Auserlesene Gedichte von Anna Louisa Karschin . Berlin, 1764. Bey George Ludewig Winter. Zueignungs-Gesang an den Baron von Kottwitz , Erbherrn auf Boyadel in Niederschlesien meinen ersten Wohlthaͤter. D er mich aus unanstaͤndigen Geschaͤften, Aus einem poͤbelhaften Leben ohne Ruh Herausgerissen, mit des Menschenfreundes Kraͤften, Mein Theurer Kottwitz! der bist Du. a 2 D aß mich, zu meines Vaterlandes Ehre, Der zungenvolle Ruf in fremden Laͤndern nennt, Und daß mein Saytenspiel nun thoͤnt, bis zum Gehoͤre Des Weisen, der die Geister kennt; D aß Friedrich juͤngst des Musengottes Floͤte Von Seinen liederreichen Lippen nahm und mir Entgegen laͤchelte, wie Fruͤhlingsmorgenroͤthe; O Freund! dis alles dank ich Dir. D enn ohne Dich waͤr, an dem Oderstrande Muͤhselig unterdruͤckt mein gluͤckliches Genie; Ein Blumen-Saame stirbt in unbetautem Sande, Keimt auf des Steines Ruͤcken nie. D ie Pflanze stirbt, von Wolken unbegossen, Vom Gaͤrtner unbespruͤtzt, wennErndte -Sonne gluͤht; Der edle Fruchtkern treibt zum wilden Apfelsprossen, Wenn nicht die Kunst den Baum erzieht. S o waͤr auch ich verwildert; aber Deine, Von einem Gott gelenkte, rechte Freundes Hand, Zog mich zum grossen Sitz des Koͤniges, der seine Gecroͤnte Schlaͤfe gruͤn umwand. D u dachtest nicht die Thaten fremder Krieger, Nicht Heerden, die der Feind trieb von zertretner Trift, Du nanntest den Verlust ein Opfer fuͤr den Sieger, Der alle Sieger uͤbertrift. a 3 D u machtest mir in sorgenlosen Tagen Zum Elisaͤer Sitz, das praͤchtige Berlin. So ward einst uͤbers Meer ein Dichter fortgetragen, Von einem freundlichen Delphin; U nd ward von viel hinzugestuͤrmtem Volke Bewundert und gelobt; ich aber streife schon Mit stolzem Nacken an die lufterfuͤllte Wolke, Getheilt von meiner Leyer Thon. A uf uͤberlebtes Elend blick ich nieder, Und nenne Deinen Nahmen laut, vor einer Welt, Der dieses, Dir geweyhte, Opfer meiner Lieder Wie Deine schoͤne That gefaͤllt. Vorrede . E s ist eine alte und bekannte An- merkung, daß die Dichter nicht durch Unterricht und Regeln gebildet wer- den, sondern ihren Beruf und ihre Faͤhig- keiten blos von der Natur erhalten. Wer diesen Beruf empfangen hat, der redet ohne Vorsatz und ohne Kunst die Sprache der Musen: aber der Mangel desselben wird durch keinen Unterricht, und durch keine Regeln ersetzt. Plato setzet den wahren Character eines Dichters darin, daß er seine Gesange durch Begeisterung hervor- a 4 Vorrede. bringe, sich selbst unbewußt, was er singe. Die Harmonie und der Gang des Verses setzen nach seiner Meinung, den Dichter in den Enthusiasmus, der ihm die Gedan- ken und Bilder darbietet, welche er bey ge- setztem Geiste vergeblich wuͤrde gesucht ha- ben. Sehet das Gespraͤch des Plato Io genannt. Man darf sich deshalb nicht wun- dern, daß die fuͤrtreflichsten Dichter aͤlter sind, als die Regeln, und daß die feineste Critik keine vollkommenere Gesaͤnge hervor- gebracht hat, als die sind, welche vor der Kunst gewesen. Das Beyspiel der Dichterin, von welcher wir hier einige auserlesene Lieder der Welt vorlegen, bestaͤtiget die Wahrheit dieser An- Vorrede. merkungen auf die unzweifelhafteste Weise. Ohne Vorsatz, ohne Kunst und Unterricht sehen wir sie unter den besten Dichtern ihren Platz behaupten. Mit Bewunderung er- fahren wir an ihr, wie die Natur durch die Begeisterung wuͤrket, und wie ohne diese kein Vorsatz und keine Bestrebung vermoͤ- gend ist, dasjenige zu ersetzen, was ohne sie fehlt. Die Lieder, welche ihr am besten gelungen, sind alle in der Hitze der Einbil- dungskraft geschrieben, da hingegen die, welche sie aus Vorsatz und mit ruhiger Ueberlegung verfertiget, allemal das Kenn- zeichen des Zwanges und den Mangel der Muse nicht undeutlich bemerken lassen. Wenn die Dichterin in Gesellschaft, oder in a 5 Vorrede. einsamen Stunden von irgend einem Ge- genstand lebhaft geruͤhrt wird, so wird ihr Geist ploͤtzlich erhitzt; sie besitzt sich nicht mehr, jede Triebfeder der Seele wird rege, sie fuͤhlt einen unwiderstehlichen Trieb zum Dichten, und schreibet das Lied, welches ihr die Muse eingiebt, mit bewundrungs- wuͤrdiger Geschwindigkeit. Gleich einer Uhr, die ohne fernere Huͤlfe ihren richtigen Gang fortschreitet, so bald die Feder ge- spannt ist, singt sie, sich selbst unbewußt, wie die Gedanken und Bilder in ihr ent- stehen, so bald die Seele durch die erste Vorstellung in Wuͤrksamkeit gebracht wor- den. Auch die feinere Beobachtung des Plato, daß die Harmonie und der Gang Vorrede. des Verses die Begeisterung unterhalten, fin- den wir durch das Beyspiel unsrer Dichterin bestaͤtiget. So bald sie den Ton, wie sie es selbst nennt, und das Sylbenmaaß getroffen, so fließt das ganze Lied ohne Muͤh und ohne Bestrebung die Gedanken und Bilder zu finden. Die feineste Wendung der Materie und des Ausdrucks entstehen unter der Feder, als wenn sie ihr eingegeben wuͤrden. Wie unzweifelhaft es sey, daß unsre Dichterin ihren Beruf allein von der Natur bekommen habe, erhellet am deutlichsten aus allen Umstaͤnden ihres Lebens. Denn darin finden wir nichts, das vermoͤgend gewesen waͤre, an statt des natuͤrlichen Hangs einen kuͤnstlichen Trieb zur Dichtkunst in ihr zu Vorrede. erregen, keinen einzigen Umstand, woraus wir begreifen koͤnnten, daß gelernte Regeln bey ihr die Stelle des Genies vertreten. Sie ist in einem Stande gebohren, der zu- naͤchst an den niedrigsten graͤnzet, ihre Erzie- hung, die Beschaͤftigungen ihrer Kindheit und ersten Jugend, waren der Niedrigkeit ihrer Geburt angemessen; in ihren reiferen Jahren aber waren ihre Umstaͤnde so, daß ihr Geist nothwendig in den tiefsten Staub waͤre niedergedruckt worden, wenn die Na- tur nicht weit staͤrker waͤre, als alle Hinder- nisse, die ihr entgegen wuͤrken. Sie ist im Jahr 1722. an der Graͤnze von Niederschlesien, zwischen Zuͤllichau, Schwiebus und Crossen an einem kleinen Vorrede. Orte gebohren. Dieser Ort ist eine Meyerey von wenig Haͤusern und wird der Hammer genennet. Unter sieben armseeligen Einwoh- nern dieses Orts, war ihr Vater der an- sehnlichste, weil er der Brauer und Gastwirth des Orts war. Er hieß Duͤrbach, und starb ihr zu fruͤh. In ihrem siebenden Jahr kurz vor ihres Vaters Tode, nahm ihrer Großmutter Bruder, ein verstaͤndiger Greis, sie zu sich nach Pohlen, und lehrte sie lesen und schreiben. Dies ist der Oheim, dem sie das schoͤne Lied gesungen, welches sich in die- ser Sammlung findet. S. 92. In ihrem zehn- ten Jahre gingen die Muͤhseeligkeiten des Lebens an, die sie hernach, bis nahe an ihr Vorrede. vierzigstes Jahr, in so grossen Uebermaaß em- pfunden hat. Sie wurde ihrer Mutter wieder zuruͤck gegeben. Zuerst mußte sie Kin- dermagd ihres Halbbruders werden, und bald darauf wurde ihr die Besorgung und Verpflegung von drey Rindern, der ganzen Heerde ihrer Aeltern, aufgetragen. Kurz vorher zeigten sich die ersten Spuhren ihres natuͤrlichen Hanges zur Dichtkunst dadurch, daß sie eine ungewoͤhnliche Lust zum Singen fuͤhlte, und hundert geistliche Kirchenlieder auswendig wußte, die sie bey ihrer Arbeit und bey der Huͤtung ihrer kleinen Heerde sang. Dadurch entstund bey ihr die Be- gierde selbst ein Morgenlied zu verfertigen, von dem sie sich aber nichts mehr erinnert. Vorrede. In ihrem Hirtenleben fiel noch ein anderer Umstand vor, der ihrem natuͤrlichen Genie sehr zu Huͤlfe kam. Sie wurde mit einem Hirtenknaben bekannt, der ihr, ob sie gleich durch einen kleinen Fluß mit ihren Heerden getrennet waren, einige Buͤcher zutrug. Der Robinson, die asiatische Banise, und die tausend und eine Nacht waren ihre Bibliothek, welche unsre junge Hirtin mit grosser Begierde gelesen. Dieses machte ihr ihren Hirtenstand angenehm. Allein diese Gluͤckseligkeit war von sehr kurzer Dauer; sie mußte bald darauf ihre kleine Heerde verlassen und zum zweyten- mal Kinderwaͤrterin werden. Unter diesen und andern muͤhsamen haͤuslichen Geschaͤften Vorrede. einer Dienstmagd erreichte sie ihr sieben- zehentes Jahr, in welchem sie die Laufbahn weit groͤsserer Muͤhseeligkeiten antrat. Ihre Mutter verheyrathete sie an einen Mann, dem sie alle Wolle, die er verarbeitete, zu- rechte machen mußte. Und da uͤberdem alle andre haͤusliche Geschaͤfte einer Frauen allein auf ihr lagen, so hatte sie keine andere Musse ihrem Hang zu lesen und Lieder zu schreiben nachzugeben, als einige Stunden der Sonn- tage. Da schrieb sie die Lieder nieder, wel- che sie unter ihrer Arbeit ausgedacht hatte. Nach einer neunjaͤhrigen Ehe ward sie dieses Bandes los, um ein viel haͤrteres zu tragen; denn ihre Mutter fuͤhrte sie nicht lange hernach einem zweyten Mann zu, und Vorrede. zugleich in den allerkuͤmmerlichsten und arm- seligsten Theil ihres Lebens. Was die un- gluͤcklichste Ehe und die bitterste Duͤrftigkeit schweres und niederschlagendes haben, mußte sie bey diesem zweyten Mann ertragen. Aber eben in diesen Umstaͤnden zeigte die Natur ihre Kraͤfte an dem Genie unsrer Dichterin. Ihr kamen einige Verse des bekannten Prediger Schoͤnemanns zu Gesichte. Man weiß in Berlin, daß diesen Mann, nach einem heftigen hitzigen Fieber, von Zeit zu Zeit eine Art von Raserey an- getreten, in welcher er immer in Versen gesprochen und geprediget. Ungeachtet die meisten Verse dieses seltsamen Mannes mehr das Kennzeichen einer uͤbel erhitzten Phan- b Vorrede. tasie, als das Gepraͤge des himmlischen Feu- ers der Musen trugen, so fand doch unsere Dichterin in denen, die sie zu sehen bekom- men, etwas, das ihr Genie ausserordentlich reitzte. Sie fuͤhlte eine groͤssere Begierde, als jemals, ihrem Trieb zu folgen, aber es fehlte ihr an Zeit und Gelegenheit dazu. Nach einigen Proben, die sie gemacht hatte, wurde sie von verschiedenen Bekannten, die sie zu Fraustadt in Pohlen, dem damali- gen Ort ihres Aufenthalts hatte, ermuntert, fortzufahren. In einem sehr kurzen Aufsatz von ihren Lebensumstaͤnden, gedenket sie des Rector Rickerts, und seines Collegen Pruͤvers, des Burgermeister Greiffen- hagen, des Doctor Neugebauers in Vorrede. Fraustadt, der Prediger an der Kirche zu Lissa in Großpohlen, des Reichsgrafen von Roͤders, und des Hofprediger Doͤbels in Großglogau, als der ersten Befoͤrderer und Goͤnner ihrer poetischen Arbeiten; und sie verlangte aus Dankbarkeit gegen diese Maͤnner, daß ihrer hier Meldung geschaͤhe. Aus eben diesem Grunde muͤssen wir erwaͤh- nen, daß der Postmeister Koͤrber in Großlissa der erste gewesen, der etwas von der Feder unsrer Dichterin der Presse uͤber- geben, und daß der berůhmte Professor Meyer in Halle, den sie durch das Geruͤcht kannte, und dem sie aus Pohlen ein Lied zuge- schickt hatte, das meiste beygetragen hat, sie zur Fortsetzung solcher Arbeiten aufzumuntern. b 2 Vorrede. Indessen waren diese Aeusserungen ihres Genies nur noch kleine Funken, des halb unterdruckten Feuers, welches die Musen in ihr angezuͤndet hatten. Die Siege Friederichs gaben ihm eine Kraft, die alle Hindernisse seines vollen Ausbruchs verzehrte, und die es in vollen Flammen dar- stellte. Sie war im Jahr 1755 mit ihrem Mann und vier Kindern nach Groß-Glogau gezogen. Daselbst bekam sie den Zutritt zu einem Buchladen, wo sie verschiedene poeti- sche und andere Schriften mit groͤßter Begierde, wiewohl ohne Ordnung und be- stimmte Absicht durchlas. Wie gluͤcklich sie sich eine sehr schnelle Durchlesung der Buͤcher zu Nutze mache, und wie leichte Vorrede. sie die besten Zuͤge behalte, zeiget sich uͤberall in ihren Gedichten. Man wuͤrde von ihr eine ziemlich starke Belesenheit vermuthen, wenn man nicht wuͤßte, daß sie nur wenige Buͤcher und sehr fluͤchtig durchgelesen. Der im vorigen Jahr geendigte merk- wuͤrdige Krieg, und die grossen Thaten des Helden, der die Augen der ganzen Welt allein auf sich gezogen hat, vollendeten die Ausbildung des dichterischen Geistes dieser ausserordentlichen Frauen. Sie hatte nach der Schlacht bey Lowoschuͤtz ihr erstes Sieges-Lied gesungen, und nicht lange hernach kamen ihr die Kriegeslieder des preußischen Grenadiers, einige Oden von b 3 Vorrede. Ramler, nebst den Gesaͤngen der Frau Unzerin zu Gesichte, die einen maͤch- tigen Reiz auf sie hatten. Die Lieder, in denen sie hernach Friedrichs Siege be- sungen, sind Zeugen eines schon zur Reife gekommenen Dichter-Geistes. Indessen lebte die Dichterin immer unter dem Druck des groͤßten Elendes. Aber es gefiel dem Schicksal, sie endlich aus den beklagenswuͤrdigen Umstaͤnden, unter denen gemeine Seelen zu versinken pflegen, heraus zu reissen. Der Baron von Cottwitz, ein Schlesischer Edelmann, der sich seit vielen Jahren durch liebenswuͤr- dige Eigenschaften bekannt gemacht hatte, kam im Jahr 1760, als er eben durch Vorrede. Glogau nach Berlin reisen wollte, in ihre Bekanntschaft. Sein wohlthaͤtiges Gemuͤth empfand Mitleiden uͤber ihr Elend, er riß sie heraus, und fuͤhrte sie mit sich nach Ber- lin. So bald sie in dieser Hauptstadt an- gekommen, und die Bekanntschaft mit ver- schiedenen Kennern und Liebhabern der Dichtkunst gemacht hatte, zeigte sich ihr Genie in seiner vollen Staͤrke. Sie wurd in der Stadt und am Hofe bewundert. Die meisten Lieder dieser Sammlung sind Arbeiten, die sie seit diesem, fuͤr sie so gluͤck- lichen Zeitpuncte, gefungen hat. Sie legen ihren Charakter und ihre letztere Begeben- heiten so wohl an den Tag, daß wir fuͤr un- noͤthig halten, uns laͤnger bey dem auf- b 4 Vorrede. zuhalten, was ihre Person betrift. Es bleibet uns demnach nur noch uͤbrig, daß wir den Goͤnnern unsrer Dichterin, etwas von der Beschaffenheit der gegenwaͤrtigen Sammlung auserlesener Gedichte fagen. Es ist bekannt, in was fuͤr einer Ab- sicht, einige Freunde der Dichterin unter- nommen haben, diese Sammlung heraus- zugeben. Man hat Ursache, sich zu freuen, daß man diesen Weg eingeschlagen, eine Person von solchen Talenten, wenigstens aus der aͤussersten Duͤrftigkeit heraus zu reissen. Es haben sich, wie das nachste- hende Verzeichniß zeiget, eine Menge wohl- thaͤtiger Personen gefunden, die sich ein Vergnuͤgen daraus gemacht haben, die vor- Vorrede. geschlagene Mittel zu unterstuͤtzen. Die gute Absicht, die sowol die Urheber, als die Befoͤrderer dieses Werks, gehabt haben, wird uns uͤberheben, die geringe Anzahl der Bogen dieser Sammlung zu entschuldigen. Es weiß jedermann, daß man sich nicht anheischig gemacht hat, die Vorschuͤsse, durch das Gewicht des Papiers, oder die Menge der Blaͤtter zu bezahlen. Hingegen gestehen wir gerne, daß wir wegen des langen Ver- zuges der Ausgabe Nachsicht noͤthig haben. Verschiedene unvermeidliche Umstaͤnde sind an dieser Verzoͤgerung Schuld. Die Wahl der Stuͤcke, die in diese Sammlung gekommen, hat zwar ein be- kannter Dichter, dessen richtiger Geschmack b 5 Vorrede. aus seinen eigenen Werken hinlaͤnglich be- kannt ist, getroffen. Indessen fuͤrchtet er sich doch, daß man ihm vorwerfen koͤnnte, es seyen Stuͤcke weggelassen worden, die vollkommener sind, als einige an- dere, denen man hier Platz gegeben. Er bittet also dieses zu seiner Entschuldigung anzunehmen, daß er genoͤthiget gewesen, einigen Gedichten einen Platz zu geben, den vielmehr zufaͤllige Umstaͤnde, als ihr inner- licher Werth gefodert haben. Verzeichniß der Subscribenten . A. Exempl. Frau von Arnim — — ‒ 1 ‒ Herr von Arnim auf Suckow — — ‒ 1 ‒ — Alh. Heinrich von Arnim — ‒ 1 ‒ — Cammerherr Freyherr von Albedyl — ‒ 1 ‒ — von Avemann in Zelle — — ‒ 3 ‒ — Hof-Rath Arnd in Berlin — — ‒ 2 ‒ — Secretair Apfel zu Gandersheim — ‒ 1 ‒ — Iwan Andreow von Kiow — — ‒ 1 ‒ Verzeichniß B. Exempl. Frau von Bähr — — ‒ 2 ‒ — Geheime Räthin von Berg — ‒ 1 ‒ — von Beer zu Stolzenhagen — ‒ 1 ‒ — Steuer-Einnehmerin Bielefeldt in Hamm ‒ 1 ‒ Jungfer Bergmann in Hamm — ‒ 1 ‒ — — Brandt — — ‒ 1 ‒ Frau Obristen von Bork — — ‒ 1 ‒ — von Bähr in Berenburg — ‒ 1 ‒ Fräulein von Beyern zn Wolmirstädt — ‒ 1 ‒ Frau Baars in Berlin — — ‒ 1 ‒ Jungfer Maria Elisabeth Boysen — ‒ 1 ‒ — — Margaretha de Bary in Frankfurt ‒ 1 ‒ — — Helena Barensfeldt daselbst — ‒ 1 ‒ — — Birkmann in Nürnberg — ‒ 1 ‒ Herr Regierungs-Rath Bastineller — ‒ 2 ‒ — Cammer-Director Burghoff — ‒ 5 ‒ — Obriste von Billerbeck — ‒ 1 ‒ — Obriste von Bequignol — ‒ 1 ‒ — Lieutenant Buhler — — ‒ 1 ‒ — Simon Bonte — — ‒ 1 ‒ — Isaac Bonte — — ‒ 1 ‒ — Jacob Bernus in Frankfurt — ‒ 2 ‒ — Baumhauer daselbst — — ‒ 1 ‒ — Ober-Amtmann Brandes zu Schlanfeld ‒ 4 ‒ — Backmeister — — ‒ 1 ‒ — von Bismark — — ‒ 1 ‒ — Prediger Braunemann in Klein-Rischo ‒ 1 ‒ — Brasche in Wernigerode — ‒ 1 ‒ — Büchting daselbst — — ‒ 1 ‒ — Hofrath Buchholz in Berlin — ‒ 2 ‒ — Breymann in Brandenburg — ‒ 1 ‒ — Prediger Bartsch in Hohen-Nauen — ‒ 1 ‒ der Subscribenten. Exempl. Herr Prediger Binger in Spaatz — ‒ 1 ‒ — Rittmeister von Backhoff — ‒ 1 ‒ — Justus Baars in Rathenow — ‒ 1 ‒ — Wilhelm Baars daselbst — ‒ 1 ‒ — Prediger Baumgarten in Brandenburg ‒ 1 ‒ — Hof-Prediger Breymann in Gandersheim ‒ 1 ‒ — Baron von Bielefeld — ‒ 4 ‒ — Busse in Frankfurt — — ‒ 3 ‒ — Bröllmann in Lion — — ‒ 1 ‒ — Bertrand in Magdeburg — ‒ 2 ‒ — Hofrath Bergius in Berlin — ‒ 3 ‒ — Cammer-Secretair Bugäus in Glogau ‒ 1 ‒ — Cammerherr Bose von Schleinitz — ‒ 1 ‒ — Geh. Cammer-Rath von Berlepsch ‒ 1 ‒ — R. Br. in Lippstadt — — ‒ 2 ‒ — Secretair von Beinom — ‒ 1 ‒ — Accise Inspeceor Butte — ‒ 1 ‒ — Cammer-Secretair von Baumann in Cleve ‒ 1 ‒ — Cammer-Secretair Bernuth, Senior daselbst ‒ 1 ‒ — Cammer-Secretair Bernuth, junior daselbst ‒ 1 ‒ — Prediger Bartels daselbst — ‒ 1 ‒ C. Frau Geheimte Räthin Cautius — ‒ 1 ‒ Jungfer Charreton in Stevenow — ‒ 1 ‒ Herrn General-Lieutenant von Canitz Excellenz ‒ 1 ‒ — Land-Cammer-Rath von Crux — ‒ 1 ‒ — Major von Cordier — — ‒ 1 ‒ — Obrist von Carlsburg — ‒ 1 ‒ — Hof-Diaconus Calvisius — ‒ 1 ‒ — Conrad — — ‒ 1 ‒ — Etats-Rath und Resident von Ciausenheim ‒ 1 ‒ — Cuny in Amsterdam — ‒ 6 ‒ Verzeichniß Exempl. Herr Cuny in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Professor Curts in Franckfurt an der Oder ‒ 24 ‒ — Doctor und Advocat Calvi in Hamm ‒ 1 ‒ — Rathmann Crusemann — ‒ 1 ‒ — W. D. C. — — ‒ 1 ‒ D. Frau Professorin Dommerichen in Helmstädt ‒ 1 ‒ Jungfer Davidis — — ‒ 1 ‒ Herr Director Dolscius in Rathenow — ‒ 1 ‒ — Duncker — — ‒ 2 ‒ — Kriegs-Rath Deutsch — ‒ 2 ‒ — Post-Secretair Denso — ‒ 1 ‒ — Professor Deggeler in Schafhausen — ‒ 1 ‒ — Justitz-Rath Detharding in Altona ‒ 1 ‒ — Amtmann Delius in Dardesheim — ‒ 1 ‒ — Prediger Daneil in Quedlinburg — ‒ 1 ‒ E. Herr Professor Eisenhardt in Helmstädt — ‒ 1 ‒ — Pastor Evers in Desdorf — — ‒ 1 ‒ — Doctor Eichen in Gandersheim — ‒ 1 ‒ — Ermeler in Berlin — — ‒ 1 ‒ Herr Ehrlich in Iserlohn — — ‒ 2 ‒ — Engelcke in Glogau — — ‒ 1 ‒ — Joh. Joach. Eschenburg in Hamburg — ‒ 1 ‒ — Professor Eberhard in Halle — ‒ 2 ‒ — Professor und Prediger Eylert in Hamm ‒ 1 ‒ — Erdmann in Soest — — ‒ 1 ‒ F. Fraͤulein Eleonore Christ. von Ferentheil auf Groß- Breesen — — — ‒ 1 ‒ Frau Geh. Kriegs-Räthin von Fletscher — ‒ 1 ‒ der Subscribenten. Exempl. Jungfer