die mit -nâmi und -pâri zu rechnen: danh-nâmi (gratus) fruht-pâri (fructifer). — Ich wiederhole die bei dem subst. gemachte bemer- kung, daß diese deutungen der composition durchaus nicht den wirklichen ursprung derselben aus solchen ver- hältnissen bezeichnen, sondern grade die vielseitigkeit und gewalt des überall zu grund liegenden compositionsvocols zu erkennen geben sollen. Das princip seiner (meist schon verwischten) form ist es, welches die lebendige zusam- mensetzung hervorbringt, die wir zergliedernd durch praeposition, apposition und casus übersetzen. Und gleich- wie -pâri weder einen wahren acc. bei sich haben, noch in hova-pâri, mhd. hove-bære das erste wort formell ein acc. sein kann; so entspringen aus wirklichen genitiven, dativen, die vor adjective treten, uneigentliche composita, welche sich mit den eigentlichen höchstens berühren oder sie un- organischerweise vertreten. Ruom-gërn (gloriabundus) ist genau betrachtet von ruomes gërn (gloriae cupidus) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. ags. dæd-rôf (famosus) von dâdum rôf (factis clarus) Beov. 198. unterschieden. Die abhandlung des ersten worts wird kürzer sein können, als die des zweiten, da sich unter der unzähl- baren menge von subst., die mit adj. verbindung einge- hen, wenig merkwürdige allgemeine formeln bilden. A. verzeichnis nach dem ersten wort. arbáiþs (labor) ahd. arapeit, ags. ëarfôð: ahd. ara- peit-sam (laboriosus) mons. 407. — ags. ëarfoð-fêre (diffi- cilis transitu) ëarfôd-læte (diff. emissu) ëarfôd-lîc (diffici- lis) ëarfôð-recce (diff. narratu) ëarfôð-rîme (diff. nume- ratu). — altn. ervið-lëgr (molestus). — mhd. erbeit-sam a Heinr. 68. — nhd. arbeit-sam, arbeit-voll. asks (hasta): ags. äsc-rôf (hastâ clarus) Jud. 12. äsc- vlanc (hastâ elatus) Beov. 101. áiza? (honor) ahd. êra: ahd. êr-haft (pius, honestus) êr- wirdîc (idem). — ags. âr-cräftig Cädm. 87. âr-fäst Beov. 89. Cädm. 54. âr-hvät (fortis) Aethelst. — mhd. êr-bære. — nhd. ehr-bar, ehr-sam, uneigentlich ehren-fest, eh- ren-voll. áugô (oculus): ahd. auka-zoraht (manifestus) ker. 115. 228. jun. 188. 236. 244. ougo-zorht T. 164. 6. 177, 4. oug-siunig N. 43, 5. — altn. aug-liós (manif.) — nhd. nur uneigentl. augen-klar, augen-scheinlich. badv? (pugna): ags. bëado-grim Beov. 169. bëadu- scëarp Beov. 201. balv (malum): ags. bëalo-full Cädm. 105. 106. Jud. 10. bëalo-hëard. Beov. 102. baúr? (fastigium) ahd. por? mhd. bor Wh. 2, 139 a ; bedeutet in der comp. mit adj. (und adv., die ich gleich mit anführe) nimis und da es meist in negativen sätzen steht, oft ironisch: gar nicht, nicht allzu: ahd. bora-drâto (nimis vehementer) O. IV. 24, 56. por-harto (nimis du- riter) N. Boeth. 52. bora-lang (nimis longum) O. II. 3, 25. 11, 6. bora-lango (nim. longe) Ludw. pore-baldo (ni- mis audacter) N. 139, 6. pora-tiuri (nimis pretiosum) mons. 392. doc. 229. pora-vilo (magnopere) mons. 327. bore-vilo N. Boeth. 42. — mhd. ziemlich selten: bor-lanc Roth. 1387. 5094. Ernst. 588. cod. pal. 268, 171 d bor- mære (überlieb, d. h. unlieb = unmære) MS. 1, 9 b bore- nütze (admodum utilis) c. p. 361, 1 d bor-senfte (nimis mitis) Roth. 2675. bor-vil pf. ch. 58 b . w. gast 70 b por- wol (per bene, nullatenus) c. p. 361, 11 c c. p. 257, 168 b ; III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. das im Reinh. (kolocz 404.) stehende enbor-holt bedeutet ebenso viel wie bor-holt (admodum conjunctus) scheint aber mit der partikel enbor (nhd. empor) componiert, welche selbst durch in por (in fastigium) gedeutet werden muß; die übrigen bor-, pora- enthalten keine partikel. — mnl. bor-out (überalt) bore-blîde (nimis laetus) bore-grôt (nimis magnus) bore-vërre (nim. longinque) bore-wel (perbene); belege hat Huyd. op. St. 1, 405-408. erklärt aber bore unrichtig als eine ursprüngliche verneinung, wozu es erst durch die vorstehende negation wird, die es dann freilich verstärkt. — nhd. und nnl. ausgestorben, doch findet sich bor-bühne, bor-kirche, bor-scheune für den obern theil der bühne etc. worin das zweite wort ein subst.; Stalder hat bor-voll. — ags. altn. keine spur dieser zus. setzungen. blôþ (sanguis): ags. blôd-reád, altn. blôd-raudr und gewis auch ahd. pluot-rôt; ags. blôd-fâg (rutilans) Beov. 154. (gewöhnl. blôde fâh Beov. 72. 121. 220.) — nhd. steht blût bei verschiednen adj. bloß intensiv, d. h. an die bedeutung wird nicht mehr gedacht: blût-arm (nichts als das blut, leben habend) blût-jung (von der geburt blutig? nur erst das blut habend?) blût-fremd (bis aufs bl.) blût-sauer (blut, schweiß und arbeit kostend) blût- schwêr, blût-wênig. Die comp. sind sicher alt, obgleich sie in den quellen fehlen. Vgl. die subst. blut-hund, -hure -schelm und hernach -mort. dags (dies): ahd. taka-lîh (quotidianus), ags. däg-lîc. — altn. dâ-frîdr (schön wie der tag) dag-lângr (perdius) dag-lëgr (quotidianus) dâ-gôdr (perbonus) dâ-samlëgr (praeclarus) dag-sannr (evidens) dâ-lîtill (perparvus) dâ- vakr (celerrimus) dâ-vænn (eximius). — mhd. tâ-lanc (perdius) steht nur adverbialiter (pertotum diem) tege- lich; nhd. tæg-lich. Vgl. oben s. 451. die aus adj. ent- springenden eigennamen taka-përaht (dago-bërt) ta- ka-frid. dáuþus (mors): mhd. tôt-arm, tôt-bleich Herb. 45 a 83 d tôt-mager Iw. 36 c tôt-stum, tôt-truebe, tôt-vinster (still, dunkel wie der tod) Barl. — nhd. tôd-krank, tôd-reif. dêþs (actio): ags. dæd-cêne (audax) Beov. 124. dæd- hvät (fortis) Cädm. 82. dæd-rôf Cädm. 47. — altn. dâð- rakkr (fortis) edd. sæm. 55 b . dôms : ags. dôm-eádig Cädm. 29. dôm-fäst Cädm. 30. 34. 40. 51. dôm-leás Cädm. 96. Beov. 214. altfries. dôm-liacht. faírh? (vita): ags. fëorh-sëóc. — mhd. vërch-lôs (exa- nimis) vërch-sêr pf. ch. 75 b 86 a vërch-wunt pf. ch. 17 b . III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. gin? (hiatus): ags. gin-fäst (firmissimus) Cädm. 62. 73, Beov. 163. 209. (97. gim-f.) — altn. gin-heilagr (sacro- sanctus) wofür ginn-heilagr edd. sæm. 1 b 2 a 61 a , vgl. die subst. gin-faxi und gin-regin, ginn-regin edd. sæm. 28 a 52 b . Da auch ginn-steinn f. gim-st. (gemma) vor- kommt, so ist vielleicht steinfest, steinheilig zu erklären, vgl. gim-cyn Cädm. 5. guþ (deus): guþa-faúrhts. — ahd. kot-chund (divinus, deificus) ker. 192. K. 17 a hymn. 6, 6. gote-leido O. IV. 7, 67. gote-foraht O. I. 15, 5. got-forht T. 7, 4. gota-vorah- tal mons. 395. gote-dehtig N. — ags. god-cund Cädm. 50. 60. — mhd. gote-leit (maxime invisus) c. p. 361. En. 92 c gote- liep (max, carus) gote-wërt. — altn. god-mâlugr edd. sæm. 57 b . handus (manus): handu-vaúrhts ( χειροποίητος ). — ahd. hant-haft jun. 213. hant-mâƷi jun. 212. hant-starch N. 38, 12. — ags. hond-gemæne Beov. 160. hond-rôf (ma- nufortis) Cädm. 68. — altn. hand-bær (portatilis) hand- fastr, hand-fimr (promptus) hand-gôdr (tenax) hand- haltr (manu aeger) hand-ôdr (manuum incontinens) hand- ramr (fortis) hand-seinn (manu tardus). — mhd. hant-gar (promptus). — nhd. hand-fest, hand-greiflich, hand-lahm, hand-gemein. himins (coelum): himina-kunds (coelestis). — ags. hëo- fon-bëorht Cädm. 82. hëofon-cund (coelestis) hëofon-heáh (altissimus) Cädm. 87. hëofon-torht Cädm. 64. — altn. hi- min-blâr (coeruleus). — nhd. himmel-blau, himmel-hôch. ahd. liut (gens): liut-mâri (publicus, divulgatus) mons. 378. doc. 223 b [die schreibung lût-mâri hymn. 19, 10. O. II. 13, 55. 20, 23. III. 14, 5. IV. 34, 35. 37, 61. scheint tadelhaft, es müste sich denn lût f. liut, vulgus rechtfer- tigen laßen, vgl. goth. láuþs; aus dem adj. lût, sonorus, darf das erste wort nicht erklärt werden, es würde sonst hymn. 19, 10. hlût geschrieben stehen] liut-pâri (publicus) mons. 327. liut-pârlîh mons. 401. liut-zoraht (publicus) jun. 220. liut-haƷ-lîh (tyrannicus) doc. 223 a vgl. lëód- hata oben s. 496. (womit zugleich die conjectur -háta zerfällt). — nhd. leut-kund. liþus (membrum): ahd. lida-scart (murcus) mons. 378. vgl. lidi-scart lex bajuv. 3, 21. lida-weih (mollis, flexibi- lis) un-lida-weih (implicabilis) hrab. 966 b 967 b . — ags. liðe-bŷge (flexib.) lîde-vâc (mitis). — mhd. lide-schart Rud. weltchr. lide-weich (lange hende, lidweich). — nhd. glied- ganz, glied-lahm, glied-lang, glied-weich (lychnis silvestr.). magan (vis): alts. megin-streng. — ags. mägen-fäst, mägen-hëard, mägen-leás (enervis) mägen-rôf Cädm. 68. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. mägen-strang Cädm. 3. daneben mägnes rôf Beov. 156. mägnes strang Beov. 139. — mhd. mein-strenge. man (homo): mana-lîh (virilis)? versch. von manno- lîh (quilibet) s. im zweiten verz. -lîh; mana-liup (huma- nus) ker. 72. mana-luomi (mansuetus) un-mana-luomi (immanis) ker. 188; gehört hierher auch man-dwâri (man- suetus) T. 22, 9. 67, 9. 116? bei der abtheilung mand- wâri bleibt das erste wort unerklärlich, obgleich das zweite an miti-wâri (mansuetus) erinnert K. 21 b , mite-wâre N. 75, 10. physiol. 2. mit-wâri J. 390. un-mit-wâri hrab. 967 a . Bildet hier die part. miti das erste wort? warum steht in einer späteren gl. jun. 323. geschr. mude-were? und bedeutet wâri für sich betrachtet mitis, mansuetus? dafür weiß ich bloß ala-wâroru (benignâ) hrab. 979 b an- zuführen. — ags. man-þvære, mon-þvære (mansuetus) vgl. das einfache þvære (mansuetus) þvârjan (temperare) und das ahd. duëran (1, 861.) — altn. mann-bær (nubi- lis) mann-fâr (paucis stipatus) mann-giörn f. (nupturiens) mann-vandr (cautus in ehg. hom.) — nhd. mann-bar, mann-haft, männ-lich, mann-toll. maúrþr (homicidium) mhd. mort: mort-gir pf. ch. 17 b mort-grimme Nib. mort-lîh Wigal. mort-meile (caede maculatus) Nib. mort-meilic MS. 2, 150 b mort-ræte (cae- dem suadens) Trist. oder steht es substantive? mort-ræƷe Nib. — nhd. mord-bœse, mord-schwer. mit? (mensura, modus) ahd. mëƷ und verneinend ummëƷ f. unmëƷ: ahd. mëƷ-haft (moderatus) T. um- mëƷ-alt (senex) ker. 139. ummët-irri (nimium iratus) Hild. unmëƷ-tiure N. Boeth. 164. unmëƷ-wîte (vastus) N. 263 a , 10. (wo immëƷ) vgl. das subst. ummëƷ-fluot ker. 69. — ags. ungemët-cald, ungemët-fäst, ungemët-lîc. ragin (auctoritas): alts. regin-blind (penitus coecus). — ags. regen-hëard (praedurus) Beov. 27. — nhd. rein-taub, rein-toll, rein-voll; und regen-blind, regen-frei (Schot- tel 487). sêmeis? sêmei? (dimidium) ein solches subst. urver- wandt mit dem lat. semis, semissis, das lat. lange e dem ahd. â (wie in semen, sâmo) entsprechend, erhellt aus folgenden ahd. und ags. zus. setzungen: sâmi-heil (semi- sanus) ker. 246. sâmi-quëc (semivivus, semimortuus) T. 128. sâmi-wîƷ (subrufus, d. i. semalbus) jun. 226. — ags. sâm-cvic, sâm-cuc (semivivus) sâm-gëong (semijuvenis) sâm-grêne (semiviridis) sâm-vîse (semisapiens) Boeth. 173. sâm-vorht (semistructus) Cädm. 38. chron. sax. p. 114. (Ingr., der falsch übersetzt: hastily wrought). III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. sin? (robur, vis?) wovon ahd. sënawa, ags. sinu, altn. sin, mhd. sënewe, nhd. sehne abgeleitet ist; auf diesen begriff versuche ich das in der comp. intensiv stärkende oder auch dauer (perennitas) ausdrückende sina- zu be- ziehen; die oben nicht verzeichneten subst. werden hier mitangeführt: ahd. sina-huërpal (teres, tornatilis) sina- wërpal mons. 353. doc. 243 b sin-wërbal ker. 17. sin-wir- pilî (circuitio) ker. 13; sin-cal (jugis) nur in der weitern zus. setzung sin-cal-lîh ker. 168. vorhanden, das zweite wort dunkel; sin-vluot (diluvium, große flut, was sonst ummëƷ-vluot, vgl. oben s. 493.) neben sint-vluot N. 101, 26; sina-wël, -lles (teres) W. 5, 14. mons. 326. 340. (wo sina-wëllistûn, limpidissimae, wohl von glatt und rundpo- lierten seulen), die wurzel des zweiten worts ist wëllan (volvi) ein sin-huli läßt sich schwerlich aus der gl. mons. 40 b be- weisen, da es nicht zu lahhan stimmt und blas. 9 b huli-lahhan be- stätigt; also sîn h. l. . — ags. sin-cëald (frigidissimus) Cädm. 72. sin- dreám (summus canor) sin-gal (jugis, perpetuus) Beov. 14. 17. 87. 134. Boeth. 157. 193. 194; sin-grêne (perviri- dis, semperviridis) sin-hîvan (conjunctissimi, conjuges) Cädm. 19. 23. sin-niht ( νύξ ἐρεβεννή ) Cädm. 2. 3. Beov. 14. sin-ræden, sin-scipe (conjugium) sine-vëalt (teres, ro- tunds) von vëaltjan (volvi). — altn. sî-friôr (perennis, semper virens) sî-lêttr (velox, levissimus) sî-mâlugr (lo- quacissimus) sî-valr (teres). — mhd. sine-hol (concavus) a. w. 3, 220. sine-wël (teres) häufig, aber sint-vluot Rud. weltchr. — nhd. sin-grün (vinca); sünd-flût; sin-well, sinn-bell nur in oberd. volksdialecten. — Bedenken machen 1) das goth. sinteins (Matth. 6, 10. ἐπιούσιος , d. h. con- tinuus) adv. sinteinô ( πάντοτε ), kein compos. (weil dann sina-teins stehen würde und ein adj. teins unerhört ist) also wohl derivativisches -t habend, wie das ahd. sin-t in sint-vl. (vgl. s. 176. 223.); von sin oder sint (robur, duratio) leitet sich sint-eins (durabilis) ab. 2) es gibt ein altn. adv. sî (perpetuo), das analog dem goth. áiv aus einem subst. herfließt, daher die formel sî ok æ (immer und ewig) goth. lauten könnte sin (? = sinteinô) jah áiv; construiert mit partic. ist auch ein getrenntes ags. sin statthaft, z. b. sin birnende (perpetuo flagrans) Boeth. 159. warum kein altn. sî hlæjandi (jugiter ridens)? 3) das ahd. adv. simblum (semper) K. 17 b 20 a. b. 26 b simbulun T. 53. 5. 187, 2. simbolon O. Lud. 145. 161. IV. 29, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. 112. V. 25, 325. simbles J. 351 ags. simble, simle ganz versch. von symbel (convivium) altn. sumbl. , alts. simnen, wovon simblum den dat. pl., simble den dat. sg., simbles den gen. sg. eines subst. zu erkennen gibt; möge nun das b ableitend zu der wurzel sin getreten sein, oder sich diese mit einem dunkeln -bol, bul verwandt mit ahd. polôn, mhd. boln (werfen)? componiert haben, in beiden fällen hat erst der labiallaut die ände- rung des n in m bewirkt, simblum steht also f. sin-blum (oder sint-blum, vgl. mumper aus munt-bor s. 487.) und gehört zu sint-, sin-; selbst das lat. sem-per (f. sen-per?) berührt sich damit. 4) weil stärke (vis; ἴς, ἰνός ) in dauer übergeht, z. b. dicke auch oft bedeutet, so können goth. sin-eigs (longaevus) sinista (major natu) und senex (mit kurzem e) verwandt sein. stáins (lapis): ags. stân-fâh (lapide coruscans, epithet der heerstraße) Beov. 26. — altn. stein-blindr (talpâ coe- cior) stein-ôdr (in saxa saeviens, von heftigem sturm). — mhd. stein-herte c. p. 361, 104 a Mar. 120. — altengl. stôn-still Weber 3, 281. vgl. still as stône C. T 7997. Scott minstr. 3, 185. Jamies. 2, 22. und mhd. sweic als ein ander stein Karl 92 b , stiller denne ein quâder troj. 79 a . — nhd. stein-alt, stein-reich (bei dem gold wie steine liegt?) stein-hart, stein-stark (Fischart); in der volkssprache auch stein-alber (Reinwald 1, 156.) stein-müd (oestr.) stein-weh (schweiz.) und stein- bein-treu, mutter-stein-allein. nhd. stock (truncus): stock-blind, stock-dürr, stock- finster (wie im stock, gefängnis; das volk sagt noch ver- stärkter stock-mauer-finster) stock-fremd, stock-nacket, stock-steif, stock-still (vgl. mhd. stille als ein rone, c. p. 341, 142 b ) stock-todt. uzds? (mucro) ahd. ort: ort-haft (acutus) ker. 26. ort- wass (acutus) ker. 23. (wo das subst. ortwassa, aculeus). vaúrms (vermis): mhd. wurm-bîƷîc pf. ch. 26 a Karl 28 b ; nhd. wurm-stichig, schweiz. wurm-äßig St. 2, 460. (mhd. wurm-ëƷîc? bei Herb. 100 c wur-ëƷic). vundr? (miraculum): ahd. wuntar-guot mons. 388. wuntar-wass (admodum acutus) Geo. lied; wuntar-drâto adv. (ocius). — ags. vundor-lëóht Cädm. 65. — altn. un- dur-lâtr (admirabundus). — mhd. wunder-breit MS. 2, 91 a wunder-herte w. gast, wunder-kleine Morolf, wunder- lanc lieders. 1, 212. wunder-lich (mirus); im 12. und 13. jh. vorzugsweise wundern-: wundern-alt Wigal. 417. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. wundern-balde (adv.) Reinh. 139. wundern-kuene Nib. 3503. wundern-schône Wigal. 178. wundern-wê Reinh. 98. wun- dern-wol misc. 2, 299., welches alles ich aber für ad- jectivische composition halte (wundern = wunderin, wun- derîn, ahd. wuntarîn, mirus; oben s. 178. zuzufügen, ob- gleich es unzus. gesetzt nicht vorkommt) vgl. wundrin- scône Roth. 2 a wunderen-kuone fr. bell. 33 a (pf. ch. 67 b liest wunter-ch.) — nhd. wunder-groß, -herrlich, -klein, -lieblich, -schœn u. a. m. B. verzeichnis nach dem zweiten wort. áina (solus): aus der ältern sprache keine eigentl. comp. mit diesem adj.; das mhd. alters-eine (c. p. 361, 73 b Jw. 12 b Nib. Trist. etc.) ist adv. (ahd. altares eino?, auf der welt allein) und höchstens uneig. zus. gesetzt. Nhd. findet sich mutter-allein, verstärkt mutter-menschen- allein, mutter-sêlen-allein, mutter-sêlig-allein, mutter- stein-allein, ja oestreich. stein-bein-mutter-sêliger-allein. Ihre im dial. lex. p. 116. 171. gibt die schwed. composita: mol-ênsam, still-môl-êne, still-mol-êne-ênsam und mor- der-allêna; zum theil entstellte, aber wohl verwandte bil- dungen, da wir auch mutter-nacket, mutter-still sagen. Bedeutet mutter-allein vaterlos, eingezogen bei der mut- ter lebend? doch sêlig ist nicht das mhd. sælec, son- dern verderbt aus sêlen und da die redensart keine mut- tersêle, keine menschensêle gleichviel gilt mit niemand, so wird mutter-sêlen-allein ausdrücken: von jedermann verlaßen, von jeder seele, jedem menschen, den die mut- ter geboren hat, folglich uneigentl. mit dem gen. pl. sê- len componiert scheinen; vgl. das ahd. gumônô ein O. II. 7, 9. und das mhd. muoter-barn, menschenkind. ahd. alt (annosus): ummëƷ-alt (senex); nhd. stein-alt. arms (miser): mhd. tôt-arm c. p. 341, 220 d cod. vind. 428, 68 b ; uneigentl. der gotes-arme, diu gotes-arme En. 23 b Nib. — nhd. bettel-arm, blut-a. kreuz-a. balþs (fortis): ags. cyning-bald (regi confisus) Beov. 123. here-bald (militibus conf.) Beov. 181. 184. (wo es n. pr.) — mhd. hëlfe-balt Parc. 112 a vielleicht uneig., da sonst der gen. bei balt stehet. baírhts (lucidus): ahd. taga-përaht (nur als n. pr.) — ags. hëofon-bëorht Cädm. 82. hiov-b. Cädm. 7. (formâ splendidus) rodor-b. Cädm. 83. sadol-b. (ephippio splen- dens, vom pferd) Beov. 163. vlite-b. (vultu spl.) Beov. 9. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. Cädm. 3. 5. 35. 38. 40. — altn. gagl-biartr (instar cygni l.) edd. sæm. 249 b glô-b. sôl-b. edd. sæm. 167 b . báitrs (amarus): ags. vinter-biter Cädm. 83. — nhd. gall-bitter (gallen-b.) — altn. flîðr-beitr (laminam mor- dens) edd. sæm. 247 a ; nhd. eiter-beißig. bêris? (-ferus) ahd. pâri, mhd. bære, meist abstracter bedeutung: ahd. nicht viele comp. danch-pâri (gratus) undanch-p. (ingr.) jun. 186. T. 32, 9. N. 25, 3. ege-bâre (terribilis) N. 46, 3. 65, 5. 75, 8. hî-bârîc (nubilis) trev. 7 b lastar-pâri (damnabilis) mons. 388. doc. 222 a lastar-bârîg O. III. 17, 132. skîn-bâre N. 36, 6. Boeth. 63. — ags. cvild-bær, hlys-bær (famosus) lust-b. (jucundus) västm-b. (fertilis). — altn. sehr wenige, barn-bær (prolifera). — mhd. sehr viele: aht-bære Parc. 125 b angest-b. Trist. dienest-b. Trist. êr-b. Trist. gote-b. (pius) Trist. hërze-b. (cor tangens) Parc. 114 c 141 b Wh. 2, 101 a hove-b. MS. 1, 105 b Trist. hun- ger-b. Parc. 118 b kampf-b. Parc. 81 a 125 b koste-b. Parc. 161 b Wh. 2, 92 a. b. krône-b. Parc. 80 c kur-b. Trist. la- ster-b. Trist. lobe-b. maget-b. Parc. 48 c mort-b. Trist. rât-b. un-rât-b. Trist. rede-b. Trist. rëgen-b. (pluviosus) riuwe-b. Parc. 115 b 124 c 135 a (riuwe-bæric Parc. 128 a ) sage-b. Trist. schal-b. Vrib. schimpf-b. Trist. schîn-b. Trist. siufze-b. Parc. 80 a. b. 119 b 186 a sufte-b. a. Tit. 87. sinne-bære Trist. 7913. strît-b. Wh. 2, 193 a suene-b. Parc. 46 c sünde-b. Parc. 111 a 114 b 115 b tôt-b. (mortife- rus) Wh. 2, 92 a touf-b. Wh. 2, 78 b 100 a vlust-b. a. Tit. 132. vluste-b. Parc. 147 c Wh. 2, 106 b vrône-b. Lachm. ausw. wandel-b. Trist. zuhte-b. Parc. 82 a ; tadelhaft schei- nen meien-b. Parc. 67 c sunnen-b. a. Tit. 98. f. meige-b. sunne-b. — nhd. acht-bâr, dank-b. dienst-b. ehr-b. frucht- b. kampf-b. kost-b. mann-b. (nubilis) schein-b. streit-b. wandel-b. und noch einige, viele der mhd. ausgestorben. ahd. planch (albus): mhd. snê-blanc Nib. ahd. plâo (coeruleus): altn. hel-blâr (lividus). — mhd. wolken-blâ Gudr. 71 a nhd. blitz-blau, himmel-bl. schweiz. knust-bl. Stald. ahd. pleih (pallidus): altn. silki-bleikr. — mhd. tôt- bleich Herb. Trist. — nhd. asch-bleich, tod-bleich (feh- lerh. todten-bl.) wachs-bl.; oestr. kâs-bl. (wie käse) schweiz. stauchen-bl. (von stauche, schleier) bair. windel-bl. plattd. nüster-blêk (nasenbleich). ahd. plîdi (laetus): herz-blîdi O. I. 4, 61. blinds (coecus): ahd. stara-plint (oben s. 415.) das subst. der star sicher verwandt mit dem verb. stiren, staren, (starren). — alts. regin-blind (nach Hickes gr. ags. 116. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. stehet regini-bl.) — altfries. staru-blind As. 196. elle-blind As. 178. 179. — altn. hel-blindr, aus dem subst. hel-blinda (coecitas fatalis) und dem n. pr. hel-blindi edd. sæm 46 a gefolgert, der einäugige Odin heißt auch noch gunn- blindi und tŷ-blindi; zwergsname ist sôl-blindi, sæm. edd. 108 a , der den blick der sonne nicht erträgt; riesenname mistor-blindi sæm. edd. 52 a von mistur, mistr (caligo); die prosa kennt stein-blindr (maxime coecus) und dag-bl. (dessen augen das licht scheuen) Biörn. — mhd. eig. comp. fehlen mir die ursache der blindheit steht im gen. bei blint: ougen- naƷƷes blint, minnen blint Trist. 15190, woraus uneig, comp. eut- springen können. , doch ist star-blint nicht zu bezweifeln, da auch mnl. staer-blënt Rein. 77. vorkommt. — nhd. stâr- bl. stock-bl. uud verstärkt stâr-stock-bl.; schweiz. noch das alte regen-blind (kurzsichtig) St. 2, 267. — nnl. pûr- stêken-blind (stichbl. wie p. st. zot). — engl. sand-blind, high-gravel-bl. (merch. of venice II, 2.) pur-bl. pore-bl. (blind as stone). brûns? (fuscus): altn. kol-brûnn. — engl. berry- brown, nut-brown. — nhd. nuß-braun; oestr. kesten-br.; stiefel-br. (Fischart). dáuþs (mortuus): mnl. stên-dôt Reinh. 1596. — alt- engl. stân-dêde Beryn. 609. 3081. — nhd. maus-todt, racker- todt, stein-todt (H. Sachs); verstärkt maus-racker-t. [vgl. unten -stille]. diups (profundus): ahd. enchil-tiuf (talaris, von einem bis auf den fußknöchel reichenden kleid) doc. 209 b . — mhd. spër-tief Bit. 10 a vërch-tief (von tödlicher wunde) kl. 661. — nhd. grab-tief (Fischart) sattel-tief (Stald.). Meist auflösbar in: bis auf, bis zu; das maß der tiefe steht lieber im gen. und gibt uneigentl. comp. z. b. altn. rastar-diupr, meilen-tief. falvs? (pallidus, discolor): ags. äppel-fëalo Beov. 162. von pferden, nicht vergleichend fahl wie apfel, sondern eine art der farbe, das gris pommelé, bestimmend [vgl. unten grau]. — altn. nëf-fölr (pallens nasum) edd. sæm. 8 b 249 a vgl. 48 b fölr um nasar, vgl. nhd. naseweiß und plattd. nüsterblêk; naud-sölr sæm. edd. 246 b . — mhd. wi- bel-val Herb. 45 a wie der kornwurm. farvs? (colore praeditus): ahd. horo-varo (luteus) N. 92, 5. golt-varo N. Boeth. 163. mis-faro (varius) ker. 188. rôs-va- ro (roseus) jun. 249. — mhd. balsem-var Parc. 191 b bluot-var Parc. 141 c Wh. 2, 173 a 194 b Gudr. 26 a glas-v. Parc. 119 a har- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. nasch-v. Wh. 2, 2 b 79 b golt-v. troj. 55 b 57 a küchen-v. Wh. 2, 85 b lieht-v. Parc. 192 b louch-v. Bit. 105 b misse-v. Barl. mor-v. Karl 80 b nëbel-v. Bit. 105 a raben-v. Wh. 2, 173 b rôse-v. fehlerh. rôsen-v. Nib. 2378. rœsel-v. troj. 3026. ruoƷ-v. Bit. 108 a snê-v. Wh. 2, 10 a strît-v. Bit. 105 a sturm-v. Bit. 42 a tôt-gev. Wh. 2, 171 a waƷƷer-v. Karl 115 a wëter-v. Trist. wibel-v. Herb. 83 d (vgl. wibel-val) zorn-v. Karl 124 a u. a. m. — nhd. blût-farb, glâs-farb, schnê-f. waßer-f. u. a., doch in beschränkterem gebrauch. Mhd. auch häufig die auflösung: gevar nâch helle, nâch aschen etc. in gleichem sinn. ags. fäst (firmus, sixus): ahd. comp. mit vesti finde ich nicht, aber viele ags. âr-fäst Beov. 89. Cädm. 54. blæd-f. Beov. 99. dôm-f. Cädm. 30. 34. 40. 51. ëard-f. Cädm. 61. gim-f. Beov. 67. (gin-f. 193.) hals-f. Cädm. 49. gemët-f. (moderatus) ræd-f. Cädm. 89. sige-f. Cädm. 81. tir-f. Cädm. 25. 64. Beov. 71. þëav-f. Cädm. 43. 57. vær-f. Cädm. 24. 35. vuldor-f. Cädm. 1. 71. ebenso häufig steht aber auch der leibliche dat. los daneben, z. b. sâle fäst Beov. 143. ëorðan f. Cädm. 86. tirum f. Cädm. 82. etc. — altn. âst-fastr, blŷ-f. bû-f. gin-f. hûs-f. iard-f. timbr-f. trû-f. — mhd. ellen-veste Wh. 2, 160 a nôt-veste Maria 133. tugent-veste troj. 5 c 112 a waƷƷer-veste Parc. 163 a . — nhd. baum-fest, bein-f. boden-f. ehren-fest (f. ehr-fest) eisen-f. faust-f. felsen-f. (f. fels-f.) grund-f. hand-f. kern-f. mauer-f. noth-f. (Simplic. p. 482.) pickel-f. stein-f. wurzel-f. ahd. vêh (varius, multicolor): gikkel-vêh (polymitus) herrad. 184 b [vgl. nhd. gickel-bunt und gickel-hahn, -huhn f. bunterh., gackel-ei buntgemahltes,]; viƷƷil-vêh (peti- lus, von pferden) trev. 11 b blas. 64 a jun. 273. und in sächs. form sitil-vê jun. 393. vgl. altn. fitl (levis attrectatio) selbst das lat. wort, das eigentl. tenuis, exilis bedeutet. — ags. gold-fâh Beov. 25. 71. 76. 136. stân-fâh Beov. 26. svât- fâh Beov. 85. 98. väl-fâh Beov. 86. vyrm-fâh Beov. 128. oft auch mit dem dat. drëore fâh Beov. 36. 39. 123. sëar- vum fâh Beov. 79. — mhd. gikel-vê (vom gefieder des habichts) a. w. 3, 206; natern-vêch MS. 2, 223 b (f. na- ter-vêch?); vinkel-vêch (von buntem ball) MS. 2, 75 b , das erste wort dunkel. ahd. veili (venalis): mhd. market-veile MS. 2, 132 a . altn. feitr (pinguis): hlŷr-feitr (pinguis genâ) spik- feitr (praepinguis). — nhd, speck-fett, schnecke-f. schne- gel-f. schlotter-f. framaþis (peregrinus): nhd. land-fremd, leut-fr. stock- fr. welt-fr. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. fris? frijis? (liber): ich kenne bloß das nhd. vo- gel-frei (wie ein vogel in der luft, den jeder schießen darf); veraltet ist regen-frei (vorhin s. 553.); plattd. gilt auch biester-frei. Mhd. comp. mit -vrî, in der bedeu- tung von los, ledig, sind alle uneigentlich. fulls (plenus): ahd. nur wenige, froma-fol (benignus) ker. 43. firn-fol (scelestus) T. 32, 4. 56, 3. ungiloub-fol (incredulus) T. 233, 6. mein-sol (flagitiosus) jun. 207. hrab. 963 a sorg-fol T. 63, 4. — alts. mên-ful. — ags. bëalo-ful Jud. 10. eges-f. Beov. 217. Cädm. 73. 77. gâl-f. (libidino- sus) hiht-f. (plenus spei) Cädm. 23. invit-f. Cädm. 23. lust-f. scyld-f. sorh-f. Beov. 41. 97. 109. 158. syn-f. Cädm. 73. þrym- f. Jud. 10. tëón-f. Cädm. 80. väter-f. u. a. m. — altn. hug- fullr, sorg-fuilr, sæm. edd. 211 a , fleyti-fullr (ad summa labra pl.); die meisten sind uneigentlich, z. b. hrædflu-fullr. — mhd. keine oder wenig eigentl. comp. mit -vol (abstrac- ter bedeutung); uncomp. stehet liutes vol Gudr. 58 b waƷ- Ʒers vol Wh. 2, 85 a etc. — nhd. aber verschiedne: gram- voll, jammer-v. pein-v. sinn-v. jammer-v. verhängnis-v.; zur sinnlichen verstärkung dienen im volksdialect: blind- voll, hagel-v. sack-v. spund-v. (bis zum spund) stern-v. und verbunden stern-hagel-v. blitz-stern-hagel-v. blind- stern-hagel-v. krutsch-kröte-v. (f. gräte-v. geräde-v., näm- lich gesiebt, gerüttelt, geschüttelt voll) u. a. m. garvs? (paratus): mhd. golt-gar fr. bell. 26 a 30 a hant- gar Trist. wîc-gar Trist. gáils? (laetus, libidinosus): ags. eálo-gâl Cädm. 109. mëdu-gâl Cädm. 90. Jud. 10. vîn-gâl Cädm. 77. alle drei fröhlichkeit durch (nicht über) das getränk ausdrückend; das vorhin s. 554. angeführte sin-gal hat kein â, wie das ahd. sin-cal (nicht sin-keil) beweist. gaúps? (patulus) ags. geáp: horn-geáp (pinnaculis am- plus) Beov. 9. sæ-geáp (von einem schiff) Beov. 143. gaíris? (cupidus): ahd. nëf-kiri (avarus) hrab. 953 a jun. 196. K. 53 a walu-kiri (crudelis) ker. 10. 65. 95. hrab. 957 a — mhd. mort-gir; fr. bell. 30 a mort-girec troj. 89 a doch êren-gir Trist. 413. 4999. Karl 66 b ist uneigentl. gaírns (cupidus): faíhu-gaírns (avarus). — ahd. kë- pa-kërn (munificus) gëbi-gërnîg trev. 45 a hruom-kërn (jactabundus) mons. 410. lobo-gërn N. 43, 22. rawo-gërn (quietus) N. 103, 32. rëht-kërn (justus) mons. 323. 347. (rëht substantive betrachtet) spili-kërn (lascivus) mons. 409. wîp-kërn (leno) lindenbr. 997 a vurwiz-kërn (cu- riosus) mons. 366. N. 8, 9. alt-zier-kërn (veternosus) blas. 24 b trev. 10 a — alts. nur uncomp. inwidies gërn (dolo- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. sus). — ags. lof-gëorn Beov. 236. firvit-gëorn Boeth. 194 a gilp-gëorn (arrogans) slæp-g. (somnolentus); gewöhnl. un- comp. ætes g. Jud. 11. bëalves g. Cädm. 75. corðresg. Cädm. 17. dæda g. Cädm. 81. siðesg. Beov. 207. — altn. fê-giarn, grât- giarn (plorabundus) heipt-g. her-g. nâm-g. hôl-g. (jacta- bundus) skraut-g. oder skaut-g. edd. sæm. 237 a val-g. — mhd. miete-gërn Herb. 103 b . Es sind auch mehrere goth. und ahd. eigennamen aus solchen adj. entsprungen: frithi- gërnus, hilti-kërn, spili-kërn; im concil. paris. III (a. 557.) unterschreibt ein ganothi-gernus, im aurelian. V. (a. 549.) gonoti-gernus. gilvs ? (flavus) ahd. këlo, ags. gëolo: altn. eld-gulr (feuergelb). — nhd. butter-gelb, ei-gelb, gallen-g. (f. gall- g.) gold-g. honig-g. fafran-g. wachs-g. gôds (bonus): gasti-gôds (hospitalis) Tit. 1, 8. — ags. ær-gôd (perbonus) Beov. 76. 101. 175. 191. das erste wort vielleicht ær (aes)? cyne-gôd Cädm. 36. 79. 84. — altn. barn-gôdr (pueris mitis? oder perbonus?) brióst-g. (misericors) dâ-g. (f. dag-g.) kost-g. (optimae notae) mat-g. (cibi benignus) skap-g. (bonae ind.) smëk-g. (saporatus) von-g. (laetus spe) þiód-g. auch uneigentliche, z. b. furdu-g. hŷru-g. — nhd. grund-gut, herz-g. kern-g. kreuz-g. sê- len-g. (f. sêl-g.) wunderg. — dän. eie-god. ahd. grâ (griseus): aphal-grâ (vom pferd, das ags. äppel-fëalo) trev. 11 b blas. 64 a jun. 393. — altn. apal-grâr, neben apald-gr., welches tadelhaft scheint, da nicht vom baum die rede ist; ûlf-grâr edd. sæm. 158 a . — mhd. ap- fel-grâ Roth. 866. En. 5528. Wh. 1, 125 a îs-grâ vater- unser 1222. 1431. — nhd. alter-grau, apfel-gr. asch-gr. donner-gr. esel-gr. eis-gr. katz-gr. — engl. dappel-gray. — dän. abild-graa K. V. 4, 128. ahd. krimmi (saevus): alts. hëru-grim (crudelis instar gladii). — ags. bëado-grim Beov. 169. hëaðo-gr. Beov. 43. 200. hëoro-gr. Beov. 118. 139. Cädm. 81. sëaro-gr. Beov. 47. nîð-gr. Beov. 17. väl-gr. Cädm. 24. 32. 40. 55. (vgl. ahd. walu-kiri). — mhd. mort-grimme troj. 183 b Nib. muot-gr. Bit. 100 a swërt-gr. Nib. vërch-gr. Nib. ahd. kruoni , gruoni (viridis): ags. sin-grêne. — altn. lauf-grœnn (prasinus) aber uneig. idja-grœnn von dem pl. idjar, ifjar (viror prati), — mhd. gras-gruene Trist. klê- gruene Bit. 99 b loup-gruene Trist. — nhd. gras-gruͤn, sin-gr. span-gr. (vgl. Frisch). — schwed. löf-grön folkv. 3, 150. 165. hafts (fixus): áuda-hafts (dives) qviþu-hafts (prae- gnans). — ahd. eki-haft (disciplinatus) K. 21 b ellan-h. hrab. 976 b enda-h. (absolutus) mons. 375. (wo endarhaft) N n III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. ata-h. (continuus) N. Boeth. 74. 97. êoh. (legitimus) N. Boeth. 108. êr-h. (pius) K. 42 b hrab. 972 a N. Boeth. 144. hella-h. mons. 401. hant-h. (mancipium) jun. 213. heil-h. (beatus) ker. 43. heit-h. (voto obstrictus) T. (substantivisch f. sacerdos) unhliumunt-h. T. 107. lîc-h. N. 36, 36. lîp- -h. jun. 256. O. I. 5, 48. meil-h. (vitiatus) doc. 250. minni-h. (diligens) mons. 351. mëƷ-h. (temperatus) K. 40 a 45 b jun. 183. ungamëƷ-h. hrab. 967 a unmuoƷ-h. (pro- fanus) jun. 176. mûƷ-h. (mutabilis) doc. 226 a nama-h. (nomine praeditus) K. 57 a kinât-h. (clemens) ker. 55. (f. kinâd-h.) nôt-h. opaƷ-h. (frugiserus) mons. 407. ort-h. (acutus) ker. 26. pua-h. (habitabilis) jun. 208. pugi-h. (flexuosus) ker. 13. purda-h. (ponderosus) doc. 230 b redo- h. (rationabilis) K. 29 b redi-h. O. II. 9, 184. 10, 12. IV. 4, 75. rëgan-h. (pluviosus) mons. 407. scado-h. (nocivus) N. Boeth. 92. 132. scama-h. (pudicus) sgall. 189. ker. 227. unscama-h. ker. 172. scatu-h. (umbrosus) hrab. 970 a sceid- h. (differens) mons. 395. scîn-h. (manifestus) O. Lud. 129. scûm-h. (spumosus) sêl-h. (animatus) ker. 35. sin-h. (ca- pax) N. 106, 38. situ-h. (ingenitus) ker. 156. slôƷ-h. W. 4, 12. sorac-h. (sedulus, suspiciens) K. 23 b sorc-h. hrab. 974 b jun. 250. spunne-h. (lactarius) N. 67, 16. stata-h. (constans) unstata-h. doc. 236 b stuki-h. (spatiosus?) ker. 35. sunt-h. (nefarius) jun. 239. tuld-h. (magnus) mons. 398. uob-h. (solemnis) N. 117, 27. fruma-h. (beneficus) ker. 43. frum-h. (authenticus) ker. 33. waƷar-h. (hydro- picus) ker. 110. wîc-h. (bellicosus) jun. 179. willi-h. (ul- troneus) jun. 176. wuokar-h. (fertilis) jun. 207, ker. 285. wurz-h. (radicosus) K. 21 b 40 b 52 a zins-h. mons. 360. u. a. m. — mhd. beispiele: angest-haft Trist. bû-h. sr. bell. 46 a gedanc-h. Trist. dienest-h. Parc. 176 a ê-h. MS. 1, 174 b Iw. 22 a eiter-h. Parc. 175 c ellent-h. (f. ellen-h.) a. Tit. 96. Parc. 82 b 131 c ende-h. Parc. 9 c 83 b 89 b êr-h. En. 37 c 38 c 57 a. c. heil-h. a. Tit. 39. her-h. (copiosus) Trist. 4022. 11172. 16864. hërze-h. Parc. 70 a 137 b hou- bet-h. c. p. 361, 66 b houpt-h. pf. ch. 40 b klage-h. Parc. 128 a. b. Bit. 19 b kumber-h. Parc. 82 b Wh. 2, 109 a 204 a kunne-h. Wh. 2, 64 b lût-h. Trist. nôt-h. c. p. 361, 67 d 73 d 104 a a. H. 197 b rede-h. (eloquens) Trist. sage-h. Trist. schade-h. a. w. 3, 199. sëdel-h. c. p. 361, 63 a sige-h. a. Tit. 99. sorc-h. Trist. state-h. (locuples) Roth. 3 b 4 a Trist. sünde- h. Parc. 127 a teil-h. a. Tit. 96. tievel-h. tugent-h. Parc. 176 c vlîƷ-h. Trist. vröude-h. Parc. 124 c witze-h. Parc. 37 a wîc-h. Bit. 41 a wunder-h. Karl 111 a wuocher-h. Karl 100 b pf. ch. 108 a zal-h. pf. ch. 76 a zins-h. Trist. — nhd. fehler- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. haft, frevel-h. herz-h. laster-h. glaub-h. launen-h. (s. laun-h.) leib-h. glück-h. mann-h. mangel-h. meister-h. nam-h. nahr- h. (vom alten subst. nar) press-h. (s. brest-h.) schad-h. schalk- h. scham-h. schmerz-h. schuͤler-h. sieg-h. statt-h. theil-h. tugend-h. zank-h. zauber-h. etc. in einigen nimmt -haft noch ein ableitendes -ig an: leib-haftig, theil-haftig. — Bemerkenswerth, daß diese im goth. vorkommende, im hochd. häufige zusammensetzung den sächs. und nord. sprachen (obgleich sie das einfache adj. haft, haptr ken- nen) durchaus gebricht. Erst im nnl. schwed. und dän. begegnen scheinbar abgeleitete adj. auf -achtig, -aktig, agtig solchen, die nhd. -haftig haben und vielleicht mit weglaßung der spirans daher entlehnt sind (vgl. oben s. 383. 384.). hardus (durus): ags. bëalo-hëard Beov. 102. fŷr-h. Beov. 25. îren-h. Beov. 85. mägen-h. nîð-h. Beov. 180. 184. rëgen-h. Beov. 27. scûr-h. Beov. 80; oft steht der dat. z. b. vundum h. Beov. 200. scûrum h. Jud. 10. bëad- ve h. Beov. 117. auch einmahl der gen. vîges h. Beov. 68. — altn. bein-hardr, ber-h. sæm. edd. 249 b gall-h. œdi-h. (von œdi furor). — mhd. stahel-herte Nib. MS. 1, 87 b stein-h. Mar. 120. vlins-h. Nib. kl. 1277. — nhd. boden-hart (Fischart) felsen-h. (f. fels-h.) kiesel-h. pickel-h. stein-h. — Aus den adj. entsprangen die ahd. mannsnamen dëgen- hart, engil-h. ëpur-h. këpa-h. megin-h. nagal-h. nîd-h. përn-h. regin-h. wolf-h. mit welchen zum theil die an- geführten ags. adj. stimmen, obgleich sich die bedeutung des ersten worts nicht immer (z. b. in engil-h.) zu fügen scheint. Auch geben diese namen mit der adj. declin. zugleich das ableitende i auf und haben nie -herti. háils (integer): ahd. kanc-heil (firmus pede) N. 144, 12. sâmi-heil (semisanus) wana-heil (debilis) K. 38 b 42 b 44 a T. 95. — ags. van-hâl (mancus). — altn. band-heill (integer vimine) Gutalag p. 57. van-heill (languidus). — mhd. ganc-heil Bon. 85, 28. — nhd. noch im Simplic. (vogelnest 1, 12.) “gesund oder gang-heilig”. haírts (-cors): ahd. unbarma-hërz (immisericors) ker. 157. aber kann dies vom subst. parm geleitet werden? im mhd. erbarme-hërze Barl. steckt offenbar das verbum; merkwürdig ist wuotan-hërz (tyrannus) ker. 270. — ags. vulf-hëort (ferox) Cädm. 77. 78. 80. háits? (calidus): ags. vylm-hât (fervidus) Cädm. 56. — altn. fun-heitr. — nhd. glut-heiß, ofen-heiß. háuhs (altus): nhd. baum-hoch, berg-h. himmel-h. thurm-h.; zur verstärkung, abmeßung aber: baums N n 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. hoch (mhd. diu sunne stât wol boumes hôh, c. p. 341, 93 d ). hills? (lucidus): nhd. licht-hell, mond-h. stern-h. spie- gel-h. tag-h.; waßer-h.; tadelhaft, kerzen-h. sonnen-h. ags. hluttor (limpidus): gläs-hluttor. — nhd. zinn- lauter (H. Sachs). hvaírbs (volubilis): hveila-hvaírbs ( πρόςκαιρος ). hvats? (acer): âr-hvät (strenuus) Aethelst. bëarhtm- hvät (celerrimus) Cädm. 83. dæd-hv. Cädm. 82. fyrd-hv. (bellicosus) Beov. 124. 185. môd-hv. (fortis animo) Cädm. 65. 82. — alts. mên-huat (scelestus) nîth-huat (invidus). — altn. fôt-hvatr (auch fôt-fimr, ὠκύπους ) mâl-hv. (libere loquens). hveits (albus): ahd. sâmi-huîƷ (s. 553.) — ags. mëólc- hvîte (lacteus) snâv-hvît (niveus). — altn. bâl-hvîtr (von bâl, pyra) blik-hv. (von blik, nitor) brûn-hv. (candidis superciliis praeditus) edd. sæm. 53 b drift-hv. (von drift, syrtis nivea) lîn-hv. (von lîn, byssus, mit der variante lind-hv. von lindi, fascia?) edd. sæm. 78 b miall-hv. (von miöll, nix) sæm. edd. 49 a skiall-hv. (vgl. snorr. edd. p. 20.) snæ- hv. edd. sæm. 260 a svan-hv. 134 a . — mhd. harm-wîƷ Wigal. 37. saben-w. (von saben, byssus) silber-w. troj. 49 c snê-w. MS. 1, 159 b Parc. 31 c Nib. uneig. liljen-w. MS. 1, 54 a . — alt- engl. milk-white, paper-wh. snow-wh. — nhd. hagel- weiß, kreide-w. oestr. kâs-w. (wie käsematte) mehl-w. milch-w. schlôßen-w. schnê-w. silber-w.; verstärkt: schnê- -milch-w. schnê-hagel-w. schlôß-kreide-w. schnê-riesel-w. (von riesel, hagel) schnê-bluͤte-w. schnê-bluͤtriesel-w. — schwed. arm-hvît (weißarmig) folkv. 3, 63. sjö-hv. 1, 61. juggs (juvenis): ags. cild-gëong (infans) sâm-gëong (semijuv.) — altn. frum-ûngr (von frum, primitiae, vgl. frum-grœdi) edd. sæm. 116 b iôð-ûngr 221 b . — nhd. blut-j. kalds (frigidus): alts. wintar-kald E. H. cap. 69. — ags. sin-cëald Cädm. 72. — altn. êl-kaldr (von êl, pro- cella) Yngl. saga c. 51. hrîm-k. (von hrîm, pruina) edd. sæm. 66 b 90 a 191 a hroll-k. (von hrollr, horror) îs-k. (von îs, glacies) sval-k. (von sval, aura frig.) edd. sæm. 118 b 234 a (wo Rask fâr-k.) vâr-k. (von vâr, vor, frühling) edd. sæm. 107 b vind-k. (n. pr.) ibid. 271 a vgl. vind-svalr 34 b . — nhd. eis-kalt, schnê-k.; schweiz. gletsch-k. hessisch eis-zapfen-k. — engl. clay-cauld Scott minstr. 2, 417. 432. ahd. chrump (curvus): mhd. sichel-krump c. p. 350, 35. — altfries. craul-crum (v. craul, ahd. chrouwil) As. 375. kunds (-gena): guma-kunds (masculinus) himina-kunds (coelestis). — ahd. cot-chund (divinus) K. 17 a 20 b hymn. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. 6, 6. versch. vom goth. gôda-kunds ( εὐγενής ) sollte ahd. auf t auslauten. — ags. dëófol-cund (diabolicus) Jud. 10. ëorð-cund (terrestris) Cädm. 36. god-c. (divinus) Cädm. 50. 60. kunþs (notus): ags. lëód-cuð (oppido notus). — nhd. gau-kund, lant-k. laut-k. stadt-k. welt-k.; früher auch nam-kundig (schwed. nampn-kunnig). ahd. chuoli (subfrigidus): mhd. waƷƷer-kuele Gudr. 23 b . ahd. chuoni (audax): ags. dæd-cêne Beov. 124. gâr- cêne Beov. 147. — mhd. strît-kuene Nib. sturm-k. Nib. wunder-k. Nib. (vorhin s. 556.). laggs (longus): ahd. pora-lanc (s. 550.) — alts. sumar- lang. — ags. and-long (continuus) Beov. 138. 200. 218. scheint eher mit dem part. and, als dem subst. ende (goth. andi) componiert, doch vgl. die altn. form; morgen-l. Beov. 215. niht-l. Beov. 42. — altn. dag-lângr; end-l. (von endir, finis? die partikelcompos. haben and-) sæm. edd. 134 b 239 b 254 a , später endil.; geysi-l. (perlongus); haust-l. (per auctumnum); sumar-l.; vëtr-l. sæm. edd. 140. — mhd. bor-lanc, sumer-l. Nib. 8435. winter-l. MS. 1, 41 b c. p. 357, 43. und so scheint Wh. 2, 45 a f. wolken-l. zu lesen; tage-l. finde ich nur als adv. und verkürzt tâ- lanc. Alle diese comp. drücken bloße verstärkung oder das verhältnis der dauer aus, soll körperlich verglichen werden, so steht die sache im gen. z. b. vingers lanc Parc. 162 b spërs l. Parc. 19 b . láus (expers): akrana-láus (infertilis). — ahd. arbëo- laos Hild. erbe-lôs N. Boeth. 71. âƷa-l. (expers cibi) mons. 347. âƷ-l. doc. 203 b êr-l. (impius) J. chinde-l. N. Boeth. 136. friunt-l. Hild. gëti-l. (lasciviens) mons. 377. von dem veralteten subst. gët, altn. gëd (mens) ist jun. 197. këti-lôs (absque jugo) zu lesen? oder ketti-lôs = chetti-l. (nhd. kettenlos)? kauma-l. (negli- gens) ker. 158. goumi-l. O. I. 22, 20. krunt-l. (profundus) ker 40. ôr-l. (goth. áusa-láus?) trev. 47 b purg-lôs (pro- vincialis) N. 49, 8. ruahha-l. (negligens) K. 21 b 40 b 46 a scama-l. mons. 351. scame-l. N. 20, 13. 68, 8. sita-l. (abu- tens) mons. 348. sunti-l. O. IV. 26, 43. drôsto-l. O. IV. 32, 18. Merkwürdig aber drückt -lôs in einigen zus. setzun- gen (zumahl wenn wieder subst. auf -lôsî gebildet wer- den) nicht die beraubung aus, sondern die ungebunden- heit, losgelaßenheit. Selbst das angeführte gëti-lôs, situ- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. lôs ist zweideutig, entw. mangel an sinn, an besinnung, an sitte oder ungezügelten sinn, freie sitte bezeichnend; âwizi-lôs (amens) jun. 183. würde, lôs durch expers er- klärt, doppelt verneinen, es heißt: losgelaßen im unsinn. Ebenso muoti-lôsî doc. 226 a animositas, übermuth, nicht muthlofigkeit; frowi-lôsî doc. 227 b temeritas, ausgelaßner jubel, nicht freudenlosigkeit, und frawjo-lôs (inconsultus) ker. 150. — alts. endi-lôs (infinitus); gewöhnl. wird der gen. gesetzt barno, sundiôno, wammes lôs. — ags. âr-leás Cädm. 24. barn-l. blôd-l. cëar-l. Cädm. 66. cyst-l. Cädm. 24. dôm-l. Cädm. 96. Beov. 214. dreám-l. Beov. 130. Cädm. 87. ëaldor-l. Beov. 223. ege-l.êðel-l. Cädm. 66. 74. fëó-l. Beov. 182. fëormen-l. (?) Beov. 205. gŷme-l. hiht-l. Cädm. 52. hilde-l. Cädm. 81. hlâford-l. Beov. 217. hyge-l. Cädm. 2. mete-l. (cibo carens) ræd-l. Cädm. 2. 78. sâvel-l. Beov. 107. 225. scëam-l. sige-l. Cädm. 8. slêf-l. (manicarum expers) sorh-l. Beov. 126. syn-l. þëóden-l. Beov. 84. tîr-l. Beov. 65. vær-l. Cädm. 2. vine-l. Beov. 194. Cädm. 87. vyn-l. Beov. 108. Beispiele des gleichfalls häufigen gen., oft in den nämlichen wörtern: arna l. Cädm. 49. vynne l. Cädm. 25. dreáma l. Beov. 66. Cädm. 3. Der zweiten ahd. bedeutung ähnliche ags. comp. finde ich nicht. — altn. hug-laus, konûng-l. lîf-l. râd-l. sak-l. sid-l. sæm. edd. 155 a vâpn-l. vin-l. sæm. edd. 107 a etc., andre haben den gen. z. b. munar-l. (ex- pers gaudii); wiederum keine beispiele des ahd. neben- sinns. gëd-laus bedeutet nicht übermüthig, sondern klein- müthig und gëd-leysi pusillanimitas. — mhd. gebîte-lôs Trist. ende-l. Parc. 112 b 116 a 189 c troj. 2 c êr-l. Trist. gnâde-l. hëlfe-l. Parc. 122 a 143 a 148 b MS. 1, 119 b hërze-l. houp- te-l. kl. 888. meister-l. Trist. nase-l. Wh. 2, 108 b rëht-l. Parc. 127 a schame-l. MS. 1, 115 b sige-l. Nib. MS. 2, 1 b sinne-l. MS. 1, 110 a sorge-l. MS. 1, 181 b vërch-l. fr. bell. 40 a vröude-l. Nib. Wigal. wëge-l. Trist. wîse-l. (orbatus duce) Parc. 111 c Trist. witze-l. Roth. 26 a wolken-l. MS. 1, 57 a 130 b zuhte-l. MS. 1, 67 b . Unorganische form scheint hërren-l. Parc. 110 a ôren-l. MS. 1, 123 a , da sich hier im ersten wort schwerlich der gen. annehmen läßt, der auch weder in dem umlautenden chreste-l. Parc. 165 c Wh. 2, 19 a (ahd. chrefti-l., bei N. 70, 9. chrafte-l.) noch in tugende-l. MS. 129 a 130 b liegt. Ein muot-lôs etc. im ahd. sinn kenne ich kaum, das subst. gët-lôse (lascivia, levitas animi) Mar. 17. 128. und das adj. gëte-l. Trist. — nhd. beispiele: boden-l. ehr-l. end-l. grund-l. herz-l. hilf-l. kummer-l. kraft-l. lieb-l. muth-l. (exanimis) nam-l. recht- l. ruch-l. (impius) sast-l. schâm-l. schlâf-l. schmerz-l. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. sorg-l. etc. und unorganisch freuden-l. herrn-l. ohren-l. sitten-l., und neben nam-l. sorg-l. namen-l. sorgen-l., man müste denn unterscheiden wollen die freiere bedeutung unnennbar, unbekümmert von der bestimmteren: ohne namen, los von forgen. In der volkssprache dauern ein- zelne veraltete comp. fort, z. b. meister-l. hug-l. (Stald.). leiks (similis): missa-leiks (varius) Marc. 1, 34., vor- ausgesetzt, daß das erste wort subst. ist (s. 470.) — ahd. âbant-lîh (verspertinus) K. 35 a adal-l. (nobilis) ker. 208. arp-l. (testamentarius) doc. 202 b art-l. (habitabilis) jun. 208 âtum-l. (spiritualis) K. 23 b 47 b 49 b charl-l. (maritalis) mons. 408. danch-l. (gratus) hrab. 965 a dau-l. (moralis, von dau, mos, ags. þeáv) hrab. 961 a drôe-l. (minax) N. Boeth. 61. kedult-l. (patiens) K. 23 b 42 a ê-l. (legitimus) hrab. 968 b ekis-l. (terrib.) K. 38 a elljan-l. (fortis) Ludw. engil-l. O. V. 19, 50. ërd-l. (terrenus) K. 22 a T. 119. frî- hals-l. (liberalis) hrab. 968 b lîhhame-l. (corporeus) K. 37 b liuthaƷ-l. doc. 223 a heil-l. (salubris) K. 22 b gihugt-l. O. V. 23, 146. ites-l. (matronalis) mons. 377. keis-l. (spiri- tualis, f. keist-l. ker. 68.) N. 46, 5. 57, 12. kot-l. (divinus) J. 367. 371 versch. von guot-l., gôt-l., (excellens) J. 369. 386 K. 18 a ; so wie ags. god-lîc versch. von gôd-lîc, und engl. god-ly von good-ly. kouh-l. (insipiens) N. 21, 3. krunt-l. jun. 206. lastar-l. (reprehensibilis) K. 36 b hrab. 966 b kilêr-l. docilis) jun. 202. kilimf-l. (decens) K. 37 b 46 b gilump-l. O. IV. 15, 7. einluz-l. (singulus) K. 33 b 41 a missi-l. (diver- sus) K. 43 b munih-l. (monasticus) mons. 375. munistri-l. (monasterialis) K. 19 a naht-l. (nocturnus) K. 45 a pinumft- l. N. Boeth. 130. pauhhan-l. (typicus) jun. 191. palo-l. (per- niciosus) hrab. 971 b poto-l. (apostolicus) K. 21 a 40 a prua- der-l. K. 19 a quâla-l. (anxius) châle-l. N. 118, 130. rada-l. (strenus) K. 35 b rede-l. (rationabilis) N. 7, 17. ruah-l. (curio- sus) K. 53 b scalh-l. N. 18, 10. scama-l. hrab. 965 a scant-l. jun. 210. scëf-l. (navalis) hrab. 970 a sêo-l. (maritimus) hrab. 970 a situ-l. siti-l. K. 45 b hrab. 961 a jun. 192. sorg-l. N. 70, 1. O. IV. 35, 64. spana-l. (persuasibilis) jun. 182. wahrsch. von einem subst. spana (persuasio) spili-l. (musicus) mons. 340. spilo-l. (ludicrus) N. Boeth. 61. taka-l. (diurnus) K. 43 b ker. 91. hrab. 960 a tëor-l. (ferox) ker. 137. truge-l. N. Boeth. 144. truhtin-l. (dominicus) K. 15 b 19 b 24 a 30 b 49 a tult-l. (solemnis) K. 54 a caturs-l. (audax) hrab. 964 b antfanc-l. (acceptabilis) K. 25 a fater-l. (paternus) hrab. 950 a K. 20 a 57 b flaoz-l. (elatus) hrab. 965 b ? das subst. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. flôƷ (superbia) ist aber erst nachzuweisen; foraht-l. K. 20 b 29 b N. Boeth. 32. wâl-l. (fortis) N. Boeth. 149. (vgl. ôtwâla, divitiae) wëhsal-l. N. 9, 11. wëppi-l. (textrilis) doc. 243 b wëralt-l. (secularis) K. 53 a francof. 139. gawona-l. hrab. 967 b wuntar-l. zît-l. (opportunus) K. 48 b hrab. 964 b — ags. cild-lîc (puerilis) dryhten-l. (dominicus) ëarfoð-l. (difficilis) ëorð-l. (terrestris) gâst-l. (spir.) god-l. (divinus) hëofon-l. (coelestis) lîchom-l. (corporeus) luf-l. (amoenus) ides-l. mis-l. (diversus) ræd-l. (consultus) rodor-l. (aethe- reus) sæ-l. (marinus) scëam-l. (turpis) scip-l. (classicus) þeáv-l. (decens) vër-l. (virilis) vîf-l. (muliebris) u. a. m. — altn. lîkr nur noch in mis-lîkr (dissimilis), die übrigen haben verkürztes und verweichlichtes -ligr (Biörn schreibt -legr, von Müller praef. XII. getadelt, es ist aber -lëgr und dem vëga f. viga etc. analog); der eigentl. comp. sind weniger, als im ahd. und ags., beispiele: drengi-l. (virilis) iard-l. (terrenus) konûng-l. mann-l. (liberalis) qvenn-l. (effeminatus) râd-l. (consultus) vërald-l. (mun- danus) u. a. m. Häufiger erscheint jedoch uneigentl. ge- nitivcomposition, wovon im ahd. und ags. keine spur, z. b. bâlks-l. (rudis) fŷsi-l. (optabilis) hetju-l. (heroicus) keisara-l. riddara-l. skammar-l. (ignominiosus) skugga-l. (tenebrosus) svîns-l. (suinus) sögu-l. (narrabilis) þræls-l. (servilis) vëtrar-l. (hiemalis). — mhd., zuweilen -lîch, meist -lich; aus großer menge nur einige beispiele: angest-l. Nib. anc-l. Trist. dienest-l. Nib. eis-l. Wigal. (im c. p. 361. noch eges-l.) ê-l. geme-l. (jocosus) Nib. 6707 f. gemen-l. gamen-l. vielleicht richtiger gemel-l. assimiliert MS. 1, 80 b 2, 58 a etc. gast-l. Barl. geist-l. gote-l. Barl. göte-l. MS. 1, 129 b heiden-l. Wh. 1, 122 a heime-l. hein-l. hëlf-l. Parc. 109 b hove-l. jâmer-l. MS. 1, 68 a 74 b klege-l. Wigal. krefte-l. Nib. (neben kreftec-l.) kone-l. Wigal. kumber-l. MS. 1, 78 b künec-l. laster-l. MS. 1, 81 a men-l. (virilis) Wigal. 118. mensche-l. mis-l. misse-l. (diversus) rede-l. Barl. ritter- l. schede-l. MS. 1, 38 a 75 b scheme-l. schimpf-l. sumer-l. MS. 1, 68 a tœt-l. MS. 1. 56 a troum-l. Barl. vreis-l. vride-l. Barl. wërlt-l. winter-l. MS. 2, 179 b wîp-l. zorn-l.; unorganisch hërzen-l. Parc. 104 b Wig. 289. — nhd. -lich: ängst-l. bild-l. brüder-l. bürger-l. dienst-l. eid-l. eh-l. erb-l. gefähr-l. fleisch- l. fried-l. fürst-l. gast-l. geist-l. gött-l. græf-l. häus-l. heim-l. herbst-l. herz-l. höf-l. jugend-l. kind-l. könig-l. länd-l. leib-l. löb-l. glück-l. männ-l. mis-l. (difficilis) mensch-l. mütter-l. nächt-l. nütz-l. ræth-l. red-l. ritter-l. rühm-l. schäd-l. schänd-l. schimpf-l. schmerz-l. sitt-l. sünd-l. töd-l. tröst-l. väter-l. weib-l. welt-l. winter-l. wirk-l. zeit-l. etc. — Anmer- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. kungen: 1) der ursprüngliche begriff der ähnlichkeit hat sich schon in der alten sprache verloren in die mehrdeu- tige allgemeinheit fast einer bloßen ableitungssilbe; daher in einzelnen fälleu dialectisches schwanken zwischen com- position mit-lich und derivation mit -isch, z. b. ags. heißt es hëofon-lîc (selten hëofon-isc) engl. heaven-ly, ahd. himil-isc, nicht himil-lîh; mhd. scheinen kind-esch und kint-lich beinahe gleichviel (a. Heinr. 199 b. c. ), nhd. schei- den sich beide in der bedeutung. Offenbar ist das -isch noch gehaltloser, als das -lich und wohl jenes, nicht aber dieses dient zu bloß genitivischem begriff, z. b. eben ge- nitivlich läßt sich nicht sagen. Daher das ahd. chuning- isc genau genommen durch regius, chuninc-lîh durch regalis zu übersetzen wäre, vgl. chuningisc kerta (baculus regis) jun. 250. und chuninclîhhêr rinc mons. 407. welches mehr nachdruck auf die würde legt. Nicht anders ver- halten sich wëraltisc (mundanus) wëraltlîh (secularis), jenes zu himilisc gegensatz, dieses zu keist-lîh, âtum-lîh. — 2) des nhd. -ig für -lich und -lich für -iht ist s. 305. 382. gedacht worden, doch fallen die beispiele des letztern nicht in die subst. comp. Engl. gilt meistens -ly statt -like. — 3) das nhd. -lich weckt in dem ersten einsilbigen wort den umlaut (ausg. gast-l.); in zweisilbigem zuweilen (müt- ter-l. väter-l. läster-l. jämmer-l. kümmer-l.) nicht über- all (adel-l. herzog-l. wunder-l. jugend-l. âbend-l.). Viel unentschiedner ist der mhd. umlaut, z. b. schame-l. gote- l. neben scheme-l. göte-l., jâmer-l. neben jæmer-l. kaum höve-l. köne-l., noch weniger zörn-l. — 4) wir haben gesehen, daß bloß die nord. mundart hier uneigentlich mit dem gen. componiert; die ahd. bietet noch eine be- sondere, im mhd. seltnere, aber nicht ganz verwischte erscheinung dar: -lîh bedeutet zuweilen jeder , das dazu gehörige subst. wird im gen. pl. vorhergesetzt . Daß in den folgenden beispielen keine eigentl. zus. setzung walte, lehrt das bisweilen hinzugefügte adj. allero; der lose gen. ist gleichwohl in uneigentliche comp. getreten, wo sich das o der flexion in a, i assimilieren, ja (bei N.) in e ver- wandeln kann. O. hat schwankend manno-lîh, manna- lîh, manni-lîh (omnis homo) I. 3, 80. III. 20, 77. 21, 47. V. 1, 35, 47, 58, 71, 82, 94; io-manno-gilîh Lud. 16. wîbi-lîh (omnis mulier) IV. 26, 70; friunti-lîh (omnis amicus) V. 1, 59, 70. 4, 5. lido-lîh (quodvis membrum) I. 18, 34. N. manno-lîh 63, 10. 103, 23. 118, 1. rosso-lîh (omnis cquus) 31, 9. dingo-lîh (omnis res) Boeth. 162. 168. 169; allero dingo-lîh Boeth. 165. 169. boume-lîh (omnis III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. arbor) 104, 33. boumo-lîh Boeth. 166. chriute-lîh (omnis herba) Boeth. 166. allero-teile-lîh (quaelibet pars) Boeth. 149. (mit nachfolgendem part. durhscaffanêr, von teil regiert) wih- te-lîh Boeth. 168; in zîte-lîh (in omni tempore) 33, 2; in al- lero-en-de-gelîh (in omnibus finibus) 104, 31. Uncompo- nierter gen. wäre etwan in einer stelle des gedichts auf Hein- rich (Ecc. quaternio) anzunehmen: cui non fecisset H. allero rëhto gilîh (jedes recht) andere bedeutung hat gilîh in guati-gilîh O. II. 7, 95. wor- to-gilîh I. 18, 35. leido-gilîh V. 23, 435. (irgend etwas gutes, irgend ein wort, irgend ein leid); thëgano gilîh im Ludw. l. ist: heldengleich. . Meist kommen solche adj. im nom. vor, seltner decliniert, vgl. manniliches (cujuscun- que) O. III. 20, 77. und die accusative in den beiden letz- ten belegen aus N. Mhd. aller-dëgen-lîche Roth. 2 a grâven- iegelîche Roth. 2 b lide-lîch Julian. 20. vrouwen-gelîch (omnis femina) Herb. 41 a men-lich (omnis homo) Wh. 3, 414 b riter- lich (omnis eques) Herb. 93 b ; verschieden von den eigentl. comp. vrouwe-lich (muliebris) men-lich (virilis) riter-lich (equestris). Nhd. die letzte spur im männiglich, jeder- männiglich des canzleistils. Den zusammenhang dieser adj. bildungen mit dem pronomen ieglich (ahd. ëoco- huëlîh = omnis) und welch wird cap. IV. erläutern. Uebrigens bedarf es noch ausdrücklicher erwähnung, daß das vorhin unter den eigentl. comp. aufgezählte taga-lîh nicht hierher gehört, d. h. taga nicht aus dem gen. pl. entspringt, obgleich es außer diurnus quotidianus bedeu- tet. Dieses taga-lîh heißt keineswegs omnis dies, sondern hat sein subst. besonders bei sich (z. b. tagalîchaƷ prôt), während die hier abgehandelten comp. ohne weiteres subst. stehen. Aber es läßt sich auch ein allero-tago-lîh (omnis dies) denken und sogar mhd. nachweisen: aller-vîr-tege- lich (nicht -liche, adv., es ist der acc. sg., per omnem diem festum) MS. 2, 74 b , verstärkt: allen tac tege-lich Flore 6 c ; im Nib. abschnitt 1238. nehme ich dagegen das adv. tege-lîche (quotidie) an. ahd. lîhti (levis): altn. lauf-lêttr (perlevis) spor-l. (le- vipes). — nhd. feder-leicht, vogel-l. ahd. lindi (mollis): ags. mëólc-liðe. ahd. lëoht (lucidus): altfries. dôm-liacht (taghell, zum halten des gerichts?) As. 99. 154. 223. — mhd. spiegel- lieht Ben. 24. 200. MS. 1, 46 a 2, 204 b sumer-lieht Wi- gam. 32 b . III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. ahd. luomi (spissus, densus, frequens) vgl. ke-lômo (frequenter) ker. 165: cast-luomi (hospitalis) K. 20 a 56 a gl. vindob. und Ecc. fr. or. II, 940. (wo gastuemes zu ändern in gastluomes); mana-luomi (mitis) unmana-lômi (immanis) ker. 158; scatu-luomi (opacus) blas. 82 b trev. 27 b herrad. 180 b ; scaz-luomi (utilis, commodus) doc. 233 a ; stata-luomi (locuples) jun. 211. gleichviel mit stata-haft; suht-luomi (pestiferus) doc. 238 a (wo suot-l.) misc. 1, 30; hierher gehört auch das entstellte incolome (delubra) aug. 122 a , vielleicht in-galuomi? wie scate-luomî loca opaca. — ags. keine solche comp., wohl aber das subst. lôma, ge- lôma (suppellex) und and-lôma (utensile), das adv. gelôme (saepe, frequenter) gelôm-læcan (frequentare) gelôm-læc- nis (locus condensus); vgl. das altengl. heir-lôme (here- ditaria supp.) werk-lôme (utens.) und das mnl. allame (Maerl. antek. zu 3, 42.) — nhd. in der schweiz. mund- art luem (mollis, lenis) sonst auch lumm (Stald. 2, 184.), wie z. b. mild, mildiglich f. saepe, frequenter steht; schad- liem (nocivus, St. 2, 306.) f. schad-luem; vgl. naß-luem (humidus, St. 2, 231.). Mhd. -lueme finden sich viel- leicht noch. gamáinis (communis): ags. hond-gemæne Beov. 160. sib-gemæne (cognatione vel foedere junctus) Beov. 140. vrôht-gemæne (ad vindictam comm.) Beov. 184. — nhd. hand-gemein. mêris? (famosus): ahd. liut-mâri (vorhin s. 552.); ags. hëaðo-mære Beov. 208; altn. þiód-mærr (illustris) sæm. edd. 110 b . — Aus solchen adj. scheinen viele mannsna- men entsprungen, goth. gibi-mêr, theode-mêr, gunda- mêr, wale-mêr, rici-mêr (für -mer häufig -mir geschrie- ben); bei Tacit. sëgi-mêrus, catu-mêrus, inguio-mêrus; bei andern -mârus, z. b. chnôdo-mârus (genere clarus); in ahd. dipl. danch-mâr, diet-mâr, regin-mâr u. a. m., das ableitende i weggeworfen, wie bei -hart. mêtis? (accommodatus): ahd. hant-mâƷi jun. 212. (wo hantmâƷistûn, limpidissimae vgl. oben s. 554. sinawëllistûn). — mhd. honic-mæƷe Barl. zucker-mæƷe a. w. 2, 243. daneben mæƷic: balsam-m. Parc. 103 b bërc-m. igel-m. Parc. 126 a vuoder-m. Geo. 19 b zucker-m. Wh. 2, 28 b . — nhd. -mæßig: kunst-m. pflicht-m. recht-m. regel-m. ge- setz-m. schrift-m. zunft-m. aber in tadelhafter uneig. comp. helden-m. riesen-m. volks-m. etc. in der schwäb. und schweiz. volksmundart das seltsame wort kefer-mäßig (agilis, vivax) St. 2, 81. und Simplic. p. 546. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. môdis? (-animis): ahd. dëo-muoti (humilis) thioh- muati O. I. 3, 82. frawa-muati (laetus) O. V. 23, 363. — alts. jamar-muod. — ags. ævisc-môd (obscoenus) Cädm. 22. dëor-môd (fortis, ferinus? oder vom adj. dëóre?) Cädm. 65. 78. gëalh-môd Cädm. 80. (das erste wort dun- kel) gëomor-m. Beov. 153. 169. Cädm. 20. 25. guð-m. Beov. 25. miht-m. Cädm. 66. môþis? (fessus): ahd. vart-muodi Samarit. — ags. sæ- mêde Beov. 27. — altn. egg-môðr edd. sæm. 273 b heipt-m. 248 b kost-m. 56 b . — mhd. her-muede Nib. kampf-m. Parc. 165 b 169 a schif-m. En. 46 a strît-m. Parc. 159 b sturm-m. Nib. vart-m. Wh. 2, 136 b walt-m. Parc. 111 b waƷƷer-m. Gudr. 9 b wëge-m. Nib. MS. 2, 228 b Jw. 41 b . — nhd. kampf-m. streit-m. naqvaþs (nudus): ags. lim-nacod (membra n.) Cädm. 35. — altfries. stok-naken As. 86. — mhd. lider-nacket, ungedr. ged. von Juliana 10; nâdel-nacket Stricker. — mnl. moeder-nact Rein. 1240. vgl. moeder-baren naect Stoke 2, 85. pûr-naect Maerl. 1, 337. — altengl. belly-nacked C. T. 9200. mother-naked Scott minstr. 2, 197. 200. — nhd. fadem-nackt, fasel-n. finger-n. mutter-n. (H. Sachs) pu- del-n. puttel-n. splinter-n. splitfer-n. stabel-n. und ver- stärkt: splitter-fasel-n. pudel-stabe-n. mutter-sêle-n. Einige dieser comp. sind dunkel, vgl. mutter-allein s. 556. und das franz. nud, comme quand il sortit du ventre de sa mère; nadel, splitter, faden, fasel drücken vielleicht aus: bis auf den letzten faden, bis auf die letzte nadel am kleid entblößt? Auch dän. splitter-nögen; vgl. altn. svipnakr (nuditas). nats? (madidus): mhd. bluot-naƷ Bit. 38 a (aber bluo- tes naƷ Nib. 6492.); tou-naƷ a. Tit. 30. — nhd. maus-naß, pudel (puttel) -naß (vgl. vorhin pudel-nacket) tropf-naß; plattdeutsch miß-nat, meß-n. (von mist, nebel?) flik-nat (leimnaß). In patsch-n. pflatsch-n. putsch-n. ist das erste wort schwerlich subst. nêmis (acceptus): ahd. danch-nâmi (gratus, angenehm) undanch-nâmi herrad. 193 a . — mhd. dank-næme Roth. 13 b 18 b undank-n. Barl. 269. — altn. hiart-næmr (cor tangens). nivis (novus): mhd. nit-niuwe (recens a clavo) Trist. 13075. Ottoc. 96 b 130 a ; spor-niuwe Pez scriptt. 2, 292; viuwer-niuwe Trist. 19049 (wo das verbum). — nhd. nagel-neu, niet-neu, span-neu; verstärkt funkel-nagel-n. feuer-nagel-n. span-nagel-n. splitter-nagel-n. (entstellt in splitter-hagel-n.). — engl. brand-new, fire-new; altengl. spik-new (Weber) span-new (Chauc. Troil. 1671.) — schwed. sping-spångande-ny (Ihre p. 477.) — nnl. spik- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. spelder-nieuw. Das ags. ëd-nëóv, mhd. ite-niuwe ist mit einer partikel zus. gesetzt. garaíhts (rectus, congruus): nhd. hand-gerecht, schul-g. ráuds (ruber): ags. bôc-réad (minium, zu rubriken in büchern) ëarm-reád (in brachio rubens, von einem waffen- kleid) Beov. 91. vyrm-reád (purpureus, ahd. worm-prûn ker. 265.); uncomp. eágum rëód (oculis rubicundus) Cädm. 71. — altn. dreyr-raudr Egilss. 113. glôd-r. skiall-r. Hervar. 204 (vgl. skiall-hvîtr) val-r. sæm. edd. 244 b . — mhd. âbent- rôt Gudr. 46 a golt-rôt Nib. hitze-rôt MS. 2, 34 a 35 a 38 b (im- mer mit vorgesetztem klein-vël-, die feine haut der lip- pen bedeutend) scham-rôt troj. 21 c viuwer-rôt Trist. Nib.; uneigentl. rôsen-rôt Nib. 977. 1142. Ben. 24. 224. MS. 2, 118 a vröuden-rôt Nib. 6004. — altengl. blude-red Scott 1, 7. II, 338. 346. rose-red C. T. 15722. — nhd. blut-roth, feuer-r. fuchs-r. glut-r. klatsch-r. platz-r. scham-r. ziegel-r. zottel-r. (Adelung); uneig. kirschen-r. rosen-r. seiden-r.; gesteigert fuchs-feuer-r. platz-feuer-r. blas-feuer-r. (von blas, feuerbrand). ahd. râƷi (asper, acerbus): mhd. mort-ræƷe Nib. 8495. snabel-ræƷe MS. 2, 79 a 175 a sturm-ræƷe Tit. wort-ræƷe Nib. 3395. — nhd. zapf-räß, Fischart von frischem wein. alts. ruof (illustris): ellan-ruof (fortitudine clarus). — ags. äsc-rôf Jud. 12. brëgo-r. Beov. 145. cvild-r. Cädm. 66. cyne-r. Jud. 11. dæd-r. Cädm. 47. 56. ellen-r. Beov. 28. Cädm. 41. guð-r. Beov. 48. hand-r. Cädm. 68. hy- ge-r. Jud. 12. hëaðo-r. Beov. 31. 67. 164. mägen-r. Cädm. 67. sige-r. Beov. 49. Jud. 11. þräc-r. Cädm. 44. Zuweilen steht der gen. oder dat. dabei: mägnes rôf Beov. 156. môdes rôf Cädm. 65. dâdum r. Beov. 198. môde rôf Cädm. 67. — Ein ahd. ruof und altn. rôfr mangeln. sads (satur): nhd. haut-satt (bis an die haut). sams? (similis) goth. weder das einfache adj. in star- ker form (wohl aber in schwacher sama, idem) noch comp. damit. — ahd. mehrere: anc-sam (anxius) s. l. jun. 322. arpeit-s. (molestus) ker 84. mons. 407. druƷi-s. mons. 403. (falls sich das subst. im ersten wort nachweisen läßt) gammen-s. (ludicrus) N. Boeth. 100. leid-s. (abo- minabilis) K. 27 b jun. 185. N. 13, 1. lobo-s. O. IV. 1, 78. lust-s. N. 105, 39. minne-s. N. 76, 13. kanuht-s. ker. 9. hrab. 970 b K. 25 b 37 b 42 a T. 62, 10. 222, 2. sibbi-s. T. 22, 14. situ-s. (habilis) ker. 143. fridu-s. O. Lud. 58. wuni-s. hrab. 951 a 960 b O. II. 6, 32. V. 23, 9, 40.; mit angehäng- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. ter ableitung jâr-samîc (annosus) jun. 234. — alts. wun- sam. — ags. -sum f. -sam: ang-sum, frið-s. lof-s. ge- nyht-s. gesib-s. vëorc-s. (dolore afficiens) vyn-s. etc. — altn. -samr: feng-samr (lucrans) gaman-samr, hôg-s. (mitis) lof-s. nâm-s. nyt-s. rân-s. (praedabundus) rô-s. sid-s. flauk-s. (paludosus) starf-s. (laboriosus) svak-s. vot-s. (aquosus) u. a. m. aber auch uneigentliche, z. b. athuga-samr (cautus) vin- nu-s. (laboriosus); uncomponiert moldu samr (terrae con- gener) sæm. edd. 126 b (oder moldar-samr?) — mhd. ar- beit-sam s. l. arm. Heinr. 197 b gruoƷ-s. Vrib. Trist. huge- sam c. p. 361, 11 a lobe-s. Barl. lus-s. (für lust-s.) troj. 112 b Trist. muot-s. Trist. riuwe-s. Trist. schade-s. Wolfdiet. sorc-s. Trist. trûre-s. Trist. vorht-s. Trist. vreis-s. Wigal. 189. zier-s. En. 71 b . — nhd. acht-sam, arbeit-s. bedacht-s. ehr-s. fried-s. furcht-s. heil-s. lobe-s. (in lobe-san ent- stellt) müh-s. rath-s. sorg-s. betrieb-s. tugend-s. gewalt-s. wunder-s. — engl. -some : hand-some. sêlis (bonus, felix): altn. fengi-sæl (in conquirendis opibus felix) lof-sæll (honorabilis) sigur-sæll (victoriosus); auch uneigentl. vëdra-sæll (mollissimi aeris). — alts. mit dem derivatum lof-sâlic (laude dignus). — ags. keine solche comp., dafür analoge mit eádig (goth. áudags, ahd. ôtac) z. b. dôm-éadig Cädm. 89. sig-e. Beov. 118. sigor-e. Beov. 100. 175. tir-e. Beov. 164. Cädm. 67. — ahd. weder comp. mit -sâli, noch mit -sâlîc; wartaselig N. 37, 5. habe ich s. 108. zu erklären gesucht, entw. ist es die ableitung -îg, die zu dem subst. wertisal (cor- ruptio) tritt, oder unorganisch. — mhd. unleugbare comp. mit -sælec (praeditus): arbeit-sælec Trist. MS. 2, 68 a lop-s. En. 92 b liut-s. troj. 118 a schm. 1421. schwanr. 282. 1109. minne-s. En. 75 b sige-s. 72 a Trist.; uneigentl. êren-s. misc. 1, 103. — nhd. scheinen alle zus. setzungen mit -sêlig gerecht, denen kein subst. auf -sal entspricht, folglich: feind-s. fried-s. gott-s. glücks. leut-s. red-s. (desgl. die adjectivischen arm-s. hold-s.); tadelhaft aber die aus subst. -sal entspringenden: müh-s. saum-s. und trüb-s. So wenig aus ahd. ruomisal (ostentatio) O. IV. 6, 70 oder ruomiseli (ostentatio) mons. 360. 389. ein ruom-sâlîc erwachsen kann, noch aus nhd. schicksal, labsal, drangsal, ein schick-sêlig etc.; so wenig billigung verdienen die zuletzt genannten drei composita. skarps? (acutus): ags. bëadu-scëarp Beov. 201. guð- sc. Jud. 12. here-sc. mylen-sc. (wie ein mühlstein) Ae- thelst. — nhd. haar-scharf (vgl. altn. hâr-hvaß, Egilss. 715) messer-sch. mord-sch. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. alts. skôni (pulcher): wliti-skôni (facie p.) — ags. älf-sciene (schön wie ein elb, geist) Jud. vlite-sciene Cädm. 13. 82 (vgl. vlite-bëorht s. 556.) — mhd. wunder- schöne (s. 556.) — nhd. bild-schön, engel-sch. himmel- sch. wunder-sch.; milch-blut-sch. siuks (aeger): ahd. mânôt-sioh (lunaticus) T. 22, 2. petti-siuh jun. 191. T. 22. 3. waƷar-sioh T. 110. — ags. fëónd- sëóc (daemoniacus, engl. fiend-sick) fëorh-s. Beov. 63. hëa- ðo-s. Beov. 205. — altn. keli-siuk f. (utero laborans?) sæm. edd. 109 a vgl. kvelli-s. Egilss. 126. fiör-siukr sæm. edd. 240 a ord-siukr (sollicitus de fama). — mhd. minne- siech MS. 2, 26 a wërlt-siech En. 99 b — nhd. feld-siech (Lirer 1, 7.) tod-siech. — Es steht auch der dat. und gen. dabei: alts. wundon siok E. H. c. 68. ags. bennum sëóc Beov. 204. 215. Cädm. 43. môdes s. Beov. 121. ags. slav (piger) engl. slow: snail-slow (merch. of ven. 2, 6.) snills? (celer): altn. ord-sniallr (eloquens) spor-sniallr (levipes) Yngl. c. 40. — mhd. snabel-snël, aus dem verbo zu folgern MS. 2, 137 a vgl. oben -ræƷe. — nhd. pseil- schnell, schnabel-schn. (schwäbisch: vorlaut) sporn-schn. vogel-schn. wind-schn. ahd. spâhi (prudens): alts. word-spâhi. — altn. ord- spakr (steht spakr f. spâr?). — mhd. rede-spæhe Anno 275. Parc. 55 a vgl. Nib. 8124. wort-sp. pf. ch. 2 a 118 a . ahd. starh (fortis): hant-st. N. 14, 1. — nhd. baum- stark, glied-st. stein-st.; uneigentl. bären-st. riesen-st. stikls (pungens): ahd. horn-stëhhal (cornupeta) jun. 176. nhd. stille (tranquillus): baum-stille feder-st. (keine feder regt sich) Stald. 1, 362. grab-st. (altn. graf-kyrr) mutter-st. maus-st. (vgl. livl. 76 a sie wâren stille sam ein mûs und die dän. K. V. 1, 82. de ligge alle og tie qvär, som mus i förste sövne) stein-st. (s. 555) stock-st. (s. 555) wind-still; steigerungen sind: mutter-maus-still, bickel- baum-still; vgl. oben -dáuþs. — altengl. stôn-still Weber III, 281. ahd. strenki (fortis): alts. megin-streng. — ags. ëarm- strang, uncomp. mägenes str. Beov. 139. — ahd. arm- strengi (manufortis) W. 4, 4. — mhd. mein-strenge (f. megin-str. fortissimus) Anno 274. zoum-streuge Roth. 52 a — engl. arm-strong. mhd. stum (mutus): tôt-stum Barl. — nhd. fisch- stumm, stock-stumm. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. mhd. gesunt (sanus): nhd. ecker-gesund, eichel-g. (sonst eichel-ganz, ex asse integer, Schilt. 17 b ) fisch-g. (ges. rëht als ein visch, troj. 79 b ) hecht-g. kern-g. mhd. sûr (acidus): krên-sûr (sûre sam ein krên a. w. 3, 233.) öl-sûr. — nhd. blut-sauer, eßig-s. hund-s. kren-s. (oesterr.) mord-s. svarts (niger): altn. hrafn-svartr, kol-sv. (auch kol- myrkr) — mhd. kol-swarz (sw. alsam ein kol Nib. 1475) raben-sw. Nib. 1623. — nhd. brand-schwarz (Simplic.) keßel-schw. kohl-schw. pech-schw. ( ἠΰτε πίσσα Jl. IV, 277.) raben-schw. wolken-schw.; gesteigert: kohl-raben- schw. kohl-keßel-schw. kohl-beer-raben-schw. kohl-pech- raben-schw.; vgl. engl. coal-black Scott 1, 148. ahd. suâri (gravis): mhd. bërc-swære Karl 84 a Trist. 17848 vgl. 17851. — nhd. berg-schwer, blei-schw. blut- schw. centner-schw. felsen-schw. frucht-schw. kreuz-schw. gewitter-schw. ahd. suuoƷi , suoƷi (dulcis): ags. hunig-svête ( μελι- ηδής ). — altn. dî-sœtr (nectareus, vgl. dîa-miödur, nectar) ilm-sœtr (fragrans, von ilmr, fragrantia) daun-sœtr. — mhd. lieht-sueƷe Ernst 21 a zucker-s. MS. 2, 130 a ; unei- gentl. lüfte-sueƷe MS. 2, 33 b . — nhd. honig-s. meth-s. schlaf-s. (Fisch. Garg. 21 b ) zucker-s. — engl. honey-sweet. tams? (cicur, domitus): altn. val-tamr (assuetus bello) edd sæm. 44 b vëg-tamr (gnarus viae) ibid. gâng-t. ibid. 265 b . — mhd. vinger-zam Wh. 1, 54 a Eckenausf. 116. alphart 265. táits? (hilaris) ahd. zeiƷ, ags. tât? altn. teitr: barn- teitr (froh wie kind, vgl. Amûr 11 a ) sæm. edd. 52 a (vom riesen) her-teitr (laetus bello) ein name Odins, sæm. edd. 46 a aul-teitr (laetus vino) vgl. gáils. taúrhts? (splendidus) ahd. zoraht, alts. toroht ags. torht: ahd. auga-zoraht (oben s. 550.) liut-zoraht (s. 552.) — ags. hëaðo-torht Beov. 190. hëofon-torht Cädm. 64. sige-t. Cädm. 96. svëgl-t. Cädm. 1. 3. vuldor-t. Cädm. 3. 59. 61. Beov. 87. tôms? tômis? (inanis) ahd. zuomi, altn. tômr: gall-tômr (omnino vacuus, von einem gefäß, so daß es einen klang gibt). triggvs (fidus): altn. tröll-tryggr Egilss. p. 610. die riesen sind harmlos und unschuldig (vgl. barn-teitr), die zwerge listig und falsch. — nhd. felsen-treu, grund-treu (H. Sachs) kern-treu, stein-treu; gest. stein-bein-treu. ags. tyme (conveniens, accidens) ahd. gi-zumi?: ags. luf-tyme (gratus, dulcis, amoenus) gegensatz von hefig- tyme (molestus). III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. þaúrsus (siccus): ahd. wint-durri (aridus vento) ker. 74. hrab. 958 a (glossiert cacula, das hier nicht servus be- deutet, sondern ligna arida, Carpentier 1, 707.). — altn. fniósk-þurr (von fnióskr, lignum exsuccum) skræl-þurr (von einem subst. skræl? Biörn hat bloß das es voraus- setzende skræla, arefacere) vind-þurr edd. sæm. 135 a . — mhd. wint-dürre Reinfr. 17 a . — nhd. bein-dürr (bis auf die knochen) kies-d. hund-d. (H. Sachs) sand-d. (trocken wie sand) stein-d. wind-d. zaun-d. (wie holz am zaun); verst. zaun-hagel-d. zaunmarter-d. zaun-racker-d. ahd. dicchi (spifsus): mhd. snê-dicke Trist. troj. 162. (Oberl. 1514.) und zweimahl im Tit. (dicker dan der snê, Juliana 22.) strô-dicke Roth. 18 a ; uneigentl. scheint ben- de-dicke Wh. 2, 65 b . — nhd. arm-dick, brett-d. faust-d. knüppel-dick; verstärkt himmel-hagel-d. stern-blind-d. pudel-hagel-d.; uneigentl. arms-d. spanne-dick, wenn ge- meßen werden soll. varms (calidus): nhd. bad-warm (H. Sachs) brüh-w. (vom subst. brühe) kuh-w. (lau, wie gemolkne milch) Stald. muhl-w. (oestr. Höfer). — schwed. dåf-warm (von dåf, vapor) Jhre. — norweg. ångle-varm (von einem fisch, der eben aus der angel kommt) Hallag. vaírþis? vaírþs? (vergens): svulta-vaírþja (proximus morti) Luc. 7, 2. sonst stehet ana-vaîrþs, viþra-vaírþs. vêris? (mitis, placidus) vgl. unvêrjan (aegre ferre) altn. vær (hilaris, tolerabilis): altn. hôg-vær (mansuetus) vgl. hôg-samr ich glaube jetzt über vêris, ahd. wâri klarer zu sehen, als vorhin s. 553. und rechne dazu weiter: miti-wâri (mansuetus); zur-wâri (scandalizatus, d. i. turbatus) mons. 413; ala-wâri (be- nignus) hrab. 979 b [ags. ëal-værlic benignus] mhd. ale-wære, al- wære (simplex, mit einer drehung des begriffs nhd. albern; war- um nicht auch mand-wâri, falls das erste wort mit mendî (gau- dium) menden (gaudere) verwandt ist? wogegen freilich das ags. monþvære und geþvære Beov. 94. streitet. . altn. vâtr , votr (humidus) ags. væt, engl. vet: fen- votr (permadidus). váiks? (mollis) ahd. weih, ags. vâc: ahd. lida-weih; (flexibilis) vorhin s. 553. — ags. liðe-vâc. — mhd. blî- weich Karl 58 b lide-weich. — nhd. brei-w. butter-w. fe- der-w. glied-w. [plattd. lêde-wêk, Schütze holst. id. 3, 33.] sammet-w. windel-w. veisis? (gnarus, sapiens): alts. wëder-wîsi (tempestatis gnarus). — altn. böl-vis, hvat-v. læ-v. 67 b skoll-v. 154 b snap-v. 66 a snæ-v. 154 b snip-v. 127 b . — mhd. kampf-wîse O o III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. (expertus in bello) Jw. lüge-wîse (mendax) im ungedr. lü- gemære, minne-wîse MS. 2, 244 b nase-wîse (also nicht wîƷ, albus) feines geruchs, MS. 2, 146 b 206 b walt-wîse m. alex. 144 c wort-wîse Trist.; uneigentl. lobes-wîse Parc. 67 a . — nhd. nase-weis. — In einigen ist das adj. zweifelhaft und kann auch das subst. wîse (dux) gemeint sein, vgl. s. 536. veids? (latus, amplus) ahd. wît: mhd. ellen-wît kl. 2043. raste-wît Geo. 54 b venster-wît Tit. XI, 1. — nhd. angel-weit (schwäb. mangel-w.) ellen-w. himmel-w. un- eigentl. meilen-w. stunden-w. verst. sperr-angel-w. vilþis (ferus): mhd. walt-wilde Tit. (MS. 2, 147. wilt- wilde zu emendieren?) — nhd. feder-wild, fuchs-w. hirsch-w. teufel-w.; gesteigert fuchs-teufel-w. vôds (furiosus) womit das subst. veit-vôds (testis) nur verwandt sein kann, wenn sich eine allgemeinere, ur- sprüngliche bedeutung von vôds beweisen läßt (vgl. oben s. 10.) — ahd. findet sich nur substantivisch gote-wuoto (tyrannus) O. I. 19, 36. und hirni-wuoto mons. 409. — ags. ellen-vôd (aemulus) folgere ich aus ellen-vôdjan (ae- mulari). — altn. hand-ôdr (manibus saeviens) stein-ôdr (in saxa s.) alts. wuorig (fessus) ags. vêrig, engl. weary: alts. sið- wuorig (itinere f.) — ags. deáð-vêrig (morte confectus) Beov. 159. fyl-vêrig (morbo f.?) Beov. 74. guð-v. (bello f.) Beov. 120. symbl-v. (epulis f.) Cädm. 35. 57. 125; daneben gen. und dativconstructionen: siðes v. Beov. 46. 135. vundum v. Beov. 218. [vgl. oben môþis]. vunds (vulneratus): háubiþ-vunds Marc. 12, 4. Einige anmerkungen zu der composition des subst. mit adj. 1) das erste wort darf hier wiederum, wenn eigent- liche comp. vorhanden sein sollen, keine flexivischen be- standtheile haben; dem pluralen -ir scheint um so weniger der eingang in die zusammensetzung zu wehren, da es selbst in ableitungen aufgenommen wird. Gelten hrindir- în, huonir-în, loubir-în (s. 177.); warum wären die nhd. kinder-haft, geister-haft, glieder-weich etc. zu tadeln? Inzwischen kenne ich kein ahd. beispiel und mhd. nur das s. 572., verzeichnete lider-nacket. In vielen nhd. bei- spielen darf uneigentl. comp. angenommen, folglich das -er aus dem gen. pl. gedeutet werden, z. b. in blätter-los, kinder-los, bücher-leer. Auch bindet, meines wißens, sich kein solches nhd. -er mit den abstracten -lich, -sam, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. -bar; wohl aber mit -haft, -los, -mæßig (geister-m.) -fest (bretter-f.) u. a. 2) die ableitungen componieren sich in der regel wie die einfachen subst. z. b. jugend-lich, tugend-sam, monat- lich, dienst-bar. Nur versagen -lich, -sam, -bar den subst. auf -ung, -nis und den diminutiven; mädchen-haft ist nhd. erlaubt, kein ung-haft. Dagegen viele ungs-lôs eingeführt worden sind (§. 6.). 3) falsches -el scheint eingeschlichen im mhd. rœsel-var. 4) umlaut tritt nur bei der formel -lich ein (s. 569.); andere zweite wörter mit dem vocal i (wild, blind, bit- ter etc.) erwecken ihn nicht. 5) leblos werdende erste wörter: bor-, sin-, gin-, ma- gan-, regin-, blut-, mord-, stein-, wunder- etc. 6) leblos werdende zweite wörter: -lîch, -sam, -bære, -haft, -fäst, -lôs, -luomi, -ruof, -sælic, -mæƷic; mit feinen und oft dialectischen unterschieden. Ags. kein -haft, sondern -fäst; ahd. viele -haft, kein -vesti, daher ags. sige-fäst = ahd. siku-haft. Allein die sich noch nä- her liegenden begriffe -lîch und -sam, beide ähnlichkeit ausdrückend, treten in den zusammensetzungen jeder mund- art nebeneinander auf und oft zu denselben ersten wörtern gefügt bald gleichbedeutig, bald unterschieden. Obenhin scheinen z. b. die nhd. fried-lich und fried-sam gleichviel, beide pacificus, die mhd. freis-lich und freis-sam beide terribilis; genauer genommen geht -sam mehr auf sinn und character, -lich mehr auf die äußere natur der sache; ein mensch kann friedsam, ein drache freissam, ein thal aber nur friedlich, ein abgrund nur freislich heißen. Wir unterscheiden im nhd. sehr bestimmt sittlich (moralis) von sittsam (mode- stus), letzteres kommt dem derivat. sittig ziemlich nahe, das veraltete sitthaft würde dem partic. gesittet gleichen; vgl. ahd. situ-sam, situ-lîh, situ-haft und sit-îc N. 85, 5. O. V. 25, 242. Auch -bære kann in einzelnen fällen an -lich und -haft stoßen, es ist weniger als dieses, mehr als jenes und drückt aus, was unser heutiges part. brin- gend, mit sich führend (heil-bringend, segen-br. regen- br.) während sich -haft umschreiben läßt durch: verbun- den mit. Danch-pâri und danch-nâmi entsprechen vor- trefflich beiden bedeutungen des lat. gratus; mhd. gilt auch dank-næme f. gratiam referens (Barl. 269.). Die nicht abstract werdenden begriffe bieten ebenwohl viele synonyma dar, welche oft dasselbe erste wort an sich O o 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. ziehen, vgl. -grau und -fahl (apfel-grau, äppel-fëalo) u. a. m. 7) es bedarf genauerer untersuchung, als oben s. 423. 424. darauf gewendet worden ist, wofür das in vielen mhd. zusammensetzungen überhaupt nach langsilbigen ersten wörtern haftende e zu halten sei? Nach kurzen silben scheint es unbezweifelt compositionsvocal, z. b. in rede-lich, tege-lich, lobe-sam, huge-sam etc. Nach lan- gen könnte es oft aus ableitenden i erklärt werden, z. b. in ende-lich, ende-haft, sünde-haft (suntja) minne-wîse, minne-lich (minnja); wie aber, wo kein solches i denk- bar ist, in hërze-lich, hërze-bære, riuwe-sam, krône-bære und allen ähnlichen, deren erstes wort starkes fem. erster decl. oder schw. fem. und neutr. war? Gebliebener comp. vocal vermag es nicht zu sein, da er nach langsilbigen masc. und neutr. starker decl. überall fehlt (kamps-bære, mort-bære, muot-sam). Ich halte dieses mhd. e nach langen silben in den meisten fällen für unorganisch, ein- geführt entw. nach analogie des compositionsvocals, der an kurzen silben fortdauert, oder mit fehlerhafter rück- sicht auf den flexionsvocal, welchen uneigentliche com- posita mit sich führen. Uneigentliche composition ange- nommen ist das e im einzelnen untadelhaft, z. b. in min- ne-wîse vielleicht minne der gen. wie lobes in lobes-wîse. Nhd. sind solche e meist verschwunden (sünd-haft, herz- haft, herz-lich, end-lich) wie in den verlängerten ehdem kurzsilbigen höf-lich, täg-lich, red-lich) und freilich auch oft in der flexion (herz, frau). 8) in diesem abschnitt habe ich mehr beispiele aus der gemeinen volksmundart beigebracht, als ich sonst pflege. Die gebildete schriftsprache verschmäht allmählig den reichthum ursprünglich höchst poetischer adjective für die begriffe von farbe, licht, dunkel, geschmack etc. oder verwendet sie nur noch sparsam. Es kam mir darauf an zu zeigen, daß sie dem volk mit dem alten epos ge- mein sind, denn das volk ersinnt nichts von neuem, son- dern bewahrt treuverworren das ihm überlieferte. Wie in oft noch dunkeln verbindungen ferne dialecte zus. treffen ist beachtenswerth. 9) weibliche, mit der ableitung -î aus den adj. gebil- dete subst. belegen zugleich das componierte adj. selbst, z. b. mëƷhaftî, namahaftî, scamahaftî, situhaftî die adj. mëƷhaft — getilôs. Ebenso beurtheile man abgeleitete verba, z. b. viuwer-niuwen. Es ist nämlich nicht mëƷ, III. subst. eigentl. comp. — subst. mit adj. gët, viuwer mit dem fem. haftî, lôsî, mit dem verb. niu- wen zus. gesetzt, vielmehr aus dem bereits componiert bestehenden adj. mëƷhaft, viuwerniuwe ein subst. und verbum abgeleitet worden. Daher ferner ahd. lastarpâ- rîc, mhd. zuckermæƷec ein lastarpâri, zuckermæƷe vor- aussetzen. Allerdings kann in andern fällen die comp. erst mit dem zwar abgeleiteten, aber selbständigen subst. erfolgen, z. b. himilrîchi, wërltfinstrî beziehen sich auf kein adj. himilrîchi, wërltfinstar; tôtsinstrî verlangt ein vorgängiges tôtfinstar. 10) nom. propria , die aus adj. entspringen, haben das eigenthümliche α ) daß sie zu substantivischer flexion über- gehen, daher ihr nom. sg. masc. nie das kennzeichen hat, z. b. hadu-funs von suns (promptus) vgl. adal-funs, heri-suns (? hëra-funs, s. §. 4.) ags. gâr-fûs, sið-fûs, väl-fûs Beov. 180; altn. geir-fûs, hel-fûs, sæm. edd. 250 a hrôðr-fûs 184 b ôð-fûs 74 a vîg-fûs, die bald adj. sind, bald eigennamen. , heri-pald, nicht hadu-funsêr, heri- paldêr; der dat. hadu-funse (nicht hadu-funseme) lautet; der acc. hadu-funsan ist beides dem adj. und subst. ge- mäß. Und weibliche machen den gen. dat. nicht auf -êrâ, êru. Ausnahmsweise finde ich im altn. zuweilen adjectivische flexion bestehen, vgl. den gen. svan-hvîtrar edd. sæm. 133. (statt svan-hvîtar) neben dem dat. svan- hvîtu 134 b (nicht svan-hvîtri) welches 1, 770. nachzu- tragen. — β ) daß sie das ableitende -i wegwerfen, z. b. ahd. regin-hart (nicht -herti) gen. regin-hartes (nicht -hertes), regin-mâr (nicht -mâri), was eben mit der sub- stantivierung zus. hängt, da alleinstehende adj. höchstens im nom. ihr i entbehren (1, 726. 749.). Solchergestalt würde sich auch diot-rîh aus adjectivischem diot-rîhhi erklären; das goth. reiks ermächtigte mich, s. 516. ein subst. anzusetzen, das freilich dem (aus Neh. 6, 17. beleg- lichen) adj. reikis ganz nahe liegt. Amala-reiks bildete wahrscheinlich den gen. reikis (nicht -reikjis oder -reikeis, dem friþareikeis in Mai’s spec. p. 26. zum trotz). — γ ) daß sie im sinn dunkel werden, vgl. s. 545, 14. Substantiv mit verbum (s. 426. 548.). Bei dieser untersuchung sind zuvörderst die freieren zu- sammensetzungen des nomens mit den participien und dem bloßen infinitiv von der hauptfrage zu sondern. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. I) in wie fern kann das wirkliche verbum mit einem subst. componiert werden? 1) vorlaute theorie würde die statthaftigkeit der zu- sammensetzung bejahen und wie bei dem nomen verhält- nisse der praepositionen und casus oder der vergleichung annehmen. Warum sollte der satz: ich reise zu land, schwärme bei nacht, trinke wein, fliege wie ein adler nicht zusammengesetzt ausgedrückt werden dürfen: ich land-reise, nacht-schwärme, wein-trinke, adler-fliege? Die praxis unserer sprache sträubt sich entschieden da- wider, so unbedenklich ihr subst. wie land-reise, nacht- schwärmer, nacht-schwärmerei, wein-trinker, adler-flug, u. dgl. find. Und diesem sträuben liegt ohne zweifel ein tiefer grund unter. Wahrhafte composition würde sich hier hauptsächlich an zwei kennzeichen prüfen laßen: a) an ihrem haft durch tempora und modos. Wie kein nomen für eigentlich zus. gesetzt gehalten werden kann, dessen erstes wort sich etwa nur dem nom. anfügte, in den übrigen casibus abspränge; eben so wenig ist ein ver- bum eigentlich componiert, dem ein nomen im infinit. vortritt, im indic. conj. etc. aber nicht. Da der compo- sitionsvocal keine flexion ausdrückt, bloß zwei wörter verbindet, so muß er sie eben unzertrennlich verbinden. Denn was sollte, beide theile wieder voneinandergenom- men, aus dem flexionslosen ersten worte werden, das kein casuszeichen hat, folglich im satze nicht bestehen kann? Wenden wir den grundsatz auf jene versuchten bildungen an, so ergibt sich, daß höchstens infinitivisch wein-trinken, nacht-schwärmen gesagt werden dürfe, nicht aber ich wein-trinke, er wein-trinkt, er wein-trank. b) im §. 4. wird ausgeführt werden, daß die partikel ge- vor dem worte stehen muß, womit sie sich verbindet, sei es simplex oder compositum; z. b. ge-lingen, ge-linget, ge-lungen, ge-ruhen, ge-ruhet. Es ist aber wiederum unthunlich selbst im inf. oder partic. zu sagen: ge-wein- trinken, ge-weintrunken, ge-landreiset; folglich auch aus dieser ursache composition zu leugnen. 2) regel scheint mir demnach, daß in unserer sprache eigentliche composita, deren erstes wort nomen, das zweite verbum wäre, unerlaubt sind . Es gibt zwar eine anzahl zusammengesetzter verba, welche die aufgestellten beiden kennzeichen aushalten, z. b. rathschlagen, davon unbe- denklich stattfindet: rath-schlaget, rath-schlagte, ge-rath- schlaget. Allein alle solche fälle setzen ein bereits eigent- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. lich componiertes nomen als früher vorhanden voraus und sind lediglich daher abgeleitet. Nicht das verbnm schlagen hat sich mit rath verbunden, sondern das subst. schlag und aus rath-schlag ist weiter ein verbum gebildet worden. Da es auf diesem wege entsprungner verba nicht sehr viele gibt, scheint es mir passend hier die wich- tigsten beispiele zu sammeln. α ) schwache verba von componierten subst. abgeleitet. Ulf. kennt nicht einmahl sie; sein text hätte ihn leicht dahin geführt, z. b. Luc. 6, 48. οἰκοδομεῖν οἰκίαν über- setzt er timrjan razn, Marc. 1, 40. γονυπετεῖν durch kni- vam knussjan: crucifigere heißt ihm hramjan ( σταυροῦν ). Es waren keine goth. composita wie οἰκοδόμος (aedisex, etwa razna timrja?) γονυπετής (kniva-knussja?) gebräuch- lich, aus welchen die verba gefloßen wären. Doch für δεῖπνον hat er nahta-mats, was für δειπνεῖν ? nahta-mat- jan? die stelle Luc. 17, 8. ist bedenklich. — Ahd. folgen die meisten dieser ableitungen zweiter schwacher conj.: tag-altôn (jocari, jucundari) doc. 238 b , vielleicht auch dinc-altôn (dissimulare) jun. 290. obgleich ich kein subst. dinc-alt, wie tag-alt beweisen kann; taga-dingôn (in judicio comparere); gris-cramôn (fremere) N. 2, 1. gris-cramôd (fre- mitus) N. p. 261 b , 12. gris-crimmôn doc. 216 b mons. 344. grus-cr. crus-cr. mons. 333. 395. von einem subst. gris-cram? dessen erstes wort das goth. krusts scheint und dann für chrus, chris stünde? vgl. krist-krimmunc ker. 260; meri- crëoƷôn (margaritare) ker. 45. hrab. 955 a ; hant-krisôn (vio- lare) ker. 283. von hant-krif; wuof-harôn (ejulare) N. 93, 20. von wuof-hara? (planctus) vgl. fora-haro (praeco) jun. 192. denn das einfache verb. lautet harên, nicht harôn; mana-houpitôn (mancipare) ker. 187; aband-muosôn (coe- nare) K. 43 b 44 b (wo ich lese muasôên, coenent); houpit- pantôn (redimire) hrab. 969 a ker. 184. 236. jun. 243. 248; heri-përgôn; harm-quëtôn (maledicere) francof. 8; vogal- rartôn (augurari) jun. 194; huge-sangôn N. 94, 3. 107, 1. wunni-sangôn N. 65, 2. u. ähnl.; haram-scarôn (percutere) mons. 347. 357. 382. 387; wuof-screiôn oder wuoft-screiôn (ejulare) von einem subst. wuof-screi (clamor, lugubris) ana- log dem huge-screi N. 30, 20.) N. 65, 2, wo stehet wolft- screiôn, oder bedeutet wolf-screiôn ululare instar lupi? vgl. altn. ûlfa-þytr; grund-sëllôn (sund. ponere) N. 77, 69; han- ta-slagôn (plaudere) hrab. 971 a mons. 355. jun. 243. hant- slagôn N. 46, 2. kiusslagôn (desistere) ker. 95. worin ich das erste wort nicht verstehe, und noch andere -slagôn, z. b. rât-slagôn (consulere); got-spëllon T. 13, 25; rëht- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. sprâhhon (satisfacere) jun. 228; muot-vagôn (placere, gau- dio esse, satisfacere, mit dem dat. pers.) O. III. 20, 143. gimuat-fagôn O. II. 14, 225, ein unbelegbares subst. muot- vaga oder ein adj. muot-vag (animo contentus, vgl. ka- vagun mons. 402. und gevago bei N.) voraussetzend; vuoƷ- vallôn O. I. 5, 99; rât-vrâgôn (consulere) jun. 197. francof. 138. W. 5, 7. vgl. rât-vrâganôn jun. 177; spile-wortôn (gar- rire) N. 76, 4. Nach erster conj. gehen marchat-choufan (mercari) ker. 196. endiprurtan (ordinare) ker. 79. 228. und herrad. 197 b stehen ôr-slegen; hals-slegen. — Ags. beispiele: grist-bitjan (fremere, stridere) von grist-bite? (stridor) vgl. grist (molitura); ende-byrdjan (ordinare); ellen-campjan (pugillare); æfen-gerëordjan (coenare) von æfen-gerëord; god-spëlljan (evangelizare); grund-vëalljan (fundare); alle diese nach zweiter conj., wogegen die ziemlich häufigen mit der formel -læcan erster folgen (praet. læhte): æfen- læcan (advesperascere) cyrten-læcan (venustare) lof-læcan (laudare) sumor-l. (appropinquare ad aestatem) vinter-l. (ad hiemem) vist-l. (epulari) vundor-l. (mirificare) ver- lorne subst. æfen-lâc etc. voraussetzend (s. 503.); andere zwei- felhaft, z. b. ræd-sêcan (praet. ræd-sôhte) lieber uncomp. ræd sêcan. — Altn. meist nach zweiter conj.: hals-hœggva (de- collare) hand-hœggva (manu truncare) munn-hœgvaz (al- tercari) gud-lasta (blasphemare) ætt-leida (adoptare) hug- leida (meditari) stad-næmaz (consistere) hag-ræda (aptare) kaup-slaga (negotiari) hand-sala (stipulari) hug-svala (con- solari) hand-taka (prehendere) dag-þînga (diem referre) grund-valla (fundare). Wenigere nach erster: naud-begja (cogere) her-bërgja (hospitari) hand-leggja (sponsalia pro- curare) stein-leggja (tessellare) nâtt-setja (cadaver per noctem seponere) blŷ-þekja (inplumbare) vard-veita (custo- dire) wovon einigen die grundlage des subst. bestritten wer- den könnte (vgl. ausnahme β ). — Mhd. her-bërgen Nib.; rade-brëchen Barl. 113. tage-dingen, teidingen; gris-gram- men pf. ch. 72 b Karl 75 a gris-gramen Barl. gris-grimmen pf. ch. 81 b hals-slagen pf. ch. 84 b Karl 77 b hant-slagen Eilh. Trist. kouf-slagen (mercari) livl. 6 a rât-slagen, vëder-sla- gen kolocz 118. Parc. 103 a ; muot-vagen Ottoc. 273 b ; vuoƷ- vallen Parc. 78 a ; knie-vallen Mar. 37; vinger-zeigen MS. 1, 140 b 2, 155 a Frig. 22 a ; nôt-zogen Frig. 21 a w. gast 13 a ; sämtlich zweiter conj., nach erster das einzige her-verten Nib. Gudr. 79 b her-vart. — Nhd. her-bergen, rad-brechen [aber nicht eh-brechen] verthei-digen, wett-eifern, gries- gramen, hand-haben, hohn-lachen, wetter-leuchten (f. -lei- chen, s. 504.) muth-mâßen (wann aufgekommen?) hof- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. meistern, schul-meistern, lob-preisen, hei-rathen, rath- schlagen, brand-schatzen, tage-werken auch buch-siabieren, mit dem undeutschen -ieren; dän. bog- stavere, schwed. bok-stavera. ; erster conj. zu- gethan wäre etwa fuchs-schwänzen. — Dän, hals-hugge, haand-hugge, hu-svale (consolari). β ) schwache von componierten adj. geleitete verba. Das goth. veit-vôdjan beruht auf dem erweis eines adj. veit-vôds (s. 578.). — Ahd. meist derivata von den mit -haft, -lîh, -lôs und -sam componierten adj., wiederum gewöhnlich zweiter conj.: mëƷ-haftôn (temperare) jun. 183. mons. 351. nôt-haftôn N. p. 266 a guol-lîchôn (glo- riari) N. p. 258 b missa-lîhhôn hrab. 960 b wunder-lîchôn (mirificare) N. 30, 22; gouma-lôsôn (negligere) vgl. essen. urk. vergôme-lôsôn, ruahha-lôsôn K. 27 b 49 a ; kinoaƷ-sa- môn (consociare) ker. 49. kanuht-samôn (sufficere) K. 19 b 43 b wuni-samôn (exultare) ker. 213. ouga-zorhtôn (manifestare) T. 164, 6. 177, 4. Erster conj. scheinen: steti-hastan (stabilire) ker. 128. kast-luaman K. 20 a moat- samjan (consecrare) ker. 83. wunni-samjan (exultare) ker. 119. 140. wenn den vocalen zu trauen ist. Nach dritter möchte ich (mit angesetztem ê) gehen laßen: cuat-lîhhêt (gloriatur) K. 18 a coat-lîhhêt kcr. 119. kinuht-samênt (abundant) ker. 112. — Ags. nach zweiter: gŷme-leásjan (negligere) eád-môdjan (dignari) gemôd-sumjan (concor- dare) genyht-sumjan (abundare) gesib-sumjan (reconci- liare) vyn-sumjan (gaudere) ellen-vôdjam (aemulari); nach erster: hand-fästan, lîf-fästan, eád-mêdan (humiliare, praet. eádmêdde). — Altn. nach zweiter: hand-sama (manu arripere); nach erster: hug-hreysta (animare) von hug-hraustr; hug-festa (memoriae mandare) kroß-festa (cru- cifigere) lög-festa (vindicare) stad-festa (firmare) aug-lŷsa (pa- tefacere). — Mhd. aht-bæren Trist. heim-lichen Barl. die- mueten Barl. viuwer-niuwen Trist. sämtl. erster conj.; zwei- ter: goume-lôsen, krefte-lôsen Wh. 2, 19 a snâbel-snëllen MS. 2, 137 a und dgl. — Nhd. ableitungen von adj. -lich: ver- herr-lichen, verlüder-lichen, verfinn-lichen, verwirk-lichen. 3) folgerungen: a) die mitgetheilten beispiele werden sich zwar vermehren laßen, doch nicht beträchtlich und im ganzen sticht die geringe zahl solcher zusammen- setzungen gewaltig ab von der unerschöpflichen menge substantivisch componierter subst. und adj. Die sprache scheint zu der ableitung dieser verba wenig geneigt. — b) alle so derivierten verba conjugieren nothwendig III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. schwach , da kein starkes verbum aus einem nomen ent- springt. Wo folglich ein subst. einem starken verbo vor- hersteht, kann es nur von ihm regiert werden, nicht mit ihm componiert sein. Mons. 385. 366. 355. 354. 391. würde es fehlerhaft sein gouma-nëme, gouma-nëmet, gouma-nimit, gouma-nim zusammenzuziehen, statt gouma nëme etc. und gleicher vorwurf trifft goum-genomen Nib. 8424. statt goum (goume) genomen. Auch sind die nhd. theil-nehmen, wahr-nehmen, acht-geben keineswegs echtc composita. Denn es liegt ihnen allen kein nomen zu grund und es läßt sich unmöglich sagen weder gi-gouma- nëman (wie gi-muot-fagôn) noch gi-gouma-noman (wie gi-muot-fagôt); uncomponiert aber findet statt: gouma gino- man, nhd. theil genommen, wahr genommen. Gouma ist der leibhafte casus, wie zum überfluß aus der schwachen form, die dialectisch gebraucht wird, erhellet: goumûn nam, oder aus der nachsetzung des subst.: nim gouma jun. 233. nim gaumûn J. 378. Wir dürfen nicht sagen theil-nahm (wie rath-schlagte oder mhd. muot-vagete) sondern nur (nach den umständen) theil nahm oder nahm theil, während die eigentlichen composita keine trennung leiden (nicht: schlagte rath, vagete muot). — c) die ursache, weshalb die sprache unzertrennliche verbindung mit dem nomen einzugehen das verbum verhindert, nämlich das starke durchaus, das schwache unmittelbarerweise, ja warum sie nicht einmahl mittelbare (ein componiertes nomen vor- aussetzende) verbindung des schwachen gerne sieht, muß in der natur des verbums überhaupt gefucht werden. Sein ganzes wesen ist thätigkeit, entgegengesetzt der ruhe des nomens. Bei dem nomen soll eben die composition bleibende zustände im ausdruck feßeln. Das verbum, nach zeit und modus regsam und bewegt, übt einen viel zu manigfaltigen einfluß auf das nomen aus, als daß er nicht durch zusammensetzungen sollte gehemmt werden. Es will bestimmte casus regieren, die vage allgemeinheit substantivischer composition sagt ihm nicht zu. Daher glaube ich kommt es auch, daß das verbum weit weni- ger ableitungsmittel hat, als das subst. (s. 898. note) aber das verbum ist unvergleichbar wurzelreicher und wurzel- hafter, denn alle nomina gehen von ihm aus. Daher sind ihm ferner die aus nominalzusammensetzungen ge- leiteten verba fast zu schwerfällig, die wenigen eingeführt wordenen meistens intransitiva, folglich vorzugsweise zur zweiten conjug. gehörig. Endlich erklärt sich, warum die dem nomen näher liegenden beflandtheile des ver- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. bums, der inf. und die participia, wie wir unten sehen werden, sich auch mehr der composition zuwenden. 4) ausnahmen von der regel sind daran zu erkennen, daß sich ein starkes verbum substantivisch componieren läßt, weil in diesem fall ableitung von einem andern compositum undenkbar ist. α ) wichtigste und älteste aus- nahme scheint mir die zusammensetzung mit missa- , wel- ches s. 470. 471. für ein subst. erklärt wurde und sich ohne zweifel an starke wie schwache verba fügt. Zwar bietet Ulf. noch kein beispiel dar, aber im ahd. kommen sie so häufig vor, daß es vollständiger aufzählung nicht bedarf: missi-weiƷ (desipit); missi-gangan, missi-giang; missi-fahan, missi-fiang, missi-hëllan, missi-hillit, missi-pio- tan, missi-piutit, missi-pôt; missi-tuon, missi-tëta, missi- tâtun; missi-sezan, missi-sazta etc. Ebenso mhd. misse- vallen, misse-viel; misse-hëllen; misse-zëmen, misse-zam, misse-zæme; misse-bieten, -bôt; misse-rëden; misse-ha- ben; misse-tuon; nhd. mis-fallen, -fiel; mis-handeln, han- delte, ge-mis-handelt u. a. m. ags. mis-bëódan, mis-beád; mis-limpan, mis-lamp; mis-grêtan, mis-grêtte etc. end- lich altn. mis-bióda, mis-baud; mis-brióta, mis-brŷt, -braut, -brotinn; mis-gruna, mis-grunadi. Wenn auch einzelne schwache bloß abgeleitet wären, z. b. ahd. missa- zumstôn mons. 409. von missa-zumft oder altn. mis-kaupa von mis-kaup, mis-lika von mis-lîkr; so findet bei an- dern schwachen dieser ausweg nicht statt und ohnehin bei keinem starken. Offenbar verhält sich missa-, missi-, mis- in solchen zusammensetzungen ganz wie andere un- trennbare partikeln, von welchen §. 4. handeln wird und gleicht ihnen auch in der abstract gewordnen privativen bedeutung. Zeugt also unsere ausnahme wider seinen substantivischen ursprung? ihn aufgegeben, fiele die aus- nahme selbst weg. Er braucht aber nicht aufgegeben zu werden, meine ich. Die adjectivische composition wird hernach eine ganz analoge ausnahme in den ersten wör- tern folla- und wana- darbieten, welchen ihr adjectivi- scher ursprung nicht abgestritten werden kann, falls dem letztern nicht gar ein substantivischer gebührt. Vielleicht entdecken wir künftig unter den subst. zusammensetzun- gen dergleichen anomalien mehr, z. b. ein bora-weiƷ (su- persapit?) wäre nicht unmöglich. — β ) im altn. oder vielmehr isländischen begegnen verschiedne starke verba mit subst. componiert, namentlich bei Biörn: fôt-troda (conculcare) hand-hefja (juvare) lög-bióda (publice auctio- nari) lög-taka (in legem recipere) knê-kriupa (genuflectere), III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. von welchen er auch das praes. ind. ëk fôt-trëd, hand- hef, lög-bŷd, lög-tek, knê-krŷp ansetzt. In der edda kenne ich keine solche form und es fragt sich, ob sie nicht überhaupt die lexicographen aus dem unleugbaren inf. oder part. praet. erfunden haben? es käme auf be- lege für das praes. und praet. ind. aus guten denkmäh- lern an. Unorganisch scheinen diese composita auf jeden fall, fehlen auch gänzlich den übrigen dialecten. Gibt man sie aber als ausnahme zu, so dürfen einzelne der vorhin genannten substantivisch componierten altn. verba, denen sich kein zu grunde liegendes nomen nachweisen läßt, hierher gerechnet werden, z. b. vard-veita. II) zusammensetzung mit dem part. praes. (st. oder schw. conj.). In seiner adjectivischen eigenschaft kann dieses part. gleich jedem andern adj., eigentlich componiert werden; seiner verbalen natur wegen hat es aber auch mehr be- fugnis, wirkliche casus zu regieren, als irgend ein bloßes nomen, dem noch verbaler ursprung eingeprägt ist, z. b. im ahd. chint përanti ist der leibliche acc. statthafter als in chnëht-përa, arunt-poro, danch-pâri, welche s. 487. 557. mit recht zu den wahren comp. gerechnet worden sind. Neben chint përanti muß nun wohl chint-përanti d. i. chinta-përanti zuläßig sein; compositionsvocale wür- den uns in früheren denkmählern allen zweifel lösen. Wo sie fehlen, können nur andere gründe, hauptsäch- lich der syntax, für oder wider die zusammensetzung entscheiden. Ich bin geneigt eine solche anzunehmen, theils wenn die rection einen andern casus fordert, als den acc. (bei wësanti, vësende, existens würde sich der casus nach dem subject des satzes richten und selbst der nom. sein können) theils je mehr sich das part. durch öfteren gebrauch zu einer bloßen formel bildet. Von selbst aber versteht es sich, daß keine zus. setzung mit dem part. praes. auf andere modos und tempora zu schließen berechtigt. Im goth. garda-valdands ( οἰκοδεσπότης ) blôþa-rinnan- dei ( αἱμοῤῥοοῦσα ) Matth. 9, 20. scheint a der compositions- vocal, garda nicht οἴκ;ῳ , blôþa nicht αἵματι ; hingegen Joh. 15, 2. übersetzt akran baírandô (neutr.) den acc. καρ- πὸν φέρον ) und das eigentl. comp. würde akrana-baírandô ( καρποφορέον ) verlangen nach analogie von akrana-láus. — Ahd. belege mit haftendem comp. vocal stehen mir nicht zu gebot, denkbar wären wëka-wîsônti, maka-pë- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. ranti, hova-wartênti u. dgl.; ohne comp. vocal findet sich: lant-pûantêr hrab. 957 a himil-flëugendêm J. 342. sêo-lî- dantê ( ποντοπορέοντες ) Hild. teil-nëmanti (particeps) ker. 254. tôt-përandi (mortiferus) ker. 179. lauc-spîantaƷ (flam- mivomum) jun. 179. lugi-sprëhhanti hrab. 963 b taod-tra- gantêr (mortiferus) ibid. gast-wësanti (hospes) T. 152; uncomponiert ist vielleicht âgëƷ machônde (obliviosus) N. Boeth. 171. — Alts. ërd-buand (terricola) wâpan-bë- rand (armiger). — Die ags. poesie ist reich an formeln, vorzüglich im plur. masc. (der dann oft substantivisch decliniert 1, 1017.) âgende (habens) blæd-âgende (famosi) Beov. 78. bold-âgende (praedia possidentes) Beov. 230. mägen-âgende (fortes) Beov. 211; bërende (ferens) äsc- bërend (hastifer) Cädm. 45. ævisc-bërend (impudicus) gâr- b. (teliser) Cädm. 67. hëlm-b. (galeatus) Beov. 187. 196. lëóht-b. (luminosus) Cädm. 99. rëord-b. (reficiens) Cädm. 77. sâvl-b. (animatus) svëord-b. (ensifer) Cädm. 25. ta- por-b. (cereum ferens); bûende (habitans) cëaster-b. (ci- vitatem incolens) Beov. 60. ëorð-b. (terram c.) Cädm. 87. fold-b. Beov. 25. 103. grund-b. Beov. 77. land-b. Beov. 10. 102. voruld-b. Jud. 10; fæmende (spumans) lig-f. (flammivomus); häbbende (habens) dreám-h. (laetabun- dus) Cädm. 2. lind-h. (vexilliferus) Beov. 107. rond-h. (scutiferus) Beov. 67. sëaro-h. Beov. 20; lâcende (ludens) lyft-lâcende (in aere ludens); lîðende (proficiscens) brim- l. (navigans) Beov. 45. hëado-l. (in bellum prof.) Beov. 135. 219. sæ-l. (navigans) Beov. 31. 33. 137. væg-l. (idem) Cädm. 32; rædende (imperans) sele-rædende (aedium domini) Beov. 102; sittende (sedens) benc-s. Jud. 10. burh- s. Cädm. 81. 89. flett-s. Beov. 135. 152. Jud. 10. hâm-s. Cädm. 89. hëal-s. Beov. 151. 213; vësende (existens) chniht-v. (puer) Beov. 30. 42. Beda hist. eccl. p. 518. 537. umbor-v. Beov. 6. 91. das erste wort dunkel Beov. 6. gehört umbor-vësende nicht zu dem acc. sg. hine, ænne (welches vësendne erforderte) sondern zu þe und onsendon, ist folglich nom. pl., p. 91. aber umbor-vësendum dat. sg. oder pl. Lye gibt (ohne citat) umbor für gleichviel mit omber, amber aus: amphora, cadus; wäre umbor-vësende ein weinberauschter? den wir noch jetzt weinschlauch, weinfaß zu nennen pflegen [vgl. den namen amphora für den trinker Bonosus bei Vopiscus, scriptt. H. A. 2, 770.]. Die übersetzung p. 6. qui eum initio ablegarunt so- lum per aequora temulenti, und p. 91. quod nos ambo fecerimus in gratiam et honorem isti ebrioso (istis ebriosis) läßt sich am übrigen inhalte, weil beidemahl nur episodisch erzählt wird, gar nicht prüfen; umbor = ombor hat auch bedenken, da man nach dem ahd. eimpar ômber, âmber erwarten sollte. ; vëallende III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. (aestuans) hioro-vëallende (ense aestuans? instar ensis vi- brans? es ist von lig-egesa, dem schrecklichen feuer, altn. ôgnar-liómi die rede) Beov. 207; viggende (pugnans) byrn-v. Jud. 10. lind-v. Jud. 10. rond-v. Jud. 9. svëord- v. Cädm. 68; valdende (dominans) finde ich nur mit dem gen. construiert: sigora valdend Cädm. 3. rodera valdend Cädm. 85. valdres v. Beov. 132. ylda v. Beov. 125. mit- hin uneigentlich oder gar nicht zusammengesetzt. — Altn. composita sind seltner: fôlk-lîðandi (per gentes proficiscens) sæm. edd. 191 b sî-hlæjandi (semper ridens) sî-rënnandi, sî-skînandi (semper lucens) edd. sæm. 184 b — Mhd. ist vornämlich auf die formeln -bërnde, -gërn-de, -wësende zu achten und bei der letzten eigentliche comp. unbestreitbar: kint-wësende Parc. 191 b meit-wë- sende (virgineus) Mar. 113. 172. Uneigentliche (oder losen acc.) bei -bërnde, -gërnde anzunehmen hindern mich die zwar unorganischen, aber dem acc. masc. und neutr. widerstrebenden -e, welche schon s. 580. bespro- chen worden sind: durste-bërnde Gotfr. minnel. 111 a lei- de-b. Barl. sorge-b. Barl. sunne-b. Trist. strenge-b. Trist. vröude-b. wunne-b. liebe-gërnde Trist. minne-g. Barl. etc. Außerdem ouge-brëhende (oculos lumine feriens) MS. 1, 3 b dienest-gëbende Parc. 47 a touf-pflëgende Parc. 182 o stein-wërfende Mar. 146. spër-zernde Parc. 176 a etc. — Nhd. formeln sind -bringend, -nährend, -stillend, -tra- gend: friede-br. frucht-br. heil-br. licht-br. qual-br. se- gen-br. wonne-br. geist-n. schmerz-n. kummer-n. blut-st. durst-st. hunger-st. schmerz-st. frucht-tr. leid-tr. samen- tr. etc. außerdem: liebe-athmend, hals-brechend, fleisch- freßend, rache-schnaubend, feuer-fangend, feuer-speiend, blut-triefend, bier-trinkend, freude-tödtend, zeit-tödtend, herz-zerreißend, und die dichter wagen noch andere mehr. III) zusammensetzung mit dem part. praet. (st. u. schw.) Ulf. bietet das einzige handu-vaúrhts ( χειροποίητος ) Marc. 14, 58. dar, das, gleich guda-faúrhts, schon s. 552. bei dem adj. erwähnt wurde; in andern stellen, wo solche composita denkbar wären, richtet er sich nach dem griech. und setzt praepositionen und casus z. b. fram vinda vagidata ( ὑπο ἀνέμου σαλευόμενον ) Matth. 11, 7; sa us himina qvuma- na ( ὁ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καταβάς ) Joh. 6, 51; aúralja bibun- dans ( σουδαρίῳ περιδεδεμένος ) Joh. 11, 44; gabundans handuns jah fôtuns ( δεδεμένος τοὺς πόδας καὶ τὰς χεὶρας ) ibid. Ob aber ein vinda-vagiþs, himina-qvumans gothisch gewesen wären? Ich zweifle nicht, wenigstens in lie- III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. dern. In den ahd. quellen sind diese zusammensetzungen beispiellos, selbst im O., der noch den meisten dichteri- schen schwung nimmt; daß sie der prosa fehlen, begreift sich eher. Wie nahe auch manche subst. oder adj. z. b. scëf-sopho (naufragus) hant-gitât, hant-giscrip, hant- wërah, hant-garo an das partic. grenzen; so darf doch daraus kein schluß gezogen werden auf ein scëf-sophan, hant-gitân (manufactus) hant-giscripan (manuscriptus) hant-giworaht, hant-gigarawit. Gewöhnlich steht bei dem part. der wirkliche casus, mit oder ohne praep.; zumeist ein dat. und instrum. z. b. houpite pilôsit jun. 202. chei- suringû gitân Hild. mit steinon gidânaƷ O. IV. 19, 72. Man müste denn die verbaladjectiva chunt, dâht, vorht participialisch nehmen und composita wie got-vorht T. 7, 4. gote-dâht (N. Boeth. 18. gote-dehto) hierher rechnen. — Die alts. E. H. liefert adal-boran (nob. genere natus) und arm-skapan (miser, afflictus? die weiber, die Christi grab besuchen, heißen idisi arm-skapana) von letzterm worte mehr beim ags. — Ags. composita (meist mit dem part. praet. starker conj. und immer ohne ge- ): þëóv- boren (in servit. natus) hëoru-bunden (cardine firmatus, von einem schwert) Beov. 98., stünde der dat., so würde erfordert hëorve b., deutlich aber bisgum gebunden (labo- ribus vinctus) Beov. 131. sôðe gebunden (arte poetica liga- tus) sôd-bora (vates, wahrsager) sôð-cvide (effatum, eig. vera opinio). Beov. 67. vîtum gebunden (poenis v.) Jud. 10. doch el- do-bunden (senectute vinctus) Beov. 158. scheint mir zus. ge- setzt; vîn-druncen (vinolentus) Cädm. 91. neben vîne dr. Cädm. 35. Beov. 111. und bëóre dr. Beov. 38. 42; hëlm-be- hongen Beov. 232; gilp-hläden. (celebris, ruhmbedeckt) Beov. 67. gold-hläden (auro onustus) vind-hladen (vento turbidus); beág-hroden (annulis rubefactus) Beov. 49. Jud. 11. gold- hroden (auro rutilus) Beov. 48. 50. 146. 152. neben brin- gum gehroden Jud. 10; hand-locen (manu clausus, von dem panzer) Beov. 26. 44. oder wäre locen ein subst. clausura?; ëarm-scëapen (miser) Cädm. 88. (von Nebu- cadnezar im wald) Beov. 103. (von Grendel) unter die adjectivischen zu rechnen, schiene nicht altn. arm-skapadr mit armr (brachium) gebildet; keine comp. mit -vunden, sondern bevunden und den casus, z. b. virum bevunden (myrtis circumligatus?) Beov. 79. flæsce bev. Beov. 181. galdre bev. Beov. 226. vôpe bev. Beov. 233. mundum bev. (manibus ampl.) Beov. 224. vyrmum bev. Jud. 10. III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. so auch golde berosen (aurc spoliatus) Beov. 217. hamere ge- þyven (malleo cusus) Beov. 98. Seltner mit part. schw. conj., doch ist hand-vorht gebräuchlich, und hring-mæled Cädm. 44; aber der casus steht häufiger, vor oder nachgesetzt (fäted hlëóre, ligatus maxillâ, Beov. 79.). — Altn. comp. enthält die Edda genug und beides mit part. st. wie schw. conj.: ramm- aukinn (viribus pollens) 118 a , vielleicht vom adj. ramr?; mein-blandinn (dolo mixtus) 195 a ; god-borinn (diis oriun- dus) 153 b 271 a (in letzterer stelle gedruckt gôd-b. genere nobilis, was mir verwerflich scheint); konûng-borinn (genere regio) 168 b ; lög-fallinn (capite damnatus, todes verfallen); eitr-fân (veneno coruscans) 55 b mâl-fân (ein dunkles beiwort des schwerts) 84 a. b. , wenn sich fân über- haupt durch fâinn, pictus, multicolor von fâ, polire er- klären läßt [vgl. hernach dreyr-fâdr und oben s. 502. vêh-lahhan, fâhan-lakan, s. 559. vêh]; nifl-farinn (ad in- feros translatus, mortuus) 249 a ; hel-genginn (idem) 129 a ; hand-genginn (familiaris, der zur hand geht); hiart-grô- inn (cordi fixus) hold-grôinn carni adcretus) 271 a ; hôf- gullinn (ungulas auratus) 243 a ; hand-hœggvinn (manu truncatus) Biörn; hug-leikinn (animo fixus); her-numinn (bello captus) 187 a ; vîg-risinn (bello clarus) 235 a ; gull- rodinn (auro rubefactus) 244 b ; vog-skorinn (amfractuosus) Biörn; stâl-fleginn (chalybe obductus); lög-tekinn (lege re- ceptus). Und schw. conj.: gull-bitladr (auro frenatus) 155 a stiórn-bitladr (lupato frenatus) 239 a ; dreyr-fâdr (sanguine rutilus) 142 b ; nâtt-dögqvadr (roscidus); silfr-gyltr (argento inauratus) 245 b ; ûlf-hugad (lupinus animo) 182 b ; gull-hyrndr cornu auratus) 141 a ; hand-seldr (traditus); arm-skapadr (an- cus, wozu die von Biörn angeführte stelle stimmt: kona arm- sköpud ok kröpnud, obgleich es auch allgemein misera bedeuten könnte); hör-skryddr (lino amictus); baug-va- ridr (annulo ornatus) 166 a hrîng-varidr (id.) 225 b u. a. m. Häufig steht aber auch uncomponierter casus, z. b. bölvi blandinn 209 b afli genginn 209 a viti bundinn 124 b blôdi stockinn 151 a ecka þrunginn 168 a fiötri fatladr 207 b etc. Aus 1, 307. 1012. ist sich übrigens zu erinnern, daß ver- schiedentlich -inn für -idr gelte, wohin wohl ord-bœginn 52 a von bœgja (molestare), unsichrer böd-frœkinn, vîg- frœkinn 272 b gerechnet werden können, da Biörn kein verb. frœkja kennt, vielleicht ist frœkinn entstellung des adj. frœkn, ahd. fruohhan (oben s. 165.)? Umgekehrt möchte arm-skapadr aus arm-skapan entspringen? — Mhd. währt die seltenheit solcher zus. setzungen fort; was ich anzuführen weiß, beschränkt sich auf wint-schaffen III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. Trist. tobe-trunken Barl. und goit-gewunden pf. ch. 69 b (fragm. 35 a ); schaffen und trunken habe ich mit unrecht s. 165. zu den adj. gezählt, für beide comp. ist aber die subst. natur des ersten worts noch zweifelhaft, golt-ge- wunden scheint ein altepischer ausdruck. In der regel setzen die dichter den casus, z. b. mit golde wol bewun- den. wol bew. m. g. Wigal. 35. 67. von golde durch- slagen a. w. 3, 236. von liebe trunken troj. 74 b . — Ge- gen diesen sparsamen gebrauch sticht der nhd. überfluß ab, den wir aber erst den dichtern (seit 1750) verdanken; die schlesischen wagten noch nicht so zu componieren. Luther bedient sich nur einzelner wortbildungen, nament- lich des ausdruckes schrift-gelehrt (legis peritus). Ade- lung erkannte wohl einige an, z. b. ehr-vergeßen, pflicht- verg. kunft-beflißen, kunst-erfahren und sträubte sich ge- gen die menge der übrigen lehrgeb. II. §. 465. p. 25; den hauptgrund wuste er nicht einmahl geltend zu machen, daß sie im ahd. und mhd. beinahe fehlen. . Vergebens; denn was der hochd. mundart fremdgeworden, nicht völlig unbekannt war, was sich in der poesie der verschwisterten stämme deutlich entfaltet hatte, durfte auch unsrer neugelösten zunge angemuthet werden und heutzutage klingen zusam- mensetzungen wie folgende durchaus nicht undeutsch: knecht-geboren, staub-geboren, schiff-befahren, dorn-ge- flochten, meer-umfloßen, gott-ergeben, tuch-behangen. fluch-beladen, qual-entladen, gold-beschlagen, fisch-ver- schlungen, lied-besungen, wonne-trunken, gras-bewach- sen, land-verwiesen; moos-bedeckt, ruhm-bedeckt, schnee- bedeckt, sturm-bedroht, blut-befleckt, gold-geflügelt, angst- erfüllt, gott-geführt, wald-bekränzt, berg-gekrönt, gram- belastet, gift-vermischt, gott-gesandt, see-bespült, pelz- besetzt, schwert-bewafnet, wind-bewegt, gold-gewirkt. feuer-verzehrt gewöhnlich werden sie sich durch die praep. von , mit , aus erklären; selten durch ein bewegendes in , an (s. 431. 433.) wiewohl an sich nichts dawider siritte; heim-gegangen, heim-gefahren ist zweifelhaftes beispiel (wie heim-gang, heim-fahrt), himmel-gefah- ren, thier-verwandelt, meer-versunken scheineu mir zuläßig, vgl. das schw. berg-tagen und altn. hel-genginn. u. a. m. Doch dürfen keine neue nüch- tern erfunden werden und ihre anwendung muß über- haupt maß halten, etwa wie die im vorigen abschnitt an- geführten zus. gesetzten adjectiva (deren zweites wort nicht abstract geworden ist) häufigen gebrauch nicht ver- P p III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. statten. Tadelhaft ist es auch, das part. mit der plural- form des subst. zu componieren, wie von sprachunkun- digen geschieht, z. b. zähne-bewafnet, blumen-bekränzt, wogen-umflutet st. zahn-b. blum-bekr. wog-umfl., höch- stens gienge das plurale -er in die zus. setzung ein (s. 578.) Man b. merke, wie (mit ausnahme von liebe-trunken, wonne-trunken) alle diese composita die partikel ge-, oder eine andere, die das ganze verbum zus. setzt, vor dem zweiten worte haben und. wie sie sich dadurch von den aus zus. gesetzten subst. erwachsnen verbis (s. 586.) unter- scheiden, deren ge- seine stelle vor dem ersten worte nimmt, vgl. gerathschlagt, geheirathet, gehohnlächelt mit gottgesandt, schiefergedeckt. Hier ist gott, schiefer ledig- lich mit dem part., das der partikel nicht entbehren kann, componiert. — Im nnl. sind, meines wißens, diese freie- ren und dichterischen comp. noch nicht eingeführt, nur die schon früher auch im nhd. gültigen: schrift-gelêrd, god-gelêrd, got-gelâten, god-overgeven finden statt. Die neunord. sprachen hatten sie aber nie aufgegeben. So heißt bei den norweg. hirten vieh, das nach dem volks- glauben die zwerge gelähmt haben, dverg-slagen (Hallag. p. 20 b ). In den schwed. volksliedern begegnen solche composita hauptsächlich von den verbis wirken, binden, sticken, nähen, schlagen, z. b. silfver-spänd 1, 14. silver- stickad 3, 53. silke-stickad 1, 14; 3, 46. silke-sydd 2, 52. sölf-slagen 1, 160. gull-spänd 3, 46. gull-flätad 3, 31. gull- virkad 3, 31. sorg-bebunden 1, 4; heutige dichter gehen kühner damit um: svärd-slagen (schwert-erschlagen) berg- tagen (von geistern in den berg entführt) blod-bestänkt (blut-besprützt) svärd-omgiordad (schwert-begürtet) stiern- bekransad (stern-bekränzt). Beispiele aus den dän. volks- liedern: sölv-bunden 3, 123. 146. silke-stukken 3, 397. sölv-spend 3, 67; althergebracht sind auch skib-bruden (schiffbrüchig, beßer als das schwed. skepps-bruten) orm- stukken (wurmstichig); neuere dichter gebrauchen: guld- udsyed (gold-ausgenäht) skiold-belagt (schild-bedeckt) ur- te-prydet (kraut- oder kräuter-geschmückt) diävle-blendt u. a. m. Engl. beispiele suche man bei Shaksp. shard- born, toad-spotted etc. — Noch fragt es sich, ob von dergleichen zus. gesetzten part. praet. ableitungen statthaft sind, fem. auf î, adj. auf -îc? Zusammengesetzte adj. erscheinen ihrer bisweilen fähig. vgl. ruahha-lôsî, lâstar-pârîc und warum sollte von regin-blind kein subst. regin-blindî stammen können? Theoretisch wäre, was dem einfachen part. gilt (f. 399. δ .) III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. dem componierten einzuräumen, z. b. falls ein ahd. wîn- trunchan gölte, würde wîn-trunchanî daraus folgen (ich finde upar-trunchanî, ubar-trunchalî vom adj. trunchal, vermuthe auch eher wîn-trunchalî, als wîn-trunchanî). Da aber in den neueren sprachen die bildung der fem. auf -e überhaupt versiegt, so kommen comp. part. praet. weder in dieser ableitung, noch in andern vor. Ob sie weitere zusammensetzungen (mit -heit, -lich) erlauben, gehört in §. 3. Bei dieser gelegenheit will ich eine s. 184. und 365. aufgestellte vermuthung ganz verwerfen. Die goth. -ubni sind keine composita, am wenigsten mit part. praet. weil 1) der comp. vocal mangelt, 2) ein part. ubns, ôbns unerweislich und höchst unwahrscheinlich ist, 3) so- wohl composition, als die neue derivation daraus aller analogie entbehren. Das altn. -efni componiert sich nur uneigentlich (genitivisch). IV) zusammensetzung mit dem infinitiv. Wie der inf. substantivisch gesetzt werde hat die syntax auszuführen, hier ist bloß von seiner, alsdann thunlichen composition mit substantiven die rede; was von ihm gilt (sei er nun nom. oder acc.) muß auch von seiner gen. und dativform (1, 1021. 1022.) behauptet werden. Ich un- terscheide α ) wo die composition schon im subst. vorgegangen, das verbum bloß daraus abgeleitet ist, versteht es sich von selbst, daß auch der inf. und seine casus componiert ge- braucht werden dürfen vgl. hals-slagônnes O. IV. 19, 144. β ) es kann aber auch die zusammensetzung erst mit den genannten verbalformen erfolgen, gleichviel ob das verbum schwach oder stark conjugiere. Dem wirklichen und ganzen verbo wurde diese compositionsfähigkeit s. 582. abgesprochen. Dem inf. seiner substantivischen, wie den participien ihrer adjectivischen natur halben, muß sie zuerkannt werden. So gut man ahd. chnëht- wësanti (und theoretisch chnëht-wortanêr) sagen durfte, war auch chnëht-wësan, chnëht-wësannes N. 62, 4. chnëht-wësanne erlaubt. Doch will ich lange nicht aus jedem gangbaren compos. mit participien auf analoge mit dem inf. schließen. Im ahd. und mhd. scheinen keine oder wenige beispiele vorzuliegen, die präpositionell zu erklären sind. Gewöhnlich kann das erste wort von dem zweiten accusativisch regiert werden und dann entspringt zweifel zwischen eigentlicher comp. und uneigentlicher. Gar keine comp. ist in liutô fillennes, fiures brennennes P p 2 III. subst. eigentl. comp. — subst. mit verb. (des schlagens der leute, des brennens des feuers) O. V. 23, 131, 132. Mhd. belege: holre-blâsen Bit. 88 b spër- brëchens a. Tit. 79. vëder-lësen amgb. 24 a satel-rûmens Parc. 69 b knie-rûnen MS. 2, 137 a sumber-slahen Bit. 88 b , vielleicht vëder lësen und dafür spricht: vëder liset MS. 2. 240 a ; oder wäre zu ändern vëder-lëset, (vom subst. vëder-lëse) praet. vëder-lësete? deun vëder-liset, praet. vëder-las leugne ich. , sumber slahen? Nhd. sagen wir: eh-brechen, blut-vergießen, blei-gießen, haus-hal- ten, hof-halten, athem-holen, feder-lesen, feld-meßen, land-meßen, theil-nehmen, wahr-nehmen, dank-sagen, luft-schöpfen, waßer-tragen, tag-wählen nnd vieles ähn- liche, in welchen allen wirkliche acc. sich uneigentlich mit dem inf. mögen verbunden haben, früher gar keine comp. statt fand und noch jetzt öftere auflösung eintritt, z. b. wenn ein adj. vorgesetzt wird (unschuldiges blut ver- gießen, tiefen athem holen, allen theil nehmen) oder das subst. hinter das verbum rückt (ich vergieße blut, nehme theil). Nur steht nicht mit bestimmtheit zu behaupten, daß hier überall keine eigentl. comp. zu grunde liege; wie das mhd. adj. hove-bære, ahd. hova-pâri, seinen comp. vocal kundgibt, könnte das tag-wählen, des tag-wählens auf ahd. taga-weljan. taga-weljannes beruhen. Es fehlen nns bei dieser untersuchung ältere beispiele. Da wo deutliche acc. pl. an das verbum stoßen, z. b. kränze- winden, gäste-setzen ist höchstens uneigentliche zus. setzung, nie eigentliche annehmbar. Nhd. praepositionelle compo- sita laßen sich freilich auch wenige beibringen, das blatt- pfeifen (auf dem bl.) des blatt-pfeifens, das gold-beschla- gen, des gold-beschlagens etc. dürfte gesagt werden, kaum das ruhm-bedecken, lied-besingen etc. Die neunord. spra- chen bieten verschiedentlich substantivisch zus. gesetzte verba zugleich in der form des inf. und part. praet. dar, deren gangbaren indic. etc. ich in zweifel ziehen möchte. Fände er statt und wäre ihnen ein zu grunde liegendes subst. oder adj. nachzuweisen; so würden sie oben s. 585. nicht hier anzuführen sein. Beispiele: schwed. tro-lofva (verloben) tro-lofvat, dän. tro-love, tro-lovet; schwed. syssel-sätta (beschäftigen) syssel-satt, dän. syssel-sätte; schwed. stål-sätta (stählen) stål-satt, dän staal-sätte; schwed. bo-sätta (das haus einrichten) dän. boe-sätte u. a. m. III. subst. uneigentliche composition. II. substantivische uneigentliche composition. (vgl. s. 410.) Die uneigentliche zusammensetzung ist nie ursprünglich, vielmehr überall erst aus einem dem zweiten wort un- mittelbar voranstehenden casus allmählig hervorgegangen (s. 408. 409.). Liebte die deutsche sprache dieses voraus- stellen nicht, setzte sie gleich der lat. das abhängige no- men öfter, gleich der französ. immer nach , so würde es weit weniger oder gar keine deutsche uneigentliche com- posita geben. Sie sind ein völliger gegensatz zu den ei- gentlichen. Diese zeigen keine flexion im ersten wort, die uneigentlichen zeigen sie immer und nothwendig. Die eigentlichen gründen sich auf den comp. vocal, der frei- lich in der spätern zeit verschwindet; die uneigentlichen können ihn nie, selbst in der ältesten zeit nicht haben. Die eigentlichen bringen eine allgemeine, vielseitige, neue bedeutung hervor, die uneigentlichen beruhen auf dem engen und bestimmten sinn, den die construction enthält, aus welcher sie erwachsen sind. Gleichwohl insofern das erste wort nach und nach der construction entzogen wird und die composition zu stande kommt, kann sich auch sein begriff einigermaßen verändern und es gibt puncte, wo eigentliche und uneigentliche zus. setzungen einan- der nahe treten, wo sie nach zeit und mundart sich ge- genseitig vertreten. Im goth. braucht noch höchst selten uneigentliche zus. setzung angenommen zu werden; im altn. scheint sie vorzüglich begünstigt; im nhd. ist sie weit gangbarer, als im mhd. und ahd. Unter allen uneig. comp. sind die genitivischen die wichtigsten und zahlreichsten. Näheres ergibt die abhandlung. Substantiv mit substantiv. Hier kommen zwei casus in betracht, die ein verhältnis des ersten worts zum zweiten begründen, der gen. und der acc. Denn der nom. kann überhaupt nicht von einem andern subst. abhängen, der dat. nur in wenigen fällen, wo dem subst. noch die kraft eines adj. oder part. beiwohnt. Auch die rection des acc. setzt in dem zwei- ten wort, wenn sie anders statt findet, verbales vermö- gen voraus; allein die fälle sind häufiger. I. genitivische zusammensetzung. Bei Ulf. stehet, wie in dem texte, den er verdeutscht, der gen. fast immer nach dem fubst., das ihn regiert. III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. Alle bisher bekannt gemachten bruchstücke haben ihn bloß in neun stellen unmittelbar vor dem subst., was ge- gen die hunderte, in welchen er nachgesetzt wird, bei- nahe verschwindet. Die neun stellen sind: afstassáis bô- kôs Matth. 5, 31. ( ἀποστάσιον , er muß aber ἀποστασίου βιβλίον gelesen haben oder einer Jat. version gefolgt sein, wenn es nicht spätere interpolationen aus der Itala sind; die vulg. hat libellum repudii. , vgl. Marc. 10, 4. bôkôs afsa- teináis, βιβλ. ἀπ. ); faúr hanins hruk ( πρὶν ἀλέκτορα φω- νῆσαι ) Matth. 26, 75; hvaírneins staþs ( κρανίου τόπος ) Marc. 15, 22; dagis vig ( ἡμέρας ὁδόν ) Luc. 2, 44; leikis fiunái ( σωματικῷ εἴδει ) Luc. 3, 22; tvaddjê mannê veit- vôdiþa ( δύο ἀνθρώπων ἡ μαρτυρία ) Joh. 8, 17; fareisáiê andbahtans ( φαρισαίων ὑπηρέτας ) Joh. 18, 3; gudjins skalk ( ἀρχιερέως δοῦλον ) Joh. 18, 10, guþs garáideinái ( θεοῦ διαταγῇ ) Rom. 13, 2; guþs andbahts ( θεοῦ διάκ .) Rom. 13, 4. In keiner wird man composition annehmen wollen, in den meisten befolgt der übersetzer die wort- stellung des originals, wie in den vielen andern, wo der gen. nachsteht; das freiere leikis siunái zeigt vielleicht, daß die goth. sprache, gleich den übrigen deutschen, den gen. lieber vorausgehen läßt. Und das bestärken noch weit mehr einige fälle, in denen Ulf. ein (einfaches oder eigentlich zus. gesetztes) gr. subst. mit zwei gothischen umschreibt; da steht der gen. vorher und da ist unei- gentl. comp. möglich. Ich rechne dahin baúrgs-vaddjus ( τεῖχος ) Neh. 5, 16. 6, 15. 7, 1; þruts-fill ( λέπρα ) Matth. 8, 2, 3. Marc. 1, 42. Luc. 5, 12; zweifelhafter dulgis-skula ( χρεωφειλέτης ) Luc. 7, 41. und sigisláun ( βραβεῖον ) Phi- lipp. 3, 14. Warum componierte er in beiden ersten nicht eigentlich: baúrga-vaddjus (vgl. grundu-v. θεμέλιον ) und þruta-fill? sollte der genitivbegriff: mauer der stadt aus- gedrückt werden? Auch þruts muß ein gen. sein (ts in keiner goth. wurzel, nur in flexionen, namentlich der secunda dualis und in nom. masc. hláuts, svarts, vgl. 1, 840. 1049.) dazu anomaler. wie mans oder baúrgs, folg- lich für þrutis oder þrutáis, nom. þruts, welches ich oben s. 20. zu nr. 252. gestellt habe; die genaue bedeu- tung unsicher kann ein thier gemeint sein, dessen räudige haut dem aussatz verglichen wurde? wie wir nhd. gänsehaut ähnlich ge- brauchen. . Ein loser gen. þruts fill ist mir, weil außer den drei stellen des subst. auch ein adjectiv þruts- fills (leprosus) Matth. 11, 5. Luc. 17, 12. vorkommt, un- III. subst. uneig comp. — subst. mit subst. gen. wahrscheinlich und nach der analogie von þruts-fill ziehe ich baúrgs-v. dem baúrgs vaddjus vor. Dulgis-skula mag aber fast soviel für sich haben, als dulgis skula (dem gleichbedeutigen faíhu-skula entspräche dulga-skula, vgl. dulga-háitja) skula regiert bald den gen. (Matth. 5, 22. Marc. 3, 29.) bald den dat. (Matth. 5, 21. Marc. 14, 68.); sigis-láun oder sigis l. ist sonst bedenklich und schon s. 475. 476. besprochen. — Im ahd. ist die vorsetzung des gen. so an der ord- nung, daß beßere übersetzungen, namentlich J. und T., die stellung des lat. textes umkehren; vgl. chuningô hruccâ, druhtînes gheist, scalches farawa, mannô walden- dëo, gotes minnju J, 346. 353. 355. 359. 384; thonares kind, himilô rîche, johanneses toufî, mannes sun, gotes gibëte. himiles fugalâ, mittelgartes gitâtî, waƷƷares zuibar, stei- nes wors T. 22, 6. 64, 7. 64, 8. 64, 14. (153, 2. 158, 6. 182, 7. 218, 4.) 70, 1. 73, 2. 73, 3. 157, 2. 181, 1. und ähnliche stellen in menge mit dem latein, das hier den gen. immer nachsetzt. O. und N. bestätigen diese eigen- heit der ahd. syntax auf allen blättern. Wie sich aus solcher wortstellung uneigentliche composita entwickelu konnten, ist also sehr begreiflich. Wo aber muß der ungebundne casus und wo angeuommen werden, daß er dem folgenden subst. accresciert? Regel scheint mir die losheit, ausnahme die gebundenheit des gen. Nähere be- stimmungen wären etwa: α ) wenn dem gen. noch ein zu ihm gehörendes adj. oder prou., namentlich der artikel vorausgeht, so findet keine zus. setzung statt; denn dadurch wird er selbstän- diger und gleichsam von dem regierenden subst. zurück- gehalten. Z. b. dës heilagin geistes minna, oder thës sëlben wërkes guatî O. IV. 11, 82. thës geistes giburt O. II. 2, 93. thës skëses nezi T. 236, 3. Ebenso, wenn ein andrer gen. subst. derselben construction vorausgeht, z. b. dës rîhhes u. lantes giwalt oder gar vom befragten gen. selbst abhängt: gotes gibotes suaƷî O. I. 1, 93. Und ein gleiches gilt in den seltneren fällen, wo solche adj. und subst. noch hinter dem regierenden subst. nachfolgen. β ) umgekehrt wird uneigentliche comp. dadurch be- günstigt, daß dem gen. ein zu dem regierenden subst. ge- höriges pron. oder adj. vorausgeht; der eingeschloßene gen. büßt leichter seine freie stellung ein und findet sich zu dem folgenden subst. hingedrängt, z. b. dër gotes boto O. I. 4, 113. dës gotes botin etc. Allein ich bin weit III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. entfernt, aus diesem, im nhd. beinahe entschieden com- position mit sich fuhrenden falle sie schon für das ahd. zu folgern, wo solche wortfügungen ganz häufig vor- kommen. Sie wird dann bloß möglich und erleichtert, wenn weitere ursachen hinzutreten; vgl. den goth. arti- kel in: þata þruts-fill, sô baurgs-vaddjus, þizôs baúrgs- vaddjáus. γ ) die hauptursache der composition liegt in dem na- menwerden . Zwei subst. in der hier abgehandelten stel- lung, zur benennung von land, leuten, thieren, pflan- zen, werkzeugen dienend, kehren so häufig wieder, daß ihre ursprünglich lebendige bedeutung erbleicht, ihre ur- sprünglich freie construction in uneigentliche zus. setzung verwächst, d. h. der vorstehende gen. seine stelle nicht mehr verlaßen kann. Die accretion wird durch die ge- fügigkeit der deutschen genitivflexionen befördert. Ei- gentliche composition konnte, da dem verhältnis reingeniti- vische abhängigkeit zu grunde liegt, nicht angewendet wer- den. Ob nun in den folgenden beispielen schon überall wirk- liche comp. eingetreten, oder noch der lose gen. anzu- nehmen sei, will ich nicht entscheiden, bloß, indem ich jene setze, behaupten, daß sie in dergleichen fällen am frühesten vorhanden gewesen sein könne. a) geläufige namen von land und ort : lancpartô-lant, peigirô-lant, walhô-lant, scottônô-lant, franchônô-lant, wascônô-lant, suâbô-rîhhi; adalhartes-pâra, përhtoldes- pâra; rëganes-puruc; amalgêres-wîlâri; gotes-hûs (tem- plum) T. 68, 3. përahtleibes-hûsir; ëbures-bërc (sr. or 1, 674.) vogales-bërc, buhiles-përc, babin-bërc; tuzzin- wanc, wisantes-wanc; wisantes-steiga; buobin-tal, fran- chônô-tal, wolvô-tal; mânin-sêo (lacus lunae) brëƷƷu- lûn-sêo (sr. or. 1, 674.); hrabanes-brunno (ibid.) blîderes- brunno, scalchô-brunno; franchônô-furt; reginhartes- wald; hasin-riod; samt vielen ähnlichen mit -fëld, -hnol, -wisa, -pah etc. deren erstes wort den bewohner, be- sitzer oder ein daselbst hausendes thier anzeigt. Seltner drückt der gen. ein anderes örtliches kennzeichen aus, etwa einen einzelnen baum (Neugart hat birboumes-tors); sind aber viele bäume gemeint, so gilt eigentliche com- position, zumeist adjectivische (vgl. oben s. 414. asca-pah, s. 530. affaltar-wanc und §. 2. maƷaltrìna-bërc, haganîna- sôl). Loser gen. (nach α ) steht z. b. in: frîgêrô mannô vëlt, wildêrô wibô hûs, ortsbenennungen in den tradit. fuld.; desgl. überall, wo kein fortwährender name aus- III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. gedrückt werden soll, z. b. havanâres lant (ager figuli) jun. 234. goth. akrs kasjins Matth. 27, 7. b) persönliche verhältnisse: mannes-sun T. 158, 6. 182, 7. (aber 218, 4. thës mannes sun, goth. sunus mans) menniscôn-sune (filii hominum i. e. homines) N. 88, 48. thonares-kind (filii tonitrus) T. 22, 6. (goth. sunjus þeih- vôns Marc. 3, 17.) dûbûn-kind O. II. 7, 72. hîwiskes-fa- ter (pater fam.) T. 44, 17. 72, 4. faterin-tohter jun. 219. fetirin-sune mons. 333. windis-prût (turbo) hrab. 975 b jun. 230. flor. 982 a 983 b 984 b (venti conjux, mythischer name, vgl. altn. œgis-dôttor, kôlgo-systir) etc. Nicht leicht wird es in diesen beispielen sun thës mannes, prût des windes (noch: dës w. p.) heißen, dagegen, wo lebendige genitive walten, abwechselnd: heribrantes sunu, sunu heribrantes; dër gotes poto, dër poto gotes; frankônô thiot O. I. 1, 248. thiot frankônô; wìges leitidâ (belli duces) hymn. 22. oder leitidâ wîges; potôn chind (apo- stolorum filii) N. 101, 28. c) thiernamen wenige auf diese weise, man müste die ahd. benennungen für insecten kennen, die meisten übrigen thiere besitzen einfache oder eigentlich zus. ge- setzte namen; doch finde ich hundes-fliega (musca ca- nina) trev. 15 a svînes-lûs (vermis porci) lindenbr. 1001 b und psafen-dûmo trev. 14 a unter fischen, wenn es nicht ein schwamm ist. d) desto mehr pflanzennamen fallen hierher, zumahl solcher die der volksglaube aus bestandtheilen von göttern und thieren herleitet oder damit vergleicht, blas. 55-58. trev. 18. 19. folgende: hanin-fuoƷ, wolves-milch, hasin- ôra, kranches-snabel, kazin-zagel, wolves-zeisala, hirƷes- zunga, hrindes-zunga, hundes-zunga u. a. m., die sich nicht auflösen laßen in: fuoƷ dës hanin, ôra dës hasin etc. Eine menge solcher wörter sind jetzt untergegangen. e) namen lebloser dinge , theile eines ganzen, geräth- schaften: scëffes-crans (prora) hrab. 972 a scëffes-podum (carina) hrab. 956 a scëffes-stiura (puppis) jun. 246; pfluo- ges-houbit (buris, stiva) zwetl. 130 a 135 b flor. 987 a ; waskin-plûil (fullonis vectes) mons. 412; helphantes-bein O. I. 1, 32; përon-zan, maorin-zan, beides nom. pr. bei Ried nr. 15. Neug. nr. 48. sneckin-hûs doc. 235 b thisteles- floccho (lanugo) aug. 126 b . Dahin auch die comp. mit -chorn: gërstûn-korn O. III. 7, 50. sënefes-korn T. 92. sënefes-chorn N. 45, 3. (vgl. goth. kaúrnô sinapis Luc. III. subst. unetg comp. — subst. mit subst. gen. 17, 16. kaúrnô hváiteis Joh. 12, 24.) und beres-boto (zi- zania; baccae nuntius, index?) T. 72, 3, 4, 6. f) namen von tagen und zeiten : sunnûn-tac (oben s. 488.) sunnûn-âband O. V. 4, 17. toniris-tac N. 80, 1; vgl. sunnûn-sëdal ker. 22. sunnûn-sëdalkanc hrab. 967 b sunnûn-lioht O. I. 2, 27. N. Boeth. 171. tages-lieht N. 148, 3. — Im ags. gehen, wie im ahd., die genitive häufig und zumahl die gen. pl. häufiger als im ahd. dem subst. un- mittelbar voraus, von welchem sie abhängen. Beispiele: gumena baldor Jud. 9. 10. sinca baldor Beov. 181. bëorna brëgo Jud. 12. häleða brëgo Beov. 147. vigena brëgo Jud. 10. beága brytta Beov. 5. 113. lîses brytta Cädm. 3. 58. morðres brytta Jud. 10. sinces brytta Beov. 144. 155. tires brytta Jud. 10. ëorla dryhten Beov. 80. 174. gifena dryhten Cädm. 63. gumena dryhten Beov. 137. svëgles ëaldor Jud. 10. hringa fengel Beov. 175. vîsa fen- gel Beov. 106. bëorges hirde Beov. 172. cumbles hirde Beov. 187. dugoða h. Cädm. 4. firena h. Beov. 58. hringa h. Beov. 168. lëohta h. rîces h. Beov. 152. sâvele h. Beov. 131. yrfes h. Cädm. 35. folca ræsva Cädm. 89. vërodes ræsva Cädm. 85. äsca tir Cädm. 45. 46. cyninges þëgn Beov. 67. fæmnan þëgn Cädm. 65. vuldres þëgn Cädm. 35. bëorges vëard Beov. 188. 192. moncynnes v. Cädm. 59. engla v. Cädm. 1. gâsta v. Cädm. 1. 2. gumena v. Cädm. 88. bëáhhorda v. Beov. 70. lîfes v. Cädm. 4. rîces v. Beov. 106. hëofonrîces v. Cädm. 85. rodora v. Cädm. 1, 170. svëgles v. Jud. 10. Alle diese sind poetische aus- drücke für gott, held, mensch, diener; so steht auch, einen beschützer, freund und tröster zu bezeichnen, der gen. bei hëlm, hlëó: hëofona hëlm Beov. 16. engla hëlm Cädm. 59. gâsta hëlm Cädm. 53. liðmanna hëlm Beov. 123. vëdra helm Beov. 184. 201. ëorla hlëó Beov. 61. 78. 140. 160. 164. vëalla hlëó Cädm. 89. und nachgesetzt bei (schon eigentlich componiertem) vine: freávine folca Beov. 176. 181. 182. goldvine geáta (gumena) Beov. 112. 121. 180. 192. Jud. 22. Belege für subst. sächlicher bedeu- tung: fisces bæd Run. ganotes bæð (mare) Run. Beov. 140. vuldres beám Cädm. 74. irena cyst Beov. 53. 62. 128. symbla cyst Beov. 94. vëdera cyst Cädm. 82. væpna cyst Beov. 118. ëorla gedryht Cädm. 69. fäder fäðm (gremium patris) Beov. 16. fŷres fäðm Beov. 16. dracan fëll Beov. 156. fŷres feng Beov. 133. volcna gang Cädm. 88. flôda begang Beov. 114. 137. svëgles begong Beov. III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. 66. 134. svëordes hâd (ordo militaris?) Beov. 164. häleða hryre Beov. 154. ecga gelâc (ludus ensium) Beov. 89. svëorda gelâc Beov. 79. homera (hamora) lâfe Beov. 210. chron. sax. Ingr. 141. daraða lâfe Aethelst. hrêðles lâfe Beov. 164. svëorda lâfe Beov. 218. vätra lâfe Cädm. 35. væpna lâfe Cädm. 44. 76. sunnan lëóht Beov. 51. gumena rîce Cädm. 88. ëorðan rîce Cädm. 91. hëofena rîce Cädm. 1. maga rîce Beov. 139. flâna scûr Jud. 11. rëgna scûr Cädm. 87. volcna scûr Cädm. 82. yða gespring Beov. 66. ëorla gestrëón Beov. 234. häleða gestrëón Cädm. 89. hëar- pan svêg Beov. 9. 183. nedran svêg Cädm. 93. engla þreát Cädm. 1. 95. vyrma þreát Cädm. 98. enta gevëorc Beov. 202. 206. giganta gevëorc Beov. 118. vundorsmiða gevëorc Beov. 127. ëorðan vynne Beov. 130. 203. hëarpan vynne Beov. 158. 169. Welche unter diesen beispielen sich der composition nähern, welche in sie übergehen, ist wie im ahd. zu beurtheilen. Am ersten thun werden es solche, die der häufige gebrauch zu dichterischen beinamen gestempelt hat, je weniger ihr sinn auf die umschreibung geht, als auf den umschriebenen gegenstand. Hamora lâfe bedeu- ten z. b., was die hammerschläge übrig gelaßen haben, d. i. die geschmiedete waffe, folglich einfach das schwert; vätra lâfe, was aus der sündflut entkommen ist; væpna lâfe, was das schwert verschont hat, d. h. die aus der schlacht heimgekehrten krieger; fisces bæð das bad des fisches, folglich das meer. Solche epitheta scheinen mir enger verbunden und beinahe den nom. pr. gleich, deren die ags. sprache ebenfalls eine menge darbietet, z. b. hräfnes-holt (lucus corvorum) Beov. 217. äsces-dûn (fraxini mons) brûnan-burh (castrum brunonis) buccinga- hâm, bëofores-stân (castoris rupes) oxena-ford etc. — Genitive vor subst., von denen sie abhängen, gewährt jedes blatt der altn. denkmähler, die herausgeber schwan- ken zwischen loser und verbindender schreibung. Unei- gentliche composition, d. h. allmählige ertödtung der ur- sprünglichen rection scheint mir wiederum hauptsächlich in folgenden fällen annehmbar a) bei örtlichen namen: svâva-land edd. sæm. 141. flæmîngja-land (Rask p. 218.) haddîngja-land, hûna-land, frânka- îki, dana-veldi, svîa-veldi, vana-heimr, munar- heimr edd. sæm. 140 a parisar-borg, kaupmanna-höfn, sigars-hôlm 142 b hindar-fiall (mons cervae) 191 b salar- steinn 1 b 3 a hvëra-lundr 7 a glasis-lundr 140 b iða-völlr 2 a III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst gen. mimis-brunnr 4 a 88 b urdar-brunni 4 a gnŷpa-lundr, gnŷpa- hellir u. a. m. b) persönliche benennungen: sonar-sonr, brôðrsônar- kona, brœðra-konur, ôdins-sonr 6 b 8 a idmundar-sonr 141 a þiódans-kona 28 b herja-fadir 6 a und besonders viele comp. mit -madr, -kona, -efni, smiðr: arnadar-madr (intercessor) bords-m. bods-m. (conviva) bûdar-m. bor- gunar-m. (sponsor) embættis-m. fiâr-m. flugu-m. (sicarius) hvala-m. (cetarius) hvata-m. (suasor) mans-m. (manci- pium) môtgangs-m. (hostis) mælîngar-m. (mathematicus) mundângs-m. (h. modestus) nâms-m. (homo ingeniosus) nauta-m. (bubulcus) starfs-m. (laboriosus) stoltar-m. (su- perbus) ullar-m. (lanifex); bakara-kona (pistrix) ullar- kona (lanifica); konûngs-efni, biskups-efni, prêsts-efni, mâgs-efni, d. h. das, woraus ein könig, bischof, priester, schwager wird von efni (material); man sagt auch kŷr-efni (vitulus) hlâturs-efni, sorgar-esui; (stoff zu lachen und trauer) Rask p. 219. ; böngunar-smiðr, hûsa-smiðr etc. Da- hin auch die eddischen zus. setzungen mit -bani, skaði: baldurs-bani, fâfnis-bani u. dgl. c) pflanzen namen, deren erstes wort einen gott oder ein thier aussagt, vgl. baldurs-brâ, friggjar-gras, brönu- grös, biarnar-buna, hana-leikr (dän. hane-lêg), hrafna- blökur, lamba-sûra, krâku-fœtla, þussa-skegg etc. d) theile des thierischen leibs: svìns-flêsk (lardum) svîna-kiöt, nauta-kiöt, svîns-har, elgs-hûd, nauts-lëðr, bero-hold 135 a svîns-lifur 234 a hana-kambr, hana-skegg, fila-bein, hiartar-horn etc. e) stücke von geräth und werkzeug: ârar-blad, stiór- nar-blad 195 a hömlu-band, hurdar-âs, stafs-hûn, staß- höfud, bita-höfud, stôlpa-höfud, stôlpa-fôtr, nâlar-auga (goth. þaírkô nêþlôs) skips-bord, skips-kraki, skips-merki, boga-strengr etc. f) zeit verhältnisse: mâna-dagr (dies lunae) sôlskîns- dagr (dies apricus) hvîldar-dagr (sabbatum) hunda-dagar (dies caniculares) sôlar-rod, sôlar-fall (ortus et occasus s.) dags-brûn, dags-liós (dilu-culum) stiörnu-liós (stellarum splendor). g) namen der lieder und weisen: brâgar-hâttr, hymis- qvida, helga-qv. sigurdar-qv. atla-mâl, rîgs-mal, hyndlu- lióð, sôlar-lióð, hrafna-galdr, grôu-galdr, gîgjar-slagr etc. III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. h) abstracte begriffe: hugar-far (mens) bidlundar-gëd (longanimitas) hyllîngar-eiðr (homagium) sönnunar-eiðr u. v. a. i) von der altn. uneigentlichen comp. statt eigentlicher handelt hernach anm. 3, γ . — Die mhd. syntax hat auszuführen, daß der vorste- hende gen. zwar häufiger, als im ahd. vom artikel be- gleitet wird, oft aber auch ohne diesen seine freie stel- lung behauptet und nicht zum folgenden subst. geschlagen zu werden braucht; vgl. schildes ambet Parc. 19 a 37 b 67 b 77 c 88 a (des sch. amb. 23 c ); kumbers buoƷ Parc. 3 o 31 a 41 b ; minnen gëlt Parc. 6 a 70 a huoben gëlt Parc. 132 a strîtes gëlt Parc. 19 b ; strîtes helt Parc. 73 c 81 a ; ritters kleit Parc. 38 a strîtes kleit Wh. 2, 186 b tôren kleit Parc. 39 c wirtes kleit Jw. 21 b ; jâmers last Parc. 76 b strîtes last Parc. 10 c ; hërzen nôt Parc. 8 a Nib. 635. hungers nôt Parc. 34 b 50 b Iw. 24 c Wigal. 167. Frig. 27 a hôchverte nôt Parc. 174 b lasters nôt Parc. 100 b minnemangels nôt Parc. 52 c swërtes nôt livl. 137 a urliuges nôt Parc. 59 a wunders nôt Parc. 38 c ; ritters rëht Parc. 19 a ; gotes slac Parc. 132 b haƷƷes slac Parc. 77 b kampses slac Parc. 77 c tôdes slac Barl. 84.; swërtes swanc Bit. 106 a sënewen swanc Parc. 43 b ; jâmers tac Wh. 2, 166 a heiles tac Eracl. 2049. morgens tac Parc. 40 b strîtes tac Wh. 2, 133 b urloubes tac Parc. 3 a ; heldes tât Parc. 97 b ritters tât Parc. 16 a 161 a ; rabens varwe Parc. 5 b manne s varwe Parc. 30 a lîbes varwe Parc. 40 b viuwers varwe Parc. 42 c ; gotes vlîƷ Parc. 21 b hôchverte vlîƷ Parc. 85 b flâfes vlîƷ Parc. 87 a zornes vlîƷ Parc. 83 b ; goldes wërc Parc. 38 a lobes wërc Parc. 123 b ; slâfes zît Parc. 168 a gnâde zît Flore 55 a kunste zît Wh. 2, 162 b ; oder auf andere weise geordnet: engels guete Barl. 340; gotes dëgen Bit. 3 b gotes êre Parc. 111 c gotes gruoƷ Parc. 41 b gotes gunst Parc. 30 a gotes haut MS. 1, 85 b gotes kraft Parc. 116 c 135 b gotes minne Parc. 105 b gotes trût Geo. 38 a c. p. 361, 12 d gotes vlîƷ; goldes drât troj. 55 b goldes zein Nib. 3566; mannes muot Parc. 1 a mannes kumber Parc. 161 b mannesheil MS. 1, 124 b ; ritters art Parc. 29 c ritters êre Parc. 36 a rittersrëht Parc. 19 a ritters prîs Parc. 44 a ritters trût Parc. 31 b ; strîtes ger Parc. 29 b strîtes gëlt, strîtes helt, strîtes last Parc. 10 c strîtes reise Parc. 80 a strîtes rât Parc. 135 a strîtes vart Parc. 100 a ; tôdes lëger Parc. 83 b todes strâƷe Barl. 105; viures flamme MS. 1, 101 a viures vunke Parc. 165 b Wh. 2, 165 b ; vrouwen III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. trût MS. 1, 97 a vrouwen stimme Parc. 105 b ; wîbes stimme Parc. 33 b wîbes bilde, wîbes kint MS. 2, 208 b wîbes vingerlîn Parc. 31 c wîbes brüste Wigal. LVIII; zornes kraft Parc. 19 a 107 b . Diese wenigen beispiele sind meist aus Wolfr., der folche constructionen liebt, genom- men, laßen sich aber bei jedem andern dichter antreffen. Viele derselben haben das pronom. dër, diu, daƷ vor dem gen., was die spätere composition vorbereitet; im mhd. ist sie wohl noch nicht eingetreten, sondern nur dann anzunehmen, wenn sich eine formel ganz geläufig macht (etwa hungers-nôt) und zum namen wird. Hier- her rechne ich wie in den übrigen sprachen: a) länder und örter: burgonden-lant Nib. 6590. du- ringe-lant (duringen-l. scheint falsch) MS. 2, 2 a 4 a un- ger-lant MS. 2, 6 a. b. beier-lant MS. 2, 63 b tene-lant Nib. tene-marke Nib. MS. 2, 63 b küniges-bërc Wigal. 141. hennen-bërc, baben-bërc MS. 2, 65 a megde-burc (parthe- nopolis) MS. 1, 127 a (ahd. magadî-b. trev. 35 b ) mannes- vëlt Wigal. 108. spëhts-hart Parc. 52 a Nib.; dagegen un- componiert, weil der erste name im liede selbst lebt, gun- thers lant Nib. 192. b) personen: windes-brût MS. 2, 174 a a. w. 2, 2. troj. 77 b 92 a , tadelhaft windes-sprout a. w. 3, 18. aus der ver- kürzung wintsprût Geo. 38 a entsprungen; wirtes-wîp MS. 1, 147 a ; rôsen-kint Geo. 49 a ; vâlandes-man Trist. 6217. 6910; tievels-bote Wigal. 189; strîtes-got MS. 2, 198 b ; hingegen: dës tiuwels brût Roth. 11 b Nib. 1816. dës tiu- vels wîp Nib. 1768. küneges sun Nib. 422. küneges toh- ter Wigal. 102. (vielleicht vürsten-tohter Nib. 1694. vür- sten-dienest amgb. 44 a ) dës wîges got En. 43 a auch un- verbunden sigelinde kint Nib. 197. 555. 1839. chriemhilde man 3471. 3769. 3862. chriemhilde friedel 3436. c) thiere: swalmen-âƷ (musca) Bon. 40, 21. d) pflanzen kommen in den gedichten selten vor, aber gangbar gewesen sein müßen hasen-ôre, rinder- zunge etc. e) theile von thieren: visches-hût Parc. 137 c lûdemes- hût Nib. kalbes-hût livl. 93 b igeles-hût Parc. 126 a pfâ- wen-vëder Wig. 92. wolves-zan Parc. 61 b grundr. 263. natern-zan Parc. 76 b ëberes-zan Parc. 75 c ëberes-houbet Parc. 36 b swînes-ôre, lœwen-herze MS. 2, 140 a swalwen- zagel MS. 1, 130 b . III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. f) theile von pflanzen: linden-blat Nib. Trist. min- zen-blat kolocz 74. (wîden blat troj. 72 c ) linden-rîs Bit. 101 b . g) kleidungsstücke: scharlaches-hosen Wigal. 153. Loh. 22. Parc. 40 c (wo scharlachens, vgl. Geo. 15 b und ahd. scarlahhan, tunica rasilis, oben s. 502.) scharlaches- kappe Wigal. 67. scharlaches-mentelîn Iw. 3 b samîtes- mentelîn Iw. 47 c ciclâdes-kleit Trist. 11106; diese geni- tive scheinen nur bei fremden stoffen vgl. bahnats ein dicke matraƷ Parc. 163 b des rôten feites einen roc Wigal. 55. vielleicht auch Iw. 16 a zu lesen: niuwe klei- der seites. Ich finde auch altschwed. silkes-klæd, silkes-särk, silkes-siykke. zuläßig und dem französ. robe d’êcarlate etc. entsprechend, bei deutschen gilt eigentl. composition, z. b. îsen-hose Wigal. 227. 399. îsen-gewant Wigal. 112. 116. lîn-kappe, lîn-hose Trist. h) geräthe: bracken-seil a. Tit. 132. hosen-nëstel Parc. 102 c ; aber dër pfannen stil MS. 2, 3 b dër pfannen schalk MS. 2, 73 b . i) zeitverhältnis: tômis-tac Roth. 9 a , vielleicht noch einige der s. 489. 490. 605. angeführten mit -tac mnl. doemes-dach Maerl. 2, 106. jaersdach 3, 363. donres- dach, woens-dach 2, 143. 144.; vgl. maaneds-dag in dän. volksliedern. ; lo- bes-jâr a. Tit. 30; sumeres-zît Ben. 151. etwan auch gransprunge-zît (t. pubertatis) Parc. 116 a . k) vermischte fälle, in denen die häufigkeit des ge- brauchs composition kann gewirkt haben: gelückes-rat Wigal. 41. MS. 2, 22 b 140 b müln-rat Herb. 36 a Geo. 42 a ; müln-stein MS. 2, 249 a sarkes-stein Parc. 192 b ; tôten- gebeine Barl. 47. (tôten ist gen. pl.) ritters-gebeine a. Tit. 127. von kindes-beine Ben. 33. (ahd. wohl noch sicher uncomp. vona chindes peine mons. 363.); boten-brôt Nib.; gîgen-slac Nib. brâwen-slac Barl. brücken-slac Parc. 43 b ; bluotes-zaher Parc. 68 a ; küneges-künne Parc. 6 a Wigal. 94; menneschen-heil Parc. 186 a ; kaum bei abstracten begriffen. l) beispiele uneigentl. zus. setzung statt eigentl. anm. 3, γ . — Nhd. darf der gen. in der regel nur dann vorausge- hen, wenn er von einem adj. oder pron. begleitet ist (aller menschen leben; des geistes kraft; eines engels stimme); ohne solches geleit ausnahmsweise α ) bei eigennamen, III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. z. b. ludwigs freund, schillers werke. β ) bei einigen an- dern subst., welche gleich den eigennamen keinen be- stimmten artikel vor sich leiden, namentlich gott: gottes sohn, gottes ehre. γ ) bei den subst. auf -er, welche aus ortsnamen gebildet werden, tritt der gen. pl. (nicht sg.) unzusammengesetzt vor das ihn regierende wort, z. b. frankfurter geld, nürnberger waaren. δ ) für einzelne redensarten, z. b. frühlings anfang. In allen andern fäl- len ist der vorausgehende gen. an das subst. gewachsen und zeichen davon, daß die alleinstehend veraltete schw. genitivflexion fortdauert, sei es nun für einzelne fälle des gen. sg. masc. oder für den gen. sg. fem. und neutr. insgemein, z. b. hah- nen-kamm, sonnen-wärme, augen-blick, da wir jetzt declinieren: des hahns, der sonne, des auges. , von welchem er abhängt, d. h. wirkliche (uneigentliche) comp. eingetreten: 1) beispiele, wo sie schon im ahd. und mhd. möglich war: a) hessen-land, franken-land, däne-mark, königs- berg, franken-berg, franken-thal, manns-feld, thüringer- wald, reinharts-wald. b) kriegs-mann, beckers-frau, winds-braut, königs-sohn, königs-tochter, wirts-frau, kriegs-gott, glücks-kind, teufels-kerl, himmels-bote. c) benennungen der volkssprache für manche insecten, z. b. die libelle heißt drachen-hure, pfaffen-köchin. d) pflan- zen-namen, wiederum meist unter dem gemeinen volk: bären-klau, hahnen-fuß, hasen-öhrlein, hirsch-brunst, hüner-darm, katzen-schwanz, kröten-stuhl (fungus, plattd. padden-stol) löwen-zahn, marien-pantoffel, pfaffen-hut, teu- fels-klau, wolfs-milch etc. e) hahnen-feder, hahnen-kamm, kalbs-fell, hunds-nase, löwen-herz, ochsen-fell, schwanen-fe- der, schweins-leber, gänse-leber, wolfs-zahn, f) linden-blatt, gersten-korn, samen-korn, trauben-kern, trauben-saft, schier- sings-saft. g) hier weiß ich dem mhd. nichts entsprechendes, man componiert eigentlich: sammet-rock, sammet-mütze, scharlach-kleid, vermuthlich weil diese wörter längst einge- wohnt und wie andere deutsche zu behandeln sind. h) hosen-schnalle, pfannen-stiel. i) jahrs-tag, gerichts-tag, abschieds-tag, jahrs-zeit, tags-zeit, sommers-zeit. k) glücks-rad, mühl-rad, todten-kopf (todten ist gen. sg. von: der todte) von kinds-beinen, harfen-schlag, brücken- schlag, bluts-tropfe, menschen-heil. 2) beispiele nhd. composita, wo früher der lose gen. statt fand: hungers-noth, feuers-noth, waßers-noth, III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. kriegs-noth, todes-noth; helden-that; weibs-bild, weibs- name; manns-kraft, manns-person, manns-bild, manns- name; engels-stimme, engels-herz; wirts-haus, wirts- stube, raths-herr, raths-bank, raths-keller, raths-stube; amts-diener, amts-stube; landesherr, landes-fürst, landes- vater; todes-furcht, todes-angst, todes-strafe; todten-hof, u. a. m. Nur kann man lange nicht jedes mhd. subst. mit seinem gen. voran in ein nhd. uneigentl. comp. verwan- deln; unter den wenigen s. 605. angegebnen belegen füge sich bloß eine kleine zahl dazu. Der ganze hergang be- ruht nicht auf theoretischer umwandlung, sondern auf allmähliger und einzelner einführung im gebrauch. Wie sich zuerst nom. pr., hernach im mhd. schon einige an- dere gangbare zusammenstellungen in uneigentliche com- position begaben; so blieben endlich im nhd., nachdem ein schärfer bestimmtes pronomen üblich geworden war von den genitivvorschiebungen fast nur solche übrig, welche sich an das regierende subst. fester anschloßen. Wo das nicht geschah, müßen wir jetzt, wenn aus dem mhd. ins nhd. übersetzt werden soll, den gen. seinem subst. nachtreten laßen, z. b. für zornes kraft sagen: die kraft des zorns, oder andere auf andere weise umschrei- ben. Die genaueren verhältnisse dieser zus. setzungen oder anflösungen zu dem pronomen können erst in der syntax erörtert werden. — Der kürze wegen berühre ich bloß, daß sich im nnl. dän. und schwed. uneigentliche subst. composita ungefähr auf die- selbe weise erzeugt und gestaltet haben, wie im nhd.; z. b. nnl. duivels-bruid, honds-neus, hongers-nôd, konings-doch- ter, konings-zôn, mans-kraft, mans-klêder, zwânen-hals, zwânen-zang etc.; dän. diävels-barn, diävels-bid (teufels- biß, ein kraut) ilds-nœd, ilds-lue, mands-lem, mands- person, vands-fare (waßersgefahr) etc. aber konge-dotter, konge-sœn u. a. abweichungen. Da die engl. sprache beinahe alle genitivflexionen hat erlöschen laßen, so sind spuren uneigentlicher zus. setzung außer thier und pflan- zenbenennungen höchstens in verdunkelten und entstell- ten ortsnamen anzutreffen; aus ags. angles-ige, assan-dun (mons asini) bebban-burh, bremes-burh, bucinga-ham, cantvara-burh, hrofes-cëaster wurde mit der zeit angles- ey, assing-ton, bam-borough (analog dem nhd. bam- berg aus babin-bërc) brams-bury, buking-ham, canter- bury, ro-chester. Lebendige genitive der s-form stehen bisweilen den subst. vor (god’s grace, the king’s palace), ohne daß daraus zus. setzung erwüchse, wenigstens nicht Q q III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. der schreibung, eher der aussprache nach, obgleich man unbedenklich schreiben könnte: kings-flower (eine blume) kings-fisher (der eisvogel) kings-apple statt king’s flo- wer etc.; mehr von diesem -s hernach im 6ten §. — Bemerkungen zu der genitivischen composition überhaupt: 1) jede, starke oder schwache, genitivform, sg. oder pl. kann dabei vorkommen: a) ahd. wolves-zeisala, ha- nin-fuoƷ, sunnûn-tac, svâpô-lant, franchônô-lant, am wenigsten taugen, außer dem starken gen. pl. aller ge- schlechter, die starken gen. fem. sg. auf -ô, -â, -î, weil sie, unbegleitet von consonanten, verwechselungen mit der eigentlichen composition veranlaßen. Der composi- tionsvocal, seine assimilation und der bildungsvocal fal- len hier oft scheinbar mit den flexionsvocalen zusammen (s. 425. 