Cath. Theodore Flesch — — ‒ 1 ‒ Herr Hauptmann von Franckenberg — ‒ 1 ‒ — Assessor Friderici in Blanckenburg — ‒ 1 ‒ — Advocat Friedag — — ‒ 1 ‒ — Prediger Francke in Strodehuen — ‒ 1 ‒ — Peter Feronce — — ‒ 3 ‒ — Freude in Danzig — — ‒ 1 ‒ — Frantz in Hirschberg — — ‒ 8 ‒ — Hof-Fiscal Freyschmidt in Prentzlow — ‒ 1 ‒ — Joh. Andr. Feyereisen in Glogau — ‒ 1 ‒ — Assessor von Forell — — ‒ 1 ‒ — Favreau — — — ‒ 6 ‒ — Frommann in Züllichau — ‒ 1 ‒ G. Frau Obristin von Geist — — ‒ 1 ‒ Fräulein von Götz — — ‒ 1 ‒ Herr Cammer-Herr Baron von Geuder in Berlin ‒ 1 ‒ — Burgermeister Götze in Quedlinburg — ‒ 1 ‒ — Gallisch in Leipzig — — ‒ 4 ‒ — Obrist von Gemmingen — — ‒ 1 ‒ — Obrist von Gersdorf — — ‒ 1 ‒ — Major von Greiffenberg — — ‒ 1 ‒ — Regiments-Feldscheer Gönner — ‒ 1 ‒ — Gröning in Bremen — — ‒ 1 ‒ — Prediger Glave in Stettin — — ‒ 1 ‒ — Canonicus Gleim in Halberstadt — ‒ 15 ‒ — Hof-Fiscal Geust in Brandenburg — ‒ 1 ‒ — Doctor Grünitz in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Gontzebach — — ‒ 2 ‒ — Gutbier — — — ‒ 2 ‒ — Accis-Rath Garbe in Leipzig — ‒ 2 ‒ — Hof-Rath Gause — — ‒ 1 ‒ Verzeichniß Exempl. Herr Cammer-Secretair Gräve — — ‒ 1 ‒ — Cammer-Junker von Gersdorf — ‒ 2 ‒ H. Fraͤulein Graͤfin von Hennicke — — ‒ 1 ‒ Frau Obrist-Lieuten. von Heyne, geb. von Lüderitz ‒ 1 ‒ — Geh. Räthin von Hecht in Hamburg — ‒ 2 ‒ — Henningen in Berlin — — ‒ 1 ‒ Jungfer Hofstadt in Franckfurth — — ‒ 1 ‒ Herr Obriste von Haßlocher — — ‒ 1 ‒ — Präsident Heiligenstadt in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — Reg. Secretair Hille daselbst — — ‒ 2 ‒ — Factor Haberlin zu Steuermarck — ‒ 1 ‒ — Pastor Hynitsch in Anderbeck — ‒ 1 ‒ — Heinecke in Bremen — — ‒ 1 ‒ — Prediger Hansemann in Mengeden — ‒ 1 ‒ — Professor Hofmann in Dortmund — ‒ 1 ‒ — von Hagen auf Hohennauen — ‒ 4 ‒ — Hof-Postmeister Heppel in Lühnen — ‒ 3 ‒ — Hager in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Criminal-Rath Hymnen in Cleve — ‒ 3 ‒ — Höffner in Züllichau — — ‒ 1 ‒ — Hoffmann daselbst — — ‒ 2 ‒ — Post-Secretair Hoppe — — ‒ 1 ‒ — Ober-Ziesemeister Hoppe in Salzwedel — ‒ 1 ‒ — Oberamts-Regierungs-Rath Harsleben in Glogau ‒ 1 ‒ — Legations-Rath von Hagedorn in Dresden ‒ 1 ‒ — Kriegs-Rath Hofmeister in Cleve — ‒ 1 ‒ — Doctor Hüsselmann in Hamm — ‒ 1 ‒ — Stadt-Secretair Hochdahl daselbst — ‒ 1 ‒ — Hachtmann in Magdeburg — — ‒ 2 ‒ — Heinsius in Leipzig — — ‒ 2 ‒ der Subscribenten. J. Exempl. Frau General -Lieutenant von Jeeze, geb. von Lattorff ‒ 1 ‒ Herr Münz-Buchhalter Jarosch in Braunschweig ‒ 1 ‒ — Paul Jordan in Berlin — — ‒ 2 ‒ — Jacobi in Züllichau — — ‒ 2 ‒ — Jaeobi in Karga — — ‒ 2 ‒ K. Frau General -Lieut. von Kleist geb. von Schierstädt ‒ 1 ‒ — Hauptmannin von König geb. von Lüderitz ‒ 1 ‒ — Majorin von Kamcke — — ‒ 2 ‒ — Majorin von Kleist und Havelberg — ‒ 1 ‒ — Obrist-Lieuten. von Karstedt zu Trezdorf — ‒ 1 ‒ Fräulein von Kleist zu Stavenew — — ‒ 1 ‒ Frau Commercien-Räthin Krantzen in Quedlinburg ‒ 1 ‒ Jungfer Kochin in Wilsleben — — ‒ 1 ‒ Herr Reg. Advocat Köpcke in Magdeburg — ‒ 1 ‒ — Münz-Wardein Kohl in Braunschweig — ‒ 1 ‒ — Pastor Kitzow in Basse — — ‒ 1 ‒ — Candidat Krull in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — Land-Sindicus Klöcker in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — Doctor Krazenstein in Helmstädt — ‒ 5 ‒ — Krohn aus Lemgow — — ‒ 1 ‒ — Münz-Buchhalter Knusse — ‒ 1 ‒ — Hof-Rath Kock in Stettin — — ‒ 1 ‒ — Geheime Rath von Kleist in Berlin ‒ 1 ‒ — Hauptmann von Kleist — ‒ 1 ‒ — von Katt zu Vieritz — ‒ 1 ‒ — Cämmerer Kettler zu Rathenow — ‒ 1 ‒ — Keßler in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Kruckmann daselbst — ‒ 2 ‒ — Krause in Züllichau — ‒ 2 ‒ — von Klöver — — ‒ 1 ‒ c Verzeichniß Exempl. Herr Geh. Secretair Kreuschner — ‒ 2 ‒ — Canzelist Kämmerling in Cleve — ‒ 1 ‒ — Kulitsch von Döbeln — ‒ 1 ‒ L. Frau General -Fiscalin Lindholz in Glogau ‒ 1 ‒ — Cammer-Räthin Lindemann — ‒ 2 ‒ Jungfer Liebau in Berenburg — ‒ 1 ‒ Herr Hofrath Lesser in Berliu — ‒ 3 ‒ — Lohmann in Magdeburg — ‒ 1 ‒ — Ladeberg daselbst — — ‒ 2 ‒ — Leipziger daselbst — — ‒ 1 ‒ — Geh. Rath von Lobenthal in Quedlinburg ‒ 1 ‒ — Consistorial-Rath Lindstedt daselbst ‒ 1 ‒ — Rector Luckenbach in Halberstadt ‒ 1 ‒ — Liegnitz in Stettin — — ‒ 1 ‒ — Ober-Jägermeister von Langen in Fürstenberg ‒ 1 ‒ — Doctor Ludolff in Berlin — ‒ 1 ‒ — Leidig auf der Mühlenburg — ‒ 1 ‒ — Burgemeister Lüdemann in Rathenow ‒ 1 ‒ — Lürmann in Iserlohe — — ‒ 1 ‒ — Löbecke daselbst — — ‒ 2 ‒ — Lambert in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Carl Lautier daselbst — ‒ 1 ‒ — Paul Lautier daselbst — ‒ 2 ‒ — Lehmann in Franckfurt — ‒ 2 ‒ — Post-Secretair Lorenz — ‒ 1 ‒ — Ziesemeister Liezmann in Rupin — ‒ 1 ‒ — General-Fiscal Lindholz in Glogau — ‒ 1 ‒ — Canzeley-Director Leßmann daselbst — ‒ 1 ‒ — Stadt-Präsident Lentz in Soest — ‒ 1 ‒ der Subscribenten. M. Exempl. Frau von Marklowsky geb. von Blutowsky in Plefse ‒ 1 ‒ Fräulein von Marklowsky daselbst — — ‒ 1 ‒ Frau Kriegs-Räthin Michälis in Cleve — ‒ 1 ‒ — Müllern in Basel — — ‒ 6 ‒ Jungfer Elis. J. Metting in Franckfurth — ‒ 1 ‒ Herr Regierungs-Präsident von Marklowsky in Plesse ‒ 1 ‒ — Criminal-Rath Müller in Stettin — ‒ 1 ‒ — Cammer-Secretair Meyer in Hannover — ‒ 2 ‒ — Peter Meermann in Franckfurth — ‒ 1 ‒ — Prediger Müller in Pritzen — ‒ 1 ‒ — Moses in Berlin — — ‒ 7 ‒ — Doctor Michaelis — — ‒ 6 ‒ — Hof-Fiscal Meyer — — ‒ 1 ‒ — Masten in Iserlohn — — ‒ 3 ‒ — Masten in Franckfurth — — ‒ 2 ‒ — Malvieux in Leipzig — — ‒ 2 ‒ — Müller in Züllichau — — ‒ 2 ‒ — Secretair Magius — — ‒ 1 ‒ — Land-Baumeister Meinecke in Cleve — ‒ 1 ‒ — Hauptmann von Möllendorf aus Wuticke ‒ 1 ‒ N. Frau de Neufville in Franckfurth — — ‒ 1 ‒ Herr Hof-Marschall von Naumeister in Berlin — ‒ 1 ‒ — Gabriel Nicolas daselbst — — ‒ 2 ‒ — J. L. N. — — — ‒ 1 ‒ — Joh. Nicol. Niclas, Collaborator beym Pedagogio in Ilfeldt — — — ‒ 1 ‒ O. Herr von Ombud — — ‒ 1 ‒ — Professor Oelrichs in Stettin — ‒ 1 ‒ C 2 Verzeichniß P. Exempl. Herr Prediger Pauli in Magdeburg — ‒ 1 ‒ — Kriegs-Rath Pape daselbst — — ‒ 3 ‒ — Hof-Diaconus Paller — — ‒ 1 ‒ — Graf von Pickler — — ‒ 1 ‒ — von Platen in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — Ober-Amtmann Prylipp in Brandenburg ‒ 1 ‒ — Obriste von Plothow zu Rathenau — ‒ 1 ‒ — Wennemar Platzmann in Berlin — ‒ 2 ‒ — Johann Platzmann daselbst — — ‒ 2 ‒ — Palmier daselbst — — ‒ 2 ‒ — Wald-Förster Pieper in Hamm — ‒ 1 ‒ — Baron von Plettenberg — — ‒ 3 ‒ — Land-Richter Pütter — — ‒ 1 ‒ Die erste Clafse der Prentzlowischen grossen Schule ‒ 1 ‒ Q. Herr General -Major von Queist — — ‒ 1 ‒ R. Fraͤulein Philippine von Romberg — ‒ 1 ‒ — — Alexandrine von Romberg — ‒ 1 ‒ — — Wilhelmine von Romberg — — ‒ 1 ‒ — — Sophie von Romberg — — ‒ 1 ‒ — — Christine von Romberg — — ‒ 1 ‒ — — von Retzow zu Metlow — — ‒ 1 ‒ — — von der Reck zu Harem — — ‒ 1 ‒ Frau Rauthen in Berlin — — ‒ 1 ‒ Herr Dohmherr von Rochow zu Recan — ‒ 1 ‒ — Ober-Prediger Reisewitz in Quedlinburg ‒ 1 ‒ — von Ransfeldt — — ‒ 1 ‒ — Obrister von Rieger in Stuttgard — ‒ 2 ‒ — Rath Rieß in Franckfurth am Mayn — ‒ 1 ‒ der Subscribenten. Exempl. Herr Cämmerer Richter — — ‒ 2 ‒ — J. C. R. — — — ‒ 1 ‒ — Hauptmann von Retzow in Zabekuck — ‒ 1 ‒ — von Retzow in Metlow — — ‒ 1 ‒ — Rosentreter in Aschersleben — ‒ 2 ‒ — Reinholdt in Iserlohn — — ‒ 3 ‒ — de Ron in Berlin — — ‒ 2 ‒ — Reclam daselbst — — ‒ 1 ‒ — Post-Secretair Resag daselbst — ‒ 1 ‒ — Rietz in Hannover — — ‒ 3 ‒ — Oberamts-Regierungs-Advocat Ritter in Glogau ‒ 1 ‒ — Ober-Steuer-Secretair Nabener in Dresden ‒ 1 ‒ — Jagd-Secretair Richter — — ‒ 1 ‒ — Rentey-Administrator von Roskampf in Soest ‒ 1 ‒ — Interims-Land-Rentey-Rendant Nappard in Cleve ‒ 1 ‒ — Kriegs-Rath Resen in Hamm — ‒ 1 ‒ — Music-Director Rolle in Magdeburg — ‒ 16 ‒ Des Ritter-Collegii Bibliothek in Brandenburg ‒ 1 ‒ S. Die verwittwete Frau Gräfin zu Stolberg-Stolberg ‒ 1 ‒ Frau Gräsin Chr. Alb. zu Stolberg-Roßla — ‒ 1 ‒ — von Schlaberndorf in Brandenburg — ‒ 1 ‒ — Majorin von Schwerin — — ‒ 1 ‒ — von Schlotheim in Halberstadt — ‒ 1 ‒ Frey-Fräulein Franceline von Syberg — ‒ 1 ‒ — — Helena von Syberg — ‒ 1 ‒ Frau Adelg. Conc. Salomon der deutschen Gesellschaft in Jena Mitglied — — ‒ 1 ‒ Herr Graf Heinrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode ‒ 12 ‒ — Ober-Consistorial-Rath Sack in Berlin — ‒ 1 ‒ — Ober-Amtmann Schmidt in Altenhausen ‒ 1 ‒ — Schönermarck — — ‒ 1 ‒ — Joh. Gottfr. Schinck — — ‒ 1 ‒ c 3 Verzeichniß Exempl. Herr Regiments-Quartiermeister Schutze — ‒ 1 ‒ — Hof-Rath Schacht — — ‒ 1 ‒ — Advocat Spiegel — — ‒ 1 ‒ — Kriegs-Secretair Schwachten — ‒ 7 ‒ — Matthias Schönling in Franckfurth — ‒ 1 ‒ — Scheul in Magdeburg — — ‒ 1 ‒ — Consistorial-Rath Seiler in Bareuth — ‒ 1 ‒ — Lieutenant Sabinsky — — ‒ 1 ‒ — General-Major von Sydow — ‒ 1 ‒ — Stadt-Schultheiß Schmidt in Goßlar — ‒ 1 ‒ — Rector Struensee in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — Pastor Schmidt in Parckstedt — ‒ 1 ‒ — Schöne in Brimen — — ‒ 1 ‒ — Ober-Commissarius Siegmann in Braunschweig ‒ 1 ‒ — Commercien-Rath Schröder in Stettin ‒ 1 ‒ — Doctor Spangenberg in Wolckenried — ‒ 1 ‒ — Secretair Schröder in Wernigerode — ‒ 1 ‒ — Director Schütze daselbst — — ‒ 1 ‒ — Probst Spalding in Barth — — ‒ 2 ‒ — von Schlaberndorf in Brandenburg — ‒ 1 ‒ — Burgemeister Schaum in Rathenow — ‒ 1 ‒ — Kriegs-Rath Schmelzeisen in Stendal — ‒ 1 ‒ — Schatz in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Sasse daselbst — — ‒ 2 ‒ — Christ. Schütze daselbst — — ‒ 2 ‒ — Stumpf daselbst — — ‒ 2 ‒ — Schulge in Leipzig — — ‒ 1 ‒ — Obergerichts-Advocat Stisser in Prentzlow ‒ 1 ‒ — Hof-Rath Sack in Glogau — — ‒ 1 ‒ — Senator Schwechten daselbst — — ‒ 1 ‒ — Geh. Rath von Schönberg auf Bieberstein ‒ 1 ‒ — Cammerherr von Schönberg auf Gelenau ‒ 2 ‒ — Christian Saxesen in Hamburg — ‒ 1 ‒ — Hennibal Saxesen daselbst — ‒ 1 ‒ der Subscribenten. Exempl. Herr Christian Sack in Lübeck — — ‒ 3 ‒ — Criminal-Rath Sack in Cleve — ‒ 1 ‒ — Lands-Gerichts-Assessor Siegfried in Wesel ‒ 1 ‒ — Heinrich Stute — — ‒ 1 ‒ Die Frau Gräsin Joh. Eleonora Josepha von Solms, gebohrne Gräfin von Henckel von Donnermarck ‒ 1 ‒ Frau Albertine Charlotte Wittwe Gräsin zu Solms gebohrne Gräfin von Gyland — — ‒ 1 ‒ Henriette Wilhelmine Gräfin von Schönburg-Lichten- stein — — — ‒ 1 ‒ T. Frau Treischke in Berlin — — ‒ 1 ‒ — Thilo in Stettin — — ‒ 1 ‒ Herr von Tavancour — — ‒ 1 ‒ — Thomson, vom Meyerschen Dragoner-Regiment ‒ 2 ‒ — Münz-Meister Tiller in Braunschweig — ‒ 1 ‒ — Tielebein in Stettin — — ‒ 1 ‒ — Teuscher — — — ‒ 1 ‒ Die Typographische Gesellschaft in Bern — ‒ 12 ‒ U. V. Fraͤulein M. von Vaerit, Chanoinesse zu Clarenberg ‒ 1 ‒ Herr Cammerherr und Geh. Kriegs-Rath von Unrub ‒ 10 ‒ — Major von Voß in Rathenow — ‒ 1 ‒ — Justiz-Secretair Utz in Anspach — ‒ 5 ‒ — Prediger Underich in Bladenhorst — ‒ 1 ‒ Ungenannte — — — ‒ 8 ‒ W. Frau Rittmeisterin von Strahlenhielm geb. von Wacknitz — — — ‒ 1 ‒ Fräulein Eleon. Elisabeth von Wacknitz — ‒ 1 ‒ Verzeichniß der Subscribenten. Exempl. Herr von Witzleben — — ‒ 1 ‒ — Cammer-Director Wolf in Quedlinburg ‒ 1 ‒ — Cammerherr von Wilke — ‒ 1 ‒ — Advocat Wolf in Halberstadt — ‒ 1 ‒ — von Wittorf — — ‒ 1 ‒ — Ober-Dom-Prediger Weisbeck in Halberstadt ‒ 2 ‒ — Freyherr von Werther in Sondershausen ‒ 1 ‒ — Pastor Wustenberg in Stettin — ‒ 1 ‒ — Willet in Stettin — — ‒ 1 ‒ — Prediger Wetzel in Rhinow — ‒ 1 ‒ — Wacker in Leipzig — — ‒ 2 ‒ — Oberst-Lieutenant von Wacknitz — ‒ 1 ‒ — Cammerjunker von Wacknitz — ‒ 1 ‒ — Cammeragent Würker in Glogau — ‒ 1 ‒ — Geh. Rath von Wurmb — ‒ 1 ‒ — Professor Witthof in Hamm — ‒ 1 ‒ — Commißions-Rath Wedecking — ‒ 1 ‒ Y. Herr Graf Ludwig Casimir zu Ysenburg-Budingen ‒ 5 ‒ Z. Jungfer Johanna Zietelmann — ‒ 1 ‒ Frau Zibe — — ‒ 1 ‒ Herr von Ziethen auf Dechtow — ‒ 1 ‒ — Calculator Zabel in Cleve — ‒ 1 ‒ — Cammer-Secretair Zeunert in Hamm ‒ 1 ‒ — Joh. Gottfried Zaminen in Magdoburg ‒ 1 ‒ Oden . Erstes Buch. A An Gott als sie bey hellem Mondschein erwachte. Wenn ich erwache, denk ich dein! Du Gott! der Tag und Nacht entscheidet, Und in der Nacht mit Sonnenschein Den finstern Mond bekleidet. A 2 Oden. Er leuchtet koͤniglich daher, Aus hoher ungemeßner Ferne, Und ungezaͤhlt, wie Sand am Meer, Stehn um ihn her die Sterne. Welch eine Pracht verbreitet sich! Die Dunkelheit geschmuͤckt mit Lichte Sieht auf uns nieder, nennet dich Mit Glanz im Angesichte. Du Sonnenschoͤpfer! wie so groß Bist du im kleinsten Stern dort oben! Wie unaussprechlich nahmenlos! Die Morgensterne loben Dich mit einander in ein Chor Geschlossen, wie zu jener Stunde, Da aus dem Chaos tief hervor Ein Wort aus deinem Munde Erstes Buch. Allmaͤchtig diese Welten rief, Am Firmament herum gesetzet. Du sprachst, das Rad der Dinge lief, Und laͤuft noch unverletzet. Noch voller Jugend glaͤnzen sie Da schon Jahrtausende vergangen! Der Zeiten Wechsel raubet nie Das Licht von ihren Wangen. Hier aber unter ihrem Blick Vergeht, verfliegt, veraltet alles. Dem Thronenpomp, dem Cronengluͤck Droht eine Zeit des Falles! Der Mensch verbluͤht wie praͤchtig Gras, Sein Ansehn wird der Zeit zum Raube. Der Weise, der in Sternen las, Liegt schon gestreckt im Staube! A 3 Oden. Ich lese, grosser Schoͤpfer! dich Des Nachts in Buͤchern, aufgeschlagen Von deiner Hand. O lehre mich Nach deinem Lichte fragen! Sey meiner Seele Klarheit, du Regierer der entstandnen Sterne! Und blicke meinem Herzen zu, Daß es dich kennen lerne! Erstes Buch. An den Schoͤpfer an ihrem Geburtstage den 1ten des Weinmonats 1761 . Wo war ich, als dich Morgensterne lobten? Da, wie aus Windeln du gewickelt hast das Meer! Und als vor dir die Wellen tobten, Zu ihnen sprachest: kommet, bis hieher! Wo lag ich, als dein Arm der Erde Graͤnzen Umher gezogen hat, und ihren Grund gelegt? Als du die Morgenroͤthe glaͤnzen Mit Purpur hiessest, den sie um sich traͤgt? In ungeformtem Klumpen noch gelegen Bin ich, als auf dein Wort der Tag hervor geeilt Der Thau gezeugt ward, und der Regen Und Finsterniß von Lichte ward getheilt! A 4 Oden. Noch gleich dem kleinsten Staube, den die Sonne Heißscheinend an sich zieht von duͤrrer Erde Schooß, War ich doch schon der Engel Wonne, Von dir erschaffen, war ich ihnen groß. Mit Sternenkleidern herrlich angezogen Hast du, Gott Schoͤpfer! sie dem Winde gleich gemacht; Schoͤnfarbigt wie der Regenbogen Wie Sonnenglut, ist ihrer Leiber Pracht. Zum Dienst erschaffen fuͤr die Menschenkinder Sind sie; sie eilen, Gott! wenn du Befehle blickst, Durch deinen Himmel viel geschwinder Als deine Blitze, die du flammigt schickst! Aus Aether sind zusammen sie geflossen: Ich ward, wie Staub, der auf der Flur zusammen laͤuft, Wann deine Wolken ihn begossen Und Kloß an Kloß sich nun zusammen haͤuft. Erstes Buch. Ich ward; dein Sprechen: Laßt uns Menschen machen! Das riß auch mich hervor, als du des Lebens-Thuͤr Entriegeltest, und noch der Rachen Des Grabes nicht eroͤfnet war vor dir! Jahrtausende vergiengen, kurze Tage Vor deinem Angesicht! dann kam mein Tag, und du Gabst mir die Huͤlle, die ich trage Um diesen Geist von dir geathmet, zu! Von deinem Munde, der mit einem Hauche Gebuͤrge blaͤset tief herunter in das Meer, Nahm ich dis Leben zum Gebrauche, Zu deinem Ruhm; Herr! mein Gesang sey er! A 5 Oden. Das Ungewitter in der Nacht vom 31ten August 1761. Er kommt, der Sturmwind heult ihn anzusagen, Verhuͤllt in dicker Mitternacht, Und auf dreytausend Feuerwagen Zu uns herabgebracht! Izt ist er da; der Herr des Weltgebaͤudes! Hoͤrt ihn! sein Donner rollet schwer; Der Umfang seines Wolkenkleides Blizt Schrecken auf uns her. Welch ein Geprassel! kommen seine Krieger Mit ihm dahergefahren, so, Wie zu der Schlacht, da vor dem Sieger Das Hoͤllenheer entfloh? Erstes Buch. Izt stuͤrzen ganze Stroͤme Kugeln nieder; Gott schlaͤgt den Weinstock, schlaͤgt die Frucht Des Baums, der wankend seine Glieder, Zerrißne Aeste, sucht. Der Hagel rauscht und weckt die Trunkenbolde, Sie fahren auf, und stammeln: Gott! Der Wuchrer zittert auf dem Golde; Dem Freygeist wird sein Spott Von fuͤrchterlichen Rednern wiedersprochen; Gott sagt im Donner, wer er sey! Und faͤhrt an Suͤndern, ungerochen, Im Brausen stark vorbey! Gieb acht, Berlin! sein Zorn sezt, dir zu drohen, Ein Dorf mit Blitzen in den Brand! Glut warf er nieder; nackend flohen, Ihr Leben in der Hand Oden. Behaltend, aus den Huͤtten die Bewohner; Ihr Kleid, ihr Brod wird aufgezehrt: Und dich, dich findet der Verschoner Noch seiner Nachsicht werth. O! unter den von Stroh geflochtnen Daͤchern, Wohnt minder Bosheit, als in dir! Sagts, ihr Pallaͤste! den Verbrechern: Gott war im Wetter hier! Da bebten unsre Waͤnde; unsre Riegel, Von Erz gegossen, sprangen loß; Sag es, erschrockne Spree, und ihr, ihr Huͤgel! Auf die er Feuer goß. Sagts, ihr vom Sturm zerrißne hohe Fichten! Ihr Eichen! sagts der Koͤnigs Stadt; Daß, seinen Willen auszurichten, Der Blitz Befehle hat. Erstes Buch. Gott zieht die Hand voll Keile schnell zuruͤcke; Ihm muß der Sturm gehorchend stehn; Er heißt den Krieg mit einem Blicke Fort, wie das Wetter gehn! Oden. An Gott. Der du nach schrecklichen Gewittern, Das Laͤcheln deines Angesichts Uns zeigest, Gott! soll ich vor deiner Wage zittern Am Tage des Gerichts? Ward ich herauf geweckt zum Leben, Nicht deiner Groͤsse mich zu freun? Nein! zu Rebellen, die vor deinem Nahmen beben, Herab gestuͤrzt zu seyn? Soll Flammen-Wirbel mich empfangen? Und schleudert deines Zornes Blick Dein suchendes Geschoͤpf voll Liebe, voll Verlangen, Von deinem Licht zuruͤck? Erstes Buch. Dann laß vor deinem Angesichte Mich werden was Gewuͤrme sind! Dein Blick zerschmelze mich! Mein Vater! Ach! zernichte, Vertilge ganz dein Kind! Oden. Die Allmacht und Guͤte Gottes 1761 . O Gott! der du allmaͤchtig bist! — — An deiner unerschoͤpften Guͤte, Die meines Daseyns Ursach ist, Ergoͤtzen sich mein Herz und mein Gemuͤte; Ich denke sie, Denn Herr! noch nie, Wenn ich in Noth gesessen, Ward ich von ihr vergessen. Sie reicht so weit die Himmel gehn, Ist breiter als zehntausend Erden. Sie hieß Erzengel vor sich stehn Sie sprach; und Thier und Menschen musten werden! Erstes Buch. Das Sternen Heer, Das tiefe Meer, Sind Werke seiner Haͤnde; Sie aber ist ohn Ende. Mein Gott! von dieser Guͤte sagt Mir deiner Creaturen Menge; Der Vogel nennt sie, wenn es tagt, Sie sorgt fuͤr ihn, er singt ihr Lobgesaͤnge. Der Donner schillt, Der Loͤwe bruͤllt, Als deiner Staͤrke Zeugen; Und beyde muͤssen schweigen! Der Loͤwe muß, wenn du es willst, Mit bloͤden Laͤmmern freundlich spielen, Und wenn du dich in Wolken huͤllst So muß dein Blitz die heisse Luft nur kuͤhlen! B Oden. Des Donners Wuth, Des Meeres Fluth, Den Sturmwind und die Stille Schickt deiner Allmacht Wille! Du schickst den Hunger in ein Land, Und strafst die suͤndigen Geschoͤpfe Mit Ueberschwemmung und mit Brand: Dein Krieg zermalmt die Menschen wie die Toͤpfe. Sie schreyn zu dir: Herr! siehe, wir Sind elend, und zerschlagen; Dann wendest du die Plagen: Und deine Guͤte blickt herab Auf oͤde Felder voller Leichen; Sie schließt das unerfuͤllte Grab Und giebt die Ruh verheerten Koͤnigreichen. Erstes Buch. Das trunkne Schwert Noch blutig, faͤhrt Zuruͤck in seine Scheide, Und Klagen werden Freude! Du, unser Gott! noch wie zuvor, Zur Zeit der Kinder Jacobs, guͤtig: Zu dir schreyt unser Herz empor! Noch bruͤllt der Krieg, und mehr als Loͤwenmuͤthig Von Waffen schwer, Ziehn sie daher Die Feinde, die uns draͤuen; Und du kannst sie zerstreuen! In deine Vorsicht eingehuͤllt Herr! werden wir dennoch erhalten. Wenn uͤber uns der Donner bruͤllt, Wann unter uns die Erde will zerspalten; B 2 Oden. Wann diese Welt, Dein Bau, zerfaͤllt, Bleibst du im lezten Wetter Mein Fels und mein Erretter! Laß deine Allmacht nur ein Wort Herunter reden; sprich: es hebe Der Krieg sich hin an seinen Ort; So thut ers, wie im Ocean die Ebbe. Auf dein Gebot Fliehn Zank und Tod: Der ewige Rebelle Empfaͤngt sie in der Hoͤlle. Erstes Buch. Morgen-Gedanken 1761 . Der Morgen dreht sein heitres Angesichte Uns laͤchelnd zu, und weckt mit sanftem Lichte Die Creaturen an den Tag hervor! Der Sperling schwazt, die muntern Haͤhne kraͤhen Den Lobgesang, und aller Augen sehen, Zu Gott, der sie ernaͤhrt, empor. Auch ich bin wach, und meinem ersten Blicke Befehl ich, daß er Dank zum Himmel schicke Fuͤr diese Ruh, fuͤr diese sanfte Nacht! Es ist ein Gott, der diese Welt regieret, Der aus dem Staub mich wunderbar gefuͤhret, Und der mir Freud und Freunde macht! B 3 Oden. Es ist ein Gott! er sah oft meine Zaͤhren, Und hoͤrte Kinder Brod von mir begehren, Wann lange schon die Mittags-Sonne schien. Sie sind dahin, die Tage meiner Plagen, Und daß nach Brod nicht meine Sorgen fragen; Dies will mein Gott, dies ist durch ihn. Mein ruhig Herz und dieser stille Friede, Der um mich herrscht, der keinen Tag mich muͤde Von Arbeit, oder von Verdrusse, sieht; Das sanfte Feur, das durch die Adern dringet, Und dis Gefuͤhl, das in mir denkt, und singet, Das dank ich dem, der mich durch Guͤte zieht. Ich heische nicht aus seinen vollen Haͤnden Ein groͤsser Gluͤck. Nicht Reichthum soll er senden, Nicht eiteln Ruhm und was ins Auge faͤllt. Mein Mittelstand, der Rock, der reinlich kleidet, Ein gnugsam Brod, genossen unbeneidet, Dies sey mein Theil und bleib es in der Welt. Erstes Buch. An Gott. Erheb auf mich dein Angesicht, Und laß mich deine Guͤte schmecken Gott, der mich schuf! Es mag auch Dunkel oder Licht, Vor meinem Auge dich verdecken; O Herr! es mag ein Feuer-Meer In tausend Stroͤmen dich umgeben; Verkleide dich im Sturm, und lasse rings umher Die Welt vor deinem Wetter beben; Laß deinen Blick, voll Gottes Macht, Den Berg, die Felsen niederblitzen; Verhuͤlle deine Stirn mit Zorn und lasse Nacht, Wo sonst der Tag regierte, sitzen; B 4 Oden. Doch betet meine Liebe dich Gott Schoͤpfer! an, tief unter Waffen, Die dich umrauschen Herr! zum Leben hast du mich Und nicht zum Untergang erschaffen! Erstes Buch. Morgen-Gesang an ihre Seele. Der junge Tag, zuruͤckgekommen Mit neugeschaffnem Angesicht, Hat halb die Freundlichkeit des Gottes angenommen, Der ihn bekleidet mit Licht! Du, Seele! bist nicht fortgerissen Aus mir, durch irgend eine Macht; O dem, auf dessen Wort die Himmel horchen muͤssen, Sey neues Opfer gebracht! Er durfte sprechen, durfte winken, So schlug der Todes-Engel mich, So mußt ich ploͤzlich hin in ewgen Schlaf versinken Und Luft bekleidete dich! B 5 Oden. Er hieß mich leben, hieß dich bleiben, Dich, die vom Himmel niederfuhr; Sey Funken oder Hauch, ich kann dich nicht beschreiben, Empfinden kann ich dich nur! Du denkst in mir, du kannst dich schwingen Dem unsichtbaren Winde gleich, In einem Augenblick dahin, wo Engel singen, Und singst mit ihnen zugleich! Du uͤbersteigest Mond und Sterne Fliehst schnell zuruͤck, du schweifst umher Wie Gottes Blitz, und schwebst in ungemeßner Ferne Hoch uͤber Huͤgel und Meer! Du drengest dich durch dicke Mauren, Du achtest feste Schloͤsser nichts; Ich fuͤhl es, daß du strebst der Gottheit gleich zu dauren, Zu trinken Stroͤme des Lichts. Erstes Buch. Dein nahmenloser Geiz begehret Mehr, als die Welt zu geben weiß; Von Wollust oder Gold und Ehre nicht genaͤhret, Bleibt stets dein Hunger noch heiß, Bis du zum Seraph wirst erhoben. O fuͤhle deine Wuͤrde ganz, Unsterbliche! dir gab der, den die Sterne loben Ein Theil vom himmlischen Glanz. Oden. An Gott. Gott! du bist Schoͤpfer! groß sind deine Werke! Du hast des Berges Grund gelegt, Der hoch herauf mit Riesen Staͤrke Sein Haupt erhub, und Wolken traͤgt. Du schufst die Erde, voll von deinen Guͤtern, Dein Arm umuferte das Meer. Da scherzt bey nahen Ungewittern Der Wallfisch auf der Fluth daher. Hoch uͤber meinem Haupte leuchten praͤchtig Die Sonnen, hingestellt durch dich; Und dein Geschoͤpf, der Loͤwe — maͤchtig Tritt er, und fodert Raub fuͤr sich. Erstes Buch. Er herrschet uͤber alle Thier-Geschlechte, Und wenn er bruͤllet, zittern sie; Er macht Gebrauch von seinem Rechte, Wuͤrgt um sich her, und kennt dich nie. Der Elephant traͤgt einen Thurm in Schlachten, Ist Weiser in der Thiere Reich, Hoͤrt Unterricht, kann tief betrachten Und traurig seyn, dem Menschen gleich. Der Bieber baut, von hingetragnem Holze, Sein kuͤnstlich Haus im Wasser sich; Doch nicht das starke, nicht das stolze Und kluͤgste Thier erkennet dich! Auf steilen Felsen, wie im niedern Thale Weiß, Herr! von dir der Adler nichts; Er fliegt zur Sonne, trozt dem Strahle, Und sieht dich nicht, du Quell des Lichts! Oden. Der Leviathan, welchen du geschaffen Daß er, wie Krieger fuͤrchterlich Gepanzert, trozt auf seine Waffen, Bewegt das Meer, und traͤnket sich Mit einer Fluth in seinen Schlund gezogen. Er herrscht im Wasser, ein Tyrann! Du zogst ihn, gegen Pfeil und Bogen, Mit mehr als erznen Schuppen an. Er kennt dich nicht; auch sehen jene Sonnen Nicht ihrer Strahlen Ursprung ein. Ich Mensch, den du hast liebgewonnen, Ich fuͤhl und kenne dich allein! Den Engeln nach, weit uͤber Thier und Sterne Erhoben hast du mich gemacht, Und, daß ich dich erkennen lerne, Geist und Vernunft in mich gebracht! Erstes Buch. Mit Schwingen, die du meinem Geist gegeben, Kann mein Gedanke, ausser mir Sich uͤber alle Welten heben, Allmaͤchtiger! hinauf zu dir. Dir, Schoͤpfer! dank ich meiner Seele Kraͤfte: Gott! dich erkenn ich auf der Flur Im tausendfaͤltigen Geschaͤfte Der nimmermuͤßigen Natur! Du sagst dem Fruͤhling, wann er wieder kommen, Der Erndte, wann sie garbenvoll, Dem Ungerechten wie dem Frommen, Die leere Tenne fuͤllen soll. Nach deinem Willen bluͤhen Baum und Rebe, Dem Weinstock sezest du die Zeit; Daß er uns suͤsse Trauben gebe, Zum Most, der unser Herz erfreut! Oden. In ihre Angeln hiengest du die Erde! Sie dreht sich wenn wir auf ihr gehn. Du treibst die Wolken, gleich der Heerde, Die ihren Hirten muß verstehn. Dein Ruf gebeut, so kommen Frost und Hitze, Und aus der Wolke flockigt Eiß! Sturm, Hagel, Regen, rothe Blitze; Und Donner hoͤren dein Geheiß. Dich fuͤhl ich, wenn im Fruͤhling laue Weste Sanft athmen, deiner Guͤte gleich; Und wann im Herbst des Baumes Aeste Sich niederbeugen, seegensreich. Dich denk ich, wenn mich vor des Winters Grimme Das Feuer freundschaftlich beschuͤzt, Und wenn, mit woͤrterloser Stimme Der Vogel dir lobsingen sizt. Erstes Buch. Der Fruͤhling an die Frau von Wrech. Freundin dessen, der die Welt regieret, Der an diamantnen Ketten fuͤhret Jene Sonnen uͤber unserm Haupt! Sieh’! an seiner Ordnung goldnen Seilen Muß der Fruͤhling neu herunter eilen Mit dem Schmuck, den ihm der Herbst geraubt. Siehe! wie befluͤgelt er gekommen Und die Trauer der Natur benommen. Wie er sie schon jugendlich geschmuͤckt, Maͤdchen, die den Lenz im Antlitz haben, Maͤnner, Juͤnglinge und kleine Knaben Und der Greiß, der sich am Stabe buͤckt; C Oden. Alles geht, gereizt von den Geruͤchen Junger Veilchen, die so niedrig kriechen Und doch edler, als die Tulpen sind! Und der Hyacinthen ofne Glocken Duften Balsam, den um seine Locken Dir entgegen traͤgt der Fruͤhlingswind. Blat und Frucht, die in der Knospe lagen, Dringen sich des Schoͤpfers Lob zu sagen, Aus der Huͤlle nun mit Macht hervor. Wenn die stummen Redner praͤchtig bluͤhen, Steigt, in regellosen Symphonien, Aus den Zweigen ein Gesang empor! Ohne Muse, ohne Kunst und Schriften Singt die Lerche, schwebend in den Luͤften, Unaufhoͤrlich ihr pindarisch Lied! Unter ihr, in fruͤher Tagesstunde, Singt mit baͤurisch vollgenommnem Munde Auch die Einfalt, welche Furchen zieht! Erstes Buch. Laͤmmer, die noch an den Muͤttern saugen, Bloͤken dem zum Lobe, dessen Augen Das Insekt im Staube kriechen sehn. Ihn muß so der Wurm im Grase preisen, Als das Herz mit ihm bekannter Weisen, Als die Raͤder, die den Weltbau drehn. O du Tochter seiner Lieb und Guͤte, Der in jedem Lenz die junge Bluͤthe, Und die gruͤne Saat sein Lob beschreibt. Hoͤher, als der Dichtgeist in dem Fluge Preisest du mit jedem Athemzuge Einen Gott, der deine Freude bleibt! Alles singt ihm. — Seine Nachtigallen Oft behorchend, will ich Lieder lallen Voll vom Lobe dessen, der mich schuf; Bienen, die auf Lindenwipfeln summen, Und des Fleisses Lehrer, jene Stummen Im Erdhaufen, werden mir ein Ruf! Oden. An Herrn von Humbracht nach einem Ungewitter (zu Magdeburg den 5ten des Herbstmonats 1762.) O Freund drey Ungewitter hiengen Herunter drohend uͤber mir; Doch konnt ich unerschuͤttert singen: Gott, du bist groß! dich loben wir! Er fuhr auf Wolken. Schrecklich rollten Die Raͤder seines Wagens fort Und Donner, die uns toͤdten sollten, Erwarteten sein leztes Wort. Gluth flog von seinem Angesichte Rund um ihn her, als saͤße schon, Zum feyerlichen Weltgerichte, Der Richter, auf dem Wolken-Thron. Erstes Buch. Die Frommen beteten entgegen; Furcht nahm das Herz des Suͤnders ein. So zittern Sclaven vor den Schlaͤgen Des Herren, den sie sonst nicht scheun. So stuͤrzet, bey empoͤrter Welle Der rohe Schiffmann auf das Knie; Und so faͤllt, an des Grabes Schwelle Der Frey-Geist in Melancholie. Der juͤngsten Gattin, weiches Herze, So sanft wie Blumen auf der Flur, Erstaunte vor der Wolken Schwaͤrze Und fuͤhlte Schrecken der Natur. In ihres Freundes Arm geschlossen, Verseufzte sie die Furcht, und lag An seiner Brust, als Strahlen schossen, Und Nacht verwandelten in Tag; C 3 Oden. Als wieder uns mit Kriegs-Geruͤste Die Ober-Welt bewafnet schien, Und Bahylons, und Tyrus Luͤste, Aus Magdeburg, gen Himmel schrien. Doch staͤrker, als des Frevlers Suͤnde, War des Gerechten Bittgeschrey. Gott sprach! da fuͤhrten Wirbelwinde Den Donnerwagen schnell vorbey. Er fuhr herauf, und ihm entgegen Lobjubelte der weite Raum; Und auf uns traͤufelte nur Seegen Herab von seines Kleides Saum. Erstes Buch. An den May (zu Berlin den 27ten May 1761.) Freuden-Schoͤpfer! Monat, der dem Jahre Zierath gab, und diese jungen Haare Auf der Baͤume kahlgestandnes Haupt; Eile langsam mit gesenkten Schwingen! Bleib noch! laß mich deine Reitze singen, Eh’ ein kriechend Gift den Baum entlaubt. Deiner Ankunft freuten sich die Hirten Und becraͤnzt mit frischgebrochnen Myrten Stampften sie das jugendliche Graß; Da indessen Damon ohne Zeugen Unter krumgewachsnen dichten Zweigen, Schlau verborgen, bey der Phillis saß! C 4 Oden. Du erscheinst mit ganzen Myriaden Bunter Blumen um und um beladen, Die du auf der Erde Schooß gestreut; Deine weisse Silbergloͤckchen duͤften Ihren Balsam aus, und in den Luͤften Singen Lerchen deine Lieblichkeit. Von der Liebe treulich unterrichtet Singt ein Vogel, der wie Sapho dichtet, Ganze Naͤchte in der Ode Thon. Nachtigallen singen ihre Klagen, Und der Sperling in den alten Tagen, Huͤpft und buhlt noch, wie Anacreon. Du erweckst mit deinem sanften Hauche Alle Creaturen zum Gebrauche Ihres Lebens, das so bald verflieht; Bienen summen, und die kalten Froͤsche Sagen, durch ihr quackendes Gewaͤsche, Daß die Freude sie ans Ufer zieht. Erstes Buch. Gruͤner machst du Blaͤtter an den Zweigen Die sich um den Schlaf des Juͤnglings beugen, Der im Marsfeld wie ein Loͤwe stritt; Alle Jahre kommest du mit neuen Blumen, auf des Helden Grab zu streuen, Dessen Faden fruͤh die Parce schnitt. Holder May, bey jenem Siz der Musen, Wo die Oder ihren ofnen Busen Mit erschlagner Russen Blut geschwaͤrzt, Liegt ein Dichter, der dich einst gesungen; Hundert Seelen hat sein Tod durchdrungen, O, er starb voll Wunden, und beherzt! Von dem groͤßten Kuͤnstler der aus Steinen Bilder machet, die, wie Menschen weinen, Werdest du gehauen auf sein Grab. In Gestalt des Maͤdchens, die ihn dachte, Mit dem Schooß voll Blumen, die sie brachte, Zeichne dich des Kuͤnstlers Meissel ab! C 5 Oden. Wenn alsdann in spaͤtgekommnen Tagen, Wandrer nach des Grabes Nahmen fragen, Nenn’ ein Marmor-Schild den sanften Kleist, Der nur Zorn empfunden gegen Feinde; Eine Tafel nenne seine Freunde, Und berichte, wie das Maͤdchen heißt, Die, gereizet von des Helden Ruhme, Seinem Staube, diesem Heiligthume, Tausend Fruͤhlings-Kinder opferte! Schoͤner Monat, komme oftmahls wieder! Streu aus deinem Schosse Blumen nieder Vor dem Maͤdchen, daß es sanfter geh’! Die Dichterin meinet die Jungfer Gause, deren Ge- burtstag am 27ten May gefeyert wurde, von welcher man er- zaͤhlte, daß sie zu Franckfurth gewesen, und daselbst das Grab des Herrn von Kleist mit Blumen bestreuet habe. Erstes Buch. An einen Freund der melancholisch den Tod einer Freundin beweinte. Der du mit finstern Blicken ganz veraͤchtlich Gluͤck, Ruhm und Freuden uͤbersiehst, Nicht mehr Lorenzo bist, und einsam mitternaͤchtlich Ein andrer Young, den Schlummer fliehst, Und jammernd sitzest, hier, wo die Gebeine Der Freundin ruhn, mit Sand bestreut; Die Freundschaft fuͤhrt mich nach, auf daß ich mit dir weine, Geruͤhrt durch deine Traurigkeit! Auf meine Leyer will ich ernste Saiten Mit fromm gewordnen Haͤnden ziehn, Will singen, wie der Geist sich feyerlich bereiten Soll, in die obre Welt zu ziehn! Oden. Den Tod und seinen vollgefuͤllten Koͤcher, Aus dem er Pfeil an Pfeile nimt; Den Regenbogen-Thron, besessen von dem Raͤcher Der Frevler fuͤr die Glut bestimmt; Die Donner des Gerichtes, wie sie rollen Von Pol zu Pol, und, wie alsdann Gebuͤrge vor dem Zorn den Suͤnder decken sollen, Der nicht den Blick ertragen kan, Mit dem der Richter von des Himmels Hoͤhe Ihn zuͤrnet in den Pfuhl hinab! Er stuͤrzt; o, wenn doch nur den Hoͤllensturz nicht saͤhe, Der Engel, den der Herr ihm gab! Freund, also will ich singen, daß dich Schauer Ergreifen sollen, wenn du hoͤrst, Bis daß du deine hochgeliebte suͤsse Trauer Die Wollust deines Herzens mehrst. Erstes Buch. Das Rauschen meines Liedes soll dich fassen Und mit dir uͤber Wolkengang Zu deiner Freundin fliehn, und ploͤzlich dich verlassen, Bey ihrem himmlischen Gesang! Oden. Von dem Vertrauen auf Gott an den Herrn Professor Sulzer (zu Berlin im Heumonat 1761.) Gott ist noch Gott, in Schauervoller Stille Nenn ich o Freund, ihn wunderbahr, Krieg druͤckt das Land, er giebt uns Brod die Fuͤlle Und seine Guͤte croͤnt das Jahr. Der Feind verschlang mit nie erfuͤlltem Schlunde Drey Erndten, floh vor Friedrichs Zorn, Trug unsern lezten Bissen noch im Munde, Doch haben wir noch Oel und Korn! Er riß des Landmanns lezte Leinwandshuͤlle Ihm grimmig von der Schulter ab; Doch war ein Gott, der aus des Seegens-Fuͤlle, Den Armen Brod und Kleider gab. Erstes Buch. Viel tausende sind durch des Schwerdtes Schaͤrfe Gemaͤhet, so wie Graß im Thal! Oft that der Herr, als ob er uns verwerfe, Und dem Verderber Herz befahl! Doch leben wir, doch ziehen unsre Heere Mit Kraft bewafnet aus zum Streit! Ein Knabe lacht des Riesen Schild und Speere Und schlaͤgt ihn, wenn es Gott gebeut! Gott hilft uns die wir seiner Huͤlfe warten, Und seine Huͤlfe ist uns nah; Wir sehn nach ihr hinauf, Freund! wie dein Garten Empor nach Regenwolken sah. Als ihm in dreymahl sieben langen Tagen Die Sonne jeden Saft benahm, Da bracht ein Sturm den vollen Schlauch getragen, Der Feld und Garten traͤnken kam. Oden. Die Blitze creuzten ohne Donnerschlaͤge, Gott sprach, und das Gewitter wich. Er spricht so zu des Meeres Toben: lege Hier, stolze Welle, lege dich! So spricht er zu des Krieges Wetterwolke Und sie gehorcht ihm, wie das Meer! Dann sing ich ihm. So sang vor ihrem Volke Einst Mirjam Gottes Thaten her! Erstes Buch. An Thyrsis. Als man die erste Nachricht erhielt, daß der rußische Kaͤyser Peter der dritte des Koͤnigs Freund sey, und daruͤber ein Fest ange- stellet war. Den 9ten des Hornungs 1762. Den Oberschaͤfer Friederich Mein Thyrsis, hoffen wir! Zu seinen Fuͤssen kruͤmmet sich Nun bald das boͤse Thier, Das oft in unsre Heerden faͤllt, Die besten Laͤmmer wuͤrgt, Sich auf die hoͤchsten Berge stellt, Und seinen Raub verbirgt. D Oden. In tiefer Hoͤhle schlau versteckt, Lauscht es, und duͤrstet Blut, Und springt, wann es ein Schaf entdeckt, Hervor mit Tyger-Wuth. Die grossen Hunde werden scheu, Das Thier hascht sie mit List; Bald aber steurt die Raͤuberey Pan, der mit Friedrich ist! Schon seinem Herzen zugelenkt Ward ihm ein fremder Hirt, Der zornig an das Thier gedenkt, Und treu ihm helfen wird. Wir hoͤrten dies, und angefuͤllt Von Freuden, wie entzuͤckt, Ward hergetanzt, um Friedrichs Bild, Mit Lorber rund umschmuͤckt. Erstes Buch. Hoch aufgehuͤpft mit Herzenstanz Ist vor uns her Welin! Er flochte selbst den grossen Cranz Von Zweigen frisch und gruͤn! Und hergetragen bracht er froh Das theure Bild, und sprach: Zuruͤcke kommt der Schaͤfer so Mit Lorber, den er brach! Wir fuͤhlten in der Seele tief, Wir jauchzten laut, wie er! Und Faunen, die der Jubel rief, Die huͤpften um uns her! Auf tausend Saiten spielte sich Mein Herz; ich huͤpfte mit, Warf Freudenvolle Blick’ auf dich, Und dachte nicht den Trit. D 2 Oden. Und wenn des Oberhirten Hand Das Ungeheur erlegt, Wenn er wie Hercul zum Gewand Die Haut des Thieres traͤgt; Dann komme Thyrsis hin mit mir Zu danken hoch dem Pan! Nachsingen will ich Lieder dir, Auf gruͤner Siegesbahn! Im breiten Schatten an der Spree Versammlen Hirten sich, Behorchet werden aus der Hoͤh Von Goͤttern du und ich! Erstes Buch. An W. * * * Als er den Tod Peter des dritten beklagte. Gleich einem Fruͤhlings Morgenroth, O Freund, gieng er uns auf! Abscheulicher, grausamer Tod! O welch ein Lebenslauf! Er zog aus wilden Wuͤsteneyn Ungluͤckliche; so zieht Aus kalter Erde Sonnenschein, Die Blume, welche bluͤht. Aus seiner grossen Seele flog Ein holder Freundschaftsblick, In unsre Laͤnder, ploͤzlich zog Schwarz Sturmgewoͤlk zuruͤck! D 3 Oden. In unsern Seelen ward es Licht, Wir sahen froh empor! Und stellten Gottes Angesicht, Uns wieder gnaͤdig vor! Bewundrung und Empfindung ganz Fuͤr Friedrich unsern Held, Trug Peter einen Sieges-Cranz Schon, ohne Zug ins Feld! Ach tausend Donner auf