426.). Die vermuthete kürze jenes, die länge dieser würde den zweifel in frühester zeit heben; im ein- zelnen fall hat vergleichung der dialecte und analogie der bedeutungen zu entscheiden. Vielleicht sind ihrer zwei- deutigkeit wegen uneigentliche composita mit dem gen. sg. starker fem. selten? aber eben dadurch erlangen die gen. sg. auf -es nachtheiliges übergewicht. b) die altn. mundart gewährt hier schöne manigsaltigkeit, neben dem gen. sg. auf -s einen auf -ar und in der schw. form -a neben -u ; im plur. -a , -na ; vgl. dags-brûn, heims-krînglâ, hiartar-horn, sonar-dôttir, sôlar-geisli, hana-kambr, mâna- miölk, tûngu-band, veitslu-madr, hesta-madr, tûngla- hlaup, augna-hâr, eyrna-vërkr. Ueberdem kann, bei durchgängig fehlendem compos. vocal, formell keine un- sicherheit zwischen eigentl. und uneigentl. zus. setzung eintreten; nur hat, wie es mir scheint, die leichtigkeit und gefälligkeit der letztern viele organisch eigentliche composita in uneigentliche verwandelt, von welchem fehler die ahd. mundart beinahe frei ist. c) im gegen- satz zu den altn. vortheilen uneigentlicher comp. wer- den ihr im mhd. und nhd. das zusammenfallen der schw. gen. -in, -ûn, -ônô schädlich. Aus der unbestimmt- heit der endung -en erklärt sich wahrscheinlich, warum sie gerade in manchen wörtern an die stelle eigentlicher comp. getreten ist (beispiele anm. 3.). Uneigentliche com- posita mit dem starken gen. sg. fem. lehrt der umlaut nur dann erkennen, wenn zugleich die bedeutung keine eigentliche verstattet, z. b. nhd. gänse-fuß, gänse-haut, mäuse-fraß, mäuse-zahn, wogegen bräuti-gam, nachti- gall eigentl. zus. gesetzt sind. Composita mit pluralischem III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. -er halte ich meist für uneigentliche, z. b. bilder-dienst, eier-schale, geister-beschwörung, götter-speise, hörner- schall, kleiderpracht, kinder-geschrei, länder-tausch, lie- der-sal, völker-scheide etc. da in der regel dieses -er nicht in die zus. setzung mit eingeht, (s. 539. vgl. s. 578.); ausnahmsweise scheinen eigentliche: blätter-teig, kräuter- suppe, eier-fladen u. a. m. 2) der unterschied zwischen eigentlicher und unei- gentlicher zusammensetzung beruht nicht allein in der form, sondern auch in der bedeutung beider. Die ei- gentliche soll einen unbestimmten, sonst nicht (mit den zwei worten allein) faßbaren begriff ausdrücken; die un- eigentliche, aus wörtlicher genitivrection erwachsen, be- schränkt sich auf ihren bestimmten sinn. Beide arten stehen einander in denselben wörtern oft entgegen und dürfen nicht willkürlich vertauscht werden. Vgl. nhd. wind-mühle, winds-braut; esel-treiber, esels-ohr; don- ner-strahl, donners-tag; hunger-blume, hungers-noth; land-adel, landes-herr; land-mann, landes-gewohnheit; tag-stern, tags-licht; feuer-tause, feuers-noth; waßer- mann, waßers-noth; kindheit, kinds-kinder; amt-mann, amts-diener; könig-reich, königs-berg; kaiser-thum, kaisers-lautern; brunn-quell, brunnen-rand; thor-heit, thoren-kleid; ohr-ring, ohren-schmaus; aug-apfel, au- gen-weh; kirch-hof, kirchen-versammlung; welches undeutsch, wer sagen wollte winds-mühle, wind- braut, kirchen-hof, kirch-versammlung! die drei ersten wären sinnlos, das letzte würde versammlung in der kirche, nicht concilium bedeuten. Mhd. ëber-swîn, ëbe- res-zan; ritter-spil, ritter-schaft, ritters-art; man-slaht, mannes-vëlt; strît-geselle (kampfgenoß) Trist. strîtes helt; lant-hërre (indigena, nobilis) Barl. 20, 35. landes hërre (princeps) Barl. 44, 28; burc-grabe (grabe um die burg) Wigal. 76. burge-tor (porta arcis) Wigal. 28. 46. 139. 167. Nib. 3201; boum-garte, boumes stam a. Tit. 97; bote-schaft, boten-brôt; vgl. s. 512. die eigentl. comp. und die genitive bei genôƷ. Altn. barn-dômr (infantia) barna-börn (nepotes); dvërg-mâl (echo) dvërga-smidi (fabrica nanorum); dag-bôk, dags-liós; vëg-ferd (iter) vëgs ummerki (vestigia); egg-varp (ovatio) eggja-skurn (testa ovi); fiall-bûi (monticola) fialls-hlid (latus montis); gud-dômr (divinitas) guds-ord (verbum dei); haf-frû (syren) hafs-brûn (horizon marinus); skip-rûm (locus in- ter nautas) skips-fôlk (nautae); heim-bod (invitatio) heims- jadar (cardo mundi); hund-tîk (canicula, appositionell) Q q 2 III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. hunds-kiaftr (rictus) hunda-lûs (ricinus); land-nâm (oc- cupatio) lands-lag (natura loci); mann-slag (caedes) manns- barn (homo, menschenkind); biarn-dŷri (ursus) biarnar- feldr (pellis ursina); bôk-stafr, bôkar-eiðr (juramentum per codicem sacrum); iard-bûar (terricolae) iardar-synir (filii terrae); brûd-gumi (sponsus) brûdar-sveinn (nym- phagogus); fê-giald (mulcta) fiár-hald (tutela); hand-grip, handar-veif (umdrehen der hand); hel-för (mors) heljar- skinn (cutis lurida mortuorum); sôl-bruni (adustio solis) sôlar-fall (occasus); nâtt-hrafn (nycticorax) nâttar-þel (conticinium); bog-madr (sagittarius) boga-strengr (ner- vus); aug-lit (vultus) auga-blik (momentum) augna-frô (pflanze, augentrost); kon-fâng (matrimonium) konu- brióst (mamma); gâng-rûm (ambulacrum) göngu-madr (mendicus). Alle eigentlichen zusammensetzungen laßen sich nur selten genitivisch umschreiben, fast alle uneigentli- chen gradezu in das subst. mit nachstehendem gen. um- setzen, z. b. tags-licht, hungers-noth, ebers-zahn, landes- herr, sonnen-untergang ist gleichviel mit licht des tages, noth des hungers, zahn eines ebers, herr des landes, untergang der sonne. Doch räume ich ein, daß diese umsetzung genaugenommen dem früher ungebunden vor- stehenden gen. entspricht, z. b. das mhd. diu gotes êre gleich ist dem: diu êre gotes. Durch den eintritt wirk- licher composition verliert allerdings der begriff einiges von seiner bestimmtheit und je mehr er die natur eines eigennamens anzieht, desto weiter entfernt er sich aus dem genitivischen verhältnis; es würde unthunlich sein für königs-berg, hasen-öhrlein zu sagen: der berg des königs, das öhrlein des hasen. Ohnehin weiß man nicht in jedem fall, welcher von beiden artikeln, der bestimmte oder unbestimmte, nach nhd. unterscheidung, bei der umschreibung angewendet werden muß, z. b. engels- stimme wird nach den umständen bedeuten können bald die st. des engels, bald die stimme eines engels. Es ist auch nicht aus jeder mhd. genitivvorsetzung ein nhd. uneig. comp. hervorgegangen (s. 609.). 3) berührung und mischung beider compositionsarten, der eigentlichen und uneigentlichen, erfolgt entw. auf natürliche weise, da, wo ihre grenzen aneinander stoßen, oder unorganisch durch vcrwirrung der formen. α ) bei verzeichnung der eigentlichen comp. habe ich verschiedentlich fälle namhaft gemacht, in welchen sie mit uneigentlicher (d. h. ursprünglich mit freier genitiv- III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. setzung) abwechselt. Ein theil eigentlicher zus. setzungen laßen sich in der that genitivisch erklären (s. 444. 445.), ohne daß sie auf diesem wege entsprungen wären. Und wenn sie auch dann, wie mir scheint, noch einen beischmack des allgemeinern haben, der den uneig. comp. abgeht, diese zugleich etwas bestimmteres ausdrücken, das jenen mangelt; so liegt es doch in vielen anwendungen nicht an solchen feineren unterschieden und dichter dürfen nach bequemlichkeit des metrums eine oder die andere weise wählen. Cädmon gebraucht 16. kurz hintereinan- der deáð-beámes ofet (pomum arboris mortiferae) und þät väs deáðes beám (haec erat arbor mortis); man fühlt, wie unschicklich hier beide ausdrücke die stelle vertau- schen würden, nicht bloß die silbenzählung fordert jeden an der seinigen, sondern auch häufung zweier genitive (deáðes beámes ofet) ist gemieden und die leise abwei- chung des allgemeineren von dem nachdrucksvollen be- stimmteren habe ich durch das lat. arbor mortifera und arbor mortis wiederzugeben gesucht, obgleich hier die deutsche sprache von der lat. nicht erreicht werden kann. Aehnliche ags. beispiele sind: hëofon-vëardes gâst Cädm. 3. hëofonrîces vëard Cädm. 85. gum-dryhten Beov. 124. gumena dryhten Beov. 137. beáh-hord Beov. 69. 71. beága hord Beov. 170. yð-lâfe Beov. 75. vätra lâfe Cädm. 35. Im alts. wechseln duom-dag und duomes dag, man- kunni und mannô kunni, gast-hûs und gestjô hûs etc. Altn. brûd-beckr und brûdar-beckr (scamnum nuptiale); brûd-gângr und brûdar-gângr (nuptiae); sôl-sëtr und sô- lar-fall, beide occasus solis, jenes wohl mehr den gesche- henen, dieses den geschehenden bedeutend, daher jenes für den ort, wo nachts die sonne weilt. Ahd. wala- rouba und wales rouba (oben s. 479.); himil-rîhhi (s. 517.) himilô rîhhi T. 25, 6; ëlfant-pein (ebur) hrab. 962 b wo das adj. steht, hëlfantes bein O. I. 1, 32. Mhd. stein- want Wigal. 168. 238. steines want Otnit, Wolfdiet. (je- nes mehr die steinerne wand, letzteres die wand, seite des felsens); huor-gelust (s. 506.), stärker ausgedrückt huo- res gelust Frig. 17 a ; sarkes-stein (s. 607.) sarc-stein Wh. 2, 161 a (wenn die lesart ausgemacht ist). Aus dem nhd. laßen sich solche beispiele schwerer sammeln, weil die geringere freiheit des genitivs feine züge der bedeutun- gen hindert, die wirklich eingetretene uneig. comp. auf die fälle beschränkt bleibt, für welche sie eingeführt wurde, nicht leicht aber eigentlich und uneigentlich mit den nämlichen wörtern nebeneinander und in derselben III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. mundart componiert wird. Daher uns z. b. versagt ist, neben himmel-reich, elfen-bein, stein-wand zu gebrau- chen himmels-reich, elefants-bein, steins-wand, d. h. es muß, um den sinn jener älteren ausdrücke zu faßen, umschrieben werden: das reich des himmels, des steins wand, eines steins wand etc. β ) einzelnes schwankt nach ort und zeit zwischen beiderlei compositionsarten. Die altn. mundart, minde- stens die spätere isländische setzt oft uneigentlich zusam- men, wo die ahd. eigentlich; z. b. sie sagt iardar-ber (fragum) ahd. ërt-peri, vgl. iardar-hnaus (cespes) iardar- men mit nhd. erd-scholle, ahd. ërd-waso; hindar-kâlfr (hinnulus) ahd. hint-chalp; sævar-stadr, danpar-stadr, (s. 527.); âlptar-hamr neben val-hamr (s. 496.). Die ahd. monatsnamen sind meist eigentlich componiert (s. 510.), die altn., sumar-mânadr abgerechnet, sämtlich uneigent- lich, z. b. midvëtrar-m. (jan.) föstugângs-m. (febr. fastenm.) iafndœgra-m. (merz, von iafndœgri, aequinoctium) hey- anna-m. (aug. heumonat, von hey-annir, sg. hey-önn, heuarbeit) slâtranar-m. (schlachtm. (schlachtm. nov.) rid- tîdar-m. (oct., erklärung bei Biörn) jôla-m. (dec.); es fragt sich, wie alt diese benennungen sind? ohne zweifel beträchtlich jünger, als die ahd., denn so hoch hinaus auch das erste wort in jôla-m. reichen mag, sagte man vielleicht unzus. gesetzt jôli, wie im ags. gëola. γ ) unorganische verwechslung beider arten. Eigentl. st. uneigentl. selten, weil gegen den bestimmten begriff kaum der unbestimmte aufkommt; beispiele: nhd. regen-tropfen, waßer-tr. f. regens-tr. waßers-tr., wie schon das analoge bluts-tr. lehrt und das ahd. rëgenes tropfo N. 71, 6. altn. rëgns dropi sæm. edd. 213 a bestätigt (doch Biörn gibt blôd-dropi); nhd. feuer-flamme, feuer-funken st. feuers-fl. feuers-f. (vgl. die s. 605. angezeigten mhd. formen); nhd. senf-korn f. senfs- k., ahd. sënefes-chorn; tadelhafter sind nhd. mond-schein (vgl. sonnen-schein) mond-tag, sonn-tag (s. 488.) und gar frank-furt, frank-reich f. franken-furt, franken-r. neben den richtigen formen franken-berg, franken-thal und als dürfte man hess-land, sachs-land sagen. Uneigentl. st. eigentl. composition sehen wir im mhd. und nhd. ziem- lich häufig und es scheint dabei ein sormeller grund ge- wirkt zu haben (s. 610). Seitdem die flexion -en nicht bloß die genitive -in, -ûn, ônô, sondern auch die übri- gen obliquen casus schw. decl. vertrat, verlor sich immer mehr die alte bestimmtheit und da nur noch der nom. III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. sg. ohne -n vorkam, so gewöhnte man sich in dem -en weniger eine flexion, als einen bestandtheil des ganzen worts zu erblicken. Bestätigt wird das namentlich durch den nhd. theilweisen einschritt des -en in den nom. sg. masc. (1, 703. 704.). Bei dieser richtung begreift sich aber, daß man es auch in der composition festhielt und warum sich nur wenige mhd. und nhd. beispiele eigent- hcher zusammensetzung, deren erstes wort ein schwaches subst. ist, vorlegen laßen (s. 423. 424.). Wenn ihrer auch die ältesten mhd. quellen noch einzelne mehr darbieten sollten (Roth. 17 b ôr-slac, En. 24 a ouc-prâ); so ist doch ein vîgen-boum (s. 484.) palmen-boum (s. 541.) rôsen- boum (s. 548.) bësmen-slac (s. 523.) etc. nicht zu ver- leugnen, vielleicht ein müggen-netze Wigal. 380. vürsten- tuom (s. 531.) zuzugeben, wo überall die ursprünglich eigentl. comp. verloren gegangen ist über die mhd. zus. setzung mit erstem schw. wort wären steben verzeichnisse zu führen 1) eig. mit comp. vocal bei kurz- silbigen: bote-schaft. 2) eig. ohne comp. voc. bei langsilbigen: tan-boum. 3) uneig. org. bei kurzsilbigen: boten-brôt. 4) uneig. org. bei langsilbigen: sunnen-âbent. 5) uneig. unorg. bei kurz- silb.: herzogen-tuom (s. 491.). 6) uneig. unorg. bei langsilb.: vî- gen-boum. 7) comp., welche das s. 423. 580. besprochne -e ha- ben, namentlich die mit hërze (hërze-lust, hërze-liep), vielleicht auch mit ouge und ôre, man kann sie weder eigentlich noch un- eig. neunen, aber unorganisch. . Und im nhd. sind beispiele noch häufiger: blumen-korb, dinten-faß, fiiegen-netz, fürsten-thum, linden-baum, rosen-kranz, ruthen-schlag, tannen-baum u. a. m. Einige fälle kön- nen aber mit recht uneigentlich componiert sein, z. b. rosen-blatt, linden-blatt (s. 608.) was durch wein-blatt nicht widerlegt wird, indem rose und linde das gewächs anzeigen, nicht wein, daher weinstocks-blatt gesagt wer- den müste. Schwaben-land scheint untadelhaft, seit sich schwabe, gen. schwaben f. schwab, sehwabes einführte; doch dürfte, wie däne-mark, schwabe-land in der comp. sich bewahrt haben. Fehlerhafte uneigentliche composita mit erstem starkem subst. sind ebenfalls verschiedentlich gangbar geworden, z. b. die mit volks- statt volk-: volks- thum, volks-sage, volks-lied, beßer schwed. solk-visa, denn der begriff ist weniger ein lied des volks, als ein unter dem volke umgehendes. 4) solcher verderbnis im einzelnen ungeachtet dauert im ganzen die richtige und nothwendige unterscheidung III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. gen. zwischen eigentlicher und uneigentlicher zus. setzung bis auf den heutigen tag fort. Mit verkennung jeder dersel- ben sind erst neulich unbefugte, hoffentlich erfolglose angriffe gegen das genitivische -s gerichtet worden, ein- gebildetem wohllaut allgemeine regeln über sprachwohllaut sind ein unding; wie viel ihm im deutschen verstattet werden darf, sollte ordentlich untersucht werden. Uns geht nun einmahl das bedeutsame über das gefallige; wie ganz anders verfahren ist unsre sprache z. b. mit ihrem artikelpronomen, als die ital. oder französische. Diese sind durch ihre ausbildung weicher geworden, die deutsche, je weiter sie vorrückte, hat von ihren älteren vollen tönen fahren laßen. Bei bildung aller sprachen bewährt sich aber ein wunder- bares gesetz des wohllauts in unendlicher verschiedenheit, ein ca- pital, das keine für die ganze dauer ihres lebens auszehrt. zu gefallen sollte es aus den mei- sten compositis getilgt werden. Von so kränklicher an- sicht der lebenden sprache wißen sich unsere nachbarn frei zu halten; keinem Holländer oder Dänen wird es einfallen, sein konings-zôn, vûrs-nôd in koning-zôn, vûr- nôd, sein ilds-nœd in ild-nœd zu verderben, und com- posita wie heims-skaut, hirdis-skreppa haben bei Biörn nicht das geringste bedenken. 5) daß bei uneigentlicher composition das zweite wort nicht abstract werden könne, ist bereits s. 544. angemerkt. Wenn daher Beov. 154. svëordes hâd und im c. p. 113, 33 b 114, 189 b (prosa, gegen die mitte des 14. jh.) gotis heit (neben sînes heit und irs heit) gebraucht wird; so hat hier hâd, heit die volle, lebendige bedeutung von ordo, status und ist mit den vorausstehenden genitiven gar nicht zus. gesetzt. Bei den im plattd. nnl. und schwed. hänfigen, mit -son (filius) gebildeten mannsnamen, z. b. stephans-son, stephen-sen, hermans-son, herman-sen, büßt zwar das zweite wort vocal oder betonung ein, nicht aber seine bedeutung. Wirkliche unbegreifliche ausnahme scheint inzwischen das ahd. kisintin-scaf (comitatus) ker. 251. II. zus. setzung mit dem accusativ? Bei oberflächlicher betrachtung ist man leicht darauf ge- rathen, das erste wort vieler composita, deren zweites aus activen, den acc. regierenden verbis herstammt, wirklich für diesen casus zu halten. Namentlich kommen die (cap. VI. weiter verhandelten) schwachen masc. und fem. in betracht, denen, ohne zwischentritt einer ableitung (zuweilen mit ableitenden i) verba zu grunde liegen, die III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. acc.? aber späterhin ein ableitendes -ari, -er anzunehmen pfle- gen, vgl. z. b. die nhd. kern-beißer, traum-deuter, fisch- fänger, vogel-fänger, gesetz-geber, stück-gießer, bart- scherer, geschicht-schreiber, kreuz-träger, wein-trinker und alle ähnlichen, desgleichen die von einigen weiter gebildeten abstracta: geschicht-schreibung, traum-deutung, traum-auslegung. Hier wäre dann die verbale kraft der casusrection gleichsam in den subst. noch nicht erloschen und vogel-fänger soviel wie: den vogel (die vögel) fangend. Diese ansicht muß aufgegeben werden, denn 1) wenn auch dem subst. die fähigkeit nicht ganz ab- gesprochen werden darf, bisweilen den acc. des verbi, von dem es herrührt, beizubehalten; so wird doch die syntax lehren, daß der fall höchst selten eintritt und der regierte acc. dem subst. eher nach als vorsteht. Er müste aber grade häufig stattfinden und vorstehen, um (wie bei dem vorstehenden gen.) accretion und uneig. composition annehmbar zu machen. Genitivische comp. laßen sich oft noch auflösen, entw. durch zuziehung eines art. oder nachsetzung des gen. z. b. orts-name in: eines orts name, name des orts. Niemahls vogel-fänger in ein accusati- visch construiertes: einen vogel fänger, noch weniger: fänger einen vogel. 2) alle dem scheine nach accusativischen composita sind in der that eigentliche, nicht uneigentliche. Das zeigt α ) ihre allgemeinere bedeutung; es ist ganz etwas anders, eine eig. zus. setzung accusativisch zu deuten (s. 445.) und eine uneig. accusativische zu behaupten. Die letztere würde an dem engen begriff ihres casus kleben und gleich der genitivischen (hessin-pah, hessônô-lant) den sg. vom pl. zu unterscheiden haben. Offenbar ist aber vogel-fänger weder ein goth. fugl-faha noch fug- lans-faha, sondern drückt den allgemeineren, freieren begriff aus, der auch in vogel fang (aucupium) liegt. β ) in der ältesten gestalt gebührt ihnen also der comp. vocal, fugla-faha wenn anders die ältere sprache hier zusammensetzt; Ulf. hätte wohl suglja (auceps) gesagt wie siskja ( ἁλιεύς ) und Marc. 1, 17. braucht er nachgestellten gen. nutans mannê nach dem gr. ἁλιε ὺ ς ἀνθρώπων . Selbst heute ist uns fischer geläufiger als fischfän- ger, wiewohl vogler beinahe verdrängt durch vogelfänger. , wie vitôda-fasteis (s. 446.); hätte sich III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. acc.? dieser später erhalten, so würde nur in wenigen fällen an den acc. gedacht werden können. 3) die täuschung entsprang dadurch, daß nach dem verschwinden des comp. vocals das erste wort dem mei- stentheils flexionslosen acc. sg. ähnlich wurde. Wäre wirklich accusativische comp. eingetreten, so müsten auch solche accusative, die flexion an sich tragen, namentlich schwachformige, in der zus. setzung erscheinen (s. 446.). Allein hierfur läßt sich aus dem ahd. und mhd. schwer- lich ein beispiel vorbringen; seitun-walchun (pedica) zwetl. 128 a , ein bedenklicher und vielleicht verderbter ausdruck, scheint mir im ersten wort höchstens den gen. zu enthalten. Nhd. composita wie christen-bekehrer, fah- nen-träger, lauten-schläger wird man noch weniger ein- wenden dürfen, letztere sind entw. genitivisch oder aus fahn-tr. laut-schl. verderbt; das -en in christen scheint der ableitung gehörig. Bei dem ahd. katâtrahha-scripo (historiographus) mons. 405. kann bloß zweifelhaft sein, ob das -a comp. vocal, oder genitivisches -â anzuneh- men ist. 4) diesen grundsätzen gemäß sind unter den formeln der eigentl. zus. setzungen aufgezählt worden: baíra, baúra (s. 486. 487.) fruma (s. 493.) giba (s. 495.) háitja (s. 498.) luga (s. 506.) maúrþrja (s. 508.) nima, numja (s. 513.) pflëgo (s. 513.) qviþa (s. 513.) sagja (s. 518.) slahja (s. 523.) sôkja (s. 524.) vaúrstvja (s. 535.) welchen sämtlich nur scheinbar leibliche accusative voranstehen. Viele andere beispiele sind ebenso zu beurtheilen. 5) nur in verschiednen, sämtlich neueren, wortbil- dungen läßt sich keine eigentliche composition behaupten, in solchen nämlich, die aus uneigentlich zusammenge- setzten verbis abgeleitet sind. An den inf. und das part. praes. wächst, wie wir hernach sehen werden, der acc. wirklich an und gilt einmahl die verbindung, so hindert nichts, daß man daraus auch masc. auf -er oder abstracte fem. auf -ung weiter bilde. So darf aus eh-brechen, blut-vergießen, haus-halten, land-meßen, theil-nehmen, tag-wählen; hof-halten, dank-sagen etc. freilich geleitet werden: eh-brecher, blut-vergießer, haus-halter, land- meßer, theil-nehmer, tag-wähler; hof-haltung, dank- sagung. Allein hier wird kein subst. mit subst. zus. ge- setzt, sondern das bereits vorhandne infinitivcompositum zur erzeugung von subst. genutzt. Zwischen solchen wörtern und den vorhin genannten, welche für eigent- III. subst. uneig. comp. — subst. mit subst. acc.? liche composita zu halten sind, läßt sich keine feste grenze ziehen; äußerlich fallen sie in der heutigen gestalt ganz zusammen und es kann nur davon die rede sein, beide arten auf historischem wege, so viel möglich ist, von ein- ander zu sondern. In beiden arten mag sogar das näm- liche zweite wort vorkommen, z. b. das nhd. eh-brecher ist, glaube ich, lediglich von eh-brechen hergeleitet und kein mhd. ê-brëche nachzuweisen, wie ein mhd. vride- brëche MS. 2, 151 a , dem ein nhd. fried-brecher ent- spräche, wofür das genitivische friedens-brecher einge- führt worden ist. Die nhd. sack-träger, last-tr. hörner- tr. scheinen eigentlich componiert, wie die mhd. lieht- trage (s. 545.) und krône-trage MS. 2, 132 a ; dagegen mhd. heie (= pfleger, heger) mit dem gen. construiert wird: der êren heie, stuben heie MS. 2, 221 b 75 b . Der- gleichen bildungen können sich also auf dreierlei gründen, auf eigentl. composition oder auf uneigentl. mit dem gen, oder mit dem acc., letzteres nur, wenn ihnen ein schon zus. gesetzter inf. vorausgeht. Substantiv mit adjectiv (s. 597.). Auch hier ist hauptsächlich von dem gen., daneben aber von dem dat., kaum von dem acc. die rede. I. genitivische composition. Gewisse adj. regieren den gen.; ob dabei ein ausgelaßnes subst. hinzuzudenken sei, wird die syntax untersuchen. Es sind hauptsächlich die adj., welche fülle und leere, haft und losheit, neigung und fähigkeit oder ein maß anzeigen. Diese sogenannt relativen adj. gehen nun auch häufig eigentliche composi- tion ein, wie das verzeichnis s. 556-578. lehrt; allein durch die anwendung des wirklichen gen. wird der be- griff verstärkt und sinnlicher hervorgehoben, während eigentliche zus. setzung erst an der stelle ist, wenn das adj. schon halb abstract und den lebendigen casus zu re- gieren unfähig geworden war. So z. b. ist voll des ruh- mes, geistes, mehr als ruhm-voll, geist-voll, aber zuwei- len darf beides gesagt werden. Composition wird wiederum durch den unmittelbaren vortritt des gen., der allmählig an das adj. wächst, be- dingt. Im goth. steht er zwar einigemahl vor: ahmins veihis fulls ( πνεύματος ἁγίου πλήρης ) Luc. 4, 1. banjô fulls ( ἡλκωμένος ) Luc. 16, 20, doch ist an keine zus. III. subst. uneig. comp. — subst. mit adj. gen. setzung zu denken; þruts-sillái (leprosi) Matth. 11, 5. Luc. 17, 12. gehört nicht hierher, sondern aus dem componier- ten subst. (s. 598.) ist das adj. þruts-fills (? þruts-fillis) gebil- det. Auch im ahd. und ags. erkenne ich noch keine ge- nitivische composition an, überall nur den freien casus. Da die adj. nicht wie subst. zu eigennamen gebraucht wer- den, so fällt der meiste anlaß zur engern verbindung weg. Im ahd. sind nicht einmahl die vorsetzungen des gen. häufig; beispiele: kindes haft (praegnans) O. I. 14, 12. muates lind (animo mitis) O. II. 7, 71. jâres alt doc. 220 b sanges satêr N. Boeth. 181. zieredôn fol N. p. 235 b ; gleichoft steht er nach: alt jârô O. I. 16, 3. vol mietôn N. 25, 10; sobald es geht entspringen eigentliche composita. Umgekehrt scheint im alts. und ags. der vorstehende gen. beliebt, vgl. alts. fërahes full, enstiô full, soragônô full, barnô los, sundia lôs und sundiôno lôs, inwidëas gërn; und ags. siðes sûs Beov. 112. ætes gëorn Jud. 11. bëalves gëorn Cädm. 75. corðres gëorn Cädm. 77. dæda gëorn Cädm. 81. siðes gëorn Beov. 207. vîges hëard Beov. 68. ârna leás Cädm. 49. dreáma leás Cädm. 3. Beov. 66. vingëa leás Beov. 126. vynne leás Cädm. 25. bëaleva gemyndig Beov. 156. hroðra gemyndig Beov. 162. mägnes rôf (clarus virtute) Beov. 156. môdes rôf Cädm. 65. ëaldres scyldig Beov. 154. môdes sëóc Beov. 121. mägenes strang Beov. 139. mägenes trum (virtute firmus) siðes vêrig (itinere fessus) Beov. 46. 135. u. a. m. oft im wechsel mit eigentlicher composition, wie dort angezeigt worden ist. — Im altn. läßt sich der ein- tritt uneigentl. zus. setzungen eher zugeben, sie werden auch von Biörn und Rask angenommen: hâra-biartr (albus crines) ennis-breidr (fronto) rastar-diúpr, hrocka-fullr (fastuosus) lotnîngar-fullr (supplex) drôttnunar-giarn (imperiosus) mëtnadar-giarn (fastuosus) mûtu-giarn (largitionum cupi- dus) þrætu-giarn (rixosus) lîfs-hvatr (alacer) sæm. edd. 235 a aga-klökkr (disciplinam admittens) hæru-lângr (pro- missis crinibus) âvaxtar-lîtill (infructuosus) âvaxtar-mikill (fructuosus) âbata-mikill (lucrosus) briósta-mikill (mammosus) blada-mikill (foliosus) eljanar-mikill (laboriosus) vara-þyckr (chilo) etc. Selbst die abstracten formeln -laus, -ligr und -samr haben sich mit ihren vorgesetzten genitiven, deren rection aus einer früheren lebendigen bedeutung erklärt werden muß (vgl. s. 544.) zu uneigentlicher comp. verhärtet, z. b. blygdunar-laus (impudicus) brâda-laus (expers cibi) edd. fæm. 236 b vilja-laus exp. gaudii) 232 a asskipta-laus (alie- nis abstinens) nennîngar-l. (piger) âhlaupa-samr (impe- tuosus) âhyggju-samr (anxius) bindindis-samr (modera- III. subst. uneig. comp. — subst. mit adj. gen. tus) hugganar-samr (consolatorius); beispiele von-ligr s. 568, ich finde auch im schwed. barns-lig (puerilis) træls-lig (ser- vilis), nicht im dän. (wo barnagtig, trælagtig). — Mhd. halte ich den losen gen. für richtiger: tages alt MS. 2, 256 b kin- deshaft Flore 5 b lasters arm Parc. 140 b flâfes bar Wh. 2, 32 a vröuden bar Ben. 187. alters blanc Wh. 2, 120 a minnen blint Trist. 15190. zornes dræte Parc. 37 b lobes hël Parc. 133 c ellens rîche Parc. 13 c lobes rîche Parc. 39 a strîtes sat Parc. 86 c liutes vol Gudr. 58 b waƷƷers vol Wh. 2, 85 a armuotes vrî Wh. 2, 57 a erbes vrî MS. 2, 64 a ougen vrî MS. 1, 25 a etc. oft steht auch noch ein zu dem gen. gehörender artikel voraus. Wäre wirkliche composition eingetreten, so hätten sich die wörter ins nhd. häufiger fortgepflanzt. In wenigen mhd. fällen mag man wohl comp. annehmen, z. b. in gotes-arm (s. 556.) wo aber das zweite wort beinahe substantivisch steht. — Die nhd. sprache setzt den gen. dem adj., wo- von er abhängt, nicht ohne begleitung eines artikels oder andern adj. voraus, z. b. des todes schuldig, des weges kundig, des geldes froh, nicht: todes sch. weges k. gel- des fr.; alles dankes werth, heiliges geistes voll, nicht: dankes werth, geistes voll. Uneigentlicher comp., die aus dem freien (vom pronomen unbegleiteten) gen. erwach- sën wären, besitzen wir wenige, z. b. kein tags-alt, lobs- reich, waßers-voll; wohl aber: geistes-arm, gottes-warm. Mit den meßenden adj. breit, dick, lang, hoch, tief, weit binden sich einige genitive, namentlich: daumens, fingers, spannen, meilen, z. b. daumens-dick, fingers-lang, span- nen-breit, meilen-weit; man hört auch noch in hände- breit den alten gen. Außerdem scheinen einige andere, namentlich ausdrucks-voll, freuden-voll, sorgen-frei, in- halts-leer, untadelhaft insofern ihrem zweiten wort leben- dige bedeutung verblieben ist; den gen. vor -mäßig habe ich s. 571. getadelt; gottes-fürchtig ist bloße ableitung von gottes-furcht, dagegen gott-fürchtig, das noch Luther hat, eigentl. componiert (goth. guda-faúrhts). II. dativische composition? Den dativ regieren ver- schiedne adj. und er kann ihnen zuweilen unmittelbar vorausstehen, vgl. goth. anstái áudahafta ( κεχαριτωμένη, näher: gratiâ dives) Luc. 1, 28; ahd. miliche gelîh (lacti similis) N. Cap. 164, in welchen fällen niemand compo- sition behaupten wird. Im alts. und ags. sind solche da- tive ungleich häufiger, z. b. alts. wundon siok (vulneri- bus confectus); ags. cystum cuð. Beov. 67. gudum cuð Beov. 163. ecgum dyhtig Beov. 98. 118. dædum fâh (vir- III. subst. uneig. comp. — subst. mit adj. dat.? tute clarus) Cädm. 74. 94. drëóre fâh (sanguine rutilans) Beov. 36. 39. 23. frättum fâh Beov. 56. gryre fâh Beov. 192. mâne fâh (scelere pollutus) Beov. 75. sëarvum fâh Beov. 79. âtertânum fâh Beov. 111. vylmum fâh Beov. 199. deáðbedde fäst Beov. 215. lëgerbedde fäst Beov. 77. bendum fäst Beov. 144. 156. brembrum fäst Cädm. 63. crastum fäst Beov. 168. deáde fäst Beov. 226. ëorðan fäst Cädm. 86. hrusan fäst Run. handa fäst Beov. 98. reste fäst (dormiens) Cädm. 4. sâle fäst Beov. 143. stapulum fäst Beov. 202. tirum fäst Cädm. 82. vîum fäst Cädm. 66. vyrtum fäst Cädm. 86. Beov. 104. gëarum frôd Cädm. 51. hyge frôd Cädm. 43. missarum frôd Cädm. 93. 51. 107. dägrîme frôd Cädm. 47. 99. vintrum frôd Cädm. 51. Beov. 130. 158. 170. vintrum gëong Cädm. 62. sëarvum gëaro Beov. 136. gumcystum gôd Beov. 113. bëadve hëard Beov. 117. scûrum hëard Jud. 10. vundum hëard Beov. 200. frätvum hrêmig Beov. 154. hûðe hrêmig (praeda glorians) since hrêmig Beov. 141. môde rôf Cädm. 67. dædum rôf Beov. 198. bennum sëóc Cädm. 43. Beov. 204. 215. hornum trum Beov. 104. duguðum vlanc Cädm. 52. hôfum vlanc (ungulis superbiens) Run. vundum vê- rig (vulneribus fessus) Beov. 218. gâre vund Beov. 82. mêcum vund Beov. 45. sâre vund Beov. 204. u. a. m. in welchen allen ich losen dat. behaupte; einige haben schwankend bald gen. bald dat. vor sich (z. b. sëóc, trum, vêrig), andere liegen eigentlicher comp. ganz nahe und wechseln damit (z. b. dædum rôf mit dæd-rôf) und je mehr das der fall ist, je formelmäßiger und epithetischer sie werden, desto eher wäre eine verhärtung des dativ möglich. Dergleichen mag vielleicht in dem altn. hu- gom-stôr (magnanimus) sæm. edd. 272 a. b. eingetreten sein, zumahl das pronomen (inn hugom-stôri) den dat. dem adj. näher drängte. Mhd. und nhd beispiele unei- gentl. composition mit dem dat. kenne ich aber durchaus nicht, mhd. gote-liep, gote-leit (s. 552.) oder nhd. engel- gleich sind eigentlich zus. gesetzt. III. accusativische composition muß wie vorhin s. 617. bei dem subst. ganz geleugnet werden. Was danach aus- sieht (d. h. wo dem adj. noch verbale kraft beizuwohnen scheint) ist wahre, eigentl. zusammensetzung, sei sie nun mit dem adj. selbst eingegangen oder das adj. bloße ab- leitung aus einem componierten subst. Beispiel geben die ahd. adj. mit -machig und -habig bei N.: sin-machig (sensificus) Cap. 154. slâf-machig (soporifer) Cap. 73. [vgl. stang-machunga Cap. 76.] sloƷ-habig (finalis) Cap. 90. lieht- III. subst. uneig. comp. — subst. mit verb. skihtig (nhd. licht-schen) Cap. 120. Die nhd. wort-brü- chig, tren-brüchig derivieren von wortbruch, treu-bruch; bei ehr-erbietig, dienst-erbietig scheint ein inf. ehr-erbie- ten etc, vorauszusetzen, vgl. die subst. ehr-erbietung und mhd. dienst-bietære Parc. 182 c , dienst-willig ist nur ad- jectivisch und wie dienst-freundlich, dienst-beflißen, wo- bei an keinen acc. zu denken, eigentliche composition. Substantiv mit verbum (s. 619.) 1) das wirkliche verbum leidet nicht, daß sich der vorstehende casus eines subst. fester mit ihm verbinde; uneigentliche composition findet hier so wenig statt als eigentliche (s. 582.), es gilt weder teila-nëmêm, (partici- pemus) noch teil-nëmêm, sondern bloß teil nëmêm. Selbst aus uneigentlich zus. gesetzten subst. abgeleitete verba kommen nicht vor oder können vielmehr nicht vorkom- men, wenn man den bestimmten begriff solcher subst., die halbe eigennamen sind, erwägt. 2) bei dem part. praesens wäre uneigentliche comp., zumahl mit vorstehendem acc., denkbar und ältere quel- len müsten entscheiden, ob z. b. ein nhd. kind-gebährend aus einem ahd. chinta-përanti oder aus losem chint pë- ranti entsprungen ist (s. 588.). Gleich zweifelhaft sind in dieser absicht ahd. substantiva, die aus solchen part. her- stammen (s. 342.), als: teil-nëmandî (parsimonia?) ker. 128. knëht-kipërandî (puerperium) ker. 227. Es mag auch einzelnen der s. 590. angeführten nhd. wortbildun- gen wahrer acc. zu grunde liegen, so gut wie folgenden: gott-liebend, warheit-liebend, ackerbau-treibend, handel- treibend, gewerb-tr. Loser gen. stehet z. b. vor dem ags. valdend (s. 590.). 3) bei dem part. praet. kann sich uneigentliche zus. setzung aus dem vorstehenden gen. und dat. entwickeln, die ältere sprache zieht aber eigentliche vor oder den losen casus, vgl. ahd. wînes trunchen N. 77, 65. ags. bëóre druncen, vîne dr.; es sind oben s. 591. 592. noch andere beispiele gegeben. Im nhd. gelten die genitivi- schen composita: kriegs-gefangen, gottes-vergeßen, got- tes-gelehrt, bluts-verwandt, bunds-verwandt, landes-ver- wiesen, womit man die ungebundnen ahd. buochô gela- den N. Cap. 115. mhd. ellens unbetrogen Parc. 86 b und ähnliche vergleiche. Häufig stehet der gen. nach dem part., oder ein verbum dazwischen, oder ein artikel vor dem subst., so daß keine zus. setzung möglich wird. III. adjectivische eigentliche composition. 4) mit dem insinitiv verbindet sich in den neueren sprachen gerne der vorausgehende, von ihm regierte ac- cusativ, zumahl für den substantivischen gebrauch. Wir sagen nhd.: das athem-holen, luft-schöpfen, wein-trinken, brot-eßen, theil-nehmen, flachs-spinnen, tag-wählen, waßer-ziehen u. a. m., wobei aber auch oft eigentliche composition walten kann (s. 596.). Selten accresciert wohl auf solche weise der genitiv; statthaft wäre viel- leicht: das landes-verweisen, nicht aber: das krieges- fangen. §. 2. Adjectivische composition (vgl. s. 410.). Sie zerfällt wiederum in eigentliche und uneigentliche; allein letztere hat einen ganz beschränkten spielraum und tritt nur in einzelnen späteren und abnormen fällen ein. In der regel ist alle adject. zus. setzung eigentlich. I. adjectivische eigentliche composition. Einleitung: 1) bindungsmittel ist, wie bei der sub- stantivischen, der compositionsvocal . Und zwar lautet er in den ältesten eigennamen wiederum o , von s. 412. ge- gebnen beispielen gehören hierher: lango-bardi (dem la- tein näher gebracht: longo-bardi) und vielleicht bucino- bantes. Ein e (ê?) zeigen die erst bei Aurel. Vict. Vo- piscus u. a. vorkommenden ale-manni. — Im goth. herrscht a , nach kurz- und langsilbiger wurzel, vgl. ala- þarba Luc. 15, 14. fruma-baúrs Luc. 2, 7. sama-láud Luc. 6, 34. sama-leiks Luc. 5, 10. arma-haírtei Luc. 1, 50. fulla-fahjan Marc. 15, 15. fulla-tôjis Matth. 5, 48. fulla- vitans Philipp. 3, 15. jugga-láuþs Marc. 14, 51. láusa- vaúrds Tit. 1, 10. (mit der variante láusái-vaúrds) galiu- ga-christjáis, galiuga-praúfêteis, galiuga-veitvôds, silda- leiks (wenn sich ein adj. silds beweisen läßt). Das ablei- tende i wird beibehalten: alja-kunja Luc. 17, 18. hráinja- haírts (homil.) midja-sveipáins Luc. 17, 27; das ableitende u absorbiert den comp. vocal: hardu-haírtei Marc. 10, 5. Fehlend ist er in folgenden zus. setzungen: all-brunsts Marc. 12, 33. haúh-haírts Tit. 1, 7. haúh-haírtei Marc. 7, 23. láus-handja Marc. 12, 3. láus-qviþrs Marc. 8, 3. mi- kil-þuhts Luc. 1, 51. ubil-tôjis Joh. 18, 30. — Ahd. lautet der comp. vocal gleichfalls a , selten o und erst später (bei N.) c; er dauert α ) nach kurzsilbigen adj. immer; beispiele: ala-horsc mons. 406. ala-man und viele andere, III. adjectivische eigentliche composition. die hernach angeführt werden sollen; dara-lîh (par, aequus, similis, decens) ahd. finde ich nur das verneinende un-dara-lîh (obliquus, impar, incongruus, indignus, vilis, agrestis) ker. 9. 20. 177. 285. mons. 386. 387. un-darlîh (von ungleichen sternen) N. Cap. 66. 68. und mhd. das uncomponierte undære (indignus) undâre (indigne, incongrue) vgl. 1, 340. wo es richtig aus -un-dâsi, un-dasa-lîh, ags. un-þäs-lic erklärt wird (oben s. 31. gerathe ich auf den ab- weg). Denn Marc. 14, 56, 59. übersetzt das ags. þäslic das griech. ἶσος = goth. samaleiks, folglich ist unþäslic, ungeþäslic, ahd. undaralîh: impar, obliquus, ineptus. Der vcrlorne siarke siamm muß gewesen sein þisan, þas, þêsun; ahd. dësen, das, dâsun (dârun). Den kurzen vocal in undaralîh (neben dem langen in undære) lehrt N. ; frumi-kîdi O. assim. für fruma-k.; klata- muati K. 25 a ; sama-lîh, sama-bald O. I. 1, 122, 124; smala- nôƷir (pecora) Samarit. smala-firihi jun. 231. smala-sât K. 43 b mons. 341. 413; suma-lîh francof. 58. bei O. assim. su- mi-lîh; tola-heit cass. 855 b ; wana-heil K. 44 a ; giwara-lîh O. I. 17, 94. (vom ahd. giwar, sollers?); zaga-heit doc. 245; o belegt rado-hlauftî (veloci curru) ker. 54. von dem adj. hrad (velox), die regelmäßige form des nom. wäre hrada-hlauft. β ) zuweilen auch nach lang- silbigen: alta-gund, alta-përt n. pr. bei Neugart; arma- lîh O. III. 20, 81. sonst assim. armi-lîh IV. 34, 40. un- b’arma-hërz ker. 156. assim. armi-hërzida K. 24 a 28 b ; blindo-slîhho flor. 983 b , blinde-slîcho trev. 12 b ; suarza- loh n. pr. bei Neug. γ ) zuweilen nach mehrsibigen: ërcna-êwa J. 440. mihhila-môt hrab. 953 b haganîna-sôl fr. or. 1, 674. maƷƷaltrîna-bërg trad. fuld. 1, 33. δ ) in der regel haben die fälle β . γ . den comp. vocal einge- büßt und es steht: alt-man, arm-hërz, mihhil-muot, lu- zil-muot und so in unzähligen beispielen mehr. ε ) ab- leitendes i haftet meist, mit absorption bei kurzsilbigen des comp. vocals, vgl. eli-benzo, eli-poro (f. elja-benzo); beispiele langsilbiger: milti-namo jun. 198. hrab. 958 a niu- wi-quëman K. 54 a niuwi-boran O. I. 12, 39. rîchi-duam O. I. 1, 125; doch schwindet es gleichfalls, z. b. hrein- haft (coelebs) ker. 53. chuan-heit O. I. 1, 7. rîh-tuom N. 48, 12. Ableitendes u bei kurzsilbigen: garo-tag (pa- rasceve) T. 198, 3; meistens geschwunden. — Der alts. comp. vocal pflegt, wie bei der substantivischen zus. setzung (s. 420. 421.) bereits zu mangeln, nur in ala-huît, ala-jung, alo-waldand treffe ich ihn an, also zwischen a und o (vgl. hano-crâd) schwebend; mehr fälle werden sich vielleicht nach herausgabe der E. H. sammeln laßen. — Im ags. und altn. gebricht er überall, er müste sich denn R r III. adjectivische eigentliche composition. im alteddischen iarkna-steinn erhalten haben. — Mhd. spuren wären in kurzsilbigen adj. zu suchen, z. b. in ale-wære, ale-gruene, doch gilt mehrentheils schon al- wære, al-gruene; eher nach m in süme-lich (den umlaut zeugt die assimilation sumi-lîch) nach g in zage-heit Parc. 81 c . Zuweilen scheint der comp. vocal sich in langsil- bigen verhärtet zu haben, z. b. erbarme-hërze. — Nhd. mangelt er durchgehends. 2) der compositionsvocal hat mit der adjectivíschen flexion nichts zu schaffen, diese fällt vielmehr in allen fällen weg, wo eigentliche zus. setzung eintritt. Es ist demnach bloßer schein, daß er einzelnen formen der flexion, namentlich der schwachen gleicht, z. b. dem goth. schw. nom. masc. oder dem ahd. schw. nom. fem. und neutr. In dem angeführten: daƷ haganîna-sôl unge- bundnes schwaches adj. neutr. haganîna anzunehmen hin- dert das parallele: dër maƷƷaltrîna-bërc, wo stehen müste: dër maƷƷaltrîno b., die genitive würden lauten: dës ha- ganina-sôles, dës maƷƷaltrîna-bërges (nicht: des haganî- nin s., dës maƷƷaltrînin b.). Späterhin, nach erlosch- nem vocal der comp. und ableitung, stößt daher die bloße wurzel an das zweite wort, z. b. alt-man gen. alt-mannes; junc-frouwa, gen. junc-frouwûn und so durch alle casus des sg. und pl. beider formen. Der flexions- lose nhd. nom. sg. hat wieder nur zufällige ähnlichkeit, die mit dem gen. alsbald aufhört es kann freilich, wenn nur der nom. (beim neutr. nom. und acc. sg.) da stehet, zweifelhaft bleiben, ob composition oder keine vorhanden ist, z. b. das ags. dëóp leán (magnum praemium) würde uncomponiert den gen. dëópes leánes bilden, componiert aber dëóp-leánes. Hier ist die analogie zu berücksichtigen. . Man kann über- haupt nicht sagen, daß dem eig. componierten adj. starke oder schwache form zu grunde liege; adj. welche bloß schwach declinieren (z. b. das goth. sama) sind der com- position eben so fähig, wie die übrigen (sama-leiks und ahd. sama-lîh, vom adj. samo). 3) zur erklärung der bedeutung adjectivischer eigentl. comp. können weder verhältnisse der casus noch der praepositionen genommen werden. Wo das adj. substan- tivisch steht, d. h. wo es sich nicht zu einem andern subst. gehört, hat es seine wahre natur ausgezogen. Das gewöhnliche adj. befindet sich also nur in einem apposi- tionsahnlichen verhältnisse zu dem zweiten worte der III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. zus. setzung, sei dieses nun subst. oder wiederum adj. oder participium. Allein die zus. setzung erzeugt freiere vielseitigere begriffe, als das wirkliche adj., stünde es ne- ben dem zweiten wort, haben würde, z. b. das nhd. jung-frau bedeutet weder junge frau noch die junge frau; alt-vordern weder alte vorderen noch die alten vordern. Die composition hat einen eigenthümlichen sinn hervor- gebracht, der, sobald man sie auflöset, nicht einmahl immer verständlich sein würde, z. b. in dem letzt ange- führten wort. Vielen adjectivischen eigentl. zus. setzun- gen entsprechen daher einfache wörter fremder sprachen, z. b. unserm alt-vater, jung-frau das lat. avus, virgo. 4) die arten und wichtigsten fälle der adjectivischen composition sind wie die der subst. abzuhandeln. Adjectiv mit substantiv. A. verzeichnis nach dem ersten wort. abrs (validus): daher vielleicht die ahd. eigennamen abar-hilt, aber-râm. alls (totus): die goth. sprache unterscheidet in der composition ala- von all- (f. alla-?), die ahd. ala- von al- (für all- und dies für alla-), die ags. äl- von ëall- , die altn. al- von all- (Rask §. 300.). Das erstere läßt sich formell nicht aus alls (totus) herführen und kann doch der bedeutung nach nicht anders wohin gehören. Weist es auf ein älteres als , gen. alis, das sich hernach in alls gen. allis verwandelte? Oder wären als (das sich freilich nicht alleinstehend vorzeigen läßt, bloß in der comp.) und alls zweierlei adj.? Ala- gibt den sinn des griech. παντο- , lat. omni-; all- den des gr. ὁλο- ; die zus. setzungen mit all- sind selten, die mit ala- häufig. Hierher fallen folgende substantiva: 1) mit ala : goth. alaþarba (nicht alla-þ.) Luc. 15, 14, einer, der an allem mangel leidet, man könnte þparba auch für die schw. adj. form nehmen; wahrscheinlich ist damit der goth. eigen- name ala-reiks (omnipotens) componiert (und die ver- muthung s. 447. falsch). — ahd. ala-man (n. pr. und gen- tilit., in den gesetzen, urk. und geschichtschreibern kommt die volle form ala-manni vor); ale-walto (omnipotens) N. 104. 21; die meisten comp. stehen bei O. und N. in adverbialischen redensarten und zwar α ) mit in und dem acc.: in ala-drâtî (vehementissime) O. II. 23, III. 26, 89; in ala-festî (firmissime) O. V. 7, 107; in ala-gâhî (citissime) R r 2 III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. O. V. 20, 167. in ala-gâhûn O. III. 24, 143; in ala-halba (undique) O. IV. 2, 38. in ala-hant (undiquaque) O. II. 7, 7; in ala-lîchî (omnimode) O. II. 4, 163. IV. 29, 89; in ale-maht (vehementissime) N. Boeth. 75; in ala-nôt (accuratissime) O. II. 3, 41; in ala-wâr (verissime) O. I. 1, 173. I. 18, 76. II. 22, 27. in ala-wâri O. II. 9, 149. V. 13, 47. III. 23, 39; in ala-wîsûn (omnimode) O. II. 4, 54. β ) mit in oder zi und dem dat.: in ala-gâhe O. II. 23, 59; in ala-halbôn O. IV. 9, 44; in ala-nahî (proxime) O. III. 20, 353; in ale-rihte (rectissime) N. Cap. 161; zi ala- wâru O. IV. 21, 55. zi ala-wâre O. V. 23, 475. — ags. äl- fylce (multitudo) Beov. 177. äl-miht (omnipotentia) äl- viht Cädm. 3. Beov. 114. äl-vëalda (omnipotens). — altn. al-gleymîngr (amnestia) al-heimr (macrocosmus) al-hugi (serietas) al-hendur (f. pl. omnis nisus) al-mâttr, al-mætti (omnipotentia) almûgi (plebs) al-rœmi (fama vulg.) al- vald (omnipotentia) al-vara (serietas) al-vidra (mollis un- dique aër) al-ûð (benevolentia) al-þîng (comitia) al-þŷda (plebs). — 2) composita mit all- : goth. all-brunsts ( ὁλο- καυστον ) Marc. 12, 33. — ahd. al-brand-opher N. 64, 2. (nicht ale-br.) — ags. ëall-ofrung. — altn. all-gildi (ple- num pretium) all-giörvi (panoplia) all-hŷsi (integr. prae- dium) all-kiötvi (pancreas) all-klæðnadr (integer vestitus) all-vepni (panoplia); Biörn schreibt zwar diese wörter sämtlich mit al-, ich glaube daß ihnen all- zukommt. — Mhd. kenne ich kein beispiel für das zweite al-, und nur wenige für das erste in den überbleibseln jener adverbien: in al-rihte Trist. 15527. ën al-verte (ubique viarum) Mar. 43. Aufgelöstes: in allen gâhen stehet Mar. 185. 192. Parc. 118 b kl. 1519. (müll.) zum beweis, daß ala- mit dem adj. omnis zus. hänge; in den meisten dieser stellen hindert das metrum nicht zu emendieren: in al-gâhen. — nhd. ist der unterschied verwischt, denn wir schreiben all-macht statt almacht; bloß in dem unverstandnen volks- namen ale-mannen dauert die echte form, sogar mit dem comp. vocal. alis? (alius, alienus) für sich veraltet, hat sich in fol- genden comp. fortgepflanzt: goth. alja-kunja (alienigena), eigentlich schwache form des adj. alja-kunis; die alio-rum- nae des Jornandes hierher? ich verstehe das zweite wort nicht. — ahd. eli-hilt, eli-lant urkundliche n. pr.; eli-benzo (alie- nigena) O. III. 18, 28. (goth. alja-bantja?) von bant, hochd. banz (regio); ali-lendi (captivitas) J. 406. eli-lenti O. el- lende N. 64, 2. eli-poro (peregrinus) jun. 193. eli-liut hrab. 954 b . — alts. eli-thëodan. — ags. ele-lende, el-lende (exilium); III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. el-þëód (peregrinitas). — altn. keine beispiele. — mhd. el-lende, in ältern quellen bisweilen geschr. ele-lende und verderbt ene-lende (1, 386.) — nhd. ê-lend (miseria) f. el-lend, dem sinn und der schreibung nach undeutlich geworden. alds? (vetus): goth. und altn. ohne beispiel, wie das adj. selbst. — ahd. alt-ano O. I. 3, 30; alt-duam (senectus) O. II. 9, 76. vielleicht entstellung bloßer ableitung alt-uom? vgl. s. 151; alt-fater (patriarcha) O. I. 3, 11, 49; alt-forderon (majores) N. Boeth. 135. Cap. 166; alt-cot (saturnus) N. Cap. 54; alt-mâgâ (majores) O. I. 3, 4. Samar.; alt-paum (arb. cariosa) hrab. 958 a ; alt-wigki (callis) ker. 73. fr. or. 1, 674; alt-worolt O. I. 4, 79; sodann viele nom. pr. alta- përt, alt-përaht, alt-charal, alt-durinc, alt-frid, alt-gast, alta-gund, alt-hëlm, alt-hilt, alt-hun, alt-hraban, alt-rât, alt-rîh, alt-suâp u. a. m. — alts. ald-gumo (senex) ald- sidu (consuetudo). — ags. ëald-cvën (vetula); ëald-fäder (avus) Beov. 30; ëald-fëónd Jud. 12. Cädm. 85; ëald- hlâford (senior); ëald-mëtod (deus) Beov. 73; ëald mô- der (avia); ëald-geniðle Jud. 11; ëald-riht (privilegium); ëald-seaxa; ëald-gesegen (historia) Beov. 67; ëald-gesið Beov. 66; ëald — spëll (fabula); ëald-gestrëón Beov. 105. 111; ëald-gevin Beov. 134; ëald-vîf (vetula); ëald-gevyrht Beov. 198. — mhd. alt-hërre c. p. 361, 18 c MS. 1, 126 b ; alt-man Parc. 39 c ; alt-vordern Barl.; alt-frouwe Wigal. — nhd. alt-flicker, alt-knecht, alt-mutter, alt-reiß, alt- gesell, alt-vater, alt-fordern, alt-waßer (nebenstrom, wie ahd. alt-wiggi kleiner weg, der vor alters hauptweg war); auch sagen wir noch: ein alt-baier, alt-hesse, alt-sachse im gegensatz zu neu-baier etc. args? (piger, malus): arc-chust (malitia) zu folgern aus dem adj. arc-chustîc mons. 408. arg-chustig N. Boeth. 80; arc-willo aus arg-willig (malignus) vgl. arg-willigi (malignitas) N. 34, 17. arg-wilo Boeth. 201. — ags. ëarg- scipe (ignavia). — mhd. arc-heit (pravitas) Trist. arc-wân (suspicio). — nhd. arg-wohn. arms? (miser): mhd. arm-man kolocz 218. wofür ar- man c. p. 361, 71 c . aírkns? ahd. ërchan (genuinus) vgl. s. 164.: ërcna- êwa J. 340; ërchan-pruoder (fr. germanus) mons. 411; viele n. pr. als: ërchan-pald, ërchan-përaht, ërchan-poto, ërchan-dëo, ërchan-frid, ërchan-gêr, ërchan-hart, er- chan-loug, ërchan-nôt, ërchan-rât, ërchan-sind etc. vor labialen wandelt sich oft das n in m: ërcham-pald. — ags. neben den eigennamen ërcen-bërht, ërcom bërht, III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. ërcon-gota (fem.) chron. fax. Jngr. p. 36. 37, deren rich- tige form ëorcen-bëorht fordert, ëorcnan-stân (margarita) f. ëorcon-stân? oder ëorcna-stân? — altn. iarkna-steinn (lapis pretios.) edd. sæm. 137 b 139 a 213 b 238 a mit haf- tendem comp. vocal? (ahd. ërchana-stein?) balþs (audax): ahd. eigennamen wie pald-përht, pald- munt, pald-muot, pald-râm, pald-win (balduinus). — mhd. balt-sprëche c. 361, 26 d . báitrs (amarus): ahd. bitter-vîga W. 2, 13. — altn. bitr-leiki (acor). — mbd. bitter-olf f. bitter-wolf (s. 331.) — nhd. bitter-holz, -klee, -kraut, -salz, -waßer, -wurz. bláiks? (pallidus, albus): ags. blâc-hlëór Cädm. 43. Jud. 11. blâc-hond Beov. 185. (weiß-wange, weiß-hand). bleiþis (mansuetus) ahd. plîdi: nom. pr. plîd-hilt, plid- kêr, plîd-kôƷ, plîd-man, plîd-rât u. a. m. blinds (coecus): ahd. plint-slîhho (caecilia) zwetl. 116 a wofür blindo-slîco flor. 983 b blinde-slîcho trev. 12 b , was mir eher = blinda-slîhho, als ungebundnes blindo slîhho scheint. — nhd. blind-heit, blind-schleiche. — altn. blind- leiki (coecitas) blind-skër (scopulus occultus). diups (profundus): ags. dëóp-leán (grave praemium) Cädm. 69. 73. — altn. diup-leikr (profunditas) diup- siór (pelagus). — nhd. tief-denker, tief-sinn, tief-trunk (n. pr.). drûds? (carus): ahd. trût-dëkan (dilectus) drût-thë- gan O. II. 9 23. drût-liut O. I. 7, 37. drût-scaf O. IV. 9, 36. und die nom. pr. trût-përht, trût-win, trût-hilt, trût-lint. — mhd. trût-hërre Trist. 5860. trût-schaft Am. 4 c . — nhd. die nom. pr. traut-vetter, traut-wein. duls? (stolidus): ahd. tola-heit (stultitia). — ags. dol- scipe, dol-spræce (fatuitas sermonis). — nhd. toll-beere, toll-heit, toll-wurm, toll-wurz. þvasts für fasts? (firmus) ahd. fast neben festi?: ahd. nom. pr. fast-man, fast-purc, fast-rât, fast-win, fast-olf. — altn. fast-eign (praedium) fast-mæli (pactum) und eigen- namen fast-ûlfr, fast-rið etc. fris (liber): ahd. frî-hals (homo liber, collum liberum) K. 53 b ker. 191. vgl. frî-hals-lîh (liberalis) hrab. 968 b und frî-halsî (libertas) ker. 191. N. 76, 11; frî-lâƷa (manu- missio) mons. 377. frî-lâƷo (libertus) mons. 377. — ags. frëó-bëarn Cädm. 47. 72. 80. 97; frëó-burh Beov. 54; frëó- dôm (libertas); frëó-ls (liber, solemnis) aus frëó-hals ableitendes -ls läßt sich kaum annehmen (s. 335.) und die abgeleitete bedeutung von frëóls (solemnitas, d. i. fest der frei- vgl. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. frëóls (festivitas) frëólsung (solemnitas); frëó-lâc (libera oblatio); frëó-lâta (libertus); frëó-mæg Cädm. 24. 70; frëó-man Cädm. 36. 47; frëó-riht (jus ingenuorum). — altfries. fria-halsa (libertas) fria-stôl (thronus, sedes judi- cis) Asegab. p. 17. — altn. fri-âls (liber, francus) f. frî- hâls, noch verderbter ist die nebenform frëls, dän. frëls, vgl. friâlsa (libertas) friâls-leiki (libertas); frî-gëdja (ge- nerosus); frî-hand zu folgern aus dem adv. frî-hendis (aus freier hand); frî-sprok (liberum colloquium). — mhd. frî-gedanc; frî-hals? ich kenne bloß frei-helsen aus einer urk. von 1341. (mon. boic. XI, 289.); vrî-heit c. p. 361, 81 d ; vrî-man kl. 1519; vrî-tuom w. gast 31 a . — nhd. frei-exemplar, frei-denker, frei-frau, frei-geist, frei-haus, frei-heit, frei-herr, frei-loos, frei-gericht, frei-schöffe, frei-sitz, frei-stuhl etc. auch nom. pr. wie frei-gang, frei- -dank; frei-tag (d. veneris) scheint ursprünglich nicht hierher zu rechnen. frôds (prudens): ahd. fruot-hëlm n. pr. — alts. fruod- gumo (homo sapiens). — ags. frôd-cyning Beov. 100. — altn. frôd-leikr (prudentia). fruma (prìmus): fruma-baúrs (primogenitus). — ahd. frumi-kêr, frumi-gêr (n. pr.) frumi-kîdi (primitiae) jun. 220; frumi-wahst (primitiae); frumi-rîh (n. pr.); in allen mag frumi- durch assimilation f. fruma- stehen, wie aber ist dann frumi-rât (n. pr.) zu nehmen? — ags. frum- bëarn (primogenitus) Cädm. 23. 25. 28. 51; frum-cyn (proles) Cädm. 70. 82. Beov. 21; frum-gâr (princeps) Cädm. 27. 28. 31. 38. 50. 55. 77. Jud. 11. dieses comp. bedentet nicht, was Lye meint, patriarcha, sondern ent- spricht genau dem lat. primipilus, von pilum (spieß) also dem ahd. fruma-kêr und würde altn. frum-geir lauten, hieraus erklärt sich wie geir erst für bellator, heros, dann für vir überhaupt stehen könne [am allgemeinsten in geir- varta papilla viri] und wie es in viele mannsnamen passe (oben s. 494.); frum-gifu (praerogativa); frum-hrägel (primus vestitus) Cädm. 23; frum-lëóht (aurora); frum- laßung? verschlägt nichts, da das altn. friâls deutlich liber, libe- ralis heißt. Auch stimmt dem sinne nach der freie, unter das loch der knechtschaft nicht gebeugte hals. Man darf daher nicht die ags. und altn. form für die echte und die ahd. für die ent- stellte halten (etwa durch eingeschaltetes h, frihals f. frials, wie mahal, pihil aus mâl, pîl, vgl. s. 509.). In den lombard. ge- setzen scheint mir ful-freal entsprungen aus ful-fri-hals, vollfrei volledelbürtig. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. mëólc (primum lac); frum-ræd (primum decretum); scrum-scëaft (creatio, origo) Cädm. 68. Beov. 9; frum- scëatt (primitiae) frum-slæp (primus somnus) Cädm. 77; frum-stôl Cädm. 23. frum-västm (primitiae). — altn. frum- burdr (prima proles); frum-grôði von grôði (viror) ahd. gruoti mons. 334. f. gruohadi, oben s. 237. 238. nachzutragen; ich zweisle nicht, daß auch das adj. gruoni (viridis) aus gruohani entspringe (s. 182, a.). (primitiae); frum- hlaup (primus occursus); frum-kaup (protimesis) frum- vöxtr (primitiae) frum-vërr (maritus primarius). — mhd. und nhd. keine solche comp. fulls (plenus): bei Ulf. kein subst. mit fulla- , bloß adj. und verba. — ahd. schwankt die form zwischen folla- und fol: fol-missa (completor.) K. 45 b ; folla-zuht (conni- ventia, solatium) ker. 50. 254. fol-zuht (subsidium) ker. 5; über das zweifelhafte fol-leist, fol-lust oben s. 199. 370. — ags. full-viht, später full-uht (baptismus); full-vîte (plena mulcta). — altn. full-hugi (vir animosus); full-rêtta (plena satisf.); full-trûi (patronus) full-tŷngi (auxilium); full-yrdi (verba expressa). — mhd. vol-mæne (plenilunium) Trist. folle-munt und fol-munt (fundamentum, columna) in einer von Schilt. 309 b angeführten psalmenübers., vgl. Frisch 1, 306 b , vielleicht undeutsch. — nhd. voll-macht, voll-mond, voll-genuß; dialectisch auch noch voll-mund, füll-mund, gamals? (vetus): ahd. die eigennamen kamal-hêr, ka- mal-përaht. — ags. gamol-fëax (senex, canus) Beov. 48. chron. sax. a o 559, vielleicht adj.? — altn. gamal-menni (senex); gamal-þëgn (idem) Eigla p. 621. glaggvus (sollers): ahd. eigennamen klau-përaht, glou- braht, klau-munt. — ags. glëav-cëastre (gloucester) n. loci; glëav-scipe (prudentia). — nhd. klau-hold (n. pr.). gôds (bonus): ahd. kuot-dëkan (n. pr.); guat-hêrero O. IV. 7, 160; N. 22, 58; koat-poto ker. 119; kuot-tât (beneficium, profectus) mons. 351. 380. guot-tât N. Boeth. 192. — ags. gôd-cyning Beov. 67. — altn. gôd-gerd (beneficium); gôd- gripr (res pretiosa); gôd-menni (vir probus), gôd-qvendi (mulier honesta); gôd-vërk (bona opera); gôd-vili (fa- vor). — mhd. guot-knëht w. gast 134 a (öfter das lose adj. z. b. pf. ch. 51 b 52 a 65 b 70 a ); guot-man Parc. 176 b ; guot-tât (beneficium) Barl. 148. (bonum opus) Barl. 99. Frig. 29 a . guot-wîp Parc. 182 b . — nhd. nur die nom. pr. gut-mann, gut-gesell; das adj. gut-willig deutet auf gut-wille. gravs ? (griseus): ahd. krâ-man, krâ-wolf n. pr. — ags. gräg-hama (thorax) im fragm. von Sigef., nicht ci- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. cada, wie Hickes meint (thes. p. 192.); gräg-hvæte (triti- cum, engl. grey-wheat). — altn. grâ-bakr (serpens, grau auf dem rücken); grâ-dŷr (lupus); grâ-fygli und grâ-gâs (anser ferus); grâ-mûnkr (frater ordinis francisc.); grâ- salt (sal fossile); grâ-silfr (argentum) edd. sæm. 231 a . — nhd. grau-bart; grau-rock; grau-schimmel. ahd. crôƷ (crassus, grandis): crôƷ-darm und crôƷ- mago (beide extales, intestina das große gedärm, viscera exstantiora) sgall. (wo fehlerhaft throƷdaran f. chroƷd.) Goldast 2, 65 b doc. 217 a flor. 988 a (wo gros f. groƷ? vgl. nhd. gekröse). — nhd. groß-fürst; groß-herr; groß-maul; groß-sprecher; verschiedne n. pr. groß-mann, groß-au- heim (gegenüber klein-auh.) etc. grônis? (viridis) ahd. kruoni: gruon-spëht zwetl. 126 a . — nhd. grün-baum; grün-schnabel; grün-specht; grüne-wald etc. halbs (dimidius) in der comp. nicht immer der be- stimmte theil des ganzen, sondern auch das unganze, kleine, geringe, gemischte: ahd. halp-cot (semideus); halb- gisceid (dimidium) doc. 217 b ; halp-scild (pelta) mons. 328; merkwürdig sind die urkundl. eigennamen halp-kêr, halp- durinc, halp-walah, beide letztere wahrscheinlich abkunft aus der ehe einer thüringerin oder italienerin mit einem fremden manne ausdrückend auf die verschiednen verhältnisse der abstammung wurde ge- nau geachtet, s. oben s. 629. alt durinc etc. , wegen halp-kêr ist vor- hin frum-kêr zu vergleichen. — ags. hëalf-heásod (sinci- put); hëalf-man and hëalf-hors (centaurus); healf-vudu (nom. herbae); auch hier der mannsname hëalf-dan (halb- däne?) — altn. hâlf-brôdir; hâlf-gaman (halbér scherz); hâlf-hrîngr; hâlf-kyrkja (sacellum); hâlf-qvisti (ramuli); hâlf-rêtti (dimidia mulcta); hâlf-silki (subsericum); half- tröll (semigigas); hâlf-viti (mente captus); hâlf-yrdi (vox semiplena); hâlf-dan (n. pr.) Snorra-edd. 150 a . — mhd. halp-swuol, halp-sûl (semi-verres) Nib. 3755. denn die hss. sollen s, nicht f lesen, obgleich im jus prov. alem. (Schilt. II, 119 a ) ur-fûl dem ur-sûl (im text ur-sus!) vorzuziehen scheint, vielleicht ist die dritte variante ur-gûl [auch im Wittich 1606. deutlich so] noch beßer, und dann halp-gûl zu muthmaßen. — nhd. halb- bauer; halb-bruder; halb-bier; halb-ente; halb-ermel; halb-fisch; halb-gott; halb-holz; halb-mann; halb-pferd (Oberl. 595.); halb-scheid; halb-schwein; halb-stiefel u. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. a. m. — Mit sâmi- (s. 553.) scheint die alte sprache nur adj., mit halp substantiva zu componieren; nach dem aus- sterben jenes fügte sich aber halp- auch zu adj. hardus (durus): ahd. hart-puri (magistratus) hrab. 969 a oder nom. pl. von hart-pur;? hart-rigili (arb. san- guin.) mons. 414. flor. 990 a (wo hartrugil); die nom. pr. hart-leip, hart-leih, hart-man, hart-mund. — altn. hard- bak (dorsum durum); hard-gëdi (severitas); hard-rêtti (dura tractatio); hard-spori (nix indurata); hard-uð (se- rocia). — nhd. hart-riegel (ligustrum). háilags (sanctus): ahd. heilac-mânôt (decemb.) Eginh.; heilic-macha (sanctificatio) N. 95, 6.; heilac-stat (asylum) hrab. 952 b ; heilic-tuom (sacramentum) N. 103, 3. — ags. hâlig-dôm (sanctimonia). — altn. heilag-leiki (sanctitas); heilag-fiski (solea). — mhd. heilec-tuom Parc. 38 c . — nhd. heilig-thum. háis? (almus) ahd. hêr: hêr-scaft (celsitudo) N. Boeth. 63. 82; hêr-stuol (thronus) N. 106. 32; hêr-tuom (magi- stratus) mons. 329. 335. 342. hêr-duom J. 371. 373. 387. — mhd. hêr-schaft (oben (s. 521.); hêr-tuom c. p. 361, 74 b 83 d . háuhs (altus): ahd. hôh-fater (patriarcha) N. 71, 16. thër hôho fater J. 393; hôh-flug N. Cap. 39; haoh-chlëp? (con- sistorium) hrab. 958 b ; hôh-poum (cedrus) N. 103 17; hôh- sanc (jubilum) jun. 211; haoh-sëdal (thronus) hrab. 975 b mons. 325. hôh-sëtli J. 368. 397. 399. hôh-sidillo jun. 179; haoh-spâho (architectus) hrab. 952 b vgl. meistar dërô hôh-spâhëô mons. 410; hôh-stuol (triclinium) mons. 329; hô-kiwalti (arbitrium) ker. 219. — ags. heáh-boda (ar- changelus); heáh-burh Cädm. 90; heáh-cyning Cädm. 2, 78; heáh-cräft (architectura); heáh-ëaldor (archisynago- gus): heáh-engel (archangelus); heáh-fäder; heáh-flôd (aestus major maris); heáh-gerêfa (summus praepositus); heáh-hâd (summus ordo); heáh-læca (archiater); heáh-rodor Cädm. 4; heáh-sæþëóf (archipirata); heáh-sangere (prae- centor); heáh-gescëaft Cädm. 1; heáh-sëtl Cädm. 1. Beov. 83; heáh-stëap Cädm. 61; heáh-gestrëón Beov. 172; heáh- tîd (solemne tempus); heáh-torras (alpes) heáh-vëder (tempestas) u. a. m. — altn. hâ-bein (celsipes); hâ-bord (mensa suprema); hâ—brôk (genus vestimenti); hâ-degi (lux meridiana); hâ-hyrnîngr (physeter); hâ-leikr (excel- lentia); hâ-leistr (genus calcei); hâ-lendi (loca montana; hâ-mali (clamor); hâ-reisti (idem); hâ-sëti (remex); hâ- sinar (nervi poplitis); hâ-stafr (clamor); hâ-sumar (aestas- adulta); hâ-sæti (thronus); hâ-tîd (festivitas); hâ-tign III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. (majestas); hâ-vadi (clamor); hâ-vëtr (hiems adulta) u. a. m. — mhd. hôch-gebende Wh. 2, 10 a ; hôch-minne Parc. 180 b ; hôch-muot Parc. 82 c hôch-gemuete; hôch- vart Wigal.; hôch-zît, hôch-gezît Nib. Wigal. — nhd. mit ungleicher betonung des ersten worts: hof-fart (assim. aus hoch-f.); hô-heit (f. hôch-heit); hôch-land; hôch- muth; hôch-sommer, hôch-winter; hôch-zeit; eigenna- men wie hôch-apfel, hôch-hut etc. hveits (albus): ahd. wîƷ-hulla (calantica) N. Cap. 58; wîƷ-stein ibid. 64; wîƷ-lint (n. pr.) — ags. hvît-fôt (albi- pes); hvît-leác (alba cepa); hvît-metas (lacticinia); hvît- stân (albus lapis); und die ortsnamen hvît-circe, hvît- sand. — nhd. weiß-dorn; weiß-fisch; weiß-rock; weiß- stein und eigennamen wie weiß-haupt etc. ïbns (aequalis): ahd. ëben-erbe (coheres) N. 88. 30; ëpan-hluƷëo (consors) hrab. 957 a ëban-loƷo K. 16 a ; ëban- jungiro (condiscipulus) T. 135; êpan-plâst? (praeceps) jun. 246; ëban-scalc (conservus) T. 99. 146; ëban-wërh (co- operatio) J. 367. — ags. ëfen-biscëop (coepiscopus); ëfen- cëastervaran (concives); ëfen-gemäca (consors); ësen-hâd (conditio aequalis); ëfen-häftling (cocaptivus); ëfen-heápas (commanipulares); ëfen-hlyta (consors); ëfen-læcestre (imi- tatrix); ëfen-niht (aequinoctium) ëfen-þëóv (conservus); ëfen-vyrhta (cooperator); ëfen-yrfevëard (coheres). — altn. iafn-dœgr (aequinoctium); iafn-keypi (contractus ae- quus); iafn-odi (conjux); iafn-rædi (par conjugium); iafn-sæti (aequa pacificatio); iafn-vægi (aequilibrium); iafn-yrdi (mutua dicteria). — mhd. ëben-christen (socius christianismi) pf. ch. 32 a ; ëben-êwicheit (coaeternitas) MS. 2, 122 b ; ëben-heit (socius) masc. c. p. 361, 84 a ; ëben-hœhe (machina bellica) c. p. 361, 154 d Parc. 49 c MS. 1, 89 a ; ëben- hiuƷe (corrivalis, nacheiferer, mitbewerber) Wh. 2, 58 b MS. 2, 76 a , und ein fem. ëben-hiuƷe (rivalitas, aemulatio, imitatio) Parc. 192 c und Tit. hernach unten das verb. ëben-hiuƷen (aemulari); vgl. wi- derhiuƷi (aemulatio) Bon. 66, 5. und das einfache adj. hiuƷe Ot- toc. 74 b (von rossen, also wohl fourig, muthig) MS. 2. 71 b 78 b (von frechen bauern). ; eben-mâƷe (comparatio) Barl. 127; ëben-mensche (proximus); ëben-genôƷ; ëben-wette Am. 4 b . — nhd. êben-bild; êben-maß; aber unorg. mit der par- tikel nêben (= in ëben): nêben-buhler, nêben-christ, nê- ben-mann, nêben-mensch. juggs (juvenis): jugga-láuþs. — ahd. junc-frouwa W. 2, 7; jung-man, jung-rât n. pr. — ags. gëong-cempa III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. (tyro). — altn. ûng-dômr (juventus); ûng-hryssa (equula); ûng-menni (juvenis); ûng-neyti (juvencus); ûng-vidi (ar- busculum); dagegen aus dem hochd. aufgenommen jûng- srû, jôn-frû (dän. jom-fru, schwed. jung-fru). — mhd. junc-frouwe Trist.; junc-hërre MS. 1, 126 b . — nhd. jung- frau, verk. jung-fer (1, 444.); nicht jung-herr, sondern bloß verkürztes junker. kalds (frigidus): altn. kald-ambr (molestia); kald-egg (ovum subventaneum); kald-yrja (pluvia frigida). — nhd. kalt-lager; kalt-meißel; kalt-schmid; kalt-silber; kalt-sinn. kláinis? (subtilis) ahd. chleini: chlein-list N. Cap. 101. — nhd. klein-bauer; klein-heit; klein-knecht; klein-krä- mer; klein-schmid. laggs (longus, nach raum und zeit): lango-bardi (bar- bigeri) Tac., ahd. lanc-partâ ker. 146. mons. 417; lanc- wid (carpentum, vinculum plaustri) lex alam. 96. ker. 225. mons. 333. — ags. lang-bëardas (longobardi); lang-bolster (cervical); long-gestrëón (bona avita) Beov. 167; lang- vëb (tela). — altn. lâng-afi (proavus); lâng-amma (pro- avia); lâng-backi (nubilum pelagicum); lâng-backr (sub- sellium); lâng-bord (mensa perpetua); lâng-bönd (tigna lateralia); lâng-fedgar (majores); lâng-hefill (dolabella lon- giuscula); lâng-lund (longanimitas); lâng-skip (navis bel- lica) sæm. edd. 160 b ; lâng-sög (serra, quae in longitudi- nem secat); lâng-spönn (spithama major); lâng-vidri (temperies aeris durabilis); lâng-vinr (amicus probatus); lâng-vistir (pl., mansio diuturna). — mhd. lanc-gemuete Barl. — nhd. lang-bein; lang-fisch; lang-hals; lang-nase; lang-ohr; lang-schläser; lang-wagen (provinz. noch lang-wiede). liubs (carus): ahd. liob-hêreron (discipuli Christi, Chri- stus heißt druhtîn, nicht hêrero) O. II. 15, 35; lieb-tât (benefactum) N. 77, 11. — ags. lëóf-mynster (n. oppidi, hodie lempster). — altn. liuf-leiki (comitas); liuf-menni (vir comis). — mhd. liep-tât; lieb-gart n. pr. — nhd. lieb-fraue; lieb-kind (Oberlin h. v.). midis (medius, medio transiens): midja-sveipáins (di- luvium). — ahd. mitti-lant (meditullium) zu folgern aus mitte-landig (mediterraneus) N. 71, 8; mitti-vërihi (dimi- dium, media pars vitae, von vërah, vita) mons. 335. 350; mitti-duërgi (grossior dorso) doc. 225 b nicht ganz deut- lich, gehört es zu duërah (transversus) oder tuërac (na- nus)? — ags. mid-däg (meridies); mid-fëorhð, mid-fërhð (adolescentia, media aetas, von fëorh, vita); mid-hrif (mesenterium); mid-lengten (quadragesima); mid-niht; mid-sumor; mid-vinter. — altn. mid-aldra (in medio ae- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. tatis); mid-bŷk (umbilicus); mid-degi (merid.); mid-gardr; mid-mæti (intergeries); mid-nætti; mid-stôlpar (columnae medianae); mid-sumar (aestas adulta, vgl. hâ-sumar); mid- vëggr (paries medianus). — nhd. mit-tag. — engl. mid-riff; mid-summer; mid-winter. — Im ags. und altn. vermen- gen sich diese composita und die durch die praep. mid gebildeten; im ahd. scheiden sich mitti- und miti-; vgl. s. 469. 470. die dem sinne nach übereinkommenden sub- stantivischen zus. setzungen. mildis? (clemens, benignus) ahd. milti: milti-namo (cognomen) ker. 77. hrab. 958 a jun. 198, zur erklärung dieses bald ausgestorbnen, den andern dialecten mangeln- den wortes müste man einen übergang der bedeutung liberalis in die von copiosus, frequens annehmen; nach Lye soll ags. mild-hlëahtor subsannatio heißen. nêhvs? (vicinus) bisher ist nur ein goth. nêhva (prope) bekannt, aber ein ahd. adj. nâh: ahd. nâh-gipûr (vicinus) mons. 340; nâh-sippa (proxima) N. 47, 10; nâh-wist (praesentia) O. IV. 5, 79. 11, 78. 15, 26. — ags. neáh-ge- bûr, neáh-bûr (vicinus); neáh-mæg (affinis); neáh-man (vicinus); neáh-fibba (cognatus); neáh-vist, neá-vist (vi- cinia). — altn. nâ-bûi (accola; nâ-bŷli (vicinia); nâ-granni (vicinus) nâ-grenni (vicinia); nâ-lægð (presentia); nâ-vëra, nâ-vist (praesentia). — mhd. nâch-gebûr (vic.); nâch- kunde Barl. 324. — nhd. nach-bar. — Das ahd. mhd. nâh, nâch fällt mit der gleichlautigen partikel, das altn. nâ mit nâ (cadaver) zusammen. nivis (novus, recens): ahd. niuwi-holz (myricae) doc. 226 b ? es ist aber mit mons. 337. richtiger niwiht-holz, d. i. nichts werthes gesträuch zu lesen; niuwi-lenti (novale) mons. 336. 343. 350; niu-plôt (cruor, d. i. frisches blut) ker. 65; niuwi-quëmo (neophytus) doc. 227 a niu-quëmalinc (advena) mons. 368; niu-riute N. Boeth. 110; niu-skiht (prodigium) N. 104, 5. — ags. nig-cuma, niv-cuma (novitius). — altn. nŷ-âr (cal. jan.); nŷ-bôla (inopinatum quid); nŷ-fenni (nix nova); nŷ-lenda (arvum); nŷ-lyndi (res nova); nŷ-lŷsi (novilunium); nŷ-mâni (idem); ny-mæli (novellae); nŷ- rædi (novum consilium) edd. sæm. 91 b ; nŷ-virki (recens opus manuum); vgl. den eigennamen nŷ-râðr edd. sæm. 2 b . — mhd. niuwe-leis (nix recens, frische bahn, spur) Parc. 17 c (mehr citate in Lachm. ausw. 284. 285.); niu- rât (primitiae) Oberl. — nhd. neu-brueh; neu-jahr; neu- licht; neu-mond; neu-stadt; die eigennamen neu-bauer (plattd. nie-buhr), neu-hof, neu-mann, neu-rath etc. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. qvîus (vivus): ahd. quëh-prunno (fons vitae) Sama- rit.; quëh-silipar hrab. 962 b . — ags. cvic-beám (junipe- rus; cvic-fëoh (pecus); cvic-fŷr (sulphur); cvic-helm (n. pr.); cvic-sëolfor; cvic-susl (tartarus); cvic-trëóv (tremulus); cvic-vihta (animalia). — altn. qvik-fê (pe- cora); qvik-sandr (syrtes); qvik-syndi (palus impervia); qvik-trê (staticulum). — nhd. queck-silber; queck-holder (wach-h.). ráuds (ruber): ahd. rôt-stein mons. 337. — ags. reád- gold (obryza); reád-tëafor (rubrica, bezifferung). — altn. raud-broti (ferrum aerosum); raud-brŷstîngr (erythoster- nius); raud-kembîngr (cetus quidam) raud-magi (cyclo- pterus mas). — nhd. roth-bart; roth-brüstchen; roth-kehl- chen; roth-stein; roth-stift etc. reikis (potens): ahd. rîhhi-duam O. I. 1, 125. rîh-tuom N. 48, 12. — ags. rîce-dôm. — mhd. rîch-tuom; rîcheit f. rîch-heit. — nhd. reich-thum. ahd. sihhur (securus, immunis): sihhur-heit mons. 362. 387. — mhd. sicher-bote a. Tit. 164. Parc. 176 c . — nhd. sicher-heit. silba ( αὐτός , entspricht in der comp. dem gr. αὐτο- und dem slav. samo-): silba-siunjôs ( αὐτόπται ) Luc. 1, 2. — ahd. sëlb-folga (secta) N. 67, 32; sëlp-lâƷ (effrenatio) mons. 389; sëlb-munt (lombardisch sël-mundia, sil-mun- dia, suae potestatis arbitrium); sëlp-poum (stipes, hasta) jun. 194. 226. mons. 351. vermuthlich stange aus einem stück, wie gr. der pflug αὐτόγυον heißt; sëlp-sâƷo (arbi- ter) wenn ich selbsuzzun jun. 194. in sëlp-sâƷun richtig ändere; sëlp-scôƷ (balista) doc. 234 b ; sëlb-suana (arbitrium) K. 22 b 25 a 43 b ; sëlp-truhtîn ( αὐτοκράτωρ ) sëlb-druhtîn O. II. 4, 152; sëlp-weli (arbitrium) mons. 348; sëlb-walti (idem) neutr. N. 101, 10. sëlb-weldî fem.? francof. 17. 21. sëlp-waltôd (privilegium) jun. 222. sëlp-waltida hrab. 971 b ; sëlp-waltigî (emancipatio) mons. 377. vgl. sëlb-wal- tigêr (liber) N. 87, 6; sëlb-wart, sëlb-wartida (privilegium) doc. 234 b ; sëlp-willo ( αὐτογνώμη ) K. 16 a mons. 409; sëlp- zant (n. plantae, mit gezahnten blättern? vgl. das gr. adv. αὐτοδάξ ) jun. 410. doc. 234 b . — ags. sëlf-æte (nom. herbae); sëlf-bana (suicida); sëlf-cvâla (idem); sëlt-cyning ( αὐτοκράτωρ ) Beov. 71. 77; sëlf-dêma (sibi judicans); sëlf- myrðra (suicida); sëlf-scëaft Cädm. 13; sëlf-ville (vo- tum). — altn. siâlf-ala (se ipsum nutriens); siâlf-biarga ( αὐτοβοηθός ); siâlf-byrgîngr (idem) siâlf-dœmi (arbi- trium); siâlf-hærîngr (flos lanae); siâlf-rædi (libertas); siâlf-þôtti (arrogantia); siâlf-vili (arbitrium). — mhd. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. sëlb-kur (arbitr.) Mar. 146. — nhd. selbst-dünkel; selbst- heil (prunella vulg.); selbst-herrscher; selbst-lauter; selbst- liebe; selbst-mord; selbst-sucht; gleichbedeutend damit ist eigen-: eigen-dünkel, eigen-liebe, eigen-sinn, eigen-wille. siuks (aegrotus): ahd. siuh-tuom mons. 405. — altn. siúk-dômr; siúk-leiki. — mhd. siech-eit f. siech-heit Barl.; siech-hûs MS. 1, 102 b siech-tuom Parc. 122 a . — nhd. siech-heit. altn. skammr (brevis): skamm-biti (trabs brevior); skamm-bragd (actio cito transiens); skamm-degi (bruma); skamm-lîfi (vitae brevitas); skamm-orf (manubrium fa- lus); skamm-rif (costae spuriae); skamm-yrdi (convitia); skamm-œdi (agonia moribundi). skeirs (mundus, clarus) ags. scîr: scîr-hâme (patria dilecta) Beov. 142.; scîr-mëtod (deus) Beov. 75.; in an- dern fällen scheint das vorstehende scîr ungebunden. ahd. scôni (pulcher): scaoni-sanc (melodia) hrab. 964 a . — nhd. schön-färber; schön-geist; schön-schreiber; eigen- namen wie schön-feld, schöne-wolf u. a. ahd. smâh oder smâhi? (vilis, exignus) ags. smëa (subtilis, tenuis) altn. smâr (parvus): ags. smëa-mettas (deliciae) smëa-þoncas (contemplationes). — smâ-band (filum tenue); smâ-barn (infans); smâ-fênadr (grex); smâ-griót (scrupi); smâ-hrîs (frutex); smâ-kram (res mi- nutae, nhd. klein-kram); smâ-lêreft (sindon); smâ-menni (homo pusillus); smâ-meyaland (samojeda); smâ-munir (minutiae); smâ-qvendi (femella) smâ-qvickindi (insectum); smâ-sveinn (famulus); smâ-vidri (aer tranquillus); smâ- vidr (sarmenta); smâ-vik (opella); smâ-þarmar (ilia). — dän. smaa-dreng (famulus); smaa-sten; smaa-ting etc. — schwed. små-svenn etc. ahd. smal (parvus, exiguus): smala-fihu (grex ovium, im gegensatz zu dem rind, vgl. altn. smali, pecus); smala- firihi (vulgus, gegens. zur großen, vornehmen welt) jun. 186. (wo des fehlenden comp. voc. wegen loses smal zu stehen scheint); smal-fogel (passer) N. 103, 17.; smala- hërder (inguina) doc. 218 b ; smale-holz (arbusta) N. 79, 11.; smala-nôƷ (pecus); smala-sât (legumen) citate s. 625.; und manche ortsnamen wie smala-bah trad. fuld. 1, 20. smal-eihhahi ibid. 2, 54. — ags. smäl-æl (anguilla); smäl- þëarmas (ilia); smæl-þistel (parvus carduus). — mhd. smal-sât (Oberl. 1512). — nhd. schmal-fleisch; ortsnamen wie schmal-kalden etc. altn. stôr (magnus): stôr-bœr (vicus); stôr-deilur (con- troversiae potentum); stôr-fê (divitiae); stôr-fênadr (ar- menta, gegens. zu smâ-f.); stôr-fiskr (balaena); stôr-gripr III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. (armentum); stôr-grŷti (saxa); stôr-leikr (magnitudo); stôr-menni (magnas); stôr-menska (magnisicentia); stôr- merki (miraculum); stôr-rëgn (nimbus); stôr-rædi (ingens facinus); stôr-sakir (culpae graviores); stôr-sinni (animi ferocitas); stôr-straumr (malina); stôr-vidri (saeva tem- pestas); stôr-virki (ingens facinus); stôr-yrdi (convitia). svarts (niger): altn. svart-âlfar (genii nigri); svart- bakr (larus maximus); svart-nætti (conticinium); svart- mûnkr (frater ord. dominicani). — nhd. schwarz-adler; schwarz-brot; schwarz-kopf (n. pr.); schwarz-wald. ahd. suoƷi (dulcis): suoƷ-sanc zwetl. 126 a ; suoƷ-stanc N. 91, 13. — altn. sœt-leiki (dulcedo). — nhd. süß-heit; süß-holz; süß-milch (n. pr.) ahd. zeiƷ (laetus): zeiƷ-lint, zeiƷ-përc, zeiƷi-komo, eigen- namen. — ags. tât-vine (n. pr.) — nhd. zeiß-berg (n. pr.) ubils (malus): ubil-tôjis (malefactor). — ahd. upil- poum, ubil-boum O. II. 23, 29.; ubil-tât (malefactum) N. Boeth. 192.; ubil-willo (malivolentia) folgt aus ubil- willig N. 5, 6. — ags. yfel-dæd (maleficium) yfel-dæda (maleficus). — altn. ill-brigdi (malum facinus); ill-deilur (lites injuriosae); ill-fygli (mala avis, nequam); ill-görd (maleficium); ill-gresi (lolium); ill-lifnadr (vita nefaria); ill-menni (nebulo); ill-menska (malitia); ill-rædi (scelus); ill-sinni (mala indoles); ilt-ûd (vultus minax); ill-vidri (saeva temp.); ill-vili (malevolentia); ill-virki (maleficium); ill-yrdi (male dictum); ill-yrmi (anguis noxius); ill-þŷdi (coetus nebulorum). — mhd. übel-diep MS. 2, 147 a ; übel- loch (franz. mal-pertuis, mau-pertuis) Reinh. 1599; übel- man Nib. 8259; übel-tiuvel Nib. 880. 7900. 8444. Iw. 34 c ; in einigen ungebunden? — nhd. übel-that. ahd. wâhi (ornatus): wâh-pilidi, wâh-pilde (figura) N. 77, 2. ahd. wâr (verus): wâr-heit (veritas); wâr-quëto (ve- ridicus) ker. 278.; wâr-spëllo ker. 119. — mhd. wâr-heit; wâr-zeichen (vgl. oben s. 481.) veids? (amplus) ahd. wît: gehört dazu der goth. ei- genname vidimir d. i. veidi-mêrs? — ahd. wît-chëlli (por- ticus, räumige halle) neutr. oder fem.? gefolgert aus wît- chëllen (porticibus) N. Cap. 116., es muß ein ahd. adj. wît- chëlli, -kelli? (spatiosus) dem ags. vîd-gille entsprochen haben; wît-spëndunga (dispensatio) N. 72, 16.; wît-sueift N. 72, 2. — ags. vîd-floga (draco late volans) Beov. 175. 210.; vîd-gangu (late excurrens); vîd-scrîdol (id.); vîd- vëgas (latitudo viarum) Beov. 65. 128. — altn. vîd-ferli (peregrinatio) vîd-förult (peregrinator); vîd-vângr (cam- pus patens). — mhd. wît-gevilde (id.) Ben. 171.; wît- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. weide (late excurrens) Trist. (wiewohl weide auch adj. sein kann). — nhd. weit-seld (Adelung h. v.); weit-lauft liegt vielleicht dem adj. weit-läuftig zu grunde. veihs (sacer): wîh-hûs (statuarium) mons. 398.; ahd. wîh-përc (sanctus mons) ker. 145.; wîh-poum (cassia) mons. 349.; wîh-rouh (thus) T. 2, 3, 4. 8, 7. mit wegge- worfnem h wî-rouh ker. 25. jun. 225. mons. 322. 331. O. I. 17, 129.; wîh-samenunga (ecclesia) N. 55, 1.; wêha- dinc (judicium sacrum, gottes-gericht) lex bajuv. 11, 5. könnte für wîha-dinc stehen? — alts. wîh-dag (festum); wîh-rôg (thus). — ags. vîg-bed und vî-bed (sacra mensa, ara) Cädm. 40. 41; vîh-gild (idolum, idolatria) Cädm. 79. — altn. mangelt dieses adj., aber verwandt scheint ihm das subst. vê (sacra) und vê-bönd (vincula sacra) ist viel- leicht adjectivisch componiert. — mhd. wî-rouh Barl.; wîh-tuom Anno 504. (wo wîchtuom). — nhd. weih-bi- schof; weih-nacht; weih-rauch; der streit der germani- sten, ob weich-bild f. weih-bild stehe oder von weich (vicus, mhd. wîch) herrühre, läßt sich grammatisch nicht schlichten, bevor die zus. setzung in einer alten entschei- denden form vorgelegt wird. Ein mhd. wîch-pilde, wîh- pilde, ahd. wîh-pilidi würde beides bedeuten können, ags. aber vîh-bileðe (oder vîg-b.) von vîc-b. abstehen. Ent- scheiden würde auch ein aufgelöstes: daƷ wîha pilidi oder: pilidi wîhaƷ für die adj. composition, so wie: dës wîhhes pilidi für substantivische. veitags? (sapiens) ahd. wîƷac: wîƷac-heit mons. 402; wîƷac-tuom mons. 319; wîƷeg-fogela (augurales alites) N. Cap. 37. vilþis (ferus): ahd. wild-ëber (aper silvestris) N. 79, 14. wilt-stocch (oleaster) N. 95, 13. — ags. vild-dëór (fera) Cädm. 88. oft geschrieben vil-dëór Cädm. 86. 87. Beov. 109; vild-fŷr (fulgur); vild-tæsel (n. plantae). — altn. mit haltendem ableitungsvocal: villi-brâd) assum ferinum): vil- li-dŷr (fera); villi-hestr; villi-madr (homo silvestris); villi- naut (urus); villi-svîn (aper); villi-vextir (herbae pra- tenses); villi-vînvidr (labrusca). — nhd. wild-fang; wild- graf; bei thieren und pflanzen steht lieber loses adj. z. b. ein wildes schwein, wilder kümmel. B. verzeichnis nach dem zweiten wort. Allgemeine formeln sind hier, wie oben s. 550. bei dem verzeichnis A. (aus wahrscheinlich gleicher ursache) nicht viele aufzuführen. S s III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. ahd. alp (genius), altn. âlfr: döck-âlfr; hvît-âlfr; liós-âlfr; svart-âlfr. — ein alemannischer fürst bei Am- mian heißt vestr-alpus. bant? (regio, tractus terrae) ein ort (zuletzt kloster) in franken banz, vgl. brâ-bant, teister-bant (dêstre-ben- zon); bantja (incola): eli-benzo (peregrinus); bucino- bantes (n. gentis) vielleicht ahd. puohhîna-penzon, be- wohner des buchengaues? ahd. part (barba): lanc-part. — nhd. blaubart; grau- bart; roth-bart; schwarz-bart. dags (dies): mhd. nacket-tage, siech-tage, rîche-tage (oben s. 490.); veic-tage (mors) pf. ch. 53 a 103 a . dêds (factum): ahd. guot-tât N. 67, 10; lieb-tât N. 77, 1. — mhd. guot-tât, übel-tât. dôms (judicium): ahd. alt-duam (senectus) O. I. 4. 103; elilant-tuom (exsilium) wofür ellantuom doc. 209 b ; hêr-tuom (dignitas) doc. 252. T. 13, 1. J. 371; heilac- tuom; rîhhi-tuom; suâs-duam (habitatio privata) O. II. 7, 40. V. 10, 14; wîs-duam O. I. 16, 51. 21, 31. 22, 77. 27, 11. II. 10, 12. V. 1, 100; forawîƷac-tuom (praesagium) mons. 319. — mhd. heilec-tuom; irre-tuom c. p. 361, 81 d ; rîch-tuom; siech-tuom; wîs-tuom Flore 13 a . — nhd. heilig-thum; irr- thum. — Im genus schwanken zwischen masc. und neutr. fôtus (pes): mhd. bar-vuoƷ (nudipes) c. p. 361, 82 c Vrib. Trist. 5910; blat-vuoƷ (planipes) Roth. 20 a Ernst 39 b 40 a . — nhd. baar-fuß; krumm-fuß; platt-fuß. gaggs (incessus): mhd. irre-ganc grundriß 345. — nhd. frei-gang (n. pr.) — gaggja : ahd. cameit-kenkëo. hals (collum): ahd. frî-hals. — nhd. dick-hals; karg- hals; satt-hals (Stald. 2, 302.); schön-hals (n. pr.); starr-hals. háubiþ (caput): nhd. breit-haupt; schwarz-haupt. — altn. svart-höfdi. háids (ordo, status): die ahd. comp. sind, wie beim subst. (s. 497.) weiblich: arm-heit N. 101, 3; chuan-heit O. I, 7, 1. IV. 13, 80; dump-heit O. I. 2, 37. V. 25, 60; êwig-heit N. Boeth. 201; fruot-heit N. 18, 4. 68, 6. Boeth. 29; gameit-heit (superstitio) mons. 411. doc. 213 a O. IV. 6, 71; nuzze-heit N. 85, 9; sihur-heit O. III. 25, 72; slaf-heit (pigrities) W. 5, 1; kesuâs-heit N. Boeth. 129; tola-heit (stultitia); trûreg- heit N. Cap. 195; tûber-heit (ignobilitas) mons. 396; uppig- heit N. 143, 4; wênac-heit jun. 213. (wo fehlerh. wena-) wêneg-heit N. 139, 10. Boeth. 201; zaga-heit (ignavia) O. IV. 7, 152; wahrsch. gehören auch hierher tôt-heit (mor- talitas) und giwona-heit (s. 498.) — ags. bindet sich kein adj. mit -hâd, wie altn. überhaupt kein nomen mit -heidr. — III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. mhd. wird vornämlich die composition mit adj. auf -ec beliebt, das auslautende c verschmilzt in das anlautende h und dieses ch geht, wie alle ahd. ch, nach und nach in mhd. k über, welche ch- oder k-form unorganisch auch da stattfindet, wo das erste wort einfach (nicht mit -ec abgeleitet) gewesen sein muß: armec-heit, arm-keit (f. arm-heit) troj. 22 a ; bitterc-heit, bitter-keit (f. bitter- heit) Gotfr. minnel. 2, 1; blint-heit Trist.; bôs-heit Wigal. 119; edel-keit (f. edel-heit) Barl. Friged. 10 a 16 b ; gefuoc-heit Trist.; frümec-heit. Trist. von frümec (utilis, probus); hü- besch-h. Trib. Trist. 6107; irrec-heit, irre-keit Barl.; jüdesch- heit schmiede 1710; kuon-heit Nib. 2. kündec-heit Trist.; lôs-heit Barl.; gemuot-heit Trist.; durnehtic-heit Trist.; siech- eit (f. siech-heit) Parc. 193 c ; smâ-heit (f. smâh-heit, smâcheit) troj. 22 a ; gespenstic-heit Trist.; stolz-heit Parc. 62 c ; sueƷec- heit, sueƷe-keit troj. 23 a ; gewis-heit Trist.; wîs-heit Barl.; zage-heit Parc. 81 c . Alle diese sind fem., aber c. p. 361, 84 a ëben-heit (socius, aequalis) masc. Uebrigens haben adj. zweiter decl., deren ableitungsvocal in der zus. setzung erlischt, rückumlaut: kuon-heit, bôs-heit. gefuoc-heit, von kuene, bœse, gefuege; in edelkeit verhindert ihn das zweite e. — nhd. hat sich die zahl dieser zusammen- setzungen außerordentlich gemehrt, sie nehmen die stelle veralteter ableitungen auf -î, mhd. -e ein, gelten daher nicht, wenn diese ableitung selbst fortdauert, z. b. wir sagen nicht: groß-heit, lang-heit, lieb-heit, schwarz- heit etc. weil uns noch größe, länge, liebe, schwärze zu gebot steht; hingegen: klein-heit, stätig-keit, lieblich-keit, da wir kein ahd. chleinî, stâtîgî, liuplîhhî übrig haben. Die form angehend, so behalten 1) heit folgende unab- geleitete oder reinvocalisch abgeleitete adj.: all-h. blind-h. bos- h. derb-h. dumm-h. faul-h. fein-h. feig-h. frei-h. ganz-h. grob-h. grad-h. halb-h. ho-h. (f. hoh-h.) klein-h. klug-h. keusch-h. krank-h. kühn-h. neu-h. rein-h. roh-h. schlaff-h. schön-h. schwach-h. siech-h. starr-h. gesund-h. toll-h. träg-h. gewis-h. weis-h. gewohn-h. zag-h. Kein rückumlaut in kensch-h. kühn-h. träg-h. schön-h. (da diese adj. jetzt erster decl. folgen) wohl aber in bos-h. (von böse). 2) die mit -ern abgeleiteten gleichfalls heit: albern-h. lüstern-h. nüchtern-h. schüchtern-h. 3) zwischen heit und keit schwanken die ableitungen -el und er: dunkel-heit, fin- ster-heit, sicher-heit; eitel-keit, übel-keit, bitter-keit, hei- ser-k. heiter-k. mager-k. munter-k. sauber-k. tapfer-k. Theoretisch gibt es keinen grund für diesen unterschied, er läßt sich bloß historisch begreifen. Die frühere sprache S s 2 III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. hatte unorganische übelc-heit, bitterc-heit gebildet, nicht aber dunkelc-heit. sicherc-heit. 4) keit bekommen alle mit den adj. auf -bar , -lich und -sam componierten: brauchbar-k. dienstbar-k. fruchtbar-k. kostbar-k. zerstör- bar-k. strafbar-k. theilbar-k.; freundlich-k. fröhlich-k. häßlich-k. heimlich-k. reinlich-k. sündlich-k. achtsam-k. aufmerksam-k. biegsam-k. furchtsam-k. empfindsam-k. etc. Nach lich ist das k für h entschieden falsch, nach bar und sam läßt sich die zwischenkunft eines ableitenden -ec wenigstens aus alten beispielen (s. 557. 574.) entschuldi- gen. 5) keit alle auf -ig , welches aber daneben stehen bleibt, so daß das ableitungsmittel unnöthigerweise dop- pelt gebraucht wird, einmahl in keit = ig-heit, dann in dem adj. selbst: ewig-k. flüßig-k. freigebig-k. frömmig-k. haushältig-k. heilig-k. barmherzig-k. treuherzig-k. hörig- k. harthörig-k. lustig-k. schwermüthig-k. tiefsinnig-k. be- ständig-k. störrig-k. traurig-k. langwierig-k. etc. statt ewig- heit etc. Hierher auch die mit -fertig, -haftig, und mäßig: dienstfertig-k. standhaftig-k. mäßig-k. 6) unorg. ig-keit alle, die an sich zu 1. gehörten und gar nicht mit -ig abgeleitet sind: blödig-k. bangig-k. dreistig-k. frömmig-k. kleinigk. leichtig-k. genauig-k. gerechtig-k. süßig-k. etc. statt blöd-h. bang-h. etc. wiewohl man einzelne unter- schiede der bedeutung davon abhängig gemacht, z. b. klein-heit (parvitas) kleinig-keit (minutiae) dem Dasypod. ist parvitas noch kleinigkeit. ; leicht-heit (levitas) leichtigkeit (facilitas); mattig-keit und matt-heit sind beinahe, festig-keit und fest-heit ganz das selbe. Die mit -los zus. gesetzten nehmen gleichfalls -ig an: gottlo- sigkeit, treulosigkeit. Umlaut kann das falsche ig nicht zeugen (bangig-k. mattig-k. genauig-k.) bei blödig-k. fe- stig-k. feuchtig-k. müdig-k. sprödig-k. süßig-k., ist er be- reits in blöde — süß zu suchen. — Die nnl. sprache weiß von keiner dem nhd. heit und keit ähnlichen unterschei- dung, um die sie uns auch wenig zu beneiden hat. Nach ihren organen bringt der anstoß des ableitenden ig an das h keine tenuis hervor, sondern eine gelinde aspirata; vgl. arg-heid, bang-h. blind-h. fel-h. lôs-h. kuis-h. plomp- h. vrî-h. vrom-h. îdel-h. bitter-h. donker-h. heilig-h. behendig-h. mâtig-h. treurig-h. zâlig-h. Einigemahl, wo ein im adj. unbegründetes ig auftritt, vermuthe ich hochd. einfluß, z. b. in kleinig-heid, lichtig-h. gerechtig-h. Im mnl. entsprang bei jenem zus. stoß eine stärkere aspira- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. tion, nämlich ch, weil dieses auslautet (1, 501.), so daß dann genau genommen -echeit für ech-heit stehet, vgl. nîdecheit Maerl. 1, 115; mordadicheit, 1, 64; dugedach- ticheit 2, 53; außer dem zus. stoß aber reines h: lanc-heit, swart-heit 1, 40, 47. behaghel-heit 1, 247. demster-heit 1, 6. 259. etc. — Im schwed. und dän. befinden sich viele composita mit -hêt , -hed z. b. schwed. bitter-het, god-h. ren-h. svår-h. tro-h. liuflig-h. verksam-h. likgiltig-h. etc. dän. bitter-hed, mörk-h. sœd-h. sand-h. sanddrue-h. sand- färdig-h. blodtörstig-h. kiärlig-h. liflig-h. letsindig-h. etc. deren keines die altn. sprache kennt. Da sich aber nur h, niemals k zeigt, so hätte ich sie s. 498, 2. nicht aus dem einfluß des hochd. herleiten sollen, sondern aus dem des plattd., das ebenfalls nichts von dem hochd. unter- schiede zwischen h und k in diesen wörtern weiß (hoehd. heimlichkeit, barmherzigkeit plattd. hêmelicheit, barmher- ticheit). Ihre erklärt sie unstatthaft aus dem altn. hâttr. láiks (ludus, modus, conditio); ahd. keine adj. mit -leih, noch ags. mit -lâc, aber viel altn. abstracta mit -leikr oder schwachformig -leiki: bitur-leiki (acerbitas) blind-leikr (coecitas) daud-leiki und daudlëg-leiki (morta- litas) dauf-leiki (languor) diarf-leikr (audacia) diup-leiki (profunditas) dŷr-leiki (caritas) föl-leiki (palliditas) frôd- leikr (prudentia) al-giör-leiki (perfectio) kær-leikr, kær- leiki (caritas) kunn-leiki, kunnug-leiki (notitia) lin-leiki (lenitudo) lîtil-leikr (parvitas) liúf-leiki (comitas) mikil- leikr (magnitudo) nak-leiki (nuditas) rag-leiki (timiditas) sann-leikr, sann-leiki (veritas) sœt-leiki (dulcedo) stôr- leikr (magnitudo) sterk-leiki (fortitudo) illûd-leiki (trucu- lentia) u. a. m. Die bedeutung kommt ganz mit dem hochd. -heit überein, die form berührt sich mit dem adj. -lîkr, -ligr. — Im dän. sind alle diese subst. ausge- storben und durch -hed verdrängt; im schwed. dauern noch einzelne, wie diup-lek, kaer-lek, smæ-lek (contumelia) stor- lek (neben stor-het) etc., doch überwiegt die composition mit -het bedeutend. Auch in der norweg. mundart stor- leik (magnitudo) Hallag. 121 a . mans (homo): ahd. alt-man; junc-man. — mhd. fre- vel-man Parc. 106 a ; frî-man; guot-man; wërt-man Parc. 182 b (vielleicht loses adj.). mêl (loquela, causa): altn, blîð-mæli (blandi loquentia); hag-mæli (verba lepida); sann-mæli (veritas); spak-mæli (va- ticinium); stôr-mæli (culpa grandis). mituþs? (gubernator): ags. ëald-mëtod Beov. 73; scî- mëtod Beov. 75. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. nhd. sinn (animus): froh-finn; leicht-sinn; scharf-sinn; tiefsinn; trüb-sinn. skafts? (indoles): ahd. kimein-scaf (commercium) ker. 64. — ags. gemæn-scipe (communio). — altn. blîð-skapr (blanditiae). — mhd. gemeinschaft; bereit-sch. Trist. — mnl. blî-scap Maerl. 2, 410; gram-scap 1, 107. 180; lief-scap 1, 11; vroet-scap 2, 94. — nhd. baar-schaft; kund-schaft; lieb-schaft; gemein-schaft; bereit-schaft. Unrichtig war also s. 544. die comp. von -schaft mit adj. geleugnet wor- den; sie ist bloß selten, zumahl in der alten sprache. vaúrdi? (dictum): altn. ill-yrdi (maledictum); sann- yrdi (veritas); stôr-yrdi (convitia). Bemerkungen zu der eig. comp. des adj. mit subst. 1) das erste wort , d. h. das adj. läßt sich zwar häu- fig, der bedeutung nach, in ein freies adj. auflösen und für einzelne fälle mögen zeit und mundart das eine oder das andere vorziehen. So sagen wir z. b. nhd. kurz-weile (nicht kurze weile) aber lange weile (nicht lang-weile, obwohl lang-weilig) auch ahd. churz-wîla N. Boeth. 66. mhd. kurze-wîle Trist. 72; statt hoch-zeit würde uns hohe zeit unverständlich sein, ahd. zên hôhon gizîtin, thiô hôhûn gizîtî O. I. 22, 4. IV. 8, 12; N. p. 262 a , 17. setzt smaleƷ fëho, nicht smale-fëho; K. 16 b ubilêm tâtim, 17 b cuatêm tâtim; O. I. 25, 10. smâhêr scalc; unser nhd. mit- tag wird noch im mhd. uncomponiert durch mitter tac gegeben. Die composition erfolgt erst, wenn ein häufiger gebrauch gewisse adj. mit gewissen subst. ins verhältnis gesetzt hat. Gewöhnlich entspringt dann ein eigenthüm- licher, festerer, unfinnlichérer begriff und die zurückfüh- rung in das lose adj. ist meistens unthunlich. Süßholz kann z. b. erklärt werden durch: das süße holz, bezeich- net aber ein bestimmtes holz, das sich von jedem andern, mit gleicher eigenschaft der süßigkeit begabten unterschei- det; leicht-sinn ist beinahe was leichter sinn, tief-sinn aber von tiefer sinn sehr verschieden. Noch weniger dürsen composita, wie groß-vater, alt-mutter und die menge ähnlicher übersetzt werden in: großer vater, alte mutter, indem sie ganz etwas anderes aussagen. Ver- schiedne laßen sich nicht einmahl durch ein adj. zum zweiten wort deuten, z. b. siech-haus ist ein haus für sieche, grob schmied einer der grobes geräth schmiedet, altn. lâng-sög serra, quae in longitud. secat. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. 2) formell betrachtet liegt also im ersten wort wie- derum weder sing. noch plur., noch irgend ein casus, weder st. noch schw. flexion. Nach dem erlöschen des comp. vocals fällt es äußerlich mit dem nom. sg. (ohne kennzeichen) zusammen und im einzelnen mag ungewis sein, ob composition oder ungebundnes adj. stattfindet. Analogie und die obliquen casus entscheiden dann. 3)sein ableitungselement behält das componierte adj. freilich bei: dunkel-heit, finster-heit, eben-bild. Gewisse ableitungen verbinden sich aber selten, z. b. -isc, vgl. jü- desch-heit (mennesch-heit ist vom schw. subst. mennesche); öfter noch -ec, vgl. heilig-thum, ahd. heilac-tuom, hei- lac-stat, wîƷac-heit, wîƷac-vokal, wênac-heit, üppig-keit, ahd. uppic-heit, mhd. irrec-heit. Die materiellen adj. (s. 176-179.) gehen heutzutage durchaus keine zus. setzung ein; vor alters ohne zweifel, wie die noch übrigen eigen- namen gülden-apfel, eichen-thal, birken-stock, birken- feld etc. darthun. Zwar weiß ich auch kein mhd. bei- spiel außer wundern (= wunderîn, s. hernach adj. mit adj.); im ahd. erscheinen ortsnamen ziemlich oft mit sol- chen adj. componiert: locus qui dicitur maƷƷaltrîna-bërg trad. fuld. 1, 33. (also nicht lose schw. form, welche -îno forderte); pirchîna-fëld ibid. 1, 14. (so lese ich statt pir- chane-feld); daƷ haganîna-sôl fr. or. 1, 674. hier wäre: daƷ haganîna sôl möglich, die analogie stimmt aber für zuf. setzung); bucino-bant habe ich vorhin erklärt ahd. puohhîna-panz; so verbreitet sich licht über die form der bekannten eigennamen boine-burg, früher bômene-burg, bômine-b. = ahd. poumîna-puruc (arx arboribus consita) esch-wege, früher eschene-wëc = ahd. escîna-wëc (via fraxinea) darum eschen-bach Parc. 44 c 196 c nicht zu verwerfen (s. 540.), es kann ahd. esc i na-pah neben esoi-pah (s. 448.) bestehen. . Ungebundnes adj. steht unleugbar in: bir- kînên sôlen, wîdînên sôlen b. Schannat 595. Altn. be- gegnen die nom. pr. gullin-bursti, gullin-kambi edd. sæm. 6 a 114 a silfrin-toppr 44 a (neben gull-toppr) gullin-sîma (funis aureus) 149 b ; gullinn scheint mir wie silfrinn adj. und einerlei mit gyllinn, nicht part. praet. Merkwürdig sind die von Biörn angeführten gyllini-öld (seculum au- reum) und gyllini-stycki (auramentum), worin das letzte i assimilierter compos. voc. sein könnte? da der sinn ver- bietet, es von der münze gyllini herzuleiten. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. 4) wird mit compar. und superlativ zus. gesetzt? ich kenne gar keine beispiele, es sei denn mit uralten super- lativen, die wieder positivisch geworden (goth. fruma = primus) oder mit comparativen, die zu subst. geworden (ahd. hêriro, hêrro, hërre; jungiro, nhd. jünger) also nicht mehr hierher gehören, oder mit scheinbaren, un- organischen superl. (nhd. selbst f. selb). Die sprache leidet also keine composition mit fühlbaren gesteigerten graden, man kann nicht sagen beßer-mann, best-mann; kleiner- heit, kleinst-heit wie gut-mann, klein-heit. Das altn. bestu-menn (optimates) da bestu die schwache pluralflexion zeigt, ist höchstens uneigentlich zus. gesetzt und so mag es sich auch mit dem aus dem deutschen recht, aber in keiner alten form bekannten ausdruck best-haupt ver- halten. 5) das schwindende ableitungs-i bei adj. zweiter decl. veranlaßt im mhd. rückumlaut , z. b. gruon-spëht; kuon- heit, truop-heit, schôn-heit etc. Nhd. aber grün-specht, trüb-heit, schön-heit. 6) bei einer anzahl erster wörter läßt sich schwer ent- scheiden, ob sie von adj. oder subst. herrühren, z. b. in giwona-heit kann giwon (suetus) und giwona (consuetudo), in trût-scaf trût (fidus) oder trût (amicus) zu grunde liegen; dem goth. ubil-tôjis das adj. ubils oder das subst. ubilô u. a. m. 7) schwanken des zweiten worts , d. h. des subst. in die schwache form (s. 542. anm. 9.) ist auch hier bei den altn. -leikr und -leiki sichtbar. Die wahrnehmung s. 543. mag aber durch ein ags. beispiel bestätigt werden. Jud. 11. stehet ohne artikel: fæge frum-gâras, mit artikel Cädm. 27. se frum-gâra; Cädm. 38. þa frum-gâran. Verdäch- tige lesarten oder aufgegebne unterscheidung scheinen demnach Cädm. 28. se frum-gâr; 31. frum-gâran; 55. frôd frum-gâra; 77. þâ frum-gâras. 8) abstract werdende zweite wörter: -heit, -schaft, -thum, -tag, altn. -leikr. Unter den ersten wörtern kann man dem ala-, fruma-, fulla- eine gewisse allge- meinheit zuschreiben. 9) verschiedne zweite wörter, der form nach starke substantiva, bekommen, ohne zutretende ableitung, adjec- tivische bedeutung . Dahin gehören vorzüglich benen- nungen, welche α ) von beschreibung der äußerlichen lei- besgestalt genommen sind: lang-bart, grau-bart, lang- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit subst. bein, krumm-fuß, schön-hals, weiß-hand, kraus-haar, gel-haar (n. pr.), schwarz-haupt, breit-kopf, groß-maul, gold-zahn etc. vgl. ags. blâc-hond Bëov. 185. blâc-hlëór Cädm. 43. Jud. 11. gamol-feax Beov. 48. β ) von klei- dung und waffen, z. b. grün-rock, lang-mantel etc. vgl. ags. frum-gâr, ahd. wan-wâfan. Der sinn ist offenbar: lang-bärtig, lang-gemantelt, aber jede ständige beschrei- bung geht in substantivische natur über (vgl. s. 581. anm. 10.). Nicht selten tritt indessen adjectivische ableitung hinzu, z. b. im goth. láus-hand-ja (leer-händig) láus- qviþrs (leer-bäuchig), altn. fið-skeggr = lang-bart) edd. sæm. 46 b . 10) zuweilen dreht sich die composition um , das subst. tritt vorn, das adj. hinten hin, besonders liebt das die altn. mundart, für schön-haar oder schön-härig (pulchri- comus) sagt sie hâr-fagr, für lang-hals hâls-lângr, für groß-nase nëf-mikill; mitunter setzt sie das erste wort in den genitiv, componiert also uneigentlich, z. b. svîna- digr (dickhälsig) vara-þyckr (dicklippig), gleichsam dick am hals, an der lippe, vgl. die s. 620. angeführten blada- mikill (groß-blätterig). Adjectiv mit adjectiv (s. 627.). Die bedeutung dieser zus. setzungen läßt sich faßen theils appositionell , so daß das erste wort eine nähere be- schreibung und bestimmung des zweiten enthält (z. b. gelb-grün, ein grün das ins gelbe spielt; grün-gelb ein gelb, das ins grüne; alt-greis gleichsam grau von alter), oder adverbialisch , z. b. all-mächtig, gänzlich mächtig, eitel-neu gänzlich neu, zumahl bei in dem zweiten wort reger verbalbedeutung, z. b. weit-läuftig, late excurrens, mhd. hôh-sprunge, alte saliens, oder endlich praepositio- nell , insofern substantivische bedeutung des zweiten worts vorwaltet, die bildung des adjectivs fast nur der com- position zu gefallen geschieht, z. b. ahd. chlein-stimme, klein von stimme, hrein-hërz rein von herz. Denn man kann in diesem fall keine vorausgehende comp. mit dem subst. selbst annehmen, z. b. chlein-stimma, hrein-hërza, aus welcher die adj. bloß abgeleitet wären, da umgekehrt, sobald subst. nöthig sind, diese erst aus dem adj. gebildet werden müßen, z. b. chlein-stimmî, hrein-hërzî. Freilich berühren sich dergleichen composita mit den vorhin be- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. sprochnen, deren zweites wort wirkliches subst. ist, adj. bedeutung hat, vielleicht aber findet einiger unterschied statt. Lanc-pein wäre z. b. bloß: das lange bein, mit dem nachdruck auf bein; lanc-peinêr einer, der lang von bei- nen ist, den nachdruck auf lang gelegt. Wenigstens laßen sich die einen innern zustand ausdrückenden adj. (-hërz, -muot) nicht in jene beschreibenden subst. ver- wandeln. — Alle aus dem adj. comp. gebildeten adverbia und weibl. subst. belegen nothwendig auch das adj. selbst. A. verzeichnis nach dem ersten wort. alls (totus): ala-þarba ( ὑστερέων ) Luc. 15, 14. das zweite wort für die schw. adj. form genommen ein starkes þarbs (1, 719.) kommt nie vor, sondern nur schwachformig þarba ( πτωχός ) vgl. þarbam (nicht þarbáim) Marc. 10. 21. Joh. 12, 5. þarbanê Joh. 12, 6. þans þarbans Luc. 9, 11. Wogegen das gleichbedeutige, häufigere unl ê ds stark (Matth. 11, 5. Marc. 14, 5. Luc. 16, 22. 19, 8.) und schwach (Luc. 14, 13. 16, 20. Joh. 12, 8. 13, 29.) gebraucht wird. . — ahd. schwanken die quellen zwischen ala- und al-, beider bedeutung mengend (s. 627.); ala-beƷiro O. II. 9, 176; al-ëban-reiti O. V. 19, 99; ala-festi O. V. 1, 30; ale-garo (accuratus) N. 7, 13. al-garo (totus) T. 5, 9; ale-gruoni N. Cap. 65; al-hôni (infamis) O. III. 20, 321; ala-horsc (alacer) mons. 406; al-lîh (universalis) jun. 193. doc. 201 b ; ale-mahtig N. Boeth. 193; ale-gemahsam N. Cap. 22; al- mahtîc J. 354. 356; ale-sâlîg N. Boeth. 71; al-walto T. 5, 11; ala-wâr (verissimus) O. IV. 19, 39; ala-wâri (beni- gnus) wirzeb. 979 b ; ala-ziori O. IV. 15, 96. — alts. ala- huît (percandidus); ala-jung; alo-mahtig (omnipotens). — ags. bald äl-, bald ëal-, bald ëall- geschrieben: äl-bëorht Cädm. 82; äl-cëald (gelidissimus); äl-cräftig; ëall-cynn (omnigenus); ëal-gëaro (confectus, consummatus) Beov. 8. 94. 167; äl-grêne (viridissimus) Cädm. 5. 34. 39; ëall- gylden Beov. 85. 206; ëall-îren Beov. 174; ëall-îsig (om- nino glacialis); ëall-geleáflic (catholicus); äl-mihtig (om- nipotens) Cädm. 8. 79; ëall-sëolcen (holosericus); äl-vær- lîc (benignus); äl-vëalda Cädm. 7. 13. — altn. al-von all-geschieden, nach Rask §. 300. jenes unumschränkt, dieses sehr (nhd. ganz) ausdrückend; α ) al- : al-beinn (promptissimus); al-biartr (pellucidus); al-blâr (omnino coeruleus); al-blôdugr (totus cruore madens); al-dœla (humanus); al-fær (permeabilis); al-giörr (perfectus); III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. al-heill (persanus); al-mâttugr (omnipotens); al-mennr (vulgaris); al-snotr (prudens); al-valdr (omnipotens); al- vitr (omniscius); al-vâtr (permadidus) al-þŷdlëgr (huma- nus). β ) all: all-gôdr; all-illr; all-mikill; all-stôr; all- vitr; welche Biörn durch perquam bonus etc. übersetzt, so daß all-vitr (doctissimus) von al-vitr (omniscius) ab- steht. — Dem mhd. al- ist nicht anzusehen, ob es aus ale- oder all- entspringt: al-balde (adv.) Parc. 152 a ; al- bar En. 50 c ; al-blôƷ Parc. 190 b Barl. 129; al-eine (solus) Nib. Trist.; al-gruene Parc. 162 c ; al-gelîche (adv.) Nib. Trist. Barl., das adj. scheint zu stehen En. 72 a , wo nicht ungebunden: al gelîche; al-gemeine (adv.) Trist; al-naƷ a. Tit. 104; al-bereit Nib.; al-rôt En. 68 a Nib. Parc. 152 a ; al-stille Parc. 136 c ; al-gesunt En. 75 c ; al-wâr (verissimus) Nib.; al-wære (simplex) Trist. In diesen comp. (das letzte abgerechnet) hat al- die bedeutung des nhd. ganz (französ. tout-) von dem al- vor dem artikel in der syntax. . — nhd. fügt sich all- nicht mehr zu sinnlichen begriffen (wie farben), nur zu einigen abstrac- ten: all-ein (solus) wird nicht flectiert; all-mächtig; all- mählig (f. all-mähllich); all-gemein; all-täglich; all-ge- waltig; all-gegenwärtig. alis? (alienus): alja-kunja. — ahd. eli-diotîc (barbarus) J. 393. jun. 235. 252; ali-landi (advena) ker. 29. eli-lenti (peregrinus) T. 193, 5. O. III. 25, 36. el-lenti mons. 338. 387. el-lende N. 118, 19; eli-rart (barbarus) hrab. 954 b (wo -rartêr, doch ist kein -rarti anzusetzen, nach analo- gie des ags.) — alts. eli-lendi. — ags. ell-rëord (? rëard); ell- þëodig. — mhd. el-lende (exsul, expers) verderbt en- lende Vrib. 341. 6726. — nhd. elend f. el-lend (miser). alds? (vetus): ahd. alt-zier-gërn (veternosus) blas. 24 b . — mhd. alt-grîs Wh. 2, 185 b Morolf 12 a ; alt-wîse Parc. 86 c . — nhd. alt-deutsch, -hessisch, -schwäbisch etc. sind bloße ableitungen von componierten subst. (s. 629.). altn. brâdr (citus): brâd-beitr (acutissimus); brâd-dauðr (repente mortuus); brâd-feigr (cito moriturus); brâd-feitr (praepinguis); brâd-fengr (praeceps); brâd-görr (prae- cox); brâd-heitr (fervens); brâd-lâtr (avidus); brâd- lyndr (iracundus); brâd-reidr (vehem. iratus); brâd-vænn (praesentis spei); brâd-þroska (praematurus). Dieser com- position entspricht nichts in den übrigen dialecten. fruma (primus): ahd. frumi-rîfi (praecox, nhd. früh- reif) mons. 322. 344. 357. — ags. frum-rîpe. — altn. frum- ûngr (maturus aetate) edd. sæm. 216 b ; frum- vaxta (id.). III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. fulls (plenus): fulla-tôjis ( τέλειος ); fulla-vita (idem) Philipp. 3, 15. — ahd. folla-lidi (robustus) mons. 390. wo assim. vollo-lidi (plena brachia, sc. habens, denn vollô lidî darf man nicht annehmen, weil lid masc., wohl aber kann es auch ein vom adj. vollo-lidi geleitetes fem. vollo- lidî sein, starkarmigkeit) fol-lide (corpulentus) steht N. Cap. 62; fol-chëte (consentiens) N. Cap. 40. 83. — ags. (ful- und full- geschrieben) ful-blîðe (perlaetus); ful-cuð (insignis); ful-eáðe (facilis); ful-frëólic (valde liberalis) Cädm. 36. vgl. in der lex langob. ful-freal (ahd. fulla- frîhals?); full-gëaro (perfectus); ful-riht (rectissimus); ful-sôð (veracissimus); full-getrëóve (fidelissimus); full- vacor (vigilantissimus). — altn. full-aldra (majorennis); full-fær (viribus pollens); full-giör (perfectus); full-numa (probe sciens); full-qvæni (optime uxoratus) edd. sæm. 177 a ; full-tîda (adultus). — mhd. vol-muete (animosus) Trist. 149 b Hag.; vol-muotec (propensior) Trist. 208 a Hag. scheint mir beßer, als das oben s. 303. angenommne vol-muetec. — nhd. voll-ährig, -blütig, -bürtig, -gliede- rig, -gültig, -jährig, -ständig, -wichtig, -zählig. gôds (bonus): gôda-kunds ( εὐγενής ). — ahd. kuot-lîh (excellens) assim. kuol-lîh, woher guol-lîchî (gloria). — ags. gôd-lic. háuhs (altus): háuh-haírts (superbus). — ahd. hôh- gërn (altipetax) mons. 392. — ags. heáh-hëort Cädm. 86. — altn. hâ-beinn (longipes); hâ-leitr (sublimis); hâ-reistr (erectus) vgl. ahd. hlut-reisti; hâ-var (clamosus). — mhd. hôch-gemuot; hôch-klunge MS. 2, 205 a ; hôch-sprunge Trist. 4638. vgl. ahd. grâni-sprungêr (pubes) flor. 983 b . hlûds? (sonorus): ahd. hlût-reisti (clamosus) K. 29 b lût-reiste N. 46, 6. 67, 35. 82, 1, 3. 101, 1. etc. — ags. hlûd-clipol (sonorus); hlûd-stëfne (grandisonus); hlûd- svêge (altisonus). — nhd. noch bei H. Sachs u. a. laut- reisig. ïbns (aequus): ahd. ëpan-alt, ëben-alt (coaevus) mons. 384. N. Cap. 62; ëben-breit N. Cap. 90; ëban-êwîg O. I. 5, 52; ëben-faro (concolor) N. Cap. 72; ëben-fertig ib. 45; ëben-flîƷig ib. 82; ëben-frônisk ib. 121; ëben-glat ib. 85; ëben-hôh ib. 90; ëben-lang ib. 90; ëban-lîh (aequa- lis, coaequalis) T. 32, 6. 64, 12. O. V. 23, 479. ëban-chi- lih J. 350; ëben-manig N. Cap. 93; ëben-michel ib. 65; ëpan-muoti mons. 354. 367; ëban-reiti O. V. 19, 99; ëben- scône N. 143, 12; ëpan-slëht (aequus, planus) davon ëpan- slihtî (area) mons. 391; ëben-wîƷ N. Cap. 102; ëben-ziere ib. 121; ëben-zorft ib. 86; ëpan-gazumftlîh (unanimis) III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. mons. 401. — ags. ëfen-bëorht (aeque splendidus); ëfen- dŷre (aeque carus); ëfen-ëald; ëfen-ece (coaeternus); ëfen-gelîc, ëfen-lîc; ëfen-rîce; ëfen-sârig (aeque tristis); ëfen-þvare (concors); ëfen-vëord (condignus). — altn. iafn-giarn (justus); iafn-lëgr (assiduus); iafn-litr (conco- lor); iafn-lyndr (constans); iafn-nær (sine successu); iafn- tamr (aeque assuetus); iafn-vægr (aequilibris). — mhd. ëben-alt fragm. 41 a ; ëben-brûn Trist.; ëben-grôƷ Trist.; ëben-guot Trist.; ëben-hël (consonus) davon ëben-hëlle (consonantia) Mar. 361; ëben-hêr (aeque potens) Trist. Friged. 18 a MS. 2, 150 b (wo -hërre in -hêre zu beßern) das subst. ëben-hêre Frig. 21 a ; ëben-hiuƷe adj.? s. oben s. 635; ëben-lieht Trist.; ëben-gelîch Barl.; ëben-grade c. p. 361, 1 d ; ëben-rîche ib. 54 c ; ëben-slëht troj. 6 a ; ëben- gewaltec c. p. 361, 54 c ; ëben-willec; ëben-ziere Trist.; Wolf- ram scheint diese comp. wenig oder nicht zu brauchen? — nhd. ist sie auch fast untergegangen (man setzt mit gleich- zufammen: gleich-alt, gleich-groß etc.) ich finde nur êben- bürtig und êben-drähtig. ahd. îtal (vacuus): ags. îdel-gëorn (otiosus); îdel-hende (leer-händig). — mhd. îtel-hende Trist. 7130. (kein absol. gen. oder dat., welcher îtelre fordern würde); îtel-niuwe (pernovus) Gudr. 25 a. b. 59 a . kláinis? (subtilis, purus) ags. clæne: ahd. chlein-lîh (curiosus); chlein-stimme N. — ags. clæn-gëorn (purit. amans); clæn-hëort (mundus corde). — nhd. klein-laut; klein-müthig. laggs (longus): ahd. lanc-fari (longaevus) hrab. 969 a ; lanc-lîpi (longaevus) mons. 397; lanc-peinni (longipes) mons. 409; lanc-sam (diuturnus) K. 19 a (prolixus) doc. 222 a ; lanc-seim? lanc-seimi? (longus, tardus) N. Boeth. 137. 204. 210. vgl. lang-seimi (diuturnitas) ib. 100 aus den angeführten ahd. und mhd. belegen erhellt nicht, ob das adj. zweiter oder erster decl. folgt (s. hernach -sam im verz. nach dem zweiten wort); die vermuthung 1, 748. gebe ich fast auf, wie auch in der bedeutung lanc-sam und lanc-seim schwer- lich verschieden sind. ; lang-wërig (diuturnus) ibid. 169. — ags. lang-fär (dura- bilis); lang-lîfe; lang-lic; lang-sum (longus, diuturnus, tardus). — altn. lâng-fœtr (longipes); lâng-gœdr (diutur- nus); lâng-hendr (longimanus); lâng-lëgr (taediosus); lâng-leitr (facie oblonga); lâng-lîfr; lâng-ordr (longus oratione); lâng-samr (longus, taediosus); lâng-stædr (lon- ginquus); lâng-sær (prudens); lâng-tentr (dento); lâng- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. vesæll (diu infelix); lâng-vinnr (diuturnus). — mhd. lanc-ræche Nib. 5860. vielleicht auch MS. 2, 131 a so zu lesen? und 2, 130 b mûchel-ræche (heimlich rächend, schadend, vgl. muk s. 471.)? lanc-seime (adv.) troj. 44 a 152 c 166 c Frib. 1684 (lanc-sême?) — nhd. lang-füßig; lang-händig; lang-sam (nur tardus, lentus, nicht diutur- nus); lang-wierig. láus (vanus, vacuus): láus-handja ( κενός ) Marc. 12, 3; láus-qviþrs (jejunus) Marc. 8, 3; láusa-vaúrds (vani- loquus) Tit. 1, 10. — ags. leás-lic (falsus, fictus); leás- môd (inconstans). — altn. laus-hendr (manuum inconti- nens); laus-lâtr (libidinosus, losgelaßen, ausgelaßen); laus-lëgr (inconstans); laus-mâll (linguae incontinens). leitils (parvus): ahd. luzil-muatê (pusillanimes) K. 48 b . — ags. lîtel-lic (callidus); lîtel-môd (pusillanimis). — altn. lîtil-fengi-lëgr (vilis); lîtil-lâtr (humilis); lîtil-fiör- lëgr (tenuis); lîtil-hæfr (vilis); lîtil-môt-lëgr (id.). mikils (magnus): mikil-þuhts (arrogans) Luc. 1, 51. — ahd. mihhil-lîh zu folgern aus michel-lîchi (magnificen- tia) N. 67, 35; mihhila-môt hrab. 953 b mihhil-moad ker. 188. — ags. micel-lic (magnificus). — altn. mikil-feng- lëgr (gravis); mikil-hæfr (magnificus); mikil-lâtr (splen- didus); mikil-leitr (facie heroica); mikil-virkr (labo- riosus). silba (ipse): ahd. sëlp-sëlpo (idem ipse) mons. 395. — ags. sëlf-lic (sui amans). — altn. siâlf-byrgr (nullius rei indigus); siâlf-daudr (morbo extinctus); siâlf-frænn von einem acker, der sich selbst besät); siâlf-heimskr (fatuus); siâlf-râdr (sui juris). — mhd. sëlp-var (was seine natür- liche farbe hat) Rud. weltchr. — nhd. selbst-gefällig. silds? (rarus), das einfache adj. nicht zu belegen, sondern nur zu folgern aus dem adv. goth. sildana? ahd. sëltana, ags. sëldan (engl. sëldom) altn. sialdan, nhd. sel- ten (vgl. rûmana, fërrana, sîdana, die gleichfalls auf ein- fache adj. führen); unorganisch ist aber das nhd. adj. sel- ten (rarus) von dem adv. gebildet worden. Zusammenge- setzt sind damit: goth. silda-leiks (admirandus) — ahd. sëlt-kaluofi (rarus)? es findet sich von diesem sonst uner- hörten adj. nur das adv. sëlt-kaluaffo (raro) K. 25 b , denn als adj. läßt es sich nicht auf urlaubî beziehen; seiner form nach ist es mit lafan, laffan (lambere) ags. lapjan, vgl. altn. lap (sorbillum) verwandt und laffant (lambunt) jun. 212. zeigt ein starkes verbum an (die schwache form hätte leffant, laffônt, laffênt) folglich den ablaut luos, wohin auch das mhd. starke part. praet. erlaffen (absorptus) III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. fragm. 16 b erlaben Bon. 54, 40. zielt. Die bedeutung von sëlt-kaluof oder kaluofi könnte sein: quod raro sorbetur, was man selten schmeckt, merkt, gewahrt. In dem an- dern comp. sëlt-sâni rarus, pretiosus, insolitus, peregri- nus) mons. 325. 388. O. II. 3, 44. IV. 28, 30. ist das zweite wort wiederum dunkel; stammt es von sëhan (vi- dere) und steht es für sahani, sâhani (wie gruoni f. gruo- hani, s. 632.)? bedeutet es visibilis? dann wäre sëlt- hier mit dem sinn des gesichts, wie vorhin mit dem des ge- schmacks zus. gesetzt. — ags. sëld-cuð, sël-cuð (raro no- tus, peregrinus); sëld-lic, sël-lic, sil-lic (mirabilis). — altn. siald-sênn (visu rarus) neben siald-sêðr, so daß sênn für das part. praet. (ahd. sëhan) angesehen werden kann, wie das gleichbedeutige siald-fenginn. — mhd. sëlt-sæne. — nhd. entstellt in sëlt-sam. seiþus? (laxus, demissus, tardus) altn. sîðr: sîð-bær (serotinus, von einer spät kalbenden kuh); sîð-grani (barbâ longâ); sîð-höttr (pileo demisso); sîð-skeggr (barbâ longâ) drei beinamen Odins edd. sæm. 46 b 48 b . vans? (vanus, vacuus, inops): ahd. wana-heil (debilis) K. 38 b 42 b 44 a T. 95 wana-heilî (debilitas) mons. 389; wan-wâfan (inermis) ker. 162; wana-wizi? (vecors) mons. 351. (wo ich wanewiza in wanawizê, vecordes ändere). — ags. van-hâl. — altn. van-fær (debilis, inops); van- gæfr (non integer); vau-hêlgr (profanus); van-heill (lan- guidus); van-mâttugr (debilis); van-vitr (insipiens). — nhd. wahn-sinnig, wahn-witzig, beide von den subst. wahn-sinn, wahn-witz geleitet. veids? (latus): ahd. wît-hende (spatiosus manibus) N. 103, 25; wît-mâri (famosus) T. 199, 2; wit-sueifte (late vagans) N. — ags. vîd-brâd (amplissimus) Cädm. 16; vîd-cuð (late notus) Beov. 79. 149; vîd-gëll, vîd-gill (la- tissimus, immensus); vîd-mære (late celebris) Cädm. 36; oft steht dafür ungebundnes adv. z. b. vîde cuð Beov. 160. — altn. vîd-förull (peregrinabundus); vîd-frœgr (celeber); vîd-kunnr; vîd-lendr (vastus). — mhd. wît- sweife Rud. weltchr.; wît-weide (lativagus) Trist. 4637. vgl. ags. vîde vâðe Cädm. 89, 4. — nhd. weit-läuftig; weit-schweifig. ahd. wuntarîn (mirus) mhd. wunderîn, wundern: comp. sind schon s. 556. angeführt. B. verzeichnis nach dem zweiten wort. áugis? (oculatus) vgl. and-áugiba (palam, vor augen): ahd. sûrauki, sûr-ougi (lippus, gramiosus, torvus, sauer- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. sehend) mons. 409. (wo amator, ein neidischer, trotziger, schelsichtiger liebhaber?) blas. 5 a trev. 46 a herrad. 186 b . — ags. sûr-eáge? ich finde bloß das partic. sûr-eáged (lippus, torvus). — altn. frân-eygr (coruscus oculis) sæm. edd. 187 a ; hvaß-eygr (oculis acutis); sûr-eygr (lippus, invidiosus). — mhd. habe ich noch kein sûr-ouge, was zu verwundern ist, gefunden. — nhd. roth-äugig; schel- äugig; auch kein sauer-äugig (dän. fur-öjet). bêris? (-fer): die alte sprache scheint hiermit keine adj. zu binden, erst mhd. kommt vor irre-bære Trist. (vgl. irre-sam) und nhd. kund-bar, laut-bar, welches letztere doch auch zu dem subst. laut gehören könnte. falþs (-plex): manag-falþs Luc. 18, 30. ahd. manac- falt, ags. mänig-fëald, mhd. manec-valt, nhd. mannig- falt, mannig-faltig, engl. manifold, altn. marg-faldr, dän. mang-foldig. faris? (means): ahd. lanc-fari (longaevus); murg-fare (caducus) N. 93, 22. 102, 15. Cap. 117. 130. Boeth. 67. 103. 105. 147. doch wird in den drei letzten citaten â geschrieben, wie auch das erste wort aufklärung bedarf (vgl. altn. myrkr, tenebrosus, errabundus, murg f. murh, wie dang f. danh bei N.) Boeth. 217. stehet mur-fariu f. murg-f. farvs (-color): mhd. blanc-gevar Parc. 107 b bleich- gevar Parc. 106 a bunt-gev. Parc. 182 a grâ-gev. Parc. 108 b lappec-var (pallidus?) Parc. 117 b glîch-gev. (unicolor) Parc. 115 a MS. 1, 101 b lieht-gevar Parc. 172 b 192 b rôt-ge- var Parc. 175 a viurec-var Wh. 2, 101 a wunderlich-gev. Parc. 126 b zegelich-gevar Wh. 2, 123 b u. a. m. — nhd. ähn- liche comp. mit -farb lieber mit -farbig, -färbig, -gefärbt. fris? (liber): mhd. edel-vrî Nib. 3325; lëdec-vrî MS. 1, 40 a . fulls (plenus): ich kenne hiermit componiert nur das ags. gâl-ful (libidinosus), wo es nicht fûl ist? gaírns (cupidus): ahd. hôh-gërn (altipetax) mons. 392; niu-gërn (novi cup.) fr. or. 1, 939; semfti-gërn ibid. — ags. clæn-gëorn (puritatis amans); îdel-gëorn (otiosus). — mhd. niu-gërn Iw. 6 b troj. 82 b . — nhd. neu-gierig. hafts (fixus): ahd. chund-haft (notabilis) francof. 37; hrein-haft (coelebs, eig. puram, castam vitam eligens) ker. 53; sama-haft (solidus) jun. 226. — mhd. irre-haft Trist. 9772. müll. (irre-sam hag. 9892); sicherhaft troj. 7 a ; wâr-haft Barl. Trist. — nhd. wahr-haft, wahr-haftig. handis? (manu praeditus): láus-handja (vacuus mani- bus). — ahd. wilt-hendi (ferus) ker. 158; wît-hendi (spa- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. tiosus manibus). — ags. îdel-hende. — mhd. îtel-hende Trist.; wîƷ-gehende, wîƷ-gehande Trist. haírts (-cors): arma-haírts (misericors) zu folgern aus arma-haírtei Luc. 1, 50; háuh-haírts Tit. 1, 7. háuh-haír- tei Marc. 7, 22; hardu-haírts gefolgert aus hardu-haírtei Marc. 10, 5; hráinja-haírts (mundus corde) homil. — ahd. arm-hërz (misericors) O. II. 16, 33. arm-hërzo N. 110, 4. un-arm-herzi (immisericors) hrab. 967 a vgl. armi-hërzida K. 24 a 28 b , die nebenform parma-hërz (un-barma-hërz ker. 156.) hängt nicht mit parm (gremium) zusammen (s. 563.), sondern ist zu deuten pi-arma-hërz; heiƷ-hërz (furiosus) zu folgern aus heiz-hërzî (furor) ker. 131. jun. 209; milt-hërz (misericors) T. 22, 12; preit-hërz (elatus) ker. 6; un-kilîh-hërz (dissimilis corde) ker. 96. — alts. gêl-hërt (superbus, ahd. keil-hërz). — ags. blîð-hëort (laetus corde) Beov. 136. Cädm. 5; clæn-h. (mundus c.); ëarm-h. (misericors); grum-h. (dirus) Beov. 127; hât-h. (furiosus); heáh-h. (sup.) Cädm. 86; hëard-h. (durus c.); mild-h. (mitis c.); rûm-h. (amplus c.) Beov. 135. 158; stëarc-h. (firmus) Beov. 171. 190. — nhd. mit herzig: barm-h. bieder-h. eng-h. gut-h. groß-h. hart-h. hoch-h. weich-h. — engl. mit hearted: hard-h. hôt-h. mild- h. etc. leiks (similis): nur sama-leiks (idem); silda-leiks (mirus). — ahd. al-lîh (generalis) doc. 201 b alle-lîh (publicus) N. Cap. 61; arma-lîh und armi-lîh (miser, infelix) O. III. 3, 4. 14, 172, 238. 15, 62. 20, 81. 24, 48. IV. 16, 48. 23, 4. 30, 41. 33, 6. 36, 2. V. 3, 26. 9, 10. (in den beiden ersten büchern braucht er dies wort nicht) arme-lîh (humilis) N. 73, 19; chlein-l. (diligens) jun. 202; gotchund-l. (divinus) O. II. 8, 43; kurz-l. O. II. 21, 30; dara-l. (rectus, par) un-dara-l. (ob- liquus, dispar) belege vorhin s. 625; pidirp-l. (utilis) jun. 232; manacfalt-l. (multifarius) mons. 395. einfalt-l. (sim- plex) K. 55 a ; fast-l. (solidus) jun. 188. 236; fîn-l. (tener) doc. 210 a ; fol-l. (plenus) O. I. 2, 50. II. 23, 12. doc. 211 b ; forht-l. (timidus) doc. 211 b foraht-l. O. I. 15, 48. II. 4, 192. III. 1, 18; frafal-l. K. 23 a ; frawa-l. (laetus) O. I. 17, 111. II. 9, 28. das zweite a ist comp. vocal; frî-l. K. 57 a ; frît-l. (deliciosus) N. Boeth. 65, das erste wort, für sich unbekannt, scheint das altn. frîdr (formosus); fruat-l, (prudens) jun. 218; cafôc-l. (compactus) hrab. 955 b gifuoh-l. (aptus) T. 51, 4; cafôr-l. (aptus) hrab. 951 a 955 b jun. 182; hartl. (pervicax) jun. 244; unheil-l. (insanabilis) jun. 210; heimisc-l. hrab. 956 a ; arm-hërz-l. N. 16, 1; hêr-l. (excelsus) N. Cap. 84; hirl. hirel. (vehemens, fla- T t III. adj. eigentl comp. — adj. mit adj. grans, purus) N. 57, 10. 118, 167. Cap. 23. 47. 59. 76. 114. 124. falls das erste, allein stehend noch nicht vorge- kommne wort ein adj. ist (berührt es sich mit dem subst. haírus, gladius?); horsc-l. hrab. 970 a horsg-l. O. V. 8, 19. 15, 16; hold-l. (placabilis) N. 24, 10; hôn-l. O. IV. 23, 22; huas-l. (efficax) hrab. 966 a K. 16 b ; ëban-l. K. 21 a O. V. 23, 479; jukunt-l. (jucundissimus) ker. 139; jung-l. N. 102, 15; cara-l. (totus) doc. 211 b gara-l. O. IV. 24, 61. gari-l. doc. 213 a ; keil-l. hrab. 965 b ; gërn-l. K. 16 b T. 8, 4; kiri-l. (avidus) jun. 196. f. kira-l. mit comp. voc.; clau-l. (sollers) hrab. 967 a jun. 228; grâƷ-l. (subtilis) hrab. 964 b ; crim-l. jun. 238; guot- l. (gloriosus) J. 369. côt-l. wessobr. vgl. guallîhhî (gloria) f. guat-lîhhî; lang-l. (longus) O. IV. 15, 47; leit-l. (exosus) jun. 205. leid-l. T. 106; lîht-l. (levis) ker. 36; liup-l. (ele- gans, amoenus) mons. 332. 338. 341. 399. liub-l. O. III. 23, 46. IV. 29, 70; camah-l. (commodus) hrab. 955 b ; mâr-l. (celeber) jun. 239; gemein-l. (generalis) mons. 394; kameit-l. (superstitiosus) mons. 409; mihhil-l. jun. 173. 214; milt-l. (largus) hrab. 961 a ; dêmuat-l. K. 28 b uber- muote-l. N. 54, 13. widarmôt-l. (injuriosus) hrab. 967 b ; nâh-l. doc. 266 b ; nuz-l. jun. 232; offan-l. J. 378. K. 46 a hrab. 957 a jun. 244; pald-l. hrab. 952 a 664 b bald-l. J. 401. jun. 198. O. IV. 13, 41. 17. 16; blîd-l. O. Sal. 58. II. 4, 128. 9, 19. IV. 20, 110; V. 4, 119; rûm-l. hrab. 961 a ; sama-l. sami-l. O. Lud. 94. I. 1, 122. II. 5, 26. IV. 15, 72; samft-l. ker. 178. hrab. 968 b ; scam-l. (brevis) K. 36 a ; smâ-l. (humilis) K. 28 b 29 a hrab. 954 a jun. 232; smëchar-l. (delicatus) hrab. 962 b 976 a ; spâh-l. (sapiens) T. 138; spara-l. (parcus) K. 44 b jun. 188; starh-l. N. 35, 9; strang-l. (robustus) ker. 242, suma-l. (aliquis) jun. 236. francof. 58. sumi-l. O. IV. 12, 21; suâs-l. (familiaris) jun. 207. O. IV. 35, 60; swaƷ-l. (suavis) ker. 66. suaƷ-l. O. II. 14, 195. III. 18, 114. 22, 76. V. 12, 180; suâr-l. (gravis) O. V. 23, 273; suëpfar-l. (vafer) N. Cap. 77; tiur-l. jun. 254. diur-l. ker. 56; triu-l. hrab. 964 b catriu- l. ker. 117. driu-l. O. I. 16, 20; dûfar-l. (stolidus) O. IV. 31, 12; giwara-l. (cautus) O. I. 17, 94. III. 16, 44. IV. 29, 71. giwari-l. O. II. 5, 7; wâr-l. (verus) O. I. 24, 35. K. 24 a T. 4, 9; wërt-l. (celebris) ker. 56. wërd-l. (muni- ficus) hrab. 968 b unwërd-l. (indignus) mons. 401. T. 138; wîse-l. (intelligens) N. 46. 8. unwîs-l. (insipiens) mons. 396; wona-l. (suetus) ungawona-l. hrab. 967 b ; zart-l. (de- licatus) mons. 327; zeiƷ-l. (tener) doc. 245 b . — alts. bëreht- lîc (splendidus); cuth-l. (notus); diur-l. (carus); guod-l. (insignis); hold-l. (fidelis); liob-l. opan-l.; sëld-l. (mirus); III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. suot-l. (dulcis); svâs-l. (privatus, benignus); toroht-l. (perspicuus); wâr-l. (verus); wîs-l. (sapiens). — ags. bëald-lîc (audax); bëorht-l. (clarus); blîð-l. (laetus); cuð- l. (notus); ëarm-l. (miser); ëfen-l. (aequalis); fäst-l. (fir- mus) Cädm. 87. 98; ful-l. (plenus); fûl-l. (turpis); gëong- l. (juvenilis); gëorn-l. (diligens); gläd-l. (alacer); gôd-l. (pulcher); hëard-l. (durus); hold-l. (amicus) Cädm. 98; lëóf-l. (gratus) Cädm. 38. 11; long-l. (diuturnus); mær-l. (clarus); niv-l. (novus); open-l. (publicus); rûm-l. (am- plus); sëld-l. sël-l. (mirus); snël-l. (citus); spär-l. (par- cus); sôð-l. (verus); strong-l. (validus); svæs-l. (blandus); svëotol-l. (manifestum); svêt-l. (dulcis); torht-l. (illustris); þäs-l. (aequalis); vîs-l. (sap.) — altn. blîd-ligr (blandus); fast-l. (firmus); grimm-l. (trux); hard-l. (severus); hŷr-l. (benignus, von hŷr, ahd. hiuri); iafn-l. (assiduus); liuf-l. (comis); nŷ-l. (nuperus); rösk-l. (strenuus); rûm-l. (amplus); sann-l. (verisimilis); skîr-l. (distinctus); þarf-l. (utilis); veik- -l. (debilis). — mhd. balt-lich (audax) Trist.; bitter-l. (amarus) Vrib.; frevel-l. Parc. 79 c ; frî-l. Trist.; frô-l. Barl.; grôƷ-l. (magnus) Parc. 60 a 61 b 64 a Nib. Barl.; guot-l. (nicht mehr gloriosus, insignis, sondern benignus) Parc. 2 c 45 b Barl.; ho- vesch-l.; junc-l. (juvenilis) a. Tit. 119; kiusch-l. (castus) Wh. 2, 123 a ; kurz-l. (brevis) a. Tit. 119; liep-l. a. Tit. 79; lû- ter-l. a. Tit. 41. 83. MS. 1, 76 b ; gemein-l. troj. 5 c ; offen-l. a. Tit. 152; rîche-l. Trist. 4063. gewöhnlich aber verkürzt rî-l. a. Tit. 15. Barl. etc.; sam-l. (idem)? ich kenne nur das subst. sam-lîche (gegenstück, pendant) fr. bell. 19 b (pf. ch. 34 a ); schînbær-l. Trist.; sicher-l. Parc. 44 b ; sumel. süm-l. (ali- quis); geswâs-l. Trist.; træc-l. (serus, lentus) Parc. 2 a ; getriu- l. Parc. 7 c 182 b ; übel-l. Trist.; wacker-l. Parc. 54 b ; gewær-l. (verus) Barl.; wilt-l. (ferus) Wh. 2, 104 a ; wîs-l. a. Tit. 116. u. a. m. — nhd. ält-lich; ärm-l.; bläß-l.; bläu-l.; fröh-l.; füg-l.; gänz-l.; gröb-l.; grün-l.; güt-l.; härt-l.; höch-l.; klein-l.; kränk-l.; läng-l.; lieb-l.; gemäch-l.; neu-l.; nütz-l.; öffent-l. (für öffen-l., vgl. unten die zus. setzung des lich mit participien); rein-l.; reich-l.; säuer-l.; schwäch-l.; schwärz-l.; schmäh-l.; spär-l.; süß-l.; treu-l. getreu-l.; weich-l.; weiß-l.; gewöhn-l.; zärt-l. u. a. m. — Anmerkun- gen: 1) der ganz geringe umfang dieser wortbildungen im goth. zeigt, daß erst die nachherige sprache ihrer be- durfte. Sama-leiks ( ἶσος ) Marc. 14, 56, 59. ist ein verstärk- tes sama, und verhält sich dem sinne nach dazu, wie ὅμοιος zu ὁμός . Luc. 6, 44. übersetzt sama-láud τὰ ἶσα . Das adv. sama-leikô bald ὁμοίως bald ὡςαύτως . Silda- leiks θαυμαστός , dem seltnen, unerhörten gleich. Im T t 2 III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. ahd. scheint die schon häufige composition mit -lîh der be- deutung des ersten worts kaum etwas hinzuzuthun, chlein- lîh, pidirp-lîh, cafuoc-lîh etc. heißen nichts anders als das einfache chleini, pidirpi, cafuoki. Bei substantivischen zus. setzungen mit -lîh (s. 567.) war die operation wirk- samer, sie erzeugte adj. aus subst.; hier aber wird, wenn der nämliche sinn im vordern adj. liegt, nichts gewon- nen. Führte nun die bloße analogie darauf, das -lîh mit adj. zu verbinden, wie man es mit subst. verband? oder fand genauer betrachtet bei den adj. eine veränderung des begriffes statt, eine schwächung nämlich, insofern das -lîh bloße annäherung, ähnlichkeit und nicht völlige gleichheit ausdrückte? Mir ist keine stelle bekannt, die hierfür spräche und z. b. dem fruot, suoƷi ein fruot-lîh suoƷ-lîh, als das beinahe, gleichsam kluge, süße zur seite setzte. Ebensowenig finde ich ein mhd. grôƷ-lich, junc-l., rî-l., sicher-l. etc. dem etwas von dem sinn benommen wäre, der in grôƷ, junc, rîche, sicher liegt. Desto we- niger kann die verminderung des begrisß im nhd. geleug- net werden, klein-lich, härt-l. dick-l. etc. ist nicht klein, dick, hart, sondern was klein, dick, hart zu sein an- fängt, etwas klein, dick, hart. Am merklichsten ist der gegensatz in den adj. für farben: bläu-lich, gelb-lich, röth- lich, was ins blaue, gelbe, rothe spielt. Aber eben das macht mir das organische einer solchen unterscheidung verdächtig. Die frühere sprache kennt kein rôt-lîh für subrufus, sie hat dafür die ableitung -ht: rôtelëht (s. 381. 382.), woraus mit wegwerfung des -t nhd. rötlich, der scharfe begriff der farbenverhältnisse hernach auf andere adj. (arm, ärmlich; alt, ältlich; fromm, frömmlich etc.) übertragen wurde. Einzelne scheinen den unverminder- ten, alten begriff behalten zu haben: fröh-l. reich-l. treu-l. gewöhn-l. 2) Gleichwohl nehme ich auch für die ahd. und mhd. sprache eine durch das -lîh bewirkte änderung der bedeutung an: sie wird abstract , und insofern frei- lich geschwächt. Und da sich zwar jedes sinnliche wort abstract gebrauchen läßt, nicht aber das abstracte sinn- lich; so folgt, daß man in vielen fällen das einfache adj. statt des comp. mit -lich verwenden könne, nicht umge- kehrt. Z. b. reichliche gabe und reiche, treuliche hülfe und treue sind gleichviel, allein für reicher mann, wildes thier darf nicht stehen reichlicher, wildliches. Dies er- gibt sich in der älteren, von jenem farbunterschied unbe- helligten sprache weit klarer. O. braucht suaƷlîh bei den abstracten wörtern that, muth, gelüste, milde, zu- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. weilen auch suaƷi, würde aber nur letzteres von honig, milch, apfel brauchen; armalîh setzt er zu muth, wille, that, brust, lust, strafe etc., hingegen armu wihtir, armê joh rîchê. Heute können wir nicht mehr sagen: eine süßliche handlung, ein ärmlicher wille, welches uns sub- dulcis, pauperculus heißen würde; mhd. hieß der baum noch grôƷ, der schall, haß grôƷlich; das kind junc, die jahre junclich. 3) mit dieser wahrnehmung zus. zuhän- gen scheint mir, daß die verhandelten comp. gern in der adverbialen form, oder als abstracte daraus geleitete fe- minina vorzukommen pflegen. Denn alle adv. ihrer na- tur nach sind abstracter als die adj. Viele der gegebnen belege, liefern das adv., welches formell das adj. voraus- setzt, aber nach dem aussterben des adj. länger im gang geblieben sein kann. So z. b. sind von den nhd. adv. frei- lich, gemein-lich, ledig-lich, schwer-lich, wahr-lich, weis- lich etc. die entsprechenden adj. außer gebrauch und das engl. -ly ist zur ausschließlichen adverbialform gewor- den. — 4) die composition mit -lîh hat ihre grenze und kann nicht an jedem adj. versucht werden, z. b. es gibt kein nhd. lind-lich, rasch-lich, schön-lich, stark-lich, ob- gleich starh-lich ahd. war und rösk-ligr altn. ist. Theo- retisch vertragen sich alle unabgeleiteten oder abgeleiteten adj. damit, wie die belege weisen. Nur habe ich die ab- leitungen mit -g bis hierher verspart, weil von ihnen näher zu handeln ist. Organisches -ac, -îc hat im ahd. kein bedenken: einec-lîh (unicus) N. 77, 69; gorîg-l. (mi- ser) O. IV. 26, 16; suntrîc-l. (peculiaris) K. 49 b sunderg-l. N. Boeth. 219; wênac-l. (lugubris) mons. 409. O. III. 10, 28. IV. 26, 20; wîƷac-l. (propheticus) hymn. 948 a , allein es hebt schon ein tadelhaftes -eclîh an, welchem kein ab- geleitetes -ec zu grunde liegt; vgl. follec-lîh N. 91, 11. Boeth. 202. folleg-l. N. 107, 13. Boeth. 22. follich-lîho (late) mons. 381; minneg-l. N. 50, 20. minnech-l. N. 21, 23. Es gibt weder ein adj. minnec noch follec, sondern nur ein fol-lîh (ags. ful-lic); da nun ein comp. mit- lîh nicht nochmahls mit -lîh zus. gesetzt werden kann und fol-lîh-lîh unsinn wäre; so scheint mons. 381. wenigstens follic-lîhho zu lesen (oben s. 304.), minnech-l. N. 21. 23. verschrieben f. minnec-l. oder minneg-l., das ec-lîh aber zu nehmen wie das ec-heit f. heit (s. 643.). Alts. kenne ich nur untadelhafte hêlag-lîc, hriwig-lîc, sâlig-lîc; ags. sælig-lîc (kein hâlig-l. hrëóvig-l.); altn. heilag-ligr, gö- fug-ligr (venerandus) naudug-ligr (difficilis) u. a. m. Rask bemerkt §. 365., das compositum gelte alsdann von leb- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. losen sachen, das bloß abgeleitete adj. von personen, wel- ches zu meiner ansicht von der abstractwerdung durch -lîk stimmt, daher auch vorzugsweise die altn. adv. -ug- liga, ahd. -aclîhho. Mhd. sehen wir die zahl der unor- ganischen -ec-lich angewachsen, sogar substantivische zus. setzungen durch einfügung des -ec scheinbar zu adjecti- vischen geworden. Beispiele: armec-lich Parc. 116 c be- hendec-l. Parc. 6 a vestec-l. Barl. hëlfec-l. Parc. 139 c 182 b hërzec-l. Barl. kostec-l. a. Tit. 15. 135. miltec-l. Parc. 183 a minnec-l. Parc. 5 b 48 a 62 b a. Tit. 3. 109. pînec-l. Parc. 192 c schiltec-l. a. Tit. 65. 123. (141. schilt-l.) snëllec-l. troj. 3 a strengec-l. Parc. 157 b sunnec-l. a Tit. 106. vol- lec-l. Parc. 42 b 72 c 116 b vorhtec-l. Barl. u. a. m. Ueber alle will ich nicht absprechen; ein adj. schiltec, pînec, minnec wird niemand behaupten, ein armec (vgl. erbarmec s. 293.) hëlfec, hërzec (nhd. herzig), snëllec, sunnec (nhd. son- nig) könnte es eher gegeben haben, vielleicht leitete man sie aber aus der form -eclich oder -echeit später her, streng beweisen laßen sie sich daraus nicht (gegen s. 302. 303.). Tadellos sind dagegen folgende: blouwec-l. Parc. 110 a ge- dultec-l. êwec-l. Barl. gîtec-l. Barl. grimmec-l. Barl. hei- lec-l. Frib. kreftec-l. Parc. 49 c künftec-l. Parc. 42 a listec-l. Parc. 41 c 137 a. c. mueƷec-l. genendec-l. Wh. 2, 113 a reinec-l. Wh. 2, 118 a gerûmec-l. Parc. 58 a sælec-l. Barl. gesëllec-l. Parc. 1 b 41 a stætec-l. a. Tit. 109. 163. strîtec-l. Parc. 165 b vlæ- tec-l. Parc. 120 b vlîƷec-l. Parc. 40 a ubervlüƷec-l. troj. 3 b ge- waldec-l. Parc. 64 a wërdec-l. a. Tit. 32. Parc. 146 c 156 c züh- tec-l. Parc. 46 c etc. sollten einzelne -lich anders zu deuten sein, nämlich aus ge- lih? so daß armeclich arme-gelich, allecliche allegeliche (Barl. 24, 31.) wäre? vgl. s. 570. note und sunderc-lich mit dem nhd. sonder- gleichen. Ich glaube nicht; es würde dann uneigentl. composition eintreten, folglich ein gen. plur. stehen (armer-gelich), wie sich nie findet; auch entscheidet die analogie von ec-heit dagegen. . Nhd. sind wenige -iglich geblieben, die fast nur als adverbia vorkommen und in der gewöhnlichen rede gemieden werden: brünstig-l. ewig-l. einfältig-l. festig-l. fleißig-l. herzig-l. innig-l. ledig-l. mildig-l. selig-l. wonnig-l. züchtig-l. In der regel setzen wir subst. comp. ohne -ig (pein-l. köst-l. künst-l.) oder laßen von jenen adjectivi- schen das -lich weg (künftig, ewig, selig). 5) umlaut begleitet zwar das nhd. -lich (ärm-l. ält-l. härt-l. gröb-l. güt-l.) doch scheint er ursprünglich von ableitendem i (süß-l. füg-l.) oder assimiliertem comp. vocal abzuhängen (ahd. armi-l. für arma-l.) oder zuletzt durch überwiegende III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. analogie allgemein geworden zu sein; vielleicht wirkte ihn diese selbst bei den substantiven (s. 569.). Das ableitende i wird im ahd. häufig unterdrückt: kafuor-lîh, kafuoc-l. von kafuori, kafuoki etc., daher mhd. rückumlaut: ge- vuoc-l., der im nhd. aufnört. N. scheint das -e gern zu dulden, er schreibt wîse-l. diemuote-l. — 6) die verwandt- schaft des componierenden -leiks mit -láiks (s. 503. 645.) hindert nicht, daß in altn. substantiven beide nebenein- ander auftreten, zumahl seit der schwächung des -lîkr in -ligr, -lëgr; beispiel: mak-lëg-leiki (meritum) von mak- lëgr (dignus). — 7) es bleibt im allgemeinen unsicher, ob einzelne dieser compofita im ersten wort ein subst. oder adj. haben, z. b. voraht-lîh, adal-lîh können aus vorahta, adal oder voraht (timens) edili gedeutet werden. leibis? (vivus): ahd. lanc-lîpi (longaevus) ker. 183. lang-lîbe N. Cap. 143; gemah-lîbi (commoditas) N. Boeth. 220. — altn. lâng-lîfr; skamm-lîfr; skîr-lîfr (castus). altn. leitr (spectabilis) goth. vláitis?: föl-leitr (palli- dus); grimm-leitr (trux); grœn-leitr (subviridis); hâ-leitr (excelsus); hvît-leitr (subalbidus); kâm-leitr (fuscus); raud- leitr (rubicundus); sæm-leitr (decorus); skîr-leitr (serenus). liþis? (-membris): die ahd. subst. kanz-lidî (praepu- tium) scart-lidî (circumsio) N. 94, 4. fulla-lidî (robur) setzen parallele adj. kanz-lidi etc. voraus. mêls? (-color, pictus) ahd. kimâl, mhd. gemâl: ags. gräg-mæl (griseus) Beov. 199. — mhd. lieht-gemâl Parc. 58 b 63 b 168 c 171 b 174 c 177 a 179 o 190 b Wh. 2, 8 a Ulr. Trist. 847; rîch-gemâl Parc. 188 c ; rôt-gemâl schwanr. 1001; vêch-gemâl Parc. 187 c 192 b . môds? môdis? (-animis) ahd. meist -muot, seltner -muoti: dëo-muot? (humilis) vgl. dëo-muatî (humilitas) K. 55 b N. 21, 22. 24, 18. falls sich ein adj. dëo weisen läßt, wenigstens scheint O. ein adj. thich zu kennen, er hat untar-thioh I. 22, 113. und davon thioh-muati I, 3, 82, dëo folgt aber beßer aus dem subst. dëo (servus) vgl. oben s. 572; ëpan-muot oder -muotî? mons. 354. 367; fast-muat (constans) O. II, 10, 43. IV. 29, 8. fast-muotî (constantia) jun. 230; frawa-muat (laetus) O. V. 23, 363. frô-muoti (hilaritas) N. 94, 1; hart-muot (obstinax) häu- figer mannsname, hart-muotî (obstinatio) jun. 241; heiƷ- muot (furiosus) heiƷ-muoti (furor) fem. N. 36, 8. 37, 2. heiƷ-muati neutr. O. I. 20, 4; huas-muot (acer) folgere ich aus dem später entstellten nom. pr. wahs-muot f. was-m.; clata-muat (laetus) K. 25 a ; lanc-môd (longanimis) ker. 34; lîht-muot (levis) lîht-muotî (levitas) doc.; luzil- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. muat (pusillanimis) K. 48 b ; mihhil-moad (magnanimus) ker. 188. mihhila-môt hrab. 953 b ; gimein-muot O. IV. 4, 106. N. Boeth. 108; ôt-muot (humilis)? vom adj. ôt? ôtî? (facilis, levis) altn. audr, zu folgern aus ôt-muatî (hu- militas) O. I. 3, 68. 5, 133. 7, 13. IV. 6, 85. ôd-muotî T. 4, 5; stilli-muot (tranquillus) stilli-muoti (tranquillitas) N. 91, 1; samft-môti (humilis) ker. 4. hrab. 950 a ; slëht-moati (hi- laris); tump-muot, dump-muat (stolidus) O. V. 9, 81; weih- muot (lenis) mons. 389. weich-muotig N. Boeth. 219. — alts. hriwig-môd (poenitens); ôd-môd? ich kenne bloß ôd-môdî (humilitas); sêrag-môd (afflictus); slîd-môd (lubricus). — ags. blîðe-môd Cädm. 33. 40. 80. 90; eáð-môd (humilis, lenis); gâl-m. Beov. 97. Jud. 12; gläd-m. Beov. 134. Cädm. 80; glëav-m. Cädm. 84; hëard-m. Cädm. 7; hrëóvig-m. Cädm. 19. Jud. 12; lîtel-m. (pusill.); rêðe-m. (asper) Cädm. 2, 75; stið-m. (pertinax) Beov. 191. Jud. 10; svið-m. (fortis) Beov. 123. Cädm. 77. 78. 86; styrn-m. (severus) Jud. 11; torht-m. (laetus) Cädm. 34. Jud. 9; þancol-m. (providus) Cädm. 38. Jud. 11; þëarl-m. (vehemens); Jud. 10; väfre- m. (inconstans) Beov. 88; vêrig-m. (fessus) Beov. 65. 117; vrâð-m. (iratus) Cädm. 14. — mhd. hôch-gemuot Parc. 64 a 148 c ; vrô-gemuot. — nhd. alle mit -müthig: de-müthig; gleich-m.; groß-m.; hoch-m.; klein-m.; lang-m.; leid-m.; sanft-m.; schwer-m. In der schweiz bedeutet lind-mü- thig sumpfig, St. 2, 524. ahd. rart (dispositus, constitutus?) vgl. goth. razda (lo- quela) das wie mêl, altn. mâl in den begriff von modus, mensura übergehen kann: ahd. eli-rart (barbarus, pere- grinus) hrab. 954 b ; sama-rart (barbarus) mons. 349. das aber gerade den einheimischen, gleichartigen bedeuten sollte? vielleicht gehört eine negation zu barbarus? oder wäre sâmi-rart, halbgebildet zu lesen und das comp. s. 553. anzuführen? — ags. ell-rëord, ell-rëordig (barbarus, per- egrinus). sams ? (similis): ahd. cafoac-sam (congruus) ker. 14; irre-sam (inconstans) N. Boeth. 217; lanc-sam K. 19 a , über die nebenform lanc-seim vorhin s. 653; chilîh-sam (simu- latus) J. 395; lieb-sam, gefolgert aus lieb-sami N. 105, 4, 39; manac-s. J. 403. mons. 409; kimein-s. (communis) K. 43 a 57 a ; kimôt-s. (commodus) ker. 52. — ags. lang-sum. — altn. lâng-samr. — mhd. gehëlle-sam Trist.; hêr-sam En. 30 b fr. bell. 15 a ; irre-s. Trist.; lîht-s. Trist.; vorht-s. fragm. bell. 20 b ; wahs-s. (acutus) ib. 34 b . — nhd. furcht- f.; lang-s.; gemein-s.; selt-sam (fehlerhaft f. selt-san, III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. s. 655.); spar-s.; wach-f. — Die vocalveränderungen -sam, -sum, -seim sind mir ein räthsel. sêlis? (felix): ags. hëard-sælig (miser). vaúrds (verbosus): láusa-vaúrds. — ahd. wâr-wortêr (verax) hrab. 976 a . — altn. hag-ordr (disertus). Anmerkungen zu beiden verzeichnissen. 1) eine menge stattfindender zus. setzungen des adj. mit adj. sind nicht angeführt worden. So componieren sich namentlich die farbverhältnisse auf das manigfaltigste, α ) mit den ersten wörtern hell-, dunkel-, hoch-, tief-, rein-, schmutzig-: hell-roth; dunkel-blau; hoch-roth; tief-gelb; rein-blau; schmutzig-weiß etc. Die ältere sprache auch mit pleih- und salo-, vgl. pleih-kruoni goldes (viror auri) N. 67, 14. altn. bleik-gulr; ags. sëalo-brûn; dahin gehört endlich das häufige ala- bei farben (s. 650.) β ) mit einander selbst: roth-blau; grün-gelb; gelb-grün etc. in welchem fall immer das construierende zweite wort die hauptfarbe ausdrückt, grün-gelb ist ein ins grüne fallen- des gelb, gelb-grün ein ins gelbe fallendes grün. Im ge- nauen ausdruck dürfen daher beide wörter die stelle nicht wechseln. Aus der ältern sprache besinne ich mich kei- ner solchen zus. setzung der farbadjective untereinander. 2) daß zuweilen adj. mit sich selbst componiert wer- den, habe ich gleich im eingang dieses cap. s. 405. ange- merkt, weiß aber den belegen sëlp-sëlpo mons. 395; wilt- wilde MS. 2, 147 b noch keine weiteren beizufügen. In gemeiner volkssprache möchte ähnliches anzutreffen sein (du arm-armes kind); es entspringt daraus eine wirksame verstärkung des begriffs im russischen wird, zwar ohne composition, zu demselben zwecke das adj. im instrumental wiederhohlt: tschernim tschernii (schwarz-schwarz) oder noch stärker tschernim tscheruechonek, Puchmayer p. 269. , der die häufige mhd. umschrei- bung des superl. durch den positiv und comparativ (lie- ber denne liep, beƷƷer denne guot) vergleichbar ist, wo- von weiter im vierten buch. 3) haften oder wegbleiben des compositionsvocals scheint zwar etwas lediglich formelles; doch will ich weitere prü- fung anregen, ob in sonst gleichen ersten wörtern ver- schiedenheit der bedeutung einfluß darauf haben könne? Wenigstens unterscheiden sich etwas auffallend goth. láus- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. handja, láus-qviþrs (leerhändig, leerbäuchig) von láusa- vaúrds (los, frei im reden); ahd. wan-wâfan (waffenlos) von wana-heil (ungesund). Ein gefundnes láusa-qviþrs, wana-wâfan würde diese bedenklichkeit beseitigen. 4) synonyme erste wörter sind: láus- (leer-), îdel-, van-; zweite: -lîh und -sam; -hërz und -muot; -gevar und -gemâl. Doch können sie sich nur selten vertreten (láus-handja, îdel-hende; gifuoc-lîh, gifuoc-sam; heiƷ- hërz, heiƷ-muot; rôt-gevar, rôt-gemâl) und haben ihre eigenthümlichkeit in gebrauch und bestimmung. Man sagte preit-hërz, nicht preit-muot, aber lanc-muot, nicht lanc-hërz; hoch-müthig und hoch-hërzig sind im nhd. sehr verschieden. Manac-sam und manac-falt liegen sich nahe, aber dieses bedeutet eigentlich multiplex, jenes tan- tus. Das mhd. vorht-sam bedeutet terribilis, vorht-lich timidus; umgedreht das nhd. furcht-sam timidus und fürchter-lîch (f. furcht-l.) terribilis; wiewohl auch mhd. vorcht-lich für terribilis stehet, vgl. s. 579. 5) abstracten sinn geben die ersten wörter al-, fol-, frum-; die zweiten -sam und -lîh, vorzüglich letzteres. Der begriff des ähnlichen und gleichen wird natürlich durch andere adj. bestimmt, der des haftenden, festen scheint immer subst. zu fordern und nur durch den ein- tritt der abstraction läßt sich begreifen, wie zuweilen -bære und -haft mit andern adj. verbunden werden kön- nen (irre-bære; irre-haft, hrein-haft, sicherhaft). Es geschieht selten; nie componieren sich aber -voll, -leer, -los mit adjectiven. 6) beachtenswerth ist die art und weise, wie das adj. des zweiten worts, erst durch die zusammensetzung, aus subst. hervorgeht und wie sich diese bildungen zu an- dern verhalten, deren zweites wort substantivische natur behält: a) ein subst. kann durch bloße composition, ohne zutritt irgend einer ableitung, adj. werden; es wirft dann die substantivische flexion weg und nimmt adjectivische an. Das gewicht des zutretenden ersten worts vertritt gleichsam das derivierende princip und sichert die unter- scheidung von dem uncomponierten subst. Alleinstehende adj. muot, wort, hërz gibt es nicht, nur die subst. muot, wort, hërza; dagegen sind lanc-muot, wâr-wort, preit- hërz wirkliche adj. geworden und laßen die flexionen lancmuotêr, wârwortju, preithërzaƷ etc. zu. Eine neue be- stätigung der wahren flexionseigenschaft unserer schwa- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit adj. chen form (vgl. s. 538.); das goth. -ô, ahd. -a von haírtô, hërza verfliegt bei dieser operation (haúh-haírts, hôh- hërzêr) und kann erst in der schwachen decl. des neu gebildeten adj. wieder zum vorschein kommen (þata haúh- haírtô, daƷ hôhhërza), wie alle andern starken oder schwachen flexionen, in denen sich subst. und adj. begeg- nen, nach den umständen erscheinen. b) die sprache fügt aber auch bisweilen ein ableitendes -i dazu, weshalb die ahd. adj. lanc-muoti, wâr-worti (wâr-wurti), preit-hërzi, huîƷ-henti, wo sie sich in die- sen oder andern beispielen zeigen, untadelhaft sind. Ja es ist nicht unglaublich, daß aus solchem -i die nhd. ab- leitungen -ig in vollblütig, warmblütig, weißhändig, hochherzig, langmüthig, kleinmüthig, wahnwitzig entstan- den sind, deren umlaut dann etwas anders als s. 308. aus- gelegt werden müste. c) im zweifel entscheidet die flexion zwischen subst. und adj., z. b. lanc-part bleibt subst. und hat den nom. pl. lancpartâ, nicht lancpartê, aber das mhd. val-vahs (flavicomus) ist adj. und hat dem plur. fem. valvahse Nib. 2307. Hier kann nach zeit und mundart bald das eine, bald das andere üblich sein, z. b. bar-fuoƷ steht gewöhn- lich adjectivisch (Parc. 61 c ). d) organische adj. der ig-form scheinen hauptsächlich aus subst. zu erwachsen, die selbst schon zus. gesetzt wa- ren, z. b. aus ags. heáh-cräft (architectura) mhd. hôch- vart sind heáhcräftig, hôchvertec bloße ableitungen, folg- lich zu unterscheiden von den unter b. angeführten nhd. vollblütig etc., die kein voll-blut voraussetzen. e) wo das compos. schwache form liebt, z. b. im goth. ala-þarba, láus-handja läßt sich schwer zwischen subst. und adj. entscheiden; für letzteres etwa bei deutlicher fähigkeit, sich durch alle drei geschlechter zu bewegen. 7) den fällen 6, a. b. liegt kein schon componiertes subst. zu grunde; soll es hervorgebracht werden, so muß die ableitung -i mitwirken (s. 649.). Aus goth. háuhhaírts wird háuhhaírtei, aus ahd. lancmuot oder lancmuoti wird lancmuotî. 8) umgekehrt verwandeln sich zus. gesetzte adj. in subst. Dahin rechne ich α ) die eigennamen hartmuot, wahs-muot (nach analogie von hadafuns, reginhart s. 581.); hier ist das selbst erst aus dem subst. muot entsprungene adj. -muot wieder subst. geworden. β ) die unorg. nhd. III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. subst. einfalt, kleinmuth und ähnliche, welche für einfälte, kleinmüthe stehen (s. 545.). 9) ihre stelle wechseln das erste und zweite wort, bei gleicher bedeutung, nicht; das goth. samaleiks heißt idem, das ahd. chilîhsam fictitius, vgl. anm. 1. Dies ist also anders als beim subst. (s. 547.). Adjectiv mit verbum (s. 627. 649.). Ich schlage ganz das s. 581. ff. bei der substantivischen zus. setzung befolgte verfahren ein. I. kann das wirkliche verbum adjectivisch componiert werden? 1) in der regel nicht, denn für den ausdruck des näheren verhältnisses, in dem sich das adj. zum verbo befinden könnte, ist gerade eine eigne form vorhanden, das adverbium. Das adverbium aber stehet gewöhnlich los und ungebunden. 2) scheinbar adjectivisch zus. gesetzte verba sind nichts als ableitungen von einem bereits componierten subst. oder adjectiv, also wiederum nothwendig schwacher conju- gation. α ) schwache verba aus componierten subst. gebildet. Bei Ulf. kommen die comp. mit þiuþ- und ubil- in be- tracht, welche, wie griech. verba mit ἀγαθο- und κακο- , auf ein zus. gesetztes nomen zurückgeführt werden müßen. So þiuþ-táujan ( ἀγαθοποιῆσαι ) Marc. 3, 4. Luc. 6, 9. þiuþ- táujáiþ ( ἀγαθοποιεῖτε ) Luc. 6, 33, 35. auf þiuþ-táuï ( ἀγα- θοποιΐα ) oder þiuþ-tôjis ( ἀγαθοποιός ) vgl. ubil-tôjis ( κακοποιός ) Joh. 18, 30; ferner þiuþ-spillôda ( ευηγγελίζε- το ) Luc. 3, 18. þiuþ-spillônds ( εὐαγγελιζόμενος ) Luc. 8, 1. auf þiuþ-spill ( εὐαγγέλιον ) vgl. s. 525. 583. das ahd. kot-spël und kot-spëllôn. wofur er immer aívaggêljô setzt. Genauer nach dem griech. ist váila-spillônds ( εὐ- αγγελιζόμενος ) Luc. 8, 1. váila-mêrjanda ( εὐαγγελίζονται ) Matth. 11, 5. váila-mêrjan ( εὐαγγελίσασθαι ) Luc. 1, 19. 4, 18. Ungebunden stehet þiuþ táujáis ( τὸ ἀγαθὸν ποίει ) Rom. 13, 3. und ubil táujis ( τὸ κακὸν ποιῇς ) Rom. 13, 4. þamma ubil táujandin ( τὸ κακὸν πράσσοντι ) ibid.; saei ubil qviþái (umschreibung von κακολογῶν ) Marc. 7, 10, da sich ein starkes ubil-qviþan schwerlich annehmen läßt, III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. ein schwaches ubil-qviþôn ( κακολογῆσαι allerdings, [ εὐ- λογῆσαι überträgt er beständig durch þiuþjan]; ubil- vaúrdjan ( κακολογῆσαι ) Marc. 9, 39. leite ich von ubil- vaúrds ( κακολόγος ). Ubil-habandans ( κακῶς ἔχοντες ) Matth. 8, 16. Marc. 1, 34. 6, 35. beweist kein durchgän- giges verbum ubil-haban, ubil-haba etc. dem ich kein subst. unterzulegen weiß, es ist daher nach andern zus. setzungen mit dem part. praes. zu beurtheilen. Strenger dem gr. text folgt das uncomp. ubilaba habandans ( κα- κῶς ἔχ .) Marc. 2, 17. — Ahd. kann ich keine mit kuot- oder upil- vorweisen, denn ubil-habentê (male habentes) T. 22, 3. gilt nur fürs part. praes. und in andern fällen steht loses adv. z. b. upilo pittantemo (male petenti) K. 40 a ubilo sprëhhantê (male dicentes) K. 28 b oder ein lo- ser casus, wie: guotes pëtôt (benedicit) mons. 325. 395. Aber folgende gehören hierher; eli-lentôn (captivum du- cere) von eli-lenti (captivitas) kaelilentôt (captivatus) hymn. 21, 5; ellendôn N. 67, 19. 70, 1; giwis-mëƷôn (definire) guis-mëƷôn N. Boeth. 100; ginôt-mëƷôn (idem) gnôt-mëƷôn ibid., ein subst. giwis-mëƷ, ginôt-mëƷ (Boeth. 170.) voraus- setzend; gewâr-rachôn (colligere) N. Boeth. 171. von ge- wâr-racha?; wîs-sprâchôn (disputare, philosophari) N. 57, 6. Boeth. 93. Cap. 116. von wîs-sprâcha. Diese alle nach zweiter conj., nach erster: mitti-vërihen (dimidiare) mitti-vërihet doc. 225 b gimitti-vërihent (dimidiant) mons. 349. gimitti-verihit (dimidiatus) mons. 347. von mitti- vërihi (oben s. 636.). Zweifelhaft ist arg-chôsônt (male- dicunt) N. 34, 26, da es auch arg chôsônt (maligna lo- quuntur) sein kann und läßt sich ein subst. chôsa bewei- sen? vgl. arg wëllen Boeth. 