einmahl Erschrecken uns. O Weh! So trift ein Ungewitter Strahl, Den Leuchte-Thurm der See! An Gottes, und an Friedrichs Freund Hat sich der Tod gewagt? Die Muse singet nicht, sie weint Sie jammert und wehklagt! Erstes Buch. Auf eine Glocke die in Magdeburg umgegossen ward. Ich unbegeistertes Metall Rief, ganze sechs und neunzig Jahre, Mit in der Luft vertheiltem Schall, Zum Gottesdienst, und zu der Bahre. Gebrauch verminderte den Klang. Ich hohles Erz ward umgegossen, Zur Zeit, da schon fuͤnf Jahre lang Der Krieg das ganze Land umschlossen. Drey Monarchien sandten aus Mit jedem Fruͤling grosse Heere, Den Koͤnig, und sein hohes Haus Zu stuͤrzen, wenn kein Gott nicht waͤre. D 4 Oden. Es ist ein Gott! Er deckt das Haupt Des Koͤnigs, wenn ihn ganz umringen Die Feinde, welchen nicht erlaubt Ward, uͤber diesen Wall zu springen. Koͤnnt ich mit Engels Zungen doch Dir, Magdeburg! die Worte sagen: Gott lebt! Er thut die Wunder noch, Die er gethan in Davids Tagen! Ihr, die ihr in der goldnen Zeit Zu mir herauf steigt, dies zu lesen, Erkennt den Herrn der Herrlichkeit, Der Friedrichs grosser Schuz gewesen. Und ihr, die ihr mich rufen hoͤrt Zum Gott des Himmels und der Erde, Bringt ihm das Herz, daß es gelehrt, Und heilig umgeschmolzen werde. Erstes Buch. Klagen einer Witwe. Mir zur Last fuͤhl ich mein Leben, Einsam finden meine Tage mich, Die mit Wolken sind umgeben; Keiner huͤllt aus seinem Nebel sich. Alles mein Vergnuͤgen Muß im Staube liegen! Ach wie ganz hat mich der Tod beraubt! Wie der kalte Herbst den Garten, Den er ganz entlaubt. D 5 Oden. Todtenblaͤsse uͤberziehet Mein von Thraͤnen nasses Angesicht, Wenn mein Herz, das mir entfliehet, Mit Bewohnern kalter Graͤber spricht. Auf dem Leichensteine, Sitz ich dann und weine Meinen Jammer in den duͤrren Sand, Der das beste Herz bedecket, Das fuͤr mich empfand! Dunkler sind mir meine Naͤchte Als Egyptens dicke Mitternacht. Wenn der Tag den Coͤrper schwaͤchte, Wird die Nacht mit truͤbem Gram durchwacht! Vor mir hin verbreiten Sich verfloßne Zeiten! Als mein Freund mir an der Seite lag, Ach da fand im Arm der Freude Mich der junge Tag! Erstes Buch. Unter dem Tumult der Sorgen Werd ich jezt die Sonne nicht gewahr! Mir erscheint kein heitrer Morgen Und fuͤr mich becraͤnzt sich nicht das Jahr! Blumen, Lenz und Lieder Sind mir nur zuwieder, Und das gruͤne Thal ergoͤzt mich nie, Selbst die Nachtigallen singen Mir Melancholie! Rauscht ihr silberklaren Baͤche! Rausche staͤrker, du zu stille Spree! Wiederhohle was ich spreche, Wenn ich um dein Ufer wankend geh. Ihr verschwiegnen Linden, Mein betruͤbt Empfinden Grab ich tief in eure Staͤmme ein, Und ihr sollt von meinem Jammer, Das Geschichtbuch seyn. Oden. Du, o Mond mit voller Wange, Sey ein Zeuge, wie betruͤbt ich bin! Und wenn ich noch Trost verlange Blickt auf mich, ihr Sterne! Mitleid hin. Seht die Thraͤnen rollen Die euch sagen sollen, Daß mein Schicksal hart mit mir verfuhr. Ach, ich bin noch Freuden-loser, Als die oͤde Flur! O, ihr Buͤrger jener Welten Die ihr uͤber meinem Haupte wohnt! Hoͤrt, wie ich den Tod muß schelten Daß er unbarmherzig mich verschont. Aber nein, vernehmet! Wie mein Herz sich schaͤmet, Daß es ungeduldig sich empoͤrt, Und den Willen eures Schoͤpfers Murrend hat entehrt! Erstes Buch. Nie will ich dem Leben fluchen Selbst mein Kummer soll mir heilig seyn. Oft will ich den Staub besuchen, Und ihm eine stille Thraͤne weyhn. Der entflogne Schatten Meines theuren Gatten, Laͤchelt dann mit euch auf mich herab, Und behorcht die frommen Seufzer Hingestoͤhnt aufs Grab! Oden. An die goldene Feder von Palemon geschenkt. Du, mir aus Haͤnden der Freundschaft In diese schreibende Hand Zu langer Dauer gegeben, Schreib kein unheiliges Lied! Dich schuf aus glaͤnzendem Erze Der Schmuck arbeitende Schmid! Zevs gab nicht unter dem Himmel Aus einem Vogel dich mir! Der Strauß, die balzenden Hahnen Am hohen Brocken im Lenz, Der Pfau mit praͤchtigem Rade, Die alle trugen dich nicht. Erstes Buch. In reichgeseegneter Ader Trug dich, vor deiner Geburt, Ein Berg, den Hakken durchwuͤhlen Gedingt von menschlichem Geiz! Dich bracht auf stuͤrmischer Welle Vielleicht ein schwimmendes Haus Von der barbarischen Kuͤste, Wo Cannibalen ein Lied, Dem Tod im Feuer zu trotzen, An einem hoͤlzernen Spieß Noch singen: daß sie gebraten Des Feindes Bruͤder auch einst! O du mir koͤstliche Feder! Dich las ein Maͤdchen vielleicht Aus einem Bache voll Goldsand, Und sagte seufzend dabey: ”Wo bleibt der liebende Juͤngling? ”O, mir veraͤchtlicher Staub! ”Sein Herz im laͤchelnden Aug ”Glaͤnzt mehr, ist theurer als du! Oden. So sprach das Maͤdchen vielleicht Zu dir noch rohem Metall! Izt aber bist du gebildet Fuͤr mich zu hohem Gebrauch! O nur den Goͤttern und Helden Zu schreiben diene du mir, Und goͤttlich denkenden Freunden An Tagen ihrer Geburt! Oden . Zweytes Buch. E Gesang am Geburthstage der Koͤnigin zu Magdeburg den 8ten des Wintermonats 1761. Von uns herab gewuͤnschet, kommt mit Glanze Bekleidet, festlich dieser Tag daher: Im spaͤten Herbst mit frischem Blumen-Cranze Noch ausgeschmuͤckt ist er. E 2 Oden. Ihm jubelt alles Volk im frohen Geiste Vereiniget aus einem Munde zu: Sie lebt, wir waͤren ohne Sie Verwayste. Wir sehn noch ohne Ruh Den Koͤnig in dem Kriegesfelde liegen, Ihn bald zuruͤcke rufen Sie und wir; Er aber bleibt nach Schlachten und nach Siegen Noch immer fern von Ihr. Noch ferne von dem Bruder, von der Schwester, Und weit von Preussens drittem Friederich. So hebt aus dem Erhabensten der Nester Ein Adler zornig sich, Und kaͤmpfet maͤchtig in der Luft mit dreyen, Die neidisch wieder ihn verschworen sind, Und kommt nicht wieder, wenn die Jungen schreyen, Bis er den Streit gewinnt. Zweytes Buch. Dem Held glich Hercul nicht, nicht Alexander. Bald mit den Koͤpfen unter sich gekehrt, Stuͤrzt Er verbundne Adler aus einander, Zerhauen durch sein Schwerdt. Sties nicht sein Arm einst mitten in dem Lande An des zwokoͤpfigt starken Adlers Klau? Er hieb sie ab. Der Adler flog mit Schande Und blutig zu der Frau, Die, mit drey Cronen praͤchtig ausgezieret, Herscht, ihres grossen Geistes voll, Und von des Krieges Jammer noch geruͤhret Im Herzen werden soll. Dir aber donnern in die Seele Schlachten; Zum Weinen ward dein Auge noch bewegt, Wenn grosse Siege deinem Helden brachten Den Lorbeer, den Er traͤgt. E 3 Oden. Ihn bringet, unter viel erstritnen Craͤnzen, Der goldne Siegeswagen bald zuruͤck; Und mehr als Sonnenblicke wird dir glaͤnzen Sein lang entbehrter Blick. Zweytes Buch. An die Koͤnigin. Ueber eine Lustfahrt auf der Elbe mit den Prinzeßinnen von Braunschweig. zu Magdeburg im August 1762. Wenn es den Erdengoͤttern einst gefaͤllt Von ihrem Thronensiz herabzusteigen, Und ohne Purpur sich des Volkes Blik zu zeigen, Dann werden sie die Lust der Welt! So spielt in goldnen Zeiten Friederich Zu Sansoucis von allem Volk gehoͤret, Sein goͤttlich Floͤtenspiel, das ihn Apoll gelehret: Und alle Welt ergoͤtzet sich! So sassest du erhabne Koͤnigin Auf ausgehoͤltem Holtze ganze Stunden, Und fuhrest ohne Stolz, den nie dein Herz empfunden Vor deines Volkes Blick dahin! E 4 Oden. Die leichten Wimpel wehten uͤber dir, Wie Fahnen die ein Triumphirer bringet Vom Felde, wo sein Arm den Feind bezwang; so zwinget Der starke Loͤw, ein Panterthier! Der Dichtkunst Schwester, die Music, erscholl In sanftgedaͤmpftem feinem suͤssem Thone; Und du vergassest ganz den Glanz der Koͤnigs Crone Und warest sanfter Freuden voll! Der Sonnen Antlitz, unverschleyert schoͤn, Sah auf dein kleines Schiff mit unverwandten Und strahlenreichen Blicken, streute Diamanten Und ließ die Fahrt durch Silber gehn. Die Elbe fuͤhlte Vorzug, nennte klein Des deutschen Reiches stolzere Gewaͤsser; Beschift, Holdseeligste, von Dir, duͤnkt sie sich besser Und edler, als der breite Rhein. Zweytes Buch. Unsichtbar hieng ein ganzes Nimphen Chor Rund um das Schiff, und wollte sich erfrischen An Luft, die dich gekuͤhlt: und selbst den kalten Fischen Hub Ehrfurcht ihren Kopf empor! An deiner linken Seite sassen zwo Gleich holde Wesen; Aehnlichkeit der Zuͤge Verrieth sie mir; Ihr Herz war uͤber neue Siege Des Helden, deines Bruders froh. Er schleudert Schrecken, Niedersturz und Flucht, In Franckreichs Heere; laͤsset Blitze schiessen, Bis Ludewig, dem er die Lilien zerrissen, Demuͤthig wird, und Frieden sucht. Er kommt der Friede von des Himmels Hoͤh. Dich, Fuͤrstin, wird an stillen Sommertagen Vor Friedrichs Angesicht ein goldnes Fahrzeug tragen Auf wieder stolz gewordner Spree. Oden. Auf den Tod des Prinzen Heinrich von Braunschweig zu Berlin den 12ten des Herbstmonats 1761. ” W o ist Er, daß ich Ihn mit Thraͤnen salbe, ”Mein Sohn? ‒ ‒ Wo ist Er? bringt Ihn mir! So klagt die Fuͤrstin! also aͤchzt das halbe Zerrißne Herz in Ihr! Ach! in der Schlacht, voll von des Helden Ruhme Dacht Er Gefahr und Jugend nicht; Er sank! ‒ ‒ So sinkt am Abend eine Blume, Die sonst ihr Angesicht Vom Stengel nach der Sonnen Antlitz wandte, Und nun gebogen niederhaͤngt; Er, dessen Brust zu grossen Thaten brandte, Dem Bruder nachgedraͤngt, Zweytes Buch. Stritt wie ein Held, der unterm Waffenrocke Schon dreyßigmahl das Feld bezog; Staub trug er auf der jugendlichen Locke, Die um den Nacken flog. Die Feinde flohn. Er, jung und schon ein Sieger, Empfand den Sieg und eilte froh Sie auszuspaͤhn. Den wundgewordnen Tieger Verfolgt ein Loͤwe so! Mit einer Kugel auf der Flucht verschossen, Traf hinterlistig ihn der Tod. Du, Stelle! wo sein Heldenblut geflossen, Bleib ewig purpurroth! Klagt ihn, ihr Huͤgel! und ihr gruͤnen Auen, Ihr Waͤlder, klaget ihn bey Ham! Er fiel; So faͤllt, vom Kuͤnstler umgehauen, Der jungen Ceder Stamm; Oden. Nach ihrem Umfall ein geschnizter Goͤtze, Wird Weyrauch vor ihr aufgestreut. So stirbt ein Held, daß Ihn der Nachruhm setze Hin zur Unsterblichkeit Mit diesem grossen Muth, der im Gefechte Ganz seinem Geiste beygewohnt, Sah Er den Tod, der keinerley Geschlechte Und keine Tugend schont! Den Helden-Lorbeer um sein Haupt gewunden, Starb er den Tod fuͤrs Vaterland! Welch Dichter Moschus Leyer hat gefunden, Der nehme sie zur Hand, Und singe dieses Helden Tod, und klage Laut in der Landes Toͤchter Thon: ”Hier fiel im Fruͤling Gott gelebter Tage, ”Ein kriegrischer Adon! Zweytes Buch. Ueber den Entsatz von Braunschweig. Zu Halberstadt den 18ten des Weinmonats 1761 . G ebt mir frische Lorbeern um die Leyer, Denn ich gluͤhe von der Helden Feuer, Braunschweigs juͤngster Sieger sey mein Lied! Friedrich, seines Bruders tapfrer Raͤcher, Kam geflogen, schlug die Mauerbrecher; Zorn des Loͤwen hat in ihm gegluͤht! Also gluͤhte Cyrus, da er fragte, Was die fremde Raͤuber-Rotte wagte, Die der Meder Heerden rauben kam. Wuͤtend grif er mit der zarten Rechte Seinen Saͤbel, hieb dem Kriegesknechte Klauen ab, womit er Rinder nahm. Oden. Friedrich, der zum erstenmahl geruͤstet Geht in Waffen, sah im Geist verwuͤstet Seines vaͤterlichen Hauses Stadt. Gleich den Drachen, welche Feuer speien, Lagen Feindes Donner, sie bedraͤuen Rings um veste Warten, die sie hat. Das Geschrey der Kinder und der Muͤtter Drang zum Gotte, der das Ungewitter In der hohen Luft sich theilen heißt. Maͤchtig sah er aus dem Wolkenbogen; Und mit staͤrkerm Muthe angezogen Ward des jungen Helden kuͤhner Geist! Wie ein Adler, die versuchten Schwingen, Mit dem groͤssern Feinde stark zu ringen, Schnell und kluͤglich zu gebrauchen sucht: Also muthig foderte die Kraͤfte Friedrich, zu dem tapfersten Geschaͤfte. Ploͤzlich bracht er in die Feinde Flucht. Zweytes Buch. Bey dem Grabe Heinrichs laut erschollen Sind die Jubel von den freudenvollen Buͤrgern, auf dem frey gewordnen Wall. Tausend Stimmen riefen: Friedrich lebe! Und ein zweytes; Friedrich, Friedrich lebe! Sprach des Harzgebuͤrges Wiederhall! Auf dem Brocken hoͤrten es die Rehe; Hirsche warfen ploͤzlich in die Hoͤhe Ihrer Haͤupter zackigtes Geweyh; Aus den Betten waͤlzten sich die Thiere, Und im Thale liessen zweene Stiere Ihren Kampf, und horchten dem Geschrey. Also wird der ganze Wald erfuͤllet, Wenn der Loͤwe Siegeslieder bruͤllet, Der den Tyger tapfer uͤberwand. Dieses Thier, voll Blutdurst in der Seele, Trat verwegen vor des Loͤwen Hoͤle; Der zerriß ihn, den er schlafen fand. Oden. Der Feldzug in Sachsen eroͤfnet vom Prinzen Heinrich des Koͤnigs Bruder. Zu Magdeburg den 18ten May 1762. S chnell, wie ein Sturmwind sich erhebt, Wie aus den Wolken gehn des Donnerschlages Bothen, So flog er hin, und schlug. Das Erzgebuͤrge bebt, Der Feind stuͤrzt uͤber seine Todten, Flieht, wendet nicht die Stirn zuruͤck, Hat auf der Flucht nicht mehr im Herzen Lust zu siegen: Scham hat er auf der Stirn, und Furchtsamkeit im Blick, Als waͤr ein Gott herabgestiegen, Zweytes Buch. Und haͤtt’ aus seiner Hand den Strahl Des Zornes unter die gewaltig hingeschossen Die oft sich zaͤhleten, und, stolz auf ihre Zahl, Des kleinen Haufen Tod beschlossen. Spott murmelt nach der Moldau Strom Dem fortgeschlagnen Feind; Uns komts die Elbe sagen. Wir singen Heinrichs That. So sang das Volk zu Rom Des stolzen Feindes Niederlagen, Wenn es zuvor die Goͤtter bat, Das Opfer zu verschmaͤhn von ungerechten Haͤnden Und Jubellieder sang, wenn fluͤchtig Mithridat Vergaß den Nakken umzuwenden. F Oden. An den Prinzen von Preussen am Tage seines Religionsbekentnisses. (Zu Magdeburg den 28ten des Jenners 1762.) V om Glanze der Religion Umgebner Prinz! dir singen Engel Lieder; Du wirfst dich vor dem hoͤchsten Thron Des Koͤniges der Koͤnige danieder! Mit Freudigkeit bist du ein Christ Und tiefgebuͤcket huldigst du dem grossen Regierer, der allmaͤchtig ist, Die Koͤnige von ihrem Stuhl zu stossen! Der dessen Reich von dieser Welt Nicht war, kam aus dem Himmel auf die Erde; Zu Menschen hat er sich gesellt Damit der Mensch mit Gott versoͤhnet werde! Zweytes Buch. Er stieg nach seiner grossen That Zu seinen Engeln in den Himmel wieder; Er war ein Siegesheld; er trat Zehntausend Hoͤllen-Ungeheuer nieder! Er ließ uns ein Gedaͤchtnißmahl, Zum Zeugniß seiner Liebe, bis zum Ende Des Zeitenwechsels, und befahl Geheimnisse in seiner Diener Haͤnde. Prinz! Seiner schaͤmest du dich nicht. Kein Weiser gab der Erde besser Lehren: Gott lieben ist die erste Pflicht, Und bald nach Gott die Koͤnige verehren. Den Naͤchsten lieben so wie sich Und alle Tugenden der Engel uͤben; Nicht seyn, was gegen Friederich Die Feinde sind, die nicht den Frieden lieben; F 2 Oden. Dis lehret die Religion Die Jesum Christum ihren Stifter nennet. Heyl sey dem Herrscher auf dem Thron Der sich mit Herz und Mund dazu bekennet. Du gehst o Prinz! dem Volke vor; Ermuntert hebt es seine matten Blicke Aus Krieges Angst, zu dir empor Und wuͤnscht dir Heyl, sich selber wuͤnscht es Gluͤcke. Du wirst mit rechtem Christenmuth Aus Friedrichs Hand empfangen Kriegeswaffen; Nicht zu vergiessen Menschenblut: Nein, deinem Vaterlande Recht zu schaffen. Schon ruͤstest du dich zu dem Gang Ins Kriegesfeld, du Schmuck von Fuͤrstensoͤhnen! Des Volkes Wunsch und mein Gesang Soll, wenn du gehst, dir ins Gehoͤr erthoͤnen. Zweytes Buch. Die Fahrt der Koͤniglichen Braut nach Engelland. (Im August 1761.) D ie Sonn’ am blauen himmlischen Gewoͤlbe Stand majestaͤtisch, sah herab Als Englands Koͤnigin auf der beschiften Elbe Aus sanftem Auge Gruͤsse gab. Mit ihres Fahrzeugs Purpurdecke spielten Die Luͤfte; ihrer freuten sich Durchdrungne Seelen, die den Reiz des Blikkes fuͤhlten, Der einer Goͤttin Blikke glich. Cleopatra, die auf dem Schiff von Golde Den Marc-Anton erobern fuhr, Saß nicht so praͤchtig als die jugendliche holde, Ganz Menschenliebe, ganz Natur! F 3 Oden. Das Meer empfing sie, Ehrfurcht in den Blikken Wieß rund um sie ein Nimphen Heer! Agaͤnors Tochter fuhr auf Jovis Rinder Ruͤcken Nicht so bewundert durch das Meer. Vor ihrer Flotte scherzten die Delphine, Und voll Erstaunen rief Neptun: Sie hat der Juno Aug’ und der Minerva Miene Bey welchem Gotte wird sie ruhn? Auf Muscheln bliesen festlich die Tritonen, Die Wellen wurden selbst ein Lied; Gluͤckwuͤnschend an das Volk, bey welchem sie zu wohnen Kuͤhn uͤber wilde Wellen zieht! Und Zevs verschloß den Sturmwind und den Regen; Still, wie ihr Herz, war Luft und See. Nur Wuͤnsche flatterten von London ihr entgegen, Daß ihre Fahrt mit Fluͤgeln geh. Zweytes Buch. An die Frau von Reichmann 1761 . O du, der mich mein Herz empfohlen, Soll ich dir sagen wer ich bin? Ein Weib, die niemahls sich erstohlen Durch Schmeicheley, Gunst und Gewinn. Wuͤst ich mir goldner Muͤnzen Haufen, Ein Fuͤrstenthum und seine Pracht Durch eine Luͤge zu erkaufen; Und gaͤbe keiner auf mich acht Als nur mein Herz mit Richterblicken: So truͤg ich fuͤr dem Herzen scheu: Ich liesse mich den Mangel druͤcken, Und bliebe ganz der Wahrheit treu. F 4 Oden. Die Wahrheit spricht im Sonnenlichte; Es ist ein Gott der alles sieht; Der vor sein allgemein Gerichte Auch unbekannte Luͤgner zieht. Und wenn der Gott in seinem Grimme Auch nicht der Falschheit Raͤcher waͤr; So fiele mir doch schon die Stimme Der Tugend, in der Seele schwer. Der Wahrheit Stimme will ich brauchen, Und solt ich meinen Bissen Brodt, Mit Salz bestreut in Eßig tauchen, So bliebe sie mein groͤßt Geboth. Sie hieß mir Friedrichs Siege singen; Und wollten seine Feinde mich Zu andern Thoͤnen grausam zwingen, Doch saͤng ich sterbend Friederich. Zweytes Buch. An den Reichs-Grafen zu Stolberg-Wernigerode. O Graf nur klein ist unsers Lebens Werth So bald in einem unsrer Glieder Der Schmerz, wie ein Tyrann verfaͤhrt, Faͤllt in des Menschen Bau der ganze Staat danieder; Die Kranckheit saß in meiner Stirne tief Und ganz betaͤubt von ihrem Grimme, Als ob ich Todesschlummer schlief, Hoͤrt ich noch kaum das Herz in eines Freundes Stimme. O welch ein Tand! wie wenig schmeichlerisch Ist diese Welt des Kranken Blicke! Des Kranken, der des Fuͤrsten Tisch Nicht wuͤnscht, nicht einen Sitz als Guͤnstling bey dem Gluͤcke! Oden. Wenn vor dem Herscher einer halben Welt Leib-Aerzte stummen Zweifel sagen; Dann reitzet, neben ihn gestellt, Ihn nicht der Glanz vor dem die Voͤlker kniend lagen. Nicht Geld, nicht Ruhm, verwachter Naͤchte Preiß! Erkaufen uns noch Lust zu leben: Der Juͤngling zittert wie der Greiß Und kein Erfinder kann sich Kraft zur Freude geben. Des Kranken Ohr hoͤrt nicht auf Saͤyten-Klang; Er mag im Lenz auf Rosen liegen: Doch singt der Nachtigal Gesang Ihm keinen Schlaf ins Aug’, ins Herze kein Vergnuͤgen. Von seinem oͤden Lager heißt er sich, Der Luͤste lockend Heer entfernen; Und Troz, der keinem Menschen wich, Muß sich vor kleinem Schmerz gehorsam beugen lernen. Zweytes Buch. Ich nicht unbiegsam, nie zum Stolz gewoͤhnt, Empfinde mehr der Krankheit Lasten, Als jene Noth da ungestoͤhnt, Mein Koͤrper Tage lang muͤhselig muste fasten. Graf, als ich fern von eines Reichen Saal Holz trug zu kleingebautem Heerde; Da war mein selbst bereitet Mahl Mir koͤstlicher, als