201. — Ags. frëolsjan (cele- brare diem festum, liberare) f. frëó-halsjan. — Altn. brâd- hûngra (fame necari); kald-hamra (tudendo indurare me- talla); friâlsa (liberare); hâ-timbrodo (alte aedificabant) edd. sæm. 2 a von hâ-timbr; ill-yrda (convitiari). — Mhd. arc-wænen (suspicari) Trist. — Nhd. lieb-kosen (blandiri) von einem verlornen subst. lieb-kose?; froh-locken f. froh- leichen von frô-leich (gaudium)?; früh-stücken; kurz-wei- len, lang-weilen; arg-wöhnen. β ) schwache verba aus componierten adj. Goth. silda-leikjan (mirari) nach erster conj. — Ahd. manec- faltôn (multiplicare) N. 35, 8; kiliup-lîhhôn (venustare) ker. 280. keeinluz-lîchôn N. Boeth. 213; michel-lîchôn N. 19, 6. 33, 4. 137, 2. nâh-lîhhôn (appropinquare T. 116. — Ags. gesingal-lîcjan (continuare); gemæn-sumjan (com- municare). — Mhd. offen-bæren Trist.; manec-falten; ver- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. niu-gërnen Friged. 2792. (vgl. misc. 2, 196.) vom adj. niu-gërn, aber verniu-gërn MS. 1, 32 b vom adj. niu-gër, beide gleichbedeutig und nicht zu verwechseln mit dem undeutschen vernogieren (renegare) a. w. 3, 9. Wh. 3, 14 b . 3) da, wo starke und schwache verba adjectivischer composition unterworfen sind, ist sie ausnahmsweise an den verbis selbst eingetreten. Hierher rechne ich die adj. fulls, ïbns, sama, silba und vans. α ) composita mit fulls (plenus): goth. fulla-fahjan (sa- tisfacere) Marc. 15, 15. Luc. 4. 8; fulla-veisjan (implere) Luc. 1, 1. — ahd. folle-chomen (perfici) N. 13, 1. Boeth. 232; folle-gât (adimplet) N. 22, 6; folle-habê N. 25, 6; folle-halt (conserva) N. 16, 5; fol-leistan (suppetere) doc. 211 b ; fola- pëtan (rogatus) mons. 357; folle-recchen N. Boeth. 223; vo- la-siodan (percoquere) vola-sotan mons.; folle-stuonden (per- stiterunt) N. 76, 11; folle-trang (exhausit) N. Cap. 129. fol-truncan (inebriatus) T. 45, 8; folle-trëffen (pertingere) N. 35, 9; vola-trîpan (peragere) mons. 376. (wo mir vo- latripôn fehler scheint); folle-tuon (perficere) N. 117, 1. folle-tuo (perfice) N. 16, 5. folle-tân (perfectus) N. 15, 8; fol-wahsan (perfectus) J. 397; folle-wërên (permanere) N. 5, 6; folle-wësen, folle-sî N. 15, 8; fola-worahta (con- summavit) mons. 328. 362. Bemerkenswerth scheint, daß verschiedne denkmähler, namentlich O. etc. dieser zus. setzung sich gar nicht bedienen, dann, daß die gl. mons. fola- statt folla- schreibt. — ags. geschrieben ful- und full-, ful-bërstan (rumpi); ful-bêtan (satisfacere); ful- brëcan (perfringere); ful-dôn (satisfacere); full-endjan (complere); ful-fëaldan (explicare); full-flëon (fugere pe- nitus); ful-fremman (perficere); full-fyllan (implere); ful-gangan (adimplere); ful-trûvjan (confidere); full-vyr- can (perficere). — altn. full-gera (perficere); full-nœgja (satisfacere); full-steykja (plene assare); full-treysta (con- fidere); full-tŷngja (auxiliari); aus andern compos., die Biörn nur im part. praet. anführt, z. b. full-kominn (perfectus) full-ordinn (adultus) läßt sich diesmahl auch auf die übrigen verbalformen schließen. — mhd. zwischen vol- und volle- schwankend: volle-bringen Barl.; vol- dienen Wh. 1, 114 a ; vol-enden Trist. MS. 2, 113 b ; volle- gân Trist; volle-gründen MS. 1, 47 b ; volle-komen Barl. vol-loben MS. 1, 188 a ; vol-manchen En. 102 c ; volle-mëƷ- Ʒen MS. 1, 103 a 2, 121 a ; volle-sagen Barl.; volle-sprëchen Barl. vol-sprochen Parc. 196 c ; volle-rihten MS. 2, 142 b ; Wigal.; volle-stân Barl.; vol-tihten En. 102 c ; volle-trin- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. ten MS. 2, 123 b ; volle-tuo En. 98 a ; volle-varn Barl.; volle-vueren Trist.; volle-ziehen Trist. 4519. Nib. 1443; Wolfram scheint diese comp. nicht zu lieben. — nhd. voll-bringen; voll-enden; voll-führen; voll-ziehen; von vollkommen das part. praet. übrig. β ) mit ïbns (aequus): kein goth. beispiel. — ahd. ëban-dolênti (compassus) K. 38 b ëpan-tholêm (compatior) ker. 79; giëpan-mëƷôn (temperare) mons. 385; geëben- mâƷôt (aequatus) N. 88, 7; ëpan-pilidôta (complantati) mons. 380; ëban-prinkê (conferat) K. 52 b ; ëban-brûchent (coutuntur) T. 87; ëban-kesizan (considere) K. 57 b ; ëban- stantanti (consistens) K. 37 a . — ags. ëfen-blissjan (congra- tulari); ëfen-cuman (convenire) praet. ëfen-cvom, ëfen- gecvom; ëfen-cërran (convertere); ëfen-læcan (imitari); efen-mëtan (comparare) ësen-mëten (comparatus); ësen- gespittan (conspuere); ëfen-þrôvjan (compati); ëfen-vëor- can (cooperari). — altn. iafn-bodinn (ae-quus); iafn-kŷta (obganire); iafn-yrda (altercari). — mhd. ëben-hiuƷen (aemulari) Parc. 161 c mus. 2, 51; ëben-mâƷen (aequipa- rare) pf. ch. 104 a Trist. 8100. γ ) mit sama (similis): goth. und ahd. belege man- geln. — ags. sam-vëorcan (cooperari). — altn. sam-bióda (convenire); sam-blanda (commiscere); sam-borinn (frater germanus); sam-eina (adunare); sam-fagna (congratulari); sam-fenginn (non electus); sam-glediaz (congaudere); sam- harma (adgemere); sam-hlióda (consonare); sam-hrîngja (conclamare campanis); sam-hylla (occultare); sam-hygg- jendr (consentientes) edd. sæm. 266 a ; sam-iafna (compa- rare); sam-laga (associare); sam-lîkja (assimilare); sam- mælaz (conventionem facere); sam-neyta (convivari); sam-reckja (concumbere); sam-sinna (consentire); sam- setja (componere); sam-slengja (miscere); sam-svara (ae- quivalere); sam-tengja (conjungere); sam-þryckja (com- primere); sam-þyckja (consentire). δ ) mit silba (ipse): ahd. sëlp-lâƷan (acquiescere) doc. 234 b sëlp-lâƷ (desine) mons. 412. sëlp-lieƷ (quievit) mons. 363. sëlp-farlâƷan (irritum) hrab. 966 a . — mhd. nur mit den part. praet. sëlp-schouwet Parc. 36 a ; sëlb-wahsen MS. 1, 126 b . ε ) mit vans (inanis): ahd. wana-heilit (debilitat) ker. 276. cawana-heilit (debilitatus) hrab. 958 b ; wan-wësan (deesse) K. 42 b wan-ist (deest, abest) K. 22 a ker. 16. T. 118. wan-sint (desunt) K. 50 b wan-sî (absit) T. 90. war- um nicht wana-wësan, wana-sî? wegen des häufigen III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. wan-ist f. wana-ist? Auf jeden fall muß das ahd. wan-ist anders als das goth. van ïst Marc. 10, 21. Luc. 18, 22. genommen werden, das zwar dasselbe bedeutet, aber den gen. der sache regiert, so daß van das freie subst. zu sein scheint. — altn. van-brûka (abuti); van-gëra (deesse); van-haga (deesse); van-heidra (dehonestare); van-heilga (profanare); van-kunnandi (imperitus); van-skapadr (de- formis); van-virda (honori detrahere). — mnl. wan- hagen (displicere) Maerl. 1, 376; wan-konnen 1, 440; wan-trôsten 1, 403. ζ ) einzelne der von α bis ε angeführten zus. setzungen können zwar als bloße ableitungen betrachtet und dann zu anm. 2. gerechnet werden: fol-leistan, sam-laga, van- heidra von den subst. fol-leist (auxilium) sam-lag (societas) van-heidr (dedecus); ëben-hiuƷen, wana-heilan von den adj. ëben-hiuƷe, wana-heil. Keines der starkconjugie- renden läßt sich aber so ableiten, sondern beweist, daß die composition mit dem verbo selbst vorgegangen ist, folglich kann dies auch von den schwachformigen gelten. η ) lehrreich werden die zus. setzungen fulla- , ëpan- , sama- , wana- , so wie das ihnen analoge substantivische missa- (s. 587.) für die geschichte der partikeln. Offen- bar machen sie nur darum ausnahme von der regel, daß sich kein nomen mit dem verbum componiert, weil sie ihrer lebendigen bedeutung verlustig geworden, sich dem wesen der partikeln nähern. Man sieht das durch über- tragung dieser composita ins lateinische, missa- entspricht dem dis-, fulla- dem per-, ëpan- und sama- dem con-, co-, wana- dem de-, ab-, also lauter partikeln. Ja, es kann im deutschen eine partikelcomposition ganz gleich damit laufen, z. b. vola-tân heißt grade was durah-tân bei andern. Sollte nicht auch ihre abstractwerdung ein- fluß auf die form zeigen? Aus ahd. volla- wird (min- destens in einigen denkmählern) vola- , wie aus alla- ein abstracteres ala- ; in alla-, volla-, herrscht der begriff der vollheit, allheit, in ala-, vola- die allgemeinere stär- kung; ähnlich ist mis- aus missa- . Sollte sich ala- gleich- falls mit dem verbo verbinden? Ich kenne nur ahd. participia damit componiert, aus denen ich kein völliges verbum zu schließen wage, aber altn. findet sich al-frœ- giaz (celebrescere). θ ) solche mit verbis componierbare nomina, deren sich wohl noch mehrere entdecken laßen, mögen halbe partikeln heißen, völlig sind sie es nicht: a) ihrer unab- III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. trennlichkeit wegen; es gibt kein dem verbo nachge- setztes, überhaupt kein für sich stehendes missa, vola, ëpan(a), wana. Inzwischen kommen auch untrennbare partikeln vor. b) sie haben (in ihrer ältesten gestalt) den comp. vocal, der keiner partikel zusteht. Ausnahme macht sama , das auch als getrennte partikel gilt und auf -a en- digt, wie in der zus. setzung. ι ) im ahd. findet sich neben der comp. mit ëpan- einigemahl das ungebundne adv. ëpano und in gleicher bedeutung: ëpano gigrapana (consepulti) mons. 395. ëpano pisoufta (consepulti) ibid. ëpano givuoctaƷ (confertum) mons. 398. Eigentliche composition würde hier fordern gi-ëpan-vuoctaƷ, gi-ëpan-grapana. 4) die altn. sprache scheint, wie substantivisch (s. 587. 4. β .) auch adjectivisch einzelne, aber wenige, starke verba zu componieren, namentlich râng-snûa (in obli- quum detorquere) praes. râng-snŷ. Schwachconjugierende wie sann-fœra (persuadere) sann-yrda (convincere) kunn- gëra (notum facere) können ein zus. gesetztes nomen zur grundlage haben oder will man sie für uneigentl. compo- sita erklären, die aus anwachsendem accus. entspringen? kunn-gëra f. kunn gëra, wie nhd. kund-machen f. kund machen. II. adject. zus. setzung mit dem part. praes. 1) wo in diesem part. adjectivische bedeutung vor- herrscht scheint es keiner zus. setzung unfähig, die zwi- schen adj. und adj. eintritt. So gut man mhd. lanc-lîbe nhd. süß-duftig, klein-gläubig sagt, muß man auch mhd. lanc-lëbende, êwec-lëbende, nhd. süß-duftend, roth-bsü- hend, klein-glaubend sagen dürfen. Hier einige ahd. be- lege: luzil-mëƷenti (parvi pendens) K. luzil-ahtônti (id.) jun. 174. luzil-wëganti (id.) jun. 217; niwi-quëmanti K. 53 b niu-plôtendi (cruentus) K. 53 b hô-gânde N. Boeth. 230. Aus Ulf. weiß ich nur leitil-galáubjands ( ὀλιγόπιστος ) Matth. 6, 30. 8, 26. Zu bemerken ist die formel ala- : ahd. ala- waltenti O. I. 5, 46; ale-mammendo N. Cap. 22. — altn. al-skînandi (undique splendens). — mhd. bei Wolfram be- liebt: al-gërnde a. Tit. 110. Parc. 10 c ; al-schëmende Parc. 8 c ; al-scrîgende Parc. 59 b ; al-spëhende a Tit. 82; al-stênde Parc. 11 b 129 a ; al-swîgende Trist. 15146; al-swindelnde Parc. 165 a ; al-weinende Parc. 28 c 62 a 65 b 96 a 185 c 188 c 189 a Wh. 2, 28 b etc.; hôch-klagende a. w. 2, 53. — nhd. all- belehrend; all-erheiternd (Göthe); all-wißend. U u III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. 2) als verbum betrachtet könnte das part. entw. den acc. neutr. eines adj. oder ein adv. vor sich haben und damit uneigentlich componiert sein? Der acc. ist einzu- räumen in fällen, wo auch der inf. gleiche comp. zeigt, z. b. kund-machen (notum facere) kund-machend, im praes. aber ich mache kund. Im ahd. ziehe ich unverbundnes lu- zil ahtôn oder eigentlich componiertes luzil-ahtôn vor, vgl. luzil pidâhtun (parvi duxerunt) mons. 410. 411. luzil-wâ- gun doc. 242 a . Uneigentliche composition mit dem adv. käme nur für das nhd. zur sprache, seit die form des adv. mit der des flexionslosen adj. zus. fällt, z. b. unser süß- duftend, laut-singend, tief-athmend läßt sich aus dem adv. deuten, weil wir sagen: ich singe laut, athme tief. Bei ahd. und mhd. compositis gilt aber diese dentung nur, wenn die wirkliche, durch die zus. setzung unzerstörbare, adverbiale form vorliegt und dann wird doch die unver- bundenheit beider wörter vorzuziehen sein. Das nhd. laut-singend scheint mir ahd. heißen zu müßen; hlûto sinkanti, mhd. lûte singende, wiewohl ich ein eigentlich componiertes hlûta-sinkanti, hlût-sinkanti nicht leugne. Schon Ulf. schwankt zwischen ubil-habands und ubilaba habands (s. 669.). III. adj. zus. setzung mit dem part. praet. Goth. mikil-þuhts (superbus). — ahd. alt-quëtan (an- tiquitus dictum) alt-chëten N. Boeth. 43; niwi-boran O. I. 12, 25, 39. niwi-chuëman (novitius) K. 54 a ; niu- flanzôt N. 127, 3. niwi-sotan (recens coctum) mons. 333. 342; plint-poran sgall. — alts. adal-boran. — ags. ëald-âvered (tritus); niv-bacen (recens pistus) niv-calct (rec. calce illitus). — altn. al-blômgadr (totus in flore) al-bûinn (om- nino paratus) al-falliun (persuasus) al-hugadr edd. sæm. 144 b al-kendr (omnibus notus) al-skipadr (plene ordina- tus) al-skotinn (ager totus in gramine) al-taladr (in omnium ore) al-tekinn (affectus) al-vâpnadr (plene armatus); auð-bedinn (sponte largiens) auð-beygdr (facile flexilis) auð-brotinn (fragilis) auð-fenginn (facilis impe- tratu) auð-giördr (factu facilis) und andere mehr mit anð- bei Biörn; biart-haddadr (candide ornatus) biart- litadr (lucido colore praeditus) edd. sæm. 142 a ; fagr-bûinn (pulchre paratus) fagr-varidr (pulchre amictus) edd. sæm. 139 b ; frum-gëtinn (primogenitus); frôd-hugadr (prudens); hard-hugadr (durus animo); itr-borinn (clarus genere); edd. sæm. 147 b 150 a ; itr-skapadr (egregie formatus); kald- rifjadr edd. sæm. 32 a ; nŷ-borin kû (vacca foetum nuper III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. enixa) nŷ-fœddr (recens natus) nŷ-klakinn (idem) nŷ-ko- minn (novitius) nŷ-qvæntr (nuper nuptus); sann-kalladr (vere dictus) sann-râdinn (revera circumventus); sæl-bo- rinn (fauste natus); skamm-taladr (pauciloquus); stor-hu- gadr (magnanimus); svinn-hugadr (callidus) u. a. m. — mhd. alt-sprochen (sermone tritus) pf. ch. 26 a Karl 28 b alt-ge- sprochen Ben. 220. 221; lieht-erkant (illustris) Parc.; niuwe- born, niuwe-brochen troj. 55 b niuwe-sliffen Nib.; trût-er- welt Barl. — nhd. alt-backen; alt-hergebracht; blind-gebo- ren; frei-gelaßen; frisch-gefallen; frisch-gebrochen; hoch- gepriesen, hoch-geehrt; los-gelaßen; neu-geboren; neu-ge- tüncht; roth-beflammt; schwarz-gefärbt u. a. m. Deut- liches zeichen, daß die composition nicht das ganze ver- bum, bloß das part. angeht, ist die stellung der partikel ge- in der mitte beider wörter; gälte ein verbum alt- spreche, alt-sprach, frisch-falle, frisch-fiel, so würde das part. gealtsprochen, gefrischfallen lauten (s. 582.). — Aus dem schwed. führe ich, ihrer sonderbarkeit wegen, die zus. setzung mit -vulen an, welches ein entstelltes part. praet. ist, aber nicht, wie Ihre meint, aus -vorden, viel- mehr aus dem altn. -ollinn von valda (1, 927.) schwed. vålla. Man componiert: knarr-vulen (morosus) vom altn. knârr (strenuus) sûr-vulen (austerus) von sûr (acidus) ill- vulen (miser) und so auch mit dem subst. karl: karl-wu- len (virilis). Norweg. ille-vorren Hallag. 144 a kare-vor- ren ibid. 57 a (vörre = völle, ibid. 145 b ). Dän. knar- vorn (morosus). Ein altn. knâr-ollinn, sûr-ollinn, karl- ollinn habe ich nirgends gelesen. IV. adject. zus. setzung mit dem inf. Daß nhd. composita wie frei-sprechen, hoch-achten, hoch-schätzen, irr-leiten, irr-führen, los-geben, gleich- stellen, gleich-setzen, gering-achten, gering-schätzen, selig- machen, selig-sprechen u. a. m. bloß den inf. (allenfalls die participia), nicht das übrige verbum betreffen, leuch- tet ein. Im praesens ind. löst sich die verbindung auf: ich spreche frei, achte hoch; im part. praet. tritt das ge- nicht vornen hin (gefreisprochen) sondern in die mitte (freigesprochcn). Es ist nur schwer zu sagen, auf welche weise die composition mit dem inf. stattgefunden hat. War sie eine eigentliche, so kann fie sehr alt sein. Rückte aber der vorgesetzte acc. oder das adv. an das verbum, so scheint sie erst in der spätern zeit zu stande gekommen. Ein urtheil hierüber wird sich aus den untersuchungen im folgenden buche ergeben, welche construction der U u 2 III. adj. eigentl. comp. — adj. mit verb. älteren deutschen sprache bei den verbis aestimare, du- cere, dicere, judicare etc. angemeßen war. Bei sprëchen stehet z. b. meist der acc. der person, auf welche das adj. geht (liberum pronuntiare) bei ahten ein auf die person des achtenden bezügliches adv. oder ein auf den gegen- stand gerichtetes adj. Nur fällt grade in wörtern, die hier in erwägung kommen, schon in frühster zeit die form des adv. mit der des adj. neutr. zusammen, z. b. das goth. leitil, ahd. luzil bedeuten bald parum (adv.) bald parvum, modicum (adj.). Ist also luzil ahtôn (pa- rum aestimare) oder luzil ahtôn (modicum judicare) oder eigentlich componiert luzil-ahtôn (parvipendere) recht? den umständen nach wohl jedes derselben und für eig. zus. setzung beweist auch das lat. wort. Citate stehen s. 674. II. adjectivische uneigentliche composition (s. 624.) tritt ein, wenn das erste wort adj. flexion zeigt, die mit in die zus. setzung aufgenommen worden ist. 1) geschieht dies organischerweise, d. h. ohne daß die construction widersträubt, so wird entw. das adj. die stelle eines subst. vertreten, z. b. im nnl. nieus-gierig (novi cupidus), welches die niederhess. volksmundart wie neu- schierig ausspricht; oder es ist hinter dem adj. ein subst. ausgelaßen. Dahin gehört vornämlich die häufige, vor dem superlativ stehende formel aller- , z. b. nhd. aller- liebst, aller-schönst (omnium carissimus, pulcherrimus). Das subst., von dem die rede ist, wird hinzugedacht, die aller-liebste frau heißt: die liebste unter allen frauen, die liebste aller frauen. In der goth. sprache, der einzigen unter den deutschen, die im gen. pl. geschlechter schei- det, würde daher bald alláizê stehen, bald alláizô, sicher aber uncomponiert, z. b. alláizê (manne) batists, alláizô (qvinônô) batista; alláizê aftumists ( πάντων ἔσχατος ) Marc. 9, 35. Ahd. durchgängig allêrô und wiederum unver- bunden: allêrô ôdhmuodigôsto (humillimus) J. 375. allêrô meist (omnium maxime, magnopere) K. 35 a 38 b O. V. 12, 181. allero hartôst N. 33, 22; allero ëbenesto N. Boeth. 219. zuweilen wird das subst. dabei gesetzt: allêrô wîbô zeiƷôsta (so die Freisinger Handschr.) O. I. 5, 32. aller goldo beƷƷesta W. 5, 11. bedeutet was: allêrô zeiƷôstaƷ wîp, aller beƷƷestaƷ gold. Ags. ëalra lëófost (dilectissimus) ëalra sviðost (for- tissimus); altn. allra flêstir (omnium plurimi) edd. sæm. III. adjectivische uneigentliche composition. 164 b . Mhd. kann man uneigentliche comp. annehmen, da sie die sicherung der flexion -e in alre-gërnest (luben- tissime) erklären hilft, es stehet aber auch bloßes aller, z. b. aller-best, aller-êrst, alrêrst (primum) aller-wirsest (pessimus) Nib. 8004. aller-hêrest Barl. aller-schœnst Parc. 57 c aller-grôƷest kl. 287. etc. Dazwischen gestelltes subst. hin- dert die accretion, z. b. aller dirnkinde beste Maria 50. 2) die unorganischen fälle dieser composition gründen sich auf verhärtung einer flexion, die ursprünglich nur einen bestimmten casus bezeichnet und nun auch für an- dere mitgilt. Der nhd. nom. mitter-nacht entspringt aus dem häufigen gebrauch des gen. und dat. mitter nacht; mhd. sagte man noch richtig: umbe mitte naht Wigal. 205. nâch mitter nacht ibid. 267. so wie mitter tac, mit- tes tages, mittem tage, mitten tac, mitter morgen etc. Das nhd. mit-tag, gen. mit-tages ist untadelhaft, nämlich eigentliche composition. Seitenstück zu unserm mitter- nacht ist das schwed. unger-sven, dän. unger-svend (ju- venis), das für alle casus gebraucht wird und doch nur dem nom. zukommt, vgl. sv. folkv. 3, 150; in nhd. ei- gennamen z. b. lieber-mann, liebes-kind begegnet dieselbe anomalie. Unzähligemahl in örtlichen namen und manns- namen, die aus solchen örtlichen erwachsen. Die alte syntax stellt ortsnamen meist in den dativ, mit den prae- positionen aƷ, zi, in u. a.; noch mhd. diu stat ze wor- meƷe (nhd. die stadt worms). Da nun gleichnamige ör- ter durch beigefügte adj. unterschieden werden musten, so entstand eine menge von benennungen, wie: zum hei- ligen kreuz, hohen berg, hohen fels, kalten born, langen stein, schwarzen fels, weißen stein; zur alten burg, heili- gen stadt, neuen kirchen, rothen kirchen; zu reichen sachsen, hohen linden; namen fügen sich aber leicht in ein ganzes zusammen (s. 600.) und das componierte kal- ten-born, langen-stein herrschte auch für die übrigen casus. Bewohner der gegend selbst, die den grund des namens verstanden, declinierten das adj. sicher am läng- sten: der rothe stein, des rothen steins, am rothen stein; entferntere hielten sich an die dative form, in welcher er zu ihnen gelangt war. Wie frühe solche uneigentliche composita vorkommen? das älteste mir bekannte beispiel (in freilich ältern lat. diplomen hat man keine sicherheit der construction) steht N. 71, 16: uber hôm-bërch (lyba- num) acc., was sich kaum anders deuten läßt, als hohen berg, zumahl hin und wieder der ortsname hom-berg, hom-burg gefunden wird, [m scheint rückwirkung der III. verbale composition. folgenden labialis, wahre form hôn-përc, vgl. hôn-bërc MS. 1, 24 a , neben hôhen-burc 1, 17 a hôhen-vëls 1, 83 b ]. Aus den örtlichen namen entwickelten sich allmählig per- sönliche: alten-stein, schwarzen-berg und dergl. 3) altn. oder vielmehr isländ. scheint bisweilen der nom. sg. adj. schwacher decl. in die zus. setzung verhär- tet, vgl. bei Biörn die neutra svarta-braud (panis ater) svarta-blôd (cruor) kalda-bad (baln. frig.) kalda-kul (fri- gus); das masc. svarti-brôdir (frater ord. domin.); den pl. hvîta-dagar (pentecoste) u. a. m. Einen compositionsvocal darin zu sehen hüte man sich. §. 3. verbale composition (s. 410.). Einleitung: a) die zusammensetzungen der adjectivi- schen participien und des substantivischen infinitivs sind von der hauptfrage abzusondern. Ihre verbale (nicht ihre nominale) flexion geht begreiflich mit in die compo- sition ein, ohne daß diese dadurch zur uneigentlichen wird. b) das wirkliche verbum componiert sich nicht anders als eigentlich. Etwas dem abhängigkeitsverhältnisse, wor- in ein vorgesetztes nomen zu dem unmittelbar folgenden nomen steht, analoges läßt die natur und stellung des ver- bums nicht zu. Das nomen wird von dem verbum re- giert, nicht das verbum von dem nomen, und jener rec- tion entspricht eine freie, bewegliche stellung des ver- bums, die es selbst in dem seltneren fall, wo es dem nomen vorangeht, abhält, sich näher damit zu verbinden. Die verbalflexionen sind auch theils ungleich manigfalter, als die casus, theils ihrem (oft nur vocalischen) elemente nach unfüglicher. Am denkbarsten wäre noch eine un- eigentliche composition des flexionslosen sing. imperat. mit dem dahinter stehenden nomen und wenigstens bietet die spätere sprache einige beispiele davon in eigennamen dar, aber fast nicht ohne einmischung von artikel und prae- position, weshalb ich sie in §. 8. verweise. c) die eigentliche verbalcomposition erfordert den rei- nen (einfachen oder abgeleiteten) von aller flexion ent- bundnen stamm des verbums. Weder ein zeichen der person, noch des modus, noch des tempus findet eingang in die zus. setzung. Hieraus fließt, daß jede verbale zus. setzung den laut des praesens haben müße und sowenig mit dem ablaut, als mit dem vergangenheitskennzeichen III. verbale composition. schwacher conj. geschehen könne. Wir sagen grab-scheit, schreib-feder, gieß-haus, nie aber etwas wie grub-scheit, schrieb-feder, goß-haus. Wo sich ablaut im ersten worte einer composition zeigt, setzt er ein nomen voraus. In diesem satz finde ich bestätigung dessen, was s. 79. 83. über den laut und ablaut gesagt wurde, zugleich einen merk- würdigen unterschied der composition von der derivation, welche allerdings auch an ablautigen formen stattfindet (s. 399. 490.). Da übrigens der laut des praesens in eini- gen starken conjugationen veränderung erleidet (1, 863- 865.). so ist zu wißen, daß in der zus. setzung der laut des praes. ind. plur. oder des inf. gilt, z. b. eß-lust, eß- bar, gieß-kanne, vergieß-bar, nicht iß-, geuß-. Aus- nahme machen das mhd. und nhd. sprich-wort (prover- bium) st. sprech-wort (nnl. sprêk-wôrd; nhd. sprüch-wort zu schreiben scheint ganz tadelhaft) und das mhd. genis- bære, genis-lich, nhd. behilf-lich. d) der verbalcomposition liegt, gleich jeder andern eigentlichen, ein compositionsvocal zu grunde, über des- sen stattfinden, haften, mischen mit ableitungsvocalen und wegfallen die nämlichen wahrnehmungen gelten. Beispiele geben die hernach anzuführenden belege. e) die zahl der verbalen composita ist weit geringer, als die der nominalen. Selbst im nhd., das die meisten besitzt, kommt etwa nur eine auf funfzig nominale, im mhd. und ahd. erscheinen noch wenigere. Bei Ulf., der freîlich nicht viel über hundert nominale zus. setzungen darbietet, ist sich daher nicht zu verwundern. daß keine einzige verbale angetroffen wird. Die ursache liegt in der natur der sache. Durch die nominale composition werden ganz geläufige verhältnisse der nomina unterein- ander festgesetzt, das schon stätige gelangt in noch faß- lichere stätigkeit. Alle beziehungen des verbums sind aber regsam, wandelbar und zu sinnlich, als daß sie sich feßeln ließen. Erst der geistiger werdenden sprache, sei es aus mangel an formen oder aus bedürfnis feinerer ab- straction, fangen verbale zus. setzungen allmählig an zu- zusagen. Aus verwandtem grunde ist die composition des subst. und adj. mit verbis selten, uneigentliche verbale ganz unmöglich. Uneigentliche substantivische schwankt in eigentliche; uneigentliche verbale kann nicht einmahl zu eigentlicher verbaler composition anlaß werden. f) verbale zusammensetzung drückt auch in der be- deutung weder genus, modus, tempus, numerus, person, III. verbale composition. noch irgend was von der conjugation aus. Schreibfeder z. b. ist sowohl die welche schreibt, als womit geschrie- ben wird, welche geschrieben hat, womit ich schreibe oder er schreibt etc. Ihre erklärung kann demnach auf das freiste und vieldeutigste gefaßt werden, meistens wird sie sich in den substantivisch genommenen inf. mit der praep. zu übersetzen laßen: schreib-feder, brenn-glas, lösch-papier = feder, glas, papier zum schreiben, bren- nen, löschen. Bisweilen aber fehlt diese richtung auf den zweck, z. b. wasch-bär, stink-stein sind bloß be- schreibend. g) oft bleibt ungewis, ob dem ersten wort ein ver- bum oder subst. zu grund liege: bet-haus, raub-vogel, tanz-lust, schlummer-stätte können zwar von beten, rau- ben, tanzen, schlummern, aber auch vom subst. bet (ge- bet) raub, tanz, schlummer herrühren. Selbst der spä- tere mangel eines solchen subst. beweist nicht gegen ur- sprünglich nominale zus. setzung. Indessen darf man nicht zu weit gehen und alle verbale leugnen, d. h. jeder ein veraltetes nomen unterschieben, am wenigsten den nhd. h) die abhandlung scheint sich am füglichsten nach verschicdenheit der starken und schwachen conj. zu ord- nen. Formeln für das zweite wort ergeben sich bloß beim adj. Verbum mit substantiv. Gewöhnlich wird durch das erste wort die handlung ausgedrückt, zu welcher das zweite gereicht; diese com- posita bedeuten daher vorzugsweise geräth und werk- zeuge, einigemahl aufenthaltsörter oder dienende personen. Ahd. beispiele, 1) von starken verbis: scalt-jâr (an- nus bisextilis) sgall. 196; stôƷ-îsen (propunctorium) flor. 989 b ; scrôt-îsen (scalprum) lindenbr. 1001 a ; hefi-hanna (obstetrix) jun. 215. hev-annûn (obstetrices) doc. 219 a , wohl nicht entstellt aus amma, umgekehrt das nhd. heb- amme aus heb-anne? vgl. altn. önn (labor) önnûngr (servus) goth. annô (stipendium) so daß ahd. anna serva bedeutet haben kann; hevi-prunst (uredo) jun. 231. von hesan (tollere)? oder hewi-pr. brand an heu und gewächs?; waski-waƷar jun. 235; traga-betti T. 88. traga-stuol mons. 363. blas. 91 a trev. 62 a traga-diorna jun. 208. scheinen mehr hierher zu passen, als oben zu s. 116, da sich kein ahd. subst. traga erweisen läßt und die bedeutung des nhd. trage nicht stimmt; flîf-stein (cos)? ker. 273. steht slîpi- III. verbale comp. — verb. mit subst. stein (toreuma) und lindenbr. 1000 a slîf-stên (pectilimatica); scrîp-îsarn (calamus) ker. 18. scrîp-mësrësse mons. 337. scrîb-sahs T. 4, 12; scrîte-scuoh (calceamentum alatum) flor. 989 a lindenbr. 999 a ? wahrscheinlicher scriti-scuoh und substantivisch mit scrit (passus) componiert, da wir noch jetzt schritt-schuh sagen und nicht schreit-sch., N. gebraucht fluge-sc., das wiederum substantivisch ist; strît- louft, strît-spil N. Boeth. 195. 197, wahrsch. vom subst. strît; gieƷ-faƷ hätte ich vermuthet, finde aber das substanti- vische guƷ-vaƷ (infusoria) mons. 345. gôƷ-vaƷ doc. 216 b und gôƷ-opfer (libamen) mons. 322. 350. 396. von den subst. guƷ und gôƷ (vgl. oben s. 83.); wëpa-hûs? wëbe-hûs (textrina) trev. 36 b ; pëta-pûr (oben s. 416.) nehme ich für substantivisch zus. gesetzt, weil im goth. gards bidô, razn bidô steht, überdem das starke verbum sein i behält; gët-îsarn (falcastrum) doc. 231 b , wäre nhd. jät-ëisen und sollte eigentlich lauten gëta-îsan, lat-îsarn (sarculum) jun. 228. scheint verderbt; scëra-sahs (novacula) analog dem scrîp-sahs und nhd. scher-messer finde ich nicht, viel- mehr scara-sahs mons. 333. 349. scar-sahs, dem ein subst. scara (sectio) oder scâra (forfex) zu grund liegt, schwer- lich ist es entstellt aus scarf-sahs (ags. scëarp-sëax). — 2) von schwachen verbis erster conj. (daher mit ableiten- dem i): cheri-pësamo (verriculum) ker-bësmo trev. 63 a ; chete-finger (digitus salutarius) N. Cap. 79. von cheten (salutare); hengi-lachan (cortina) jun. 200; beneim-scrift (testamentum) N. 49, 5. von beneimen (statuere); peizi- stein (alumen) mons. 413. peiz-stein zwetl. 111 b ; prenni- îsarn (cauterium) mons. 407. prenn-îsan ibid. 413; prût- henni (gallina fovens) doc. 230 a vgl. prûtta (fovit) mons. 337, vielleicht substantivisch?; renni-wëc (curriculum) trad. fuld. lib. 2; riuti-sëgansa (falcastrum) mons. 383. doc. 231 b riute-sëgensa N. Boeth. 110; scenchi-vaƷ (poculum) mons. 370. 383; scepfi-vaƷ (haustorium) zwetl. 124 a ; scirm- wâfan (clipeus) ker. 56; seli-lant gl. vind. Denis 1. 1, 147. sele-hof (curtis) lindenbr. 994 a von sellan (tradere); slengi- stein (calculns) ker. 59; strewi-lachan (stragulum) jun. 228. Verba zweiter und dritter conj. weiß ich nicht mit sicher- heit in solcher zus. setzung, salp-faƷ ker. 37. kann zwar von salpôn, aber auch von dem subst. salp herstammen. Ags. 1) mit starken verbis: vrît-bêc (pugillares) vrît- brëd (tabula scriptoria) vrît-sëax (culter script.); scër- sëax (novacula) neben dem adjectivischen scëarp-sëax, was vielleicht die verwandtschaft zwischen scëarp und III. verbale comp. — verb. mit subst. scëran (s. 183.) beftätigt. — 2) mit schwachen: ren-hund (canis cursorius), ich finde sonst wenige sichere. Altn. 1) mit starken: graf-silfr (argentum fossile) graf- tôl (instrumenta fossorum); lës-liós (lectioni librorum suffi- ciens lux); skër-bord und skër-diskr (discus, crbiculus, teller zum schneiden). — 2) mit schwachen: brenni- fôrn (holocaustum) brenni-hrîs (frutices igniarii) brenni- iarn (cauterium) brenni-mark (stigma) brenni-nëtla (urtica urens) brenni-steinn (sulphur) brenni-vargr (incendiarius) brenni-vîn (vinum adustum); hengi-lâs (sera pensilis); kenni-madr (praeceptor) kenni-merki (nota) kenni-teikn (signum); læri-sadir (doctor) læri-meistari (id.) renni-bor (tornus) renni-iarn (id.) renni-skeid (stadium) renni-smidr (tornator) renni-steinn (colluviarium); sendi-bodi (nuntius) sendi-brêf (epistola) sendi-för (legatio) sendi-madr (legatus); spenni-kraptr (spannkraft); spretti-net (pedica). Mit verbis zweiter conj. keine; bemerkenswerth scheint das ableitende i in langsilbigen, welches sonst erloschen ist (brenna, renna, senda f. brennja etc.) aber auch in einzelnen adj. compo- sitionen vortaucht, z. b. in denen mit -villr. Häufig wird, wenigstens in späterer sprache, statt der verbalen eigentl. composition, mit schwachen fem., die aus dem verbo gebildet sind, uneigentlich zus. gesetzt, z. b. brennu- vîn, etju-kostr (iniqua conditio) ristu-bragd (character magicus) slîkju-steinn (cos) slîpu-steinn (cos). Mhd. 1) von starken verbis: slâf-gaden (cubiculum); blâs-balc MS. 1, 134 a fragm. 38 a ; rîb-îsen fragm. 38 a ; brîs- schuoch Wigal. 53. am. 4 c ; gieƷ-vaƷ fragm. 38 a ; sprich- wort Trist. 5461. 17744. Frib. Trist. 318. 3192. Ottoc. 683 b livl. 78 a ; trink-vaƷ Trist.; vëht-îsen Frib. Trist. 2199. — 2) von schwachen erster conj. spür-hunt Nib.; vege-vaƷ Wigal. 163; wetze-stein a. H. 206 b w. g. 95 b ; suoche-man Nib.; leite-sterne troj. 35 b ; — zweiter conj.: jage-hunt troj. 37 c ; sëne-gluot, sëne-viuwer Trist.; walle-stap Trist. Nhd. 1) von starken: fall-hut, fall-schirm; lauf-bahn; stoß-eisen, stoß-vogel; schlaf-gemach, schlaf-kammer; blas-balg, blas-instrument; brat-pfanne; mahl-gast (der in der mühle mahlen läßt) mahl-mühle; grab-scheit, grab-sti- chel; heb-amme, hebe-rolle; lad-stock; back-stube; schlag- hammer; wasch-bär, wasch-faß; wachs-thum; schrei-hals; spei-vogel, spei-kasten; reib-eisen; schreib-feder, -messer, -sucht, -zeug; schleif-stein; kneip-zange; scheide-kunst; schneide-mühle; beiß-zange; reit-bahn, reit-haus, reit- knecht (vielleicht nicht reit-knecht, s. 514); streit-begier, III. verbale comp. — verb. mit subst. und adj. -lust, -kolbe (oder substantivisch von streit? wie kampf- lust von kampf); streich-holz; leih-haus; fließ-papier; gieß-haus, gieß-kanne; schließ-korb; saug-rüßel; zieh- brunnen, zieh-eimer; eß-lust, eß-tisch; freß-lust, -begier, -zange; meß-tisch; lese-buch; seh-rohr; treff-ziel; dresch- tenne; brech-eisen, brech-stein; sprich-wort; web-stube, web-stuhl; pfleg-vater; fecht-meister, fecht-schule; schwimm- feder, schwimm-kunst, -schule; spinn-rad, spinn-stube; stink- stein; trink-gelag, -glas, -stube; sing-verein; spring-brunne, spring-flut, spring-stok; sterb-zimmer; quell-brunnen; melk-eimer, melk-faß. — 2) von schwachen erster conj.: brenn-glas, -kraft, -punct, -spiegel; denk-kraft; dreh- orgel; fege-feuer; füll-bier; kenn-zeichen; kehr-besen; lehr-meister, lehr-stand; lösch-papier; nähr-stand; nenn- wort; quäl-geist; renn-bahn; schmelz-hütte; schöpf-brun- nen, -eimer, -löffel; schnür-rieme, -schuh; schröpf-kopf; send-bote; streu-sand; wehr-stand. — 3) von schwacher zweiter: lebe-mann, lock-speise, -vogel; mach-werk; merk- zeichen; plage-geist; raub-vogel; ruhe-bank, ruhe-bett; schlummer-stätte; schnupf-tuch; spann-kraft; tanz-bär; wage-hals; wall-fahrt; wohn-haus; zeige-finger. Verbum mit adjectiv. Diese zusammensetzungsart ist beinahe nur mit einigen abstracten zweiten wörtern (s. 579, 666.) im gebrauch; was ich außerdem anzuführen wüste beschränkt sich auf das nhd. blend-weiß (zum blenden weiß) dessen sich schon Beham bedient (Hagens samml. p. 50.) und freß- lieb (zum freßen l.); oder könnte star-blind, ahd. stara- plint (s. 415.) von dem verbo starên rühren und zum er- starren blind bedeuten? Die hierher bezüglichen formeln sind: 1) -bære: hël-bære (celandus) a. Tit. 82. 86; genis- bære (sanabilis) a. H. 198 b ; trage-bære Trist.; lache-bære Wh. 2, 117 a ; zweifelhaft andere, denen auch subst. zu grund liegen können, wie hëlfe-b. sage-b. etc. — nhd. -bar: brauch-bar, eß-b. ausführ-b. fühl-b. halt-b. hör-b. erklär-b. les-b. nenn-b. errreich -b. genieß-b. reiz-b. rett- b. schätz-b. schiff-b. sing-b. herstell-b. bestreit-b. trag-b. trink-b. theil-b. anwend-b. wohn-b. verwund-b. zahl-b. zieh-b. u. a. m., namentlich mit fremden verbis: compo- nierbar, declinier-bar etc., es dürfen auch neue gebildet werden. Zumahl passend ist diese composition bei vor- III. verbale comp. — verb mit adj. stehendem un- , man sagt eher unwiderleg-b. unabseh-b. unbestimm-b. als widerlegb., ja, von unleug-b. wird die positive form leug-b. gar nicht erlaubt. Obgleich ver- schiedene substantivisch gedeutet werden können, wie brauch-b. halt-b. theilb. etc. so scheint mir doch das übergewicht der verbalen zus. setzungen in der heutigen, neben ihrer seltenheit in der früheren sprache den aus- schlag zu geben. Im mhd. überwiegen umgekehrt sub- stantivische über die verbalen und die aus der ältern sprache fortgepflanzten nhd. acht-b. dank-b. wandel-b. (s. 557.) sind darum nicht aus verbis herzuleiten. Umlaut tritt bloß ein, wenn er im verbo begründet ist. 2) ahd. gërn: rëche-gërn (ultionis cupidus) N. Boeth. 180. 3) ahd. haft: vielleicht hierher ata-haft, ate-haft (con- tinuus) N. Cap. 72. 169. (mehr citate oben s. 417.); bëre- haft (fertilis) N. 91, 15. vgl. bëro-hafti (natura) N. Cap. 154. unbëre-h. (sterilis) N. 34, 12. — mhd. bër-haft pf. ch. 66 b a. Tit. 39. Parc. 126 a Wh. 2, 74 b MS. 1, 29 a ; klag-haft Parc. 128 a Bit. 19 b ; lëb-haft kl. 3840; quële- haft a. Tit. 110; schëlde-haft (reprehensibilis) Parc. 128 a ; stële-haft (furtivus) a. Tit. 89; trage-haft. — nhd. leb- haft; schwatz-haft; unsicher sind dauer-haft, zweifel-haft, die auch von den subst. rühren können. 4) ahd. lôs : vielleicht goumi-lôs (oben s. 565.) ver- bal? — mhd. lëbe-lôs Trist. — nhd. leb-los. 5) ahd. lîh: bichêr-lîh (versatilis) jun. 231. unchêr-lîh (indeclinabilis) N. 77, 43; virdam-lîh (plectibilis) mons. 381; dola-lîh (passibilis) mons. 367. von dolên (pati); gre- mez-lîh (tristis, dirus?) N. Boeth. 61. vorausgesetzt, daß das verbum gremiƷôn (s. 217.) zu grunde liege, es gibt aber auch ein (oben s. 215. übergangenes) adj. gremizi (? für gremazi, tristis, perturbatus) mons. 352. 356. 392. mit welchem gremiz-lîh componiert sein kann; pihalt-lîh (intentus) ker. 217; huge-lîh (laetus) N. Boeth. 144. Cap. 80. verbal oder substantivisch?; kilêr-lîh (docilis) jun. 202; unkalimfa-lîh (clandestinus? indecorus) ker. 23. oder vom subst. galimf?; kimëƷ-lîh (mediocris) ker. 51. 194. wahr- scheinlich von dem subst. mëƷ; inphint-l. (passibilis) N. 90, 10; pib-lîh (trepidus) jun. 260. von pibên (trepidare) oder piba (tremor)?; prute-lîh (terribilis) N. 75, 13. Cap. 59. 136. von prutten (terreri) oder prutî (terror) Cap. 130?; sage-lîh, unsage-lîh N. 3, 5; unspuna-lîh (impersuasibilis) jun. 182. von spunôn (disputare) ker. 85. spara-lîh (fru- III. verbale comp. — verb. mit adj. galis) jun. 188. kann auch vom adj. spar oder vom subst. spara stammen; unarspuri-l. (ininvestigabilis) jun. 193; fu- ristant-lîh (intelligibilis) K. 57 b ; volg-lîh (subsequens) mons. 384, vielleicht auch substantivisch?; warb-lîh (ver- satilis) jun. 231. werbi-lîh doc. 243 b ; pezeichen-lîh (my- sticus) N. 54, 16. 103, 3; zimi-lîh (decens) doc. 245 b f. zi- ma-lîh; und sicher noch andere. — mhd. bëte-lich am. 9 a unbëte-lîch Barl. vom subst. bët oder verb. bëten?; unzer- ganc-l. Barl.; erkenne-lîch (noscibilis); klage-l. Parc. 3 b vielleicht substantivisch;? lëbe-l. (alacris) Trist. Barl.; unge- loub-l. Barl.; genis-l. (sanabilis) a. H. 198 b ; wein-l. (lacri- mans) Barl.; bezeichen-l. Barl.; zime-l. Barl.; es werden sich andere hinzufügen laßen, doch gibt es ihrer viel weniger, als im nhd. — nhd. erbitt-lich, zerbrech-l. verbrenn-l. ver- damm-l. verdau-l. bedenk-l. deut-l. verderb-l. verehr-l. verfäng-l. erfind-l. unerforschl. vergeb-l. zugäng-l. be- gehrl-. vergeß-l. begreif-l. ergründ-l. behilf-l. unaufhör-l. erklär-l. unerläß-l. leid-l. (lieber adjectivisch?) unaus- lösch-l. ermeß-l. vernehm-l. hinreich-l. widerruf-l. ver- rück-l. unsäg-l. überseh-l. unübersetz-l. schick-l. unbe- schreib-l. erschwing-l. verständ-l. bestech-l. sterb-l. sträf-l. erträg-l. verträg-l. beweg-l. unweiger-l. erweis-l. ab- wend-l. verwers-l. überwind-l. wirk-l. unverwüst-l. ziem- l. bezwing-l. u. a. m. Verschiedene sind aber nicht ohne un- im gebrauch oder es gehört wenigstens strengere ab- straction zu: säg-l. auslösch-l. entgelt-l. aufhör-l. etc. Der überfluß dieser nhd. bildungen, verglichen mit ihrer frü- hern seltenheit, ist theils aus der vorschreitenden abstrac- tion der sprache überhaupt, theils daher zu erklären, daß ursprüngliche composita mit dem inf. und part. all- mählig in bloß verbale übergegangen sind, wie fich un- ten zeigen wird. Besondere erwähnung erfordern hier noch die mit verbis auf -ern zus. gesetzten, als: verän- der-l. ärger-l. veräußer-l. verbeßer-l. hinder-l. erinner-l. verkleiner-l. verringer-l. absonder-l. verwunder-l., nach denen sich andere bildungen unorganisch gerichtet zu ha- ben scheinen. Denn wenn gleich lächer-l. weiner-l., und volksmäßig auch grauer-l. eßer-l. trinker-l. speier-l. tan- zer-l. etc. auf meditativa lächern, weinern etc. (s. 138.) zurückgeführt werden können; so lehrt schon die unme- ditative bedeutung, daß dem nhd. leser-l. (legibilis) fürch- ter-l. (terribilis) kein lesern, fürchtern zur grundlage ge- reichen. Sie stehen also für les-l. fürcht-l. Was den umlaut betrifft, so haben ihn die meisten; einigen gebricht er: verdamm-l. verdau-l. unerforsch-l. glaub-l. bedauer-l. III. verbale comp. — verb. mit adj. graner-l. tanzer-l. etc. vermuthlich aus rücksicht auf die unumlautigen verba, da doch erträg-l. sträf-l. ebenfalls in ertragen, strafen ohne umlaut sind. Einzelne laßen sich substantivisch deuten und wunder-l. jämmer-l. deute ich allerdings aus wunder, jammer, nicht aus wundern, jam- mern (wohl aber verwunder-l. bejämmer-l. aus verwun- dern, bejammern); umgekehrt sind die nhd. vergäng-l. verständ-l. nicht auf die subst. vergang, verstand, vielmehr auf die ahd. verba gangan und stantan zurückzuleiten. Bei aller ausdehnung dieser compositionsart haben sich einige ahd. und mhd. verloren, wir sagen nicht mehr beb-l. leb-l. erkenn-l. genis-l. 6) nhd. sam , ich weiß keine ahd. verbalcomposition mit -sam, das mhd. klage-sam. Trist. darf vom snbst. klage, wie vom verbo klagen abstammen; gehëlle-sam (concors) Trist. vom adj. gehëlle oder verbo gehëllen; gevalle-sam (acceptus) Trist. fordert ein verbum. Nhd. ist diese composition ziemlich im gang: biegsam, duld-s. erfind-s. empfind-s. folg-s. enthalt-s. unaufhalt-s. behut-s. lenk-s. überleg-s. bered-s. (von bereden, persuadere) reg- s. streb-s. schweig-s. wach-s. wirks. u. a. m., doch schei- nen mir acht-s. arbeit-s. heil-s. sorg-s. spar-s. lieber von subst. herzuleiten. Anmerkungen zu diesen adjectiven: a) gegen die behauptung, daß in jeder verbal zus. setzung der laut des praesens erscheinen müße (s. 679.) verstoßen einzelne adj. Die altn. bæri-ligr (tolerabilis) læsi-ligr (qui legi potest) sind offenbar nicht mit den ver- bis bëra, lësa zus. gesetzt, sondern mit den adj. bær, læs, die fast schon das nämliche bedeuten. Ker. 109. scheint kipora-lîh (enixa) zu stehen, ich glaube für das partici- piale kiporan-lîh; unboug-lih (inflexibilis) N. 44, 8. leite ich von dem subst. boug (torques) oder dem verb. bougen Boeth. 224. ab. Begründeter und begreifli- cher wird die ausnahme bei verbis zweiter anomalie, deren praet. (folglich ablaut) zum praesens geworden ist. Ker. 160. findet sich unscola-lîhho (insoliter, f. insolite oder insolenter?) es könnte nominal sein und von unscolo (insons) ibid. 170. herrühren, ich ziehe aber vor, es auf das verbum scolan zu beziehen und ein adj. scola- lîh (debitus) unscola-lîh (indebitus) anzunehmen, weil das mhd. müge-lîch (validus, possibilis) Barl. unmüge-l. (imp.) a. H. 198 b Barl., das nhd. mög-l. unmög-l. taug-l. un- taug-l. ebenso von mügen, mögen, taugen gebildet III. verbale comp. — verb. mit adj. sind Der Gothe gebraucht für diese begriffe die unzusammenge- setzten verbaladjectiva skulds, mahts, kunþs, munds; vgl. die ahd. chund und kiwis (certus, vom praet. wissa). . Hiernach wäre auch ein ahd. maka-lîh? muga- lîh? zu vermuthen, gleichergestalt muoƷ-lîh (licitus) tuka- lîh (validus) chun-lîh (notus) durf-lîh (egenus)? ich kenne kein mhd. tüg-l. und unmuoƷ-l. (occupatus) Barl. gehört sicher zu dem subst. unmuoƷe. b) die berührung dieser compositionsmittel ist fast nach dem s. 579, 666. erörterten zu beurtheilen; -bar und -lich drücken mehr das passivum, -haft und -sam mehr das activum aus, oder jene sind sächlicher, diese persönlicher. Jene stimmen meist zu der lat. verbalableitung -bilis: trinkbar (potabilis) verdammlich (damnabilis); häufig dür- fen sie miteinander wechseln: erklärbar und erklärlich, unvermeidbar und unvermeidlich, unabweisbar und un- abweislich, bezwingbar und bezwinglich. Zuweilen thun sich aber feinere unterschiede kund, z. b. leserlich gilt bloß von den schriftzügen, lesbar von dem buche selbst und a. H. 198 b scheint zwar genislich auch fur genis- bære stehen zu dürfen, nicht aber umgekehrt, d. h. die siecheit heißt nicht genisbære. Noch weniger können wir heute wohnbar, ausführbar mit wöhnlich, ausführ- lich vertauschen und neben eßbar, trinkbar besteht kein eßlich, trinklich, neben erbittlich, ziemlich kein erbittbar, ziembar. Mich dünkt, -lich sei um einen grad noch ab- stracter als -bar. Manche unterscheidungen mögen aber wiederum davon abhängen, ob das erste wort rein ver- bal, oder aus einem inf. und part. entsprungen ist. Verbum und verbum setzen sich nie zusammen (s. 405.), wohl aber können aus verbal componierten nominibus verba abgeleitet werden, z. b. aus nhd. kenn-zeichen, wall-fahrt: kenn-zeichnen, wall-fahrten; aus ahd. bëre-haft, huge-lîh: bëre-haftôn N. Cap. 154. gehuge-lîchôn N. 103, 15; aus altn. brenni- mark (stigma): brenni-merkja etc. Participialzusammensetzungen. Als adjectiva betrachtet sollten sich participia vielfältig wie andere adjectiva componieren können, thun es aber nur in weit engern schranken. Offenbar tritt ihre zu- III. verbale composition. — participiale. gleich verbale natur und das element ihrer flexion als ein hindernis dazwischen. Ulfilas bietet überhaupt kein einziges beispiel dar. I. das participium praes. bindet sich durchaus nur mit abstracten zweiten wörtern und zwar α ) mit subst. äußerst selten. Ich kenne bloß das ahd. wiƷent-heit (scientia) N. Cap. 41. 129. unwiƷent-heit (in- scitia) N. Boeth. 191; aus dem mhd. vermag ich sie nicht nachzuweisen, doch werden sie fortgedauert haben, weil noch heute im nhd. allwißen-heit und unwißen-heit ge- sagt wird, im 16. 17. jahrh. auch das positive wißen-heit (certificatio, notitia). Auf gleiche weise muß das nhd. wißen-schaft, nnl. weten-schap, schwed. vetenskap, dän. veden-skab zurückgeführt werden auf ein ahd. wiƷant- scaf, mhd. wiƷƷen-schaft, die ich nie gelesen habe; und selbst das (oben s. 552. unorganisch genannte) nhd. leiden- schaft erklärt sich jetzt aus einem freilich ebensowenig nachzuweisenden ahd. lîdant-scaf. Halben beweis führen die parallel laufenden adj. mit wiƷen- und lîden-. Nicht aber stehet eigen-schaft f. eigent-sch., obschon eigent-lich gilt. Ist das mhd. dagent-schaft (silentium) am. 4 b richtig? β ) von adj. kommen -haft und -lich in betracht, bei ersterem mangeln mir alte belege. Scherz 532 b gibt aus Keisersp. leiden-haft (mhd. lîden-haft?) und Oberl. wißent-haft (notorius); livl. 72 a findet sich wagen-haft (mobilis, vacillans), aber 19 a wage-haft (von wagen, mo- veri). Dafür ist die zus. setzung mit -lich uralt und aus- gebreitet. Ahd. unkitholênt-lîh (intolerabilis) ker. 170; unchun- dent-l. (intestabilis) hrab. 967 b ; zefarant-l. (transitorius) K. 22 a unarfarant-l. (impenetrabilis) hrab. 967 b ; ingrûênt- l. (horridus) hrab. 953 a ; pihaltant-l. (attentus) ker. 25; heilant-l. (salubris) hrab. 974 a ; kiheiƷant-l. (spontaneus) ker. 259; hëlfant-l. (sub suppellectile) ker. 256; hiufant-l. (luc- tuosus) ker. 138; ungahaorent-l. (inexaudibilis) hrab. 968 a ; ungahrôrent-l. (immobilis) hrab. 967 a ; îlant-l. (festinans) K. 60 a ; unarlaupant-l. (illicitus) K. 20 a ker. 171. hrab. 968 a glossiert in allen drei stellen das adjectivisch genommene subst. illecebrae; farlîhant-l. (accommodatus) hrab. 954 b ; minnëônt-l. (amans) ker. 38. minnônt-l. hrab. 954 a ; unar- nësant-l. (inevitabilis) mons. 410; parrent-l. (rigidus) jun. 181. von parren (erigere, extendere); përant-l. (fructuosus) ker. 286; unarpittent-l. (inexorabilis) hrab. 967 b ; kipiukant-l. (flexuosus) ker. 253; unpûant-l. (inhabitabilis) hrab. 967 b ; III. verbale composition. — participiale. unirrachônt-l. (insuspicabilis) mons. 356; unarrechent-l. (inexplicabilis) doc. 202 b ; forakesëhant-l. (providus) K. 22 b ; sônent-l. ker. 160; anastantant-l. (instans) K. 16 b far- stantant-l. (intelligibilis) K. 21 b ; terjant-l. (letalis) ker. 179; unkitrakent-l. (importabilis) ker. 171; wahsant-l. (fructuo- sus); unarwentent-l. (incommutabilis) hrab. 967 a uncawen- tent-l. (irrevocabilis) hrab. 971 b ; unkiwërbent-l. (irrevoca- bilis); wësent-l. (essentialis) doc. 243 b ; unarwîsant-l. (inevi- tabilis) mons. 410. vgl. piwîsan (evitare) wessobr. und die wurzel nr. 518; thuruhwonênt-l. (perseverans) ker. 168. Ags. âgend-lic (proprius); unâbêrend-l. (intolerabilis); unâbindend-l. (indissolubilis); unblinnend-l. unâblinnend-l. (indesinens); unâbrëcend-l. (irrefragabilis); bŷgend-l. (flexi- bilis) unâbŷgend-l. (infl.); âcumend-l. (tolerabilis, possi- bilis) unâcumend-l. (imposs.); unâdväscend-l. (inextingui- bilis); âdrëógend-l. (ferendus); ungeendigend-l. (infiniti- vus); âfandigend-l. (probabilis); unâfyllend-l. (insatiabilis); forgifend-l. (remissibilis); hëlpend-l. (auxiliaris); unlâcni- gend-l. (insanabilis); untôlætend-l. (indesinens); unâlŷ- fend-l. (illicitus); âlŷsend-l. (solutorius); âræfnend-l. (to- lerabilis) unâræfnend-l. (int.); unforrotigend-l. (incorrup- tibilis); âscunjend-l. (abominabisis); âscirigend-l. (disjunc- tivus); âsecgend-l. (effabilis) unâsecgend-l. (ineff.); unâ- seðend-l. (infatiabilis); unâsmëagend-l. (inscrutabilis); unâ- sporjend-l. (id.); getâcnjend-l. (typicus); unâtëallend-l. (innumerabilis); untellend-l. (inenarrabilis); âtëorigend-l. (disjunctivus); untvëogend-l. (indubitans); unþëahtend-l. (inconsideratus); þrôvjend-l. (passivus); âvendend-l. (mo- bilis) unâvendend-l. (non amovendus); unofervinnend-l. (invincibilis); ungevîtend-l. (intransitorius); unvunjend-l. (inhabitabilis); âvyrgend-l. (detestabilis) und viele ähn- liche mehr. Altn. mit wegwerfung des d, aber bleibendem n daher ähnlich, aber ungleich dem wegfall des d in der III. plur. praes., wo auch das n verloren geht. : ôbeygjan-ligr (inflexibilis); ôbifan-l. (immobilis); obœtan-l. (irreparabilis); ôumbreytan-l. (immutabilis); brûkan-l. (utensilis) ôbrûkan-l. (inusitatus); dugan-l. (habilis); ôdu- gan-l. (ineptus); ôendan-l. (infinitus); ôatfinnan-l. (irre- prehensibilis); fyrirgëfan-l. (condonativus); ôatgreinan-l. (individuus); ôgrîpan-l. (incomprehensibilis); ôhrœran-l. (immobilis); ôaflâtan-l. (perpetuus); ôleysan-l. (insolubilis); ôlîðan-l. (intolerabilis); ômëtan-l. (inaestimabilis); ômæ- X x III. verbale composition. — participiale. lan-l. (immensus); ôupprœtan-l. (inexstirpabilis); ôafsa- kan-l. (inexcusabilis); ôseðjan-l. (insatiabilis); ôsegjan-l. (inenarrabilis) ôûtsegjan-l. (id.); ôflökvan-l. (inextinguibi- lis); ôsvêgan-l. (inflexib.); ôteljan-l. (innumerab.); ôtruan- l. (incredib.); ôþeckjan-l. (inagnoscib.) ôþenkjan-l. (inco- gitab.); ôþolan-l. (intolerab.); ôþriótan-l. (inexhaustus); ôvîkjan-l. (inexorab.); ôvîsnan-l. (immarcescib.); vitan-l. (notus) ôvitan-l. (inscius); ôyfirvinnan-l. (invincib.) u. a. m. Mhd. erscheinen diese bildungen sparsam und da auch das t (d) wegzufallen pflegt während in der III. pl. praes. -nt haftet. , entspringt für ihre form die ungewisheit, ob nicht mit dem inf., ja bei starken verbis, deren part. praet. den vocal des inf. hat, ob nicht mit dem part, praet. zusammengesetzt sei? Analogie und bedeutung helfen nicht immer aus. Hier ist alles, was ich an- zuführen weiß: bouwen-l. Parc. 136 c nach dem ahd. pûant- l.; dolten-l. am. 7 c ; eigen-l. Barl., nach dem ags. âgend-l. und nhd. eigent-l., wiewohl altn. eigin-l., nicht eigan-l.; ver- gëƷƷen-l (obliviosus) Parc. 192 c ; grueƷen-l. Parc. 72 b kosten- -l. (pretiosus) Parc. 55 b ; küssen-l. (zum küssen gemacht) Parc. 98 a ; lachen-l. (ridens) MS. 1, 201 b Bit. 126 b ; lîden-l. (dolens) Parc. 4 a ; vermëƷƷen-l. troj. 195. (Oberl.); weinen-l. Wh. 2, 114 a ; wiƷƷen-l. (sciens) En. 63 c wiƷƷent-l. Trist. 16618; unverzagen-l. Wh. 2, 113 a . Sollten nicht auch falsche -eclich (s. 662.) aus -entlich hervorgegangen sein? vgl. erkennec-l. Parc. 62 a und zuweilen haben die hss. min- nenclich neben minneclich st. minnentl. (ahd. minnôntlîh), weinenclich (Wh. 2, 114 a ) f. weinecl. weinel. Nhd. werden die meisten dieser participialzusammen- setzungen durch bloß verbale vertreten, d. h. wir sagen unerbitt-l. unaufhör-l. unabwend-l. statt unerbittent-l. unauthörent-l. unabwendent-l. Nur nachstehende behalten die ahd. nt-form (nicht das mhd. -n): eigent-l. uneigent-l.; flehent-l.; hoffent-l. verhoffent-l.; leident-l. unleident-l. (wofür doch gewöhnlicher leid-l. unleid-l.); vermeßent-l.; wesent-l. unwesent-l.; wißent-l. In gemeiner volkssprache hin und wieder: vermuthent-l. untröstent-l. u. a. m. Um- gekehrt hat die schriftsprache einigen -nt ertheilt, denen es als part. praet. oder gar als adj. und subst. nicht gebührt: geflißent-l. gelegent-l. verschiedent-l. öffent-l. nament-l. or- dent-l. (schon Parc. 64 c ) wöchent-l. aus nachgiebigkeit gegen die gefügige verbindung des t mit n. Das part. praes. wird III. verbale composition. — participiale. auch in jenen nicht gefühlt, die das -nt mit recht haben, sonst würde man -nd schreiben, wie im allein stehenden part. In oberdeutschen schriften des 15-17. jahrh. begeg- net die mhd. n-form, z. b. vergeben-l. hoffen-l. lei- den-l. vermeßen-l. ansehen-l. treffen-l. wesen-l. unwesen-l. (inhonestus) Oberl., wofür die heutige sprache: vergeb-l. hoffent-l. leid-l. vermeßent-l. anseh-l. treff-l. wesent-l. Anmerkungen: a) die poesie meidet solche abstracte wortbildungen, meist vielsilbiger, schleppender form; da- her man sie weder in der Edda, noch bei Cädm. Beov., noch selbst bei O. zu suchen, aber auch aus ihrer selten- heit in gedichten des 13. jh. nicht zu folgern hat, daß sie der mhd. prosa unbekannt gewesen sind. b) das -lich soll die bedeutung, ohne sie im grunde zu ändern, abstract machen (s. 661.), daher auch wie- derum diese composita gern im adv. stehen. Oft hat das einfache part. praes., schon den sinn der zusammensetzung, vgl. ahd. unarleskenti (inexstinguibilis) T. 13, 24. unzi- ganganti (non deficiens) T. 35, 4; ags. unâmetende (infi- nitus) unbërende (infertilis); altn. ôteljandi (innumerabi- lis) ôgleymandi (unvergeßlich) ôlîdandi, ôþolandi (into- lerabilis). c) diese bedeutung kann sowohl activ (heilantlîh, ter- jantlîh) als passiv sein (unarpittantlîh, unarwentantlîh); in den meisten fällen ist sie durch vorgesetztes -un, ô- negativ. Auch pflegt dann das verbum selbst schon mit den partikeln ar- (ags. â-), far-, upar- etc. componiert zu sein. d) der compositionsvocal ist bereits im ahd. hinter die- sen part. praes. überall geschwunden: heilant-lîh, unki- tholêntlîh für heilanta-lîh, unkitholênta-lîh. II. participium praet. st. und schw. 1) in der ältesten dichterischen sprache bindet es sich noch mit lebendigen wörtern. Die beispiele sind haupt- sächlich ags., einige altn., keine goth. und ahd., noch weniger aus der späteren zeit. Ags. blonden (mixtus, tinctus, flavus): blonden-fëax (flavicomus) Cädm. 51. 56. Beov. 121. 135. 141. 219. bol- gen (iratus, tumidus): bolgen-môd (superbus) Cädm. 79. Beov. 129. bunden (ligatus): bunden-stëfna (navis, eigent- lich prora ligulis compacta) Beov. 143. vunden (tortus, tortilis): vunden-fëax (cirratus) Beov. 106. vunden-gold (aurum affabre factum) Cädm. 42. 45. 46. 89. Beov. 91. X x 2 III. verbale composition. — participiale. 105. 232. vunden-loc (cirratus) Jud. p. 22. 23. 26. vun- den-mæl (ensis) Beov. 116. hringed (annulatus): hringed- byrne (lorica) Beov. 95. hringed-stëfna (navis, i. e. prora annulis ornata) Beov. 5. 86. 143. hyrned (cornutus): hyr- ned-nëbba (corneum habens rostrum) Jud. 11. Aethelst. nagled (clavis fixus): nagled-cnëar (navis) Aethelst. ster- ced (corroboratus): sterced-ferhð (fortis animo) Jud. 10. 11. væpned (armatus, und dann masculus, weil schwert, spieß und waffe den mann benennt, vgl. s. 631. gâr, geir und swërtmâge, männliche verwandtschaft): væpned- bëarn (proles mascula) væpned-cild (puer) væpned-cyn (genus masc.) Cädm. 50. 51. væpned-hâd (sexus mascu- lin.) væpned-man (mas, vir) später verkürzt in væp- man und gegensatz zu vîf-man (femina) oben s. 507, zuweilen stehen sich die uncomponierten: vîf and væpned gegenüber, Cädm. 5. 59. — Man darf diese participia nicht etwa für ungebunden und bloß dem nomen vorge- setzt nehmen; den beweis der composition liefert die de- clination des zweiten, bei unveränderlichkeit des ersten worts, z. b. hringed-stëfna, acc. hringed-stëfnan (nicht hringedne); blonden-fëax, pl. blonden-fëaxe; væpned- man, gen. væpned-mannes (nicht væpnedes) pl. væpned- men. Und es ist auch theoretisch kein grund abzusehen, daß sich participia nicht eben so eigentlich zus. setzen sollten, wie andere zweisilbige (abgeleitete) adj., bolgen- môd stehet auf einer linie mit vêrig-môd und vunden- fëax mit gamol-fëax, woraus sich noch auf viele andere verlorne schließen läßt, z. b. hringed-hëals wie fâmig- hëals (collo spumoso, vom schiff) Beov. 19. 143, Altn. vermuthe ich solche composita in borgin -môdi (confisus animo, superbus) beiname von Odins raben und þrûngin -môdi (compressus oder tumidus animo?) vgl. þrûng-môdigr edd. sæm. 77 a ; þrûngin -salr (atrium tumi- dum? beiname des schilds) vielleicht auch þrûngin -god (numen moestum? iratum?) edd. sæm. 60 b , aber dann wäre es falsch zu schreiben borginn môdi, þrûnginn môdi und letzteres für den dat. zu nehmen, da es im fall der composition schw. form des nom. masc. ist. Oblique ca- sus müßen entscheiden, denn von borgin-môdi hätte der gen. zu lauten borgin-môda, von borginn môdi aber bor- gins môdi. Analog sind wenigstens die s. 647. angeführ- ten comp. mit gullin- , man mag nun dies für ein adj. oder part. praet. halten. Ahd. composita wie polgan-muot, wâfanôt-man (voll- ständig mit comp. vocal sogar polgana-muot, wâfanôta- III. verbale composition. — participiale. man) sind nicht aufzuweisen Doch; zoran-ougi (nicht zorn-) s. 155. ags. toren-eáger zer- rißen im auge, lippus. . Sollte das mhd. want-hals Mar. 10. hierher gehören? und das nhd. brant-wein brante-wein? vgl. brante-leid (nhd. gebranntes leid) Gör- res meisterl. p. 164. 2) länger im gebrauch geblieben ist das part. praet. mit abstracten wörtern, α ) substantiven; hier gelten bloß die formeln -heit und -schaft . Ahd. trunchan-heit; des ags. væpned-hâd wurde vorhin gedacht; mhd. gelëgen-heit Trist. beworren-heit Trist.; nhd. gebunden-heit, ungebunden-heit, verdroßen- heit, begeben-heit, ergeben-heit, gelegen-heit, verlegen- h. vollkommen-h., beschaffen-h., bescheiden-h., verschwie- gen-h., ungeschliffen-h., besonnen-h., trunken-h., verwe- gen-h., gewogen-h., verworfen-h., verworren-h., unbe- wust-h., ungezogen-h., gelehrt-h., beliebt-h., gewandt-h., verzagt-h. Ahd. bolgen-scaft (ira) N. 77, 49. Boeth. 21; nhd. verlaßen-schaft, errungen-sch., bekannt-sch., ver- wandt-sch. β ) adjectiven; die formeln -bar und -lich . Von ersterer ist aber das einzige beispiel mhd. verholn-bære (occultus) Parc. 110 a 167 b . Desto häufiger kommt wie- derum -lich vor. Ahd. irchomen-l. (terrificus) N. 104, 27; kikoran-l. (ele- gans) ker. 116. unzigangan-l. mons. 368; gelëgen-l. (proxi- mus, assiduus) N. 34, 14; unkipogan-l. (inflexibilis) jun. 193; ungisëwan-l. (invilibilis) O. II. 12, 88; gitragan-l. T. 44, 10. ungitragan-l. (importabilis) T. 141. unfertragen-l. (intole- rabilis) N. 9. 20. 58, 6. aber verschieden davon die bedeu- tung von getragen-l. (grandaevus) N. Cap. 84. 121; un- pitrogan-l. (infucatus) mons. 403; unervaran-l. (incompre- hensibilis) mons. 393; kivuntan-l. (?) ker. 253; unerrahhôt-l. (inenarrabilis) K. 16 a ; unpiwânt-l. (insuspicabilis) mons. 355; irwart-l. (corruptibilis) N. 101, 25. unwarte-l. (incorr.) N. 21, 1; wanda-l. (mutabilis) unwanda-l. (immut.) N. 65, 14. Ags. âcoren-l. (eligibilis); unbefangen-l. (incomprehen- sibilis; forgifen-l. (dativus); âgrafen-l. (sculptilis); gerisen- l. (congruus) ungerisen-l. (inc.); ungesëven-l. (invisib.); unâsolcen-l. (impiger); âsvunden-l. (segnis); unâþroten-l. (impiger); âvorpen-l. (damnabilis); unâcvenced-l. (inex- stinguib.); untôdæled-l. (inseparabilis); ungeendôd-l. (infi- nitivus); fulfremed-l. (perfectus); ungefylled-l. (insatiab.); III. verbale composition. — participiale. ungelæred-l. (indoctus); unâlŷfed-l. (illicitus); unârîmed-l. (innumerab.); unbesceávôd-l. (inconsideratus) unforesceá- vôd-l. (id.); ungesvenced-l. (infatigab.); unofersviðed-l. (invincib.); unâtemed-l. (indomitus); ungevemmed-l. (in- corruptib.); unâvended-l. (inevitabilis). Altn. comp. dieser art scheinen zu mangeln. Mhd. behagen-l. Parc. 5 a ; erkomen-l. Barl.; beschei- den-l. Parc. 41 b underscheiden-l. Barl.; erschrocken-l. Trist.; unversprochen-l. Trist.; gevangen-l. Wh. 2; unzerwor- fen-l. Haltaus; verworren-l. Wh. 2, 112 a ; unverzogen-l. Oberl.; erkant-l. (noscib.) a. Tit. 98. unerkant-l. Barl.; unverzaget-l. a. Tit. 132. Nhd. nur: erkent-l. unerkent-l. Anmerkungen a) die adj. auf -lich mit part. praet. sind zwar seltner, als die mit part praes., zeigen sich gleich- wohl bei O. und T., welchen letztere fehlen. b) in der bedeutung stimmen sie freilich ungefähr mit letzteren überein und formell fallen sie selbst seit dem mhd. wegwerfen des t damit zusammen, so oft das part. praet. starker conj. den laut des praes. behält, z. b. be- scheiden-l. vermëƷƷen-l. kann sowohl für bescheident-l. vermëƷƷent-l. stehen, als wirklich mit dem part. praet. componiert sein. Darf man auch schon im ahd. wegsal- lendes t annehmen? c) gleicher zweifel für denselben fall im ahd. und mhd. zwischen zus. setzung mit dem inf. oder part. praet., z. b. ob arvaran-l. vom inf. oder part. praet. herrühre? d) die existenz der compos. mit dem part. praet. wird aber gerechtfertigt theils durch die ablautenden, theils durch die schwachformigen part. e) spur des comp. vocals in warte-l. und wanda-l. bei N. von den einsilbigen formen wart, want. Infinitivische composition. Kann mit dem substantive genommenen inf. compo- niert werden? 1) eigentlich , wie es scheint, im ahd. ohne schwie- rigkeit, obschon die beispiele selten sind und nur mit dem adj. -lîh vorkommen: unerchêrran-lîh (inflexibilis) mons. 391; tholên-l. (feralis) ker. 138; grîsen-l. (horribilis) N. Boeth. 106; heilan-l. (salubris) ker. 245; unbilinnan-l. (perpetuus) K. 24 a ; intlêhan-l. (mutuum) doc. 213 b für intlîhan-l.?; prinkan-l. (fertilis) ker. 135; unvollan-l. (in- satiabilis) ker. 24. Zwar dürste, dem sinn unbeschadet, III. verbale comp. — particip. insinitivische. in allen diesen belegen ein t hinzutreten und mit dem part. praes. componiert scheinen? Da aber dieselben ahd. denkmähler sonst das t schreiben und die zus. setzung mit dem inf. nichts widersinniges hat, so will ich sie nicht übereilt aufgeben. Ja es spricht dafür das von Lye an- geführte ags. dôn-lic (practicus) und nhd. häufige thun- lich, nnl. doen-lik, das sich vielleicht noch einmahl im ahd. und mhd. auffinden läßt. Das volk spricht thu-lich, was rein verbales ahd. tuo-l. wäre? oder hätte man wie- der ein ausgefallenes t und tuont-l. anzunehmen? 2) uneigentliche composition findet nhd. mit einzel- nen adj. z. b. sterbens-krank, hauptsächlich aber mit dem adj. werth und würdig statt: dankens-werth, erbarmens- w. fluchens-w. haßens-w. bemitleidens-w. lesens-w. lo- bens-w. meldens-w. merkens-w. nennens-w. rühmens-w. scheltens-w. tadelns-w. und bedauerns-würdig, liebens-wür- dig, sehens-w. verabscheuens-w. neben rein verbalem fluch- würdig, lob-würdig, merk-würdig, denk-würdig. Auch sagt man uncomponiert mit vorgesetztem artikel: des nen- nens werth, des bemerkens, bemitleidens, anführens w. In der älteren sprache überall ohne zus. setzung: den- chennes muodiu N. Cap. 115. fermîdennes mâriu ibid. 120. und selbst in späteren volksliedern: es ist nun rei- tens werth (werth, daß darum geritten wird) das lied ist singens (hörens) werth, die sache ist redens werth (verdient besprochen zu werden), der tod sterbens werth etc. Es gibt auch nhd. subst. dieser uneigentlichen zus. setzung: redens-art, lebens-zeichen, lebens-bahn, sterbens-wört- chen, leidens-gefährte, lebens-gefährte. Im ahd. überall ungebundenheit, z. b. anagangônnes cot (Janus) N. Cap. 51. Uneigentlich gebunden auf andere weise ist das nhd. hören-sagen (franz. oui-dire), wo gewissermaßen zwei verba zus. wachsen; es entspringt aus der redensart: ich habe hören sagen, die in der syntax erläutert wer- den wird. Anmerkungen zu der verbalcomposition insgemein: a) bei der reinverbalen darf man nicht sagen, daß sie aus dem inf. mit abgeworfnem -en entspringe, denn eben- so practisch könnte sie jetzt aus der III. pl. praes. geleitet werden. Wie die nominale nicht hervorgeht aus dem wegfall einer casusflexion, so bindet auch bei der verba- len der bloße comp. vocal das unflectierte verbum an III. verbale composition. anmerkungen. andere wörter. Daher die freie bedeutung verbaler zu- sammensetzungen. b) aus der participialen und infinitivischen kann umge- kehrt die verbalflexion nicht wegbleiben, da part. und inf. als nomina betrachtet, ihren verbalbestandtheil in sich ver- härten und er dadurch jedem andern derivationsmittel gleichkommt. Daher, wie noch künftige untersuchungen auszumitteln haben, adjectiva der ableitung -an (s. 164. 165.) veraltete starke part. praet. sein mögen. Die zus. setzung mit part. und inf. ist also im grund nominal und wie andere nominale zu beurtheilen, hat auch, wenn sie nicht uneigentlich ist, jede nominalflexion wegzuwerfen. c) gleichwohl führt die im part. und inf. nie ganz erloschne verbale natur und bedeutung berührungen mit der rein verbalen composition herbei. Diese bildun- gen scheinen sich gegenseitig zu verdrängen und aufzu- reiben, bis endlich in den späteren überresten die sichere spur ihres individuellen ursprungs ausgeht. Ohne die ahd. sprache wüsten wir nicht einmahl bestimmt, daß es vier- erlei formen gebe 1) dola-lîh (passibilis) 2) dolênt-lîh (to- lerandus) 3) kidolêt-lîh? 4) dolên-lîh (luctuosus). Die bedeutungen streifen aneinander und verschwimmen, die sprache genügt sich bald an einer dieser formen für jede bedeutung. Für keine einzelne zusammensetzung laßen sich alle formen nachweisen und kidolêtlîh im beispiel ist bloß gefolgert aus errahhôtlîh; furistantlîh und farstan- tantlîh, beide in K., glossieren beide das lat. intelligibilis. Im ags. schwanken -endlic und -edlic (âcvencendlic, ac- vencedlic, âvendendlîc, âvendedlic) ohne unterschied der bedeutung; im ahd. pichêr-lih (versatilis) archêranlîh (flexi- bilis) muß die verschiedenheit der partikel angeschlagen werden. Die comp. mit dem part. praet. sollte mehr das geschehene, bewirkte, die mit dem part. praes. und inf. das geschehende, z. b. erkennenlich (noscibilis) erkantlih (notus), doch das nhd. erkentlich bedeutet offenbar nosci- bilis). Es kommt auf sammlung von alten beispielen aus lebendigem zusammenhang, nicht aus bloßen glossen an. d) reinverbale composition überhaupt zu leugnen und aus participialer oder infinitivischer durch ausfall der flexion zu deuten, obgleich diese deutung in einzelnen fällen richtig sein kann, scheint unstatthaft. Theils be- weisen die verbalcomponierten subst. (s. 680.) auch für adj., theils wäre das i im mhd. genislich aus inf. und III. partikelcomposition. — einleitung. part. schwer erklärbar, theils scheinen sich die adj. -haft und -bar kaum mit part. zu verbinden. e) formelle unsicherheit für den besonderen fall wird noch dadurch gesteigert, daß dem ersten wort auch ein subst. zum grunde liegen kann, z. b. dem angeführten do- la-lîh das fem. dola, mhd. dol (passio). Im nhd. hilft der umlaut zweifel zwischen subst. und schw. verbis erster conj. entscheiden, z. b. pflug-eisen, mast-schwein sind nicht mit pflügen, mästen, vielmehr mit pflug und mast componiert, vgl. ahd. mast-fogal mons. 394. Schwierig- keit macht die mhd. berührung der adjectivischen comp. -eclich mit der verbalen und participialen, vgl. lîde-lich, lîdec-l. lîden-l. lîdent-l.; hëlfe-l. hëlfec-l. u. a. m. f) unter den ableitungen, welche den schein zweiter compositionswörter annehmen (s. 391. 404.), bindet sich das einzige -nissi, zumahl das ags. -nës, mit part. praes. und praet. Beispiele oben s. 325. 330. vgl. 399. g) ein analogon uneigentl. verbalcomp. könnte man erblicken in der anfügung des persönl. pronomens an sämtliche flexionen des verbums, auf welchem wege sich das nord. passivum entwickelt. Schon im goth. folgt es oft unmittelbar aufs verbum, aber ohne sich anzuhängen. Die ahd. mundart schickt es bald voraus, bald hinten nach, so daß wiederum keine festere verbindung ent- springt, einzelne nachsetzungen litten vergleichung mit der nord. weise, z. b. iufensih (clamare) ker. 46. mit altn. œpaz. Diese anfügung, die man richtiger inclination nennt und von der zusammensetzung unterscheidet, wird die syntax abhandeln. §. 4. Partikelcomposition (s. 410.). Einleitung: 1) die nominalcomposition war sowohl eigentlich als uneigentlich. die verbale nur eigentlich, alle partikelcomposition ist uneigentlich , sie geschieht folglich immer ohne den compositionsvocal. Dieser sollte bei flectierbaren wörtern vielseitige, der flexion unerreich- liche verhältnisse faßen, zugleich das band sein, wodurch nomina und verba, ihrer flexion entblößt, an andere wör- ter geheftet würden. Die von natur einseitige, unver- änderliche partikel bedarf um sich näher an andere wör- ter zu fügen, da sie nichts von sich abzulegen hat, keines äußern, an die stelle der abgelegten form tretenden me- III. partikelcomposition. — einleitung. diums. Weiter, jedes nomen, verbum beschließt seine wurzel mit einem consonanten (s. 2.), den ausfallenden hebt die flexion hervor oder birgt eine zugefügte ablei- tung. Unter den partikeln, die sich zumeist componie- ren, gibt es viele einsilbige, vocalisch auslautende, an welchen gar kein vocal der zus. setzung haften könnte. 2) ist nun jedwede composition mit partikeln uneigent- lich, so muß sie auch unursprünglich sein (s. 408. 409.). Die partikeln sind entw. trenubare , die auch ungebun- den, oder untrennbare , die bloß gebunden vorkommen. Alle untrennbaren weisen auf einen früheren sprachstand hin, in welchem sie gleichfalls als lose und freie wörter erschienen sind. Partikelcomposita müßen aber unter allen uneigentlichen für die ältesten genommen werden, weil sie sich schon in den ersten denkmählern jeder sprache finden. 3) hierbei scheint mir nöthig, adverbium in weiterm, praeposition in engerm begriffe zu faßen, als man pflegt. Insofern jede uneigentliche zus. setzung aus der gewohn- heit des nebeneinanderstellens zweier wörter hervorgeht (wodurch freilich nach und nach leere formeln des ersten worts entspringen), haben die partikeln anfänglich nicht allein vor dem verbum, sondern auch vor dem nomen ungebunden gestanden. Zur praeposition gehört ein von ihr abhängiger (gesetzter, bisweilen ausgelaßner) casus. Sie ist nichts, als die befähigung einer partikel zur casus- rection, d. h. dieser praepositionseigenschaft ist eine adver- biale vorausgegangen (Graff s. 8.). Es gibt allerdings praepositionen, deren adverbialer gebrauch ausgestorben, adverbia, deren praepositionsanwendung wieder verloschen ist; häufig bestehen beide zusammen, theils so, daß sie in der form übereinstimmen (ahd. ana, apa, fora), theils ab- weichen (ahd. mit praep., miti adv.; N. an praep., ana adv.). In der composition gilt aber die adverbialsorm (ahd. miti-slâf, nicht mit-slâf; N. ana-siht, nicht an-siht). Folglich sind auch in fällen, wo die gestalt des adv. und der praep. nicht unterschieden werden kann, die compo- nierten partikeln für adv., nicht für praep. zu erachten, überhaupt mit andern wörtern zusammengesetzte mhd. schreiber, im ahd. N., pflegen die praep. an ihren casus zu hängen, was doch niemand für wirkliche composition auslegen wird, zudem häufig, und je später desto häuslger, die und untrennbare praepositionen zu leugnen. III. partikelcomposition. — einleitung. 4) zeichen eigentlicher composition ist, daß eine unab- sehbare menge von wörtern, uneigentlicher, daß nur eine beschränkte zahl dafür taugt. Die partikelzusammen- setzung begreift nur leblose, räumliche adverbia , voraus solche, die zugleich auch praepositionen werden. Sind also, nach dem vorigen, die componierten partikeln keine wirklichen praepositionen, so verdienen sie meistens prae- positionale adverbia zu heißen und diese berührung mit den praepositionen wird sich auch darin bewähren, daß solche, deren zweites wort verbum ist, bisweilen in das wirkliche praepositionsverhältnis umgesetzt werden. In den untrennbaren, entstellten partikeln läßt sich der prae- positionsgebrauch nicht immer nachweisen, aber vermu- then; das verneinende un- z. b. muß der praep. in nah- verwandt sein. Es finden sich jedoch hauptsächlich in der zusammensetzung mit dem nomen, auch partikeln, die niemahls praepositionen waren. 5) dnrch die composition sind untrennbare partikeln vielfacher entstellung und verdunklung unterworfen, wo- von sich hier im allgemeinen folgendes bemerken läßt: α ) der consonant wandelt sich nach dem anlaut des zweiten worts, theils assimilierend: goth. ur-reisan f. us- reisan, ahd. um-mëƷ f. un-mëƷ; theils andern lieblings- verbindungen folgend: nhd. im-biß f. in-biß; emp-fangen f. ent-fangen; emp-finden f. in-finden; ahd. am-paht f. ant-paht (goth. and-bahts). β ) liquida oder spirans fällt weg: altn. ô- für un-; ahd. und ags. â- für as? wahrscheinlich noch andere, auf langen vocal endende, z. b. ahd. uo; was haben aber ein- gebüßt, die mit kurzem vocal schließen, z. b. goth. ga-? (vgl. gr. κατά ) meiner ansicht nach entspringen alle partikeln aus lebendigen wurzeln; da nun, im deutschen wenigstens, keine wurzel vocalisch schließen, geschweige aus bloßem vocal bestehen darf, so muß für alle partikeln wie â-, uo-, ga- etc. der verlorne consonant gesacht werden. . γ ) schwächung des vocals, vgl. mhd. ën- für in-, bë- für bi-, zë- für zi-; so wie umgekehrt die zu prae- praep. nicht an ihr eigentliches subst., sondern an den voraus- gehenden artikel oder ein anderes pron. und adj. (bei N. sogar an den zwischenstehenden gen.) geräth. Diese ungrammatische schreibung wieder aufzunehmen wäre unangemeßen, obgleich sie an die innere gemeinschaft der praepositionen und casus mahnt. — Etwas anders ist, wenn praep. mit ihrem casus ein neues adverbium bilden, z. b. ahd. in-gimeitûn, zi-samane etc. deren vereinigung freilich beinahe com- position wird. III. partikelcomposition. — einleitung. positionen gestempelten ihren vocal zu verlängern und zu vertiefen scheinen, vgl. ahd. zuo, pî, mit goth. du, bi. Seltner ist vocalverlängerung durch composition: nhd. ein- für in-. δ ) tonverlust, nach verschiedenen stufen. ε ) manche dieser veränderungen treffen auch die ge- trennten partikeln, namentlich als praepositionen; so altn. î und â für in, an; ahd. ar, ir, ur für as, is, us; nhd. um für umbe, umpi etc. 6) nicht selten gewöhnt sich die wurzel so an die partikel, mit welcher sie composition eingegangen ist, daß fie, wenigstens dialectisch, gar nicht mehr unzusammen- gesetzt vorkommt. So stehet im goth. ur-reisan = ags. â-rîsan (surgere), nie das einfache reisan, rîsan; zu and- bahts mangelt das simplex bahts. Ist nun die partikel noch dazu verkürzt, so tritt oft composition mit einem einzigen consonanten ein. Hierdurch aber wird eine ver- dunklung der wurzel möglich, an die schon oben s. 3. erinnert worden ist und deren hauptfälle folgende sind: a) von dem ge- fällt vor l, n, r in gewissen nhd. wörtern der vocal weg: g-laube, g-leich, g-leis, g-lied, g-lück, g-nade, g-nug, g-rob und gl, gn, gr gewinnen wurzelhaften schein. Die abhandlung wird nicht bloß diese, sondern auch andere ähnliche wörter in der ver- kürzung schon aus dem ahd. und mhd. beibringen. b) von dem be- seltner und nur vor l (nicht n, r), vgl. nhd. b-lock, mhd. b-loch, ahd. pi-loh; nhd. b-leiben, mhd. b-lîben, ahd. pi-lîpan; ahd. auch p-lâƷan (ignoscere) f. pi-lâƷan; ags. b-lînnan f. belinnan. c) von dem ze- nur vor w im nhd. z-war (was da- zu keine rechte comp. ist, sondern ein aus der praep. mit dem casus entspringendes adverbium, mhd. ze wâre); ahd. z-wërfan für zi-wërfan. d) der vocal unterbleibt auch vor vocalisch anlauten- der wurzel, vgl. nhd. g-anerbe, g-unst, g-önnen, b-arm- herzig, b-eichte. e) die ahd. f-lâƷan, f-liosan entsprechen den goth. fra-lêtan, fra-liusan (nicht faír-lêtan, faír-liusan obwohl das gleichbedeutige ahd. fir-lâƷan, fir-liosan vorkommt); stammt das mhd. vreischen aus ver-eischen? und vreise aus ver-eise (ver-egise)? III. partikelcomposition. — einleitung. f) die nhd. partikel n-eben entspringt aus mhd. ën- ëben, ahd. in-ëpan; es ist wie z-war zu betrachten, zeigt aber den weg, auf dem wirkliche composita eben so ent- standen sein können. g) einzelne mit sl , sm , sn , sk anlautende wurzeln werden verdächtig und scheinen, die dialecte untereinan- der und mit fremden sprachen verglichen, zerlegbar in s-l, s-m, s-n, s-k, dergestalt, daß dieses s überrest einer alten partikel wäre, etwan eines as, is, us, das nach den lautgesetzen der jüngeren sprache alleinstehend in ar, ir, ur übergegangen sein würde. Das gäbe den gegensatz zu dem unter 5, β genannten â- für as, wo der consonant, wie hier der vocal untergegangen ist. Die einleuchtendsten beispiele sind: slicken (schlecken) neben lecken; s-mal (parvus) slav. mali, das s- könnte die bedeutung des lat. ex in ex-iguus haben, vgl. mhd. ur-klein (perparvus); s-mëlzan (liquere) ags. miltan, und daneben s-mylte (se- renus, ausgelaßen, geschmolzen); ags. s-myrjan (ungere) schmieren, gr. μυρίζειν ; s-nabel (rostrum) altn. nef (na- sus) ags. neb (vultus); ags. s-nëosan (sternutare) engl. s-neeze, nhd. niesen; goth. s-náivs, ahd. s-nêo, slav. sn-jeg, litth. s-négas, gr. νίψ , lat. nix; s-nuor, lat. nurus; s-keinan (lucere) vielleicht verwandt mit keinan (germi- nare?) vgl. us-keinan (erumpere); ahd. s-curz ker. 97. (1, 175.) neben churz, nhd. kurz, ags. s-cëort, engl. s-hort. Ein blindes, d. h. anfänglich bedeutungsloses s ist in der- gleichen fällen schwerlich anzunehmen, hat es aber be- deutung gehabt, diese nur aus einer vorgesetzten partikel zu schöpfen. h) die von a bis g erläuterten zusammensetzungen es wären noch andere zu bemerken, auf welche die gleiche bedeutung bei vermehrung des consonantischen anlauts führt, z. b. br in brôga und ôga (terror), prort und ort (margo); k in kare und arc etc. fordern behutsamkeit, sind nur als ausnahmen zu betrach- ten und nicht nach scheinbarer analogie auf andere wör- ter anzuwenden. Das mhd. frëƷƷen z. b. aus ver-ëƷƷen zu deuten, stößt sich daran, daß weder ein ahd. fir-ëƷ- Ʒan, noch ein goth. fra-ïtan vielmehr frëƷƷan, fritan statt- findet. Dürfte man wagen, unser name (nomen), das offen- bar mit nëmen (capere) zus. hängt, in der weise von n-ëben, aus ën-ame, folglich auch n-iman aus ïn-iman zu leiten? slav. heißt imati (habere, capere) ime (no- III. partikelcomposition. — einleitung. men); litth. imti (capere) ohne daß sich ein entsprechen- des subst. fände; lett. jemt, neben n-jemt (capere); alt- preuß. imt (capere) emnes (nomen) welches alles die wurzelhaftigkeit des n verdächtig macht, nur aber ver- liert es sich in ein fast unerreichbares alterthum, wie schon das lat. n-omen (vgl. omen, zeichen) darthut und ist das gr. ὄνομα mit νέμω verwandt oder ὄν-ομα für ἐν-ομα ? Wie viele wurzeln mit anlautendem n, g, b, fl, fr, sl, sm, sn wären hier durch eine unvorsichtig aufgestellte regel an- zufechten! Dazu kommt daß sich im ahd. und mhd. umgekehrt unorganischer vocal zwischen wurzelhafte con- sonanzverbindungen einzudrängen scheint, vgl. terawid (minitatur) ker. 196. f. trawid (wie daselbst 215); gerin- dela N. 106, 15. f. grindela; chereftic N. 88, 1. für chref- tic; chenebil flor. 984 b f. chnebil; chinito (pinso) doc. 205 b f. chnito, chenëte N. 81, 1. f. chnëte; und nicht sel- ten ziwei, zewîvel etc. f. zwei, zwîvel. 7) keiner partikelzusammensetzung gebührt der com- positionsvocal. Scheinbar tragen ihn an sich α ) composita mit partikeln, denen -a als bildungsvocal zusteht, wovon cap. V. näher handelt, z. b. goth. ana, váila, ahd. apa, opa, hina. Da dieses -a ebenwohl außer der composition vorhanden ist, kann es nicht zu ihr gehören. β ) aus- nahmsweise einzelne untrennbare, namentlich goth. anda- für und neben and-; ahd. una- statt des gewöhnlichen un-, falls der lesart zu trauen ist; belege hernach in der abhandlung. Eher sind diese formen überreste der älte- ren, trennbaren gestalt, als compositionsvocalisch. γ ) bei dem untrennbaren ahd. ita- (re-) und vielleicht einzelnen ähnlichen könnte indessen wahrer compositionsvocal wal- ten, d. h. wirkliches subst. oder adj. unterliegen, mithin gar keine partikelcomposition vorhanden sein. Denn auch andere nominalzusammensetzungen, besonders die, welche vielheit und mangel, fülle und leere, gleichheit und haft ausdrücken, begegnen sich dem sinne nach mit partikel- compositis. So entspricht ata- (s. 417.) dem lat. jugiter; bora- (s. 550.) dem nimis; missa- (s. 470.) dem dis-; sina- (s. 554.) dem con-, gr. σύν- ; ala-, fola-, sama-, ëpan-, wana- (s. 672.) andern partikeln. Und, wie eins dersel- ben, sama, trennbare partikel wird, wären vielleicht meh- rere auf -a aus ursprünglichem compositionsvocal zu deu- ten? Diese frage verliert sich wieder in das dunkel un- seres sprachalterthums; ihre theilweise bejahung würde an der hier aufgestellten grundregel nichts ändern, sondern bloß einzelne partikelcomposita in nominale verwandeln. III. partikelcomposition. — part. mit nom. 8) da die untrennbarkeit der partikeln nicht ursprüng- lich ist, da sie allmählig und schwankend, nach verschie- denheit der mundarten früher oder später oder gar nicht erfolgt; so kann eine allgemeine abhandlung der deutschen partikelzusammensetzungen nicht mit rücksicht auf den un- terschied zwischen trennbaren und untrennbaren geordnet werden. Für einen dialect und zeitraum würde diese absonderung vortheil gewähren. 9) desto sorgfältiger muß hier zusammensetzung mit dem nomen geschieden werden von der mit dem verbum . Beide stehen nicht auf gleichem fuß und weichen in form und bedeutung wichtig von einander ab. Verba die aus zus. setzungen der part. mit dem nomen abgeleitet wer- den, sind verschieden von denen der part. mit dem ver- bum, z. b. ant-worten und ent-halten nicht auf eine reihe zu stellen, obgleich beiden dieselbe partikel zum grunde liegt. Dagegen trage ich die composition mit dem subst. und adj. diesmahl zusammen vor. Decomposita laßen sich des- halb nicht in §. 5. verweisen, weil einzelne dunkle par- tikeln selbst schon zusammengesetzt scheinen. Alle com- posita, deren zweites wort wieder partikel ist, ohne daß sie sich mit nom. oder verb. binden, bleiben auf cap. V. verspart. 10) vielfache berührungen der einzelnen partikeln können erst in den anmerkungen zu diesem §. abgehan- delt werden. Partikel mit nomen. Diese composition scheint älter und ausgebreiteter als die mit dem verbum, verletzt die form der partikeln in der regel weniger und findet auch leichter statt mit un- praepositionalen adverbiis. Da unsere syntax keire freie, unverbundne stellung der partikel vor das subst., worauf sie sich bezieht, erlaubt, vor das adj. nur bei belebten z. b. schrecklich theuer, unendlich lieb, ausgezeichnet schön. , nicht bei abstracten partikeln; so muß nicht bloß für un- trennbare, sondern auch für trennbare, überall wo sie sich an das nomen schließen, wirkliche zusammensetzung angenommen werden. Wer die partikel vor dem no- men für ein adverbium des engern sinnes halten, d. h. an-blick, vor-schritt aus an-blicken, vor-schreiten ver- ständigen wollte, den widerlegen unzählige composita, de- III. partikelcomposition. — part. mit nom. ren zweites wort aller verbalkraft ermangelt, z. b. goth. ana-gards, nhd. vor-hof. Wie ist aber die rechte grenze zu treffen zwischen wirklicher composition mit dem no- men und bloßer ableitung von verbis? 1) wo gar kein verbum dem nomen entspricht, hat sich natürlich die partikel mit dem nomen zus. gesetzt, z. b. ahd. ap-krunti, ûf-himil. 2) wenn, die partikel abgelöst, das einfache subst. nicht bestehen kann, so scheint die comp. mit dem verbo eingegangen, das subst. deriviert, z. b. goth. af-lêts, nhd. ab-laß von af-lêtan, ab-laßen, da es kein subst. lêts, laß gibt. Rein entscheidet dieser grund nicht, die älteren fimplicia können verloren sein. 3) offenbar verbale ab- leitungen (s. 399, γ . δ .) bezeugen composition mit dem verbo, z. b. die nhd. einrichtung, abhaltung stammen von ein-richten, ab-halten, nicht hat sich die partikel zu den subst. richtung, haltung gefügt. 4) offenbar nominale (s. 399, β ) dagegen fügung der partikel an das nomen, z. b. das ahd. ab-sneitahi rührt von sneitahi her, nicht von apa-snîdan. 5) ist gar keine ableitung sichtbar, oder eine dunkle (s. 400. ζ ) oder eine bald nominale, bald ver- bale (s. 400. ε ) vorhanden, übrigens verbum und nomen gleich geläufig; so läßt sich nicht angeben, ob die zus. setzung zuerst mit dem einen oder dem andern vorge- nommen worden sei. Beides scheint mir möglich, z. b. im nhd. an-blick, unter-kunft, kann die partikel mit den subst. blick, kunft componiert oder aus an-blicken, unter- kommen hernach das subst. geleitet sein. In solchen fäl- len sind die composita doppelt aufzuführen. 6) zuweilen hilft die eigenthümliche veränderung aus, welche ver- schiedne partikeln dialectisch vor dem nomen oder ver- bum erfahren Ahd. gilt z. b. â- fürs nomen, ar- fürs verbum; ags. or- fürs nomen, â- fürs verb.; ahd. ant- fürs nomen, int-, in-, fürs verbum. Folglich ist â-danch, ant-vanc mit dem nomen componiert, nicht von ar-den- chan, int-fangan herleitbar. Folglich dürfen auch, wenn die partikel unverändert bleibt, nomina und verba selb- ständig mit ihr verbunden werden, wie ich (unter 5.) behauptete. — Der ausdruck trennbar in dem folgenden verzeichnis zeigt an, daß die partikel außer der zusam- mensetzung auch noch ungebunden, untrennbar , daß sie nirgend ungebunden vorkomme; in der composition sind auch die trennbaren untrennbar. â- (ex); diese überall untrennbare, ahd. und mhd. nur das nomen, alts. und ags. nur das verbum bindende partikel kommt weder im goth. noch im altn. vor, das III. partikelcomposition. — part. mit nom. altn. â ist ganz etwas anders, = goth. ahd. ana. Die länge folgt theils aus der schreibung aabulkii K. 23 b aa- riupo (trux) ker. 276. und N’s â-, theils aus unter- drückung des cons. der ursprünglichen gestalt. Offenbar ist sie einerlei mit der ahd. praep. ar, or, goth. us (viel- leicht auch früher oder dialectisch as) und nicht das spä- tere r scheint weggefallen, sondern das ältere s. Zum beweis dient 1) daß den hochd. mit dem nomen com- ponierten â- sächsische or-, 2) den sächs. mit dem ver- bum componierten â- ahd. ar- begegnen. 3) zuweilen ahd. ur- neben â- stattfindet, vgl. â-wicgi und ur-wicgi (avium, devium) ker. 26. â-chust und ur-chust K. 53 a . 4) einigemahl ahd. ar- erscheint: ar-custîc (vitiosus) sgall. 194. ar-chustîc (fraudulentus) hrab. 960 b 968 b ar-chustî- gôn (callere), aber ark-chustîc mons. 408. arg-chustig N. Boeth. 80. arg-chôsôn N. 108, 29. 5) die bedeutung des lat. ex-, wel- chem â- mehr, als dem verneinenden in- entspricht. Man könnte versucht werden, â- von der praep. goth. af, ahd. apa zu leiten, wie sich das lat. ab in a kürzt und in a-vium (= de-vium, in-vium) gebraucht wird, wirklich hat ker. 218. ab-këƷƷal (obliviosus) statt des sonstigen â-këƷƷal [vgl. bei ab- noch andere wörter]. Allein zur deutschen lautlehre schickt sich ein ausfall der spirans, nicht der labialis ich wüste nicht, daß im ahd. mhd. oder in der heutigen schriftsprache jemahls p oder b unterdrückt würden; gemeine volksmundarten gestatten wohl â-nehmen und dergl. für ab-nehmen. und ab-këƷƷal ist nichts als die neben â-këƷƷal gültige, gleichbedeutige zusammensetzung mit einer ver- wandten partikel. Die ahd. hierher gehörigen belege sind: â-p-anst (invidia, aemulatio) K. 24 a ker. 20. mons. 386. 407. â-p-anstîc (invidus) ker. 20. sgall. 194. (wo -an- stinc) falls es decompositum ist, wofür das mit dem verbum componierte ar-p-unnan spricht, man kann es aber auch für einfach mit ap- componiert halten (s. hernach bei ap-), den zweifel würde N. durch die schreibung âbanst oder abanst lösen; â-chambi (stupa) aug. 120 b das ausge- kämmte; â-chôsunga (deliramentum) lindenbr. 994 b (wo hacosunge) setzt â-chôsôn (delirare) und â-chôsi? (deli- rium) voraus; â-chust (vitium) K. 40 b 46 b 52 a 58 a mons. 322. 385. N. 41, 2. 136, 8. Boeth. 52. 82. 191. â-kust O. I. 1, 60. III. 7, 125. V. 2, 12. â-chustîc (vitiosus) K. 56 a ; â-danch (argumentum) â-denchâ (adinventiones) jun. 195; â-varo (decoloratus); â-fërmi (squalor) hrab. 966 a 975 a , Y y III. partikelcomposition. — part. mit nom. auskehricht, vgl. ags. â-fëormjan (purgare); â-hërzêr (excors) doc. 201 a ; â-hizzju (diversorium)? jun. 201. viel- leicht â-hizzja, geheiztes zimmer; â-kalastra (pica) vgl. oben s. 367; â-gëƷ (oblivio) N. 44, 11. 59, 9. Boeth. 171. â-gëƷôn (oblivisci) Boeth. 60. â-këƷƷal (obliviosus) ker. 156. â-këƷƷalî (oblivio) ker. 113. K. 26 b ; â-guƷƷe (te- mulentus) doc. 201 a ; â-leipa (refiduum, reliquiae) mons. 333. T. 80. 89. O. III. 6, 109. 10, 80; â-lôfnîn (redemptio) J. 385; â-maht (deliquium) â-mahtîg (debilis) N. 38, 12. Boeth. 152; â-mund (liber, sui juris, aus der vormundschaft) lex longob.; â-pulkî (iracundia) fem. K. 23 b â-bulgi neutr. O. I. 23, 80. IV. 19, 119. V. 19, 46. â-bulgîc (aemulus) jun. 240. â-bolgig N.; â-riupo (trux) ker. 276. â-riup (di- rus) hrab. 960 a jun. 203. von der wurzel nr. 211?; â- rûmî (vicinia) O. IV. 35, 59. V. 4, 59; â-scaffa (scidola? vielleicht schidia, σχίδια , ausgehaune späne oder lat. scin- dula?) von scafan, wie â-wirchi, â-scrôta etc. von wir- chan, scrôtan, beim geogr. ravennas ist ascapha namen einer alemannischen stadt, wahrsch. das heutige aschaffen- burg, in dessen nähe ein ort main-aschaf heißt, etwa werkstatt der zimmerleute?; â-screcchî (praecipitantia)? g-â-screcchî N. Boeth. 233. heftiges aufspringen, lieber gâ-scr. für gâh-scr. gähes springen?; â-scrôta (sarcula- mina) ker. 246. hrab. 974 a ; â-skerre (disseptus) N. Boeth. 224; â-snita (sarmenta) ausschneidsel hrab. 974 a ; â-spunna (stupa) jun. 218. 227. (wo fehlerh. uspanna, uspunna), das ausspinnsel; â-sueifa (quisquiliae) mons. 405. 411. von suei- fan (verrere); â-suih (scandalum) jun. 225. mons. 381. O. IV. 12, 20. ein adj. â-suihhal folgt aus dem verb. â-sui- holên (offendi) T. 161, 2; â-suinga (stupa) doc. 203 a das ausgeschwungne; â-teilo (expers) jun. 187. doc. 203 b â- deilo O. I. 1, 230. II. 7, 52. 8, 9. V. 23, 245. â-teilig W. 8, 11, â-wart (aversus) gefolgert aus â-wartôn (avertere visum?) N. Boeth. 119; â-weise (cadaver) N. 62, 11. (wo feh- lerh. âweisin f. âweifiu, cadavera), dunkler wurzel (s. hernach die mhd. form); â-wëras (abjectio) K. 29 a hrab. 959 b N. 27, 7. 103, 17. der abwurf, auswurf, â-wërf (abortivum) jun. 194. mons. 346. â-wërfig (reprobus) N. 9, 18. 78, 12. âwërfôn (abjicere) N. Boeth. 45; âwirchi (stupa) mons. 332. aug. 120 b trev. 51 b â-wirch herrad. 187 a â-wurchi mons. 342. â-wërc jun. 292; â-wërt (absens) jun. 256; â-wicgi (avium) ker. 26. 164. hrab. 953 a doc. 203 a â-wëkke (invius, pravus) N. 77, 8. 100, 3. 106, 40. Boeth. 233. jun. 306. daher das adv. â-wiccun (e via, per agrum) mons. 323. â-wiggon O. III. 1, 22. und das verbum â-wickat (de- III. partikelcomposition. — part. mit nom. viat) ker. 89. â-wiccên (exorbitent) mons. 394; â-wizôd (delirium) doc. 203 b setzt ein verb. â-wizôn, dieses ein subst. â-wizi (amentia) voraus, welches in âwizi-lôs (oben s. 566.) steckt. Außer diesen sicher noch viele analoge ahd. composita. Nicht hierher fallen: 1) abuh (pravitas) apuhôt (exasperat) ker. 105. apah (perversus) worin ab wurzel, -uh derivation, vgl. oben s. 315. wo mehr citate. 2) agaleiƷi (s. 503.) bei welchem an â-galeiƷi zu denken schon das goth. agláitei verbietel. 3) agawîs (publicus) s. 503, womit das altpreuß. ackiwisti (publice) merkwür- dig einstimmt, obgleich sich das deutsche wort nicht durch auga (altpr. ackis) erklären läßt. 4) alanc (integer) hrab. 966 b O. II. 13, 68. IV. 28, 32. 29, 56. V. 12, 42. mons. 321. alonc ker. 146. 155. 239. olang N. 65, 13. p. 268 a Boeth. 263. alonges (ex integro) K. 35 b êr alongi K. 48 b anolkiu K. 35 b wohl in alonkiu zu ändern. In diesem alanc, alonc, alunc ist die wurzel al (totus) nicht zu verkennen, es scheint das oben s. 358. zu der adverbialform -ungun ge- suchte adj., dem das ags. adv. ëallunga, ëallinga (omnino) entspricht. 5) ameiƷa (formica), weil â-meiƷa (s. 221.) ein ags. or-mâta fordern würde. — Mhd. machen sich die composita mit â- schon selten: â-gelster (pica); â-greifen (he- bere? schlecht greifen, nicht mehr schneiden?) MS. 2, 131 a , ein subst. â-greife? voraussetzend; â-kôsen (delirare) Barl. 320; â-kust (vitium) Barl. Trist. Mar. 123. Flore 9 c ; â-laster (ignominia) Trist. 15492. Hag., bedarf weiterer bestätigung; â-maht, â-mehtic Trist.; â-name (cognomen ignominio- sum) Trist. 321, wo kanelengres einen übeln sinn enthält, engres bedeutet altfranz. malus, impius; â-sanc (adustio) a. Tit. 84. (druck 796.), Oberl. 82 b gibt aus dem vocab. 1482. die spätere form aw-sang; â-sprâchen (delirare, stulte loqui) troj. 38 c (wo â-sprâchet zu lesen, praes., nicht praet.) wie â-kôsen gebildet, daher auf â-sprâche (deli- rium) zurückführend; â-swich Trist.; â-teilie (expers) vaterunser 802; â-wehsel (cadaver) Bertold p. 94. 95, Oberl. 82 b hat awesel, awasel, es gehört zum ahd. â- weise; â-witzen (insanire) Rud. weltchr. — Die nhd. schriftsprache hat außer dem entstellten elster (pica) keins dieser wörter erhalten, die volksmundarten kennen noch â-kust Stald. 1, 81; â-macht (o-macht, ohn-macht) â-name (auch o-name, schimpfname); â-schwinge, e-schwinge (stupa) und wohl mehrere. af- (de, ex, ab, re-) ahd. ap, ab; ags. of (neben äf); alts. altn. af; in allen mundarten trennbar. Goth. af-êtja (vorax); af-lêts (remissio); af-staß (repudium); von verbis Y y 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. abgeleitet sind af-lageins. af-marzeins, af-sateins. — ahd. stets ap-, ab- (nicht apa-, aba-): ap-anst, ap-onst (mons. 365.) ap-unst (invidia) dem âpanst (vorhin (s. 705.) vor- zuziehen oder mindestens daneben anzunehmen, vgl. das ags. of-est und nhd. ab-gunst; ab-këƷƷalî (oblivio) ker. 218; ab-got (idolum) O. IV. 5, 34. pl. ab-gotir mons. 328. 380. der gen. pl. ap-kutjô (idolorum) mons. 405. 411. scheint auf ein neutr. ap-kuti zu weisen; ab-crundi (abys- sus) ker. 40. 277. mons. 411. ab-grunti T. 53, 8. ab-crunde N. 41, 8; ab-lâƷ (remissio) N. 31, 5. 59, 4. 118, 149. ab- lâƷi O. III. 1, 60; ab-lîd oder ab-lid? (obitus) J. 387; ab-sneitach (sarmentum) doc. 201 a ; ab-trunnîc (apostata) mons. 378. doc. 201 a ; ab-wart (absens, surdus) K. 60 a mons. 322. ab-wërt O. V. 23, 74. ab-wërtî N. Boeth. 120. ab-wërtig N. 108, 24. Boeth. 227. 263. — ags. of-däle, äf-däle (praecipitium, descensus), wäre ahd. ap-tali? [vgl. goth. id- dalja]; of-est (festinatio) ich habe oben s. 367. ôf-est angesetzt, das ôf wurzelhaft und das -est rein derivativ genommen, entscheide mich aber jetzt für die zus. setzung, wodurch es dem ahd. ap-anst parallel wird, die bedeutungen festi- natio, studium, zelus, invidia reichen aneinander, die ne- bensorm äf-est stehet Cädm. 28. [und äf-estjan (livescere) entspricht ahd. ap-unstëôn, äf-estig (aemulus) dem ahd. ap-unstîc doc. 202 b ab-anstîc K. 52 b ] oft auch verkürzt äflt, oflt; äf-græfa (exactor); of-læte, gen. -an (oblatio); of-spring (proles); äf-þunca (invidia) Beov. 40. äf-þonca Jud. 12; of-þyrste (bene potus); äf-vëard (absens); äf-vyrdle, gen. -an (jactura). — altn. af-bötun (excusatio); af-beidni (de- precatio); af-bod (horror); af-bragd (excellentia); af- brot (delictum); af-burdr (refugium); af-bŷli (tuguriolum); af-dalr (convallis remota); af-drëp (refugium); af-drif (exitus); af-eyrdr (auribus orbatus); af-fall (detrimentum); af-farir (exitus); af-gamall (confectus aetate); af-gângr (reliquiae); af-gata (iter devium); af-glapi (fatuus); af- grunnr (abyssus); af-gud (idolum); af-hallr (declivis); af-hellir (diverticulum antri); af-hendr (derelictus); af-hlaup (effluvium); af-hôp (ramus fluminis); af-högg (segmentum); af-kâr (portentosus) edd. sæm. 260 a ; af-klippa (segmen); af- klofi (ramentum); af-krô (recessus); af-krôkr (diverticu- lum); af-kymi (secessus); af-laki (homo nauci); af-lângr (oblongus); af-lât (indulgentia); af-leitr (incongruus); af- menni (homo nauci); af-nâm (detrimentum); af-qvisti (sarmenta); af-râd (caedes); af-râs (defluvium); af-rëk (facinus); af-rof (detrimentum); af-sal (abalienatio); af- skêpi (monstrum); af-skipti (commercium); af-skûm (spu- III. partikelcomposition. — part. mit nom. ma); af-slâttr (foenisecium); af-sleppr (declivis); af-sprîngr (soboles); af-stada (plaga); af-stûka (conclave); af-svar (repulsa); af-tak (pernegatio); af-taka (caedes, das ab- thun, hinrichten); af-tal (pactum); af-tækr (prohibitus); af-vanr (desuetus); af-vëgr (devium); af-vik (secessus); af-þocki (odium); af-þyrstr (bene potus). — mhd. bald ab, bald abe-: abe-ganc Trist. Wh. 2, 19 b 27 b ; ab-got; ab-grunde; ab-hâr (depilis) Hartm. im Erec; ab-holz (ligna decidua) Oberl.; abe-kêr Flore 32 c ; ab-kôse (delirium) folgt aus dem von Oberl. angeführten ab-kô- sen [vgl. das gleichbedeutige â-kôsen]; ab-lîbe (mors) Ernst 33 b ; ab-lîp (mortuus) Eracl. 513; ab-louf Nib.; ab- schrôt (praesegmen) Oberl.; abe-getroc (phantasma) [ne- ben â-getroc] Geo. 33 a vgl. getroc Parc. 80 b tievels ge- troc Karl 62 a ; abe-trunne Geo. 31 b ap-trünnic Barl. da kein ahd. apa-trunno vorkommt und im mhd. verschie- dentlich fehlerhaftes apt- für ab- geschrieben wird, z. b. apt-cot, apt-crunt f. ab-got, ab-grunt; so könnte auch abtrunne stehen s. abe-runne, vgl. nachher bei ant- die form ant-runno. Anderer- feits wird -trunno bestärkt durch trunne (grex) und trennen (se- jungere). — nhd. ab-bild; -bitte; -fall; -fahrt; -fluß; -gang; -gift; -glanz; -gott; -grund; -guß; -gunst; -hang; -händig; -hold; -kunft; -kömmling; -laß; -lauf; -laut; -nahme; -rede; -riß; -gesang; -schaum; -schied; -schlag; -schnitt; -stand; -stich; -trieb; -trünnig; -weg; -winkel (locus remotus) u. a. m. — Die bedeutung dieser partikel im allgemeinen ist entfernung, befreiung, schwäche, widriges; sie steht dem an- entgegen. afar goth. noch praep. (post), ahd. avar (iterum, re-) nur adv., jedoch trennbar: goth. afar-dags (dies poste- rus). — ahd. avur-chalawêr (recalvaster) jun. 223; avar- hacco (nhd. wider-hacken) mons. 348; afar-lêra (iteratio doctrinae) ker. 89; avar-purt (regeneratio) abur-burt T. aber-burt N. 82, 11; avar-sprâcha (deuteronomium) jun. 238; avar-sturz (recidiva febris) mons. 386. 394; avar- wantî (trajectione) mons. 357. — ags. keine comp. mit afor. — altn. afar- untrennbar und nimis bedeutend: afar- kostr (violentia); afar-menni (vir vehemens); afar-reiðr (nimis iracundus); afar-yrdi (convitia). — mhd. comp. mit aber- kann ich nicht belegen, doch mögen sie vor- kommen, da Oberl. aus spätern quellen aber-ane (proa- vus); aber-acht; aber-bann; aber-zil (terminus prolon- gatus) anführt, auch meine ich gelesen zu haben: aber- III. partikelcomposition. — part. mit nom. mære f. böse nachrichten. Die nhd. aber-glaube und aber-witz haben den sinn des bösen, übermäßigen (wie im altn.) vgl. hernach after-; aber-klaue bedeutet hinter- klaue (wofür auch after-kl.); Stald. 1, 86-87. hat aber- sinnig (wahnsinnig, aberwitzig) aber-sünig (launisch) aber- wahl (wiederwahl) aber-wand -wandel (ersatz) aber-wille (unwille) mit welchem letztern das ahd. afur-wollê (male velit) O. III. 1, 66. zu vergl. astra (retro) aftana- (retro) s. unten bei faúrana-. ahd. aftar (post), die goth. afar und af- tra verhalten sich umgedreht zum ahd. avar und aftar, ahd. ist aftar praep. Ags. bedeutet äfter post; altn. aftr retro, unterschieden von eftir (post) diesem altn. unterschied zwischen aftr (aptr) und eftir (ep- tir) entspricht das schwed. åter und efter, dän. atter und efter, auch in der composition. . Goth. subst. mit aftra- componiert fehlen. Ahd. after-chunft (posteritas) jun. 218. N. 104, 9; after-canc (successus) jun. 188; aftar-quëmun (propagines) mons. 345; after-wart (posterior) jun. 249. aphter-wërt mons. 340. doc. 201 a aftar-wërtîc mons. 345; aphter-zuhtîc (postsoetans) mons. 349. doc. 243 a . — ags. äfter-genga (successor); äfter-leán (praemium); äfter-râp (postilena); äfter-ryne (occursus); äfter-sang (succentus); äfter-vëard (posterus); äfter-yldo (sequens aetas). — altn. aftr-bata (reconvalescens); aftr-eldîng (diluculum); aftr-för (regressus); aftr-gânga (manes); aftr-hald (retentio); aftr- hlaup (recessus); aftr-hvarf (reditus); aftr-kall (revocatio); aftr-kast (recursus); aftr-koma (reditus); aftr-reka (repul- sam passus); aftr-stafn (puppis); mit eftir- folgende: eftir- bâtr (inferior); eftir-bid (exspectatio); eftir-burdr (secun- dinae); eftir-dœmi (exemplum); eftir-för (persequutio); eftir-fylgd (imitatio); eftir-koma (successio); eftir-lângan (desiderium); eftir-lâtr (indulgens); eftir-leifar (reliquiae); eftir-leit (indagatio); eftir-mâli (epilogus); eftir-safn (spi- cilegium); eftir-siôn (poenitentia); eftir-spurn (perquisitio); eftir-taka (emolumentum) u. a. m. — mhd. after-kôse (ca- lumnia) after-kunft MS. 2, 221 a ; after-riuwe MS. 2, 115 a . — nhd. meistens das nachfolgende: after-geburt; -darm; -erbe; -heu (grummet); -kind (posthumus); -leder; -lehn; -rede; -sprache; -stück; -zins u. a. m.; zuweilen das schlechtere, im werth nachstehende: after-könig; after- korn; after-liebe; after-mehl etc. Im vocab. 1482. after- kal (recalvaster), dem ahd. avar-chalo gleich. ana- , in allen mundarten trennbar: goth. ana-busns ( ἐντολή ); ana-filbs (traditio); ana-gards (atrium); ana- III. partikelcomposition. — part. mit nom. láugns (occultum); ana-vaírþs (futurus). — ahd. ana-chlaph (impetus) mons. 365; doc. 201 b ana-dâht (attentio) N. Boeth. 42. ana-dâhte (attentus) N. 118, 145. ana-dâhtîc doc. 201 b ; ana-halba (latus) O. V. 3, 6. aber wie stimmt dazu allan V. 3, 24. und III. 14, 50. zu ala-halba?; ana-hlauft (incursus) ker. 39. 117. ana-louf doc. 201 b ; ana-ganc (initium) zu folgern aus ana-gangôn (incipere) N. Cap. 51; ana-gengi (initium) O. I. 7, 21. V. 6, 127; ana-gënne (initium) N. 118, 160. Boeth. 38. 89. 135. 157. 263; ana-kin (initium) K 21 b 59 a gen. -kinnes, ana-gin O. II. 1, 21. T. 1, 1; ana-giftî (for- matio) O. II. 1, 13; ana-ging oder -gingi (aggressus) O. V. 20, 196; ana-grif (tactus) W. 5, 4; ana-guat (princi- pium boni, successus) O. II. 24, 32. III. 7, 86. IV, 29, 10. V. 3, 12; ana-legi (indumentum) N. 34, 26. 103, 1; ana- lêhan (mutuum) jun. 213. mons. 324. 352; ana-lîh (simi- lis) ana-chilîh J. 349. 363. ana-ëban-lîh J. 350. ana-lîchi (similitudo) O. III. 13, 83; ana-liute (vultus) N. 4, 7. 15, 11. 26, 8. 41, 7. 43, 4. p. 268 a Boeth. 33. aber die form ana-lutte Boeth. 11. 18. 44. 67; ana-lustî (voluntas) O. I. 4, 84; ana- mâli (stigma) mons. 322; ana-ougî (conspectus) N. Cap. 52; ana-blâsôt (afflatus) N. 45, 5; ana-plâst (conspiratio) ker. 49; ana-pôƷ (incus); ana-burt (natura) N. 21, 1. 37, 4. ana-burto (genius) N. Cap. 52. ana-purtîc (genuinus) mons. 374; ana-quim (eventus) ker. 129; ana-râti (proditio) O. II. 23, 17. IV. 12, 22. 18, 62. in der syntax wird die con- struction von râtan mit der praep. ana gewiesen werden; ana-ruaftî (acclamatio, O. III. 10, 4. 20, 64; ana-saga (objec- tio) mons. 378. 380. 382. N. Boeth. 26. ana-sagâri doc. 201 b ; ana-sciht (eventus) ker. 117; ana-siht (conspectus) N. 30, 23. 43, 17. 89, 8. Boeth. 40. 78. 212. 266. 268. ana-sihtig (visi- bilis) N. 81, 1; ana-sidele (habitatio) N. 131, 13. Boeth. 34. 98. ana-sideling (incola) N. Cap. 103; ana-siuni (genius?) ker. 164. (vultus) mons. 339. 399. N. 12, 2. 30, 21. 26, 9. p. 268 a Boeth. 34. W. 4, 11; ana-slaht (imber) N. Boeth. 50. 51. der anschlagende, vgl. mhd. ane-hanc und an-slahen vom frost gebraucht Parc. 111 b ; ana-sliht (vultus,? -siht) mons. 347; ana-slouf oder -sloufi (indu- mentum) N. Cap. 101; ana-smëro (butyrum) flor. 983 a ; ana-trift (affectio) N. Boeth. 258; ana-gatrîp (impulsus) mons. 405; ana-tuht? (impetus) mons. 365; ana-sal (irrup- tio) folgt aus ana-fallôn N. 139, 10; ana-fang (initium) N. Boeth. 60. 96. 263: ana-vart (incursus) gefolgert aus ana- fartôn O. V. 20, 191. N. Boeth. 21; ana-festi (firmus) folgt aus ana-fasto (firmiter) mons. 404. vgl. altn. â-fastr; ana-fluƷ (inundatio) N. 45, 5; ana-wali? (operatio) mons. III. partikelcomposition. — part. mit nom. 357; ana-walgî (summa, absolutio) N. Boeth. 146. von dem adj. ana-walg (totus, absolutus) ibid. 164, ein sonst unerhörtes wort, in welchem -lg, wie mehr bei N., für -lh stehet, vgl. ags. on-vëalh; ana-walto (potestas) N. Cap. 162; ana-weltî (latibulum? vielleicht bloß domicilium, do- minium?) O. II. 11, 47; ana-wân (suspicio) zu folgern aus ana-wânôn (suspicari) N. 118, 39; ana-wart (attentus) O. I. 18, 26. 22, 18. IV. 15, 28. ana-warta (attentio) N. Boeth. 266. ana-wartîg (praesentarius) Boeth. 270. ana- wërt O. IV. 17, 1. ana-wërt N. 124, 2. Boeth. 9; ana-wist (natura) N. 87, 3; ana-wurte (speculator) N. Boeth. 267. — alts. an- (nicht ana-): an-gin (initium); an-siuni (vultus). — ags. on-, doch ist bei beurtheilung dieser wörter vorsicht zu brauchen, da zugleich on- für un-, für in-, für and- und für ân- geschrieben wird, nicht selten stehet auch an-: on-äl (incendium); on-älet (fulgur); on-bên (impre- catio); on-brincg (instigatio); on-färeld (ingressus); on- feng (captus); on-filt (incus); on-gang (ingressus); on-gin (inceptum); on-hosp (reprehensio); on-lîc (similis); on- räs (impetus); on-ryne (incursus); on-sagu (testimonium); on-sëón (vultus); on-stäp (ingressus); on-sund (integer); on-tëóna (injuria); on-timber, an-timber (materies); on- vëald (potestas) m.; on-vëalda (magistratus); on-vëalh, -vëalg, -valg (integer, totus). — altn. â-austr (infusio); â-bati (lucrum); â-blâstr (aspiramen); â-bôt (supplemen- tum); â-breida (stragulum); â-burdr (sarcina etc.); â-bœ- tir (additamentum); â-deila (redargutio); â-dryckja (pro- pinatio); â-eggjan (exhortatio); â-fastr (contiguus); â-felli (calamitas); â-fengr (vehemens); â-fûsa (voluptas); â-gângr (aggressio); â-giarn (avidus); â-gôdi (proventus) vgl. ahd. ana-guot; â-grip (compendium); â-gætr (celebris); â-höld (utensilia); â-heit (votum); á-hlaup (impetus); â-hrun (ruina); â-hugi (sollicitudo); â-kall (invocatio); â-kast (ictus lapidis); â-koma (recens pluvia) vgl. mhd. ane-hanc; â-lag (additamentum); â-lât (embamma); â-lit (aspectus); â-lûtr (pronus); â-mâttkr f. â-mâttugr (pervalidus); edd. sæm. 41 b 82 b ; â-môt (confluentia); â-mæli (vituperium); â-munr (avidus); â-naud (servitus) edd. sæm. 84 b ; â-qvæði (sententia); â-reid (visitatio equestris); â-rædi (impetus) ahd. ana-râti?; â-sâttr (contentus); â-siôn (vultus); â- slâttr (verberatio undarum) vgl. ahd. ana-slaht; â-stand (circumstantiae); â-sveigr (in unum latus vergens); â-svif (deliquium); â-tak (attactus); â-tölur (increpatio); â-þeckr (similis); â-þrif (attactus); â-valr (convexus) wahrschein- lich das ahd. ana-walh, ags. on-vëalh, zumahl wenn man III. partikelcomposition. — part. mit nom. das adv. â-valt (semper, omnino?) vergleicht; â-vani (mos inveteratus); â-vardr (insidiosus); â-vërki (vulnus); â-vinningr (lucrum); â-væni (spes incerta); â-vöxtr (fruc- tus) vgl. nhd. an-wuchs. — mhd. meistens ane-, nur dann muß an- stehen, wo eine unbetonte zweite partikel darauf folgt: ane-bët (adorandus) Ben. 146; ane-blic troj. 89 b Barl.; ane-bôƷ Wh. 2, 35 b Karl 56 b MS. 2, 107 b ; ane-dâht; ane-ganc Bertold 58. Trist.; ane-genge MS. 2, 169 a Wigal. Barl.; ane-haft Parc. 53 c ; ane-hanc (pruina, ros) die sich an gras und laub hängende feuchtigkeit a. w. 3, 20. Ben. 56. MS. 1, 13 b 148 a ; ane-hap (origo) Lampr. 212; ane-lîch (similis) Gudr. 6 a 64 b (4958. 4966.) kaum bei andern; ane-muot Oberl. 43 a ; an-gesiht (fem.) Wig. Barl.; ane-slouf (vestis) folgt aus dem schw. verb. ane- sloufen mit kleide vateruns. 366; an-sprâche Trist.; ane- vanc Barl. Trist.; ane-want (latus?) Wh. 1, 2 b . — nhd. an-: an-bau; ge-binde; -blick; -bruch; -dacht; -drang; -erbe; -fall; -fang; -flug; -frage; -gabe; -beginn; -griff; -halt; -hang (nicht mehr vom thau); -hauch; -höhe; -kauf; -klage; -kunft; -lage; -laß -laut; -lehen; -muth; -rede; -satz; -schein; -gesicht; -sicht; -spruch; -stalt; -stand; -stoß; -strich; -trieb; -walt; -wuchs; -zahl; -zei- chen; -zeige; -zug u. a. m. Für an-boß gilt am-boß, für an-lich, en-lich die schlechte schreibung ähnlich. — Diese partikel ist das gegentheil von ab-, sie drückt das sich nähernde, beginnende, unternehmende, natürliche, gelingende, wohlgefällige aus. and (contra, ἀντί , versus), trennbare praepos. lautet diese part. im goth. nur and; in der zus. setzung sowohl and-, als anda-. Obgleich sie in der wurzel verwandt sein mag mit andi (extremitas), darf man doch das a- in anda- für keinen comp. vocal nehmen, weil dann andja- stehen würde. Anda- scheint die ältere, volle partikel- form, die sich nur vor dem nomen, nie vor dem ver- bum erhält, aber auch vor dem nomen begegnet zuwei- len and-. Folgende nomina haben anda- : anda-nahti ( ὀψία , zeit gegen abend); anda-nêms (acceptus); anda- numts (assumptio, elevatio, ἀνάληψις ); das verbum stets and-niman, nie anda-niman; anda-sêt (abominabile); anda- staþeis (adversarius, ἀντίδικος ) anda-stáua (idem); anda- þahts σώφρων ); anda-vaírþi ( τιμή , pretium) Matth. 27, 6, 9; anda-vaúrdi ( ἀπόκρισις , responsum); anda-vleizn ( πρόσωπον ). Dagegen and- : and-áugis (manifestus) ge- folgert aus and-áugjô, -áugiba (palam); and-bahts (ser- vus, minister); and-vaírþs (praesens) and-vaírþi ( πρόσω- III. partikelcomposition. — part. mit nom. πον ); im ersten offenbar wegen des anstoßenden vocals f. anda-áugis; warum es nicht anda-bahts, anda-vaírþs heißen könne, sehe ich keinen grund, freilich wird das von and-vaírþs abgeleitete and-vaírþi (praesentia) und das mit vaírþs (dignus) frischgebildete anda-vaírþi (aesti- matio) dadurch unterschieden. — ahd. ist die partikel un- trennbar, aber, analog dem goth. anda- und and-, lautet sie vor dem nomen beständig ant- , vor dem verbum in den ältesten quellen bisweilen ant-, gewöhnlich int- , häu- fig in- die goth. einiilbigen and- konnten leichter zu int-, ent- ver- derben; in den zweisilbigen anda- war der volle laut zu mächtig und ant- blieb. . Nomina mit ant-: ant-heiƷ (sacrificium, vo- tum) ker. 146. mons. 352. N. 115, 18. (int-heiƷ N. 21, 26. 55. 14. scheint fehlerhaft) ant-heiƷâ nom. pl. (cerimonia) ker. 54. abgeleitet sind ant-heiƷo (devotus) ker. 83. ki-ant heiƷôn (immolare) ker. 175. ge-ant-heiƷôn (vovere) N. 131, 2; ant-hruoft (aemulatio) cateches. theot.; ant-lâƷ (remissio, venia) exhort. K. 18 b (mollities) mons. 385. N. p. 267 a , 77. ant-lâƷîc (praestabilis, inclinatus) mons. 343. 878. 396. (mollis, mitis) N. 17, 33. Boeth. 69. 227; ant- lënki (responsum) ker. 78. 212. davon das verbum ant- lënkan (respondere) K. 17 b 18 b 31 b ant-lingan T. 2, 9. 3, 7. 13, 16. 47, 14. etc.; ant-lutti (os, facies) ker. 212. J. 368. jun. 173. 241. annuzi T. 35, 1. O. IV. 33, 10. scheint f. ant-luzi zu stehen? vgl. an-luzi O. I. 5, 34; am-paht, am-baht (minister) für ant-paht? fast bei allen und schon sgall. 187. (villicus); ant-pâra (signum) mons. 385. 386; ant-rahha (apologia) ker. 37; ant-rëcho (ultor) jun. 232; ant-reitî (series, ordo) hrab. 956 b ant-reita T. 2, 3. O. IV. 6, 65. ant-reitida K. 57 b 58 a ; ant-runnëo (profugus) ker. 107. hrab. 961 a ant-runno jun. 231. ant-runnigî (apostasia) mons. 378; ant-seida (defensio) N. 37, 17. Boeth. 28. f. -segida, aus einem einfacheren, verlornen subst. abgelei- tet?; ant-sâƷîc (erectus) mons. 384. ant-sâƷîg (reverendus, tremendus, horridus) N. 11, 5. 137, 7. 144, 6. Boeth. 47. 132. Cap. 112. 162. es wird ein ant-sâƷi (goth. anda-sêtis) gegeben haben, vgl. das verb. ent-setzen; (ant-fahs crinitus) N. Cap. 121. 152; an-tac f. ant-tac (oben s. 489.); ant-fang (susceptio) O. I. 12, 59. N. 21, 4. ant-fangi (acceptatio) O. I. 4, 145. ant-fenki (acceptus) ker. 146. ant-phengi T. 7, 8. 18, 2. ant-venkîc K. 25 b mons. 404. ant-sanclîh K. 25 a , das ver- bum hat aber int-fahan; ant-wart (praesens) K. 58 b ant- III. partikelcomposition. — part. mit nom. warta (praesentia) K. 35 b ant-wërdin (praesentia) J. 397. 408; ant-wurti (responsum) ker. 78. daher ant-wurtan (respondere) T. 44, 13. geant-wurten N. Boeth. 247. — ags. untrennbar, und wiederum vor dem nomen and- , vor dem verb. on- ; mit jenem vermenge man nicht das dem goth. und- entsprechende oð-. Hierher gehören fol- gende zus. gesetzte nomina: and-bita (azyma); and-fëax (calvus?) and-fexe (calvities?); and-feng (susceptio) and- fenge (acceptus) dagegen im verb. on-fôn; and-gët (intel- lectus) and-git Beov. 81. and-gitol (intelligibilis), im verb. aber on-gitan; and-long (continuus, in longum porrectus) Beov. 218. oder ist das erste wort subst.? vgl. oben s. 565; and-lifen (victus, alimentum); and-lôman, and-gelôman (utensilia); and-saca (hostis, adversarius) Beov. 61. 127. and-sacu (inimicitia) Beov. 140. und daher das schwache and-sacjan; and-sæte (exosus, abominabilis); and-svare (responsum) Beov. 113. 138. wovon and-svarjan gebildet ist Beov. 22. 28; and-vëard (praesens) Beov. 98; and-vëorc (materies); and-vlita (vultus) Beov. 54; and-vyrde (re- sponsum) wovon and-vyrdan (respondere). Vermischun- gen des and- mit an- (= on-, ahd. ana-, in-) sind nicht selten, deswegen schwebt unsicherheit über einzelnen for- men, die sich in correcten denkmählern nicht finden und bei denen die vergleichung des ahd. verläßt, z. b. heißt es and-timber (ahd. and-zimpar) oder an-timber, on-t. (ahd. ana-zimpar)? Auch im ags. ist am-biht, om-biht (nuntius, legatus) Beov. 24. 27. aus and-biht zu deuten. — altn. and- , bloß mit dem nomen componiert, die im goth. ahd. und ags. häufige composition mit verbis scheint der altn. sprache abzugehen: and-bod (renuntiatio); and-dyr (fores interiores); and-fâng (susceptio) edd. sæm. 32 a ; and-fœtîngar (antipodes); and-hôf (reluctatio); and-hær (adverso crine); and-kanni (vitium); and-lit (facies); and- mâll (oblocutor); and-marki (vitium); and-rôdr (remiga- tio contra ventum); and-skoti (hostis); and-spiöll (respon- sum); and-streymi (lapsus aquarum adversus) and-streymr (difficilis); and-stygð (abominatio); and-svör (responsum) wovon and-svara (respondere); and-tûr (mos indecorus); and-tæli (meretrix, viros alliciens); and-þveiti (aggressus); and-vaka (pervigil); and-vari (sedulitas); and-vidri (ven- tus adversus); and-virði (pretium) goth. anda-vaírþi. Für and-bâtt (ferva) gleichfalls am-bâtt. Wo önd- stehet scheint ein u des zweiten worts umlaut zu erregen, vgl. önd-urðr (obversus, obvius) f. and-vërðr, önd-ugi, önd- ŷgi (locus in aula soli obversus) f. and-vëgi, folglich die III. partikelcomposition. — part. mit nom. schreibung önd-vërðr, önd-vëgi tadelhaft. — mhd. dauern fort: am-bet (ministerium); am-pære (signum) Trist. 9157. f. ant-bære; ant-heiƷ (votum) MS. 1, 179 a troj. 143 c Barl. 362; ant-lâƷ Karl 53 a Bert. 149. ant-læƷic (remissibilis) Bert. 92; ant-lütze Parc. 75 c 126 a Barl. 148. 193. Nib. 977. ant-litze Parc. 29 a Herb. 69 a ant-liz troj. 6 a 10 c (tadelhaft) ant-liute Barl. 64. 96. MS. 2, 188 a (wohl f. ane-liute?) antule a. Tit. 124. (ganz verderbt); ant-reite (ordo) cod. pal. 361, 19 c 47 d Wh. 2, 1 b Geo. 52 a Rud. weltchr.; ant- vahs (horridus crine?) En. 21 b ; ant-vanc Jw. 45 b Trist. ant- pfanc Nib.; ant-wërc (machinae) Mar. 192. Barl. Wigal. Nib. Bert. 41; ant-würte (responsum) Mar. 33. 64. Parc. 147 a 151 c troj. 32 a 33 b 36 b und daher das verb. ant- würten. Dialectisch und in einzelnen wörtern zeigt sich schon unorganisches, unbetontes -ent für betontes ant- : ent-pfanc Parc. 167 a Wh. 2, 113 a (ist das in Wolfr. sprache?); ent-wîch (discessio) Parc. 96 c 138 c ; ent-würte Herb. 23 c desgl. im abgeleiteten verbo Herb. 106 d am. 3 a . — nhd. nur übrig: ant-litz und ant-wort (abgesehen von dem kaum erkentlichen amt, officium); hingegen: em- psang. — Die abgehandelte part. bedeutet sowohl mildes entgegenkommen, als gewaltsames widerstreben; sie drückt eine größere nähe aus, als ana-, z. b. and-vaírþs ist prae- sens (gegenwärtig) ana-vaírþs futurus. Doch schwankt einzelnes, vgl. ana-lutti und ant-lutti. andar ? (iterum) es scheint eine mit dem vorausge- henden and (ungefähr wie afar mit af, undar mit und) verwandte partikel gegeben zu haben, die sich nur im altn. (trennbaren) endr erhalten hat, dessen umlaut die vollere form endir voraussetzt. Im schwed. und dän. verloren. Man pflegt es dem ags. ëd- zu vergleichen, mit dem es zwar in der bedeutung stimmt, in der form nicht stimmen kann, denn das ags. ëd- ist = ahd. ita- und nach der lautlehre steht kein ahd. -t einem altn. -nd parallel. Eher ließe sich das ahd. endar-haft (absolutus) mons. 375. in anspruch nehmen, wo der umlaut ebenfalls endir for- derte? ge-ander-wîsôn (mutare) ist ganz verschieden und mit dem adj. andar zusammengesetzt. Altn. mit endr- componierte nomina sind: endr-bôt (reparatio); endr-giald (compensatio); endr-lausn (redemtio); endr-mæli (contra- dictio); mehr andere sind bloße ableitungen aus compo- nierten verbis. ahd. âno (sine) altn. ân geht überhaupt keine comp. ein, weder mit nom. noch verb., sondern steht, wie auch das goth. inuh, immer getrennt, sei es nun adv. oder III. partikelcomposition. — part. mit nom. praep. So übersetzt zwar âne wëc jun. 306. invium, ist aber kein âne-wëc. Das nhd. ohn-macht ohn-mächtig steht entw. f. un-macht oder â-macht oder wurde aus der redensart: ohne macht allmählig zum subst., wie man in unsern zeiten aus sans culotte, ohne hosen ein subst. gemacht hat, oder wie das engl. sine-cure aus sine cura entsprungen ist. ahd. ar- (ex), diese für keine andere mundart giltige form einer trennbaren partikel bindet sich in der regel nur mit verbis, aus welchen dann nomina deriviert wer- den können, z. b. ar-chominî (stupor) ker. 8. setzt ein ar-choman, ar-paramîc (misericors) ein ar-paramên vor- aus. Die unmittelbare zus. setzung mit dem nomen hat â- (für as- oder ar-). Ausnahme macht ar-chust, neben â-chust, welches vorhin s. 705. belegt worden ist. at- (ad-) überall trennbar; bei Ulf. kaum mit dem nom. componiert, man müste denn das dunkle ataþni (annus) für at-aþni halten dürsen (s. 237.); at-vitáins (observatio) leitet sich von at-vitan her. — ahd. ist die partikel selbst vor verbis selten; mit subst. verbunden kenne ich nur: aƷ-fengi (initium) jun. 211; aƷ-kêr (jaculum) aƷ-gêr gl. vind.; aƷ-Ʒasi (utensile) f. aƷ-zasi jun. 225. 231. 251, vgl. îsarn-aƷƷasi (ferramentum) K. 40 b scrib-aƷƷasi (cautio) T. 108. fehlerhaft stehet aƷƷari f. aƷƷasi blas. 5 b . — ags. gleichfalls selten: ät-gâr (genus teli); ät-hrîn (tactus); ät-hlŷp (nach Lye effugium, eher scheints accursus). — altn. häufig: at-bûnaðr (sustentatio); at-burdr (eventus); at-drâttr (commeatus); at-dŷpi (profundum littorale); at-fall (accessus maris); at-föng (commeatus); at-för (ag- gressio); at-ferd (modus agendi); at-fluttr (advectitius); at-fylgi (solertia); at-gângr (accessus); at-geir (lancea); at-giörd (refectio); at-görfi (praestantia); at-höfn (opus); at-hlâtr (derisio); at-hlæi (scurra); at-hugi (cautela); at- hugall (cautus); at-hvarf (refugium); at-kall (postulatio); at-kast (criminatio); at-koma (adventus); at-læti (tracta- tio); at-orka (strenuitas); atqvæði (sententia); at-reid (adequitatio); at-renna (nisus); at-ridi (rei momentum); at-rôðr (remigium strenuum); at-sëti (habitator) at-sëtr (domus); at-siâll (parcus); at-sig (imminentia, besonders von sturm, wie mhd. von wolken: sie sigen ze samene); at-siôn (census); at-skot (inopinatus adventus); at-sôkn (impetus); at-stôð (auxilium); at-vik (compellatio); at- vinna (victus); at-vist (praesentia); at-yrdi (reprehensio). — Der bedeutung nach gleicht diese part. dem ana-, daher ahd. aƷ-fengi und ana-fanc beide initium altn., â-qvæði III. partikelcomposition. — part. mit nom. und at-qvædi beide sententia ausdrücken; nur liegt in at- mehr das wirkliche beisein, in ana- mehr die nähe- rung. Das altn. at-dŷpi erinnert an das nhd. an-höhe. Welchen sinn at- bei -gêr, -geir gibt? den der beiwaffe, eines kleinern neben dem größern spieß? bi- ( ἐπί , περί ); im goth. ist noch keine spur, weder daß diese part. im fall der comp. ihren vocal schwäche, noch im fall der praeposition verlängere. Ich glaube, daß sie ursprünglich und im goth. immer kurzvocalisch und betont anzunehmen ist, ihre bedeutung mag gewesen sein, welche sie wolle. Meistens setzt sie sich mit dem verbo zusammen, und wenige nomina kommen vor: bi- hatja ( ὀργίλος ) Tit. 1, 7; bi-máit (circumcifio) Joh. 7, 22, 23. Philipp. 3, 3, 5; bi-rêkis (periclitans) Luc. 8, 23; bi- sunja (vicinus?), worin mir das zweite wort dunkel ist. — ahd. besteht eine nicht leichte unterscheidung, genau be- trachtet, gilt dreierlei: pî, betontes pi, unbetontes pi. Die praeposition, sobald sie das sinnliche prope ausdrückt, hat langes î, bei abstracter bedeutung aber kurzen, unbetonten vocal. Seit N. schwächt sich dieser sogar in ë (Graff p. 103. 104. 106. 109.). In der composition behält nun das ad- verbium 1) pî- , wenn es trennbar bleibt und die räum- liche bedeutung prope hat, sowohl vor dem nomen, als dem verb. Die für das nomen gehörigen belege sind: pî- namo (pronomen) K. 20 a ; bî-wurti (proverbium) T. 133. bî-wurte N. Boeth. 81. Cap. 61; bî-stello (defensor) N. Boeth. 207; andere laßen sich nach dem mhd. und nhd. vermuthen. N. scheint aber einigemahl selbst in sol- chen wörtern betontes í statt î zu schreiben. 2) ist die partikel untrennbar und drückt sie ein abstractes umfaßen und behandeln des gegenstandes aus; so gebührt ihr in keinem fall langer vocal, die frage ist bloß nach betontsein oder nicht? Regel scheint nun: vor dem verbum und allem, was daher abgeleitet wird, hat die partikel keinen ton; sie behält ihn aber, wenn sie sich mit dem nomen componiert. Schwierigkeit macht nur, in strengahd. quellen, die keine accente setzen, selbst componierte nomina und verbalableitungen überall von einander zu scheiden, z. b. ist píkanc anzunehmen oder pi-kanc, deriviert von pi-kankan? Hier hilft freilich N. für die wörter, die bei ihm vorkommen, da er im fall der betonung immer í schreibt, den tonlosen vocal in e (= ë) schwächt. Weil inzwischen späterhin die betonten bí-, die er noch hat, allmählig in unbetonte be- übergehen, so können auch schon zu seiner zeit an- III. partikelcomposition. — part. mit nom. dere, welche strengahd. pí- hatten, des tons verlustig geworden sein, und es darf selbst den mhd. und nhd. be- ihre ursprüngliche zus. setzung mit dem nomen nicht geradezu abgesprochen werden. N. gewährt folgende bí-: bí-fang (ambitus) Cap. 161. (complexus) Boeth. 253; bí- numftlîh (violentus) Boeth. 130; bísëƷ (possessio) 103, 24, 27; bí-zucche (involucrum, pallium) Cap. 57 125; da- gegen: bë-gunst (studium) Boeth. 199; bë-suoch (tentatio) 106, 10; bë-derbe (utilis) 24, 3., welches letztere schwer- lich aus einem componierten verbo abgeleitet ist. In nachstehenden beispielen aus andern ahd. denkmählern bleibt die betonung billig unerledigt: pi-chnât (satisfactio) mons. 378; pi-dâht (sollicitudo) nach pi-thâhdîc (sol- licitus) ker. 254. 262; pi-tharpi (ntilis) ker. 28. um-pi- tharpi (fatuus) ker. 207. pi-tharplîh ker. 28. pi-derbi K. bi-therbi O. III. 1, 79. (die freis. handschrift liest, und accentuiert biderbe), pi-dirpi (compensatio) mons. 377. 378. 287. pi-duinc (extorsio) mons. 410; pi-halti (custodda) ker. 109; pi-heiƷ (conjuratio i. e. promissum juramento firmatum) mons. 333. 337. und davon abgeleitet pi-heiƷôn (promittere) ker. 228. mons. 326; pi-huct (sollicitudo) nach pi-huctîc (sollicitus) K. 22 a 27 a ; un-pi-hucdic ker. 250. vielleicht pî-huctîc?; pi-giht (sponsio, consessio); pi-kanc (cultus) hrab. 955 b pi-gang (celebratio) ker. 26. pi-gangëo (opifex) ker. 18. pi-kenkëo (extorris? vielleicht pî-kenkêo, finitimus, pe- regrinus? vgl. goth. bi-sunja) ker. 107. lant-pi-kengëo (indigena) jun. 211. hrab. 967 a accar-bi-gengo (agricola) T. 124. bi-gangeri, bi-gengiri (cultor) T. 102. 132; pi- kraft (sculptile) jun. 226; pi-crift (? manubiae, was be- griffen, geraubt wird) ker. 189; pi-loh (claustrum) mons. 407. ker. 70. (wo piploh); pi-pot (mandatum, judicium) ker. 146. 180. (praeceptum) jun. 245. K. 15 a 16 b (untersch. von ki-pot, mandatum) bi-bot (mandatum) T. 2, 2. bi- boteri (praeceptor) T. 111; pi-proh (corruptor?) ker. 76; pi-selitha (habitatio) ker. 180. vielleicht pî-selitha, bei- haus?; pi-siuni (cura) gefolgert aus pi-siunîo (anxius) wo- von pi-siunîgî (scrupulum) jun. 228; pi-screnchi (versutus) jun. 181; pi-smër (opprobrium) ker. 221; pi-smiƷ (ma- cula) ker. 150. 183. K. 18 a ; pi-sprâhha (obtrectatio) K. 59 b mons. 332. 346. 357. 364. pi-sprëhho (detractor) sgall. 194. K. 23 b pi-sprâhhal (bilinguis) mons. 352. 354. 356. oder gebührt ihnen allen pî? vgl. oben â-sprâcha, aftar- sprâcha; pi-suih (seductio, fraus) ker. 230. 249. pi-suihlîh (fraudulosus) jun. 205; pi-tât (ambitus fani) mons. 362; III. partikelcomposition. — part. mit nom. pi-fanc, bi-fang (ambitus, septum, ager limitibus concep- tus) trad. fuld. 1, 33, 55. 2, 45. 164. 182; pi-flëoƷ (sirtes, fretum) ker. 133. 142. 248; pi-wân (suspicio) mons. 408. vgl. mhd. be-wænen; pi-wërf (jactura) ker. 169; pi-wë- rah (dives) ker. 87. (oder uncomponiert: pî wërah, der bei werke, ope, ist?); pi-zûn oder pi-zûni (sepimentum) gefolgert aus bizumia (l. bizunia) trad. fuld. 1, 81. Nicht hierher zähle ich pi-ladi (exemplum), sondern nehme pil- adi an (s. 237. 238.). Viele der angeführten zus. setzun- gen können allerdings aus bestehenden und geläufigen ver- bis (pi-piotan, pi-liuhhan, pi-duincan, pi-smîƷan, pi-si- zan etc.) bloß abgeleitet sein, welches sich, ohne sicher- heit über den accent, nicht entscheiden läßt und warum soll in pi-fanc, pi-heiƷ die partikel weniger zu dem subst. fanc, heiƷ treten dürfen, als in ana-fanc, ant-fanc, ant- heiƷ? Dazu lautet auch das verbum nicht pi-fankan, sondern pi-sâhan und es gibt kein starkes ahd. pi-heiƷan, nur ein erst aus dem subst. pi-heiƷ derivierendes schwa- ches pi-heiƷôn, obgleich die ags. mundart ein starkes be-hætan kennt. Bildungen hingegen wie pi-halsida pi-suihhida, pi-smiƷanî etc. stammen unbedenklich aus verbis und gehören nicht hierher. — alts. bi-tenge (gra- vis, molestus) ahd. gi-zengi, ags. getenge. — ags. zeigt sich 1) eine der ahd. verlängerung des pi in pî ähnliche erscheinung: bi wird zu big (vgl. 1, 261.) wenn es prope bedeutet, wahrscheinlich gieng dieser schreibung ein älte- res î vorher, Beov. findet sich nur einmahl big- in big- stôdon 226. (ahd. pî-stuontun). Hierher gehören folgende nomina: bî-cvide, big-cvide (proverbium): bî-gërdel (saccus); bî-hŷdig, big-hŷdig (sollicitus); bî-lëofa, big- lëofa (victus); bî-säc (pera, bei-sack, franz. besace, ital. bisaccia); bî-spëll, big-spëll (fabula); big-vist (alimen- tum); bî-vord, big-vord (proverbium). 2) für die allge- meinere, vagere bedeutung gilt be- (= bë), zuweilen noch bi- geschrieben: be-bod (mandatum) Beov. 132; be-cyme (eventus); be-gong (cultus, opus) Beov. 29. 114. 134. be-ganga (incola); be-hât (votum); be-hêfe (neces- sarius, be-hufig); be-svic (fraus). — altn. gebricht diese part. überhaupt, sowohl allein stehend als in der compo- sition, das vorkommende bîlæti bestätigt daher meine ansicht des ahd. piladi. Alle zus. setzungen mit be- im schwed. und dän. sind aus dem hochd. entlehnt. Dafür ist den nord. sprachen die partikel hiâ, hos eigen, welche das bî- (prope), nicht aber das be- ausdrückt. — mhd. 1) betontes bî- wie im ahd.: bî-gürtel (marsupium) w. III. partikelcomposition. — part. mit nom. gast 136 b ; bî-lant (terra vicina) Trist.; bî-lëger (concubi- tus) folgere ich aus dem nhd. bei-lager und dem mhd. verbo bî-ligen; bî-sâƷe (vicinus); bî-schaft (parabola) Barl. Bon.; bî-spël (exemplum) Barl.; bî-stal (subliminare) Wh. 2, 182 b vgl. Oberl. v. bei-stal; bî-stuodel (postes) Oberl.; bî-vilde (funus, exsequiae) Nib. 4276. (al. be- vilde); bî-wîp (pellex) Oberl.; bî-ziht (criminatio) Parc. 173 c , andere ergeben fich aus dem nhd. — 2) be-, über- all unbetont: be-derbe (utilis) MS. 2, 239 b un-be-derbe (frustraneus) Jw. 53 b im reim: erbe, doch deutet bei an- dern die schreibung bi-derbe auf die alte betonung, wenn gleich dadurch der falsche schein einer wurzel bid-erbe entsprang; be-giht (confessio) Barl. später contrahiert bîhte misc. 2, 215; be-gin Trist.; be-gunst (Barl.; be-grist; (com- plexus) Parc. 97 c ; be-hagel (audax) Herb. 90 c be-jac (acqui- sitio) Parc. 87 c 93 c 105 b Wigal. und sonst häufig; be-lîp (quies) am. 19 b ; be-sëƷ (obsidio) Rud. weltchr. Schütze 1, 203; be- zoch Nib. 1465. — nhd. 1) betontes bei-: bei-bote; bei- fall; bei-frau; bei-hilfe; bei-kirche (eccl. filia); bei-lage; bei-lager; bei-leid; bei-name; bei-schlaf; bei-schlag (numus adulterinus); bei-schmak; bei-sitzer; bei-stand; bei-spiel; bei- steuer; bei-trag; bei-tritt; bei-wagen; bei-weg; bei-wort. 2) unbetontes be-: be-dacht; be-fang; be-fehl; be-fund; be-ginn; be-griff; be-huf; be-lauf; be-leg; be-richt; be- schlag; be-sitz; be-stand; be-trug; be-zug u. a. m. deren jedoch viele sichtbar aus verbis abgeleitet sind, z. b. be- lang, be-lauf. Unkenntlich geworden ist die partikel in bieder (validus, utilis) und beichte. — engl. 1) by-: by- blow; by-dish; by-lane; by-lander; by-name; by-path; by-road; by-sack; by-stander; by-town; by-way; by- word; by-work. 2) be-, wenig nomina: be-half; be- hest; be-hoof; be-lief. — Aus der anfänglichen identität des bî- und be-, von welcher ich ausgegangen bin, er- geben sich fast zu jeder zeit berührungen beider, das le- bendige nahesein geht über in den abgezogenen begriff von einwirkung. Z. b. be-graben heißt sepelire, mhd. auch be-vëlhen, im subst. gilt bî-vilde, wahrsch. auch bî-graft (vocab. 1482. bei-gref), die bei-legung des leich- nams, vgl. bei-schlaf und be-schlafen, bei-sitz und be-sitz, so daß auch neben be-wænen ein subst. bî-wân (suspicio) gelten könnte. In mehrern ahd. wörtern bin ich über pi- oder pî- unschlüßig. Oft stehen auch beide bil- dungen einander entgegen, z. b. bei-schluß, be-schluß; bei-stand, be-stand; bei-trag, be-trag; aber solche gegen- sätze der bedeutung laßen sich selbst in fällen wahrneh- Z z III. partikelcomposition. — part. mit nom. men, wo die form der partikel ganz die nämliche ist. Verwandte partikeln sind: miti- dem pî- (ahd. miti-slâf, nhd. bei-schlaf); ka- dem pi- (ahd. ka-heiƷ wie pi-heiƷ), ana- dem pi- (ahd. ana-gin, mhd. be-gin), doch mangelt beiden dem ka- und an- die in be- liegende idee des um ( περί ), an- bezeichnet einseitige, be- mehrseitige wirkung auf den gegenstand. Einigemahl scheinen auch pî- und pi- (vergleichbar dem ab-, aftar-, nâh-, hintar-) das ge- ringe, verächtliche und böse auszudrücken, so in bî-wîp, pi-sprâhha, pi-wân (argwohn). du- (ad-), der lautverschiebung entgangen, für tu stehend, d. h. dem ahd. za, zi entsprechend nach dem vocalwechsel, welcher auch zwischen goth. us und ahd. ar, ir, ur stattfindet. Diese, überall trennbare partikel erleidet eine dem eben abgehandelten bi- analoge verän- derung dadurch, daß sie theils den vocal verlängert, theils schwächt. So entspringt im sächs. tô für to = tu, ahd. zô, zuo, zua, wenn der begriff stärker und sinnlicher; sächs. të = ti, ahd. zë = zi, za, wenn er schwächer ist. Der nordischen mundart mangelt sie wiederum, gleich dem bi, durchaus, denn daß sie dem an ihrer statt ge- brauchten til formell verwandt sei, leidet zweifel. Bei Ulf. stehet du in keiner einzigen stelle vor dem nomen außer Matth. 9, 16, wenn man du-plata ( ἐπίβλημα ) für ein compos. nehmen darf, welches wegen verderbtheit der beiden folgenden wörter und der parallelstelle Marc. 2, 21, wo das nämliche gr. wort mit dem einfachen plat übersetzt ist, verdacht erregt. Im ahd. alts. und ags. ge- hen nomen und verbum composition mit dem langen zuo-, tô- (wie mit pî-, bî-), niemahls aber mit zi- za- die s. 318. versuchte deutung des ahd. zaturra ist fahren zu laßen wegen zatre (meretrix) ker. 180. 181. zatare 259. und des noch heute provinziell gebräuchlichen zatter, zotter, zotte. Ablei- tung ist folglich -urra, wurzel zat-, vielleicht zât- zu schreiben. Noch weniger darf etwas gegen den obigen satz aus den unbe- hülflichen übersetzungen ze manungû (ad monitionem f. admoni- tionem) K. 16 b ze wunske (ad optionem f. adoptionis) K. 20 a und za teile (ad divisionem f. distributio) K. 35 b gefolgert werden. Er hätte schreiben sollen: zuamanunga, zuawunsces, zuateilunga. , zë-, të- ein (unähnlich der compos. mit pi-, bë-). Hier- von könnte die ursache darin liegen, daß zi- und të-, wie wir unter dem folgenden artikel sehen werden, das goth. dis- vertreten müßen. Reichliche beispiele goth. zusammensetzungen des nomens mit du- (für ahd. zuo- und zi-) würden dies zur gewisheit bringen. Für die III. partikelcomposition. — part. mit nom. zusammensetzung mit der verlängerten form folgende be- lege: ahd. zuo-hald (futurus) J. 372; zô-hlauft (concursus) ker 78; zuo-ganc (aditus) jun. 235. zô-gang ker. 110. zoa-ganc ker. 23; zua-gift O. V. 12, 109; zuo-muos (pulmentum) mons. 338; zô-quëmi (conventus) ker. 78; zuo-vër-siht doc. 246 a ; zoa-fluht (refugium) ker. 158. zuo-fluht N. 45, 2; zoa-wân (latebra d. i. refugium) ker. 184; zuo-wart T. 13, 13. zuo-wërt (futurus) T. 64, 1. 173, 2. — ags. tô- cyme (adventus); tô-dæl (divisio); tô-feng (captio); tô- gang (aditus); tô-hëald (proclivis); tô-hopa (spes) dies wort steht auch in den niederd. psalmen; tô-ryne (accur- sus); tô-svip (flagellum); tô-veard (futurus); tô-vyrd (occasio). — mhd. zuo-grif MS. 2, 141 b ; zuo-nam Parc. 75 b ; zuo-ver-siht Barl.; zuo-vart (adventus) Barl. Karl. 109 b ; zuo-wîp (concubina) Oberl. aus schon späterer zeit; sicher noch manche andere. — nhd. zu-drang; zu-fall; zu-flucht; zu-gabe; zu-gang; zu-kunft; zu-lauf; zu-ge- müs; zu-nahme; zu-ruf; zu-satz; zu-schlag; zu-ver-sicht; zu-speise; zu-spruch; zu-stand; zu-that; zu-tritt u. a. m. — Der sinn von zuo- berührt sich pî- (pî-namo, zuo-namo; pî-wîp, zuo-wîp) und mit ana- (ana-wërt, zuo-wërt; an-kunft, zu-kunft; an-ruf, zu-ruf); doch hat zuo- nicht den begriff von um, neben und verringerung, der in pî- liegt, und drückt mehr das vollbringen aus, als ana-, das sich auf die wirkung nach der oberfläche und dem äuße- ren beschränkt. In einzelnen fällen wechseln alle drei mit einander, vgl. ana-gin, pi-gin und goth. du-ginnan. Für keine zus. setzung darf man halten α ) weder das vor adj. stehende adv. zi, za (nimis): za pald, zi preit (Graff p. 268.); alts. ti lat, ti liob; ags. tô strang Beov. 13. 200. tô glad Beov. 158. etc. β ) noch die praep. mit ihrem casus in der redensart za leipu, zi leibe, ags. tô lâfe und in ähnlichen. dis- (lat. dis-, slav. raz-), überall untrennbar, aber wie es scheint, uneinfach und aus zwei partikeln zusam- mengefloßen, dem vorhergehenden du, di und us, is. Die verwandtschaft mit du ergibt schon dasselbe abnorme ver- hältnis der goth. med. zur sächs. ten. und ahd. asp., noch mehr, daß die ahd. zi-, za-, zë-, die sächs. ti-, të- ganz die stelle des goth. dis- vertreten (wie im lat. dis- und di- wechseln). Den beweis der zusammenschmelzung bei- der partikeln führt aber die im ahd. und ags. zuweilen vorkommende form zi-ar-, zë-ir-, tô-â, wofür belege unten bei der comp. mit verbis. Mhd. gelten ze- und zer- gleichbedeutend nebeneinander, nhd. gilt lediglich Z z 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. zer-. Befremdend scheint, daß die weglaßung des -s, -r kein vocalverlängertes zâ-, zî- (analog dem â- für as) hervorbrachte, vielmehr noch die schwächung in zë-, të- eintrat. Allein der fall ist nicht gleich. Bei der einfachen partikel as zog die unterdrückung der spirans ein â nach sich, von zar, zër wurde nicht r, sondern von zi-ar, za- ar, zë-ër, zë-er die ganze zweite partikel weggeworfen und der ersten die bedeutung beider gelaßen. Zëran (sol- vere) kann nicht die wurzel der partikel sein, weil im goth. dis und taíran völlig von einander abweichen. — Mit dis-, zër- und dem dafür stehenden zi-, zë- compo- niert sich kein nomen; wörter wie ahd. zi-teilida, zi-lô- sida, nhd. zer-störung, sind immer von verbis abgeleitet. Für unmöglich halte ich jedoch nicht, daß in der frühe- ren sprache nomina unmittelbar solche verbindung ein- gegangen seien. far- , faír- , faúr- , faúri- , faúra- diese der trennung und präpositionswerdung bald fähigen, bald unfähigen, vieldeutigen wörter scheinen eines ursprungs; selbst fra- könnte entw. versetzung von far-, oder aus fara-, faíra- verkürzt sein (vgl. die gr. περί, παρά , πρό, lat. per, prae, pro, welchen sie buchstäblich verwandt sind). Die form faír-, ahd. vir-, vër-, alts. fir-, überall untrennbar, mangelt im ags. und altn. gänzlich. Die form var-, far- begegnet nur im ahd. und alts. und ist gleichfalls untrenn- bar. Trennbar hingegen sind goth. faúr- und faúra-, ahd. vuri- und vora-, ags. for- und fore-, altn. for- und fyri-, fyrir-, wiewohl nicht in allen bedeutungen. Der bedeutung und bestimmung wegen unterscheide ich hier viererlei 1) far- und faír- werden zusammen abgehandelt, 2) faúr-, 3) faúra-, 4) faúri-. [ far- , faír- ] das goth. faír- bindet sich bei Ulf. nur mit verbis, wogegen sein fra- vor nominibus und verbis dem ahd. far-, fir- entspricht. Die ahd. partikel fügt sich an folgende nomina: fër-chunst (desperatio) N. 43, 19. 105, 7. fir-chunst (diffidentia) N. 24, 14; fir-gihtigî (para- lysis) doc. 211 a ; fër-leiteg (seducendus) N. 67, 31. 78, 7; fir-ligari (fornicatio) ker. 259. for-ligiri (adulterium) T. 84. for-lëgari (stuprum) jun. 225. von lëgar (cubile, con- cubitus); far-lôs (perditio) ker. 17. for-lor T. 40, 9. 178, 4. for-lust T.; fir-nibuli (caligo) ker. 71; far-nunft (in- tellectus) K. 39 b fër-nunft mons. 348. fër-numeft N. 118, 144. fër-numeftig (intelligens) N. 13, 2; far-purt (conti- nentia) folgend aus un-far-purtlîh (incontinens) jun. 180; fër-sëƷ (aerugo) N. 77, 46; fër-siht (contemptus) N. 65, III. partikelcomposition. — part. mit nom. 3. 122, 3, 4. Boeth. 73. fër-sihtîg Boeth. 134. 143; far- sûmîc (desidiosus) jun. 257; fir-wizi (fastus) ker. 120. firi- wizlîh (varius) ker. 86. 262. fir-wizi (curiositas) N. Cap. 90. firi-wizi wessobr. O. III. 20, 82. V. 18, 8. viri-wiz (curiosus) mons. 354. 366; fir-wizîc jun. 182; fir-wurt (in- teritus) ker. 57. 96. far-wurtî K. 38 a for-wurt T. 90. Die form anlangend, erhellt α ) daß far-, fir-, fër- wechseln, obgleich einzelne wörter nie far- und fër haben, nament- lich fir-wizi, das sogar firi- gewährt und dadurch an furi- erinnert; wäre es bloße assimilation des furi? oder ein goth. faíri-, das freilich so wenig vorkommt als faúri? β ) weitere berührung mit furi- ergibt aber auch far-purt statt des gewöhnlichern furi-purt. γ ) T. hat weder far- noch fër-, sondern das ags. for-. δ ) mehrere wörter schwanken zwischen far-, fër- und fra-, namentlich fër- sëƷ, fra-sëƷ, daher sich auch neben fra-wâƷ ein fër-wâƷ vermuthen läßt. ε ) die part. scheint bei den älteren noch tonfähig, nicht bei N., welcher z. b. fer-sîht accen- tuiert; auch setzt die schon frühere verkürzung in f' tonlosigkeit voraus: v-lor (perditio) mons. 326. statt vër- lor (mehr beispiele beim verbo). — Mhd. bloß ver- und gekürztes v-, beide vor dem nomen selten: ver-bunst (invidia) Oberl. aus Barl., wo aber Köpke 160, 13. ur- bunst; ver-gift MS. 2, 254 a ; ver-giht (consessio) Barl.; ver-lust, v-lust; ver-nunft, -nunst; vir-witze Trist. 230 b (Hag.) — nhd. ver-, ohne kürzung, in vielen wörtern, die großentheils aus verbis derivieren können: ver-band; -bot; -brauch; -dacht; -dienst; -druß; -gang; -hau; -kauf; -kehr; -lauf; -lust; -nunft; -rath; -ruf; -satz; -schlag; -schleiß; -weis, u. a. m., doch kein ver-witz, son- dern vor-witz, für-witz. — Der sinn dieser untrennbaren partikel ist doppelt, a) bloß intensiv, d. h. was schon im einfachen nomen liegt, hervorhebend; so in far-numft, far-lust, ver-giht, ver-band, ver-dienst; manches simplex kommt gar nicht ohne die part. vor, welches eben ein zei- chen ihrer gelinden bedeutung ist. b) privativ, leugnend, übel und verderbnis ausdrückend: fër-chunst, fir-ligari, fër-siht, ver-bunst, ver-dacht, ver-ruf; wodurch sich faír formell mit faírra (procul) fra und fram, materiell mit â-, ab- upar- (ubar-ligida, adulterium jun. 195.) u. a. m. berührt ob außer f-lust, f-lor noch andere sl- aus sar-l. geleitet werden können? oben s. 700. 701. für frëƷo und frâƷ aus far-ëƷo, far-âƷ spricht außer dem mhd. ver-ëƷƷen das goth. af-êtja (s. 707.). . Grundbedeutung, worin sich beide sinne III. partikelcomposition. — part. mit nom. begegnen, scheint: vor, fort, vorüber, vorbei (vgl. her- nach bemerkung ζ zu faúri); ver-brauch ist anhaltender brauch, ver-kauf weggeben der waare, absatz, und fër- sëƷ das, was sich am eisen zersetzt oder absetzt. Auf- merksamkeit verdient das bei fir-nibuli, fir-ligari, wie sonst bei collectivis mit gi- zutretende -i; gehört dahin auch firi-wizi? [ faúr- ] im goth. formell aus faúri- oder faúra- ver- kürzt? aber wieder keine bindungen mit nominibus, faúr- lageins Luc. 6, 4. stehet für faúra-l., ist ohnehin bloßes derivatum. — ahd. for- bei T., in den vorhin zu faír- gesammelten beispielen; mit verbis zus. gesetzt haben auch gl. jun. mons. zuweilen for-. — ags. for-bod (inhibitio); for-byrd (abstinentia); for-cuð (nequam); for-fang (ap- prehensio); for-gitol (obliviosus) ahd. â-këƷal, ab-këƷal; for-ligere (fornicatio) und davon for-ligrjan (fornicari); for-lor (perditio); for-sið (obitus, exitium); for-slît (in- ternecio); for-vyrd (perditio). — altn. for-akt (contem- tus); for-backi (praeripium); for-bod (interdictum); for- byrgi (atrium); for-bœnir (imprecationes); for-dyri (por- ticus); for-dæda (flagitium); for-eldri (parentes); for-fall (impedimentum); for-fedr (majores); for-gângr (auctori- tas); for-gardr (pomoeria); for-gift (venenum); for-hleypi (praecipitantia); for-hûd (praeputium); for-klæði (ven- trale); for-lag (victus); for-lât (remissio); for-lög (fata); for-mâli (prologus); for-madr (antecessor); for-næmi (ra- pina); for-ord (conditio); for-râd (vis); forrâd pl. (fraus); for-salr (atrium); for-seti (praefectus); for-siâ (prudentia); for-siôn (providentia); fôr-skâli (vestibulum); for-skot (interstitium); for-smiðr (architectus); for-snid (typus); for-sögn (vaticinium); for-spâr (praesagus); for-stadr (fuburbia); for-stod (auxilium); for-svar (defensio); for- sæti (sedile); for-tak (exceptio); for-tölur (persualiones); for-þionusta (meritum); for-vërk (villicatio); for-vidra (attonitus, nhd. verdonnert); for-vitni (curiositas); for- vitri (sapiens). — Das ags. for- bedeutet was das ahd. far-, sër; das altn. for- nur zuweilen, meistens steht es dem ahd. fora- (prae, ante) gleich. Die mhd. und nhd. vor- entspringen durch apocope des vocals aus dem fol- genden fora-, fore-. [ faúra- ] goth. faúra-daúri (platea); faúra-gaggi (villi- catio) faúra-gaggja (oeconomus); faúra-hah (velum); faúra- maþleis (praefectus); faúra-tani (portentum) worin das zweite wort unverständlich, da es mehr als einmahl vor- kommt, scheint die emendation in faúra-þani (faúra-þan- III. partikelcomposition. — part. mit nom. jan = por-tendere) verwegen. — ahd. fora-chundo (praeco) jun. 219; fore-dâht (praecautio) N. Boeth. 212; fora-haro (praeco) jun. 192; fora-heiƷ (prosessio) jun. 246; fora-kanc (praecessus); fora-kanko (praecessor) jun. 190; fore-leiso (dux viae) N. 65, 15. Cap. 37; fora-lîdo (antecessor) jun. 192; fora- lôni (praerogativa) jun. 244; fora-mundo (advocatus) mons. 405; fora-poto (praecursor) mons. 408. doc. 211 b ; fora-pouh- han (prodigium) jun. 245; fore-burgo N. Cap. 52; fora-quidi (indicium) ker. 157; fore-saga (praesagium) N. 136, 5. fore-sa- gelîh N. 56, 1. fora-sako (propheta) J. 377. etc. K. 17 b 18 a fora- sago hrab. 972 b O. I. 5, 37. II. 14, 110; fora-scaf (prae- destinatio) gefolgert aus fora-scaffôn (praedestinare) jun. 246; fore-scrift N. 56, 1; fore-siht (providentia) N. Boeth. 212. 265. fora-spël (prophetia) J. 376; fora-sprâhha (prologus) hrab. 971 b jun. 183. 190. 245. mons. 360; fora-teila (brabium) ker. 43; fora-ferjo (proreta) mons. 413; fora-wîs (praescius) hrab. 971 a ; fora-wîsi (praeparatus)? ich kenne nur die adverbia un-fora-wîsun (ex improviso) hrab. 961 a un-fo- ra-wîso jun. 205. un-fora-wîsinkun (fortuito) ker. 129; fora-wiƷo (praescius) jun. 218. vgl. fore-wiƷeda N. Boeth. 260; fora-wîƷac (praesagus) mons. 319. hrab. 971 a fora- wîƷah jun. 222; fora-zeihhan (prodigium) ker. 228. jun. 221. hrab. 972 a . — ags. fore-âð (praejuramentum); fore- beácen (ostentum); fore-brëóst (praecordia); fore-bysen (exemplum); fore-cviðe (praedictio); fore-cynren (pro- genies); fore-dyre (popylaeum); fore-feng (praeventio); fore-gehât (promissio); fore-glëav (providus); fore-hea- fod (frons); fore-lâteov (praecessor); fore-mære (praecipuus); fore-mëahtig (praepotens); fore-munt (promontorium); fore- nyme (praeoccupatio); fore-rynel (praecursos); fore-saga (propheta); fore-slop (stola) vgl. ahd. ana-slouf; fore-spræca (causidicus); fore-stëóra (proreta); fore-tâcen (portentum); fore-þanc (consideratio); fore-vëallas (moenia temporaria) Cädm. 69; fore-vëard (anterior); fore-vîs (praescius); fore-vîtega (propheta) fore-vitol (peritus); fore-vyrd (an- tefactum). — mhd. vor-bilde Barl.; vor-burge (vestibu- lum) Trist.; vor-bedâht Trist.; vor-behüge MS. 2, 123 b ; vor-louf a. w. 3, 13; vor-louft Karl 13 a ; vor-besiht, -be- sihtic Trist.; vor-fluc oder -flüge Parc. 84 b ; vor-vürhte Trist.; u. a. m. — nhd. vor-eltern; -arbeit; -bild; -bote; -bedacht; -fall; -fahre; -gang; -behalt; -hand; -haut; -hut; -kauf; -klage; -lauf; -mann; -mund; -name; -rang; -rath; -rede; -sal; -satz; -bescheid; -schlag; -schrift; -schub; -spiel; -sprache; -stand; -theil; -trab; -trag; -ur- -theil; -wand; -welt; -werk; -witz; -wort; -wurf; -zei- III. partikelcomposition. — part. mit nom. chen; -zimmer; -zug. — Zu merken: α ) dieses faúra- bedeutet meistens prae, ante, zuweilen pro, niemahls hat es den privativen nebensinn des ahd. far-, fir- (vgl. fora- siht, providentia, fër-siht, contemtus; vor-stand, prae- fectus, ver-stand, intellectus). β ) es wird nie, selbst im mhd. und nhd. nicht, des tons verlustig. γ ) im nhd. vor- theil hat sich die echte vocalkürze bewahrt wie in einigen andern compositis, z. b. weg-fall, her-berge etc., da man alleinstehend wêg, her spricht. ; während alle übrigen composita. gleich der praep., langvocalisch vôr lauten, ist jenes wie scheinbare wurzel vorth-eil (un- ter dem volk wirklich vort-el) analog den wörtern mor- den, orden auszusprechen. [ faúri ]; die form mangelt im goth., vielleicht ist faúr- daraus verkürzt? — ahd. furi- nicht vor vielen wör- tern: furi-chilli (camera) mons. 328. vgl. wît-chëlli oben s. 640; furi-hûs (vestibulum) jun. 231; furi-purt (abstinen- tia, frugalitas, continentia, coelibatus) K. 44 a ker. 223. mons. 388. furi-burt O. I. 18, 102. fure-burt N. 45, 10. furi-purtîc hrab. 953 b mons. 355. fure-burtig N. 32, 16; fure-reisâre (praecursor) N. Cap. 133; furi-sprâhhi (deli- beratus) mons. 392; furi-sôna (praejudicium) ker. 89; furi- vanc (praeoccupatio) gefolgert aus furi-vangôn mons. 344. 349. N. 87, 4. Cap. 116. Boeth. 258; furi-wahst (praepu- tium) jun. 217. mons. 365. fure-wahst N. 47, 14; fure- wizkërn N. Cap. 132. — ags. kein fyre-. — altn. fyri- und fyrir- , beide formen nebeneinander, sowohl untrenn- bar als trennbar (im praepositionsfall). Biörn setzt fyrir vor vocalen und h, fyri vor den übrigen consonanten, andere ziehen durchgängig fyrir vor. Rask gibt keine regel darüber, scheint aber auch fyrir zu begünstigen, und hat es in seiner ausg. der edda (ohne zweifel auf grund der hss.) statt des fyri der ed. hafn. (noch häufiger setzt er for an dessen stelle). Ich begreife alsdann nicht, wie im gl. ed. hafn. 1, 504 b fyri ältere, fyrir neuere form heißen kann. Umgekehrt dürfte jenes aus diesem durch abwerfung des r entspringen, obschon sich die analogen eptir, undir, yfir nicht in epti, undi, yfi kürzen; oder hat eben diese trügerische analogie verführt, aus fyri fyrir zu machen? denn im ahd. erscheint allerdings kein vorar, vurir neben aftar, untar, upar, sondern bloß vuri. Die besten altn. hss. mögen entscheiden, ich will in den fol- genden beispielen gleichförmiges fyrir annehmen: fyrir- bôn (omen); fyrir-burdr (omen); fyrir-ferd (qualitas ex- III. partikelcomposition — part. mit nom. terna); fyrir-gângr (praecessus); fyrir-gërd (perditio); fyrir-hösn (propositum); fyrir-hyggja (providentia); fy- rir-kall (citatio in jus); fyrir-kufl (pars vestis anterior); fyrir-lëstr (praelectio); fyrir-lidi (dux); fyrir-rûm (locus anterior); fyrir-sâtr (insidiae); fyrir-siôn (providentia); fyrir-skyrta (perizonium) edd. sæm. 119 b ; fyrir-sögn (prae- satio); fyrir-stada (impedimentum); fyrir-tak (denegatio); fyrir-tekt (propositum); fyrir-vaf (trama); fyrir-virda (pudor); fyrir-vinna (labor strenuus). — mhd. für-büge Nib. für-gebüge Flore 22 a ; für-dâhtlich Barl.; für-danc MS. 1, 157 a für-gedanc Frig. 3 b MS. 1, 101 a 2, 149 b ; für- holz (arbusta, eingang des waldes) MS. 1, 80 b ; für-besih- tic Trist.; für-span (spinther) Parc. 31 c 32 a Wigal.; für- gespenge Nib.; für-sprëche Parc. 28 b ; für-wîse? Nib. 3672. — nhd. nur etwa: für-bitte; für-sprache, -sprecher; für-tuch; für-witz; für-wort (pronomen, untersch. von vor-wort praepositio); der neuere gebrauch neigt sich aber zu vor-bitte, vor-sprache, vor-witz. — Bemerkun- gen: α ) Graff lehrt die vermengung der praepositionen fora und furi; in der zus. setzung verhalten sich beide partikeln auf ähnliche weise. β ) das ahd. furi- hat wei- tern umfang, als das nhd. für-, wie auch die heutige praeposition beschränkter ist. Ihrer räumlichen beziehung allmählig entbunden, dient diese partikel allein zu dem causalbegriff des nutzens und der stellvertretung. Ein- zelne fälle mit der prae-bedeutung erhielten sich länger in der zusammensetzung, bis sie zuletzt auch weichen musten; analog einzelnen lateinischen pro-, während die praep. pro unserm nhd. für entspricht. γ ) das compo- nierte ahd. fora- bezeichnete mehr das zeitliche, furi- mehr das räumliche prae-; daher furi-chilli, furi-hûs, furi-zimpar, furi-holz, furi-wahst, furi-span etc. statt der nhd. vor-hof, vor-zimmer, vor-haut. δ ) die altn. fyrir- und for- schwanken gleichfalls, als part. und praep. ε ) furi- ist betont wie fora-, folglich steht es eben so sehr von dem meist unbetonten fir-, fër- ab. Die einzige be- rührung wäre fure-wizi mit firi-wizi. ζ ) furi scheint der positiv von furiro (prior) und furisto (primus), so wie prior und primus zu pro, prae gehören. Da ferner pri- mus das goth. fruma ist, das in eignem ablautsverhältnis zu fram stehet; so folgt hieraus die berührung der par- tikeln faír, far, faúr einer- und fra (pro, prae) fram, from andrerseits. Weiter: aus faúra entspringt faúrana? ahd. forana (a fronte) und faúrþ? ahd. forad, ford? (inde, ab- hinc) fordaro (anterior) und furdir (porro, ultra) wie aus III. partikelcomposition. — part. mit nom. πρό πρότερος und πρωτος , was bei der lehre von bil- dung der partikeln näher ausgeführt werden, hier nur den übergang zu den folgenden zus. setzungen mit faúrn- faúrþ-, fra- und fram- erläutern soll. faúrana? (in fronte) ahd. forana, forna (vgl. πέρα, πέραν ); hiermit ist das häufige adj. foran-antîc, foran- ontîc, forn-entîc (summus) ker. 11. 13. 15. mons. 329. 363. etc. gebildet, wovon das subst. forn-antîgî, forn- entîgî (frons, caput, facies) mons. 324. derivatum. Grund- lage scheint andi (frons) nicht anti, enti (finis), da auch die schreibung -andîc, -ondîc stattfindet; einfaches foran- andi, forn-enti kann ich nicht belegen. — Analog sind: aftan-ondîc und davon aftan-entîgi (cauda, tergum) ker. 267. doc. 201 a ; hindan-endîc ker. 267; nidan-entîgî (fun- damentum, radix) mons. 323. 331; opan-enti (caeumen) mons. 406. O. II. 4, 105. oban-entîg O. II. 8, 72. V. 17, 79. T. 15, 4. 209, 1. obon-ôntikî (summitas) K. 26 a.b. opan- ontigî jun. 185. 187. 211. 226. ûƷan-andîc jun. 192. Bei N. das entstellte -ahtig, -ehtig f. -antig, -entig, z. b. oben-ahtig 18, 7. Boeth. 118. Cap. 133. oben-ehtig 45, 3. Mhd. sind diese comp. ausgestorben, so wie sie den übrigen sprachen abgehen. faúrþ? (abhinc) ahd. forad, ford? weder goth. noch ahd. aufzuweisen, aber nicht unmöglich. — alts. forth und damit die zus. setzungen forth-ward (progrediens); forth-wëg (progressus, iter). — ags. forð-cyme (progres- sus); forð-fäderas (majores); forð-fôr (mors, obitus); forð-gang (progressus) -genge (procedens); forð-hëald (pronus); forð-here (frons exercitus) Cädm. 67; forð-ge- lange (conducens); forð-riht (directus); forð-stëfn (prora navis); forð-vëard Cädm. 5; forð-vëg (progressus) Cädm. 60. 63. 65; forð-vîf (matrona, provecta aetate); die adv. forð-däges, forð-nihtes (mit dem vorschritt des tages, der nacht) laßen auf den nom. forð-däg, forð-niht schließen. — altn. mangelt forð, denn die damit zufällig ähnliche, gleichbedeutende compofition bort, burt-, rich- tiger brot-, braut- geschrieben, hat ganz abweichende consonanten und stammt vom subst. braut (via), daher sie dem nhd. weg- in weg-fall, weg-gang an seite zu setzen ist. — mhd. findet sich die part. fort, aber selten, z. b. Parc. 86 b ; composita damit habe ich nicht aufgezeichnet. — nhd. fort (statt ford, wie mord, da die mhd. auslautende tenuis abgeschafft ist) in häufigem gebrauch, dem nomen verbunden in: fort-dauer; fort-fall; fort-gang; fort-schritt. faúrþr? (ultra) ahd. fordar, furdir; mhd. vorder, vürder; ich kenne erst mhd. und nhd. composita mit no- III. partikelcomposition. — part. mit nom. minibus: mhd. vorder-lich Trist.; nhd. vorder-achsel, -arm, -fuß, -grund, -hand, -haupt, -mann, -thür, -zahn und die adj. vorder-sam, förder-lich, wo nicht dieses von dem verb. fördern gebildet ist. Freilich könnten auch die angeführten nhd. subst. eigentlich componiert sein mit dem adj. vorderer (anterior)? filu- (multum): goth. filu-galáubs Joh. 12, 3; silu- vaúrdei (multiloquium) Matth. 6, 7. — ahd. filu-ëƷƷal (multum edax) K. 39 b ; filo-horsc mons. 391; filu-listëo (hariolus) ker. 27; vilo-lioht (praefulgidus) mons. 343; filu- sprâhha (multiloquium) K. 25 b oder -sprâhhî K. 29 a , das adj. filo-sprâhhi, jun. 246. K. 29 a , gi-sprâhhi mons. 338. 355. filo- sprâhhal mons. 345. 348. 350. 351. 355. 387; filo-stiuri (permagnificus) mons. 360; vilo-trincho (potator) mons. 352; filo-vrëƷo mons. 352. fili-vrëƷo mons. 400. fili-frâƷ flor. 987 b filo-frâƷîc doc. 240 b ; filo-frêhtîc (emeritus) ibid. silu- wërbîc (turbulentus) ker. 275. — ags. fêla-fëald (multiplex); fëla-hror (decrepitus) Beov. 5; fëla-môdig Beov. 142; fëla-spræcol (loquax). — altn. siöl-bërni (numerosa pro- les); fiöl-hœfr (dexter); fiöl-kunnr (multiscius); fiöl-kyngi (magia); fiöl-lyndi (incontinentia); fiöl-mæli (multiloquium) fiöll-mâll (multiloquus) fiöl-mâlugr (idem); fiöl-menni (frequentia) fiöl-mennr (frequens); fiöl-nytr (multum uti- lis); fiöl-sviðr (prudentissimus). — mhd. subst. mit vil- sind nicht zur hand, doch muß vil-vrâƷ u. dgl. statthaft gewesen sein. — nhd. viel-artig; -deutig; -eck; -fach; -falt, -fältig; -färbig; -fraß; -fuß; -götterei; -gut; (n. plantae); -jährig; -künstler; -männerei; -seitig; -gestaltig; -thätig; -weiberei u. a. m. — Vor dem adj. kann in der älteren sprache gern ein freies filu angenommen werden (filu ëƷƷal, filu frêhtîc); vor dem subst. geht es doch nicht an. Hätte sie ein adj. filu beseßen, so würden eigentliche composita hervorgegangen sein, wie die lat. multi- von multus gebildet sind. Seit das nhd. adj. viel gilt, können daher auch einzelne nhd. composita anders genommen werden, namentlich viel-falt, wofür früher mit manag- zus. gesetzt wurde (s. 656.). Das ags. fëla-fëald scheint neuere bildung als mäneg-fëald. fra- (a, de) goth., ahd. ags. unlösbar, altn. (auch noch schwed. dän.) trennbare partikel und praeposition. Die quantität des vocals verändert sich nach analogie von bi- und du-. — goth. mit kurzem a: fra-gibts, -gifts (despon- satio); fra-lêts (remissio); fra-lusts (perditio); fra-vaúrhts (peccatum); fra-veitô (vindicta, poena) und sicher noch andere. — ahd. fra- oder frâ? N. scheint zu schwanken III. partikelcomposition. — part. mit nom. und einigemahl letzteres, öfter ersteres zu schreiben (den ton gibt er immer), ich nehme um so mehr für ältere belege kurzen vocal an; es sind ihrer wenige: fra-pald (procax) mons. 348. fra-paldî (temeritas) mons. 327. 384; fra-bârî (faex) wirzeb. 977 a ; fra-sëƷ (aerugo) N. 77, 46, 48; fra-strachemo (obstinato) jun. 216. (wenn so zu lesen für frustr.?); fra-sûmîc (desidiosus) jun. 257. kann leicht f. far-s. stehen); fra-tât (scelus) N. Boeth. 34. fra-tâtîg (scelestus) Boeth. 71. 190; fra-wâƷ (anathema) jun. 178. [frâkunna, inquisitio, ker. 154. ist nicht fra-kunna, son- dern frâgunna]. — ags. frä oder fræ? ich denke letzte- res, weil mir sonst kein auslautendes ä bekannt ist und in den (freilich tonlosen) flexionen kurzes a bleibt: fræ- bëorht (praeclarus); fræ-cuð (despectus) versch. von dem s. 230. genannten fräced, fracod (turpis) wiewohl auch dieses mit asp. geschrieben vorkommt; fræ-fätt (prae- pinguis); fræ-mære (eximius); fræ-micel (permagnus); fræ-ofestlic (praeproperus). — altn. frâ mit langem vocal (dän. fra, nicht fraa): frâ-bær (eximius); frâ-bœgr (aver- sus); frâ-fall (defectio); frâ-gângr (discessüs); frâ-hald (abstinentia); frâ-lëgr (acer); frâ-leiki (pernicitas); frâ- leitr (absurdus); frâ-sinna (amens); frâ-saga (historia); frâ-vëra (absentia); frâ-vita (amens). — mhd. nhd. fehlt die partikel. — Die bedeutungen weichen nach den mund- arten ab, das goth. fra- hat den intensiven, gelinden (fra-lêts, fra-lusts, ahd. far-lâƷ, far-lust), das ahd. fra- den privativen sinn von faír- (fra-sëƷ = fër-sëƷ; fra-tâtig vergleichbar dem particip. praet. fër-tân, impius, male- dictus); das ags. fræ- verstärkt gleich dem lat. prae- und dem ahd. fram- (in fram-bâri, fram-spuot); das altn. frâ- ist theils beraubend (noch stärker als ahd. fra-) theils vermehrend (frâ-leiki, frâ-bær, vergleichbar ahd. fram-bâri). fram (a, de, porro, ultra) überall trennbar; goth. fram-aldra (provectae aetatis); fram-vigs (via continua) folgerbar aus dem adv. fram-vigis (semper) vgl. ags. forð-vëg und die adv. forð-däges, -nihtes. — ahd. fran- cnëht (cacula) hrab. 958 a ; fram-chnuat (propago) jun. 219; fram-chunni hrab. 972 a ; fram-chunft J. 391. 396. sgall. 196. hrab. 972 a ; fram-dêhsmo (profectus) mons. 355; fram- diht (profectus) jun. 222. mons. 405.; fram-hald (pronus) K. 47 a jun. 217. O. I. 17, 121. III. 20, 359; fram-kanc (processus) K. 16 a ; fram-bâri (inclitus, magnas) jun. 185. 208. fram-bâri barn (virago) gl. vet. (Idunna 1812, 119 b ) fram-bâri (magnitudo, celebratio) N. 37, 9. mit kurzem a III. partikelcomposition. — part. mit nom. geschrieben stehet fram-baro (elate) Boeth. 32. 81. fram- baren (magni, gen. sg.) Boeth. 32. aber fram-bâro Cap. 26; fram-reccho (advena, peregrinus) N. 82, 7, 8; fram- screcche (temerarius) N. 118, 39; fram-spuot (prosperitas) fram-spuotig (prosper) N. 67, 20. 68, 7. 93, 13. fram- spuotsâre (fortunatus) Cap. 52. fran-spuot geschrieben N. 37, 21. 72, 7. Boeth. 11; fram-vildi (campestria) blas. 9 a ; fram-flusk (profluvium) jun. 220; fram-wërtig (prosper) N. 67, 20. — ags. fram- (neben from-): fram-cyme (pro- genies); fram-cynne (prosapia); fram-färeld (discessus); fram-sið (abscessus); fram-scipe (profectus); fram-vëard (aversus); fram-vîs (sapiens); man hüte sich, namentlich from- mit frum- zu verwechseln, letzteres ist eigentliche adj. composition (s. 631.). — altn. fram-bûd (provisio); fram-burdr (pronuntiatio); fram-bærilëgr (speciosus) mit- hin fram-bær voraussetzend; fram-drâttr (protractio); fram-ferði (mores); fram-för (profectus); fram-fœri (sustentatio); fram-fûs (promptus); fram-fœtr (pedes anteriores); fram-gângr (progressus); fram-giarn (audax); fram-hald (constantia); fram-heit (promissio); fram-hvöt (exhortatio); fram-lângr (remotus); fram-lûtr (cernuus); fram-myntr (labiosus); fram-qvæmð (affectus); fram-râs (procursus); fram-saga (enarratio); fram-stafn (prora); fram-sŷnn (prudens); fram-tak (soliditas); fram-tennr (dentes primores); fram-vîgr (temerarium); fram-vîs (sagax); das adv. fram-veigis (inposterum) scheint zwar dem goth. fram-vigis verwandt, führt aber nicht auf fram-vëgr. — mhd. ist allein vran-spuetec (prosper) übrig und nur bei einigen dichtern, Rud. im Orlenz, mihi 14191. 15021. und Conr. troj. 17974. — Diese partikel gibt sehr verschiednen sinn, bald zeigt sie entfernung, weggehen an und berührt sich mit ab- (fram-chunft, ab- kunft), bald vorschritt und erfolg (so daß fram-wërtig dem ab-wërtig beinahe entgegen steht). Der mittlere begriff liegt in der idee von bewegung überhaupt, welche zugleich das her und das hin enthält. Wir haben bei den verwandten partikeln fra-, faúrþ- etc. analoge über- gänge aus der beraubung in die verstärkung wahrge- nommen. ga- , in allen deutschen dialecten, den nordischen ab- gerechnet, welchem sie fast mangelt, von größtem umfang. Abgesehn von dem ags. ge — ge (cum — tum), bricht auch im goth. die ursprüngliche trennbarkeit noch hervor, indem sich u, þau, hvau zwischen ga- und die wurzel, mit der es componiert wird, schieben laßen. Die belege folgen III. partikelcomposition. — part. mit nom. unten bei der zus. setzung mit dem verbum, vor dem nomen geschieht es nicht; unabtrennbarkeit hat sich also auch hier vor dem nomen früher entschieden. Was die form betrifft, so entspricht goth. ga- dem strengahd. ka- , wofür andere ga- , einige (über die lautverschiebung hin- aus, vgl. 1, 1071. zu 1, 185.) cha setzen. Das volle a in dem goth. ga- und dem ka-, ga-, der frühsten ahd. denk- mähler weist auf damalige betonung ob sich insgemein für alle zus. gesetzten partikeln die regel stellen läßt, daß ihre älteste a-form (ga-, ar-, far-, fra-, fram-, ant- etc.) noch nie des tons verlustig gehe, sondern tieftonig sei? ich komme in den schlußanm, darauf zurück. , die spätere schwä- chung in ahd. ki-, gi-, gë- alts. gi-, ags. ge- (d. i. ge-) auf allmählige unbetonung, wie bei ar-, ir-, ër-; ant-, int-, ënt- etc. (nie erscheint gu-, go-, wie ur-, or-, for-). Jede ihrer freien bewegung beraubte partikel büßt an form, ton und bedeutung ein. Wäre ga- trennbar ge- blieben, vielleicht praeposition geworden, so hätte es nicht weniger als pi, pî, du, tô, zuo, fra, frâ, selbst vocal- verlängerung erfahren mögen. Es scheint mir grund- falsch die sache so anzusehen, als ob ga- aus einer nichts bedeutenden vorsilbe, oder aus einem der hochdeutschen mundart beliebten kehlbuchstaben, gar aus dem leeren hauch (obgleich die quellen keiner zeit ha-, hi-, he- dar- bieten) hervorgegangen sei. Ge- hat zwar unter allen unsern partikeln in den meisten fällen die gelindeste be- deutung, eine dem abgestumpften gefühl unmerkbar ge- wordene; aber es grenzt doch nahe an be- und ver-, denen niemand den nahmen wahrer und selbst praepo- sitionaler partikeln abstreiten kann. Noch versteckter und ungefühlter ist uns ja die kraft der s. 701. nachgewiese- nen s- und n-, die zur zeit der composition ganz leben- dig gewesen sein muß. Daraus daß vor verschiedenen wörtern der englischen und heutigen niederdeutschen volkssprache das ge- fehlt, die doch genau den sinn der hochdeutschen ge-formen geben, darf man nicht unbe- hutsam auf das bëdeutungslose der partikel schließen. Sie kann auch unorganischerweise getilgt worden sein, wie theils die vergleichung der ags. und alts. sprache lehrt, deren gi-, ge- in solchen wörtern mit dem ahd. ein- stimmen, theils aus der altengl. westphäl. und fries. entstellung des ge- in y-, je- und endlich -e sichtbar folgt. Ein bloßes e- konnte leicht wegfallen. Und wie wenn selbst im altn. die partikel weggefallen wäre? ich will zeigen, III. partikelcomposition. — part. mit nom. daß sie noch spurweise da, folglich ihr abfall auch anderwärts möglich ist. Dem goth. razn (domus) ent- spricht das altn. rann, aus jenem wird mit ga- formiert ga-razna (vicinus) = altn. granni, also ist g-ranni aus ga-ranni, oder welchen vocal man dazu nehme, ent- sprungen. Für lîkr (similis) steht die ältere form g-lîkr sæm. edd. 254 b (vgl. var. i. zu Hym. 2. ed. hafn. 1, 120.) goth. ga-leiks, ahd. ka-lîh, ags. ge-lîc, nirgends leiks, lîh, lîc, eher sind demnach das nord. lîkr, engl. lîke der vorpartikel beraubt worden, als daß sie im goth. ahd. ags. etc. zwecklos und überflüßig stünde. So scheint auch g-nôgr (abundans) edd. sæm. 152 a 260 b , goth. ga- nôhs, ahd. ka-nuac organischer und älter, als das übliche nôgr; g-neisti (scintilla) ahd. ka-neista, älter als neisti; und wohl noch andere. — Ueber die bedeutung der par- tikel wird sich erst nach abhandlung der einzelnen fälle ihres gebrauchs urtheilen laßen. Sie gilt 1) wenn aus sächlichen subst. persönliche gesellschaftsbegriffe gebildet werden, wobei gewöhnlich schwache form, oft auch ab- leitendes i miteintritt. Es sind masc. und fem., keine neutra. Goth. dáils (pars, sors) ga-dáila (consors) Luc. 5, 10; hláibs (panis, victus) ga-hláiba (socius) Joh. 11, 16. Philipp. 2, 25; razn (domus) ga-razna (confinis, vicinus); sinþs (iter) ga-sinþja (comes); vaúrstv (opus) ga-vaúrstva ( συνεργός ) Philipp. 2, 25. versch. von vaúrstva ( ἐργάτης ); ob auch ga-mana (socius) Luc. 5, 7. hierher gehört, hängt davon ab, daß in man die sächliche bedeutung manici- pium zu grund gelegt werde oder nicht. Ahd. altar (aetas) ki-altro (coaetaneus) jun. 236. g-altro (collacta- neus) mons. 363. 365; dinc (causa) ka-dingo (patronus) mons. 404. 406; hleip (panis) ka-leibo, ge-leipo (sodalis) jun. 227. doc. 213 b ; hlôƷ (sors) ki-hlôƷo (consors) J. 345; hûs (domus) ka-hûso (domesticus) ge-hûsa (laris vernula) N. Boeth. 44; laso? (pascuum) ca-lasuëo (vicinus, com- pascens)? in der lex bajuv. 22, 11. stehet: conmarcanus, quem calasneo (al. calesneo) dicimus, welches deutsche wort man bisher schlecht begriffen hat, es gehört offen- bar zu den hier abgehandelten compositis, obgleich ich meine leichte emendation des n in u (= v, w) nur durch das ags. läsve (pascuum) altengl. leasow, lesow beweisen kann, ca-lasuëo (vollständig ca-lasawëo) würde ags. lauten ge-läsvëa, geläsva [stünde n fest, so wäre ein subst. lasan zu suchen, das ungefähr bedeutet haben muß: marca, campus, pascuum]; mah? (domus, mansio) davon gi- mahho (consors, par) N. Cap. 74. gi-mahha (socia, con- III. partikelcomposition. — part. mit nom. jux, par) T. 5, 18, 15. 7, 3. O. III. 23, 57. [das vermu- thete, aber unbelegbare, uralte mah, aedificium vgl. das -magus in celt. städtenamen, nach der lautverschiebung. ver- hielte sich zu mahhôn, instruere, facere, aptare wie zim- par zu zimparôn und das bekannte gi-mah, quies, com- moditas wäre davon abzuleiten; aus letzterm gi-mahha, conjux, zu deuten, scheint gezwungen]; mahal (concio, sponsio publica) gi-mahala (desponsata) W.; marha (ager, limes) ka-marcho (confinis, vicinus) hrab. 964 b ka-marchjo mons. 404, 407; maƷ (cibus, victus) ki-maƷo (socius, con- viva) jun. 181. gi-maƷƷo O. II. 8, 76; namo (nomen) chi- namno (cognominis, par, socius) J. 351; pûr (domus) ka- pûro (colonus, affinis) hrab. 957 a mons. 407. andere quel- len haben starkformiges ga-pûr (vicinus) pl. ga-pûrâ sgall. 196. doc. 204 b O. II. 14, 215. IV. 5, 74. V. 4, 80. N. 78, 4, 12; rûna (secretum) ki-rûno (familiaris, amicus) jun. 196; sahha (causa) ga-sachjo (causator) lex sal. 53; sal (aula) ka-saljo und dafür ka-sello, gi-sello (aulicus, socius, comes) jun. 227. mons. 389. gi-selljo Ludw.; sind (via) ga-sindo (minister, comes, servus) Marculfi form. 1, 23. 2, 26. lex Rotharis 228. O. IV. 12, 84; sëƷ (sedes) gi- sëƷƷo (socius) O. IV. 12, 62; spil (ludus) ka-spilo (socius) ka-spila (socia) vermuthe ich bloß nach dem mhd.; stal (mansio, domus) gi-stallo (socius) O. IV. 16, 8; teil (sors, pars) ki-teilo (consors) ker. 254. N. 118, 63. doc. 204 a (wo ka-têlo?) gi-teilo mons. 360; vart (iter) gi-verto f. gi-vartjo (conviator) doc. 215 b ; wizi (scientia) ki-wizo (conscius) jun. 236. mons. 408. Alts. bedi (lectus) gi-beddjo (consors thalami); benk (scamnum) gi-benkjo (consors se- dis); gi-gado (socius, par) führt auf ein, aus keiner deut- schen sprache erweisliches einfaches gad, dem ich wieder die bedeutung von domns oder materies zutraue und wo- mit gaduling (domesticus) gadur (simul, unà), vielleicht auch das ahd. kadum (aedes) verwandt sind. Denn daß es nicht katum, neben ahd. katalinc (s. 352.) und wahr- sch. ki-kato (socius), das ich noch nicht gelesen habe, nhd. gatte heißt, mag an dem oftbemerkten schwanken zwischen dem inlautenden goth. þ, d = ahd. d, t liegen; sith (iter) gi-sith (socius) stark. Ags. bed (lectus) ge-bedda (conjux) Cädm. 26. 40. Beov. 7. 52; bûr (cubiculum) ge- bûr (colonus, villicus) starker form; dryht (cohors, goth. draúhts) ge-dryhta (commilito); fôr (iter) ge-fêra f. ge- fêrja (socius); gad? ge-gada (socius); gild (cultus, sodali- III. partikelcomposition. — part. mit nom. tium) ge-gilda (sodalis); hâd (status, ordo) ge-hâda (ejusd. status); hlŷte (sors) ge-hlŷta (consors); hûs (domus) ge- hûsa (domesticus); mac? ge-maca, ge-mäcëa, (consors); racu (causa) ge-reca (comes, praefectus); rôf (tectum) daher ge-rêfa (socius, comes)?; rôðor (remus) ge-rêðra (socius remigandi); rûn (secretum) ge-rûna (amicus); sacu (causa) ge-saca (adversarius, mitstreiter); sele (sedes) da- von ge-sella (socius) Beov. 112. (wo nur die weitere comp. mit hond bedenken macht); sið (iter) ge-sið (comes) stark- formig vgl. Beov. 145. 187; stalu (furtum) ge-stala (socius furti); stëal (locus) ge-stëalla Beov. 68. 101. 129. 148; þoft (transtrum, ruderbank) ge-þofta (sodalis, schiffgesell); vit (animus) ge-vita (testis). Mhd. hat sich die zahl dieser wortbildungen schon sehr verringert: ge-bûr geht mei- stens stark, seltner schwach, z. b. Gudr. 34 a 38 a ; ge-gate (socius) ist unüblich, doch steht es in Eilh. Trist. 2907. und gate, ohne partikel, in pf. ch. Karl und im vater- unser 4491; ge-mahele a. Heinr.; ge-maƷe (conviva) Wi- gal. Wh. 3, 232 a ; ge-nanne, g-nanne c. p. 361, 69 a Wh. 2, 1 b 1, 2 b Barl. 60. ge-nenne Mar. 163; reise (iter) ge- reise (comes) Trist.; ge-selle a. Tit. 46. 74; ge-flâfe (so- cius lecti) Trist.; ge-spil (socius, socia ludi) Flore 18 c 21 o 22 c 34 c 35 b etc.; ge-stalle bloß in der verbindung nôt- ge-st. (oben s. 527.); ge-strîte (socius belli, i. e. adversa- rius) Wigal.; ge-verte troj. 26 c ; ge-wëte (socius, par) Trist. 16322. Hag. von gewët (jugum, vinculum)? Nhd. finde ich nur: ge-bauer als n. pr. und entstellt in nach- bar, für nach-ge-bauer; ge-fährte; ge-mahl; ge-selle; ge- spiele; welche alle aufs masc. beschränkt werden, die fem. bekommen -in: nachbarin, gefährtin, gemahlin, gesellin, gespielin. Ge-gatte kommt nie vor, sondern die mehr niederd. form gatte (maritus) gattin (uxor). — 2) stehet die parti- kel, wenn aus persönlichen oder sächlichen subst. collec- tiva mit der ableitung -i gemacht werden; es sind lauter neutra. Ulf. bietet kein beispiel, denn sein ga-skôh ist ohne i und übersetzt gleich dem einfachen skôhs das gr. ὑπόδημα . Ahd. chnëht, ki-chnihti O. IV. 8, 44; dah (tectum) ki-dahhi (umbraculum) ka-thachi jun. 241; dëkan, ki-dikani (famulitium) gi-thigani O. I. 2, 78. etc.; dranc (pressio) ki- drenki (compressio) gi-threngi O. IV. 17, 19; kadam (aedes) gi-gadame (habitatio) W. 1, 4; lâr? (domus) gi-lâri (habi- tatio) O. I. 11, 22. etc.; mahal (concio) ki-mâli (solemni- tas) jun. 225; pant (vinculum) ki-penti (compactio) mons. 354. T. 64, 1. O. I. 9, 60; pein (os) ki-peini (ossamen- tum); përc (mons) ki-pirki (regio montana) mons. 408; A a a III. partikelcomposition. — part. mit nom. polstar (cervical) ge-bulstere (sarcinulae) N. Boeth. 17; puntil (fascis) ki-puntili (fasciculus) gi-buntilîn sgall. 203; rât (consi- lium) ca-râti (conventus, concilium) ker. 19; roup (rapina) ki-roupi (spolia, manubiae) ker. 105. mons. 400. O. V. 4, 102; rûna (secretum) ka-rûni (mysterium) exhort.; scuoh (calceus) ki-scôhi (calceamentum) ker. 78. T. 12, 23. O. III. 14, 190; zu ki-scirri (vas, instrumentum) Samar. kenne ich kein einfa- ches scër?, wenn es auf diesem wege entsprang; sëdal, gi-sidili mons. 338; ka-sindo (comes) ki-sindi (militia) jun. 213. mons. 395. hier steckt die part. schon in der quelle der letzten zus. setzung; stein (lapis) ki-steini (monile) mons. 332; ki-stirni (militia) mons. 323. 330. 334. 345, ge- hört es zu stërno (stella)? wenigstens könnte es constella- tio heißen; tobal (vallum montis?) gi-tubele (convallis) N. 59, 8; val (casus) ge-felle (ruina) N. 109, 6; vëdara (penna) ka-vidiri (alae); vëld (campus) ka-fildi (complexus camporum); wâfan (arma) gi-wâfani (armatura) mons. 340; wât (vestis) ka-wâti (vestimentum) jun. 175; wëc (via) ki-wicki (bivium, compita) jun. 196. mons. 327. N. Cap. 60; zimpar (materies) ka-zimpari (aedificium) mons. 405. O. IV. 7, 4. Ags. wenige solcher collectiva: scô (calceus) ge-scŷ (calceamentum) welches ge-scê lauten sollte, da kein scû vorkommt; sculdor (humerus) ge-scyldre (hu- meri); timber (materia) ge-timbre (structura); væd (vestis) ge-væde (indumentum); botl (aedes) ge-bytle (aedificium); lëger (cubile) ge-liger (concubitus). Mhd. sind ihrer viele: ge-bende; ge-birge; braht, ge-brehte; ge-digene Nib.; ge-dœne; ge-gihte (morbus articularis); ge-hilze (capulus ensis); ge-hünde Nib.; ge-hürne Trist.; ge-læƷe; ge-liune Trist.; ge-lürme? Bon.; ge-merke (confinium) Trist.; ge- muete; ge-niste (nidus) Trist.; ge-ræte (consilium) Barl.; ge- ræte (instrumenta); ge-riune Trist.; ron, ge-rün (silva caedua, eigentl. contruncatio) Wigal. 219; ge-sidele; ge-sinde; ge- slehte; ge-smîde; ge-spræche (concilium) Barl.; ge-steine; ge-stirne (constellatio); ge-stuele; ge-stüppe (congeries pulve- ris) Parc. 183 a Reinfr. 203 c kaum versch. von dem auch vorkommenden stüppe, ahd. stuppi (pulvis); ge-suene (conciliatio); ge-velle (ruina) Wigal. Lachm. ausw.; ge- verte Wigal.; ge-videre; ge-vilde Wigal.; ge-vügele Barl.; ge-wæfen; ge-wæte; ge-zimber Nib.; u. a. m. Aus dem nhd. laßen sich noch mehrere anführen, sie ha- ben meistens den ableitungsvocal abgelegt und dulden ihn nur nach mediis: ge-äder; ge-bälk (contignatio); ge- bände; ge-bein; ge-bilde; ge-birge; ge-blüt; ge-bündel; ge-büsch; ge-däch; ge-därm; ge-dränge; ge-fäß; ge- III. partikelcomposition. — part. mit nom. fräß; ge-fiedel; ge-fieder; ge-häus; ge-hirn; ge-hörn; ge- hölz; ge-lächter, vom alten lachter (risus); ge-müth; ge-nist; ge-päck; ge-räth; ge-ripp; ge-sæm; ge-schirr; ge-schlecht; ge-sinde; ge-söff; ge-spänge; ge-spräch; ge-stein; ge- stirn; ge-sträuch; ge-stühl; ge-täfel; ge-tränk; ge-wäßer; wetter, ge-witter; ge-wölk; ge-würm; ge-würz; ge-zim- mer; u. a. m. — 3) geringe, fast unmerkliche bedeutung scheint die part. zu besitzen, wenn sie zu subst. tritt, die ohne derivationsmittel aus verbis hervorgehen, d. h. reine (ablautsfähige) wurzel an sich tragen. Man bemerke, daß hierzu nur starke verba und öfter mit ihrem laut, als ablaut dienen; schwache verba vermögen überhaupt nicht einfache subst. zu erzeugen. Die subst. solcher composita sind aber meist sächlicher bedeutung, selten persönlicher, meist masc. oder neutra, selten fem., sie declinieren meist stark, selten schwach. Starke masc. und neutra faße ich zusammen, weil angabe und untersuchung des zwischen ihnen beiden schwankenden genus nicht hierher gehört. α ) masc. und neutra mit lauten des praes.: goth. ga- fahs (captura) Luc. 5, 9; ga-filhs (sepultura) Joh. 12, 7. Ahd. ka-chnët (massa) mons. 326. 343. 411. ki-chënët jun. 182; ka-dik (preces) gi-thig O. V. 23, 107, wurzel nr. 306; ka-dinc (conventus) ker. 52; ka-dhuing (ambitus) ker. 13. gi-thuing O. V. 14, 21. 20, 195. ge-duinc (lex) N. 84, 8; ka-heiƷ (sponsio) ker. 9; ki-lâƷ (venia) mons. 356; ki-leih (artus) jun. 235. ki-hîleih (matrimonium) mons. 379. doc. 214 a N. Cap. 5; ga-mëƷ (modus) hrab. 961 b 969 a ki- mëƷ (mensura) ker. 138; ka-pët (preces) exh. K. mons. 379. ki-pëd (oracula) ker. 212; ka-përc (aerarium) ker. 24. hrab. 953 a gi-përc (nidus) mons. 345. gi-bërg O. V. 12, 10; ka-prëh (fragor) hrab. 955 b 963 b ki-prëh jun. 207. un-kiprëh (charybdis) ker. 81; ka-prët (trabs) hrab. 975 a sgall. 181. von einem verlornen prëtan, prat? oder ablaut von prîtan nr. 162?; ka-rih (ultio) gi-rih mons. 327. 350. 387. N. Boeth. 204. 227; ka-rît (equitatus) mons. 326. 361; ki-scaf (creator) mon. catech. ki-scaf (alimen- tum) jun. 235; ka-sceit (divisio, divortium, sententia) ker. 17. 21. 57. 88. gi-sceid O. IV. 20, 53. V. 22, 16; ki-sëƷ (castrum, praesidium) ker. 214. mons. 331. 364; gi-scrîp (scriptura) mons. 376. 382. T. 18, 4. O. IV. 5, 109; gi-sîc (stagnum, palus) mons. 370. doc. 215 b N. 83. 3. von der wurzel nr. 189. oder mit dem ablaut gi-sic?; gi-sliƷ (di- visio, ruptura) T. 56, 7. O. III. 20, 134; ka-span (fibulatorium) mons. 411; ki-trinh (convivium) ka-drinchum dat. pl. ker. 64; ki-val (casus) folgt aus ge-vallôn (accidere) N. Boeth. A a a 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. 206; gi-fanc (vestis) O. IV. 5, 86. 23, 10; ca-fëht (mars, bellum, lucta) hrab. 969 a ker. 39. 48. mons. 413; gi-walt (potestas) mons. 335. 366. 393; ka-wërch (figmentum) hrab. 964 b ein verlornes starkes verb. voraussetzend; ki- wërf (conjectura, collatio) ker. 76. mons. 352. 364. 399; gi-wët (jugum) mons. 318. 329; ga-win (lucrum) sgall. 197. ker. 21. 52. (rapacitas) mons. 391; ki-zëlt (tentorium, pelles) mons. 345. 350. von einem starken zëltan?; ki-ziuc (apparatus) N. Boeth. 79. 167. sicher noch andere. Ags. ge-bed (ora- tio); ge-bëlh (offensio); ge-bëorg (refugium); ge-bëót (minae); ge-bind (fasciculus); ge-brëc (fragor) Cädm. 55; ge-cîð (lis); ge-drîf (stipula); ge-fëoht (bellum); ge-flît (lis) Beov. 67; ge-gang, ge-gong (eventus); ge-grîp (cor- reptio); ge-hât (stipulatio); ge-hëald (observantia, custo- dia); ge-lâc (ludus) Beov. 79. 89; ge-limp (casus); ge- nër (refugium) oder ge-nere?; ge-rîm (numerus); ge- scâd (divisio) Beov. 24; ge-scëap (creatio); ge-svinc (la- bor); ge-spring (origo) Beov. 66; ge-þing (concilium) Beov. 32. 159; ge-vëalc (volutatio) Beov. 37; ge-vëald (potestas); ge-vëorc; ge-vin (labor); ge-vind (cochlea); ge-vrinc (tortura); ge-vrît (scriptura). Mhd. ge-bërc Parc. 106 c Trist.; ge-bët Wigal. MS. 2, 150 a ; ge-brëch Geo. 55 b wofür ge-brëche MS. 2, 22 a ; ge-heiƷ Nib. Barl. Trist.; ge-lâƷ Wh. 2, 64 b 112 b ; ge-limpf; ge-linc Trist.; ge-nieƷ Parc. 114 b Barl.; ge-rich Parc. 28 c 64 b Wigal.; ge-rinc (nisus) Trist. Barl.; ge-schaf Parc. 77 a ; ge-span Nib.; ge-twërc Wigal. Trist.; ge-val Trist.; ge-walt; ge-wërp (labor) Parc. 184 b Wigal. Trist.; ge-win Wigal.; ge-zëlt; ge-ziuc Nib. Trist. Nhd. ge-back; ge-bet; ge-biet (impe- rium); ge-fecht; ge-freß (in der volksspr. für maul, ver- sch. von ge-fräß, cibus); ge-halt; ge-heiß; ge-laß; g- limpf; ge-spann; ge-schreib; ge-schmeiß; ge-web; ge- winn; ge-werb (nicht ge-werbe); ge-werk, und noch einige, doch haben sie sich gegen das mhd. und im mhd. gegen das ahd. verringert. — β ) masc. und neutra mit ablauten: goth. ga-juk (par) Luc. 2, 24. von jiukan, jáuk, jukun? weil Joh. 16, 33. gajiukan und nicht gajukan steht; ga-skôh (calceamentum); ga-þrask (tritura). Ahd. ca- chlëp (rupes) hrab. 974 a f. chlip von chlîpan (adhaerere)? oder andrer wurzel?; ki-danch (cogitatio); ki-kôƷ (con- fusio) ker. 60; ki-nôƷ (socius) häufig; ki-pot (mandatum) mons. 410; ka-pulh (increpatio) (sgall. 198; ki-slôf (lustrum, schlupswinkel) f. ki-slouf ker. 181; gi-scoƷ (romphaea, i. e. telum) mons. 357; ke-smah (salsamenta) mons. 413; ki- suorc (nimbus ker. 202; ki-troc (fictio, fallacia) jun. 187. III. partikelcomposition. — part. mit nom. 189. T. 75; 3. gi-drog O. III. 8, 48. ki-flôƷ (fluxum) ker. 137; gi-want (terminus) O. IV. 20, 53. Ags. ge-bland (commixtio) Beov. 104. 110; ge-bod (mand.); ge-broc (naufragium); ge-brot (fragmentum) ge-camp (militia); ge-dâl (divortium) Beov. 65; ge-hlot (sors); ge-mang (confusio) Beov. 124; ge-môt (occursus) Beov. 87. 116; ge-neát (socius) Beov. 22. 28. 120; ge-scot (jaculum); ge- svic (scandalum); ge-tal (numerus); ge-þanc (mens); ge- þrang (turba); ge-vand (verecundia). Mhd. ge-bâr (sa- cies) Trist; ge-bot; ge-danc; ge-dranc Nib. Wigal.; ge- lit (membr.); ge-lust Trist.; ge-nôƷ; ge-ranc w. gast 124 b ; ge-sanc Gudr. 20 a Barl.; ge-schoƷ Wh. 2, 146 a Wigal.; ge-smac Barl.; ge-sunt Wigal.; ge-troc (vorhin s. 709.); ge-twanc Trist. Barl.; ge-twâs (spectrum) Herb. 6 a ; ge- vuoc Frib. Trist.; ge-want; ge-zoc Trist. Nhd. ge-biß; ge-bot; ge-bund; g-lied; ge-noß; ge-nuß; ge-ruch; ge-sang; ge-schmack; ge-schoß; ge-stank; ge-wand. — γ ) für ein- zelne masc. und neutr. bleibt das genaue conjugationsver- hältnis dunkel, wir wißen noch nicht, ob sie uns laut oder ablaut zeigen, z. b. im ahd. häufigen gi-mah, mhd. ge-mach (commoditas, otium) im ags. ge-nip, (nebula) Beov. 208. Einige zweifelhafte sind schon unter α und β angeführt. Dahin gehört das goth. ga-hiv Philipp. 2, 29? das ahd. ka-dau, ka-thau (disciplina) ker. 262? gi-hei (cauma) herrad. 179 b ge-hei N. Cap. 3.? u. a. m. — δ ) starke fem. mit laut und ablaut: goth. ga-runs (forum); ga-bruka (frustum) ahd. ka-qhuit (sententia) K. 52 a ; ka- hapa (habitus) hrab. 956 a ge-haba (vultus) N. Boeth. 18. nicht von dem verbo hapên, sondern von dessen ver- lornem starkem stamm zu leiten; kalâ-Ʒa (conjunctura) sgall. 189; ka-laupa (fides) exhort. gi-sprâhha (querela) mons. 355. 364. — ε ) schwache masc. goth. ga-taúra (fis- sura); ahd. ka-laupo (fides) ker. 31. gi-loubo O. T.; ka- smacho (sapor) hrab. 952 b (viell. ka-smachamo? ge-smagmo N. Cap. 24.); ka-tuolo (haeresis) hrab. 966 b ; gi-fëho (gau- dium) T. Ags. ge-dvola (error); ge-feá (gaudium); ge- leáfa (consensus); ge-scola (debitor); ge-tëóna (damnum). Mhd. ge-brëche (vitium) Frib.; ge-brëste (defectus); ge- dinge (spes); ge-lange (desiderium); ge-loube; ge-schol (debi- tor) Gudr. 72 b Wigam. 52 b 61 a . — ζ ) schwache feminina: ahd. ge-dinga (conditio) N. Boeth. 154. 181. ge-souga (collactanea) N. Cap. 11; ge-stapfa (nupta) N. Cap. 148. (oder zu nr. 1? von stapf, ascensus Cap. 152.) — η ) beinahe alle unter 3, α — ζ ange- führten composita bedeuten sachen, personen nur ki-scaf (creator) ki-nôƷ (sodalis) ki-tuërc (nanus) ge-schol (debitor) III. partikelcomposition. — part. mit nom. ge-souga und gestapfa. Gleichwohl ließen sie sich nicht unter 1. bringen, theils weil der gesellschaftsbegriff bei kiscaf und kituërc fehlt, theils kein sächl. subst. erhellt, das ihnen zu grund läge. — θ ) wichtiger ist die öfter be- rührte frage: ob die partikel zu dem aus dem verbo fließenden subst. trete? oder vielmehr schon dem verbo verbunden sei und aus solcher composition das subst. bloß abgeleitet werde? Im letzten fall würden sie gar nicht hierher gehören. Allerdings stimmt die gelinde bedeu- tung der partikel zu der vor dem verbo (vgl. gafahs mit gafahan, gafilhs mit gafilhan, kasceid mit kasceidan, ka- win mit kawinnan etc.), das einfache subst. läßt sich nicht immer nachweisen, z. b. kein fahs, filhs, chnët, dik, prëh, win etc., oder wo es vorhanden ist, entfernt es sich zu- weilen durch sinn und geschlecht von dem zus. gesetz- ten wort, z. b. das masc. përc (mons) scheint nicht grundlage des neutr. ka-përc (conditorium). Auf der an- dern seite finden sich aber auch viele einstimmige simpli- cia, z. b. fanc, dinc, flîƷ, mëƷ, kanc, val etc. die fehlen- den mögen veraltet sein und so kann auch ein von dem masc. përc verschiednes neutr. përc bestanden haben; ja zu einzelnen mangeln umgedreht verba, z. b. zu prët oder ka-prët. Endlich scheint die analogie anderer parti- keln für die composition des ga- mit dem subst. zu reden, oder wir müsten ant-heiƷ, ant-fanc, ant-lâƷ, ana-fanc, fra-lêts, af-lêts, â-suih, pi-heiƷ etc. so gut wie ki-heiƷ, ki-lâƷ, ki-fanc, ki-suih aus zus. gesetzten verbis herlei- ten, was zum theil die form und betonung einiger par- tikeln verbietet. Daß kein schwaches ki-heiƷôn (wie pi- heiƷôn) gilt, sondern ki-heiƷan, beweist bloß die unmittel- bare comp. dieses verbi mit der partikel, unabhängig von der mit dem subst. — 4) steht die partikel vor subst. mit lingualableitung , d. h. alter, von keinem vocal begleite- ter. Es sind lauter abstracte fem. vierter decl. (vielleicht später einige neutra) nie masc. Goth. ga-baúrþs (nativi- tas); ga-faúrds (concilium); ga-grêfts (edictum); ga-hugds (cogitatio); ga-kunþs (nativitas?) Luc. 3, 23; ga-máinþs (communio); ga-munds (memoria); ga-qvumþs (conci- lium); ga-skafts (creatio). Ahd. ki-chunt (natura, notitia) ker. 102. 220; ki-dult (patientia); ka-huct (memoria) ex- hort. ki-huct (monumentum) jun. 213. ke-huct (comme- moratio) K. 60 a , einerlei damit scheint mir gi-huht (vena?) mons. 350; ki-maht (virilia) mons. 401. versch. von dem nhd. weiter gebildeten neutr. ge-mächte; ka-nist (sanatio) doc. 204 a gi-nist N. 37, 22. g-nist N. Boeth. 190; ca-nuht III. partikelcomposition. — part. mit nom. (abundantia) ker. 25. g-nuht (luxus) N. Cap. 77; ka-pu- luht (ira) hymn. gi-buliht T. 13, 13. 21, 8; ka-purt (na- tura) mons. 410. gi-burt O. II. 3, 17; ca-scaft (alimentum) ker. 31. ki-scaft (conditio) ker. 71; ki-sciht; ki-siht (aspec- tus) mons. 319. gi-siht O. IV. 5, 78; ca-spanst (suggestio) doc. 204 b ; ki-swulst (livor) mons. 332. 352. 365; ki-tât (actus) K.; ca-turst (audacia) doc. 204 b hrab. 964 a ; ki- waht (opinio) jun. 241. mons. 371. gi-waht (memoria) O. I. 23, 35. N. Boeth. 98; ki-wahst (statura, pubertas) jun. 221. mons. 403. W. 7, 7; ki-wurht (figmentum) jun. 207; ki-zumft (convenientia). Ags. ge-byrd (nativitas, origo); ge-cynd (natura, generatio); ge-hyht (refugium, spes) urspr. wohl eins mit ge-hygd (cogitatio) Cädm. 76. 98; ge-mynd (mens); ge-nyht (abundantia); ge-siht (visus). Mhd. ge-burt; ge-dult; ge-nist Parc. 139 c un-ge-nist MS. 2, 255 b ; ge-nuht troj. 13 c Ben. 175. 180; ge-schiht; ge- siht; ge-tât Wigal. Barl. Nhd. ge-burt; ge-dult; ge- schichte; ge-sicht. Alle diese fem. haben zwar sichtbaren zus. hang mit verbis, können aber, weil auch die einfa- chen maht, tât etc. gelten, die part. erst angenommen haben, nachdem die subst. bildung vollbracht war. Vgl. die ähnlichen zus. setzungen mit andern partikeln pi-huct K. 40 a , in-huct, ana-purt, ana-siht, fora-siht etc. — 5) noch verbaler sind neutra mit der partikel und der ab- leitung -i, denen sich kein subst. als unterlage nachwei- sen läßt, und die unmittelbar aus schwachen verbis er- wachsen. Sie unterscheiden sich daher von den neutris unter 3, welche zwar auch mit der ableitung -i, aber aus subst. gebildet werden und einen collectivbegriff haben, so wie von den neutris unter 2, welche aus starken ver- bis und ohne ableitenden vocal gebildet werden. Gleich- wohl sind sie nicht als composita aus den schwachen ver- bis hergeleitet, sondern die partikel scheint erst im augen- blick ihrer formation hinzuzutreten und ihnen wesentlich, sie steht in der mitte zwischen dem stärkern collectiv- und dem schwächern verbalbegriff. Einzelne entsprechende schwache verba können freilich auch mit dem gi- verse- hen sein, z. b. gi-hôran, gi-lôsan, aber dann scheint es in dem subst. etwas mehr nachdruck zu gewinnen. Diese composita zeigen sich in der alten sprache sparsam, in der neuen häufig, während die unter 2. genaunten früher oft und heute selten vorkommen. Ein goth. beispiel kenne ich gar nicht (? ga-vaírþi, pax), und einige ahd. sind zweifel- haft: gi-chôsi (tractatus, eloquium) mons. 375. 377. 381. ge- chôse N. 17, 31. 100, 5. leite ich von chôsôn (loqui); gi-pôsi III. partikelcomposition. — part. mit nom. (nugae) mons. 345. 398. von pôsôn (?); chi-hlosi (auditus) J. 404. von hlosên, oder macht das adj. gi-los (obediens) anspruch darauf?; ki-karawi (eultus, indumentum) ker. 15. jun. 200. von karawan; ki-rusti O. III. 12, 67. von hrustan, doch gab es ein subst. hrust, hrusti (Hild.); ki-mâli (pictura) mons. 409. ge-mâle N. Cap. 127. von mâlên (pingere) N. Boeth. 110. 170. versch. ist mâlôn (in jus vocare) N. Boeth. 48; ki-reiti (pompa) ge-reite N. Cap. 132. aus rei- tan, ki-reitan (parare) vgl. das adj. ki-reiti; ki-sprâhhi (elo- quentia) mons. 347. 350. 400. von sprâhhôn? kann auch aus dem subst. sprâhha oder dem adj. gi-sprâhhi stammen und dann gi-sprahhî fem. sein; gi-steigi (ascensus) mons. 324. 334. 359. von steigôn? (mhd. steigen Parc. 105 a ); ki-fuori (suppellex) jun. 251. 255. von gi-fuoran? Mhd. ge-kœse Karl 55 a ; ge-len- de Trist.; ge-reite; ge-rüste; ge-tæper? (1, 406.); ge-tihte; ge-tiusche. Nhd. weit häufiger: ge-brüll; ge-dicht; ge-fühl; ge-heul; ge-hör; ge-läute; ge-räusch; ge-rede; ge-rüst; ge- schenk; ge-schöpf; ge-schwätz; ge-setz; ge-spül; ge-stell; ge- zisch; alle sollten umlauten und es ist zu große rücksichtauf das verbum, daß man bei der zweiten conj. den ungeschwäch- ten vocal oft bestehen läßt, z. b. ge-brumm, ge-prahle, ge-sumse. Vorzüglich gern gebildet werden solche neutra von den frequentativis auf -eln und -ern: ge-bettel, -klingel, -murmel, -plänkel, -praßel, -raßel, -rümpel, -säusel, -wimmel; ge-flatter, -flimmer, -plapper, -plau- der, -polter, -schnatter, -zwitscher etc. aus welchen der begriff anhaltender handlung auch auf andere übertragen worden sein mag. Zumeist unorganisch und neu scheint mir die verwendung starker verba für dergleichen zusam- mensetzungen, wie: ge-schreibe, ge-singe, ge-sitze, die auch wohl nur in gemeiner sprache vorkommen. — 6) gewisse adjectiva entspringen aus substantiven jedes ge- schlechts und jeder decl. durch wegwerfung der substan- tivischen flexion, anfügung der adjectivischen und vor- setzung der partikel. Das adj. drückt dann aus, daß ihm die sache zu eigen, es damit versehen ist, welche das subst. enthält. Ableitendes -i tritt nicht hinzu, wohl aber haften -i und -u, wenn das subst. mit ihnen abgeleitet war; doch scheinen einzelne erst in der adjectivsorma- tion -i anzunehmen. Diese adj. gleichen rücksichtlich ihres ursprungs den bildungen nr. 1., unterscheiden sich aber α ) durch ihre in der regel starke flexion, wiewohl sie auch schwach gebraucht werden dürfen; β ) durch die bedeutung, sie praedicieren bloß, während jene zu- sammensein im raum oder zeit aussagen. Man denke III. partikelcomposition. — part. mit nom. sich dasselbe subst. zu beiderlei bildungen verwendet (eines wirklichen belegs entsinne ich mich nicht), so würde gi- loupo einen mit im laub wohnenden, gi-hûs einen der ein haus hat bedeuten, wie gi-hûso einen, der mit im haus wohnt, gi-loup etwas, das laub hat, bedeutet. Goth. baúris? (elatio animi) ga-baúris? (laetus, lubens) nach dem adv. ga-baurjaba (libenter); guþ (deus) ga-guds ( εὐσεβής , der gott im herzen hat) ga-gudei ( εὐσέβεια ) Tit. 1, 1; skôhs (calceus) ga-skôhs (calceatus); til (scopus? vgl. til du vrôhjan, κατηγορία , Luc. 6, 7.) ga-tils (oppor- tunus, aptus), oder ist schon ein einfaches adj. tils (nach dem ags.) anzunehmen?; vilja (animus) ga-vilis ( ὁμόθυ- μος ) Rom. 15, 6. Ahd. chunni (genus, indoles) ge-kunni (naturâ insitus) Ludw.; hant (manus) ge-hende (aptus) N. Boeth. 44. Cap. 75; hërza (cor) ka-hërz (concors, cor- datus) un-ga-hërz (discors) hrab. 960 b ; loup (frons, dis) gi-loup (nemorosus) mons. 330. 339. ge-loube (frondosus) N. Cap. 109; luppi (venenum) hrab. 963 a ka-luppi (toxi- catus) jun. 190. mons. 406; minnja (amor) chi-minni (di- lectus) J. 366. (wo der acc. chi-minnan) ge-minne (amans (invicem) N. Boeth. 108; muot (animus) ki-muot (ani- matus, lubens) weiß ich nicht zu belegen, doch gilt noch mhd. ge-muot, O. aber hat häufig gi-muati (vgl. s. 663.); nôt, ki-nôti, aus dem häufigen adv. ki-nôto, ki-nôtôr, zu folgern; part (barba) ka-part (barbatus) uh-ga-part (im- berbis) hrab. 966 a ; slahta (genus, indoles) gi-slaht (indi- tus) O. II. 23, 30. N. Boeth. 118; sêla (anima) ge-sêl? (animatus) N. Cap. 45. wo der nom. pl. neutr. gesêliu auch von ge-sêle herrühren könnte, so wie das ll in ur- sêllêr (exanimis) jun. 204. auf ur-sêli führt?; situ (mos) ki-situ (moratus) ge-sit N. Boeth. 209; stimna (vox) ga- stimnaƷ (consonum) doc. 213 a ; varawa (color) ki-varo (colo- ratus) hrab. 963 b ; vëdara (penna) ca-vëder (ales, plumatus) ker. 12. (wo cafëderê, alites) schwerlich ca-vëderi wara (atten- tio, cura) ka-war gi-war (cautus, providus) un-ka-war (im- probus) häufig. Ags. cëalf (vitulus) ge-cëalfe (foetus); ge-cynd (natura) ge-cynde (naturalis) Beov. 201. hier liegt die part. schon im subst.; fëax, ge-fëax (comatus); hëorte, ge-hëort (cordatus); hand (manus) ge-hende (propinquus) zur hand, behend; môd, ge-môd (concors); stence (odor) ge-stence (odorus); tîd (opportunitas) ge-tîde (habilis, ap- tus). Mhd. ge-hant (manibus praeditus) wîƷ-ge-hant Trist.; ge-hâr (crinitus) Rud. weltchr. cass. 55 a ; ge-haƷ (inimicus) Nib. Trist.; ge-hërze Geo. 40 a Trist.; ge-horn (cornutus) Reinfr. 155 b ; ge-lenke MS. 2, 123 b ; ge-lîp III. partikelcomposition. — part. mit nom. (comparatus) Trist.; ge-mâc (cognatis gaudens); ge-mâl (oben s. 663.); ge-man gen. ge-mans (jubatus) Trist. 17298; ge-man, ge-mannes (dives subditis) Trist.; ge-minne Trist.; ge-muot Parc. 86 a Barl. 15. etc.; ge-nœte Gudr. 13 b 69 a ; ge-schuoch (calceatus) Jw. 36 c ; ge-sinne (sensu gaudens); ge-site Trist.; ge-slaht Parc. 126 a 171 b 189 a Wh. 2, 47 a 74 b 87 a 197 b Geo. 57 a ; ge-snabel (rostratus) MS. 2, 138 a ; ge-stopfel (stipulam habens) MS. 2, 225 a ; ge-var (s. 656); ge-vriunt (amicos habens) Trist.; ge-war (cau- tus) Karl 22 a ; ge-zagel (caudatus) Trist.; ge-zan (den- tatus) Jw. 4 b u. a. m. Nhd. sind diese bildungen, mit ausnahme von ge-lenk, ge-muth (in wohlg.) ge-schlacht und ge-wahr abgekommen, man braucht dafür die part. praet. geschuht, gezähmt, geschnäbelt, gehörnt, behaart oder andere bildungen. — 7) andere adjectiva mit der vorpartikel [ähnlich den unter 3. abgehandelten masc. und neutris] stammen ohne zutretende ableitung aus dem laut oder ablaut starker verba , können aber, da sie zum theil einfach gelten, composition an sich selbst erfahren haben und brauchen wiederum nicht von com- ponierten verbis geleitet zu werden. Die bedeutung der partikel ist auch hier meist unscheinbar. Goth. ga-dôfs (conveniens) Tit. 2, 1; ga-hvaírbs (docilis) homil. un-ga- hvaírbs Tit. 2, 1; ga-leiks (similis); ga-máids (debilis, πηρός ); ga-máins (communis); ga-nôhs (sufficiens); ga- vamms (impurus). Ahd. gi-hël, -hëlles (consonans) mons. 346. N. Cap. 20. Boeth. 107. 174; ki-hlos (obediens) ge- los N. 28, 4; ka-lanc (affinis, adfinitus) mons. 409. hrab. 951 b gi-lang O. II. 7, 46. III. 6, 50; ka-mah (aptus) un- ga-mah (absurdus, dispar) ker. 5. 26., aber gi-machi mons. 363. 364. 380. O. IV. 4. 83. ge-mache N. Cap. 67; ka- meit (baridus, stolidus, vanus) hrab. 954 b etc.; ka-nuoc (sufficiens) ker. 6. etc. ge-nuog (copiosus) N. 106, 38; ge- rëch (paratus) N. Boeth. 171. 190; ka-rop? (raucus, rudis) ge-rob N. Cap. 20. 39. 138. mhd. g-rop, nhd. g-rob, scheint zur wurzel nr. 211. gehörig, ursprünglich zerrißen, unglatt, goth. ga-rubs?; ki-suâs (domesticus, arcanus) K. 50 a mons. 332. 396. gi-suâs O. I. 3, 22. II. 15, 33. O. V. 8, 59. etc.; ki-sunt (sanus) O. ki-sunti mons. 323. 363. ge-sunde N.; ki-tras? ich kenne von diesem dun- keln worte nur die form un-ki-trasûn (gen. fem. schw.?) trucis ker. 276. (vgl. trasen 1, 415); ka-vago (contentus) scheint nur schwach zu stehen, vgl. ka-vagun (contenti) mons. 402., auffallend setzt aber N. ein unveränderliches ge-vago ohne rücksicht auf genus und casus, Boeth. 79. III. partikelcomposition. — part. mit nom. 81. 83. (vgl. muot-vagôn s. 584.); ki-vêh (inimicus); ki- frad? (efficiens, potens) ge-frad N. Boeth. 257; ge-won (suetus); ki-zal (levis) mons. 336. 345; ka-zëso (dexter) hrab. 960 b ki-zoso ker. 97. Ags. ge-fâ (inimicus); ge- hâl (integer); ge-lang (vicinus) Beov. 105; ge-leás (fal- sus); ge-mâd, ge-mæd (amens, vecors); ge-mët (aptus) Boeth. 54; ge-sund (integer); ge-svæs (blandus, familiaris). Mhd. ge-heil (integer) Herb. 25 c 88 d ; ge-holf (auxilians): adolf Ottoc. 579 a ; ge-lîch; ge-meit (vanus, hilaris, laetus): ge-nuoc; ge-rëch; ge-reit; g-rop a. w. 2, 220; ge-sunt; ge-vê (inimicus) MS. 1, 8 a 20 b 95 b ge-vêch Flore 12 b Ernst 40 b ; ge-frum Geo. 48 a ; ge-wahs (acutus) Nib. Bit. 103 b ; ge-won; ge-zëch Wh. 3, 378 b cass. Nhd. ge- heim; ge-mach; ge-nug; g-rob; ge-sund; ge-schwind. — 8) adjectiva der ableitung -i scheinen nicht nur aus schwachen verbis, sondern auch aus starken herzufließen; ein unterschied von den neutris unter 5. Vielleicht aber sind hier übergänge aus der ersten in die zweite decl. anzuschlagen, vgl. goth. -nêms, -sêts (1, 719. 721.) ahd. -nâmi, -sâƷi. Ich weiß auch keine goth. adj. bildung beizubringen, man müste denn aus dem adv. ga-hahjô (consequenter) ein adj. ga-hahis folgern; dem ahd. ka- meini, ags. ge-dêfe steht aber goth. ga-máins, ga-dôfs gegenüber. Ahd. ge-diere (serviens) N. Boeth. 43. Cap. 82; gi-thiuti (vulgaris, famosus) O., falls es von dem verbo diutan (goth. þiuþjan) und nicht dem subst. diot herstammt; ga-duâdi (modestus) sgall. 189. ein dunkles wort, dem ich das ags. ge-þvædel (exiguus) vergleiche, noch vollständiger entspräche ge-þvæde, wenn man Lyes ge-hvæde (modicus, exiguus) so emendieren darf; ka- hiuri (mitis, blandus) un-ga-hiuri (atrox) hrab. 951 b ; ka-hucki (memor)? unbelegbar, denn ke-huckê K. 40 a ist der conj. memor sit; ka-luofi (oben s. 654); ka-luomi (frequens) vgl. oben s. 571; ki-mahhi (vorhin bei ki-mah); ka-meini, gimeini (communis); ki-nâmi (gratus, acceptus); ki-pâri (conveniens, aptus) gi-bâri O. I. 18, 3; gi-ringi (faci- lis) O. II. 14, 155; ge-spirre (conjunctus?) N. Boeth. 95. Cap. 90; gi-sprâhhi (disertus) mons. 332. 338. gesprâche N. Cap. 119; ka-sunti (s. 746.); ka-fôki (aptus) hrab. 951 a ; ka-foari (aptus) ker. 14. hrab. 951 b 954 b un-ca-fôri (absurdus) ker. 4. 5.; ge-wëte (conjugatum) N. Boeth. 209; ki-zâmi (decens); gi-zengi (gravis, incumbens) O. I. 20, 20. IV. 26, 54. Ags. ge-cvëme (gratus); ge-dêfe (congruus); ge-drŷme (consonus); ge-fræge (notus) Beov. 7; ge- hlëóðe (consonus); ge-hvæde (modicus) vielleicht ge- III. partikelcomposition. — part. mit nom. þvæde, vgl. ahd. ga-duâdi; ge-spræce (eloquens); ge-tenge (gravis, molestus) Beov. 205.; ge-tynge (lepidus) ahd. ki-zunkal; ge-trëóve (fidus); ge-þvære (consonus). Mhd. ge-bære (aptus); ge-derbe (utilis) Bon.; ge-hiure Bon., un-gehiure; ge-meine; ge-næme Barl. Flore 34 c ; ge- nende (audax); ge-nenne (famosus) Trist.; ge-ringe Flore 19 c ; ge-triuwe; ge-være Ben. 189; ge-vuege Flore 22 a ; ge-wære Flore 58 b ; ge-zæme Flore 22 a . Nhd. ge-heuer; ge-lind; ge-mein; ge-nehm; ge-ring; ge-streng; ge-treu; ge-füg. — 9) adjectiva mit consonantischer ableitung namentlich α ) mit -t: goth. ga-raíhts (justus) versch. von raíhts (rectus) ahd. ki-rëht und schon bei T. und N. g- rëht; ahd. ki-wis (certus) f. ki-wist, wie wissa f. wista, mhd. ge-wis. β ) mit liquida: ahd. gi-sprâhhal (bilinguis) mons. 357; ge-zungel N. Cap. 7. woraus das subst. ka- zunkali (facundia) fließt. γ ) mit -eig, -îc: ga-vaírþeigs (pacificus), bloße derivation vom subst. ga-vaírþi (pax); ahd. ki-haltîc (parcus) mons. 396. ge-hengîg N. 68, 11; ge-huhtîg (memor) N. 76, 12. 102, 18; ge-lustîg N. 72, 21; gi-ruorîg (viridis) mons. 351. 390. 394; ge-sihtîg N. 41, 5; ge-folgîg N. 36, 6; ge-vellîg (opportunus) N. 31, 6; gi-willîc (intentus) mons. 396; gi-zumftîc T. 189, 2. etc. setzen schon mit der partikel formierte subst. ki-halt, ki- huht, ki-lust, ki-ruori (?) gemahnt an das s. 632. note angeführte gruoti, das doch schwerlich in gruori, giruori zu ändern ist, so wie es nicht gruo- rîg, sondern nur giruorîg heißt. ki-siht, ki-val, ki-zumft vor- aus. — 10) zuletzt sei der ahd. adverbien gi-tago (quo- tidie) T. 107. 129. 185, 8. gi-dago O. IV. 1, 22. gi-jâro (annuatim) T. 12, 1. erwähnt; die so viel ich weiß allen andern mundarten fehlen und unbelegbare adj. gi-tag, gi- jâr voraussetzen. Analog ist gi-zîto (mature, zeitig, bei zeit) O. IV. 7, 180; gehört dahin auch ge-slago (conse- quenter) N. Boeth. 49. 115? — Anmerkungen : a) am stärksten ist die bedeutung der partikel in den persönlichen gesellschaftswörtern den oben übersehenen fall, wo ga- vor ein anderes persön- liches subst. tritt, hohle ich hier nach; es sind die verwandtschafts- wörter ahd. ka-vatero (compater) ka-vatara (commater) mons. 382; ags. stark ge-fäder, ge-mêder, ge-brôðor (pl. ge-brôðru) aber schwach ge-nëfa (nepos) etc. den collectivneutris und den besitz- adjectivis (nr. 1. 2. 6.). Offenbar drückt sie vereinigung aus und begegnet andern partikeln, namentlich dem miti-, pi- und saman-, ja der eigentlichen composition ëpan- und sina-. Für ga-vaúrstva, ga-sinþja sagen wir heute III. partikelcomposition. — part. mit nom. mit-arbeiter, mit-reisender und nach analogie von miti- slâf würde miti-slâfo kaum verschieden sein von ki- slâfo ( σύγκοιτος ) mhd. gelten ge-reise und mite-reise gleichviel. Man halte ëpan-alt zu ki-altro, ëpan-lîh zu ka-lîh, ëpan-hloƷo zu ki-hloƷo; sin-hivan (conjuges) zu gi-hîleih; für gi-sindo setzt O. V. 9, 18. saman-sindo. Ge- gensatz ist ab-, vgl. ab-hâr (depilis) mit ge-hâr (gleichsam com-pilis). In den übrigen fällen schwächerer bedeutung wechselt ge- mit be-, z. b. gi-zengi, bi-tengi; ge-sceid, be-scheid; ge-derbe, be-derbe, ags. ge-leáfa, engl. be-lief; es ist, wie be- und ver- zuweilen inhaltsleer geworden, ursprunglich nicht gewesen. — b) manche wörter, zum zeichen seiner gelinden bedentung (s. 725.), pflegen es dann gar nicht von sich zu laßen: g-rob, g-leich, ge- mein, g-lied, ge-mach, ge-sund, ge-wis, ge-meit, ge- vê etc. Wo es lebendiger ist, scheint es immer trenn- barer. — c) auf der andern seite erhellt seine geheime potenz immer noch daraus, daß es nicht gleichgültig allen wörtern vorgeschoben werden darf. Sinnliche wör- ter namentlich vertragen kein gelindes, sondern nur ein stärkeres, die bedeutung modificierendes. Z. b. kein farb- adjectivum, niemand sagt ge-schwarz, ge-weiß. Bei den collectivis nr. 2. tritt je sinnlicher das nomen ist, desto lebhafter der begriff hervor, vgl. ge-hünde, ge-videre. d) man könnte annehmen wollen, daß nicht die partikel selbst jenen stärkeren oder schwächeren sinn wirke, der vielmehr von dem ableitungsprincip herrühre. Allerdings entspringen bisweilen adj. aus subst. durch die bloße ver- wandlung substantivischer in adjectivische flexion, ohne zutritt der partikel, und wenigstens bei eigentlicher zus. setzung erscheint diese nicht nothwendig, vgl. z. b. -farvs, -haírts, -môds (s. 656. 657. 663.) wiewohl sie ausgeworfen sein könnte, wie sie auch nach un- auszufallen pflegt, z. b. in un-hiuri hrab. 960 a st. un-ga- hiuri; vgl. ôr-rûno mons. 328. mit ôr-ki-rûno jun. 196; nôt-stallo mit nôt-gi-stallo etc. Allein abgesehen von solcher unterdrückung hängen die begriffe unter 1 und 2 doch wohl wesentlich mit dem ge- zusammen. Theils zeugt das ableitende -i in unzähligen fällen ohne vortritt der partikel weder collectiva noch sociativa, theils mangelt es den letzteren sogar häufig. Ebensowe- nig kann die schwache form den gesellschaftsbegriff be- wirken, da sie ebenfalls zuweilen unterbleibt, oder man müste das starkformige ags. ge-sið für unorganisch erklä- ren, in welchem allem scheine nach die bloße partikel III. partikelcomposition. — part. mit nom. die bedeutung hervorgebracht hat. Nicht zu übersehen ist auch, daß in den fällen 1 und 6., wo die partikel am lebhaftesten war, seit sie ihre wirkung einbüßte, fast alle damit gebildeten wörter aufgegeben worden sind. Hätte der grund ihrer bildung in etwas anderm gelegen, so würden sie fortdauern. — e) wo der schwächere sinn gilt, namentlich in nr. 3. 4. 5. 7. 8. 9. und solange nicht (nach b.) verhärtung eingetreten ist, leidet es keinen zweifel, daß die partikel nach zeit und ort wegbleibt. Vgl. goth. svês, ahd. gi-suâs; ahd. lid, nhd. g-lied; mhd. haƷ Bon., neben ge-haƷ; nhd. lind neben ge-lind u. a. m. Hier werden sich bisweilen feinere unterscheidungen der bedeutung ergeben; wo nicht, so ist nach der älte- ren sprache zu entscheiden, was für organisch zu hal- ten sei, das setzen oder auslaßen der partikel? — f) diese frage, allgemein für sämmtliche fälle des ge- aufgewor- fen, hat besonderen einfluß auf beurtheilung der nordi- schen und engl. sprache. Im engl. muß unbedenklich für unorganisch angenommen werden, was durchgreifen- den grundsätzen der ags. wortbildung zuwider läust. Da nun das ags. ge- mit dem hochd. meist übereinstimmt, so folgt, daß es in verschiednen engl. wörtern weggefal- len ist, deren begriff, ohne es voraus zu setzen, gar nicht recht erklärt werden könnte. Einigemahl haftet noch die verdunkelte partikel, im altengl. öfter und deutlicher. Der sociativbegriff ist begreiflich der seltenste: fere (socius) ags. ge-fêra, jetzt veraltet, aber vordem häufiger (Nares’s gloß. fere, feere, pheer) altengl. fere und y-fere; make (amicus, socius, par) ags. ge-maca, ahd. ki-mahho, (vgl. Nares h. v.); ye-man, yeo-man (contubernalis, satelles, minister) ags. ge-mana, altengl. y-mone (Horn, zeile 530. 842); reeve, reve (minister) ags. ge-rêfa. Beispiele von andern wörtern: birth, ags. ge-byrd, ahd. ki-purt; fight, ags. ge-fëoht, ahd. ki-fëht; kind, ags. ge-cynd, ahd. ki- chunt; mind, ags. ge-mynd, ahd. ki-munt; loom (sup- pellex), ags. ge-lôma, ahd. ki-luomo?; shape, ags. ge- scëap; sight, ags. ge-sicht, ahd. ki-siht. Und die adj. foe (inimicus) ags. ge-fâh, ge-fâ, ahd. ki-vêh, im alt- engl. begegnet die schwache flexion fone (st. des heutigen foes) ags. ge-fâhan, die feindlichen, die feinde (Nares v. fone); like, ags. ge-lîc, ahd. ka-lîh, altengl. y-like; altengl. y-lome (saepe) Horn z. 197. ags. ge-lôme; mad (amens) ags. ge-mâd, ahd. ka-meit das goth. gamáids bedeutet leiblich schwach, das ahd. ka- meit, ags. gemâd, engl. mad schwach an geist, thöricht, das mhd. ; e-nough (warum III. partikelcomposition. — part. mit nom. nicht nough?) altengl. y-now, ags. ge-nôh, ahd. ka-nuoc; sound, ags. ge-sund, ahd. ki-sunt; altengl, y-wis (certus) ags, ge-vis, ahd. ka-wis. Einzelne mögen schon im ags. zuweilen ohne die partikel vorkommen, z. b. fâh (inimi- cus) sund (sanus), aber gewöhnhch steht sie und es heißt so wenig mâd, cynd als im ahd. meit, chunt. — g) zeugt die unterdrückung der partikel im engl. nicht zugleich für ihren ausfall im nordischen ? s. 735. aus einigen über- bleibseln beweise, daß sie der mundart an sich und vor alters keineswegs fremd gewesen ist. Folgende wörter außer g-ranni, g-neisti, g-lîkr, g-nôgr scheinen ihrer nach analogie des goth. ags. und ahd. fähig: bûri (rusti- cus); hlyri (frater, socius); landi (popularis) ahd. ki-lanto; leika (socia ludi, ki-spila); maki (par); rûni (familiaris); mâti (socius); sinni (fautór, amicus); nautr (socius); burdr (nativitas); skap (indoles); vis (certus) u. a. m. Collectiva in der weise von nr. 2. kenne ich nicht, auch keine adj. nr. 6. für welche, wie im nhd. das part. praet. gesetzt wird, vgl. goth. ga-skôhs, ahd. ka-loup, ka-vë- dar, ka-hâr mit altn. skôadr, laufgadr, fiadradr, hærdr und nhd. geschuht, belaubt, gefiedert, bekannt. Die nord. sprache verräth also in dieser materie wenig alterthüm- liches. — h) die partikel ga- scheint mir nahverwandt mit dem lat. cum , con- , wo nicht dasselbe. Hierauf führt einmahl die bedeutung, vgl. con-sors, ga-hlôƷo; con-sonus, ga-hël etc. namentlich auch das ags. ge — ge, lat. cum — tum. Wichtiger und verhüllter ist die ähn- lichkeit der form. Auf den ersten blick widersprechen sowohl der anlaut, als die mangelnde auslautende liquida. Was jenen betrifft, fordert die lautverschiebung freilich deutsches h für lat. c; allein es könnte sich wiederum hier verhalten, wie bei dem goth. ableitenden -ag, ahd. -ac, das dem lat. -ic, -ac parallel lauft (s. 309. 310) und wofür zuweilen -ah begegnet (s. 316.). Ein nicht un- wahrscheinliches ha- für ga- wird hernach beigebracht werden. Ob anlautende h- in den formeln hl, hn, hr, hv aus unsrer partikel denkbar seien? steht dahin und läßt sich nicht vorschnell abweisen, denn der spätere wegfall des h stimmt zum wegfall der partikel, obgleich sehr verschiedene sprachperioden mitwirken, die auch er- klären helfen, wie nach verdunklung der partikel schein- gemeit geht aus dem begriffe leer, dünkelhaft, eitel, leichtsinnig ganz in die gute bedeutung von stolz, fröhlich, lustig über. III. partikelcomposition. — part. mit nom. bare pleonasmen eintreten, wenn das ga- wiederum vor einem hl, hr steht z. b. ga-hláiba, ga-hráinjan. Vielleicht ist aber in der that hier kein überfluß; es kann neben den auflösbaren hl, hr. auch wurzelhafte, unzusammengesetzte geben, wie es gl, gr gibt, die nicht g-l, g-r sind. Jene vergleichung des ga- mit -ag bringt mich auf den ge- danken an mehr als zufälligen zusammenhang zwischen bei- den, wäre -ag bloße umsetzung? Wenigstens thut bei den adj. nr. 6. ga- ungefähr den dienst des ableitenden -ag, z. b. ka-loup bedeutet was loup-ac (s. 290.); ka-part, ka- hâr was part-aht, hâr-aht (s. 380. 381), es ist eine wei- tere lingualableitung zugetreten (s. 384. β . γ .), die für die gegenwärtige frage gleichgültig bleibt, vielleicht die er- haltung des ältern h (statt g, c) beweist. Wird in der zukunft das wesen der ableitungen tiefer erforscht sein, können solche vergleichungen nutzen bringen. Daß beide principe nach ihrer verfinsterung nebeneinander eintreten, z. b. in ka-loup-ac verschlüge wieder nichts. Ich komme auf die abwesenheit des auslautenden m oder n in der deutschen partikel. Hierbei ist vorerst das lat. co- für com- vor vocalen, j und h in anschlag zu bringen (Schn. 537-542). Bedeutender und merkwürdiger sind mir die spu- ren des uralten gam- , gan-; ham- , han- für ga-, in folgenden wörtern: α ) ham-edii (conjuratores) unmittel- bar hinter dem capitulare de villis (Bruns beitr. zu deut- schen rechten p. 40.) aber schon damahls mit der erläu- terung: quos nos geidon dicimus; g-eido (nach 1. von eid gebildet) ist ga-eido und wörtlich conjurator. War dafür älterer oder fränkischer ausdruck ham-êdjo? in êdjo steckt gewis das ahd. eidëo, eido und was soll ham anders sein, als die partikel? Das wort hamedia kommt auch in einem dipl. von 680. (Bouquet IV. nr. 62.) vor. β ) die lex sal. emend. tit. 49. hat den ausdruck hamallus, mit der erklärung: i. e. qui suscepit causam ad mallan- dum in vicem alterius; im pactus leg. sal. tit. 50. stehet dafür rhamallus, das vermuthlich verlesen oder verschrie- ben ist statt chamallus (altfränk. ch. für h, nach 1, 184, vgl. das ahd. cha- einiger für ka-, ga-, vorhin s. 734.). Denn auch bei Marculf (form. 1, 36.) wird das verbum homal- lare für adsumere in vice auctorum gebraucht. Dieses ha- mallus ist wohl nichts anderes als das ahd. ga-mahalo (so- cius, defensor in lite) und hamallare ga-mahalôn (advocatum constituere). Entw. stehet es für ham-mallus, mit ver- schlingung des einen m, oder ha-mallus bezeugt, daß schon die fränkische sprache ham- in ha- (= goth. ga-) III. partikelcomposition. — part. mit nom. entstellte. γ ) fällt hierdurch licht auf den bisher uner- klärlichen ausdruck cumi-stadul, cumi-studalo, chumi-stu- dalo, chumi-stuodlo (paftorum potentissimus, princeps equorum) zwetl. 115 b doc. 206 a mons. 326? Die bedeu- tung ist offenbar stallmeister, hofbedienter, wenn man u für a verschrieben oder verlesen hält, so nähert sich in der bildung cam-stadalo, cam-studalo dem lombard. ca- staldus, goth. ga-stalds (s. 527.), das es in der gl. zwetl. grade übersetzt. Und hier vergönne ich mir einmahl, die malb. gl. zu tit. 59. leg. sal. chamestalia anzuführen, welche contubernium oder contubernalis auszudrücken scheint. Das altfränk. cham-stalia oder -stalio wäre das ahd. ka-stallo? die malb. gl. zu tit. 3. chamitheuto, al. chamutevo, hama- chito, könnte wiederum die partikel enthalten; da von einem tau- rus communis de tribus villis gehandelt wird; ich verstehe aber das subst. nicht. . δ ) in eigennamen bewahren sich ältere for- men; könnte das bekannte hami-dëo, hama-thio, hame- deus (Schannat nr. 576. cod. lauresham. nr. 2529. Goldast 2, 8. Neug. nr. 354. und sonst, ich führe es oben s. 532. auf, ohne das erste wort zu verstehen) mit der partikel und dëo, diu (famulus, servus) zus. gesetzt sein? es ent- spränge wieder der gesellschaftsbegriff confamulus, con- tubernalis, amicus. Das altn. ham-þŷr scheint aus der ahd. sage aufgenommen. Ein ahd. eigenname ka-dëo, ki- dëo, den ich nicht aufzuweisen habe, würde die conjec- tur bestärken. Hamedëo für hamêdëo (wie α ) zu nehmen geht nicht an, da ahd. urkunden sicher hameidëo schrei- ben würden. Neben diesem fränkischen ham- mehr hochdeutsches kan-, gan- zeigt sich ε ) in kan-arpo ( o- heres, consors) doc. 204 a , wofür canh-erbo oder chan- erbo N. 36, 22, mhd. gan-erbe Parc. 80 c , und im deut- schen recht hat sich gan-erbe bis auf heute erhalten (Frisch 1, 315. 316.). Es ist nichts weiter als gi-erpo, miterbe, miteigenthümer, mitberechtigter ( σύγκληρος , συγ- κληρονόμος ). Dieser auslegung stehen zwei andere ent- gegen. Nach der einen wäre gan-erbo decompositum und aufzulösen in gi-ana-erbo, wirklich gibt das capitulare Ludov. (Schilter II. 1, 239.) mehrmahls deutlich ge-an- ervo (coheres). Meines wißens tritt aber gi- sonlt nie vor eine andere, schon mit einem nomen componierte partikel, häufig treten andre partikeln noch vor das gi-, (z. b. ana-ki-siht, and-ge-lôma) weshalb zwar ana-gi- erbo, nicht gi-ana-erbo zuläßig schiene; eine urkunde B b b III. partikelcomposition. — part. mit nom. von 1267. (Günther cod. dipl. rhenomos. 2, 355.) liest ane- gerve, wo ein anderes exemplar ganerve. Die zweite ansicht vergleicht gan-erbe mit dem im seeländ. und scho- nischen gesetz vorkommenden gang-arv (Kofod Ancher I, 374. 375.) dem gegensatz von fram-arv. Hierfür ließe sich höchstens die angeführte falsche lesart canh-erbo in der stelle bei N. anschlagen, insofern sie cang-erbo bedeu- tete; übrigens weicht der begriff des dän. gang-arv (altn. kein gâng-arfi) ganz von dem des deutschen gan-erbe ab und die verkürzung aus ganc-erbo, gang-erbe hat gar keinen schein. ζ ) endlich habe ich bis hierher aufgeho- ben das räthselhafte ahd. gan-eistara, mhd. gan-eiste (scin- tilla), wovon oben s. 370. bei ganz dunkler wurzel gan oder gân die ableitung -eist gesucht wurde. Den dorti- gen citaten ist aus sgall. 183. ganastra (f. ganeistra) beizu- fügen. Wäre nun umgedreht eista wurzel, gan partikel, so würde begreiflicher, wie sich aus gan-eistra, gan-eisto späterhin gæn-ster und gn-eiste, altn. gn-eisti, n-eisti ne- beneinander entwickelten (warum aber nicht ga-eisto, g-eisto?). Die wurzel eisa (cinis ignitus) belegt das altn. (Biörn fehlerhaft eysa, vgl. das verbum eisa, aestuare, sæm. edd. 153 a ) so daß gn-eisti, gan-eisto leicht socius ignis oder etwas dergl. bedeuten könnte. Keines dieser bei- spiele (von α bis ζ ) gebe ich für mehr als bloße vermu- thung, welcher namentlich entgegensteht, daß im goth. nur ga-, keine spur von gan-, gam- anzutreffen ist. Und wie verhält sich dazu die formell nicht unwahrscheinliche verwandtschaft mit der gleichfolgenden partikel? ahd. kakan , gagan (contra) könnte, wie contra mit cum, com-, con- (intra in, extra ex, supra sub etc.) mit der eben abgehandelten part. ka-, ga- in berührung stehen, nach analogie von in innan, ûƷ ûƷƷan, oba oban etc.; die übergänge der bedeutung (vgl. wid, widar; ags. við, viðer; oder den doppelsinn von and-) befremden weni- ger, als das verhältnis der doppelten gutturalis. Die ags. form lautet gegn und gëan, das zuweilen und wohl richtiger gân, gen (gæn, gên?) geschrieben auf gägen (wie vän auf vägen) führt; altn. gagn und gegn; bei Ulf. kommt die part. gar nicht vor oder wäre sie mit ga-geigan (lucrari) franz. gagner einer wurzel, wie das altn. gagn wirklich iucrum, franz. gain heißt? das brächte auf einen ganz andern weg, der aber auch formelle schwierigkeit hat. . Mit nominibus geht sie nur selten composition ein. Ahd. gagen-lûta (tonus) N. Cap. 145; III. partikelcomposition. — part. mit nom. gagen-wërt oder gagen-wërte? (praesens) N. 31, 8. Boeth. 263. gagen-wërtî (praesentia) Boeth. 120. gagen-wërtîg (praesens) N. 59, 2. gagan-wurt (praesentia, (conspectus) mons. 330. 341. 365. Alts. gegin-ward (praesens). Ags. gëan-cyme (occur- sus); gëan-cyr (idem); gegn-cvid Beov. 30; gëan-far (aedi- tus); gëan-hvyrft (conversio); gëan-ryne (occursus). Altn. gagn-augu (tempora, die schläfen); gagn-drëpa (perma- didus, durchtriesend); gagn-giald (donatio propter nuptias, widergeld); gagn-hreinn (candidus, perillustris); gagn- skiær (pellucidus); gagn-sök (reconventio); gagn-stædr (oppositus); gagn-vidri (ventus adversus); gagn-votr (per- madidus); gagn-þurr (peraridus); gagn-þŷdr (totus ege- lidus). Mhd. gegen-biet, gein-biet Parc. 120 c Wh. 2, 158 a ; gegen-louf Frib.; gegen-market Wh. 2, 136 b ; gegen-niet Parc. 95 a ; gegen-rede Parc. 101 a ; gegen-reise Tit.; gegen- sidele Nib.; gegen-strît; gegen-stuol Parc. 74 c ; gegen-wort Parc. 153 a ; gegen-würte Trist. gegen-würtic Bon. Nhd. mehrere: gegen-bild; -dienst; -druck; -befehl; -süßler; -gist; -klage; -kraft; -rede; -stand; -besuch; -anstalt; -theil; -wart; -wehr; -beweis; -gewicht; -wind u. a. Das weiter zus. gesetzte adv. ahd. inkakan tritt nicht vor no- mina, wenigstens habe ich keinen beleg dafür; wohl aber das ags. on-gëan (neben agëan, agen, engl. again), Lye führt an: ongëan-cyme (occursus); ongëan-sär; ongëan- ryne; ongëan-vëard. Auch mhd. stehet engegen-niet Parc. 107 c . Nhd. keine nomina mit entgegen. — Die bedeutung der partikel ist (wie bei and-) bald freundlich, bald feindlich; altn. vor adj. auch per- (vgl. das griech. διά- , goth. and- und die folgende ags. part.). ags. gëond (versus, per, ultra) engl. yond (beyond) könnte zusammengefloßen scheinen aus ge- und and (s. 715.), wiewohl ich kein geand finde; es entspricht in einigen bedeutungen dem goth. and. Richtiger wird man es für das goth. jáind (illuc) ansehen, oder sind zwei ganz ver- schiedne partikeln ge-and und gëond vermengt worden? Mit dem nomen componiert es sich nicht, bloß mit dem verbum. háim (domum) ursprünglich acc. des subst. háims, der zum adv. geworden uneigentlicher comp. fähig wird, denn an sich taugt kein acc. dazu (s. 617.). Diese uneigentliche zus. setzung ist ganz verschieden von der eigentlichen mit háims, nur habe ich s. 460. dort einige beispiele ange- führt, welche hierher gehören, d. h. alle worin die accu- sativische bedeutung: nach haus waltet. In ihnen darf kein compositionsvocal vorausgesetzt werden, geschweige B b b 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. stattfinden. Ahd. heim-prunc (reditus) wirceb. 978 a 979 b . Ags. hâm-färeld (iter ad domum). Altn. heim-bod (invi- tatio ad epulas); heim-för (reditus) heim-fûs (domum eundi cupidus) heim-fŷsi (nostalgia); heim-koma (reditus); heim-sôkn (visitatio); heim-sŷki (nostalgia). Nhd. heim- gang; heim-fahrt; heim-kehr; heim-weh. altn. hiâ (apud, juxta), schwed. dän. hos , eine trenn- bare, den andern deutschen mundarten völlig fehlende in dem volksdialect der sette communi, deutscher ansiede- lungen im obern Italien, finde ich hosz für bei (Hormayrs tyrol 1, 46.); wenn die aufnahme richtig ist, vielleicht bloßes spiel des zufalls und entstellung einer andern ahd. partikel, etwa des aƷ, welches mit dem neunord. hos nichts zu thun hat. partikel. Sie ersetzt das goth. bi, ahd. pi, in der siunli- chen bedeutung, nicht in der abstracten, hat also weit kleinern umfang. Ihr ursprung liegt noch verhüllt. Sollte sie uneinfach und zus. gesetzt sein aus hi-â (vgl. eftir-â, postea)? hi der ablaut von hî (goth. heiv, mansio, domus, propinquitas)? franz. chez bekanntlich aus casa (domus). vgl. hiôn (familia, conjuges), auf jeden fall gehört sie zu dieser wurzel, wenn auch das â nicht aus der praep., sondern aus einer flexion erklärt werden müste. Das -s im neunord. scheint unorganisch hinzuge- treten (wie in tills für till) und aus hiâ, hiå, hå, ho ge- worden. Im altn. tritt die part. vor folgende nomina: hiâ-barn (proles illegitima, nebenkind); hiâ-bŷli (villula) verschieden aber verwandt mit dem eigentl. comp. hî- bŷli (domicilium); hiâ-gud (idolum, abgott); hiâ-hsidrun (socordia. conniventia); hiâ-hvîla (contubernium, concu- bitus); hiâ-kâtr (absurdus); hiâ-kona (pellex, bî-wîp); hiâ-leggr (radius ulnae); hiâ-leiga (villa); hiâ-leitr (facie limus, beisichtig); hiâ-rœna (mentis inops); hiâ-sôl (ne- bensonne); hiâ-sögull (falsiloquus) ahd. pî-sprâhhal; hiâ-stôd (auxilium, beistand); hiâ-trû (superstitio); hiâ-tûngl (pa- raselene); hiâ-vëra (praesentia); hiâ-vërk (opera succi- siva); hiâ-vinna (idem); hiâ-vîk (deflectio a via). Man sieht, daß die bedeutungen zuweilen unserm bei-, zuwei- len unserm ab- begegnen. Das neunord. hos componiert sich nicht mehr mit nominibus, nur mit verbis; vor jene setzt man das entlehnte bi-. ahd. hiar , hier (hic); anzuführen weiß ich bloß hier- wist (vita, das wohnen hier auf erden) Ludw. 19. dem auch ein altn. hêr-vist entspricht. hidrê (huc) ags. hider, engl. hither: ags. hider-cyme (adventus); hider-vëard (horsum). III. partikelcomposition. — part. mit nom. ahd. hëra (huc) bei N. hara , mhd. den meisten hër, einigen har. Ahd. hëra-fart O. V. 4, 81; hëra-funs (cu- pidus huc eundi) O. V. 8, 55. [vielleicht auch nom. propr.? vgl. oben s. 581.]; gehört zu diesen compositis auch das s. 215. besprochne hëra-paƷar (mediocris)? N. Boeth. 96. hat hara-baƷ (propius, beßer hierher) aber wie stimmt dazu der begriff des mittelmäßigen? weil es das unferne ist? auch müste, um hëra-paƷarî (mediocritas) zu verste- hen, eine zugetretene ableitung -ar angenommen werden, für welche ich keine treffende analogie weiß; nähme ich mons. 355. hëra-paƷêr an, so würde das subst. hëra-paƷî fordern [vgl. altn. eftir-bâtr, inferior, oben s. 710. mit langem â, mithin ahd. hëra-pâƷar? aber wohin führt das?]. Die adv. hëra-sâr, hëra-sun (horsum) sind auch mit der part. gebildet, vermuthl. gab es ferner ein hëra- wart (her-wärts). Nhd. her-gang (processus); her-kunft (bedeutet theils anherkunft, theils abkunft); her-weg. ahd. hina (illuc) gegensatz zu der vorigen partikel. Ahd. hina-danch, ein in den urkunden nicht seltner mannsname, welcher ausdrückt: abire cogitans, also auf einen fremden oder gast, den heimweh treibt, gerecht ist; hina-fart (obitus) T. 9, 3. N. 38, 4. hina-fertig N. Boeth. 262; vgl. das adv. hina-baƷ (ultra) N. 81, 1. Ags. hin- fus (abeundi cupidus) Beov. 59; bin-gong (abitus); hin- sið (abitus) Cädm. 18. Mhd. hine-vart, hin-vart Herb. 109 d Wigal. Barl.; hin-wërf (ejectio) Barl. Nhd. hin- fahrt; -fällig; -gang; -länglich; -läßig (bei Luther s. nach-läßig); -reise; -sicht; -weg. hindar (retro) ahd. hintar: hintar-chôsî? (calumnia) nach dem verbo N. 100, 5; hintar-list (fraus) folgt aus hintar-listîc (versutus) doc. 219 a ; hintar-scranch (calca- neus) mons. 398. hintar-screnchîc (versutus) mons. 351. N. 11, 3. 42, 1. hintar-screnchîgî (tergiversatio) mons. 378. 379. 387; hintar-sprâhha (calumnia) folgt aus hintar- sprâhhôn N. 37. 22. 49, 20. Ags. hinder-scipe (nequitia). Mhd. hinder-kœse (calumnia): bœse. Nhd. hinter-achse; -bein; -gebirge; -fuß; -grund; -haupt; -list etc. die ver- wendung für das sinnliche hinter scheint der älteren sprache fremd, vielleicht ist sie wie vorder- (s. 731.) zu beur- theilen. jáind- (illuc): jáind-vaírþs Joh. 18, 3. ïd- (re-) ahd. it- ita-, ags. ëd-, untrennbar, doch scheint das goth. trennbare ïþ (contra) verwandt und dann stimmt das lat. iterum. Goth. ïd-dalja (descensus); ïd-veit (opprobrium) Luc. 1, 25. und davon ïd-veitjan. III. partikelcomposition. — part. mit nom. Ahd. it-ganc (seculum) sgall. 196; it-cart (orbis) doc. 221 b ; it-cruod (genimen) doc. 221 b (vgl. gruoti oben s. 632.); it-lôn (retributio) K. 26 a 28 a T. 18, 2; ët-mâl (solemnis) ker. 57. id-mâli (solemnia) ker. 254. it-mâl oder it-mâli? (solemnis) T. 12, 1. 2; it-niuwi (renovatus) ith-niuwes (adv.) J. 341. it-niuwî (reparatio) K. 42 b doc. 204 a ite- niuwi N. 77, 56; it-purt (regeneratio) wahrscheinlich, aber nicht aufzuweisen; it-ruh (rumen) gleichfalls aus dem verbo zu folgern und durchs ags. bestätigt; it-slach (recidiva febris) doc. 221 b beßer wohl it-slaht, denn it-slahtîgî aug. 124 b ; ita-wîƷ (opprobrium) ker. 221. (wo ita-wîƷƷa nom. pl. masc.? oder sg. fem.?) ita-wîƷ (obfuscatio) mons. 357. iti-wîƷ T. 2, 11. it-wîƷî O. IV. 31, 4. und das abgeleitete verbum ita-wîƷan, ita-wiƷita (exprobrare) ker. 113. oder ita-wîƷôn mons. 352. jun. 249, warum hat grade dieses wort fast immer ita-, oder eine assimilation, statt it-?; außer diesen sicher noch andere. Ags. ëd-cêr, ëd-cŷr (reditus) Cädm. 101; ëd-cvic (redivivus); ëd-cvide (rela- tio); ëd-gëong (rejuvenescens); ëd-gift (restitutio); ëd- gyld (remuneratio); ëd-hvyrft (reditus) Beov. 98; ëd-leán (praemium); ëd-mæl (sacra); ëd-nëove (renovatus); ëd- roc (rumen, ruminatio); ëd-scëaft (regeneratio); ëd-sta- ðelig (restitutus); ëd-vist (substantia)?; ëd-vît (probrum) Beov. 214. [wo ich emendiere ëdvît-lîf, vita probrosa]. Altn. finde ich nur id-giöld (talio) und id-gnôgr, ið-gnôgr (abundans) sæm. edd. 152 a . Mhd. dauern noch fort ite- niuwe (recens) Nib. Trist.; ite-wîƷ (ignominia) Nib. Trist. Barl. troj. 42 a 107 a . Nhd. keine mehr. Die gewöhnliche bedeutung ist: wieder, it-ganc, it-mâl die wiederkehrende zeit und feier, it-gart die sich drehende erde; im goth. ïd-dalja entspricht es dem ab- (s. 708.); im altn. id-gnôgr scheint es intensiv zu verstärken. Es gibt eine gleichbe- deutige part. ïdr? ahd. itar? alts. idur, aus der das goth. ïdr-eigôn (s. 306.) und ahd. iter-nôn (crescere) mons. 386. [s. 169. zuzufügen, doch scheint das -n erst beim verbo zu entspringen, wie s. 166, α ?] herstammen, mit der ich aber keine nomina componiert weiß. ïn- , ïnn- (in, intro); die bestimmung und geschichte der part. in- hat schwierigkeit, es treten nämlich auch hier die bei dem bi- und du- beobachteten schwächungen und verstärkungen des vocals ein, aber auf ganz andere weise. Im allgemeinen läßt sich folgendes voranstellen 1) die partikel wird, als solche, nie und in keiner mund- art, weder alleinstehend noch zuf. gesetzt, des tons be- raubt, folglich auch nicht im vocal geschwächt; unähn- III. partikelcomposition. — part. mit nom. lich jenen be- und ze-, welche sich hauptsächlich in com- positis zeigen. Tonloses ahd. in , mhd. ën , findet nur für den fall der wirklichen praeposition statt, wo diese mit dem von ihr regierten nomen zusammenwachsend ein lebloses adv. bildet, z. b. ahd. in-bore (dat. sg. von bor, cacumen) N. Boeth. 197, mhd. ën-bor, nhd. em-por; ahd. in-kakan, mhd. ën-gegen, nhd. ent-gegen; und so mhd. ën-wëc, ën-wette, ën-zît etc. analog den ahd. pi-halpu, zi-leipu. Solche vereinigungen der praep. und ihres casus find keine wahre composition (s. 699. note.). 2) die par- tikel in wird für den praepositionsgebrauch nie verlängert, unähnlich dem ahd. pî, nhd. bei und nhd. zu. Als par- tikel leidet sie allerdings verlängerung, deren erster be- ginn unsicher auszumitteln ist. Das nhd. ein (intro) un- terliegt keinem zweifel, ahd. în läßt sich nicht beweisen, (J. 387. steht die praep. und Rostg. liest in, nicht iin), mhd. în stehet im reim, z. b. troj. 23 a 55 c (die praep. în: schîn Reinfr. a. w. 2, 91. mag ungenauer reim sein?) und gleicht der verlängerung des drin (tribus) in drîn oder des -win der eigennamen ëber-win, sige-win in ëber-wîn MS. 2, 74 a. b. nhd. eber-wein, balde-wein. Daß aber alle mhd. dichter und namentlich bei der composition -în für in- gebrauchen, wo es nhd. ein- entspricht, bezweifle ich. 3) für das ahd. vermehrt sich die schwierigkeit noch durch vergleichung des goth., welches seine praep. ïn von dem adv. ïnn (intro) Matth. 9, 25. Marc. 5, 40. 16, 43. Luc. 1, 28. unterscheidet, in der composition aber ei- nigemahl zwischen beiden formen schwankt. Dem ahd. in (intro) scheint bloß durch den auslaut der consonant vereinfacht (1, 122.), wie die daraus weiter entspringen- den partikelformen inni, innana bestätigen, und dieses in = inn widerstrebt der mhd. în-form. 4) die ältesten ags. denkmähler gebrauchen noch die praep. in (allmäh- lig wird sie durch on = ahd. ana vertreten) und die part. inn (intro) wofür jedoch in der zus. setzung meistens in- gesetzt wird. 5) altn. wird î (= in) nicht nur als praep. sondern auch in der composition genau von inn (intro) geschieden. — Dies vorausgeschickt führe ich die mit der partikel zusammengesetzten nomina an. Goth. in-kîlþô (praegnans); ïn-sahts (historia) Luc. 1, 1; ïn-vinds (inju- stus). Ahd. in-chnëht (apparitor) hrab. 951 a mons. 326. doc. 220 b in-knëht (domigena) herrad. 183 a ; in-goumen (lares) N. Cap. 142; in-heim oder in-heimi? (domicilium, tabernaculum) O. I. 18, 47. V. 9, 39. N. 90, 10; in-huct (conscientia) K. 28 a ; in-hûs (penetrale) doc. 221 a ; in-kanc III. partikelcomposition — part. mit nom. (introitus) K. 53 a ker. 23. 132; in-lahhan? (vestis interior) da- her in-lachenes (intrinsecus) W. 4, 1?; in-leita N. 65, 4; in- lenti? (incola) in-lentê (incolae) ker. 64; in-ouwi (domicilium, patria) O. I. 18, 47. inn-ouwi O. IV. 4, 139. welche letztere schreibung vor dem vocalanlaut nn bewahrt (nach 3); in- phliht (possessio) N. 134, 4; in-biƷ (refectio) K. 41 b ; in-pot (mandatum); in-bûrro (vernaculus) jun. 230; in-burgo (civi- cus) N. Cap. 52; in-gesîde (penates) N. Cap. 50. von sîda (la- tus), die an der seite, im abgelegnen orte stehen?; in-sigili (sig- naculum) mons. 409; in-slaht (vinculum ferreum) doc. 204; in-slîhho (invasor) ker. 139; in-vart (atrium) N. 91, 14; in-wërt (intimus) ker. 150. hrab. 966 b in-wërtes (intrin- secus) T. 41, 1. in-wërtîg doc. 243 b ; in-wittêr (dolosus) hrab. 960 a ; in-zihtîc (zelotypicus) mons. 356. N. Boeth. 56. Ags. in-adl (morbus intestinorum); in-borg (pignus); in- burg (atrium, vestibulum); in-byrdling, in-gebyrdling (vernaculus); in-clëófa (penetrale); in-cnapa (famulus); in-cniht (domesticus); in-cofa (cubile); in-cund (intimus); in-eddisc (supellex); in-else, inn-elfe (viscera); in-färeld (ingressus); in-frôd (perprudens) Beov. 141. 183; in-gang (introitus) Beov. 117. in-genga (ingressor) Beov. 134; inn- here (exercitus popularium); in-hîred (familia); in-hringe (circulus); in-hivan (domestici); in-gehyht, in-gehygd, in-gehyd (conscientia, intentio); in-land (fundus proprius) in-lenda (incola) Cädm. 66; in-ge-man (vernaculus) pl. in-ge-men Cädm. 67; in-mêde (pretiosus); in-merca (in- scriptio); in-orf, inn-orf (supellex) von orf (pecus, opes); in-ge-rife (uterus); in-sëfa (animus) Cädm. 72; in- sëgel (sigillum); in-spinn (opisicium netorium); in-gë- stëald (familia) Beov. 188; in-steppe (ingressus); in-svân (porcarius curiae); in-ge-þanc (mens); in-vëard (inter- nus); in-vid, in-vit (dolus) Cädm. 44. 52. 106. Beov. 64. 162. 185. 199; in-ge-vin (bellum intestinum). Alts. sind α ) folgende mit î- zusammengesetzt: î-beiskr (suba- marus); î-biúgr (subcurvus); î-bûd (inhabitatio); î-burdr (profusio); î-byggr (subdolus, prudens); î-feitr (sübpin- guis); î-fylja (equa foeta); î-gângr (profusio); î-gildi (res aequalis); î-grœnn (subviridis) sæm. edd. 49 a ; î-gulr (sub- flavus); î-hvolfr (cornuatus); î-kaldr (subfrigidus); î-lât (vas); î-lit (color cutis); î-mynd (imago); î-nytjar (pro- ventus); î-settr (prudens); î-siâ (cautela); î-spen (intesti- num); î-stad (stapes); î-stada (constantia); î-tak (servitus, onus); î-þrott (ars). β ) mit inn- folgende: inn-blâstr (inspiratio); inn-bûi (domesticus); inn-drôtt (satellites re- gii); inn-dœll (familiaris, gratus); inn-eygr (cœlophthal- III. partikelcomposition. — part. mit nom. mus); inn-fall (incursio); inn-fiâlgr (intra penetrans?) sæm. edd. 168 a ; inn-gângr (aditus); inn-hlaup (refugium); inn-ifli (viscera); inn-leid (via intus ducens) sæm. edd. 234 a ; inn-lendr (indigena); inn-sigli (sigillum); inn-skeifr (varus); inn-stæda (pecudes ferreae); inn-tak (materia, inhalt); inn-verdir (custodes cubiculi); inn-vidir (compa- ges). Mhd. im-biƷ f. in-biƷ Wigal.; in-bot c. p. 361, 71 d ; in-ganc Trist.; in-gruene (perviridis) Trist. Eracl. 465; in-leite (introductio) Trist.; in-gesîde (familia, domus in- terior) Mar. 57. schwerlich für das beinahe gleichbedeu- tende in-gesinde (wie sît neben sint)? vgl. das ahd. wort; in-sigel Parc. 150 b Nib.; in-gesinde (familia, famulitium) Parc. 2 b 71 b Gudr. 18 a ; in-ziht (criminatio) Trist.; wel- chen hierunter în- gebühre? nach dem nhd. bloß zweien, dem în-ganc und în- leite. Nhd. haben α ) nur wenige nomina in-: in-brunst; in-gefieder (uhrfeder); in-garn (bei jägern); in-begriff; in-gut (perbonus); in-halt (wahr- scheinlich f. ent-halt); in-ländisch; in-laut; in-siegel; in- ständig; in-wendig; in-zicht. β ) viele ein- (welches sich dazu nachtheilig mit dem ein- von dem zahlworte be- rührt: ein-äugig, ein-falt, ein-heit): ein-band; ein-bruch; ein-buße; ein-gedenk; ein-druck; ein-fahrt; ein-fall; ein- fluß; ein-gang; ein-guß; ein-halt; ein-heimisch; ein-kehr; ein-klang; ein-künfte; ein-lage; ein-lauf; ein-nahme; ein- rede; ein-satz; ein-schlag; ein-schluß; ein-sicht; ein- schnitt; ein-sprache; ein-trag; ein-tritt; ein-wand; ein-geweide; ein-wohner; ein-wurf; ein-zug. — Man kann zwar sagen, daß überall, wo die bedeutung hinein waltet, ein altn. inn-, nhd. ein- stehe, aber beide er- strecken sich weiter und gelten auch für das ruhige darin , z. b. inn-drôtt, inn-verdir; ein-heimisch, ein-wohner, ein-gedenk. Es scheint unfolgerichtig in-ländisch und ein-heimisch nebeneinander zu gestatten. Selten stehen sich beide entgegen, z. b. in-halt, ein-halt; î-tak, inn-tak. Das intensive in-, vor adj. lautet niemahls ein-, vgl. nhd. in-gut (volksmundartisch auch in-schön, in-lieb, in-hohl) mhd. in-gruene, ags. in-frôd; das formell identische altn. î- gibt den sinn des lat. sub-, vermindert also. ïnna- (intus): goth. inna-gahts? Luc. 1, 29; ïnna- kunþs (domesticus). Ags. inna-vëard (interior). ïnnana- (intus) ahd. innana-wendi? im capit. Ludov. steht innene-wendium. Ags. innan-cund (domesticus); innan-vëard. Altn. innan-gângr (aditus per aedes con- tiguas); innan-gengr (ab intus accessibilis); innan-tökur (colica). Berührt sich mit ïnna- und mit ïnn- III. partikelcomposition. — part. mit nom. miþ- (cum), ahd. miti- (versch. von der praep. mit) ags. mid-, fügt sich an wenige nomina und drückt die idee von beisein, gunst und gesellschaft aus. Goth. kenne ich bloß miþ-vissei (conscientia) Tit. 1, 15. Ahd. mite- gengo (pedissequus) N. Cap. 48; mite-slâf (concubitus) ibid. 151; miti-wâri (mansuetus, d. i. familiaris, comis, im umgang freundlich?) sgall. 189. ker. 72. K. 21 b hrab. 967 a mite-wâre. N. 75, 10. mit-wâri J. 390. mit-wârî (har- monia) ker. 7. (mansuetudo) K. 60 a gleichbedeutig, aber formell verschieden von mandwâri (s. 553. 577.)? ; mite-wist (consor- tium) N. 100, 6. 118, 63. Ags. mid-râd (coequitatio); mid-sprëca (defensor); mid-vist (consortium); mid-vyrhta (cooperator). Altn. mëd-byr (ventus secundus); mëd- ferd (tractatio); mëd-giöf (pretium educationis); mëd- görd (participatio); mëd-hald (stadium); mëd-læti (res secundae); mëd-mæli (favor); mëd-taka (acceptio); mëd- vindr (ventus secundus); mëd-vitund (conscientia). Mhd. mite-reise (comes) c. p. 361, 89 d ; mite-sam (comis, gra- tus?) Vrib. Trist. 1228; mite-slüƷel (conclaviger) MS. 2, 227 a ; mite-vart (cooperatio) MS. 1, 101 a ; mite-wist c. p. 361, 20 a 77 c Ernst 55 b Trist. Nhd. viele früherhin man- gelnde, zum theil ältere ge-, ëben-, ersetzende: mit-ar- beiter; -buhler; -bürge; -christ; -erbe; -gabe; -gift; -glied; knecht; -lauter; -leid; -mensch; -schuldig; -schü- ler; -besitz; -weide u. a. m. nêhva , ahd. nâh , ursprünglich prope, woraus sich die bedeutung secundum, post entwickelte (Graff s. 95.), seit- dem aftar (s. 710.) seltner gebraucht wurde. Es ist da- her noch unausgemacht, ob nicht die s. 637. für eigent- liche genommenen und aus dem adj. geleiteten composita vielmehr aus der partikel, mit dem alten sinne von bei, zu erklären sind. Dies wird sogar glaublicher wegen der analogen zus. setzung anderer partikeln, z. b. nâh-wërt (praesens) nâh-wërtigî (praesentia) N. Boeth. 214. nâh- wist (praesentia) vergleicht sich dem ana-wërt, ana-wist. Mit nâh, post bedeutend, findet sich ahd. erst später das compositum nâh-chunft (successio) N. 71, 5. Mhd. wer- den die beispiele häufiger: nâch-huote Parc. 161 b Nib; nâch-jage Ulr. Trist.; nâch-klanc Reinh. 490; nâch-ranc (callidus, vafer?) Bit. 85 a ; nâch-ræte (prudens) Trist. nâch-rætic Karl 19 a MS. 2, 130 b ; nâch-reise Parc. 87 c ; nâ-riuwe Bon.; nâch-slac lieders. 1, 395; nâch-smac Vrib. Trist.; nâch-wendic (futurus, oder proxime ven- III. partikelcomposition. — part. mit nom. turus?) Mar. 162. vgl. nâch-wendig (consanguineus) Oberl. Nhd. noch häufiger: nach-bild; -bürge; -geburt; -druck; -durst; -folge; -frage; -hall; -herbst; -hut; -klang; -komme; -laß; -läßig; -lese; -mittag; -rede; -reu; -richt; -ruf; -ruhm; -satz; -schmack, -geschmack; -schrift; -schluß; -sicht; -sommer; -spiel; -stich; -theil; -trab; -trieb; -weh; -welt; -zug. Das ags. nëah- und altn. nâ- (untrennbar) nær- (trennbar) haben beständig den begriff der nähe, nicht der folge. ni- , von zusammensetzungen mit der verneinenden partikel wird cap. IX. des dritten buchs handeln. nhd. neben- (juxta); diese part. entspringt aus ahd. in-ëpan, mhd. en-ëben, ersetzt die älteren eigentlichen composita mit ëben- (vgl. s. 635.) und bildet neue wie neben-stunde, neben-weg etc. Die ahd. und mhd. spra- che componiert nie mit der partikel. ahd. nidana (subtus) verhält sich zu einem verlornen nida wie obana, forana zu oba, fora; das comp. nidan- entîc ist s. 730, belegt. ahd. nidar (deorsum): nidar-hald (pronus) O. V. 1, 61; nider-rîs (diabolus, der niedergestürzte, gefallene) N. 7, 2, 15. 17, 10. 28, 1. vgl. nider-fal und 67, 13. chu- ning widerfluƷƷe; nider-screcchi (praecipitatio) N. 51, 6; nidar-stîc (descensus) K. 26 b nidar-stîga T. 116.; nider-fal (diabolus) N. 67, 13. Ags. niðer-gang (occasus); niðer- hëald (demissus); niðer-hryre (praecipitatio); niðer-lic (infimus); niðer-sîge (occasus); niðer-stîge (desc.); niðer- vëard (demissus). Altn. niðr-biúgr (incurvus); niðr- burdr (esca piscium demersa); niðr-drëp (deminutio fa- mae); niðr-fall (defluvium); niðr-gângr (occasus); niðr- hlaup (decursus); niðr-hlutr (seminale); niðr-kast (de- jectio); niðr-klædi (subligacula) niðr-lag (finis); niðr- lûtr (cernuus); niðr-nîddr (ruinosus). Mhd. nider-ganc MS. 2, 97 a ; nider-kleit Parc. 130 a ; nider-lant Nib.; ni- der-vart Wh. 1, 68 a ; nider-wât Wigal.; vgl. nider-baƷ Hartm. Greg. (Oberl. 1122.). Nhd. nieder-deutsch; nie- der-fall; nieder-gang; nieder-kleid Luther II. mos. 28, 42; nieder-kunft; nieder-lage; nieder-land; nieder-schlag; nieder-wand Luther III. mos. 6, 10. In den ahd. und ags. compositis bloß ein bewegendes nieder (herunter), im altn. mhd. nhd. zugleich ein ruhiges (unten, unter), namentlich wo es die begriffe kleid und gegend bestimmt. Vielleicht hat man es im letzten fall immer aus dem adj. zu deuten (vgl. vorder-, unter-, hinter-, ober-). III. partikelcomposition. — part. mit nom. sama- (aeque, simul, ceu, veluti); es entspringt, wie für nêhva, zweifel zwischen uneigentlicher composition mit der partikel und eigentlicher mit dem adjectiv. Bei Ulfilas kommt noch keine partikel sama vor, sondern das adj. sama (idem); ich habe darum nicht angestanden, sama-leiks bei der adj. zus. setzung (s. 624. 657.) aufzuführen. Das ahd. trennbare adv. sama (aeque) mons. 354. scheint aus dem adj. selbst erst her- vorgegangen (vgl. s. 672.) und obgleich sama-lîh compo- niert sein könnte wie ana-lîh, widerstrebt doch die goth. analogie. Nur in den fällen, wo es den folgenden par- tikeln saman-, samant- parallel läust, und weniger iden- tität, als verbindung ausdrückt, mag es unadjectivisch sein, dahin rechne ich: sama-haft (solidus) jun. 226. sama-haftî (massa, corpus) jun. 200. mons. 348. 377. 390; same-tregil (symbola) doc. 232 b ; sam-wist (consortium) J. 404. (vgl. miti-wist) das adj. samarart (oben s. 664.) scheint, wenn das subst. sa- mar (barbaries) mons. 331. richtig ist, samar-art zu nehmen, oder wenigstens für samar-rart zu stehen, uud nicht sama-rart. . Im ags. gilt eine trennbare part. sam (aeque), womit componiert scheinen: sam-hivan (conjuges); sam-mæle (concors); sam-râde (unanimis); sam-vist (consortium), wofür som-vist Cädm. 49. Mhd. kenne ich kein comp. mit sam-, unerachtet die trenn- bare part. fortbesteht; nhd. ist sie ausgestorben. Die altn. part. sam- ist untrennbar, aber in sehr vielen comp. zu finden, sowohl für den begriff der gleichheit, als der ver- bindung: sam-arfi (coheres); sam-band (societas); sam-beit (loca compascua); sam-bidill (rivalis); sam-bland (mixtura); sam-blâstr (conspiratio); sam-burdr (collatio); sam-bŷli (rus commune); sam-dauna (ejusdem odoris); sam-drâttr (colludium); sam-dryckja (compotatio); sam-eign (socie- tas); sam-fara (comes); sam-fastr (cohaerens); sam-fedra (ex eodem patre); sam-fêlag (societas); sam-ferd (comita- tus); sam-ferda (comes); sam-flot (comitatus navium); sam-fundr (congressus); sam-fylgi (vires communes); sam- gângr (concursus); sam-hliôd (consonantia); sam-hvîla (contubernium); sam-iafn (aequalis) sam-iafn (comparatio); sam-keypi (commercium); sam-koma (conventus; sam- kunda (concilium); sam-kynja (ejusd. generis); sam-lag (societas); sam-lendr (conterraneus); sam-lîkr (fimilis); sam-lîtr (concolor); sam-lyndi (concordia); sam-læti (con- venientia); sam-mâla (colloquens); sam-mylkîngr (collacta- neus); sam-mœdra (frater uterinus); sam-nautr (con- III. partikelcomposition. — part. mit nom. victus); sam-qvæmi (conventus); sam-râda (consentiens); sam-rædi (consuetudo); sam-rŷndir (socius studiorum); sam-saga (dictis conveniens); lam-sæti (consessus); sam- sinna (consentiens); sam-sida (a latere); sam-skipa (in ea- dem nave); sam-skipti (commercium); sam-stafa (syllaba); sam-stëmma (congruens); sam-sull (colluvies); sam-tal (colloquium); sam-tîda (coaevus); sam-tök (conspiratio); sam-þela (conglaciatus); sam-þión (conservus); sam-þo- lugr (mitis); sam-þycki (consensus); sam-vëra (conversa- tio); sam-vist (idem); sam-vitund (conscientia). Diese com- positionsweise hat sich auch im neunord. erhalten, ich be- schränke mich hier auf dän. beispiele: sam-drägtig (con- cors); sam-frende (consanguineus); sam-fund (societas); sam-klang (consonantia); sam-leie (concubitus); sam-siv (societas); sam-qvem (conventus); sam-tale (colloquium); sam-tid (coaetas); sam-tykke (consensus) sam-vittighed (conscientia) u. a. m. nur haben einzelne sammen- statt sam- angenommen. — Anmerkungen: 1) offenbar richtet dieses nord. sam- manches von dem aus, was das ga- der übrigen mundarten und die seltenheit des sam- im goth. ahd. ags. stimmt zu der des ga- im nord. Doch bekommt sam- (wie hiâ s. 756.) nie die abstracte anwendung des ga- und hat deshalb geringeren umfang. Völlig mangelt weder sam- dem ahd. und ags., noch ga- dem altn. 2) man halte die gesellschaftswörter sam-arfi, sam-skipa, sam- ferda, sam-lendr, sam-fedra zu ahd. gan-erbo, ags. ge- þofta, ahd. gi-verto, gi-lanto, ags. ge-fäder etc.; auch hier ist die altn. form meistens schwach, d. h. neben -i gilt zu- mahl das älterscheinende -a (1, 661. 743.). 3) sam- ver- hält sich zu ga- (gam-, ham-), wie gr. σύν- , σύμ- , σύ- zu lat. con-, com-, co-; ob beide wurzeln selbst zusam- menfallen, kann dahin gestellt bleiben, begreift sich aber aus dem wechsel der spiranten h und s am leichtesten; vgl. ἅμα und simul mit cum und σύν . samana (simul, conjunctim) Luc. 15, 13. scheint dat. des nom. saman, dessen gleichlautender acc. im ahd. (T. 5, 12.) und altn. zur partikel dient, wofür im ags. nur die verbindung te samne, ät samne (te somne, ät somne), ahd. zi samana, mhd. ze samene, nhd. zusammen vorkommt. Goth. nomina mit saman- oder samana- componiert mangeln, ahd. findet sich saman-haftîc (inte- meratus, d. i. ganz, unzertheilt) ker. 155. saman-qhuit (condictum) jun. 197; saman-sprâcha jun. 251; saman-wist (consortium) mons. 353. 378., ohne zweifel gleichviel mit sama-haftîc, sam-wist. Weder ahd. noch ags. nomina III. partikelcomposition. — part. mit nom. sind mit zisamane, ätsamne, tesamne componierbar. Altn. werden bloß verba und participia mit saman- componiert, keine nomina. Auch nicht mhd., weder mit samen-, noch mit zesamene; nhd. gelten aber die schleppenden wörter zusammen-fluß, -hang, -kunft, -lauf, -stoß, die freilich erst nach der analogie von zusammen-fließen, -hängen, -kommen, -laufen, -stoßen gebildet scheinen. Aehnliches gilt von den dän. sammen-komst, sammen- skud etc., welche der ältern sprache fremd sind. samaþ- (in unum, simul) steht bei Ulf. nur in der zusammensetzung mit dem verbo rinnan Marc. 9, 25, weder allein für sich, noch vor nominibus. Das ent- sprechende trennbare und selbst zur praep. gewordne ahd. samant J. 405. sament N. 15, 5. 24, 18. (Graff p. 129. 130.) bindet sich zuweilen mit nominibus: samant-chunft (conventiculum) doc. 232 b ; sament-liutig (consonus) N. Cap. 162; samant-fart (comitatus) T. 12, 3; samant-wist (coitus) wirzeb. 978 b doc. 232 b und hat die bedeutung des vorausgehenden sam- und saman-. Die form samant scheint mir aus samad entstellt und sich zu sama zu ver- halten, wie forad (s. 730) zu fora. Folglich steht auch das ags. samod für samoð; es bindet sich meist mit ver- bis, doch hat Lye: samod-geflìt (concertatio); samod-lic (unanimis); samod-rynel (concurrens). Im altn. fehlt diese partikelform gänzlich. Das mhd. sament, samet, samt und das nhd. samt, sammt gehen keine composi- tion ein. sundr- (seorfim, privatim) fehlt bei Ulf, folgt aber aus sundrô, wie ufar aus ufarô; ahd. suntar-, ags. sun- dor-, altn. sundr-, überall trennbar und in einigen mund- arten sogar praeposition. Ahd. sunder-ëber (aper singu- laris) N. 79, 14; suntar-êwa (privilegium) doc. 209 a ; sun- tar-gëpa (donativa) mons. 361; sunder-guot (pharisaeus) N. 68, 4; sunder-man (idem) N. 48, 5; sunder-sâlda N. Boeth. 63; suntar-scaz (peculium) jun. 219. mons. 331; sunder-fursto (princeps) N. 79, 14; suntar-walt (monar- chia) gl. vindob. Ags. sundor-cräft (privilegium); sun- dor-folgoð (sequela); sundor-gifu (praerogativa) Cädm. 88.; sundor-hâlig (pharisaeus); sundor-land (separalis terra); sundor-lîf (vita privata); sundor-note (officium distinctum); sundor-nytte Beov. 52; sundor-scëat (pecu- lium); sundor-spræce (privatum colloquium); sundor-stov (locus secretus); sundor-vîc (mansio remota); sundor-yrse (propria hereditas) Jud. 12. Altn. sundr-gerd (singulari- tas); sundr-leitr (dissimilis); sundr-lyndi (contentio); III. partikelcomposition. — part. mit nom. sundr-skila (segregatus); sundr-þycki (dissensio). Mhd. (vorzüglich bei Wolfr.): sunder-art (species exquisita) Parc. 188 b ; sunder-bluot (flos peculiaris) a. w. 3, 183; sunder-gleiƷ l. sunder-glîƷ (nitor peculiaris) Wh. 2, 178 b ; sunder-golt (aurum eximium, purum) Parc. 20 b 134 a , oder ist in beiden stellen von kostbarkeiten die rede, die ohne gold (sunder golt) verfertigt sind?; sunder-klage; sunder-lant (regio) Parc. 175 c Wh. 2, 14 b 206 b ; sunder- lëger (cubile ab aliis remotum) Parc. 159 c ; sunder-liute (homines proprii); sunder-munt (lingua pecul.) Wh. 2, 179 b ; sunder-nôt kl. 3370; sunder-rinc (conventus remo- tus) Parc. 161 c 174 b 190 a Wh. 2, 14 a 144 a ; sunder-rotte Parc. 148 c ; sunder-ruof Wh. 2, 155 a ; sunder-schar Parc. 191 b ; sunder-schif Flore 27 b ; sunder-schîn (splendor va- rius) Parc. 176 c ; sunder-siech (leprosus) Oberl.; sunder- siz Parc. 55 b ; sunder-slâ (vestigium peculiare) Wh. 2, 96 a 107 b ; sunder-sprâche cod. pal. 361, 40 a wovon das verb. sunder-sprâchen Gudr. 22 b 46 b ; sunder-starc Nib. 1947; sunder-stuol MS. 1, 28 b ; sunder-trahte (edulium) v. d. minnen z. 413; sunder-trôst Ben. 145; sunder-trût (ama- tor) Parc. 106 a sunder-triutel MS. 1, 88 a ; sunder-varwe (color particularis) MS. 1, 202 b ; sunder-wâpen (insigne pecul.) Parc. 52 a aber sunder wâpen (wâfen?) MS. 1, 52 a ; sunder-wint (ventus peculiaris) Gudr. 58 b . Nhd. sind alle diese composita ausgestorben. Sie scheinen bisweilen den nebensinn von falsch und böse zu haben, vgl. ahd. sun- tar-guot, ags. sundor-hâlig, mhd. sunder-bluot, sunder- wint und erinnern an die mit ab- und aber- (s. 709.); im altn. herrscht die privative bedeutung (se-, dis-) vor. Eine andere beziehung finde ich zwischen der zus. setzung mit sunder-, und der eigentlichen mit sëlb- (s. 638), vgl. sunder-walt mit sëlb-walt und die untheilnehmende zurückgezogenheit auf eignes verdienst drückt sich gerade so in den wörtern selbst-dünkel, selbst-sucht, eigen-dün- kel, eigen-liebe aus. Daher entsprechen die altn. com- posita mit sër- (sibi), dem dat. des pronomens dritter person, einzelnen ahd. mit suntar- ganz genau, z. b. sër- gôdr (arrogans) dem suntar-guot, und sër-lyndr (diffici- lis, morosus) mag einerlei sein mit sundr-lyndr. In der regel hat jedoch sunder-, ohne schlimmen nachdruck, die bedeutung des eigenthümlichen, selbständigen und heim- lichen (singularis et privati). altn. til- (ad-) dän. til-, schwed. till-, eine trennbare, den nord. mundarten eigne partikel; denn daß sie dem goth. du-, ahd. zi-, zuo-, ags. të-, tô- identisch sei und III. partikelcomposition. — part. mit nom. wohl gar die vollständigere form enthalte, läßt sich mei- ner ansicht nach nicht beweisen (s. 722.). Apocope des l ist sonst ohne beispiel (eher schwindet m und n, wes- halb die vermuthung eines gam-, gan- für ga- nicht hier- her gezogen werden kann), außerdem widerspricht die abweichende casusrection der praeposition (til erfordert stets den gen., du, zi meist den dat., nie den gen.) und die dem til zu grund liegende wurzel lebt im ahd. zil (scopus) ags. til (aptus, bonus) goth. ga-tils (bonus) das engl. until (donec, usque) gilt zwar altengl., aber nicht ags. (wo dafür oð) scheint daher wirklich ein danismus; vgl. goth. und, ahd. untaƷ, unzi, mhd. unz. — Im gloss. edd. sæm. 2, 816 a wird behauptet, daß für til in den ältesten denkmählern tî gefun- den werde, wofür ich keinen beleg weiß, wodurch sich aber auch im altn. das l als ein unorg. anwuchs darstellen würde. . Mit til- werden folgende nomina zus. gesetzt: til-bod (oblatio); til-bôt (additamentum); til-brigdi (consilium); til-burdr (eventus); til-drâttr (occasio); til-eygdr (strabo und mulierosus, erläutert das ahd. sûr-ougi, welches bald lippus, bald amator bedeutet, oben s. 656.); til-felli (ca- sus); til-ferd (exordium); til-föng (asportatio); til-gângr (accessus); til-gâta (aenigma); til-giöf (antidorum); til- hald (splendor vestium); til-hœfi (veri similitudo); til-koma (adventus); til-lag (additamentum); til-lâtsemi (venia); til- leitr (= til-eygdr); til-lit (aspectus); til-læti (favor); til- mæli (petitio levior); til-nafn (agnomen); til-rædi (ag- gressio); til-sión (aspectus, cura); til-slâttr (praetextus); til-sögn (informatio); til-stilli (procuratio); til-svar (re- sponsum); til-tak (conamen); til-tala (vocatio in jus); til- tæki (consilium); til-vik (gestus) u. a. m. Bemerkenswerth ist, daß alle solche composita erst in der spätern prosa, noch nicht in der edda vorkommen. tus- ( δύς , aegre) ahd. zur-, altn. tor-, allen übrigen dialecten geht es ab. Goth. bloß tuz-vêrjan (dubitare) Marc. 11, 23. ein subst. tuz-vêrei (dubitatio, suspicio) oder ein adj. tuz-vêris (suspiciosus) δύςπιστος , schwergläubig, hartgläubig voraussetzend. Ahd. zur-ganc (defectio) hrab. 959 b N. 65, 4. zur-ganclîh (temporalis) mons. 387.); zur-heil (debilis) gefolgert aus zur-heilendi (debilitatus) ker. 77; zur-lust (taedium, fastidium) doc. 246 b zuor-lust N. Cap. 133. zur-lustig (voluptuarius) N. Cap. 132. Boeth. 129. zur-lust-lîh (fastidiosus) mons. 332. und das abgelei- tete zur-lustan (taedere) mons. 329. beßer zur-lustôn mons. 354; zur-triuwe (perfidus) N. 88, 45; zur-wân (suspicio) III. partikelcomposition. — part. mit nom. mons. 342. zur-wâni (suspiciosus) jun. 252. 260. zur-wâ- nen (desperare) T. 32, 8. (wo der übersetzer inde spe- rantes f. desperantes nahm?); zur-wâri (scandalizatus) mons. 413. zur-wârî (suspicio) doc. 246 b mons. 373. zur- wârida (scandalum) jun. 225; zur-wërf (repudium) mons. 323. Altn. tor-bœnn ( δυςπαραίτητος ) sæm. edd. 223 b ; tor-feldr (auch -veldr, difficilis); tor-fœra ( δύςβατον ); tor-gætr (aegre reparabilis); tor-höfn (atrophia); tor- kendr (notu difficilis); tor-leidi (via impedita) tor-merki (difficultas); tor-næmr (hebes) tor-næmi (hebetudo); tor- râdr (difficultate pressus); tor-rëk (amissio); tor-sôttr (dif- ficilis acquisitu); tor-tryggr (suspicax) tor-trygd (suspicio) tor-tryggja (dubitare, fidem non habere); tor-tión (grave damnum). Diese ganz untrennbare part. kommt in ihrer wirkung der eigentl. comp. mit missa- (s. 470.) und wa- na- (s. 655.) ziemlich nahe, vgl. zur-triuwa mit mis-trauen, zur-heil mit wana-heil. Das ahd. zur- hat mit zar-, zër- (s. 723.) bloß zufällige und äußerliche ähnlichkeit, denn 1) letzteres lautet goth. dis-, ersteres tus-; 2) letz- teres mangelt im altn., ersteres ist, als tor-, vorhanden. 3) letzteres componiert sich nur mit dem verbum, erste- res nur mit dem nomen dieser grund, wenn er der einzige wäre, würde von geringem gewicht sein; man könnte nämlich zur- (wie ant-) für die vollere form der part. vor dem nomen, zër- (wie int-, ent-) für die schwächere vor dem verbum nehmen. . 4) letzteres ist zus. gesetzt aus zi-ar, zi-ir, ersteres scheint mir unzusammengesetzt, da kein goth. tus aus du-us hervorgeht. Ist es aber wur- zelhaft, so kann es mit taíran (nr. 326.), wie ich oben s. 31. irrig annahm, nichts zu thun haben, welche wur- zel auf taúr, nicht auf tus führt. Die verlorne scheint vielmehr tiufan, táus, tusun (wie liusan, kiusan) daher auch ahd. zur- wie chur (nicht zor, chor). 5) der sinn beider partikeln ist verschieden, tus- bedeutet schwierig- keit und mangel, dis- trennung, beide begegnen sich bloß, insofern beide verneinen. So möchte freilich zur- ganc und zur-wërf an die verba zergehen, zerwerfen er- innern, sagt aber eigentlich misgang, fehlgang, miswurf aus, nicht untergang, zerwerfung. Eher berührt sich das ahd. zur- mit ahd. ur- (ex), vgl. ur-druƷ (taedium) ur-wâni (desperatus) ur-lustêr (desidiosus), ohne daß hier- aus eine förmliche verwandtschaft dürfte gefolgert wer- den. Zur- drückt wie mis-, un- bisweilen das böse aus: zur-wân (argwohn) zur-lust (prava cupido, voluptas). C c c III. partikelcomposition. — part. mit nom. 6) von vermischung des lat. dis- mit gr. δύς- (dys-) zu handeln, ist hier nicht der ort. þana? (inde) ahd. dana-? ich kann diese partikel al- lein stehend nicht beweisen, im gegentheil lautet die trenn- bare ahd. form danana, ags. þanon, mhd. aber dan neben dannen. Die goth. adv. þana-máis und þana-seiþs (am- plius) setzen aber im ersten wort den sinn von inde vor- aus. Ebenso die ahd. dana-numft (elatio) doc. 207 b ; thana-trîp (repudium) T. 29, 9; mhd. dan-vart (discessus) Parc. 194 c , und mit dannen: dannen-wanc Flore 54 c . Es kann ihrer noch mehr geben. þar- (ibi) ahd. dar-, ags. þär-, altn. þar-, häufig ge- trennt; zusammengesetzt findet sich bloß das altn. þar- visi (mansio ibi). Ahd. un-dara-lîh, un-dar-lîh (obliquus, impar) kann wegen des ags. þäslic und mhd. un-dære nicht hierher gehören (oben s. 625.). þaírh- (per) ahd. durah-, ags. þurh-, mangelt im altn. (und wird mit gagn-, gegn- ausgedrückt). Ulf. bie- tet nur composita mit verbis dar. Ahd. dhurah-chunt (manifestus) J. 343; thuru-thëo (subjectus) ker. 90; thu- ruh-hlutor (praeclarus) ker. 111. 255; duruh-kengîc mons. 401; duroh-gôt (perfectus) sgall. 189; thuruh-luzîc (per- parvus) ker. 223; duruh-noht durah-noht, (perfectus, con- summatus) K. jun. 239. mons. etc. durh-nohte N. (das zweite wort dunkel); dureh-siunîc (perspicuus) doc. 234 b ; thuruh-slaht (summa) T. 30, 2. (zi thuruslahtî, onmino); dhuruh-fartlîh (extricabilis) jun. 184. durh-fertîg (transi- torius) N. 143, 14. Ags. þurh-bëorht (perspicuus); þurh- bittor (peramarus); þurh-fare (locus pervius); þurh-hâlig (penitus sanctus); þurh-hefig (praegravis); þurh-hvît (per- albus); þurh-lâð (perodiosus); þurh-sûne (pellucidus); þurh-spêdig (praedives); þurh-vaeol (pervigil); þurh-vêrod (praedulcis.) Mhd. durch-edele Bert. 241; durch-gründe Oberlin 262; dur-liuhtic MS. 1, 23 b 45 b ; durch-lûter Trist.; dur-nehte, dur-nehtic (perfectus) MS. 2, 127 b Trist. etc.; dur-sihtic Trist.; durch-vart Vrîb. Trist. Nhd. durch- bruch; -fahrt; -fall; -fluß; -gang, -gängig; -guß; laß; -laucht, -lauchtig; -lauf; -reise; -schlag; -schnitt; -sicht, -sichtig; -trieb; -wachs; -zoll-; -zug. Das verstärkende durch vor adj., welches grade in der frühern sprache am häufigsten erscheint, ist meistens abgekommen, wiewohl man noch durch-naß, durch-warm sagen hört. uf- (sub) trenubar und praeposition, z. b. þata uf hi- mina Luc. 17, 24, hat sich nur im goth. erhalten und mangelt allen übrigen deutschen sprachen. Zusammen- III. partikelcomposition. — part. mit nom. setzungen bot Ulf. bisher bloß mit verbis dar, die mai- länder fragmente gewähren auch zwei mit nom.: uf-ái- þêái ( ἔνορκοι ) Neh. 6, 13. f. uf-áiþjái vom sg. uf-áiþis (áiþeis?) qui sub juramento est; uf-kunþi ( ἐπίγνωσις ) Tit. 1, 1, dem häufigen verbo uf-kunnan (cognoscere) entsprechend; uf-gakunþs (aestimatio) läßt sich aus Luc. 3, 23. nicht deutlich darthun. ahd. oba- (super, supra) scheint formell gleichviel mit dem vorhergehenden goth. uf (wiewohl es das gegen- theil bedeutet), und aus dem folgenden ufar, obar, upar durch unorganische apocope des r hervorgegangen. Denn einerseits mangelt nun die bedeutung sub gänzlich, an- drerseits ist ein überfluß der formen oba und obar für die bedeutung supra unverkennbar. Den organismus des goth. uf und ufar bestätigen außerdem ὑπό und ὑπέρ , sub und super (supra, vgl. cum, contra): Vielleicht sind auch darum der ahd. mhd. nhd. composita mit oba- so wenig und der mit ubar- so viel. Im altn. ist die ver- derbnis vorgeschritten und of- vielen zus. setzungen eigen, die ahd. ubar- haben, bemerkenswerth auch die berüh- rung des altn. of mit um (circa, inter) und dadurch mit und, undir. Ahd. comp. oba- kenne ich nur: op-dahi (doma) mons. 337. od-dach doc. 227 a (assimiliert?); obe- siht (cura, inspectio) N. Boeth. 212. 265; oba-kifëht (expugnatio) ker. 36. Mhd. obe-dach troj. 34 a 51 a 122 c MS. 1, 188 b ; obe-man (praepositus) troj. 14 c 182 c . Nhd. ob-acht; ob-dach; ob-hut; ob-mann; ob-sicht (Logau); ob-sieg; ob-stand (Lessing) scheint nach dem lat. obsisto falsch gebildet. Ags. mangelt diese part. und wird durch ofer ausgedrückt (of ist = äf, ahd. aba; vgl. s. 708.); Beov. 26. scheint jedoch of-môdig statt des üblichen ofer-môdig (superbus) Cädm. 6. 7. 8. gesetzt. Die nicht seltnen altn. composita mit of- geben meist den sinn von nimis, also des ahd. ubar-,: of-æsi (sudes graviuscula) von âs (trabs); of-ât (comessatio); of-beldi (violentia); of-bod (horror); of-dirfd (temeritas); of-dryckja (ebrietas); of-dyri ( ὑπερ- θύριον ); of-fylli (crapula); of-gamall (nimis vetus); of- gyldr (superbia); of-lâtr (homo superbus) of-læti (inso- lentia); of-lendr (abterraneus); of-menni (vir adversario nimius); of-mikill (nimis magnus); of-mæli (hyperbole); of-nefni (cognomen ineptum); of-qvæni (uxor marito ni- mia); of-râd (nimietas consilii); of-rîki (violentia); of-siô- nir (invidia); of-sôkn (persequutio); of-sögur (exaggera- tio); of-stopi (intemperies animi); of-stŷri (res nimia); of-tak (nisus supra vires); of-traust (nimia confiden- C c c 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. tia); of-þurr (aridus); of-vidri (tempestas); of-vit (ar- rogantia). ahd. obana- (deorsum) altn. ofan-: ahd. oban-enti (s. 730.); altn. ofan-fall (imber frequens); ofan-vërdr (de- ciduus). ufar- (super-) ufar-fulls (abundans) ufar-fullei (abun- dantia) ufar-gudja (archisacerdos). Ahd. ubar-, bei T. als praep. auch obar (Graff p. 157.) doch nicht in der composition, bei N. uber-, einigemahl ubir- (veranlaßt durch das assimilierte ubiri): upar-âƷi (crapula) ker. 37. T. 146. upar-âƷilî K. 43 b mons. 391; upar-kniwi (semur) ker. 137; uber-hanc (aulaea) flor. 985 a ; ubar-hîwî (adulterium) T. 120; ubar-huht (superbia) ker. 6. mons. 411. ubar-huhtîg T. 4, 7; upar-îtali (supervacuus) ker. 255; upar-kan? (lues) ker. 181; uber-laga (rhetorica declamatio) N. Boeth. 50; ubar-lîbo (su- perstes) jun. 225; ubar-lit (propitiatorium) jun. 220. von lit f. hlit (operculum); ubar-ganoac (abundans) ker. 6; upar-megin (vis magna) folgt aus upar-meginôn (praevalere) jun. 193. 217; ubar-muate (superbus) N. 90, 1. 101, 10. ubar-muatî O. II. 5, 14. ubar-muodîc J. 384; upar-brâchî (hyperbole) ker. 172; uber-brâwe (supercilium) flor. 990 a trev. 8 a ; upar- slihtî (superficies) mons. 342. 385; uber-sloufe (vestimen- tum) N. Cap. 102. vgl. ana-sloufe (s. 711.); upar-spicchi (arvina) ker. 12; uber-springo N. 62, 12; uber-sueif (abundantia) uber-sueifig N. 24, 17; ubar-trunk (vinolen- tia) T. 146. ubar-trunchan (temulentus) ker. 68. 270. ubar- trunchanî mon. catech. 37 a K. 44 a jun. 252; upar-fol (crapulatus) hrab. 950 a upar-fullî ibid.; uber-wân (super- bia) N. 30, 25. uber-wânîg N. 68, 36; ubar-want (victo- ria) O. V. 10, 24. uber-wunt N. 70, 1. scheint zu beßern in uber-wint, wie Boeth. 179. und N. 75, 4. 118, 37. steht. Alts. obar-muodi und -muodig (superbus). Ags. meist ofer-, nur zuweilen auch ufer, ufor: ofer-æte (edax) ofer-æt (ingluvies); ofer-blîðe (perlaetus); ofer-brædels (operimentum); ofer-brav (supercilium); ofer-cêr (trans- migratio); ofer-clife (praeceps); ofer-cräft (fraus); ofer- cyme (superventus); ofer-drenc, -drince (ebrietas); ofer- dyre (superliminare); ofer-eáca (additamentum); ofer- ëald (valde senex) Beov. 134; ofer-ëaldorman (patriarcha); ofer-ëtol (gulosus); ofer-färeld (transitus); ofer-fät (ni- mis obesus) engl. over-fat; ofer-feng (fibula); ofer-feoht (victoria); ofer-flêde (inundatio); ofer-full (crapulatus); ofer-gëare (effoetus); ofer-gëotol, -gitol (obliviosus); ofer- gisra (gulosus); ofer-hyge (superbia) ofer-hygd Beov. 131; ofer-hlûd (clamosus) vorlaut; ofer-hoga (contemptor); III. partikelcomposition. — part. mit nom. ofer-lîfa (residuus); ofer-mâðm (divitiae magnae) Beov. 222; ofer-medla (superbia) Cädm. 89; ofer-môd (super- bus); ofer-nëod (perutilis); ofer-scëatt (nimium pretium); ofer-scrud (vestimentum superius); ofer-sëóc (admod. ae- ger); ofer-släge (superliminare); ofer-slæp (somnus nimius); ofer-slop (indumentum sup.); ofer-spræce (multiloquium) ofer-spræcol (multiloquus); ofer-svið (nimius); ofer-tæle (superstitiosus); ofer-þëarf (magna necessitas); ofer-vëder (tempestas); ofer-vist (gulositas); ofer-vrigels (opertorium); ofer-yðe (fluctuatio). Altn. ofr- , nur in wenigen com- pos. gleichbedeutend mit of-: ofr-bord (margo navis su- perna); ofr-dâdugr (temerarius); ofr-efli (vis major); ofr- hugi (nimis animosus); ofr-kapp (insolentia); ofr-lîtill (permagnus); ofr-magna (supra vires); ofr-râda (violens); ofr-ûngr (admodum juvenis); ofr-yrdi (jactantia). Da- gegen findet yfir- in folgenden statt: yfir-band (ligamen- tum); yfir-bord (textum exterius vestis); yfir-bragd (aspectus, praetextus); yfir-bôt (emendafio); yfir-burdir (vires); yfir-dâd (vehementia); yfir-ferd (peragratio); yfir-gângr (transitus); yfir-hërra (magistratus superior); yfir-hönd (potestas); yfir-höfn (epiblema); yfir-hûd (prae- putium); yfir-klædi (vestis superior); yfir-lit (aspectus); yfir-litr (vultus); yfir-læti (magnificentia): yfir-madr (su- perior); yfir-megna (praevalens); yfir-râd (dominium); yfir-söngr (parentatio); yfir-siôn (error); yfir-skot (am- biguitas); yfir-skrift (inscriptio); ysir-sŷn (providentia); yfir-vald (magistratus); yfir-varp (praetextus), yfir-vætti (superpondium). Mhd. über- (nach dem seit dem 11. jahrh. ublichen, vorhin erklärten ahd. ubir; oder läßt sich noch bei einigen uber- annehmen? keins von beiden im reim): über- êre Bert. 184; über-gëlt (usurae) Wh. 2, 109 a ; über-grôƷ Bert. 174. 185; über-gulde Wigal. Trist.; über-her (exerci- tus praevalidus) troj. 60 a ; über-hêr (nimius) über-hêre (super- bia); über-kêre Wh. 2, 54 b ; über-kraft Wigal. Nib. Barl. Karl 75 b Bert. 223. über-krepfic (nimius) MS. 2, 170 b ; über- krüpfe (nimia expletio stomachi) Parc. 67 c ; über-last m. Barl. troj. 98 a über-leste fem. Trist. Wh. 2, 121 a über-leste adj. Herb. 25 a ; über-lede troj. 139 b ; über-leit Vrib.; über-gelîch (praepotens) MS. 2, 6 a ; über-liebe Bert. 146; über-list (ars summa); über-lût Nib. Barl.; über-mëƷ troj. 117 c ; über-muot subst. Nib. adj. Barl.; über-nehtic MS. 2, 144 a ; über-ge- nôƷ (praevalidus) MS. 1, 104 b w. gast 108 a Trist.; über- genuht (abundantia) Barl.; über-tor (superliminare) Wh. 2, 182 b ; über-wæge (pondus nimium) MS. 2, 79 a ; über- wal (optima electio) Parc. 56 c fem. (oder masc. mit dem III. partikelcomposition. — part. mit nom. gen.- walles, abundantia?). Selten steht ober- und scheint dann vom adj. obere (superior) herleitbar: ober-hant Wigal. 409; ober-ort Bert. 148; ober-teil troj. 18 a . Nhd. über-bau; -bein; -decke; -druß; -fahrt; -fall; -fluß; -fracht; -gabe; -gang; -hang; -klug; -kunft; -lang; -last; -lauf; -laut; -macht; -maß; -muth-, -muthig; -reif; -rest; -rock; -satz (usura); -scharf; -schlag; -schrift; -schuß; -schwang; -schwer; -sicht; -sprung; -stolz; -theuer; -tritt; -voll; -gewicht; -wurt; -zahl; -zug. Folgende haben ober- , welches nie- mahls nimis ausdrückt, sondern bloß das obere, höhere, daher auch mit dem adj. componiert scheint: ober-amt; -deutsch; -befehl; -hand; -haupt; -hemd; -knecht; -land; -lippe; -gericht; -theil; -vogt; -welt u. a. m. In einzel- nen schwankt der gebrauch, z. b. man sagt über-rock ne- ben ober-rock, die an sich dasselbe bedeuten. Ebenso gilt altn. yfir-nefni und of-nefni; das altn. yfir- entspricht oft dem nhd. ober-, und altn. of- dem nhd. über-. ahd. umpi- (circum-), ags. ymbe-, altn. um-; diese trennbare partikel mangelt im goth. durchaus, wo sie durch bi- vertreten wird; sollte umpi zusammengesetzt sein aus und-bi? aber dann würde sich dieses im goth. vorfinden müßen und kaum ein ags. ymbe, da oð für und stehet, noch ein altn. um, da diesem dialect bi fehlt, entsprungen sein; auch werden zumahl vor verba beide partikeln gesetzt (umpi-pi-) und selbst das gr. ἀμφί wi- derstrebt der vermuthung. Ahd. umbe-chuze (amictus) misc. 1, 37; umbi-hlauft (curriculum) ker. 78; umbi-hanc (velamen) mons. 360. 361; umpi-hûs (doma) mons. 327; umpi-huurst (orbis) hrab. 952 b umbi-wërft (orbis) T. 5, 11. umpi-wërft (aether) ker. 37; umbi-kanc (circulus) K. 53 b N. 139, 9; umpi-loh (clausura) ker. 70; umbi-rinc (orbis) jun. 237; umbi-sëthalo (finitimus) ker. 135; umbe- snit (eircumcisio) N. 47, 14; umbi-sueift (perizoma) jun. 173; umbe-turna (circuitus) N. 30, 14; umbi-vart mons. 397. Ags. ymb-cêr (excitatio); ymb-cyme (conventus); ymbe-färeld (circuitus); ymbe-gong (circuitus) zuweilen ymbe-be-gong; ymbe-hoga (sollicitudo); ymbe-hŷdíg (sol- licitus); ymbe-hvyrft (circuitus); ymbe-ryne (concursus); ymbe-sëte (circumsessio); ymbe-spræce (sermo); ymbe- þonc (circumspectio). Altn. um-bod (tutela); um-bôt (emendatio); um-brot (molimen); um-bûd (apparatus); um-dœmi (praefectura); um-fâng (complexus); um-ferd (circuitus); um-gânga, um-gângr (ambulatio); um-gerd (conditio rei); um-hyggja (cura); um-koma (auctoritas); um-merki (terminus); um-mæli (petitio); um-râd (consi- III. partikelcomposition. — part. mit nom. lium); um-sât (insidiae); um-siâ (providentia); um-skipti (mutatio); um-skurn (circumcilio); um-slag (involucrum); um-sŷsla (procuratio); um-tal (rumor); um-varp (sepi- mentum); um-vindr (difficilis); um-yrdi (ambages verbo- rum). Mhd. umbe-ganc; umbe-hanc Trist. Barl.; umbe- jac grundr. 261; um-bekreiƷ Trist.; umbe-louf Barl.; umbe-rede Trist.; umbe-sage Wigal.; umbe-sæƷe (vicinus) Trist. Wh. 2, 14 b ; umbe-sleif Wh. 1, 102 b ; umbe-trit grundr. 261; umbe-vanc Trist.; umbe-vart Barl. u. a. m. Nhd. um-bruch; -fall; -fang; -frage; -gang; -hang; -kehr; -kreiß; -lauf; -riß; -satz; -schlag; -schrift; -schweif; -sicht; -stand; -sturz; -trieb; -tritt; -weg; -wurf; -zug. Die part. behält vor dem nomen jederzeit den ton, verliert ihn aber oft vor dem verbum. — Sie berührt sich, wenn auch unverwandt, mit bi-, vgl. ahd. pi-loh, umpi-loh; goth. bi-sunja, ahd. umpi-sëdalo; ahd. pi-fanc, umpi-fanc. un- (in-) goth. ahd. alts. ags. mhd. nhd.; altn. ô- (für on-, un-, wie â, î für an, in) schwed. o-, dän. u-. Frü- heres ahd. una- (wie ana für späteres an) läßt sich aus dem zu einzeln stehenden una-holda ker. 85. uno-holde N. 59; 2. nicht beweisen, auch findet sich, neben ana, nur un- im goth. Formell scheint diese überall untrennbar, stets betonte partikel sowohl dem in als dem ana verwandt, ihrer privativen bedeutung unbeschadet (vgl. das altn. vermindernde î-, vorhin s. 761.), wie das lat. völlig mit der praep. in zusammenfallende privative in- bestätigt; vielleicht sind derselben wurzel ïnuh und âna. Un- com- poniert sich bloß mit dem nomen, nie mit dem verbum (abgesehen vom participium), d. h. alle fälle, wo es vor dem verbum erscheint, setzen composition mit dem no- men, von welcher sie abgeleitet sind, voraus. Die bedeu- tung des un- ist, wie gesagt, privativ, schwächend, kei- neswegs rein negativ, gleich der des ni; mehr oder we- niger fällt es in den sinn von â-, aba-, missa-, wana-. Daher auch un- keine verneinende pronomina bildet und z. b. un-vaíhts, un-manna verschieden ist von ni-vaíhts, m-manna; man kann ags. villan für ne-villan (lat. nolle f. ne-velle), weder un-villan noch in-velle sagen. 1) zu- sammensetzung des un- mit substantiven erfolgt seltner, als mit adjectiven. α ) vor leibliche subst. (personen, thiere, pflanzen) gesetzt gibt es den begriff des unnatürlichen, verkehrten, bösen, aber meist für bestimmte anwendun- gen, nur bisweilen als allgemeiner gegensatz zu dem, was das subst. enthält. Goth. un-hulþa masc., lieber un-hulþô III. partikelcomposition. — part. mit nom. fem. (diabolus); gehört hierher unbiarja ( θηρία ) Tit. 1, 12? un-bi-arja kann ich nicht interpretieren, vielleicht zu lesen unbaírja, unthiere, ungeheuer, vgl. ahd. përo (ursus) von der wurzel baíran. Ahd. un-erbo (heres alie- nus) Boeth. 71, einer der von natur zur erbschaft nicht berufen ist; un-holdâ fem. (diabolus) ker. 85. hymn. 24, 3; un-wihtâre (homo vanus) N. 25, 5. Ags. un-vin (inimi- icus); un-västm (zizania). Altn. ô-drengr (nequam); ô-drœsi (mala mulier) von drôs (femina ingenua); ô-madr ((homo nequam); ô-tæti (homo pravus) von tâta (pupa)?; ô-þiôd (mala gens); ô-vættr (daemon); ô-vinr (inimicus). Mhd. un-diet (mala gens) Ernst 32 a Ottoc. 92 b ; un-holde c. p. 361, 74 a ; un-genôƷ (homo conditionis servilis), Oberl. 1835; un- geselle ( παιδεραστής ) MS. 2, 135 b (vgl En. 1041. und frauendienst p. 129.); un-volk (= undiet) Oberl. 1868; un-fruht (zizania) Trist.; un-wîp (concubina, scortum) MS. 1, 116 b Orlenz 1970; un-gewürme (vermes noxii) Oberl. 1842. Nhd. un-hold (malus genius); un-kraut (zizania); un-mensch (homo crudelis); un-thier (mon- strum). Einigemahl werden sächliche begriffe durch vor- setzung der part. zu leiblichen, vgl. altn. hamr (exuviae mit ô-hemi (informe corpus); hrôs (laus) mit ô-hrœsi (vir inglorius); mâl (loquela) mit ô-mâli (infans); ahd. fasel (semen) mit un-fasel (insecta) Keisersp.; in un-ge- ziefer ist mir die wurzel dunkel. — β ) vor abstracten be- griffen drückt un- zwar oft das bloße gegentheil aus, oft aber mischt sich eine eigenthümliche gelindere oder här- tere, nach mundart und zeit schwankende bestimmung bei. Goth. un-agei ( ἀφοβία , severitas); un-háili (morbus); un-sêlei (perversitas). Ahd. un-chraft (imbecillitas) mons. 350. 393; un-chunni (spurium) doc. 241 a ; un-chust mons. 373. O. II. 7. 111. un-chustig N. 109. 1; un-danch (ingratiae); un- dûra (mala securitas) N. Boeth. 26; un-ende ( ἀτέλεια ) N. Boeth. 213. 263; un-êra (obscuritas, injuria) mons. 363. 378. N. Boeth. 81; un-hant (praecipitium?) N. Boeth. 191; un-heili O. V. 16, 82; un-lad? (exuberantia) ker. 119; un-lust (luxus, prava cu- pido) ker. 181; un-gimah (molestia); un-maht (infirmitas) T. 22, 1; un-maƷî (crapula) ker. 67. von maƷ (cibus)? oder un- mâƷî, von mâƷ (modus)?; un-muoƷa (occupatio) mons. 358. 376. 385; un-quidi (apocrypha) ker. 40; un-râd (eclo- gium? auswurf des schlechten?) ker. 111; un-redina (ab- surditas) O. I. 22, 33. II. 4, 139. III. 13, 95. 16, 111. IV. 15. 51; un-scaf (superstitio) ker. 255; un-scama (turpi- tudo); un-slâf (lucubratio) N. Cap. 41; un-sûpar (sordes) ker. 150. 183; un-stillî (intemperantia) mons. 402. (procella) III. partikelcomposition. — part. mit nom. ker. 275; un-gistuomi (petulantia) mons. 391; un-tât (ma- cula) mons. 327. 357. vgl. das nhd. kein unthätchen (nulla macula); un-tiuphî (syrtes) mons. 367; un-underskeit N. Boeth. 218; un-unst (invidia) N. 104, 25. un-unstig N. 36, 12; un-fridu (tempestas) mons. 358; un-fruma (damnum) ker. 91. 169; un-forhta (neverita) N. Cap. 53; un-gafuori (incommodum) mons. 402. 410; un-wân (quod praeter ex- spectationem contingit) O. V. 4, 39; un-wirdî (indignatio) O. IV. 12, 47; un-willo (fastidium) aus dem verbo zu folgern; un-witari (tempestas) ker. 146. hrab. 970 a un-gewitere N. 106, 23; un-wunna (tristitia) O. IV. 7, 70; un-wizi (furor) O. III. 9, 16. 18, 54; un-zît N. Boeth. 35; un-zuht (in- disciplinatio, inquietudo) mons. 373. 374. un-zuhtîc (in- disciplinatus, remissus) mons. 354. 356; un-gezumft (sedi- tio) N. Cap. 52. T. 133. Ags. un-æmta (impedimentum, nego- tium); un-âre (dedecus); un-cyst (vitium); un-dæd (fla- gitium); un-dôm (injustitia); un-lond (solitudo, eremus); un-ræd (conspiratio); un-rîm (multitudo, unzahl) Beov. 94. 232; un-svica (securitas); un-tîma (tempestas); un- geþanc (mala intentio); un-þeáv (vitium) u. a. m. Altn. ô-âr (annonae difficultas); ô-âta (res non vesca); ô-beit (fastidium); ô-bifr (id.); ô-bragd (aspectus deformis); ô- bœn (exsecratio); ô-dâd (nefas); ô-daun (foetor); ô-dœmi (malum exemplum); ô-efni (flagitium); ô-eyra (inquie- tudo); ô-fâ (defectus boni coloris); ô-fall (infortunium); ô-fiöt (nefas); ô-farir (iter infelix); ô-friðr (hostilitas); ô-frœgd (infamia); ô-gâ (incuria); ô-gagn (incommodum); ô-gângr (tumultus); ô-gerd (mala intentio); ô-gledi (tri- stitia); ô-grynni (immensa copia); ô-gæfa (infortunium); ô-happ (id.); ô-heill (id.); ô-hliód (ululatus); ô-hôf (immodestia); ô-hrodi (quisquiliae) verstärkung des einfa- chen hrodi, das ungefähr das nämliche heißt; ô-hugi (in- dignatio); ô-hŷra (austeritas); ô-knitti (nefas); ô-kostr (vitium); ô-kynni (flagitia); ô-lag (inertia); ô-lân (infor- tunium); ô-land (terra infelix); ô-lempi (mala gratia, unglimpf), ô-lestr (mala fama); ô-leyfi (injussus); ô-lid (impedimentum); ô-lîfi (mors); ô-lucka (infortunium); ô-lund (indoles prava); ô-lyst (taedium); ô-mak (labor); ô-mæli (nefas dictu); ô-mâttr (debilitas); ô-megin (deli- quium); ô-menska (ignavia); ô-merkja (vanitas); ô-minni (oblivio); ô-mynd (forma laesa); ô-næmi (tarditas ingenii); ô-nâð (indignatio); ô-nytja (inutilitas); ô-ord (mala fama); ô-qvædi (dictu nefas); ô-râd (consilium impru- dens); ô-rêttr (injuria); ô-rô (inquies); ô-rŷmi (angustiae loci); ô-sannr (iniquitas); ô-sâtt (dissidium); ô-sekja (in- III. partikelcomposition. — part. mit nom. nocentia); ô-sidr (mos perversus); ô-skil (iniquitas); ô- sköp (fata iniqua, vulgo immensa copia); ô-slêtta (inae- qualitas); ô-smeckr (sapor ingratus); ô-fmîdi (opus rude); ô-spekt (factio, turba); ô-stiórn (impotentia animi); ô-svinna (imprudentia); ô-sŷni (forma deformis); ô-synja (voluptas); ô-tal (innumera multitudo); ô-tîd (tempus importunum); ô-tili (opus dictu immane); ô-tîmi (infortunium); ô-tôt, ô-tœti (lanificium rude); ô-trû (perfidia); ô-þaga (res in- grata); ô-þarfi (res inutilis); ô-þefr (foetor); ô-þeckt (res ingrata, stercus); ô-þerrir (tempestas humida); ô-þocki (offensa); ô-þol (impatientia); ô-þrif (tabes); ô-þurft (in- commodum); ô-vægi (immensa gravitas); ô-vandi (liber- tas, mos pravus); ô-vani (insuetudo); ô-vari (impruden- tia); ô-vëdr, ô-vidri (importuna tempestas); ô-vëgr (loca invia); ô-vendi (res prava); â-vërk (malum facinus) vgl. ahd. un-wërah-pârîc mons. 328; ô-vili (fastidium); ô-virda (dedecus); ô-vîsa (maleficium); ô-vit (inscitia) u. a. m. Mhd. un-art Trist.; un-gebære Nib. un-gebærde Trist.; un- bilede, un-bilde (maleficium, veneficium) e. p. 361, 67 c 89 b Wigal. troj. 79 c ; un-danc (ingratiae, dann auch maledictio) Jw. 40 a Nib. Trist.; un-gedanc (prava cogitatio) Trist.; un- dinc Trist.; un-ê Bert. 79. 80; un-êre Trist.; un-guot Trist.; un-guete Barl.; un-gehabe Wigal. Bon.; un-heil Trist.; un-kraft Parc. 123 a Nib.; un-kunde Trist.; un-kunst Barl.; un-kust MS. 2, 206 a ; un-gelimpf Wigal.; un-geloube Wi- gal. un-gelücke Trist.; un-gemach (molestia); un-mâƷe; un- minne (amor perversus) Parc. 85 a Herb. 109 b troj. 52 c ; un- muot Nib.; un-gemuete; un-muoƷe (occupatio) Barl.; un-ge- nâde; un-genande (desperatio) Parc. 57 c ; un-genist (con- demnatio) lieders. 1, 483; un-genuht Parc. 140 c ; un-prîs Parc. 162 b troj. 141 a ; un-rât (inopia, defectus) Jw. 45 c Wigal. Barl.; un-geræte Barl.; un-rëht; un-ruoch Trist.; un-sælde; un-geschiht Wigal.; un-schult Parc. 112 a ; un-geslehte Parc. 34 b ; un-sin Trist.; un-site (furor); un-state (molestia); un-stæte; un-tât (nefas) Parc. 100 a Trist.; un-trôst Wigal. Barl. Karl 33 b ; un-triuwe; un-tugent; un-gevelle; un-vart Wh. 2, 108 b un-geverte; un-fuoc Ms. 2, 149 a Trist. un-fuoge Parc. 84 b W. 2, 86 b ; un-fuore Bert. 272. un-gefuere Trist.; un-fröude Barl. un-gewalt (deliquium animi) Herb. 87 a ; un- wërt Barl. Trist.; un-gewin Wigal.; un-witze Barl. Trist.; un-gewürte Bon.; un-zuht (mali mores) Nib. u. a. m. Nhd. un-art; un-gebuhr; un-ding; un-gedult; un-ehe; un-ehre; un-fall; un-flat; un-fleiß; un-form; un-friede; un-sug; un- grund; un-gunst; un-heil; un-kosten; un-kunde; un-glaube; un-glimpf; un-glück; un-lust; un-gemach; un-muth; un- III. partikelcomposition. — part. mit nom. name; un-gnade; un-vernunft; un-pflicht; un-rath (col- luvies); un-recht; un-ruhe; un-bescheid (stultitia) Opitz; un-geschmack; un-schuld; un-sinn; un-bestand; un-stern (infortunium); un-gestüm; un-that; un-tiefe; un-treue; un-tugend; un-werth; un-wetter, un-gewitter; un-wille; un-zahl; un-zeit; un-zucht (turpitudo, scortatio). — 2) der mit un- componierten adjective gibt es eine große menge und es ist weder thunlich noch nöthig, die anfüh- rung derselben zu erschöpfen, da (wenigstens nach un- serm heutigen gefühl) theoretisch jedes adj. durch ein vor- tretendes un- seiner bedeutung beraubt werden kann. Aus diesem grunde hat die partikel hier auch nicht den schwan- kenden und stärkeren sinn, wie vor substantiven, sondern mehr den der abstracten verneinung. Goth. un-barnahs (improlis); un-brukja (inutilis); un-fagrs (ingratus); un- hráinis (impurus); un-karja (incurius); un-lêds (pauper); un-sêlja (malus); un-sibja (sceleratus); un-svêrs (inhono- ratus); un-tala (immoriger); un-triggvs (infidus); un- vahs (inculpatus). Ahd. un-adalisc (degener) mons. 407; un-chiusc (squalidus) wovon un-chûskî (squalor) ker. 150; un-an-chund (ignarus) N. Boeth. 55; un-piderbi (inutilis) um-pi-tharbi (vanus) ker. 57; un-emiƷîc (importunus) mons. 385; un-êri (irreverens, contumeliosus) mons. 355. 356; un-hold (inimicus) N. Cap. 52; un-gehërz (discors) hrab. 960 b ; un-hôno (inculpatus) O. II. 4, 41; un-horsc (iners) un-hurskî (inertia) ker. 159; un-ga-hiuri (imma- nis); un-kanz (temeratus, non integer) un-genzi (macula) mons. 425; un-liup (non optatus) mons. 377. 380; un- gamah (abstrusus, molestus) ker. 23. mons. 325; un-mâƷi (ingens) ker. 55. 243; un-mëƷlîh (luxuriosus) ker. 64; un- manalomi (immanis) ker. 158; un-milti (immitis) ker. 157. un- ôdi (difficilis) ker. 8. T. 3, 8; un-pauhhinîc (ignavus) ker. 158; un-plîdi (tristis); un-prâhhi (rigidus) ker. 238; un-rûmi (sa- cer?) ker. 21; un-scaf (enormis) ker. 116. 164; un-scolo (in- sons) ker. 170; un-gislaht (degener) doc. 241 b ; un-gistuom) (insolens) mons. 377; un-stâte (inconstans) N. Boeth. 199; un- vruot (vecors) mons. 336. 351; un-wâge (ponderis vacuus) N. Boeth. 95; un-gewaltig ibid. 246; un-wëgig (immobilis) N. 124, 1; un-wërd (ignobilis) mons. 325. 380; un-wis (ignarus) ker. 166; un-witari (tempestuosus) ker. 202. u. a. m. Ags. un-brâd (non latus); un-blîðe (moestus); un- bryce (inutilis); un-bëorht (non lucidus); un-clæne (im- purus); un-cûð (incognitus); un-cyme (ignobilis); un- dëóp (non profundus); un-dyrne (apertus); un-fæle (im- probus); un-fäst (instabilis); un-grêne (non viridis) Cädm. III. partikelcomposition. — part. mit nom. 3, 73; un-hâl (aeger); un-hâr (calvus) Beov. 29; un-hŷre (immitis); un-hold (infidus); un-læda (miser, improbus); un-litel (multus); un-mæne (sincerus); un-mæte (immo- dicus); un-riht (injustus); un-rîpe (immaturus); un-rot (moestus); un-scëarp (obtusus); un-sifer (impurus); un- smêðe (asper); un-sôð (falsus); un-stilte (inquietus); un- strang (infirmus); un-svëotol (obscurus); un-tîde (intem- pestivus); un-trum (infirmus); un-vemme (intemeratus); un-vëorð (indignus); un-vêrig (indefessus); un-vis (igna- rus) u. a. m. Altn. ô-ætr (non edulis); ô-argr (impa- vidus); ô-blauðr (strenuus); ô-blîðr (austerus); ô-bradr (lentus); ô-diarfr (timidus); ô-driugr (fluxus); ô-fagr (turpis); ô-feigr (vivax); ô-fimr (tardus); ô-friófr (steri- lis); ô-gladr (tristis); ô-glöggr (stupidus); ô-hagr (impe- ritus); ô-hardr (lenis); ô-hnâr (torpidus); ô-hŷr (auste- rus); ô-klâr (subobscurus); ô-leiðr (gratus); ô-lettr (gra- vis); ô-liúfr (invitus); ô-môðr (indefessus); ô-nŷtr (inuti- lis); ô-ragr (impiger); ô-ramr (debilis); ô-rîkr (pauper); ô-rôr (inquietus); ô-sannr (fictus); ô-seinn (celer); ô-skîr (obscurus); ô-sæll (miser); ô-tamr (insuetus); ô-tîdr (in- frequens); ô-tregr (lubens); ô-þŷdr (rigidus); ô-vandr (facilis); ô-viss (incertus) u. a. m. Mhd. un-danc (non acceptus) MS. 1, 127 a ; un-gebære (indecorus); un-gâƷ (incoenatus); un-gehiure; un-holt; un-kunt; un-lanc; un-lôs (honestus) Parc. 48 b 66 a ; un-gemach (molestus); un-manec Barl.; un-mære (non dilectus); un-gemeit (di- rus); un-minne (non dilectus) Parc. 85 a ; un-genæme Wigal.; un-nütze; un-rëht; un-senste; un-sihtec Barl.; un-slëht (iniquus); un-gesunt; un-frô; un-wæge (inuti- lis) Trist.; un-wërt u. a. m. Nhd. un-bändig; -blutig; -deutsch; -echt; -edel; -fähig; -faul; -frei; -gültig; -ge- heuer; -lieb; -nütz; -rein; -sauber; -schön; -schuldig; -sicher; -getreu; -wahr und viele andere. — 3) die par- ticipia scheinen als adj. des un- vollkommen fähig, doch kommt a) das part. praes. in einigen mundarten selten damit gebunden vor; goth. ohne bedenken: un-baírands (non ferens) Luc. 3, 8. Joh. 15, 2; un-galáubjands Luc. 9, 41; un-habands (non habens) Luc. 3, 11. 19, 26; un-rôd- jands (mutus) Marc. 7, 37. 9, 25; un-saíhvands (coecus) Joh. 9, 39. Ahd. sind mir aber nur aus O. und T. bei- spiele bewust: un-bëranti O. I. 5, 118. T. 2, 2; un-zigan- ganti (non deficiens) T. 35, 4; un-arlëskenti (inexstingui- bilis) T. 13, 24; un-tarônti (innocens) T. 199, 1. die an- dern quellen bilden lieber förmliche adj. z. b, un-galoubo (incredulus) un-ziganganlih (oben s. 693.); un-zimahhôndi III. partikelcomposition. — part. mit nom. (divictissimo?, vielleicht invictissimus) ker. 83. un-ziscêt- hendi (so l. ich f. unziscethedi, inserabile, vielleicht inse- cabile?) ibid. scheinen mehr den sinn der lat. part. auf -ndus zu geben. Mhd. beispiele fehlen mir ganz, denn die participialen adverbia un-slâtende Ulr. Trist. 2603. un- wiƷƷende (1, 1020.) sind doch etwas anders. Selbst nhd. haben dergleichen zus. setzungen ihr ungewohntes, man sagt eben nicht: unglaubende heiden, untragender acker. unredender mann etc. eher schon: unliebende eltern, unvermögende, unwißende leute. unentweihende hände; ich glaube, daß dichter ohne gefahr neue bildungen wa- gen dürfen und einführen werden. Im ags. und altn. ist ihr gebrauch frei, wie im goth. (vgl. s. 691.). b) un- vor dem part. praet. stehet überall (auch im hochd.) so häufig und uneingeschränkt, daß ich mich aller beispiele enthalte. — 4) das übrige verbum leidet kein un- vor sich; lediglich können aus schon gebildeten nominibus mit un- schwache verba abgeleitet sein. Anders ausgedrückt: es gibt keine starken verba mit un- und alle damit zu- sammengesetzt scheinenden schwachen supponieren no- mina, in welchen die composition bereits vorgegangen ist. Un- also gestattet nicht, was missa-, fulla-, wana- aus- nahmsweise gestatteten (s. 587. 670. 671.). Beispiele jener ableitungen: goth. un-svêran ( ἀτιμάζειν ) Luc. 20, 11. Joh. 8, 49; un-vêrjan (indignari) Marc. 10, 14, 41. von un-vêrs, un-vêris (commotus)? Ahd. um-muaƷôn K. 48 a ; un-stillê (in- quietet) K. 48 b ; un-êran doc. 241 a ; un-fruotan (infatuare) doc. 215 b ; un-plîdên (tristari) ker. 6. 194. vgl. umplîthumês (contristamur) ker. 210; un-wërdê (fordescat) mons. 302. von un-wërd (vilis); mir un-willôt (taedet me) N. Boeth. 229. von un-willo (taedium); imo un-mahta (deliquium passus est) N. Boeth. 131, von un-maht (deliquium) geleitet, also mit dem inf. un-mahten (wie liuhten, praet. liuhta) nicht von un-mugen (non valere), das nicht existiert. Ags. un-clænsjan (polluere); un-mynegjan (oblivisci); un-rot- jan (tristem reddere) un-rotsjan (contristari); un-syngjan (peccato liberare) von un-synnig (culpâ liber); un-stilljan (commovere); un-vëorðjan (dehonorare); un-vlitegjan (deformare) von un-vlite (deformitas) [in verschiednen von Lye angeführten compositis steht un- für on-, = ent-, welche mit unsrer partikel nicht zu vermischen sind]. Altn. ô-fagna (tristari); ô-glediaz (tristari); ô-heimila (pos- sessionem alicui interdicere); ô-hêlga (profanare); ô-maka (molestare); ô-nŷta (inutile reddere) etc. Mhd. un-gebæ- ren c. p. 361, 64 d ; un-bilden a. Tit. 91. Nib. 5897; un- III. partikelcomposition. — part. mit nom. êren Jw. Barl.; un-mæren (odiosum reddere) Parc. 166 b Trist.; un-minnen MS. 2, 210 b a. Heinr. 203 a ; un-prîsen Nib. 8227; un-rähten Trist.; un-schuldigen Nib. 4186; un-siten (male se habere, surere) Maria 133. fr. bell. 40 a von un-site (malus habitus, mos turpis, insanus); un-sinnen (insanire) Trist.; ge-un-sueƷen (acescere) a. Tit. 157; un-trœsten Nib. Barl. a. Heinr. 198 b . Nhd. sind solche wörter ohne vorsetzung einer weitern partikel ungebräuchlich, man sagt: ver-un-ehren; ver-un-glimpfen; be-un-ruhigen; ver- un-treuen; ver-un-zieren. — Anmerkungen: α ) die par- tikel ist zumeist gerecht für adj. (und participia), minder für subst.; man kann sie sich zu allen adj. hinzudenken, nicht zu allen oder nur vielen subst. Sie hat vor diesen leicht einen stärkeren, vor jenen einen gelinderen, mehr abstracten sinn. Vorzüglich gern nehmen sie vielsilbige, selbst schon zus. gesetzte adj. an, vgl. nhd. unwiederbring- lich, unwiederherstellbar, ahd. unmiotegërn N. Cap. 120. unbûhaft ibid. 143. etc. β ) sie läßt sich auch vor adj. nicht immer durch die gerade negation übertragen und enthält wohl oft einen euphemismus. Unschön, unlieb, unklug etc. umgehen die härte des ausdrucks von häß- lich, verhaßt, thöricht; das altn. ôklâr (unklar) bedentet subobscurus und, merkwürdig das altn. î- (sub-) berüh- rend, dient die gemuthmaßte verwandtschaft zwischen ô- und î-, un- und in- zu bestätigen. γ ) die schwankende, stärkere bedeutung vor subst. kann sich eben auf eine ur- sprüngliche, gelindere gründen. Statt gewisse laster baar zu nennen, wurden die verhüllenden ausdrücke ungesell, unminne, unthat, unsitte, unzucht u. dgl. angewandt, bis nach und nach selbst diese eine schärfe annahmen, die nicht in der eigentlichen wortbedeutung liegt. Jedes solche wort ist aus seiner zeit und aus seinem ort zu beurtheilen, daher die große verschiedenheit, z. b. zwischen dem nhd. und ahd. ausdruck un-zucht, un-zuht, oder dem ahd. un-tât (macula) und altn. ô-dâd (nefas). δ ) die dem un- verwandten partikeln â-, ab-, bi-, zur-, oder auch die ei- gentlichen compositionen missa-, wana- sind bisweilen eben so gebraucht worden. Ihre verwandtschaft unter- einander erhellt aus der vergleichung von un-chust, â- chust; ô-vëgr, â-wicki; un-unst, ap-unst; un-wîp, bî-wîp; un-lust, zur-lust; un-wân, zur-wân; un-unst, mis-gunst; un-glück, mis-glück etc. ε ) manche wörter kommen ohne die partikel gar nicht mehr vor, z. b. das nhd. un- flat, un-gestüm, un-geziefer; das mhd. un-dære, ahd. un- daralîh, das goth. un-barnahs etc. Dahin können na- III. partikelcomposition. — part. mit nom. mentlich verschiedne der s. 688. 689. 693. angeführten zus. setzungen gerechnet werden. ζ ) einige ahd. compo- sita mit un- haben auch männliche nomina propria abge- geben, z. b. un-arc, un-foraht, un-frid, un-ruoh, un-wân. und- (ad, usque) früher wohl unþ? weil im ags. oð, ôð dafür steht, aber mit noch weiterer lautabstufung so- gar untê (f. undê), welchem goth. und, untê die schwan- kenden ahd. formen unti, unzi, unz entsprechen; mhd. unz, nhd. ausgestorben. Ob diese part. mit der copula und (et) altn. enn verwandt sei? gehört nicht hierher. Sie scheint kaum vor nominibus zu stehen und, woran man denken könnte, das goth. und-aúrni (oben s. 337.) deshalb nicht mit ihr coniponiert, weil die ags. form und-ern lautet, nicht oð-ern, auch die wurzel -aúrni, ahd. -orn höchst bedenklich wäre; unt-kenkëo (naufragus) ker. 107. ist unsicher, vielleicht ant-kenkëo (der entron- nene? vgl. ant-runnëo, profugus und pi-kenkëo, extorris) und das ags. uð-genge (deciduus, transitorius) Beov. 159. uð-vita (sapiens, philosophus). Goth. únd ags. verba mit und-, oð- werden unten vorkommen, keine ahd. Das altn. und (= undr, sub) ist wiederum verschieden und steht ohnehin nicht in compositis. altn. undan- (subter), gleicht in der bedeutung mehr dcm nhd. ent-, als unten (subtus), ist aber (wie die lat. partikeln lehren) genau damit verwandt. In der compo- sition hat es bald subter (unten durch, von dannen) bald praeter, prae auszudrücken: undan-bragd (impedimen- tum); undan-drâttr (tergiversatio); undan-fari (prodro- mus) undan-sör (praecursus) undan-sœri (effugium); un- dan-hallr (declivis); undau-kemba (stupa lanea); undan- rëkstr (effugium); undan-skot (tergiversatio); undan-skurdr (pinguissima pars carnium balaenae); undan-vik (cessio, recessus). undar- (sub, inter); kein goth. beispiel von composition. Ahd. under-chinni (submentum) flor. 990 a trev. 8 b ; under- chleine (gnarus? oder das subst. fundamentum?) N. Cap. 82; untar-thioh (subditus) O. I. 22, 113; untar-habitha (sublevatio) ker. 255; untar-lâƷ (intermissio, interstitium) mons. 324. 331. 338. 346. etc.; undir-march (finis) N. 8, 1; untar-merchi (chaos, intervallum) T. 107. untar-marh- lîh jun. 192; untar-penti (discriminale) mons. 332. unter- gebende doc. 241 a ; untar-poto (mediator) mons. 375; un- ter-prah (interruptio) mons. 334. (oder praet. des verbi?); under-brâwe (cilium) N. Cap. 121; untar-prust (inter- ruptio) doc. 213 a ; unter-purgî (siliae, vielleicht kinder, III. partikelcomposition. — part. mit nom. unterpfänder, pignora amoris) mons. 339. 361. [331. stehet unter-purigî]; undar-scheit (distantia) J. 350. untar-sceit (distantia) jun. 183; untar-siuni (spectaculum) hrab. 975 a ; untar-sleiht (subsecivus) mons. 379; untar-stal (interval- lum) jun. 210; untar-stunta (idem) K. 30 a 45 a ; untar- sualaht? (intercapedo) ker. 165; untar-suâs (mutuus) jun. 213. [vielleicht untar suâsun, inter amicos?]; untar-frist (distantia); untar-wîla (interstitium); untar-wurs (inter- jectio) ker. 165. Ags. under-burh (suburbana); under- cyning (regulus); under-feng (susceptio); under-solgoð (subsequela); under-gëoca (jumenlum); under-hvitel (fasci- culi scirpei); under-hvrædel (subligaculum); under-lâteov (dux inferior); under-ëodor Beov. 79; under-rodor (coe- lum inferius) Cädm. 3; under-scyte (subingestio); under- syrce (suppar); under-þëov (subditus); under-vedde (pignus). Altn. undir-briôtr (consilia clandestina); undir- briti (subpromus); undir-diûp (abyssus); undir-sörull (va- fer); undir-furda (spectaculum) vielleicht von undur- (miraculum) zu leiten; undir-gângr (occasus); undir-gist (alimentum); undir-haka (pinguedo sub mento); undir- hyggja calliditas); undir-lag (stratum); undir-leitr (cer- nuus); undir-lendi (planities); undir-hôs (refractio lumi- nis); undir-læga (succuba); undir-madr (subditus); undir- mâl (fraudes); undir-rôt (causa, origo); undir-sâti (subdi- tus); undir-skrist (subscriptio); undir-staða (basis, mate- ries). Mhd. under-bot MS. 2, 154 a ; under-bint (discrimen) Trist. Geo. 30 b 44 b ; under-lâƷ (intermissio) Barl.; under-reit Wh. 2, 3 a ; under-scheit Parc. 41 a Barl.; under-slac Parc. 129 c ; under-swanc Wh. 2, 3 b Barl.; under-tân (subditus) Nib.; eigentlich part. praet., das aber subst. geworden ist, wie das neugebildete under-tænic Nib. beweist, da sonst aus part. praet. keine adj. auf -ec geleitet werden; under-viz (discrimen) Parc. 55 b . Nhd. unter-amt; -bett; -hlatt; -sutter; -gang; -halt; -haus; -hemd; -kinn; -könig; -lage; -land; -laß; -leib; -lippe; -mann; -psand; -richt; -rock; -satz; -schied; -schleif; -schrift; -than, thänig; -theil; -welt u. a. m. — Anmerkungen: 1) die be- deutung von inter-, dis- beschränkt sich auf die hochd. mundart, wie sie auch der hochd. praepos. von jeher eigen ist (Graff p. 177. 178.). 2) nur die altn. zeigt den bösen sinn von trug, list (vgl. hinter-). 3) wo räum- liche lage ausgedrückt wird, könnte auch das adj. (der untere) im spiel sein. ahd. uo- (re-, post) ags. ô-, eine untrennbare, seltne und in andern dialecten gar nicht vorfindliche partikel; III. partikelcomposition. — part. mit nom. sie scheint sich bloß an nomina zu binden, nicht an verba. Die wenigen beispiele sind folgende: ahd. uo-cha- lawêr (recalvaster) mons. 322. doc. 205 a ua-chalawêr jun. 223. u-calewer jun. 347; ua-qhuëmo (posterus) jun. 217; ua-chumst (successio) jun. 226; uo-quumila, schw. fem.? oder -ilo schw. masc.? (racemus, acinus, ein sich über- rankendes, traubengewächs?) mons. 322. 334. 357. doc. 239 a ; uo-hald (proclivis) mons. 404. ua-hald O. V. 17, 56. ua-haldî (loca abrupta, praeceps) jun. 221. doc. 242 b ; ô- wahst (stirps) hrab. 952 a 975 a . Ags. ô-hëald, ô-hylde (pendulus); ô-gengel (obex, der hinter der thüre hängt?). Aus der neuern sprache weiß ich nur ein einziges wort, welches nunmehr völlig klar sein wird, das in der volks- sprache haftende o-mad (foenum secundarium, cordum) hin und wieder zu omet, ombde, emde, omt, emt entstellt (vgl. oben s. 407.). Die ahd. rechte sorm uo-mâd (d. i. nach-mad, zweites mähen) läßt sich vermuthen, das verderbte â-mâd (cremium) trev. 19 a blas. 57 b , das beßere mhd. uemet (:gebluemet) oder oumet (: gesoumet) noch bei Conr. mus. 1, 64. weisen. Zur bestätigung heißt es in andern dialecten; nach-gras, na-gras, na-mât, et-grôn (brem. w. b. 1, 322.) nnl. êt-groen (von ët-, it-, = re-) d. i. neu-grün, wieder-grün, wie man auch et-fenne sagt französ. re-gain; litth. at-tolas, lett. at-als, at-sals von at- (re) und Ʒole, sahle (gramen); russ. serb. otava, böhm. wotawa, vielleicht f. o-trava, wo-trawa, von trava, trawa (gramen)? ; das grummet der schriftsprache mag aus gruon-mâd ent- springen. — Allmählige entbehrlichkeit der partikel uo- ergibt sich aus den synonymen abar-, it-, nâh-, hinter-, wieder-, her-; man vergleiche avur-chalo, avar-purt, it- purt, nach-komme, wieder-kunft, her-kunft etc. Uebri- gens scheint uo-, ô- selbst schon unvollständige form; welcher consonant dabei zu grund gegangen ist, kann ich noch nicht herausbringen. ïup (sursum), ahd. ûf, ags. up (neben upp), altn. upp, nhd. auf, trennbar und späterhin praep. Goth. in keiner zusammensetzung. Ahd. ûf-chumft (ortus) hrab. 970 b ; ûf-chumi (oriens, origo) ker. 15. 38. 54. ûs-quimi (exor- dium) ker. 103; ûf-hald (sursum vergens) O. V. 1, 74; ûf-hevî (elevatio) N. 140, 2; ûf-himil (coelum superius) wessobr. 2; ûf-hôhî (excelsa) ker. 57; ûf-hûs (cardines) ker. 278. (triclinium) jun. 230. wirceb. 978 a ; ûf-canc (ortus) ker. 168. N. 41, 1; ûf-lenkî (stadium) hrab. 975 a (statura) doc. 240 b setzt ein ûf-lanc (erectus) voraus; ûf-lîh (sublimis) ker. 24. T. D d d III. partikelcomposition — part. mit nom. 131. und substantivisch ûf-lîh (culmen, anagoge, olympus) ker. 38. 52. 219; ûf-manigî (turba superior, coelestis) N. Cap. 157; ûf-runs (ortus) N. 102, 12. Ags. up-cund (coe- lestis); up-cyme (ortus); up-ende (polus); up-fëax (recal- vus); up-flore (area superior); up-gang (ascensus); up- godas (superi); up-heáh (sublimis); up-hëofon (coelum superum); up-lîc (supernus); up-land (montana terra); up-lang (erectus) Beov. 59; up-lyft (aer supernus); up- rîce (regnum coeleste); up-riht (arrectus); up-ryne (or- tus); up-rodor (coelum superius) Cädm. 3. 72. 74; up- spring (ortus); up-vëg (via sursum ducens); up-vare (su- peri); up-vëard (erectus); up-yrne (ortus). Altn. upp- blâstr (inflammatio, tumultus); upp-bod (indicatio judicia- lis); upp-bôt (aequamentum); upp-burdr (audacia); upp- drâttr (negotium); upp-eldi (educatio); upp-för (ascen- sio); upp-fôstr (educatio); upp-gângr (ascensus); upp-gerd (figmentum); upp-giöf (deditio); upp-grip (copia); upp-haf; upp-heimr; upp-himinn; upp-hæð (coelum excelsum); upp- hlaup (tumultus); upp-hlutr (mamillare); upp-kast (vomitus); upp-koma (eruptio); upp-lag (consilium); upp-lestr (reci- tatio); upp-lióstr (calumnia); upp-lok (apertura); upp- miór (acuminatus); upp-nâm (praeda); upp-næmr (appre- hensibilis); upp-râs (ortus); upp-reist (rebellio); upp-regin (superi); upp-rêttr; upp-risa (resurrectio); upp-rof (deminu- tio ningoris); upp-rôt (eversio); upp-runi (ortus); upp- sala (vomitus); upp-sâta (statio navalis); upp-skâr (mani- festus); up-skrift (catalogus); upp-slâttr (consilium volubi- le); upp-sprëtta (fons); upp-staða (surrectio); upp-stöckr (ira praeceps); upp-tak (initium); upp-vadsla (temeritas); upp-vöxtr (adolescentia); upp-vîs (manifestus). Mhd. nur sehr wenige: ûf-rëht (erectus) Trist. ûf-rihtic (id.) ibid.; ûf-slac (induciae); ûf-vart MS. 2, 154 a Barl. Nhd. auf- gebot; -bruch; -fahrt; -gang; -guß; -kauf; -kunft; -lage; -lauf; -nahme; -putz; -recht; -richtig; -riß; -ruf; -ruhr; -satz; -schlag; -schluß; -schnitt; -schrift; -schub; -sicht; -stand; -trag; -tritt; -wand; -wurf; -zug. — Die frühere sprache componiert mehr mit der ruhigen bedeutung der part., als mit der bewegenden; umgekehrt findet sich im nhd. mit jener nur noch auf- recht (nicht mehr auf-himmel, -land). Verschiedene nhd. composita mit bewegendem auf- entsprechen älteren mit der partikel ur- (ur-rist, ur-stende, auf-gang, auf-stand), in denen das her statt des hin berücksichtigt wurde. Es gibt auch viele formeln für decomposita, z. b. nhd. auf-ent-, auf-er; altn. upp-â, upp-î. III. partikelcomposition. — part. mit nom. us- (ex-) früher trennbar und praeposition, später un- trennbare partikel. Goth. us-drusts (aspredo) Luc. 3, 5; us- dâudô (sollicite) Luc. 7, 4. ein adj. us-dáuds voraussetzend; uz-êta (praesepium); us-faírina ( ἄμεμπτος ) Philipp. 3, 6; us-filhs (sepultura) Marc. 14, 8; us-filmei (stupor) Luc. 5, 26; us-láulei (redemtio); us-liþa (paralyticus) hängt mit liþus (membrum) zusammen, warum aber nicht us-liþiva, -liþva? vgl. ags. lið-adl (arthritis); us-qviß (perditio) Tit. 1, 6; ur-rists f. us-rists (resurrectio); ur-runs f. us-runs (oriens); us-sindô ( μάλιστα ) Philem. 5, 16. von us-sinds (eximius); us-staß (resurrectio) Philipp. 3, 10. Luc. 2, 34; us-ftiurei (luxuria) Tit. 1, 6. von us-stiuris (effrenatus) vgl. us-stiuriba Luc. 15, 13; us-trudja (segnis) Luc. 18, 1; us-vaúrhts (consummatus, justus); us-vêna (expers spei, desperans) Luc. 6, 35. Ahd. uralt (decrepitus) hrab. 960 a (cariosus) ker. 66. 139. (lougaevus) mons. 333; ur-kîst (reditus) jun. 224; ur-chnât (agnitio) jun. 194. 234; ur- chumft (etymologia) mons. 408; ur-chust (fraus) K. 53 a ; ur-chundi (testimonium) T. 13, 4. mons. 349. 359. 366. ur- chundëo, -chundo (testis) und ki-ur-chundôn (contestari) jun. 199. 