jetzt wenn ich geladen werde. Bey schwarzem Brod und Wasser aus dem Quell Saß frisches Roth auf meiner Wange; Der Morgen fand mein Auge hell, Und munter meinen Geist zu froͤlichem Gesange. Nicht groͤßres Gluͤck, nicht fern gehohlter Wein Macht seeliger die Erden-Gaͤste Bleibt maͤßige Gesundheit mein: So feyret mein Gesang der Freundschaft Freudenfeste. Oden. An ihren verstorbenen Oheim den Unterweiser ihrer Kindheit 1761 . Kommt heraufgestiegen aus dem Sande Ihr Gebeine, die ihr in dem Lande Meiner Jugend, eure Ruhe habt! Theurer Greiß, belebe deine Glieder Und ihr Lippen redet einmahl wieder, Die ihr mir der Lehren Honig gabt! Oder du, auf des Olympus Hoͤhe Weisser Schatten, siehe! wo ich gehe; Hinter Rindern auf der Weide nicht. Blick’ auf diese feinern Menschen Sie meint die Gesellschaft in der sie war, als sie dis Gedicht schrieb. nieder, Alle reden deiner Nichte Lieder; Hoͤr auf ihr Gespraͤch, dein Lobgedicht! Zweytes Buch. Ewig gruͤnen muß die breite Linde Wo ich, gleich des besten Vaters Kinde Zaͤrtlich dir an deinem Halse hieng, Wenn dich, muͤde von des Tages Laͤnge, Wie den Schnitter von der Arbeit Menge, Wenn dich matt die Rasenbank empfing. Unter jenem Dache gruͤner Blaͤtter Wiederholt’ ich von dem Gott der Goͤtter Zwanzig unverstandne Stellen dir! Aus der Christen hochgehaltnem Buche Sagt’ ich dir von manchem dunkeln Spruche Frommer Mann! und du erklaͤrtest mir. Gleich den Maͤnnern, die in schwarzen Roͤcken Auf der hohen Canzel uns entdecken Welcher Weg zum Leben richtig ist, Wenn du von dem Fall und Gnadenbunde Sagtest, o dann wurden deinem Munde Alle Worte zaͤrtlich aufgekuͤßt! Oden. Du Bewohner einer Himmels-Sphaͤre! Siehe, meiner Freuden stille Zaͤhre Fliesset uͤber meine Wangen oft. Kanst du reden theurer Schatten? sage Ob dein Herz fuͤr meine Lebenstage Gluͤck und Ehre dazumahl gehofft, Wenn mein Auge, liegend auf dem Blatte, Taͤglich weisre Schriften vor sich hatte, Wenn ich auf der Wiese Bluͤmchen laß, Sie in meinen kleinen Haͤnden brachte, Sie zur Zierde deiner Haare machte Und auf Rosen laͤchelnd bey dir saß? Sey mir dreymahl mehr mit Licht bekleidet; Mit der Gottheit Blicken mehr geweidet Als die andern Seelen um dich her! Fuͤr die Tropfen alle die mir werden Aus dem Freuden-Becher hier auf Erden, Traͤnke dich der Seligkeiten Meer! Zweytes Buch. Lied an gefangene Lerchen dem Dohmdechant Freyherrn Spiegel zum Diesenberg zugeeignet. (Zu Halberstadt den 5ten des Weinmonats 1761.) Seyd mir beklagt, ihr, in das Garn verlockte! Euch hat aus hoher Luft gehoͤrt Der fromme Fuͤhlende; euch hoͤrte der Verstockte Der keinen Gott erkennt und ehrt. Ihr sangt dem Landmann kleine Fruͤlings Bothen! Ihr sangt der Baͤurin Hoffnung zu; Er grif den Pflug, und sie, versprach bald von der todten Eiskalten Erde Graß der Kuh! Wenn in der Stadt zu satt gewordne Schlaͤfer, Sechs Stunden nach der Sonnenblick, Noch schliefen; dann vernahm euch lange schon der Schaͤfer Und sang wie ihr von Freud und Gluͤck. Oden. Im hohen Grase weideten die Rinder Der Hirte blieb am Eichbaum stehn, Euch horchend, und das Thal sah eine Welt voll Kinder Nach eurem Liede tanzend gehn. Mirtill den jungen Schaͤfer nahm Galtere, Die schoͤnste, bey der Hand und sprach: Die Lerchen singen suͤß, Geliebter komm und hoͤre Ihr Lied, und singe lieblich nach! Er, dem des ersten Menschen zweyten Sohnes Des Abels fromme Muse ward, Nahm seine Leyer, sang! die Hoͤhe seines Thones Glich eurer Lobgesaͤnge Art. Dann rollten von Galterens schoͤnen Wange Sechs Thraͤnen, blinkend, wie der Thau Am Fruͤhlings Morgen fiel! indem ihr mit Gesange Gegruͤßt die Blumen auf der Au! Zweytes Buch. Euch hoͤrten lachend, Hand an Hand geschlossen Die Schnitter eilend in das Feld! Und, im Getuͤmmel, ganz mit Krieger Schweiß beflossen Vernahm euch Saͤnger noch der Held! Oft senktet ihr die grauen Fluͤgel nieder, Kamt in die Furchen; also trieb Mich Nahrungs-Kummer oft, daß ich, zu kleine Lieder Matt sang und an Unedle schrieb. Ihr sangt nicht mehr, so bald der fette Weitzen Geerndtet war; ihr Saͤnger schwiegt Und muͤßig liesset ihr euch zu dem Netze reizen Darin ihr nun gefangen liegt. Seyd mir ein Beyspiel! vor dem Muͤßiggange Soll sich in mir die Seele scheun, Kein Tag soll untergehn, daß ich nicht mit Gesange Mich meines Schoͤpfers will erfreun! G Oden. Mir giebt er von des Landes Mark zu essen; Mir wird das Leben honigsuͤß: Sollt aber ich zu satt, den treuen Gott vergessen, Der nie vergaß und nie verließ? Ihm will ich singen hohe Lobgesaͤnge! Selbst meine Thraͤnen sind sein Lied; O! mein Entzuͤcken weint oft heimlich eine Menge Wenn ihn mein Herz in Freunden sieht. Zweytes Buch. Die Felsen-Bruͤder, an den Reichs-Grafen zu Stolberg- Wernigerode 1761. Du Herr der Felsen, die einander gleichen, Wie Söhne die Ein Weib gebahr; Zweene gegen einander stehende sehr hohe Felsen, in der Grafschaft Wernigerode, nicht weit von Ilsenburg, von welchen man glaubt, die Sündfluth habe sie von einander gespaltet. Stolz wuchsen sie empor, den Himmel zu erreichen; Auf ihren Gipfel floh ein Paar Verliebte, als fuͤr ihre schwarze Suͤnde Die erste Welt in Wasser schwomm! Da forschte Gott, ob er sie schonens-werth befinde Und ihrer beyder Liebe fromm. G 2 Oden. Ein Blick in sie aus seines Dunkels Huͤlle Fand ihre Seelen ganz verderbt; Und, daß ihr Leben nicht die Erde neu erfuͤlle Mit Bosheit, sprach der Raͤcher: sterbt! Die Fluth vernahm es, die Orcane hoͤrten Und stuͤrzten auf die Felsen los, Wie Kriegesheere die Jerusalem zerstoͤrten: Da bebten von der Wellen Stoß Der muͤtterlichen Erde Zwillings Soͤhne Dreymahl; und die Gewalt zertrieb Sie also reissend daß auf einem Fels die Schoͤne, Der Juͤngling auf dem andern blieb. Die Wolken-Welt, die uͤber ihren Koͤpfen Mit ganzen Meeren Wasser hing Ward finstrer, schien sich selber zu erschoͤpfen Indem das Maͤdchen untergieng. Zweytes Buch. Die dicke Luft erscholl von dem Geheule Des Juͤnglings der zum Wasser sprach: Komm schnell herauf gestiegen Wasser! eile! Es kam, er schwomm dem Maͤdchen nach. Sie kaͤmpfte noch mit ihren Untersinken, Als ihr Geliebter sie umfing Und geizig war, den Geist in sich zu trinken, Der an den kalten Lippen hing. Die Muse sagt, sie laͤgen an dem Fusse Des einen Felsen, waͤren Stein Unkennbar durch die Zeit, wie ein vom Regengusse Verwaschnes Bildniß pflegt zu seyn. Die Felsen aber mit erhabnem Haupte Verkuͤndigen des Hoͤchsten Hand, Der uͤber eine Welt, die keine Gottheit glaubte, Den Tod in Wolken abgesandt. G 3 Oden. Sie sehen sich, troz allen Ungewittern Unumgestuͤrzt einander an: So steht, wenn Schlag auf Schlag die Erde wird erschuͤttern Der Christ, und der rechtschafne Mann! Zweytes Buch. An die Freyfrau von Troschke und Rosenwehrt. Von deinem besten Freund begleitet, Durchwandelst du das Feld voll Saat, Und findest Seegen da verbreitet, Wohin das Pferd des Kriegers trat! Dir giebt die Heerde Milch und Wolle; Der Obstbaum zinset dir genug Schmackhafte Fruͤchte, die der volle Herabgezogne Wipfel trug! Um dich versammlen sich die Tauben! Der Sperling scheuet deinen Blick, Vergißt dein Weitzenkorn zu rauben Und flattert wie beschaͤmt, zuruͤck! G 4 Oden. Dein Jaͤger bringt viel aufgehangne Zu blind gewesne Voͤgel dir. Sie wurden ihrer Lust Gefangne; Wie, nur zu oft der Suͤnde, wir! Die Voͤgel, in geschloßnen Heeren Verlassen ihr bewohntes Land Von der Natur gefuͤhrt, und kehren Zuruͤck, an ihrer vollen Hand! Der Herbst und die gelinden Weste Entfliehn von uns, und auf der Flur Stehn hier und dort noch Ueberreste Vom gruͤnen Kleide der Natur! In Schneegewoͤlke tief verhuͤllet Kommt der betruͤbte Wintertag; Der Nordwind wirbelt sich und bruͤllet, Durch Mauren, wie ein Donnerschlag! Zweytes Buch. Dich aber waͤrmt die trockne Fichte Herauf geflammet im Camin; Du hoͤrest haͤusliche Berichte, Und giebst Geschaͤfte zu vollziehn! Der Nachbarinnen Wagen rollen! Ein ganzer Creyß kommt zum Besuch! Izt fraͤgst du, ob sie hoͤren wollen Und waͤhlst aus meinem Liederbuch Gesaͤnge, dem gedacht zur Ehre, Der aus dem Staube mich erhob; Und alles wird um dich Gehoͤre, Und Thraͤnen reden Gottes Lob! G 5 Oden. Zuruf an Glogau. (Den 24ten Jenner 1760.) Der Koͤnig lebt! und dein Gesang O Glogau! soll er seyn: Dich schloß er, nah am Untergang Im Arm des Schutzes ein. Schon zeichnete um dich der Krieg Mit Flammen seine Spur, Und wenn der Rauch gen Himmel stieg, Erstaunte die Natur. Mitleidig sah dein Blick umher. Der Fluͤchtling schreckte dich; Und brausend wie das wilde Meer, So wieß der Russe sich. Zweytes Buch. Dein Schutz-Geist kam, und Friedrich trat Den Feinden vor den Schritt; Zuruͤcke taumelte ihr Rath, Und ihre Wuth gieng mit. Ein Schrecken redte durch das Heer; Ihr Auge sah empor, Und von dem Himmel rollte schwer Der Donner in ihr Ohr! Du aber froh und unberuͤhrt Von eines Feindes Hand, Sahst die Gefahr zuruͤckgefuͤhrt, Und sicher ward das Land. Sey ruhig, sey voll Zuversicht! Dein Koͤnig lebt, und schließt Den rauhen Feldzug eher nicht, Bis er noch Sieger ist! Oden. Der Nordwind und der Mangel bringt Den Feind nicht aus dem Feld; Doch wenn ihn nicht der Winter zwingt: So zwingt ihn unser Held. Er lebt! und in ihm lebt der Geist Der groß ist in der Schlacht, Und, wenn das Gluͤck sich ihm entreißt, Den Feind noch zittern macht! Er lebt! Sein Leben und sein Sieg Sey heute dein Gesang! Ihm singe wer sein Lob verschwieg Durch schwerer Zeiten Zwang. Ihm singe wer ein redlich Herz Im Busen klopfen hoͤrt, Und wer mit fromm empfundnem Schmerz Die Sorgen Friedrichs ehrt. Zweytes Buch. Er schuͤtzt sein Volk, und opfert ganz Uns seine Ruhe auf. Groß ist Er; ewig sey sein Glanz Und lang sein Lebenslauf! Oden. An den Dohmherrn von Rochow, als er gesagt hatte, die Liebe muͤsse sie gelehret haben, so schoͤne Verse zu machen. Kenner von dem saphischen Gesange! Unter deinem weissen Ueberhange Klopft ein Herze, voller Gluth in dir! Von der Liebe ward es unterrichtet Dieses Herze, aber ganz erdichtet Nennst du sie die Lehrerin von mir! Zweytes Buch. Meine Jugend ward gedruͤckt von Sorgen, Seufzend sang an manchem Sommermorgen Meine Einfalt ihr gestammelt Lied; Nicht dem Juͤngling thoͤneten Gesaͤnge, Nein, dem Gott, der auf der Menschen Menge, Wie auf Ameishaufen niedersieht! Ohne Regung, die ich oft beschreibe, Ohne Zaͤrtlichkeit ward ich zum Weibe, Ward zur Mutter! wie im wilden Krieg, Unverliebt ein Maͤdchen werden muͤßte, Die ein Krieger halb gezwungen kuͤßte, Der die Mauer einer Stadt erstieg. Sing ich Lieder fuͤr der Liebe Kenner: Dann denk ich den zaͤrtlichsten der Maͤnner, Den ich immer wuͤnschte, nie erhielt; Keine Gattin kuͤßte je getreuer, Als ich in der Sapho sanftem Feuer Lippen kuͤßte, die ich nie gefuͤhlt! Oden. Was wir heftig lange wuͤnschen muͤssen, Und was wir nicht zu erhalten wissen, Druͤckt sich tiefer unserm Herzen ein; Rebensaft verschwendet der Gesunde, Und erquickend schmeckt des Kranken Munde Auch im Traum der ungetrunkne Wein. Oden . Drittes Buch . H An ihren Geist, wegen der Unmoͤglichkeit den Koͤnig zu singen. O du mein Geist! stolz und verwegen singen, Den Unnachahmlichen, soll ich? Kann auch ein Strauß mit schwergeschaffnem Fluͤgel schwingen, Zur hohen Sonne sich? H 2 Oden. Kennst du des Pfeiles Bahne durch die Luͤfte, Des Windes Flug, des Blitzes Gang, Und jenen Wellen Pfad, wo Englands Flotte schiffte? Dann wage den Gesang, Und singe Thaten dieses Erden Gottes, Der von Gebuͤrgen juͤngst herab Geschleudert seinen Feind, und ihn dem Blick des Spottes Europens uͤbergab, Und ihn mit seiner Rechten druͤckte nieder, Mit seiner linken Herculs-Hand Die Festung zu sich zog, und seine Buͤrger wieder Geweckt ins Leben, fand. Und wegen seines langen Unermuͤdens, Gepriesen wird von Pol zu Pol, Wenn ihn die Goͤttinnen des Sieges und des Friedens, Geschmuͤckt ins Capitol Drittes Buch. Zum grossen Opfer seines Volkes fuͤhren, Dann singet auf Trophaͤen-Thron Er selber seinen Krieg, der Nachwelt Herz zu ruͤhren, Im Iliaden Thon. H 3 Oden. An Seiner Koͤniglichen Hoheit den Prinzen Heinrich. Sie flohen nicht, sie stuͤrzten und erreichten Deckbare Waͤlder, athemlos, O Sieger! deine wundgeschlagne Feinde keichten: Held Heinrich ist groß. Gleich einem wilden Thiere, festgeschlossen Sahst du, die Phalanx Oesterreichs, Ihr Stolz versah sich nicht, als deine Blitze schossen, Des toͤdtlichen Streichs. Mit deinem lange Zeit geschaͤrften Degen, Zertrenntest du das Schuppenschild Des Thieres, das mit Grim, getreten dir entgegen; So fuͤrchterlich wild; Drittes Buch. Daß von dem Rasseln seiner starken Glieder Das Feld erthoͤnte, wie zur Zeit, Als Claudius Marcell, den Gallier warf nieder, Im schroͤcklichen Streit. Und seine Waffen, glaͤnzend gleich dem Blitze, Geweyht dem Tempel Jupiters, Und frisch, mit Blut bespritzt, zuruͤckflog an die Spitze Des muthigen Heers. H 4 Oden. An Ihro Koͤnigliche Hoheit die Prinzeßin Amalia, bey dem Empfang des Prinzen Heinrichs. Den 5ten Jenner 1763 . Er kommt, wie nennet hoch in deinem Busen huͤpfend Dein zaͤrtlich Herze, den, den alles Sieger heißt: Mein Bruder lispelst du, die ganze Seele knuͤpfend An seinen grossen Heldengeist. Prinzeßin, siehest du, daß er den Cranz zerrissen Den purpurroth bespruͤtzt, die Siegesgoͤttin wand: Er warf den Helm vom Haupt und eilte dich zu kuͤssen, Und deinen Bruder Ferdinand. Dir laͤchelte der Tag im Auge, da die Bruͤder Dich fuͤhrten, wie der Mond von Sternen wird gefuͤhrt, Du hast mit deinem Fuß so leicht wie ein Gefieder Den Marmorboden kaum beruͤhrt. Drittes Buch. Dein flatterndes Gewand wie unumwoͤlkter Himmel Flog um die Schulter her, und hoͤrbar rauschten dir Die Freuden, in der Brust, da aus dem Siegsgetuͤmmel Der Triumphirer flog zu ihr. Dein Zuruf ist ihm mehr, als wenn durch Ehrenbogen Ein Staͤdtezwinger kam, und an dem Tieberstrand, Am Wagen des Triumphs in Fesseln nachgezogen, Die Fuͤrsten die er uͤberwand. Dein Bruder ließ im Staub nicht die Gefangnen kriechen Trat auf den Nacken nicht den uͤberwundnen Feind Die Sachsen segnen laut, wie den Aemil die Griechen Den Helden und den Menschenfreund, Der traurig nachgefolgt der Raserey Bellonens, Und wenn er gleich dem Mars im Felde Wunder that, Doch mit dem sanften Tritt des goͤttlichen Verschonens Auf gruͤne Feindes Fluren trat. Oden. Lied der Musen, an die junge Prinzeßin Tochter des Prin- zen Ferdinands vom Hause. Prinzeßin! die wir uns herab Von dem Olymp zur Erde bathen, Du Kind, das uns die Liebe gab, Laß dir erzaͤhlen Heinrichs Thaten. Dein Onkel ist Er, und ein Held Der Legionen fortgetrieben, Und mitten auf dem Siegesfeld, An deinen Vater froh geschrieben; Wie schuͤchtern uͤber Berg und Thal Des Feindes Haufen schleunig flogen; So ungezaͤhlt in ihrer Zahl, Als kaum des wilden Meeres Wogen. Drittes Buch. Ein kleiner Haufen Krieger stritt, Nur da wo Heinrich hin und wieder Auf Seinem Streiter Rosse ritt, Und wie ein Loͤwe warf darnieder, Was noch den Nacken umgewandt, Troz auf der Stirne noch getragen Und Gegenwehr in Feindes Hand, Das ward von Heinrichs Blitz erschlagen. In Seiner Rechten trug er ihn, Den Donner, der sie todt geschlagen, Die Feinde, welche nach Berlin, Sich einst mit Frechheit durften wagen. Nun kommen sie nicht mehr, du Kind Der honigsuͤssen Liebesgoͤtter, Erzittre nicht, die Feinde sind Zerstreuet, wie die Birken-Blaͤtter. Oden. Fuͤhl in dem kleinen Busen ganz, Des Helden siegrisches Ergoͤtzen, Einst wird Er seinen Lorbeercranz, Auf deine goldne Locken setzen. Wenn du entgegen huͤpfen wirst, Den Triumphirern, wenn Sie kommen, Und bald der Koͤnig, bald der Fuͤrst, Dich Gratie im Arm genommen, Und jeder deine Lippen druͤckt, Sanft an die seinen, und empfindet, Wie schoͤn dein blaues Auge blickt, Dein Arm sich um die Schulter windet; Dein Mund mit holden Stammeln fraͤgt, Wie es der Held im Felde machet, Daß ihm Sein Herz nicht furchtsam schlaͤgt, Wenn rund umher ein Wetter krachet. Drittes Buch. Dann laͤcheln dich die Krieger an, So lieblich daß du sie must fragen, Ob mit so suͤsser Miene kann, Der Held, die Menschen niederschlagen? Dann saget Vater Ferdinand, Der Friedrichen zur Seite sitzet, Wie das bedraͤngte Vaterland, Ihr Degen vor Gewalt beschuͤtzet. Er sagts, und Freude lachet dir; Du stammelst: lieblich-goldner Friede; Willst mehr noch sprechen, aber wir Betaͤuben dich, mit unserm Liede. Oden. An Mademoiselle Stahl. Soll ich dein schwarzes Auge loben, Du juͤngste Tochter meines Stahls, Soll von der Muse nur dein Antlitz seyn erhoben? Wie Schoͤnheit eines bunten Thals. Ist an den Apfel auch die Schaale Bewegungsgrund zur Luͤsternheit? Verdient ein reizend Bild, im goldnen Fuͤrsten-Saale Anbethung oder Zaͤrtlichkeit? Der aͤußre Fuͤrniß des Gesichtes Wird von den Jahren abgehaucht, So ganz auch die Natur in Farben reines Lichtes, Den feinen Pinsel eingetaucht. Drittes Buch. Nichts sind auf Stirne Mund und Wangen, Die Lilien, und Rosen nichts Sind Augen voller Tag, wenn sie gleich Sonnen prangen Am Himmel eines Angesichts. Wenn Sittsamkeit nicht aus der Seele Sich in die sanften Blicke gießt, Und nicht der schoͤne Mund, wie ein Gefaͤß mit Oele, Aus Herzens-Quellen uͤberfließt. Dann haß ich alles; selbst dem Witze Des Lasterhaften fluch ich laut, Und waͤre gleich sein Kopf, auf eine Marmor-Stuͤtze Des weissen Halses, schoͤn gebaut. Doch muͤst ich, ihn verachtend, lieben, Dich himmlisch fuͤhlend, sanftes Kind Auf dessen Antlitz ward, von der Natur geschrieben Wie fein des Herzens Reize sind. Oden. Der Frau Geheimen Raͤthin Buchholz. 