251; ur-thâht (suspensus) ker. 255. ur-dâht N. 17, 46; ur-danch (commentum, argum.) mons. 413. flor. 985 b ; ur- drëoƷ (molestia) mons. 410; ur-druƷi N. Boeth. 69. ur-druƷîc (molestus) jun. 213; ur-ërdëo (extorris) so l. ich f. ar-ërdëo doc. 231 a ; ur-hap (causa, origo) ur-hab N. Boeth. 217. Cap. 79; ur-heiƷ (promissum temerarium, provocatio) O. III. 20, 194. IV. 5, 90. 13, 98. ur-eiƷ-koucha (stulti temerarii?) wenn so für ureiƷ zu lesen ist N. Boeth. 175. ur-heiƷo (suspensus, incertus, arrogans?) ker. 259; ur-hirzi (excors, vecors) ker. 107. 279. ur-hërz-môti (idem) ker. 279. ur-hërzêr (excors) jun. 181. hrab. 961 a ; ur-hlôƷi (expers) hrab. 961 a ; ur-gawida (fastidium) jun. 182. dunkler wurzel, vor- ausgeht ur-ka-wisôntêm (fastidientibus) von ur-kawisôn; ur-gift (reditus) mons. 402; ur-gilo (immense) O. IV. 24, 32. setzt ein adj. ur-gili? voraus [vgl. hernach das ags.]; ur-gotilîh (portentuosus) mons. 376. von ur-got (idolum)? oder ist es einerlei mit ur-ketilîh (hirsutus) ker. 144?; ur-guse (affluentia) N. Boeth. 79; ur-lac (fatum) jun. 182. ur-lag masc. N. Boeth. 216. 219. Cap. 54. 61. 97. 117; ur-lenti (peregrinus) ker. 44. 167; ur-lastri (illustris, d. i. purus, intemeratus?) ker. 117. (wo un-lastri) 184; ur- laup (licentia) ker. 122. ur-laubî K. 45 b ; ur-lôsî (redemptio) N. 44, 3; ur-lust (acedia, ἀκηδία ) jun. 188. ur-lustêr (de- findiosus) ker. 86. ur-lustlîh (acidiosus) jun. 188. ur-lusti- sôn jun. 230; ur-mâri (eximius) hrab. 961 b 966 a O. I. 18, D d d 2 III. partikelcomposition. — part. mit nom. 9. ur-mârî (elegantia) ker. 100; ur-minni (non cogitans) O. I. 4, 100; ur-môd (amens) ker. 143. ur-moad (despe- ratus) ker. 93. ur-muoti (amens) jun. 233. hrab. 960 b ; ur- ouge (disparens, evanescens) N. 7, 8. 90, 13. Cap. 63; ur-plôti (exsanguis) hrab. 961 a ; ur-pôhhi (obliteratus) ker. 219; ur-bot (oblatio) jun. 215; ur-chuist (nex)? vgl. ur-chui- stan (enecare) mons. 404; ur-rëstî (resurrectio) T. 7, 8. 209, 4; ur-riutto (exstirpator) K. 40 a ; ur-runs (oriens) N. p. 267 a , 78; ur-scruofêr (spurius) mons. 326. 379, das zweite wort dunkel; ur-sêli (exanimis) hrab. 961 a jun. 204; ur-sinni (alienatus) mons. 386. ur-sinnîc mons. 366; ur-slaht (ignominia) sgall. 195. ur-slaht (varix) doc. 242 a vgl. fines wirceb. (fr. or. 1, 675.): in die niderôstûn ur- slaht furtes (trajectus); ur-sorc (securus) ker. 273. ur- surgi (id.) T. 222, 3; ur-sprâhha (eloquentia) mons. 408; ur-sprâhhi (exanimis) hrab. 961 a ; ur-sprinc (fons, origo, caput) mons. 319. 331. 398. 408. ur-spring N. Boeth. 179. 249; ur-star (gulosus) ker. 140. verstehe ich nicht; ur-stôdal scheint solers, resurgens? nach dem subst. ur-stôthalî (astutia) ker. 148. ur-stôtli (solertia) ker. 222. zu schließen, ur-stôdahi (resurrectio) mon. cat. 85 b ändere ich in ur- stôdalii, ur-stodalî; ur-suoh (exactio, probatio, tentatio) mons. 320. 354. 363. 373. doc. 242 a N. 6, 5. 70, 3. 76, 3; ur-teili (cognitio) mons. 367. doc. 242 b ; ur-tiefel (rex diabolorum) N. 90, 13; ur-toffî (temeritas) mons. 411. etwa f. ur-topfî, -topî, ausgelaßnes toben?; ur-triwi (infidus) sgall. 194. (suspiciosus) K. 58 b ; ur-frosti (africus) ker. 36. scheint misgriff des übersetzers, der den windnamen durch: a frigus, ohne kälte deutete; ur-wâfni (inermis) hrab. 967 b ; ur-wâni (desperatus) ker. 222. O. I. 4, 104; ur-wicgi (ex- tra viam) ker. 26. ur-wëke hrab. 967 b ; ur-wîhi (exsecran- dus) jun. 204; ur-wir oder ur-wiri? (spado, eunuchus) mons. 356. doc. 242 a vgl. ar-wiran (castrare) T. 100. von dem veralteten wir (lat. vir, goth. vaír, altn. vërr), aus welchem die ableitung wir-t (herus, dominus) oben s. 226. stammt; ur-wërf (experientia) ker. 119. ur-wërf (aborti- vus) doc. 242 a ; ur-wîsi (expulsus) O. II. 6, 75. vgl. ur- wîs (digeris?) ker. 82; und wohl manche andere. Ags. or-blêde (exsanguis); or-ceápunga (gratis); ordâl (judi- cium); or-dæle (expers); or-ëald (senex) or-eldo (senec- tus); or-fëorme (exsul)? Beov. 178; or-gëllîce (valde, admodum, extra modum) Boeth. p. 40. scheint mir das ahd. ur-gilo, folglich ein ags. adj. or-gël, or-gille, (im- moderatus, immensus, superbus?) voraussetzend, dessen zweites wort schon oben s. 640. im ahd. wît-chëlle (f. III. partikelcomposition. — part. mit nom. -këlle?) und s. 655. im ags. vîd-gël, vîd-gille begegnet ist [Lye fügt das französ. orgueil bei, noch näher liegt das altfranz. adj. orgailhos, orgilos, span. orgulloso, ital. orgoglioso, für welche es allerdings an einer roman. er- klärung mangelt; ein goth. us-gils wäre zu vermuthen; vielleicht ist oben s. 675. kein ags. gêl-hërt, ahd. keil-hërz, sondern gël-hërt, kil-hërz anzunehmen? obgleich beide wörter nach der ablautsformel geilan, gáil, gilun genau verwandt sein dürfen]; or-gylde (inultus); or-hær (depi- lis); or-hlyte (exsors); or-läg (fatum) Cädm. 91. or-lege (bellum) Beov. 101. 180; or-lëahtre (innoxius) Beov. 142; or-mæte (nimius); or-mët (moles); or-môd (desperatus); or-sâvle (exanimis); or-sorg (securus); or-þonc (inge- nium, ars, fraus) Cädm. 70. 91. Beov. 33. 156; or-trëóve (diffidens); or-tudre (improlis); or-vêna (sine spe) Cädm. 48. 67. Beov. 77. 118; or-vige (imbellis); or-vite (amens); or-vyrðe (dedecus). Altn. gewöhnlich ör- (avr-), zu- weilen sogar er-, richtiger or-, ûr- geschrieben: ör-byrgr (perpauper); ör-bœli (villa deserta); ör-deyda (internecio) vgl. goth. us-dáudô; ör-dœmi (rex exemplo carens); ör- drag (jactus teli); ör-eyða (plena desolatio); ör-gamall (decrepitae aetatis) ör-gemlir (immensae senectutis) vgl. den eigennamen ör-gemlir, ör-gelmir sæm. edd. 34 b 35 a ; ûr-illr (difficilis); ûr-kast (rejectio); ûr-kula (perfrigidus); ûr-kynja (degener); ör-lendr, er-lendr, ûr-lendr (pere- grinus); ör-lög, ör-log (fatum, bellum); or-lof (venia); ör-magna, -megna (viribus cassus); ör-miör (pertenuis); ör-qvisi (viribus fractus); ûr-skurdr (decisio); ör-smâr (perexiguus); ör-snaudr (perpauper); or-sök (causa); ör- stuttr (perbrevis); ûr-svalr (perfrigidus) edd. sæm. 165 a 167 b ; ûr-taka (electio); ûr-tölur (dehortatio); ör-tröd (pascua depasta); ör-þreyttr (labore fractus); ör-þrif (ni- sus extremus); ûr-þvætti (eluvies); ûr-val (res rejicula); ör-vërpi (extrema foetura); ör-vësi (aetas deorepita); ör- uggr (securus); ör-vinda, ûr-vinda (exanimis); ör-vita (amens) er-vita sæm. edd. 165 b ; ör-vænn, -vona (despe- rans, insperatus); ör-yrdi (verba libera). Mhd. ur-bor (reditus) c. p. 361, 92 b Parc. 77 c Wh. 2, 91 b 93 a Nib. Trist. und davon das verbum ur-born Gudr. 35 b a. Tit. 8; ur-bot Parc. 106 a ; ur-bunst (invidia) Barl.; ur-druƷ (taedium) Bon.; ur-ganc (ambulacrum) Rud. weltchr.; ur-grunde kl. 2407; ur-gûl (aper) oben s. 633; ur-hap Parc. 57 a 76 a 95 a 105 b 108 b ; ur-kint (nanus) heldenbuch, vgl. das altengl. ur-chin b. Nares; ur-klein (perparvus) Frib. Trist.; ur-kunde (testimonium) Parc. 85 a Wigal. III. partikelcomposition. — part. mit nom. Barl. Karl. 83 b ; ur-liuge (bellum) Nib. Barl. Parc. 87 c Bert. 111. im 12. jh. ur-louc, vgl. 1, 353; ur-loup a. Tit. 70. Parc. 125 a Nib.; ur-mære (maximus) c. p. 361, 11 a 34 b sr. bell. 3708; ur-mâl Geo. 52 a gehört nicht hierher, man beßere: urinâl; ur-schiltes (subito?) ich kenne dieses unerhörte wort bloß aus drei stellen des ungedr. theils von Conr. troj. kr. bei Oberl. 1909; ur-schîn (origo lucis) Mar. 132; ur-sprino Parc. 61 a 67 a 186 b Geo. 1 b 53 b Mar. 28. troj. 57 c etc. sel- ten ur-sprunc Barl. 155. amgb. 14 b Rav. 73. Diel. 8 a ; ur- stende (resurr.) Mar. 47. Bert. 146. 191; ur-suoch (expe- rimentum) troj. 3 a MS. 2, 211 b ur-suoche Trist.; ur-teil und ur-teile (sententia); ur-var (trajectus) c. p. 361, 9 a 10 d 17 c 20 c Parc. 130 a 143 a 148 c 149 b. c. 158 c [ganz ver- sch. von dem ziemlich seltnen uover (ripa) Parc. 75 a 145 b ags. ôfer, wofür mhd. gewöhnlich: stat, z. b. Parc. 68 a ]; ur-wære (fidem fallens? oder immitis tenax?) Trist. 13229. vgl. ahd. zur-wâri und oben s. 577; ur-wîse? ne- ben für-wîse Nib., vgl. s. 729. Nhd. ur-ahn; ur-alt, ur- eltern; ur-bar; ur-bild; ur-born (scaturigo); ur-enkel; ur-an-fang; ur-be-ginn; ur-heber; ur-kraft; ur-kunde; ur-laub; ur-plötzlich (subito); ur-quell; ur-sache; ur- schrift; ur-sprung; ur-stoff; ùr-theil; ur-groß-vater; ur-zeit. In der volkssprache noch einzelne mehr, z. b. ur-schlacht, ur-schlechten (variolae) ur-fahr und im ge- richtsgebrauch oder in ältern diplomen: ur-fede (urpheda) ur-gicht (confessio) ur-holz Oberl. ur-sorge (securitas) ur-that (consummatio). — Anm. 1) die part. verliert nir- gends den ton. 2) der kurze vocal verlängert sich im altn. ûr- und im nhd. ûr-, aber dem altn. ûr- stehen noch viele kurzvocalige ör- zur seite, dem nhd. ûr- das einzige ùr- in ùr-theil, das wie vòr-theil (s. 728.) zu be- trachten ist. Hälte die verlängerung schon im mhd. be- gonnen, so würden nhd. auer- statt ûr- entsprungen sein (1, 697.). Ausnahme hiervon machen weder auer-hahn (te- trao) noch auer-ochs, welche aus dem lat. mittell. uro-gallus und urus (mhd. ûr, ûre) herrühren, folglich die deutsche par- tikel nichts angehen, so sehr sie an die verstärkende be- deutung derselben in ur-gûl, ur-fûl erinnern. 3) der sinn der partikel ist sehr verschieden α ) stärkend und er- höhend vor adjectiven: us-dáuds, us-vaúrhts, ur-alt, ur- gil, ur-mâri, or-ëald, or-gël, or-mæte, ör-gamall, ûr- svalr, ör-smâr, ur-klein, ur-plötzlich, womit die s. 701. versuchte deutung von smal zu vergleichen. β ) stärkend vor subst., mit dem begriff des anfänglichen, reinen, ersten: ur-lac, ur-hap, ur-tiuvel, ur-kint, ör-vërpi, ur- III. partikelcomposition. — part. mit nom. ahn, ur-bild, ur-quell, ur-anfang etc. γ ) beraubend, sel- ten vor subst. (ur-chust, häufig vor adj., die aber zum theil erst dadurch aus subst. gebildet werden, oft für schwache substantiva gelten können: us-liþa, us-faírina, us-stiuris (zügellos), ur-hërzi, ur-hloƷi, ur-sêli, ur-sprâhhi, ur-muoti, ur-ougi, ur-sinni, ur-wâni, ur-wîhi, ur-wicgi, ur-wiri, or-blêde, or-hær, or-môd, or-sâvle, or-sorg, or-vêna, ûr-kynja, ör-magna, ör-qvisi, ör-vita, ör-vænn; im mhd. hört dieser privative begriff beinahe auf (vgl. ur-wære), im nhd. völlig. δ ) die natürliche bedeutung der partikel (bewegung aus dem innern) herrscht in: ur- rists, ur-runs, us-staß, ur-sprinc, ur-guse, ur-riuto, ur- ganc und endlich ε ) eine gewisse abstraction dieser bedeu- tung in: ur-chundi, ur-chumft, ur-druƷ, ur-heiƷ, ur- suoh, ur-loup, ur-bor. 4) die verschiedenheiten erläu- tern sich folgendergestalt. In γ und δ gilt das nämliche aus aber in γ bezieht es sich auf das zweite wort, nicht in δ ; anders gesaßt: in γ ist das zweite wort der begriff, aus dem die bewegung erfolgt, dessen sich entäußert wird, in δ ist das zweite wort das sich bewegende (z. b. ursprung, das aus dem fels springende, us-staß das aus dem tod erstehen). Daher können bei δ verba parallel laufen (ur-rinnan, ur-springan, ur-reisan, us-standan), nicht bei γ , aber in den verbis wird der sinn schneller abstract und die form der partikel veränderlich (daher z. b. ahd. ar-springan, ar-rinnan, nhd. er-stehen). Die fälle α und β liegen dem δ wiederum ganz nahe, ihr ur- deutet das ausgehen und beginnen an, nur stärker und frischer als bei δ , da ihnen keine verba zur seite stehen, wenigstens den meisten nicht. Doch könnte man ur-hap, ur-heber mit dem verwandten er-heben, ur-alt mit er- alten zus. stellen und umgekehrt dem ur- in ur-sprung denselben sinn einräumen, der ihm in ur-bild zusteht. 5) us- ist eigentlich einerlei mit ar-, ir-, ër- (die in der composition mit nominibus nicht erscheinen) und mit â- (s. 704-707.), welches im ags. bloß verba, im ahd. aber auch nomina vor sich haben. Dieses ahd. â- stehet nur privativ, trifft also mit der bedeutung γ von ur- zusammen. In der regel bekommen die ahd, subst. â-, die adj. ur-, ausnahmsweise adj. â- (â-hërzêr, â-riup, â-teilo) und subst. ur- (ur-chust, geschwächt ar-chust). Daher z. b. â-hërzêr, â-wiegi mit ur-hërzêr, ur-wicgi gleichviel find, man miiste denn die letztern für etwas stärker hal- ten, weil ihre partikelform lebendiger, ungeschwächter ist. 6) die bedeutungen des ur- berühren sich mit dem po- III. partikelcomposition. — part. mit nom. sitiven fram-, frum-, vor- (prae-, pro-, per-) und dem privativen fra-, far-; weshalb späterhin ver-bunst f. ur-bunst (s. 725.), ver-druß f. ur-druƷ; vgl. mit letzterm auch das nhd. über-druß und mit ur-var, über-var, wie der alte druck des Parc. in den angeführten stellen liest. An zur- wâni, zur-lust (s. 768. 769.) erinnern ur-wâni und ur-lust, stehen aber formell so gut von einander ab, wie â-keƷƷal von ab-këƷƷal (s. 705.). ut- (foras, foris) überall trennbare partikel, später auch praeposition; langer vocal im goth. noch nicht anzusetzen, wohl aber in allen übrigen sprachen, zeugnis der ältern kürze geben theils das engl. but (nicht bout, neben out), folglich ags. buton, butan, theils das altn. utan (nicht ûtan, neben ût) vielleicht gilt auch noch ahd. uƷân, uƷana? Kein goth. nomen mit ut- beim Ulf. Ahd. ûƷ-kanc (exitus) ker. 118. (wo ûƷ-kan) ûƷ-ganc (dysenteria) doc. 242 a ; ûƷ-kôƷ (effusio) N. 50, 21. vgl. ûƷ-chuƷ 29. 10; ûƷ-lenti (terra aliena) O.V.13, 36; ûƷ-lâƷ (conclusio) mons. 339. 348. 377. 392. (finis) N. Boeth. 96. 135. 202. 249. 261. 263. (fimbria) N. 44, 14; ûƷ-leiti (exsequiae) doc. 242 a ; ûƷ-lît (excessus) K. 47 b ; ûƷ-liute (alienigenae) N. 55, 1; ûƷ-bora (scobs) flor. 990 a ; ûƷ-scazëo scheint sgall. 195. zustehen, die lat. glosse ist aber unleserlich, fur pauper würde ich eher ur-scazëo erwarten; ûƷ-suht (dysenteria) mons. 367. doc. 242 b (wo idem bei dazwischengesetzten uƷlaiti falsch ist) mons. 391. sinnloses miuƷsuht; ûƷ-triht (trajectum, nom. urbis) blas. 84 b trev. 35 b ; ûƷ-trippo f. tripëo (ejectus) mons. 341. ûƷ-trippa (conjux ejecta) mons. 373. ûƷ-trippo (extorris) N. Boeth. 33. N. 82, 10. 109, 11; ûƷ-fart (exitus) ker. 113; ûƷ-wërt jun. 206. ûƷ-wërtig N. 59, 12; ûƷ-wërf (jactus) ker. 42. ûƷ-wurft mons. 367. Ags. ût-cvëalm (bellum internecinum); ût-dræfe (expulsio); ût-fär (exitus); ût- färeld (idem); ût-gang (idem) ût-gefëoht (bellum exte- rum); ût-fûs (proficiscendi cupidus) Beov. 5; ût-hëalf (pars externa); ût-here (exercitus exterus); ût-laga (exul, exlex) engl. out-law; ût-land (regio extera) ût-lende (ex- traneus); ût-lîc (exterus); ût-ryne (effluxus); ût-scyte (eruptio); ût-sëtl (sedes extera); ût-siht (diarrhoea) rich- tiger ût-syht; ût-fið (exitus); ût-væpnedmen (extranei); ût-vëorce (dolor externus, haemorrhois); ût-vîking (pi- rata extraneus); ût-vëard (exterus). Altn. ût-arfar (he- redes collaterales); ût-bod (provocatio); ût-briôtr (irrita- tio); ût-brot (impetigo); ût-burdr (expositio infantis); ût-bær (facile venalis); ût-eyar (insulae a continenti re- motiores); ût-engjar (prata remotiora); ût-fall (eruptio); III. partikelcomposition. — part. mit nom. ût-serd (sanies ex vulnere, eig. exitus); ût-för (exitus); ût-gângr (id.); ût-gardar (pomoeria); ût-gerd (apparatus); ût-gift (expensum); ût-grynni (brevia, sandbank); ût-hall (crepusculum vesp.); ût-hŷsi (casa solitaria); ût-kiâlkar (promontoria); ût-koma (exitus); ût-lât (largitio); ût-lausn (redemtio); ût-lægi -lægr (exul); ût-lönd (terrae exterae) ût-lendr (peregrinus); ût-leidsla (eductio); ût-lit (vultus); ût-mânadir (tres posteriores menses hiemis); ût-nyrdingr (ventus caurinus); ût-râs (effluvium); ût-reid (certamen equestre); ût-rensl (effluvium); ût-rôðr (piscatura procul a domo); ût-sâð (semen); ût-saumr (acupictura); ût-skeisr (valgus); ût-skêr (scopulus maris); ût-skot (secessus in domo); ût-skrippi (animal lucisugum); ût-skrift (exemplar); ût-sog (recursus fluctuum); ût-suðr (libonotus, südwest); ût-tekt (collectio redituum); ût-vali (electio); ût-vëgr (acquisitio); ût-vër (locus piscaturae remotus); ût-vigt (expensio); ût-vördr (excubitor). Mhd. beispiele zum ver- wundern selten, belegen kann ich nur ûƷ-gesinde Parc. 71 c ; ûƷ-trieht troj. 128 c (vgl. 1, 775. 776.); ûƷ-vart Bert. 208; ûƷ-weidec (eximius, gratus?) vateruns. 932; ûƷ-zôc (processio) troj. 196. (Oberl.); doch sind auch ûƷ-ganc, ûƷ- leite nicht zu bezweifeln, und nach dem ahd. nhd. andere zu muthmaßen. Nhd. aus-beute; -bruch; -geburt; -bund; -bürger; -druck; -fahrt; -fall; -flucht; -flug; -fluß; -fuhr; -gabe; -gang; -guß; -hauch; -kunft; -lage; -land; -lauf; -leute; -mann (extraneus); -nahme; -rede; -ruf; -saat; -sage; -satz; -schlag; -schluß; -schnitt; -schuß; -sicht; -sprache; -spruch; -steuer; -tausch; -trag; -tritt; -wahl; -wärts; -weg; -wuchs; -wurf; -zug. — Anm. 1) obgleich ûƷ, aus, allmählig praepositional geworden, das ältere us, ur vertritt; bezeichnet es in der zus. setzung doch nur selten und erst viel später den begriff her, meist den adverbialen begriff hinaus, d. h. nicht den anfang, sondern das ende. Daher man die früheren composita ur-runs, ur-rists, ur-stende gar nicht in nhd. aus-gang, aus-stand übertragen kann, welche grade das gegentheil, nämlich schluß und ende, besagen würden, unerachtet wir im verbo (freilich mit beifügung der praep. von) aus-gehen für incipere brauchen. Der begriff des her wird lieber mit auf- oder auf-er gegeben (auf-gang, auf- er-stehung); nur einige schwerlich alte composita haben dafür aus-, z. b. das zweideutige nhd. aus-fluß (von in- nen her oder nach außen), vgl. aus-bruch, aus-wahl, aus-weg. Noch viel weniger kann ûƷ-, aus- den priva- tiven sinn des ur-, â- belitzen. 2) bemerkenswerth ist III. partikelcomposition. — part. mit nom. der gebrauch der part. in ûƷ-ganc, ûƷ-suht, ût-syht, ût- vëorc, ût-brot, aus-satz (vgl. sunder-siech s. 767. und durchfall, -lauf s. 770.). uta- (extra), ein dem ïnna-kunþs paralleles goth. uta-kunþs (extraneus) vermuthe ich; ags. uta-cund ist vorhanden. utana- (extra), ahd. uƷan-andîc oder ûƷan-andîc (s. 730.); ags. utan-vëard (exterîor); altn. utan-ferd (pe- regrinatio); utan-för (id.); utan-vërdr (exterior); nhd. außen-land; außen-seite: außen-werk. altn. ûti- (foris): ûti-dyr (antica); ûti-bûr (penuarium solitarium); ûti-hûs; ûti-gângr; ûti-lëga (latrocinium); ûti-skemma (cubiculum); ûti-stödur (carena); ûti-vist (iter maritimum). Einmahl auch ahd. ûƷi-trippa mons. 373. vàila- (bene, εὖ ) goth. mit keinem nomen. Ahd. wala- êhtî (possessio) J. 389; wëla-libî (deliciae) jun. 238; wola-queti (benedictio) T. 3.3; wëla-q. jun. 250. wole-tât (benefactum) W.; wola-vrêhtîc (emeritus) mons. 380; wola-willîg (be- nevolus) O. III. 10, 34. wëla-willîc ker. 43. Ags. vël- dæd (beneficium); vël-gecvëme (gratus); vel-gevlite (for- mosus). Altn. vël-ferd (salus); vël-gengni (felicitas); vel- gerd (beneficium); vël-lyst (voluptas); vël-semð (honos); vël-vild (favor). Mhd. wol-gehorn En. 35 b ; wol-lust Bert. 226. 284. 291; wol-gemuot; wol-gesinne Trist.; wol-gesite Trist.; wol-gesmag Bert. 246; wol-gevar. Nhd. wohl- fahrt; wohl-feil; wohl-klang; wohl-laut; wòl-lust (mit bewahrter kürze, wie vôr-theil s. 728, ûr-theil s. 790. vgl. das wôl-fel der volkssprache f. wohl-feil); wohl-ge- muth; wohl-geruch; wohl-geschmack; wohl-gestalt; wohl- anständig; wohl-that; (mhd. guot-tât, obgleich dieses mehr actio bona, als beneficium bedeutet). ags. altn. við- (contra, juxta, cum); diese den übrigen dialecten abgehende part. verhält sich zu viðer, viðr wie cum zu contra, ab zu aber, und das goth. viþra, ahd. wi- dar setzen ebenwohl eînfaches viþ, wid voraus. Ags. composita; við-ovëdol (contradictorius); við-flîta (repug- nator); við-ræde (contrarius); við-stëal (obex). Altn. við-beiskr (subamarus); við-berjur (excusatio futilis); við- bit (pinguamen); við-bragd (tactus); við-bruni (adustio); við-burdr (eventus); við-bœtir (appendix); við-fâng (commercium); við-gângr (incrementum); við-gerd (re- paratio); við-hald (conservatio); við-höfn (splendor); við- högg (truncus super quo caeduntur aliae res); við-hryggr (subtristis); við-koma (tactus); við-lîkr (similis); við-lodi (cohaesio); við-lögur (necessitates); við-môt (gestus); við- III. partikelcomposition. — part. mit nom. nam (refistentia); við-qvædi (epistrophe); við-ræda (col- loquium); við-siâ (cautela); við-skipti (commercium); við-smiör (oleum); við-staða (obstaculum); við-tak (ob- jectum); við-vik (gestus); við-vænîngr (tyro); við-væri (mansio, victus). Die bedeutung ist bald re- (dem folgen- den widar- gleich), bald mit, bei, zu, vgl. við-burdr, við- tak mit at-burdr, til-tak; in den adj. sub- (vgl. altn. î-, ô-). viþra- (contra-, re-): viþra-vaírþs (oppositus). Ahd. wider-chêr (conversio) N. 104, 5; widhar-chueti? (atrox) ker. 10; wider-hôrig (inobediens) N. 81, 2; Boeth. 127. wider-lieh- sene (repercussio luminis) N. Cap. 146. vgl. liehsen (lucidus) N. 18, 9; wider-mâƷa (repensatio) N. Cap. 95; wirthar- mëƷ wirthar kein schreibf. für withar, sondern seltnere neben- form, die auch ker, 98. 221. vorkommt und hrab. 973 b liest die hs. dreimahl wirdar- statt des abgedrackten widar- (vgl. ërdo für ëdo. ëddo). (repensatio) ker 134. vgl. das abgeleitete wider- mëƷôn N. 77, 2. Cap. 93. (N. 77, 68. wider-mâƷôn); wi- dar-muotêr (injuriosus) K. 39 b widar-môti hrab. 961 b ; widar-përg (arduus) ker. 8. 15. widar-pirki K. hrab. 967 a ; widar-pruht (obstinatio) ker. 216. widar-pruhtîc (rebellis) J. 383. (cervicatus) mons. 355. wider-bruhtig (resiliens) N. 100, 7; wider-burt (regeneratio) N.; widar-scurk (re- pudium) hrab. 959 b ; wider-sihtig (torvus) N.; withar- sili? (obstaculum) ker. 220; wider-sprâcha N. 9, 7; widar- stentîc (repugnans) mons. 385; widar-tara (adversatrix) mons. 336; wider-fart N. Boeth. 118. Cap. 81; wider-flieƷ (diabo- lus) N. 58, 4. vgl. nider-fal, -riso (s. 763.); withar-wâkî (lanx) ker. 185; widar-wart (adversus) jun. 194. T. 81, withar- wërt ker. 20. 26. 165. 247. widar-wërdî (controversia) ker. 65. widar-wërto (tergiversator) jun. 252. O. I. 2, 57. II. 3, 120; widar-wîgo (rebellis) jun. 223; widhar-zuomi (absurdus) J. 348. withar-zômi (villosus, immanis) ker. 144. 158. widar-zoami (clandestinus) ker. 5; wider-zucch N. Cap. 81. Alts. widar-saco (hostis). Ags. viðer-cora (rebellis); viðer-cvide (contradictio, rebellio); viðer-flîta (adversarius); viðer-gyld (repensatio) Beov. 154. viðer- leán (recompensatio); viðer-mêdo (punitio?) Cädm. 16; viðer-môd (contrarius); viðer-ræde (hostilis); viðer-saca (adversarius) viðer-sace (contradictio); viðer-spræce (id.); viðer-stëall (resistentia, obex); viðer-trod (regressus) Cädm. 45. Jud. 26; viðer-tŷme (molestus) vielleicht -tême?; viðer-vëard (contrarius); viðer-vinna (adversarius). Altn. III. partikelcomposition. — part. mit nom. viðr-eign (commercium); viðr-lîfi (substentatio vitae); viðr-mæli (colloquium); viðr-nefni (cognomen); viðr-siâ (cautela); viðr-vist (praesentia). Mhd. wider-bot Wigal.; wider-brühtee MS. 2, 128 a ; wider-dôƷ Wh. 1, 98 a ; wider- drieƷ Bert. 247; wider-glast Barl.; wider-kêr Nib. Trist.; wider-muete Bert. 247; wider-rede Nib.; wider-ruoft Parc. 177 b ; wider-saz (inimicus) Parc. 194 a Barl.; wider-sæƷe MS. 2, 228 b ; wider-schîn Vrih. Trist.; wider-slac Wigal.; wider-spænic troj. 121 c 133 b ; wider-spël Nib.; wider-sprâche Karl 14 a ; wider-stendic Bert. 172; wider-strît MS. 2, 171 a Wi- gal.; wider-traz Vrib. Trist.; wider-vart Wh. 2, 136 a Karl 90 b Nib.; wider-vëhte (inimicus) Karl 71 a ; wider-wanc c. p. 361, 70 b Parc. 101 a 114 a ; wider-warte (hostis) c. p. 361, 73 b Trist.; wider-winne (adversarius) Nib.; wider-zæme (indecorus, horridus) c. p. 361, 52 d Parc. 60 a Wigal. Bert. 284. u. a. m. Nhd. haben die grammatiker des verfloßnen jahrh. einen unbegründeten, dem ohr unvernehmbaren unterschied zwischen wider und wieder eingeführt, um die bedeu- tungen contra und rursus damit zu faßen. Da diese natür- lich in einander streifen, z. b. wider-schein sowohl abprall und gegenwirkung, als wiederhohlung des lichts bezeich- net, ohnehin der mehrfache sinn vieler anderer partikeln nicht durch die schreibung hervorgehoben wird; so könnte man die unterscheidung getrost aufgeben. Ich will ste hier noch beibehalten: wieder-geburt; wieder-hall; wi- der-halt; wieder-kehr; wieder-klage: wieder-kunft; wi- der-rede; wider-ruf; wider-sacher; wieder-schall; wie- der-schein; wider-sinn, -sinnig; wider-spenstig; wider- spiel; wider-spruch; widerstand; wieder-tause; -täuser; wider-wärtig; wider-wille u. m. a. — Außer dem vori- gen við sind verwandt ab, aber, after, gegen, ïd, uo. Partîkel mit verbum (s. 703.). Vorbemerkungen: 1) da jedwede partikelcomposition eine uneigentliche ist, d. h. weniger aus dem bedürfnis zwei wörter miteinander zu verbinden hervorgeht, als aus einer verhärtung der wortstellung; so muß, weil die partikel (das adverbium) neben verbis ihre freie stellung länger behauptet, als neben nomînibus, zusammensetzung mit jenen später und seltner eingetreten sein. 2) sie tritt ein hauptsächlich und in der regel nur bei solchen par- tikeln, deren echte gestalt durch schwächung des vocals oder entziehung des tons gelitten hat. Diese vermögen gleichsam nicht mehr auf eignen füßen zu stehen, dauern III. partikelcomposition. — part. mit verb. bloß in der composition fort und verdienen den namen untrennbarer . Alle untrennbaren partikeln sind entw. sichtbar entstellt oder der entstellung verdächtig; eine für die beurtheilung ihres ursprungs wichtige wahrnehmung. 3) die abhandlung der partikelzusammensetzung mit ver- bis hat sich daher vorzüglich auf dielen unterschied zwi- schen trenn- und untrennbarkeit zu stützen. Mit nomi- nibus componierten sich nicht bloß untrennbare parti- keln, sondern auch trennbare, d. h. unentstelltere und le- bendigere. 4) trennbare partikeln werden der composi- tion mit verbis fähig α ) vor den nominalen bestandthei- len derselben, d. h. vor inf. und participien, woraus kein schluß auf die übrigen modos gilt, z. b aus an-schreiben, an-schreibend nicht auf an-schreibe, an-schrieb. β ) durch theilweise untrennbarwerdung für gewisse bedeutungen, die mit größerm oder geringerm verderbnis der form be- gleitet sein kann. 5) dieselbe partikel kann als untrenn- bare und trennbare gedacht werden, in jenem fall wird wo nicht ihre form entstellt, wenigstens ihr ton geschwächt erscheinen, z. b. im nhd. wider-sprechen, unter-drücken, über-treten (praetergredi) ist untrennbare, des tons ver- lustige partikel, in wieder-sehen, unter-gehen, über-treten (transire) trennbare und betonte. So unterscheiden sich be-stehen und bei-stehen; ver-stehen und vor-stehen. 6) die untrennbarkeit der partikeln ist ein historischer begrift. Ich will deshalb nur solche zu den untrennbaren zählen, welche sich durch ihre verderbte sorm kund geben oder überall und immer untrennbar erscheinen. Die es zuweilen und für gewisse fälle werden, handle ich noch unter den trennbaren ab. Wegen der goth. untrennbarkeit s. die schlußanmerkung. A. untrennbare partikeln mit verbis, es gibt ihrer nur sechse, nämlich die nhd. be- , ent- , er- , ge- , ver- und zer- , die aber sämtlich von weitem um- fang sind und nach zeit und mundart in verschiednen gestalten umgehen. Merkwürdigerweise bedient sich die altn. sprache nur einer einzigen derselben, des sor- (ver-) und auch dieser in unentstellter, bloß des tons beraubter form. Das altn. and- und or- zeigen sich lediglich in abgeleiteten verbis. — Die übrigen vorhin beim nomen abgehandelten untrennbaren par- tikeln gehen keine verbindung mit dem verbo ein, sondern setzen, wo sie davor erscheinen, compo- nierte nomina voraus, von welchen sie abgeleitet lind. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. Dahin gehören die ahd. it-, un-, uo-, zur-, denn das ahd. ita- rucchan jun. 223. 249. 388. ët-ruchan W. 7, 9. ags. ëd-rêcan, mhd. it-rücken, bezieht sich auf das subst. ita-ruh, ëd-rôc [it-poran (renatus) hymn. 5, 2. ist bloß participalisch]; das goth. tuz-vêrjan, altn. tor-tryggja auf ein adj. -tuz-vêris, tor- tryggr; beispiele schwacher verba mit un- oben s. 781. — Kennzeichen wirklicher zusammensetzung jener sechs untrennbaren partikeln mit verbis sind 1) daß sie vor starken oder schwachen in allen modis und ohne rück- sicht auf die wortfügung des satzes haften, in diesem stück vergleichbar den eigentlichen comp. mit missa-, fulla-, wana-, ëpan- (s. 587. 670. 671.) 2) im part. praet. niemahls ge- hinter der partikel und sehr selten vor ihr annehmen. 3) daß mit ihnen zuweilen und erst durch den act der composition aus nominibus verba gezeugt werden, welche als einfache verba nicht vorhanden sind, z. b. be-mannen, ent-mannen, er-man- nen, ge-mannen, ver-nichten, zer-stücken aus mann, nicht, stück; es gibt kein verbum mannen, nichten, stücken. Solche wörter stehen zwischen eigentlicher und uneigentlicher composition, die partikeln können hier gar nicht als ursprünglich in loser stellung vor den ver- bis gedacht werden, weil diese selbst nicht vorkommen. Begreiflich sind es immer schwache verba. Sie scheinen aber, weil sie sich auf eine verderbnis und größere ab- straction der partikel gründen, der älteren sprache kaum bekannt und erst später eingeschlichen. [ be- ] hat meist verstärkende kraft, oft unmerkliche, selten beraubende. 1) gewöhnlich drückt es die anwen- dung des begriffs des verbi auf einen gegenstand aus, der dann im acc. steht. Das verhältnis müste, wenn ein un- zusammengesetztes verbum gebraucht würde, durch man- cherlei praepositionen oder mindestens einen andern ca- sus bezeichnet werden. Den baum be-schneiden, die erde be-sprengen, heißt ungefähr: von dem baum abschneiden auf die erde sprengen, Kaum löst sich das compositum auf in die heutige, ursprünglich dem be- identische praep. bei , aber das goth. bi im sinne von circum trifft näher, es liegt in dem be- die viel- oder allseitige einwirkung, die ganze und volle bewältigung. Ich be-schneide den baum noch nicht, wenn ich etwas davon abschneide, sondern erst wenn ich es ringsherum thue, unter be- sprengen ist die gesamte oberfläche gemeint. Alle solche verba mit be- sind transitiva ; gleichviel, ob das einfache verb. intransitiv oder selbst schon transitiv (z. b. spren- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. gen) gewesen, und bei allen muß das instrument, wo- durch die haudlung verrichtet wird, ausgedrückt sein oder verstanden werden dürfen, z. b. be-schneiden (mit dem meßer) be-sprengen (mit waßer) be-schreiben (mit der feder); steckt es in dem verbo (be-kleiden, be-ringen) so gehört das compositum unter 2, d. h. entspringt aus den subst. kleid, ring, insofern nach dem zus. hang wirklich ein kleid oder ring gemeint wird [daher z. b. in der re- densart: einen mit tugenden be-kleiden, be- zum verbo kleiden gefügt scheint]. Goth. beispiele: bi-bindan (cir- cumligare); bi-gaírdan (circumcingere); bi-gitan (invenire); bi-graban (circumfodere); bi-hlahjan (deridere); bi-hvaír- ban (circumire); bi-kukjan (exosculari); bi-láigôn (cir- cumlambere); bi-láikan (deludere); bi-láistjan (prosequi); bi-máitan (circumcidere); bi-maminjan (deridere) das zweite wort dunkel; bi-ráubôn (exspoliare); bi-rinnan (circumcurrere); bi-rôdjan (murmurare, etwas heimlich bereden) Joh. 6, 61; bi-saíhvan (circumspicere); bi-satjan (circumdare); bi-sáuljan (polluere) Tit. 1, 15; bi-sitan (cir- cumsedere); bi-skeinan (circumfulgere); bi-smeitan (un- gere); bi-speivan (conspuere); bi-standan (circumstare); bi-svaran (conjurare); bi-svaírban (tergere); bi-tiuhan (cir- cumire, wie wir noch sagen: die messe beziehen); bi- þagkjan (cogitare); bi-þragjan (praecurrere); bi-þvahan (circumlavare); bi-váibjan (circumcingere); bi-vindan (in- volvere). Ahd. bi-cleiban (firmare) O. I. 5, 78; bi-klin- nan (circumlinere) O. III. 20, 313; pi-cnufan (nectere) ker. 204. 256; bi-chûmen (deplorare) O. IV. 35, 60; bi-dëlban (sepelire) O. III. 24, 128; bi-thenkan (consulere) ker. 63; pi-thonarôn (attonitum reddere) ker. 8; pi-thuingan ker. 30; pi-hapên (capere) ker. 75. 80. bi-habên (retinere) T. 232, 6; be-halbôn (circumdare) N. 39, 13. jun. 192; pi-harên (conclamare) ker. 52; pi-hauwan (caelare) ker. 54; bi- hellan (tegere) O. V. 25, 135; pi-hlahan? (afficere, con- taminare?) ker. 51 wo pi-hlakan mit unhreinî, consper- sus immunditie, vgl. bi-luagi O. II. 3, 94; bi-rînan (tan- gere) O. I. 5, 76; bi-ruaran (tangere) O. II. 4, 213. IV. 35, 53; bi-hugjan (circumvolvere animo) O. II. 8, 23. N. 114, 4; pi-këƷan (adipisci) hrab. 952 b 963 b ker. 15. 128. 202; pi- kioƷan (infundere) ker. 172. bi-giaƷan O. V. 1, 89. 23, 16; bi- graban (sepelire) O. V. 6, 44. 21, 26. K. 23 a ; pi-krîfan (diripere, arripere) ker. 39. 93; bi-leman (debilitare) O. I. 4, 151; pi-liuhtan (illuminare); pi-niosan (potiri, nancisci) ker. 15. 128. 202; pi-pintan (conligare, subligare, redimire) ker. 49. 96. 184. 204. 256; bi-brëhhan (confringere) T. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. 69, 9; bi-brennan (comburere, accendere) T. 13, 24. 125; pi-pringan (deferre) ker. 94. bi-bringan (educere) J. 392. O. I. 11, 99. III. 4, 11. 8, 54. IV. 1, 14. V. 23, 34; bi- riaƷan (deplorare) O. IV. 35, 58; pi-salpôn (delinere) ker. 94; bi-sëhan O. IV. 29, 50; bi-senkam (concremare) ker. 71. nhd. be-sengen; bi-senkan (praecipitare) T. 53, 10. nhd. ver-senken; pi-sezan ker. 216; bi-scëltan (humiliare) O. IV. 23, 21; bi-scînan O. I. 11, 98; pi-scindan mons. 343; pi-scëran (tondere) ker. 276; bi-scouwôn (circumspicere); bi-screnkan (decipere) jun. 225. N. 16, 13. O. II. 5, 55. III. 19, 68; pi-slahan (flagellare) ker. 120; pi-smîƷan (contaminare) ker. 76. 84. 155. 188. 264. 283. N. Cap. 125; bi-snîdan (circumcidere) T. 4, 11. 7, 1.; bi-sperran (claudere) O. III. 12, 28; bi-spurnan (offendere) T. 15, 4; bi-sousan (suffocare) O. II. 3, 104 (demergere) mons. 338; pi-stô- Ʒan (obtundere, retrudere) ker. 220. 241; bi-stellan (cin- gere) O. IV. 23, 26; pi-stricchan (nectere) ker. 204; pi-stum- polôn (truncare) hrab. 971 a ker. 73. 220; bi-sturzan O. II. 17, 31; pi-suellan (obturare) pi-sualta mons. 359; pi-suîhhan (decipere) ker. 126; be-suërben (tergere) N. Boeth. 9; bi-temphan (suffocare) T. 53, 10; pi-trëogan (seducere) sgall. 202. jun. 192; pi-fâhan (amplecti, concludere) ker. 14. 39. 93. mons. 352. 354. 359. 396. J. 367. T. 19, 7. 100. O. III. 8, 22; pi-fellan (mit ekisin, terrorem incutere) ker. 195. vgl. be-sellen N. 7, 16; bi-fillan (flagellare) O. IV. 23, 11; pi-fih- tan (debellare) ker. 94; pi-fintan (invenire) ker. 49. 202. hrab; 955 b 961 b ; bi-welzan ker. 22. 227. 240. O. II. 17, 31; pi-wem- man (violare) ker. 268; pi-werjen (defendere) K. 58 a O II. 7, 26; bi-wërfan O. III. 17, 32; pi-windan ker. 240. bi- wintan O. IV. 35, 60; bi-weinôn O. V. 23, 492; pi-zim- borôn (obstruere) ker. 221; pi-ziohan (detrahere) ker. 58. (imbuere) ker. 159, (obducere) jun. 215. ein vieldeutiges ver- bum, vgl. pi-zocan (devinctus) ker. 95. und das goth. bi-tiu- han, bei O. III. 8, 41. scheint bi-zôh se: convenit ad eos; pi-zuskan (excutere) ker. 71; und eine menge ande- rer. Alts. bi-brëkan (confringere); bi-dëlban (circumfo- dere); bi-gëtan (invenire); bi-hëlan (tegere); bi-hlahan (afficere) wie im ahd. bi-hlagan mid hosku, affectus con- tumelia; bi-wërpan; bi-windan samt vielen ähnlichen. Ags. beispiele: be-bindan; be-brëcan; be-bycgan (ven- dere) Beov. 208; be-byrgan (sepelire); be-cëorfan (am- putare) Beov. 120. 160; be-dëlfan (circumfodere); be-drê- fan (adigere); be-dŷpan (immergere); be-fôn (comprehende- re); Beov. 99. 110. 193; be-gân (exercere); be-gitan (adipisci); be-grîpan (comprehendere); be-gyrdan (cingere); be-häbban III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. (continere); be-hëaldan (custodire) Beov. 114; be-mëornan (dolere) Beov. 70. 82; be-reáfjan (diripere); be-sencan (mer- gere); be-sëón (respicere); be-sittan (possidere); be-slëan (per- cutere); be-smîtan (inquinare) Cädm. 58; be-spanan (persua- dere); be-sprengan (conspergere); be-svîcan (decipere); be- þencan (considerare); be-vepan (deflere); be-vindan (invol- vere) Beov. 111. Mhd. be-decken; be-denken; be-dingen Trist.; be-diuten Nib.; be-dringen Bit. 122 b Wigal.; be-gên Parc. 118 b Wh. 2, 173 a 183 b MS. 1, 105 a Wigal.; be-gieƷen MS. 1, 101 b ; be-graben Nib; be-grueƷen Trist; be-grîfen Jw. 58 c Ben. 167. Parc. 123 a 126 c 145 a Wh. 2, 196 b Barl.; be-gürten Nib.; be-haben Wigal.; be-halten; be-heften Barl.; be-henken Wh. 2, 163 b ; be-hâhen c. p. 361, 74 a ; be-hern (vastare, nhd. ver-heeren); be-holn Flore 1 a ; be-hügen MS. 1, 174 a ; be-hüllen Trist.; be-huoren c. p. 361, 73 b MS. 2, 128 a ; be-hueten Wigal.; be-jagen (ve- nando acquirere) MS. 1, 142 a ; be-kennen; be-kêren MS. 1, 102 b ; be-klagen MS. 1, 132 a ; be-klepfen MS. 2, 7 a ; be-korn (tentare) Mar. 227. Barl.; be-krenken; be-laden MS. 1, 101 b ; be-legen Wigal.; be-leiten Mar. 199. Nib. Gudr. 58 a 65 b ; be-liuhten Nib.; be-mæren Trist.; be- nîden Trist.; be-râten Barl.; be-reden Wh. 2, 74 a ; be- rennen Karl 50 a ; be-respen (corripere); be-rihten Wh. 2, 86 b Wigal.; be-ringen MS. 1, 26 b ; be-rimpfen MS. 2, 165 b ; be-rinnen Nib.; be-rîsen Tit. 156; be-rîten Trist.; be-rieƷen Wh. 2, 94 a ; be-rouben; be-ruochen; be-ruo- fen; be-rüsten Wigal.; be-sagen Trist.; be-samenen Trist.; be-schaben Trist.; be-schaffen Barl.; be-schatzen Wigal.; be-scheiden MS. 1, 128 a ; be-scheln Trist.; be-schëlten Parc. 51 c ; be-schînen Wigal.; be-schouwen Barl.; be- schrenken Wigal.; be-schütten Parc. 18 a Nib.; be-schrien Trist.; be-sëhen Trist.; be-senden Barl.; be-sengen MS. 1, 101 a 106 a ; be-setzen Wigal.; be-singen Trist.; be-sitzen Gudr. 54 a MS. 1, 28 a ; be-slahen, be-slân Parc. 60 a ; be- slieƷen Barl. MS. 1, 101 a ; be-snîen MS. 1, 28 b Trist.; be- snîden Barl.; be-soufen c. p. 361, 61 d ; be-sperren Wigal.; be-spinnen MS. 1, 3 a ; be-springen Gudr. 34 a Bit. 42 a ; be-stên Parc. 161 a MS., 121 b ; be-stiften Nib.; be-stinken En. 35 c ; be- strîchen Barl. Frib. Trist.; be-strouwen Wigal.; be-stürzen MS. 1, 28 a ; be-suochen Wh. 2, 80 b ; be-swæren Barl.; be- sweifen fr. bell. 21 a 43 a ; be-tihten Trist.; be-touben Wi- gal.; be-trahten; be-trëchen a. w. 2, 56. MS. 1, 61 a Trist.; be-triegen MS. 1, 104 a ; be-trûren; be-twingen; be-vâhen Mar. 218. Parc. 183 a ; be-valden Eracl. 446; be-vinden Parc. 195 b MS. 1, 113 a ; be-wænen Trist.; be-wëllen Karl E e e III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. 55 a ; be-wenden Trist.; be-winden Wigal.; be-wîsen Barl.; be-ziehen Wigal.; be-zimbern Nib. u. a. m., verschiedne scheinen beinahe nur im part. praet. gebräuchlich (be- drungen, be-sprungen, be-vangen, be-hangen, be-run- nen, be-spunnen etc.?) Nhd. be-bauen; -brüten; -dauern; -decken; -denken; -dienen; -dingen; -erben; -fallen; -fan- gen; -fahren; -finden; -fragen; -freßen; -gehen; -gehren; -gießen; -graben; -greifen; -gründen; -grüßen; -gürten; -halten; -hängen; -hauen; -heften; -herschen; -hüten; -kämpsen; -kehren; -klagen; -kleiden; -kritteln; -lachen, -lächeln; -laden; leben; -legen; -lecken; -lehren; -leuchten; -lohnen; -lügen; -malen; -nagen; -nennen; -netzen; -nie- sen; -rathen; -rauben; -räuchern; -regnen; -rennen; -richten; -riechen; -rühmen; -rühren; -rufen; -schaben; -schatten; -schauen; -schelen; -scheren; -scheinen; -schla- fen; -schlagen; -schleichen; -schließen; -schmutzen; -schneien; -schneiden; -schränken; -schreiben; -schütten; -sengen; -setzen; -siegen; -singen; -sitzen; -sorgen; -speien; -sprechen; -sprengen; -springen; -sprützen; -stäuben; -stechen; -stecken; -stehen; -steigen; -stelen; -stellen; -strafen; -streiten; -streuen; -stürmen; -stürezn; su- chen; -täuben; -trachten; -trauern; -treiben; -triefen oder -träufen; -triegen; -treten; -trinken; -wegen; -wei- nen; -weisen; -wenden; -werfen; -winden; -wohnen; -zahlen; -ziehen; -zwingen; und viele andere, obgleich auch manche ältere ausgestorben sind, z. b. wir sagen nicht mehr be-binden, be-brechen, be-brennen, be-bringen, be-geßen, be-heeren, be-jagen, be-lähmen, be-leiten (doch be-g-leiten), be-wälzen etc., deren einfache oder anders zus. gesetzte form fortdauert. Ueberhaupt läßt sich lange nicht aus jedem verbo durch vorsetzung des be- ein transitivum gewinnen, z. b. be-haßen, be-blühen, be-hungern, be-rasen, be-sterben, be-schwinden, be-win- nen, be-wüthen u. dgl. ist nie deutsch gewesen. Im engl. haben sich zwar mehrere comp. mit be- erhalten, doch ist ihre zahl weit geringer, als im hochd. und ags.: be- drench; -drop; -fal; -get; -gird; -lie; -reave; -smear; -speak; -spit; -stink; -weep u. a. m.; es ist auch mitun- ter romanischen wörtern zu theil geworden: be-calm, be- guile, be-piß, be-siege, be-sot. — 2) die neuere sprache zeigt nicht wenige solcher transitiva , denen gar kein ein- saches verbum unterliegt, sondern die unmittelbar aus nominibus gebildet sind. So sagen wir nhd. be-rauschen (inebriare), be-mannen, be-weiben, be-saiten, be-flecken, be-grenzen, be-grasen, be-obachten, be-feuern, be-wäßern, III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. be-seelen, be-flügeln, be-mänteln, be-nebeln, be-fie- dern etc., ja das volk wagt be-junkern, be-grasen für: mit einem junker, grafen versehen. Selbst das plural -er aus neutris wird beibehalten in be-bändern, be-geistern, be-gütern, be-völkern. Bei manchen andern ist zweifel- haft, ob sie aus dem subst. oder verb. entspringen, z. b. be-schiffen, be-lauben, be-haupten, be-enden, be-lagern, be-zäunen, be-kleiden; entscheiden würde etwa das im satz daneben ausgedrückte oder nicht ausgedrückte subst. des instruments. Von adj. stammen: be-feuchten, be- trueben, be-schweren und mit comparativischem -er be- reichern; be-lustigen, be-fleißigen, be-ruhigen, be-mäch- tigen, be-kräftigen etc.; unorganisch sind (s. 307.): be- herzigen, be-friedigen, be-schönigen, be-schädigen, be- köftigen, be-scheinigen, be-erdigen etc. statt be-frieden, be-schönen (mhd. be-schœnen MS. 1, 113 a 136 b ), be- scheinigen (mhd. be-scheinen MS. 1, 110 b ), denn es hat nie adj. friedig, schönig, scheinig, erdig gegeben. Engl. be- honey, be-leaguer, be-mad u. a. m. In der älteren sprache sind überhaupt solche comp. mit nominibus nicht sicher nachzuweisen. Ulf. gewährt kein beispiel. Ahd. scheint pi-rentit ker. 56. gerändert, mit rande versehen zu be- deuten und ich kenne kein einfaches rentjan, das doch nicht unmöglich wäre; pi-puntilôd ker. 238. scheint mit dem vorhergehenden pi-wuntan gleichviel, also von pi- puntilôn (bebündeln?); pi-zûnnan (sepire) mons. 394. be- rëgenôn (compluere) N. 113 b , 15. laßen sich zwar von zûn und rëgan, aber auch von zûnjan und rëgenôn ab- leiten; gleiche unsicherheit bei bi-nagilen O. Lud. 144. bi- thurnen O. IV. 23, 11. bi-redinôn O. V. 2, 27. IV. 19, 50, das in der letzten stelle hinzugefugte mit luginon läßt auf zus. setzung mit dem verbo schließen. Allein im mhd. sieht man verschiednen compositis ihren ursprung aus subst. und adj. deutlich an: be-gedemen (recipere) g. schmiede 427; be-gesten ibid. 248. bloß gesten troj. 106 c ; be-hûsen MS. 2, 3 a 132 a 144 b ; be-knëhten MS. 2, 138 a ; be- schalken Bert. 192; be-serken Ulr. Trist.; be-sweiƷen Wh. 2, 122 a ; be-zinnen MS. 1, 165 b ; be-gruenen Parc. 119 a ; be- herten Karl 18 b MS. 1, 106 b ; be-timbern; be-frîen MS. 2, 73 a u. a. m., obgleich ich nicht verabrede, daß mitunter ein- fache verba vorhanden gewesen sind, wie bei be-schate- wen, be-ziunen ein schatewen, ziunen. — 3) den gegen- satz zur vorschreitenden vermehrung der transitive unter 1 und 2 macht das allmählige aussterben früherer intran- sitive , die mit der part. bi-, ohne merkliche verände- E e e 2 III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. rung des sinnes, bloß intensiviseh , zusammengesetzt wur- den. Diefe haben natürlich keinen acc. bei lich, sondern meist andere praepositionen, zuweilen dasselbe bi; es kön- nen die nämlichen composita sein, welche auch transitiv gebraucht werden. Goth. bi-abrjan ana láiseinái (mirari doctrinam) Matth. 7, 28. hierbei fällt mir ein, ob nicht statt des bedenklichen un- biarja (s. 776.) zu lesen sei un-bi-abrja (monstra, portenta)? ; bi-rôdjan bi ïna (murmurare de illo) Joh. 6, 41; bi-sáulnan (pollui) Joh. 18, 28; bi- stigqvan bi þamma razna (irruere in domum) Luc. 6, 48. Matth. 7, 25; bi-visan ( εὐφρανθῆναι ) Luc. 15, 29, wo bivêsjáu ( εὐφρανθῷ ) das praet. conj. von bivisan, nicht etwa praes. conj. von bivêsjan ist, das nicht vorkommt (vgl. visan und váila visan Luc. 15, 24, 32. ganz in der- selben bedeutung). Ahd. (aus den glossen ist die hinzu construierte praep. nicht zu ersehen): bi-dîhan mit dem gen. (succedere in aliquo, promovere aliquid) O. I. 7, 54. IV. 30, 27. N. Boeth. 88; pi-chlîpan (incrementum capere, convalescere) ker. 131. 267. mons. 393; pi-kinnan, bi-gin- nan mit dem gen. (aliquid aggredi); pi-heiƷan (spondere) ker. 258. J. 341; pi-hlûtan (infonare) ker. 165; pi-huërban (reverti) O. III. 24, 59; pi-gëhan (confiteri) exhort.; pi-lî- pan (permanere) hrab. 960 b ; pi-linnan (cessare) J. 381. 382; pi-liuhtan (enitescere, elucescere) ker. 101; bi-miîdan (la- tere) T. 60, 8; pi-nahten (obscurum fieri) mons. 357; pi- pëotan (mandare, arcere) ker. 19. 115. 187. 198; pi-përkan (evitare) ker. 22. 101. 275; pi-plickan (refulgere, splen- descere) ker. 101. 102. 240; bi-quëman (evenire, adve- nire) J. 379. O. I. 13, 40. II. 22, 55. III. 20, 210. IV. 16, 86. 29, 62. 30, 48, bald mit dem gen., bald mit praep., vgl. be-chumet N. Boeth. 19. 216; be-scëhan (contingere) N. 80, 5; pi-scînan (enitescere) ker. 101. 102. 240; bi- skrankolôn (vacillare) O. IV. 16, 82; pi-sëhan (censeri) ker. 79; pi-slahan (labi, cadere, occidere) ker. 254; pi- slîfan (labesactari) hrab. 969 a ; pi-suuihhen? (clarescere) ker. 101. ist auffallend, 102. folgt pi-suuebet (emi- cat)?; pi-stantan (remanere) mons. 358; pi-tûmilôn (terrefieri?) ker. 165; pi-vallen (cadere, occidere) ker. 64. 254. mons. 387. 411. O. II. 24, 37. N. Boeth. 131. bi-fallan in gruoba T. 69, 6; pi-flëohan (fugere) ker. 107; be-friesan (gelare) N. 125, 4; pi-wartên (cavere) hrab. 959 b 961 b ; und sicher viele andere. Alts. bi-klî- ban; bi-huëreban; bi-ginnan; bi-fallan; bi-thîhan. Ags. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. be-bëódan (mandare) Beov. 32. 148; be-bëorgan (cavere) Beov. 132. 133; be-cuman (venire) Beov. 11. 158; be- fëallan (corruere) Beov. 86; be-faran (peragrare); be- flëón (effugere); be-ginnan; be-hâtan (spondere); be- yrnan (occurrere) be-arn Beov. 8; be-lîfan (superesse); be-limpan (contingere) Beov. 184. u. a. m. Mhd. hat sich die zahl dieser intensive schon verringert, man sagt nicht mehr bebieten, beblicken, beliuhten, beschînen, be- slahen, bevallen, befliehen im ahd, sinn, wiewohl es mich nicht wundern sollte, wenn sie hin und wieder gefunden wurden; allgemein im gebrauch sind noch: be-gegenen (alicui) Trist.; be-ginnen; be-hagen (placere) MS. 1, 101 a 2, 260 a ; be-jâren MS. 1, 153 a be-jëhen; be-klîben (fixum esse, crescere) Herb. 112 b Parc. 7 a 61 b MS. 1, 112 b ; be- komen (advenire) Mar. 1. MS. 1, 112 b (reverti, zu sich kommen) Wigal.; be-lîben MS. 1, 107 a 199 a ; be-ligen (deficere) Wigal. Trist.; be-nahten MS. 1, 103 a 2, 160 b ; be-rinnen (conspergi) Gudr. 73 b ; be-schëhen (accidere) Barl. MS. 1, 120 a ; be-slîsen (elabi) Mar. 227; be-snaben (vacillare) Herb. 1 a Eracl. 3765; be-stân (durare) Barl.; be-tagen MS. 1, 101 a 103 a 153 a 2, 260 b Barl. troj. 125 c , transitiv scheint es MS. 1, 199 b (oder ist dem fur den zu lesen?). Nhd. gibt es sehr wenige: be-gegnen; be-gin- nen; be-hagen; b-leiben; be-kommen (wohl oder übel); be-ruhen; be-stehen. Das schwed. b-lifva, dän. b-live, neuisländ, b-lîfa, scheint, so verbreitet es jetzo ist, aus dem hochd. eingedrungen, denn die altn. sprache kennt bloß lîfa, wie wir nhd. nachten, tagen, leuchten, scheinen oder geschehen, gebieten etc. in denselben fällen sagen, wo früher die part. bi- angewendet wurde. — 4) unter den transitivis nr. 1. habe ich verschiedne verba ange- führt, welche den begriff des beithuns , bergens und be- wahrens enthalten, will ihn aber hier noch besonders hervorheben, weil er die partikel in einer stärkeren be- deutung zeigt. Daher auch im nhd. zuweilen die trenn- bare part. bei das be- vertreten muß. Es sind zumahl die wörter für begraben und beischließen. Ahd. pi-sëla- han, zwar allgemein credere ker. 80, dann aber auch terrae mandare und wahrscheinlich in heidnischer zeit opfern, immolare, victimare ker. 155. 284; pi-liohhan (concludere) hymn. 14, 2. ker. 32. 220. 241. 253. (das lat. recludere ist dabeî nicht aufschließen, vielmehr wie- der zuschließen); bi-sperran (concludere) O. III. 12, 28; pi-tëlpan (humare) ker. 144; pi-crapan (sepelire) ker. 77; pi-raisan (funerare) ker. 77. verstehe ich nicht; pi-kim- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. pôn? zu folgern aus pikimpôt (funera, funestus) bi-kim- bitha (funesta) ker. 127? und dem goth. kumbjan ver- wandt?; pi-lakjan (reponere, beilegen) ker. 50; pi-windan (condere, etwa die fahne zus. winden) ker. 50. hrab. 967 b ; pi-tuon (obturare, claudere, nhd. beithun) mons. 349. T. 78. O. III. 12, 73. be-tuon N. 39, 10. 43, 2. 68, 16. Boeth. 135 Cap. 156. und hiernach ist das lat. retexit, redactus bei pi-toat, pi-tân ker. 32. 240. 241. nicht miszuwerste- hen; pi-vâhan (concludere) mons. 337. Ags. be-hlîdan (tegere); be-hŷdan (custodire); be-dëolfan; be-myldan (humare) von molde; be-lûcan Beov. 86; etc. aber kein be-dôn im ahd. sinn. Mhd. be-slahen (concludere) Parc. 10 b Iw. 9 a ; beslieƷen Nib.; be-staten Bert. 291; be- vëlhen bloß allgemein commendare und be-tuon kommt gar nicht mehr vor. Nhd. be-graben; be-statten; be- schließen, verstärkt bei-schließen, wie bei-legen, bei-thun. Man sieht, daß gewöhnlich das zweite wort dieser zus. setzung den hauptbegriff hergibt, daß er aber zuweilen auch halb in der partikel liegt, namentlich in pi-tuon oder pi-sëlahan, seitdem das einfache nicht mehr für condere, sepelire gebraucht wurde (wie goth. filhan, neben ga- filhan, us-filhan). — 5) hieran grenzt die privative be- deutung der partikel, was beigethan wird, wird auch beiseite, weggethan, folglich entzogen. Nachstehende com- posita enthalten zwar wiederum den begriff der berau- bung größtentheils im zweiten wort, doch muß er halb in der partikel gesucht werden, oft ist auch die accusativ- construction in eine dativische übergegangen, und die bedeutung bald transitiv, bald intransitiv: goth. bi-leiþan, alicui (relinquere aliquem, einem weggehen, entweichen) starkes verbum, versch. von dem mhd. schwachen be- leiten (comitari); bi-niman, alicui (auferre aliquem) Matth. 27, 64., niman allein drückt schon capere, rapere aus, regiert aber den acc. Ahd. bi-lâƷan alicui aliquid (remit- tere) O. V. 11, 22. N. 38, 13. vgl. goth. af-lêtan; pi-lao- san aliquem alicujus (privare) hrab. 960 a ; pi-niman (au- ferre) ker. 93. (praejudicare, derogare) mons. 374. 378. aus welchen glossen die construction unersichtlich ist, O. sagt bi-niman (eripere, tollere alicui aliquem): inan tôde binam (morti eum eripuit) IV. 3, 31. (inan) thên unmahtin binâmi (eum eriperet infirmitatibus) in welchem sinn heißt ambro (schwelger, räuber) pi-noman ker. 11. und pi-sangan ibid.? insofern er benommen (geraubt) hat? das synonymum lehrt auf jedem fall die gl. mons. 412. piroman in ; bi-rahanen (spoliare) so III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. vermuthe ich wird im Hild. zu lesen und ein ahd. raha- nen dem altn. ræna (spoliare) rahan dem rân (rapina) an seite zu stellen sein?; pi-scerjan (orbare) jun. 207. 217. gegentheil von scarjan (impertire), pi-scerito (extraneus, privatus) ker. 108., bei pi-lcaritê ker. 12. ist die entstellte glosse deratores (? devoratores) unverständlich, pi-sceritê (deditos) mons. 393. scheint unprivativ; bi-tailan (fraudare, um sein theil bringen) sgall. 205. pi-teilan (privare) K. 37 b jun. 245. hrab. 972 a mons. 355. 356. 357. 373. betei- len N. 83, 12. 108, 11. (aliquem alicujus); pi-fâhan (consu- mere, auferre?) ker. 11. 12.?; pi-wërfan (divertere?) ker. 91; pi-winên (depascere) jun. 201. Alts. wird bi- nëman (auferre) mit dem dat. der pers. und acc. der sache gesetzt. Ags. be-dælan (privare) aliquem aliquâ re Beov. 97. Cädm. 94. 98; be-drëósan (fallere, decipere?) Cädm. 13. 20. 44; be-grindan (privare?) Cädm. 34; be-landjan (terris privare) vgl. Lye im suppl; be-lëósan (privare, orbare) Beov. 82. Cädm. 3; be-næman (spoliare) schwa- cher sorm, aliquem alicujus rei Cädm. 94. 98; be-nëótan (privare) aliquem aliquâ re Beov. 53. 179. Cädm. 25. 40; be-scyrjan f. be-scerjan (fraudare) Cädm. 98; be-snyðan (privare)? Beov. 217; be-tëldan (liberare, tollere?) ich kenne bloß aus Lyes suppl. das part. bi-tolden lâme, torne (liberatus, purgatus a luto, ab ira) eines sonst uner- hörten starken verbi; be-væpnjan (armis spoliare). Mhd. nur drei solcher composita: be-gëben (renuntiare) ali- quid und sich beg. alicujus; be-nëmen (eripere) alicui aliquid MS. 1, 103 b 110 b Parc. 72 o 73 a Gudr. 76 a ; sich be-wëgen, alicujus (renuntiare). Nhd. be-nehmen wie im mhd. construiert. Engl. be-head (decollare). Je mehr die accusativconstruction verschwindet, desto priva- tiver wirkt die partikel. Zuweilen treten die verschîed- nen bedeutungen ganz in denselben formen ein vgl. nhd. be-nehmen und sich be-nehmen (se gerere); nhd. be-haupten (affirmare) mit engl. be-head; ahd. pi- teilan mit nhd. be-theiligen (theilhaft machen); ags. be- væpnjan mit nhd. be-wafnen (armare). — 6) im- personalia mit bi-: ahd. mih pe-driuƷet N. 70, 13. 119, 6. W. 2, 5; mih pe-langêt N. 34, 17. Mhd. mich er-b-ar- met; mich be-dünket Parc. 96 c ; mich be-langet, b-langet Ben. 149. 175. 256; mich be-gnueget Bon.; mich be-riu- wet Wh. 2, 144 b ; mich be-schiuƷet Bon. (aber mir er- pinoman berichtigen und oben s. 467. 507. ist die falsche form zu streichen. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. schiuƷet); mich be-trâget; mich be-tûret Parc. 55 b 85 a ; mich be-vilt, dieses mit der partikel vil gebildete, häufige verbum ist der ältern sprache unbekannt und nhd. wie- der untergegangen. Nhd, nur: mich er-b-armt, mich be-dünkt, neben dünkt, so wie mich dauert, aber mich ver-drießt, mich ver-langt, mich ge-reut. Wo der dat. flehet, z. b. mir ir-p-armêt doc. 225 a ; mir be-smâhet (displicet mihi) N. 13, 6. mir he-cnuodelet (iunoteseit mihi) W. 5, 2; mir be-haget MS. 2, 190 a etc. ist das verbum schon von allgemeinerer intransitiver beschaffenheit, — 7) einzelne nhd. be- gelten bloß fürs part. praet. z. b. be-mittelt, be-schaffen; wenigstens in ihrer eiguen bedeu- tung, z. b. be-lesen (literatus) versch. von be-lesen, das vom gemuese gilt; be-redt (disertus) versch. von be-redet. [ ent- ] die schwankenden formen sind schon s. 713-716. berühit, goth. and- (nie anda-); ahd. nur noch ausnahms- weise in den ältesten quellen ant- (nie au- doch, jun. 248. an-fangan (ratus), das kaum f. ana-fangan; ker. 27. an-baiƷ (hauserat) f. in-peiƷ. [ant-luhchit ker. 18. ant-buntan sgall. 199. ant-dhecchid J. 342. 395. ant-sene J. 385. 389. ant-luhhu J. 346. ant-hiôgnan (pla- citum) hrab. 973 a acc. sg. masc., ant-luagan (placitum) jun. 221. part. praet. eines verlornen starken verbi oder viel- leicht bloßes adj.?; ant-heiƷit, ant-hieƷ jun. 243. 255.], nicht bei K. T. O. N. W., wo bei ihnen verbum mit ant- erscheint, ist es von nominibus abgeleitet; in der regel wechseln int- und in- (selten ën-), weder willkürlich, noch bei allen ganz auf dieselbe weise. Es kommt auf den anlaut des verbi an, mit dem sich die part. zusam- mensetzt. Vor vocalen, spiranten und liquiden bewahren fast alle int- (N. vor vocalen und r sogar ind- , welches d organisch scheint), vor den übrigen mutis stehet mei- stens in- ; was im einzelnen hierwider stößt, mag dia- lectisch sein, oder ungenaue schreibung, z. b. in-machôn K. 48 b f. int-mahhôn, wie sgall, 199. oder in-scuohen mons. 391. für int-sc.; annehmlicher ist das int-, welches einige noch vor f, ph und p behaupten, Daß aber die gl. ker. überall nicht int- , sondern auch vor spir. und liq. in- (selten en-) schreiben (vor vocalen? der fall fin- det sich nicht), befremdet am meisten. Alts. dauert durch- gängig das echte ant- (f, aßd-), vor allen anlauten, fort und seine composita unterscheiden sich von denen mit an- (goth. ïn-, ana-). Ags. gilt nicht and- (wie vor subst. und dem daraus hergeleiteten), sondern on- , gleich-viel III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. welcher anlaut folge, dieses on- entspricht dem ahd. in-, zumahlder gl. ker. und scheint mit dem allmähligen verdrän- gen der praep. in durch on (ana) zus. hängend. Mhd. herscht noch der ahd. grundsatz und gilt ent- vor vcc. spir. liq., en- vor med. ten. asp., doch für en-f. enpf. , für en-g. zuweilen en-k. , was aus ent-f. ent-g. (1, 382. 424.) erwachsen scheint. Einzelne nicht reinmhd. quel- len gewähren (nach niederdeutschem einfluß?) ent- auch vor ten. und med., z. b. 361, 40 c 41 b int-bute, 62 d int- planden etc. Endlich können, da sich im mhd. die ne- gation ne vor verbis oft in en umsetzt, zweifel zwischen diesem en- und unsrer part. erwachsen es ist mir nicht unwahrscheinlich, daß diese zweideutigkeit des en- zu dem nachtheiligen aufgeben der dem verbo vorstehen den verneinung im 14, 15. jh, mitwirkte. . Nhd. hat sich ent- allenthalben hergestellt, nur dauern einige empf. für ent-f. fort. Nnl. überall ont- . Das verderbte ahd. in- (für int-, ant-) und ags. on- (für ond-, and-) hat vermischungen mit dem ahd. in- (goth. ïn-, ïnn-) und ags. on- (ahd. in-, ana-) zur folge gehabt; einzelne composita mit in-, on- laßen sich salt nur aus der analogie und bedeu- tung beurtheilen. Einigermaßen hilft jene ahd. unter- scheidung zwischen int- und in-, wo nämlich in- vor voc. spir. und liq. erscheint (und kein schreibfehler zu vermuthen ist), liegt ihm (wenigstens in der mund- art einzelner denkmähler) kein and- zu grunde. Bei der nunmehrigen aufzählung der ent- zusammensetzun- gen nach der bedeutung braucht aber auf die form keine weitere rücksicht genommen zu werden. Urbedeutung des ent- ist contra- , re- , nach verschiednen gesichtspuncten. — 1) ent- mit dem begriff des wider stehenden , widri- gen, bösen: goth. and-beitan (increpare, eigentl. gegen jemand beißen); and-rinnan (occurrere) Marc. 9, 34; and- sakan (contradicere); and-standan (resistere); and-staúrran (torve intueri, ἐμβριμᾶσθαι ). Ahd. in-chunnen (arguere, increpare) N. 37, 2. 41, 5. 49, 22. 50, 2. Cap. 101; in-cri- bôn (increpare) T. 205, 5. scheint aus dem lat. gebildet und nicht hierher gehörend; in-këltan (retribuere) in- gelten N. 34, 15. Boeth. 203. 204. int-gëltan O. II. 11, 48. in-këltan (ferire) mons. 389. 391; in-grûên (horrere, ab- horrere) hrab. 953 a 954 b 966 a ; in-brëltan (rumpi) O. III. 20. 257; int-wërdôn (spernere, abhorrere) mons. 357. 376. 377; auch die ausdrücke für vovere, in dem härtern sinn von devovere, immolare; in-heiƷan (immolare) ker. 36. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. 95. 155; in-sakên (delibare) hrab. 959 a 960 a 968 b ker. 95. mt-sagên, int-sagan (detestari, anathematizare) mons. 398. zweifelhaft ist mir ineihan (so die hs. für incihan) pim delibor) hrab. 960 a , schwerlich aber eihan part. praet. von ei- gan (habere) sondern etwa die alte form für gëhan = goth. áikan (nach dem 1, 863. erklärten übergang aus II. in X.) folglich in- eihan oder beßer in-eihhan = goth. and-áikan oder ana-áikan (delibare)? denn für and-áikan sollte gl. hrab. allerdings int-eih- han haben. Und wie verhält sich dazu neihhentêr (libans) nei- hunga (libatio) neihhit (immolat) jun. 175. 188. 192? ein stamm nîh, neih ist unerhört und in-neihan unwahrscheinlich; wie wenn überall gelesen werden müste in-eihhentêr etc. oder alterthum des begriffs und der sorm erlaubte, hier eine aphärese anzunehmeu n-eihhen für in-eihhen? Die parallele von in-heiƷan, in-eihhan, in-sakên und wohl auch in-quëdan (samtlich: diis vovere, diris devovere) leuchtet ein, ihre partikel sei nun ursprünglich and, ana-, oder ïn-. , gehören dahin, falls sie nicht unter 3. gebracht werden kön- nen. Alts. ant-gëldan (retribuere). Ags. on-blôtan (im- molare); on-gëldan Beov. 95; on-þracjan (vereri); on- scunjan (respuere, detestari); on-secgan (contradicere, of- ferre, sacrificare) Cädm. 40. 61; on-hætan aber bedeutet succendere, wie vielleicht auch das ahd. int-heiƷan, was die verwandtschaft zwischen heiƷan und heiƷ (s. 75.) be- stätigt; on-vinnan (impuguare). Mhd. en-gëlten, en-kël- ten (poenas dare); ent-sëhen (torve intueri, fascinare) MS. 1, 50 b Eracl. 3334; ent-sprëchen (calumniari) Wigal. 90. Nhd. ent-gelten. — 2) ungleich häufiger drückt ent- ein gelindes gegen aus, selbst in den nämlichen wörtern: goth. and-hafjan (respondere); and-háitan (confiteri); and-háusjan (exaudire); and-niman (suscipere, recipere); and-qviþan ( συντυχεῖν ) Luc. 8, 19. ( ἀποτάξασθαι ) Luc. 9, 61; and-saíhvan (adspicere, respicere); and-tilôn (auxi- liari) Luc. 16, 13; andþahta mik ( ἔγνων ) Luc. 16, 4. Ahd. int-habên (perpe t i) jun. 243. (sustinere) K. 42 a (suffulcire) mons. 352. 404. (cohibere) O. II. 7, 58. 8, 9. III. 23, 51. 24, 83. V. 7, 113. (comprehendere, complecti, tueri) N. 113, 11. 148, 5. Cap. 79. 115; int-hefan (sustentare) vgl. int-habana jun. 251. int-habanî (assumptio) K. 57 b ; in- haldên (reclinare) hrab. 953 b ker. 32. (wo in-aldhet) int- heldê (reclinet) T. 51, 2; ant-heiƷan (vovere, pangere) jun. 243. 255. int-heiƷan O. III. 20, 297; in-këƷan (cogno- scere) ker. 110. vgl. das subst. and-git (s. 715); in-kinnan (incipere) ker. 80. 164. in-kinnan (imponere) K. 48 a (co- nari) jun. 199. in-ginnan (adniti) jun. 235. in-chinnen (niti) jun. 188 [warum in letzterer stelle ch für k? die III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. grundbedeutung von ginnan, welches einfach weder im goth. noch ahd. und ags. vorkommt, muß wohl sein ca- pere, complecti, vgl. das ags. gin, giun (capedo, inter- capedo) und altn. ginna (allicere, einnehmen), im altn. fehlen umgekehrt composita. Ferner scheint zus. hang zwischen nr. 117. und nr. 372. nach der oben s. 76. er- theilten regel, denn das altn. gin (rictus, hiatus) ist auch intercapedo, spatium, welches die bedeutungen von ahd. in-kinnan, mhd. en-kinnen, hernach unter 3., bestätigen.]; in-lâƷan (ignoscere) ker. 162. int-lâƷan hymn. 949. vgl. ant-lâƷ (s. 714.): in-liuhtan (illuminare, oblustrare) ker. 14. 200. 218; in-lôsan (solvere) ker. 130. 180; in-mâlên (ad- nuere) ker. 16; in-nakutôn (denudare) ker. 88; en-nëman (adsumere) ker. 33. = goth. and-niman; int-neinen (ne- gare) O. II. 10, 71; in-pauhhinen (innuere) ker. 153. mons. 368.; in-pîƷan (gustare) hrab. 965 b ker. 143. (haurire po- tum) hrab. 953 b in-bîƷan N. Cap. 129; in-piotan (man- dare) mons. 330. 363. 366. 367. 376. jun. 213; in-blâhan (inflari, turgere), ein seltnes, bei N. Cap. 124. in-bláhen geschriebnes und stark conjugiertes verbum (dem ags. on-blâvan, fünfter conj. entsprechend); in-blantan (mo- lestiam exhibere) citate 1, 858, denen N. Boeth. 105. 202. beizufügen; in-prëhtan (lucubrare)? vgl. inprëhtandi elu- cubratus ker. 115. vielleicht illucescere, von përahten (cla- rescere)?; in-prinnan (exardescere) ker. 67. 235. int-prennan (accendere) jun. 235. T. 25, 2; in-quëdan (respondere) O. IV. 4, 111. 5, 123. vgl. en-quidi (dedicata) ker. 83. en-chëden N. Cap. 69. 87. 95; in-rihten (erigere) ker. 255; int-sagên (renuntiare, defendere) mons. 375. 386; in-sesan (intelli- gere) O.; in-scînan (illustrare) ker. 148; int-slâfen (ob- dormiscere) N. Boeth. 10; in-sprinkan (coalescere) ker. 77; in-stantan (intelligere) J. 360. O. I. 1, 238. III. 5, 1; in-sueppen (sopire) hrab. 974 b ; in-trâlan (metuere) nur bei O. I. 13, 30. 27, 21. II. 6, 33. IV. 1, 31, daß der stamm trâtan (? tratan) laute und nicht int-râtan zu setzen sei (der irthum herscht 1, 888. 896. 934.) wird sich hernach beim alts. und ags. erweisen; int-fâhan (suspicere, excipere, acci- pere, concipere) exhort. K. T. 2, 11. 3, 4. O. II. 11, 10. III. 11. 51. IV. 16, 103. int-phâhan T. 40, 5. 44, 5. in-fâ- han J. 366. 373. 374. 376. 387. (neben dem vorhin s. 808. angeführten ant-sâhan) ker. 33. 54. 80. 258. in- phâhan mons. 390. 397. in-fahen, en-fahen N. 3, 4. 18, 12. Boeth. 64. 65. 156. Cap. 34. 55. 100. 110.; int-findan (pendere) jun. 243. (sentire) hymn. 949. int- phidemes l. int-phindemês (praevidemus) doc. 221 a in- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. finden (sentire) N. Boeth. 62. 122. 259; in-firnên (inve- terare) ker. 281. N. 31, 3. (17, 46. 101, 25 ir-firnên); in- phrâgên (requirere) mons. 391; in-fualan (sentire) O. III. 14, 67; in-warmên (coalescere) ker. 67; int-wëhsalen (re- ciprocare) jun. 224.; int-wihslen hrab. 951 a 973 b ; in-zei- chinen (indicare) mons. 403; inzundan (incendere) hrab. 968 a ker. 170. 276. N. Boeth. 85. in-zuntida (inflamma- tio) mons. 409. hrab. 967 a . Alts. ant-sâhan (accipere); ant-hebbjan (sustinere); ant-hrînan (tangere); ant-kenn- jan (intelligere); ant-standan (intelligere); folgende haben an-, welche der übergänge wegen in andern dialecten hier angeführt werden müßen: an-bitan (gustare); an- biodan (mandare); an-drâdan (timere) alliteriert: drohtin und dâdi; an-kennjan neben jenem ant-k.; an-sciann (contremuit) das zweite wort dunkel; an-seban (intelligere); an-suebjan (sopire). Ags. on-älan (accendere); on-bëódan (mandare); on-beran (afferre) Beov. 76. 170; on-bernan (accendere); on-bîdan (exspectare); on-bîtan (gustare) Cädm. 12; on-byrjan (gustare); on-blâvan (inflare); on- bryrdan (instigare); on-bûgan (ineurvare); on-clisjan (ad- haerere); on-enâvan (intelligere) Beov. 190; on-cveðan (respondere); on-drædan (timere) Beov. 126. 175. [offen- bar nicht ond-rædan, denn es gibt vor verbis kein ags. oud- und die alliteration liegt auf d, das einfache drædan habe ich noch nicht gelesen, doch führt es Lye aus Matth. 25, 25. an, vgl. das engl. dread, außerdem findet sich das comp. â-drædan (timere) so daß das starke verbum dræ- dan, drêd; alts. drâdan, drêd; ahd. trâtan, trîat unbe- zweifelbar ist, aber ich verstehe es noch nicht zu deu- ten]; on-drincan (bibere); on-drencan (inebriare); on- ëaldjan (inveterascere); on-ëardjan (inhabitare); on-êgan (metuere); on-fangan (accipere. recipere) Beov. 6. 54. 113; on-feallan (incidere); on-findan (sentire, experiri) Beov. 47. 171. 201; on-galan (incantare); on-gangan (in- gredi); on-gëtan, on-gitan (intelligere) Beov, 98. 113. 130. 144. 218; on-gëótan (infundere); on-ginnan (incipere) Beov. 33. 153. 173. 201. 233; on-hagjan (placere); on- hebban (elevare) Beov. 188; on-heldan (inclinare); on- hnîgan (id.) Cädm. 79; on-hrêran (incitare) Beov. 43. 190; on-hrînan (tangere); on-irnan (incurrere); on-lædan (in- troducere); on-lænan (mut. dare); on-lætan (dimittere) Beov. 122; on-lîhan Beov. 111. Cädm. 15. 89; on-lŷhtan (illuminare); on-lutan (inclinare); on-mælan (alloqui) Cädm. 79; on-munan (arbitrari, intelligere) Beov. 196; on-sendan (immittere, transmittere) Beov, 36. 47. 169; III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. on-sëón (aspicere) Beov. 125; on-settan (imponere); on-si- gan (imminere) Cädm. 66; on-sittan (incumbere); on-standan (adstare) Beov. 213; on-starjan (intueri) Beov. 208; on-stellau (incitare) Beov. 180; on-tendan, on-tyndan (accendere); on- þenjan (intendere); on-vacan (expergisei) Cädm. 77. 100. Beov. 7. 171; on-vadan (occupare?) Beov. 70; on-ven- dan (mutare) Beov. 193; on-vritan (inscribere) Beov. 127. u. a. m. Mhd. en-barn (detegere) Karl 97 a Barl.; en- bieten Parc. 36 a Barl.; en-bîƷen Jw. 1 b Wigal. Trist.; en- blanden Nib. Wigal. Bit. 30 b 93 a ; en-blecken (detegere) Tit 85. Parc. 147 c ; en-blœƷen Trist.; en-brennen (accen- dere) MS. 1, 30 a ; en-brësten Parc. 68 a Wigal.; en-brin- nen (accendi); en-gieƷen Nib.; ent-haben (sustinere) Parc. 43 c ; ent-halten (retinere, continere) Parc. 70 c 186 b Wh. 2, 27 a ; ent-heiƷen (vovere) Maria 70; ent-lîhen; ent- liuhten Barl.; ent-nucken (dormiturire) MS. 2, 155 b 206 b ; ent-nacten Wigal.; ent-seben Parc. 41 c Trist.; ent-slâfen Trist.; ent-springen (oriri) Trist.; sich ent-stân (in- telligere); ent-sweben (sopire) Nib.; en-trâten (timere) Herb. 95 a 98 b ; en-psâhen; en-pfengen (accendere) MS. 2, 123 b ; en-psinden Parc. 18 c Nib.; en-pflëgen (frui) Wigal.; en-pfremden amîs 1838; ent-wachen Wigal.; ent-wërfen (delineare, ordinare) a. Tit. 85. Wh. 2, 139 b 204 a Nib. Friged. 1987. aber ent-wërfen ist auch aufstreben, emporstreben Trist. 17301. vgl. sich entwërfen Wh. 2, 109 a MS. 1, 2 a ; ent-wërn (prae- stare) Wigal. 14; ent-wilden a. Tit. 91; en-zünden Barl. Nhd. ent-bieten; ent-blöden; entblößen; ent-blühen; ent-brechen; ent-brennen; ent-falten; em-pfangen; em- pfehlen; ent-fernen; em-pfinden; ent-flammen; ent-frem- den; ent-glimmen; ent-halten; ent-heben; ent-laßen; ent- leeren; ent-leihen; ent-nehmen (percipere); ent-rücken; ent-rüsten; ent-scheiden; ent-schlafen; ent-schlummern; ent- sinnen; ent-spinnen; ent-sprechen; ent-springen; ent- sprießen; ent-stehen; ent-werfen; ent-zücken; ent-zünden. Es ist klar, daß die hier unter 2. verzeichneten compo- fita sämtlich inchoativa sind, ihr ent- (and, gegenwärtig) drückt das werden, hervorkommen eines neuen zustandes oder bei transitivem begriff das versetzen, hineinbringen in einen solchen aus. Daher die intransitiva enbrinnen, entblühen, entwachsen, entschlafen, entschlummern, on- drædan, onvacan: in brand, blüte, wachsthum, schlaf, furcht, wachen gerathen, kommen, fallen und das über- setzende lat. sc: adolescere, obdormiscere, pertimescere, horrescere, expergisci. Ebenso für perceptionen des gei- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. stes, der sinne und des leibes: andþagkjan (cognoscere), andháusjan, inkëƷan (ongitan, andgitan), insūalan, ent- seben, entsinnen, empfinden, inpîƷan, insâhan (concipere) und die bald abstract werdenden: andhafjan, andniman, entnehmen, entsprechen, entstehen. Transitiva sind z. b. entzünden, entbrennen, entflammen, entsweben, ent- liuhten: in brand, flamme, schlaf versetzen. — 3) die privative bedeutung des ent- (=lat. re-, dis-, ex-, ab-) ist der vorigen verwandt, sie legt nur auf das austreten aus dem alten zustand den nachdruck, nicht auf das be- ginnen des neuen. Gewöhnlich bindet sich für diesen begriff die part. mit andern verbis, worüber dann der gebrauch entscheidet, zuweilen mit denselben, in welchem fall zeit, mundart oder construction die zweideutigkeit heben. Goth. and-bindan (solvere); and-huljan (rete- gere); and-vasjan (exuere). Ahd. ind-ânôn (privare) N. Boeth. 30; int-decchan (detegere) K. 47 b in-dechan hrab. 959 b ker. 88. mons. 327; int-êrên (honore privare) O. III. 18, 2. ind-êrên N. Boeth. 29; int-halsôn (decollare) N. 41, 1; înt-hëlan (detegere) jun. 180; ent-hëllan (disso- nare) jun. 183; sih int-hêrên (dedignari) N. Cap. 49; in- hrekilôn (exuere) ker. 114; in-karawen (exuere) hrab. 962 b ; int-cân (evadere) jun. 204. in-gangan O. I. 19, 29. II. 5, 54. in-gân N. Boeth. 126. 145. 262. Cap. 35; in- kinnan (aperire) mons. 344. vgl. vorhin s. 811. und in- geinen (findere) N. 73, 20. 106, 27. Cap. 136. (s. hernach das mhd.); int-ladan (exonerare) N. 138, 14; int-leitan (abducere) hrab. 953 a ; ant-liohhan (aperire) ker. 18. in- liohhan hymn. 2, 1. ker. 115. 119. 219. 225. int-mahhôn (dissociare) sgall. 199. in-machôn (disjungere) K. 48 b ; in- negilen (pandere) ker. 238. int-nagilen O. IV. 30, 59; int-pauhhanen (abnuere) jun. 195; in-bëran (carere) O. I. 8, 6. N. 78, 9, die eigentliche bedeutung von përan scheint treiben, hervorbringen, von in-përan also depelli, destitui, privari; in-peinan (exossare) mons. 339; ant-bin- dan (dissolvere) sgall. 199. in-pintan K. 20 b ker. 93. mons. 386. 399. int-pintan hymn. 949. in-bintan O. I. 27, 116; int-rahhôn (excusare) K. 53 b ; int-redinôn O. III. 12, 80; int-rerten (liberare) N. 100, 3; int-rihan (revelare) hrab. 973 b K. T. in-rîhan ker. 40. 240; ind-rinnan (esugere) N. 118, 61. Boeth. 16. 74. transitiv ind-rennen N. p. 261 a , 6; int-sagên (excusare, defendere); in-scuohen (denudare) mons. 391; int-sizan (metuere) ker. 131. mons. 338, 342. O. I. 27, 88. N. Boeth. 75. 98. Cap. 99. 113. eigentlich aus dem sitz, aus der ruhe gebracht werden vgl. das III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. adj. anda-sêtis und das nhd. ent-setzlich; int-sezan (depo- nere) mons. 334. N. Boeth. 39. 131; int-slîsen (elabi) hrab. 954 a ; in-slëoƷan (reserare) hrab. 973 b ker. 114. 238; in-slingen (evadere) N. Boeth. 60. 62; int-sluphen mons. 346; int-spenan (ablactare) K. 26 a ; in-sperran (aperire) O. I. 5, 63; in-tragan (asportare) jun. 235; in-toan (ape- rire) ker. 238. int-tuon jun. 227. 248. in-tuon T, 72. 40, 4. int-duan O. III. 18, 11. in-duon N. Cap. 114. 119; int-faldan (explicare) jun. 180. 257; int-fallan (elabi) O. II. 4, 177. in-phallan (intercidere) mons. 390; in-pharan (dilabi, evanescere) mons. 324. 326. 350. N. 21, 28. Boeth. 196; in-fliohan (effugere) O. V. 15, 50; in-phroren (li- quefacere) N. 147, 7; int-wâtôn (exuere) K. 54 a 59 a ; int- wenen N. 130, 2; int-wëren (irritum facere) N. 70, 4. 84, 11. 88, 35; int-wërfen (destruere) N. Boeth. 172; int- wirchan (demoliri) jun. 202. O. II. 12, 59; in-ziohan (de- trahere) mons. 350. 368; in-zûnan (aperire) ker. 82. 119. Alts. ant-bindan; ant-heftëan (solvere); ant-lêdan (abdu- cere); ant-lûkan (solvere). Ags. on-bindan (absolvere); on-cirran (avertere) Beov. 212. on-dôn (solvere); on- gervjan, on-girvjan (exuere); on-hâdjan (de statu deji- cere); on-lŷsan (solvere); on-lûcan (aperire) Beov. 22; on-sacan (excusare, negare) Cädm. 80. 84; on-svîfan (elabi) Beov. 191; on-lŷnan (aperire); on-vëorpan (deji- cere); on-vindan (solvere) Beov. 122; on-vrëón, on-vrî- gan (revelare, ahd. int-rîhan). Mhd. ent-ânen MS. 2, 166 a ; en-bërn; en-besten Trist.; en-bilden Trist.; en- binden; en-decken; ent-erben; Trist.; en-gân Nib.; en- gerwen, en-kerwen (exuere) Wigal. 164; en-kinnen (ape- rire, findere) En. 10 a 22 a (wo cod. pal. 138 a en-ginnen) 44 a und so auch im ungedr. Lamprecht 9 a en-chinnen, 80 a en-kinnen für spalten, womit die der formel nr. 117. folgenden zer-kînen (rumpi) a. w. 2, 92. und der teuto- nista unter kynen verglichen werden muß; ent-hërzen Trist.; ent-hiuten Trist.; en-kirnen (enucleare) troj. 55 a ? üblicher scheint er-kirnen g. schmiede 47. 410. MS. 1, 192 a ; ent-laden Nib.; ent-lesten Trist.; ent-leiden (li- berare a dolore) Ulr. Trist., ent-liechen (aperire) Bit. 105 a 122 b ; ent-næjen Trist.; ent-nihten Parc.4 b 46 a ; en-pfallen Trist.; en-psarn Trist.; en-pserwen MS. 2, 20 b ; en-psëtten MS. 2, 76 b Frib.; en-pflëhten Wigal.; en-pfliegen Parc. 104 b ; en-pflieƷen MS. 2, 224; en-pfueren Nib.; ent-reinen (inquinare) Barl.; ent-rennen; ent-rin- nen; ent-rihten (turbare) Barl.; ent-rîsen (elabi) troj. 78 a ; ent-rîten (abducere) Parc. 149 a Wh. 2, 126 b ; ent-sagen III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. Parc. 48 a 78 b Barl.; ent-schîben Ulr. Trist.; ent-schuohen Wh. 2, 60 a 125 b ; ent-setzen Parc. 84 c ; ent-sitzen Parc. 136 c 168 c Karl 14 a 128 b ; ent-slieƷen Parc. 123 a ; ent- slifen Wigal. Karl 122 a ; ent-sorgen Trist. 79; ent-stricken a. Tit. 95. Wigal.; en-tragen (auferre) Barl.; en-tuon (aperire) scheint abgekommen; ent-wâpen Parc. 180 b ; ent-warnen (armis exuere) Karl 72 a ; ent-wæten Trist.; ent-wërden Trist.; ent-wërn (recusare) Barl.; ent-wësen Nib. Trist.; ent-wëten (solvere) Barl.; ent-wichen Parc. 67 a Karl 54 a Flore 48 a ; ent-wirken Wh. 2, 132 b Karl 54 a . Nhd. ent-arten; -behren; -binden; -decken; -ehren; -erben; -fallen; -fahren; -färben; -feßeln; -fliegen; -flichen; -fließen; -führen; -gehen; -hauplen; -heben; -hüllen; -kleiden; -kommen; -krälten; -laden; -lasten; -laufen; -leiben; -mannen; -masten; -rathen; -reißen; -rinnen; -schlagen; -schuhen; -seelen; -setzen; (nicht mehr -sitzen); -siegeln; -sinken; -stellen; -waffnen; -weichen; -weihen; -wenden; -wischen; -wöhnen; -wölken; -wurzeln; -ziehen etc. Engl. haben diese häu- figen comp., für die privative bedeutung, statt des ags. on- ein mit der part. un- (s. 775.) schädlich vermischen- des un- bekommen: un-arm; un-bind; un-bit; un-bur- den; un-child; un-do; un-geer (ahd. in-karwjan); un- loose; un-rigg u. a. m. — 4) mit dem privativen ent- sind, wie die unter 3. gegebenen beispiele zum theil zei- gen, manche transitiva aus nominibus gebildet worden, und können ihrer täglich neue werden, während die ent- unter 1. 2. sich der fortbildung versagen. Die heutige sprache verfährt dabei, wie mit dem be- 2. (s. 803.), da- her auch das plural -er und adj. -ig: ent-blättern, ent- geistern, ent-göttern, ent-völkern, ent-heiligen, ent-le- digen, ent-muthigen, ent-reinigen (schon Keisersberg), ent-sündigen, ent-schädigen. Der älteren können der- gleichen comp. nicht mit bestimmtheit beigelegt werden, denn wer sagt uns, daß dem int-halsôn, int-hregilôn, int-nagilen, in-peinan, int-scuohan, in-zûnan, int-nacku- tôn nicht schon einfache verba halsôn etc. unterliegen? Zu mehreren mhd. dürsten fie sich aber nicht nachwei- sen laßen. — Bemerkungen zu ent-: a) die verschieden- heit der bedeutungen 2 und 3. gründet sich auf die dre- hung des partikelbegriffs. Man muß historisch lernen, daß z. b. entflammen so viel wie befeuern, entgeistern aber das gegentheil von begeistern ist; daß entreinen unrein machen, nicht aber entleeren aufüllen bedeutet. Der privative sinn mag sich, fast wie beim be-, aus pri- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. vativen zweiten wörten gezeugt haben. Entnakten trifft zwar mit dem begriff von entkleiden zusammen, nur liegt hier die privation bloß in der part., dort in dem wort nacket (wie bei denudare in nudus), blœƷen MS. 2, 65 b sagt gleichviel mit enblœƷen. Viele einfache verba z. b. fallen, sinken, fliehen haben von natur etwas privatives; mit ent- componiert können sie daher, wie mans nimmt, unter 2 oder 3 aufgezählt werden. Und bei dunkelm zweiten wort herscht hierüber gänzliche unsicherheit, z. b. ich weiß nicht ob in-trâtan wie int-sizan oder wie das ags. on-êgan anzusehen ist. b) unterweilen bedeutet ent- vor denselben verbis verschiednes; das goth. and- háusjan ist grade das gegentheil vom nhd. (gerichtlichen) enthören (gehör versagen), das ahd. intwërfen (solvere) vom nhd. entwerfen (disponere); inziohan drückt ahd. extendere mons. 367. ker. 96. (wo disto in distendo zu ändern?) entziehen nhd. auferre aus, das mhd. ent-wërn sowohl praestare als auch denegare. c) es ist s. 809. ge- zeigt worden, wie sich das ahd. int- durch die entstellte form in-, und das ags. and- durch die entstellung on- mit den partikeln in und ana berührt. Für die bedeu- tung 2. kann diese berührung aber auch materiell sein, and- bezeichnet hier entgegenkommen, näherung, wie ana- (s. 716.). Kaum also läßt sich sagen, ob das ags. on-ginnan auf goth. and-ginnan oder ana-ginnan, das ags. on-sendan auf goth. and-saudjan, ana-sandjan oder in-sandjan lautet? das ahd. in-kinnan ist selbst zweideu- tig und das ahd. int-sentan widerlegt weder ana-, noch ïn-, da Ulf. wirklich ïn-sandjan, nicht and-sandjan sagt. Er sagt auch ïn-branjan, ïn-tandjan etc., so daß das ahd. in-prennan, in-zuntan nicht nothwendig auf int- zurück- geführt zu werden braucht, obschon wir nhd. ent-bren- nen, ent-zünden gebrauchen. Unser heutiges ent-bieten führt allerdings auf ahd. in-piotan aus int-piotan, ags. on-bëodan aus and-bëodan; allein Ulf. gibt ana-biudan, kein and-biudan. Man hat auch die parallele composition der subst. zu beachten, das ahd. in-pot (mandatum) mons. 379. 384. spricht nicht für in-piotan aus int-piotan; in- piƷ oder in-pîƷ (s. 760.) nicht für in-pîƷan aus int-pîƷan, widerlegen sie aber nicht gänzlich. Hingegen and-fanc zu in-fâhan aus int-fâhan stimmt. Die materielle vermi- schung der drei partikeln kann zu der formellen beige- tragen haben, wohei sich nur im ahd. und mhd., nicht im ags., rücksicht auf den anlaut des verbums entwickelte. Die formelle verderbnis läßt sich aber nicht leugnen, da F f f III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. sie sich über die comp. mit verbis hinaus erstreckt (z. b. die nhd. ent-gegen, ent-zwei erwachsen ohne zweifel aus in-gegen, in-zwei). [ er- ]; im goth. lautet diese part. beständig us- und nur vor anlautendem r assimiliert sie sich in ur-; spur ihrer trennbarkeit als bloßen adverbs (abgefehn von dem praepositionsfall) zeigt sich noch Luc. 20, 25. in dazwischen- schiebung der part. nu: us nu gibiþ (reddite) für nu us-gibiþ oder us-gibiþ nu; vgl. uzuhïddja Joh. 16, 28. Ahd. schwan- ken ur- , ar- , ir- , er- , letzteres ist = ër, und (wie fër statt fir) ganz der alten lautregel gemäß, welche den vocal i vor r in ë (aí) wandelt, daher nicht der spätern verdünnung des auslautenden pi, zi in be, ze zu vergleichen. Der unbetontheit wegen schreibe ich jedoch er- (für ër-). Die form ir- scheint das i aus dem ursprünglichen is- fester zu halten und steht dem ur- (für us-) parallel, welchem, im ahd. mindestens, kein or- zur seite steht. Dagegen berührt sich ar- zunächst mit dem â- (für as-) welches in dieser mundart niemahls mit verbis compo- niert wird. Man kann nicht sagen, daß eine der vier ahd. formen vor der andern etwas alterthümliches vor- aushabe, bloß daß ur- unter allen die seltenste ist. Sie begegnet bloß in der exhort., wo beide hss. ur-gëpan gewähren; hymn. 949. ur-tructê (sobrii); Hild. ur-hêttun; ur-stiufit ker. 215. ur-witwid ker. 284; hauptsächlich aber mons. 401-412, in den gl., welche genauer emm. citiert wer- den sollten (bei Graff P. 34-52.) wo: ur-chuistan, ur-halôn, ur-hefan, ur-hokan, ur-nësan, ur-rahhôn, ur-sceinan, ur- smâlîchên, ur-spurjan, ur-wahhên, ur-welchên, ur-wur- zôn, nur fragt sich, ob die hs. nicht etwan ar- lese? da in diesen gl. emm. zugleich ar-gëpan, ar-hefan, ar-përan, ar-lëotan, ar-lougnan, ar-rachôn, ar-rechan, ar-fullan vorkommt, während die vorausgehenden gl. mons. durch- gängig ir- setzen. Wo sich in andern denkmählern ur- vor verbis findet, liegen nomina zu grund; so rührt zwar ur-suochâri mons. 326. ur-suahhida K. von ur-suoh- han her, dieses aber von ur-suoh (vgl. ur-suochenôt N. Boeth. 246. mit betontem úr-); ur-druƷeda N. 118, 53. von ur-druƷi; ur-teilida K. 53 b mons. 401. ur-teilda N. 16, 2. von ur-teilan und dieses von ur-teili. Die ar-form zeigt sich in J. T. sgall. jun. emm. etc. (nie mons. bis 401; nie bei O. und N.), neben ar- mehr oder minder er-, zumeist jun. (wo ar- und er- sich beinahe gleich- gewicht halten); das er- überwiegt bei K. (neben -ar-, nie ir-) bei N. scheinen er- und ir- gleich häufig und III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. willkürlich, vielleicht verschiedene schreiber auszeichnend? Das ir- herrscht O. mons. und ker. (etwa von 32-289. an, denn von 1-32. gilt ar-, und ebenso verhalten sich fir- und far- daselbst). Sichtbar ist weniger willkür an- zunehmen, als dialectische verschiedenheit. Uebrigens bedeuten diese ahd. ar-, ir-, er-, ur- sämtlich gleichviel. Alts. und ags. gelten â (für as-), dessen länge wohl nicht zu bezweifeln steht; einmahl scheint die E. H. ao- zu gewähren (ao-drôbde, tristitia affectus est); bis aufs engl. herab haben sich die verba mit a- zwar stufenweise ge- mindert, nie ganz verloren. Alle ags. or- gehören der com- polsition mit nom. an, z. b. or-sorgjan (securus esse) or-trûv- jan stammen von or-sorge (securus) or-trëóve (perfidus). Mhd. und nhd. lautet die part. einförmig er- , in einzelnen oberdeutschen volksmundarten der- , tirol. dar- (Reinwald henneb. id. 1, 21. 184. 2, 17. Schm. §. 451. 1059.) und von die- sem der- finden sich schon frühe spuren, namentlich im sgall. cod. der Nib. der-warp 4531. der-beiƷte 6119, oder in der abschrift, wonach Conr. troj. kr. gedruckt ist, z. b. 1509. der-haben; ganz häufig bei Casp. von der rön. Ich weiß es eben nicht genügend zu erklären. — Die bedeutungen der partikel sind manigfalt: 1) zum grund lege ich die, welche das gelangen von innen nach außen, das her , ausdrückt, die richtung des hin aber andern partikeln oder dem verbo selbst zu bezeichnen überläßt. So heißt goth. us-gaggan (exire), verstärkt und näher bestimmt ut-us-gaggan oder us-gaggan ut; aber das ahd. ar-kankan, ags. â-gangan oder selbst das goth. us-leiþan haben schon diesen reinen begriff selten (z. b. ar-gang exi, T. 19, 8.), gewöhnlicher die nebenbedeutung nr. 7. Wir müsten, um andere beispiele, die noch hierher fal- len, sicher zu beurtheilen, über den sinn mancher einfa- chen verba im reinen sein. — 2) bereits in der ältesten zeit scheint in der componierten part. mehr zu liegen, als in der bloßen praeposition us, ar, ir, ur, nämlich die bewegung von unten in die höhe, das herauf . Daher auch gleichbedeutige neuere comp. nicht mit aus-, son- dern mit auf- gebildet werden, viele gr. ἀνα entsprechen und die verstärkenden decomp. ûf-ar-, auf-er-, ags. up-â-, (das altn. upp-â ist ganz verschieden, ahd. ûf-ana, ags. up-on) eintreten. Der begriff kann sowohl intransitiv sein, als transitiv. Goth. us-baíran (efferre, proferre) zuweilen respondere Marc. 11, 14; us-fulljan (implere) von unten bis oben, Joh. 16, 241. Neh. 6, 16. Philip. 2. 29; us-graban ( ὀούσσειν ); us-hafjan (elevare); us-hahjan F f f 2 III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. (suspendere); us-hláupan (surgere) Marc. 10, 50. ushláu- pands ( ἀναστάς ); us-hramjan (suspendere); us-huljan (ex- cavare); us-keinan (germinare); ur-reisan (surgere) reisan mag bloß den gang, nicht die richtung aufwärts bezeich- nen, vgl. oben s. 16, ur-ráisjan (excitare); ur-rinnan (oriri) ur-rannjan ( ἀνατέλλειν ); us-saíhvan ( ἀναβλέπειν ) die augen aufschlagen, aufsehen, von geheilten blinden, Matth. 11, 5. Marc. 10, 51. Joh. 9, 11; us-sitan ( ἀνακα- θίζειν ) us-satjan ( φυτεύειν ) wachsen machen; us-siggvan ( ἀναγινώσκειν , recitare, weil die stimme des lesenden auf- steigt?); us-standan (sargere, ἀνίστασθαι ); us-steigan ( ἀναβαίνειν ); us-vahsjan (adolescere); us-vakan (exper- gisci) folgt aus us-vakjan (expergefacere); us-valtjan ( ἀνα- τρέπειν ) Tit. 1, 11; us-valjan ( καταστρέφειν ). Bei eini- gen (hafjan, steigan) liegt das streben in die höhe freilich schon in dem fimplex und diese können mitgewirkt ha- ben, daß den zus. setzungen mit hlaupan, standan jener begriff beigelegt wurde. Aehnliches gilt von den folgen- den anführungen aus andern sprachen. Ahd. ar-hefan J. 390. sgall. 202. jun. 205. 246. 258. mons. 361. N. Cap. 93; ar-hâhan (suspendere) hrab. 954 b 962 a ; ar-hliotan (pullulare) jun. 218. hrab. 972 a (mit beigefügtem fram) ar-lëodan (egredi) J. 402. ar-lëotan (prodere) mons. 408; ir-gioƷan (implere) mons. 324. 352; ir-grapan (exprimere) mons. 340; ir-pëlgan (intumescere) jun. 254. mons. 392. fih ir-b. (irasci) O. IV. 33, 1. transit. er-pelgan (offendere) jun. 215; ar-përan (partum edere) mons. 405; ar-plëstan (erumpere) hrab. 962 a ; ir-pluhan (efflorere) mons. 322. jun. 203; ar-prëttan (evaginare) jun. 203. (expergefacere) mons. 334; er-purran (adlevare) hymn. 25, 1. (inflare) mons. 377. 390. 396; ar-quëman (stupere, auffahren) ker. 7. 163. 264. T. 12, 5. ir-quëman O. II. 3, 65. er-chumen N. Boeth. 180. 199. Cap. 159; ar-rihtan (erigere) T. 4, 14; ir-rinnen (oriri) mons. 391. 395. N. 79, 2. 103, 22. Boeth. 211. 269; ir-roffezan (eructare) ker. 120. T. 74, 2. N. 44, 2; ar-scioban (explere) ker. 259? N. Boeth. 122; ar-scioƷan (excrescere); ar-scînan (oriri, parere, aufleuch- ten) mons. 360. O. IV. 4, 104. transitiv ir-sceinan (decla- rare) mons. 326. 363. 366. ur-sceinan mons. 409; ar-scric- chan (exsilire) jun. 203; er-singan (recitare) jun. 259. vgl. daƷ gapët singan (recitare, nicht canere) catech.; ar-sprëoƷan (fulcire) jun. 184. 187; ar-springan (oriri) J. 375. ir-springan mons. 366; er-stantan (surgere) K. ir- stantan ker. 186. 241. O. IV. 15, 12, 26; ar-stifulen (far- cire) hrab. 963 b ; ar-stîgan (ascendere) mons. 402; ar-ful- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. lan (implere) J. 379. 382. 394. mons. 404; er-wahsan jun. 237. O. IV. 7, 21; ur-wahhên (excitari) mons. 406. ar- wehhan (suscitare) J. 398. 399. hrab. 966 a jun. 237; ir- walzan (evellere) ker. 109. Alts. â-hebbjan (elevare); â-hlaupan (accurrere); â-kuman (terrefieri); â-lësan (col- ligere); â-rihtan (erigere); â-standan (surgere). Ags. â- bëlgan (irasci) Beov. 170; â-bërstan (rumpi); â-dëlfan (effodere); â-fŷllan (implere) Beov. 78; â-grafan (scul- pere); â-hebban (elevare); â-hleápan (accurrere) Beov. 106; â-lësan (excerpere); â-rîsan (surgere) Beov. 51. 189; â-ræran (erigere); â-scëotan (erumpere); â-scî- nan (clarescere); â-fingan (cantare); â-springan (assur- gere); â-sprëotan (gernnnare); â-standan; â-stîgan (sur- gere) Beov. 85. 88; â-timbrjan (aedificare); â-väccan (excitare). Mhd. er-bërn, es gilt fast bloß das part. er- born (genitus); er-bëlgen, auch meist nur im part. er- bolgen; er-bluejen; er-bûwen; er-dieƷen Nib.; er-gle- sten; er-glitzen Gudr. 24 a ; er-graben; er-heben; er-hël- len; er-klingen Nib.; er-komen Wigal.; er-schëllen; er- schînen; er-schieƷen (evenire, eigentl. aufwachsen); er- schricken und trans. er-schrecken; er-schieben (implere) das part. er-schoben Parc. 48 b ; er-springen Trist.; er- stân; er-swingen; troj. 113 c ; er-füllen; er-wachen, er- wecken. Veraltet sind um diese zeit er-rinnen, er-rîsen, er-singen u. a. m. Nhd. sind ihrer noch weniger: er- bauen; er-blühen; er-füllen; er-graben; er-hängen; er- heben; er-klingen; er-schallen; er-scheinen; er-schrecken; er-schwingen; er-wachen; er-wachsen; er-wecken; einige braucht man nur mit zusätzen, z. b. auf-er-stehen, wie- der-erstehen, oder dafür bloß auf-: auf-stehen, auf-sprin- gen, auf-wachen, auf-hängen, auf-gehen, auf-steigen etc.; wo er- daneben gilt, pflegt es zugleich eine der folgen- den bedeutungen zu haben. Engl. finde ich nur noch a- rise (surgere); a-rouse (excitare); a-wake oder a-waken. — 3) aus dem begriffe her und herauf erläutert sich der des beginnens und werdens , welches einer menge von comp. mit der part. er- eigen ist. Solche intransitive inchoativa fallen der dritten schiv. conj. heim, finden sich aber, wie es scheint, im goth. durchaus nicht, wo vielmehr ableitungen mit -n gebraucht werden, denen verschiedne partikeln vortreten, vgl. 1, 854. afdumbnan, gaþaúrsnan, gastaúrknan u. a. m. Ahd. ar-altên (senescere) ker. 6. 278. 281; ar-angustên (angi) ker. 20; ir-argên (obstupes- cere) mons. 356: ir-dicchên (incrassari) mons. 367; ar- dorrên (arefieri) jun. 203. mons. 388; er-einên (desolari) III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. jun. 202; ar-heiƷên (aestuare) hrab. 952 b ker. 20. ir-hei- Ʒên (ignescere) mons. 398; ar-îtalên (infatuari) T. 24, 2; ir-unganzên (emarcescere) mons. 342; ir-muntrên (exci- tari, terrefieri) ir-muntrêta (expavit) mons. 325; er-naƷên (madere) N. Cap. 59; ir-narrên (obstupescere) mons. 353. 376; ir-paldên (praesumere) K. jun. 221; ir-pleihhên (pallescere) mons. 383; ir-plôdên (pavescere) mons. 324. 326; er-rotên, nicht er-rôtên (rubere) N. Cap. 48; ir- rostagên (aeruginare) mons. 368; ir-seigrên (elanguere) mons. 343; ir-siuhhên (languescere) ker. 259. ir-siechen O. V. 23, 274; ir-slawên (f. -salawen, obscurari) mons. 338; ar-smâên (vilescere) jun. 193. ir-smâhên O. I. 1, 18. ur-smâlîchên mons. 403; ar-tabên (obrigere) jun. 178; er-storchenên (rigescere) N. Boeth. 94, hier ein dem goth. ähnliches ableitungs-n, vgl. goth. ga-staúrknan, altn. storkna; ir-sûrên (acescere) mons. 380; ar-topên (bru- tescere) ker. 6. hrab. 954 b ir-topên ker. 43. 125. er-tophên jun. 186. (wo tophses, viell. tophses?); ir-trockenên (arescere) ker. 65. ar-truhnên hrab. 957 b ; ir-tumbên (obmutescere) K. 25 ; ir-veiƷtên (incrassari) mons. 350; ir-firnên (inveterascere) ker. 278; ir-vûlên (putrescere) mons. 347. 386; ir-waldên (silvescere) N. 131, 6; ar-wa- ramên (concalescere, recalescere) hrab. 957 a mons. 412; ur-wëlchên (marcescere) mons. 405; ir-wînên (inebriari) O. II. 8, 97, ohne zweifel noch manche andre. Ags. â- biterjan (amarescere); â-blâcjan (nigrescere); â-cëaldjan (frigefieri); â-côljan (refrigescere); â-deáfjan (surdescere); â-dëorcjan (obscurari); â-fûljan (putrescere); â-gëolvjan (flavescere); â-hëardjan (indurescere); â-scëamjan (eru- bescere); â-slavjan (torpesc.); â-svëartjan (nigr.); â-þŷstr- jan (obscurare); â-vildjan (silvestere). Mhd. er-bleichen; er-gouchen Karl 33 b ; er-gruonen (mit rückuml.); er- kalten Trist.; er-knolen Nib.; er-lamen MS. 1, 130 b ; er- steinen (mutari in lap.) Trist.; er-stummen; er-swarzen Barl.; er-tagen Nib.; er-toben Nib.; er-tôren MS. 1, 107 b ; er-sûlen Barl.; er-wilden Ulr. Trist. u. a. m. Nhd. er-blaßen; -bleichen; -blinden; -dorren; -grauen; -grü- nen (ohne rückuml.); -harten; -kalten; -kranken; -krum- men; -lahmen; -matten; -müden; -röthen (falscher uml.); -schlaffen; -schwarzen; -starren; -stummen; -warmen u. a. m., einige haben ver-: ver-alten, ver-armen, ver- stummen, ver-faulen, ver-sauern, ver-wildern, ver-rosten, ver-trocknen, wohl mit dem nebensinn des verderbnisses, der in dieser part. liegt. Die frage ist, ob in allen hier unter 3. verzeichneten wörtern das verbum durch die III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. part. aus dem nomen gezeugt wird, oder schon einfach (freilich auch aus dem nomen entsprungen) mit demsel- ben inchoativen sinn vorhanden war, den die vorgesetzte part. bloß hervorhebt und stärkt? Letzteres ziehe ich vor: α ) weil diese comp. sehr alt sind, anders als die s. 802. abgehandelten mit be-. β ) weil sie sich heutzu- tage nicht neu bilden laßen, z. b. kein er-weißen (al- bescere) er-braunen (infuscari), noch veraltet auffrischen, z. b. nicht mehr er-heißen (calere). γ ) weil viele sim- pli a ia erweislich sind, z. b. alten, toben, starren, bleichen, mhd. roten (neben rôten) etc. vgl. lat. rubescere neben e-ru- rubesc. — 4) wie dem begriffe her die idee des zurück und wie- der nahe liegt, so entspricht auch er- verschiedentlich dem lat. re- , selbst da, wo es eine kaum merkliche bedeutung hat daß dieses re- wörtlich unsrer part. verwandt sein könne wäre zu behaupten sehr gewagt, es ließe sich dafür höchstens die mhd. umdrehung des er- in re- beibringen (1, 387.); lieber suche ich er- im lat. ex für ec-s. . Goth. us-giban ( ἀποδοῦναι , reddere) Marc. 12, 17. Luc. 7, 42. 16, 2; us-gildan ( ἀνταποδοῦναι , retribuere) Luc. 14, 14; us-vandjan ( ἀποστρέφειν ). Ahd. er-denchan (re- tractare) jun. 249; ar-gëpan (reddere) ker. 96. mons. 402. ur-gëban exhort. ar-keban, er-këban K. 22 a 58 a ; ir-hlû- dan (resonare) ker. 240; ur-hokan? (repetere) mons. 411; ir-hugen (recolere) mons. 385. (recordari) jun. 249. N. Boeth. 187. 246; er-huëraban (reverti) K. er-wërvan (resipiscere) mons. 392; ir-koborôn (recuperare) O. V. 7, 76; ar-leitan (re- ducere) T. 19, 5; ar-lôsan (redimere) er-lôsan K. ir-lôsan mons. 363; er-loffan f. er-lousan? (relabi) jun. 249; ur-nësan (recu- perare) mons. 405. ir-nësan (relipiscere) mons. 399; er- piotan (referre) jun. 249; ar-chuicchan (refovere) jun. 244. er-qhuichan (recreare) K. 23 a ir-quickan O. IV. 2, 12; ar-sezan (restituere) hrab. 953 a T. 69, 5. ir-sezan (re- parare) mons. 343; er-skînan (refulgere) jun. 249; ir-sto- wan (repellere) mons. 365; er-fullan (refercire) jun. 248; er-wëpan (retexere) jun. 249; ir-wentan (revocare) mons. 379; er-winden (reverti) N. Cap. 88. 115. 139; ar-zellan (reputare) jun. 223. Alts. â-geban (reddere); â-gëldan (retribuere); â-lôsjan (redimere). Ags. â-cvicjan (revi- viscere); â-gëldan Beov. 200; â-gifan (reddere); â-lætan (remittere); â-lŷsan (redimere) Beov. 123; â-lêcan (re- quirere). Mhd. er-gëben Nib.; er-getzen (rependere, compensare) Wigal. vgl. das intrans. er-gëƷen unter 6; er-holn (recuperare) Wh. 2, 4 a Parc. 19 a 88 a er-lân (re- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. mittere); er-lœsen; er-nern (redimere); er-iteniuwen (renovare) Nib.; er-quicken (recreare); er-schëllen (re- sonare). Nhd. sich er-geben; sich erholen; er-innern; er-laßen; er-lösen; er-quicken; er-setzen. Offenbar ist die bedeutung re- manchmahl ganz gering und im einfachen verbo mitzusuchen, z. b. gildan heißt an sich schon re- tribuere sonderbar steht Rom. 12, 19. ei gildáu, ïk sragilda f. ἐγὼ ἀντ- α αποδώσω ; oder soll durch ei gildau bloß fraveitô ( ἐ κδίκ υ σις ) erläu- tert werden? und für redja urkëpan sagen, wir heute rede geben, rechenschaft geben. — 5) in sehr vielen wörtern seheint die partikel bloß den transitiven begriff hervorzu- heben , gleichsam den beginn der über einen gegenstand ergehenden handlung zu bezeichnen. Meistentheils kann das verbum schon ohne er- transitiv gebraucht werden, z. b. greifen, sehen, faßen, allein er-greifen, er-sehen, er-faßen drücken es lebendiger aus. Zuweilen verlangt aber der traufitivbegriff die part-, z. b. man sagt nicht: einen blicken, matten, fechten für er-blicken, er-matten, er-sechten, ja gewisse verba kommen überhaupt nicht ohne er- vor, z. b. er-lauben, er-obern etc. Alle solche verba regieren den acc. (wie die s. 798. ff. verzeichneten be-). Goth. us-agjan (exterrere); us-báugjan (everrere); us-beidan (exspectare) laþôn Luc. 2, 38. wogegen das intr. beidan (exspectare) den gen. verlangt Matth. 11, 3. Marc. 15, 43; us-bliggvan (flagellare) Marc. 12, 5; gleichbedeu- tig bliggvan Marc. 5, 5. 10, 34; us-bugjan (emere) neben bugjan; us-dreiban (expellere); us-filhan ( θάψαι ) neben filhan; us-hrisjan (excutere); us-láusjan (eximere); us- láubjan (permittere); us-mêrjan (nuntiare) neben mêrjan; us-máitan ( ἐκκόπτειν ) máitan bloß κόπτειν ; us-qviþan (evulgare); us-qvistjan (perdere); us-sáihvan (conspicere, περιβλέπειν ) Marc. 3, 5. Luc. 6, 10; us-sandjan (emittere) gleichviel mit sandjan oder ïn-sandjan; us-sôkjan (ex- quirere); us-vaírpan (ejicere); us-vindan (plectere). Ahd. ir-aran (exarare) mons. 392; ir-âtmazan (exhalare) hrab. 961 a ; ar-augjan (demonstrare) J. 352. 357. jun. 178. ir- ougen O. I. 15, 63. III. 15, 56; ar-chennan (comperire) J. 341. 360. jun. 236; ar-chiosan (eligere) jun. 244. ir- kiasan O. Sal. 10; er-temfen (suffocare) N. Boeth. 10; ar-dhenan (sternere) ker. 19. (consternare) ker. 79. (pan- dere, expand. extendere) jun. 242. ker. 97. 225; ir-der- ran (arefacere) mons. 368. ir-therran O. IV. 6, 10; ir- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. thesban O. I. 17, 103; ir-digan (impetrare) mons. 327. 360; ar-dhinsan (rapere) J. 404. 406. (convellere) hrab. 955 b ; ir-thionôn (mereri) O. IV. 9, 57; ar-duingan jun. 181. 204; ar-duahan (abluere) hrab. 950 b ; ir-gëban (tra- dere); er-greifôn (apprehendere) N. Boeth. 94; ir-greman (exasperare) mons. 348. 364; ar-helzan (claudum reddere) jun. 201; ar-herjôn (depopulari) hrab. 959 b (devorare) mons. 332; ir-hôhan (exaltare) mons. 355; ir-holan (ex- cavare) mons. 374; ar-îdalan (exinanire) J. 355. ir-îtalan (vastare) ker. 95. 277; ir-leitan (agere, facere, transigere) mons. 354. 376; ar-leman jun. 201; ir-lescan (exstinguere); ir-liogan (frustrare) mons. 356; ar-loupan (permittere); ir-luagên (conspicere) O. II. 12, 63. V. 17, 77. er-luogên N. Boeth. 207. Cap. 102; ar-mâran (magnificare) ker. 7. J. 340. ir-mâran mons. 360; ar-muatan (fatigare) hymn. 14, 3. ir-moadan ker. 96. 136; ir-mundren (excitare) N. 76, 4; ir-namôn (nominare) mons. 339. 340; ar-aodan (va- stare) hrab. 976 a ir-ôthan ker. 37. 87; ar-offonôn T. 14, 4; ir- barôn (dissolvere) N. Cap. 156. (detegere) N. 147, 5. Cap. 49. 104; ir-pëtôn (exorare) ker. 112. 165; ir-pitan (expe- tere) ker. 105. 112. 120. 156. ir-bitan O. V. 4, 33; ir-pî- tan (exspectare, assumere) mons. 323. ir-bîtan O. III. 24, 99. V. 13, 55; ir-pîƷan (capere, percutere) mons. 321. 329; ar- piotan (offerre, porrigere) ker. 96. ir-piotan mons. 323. 368. ir-biatan O. I. 3, 68. II. 6, 99; ir-plendan (obcoe- care) ker. 220. N. 138, 20; ar-prëhhan (effringere) jun. 203. ker. 50; ar-qhuellan (interficere) hrab. 957 a 960 a er- chelen N. Boeth. 180; ur-chuistan (enecare) mons. 404. vgl. goth. us-qviß (interitus); ar-rahhôn (enarrare) J. 341. mons. 408. ur-rachôn (explicare) mons. 404. 405. 407; ar-recchan (exprimere, digerere) jun. 202. 205. 203. 257. mons. 408; ir-rëhhan (ulcisci, defendere) mons. 359. 395. N. Boeth. 227; er-râtan (conjicere) mons. 324. jun. 200. Boeth. 245. 250; ar-retan (eripere) hymn. 21, 3. ir-retan jun. 203. mons. 324. 361. er-reten N. Boeth. 54; ir-rîmen (enume- rare) O. I. 11, 104; ir-ruofan (interpellare) mons. 362. 367. jun. 210; er-ruaran (removere) jun. 249; er-rûmen N. Boeth. 229; ar-sagên (enarrare) jun. 203. ir-sagên O. V. 23, 38; ir-scaborôn (conquirere) O. IV. 2, 59; ar- scaidan (separare) ker. 22. ir-sceidan ker. 50. 92. 215. 249; ir-scrudilôn (discutere) mons. 392; ar-scuten (excutere) T. 44, 9. er-scutten N. 126. 4; ar-siodan (concoquere) hrab. 954 a ir-siodan mons. 331. 347; ar-slahan (caedere, interimere, jugulare) hrab. 956 b J. 382. ir-slahan ker. 206. mons. 388. jun. 175. 178; er-sperren N. Cap. 124; ir-spîen III. partikelcomp — untr. part. mit verb. (evomere) N. Cap. 124; er-sprengen N. Boeth. 228. ur- spurjan (circumire) mons. 403. ar-spurjan (investigare) jun. 193; ar-stëhhan (effodere) hrab. 961 b ; ir-sterben (oc- cidere) N. 39, 15, 56, 5. 68, 3; ar-stiufan (orbare) hrab. 970 b jun. 216. ur-stiufan ker. 215. ir-stiufan ker. 284; jun. 215; er-strengen N. Boeth. 228; ir-stungan (incitare) ker. 149; ar-sûfan (absorbere) ker. 27; ar-suntrôn (removere) hrab. 973 b jun. 259; ar-suahhan (probare) jun. 180. 204. 217. 219. ir-suohhan mons. 352. 360; ir-suentan (arefacere) mons. 355; ar-drîban (expellere) J. 388. ir-drîban O. V. 21, 15; ir-trenchan (suffocare) mons. 398; ir-varan (de- prehendere) mons. 341. 351. 364. 386; ar-fëhtan (expug- nare) hrab. 954 a ker. 278. N. 108, 3. Boeth. 227; ar-fel- lan (prosternere, consternare) hrab. 958 b N. 23, 2. 72, 18. 88, 17; ar-firran (alienare) ker. 27. ir-firran mons. 332. 350. O. I. 2, 63. 8, 45. ir-firrôn N. 88, 34; ir-flâwan (eluere) ker. 107; ar-flaugan (effugare) J. 388; ir-fremi- dan ker. 289; ir-foalan (palpare) ker. 225; ir-vuoran (arare?) mons. 324; ir-furpan (mundare) ker. 278; er- wallôn (perambulare) N. Cap. 158; ar-waskan (eluere) ker. 26. 87. er-wasken N. Boeth. 207; ar-wagjan (re- movere) ker. 24. ir-wekan (incitare) ker. 170. ir- wegan (quassare) mons. 323; ir-wellan (eligere); ir-wen- tan (evertere, avertere) ker. 117. mons. 347; ar-wër- san (projicere) J. 384. hrab. 973 b ir-wërfan (rejicere, repudiare) ker. 237. mons. 322; ar-winnan (lucrari) K. 53 b ; ur-witwan (viduare) ker. 284; ir-wuolan (fodere) ker. 42; ar-wôstan (vastare) J. 381. hrab. 960 a ar-wastan jun. 175; arwurgan (suffocare) jun. 227. ir-wurgen N. 124, 4. Alts. â-biddjan (exposcere); â-kiesan (eligere); â-tuomjan (eripere); â-winnan (lucrari). Ags. â-barjan (denudare); â-bëódan (offerre) Beov. 180; â-bîdan (ex- spectare) Beov. 75. 100; â-bîtan (mordere); â-bŷgan (in- curvare); â-cennan (parere) Beov. 103; â-ceápjan (eme- re); â-cëorfan (exscindere); â-cvëðan (proloqui) Beov. 153; â-cvellan (interimere) Beov. 68. 81. 159; â-drîfan (expellere); â-drincan (ebibere); â-drencan (aquis immergere); â-fand- jan (probare); â-feormjan (purgare); â-findan (invenire); â- gëótan (effundere); â-gitan (cognoscere); â-hlytran (purgare, declarare); â-hëardjan (indurare); â-îdljan (irritum fa- cere); â-lædan (educere); â-lecgan (ponere, collocare) Beov. 164; â-mëtan (mensurare); â-myrran (impedire, corrumpere); â-reccan (exponere); â-scëacan (excutere); â-sendan (mittere; â-sëóðan (coquere); â-sleán (occidere); â-spanan (allicere); â-spîvan (evomere); â-stellan (stabi- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. lire); â-svefan (sopire, sedare) Cädm. 70. Beov. 45; â- tellan (numerare); â-temjan (domare); â-tendan (incen- dere); â-tëôn (auferre) Beov. 60; â-þenjan (expandere); â-vëfan (contexere); â-vendan (avertere); â-vëorþan (projicere); â-vinnan (superare, debellare); â-vrîtan (con- scribere) u. viele andere. Mhd. er-arnen Nib.; er-ahten Wh. 2, 115 b ; er-bieten; er-bitten; er-biten; er-blenden; er-denken Parc. 1 a ; er-gâhen Parc. 30 b ; er-gëben (tra- dere) Flore 11 a ; er-geilen Parc. 174 c ; er-gengen Karl 60 a ; er-grîfen; er-gruenen (viridem facere) grundr. 261; er-jagen; er-jëten Parc. 76 c ; er-kennen; er-kiesen; er-krimmen Nib.; er-kuelen; er-kuenen Parc. 119 a Wh. 2, 121 b ; er-langen Parc. 79 a ; er-læren kl. 2400; er-lëdegen; er-lêren Wigal.; er-lë- sen; er-leschen; er-liegen (mentiri) Parc. 7 b ; er-loufen Nib.; er-manen; er-mieten (conducere) MS. 2, 143 b ; er-morden Trist.; er-nœten; er-œsen (exhaurire) Parc. 51 b ; er-rëchen; er-recken; er-ringen; er-rîten Nib.; er-schallen; er-schecken Parc. 165 a ; er-scheinen; er-schrecken Parc. 111 a ; er-sëhen Barl.; er-senden Trist.; er-slahen; er-smecken Parc. 175 c ; er-spëhen Barl.; er-sprengen Wigal.; er-sterben (inter- ficere) Wigal. Parc. 131 c : er-strîten; er-sweiƷen (sudore acquirere) Wh. 1, 2 b ; er-tœten Barl.; er-trahten; er- trenken; er-varn; er-vëhten Geo. 55 a ; er-vinden; er- fliegen (volando assequi) Parc. 149 c ; er-volgen (assequi) MS. 2, 137 b ; er-vrischen MS. 2, 243 b ; er-vürhten Barl.; er-weinen (plorare facere) Nib.; er-weln; er-wenden; er-wërben; er-zeigen (ostendere); er-ziugen (parare, af- ferre); er-zünden Nib. Nhd. er-achten; -bieten; -bit- ten; -bittern; -blicken; -denken; -eilen; -fahren; -fech- ten; -finden; -fliegen; -frischen; -greifen; -gründen; -härten; -heitern; -hohlen; -kälten; -kaufen; -kennen; -kiesen; -langen; -laufen; -ledigen; -leichtern; -mahnen; -mannen; -matten; -morden; -muntern; -müden; -mu- thigen; -nennen; -obern; -rathen; -reiten; -retten; -ringen; -rufen; -säufen; -schauen; -schlagen; -schöpfen; -schrecken; -schüttern; -schweren; -schwingen; -sehen; -sinnen; -spähen; -stechen; -streiten; -suchen; -tränken; -träumen; -wählen; -wärmen; -warten; -weichen; -wer- ben; -würgen; -zählen; -zeigen; -zielen u. a. m., obgleich mehrere frühere abgestorben sind, einige ver- bekommen, z. b. ver-eiteln, ver-gießen, ver-öden, ver-dienen, ver- treiben, endlich einzelne nur im part. praet. gelten, z. b. er-logen, er-stunken. Engl. dauern nur wenige fort: a- bare; a-bet (incitare); a-bide; a-legge (prosternere); alt- engl. noch einige andere: a-slake (mitigare); a-kêle (cool); III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. a-quelle (kill); a-felle (fell) etc. Verschiedene der hier unter 5. enthaltenen transitive, wie mir scheint aber erst in der mhd. und nhd. sprache, haben den begriff der eben eintretenden vollbringung schärfer. So bedeutet er- sehen, er-finden das wirkliche fallen des auges und gei- stes auf den gesuchten gegenstand; er-stürmen mehr als stürmen oder bestürmen die wirkliche einnahme durch sturm, vgl. ereilen, er-reichen, er-fliegen. Ja wir bil- den heutzutage neue. wörter in dieser bedeutung fort, z. b. sein brot er-betteln, er-singen, er-lanzen, er- schreiben, er-trotzen und dgl. Mhd. er-fliegen, er- sweiƷen etc. — 6) intransitiva , deren partikel, wie bei den vorigen transitivis, unmerkliche bedeutung hat und den beginn der handlung leise anzeigt. Goth. us-agljan (molestiam facere) alicui; us-dáudjan (certare); us-saljan (divertere in domum); us-þriutan (molest. facere) alicui. Ahd. ir-donerôn (intonare) N. 17, 14. 28, 3; ar-driaƷan (taedere) jun. 228. ir-thriaƷan O. I. 27, 87; ir-geilisôn (insolescere) mons. 360; ir-grûisôn (abhorrescere) mons. 363; ir-lëscan (exstingui); er-liuten (personare) N. Boeth. 61; ir-paramên (misereri); ir-peiƷan (descendere, desilire) mons. 319. 326. 362; ir-piliden (lim. esse) O. II. 3, 20; ar-plâhan (autumare) ker. 19. eigentl. aufschreien; ar- prinnan (ardere); ir-rîsan (corruere) ker. 64. 77; ir-ruo- hen (rugire) N. 37, 9; ir-scutisôn (horrescere) ker. 79. 147; ir-stërpan (mori) ker, 221. er-ftërban K. 58 b ; ir- sticchan (exspirare) mons. 365; ir-suëlhan? ir-suëllan (in- tumescere) ker. 173; ar-suînan (tabescere) hrab. 957 a mons. 383; ar-suintan (evanescere) jun. 204. O. IV. 26, 82; ar-tuelan (torpere) jun. 185. 191. 203. 229; ar-trâ- kên (taedere) hrab. 975 b ; arfaran (procedere) jun. 247; ar-wallan (fervere) hrab. 952 b ; ir-wallôn (commovere? O. Sal. 15. Ags. â-faran (exire); â-grîsan (horrere) beßer â-grŷsan?; â-hlëahhan (ridere) Beov. 57; â-lim- pan (evenire) Beov. 49. 57; â-svëltan (mori); â-svin- dan (tabescere); â-þrŷtan (affici taedio) etc. Mhd. er- barmen; er-beiƷen; er-biben Trist.; er-brinnen Nib.; er- dürsten (sitire) Nib.; er-gên (accidere, locum habere) Parc. 65 b Wh. 2, 43 b ; er-gluejen Barl.; er-hëllen Trist.; er-klingen Nib.; er-knëllen MS. 2, 57 a ; er-lachen Wigal.; er-lëschen, er-schrîen Nib.; er-siuften; er-smielen Nib. er-smieren Trist.; er-stërben; er-switzen Barl.; er-wei- nen (plorare) Barl. u. a. m. Nhd. er-barmen; -beben; -gehen; -glühen; -klingen; -löschen; -seufzen; -sticken; -zittern etc., doch sind ihrer weniger und manche nehmen III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ver- an: ver-drießen, ver-sterben. Engl. a-grise (tre- mere, horrescere); a-light (descendere). Auch diese in- trans., gleich den vorausgehenden trans., scheinen erst späterhin den begriff des beginns hervorzuheben, er-la- chen, er-weiuen, anheben zu lachen und zu weinen, er- seufzen eben den seufzer ausstoßen, während z. b. das ags. â-hlôg nichts als risit, gavisus est ausdrückt. Bei den unter 3. verhandelten inchoativis ist die bedeutung des werdens stärker, sie gehen auch alle nach dritter schw. conj.; die gegenwärtigen intr. können stark oder nach jeder schw. conj. flectiert werden. Sie berühren sich fer- ner mit den inchoativis auf ent- (s. 813.), das mhd. er- brinnen ist nhd. ent-brennen, wie das trans. er-zünden ent-zünden. — 7) privative bedeutungen des er- ent- wickeln sich auf mehr als einem wege: α ) nach einer auch an andern wörtern bemerklichen identität der be- griffe anfang und ende, drückt die part. zuweilen nicht den beginn, sondern den schluß und ausgang der hand- lung aus, hauptsächlich bei den wörtern gehen und schrei- ten. Goth. us-leiþan (transire, praeterire, abire); us- tiuhan (consummare, perficere, educere). Ahd. ir-gan- gan (peragere, evolvere) mons. 320. 360. 395. ar-gangan (consummare, finire) T. 7, 1. ir-lîdan (transire) mons. 393. erliten (confectus) N. Cap. 128; ir-përan (conficere, per- ficere) ir-bar N. Boeth. 211; ir-sîhan (excolare, prorsus exhaurire) ir-siwan (vacuefactus) mons. 317; ir-scrîtan (praetergredi) O. I. 5, 17; ir-wîhan (conficere) ir-wigan (confectus, decrepitus) mons. (wo?); ir-wintan (deesse ali- cui) O. II. 9, 102. Ags. â-gangan (evanescere): â-irnan (excurrere, emetiri); â-singan (finire cantum) Beov. 88. Mhd. er-gên, er-gân (exire = finire) Nib. 1873. Wigal.; er-lîden (transire) Parc. 21 a ; er-sîhen Wigal. 286. 402; er-wihen (conficere) Wigal. 286. Nib. 9517; er-winden (finire. cessare) Wh. 2, 89 a Barl. Nhd. finde ich dergl. wörter nicht, man sagt ver-gehen, ver-bluten (oder aus- bluten) aus-singen, doch könnte er-tragen für aushalten, er-schöpfen f. aus-schöpfen dahin gerechnet werden, wie überhaupt diese bedeutung der des wirklichen erlangens (s. 828.) begegnet. β ) die part. drückt verderben oder misgriff aus. Goth. us-kiusan ( ἀποδοκιμάζειν und ἀπο- δοκιμαςθῆναι ); us-qviman (perire, umkommen, verkom- men) und trans. mit dem dativ (perdere, interficere). Ahd. ar-klihhôn (exstinguere) ker. 253. vgl. zi-kleckan (frangere); ir-likan (deficere) ker. 95. 113. mons. 380. 398; ir-quëpan (mori, marcescere)? ich keune bloß das part. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ar-quëpanaƷ (emortuum) mons. 326, woraus eine starke bisher übersehne form quëpan, quap, quâpun gefolgert werden muß, deren sinn sich bei der zweideutigkeit des ir- nicht bestimmen läßt, vielleicht vigere, valere? vgl. ags. cviferlice (sollicite) und altn. qvëf (catarrhus); ir-tei- lan (condemnare) mons. 343. ar-teiltêr (pharisaeus, ver- worfner) sgall. 187; er-fluahhan ( devovere , verfluchen) er-fluahhan (malignus) K. 58 b ; ir-wërdan (perire, tor- pescere) mons. 324. 338. 387. O. III. 26, 67; ar-wertan (corrumpere) T. 36, 3; ir-wërfan (abortire, verwerfen) mons. 347; ir-wësan (confici, perire) ir-wëran (confectus, decrepitus) mons. 320. 338. 347. 363. er-wërni (senium) N. 70, 17. vgl. nhd. ver-wesen. Alts. â-dômjan (con- demnare); â-wërdan (corrumpi, seduci). Ags. â-biddan (deprecari) Cädm. 57; â-vyrgjan (maledicere); â-virðan (perire). Mhd. er-biten (deprecari, devovere, maledicere) Trist. 946? diese dem gewöhnlichen er-biten (precari, aber auch das lat. deprecari ist zweideutig) entgegenste- hende bedeutung fordert weitere bestätigung; sonst ver- fluochen, ver-kiesen, ver-teilen. Auch nhd. ver-bitten, ver-fluchen, ver-werfen, ver-wünschen und ver-urthei- len. γ ) die part. bedeutet ab , fort , weg . Goth. us-ni- man (auferre, nicht ausnehmen, excipere); us-þvahan (abluere). Ahd. ar-sceidan (avellere, segregare) jun. 198. 260; ar-suaran (asportare) jun. 194; ar-welzan (avellere, hrab. 953 a ; ar-ziohan (abstrahere) hrab. 958 a (avellere, exi- mere) hrab. 953 a. b. (detrahere) ker. 214. ar-zucchan ker. 26. Boeth. 196. Mhd. erziehen Trist. 7049? Beinahe nur ver- stärkung des im verbo liegenden sinnes. δ ) wirkliche berau- bung und entziehung , so daß sie in der part., nicht im verbo enthalten ist. Goth. kein beispiel. Ahd. ur-erban (exhere- dare) K. 17 a (das vorausgehende er gehört zu chint oder ist überflüßig); ir-halsan (decollare) ker. 93; ir-hirnan (ex- cerebrare) mons. 326; ir-këƷan (oblivisci) ker. 35. 218. K. 56 b ir-gëƷan O. V. 21, 7. er-gëƷen N. 118, 16. Boeth. 206. 246. ir-kiƷit (exolevit) ker. 113. vgl. das subst. â-këƷ (oblivio); er-kezan (abolere) ker. 34. er-gazto (expers) N. Boeth. 10. 19. er-gazta (rependebat) ibid. 228; ar-mein- samôn (excommunicare) K. 39 a 46 b ar-meinsamî (excom- municatio) K. 17 a 37 b ; ur-wiran (castrare, entmannen, evirare) von wir, goth. vaír abzuleiten, ar-wiran T. 100. ar-wirtê (eunuchi) ibid. vgl. ur-wir (spado) oben s. 788; ar-wîƷan (discedere) T. 22, 4. vgl. alts. giwîtan, ags. gevî- tan (ire, wohl auch abire); ur-wurzôn (eradicare) mons. 403; ar-zîhan (negare) jun. 215. mons. 324; ir-zuîgôn III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. (excerpere) jun. 192. Ags. â-mânsumjan (excommunicare); â-fyran (castrare) dem ahd. ar-wiran nur zufällig ähnlich, kann nicht für â-viran stehen, vielleicht für â-firhan, â- fëorhan von firah, altn. fir (homo, oben s. 310. 311.)? doch hat Lye auch das simplex syran in derselben be- deutung, vgl. mnl. vuren Maerl. 3. 324; â-vrîðan (sol- vere, extorquere), Mhd. er-gëƷƷen (oblivisci) hat sich bloß in der formel sô mir got ergaƷ! Herb. 101 d troj. 103 a Bon. 28, 9, wovon näher in der syntax zu han- deln ist, erhalten, außerdem stehet ver-gëƷƷen; er-getzen bedeutet nicht mehr, wie im ahd. expertem facere, son- dern reparare, vergüten, wobei doch wohl der sinn: vergeßen (ergëƷƷen) machen unterliegt, bemerkenswerth ist die form ur-getzen MS. 1, 25 a. b. ; er-kirnen (enucleare) MS. 1, 192 a ; er-rîden (solvere, entbinden?) Wigal. 429. (versch. er-rîten kl. 1027.). Nhd. kein beispiel, vielmehr ver-geßen, aus-kernen, ent-wurzeln, ent-erben. — An- merkungen: a) man vergleiche die zus. setzung der part, mit nominibus (s. 705. 706.). b) fast alle von 1-7 aufge- stellten bedeutungen greifen in einander über, einzelne composita laßen sich bald dahin zählen, bald dorthin. c) nicht selten hat ganz dasselbe compos. mehrfache be- deutung, z. b. ahd. ar-teilan gewöhrilich judicare, decer- nere, impertire jun. 201. 238. mons. 327. 376, zuweilen condemnare; mhd. er-biten gewöhnlich rogare, zuweilen deprecari; er-lîden gewöhnlich sustinere, zuweilen trans- ire, finire; er-winden bald reverti, bald finire. Diese mehrdeutigkeit tritt nach zeit und mundart noch auffallen- der hervor. Goth. us-kiusan (reprobare) ahd. ar-kiosan (eli- gere); goth. us-tiuhan (consummare) ahd. ar-ziohan (avelle- re) ir-ziohan (distringere) mons. 380. mhd. (stringere) Parc. 102 a nhd. er-ziehen (educare); ahd. ur-erban (exheredare) nhd. er-erben (hereditate acquirere); goth. us-qviman (oc- cidere) ahd. ar-chuman (terrefieri); goth. us-satjan (surgere) nhd. er-setzen (restituere); ags.â-gitan (cognoscere) ahd. ar- këƷan (oblivisci); ahd. ar-kezan (abolere) mhd. er-getzen (re- parare) nhd. er-götzen (recreare, exhilarare) etc. Die wir- kung der part. ist überhaupt historisch zu erlernen, denn warum sollte ar-huccan (meminisse) nicht ebenwohl was ar-këƷan (oblivisci) ausdrücken können? d) verwandte partikeln sind α ) be- , vgl. mhd. be-jagen, er-jagen; ahd. pi-sindan, ar-findan, pi-houwan, ar-houwan; pi- ruaran, ar-ruaran etc.; meist aber unterscheiden sich die bedeutungen: nhd. be-setzen, er-setzen; be-stürmen, er-stürmen etc. β ) ent- , vgl. goth. and-háusjan, nhd. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. er-hören; ahd. in-grûên (s. 809.) und ir-grûisôn (s. 828.); ahd. in-firnên (s 812.) ir-firnên (s. 822.); in-prinnan (s. 811.) ir-prinnan (s. 828.); ahd. ur-erban, nhd. ent- erben; mhd. er-bluejen, nhd. ent-blühen; mhd. er- zünden, nhd. ent-zünden; mhd. er-springen, nhd. ent- springen etc. oft stehen sie einander entgegen: nhd. er- mannen und ent-mannen; er-ledigen (perficere) ent-ledigen (liberare); er-fliegen; ent-fliegen, γ ) ver- , im ahd. wechseln ar- und far- häufig, späterhin steht ver- oft statt des ältern er-, zumahl in den privativen bedeutungen unter 7. Bei- spiele sind genug angegeben. Bisweilen ist der gebrauch noch jetzt gleichgültig, z. b. er-löschen, ver-löschen, ge- wöhnlich findet ein abstand statt: er-kaufen, ver-kaufen; er-wünschen, ver-wünschen; er-geben, ver-geben; er- blühen, ver-blühen; er-bitten, ver-bitten etc. das hat aber der gebrauch festgesetzt und an sich hätte jede part. beides auszudrücken vermocht. δ ) ge- , wovon unten. [ ge- ] die form ist schon oben s. 732. 733. zur sprache gekommen, hier aber einiges hinzuzufügen. Goth. über- all ga- , alts. gi- , ags. ge- , mhd. nhd. ge- , altengl. y- , plattd. e- . Ahd. der anlautende kehlbuchstabe gewöhnlich k . (c.) oder g., bei N. ten. und med. nach seiner bekannten regel abwech- selnd, bei J. und sonst einigemahl ch., in der gl. jun. zu- weilen gh. Der vocal schwankt zwischen a, e, i (nie- mahls ist er u, o) und zwar haben im ganzen ka- , ga- die welche ar-, far- (exhort. hrab. emmer. ker. bis 32.); ke- , ge- , die er-, fer- (K. und jun. theilweise, N. W.); ki- , gi- , die ir-, fir- (ker. von 32. 33. an, mons. bis 401, O. T.) schreiben, einiges ausgenommen z. b. im T. stehet for-, nicht fir-). K. braucht neben dem vor- herschenden e auch a und i. Der vocalwechsel der part. ent- läßt sich nicht parallelisieren, denn theils zeigen auch solche int-, in-, die sich zu ka-, ar-, far- bekennen, theils steht das spurweise bei den ältesten vor verbis erscheinende ant- in der regel vor nominibus, welche niemahls int- oder ent- leiden, während ge- und ver- vor diesen mit dem vocal wie vor jenen schwanken, doch das er- dem ent- darin gleicht, daß es vor no- minibus meist die besondere â-form behauptet. Seite 751. 752. habe ich für ga- ein uraltes gan- gemuthmaßt; ein solches auch hier in dem gan-wîsôn (visitare) K. 23 a = goth. ga-veisôn anzunehmen, wäre doch höchst gewagt, vielmehr scheint gân wîsôn das invisere visitare wiederzugeben, obgleich in Holstens lat. text invisere richtiger fehlt und K. fast immer kân oder kankan für III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ire schreibt. — Die ursprüngliche trennbarkeit der part. spürt sich noch im goth. an zwischenschiebung des fra- genden -u: Matth. 9, 28. ga-u-láubjats (creditisne statt ga-láubjats-u; Joh. 9, 35. þu ga-u-láubeis (tu credisne) statt ga-láubeis-u; ja es werden hva und þáu in die mitte genommen: Marc. 8, 23. ga-u hva sêhvi (num quid vi- deret (statt hva-u ga-sêhvi; Joh. 5, 46. ga-þáu-láubi- dêdeiþ mis ( ἐπιστεύετε ἂν ἐμοί ) statt þáu ga-láubidê- deiþ. — Bedeutungen: 1) ge- entspricht dem lat. com- , con- , co- und bestimmt gleich diesem den sinn des ein- fachen wortes; vorzüglich zeigt sich dieser begriff, wenn es vor starke verba tritt. Goth. baíran (ferre) ga-baíran (conferre) Marc. 4, 30. und häufig für parere, parturire; baírgan (servare) ga-baírgan (conservare); bindan (ligare) ga-bindan (vincire); brikan (frangere) ga-brikan (confrin- gere, συντρίβειν ); biugan (flectere, von knien) Rom. 14, 11. ga-biugan (circumflectere, von eisenbanden); driusan (ruere) Marc. 5, 33. ga-driusan (corruere) Matth. 7, 25; hái- tan (vocare, jubere) ga-háitan (convocare und promittere); fraíhan (interrogare) ga-fraíhan (fando audire, erfragt haben); kiusan (?eligere) kommt bei Ulf. nicht vor, wohl aber ga-kiusan (probare, comprobare); niman (capere, tollere) ga-niman (concipere, discere); niu-tan ( τυχεῖν ) Luc. 20, 35. mit dem gen., aber ga-niutan ( συλλαμβάνειν ) Luc. 5, 9. Marc. 12, 13. mit dem acc.; qviman (venire) ga-qviman (convenire); qviþan (dicere) ga-qviþan (condice- re, conspirare); rinnan (fluere) ga-rinnan (confluere); trudan (calcare, πατεῖν ) ga-trudan (conculcare, καταπατεῖν ); vri- kan ( διώκειν , persequi) ga-vrikan ( ἐκδικεῖν , vindicare). Ahd. haltan (servare, custodire, namentlich wie im goth., pecus) O. I. 12, 2. N. 7, 2. und der heiland heißt hal- tanti (servator) N. 17, 51. 46, 6. 79, 15. 100, 6. (wie goth. nas- jands, nie ga-nasjands) nie ka-haltanti von ka-haltan (conservare) gi-haltan T. 6, 10. O. I. 16, 8. IV. 1, 38; heiƷan (vocare) ka-heiƷan (promittere) ker. 16. jun. 221; hëllan (sonare) ka-hëllan (consonare) mons. 377; kân (ire) ki-kân, gi-gên (cadere, cedere, procedere) mons. 321. 362. jun. 200; lâƷan (sinere) ka-lâƷan (condonare, remittere) O. III. 11, 15. V. 23, 328. (confiteri, largiri) mons. 365. 388; lîdan (pati) ka-lîdan (ire, abire, evanes- cere) mons. 368. 385. 397. 398; likan (jacere) ka-likan (coire) mons. 338. gi-ligan (situm esse) O. III. 23, 112; nioƷan (uti, frui, sumere) gi-nioƷan (consumere) mons. 361; përan (ferre) ka-përan (gignere, parere); përkan (condere) ka-përkan (recondere, abscondere); pintan, ka- G g g III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. pintan; piotan (offerre) ka-piotan (jubere); plâsan (spi- rare) ka-plâsan (respirare) ge-blâsen N. Cap. 160; pîƷan (mordere) ka-pîƷan (depascere) ker. 100; piukan (flec- tere) ka-piukan (incurvare) hrab. 968 a ; râtan (urspr. wohl facere, regere, statuere) ka-râtan (consulere) und intrans. (incrementum capere, bene succedere); rëhhan (trudere, pellere, efferre, corripere) O. III. 5, 15. IV. 6, 42. 28, 25. gi-rëhhan (ulcisci) O. II. 5, 12. III. 8, 143. IV. 17, 38; rîsan (ruere, cadere) N. Boeth. 31. ka-rîsan (con- gruere, convenire) ker. 122. ge-rîsen Boeth. 232; rinnan (manare) ka-rinnan (coagulari) hrab. 957 b ; scrîpan (scri- bere) ki-scrîpan (conscribere) ker. 262; sinnan (ire, ten- dere) O. II. 7, 78. III. 14, 123. gi-sinnan (contendere, intendere) O. IV. 12, 97. V. 8, 43. 25, 138; sizan (se- dere) chi-sitzan (possidere) J. 392. gi-sizan (decere, wohl- sitzen, wohlstehen) O. II. 6, 14. IV. 9, 3; sprëhhan (lo- qui) gi-sprëhhan (intercedere) mons. 319. (proferre, pro- sequi) mons. 359. 376. 386; tragan (portare) ki-tragan (comportare) ker. 76; vallan (cadere) gi-vallan (contin- gere) jun. 200. mons. 331. 362. 384. und dann: bene snccedere, placere; vriosan (gelare) ka-vriosan (congelare) mons. 357. 404; zëman (decere, wohl eigentlich stille, ruhig sein?) gi-zëman (convenire). Ags. bëran, ge-bë- ran; hætan (vocare) ge-hætan (spondere); hëaldan (te- nere) ge-hëaldan (continere); lætan (sinere) ge-lætan (relaxare); licgan (jacere) ge-licgan (concumbere); irnan (currere) ge-irnan (recurrere); trëdan (calcare) ge-trëdan (conculcare) u. a. m., doch scheinen mir in dieser mund- art die bedeutungen des simpl. und comp. öfter als im ahd. zus. zufallen. Mhd. bërn (ferre) ge-bërn (gignere) Parc. 114 a ; bieten, ge-bieten; brëchen (frangere) ge-brë- chen (confringere und confringi, deficere) Vrib. Trist. 242; halten, ge-halten; heiƷen, ge-heiƷen; nîgen, ge- nîgen (procumbere, inclinari) Trist. 2682; lân, ge-lân (remittere, condonare) Barl. 52. 110; ligen, ge-ligen (procumbere, recumbere, finiri) Parc. 27 a Wigal. Barl. 86. 284; lingen (niti, studere, accelerare?) Ben. 244. Bon. 48, 34. ge-lingen (bene succedere); nagen (rodere) ge-na- gen (corrodere); râten, ge-râten; sitzen, ge-sitzen (con- sidere, residere) Parc. 79 b Nib. 1603; stân (stare) ge-stân (consistere, durare); swîgen (tacere) ge-swîgen (conticere) MS. 1, 123 a ; vallen, ge-vallen; vriesen, ge-vriesen. Nhd. stehen sich nur einige gegenüber, indem bald das simpl. bald das comp. ausgestorben ist: bieten, ge-bieten; brechen, ge-brechen; fallen, ge-fallen; frieren, ge-frieren; rinnen, III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ge-rinnen; rathen, ge-rathen; stehen, ge-stehen (confiteri, d. h. bei einer behauptung bleiben, zuweilen auch noch soviel als gerinnen). Die angeführten beispiele lehren, daß die deutsche part. gewöhnlich dem lat. con- , zuwei- len auch dem re- , oder einigen andern part. entspricht, daher sie manchmahl mit dem bi- wechselt, z. b. T. 6, 6. ist conservavit durch gi-hielt, 12. 9. durch bi-hielt verdeutscht. Nicht selten liegt im composito ein begriff der dauer und des anhaltenden (ge-sitzen, ge-ligen, ge- swîgen, ge-rinnen, ge-friesen etc.) wovon ich hernach mehr sagen werde; einigemahl auch der des gedeihens und wohlergehens (gegên, ge-lingen, ge-râten, ge-sitzen, ge-vallen); in beiden fällen sind es lauter intransitiva. oft aber hat das ge- vor starken verbis einen ganz un- merklichen sinn und fällt mit dem simpl. zusammen, wie sich servare und conservare, scribere und conscribere nahe kommen. Goth. übertragen fahan Joh. 7, 44. 8, 20. und ga-fahan Joh. 7, 32. Luc. 20, 20. beide πιάζειν (ca- pere); saíhvan und ga-saíhvan bedeuten beide videre, ob- gleich jenes mehr βλέπειν und ὁρᾶν , dieses mehr εἰδέναι ausdrückt; lisan sowohl συνάγειν als ga-lisan; sakan und ga-sakan; sitan und ga-sitan; sviltan und ga-sviltan scheinen bei Ulf. einerlei. Ahd. sind meistens gleichbedeutig duin- gan, gi-duingan; chiosan mons. 328. N. 9, 14. gi-chiosan mons. 321. 376. (deliberare, providere); slahan, gi-slahan; sceidan, gi-sceidan; sëhan, gi-sëhan T. 64, 5, 6; suërban, gi- suërban; vâhan, gi-vâhan etc. Nicht anders im ags. und mhd.; allein im nhd. sind wenige ge- erhalten worden und je- des, wenn das simplex daneben gilt, verändert dessen bedeutung, wir dürfen nicht mehr sagen: ge-zwingen, ge-scheiden, ge-sehen, ge-fangen etc. — 2) vor schwa- chen verbis hat die partikel weit seltner die hervorge- hobne bedeutung von con-, ohne zweifel, weil abgelei- tete verba an sich beschränktes, enges sinnes sind. Nur zuweilen finde ich noch einigen unterschied, namentlich bei verbis zweiter und dritter conjugation . Goth. laþôn ( καλεῖν ) Matth. 9, 13. Marc. 2, 17. ga-laþôn ( συγκαλεῖν ) Luc. 5, 16; haban (habere) ga-haban (tenere, retinere); svêran ( τιμᾷν ) Marc. 7, 6, 10. 10, 19. Luc. 18, 20. scheint weniger als ga-svêran ( δοξάζειν ) Joh. 12, 16. 13, 31; da- gegen sind gleichviel ïdreigôn, ga-ïdreigôn; salbôn, ga- salbôn; supôn, ga-supôn; áistan, ga-áistan; arman, ga- arman; leikan, ga-leikan; slavan, ga-slavan; þahan, ga- þahan; þlaíhan, ga-þlaíhan; þulan, ga-þulan; tráuan, ga- tráuan; einige finden sich nicht ohne ga- vor, z. b. ga- G g g 2 III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. veisôn (visitare); ga-kunnan (observare). Ahd. entspre- chen etwa folgende composita einem gelinden con- oder re- : gi-ëpanôn (complanare) mons. 357. O. III. 22, 59; gi-hûfôn (coacervare, congerere) jun. 178. mons. 363. 395; ki-mahhôn (coaptare, jungere) ker. 5. (comparare) ker. 75. gi-machôn O. II. 8, 104; ki-sitôn (coaptare, con- glutinare) ker. 49. 62. ka-sitôn (distendere?) hrab. 959 b ; ki-statôn (collocare) K.; gi-magên (convalescere) mons. 342. T. 196, 2. gi-ummagên (dejici) mons. 324; gi-sagên (condicere, exponere) mons. 338. 390. 393. (denuntiare, asseverare) hrab. 950 b 960 b 971 b ; ka-folgên (consequi) ker. 15; ki-lathôn (revocare) jun. 238; ka-lapôn (refocil- lare, reficere) jun. 248. mons. 359. 400. 410. 413; gi-sco- wôn (respicere) T. 2, 11; ka-hapên (retinere) exhort. sih gi-hapên (agere, sich zusammennehmen, anhalten zu et- was) mons. 326. 327. 330. 364. 365; gi-linên (recumbere) mons. 395; gi-rastên (respirare) mons. 364; ki-stillên (con- quiescere, requiescere) jun. 248. mons. 344. 361. Allein es durfte auch ohne merklichen unterschied ëpanôn, hû- sôn, sitôn, rastên, stillên gebraucht werden, wie z. b. nach metrischer bequemlichkeit O. mit sitôn II. 14, 176. III. 4, 24. 14, 38. 214. IV. 11, 51. 12, 73. V. 7, 21. und gi- sitôn I, 2, 97. IV. 8, 33. 11, 7. 17, 7. 27, 14. V. 16, 19. in gleicher bedeutung (id agere, aptare, instruere) wech- selt. Hier folgen andere beispiele der zus. setzung: gi- chestigôn (coercere) mons. 374. 399; ge-chlagôn N. Boeth. 183; ka-entëôn (consummare) hrab. 951 b (consumere) ker. 81; chi-halôn (adipisci) J. 408. ka-halôn hrab. 952 a 963 b mons. 402. (cognoscere) mons. 359; ka-impitôn, k- impitôn (conserere, inserere) jun. 184. 186; gi-grapôn (oppilare) mons. 361; ki-lakôn (obsidere) ker. 218; gi- lëchôn (lambere) O. III. 10, 73; gi-lidôn (separare, con- cidere) mons. 321. 385. wohl das nhd. gliedern, zer- stücken? die verderbte gl. ni gialode (non concidat) mons. 326. zu ändern in: ni gi-lidô?; gi-lônôn jun. 180; ge-mâ- lôn (in jus vocare) N. Boeth.; ke-minnôn (diligere) K. 28 a ; gi-marchôn jun. 178; gi-offonôn (promere, denudare) mons. 357. 380; ka-panôn (aequare) ker. 21; ka-paron (detegere) mons. 404; chi-rahhôn (narrare, exponere) J. 343. hrab. 961 b 962 a ; gi-reinôn (purgare) O. II. 24, 41; ki-rôpôn (numerare) ker. 241. ge-ruobôn N. Boeth. 30. vgl. ruaba (indictio) jun. 211. roaba (numerus) K. 35 a. b. wofür ruava K. 16 b 22 a ; ki-scaffôn ker. 114; ki-scëssôn (dolare) mons. 405; gi-sculdôn (exigere) mons. 384. 387. 394; ge-statôn (habitare) N. Boeth. 186; gi-temperôn III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. (condire) mons. 353; gi-dragôn O. IV. 12, 100; ka- tuâlôn (remorari) mons. 402; ge-willôn (favere) N. Boeth. 206; ge-wîsôn (visitare) W. 5, 4. beim O. wîsôn I. 10, 8. II. 2, 42. III. 3, 46. IV. 15, 94. auch T. 4, 18; gi-za- môn (subigere) mons. 387; gi-zilôn O. IV. 4, 11. 6, 45. 14, 18; ke-zimbrôn K. 18 b ; ca-chunnên (gustare) ker. 27; ka-hlûtrên (liquescere) hrab. 968 b ; g-îlên (conari) ker. 30; ki-lirnên (discere) ker. 49; ka-makên (vigere) hrab. 972 a 976 b ; ge-mâlên (pingere) N. Boeth. 110; ge-mëtemên (mo- dificare) N. Cap. 20; ki-pârên (gestire) ker. 251; gi-rîfên (arescere, maturescere) mons. 370; ki-stabên jun. 180. 216; ca-stillên hrab. 973 b ; ki-storkanên jun. 216; ka-suî- gên hrab. 960 b u. a. m. Mhd. beispiele, in welchen man nur selten die vorstehende bedeutung der part. erkennen wird: g-arnen Ulr. Trist.; ge-bâren Parc. 32 c Karl 15 a ; ge-dagen Barl.; ge-dienen Barl.; g-enden Trist.; ge-êren Wigal.; g-ernen Parc. 61 a ; ge-haben troj. 79 a Barl. Wi- gal.; ge-hagen MS. 2, 29 a ; ge-haƷƷen MS. 1, 38 b ; ge- jagen Trist.; ge-lërnen Parc. 106 b 125 c ; ge-lônen Nib.; ge-machen Trist.; ge-minnen Barl.; ge-nâden Wigal. Nib.; ge-prîsen Wigal.; ge-reden MS. 1, 141 a Nib; ge- sagen Barl.; ge-schaden Trist.; ge-schamen Nib.; ge- schouwen Nib.; ge-schulden Trist.; ge-sigen Trist.; ge- staten Nib.; ge-volgen Nib. Trist.; ge-warten MS. 2, 143 a ; ge-ziln Barl. etc. doch sind nicht wenige ahd. comp. dieser art bereits untergegangen. Nhd. dauern kaum einige fort: ge-bahren (zuweilen noch für: sich gebährden); ge-haben (in der redensart: sich wohl, übel gehaben); ge-langen; ge-statten; ge-ziemen; auch hier wird ge- durch ver- (ver-dienen, ver-ehren, ver-schul- den) und er- (erjagen, erlernen) vertreten. — 3) schwache verba erster conj. verändern beinahe gar nicht ihre be- deutung durch die vorgesetzte partikel. Goth. baírhtjan Joh. 7, 4. und ga-baírhtjan Joh. 14, 22. Marc. 4, 22; bandvjan Matth. 26, 73. Luc. 1, 22. und ga-bandvjan Luc. 1, 62; bleiþjan Luc. 6, 36. und ga-bleiþjan Marc. 9, 22; bôtjan Marc. 5, 26, und ga-bôtjan Marc. 9, 12; dômjan und ga-dômjan; dragkjan und ga-dragkjan; fulljan Matth. 27, 48. und ga-fulljan Marc. 5, 36. (beide mit dem gen.); háiljan und ga-háiljan; háusjan und ga-háusjan; hnáivjan und ga-hnáivjan; huljan Marc. 14, 65. und ga-huljan Matth. 8, 24. Luc. 9, 45; hvôtjan und ga-hvôtjan; kann- jan und ga-kannjan; lagjan und ga-lagjan Luc. 9, 58. Joh. 15, 6; láusjan und ga-láusjan; lêvjan und ga-lêvjan; manvjan und ga-manvjan; marzjan und ga-marzjan; III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. matjan und ga-matjan; mêljan und ga-mêljan; mikiljan und ga-mikiljan; nasjan und ga-nasjan f. servare, doch nur nasjands, nicht ga-nasjands s. heiland; natjan Luc. 7, 38. und ga-natjan Luc. 7, 44. beide f. βρέχειν ; rahnjan und ga-rahnjan; satjan und ga-satjan; stráujan und ga-stráujan Marc. 14, 15; táiknjan und ga-táiknjan: táujan und ga-táu- jan Neh. 5, 13, 15; timrjan und ga-timrjan; þiuþjan und ga- þiuþjan; vagjan und ga-vagjan beide f. σαλεύειν ; vasjan Matth. 6, 25, 30, 31. 11, 8. und ga-vasjan Matth. 6, 29. 11, 8. Marc. 1, 6. Luc. 8, 27. 16, 19. Joh. 19, 2. Nur sel- ten wird man kleiner unterschiede gewahr: láugnjan ist negare Marc. 14, 70. Luc. 8, 45. ga-láugnjan celari ( λα- θεῖν ) Marc. 7, 24. Luc. 8, 47. ga-láugnjan sik ( περικρύπ- τειν ) Luc. 1, 24; vandjan übersetzt στρέφειν Matth. 5, 39. Luc. 7, 9. ga-vandjan ἐπιστρέφειν Matth. 9, 22. Marc. 4, 12. 5, 30. 8, 33. Luc. 1, 16, 17. 17, 31. Joh. 12, 40. ἀποστρέφειν Matth. 27, 3. ὑποστρέφειν Luc. 1, 56. Gewisse kommen nicht ohne ga- vor: ga-blindjan, ga-dáiljan, ga-dáubjan, ga-diupjan, ga-dráusjan, ga-sahrjan, ga-hastjan, ga-hráin- jan, ga-hveitjan, ga-ïbnjan, ga-láubjan, ga-máinjan (pol- luere, gagamáinjan Marc. 15, 23. verschrieben?), ga-malv- jan, ga-máudjan, ga-maúrgjan, ga-môtjan, ga-náitjan, ga- nanþjan (cessare) Luc. 5, 4; ga-sigljan, ga-skeirjan, ga- sleiþjan, ga-suljan, ga-stagqvjan, ga-svikunþjan, ga-sôþ- jan, ga-svôgjan, ga-tamjan, ga-tulgjan, ga-valjan, ga-varg- jan; umgekehrt andere nicht mit der part. z. b. bláuþjan, hazjan, kaúrjan, natjan, sandjan, valtjan, varjan, varmjan etc.; allein diese durften wohl in andern unbekannten fällen das ga- annehmen und jene abwerfen, wenigstens die meisten, wenn es auch einzelne immer (ga-láubjan?) oder nie (sandjan?) hatten. Ahd. macht es der überaus häufige gebrauch der partikel unmöglich, die meisten beispiele zu sammeln, in beinah allen fällen würde auch das einf. verb. stehen können: ka-chennan (gignere) hrab. 965 a ker. 274; ka-chnupfan (connectere) hrab. 955 b ; ka-chripsan (arripere) hrab. 954 b mons. 402; gi-kualan (refrigerare) O. III. 18, 141; chi-chundan J. 357. 369. 371. ker. 88; ki-henkan (consentire) ker. 16. 50; ki-hêlan (salvisicare) ker. 219; ga-hirman jun. 188. ker. 59; ka-hirzan (concordare) K. 36 a ; ke-hneigan (inclinare) K. 16 b ; gi-hôhan (exaltare) mons. 331. 348; gi-hônnan (humiliare) mons. 323. 325. 354; chi-hôran (audire) J. 357. 358. 376. ker. 60; ka- hreinan (emundare) ker. 5. 26; ke-huckan (meminisse) K. 20 a 21 b gi-huccen (retinere) mons. 323. 325. 382; g- irran (conturbare) mons. 335. 366; gi-garawan (parare); III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ki-lekan (sternere) ker. 263; ki-lengan (protrahere) mons. 366; gi-lepphan O. II. 14, 55: ki-leitan (reducere) ker. 238; ka-lîman (conglutinare) hrab. 956 b 957 b ; gi-liupan, g-liupan (probare, commendare) mons. 380. 384. 396. gi- liuban O. III. 20, 142. IV. 36, 24; ka-laupan (credere) hrab. 958 a sih gi-loupan, alicujus (deficere) mons. 331; ka- mâran (promulgare) hrab. 972 a ker. 91; ki-mietan jun. 197; gi-meinan (arbitrari) O. III. 4, 74. 6, 81. 17, 78. 20, 369. IV. 6, 66. vom goth. ga-máinjan durchaus ver- schieden; gi-nendan (audere) O. III. 22, 115. wiederum ganz anderer bedeutung als das goth. ga-nanþjan; gi-ner- jan (conservare) O. I. 5, 108. IV. 18, 58. (reparare) mons. 391; gi-nezan (tingere, rigare) mons. 395; ka-neiƷan (con- ficere) mons. 411; gi-nickan (conterere) mons. 330. 341; ka-naotan (cogere) hrab. 957 a gi-nôtan mons. 384. 398. 401; gi-nuogan (suppetere) mons. 391; ca-augan, gi-ou- gan (ostendere) ker. 18. 168. T. 46, 4; ka-peitan (exigere) hrab. 962 b 957 a ker. 63; gi-pirnan (animare, erigere) mons. 364. 391; gi-plôdan (dissolvere) mons. 324. 331. 336; ki- pouhhanan (adnuere) jun. 195; ka-preitan (dilatare) hrab. 960 a ker. 91; ki-prûtan (stuprare) jun. 189; ke-purjan (contingere) K. 58 b gi-burjen T. 224. 2. O. IV. 32, 11; chi-quihhan (vivisicare) J. 356; gi-rennan (conflare, coa- gulare) mons. 337. 342. 346. 347; ki-rihtan (collocare, di- stribuere) ker. 97. mons. 321. 331. 337; gi-sceinan (osten- dere) O. III. 15, 37; ki-scendan (confundere) ker. 269; ki-scepfan (recreare) ker. 239; ki-scirman (opitulari) ker. 215; gi-skrenkan (clathrare) O. I. 27, 120; gi-scultan (commereri) mons. 323. 324. versch. von dem s. 836. be- merkten gi-sculdôn; ki-sezan (componere) ker. 78. 93. 116. 263. mons. 333; ki-staltan (collocare) jun. 259; chi- stiftan J. 398; gi-stillan (mitigare) mons. 352. 357. O. III. 19, 40. IV. 23, 44; gi-stiuran (sustentare) mons. 357. 373. 385; ca-soachan (acquirere) ker. 15. (experiri) mons. 403. (exigere) monf. 390; ca-sônan (concordare) ker. 21. ki- soanan (dijudicare) ker. 90. I08; gi-suoƷan (condere); gi- sueigan (comprimere) mons. 390; ka-tuon, giduan (facere) häufig, hat in den gl. zuweilen noch den sinn von con-: ka-tëta (condidi) mons. 406. ki-toat (congerit) ker. 77. doch J. 356. stehet z. b. chi-dëda und dëda nebeneinan- der beide für fecit; gi-tuoman, gi-duamen O. V. 10, 63; gi-valgan (temerare) mons. 374. 384; ka-filan (secare) hrab. 974 b ; ca-fruman (condere, facere) ker. 18. 115. J. 350. mons. 363. 380. 408; ka-fôcan (coaptare) hrab. 955 b ker. 49. 101. 150. mons. 407; ki-fualazan (attrectare) jun. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. 193; ka-fullan (explere) hrab. 962 b ker. 115; ki-wellan (eligere) K.; gi-wëran (facere) mons. 323. 354; gi-weih- han (frangere, curvare) mons. 326. 350. 357. 395; gi-wî- han (conficere) mons. 350. 374. 378; gi-wîtan (dilatare) mons. 333; chi-wurchan J. 375; ke-zellan (computare) K. 16 b ; gi-zieran (pingere) mons. 329. 336; ka-zinsan (cen- sere, condemnare) mons. 332. 408. Hiernach beurtheile jeder die geringe bedeutung der part.; da wo sie zumeist con- auszudrücken scheint, liegt der sinn des verbinden- den schon in den verbis, z. b. gi-chnupfan, gi-vuogan. In einigen ist freilich das gi- unerläßlich, wie in gi-lou- ban und gi-rennan, aber letzteres ist aus dem starken gi- rinnan abgeleitet und nicht neu zusammengesetzt. Ein- zelne scheinen die part. immer zu entbehren, z. b. sendan (mittere). Mhd. gibt es zwar noch viele solcher compo- sita, allein im ganzen hat ihre zahl abgenommen. Bei- spiele: ge-bluejen Wigal.; ge-bueƷen Barl.; ge-denken; g-enden Trist.; ge-gërn Trist.; ge-grueƷen Nib.; ge- heften Parc. 124 b ; ge-hœnen Parc. 125 a ; ge-hœren (au- dire) Barl. Trist.; ge-hügen (recordare); ge-kêren Trist.; ge-legen Nib. 3555; ge-lenden Trist.; ge-leisten Trist.; ge-louben; ge-lüsten; ge-nenden Trist.; ge-nennen; ge- nern Wigal. 185; ge-niuwen Parc. 98 a ; ge-recken Wi- gal.; ge-ringen (adlevare) Wigal. versch. vom starken g- ringen (pulsare, den ring an der thüre rühren) Parc. 104 c ; ge-refsen Barl.; ge-rueren Nib.; ge-senden Wigal. 429. Nib. 4640. 8896; ge-setzen Trisi.; ge-sprengen Trist.; ge-stellen Trist.; ge-stiuren Trist.; ge-sueƷen Ulr. Trist.; ge-sweigen Barl.; ge-tiuren Wigal.; ge-tuon Nib. Barl.; ge-trœsten Trist.; ge-trueben Trist.; ge-vellen Trist.; ge- veigen Trist.; ge-vuegen Wigal.; ge-wenden; ge-wërn; ge-würken u. a. m. Nhd. bloß noch: ge-bühren; ge- hören (pertinere, versch. von hören, audire); vielleicht k-nicken f. g-nicken (conterere)?; g-lauben; ge-währen. — 4) gebrauch der partikel vor verbis intransitiver und passivischer bedeutung. a) die goth. intransitiva auf -nan (oben s. 166. und 1, 854.) lieben ga-, wenn nicht schon eine andere part. vorsteht: ga-batnan, ga-dáuþnan, ga-drôb- nan, ga-haftnan, ga-háilnan, ga-nipnan, ga-qviunan, ga- staúrknan, ga-þlahsnan, ga-vaknan; zum begriff scheint es aber nicht nothwendig, vgl. veihnan. Eine bekanntlich den andern dial. abgehende sorm. b) einigemahl scheint der sinn des passivums durch das ge-, zwar nicht hervorge- rufen, doch gehoben zu werden: goth. vaírþan ( βάλλειν ) ga-vaírpan ( βληθῆναι ) Marc. 9, 45. (so wie at-vaírpan III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. Marc. 9, 47.); ahd. heiƷan (vocare, jubere), ka-heiƷan (vo- cari) und so auch mhd. heiƷen untersch. von ge-heiƷen Barl. 74. 237. 238, allein es stehet ahd. und mhd. das ver- bum häufig ohne gi-, ge- für vocari, schwerlich mit der part. für jubere; mhd. ge-heilen (sanari) MS. 1, 48 a ; ahd. râtan (consulere) ka-râtan (bene consuli, prosperare); mhd. brëchen (frangere) ge-brëchen (frangi, deficere); nhd. heißen (vocari) heilen (sanari) aber ge-rathen, ge- brechen. Im grunde scheint dieses ge- nichts, als das auch vor andern, entschiedneren intrans. stehende, z. b. ahd. gi-nësan (evadere, servari) gi-lîdan (recedere) gi-nî- gan (inclinari) gi-stillên (sedari) ge-linnan (idem) etc. — 5) gebrauch der part., verba aus nominibus zu zeugen? Fürs goth. leugne ich ihn, denn sollten auch ga-baírhtjan ga-bleiþjan u. s. w. aus den adj. baírhts, bleiþis herrüh- ren, so ist das ga- dazu unerforderlich und bloß dem schon gebildeten verbo baírhtjan etc. zugetreten; es kommt daher auch baírhtjan u. a. einfach vor. Ahd. liegt zwar vielen verbis aller schwacher conj. mit gi- ein nomen unter: a) seltner subst., z. b. gi-aharen (spicare) mons. 389; g-âwiccôn (exorbitare) mons. 376; ki-angustan (angere); kiantlenkan K. 33 a ; ki-antheiƷôn (immolare) ker. 175; ge-antwurten Boeth. 247; ge-underskeitôn Boeth. 36; ke-ummuaƷôn (occupari) K. 48 a ; gi-ridilôn (discriminare) mons. 359; gi-wittôn (idem) ibid.; gi-vaskôn (cataplasmare) mons. 335; ki-piheiƷôn (conjurare) jun. 191; ki-pauhhannen (adnuere) jun. 195. b) häufiger adj.: gi-rûhan (exasperare) mons. 385; ki-stillan (sedare) ki-un- stillan (inquietare) K. 48 b ; ke-unfrewan (affligere) K. 39 b 40 b jun. 195; ka-unreinan (commaculare) mons. 409; ki- hlûtiran (declarare) ker. 85; ka-acwissôn (publicare) hrab. 960 a ; gi-chalawen (decalvare) mons. 332; gi-magiran (ta- befacere); gi-liut-mâran (publicare) mons. 381; ki-moat- saman (consecrare) ker. 83; ge-anterôn (imitari) N. Boeth. 259. (referre) Cap. 109; gi-sihhirôn (purgare) mons. 326. 376. 379; ka-einôn (adunare) mons. 404; gi-ëpanôn (ae- quare); gi-lîphastôn (vivisicare) mons. 397; gi-mëƷhaftôn (moderari) mons. 351; ki-noaƷsamôn (consociare) ker. 49; ke-nuhtsamôn (sufficere) K. 43 b ; ke-ruahhalôsôn (negli- gere) K. 42 b ; ki-frêhtîcôn (defoenerare) ker. 83; ge-gra- segôn (gramine obducere) N. Cap. 67; ge-sâligôn (beare) ibid. 61; ki-ôtokôn (ditare) jun. 201; gi-sêragôn (vulne- rare) mons. 362. 389; ca-turstîcôn (usurpare) ker. 33; ge-frôniscôn (decussare?) N. Cap. 164; gi-mêrôn (amplifi- care) mons. 347. 354. 357. 365. 394; gi-minnirôn (mi- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. nuere) mons. 334. 345. 356. chi-minnerôn J. 398. ka- minnirôn hrab. 960 a ; gi-wirsirôn (depravare) mons. 333. 376; ge-argerôn (scandalizare) N. 22, 4; ki-peƷirôn (di- tare) ker. 83. gi-peƷirôn (lucrisicare) mons. 350. 368. 377. gi-paƷirôn (justificare) mons. 344; ge-wîterôn (amplificare) N. Cap. 169; gi-fordorôn O. III. 18, 82; ki-stillên (quiescere) K. 47 a ; gi-pluotagên (sanguinare) mons. 357. Allein auch zu allen diesen ahd. wortbildungen halte ich die part. nicht für wesentlich, es darf ebenwohl aha- ren — pluotagên heißen. Mhd. find es der beispiele we- niger: ge-anegengen MS. 2, 123 b ; ge-friden Nib. 8016; ge- sr iunden MS. 1, 64 b ; ge-ëbenmâƷen Barl.; ge-herber- gen Trist.; ge-wurzen Trist.; ge-unêren Trist.; ge-stillen (sedare); ge-unsueƷen Tit. 157; ge-linden (emollire) Wi- gam. 61 a ; ge-mêren; ge-minnern etc. welche sämtlich das ge- entbehren dürfen. Nur bei intrans., die vor- mahls der dritten conj. gehörten, scheint mir die part. zur hervorhebung des inchoativen sinnes nothwendig, z. b. ge-linden (mollescere) ge-stillen (quiescere), wenn es solche mhd. wörter gibt, mir ist kein beleg zur hand als ge-mannen (pubescere) Tit. 35, wofür schwerlich mannen steht. Etwas anders sind die von den subst. ge- nôƷ, ge-selle, ge-sinde abgeleiteten verba ge-nôƷen Barl. ge-sinden Trist. Barl. ge-sellen, denen das ge- freilich wesentlich bleibt. Im nhd. gibt es bloß noch solche der letztern art, d. h. deren ge- im nomen liegt: g-lücken, ge-lüsten, ge-sellen. — 6) privative bedeutung entwickelt sich theils aus dem begriffe cum: ge-rinnen, d. i. zusam- menfließen, folglich aufhören zu fließen, theils aus dem begriff des verbi, den die partikel hervorhebt: ge-linnen (cessare) MS. 2, 135 b ; ge-ligen (danieder liegen, ermatten, stille sein, cessare) N. Boeth. 110; ge-brëchen (deficere); ahd. ki-lîdan (abire, transire); wie ist das goth. ga-nanþjan ( παύειν ) zu nehmen? — Anmerkungen: a) bei verglei- chung der mit ge- componierten nomina findet sich häu- figes einstimmen der gelinden bedeutung (ge-wërban, ge-wërp; ge-rëchen, ge-rich etc.), seltner der stärkeren (gi-mah, gi-mahhidi, gi-mahhôn). b) verwandt ist die part. α ) dem er- , vgl. gi-slahan mons. 323. mit ar- slahan, gi-rëhhan mit ar-rëhhan, gi-strîtan (obtinere) mons. 373. 375. mit er-streiten etc. β ) dem be- , vgl. gi-hapên, pi-hapên; gi-chnupfan, pi-chnupfan etc. — c) es gibt verba welche das ge- nie annehmen und an- dere, die es nicht entbehren können: α ) nie bekommen es z. b. die goth. falþan, finþan, ginnan, graban, greipan, III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. greitan, haldan, hlahan, láikan, lêtan; die ahd. këltan, kinnan, quëman, vindan etc., doch kann, bei der quellen unvollständigkeit darüber keine sicherheit gegeben werden und die mundarten weichen ab, z. b. ahd. findet gi-lâƷan statt T. 19, 6. mons. 381. vgl. oben s. 840. β ) unentbehrlich ist es dem goth. ga-láubjan (credere), ga-leiþan, ga-nisan (während nasjan vorkommt), ga-staldan, ga-skapan, ga-tairan, ga-teihan; dem ahd. ka-loupan, ka-limfan, ka-nësan (neben nerjan), ka- rîman, ka-vëhan, ka-wahan, ka-winnan (vincere) u. a. m.; nhd. fehlt es nie in g-lauben, ge-nesen (neben nähren), g- önnen, ge-schehen, ge-winnen vgl. oben s. 835. 838. Ueber beides müßen zukünftig vollständige verzeichnisse nach zeit und mundart geführt werden. — d) von besonderer erheb- lichkeit und umständlicher zu erörtern ist der zus. hang der partikel ge- mit dem begriffe dauer und vergangen- heit , und der einfluß , den sie nach und nach auf die conjugation erlangt hat. α ) daß die idee des anhalten- den , ruhigen, behagenden mit dem ge- verknüpft sei, be- weisen genug beispiele: goth, visan (esse) ga-visan (ma- nere, habitare) Luc. 8, 27; und obgleich auch das ein- fache visan bene esse ausdrückt (Luc. 15, 24.) hebt es doch die part. mehr hervor, vgl. ge-râten (prospere ca- dere) ge-vallen (placere). Ligen wird, genau betrachtet, von einem gesagt, der jeden augenblick wieder aufstehen kann; ge-ligen (niederliegen) wenn er sobald nicht, oder gar nicht wieder aufkommt, daher: tôt gelac Barl. 86, oder kindes gelac Parc. 27 a von einer wöchnerin, einfa- ches lac wäre hier unbezeichnender, keineswegs unzu- läßig (lac tôt Parc. 115 c ). Dasselbe gilt von sitzen und ge-sitzen, ge-saƷ heißt Parc. 79 b offenbar: konnte sitzen bleiben. β ) diese idee der dauer gebührt nun allerdings dem ganzen verbo für alle tempora und es darf nicht bloß gelae, gesaƷ, sondern auch geliget, gesitzet in sol- chem sinne gebraucht werden. Begreiflich aber bedient sich das praeteritum der ge-form am liebsten und häufig- sten, weil die vergangenheit eine vollbringung der hand- lung in sich schließt. Die partikel kann also unserer sprache die ihr abgehende manigfaltigkeit der flexionen für das praet. einigermaßen vergüten helfen, lac und ge- lac, saƷ und gesaƷ entsprechen ungefähr zwei verschied- nen griech. temporibus. Ich will einige belege anfüh- ren, daß die part. hauptsächlich gern im praet. zutritt. Goth. dugann natjan ( ἤρξατο βρέχειν ) Luc. 7, 38. gana- tida ( ἔβρεξε ) Luc. 7, 44; táikneiþ (monstrat) Marc. 14, 15. ga-táiknida (monstravit) Luc. 3, 7; vasjáiþ (vestiatis) Matth. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. 6, 25. vasjiþ (vestit) Matth. 6, 30. gavasida Matth. 6, 29; sitáiva (ambo sedeamus) Marc. 10, 37. gasat (sedit, auf das fullen) Marc. 11, 4. du baíran jah gibar (pariendi et pe- perit) Luc. 1, 57. Ahd. zi bëranne inti gibar (pariendi et peperit) T. 4, 9; bâri inti gibar (pareret et peperit) T. 5, 13; bëran (parere) O. I. 9, 4. gibârin (parerent) O. III. 20, 12; spenit O. II. 4, 173. gispuan V. 8, 100. Mhd. swër pfliget oder ie gepflac MS. 1, 147 a ; sô vil sô gesanc ie man MS. 1, 64 a ; gelas Parc. 78 c ; gawân brach iedoch den kranz; dô gawân daƷ rîs gebrach Parc. 145 b ; der gast sich dâ gelabte Parc. 40 a ; gesouch Parc. 113 b ; als ir der künec geriet Nib. 2059. vgl. Parc. 81 b 121 b 126 a ; swie vil man gote gediente oder iemen dâ gesanc Nib. 3389; ge- lëbete Nib. 3404; dô er ir rede gehôrte Nib. 3476; dô man gaƷ Wigal. 29. dô sî gâƷen und gesâƷen Wigal. 160; swaƷ im leides ie gewar Wigal. 278. 309. hingegen waƷ leides ir wërre Wigal. 92. 183. Mit solchen beispie- len ließen sich ganze bogen füllen; im nhd. fallen sie aber völlig weg, es gibt kein wandelbares ge- mehr, sondern wo es im praet. erlaubt ist, kann es auch dem praes. nicht mangeln (gehörte, gehört; gestattete, gestattet), wo es dem praes. mangelt, dem praet. nie ge- geben werden. Man hat auch die sache nicht so anzuse- hen, als ob früherhin die part. dem praet. nothwendig oder für das praes. untauglich gewesen sei. Eine menge stellen werden sie im goth. ahd. mhd. ebenwohl vor dem praes. zeigen oder dem praet. abgehen laßen, selbst da, wo die handlung perfectiv zu nehmen wäre. Bloß eine merkliche vorneigung der part. zu dem praet. behaupte ich und glaube übrigens, daß für den ältesten sprach- stand, wie im nhd., unabhängigkeit des ge- von den tem- poral unterschieden eintrat. Es hatte dann noch seine schärfere bedeutung, die keinem tempus entzogen wer- den durfte, so wenig dies späterhin in allen fällen, wo sich das compositum durch einen besonderen begriff aus- zeichnet, oder der spracheigensinn ein vielleicht bedeu- tungsloses ge fordert, verstattet war. Weil aber das ge- meistentheils einen ganz geringen nachdruck gab, der sich mit dem begriff der dauer berührte, so band es die zu- letzt wieder verfliegende feinheit des sprachgefühls eine zeitlang doch nie fest und sicher an tempusunterscheidun- gen. γ ) durch die betrachtung des ge- vor dem partic. praet. wird das gesagte bestätigt. Ursprünglich gebührt dem einfachen verbo auch im part. praet. einfache form und die partikel kann nur dann in letzterm erscheinen, III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. wenn das ganze verbum mit ihr componiert ist. Allge- mach aber gewöhnte sich die sprache, um den begriff des vergangnen deutlicher vorwalten zulaßen, auch ein- sache verba mit diesem ge- zu versehen, so daß von der form des part. praet. nicht mehr auf die übrigen modos und tempora geschloßen werden darf, z. b. das nhd. part. praet. ge-rathen, ge-fallen, ge-lobet laßen zweifelhaft, ob ihr inf. rathen, fallen, loben lautet oder ge-rathen, ge-fallen, ge-loben. Im mhd. und ahd. hat diese zwei- deutigkeit ungleich öfter statt und man sollte sich hüten, ein verbum, das der text nur im part. praet. darbietet, mit der inf. form in die glossare einzutragen. Die, wenn man will, unorganischen participia mit ge- haben sich stufenweise eingedrängt, bereits im ahd. und mhd. das übergewicht erlangt, und herschen im nhd. ausgemacht, während umgedreht die ihnen identischen praeterita ind. und conj. mit ge- wieder verschwunden sind. Es fragt sich, ob sie schon im goth. vorkommen, oder hier noch alte part. mit ga- auf durchgängige compos. schließen laßen? Da ich 1, 1016. diesen gegenstand überhaupt zu kurz behandelt habe, so erlaube ich mir hier die nöthige ergänzung. Allerdings zeigen viele goth. part., die von einfachen verbis herrühren, die partikel noch gar nicht. Ich finde beim Ulf. folgende ohne ga-: fraíhans Luc. 17, 20; fráisans Marc. 1, 13; gibans Marc. 6, 2; hasans Marc. 2, 3; háitans Matth. 9, 9; haldans Matth. 8, 31; qviþans Matth. 5, 21. 26, 75. qvumans ( ἐληλυθώς ) Marc. 9, 1. Joh. 6, 50; sáians Marc. 4, 16; saltans Marc. 9, 50; taú- hans (ductus) Luc. 4, 1; tvahans Marc. 7, 2; þraíhans Matth, 7, 14; vaúrþans Matth. 27, 1; aliþs Luc. 15, 23; balviþs Matth. 8, 6; dáupiþs Marc. 1, 5; fôdiþs Luc. 4, 16; kaúriþs Luc. 9, 32; manviþs Matth. 25, 41. Luc. 6, 40; mikiliþs Luc. 4, 15; rôdiþs Marc. 5, 36; vagiþs Matth. 11, 7. Luc. 7, 24; vaírþôþs Matth. 27, 9. es muß manche andere geben, die im bisherigen text nur nicht gebraucht werden z. b. funþans, lêtans. Nachstehende haben die partikel: ga-baúrans (natus, editus) Luc. 2, 11. Joh. 8, 41. 9, 2, 19. 16, 21. 18, 37; ga-bugans Marc. 5, 4; ga-bun- dans Marc. 15, 7. Joh. 11, 44. 18, 24; ga-fahans Philipp. 3, 12; ga-fulhans (sepultus) Luc. 16, 22; ga-kusans Rom. 14, 18; ga-lisans Neh. 5, 16; ga-máitans (concisus) Phi- lipp. 3, 2. wo das subst. τὴν κατατομὴν fehlerhaft durch das part. þô gamáitanôn gegeben ist, er hätte gamáit setzen sollen, wie anderwärts bimáits ( περιτομή ); ga- numans (conceptus) Luc. 2, 21; ga-raþans Matth. 10, 30; III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ga-runnans Marc. 1, 33; ga-qvumans ( συνηγμένος, συν- ιών ) Matth. 27, 17. Luc. 5, 17. 8, 4; ga-saíhvans Luc. 9, 31; ga-sakans Luc. 3, 19; ga-skapans Marc. 2, 27; ga- taúhans (conductus) Matth. 27, 3; ga-taíhans Luc. 2, 26. 8, 20. 18, 14; ga-trudans (conculcatus) Luc. 8, 5; ga-þaúr- sans Marc. 3, 1; ga-vigans Luc. 6, 38; ga-dáiliþs Marc. 3, 26; ga-dômiþs Malth. 11, 19. Philipp. 3, 12; ga-fahriþs Luc. 1, 17; ga-háiliþs Luc. 6, 18; ga-hnáiviþs Luc. 1, 52; ga-huliþs Matth. 8, 24. 10, 26; ga-lagiþs Matth. 6. 30; ga-láisiþs Luc. 1, 4; ga-láusiþs Luc. 1, 74; ga-malviþs Luc. 4, 18; ga-manviþs Luc. 6, 14. Neh. 5, 18; ga-mar- ziþs Marc. 6, 3; ga-mêliþs Matth. 11, 10. Marc. 1, 2. Joh. 10, 35. 17, 12; ga-náitiþs Marc. 12, 4; ga-nôhiþs Luc. 3, 14; ga-satiþs Marc. 8, 25. Luc. 7, 8; ga-skeiniþs Marc. 5, 41. 15, 22; ga-sleiþiþs Philipp. 3, 8; ga-straviþs Marc. 14, 15; ga-suliþs Matth. 7, 25. Luc. 6, 48; ga-tarhiþs Matth. 27, 16; ga-timriþs Neh. 7, 1; ga-valiþs Marc. 13, 22, 27. Luc. 18, 7. Tit. 1, 1. Neh. 5, 18; ga-vasiþs Marc. 1, 6. Luc. 8, 27. 16, 19; ga-faírinôþs Tit. 1, 7; ga-leikinôþs Luc. 8, 2; ga-sunjôþs Luc. 7, 35; ga-veisôþs Neh. 7, 1; ga-leikáiþs Luc. 10, 21. Rom. 12, 2; ga-svêráiþs Joh. 12, 16. 13, 31. aber auch hier sind andere hinzuzudenken, die der text nicht darbietet. Beide verzeichnisse miteinander verglichen, ist klar, daß die partikellose form von verbis herrührt, die auch sonst niemahls oder oft kein ga- zei- gen, die ga-form dagegen von der allgemeinen composi- tion des verbi mit der part. abhängt. Wo im praes. bei- des statt findet, muß auch im part. beiderlei gelten, die bedeutung der part. sei nun merklich oder nicht, vgl. qvumans, ga-qvumans; taúhans, ga-taúhans; manviþs, ga-manviþs, folglich kann neben mikiliþs ein nicht vor- handnes ga-mikiliþs eintreten etc. Ich möchte jedoch nicht behaupten, daß bei dem Gothen die anhängung der part. an ein partic., dessen übrige formen sie nie gewäh- ren, gar nicht vorkomme. So gut er (nach β .) einem praet. ind. oder conj. ga- vorschob, durfte es auch bei dem part. praet. geschehen. In den übrigen mundarten werden die part. ohne ge- immer seltner, die mit ge- immer häufiger, daher brauchen nur jene aufgezählt zu werden. Ahd. hangan T. 94; heiƷan (vocatus); lâƷan mir unbeleglich und ge-lâƷen steht N. 103, 26; quëman, chomen; scaffan (praegnans) T. 5, 7, 12. 145; sliƷƷan ker. 27; frëƷƷan (aus far-ëƷƷan erklärt gehört es nicht hierher); vuntan; wortan; wuntan Hild; curzit (breviatus) T. 145; chriu- zigôt (crucifixus) N. 42, 1; prâht; preitit mons. 365; phî- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. nôt hrab. 953 a ; rihtet Othlo 419; fristôt (interpretatus) N. 33, 1. Alts. neglid (clavatus) außer den andern. Ags. boren (latus) versch. ge-boren (natus); comen; dropen; funden; hafen (elatus); hâten (vocatus) ge-hâten (pro- missus); hëalden (pastus); liden (profectus); scëacen; sce- pen; scofen; togen (ductus); cenned; vëaht; þëaht und wohl noch andere. Mhd. gëben; heiƷen (jussus) Gudr. 4287; lâƷen Parc. 164 a ; komen; troffen; vrëƷƷen; vunden; worden; brâht; decket Eracl. 2206; kleidet Gudr. 16 b ; krô- net Parc. 4 a (ge-krônet Parc. 12 b ); koufet Bert. 4. 45. 91. 285; steinet troj. 55 b ; tân; veit (politus) f. ge-veget livl. 51; vrei- schet. Mnl. außer andern namentlichl ëden (praeteritus). Nhd. in der heutigen schriftsprache gar keine mehr, sondern ge-heißen, ge-kommen; ge-funden; ge-worden; ge- bracht etc. funden und komen (die letzten reste der ech- ten form) setzte noch Luther; doch haften einige spuren fest, nämlich werden, wenn es auxiliare ist, bekommt worden, nicht ge-worden und in den redensarten: ich habe das heißen machen, ich habe das laßen machen und ähnlichen stehet heißen, laßen für ge-heißen, ge-laßen. (Ob hieraus die gangbare unorg. sormel: ich habe sagen hören f. gehört entsprungen ist, wird die syntax bei ge- legenheit der analogen construction von mögen, können, wollen, sollen, müßen, dürfen, untersuchen). Schm. §. 214. 485. hat wahrgenommen, daß die oberdeutsche volkssprache das participiale ge, sobald der vocal tonlos wird, vor ten. und med. (auch wohl vor z) ganz unter- drücke, dagegen den anlautenden consonant verdicke. Hiermit stimmt Stald. dial. p. 55. 56, welcher es durch die verdoppelung bb. dd. ausdrückt. Solche abhängigkeit der part. von dem anlaut verräth die gebildete sprache niemahls. Es ist die höchste unempfindlichkeit für ihre lebendige bedeutung, übrigens unterbleibt sie vor kom- men und finden (Stald. p. 157.). — δ ) das griech. aug- ment und die slav. perfectiva vergleiche ich in einer schlußaum. — e) eine andere hierher gehörige eigen- thümlichkeit der volksdialecte, wovon unsere heutige schriftsprache nichts weiß, ist aber in der älteren nicht ganz zu verkennen. Stald. dial. p. 51-55. hat zuerst die aufmerksamkeit dahin gelenkt und Schm. §. 982-984. bestätigung gegeben. Nämlich: dem von mögen und können abhängigen (einfachen) infinitiv wird die partikel ge- vorgesetzt (oder, nach der eben mitgetheilten beobachtung, die anlautende ten. und med. verdickt). Dieser gebrauch findet sich auch in gedruckten oberd. III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. büchern des 15. 16. jh. (Schm. §. 982. 984.). Steigt man zum mhd. auf, so lehren unzählige stellen, daß infiniti- ven, die sonst ohne ge- sind, es in jenem fall häufig vor- geschoben wird: er mac gerîten noch gegên, noch geli- gen noch gestên Parc. 119 b ; gevangen (vangen, ahd. van- gôn) mac Parc. 119 b ; kan gegëben Parc. 122 a ; mag ich gepflëgen Parc. 64 a ; mohte gemachen Parc. 52 a ; kan gevueren Nib. 1525; mohte gehueten Nib. 6410; mac ge- lâƷen Nib. 3305; mohte gelüsten Nib. 4966; kan genen- nen Nib. 40; geteilen kunde Nib. 2066; kunde getrœsten Nib. 4117; mohten geêren u. gemêren Wig. 226; kunde gezeigen Wig. 143; mohte gestillen Wig. 79; kunde ge- vristen Jw. 7 c Wig. 155. Barl. 248. gevristen mac troj. 60 c kan gevristen troj. 61 b mohte gevristen Trist. 1879; kunde gevellen Wig. 337. vgl. mueƷe vellen Wig. 89; mac gelêren Wig. 7; geschaden mac Wig. 177; kan ge- hëlfen noch gescheiden MS. 1, 64 a ; ge-slâfen maht Trist. 3652; kunde geschrîben noch gesagen Trist. 15821; moh- ten gehaben Trist. 18778; möhte gebieten (offerre) oder gegëben Trist. 7223; müge gegieƷen Trist. 19441; gelœ- sen kan Trist. 2895; gesëhen möhte Trist. 1195; gehëln kan Trist. 13714; mag ich ûƷ gelësen Trist. 4721; muoƷ ich liegen, swaƷ ich geliegen mac Trist. 8709. 10; kun- den gefromen Trist. 5465; kunnet gezeigen Trist. 6088; geleiten kunde Trist. 7397; kunden gewëgen, gebrücken gestëgen Trist. 11815; geueben müge Trist. 10353; getuon mac troj. 61 c ; kan gewîsen und gelêren troj. 62 c ; gesprë- chen mac Jw. 3 a ; mag in gewërren Jw. 4 b ; mohte ge- ligen Jw. 6 b mohte getragen Jw. 6 c ; mac gesagen Jw. 6 c ; mac gescheiden Jw. 7 a u. a. m. Allein die zufügung der part. ist nicht nothwendig, und unterbleibt vielleicht eben so oft: kan lêren Parc. 120 b ; mohten sparn Parc. 121 a ; mohte sin Parc. 54 a Jw. 5 b Wig. 16. Trist. 3010. 3154. 1230; mohte machen Wig. 8; mohte sëhen Jw. 8 b Trist. 1083. Wig. 181; mac minnen Nib. 2936; müget vlêgen Nib. 2939; müget sîn Nib. 3056; kunde strîten Jw. 1 a ; hœren mac Jw. 1 a ; wërden mac Jw. 1 b ; mohtet lân Jw. 2 b ; mac dagen Jw. 2 b ; muget dagen Jw. 2 c ; maht lân Jw. 4 b ; mac weinen u. klagen Jw. 6 a ; mac wësen Jw. 6 b ; wiƷƷen mege Jw. 8 b ; mac ueben Trist. 10357; möhtet tuon Trist. 1460; kan wërden troj. 59 c ; kan wue- ten troj. 60 c ; müget wërden troj. 61 c u. a. m. Im ahd. scheint der gebrauch nicht in allen quellen auf gleiche weise bestimmt. Bei N. verhält es sich ungefähr, wie im mhd. damit; hinzugefügtes ge- findet sich z. b. nemag III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. niht ketuon Boeth. 8; mugen wir gedingen Bth. 25; ge- spuen mag, geskeinen mag Bth. 26; wër mag taƷ keruo- bôn (numerare) Bth. 30; getuen mugin Bth. 32; iƷ ne- mahti getuon Bth. 33; nemugen genëmen Bth. 38; mugist kesëhen Bth. 40; mahti keanterôn Bth. 259. etc.; hingegen fehlt es: nemahta wiƷen Bth. 8; mahta sîn Bth. 17; ne- muge sîn Bth. 41; nemag iƷ tîhen Bth. 36; mugen in ir- ren Bth. 38; nemugen skînen Bth. 40; gân mugen Bth. 189; halsen mahta Cap. 148. etc. Bei O. scheint, so viel ich verglichen habe, die part. lieber zu fehlen: magih wiƷan I. 4, 109. 19, 55; mohta sîn I. 5, 2; mag wërdan I. 5, 73; wësan mohti I. 8, 8; megi sprëchan I. 18, 34; mugun riaƷan I. 18, 46. etc. und wo sie steht, durchgän- gige composition vorhanden z. b. mag gizellan u. ginen- nan I. 1, 21-24; giburren mohta V. 25, 58. Ebenso T. maht sprëhhan 2, 9; mohta sprëhhan 2, 10; mah sîn 3, 6; mah wësan 17, 3. 44, 25; mah wërdan 25, 1; mag thionôn, mugut thionôn 37, 1, 2; mag tuon 41, 4. (doch 30, 6. maht gituon); mohta gân 46, 5; außer wo die part. dem ganzen verbo gebührt, wie in: maht gisûbiren 46, 2. In J. finde ich: mahti wërdhan 342; mac wësan 354. 395; haldan nimahtun 382; wohl aber: mac chirahhôn 343; mahti chigarawan 384. Der ags. mundart ist die fragliche vorschiebung des ge- unbekannt, man sehe fol- gende stellen im Beov.: cunnon secgan 6; herjan ne cu- ðon 16; findan mihte 18; sceðan ne mëahte 21; mihton gangan 26; häbban ne mihte 37. 51; flëótan mëahte 43 etc.; wenn gesëón mëahte 45. 51. 82. steht, so liegt der grund darin, daß sich das ganze verbum mit der part. zus. gesetzt hat, vgl. gesëah 57. 71. und gesëón môste 74. (nicht sëón). Endlich kennt auch die goth. sprache die vorsetzung nicht: maguþ skalkinôn Matth. 6, 24; magun qváinôn Matth. 9, 15; magjáu táujan Matth. 9, 28. Joh. 9, 33; magun fastan Marc. 2, 19; mahtêdun matjan Marc. 3, 20; magt qviþan Luc. 6, 42; mag qvi- man Luc. 14, 20. Joh. 8, 21; magt visan Luc. 16, 2; gra- ban ni mag Luc. 16, 3; magt láistjan Joh. 13, 36. etc. Steht aber ga-, so darf es auch in andern fällen dem verbo zukommen, vgl. mahta gatáujan Joh. 11, 37. magt gatáujan Matth. 5, 36; magt gahráinjan Matth. 8, 2. Marc. 1, 40. Luc. 5, 12; magun gabáuan Marc. 4, 32; magi gamáinjan Marc. 7, 15; mahtêdun gafahan Luc. 20, 26; gasviltan magun Luc. 20, 36. Resultat: jener grund- satz des heutigen volksdialects, obschon nicht nach- zuweisen in unserer ältesten sprache und schwan- H h h III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. kend es wird sich wohl noch einiges bestimmen laßen, z. b. daß gewisse abstracta (sîn, wësen, wërden) sich überall dem ge- verwei- gern; auch glaube ich, daß vor finden, komen etc. nie ge- statt- findet: der grundsatz weicht dann einem stärkeren collidierenden. ausgeübt bei N., wie im mhd., ist dennoch nicht aus der luft gegriffen woraus folgt, daß wiederum in die glossare alle infinitive mit der ge-form bei mögen etc. behutsam einzutragen fiud. und kein bloßes ungefähr, denn sonst würde auch nach wollen, sollen, müßen etc. der inf. einfacher verba zuweilen ein ge- annehmen, wie nicht geschieht. (Nach dürfen und türren vielleicht; vgl. dorfte getragen Nib. 1194; gesorgen Trist. 12706; getar gesagen Trist. 1226. getorste gereden Trist. 1458; getorste gewuochern, gefürkoufen, gerouben, gesteln, ê gebrëchen Bert. 13.). Welche erklärung läßt sich davon geben? schwerlich waltet ein zus. hang ob zwischen dem der partikel anhaftenden vergangenheitsbegriff und der praeteritivischen natur von mag und kann , welche eben- wohl eintritt bei soll, muß u. a.; ja dann würde nach dem wirklichen praet. aller gewöhnlichen verba ein inf. mit ge- erwartet werden können. Sollte aber nicht die idee des vermögens nähere beziehung auf dauer und ste- tigkeit haben und deshalb den nachdruck der partikel herbeirufen? bei sollen, müßen, wollen etc. ist es offen- bar anders. Uebrigens hat sich hier die syntax, wie un- ter d, β . γ . die conjugation eines compositionsmittels be- dient, das in sofern über seine wahre grenze hinaustritt. — f) es gibt einige schwache participia praet. mit ge-, denen keine verbalformen zur seite stehen, namentlich ge-stirnt (stel- lis consitus), das sich schon ahd. findet, ge-stirnet N. Bth. 53. (versch. von gestërnôt, astrificus, N. Cap. 85.) vgl. gi-stirntî (constellatio) doc. 215 b f. gi-stirnitî. Weder ein verbum stirnan noch gi-stirnan ist nachzuweisen, letzteres aber theoretisch anzunehmen, zugleich deutet das i vor dem r, da sonst überall stërno gilt, auf ein hohes alter, wo nicht eine ab- leitung aus dem subst. gi-stirni anzunehmen ist. Gehört hierher auch das mhd. g-îsert (ferro obductus) Parc. 108 c ? ich kenne kein îsern oder g-îsern. [ ver- ]; die goth. form ist hier dreifach, theils faír- , das vor nom. gar nicht, vor verbis nur in drei wör- tern; theils faúr- , das vor sieben verbis; theils fra- , welches vor einigen nom. und vor zwanzig verbis steht. Umgedreht zeigt sich die ahd. fra- form höchstens vor einigen nom. (s. 732.), nie vor verbis (statt fra-dîhê pro- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ficiat K. 56 b ist zu lesen fram dîhê), verba sind aber häu- fig und gleichbedeutig mit far- , fër- , fir- , for- zusam- mengesetzt. Das vocalschwanken gleicht dem in ar-, ër-, ir-, und die meisten denkmähler pflegen in beiden den- selben vocal zu halten. Doch mit ausnahmen, bei T. stehet for- neben ar-. An sich waltet auch große un- ähnlichkeit ob, indem ar- vor nom. zu â-, nie aber far- zu fâ- wird und das goth. us- kein fus-, noch das goth. faír- ein aír- zur seite hat, nämlich das ahd. ar- geht her- vor aus as- und in far- ist das r radical. Folgerich- tig entfernt sich auch das alts. far- vom alts. â-, das ags. for- vom ags. â-. Dieses ags. for- und die goth. faúr- form sehen trennhafter aus, als die ahd. partikel, indem sie zugleich praepositionen sind; ein gleiches gilt vom ahd. for- bei T. Im altn. begegnen comp. mit for- und frâ- , beide formen dienen daneben getrennt und praepo- sitionell; doch gibt es mit beiden nur wenige, ja die mit for- scheinen erst neuisländisch, der Edda unbekannt. Mhd. und nhd. bloß ver- . Der ahd. und mhd. kürzung f-liosan, f-lâƷan, v-liesen wurde s. 700. 701. 725. ge- dacht; ist sie aus fra-, nicht aus far- zu deuten? oder spräche sie vielleicht gar für fâ- aus far-? im letzten fall wäre die zwischenform fâ-liosan doch nicht aufzuzeigen, so häufig far-liosan, ver-liesen neben der verkürzten ge- stalt vorkommt. An berührung der formen fra und far ist nicht zu zweifeln (vgl. lat. per, prae, pro; franz. par, pour, pre-), eher an ihrer ursprünglichen identität. Ich hätte nach dem goth. fra-, faír, faúr- die abhand- lung gerne gesondert, da sie sich unvermischt halten und namentlich fra-qviþan etwas anderes ist als faúr-qviþan, fra-veitan von faír-veitjan absteht. Allein Ulf. bie- tet zu wenig beispiele dar und sämtliche goth. formen gehen in das ahd. far-, fir- über, ja faúr- könnte selbst mit dem trennbaren ahd. fora und furi noch zu thun haben. Es bleibt also nichts übrig, als vorläufig fra- und far- ungeschieden zu betrachten, und zu versuchen, ob durch die scheidung der bedeutung kein licht auf die form fällt. — Den bedeutungen scheint die von de , ab , fort , weg zu grund zu liegen, daher ich auch die priva- tiven zuerst entwickeln will. 1) das dem einfachen verbo entgegensichende , verlust , verderben (vor nomin. oft durch mis- oder un- ausdrückbar) sowohl bei intrans. als transitivis: goth. bugjan (emere) fra-bugjan (ven- dere); kunnan (noscere) fra-kunnan (ignoscere, i. e. non agnoscere, contemnere); qviman (venire) fra-qviman H h h 2 III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. (amittere, perdere, um etwas kommen); qviþan (dicere) fra-qviþan (maledicere); vaírþan (fieri) fra-vardjan (cor- rumpere); vaúrkjan (operari) fra-vaúrkjan (peccare, male operari). Ahd. fer-chiesen (spernere) jun. 250. N. 21, 22. 46, 8. 64, 9; far-choufan (vendere, distrahere) K. 53 a hrab. 959 a mons. 400; far-thenkan (contemnere) ker. 34. 50. 193. 208. 261; fir-habên (abstinere) ker. 129. 223. (re- tinere) N. 57, 6; far-haltan (prostituere) ich kenne nur das part. far-haltan (prostitutus) hrab. 972 a und far-hal- tanî, far-haltida (incestus) hrab, 958 a 966 b ; fir-hukan (aspernari, contemnere) ker. 34. 96. 208; for-ligan (adulte- rium, stuprum committere, eigentl. illicite concumbere) vorhanden bloß das part. far-lëgan (contaminatus) sgall. 188. T. 44, 22. 57, 2. vgl. for-lëgari, for-ligiri (adult. stu- prum) und vorhin far-haltan; far-leitan (seducere, abdu- cere) ker. 5. 22. 24. 126. 150; fir-manên (temnere) ker. 261. fir-monên O. I. 4, 130. III. 3, 27. 17, 105. fer-ma- nên N. 99, 3. W. 8, 1. vir-manôn (calcare, d. i. unter die füße treten, verachten) mons. 378. 384. 390. 392. vgl. far-mano (contemptor) K. 37 a fra-mano hrab. 955 b , das einfache manên scheint favere, invitare zu bedeuten, wo- mit sich manôn (monere) berührt; far-përan (abstinere) K. 44 a fir-bëran (evitare) O.; fir-piotan (interdicere); fir- pluhan? (conflagrare) ker. 71; far-quidan (abdicare) hrab. 950 b ker. 4. 16; far-sakên (negare) far-sagên (cassare) mons. 405. fir-sagên O. IV. 11, 57; far-sahhan (dene- gare, abnegare, renuntiare) hrab. 952 a K. 23 a ker. 4. 16. 237; far-scriofan (verschrauben), das starke part. fir-scro- van (welches die form no. 214. bestätigt) scheint ker. 139. gramma (verschränkung des schriftzuges) zu glossieren; far-sëhan (despicere, gleichs. avertere faciem) hrab. 959 a ker. 34. 82. 97. vgl. unfërsëhandi (invisus) ker. 150; fir- sprëhhan (abnuere) mons. 353; fir-suerjan (pejerare) O. II. 19, 13; far-tuon (perdere) fir-tân (perditus, condem- natus) ker. 86. fir-dân O. I. 2, 23. etc.; fër-wallôn (errare) N. 57, 4. Bth. 33; far-wânan (desperare) mons. 413. K. 24 a ; far-wâƷan (abominari, devovere) hrab. 952 b (wo hu. fehler- haft?) ker. 4. 6. 11. 13. 93. 104. mons. 373. eigentl. abolere (oben s. 75.); far-wërdan (perire) K. 23 b 55 a jun. 242. ker. 217; fir-woraht (flagitiosus) ker. 122; far-zîhan (denegare) K. 39 b ; fer-ziehen N. Bth. 49. Alts. far-duan (maledictus); far-gëtan (oblivisci); far-hugjan (contemnere); far-kôpôn (vendere); far-sëhan (despicere); far-tellan (condemnare); far-wërkôn (amittere?). Ags. for-bëódan (prohibere, dehortari); for- bëran (abstinere); for-cvëðan (increpare, arguere); for-dê- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. man (condemnare); for-dôn (perdere, delere); for-gitan (oblivisci, negligere); for-häbban (abstinere); for-hogjan und for-hycgan (contemnere); for-læran (seducere); for- licgan (fornicari); for-rædan (male consulere, prodere); for-sëón (despicere); for-siðjan (interire) Beov. 117; for- sittan (abstinere); for-sverjan (pejerare); for-vëorðan (in- terire); for-vyrcëan (amittere). Altn. for-akta (sper- nere); for-diarfa (corrumpere); for-eflaz (deficere); frâ- halda (abstinere); for-leggja (negligere); for-râda (pro- dere); for-saka (renuere); for-taka (negare) aber frâ-taka (excipere). Nhd. ver-bërn (evitare, carere, aufhören zu bërn); ver-bieten; ver-denken (suspicari); ver-dërben (perire); ver-derben (perdere); ver-dünken Trist.; ver- gëben (veneno interimere) MS. 1, 51 b Wig. En. 98 c ; ver- gên (praeterire, procul esse) sich ver-gên (aberrare) Parc. 1 b Trist.; ver-gëƷƷen; ver-günnen (invidere, misgönnen) Wh. 2, 18 a. b. ; ver-kiesen (despicere, renuere, reprobare, vitare) Nib. Wig. Barl. Parc. 111 c 79 a ; ver-koufen; sich ver-künnen (carere) MS. 1, 152 a ; ver-leiten Nib.; ver- loben (abnuere) Wh. 2, 61 a Barl.; ver-namen (abuti no- mine) Trist.; ver-nieƷen (abuti, consumere) Oberl. 1760.; ver-pflëgen (nicht mehr pfl., cessare, carere) Wh. 2, 108 b 141 a Parc. 120 b 164 a 167 a Jw. 39 c Wig. Karl 131 a ; ver-râten (prodere) Parc. 7 a ; sich ver-rîten (a via aber- rare) Trist.; ver-sagen (renuere, abnuere) Trist.; ver- schaffen (deformare) wovon das part. ver-schaffen (defor- mis); sich ver-schemen (nicht mehr sch., schamlos sein) Parc. 41 b 77 c part. ver-schamter (nhd. unverschämter) Parc. 41 b 72 a MS. 1, 115 b 2, 238 a ; ver-schînen (perire?) MS. 1, 194 b ; ver-sigelen (navigando perire): MS. 1, 6 a ; ver-sitzen (male se- dere) MS. 1, 103 b ; ver-swern (pejerare) Barl.; ver-sprëchen (negare, recusare) Nib. Barl.; ver-teilen (condemnare) Barl.; ver-tuemen (contemnere) MS. 2, 57 b , wo ver-d.; ver-tuon (consumere, perdere) Parc. 159 b ver-tân Parc. 68 b ; ver-varn (interire) Parc. 112 c Wig.; ver-vueren (seducere); ver- wâƷen (maledictus) MS. 1, 195 b etc.; ver-wenen (male assuefacere); ver-wërden (perire) c. p. 361, 52 b ; ver- würken Parc. 196 c Wig. Trist. ver-worht Karl 126 a troj. 96 b ; ver-worten (abuti verbo) Trist.; ver-zellen (condem- nare) ver-zalt lieders. 1, 47 b . Nhd. ver-achten; ver-bieten; ver-bilden; ver-bitten; ver-denken; ver-derben; ver- drucken; sich ver-färben; ver-führen; ver-geben, -giften; sich ver-gehen; ver-geßen; sich ver-greifen (misgriff thun); sich ver-hören (minus recte audire); ver-kaufen; ver- kennen; ver-kommen; sich ver-lesen; ver-legen (falsch III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. legen); ver-leíten; ver-rathen; sich ver-rechnen; ver- reden; ver-rücken (falsch r.); ver-sagen; das part. ver- schroben (verdreht) auf ein verlornes ver-schrieben füh- rend; sich ver-sehen; sich ver-sprechen; sich ver-stellen (dissimulare); ver-schwören; ver-thun; ver-urtheilen; ver- wachsen (schlecht w.) ver-wesen (consumi); ver-wirken; ver-wöhnen; ver-wünschen; sich ver-zählen; ver-ziehen (falsch z.). — 2) bisweilen gibt die part. den sinn von zu- viel oder zulange (über), ein goth. beispiel fehlt. Ahd. fir- altên (aetate consumi) firaltêt (cariosus) ker. 73; fer-chrô- nen (nimis garrire) ferchrôndesta (maxime garrula) N. Cap. 77; sich fer-ligen (pigrescere) ferlëgen (desidiosus) N. Bth. 199; sih fer-mëƷƷen (audere) N. Bth. 197; fer- ruomen (nimis celebrare) N. Bth. 100. Ags. for-ëaldjan; for-vëaxan (immoderate crescere). Mhd. ver-alten; sich ver-gâhen (nimis festinare) Parc. 27 c Wh. 2, 113 a Barl.; sich ver-klagen (nimis lamentari) Wig. 82. Jw. 35 b ; ver- laden (nimis onerare) Wh. 2, 174 a ; sich ver-ligen (nimis longe quiescere, pigrescere) Jw. 21 a. c. ; ver-loben (nimis laudare) Parc. 21 a ; sich ver-mëƷƷen (audere) Wig. 107; ver-rîten (zu scharf reiten) Karl 86 a ; ver-salzen (persal- sus) Bert. 48; ver-schrîen (nimis vociferari) ver-schrît Parc. 123 a ; hierher vielleicht das vorhin angeführte ver-sigelen (auf der see verschlagen werden?); sich ver-sitzen Parc. 1 b ; sich verslâfen (nimis dormire) Flore 56 a ; sich ver-stân Barl. 240; sich ver-weinen Wig. 82. Nhd. ver-alten; sich ver-bauern; sich ver-beißen (zu fest b.); sich ver- heben (schaden thun durch heben; sich ver-laufen (zu weit l.); von ver-liegen bloß das part. ver-legen, was zu lange gelegen hat; sich ver-meßen; ver-salzen; ver- sauern; von ver-sitzen das part. ver-seßen, was zulange sitzt; sich ver-schlafen; sich ver-steigen; von ver-weinen das part. ver-weint, was zulange geweint hat. Eigent- lich ist es der begriff der consumption , den auch viele comp. unter 1 und 3 geben: sich ver-slâfen, ver-weinen, dormiendo, plorando se consumere, daher auch activ, ohne sich: den prîs, die zît ver-slâfen (somno laudem, tempus absumere) Parc. 138 c MS. 1, 113 b . — 3) häufig wird ende , ausgang , vollbringung , volle verwendung dadurch bezeichnet, der begriff liegt schon im einfachen verbo und die part. hebt ihn bloß hervor (lat. per-, dis-): goth. fra-dáiljan (distribuere); fra-qvistjan (perdere). Ahd. fir-damnôn (condemnare) mons. 397; fir-dilôn (pror- sus delere) O.; fir-thorrên (contabescere) ker. 65; far- drëscan (atterere) hrab. 953 a ker. 23; fer-dôsen (disper- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. dere) N. Cap. 61; fir-duesban (perdere) O. IV. 1, 7. V. 7, 67; fer-endôn (exterminare) N. 41, 2; far-gnitan (delere) hrab. 953 b ; fir-muljan (conterere) ker. 50. 211; ser-mur- nen (tristitia conficere) N. Bth. 72; far-nëman (gerade was per-cipere, intelligere) exhort. ker. 34. 112. (consumere) hrab. 951 a ker. 78. 106; fir-plâsan (exsufflare) mons. 345; fir-prëh- han (confringere); fir-prennan (flammis consumere) far-prin- nan (consumi) hrab. 957 b ; mons. 347. 357. 388. fir-prohhan (defessus) ker. 96; fir-quistan (perdere) O. V. 7, 66; fir-siodan (discoquere) mons. 340; far-slîƷan (dissipare) hrab. 955 b ; far- slindan (deglutire) ker. 27; fer-snuoren (vinculis ligare) N. Cap. 31; far-sûfan (penitus sorbere) far-soffan (ab- sorptus) ker. 27. far-soufan (demergere) hrab. 960 a ; far- suëlgan (glutire) ker. 27. O. V. 23, 532; fir-tragan (per- ferre) mons. 335. 354. 359. 377. 390; fer-faren (perire, transire) N. 87, 17. 102, 16; far-wëlkan, far-wëlgan (de- glutire) ker. 27. 93. scheint in der form von far-suëlkan unterschieden; far-zëran (consumere) fir-zëran O. IV. 29, 36. N. 79, 16. Ags. for-bernan (exurere); for-bër- stan (disrumpi); for-brëcan (conterere); for-dælan (di- stribuere); for-dilgjan (delere); for-faran (perire); for- gnagan (corrodere); for-gnîdan (conterere); for-grindan (permolere) Beov. 199; for-læcan (pellicere) Cädm. 16; for-nëman (consumere); for-spanan (persuadere, seducere); for-spillan (perdere); for-standan (intelligere); for-svëlgan (deglutire); for-svëltan (mori). Mhd. ver-ballen Bert. 312; ver-boln (alle steine verwerfen) Parc. 137 c ; ver- brinnen Barl. troj. 83 b ; verenden Wig.; ver-dieƷen Nib.; ver-gieƷen (penitus effundi) Parc. 35 b ; ver-houwen Nib.; ver-jagen Parc. 141 b ; ver-klagen Bit. 8 a ; ver-kêren (per- vertere); ver-nëmen; ver-rîben (confringere) Parc. 22 a ; ver- senken Barl.; ver-scheiden (mori) Parc. 193 a ; ver-schrôten Nib.; ver-sieden MS. 1, 44 a ; ver-snîden Nib.; ver-snürren (alle pfeile verschießen) Parc. 137 c ; ver-spiln Parc. 70 b ; ver- stëchen Wig.; ver-swëlgen c. p. 361, 52 c ; ver-tanzen Bert. 312; ver-trîben (consumere) Parc. 22 c ; ver-zërn u. a. m. (vgl. Bert. 312. 313.). Nhd. ver-backen (alles korn); ver-blei- ben (permanere); ver-blühen (ausblühen); ver-bluten (ausbluten); ver-brauchen (ganz br., nicht misbr.); ver- brechen; ver-bringen (durchbr.); ver-süttern; ver-glim- men; ver-glühen; ver-gießen; ver-hallen; ver-handeln (pertractare); ver-hungern; ver-jagen; ver-kehren; ver- lesen (perlegere); ver-nehmen; ver-richten; ver-rauchen; ver-saufen; ver-schießen (alles pulver); ver-schlingen; ver-schütten; ver-senken; ver-sinken; ver-spielen (alles III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. geld); ver-sterben; ver-tanzen (die schuhe); ver-toben (austoben); ver-treten (zu grund treten); ver-trinken; ver-treiben (die zeit); ver-zehren; ver-zweifeln u. a. m. — 4) mit der vorigen hängt die bedeutung von ab , weg , fort , dahin zusammen, die bisweilen in denselben wortbildungen erscheint: goth. fra-vaírpan (abjicere); fra-vilvan (abripere, rapere). Ahd. fir-leitan (deducere) ker. 92; fer-lucchen (seducere) fer-luhtêr (lactatus) N. Cap. 44; far-loufan (transire, ablaufen) N. Bth. 262; fir- nëman (tollere, auferre, absumere) ker. 27. 34. 35. 274. far-noman (abditus) ker. 19; fir-seljan (tradere) ker. 89; vir-sentan (relegare) mons. 380; fir-trîpan (abigere, ex- pellere) mons. 347. 363. 388. 394; fir-wërfan (ejicere, ar- cere) ker. 74. mons. 380. 396. firworfan (abjectus) ker. 32; fir-zëohan (abstrahere) ker. 5. 24. 85. hrab. 950 b . Ags. for-bŷgan (declinare); for-drîfan (pellere); for-flëón (aufugere); for-niman (tollere, auferre) Beov. 206. 220. Mhd. ver-dringen; ver-seln (tradere, weggeben, ablie- fern); ver-stieben MS. 1, 199 a ; ver-trîben; ver-vallen (bei seite fallen) Mar. 81; ver-wërfen Bert. 87; doch nicht mehr ver-nëmen im sinn von wegnehmen. Nhd. ver- drängen; ver-fliegen; ver-fließen; ver-geben (weggeben); ver-laufen; ver-rauschen; ver-reisen; ver-schenken; ver-schießen (abschießen); ver-schwinden; ver-schwim- men; ver-welken u. a. m. — 5) einigemahl läßt sich die bedeutung re- annehmen: goth. fra-gildan (rependere) ahd. far-këltan, mhd. ver-gëlten; goth. fra-lêtan (remit- tere) ahd. far-lâƷan; ahd. far-spîan (respuere) ker. 237. K. 18 a ; far-trîpan (repudiare) hrab. 950 b 959 b ker. 4. 17. 220; far-santan (remittere) ker. 17; far-leipan (relinquere) far-leiptêr (relictus) jun. 224; fir-trëtan (recalcitrare) ker. 241; fir-suîkên (reticere) ker. 237; mhd. sich ver-sinnen (resipiscere) Parc. 27 b Wh. 2, 103 b 154 a 159 b u. a. m. — 6) oft scheint die part. bedeutungslos , das compositum hat den sinn des simplex. Hierher können den umstän- den nach einzelne der unter 3. 4. genannten bildungen gezählt werden. Goth. fra-baíran (ferre, tolerare); fra- giban (dare, condonare); fra-gildan (solvere, reddere); fra-hinþan (capere); fra-lêtan (permittere); fra-liusan (per- dere, amittere); fra-niman (acquirere, accipere); fra-rin- nan (currere, incurrere) Luc. 10, 30; fra-veitan (ulcisci, vindicare); fra-vrôhjan (accusare). Ahd. fir-chnussan (allidere) mons. 336; far-dolên (sustinere) K. 53 a ker. 96; far-douwan (digerere) hrab. 968 a mons. 331. dou- wan verwandt mit dau (gestus, mos) wie digerere mit III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. gestus; fir-gëpan (offerre, concedere) mons. 383. K. 55 a fir-këpan (deditus) ker. 89; fir-gëltan (solvere) mons. 358. 391; far-herjôn (depraedari) hrab. 960 a ; far-lâƷan (per_ mittere, remittere, linquere, relinquere) hrab. 968 b 973 b K. 55 a ker. 208. 250. 237. wofür die kürzung f-lâƷan mons. 408; far-liosan (perdere) ker. 17. und sonst häufig, gekürzt f-liosan, f-lëosan (wie die hs. hrab. 952 a liest); far-lìhan (accommodare) K. 50 b ; far-lougnan (negare) hrab. 950 a ker. 4. O. V. 24, 25; far-mîdan (delitescere) mons. 406; far-murdran (enecare) mons. 404; fir-nidiran (humiliare) mons. 352. for-nidaren (damnare) T. 39, 12; fir-ôthan (vastare) ker. 91; fir-përgan (abscondere) ker. 33; fir-rôkan (accusare) ker. 65. das goth. fra-vrôhjan; far-spanan (allicere) ker. 5. hrab. 951 a ; fir-scuntan (illi- cere) mons. 352. 368; fir-spûman (despumare) mons. 369; fir-tërchinan (dissimulare) mons. 386; far-tragan (adpor- tare) hrab. 954 b ; fir-fahan (accipere) O. II. 21, 51; far- fallan (incidere) mons. 401. vgl. goth. fra-rinnan; far- fluahhan (maledicere) K. 18 a ; fir-wantalôn (mutuari) ker. 193; far-werjan (prohibere) ker. 76; fer-winden (impli- care) N. Cap. 74; far-wîƷan (exprobrare) hrab. 962 a ker. 113; fir-zanôn (lacerare) mons. 360. Ags. for-dvînan (evanescere); for-fangan (praehendere); for-gëldan (red- dere); for-gisan (dare); for-grîpan (apprehendere); for- hëlan (celare); for-lætan; for-lëósan; for-miltan (liques- cere); for-niman (zuweilen noch capere); for-scrincan (arescere) u. a. m. Mhd. ver-denen troj. 93 c ; ver-jëhen Parc. 7 b 134 b ; ver-kiuten (mutare) Ulr. Trist. 259. MS. 1, 153 a ; ver-lâƷen, ver-lân (aber keine kürzung v-lâ- Ʒen, v-lân; ver-liesen Parc. 60 a 69 b 79 a und gekürzt v- liesen; ver-selwen (sucare) Parc. 185 c Wh. 2, 104 a ; ver- sêren Parc. 133 a ; ver-tüschen (celare) troj. 150 b ; ver- vluochen Parc. 61 b ; ver-wîƷen Trist. etc. Nhd. ver-än- dern; ver-bergen; ver-dienen; ver-fluchen; ver-hehlen; ver-heeren; ver-lachen; ver-laßen; ver-lieren; ver-leug- nen; ver-mehren; ver-missen; ver-öden; ver-sehren; ver-spotten; ver-tauschen; ver-wechseln etc. Einzelne kommen schon in der ältesten sprache nicht mehr ein- fach vor, z. b. fra-liusan, ver-lieren, obgleich das adj. láus (solutus) und láusjan (solvere) auf liusan (liberari, carere) führt. Nhd. ist die part. unentbehrlich in ver- heeren, ver-öden, ver-wüsten u. dgl. weniger in ver-ändern, ver-hehlen, ver-künden, ver-wechseln; sie gìlt zumahl für transitive bedeutungen, z. b. etwas ver- schweigen, ver-fluchen, ver-leugnen, da schweigen, leug- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. nen, fluchen mehr intransitiv stehen. Man vergleiche die erste bedeutung von be- (s. 798.). — 7) vorzügliche aufmerksamkeit verdient die bedeutung von zuthun , be- decken , in den weg stellen , welche meist durch die lat. part. ob und prae gegeben werden kann; der hauptbe- griff ruht zwar in dem verbo, aber die part. bestimmt es doch schärfer. Im goth. wird, glaube ich, allen sol- chen wortbildungen faúr- , und nie fra-, gebühren; ich kenne nur zwei beispiele: faúr-sigljan (obsignare); faúr- valvjan (obvolvere); nahe liegt auch faúr-quiþan (excu- sare, im sinn von obloqui, vorschützen) Luc. 14, 18. Aus dem ahd. weiß ich wenig anzuführen: fer-habên (obdere) N. 57, 6; fer-heilen (vulnus cicatrice obducere) N. 37, 6; fir-nipolan (obnubilare?) ker. 166; fir-pliwan (obtundere) hrab. 971 a ; far-përkan (occulere) hierher?; far-slahan (adnectere) ker. 5. in nôt far-slahan (trudere in vincula) mons. 401. fir-slahan (claudere) O. II. 4, 18. IV. 16, 34; fer-stân (praecludere) N. 17, 30; fir-wësan (tueri, vertre- ten, vor einen treten?) O. II. 6, 108. III. 6, 91; andere wie far-decchan (obtergere) far-sigilôn (obsignare, T. 215, 4. bloß sigilôn) sind zu erwarten. Alts. far-fahan (im- pedire)? scado far-fêng thia sunna. Ags. for-standan (impedire) for-stôd (obstitit) Beov. 117, Reicher an be- legen ist das mhd.: ver-decken Parc. 444 a Nib.; ver-dür- nen (sepire spinis) troj. 43 c ; ver-gimmen (gemmis ob- ducere) troj. Oberl.; ver-graben Parc. 91 a 101 c ; ver- haben Wh. 2, 143 a Parc. 101 c MS. 1, 147 a 2, 251 b ; ver- hagen Wh. 2, 99 a Barl.; ver-hamîten Ottoc. 149 b , wo fehlerhaft verhanneiten, vgl. hamît Parc. 27 c Geo. 40 b und Wig.; ver-heilen MS. 1, 191 b troj. 87 a 121 c und 196. (Oberl.); ver-herten Barl.; ver-klîben (obglutinari) MS. 1, 189 a ; ver-klûsen MS. 1, 108 b 2, 50 a ; ver-klüteren Trist.; ver-lankenieren Trist.; ver-lîmen Trist.; ver-miesen und ver-mosen (musco obduci) beleglich die part. ver-mieset Jw. 4 a ver-moset MS. 2, 6 b ; ver-mûren Trist.; ver-næ- jen Trist.; ver-schieben (oppilare) Trist. Karl. 76 b ; ver- schrenken Nib.; ver-setzen (claudere) Barl. Ulr. Trist. 2734. mit netzen ver-setzen c. p. 361, 41 b 72 b. d. ; ver-slahen (clau- dere) Mar. 160; ver-sliesen troj. 87 b Bert. 220; ver-slieƷen Nib.; ver-siuwen (einnähen, festnähen) Ernst 3410; ver- smiegen troj. 150 b ; ver-snîen (nivibus tegere) Parc. 67 c ; ver-sperren Nib. Trist.; ver-stên (obsidere) Jw. 10 b ; ver- steinen (obruere lapidibus) Barl. 113; ver-swellen (limi- ne munire) MS. 2, 168 a ; ver-vallen (impediri) mit vël- sen ver-vallen Trist. 17090. mit boumen ver-vallen Wi- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. gal. gehört hierher auch: sîn spil ver-vellet sich (impedi- tur? oder concidit?) MS. 2, 254 a 257 a ; ver-vilzen (in einander wirren); ver-vitzen (colligare) Frisch aus Jero- schin; ver-walken (hâr ze der swarte) Jw. 4 a ; ver-wah- sen (concrescere) ver-wahsen (gramine obsitus) Trist.; sich ver-wësen (tueri se) troj. 104 b ; ver-wieren (unter- einander weben) Parc. 17 a . Nhd. ver-bauen; ver-binden; ver-brämen; ver-halten (zurückhalten); ver-härten (ob- durescere); ver-harschen; ver-kleben; ver-knüpfen; ver- machen (provinziell f. claudere); ver-mauern; ver-nä- geln; ver-narben; ver-rennen (den weg); ver-riegeln; ver-schließen; ver-schneien (zuschneien); ver-siegeln; ver-stopfen; ver-wachsen; ver-weben u. a. m. — 8) zu- weilen erleidet der begriff durch die part. eine gelinde intension und diese bedeutung vindiciere ich für das goth. faír- : faír-greipan (apprehendere, übersetzt wie das ein- sache greipan und das comp. und-greipan κρατεῖν , also eigentlich: festhalten); saír-háitan (scheint etwas stärker, als ga-háitan; þagk fáir-h. χάριν ἔχειν , Luc. 7, 19.); faír- veitjan ( ἀτενίζειν , die augen heften auf etwas) Luc. 4, 20. Hierher könnten nun einzelne der unter 2 und 6. gebrachten ahd. und mhd. zus. setzungen gerechnet wer- den, deren goth. form unbekannt ist, da bei 2. nur eine heftigere, bei 6. eine geringere intension anzu- nehmen wäre. Ein ahd. far-grîpan, far-heiƷan, far- weiƷan im goth. sinn kenne ich nicht, mit letzterm wort mag sich gi-weiƷan bei O. berühren. Dem goth. faír- scheinen aber besonders einige hochd. verba gerecht, die fast nur im part. praet. vorkommen und eine leidenschaft- lichkeit des gemüths ausdrücken: nhd. ver-buhlt; ver-haßt; ver-hurt; ver-liebt; ver-picht (er-picht); ver-schämt (pu- dicus); ver-schmitzt; ver-seßen (auf etw.); mhd. ver- sënt Parc. 63 c troj. 93 c ; ahd. fir-haƷƷêt (apostata) ker. 42; fir-huarôt O. IV. 5, 32. Man sagt zwar auch: sich ver-lieben, doch ist das ganze compos. erst spät gebildet worden. Vielleicht fallen hierher noch: ver-langen (de- siderio teneri); ver-zagen (mhd. troj. 139 c 140 a ); sich ver-gaffen (mhd. ver-kapfen MS. 1, 53 c troj. 255. Oberl.) u. a. — 9) endlich fragt es sich (wie beim be- und er-, s. 802. 823.): inwiefern erst durch die partikel verba aus nom. gezeugt werden? Die älteste sprache liefert keine, doch im mhd. sind sie nicht abzuleugnen und im nhd. noch bestimmter vorhanden. a) verba aus subst. gebildet, entw. verwandelung in den stoff des subst. oder bloße überziehung der oberfläche damit (scheinbare verwand- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. lung) anzeigend: ver-glasen; ver-kalken; ver-kohlen; ver- holzen; ver-steinern; ver-wäßern; ver-golden; ver-sil- bern (bald über-silbern, bald in silber umsetzen); ver- zuckern; und so auch bei abstractis: ver-göttern, ver- ketzern, selbst eigennamen: ver-ballhornen etc. wiewohl mit dem nebensinn der verschlechterung und übertrei- bung. Einige gelten nur im part. z. b. ver-witwet (ver- wittibt), ver-waiset. Mhd. ver-affen (zum affen werden) MS. 1, 89 a ver-effen (z. a. machen); ver-gîseln Nib.; ver- këbesen Nib.; ver-ketzerîen MS. 2, 129 a ; ver-sachen (zur sache machen) Trist. 6149; ver-schelken En. 89 a ; ver-steinen Barl. 387; ver-vendern? MS. 2, 220 a , kann dies mit dem vender (im schachspiel) zus. hängen? zu dem sinn schickt sich eher verkaufen (vendere); ver- weisen Nib.; ver-witewen Nib. Man darf auch einzelne der unter 7. verzeichneten hierher rechnen, z. b. ver- mosen, ver-hamîten, falls ihnen kein einfaches verbum zu grunde liegt, z. b. bei ver-rigelen, ver-sigelen band sich die part. mit rigelen, sigelen. Vielleicht ist beim nhd. ver-golden, ver-zinnen ehenfalls vom begriff der obduc- tion auszugehen, nicht der verwandlung. b) verba aus adj. Kaum aber intransitiva mit dem begriff des werdens, weil die part. gerade das verwerden ausdrückt und ver-bleichen, ver-blaßen, ver-sauern, ver-krummen vielmehr unter 1 oder 2. gehören. Transitiva haben den begriff des verderbnisses nicht, sondern den der bloßen verwandlung : ver-beßern; ver-bittern; ver-deutschen; ver-dichten; ver-dünnen; ver-dunkeln; ver-einzelnen; ver-eiteln; ver-finstern; ver-größern; ver-güten; ver- kleinern; ver-kürzen; ver-längern; ver-mindern; ver- neuern; ver-ringern; ver-schlechtern; ver-schlimmern; ver-schönern; ver-süßen; ver-übeln; ver-vollkomnen etc. d. h. beßer, bitter, deutsch machen. Mhd. sind ihrer weniger: ver-bôsen MS. 2, 130 b ; ver-lützeln Bert. 45; ver-mueden MS. 2, 167 a ; ver-stummen MS. 2, 183 a ; hin- gegen heißt es: beƷƷern, mêren, schœnen etc. — Be- merkungen: α ) die zus. setzungen mit ver- haben sich späterhin gemehrt, theils ist das ver- müßig hinzu ge- treten, theils an die stelle älterer er-. β ) die bedeutung schwankt mehr als bei andern partikeln, welches mit daher rührt, daß im ver- drei ursprünglich geschiedne begriffe vermischt sind (goth. fra-, faír-, faúr-). Oft steht in demselben dialect ver- vor demselben verbo mit ganz abweichendem sinn. So nhd. ver-treiben (expellere) ver-treiben (consumere); ver-treten (vice alterius fungi) III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ver-treten (conculcare) ver-treten (talum intorquere); ver-sehen (curare) sich eines ver-sehen (exspectare) sich ver-sehen (minus recte videre); ver-führen (seducere) ver-führen (transportare); ver-schießen (colorem amit- tere) ver-schießen (tela consumere); ver-wesen (admini- strare) ver-wesen (putrescere); ver-wachsen (male crescere) ver-wachsen (crescendo obduci); ver-sprechen (promit- tere) sich ver-sprechen (false loqui) etc. Noch sichtbarer wird die verschiedenheit nach zeit und mundart: ahd. sich fer-sëhan (sperare) N. 36. 1. Bth. 45; nhd. ver-ste- hen (intelligere) mhd. ver-stên zugleich viam impedire; nhd. ver-setzen (transferre und oppignorare) mhd. auch claudere; mhd. ver-schamt (impudicus) nhd. ver-schämt (pudicus); mhd. ver-sprëchen (recusare) nhd. ver-spre- chen (promittere); nhd. ver-schaffen (procurare) mhd. ver-schaffen (deformare); fir-nëman drückt dreierlei aus: tollere, consumere, percipere; ahd. far-zîhan (negare) nhd. ver-zeihen (condonare, culpam remittere). Es ist also nur historisch zu lernen, daß ver-ehren honorare und ver-achten contemnere bedeutet. γ ) verwandte par- tikeln: a) er-: goth. us-qviman und fra-qviman, beides perdere, delere; ahd. ar-fluohhan (s. 830.) far-fluohhan, beides maledictus); ahd. ar-këƷan, alts. far-gëtan obli- visci; viele nhd. ver- sind an die stelle früherer er- ge- kommen. Häufig stehen sie einander entgegen: nhd. er- treten, ver-treten; er-ziehen; ver-ziehen, er-blühen, ver- blühen etc. b) be- zumahl im sinne des aufbewahrens, z. b. be-sperren, ver-sperren; be-schließen, ver-schließen, aber auch in andern bedeutungen, z. b. mhd. be-hern und ver-hern (depopulari). c) ge-: ahd. ka-elilentôn hymn. 21, 5. ge-ellendôn N. 67, 19. mhd. ver-ellenden Barl.; ge-stillen mhd. gleichviel mit verstillen; andere bei- spiele s. 837; öfter stehen sie sich entgegen, indem ge- wohl (s. 835. 843.) und ver- übel bedeutet. d) das trennbare ahd. furi, vgl. furi-biotan (prohibere) ker. 19. mit nhd. ver- bieten und goth. faúr-biudan (praecipere). e) über-, s. unten. [ zer- ] vermuthungen über die form bereits s. 723. 724; goth. bloß dis- und noch getrennt: diz uhþan sat Marc. 16, 8. für dis-sat. Ahd. za- , zë- , zi- schwankend nach der ana- logie von ar-, ër-, ir-, far-, fër-, fir-; selten stehet zar- , zër- , zir- , parallel dem ar-, ër-, ir-, nämlich zër- weiß ich nicht zu belegen, halte es aber für möglich, die andern belegen: zar-lâƷan jun. 212. zar-spreitan jun. 204. zar- stôrran jun. 227. zar-fallan, zar-worfan jun. 201. cir- prëhhan ker. 211. Diese zar-, zir- entsprechen dem III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. goth. dis-, wie ar-, ir- dem goth. us-, wiewohl einige unähnlichkeit statt findet, da ar, ir, us zugleich trennbare praepositionen sind, nicht aber zar, zir, dis, und näher betrachtet in letztern zwei partikeln zus. gefloßen scheinen. Dis- erklärt sich aus di-is (= du-us) zar- aus za-ar, zir aus zi-ir. Bestätigung gewähren die ahd. for- men zëar-fellan mons. 409. zeir-gân N. 78, 11. zëër-lekkê N. Bth. 66. Anzunehmen, daß sich hier die zweite part. früher mit dem verbo gebunden habe, d. h. zë erst vor arfellan, irgan getreten sei, folglich auch z’ vor arsprei- tan, irprëhhan, wäre wohl verwerflich; dies würde, weil ahd. zi- die gewalt des goth. dis- hat, jene compo- sita einem goth. diz-us-falljan, diz-us-gaggan, diz-us- spráidan gleichsetzen und die bedeutungen verwickeln; nach meiner ansicht sind sie in ein goth. dis-falljan, dis- gaggan, dis-spráidan zu übersetzen. Auch bedeuten zëar- fellan, zëir-gân, zar-spreitan nicht mehr oder weniger als za-fellan, za-gân, za-spreitan. Endlich bezweifle ich daß zi = dis je vor vocalen kürzung in z’ leide, wie sie bei zi = du ganz in der ordnung ist und selbst z’ir = zi-ir = dis beweist. Alts. bloß die mit dem ahd. zi- gleiche form të , unterschieden von tô, ahd. zuo. Ags. mischen sich beide in der einzigen form tô- (es ließe sich dann erweisen, daß man to- von tô- scheiden dürste, woran ich zweifle) und tô-lætan kann an sich sowohl ahd. zi-lâƷan als zuo-lâƷan sein. Das s. 723. behauptete tô-â- = ahd. zë-ar- weiß ich höchstens zu belegen mit tô-â-lætan, das wie tô-lætan relaxare ausdrückt, wenn Lye recht hat. Seine übrigen tô-â- vergleichen sich ahd. zuo-ar-, und gehören in §. 5., bei ihnen ist offenbar das tô erst zu dem mit â- componierten verbo getreten. Mhd. schwanken ze- und zer- , es läßt sich keine regel dafür nach dem anlaut des verbi geben, wie bei en- und ent-, vielmehr zeigen die besten hss. beide in gleichem fall hin- tereinander, z. b. Parc. 73 b ze-brochen, 74 a zer-bliuwen. Höchstens wären einzelne wörter zu sammeln, die einer oder der andern form zugethan sind, z. b. zer-brëchen und ze-bliuwen scheinen ungewöhnlich und es steht fast immer zer-fueren Parc. 25 b 59 b , zer-gên u. dgl. Kür- zung in z’ verträgt aber die ze-form wiederum nicht, so ublich sie bei dem ze = du vor vocalen ist, z. b. es heißt z’arbeitenne (zu arbeiten) nicht z’arbeiten (zerar- beiten). Schlechte hss. geben zu-, zuo- für ze- (Herb. 63 c zu-kram f. ze-kram, zerkratzte) was entw. später oder niederdeutsch ist. Nhd. hat sich durchgängig das III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. vollständige zer- hergestellt, ungeachtet jede vermischung mit dem ze, seit es überall in zu verwandelt ist, aufge- hoben war. — Die bedeutung dieser partikel, welche un- ter sämtlichen untrennbaren den geringsten umfang hat, erscheint schon deshalb weniger verwickelt. Sie bezeich- net sonderung , trennung , voneinanderreißen des verei- nigten, gleich dem lat. dis-, ist also von natur privativ. Dieser begriff schickt sich auch nicht übel zu der gemuth- maßten bildung aus du und us , gleichsam: auseinander, verbundnes gelöst. 1. häufig hat schon das verbum den begriff der scheidung, den also die part. mehr hervorhebt. Goth. dis-dáiljan (dividere); dis-hnáupnan (disrumpi) dis- hniupan (disrumpere); dis-skreitan (discerpere) dis-skrit- nan (discerpi) nach beiden das starke verbum skreitan, skráit nr. 499 b ; dis-tahjan (dissipare); dis-taúrnan (disrumpi) dis-taíran (disrumpere); dis-vilvan (diripere); dis-vinþjan (dissipare, ventilare) Luc. 20, 18. Ahd. za-laosan (dis-sol- vere) hrab. 960 a zi-lôsan ker. 125. 137. 259. 279; za-prëh- han (disrumpere) hrab. 960 b ker. 98 cir-prëhhan (confrin- gere) ker. 211; za-prëstan (disrumpi, discrepare) hrab. 960 b ; za-sceidan hrab. 959 b zi-sceithan ker. 86. 98. 112. 250. 258. zë- scrinden N. Bth. 245. za-scrintan hrab. 958 a 965 b ; za-slîƷan (dissipare, lacerare) hrab. 960 b ker. 96. 150. 186; za-snîtan (dis- secare) hrab. 960 a ker. 92; zi-spaldan ker. 97; zar-spreitan (ex- panedre) jun. 204. zi-spreitan mons. 341; zar-stôrran (sub- vertere) jun. 227. zi-stôran mons.; zi-strudan (destruere) J. ker. 248; za-teilan (dividere) hrab. 959 b 960 b ker. 92. 271. K. 41 a 34 b (concidere) mons. 330. 393; zi-weipan (ventilare) mons. 323. 345. 361. 384. zë-weiben N. 58, 16; zë-zucchen (diripere) N. 109, 11. Ags. tô-bërstan (dis- rumpi); tô-brëcan (disrumpere) Beov. 61. 76; tô-cëorfan (amputare); tô-cînan (diffindi) vgl. mhd. zer-kînen; tô- clëófan (diffindere); tô-dælan (dividere); tô-lŷsan (dissol- vere); tô-scâdan (distinguere); tô-slîtan (diffindere); tô- tëran (laniare). Mhd. zer-brëchen Tit. 101; ze-brësten; zer-kînen (oben s. 815); zer-klieben Trist.; zer-lœsen Trist.; ze-rîƷen Trist.; ze-schrenzen troj. 92 a ; zer-snîden Barl.; zer-spalten g. schm. 1481; ze-stœren Trist.; ze-stücken Trist.; zer-teilen; ze-trennen Tit. 36; Wig. 311. Nhd. zer-bersten; -brechen; -malmen; -pulvern; -reiben; -rausen; -reißen; -rupfen; -schneiden; -spalten; -sprengen, -springen; -spal- ten; ren; veraltet sind aber zer-scheiden, zer-schleißen und -stœren; -stücken; -theilen; -trennen; -trümmern; -zer- selten gebraucht werden zer-lösen (auflösen) zer-sprei- ten (verspreiten). — 2) die partikel gibt den trennungs- III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. begriff. Bei Ulf. kein beispiel. Ahd. za-kân (deficere) ker. 113. zi-gangan mons. 347. O. II. 8, 21. zëir-gân (pe- rire) N. 78, 11. zë-gân Bth. 246; za-hlaufan (discurrere) hrab. 954 a ; zar-lâƷan (liquefacere) jun. 212. zi-lâƷan ker. 85. 88. 95. zë-lâƷen N. 125, 4; zë-lîdan (transire) mons. 404; zër-lekken (dissolvere) N. Bth. 66; zi-plâhan (tume- re?) vgl. jun. 240. zi-plâhan (contumax) ker. 50. und heruach zi-suëllan; zi-rinnan (discurrere) ker. 45. za-rinnan (ba- chari) hrab. 955 a ; zi-rennan (conflare) mons. 396. d. h. zerrinnen machen und nicht selbst mit der part. gebildet, sondern aus dem vorigen deriviert; zi-rînan (collabi?) das part. zi-rinan (ruinatum) ker. 57, gleichsam zer- rührt?; ze-rîsan (collabi) K. 22 a ; zi-sâwan (disseminare) part. zi-sât O.; zi-sezan ker. 91; zi-slahan ker. 73. 93. 260; za-slîfan hrab. 960 b ker. 77. zë-slîfen N. Bth. 243; zi-slîhhan ker. 98; zi-stëhhan ker. 98; zi-stôƷan ker. 258. O. II. 11, 100. IV. 19, 62; zi-suëllan (tumere, eigentl. tumendo interire) ker. 274; zi-suërpan? ker. 133; zë-trîpan mons. 378; zi-faran (perire) häufig; zëar-fellan (subruere) mons. 409; zi-flëoƷan (confundi) ker. 133; zë-fliegen N. Bth. 224; zi- wërfan (divellere, dissipare) ker. 86. mons. 336. 376. 390; zi-zimparôn (destruere?) ker. 151; zi-ziohan (distrahere) ker. 85. 92. 93. Alts. të-glîdan (collabi); të-scrîdan (idem); të-suingan (destruere); të-wërpan. Ags. tô-beátan (dila- cerare); tô-cnâvan (discernere); tô-dôn (distinguere) ver- sch. von tô-ge-dôn (addere); tô-drîfan (dispergere) Beov. 43; tô-faran (discedere); tô-flôvan (diffluere); tô-gëótan (diffundere); tô-glîdan (corruere); tô-hlîdan (dehiscere); tô-hvëorfan (discedere); tô-mëarcjan (distinguere); tô-sâ- van (disseminare); tô-slëan (dilacerare); tô-stencan (disper- gere); tô-þindan (tumere) tô-þunden (turgidus) wie ahd. zi-suollan, zi-plâhan, wieder ein übersehnes starkes verb. þindan, þand (tumere); tô-vëorpan (destruere); tô-vrî- ðan (distorquere). Mhd. zer-bern (discutere, percutere) Parc. 37 a ; zer-bliuwen Parc. 74 a ; zer-denen (extendere) Bert. 40; ze-dræn Parc. 9 a ; zer-gëben (donando distri- buere) Nib. 5552; zer-gên (perire) Wig.; zer-gieƷen Trist.; ze-hëllen (discordare) Trist.; zer-houwen Trist.; ze-kiuwen MS. 2, 205 a ; ze-lâƷen Wig.; zer-liden MS. 1, 106 a ; zer-rêren MS. 2, 45 b ; ze-rinnen Wig.; ze-senden Trist.; zer-slîfen Barl.; ze-stëchen; ze-swëllen; zer-trëchen Jw. 2 b ; zer-triben Trist.; zer-tuon Trist. troj. 145 c ; zer-vallen; zer-vueren Parc. 25 b 59 b ; ze-wërfen Trist. kl. 3312; ze-wërren Wig.; ze-wirken Trist. Nhd. sich zer-arbeiten; zer-beißen; zer- fallen; zer-fleischen; zer-fließen; zer-gehen; zer-gliedern; III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. zer-hauen; zer-kauen; zer-kochen; zer-kratzen; zer- laßen; zer-legen; zer-rinnen; zer-rühren; zer-schellen; zer-schlagen; zer-schmelzen; zer-setzen; zer-stechen; zer- stieben; zer-stoßen; zer-streuen; zer-tanzen; zer-zeisen; sich zer-werfen; zer-wühlen; wir sagen aber nicht zer- geben, -gießen; -führen, -säen, -thun etc.; fortbildbar sind sie am ersten für den reciproken gebrauch, z. b. sich zer-ängstigen; zer-plagen, zer-sorgen, zer-schreiben und dergl. — 3) eine merkwürdige bedeutung hat die part. in einigen goth. wörtern. Sie verleugnet ganz ihren privativen, sondernden sinn und drückt bewältigung aus, etwa dem lat. ob- oder dem deutschen be- vergleichbar. Es sind nur vier composita: dis-driusan ( ἐπιπίπτειν ) Luc. 1, 12; dis-haban (occupare, περιέχειν, συνέχειν ) Luc. 5, 9. 8, 37; dis-huljan (operire, καλύπτειν ) Luc. 8, 16; dis- sitan (obsidere) dis-sat ( ἔλαβε ) Luc, 5, 26. 7, 16. ( εἶχε ) Marc. 16, 8. Fulda hat in seiner interlinearversion des letztern worts den gewöhnlichen begriff von dis- zu er- reichen gesucht: extra se posuit. Allein unrichtig, denn einmahl müste es heißen dis-satida, weil sitan nie ponere bedeutet und dann lehrt das parallele dis-haban, daß es völlig wie dieses zu nehmen sei. Von diesem goth. ge- brauche des dis- kenne ich in den übrigen dialecten gar kein beispiel, zer-haben, zer-hüllen, zer-sitzen, nach unserm heutigen gefühl, wären eher das gegentheil von dem, was die goth. bildungen aussagen, die sich in ein ahd. pi-triosan, pi-hapên, pi-huljan, pi-sizan, übertragen ließen. Offenbar hat das goth. dis- hier die gelindere bedeutung des gr. διά- und lat. di-, dis- in δια-γινώσκω , di-gnosco; δια-βεβαιόω (obfirmo); di-ligo; dis-tineo (goth. dis-haba) und in di-gnoscere (ags. tô-cnâvan) zeigt sich auch, weil erkennen auf unterscheiden beruht, verwandt- schaft mit der trennbedeutung. Ulf. braucht disdriusan, dishaban, dissitan überall transitiv von furcht und staunen (agis, usfilmei, sildaleik) was unser heutiges durchdringen und das gr. δι-έχειν ausdrückt und wieder an den begriff von scheiden stößt. Kann das mhd. zer-nât (gestickt, be- stickt) troj. 92 a und Oberl. 2098. hierher gerechnet werden? Anmerkungen über sämtliche untrennbare partikeln. 1) was von den meisten partikeln überhaupt gilt und im fünften cap. näher auszuführen ist, daß sie in ihrer bedeutung verdunkelte, in ihrer form entstellte wörter I i i III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. sind, findet auf die untrennbaren partikeln vorzügliche anwendung. Ihr begriff, wie wir gesehen haben, schwebt von der verstärkung zur beraubung oder hält sich zwi- schen beiden in der mitte. Ihre form geht gewöhnlich durch alle vocale und verbleicht zuletzt in unbetontem e; die consonanten fallen ab oder leiden von dem ein- fluße des anlauts, den das sich componierende verbum mitbringt. Eine partikel (das ge-) ist in dem volksdia- lect sogar zu einem bloßen, kaum noch vernehmbaren, vordruck herabgesunken. Je mehr sich dieses verderbnis der partikel entwickelt, desto unfähiger geworden ist sie ihre ursprüngliche selbständigkeit und trennbarkeit zu be- haupten. 2) die alte trennbarkeit blickte noch verstolen durch bei dem goth. us, ga, dis, nicht mehr (wenigstens man- geln beispiele) bei and-, fra-, bi-. Etwas anders ist, daß ein theil dieser partikeln und oft mit gestärkter vocalform in allen deutschen mundarten als praepositionen fortleben, folglich, denn alle praepositionen sind getrennt, trennbar erscheinen. Als adverbia sind sie untrennbar, und weder form noch bedeutung der praepositionen hält mit den verwandten adverbien gleichen schritt. Dennoch ist die frage wohl nicht müßig: ob alle unzertrennlichen, den verbis componierbaren partikeln praepositionen seien oder gewesen sein müßen? Im nhd. steht nur das einzige be- neben bei und ver- berührt sich mit vor; er- war noch ahd. und ent- goth. praeposition; ge- und zer- sind nir- gends praepositiv, selbst im goth. nicht. Indessen ist schon oben s. 751. wahrscheinlich gemacht worden, daß ge- mit dem lat. cum zusammenfällt und dann mag es vor alters auch praeposition gewesen sein. Zer- trennt sich selbst als lat. dis- nicht, doch als griech. διά . 3) erheblich ist der nichtgebrauch dieser untrennbaren partikeln im altnordischen . Und wiewohl for- bisweilen vor verbis, and- und or- vor nomin., nicht vor verbis erscheinen; so gebrechen be-, ge- (einzelne spuren ab- gerechnet) und zer- diesem zweige der deutschen sprache völlig, be- sogar als praeposition. Was hat man nun für organischer und alterthümlicher zu halten, ihr dasein oder ihre abwesenheit? anders ausgedrückt: ist im nord. dia- lect die partikel weggeworfen worden, da sie früher vor- handen, oder in den übrigen dialecten zugefügt, da sie früher nicht vorhanden war? Ohne die vortheile zu ver- kennen, welche im altn. der gebrauch vieler einfachen verba statt der zusammengesetzten gewährt, (von den III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. nachtheilen unten), glaube ich daß die einstimmung der historisch älteren goth. ahd. und ags. denkmähler wenig- stens für das höhere alterthum der partikelanwendung entscheidet. Im lat. und slav. zeigt sich eine ähnliche fülle untrennbarer partikeln vor verbis. Erwägt man ferner, daß im engl. viele einfache verba auftreten, die im ags., also in dem früheren stand dieser mundart, durch- aus componiert sind; so wird es zu schließen erlaubt sein, daß die altn. verba gleichfalls ihre untrennbaren partikeln, welche sie vordem hatten, verloren haben kön- nen , ohne darum die in den part. begründete modifica- tion der bedeutung einzubüßen. Einige beispiele. Ags. ârîsan (surgere) goth. urreisan, das einfache rîsan, reisan kommt gar nicht vor, im engl. macht sich arise immer seltner und wird durch das einfache rise mit demselben begriff ausgedrückt. Im altn. gilt nur rîsa, dasselbe be- deutend; kann hier nicht die den sinn von sursum erre- gende oder stärkende part. abgefallen sein? Das altn. vinna bezeichnet zweierlei, theils arbeiten, sich mühen, theils erarbeiten, erlaugen. Im goth. kenne ich nur das simplex vinnan und bloß im sinn von pati, tolerare, für die zweite bedeutung gebraucht Ulf. gageigan, er hätte der form nach gavinnan setzen mögen. Ahd. scheidet stch winnan (laborare, certare) T. 115, 4. O. II. 3, 115. etc. von giwinnan (vincere, consequi); später veraltet win- nen der form und bedeutung nach und nur gewinnen (vincere, lucrari) besteht. Ags. analoge unterscheidung zwischen vinnan (laborare, pugnare) und gevinnan (vin- cere, consequi). Engl. bloß win, aber für ywin, gewin, denn es drückt vincere, lucrari aus und nicht mehr la- borare, pugnare. Sollte mithin der zweiten altn. bedeu- tung die partikel anfangs nicht nothwendig gewesen sein? so nothwendig sie unserm nhd. erarbeiten ist, wenn es laborando obtinere bezeichnet im gegensatz zum einfachen arbeiten (laborare). Dem ags. ondrædan scheint die part. unentbehrlich, wie dem ahd. intrâtan, mithin dem engl. dread abgefallen; mangelte dies verbum im altn. nicht völlig, so erführen wir vielleicht die noch verborgne be- deutung des einfachen drædan, trâtan. Wir verwech- seln im nhd. tränken nicht mit ertränken, jenes bedeutet uns zu trinken geben, dieses ins waßer stürzen, das eine ist transitivum von trinken, das andere von ertrinken. Das altn. dreckja drückt aber mergere aus, was unser ertränken: ist wiederum die partikel erloschen? Solche beispiele laßen sich leicht mehren. Sie machen es mir I i i 2 III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. wahrscheinlich, daß im höheren alterthum auch die nord. mundart untrennb. part. besaß; allein strengen beweis dafür geben sie nicht. Es ist denkbar, daß die verschie- denheiten der bedeutung schon im einfachen verbo gele- gen haben. 4) der mangel dieser partikeln trägt allerdings bei zu der kürze und leichteren bewegung, die dem altn. dialect vor allen andern deutschen eigen ist. Dafür gehen ihm zwei vorzüge ab, welche die partikelcomposition mit sich führt. Einmahl die feinere deutlichkeit und bildung in fällen, wo unterschiede der bedeutung an den partikeln hängen. Dann die dem dichter willkommne freie wahl zwischen der zus. gesetzten und einfachen sorm, da wo beide gleichbedeutig sind. Nachtheil und vortheil wiegen sich ungefähr auf. 5) manche zusammensetzungen mit untrennbarer par- tikel gelten allmählig nicht durch das ganze verbum und zwar nicht im praesens wohl aber im praet., oft nur im partic. praet. Hauptsächlich trifft es die partikeln be-, ge-, er-, ver-, seltner ent- und kaum zer-; unter allen am meisten das ge-. So sagen wir heute unbedenklich: er verstarb, verschied an der krankheit, verblieb zu hause, das wort erstarb ihm auf der zunge; hingegen er stirbt, bleibt da, das wort stirbt ihm. Ahd. und mhd. stehet gi- gern vor praeteritis, unhäufiger im praes. z. b. gesprach Jw. 3 b gesach Jw. 3 o genam Parc. 41 b getwuoc Parc. 133 b gestieƷ Parc. 135 b gesluoc Trist. 9204. giquad O. IV. 22, 1. andere beispiele s. 843. 844; ich finde be- ran Gudr. 73 b beswief fr. bell. 21 a , kein berinnet, be- sweifet. Die partikeln scheinen wenigstens den begriff der dauer (der vollbringung meine ich) zu stärken, dem unbestimmten conjunctiv und insinitiv aber seltner zu gebühren, als dem indicativ, vgl. s. 844. das ahd. bâri inti gibar. Viel entschiedner ist die einschränkung auf das part. praet. vgl. die mhd. bedrungen Wig. 32. Bit. 122 b erborn, erbolgen, erschoben (s. 821.); die nhd. beschaffen, belesen (s. 808.) beeist, behaftet, beherzt, bejahrt, be- kannt (notus, versch. von bekannt confessus), beleibt, betagt, bethränt; entseelt, entwachsen; erpicht, erboßt, erlogen, erstunken (s. 827.); verschämt, verwandt (con- junctus, versch. von verwandt = angewandt) verschie- den (diversus) u. a. m., von dem ge- ist ausgeführt wor- den, nicht nur daß es zu den part. praet. aller verba tritt, die es sonst nicht haben, sondern daß es auch von III. partikelcomp. — untr. part. mit verb. ganz veralteten verbis fortgebraucht wird s. 850.): ge- stirnt, gesinnt, gesittet, geschlacht, ungeschlacht, abge- schmackt, gedunsen, aufgedunsen, gewogen etc. Hierher gehören auch die besondern bedeutungen von gelaßen, gelegen, geschickt, gewandt, die sich nicht von den üb- lichen verbis laßen, liegen, schicken, wenden herleiten. Aus diesem allen ergibt sich nun, daß die partikeln, ohne zum wesen der conjugation erforderlich zu sein, einen gewissen einfluß auf die praeterita ausüßen, das griech. augment ist ihnen analog, und das ε- zumahl dem deut- schen ge- (altengl. y-, fries. und westphäl. e-) vergleichbar. Zwar erstreckt sich das ge- viel weiter und componiert über- haupt (nomina und verba); das ε- erscheint bloß in der conjugation vor praeteritis (nie im praes. und fut., ge- schweige vor nominibus) und bleibt auf den indic. be- schräukt, den participien fremd, da sich das deutsche ge- grade auf das partic. wirft. Allein die möglichkeit das griech. augment aus einer verdunkelten partikel zu deu- ten wird dadurch noch nicht umgestoßen und wichtige analogie tritt namentlich bei decompositis ein in der stel- lung beider, des ge- und ε- , bald vornen bald mitten, (Buttm. §. 86.) wovon §. 5. weiter zu handeln sein wird zusammenhang des augments mit der reduplication schließt es vielleicht nicht aus, ja die letztere erinnert an das oberdeutsche verdicken oder verdoppeln der anlautenden consonanz (s. 847.), wiewohl im goth. das ga- neben der redupl. gilt (gastaistald) etwa wie im griech. plusquampersect? Ulf., wenn ich nicht irre, braucht mit gefühl sein ga- gern wo ein griech. augment oder eine redupl. steht, vgl. vagid ( σαλευόμενον ) Luc. 7, 24. Matth. 11, 7. gavigan ( σεσαλευμένον ) Luc. 6, 38. wenn nicht andere rücksichten überwiegen. Es ist hier der ort nicht, solche vermuthungen weiter zu erörtern, noch die, daß sich doch in einzelnen praesensformen augmente nachweisen laßen dürften. . Noch deutlicher, obgleich wieder anders, be- rühren sich aber die slavischen perfectiva mit jenem partikeleinfluß (vorr. zur serb. gramm. p. LII. LIII.). Hier ist keine entstellung einer einzelnen partikel zum bloßen augment, noch eine vorherschende partikel wie unser ge-; sondern mehrere (voraus po-, do-, na-) die- nen, die perfective bedeutung zu erheben; sie gehen auch (wie unser be-, er-, ver-) durch alle modos, nicht durch alle tempora, praesens (im wahren, unfuturischen sinn) imperfect und part. praes. versagen sich ihnen. Jeder der drei sprachstämme zeigt also eigenthümliche abweichun- gen, ohne die übereinstimmung zu verbergen. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. B. trennbare partikeln mit verbis (s. 797.). Trennbare partikeln sind solche, die auch getrennt er- scheinen, seien sie zugleich praepositionen oder nicht. Ihre form ist in der regel unentstellt, sie laufen weder durch alle vocale, noch sind ihre consonanten beschädigt. Den ton haben sie noch nicht verloren. Ihre bedeutung ist einfacher und sicherer geblieben. Sie verbinden sich nur zuweilen mit verbis; art und weise dieser composition läßt sich am vortheilhaftesten nach den verschiednen pe- rioden faßen und zwar so, daß ich nicht von dem goth. herab, vielmehr von dem uhd. aus hinaufsteige. I. im nhd. gibt es nnr sechs trennbare partikeln, die der wahren composition theilhaft und alsdann untrenn- bar werden: über , unter , hinter , wider , um und durch; alle zugleich praepositionen, alle zugleich lose adverbia, mit ausnahme von hinter , das nur als praep. und com- poniertes adv. vorkommt. Die kennzeichen der eingetre- tenen zusammensetzung sind: 1) die part. büßt den ton ein. 2) sie haftet am verbo durch alle seine äußerungen, namentlich α ) in der directen rede des ind. und imp. ich übertreffe, über-traf, über-triff; ich durch-bohre, durch- bohrte, durch-bohre du. β ) im dativ des inf. bei vor- stehender praep. zu: zu übertreffen, zu durch-bohren. γ ) im part. praet., welches kein ge- annimmt: über- troffen, durch-bohrt. 3) die (gewöhnlich transitive) be- deutung hat eine gewisse schwächung und abstraction er- fahren, wie sogleich wahrzunehmen ist, wenn man oft vor denselben verbis (und dann meist intransitives be- griffs) das uncomponierte und betonte adv. vergleicht. Er über-geht, unter-hält, wider-spricht, um-gibt, die durch-bohrte brust ist etwas anderes und unsinnlicheres als: er geht über, hält unter, spricht wieder, gibt um, die durchgebohrte brust. Schon der ton, welcher in den letzten beispielen auf den part. ruht, verleihet nachdruck. Der unterschied gleicht dem verhältnis der untrennbaren partikeln zu ihren voll und frei gebliebenen formen oder, wenn sie verloren gegangen sind, analogen gleichbedeuti- gen; man halte be-steht, er-steht, ge-rinnt, ent-kleidet, ver-rennt, zer-schneidet zu: sieht bei, steht auf, rinnt zusammen, kleidet aus, rennt vor, schneidet entzwei. — Beispiele nhd. zus. setzungen mit jenen sechs partikeln; durch- (per): durch-beben; -beißen; -blättern; -bohren; -brechen; -denken; -dringen; -fahren; -fliegen; -fließen; -freßen (vom rost); -gehen; -irren; -kriechen; -laufen; III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. -leben; -lesen; -mischen; -näßen; -reisen; -schauen; -schliesen; -stechen; -streifen; -wandern; -waten; -wüh- len; -ziehen; -zittern. hinter- (retro): hinter-bleiben; -bringen; -gehen; -halten; -laßen; -legen; -treiben. über- (trans, super; oft per, nimis); über-ackern; -ant- worten; -arbeiten; -bauen; -bieten; -blättern; -blühen; -bringen; -decken; -denken; eilen; -eßen; -fallen; flie- gen; -flügeln; -führen; -füllen; -geben; -gießen; -gol- den; -häufen; -heben; -hören; -hüpfen; -kleiden; -kleistern; -laden; -laßen; -laufen; -leben; -legen; -le- sen; -liefern; -listen; -machen; -mannen; -nachten; -nehmen; -raschen; -reden; -reiten; -rennen; -salzen; -schätzen; -schatten; -schauen; -schiffen; -schneien; -schrei- ben; -schreien; -schreiten; -schütten; -schwängern; -schwemmen; -sehen; -setzen; -silbern; -sommern; -spannen; -spinnen; -springen; -stehen; -steigen; -stim- men; -streuen; -strömen; -täuben; -tragen; -treffen; -treiben; -treten; -trinken; -tünchen; -wachsen; -wei- sen; -werfen; -wiegen; -winden; -wintern; -zeugen; -ziehen. um- (circum): um-armen; -duften; -fahen; -fangen; -fahren; -faßen; -fließen; -geben; -gehen; -graben; -hängen; -hüllen; -hüpfen; -klammern; -krän- zen; -lagern; -mauern; -nebeln; -rauschen; -schatten; -schiffen; -schlingen; -schränken; -schreiben; -segeln; -spannen; -stecken; -stellen; -stricken; -wehen; -winden; -wölken; -ziehen; -zingeln. unter- (sub, vicissim): unter- binden; -bleiben; -brechen; -bringen; -drücken; -fan- gen; -geben; -graben; -halten; -handeln; -jochen; -laßen; -laufen; -liegen; -nehmen; -reden; -richten; -sagen; -scheiden; -schlagen; -schreiben; -stehen; -stützen; -suchen; -weifen; -werfen; -winden; -zeichnen; -zie- hen. wider- (contra): wider-fahren; -legen; -rathen; -rufen; -setzen; -sprechen; -stehen; -streben. — Alle übrigen nhd. partikeln, so wie für gewissE fälle die ange- führten durch, über, unter, um, wider (das einzige hin- ter abgerechnet) leiden keine solche composition, nämlich 1) bleiben sie jederzeit betont. 2) fügen sich nicht im- mer ans verbum, vielmehr α ) im imp. stehen sie noth- wendig dem verbo nach, z. b. blicke nieder, laß ab, fang an; β ) ebenso im ind., wenn die rede direct ist, z. b. ich blicke nieder, laße ab, fange an. γ ) das den dat. inf. regierende zu tritt zwischen sie und das ver- bum, d. h. es steht richtig vor seinem casus, unbeküm- mert um die uncomponierte partikel, z. b. nieder zu blicken, ab zu laßen, an zu sangen, δ ) das participiale III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ge- erscheint au seiner stelle und hat die part. vor sich: nieder geblickt, ab gelaßen, an gefangen. 3) dagegen nä- hern sich die partikeln dem verbo α ) im inf.: an-fangen, ab-laßen, nieder-blicken. β ) in conj. z. b. daß er an- fange, ab-laße, nieder-blicke. γ ) wenn der ind. nach einer conjunction oder einem relativpronomen steht, z. b. ob er an-fängt, ab-läßt, nieder-blickt; ihn, der an- fängt etc. δ ) im part. praes.: an-fangend, ab-laßend, nieder-blickend. Hiernach sind (außer den fünf genann- ten betonten durch , über , um , unter , wider ) namentlich folgende nhd. partikeln zu beurtheilen: ab , an , auf , aus , bei , dar , ein , fort , heim , her , hin , mit , nach , nieder , ob , vor (kein für mehr), wohl , zu , so wie die zusam- mengesetzten: entgegen , entzwei , zurück , zusammen , hin- weg und weg ( frei und los sind adj. die fast den schein solcher partikeln angenommen haben, vgl. oben s. 675.). Offen- bar ist in allen diesen fällen keine echte composition vor- handen, sondern eine bloß syntactische bestimmung der wortfolge, wovon das nächste buch die gründe zu erör- tern hat. Völlig analog sind daher die oben besproche- nen constructionen des subst. und adj. mit verbis: acht- geben, wahr-nehmen, frei-sprechen, selig-sprechen; direct: ich gebe acht, nehme wahr, spreche frei, selig; part. praet. acht gegeben, wahrgenommen, frei gesprochen. Ja diese veränderliche wortstellung gilt ganz allgemein in andern redensarten, z. b. einem hofnung machen, einen für ehrlich halten und direct: ich mache ihm hofnung, halte ihn für ehrlich, wo sicher niemand eine verbindung der wörter hofnung-machen, für-ehrlich-halten behaupten wird. Bei jenen subst. und adj. trat noch zweifel ein, ob nicht die composition mitunter eine eigentliche sein könne (s. 596. 675.), was hier bei den partikeln, die der eigentl. comp. überhaupt unfähig sind, wegfällt. Die näherung der partikeln an das verbum scheint also we- niger in der sache, als nur in der neuern orthographie begründet, der man vielleicht wieder entsagen könnte. So gut das nieder, ab, an in directer rede ungebunden steht, dürfte es auch in bedingter und unbestimmter un- gebunden stehen. Allein man pflegt sogar (in 2, β . δ .) die vorstehende partikel an das zu und ge zu hängen (nieder-zu-blicken, nieder-ge-blickt), während jene prae- position von einfachen verbis getrennt gehalten wird. Die richtige schreibung: zu spielen, zu brechen sollte da- her auch die gleichrichtige: aus zu spielen, ab zu brechen (und nicht: auszuspielen, abzubrechen) nach sich III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ziehen, da es etwas widersinniges hat, eine praeposition zwischen zwei wörter sestzuklemmen. Ausnahmsweise wird auch die partikel nicht ans verbum geschrieben, wenn es das hilfswort sein ist, z. b. es heißt nicht bloß direct: das lied ist aus, die sonne ist unter, sondern auch indirect: wenn das lied aus ist, die sonne unter ist (nicht: ausist, unterist) und so vor dem inf., weil hier die part. zuviel macht hat, oder man sich ein ausgelaßenes: ge- sungen, gegangen dazwischen denkt. Für die anhängung der partikel, wenigstens an inf. und part. praes., folglich annahme wirklicher (freilich immer uneigentlicher) zus. setzung in diesen fällen, läßt sich allerdings ein grund beibringen. Dieselben partikeln verbinden sich ohne schwierigkeit mit nominibus; inf. und participium grei- sen aber ins nomen über. Wenn nun in wörtern wie an-fang, hin-blick, aus-lauf die part. unzertrennlich ans nomen gewachsen ist, warum sollte sie es nicht sein in an-fangen, hin-blicken aus-laufen? Noch mehr, es laßen sich aus so componierten verbis nomina (auf -er, -ung, -ig etc.) ableiten, in denen die part. wiederum festwur- zelt, z. b. ab-brecher, dar-leiher, dar-bringung, fort- schaffung, an-stellig; warum wollte man kein ab-bre- chen, dar-leihen, dar-bringen, fort-schaffen, an-stellen dulden? Das ist zwar einzuräumen, wie auch selig- sprecher, frei-sprechung auf selig-sprechen, frei-sprechen zurückführt; doch glaube ich sollten wir die ungebunden- heit der partikeln vor verbis, eine gute eigenschaft unse- rer sprache, so weit als möglich behaupten andere gründe für die eingetretene zus. setzung kann abge- ben, a) daß sich das part. praet. mit privativem un- componiert, z. b. unabgebrochen, unangefochten, unangemeldet, unaufgescho- ben, unaufgefordert, unausgemittelt, uneingetragen, unhergestellt, unvorbereitet, unzubereitet, unzusammengesetzt etc. doch scheinen diese bildungen sehr neu und gelten nicht in allen fällen, man sagt nicht leicht: unbeigebracht, undargebracht, unfortgetragen, unhingestellt, unmitgenommen, unnachgelaßen, unniedergeschla- gen. b) daß das part. praet. mit haben und sein construiert auch in directer rede die partikel vor sich behält, z. b. ich habe aufge- fangen, wer hat aufgefangen? während es sonst heißt: ich sange auf, wer fängt auf? ). Ohnehin sind die dichter an jene prosaische vor- oder nachstellung nicht völlig gebunden, d. h. sie dürfen auch zuweilen mit besonderem nachdruck im conj. und inf. die part. nachsetzen (daß er fange an, wie soll ich sangen an die rede) oder im ind. und imp. vor (auf-schlag die augen, III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. nieder-laß die arme!), wo man die ursprüngliche losheit der partikel fühlt. Beispiele dieser noch nicht vollständig eingetretenen, gleichsam nur anfliegenden zus. setzungen sind schwerlich nöthig. Ich will bloß als gegensatz zu jenen unbetonten durch-, über-, um-, unter-, wider- einige insinitive an- führen, deren partikel den ton behält; oft sind es diesel- ben wörter, mit nachdrücklicherer und veränderter be- deutung: durch kann beinahe allen vorhingenannten auch betont vorgesetzt werden, ich habe das buch durchgele- sen sagt mehr als ich habe es durchlesen; ich habe (ihn) durchschaut etwas anderes als, ich habe durchgeschaut (durch das loch); der vogel hat das land durchflogen und er ist durchgeflogen; ich bin durchdrungen von einer wahrheit, der regen ist durchgedrungen; ich habe den koth durchwatet, ich bin durchgewatet. Zuweilen ist der unterschied im sinn unmerklich. Die betonten über sind aber seltner als die unbetonten, weichen auch mehr ab in den bedeutungen, man kann sie zumeist in ein hin- über, herüber, darüber erweitern: über-fahren; -fliegen; -führen; -gehen (die stadt geht über, die leiche geht über); -hangen; -helfen; -hohlen (hohl über! zu fähr- leuten); -kommen; -laufen (von augen); -legen (über die knie); -rinnen; -schiffen; -schlagen; -schreiten; schwan- ken; -setzen; -springen; -treiben; -wallen; -werfen; -ziehen; einigemahl steht es für übrig: über-bleiben, über-laßen. Die betonten um sind gleichfalls seltner, als die unbetonten und weichen im sinn bedeutend ab: um- fahren (ein kind mit den rädern); -geben (ein tuch); -gehen (im kreiß); -graben (noch einmahl); -hängen (ei- nen mantel); -schreiben (von neuem); -schauen (in der ge- gend). Betontes unter vor wenigen wörtern, hinunter, darunter ausdrückend: unter-ackern; -binden (ein tuch); -bringen (unter dach); -gehen; -halten (ein glas); -kom- men; -kriechen; -legen; -mengen; -ordnen; -schieben; -schlagen; (ein bein); -sinken; -stecken; -tauchen; -tre- ten; -ziehen (die schwelle). Wider im sinne von contra: wider-fahren; wider-halten (resistere); wider-reden (obloqui, dissuadere); wider-stehen; -streben; -streiten; öfter wenn es rursus bedeutet, wo man wieder schreibt die unterscheidung zwischen wider und wieder (oben s. 796.) ist doch wohl nicht rein erfunden, sondern eben auf die beobach- tung gegründet, daß in der zus. setzung mit verbis das unbetonte wider- von dem betonten wieder- absteht, daher letzteres dem im- : wieder-kauen; III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. wieder-finden; wieder-sehen u. a. m. Die beispiele lehren, daß die betonten durch, über etc. mehr vor intransitivis, die unbetonten mehr vor transitivis stehen, daß aber in beiden fällen auch das umgekehrte vorkommt, folglich keine strenge regel daher zu nehmen ist. Alle bedeutungen der übrigen trennbaren partikeln vor verbis sind in der regel weit ständiger und sicherer, als die der sich wirklich zusammensetzenden. Zuweilen schwanken sie und werden sonderbar: an-laufen drückt bald widerlaufen, bald mit hauch, rost überzogen werden aus; auf-hören so viel wie nachlaßen, endigen, wahr- scheinlich aus dem früheren begriffe aufmerken (atten- dere) entsprungen, weil der aufmerkende sich ruhig ver- hält (mhd. noch kein solches ûf hœren) u. a. m. Die deutung dieser partikeln gehört aber offenbar nicht in die lehre von der zusammensetzung. II. inwiefern sind die entwickelten regeln anwendbar auf das mhd. ? schreibung der ältesten codd. scheint zwar zu beachten, nicht hinreichend zur entscheidung. Ge- wöhnlich stehen die trennbaren partikeln, wenn sie den verbis unmittelbar vorangehen, davon richtig abgetrennt. Weniger genau wird aber auch oft da, wo composition erfolgt ist, getrennte schreibung beibehalten, z. b. (wenn dem abdruck zu trauen ist) Parc. 115 c wider fuor statt widerfuor (d. i. wider-fuor), wie 114 c überstreit (über- streit). Der wirklichen, vollständigen zus. setzung sind auch im mhd. nur die nämlichen sechs partikeln: durch , hin- der , über , umbe , under , wider , in gewissen bedeutungen unterworfen. Kennzeichen: 1) der ton geht ihnen zwar oft ab, doch weniger entschieden als in der nhd. prosa und sie können im verse betont gebraucht werden. 2) sie sind unzertrennlich vom verbo, nicht bloß in der un- bestimmten rede des inf., conj. und relativen ind., sondern auch in der directen des ind. imp. und (optativischen) conjunctivs. 3) das part. praet. bekommt kein ge-, z. b. durch-slagen Wig. 70; hinder-leit Bon. 55, 2; über-zint Wig. 417; umbe-vangen Parc. 48 a ; under-gangen Parc. 103 c ; wider-varn Parc. 49 a . 4) im dativ inf. steht das ze vor der partikel. Beispiele: mer betonten nieder gleicht und überhaupt das nhd. ie für i be- tonung voraussetzt. Ganz rechtfertigt sich dadurch die doppelte schreibung nicht; theils ist die part. vor subst. immer betont, theils unterscheidet man ja die übrigen partikeln nicht auf solche weise. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ( durch ) : durch-born (perforare) g. schm. 35. Barl.; durch-brëchen (penetrare) Barl.; durch-gên (pertransire) Mar. 29; durch-graben (perfodere) Barl. g. schm. 35; durch-grîfen (percipere) Bon.; durch-gründen troj. 83 a g. schm. 242. 973; durch-hetzen (persequi) Barl.; durch- lousen (percurrere) Barl.; durch-flanzen (penitus plantare) MS. 2, 247 b ; durch-slahen (caelare) Wig.; durch-stëchen (perfodere) Parc. 48 a ; durch-streifen (pervagare) Barl. 258; durch-varn (permeare) Barl.; durch-verwen (peni- tus tingere) Trist.; durch-wieren (fabrefacere) Trist.; durch-zieren (perornare) Trist.; durch-zeisen (perstrin- gere) g. schm. 1016; durch-zwîen (fronde ornare) MS. 2, 247 b u. a. m., sämtlich transitiva. ( hinder ) in wenigen wörtern: hinder-gân (decipere) Bon. 35, 41; hinder-grîfen (impedire) Barl. 23; hinder- klaffen (calumniari); hinder-legen (reponere) Bon. 55, 2; hinder-lôsen (fallere) MS. 2, 152 b ; hinder-snîden (calum- niari) Bon. 3, 2; bald transitiva, bald intransitiva. ( über ) in vielen wörtern und mehrfacher bedeutung, 1) obducere, tegere : über-decken Mar. 108; über-gim- men g. schm. 464; über-grîfen g. schm. 1797; über-hou- wen Wh. 2, 177 a ; über-legen Parc. 161 b ; über-lësen (ob- ducere colligendo) Barl.; über-liuhten Trist.; über-næjen kl. 4350; über-schînen Mar. 13. Parc. 169 b ; über-schrîten Parc. 183 c ; über-vâhen Parc. 133 a 134 a 162 a 193 b ; über- wieren Wh. 2, 169 a ; über-ziln (jaculis superducere) Parc. 187 b . — 2) superare: über-breiten Gotfr. minnel.; über- brehten Reiuh. 1950; über-ern Bert. 49; über-gên Wh. 2, 86 b Wig; über-gin (?) Friged. 7 a : sin, so auch misc. II, 195; über-gërn g. schm. 57; über-giuden g. schm. 43; über-glesten g. schm. 247; über-hœhen g. schm. 19; über- herten lieders. 1, 497; über-kergen (astutia superare) Trist.; über-komen (superare) Mar. 134. Wh. 2, 97 b Jw. 34 a 44 a Barl.; über-krœnen Bon. 59, 76; über-linden lieders. 1, 497; über-listen Wh. 2, 100 b ; über-luejen Frig. 20 c ; über-oben (superare) g. schm. 1189. MS. 2, 177 a ; über- parlieren Parc. 166 b ; über-rîten Barl. Wh. 2, 154 a ; über- ruofen Karl 20 a ; über-sagen Barl. lieders. 1, 524; über- schalken Bert. 88; über-schœnen Trist.; über-sigen Trist.; über-snîden Trist. Bert. 49; über-strîten Parc. 114 c 132 c 148 c 149 a 164 c 165 a Wh. 2, 120 b 124 b MS. 1, 116 a Wig.; über-varn (agendo currum antecellere) Bert. 49; über- vëhten Parc. 171 b g. schm. 176. 984; über-wëgen g. schm. 394; über-wilden troj. 144. g. schm. 322. 1708; über-win- den Jw. 57 b g. schm. 1301. Mar. 97. Nib.; über-wundern III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. troj. 144. MS. 1, 101 b ; über-ziugen (testibus convincere) Bon. 35, 22. — 3) nimis facere: über-ëƷƷen Bert. 195; über-gëlten Parc. 132 a ; über-krüpsen (cibo nimis explere) Parc. 46 a ; über-laden Trist. 6280; über-lesten Parc. 87 c ; über-loben Barl.; über-trinken Bert. 195; über-ueben Trist. — 4) transgredi , in malam partem excedere: sich über-denken Wig.; ëƷ über-gëben Wig. 236; über-gên (praeterire) Barl. 7. (transire) Bon. 76, 12; sich über-hân (abstinere) Bon. 61, 50; über-heben (immunem reddere) Barl. sich über-heben Bert. 198; über-hœren (negligere, despicere, drüber weg hören) Barl.; über-hübeschen (pel- licem facere) lieders. 1, 248. vgl. hübischen troj. 154 c ; über-maln (conterere, perdere) Wh. 2, 85 b ; über-meinsa- men (praevaricari) Bert. 88; über-mëƷƷen (drüber hin- aus sehen) Parc. 69 b ; über-sëhen (negligere, contemnere) Wig. Barl. Bert. 254. auch remittere, condonare g. schm. 122, drüber weg sehen; über-sitzen (nil curare, praeter- mittere) Mar. 164. Parc. 86 c ; sich über-sprëchen Jw. 31 a ; über-tragen (seducere) Trist. 7554. (eximere, liberare) Jw. 57 c Karl 2 b ; über-trëten (perdere, zu boden treten, vertreten) Parc. 141 c ; über-wërden (liberari) Barl. — Unter 1. berühit sich die part. mit be- und ver- , unter 3. mit ver- , unter 4. gleichfalls mit ver- und misse- (auch streift sie an privative bedeutung); unter 2. scheinen ein- zelne verba erst durch die part. aus nominibus gebildet. Alle (unter 1-4.) sind transitiv, über-wërden abgerech- net, das vielleicht nicht hierher gehört? ( umbe ) seltner als im nhd., die bedeutung circum: umbe-gürten Mar. 64; umbe-haben (circumdare) Wh. 2, 51 b ; umbe-hengen Frib.; umbe-ligen (obsidere) g. schm. 1587; umbe-mëƷƷen Trist.; umbe-slân Parc. 103 a : umbe- slieƷen Mar. 180. Nib. troj. 91 b ; umbe-stên troj. 112 a ; umbe-sweifen (circumplecti) Flore 56 a Frib.; umbe-swin- gen Parc. 165 b ; umbe-tillen troj. 119 b ; umbe-türnen (turribus circumcludere) troj. 43 c ; umbe-vâhen Mar. 59. 66. Parc. 48 a 49 a Wig. 308. g. schm. 1561; umbe-vluo- ten Wh. 2, 181 b ; umbe-vueren Mar. 124. 136; umbe- ziunen (circumsepire) g. schm. 1530. u. a. m., sämtlich transitiva. ( under ) häufig und in mehrern bedeutungen: 1) bis- weilen hat es unmerklichen sinn, z. b. under-brëchen (daƷ ingesigel) Eracl. 465; under-vinden (herausfinden, etwa discernere) Jw. 57 c ; under-wîsen (instruere, docere) Barl. — 2) bisweilen das eigentliche sub: unter-graben Barl.; under-leinen MS. 1, 108 b troj. 137 c Am. 2368; III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. under-neigen (supprimere) Mar. 163; under-tuon (subji- cere) wovon under-tân (subjectus). — 3) darunter: un- der-brîten Trist.; under-spicken troj. 83 b ; under-stôƷen Mar. 72; under-vlëhten Trist.; under-wëben kl. 4351. Trist.; under-wirken Trist.; under-ziehen Trist. — 4) da- zwischen (lat. inter- , dis- ), scheidung, hemmung, tren- nung: under-binden (distinguere); under-dringen Karl 83 b troj. 90 b ; under-gên Parc. 103 c ; under-grîfen (inter- cipere) troj. 2 c ; under-komen MS. 1, 103 a Trist.; under- nëmen (interrumpere) livl. 99 b ; under-rîten, rîden? (di- stinguere) Parc. 103 b ; under-sagen (interdicere, obloqui) Wh. 2, 120 a Jw. 13 b ; under-scheiden Mar. 200. Parc. 43 b Nib.; under-schüten Gudr. 73 a ; under-slahen; under- snîden Parc. 67 c Wh. 1, 47 b Wig. MS. 1, 34 a Trist.; under-sprîten g. schm. 353; under-stân Nib. Wig. Barl. Bit. 38 a troj. 4 a 93 c under-swingen Parc. 103 c 162 b ; un- der-trëten Trist.; under-vâhen (intercipere) Mar. 2. 36. 115. Parc. 192 c ; under-varn Trist. Flore 19 a ; sich under- winden eines (occupare) Parc. 40 a g. schm. 1165. Wig.; under-ziehen (avertere, impedire) Parc. 52 c . — Ebenso mni.: onder-dringen; onder-gaen; onder-lopen; onder- rennen; onder-rîden; onder-roeyen (intercipere remi- gando), vgl. Huyd. op St. 1, 92. 93. — 5) untereinander (vicissim, mutuo) immer mit dem recipr. sich (also gleich- sam aufzulösen in: under sich): sich under-bâgen Rud. weltchr.; sich under-dringen Barl.308. (die blätter rausch- ten aneinander); sich under-kennen Flore 44 b ; sich un- der-küssen Jw. 55 a Wig. 353. Flore 6 c 16 b ; sich under- minnen En. 77 a Flore 2 a ; sich under-nëmen Trist.; sich under-sëhen Roth. 11 b Flore 44 b ; sich under-vâhen Wig. 348; diesen zus. setzungen entspricht im nhd. nur noch sich unter-halten und sich unter-reden; aus dem mnl. führt Huyd. op St. 2, 310. 311. folgende beispiele an: hem onder-helsen; hem onder-cussen; hem onder-lachen; hem onder-moeten (occurrere); hem onder-sien; hem onder-slaen; hem onder-breken; hem onder-steken; ana- log sind die altfranz. s’entr’-aimer, s’entre-baiser etc. — Alle von 1 - 5. transitiva. ( wider ) componiert sich 1) in der bedeutung von ob- viam , entgegen: wider-gên Parc. 46 b 108 a 111 a MS. 1, 113 a Wig. Barl.; wider-loufen Wig.; wider-varn Parc. 49 a 115 a Wig. Nib. — 2) von contra : wider-jëhen Parc. 84 c ; wider-lân Trist.; wider-pflëgen Trist.; wider-ran- gen (reniti) Herb. 10 b ; wider-râten Parc. 45 b ; Nib.; wi- der-reden Nib. Barl.; wider-sagen (negare, contradicere) III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. Jw. 10 a ; wider-schaffen Trist.; wider-sîn Wig. 10.; wi- der-sitzen (timere) Mar. 29. Parc. 96 c Wh. 2, 74 a vgl. ent-sitzen, ent-setzen, er-komen etc.; wider-stân Mar. 58. 86. Nib. Barl. troj. 88 a g. schm. 574; wider-strîten (repugnare) Wig. MS. 1, 154 a ; wider-stürzen (convertere, reparare); wider-trîben (rependere) troj. 97 a ; wider-tuon (rependere, reparare, ulcisci) Karl 73 a MS. 1, 121 b a. w. 3, 69; wider-wëgen (rependere) Mar. 214. Parc. 3 c 5 a ; wider-wëllen (revolvere) Wh. 1, 137 b . — 3) von re- , wenn es, wie das nhd. zurück in zurückhalten, zurück- bringen, ab- (abhalten, abbringen) ausdrückt: wider-bie- ten (renuntiare) Wig.; wider-bringen (reducere, aver- tere) Karl 73 b ; wider-kêren (reducere) Mar. 64. Trist.; wider-sagen (renuntiare, bellum indicere) Nib. Wig. Bon. 26, 4. MS. 1, 111 b troj. 93 a ; wider-vâhen (retinere) Wh. 2, 2 a ; wider-wërfen (mutare) Trist. — 4) hingegen com- poniert es sich nicht, wenn es rursus , iterum, nhd. wie- der oder retro , nhd. zurück bedeutet. — Die meisten comp. sind intransitiva, einige auch transitiva. Von den übrigen mhd. partikeln, namentlich abe , an , bî , dar , für , heim , her , hin , în , mite , nâch , nider , obe , ûf , ûƷ , vor , vür , zuo; desgleichen durch , hinder ( ? ), über , umbe , under , wider , so oft sie die nachdrücklichere bedeutung hindurch, dahinter (?), hinüber, herum, dar- unter, wieder haben, gelten folgende regeln, deren nä- here begründung erst in der syntax zu erwarten ist: 1) in directer , von conjunction und relation unab- hängiger rede des imp. ind. oder conj. stehen sie α ) gewöhnlich dem verbo nach: hevet iuch dar! Mar. 57; grifet zuo! Parc. 2 c ; louf umbe loterholz! fragm. 15 c ; stâ bî! MS. 1, 6 b ; gêt ir alten hût mit sumerlaten an! MS. 1, 124 b ; sliuƷ ûf MS. 1, 119 a ; wis mir bî! Wig. 215. Barl. 4; gie wider (retrogressa est) Parc. 42 c ; leite in mit zühten abe Parc. 194 c ; viel sie nider Wh. 2, 52 b ; stîge ich ûf und niender abe Parc. 3 a ; daƷ mer warf in dar Parc. 4 c ; got schiubet ûf Mar. 52; wonet im bî Mar. 209; huop er sich ûƷ Mar. 100; swungen sich ûf Mar. 201; im sâhen nâch Parc. 109 b ; warf er hin g. schm. 1387; zorn brichet für Bon. 35, 25; huob er ûf a. w. 3, 14, 15; stuont ûf Parc. 47 b ; wont er gërne mite troj. 34 a ; sleich si wider Parc. 47 b ; gêt mit tôren umbe MS. 1, 120 a ; têt sich under MS. 4, 120 a ; kapfen an MS. 1, 116 a ; gebære wider (denuo peperisti) g. schm. 1074; blicte nâch Parc. 57 c und so in zahllosen beispielen. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. β ) zuweilen aber dichterisch vor; a) im eingang des satzes, für den imp. habe ich keinen beleg gesammelt, fur den ind. mehrere, die part. wird dem verbo vor-, der regierende nom. nachgesetzt: ûf rihte sich dô Sîvrit Nib. 4085; ûf ructe sî ir gebende Nib. 5417; ûfstuont Gahmu- retes kint Parc. 167 b ; ûf huop sie diu ougen Mar. 111; ûf stu- ont der bischolf Karl 9 a ; ûf huoben sie die hende Mar. 180; ûf rihte sich der junge man Parc. 47 b ; ûf stuont mîn her Ga- wan Parc. 156 c ; ûƷ seic daƷ hirne Herb. 57 b ; für gienc daƷ klaghafte wîp Parc. 128 a ; nider greif er Wig. 217; dannen schied er Mar. 151; dannen schiet sus Parcifal Parc. 43 b u.a.m.; beleg für den optativ: zuo flieƷe im aller sælden fluƷ! MS. 1, 111 a . Der fall ist zwar bei ûf am häufig- sten, möglich aber bei allen andern, doch meine ich, be- dienen der freiheit sich nicht alle dichter, kaum Gotfr. und Conr. — b) am ende des satzes, um das verbum in den reim zu bringen: die boten sich ûf swungen Mar. 218; daƷ liet ich ane hefte Mar. 5; Joseben er ane harte Mar. 215; ir opfer sie ûf huoben Mar. 50; bluot und sweiƷ dâ nider trouf Parc. 89 c ; ir ougen über wielen Trist. 1207. P. in nider swanc Parc. 47 c ; ir glastes schîn vast under sluoc Parc. 45 b ; sînen hëlm er abe bant, ûf bant Wig. 18. 19; daƷ waƷƷer er dô ûf vie Wig. 313; etc., wiewohl einige dichter dieser vorausstellung abgeneigt scheinen (Conrad?). Bisweilen geschieht es auch ohne daß das verb. in den reim käme, aus andrer convenienz, z. b. des getr. grâven ougen vor fröuden über liefen dô Wig. 315, wo auch stehen dürste: liesen über dô. 2) ist die rede indirect , so stellt sich hingegen α ) die part. gewöhnlich vor das verbum; a) belege für den ind. : daƷ im diu huf ûƷ spranc Mar. 148; die im der engel zuo sprach Mar. 51; des manic ouge über lief Parc. 156 a ; daƷ er wider gît Wig. 222; swaƷ m. vor saget Mar. 7; daƷ dû in allen obe lîst Mar. 27; swaƷ uns sorgen obe lit Mar. 213; daƷ dû mich an lachest MS. 1, 118 a daƷ der muot ûf swinget MS. 1, 116 a ; daƷ sie den gürtel umbe bant Wig. 15; wie lange ieslicher umbe gêt Parc. 110 a ; swaƷ botscheste in an gieuc troj. 8 b etc. — b) für den conj. : daƷ ich abe kêre Mar. 117; swaƷ spîse ich ûƷ bræhte Parc. 109 a ; wenne der nëbel nider gê Wig. 313; daƷ eƷ über gê Barl. 155; der die kraft für breite Mar. 107. etc. — c) für den inf.: abe nëmen; an tragen; für bringen; nider ziehen; vor sagen; über flie- Ʒen; ûƷ zeigen; umbe dræn Parc. 53 b umbe warten Mar. 26. etc. stehn überall beispiele. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. β ) ausnahmsweise aber auch dahinter a) um die par- tikel in den reim zu schaffen: daƷ sie sâhen an Parc. 45 b ; swâ die lücken giengen durch Wh. 2, 38 b ; swâ man in læƷet an Parc. 5 c ; daƷ in mâƷe volge mite Parc. 1 b ; hël- len mite MS. 2, 63 a ; bat in sitzen nider Wh. 2, 131 a ; wolte blicken an troj. 155 c etc. — b) so oft das praet. conj. ohne conjunction gesetzt wird, z. b. Gawans kum- ber sluege für Parc. 141 a : gæbet ir in niht wider Wig. 17. etc., wie noch im nhd. 3) ge- fügt sich unmittelbar ans verbum, und zwar α ) im part. praet., unbekümmert darum, ob die part. vor- oder nachstehe. a) in der regel geht sie voraus, und ge- nimmt die mitte ein: abe gebiƷƷen (und abe im reim) MS. 1, 113 a abe geschunden Jw. 4 b abe gezart MS. 2, 85 b ; an geschriben Mar. 159. an geborn Parc. 42 b ; bî ge- lëgen MS. 1, 108 a ; für getragen Parc. 192 a troj. 86 a ; für gesat Mar. 69. für geleit Mar. 97. 106; hin geleit troj. 6 a hin gewant Parc. 16 a ; în gebogen Parc. 140 a în gebriten troj. 22 b în gesloƷƷen Parc. 124 a ûƷ und în gelân MS. 1, 101 a în gewunden Mar. 6; umbe gebunden; under geslagen Parc. 192 a ; ûf geleit Mar. 163. ûf getân Wig. 3. MS 1, 101 a ûf ge- worfen Wh. 2, 102 b ûf gekloben Parc. 137 a ; zuo gesprochen troj. 93 b etc. — b) zuweilen kommt die partikel hinten in den reim: geslagen an Wig. 315. gesenket nider ibid. gestôƷen an troj. 86 b gestrichen under troj. 145 c gezogen hin troj. 147 c . — c) die wenigen participia, die sich dem ge- ent- zogen haben, sollten es auch entbehren, wenn eine par- tikel vorsteht, z. b. wider funden, abe lân etc., bei Wal- ter steht aber das angeführte în gelân (nicht în lân). — d) ich kenne kein mhd. beispiel, daß sich (wie nhd. s. 873. note) privatives un- an die vor dem part. praet. stehende partikel fügte, kein un-abegebrochen etc., nicht einmahl bei den sechs trennbaren, die der zus. setzung fähig sind. Wohl aber bei den sechs untrennbaren (un-betwungen, un-erwendet, un-versunnen, un-zerunnen Gudr. 72 b ). — e) nach hân und sîn steht, wie im nhd., auch bei direc- ter rede die part. vornen, z. b. bei fragen: wer hât ûf getân? Wig. 3. ist iu der ermel abe gezart? MS. 2, 85 b . β ) ge- nimmt auch in andern fällen den platz zwi- schen der partikel und dem verbo ein, nämlich in den s. 834. ff. erläuterten, wo es nhd. veraltet ist, z. b. abe gebaden MS. 1, 102 a abe gebant Nib. 8558. an gesach Parc. 46 c an gesiget Parc. 109 b Mar. 222. troj. 86 a an ge- ruorten Mar. 67. sich an genæme troj. 50 c bî gestân MS. 1, 115 b în geriet troj. 88 c nider getrat Herb. 71 c obe ge- K k k III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ligen MS. 1, 101 a ûf gestricken Parc. 37 c ûf gespranc Nib. 1857. ûf gezucte Nib. 8155. umbe geflouc Wig. 229. umbe gesah Mar. 50. under gelige Geo. 6 b ûƷ geviel Mar. 2. ûƷ gevarn MS. 1, 112 a . Hier darf das ge- noch nicht überall für fest mit dem verbo verwachsen gehalten werden, wie es die unzertrennlichen er-, ver-, sind, son- dern es hat eine gewisse beweglichkeit. 4) zuweilen treten andere und mehrere wörter zwi- schen part. und verbum: ir sorge ist under gar geslagen Parc. 192 a dâ sih nider hëte gesat Mar. 207. die dâ ûƷ wâren gevarn Mar. 159. nider dô gelieƷ a. w. 3, 53. daƷ man in ûƷ solde tragen Wig. 300. diu riuwe ir abe daƷ hërze sneit Wig. 305. die wolden Oranse nider mit sturme dicke brëchen Wh. 2, 49 b ir bote wider kam gedrabt Parc. 46 a etc. 5) die praepos. ze vor dem dat. inf. hat gleichfalls ihre stelle erst hinter der partikel, z. b. dan ze varne Parc. 194 c etc. — Resultat: da die absonderung der partikeln in den con- structionen 1, α . 2, β . 3. 4. 5. den annäherungen unter 1, β . 2, α . wenigstens gleichgewicht hält; so können letz- tere nicht für wirkliche composition gelten und im mhd. noch weniger als im nhd., wo 2, β , a; 3, α , b; 3, β ; 4; beinahe nicht vorkommen. Bloß in dem fall des part. praet. (wo jedoch immer ein trennendes ge- dazwischen tritt), des substantivisch gebrauchten inf. (bî ligens Parc. 48 b ) und des adjectivischen part. praes. (bî ligender Parc. 46 b ) mag sich das band fester ziehen. Die aufzählung dieser halben zusammensetzungen ge- hört darum nicht hierher, so passend es wäre, und des ahd. wegen selbst nützlich, sie zu übersehen. Auch gibt es ihrer eine große menge. In den glossaren zu den Nib. und Barl. finden sie sich als wirkliche composita al- phabetisch eingetragen; in denen zu Wig. und Trist. ste- hen nur jene sechs partikeln, die sich vollständig zus. setzen, welches zwar auch meiner ansicht nach richtiger ist, aber jene übersicht entzieht. III. für das ahd. schicke ich wiederum dieselben sechs partikeln durah , hintar , umpi , untar , upar , widar , die im part. praet. kein ki- annehmen und kein zi zwischen sich und den dat. inf. laßen, folglich wirkliche composi- tion eingehen, voraus. Nach ihrer abhandlung wird sich das verhältnis der übrigen leichter entwickeln. ( durah ) : durh-chiesen (perspicere) N. Bth. 255; dhu- rah-chundan (declarare) J. 368; duruh-chuëtan (perdic- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. tus) K. 31 b ; thuruh-thigan (perfectus) cat. th. 70. T. 2, 7; thu- ruh-egisôt (perculsus); dhuruh-kankan (perambulare) ker. 181. thuruh-gân O. I. 25, 21. durh-kân N. Bth. 62; durh- kiuƷan (perfundere) jun. 220; thurah-cruƷit (perculsus) jun. 243; durh-lêrt (perdoctus) N. Bth. 10; duruh-lësan (perlectus) K. 31 b ; thurah-nioƷan (perfrui) jun. 244. 246; duruh-nahten (pernoctare) hrab. 971 b ; durh-prastôn (per- strepere) jun. 219; duruh-quhëman (pervenire) K. 15 b 26 b part. praet. duruh-quëman K. 17 b ; thurah-recchan (perstringere) jun. 243; thuruh-scawôn (perspicere) ker. 276; thuruh-scrîban (perscribere) ker. 109; thuruh-slahan (percellere) Ludw. thuruh-slagan (perculsus) ker. 209; thuruh-snuoh (irrepsit) J. 394; thurah-spanan (persuadere) jun. 251. duruh-spanan (persuasus) K. 44 a ; duruh-stantan (persistere) hrab. 971 b K. 53 b 55 a ker. 104. (insumere) mons. 368; thuruh-stëhhan (perfodere) Ludw. mons. 348. durah-stochan (persossus) mons. 395. O. V. 2, 26; durch- strîchan (percurrere) W. 3, 1; thuruh-trennilôn (peragere) ker. 181; thurah-truapta (perculit) jun. 243. duruh-trua- bit (perturbatus) K. 40 b ; thuruh-toan (peragere, perfi- cere) ker. 160. 224. thurah-tëta jun. 244. duruh-tân (per- fectus) K. 16 b 25 a ; duruh-tuldit (percelebratus) K. 46 b ; dhurah-faran (peragrare, pertransire) hrab. 969 a J. 386; thuruh-folkên (persequi) ker. 150; thuruh-frumman (pa- trare) ker. 224. thuruh-fremit (consummatus) T. 179, 2. 208, 1; durih-fullit (percompletus) K. 47 a ; durah-wachên (pervigilare) hymn. 949; durh-waten (pertransire) part. praet. ebenso, N. 123, 4, 5; thuruh-wësan (perfici) ker. 224. durah-wësan (perseverare) K. 28 a 38 a duruh-wârun (duraverunt) doc. 208 b ; duruh-wonên (permanere, per- severare) K. 16 a jun. 220. 246. ker. 268. T. 3, 10. 44, 14. Einzelne scheinen den lat. comp. mit per- nachgebildet, da- her auch der mhd. sprache fremd, offenbar fehlerhaft und undeutsch ist duruh-inpintamês (persolvamus) K. 33 b 35 b von entbinden (solvere)! Die meisten sind zwar transitiva, einige aber intransitiva, namentlich durah-dî- han, durah-wësan, durah-wonên. ( hintar ) nur wenige wörter: hinder-chôsôn (calum- niari) N. 100, 5; hintar-quëman (obstupescere) häufig bei O. z. b. I. 4, 45. 8, 31. 12, 11. 17, 59. 27, 7. IV. 4, 117. V. 17, 45. etc. das part. praet. hintar-quëman I. 4, 150. (vgl. oben ar-quëman, außer sich kommen); hintar-sëhan (respicere) sih ne hinder-sëhê (nicht hinter sich sehe) N. Bth. 181; hintar-stantan (suspicere) mons. 362. doc. 219 a , dô hinder-stuont ih (suscepi) N. Bth. 22. 264. hinter-stên K k k 2 III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. (insumant) mons. 374. mih habent hinder-standen (irrue- runt in me) N. 58, 4; hinder-trahtôn (cavillari) N. 118, 122. (wo hintert). Die bedeutung beides transitiv und intransitiv. ( umpi ): umbi-thâhta (mente circumvolvit) O. II. 11, 101; umpi-dringan (obsidere) hrab. 970 b ; umpi-habên (circumdare) ker. 26. N. 47, 13. Cap. 107. umbi-habêt (circumdatus) ker. 216. 260. N. Bth. 195; umbi-halbôn (vallare) jun. 173. 231. N. 124, 2; umpi-halsen (circum- plecti) ker. 63; umpi-hlustrên (collustrare) ker. 72; umbe- hêltiu (circumamicta) N. 44, 10; umbi-hringan (vallare) J. 340. umpi-rinktêr emm. 407; umbi-kankan, umbi-cân (ambire, circuire) K. 49 a jun. 233. 241. ker. 26. T. 22, 1. N. 58, 7. Bth. 11; umbe-graben (circumfodere) N. Bth. 37; umbi-gurtan (circumcingere) O. IV. 10, 26. umbi- curtit (circumcinctus) ker. 63. umbe-gurtet N. 64, 13; umbe-bougen (circumflectere) N. Bth. 224; umpi-quëman (circumvenire, decipere) ker. 94; umbi-rîtan (circumequi- tare) O. I. 1, 208. N. Bth. 252; umpi-sëhan (circumspi- cere) ker. 218; umpi-sitôn (decipere) ker. 94; umpi-si- zan (obsidere) hrab. 970 b ; umbe-stecchet (circumseptus) W. 7, 2; umbi-suîhhan (circumvenire) jun. 198; umbe- phahen (circumplecti) N. 47, 13. part. umbe-fangen N. 17, 5. umpi-fangan (circumamictus) ker. 15. (circumsep- tus) ker. 63. (vallatus) jun. 254; umbe-varen (circuire) N. 26, 6; umbi-festinôt (munitus) jun. 239; umbi-vuoran (circumducere) s. l. mons. 368. (oder umpi-chêrran, wie doc. 241 b ). Sind lauter transitiva. ( untar ) ; 1) bedeutung inter- , dis-: untar-hekit (in- terseptus) hrab. 968 a ; untar-kankan (intercedere) jun. 209; untar-lohhan (interclusus) hrab. 968 a ; untar-miscit (inter- jectus) doc. 225 b ; untar-nëman (intercipere) under-nëmen N. Bth. 97. untar-noman (interruptus) mons. 379. N. 96, 1; untar-prohhan (interruptus) mons. 336; undar-quhë- dhan (interdictus) J. 384; untar-rahhôt (interjectus) emm. 410; untar-segita (disseruit) jun. 202; untar-sëhan (?in- terdicere, invidere) thër imo iƷ untar-sâhi O. I. 27, 12; untar-sceitôn (distare, dijudicare) mons. 347. 360. 390. 395; untar-stantan (resistere) ker. 239; untar-teilan (differre) hrab. 960 a ; untar-fallan (intercipere) O. I. 1, 158; untar- fâhan (intercludere) O. III. 14, 16. IV. 33, 68. untar- vangan (interclusus) mons. 342. doc. 240 a ; untar-fîlôt (in- terrasus) doc. 205 a ; untar-wëban (intertextus) O. IV. 29, 12; untar-wësta (distinxit, intellexit) O. II. 14, 182. — 2) bedeutung sub-: untar-ambahtê (subministret K. 22 b III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. steif nach dem latein gebildet; untar-chrifta (subripuit) jun. 225; untar-dëonôt (subjectus) K. 55 b 56 b hrab. 959 b ; untar-thiutit (subjectus) ker. 257. T. 12, 8. 67, 3; untar- doupôn (subigere) doc. 208 b ; untar-hefan (sublevare) un- tar-haban (sublevatus) ker. 128; untar-jouhhan (subju- gare) untar-jauhta (subjugavit) jun. 225. (welche au für ou haben) untar-jauctêm (interjectis) emm. 410. (für sub- jectis?) ist die form jouhhan, jauhhan richtig, so bestätigt sie, was auch aus dem goth. ga-jiukan Joh. 16, 33. hervorgeht, den star- ken wortstamm (nr. 537 b ) jiukan, jáuk, jukun; ahd. jiohhan, jouh, juhhun (johhun); vgl. goth. ga-juk (par) und ga-jukô (similitudo). ; untar-këban (subjectus) K. 41 b jun. 226; un- tar-lekan (supponere) ker. 256. (fulcire) mons. 353; un- tar-likan (subjacere) K. 23 a 40 b 47 b 49 a 52 a ; za untar- machônne (subjungendi) K. 30 b ; untar-puntan (subnexus) emm. 403; untar-sentit (submissus) ker. 216. 256; under- skînen (collustrare) N. Cap. 107; untar-slîhhan (subripere) K. 43 b 53 a untar-slihhan part. praet. K. 44 a ; untar-slio- fan (subrepere) hymn. 949; untar-toan (subdere) ker. 256. (submittere) mons. 374. untar-tëta (subjecit) ker. 257. sih under-tuon N. Bth. 82. untar-tân (subjectus); untar- fallan (subruere) ker. 252; untar-folkên (subsequi) K. 42 a untar-folgêt (subsequutus) K. 31 a. b. ; untar-wësan (subsi- stere) cat. th. 70; untar-worsan (subjectus) K. 54 b ; un- tar-zellan (suggerere) mons. 320; untar—zëohan (sub- trahere) K. 32 a untar-zogan (substratus) doc. 246 a . — Meist transitiva, doch einige intransitiva. Die mhd. be- deutung von vicissim begegnet im ahd. noch gar nicht sonst stände wohl T. 158, 7. untar-scowotun sih statt sc. sih thâr untar zuisgên; und 160, 6. 169, 1. iuwih minnôt untar zuisgên. ; ist sie darum erst roman. dîchtern nachgebildet? ( upar ) in den bedeutungen super- , praeter- , trans-: ubar-koborôt (superatus) O. IV. 31, 60; uber-dingen (su- persperare) N. 118, 81; upar-hepfan (transgredi) J. 342. uber-heven N. Bth. 45. 63. ze uber-hevenne ibid. 54; upar-hlatan (crapulatus) ker. 67. uper-latan (obesus) mons. 320; upar-hukan (aspernari) hrab. 953 b ubar-hugen (contemnere) T, 37, 1. upar-huken (superbire) ker. 160; upar-gât, upar-kenkit (transgreditur) hrab. 975 b ker. 266; uber-gultemo (deaurato) N. 44, 10; uber-legen, alicui (improbrare, exprobrare) N. Cap. 48. part. praet. uber- leget N. Bth. 34; ubar-meginôn (convalescere, praevalere) jun. 193. 217. uber-megenôn N. 64, 4; ze ubar-muatônne III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. (superbiendi) K. 59 a ; uber-nëmen (suscipere) N. Bth. 40. part. praet. uber-nomen ibid. 86; upar-pitenti (demens) ker. 95; upar-polôn (praeeminere) ker. 160; uper-purjan (praeterire) mons. 346. 381. uper-purit (praetermissus) mons. 325. doc. 230 b ; ubar-quimit (supervenit) K. 45 b (vi- tuperat) ker. 65; uper-sagêt (convictus) mons. 384. uber- saget N. Bth. 28. upar-segit (confutatus) mons. 380; uper- salbôn (superungere) ker. 176; ubar-sâwen (supersemi- nare) T. 72, 2; upar-sëhan (superspicere) ker. 111; uber- sigenôn (superare) N. Bth. 51; uber-skînen (collustrare) N. Bth. 94; uper-scricchan (transilire) mons. 330; uber- slahen (superare) N. 39, 6. (transcendere) Bth. 8. 243. Cap. 161; ubar-stîgan (transcendere) jun. 254. ubar-stigan part. praet. O. I. 4, 105; upar-strîtan (obtinere) mons. 329; upar-suochan (transigere) mons. 401; uber-teilen (judicare) N. 73, 9. 80, 5. 95, 13. uber-teilet (condemna- tus) N. 37, 16. Bth. 127. Cap. 150; uper-trenchan (ine- briare) mons. 397. uper-trinchan (inebriari) mons. 333. uper-trunchan (fatigatus) mons. 359. uper-trunchanôn (ma- dere vino) mons. 325; upar-tuon (praevaricari) K. 45 b (ni- mis facere) Bth. 79. upar-dân (transactus) ker. 78; upar- unthëôn (redundare) ker. 238; ubar-fâhan (praevaricari) jun. 220; upar-vangalôn (excedere, praevaricari, supergredi) mons. 364. 380. 385. 389. 397; upar-faran (transgredi) ker. 247. mons. 401. O. III. 7, 40; ubar-ferren (transfretare) jun. 230; upar-fihtit (expugnat) ker. 117. upar-vohtan (de- victus) ker. 270; upar-flioƷan (refluere, profluere) ker. 24. 112. 174. 239. (supereffluere) T. 39, 4; uper-wahsan (superadultus, spurius) mons. 396; uber-warten (super- spicere) N. Bth. 271; upar-welan (superare) hrab. 961 b ; uber-wigen (superare) N. 118, pr.; upar-wîhan (exsupe- perare) hrab. 963 a ; upar-winnan (expugnare) ker. 95. 257. O. Lud. 100. II. 11, 105. T. 176, 5. upar-wunnan (convictus) jun. 199. O. I. 1, 153; ubar-wintan (devin- cere) jun. 228. mons. 338. O. Lud. 83. V. 7, 53. uber- winden N. Bth. 28. 60. Cap. 164. ze uber-wintene W. ubar-wuntan O. V. 14, 27. Die meisten transitiver bedeu- tung, mehrere aber auch intransitiver. ( widar ) mit den bedeutungen contra- , ob- , re-: wi- thar-habên (reniti, resultare) ker. 239. 240; wirthar-huâƷ- Ʒan (recusare) ker. 98; widar-giengun (regressi sunt) T. 244, 1; widar-miƷit (comparat) hrab. 958 a widar-maƷ (rependebat) hrab. 973 a widar-mëƷƷan (recompensatum) K. 24 b wider-mëƷƷôn (comparare) N. 77, 2. von dem subst. wider-mëƷ geleitet; widar-môtit (objurgat) ker. 214; III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. wider-niuwôt (renovatus) N. 97, 1; widar-pëllan (resilire) mons. 390; wider-bildôt (resormatus) N. 92, 1; widar- pogan (reflexus) doc. 244 a ; widar-pougit (repandus) mons. 328; wider-inpiotan (rescribere) mons. 376; widar-plûan (retunsus) jun. 224; widar-brâhta (retulit) T. 193, 1; wi- dar-prohhan (retortus) mons. 321; widar-quidit (redar- guit) jun. 191. withar-quithit (contradicit) ker. 221. wi- der-chëden (contradictus) N. 80, 8; withar-rinkan (re- luctare) ker. 240; widar-ruƷit (abhorret) ker. 31. widar- ruƷanti (horridus) ker. 26; widar-sahhan (recusare) hrab. 973 b jun. 241; wider-sezan (compensare) doc. 244 a ; widar- scurkan (retrudere) hrab. 973 b 956 b jun. 224; wider-sla- hen (repellere, rejicere) N. Cap. 71. 146. wider-slagen (fractus) N. 103, 17; widar-spirun? (recalcitraverunt) jun. 224. wirdar-sporôt (recalcitrat) hrab. 973 a ; widar-stât (ob- stat) hrab. 971 a wirthar-stât ker. 221. widar-stantan (ob- stare) jun. 217. widar-stentit, wirdar-stônti hrab. 973 b wi- dar-stantê O. I. 5, 127. widar-stênt (impugnant) mons. 384. emm. 404. 406. za widar-stantanne (resistendi) wes- sobr.; wider-stôƷen part. praet. N. Bth. 26; widar-strîtan (resultare) mons. 386. 394; widar-trâhta (retractavit) jun. 224; widar-fëhtan (repugnare) jun. 241; widar-fluahhan (remaledicere) K. 23 b ; widar-wartôn (contraire) doc. 244 a ; wider-wërfen (revibrare) N. Cap. 146; widar-winnan (colluctar) emm. 407; widar-wërban T. 214, 2. widar- wurbun (revertebantur) T. 210, 3. — Mehrentheils in- transitiva. Mit den übrigen ahd. partikeln vor verbis und na- mentlich ana , apa , avur , aƷ , dana , dara , hëra , hina , in , kakan , miti , nâh , nidar , opa , samant , fona , fora , furi , fram , ûf , ûƷ , zuo , so wie gewissen fällen von durah , umpi , untar , upar , widar und den nebenformen untari , upari , widari , nidari , inkagani verhält es sich folgendergestalt: 1) praepositionen vor dem dat. inf. treten zwischen partikel und verbum: aba za snîdanne K. 40 b ; ûf za qhuemanne hrab. 970 b ; apa za varscapanne emm. 409; ana zi liccanne (incubandi) mons. 377; avar za saganne (repetendi) emm. 411; in zi traganne (inferendi) T. 54, 2. ze stânne N. 126, 2; ûf und nider ze gechêrenne N. Bth. 50. etc. Doch findet sich eine wichtige ausnahme: zi vuri-pringanne (ruminandi) mons. 353. und zi vuri- gisezanne (profuturi) wenn so zu lesen ist mons. 380. 2) im part. praet. tritt gewöhnlich ki , gi dazwischen: ana gistôƷan mons. 382. ana-kimahliôt K. 49 a ana getân III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. N. Bth. 256. ana kiimphôt (insitus) jun. 192. ana kiplâsan (inspiratus) jun. 191. ana katragan, ana kafôrit hrab. 966 a . ana kasezit hrab. 957 b K. 26 b . ana kasestinôt (infixus) hrab. 967 a . ana kichnupftaƷ (ita cod.) hrab. 967 b . ana ki- kân (initum) jun. 208; aba gescrôten N. p. 258 a ; afur katragan, avar kitragan (relatus) hrab. 373 b jun. 249; dana gebrochen N. Bth. 245. dana ginoman mons. 346. 374. dana gichêrit mons. 356. dana gisceidan mons. 350. 398. dana gistôƷan mons. 355. dana givaran mons. 399; hina geliten N. 67, 28. hina geworfen N. Bth. 18; in kekangan K. 46 a 55 b 58 b . in kevaldan (implicitus) jun. 184. in ki- haphtaƷ (insitum) doc. 218 a . in gesezit T. 213, 1. in getân N. Bth. 81. in gestuncôt N. Bth. 74; nâh kilëgan (comi- nus situs) doc. 222 b ; nidar gapogan emm. 408. nidar gi- worfan mons. 333. nidar gilegit doc. 222 b T. 181, 1. ni- der gehangteƷ N. Bth. 11. nidar giheldit T. 208, 6. nider geneiget N. Bth. 12; oba kascriban K. 34 b ; fona kitân (abactus) hrab. 953 b jun. 233; fora keqhuëtan K. 25 a . fora giscripan mons. 343. fora kistrahtêr K. 46 b sora kiworfan K. 54 b sora kisezit K. 58 b ; furi kisëƷan K. 20 b furi kisaztêr K. 59 a ; fram gifuarit jun. 217. fram kachundit, fram gasegit jun. 221; ût kekangan K. 59 b ûf kistikan K. 29 b ; ûƷ kican- gan (egressus) jun. 247. ûƷ ginoman mons. 377. ûƷ gisen- tit T. 167, 5; zua kihangan jun. 194. zua kakëban jun. 195. zua kesuahhit K. 40 a zua kitân K. 20 b zô gaworfan, zô gasezit, zô g’auhhôt hrab. 954 b zô gamahhôt hrab. 951 a zô gasôrit, zô gatragan hrab. 953 b zô gagangan, zô gahangan hrab. 954 b ; umpi gichêrit (reversus) mons. 343. umbe gesëƷƷen N. 88, 8; widar kiwuntan jun. 229. widir gichrampteƷ doc. 206 a widiri giwuntan jun. 223. Nicht selten ist die trennung durch das eingerückte verbum noch sichtbarer, z. b. ana sî kimachôt, furi sî kisezit K. 21 a fora sî kedenit K. 36 a fora sî kekaumit K. 41 b untar sî ketân K. 59 b zua sî kitân K. 56 b zua sî kiambahtit K. 50 b . ingagan ist kispreitit jun. 216. ana ist cafôrit hrab. 966 a , während bei den untrennbaren das verb. nie da- zwischen tritt, z. b. sî far-worfan K. 59 b und noch we- niger gi-. Ausnahmsweise unterbleibt aber auch hinter den trennbaren das gi- und dann scheint sich die parti- kel näher an das verbum zu schließen: ana-prungan (il- latus) jun. 258. K. 53 a ana-funtan O. III. 19, 25. ana-gan- gan emm. 412. ana-brâht N. Bth. 28; aber-born (rege- neratus) N. 44, 11. avur-prungan (relatus) hymn. 950; apa-këpan (destitutus) hrab. 966 a aba-sniden (praecisus) N. 95, 13; hina-worten N. Bth. 75; gagen-stellet N. 119, 3. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. inkagan-kân (ingressus) K. 56 b ingagan-sprochan mons. 378; fora-qhuëtan jun. 244. fora-sezit jun. 244. fora-seaf- fôt (praedeftinatus) jun. 246. fore-sëwen (praevisus) N. Bth. 252; fram-prungan hrab. 972 a ; furi-prungan hrab. 972 b . furi-worfan jun. 216. furi-zimprit hrab. 971 a furi- sloppôt jun. 216. fure-gurtet N. 92, 1; ûƷ-kân (egressus) hrab. 962 a ; ûf-qhuëman (exortus) hrab. 962 a ; zua-prun- gan jun. 194. zua-qhuëman jun. 247. Es ist wahr, unter diesen beispielen finden sich gerade participia, die im all- gemeinen, auch wo keine partikel vorausgeht, des gi- unbefähigt oder doch oft entblößt erscheinen (s. 846.847.), namentlich: këpan, litan, quëman, prâht, prungan, fun- tan, wortan; bei einigen andern könnte analogie gangba- rer, eigentlicher compositionen (it-poran, alt-quëtan) ge- wirkt haben. Nur reichen diese gründe nicht hin. 3) in directer rede stehet zwar α ) nach mhd. und nhd. weise die partikel oft hinter dem verbo: gurtun sih iro suërt ana Hild. wizi thêh imo ana sâr O. I. 16, 49. liget ana N. Bth. 32. chîuset taƷ pilde ana Bth. 253. fieng sî sus ana Bth. 42. ne gât nieht ana Bth. 76. ist iu ana? trifet tih ana? Bth. 78. waƷ lâ- Ʒest tû dih ana? Bth. 79. treget ana Bth. 83. wartêst tû ana Bth. 90; wârun sumê aƷ T. 102. meistar ist aƷ T. 135; fuor thana (freilich: secessit inde) T. 69, 8. gieng thana (abiit) T. 213, 2. fuar thô druhtîn thanana O. II, 15, 1; quam thara T. 180, 2. quam thô thara O. IV. 3, 2. breitta sina wât thâr O. IV. 4, 54; eineƷ peitet hina, andereƷ peitet hara N. Bth. 75. tiz feret ouh hina N. Bth. 65; fuar ër thô in thia worolt in O. I. 23, 17. gât iƷ tih ieht in? N. Bth. 19; liafun miti O. I. 22, 31. ne- ferest tu iro danne mite na? N. Bth. 46; wurfun nidar O. IV. 5, 55. tô snifta nider daƷ gezuâhte N. Bth. 10; dhëa angilâ stuondun dhemu oba J. 368; dhâr eƷssant samant (comedent) J. 405; lâƷet fore N. Bth. 65; châme wola vure N. Bth. 25; in sînên dagon was iƷ fram O. I. 15, 18. ni quam mîn zît sô fram O. II. 8, 35. zellent sie uns filu fram O. I. 3, 5; arliudit ûph gardëa J. 402. huob hër gundfanon ûf Ludw. arstuont siu thô ûf T. 48, 3. arstantenti ûf T, 40, 3. giengun ûf T. 71, 3. hevet sî ûf N. Bth. 47; scowota thô umbi T. 60, 7. tër trîbet siu umbe N. Bth. 12; quimit hër gisund ûƷ Ludw. nigês thû thanan ûƷ T. 27, 3. thô leitta hër sie ûƷ T. 244, 1. zihiû giengut ir ûƷ? T. 64, 4. gieng thô ûƷ T. 71, 1. 194, 1. nam iƷ ûƷ T. 185, 2. giang ûƷ O. I. 4, 149. IV. 6, 5. wurfun ûƷ O. IV. 6, 19. fie lâƷet tër ûƷ N. Bth. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. 12. hier ist tër status ûƷ N. Bth. 54. stadeta ûƷ N. Bth. 84. sô fuar ër fon theru burg ûƷ O. II. 11, 7; santa inan widar (remisit eum) T. 196, 3. ih santa iuwih widar T. 197, 3; thër engil sprah imo zua O. I. 19, 5. sprichet imo zuo N. Bth. 54. u. a. m. Hier noch belege für den imp.: wiske aba! N. Bth. 69. faret in thia burg in! O. IV. 9, 18. lâƷ thih nidar! O. II. 4, 100. stîg nidar! T. 205, 2. ni lâƷ iƷ nû untar! O. I. 19, 13. worphezet ûƷ! T. 44, 5. nû fahên zuo! N. Bth. 35. β ) die partikel geht aber auch unmittelbar dem verbo voraus, unleugbar häufiger , als im mhd. a) eingangs, mit nachgeschicktem oder ausgelaßnem nom.: ingegin lio- fun imo zuêne T. 53, 2. ingegin loufit man iu T. 157, 2. nidar gisazta T. 4, 7. fora feris T. 4, 17. fram quam gi- bot T. 5, 11. ûf steic ze himilom cat. th. 65. 71. ûƷ stiaƷ ër se O. II. 11, 19. ûƷ giang thër gisindo O. IV. 12, 83. ûƷ gieng T. 175, 6. 186, 3. zuo giengun thô T. 188, 2. und vor imperativen: ana thenchi! jun. 233. aƷ wis! ker. 60. hrab. 952 a nidar stîg! T. 55, 4. nidar legi! jun. 201. fora sih! hrab. 956 b furi sih! ker. 63. ûf hevent iuwih! N. 23, 7. ûƷ gang! T. 53, 7. — b) in dem satz: inti ana stantent kint T. 44, 14. ër sih ana wentit O. I. 15, 68. gotes geist imo ana was O. I. 16, 53. inti ana fielun T. 43, 1. tih ana wânônt sie N. Bth. 29. inti aba hiô T. 185, 2. inti hër ab fuor? (aba fuor?) T. 228, 4; thaƷ sahs thana rouftun O. I. 20, 22; ër sînes thankes thara quam O. IV. 1, 12. thaƷ kint ouh thara brâhtun O. I. 14, 40. thaƷ kint ouh thara fuarta O. I. 15, 22; joh hina fuartanan tôd O. I. 21, 2; inti in gieng T. 186, 2. ër thô sâr thara in giang O. II. 11, 8. wanda dih in gânt mîne redâ N. Bth. 76; inti nidar steic rëgan T. 43, 1. allê nidar fialun O. IV. 16, 84; morgane saman quâmun allê T. 189, 1; inti ûƷ giengun T. 166, 5. joh zaharî ûƷ fluƷun O. I. 20, 18. in thînemo namen ûƷ wurphumês T. 42, 2. inti diuvalâ ûƷ wurphun T. 44, 31; inti fora cundita T. 158, 3; andera râtisla furi sazta hër in T. 72, 1. furi faru iuwih T. 162, 2. thaƷ muas furi brâhta O. IV. 2, 20; thër heilant fram gieng T. 184, 1. in lôƷe fram gieng T. 2, 3. guot man fram bringit guot T. 41, 5. andera râtissa fram sazta hër in T. 73, 1; inti widar santa T. 196, 7. 4) sätze abhängig von conjunction oder relat. pron. haben α ) die partikel meistens vor dem verbo: in thiô hër ana gitrûwêta T. 62, 6. then sie ana ftahhun T. 211. 4. thërmo ana was O. I. 15, 9. thâr baldo ana sizên O. IV. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. 5, 116. diu mir ana liget N. Bth. 19. daƷ iƷ ana treget Bth. 83. waƷ in ana gange Bth. 16. dâr diu driu ana sint Bth. 8; dër imo dia zungûn aba beiƷ Bth. 16. daƷ her- cules taƷ horn aba sluoge Bth. 53. sô diu vinstri aba chome Bth. 40; thie aƷ stantu T. 2, 9; unz ih thara faru T. 180, 3; thaƷ unsih heim langê O. I. 18, 86; thër hëra quam O. IV. 4, 128. thie unlih hëra santin O. I. 27, 76. thaƷ ër thih hëra leitti O. II. 7, 132. dëa êr hina wârun (perierunt) Hild. ube dû siu hina ne wurfist Bth. 13. daƷ ër hina gab Bth. 59. mitthiû ir in wâtet T. 38, 1; thaƷ man armê miti neriti O. IV. 2, 46; diu nider slât N. Bth. 18. inthiû thû nidar fallês O. II. 4, 171. ër sih nidar liaƷi O. II. 5, 43; dhâr auh samant wonênt J. 405; thie ûf stigun T. 210, 4. daƷ imo ûf wirdet N. Bth. 233; ube dû iro dînen hals under tuost Bth. 46; thaƷ thû ûƷ giengîst T. 176, 2. thaƷ sie ûƷ wurfin T. 44, 2. unz ir ûƷ faret T. 44, 7. ube man ûƷ kibet Bth. 76. daƷ sie eolus ûƷ lieƷe Bth. 12. daƷ si ûƷ kâbe Bth. 53; thaƷ ih fora quad T. 171, 4; thër fram gengit T. 171, 1; dô si dir zuo spileta N. Bth. 44; daƷ tero iogelih wider se- ret temo andermo Bth. 11. Der inf. bedarf keines beispiels. β ) zuweilen auch hinten, doch, scheint es, seltner als im mhd.: thaƷ wir — arlësemês iƷ ûƷ T. 72, 5. thaƷ wir ni farên furdir ûƷ O. I. 28, 33. thër mir thaƷ allaƷ brâhta fram O. II. 14, 74. daƷ ër beiƷ aba dia zun- gûn N. Bth. 91. erwelzen ûƷ noh ûƷ erwurzellôn Bth. 38. Bei den constructionen 3. und 4. haben keine belege aus den glossen und K. gezogen werden dürfen, weil in ihnen, wo ich nicht irre, die partikel niemahls nachsieht , ohne daß hieraus etwas entscheidendes für die composi- tion der vorstehenden partik. folgte. Denn die glossen enthalten keine construierten sätze, fast nur einzelne worte und da schloß sich die vorausstellung der part. dem lat. texte genauer an, so wie die steise version der benedict. regel zu keiner nachgesetzten part. gelangte. Ueberall wo sich die sprache freier bewegt, namentlich schon J. und Hild., hauptsächlich aber T. O. N. begegnet eine dem nhd. und mhd. analoge nachsetzung. Nächstdem bleibt die abtrennbarkeit der partikeln auch für die glos- sen und K. immer aus der zwischenschiebung des zi und gi (unter 1. 2.) erweislich, ja aus noch einer zwi- schenschiebung, die im nhd. gar nicht, im mhd. kaum wahrzunehmen ist, ich meine des ni . Denn nicht bloß III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. die fließende rede construiert aba ni snîdê, hina ne wur- fist N. Bth. 13. hina ne feret, ûƷ ni gangê (keineswegs: ni aba snîdê etc.) sondern auch die glossen: nidar ni rîsit doc. 231 b ûƷ ni wirso mons. 344. und merkwürdig mit dop- pelter negation: ni zô ni wirf! (non adjicias) ker. 210, während untrennbaren partikeln das ni nothwendig vor- ausgeht (ni pi-smërôt, ni zi-plâit jun. 240. ni cirprëh- hamês, ni fir-mullamês ker. 211.). Allein dieser gründe ungeachtet wage ich nicht, die mhd. oder gar nhd. lösbarkeit der partikeln für das ahd. auszusprechen, weil a) die abwesenheit des gi- in vie- len part. praet. b) die häufigere vorsetzung der part. im directen fall (3, β .) c) die seltnere nachstellung im indi- recten und endlich d) die beständige vorsetzung in den glossen und bei K. wahrscheinlich machen, daß die frü- here ahd. sprache wenigstens, sich noch mehr der goth. als der mhd. weise anschließend, die befragten partikeln wirklich oft für mit dem verbo verbunden angesehen habe privatives un- vor part. praet. (s. 873.) finde ich im ahd. nicht, außer bei jenen sechs partikeln, zumahl bei durah-, z. b. un-durahtan K. 25 a un-thuruhzokan, un-thuruhlêrit ker. 166. . Die composition war nie so vollständig, wie bei den sechs untrennbaren noch bei den sechs trennbaren, in gewissen fällen enger zus. setzung fähigen partikeln; aber fie muß doch fester gewesen sein, als in späterer zeit. Dieses resultat widerspricht zwar der allgemein wahren behauptung, daß die uneigentliche composition nach und nach entsprungen und vervielfältigt worden ist; hier sind umgekehrt ältere, engere verknüpfungen im verfolg der zeit wieder loser geworden, und, inso- fern die größere freiheit der partikeln für einen vortheil gilt, unsere sprache hat sich einer zu sehr eingeschränk- ten fertigkeit wieder beßer bedienen gelernt. Hätte sich nur im nhd. die vorsetzbarkeit im directen fall nicht bei- nahe verloren! Wie man auch hiervon urtheile, die größere compositionsfähigkeit der partikeln im ahd. ist nicht zu leugnen und macht den übergang zum goth. möglich, wo die zusammensetzung noch um einen grad fester erscheint. Für die abhandlung ergibt sich hieraus, daß es bei entschiednerer ahd. composition nöthiger, wenigstens nütz- licher ist, als im mhd. und nhd., die einzelnen, wichtig- sten fälle aufzuzählen. Für die rechtschreibung, daß es, zumahl bei denkmählern des 7. 8. jh. erlaubt sein wird, III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. die unmittelbar vorstehende part. dem verbo anzuschließen oder grammatisch in den fällen 3, β . 4, α . das bindungs- zeichen zu brauchen, dessen ich mich s. 890. 891. noch ent- halten habe, obgleich auch die getrennte schreibung je später je mehr angemeßen scheint. Man könnte, wenn es nicht pedantisch ist, diese unvollendete composition in der grammatik am kürzesten durch = ausdrücken. Fort- gesetzte, umständlichere untersuchungen müßen lehren, was hier nach zeit und dialect zu sondern sei; welche einzelne partikeln sich mehr oder weniger der zus. setzung fügen; zuweilen wird aber auch derselbe schriftsteller in gleichen fällen schwanken, vgl. nidar-stîg und stîg nidar bei T. ( ana ) lat. in-, vor vielen wörtern: ana-chêrran (in- tendere) mons. 354; ana-clëpên (coercere?) ker. 75. 76; ana-gachnupsan (innectere) hrab. 967 b ; ana-dëonôn (in- servire) K. 30 a ; ana-hastên (insistere) ker. 154; ana-hal- tên oder -halthên (incumbere) ker. 153. 161; ana-harên (invocare) N. 19, 9; ana-hlauffan (incurrere) K. 25 b ; ana- hlinên (incumbere) K. 25 a hrab. 966 b 953 b ker. 32. 159. 166. ana-linên mons. 335. ana-kilinên jun. 181; ana-hnîcan (in- niti) ker. 161; ana-gân (invadere) hrab. 954 a 965 a ; ana- gieƷen N. Bth. 51; ana-lâƷan (immittere) ker. 4. N. 40, 9; ana-legan (injicere, imponere) K. 38 b ; ana-leitan (in- ducere) K.; ana-ligan O. IV. 1, 91. N. 26, 12; ana-nen- nen (adoriri) N. 123, 1; ana-bëtôn (adorare) jun. 208. 209; ana-plâhan (inspirare) ker. 14; ana-plâsan (idem) jun. 191; ana-plestan (ingruere) jun. 175. 181; ana-prinkan (inferre, inrogare) hymn. 948. hrab. 952 a jun. 210; ana-prurdan (initiare); ana-quëman (insidere) mons. 385. O. I. 17, 58; ana-sagên (intendere, objicere) mons.; ana-sëhan (inspi- cere, intueri) ker. 241. jun. 208. mons. 387. Bth. 13. 248; ana-gasentan (imponere) hrab. 966 b ana-sentan 950 a ; ana- gasezan (imponere) hrab. 966 b ; ana-sîkan (ingruere) ker. 153; ana-slahan (injicere) ker. 173. mons. 378; ana-smîƷen N. Bth. 30; ana-stantan (instare) ker. 149. jun. 191; ana- staphan (incedere) ker. 173; ana-stôƷan (impingere) mons. 324. 338. 341; ana-toan (ingerere) ker. 167. ana-tuon (infligere) mons. 381. 387. 392; ana-tragen N. Bth. 83; ana-fahen Bth. 85. 88; ana-fallan (irruere) ker. 153. (in- cidere) hrab. 968 b T. 43, 1; ana-givaran (pervadere) mons. 373. (arripere) mons. 350; ana-fëhten (impugnare) N. 34, 2; ana-folkên (insequi) jun. 208; ana-casôran (invehere) hrab. 966 a ; ana-wartên (intendere) K. 49 a N. Bth. 8; ana-wëllen (adoriri, an einen wollen) N. 17, 40. 26, 2; III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ana-wentan O. I. 15, 67; ana-wërden (ingredi, occupare) N. Bth. 256; ana-wërfan (incutere, immittere) ker. 4. jun. 183. mons. 387; ana-wësen (inesse) ana-ist N. Bth. 85; ana-zellan O. II. 6, 83. 7, 84. IV. 19, 80; sih ana- zucchen (sibi vindicare) N. 21, 22. wofür Bth. 90. 100. sih ana-zocchôn. ( apa- ) lat. de-, ex-,: aba-chêren (declinare) N. 82, 9; apa-këpan (destituere) hrab. 966 a apa-gap (destituit) hrab. 959 b (wo fehlerhaft gedruckt ist: apagrep); aba-nëmen N. Bth. 59; apa-slahan (auferre, resecare) mons. 362. 387. N. Bth. 53; apa-scapan (eradere) mons. 340; apa-scëran (idem) mons. 346; apa-scintan (id.) mons. 353; aba-snîdan (am- putare) K. 39 a 58 a aba-wisken N. Bth. 51. u. a. m. ( avur- ) lat. re-: afar-cât (regreditur) ker. 241; afur- huirvit (remeat) hrab. 973 b ; avur-pilîbant (remanent) hymn. 949; afar-gapëran hrab. 973 b ; avur-pringan hymn. 950; avur-qhuidit (iterum dicit) K. 17 a ; avar-tragan hymn. 949; avur-kisâƷun (residerunt) jun. 223. ( aƷ- ) lat. ad-, vor wenigen wörtern: aƷ-chlëpên (ad- haerere) ker. 34; aƷ-henkên (appendere) hrab. 954 a ; aƷ- stantan (adstare) T. 2, 9. 187, 4; aƷ-wësan (adesse) aƷ-pim (adsum) aƷ-ist (adest) K. 17 a hymn. 949. ker. 16. ( dana- ): dana-chêren N. 69, 4; dana-nëman; dana- brëchen N. Bth. 245; thana-snîdan O. V. 24, 74. u. a. m. ( dara- ): thara-quëman O. I. 13, 17. IV. 3, 2; tha- ra-leitan O. II. 9, 70; dara-prinkan u. a. m. ( hëra- ): hëra-losên O. II. 9, 126; hëra-quëman; hëra- sentan Ludw. ( heim- ): heim-quëman O. I. 22, 37; heim-wîsôn O. I. 18, 71. ( hina- ): hina-gangan T. 184, 5; hina-gëban N. 43, 13; hina-rerten N. Bth. 257; hina-sîgan doc. 219 a ; hina- faran (abire) jun. 193; hina-wësan (perire) hina-ist N. Bth. 65. hina-wârun Hild.; hina-wërdan (perire) N. 5, 4. Bth. 75. ( in- ) lat. intro-, in-,: in-arnôn (einernten) T. 38, 2; in-chunnan (arguere) N. 6, 2. 15, 7. etc. (scheint richtiger s. 809. hinzugehören); in-kân (ingredi) hrab. 968 b in-gangan K. 46 a ker. 140. T. 2, 3. 4, 1. O. II. 11, 7. N. Bth. 19. 76; in- gioƷan (infundere) hymn. 3, 2; in-lâƷan (incutere) ker. 153; in-leitan (inducere) jun. 209; in-ligen (insitum esse) N. Cap. 63; in-liuhtigen (illuminare) T. 4, 18; in-plâsan (inspirare) in-geblies N. Cap. 3; in-bestan (intricare) doc. 220 b ; in-piukit (incurvat) ker. 167; in-pindit (inli- gat) ker, 161; in-piotan (indicere) jun. 210. (rescribere) III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. doc. 221 a ; in-samanôn T. 38, 2; in-tuan (infligere) jun. 211. in-tuon (indere) N. Bth. 81; in-kifaldan (implicare) hymn. 950; in-wâten (indui) T. 38, 1; in-wërphan (im- mittere) ker. 153; in-wuntan (involutus) ker. 155. in- windit (involvit) ker. 160. u. a. m. In den fällen, wo untrennbares int- zu in- wird (s. 808.) kann zweifelhaft sein, welche partikel gemeint ist (s. 817.); ein part. praet. in-kipotan wurde wider int-, ein in-potan nicht wider in entscheiden. Durch zwischengerücktes gi- unterschei- det sich auch ingigiang (introivit) O. IV. 7, 112. von in- giangi (elaberetur) IV. 8, 16. ( inni- ) lat. intus: inne-ligan O. I. 11, 87; inne-sizan N. Bth. 127; inne-piwant (involvit) jun. 209. ( kakan , inkakan ) lat. ob-,: ingagan-dennan (obten- dere) jun. 216; kakan-hlauffan (occurrere) hymn. 949. inkagan loufan ibid. 948. ker. 16; kagan-hôran (obedire) K. 24 b ; cacan-lûtan (resultare) jun. 250; kagan-pliwan (obtundere) hymn. 949; cacan-sezan (opponere) jun. 241. inkagan-s. hrab. 971 a ; ingagan-sprëchan (obloqui) mons. 376; gagen-stellen (opponere) N. 119, 3; inkagan-wër- fan (objicere) hrab. 971 a u. a. m. ( miti- ) lat. con-: miti-kânto (pedissequus) jun. 219; miti-loufan O. I. 22, 31; mit-môsju (comedo) ker. 281. (wo mirmosiu, vielleicht mir môsju?); miti-fliahan (con- fugere) O. I. 8, 14; miti-wësan (interesse) miti-pin (in- tersum) mons. 351. Ueberhaupt eine seltne composition, da der begriff gewöhnlich durch ëpan-, -samant- oder bloßes gi- erreicht wird. ( nidar ): nidar-lâƷan (demittere) O. V. 25, 10. nider- gilâƷan (demissus) doc. 226 b ; nidar-quëman J. 351; nidar- gisezan T. 4, 7; nidar-scricchan (desilire) jun. 202. O. III. 4, 158; nidar-stîgan O. II. 4, 154; nidar-fallan jun. 249. O. II. 4, 171; nidar-wërfan O. IV. 5, 85. u. a. m. ( opa- ) lat. supra, in wenig wörtern: opa-hlinên (ex- cellere) hrab. 972 a ; oba-standan J. ( samant- ) lat. con-: samant-ëƷƷan (comedere) jun. 198. J. 405. samant-hapta (simul habuit) J. 355; samant- lobôn (collaudare) hymn. 949; samant-singan (concinere) ibid.; samant-wonên (simul habitare) J. 405. ( fona- ) lat. ab-, kaum erhört, ich kenne bloß: fona- ist (abest) hrab. 950 a und fona kitân (abactus) jun. 233. hrab. 953 b aus der lebendigen sprache kein beispiel. ( fora- ) lat. ante-, prae- (von der zeit), pro-: fora- chundan (praedicere, canere) K. 29 a jun. 236; fora-hlinên (antecellere, praeeminere) hrab. 953 b 962 a ; fora-këpan III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. (praerogare) jun. 244; fore-lâƷen (excipere) N. Bth. 60; fora-gimârta (promulgavit) blas. 7 a ; fora-mërren (praepe- dire) jun. 244; fora-qhuëman (antecellere) ker. 53; fora- keqhuëtan (praedictus) K. 25 a ; fora-kisihit (praevidet) K. 56 a ; fora-singan (praecinere) jun. 219; fora-scrîpan (prae- scribere) mons.; fora-kisaztêr (praemissus) K. 58 b fora- kasatêr doc. 211 b ; fora-sprehhan (prosequi) jun. 246; fora- feris (praeibis) T. 4, 17; fore-weiƷ N. Bth. 242; fora- kiworfan (projectus) K. 54 b . ( furi- ) lat. ante-, prae- (meist räumlich), pro-, ob-: furi-dennan (defendere d. i. praetendere) emm. 411; furi- chriffan (praeripere) jun. 217; furi-hertan (obdurare) K. 17 a ; fur-cân (? furi-cân, praecedere) jun. 246. furi-kan- gan (transire) K. 57 b ; furi-magan (praevalere) K. 39 a 58 a ; vuri-leitan (introducere mons. 395; furi-biutit (pro- hibet) ker. 19. furi-potan (reconditus) ker. 40. furi-putun (denuntiaverunt) doc. 212 a ; furi-pintan (praeligare?) furi- pundan (reconditus) ker. 40; furi-pringan (praeferre) K. 57 a furi-prâhta (praetulit) jun. 217. furi-prâhta (dejecit) mons. 357. furi-pringan (ruminare) mons. 353. (glosse zu cantic. 7, 9.) vuri-pringan (effundere, eructare) mons. 346. 349; furi-qhuëman (praevenire) K. 57 b (anticipare) doc. 240 b (praeoccupare) hrab. 953 a (prodire) jun. 246; furi-sahhan (abrenuntiare) doc. 212 a ; furi-sëhan (provi- dere) ker. 106; furi-sezan (proponere) ker. 228. (praepo- nere) jun. 244. K. 20 b 21 a 59 b (exponere) mons. 367; vuri-scorrên (eminere) mons. 328; furi-slahan (anticipare) ker. 25; furi-sprëhhan (defendere) emm. 411; furi-duan (praetendere) O. III. 1, 69; fure-fahen (praevenire) N. 16, 13; furi-faran (transire) K. 32 b 38 a (praeterire) T. 25, 5. O. I. 4, 102. (fugere) doc. 212 a (antecellere) jun. 233; furi-ziohan (proferre) mons. 387. N. Bth. 47. (praeferre) mons. 391; furi-worfan (obturatus) jun. 216; furi-wurchan (obstruere) jun. 215. Die schwankende be- deutung und die schon s. 851. 861. angezeigte berührung des furi- mit dem untrennbaren far-, fir-, fur- lehren, daß wenigstens diese ahd. partikel von der wirklichen composition nicht ausgeschloßen werden kann. Neben ahd. far-piotan, far-sahhan gelten furi-piotan, furi-sah- han und furi-kankan, furi-varan entsprechen ungefähr dem mhd. vergên, ver-varn (s. 853.), denn ahd. far-kan- kan, far-faran kenne ich nicht. Vorzüglich aber bestä- tigt furi- in furi-dennan, furi-hertan, furi-pintan, furi- wërfan (obturare) und ähnlichen den s. 858. nachgewies- nen siebenten begriff des ver-, welcher ein goth. faúr III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. fordert, auch sich im ahd. erst sparsam hervorzuthun scheint, so daß furi- allerdings für die organische form anzusehen ist. ( fram- ) lat. pro- (weder ante-, noch prae-), nhd. her- vor: fram-dîhant (patrantur) jun. 243; fram-gangan (prod- ire) jun. 185. fram-gigiengun (processerunt) T. 2, 2. fram ist gigangan (processit) T. 2, 8; fram-lâƷit (disserit) ker. 122; fram-luogên (prominere) jun. 244; fram-prin- gan (proferre) ker. 101. hrab. 961 b O. V. 25, 166. (pro- mere) jun. 245. (blas. 7 a. b. fra-bringan, referre, trans- ferre); fram-scowôn (prospicere) jun. 246; fram-kiwîsen (provocent) K. 38 b ; fram-wësan (abesse) fram-ist (abest) ker. 4. ( ûf- ) lat. sursum (und daher e-, ex-), allmählig ad- (in welchem einfacheren begriff es auch erst praeposition wurde): ûf-habên (supportare) mons. 360; ûs-hesan (sus- pendere) doc. 240 b ; ûf-kân (surgere) N. Bth. 31. ûf-gienc (exiit) mons. 391. ûf-kangit (adolescit) ker. 25; ûf-purjen (suscitare) mons. 338. 352. ûf-burren (attollere) jun. 194; ûf- quëman (oriri, exoriri) hrab. 962 a 870 b ker. 103. 214; ûf-rihten (erigere) N. 266 b , 69; ûf-stantan (surgere) O. IV. 3, 28; ûf-stîkan (ascendere) K. 24 b 26 b J. 352. (scandere) ker. 260. ( ûƷ- ) lat. foras, allmählig e-, ex- (und wiederum erst mit diesem einfacheren begriff praeposition geworden); in vielen zusammensetzungen begegnet es dem ar-, ir- und wie auch dieses die richtung her bezeichnet, dem ûf-: ûƷ-kân, ûƷ-kangan (egredi) hrab. 962 a ker. 102. K. 53 b T. 53, 7; ûƷ-crapan (effodere) mons. 350; ûƷ-lâƷan (ejicere) mons. 362. 368; ûƷ-leitan (deducere) mons. 337; ûƷ-lësan (colligere) mons. 392; ûƷ-kelîdan, (excedere) K. 47 b ; ûƷ-liohhan (evellere) mons. 336; ûƷ-lôkên (emi- nere) hrab. 961 b ûƷ-luagên jun. 204; ûƷ-nëman (exci- pere) ûƷ-ginoman (designatus) mons. 377; ûƷ-peitôn (erumpere velle, hinausstreben) N. Cap. 114; ûƷ-prin- gan (efferre) jun. 203. mons. 367. (ejicere) mons. 367. 397; ûƷ-quëman (evadere) mons. 367; ûƷ-rinnan (emanare) hrab. 962 a ; ûƷ-sceidan (designare) mons. 392. 399; ûƷ- scorrên (praerumpi) emm. 406; ûƷ-scoragen (propellere) (mons. 366. doc. 233 a ; ûƷ-sentan (foras mittere) jun. 206. (emittere) hrab. 961 a 963 a ; ûƷ-stôƷan (expellere) O. II. 11, 19; ûƷ-suimman (emergere, enatare) mons. 320. 357; ûƷ-suizen (exsudare) N. Cap. 147; ûƷ-trîpan (ejicere, re- pudiare) mons. 341. 365; ûƷ-faran (egredi) O. I. 23, 9. N. Cap. 114; ûƷ-frumen (emittere) N. 67, 9; ûƷ-fuoran (eji- L l l III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. cere, repudiare) mons. 329; ûƷ-wallan (ebullire) mons. 325; ûƷ-wërfan jun. 238; ûƷ-giwinnan (avellere) mons. 333. u. a. m. ( zuo- ) lat. ad-, vor vielen verbis: zua-auhhôn (ad- jungere) K. 54 a zuo-giouhhôn (adjicere) T. 38, 3. zua- gauchôt (additus) hrab. 954 b ; zô-gachnupfit (adnectit) hrab. 951 a : zua-kechnusita (allisit) K. 118 a ; zua-chundan (adnun- tiare) K. 30 b ; zoa-thancandi ker. 27. und zô-denchenti hrab. 953 b glosse zu austa (d. i. hausta) ist wohl von zuo-denchan (meditari, haurire animo?); zua-haftên (addi?) jun. 256. zua- kihafta (applicuit) emm. 405; zô-hankên (appendere) ker. 39; zua-kihenkan (assentiri) K. 55 a ; zuo-lôsên (attendere) mons. 337. 397; zua-lûstrenti (attonitus) K. 17 a ; zuo-îllan (ad- spirare) mons. 378. 381; zoa-cân (adgredi) ker. 30. zoa- cangan (adire) ker. 14. K. 46 a 57 a ; zua-këpan (addere); zua-ladôn (advocare) jun. 233. zua-kilatôt (advocatus) ker. 58; zuo-leccan (applicare) mons. 339; zua-leitan (ad- ducere) K. 18 b ; zô-calîdhan (accedere) ker. 14. 23; zoa- camahhôt (adjunctus) ker. 16; zua-manôn (admonere) K. 17 a 44 b 56 b ; zuo-nâhan (applicare, appropinquare) mons. 361. ker. 34; zua-nëman (assumere) K. 16 b ; zoa-prinkan (prodere) zua-prâht (delatus) ker. 85; zoa-quëman (ad- gredi) ker. 30; zua-kareigôtin? (attingerent) jun. 195; zuo-sëhen (adspicere) Bth. 15. 26; zuo-slingen (adrepere, advenire) N. Bth. 92. 203; zuo-spilen (alludere) N. Bth. 44; zuo-stedjan (applicare) mons. 366. 396; zua-kisuachit (acquirit) K. 40 a , wohl steif nach dem latein; zoa-suim- man (adnatare) ker. 28. hrab. 954 b ; zoa-toan (addere) ker. 14. 16. hrab. 952 a zoa-catân (additus); zoa-tragan (apportare) hrab. 953 b ; zuo-trîpan (impellere) mons. 387; zuo-fahen (arripere) N. Bth. 39. 60. zuo-givâhan mons. 325; zuo-givuokan (addere) mons. 343; zô-gavôrit (advectus) hrab. 953 b ; zuo-giwalzta (advolvit) T. 213, 2; zoa-wendan (advertere) ker. 28; zuo-wërfan (adjicere) jun. 193; zuo- wartên (attendere) K. 35 b ; zua-wunscan jun. 193. u. a. m. IV. im goth. ist die wirkliche composition dieser par- tikeln noch weit entschiedner, als im ahd., d. h. sie laßen sich, wenige ausnahmen abgerechnet, nicht von den ver- bis ablösen. 1) sie stehen unmittelbar vor ihnen, die rede sei di- rect oder indirect. Es heißt daher nicht nur z. b. þam- ma af-máimáit páitrus áusô Joh. 18, 26. (ahd. demu pê- trus daƷ ôra apa-mîeƷ) sondern auch: jah af-máimáit ïmma áusô Joh. 18, 10. (ahd. inti mîeƷ imu daƷ ôra apa) und namentlich im eingang des satzes: ana-kumbida Joh. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. 13, 25. at-ïddja Joh. 19, 4. etc. und im imperativ, z. b. af-máit! Matth. 5, 30. af-lêt! at-baír! ïn-saíhviþ! Matth. 6, 26. etc. (ahd. meiƷ apa! lâƷ apa!). Belege auf allen blättern des Ulf. in menge. 2) die part. praet. haben kein ga- eingeschoben, es heißt z. b. ana-habáiþs Luc. 4, 38. at-gibans Marc. 1, 14. af-dáuïþs Marc. 9, 36. ïn-ráuhtiþs Joh. 11, 38. miþ-kaú- riþs Philipp. 3, 11. und so durchgängig. Was also im ahd. nur theilweise, geschieht hier immer. 3) du bei infinitiven steht vor der partikel, nicht zwi- schen ihr und dem verbo, z. b. du af-aírzjan Marc. 13 22. du af-dráusjan Luc. 4, 29. (statt des ahd. apa za ir- ranne, apa zi trôranne, wenn es solche verba gab). 4) desgleichen findet ni seinen platz vor der partikel, z. b. ni af-liþi Luc. 4, 42. (ahd. apa ni liti) ni at-taú- huþ Joh. 7, 32. ni at-ïddja Joh. 7, 30. ni af-ïddja Luc. 2, 37. ei ni af-marzjáindáu Joh. 16, 1. etc. 5) es treten, wie bei den untrennbaren partikeln, leicht decomposita ein, wovon der folgende §. Alle diese goth. partikeln verhalten sich wie die ahd. mhd. und nhd. durch, hinter, über, um, unter, wider, ja sie unterscheiden sich nicht von den untrennbaren, (als praepos. noch trennbaren) goth. and, bï und us. Und so gut sich dem ga-, us-, dis- ein u , uh , uhþan anhieng (ga-u-láubeis, uz-uh-hôf Joh. 11, 41. 17, 1. diz- uhþan-sat) kann es auch andern partikeln eingeschoben werden, z. b. at-uhþan-gaf Marc. 14, 44, wodurch die ursprüngliche abtrennung und freie stellung, wie sie jeder uneigentl. comp. zu grund liegt, gerechtfertigt wird. Drei partikeln zeigen sich überdem in ahd. weise trennbar d. h. sowohl vor als nachstehend, nämlich die den ahd. in, ûf und ûƷ entsprechenden goth. ïnn , ïup , ut , für welche daher keine vollständige componierbarkeit zu behaupten ist, vgl. saei inn ni atgaggiþ Joh. 10, 1. jabái ïnn gaggiþ jah ut gaggiþ Joh. 10, 9. uzuhhôf áugôna ïup Joh. 11, 41. hiri ut! (exi foras) Joh. 11, 43. þata ïnn vaúrþanô Joh. 12, 6. usvaírpada ut Joh. 12, 31. 15, 6. galáiþ ut Joh. 13, 30, 31. 18, 38. usgaggands ut Joh. 18, 4. attáuh ïnn ( εἰς- ήγαγε ) Joh. 18, 16. atiddja ut Joh. 18, 29. 19, 4. attiuha ut Joh. 19, 4. usiddja ut Joh. 19, 4. galeiþands ïnn ( εἰς- ελθών ) Luc. 1, 28. ïnn attaúhun Luc. 2, 27. ïnsaíhvands ïup Luc. 19, 5. etc. Es sind adverbia (intro, sursum, fo- ras), die den schon in verbo selbst liegenden oder durch eine andere, damit verbundne partikel ausgedrückten be- griff in, auf, aus bloß verstärken, z. b. us-hafjan, us- L l l 2 III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. vaírpan bedeutet schon elevare, ejicere, so wie im ahd. ar-hefan, ar-wërfan ältere, ûf-hefan, ûƷ-wërfan neuere formen sind; dieselben goth. partikeln versagen sich auch der composition mit nominibus und es läßt sich über- haupt hier mehr von der einen composition auf die an- dere schließen, als im ahd.; nur nicht völlig (z. b. die goth. tus- und un- setzen sich nicht mit nom. zusammen). In- wiefern die stellung der partikel vor und nicht hinter das verbum der goth. syntax überhaupt angemeßen ist, un- tersucht das vierte buch. Die hier in betracht kommenden goth. partikeln sind: af , afar , ana , at , du , faúra , ïn , miþ , þaírh , uf , ufar , und , viþra , da ich and , bi , dis- , faír- , ga- , us schon oben abgehandelt habe. Ihre aufzählung ist noch uner- läßlicher, als im ahd. ( af- ) lat. de-, ab-: af-áikan (negare); af-aírzjan (se- ducere); af-dáiljan (seponere); af-dáujan (mori) af-dauïþs (abgestorben) af-dáuþjan (occidere) af-dáuþnan (mori); af-dôbnan (obmutescere); af-dômjan (condemnare); af- dráusjan (dejicere); af-dumbnan (obmutescere); af-filhan (abscondere); af-gaggan (abire); af-hôlôn (defraudare); af-hrisjan (excutere); af-hvapjan (exstinguere) af-hvapnan (exstingui); af-lagjan (deponere); af-lêtan (dimittere); af-leiþan (discedere); af-lifnan (superesse); af-linnan (de- sinere); af-máitan (abscindere); af-marzjan (offendere); af-niman (auferre); af-qviþan (abnegare); af-satjan (re- movere); af-skáidan (discedere); af-slahan (occidere, ab- scindere); af-sláuþnan (obstupescere); af-sneiþan (mac- tare) Luc. 15, 27, wofern nicht uf-sn. zu lesen ist; af- standan (recedere); af-taúrnan (scindi); af-tiuhan (dedu- cere); af-þaúrsiþs (sitibundus) Matth. 25, 44; af-þliuhan (aufugere); af-þvahan (abluere); af-vaírþan (abjicere); af-valvjan (devolvere); af-vandjan (avertere) Tit. 1, 14. ( afar- ) lat. post-: afar-gaggan (sequi); afar-láistjan (sequi). ( ana- ) lat. in-: ana-áukan (adjicere); ana-biudan (man- dare); ana-filhan (tradere); ana-haban (occupare, vexare) es kommt bloß das part. ana-habáiþs (detentus, occupa- tus) vor, vgl. dis-haban s. 865; ana-hneivan (inclinare se) ana-hnáivjan (adclinare, transitiv); ana-kumbjan (cc- cumbere); ana-lagjan (imponere); ana-mahtjan (vi occu- pare); ana-mêljan (adscribere); ana-nanþjan (compellere, adgredi); ana-qviman (ingredi, incedere, einen ankom- men); ana-silan (requiescere); ana-slavan (cessare); ana- slêpan (obdormire); ana-stôdjan (incipere); ana-trimpan III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. (conculcare); ana-þrasstjan (solari) Philem. 5, 20. Dieses ana- in den comp. mit biudan, silan, slavan, slêpan lauft in die zweite bedeutung des and- (s. 810. 811.) über, vgl. die ahd. in-piotan, int-flâfan, in-suepjan und für die goth. form stimmt das alts. an-biodan, an-suebjan (s. 812.); das goth. ana-filhan ist das nhd. empfehlen wie das nhd. an-stecken das nnl. ont-stêcken; man sehe auch s. 817. ( at- ) lat. ad-: at-áugjan (ostendere); at-baíran (af- ferre); at-baírhtjan (manifestare) Tit. 1, 3; at-drtusan (procidere) Luc. 8, 47. Neh. 6, 16; at-farjan (adremigare); at-gaggan (accedere); at-giban (dare); at-haban sik (ac- cedere); at-hahan (suspendere); at-háitan (advocare); at- lagjan (apponere); at-nêhvjan (appropinquare); at-rinnan (accurrere); at-saíhvan (attendere); at-satjan (sistere); at-standan (adstare); at-steigan (ascendere); at-têkan (at- tingere); at-tiuhan (adducere); at-þinsan (attrahere); at- vaírpan (projicere); at-valvjan (advolvere); at-visan (ad- esse) Luc. 2, 2. at-ïst(adest) Marc. 4, 29. (nicht: atïst); at- vôpjan (advocare). Bemerkenswerth ist die privative bedeutung at-hafjan (tollere) Marc. 15, 36. ( du- ) lat. ad-, steht allein vor wenigen verbis, öfter noch mit at verbunden (du-at-, wovon unten): du-gin- nan (incipere); du-rinnan (accurrere); du-stôdjan (inci- pere); berührt sich mit ana- und at-, denn ana-stôdjan und at-rinnan sind einerlei mit du-stôdjan, du-rinnan; du-ginnan entspricht dem ahd. pi-kinnan. ( faúra- ) lat, prae-: faúra-gaggan (praeire) Luc. 1, 76. versch. von faúr-gaggan (praeterire) Marc. 11, 20; faúra- háitan (antea vocare); faúra-qviþan (praedicere); faúra- qviman (praevenire); faúra-standan (praeadstare). ( ïn- ) lat. in-: in-agjan (metum injicere, einschüchtern); ïn-branjan (combureie); in-drôbnan (turbari); in-feinan (misereri); ïn-gaggan (intrare); ïn-máidjan (mutare); ïn- raúhtjan (infremere); ïn-sáian (inserere); ïn-saíhvan (in- spicere); ïn-sáiljan (funibus ligare, einseilen); ïn-sandjan (mittere); ïn-tandjan (accendere); ïn-vagjan (commovere); ïn-veitan (adorare); ïn-vidan (abnegare); ïn-visan (inesse, instare) Marc. 16, 1. Gleich dem ana- berührt es sich mit ent-, vgl. ïn-branjan, ïn-sandjan, ïn-tandjan und die nhd. ent-brennen, ent-senden, ent-zünden. Bei ïn-vidan ist mir die wurzel dunkel. Neben ïn-gaggan Luc. 10, 5. Marc. 1, 19. (oder wie liest der C. A.?) findet sich ïnn gaggan Matth. 7, 13. Luc. 15, 28. Joh. 10, 4. und beide III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. verhalten sich wie us-gaggan zu ut gaggan. Joh. 12, 6. könnte neben ïnn vaúrpaus auch in-vaúrpans recht sein. ( miþ- ) lat. con-, unâ: miþ-faginôn (congaudere); miþ- gaggan (comitari); miþ-kaúrjan (simul gravare) miþ-kaú- riþs ( συνφορτιζόμενος ) Philipp. 3, 11; miþ-matjan (come- dere); miþ-niman (concipere); miþ-rôdjan (colloqui); miþ-skalkinôn ( συνδουλεύειν ) Philipp. 2, 22; miþ-sôkjan (simul quaerere); miþ-standan (consistere). ( þaírh- ) lat. per-: þaírh-baíran (perferre); þaírh-gag- gan (transire); þaírh-leiþan (transire); þaírh-vakan (per- vigilare); þaírh-visan (permanere) þaírh-visiþ (permanet). ( uf- ) lat. sub-: uf-brikan (aspernari, rejicere); uf- brinnan (excandescere); uf-dáupjan (submergere); uf- graban (subfodere); uf-haban (sustinere); uf-háusjan (ob- edire); uf-hlôhjan (subridere); uf-hrôpjan (exclamare); uf-kunnan (cognoscere); uf-ligan (deficere, unterliegen); uf-rakjan (extendere); uf-sueiþan (occidere) Luc. 15, 23, 30. Joh. 10, 10; uf-stráujan (substernere); uf-svôgjan (ingemiscere); uf-vôpjan (exclamare). Composita, die allen übrigen deutschen sprachen, weil ihnen die parti- kel fehlt, völlig fremd sind. In uf-brinnan, -hlôhjan, -hrôpjan, -svôgjan, -vôpjan drückt die part., gleich dem lat. sub-, den noch geringen beginn einer sache aus. ( ufar- ) lat. super-: ufar-gaggan (transgredi); ufar-giu- tan (superfundere); ufar-lagjan (superponere); ufar-leiþan (trajicere); ufar-mêljan (superscribere); ufar-munnôn (ob- livisci) Marc. 8, 14. Philipp. 2, 30. (aber 3, 14. steht -munnan); ufar-skadvjan (obumbrare); ufar-steigan (tran- scendere); ufar-svaran (pejerare); ufar-visan (superemi- nere); uf-þanjan (extendere) Philipp. 3, 14. ( und- ), nur in und-greipan (capere, apprehendere); und-rinnan (accurrere, competere); vgl. das ags. ôð-. ( viþra- ) lat. obviam: viþra-gaggan (obv. ire) Joh. 11, 20. V) im ags. kann, wie im goth., die hochdeutsche unterscheidung zwischen einigen völlig und den übrigen halbcomponierbaren partikeln entbehrt werden. Alle setzen sich wirklich zusammen und leiden kaum trennung von dem verbo, dem sie voraus stehen, sei die rede direct oder indirect. Im part. praet. wird kein ge- zwischen- geschoben und tô bei dem dat. inf. so wie ne stellen sich vor die partikel, nicht zwischen sie und das verbum, z. b. tô of-gifanne, ne of-gëaf (ahd. apa zi këpanne, apa ni kap). Ausnahmsweise steht inzwischen auf hochd. art die partikel nach, zumeist in (intro), up (sursum) und ût (foras) z. b. gân in Luc. 14, 23. ëode ût Luc. 15, 28. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. âhôf his eágan upp Luc. 16, 23; seltner tô und mid: cväð him tô Luc. 9, 62. gëóng sôna tô Beov. 135. ne väs him Fitela mid Beov. 69. Auch darf forð (prorsum) und ongëan nachfolgen, nie aber habe ich ät, on, of fore hinter dem verbo angetroffen. ( ät- ) lat. ad-: ät-bëran (afferre) Beov. 5. 49. 118. 159. 195; ät-filhan Beov. 74; ät-hrînan (attingere); ät-hvëor- fan (aggredi) Beov. 172; ät-lîðan (adnavigare) Beov. 234. (wo etlidenþum f. ätlîþendum); ät-springan (profilire) Beov. 85; ät-standan (adstare) Beov. 69; ät-steppan (ag- gredi, progredi) Beov. 58; ät-vësan (adesse) ät-is (adest); ät-vîtan (exprobare) Beov. 88; ät-ŷcan (adjicere); ät- ŷvan (ostendere). Die schon im goth. gespürte privative bedeutung erscheint häufiger: ät-bërstan (effugere); ät- brëdan (auferre); ät-dôn (eripere); ät-flëón (aufugere); ät-lædan (abigere); ät-niman (eripere) Cädm. 71; ät-sa- can (abnegare); ät-scëófan (detrudere, wegschieben) Beov. 232, wo ecscufon f. ätscufon; ät-slîdan (elabi); ät-sverjan (abjurare); ät-vindan (evadere) Beov. 13. Sie gleicht dem privativen sinne des be- (s. 806. 807.), das als prae- polition dem ät (ad, apud) ganz nahe liegt und bei geht über in vorbei, fort, weg. Oft bedeuten auch die verba an sich die privation, z. b. niman, flëón. ( bï- , big- ) diese verstärkte form des bë finde ich in dem einzigen big-standan (nh. bei-stehen) Cädm. 7. Beov. 226, das man von keinem subst. herleiten kann. ( eft- ) lat. re-: est-cêran (redire); eft-côljan (refri- gescere) est-cuman (revenire); eft-ëdvîtan (reprobare); eft-faran (recedere); est-hvëorfan (reverti); eft-myndjan (recordari); eft-sceávjan (respicere); eft-siðjan (redire); eft-vendan (redire) u. a. m. ( fore- ) prae-: fore-cuman (praevenire); fore-cvëðan (praedicere); fore-fôn (anticipare); fore-gân (praeire); fore-gëlpan (praejactare); fore-niman (praeoccupare); fore-secgan (praefari); fore-sceávjan (praevidere); fore- sendan (praemittere); fore-singan (praecinere); fore-step- pan (antecellere); fore-vësan (praeesse) fore-ëom (prae- sum). ( forð- ) pro-: forð-bëran (proferre); forð-bërstan (pro- rumpere); forð-cuman (procedere); forð-dôn (proferre); forð-faran (progredi); forð-gân (prodire); forð-gëótan (profundere); forð-lædan (producere); forð-lûtan (proci- dere); forð-ræsan (proruere); forð-steppan (procedere); forð-vëaxan (valde crescere) u. a. m. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ( ongëan- , ongen-, seltner gëan-, gên-, gegn-, später auch agên-, engl. again; ahd. inkakan, kakan) lat. re-, ob-, obviam, contra: ongëan-bringan; -cuman; -faran; -fëaldan (replicare): -sendan; -settan; -sprëcan; -standan u. a. m. ( gëond ) per-, trans-: gëond-faran (pervagare); -gan- gan (perambulare); -gëótan (perfundere); -hvëorfan (per- lustrare); -scînan (perlucere); -scrîðan (peragrare); sëón (perspicere) Beov. 229; -sêcan; -vlîtan (perspicere) Beov. 206. ( in- ) lat. în-: in-bëran (inferre) Beov. 161; in-bringan (idem); in-cuman (introire); in-dôn (indere) Cädm. 5; in-drencan (inebriare); in-faran (ingredi): in-flëón (in- fluere); in-gân (intrare) Beov. 31. 124; in-lædan (indu- cere); in-laðjan (invitare); in-lŷhtan (illuminare); in-ræ- san (irrumpere); in-settan (instituere); in-steppan (in- gredi). ( mid- ) lat. con-: mid-bëran (unâ ferre); mid-blissjan (congaudere); mid-flëón (convolare); mid-sylgjan (comi- fari); mid-singan (concinere); mid-siðjan (comitari); mid- sprëcan (colloqui); mid-standan (assentiri); mid-svêgjan (consonare); mid-þoljan (compati); mid-vyrcan (coo- perari). ( of- ) ahd. apa-, jedoch gleich dem goth. af- von wei- terer bedeutung: 1) lat. de-, ab-: of-brëdan (auferre); of-cëorfan (amputare); of-cuman (provenire, vgl. ab- kunft); of-dôn (deponere) Beov. 52; of-drifan (depel- lere); of-faran (exire); of-frëtan (devorare); of-gân (egredi); of-gifan (destituere, relinquere, renuntiare) Beov. 121. 127. 143. 167. 184. 193. 211. Cädm. 3. 27. 39. 61. (nhd. ab-geben, nicht auf-geben, das nur zufällig ähnli- ches bedeutet); of-lætan (relinquere, emittere) Beov. 90; 123; of-niman (deprehendere); of-stîgan (descendere) of- svëlgan (devorare); of-sverjan (abjurare); of-tëón (detra- here, deducere) Beov. 3. 115. 186. Cädm. 23. 24; of-vëor- pan (dejicere). — 2) lat. ob-: of-beátan (occidere); of- blindan (occoecare); of-dëlfan (effodere); of-drædan (per- terreri); of-hnîtan (cornu petere); of-hrëóvan (misereri); of-hrëósan (obruere); of-hroren (obrutus); of-licgan eopprimere); of-myrðrjan (trucidare); of-rîdan (assequi (quitando); of-scëótan (occidere sagitta) Beov. 182. (wo ofscet in of-sceát zu ändern); of-scëamjan (erubescere); os-scînan (fulgere); of-sëón (invenire); of-slëan (occidere) Beov. 45. 126. 127; of-snîðan (mactare) spricht für das III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. goth. af-sneiþan, vgl. nhd. ab-schlachten; of-stingan (con- sodere); of-svingan (caedere) nhd. ab-schwingen; of- torsjan (lapidare); of-þyncan (poenitere, aegre ferre) Beov. 152. daher of-þunca (s. 708.) vielleicht weniger in- vidia als aegritudo; of-þryccan (opprimere); os-þringan (idem). — Von der äf-form (s. 708.) vor verbis habe ich kein beispiel; wären einzelue os- das goth. uf? vgl. uf- sneiþan mit of-snîðan. ( ofer- ) super-: ofer-bëón (superesse); -bîdan (remane- re); -brëcan (frangere); -brædan (dilatare, operire, über- breiten); -bringan (transferre); -brycgëan (pontem inji- cere); -cîdan (increpare); -cuman (superare) Beov. 97; -dôn (nimis agere); -drincan (nimium bibere); -drîfan (expellere); -ëtan (nim. edere); -faran (transmigrare); -fäðmjan (amplecti) Cädm. 86; -fangan (prehendere); -fëohtan (superare); -flëón Beov. 188; -flôvan (super- fluere); -sroren (glacie obductus); -gân (transgredi) Beov. 107. 219; -gitan (oblivisci); -gyldan (deaurare); -hëlan (velare); -hëlman Beov. 104; -hleápan (transilire); -hlif- jan (supereminere); -hogjan (contemnere) Beov. 175; -hycgan (idem) Beov. 206. Cädm. 96; -hŷran (non au- dire, negligere); -lîþan (transfretare); -lŷhtan (luce su- perare); -niman (abripere); -rædan (perlegere); -reccan (superare); -rîdan (equo praecurrere); -rôvan (transfre- tare); -sâvan (superserere); -scëadvjan (obumbrare); -sceávjan (inspicere); -scînan (allucere); -sêcan Beov. 200; -segljan (transnavigare); -sendan (transmittere); -sëón (inspicere) Beov. 34; -settan (superponere); -sittan (super- sedere) Beov. 53. 188; -sprëcan (nimis loqui); -steppan (transgredi); -standan (superesse); -stîgan (transcendere); -sviðan (praevalere) Beov. 23. 133; -tëón (obducere); -tolden (obductus) Cädm. 64; -trëdan (conculcare); -þëón (excellere); -vëorpan (prosternere) Beov. 117; -vinnan (superare); -vrëón (operire) u. a. m. ( on- ) entspricht dem goth. ana- und ïn-, steht aber auch für goth. and- (s. 809.); wie man also ein ags. on- anzusehen hat muß der sinn und die analogie der übri- gen sprachen lehren und selbst das engl. verdient dabei verglichen zu werden, da die engl. mit un- componier- ten verba ein ags. on- = goth. and-, nhd. ent- anzei- gen, ein dem engl. verbo nachgesetztes in oder on hin- gegen auf ein ags. on- = goth. ïn-, ana- weist. Ausrei- chend und sicher sind diese analogien nicht völlig, weil sich auch in andern dialecten und namentlich im hochd. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. in-, an- und ent- gemischt haben im ahd. würde zi und ni entscheiden z. b. zwischen z’inpî- Ʒanne und in zi pîƷanne, nicht aber im ags., wo beide fälle tô onbîtanne lauteten. . Mehrere der nach- folgenden composita musten daher schon s. 810. 812. an- geführt werden, sie können dorthin und hierher gehö- ren: on-egan (goth. ïn-agjan); on-älan (incendere); on- birgjan (gustare); on-bîtan (gustare, ahd. in-pîƷan); on- blâvan (inflare); on-blôtan (immolare); on-bŷgan (incur- vare); on-clisjan (inhaerere); on-cunnan (ahd. in-chun- nan); on-dôn (ingerere); on-drædan (ahd. in-trâtan); on- drencan (inebriare); on-ëaldjan (inveterascere); on-ëard- jan (inhabitare); on-faran (progredi); on-fëallan (inci- dere); on-fëohtan (impugnare); on-findan (invenire); on- galan (incantare); on-gëótan (incantare); on-ginnan (in- cipere); on-hætan (inflammare, vgl. ahd. int-heiƷan); on-hangjan (appendere); on-hnîgan (inclinare, ahd. ana- hnîkan); on-lædan (inducere); on-lŷhtan (illuminare); on- mælan (alloqui); on-ræsan (irruere); on-secgan (immolare, ahd. in-sakên); on-soëacan (concutere); on-sendan (immit- tere) Beov. 31, 36; on-sëón (adspicere); on-settan (impone- re engl. set on); on-sîgan (incumbere); on-slæpan (ob- dormire ahd. int-slâsan); on-spætan (inspuere, engl. spit on); on-starjan (adspicere) Beov. 208; on-stiðjan indu- rare); on-svimman (innatare); on-tendan (goth. ïn-tand- jan); on-timbrjan (inaedificare); on-vacjan (invigilare); on-vrîtan (inscribere) Beov. 127; on-vunjan (inhabitare); on-yrnan (incurrere) Beov. 56. Zuweilen kann das selbe compositum der and- und ïn-form gehören, z. b. on-dôn (ingerere, an-thun, ein-thun, engl. do on) und on-dôn (aperire, engi. un-do). ( oð- ) bedeutet sonst ad, usque, scheint aber in der zus. setzung dem seltneren goth. und- zu begegnen: oð- bëran (auferre, forttragen) Beov. 46; oð-bërstan (erum- pere); oð-brëdan (eripere); oð-cvellan (occidere); oð- dôn (eruere); oð-ëóvan, -ŷvan (ostendere); oð-faran (advenire); oð-sêran (eripere) Beov. 160; oð-fëallan (collabi); oð-flëón (aufugere); oð-gân (evadere) Beov. 217; oð-grîpan (rapere, eripere); oð-hefan (efferre); oð- lædan (eripere); oð-rînan (tangere); oð-sacan (negare); oð-scëótan (deserere); oð-standan (desistere, impediri); oð-stillan (sedare); oð-sverjan (abjurare); oð-þringan (eripere); oð-þvëán (lavare); oð-vendan (avertere); oð- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. vindan (effugere); oð-vîtan (exprobrare) Beov. 222; oð- yrnan (aufugere). Diese composita fallen dem sinne nach beinahe zusammen mit denen auf ät-, z. b. ät-vîtan, ät- ŷvan, ät-bërstan, ät-dôn sind was oð-vîtan, oð-ŷvan, oð-bërstan, oð-dôn; wozu auch die privativwerdung bei- der (die ursprünglich ad bedeuten) stimmt. Wohin sind die analogen ahd. zus. setzungen gerathen? unz steht vor keinem verbo, die frühere sorm unt könnte angetroffen werden in unt-râtan (subtrahere) K. 49 b vielleicht in unt-kenkëo (naufragus) ker. 107. wenn daraus ein unt- kankan (elabi) zu folgern ist? das ahd. ant-, int- (nnl. ont-), wiewohl dem goth. and-, ags. on- entsprechend, könnte sich damit beruhren, zumahl wegen der privati- ven bedeutung (s. 814, 3.). Uebrigens ist schon mehr bemerkt worden, daß das ags. oð auf ein goth. unþ führt (tunþus, tôð) weshalb ôð geschrieben werden sollte; ein ahd. und? and? (vgl. zand, zan) scheint daher dem unt vorausgegangen. ( tô- ) lat. ad-, goth. du-, zus. fallend mit dem s. 862- 864. verhandelten tô- = goth. dis-. Hierher gehören: tô-bädjan (adorare); tô-bëran (afferre); tô-blâvan (affla- re); tô-bodjan (annuntiare); tô-bringan (afferre); tô-ciif- jan (adhaerere); tô-cuman (advenire); tô-cvëðan (allo- qui); tô-dêman (adjudicare); tô-dôn (adhibere); tô-eácan (addere); tô-fëaldan (applicare); tô-findan (invenire); tô- hëaldan (inclinare); tô-hëlpan (adjuvare); tô-hŷran (obe- dire, pertinere ad); tô-lædan (adducere); tô-ligan (adja- cere); tô-locjan (adspicere) Beov. 125; tô-niman (adhi- bere); tô-settan (apponere); tô-sprëcan (alloqui); tô-tëón (attrahere); tô-vênan (sperare); tô-yrnan (accurrere) u. a. m. Man muß lernen, vor welchen verbis tô- ad-, vor welchen dis- bedeutet, nicht selten kann es bei- des, z. b. tô-dælan (attribuere und disjungere) tô-vëor- pan (adjicere und disjicere); wiesen nicht die übrigen sprachen für tô- = dis- eine eigene form aus, so könnte die positive und beraubende bedeutung des tô- grade wie die doppelte des ät- und oð- verstanden werden. ( þurh- ): blâvan (perflare); -brëcan (perfringere) Beov. 207; -bringan (perducere); -crëópan (perrepere); -dëlfan (perfodere); -drîfan (perforare); -ëtan (exedere, corro- dere) Beov. 226; -faran (pertransire) Beov. 114; -fôn Beov. 114; -gân (pervagari); -gëótan (perfundere); -glê- dan (penitus calefacere); -scëótan (transfigere); -sêcan (perquirere); -sëón (perspicere); -slëan (percutere); -stin- gan (transfigere); -tëón (perficere); -vadan (pervadere); III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. Beov. 69. 119; -vunjan (permanere); -yrnan (per- currere). ( under- ) sub-; under-bëran (sustinere); -cêran (sub- vertene); -crëópan (subrepere); -cuman (subvenire); -dël- fan (suffodere); -dôn (subjicere); -ëtan (exedere); -fôn (percipere); -fylgan (subsequi); -gân (subire); -gitan (intelligere); -hëaldan (sustinere); -hnîgan (subjacere); -lecgan (supponere); -licgan (subjacere) Beov. 165; -ni- man (capere); -scëótan (subingerere); -sêcan (disquire- re); -settan (supponere); -singan (succinere); -standan (subsistere und intelligere) Beov. 108; -stingan (suffulcire); -þëódan (subjugare); -vrîtan (subscribere). ( up- ): up-bëran Beov. 144. (wo ût-b. fehler); up- cuman (oriri); up-faran (ascendere); up-gân (idem); up- hefan (tollere); up-rîdan Cädm. 68; up-rocetan (eructa- re); up-siðjan (ascendere) Cädm. 3; up-yrnan (sursum currere). Mehrentheils steht noch eine andere part. zwi- schen up- und dem verbo, namentlich â- und ge-; bei- spiele unten. ( ût- ) ût-bëran (efferre); ût-bringan (educere); ût-cu- man Beov. 230; ût-faran Beov. 190; ût-gân (exire); ût- hleápan (exsilire); ut-lætan (emittere); ût-niman (exi- mere); ût-ræsan (erumpere); ût-rîdan; ût-rocetan (eruc- tare); ût-scëósan Beov. 19; ût-sendan (emittere); ût-sið- jan (exire); ût-yrnan. Auch hier pflegt gern eine an- dere part. (â-, ge-, oð-) zwischenzutreten. ( við- ) contra-, re-: við-compjan (bellare, wider- kämpsen); -cvëðan (contradicere); -cëósan (reprobare); -fëohtan (rebellare); -flîtan (repugnare); -gân (idem); -häbban (retinere); -hogjan (contemnere); -lædan (redu- cere); -lecgan (reponere); -ligan (adjacere); -mëtan (com- parare); -sacan (negare); -scûfan (repellere); -settan (re- sistere); -standan (idem); -steppan (praetergredi); -tæcan (recipere); -tëón (retrahere); -þingjan (convenire); -vin- nan (repugnare); -vëorpan (rejicere). ( viðer- ) contra-: cvëðan (contradicere); -hlinjan (re- niti); -mëtan (comparare); -sacan; -standan; dem vori- gen in der bedeutung gleich, aber seltner mit verbis, mehr mit nom. zusammengesetzt. ( ymb- ) circum-: ymb-bëorgan Beov. 114; ymb-bindan; -cëorfan (circumcidere); -faran; -fôn Beov. 200; -gân Beov. 49; -gyrdan; -hogjan; -hringan; -hvëorfan Beov. 171; -licgan; -sprëcan; -svincan (ambire) -scînan; -settan; -scryddan (induere); -sittan Beov. 3. 45. 137. 203; -snî- dan; -spannan; -standan; -svëopan (circumverrere); -syl- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. lan (circumdare); -þringan; -vëaxan; -vendan; -vindan u. a. m. VI) über die alts. partikelstellung läßt sich aus dem geringen umfang des mir zu gebot stehenden textes nicht hinreichend urtheilen. Daß in , up , ût dem verbo nach- folgen dürfen, leidet keinen zweifel, z. b. âhliopun est up; thô hrëop upp te gode; giwêt imu thô ût thanen; hingegen: that siu gamen upp âhôb; upp âhlêd thie grôto stên; up giwêt; gramon in gewitun (genii insesti ingressi sunt). Ebenso stehen bald vor, bald nach ford , aftar , nither und tô: thô gêng imo ford; that sie it ni sagdin ford; huô thiu wërold ford ferid; thia wëros af- tar gêngun; judeon astar sigun; suarf sie mid is fanon astar (detersit); gang thi fan them cruce nither!; sprac imu mid is wordun tô; behiu lêdis thu mi these liudi tô? Die construction scheint hier wie im ahd. und die verbindung der partikel mit den verbis unvollkommen. Ein nachgesetztes af , an , at , fora habe ich aber nicht aufzuweisen, sondern diese stehen auch in directer rede vor: af-hebbjen; sô af-gaf (reliquit) ina thô thiu godes crast; that siu gamen af-huobi; an-budun (mandastis); an-suobun (intellexerunt); an-drêdin (timerent) etc., so daß sie, wie im ags. entschieden gebunden erscheinen. Die mundart hält also auch hier die mitte zwischen ahd. und ags. VII) in der altn. sprache werden die partikeln freier als im goth. und ags. gesetzt, fast so frei, wie im hochd. Hauptsächlich gehören hierher: â , af , aptr , at , frâ , fram , gagn , heim , hiâ , inn , mëð , niðr , saman , sundr , til , undr , ûr , upp , ût , við , ysir , der selbst componier- ten wie: uppâ, âmôti, îgegnom etc. zu geschweigen. 1) das gleich dem goth. du, ahd. zi, ags. tô, vor in- sinitive tretende at scheint in der älteren sprache (alle folgenden anführungen ohne weiteren beisatz sind aus edd. sæm.) noch die partikel vor sich zu laßen: âr of at telja (ad computationem anni) 2 a (so lese ich statt âr-ôf bei Rask und die variante: âr um at telja bestärkt mich darin); nam hon um at mælaz 217 a ; yfir at rîda 228 b (wiewohl hier yfir zu þar gezogen werden könnte); mâl mun vëra upp at standa Snorraed. p. 53. etc. Später sagte man wahrscheinlich: at upp-standa. Biörn führt im wörterbuch alle solche composita mit vorgesetztem at auf. 2) in directer, offner rede bekommt α ) die partikel häufig ihre stelle hinten: sneið af 137 b ; ok drack af (ebibit) 67 a , vgl. drëcka af, Yngl. saga III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. cap. 40. 41; tôk skatta af, Yngl. cap. 40. 50; þâr gênguz þeir â, Biörn v. âgengaz; fôta lutr fêll aptr 219 b ; fôru aptr, Yngl. 30; bâru þar eld at, Yngl. cap. 40; þâ gêck Beyla fram 67 a ; sat in alsnotra ambôtt for 74 a ; ok laupi iun 109 a ; gumar gêngo inn 294 a ; gêck hann inn 103 b ; rëgns dropi rann niðr 213 a ; rædr um 190 b ; flâtt var þô undir 255 b ; nam ec upp 28 a ; alin við upp vorum 260 a ; gêngo ût ok inn 134 a ; lagðac arm yfir 23 b ; liggr skiöldr yfir 94 b ; drupir örn yfir 41 b ; slŷgr örn yfir 9 b . Impe- rative: rîd heim! 188 b ; sëztu niðr! 85 a ; standit upp! 73 a ; bërit inn! 74 b ; haldit heim! 182 a . β ) sie geht aber auch voraus, a) eingangs des satzes: â leit Goðrûn 213 a ; â gêngoz eiðar (impugnata sunt ju- ramenta) 5 b ; af væri nû haufud 272 b ; fram gengr hann 20 a ; framm reid Odinn 94 a ; inn com in arma 74 a ; inn gêngo þâ 233 b ; upp reis Odinn 93 b ; upp reis Gunnarr 222 a ; upp ôx þar iarl 104 b ; upp ôxu þar 106 a ; ût gêck Sigurdr 206 a ; ût gêck þâ Gudrûn 248 b ; imperative: heim rîd þû! 95 b upp rîstu þakrâdr! 139 b . Nicht selten stehen noch andre wörter zwischen, z. b. aptr ëc hvarf 22 b ; upp ëc þër vërp 68 a ; upp ëc varp augom 77 a ; up hinn stôd 121 b ; ût þû ne comir 32 a . — b) nach andern wör- tern, z. b. ecki at rêduz 257 a ; jô fram keyrdi 92 a ; ok þeir af tôko 135 a ; ok heim ôku 105 b ; raptar sundr brusto 259 b ; grind upp luko 236 a . 3) in conjunctionellen und relativen sätzen stehet α ) meistentheils die part. vor dem verbo: þeir er â lögðo 135 b ; er þeir af lêto 135 a ; at ëk fram teljak 1 a ; þâ er fram komid 223 b ; þaz ek sor vissak 175 a ; er þeir heim rido 209 a mëðan saman drucko 123 b ; at sâ upp reis-att 257 a . β ) oft auch hinter dem verbo: er vërpomc ordi â 32 a ; er or steini var haufudit â 76 b ; er þër sleit Fenrir frâ 65 a ; aðr gângi fram 11 a ; at rammhugaðr reis upp 219 b ; svâ at gullo við 213 b ; at qvâðo við ok gullo við 220 a . 4) dem insin. und part. praes. geht die partikel bei- nahe immer unmittelbar voraus; belege find überflüßig. Zuweilen treten jedoch andre wörter dazwischen, z. b. inn bidþu hann gânga 83 a ; ût skyldi senda 93 b ; und die Edda bietet auch einzelne fälle der nachsetzung: sŷngja saman 111 a ; ne qveina om 211 a 232 a ; skulo þër slîta sionir or 111 b . — Die von 1-4. gezeigte veränderliche stellung der altn. partikeln lehrt, daß keine vollständige composition mit den verbis, wozu sie gehören, wie im goth. und ags. III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. angenommen werden darf. In der copenhagn. Edda wird daher auch meistens die part. von den verbis abgerückt, denen sie unmittelbar vorausgeht. Die slockh. ausg. schwankt zwischen abrücken, anrücken und gebrauch des bindzeichens. Erforderlich scheint es gleichwohl, da von einigen partikeln besonderes zu bemerken ist, die wich- tigsten dieser halben composita, anzuführen. ( â ) lat. ad, in, goth. ana: â-byrgja (periculum in aliquem remittere); â-dreifa (adspergere); â-drëpa (attin- gere); â-eggja (adhortari); â-fella (condemnare); â-frîa (arguere); â-fŷsa (adhortari); â-gângaz (adoriri); â- girnaz (appetere); â-hânga (adhaerere); â-hlŷdaz (com- probare); â-hrœra (attingere); â-kenna (intelligere); â- klaga (accusare); â-lîda (procedere) er âleid vëtrinn (dum processit hiems); â-lîta (adspicere); â-minna (admonere); â-netja (irretire); â-qvëða (designare); â-reita (irritare, vgl. nhd. an-reitzen); â-saka (improbare); â-setja (pro- ponere); â-telja (increpare); â-vîsa (indicare, nhd. an- weisen); â-vîta (increpare) u. a. m. ( af- ) lat. de, ab,: af-bëra (tolerare); as-deya (cessare, vgl. nhd. ab-sterben); af-eggja (dehortari); af-falla (de- florescere); af-ferma (exonerare); af-gânga (mori); af- gëra (ad finem perducere); af-henda (manu mittere); af- höggva (amputare); af-kaupa (nimis care emere); af-klæda (vestibus exuere); af-lâta (cessare); af-letja (dehortari); af-leysa (absolvere); af-lîda (praeterire); af-lîfa (vita pri- vare); af-lifa (superstes esse); af-lima (mutilare); af-lita (decolorare); af-mâla (depingere); af-neita (abnegare); af-nûa (sricando terere); af-saka (excusare); af-selja (re- movere); af-skafa (eradere); af-skëra (abscindere); af-slâ (rejicere); af-snîda (abscindere); af-standa (decedere); af- striuka (detergere); af-sverja (ejurare); af-taka (denegare); af-þekja (tectum demoliri); af-venja (desuefacere); af- venda (declinare) u. a. m. ( aftr , aptr- ) lat. retro,: astr-halda (impedire, retine- re): aftr-læsa (claudere); aftr-rëka (repellere). ( at- ) lat. ad,: at-bëraz (accidere); at-greina (discer- nere); at-hiuka (recreare); at-huga (consulere); at-hyllaz (adhaerere); at-skilja (distinguere); die ags. privativbedeu- tung könnte in dem letzgenannten wort gesucht werden, wiewohl sie in skilja selbst steckt. Auch die praeposition at scheint zuweilen für af zu stehen, z. b. edd. sæm. 269 b fallin at frændum, sem sura at qvisti, vaðin at vilja, sem viðr at lausi; oder beruht hier die beraubung bloß in dem begriff falla und vaða? III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ( endr- ) lat. iterum, endr-borinn (regenitus); endr- bœta (reparare); endr-fœdaz (renasci); endr-gialda (com- pensare); endr-gëta (regenerare); endr-leysa (redimere); endr-lîfga (refocillare); endr-lifna (reviviscere): endr-min- naz (recordari); endr-mæla (contradicere); endr-næra (recreare); endr-skapa (restaurare); endr-vitkaz (resi- piscere). ( frâ- ) lat. de, ab,: frâ-bægja (semovere); frâ-gânga (discedere); frâ-halda (abstinere); frâ-taka (excipere). ( fram- ) lat. pro,: fram-bëra (proferre); fram-bioda (palam offerre); fram-draga (protrahere); fram-sara (pro- gredi); fram-fœra (proferre); fram-gânga (prodire); fram-halda (pergere); fram-leida (producere); fram-lîda (transire); fram-reida (depromere); fram-rënna (pro- fluere); fram-selja (prodere); fram-segja (proferre). ( gagn- , gegn- ) lat. per-: gagn-bora (perforare); aber gagn-væta, gagn-þurka sind bloße ableitungen von den adj. gagn-vâtr, gagn-þurr (s. 755.). ( heim- ) domum,: heim-gânga; heim-sœkja. ( hiâ- ) apud,: hiâ-bægja (praeterire). ( inn- ) intro,: inn-blâsa (inspirare); inn-drecka (im- bibere); inn-fœra (inferre); inn-gânga (ingredi); inn- hŷsa (in domum recipere); inn-planta (inserere); inn-rœta (radicare); inn-settja (instituere); inn-taka (occupare); inn-vefja (involvere) u. a. m. ( mëð- ) con-: mëð-deila (communicare) schwerlich alt, sondern nach dem deutschen; með-kenna (confiteri); með-taka (accipere). ( niðr- ) deorsum:, niðr-leggja (desistere); niðr-râda (disponere); niðr-stâga (descendere); niðr-þryckja (sup- primere). ( of- ) wenn diese part., wie vor nominibus, die be- deutung von nimis hat, dann scheint sie, gleich dem hochd. über- s. 871. 877. 885.) den verbis fest verbun- den und unfähig ihnen nachzustehen, z. b. of-bioda (su- pra modum gravare); of-hlada (nimis onerare). Allein in der alten poesie wird of , so wie um , mit dem es bei- nahe wechselt, häufig anders und in einer ganz gelinden bedeutung angewendet. Die grammatiker nennen beide: ausfüllende, nichts sagende partikeln, vgl. gloss. edd. sæm. 635 a of , particula expletiva, nihil sere significans; 701 a um , vocula expletiva, nihil significans; Rask §. 546: of och um fogas osta till verba, såsom expletiva eller em- fatiska partiklar, utan att egentligen ändra betydelsen. Belege gibt jedes blatt der Edda. In der prosa hört die- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ser gebrauch auf. Den altn. dichtern stehen also zwei kleine, wohllautende wörter zu gebot, deren sie sich, statt der ihnen abgehenden ahd. ar-, ga-, pi- (s. 866. 868.) mit gleichem erfolg zur ausfüllung und schmeidigung des metrums bedienen können. Ja sie fügen sich, wie das ahd. ga-, zwischen verba nnd andere partikeln, z. b. inn of cominn 64 b inn um gêck 136 a fram um sêr 175 a ût um cominn 184 b upp um tôk 238 a . Als untrennbare altn. partikeln durfte ich sie oben nicht aufführen, weil sie in lebendiger bedeutung wirklich trennbar, sogar praeposi- tionen sind und selbst in der gelinden zuweilen, obgleich selten, den verbis nachgesetzt werden, vgl. die vorhin s. 910. unter 4. mitgetheilten belege. Ob sich of und um in allen fällen einander ersetzen können? bezweifle ich, denn hin und wieder scheint of noch den begriff von über, um den von um oder bei leise zu enthalten. Eini- gemahl folgen mehrere of oder um schnell und in einem athem aufeinander, z. b. 195 b um vindr, um vëfr, um sëtr; of rêð, of reist, of hugði. Im ganzen wird um häufiger gebraucht als of. ( or- ) ex, ich finde in der Edda kein beispiel, daß diese part. vor verbis stünde, wohl aber steht sie zuwei- len als adv. nach und wird dann in ôr , ûr verstärkt, während die praeposition or , ur kurzen vocal behält (vgl. das hochd. in und în, ein): skulo þër slîta sionir ôr 111 b ; skar ûr spiotit Yngl. cap. 30. vgl. Biörn skëra ûr þrætum (dirimere lites). Alle composita, die Biörn unter ör- angibt, scheinen derivata aus nominibus: ör- endaz (mori) ör-megnaz (fatiscere) ör-qvisaz (animo frangi) ör-vilnaz (desperare) ör-vænta (idem) aus ör- endr, ör-megna, ör-qvisi, ör-vili, ör-væni; dagegen kann das starke ûr-râda (expedire) nicht abgeleitet sein. ( saman- ) con-: saman-briota (complicare); -draga (contrahere); -fella (contabulare); -hrûga (contumulare); -nûa (confricare); -raka (corradere); fioða (concoquere). Das gleichbedeutige sam- ist formell ganz verschieden (s. 671.) und untrennbar. ( sundr- ) dis-: sundr-dreifa (dissipare); -knosa (conte- rere). ( til- ) ad-,: til-bidja (adorare); til-bûa (parare); til- greina (distinguere); til-leida (persuadere); til-segja (ju- bere); til-skicka (ordinare); til-skilja (conditionem ad- dere); til-stofna (procurare); til-tegja (allicere); til-vinna (merere). M m m III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ( um- ) circum-,: um-bëra (ferre); um-breyta (mutare); um-buna (remunerare); um-bœta (emendare); um-faðma (amplecti); um-flŷa (effugere); um-gânga (circuire); um- girda (circumsepire); um-rôta (radicitus evellere); um-sitja (obsidere); um-skëra (circumcidere); um-skoða (circumspi- cere) 11 a ; um-snûa (vertere); um-þenkja (meditari); um- svifa (providere); um-venda (vertere). Von dem gelinderen und beweglicheren um ist vorhin bei of gehandelt worden. ( undr- ) sub-,: undr-bindaz (in se recipere); undr-bûa (praeparare); undr-oka (subjugare); undr-standa (intelli- gere); undr-taka (annuere); undr-troda (supplantare); undr-þryckja (subigere); undr-vërþa (subigere). Dieses undr- scheint wirklich componiert und nicht hinter das verbum treten zu können. ( upp- ) sursum,: upp-ala (educare); upp-bëra (perci- pere); -blâsa (inflare); -brenna (igne consumere); -briota (effringere); -bœta (restaurare); -ëta (depascere); -frœda (erudire); -fœða (educare); -fylla (explere); -gânga (pro- cedere); -gësa (remittere); -götva (indagare); -hefja (eri- gere); -hvetja (incitare); -lâta (aperire); -leggja (propo- nere); -lësa (recitare); -leita (quaerere); -liosta (calum- niari); -liuga (mentiri); -liuka (aperire); -lŷsa (illustrare); -raka (congerere); -reisa (erigere); -rënna (oriri); -rîfa (fricare); -rîsa (resurgere); -rôta (eradicare); -setja (sub- ducere); -skëra (metere); -spana (dispandere); -sprëtta (scatere); -stappa (confercire); -stîga (ascendere); -taka (elevare); -telja (enumerare); -tendra (excitare); -vekja (excitare); -vinna (consumere) u. a. m. ( ût- ) foras, ex-: ût-bëra (efferre); -bleyta (madefa- cere); -breida (spargere); -brynja (armare); -bûa (in- struere); -bŷta (distribuere); -draga (extrahere); -dreifa (spargere); -drîfa (expellere); -grasa (exsculpere); -hluta (distribuere); -hrôpa (proclamare); -hŷsa (interdicere do- mum); -kasta (ejicere); -klekja (excudere ova); -leggja (interpretari); -leida (educere); -mâla (definire); -mæla (emetiri); -qvîsla (propagare); -rêtta (expedire); -sauma (acu pingere); -senda (emittere); -setja (exponere); -skëra (exsculpere); -skîra (explicare); -skûfa (repudiare); -slökva (exstinguere); -snara (ejicere); -sofa (edormire); -siuga (exsugere); -tala (fine m facere loquendo); -troda (conser- cire); -þemba (tumef acere); -þenja (distendere); -vëga (expendere); -velja (e igere); -visa (demonstrare). ( við- ) apud,: við-bëra (praeterire); -bëraz (impediri); -gëta (mentionem injicere); -halda (conservare); -kannaz (agnoscere); -rêtta (reparare). III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ( yfir- ) super-, trans-: yfir-buga (superare); -döggva (irrigare); -draga (expungere); -falla (obruere); -sara (peragrare); -gëfa (derelinquere); -gnæfa (abundare); -hânga (imminere); -heyra (examinare); -hilma (occul- tare); -lësa (perlegere); -lŷsa (promulgare); -lîta (lustra- re); -skipa (proponere); -skoða (inspicere, überschauen); -skyggja (obumbrare); -stîga (superare); -tala (convincere); -taka (comprehendere); -vëga (perpendere); u. a. m. — VIII) in der kürze müßen noch die übrigen spra- chen erwähnt werden. Das nnl. und mnl. verhält sich ungefähr wie das nhd. und mhd., d. h. die trennbarkeit der partikeln herrscht vor; in der nnl. schreibung pflegt man, wie im nhd. die unmittelbar vorstehende part. dem verbo anzuhängen, z. b. dat ik aanbiede, ophoude, af- zondere, ebenso im part. praet. opgenomen, afgezonderd, aangeduid, bei zwischentretendem te hingegen zu tren- nen, z. b. aan te doen, op te houden, aan te duiden (richtiger als unser nhd. anzuthun, aufzuhalten, anzu- deuten); door- , om- , onder- , over- , weder- componie- ren sich wirklich, unter denselben bedingungen, wie die nhd. durch-, um-, unter-, über-, wider-; für hinter-, und neben weder- gelten auf gleiche weise achter- und her- , daher im part. praet. achter-laaten, achter-volgt, her-vallen, her-vormt (ohne ge-), das te aber vortre- tend: te herstellen, te achterlaaten (nicht: her te stellen); ja es scheint sich auch tegen (contra, aus te-jegen) bis- weilen fester zu binden, so daß die nnl. sprache einigen partikeln mehr ihre trennbarkeit entzogen hat, als die nhd. — Im engl. zeigt sich der gebrauch und das ver- hältnis dieser partikeln sehr verändert gegen das ags. So wie von den sechs untrennbaren nur vier ( a- , be- , for- , un- ) übrig, ge- und to- ausgestorben sind, begeben sich von den trennbaren nur noch sechs in composition mit verbis, nämlich fore , over , out (verstärkte sorm für ut), under , up , with , z. b. fore-cast, fore-deem, fore-do; over-come, over-go, over-drink; out-bid, out-dare, out- do; under-bear, under-bid, under-bind; up-bear, up- braid, up-bring; with-draw, with-hold, with-stand etc. Sie können in ihrer oft veralteten bedeutung den (meist transitiven) verbis nicht nachtreten. Die übrigen par- tikeln umgekehrt stehen, als lebendige adverbia, den ver- bis in der regel nach, daher keine zusammensetzung denkbar ist, obgleich sie oft ags. compositis entsprechen, z. b. laugh at, go after, do again, get off (verstärkte form des of), sing on, cleave to, come in, read through und so M m m 2 III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. in vielen fällen, es können noch andre wörter zwischen treten, z. b. he came slowly in. Auch jene sechs wer- den in lebhafterer bedeutung (intransitiven) verbis nach- gestellt z. b. go out, rise up und dann entspringen, wie im hochd., unterschiede zwischen under-stand und stand under, over-come und come over, out-go und go out. Ausnahmsweise und im poetischen schwung werden die uncomponierten partikeln in den eingang des satzes ge- bracht, immer aber, wo sie das verbum berühren, ge- trennt davon geschrieben, z. b. up rose the guest, in he came etc. Das untergehen so vieler ags. composita er- klärt sich aus dem eindringen einer menge romanischer mit ad-, circum-, con-, de-, dis-, in-, inter-, ob-, per-, prae-, pro-, re-, sur- etc. Diese romanischen partikeln find gleichwohl in der regel leblos und vermögen sich nicht mit sächs. wurzeln zu binden, während jene im gang gebliebenen sächsischen auch rom. verba ergreifen, z. b. over-dreß, over-joy, under-mine, under-pin. Doch componieren sich zuweilen dis- und re- mit sächsischen, z. b. dis-burden, dis-like, re-call, re-hear, re-melt. Die engl. sprache hat durch solche mischung zweier ele- mente, welche nachtheile auch sonst daraus hervorgehen mögen, einen reichthum untrennbarer, trennbarer und bloß nachsetzbarer partikeln gewonnen, worin es ihr keine andere deutsche oder romanische mundart gleich- thut. — Auch die dän. und schwed. partikeln erscheinen größtentheils beweglich, die regel ihrer vor- oder nach- setzung stimmt aber mehr mit dem altu. überein, als mit dem hochd. Der inf. zieht die vorstehende partikel fester an und at tritt, so viel ich weiß, nie dazwischen, z. b. dän. at an-tände (anzuzünden) at ud-sätte (auszusetzen); schwed. att upp-fostra (aufzuziehen), att fram-föra (fort- zuführen). In directer rede steht zwar die partikel häu- fig nach, z. b. dän. det seer ikke godt ud (das sieht nicht gut aus); schwed. han gick ut, växte upp (er gieng aus, wuchs auf); allein sie kann sich auch voranstellen, wo es im nhd. ungewöhnlich ist, z. b. dän. fore-gav hun (gab sie vor) de af-vexle (sie wechseln ab) ned-sablede (säbel- ten nieder); schwed. ut-korade (wählten aus) upp-kommo (kamen auf). Dagegen folgt sie im indirecten fall öfter nach, z. b. dän. gaae op og ned (auf und nieder gehen) at falde an (anzufallen), obgleich sie auch, wie nhd., häufig vorsteht, zuweilen beides nach willkür. Die nähere erörterung (vgl. Botin §. 124.) fällt der syntax anheim, hier kommt es bloß auf den grundsatz der trenn- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. barkeit an. Einzelne partikeln für besondere bedeutun- gen componieren sich fester, namentlich dän. efter-, over-, under-; schwed. efter-, öfver-, under- und dann ent- springt verschiedner sinn z. b. schwed. zwischen under- hålla und hålla under (nhd. unter-hálten und únter-hal- ten). Das dän. paa-, schwed. på- in paa-lägge, på-bju- da etc. entspricht dem altn. upp-â-leggja und ist also de- compositum. Anmerkungen über die trennbaren partikeln. 1) untrennbare partikeln zu trennbaren verhalten sich einigermaßen wie ableitungen zur composition (z. b. zau- berei zu zauberlist, ags. ëopping zu ëoppa’s sohn) und leblos werdende, scheinbar in das princip der derivation übertretende zus. setzungsformeln (wie -thum, -heit) gleichen den untrennbaren partikeln. Man könnte diese vornhin gestellte ableitungen nennen oder die ableitungen suffigierte partikeln (vgl. s. 752. über ga- und -ag); ich will hiermit nichts erklären, nur ähnliches vergleichen, ohne die unähnlichkeit zu verkennen. 2) die trennbarkeit und veränderliche stellung der partikeln beruht auf ihrer lebendigeren bedeutung (s. 797.). Je lebloser die wörter werden, desto bestimmter wird ihre construction. Nachsetzbare partikeln dieser art thun da- her noch den dienst wirklicher adverbia und nehmen in der verschiedenheit der rede den platz ein, welcher an- dern adverbiis oder selbst nominibus bald vor bald hinter den verbis gebührt. Daher sagen wir nhd.: ab laßen, ich laße ab, daß er ab laße, wie wir sagen: viel reden, im- mer lernen, los brennen, wahr nehmen, glück haben; ich rede viel, lerne immer, brenne los, nehme wahr, habe glück; daß er viel rede, immer lerne, los brenne, wahr nehme, glück habe (wie schon s. 872. bemerkt ist). 3) selbst bei den wirkliche compositîon eingegangnen partikeln zeigt sich die ursprüngliche losheit in einer syn- tactischen umstellung. Nämlich intransitive verba, bei denen die praeposition durch , um , über steht, wandeln sich bisweilen in transitiva , sobald man die praep. zur bloßen partikel macht und mit den verbis zusammensetzt, die dann den vorher von der praepos. abhängigen acc. selbst regieren. Statt: ich breche durch den damm, schaue durch den nebel, schiffe um die welt, schreite über den fluß etc. darf es heißen: ich durchbreche den III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. damm, durchschaue den nebel, umschiffe die welt, über- schreite den fluß. Die bedeutung verliert dadurch etwas an sinnlichkeit, und die umwandlung wird unzuläßig, wenn der sprachgebrauch dem composito schon einen noch abstractern begriff angeeignet hat, z. b. es läßt sich nicht sagen: ich übergehe den berg, für: ich gehe über d. b. Noch weniger können übliche composita mit die- sen partikeln gradezu in das transitive verbum und die praepos. aufgelöst werden, z. b. ich durchlese das buch, waßer umgibt das land, der eine übertraf den andern keineswegs in: ich lese durch d. b., waßer gibt um d. l., der eine traf ü. d. a. Auch transitiva mit unter- ver- weigern sich der umstellung, da es ganz etwas anderes ist zu sagen: ich unterschreibe die bitte, als: ich schreibe unter die bitte; composita mit hinter- und wider- , in denen intransitive bedeutung vorherrscht, sind vollends untauglich dazu. Allein in der älteren sprache waren noch bei andern partikeln umtauschungen thunlich, die jetzt veraltet sind. Graff hat sie s. 89-91. im ahd. nicht bloß für durah , ubar , umpi nachgewiesen, sondern auch für ana , hintar , in , oba , vora , vuri , welches eine wichtige bestätigung der annahme ist, daß im ahd. diese partikeln fester an den verbis haften, daher schon im mhd. die umstellungen beinahe wegfallen. Je freier und vieldeutiger die partikel, desto weniger stellt sie sich in die praep. um, z. b. den kopf auffallen hat völlig ver- schiednen sinn von: auf den kopf fallen. 4) mitunter kann es zweifelhaft sein, ob man die lose partikel auf das verbum oder auf das dara , dâr , huara , huâr beziehen will, welche oft unmittelbar im satz da- neben (Graff s. 285-288.) oft aber durch andere wörter davon getrennt stehen, z. b. in den s. 890. 891. ange- führten: thâr baldo ana sizen; dâr diu driu ana sint; thâr her ana lag T. 54, 8; dâ sint ouh mite W. 4, 14. etc. Im altn. gehört die den verbis unmittelbar vorstehende partikel häufig zu einem vorausgegangnen er und es ist alsdann keine composition vorhanden, daher auch at oder auxiliaria zwischen partikel und verbum treten. Beispiele gibt Rask §. 414. 449. und fürs ags. p. 102. So kann unser nhd. ich widerstrebe, durchbreche zuweilen gleich- viel sein mit: ich strebe dawider, breche dadurch, hindurch. 5) zusammengesetzte nomina rechtfertigen keinen schluß auf die composition entsprechender verba mit der gleichen partikel. Denn selbst wo eine der sechs compo- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. nierbaren mit dem verbo wirklich verbunden wird, ist noch im nhd. die betonung für beide fälle verschieden. vgl. z. b. úmsáng (complexus) únterhált (vitae suftentio) mit umfángen (complecti) unterhálten (v. sustentare), Jede dieser zus. setzungen muß daher selbständig für sich entsprungen sein, kein ableitungsmittel liegt dazwischen. Folglich darf auch nicht von anblick, niedergang, zu- tritt etc. auf anblicken, niedergehen, zutreten geschloßen werden, wiewohl hier die betonung gleich ist. Etwas anderes ist, wenn eine derivation in der mitte liegt: α ) aus componierten verbis abgeleitete nomina behal- ten noch heutzutage gänzlich die geringere betonung der partikel, die vor den verbis stattfindet, vgl. übertrétung, umármung mit übertréten, umármen. Aus verbis, die sich nur unvollständig componieren, dürfen gleichwohl nomina geleitet werden (z. b. anstellung, absendung, vor- stellung, zurüstung etc.) sei nun dabei auf den inf. oder auf andere fälle, wo die partikel vorsteht, rücksicht ge- nommen. Dieser gegenstand bedarf noch weiterer nach- forschung, weil es ableitungen gibt, die an sich, beides zu nomiuibus und verbis treten können (s. 704.) und nur bisweilen in der früheren sprache die form der partikel entscheidet. Im ahd. z. b. stehet ap-, wenn das zweite wort ein nomen ist, apa hingegen vor verbis (s. 708.), folglich ist das adj. abe-lâge (torpens) N. Cap. 29. auf das ver- bum abe ligen (torpere) zurückzuführen, nicht anzuneh- men, daß die partikel zu einem einfachen (unerweisli- lichen) adj. lâge getreten sei. Sind alle mhd. abe- (s. 709.) so anzusehen? Widar-winno (hostis) kann wirklich auf doppelte weise gedacht werden, entw. als ableitung von widar-winnan, oder als verbindung der partikel mit dem (nicht unwahrscheinlichen) nomen winno (ags. vinna, bel- lator); im ersten fall ist es schwächer, im zweiten stärker accentuiert. β ) aus componierten nominibus geleîtete verba sind wirkliche, untrennbare composita, wenn sie schon eine part. enthalten, die sich mit verbis selbst nur unvollstän- dig zus. setzt. Sie haben daher auch ganz den accent, welcher der part. vor dem nomen zusteht. Tritt ihnen ge- im part. praet. oder sonst hinzu, so hat es seine stelle vor der partikel. Es gibt nhd. nur wenige solcher verba. Ein mhd. beispiel ist sunder-sprâchen Nib. 6932. Gudr. 22 b 46 b . Beispiele aus dem ahd.: ana-gangôn (initium facere) N. Cap. 51. ana-gangerôn (versare) Bth. 195; ana-brëchôn (reprehendere) O. IV. 19, 128. mohtin gi- III. partikelcomp. — trennb. part. mit verb. ana-brëchôn V. 20, 193. von einem mir unbekannten no- men (vielleicht zu schreiben ana-brechôn?); ana-vallôn N. Bth. 35; ana-vartôn (impetum facere) N. Bth. 21; ana-fristôn N. 71, 4; ka-cagan-wërton (repraesentare) hrab. 973 b ; upar-meginôn (superare) von upar-megin; untar-sceitôn von untar-sceit, ge-under-skeitôta N. Bth. 36; fora-bodôn, chi-fora-bodôt J. 347. 348. 403; furi- hullôn von furi-hulli, ge-fure-hullôt (obtectus vultu) N. Cap. 103; furi-fangôt (anticipat) hrab. 953 a ; furi-vangô- tun doc. 240 b ge-vure-vangôst N. Cap. 116; wider-më- Ʒôn von wider-mëƷ, ge-wider-mëƷôt N. Cap. 94. u. a. m. Einzelne können inzwischen, falls sich einfache schwache verba nachweisen laßen, und kein ge- vortritt, die par- tikel mit den verbis selbst mehr oder minder vollständig verbunden haben. 6) die unstätigkeit der meisten partikeln in der ver- bindung mit verbis ist eine auffallende aber werthvolle eigenheit deutscher zunge. Phrasen wie: der tag bricht an, das licht geht aus, der tisch fällt um, I am out, ’tis over und eine menge ähnlicher sind andern sprachen ganz unbekannt, oder seltne figuren. Die lat. und slav. partikeln, die als praepositionen getrennt neben ihrem casus stehen, haften als adverbia untrennbar vorne an den verbis, zu welchen sie gehören und bilden lauter (uneigentliche) composita. Einzelne dichterische ausnah- men wie super unus eram, nihil erat super, circum dea fudit (Aen. 1, 412.) statt supereram unus, nihil supererat, circumfudit beweisen nur die möglichkeit und ursprüng- lichkeit der trennung. Begreiflich ist auch in diesen sprachen die zahl der völlig untrennbaren, d. h. als praepositionen erloschenen, partikeln größer als bei uns; und in den romanischen mundarten, z. b. im französ. haben beinahe alle partikeln, mit denen verba zus. ge- setzt werden, ihre selbständigkeit, meistentheils ihre wahre gestalt eingebüßt. In der älteren griechischen sprache, voraus der homerischen, haben dagegen die partikeln eine in der prosa nachher wieder aufgegebene, der deut- schen construction vergleichbare, freiere stellung, wie es Buttmann (kl. gramm. §. 134. anm. 8.) vortrefflich ent- wickelt die gebundenheit der partikeln in Ulfilas prosa (wobei auch die sirengere befolgung eines griech. oder lat. textes anzuschlagen ist) würde vielleicht in goth. liedern, wie in altu. und ahd., ver- schwinden. . Eine andere wichtige übereinkunft mit der III. partikelcomp. — allgem. bemerkungen. deutschen einrichtung erkenne ich in zwischenschiebung oder vorausstellung des augments bei zusammensetzungen (Buttm. §. 86.). Die augmentierten tempora schalten nämlich ε- zwischen das verbum und die damit ver- bundne partikel ein ( ἀπο-δύω, ἀπ-έ-δυσα; συλ-λέγω, συν-έ-λεγον; προσ-φέρω , προσ-έ-φερον ); setzen es aber voran, sobald das verbum von einem (eigentlich oder uneigentlich componierten) nomen abgeleitet ist ( οἰκο-δο- μέω , ᾠκο-δόμησα; μελο-ποιέω , ἐ-μελο-ποίουν; δυσ-τυχέω, ἐ-δυσ-τύχησα ); wie im deutschen das (s. 869. dem aug- ment verglichene) ge- entweder dazwischen (an-schlagen, an-ge-schlagen) oder vorantritt (rath-schlagen, ge-rath- schlagt). Allgemeine bemerkungen zu §. 4. überhaupt. 1) es ist der wahrnehmung werth, daß keine einzige der hier verhandelten, in allen deutschen mundarten mächtigen und geläufigen partikeln auf l oder r anlautet. Wenige beginnen mit m und n (miti, nâh); viele voca- lisch und mit mutis. Der griech. lat. slav. lett. sprach- stamm kennt ebenfalls keine solche partikel auf l , der griech. auch nicht auf r , wogegen r in den übrigen auftritt (lat. re-, slav. raz- etc.). Das nhd. aus dem zus. gesetzten zurück verderbte rück- gibt keine wahre aus- nahme an hand. Da nun auch l und r im ablaut schwie- rig und selten sind (1, 1035. 1036.), in den deutschen flexionen gar nicht mitwirken (nämlich das später häu- fige r auf organisches s zurückzuführen ist); so scheinen ihnen, aus einem gewis tief liegenden grunde, in unserer sprache, die biegende und verbindende kraft entzogen, wofür fie in der ableitung eine desto bedeutendere aus- üben (s. 390.). 2) das lebloswerden der zusammensetzung eingehen- den partikeln hat den verfall des tons zur folge, so wie er in flexionen und ableitungen ausstirbt. Die nähern verhältnisse und abstufungen von der ersten schwächung bis zur völligen erlöschung des tons laßen sich nur sehr schwierig und für die älteste sprache, wenn es an metri- schen denkmählern gebricht, gar nicht sicher angeben. Darf aus der analogie der lebenden sprache zurückge- schloßen werden, so beginnt der ton überall zuerst in den vor verbis untrennbar gewordnen partikeln abzu- nehmen; nächstdem auch vor nominibus, wiewohl schwan- III. partikelcomp. — allgem. bemerkungen. kend und ungleich bei ent- (s. 716.) be- (s. 718.) ver- (s. 725.) und ge- (s. 734.). Sitzen bleibt er aber in allen partikeln, die sich mit verbis nur unvollständig binden, so wie in den übrigen, wenn schon wirklich an nomina gefeßelten. Dies begründet einen unterschied in der ac- centuierung derselben partikeln, je nachdem sie mit einem nomen oder verbum componiert sind. Alle ableitungen behalten den ton des componierten wortes aus dem sie gebildet sind, seien fie selbst nomina oder verba (s. 919.). Eben das gilt von unorganischen bildungen der späteren sprache, die ohne ableitungsmittel entspringen, z. b. alle nhd. subst. mit er- (er-weis, er-folg etc.) sind nach ver- bis (er-weisen, er-folgen) formiert und haben unbetonte partikel, da sich mit subst. im hochd. kein er- componiert. Ich habe s. 734. note, die vermuthung gewagt, daß das kurze a ein kennzeichen der betonung, gleichsam der gesundheit aller partikeln abgebe, so wie das spätere, man weiß nicht, ob aus a oder i entstellte e (nicht das frühere ë vor r, = goth. aí) untergang des tons ver- räth. Diese vocalverdünnung scheint den gegensatz einer gleichunorganischen verdickung für den betonten fall her- vorgerufen zu haben (ahd. pî, în, zuo = goth. bi, in. du). Uebrigens hat im nhd., wo die betonung in allein- stehenden partikeln gewöhnlich den kurzen vocal ver- dirbt (hêr, hîn, vôr, wohl; statt hër, hin, vor, wol) die zus. setzung ihn zuweilen erhalten, vgl. vor-theil (s. 728.) ur-theil (s. 790.) wol-lust (s. 794.) und ebenso hin-gang, ab-gang, ab-kunft, ob-dach, in-land, un-schuld, un- glück etc. freilich neben hêr-gang, hêr-kunft, vôr-gang, vôr-zug, ûr-alt, ûr-bild, wohl-leben etc. Zwischen an- tritt und ân-tritt etc. schwankt die heutige aussprache. 3) daß alle mit verbis wirklich zusammensetzbaren partikeln zugleich praepositionen sind oder waren, ist s. 698. 699. 866. gesagt worden; es scheint auch von eini- gen behauptet werden zu müßen, die unzertrennlich vor nominibus stehen, z. b. un- und uo-, nicht von allen, z. b. nicht von tus- (zur-), geschweige von solchen, die außerdem auch getrennt gebraucht werden z. b. váila. 4) verzeichnisse nach dem zweiten wort, wie bei der eigentlichen subst. und adj. zusammensetzung, aufzustellen schien bei der partikelcomposition weder thunlich noch nöthig. Doch werden folgende formen, die, da sie lauter nomina betreffen, lieber gleich s. 796. hätten mitgetheilt werden sollen, brauchbar, aber vielfach zu vermehren sein; ahd. gi-chôsi (eloquium) â-chôsi (delirium) aftar-chôsi III. partikelcomp. — allgem. bemerkungen. (calumnia) hindar-chôsi (calumnia). — goth. ga-qvumþs (concilium) ahd. astar-chunft, nhd. ab-kunft, an-kunft aus-kunft, her-kunft, nieder-kunft, rück-kunft, zusam- men-kunft, zwischen-kunft. — ahd. â-chust, ar-chust, un-chust, un-kust O. I. 2, 61. 17, 80. — nhd. ab-gang, an-gang, mhd. ane-ganc, auf-gang, aus-gang, ein-gang, her-gang, heim-gang, hin-gang, nieder-gang, über-gang, unter-gang. — ahd. ant-heiƷ, ka-heiƷ, ur-heiƷ, pi-heiƷ, altn. fram-heit. — goth. fra-lêts, mhd. ab-lâƷ, ant-lâƷ, ge-lâƷ, under-lâƷ, ûƷ-lâƷ, nhd. an-laß, ge-laß, ab-laß. — leita (conductio vgl. oben s. 502. und die bedeutung exse- quiae, funus jun. 148. 203. 205.) mhd. în-leite, ûƷ-leite (ahd. ûƷ-laiti, exsequiae doc. 242 a ). — ahd. â-sprâhha, avar-sprâhha, astar-sprâhha, ana-sprâhha, pi-sprâhha, hintar-sprâhha. — ahd. â-suih (fraus) pi-suih (dolus). — mhd. ge-sinde, in-ge-sinde, ûƷ-ge-sinde. — mhd. her- vart, hin-vart, în-vart, ûƷ-vart, wider-vart. — ahd. ana-wân, pi-wân, zur-wân, alle drei suspicio (vgl. nhd. arg-wohn), un-wân das ungehoffte, ur-wân (despera- tio). — ahd. â-wicgi, ur-wicgi beide invium, gi-wicgi (compita), vgl. das goth. adv. fram-vigis (vorwärts). — ahd. wist (substantia) N. 88, 48. sonst auch mansio, stipen- dium, cibus, natura (vgl. nhd. wesen): ana-wist, heim- wist (patria), hër-wist (mansio) Ludw. 19; miti-wist (consortium); nâh-wist (praesentia), sam-wist J. 404, sa- man-wist, (commercium) mons. 378. samant-wist (coetus) wirceb. 978 b ; ags. gegador-vist (contubernium), ofer-vist (gulositas); altn. hêr-vist (vita), ûti-vist (iter), þar-vist (mansio ibi); bei heim- und nâh- könnte auch eigentliche compos. walten, daher ich die bildungen s. 460. 637. 762. aufführe, vgl. chorne-wist (frumentum) N. 80, 17. und chorn-chunni (oben s. 501.) — altn. af-hallr (declivis), ags. þider-hëalð (istuc vergens) ahd. uf-hald (sursum v.) nidar-hald (pronus), uo-hald (retro v.) fram-hald (pro- nus). — hëra-baƷ (propius) vgl. oben s. 757. hina-baƷ (ultra), altn. innar-betr (interius) yfir-betr (ulterius) mhd. nider-baƷ oben s. 763., für-baƷ Trist. — ags. and-fëax (calvus) mhd. ant-vahs; up-fëax (recalvus) vgl. mhd. val-vahs (s. 667.). — ahd. funs, ags. fûs (cupidus eundi) ahd. hëra-funs; ags. ellor-fûs (peregre eundi c.) Cädm. 35. 52. hin-fûs Beov. 59. suðan-fûs Beov. 148. ût-fûs Beov. 5; altn. fram-sûs (audax) hvar-fûs (ubicunque va- gus) edd. sæm. 226 b vgl. oben s. 581. not. III. decomposita. §. 5. Decomposita (s. 410.). Mehrfache zusammensetzung ist vorhanden, wenn über zwei wörter miteinander verbunden sind. Der gewöhn- liche fall ist die composition von dreien; die von vieren ist nicht zahlreich, die von fünfen gehört zu den selten- heiten. I. drei wörter zusammengesetzt. Die doppelte com- position geschieht kaum zu gleicher zeit, sondern es sind schon zwei wörter früher miteinander verbunden, denen sich hernach das dritte beigesellt. Bloß von einigen be- schreibenden farbenzusammenstellungen, z. b. die roth- blau-weiße cocarde ließe sich sagen, daß sie auf einmahl gebildet seien; es ist aber auch mehr apposition, als com- position. In der regel tritt nun entw. ein einfaches wort zu einem composito (gold-bergwerk, zell-gewebe) oder ein compositum zum einfachen (erdbeer-strauch, gewinn- sucht). Mit hinsicht auf die zusammensetzungsweise selbst find entw. beide compositionen eigentlich (feder-meßer- stiel) oder beide uneigentlich (bundes-tags-sitzung) oder die eine eigentlich, die andere uneigentlich (kuh-pocken- impfung). 1) decomposita, beidemahl eigentlich; hier liegt der bindungsvocal zweimahl zu grunde und müste in der äl- testen sprache zweimahl erscheinen, etwa in hova-bota- scaf, hova-taga-dinc, allein diese beispiele sind erfunden, ich weiß keine zu belegen. Die goth. sprache liefert überhaupt kein solches decompositum und die ahd. wenige. α ) simplex und compositum: ahd. poum-wërah-mei- star (abietarius) mons. 321. eigentlich faber lignarius, vgl. wërc-meistar (faber) T. 78. trev. 42 b ; mhd. kar-frî-tac Parc. 108 c ; nhd. gold-berg-werk, kirsch-lor-beer, hof-silber- schmid, hof-mar-schall, hof-küchen-meister, stadt-vieh-hirt, stadt-bau-meister, rhein-schif-fahrt; hierher auch die adj. verstärkungen wie funkel-nagel-neu, splitter-fasel-nackt etc. β ) compositum und simplex; dieser gibt es weit meh- rere: ahd. ê-wart-tuam (sacerdotium) K. 55 b ; heri-ginôƷ- scaf (contubernium); puoh-stap-zîla (chirographum) hrab. 965 b ; wî-rouh-faƷ mons. 331; suoƷ-stanch-përg (liba- nus) N. 91, 13; sito-vang-irre (schismaticus) N. 22, 4; manac-falt-lîh, gota-chund-lîh (divinus), kipûr-scaf-lîh (domesticus) ker. 48. und ähnliche adj. Mhd. krân-wit- stûde (juniperus) Rud. weltchr.; blî-ërz-bërc Frib. Trist. Nhd. heidel-beer-staude; holz-apfel-baum, kern-obst-baum, III. decomposita. maul-beer-baum; butter-milch-faß, brant-wein-faß; win- ter-land-schaft, hof-diener-schaft, land-stand-schaft; du- del-sack-pfeifer; treib-haus-wärme; nuß-baum-holz; geiß- blatt-laube; schorn-stein-feger, rauch-fang-kehrer; hand- schuh-macher; schuh-macher-meister; schnell-wag-balke; her-berg-vater; reh-bock-leder; feder-wild-bret, roth- wild-bret; groß-her-zog u. a. m. Anmerkung: zwischen beiden arten findet im nhd. ein unterschied in der betonung statt, nämlich die unter α . accentuieren das mittlere wort stärker, die unter β . gerin- ger; man vgl. stádt-vìeh-hírt (viehhirt im dienste der stadt) mit féder-víeh-hírt (der das federvieh hütet) oder góld- bérg-wérk mit góld-bèrg-réise (reise in den goldberg); góld- fínger-ríng mit góld-fìnger-ríng. Hängt hiermit zusammen, daß es ahd. puoh-stap-zîla und nicht puoh-stapa-zîla heißt? 2) gemischte decomposita; von den übrigen uneigentli- chen sondere ich die partikelcomposita. a) nomina, das erste eigentlich, das zweite uneigent- lich componiert, und wiederum α ) simplex und compositum, ein seltner fall, z. b. nhd. grenz-wirts-haus (das wirtshaus an der grenze) land-brunnen-meister (der brunnenmeister für das land); aus der frühern sprache gar keine beispiele, eben weil die uneigentlichen composita zu wenig befestigt sind, als daß sie sich vornen eigentlich zusammensetzen könnten. β ) compositum und simplex; nhd. abend-sonnen-strahl, winter-sonnen-schein, buch-finken-nest, turtel-tauben-seuf- zer, nachti-gallen-schlag, hand-werks-mann, vater-lands- liebe, land-friedens-bruch, kuh-blattern-impfung u. a. m., die zu beurtheilen sind wie sonnen-strahl, finken-nest, friedens- bruch, es tritt nur in der eigentlichen composition die nähere bestimmung hinzu. Die ältere sprache kennt solche decomposita noch nicht, sondern das erste eigent- liche comp. steht im gen. frei voraus, z. b. mhd. âbent- sunnen schîn MS. 2, 135 a minne-mangels nôt Parc. 52 c (oder auch minne mangels nôt) her-berge stat Parc. 162 a sporn-gruoƷes pîn Parc. 42 a eiter-wolves zan Parc. 61 b . Anmerkung: auch hier im nhd. der vorhin gezeigte unterschied der betonung: wirts in grenzwirtshaus ist stärker betont, als werks in handwerksmann. Zuweilen aber mag zweifelhaft sein, wohin das decomp. gehört, unter α oder β , z. b. abendsonnenschein bedeutet entw. sonnenschein am abend oder schein der abendsonne und in diesem fall hat sonnen einen geringern accent. So könnte auch unter grenzwirtshaus das haus des grenz- III. decomposita. wirts gemeint werden, und dann bekommt wirts den ac- cent von werks. b) nomina, das erste uneigentlich componiert, das zweite eigentlich, α ) simplex und compositum; nhd. esels-kinn-backen, reichs-hof-rath, reichs-feld-herr, landes-herr-schaft, lan- des-haupt-mann, himmels-schlüßel-meister, teufels-fuß- tritt, kriegs-schau-platz, stimmen-mehr-heit u. a. m. Frü- her steht der gen. ungebunden z. b. swînes rücke-hâr Parc. 75 c , doch könnte er gebunden sein in dem nom. pr. katzen-elnbogen MS. 1, 127 a vgl. eln-bogen, ellen-bogen MS. 1, 102 a . Los im ahd. sunnûn sëdal-ganc (solis occa- sus) oder im mhd.: des alters tage-menege (Rud. weltchr.). β ) compositum und simplex; nhd. gänfe-leber-pa- stete, namens-vetter-schaft, todten-hof-mauer, todten- sarg-träger, wirts-haus-garten u. dgl.; ältere beispiele fehlen. Anmerkung: der accent des zweiten worts wie bei 1. und bei 2, a. c) uneigentliche partikelcomposition neben eigentlicher nominalcomposition; zwei fälle, α ) die partikel in der mitte, d. h. das eigentlich componiert werdende nomen an der spitze. Solcher de- composita gewährt schon die alte sprache; das mit der part. zusammengesetzte nomen wird wie ein einfaches behandelt und eigentlich componiert. Hauptsächlich kommt hier die part. ga- in betracht: goth. aglϡit-ga- stalds; ahd. hûs-ki-nôƷ, horn-gi-bruader, heri-ki-rit (equi- tatus) jun. 203. liut-ke-semini jun. 199; alts. muod-gi- thâht, briost-gi-thâht, hëlm-gi-trostëo; ags. vuldor-ge- stëald, lîf-ge-scëaft, botl-ge-strëón, folc-ge-môt, bëód- ge-neát, hond-ge-mæne; mhd. her-ge-nôƷ, swërt-ge-nôƷ, hûs-ge-nôƷ, houbet-ge-want, bein-ge-want, hant-ge- tât, schilt-ge-spenge, pfert-ge-reite, hove-ge-sinde, kiel- ge-sinde, tôt-ge-var; nhd. zell-ge-webe, tisch-ge-noß, schlaf-ge-sell, hand-ge-mein, angst-ge-schrei und viele ähnliche. Das ge- kann hier in der regel vor dem letz- ten nomen gar nicht entbehrt werden und bloß die nord. mundart, der es gebricht, hat keine solche decomposita. Seltner nimmt bi- die mitte ein; ahd. lant-bi-kengëo hrab. 967 a accar-bi-gengiro T. 161, 1; ags. ëorð-be-genga, land-be-genga; nhd. grund-be-griff, haupt-be-weis, that- be-stand und dgl. Andere partikeln an dieser stelle zeigt wohl nur die heutige sprache und meist sind die compo- sita von verbis abgeleitet, z. b. erb-ver-brüderung, pflicht-ver-letzung, pflicht-über-treter, kreuz-ab-nahme, III. decomposita. blitz-ab-leiter, dienst-ent-laßung, haupt-an-siedelung, feind- aus-treiber u. a. m. β ) die partikel vorn, und zwar wiederum entw. sim- plex und compositum (d. h. so, daß die partikel zu einem bereits vorhandnen eigentlichen comp. tritt): hierher ge- hört vorzüglich die zusammensetzung mit dem privativen un- , schon in der ältesten sprache, z. b. goth. un-handu- vaúrhts (non manu factus); ahd. un-dôt-heit (immortali- tas) N. 37, 5. un-lida-weih (inexplicabilis) hrab. 967 b un-sca- ma-haft ker. 172. un-mana-lômi, un-mana-heitîc (immanis) ker. 158; mhd. un-ende-haft, un-wandel-bære; nhd. un-räth- lich, un-sterb-lich, un-glaub-haft, un-wandel-bar etc.; schwerlich steht eine andere partikel auf diese weise, außer im nhd. vor zusammengesetzten verbis und deren ableitungen, z. b. be-rath-schlagen, be-rath-schlagung, ver-hand-reichen, ver-hand-reichung. Oder compositum und simplex, d. h. ein mit der partikel bereits verbund- nes nomen bindet sich aufs neue und eigentlich mit ei- nem andern, z. b. ahd. ca-nôƷ-scaf ker. 9. widar-mëƷ- gëba (repensatio) hrab. 964 a ca-zëlt-stëcho (paxillus) hrab. 971 b un-nuzi-trago (nugigerulus) hrab. 965 a be-neim-scrift (testamentum) N. 49, 5; mhd. ur-sprunc-brunne Barl. ge-fuoc-heit, ge-selle-schaft; nhd. ge-winn-sucht, ge-walt- haber, be-reit-schaft, ver-satz-brief, em-pfang-schein, ver-wandt-schaft, ver-nunft-schluß, unter-schied-lich, un-wahr-heit und viele ähnliche. Das zweite wort wird im letzten fall wieder schwächer accentuiert, als im er- sten, vgl. z. b. un-wahr-heit mit un-glaub-haft. 3) decomposita beidemahl uneigentlich, a) nomina miteinander: nhd. bundes-tags-sitzung, reichs-fahnen-träger, reichs-tags-schluß, manns-hemds- ermel und dergleichen, die man wohl bilden kann, die aber nicht sehr gebräuchlich sind. In der frühern sprache ist an keine solche zusammensetzung zu denken, die ge- nitive stehen sich ungebunden zur seite z. b. mhd. wîbes ougen sueƷe, wîbes hërzen suht Parc. 2 a ërden wunsches solt Parc. 76 b (vgl. ërden wunsches überwal 56 c ) frou- wen lônes laƷ Parc. 80 c der minnen gëltes lôn Parc. 6 a der gotes gnâden tou Barl. 350, 40. gotes muomen barn mus. 2, 43. daƷ Etzeln vîende wueten kl. 3087. oder ahd. thaƷ gotes hûses lachan O. IV. 33, 66. wintes brûtî lê- wes O. V. 19, 54. höchstens dürfte in einigen dieser bei- spiele zwischen den beiden vordern genitiven ein nähe- res band angenommen werden (gotes-muomen barn, wintes-brûtî lê). Auffallend ist das nhd. mutter-gottes- III. decomposita. bild, nämlich wir sagen auch im nom. etc. mutter-gottes, der nachgesetzte genitiv hat sich hier ausnahmsweise mit dem ohnehin im sg. unveränderlichen mutter componiert. b) nomen und partikel, z. b. nhd. lebens-be-schrei- bung, sonnen-unter-gang, frühlings-an-fang, reichs-ab- schied, landes-ver-ordnung, kriegs-er-klärung, bluts-ver- wandt, rechts-wohl-that und eine menge ähnlicher; eben- so mit vorstehender partikel: ab-schieds-tag, ge-richts- herr, vor-raths-kammer etc.; mhd. und ahd. geht der gen. ungebunden voraus, sei nun die partikel ihm oder dem regierenden nomen anhaftend. c) zwei partikeln hintereinander; dieser schon in der alten sprache häufige fall fordert genauere abhandlung. α ) vor nominibus treffe ich sie gleichwohl im goth. noch gar nicht an; wenn man auch dis in du-us auflösen darf, so ist dis-taheins (dispersio) Joh. 7, 35. nichts als bloße ableitung von dis-tahjan (vgl. s. 724.) und uf-ga- kunþs hat sonst bedenken (s. 771.). Im ahd. tritt vor composita mit gi- zuweilen eine weitere partikel, vgl. ana-ga-trip (impulsus) emm. 405. upar-ca-huct (superstitio) upar-ca-noac (s. 772.) nâh-ki-pûr (finitimus), nicht aber vermag gi-, oder gar â-, pi-, fir-, vor eine andere par- tikel zu treten, neuer grund zur verwerfung von â-p- anst (s. 705.) g-â-screcchi (s. 706.) g-ana-erbo (s. 753.) und zur annahme von ap-anst (s. 708.) gâ-screcchi, gan- erbo. Decomposita mit den übrigen partikeln fehlen, abgesehen von un- , das (wie in allen dialecten) vor com- ponierte, wie vor einfache nomina tritt: un-ana-sihtig N. Cap. 162. (mehr beispiele s. 779.). Ags. vor ge- : and- ge-lôma (s. 715.) ofer-ge-dyre (superliminare) ofer-ge- vëorc (opus supernnm) ofer-ge-nyhtsum (superabundans). Mhd. vor ge- und ver- : an-ge-siht, in-ge-sinde, ûƷ-ge- sinde, über-ge-nôƷ, zuo-ver-siht. Nhd. vor unbetonten ge- , be- , ver- , ent- : ab-ge-sang, ab-g-unst, aber-g-laube, an-ge-binde, an-ge-nehm, an-ge-sicht, aus-ge-burt, bei- ge-schmack, nach-ge-schmack, nach-ge-burt, vor-ge- birg, vor-ge-fühl, über-ge-nug, zu-ge-müs, wieder-ge- burt; an-be-ginn, an-be-tracht, vor-be-richt, vor-be-halt, in-be-griff; zu-ver-sicht, nach-ver-lust; auf-ent-halt u. a. m. Selten, wenn die zweite partikel lebendiger und betont ist: mit-vor-mund. β ) vor verbis; hier ist zweierlei zu unterscheiden 1) die vier untrennbaren be- , er- , ge- , ver- (nicht aber ent-, zer-) können die vorderstelle einnehmen, wenn verba aus componierten nominibus gebildet werden. III. decomposita. Folglich lauter schwache verba. Kein goth. beispiel, man müste denn ga-ga-máinjan (vgl. s. 838.) rechtfertigen. Ahd. g-â-wiccôn (exorbitare) mons. 376. ki-ant-heiƷôn ker. 175. ge-ant-wurten N. Bth. 247. ki-pi-heiƷôn (conjurare) jun. 191. ki-un-frewan jun. 195. ki-un-stillên (quiescere) K. 47 a ke-um-muaƷôn K. 48 a gi-um-magên (dejici) mons. 324. ge-under-skeitôn N. Bth. 36. chi-sora-bodôn (praenun- tiare) J. ge-vure-vangôn N. Bth. 270; pi-un-chuskan (con- taminare) ker. 264; ir-un-ganzên (emarcescere) mons. 342. vielleicht er-ur-erban (exheredare) K. 17 a (oben s. 830.) in dem sich die doppelte anwendung derselben partikel etwa wie im goth. ga-ga-máinjan verhalten könnte? Unvollstän- dig sind alle belege, die bloß das ge- im part. praet. gewäh- ren, z. b. ki-kagen-mâƷit (comparatus) fr. or. 2, 942. gi- bi-smërôt O. IV. 23, 12. Mhd. ge-ane-gengen MS. 2, 123 b ge-ant-wurten Barl. ge-für-koufen Bert. 13. ge- un-êren, ge-un-sinnen Trist. etc. er-ite-niuwen Nib. Nhd. sind die mit ge- veraltet, dagegen gibt es ihrer mit be- und ver-, die früherhin fehlen: be-mit-leiden, be-vor-munden, be-vor-worten (hierher auch be-g-leiten, be-g-lücken?); ver-ab-reden, ver-ab-schieden, ver-an-stalten, ver-ant- worten, ver-ge-wissern, ver-ge-sellschaften, ver-gegen- wärtigen, ver-un-ehren, ver-un-zieren u. a. m. Vor com- ponierten starken verbis erscheinen be- und ge- äußerst selten: pi-ki-nuac (corrodit) jun. 176. warum aber pi- chnegit jun. 199. statt pi-ki-negit? vgl. ge-nuoc (rodebat) MS. 2, 228 b und altn. g-naga (rodere); bi-fora-singan (praecinere) J. 377. (oder ist bi-fora hier loses adv.?); ki-untar-sceidan (distinctum) jun. 201. — 2) ist die vor- dere partikel trennbar, oder sind es beide, so müßen zur beurtheilung der wortbildungen, nach verschiedenheit von zeit und mundart, dieselben rücksichten genommen werden, die ich s. 870. ff erörtert habe. Im nhd. wird daher bald der einen, bald beiden partikeln nachsetzung gebühren, z. b. ab-ver-langen, vor-be-halten, auf-er-stehen, auf-er- bauen, ein-ver-leiben, mit-ent-behren; ich ver-lange ab, be-halte vor, er-stehe auf, ver-leibe ein, ent-behre mit; mit-an-stehen, mit-ein-stehen, vor-bei-gehen, hin-aus- jagen; ich stehe mit an, mit ein, gehe vorbei, (hier scheint die zus. setzung zwischen beiden partikeln erfolgt,) jage hinaus. Mhd. ist alles trennbare, so oft es vorsteht, ab- gesetzt zu schreiben, z. b. abe ge-nagen Barl. 119. vor ge-las Barl. 191. 350. für ge-leiten (proponerent) Barl. 24. ûf er-haben Barl. 308. an ge-tragen Nib. 3506. an ge-sëhen Nib. 4325. ab ge-bant Nib. 8558. an er-streit N n n III. decomposita. Barl. 217. hin ver-triben Jw. 1986. abe er-dröuwen Bert. 182. an er-lachete Mar. 113. an er-storben Ernst 3966. an er-liegen Rav. 308. an ge-viengen Parc. 118 b ab er-vaht Parc. 31 a hërab ge-zwicken Parc. 37 c ab ge-zôch Parc. 192 a abe ver-stoln MS. 2, 152 b abe ge-zalt MS. 1, 60 b abe ge-gân MS. 1, 96 a în ge-bogen Parc. 140 a în ver-lâƷen Parc. 44 b MS. 1, 90 b umbe be-ligen fr. bell. 26 b umbe be-habet ibid. 47 b ûf er-born Wh. 2, 203 b ûf er-stân troj. 4 b ûf er-runnen Mar. 189. ûf ent-haben Parc. 147 a ûf ent-slôƷ Parc. 123 a ûf ge-erbet Parc. 72 b hinûf er-strîten Parc. 161 b ûƷ er-kant kl. 378. ûƷ er-korn Trist. 7743. ûƷ er-kôs Wh. 2, 82 a ûƷ er-reden Ulr. Trist. 2059. ûƷ er-jëten Wh. 1, 20 b ûƷ er-weite Mar. 199. ûƷ ge-trët 32 b ûƷ er-komen Parc. 131 a ûƷ er-twingen Trist. 17923. ûƷ ver-stëln Bit. 11 a u. a. m. — Fürs ahd., ohne trennbarkeit der vordern partikel völlig abzuleugnen, scheint gleichwohl nöthig, die wichtigsten decompositions- formeln aufzuzählen: [ ana-ir- ] mir ist kein beispiel be- wußt; nach den ags. on-â- und selbst den mhd. und nhd. an-er- laßen sich mehrere denken. [ apa-ir- ] apa-ir-chu- kit (decollatum) ker. 93. aba-er-sluog (abscidit) N. Bth. 211. 229. vgl. ags. of-â-slëan. [ avur-ar- ] avur-ar-haban jun. 248. [ fram-ar- ] fram-ar-hlotan (propagatus) jun. 222. hrab. 972 a . [ ûf-ar- ] ûf-ar-rihtit (praeerectus) emm. 406. ûf-er-rihtet N. Bth. 262. vgl. ûf-ir-rihteda N. 138, 2. ûf-er-recchen N. Bth. 258. ûf-er-purit (sublatus) mons. 342. ûf-ar-sciuƷit (ebullit) emm. 410. ûf-ar-steig (ascen- dit) T. 14, 3. (in directer rede). [ ûƷ-ar- ] ûƷ-ar-drewen N. Bth. 90. ûƷ-ar-duƷun (emergebant) jun. 203. ûƷ-ir- prihhit (erumpit) ker. 102. ûƷ-ar-pulzit (ebullit) emm. 410. ûƷ-er-tribut (expulistis) jun. 203. ûƷ-ar-welzit (eru- tus) jun. 204. ûƷ-er-wintan (extorquere) mons. 327. 388. ûƷ-ar-worphan (ejectus) T. ûƷ-er-wurzellôn N. Bth. 38. [ zuo-ar- ] zua-er-fultiu (adimpleta) K. 24 a zuo-ir-piotan (accommodare) mons. 354. [ ûƷ-int- ] ûƷ-in-prëstan (emer- gere) mons. 375. (fructuare? wohl eructare) mons. 355. ûz-an-prëstan (ebullire) mons. 362. für ûƷ-in-?, oder ûƷ- ar-? oder vom adv. ûƷân, ûƷana? [ ana-pi- ] nach dem ags. on-be- und dem nhd. an-be- (an-be-fehlen) zu er- warten. [ umpi-pi- ] umpi-pi-drungan (constipatus) hrab. 956 b umpi-pi-halsit (circumplexus) ibid. umpi-pi-hekit (circumseptus) ibid. umpi-pi-habêt (circumdatus) ker. 63. umbi-bi-gâbun (circumdederunt) T. 134. 200. umpi-pi- quëman (circumventus) ker. 63. sih umbi-bi-sähun O. I. 22, 38. umpi-pi-selit (circumdatus) hrab. 956 b umpi-pi- III. decomposita. faran (collustrare) hrab. 957 b umpi-pi-tân (circumdatus) ker. 248. [ zuo-pi- ] zuo-pi-tuon (comprimere) doc. 246 b . [ apa-fir- ] aba-fur-houwan (excisus) T. 41, 7. apa-far- meiƷan (truncare) emm. 409. apa-far-mêƷ (amputavi) hrab. 952 a apa-fir-prohhan mons. 342. apa-far-scutit emm. 409. [ in-fir- ] in-fer-lâƷen N. Cap. 72. 73. in-fer-slunden N. Bth. 109. [ ûf-fir ] ûf-fir-hapanî (assumtio) mons. 348. es scheint unnöthig ûf-ir- zu emendieren. [ ûƷ-fir- ] ûƷ-far- dewit (egestus) jun. 204. ûƷ-fir-lâƷan (effusus) mons. 343. ûƷ-fër-treip (abigebat) jun. 234. Häufig steht auch gi- als zweite partikel, allein dîe belege fürs partic. praes. (s. 888.) und selbst das praet. ind. beweisen aus der be- kannten ursache nicht die wirkliche composition und die erste partikel scheint hier auch sonst loser, vgl. fram gi- gieng T. 2, 2. mit: gi-gieng fram T. 7, 9. fram ki-wîsên (provocent) K. 38 b ûƷ ke-lîdet K. 47 b zua ka-reigôtîn (attingerent) jun. 195. hintar gi-chêrrent (depravant) mons. 369. ûƷ gi-winnan (evellere) mons. 333. etc. Daß aber in den vorausgeschickten formeln apa-, ûf-, ûƷ-, zuo- fester an den untrennbaren ar, fir, int; umpi- fester an dem untrennbaren pi haften, bestärkt sich auch durch das allmählige verschwinden und aussterben derselben formeln. Ein nhd. ab-er-, zu-er-, aus-ver-, um-be- sind ganz unerhört; im ahd. gebrechen formeln goth. und ags. decomposita; die ahd. mundart hält also wieder- um mitte zwischen der größeren gefügigkeit solcher zu- sammensetzungen im goth. und ags. und der größeren trennbarkeit der partikeln im nhd. und mhd. Im ags. und goth. kann auch eine trennbare partikel die zweite stelle einnehmen, namentlich ät-, at-, wie sich das ahd. aƷ- nicht gebraucht findet. — Ags. formeln: [ in-â- ] in- â-faran (introire) in-â-sendan (immittere). [ of-â- ] of-â- beátan (excutere) of-â-ceápjan (redimere) of-â-cëorfan (exscindere) of-â-dôn (amputare) of-â-drîfan (expellere) of-â-drincan (ebibere) of-â-heávan (exscindere) of-â-hla- dan (exhaurire) of-â-lædan (educere) of-â-niman (auser- re) of-â-pluccjan (excerpere) of-â-scëacan (excutere) of- â-sëóðan (excoquere) of-â-slëán (amputare) vgl. ahd. apa- ir-slahan, of-â-snîðan (amputare) of-â-syllan (tradere) of-â-tëón (auferre) of-â-vëorpan (projicere) of-â-vringan (extorquere). [ on-â- ] on-â-fästnjan (infigere) on-â-gëótan (infundere) on-â-heávan (incidere) on-â-rîsan (insurgere) on-â-scëacan (incutere) on-â-sendan (immittere) on-â- settan (imponere) on-â-slîdan (illabi) on-â-vëorpan (inji- cere) on-â-vinnan (impugnare). [ tô-â- ] tô-â-lætan (re- N n n 2 III. decomposita. laxare) tô-â-sendan (admittere) tô-â-settan (apponere) tô- â-spanan (allicere) tô-â-vyltan (advolvere). [ up-â- ] up- â-bëran (sursum ferre) up-â-brëcan (erumpere) up-â- brëdan (eripere) up-â-bräd Beov. 192. up-â-dëlfan (effo- dere) up-â-dôn (levare) up-â-gân (oriri) up-â-hefan (le- vare) nhd. auf-er-heben, up-â-hafen (elevatus) Beov. 12; up-â-hangan (suspendere) up-â-lûcan (eruere) up-a-rec- can (erigere) up-â-rîsan (surgere) up-â-sittan (surgere, se erigere) up-â-springan (oriri) up-â-sprŷtan (germinare) up-â-standan (surgere) up-â-stîgan (ascendere) Beov. 104. ahd. ûf-ir-stîkan, up-â-stâg (ascendebat) Beov. 61. up-â- tëón (educere) nhd. auf-er-ziehen, up-â-þenjan (exten- dere) up-â-vëallan (ebullire) up-â-vendan (sursum ver- tere). [ ût-â- ] ût-â-bërstan (erumpere) ût-â-blâvan (ef- flare) ût-â-brëdan (auferre) ût-â-cuman (foras venire, pe- regrinari) ût-â-dëlfan (effodere) ût-â-dôn (eruere) ût-â- drifan (expellere) ahd. ûƷ-âr-trîpan, ût-â-faran (egredi) ût-â-flëón (effugere) ût-â-gân (egredi) ût-â-gëótan (effun- dere) ût-â-lædan (educere) ût-â-lŷsan (redimere) ût-â- scëótan (jacula eruere) ût-â-tëón (extrahere) ût-â-vëor- pan (ejicere) ût-â-vëallan (ebullire). [ on-ät- ] on-ät-ŷvan (apparere). [ tô-ät- ] tô-ät-ŷcan (superaddere). [ up-ät- ] up-ât-bëran (adferre) Beov. 41. up-ät-bërstan (prorum- pere). [ in-be- ] in-be-lædan (introducere) in-be-slëán (com- pungere) in-be-vunden (involutus). [ on-be- ] on-be-cû- man (evenire) on-be-dippan (intingere) on-be-fëaldan (implicare) on-be-fëallan (incidere) on-be-hleápan (insi- lire) on-be-lædan (inducere) on-be-sceávjan (inspicere) on-be-sendan (immittere) on-be-settan (imprimere) on- be-slëán (incutere) on-be-stungen (compunctus). [ tô-be- ] tô-be-cûman (advenire) tô-be-fëaldan (applicare) tô-be- gitan (acquirere) tô-be-gŷman (attendere). [ up-be- ] up- be-sëón (suspicere) up-be-stælan (subducere se?). [ ymbe- be- ]? kein beispiel. [ up-for- ] up-for-lætan (deducere) Cädm. 53. [ ût-for- ] ût-for-lætan (dimittere) ahd. ûƷ- fir-lâƷan. [ ût-oð- ] ût-oð-bërstan (erumpere) ût-oð-flëón (aufugere) ût-oð-rêvan (eremigare). Von den geläufigen formeln mit ge- (in-ge-, on-ge-, up-ge-, ût-ge-, ymbe- ge-) erlaße ich mir die beispiele. — Gothische partikel- decompostta: [ miþ-ana- ] miþ-ana-kumbjan ( συνανακεισ- θαι ) Matth. 9, 10. Luc. 14, 10. [ du-at- ] du-at-gaggan (accedere) Matth. 8, 19, 25. du-at-ïddja Matth. 8, 5. 9, 28. du-at-rinnan (accurrere) Marc. 10‘ 17. du-at-snivun (appulerunt) Marc. 6, 53. [ ïnn-at- ] ïnn-at-baíran (in- ferre) Luc. 5, 18, 19. ïnn-at-gaggan (introire) Matth. 8, III. decomposita. 20. Luc. 7, 45. 14, 23. ïnn-at-tiuhan (introducere) Luc. 2, 27. [ us-at- ] diese bloß mit us-at-bêrun (obtulerunt) Matth. 9, 2. belegliche formel hat bedenken und verstößt wider die sonstige analogie, wonach kein us- (ahd. ir-, ags. â-) vor andern mit verbis zus. gesetzten partikeln stehen darf (wiewohl vor verbis, die aus nomin. geleitet werden, s. 919.); freilich scheint das goth. us- noch trenn- barer, als das ahd. ir- und ich wage nicht die emenda- tion ut-at-bêrun vorzuschlagen. [ faúr-bi- ] faúr-bi-gaggan (praeire) Marc. 10, 32. 16, 7. (in letzterer stelle lesen ei- nige ausgaben faúr-at). [ miþ-fra- ] miþ-fra-hunþans (si- mul captus) Philem. 5, 23. [ aftra-ga- ] aftra-gabôtjan (resarcire) Marc. 9, 12. aftra-ga-satiþs (restîtutus) Marc. 8, 35. [ at-ga- ] at-ga-háusjan Luc. 19, 11. at-ga-raíhtjan (corrigere) Tit. 1. 5. [ du-ga- ] du-ga-saíhvan (intueri) Marc. 10, 14. [ faúra-ga- ] faúra-ga-mêliþs (praescriptus) Rom. 15, 4. faúra-ga-taíh (praedixi) Marc. 13, 23. [ ïnn- ga- ] ïnn-ga-leiþan (introire) Matth. 7, 13. viþra-ga-môt- jan (occurrere) Joh. 12, 13. [ miþ-ïnn- ] miþ-ïnn-ga-leiþan (simul introire) Joh. 18, 15. [ miþ-us- ] miþ-us-hramiþs Matth. 27, 44. miþ-us-keinan Luc. 8, 7. [ ut-us- ] ut-us- ïddjêdun (exierunt) Matth. 9, 32. Dagegen mangeln bei- spiele der formeln af-faír-, ut-faír-, du-bi-, af-us-, ana- us-, du-us- (vgl. dis-), ïup-us-. Die partikel ut und ïnn erscheint übrigens trennbar und tritt oft hinten hin: us-gaggands ut Luc. 15, 28. saei ïnn ni at-gaggiþ Joh. 10, 1. (mehr belege oben s. 899.) oder wird vor die prae- position gestellt: us-gagg ut us þamma Marc. 1, 25. — Altn. decomposita, im linn der goth. ahd. ags., gibt es nicht, und viele der angeführten formeln sind schon dar- um unstatthaft, weil diese mundart keine untrennbaren partikeln vor verbis besitzt. Um und of , die in der Edda oft zwischen verbis und andern partikeln stehen, gelten lieber für getrennt in beispielen wie: fram um sêr 176 b ût um kominn 184 b und dergl.; uppâ-leggja (imponere) ist zwar doppelt zusammengesetzt, allein schon in der partikel selbst (upp-â) und wäre ags. uppon-lecgan, durch- aus nicht up-â-lecgan. Nicht anders beurtheile man das dän. paa-lägge (s. 917.). — II. mehr als drei wörter zusammengesetzt, laßen sich aus unserer alten sprache, ohne daß partikeln im spiele wären, gar nicht vorweisen. Erst im nhd. finden sich zu- weilen solche decomposita: erd-beer-kalt-schale, kirsch-lor- beer-waßer, ober-berg-haupt-mann, rhein-schif-fahrts- central-commission, general-feld-zeug-meister, ober-hof- III. decomposita. mar-schall-amt, geschmacklose unformen, deren die poesie und reine prosa enträth; bei adj., welche titel enthalten, steigt die canzleisprache bis zur verbindung von funf, sechs und mehr wörtern, vgl. könig-lich-nieder-ländisch, groß-her-zog-lich-meklen-burgisch u. dgl.; erträglich wird die wortbildung, wenn eine uneigentliche composition darunter ist, z. b. geruch-sinns-werk-zeug, stein-kohlen- berg-werk, abend-sonnen-licht-meer, sie zerfällt dann dem gehör und der aussprache in zwei theile, wie sie in der frühern sprache geschieden waren. Partikeln mit eingerechnet hat schon im goth. und ahd. die häufung von vier wörtern kein bedenken, z. b. ga-liuga-veid- vôdjan, miþ-ïnn-ga-láiþ, un-ër-rahhôt-lîh K. 16 a unki- tholênt-lîh ker. 170. fora-ke-sëhant-lîh K. 22 b und so im nhd. häufig z. b. un-wider-sprech-lich, geistes-über- legen-heit, güter-ge-mein-schaft, selbst-aus-er-sonnen, al- ler-auf-ge-blasenster, un-sterb-lich-keit. Aus fünfen be- steht un-ver-ant-wort-lich, aus sechsen un-ver-ant-wort- lich-keit, worunter freilich drei partikeln. Manchmahl hat sich auch in einem theil der zusammensetzung das ursprüngliche verhältnis verdunkelt und wërald-chi-wal- dida (seculi potestas) J. 404. wëralt-ge-garawi franc. 19. nhd. welt-ge-pränge, un-bieder-keit können nur für zweifach componiert genommen werden, da sie es drei- fach sind, sobald man welt und bieder in wër-alt, bi- dërbe auflöst. Anmerkung: da, wie gesagt ist, jedes decompositum ungleichzeitig, nicht in einem act gebildet wird, so kann und muß es seinem letzten act gemäß als ein einfach zu- sammengesetztes wort betrachtet werden, dessen zweiter theil die hauptsache, dessen erster theil die bestimmung enthält (s. 407, α ). Sei nun der erste theil an sich einfach und der zweite componiert, oder der erste componiert und der zweite einfach, oder jeder von beiden zusammengesetzt. Es kommt bloß auf die zu- letzt bewirkte verbindung an: berg-hauptmann, kehl- buchstab, vor-gefühl; schuhmachers-frau, hauptmann-schaft, heraus-tritt; schlafkammer-thürhüter, kaiserlich-königlich, gewitter-ableiter; un-wiederherstellbar, un-absehlich; schwefeldampfbade-anstalt. §. 6. unflexivisches compositions-S. I) die nhd. sprache gebraucht zur verbindung gewisser weiblicher nominum den buchstaben -s in folgenden fällen: III. unflexivisches compositions-S. 1) bei den einfachen wörtern acht, hilfe und liebe: achts-erklärung, achts-leute (Haltaus), achts-proceß; hilfs-armee, hilfs-corps, hilfs-truppen, hilfs-völker; lie- bes-abenteuer, liebes-apfel, liebes-brief, liebes-eifer, lie- bes-flamme, liebes-geschichte, liebes-gott, liebes-mahl, liebes-noth, liebes-pfeil, liebes-qual, liebes-regung, liebes- zeichen. Im gemeinen leben hört man auch mieths-leute, mieths-mann f. mieth-leute, mieth-mann, von dem fem. miethe und frauens-leute, frauens-person (von frau) ist in die schriftsprache aufgenommen worden. 2) bei den zusammengesetzten auf t auslautenden: an- dacht, nothdurft, einfalt, -fahrt, geburt, geschichte (für geschicht, 1, 700.), heirath, -nacht, -sicht, -schrift, -welt, -zeit: andachts-übung, nothdurfts-fall, heiraths-gedanken, einfalts-pinsel, wohlfahrts-ausschuß, rheinschiffahrts-com- mission, himmelfahrts-tag, ausfahrts-tag, geburts-fest, ge- burts-tag, geburts-stunde, geburts-wehen, geschichts- freund, geschichts-erzählung, sommernachts-traum, weih- nachts-abend, vorsichts-maßregel, rücksichts-los, vor- schrifts-mäßig, allerwelts-narr, hochzeits-fest, -tag, -ge- dicht, mahlzeits-stunde und einigen ähnlichen mehr. Auch die scheinbaren composita arbeit und armuth gehören hierher: arbeits-lust, armuths-plage (vgl. armuths halber); gewöhnlich geht dem t noch ein andrer consonant vor- aus, namentlich ch (früher h) und f, nur nach der ver- bindung st unterbleibt der compositionsconsonant, z. b. mis-gunst-zeichen. Die simplicia haben ihn ebensowenig, z. b. nacht-zeit, schrift-mäßig, welt-kind, zeit-genoß. Außerdem gibt es fem. auf -cht, -ft, die selbst zusam- mengesetzt seiner entrathen, z. b. unzucht, ohnmacht, un- kraft, mitgift, stickluft, vernunft, denn wir sagen: ver- nunft-mäßig, vernunft-glaube, lebensluft-masse. 3) bei sämtlichen derivatis auf -ung und compositis mit -heit , -schaft: z. b. nahrungs-sorge, hofnungs-voll, hofnungs-los, gewohnheits-mensch, regierungs-rath, zei- tungs-schreiber, freiheits-krieg, wahrheits-liebe, freund- schafts-dienst, verwandtschafts-zeichen. 4) bei fremden sem. auf -ion und -tät: auctions-ca- talog, conventions-geld, compositions-vocal, flexions-fä- higkeit, passions-blume, legations-rath, sanitäts-collegium, societäts-sachen, maturitäts-zeugnis, majestäts-verbrechen. II) geschichte dieser anomalie. Da sich im mhd. keine spur solcher zusammensetzungen findet, so fragt es sich, wann sie zuerst aufgekommen sind? III. unflexivisches compositions-S. a) composita auf täts- , heits- , schafts- treffe ich vor dem 18ten jh. durchaus noch nicht an; statt majestäts- brief bei Frisch 1, 635 c schreibt hundert jahr früher Be- sold majestät-brief. Was Schottel p. 396. von ung be- merkt, führt er p. 382. 363. 345. bei schaft, keit und heit nicht an, ja er gibt p. 382. die decompofita gesell- schaft-leistung, wehrschaft-haltung, freundschaft-bezeu- gung ohne -s, hingegen Frisch 1, 344 c gesellschaftes-rech- nung um so weniger kann ein mhd. gotheits amme g. schm. 293. recht sein (es wäre schon als schreibs. merkwürdig); andere hss. die ich nachgesehen, auch kolocz 293, leseu gotes amme. . b) die auf ions- und ungs- sind älter und bereits im 17. und 16. jh. anzutreffen, doch weniger in der fließen- den prosa, als im canzlei- und geschäftsstil. Der vers. des Simpliciss. braucht sie sehr selten, buch 5. cap. 9. steht vergeltungs-recht. Besold im thesaurus hat ersuchungs- brief, verminderungs-eid, religions-fried, confessions-reli- gion, deputations-tag etc. in dem friedensexecutions-re- ceß von 1649. §. 19. liest man evacuations- und abdan- kungs-termin. Hortleder (repr. Gotha 1645) schreibt p. 1051. einungs-brüchig und häufig: der augsb. confession eini- gungs-verwandte, aber p. 1073. purgation-artikel. Ein Wittenb. 1606. gedrucktes buch von Garthe führt den ti- tel: von dem religions-wesen in Hessen. Schottel p. 396. citiert (meistens aus juristen) ringerungs-sachen, be- harrungs-fall, verminderungs-eid, einbildungs-kraft, nah- rungs-mittel. Um ins 16te jh. zurückzugehen, Fischart, der sonst so gern componiert, enthält sich solcher bildun- gen beinahe, im bienenkorb (also nach 1579.) p. m. 90 b stehet wandlungs-korb; bei Sastrow (herausg. von Moh- nike) schwankend 2, 641. 642. aus-sönungs-gelt, 641. aus- sönung-brief, 2, 558. erledigungs-briefe, 2, 379. 565. 647. religions-vorwanten, 321. religion-sachen, 649. reli- gion-ceremonien, 424. religions- und glaubens-anhengig, 318. 618. 647. confession-vorwanten etc. In den öffentli- chen verhandlungen dieses jh. eine gleich unsichere schreib- art, wiewohl sich auf die genauigkeit des abdrucks in den reichsabschiedssammlungen kaum zu verlaßen ist, der R. J. von 1544. §. 57. liest erinnerungs-schrift; der von 1557. §. 8. in religion- und prophan-sachen, §. 9. hingegen: des religions-artikels. Eine urkunde von 1541. (bei Hortl. p. 1601.) ist unterschrieben: der A. C. einigungs-verwand- III. unflexivisches compositions-S. ten. Es käme darauf an, überall die ältesten abdrücke zu rathe zu ziehen. Die ions- und ungs- scheinen also von den canzleien gegen die mitte des 16. jh. aufgebracht, im 15. waren sie gänzlich unbekannt Bei Luther und H. Sachs, seitdem ich darauf achte, habe ich noch kein beispiel entdeckt. In Luthers bibel steht sicher keins; von fremden wörtern auf -ion braucht er legion, nation (Esth. 6, 8.) denn religion (3. Maccab. 3, 6.) ist nicht von ihm, keins davon aber zu compositis, und die häufigen bildungen mit -ung setzt er, gleich der früheren sprache, (vgl. oben s. 540. 579.) nie zusammen. Er sagt weder nahrung-sorge, versönung-geld, noch nahrungs-sorge, versönungs-geld, sondern sorgen der nahrung Luc. 21, 34. geld der versönung Exod. 30, 16. vgl. tag der versö- nung Levit. 25, 9. tag der erlösung Ephes. 4, 30. oder wenn er componieren will, thut ers verbal, z. b. ver- sön-tag Levit. 23, 28. scheid-brief Deut. 24, 1. Matth. 5, 31. etc. Keine ausnahme macht theidings-leute Exod. 21, 22. da theiding neutrum ist (vgl. Hiob 35, 16. Jerem. 23. 32. Ezech. 22, 28.). c) die unter 2 und 1. genannten einzelnen composita mit -s scheinen mir zwar sämtlich über das 18te jh. hinauszugehen und wenigstens ebenso weit zu reichen, als die auf ungs-, wo nicht zum theil höher hinauf. Ich führe inzwischen nur einige belege auf, und überlaße an- dern sorgfältigere erörterungen, denn manches schwankt auch hier: liebes-zeichen Philand. v. Sittew. liebes-werk Simplic. 1, 488. liebs-regungen ibid. 224. liebes-pfeil, Gry- phius; liebs-gram, -flam, -dank, -zank Fischart Garg. 70 b auf derselben seite aber auch lieb-sigel und 63 a lieb- tränk, so wie Agricola sprichw. 150. lieb-schleg und selbst Besold lieb-tränklein, auch in dem von Besold 1621. her- ausgegebnen Tauler beständig liebe-werk (nicht liebes- werk); geburts-nöthe Simplic. 1, 488. geburts-stund, ge- burtstag Pictorius h. v.; gewährs-mann Frisch 2, 419 c ; andachts-bossen Fischart bienenkorb 52 b , aber geschicht- klitterung; sein witwens-andacht Garg. 73 a gleicht dem nhd. frauens-leute, wofür Sastrow 2, 636. 639. frawes- personen, das mehr plattdeutsch scheint, in Agricolas sprichw. 159. gibt die plattd. ausg. frouwes-namen unde menne, wo die hochd. manns- und weibs-bilder; acht- erklärunge Sastr. 2, 419. 447. 549. achts-erkl. 2, 697; bundts- und hülff-genoßen ibid. 424; hochzeit-gedicht, hochzeit-wunsch, Fleming; faßnacht-spiel H. Sachs. Bei Luther keins von allen solchen compositis mit -s, er sagt III. unflexivisches compositions-S. hochzeit-mahl, hochzeit-leute, aber ungebunden: kuß der liebe 1. Petr. 5, 14. reizung der liebe Hebr. 10, 24. tag der geburt Eccles. 7, 2. Sir. 23, 19. was sich 2. Maccab. 6, 7. findet: geburts-tag, Esr. 2, 62. und Neh. 7, 64. ge- burt-register rührt kaum von ihm her. Neh. 7, 64. liest ed. wittenb. 1535. irer geburt register, ungebunden, in den beiden andern stellen aber wie die späteren ausg. III) beurtheilung. 1) dieses spätere -s ist unflexivisch, denn kein ahd. und mhd. femin. flectiert seinen gen. mehr auf -s. α ) im goth. hat zwar der gen. die endung -s; allein damit kann das nhd. compositions-s durchaus nicht ver- wandt sein, weil sich sonst im mhd. und ahd. gerade die- selben composita zeigen müsten, welche die flexion erhal- ten hätten. Solche composita wären aber nothwendig uneigentliche (genitivische), die im ahd. und mhd. nur ausnahmsweise vorkommen. Das wahre flexions-s gieng vor der zeit unsrer ersten ahd. denkmähler in -r über und erlitt apocope (1, 804. 808.). β ) das nhd. -s in weiblichen eigennamen, z. b. ma- riens, luisens, elisabeths, berthas, (1, 773.) gleicht zwar dem compositionellen in frauens-leute, witwens-andacht, scheint aber selbst neuerung und ist in der älteren sprache nicht nachzuweisen. Veranlaßt sein mag es durch die menge von masc., welche den gen. sg. auf -ens, statt -en flectieren (1, 703.). Und grade in der zusammensetzung wird von jenen namen das -s wieder abgeworfen, z. b. marien-kind, luisen-stift, nicht mariens-kind. 2) wenn also keine weibliche flexion, könnte es viel- leicht mit der männlichen oder neutralen des gen. zusam- menhängen? α ) einige feminina stehen adverbiell indem sie den gen. auf -es nach der männl. oder neutr. form annehmen, namentlich nachts (noctu) mhd. nahtes, ahd. nahtes; ein nom. der nacht oder ein andrer casus mit mäunlichem artikel ist unerhört. Daß aber in jenem adv. das subst. die natur des fem. auszieht, folgt aus dem beigefügten artikel: des nahtes: eines nahtes (nicht: der, einer). So steht ahd. undurftes (gratis) N. 119, 7. von dem fem. durft; ags. gevëaldes (sponte) his gevëaldes (sua sponte) von dem sem. gevëald (potestas) und wir sagen nhd. mittwochs (vom fem. woche, freilich wird auch der nom. mittwoch männlich gebraucht) und seits (ex parte.) vom fem. seite, z. b. seits meiner, dies-seits, jen-seits, meiner- seits (worin meiner der gen. des ungeschl. pron. ist, nicht III. unflexivisches compositions-S. der gen. fem. des adjectivischen) und im 17. jh. findet sich auch zeits, z. b. zeits meines lebens, zeits meiner jugend (tempore juv. meae) Phil. v. Sittew. Diese ad- verbia können nun einfluß gehabt haben auf die nhd. composita weihnachts-abend, faßnachts-pretzel, mitt- wochs-abend, nothdurfts-fall, hochzeits-abend? Selblt Luther hat nachts-tropfen Cantic. 5, 2. (so schon edit. 1535.) oder ist es: nachts tropfen? vgl. regens tr. bluts tr. oben s. 614. β ) noch mehr, das sechste cap. dieses buchs wird darthun, daß manche der hier in betracht stehenden fem. früherhin männlich oder neutral gesetzt und flectiert worden sind. So ist nôt bei O. zuweilen masc. zuweilen fem., das einfache rât überall masc., desgleichen das ein- sache bei einigen auch das zus. gesetzte heit (conditio) und selbst an die masc. auf -ung statt -unga (s. 359. 362.) wäre zu denken. Neben dem fem. zît erscheint im ahd. und nhd. das neutrum zît. Die composita heiraths-ver- trag, hochzeits-tag, weisheits-zahn, trauungs-rede ließen sich also aus jenen masc. oder neutr. deuten? Nur be- greift man wieder nicht, warum sie im mhd. mangeln; selbst einen ungebunden vorgesetzten mhd. gen. -unges, oder -heites (abgesehen von der verdächtigen, s. 936. note, beigebrachten stelle) wüste ich nicht aufzuzeigen. Die nhd. composita mit liebes-, der bedeutung nach zu dem sem. liebe (amor) gehörend, wären nicht ohne schein auf das mhd. neutr. liep (res vel persona grata) zurück- zubeziehen, vgl. liebes wân MS. 1, 3 a liebes muot Trist. 1107. (schwerlich liebes liep Am. 11 c 13 a 14 a , son- dern liebeƷ liep?); die gangbaren formeln verleiteten, das verwandte fem. liebe in der zusammensetzung damit zu mischen? Dem sinne nach ist das nhd. liebes-wahn ganz von jenem mhd. liebes wân abweichend. Vielleicht muß auch das nom. pr. liebes-kind (s. 677.) nicht für liebes kind (mhd. liebeƷ) genommen werden, sondern für kind der liebe. γ ) endlich könnte die im nhd. entschiedne neigung ursprünglich weiblicher städte namen, ins neutr. überzu- gehen (1, 777.) angeschlagen werden. Wiewohl keine composita vorkommen und der vorstehende ungebundne gen. (z. b. hamburgs belagerung) ganz etwas anderes ist. 3) die unter 2. versuchte deutung erledigt höchstens einzelne fälle, das ganze bleibt unaufgelöst; außerdem steht ihr entgegen: III. unflexivisches compositions-S. a) das befragte -s, falls aus dem gen. masc. und neu- tr. herzuleiten, würde lauter uneigentliche, genitivische composita anzeigen. Gewöhnlich aber stehen solche zu- sammensetzungen offenbar andern eigentlichen zur seite, vgl. z. b. hofnungs-los, vorschrifts-mäßig, nahrungs-sorge, regierungs-rath, scheidungs-brief, wahrheits-durst, frei- heits-taumel etc. mit geld-los, recht-mäßig, geld-sorge, hof-rath, scheid-brief, blut-durst, fieber-taumel. Hier ist gar kein grund uneigentlich zu componieren; der hauptgrundsatz uneigentl. composition, daß sie aus vor- gesetztem losen casus erwachse, leidet keine anwendung, da nie ein ungebundnes -heits, -ungs stattfindet. b) warum kommt das -s (nach I, 2.) gern hinter zu- sammengesetzten subst. zum vorschein und unterbleibt hinter einfachen? vgl. sommernachts-traum, schlitten- fahrts-beschreibung, mit nacht-traum, fahrt-beschreibung. Ja, ein gleiches verhältnis blickt durch bei zus. gesetzten masc. und neutris, vgl. handwerks-zeug, überrocks-knopf, butterbrots-meßer mit werk-zeug, rock-knopf, brot- meßer. Drückt auch hier das -s etwas anders aus, als uneigentl. composition? 4) es schiene demnach ein für mehrsilbige (abgeleitete und zusammengesetzte) substantiva späterhin nöthig be- fundnes surrogat des compositionsvocals? wie ich es schon oben s. 409. ein analogon desselben genannt habe. Viel- silbige, langschweisige wörter meidet die frühere sprache in composition zu bringen. Wir finden zwar ableitun- gen mit liquidis unbedenklich gebunden, seltner solche mit mutis (z. b. houpit-man), kaum die mit doppelter consonanz vgl. oben s. 540. 579. Als im nhd. diese zu- sammensetzungen nicht länger umgangen werden konn- ten, strebte der sprachgeist, welchem der bindende vocal längst vergeßen war, nach einem andern mittel und er- griff (durch eine menge uneigentlicher comp., vielleicht auch die unter 2. erörterten einzelnheiten darauf geführt) das -s. Wörter wie freundschaft-bezeigung, glückselig- keit-begriff, vereinigung-punct, execution-armee hätten in der theorie für nicht weniger eigentlich zus. gesetzt gelten können, als luft-zug, streit-lust, regen-schirm, fang- spieß. Allein jene waren etwas ungewohntes und um sie in gang zu bringen bedurfte es einer verdeutlichung des acts der composition, wozu man inftinctmäßig das passende -s wählte: freundschafts-bezeigung etc. Das hilfsmittel wurde inzwischen nicht vollständig auf alle fälle angewendet, weil der neuen, halbbewusten sprache III. unflexivisches compositions-S. die naturconsequenz der alten fehlt. Zwei gesichtspuncte leiteten, einmahl die vielsilbigkeit und schwere bewegung des ersten worts, dann sein auslaut auf lingualtenuis, zu- mahl wenn ihr noch ein andrer cons. vorausgeht. Man sagte landungs-armee, landesschuldentilgungs-commission, inquisitions-gericht, wahrheits-liebe, ritterschafts-aus- schreiben, vorsichts-mittel, unterschrifts-prüfung und selbst bei masc. unterrocks-futter, fingerhuts-büchschen (neben hut- futteral); nicht aber königinns-krone, spitzbübins-streich, naturs-beschreibung, partiturs-auszug, parteis-gänger, arzneis-mittel, theologies-professor, harmonies-wirkung, theils weil sich solche wörter gar nicht componieren (krone der königin, prosessor der theologie, wirkung der harmonie) theils in älteren compositis ohne -s gangbar waren (arznei- mittel) theils weil der anstoß des liquiden auslauts an das zweite wort hörbarer war (natur-lehre) als der des stumment (wahrheit-tempel, himmelfahrt-tag) in den meisten fällen ge- wesen wäre. Freilich hätte man auch ohnmachts-wesen, unkrafts-weihe, mitgifts-verzeichnis, sticklufts-bereitung sagen dürfen, wenn hier analogie gälte. Noch weniger gilt sie von den einzelnen einsilbigen fem. (I, 1.) auf an- dere ähnliche, z. b. treus-bruch, salbs-mittel, strafs-ver- fügung statt treu-bruch, salb-mittel, straf-verf., obwohl sie dem liebes-bruch, hilfs-mittel, achts-erklärung glichen. IV) resultat. 1) das unflexivische -s entspricht in bestimmten, kei- ner ausdehnung fähigen fällen dem alten längst vergang- nen compositionsvocal. Bei der vermischung und berüh- rung eigentlicher mit uneigentlicher zusammensetzung (s. 612-615.) ist aber zu erwarten, daß es auch zuweilen uneigentliche comp. ersetzt, folglich dem genitivischen -s der masc. und neutr. zur seite steht. Ein beispiel ist frauens-leute verglichen mit manns-leute und man darf freilich hofnungs-los, -voll, regierungs-rath so gut mit den uneigentlichen freuden-los, kriegs-rath, staats-rath zusammenhalten, als mit den eigentlichen blut-los, rath- los, hof-rath. Aber auch da, wo das -s genitivische kraft hat, verdient es, weil ihm keine organische weib- liche flexion zu grund liegt, unflexivisch zu heißen. 2) ich will nicht leugnen, daß es etwas barbarisches an sich habe. Daher es auch Luthers reinem, edlem deutsch fremd blieb, zu dessen zeit die geschäftsleute ein erstes ungs- nnd ions- gewagt haben mögen. Selbst bei unsern heutigen dichtern wird man nur selten auf die unter I, 2-4. genannten unflexivischen -s stoßen. Sogar III. unflexivisches compositions-S. in feierlicher prosa darf der redner für: die stunde der erbauung, der trost der religion kaum sagen: erbauungs- stunde, religions-trost; noch weniger liebes-geist f. geist der liebe. 3) gleichwohl bin ich der meinung, daß diese -s in zusammensetzungen, worin sie einmahl walten, nicht wie- der vertilgt werden können, noch sollen. Es läßt sich einiges wider sie sagen, was den übrigen mitverfolgten -s, welche uneigentliche composition ausdrücken (s. 616.), nicht entgegensteht. Allein sie gründen sich immer auf ein nicht verwerffiches gefühl, die unternommene com- position schwerfälliger und häufig fremder, sonst kaum zusammensetzlicher wörter merkbar zu machen, oder be- rühren sich hin und wieder mit einer unorganischen flexionsweise. Ohnehin ist das reine -s, wie es hier erscheint, kein mislaut, sondern, gleich allen spiranten, den zusammenfluß stummer und flüßiger buchstaben be- lebend. Wahrheitsliebe, freundschaftsdienst klingt unserm ohr unstreitig angenehmer als wahrheitliebe, freund- schaftdienst und selbst in warnungsstimme ist durch den schwächern accent der zweiten silbe und die vermischung der beiden laute s und t zu anfang der dritten der übel- klang aufgehoben, den sich einbilden könnte, wer etwa warnung-stimme sprechen wollte. V) blick auf die andern heutigen sprachen. 1) im nnl. fehlt es nicht an femininis, die ganz wie im nhd., mittelst -s, zusammengesetzt werden: arbeids- man, arbeids-loon, arbeids-volk; bruilofts-dag, bruilofts- kleed, bruilofts-zang; geboorts-dag neben geboorte-dag, geboorts-brief; hemelvaarts-dag; nachts-droppelen (Can- tic. 5, 2.); tijds-omstandigheid; vrouws-lui, vrouws-per- zoon. Dagegen heißt es hulp-middel, hulp-benden, min- ne-lied, minne-gedicht. Bildungen mit -ing und -heid nehmen das -s an: regeerings-raad, neerings-huis (doch neben neering-huis, neering-zorge) oudheids-kenner (al- terthumskenner) oudheids-kunde, vryheids-boom; und zwar scheinen diese heids- älter als die nhd. heits-, die ings- seltner als die nhd. ungs-; wo sie zuerst gebraucht worden sind, verdiente nachforschung. Den nhd. schafts- und ions- findet sich aber nichts ähnliches, weil für -schaft im nnl. -schap gilt und die abwesenheit des -t das -s weniger nöthig macht (landschap-schilder, nhd. landschafts-mahler) für -ion aber -ie- gebraucht wird (resormatie, conjugatie, complexie etc.) das keine zusam- III. unflexivisches compositions-S. mensetzung leidet (mithin: raad van de legatie). Die nnl. compositions-s scheinen sich mit der flexion mehr zu be- rühren, als die nhd. Nicht nur ist das nnl. geschlecht überhaupt schwankender, z. b. arbeid, tijd werden unbe- denklich männlich gebraucht, sondern die nachläßige con- struction der gemeinen umgangssprache pflegt sogar das fem. mit dem gen. auf -s andern substantiven ungebun- den vorauszuschicken, z. b. de zons ondergang, gerech- tigheids handhaving statt: de onderg. der zonne, de handh. van ger., ja es kann (analog jenem hd. des nachts, eines nachts s. 938.) ein männliches pronomen dazu gesetzt werden, z. b. ’s moeders vader (wie man in Nieder- deutschland hört: mutters vater). Der gegenstand fällt also mehr der syntax anheim, als der wortbildung. Denn eingeräumt, daß feminina, sobald sie im gen. einem an- dern subst. vorangehen, das männliche oder neutrale -s annehmen dürfen, ist die entstehung uneigentlicher zus. setzungen aus dieser construction nicht zu bestreiten. 2) im schwed. und dän. ist die composition weibl. subst. mittelst -s darum ganz an der ordnung, weil alle femi- nina überhaupt den gen. sg., wie masc. und neutra, auf -s bilden und das dän. masc. und fem. fast verfließen. Ein schwed. ordfognings-lära, dän. ordföjnings-läre, regierings-konst, bildnings-kraft, schwed. majestets-bref, dän. majestets-forbrydelse, schwed. qvantitets-tekn, dän. communitets-lem, schwed. flexions-ändelse, dän. deriva- tions-endelse, schwed. värdighets-namn, landfkaps-lag, dän. friheds-stand, venskabs-tegen, klogskabs-regel und die menge ähnlicher müßen daher anders, als die abge- handelten nhd. anomala der zus. setzung, welchen sie äußerlich gleichen, beurtheilt werden. Das schwed. dän. qvantitet, flexion nämlich formiert auch den losen gen. qvantitets, flexions; das nhd. quantitäts-, flexions- findet nur in der zusammensetzung statt. Eine folgerung hier- aus ist, daß die neunord. composita weibl. wörter mit -s jederzeit uneigentliche sind, da doch die nhd. in der re- gel für eigentliche gehalten werden dürfen. Kein neu- nord. fem. entbehrt das -s in gleichem fall, während das nhd. -s als ausnahme erscheint für gewisse wörter und wortbildungen, von denen kein schluß auf andere ana- loge gilt. Die schwed. uneigentl. zus. setzung broders- son, systers-son von den gen. broders, systers ist so rich- tig wie die nhd. bruders-sohn, schwefter-sohn von den gen. bruders, schwester; fehlerhaft scheint mir die unter- drückung des -s im dän. broder-sön, söster-sön. III. unflexivisches compositions-S. 3) die engl. sprache hat fast alle flexion fahren laßen, er- theilt aber dem vorstehenden gen. (ehmahls) weiblicher subst. das -s der männlichen oder neutralen, z. b. flexions property, a compositions mode, beautys rose, suns heat, hells groan, the earths fertility, a midsummernights dream, the worlds creator, the churchs reformation; man pflegt vor dem -s einen apostroph zu setzen, der in den meisten fällen überflüßig scheint. Es sind lose genitive, keine uneigent- liche composita, die aber bei benennungen leicht daraus entspringen können: goats-thorn (bocksdorn) ladys-slip- per (frauenschuh) ladys-thistle (frauendistel) queens-gilli- flower (nachtviole) etc. vgl. oben s. 609. 610. Der un- gebunden vorstehende gen. darf in den nachgesetzten, mit der partikel of umschriebnen verwandelt werden: the property of flexion, a mode of composition, the heat of the sun etc. Tritt eigentliche zusammensetzung ein, so nehmen auch jene romanischen fem. auf -ion kein -s an, das sie im nhd. nicht entbehren können, z. b. ascen- sion-day, provision-house, confession-chair, question-leß (nhd. ascensions-tag, provisions-haus) woraus ich eine be- stätigung meiner ansicht ziehe, daß die engl. -s immer uneigentliche, die nhd. weiblichen -s in der regel eigent- liche composition anzeigen, weil im engl. das -s einen wirklichen casus bildet, im nhd. nicht. — Anmerkungen: α ) die ganze anomalie, da sie sich in sämtlichen dialecten deutscher zunge, ohne wahrschein- liche einwirkung des einen auf den andern, vielmehr bei jedwedem eigenthümlich gestaltet hat, beruht auf einem innern bedürfnis der jüngern sprache überhaupt. Wie thöricht erscheinen daher die versuche unserer zeitge- noßen, dieses -s im nhd. zu vertilgen. β ) der grund war das zu sehr gesunkne flexionsver- mögen des gen. sg. sem. Im hochd. wurde zwar durch bewahrung der weibl. kennzeichen im adj. und pron. die einführung eines unorganischen hilfsmittels für den ungebundnen gen. vermieden und in der composition diente die fortdauer der schwachen flexion den unter- schied der eigentlichen von der uneigentlichen meisten- theils merkbar zu machen. Wiewohl schon im mhd. und früher bei zus. setzung starker fem. zweifel obwalten (s. 610. 614.); schwerfällige feminina zu componieren wurde umgangen. Als aber die geschäftssprache um sich zu greifen anfieng und der composition vielsilbiger, durch die aufnahme fremder wörter vermehrter fem. nicht län- ger auszuweichen war, verfiel die sprache, wie durch III. zahlwörtercomposita. instinct, auf dasselbe mittel, das ihre schwestern nicht viel früher in größerer ausdehnung ergriffen hatten. Der nhd. zunächst steht die nnl., welche das -s außer der zusammensetzung in vertraulicher rede auch dem frei vorstehenden gen. fem. gestattet, was durch die un- gleich weiter eingerißne verwirrung der organischen ge- schlechtsverhältnisse sichtbar erleichtert wird. Im engl. erscheint die einmischung des -s noch um einen grad ge- setzmäßiger, da sie sich auf alle feminina erstreckt und in dem edelsten stil zuläßig ist; mit der composition hat sie schon weniger zu schaffen, mit der eigentlichen gar nichts. Im schwed. und dän. sehen wir den gebrauch des -s am weitesten getrieben, zur förmlichen flexion des gen. fem. geworden kann es dem regierenden nomen vor- oder nachgestellt, wie der gen. masc. construiert werden, auch unbedenklich uneigentliche zusammensetzun- gen bilden helfen. Ich habe 1, 804. gewis fehlerhaft be- hauptet, im schw. oder dän. gen. sols, krafts sei die ur- sprüngliche genitivflexion forterhalten worden. Mit dem alten gen. fem. auf -s bei Ulf. steht dieser neueingeführte in keiner verbindung und im altschwed. altdän. zeigen die sem. vocalischen ausgang des gen. sg., die starken, nachdem sie das altn. -r abgelegt haben (analog den ahd. und mhd.), die schwachen, weil schon im altn. das -n apocopiert war. Es wird historisch ermittelt werden kön- nen, in welchem jh. die schwed. und dän. -s des gen. sg. (und gen. pl.) zuerst beginnen. γ ) die hochdeutsche mundart verletzt am geringsten das organische verhältnis; die übrigen haben durch ihr kühneres einschreiten einige äußere vortheile davon ge- tragen. §. 7. composita mit zahlwörtern, hier ist zweierlei zu betrachten: die zusammensetzung der zahlen untereinander und mit andern wörtern. I. composition der zahlwörter selbst. Es gibt in allen deutschen sprachen nur zehn einfache zahlen, alle weite- ren werden durch zusammensetzung dieser theils mit sich, theils mit andern nominibus hervorgebracht. Die oft ganz verwachsene und unkenntliche zusammensetzung ist überall eine uneigentliche und zwar aus wirklicher appo- sition entsprungne. Obschon nämlich auch der eigentli- chen composition appositionelle verhältnisse zu grund lie- O o o III. zahlwörtercomposita. gen können (s. 439 - 443. 626. 627.), so war sie doch nie aus apponierten wörtern selbst entstanden. Zusammenge- setzte zahlen setzen aber ursprünglich ungebunden neben- einander gestellte wörter voraus, weil 1) das erste wort rücksicht auf das geschlecht des zweiten nimmt; 2) oft noch seine casusflexion mit in die zusammensetzung bringt; 3) die copula dazwischen erscheint, vgl. drei-und-zwanzig mit drei-zehen; 4) syntactische auflösungen erfolgen, z. b. zehen und drei, zwanzig und drei; 5) die composition keine eigenthümliche begriffsbestimmung zeugt, sondern beide wörter in ihrem ursprünglichen werthe läßt. Com- positionsvocal kann also hier nirgends vorkommen. Aus der anfänglichen freiheit beider wörter fließt das gesetz: daß sich cardinalia nur mit cardinalibus, ordinalia nur mit ordinalibus zusammenfügen. Weil sich aber bald mehrere cardinalcomposita verhärteten, wurde hernach bloß aus dem zweiten wort die ordinalsorm entwickelt, das erste in der cardinalsorm beibehalten, z. b. wenn wir sagen der drei-zehnte statt dritt-zehnte (decimus tertius). A. cardinalzahlen verbunden. 1) von I - X. sind sie durchgängig einfach, alle fol- genden aber zusammengesetzt. Bei den drei ersten, des geschlechts und der flexion vorzugsweise befähigten zah- len entwickelt sich ein widerstreit, inwiefern sie genus und casus nach dem zweiten wort, dem sie verbunden werden, richten, oder nach dem folgenden subst., wor- auf sich die ganze zahl bezieht. Letzteres setzt eine größere verhärtung der zusammensetzung voraus. 2) es ist unsrer sprache eigenthümlich, die zehner un- gleich zu behandeln, nämlich XI. und XII. anders als die übrigen, da doch im lat. griech. slav. litth. alle auf einer linie stehen; dennoch erinnert die weglaßung des καὶ in έ νδεκα, δώδεκα, neben τριςκαίδεκα an die deutsche, mit dem duodecimalsystem zusammenhängende auszeichnung jener beiden. Jonisch und episch stehet aber auch δυο- καίδεκα . Daß bei uns niemahls ein-zehn, zwei-zehn gesagt wurde, scheint unbezweifelbar; hingegen für XIII- XIX. könnte in frühster zeit ebenfalls zus. setzung mit -lif gegolten haben, grade wie im litth. von XI - XIX. mit -lika, das der bedeutung nach unserm -lif ganz ent- sprieht. Jenes stammt von likti (linqui, remanere) vgl. lyktus (reliquiae); dieses vom goth. leiban (manere, nr. 130.). Der sinn ist: zehn und eins darüber, zwei darüber, also was andere sprachen durch setzung der copula oder durch eine praeposition (slav. na, lett. pa) ausdrücken. Die ur- III. zahlwörtercomposita. sprüngliche gestalt und construction des lif läßt sich nur halbdeutlich erkennen. Es scheint ein subst. neutr., weil die goth. neutralform tva dabeisteht. Im litth. bilden alle zus. setzungen mit -lika weibliche subst., die schwerlich aus der tert. pl. praes. lika (supersunt) entspringen, so- wenig als die goth. lif aus leiband oder liband. Wäre aber lif lebendiges neutr., so müste es den nom. pl. liba (wie vaúrda, jêra, und hernach hunda) bilden, den dat. libam. Allein man findet die verhärtete (dem ahd. nom. pl. analoge?) goth. form tva-lif (duodecim) vgl. þái tvalif. tvalib Luc. 8, 1. 9, 12. þans tvalif Marc. 6, 7. 9, 35. 10, 3. 2. Matth. 10, 1. Luc. 9, 1. táinjôns tvalif, hveilôs tvalif, jêra tvalif Marc. 5, 25. Luc. 19, 1. und den dat. pl. þaím tvalif Matth. 11, 1. (statt tváim-libam?), daneben männlich de- cliniert: þáim tvalibim Marc. 4, 10. 11, 11. þizê tvalibê Marc. 14, 10. 43. Joh. 6, 71, welches tvalibim dem þrim (tribus) ïm (eis) parallel lauft. Die zahl XI. kommt in worten bei Ulf. nicht vor, áin-lif ist bloß nach dem ahd. ein-lif und litth. wieno-lika gemuthmaßt. Dem ahd. ein-lif (O. I. 3, 72. IV. 12, 114.) steht zur seite zuê-lif f. zuei-lif (= goth. tva-lif, wie zuei = tva) zewe-lf N. p. 235 a ist eine nach der aussprache verzerrte form; mhd. ein-lef (im Trist. auch ei-lif), zwê-lef, mit allmäh- liger kürzung des ê in e, in Tit. reimt gezwelfet: geschelfet, daher nhd. zwölf (wie hölle) neben ei-lf, ê-lf, endlich auch e-lf. Die ags. formen fallen beide auf, an sich und verglichen mit einander: tvê-lf stünde für tvâ-lf, tvâ-lif und bewiese, daß fürs neutr. tvâ früher tvê gegolten hat; aber wie end-lëofan, end-lufan (XI.) zu nehmen, wenn es keine entstellung aus ân-lëof, ân-lif wäre? welche bedeutung könnte das d haben, das sich sonst nicht müßig einschiebt (eher auswirft, vgl. die ags. part. on- für goth. and)? was soll die flexionsmäßige endung -an, wofür auch -on geschrieben wird? Vielleicht bieten die ältesten quellen und hss. beßere formen; daß jene endung nicht zum wesen der cardinalzahl gehöre, beweist mir die or- dinalzahl end-lëof-ta (nicht end-lëofoða, wie sëofoða, nigoða, tëóða von sëofon, nigon, tëón, tŷn), aber noch im engl. steht elleven ab von twelve, wie im alts. der freckenh. urk. ellevan von tuilif und das altfries. gewährt wieder den eingedrungnen d-laut: and-lova neben twi-lif, ja die heutige schweizersprache (Stald. 1, 340.) eind-lef, end-lef. Das Il ist bloße assimilation aus nl, die auch im altn. el-lifo edd. sæm. 108 b 257 b el-lëfu 83 b 84 a (vgl. die ordinalzahl ellëpto f. ellëfto 42 a ) eintritt und ein älteres O o o 2 III. zahlwörtercomposita. ên-lifu, ein-lifu fordert. Die vocalische endung stimmt zum ags. -an, -on und entfernt sich von tôlf (XII.) = tvö-lif, wie schwed. el-lofva, dän. el-leve von tolf, tolv. 3) bei zusammensetzung der übrigen zehner von XIII- XIX. ist auf das genus des ersten worts in XIII. zu ach- ten. Weder einen goth. noch ahd. beleg habe ich; nach dem alts. thriu-tein, ags. þrëó-tŷne (mit consonanzver- doppelung þrëottŷne) mhd. driu-zëhen Nib. 4582. dürfte goth. þrija-taíhun ahd. driu-zëhan vermuthet werden, nämlich taíhun für ein neutrum. Kaum läßt sich driu in der angeführten stelle von jâr abhängig denken, die flexion gebührte dann mehr dem zweiten wort: driu-zëheniu jâr. Meiner ansicht nach hätte ebenwohl zu stehen: driu- zëhen tage, bürge (dies, urbes) und nicht drî-zëhen. Von den übrigen zehnern gibt es kein beispiel des flec- tierten ersten worts. Im goth. simf-taihunim (dat. pl.) Joh. 11, 18. decliniert das zweite, und die form taihunim, nom. pl. taihuneis? besteht neben dem neutr. taíhun, wie neben tvalibim tvalif; ahd. bald unveränderliches finf- zëhan etc. bald finf-zëhanî. Neben dem einfachen, seines n beraubten tîu lautet das altn. zweite wort -tân, -tiân; die gemination þrëttan (XIII.) gemahnt ans ags. þrëottŷne. 4) das masc. tigus hilft die goth. cardinalzahlen XX- L. bilden. In XX. XXX. richtet sich casus und genus genau nach dem zweiten damit verbundenen, nicht nach dem folgenden subst., vgl. tváim-tigum þusundjôm (vi- ginti millibus) Luc. 14, 31. jêrê þrijê-tigivê (annorum triginta) Luc. 3, 23. þrins-tiguns silubrinaizê (triginta ar- genteos) Matth. 27, 3, 9. Will man hier unverbunden schreiben tváim tigum etc., so habe ich wenig dawider. Nach der analogie würde aber im nom. stehen sowohl tvái-tigjus þusundjôs (viginti mîllia) als tvái-tigjus dagôs (viginti dies) tvái-tigjus jêra (viginti anni) oder auch mit dem von der zahl regierten gen. pl. dagê, jêrê. Bestätigt das die vorhin gemuthmaßte form des dat. pl. tváim- libam dagam (oder dagê), des ahd. zuê-lif takâ (duode- eim dies) driu-zëhan takâ (tredecim d.)? Im ahd. scheint -zuc meist unveränderlich (1, 763.) daher kein dat. pl. zuêm-zukum, drim-zukum zu erwarten ist; der nom. zuein-zuc entspringt aus zueinê-zukî, zuênê-zukî und gilt hernach, so wie drî-zuc, unorganisch für andre casus mit; mhd. zwein-zëc, drî-Ʒëc für drî-zëc (1, 1080.); nhd. zwan-zig (vergröbert aus zwen-zig, zwên-zig, zwein-zig wie noch Ulr. v. Hutten schrieb), dreißig. Ags. tvêntig (f. tvêgen-tig, etwa wie rên, wæn für rëgen, vägen) þrittig III. zahlwörtercomposita. (f. þrî-tig). Die altn. form tuttugu (XX.) scheint aus tvö-tugu, also aus einem neutrum zu deuten, die übrigen decaden geben dafur -tîu, das ich 1, 762. not, der ahd. nebenform -zô und goth. tëhund vergleiche; in den ordinalien gleich- förmig tuttugasta, þritugasta u. s. w., doch gilt auch die cardinalnebenform þriâ-tigi (edd. sæm. 257 b ) nom. pl., die aus dem acc. pl. masc. þriâ tigi hervorgegangen un- organisch die andern casus ergriffen hat, da der nom. þrir-tigir (folglich auch tveîr-tigir, acc. tvâ-tigi?) lauten sollte. In allen deutsehen dialecten führte demnach die uralte apposition eigenthümliche formverderbnisse herbei. 5) hund ist neutrum und bildet ganz regelmäßig tva- hunda, dat. tváim-hundam, þrija-hunda, dat. þrim- hundan, niun-hunda (nongenti) Esr. 33, 37; ahd. zuei- hunt, driu-hunt; die dat. zueim-huntum, drim-huntum sind aber nicht zu belegen. Ags. tvâ-hund, þrëó-hund. 6) þusundi ist goth. fem., daher tvôs-þusundjôs zu erwarten, aber belege mangeln. Wegen der übrigen sprachen vergl. 1, 764. B. ordinalzahlen verbunden. 1) goth. und ahd. wird von XIII-XIX. auch die erste zahl in der ordinalsorm genommen jedoch nicht mitde- cliniert: fimfta-taíhunda (decimus quintus) fimfta-taíhundin (decimo quinto); ahd. finfta-zëhenten T. 13, 1, dritte-zënden (decimo tertio) N. pag. 235 b , niunta-zëhanten (decimo nono K. 34 b , ungebunden steht sibunto zëhanto (septimus decimus) K. 32 a Compositionsvocale kann man in dem a- nicht sehen, schon wegen langsilbigkeit des ahd. finst-, dritt-, niunt-; form- verhärtungen müßen aber auch hier zugegeben werden, weil fimfta-taíhundin jêra in nom. fimftô-taíhundô jêr, folglich im dat. fimftô-taíhundin lauten sollte, wogegen das ahd. finsta-zëhentin jâre untadelhaft scheint, statt niunta-zëhan- tin salmin aber niunto-zëhantin zu erwarten wäre, falls der nom. masc. niunto-zëhanto lautet. Die ordinalzahl von XI. und XII. erscheint nicht bei Ulf., nach dem ahd. ein-lifto (ein-lufto N. p. 235 b ), zuê-lifto K. 29 b (zewelsto N. l. c.) kann nur áin-lifta, tva-lifta gemuthmaßt wer- den, nicht etwa frumista-lifta, andar-lifta, so wie im lat. undecimus, duodecimus von undecim, duodecim geleitet, kein decimus primus, secundus gebildet wird. Alle übri- gen und neueren mundarten leiten auch für XIII-XIX. lediglich ab, ags. þrëottëóða, nigontëóða, nicht þridda- tëóða, nigoða-tëóða; altn. þrëttândi, fim-tândi, nicht þridi-tiunda; fimti-tîundi; mhd. driu-zëhende, Nib. 5576. III. zahlwörtercomposita. niun-zëhende, nicht dritte-z. niunde-z. und bereit sN gibt l. c. neben dritte-zêndo, fier-zêndo, funf-zêndo. 2) die ordinalien XX-XC, mit superlativischer endung aus den cardin. deriviert, drücken in der alten sprache die geringere zahl gleichfalls mit ordin. aus, z. b. ahd. finsto-drîzugôsto (trigesimus quintus) K. 32 b , wo finsto beinah ungebunden scheint, da es auch nachstehen dürste: drîzugôsto finsto, wie sinf-zugôsto sëhsto, siorzugôsto ande- rêr, ahtozogôsto niunto K. 32 b . Altn. wird sie nachge- setzt und die copula dazwischen: tuttugasti ok syrsti (vi- gesimus primus). Nhd. aber: der ein-und-zwanzigste, neun- und-neunzigste und nicbt mehr: der zwanzigste und erste, neunzigste und neunte, außer in poetischer umschreibung. II) composition der zahlen mit andern wörtrn. A. ordinalien binden sich mit den adj. halb und selb , jenem voran, diesem nachstehend. 1) die einem cardinalzahlbegriff hinzutretende hälfte, z. b. ein und ein halb, zwei und ein halb, drei und ein halb etc. pflegt durch die folgende ordinalzahl und das nachgesetzte halb ausgedruckt zu werden: ander-halb (wofür wir unrichtig sagen andert-halb, von der analogie der übrigen verführt) dritt-halb (2½), viert-halb (3½) etc.; denn es ist dem sinne nach einerlei, ob man das halbe abstract hinzusüge oder sich als einen theil der nächsten zahl denke man vergleiche die zwar sinnliche, aber ungesüge dänische (nicht schwedische) umschreibung der cardinalzahl 50. 70. 90. . Belege fürs mhd. vierde-halp Nib. 1778. 4438. fünfte-halp Nib. 5093; ein unbelegliches ahd. andar- halp (sesqui) dritto-halp etc. bezweifle ich nicht, laße aber unentschieden, ob das erste wort. wie im mhd., seine flexion verliert. Zu den ags. oðer-hëalf, þridde-hëalf, fëóverðe-hëalf etc. gibt Lye belegstellen. Altn. wird das adj. ungebunden und flexibel vorausgeschickt: hâlfr an- narr (sesquialter) hâlfr þridi etc. ebenso dän. aber gebun- den: halv-anden, halv-tredje, halv-fierde etc. 2) zu bezeichnen, in gesellschaft oder begleitung von wie vielen sich einer befinde, wird statt der cardinalis für diese zahl die folgende ordinalis genommen und selb- vorausgeschickt, z. b. selb-ander bedeutet: einer mit einem andern, selb-dreizehnter: einer mit zwölfen, d. h. die hauptperson, von welcher geredet wird, eingerechnet, sind es zwei, dreizehn. Daß hier erst später composition aus bloßer apposition erwachse, beweist theils die zwi- III. zahlwörtercomposita. schenschiebung des artikels im nnl. zelf-de-tweede, zelf- de-derde etc. theils die nachsetzung des sëlbe im mhd. vierde-sëlbe Nib. 1764. EM. obwohl es häufiger voraus- steht: sëlbe-vierde Nib. 1379. sëlbe-zwelste Nib. 246. sëlbe- ander MS. 2, 183 a sëlb-ahte Ottoc. Plattdeutsch: sülv- anner, sülv-derde, sülv-ferde etc. schwed. sjelf-annar, sjelf-ottonde etc. dän. selv-anden, selv-tredje etc. In den ältern dialecten scheint diese redensart noch nicht ge- wöhnlich, wiewohl es vielleicht nur an ahd. beispielen fehlt. Die alte sächs. sprache besitzt dafür eine andre construction. Sie schickt die cardinalzahl im gen. pl. vor- aus und läßt sum folgen, z. b. ags. ëóde ëahta sum (ivit octo comitatus d. i. selbneunte) Beov. 231. fistêna sum sundvudu sohte (cnm quindecim ingressus est navem) Beov. 18. þë fëovera sumne (dich mit vieren) Cädm. 48, 10; altfries. tvira sum (selbdritte; Wiarda wörterb. p. 386. unrichtig: selbst zween) fiowera sum, sexa sum, tolva sum in den gesetzen häufig. In der. syntax werde ich zeigen, wie vor diesem sum auch andre wörter im gen. pl. stehen, z. b. më manigra sumne (me cum pluribus aliis) Beov. 156. hë fëara sum (is paucis comitatus) Beov. 107. fëara sumne Beov. 227, gerade wie in der E. H. cap. 27. hie giwêt im fahora (l. faharo) sum an ênna nacon (er bestieg mit wenigen einen nachen). Offenbar ist dieses sächs. sum weniger das pronomen (aliquis, quidam) als das dem ahd. sam parallele, auch in der composition ge- bräuchliche adj. (s. 573. 574.), welches den begriff von vereinigung und zusammensein enthält; vgl. hernach un- ser ein-sam (mit sich allein). 3) die ordinalien der beiden ersten zahlen binden sich (und zwar eigentlich) an einige wörter: ahd. êrist-poran (primogenitus) zu folgern aus êris-porinni (? êrist-porinî, primogenitura) N. 46, 5; nhd. erst-geburt; ahd. êrist-lîh? nhd. erst-lich; ahd. andar-lîh O. IV. 19, 75. ags. oðer- lîc. Hierher könnte man auch die composita mit dem wieder positivisch gewordnen fruma (oben s. 631.) zählen. B) cardinalia in composition mit andern wörtern. [ ein- ] bezeichnet 1) sinnliche einheit an dingen, welche die sache sonst zwei oder mehrmahl haben, so daß das compositum mangel oder beraubung ausdrückt. Substan- tiva bildet die alte sprache noch nicht auf die weise, wie wir nhd. ein-bein, ein-fuß, ein-horn, ein-ohr sagen. Früherhin entsprangen aus ein- und dem subst. zuerst zusammengesetzte adjectiva: ahd. ein-augi (lippus) sgall. 198 jun. 211. ein-ougi (luscus) doc. 209 a mons. 398; ein- III. zahlwörtercomposita. fuoƷe (unipes) N. 35, 12. und die schwache form solcher adj. kann hernach wieder substantivisch gebraucht wer- den, z. b. ein-hurnjo (unicornis) gen. ein-hurnin mons. 323. 408. dem glaube ich ein adj. ein-hurni vorausgeht. Ags. ân-eáge (monoculus); ân-hende (unimanus); ân- hyrne (unicornis). Altn. ein-eygr (luscus); ein-fœtr (mo- nopos); ein-hendr (mancus); ein-sŷnn (monoculus); die subst. ein-fœtîngr, ein-hyrnîngr (monoceros) wahrsch. aus adj. geleitet. Mhd. adj. ein-ouge, ein-fueƷe, ein-hende kenne ich nicht, ein-hürne Barl. steht substantivisch. Nhd. werden adj. auf -ig gebildet: ein-äugig, -händig, -füßig u. a. m. — 2) häufiger sind andere adj. der einheit, ohne diesen begriff des fehlens, sinnliche oder abstracte und nicht immer abgeleitete, wie gleich das einzige goth. beispiel zeigt: áin-falþs (simplex). Ahd. ein-chunni, ein- kunni (unius stirpis?) O. I. 4, 8. (damit die nothwendig- keit der priesterehe zu beweisen?); ein-haft (unus) wo- von ein-haftî (unitas) N. 44, 15; ein-lîh (aliquid) K. 21 b O. IV. 29, 38; ein-muati (unanimis) O. IV. 29, 9. ein- muatlîh (simplex) K. 55 a ; ein-râti (constans) ein-râte N. Cap. 80. ein-râtlîch T. 196, 6; ein-stimmi (consonus) O. I. 9, 56; ein-stuodel (simplex) N. Bth. 214; ein-trafti (simplex) ker. 48, das zweite wort dunkel, vielleicht von traben, gleichsam ein-trabig?; ein-falt (simplex) doc. 209 b O. II. 7, 111. IV. 31, 26. V. 23, 170. aber ein-falti ker. 48. ein-valte N. Bth. 145. 267. ein-falt-lîh K. 20 b . Ags. ân-bŷme scip (trabaria navis) von beám (trabs); ân- eynne (nach Lye unicus); ân-däge (diurnus, unius diei) Cädm. 69; ân-ecge (unangularis); ân-fâh (unicolor); ân- fëald (simplex); ân-lëgere (unicubus); ân-lîc (unicus) von on-lîc (similis) zu unterscheiden; ân-môd (constans, una- nimis); ân-svêge (unifonus, consonus); ân-vintre (hornus, anniculus). Altn. ein-ærr (anniculus) ein-ætr (edulis fine omni apparatu) ein-ætr matr (roheßbare speise, τρώξι- μος ); ein-bër (merus, simplex); ein-faldr (simplex); ein- giftr (monogamus); ein-hæfr (unam tantum artem edoc- tus); ein-litr (unicolor); ein-lægr (sincerus) eigentl. ein- lagig, aus einem stück; ein-nættr (unius noctis) edd. sæm. 95 b . Mhd. ein-bære (aptus) Trist.; ein-lœtic (unius pon- deris) MS. 1, 126 b ; ein-valt (simplex); ein-var (unicolor); ein-trehtic (concors) Frib. Nhd. ein-bohrig; -drähtig; -sach; -fältig; -färbig; -förmig; -hufig; -jährig; -müthig; -schalig; -schichtig; -schläferig; -schneidig; -sitzig; -spännig; -stämmig; -stimmig; -tägig; -tönig; -trächtig u. a. m. — 3) zuweilen steht auch ein- auf solche weise III. zahlwörtercomposita. vor part. pract; ahd. ein-boran (unigenitus, μονογενής ) O. II. 12, 171. N. 68, 36. mhd. ein-born Barl. nhd. ein- geborn; ein-choran K. 19 a scheint spielende übersetzung von anachoreta; ags. ân-cenned (unigenitus) ân-stëled (unicaulis); altn. ein-dyradr (unicas fores habens); ein- gëtinn (monogenitus); ein-mæltr (dictu communis); ein- râdinn (conclusus); ein-valinn (unus ex omnibus electus). — 4) vor verschiednen adj. gibt ein- nicht sowohl den begriff der einheit, als des vereinzelten, einsamen: ahd. ein-hluƷi (singularis, coelebs, ferus, agrestis) von der wur- zel hlioƷan nr. 224, vgl. ein-luƷƷiu (agrestis) ker. 99. ein- luƷƷê (solitarii) O. III. 14, 192. ein-luƷƷo (adv.) O. I. 5, 79. ein-luƷƷêr N. 101, 7. 71, 14. ein-luƷƷî (monogamia) ker. 199. ein-luƷlîh K. 33 b 41 a ein-luƷƷeg-heit N. Bth. 214; ein-feri? (uno latere?) ker. 200. ein-fara maged (coelebs) N. Cap. 49. Ags. ân-hlêpe (solitarius ,, singula- ris) wofür ich nur ân-lêpe, ân-lŷpe, ân-lŷpig (ein-läufig) finde; ân-haga (solitarius); ân-laga (idem) schwache for- men, welche ân-häge, ân-läge voraussetzen? Altn. ein- hleypr (coelebs); ein-hlytr (idem); ein-saman (solus, unicus); ein-stadr (familiae expers) fem. ein-stöd edd. sæm. 269 b ; ein-stakr (idem). Mhd. kein beispiel und nhd. nur ein-sam, das im ahd. und mhd. fehlt, im altn, mit dem adv. saman (conjunctim) gebildet seheint; dürste man es aus der s. 951. erläuterten altsächs. construction erklären? — 5) vor gewissen adj. geht der begriff der singularität in den von trefflichkeit, aber auch von unbiegsamkeit und starrheit über, einige der schon unter 2. angeführ- ten fallen gleichfalls hierher: ahd. ein-chnuadil (insignis, egregius) jun. 210. ein-chnuolîh (insignis) N. Bth. 222. ein-chnôsli (cognitus) ker. 209; ein-herti (constans) jun. 222; ein-hêr oder ein-hêri (excellens?) ich habe nur ein-hêrôsto (monarcha) ker. 199; ein-khirpi (obstinatus) ker. 222. dunkel, hängt es mit kerbe, einschnitt zusam- men? ein-kerbig?; ein-khimpi (funestus) ker. 127. gleich- falls dunkel, auf derselben seite stehet pi-khimpôt (funera) pi-kimpôt (funestus) bi-kimbitha (funesta); ein-lîh (anxius) doc. 209 a ; ein-rihtig (rigidus) N. Bth. 102; ein-snëllêr (zelotypus) K. 58 b ; ein-strîti (pervicax, contumax) jun. 222. K. 58 b ein-strîtî (contumacia) K. 56 b ein-strîtîc mons. 386. 397. 413. doc. 209 a ; ein-willîh (pertinax) jun. 222. Ags. ân-hydig (arrogans) Cädm. 88.; ân-môd (obstinatus); ân-ræde (vehemens), doch Beov. 116. 119. stehet ân- ræd; ân-villa (pertinax) engl. one-will. Altn. ein-ardr (audax, confidens) für ein-verdr oder ein-hardr? ein- III. zahlwörtercomposita. beidr (optabilis); ein-beittr (intrepidus); eîn-fær (sibi sufficiens); ein-hardr (perdurus); ein-hvërfr (pertinax, absurdus); ein-hugadr (animosus); ein-muna (praeter omnes memorandus); ein-râdr (pertinax); ein-rœnn (per- vicax, absurdus) vgl. rœnn oben s. 181; ein-sinna (per- tinax); ein-sær (perspicuus); ein-sætr (aptus, tutus); ein- virdulëgr (exquisitus); eìn-þyckr (sibi sapiens). Mhd. und nhd. adj. dieser bedeutung gibt es nicht. — 6) subst. mit ein-: ahd. eina-chorno (far) doc. 209 a eine art dinkel, bemerklich ist der compositionsvocal, oder wäre ein- achorno zu lesen, mit rücksicht aufs goth. akran? obgleich das nhd. ein-korn dagegen spricht; ein-hêrôdi (monarchia) ker. 199; ein-ôti (solitudo) O. I. 10, 56. II. 4, 2, 59 etc. scheint hierher ungehörig, da es eher ab- leitung ist, als zusammensetzung (vgl. oben s. 257.); ein- par (situla) cass. 854 b eim-beri N. f. ein-beri, waßerge- fäß mit einem griff, einträgiges, gegensatz von zuber, schwerlich von amphora, mons. 397. stehet aimbre (hy- dria) und 338. eimpri (hydrias); ein-fleiƷtî? (sagina) emm. 412. (vielleicht ein-feiƷtî, einzelne mästung? beßers zu rathen weiß ich nicht); ein-wërches (cooperationis) J. 361. von ein-wërch oder-wërchi?; ein-wîg (certamen singulare, monomachia) doc. 209 a mons. 326. emm. 403. 404. 405. 413. O. IV. 12, 123 (wo ein-wîge zu lesen?). Ags. ân-däge (terminus?) vgl. s. 489; ân-färeld (iter so- litarium); ân-genga (viator solitarius) Beov. 36; ân-gild (compolitio simplex); ân-haga (solitarius) Beov. 177; ân- mêdla (superbia); ân-päð (femita angusta, wo nur einer gehen kann, einpfad) Cädm. 64. Beov. 107; ân-tîd (tem- pus fixum?) Beov. 19; ân-vëald (monarchia); ân-vìg (cert. sing.); ân-vîte (mulcta simplex). Andere ags. ân- sind mir zweifelhaft, weil die unaccentuirte schreibung auch an- für on- (ahd. ana-) möglich macht, wiewohl allein stehend kein on für ân (unus) steht, [kann ombor (amphora) aus âm-bor werden? vgl. oben s. 589.]; so dürste ân-timber (materies) auserwähltes bauholz ahd. ein-zimpar und an-timber, on-t. ahd. ana-zimpar sein (vgl. s. 712.); ja beide formen mit verwandter bedeu- tung sind recht in ân-vëald (ahd. ein-walt) und on-vëald (ahd. ana-walt). Altn. ein-bani (percussor insignis); ein- birni (unica proles); ein-bûi (solitarius); ein-dagi (dies oculata); ein-dœmi (unius arbitrium, unicum exemplum); ein-eiði (unius juramentum); ein-fari (solitarius viator) ein-ferdir (solitariae evagationes); ein-gânga (idem); ein- girni (filum simplex); ein-hama (simplici sorma humana III. zahlwörtercomposita. gaudens); ein-heri (heros singularis, egregius) 68 a pl. ein-herjar (divi) 36 a 42 b ; ein-hŷsi (insula, domus sepa- rata); eini-ber (juniperi baccae) aus dem lat. entstellt? sonst stünde ein-ber und das engl. one-berry ist ganz ein andres gewächs; ein-kenni (nota disjunctiva); ein-kylja (unica aura, ein lustzug); ein-lìfi (cœlibatus); ein-læti (solitudo); ein-mana (solitarius, sibi ipsi serviens) von man (servus); ein-mânaðr (mensis unus. i. e. ultimus hiemis); ein-mæli (arcanum) 254 a ; ein-rûm (locus absconditus); ein-sëta (secessus); ein-skêsta (pannus unilix); ein-spinna (id.); ein-stîgi, ein-stig (semita uni tantum pervia); ein- stædìngr (amicis orbus); ein-tal (soliloquium); ein-val (electio); ein-vald (monarchia) ein-valdr (monarcha); ein- vëra (mansio solitaria); ein-vîgi (duellum); ein-virki (co- lonus sine famulitio). Mhd. ein-lant (insula) Barl. troj., kann zwar wie das altn. ein-hŷsi für ein abgesondert lie- gendes land genommen werden, doch glaube ich daß es aus ei-l. entstellt ist (vgl. s. 502.) und vielleicht ahd. aha- lant lautete; von ein-œte gilt was von der ahd. form; ein-sidele (anachoreta) Barl.; ein-wîc Trist. und sicher noch andere. Nhd. ein-beere (Paris Linn.); ein-blatt (monophyllon); ein-falt; ein-heit; ein-korn (dinkel); ein-klang; ein-kehle (winkel auf dem dach); ein-muth; ein-tracht u. a. m.; eim-er ganz entstellt. — 7) verba mit ein- nehme ich nur im altn. wahr, sie leiten sich aber von subst. zus. setzungen her: ein-daga (certum tempus definire) ein-henda (una manu prehendere, ferire) ein-kenna (insignire) ein-strengja (clamose certare) und haben einen andern grund, als die unter 3. genannten participia. — Anm. α ) mehrere comp. mit ein- in der unter 5. ausgeführten bedeutung erinnern an die zusam- mensetzung mit selb- und eigen- (s. 638. 639.) vgl. sëlb- walt (arbitrium, libera potestas) ein-walt (principatus) nhd. eigen-dünkel, eigen-sinnig, dän. egen-sindig, egen- raadig, altn. ein-þyckr, ein-sinna, ein-râdr u. a. m, wie im griech. αὐτό-ξυλος gleichviel mit μονό-ξυλος (vgl. ahd. sëlp-poum) αὐτο-κράτωρ mit μονο-κράτωρ u. a. m. Man braucht daher nicht auf entstellung des eigen- in ein- (wie sie im altfries. wirklich statt hat) zurückzugehen oder gar auf verwandtschaft beider wörter und des pro- nom. erster person, deren ausführung mir jetzt fern liegt. β ) sämmtliche composita mit ein- scheinen mir eigentliche, wie auch der in eina-chorno erhaltne bin- dungsvocal bezeugt und uni-, μόνο- bestätigt; ein adv. eina (semel) läßt sich weder darthun, noch würde es zu III. zahlwörtercomposita. den meisten zusammensetzungen passen, vgl. die folg. zahlen. [ zwie- ] kein goth. beispiel, wie würde wohl duplex lauten? tvi-falþs oder tvizva-falþs? Ahd. zweierlei for- men α ) zui- , oder qui- (nicht zuî-, quî-): zui-beine (bipes) N. Bth. 255; qui-falt (duplex) ker. 44. 88. zui- fald K. 20 b zui-valt O. Sal. 8. zui-falt N. Cap. 71; zui- haupito (biceps) hrab. 955 a zui-houbetêr N. Cap. 149; zui-hîto (bigamus) hrab. 959 b doc. 246 b ; zui-jâric (bimus) mons. 395. zui-jârîgî (bimatus) doc. 220 b ; zui-merilîh (bithalassus) mons. 366; zui-par (gerula? zweiträgiges ge- fäß) cass. 854 b später zû-ber (congius) doc. 246 a ; zui- giwâgi (dipondium) mons. 399; zui-was (bipennis, anceps zweischneidig) jun. 236. doc. 246 b ; zui-zuirnêt (byssum) qui-quirnêt ker. 45. — β ) mit dem adv. zuiro, quiro (bis) vielleicht unzusammengesetzt: zuiro-gahiwit (bis nuptus) hrab. 959 b doc. 246 b quiro-hîwid ker. 45; ziwir-tuîgêr (bi- fidus) doc. 246 a verstehe ich nicht, etwa zuiro-zuîgêr; zuiro- gizêhôt (bis tinctus) doc. 246 b mons. 394. Ags. α ) tvi- , wofür auch tvëo- (weniger gut tvy -, tve-) geschrieben wird: tvi-blëó (bis tinctus); tvi-bill (bipennis); tvi-bôte (du- plex compensatio); tvi-cîna (bivium, eig. zwiespalt, von cîn oder cîne? rima); tvi-ecged (anceps); tvi-fëald (du- plex); tvi-fête (bipes); tvi-finger (duos digitos longus): tvi-ford (duplex vadum); tvi-gilde (duplex solutio); tvi- hæmed (bigamus); tvi-hive (bicolor); tvi-läpped (duas lacinias habens); tvi-ræde (anceps); tvi-snecce (id.); tvi- spræce (bilinguis); tvi-spunnen (bis tortus); tvi-tëlgod (bis tinctus); tvi-vëg (bivia); tvi-vinter (bimus). — β ) tva- (nicht tvâ-) welches für tviva, tvëova (bis) stehet: tva-däglîc (biduanus); tva-niht (biduum) tva-scëal (bi- lanx). Altn. tvî- (bei Biörn und Rask mit langem vo- cal, obgleich tvisvar, bis, entschieden kurzen hat): tvî- ærr (bimus); tvì-bakadr (bis coctus); tvî-bentr (vafer); tvî-brotinn (duplex); tvî-burar (gemini); tvî-bŷli (prae- dium bipartitum); tvî-bytna (amphicupella); tvî-drægni (discordia); tvî-drægr (disconveniens); tvî-dyradr (biso- ris); tvî-dœgra (opus duorum dierum); tvî-eggjadr (an- ceps); tvî-eln (duarum ulnarum); tvî-friôfr (biser); tvî- fœtr (bipes); tvî-gildi (duplum); tvî-heilagr (bifestus); tvì-hösdadr (biceps); tvì-hyrndr (bicornis); tvî-klofinn (bifidus); tvî-litr (bicolor); tvî-mennîngr (bini); tvî-mæli (rumor varius); tvî-qvæntr (bigamus); tvî-râdr (anceps); tvî-saga (fibi non constans); tvî-skêfldr (bipennis); tvî- skinnûngr (cutis duplex); tvî-sŷnn (anceps); tvî-tentr III. zahlwörtercomposita. (bidens); tvî-tindadr (bifidus); tvî-tôli (hermaphroditus); tvî-vëdrûngr (anceps coelum) und die abgeleiteten verba: tvî-henda (ambabus manibus arripere); tvî-klifa (iterare); tvî-nôra (bis rodere); unabgeleitet ist das starke tvî-taka (iterare). Warum stehet tvö-faldr (duplex) für tvî-faldr? Mhd. zwi- , aber die composita sind zum verwundern sel- ten, ich weiß nur das häufige adj. zwi-valt (duplus) und davon zwi-valden (duplicare) MS. 2, 29 a . Nhd. zwie-. neben zwei- ; die alte form zwie- haben nur folgende: zwie-back; zwie-sach; zwie-licht; zwie-mark; zwie-spalt; zwie-tracht; zwie-wuchs. Dagegen: zwei-blatt; -deutig; -drähtig; -falter; -fach; -händig; -herrig; -jährig; -kampf; -männisch; -pfündig; -schattig; -schneidig; -seitig; -sitzig; -stämmig; -stimmig; -silbig; -tägig; -theilig; -zackig; -zahn (nom. plantae); -züngig u. a. m. — Anm. diese composita sind uneigentlich, nämlich nicht mit der cardinalzahl, welche auf kein zui-, tvi- führt, ohnehin als bloß pluralisch eigentlicher comp. unfähig scheint (vgl. s. 538.), sondern mit dem contrahierten adv. verbunden. Das bestätigt 1) die ahd. nebenform, zuiro- hîwid = zui-hîwid, folglich zui-falt aus zuiro-falt, zuir- falt, wie â- aus ar- (s. 705.) hier aber ohne vocalverlän- gerung, vgl. zuiro-zëhanzug (bis centum) O. II. 8. 65. Alleinstehend dauert das adv. zwir im mhd. und zwier bei Luther fort (nähere angaben cap IV.); ich muth- maße ein goth. adv. tvizva, nach analogie des altn. tvisvar oder läßt sich tvi-svar, þri-svar für componiert mit svar (responsum, loquela) nehmen, aualog dem hochd. zwei-, drei- mahl? ; ags. lautet es tviva, tvëova (oder tvîva, tvëóva?) verkürzt tuva, tva, ungefähr wie sich ïzvis zu ëóv verhält, es hätte auch ein ahd. zuiwo, zuiuwo dar- aus werden können (wie iuwih, iu = ïzvis), allein die ahd. mundart hielt sich hier mit vernachläßigung des v an das s (vgl. ubizva, opasa) und wandelte dieses mit der zeit in r. 2) die lat. und griech., grade so mit den adverbien bis, δίς , und neben ähnlicher kürzung in bi-, δί- bewirkte zusammensetzung. Einzelne werden auch mit lat am-, an- (vgl. ambo) und gr ἀμφι- gemacht, z. b. an-ceps = bi-ceps, ἀμφι-κέφαλος = δι-κέφαλος ; am- phora stammt aus ἀμ-φορεύς = ἀμφι-φορεύς , = δι- φορεύς, = ahd. zui-par. [ drei- ] wiederum gebrechen goth. beispiele, nach dem vorigen wäre þri-falþs, þrizva-falþs (triplex) zu III. zahlwörtercomposita. erwarten. Ahd. dri- (nicht drî-): dri-bildîg (triformis) N. Cap. 146; dhri-dhilli (tricamerata) jun. 173; dhri-fald (triplex) J. 367. 368. 369; dhri-jârîc (trimus) jun. 173; dri-ruodri (triremis) mons. 363; dri-scôƷe (trigonus) N. Bth. 253. Cap. 110. 126; thri-sunni (tres soles habens?) ker. 269; dri-tagig (triduanus) N. Bth. 139; thri-decge (triduum) ker. 269; dri-winchili (trigonum) mons. 393; dri-zinge (f. zinke, triangularis). Ags. þri- oder þrëo- : þri-beddod (tres lectos habens) þri-däglîc (triduanus) þri-dôgor (tri- duum) þri fëald (triplex) þri-fête (tripes) þri-fôt (tripus) þri-fëóðor (triquetrus) þri-finger (tres dig. crassus) þri- heáfdod (triceps) þri-hæmed (trigamus) þri-hyrne (tri- cornis) þri-lêfe (trisolium) þri-milchi (f. mëolce? majus mensis) þri-rêðre (triremis) þri-scŷte (triquetrus) þri- snecce (trisulcus) þri-fpræce (trilinguis) þri-vinter (tri- mus). Altn. þrî- (bei Biörn und Rask, neben kurzem þrisvar, ter): þrî-ærr (trimus); þrî-burar (trigemini) þrî-fœtr (tripes) þrî-giftr (trigamus) þrî-gildr (triplus) þrî-hnyttr (trinodis) þrî-höfdadr (triceps) þrî-hyrndr (tricornis) þrî-hyrnîngr (triangulus) þrî-kantadr (trigo- nus) þrî-klofinn (trifidus) þrî-mennîngr (tertio gradu collateralis) þrî-nættr (trinoctialis) þrî-tentr (tridens) þrî-þættr (trilex); folgende finde ich mit þrê- : þrê-faldr (triplex) þrê-falda (triplicare) þrê-vëtra (trimus). Mhd. nur dri-valt, es muß aber noch mehrere geben. Nhd. drei- : drei-beinig, -blatt, -doppelt, -drähtig, -eck, -einig, -fach, -falt, -fuß, -jährig, -köpfig, -laut, -ruderig, -schlitz, -sitzig, -spännig, -stachel, -tägig, -theilig, -wöchig, -zack; dem zwie- analoge drie- sind bloß in eigennamen wie drie-burg, drie-berg etc. zu suchen. — Anm. die erklärung muß hier ganz wie bei der vorigen zahl sein; das adv. lautete auf goth. þrizva?, das ahd. driro? findet sich nicht mehr, geschweige mhd. drir und aus diesem grund fehlen die nhd. drie- in der zusam- mensetzung, während die zwie- zum theil fortdauern; ags. þriva, þrëova; altn. þrisvar; griech. τρίς- , lat. tris- (später ter-) in der composition τρί- , tri-. [ vier- ] goth. fidur-dôgs (quatriduanus) Joh. 11, 49; fidur-falþs (quadruplus) Luc. 19, 8; fidur-ragineis (tetrarcha) Luc. 3, 1. Ahd. fëor-ecki (quadrangulus) emm. 411; fëor- hrediri (quatuor rotas habens) emm. 405; fior-scôƷi (qua- drangulus) mons. 340. fier-scôƷe N. Bth. 253. Cap. 126; fier-wendi N. Cap. 147; fier-zinke N. Cap. 93. Ags. fëóver-feald (quadruplus); fëóver-fête (quadrupes); fëó- ver-scyte (quadratus); fëóver-vintre (quadrimus). Altn. III. zahlwörtercomposita. fiôr-dyradr (quadriforis); fiôr-sœtr (quadrupes); fiôr- mennîngar (collaterales quarti gradus). Nhd. vier-fach, -füßig, -seitig u. a. m. — Anm. ein adv. der vierzahl in dem goth. fidur , verschieden von der cardin. fidvôr Marc. 8, 9, 20. 13, 27. Joh. 11, 17., läßt sich beinahe aus dem lat. quater, versch. von quatuor abnehmen, und dann würde auch im goth. offenbar nur mit jenem zusammengesetzt. In den übrigen sprachen ist aber bloß die card. zahl zu erkennen. Alle zus. setzungen weiterer zahlen scheinen mit der card. zahl gebildet. Beispiele: ahd. vimf-jârîc mons. 363; fibun-falt K. 33 b sipun-stërnëo ker. 13. siben-stirne N. Cap. 66. ags. sëofon-vintre Beov. 181.; goth. ahtáu-dôgs; nhd. neun-auge; goth. tvalib-vintrus Luc. 2, 42. und so in vielen andern fällen. Bemerkenswerth ist der altn. abstracte gebrauch von hund- zur verstärkung des be- griffs: hund-gemall (centennis, decrepitae aetatis); hund- margr (permultus); hund-vîs (multiscius) u. a. m., un- gefähr wie wir im nhd. tausend für eine unbestimmte große zahl brauchen, z. b. in tausend-schön, tausend- fuß, tausend-schmettrig (von der kehle der nachtigall). Im altn. pflegen sich die gen. pl. der zwei-, drei- und vierzahl zuweilen uneigentlich zu componieren: tveggja- âra-tîmi (biennium) tveggja-daga-tîmi (biduum) tveggja handa-iârn (scalpr. bimanubriatum) tveggja-hesta-vagn (bigae) tveggja-manna-far (biremis) tveggja-nâtta-tîmi (bi- noctium) tveggja-stranda-iârn, tveggja-vëga-môt (bivium); þriggja-daga-tîmi, þriggja-mânaða-tîmi; fiögra-fingra- þyckt (crassitudo quadrantalis) fiögra-hluta-skipti (quadri- partitio) fiögra-manna-far (navis bijugis) u. a. m., wie- wohl man den umständen nach und wo es mehr auf die sache, als auf den namen ankommt, ungebundne wörter annehmen darf. §. 8. composition ganzer redensarten. Die uneigentliche zusammensetzung überhaupt beruht darauf, daß zwei nebeneinander construirte wörter ver- wachsen. Der gewöhnlichste fall war die verbindung des vorausgeschickten genitivs mit dem ihn regierenden subst. Zuweilen aber geschieht es, daß praepositionen und verba mit den von ihnen abhängenden nominibus in die com- position verwickelt werden. 1. gewissermaßen wäre schon eine bekannte eigenheit der englischen syntax hierher zu nehmen, wonach das III. composition ganzer redensarten. genitivische -s einem zweiten von der praeposition ab- hängigen subst. angefügt wird, z. b. the king of Saxony’s palace, nhd. des königs von Sachsen palast. Um jenes logisch zu rechtfertigen, muß man sich die worte king- of-Saxony in eins versteinert denken und wird dann na- türlich finden, daß das -s erst am schluße der composi- tion seinen platz haben kann. So ungewohnt und unedel in der nhd. schriftsprache eine solche wortfügung wäre, können wir doch die hernach unter 3. genannten com- posita nicht anders, als in derselben weise construieren, z. b. spring-ins-feld’s leben, nicht etwa: spring’s-ins-feld leben und das gemeine volk höre ich unbedenklich sagen: des kaiser-von-Oeftreich’s armee stat des schriftgemäßen: des kaisers v. O. a. 2) der eine dialect erlaubt sich in solchen fällen, was der andere nicht leidet. Aus unsrer redensart: in acht nehmen können wir kein subst. in-acht-nehmung bilden. Nnl. aber gilt ein subst. in-acht-neming, ebenso wird von dem dän. i-agt-tage das nomen i-agt-tagelse formiert, ja zum zeichen wirklicher zusammen- setzung noch weiter componiert; reise-i-agt-tagelser (reisebemerkungen); ein reise-in-acht-nehmung klingt uns freilich undeutsch, aber ist unser nhd. nebenbemer- kung d. h. in-eben-bemerkung im grunde beßer? Hät- ten nicht unsere vorfahren adverbia wie die nhd. insbe- sondere, insgemein, insgesammt mit recht verworfen? da sogar die beiden letzten wider den grundsatz sündigen, daß nach dem art. das adj. schwache form verlangt. Auf- gelöst kommt die misform gleich an tag: in das gemein, m das gesammt st. gemeine, gesammte; es find schlechte nachahmungen der französ. adv. en particulier, en géné- ral. Ich werde anderswo erörtern, wie mehrere adj. der neuern sprachen aus adv. entspringen; der canzlei- ftil pflegt alsdann auch die partikel un- fehlerhaft anzu- wenden, z. b. es ist un-vor-handen; un-von-nöthen (schon bei Fischart, bienenkorb 56 a ) welches erst nach dem absterben des wahren sinns der redensarten von nöthen, vor handen geschehen konnte. In der reineren, älteren sprache sind solche abirrungen beinahe unerhört. Doch muß ich hier des sonderbaren adj. ir-halpun-lîh mons. 350. ir-halpan-lîh (a für u gesehen?) mons. 395. gedenken, wodurch das adv. ir halpun (ex latere, de la- tere) mit lîh verbunden wird, gleich als wollten wir un- ser adv. von unten, von oben in ein adj. verwandeln und sagen: von-unten-lich. III. composition ganzer redensarten. 3) natürlicher und mehr zu billigen ist die folgende anomalie: lebendige eigennamen für sachen und personen (spitznamen) entspringen durch. ausrufungen, das verbum und was daneben steht, verhärtet sich in uneigentliche composition, die aber freilich eine verbale heißen darf (s. 678.). a) meistentheils ist es der imperativ und zwar wieder- um α ) entweder mit einer bloßen partikel, dahin das nhd. kehr-aus, kehr-ab, (name eines tanzes) hüpf-auf (desgl.) weil den tanzenden zugerufen wurde sich zu wenden, zu springen; reiß-aus (flucht) vom zuruf auszureißen, schab-ab. Alle solche composita sind männliche subst., wir sagen: den kehraus tanzen, einen hüpfauf spfelen, den reißaus neh- men. Ferner die mannsnamen: sebe-recht, thu-gut, haft- aus, trink-aus, sauf-aus, klaub-auf u. a. m. dergleichen sich besonders unter den bauern finden; der mhd. name des dich- ters sing-of f. sing-ûf (amgb. CCLXIV. vgl. CCCLXIII. wo: sing of, sing abe, sing hin, sing her!) pack-an, faß-an benennungen für hunde. — β ) oder mit einem subft. (im accus.) daneben: mbd. habe-danc (gratiae) und wiederum masc. MS. 1, 118 b 126 b misc. 1, 103. 104; zete-brief (ei- ner der briefe auszettelt, wahrsager) Herb. 15 c ; in leit- vertrîp (doloris expulsor) MS. 1, 35 b Morolf 45 b 57 b etc. nhd. zeit-vertreib ist das subst. dem imp. vorgesetzt, daß aber vertrîp, vertreib imperative sind, leicht zu sehen, denn es gibt weder ein subst. vertrîp noch trîp, da die wurzel no. 128. nur ein subst. trip, nhd. trieb zeugt. Fer- ner die mannsnamen mhd. rûme-lant, hebe-ftrît MS. 2, 73 a spar-helbling (Adelung 2, 134.) nhd. trau-gott, fürchte-gott, schlichte-groll etc. kratzfuß, wipp-sterz, schnapp-hahn, dreh- hals, wende-hals; in einem gedicht von Dieterich (Adelung 1, 191. 195. 196.) die riesennamen velle-walt (waldverder- ber, waltswende) und mit vorgesetztem subst. glocken-bôƷ (stoß an die glocke) fideln-stôƷ (streich die fiedel). Die spätere sprache schiebt gern den artikel den oder das , meist verkürzt, dazwischen, vergl. die nom. pr. hebenstreit (heb-den-sti eit) hassenpflug, hastenpflug (haße-den-pflug) scheuchenpflug (scheu-den-pflug), leidenfrost, stürzenbecher (stürz-den-be- cher) rührnschalk (rühr-den-schalk) bei Ried p. 1217. vom jahr 1575. zuckseisen (zücke-das-eisen) klingsohr (?kling-das- ohr). Im 16. 17. jh. waren sehr üblich: wendenschimpf (wen- de-den-schimpf, d. i. spaßverderber) H. Sachs, Simplic. p. 210; wend-unmuth (d. i. freudenmacher) vgl. wendel- muot MS. 2, 76 b ; ein saug-den-zipfel hat Phil. von Sit- tew. noch jetzt üblich ist flörensried (friedensstörer) vgl. P p p III. composition ganzer redensarten. ehrenfried; bei Fischart (Garg. 274 b 275 a ) sind schreck- den-feind, schreck-den-gast namen von festungsthürmen. Indessen mangeln schon dem 13. 14. jh. solche formen nicht. Das angefuhrte lied von Dieterich gewährt die riesennamen: schelle-den-walt, rinne-den-walt (Adelung 1, 196.); ungedruckte Nîtharte die bauersnamen: lobenspot (lobe-den-spott, freund von scherz) hengentriel (hänge- das-maul, ein maulhänger) irrensrit, irrentanz (irre-den frieden, tanz, wie vorhin störenfried; soll irrenfried den alten namen erkenfrit parodieren?) lîmenzûn (leime-den zaun, die bauern machten ihre zäune von leim, vgl. ahd. stein-zûn, maceria; vielleicht leimenzûn zu emendieren?) wahsengûl (unklar, vielleicht waschengûl, reit den gaul zur schwemme). Der Renner (Adelung 2, 136. 137.): schindengast (schinde-den-gast) lærenbiutel (leer-den-beutel, plattd. pflücke-büdel) füllensack (fülle-den-sack). Wahrscheinlich ist suochenwirt, welchen namen ein dichter um 1400 führte, zu deuten suche-den-wirt (besuche die schenke d. i. zech- bruder). Späterhin tritt auch ein dazwischen, z. b. beit-ein- weil, wart-ein-weil, erdichtete ortsnamen. — γ ) oder neben dem imp. steht eine praeposition mit ihrem subst., z. b. hüpf- ins-holz, spring-ins-feld, renn-ins-land, rinn-ins-land, roll- in-hag, lug-ins-land (Garg. 274 b ), bleib-im-haus (ver- kürzt bleibmhaus) u. a. m., meistens personennamen, zu- weilen örtliche vgl. die hausgesindenamen, kindermährchen 3, 233-235. . — δ ) oder es folgen andere casus und partikeln, dahin der bekannte blumenname vergiß-mein- nicht, der schon im 15. jh. galt (a. w. 1, 151.) ähnlich dem noli-me-tangere, heutzutag neutrum, halt-uns-fest (buttel). Gardivias wird im Tit. übersetzt huet-der-verte, doch stehen die worte wohl uncomponiert. Ganz ausgelaßen ist der imp. bei unserm subst. willkommen (masc., einem den will- kommen geben, bieten) für: sei willkommen, oder ist will-komm richtiger und komm der nachgesetzte imp.? b) bisweilen steht das verbum im conjunctiv oder fehlt ganz und bloße partikeln bilden den ausruf und den namen. Für teusel pflegen wir zu sagen: der gott- sei-bei-uns. Ein geiziger heißt nimmer-satt, das ende der gar-aus. Ein oestr. herzog bekam den zunamen jâ-sô- mir-gott; -bei Ried p. 287. in einer urkunde von 1205. findet sich ein albero iummirowê (? iemer-ô-wê); ein schneidergesell legte sich den namen zu: sieben-auf-einen- streich. III. composition ganzer redensarten. c) auch mit dem praes. ind. werden eigennamen ge- bildet, z. b. tauge-nichts f. taug-nichts (von dem orga- nischen taug statt des nhd. taugt) franz. vaut-rien, nnl. deug-niet. Die faule hausmagd heißt spät-es-tagt; ein fabelhafter könig wie-du-wilt u. a. m. — Anmerkungen 1) den eintritt wirklicher composition bezeugt die decli- nierbarkeit des letzten wortes, z. b. im gen. hüpfaufs, zeitvertreibs, hebenstreits, springinsfelds, vergißmeinnichts, nimmer-satts. 