1761 . Geliebte, die mit ihrem Gluͤck auf Erden Zufrieden bleibt, wenn gluͤcklicher zu werden Der Thor erfindungsreich an Wuͤnschen ist. Ich fuͤhl in mir nicht eitle Triebe brennen, Ich bin vergnuͤgt dein schoͤnes Herz zu kennen, Und gluͤcklich, daß du meine Freundin bist! Es fahre die, der es das Gluͤck gewaͤhret Im Wagen, sey an Kopf und Brust beschweret Mit Steinen, die ein Bergdurchwuͤhler fand. Ich wuͤnsche mir kein Haus mit Marmor Waͤnden Und keinen Prunksaal; keine zum Verschwenden Gedeckte Tafel, von des Schicksahls Hand! Drittes Buch. Ein Gluͤcklicher mag von dem Traubenstocke Die Kelter fuͤllen, und den Kaufmann locke Oft der Gewinn, auf ein zerbrechlich Holz. Er schiffe schwer von Hoffnung hin nach Inden, Und komme mit den besten Seegel-Winden Zuruͤck, auf Lasten seines Reichthums stolz. Ich fodre nichts, als Brod fuͤr meine Tage, Ein ruhig Herz, und Kleider, die ich trage, Um, mehr bedeckt, als stolz geziert, zu seyn. Kein Menschen-Arm erhaͤlt das Gluͤcke baͤndig; Und wenn es will, sey es mir unbestaͤndig; Nur bleibt alsdann, ihr wahren Freunde, mein! Wird mir, wenn einst auch boͤse Tage kommen, Nur dieser Schatz, die Freundschaft nicht genommen; Behalt ich alt, der Musen Saitenspiel; So hab ich gnug Gluͤckseligkeit und Freuden, Und heisse mich die Praͤchtigen beneiden. Sie haben oft kein Herze zum Gefuͤhl! J Oden. Die Abendmahlzeit auf dem Lande, an Herrn Geheimen Rath Buchholz. (Den 16ten des Heumonats 1761.) Freund, nicht in fuͤrstlichen Saͤlen Bey dem glatsteinigten Tisch, Bedeckt mit koͤstlicher Leinwand, Wohnt das Vergnuͤgen allein! Auch im kleinraͤumichten Hause, Gebaut nach laͤndlicher Art, Auf schlechtem reinlichem Zwillich, Mit Einer Schuͤssel besetzt, Schmeckt dem nicht waͤhlenden Gaumen, Die ungekuͤnstelte Kost: Und vom Luftschoͤpfen getrocknet, Schmeckt ihm vierjaͤhriger Wein. Drittes Buch. Komm! deine liebende Freundin Winkt mit gefaͤlligem Blick, Dich zum bescheidenen Gastmahl! Dein warten Fische, die noch Froh der mittaͤglichen Sonne Im Strom entgegen gescherzt, Und dann vom loͤchrichten Hame, Des lauschenden Fischers beruͤckt Herauf gezogen, vergebens Dem Tod entgegen gestraͤubt! Sie starben unter dem Messer Der hurtigen Koͤchin dahin. Sie sind uns niedliche Bissen! Ihr Salz erwecket den Durst, Wir leeren alle die Glaͤser, Und sagen Wuͤnsche vorher, J 2 Oden. Mit patriotischer Inbrunst. So rief der Saͤnger Horaz, Nie das Verlangen der Roͤmer, Den weit entfernten August; Als wir den kriegenden Koͤnig. Ihn traͤgt das muthige Roß; Der Staub bedecket die Stirne, Die zweene Cronen verdient. Sie spricht Befehle der Feldschlacht. Er schlaͤgt mit raͤchendem Schwerd, Siegt dreymahl, ehe die Linde Die kranken Blaͤtter verliert! Um Frieden bitten die Feinde, Und aus halb goͤttlicher Hand Giebt er die grosse Versoͤhnung, Und baut, was Feinde zerstoͤhrt. Drittes Buch. An Herrn Geheimen Rath Buchholz an seinem Geburthstage. (Den 30ten des Heumonats 1761.) O Freund! dem Kinde des Fuͤrsten, In Gold und Purpur gehuͤllt, Ist nicht der Donner vernehmlich, Der von den Waͤllen herab Mit froͤlich bruͤllender Stimme Sagt, daß dem Volke sein Heyl Gebohren worden. Tief schlummert Der kleine sterbliche Gott; Sieht nicht an stolzen Pallaͤsten Die flammigten Freuden, die hoch In Myriaden von Lampen, Ihm brennen und seiner Geburt! J 3 Oden. Er liegt — ein kuͤnftiger Herrscher; Kennt nicht die glaͤnzende Last, Und das Gefolge der Sorgen, An Cron und Scepter geknuͤpft! Von ihm erwarten die Laͤnder Gluͤckseligkeiten und Schutz. Sein warten Arbeit und Unlust Und der unseelige Krieg! Er waͤchst dem Ruder entgegen Tritt an die Spitze des Staats. Von ihm entfliehen die Freuden Ihm fehlt die naͤchtliche Ruh! Auf seine wandelnde Tritte Sehn tausend, spaͤhen ihn aus. Ihn loben einzelne Weisen, Und eine thoͤrigte Welt Drittes Buch. Weiß Fehler, tadelt den Herrscher Der auf erhabenem Sitz Noch nicht ein Engel geworden! Ach! immer bleibt er ein Mensch! Wir alle kommen zur Muͤhe, Ins fluͤchtge Leben herab. Weit von dem Sitze der Fuͤrsten Bringt neue Plagen der Tag. Du auch vom Weibe gebohren, Die nicht unedel, und nie Stolz, hochgebiethend gewesen, Du kamst zu Sorgen und Last! Zwar herrschte goldener Friede Als du die Sonne gegruͤßt! Der Landmann saͤete mit Hoffnung, Und maͤhete Weitzen fuͤr sich. J 4 Oden. Der Hof verblendete Fremde, Und in dem Schoosse der Ruh Versteckten Juwelen den Koͤnig Und seinen muͤßigen Rath! Du kamst dem groͤsseren Enkel Zum Dienst — ein werdender Mensch, Bestimmt zu wichtigern Lasten Als nie dein Vater sie trug! Fuͤnfmahl schon haben am Stocke Dem Wintzer Trauben gereist, Seit dem des Vaterlands Thraͤne Die Ruͤckkunft Friedrichs begehrt. Ihn ruft der sprechende Canzler, Und der einstimmige Mund Der Senatoren. Ihn fodert Dein Herz stillseufzend zuruͤck. Drittes Buch. Er koͤmmt, wenn unter der Decke Von weissem flockigtem Schnee, Sich eine kuͤnftige Erndte In jungen Saaten verbirgt. Vermehrt sind seine Provinzen; Das ferne Indien wuͤnscht Ihm Gluͤck, und theure Geschenke Bringt der sich buͤckende Mohr! Ja, Freund! dann sitzest du naͤher An dem erhabnerem Thron, Greifst hoch aus Ruder. O! zaͤhle Der haͤuslichen Freuden dann mehr. Mit frommem Stolze des Ahnherrn Frohlaͤchelnd, siehe umher Auf Kinder deiner Erzeugten; Und alle ahmen dir nach! Oden. An Herrn Professor Sulzer. (Zu Berlin im Merz 1761.) Dir, o mein Freund, mein Sulzer will ich singen, Den noch zu oft Empfindungen durchdringen, Bis zu des Lebens Ueberdruß. Du sollst den Gram als Weiser einst bekaͤmpfen, Sonst wird er ganz den schoͤnsten Trieb verdaͤmpfen, Den sanften Trieb zu Lieb und Kuß! Der Ernst spricht maͤnnlich dir im Angesichte, Und dein Gespraͤch voll Nachdruck und Gewichte, Waͤhlt nie ein Wort von leichtem Scherz. Nie lachst du laut, selbst bey dem Laͤcherlichen, Dein Laͤcheln aber sagt mit Redner-Spruͤchen, Du habest kein versteintes Herz! Drittes Buch. Umsonst verlaͤugnen deiner Stirne Falten Der Seele Bild; ich kenne die Gestalten Von den Empfindungen zu gut; O, mir entwischt nicht was die Menschen fuͤhlen! Die Lehrer auf der Weisheit hohen Stuͤhlen, Sind, so wie Dichter, Fleisch und Blut. Der Fruͤhling kommt mit Reizen fuͤr das Herze, Das Deine schwimmt noch halb in seinem Schmerze, Reiß es heraus und werde dein! Ganz dein! dich hat der Gram genug durchdrungen, Hoͤr’ die Natur in ihren Foderungen, Und laß die Liebe Herrin seyn! Vernuͤnftig, goͤttlich, Engeln wohlgefaͤllig, Treu, dauerhaft, mit Tugenden gesellig War deine Liebe ehedem. So wird sie jetzt neu dich bewohnen kommen, Und fuͤr die Zeit, von Trauren dir genommen, Macht sie die Zukunft angenehm! Oden. Sie kommt vielleicht daher, wo stolzer Friede An Bergen wohnt, die uns in Hallers Liede So praͤchtig vor dem Auge stehn! Sie bringet dir den Frieden in den Busen, Und stiller als die unbesorgten Musen Wird Lieb und Freude mit dir gehn! Drittes Buch. An Herrn Professor Sulzer, uͤber den Tod seines Kindes. ( Zu Berlin im April 1761 .) Sie ist nicht mehr! o du ihr Vater weine, Auf jenen Ueberrest entseeleter Gebeine, Dein in dich dringend Leid! Nichts half die Kunst, und nichts daß du gerungen Hast im Gebet, sie ging auf groͤßre Foderungen Hin in die Ewigkeit! Da wird sie sich mit jenem Geiste kuͤssen Der deine Liebe hat mit sich dahin gerissen Wo nichts, als Liebe lebt! Da wird sie nun im Schooß der Mutter liegen Und ihr erzaͤhlen, wie dein einziges Vergnuͤgen, Ihr Schatten, um dich schwebt! Oden. Sie wird ihr sagen, wie du dich vergessen, Oft Stunden lang bey ihr am Sterbebett gesessen, Und ihren Schmerz beklagt, Und wie du sie, wenn sie voll Schmerzen stoͤhnte Nach ihrer Wuͤnsche Ziel, nach welchem sie sich sehnte, So zaͤrtlich hast gefragt. Freund, klage nicht, nein singe Lobgesaͤnge; Denn auf ihr lag zu schwer mit ungeheurer Menge Von Qualen schon der Tod! Er saß in eingefallnen blassen Wangen, Und war der Frost des Fiebers nun vergangen So gluͤht’ er in dem Roth. Nicht unerwartet kam er sie zu holen; Nein, lange schon ward dir, wann er gedroht, befohlen: Bereite dich! sey stark! So sey auch nun ein Mann in deiner Klage, Dein Kind ruht jetzt, und ihrer Krankheit Plage, Bleibt diesseits vor dem Sarg. Drittes Buch. Ihr Witz, der hier noch unenthuͤllt geblieben, Wird dort sich in dem Buch der hoͤchsten Weisheit uͤben, Wird keiner Zeiten Raub; Und kommt einmal der Herr, den Erdereyß richten, Dann weckt ein Engel sie zu ewgen Pflichten Des Dankes aus dem Staub! Aus einem Staube der sie wieder giebet; Dann siehst du das, o Freund! was du an ihr geliebet Vollkommner reizend seyn; Jtzt fragst du: o warum ist sie geschieden? Erwarte nur den Uebergang zum Frieden Dann leuchtet dir es ein! Hier in der Welt voll Unruh, voller Sorgen Bleibts vor dem truͤben Blick des Sterblichen verborgen, Warum Gott so verfaͤhrt; Dort aber, wo vor hundert tausend Sonnen Die Finsterniß nie einen Sitz gewonnen, Ist alles aufgeklaͤrt. Oden. An Herrn Professor Sulzer, uͤber das Bild seiner verstorbenen Gattin. (Zu Berlin im April 1761.) O Freund! in deinem Blick seh’ ich noch Klagen. So laut dein Herz auch dem Vergnuͤgen ruft, So laut hoͤrts noch in sich den Kummer sagen: Dort liegt sie in der Gruft! Ach klage nur! ganz ist sie deiner Schmerzen Ganz deiner unumschraͤnkten Trauer werth: Welch Antlitz! O! welch Bild vom besten Herzen! Das nun der Wurm verzehrt! Der heitre Tag, den keine Wolk umhuͤllet, Wie laͤchelt er von ihrer Stirn herab? Und jeder Blick, wie mit Gefuͤhl erfuͤllet Der Liebe, die ihn gab! Drittes Buch. Ihr holder Reiz! der Tod nahm ihn zum Raube; Der schoͤne Mund! nicht mehr fuͤr deinen Kuß! Aus ihm entfloh ihr schoͤner Geist dem Staube, Zu himmlischem Genuß! Drey Toͤchter blieben nur, die durch ihr Lallen Dich tiefer ritzten in der bangen Brust, So wie im Lenz die Rosenblaͤtter fallen, Verwelkte deine Lust! Zwoͤlfmal hat schon der Mond in vollem Lichte Dir zugesehn, wenn schwaͤrzer, als die Nacht, Der tiefe Gram von deinem Angesichte Den Schlaf entfliehn gemacht! Hoͤr einmal auf, und wende deine Blicke Vom Grab, geneuß des Lebens kurzen Traum! Ach! ohne Liebe bleibt im groͤßten Gluͤcke Das Herz ein leerer Raum! K Oden. Such unter allen Schoͤnen, die dem Lande Die Liebe gab, dir eine Tochter aus, Gezeichnet von der Tugend mit Verstande, Zur Zierde fuͤr dein Haus! Sanft, wie ein Lamm, das in der Mittagsstunde Fromm auf dem Schooß der jungen Cloe spielt, Sey sie, und trag ein Herz in ihrem Munde Das nur fuͤr dich gefuͤhlt. Das Bildniß der seeligen Frau Professorin hieng, in dem Zimmer, wo sie schrieb. Drittes Buch. Der Tod. An Herrn Professor Sulzer. O Freund! die laͤchelnde Rose Weit aufgeschlossen — — sie stirbt Und streut die welkenden Blaͤtter Hin auf ihr muͤtterlich Land. Mit krummen rauschendem Hiebe Faͤhrt jetzt die Sense daher. So maͤht im schrecklichen Schlachtfeld Die muthigen Krieger, der Tod! Dort liegt in sengender Sonne, Der Stolz des bluͤhenden Thals, Auf der sich Bienen verweilten: Sie tritt im Winter der Stier K 2 Oden. Zu satt, mit stampfendem Fusse In ein veraͤchtliches Grab. So liegt bey fressenden Wuͤrmern Der angebetete Reiz Von irgend einer, die himmlisch Gieng unter den Menschen umher. Sie starb; der grauen Verwesung Zu theurer, koͤstlicher Raub! Apollens singende Soͤhne, Und Mavors drohendes Volk, Die Sterne zaͤhlende Weisen, Sie alle muͤssen dahin. Bekannt mit allen Olympern Gieng in die ewige Nacht Der tagentbehrende Milton, Und ließ uns seinen Gesang. Drittes Buch. Hoch auf die Sitze der Fuͤrsten Greift der langarmige Tod. Dem Koͤnig nahm er den Bruder Und dir entriß er den Freund. Er reißt vom Herzen des Lieblings Den besten Menschen mit sich! Gleim seufzet mitten im Gastmahl: ”Auch also riß mir der Tod ”Vom Innersten meiner Empfindung ”Einst meinen goͤttlichen Kleist! O Sulzer! nenn ihm nicht dreymal, Sein Herz verblutet sich sonst. Nicht schuͤtzt die kniende Andacht Und nicht der Froͤmmigkeit Schild. Nichts fragt die schneidende Parce Nach Tugend oder Verdienst. K 3 Oden. Der Tod mit strengen Befehlen Koͤmmt schnell und uͤbet sie aus. Von dem gesammleten Golde Folgt ihn der Wuchrer und klagt. Die Sterblichen fuͤrchten ihn alle. Ihn flieht der keuchende Greiß, Alt und nicht weiser geworden — Ihn scheut an Ketten der Sclav! Doch wenn sie alle ihn fuͤrchten, Lachst du dem bloͤckenden Zahn Mit groͤsserem Stolze entgegen, Als, mit dem Becher voll Gift, Der freudenhoffende Heyde, Im Angesichte des Volks, Das seine Tugend verkannte. Freund! wir verkennen dich nicht; Drittes Buch. Bleib uns ein lehrendes Beyspiel Ruf dein noch seufzendes Herz Zuruͤck von traurigen Graͤbern: Und spaͤt erwarte dich deins! Des Prinzen von Preussen Koͤnigl. Hoheit. K 4 Oden. Gedanken an Herrn Gleim uͤber den Herrn von Kleist, nach einem abendlichen Spatziergange im Walde bey Berlin. Dort, wo die Nacht, auf hundertjaͤhrgen Eichen, In einem heilgen Dunkel thront, Klagt melancholisch uͤber ihre Leichen Die Taube, die den Wald bewohnt. Nach Futter war sie ausgeflogen, Indeß der Sturm herauf die Wolke trug, Und mit Eißkugeln, die ein halbes Pfund gewogen Den Baum beschoß, und ihre Jungen schlug! Dort giengen wir, und Gram, wie ihn die Taube Dem dunkeln Hayn auf duͤrren Aesten girrt Gram einer Braut, die in noch gruͤner Laube, Mit ihrem Herzen bey den Todten irrt, Drittes Buch. Gieng Freund! in dir! — — Durch jene Kruͤmmen Der dickbelaubten Baͤume hoͤrtest du In ihren Blaͤttern tausend sanft gerauschte Stimmen, Und jede Stimme rief dir traurig zu! Hier ging er einst an deinem Arm, und fester Noch an dein Herz geschlungen! ach! hier gieng Dein Freund, der zaͤrter noch, als eine Schwester Mit seinem Geist an deinem Geiste hieng! Hier fuͤhltest du mit ihm zugleich das Schoͤne Der Schoͤpfung; o, hier standet ihr, Wie zwo vom besten Vater gleich gebohrne Soͤhne Und spracht von Gott. Hier, sagst du, war es; hier! Ach! jede Wunde weinend auszuwaschen; Bey ihm zu knien, bey der Todes Angst Durch Seufzer seinen Geist noch aufzuhaschen Dies ist der Trost, nach welchem du verlangst. K 5 Oden. O welch ein Schmerz! o welche Freundes-Thraͤnen! Ganz finstrer Kummer war dein Angesicht. So stumm sitzt, sich an seiner Urne lehnen Die Freundschaft deren Auge Klagen Herr Bernhard Rode mahlte damals an dem Gemählde über den Tod des Herrn von Kleist, welches in der Garnison- Kirche zu Berlin zu sehen ist. Die Figur der Freundschaft hat den Beyfall der Kenner erhalten. spricht. Freund, keine Seufzer bringen dir ihn wieder! Und spieltest du des harten Schicksals Ohr Des Orpheus allerflehentlichste Lieder Auf einer Steinbezwingbaren Leyer vor! Doch, riefst du zu den heiligen Gebeinen Ihn nicht zuruͤck den hingeflognen Geist! Die Zeit, o Freund, muß dich zu troͤsten weinen; Die Ewigkeit mißgoͤnnt’ ihr deinen Kleist! Drittes Buch. Klagen bey dem Grabe des Herrn von Kleist, als Herr Gleim sagte, daß er seinen Schmerz nicht singen koͤnnte, in seinem Nahmen. Hier auf diesem Aschen-Kruge, Weint die Freundschaft ihren Schmerz Und mit diamantnem Pfluge, Zieht der Kummer Furchen in mein Herz. Finsterniß und Stille, Unter eurer Huͤlle, Lad’ ich Erd und Himmel zum Gehoͤr Klagen will ich — ach mein Liebling, Ist nicht mehr. Oden. Hingeblutet ward sein Leben Mein Gedanke rief dem Tode zu: Laß dir kleinre Opfer geben! Wuͤrger, noch nicht satt gemacht bist du, Von den Myriaden, Die im Blute baden? O Verheerer, wenns dein Hunger heißt, Nimm mich selber, nur verschone, Meinen Kleist! Erde die sein Blut getrunken, Wie beneid ich diesen Tropfen dir! Und du Thal wo er gesunken Schauervoll und heilig bist du mir! Ach an dieser Staͤte, Werd auf mein Gebete, Eine Quelle, der des Wandrers Dank Seegen laͤchelt, wenn er schmachtend, Aus dir trank. Drittes Buch. Also traurig, wie den Braͤuten Die der Schlachten Schicksal hart betraf, Ist mir alles; mich erfreuten Sonst die Lorbeern um des Helden Schlaf; Aber jetzo stehen, Selber die Trophaͤen, Im Gemaͤhlde, mir zum Schrecken da, Und der Ruhm auf den mein Liebster Sterbend sah! Wilder Krieg dich muß ich hassen, Mehr als Muͤtter, die du ganz beraubt; Jede Lust hat mich verlassen Und die Trauer woͤlkt sich um mein Haupt, Wenn ich Freuden luͤge, Und die Welt betruͤge In dem Munde, der zu lachen scheint, Ach da fuͤhlt mein blutend Herze, Daß es weint. Oden. Zwar des Fruͤhlings Foderungen Mich zu freuen, die verwerf’ ich nicht, Weil von dem, der ihn gesungen, Jedes Blat und jede Blume spricht; Doch in dieser Freude, Nur geborgtem Kleide Gehet der ernaͤhrte Gram versteckt, Den der Lenz zu neuen Klagen Lockend weckt. Ach in jenen goldnen Jahren, Blieben Gluͤck und Freude mir getreu, Die in deinem Umgang waren, Und kein Tag ging ohne dich vorbey! Du! der meinem Leben, Groͤssern Werth gegeben; Niemahls liebten zweene Bruͤder sich, So, als wir vereinte Wesen, Du und ich! Drittes Buch. O du hast gelebt mein Suͤsser! Und ich blieb um dich zu weinen hier; Keinen Trost hoff ich gewisser Als Befehle, die der Himmel mir In des Todes Haͤnden Eilet zuzusenden. Meine Ungeduld erwartet sie, Dann sind unsre Seelen wieder Harmonie! Oden. Die Sommer-Naͤsse, an Herrn Gleim 1761 . Freund, in Berlin die schoͤnen Kinder alle Beklagten, daß aufs Angesicht, Durch ihren Schirm die Macht der Sonne falle, Sie schonte Stirn und Wange nicht! Auch alle Philosophen, unter denen Dein Sulzer seine Stelle schmuͤckt, Beklagten sich, und sassen sinnlich stöhnen, Bis Kuͤhlung ward herabgeschickt. Nun traͤufelt sie aus milden Wolken nieder Und nun begehrt den Sonnenschein Der unzufriedne Landmann klagend wieder: Gott feuchtet Heu und Garben ein! Drittes Buch. Den Wandrer druͤckt der nassen Kleider Buͤrde, Nach heitren Tagen seufzet er; Und der Soldat klagt: Von dem Regen wuͤrde, Rost auf dem glaͤnzenden Gewehr! Die schoͤnen Kinder fuͤhlen lange Weile, Ihr Auge fragt das Wetter-Glas: Ob bald die Sonne das Gewoͤlk zertheile? Den Tannenhaͤyn macht es zu naß. Und selbst dein Sulzer fragt mit truͤben Blicken Ob bald der Garten trocken ist? Wo er in gruͤn und bunten Meisterstuͤcken Beweise von dem Schoͤpfer liest! So ists o Freund, wir wuͤnschen und empfangen; Und die Begierde, niemals satt, Haͤuft Wunsch auf Wunsch; ihr heftiges Verlangen Klagt, daß sie neuen Mangel hat. L Oden. Wie Regen und wie heitre Sonnenblicke, So wuͤnschen wir Gluͤckseligkeit; Der Sterbliche fuͤhlt bey erstrebtem Gluͤcke Nicht Ruhe, nicht Zufriedenheit. Nur ich, zufriedne Sterbliche, begehre Nichts mehr, und wenn ich das Geschick Mit einer neuen Forderung beschwere So wuͤnsch ich meinen Freund zuruͤck! Drittes Buch. Die Sehnsucht der Freundschaft, an Herrn Gleim. (Zu Berlin den 21ten des Heumonats 1761.) Freund, vom naͤchtlichen Mahl deines und meines geliebten Sulzers gekommen, verbiet ich der Ruh, Daß sie mich eher nicht reizt, bis ich Gedanken geschrieben; Tausende flattern dir zu! Wie von Herzen der Braut einzelne Sorgen entfliehen Zu dem Geliebten ins ferne Gezelt, Ob sie der Krieger noch denkt? also sorg ich, ob immer Mein Gesang dir gefaͤllt. Achtzehnmahl flohe die Nacht vor dem kommenden Tage; Aber noch schattigt, mit Dunkel noch voll; Wie die Wolke, so schwer ist die Seele der Sapho Wenn sie schwingen sich soll. L 2 Oden. Du von Phoͤbus Altar nahmst mit Haͤnden der Freundschaft Flammende Braͤnde. Den heiligen Raub Billigt selber der Gott; doch, dem Feuer gefolget, Ist er ferner mir taub. Ist im Tempel bey dir, der, am rieselnden Bache, Unter den Baͤumen von Musen bewohnt, Die Orcane nicht fuͤhlt; selbst die Kinder der Franzen Haben alles geschont; Sonst ein gieriges Volk, das in Gottes Ge- baͤuden Priester geschimpfet, Altaͤre bestuͤrmt Aber heilige Furcht grif die Herzen der Krieger; Dichter werden beschirmt. Freund, sie stoͤhren dich nicht, bleib und spiele die Laute! Scipio machte mit siegender Hand Ihren Hannibal angst, der die Wunde des linken Armes toͤdlich empfand. Drittes Buch. Jetzt verbindet er sie, horcht mit bangem Erwarten Donnernde Worte die Ludewig schilt, Doch nun kennet der Hof endlich, daß er mit Grimme Alle Goͤtter erfuͤllt, Flucht dem blutigen Zank, giebt den murrenden Voͤlkern Ihres Verlangens entfernetes Ziel! Dennoch stehen um Friedrich, wie gebuͤrgige Wetter, Seiner Feinde noch viel. Ihn erblickt’ ich im Traum, wie die Stirne des Phoͤbus Wenn er vom Wagen des Tages herab Sieht in blumichtes Thal, also sah’ ich die Stirne, Welche Strahlen sie gab! Vor ihr flohen dahin die Phantomen der Zag- heit Aus den Kriegern die unter ihm stehn! Das unbaͤrtige Volk, wie die juͤngsten Spartaner, Tapfermuͤthig und schoͤn L 3 Oden. Ists, und fuͤrchtet den Tod nicht in hohlem Getoͤse Feindlicher Schilde, sie rufen die Schlacht Und ein festlicher Eyd fuͤr den groͤssesten Koͤnig Hat sie eisern gemacht! Stimm die Saiten o Freund! hohe Sieges- Gesaͤnge Heischet das Jauchzen; mir thoͤnet ins Ohr Freude niemals gehoͤrt, muthig will ich sie singen Doch, du! singe mir vor! Herr Gleim hatte die Dichterin die deutsche Sapho genennet. Prinz Ferdinand hatte kurz vorher den linken Flügel der französischen Armee unter Befehl des Herzogs von Broglio und des Prinzen von Soubise geschlagen. Drittes Buch. Der unnachahmliche Pindar, an Herrn Ramler. (Den 24ten Jenner 1763.) Wer sich mit waͤchsernen Fluͤgeln Wagt zu pindarischem Flug, Der bringt unsterblichen Nahmen Dem Meer, in welches er stuͤrzt. So wie vom Brocken herabrauscht Der aufgeschwollene Fluß, Wenn Wassertragende Wolken Herunter stuͤrzen auf ihn. So raufcht vom Munde des Pindars Unwiederstehlich herab Gesang des Dichters, der immer Verdient apollischen Cranz. L 4 Oden. Er mag in fliegender Ode, Mit neuen Worten erfuͤllt, Stark thoͤnen oder sanft fliessen In ungezwungenem Lied; Er singe von dem Olympus Von ewig herrschender Macht Der Goͤtter, oder er preise Die Thronensitzer der Welt; Den Held, die siegende Ruͤckkunft Von dem olympischen Spiel; Den wagenlenkenden Juͤngling Und das wettlaufende Roß; Er sing in klagender Stimme Den Schmerz der aͤchzenden Braut, Der ihr Verlobter entrissen Ward, in erschroͤcklicher Schlacht; Drittes Buch. Er reisse goldene Sitten Aus der Vergessenheit Nacht, Und fuͤhr zu glaͤnzenden Sternen Den Loͤwengleichenden Muth; So bleibt er immer der hohe Ganz unnachahmliche Schwan, Den zu den Zuͤgen der Wolken Hebt, eine staͤrkere Luft. Ich gleich der summenden Biene, Die saugt an bluͤhendem Klee, Ich sinn’ am Ufer der Elbe, Auf mein zu niedriges Lied. Ich ruͤhre Saphische Sayten Mit ungeregeltem Griff; Mir fehlt zum Heldengesange Gluth und ein maͤnnlicher Schwung L 5 Oden. Dir aber, welcher dem Flaccus Nachfolgt, dir fodert Gesang Der Sieger, wann er geschmuͤcket, Mit wohlverdienetem Cranz Faͤhrt durch das Menschengedraͤnge Der großpallaͤstigen Stadt, Und an dem Wagen geheftet Fuͤhrt den gebaͤndigten Stolz Des Feindes, welcher den Koͤnig Uns lange Jahre hindurch Entzog, und Tage voll Schrecken Dem Vaterlande gebracht! Dann sing uns festliche Spiele Der hoch aufhuͤpfenden Stadt, Und der Gerechtigkeit Saͤaͤle Nicht voll vom Klaͤgertumult, Drittes Buch. Und wiederlebende Freuden Ins neugesittete Volk Durch die erlangte Zuruͤckkunft Des grossen Friedrichs gebracht. Dann werd ich, wo ich noch etwas Hervor zu bringen vermag, Mit deiner Stimme vermischen Mein schwaͤcher thoͤnendes Lied. Gelehnt am Arme des Saͤngers Der Kriegeslieder, will ich Triumph ausrufen, und Antwort Giebt die frohlockende Stadt. Den weyrauchdampfenden Tempeln Der Spree, dem horchenden Hain, Dem jubelrufenden Volke. Dreystimmig fingen wir vor! Oden. Gott gab der Erde den Koͤnig. Er fand nichts groͤssers als Ihn, Ihr zum Geschenke zu geben; Nichts bessers, findet er je! Drittes Buch. Das Feuerwerk am Ufer der Elbe an den Herrn Professor Sulzer. (Zu Magdeburg den 18ten May 1762.) Verweile Freund, laß uns ihn noch geniessen Den Fruͤhlings-Abend, der gefuͤhlt Von Blumen wird, die geizig sich verschliessen Wenn sie der Thau gekuͤhlt. Das Tages Thron wird von der Nacht besessen; Mit tausend Sonnen uͤberstreut Schwebt uͤber uns, von keiner Hand gemessen, Ihr koͤnigliches Kleid. Um ihren Sitz herrscht feyerliche Stille; Aus ihrem unumwoͤlkten Schooß Faͤhrt nicht der Blitz, nicht brechen mit Gebruͤlle Die Donner Gottes los. Oden. Doch, hoͤre Freund, was donnert uns zur Seite, Das Ufer zittert von dem Knall, Gleich dem Getoͤs aus fernem Kriegesstreite; Und Antwort giebt der Wall. Die Citadell, der Dom, die Fuͤrsten-Haͤuser Die rufen diesem Donner nach — — So riefen Huͤgel juͤngst, da Lorbeerreiser Der Held in Sachsen brach! Mein Blick verfolgt die steigende Raquete Die um den Rang der Sterne wirbt, Und da ihr Stolz von ewig glaͤnzen redte, Verloͤscht und niederstirbt. So hoch empor ist stolzer Muth gestiegen In Friedrichs starken Feinden oft, Wenn sie von Wuth entflammt, sein Niederliegen Gewuͤnschet und gehofft. Drittes Buch. Was kommt dort auf dem Wasser hergezogen? Sind Mars und Venus voller Gluth Von ihrer Laufbahn itzt herabgeflogen Und brennen in der Fluth? Sie treiben sich — — nun fahren sie zusammen Wie Pandamus und Diomed; Zwo Schiffen gleich, wenn jegliches in Flammen Gesetzt, zu Wolken geht. Freund, sage mir welch lieblich Ungeheuer Ward von der Kunst hervorgebracht? Jetzt wird der Strom vom hochgespruͤtztem Feuer Dem Aetna gleich gemacht! Schoͤnflammigt springt in tausend grossen Funken Der Bogen Pracht ich sehe sie Und denke von der Zukunft Freude trunken: So springt zu Sans-Souci Oden. Dem Sieger hochentgegen jede Quelle. Die Marmor-Saͤulen regen sich; Roms Helden-Geister wollen aus der Hoͤlle Herauf zu Friederich! Drittes Buch. An Herrn Zachariaͤ, den Verfasser des Gesanges von der Hoͤlle, zu Braunschweig. (Im April 1762.) O du, dem durch drey lange schwarze Naͤchte Ein Todes-Engel offenbahrt Den Abgrund, wo fuͤr Ungerechte Quaal zubereitet ward. Freund, sprich wann sagt der Himmel seine Fluͤche Der Wuth, die aus der Hoͤlle flog, Und durch Gewalt der Friedensbruͤche Ins Herz des Kriegers zog? M Oden. Sie kam und hauchte pestisches Verderben Auf ganzer Voͤlkerschaften Gluͤck, Und sah’ gestuͤrzter Menschen Sterben, Mit nimmer sattem Blick. Tief in die Schlacht flog sie von Heer zu Heere, Und weit verbreitet ward der Tod. An allen Ufern bis zum Meere, Ward das Gewaͤsser roth. O! von den Graͤbern ungezaͤhlter Leichen Verwendet oft der Tag sein Haupt, Und sieht halb todte Menschen schleichen, Die ganz der Krieg beraubt. Dort wankt auf seiner unbefluͤgten Erde Der Landmann traurig fort, und tritt Noch in den Hufschlag von dem Pferde Worauf sein Pluͤndrer ritt. Drittes Buch. Wenn Hunger aus der bleich gewordnen Wange, Gram aus des Mundes Seufzer spricht; Dann reizet ihn zum Lobgesange, Die satte Lerche nicht. Ihn reizet nicht im buntgestreiften Kleide Die Tulpe, die sich stolz erhebt — — Ihr Rock ward ohne Hand und Seide Geordnet und gewebt Von Gott, erhaben uͤber alle Thronen, Der tausend Welten ausgeschmuͤckt, Und mehr als tausend Nationen Auf einmahl uͤberblickt. Er sah’ herab, zerstreute Frankreichs Flotten, Und riß viel Inseln aus der Hand Des Ludewigs, der sein zu spotten Ein Heer hat ausgesandt. M 2 Oden. Er fuhr herab, in einer Feuerwolke, Die ihn an Braunschweigs Mauren trug, Als mit viel Muth und wenig Volke, Das Heer ein Juͤngling schlug. O Freund, er warf drey grosse Gottesblicke Auf uns. Wir zitterten voll Schmerz; Da rief er schnell ein Weh zuruͤcke, Und sandt’ ein Fuͤrsten-Herz. Mit seinem Finger wirft er alles nieder, Was den Gerechten noch bedraͤngt; Er eilt, daß bald die Hoͤlle wieder Des Krieges Wuth empfaͤngt! Drittes Buch. An den Herrn Regierungs-Advokat Koͤpken. (Zu Magdeburg, den 10ten Maͤrz, 1762.) O Freund, mit haͤmischem Blicke Verborgen lauschte der Winter, und stuͤrzt Auf uns verdoppelt zuruͤcke Itzt, da schon Phoͤbus die Naͤchte verkuͤrzt! Er stuͤrmt mit flockigtem Eise Und scheucht schon singende Lerchen herab; Noch sieht im Garten der Weise Gewaͤchse schlafen, und denket sein Grab! Noch liegt in starrender Erde Das lieblich duftende Veilchen versteckt; Noch traurt die frostige Heerde, Schlecht vom unsorglichen Schaͤfer bedeckt. M 3 Oden. Doch wir, beschuͤtzt vor der Strenge Des Winters, Freund! schaffen den kaͤlteren Maͤrz Zum Sommer um durch Gesaͤnge, Und Tanz und Wein und Gespraͤche voll Herz. Uns rauscht die lodernde Buche Dort in dem Ofen wie lieblicher West, Wenn zum vertrauten Besuche, Apoll herunter im Hayne sich laͤßt, Zu einem seiner Geliebten, Der, voll des Gottes die Gegenwart fuͤhlt, Und bald in suͤssen betruͤbten Bald frohen Thoͤnen Empfindungen spielt. Du! am harmonischen Fluͤgel Bist nicht an suͤssen Empfindungen arm Der Schnee bedecket die Huͤgel Dein Herz fuͤr Freunde geschaffen, bleibt warm. Drittes Buch. An Palemon. (Im Christmonath 1761.) Fuͤnf bange frostige Tage Nicht vom Vergnuͤgen durchwebt, Von keinem sonnichtem Blicke Fuͤr mich zu Tagen gemacht: O Freund! von keinem geseegnet, Der meinem Herzen verwand Ward, durch gleichstimmiges Denken, Hab ich sie traurig durchlebt. Dich suchen wollt ich am Tage, Den ein erschaffender Gott, Nach der vollendeten Schoͤpfung, Hochheilig machte zur Ruh. M 4 Oden. Dich, dem in meinen Gesaͤngen Des Herzens Sprache gefaͤllt — Doch einsam fand ich die Wohnung. Ich stand und dachte Verdruß, Und gieng mit wankendem Schritt Und warf die Augen herab Nach der kleinstromigten Elbe, Itzt breit umufert von Eis. Der Mond mit glaͤnzendem Antlitz Gieng praͤchtig uͤber ihr auf, Und sah, mit Blicken des Stolzes Auf ihrer Flaͤche sein Bild. So sieht die Seele der Sapho Ihr Bild im sanften Gesang. Der Erde Stroͤme vertrocknen, Ausloͤscht die Fackel der Nacht; Drittes Buch. Nicht aber also die Seele! Sie bleibt, und singet, o Freund! Im Creyse meiner Geliebten, Einst noch dem hohen Olymp. Oden. An Herrn Utz, den Verfasser der lyrischen Gedichte. Du, der vom Weine berauscht, die Lust der Erde besungen, Mir gab Apollo kein lyrisches Spiel Bespannt mit Saiten von Gold, doch sind mir Lieder gelungen, Suͤßklingend sang ich der Seele Gefuͤhl. Mich hoͤrt der eiserne Held, mir horcht der ernste Gesandte Herunter kommend vom Stuhle des Herrn, Auch hoͤret meinen Gesang, wer sonst die Muse verkannte, Des Geizes Priester, vernehmen ihn gern. Drittes Buch. Mir gab dein liebender Freund, der Felsenspringerin Laute, O, ihn nur denken wird suͤsser Gesang In der ganz saphischen Brust; der Liebes Goͤtter Vertraute Ward ich und habe die Herzen in Zwang! Mich fuͤhlt der wankende Greis, die abgelebte Matrone, Mich horcht der Juͤnglinge klopfendes Herz. Das Maͤdchen fuͤrchtet den Pfeil! er rauscht im saphischen Thone Laut, wie im Utzischen Liede voll Scherz. Oden. An Herrn Utz. (Zu Halberstadt den 8ten des Weinmonats 1761.) Aus seiner Acten-Schanze tief hervor Lobt Gleim dich laut, lobt meine Lieder; Nur sein Verstand ist fuͤr uns lauter Ohr, An seinem Herzen falln die Pfeile nieder Die Amor dir, o Dichter! zugestellt, In den Gesang sie zu verstecken; Sie treffen oft das Herz der jungen Welt, Sein Herz nur nicht, er weiß es zu bedecken. Sein Schutzgeist mit dem diamantnem Schild Ist ihm getreuer als Selinden! Den wuͤrde nicht ein menschlich Venus Bild In goldnem Wagen an dem Fenster finden. Siehe Herr Utzens Sieg des Liebesgottes. Drittes Buch. Nur bey der Freundschaft Hinkunft nimt der Geist Den breiten Schutz von seinem Herzen Gleim ward ganz Seele bey dem Nahmen Kleist, Und wird ganz Herz bey einer Sapho Scherzen. O du, sein Utz! o wuͤrd ein Sonnenpferd Vom grossen Phoͤbus dir geliehen: Du wuͤrdest schnell, als wie sein Herz begehrt, Mit Gratien und Musen zu ihm fliehen. Noch riß der Herbst nicht allen Schmuck dahin Komm! noch will ich die Blumen pfluͤcken; So reißt das Gluͤck nach langem Eigensinn Itzt Lorbeern ab, mein Saitenspiel zu schmuͤcken. In meines Herbstes Tagen laͤchelt mir Zuruͤckgebliebner Jugend Freude Frag deinen Freund, nichts anders sagt er dir, Als daß ich itzt Fuͤrstinnen nicht beneide. Oden. An die Chartenspieler. Mischt immer eure Blaͤtter, spielet Gedankenvoll, und hoffend fuͤhlet Die Freuden des Gewinnes ganz; Mein Geist, zu stoisch und zu trocken, Ließ nie die Charten sich verlocken, Und huͤpfte nie zu einem Tanz! Zu steif den Fuß im Tact zu lenken, Zu roh, beym Spiele was zu denken, Blieb ich in beyden ungelehrt; Ich kenne nicht der Blaͤtter Nahmen, Weiß nicht, was Buben sind und Damen, Weiß nichts vom Blatt, dem Sieg gehoͤrt. Drittes Buch. Nur Buͤcher hab ich liebgewonnen, Darinn gelesen, nachgesonnen, Selbst eins gemacht, so schlecht es war! Nichts fragt ich da nach Spiel und Taͤnzen, Ich las, wodurch sich Helden craͤnzen, Und traͤumte Schlachten und Gefahr! Ich ging, auf selbst gebauten Waͤllen, Ließ sich mein Volk in Ordnung stellen Und that, als wie ein General; Warf Schanzen auf, schoß Ziegelstuͤcke, Zog schlechterdings mich nicht zuruͤcke, Sprach laut wenn ich den Sturm befahl! War eine Vestung eingenommen, Dann ließ ich meine Voͤlker kommen Drang tiefer ein in Feindes Land, Marschirte listig hin und wieder Hieb viele tausend Feinde nieder, In allen Nesseln die ich fand. Oden. Da lagen dann die kleinen Leichen, Gefaͤllt von meinen starken Streichen, Bey tausenden gestreckt vor mir; Stolz dacht ich mich als Ueberwinder Ich war ein Kind, und wie die Kinder Thun gar zu oft im Alter wir! O meine Phantasie ist heftig, Schon dazumahl war sie geschaͤftig, Als ich noch meine Heerde trieb; Itzt aber sieht sie andre Schlachten Denkt die, die sich unsterblich machten, Und den, der sich unsterblich schrieb! Oden . Viertes Buch . N Die Freunde, an Palemon, nach Herrn Gleims Abreise aus Berlin. ( Im Heumonat 1761 .) O du! den mir mein Freund empfahl, Gold ist nicht meiner Neigung Goͤtze. Ich rechne meiner Freunde Zahl, So zaͤhl ich groͤßre Schaͤtze. N 2 Oden. Mir unumtauschbar ist ein Freund! Mir darf kein Prinz den Fleiß belohnen: Nur Sulzer werde nie mein Feind; Ihn gaͤb ich nicht um Cronen. Und jenen, der mir aus Berlin Mehr als Gesaͤnge noch entfuͤhrte, Wuͤßt ich dem Zepter vorzuziehn, Der eine Welt regierte. Und diesen, dem Apollo gab Des Caͤsars Dichter nachzuahmen, Den tauscht mir keine Fuͤrstin ab Mit dem Durchlauchten Nahmen. Auf keinen meiner Freunde laͤßt Mein Herz den grossen Anspruch fahren. Sie machen meines Lebens Rest Zu lauter Jubel-Jahren. Viertes Buch. Und du! so ganz fuͤr meine Wahl Geschaffner Freund! vergoͤnne Daß ich bey Buchholz und bey Stahl, Dich als ein Kleinod nenne. Sechs Freunde! Welch ein Koͤnigreich Giebt seinem Herrscher solch Vergnuͤgen? Elisabeth ist mir nicht gleich Wenn Russen vor ihr liegen! Sie wird gefuͤrchtet, nicht geliebt; Geehrt, doch nicht um ihret willen. Nein! um den Glanz, der Sie umgiebt Und um die Purpur-Huͤllen! Mir bleiben meine Freunde hold Der Leyer wegen, die ich spiele; Und weil ich minder fuͤr das Gold, Als fuͤr die Freundschaft fuͤhle. Oden. Auf Palemons Fluͤgel. (Den 20ten des Heumonats 1761.) Wo war ich, als mit tausend Zungen Die Goͤttin Harmonie im Fluͤgel mir gesungen! Mein Ohr vernahm, mein Herz zerschmolz. Ihr Musen! mit Apollens ganzer Staͤrke, Thut eure Schwester Wunderwerke In diesem ausgehoͤhlten Holz! Ihr singt mit unbelebtem Thone Von Helden in dem Streit, vom Koͤnig auf dem Throne, Von Freundschaft, Liebe, Kuß und Wein. Das Ohr, der Witz bewundern eure Scherze; Sie aber nimmt des Menschen Herze, Die ganze Seele nimmt sie ein. Viertes Buch. Jetzt thoͤnt sie langsam; sanfte Trauer Dringt schmeichelnd in die Brust, und mich ergreift ein Schauer, Ein Gram, der Wollust bey sich fuͤhrt. Jetzt hebt sie sich. O! welch ein himmlisch Feuer Empfind ich! So hat Orpheus Leyer Mit zauberischer Kraft geruͤhrt. Welch eine Majestaͤt! Wie praͤchtig Ist ihr Geraͤusch! So wie entfernter Donner maͤchtig, Und dennoch uns nicht furchtbar rollt. Nun singt sie lieblich, wie ihr Nachtigallen Wenn ihr durch hohen Thon gefallen, Durch Seufzer uns entzuͤcken wollt! O Thonkunst! schwesterliche Schoͤne Der Muse! welch ein Gott gab in die Erden-Soͤhne Dich zu erfinden, den Verstand? Nein dich hat nicht der Menschen Witz gebohren, Du bist (fuͤr Weise, nicht fuͤr Thoren:) Von dem Olymp herabgesandt! N 4 Oden. Und du, fein ausgehoͤhlte Ceder, Du Fluͤgel! zaubere, wann nah an dir ein Sproͤder Und ein zu stolzes Maͤdchen, stehn. Dann sollst du die verschmaͤhte Liebe raͤchen. Der Juͤngling soll durch Seufzer sprechen, Das Maͤdchen fort zu weinen gehn! Viertes Buch. Vorbitte wegen eines Nußbaums an Palemon. (Zu Magdeburg den 18ten des Herbstmonats 1761.) Erheitre nicht des Garten-Hauses Waͤnde, Und faͤlle nicht, um einer Handbreit Raum, Durch Eisen und durch zwey gedungne Haͤnde, Den schattigten Baum. Selbst der Prophet, der Ninivens Verderben Hartnaͤckig foderte, ganz Menschenfeind, Hat einst, geruͤhrt von einer Pflanze Sterben, Den Kuͤrbis beweint. Und du, ganz Menschenfreund, du willst die Hiebe Im hohen Baum? auf dessen Zweigen oft Ein Vogel singt, der lockend, seiner Liebe Befriedigung hofft? N 5 Oden. Das willst du nicht. Denn wann auf weichem Sitze Du wie ein Fuͤrst, in selbst geschaffner Ruh Dich hier verbirgst, dann decket vor der Hitze Sein Schatten dich zu. Er ist ein Herzog im Bezirk des Gartens. Die Pyramiden-Baͤume wuchsen nur So durch die Kunst. Er spottete des Wartens, Ihn zog die Natur! O welch ein Leib! mit was fuͤr starken Gliedern Versah sie ihn! So stand in Priams Stadt Einst Hector unter allen seinen Bruͤdern, Von Kampfe nicht matt. Dein Baum, der Held, steht, wann der Frost dem Leben Des Weinstocks und des Pfirsich-Baumes droht, Dann steht er von Pomonens Schutz umgeben, Nicht fuͤrchtend den Tod. Viertes Buch. Mit andern Trauben als der Weinstock traͤget Prangt er im Herbst; und liefert seinem Herrn Indem ein Holz ihn unbarmherzig schlaͤget Den lieblichen Kern, Gewachsen in dem Umfang harter Schalen. So liegt im schlechten Coͤrper oft versteckt Ein Herz, nicht mit dem Glanze zu bezahlen Der Mißgunst erweckt. So hart wie sie, soll gegen fremde Luͤste Dein Maͤdchen seyn, fuͤr dich allein nur schoͤn. Weyh ihr den Baum, und sag einst: du Gekuͤßte! Dir ließ ich ihn stehn! Oden. An Herrn Gleim. Bey Besteigung des Spiegelberges ohnweit Halberstadt. (Zu Halberstadt den 26ten des Herbstmonaths 1761.) Gieb mir die Hand! bald ist der Berg erstiegen; Uns stuͤrzt der Wagen, wenn er hoͤher faͤhrt Komm Freund! Das groͤssere Vergnuͤgen Ist kleiner Muͤhe werth! Wir schreiten fort. Die Diestel muß sich beugen. So bringt ein Weiser, edel im Entschluß Die Schwierigkeiten, die sich zeigen Großmuͤthig unterm Fuß. Mir klopft das Herz, bald hoͤrst du seine Schlaͤge Ich athme schwer. Freund, ob ich zaudern will Fragst du? — Steht denn auf ihrem Wege, Die Tugend jemahls still? Viertes Buch. Nun stehn wir oben. Siehe doch, mein lieber! Das oͤde Thal ist noch nicht ohne Reiz; Dem kleinen Goldbach gegenuͤber Sucht sich der Heerde Geiz Am Fuß des Berges noch die magern Halmen Des Grases, das im Fruͤhlings Ueberfluß Dort gruͤnte. O, der singe Psalmen Der Brod nicht suchen muß! Doch wenig Brod bey Freunden deines gleichen Bey innrer Ruh, ist lieblicher dem Gaum Als Tafeln unzufriedner Reichen, Als ihrer Freunde Traum. Sieh doch, ein Voͤlckchen Huͤhner! ruhig lagen Im hohen welkgewordnen Grase sie. Flieht nicht vor uns, wir Dichter jagen Den frommen Vogel nie, Oden. Der ohne Lippe mit dem Schnabel