2) in den romanischen sprachen gibt es viele ähnliche zusammensetzungen, vgl. das angeführte gardi-vias oder das französ. rendez-vous. Im latein des mittelalters bildete man frühe die tausnamen quod-deus- vult, deus-dedit (französ. dieu-donné kann auch heißen: a deo datus) und dergl. 3) in slavischen eigennamen sind, nach Dobrowsky, die auf -i endigenden ersten theile der zusammensetzung gleichfalls aus imperativen deusbar, wie denn auch i kein slav. compositionsvocal ist: vladi-mir (walte-friede) rasti-slav (wachse-ruhm) borji-slav, borji-voj, vladj-slav. vrati-slav, primi-slav (habe-ruhm) von vladiti (walten) rasti (wachsen) vratiti, primiti (nehmen); bei Vuk findet sich jezdi-mir, kazi-mir von jezditi (rei- ten) kaziti (verderben) u. a. m. böhmische und russische beispiele geben Dobr. p. 62. und Puchmayer p. 98. . Hierdurch könnte man versucht werden, ein ahd. fridu-walt, wahs-muot für ei- nerlei und gleichgebildet mit vladi-mir, rasti-slav zu neh- men, nur daß in fridu-walt der imp. nachgeselzt wäre. Inzwischen scheint es mir doch richtiger in beiden deut- schen nom. propr. eigentliche composition zu erkennen und walt, wahs nicht für imperative, sondern nomina anzusehen, obgleich waltan sogar buchstäblich das slav. vladiti ist. Denn -walt wird selbst zu scheinbar ableiten- dem -alt -olt (regin-walt, reginoaldus) vgl. s. 333. 334. wahs aber ist wohl das adj. wahs, was (acer), wie das parallele hart in hart-muot, vgl. s. 667, 8. Jene aus wirk- lichen imp. entspringenden mannsnamen fallen auch nicht in die älteste zeit und haben etwas gemeines an sich, da- her sie bauern, räubern und plumpen riesen beigelegt werden; die älteren eigentlich componierten namen sind edleres gepräges, auch bei den Slaven. Und sollte das in slav. eigennamen oft wiederkehrende -mir nicht etwas anders als mir (pax) sein, nämlich mit dem goth. -mêr, -mir- (s. 571.) zusammenhängend? in jezdi-mir wäre die bedeutung friede unschicklich. P p p 2 III. composition. schlußbemerkungen. Schlußbemerkungen zum dritten capitel. 1) zusammensetzung und ableitung unterscheiden sich in mittel und zweck wesentlich voneinander. Jene ver- einigt zwei ursprünglich selbständige wörter entweder durch den bloß dazu ausersehnen, bald aber unsichtbar gewordnen vocal oder durch sestes zusammenrücken bei- der, so daß die flexion des ersten wortes mit aufgenom- men werden kann. Bei der ableitung ist hingegen nur von einem worte die rede, das durch die anfügung an sich dunkler vocale und consonanten neue bestimmung empfängt. Das ableitende princip ist ein suffix, das zu- sammensetzende eher ein praefix zu nennen, wie sich besonders an der partikelcomposition zeigt (vgl. loup-ac mit ca-loup s. 752.). Die bestimmung erfolgt bei der de- rivation hinten, bei der composition durch das vordere wort, während sie hei der bildung durch laut und ablaut in dem worte selbst geschieht. Daß auch an eigentlîch componierten wörtern das erste die bestimmung gebe, das zweite die hauptsache enthalte, lehren adjectiva wie na- gel-neu, herz-lieb, gold-gelb, hell-blau, schwarz-braun, (welches schwärzliches braun ausdrückt, braun-schwarz wäre ein durch braun modificiertes schwarz) oder sub- stantiva wie groß-vater, berg-luft, salz-waßer, laub-frosch und eine menge dergleichen augenscheinlich. Die ablei- tung fügt dem wort abstracte , allgemeine begriffe (s. 397. 398.) hinzu, die composition verknüpft zwei specielle , die eigentliche meist auch lebendige begriffe, welche sich oft durch keine derivation ersetzen laßen. Beide wörter halten sich dann gleichgewicht und äußern gegensei- tigen einfluß auf einander, z. b. in apfel-kern, gast-freund, bein-bruch kann man nicht sagen weder daß bein, noch daß bruch etc. hauptbegriff sei. Ja, zuweilen können beide wörter ihre stellen wechseln (s. 547.). Wie sich composita für leibliche vorzüge und gebrechen umsetzen ist s. 649. angegeben worden. So gut huf-halz, hüst-lahm gesagt wird, könnte auch halz-huf, halz-hufi, lahm-hüstig stehn und schön-haar ( καλόθριξ ) = schön-haarig (pulchri- comus) breit-fuß ( πλατύ-πους , latipes) heißen auf altn. hâr-fagr (pulcher comâ) sôt-breidr. Practisch sagen beide wortbildungen das nämliche aus, genau betrachtet gilt aber die verschiedenheit, daß in dem einen der be- griff fuß durch breit, im andern der begriff breit durch fuß näher bestimmt wird, dort also auf fuß, hier auf breit mehr nachdruck liegt. III. composition. schlußbemerkungen. 2) nur solche composita werden abgeleiteten wörtern älmlich und vergleichbar, deren zweiter theil abstracte oder allgemeine begriffe ausdrückt (s. 543. 544. 579.). So ist schön-heit gleichviel mit dem ahd. scôn-î; fähr-mann mit ahd. fer-jô; früh-jahr mit frühling (wie spät-jahr herbst); bettel-mann, wasch-frau mit bettel-er, wäscher- in und zumahl vertreten die adjectivischen -lich, -haft, -fest die stelle bloßer ableitungen, obgleich sie ursprüng- lich größeren nachdruck hatten. Im grunde bezeichnet fähr-mann einen mann, der das überfahren treibt (neben fuhr-mann, haus-mann, berg-mann), ferge aber das männliche geschlecht des überfahrenden (im gegensatz zu fähr-frau); im grunde hat unser töd-lich, sterb-lich einen lebhafteren sinn als das ahd. tôd-îc, stirp-îc, wie wir leicht fühlen, wenn wir andere im gang gebliebene deri- vata in composita umsetzen, z. b. schlüß-el, züg-el, schleg- el in schließ-werkzeug, zieh-w. schlag-w. Allein die spä- tere sprache gewöhnte sich daran, zweite wörter aus zusammensetzungen abstract und wie ableitungsmittel zu brauchen; die volkssprache hat sogar einzelne composita, nachdem sie den ton ganz aus dem zweiten wort gezo- gen und auf das erste geworfen, in scheinbare derivata verwandelt (hen-sche für hand-schuh, win-gert f. wein- garte, gleichsam hensch-e, wing-ert). Einige verdunkelte ableitungen entspringen vermuthlich aus zusammensetzun- gen, umgekehrt haben einige wirkliche ableitungen den schein abstracter compositionsformen angenommen, z. b. -sal, -nis, wie oben dargethan worden ist. 3) die compositionsfertigkeit aller deutschen mundarten ist ein schätzbarer vortheil; wir besitzen dadurch eine große zahl lebensvoller, dichterischer ausdrücke, die sich oft gar nicht in andere sprachen übersetzen laßen. Diese fremden sprachen übertreffen uns gleichwohl nicht selten an einfachen wörtern und ableitungsmitteln. Composita sind schön, wenn sie zwei begriffe in ein bild zusammen- faßen, weniger, wenn sie einen begriff zwischen zwei wörter vertheilen. In den gedichten anderer neuerer sprachen sind vielleicht nicht genug composita, in un- serer prosa ihrer zu viel. Die zusammensetzung ist äußer- lich schleppender und anmaßender als die ableitung und der überfluß abstracter compositionsformeln auf kosten untergegangner einfacher wörter oder ableitungen scheint mir ein nachtheil. Die lat. malus (litth. obelis), vinea (litth. wyniczia), lotrix (litth. skalbeje), mulctra und viele solche verdienen den vorzug vor unserm apfel-baum, III. composition. schlußbemerkungen. wein-berg, wasch-frau, melk-faß; societas, puritas, justi- tia, dominium vor unserm gesell-schaft, rein-heit, gerech- tig-keit, eigen-thum, weil hier lauter einfache begriffe gemeint sind. Unzusammengesetzte wörter geben sich leichter zur ableitung und fortzusammensetzung her; aus compositis werden nicht gern ableitungen gebildet und schwerfällige decomposita, z. b. herus durch haus- herr übersetzt, klingt hausherrisch f. herilis schon steif und wie sollen wir sagen für heri-fuga? pluviosus, pluvialis läßt sich in regen-haft verdeutschen, nicht aber imbricus in platz-regen-haft ohne ziererei. Manche un- serer zusammensetzungen scheinen eine nach schädlicher verwilderung erfolgte sprachausbildung zu verrathen; einzelnen haftete zuerst etwas unedles an (s. 937. 941. 942.), bevor sie gebrauch und bedürfnis annehmlich machten. Die lichtseite der deutschen composition habe ich durch darstellung ihres unerschöpflichen reichthums und ihrer vielfachen abstufung aufgedeckt. 4) bei vergleichung fremder sprachen ist mir das an- gelegenste, auch in ihnen den compositionsvocal als sol- chen nachzuweisen. Von ihm hängt, wie bei uns, alle eigentliche zusammensetzung ab. Es ist, wie im deut- schen, immer ein kurzer vocal. a) im latein -i; daß es kein casus-i sein kann folgt aus seiner verwendung hinter allen nominibus jeder decl. und jedes geschlechts, auch solchen, die nur im plur. gelten. Beispiele aus der ersten decl.: stilli-cidium, silvi-cola, terri-cola, virgi-demia (wie vin-demia, a demendo), causi- dicus, aquili-fer, bacci-fer, flammi-fer, furci-ser, gemmi-fer, herbi-fer, stelli-fer, sagitti-fer, squami-fer, umbri-fer, lani-ficus, aqui-folium, terri-gena, ali-ger, barbi-ger, cristi-ger, lani-ger, penni-ger, stelli-ger, nugi-gerulus, herbi-gradus, aqui-legium, spici-legium, capri-mulgus, equi-mulgus, sagitti-potens. Aus der zweiten: galli- cinium, ligni-cida, auri-ser, anni-ser, belli-ser, caduci- fer, leti-fer, ostri-fer, somni-fer, signi-fer, tauri-fer, veli- ser, vini-fer, racemi-fer, lucri-ficus, dei-ficus (wie dei- loquus, dei-para, im mittellat.), veli-ficus, auri-sodina, argenti-sodina, auri-fur, coeli-gena, armi-ger, belli-ger, armi-lustrium, hirci-pes, soni-pes, lucri-peta, hirci-pilus, armi-potens, belli-potens, vini-potor, foeni-secium, lecti- sternium. Aus der dritten: muni-ceps, muri-ceps, parti- ceps, homi-cida, insanti-cida, lapidi-cida und lapi-cida (vom alten lapis, gen. lapis) matri-cida, parri-cida (s. patri- c.) regi-cida, muri-cidus (bei Plaut. ein feigling, maus- III. composition. schlußbemerkungen. tödter), marti-cola, monti-cola, rupi-cola, ruri-cola, pietati- cultrix, juri-dicus, flori-fer, frondi-fer, frugi-fer, imbri-fer, luci-fer, melli-fer, nocti-fer, rori-fer, pesti-fer, saluti-fer, soli- ter, sopori-fer, thuri-fer, turri-fer, morti-ferus, arti-fex, carni-fex, melli-fex, opi-fex, pani-fex, ponti-fex, honori- ficus, muni-ficus, cruci-fixus, melli-fluus, rori-fluus, aeri- sodina, ossi-fragus, aquiloni-gena, serpenti-gena, soli-gena, marti-genus, crini-ger, flori-legium, haeredi-pela, vesti-plicus, auri-scalpium, vesti-spicus, sangui-suga, su-ovi-taurilia, monti- vagus, nocti-vagus, igni-vomus, carni-vorus. Aus der vierten wenige: algi-ficus, arci-potens, corni-cen, corni- ger, corni-pes, domi-duca, domi-porta (schnecke), fluc- ticola, flucti-gena, fructi-fer, geli-cidium. Aus der fünf- ten weiß ich kein beispiel als das mittellat. speci-ficus von species, oder gehört fidei-commissum, rei-vindicatio hierher? Bei adjectivischer composition kann das adj. wiederum allen drei ersten decl. gehören. Beispiele aus der zweiten und ersten: parvi-collis, uni-caulis, uni- cornis, uni-jugis, miseri-cors, vani-dicus, veri-dicus, soli-ferreus, magni-ficus, largi-fluus, alieni-gena, tardi- gradus, magni-loquus, multi-loquus, versuti-loquus, vivi- para, fissi-pes, longi-pes, solidi-pes, tardi-pes, multi-scius, alti-sonus, rauci-sonus, soli-vagus, alti-volans. Aus der dritten: omni-gena, omni-medens, brevi-loquus, blandi- loquus, dulci-loquus, gravi-loquus, suavi-loquus, gracili- pes, levi-pes, levi-somnus u. a. m. — Anmerkungen: 1) ohgleich ich lange nicht alle lat. eigentlichen compo- sita anführe, so ist doch ihre anzahl überhaupt unverhält- nißmäßig geringer, als der deutschen und einige der schönst gebildeten stehen bloß bei den alten dichtern. 2) der bindungsvocal fehlt selten, aber doch zuweilen α ) wenn das zweite wort vocalisch anlautet: celt-iberi, pusill-animis, fun-ambulus, somn-ambulus, noct-ambulo. β ) auch vor consonanten: man-ceps, man-cipium f. mani- ceps (vgl. muni-ceps etc. und ahd. mana-houpit) man- suetus f. mani-suetus (vgl. ahd. mana-luomi, gr. χειρο- ήθης ) vin-demia f. vinî-demia (vgl. virgi-demia) sol- stitium f. soli-stitium (vgl. das mittellat. armi-stitium) puer- pera f. pueri-pera (wie pueri-cida); ich weiß nicht, ob os-cen hierher gehört? schwerlich luscinia, das mit lux und cano nichts zu schaffen hat, sondern ableitung ist von luscus, luscinus (der geblendete singvogel?) γ ) durch auflösung des avi-in au-: nau-sragium f. navi-sragium, au-ceps, au-cupium f. avi-ceps, avi-cupium, au-gur s. avi-gur (das zweite wort dunkel) vgl. ahd. niu f. niwi, III. composition. schlußbemerkungen. goth. tánï f. tavi. 3) die ableitungsbuchslaben bleiben in dem ersten wort, wie die aus der dritten decl. gegebnen beispiele zeigen. Man kann daraus lernen, was zur flexion gehört oder nicht, und daß pons, pietas stehen für pont-s, pietat-s. Doppelformen wie lapidi-cida und lapi-cida gründen sich auf ein doppeltes lapid-s und lap- is, vulni-ser, vulni-ficus auf eine ältere form die im gen. kein - einschob. Bemerkenswerth ist das wegbleibende -in bei homi-cidium sangni-suga, nicht homini-cidium, sanguini-suga, wie im goth. guma-kunds stehet, weil im deutschen das -n offenbar flexion ist, nämlich princip der schwachen (vgl. oben s. 538.). Ich entsinne mich keines solchen lat. -in, das bei der compos. haftete (das nachher anzuführende semini-verbius ist spätere bildung), in die ableitungen geht es häufig ein, graminosus, semi- nosus, ominosus etc. Die natur dieser formel scheint von altersher schwankend bald derivativisch, bald flexivisch. 4) ableitende -i und -u pflegen dem comp. vocal zu weichen, vgl. die beispiele aus vierter decl.; mit denen auf -ia, -ius wird kaum zusammengesetzt, in tibî-cen geht der lange vocal aus tibi-i-cen hervor, warum aber kur- zer in medi-dies, medi-terraneus, medi-tullium? Zuwei- len verschlingt aber auch -u den bindelaut, man findet arcu-potens, cornu-peta, doch acu-pictus, manu-factus, manu-missus, manu-scriptus sind vielmehr uneigentliche composita, aus dem angerückten abl. sg. erwachsen, sowie manu-pretium f. manus pretium steht, ich weiß nicht, ob domuitio f. domum itio? Zeigt qu- in hirqui-tallus, sterqui-linium (neben hirci-tallus) ableitendes -u an? solche -qui könnte man sich auch bei zus. setzung von acus, arcus, pecus, specus, lacus, quercus etc. denken; es kommen keine vor. 5) bisweilen ist das erste wort dunkel oder unsicher, z. b. aru-spex oder haru-spex (vgl. au-Ipex f. avi-spex) meri-dies (von merns? oder f. medi-?) mani-festus (von manus? vgl. hand-greiflich) gaju- gena, u. a. m. mulci-ber gehört nicht hierher, s. unten. 6) wie im deutschen (s. 666. 667.) zeugt die composition adjectiva aus subst. und sowohl ohne ableitung (levi- somnus, magn-animus, hirci-pilus, longi-pes, miseri- cors) als mit ableitendem -i: pusill-animis, parvi-collis, vgl. die partikelcomp. im-berbis, im-bellis, de-pilis etc. 7) können verba eigentlich zus. gesetzt werden? in der regel scheinen fie nur herleitbar aus componierten nomi- nibus folglich tergi-versor ein tergi-versus voraussetzend; composition r it partic. (wie alti-volans, omni-medens) III. composition. schlußbemerkungen. beweist nicht fürs übrige verbum; den nicht seltnen auf -fico (aedi-fico, ludi-fico, lucri-fico, melli-fico, nidi-fico, turpi-fico, veli-fico etc.) liegen nomina mit -fex, -ficus zu grunde, einigen auf -fero, -feror (voci-fero, pesti- fero, nach erster conj.) adj. auf -fer; magni-facio, flocci- facio, flocci-pendo, parvi-duco, parvi-facio, parvi-pendo scheinen aber unabgeleitet, ich würde sie für uneigentl. zus. gesetzt halten (mit dem angerückten gen. flocci, magni, parvi) wenn nicht vili-pendo wäre, das kaum aus dem gen. vilis entspringt. 8) wieder anders zu neh- men und verbum mit verbo verbunden sind alle auf -facio, und -fio: cale-facio, frige-facio, labe-facio, ol- facio (f. ole-f.) pate-facio, putre-facio, nigre-facio, terre- facio, torre-facio, tume-facio etc., welches -e kein compositionslaut, sondern dem -e der zweiten conjug. identisch folglich bildungsvocal ist, obgleich sich kein la- beo, nigreo aufweisen, etwa nur voraussetzen läßt. Zu- sammenziehung aus calere facio etc. anzunehmen verbie- tet theils der kurze vocal, theils cale-fio, tepe-fio etc. wozu sich kein inf. schickt. Warum geben sich verba erster, dritter, vierter conj. nicht her zu solchen compo- sitis? Jene auf -eo sind lauter intransitiva. b) der griechische bindungsvocal lautet -ο für nomina jedes geschlechts und jeder declination. Wegen der un- endlichen menge solcher zusammensetzungen reichen hier wenige beispiele hin. Aus der ersten declination: ἀραχνο- ϋφής, γεο-ειδής, gewöhnl. γεω-ειδής, ἡμερο-φύλαξ, κορο- κόσμιον, μελισσο-τρόφος, νικο-ποιός , νυμφο-γενἠς, ὑλο- δρόμος . Aus der zweiten: ἀρτο-θήκη, γερανο-μαχία, ἱππο-νόμος, μυλο-κόπος , οἰκο-δόμος, ὀνο-ειθής , σκοτο- μήδης , ῥοδο-δάκτυλος, στρατο-λόγος, ταυρο-βόλος, τοπο- γράφος, τοξο-βόλος, ὑπνο-φανής, χρυσο-φανής . Aus der dritten: μελιτο-ειδής, μυο-μαχία , νυκτο-ειδής, ὀρνιθο- λόχος, πιτυο-κάμπτης, πνευματο-ποιός, ποδο-στράβη, ῥινο-βόλος, φοινικο-τρόφος, χειρο-μαντεία , χιονο-βόλος . Und mit adjectivis erster und zweiter: αὐτο-κύριος, γυμνο- πόδης, ἰσο-βαθής, καλο-διδάσκαλος, μεσο-φανής, ὁμοιο- παθής; dritter: ἀρσενο-γενής, μελανο-κόμης, τερενο- πλόκαμος. — Anmerkungen: 1) wenn bisweilen -η und -α statt des componierenden -ο auftritt, so läßt es sich bei der ersten decl. mit einigem schein von der flexion herleiten, z. b. δαμαλη-φάγος, δαφνη-φάγος neben δαφ- νό-γηθής, δαφνο-φόρος (Lob. ad Phryn. 634-638.) νυμφα- γενής, κορυφα-γενής, μιτρα-φόρος neben μιτρο-φόρος, μιτρο-χίτων, νυμφο-γενής, νυμφο-κλαυτος (Lob. p. 641.) III. composition. schlußbemerkungen. Der schein verschwindet aber, da es sich ebenwohl bei subst. zweiter und dritter decl. und bei adj. zeigt, z. b. θαλαμη-πόλος, ὀμφαλη-τόμος (Lob. p. 650 ff.) ἀνθη- φόρος, ἀχθη-φόρος, στεφη-πλόκος, βοτρυη-φόρος, βοη- νόμος (Lob. 679. 680.). Was ist es also? entw. dialecti- sches schwanken des compositiousvocals zwischen -ο, -α, -η (wie im ahd. zwischen -a und -o); oder dichterische freiheit, um für kurzes -ο langes -α , -η zu erhalten; oder spätere verwilderung. 2) oft trifft der accent den compositionsvocal, zumahl wenn das zweite wort in pafsiver bedeutung steht, das erste im verhältnis der prae- pos. von, mit, durch gedacht werden kann, z. b. ἱππό- νομος (von pferden beweidet) gegenüber ἱππο-νόμος (pferde weidend) λιθόβολος (stein-beworfen) λιθο-βὀλος (steinwerfend): näheres bei Buttm. kl. gramm. §. 106, 9, 3. In andern fällen schickt sich diese unterscheidung des sinnes nicht, z. b. in ῥοδό-κολπος steht das erste wort wie in ῥοδο-δάκτυλος, in μελανό-κομος wie in μελανο-κόμης der abweichenden betonung ungeachtet. 3) der bindelaut unterbleibt α ) vor vocalischem anlaut: τοπ-άρχης, κυν- αλώπηξ, γρυπ-αλώπηξ, ποδ-ώκης, doch nicht vor jedem, zumahl ε und ει, ἀγαθο-εργός καλο-εργός, μονο-ειδής, κυνο-ειδής, in der contraction kann aber auch η, ου ent- springen. β ) zuweilen nach ν : μελαγ-χρής statt μελανο- χρής; μελαμ-φυλλος st. μελανόφυλλος (wie ahd. eim-par f. eina-par, s. 954.) γ ) wie im lat. bei ναυ-βάτης, ναύ- κληρος und ähnlichen. 4) die ableitungsbuchstaben haften und namentlich weichen die reinvocalischen ableitungen -ι und -υ nicht: πολιο-ειδής, εὐρυο-δίνης, ἰχθυο-νόμος, ἰχθυο-φάγος , eher weicht ihnen der compositionsvocal: ἰχθυ-φάγος, εὐρυ-δίνης, γλυκυ-δερκής , δορύ-μαχος, πλατύ- φυλλος, ταχυ-πόρος, μελι-ηδής , πτολι-πόρθος, νυκτι- φανής . Bemerkenswerth findet sich auch hier αἱμο-χαρής f. αἱματο-χαρής (wie sangui-suga f. sanguini-s.) andere beispiele dieser sogenannten genitivi imminuti hat Lobeck 1. c. pag. 669. . 5) im zweiten wort ändern adj. durch die composition -υς in -ης : βαθύς , ἰσο-βαθής; βαρύς, γυιο-βαρής; θαρσύς, λυκο-θαρσής; ἡδύς, μελι-ηδής etc. (vgl. Lobeck ad Phryn. p. 534 ff.). Ebenso verhält sich φανός zum componierten -φανής und das subst. εἶδος zu -ειδής , das lat. animus zu -animis, das ahd. hërza, muot zu -hërzi, muoti. Wir wißen nicht, ob ein goth. adj. auf -us in der comp. zu -is werden konnte (z. b. hardus, þaúrsus, balva-har- III. composition. schlußbemerkungen. dis, vinþa-þaúrsis?); es wäre möglich. Da die ahd. mundart schon in einfachen adj. das u durch i verdrän- gen läßt, so kann jener unterschied nicht mehr erfolgen. Des ahd. schwankens zwischen annehmen oder wegwer- sen des -i im zweiten wort ist verschiedentlich gedacht worden (s. 543. 648. 666. 667.). 6) eigentlich componierte verba setzen nomina voraus: ἐργο-λαβἑω, κρεω-φαγέω (f. κρεο-φ .) μυρο-πωλέω , ὀνειρο-πολέω, οἰωνο-σκοπέω, οἰκο-δομέω , ῥαβδο-νομέω, τρωγλο-δυτέω und viele an- dere sind abzuleiten von von ἐργο-λάβος, κρεω-φάγος, μυρο-πώλης, ὀνειρο-πόλος, οἰωνο-σκόπος, οἰκο-δόμος, ῥαβδο-νόμος, τρωγλοδύτης . Diesen canon (Buttm. §. 106, 3.) hat Lobeck l. c. 560 ff. neuerdings bestätigt und zu- gleich ausgeführt, daß zusammengesetzte participia auf das übrige verbum keinen schluß erlauben (vgl. oben s. 582 ff. 668 ff.). Im neugriech. wagt man freilich ein νυκτο-φυλάσσω , als wollten wir zu deutsch sagen: ich nacht-wache. 7) verbale composita, nach art der s. 680- 683. abgehandelten deutschen, fehlen meines wißens im griech. (und lat.) gänzlich; für das, was jene ausdrücken, stehen entw. simplicia oder derivata zu gebot. Dagegen besitzt die griech. sprache viele andere verbalzusammen- setzungen, von welchen hernach geredet werden soll. c) auch im slavischen und bis in alle heutigen mund- arten ist -ο bindungsvocal. Ich kann in diesem -o keinen zusammenhang mit flexionsvocalen und namentlich nicht mit dem nom. neutr. (Dobr. inst. p. 456.) erkennen, da es masc. und fem. auf dieselbe weise zeigen. Jene über- einstimmung mit einem casus der neutralen declin. ist da- her so zufällig, wie die des deutschen compositionsvocals -a mit dem goth. dat. sg. masc. und neutr. subst. oder des lat. -i mit dem gen. sg. masc. neutr. Beispiele von masc. im ersten wort: altsl. bogo-slov’ (theologus) bogo-roditza ( θεοτόκος ) serb. bogo-nosni ( θεοφόρος ) russ. bogo-boretz” (impius) böhm. boho-mil (n. pr. gott-lieb); böhm. listo- pad (november, d. i. blattfallmonat, in der Schweiz loub- risi) altsl. domo-stroitel’ (dispensator domus) russ. domo- sjed” (qui domi sedet); alts. pjetlo-glashenïe (gallicinium); russ. kameno-lomnja (lapidicina); russ. gromo-glasïe (don- nerstimme) böhm. hromo-swod (donnerableiter); serb. miro-dar (n. pr.) russ. miro-tvoretz” (friedensstister). Von femininis: altsl. ruko-pisanie (chirographum) serb. böhm. ruko-pis; altsl. vodo-nos’ (hydria) serb. vodo-pija (n. plantae: die waßertrinkende); russ. zimo-rodok” (al- cedo) böhm. zymo-strázh (wintergrün); russ. mucho-mor” III. composition. schlußbemerkungen. (fliegenschwamm) böhm. mucho-můrka; russ. krovo- prolitetz” (blutvergießer) böhm. krwo-tok (blutfluß) serb. krvo-pilatz (blntsauger); serb. zmijo-glav (gallina, schlan- genkopf); serb. knjigo-noscha (briefträger); russ. kozo- doi (caprimulgus) böhm. kozo-dog. Von neutris: altsl. drovo-nos’ (holztrage) böhm. drewo-wrtek (holzwurm); russ. ljeto-pis’ (jahrbuch) böhm. leto-pis; serb. zlato-krili (goldgeflügelt) russ. zoloto-ok” (n. plantae) böhm. zlato- hlaw (goldstück); serb. kolo-vrat (vortex) böhm. kolo- wrat (spinnrad); serb. vino-grad (vinea) böhm. wino- hrad, russ. vino-gradar’ (winzer); russ. pivo-var” (bier- brauer) böhm. piwo-wár (brauhaus); böhm. maso-gjdek (fleischeßer). Beispiele von adj. im ersten wort: altsl. blago-vjestnik’ (evangelista) russ. blago-volitel’ (fautor) böhm. blaho-slawenost (felicitas); serb. drago-mir (n. pr.) böhm. draho-mjr; altsl. novo-plodïe (messis, neue frucht) novo-grad’ (n. urbis); altsl. milo-serd’ (misericors) böhm. milo-slaw (n. pr.) serb. milo-rad (n. pr.); altsl. mnogo- milostiv’ ( πολυέλεος ) böhm. mnoho-barewny (multicolor) serb. mlogo-znao (multiscius); altsl. dolgo-terpjenïe ( μα- κροθυμία ) russ. dolgo-rukïi ( μακρόχειρ ) böhm. dlauho- nohy ( μακρόπους ) serb. dugo-nokt (langnagelig); altsl. malo-plodïe (infertilitas, geringe frucht) russ. malo-vjer” (kleingläubig) u. a. m. — Aumerkungen : 1) der bildungs- vocal i absorbiert zuweilen den compositionsvocal, zumahl im böhm., vgl. koni-bodce (centauri) koni-klec, koni- trud (nomina plant.) hosti-slaw (n. pr.) ohni-pal (feuer- brand) ohni-wác’ek (phoenix) ohni-zhil (salamandra) pjdi- muzhjk (nanus, d. i. spannelanges männlein) von den subst. kůn’, host, ohen’, pjd’, russ. kon’, gost’, ogon’, pjad’, welche (vorr. zur serb. gramm. XXXVI.) auf ältere formen mit ableitendem (in der composition erhaltenem) i, koni, gosti, ogni (lat. ignis) pjadi zurückführen. Auch das russ. tzar’-grad” (constantinopel) stehet für tzari-grad”. Seltner haften beide, bildungs- und compositionsvocal, nebeneinander: konjo-kraditza (pferdedieb) böhm. kon’o- nozek (pferdefuß). Ableitendes -u scheint dem comp. vocal immer zu weichen, vgl. russ. medo-var” (meth- brauer) von med” = medu, ja in med-vjed’ (ursus, d. i. methkenner, honigschmecker) für med”-vjed’ sind beide geschwunden, wie in notsch-leg” (nachtlager) höhm. noc- leh für notsch’leg”. 2) eigentlich componierte verba sind wiederum ableitungen von nominibus, z. b. altsl. blago- vjestiti (evangelizare) zhivo-voriti (vivisicare) russ. bogo- -mol’stvovat’ (zu gott beten) malo-dushnitzat’ (kleinmü- III. composition. schlußbemerkungen. thig sein) serb. bogo-raditi betteln) u. a. m. 3) die slav. sprachen sind ungleich ärmer an eigentlichen zusammen- setzungen, als die deutschen, aber reicher, wie Dobrowsky längst eingesehen hat, an einfachen wörtern und deriva- tionsmitteln für viele begriffe, welche wir componieren. d) die romanischen sprachen haben das vermögen ei- gentlich zusammensetzen eingebüßt. Zwar führen fie noch einige lateinische compolita fort, z. b. ital. arti-ficio, edi-ficio, frutti-fico, multi-plice, mani-festo, magni-loquo, grandi-loquo, nau-fragio etc. span. agri-cultura, ampli-ficar, edi-ficio, boqui-tuerto, boqui-seco, cuelli-erguido, cuelli-corto (? colli-curtus) nau-fragio, veri-dico etc. franz. mani-feste, magni-fique, veri-dique, edi-fice, arti-fice, edi-fier, multi- plier, nau-frage u. dgl. aber wie einfache wörter, ohne die composition zu fühlen, noch für neue bildungen anwenden zu dürfen. In den meisten fällen sind die ersten wörter ver- loren gegangen oder entstellt worden. Im altfranzös. scheinen gleichwohl hin und wieder einzelne neuge- schaffne composita und vorzüglich in den kerlingischen gedichten, auf deutsche weise ohne bindungslaut gebildet, vorzukommen, z. b. fer-armé (eisen-gewafnet) fer-lié (eisen-gebunden) fer-vesti (eisen-gekleidet) pié-coupé (fuß- beschnitten) pié-taillé (fuß-behauen) pié-poudreux (fuß- bestäubt) soi-menti (ahd. triu-logo) Roquef. 614 b , dieu-anemi (ahd. gota-leido). Meist also mit part. praet. Die falle ver- dienen sorgfältige sammlung. Den mangel an zus. setzungen vergütet allen romanischen sprachen ein reichthum von ab- leitungen. In den deutschen verhält es sich nahe umgedreht. e) was die uneigentliche composition der lat. griech. slav. und romanischen sprachen betrifft, so versteht es sich, daß ihnen allen die mit partikeln überaus geläufig ist. Es könnte aber nur aus umständlicher darstellung aller verhältnisse, wozu hier nicht der ort ist, fruchthare vergleichung mit den abgehandelten deutschen zus. setzun- gen hervorgehen. Ich laße es also, da die wichtigste ab- weichung und einstimmung des fremden partikelgebrauchs s. 920. 921. angegeben worden ist, bei folgenden bemer- kungen uber die sonstigen uneigentlichen compositionsar- ten bewenden. 1) angerückte genitive sind im latein. selten, beispiele: legis-lator, trium-vir, duum-vir; weniger schon pignoris capio, negotiorum gestor. Meistentheils folgt der gen. nach. Häufiger im griech., besonders bei eigennamen: διός-κοροι ; διός-πολις, ἑλλής-ποντος; ἁλος-άχνη (meeres- III. composition. schlußbemerkungen. schaum) für ἁλὸς ἄχνη; ὑδατος-ύδνη (name einer meer- frau); κυνός-βατος (hunds-dorn) κυνός-ουρα (hundes- zagel); ἀνδρός-αιμον (n. plantae, mannes-blut); βός- πορος (ochsen-furt) f. βόος πόρος; μυός-ωτον (mäuse- ohr, pflanze); ὀνου-γνάθος (esels-kinnbacken, name eines vorgebirgs in Laconica); νεώς-οικος (schiffs-haus, werft, hafen); ὑος-κύαμος (sau-bohne, schweins-bohne) die lebendigen (grammatisch unzerlegten) wörter scheinen freilich beßer mit σ statt ς- zu schreiben ( κυνόσουρκ , ξλλήσποντος ); ein deutsches windspraut, manusplut folgt aber nicht daraus. . Wie im deutschen werden zuweilen ganz analoge namen eigent- lich componiert, z. b. λεοντο-πόδιον; ὀνό-πορδον, ὀνό- χηλος; λυκό-πους, zuweilen scheint unorganisches σ zu stehen, z. b. λυκος-ούρα (n. urbis Arcadiae). Der gen. pl. bleibt lieber getrennt: ὀρνίθων πόλις (urbs avium, in Phönicien). Slavische genitivcomposita kenne ich selbst in eigennamen nicht. 2) angeschobne dative oder im lat. ablative kommen hauptsächlich bei adj. und part. praet. vor (vgl. s. 591. 621. 622.) lat. manu-fortis, manu-captus, mente-captus, acu-pictus, acu-pictor, usu-capio, überhaupt selten und selbst in einigen dieser beispiele kann entweder bildungs- vocal oder loser casus angenommen werden. Ablativi plur. scheinen sich nie uneigentlich zu binden. Das grie- chische ist hier wieder reicher. Bei dem dat. sg. könnte man oft zweifeln, ob nicht ein bildungs-i gemeint ist, z. b. in ἁλί-βατος, ἁλι-δινής , νυκτι-λαμπής, νυκτι-πόρος, πυρι-φλεγής, δορι-πετής, δορί-τμητος, γαστρί-δουλος, ποδί-κροτος, χειρί-σοφος; bei dem. dat. sg. der neutra auf -ος und dem dat. pl. (dritter decl.) schwindet alle un- sicherheit: ἐγχει-βρόμος (hastâ furens) ἐγχεί-μαργος, ὁρει- βάτος (in monte ambulans) ὀρει-δρόμος (in monte cur- rens); ἐγχεσί-μωρος (hastifer, hastis pugnans) ἐντεσί-εργος (in armis laborans) ναυσι-βάτης (nauta) ναυσί-θοος (na- vibus celer) ναυσί-κλυτος (navibus clarus) ὀρεσι-βάτης (per montes ambulans) ὀρεσί-τροφος (in montibus altus) τειχεσι-πλήτης (muros pulsans? mauerstürmend?) τελεσί- δρομος (ad fines currens). Bisweilen fällt das letzte i weg: τελες-φόρος (ad finem perducens) ἐγχες-φόρος (hasti- fer) ἐγχές-παλος (lanceam vibrans) ἐπές-βολος (rixosus, der mit worten wirft) κερας-φόρος (corniger) κερας-βόλος (auf die hörner geworfen) σακές-παλος (clypeo vibrans) σακες-φόρος (schildträger). Worin liegt der grund, daß nur mit den dativen dritter decl. componiert zu werden III. composition. schlußbemerkungen. scheint und nicht erster oder zweiter? Dürste man in ὁδοι-πόρος, ὁδοι-πλανής, πυλοι-γενής, σκοτοι-βόρος das οι aus ῳ, in γυναι-μανής das αι aus ᾳ (nach dorischer form, so daß das ganze nicht für γυναικο-μανής zu stehen brauchte) deuten? bei κελαι-νεφής für κελαινο-νεφής geht es freilich nicht (vgl. hier Lob. p. 647. 648.). Uebrigens ver- mag was die angeruckten dative ausdrücken in vielen fällen durch eigentilche zusammensetzung mit compositionsvocal bewirkt zu werden, vgl. ὀρό-κτυπος (in monte sonans) χειρό-κτυπος, σακο-φόρος κ . τ . λ . weshalb die vorhinan- gefuhrten auf -ι unsicher bleiben, insofern hier der bil- dende vocal den bindenden absorbiert haben könnte. Im slavischen keine uneigensliche dativzusammensetzun- gen. Die dativi pl. gehen hier, wie im deutschen auf -m aus und diese liquida hat nicht die anfügigkeit der spirans -s, welche allerdings in anschlag gebracht wer- den muß, um die griech. composita mit dem dat. pl., wie die deutschen mit dem gen. sg. vollständig zu be- greifen. Ich habe daher s. 621. 622. bei dem ags. vun- dum hëard, vintrum frôd etc. ungebundenheit ange- nommen, übrigens stimmt das schwanken zwischen dæ- dum rôf und dæd-rôf völlig zu dem griech. zwischen ὀρει-τύπος, ὀρεσί-τροφος und ὀρο-τύπος, ὀρό-τροφος . Nhd. uneigentliche composition mit dem dat. pl. z. b. in ruthen- streich, kohlen-sauer, thaten-schwer, blumen-bekränzt, lan- zen-geübt, raben-umflogen, ketten-belastet ist nur scheinbar, wiewohl von neueren dichtern aus unkunde unserer sprache zuweilen dem griech. nachgebildet. Denn da wir den dat. in diesen fällen nicht los gebrauchen können, sondern praepositionen zu hilfe nehmen müßen (streich mit ruthen, bekränzt mit blumen, geübt in lanzen) so kann er sich nicht anlehnen und die praep. fahren laßen. In ketten-, wolken-, raben- gehört -en zur bildung, in den übrigen steht es unorganiseh (s. kohl-sauer, lanz-geübt) den plural für den sing. genommen (s. 594.); daß -en am wenigsten der dat. pl. sein könne, lehrt die vergleichung mit blätter- umkränzt, kinder-umgeben (gewis nicht: blättern-, kin- dern-). Die richtige sorm ist nur: blum-bekränzt, kind- umgeben. 3) accusativ zusammensetzungen sind so ungewöhnlich wie im deutschen (s. 619. 623. 624.). Die gr. ἑως-φόρος und φως-φόρος scheinen accusativisch, das eigentliche φωτο- φόρος gilt neben letzterem. Das lat. anim-adverto ent- springt aus animum adverto, domu-itio aus domum itio? (vgl. s. 968.). Auch im serb. dan-gubiti (zeit verlieren) III. composition. schlußbemerkungen. dan-guba (zeit-verlust) halte ich dan für den acc. (diem), andern slav. sprachen fehlt dies compositum. 5) bloße apposition mit völliger biegung jedes der bei- den wörter, findet statt im lat. res-publica, jus-jurandum, usus-fructus, gen. rei-publicae, juris-jurandi, acc. rem- publicam, usum-sructum. Bloß der häufige gebrauch hat die neben einander gestellten nomina zusammengefügt. Im romanischen geschieht das öfter, ohne daß sich die über- haupt erloschne flexion zeigen könnte, z. b. franz. jeun- homme, prud-homme, bon-homme, grand-pré, haute- feuille, belle-forest, aube-spin (prov. albespi) ital. bianco- spino etc. Man vergleiche die isländ. svarta-braud etc. (s. 678.) nhd. die rothe-ruhr (gen. der rothen-ruhr) nicht aber unsere eigentlich componierten weiß-dorn (gen. weiß-dorns) nieß-brauch (gen. nieß-brauchs). 6) die lat. bene-sicium, bene-volus, male-ficium, male- sanus die griech. εὐ-εργός, δυς-εργής etc. find mit den adverbien zusammengesetzt, vgl. die deutschen tus- (s. 768.) und vaíla- (s. 794.), die franz. bien-fait, mal-sait, bien- veillant, mal-veillant. Mit verbis binden sie sich nur durch ableitung (Lobeck l. c. p. 266. 561.). 7) bis hierher habe ich die abhandlung einer reich- haltigen, ausdrucksvollen griechischen compositionsweise, welche auf den ersten blick aller deutschen, lateinischen, slavischen und selbst der vorhin untersuchten griechischen entgegenlauft, verspart. Sie kann umgedrehte composition heißen, denn der begriff, welcher in ihr die vordere stelle einnimmt, hat in der gewöhnlichen die hintere und was in dieser das erste wort, drückt in ihr das zweite aus. Sie liefert zwar nicht bedeutend viele, aber meistens alte und kühne wortbildungen. Zwei arten sind zu unterscheiden: a) das erste wort ist ein verbum , meist in futurischer, seltner in praesentischer form, welches ich hernach zu recht- fertigen suchen werde. Ein praesens liegt folgenden beispie- len zu grund: ἀγέ-στρατος (dux); ἀκειρε-κόμης (haarschee- rer); ἀρχέ-κακος (auctor mali) ἀρχέ-λαος (princeps) ἀρχέ- πλουτος (auctor divitiarum) ἀρχέ-χορος (= χορηγός ); δακέ- θυμος (eigentl. componiert θυμο-δακής ); ἑλκε-τρίβων (man- telschlepper) ἑλκε-χίτων (kleidschlepper); ἐχέ-θυμος (muth- habend) ἐχε-νηΐς (schiffhaltend); μενέ-λαος (populum susti- nens? cxspectans?) μενέ-μαχος (pugnam sustinens) μενέ- χαρμος (idem); τελέ-αρχος (minister) τελέ-νικος (n. pr., per- ficiens victoriam); τρεχέ-δειπνος (ad epulas currens); φερέ- βοτρυς (uviser) φερέ-ζυγος (jugifer) φερέ-κακος (ferens malum) φερέ-νικος (dans victoram) φερέ-οικος (domi- III. composition. schlußbemerkungen. porta); φιλ-άδελφος (amans fratrem) φιλ-αίμων (san- guinarius) φιλ-έλλην, φιλ-έσπερος zuweilen steht unorganisch -ι für -ε : ἀρχί-βουλος, τερπι-κέραυνος . . Ein futurisches σ folgenden: ἀγεσί-λαος (dux populi) ἀγησί-χορος (dux chori); ἀερσί-νοος (animum extollens) ἀερσί-πους (pedes cito movens); ἀλφεσί-βοιος (boves nanciscens, bei Homer von vielgefreiten jungfrauen Jl. 18, 593, bei Aeschyl. suppl. 861. vom viehtränkenden waßer); ἀρχεσί-μολπος (cantum ducens); ἑλκεσί-πεπλος (schleierschleppend) ἑλ- κεσί-χειρος (handziehend); ἐνοσί-γαιος (terram quatiens) ἐνοσί-φυλλος (folia quatiens) ἐνοσι-χθών (terram quatiens) ἐρασί-μολπος (cantum amans) ἐρασι-πλόκαμος (cirrum amans) ἐρασι-χρήματος (avarus); ἐρυσί-θριξ (crines pectens) ἐρυσί-πολις (urbem servans) ἐρυσί-σκηπτρον (nom. plantae) ἐρυσί-χθων (terram arans) ἐρυσι-γαῖος (idem); δαμασί- βροτος (homines domans) δαμασί-φρων (domans animum); δεισι-δαίμων (deum timens) δεισί-θεος (idem); δεξί-δωρος (dona ferens) δεξί-μηλος (donans oves); δηξί-θυμος (mor- dens animum) δηξι-χερής (mordens manum); διωξι-κέλευ- θος (incitans ad iter) διώξ-ιππος (agens equos); ζευξί- λεως (f. λαός , subjugans populum) ζεύξ-ιππος (jugans equos); κινησί-φυλλος (folia movens) κινησί-χθων (terram movens); κλεψί-γαμος (moechus) κλεψί-νοος (furans ani- mum) κλεψι-τόκος (clam pariens); κρατησί-μαχος (vin- cens bello) κρατησί-πους (pede fortis) κρατήσ-ιππος (do- mans equos); λυσί-γαμος (solvens conjugium) λυσί-δικος (s. litem) λυσί-ζωνος (discinctus) λυσί-μαχος (solvens pug- nam) λυσι-μελής (s. membra) λυσι-μέριμνος (s. curas) λυσί-πονος (s. labores) λυσί-φρων (s. mentem); μελησί- μβροτος (f. μελησί-βροτος , qui in cura hominum est); νηξί-πους (natans pedibus); ὀρσί-κτυπος (ciens turbas) ὀρσι-νεφής (nubes cogens); παυσί-λυπος (sedans dolorem) παυσί-νοσος (medens) παυσι-νύσταλος (pellens somnum); πεισί-μβροτος (homines moderans) πεισι-χάλινος (freno obediens); πλήξ-ιππος ( ἱππό-δαμος ); πηγεσί-μαλλος (la- nam figens, firmans und dann firmus lanâ); ῥυσί-διφρος (currum regens) ῥυσί-πολις (urbem servans); σεισί-χθων (terram movens) σεισί-φυλλος (folia movens); στρεψί- μαλλος (lanam crispans und dann crispus); ταμεσί-χρως (secans cutem); ταραξι-κάρδιος (cor quatiens) ταράξ-ιππος (ein ort; tummel den gaul); τερψί-βροτος (exhilarans homi- nes), τερψί-νοος, τερψί-χορος; τισί-φονος (caedem ulciscens); φαεσί-μβροτος (hominibus lucens); φιλησί-μολπος (amans cantum) φιλησι-στέφανος; φθισί-βροτος (hom. perdens) Q q q III. composition. schlußbemerkungen. φθισί-φρων (mentem perdens); ὠλεσί-θυμος (animam perdens) ὠλεσί-καρπος (fructum perdens) ὠλεσί-οικος (do- mum p.) ὠλεσί-τεκνος (liberos p.) u. a. m. vgl. Lob. l.c. 769-71; es kann auch, wie (vorhin s. 974.) beim dat. pl. das -ι wegfallen, z. b. ϕερέσ-βιος (lebenbringend) f. ϕερεσί-βιος . . Diese bei- spiele laßen an dem hohen alter und der sprachange- meßenheit ihrer bildung nicht zweifeln, manche sind eigennamen, viele aus Homer genommen; sie stimmen auch darin zu den schönsten eigentlichen zus. setzungen, daß sich nach dem zweiten wort gangbare formeln erge- ben, z. b. ἐνοσίφυλλος , κινησίφυλλος, σεισίφυλλος (eigent- lich: φυλλοχόος, φυλλοσινής , φυλλόῤῥοος, altn. qui st scæðr edd. sæm. 269 b ). Wie ist nun ihre sorm zu erklären? Eigentliche zusammensetzungen sind es nicht, denn der compositionsvocal fehlt und eine verbalflexion ist in sie eingegangen, die eigentliche composition schließt aber jede flexion aus. Gleich den vorhin abgehandelten compositis mit dem dat. pl. ὀρεσί-τροφος, ναυσί-πορος müßen folglich auch παυσί-λυπος, ὠλεσί-τεκνος uneigentlich, d. h. durch bloße anschiebung zusammengesetzt sein. Höchstens ein- zelne könnten aus femininis gebildet scheinen, z. b. κινησι- φόρος, τερψί-χορος aus κίνησις (motus) τέρψις (gaudium); allein diese ansicht schwindet, sobald man erwägt, daß λυσί- μαχος, ῥυσί-πολις (wie die futura λύσω, ῥύσω Buttm. §. 95, 4.) langes υ, die fem. λύσις, ῥύσις ( θύσις, φύσις, χύσις ) kurzes haben. Die zuerst aufgeführten praesentischen for- men sind offenbare imperative praes. ἄγε , ἄρχε etc. und weil sich ἀγέ-λαος und ἀγεσί-λαος, ἀρχέ-λαος und ἀρχεσί- λαος, φερέ-καρπος und φερεσί-βιος sichtlich parallel ste- hen, so wage ich zu vermuthen, daß die futurischen for- men veraltete imperativi futuri sind. Die griech. gram- matik, wie wir sie heute kennen, läßt das sut. im conj. und imp. ausfallen, ohne daß dem begriff nach diese bei- den modi ihm widerstrebten. Der analogie des aor. 1. imp. σεῖσον, φιλήσον gemäß scheint mir das fut. 1. imp. gelautet zu haben σείσι, φιλήσι ohne diese flexion bliebe nur übrig, in den verhandelten zusammensetzungen einen blinden bildungstrieb für das -σι oder gar rohe nachahmung jener dat. pl. anzunehmen. Bemerkenswerth ist auch daß in den meisten zus. setzungen starke (d. i. unabgelei- tete) verba vorkommen, seltner schwache ( ἐράσι , κρατήσι , ϕιλήσι ). , ja sein hohes alter- thum zeigt sich selbst in dem uncontrahierten ἀγέσι, ἀρ- χέσι etc. und nicht ἄξι , ἄρξι , obgleich das alleinstehende fut. ind. ἄξω, ἄρξω st. ἀγέσω , ἀρχέσω hat. In andern III. composition. schlußbemerkungen. fällen gewährt aber auch die zus. setzung verkürztes διώξι, κλέψι etc., welches genauer zu untersuchen nicht hierher gehört es sind noch einige andere erscheinungen zu deuten, z. b. λιπεσ-ήνωρ (mannverlaßend) st. λείψ-ανδρος , λιπό-δερμος (circumcisus) neben λειπό-δερμος und auf mancherlei weise deutbar. . Für unsere vergleichung ergibt sich das nicht unwichtige resultat, daß die §. 8. erörterten deutschen, fast nur im volksmäßigen gebrauch für eigen- namen fortlebenden composita ihr gegenstück im griechi- schen finden. Was ist unser hebe-streit, habe-dank an- ders als etwan ὀρσί-μαχος, ἐχε-χαρής wäre? und wer σεισί- φυλλος, φιλησί -μολπος genan verdeutschen wollte, hätte zu setzen schüttel-blatt (ranschenblatt) liebe-sang; vgl. ἑλκεσί-πεπλος mit zuck-mantel, δεισί-θεος mit fürchte- gott. Das zweite wort solcher zusammensetzungen ist ursprünglich ein von dem transitiven verbo des ersten worts abhängiger casus (acc.) gewesen, wie der im deut- schen einschiebliche artikel beweist (hebenstreit f. hebe- den-streit). In der kraft des zusammensetzenden triebs wird aber der casus vergeßen und der gen. hebenstreit-s von dem neuen ganzen gebildet, wie der Engländer sagt: the wise of Bathes tale. Im goth. würde daher bei sol- chen compositis der nom. sg. das männliche kennzeichen an sich tragen, z. b. habái-þagks, hafei-streids geht hier das rechte licht auf über den goth. eigennamen vinjái-sriþas? den ich s. 483. nicht verstand und in vinja-fr. emen- dieren wollte. Er scheint uneigentlich componiert und vinjái im- perativ von vinjan, das vielleicht alere, pascere bedeutete, also serva pacem, slav. vladi-mir? Wahrscheinlich sind auf dieser neuen bahn noch mehr goth. und ahd. nom. pr. zu deuten. . Gerade so und noch freier verfährt der Grieche, der im zweiten wort nie mehr den regierten casus sieht, sondern ihm die der zusammensetzung als ganzem gebührende flexion, oft mit hinzugefügten ableitungsvocalen, zu theil werden läßt. Λυσί-μαχος entspringt freilich aus der redensart λύσι μάχην, mit wegwerfung der flexion wurde aber dem composito das männliche -ος angehängt, ungefähr als wollten wir zu deutsch: lösenstreiter, der lösenstreitische sagen. Hier- nach sind nun alle vorgetragnen griech. composita und ihr umgedrehtes verhältnis zu den eigentlichen zu beur- theilen. Δακέ-θυμος und θυμο-δακής unterscheiden sich wie haßenpflug und pslughaßer ( μισάροτρος, ἀροτρομισῶν ) ähnliche umdrehungen, z. b. λεξί-θηρ und θηρο-λέξης , be- rührt Lob. p. 628. 629. — Wider meine entwicklung dieser composition streitet, daß zuweilen hinter dem praes. und sut. Q q q 2 III. composition. schlußbemerkungen. der organische bindungsvocal erscheint, z. b. in λειπό-γαμος, λειπό-θυμος, φιλό-τεκνος, φιλό-στροφος, μισό-παις, μισό-ξενος, λειψό-θριξ, σεισο-πυγίς, σεισό-φυλλος und ähnlichen, statt λειπέ-γαμος, λειψί-θριξ . Allein diese fälle stellen sich doch im ganzen als ausnahme dar und stürzen die regel nicht über den haufen. Sie sind unbe- denklich aus einer späteren, nahe liegenden verwechse- lung zu erklären. Wie ὀρεσί-τροφος und ὀρό-τροφος schwankten, bildete man neben σεισί-φυλλος ein abnor- mes σεισό-φυλλος, worin der compositionsvocal wider seine natur gebraucht wird. Denn er soll die abhängig- keit des ersten vom zweiten wort begründen und in σείσο- ist, wie in allen hier verhandelten zus. setzungen, das zweite abhängig vom ersten. Aus diesem grund laßen sich auch die unorganischen σείσο-, λείπο-, μίσο-, φίλο- keineswegs mit unsern deutschen verbalcompositis s. 680-683. vergleichen, nämlich reib-eisen, brech-zange ist nicht soviel als reib-das-eisen, brech-die-zange, son- dern eisen zum reiben, zange zum brechen, der haupt- begriff in eisen, zange gelegen. b) der zweite fall (a. s. 976.) tritt ein, wenn in sol- chen zusammensetzungen das erste wort kein verbum, vielmehr auch nomen ist. Die bindung geschieht freilich wieder durch den compositionsvocal. Es kommen aber nur sparsame beispiele vor: κλυτό-καρπος (fruchtbe- rühmt) κλυτό-τοξος (bogenberühmt) ἱππο-γέρανος (kra- nichpferd, kranichreiter) ἱππο-πόταμος (flußpferd) und dergleichen, deren sinn wirklich erst aus dem sprachge- brauch zu lernen ist. Dem gesetz aller eigentlichen com- position zufolge sollte ἱππο-πόταμος bedeuten pferde-fluß, ἱππο-γέρανος pferdkranich, κλυτό-καρπος preiswürdige frucht, κλυτό-τοξος berühmt-pfeilig, für jene begriffe wäre ein ποταμό-ιππος, καρπό-κλυτος, τοξό-κλυτος (arci-potens) zu gewarten. Der sprachgeist spottet in diesen compositis aller gewöhnlichen verbindungsweise; ich halte sie für ausnahmen, wozu die häufigkeit der unter a. verhandelten zusammensetzungen verleitete, zu- mahl bei dem zuletzt erörterten misbrauch des composi- tionsvocals ( λειπό-θυμος ). Wäre sie etwas anders als unorganische ausnahme, so würde dadurch die bedeutung zahlloser eigentlicher zusammensetzungen untergraben werden. 8) nähere forschung läßt im latein einzelne zusam- mensetzungen wahrnehmen, die den griechischen (7, a.) gleichen. Varro 4, 11. Plinius 37, 10. gebrauchen mota- III. composition. schlußbemerkungen. cilla (motans, agitans caudam, von einem veralteten subst. cilla, cauda, das zu cillere gehört), ist es dem griech. σεισ-ούρα nachgebildet? das deutsche wipp-sterz, ital. squassa-coda entspringt gerade so. Kann mulci-ber ausgelegt werden mulce-ferrum? Auffallend scheint flex-animus, (bei Varro, Nonius, Catull.) für flect-animus? einem griech. πλεξί-θυμος nachgeahmt? man sagt aber auch flexare f. flectere. Ich würde diese lat. composita (und selbst die eigentlichen, wozu mehr die ältere als die neuere sprache neigung zeigt) dem einfluß des griech. zuschrei- ben, wenn nicht sämtliche romanische mundarten, deren element volksmäßig, nicht gelehrtgriechisch ist, einen ziemlichen vorrath solcher zusammensetzungen gewährten. Deutsche einwirkung ist dabei weder wahrscheinlich, noch nachzuweisen. Beispiele: ital. bacia-mano (nhd. küß-hand, küß-händchen, nicht kuß-hand, wohl aber hand-kuß), bacia- pile, bacia-polvere; caccia-lupi, caccia-diavoli, caccia-nemici; cassa-madia, cassa-panca; guarda-cuorpo, guarda-donna(puer- perae famula) guarda-boschi (saltuarius) guard-insante, guar- da-nappo, guarda-naso, guarda-nidio (ei, das man im nest läßt, serb. polog); passa-tempo (mhd. zît-vertrîp); porta-cappe, porta-fiaschi, porta-mantello, porta-morso; squarta-piccioli; squassa-coda; taglia-borse (crumeniseca) taglia-cantoni (eck- stein durchschneider); tira-boschi (n. pr.); torna-gusto (quod urget palatum) torna-sole (heliotropium) torna-letto. Span. besa-mano; gana-pan (der um brot dient); guarda-damas, garda-suego, guarda-ropa, guarda-mangel, guarda-joyas; llora-duelos; mira-sol (heliotropium); mata-buey (musca, ochsen t ödter) mata-lobos (n. plantae) mata-candelas (lichtaus- löscher); monda-dientes, monda-orejas; passa-mano, passa- tiempo; quita-cuidados (wend-unmuth) quita-pesares (idem); saca-mano, saca-mancha, saca-muelas (zahnbrecher) saca- pelotas; tira-braguero, tira-floxa, tira-sol; torna-boda, torna-sol u. a. m. Franz. baise-main; brise-fer, brise-foi; casse-cou, casse-noix, casse-tête; chante-pleure; chasse- bosse (n. plantae, mittel wider den höcker) chasse-chien, chasse- cousin (saurer wein, der den besten freund aus dem haus treibt) chasse-ennui, chasse-loup (n. pr.) chasse-mouches, chasse-rage (n. plantae wider die wuth); chauffe-chemise, chauffe-lit, chauffe-pied; chausse-pied, chausse-trape; coupe-bourgeon (ein käfer, der baumknospen frißt) coupe- gorge, coupe-jarret, coupe-tête; cure-dent, cure-oreille, cure-pied; gagne-denier, gagne-pain; garde-bois, garde- corps, garde-chasse, garde-feu, garde-manger, garde- marteau, garde-nape, garde-robe, garde-vaisselle; hoche- III. composition. schlußbemerkungen. queue (motacilla); ôte-soin; perce-bois, perce-bosse (n. herbae) perce-forêt, perce-muraille (mauerbrecher) perce- neige (n. plantae) perce-oreille (ohrwurm) perce-pierre (n. plantae (steinbrech) perce-val; pleure-pain (geizhals); porte- aiguille, porte-aune, porte-banniere (sahnträger) porte- chaise, porte-dieu, porte-drapeau, porte-enseigne, porte- faix, porte-feuille, porte-malheur (unglücksvogel) porte- mouchettes, porte-piece, porte-voix (sprachrohr); taille- fer, taille-mêche; tire-bouchon, tire-balle, tire-sonds, tire-monde (wehmutter) tire-sou; tourne-bride, tourne- broche, tourne-dos, tourne-fil, tourne-main (handum- drehen) tourne-lit, tourne-sol; tranche-montagne, tranche- plume; tue-loup (n. plantae) tue-mouche (fliegentödter) u. a. m. Diese romanischen composita bestätigen, daß das zweite wort einen wahren, vom ersten wort regierten acc. enthalte, der hier sogar oft im plur. steht, während das compositum als ganzes betrachtet emen sing. (und wie im deutschen masc.) bildet. Die griech. sprache verfährt hierin kühner, welche mit unterdrückter flexion dem zweiten wort neue bildungsendungen verleiht und diese für jedes geschlecht braucht (z. b. Homers παρθένοι αλ- φεσί-βοιαι ) obgleich vorzugsweise auch die gr. zusam- mensetzungen dieser art masc. sind. Besondere rücksicht verdient aber, daß fast alle romanischen composita bloß mit den imperativen einer schwachen (nämlich der lat. ersten) conjugation gebildet sind, kaum mit denen der starken (lat. dritten) noch der schwachen, welchen ablei- tendes e und i zu grunde liegt (lat. zweiten und vierten conj.) ausnahme das franz. bat-beurre (butterstößel) bat-cul (schwanzrieme) bat-queue (motacilla) von battre, das span. bati- hoja (blechschläger) von batir, ital. batti-cuore (herzschlag) batti- fuoco (feuerstahl) batti-segola (kornblume, die ans korn stoßende) von battere, vielleicht noch andere. . Hierzu stimmt das lat. mota-cilla und flex- animus (geschlechtig und declinierbar gleich den griech.) von motare, flexare. Im griech. hingegen stehen vor- zugsweise starke verba im ersten wort, deutsch sowohl starke als schwache. Das alter der romanischen ist nicht zu bestreiten, perce-val, perce-forest, brise-fer etc. finden sich schon in altfranz. gedichten (chante-clair im rom. du re- nard) und Ducange führt mehrere derselben in mittellat. form auf, z. b. garda-roba (gen. garda-robae) garda-corsium etc. 9) in das englische sind, wie zu erwarten ist, franzö- sische zusammensetzungen als: garde-robe, gard-manger, III. composition. schlußbemerkungen. port-glaive, port-mantle etc. übergegangen: es gibt aber auch eigne bildungen (die richtiger s. 962. hätten ange- führt werden sollen) z. b. break-fast (fastenbrechend) break- neck (halsbrecher) break-promise (wortbrecher), break- stone (saxi-fraga, nicht brech-stein zu verdeutschen, son- dern brechenstein, man findet auch das gleichbedeutige eigentl. comp. stone-break); hang-dog (hängdenhund?); kill-cow (kuhtödter, prahler) kill-buck (bocktödter, hund); nail-burn (brunnen vernagelnd?, vielleicht auch nagel- brunnen, vernagelter br.); shake-spear ( ἐγχεσπαλος, wie Nares und Riemer anmerken, der sorm näher wäre σει- σέγχος ; smell-feast (schmauswitterer) smell-smock (der jeder schürze nachgeht); toß-pot (stürzenbecher); whip- horse (pferdpeitschend, whip-hand ist aber eigentlich com- poniert); wry-neck (drehhals) etc. vgl. auch die mit par- tikeln im zweiten wort: fare-well (lebewohl) hold-fast, need-not (taugnichts) look-out, run-away, sneck-up, start-up u. a. m. Im ags. begegnen keine solche composita. 10) slavische sprachen bieten, außer den s. 963. be- rührten mannsnamen, noch einige, überhaupt aber we- nige vergleichbare composita dar. Die meisten der böhm. und poln. dialect; böhm. hryzi-kůrka (nagenranst, geiz- hals); hubi-len (leinverderb, name eines unkrauts, lein- dotter, flachsdotter); kazi-chléb (paniperda) kazi-modla (vernichter der götzen) kazi-mir (störenfried) kazi-swiet (weltverderber); masti-huba (schmierdasmaul); tluc-huba (schlagdasmaul); strjebi-krewka (blutigel, schlürfdasblut); imperative der verb. hryzti, hubiti, kazyti, mastiti, strjebati, tlaucy. Poln. gryzi-gljowa (kopfnager) gry- zi-koljek (pflocknager) gryzi-krupa (graupenager, geiz- hals) gryzi-pacierz (rosenkranznager, heiligenfreßer); kazi-chléb, kazi-mierz, kazi-rod (blutschänder) kazi- wino (weinverderber) von den verbis gryz’c’, gubic’, kazic’. Serb. gazi-blato (watimkoth) imp. von gaziti. Russ. sverbi-guz” (fricans clunes, name einer pflanze); verti-golovka (drehhals). Im böhm. ne-zna-boh, serb. ne-zna-bozhatz (heide, der gott nicht kennt) ist aber zna die III. praes. ind. (wie in taug-nichts, vaut-rien) von znati. Zuweilen scheint der compositionsvocal sich gleichfalls einzumengen: russ. trjaso-guzka (motacilla) böhm. trjaso-rjitka; russ. verto-scheika (drehhals) böhm. wrto-hlaw von trjasti (agitare) vjertjet’ (vertere). 11) wenn es befremdet, daß ich so vielen griech. und roman. zusammensetzungen, wie den deutschen §. 8, einen III. composition. schlußbemerkungen. wirklichen imperativ zu grunde lege, so ist zu überlegen α ) die deutschen bildungen vergiß-meinnicht, schab-ab, klaub-auf, französ. rendez-vous (auch aus einer andern conjug.) porte-plain! (zuruf in der schiffahrt); zumahl die nachsetzung des imp. in zeit-vertreib, fideln-stôƷ be- rechtigen dazu. β ) davon abgesehen, muß man in der- gleichen wörtern eins von beiden annehmen entw. ei- gentliche zusammensetzung oder uneigentliche. Eigent- liche kann es nicht sein a) weil der organische bindungs- vocal gebricht, wie ich erörtert habe; er kommt nur ausnahmsweise in einigen griech. und slav. compolitis zum vorschein, meiner ansicht nach fehlerhaft. Im romani- schen, das seiner sonst unfähig ist, zeigt sich ein vocal von sichtbar flexivischer, uncompositivischer beschaffen- heit. b) weil dem wesen eigentlicher composition entge- gen im begriff des ganzen das erste wort das stärkere und regierende ist. c) weil keine eigentliche comp. dem er- sten, seiner flexion beraubten und unselbständig gewor- denen wort verstattet, auf das casusverhältnis des zweiten einfluß auszuüben. Hier hängt aber der accus. des zwei- ten vom ersten ab. γ ) ist es also nothwendig uneigent- liche composition, so folgt, daß das erste wort nicht die bloße wurzel, sondern eine leibliche flexion enthalte. We- der ein deutsches spring-, hebe-, noch ein griech. ἄγε-, φέρε-, noch ein rom. guarda-, tira- kann aber etwas an- deres als die II. sg. imp. sein, folglich verräth uns das parallele ἀγέσι, φερέσι eine außerhalb der zusammen- setzung erloschne flexion. Da alle übrigen tempora voll- ständig flectiert und besetzt sind und nur der imp. sut. 1. mangelt, weist die lücke unmittelbar dahin. Es wäre un- thunlich, in jenen formen z. b. die III. praes. ind. (springt, hebt, ἄγει, φέρει, tira f. tirat, tire f. tiret) ich habe bedacht, daß ἄγεσι , ϕέρεσι die III. sg. praes. ind. einer veralteten form auf -μι sein könne, nach analogie von ϕησί (ait) δείκνυσι , wofür sich auch taug-nichts und neznaboh geltend machen ließe; die übrigen wahrnehmungen zusammen weisen mehr auf einen imp., auch componieren sich die wirklichen verba auf -μι gerade nicht so. oder die I. praes. ind. (springe, hebe, ἄγω, φέρω, tiro, tire) zu su- chen. δ ) allgemeine beziehung des ersten worts auf jed- wede flexion wäre nur durch den compositionsvocal, der hier fehlt, zu erreichen, wie bei unserm reib-eisen, nage- thier (s. 683.) worin freilich reib, nage weder imp. noch praes. ind. ist, noch eisen, thier ein acc. Uneigentliche nachtrag. verbale zusammensetzung scheint aber durch den impera- tiv zu allgemeinerer wirkung am ersten befähigt. Aus- ruf und anruf zeugen in lebendiger rede namen und be- nennungen; der größte theil aller hier aufgeführten zu- sammensetzungen liefert appellativa für männer, thiere, pflanzen so wie epische epitheta, bei denen man freilich den ursprünglichen imp. zuletzt nicht mehr fühlte. Hier- mit glaube ich die natur dieser wortbildung dargethan zu haben erkennen die grammatiker auch im griechischen den unter- schied zwischen eigentlicher und uneigentlicher composition an, folglich die nothwendigkeit, daß jene im ersten wort alle flexion auswirft, diese umgekehrt behält; so wird weder von einem o casuale (Lob. p. 678. 679.) noch von einem weggelaßenen sigma finale (Lob. p. 681.) noch von einem euphonischen sigma (Buttm. lexil. p. 165.) die rede bleiben. Den gegensatz zur eigentl. zu- lammensetzung macht in der griech. uneigentlichen verbalen die wesentliche wirkende kraft des ersten worts höchst sichtbar. . Nachtrag, zum ersten capitel. A. verzeichnis der verbliebenen. nr. 83. ledic scheint unpassend, da lëdic zu schreiben, s. 303. note. — nr. 99. vielleicht slât s. slahad? vgl. s. 234. — nr. 111. kind (pro- les) vgl. s. 232. — nr. 117. ahd. geinôn (ringere) N. Cap. 75. aber ginên (hiare) N. Bth. 53. — nr. 118. das mhd. grînen gilt vom knurren des hundes, des pferdes und an- derer thiere, scheint aber mehr das anhebende geringere, als das laute schreien zu bedeuten; nhd. greinen von kin- dern, engl. groan (stöhnen) versch. von grin (das maul blecken, fletschen); inwiefern ags. grin (laqueus) engl. grin und altn. grein (ramus) verwandt sein können, hängt von einer unbekannten älteren bedeutung ab. — nr. 128. ahd. dana-trîp, (770, 9.) oder -trip? vgl. s. 961. — nr. 133. vom ahd. suîpan, sueip, suipun (ferri) scheint mir übrig sueib (vibratio, schwung) N. Cap. 33. 215. und suëp (aer) ker. 102. 116. suëp (vanum, leere luft) 137. suëpên (nare) ker. 201. wo- durch unser nhd. schweben recht deutlich wird, das ë für i gerade wie in lëpên und chlëp. — nr. 140. beiskr s. 278. — nr. 144. reiƷ (linea) N. Cap. 93. — nr. 148. N. Bth. 78. gliz mit kurzem i, vgl. nhd. glitzern. — nr. 154. vgl. s. 514. — nr. 162. man unterscheide ahd. brîdel (habena) N. nachtrag. Bth. 132. 155. Cap. 85. und brittel (frenum) N. 31, 9. brittolôn (frenare) jenes der rieme, zügel, dieses das gebiß am zaum. — nr. 163. ahd. scidunga (separatio) N. Bth. 163. mhd. schidunge Mar. 97. Ottoc. 40 a vgl. sceidan s. 75. und das adj. geschîde mus. 1, 70. Wolfdiet. 798. 1718. nhd. gescheid. — nr. 171. alts. auch rês (surrexit) ohne parti- kel. — nr. 188. stëgon (ascensionibus) N. Cap. 160. ftëgôn (scandere) ibid. 116; gehört hierher auch stîga (caula) N. Cap. 105? stiegen die schase auf stufen în den pferch? man nennt hüner-steige (ital. stia) den stall, zu dem eine leiter führt. — nr. 190. ags. micge, gen. micgëan (urina) fem. migða (id.) masc. mîgol (diureticus). — nr. 195. ahd. zît aus zîhad (s. 236.) altn. tîmi (tempus) aus tîhami (ahd. zîhamo?) vgl. zihar s. 266. — nr. 201. wihadum vgl. s. 241. — nr. 230. scoƷôn (hin und herschießen, herun- terfallen) intrans. N. Bth. 185. — nr. 242. er-rotên N. Cap. 48. — nr. 246. hierher auch chius-c (castus) und chus-t (virtus). — nr. 269. zoum vgl. s. 146. — nr. 270. floum s. 146. — nr. 299. svadem? s. 241. — nr. 278. N. Cap. 109. ein verbum fraƷôn. — nr. 302. mhd. schricken und schrecken (goth. skrakjan?) ahd. hewi-serecchjo (lo- custa) nhd. schrecken (pavor) bei Jac. Böhm: der schrack (aurora 337. 338.); altn. skrika (labare) oder skryka? — nr. 313. — ahd. stala (furtum) O. IV. 36, 22. — nr. 326. der irrthum mit zër- wird s. 769. berichtigt; wegen zart vgl. s. 232. — nr. 352. scëltan eher verwandt mit (dem daraus entsprungnen) scaltan nr. 9. und der begriff pol- luere (ahd. scalt, polluit mons. 361. scëlta, macula, igno- minia, mons. 355.) ein abgezogner, vgl. mhd. nider schalt (zu boden stieß) kl. 4249. — nr. 360. auch altn. sund aus sumd, svumad vgl. s. 477. — nr. 367. wegen rant s. 232. — nr. 379. vgl. s. 709. — nr. 385. wie verhält sich zum nhd. schlingen schlucken? nnl. slonk und slok für schluck. — nr. 386. altn. sundl (vertigo) s. 477. — nr. 393 b es gibt ein ags. þindan (tumere) praet. þand, part. geþunden, vgl. to-þunden (turgidus) und s. 864. die ahd. form wäre dintan. — nr. 399. in-gestunkôt (inspiratum) N. Bth. 74. — nr. 413. mhd. twinc s. 506. — nr. 414. ableitung aus baí- riggan? vgl. s. 403. — nr. 419. ahd. ranc (lueta) vgl. rang- leich, rang-wîg (palaestra) N. Cap. 88. — nr. 421. ahd. zuo-slingan (heranschleichen) N. Bth. 203. 221. welches slingen von dem nhd. schlingen (ahd. slinden N. Cap. 61.) gänzlich verschieden ist, s. 391. not. — nr. 451 b hier kann ich ein bisher übersehnes, im ahd. erhaltnes, starkes ver- bum beibringen: hrëspan, hrasp, hrospun, hrospan, dessen nachtrag. bedeutung colligere, vellere ist, vgl. hrëspan (vellere) ne- ben lësan, colligere ker. 280. ir-hrospan (exhaustus, er- schöpft, ausgelesen) ker. 106. ar-hrospan (idem) paris.; mhd. rëspen den swanz MS. 1, 83 b und rispent iuwer swenze MS. 2, 57 b kommt bei den alten tänzen vor, loc gerispet Wh. 1, 38 b fragm. 26 a von geordnetem haar- schmuck; ahd. hrispahi (virgultum) wohl quisquiliae, ein haufen zusammengekehrtes reisichs, man würde hrîsahi denken, wenn nicht ein mhd. rispach (heinrich von ri- spach) und giraspe (quisquiliae) trev. 16 a jenes bestätigten; raspôn (colligere) hat N. Cap. 113. 116. vgl. das mhd. rasper (? collector) 1, 422. B. verzeichnis der verlornen: nr. 472 b lafan, luof? vgl. s. 654. — nr. 473. N. Bth. 220. hat ein schwaches verbum be-deben (opprimere, suffocare? oder bloß ad ordinem redigere?) welches genau das mhd. beteben (1, 946.) ist; die ahd. starke sorm wäre tapan, tuop. — ôbast, ôfost sind zu streichen, vgl. s. 708. — nr. 475. hierher auch ahd. fravali, ags. fräsele (audax, getrostes muthes). — nr. 493. hierher piladi (imago). — nr. 503 b speitan, spáit, vgl. unten s. … — nr. 505. hierher suid (strages, exi- tium) N. Bth. 89. 94. Cap. 28? — nr. 508. smeidar (ar- tifex) ker. 213. — nr. 508 b sreiþan, sráiþ, friþun (sove- re?) ahd. frîdan, freid, fridun mit der bekannten ver- derbnis der med. in tenuis? dem s. 454. note vermuthe- ten füge ich zu, daß freidëo (profugus) hrab. 972 b freidac (apostata) jun. 184. frêdîc hrab. 954 b K. 44 b den aus dem frieden gelaßenen flüchtling bedeuten könnte; N. Bth. 163. gedenkt des asyls. das Romulus stiftete. freidên ze gniste (exsulibus ad conservationem) und ags. frîd-hûs, ahd. frît-hof ist asylum, ort der hegung. — nr. 513 b stei- kan, stáik, stikun, vgl. s. 170. — nr. 513 c qveikan, vgl. hernach zu nr. 551. — nr. 515 b heihan, háih? vgl. s. 145. — nr. 515 c seihan, sáih, saíhun, vgl. s. 346. — nr. 529. mhd. diube (furtum) nicht dube, der kurze vocal ist also erst beßer zu erweisen. — nr. 530. hier beweist den kurzen vocal nicht nur das goth. lubáins sondern auch das ahd. ge-lubeda (consensus) nhd. gelübde, ahd. muot-luba (af- fectus) francof. 49. ags. môd-lufu (s. 472.); bemerkens- werth ist das ahd. liup (lux) mons. 351. siupî (lucis) mons. 379. liup-lîh (splendidus) mons. 358. sonst decorus, gratus, nach verwandtschaft der begriffe liebe, schönheit, glanz. — nr. 530 b griuban, gráub, grubun (frigere, co- quere) ahd. kriopan, kroup, krupun folgt aus griupo (frixorium) doc. 217 a und ka-craupta (frixam) carlsr. von nachtrag. dem abgeleiteten schwachen kraupjan. — nr. 535 b daß es auch ein ahd. diosan, dôs, dusun (und dafür durun?) gab, leh- ren die abgeleiteten schwachen dôsen (corrumpere) N. Bth. 168. fer-dôsen (disperdere) N. Cap. 61. dôsôntêr wint N. Bth. 75. mhd. dôsen Reinfr. 7 b 13 b tôsen grundr. 442. ver- dôset misc. 2, 294. ja das nhd. tosen und getöse. Alle sind von dem stamm nr. 223. unableitbar und nur in der be- deutung verwandt (vgl. N. Bth. 76. dieƷentêr wint), dio- san und dioƷan verhalten sich wie giosan (ur. 250.) und gioƷan (nr. 220.) s drückt das wehen der lust, t oder Ʒ das geräusch des schalls aus. Mit dem pl. durun könnte der eigenname durine verwandt sein? — 535 c miusan máus, musun anzunehmen berechtigt die mhd. doppel- form mies und mos noch nicht völlig, da man für letz- teres eher môs, môr (wie lôs, rôr, trôr) oder mur (wie chur) und zur- s. 769.) erwartet hätte. — nr. 537 b miu- kan, máuk, mukun (clam occidere) ahd. miohhan, mouh, muhhun, vgl. s. 471. — nr. 537 c jiukan, jáuk, jukun, vgl. s. 885. — nr. 539 b fiuhan? vgl. s. 145. — nr. 540. N. Bth. 154. 267. gebraucht das starke sem. iba in der bedeutung von conditio: mit ibo (bedingungsweise) âne iba (unbetlingt), es scheint mir genau hierher passend und gleichsam die ob-heit (das ob oder wenn) ausdrückend. — nr. 541 b qviban, qvaf, quêbun, vgl. s. 830. und hernach zu 571, 44. — nr. 548. hierher auch chasto (cista) chastâri (inclusor) mons. 337, das ital. cassa, franz. châtouille stammen eher aus dem deutschen, als aus cista, vgl. die formel kisten und kasten. — nr. 550 b slisan, slas, slêsun, slisans; altn. slis (insortu- nium) slisa (damnum inferre); slas (laesio) slasa (laedere, vulnerare); ein allen übrigen dialecten unbekannter wort- stamm. — nr. 550 c þisan, þas, þêsun, þisans? vgl. s. 625. — nr. 551. wahrscheinlich ist diese formel falsch und viel- mehr 513 c ein qveikan, qváik, qvikun, qvikans anzu- setzen, wofür das altn. qveik (semen vitale) qveikja (ac- cendere) qveikr (fomes) zeugt, qvak und qvaka scheinen andrer wurzel aber im ags. kann cvâcjan geschrieben werden; vgl. s. 231. note. Vielleicht der flußname queich verwandt. — nr. 560. vgl. s. 232. — nr. 565. sand f. samd? s. 232. — nr. 566. vgl. s. 260. — nr. 571 b vgl. -ari s. 131. und arm s. 148. — nr. 601. ahd. funcho (semen) N. Bth. 171. das belebende. C. verwaiste wurzeln. s. 66. nicht allein die aphärese der spiranten, sondern auch ihre im zweiten capitel viel- fach erwiesene syncope erschwert es, den ablaut zu be- stimmen. Die grundsätze über verlängerung oder kurz- nachtrag. bleibung der vocale bei solchen syncopen und apocopen sind noch nicht gehörig ausgemittelt, vgl. s. 259. not. und zui- s. 956. 957, neben â- s. 699; siman und fraþjan könnten aus fihaman (s. 259.) frahaþjan (s. 238.) hervorgehen. Wo- hin sind aber subst. wie das ahd. neutrum sowe (vene- num) N. Bth. 84. (fluentum) Cap. 25. sou (alimentum) Bth. 84. unterzubringen? analog scheint ihm houwe, howe (foenum), Gleiches bedenken macht das sich eindrän- gende n (1, 25. 2, 167. 215. 216. 391); wenn z. b. gruoti aus gruohadi, gruoni aus gruohani (s. 632.) entsteht, ohne die sormel granan, gruon (nr. 468.) zu hindern (N. Bth. 150. Cap.66. hat gruen, virere, wie altn. grôa); so darf der formel hanan, huon (nr. 469.) unbeschadet huon (gallina) aus huohan gedeutet werden, wozu sogar das franz. coc, coq (nach der lautverschiebung = ahd. huoh) stimmt. Θάνω ist sicher das altn. dey, mhd. töuwe und θάνατος das goth. dáuþus, mhd. tôt, nur daß den deut- schen formen das n fehlt; einige ahd. dialecte haben pîa (apis) N. daƷ bine, dat. demo bine, dat. pl. binen Bth. 136, da das lat. apis mit i abgeleitet ist, so könnte der ableitende scheinbar zum wurzelhaften vocal geworden und bia aus abia (franz. abeille, span. abeja, ital. ape neben pecchia, pecchione f. apecchia?) entsprungen sein. s. 70. ff. zwei ineinander greifende reihen starker verba; unter α ist noch anzuführen: frakan, frôk aus frikan, frak (vgl. s. 165.); radjan nr. 86. aus ridan, rat vgl. s. 515. und râtan s. 75; setzt waschen (nr. 88.) ein wischen voraus? Wie sind aber berührungen zu ver- mitteln zwischen conj. VIII. und IX, die keinen einzi- gen vocallaut unter sich gemein haben? Ich will davon drei, kaum abzuweisende beispiele anführen: mit nr. 188. ahd. stîgan, steic, stigun scheint verwandt stiagil (gradus) K. 40 a 56 a stiega (cochlea) mons. 328. 329. 340. mhd. stiege Nib., was auf die formel stiugan, stouc, stugun führt. Nicht weniger ahd. spieƷ (cuspis, hasta) blas. 102 a altn. spiot, mhd. spieƷ Nib. 3857. En. 91 a Karl 66 a. b. 71 a troj. 46 a Ottoc. 449 a 561 a auf spioƷan, während das mhd. (ohne zweifel auch ahd) spiƷ (veru) elfenmährchen CXVII. gespiƷƷet ibid. CXVI. und das adj. spitz (acutus) ags. spit (veru) engl. spit und das verb. spit die formel (ahd.) spî- Ʒan, speiƷ, spiƷun begehren, woraus sich spitz wie aus glîƷan (nr. 148.) glitzern, aus smîƷan (nr. 141.) schmitzen, aus slîƷan (nr. 145.) schlitz, aus rîƷan (nr. 144.) ritz, aus lîƷan (nr. 147.) antlitz, aus flîƷan (nr. 143.) flitz-bogen (streit-bogen), aus hîƷan (nr. 499.) hitze, aus suîƷan (nr. nachtrag. 500.) schwitzen, aus zîƷan (nr. 501.) zitze entwickelt. Noch Dasypod. unterscheidet richtig spieß (hasta) von brat-spiß (veru); ist das lat. cuspis, cuspidis verwandt, nämlich = cu-spids? Liegen sich beide reihen hier bloß nahe (wie vorhin s. 988. giosa und giota, diosan und dio- Ʒan) ohne auseinander gefloßen zu sein? Das dritte bei- spiel sei mieta (merces, praemium) mons. 376. T. 22, 7. O. V. 19, 113. mietôn (conducere) mons. 329. 335. 343, das sich nicht aus nr. 166. folgern läßt, wohin aber máiþms (s. 145.) gehört; die ältere ahd. form lautet in- zwischen meida (mercedis) ker. 196. Ist meida in mieda, mieta verderbt worden? auch N. Cap. 132. findet sich einmahl: daƷ keriete (pompa) für kereite, mhd. gereite Parc. 75 b . — s. 74. 75. zu den beispielen reduplicierender, die aus ablautenden gezeugt worden, rechne man auch scaltan (nr. 9.) aus scëltan (nr. 352.) vgl. vorhin s. 986; wie wenn trâtan (nr. 60.), das s. 812. gehörig von râtan (nr. 59.) gesondert wird, zusammenhienge mit trëtan (nr. 283.)? wir sagen noch jetzt von einem, der erschrocken ist, betreten; áikan (nr. 29.) in berührung mit gëhan, vgl. s. 810. note; wegen tage-rât vgl. s. 253, bei N. Cap. 101. 169. tage-rôd masc. — s. 80. negation im praet., vgl. gi-ran (fließt nicht mehr) wobei freilich die im praet. zutretende partikel gi- angeschlagen werden muß, vgl. s. 845. 842; freidëo (profugus) vorhin nr. 508 b kann so- wohl den bedeuten der friedlos ist, als der zum asyl flie- het. — s. 81. im laut liegt das geschehende , im ablaut das geschehene: drigkja (bibens) drugkja (potor); baíra, baírja (ferens) baúrja (lator) vgl. s. 487. — s. 83. note. waƷero dôƷ N. Cap. 57. (vgl. 123.) mit dem praes. gebildet wider-dieƷ (wi- derstreben) Am. 1 b . — s. 87, 9. dunchel, vom laut, N. Cap. 123. Zum zweiten capitel. 94, 26. willkommne bestätigung bringt thornu (rham- nus) ker. 236, — 96, 27. vrëƷƷerîe w. gast 78 b — 97, 21. schon mnl. leckernîe Rein. 2081. — 99, 2. prâmal (rubus) wenn aus brâmal-busc gl. carlsr. zu folgern, den langen wurzelvocal lehrt das mhd. brâme und nhd. o in brom- beere. — 99, 3. scimbal (mucor) wenn aus scimbalac (confragosus, mucidus?) ker. 50. zu folgern, mhd. schimel, nhd. schimmel. — 99, 37. afla wahrscheinlich gar kein deutsches wort. — 99, 40. muscula (concha)? N. Bth. 259. muskela und später hat es keinen umlaut. — 100, 1. sac- chela (fax) N. Cap. 71. sprîƷalâ (faces) doc. 236 b oder pl. masc.? — 101, 25. nicht bloß collectiva, auch andere nachtrag. composita, z. b. ôd-mahali (gazophylacium) ker. 140. — 102, 1. umbi-sëthalon (finitimi) ker. 135. — 102, 43. hamel N. Bth. 229. — 103, 3. scadel (malus) N. Bth. 209. — 103, 6. stëcchel? oder stecchel (mit -il)? N. Cap. 147; stumbal (stolidus) ker. 42. — 103, 8. forhtel (pavi- dus) N. Bth. 199. Cap. 99. — 103. 10. zurdel (impatiens) N. Bth. 49. (delicatus) ibid. 71. vgl. zuordon (libidinum) ibid. 135. — 103, 35. ôt-mahali (dives) ker. 87. — 104, 19. afalôn ker. 239. — 104, 28. skrankelôn N. Cap. 25. — 104, 31. vokalôn (aucupari). — 104, 32. warbelôn N. Bth. 149. Cap. 65. ir-wispalôn (resilire) ker. 239. — 105, 7. brasteln (nhd. praßeln) brastelunder wit, cod. vind.; kra- gelen (crocitare) kragelundeƷ huon, cod. pal. 341, 128 d . — 106, 18. truopisal (miseria) fr. or. 1, 945. wo der gen. truobessalis (miseriae). — 107, 11. irsal Ottoc. 462 b 630 a twancsal Rud. weltchr. 172. — 107, 25. scheinsal f. schein oft bei Philand. v. Sittew.; bei H. Sachs das fem. hart- sel. — 109, 29. fuoƷ-kengel N. Bth. 109. — 198, 34. pentil (lorum, ligamentum) bendel N. 146, 3. Cap. 14. brust- pendel N. Cap. 104. houbet-pendel N. Cap. 30. fahs- pendel N. Cap. 39. — 109, 38. ôt-pudel (opulentia, i. e. praeco divitiarum) N. Cap. 52. — 109, 40. reit-rihtel N. Bth. 251. — 109, 43. hou-staphil (locusta). — 110, 3. tregel (portitor) N. Cap. 145. — 110, 8. weibel (apparitor) N. Cap. 55, — 110, 10. zuhil kürzt N. in zuol Bth. 224. — 111, 9. kübel a. w. 3, 232. — 111, 15. wîsel (dux) Wh. 1, 114 b Lohengr. 152. — 111, 30. isela (nicht îsela, vgl. 1, 121.) gehet stark, N. Bth. 199; auch huwela (noctua) N. Bth. 205. — 113, 13. chëllilî (receptaculum) aus chëlli? vgl. s. 640. nôƷilî (animal) ker. 117. aus nôƷ. — 113, 32. stramilo? (pestis) ker. 286; tumphilo (gurges) hrab. 954 b — 114, 4. skeitelûn acc. sg. N. Cap. 21. — 114, 26. lîht- wërpil (levis) ker. 157. zuinel (gemellus) W. 4, 2, 5. ge- zuinele (gemini) N. Cap. 74. — 114, 40. mundilen effari, gleichsam ex ore proferre) ker. 104. muntilit (infit) ker. 163. setzt kaum ein adj. muntil voraus. — 115, 5. statt chizelôn hat N. Cap. 14. chuzelôn, wohl aber das subst. chlingelôd ibid. zur bestätigung von chlingelôn, wovon verschieden ist kinkilôn (canorum esse?) vgl. kinkilônti (canora) ker. 66. hrab. 957 a ; eichelôn (colligere glandes) N. Bth. 35; in -hrekilôn (exuere) ker. 114. entkleiden; innelôn? zu folgern aus inlunka ker. 152? — 115, 10. menthilôn (gratulari) ker. 139. vgl. mendel-bërc (mons gaudii); miskelôn (miscere) N. Bth. 84. — 115, 12. prust- pendelôn N. Cap. 104; buchelôn (curvare se) N. Cap. nachtrag. 146; pi-puntilôn ker. 238. — 115, 6. quitilôn (murmura- re). — 115, 24. pi-tumilônti (attonitus) ker. 165. undar- vigilôn (interradere) zu schließen aus undar-vigilôt (in- terrasilis); zunselôn (incendere thus) N. Cap. 13. vgl. s. 119. zinsel, zinser. — 115, 36. fächeln, fädeln etc. — 116, 4. die armuth der ahd. sprachdenkmähler läßt viel- leicht so zu voreilig urtheilen, vgl. s. 382. — 116, note, was liegt den compositis endil-mere, wentil-sêo Hild. fedel-gold N. Cap. 70. für ein simplex zu grund? aus dem superlativischen endilôsta (fines) vermuthe ich ein adj. endil, folglich auch wendil, vgl. antilôthi (limina) ker. 176. — 117, 26. quattulôn (coturnices) carlsr. also schwach, und schwaches quënula ergibt spënula, acc. spënulûn (acus). — 119, 34. stümpeln ist zerstücken, be- schneiden; stümpern aber etwas stückhaft, unganz arbei- ten. — 121, 29. das masc. ist aus dem gen. pl. lêhtrô (secundarum) mons. 323. und N. Cap. 134. (wo aber mit kurzem vocal lehtero) unerwiesen, nach folgender stelle aus dem cod. vind. 64. sol. 63 a scheint es vielmehr neutrum: lehtar folliculi, qui simul, cum insantes nascun- tur, secantur; das geschlecht von zankar (vibex) ker. 284. weiß ich auch nicht. — 126, 32. die handschriften N’s verfahren keineswegs einförmig, ich finde sehr oft kurzes a, z. b. leidare (inimicus) Bth. 22. rihtare, arzenare Bth. 219. ragare (temerarius) Bth. 233. waltesare Bth. 186. 195. durstesare (sitibundus) Cap. 73. skërare (tonsor) Cap. 52. hingegen leidâre Bth. 207. reisâre Cap. 133. fram-spuote- sâre Cap. 53. pehaftâre Cap. 76. slindâre Cap. 73. etc. — 127, 31. scathari (latro) scatharëô (latronum) ker. 247. — 127, 41. usinari? (ostiarius) ker. 169. — 128, 6. hrindirari (bœoticus) gl. wessobr. 374; truhendingære Parc. — 129, behendigære m. vom reiger; gîtesære a. w. 3, 171. 181; obeƷære (qui poma vendit) jus munic. argentor. §. 44; muot-willære MS. 2, 127 b . Das aus fmeichenære ge- schloßene smeichenen ist falsch, wie das part. praet. ge- smeichet (nicht gesmeichent) lehrt. — 133. für die schw. fem. auf -ara gilt, wie bei den masc. auf -ari, schwanken zwischen a und â; N. hat haltara (custos) Cap. 123. sûberara (purgatrix) Cap. 134. zeigara Cap. 116. 117. reisara Cap. 133. aber priesâra (parca) Cap. 55. zugedâra (altrix) Cap. 76. wofür zuhtara ker. 17. — 135, 11. lunkar (strenuus) ker. 262. — 135, 18. suëfharo (strenue) ker. 201. suëpferlîh (vafer) N. Cap. 77. — 136, 13. locker. — 137, 2. hinderen N. Bth. 196. — 137, 29. auffallend das anlautende g in gaugrôn K. 49 a 50 b , der sonst immer k nachtrag. setzt. — 137, 36. slokarôn, flokrôn ker. 71, 217. Aus N. sind zuzufügen: anterôn (imitari, referre) Bth. 259. Cap. 32. 44. 109; ana-gangerôn Bth. 195; timberôn Bth. 169. weigerôn Bth. 169. zuizerôn (zwitschern) Bth. 118. — 138, 28. meckern. — 138, 38. so auch: es brechert, lau- fert, singert, scheißert, springert, tanzert, weinert ihr, vgl. Schm. §. 1036. — 141, 7. skepfor (creator) N. Bth. 222. ist sonderbar, gleich darauf 222. stehet das gewöhn- liche: der skepfo. — 141, 14. tëlgor (ramus). — 141, 28. mistur (caligo) vgl. ags. mistrjan (s. 143.) — 143, 8. merk- würdig das mhd. waƷƷe (aqua) bei Lamprecht 55 b 56 b . — 147, 16. diehsamo (incrementum) N. Cap. 73. (f. deihsamo). 147, 19. glizemo (fulgor) N. Cap. 154. — 147, 36. rota- mo? wenigstens hat N. Cap. 23. rutem-hafte (rutilans). — 148, 1. gesmagmo N. Cap. 24; zu wahsamo vgl. unten wahasmitha. — 148, 4. zasamo steht Cap. 115. — 148, 18. blexeme scheint fem. vgl. Maerl. 1, 157, 206, 375. 2, 27. — 149, 28. malmen. — dän. rödme (erubescere). — 150, 17. bei N. die zusammensetzungen widem-diu (serva do- talis) Cap. 101. widem-hîa (mancipium) Cap. 132. — 152, 29. miteme (medii) N. Cap. 137. un-mëtemi (intemperies) N. Cap. 143. — 153, 19. mëtemên (temperare) geht nach dritter conj. N. Cap. 43. 152. 154. — 156, 17. vëhan zu streichen, man lese mons. 351. vêhên, pictis (sc. tapetibus). — 156, 37. parn (praesepe) Lampr. 72 b . — 158, 7. oahsana (lacertus) ker. 184. — 160, 19. lâhhan (medicina). — 162, 38. falsch, gegene stehet Mar. 179. 210. 220. und sonst. — 164, 1. skirno steht N. Bth. 124. — 164, 30. ërchen Bth. 192. ërchenôst 162. — 165, 6. hierher liehsan (lucidus)? vgl. unten zu s. 266. — 165, 8. warum steht bei T. vor scaffan die partikel sô? — 168, 33. tougen (celare) f. tou- genen kl. 4305. — 169, 5. hierher hefenôn (afficere) N. Cap. 120? — 169, 9. reitenôn (colere)? N. Cap. 34. un- gereitenôt (incultus). — 169, 28. sëlchenên (cessare) N. Cap. 118. — 169, 30. erstorchenêt N. Bth. 94. — 170, 29. vgl. die engl. hasten, heighten, listen, sharpen, threaten, awaken etc. — 170, 33. lenzin (ver) sgall. 196. durch welche glosse die vermuthung s. 510. note gewinnt, lenzin f. lengizin; mittin? vgl. s. 413. — 171, 3. es findet sich auch myrgin. — 171, 9. ordena (ordo) N. Bth. 214. Cap. 79. — 171, 12. fîantin (inimica) K. 48 a u. a. m. N. schwankt zwischen -in und -en, vgl. gutin (dea) Cap. 147. herzo- gen Bth. 17. — 171, 27. man s. das fem. eikin, gen. eikinjar (amnis) Grimn. 27. — 172, 24. vielleicht roskin (vigor)? doch kenne ich nur den dat. roskine N. Bth. R r r nachtrag. 257, dessen nom. lieber roski lautet und wie eimberi geht. — 173, 34. was ist aber aus dem goth. bi-mamin- dêdun Luc. 16, 14. anders zu machen als bi-maminjan? da das ableitende i eher erlischt (f. maminidêdun) als ô (maminôdêdun); vielleicht mundêdun, mamundêdun? — 174, 5. erbibinôta im Geo. lied. — 174, 7. far-scirpinôn (discrepare) paris., in scherben gehen. — 175, 2. vgl. goth. midjuns? s. 413; sichrer fallen hierher das altn. iötunn (ags. ëoten) und die fem. îngun (n. pr.) ômun (vox, sonus) hlôdyn (n. pr.) und die schwachen auf -ynja (s. 319.). — 176, 3. hier ist das indeclinable fadrein (pa- rentes) Luc. 8, 56. 18, 29. Joh. 9, 2, 3. zu erwähnen, wo- bei das verb. im pl. und das pron. im malc. steht: þái fadrein Joh. 9, 20, 22. þans fadrein Joh. 9, 18; der gen. sem. fadreináis (familiae) Luc. 2, 4. kann einem nom. fadrei oder fadreins (von einem verbo fadrjan? vgl. s. 157.) gehörig sein; gleicher zweifel trifft die accus. gu- mein und qvinein Marc. 10, 6, so daß es unausgemacht bleibt, ob das -n flexivisch ist oder ableitend. — 176, 29. suammîn (funginus). — 177, 7. auch loubirîn (folia- ceus) dipl. von 786. bei Wenk nr. 16. Andere beispiele in der zus. setzung s. 647. — 177, 12. liehteneƷ zu strei- chen, da liehseneƷ N. 18, 9. richtige lesart. — 178, 8. ëoforen (aprinus) fäderen (paternus). — 178, 18. lieber hebrîn (avenaceus). — 180, 10. die verba einiger ober- deutschen volksmundarten für den beigeschmack, beige- ruch auf -einen, z. b. brenneinen (brenzelen) müchelei- nen (nach schimmel schmecken) älteneinen (nach alter riechen) s. Häslins H. Sachs p. 407. berühren sich nicht mit den adj. auf -în; vgl. -enzen s. 349. — 181, 1. wëst- sundrôni (africus); gl. ker. 46. geben die volle form nor- darônar, worin das letzte -ar seltsam. Die ganze bil- dungsart bedarf beßeres lichtes. — 185, 36. man sagte: den lîp verwandeln (z. b. in dem mære vom bloch) für sterben. — 189, 7. mökvi (umbra); vökvi (humor). — 191, 24. vökva (irrigare). — 195, 9. vgl. gewift (textura) zwetl. 133 a . — 195, 26. heift (vehementia) wird s. 298. vermuthet. — 196, 23. syft f. svift (sexus). — 196, 26. vor der gifte genas, Karl 101 a . — 197, 12. vielleicht rëst (stigma) hrab. 975 a — 197, 23. zorfti (splendor) N. Cap. 114; ein-traftî (simplicitas) ker. 48. — 198, 29. krusts (stri- dor). — 198, 43. die gl. sgall. schreiben uunst (procella), also ûnst? — 199, 2. first (culmen) N. Bth. 127. — 199, 8. austr (haustus) â-austr (infusio) beide von ausa geleitet. — 199, 30. chnist (contritio) zu streichen, da N. 10, 2. nachtrag. (nicht 9, 2.) knist = gnist stehet und servatio bedentet, folglich 200, 3. anzugeben war, es findet sich auch Bth. 163. — 200, 14, gisuulst (livor) mons. 332. — 201, 36. nusta (nexio) N. Cap. 107. vgl. genusta (nexuit) Bth. 172. — 203, 2. mhd. tuster (monstrum) elfenmährch. CXVII. — 203, 34. daß das goth. gahts von gaggan herstammt, bestätigt einleuchtend ein ahd. bette-gâht (concubium) N. Cap. 46, die bette-gehzeit, mitternacht. — 204, 5. ubar- huht (superbia) T. 84. — 204, 7. wider-bruht (repug- nantia) N. 59, 13. — 205, 38. gefluhte (textura) N. Cap. 107. — 207, 27. gileihter (matrix) emm. 400. — 208, 26. gaggan, gahts. — 213, 16. paean scheint ein entstelltes hebr. wort, von der bedeutung krone, binde. — 213, 19. storaƷ? (purpura) storaƷƷe (purpurâ) doc. 237 a — 213, 22. eolt (pullus). — 213, 34. quarz. — 214, 23. mâlizze N. Bth. 60. — 214, 30. himelicz (laquear) bei Ruediger cod. regimont. 49. — 214, 34. gejegeze (venatio) Oberl. 505. parallel sind die nnl. gedaante, gedeelte, gedarmte und viele ähnliche; das geblümte (eintrag der bienen, Ade- lung) ist unhochdeutsch f. geblümze? mnl. lese ich wil- dert (solitudo) Maerl. 2, 105. middelt (medium) 2, 206. aber weiblich. — 214, 38. manzo liegt dem griech. μαζός und lat. mamma nahe, altn. masti ( μαστός, μασθός , ne- benform des μαζός ). — 214, 42. hierher auch das ags. oretta (heros)? — 215, 21. kanz (salvus) ker. 245; malz (mitis) N. 180. 218. ein sonst unerhörtes adj., aber dem ags. mëltan (solvi) verwandt. — 216, 28. eine elwanger gl. gibt kanicit (aedisicabitur) was ich für kanzit (wird ganz, macht ganz) halte. — 217, 4. goth. auch kaupatjan (colaphizare); den ahd. -azan ist beizufügen: chahazan (cachinnari) ker. 58. wo ein subst. zu stehen scheint; gi- rezen (concupiscere) N. 105, 14; grunzen N. Cap. 58; huorulazan? zu folgern aus huorrulazza (prostituta) gl. el- wang.?; kremizôn (exacerbare) auch ker. 105; lougezen (inflammari) N. Cap. 143. 157; laupezent (vernabunt, i. e. folia capessent) ker. 279; gelindizu (delinio) gl. carlsr. für lindazu?; mâlezen (causari) N. Bth. 214; môdazan (cogi- tare) ker. 163; blëchezen (coruscare) N. Cap. 146; plinta- zan (coecutire) gl. elwang., wo ich f. plintirce (caecutiat) lese plintazê; slakazit (redolet?) ker. 240. slagezen (verbe- rare) N. 46, 2. Bth. 261; sprungezen (salire) N. Cap. 77. vgl. sprungezôd (pulsus) Cap. 124; suilazan? vgl. suilizan, das ich zu s. 220. anführe; dem aus emm. 408. angeführten vlogorazan entspricht flogerzen (subvolare) N. Bth. 47. 135; ki-zalazan (recensere) ker. 241. — ags. auch noch R r r 2 nachtrag. cancettan (cachinnari) lysettan? (adulari) sprangettan (pal- pitare). — mhd. blinzen Parc. 187 c Reinh. 135; blikze (fulgur) MS. 2, 166 b ; brunzen a. w. 2, 56; für irzen hat das lied von Anno 466. igizin, fehlerhaft, der cod. pal. 361. beßer iecin (iezin) cod. guelferb. irrizen; wuchzen steht auch livl. 69 a . — nhd. auch psetzen. — aus der oestr. mundart noch folgende: sogazen (schlucken) gigazen (stot- tern) himmelazen (wetterleuchten) juchazen (jauchzen) krokazen (rülpsen) lachazen (lechzen) napfazen (schläfrig kopfnicken) munkazen (murmeln) nischazen (niesen) nua- gazen (schwanken) quekazen (quixen) schwoamazen (ohn- mächtig werden) schnupfazen (schnaufen) wiagazen (hin und her bewegen). — 219, 34. die schreibung albisze f. albiƷe (1, 162. note) ist N. Cap. 37. zu finden. — 220. muniƷ oder muniz? ist T. 126. masc. Das goth. þái militôndans ( στρατευόμενοι ) Luc. 3, 14. ist zwar lateini- sches ursprungs, aber wahrscheinlich schon vor Ulf. ins goth. aufgenommen, so wie in andere deutsche dialecte, vgl. milizô (militum) ker. 68. 74. Ein bisher unbekann- tes wort knellizze (scinifes, vom gr. σκνίψ, σκινίψ, mücke, würmlein) sg. knelliz? gl. carlsr., verwandt mit knellen, knil- len, knicken? aber sgall. 201. scifes mizun?; lenzo aus lengizo, lengizin? (vgl. s. 510.); einem ags. rŷmette (spatium), wenn Lyes angabe richtig, weiß ich kein ähnliches ahd. rûmiƷ. souuilizzo (calor) ker. 22. f. suilizo gehört wie suilizunga (s. 361.) zu suëlan nr. 317. und setzt ein verb. suilizan oder suilazan voraus, doch N. 101, 3. hat suilizôn. Es gab ein ahd. adj. gremizi? (tristis) vgl. gremiz-aƷ (triste) mons. 352. gremizju (perturbata) mons. 392. gremizê (tri- stes) mons. 356. wovon das verb. gremizôn s. 217. her- rührt, vgl. gremezi (ira) N. p. 264 b , 27. — 221, 16. ge- emeƷôt (exercitatus) N. 118, 78. — 222, 17. hierher auch angweiƷo (pustula) angweiƷôno (papularum) mons. 322? — 222, 23. μέλδω , ags. mëlta, ahd. smilzu. — 226, 5. da die verschiednen schriftzeichen þ und ð (= th, dh) im- mer auch hinweisen auf eine verschiedne aussprache, da þ nur anlautend, ð nur in- und auslautend gesetzt wird und ð der reinen media näher kommt als þ; so mag das altn. ð, wie es in den meisten fällen von Rask gebraucht wird, den beginn der in den in- und auslauten stattfin- denden verderbnis des þ anzeigen, folglich eine mittel- stufe zwischen ihm und dem ð einnehmen. Die lautreihe wäre demnach: þ, ð, d; wofür goth. bloß þ, d; streng- ahd. bloß d, t. Eine analoge mittelstufe mag das ahd. Ʒ darbieten, nämlich Ʒ sich zu z verhalten, wie ð zu þ; nachtrag. z wie þ kommt hauptsächlich im anlaut vor, dagegen ð und Ʒ nie anlautet. Für die altn. drei töne þ, ð, d besitzt die ahd. nur zwei, nämlich d und t; für die ahd. zwei töne z und Ʒ die altn. nur einen nämlich t. In beiden fällen sind aber þ und ð; z und Ʒ nur zerspaltun- gen eines haupttons, die im verhältnis der lautverschie- bung nichts verschlagen, d. h. beide þ, ð, entsprechen dem griech. τ und beide z, Ʒ dem griech. δ . — 226, 36. auldr (ebrietas). — 227, 20. spëlta, (spica) ker. 53. — 228, 8. anadin (zelo) doc. 201 b . — 228, 9. foramundo steht emm. 405. — 228, 30. das -d der ordinalzahlen war hier anzu- führen, goth. sibunda, ahtuda, niunda; ahd. sibunto, ah- tota, niunto; in fimfta, saéhsta bleibt tenuis, ahd. simsto, sehsto. — 229, 40. ewida (caulas) gl. vind. — 230, 12. anut (anas) fr. or. 1, 675. ags. ened, enid, wiewohl nach dem lat. gen. anatis ags. eneð, ahd. anud richtiger schiene. — 232, 12. sund für sumd = svumd, wie vorhin s. 986. bemerkt. — 235, 11. merkwürdig, mit haftendem a, ëratha (terra) ker. 288. — 235, 18. bei N. Bth. 40. gebaheda (fomentum) mit kurzem a, wie er fahen etc. schreibt; ker. 131. hat pâthôn (fovere) wahrscheinlich lan- ges. — 237, 40. das sanskr. aditya (sol) stimmt nach der lautverschiebung genau. — 238, 10. suëchado (foetor) doc. 237 b ; trâdo (fimbria) vgl. s. 361. — 238, 11. scaldo (sa- cer) ker. 69. kann bloß die schw. adjectivsorm sein, ist aber ein merkwürdiges wort, das sonst kaum vorkommt. Ich kenne bloß das compos. scald-eiche (ilex) jun. 325, heißt das: heilige eiche (jovis arbor)? und die ags. pflan- zennamen scald-hysel (alga marina) scald-þyfel (genus spinae) wie auch mit heilig verschiedne namen von ge- wächsen zusammengesetzt sind. Gehört das altn. skâld (poeta) edd. sæm. 46 a , welchem langer vocal gegeben wird, hierher, geheiligter sänger? — 238, 16. grôdi (feracitas) vgl. das ahd. starke gruoti (viror). — 233, 43. Wh. 3, 324 b spâte und fruote , wie wir jetzt sagen: frühe aut- stehen. — 231, 34. ist werid (insula) ker. 247. masc. oder neutr.? — 242, 27. gl. ker. geben noch -itha: sestitha (munimen) 191. walu-giridha (crudelitas) 10. bikimbitha (funus?) 127. wahsmitha, wahasmitha (frugalitas) 129. 156. suaritha (foedus) 133. sniumitha (efficacia) 148. liuhtitha. (lustrum) 181. mihhalitha 199. suaƷitha (suavitas) 205 (? suâƷitha) endi-prurditha (ordo) 248. folkitha (secta) 249. nôt-wëkitha (violentia) 281. — 243, 16. die vermuthung daß pineimida f. pimeinida (pinimida ist druckf.) nämlich bei N. beneimeda f. bemeineda stehe, bestätigt Bth. 56, nachtrag. wo bemeineda (deliberatio) vorkommt, wie sonst benei- meda dispositio, propositum, testamentum bedeutet, vgl. N. 24, 10. 43, 18. 49, 5. 9. etc. und forapimeinida (propo- sitio) mons. 348; N. hat auch noch folgende: stureda Bth. 38. scundeda (persuasio) Bth. 43. chnupfeda Bth. 214. suizzeda Cap. 147. gestelleda (situs) Cap. 164 etc. — 248, 18. auch wohl habadi (habitus), der dat. habede N. Bth. 81. und getrahtede N. Cap. — 249, 12. lauhido vgl. s. 465; stëhhido (pleuresis). — 249, 15. suërden (dolores) N. Bth. 135; want-storiden? (parietinae) N. 101, 7. — 249, 34. statt ziugedôn stehet zugedôn (fovere) Bth. 244. Cap. 63. antseidôn N. Bth. 56. — 251, 29. auch ker. 209. foatareidi (nutrix) mise. 1, 19. fôtareidi und fôteraidi gl. paris. — 252. 253. andere beispiele: chlingelôd (tinnitus) N. Cap. 14; mittilôth (vices) ker. 237; mëttôd (gesticulatio) N. Cap. 122. dunkler abkunft; ostôd (strepitus) N. Bth. 80. desgleichen; brunnôd (crepitaculum) N. Cap. 15; stritôd (lis, causa) N. Bth. 86; trëtenôd (tripudium) N. Cap. 122; fastinôdh (stipulatio) ker. 9; wîsôd (benedictio) doc. 244 b zinselôd (fomes) N. Bth. 171. Cap. 28. 154; bei N. wird das ô häufig, aber nicht immer verkürzt. Das auslau- tende -t statt -d in den psalmeu, z. b. screiôt (clamor) 143, 14. houbet-wagôt (commotio capitis) 43, 15. ana- plâsôt (impetus) 45, 5. chlaffôt (strepitus) 84, 9. ist wider N’s sonstigen brauch, und Cap. 154. stehet auch deutlich zinselôd. — 255, 26. der sgaller cod. liest 23178. nuzz. et durh den namn; der münchner nutz er; der heidelb. nvtz durch; die bildung nutzet also unhaltbar. — 256, 42. antilôthî (limina) ker. 176. dunkel; thikinôthî (testitu- do? vielleicht tesqua) ker. 268. — 257, 20. N. 40, 3. der dat. heimôde, dem der nom. gleichlautet, weil N. hier kein -i mehr hat, 136, 1. wird geschrieben heimôte? heimote?, wie mit kurzem o hêrote Cap. 56. 117. — 258, 11; spilôdôn aus ludw. lied nicht zu beweisen, es heißt daselbst: spilôd under vrankôn (exultatio inter fran- cos). — 259, 28. vgl. seges (für segets) segetis. — 259, 43. vgl. vadum aus vahadum? — 261, 39. auch: pirou- pôtî (spoliatio) doc. 228. geellendôti (captivitas) N. 125, 4. gidingôtî (pactum). — 263, 19. aus der regel fließt, daß das schwed. sans, dän. sands unorganisch wäre, es ist auch aus dem roman. sens (sensus) aufgenommen; was folgt hieraus für stansa, dän. standse (s. 268.)? — 264, 2. grans (prora) doc. 216 b . — 264, 15. zu fyrs vgl. Boeth. 166 a þornas and fyrsas. — 265, 2. knicks. — 265, 12. oposa (vestibulum) ker. 278. hierher auch als fem. runsa nachtrag. (fluentum) N. Bth. 236. Cap. 139; ich weiß nicht ob zuzsa (laena, vestis) K. 52 a . — 265, 26. amse? Rab. 959. — 265, 34. eine ungedruckte wiener gl. gibt gamƷ (ibex) wonach gemße richtiger als gemse. — 266, 9. ein ahd. liohs, liehs (lumen) folgt aus dem adj. liehsen (lucidus) N. 18, 9. und wider-liehsene (refulsio) N. Cap. 146; mëƷaras, mëƷers (culter) s. unten zu s. 321. — 266, 18. hierher auch liðs (quies) gen. pl. liðsa? — 266, 23. altn. auch tëms (mora) und tafs (elo- cutio praeceps). — 266, 28. mnl. wals (nomen bestiae) Maerl. 2, 85. — 267, 2. gilsi (cerebrum) masc. oder neutr.? N. Cap. der dat. gilse, der auch zu gils passen könnte, aber gl. vind. haben den nom. gilse. — 267, 9. rancaso (rancor) ker. 236. — 267, 27. nhd. klimse (rima) Keisersp., doch andere haben klunse. — 267, 29. das goth. adv. suns (statim) verglichen mit altn. sŷsla (negotium, cura) führt vielleicht auf ein adj. sunsis, suns, ahd. suns, altn. sûs (wie fûs) das soviel wie celer, promptus bedeutet haben wird, doch ist weitere bestätigung abzuwarten. — 268, 5. es gibt noch mehr schwed. adj. dieser bildung, z. b. harmse (tri- stis) ênse (concors) aflägse (remotus); sonderbar ist das altn. substantivische âleiksa (inferior in ludo) worin offen- bar die wurzel leik steckt, â- ist ahd. ana- (s. 712.), gleich- sam ein angespielter? — 268, 18. chripsen (diripere) N. 34, 10. — 268, 31. fûlsa (abominationem simulare) tëmsa (languide agere). — 269, 23. feilisô scînantêrô (saxi can- didi) ker. 75. also weiblich. — 269, 39. hulse (siliqua) her- rad. 182 b . — 270, 1. chupisi auch hrab. 975 b . — 270, 6. durch versehen ist hier das der vierten decl. folgende fem. ahd. itis (mulier) alts. idis, ags. ides unerwähnt ge- blieben. — 270, 35. das schwed. dän. gods (opes) erin- nert an das hochd. güter, wenn nicht im altn. gôts und dazu ohne umlaut vorkäme, kuotir wäre altn. gœds. — 271, 11. wohl chëpisa, weil ags. cifese (bei Lye cyfes). — 271, 272. ahd. verba -isôn: chlingisôn ker. 58; drâhîsôn fällt weg, wenn man nicht drâsôd annimmt, sondern drasôd (schnauben, niesen) womit das mhd. trasen (schnau- ben, in vollem athem laufen) gramm. 1, 415. zus. hän- gen könnte?; durstesôn (sitire) nach durstesâre N. Cap. 73; das nomen heilesôd N. Cap. 134; gemeiteson N. Bth. 220; das nomen brochesôd N. Cap. 27; blachesôn (anhe- lare) N. Cap. 23; sarfesôn N. Bth. 208; spuotesôn nach framspuotesâre N. Cap. 53; tutison (horrescere) carlsr. (für scutisôn?); umbi-ficisôn (circumvenire) elwang.; wal- tesôn N. Bth. 107. 183, das subst. waltesôd Cap. 129. — 272, 11. auch in chëpisôn, ficisôn liegt das -is schon im nachtrag. nomen. — 272, 36. heilsa (salutare). — 273, 7. rülpsen. — 273, 19. bei N. auch noch: gedunnerôn (tenuari) Cap. 59; geliehterôn (f. lîhterôn) leviorem reddere Bth. 203; minnerôn Bth. 196; gewîterôn Cap. 169. — 273, 24. jun- gern MS. 2, 166 a . — 274, 7. hâƷus mit langem vocal, denn N. schreibt hâƷessa (lamiae) Cap. 105. so wie nic- chessa (lymphae) Cap. 52, welche pluralformen ein masc. hâƷes, nicches anzunehmen rathen. — 275, 13. vgl. liehs (splendor) vorhin zu 266, 9. — 276, 34. hosc (suggillatio) elwang. — 276, 38. pûsk (cestus) N. Bth. 197; theisc (ru- dera) ker. 243; flusk (fluxus) jun. 206. fram-flusk (pro- fluvium) jun. 220. mere-flosg (aestus maris) N. Bth. 229. — 276, 40. alts. hosk (opprobrium). — 277, 2. fnioskr (lignum exsuccum); geiskr (pavor) edd. sæm. 166 a , viel- leicht neutr.? — 277, 3. asc (fraxinus) a. w. 3, 225. — 277, 12. mit langem vocal vâske (fomenta) N. Bth. 62. — 277, 17. öskr, eiskr (rugitus, fremitus) gen. öskrs — 278, 11. lôskêt (haeret) N. Bth. 171; nascôn (catillare) gl. vin- dob. — 279, 26. storh (ciconia) N. Cap. 149. — 280, 28. plëtacha (lappa) emm. 412. — 280, 41. glonko (egestio) N. Cap. 124. — 281, 28. auch das adv. alakjô (omnino) war anzuführen, es findet sich im ahd. alluka (omnino) ker. 230. wieder (für alluhha)? — 282, 39. flinch (flunkern). — 282, 40. hôrechen W. 8, 13. — 284, 12. bei kêlikn, inso- fern das ê für ei stehen kann, verdient doch erwägung das schweizerische chilche (ecclesia) das N. Bth. 23. 27. chîlecha schreibt, obgleich ihm das ableitende -n fehlt; da jede kirche einen thurm hat, so vereinigen sich beide bedeutungen. — 284, 18. schon die niederd. psalm. 68, 22. haben etige (aceto); hierher ferner phorzih (vestibulum, porticus); rustih (rusticus) ker. 193; auch risih? (cadus) ker. 69? — 284, 20. ags. rädic (raphanus). — 285, 9. anticha (anicula) zwetl. 112 a vgl. antiqua; locus, qui dicitur chin- ziha trad. fuld. 1, 44; silihha (numus) ker. 209. 222. 264. — 285, 26. kipenihhôt (peritus) ker. 140. fordert ein verbum penihhôn (exercere), was an das mhd. banechen Wigal. p. 523. 524. provenzal. baneyar gemahnt; die schreibung banecken wäre dann falsch, und nur bedenklich, warum nicht benechen, benchen daraus wurde? — 285, 33. kran- kes hals MS. 2, 140 a . — 285, 36. munue (monachus) engl. monk. — 286, 7. ahd. plëtucha (labacium?) mons. 414. entw. lappa oder lapathum? vgl. zu 280, 28. — 287, 31. alts. warag = altn. vargr. — 288, 8. ahd. tolc (ulcus, livor) blas. 8 b jun. 232. tolc (vulnera) K. 47 b ags. dolg (vulnus, ci- catrix). — 290, 19. handeg N. Cap. 100. — 290, 24. man- nachtrag. deg N. Cap. 162. — 290, 30. rotac oder rôtac (rudis) ker. 242. — 290, 34. vgl. vorhin rustih zu 284, 18. — 290, 35. scimbalac (mucosus) ker. 50. — 290, 43. wînac ker. 270. — 291, 1. wîƷago (propheta) K. 27 b . — 295, 42. N. hat die verba: grasegôn Cap. 68. feimegôn Bth. 230. wî- Ʒegôn ps. 147, 1. — 296, 29. honakes (mellis) ker. 205. und gehonagôt N. Bth. 118. — 297, 38. gehört hierher das goth. filêgri, filigri (latibulum)? — 298, 13. pithaha- dîc (strenuus) ker. 262. nhd. bedächtig. — 299, 8. luzîc (gracilis, parvus) ker. 208. 223. — 299, 23. unpauhhinîc (ignavus) ker. 158. — 299, 34. simblîc (aeternus) hymn.; slithîc (saevus) ker. 249. — 300, 1. sundirîc ker. 279. — 300, 10. fêhhanîc (dolosus) ker. 97. — 300, 33. N. hat öfter -ig, seltner -îg, hier noch andere beispiele: buoh- chamerig Cap. 127; filo-chôsig (linguosus) 139, 11. ihselig (miser) Bth. 208; gësterig (hesternus) Bth. 262; gibedîg (fertilis) Bth. 140; morgenig (crastinus) Bth. 262; unge- nistig (insanabilis) p. 265 a , 33; prazelig (rabidus) Cap. 112; rertig Cap. 113; runsig (manans) Cap. 141; fersihtig Bth. 143; wihselîg (mutuus) Cap. 26. Bth. 216. aber wëhselig Bth. 139. (vgl. wëhsel-lîh, hernach zu 565, 36.); unzuî- velig Cap. 93. 99. — 302. 303. noch einige mhd.: ertec, unertec (nhd. artig, unartig); glenzec; ruemec MS. 1, 114 a ; viuhtec (humidus) u. a. m. — 306, 12. erster conj. scheint inliuhtigen (illuminare) T. 4, 18. oder ist das in- liuhtjen?; chûmîgen (lassescere) doc. 206 b vielleicht chû- mîgên? apanstîkan (invidere) ker. 176. — ahd. verba zwei- ter conj. sind noch: duruftîgôn (indigere) K. 45 a ; emiƷî- gôn (continuare) K. 44 b ; gejihtigôte (paralytici) N. 56, 9. — 306, 37. schimelgen MS. 2, 68 b verschuldegen Jw. 58 b . — 311, 24. furehe (sulci, gen. sg. fem.). — 312, 20. hrispahi (virgultum) ker. 282. — 312, 32. spizahi ist grum- met, nachheu. — 312, 34. sprithahi oder sprîthahi (sru- tetum) ker. 130. — 313, 3. cod. pal. liest ander boume und albor nach; G. andern paumen u. albern nach. — 313, 8. vielleicht gesinde-lêhe, wie Bert. 58. zouber- lêhe, von leich (ludus, spiel)? — 313, 17. jattach (ausgejätetes unkraut). Schm. p. 154. note führt noch an: aichach, birkach, geslüglach, gstockach, mit der ne- benform -icht. Adelung hat knickicht. — 313, 40. hier- her auch mitti-vërihi (dimidium) und das verbum gimitti- vërihen (dimidiare). — 314, 27. ahd. in-snërahan (innec- tere) paris.; pisnorahan (complecli) ker. 49. — 317, 10. chuadilla sgall. 195, was auf e, nicht ë führt. Widillo (mollis, weichling) pl. widillun (molles) mons. 388, auch nachtrag. N. Cap. 44. gibt das schw. masc. widello (hermaphrodi- tus) acc. widellen, mit der hinzugefügten deutung: er habet wîbes lide, doh er man sî; tannân heiƷet er wi- dello, samo so wibello, daƷ chît ter wîblido. So unbe- friedigend das ist, sieht man doch das formative der en- dung -ello, da N. selbst wibello (f. wîbello) bildet. Tun- culle (gurgitem) ker. 42. erinnert aus mhd. tunkel-stërne (s. 526.) — 318, 10. diese deutung zurückgenommen f. 722. zaturra steht für zat-urja, wie eim-urra (cinis) stehen könnte f. eim-urja, welches wichtige wort erst durch ker. 46. zum vorschein kommt, wo es bustum glossiert. Es decliniert schwach und bedeutet die glühende, wie fala- wisca die todte asche; altn. eim-yrja (cineres igniti) nicht eim-irja zu schreiben; ags. âm-yrje, æm-yrje, pl. æm- yrjan (cineres); dän. ämmer. Stamm ist altn. eimr (fu- mus tenuis) schwed. êm, im. — 318. 319. die formen -unna sind die älteren und wandeln sich später in -inna; lun- gunne (pulmones) sgall. 191. forscunne (indagine) ker. 154. scheinen unweiblich; Hickes gr. fr. 12. und 88. führt aus der ungedr. E. H. die alts. formen wôstunja (desertum) und fastunnëa (jejunium) an, vgl. goth. fastubni (woraus vielleicht fastunni geworden, wie forfkunni aus faúrskub- ni?), die münchn. hs. (Gley p. 33.) scheint wôstinnëa zu lesen; elinna (ulna) ker. 286; rôsennûn (lentiginem) trev. 64 a . Hierher auch die altn. niôrum (terra) und die weibl. eigennamen iôrunn, þorunn, orun; vgl. ahd. hruadun, gen. hruadunne trad. fuld. 1, 42. — 320, 2. gutënno steht Cap. 146. — 321, 32. was bedeutet burgerissa N. Bth. 83?, schwelgerei? 321, 315. scruntusse (fissura) ker. 145. — 321, 39. unbezweifelbar ist mëƷaras alte, organische form, auch gl. elwang. mëƷƷires (cultrum) und N. Cap. 73. rëbe-mëƷers (falx vinitoris, rebmeßer). — 322, 1. hrênessî (castitas) ker. 227; firnessî (cupiditas) ker. 158. (von firina, luxuria). — 323. die gl. ker. scheinen weib- liche -nessî zu haben, da 83. der dat. sculticnessî (devo- tione), nicht sculticnesse, vgl. abuhnessî (continentîa) 260. (abohnissî 20.); irquëmannessî 163; irstantannessî 241. — 323, 44. dieses ungewöhnliche -ê statt -î in der weibli- chen flexion wäre an sich dem goth. -ái weit entspre- chender als -î und verdient aufmerksamkeit. — 324, 38. bloßes -nis stehet in kisihtnis (contemplatio) jun. 236. — 326, 11. merkwürdig ist das altfries. nese: blâtnese (pauperies) hestnese (captivitas) damnese (damnatio) skip- nese (constitutio); in den alt. ges. (ed. leuward.) p. 373. finde ich ergens f. ergenese. — 327, 33. heidinesse, nachtrag. toveresse Maerl. 3, 256. — 328, 23. daß ss aus einfachem s erwachse bestätigt nicht nur das fries. -nese, sondern auch mëƷeres, gen. mëƷeresses, hâƷes, pl. hâƷessà, nicches, pl. nicchessà (vorhin zu s. 274.), ja die analogie des nn und rr. — 328, 25. ufarassus scheint aus der partikel ufar, wie περισσός aus περί gebildet. — 331, 32. schandolf Bert. 56. Ich finde noch nnl. spottolf. Wiarda im fries. wör- terb. p. 149. ohne näheres citat hat frudels (procus) und friudelve (freierstand). — 332, 24. über diese baumna- men vgl. s. 530. — 334, 8. hierher auch die eigennamen hûnolt, rûmolt, sindolt, berchtold (berht-old, përaht-old) amerolt MS. 2, 72 a ; vgl. gouchgouolt Ben. 209; bossolt kolocz 237; swerolt Renner bei Adelung 2, 137. — 337, 7. altfries. îrsen, umsetzung von îsern. — 338, 23. auch ags. nihtern (nocturnus) und daneben dägðern (diurnus), dessen ableitung schwer zu deuten ist, es scheint ein subst. dägð vorauszusetzen. — 338, 33. in plattd. büchern des 16. jh. finde ich arbeidern (laboriosus) Agricola 37 a ; früchtern (timidus) 38 b ; kîvern (rixosus) 57 b ; bulderne (praeceps) Kinderling p. 378; sind sie entstellt aus compo- sitis mit -gërn (s. 560.) arbeidern aus arbeid-gërn? — 340, 6. auch engl. drunkard etc. — 341, 35. Fischart Garg. 50 b hat: mönchenzen, weibenzen, türkenzen, teu- selenzen. — 342, 25. hier beispiele aus gl. ker.: anstantî (gratia) 173; hroafandî (clamor) 145; këpandî (gratia) 173; pi-clipanti (incitamenta) 131; knëht-kipërandî (puer- perium) 227; rotêndî (rubor) 243; rôgentî (accusatio) 55; slîƷandî (severitas) 20; kistillandî naht (intempesta nox) 163; soachandî (petulantia) 6; suëlkendî (flagrantia) 123; falawêndî (crepusculum) ker. 54; phalawiskandî (flagran- tia) 123. von einem verbo falawiscan (in cinerem conver- tere?); flôverendî (consolatorium) 226. von fluobaran (consolari); wentendî (diverticulum) 89. Sie scheinen vom part. praes. wie die auf -anî (s. 161.) und -ôtî, -itî (s. 261.) vom part. praet. geleitet, oder wären es neutra auf -andi? wie wir heute sagen: das tröstende, das er- hebende? vgl. K. 20 b heilanti dîn (salutare tuum) und die altn. -indi. — 343, 1. firnindi (tesqua). — 344, 13. talundi steht ker. 218. mammunti ker. 179. — 344, 34. ein goth. adj. sniumunds (celer) folgre ich aus dem com- par. adv. sniumundôs (celerius, σπουδαιοτέρως ) Philipp. 2, 28. wozu sich der positivus sniumundô ( μετὰ σπουδῆς ) Marc. 6, 25. Luc. 1, 39. verhält, wie sich ein ahd. sniu- muntô zu sniumuntôr verhalten würde, auch alja-leikôs ( ἑτέρως ) Philipp. 3, 15. ist comparativ; nähere ausführun- nachtrag. gen cap. VII. — 346, 21. N. 118, 161. hat eîn verbum chazzonso (torqueo). — 347, 37. imaguncula. — 348, 16. versiclîn (versiculi) ker. 111. — 348, 33. daƷ honang N. Bth. 110. — 348, 40. kaupângr (emporium). — 349, 21. ich habe skilliggs in den quittungen übersehen. — 350. weiter ahd.: abanstine (invidus) sgall. 194; cotînc (tribu- nus) ker. 75. heißt das von göttlicher abkunft?; sama- hafting (deus cunctalis) N. Cap. 52; hûsing (penas) hûsingâ (penates) ibid. 51; ana-sideling auch Cap. 103; truhting (spon- salis) N. Cap. 165; fending (obolus) N. Bth. 128. — 352, 10. hülzinc (holzapfel) Wh. 3, 415 b (wo cod. cass. fehlerhaft kor- cewile f. hülzinge) schemminc (n. equi) Rab. 394. 958. — 352, 29. gatulinc sgall. 199; bôsiling (nugax) carlsr.; sarling (mi- les) N. Cap. 55. eigentlich armatus; subelinc (inductilis) lindenbr. 996 b , die hs. liest so, ich vermuthe aber scube- linc, was man anschiebt oder einschiebt (ermel, wurst)? — 352, 44. helflinc (denarius). — 353, 8. qvëdlîngr (bre- vis cantilena). — 353, 10. beckeling (alapa) Oberl. 103 a ; grius-linc (canus) MS. 1, 81 a . — 353, 21. birling (meta foeni) Pictorius; brödling (der in eines brote steht); günst- ling; knieling, Frisch; plättling (plattenträger: mönch) Luth.: päuderling (alapa) Garg. 49 a ; schreiling, milch- schreiling (infans) Garg. 47 a 51 a ; schürling (geschorner) Luth. — 353, 40. kneekeling; voedsterling. — 354, 3. gnal- ling; gnausling. — 354, 32. grêting (salutatio). — 355, 24. der mössinc Parc. 1 c . — 356, 10. auch gl. ker. 209. 232. eininc (quispiam) neininc (nullus). — 356, 25. ardingun N. Bth. 233. Cap. 81; îtalingun (vane) ker. 150; kâhin- kun ker. 237; stuzzelingun N. Bth. 233. 234. Cap. 78; suntirinkun ker. 249; farinkun (repente) ker. 107. 129. 236; unforawisinkun (fortuito) ker. 129; mit u tarnunkun (latenter) ker. 252. — 357, 6. erslingen (ärschlings) a. w. 2, 56; urblüpfelingen (ex improviso) Oberl. 1900. aus Keisersp.; sîtelingen Oberl. 1506; rad-schiblung (im kreis, slav. okolo) Oberl. 1259. — 357, 12. brütlings (engl. abrood) treiblings (engl. adrift) ohne -s noch gehling (subito) Simplic.; ständling (stando) Garg. 250 b ; blinzlingen Ph. v. Sittew. 2, 258. — 357, 42. bäclinga (retrorsum); fyr- dinga (catervatim); grundlinga (funditus). — 359, 1. be- merkenswerth ist, daß N. einigen dieser adv. langes û gibt, z. b. stuzzelingûn Bth. 233. ardingûn 234, andere- mahl nicht, gleich als seien es flexionen schw. sem. oder neutr. — 359, 32. herung (heros) herunga (heroes) N. Cap. 141; krist-krimmunc (stridor dentium) ker. 260; lizzitunc (simulatio) ker. 251; festinunc (vigor) ker. 284; nachtrag. wërthunc (solemnitas) ker. 269; wîƷinune, wîƷanunc (dî- vinatio) ker. 207. 278. — 360, 5. hornunc MS. 2, 130 b . — 360, 26. inlunka (studium) ker. 152. wahrsch. ist doc. 220 b paldên ilungen zu beßern: inlungen. — 360, 31. mëta- munga N. Bth. 218. — 361, 10. râmunga N. Bth. 190. — 361, 13. scaffunga N. Bth. 181; scawunka (consideratio) K. 41 a . — 361, 14. ist seitunga (gladium) mons. 388. schreibf. f. sceitunga? — 361, 15. sëstunga (fatum, dispo- sitio) N. Cap. 41. Bth. 213. 216, kommt sonst nicht vor. — 361, 19. starchunga auch N. Bth. 250. — 361, 30. wahtunga (vigiliae) ker. 105. — 361, 35. zaichanunga K. 41 a ; zëhanunka (decuria) ker. 91. — 362, 38. schiffunge Parc. 81 a ; atzunge MS. 2, 135 b . — 364, 9. losunkôn (deliberare) ker. 255. — 366, 24. aus fastummi könnte mit der zeit fastumni (vorhin zu s. 318. 319.) geworden sein? wie aus namnjan nennen (1, 123.) — 367. die analogie von ST, SK fordert auch ein ableitendes SP, ich weiß aber nichts beizubringen außer etwa dem eigennamen helispa trad. fuld. 1, 33. — 367, 7. der irrthum mit obast. ofest wird s. 708. berichtigt. — 368, 38. das verbum an- gistên N. Bth. 72. — 369, 8. noch Plater in seiner bio- graphie gebraucht p. 26. 27. dienstlin f. knecht. — 370, 1. follest N. Bth. 28. und bloß das o, nicht das e, accen- tuiert. — 374, 25. himmelska (lex coeli); frônisca (ele- gantia); sûbir-wîbisga (mundus muliebris) elwang.; häu- sigst in adverbialischer redensart wie: in himelscûn (lege superâ, auf himmlisch) N. Cap. 42; in altiskûn (auf alte art.) N. Bth. 213; in doriskûn (auf dorisch) N. Cap. 159; in chriechiscûn N. Cap. 167; in traciscûn ibid. 109. — 375, 15. haimisc (domesticus) sgall. 197; lenzisc (vernus) N. Cap. 5. pruttisc (iniquus) N. Bth. 186. 195; fërrisc (longinquus) N. Bth. 250; frônisg (arcanus) ker. 19. — 376, 26. läppisch. — 376, 27. man sagt: englisch, schot- tisch, irisch, rußisch, finnisch, jütisch, dänisch, und nicht engländisch, irländisch, dänmärkisch, obgleich eng- land, irland, dänmark, weil jene adj. aus den alten volks- namen: angeln, iren, dänen, jüten etc. selbst gezogen sind. Nur wenn der erste theil einer zus. setzung mit -land keinen volksnamen enthält, geht das land mit in adj. ableitung ein, z. b. von holland, seeland, grönland: holländisch, seeländisch, grönländisch. — 377, 23. râtiskôn zwetl. 116 b N. Bth. 57. 87. 248; frôniskôn Cap. 164. — 377, 30. vgl. schwed. minska (minuere) oben s. 283. — 379, 40. fernere aufmerksamkeit fordern: fahsohti (fomi- tes, fechsen?) ker. 131. und opparoht (servitium)? ker. nachtrag. 177. — 380, 14. ferner ahd. adj.: giloht (herniosus) von gil (hernia); hornaht N. Bth. 229. Cap. 147; stërnaht N. Cap. 55; strâmilaht (segmentatus) flor. 983 a . — 381. wei- ter altn. föxôttr (jubâ discolore); siöllôttr (montuosus); hornôttr (cornutus); skâlkôttr (nequam); vikôttr (tortuo- sus), — 382, 6. auch Herb. affëhte. — 383, 42. zonach- tig (sonnig). — 402, 15. -ilida findet sich in mihhalitha (magnitudo) ker. 199. Zum dritten capitel. 405, 17. es hätte bloß gesagt werden sollen: zweier wörter, da nicht bloß das erste, sondern auch das zweite durch die länge der zeit verdunkelt und undeutlich, ja bei der partikelzusammensetzung das erste wort unselb- ständig (untrennbar) werden kann. Ursprünglich, als das compositum entstand, waren allerdings beide wörter deut- lich; abgesehen von dem fall, wo späterhin nach der ana- logie gangbarer, alter zusammensetzungen neue fortgebildet werden und das erste wort nur etwas fühlbares, nicht gerade etwas deutliches auszudrücken braucht. 405, 31. hierher gehört auch die steigerung der abstammungsver- hältnisse ur-ur-großvater, ags. ëald-ëald-fäder (proa- vus); nhd. pflegt bei waaren fein-fein die feinere sorte zu bezeichnen. Bemerkenswerth ist der ausdruck hove- hof bei Sastrow 2, 602, d. h. der innere hof des adlichen sitzes, zum unterschied von einem äußeren, davorliegen- den. — 406, 24. schulze, schulz aus schultheiƷe, schult- heiß, schultheß; arolsen, mengersen, meimbressen, aunem etc. aus aroldes-heim, mengeres-heim, meginbërtes-heim, auen-heim; hierher auch das m statt n vor labialanlaut des zweîten worts, wie meim- in dem letztangeführten beispiel, oder eimer f. eimber, wimper aus ein-ber, wint- brâ; franz. bassom-pierre st. bassen-stein und viel dergl. — 414, 14. hercheno-aldus, vita Eligii (6. jh.) 2, 18 — 414, 40. lida-gilâƷ (junctura, compago) mons. 353, 410. — 415. 3. mane-heit (humanitas, menschheit) Bth. 88. — 416, 24. traga-stuol mons. 363. — 416, 43. rëpa-torsûn (thyrso) mons. 363; mucca-nezi mons. 359. — 417, 32. frawio-lôs (inconsultus) ker. 150. — 417, 38. spilo- hûs mons. 362. — 418, 2. 1. pi-noman (s. 806.) — 417. 418. was über das schwanken des comp. vo- cals bei N. zwischen a, o, e gesagt ist. will ich hier elwas näher ausführen und belegen: a finde ich außer ata-haft (continuus) Bth. 74. 97. (jugatus) Cap. 170. noch in stata-hûs (consistorium) Cap. 55. Allein er schreibt nachtrag. auch ato-haft Bth. 261. und ate-haft Cap. 72, geate-haf- tôti Bth. 264. Folgende comp. haben ferner -o: tago- stërno Bth. 31. 110. tago-lih Bth. 121. neben tage-rod (crepusc.) Cap. 101; turo-wart Bth. 180. neben ture-staI (postis) Cap. 134; grabo-hûfo Bth. 37; wëgo-wîso Bth. 151. wëgo-leitta Cap. 134; scado-haft (damnosus) Bth. 92; gibo-hûs Cap. 13; lido-starch Cap. 120; samo-lih Bth. 125; so wie nach langer silbe: êo-buoh Bth. 209. 271. êo-teilare Bth. 271; hello-got Bth. 181. hello-tur Cap. 131. hello-wart Cap. 130. neben helle-winnâ (eumenides) Cap. 131; weido-guten (diana) Cap. 146. neben weide- gutin Cap. 147; ûhto-stërno (lucifer) Bth. 223; geburto- tag Cap. 14; fuoro-gëbo Cap. 156; wunno-lust Bth. 142; houbeto-los Bth. 170; willo-waltig Bth. 271. neben wil- lewaltig 212. 249. wille-warbun Bth. 249. Bloß mit -e finde ich: mane-heit Bth. 88; chare-leih Bth. 179; fluge- gerta Cap. 16. 37. fluge-ros Cap. 39. fluge-scuh Cap. 37. 149; here-chnëht Cap. 51. here-bergôton Bth. 37; truge- tievel Bth. 44; hove-stat Bth. 148; mere-wâg Cap. 72; glase-varo Cap. 56; grase-varo Cap. 57; desgleichen nach langer silbe: brûte-stuol Cap. 112; râte-lôs Cap. 120; chrafte-lôs Bth. 186; miote-gërn Cap. 120; emiƷe-louft Cap. 10; rôse-bluomon Cap. 121. u. a. m. Nach langen silben fehlt in den meisten fällen jeder comp. vocal ganz. Aus den beispielen ergibt sich, daß N. (oder die abschrei- ber) sich geneigen, das ältere a und o in e zu verdün- nen. Das o für flexivisch zu halten verbietet das dane- ben gültige a und e. Wo e allein gilt, nicht mit a und o wechselt, scheint es oft = i, also ableitungsvocal, z. b. in here-, brûte-. — 420, 24. fîg-poum N. p. 262, 19. — 423, 11. grase-mügge MS. 2, 85 b . — 423, 17. wëge- muede Jw. 41 b . — 423, 40. kirch-tür, kirch-gerüste Mar. 84. 101. chirich-hof pf. ch. 83 a . — 431, 15. bett-brunzer (submejulus); himmel-schreiend (sünde die in den h. schreit). — 435, 1. dac-trouftrev. 37 a nhd. dach-traufe. — 437, 3. deut- licher pin-rât fragm. belli 1465. der unter einer pinie beschloß- ne verrath. — 437, 14. vgl. sunna-wendigêr (eliotropius) N. Cap. 68. — 437, 4. nhd. löwen-ritter, mhd. r mit dem l. — 440, 11. krebsgang (wie eines krebses). — 442, 40. fischwaßer, wor- in fische gehalten werden; scalch-forhta (timor servilis, wie sie der knecht hat) N. 18, 9. — 443, 11. topf-knaben MS. 1, 80 b , knaben die mit dem kräusel spielen. — 443, 15. die eier-jule, der butter-hannes, die eier, butter feil tragen. — 449, 5. ërd- cot Cap. 52. ërd-frowa (cybele) Cap. 146. ërd-lucher Cap. 62. ërd-chust Bth. 83. ërd-tier Bth. 90. ërd-wuocher nachtrag. Bth. 79. — 450, 2. mhd. bal-rât (fraus) Rud. weltchr. (Schütze 2, 195. unrât). 455, 31. mhd. gêr-schuƷ Nib. gêr-stange ibid. — 455, 39. gibo-hûs Cap. 13. — 455, 43. giaf-göltr Gulaþingsl. 396. — 456, 24. gold-sahs Cap. 71. — 458, 4. hello-got Bth. 181. hello-tur Cap. 131. hello- wart Cap. 130. helle-winnâ (eumenides) Cap. 131. — 459, 16. here-chnëht Cap. 51. Bth. 132. — 461, 25. ge- hî-leich Cap. 89. hî-reisara (pronuba) Cap. 41. 133. hî- sâmo (semen genitale) Cap. 152. hî-tât (gignendi opus) Bth. 169. Cap. 134. hî-fuoga Cap. 134. — 461, 30. hî- stiure (ehsteuer) Rud. weltchr. — 461, 15. höfud-smât (tunicae orificium, was ahd. houpit-loh) edd. sæm. 193., nach Lye soll das ags. heáfod-smäl auch capitium be- deuten. — 462, 3. himel-gibel (polus) Cap. 81. 107. hi- mel-hêrote Cap. 117. himel-loƷ Cap. 55. himel-gelust Cap. 85. himel-ring Cap. 84. himel-falenza Cap. 55. himel-sâ- Ʒen (coelicolae) Cap. 50. 111. 135. — 463, 29. ahd. chare- leih (modus flebilis) Bth. 179. — 464, 35. lant-sideling N. 104, 25. — 465, 9. lant-mære Karl 125 a . — 465, 21. lîb-chiccha (vivifica) Cap. 158. — 466, 14. liut-cot Cap. 54. liut-frowa Cap. 134. liut-sâlda Bth. 208. — 466, 30. leut-freßer (menschenfr.) Garg. 48 a . — 467, 7. megin- giörd. — 467, 44. berichtigt s. 806. — 468, 24. mere-wâg Cap. 72. — 468, 34. mer-garte ps. ch. 39 b . — 469, 22. mein-ræte Nib. mein-eit c. p. 361, 59 d . mein-tât ibid. 55 d . — 472, 11. muot-râwa Cap. 32. — 472, 26. nôt-festi Cap. 112. — 473, 9. nît-bant Frîg. 3628. nît-geschelle Mar. 161. nît-slac kl. 1498. Wigam. 1904. nît-spil Parc. 10166. 21097. — 477, 14. schif-gereisen MS. 2, 150 b . — 478, 4. ags. svëora (collum): svëor-bân (cervix) svëor- beáh (torques) svëor-cops (columbar) svëor-coðu (colli morbus) svëor-vërc (id.) svëor-scëacul (collistrigium. — 479, 5. þiód-numa Grimn. 28. — uhtvô (crepusculum matut.) ahd. uhta-stërno (lucifer) ûhto-stërno Bth. 223; ags. uht-gebëd, uht-sang; hat hiervon ucht-land in der Schweiz den namen? gegen morgen liegend? — 480, 7. wal-bluot pf. ch. 69 a wal-flôƷ ib. 59 a walstat ib. 51 a wal- strâƷe ib. 112 a . — 480, 35. wërlt-sacha Bth. 147. wërlt- sâlda Bth. 74. wërlt-mendi Cap. 37. wërlt-pilde Cap. 60. wërlt-stuol Cap. 162. wërlt-zimber Bth. 174. 185. Cap. 161. — 481, 14. wërlt-êre En. 78 c . — 481. wortzeichen Bth. 45. 190. 245. — 482, 37. wil-maht (valetudo) Cap. 52. wille-warba Bth. 270. — 483, 9. wini-scaf (foedus) hymn. 8, 8. — 483, 16. wine-lieder Görres meisterl. 169. (vgl. s. 505.). — 484, 3. auch lig-egesa (terror ignis) Beov. nachtrag. 207. — 483, 15. ahd. ehutim-boum (s. chutin-b., nhd. quitten-b.) flor. 989 a geiƷ-boum zwetl. 125 b henkil-b. trev. 37 a kelter-b. (prelum) trev. 37 b lôr-b. Cap. 15. mast- p. mons. 340. rite-b. (genus tormenti) flor. 986 a sëgal-p. (malus) mons. 334. 340. spir-b. fr. or. 1, 675. und mhd.: lint-boum (pertica feretri) En. 7935. pine-boum, pin-boum (pinus) pf. ch. 32 b 39 b stal-boum (nom. sideris) die ur- mâren stal-boume pf. ch. 96 a (das stelboum der gl. trev.) etwas anders ist stalt-boum En. 3008. wofür wohl schalt- b. (ruderstange) zu lesen? — 485, 6. zobel-balc Wigal. laster-balc Bert. 56, noch heute schimpfwort in Oestreich (Feßlers leben p. 127.) — 485, 8. vërch-pan pf. ch. 69 a . — 485, 24. hâr-bant Roth. 3093. En. 12018. a. Heinr. 336. wint-bant (brackenseil) c. p. 341, 235 a . — 485, 40. suegil-pein (tibia) doc. 238 a . — 485, 42. svëor-bân (os cervicis.). — 486, 22. bôn-biörg (mendicatio) fem., aber fugl-biarg (aviarium) neutr. — 487, 3. kroß-bëri (crucifer). — 489, 10. geburto-tag Cap. 14. — 489, 43. wandel-tac Parc. 117 b weide-tac Parc. 119 b suon- tac pf. ch. 81 b . — 490, 40. hî-tât Bth. 169. Cap. 134. — 491, 4. mein-tât c. p. 361. 55 d . — 491, 38. das erste wort zuweilen unpersönlich, sächlich, vgl. scâh-tuom (rapina) fr. or. 2, 930. und altn. blôd-dômr (sent. capita- lis). Das ahd. zollan-tuom (telonium) mons. 399. setzt ein (nach dem latein gebildetes) subst. zollan voraus, vgl. zollinâri (telonarius). — 492, 14. sumar-fano (pallium ae- stivum) jun. 229. — 492, 15. sige-van Trist. — 492, 24. fards? (iter): alts. megin-fard (bellum); wîn-fard (iter ad vinum compar.) freckenh. 28; mhd. her-vart Bit. 51 a ; nhd. heer-fahrt, heim-fahrt. — 492, 25. glase-vaƷ (lu- cerna) herrad. 199 a bisem-faƷ mons. 332. milch-faƷ flor. 985 b . — 492, 39. tugent-vaƷ schmiede 101. uneigentl. sælden vaƷ c. p. 341, 234 a . — 493, 33. acher-gang Bth. 235. — 493, 36. ëars-gang (latrina) husel-gang (eucha- ristiae participatio) vëald-genge (latrocinium). — 493, 39. acker-ganc MS. 2, 255 a Bert. 235. — 493, 40. kirch-gang, krebs-gang. — 494, 5. husel-genga; vgl. ahd. lant-pigengo, ahhar-pigengo. — 495, 6. spuot-këbo (secundanus) Cap. 52. fuoro-gëbo (cibum largiens) Cap. 156. — 495, 12. rât-gëbe pf. eh. 8 a 113 a zins-gëbe Jw. 6350. (6377.). — 495, 20. chorn-gëba Cap. 52. gast-gëba Cap. 72. — 495, 24. hou- pit-këlt emm. 401. 402. — 495, 36. lêhen-gëlt Otto bart 95 b . — 496, 5. ahd. kot (deus): ërd-cot Cap. 52. fliht-cot (praesul) Cap. 162. fiur-got Cap. 52. hello-got Bth. 181. hërt-cot Cap. 138. liut-cot Cap. 54. luft-cot Cap. 135. S s s nachtrag. tegân-got (decanus) Cap. 160. tuom-got Bth. 156. zuîvel- got Cap. 52. — 496, 12. altn. hûs-gumi (herus) edd. sæm. 103 b . — 496, 17. ahd. anot-hapuh, cans-hapuh, lex bo- juv. — 496, 24. nhd. lurs-hals Platers leben p. 171. neid- hals (= neid-hart) Bronners leben 1, 197. (vgl. s. 340.). — 496, 37. dän. hinde-ham, hiorte-ham K. V. 1, 248. 258. — 497, 13. biscof-heit Cap. 123. scalh-heit Bth. 238. wîp-heit mons. 390. — 498, 1. gîr-heit Bth. 50. 53. (? gir-heit). — 498, 8. frâƷ-heit Barl. 102. — 499, 30. nhd. axt-helm (manubrium). — 500, 8. gibo-hûs Cap. 13. muos- hûs (coenaculum) jun. 318. palinz-hûs O. IV. 20, 6. stata- hûs (consistorium) Cap. 55. — 500, 17. altn. fiarg-hûs edd. sæm. 249 b 250 b ; mhd. dinc-hûs c. p. 361. 12 c muos- hûs Wigal. — 500, 39. muos-kar MS. 2, 81 a . — 501, 6. alts. himil-kraft. — 501, 10. man-kraft Roth. 7 a . — 502, 11. ambaht-lakan, sculd-lakan freckenh.; mhd. spër-lachen Vrib. Trist. — 502, 33. verschieden ist leitî in waƷƷar- leitî (aquae ductus) mons. 333. heim-leiti (nuptiae) Cap. 42. — 503, 3. gud-leisr. — 503, 11. chare-leih (cantus flebilis) Bth. 179. chlaf-leih (tonitru) Cap. 59. 114. rang- leih (palaestra) Cap. 88. sang-leih Bth. 181. — 503, 37. hiör-leikr (pugna) edd. sæm. 185 a . — 505, 2. ags. svîn- lîca (forma porcina) Beov. 110. — 505, 3. ahd. lîp (vita): ërd-lîp N. 68, 1. himil-lîp ibid. ûfscouwo-lîp (vita con- templativa) N. 32, 2; mhd. munih-lîp (vita monastica) c. p. 361, 77 d . — 505, 33. snabel-liute Ernst 30 b . — 506, 1. wine-liet vgl. zu 483, 16. — 506, 31. himel-gelust Cap. 84. wun- no-lust Bth. 142. — 507, 14. acher-man Cap. 77. Bth. 216. — 508, 30. scif-meister trev. 42 a . rot-meister Rab. 534. — 509, 15. vgl. frist-mâlîg Bth. 241. 262. — 509, 18. louft-mâl (fta- dium) Cap. 145. — 511, 38. vlëder-mûs MS. 2. 144 a . — 512, 21. lîp-nar c. p. 361, 70 a . — 512, 33. schar-genôƷ pf. ch. 54 b strît-genôƷ Mar. 226. verrât-genôƷ pf. ch. 37 a . — 515, 33. vgl. balo râtan O. IV. 12, 60; ein mhd. bal-rât oben zu 450, 2. — 518, 9. mêter-sang Bth. 212. seit-sang Cap. 106. suegel-sang Cap. 106. — 518, 12. ags. uht-sang (cantus matutinus). — 518, 13. vâpn-söngr edd. sæm. 248 b . — 519, 7. himel-sâƷo (coelicola) Cap. 50. 111. 135. stuol-sâƷo Bth. 206. — 519, 11. truch-sæƷe c. p. 361, 49 c . — 520, 12. mëtem-scaf Cap. 23. — 519, 23. wini-scaf Bth. 181. — 521, 24. tröll-skapr (furor giganteus). — 523, 18. ôr-slac Roth. 17 b — 524, 19. strît-spil Bth. 197. — 524, 25, seit-spil c. p. 361, 79 b . — 525, 24. aud-stafr n. pr. — 526, 23. ûhto-stërno (lucifer) Bth. 223, vgl. vorhin zu 479, 21. gegensatz zu tuncul-stërno? abendstern. — nachtrag. 526, 37. ture-stal (postis) neutr. — 526, 41. hërt-stal (so- cus) Herb. 95 a . — 527, 33. hove-stat Bth. 148. — 527, 40. slâf-stat Parc. 46 b . — 527, 41. stáua-stôls Rom. 14, 10. — 528, 1. brûte-stuol Cap. 112. suht-stuol N. 1, 1. wërlt- stuol Cap. 162. — 529, 33. sumer-zît Bth. 224. — 529, 39. wërlt-zimber Cap. 161. Bth. 174. 185. — 530, 1. möndul-trê (manubrium ligneum) edd. sæm. 159 a negul- trê (caryophylius) nâ-trê (feretrum). — 530, 42. abholder (pomus) schmiede 1318 — 531, 35. rôg-þorn (spina belli, i. e. hasta) edd. sæm. 248 a . — 532, 9. altn. bord-þil (conta- bulatio navis) edd. sæm. 212 a . — 532, 34. nhd. brot-dieb. — 533, 35. hello-wart Cap. 130. turo-wart Bth. 180. — 534. 10. hlid-vördr (custos portae) edd. sæm. 236 a men-vördr (c. monilium) ib. 248 b sund-vördr (c. freti) ib. 153 b . — 534, 13. helle-warte c. p. 361, 59 a . — 535. 18. blôd-ormr (gladius) edd. sæm. 150 a . — 536, 1. dinc-wât (toga) doc. 208 a . — 536, 7. kvën-vâdir (vestes muliebres) edd. sæm. 72 a . — 536, 11. mere-wâg auch Cap. 72. — 536. 18. ahd. dionest-wîp Cap. 100. — 536, 21. veig? (caedes): ahd. burg- wîg Bth. 227. naht-wîg Cap. 134. rang-wîg (palaestra) Cap. 89. — 536, 29. stadel-wîse MS, 1, 87 a . — 537, 4. gâlg- vëgr edd. sæm. 98 a . — 539, 22. das unorganische schwan- ken zwischen der flexionslosen form des ersten worts und dem -en beginnt schon im mhd. wird aber im nhd. zu- sehends gewöhnlicher. Luther schwankt gleichfalls, z. b. 1. Sam. 17, 19. 21, 9. stehet eich-grund und 17, 2. eichen- grund; statt unseres buchen-wald bietet Fischart Garg. 56 a noch buch-wald dar; wir sagen eichen-wald neben eich-wäldchen. — 540, 15. auch fem. auf -in componie- ren sich kaum eigentlich, man sagt nicht spinnerin-lied, spitzbübin-streich; wohl aber uneigentlich: spinnerinnen lieder, spitzbübinnen streiche. — 540, 33. wegen eschen- bach sieh s. 647. — 540, 35. ein fihtôno-bërc ist aus urk. nicht nachzuweisen, der name kommt im ahd, zeitraum nicht vor. Beßeres beispiel ist fastel-abend f. fasten-abend, plattd. fastel-dag (laiendoctrinal p. 59.); für heidelbeere wurde im 16. jh. auch heidel gesagt, vgl. Fischart Garg. 65 b heidelfreßer. — 541, 39. auch ört-wîn Nib. 161, 1. 177, 4. Lachm. — 548, 23. rôse-bluomon Cap. 121. — 550, 29. das vermuthete ahd. subst. por (fastigium) liefern ker. 136. und gl. paris. Merkwürdig steht bore vor dem privativen un-: daƷ mir êr bore-unchunt ne was (non tamen antehac prorsus ignorata) Bth. 183, woraus kei- neswegs folgt, daß pora ein adv. sei (vgl. hernach zu 928, 27.). N. hat auch Bth. 209. daƷ neist por-rëht zala S s s 2 nachtrag. nieht solichera sarsi (non est justa satis saevitiae ratio). — 551, 28. die erklärung des altn. dâ- aus dag ist unsicher; Rask leitet es aus dem adj. dâr, dâ, dâtt (vehemens). — 551, 37. tôt-wunt Nib. — 552, 38. lido-starch Cap. 120. — 552, 40. lide-ganz Oberl. — 553, 27. die subst. meƷ-chuolî (temperies) Cap. 154. mëƷ-muotî (humilitas) N. 62, 7. setzen adj. mëƷ-chuoli, meƷ-muoti voraus oder gestatten sie mindestens. — 553, 38. sâmi-daht (seminudus) Cap. 10. eigentl. halbbedeckt. — 555, 25. stock-dicke-finster Luther Hiob 10, 22. — 555, 33. wunder-tiure Bth. 139. — 557, 2. das decomp. skaf-heid-biartr zu folgern aus skaf-heid- birta (sudum serenum). — 557, 11. skîn-bare, skîm-bare mit kurzem a Bth. 209. Cap. 23. 164. scheint mir tadel- haft. — 557, 13. vâpn-bær (ad pugnam aptus). — 558, 7. star-blindr, das subst. star (cataracta) ist neutr.; dän. ster-blind K. V. 1, 10, 41. 14. 66. — 558, 17. mô-brûnn (subniger). — 558, 18. mhd. purper-brûn Trist. — 558, 20. sæ-daudr edd. sæm. 198 b sôtt-daudr ibid. vâpn-daudr ib. — 558, 37. blic-saro Cap. 23. glase-saro Cap. 56. grase- faro Cap. 57. rôs-faro Cap. 63. — 559, 21. nagl-fastr. — 559, 26. nagel-fest. — 559, 27. giggil-vêh trev. 50 a ; bluom- feh Cap. 61. — 560, 39. fleisk-kërn (carnificus) ker. 67. miote-gërn Cap. 120. — 561, 3. bil-giarn (segnis) ô-bil- giarn (petulans). — 561, 27. mûs-grâr; stâl-grâr. — 561. 41. dän. löv-grön K. V. 4, 127. — 561, 43. ahd. ata-haft (continuus) citate vorhin zu s. 417. 418; lachen-hafte Bth. 200; nôt-hafte 195; rutem-hafte (rutilans) Cap. 23; sâm- haft (soecundus) Bth. 234; scado-haft Bth. 92; zeichen- haft Bth. 92; zeichen-hafte Cap. 69; wahrscheinlich ha- ben auch die übrigen bei N. -haste? — 562, 30. adel- haft schmiede 636; erbe-haft a. w. 3, 64; gemuot-haft Trist.; valschaft troj. 19 a . — 563, 1. hab-haft; mädchen- haft; veilchen-haft (Wieland). — 563, 15. halts (clau- dus): ahd. huf-halz, beiname Heinrichs II.; altfries. stric- halt B. 210; engl. string-halt. — 563, 40. nhd. lamm- herzig. — 564, 16. brâ-hvîtr edd. sæm. 139 b ; drift-hvîtr von drift (nix). — 564, 37. wegen sâr-kaldr vgl. Rask anvisn. §. 302. — 565, 5. altfries. bûr-kud, gâ-kud, oude wetten p. 351. — 565, 81. mëƷ-chuoli (temperatus) vor- hin zu 553, 27. — 565, 29. bei N. noch: chrafte-lôs Bth. 186. houbeto-lôs Bth. 170. horn-lôs Bth. 229. râte-lôs Cap. 120. slâfe-lôs W. 7, 13. — 567, 9. anc-lîh (angustus) ker, 35. — 567, 9. jugund-lîh O. V. 23, 284. — 565, 36. wëhsel-lih Bth. 213. womit das vorhin zu s. 300. ange- führte derivatum wëhselîg, wihselîg zu vergl. — 568, 26. nachtrag. arbeit-1. Barl. — 568, 33. maget-l. a. Tit. 31, 50. — 570, 5. wëge-lîchemo (omni viae) N. 35, 5. allero strîto-lih Cap. 118. allero ubelo-lîh Bth. 223. allero teile-lih Bth. 149. mânôd-liches (quovis mense) Bth. 175. (f. mânôdo-l.) wie mhd. aller-mâuedgelich Parc. 23 c und noch nhd. monat-lich adv. (per mensem) monat-lich (menstruus) adj. — 570, 41. vgl. leida-lîh O. V. 7, 46. — 571, 35. fôdar-mâƷi (vehem capiens) cass. 854 b (wo choffa fôdar- maƷiu zus. gehört). — 571, 44. keffer-meßig Keisersp. omeiß 10 d , ich glaube, daß këfer eigentlich këber ge- schrieben werden sollte und zu dem s. 830. 988. besproch- nen ahd. verbo quëpan (vigere, vivere) gerechnet wer- den muß, këber-mæƷe, quëpar-mâƷi, ags. cvifor-mæte? — 572, 9. elli-môðr (senio confectus). — 572, 22. stabe- nackend Schweinichen 1, 30. — 572, 30. bach-naß Plater 97. 143. tropf-naß Bronner 1, 69. — 572, 37. altn. spân- nŷr Rask §. 302. schwed. nagel-ny. — 573, 5. ahd. gold- rôt Cap. 71. — 573, 10. sôt-raudr (fuligineus). — 574, 18. bir-sæll (felix in navigando). — 574, 40. nnl. ramp-zalig (infelix). — 574, 41. altn. skâr (mordax): eyr-skâr (aes secans) folk-skâr edd. sæm. 191 a nîd-skâr (convitiis mor- dax). — 575, 11. tûngl-liukr (lunaticus). — 575, 25. altn. stamr (balbus, rigidus): aldr-stamr (senectute balbus) edd. sæm. 250 b . glŷ-stamr (? caligine impeditus) ib. 269 a mâl- stamr (loquelâ impeditus). — 576, 3. altfranz. sains con un poisson. — 576, 5. öl-sûr Parc. 15361. — 577, 18. ahd. waltîc (potens): himel-gewaltig (altipotens) Cap. 118. willo-waltig (liberalis) Bth. 212. 249. 271. — 577, 18. bad- warm Garg. 242 b . — 577, 32. schmutz-weich Garg. 275 b . — 577, 33. auch engl. weather-wise. — 583, 21. zuîvel- chôsôn N. Cap. 113. setzt ein subst. zuîvel-chôsî voraus; gefedel-goldôt (bracteatus) Cap. 70. ein subst. fedel-gold (bractea). — 583, 40. hals-slegilon (celaphizare) mons. 368. 396. von hals-slegil. — 583, 42. ich würde kuis- slagôn lesen (vgl. guis-mëƷôn s. 669.), wenn dadurch sinn ins wort käme. — 584, 5. mânôd-fallôntî (lunatici) emm. 407. von mânôd-fal. — 584, 7. kîdanch-wërchôn (satissa- cere) gl. elwang. — 584, 28. svîn-beygja (incurvare in modum porci) Vatnsdœla p. 134. blund-skaka (linis ocu- lis intueri). — 584, 34. vinger-diuten troj. 162 a von ei- nem subst. vinger-diute? — 584, 35. wette-loufen von wette-louf weiuschwelg 122. — 584, 37. vëder-slahen Tit. XIII, 202. scheint unrichtig; will-fagen gebraucht noch späterhin Steinhöwel. — 584, 43. will-küren, part. gewill- kürel; wett-laufen (pract. wett-laufte). — 585, 4. vold- nachtrag. tage (vi rapere) schwed. våld-taga; schwed. kring-sko (ein pferd beschlagen) tro-lofva, praet. tro-lofvade. — 585, 9. ate-haftôn Bth. 264. — 585, 16. kemëƷ-lihhê (tem- peret) K. cap. 64; wît-preitan (vulgare) gl. elwang. — 585, 21. koad-lîhhêndi (glorians) ker. 114. — 589, 6. tôt- trakandi ker. 127; man vergleiche die sem. auf -andi (zu 342, 25.) deil-nëmandî (parsimonia) ker. 128. knëht-kipë- randî (puerperium) ker. 227. — 590, 15. lob-sprëchende Mar. 180. — 590, 34. feuer-glastîng bei H. Sachs für feuer-glastend oder glastig? — 592, 5. weitere altn.: höld- borinn, hërs-borinn edd. sæm. 114 b vom höldr oder hër- sir geboren; fôt-brotinn (der den fuß gebrochen hat) Eyrb. S. p. 316; gras-gëfinn (graminosus); södul-bakadr (pandus) södul-nefjadr (silus); nâtt-vakiun (nocturnus). — 593, 13. bei Fischart finden sich mehr beispiele: christ- getauft; eh-verknüpft; gnad-gesalbt; mark-erseigert; mot- ten-gefreßen; salz-bestrichen; silber-beschlagen Garg. 19 b ; tod-geminnt; traum-gebildet etc. welt-berufen, welt-be- schrien finde ich in einem buche des 17. jh. — 593, 31. ein heutiger dichter sagt schön: laß mich ruhn, grauer fels, auf deiner wetterzerwaschenen brust. — 594, 27. gull-sömad 3, 144. — 594, 33. grund-muret (grundge- mauert). — 594, 38. crest-fallen (verdutzt, aus den wol- ken gefallen) winter-beaten (vom winter beschädigt). — 600, 27. diu risôn-burg N. Bth. 175. gëllûnburg (Samaria) N. 73, 18. himilô-rîchi T. 13, 2. 18, 5. — 601, 9. wintes- brût O. V. 19, 54, auch in den griech. mythen führt eine harpye den namen ἀελλώ . — 601, 22. huntes-satel (musca doc. 220 a , weil die fliege auf dem hund liegt? — 601, 42. wëffin-nëst doc. 243 a fâwen-fëdera (pfauenfeder) N. Cap. 57. palmôno-gerta O. IV. 3, 42. — 602, 23. se fæmnan þëgn Beov. 154. — 603, 30. hräfna-vudu (cor- vorum silva) Beov. 217. ëarna-näs (aquilarum rupes) Beov. 225. — 604, 18. altn. thiernamen: ôdins- hani (tringa minima). — 604, 26. laufs-blad Snorraedda p. 52. plôgs- land Yngl. S. cap. 5. — 605, 23. endes tac MS. 1, 109 a fanges tac MS. 1, 116 b . — 606, 2. mannes bilde Parc, 121 a . — 606, 13. der drachen-stein, diu etzeln-burc, daƷ lerichen-vëlt. — 606, 28. tievels-trût Nib. — 607, 28. vgl. bluotes rëgen Parc. 63 c . — 608, 21. bocks-bart (eine pflanze). — 608, 25. gänse-magen, enten-füße, mäuse- dreck, kalbs-braten, hammels-braten, rinds-braten, och- senbraten, kalbs-kopf, schweins-kopf. — 608, 36. helfers- helfer, henkers-hand, rädels-führer (nach Kopitar: an- führer des tanzes, (von rädel, reigen, slav. kolo) narren- nachtrag. seil, galgen-gesindel, handwerks-knecht, schiffs-leute, bau- ers-leute (wie aber wanders-leute, wanders-mann? da es kein subst. wander gibt; steht es für wander-mann oder wanderns-mann?), geleits-mann, schieds-mann, schieds- freunde, diebs-griff, hunds-soff (Simplic. p. 219.), teufels- lärm, meeres-wogen, lebens-licht, lebens-freude, gewißens- angst, lieblings-idee, schreckens-botschaft, standes-erhöhung, schalks-narr, todes-strafe, hausmanns-kost, jahrmarkts-bude, schadens-ersatz, friedens-zeit (Garg. 276 b noch frides-zeit), sitten-einfalt, waffen-stillftand, buchstaben-zusammenset- zung, lieder-reichthum, güter-gemeinschaft, und die menge ähnlicher. — 612, 25. daß die uneigentliche zus. setzung bisweilen etwas anderes ausdrückt, als der lose genitiv, ist leicht wahrzunehmen; z. b. herrn-tisch bedeutet den für edelleute, der tisch des herrn aber den altar. Die pfarrer, sagt irgendwo Lichtenberg, bauen den acker got- tes, die ärzte den gottes-acker. Der freie gen. hat, wie mir scheint, etwas edleres an sich (vgl. s. 942. oben). — 613, 38. bluotes mâl Parc. 69 a bluot-mâl 72 c ; golts vaƷ Parc. 24199. golt-vaƷ 24212. — 614, 29. die syntax lehrt, daß wir construieren: ein tropfe wein, waßer statt weins, waßers. — 621, 2. das schwed. konungs-lig unterscheidet sich von konung-lig. — 621, 4. bluotes rôt Nib. vröuden rôt Nib. — 621, 30. lebens-lang, lebens-länglich; staats- klug; nichts-werth, nichts-würdig. — 622, 34. im nhd. thränen-schwer, thränen-feucht sehe ich keinen dativ pl. (vgl. s. 975.). 627, 38. ale-namo (praenomen) Cap. 1. — 628, 10. zi ala-spërî (ommino) ker. 263. — 629, 10. alt- gilâri O. I. 11, 22. — 629, 25. alt-vater a. w. 3,78. — 629, 39. mhd. eigen (proprius): eigen-diu, eigen-holde, eigen-man, eigen-wîp, sämtlich in den Nib. — goth. aírzis , ahd. irri, mhd. irre: irre-ganc lieders. 2, 314. 315. grundriß p. 345. irre-vart Jw. 42 c irre-tuom c. p. 361, 81 d ; nhd. irr-lehre, irr-thum, irr-wisch. — 630, 21. ahd. preit (latus) ags. brâd: brâd-ax (securis) brâd-hlâf; nhd. breit-haupt, breit- kopf. — 634, 11. heilac-huat (cydaris) jun 200. — 634, 31. heáh-dëor (cervus). — 634, 34. heá-lufe Beov. 147. — 653, 7. hoch-wild (cervus etc.). — 636, 22. lâng-eldr Eyrb. S. p. 276. — 638, 25. sëlb-namo (nominativus) N. 77, 43. — 638, 28. vielleicht sëlb-scuƷun? nach dem fol- genden sëlb-scôƷ und dem altfries. sël-skëtta B. 219. — sëlp-salpa (migma) lindenbrog.; sëlh-hevi Bth. 233. sëlb- scôni Cap. 120. sëlb-waga Bth. 233. sëlb-wala Bth. 213. — 642, 20. wizeg-tuom (mit kurzem i, folglich z?) Bth. 243. — 642, 29. ags. fâmig-hëals (spumoso collo). — nachtrag. 642, 30. naß-hals, nnl. nat-hals (säufer). — 642, 35. blûc- heit (diffidentia) N. 24, 14. grim-heit (crudelitas) N. 10, 7. sâlig-heit N. 43, 9. — 643, 12. laƷ-heit Parc. 71 a — 646, 5 blîde-schaft MS. 1, 18 a 19 a. b. — 647, 11. die auf -isch nicht so selten; wie unser deutsch-land, welsch-land da- mit zus. gesetzt ist, sagte man mhd. rœmisch-laut, hûnisch- lant; auch kommt in eigennamen -mann mit diesen adj. vor, z. b. fuldisch-mann, windisch-mann, die abkunft zu bezeichnen. Ebenso im engl.: dutch-man, english-man, irish-man etc. — 648, 15. vgl. hernach zu 673, 36. furist- sizento. — 648, 33. þam frum-gâran Cädm. 57. on þäm frum-gâre Beov. 212. — 653, 19. Sastrow 3, 21. neben- alte f. eben-alte. — 654, 24. sama (similis) vgl. s. 671: goth. sama-leiks; ahd. sama-liast (solidus) jun. 200. 226; samo-glat (aeque splendidus) cap. 86; samo-zorst (id.) cap. 125; sama-lîh (belege s. 658.); sama-bald O. I. 1, 124. Ich stehe in zweifel, ob hier adjectivisch componiert ist oder mit der partikel? vgl. s. 764. Samo-zorst ist bei N. was ëben-zorft, in welchem ëben für kein adv. gehalten werden kann, und sein compos. vocal lautet gern o, freilich aber auch seine part. samo. — 656, 7. es steht bei Berthold. — 656, 26. kranc-var MS. 1, 123 a . — 659, 22. heidensch-lich Barl. 7. — 663, 31. arm-muotig N. 68, 30. hôh-muotig N. 48, 10. lang-muotig N. 102, 8. lint- muotig N. 95, 18. gemein-muotig N. Bth. 221. truob- muotig N. 76, 6. — 664, 21. grôƷ-gemuot a. Tit. 130. zornic-gemuot Nib. — 665, 10. auch mit matt-: matt- gelb, matt-grün. — 669, 32. hvît-fâga (dealbare) hvît- mata (candefcere). — 669, 35. kurz-wîlen Nib. — 671, 12. ëban-stantan jun. 237. ëban-frewen ibid. — 673, 35. ther furist-sizento (architriclinus) T. 45, 8. — 677, 16. noch Fischart: gegen mitt-nacht Garg. 274 b — 677, 21. allge- mein üblich ist das uneig. compositum feins-liebchen, dat. dem feins-liebchen, pl. die feins-liebehen. — 677, 29. zum warmen brunnen (nhd. warm-brunn); ze wilden- bërc Parc. 55 b . — 680, 31. sceit-judôn (pharisaei) N. 18, 9. — 681, 25. puri-crap (tumulus) jun. 230. auferhöhtes grab; spuri-hunt, leges vett.; suëbe-waƷer N. Cap. 59. — 682. 27. heve-amme Mar. 174. — 682, 33. suëbe-leite, feldbauer 51. — 683, 13. hemm-kette, hemm-schuh. — 682, 18. flatter-sinn. gängel-band, plage-geist, wander- stab, zank-apfel. — 684, 23. schmeichel-haft. — 684, 37. unkilît-lîh (inaccessibilis) ker. 163. — 684, 42. bur-lîh N. 71, 16. — 685, 12. bezeichen-l. troj. 4 a . — 686, 13. ahd. hôr-sam K. 16 b 20 b , nhd. gehor-sam. — 686, 25. nachtrag. außer den sechs formeln gibt es noch einige andere sol- cher adj., doch wenige, z. b. senk-recht. — 688, 4. aus der nhd. volkssprache fällt mir doch eine ausnahme bei, wo sich das part. praes. mit einem nicht abstracten adj. bindet, man sagt: stickende-wickende-voll (zum ersticken voll) strotzend-voll, drückend-voll; oder will man hier einen adverbialisch gesetzten, ungebundnen casus anneh- men? — 692, 30. hierher auch: bundin-skeggi (mit ge- bundnem bart) edd. sæm. 103 a ; hangin-lukla (die mit schlußeln behangne) ibid. — 693, 13. verstanden-heit Oberl. — 693, 26. firsëan-lîh (despicibilis) ker. 96. fir- thenkit-lîh (contemptibilis) ibid. — 693, 42. außer zoran- ougi, ags. toren-eáge, vielleicht auch das ahd. prëhan- prâwi (lippus) cass. 855 a und plehen-ouger jun. 384. steht wohl für prëhen-ouger? — 695, 10. plattd. wirklich un- dôndlik (unthunlich). — 701, 23. sviltan f. us-viltan? vgl. s.185. — 705, 5. dem ahd. â- hat Schlegel ind. bibl. 1, 233 - 235. das indische a- verglichen. Wenn auch die länge jenes, die kürze dieses kein unüberwindliches hin- dernis entgegenstellt, da ebenwohl sonst durch unter- drückung des -s der vorstehende kurze vocal nicht lang wird, folglich ein paralleles goth. a- (nicht ê-) gedacht werden dürfte, oder umgekehrt das privative indische a- fast wie â- ausgesprochen wird (Bopp lehrg. §. 10.); so trete ich doch aus andern gründen der vermuthung nicht bei. Einmahl trifft die vergleichung des sanskr. a-mala (un-befleckt) mit dem goth. am-ala, worin am wurzel, al ableitung ist, nicht zu. Sodann bindet sich das sanskr. a- (wie su- und dur-) bloß mit nominibus, nicht mit verbis (Bopp §.114.), während wir â- im alts. und ags. häufig vor verbis erblicken. Drittens scheint die vor vocalen hervortretende urform der ind. partikel: an , ob- gleich bopp dieses n für ein euphonisches hält; es steht also dem deutschen un- , altn. ô- , griech. ἀ- , lat. (priva- tiven) in- zur seite, die sich grade so nur mit nominibus componieren (s. 775. 781. 782.) — 706, 17. darf man wa- gen hierher zu zählen â-schâro (non tonsuratus) malb. lex sal. 28? — 711, 20. dies ana-mâli lautet in der schwei- zersprache ammal, pl. ammäler Plater p.30. 36. für an- mal, wie auch an-mol vorkommt (Schreiber vom bund- schuh p. 49.) vgl. Stald. 1, 100. der ganz untreffend an amme (mutter) denkt. — 714, 40. ant-frist (iuterpres) hrab. 967 b . — 719, 33. pi-pot (imperium) hrab. 967 b . — 723, 4. zua-minna O. V. 13, 114. — 728, 20. fur-turst (praesumptio) k. 49 b . — 732, 3. fra-mano (contemptor) nachtrag. hrab. 955 b . — 735, 31. ge-eido (consaoramentalîs) vgl. s. 752; ge-lando (pagensis, landsmann) capit. Ludov. — 737, 18. ge-leite (dux). — 742, 40. gi-daht? (cultus) vgl. ge-dehten (cultibus) N. Cap. 90. — 742, 43. gi-lust (vo- luntas) gilustî (voluntate) mons. 388. 395. — 744, 12. ge- sprâchi (facundia) N. Cap. 1. entschieden sem. — 754, 28. ob hier auch an gen-gêngo (1, 916.) zu denken wäre, ibant simul, conveniebant? Fast kein gewicht lege ich auf das nnl. ghen-arm (umarmung) f. ghe-arm (Bilderd. ad Hoost 3, 5.) worin die einschiebung des n auch anders gedeutet werden mag. Eine bedeutende bestärkung mei- ner vermuthung daß ga- aus gam- , ham- hervorgegan- gen sei, liefert aber das sanskrit, worin die untrennbare partikel sam- (mit) gerade so verwendet wird. Bopp sagt (lehrgeb. p. 80.): sam äußert einen kaum merklichen einfluß auf die bedeutung der wurzel oder verstärkt sie bloß. Zuweilen deutet es die vollendung oder vollkom- menheît der durch die wurzel bezeichneten handlung oder eigenschaft an, womit man vergleiche, was ich s. 843. 869. erörtere. Die identität der sorm folgt aus dem übergang zwischen s und h (1, 584. ind. sasa, goth. hasa, lepus) sam = ham, so daß auch der s. 765. gemuth- maßte zusammenhang zwischen sam cum, σύν und ἁμα höchst wahrscheinlich ist. — 757, 36. hinder-ganc, MS. 2, 235 a hinder-slac Bon. — 761, 15. auch mhd. în-vart Mar. 222. — 768, 27. im sanskrit dur- und dush- (Schle- gel ind. bibl. 1, 331. 349. Bopp lehrgeb. pag. 82.) — 770, 20. duruh-heitar (praeclarus) hymn. 2, 1. — 770, 24. du- ruh-siunlih (perspicuus) hrab. 971 b . — 773, 43. über-fluƷ Bert. 191. — 775, 7. umb-rede Bert. 320. 326. — 776, 2. über un-biarja vgl. s. 804. note. — 776, 10. ô-rŷmir (gigas). — 776, 13. un-genôƷ a. w. 3, 27. — 776, 19. un- gethüm (monstrum); schweizerisch: un-kind, un-kuh, un- schaf St. dial. p. 228. — 778, 22. un-gëlt (perceptio telo- nei indebiti) urk. von 1234. — 778, 25. un-geloube ist weniger das heutige unglaube, als aberglaube. — 778, 40. un-wîse MS. 1, 112 b . — 779, 6. schweizerisch: un-nase, un-schnee, un-wind, un-mengi, den begriff von nimis ausdrückend, St. dial. 228. — 779, 21. un-darohast (in- violatus) N. Bth. 68. — 780, 21. ô-þeßlëgr (absimilis, im- par). — 780, 43. un-wësente (non existens) N. Cap. 163. 784, 27. under-dige (intercessio) Mar. 57. 212. — 786, 31. ûs-scup (dilatio) Mar. 92. ûf-slac Bon. 35, 20. — 793, 19. ûƷ-vart Mar. 96. — 794, 15. griech. εὖ- , sanskr. su- (Bopp lehrgeb. p. 82.) — 796, 4. wider-dienst Bon. wider- nachtrag. hiuƷe Bon. wider-kip Bon. MS. 2, 89 b wider-saz auch Parc. 59 c . — 799, 34. pi-heiƷan (conjurare); pi-hôhôn (deludere) hrab. 960 a ; pi-kankan (exercere) ker. 107. 249. — 800, 5. pi-sengit (torridus) jun. 254. — 800, 19. pi- suerjan (obsecrare) hrab. 971 a . — 801, 36. be-soufen Parc. 117 b . — 801, 43. be-vâhen schmiede 940. — 803, 2. Fischart im Garg. 67 b sagt be-corallen, be-muscheln. — 807, 29. nhd. belauben, das laub abbrechen (Adelung). — 808, 35. in-slingen f. int-slingen N. Bth. 62. — 808, 44. an-pintamês K. 33 b . — 813, 17. ent-rîsen Parc. 41 b . — 819, 18. mehi im münchner cod. vgl. der-kande Lachm. 80, 4. der-slagen 80, 4. 228, 1. ûƷ-der-welt 231, 2. 346, 4. etc. — 829, 29. irwintan O. I. 22, 87. — 836, 1. ga-jiukan (subjugare). — 842, 35. sih ge-louben (mit gen. der sache) N. Bth. 40. 62. — 847, 2. die ags. beispiele sind lange nicht vollständig, hier noch aus Beov. andere und beleg für die angeführten: boren 124. broden 117. drëpen 132. gisen 146. hladen 143. numen 88. sceacen 87. 172. 203. scofen 71. togen 98. 109. fäted 79. scynded 71. — 851, 2. fur im Hild. fur-læt in lante, dat man wîe fur-nam. — 862, 8. auch zeir-fuoren N. Bth. 151. — 863, 18. ze- lëchen N. Bth. 134. — 864, 3. za-hlaufit (decurrit) hrab. 954 a . — 864, 19. zi-faran (cessare) J. 388. — 864, 45. im 16. jh.: die vestung zer-genzen (schleifen) Sastrow 2, 532. — 868, 15. das altn. of und um (s. 912. 913.) nicht zu übersehen. — 888, 1. ana kikân jun. 208. ana gagangan emm. 412. — 892, 4. ûƷ ni lâƷit mons. 353. — 894, 35. hina-ziohan (mori) mons. 398. — 909, 40. aptr at gânga Eyrb. 5. p. 314. und so auch sonst oft in der prosa. — 924, 33. in der ungedruckten Martina steht: erbe-helle- kint, erbe-helle-wëlfe, wiewohl helle-kint, helle-wëlf uneigentlich componiert sein kann, die beispiele also s. 925. 2, a, α aufzuführen wären. — 928, 27. für das un- sind zwei fälle zu unterscheiden; entw. tritt es vor ein compositum, z. b. un-gimah, un-gi-stuomi, un-mana- luomi (s. 553.) un-lida-weih (s. 552.); oder ein mit ihm componiertes nomen setzt sich weiter zusammen, sowohl uneigentlich, als eigentlich, z. b. mord-un-gern, wunder- un-lieb, ahd. bore-un-chunt N. Bth. 183. — 929, 5. ge- un-chreftigôt N. 67, 10. — 929, 34. aus-er-wählen, ich er-wähle aus; an-er-bieten, ich er-biete an. — 935, 7. kindtaufs-gericht, kindtaufs-kuchen. — 935, 16. einfalts- glaube. — 937, 6. warnung-schrift an die zu frankfurt am main (Luthers werke, Altenb. VI, 112. und zuerst einzeln 1548.) Dagegen in Dilichs hess. chronik (Cassel nachtrag. 1605) 1, 160. sestungs-bau 2, 334. religions-sachen; 2, 328. religions-friede; 2, 345. execution-ordnung; und bei Schweinichen 3, 139. miethungs-weise; — 937, 38. frou- wens-person steht in Schürens von Troß herausg. chro- nik p. 110. 114., nicht im teutonista. — 950, 40. ver- gleichbar ist im sanskrit die anfügung von âdya , âdi (primus) an ein subst., um auszudrücken. daß das erste einer gewissen classe genannt ist und alles übrige mitver- standen werden muß, z. b. sinh-âdi (leo primus, d. i. der löwe und die andern thiere des waldes) vgl. Schlegel ind. bibl. 1, 113. — 951, 18. Rask hat diesen gebranch nicht verstanden, wenn er s. 47. seiner ags. sprogläre: Jacob ferde hund sëofontigra sum aus Gen. 46, 27. über- setzt: omtrent 70. mand stärk. — 960, 2. wir sagen auch nhd. bei adlichen namen, deren von bedeutungslos stehet: johann von müllers werke, dagegen: der herr von fal- kenstein des herrn von f. — 961. 962. diese namen ver- dienen sorgfältigere sammlung, weshalb ich noch folgende beibringe: der wirt heiƷet schäntingast (schände-den-gast) Mart. 72 a ; vintentribel (find-den-tribel) Anshelm berner chron. 1, 138; jage-teusel Cramer pomm. kirchenchron. 2, 82. (ad ann. 1399.); wenden-schimpf Ayrer faßnachtsp. 148 c ; finde-wand (?) ibid. 160 b ; halt-fest (der büttel) ibid. 101 c ; trag-den-dilen Fischart Garg. 260 b ; hol-hip Lorich zu Ovid p. m. 470. vgl. hol-hipper Frisch 455 a ; sla-den-teusel Sastrow 3, 33; knip-stro ibid. 3, 32. Im froschmeuseler finden sich die bildungen: seume-zeil, schmecke-bier, springe-ring, fürchte- schnee, riech-wetter, spar-krümlein, dürste-blut, waren- fried, rüren-dreck, riech-den-wind, fleuch-die-kelte, hüps- ins-holz, lug-ins-loch, lug-ins-land, kiek-int-land, beiß- hart-brot, sieh-dich-um, acht-sein-nicht. Heutige gang- bare eigennamen sind: streck-fuß, schlucke-bier, kratzen- stein, hauenschild, grîpenkerl, warn-könig, söke-land, halt- auf-der-heide, bleib-tren. Man nennt einen auffahrenden, leichtsinnigen: brause-kopf, sause-wind, in welchen aber eigentliche verbale composition wahrscheinlicher ist. — 962, 30. vgl. vade-mecum und vade-in-pace (carcer monacho- rum Ducange. — 963, 5. wie ital. ben-ti-voglio (ich will dir wohl) mal-ti-voglio. — 981, 15. ammazza-bovi, am- mazza-fette; sserra-cavallo (ein kraut, das die hufeisen abreißt); franz. creve-coeur (was das herz bricht). Angemerkte druckfehler, lies: 2, 35. fühlbares. 31, 31. nhd. 43, 26. veƷil. 43, 40. Schwenck. 51, 39. alts. gaduling. 58, 38, quantum manu. 66, 8. visan; 92, 30. sechsie. 95, 30. schwache sem. 117, 43. barbiton. 137, 1. venenare. 143, 44. Philem. 147, 4. tilge das;. 145, 5. blôma. 150, 10. ἀτμός . 172, 14 nhd. 178, 11. silfrinn. 178, 28. Geo. 35 a . 180, 42. T. 57, 5. 185, 41. simplex. 199, 17. vrost. 201, 36. christi. 202, 40. ôsiar. 203, 36. ϊnn. 220, 22. rom. 226, 19. uzds. 229, 27. s. 242. 232, 24. blin-ds. 232, 29. auseinandersetzen. 239, 40. cap. IV. 243, 16. f. pimeinida. 249, 18. scandalum. 301, 4. griusig. 313, 27, 29. masse. 316, 21. háihs. 331, 9. ulsr sagt. 333, 8. fisaltra. 341, 6. dëginzo. 341, 23. tilge ein fragzeichen. 341, 24. Frisch. 346, 16. sëg-ens. 386, 37. künf- tiger. 399, 34. mânôd. 403, 22. anfang,. 407, 25. umgekehrt. 412, 34. mana-. 418, 35. rëbi. 424, 18. z. b. 435, 28. fôtu. 435, 29. lîd. 438, 40. s. 436. 460, 32. væd. 466, 42. megin. 471, 16. missetât, 502, 7. rasilis. 527, 38. sævar-. 530, 26. sein. 536, 4. gevæde, gevæd. 565, 15. mit der. 570, 5. ende- 577, 36. bölvîs. 585, 33. snabel. 590, 12. gërnde. 605, 39. ritters rëht. 609, 9. fügt. 645, 41. blandiloquentia. 657, 12. heiƷ- 676, 37. freisinger handschr. 693, 42. toreneάge. 703, 5. nicht mit. 703, 19. nicht alle in. 719, 19. custodia. 721, 18. bezoc. 726, 29. for-skâli. 741, 30. ka-lâƷa. 770, 21. hlutar. 775, 38. nil- lan. 776, 29. securitas. 797, 37. for- 800, 5. bisenkan. 887, 45. ana kimahhôt. 925, 11. siádtvíehhírt. 925, 12. fédervìehhírt. 962, 16. plücke- 968, 35. graju- 969, 45. ννμϕό- . 997, 13. saíhsia. Es ste- hen noch andere. ob fugam spatii: 71, 30. ze bîle stên wird durch ein gedicht im liedersal 2, 300 - 305. trefflich erläutert, ze bîle auf einen siein springen erinnert an den häufigen ortsnamen bîlsitein, beilsiein, der üherall von den jägern ausgegangen ist. — 320, 36. war auch ditrstiginne aus Jw. 47 a (6403.) zu erwähuen, eine seltsame bil- dung, weil hier sonsi adj. nicht ins spiel treten. 480, 6. was bedeutet wel-recke Rab. 536. 635. 811. 850. 923? sieht es für wal-recke von wal (strages) oder wal, ahd. weli (optio)? vgl. ûƷerwelt Rab. 761. und altn. valmenni (vir egregius). — 483, 4. vil-mögr scheint vîl- mögr, also hierher ungehörig.