kuͤssen Die Gattin kann, von gleichgeschaffner Art. Gott, den die Huͤgel hoͤren muͤssen Hat alles Fleisch gepaart. Auch dich erschuf sein Wille nicht zum Feinde Der Maͤdchen, aber keines bindet dich; Du liebest zaͤrtlich deine Freunde, Als Freundin liebe mich! Der Goldbach fließt nah am Spiegelberge. Viertes Buch. An Palemon. (Den 20ten des Herbstmonaths 1761.) O Freund! was hilft, der Hoheit und des Geldes Besitzer seyn, in dieser Welt, Dem Sterblichen, der wie das Gras des Feldes Hervorkoͤmmt, waͤchset, welkt und niederfaͤllt? Im Ueberfluß und im Geraͤusch der Ehre Bey Saitenspiel und Taͤnzen seyn, Reizt nicht das Auge; nichts nimmt das Gehoͤre Und den sonst nimmer satten Busen ein, So bald von dem zerbrechlichen Gebaͤude Ein Theil mit Schmerzen wird durchnagt. Der kranke Mensch ists, der zur lauten Freude Zum Scherz und Lachen: du bist Thorheit! sagt. Oden. Der Reiche wuͤhlt in seines Goldes Haufen: Sein Abgott haucht nicht Leben ein. Gesundheit oder Jahre noch zu kaufen Dazu sind beyde Welten viel zu klein. Das kranke Maͤdchen fodert auf ihr Lager Den Spiegel, zittert und erschrickt Wenn sie auf ihrer Wange, blaß und mager Des Todes drohende Gestalt erblickt! Den Juͤngling wirft, trotz der belebten Glieder, Trotz seines Muths im Angesicht, Mit Riesen-Arm ein Fieber schnell danieder. Witz, Jugend, Staͤrke, alles half ihm nicht! Der Weltbezwinger! (Nationen krochen Im Staub und horchten sein Geboth —) Krank liegt er machtlos. O! sein Blick gebrochen Befiehlt nicht mehr. Im Auge sitzt der Tod. Viertes Buch. Der Weise, der vom Himmel, bis zur Erde Vom Cederbaum zum kleinsten Kraut Erkenntniß hat, fragt unter der Beschwerde Nicht, ob der Ruhm ihm Ehren-Saͤulen baut? Der, dem sein Schiff auf ungebahntem Meere Viel Lasten Reichthums zugebracht, Nimmt, wenn sein Eigenthum ganz China waͤre Nichts mit als nur die weisse Todten-Pracht. Nichts folgt dem Grossen, der in vollem Glanze Beneidet von dem Poͤbel saß. Dem Herrn des Gartens folgt kaum eine Pflanze, Die irgend einer, der ihn nicht vergaß Mit Thraͤnen feuchtet, aus der Erde reisset, Sie auf des Freundes Grab versetzt, Und ewig ihre Blaͤtter gruͤnen heisset Auf einem Staube, den er heilig schaͤtzt! O Oden. O! fand mein Sulzer in des Gartens Raume Nicht der Cypressen junge Zucht? Wird sie auf jenem Grabe nicht zum Baume Den oft ein Sohn, die Graͤber denkend sucht? Hinuͤber durch die hohe Sternen-Pforte Der Ewigkeit, gieng er im Schlaf Dein Vater, den mit seinem Vollmachts-Worte Der Tod nicht ohne Zubereitung traf. Du jung, begluͤckt und deinen Freunden wichtig Sagst zu den Guͤtern dieser Welt: Seyd mein Gebrauch; Ihr alle werdet nichtig So bald des Lebens Vorhang niederfaͤllt. Viertes Buch. An Palemon, nach ihrer Zuruͤckkunft aus Halberstadt. (Im Weinmonat 1761.) Der du mit lachendem Auge, Ansahst den stuͤrzenden Flug Zum Wagen, welcher mich eilig Des Elbstrohms Ufer enttrug. Freund, wuͤst’ ich die lyrischen Thoͤne Von Utz und Weißen gespielt, Dann wuͤrd im suͤssem Gesange Dir hoͤrbar, was ich gefuͤhlt, Dort, bey dem Saͤnger, der feurig Gesungen Schlachten und Sieg; Bey dem, mit welchem ich huͤpfend Den Berg der Musen bestieg. O 2 Oden. In dreyßig laͤchelnden Tagen War mein Geschaͤfte die Lust. Sanft brausend stroͤmten Gesaͤnge Empor aus fuͤhlender Brust. Ach! wie ist alles vergaͤnglich! O unerbittlich Geschick! Mit wiederkommenden Raͤdern, Riß michs eilfertig zuruͤck! So reißt von jedem Vergnuͤgen Mich der starkarmichte Feind, An einem kuͤnftigen Tage, Und Klagen redet der Freund! Mein Leben, schneller als Raͤder, Eilt an das wartende Grab; Da senken diese Gebeine Acht Maͤnner traurig hinab, Viertes Buch. Und werfen hurtig ein jeder Auf mich drey Haͤnde voll Staub. Da lieg ich unter dem Huͤgel, Der Wuͤrmer ruhiger Raub, Bis zehen tausend mahl tausend Hochfahrende Wagen daher Gekommen mit dem Erwecker, Und Gluth verschlucket das Meer, Und Himmel trotzende Berge Staub werden, und die Natur Aufhoͤrt den Wagen zu lenken, Der schnell mit Tagen entfuhr! O 3 Oden. An Palemon, der Spaziergang auf dem Fuͤrstenwall. (Zu Magdeburg im kalten April 1762.) Zu nackend, Freund! muß noch die Linde bleiben Die ganz ihr gruͤnes Kleid verlohr. Rauh ist der Fruͤhlings-Tag. Die kleinen Wurzeln treiben Nicht junges Graß hervor. Doch lieblich ist der Lustgang an der Elbe Auf ihrer Oberflaͤche schwimmt Die Sonne noch einmal, der an dem Luft-Gewoͤlbe Gott ihren Lauf bestimmt. Ihr feyren bey dem ersten holden Blicke Ein Fest, die Knaben mit dem Ball Die nicht besorgt um Brod, und ihr zukuͤnftig Gluͤcke Laut jauchzen auf dem Wall. Viertes Buch. Dort stuͤtzt ein Mann, die lahmgebliebne Rechte Und krumme Schenkel, an ein Holz. Er schleicht und denkt sich noch das schreckliche Gefechte Und ist auf Narben stolz. O Freund! ein Weib traͤgt voller Eymer Lasten; Sie steigt am Ufer auf, und keucht. Ich leb im Ueberfluß, und ganze Tage fasten Muß sie; und ach! vielleicht Fiel in der Schlacht ihr bester Freund, und Kinder Ein traurig Denkmahl! ließ er hier! Nie macht die stille Nacht den Gram des Herzens minder Er schlummert nicht in ihr! Auch ich gieng einst in abgetragner Huͤlle, Und Kinder stammelten um Brod. Mit Seufzern unterbrach ich naͤchtlich meine Stille Und traͤumte Morgen-Noth. O 4 Oden. Jetzt denk ich oft zehn Fruͤhlinge zuruͤcke, Und staune was mir wiederfaͤhrt Mit vollem Herzen an; und eine Thraͤn im Blicke Fraͤgt; Himmel bin ichs werth? Viertes Buch. An Palemon, an ihrem Geburtstage. Den 1ten des Christmonaths 1761. O Freund! auf stuͤrmischen Fluͤgeln Hochheulend uͤber den Dohm Bringt der unfreundliche Nordwind Mir meinen festlichen Tag. Ich denk an stuͤrmende Sorgen; Voruͤber brauseten sie. So denkt der landende Schiffer Im Hafen an den Orcan! Mich fand der himmlischen einer Am Tage meiner Geburt Bedeckt mit Huͤllen der Armuth. Mitleidig sah er mich an, O 5 Oden. Und sprach zum Vater der Menschen: Herr uͤber Leben und Gluͤck! Gieb diese niedrig gebohrne In meinen leitenden Schutz; Sie liegt im Schoosse des Kummers, Tief decket schmaͤhliger Staub Die Ernstbefaltete Stirne Von dir zum Denken gebaut! Dein sey sie, sagte zum Engel Der alles schaffende Gott. Da ward mir eine der Musen Und diese Leyer gebracht, Auf der ich festliche Hymnen Des Helden Friedrichs Lob, Die Tugend, heilige Freundschaft Und sanfte Liebe gespielt! Viertes Buch. Du hoͤrest meine Gesaͤnge: O Freund! ich singe noch heut Dem, der von Menschen Gehorsam, Und Hecatomben nicht, heischt. Ich komm’ und trage den Winter Zum Trotz, auf klopfender Brust Den Strauß von gruͤnenden Lorbeeren; Zwo Maͤdchen wanden ihn mir! Du aber rufe den Diener Geschaͤftger sahe Horaz Nicht den einschenkenden Knaben Mit Becherreichender Hand. Ruf ihn. Er bringe die Flasche Voll von zehnjaͤhrigem Wein Gereift im Lande, das Frieden Fleht, von Brittanniens Thron. Oden. Er kraͤnzt den Becher mit Blumen Geraubt der armen Natur. Genannt wird Tyrsis und Sulzer, Und wer dich kennet und liebt. Palemons-Haus, in welchem dieses geschrieben ward, ist nah an der Dohmkirche zu Magdeburg belegen. Viertes Buch. An Herrn Gleim, am Tage der Geburt eines Menschenfreundes. (Zu Halberstadt den 22ten des Hornungs 1762.) Laͤßt die Natur aus ihrer Hand Erobrer gehn, o dann bebt schauervoll die Erde Erwartend, daß auf manches Land Tod und Verwuͤstung kommen werde! Wenn ein zukuͤnftiger Tyrann Grimm aus dem Auge weint, das kaum sich aufgeschlossen Dann sehen Engel weinend an Der Hoͤlle jungen Bundsgenossen. Der Sonnen Antlitz wird entfaͤrbt Wenn sie den Heuchler sieht, dem Gift im Blute schleichet Der kuͤnftig mit dem Hauch verderbt, Wenn er als Freund die Haͤnde reichet. Oden. Bey der Geburt des Wuchrers lacht Der Geiz, und schreckt mit Hohn die Wollust von der Wiege Und giebt mit schielen Blicken acht Wo Gold fuͤr seine Haͤnde liege? Den Dummkopf druͤckt die Traͤgheit an Mit weichem Arm und spricht bey seiner ersten Thraͤne: Sey ruhig werd ein fetter Mann, Und uͤber Gluͤck und Ungluͤck gaͤhne! Der Neidische kommt auf die Welt Mit Blicken um sich her als wollt er trotzig wissen: Warums der Mutter noch gefaͤllt Den Vater mehr als ihn zu kuͤssen! O Muse, frag die Gottheit nicht Warum sie alle die herab zur Erde schickte Nein singe nur: Wem Sonnen-Licht Der Tugend, aus den Augen blickte! Viertes Buch. Die Luft ward harten Eises Zwang, Der Winter schickte sich dem Fruͤhling auszuwei- chen, Da Spiegel der Natur entdrang Um ihr an Guͤtigkeit zu gleichen! Ganz sanft war er gemacht von ihr, Sein Schutzgeist laͤchelte lobsprechendes Vergnuͤgen Er sahe besser noch, als wir Den Menschen Freund in allen Zuͤgen! So wie er ist, ließ ihn hervor Die froͤliche Natur aus ihren Meister Haͤnden Und sagte: sein gefaͤllig Ohr Wird sich zur Freundes Muse wenden. O Gleim ward nicht dein Saͤytenspiel Bespannet vom Apoll im Kriegerdampf verloh- ren, So werde Lied, so sey Gefuͤhl Am Tage welcher ihn gebohren! Oden. Was hoͤr ich? suͤsser Saiten-Klang Dringt in mein Herze tief, vom Himmel wird ge- rufen: ”Das Gluͤck begleitet Spiegels Gang, ”Bis auf des Alters hoͤchste Stuffen. Viertes Buch. Der Schlaf, an Herrn Gleim, als er sagte, daß er immer gut schliefe, und sie gebethen wurde, dem Schlaf ein Lied zu singen. Den 2ten April 1762 . Die stille Nacht streut ihre Schlummerkoͤrner Auf den, der mit dem Pfluge zog, Und in ein krummes Joch, trotz stolz gewachsner Hoͤrner Des Stieres Nacken bog! Der Wanderer wirst seine muͤden Glieder Auf unbepfuͤhlte Lagerstatt; Und ruhet koͤniglich, wenn auf ihn sein Gefieder Der Schlaf verbreitet hat. P Oden. Freund, von Olymp versenden ihn die Goͤtter Sie wachen uͤber ihre Welt, Wenn er so sanft herab, wie weiche Rosenblaͤtter Auf deine Augen faͤllt. Er traͤufelt Balsam in die Seele nieder, Die ganz des Tages Last gefuͤhlt. So wird das welke Graß nach heisser Sonne wieder Vom Abendthau gekuͤhlt! O er besucht mit Traͤumen kuͤnftger Erndte Den, welcher Weitzen ausgeklopft; Und flieht den reichen Mann der kuͤnstlich schwelgen lernte, Und Speis’ auf Speise stopft! Er flattert von dem Auge des Gecroͤnten, Der, an das Kriegesschild gestuͤtzt, Da stehet, und sein Land vor dem unausgesoͤhnten Ergrimmten Feinde schuͤtzt! Viertes Buch. Der Geitzige verwachet sich zur Strafe Und fuͤrchtet seines Goͤtzen Raub Der weise Monadist entreisset sich dem Schlafe Und theilet Sonnenstaub. Von dir, o Freund, ist nie der Schlaf gewichen Als wenn du hast nach Mitternacht Voll Patrioten-Ernst den groͤsten Held verglichen Mit Herculs Kaͤmpfer-Macht. Noch schlummerst du gleich zaͤrtlichen Entzuͤckten In sanfter Ruh; so, wie zur Zeit, Da Liebes-Goͤtter dich mit Veilchen, die sie pfluͤckten, Geworfen und bestreut; Und Phoͤbus dir von dem Parnaß hernieder Drey Musen an die Wiege gab! Sie sangen dich in Schlaf, und wehrten dir durch Lieder Den schweren Traum-Gott ab! Oden. An Palemon, als Herr Oeser das Bild der Dichterin entworfen hatte. (Den 16ten des Christmonaths 1761.) O Freund! Der Mahler? Gefunden Hat er im Auge mein Herz. Er fand mit spaͤhendem Blicke Den Geist, und zeichnete ihn. Die sanft empfindende Seele Entwarf sein Pinsel, und nicht Den Mund, die Wange, das Laͤcheln Dir ohne Reize bekannt! O dies zu schoͤne Gemaͤhlde Seh ich und kenne das Bild Von der unsterblichen Freundin Die in mir denket, und fuͤhlt. Viertes Buch. Mir von den Goͤttern gesendet Ward sie, und lange verkannt Rief ihr aufstrebender Hunger Nicht Brod, nein Freunde fuͤr sich. Gefunden hab ich euch endlich Ihr von der Seele gewuͤnscht. Wer ihre Freude will kennen, Der komm und sehe mein Bild! Sie sitzt in schoͤnstem Erstaunen Und denkt nicht Ehre, nicht Gold; Freund! ihre Goͤtter auf Erden Denkt sie, und denket auch dich! Da wo die Musen und Weisheit Dir laͤcheln, stelle sie hin; Und nenn’ einst deiner Geliebten, Die auf der Schulter dir liegt, P 3 Oden. Nenn ihr den zaubernden Kuͤnstler Und sprich: Das singende Weib War arm an aͤusserer Reizung Und reich an suͤssem Gefuͤhl; Mit zart geschaffenem Herzen Ward sie einst Sapho genannt; Ihr waren Musen gefaͤllig, Und sie war Freunden getreu. Viertes Buch. An den Herrn Music-Director Rolle, uͤber die Cantate des Friedens-Festes. 1762 . Die Musen alle sind zu wenig Ein Lied zu singen so voll Pracht! Dein: Jauchzet Gott, denn er ist Koͤnig! Drang tief in mich mit Gottes Macht. Im Tempel horchten alle Frommen. Der ganze Himmel, dachten sie, Rauscht itzt, und wird hernieder kommen, Mit Majestaͤt und Harmonie! P 4 Oden. Entzuͤckung fuͤhlten alle Seelen, Als naͤhm ein saͤuselnder Zephyr Das schoͤnste Lied von Philomelen In seinen Mund, und braͤcht es dir. Und du mit zaubrischen Verbreiten Belebetest im Augenblick Das Lied auf mehr als tausend Saiten Und saͤngst es in den Hayn zuruͤck! Viertes Buch. An Palemon, zu seinem Geburtstage. 1762 . O du! den die Natur zusammen setzte Von Zaͤrtlichkeit und von Verstand Dir laͤchle dieser Tag, der vormahls sich ergoͤtzte Als er dich anzublicken fand. Er kommt geschmuͤckt mit goldnem Sonnenkleide, Ist lauter Blumen-Cranz, und sieht Dein Antlitz weggewandt von einer Welt voll Freude Und fragt dich, wo dein Fruͤhling bluͤht? Dort an der Spree, wo sanft getriebne Wellen Still und verschwiegen sind wie du Bluͤht jugendlich dein Lenz und volle Rosen schwellen Auf Lippen deinen Wuͤnschen zu. P 5 Oden. Dort wandelt sie, zu der du hingerissen Von ewig starken Banden flogst, Und alle die das Herz sonst auszuforschen wissen Mit unbeflammtem Blick belogst. Die Liebe saß verdeckt in deiner Seele, Und, Freund! bey ihr beschwoͤr ich dich Wie man Empfindungen tief in der Brust verheele Dies nachzuahmen, lehre mich! Auch lehr ein Gott mich deine Liebe singen Wenn Mond und Sterne niedersehn, Wenn Hymen uͤber dir wird seine Fackel schwingen, Und Abend-Luͤfte Kuͤhlung wehn. Viertes Buch. An Denselben. Freund! zuͤrne mit einem stillzankendem Blick. Am Tage deiner Geburt Die Leyer voll dumpfichter Thoͤne zuruͤck Und horch die Stimme der Braut. Sie mahlte, die Feder in Flammen getaucht Ihr sonst verschwiegen Gefuͤhl Gluth wird vom redenden Blatte gehaucht In dein eroͤfnetes Herz. Du hoͤrest Geraͤusche! — So fluͤstert umher Durch Palmen-Baͤume der West; So murmelt der Bienen fortschwaͤrmendes Heer, So rauscht durch Blumen ein Bach. Oden. Sie sandte Gedanken zu tausenden dir Und jeder wurde zu Mund. Vor einem Wunsche geseufzet von ihr Staunt meine Muse zuruck. Viertes Buch. Eine kranke Braut an ihren Geliebten. O du! an den ich taͤglich eine Menge Klagvoller Seufzer abgesandt, Miß mein Gefuͤhl nicht nach des Briefes Laͤnge, Ihn schrieb die zitternde Hand. Des Fiebers Gluth, empor ins Haupt gestiegen, Fraß den Gedanken, ehe er sich Entwickelte, da wo Gedanken liegen In der Empfindung fuͤr dich! So sengt in heissen unbewoͤlkten Tagen Die Mittags-Sonne Blumen ab, Die halb verhuͤllt noch in der Knofpe lagen. So fliehen Blaͤtter herab Oden. Vom Lindenbaum, wenn vor den Ungewittern, Der losgelaßne Sturm ihn schwenkt, Und einen Gott mit unterdruͤcktem Zittern Der Suͤnder fuͤhlet und denkt. O du Geliebter! ahnde nicht mein Schweigen; Gezwungne Suͤnden raͤche nicht! Gieb mir, gieb mir oft deiner Liebe Zeugen. Das harte Siegel zerbricht Von meinem Kuß, der heftig aufgedruͤcket Von Lippen wird, die geizig dich Erwarten, Freund! wie werd ich dann entzuͤcket! An deine heften sie sich; Und rednerisch wird unter tausend Kuͤssen Mein Herz, mit Wollust vollgetraͤnkt, Dir suͤsse Nahmen herzustammeln wissen, Die Sapho selber nicht denkt. Viertes Buch. Klagelied uͤber den Tod eines Canarien-Vogels. (Zu Magdeburg 1761.) Du Saͤnger, aus dem Lande Das feinen Zucker zeugt, Erstarrt liegst du im Sande, Und deine Kehle schweigt! Dir klopfte viele Tage Mit ungestuͤmem Schmerz Und wiederhohltem Schlage Der Tod ans kleine Herz! In tiefer Todes-Stille Befand dein Haͤuschen sich, Daß, auch der kleinste Wille, Zum Singen dir entwich. Oden. Mit klaͤglichem Geschreye Im andern Bauer rief Dich deines Freundes Treue, Wenn fruͤh noch alles schlief. Du starbst, geliebter Kleiner, Von deiner Frau beklagt! Da von den Voͤgeln keiner Nach deinem Grabe fragt, Da weint sie bittre Zaͤhren, Zu kostbar, Vogel, dir! Wenn Wuͤrmer mich verzehren, Weint sie auch uͤber mir. Auf meine Asche nieder Weint meiner Freunde Leid; Sie klagen meine Lieder Mein Herz voll Zaͤrtlichkeit. Viertes Buch. Ich singe, wie du sangest Nach taͤglichem Gebrauch, Und was du itzt erlangest, Erlang ich kuͤnftig auch. Den Staub auf dich gebreitet, Wirft man auch uͤber mich, Mein Grab, mehr ausgeweitet Als deines, oͤfnet sich Den Coͤrper zu empfangen, Den jetzt ein Geist belebt, Der sehnlich mit Verlangen, In mir nach Ruhe strebt. Bey deiner Koͤrner Essen Und Wasser, huͤpftest du; Viel wird mir zugemessen: Ich fordre mehr dazu. Q Oden. Das Gluͤck, das ich schon habe, Ist meinem Geist zu klein. Fuͤr ihn muß uͤberm Grabe Mehr Gluͤck, mehr Ruhe seyn. Viertes Buch. Lied der Froͤlichkeit im Brachmonath 1762 . Den Musen hold und treu Heiß ich den Gram vorbey Vor meinem Herzen fliehn Hin nach dem stolzen Wien! Da toͤdt er jede Lust In boͤser Raͤthe Brust; Und den, der andrer Gluͤck Besieht mit finstern Blick, Und den, der Geld bewacht, Den quaͤl er Tag und Nacht! Q 2 Oden. Die Furcht, die Traurigkeit, Den Kummer um die Zeit, Die morgen kommen soll, Vertreib du mir, Apoll! Mir gieb dein Saitenspiel Den Freunden gieb Gefuͤhl Der klugen Welt Gehoͤr; Dann heisch ich mir nichts mehr Als naͤchtlich sanfte Ruh Die Dichterin hatte uͤber schlaflose Naͤchte geklaget. Vom Vater Zevs dazu. Mein ist kein Winkel Land Und keine Traubenwand; Des Hagels Schlag zerbricht Mir Baum und Weinstock nicht; Vor meinen Thoren rollt Kein Wagen, der auf Gold Viertes Buch. Und abgestiegne Pracht Den Poͤbel gaffen macht; Auch steiget in mein Haus Kein falscher Freund daraus. Du Bruder von dem May Becraͤnzter Monath sey Mit deinen Rosen mein Streu sie um unsern Wein! Die juͤngsten, die du hast Gieb mir fuͤr Wirth Herr Ramler. und Gast Herr Gleim. Becraͤnzet sey ihr Haupt Ihr Becher sey belaubt, Mit Epheu, der verliebt Den nahen Baum umgiebt! Q 3 Oden. Hier find uns noch der Mond, Und wenn sein Creyß bewohnt, In seiner groͤßten Stadt Auch Musenkinder hat; So laden wir sie ein, Sie sollen Zeugen seyn: Wir trinken Friedrichs Sieg Das Ende von dem Krieg, Und wollen, daß Apoll Selbst mit uns trinken soll! Viertes Buch. Klagen einer Braut an ihre Nachtigall. Im Wintermonath 1761. Du Saͤngerin geheimer Klagen, Geliebte Nachtigall! du singst; Ach, laß dir meinen Kummer sagen, Daß du ihn in Gesaͤnge bringst! Ach, klage den, der mir entzogen Mit allen meinen Freuden ist! Dein Liebling ist dir auch entflogen, Um welchen du so traurig bist! Mein Liebling, den ich siebzehn Erndten Gekannt, gewuͤnscht, gehofft, geliebt, Ach, der ist unter den Entfernten Da, wo Gefahr das Zelt umgiebt! Q 4 Oden. Wo gegenuͤber Feinde wohnen, Und wo der fuͤrchterliche Tod, Mit starkem Donner der Canonen, Dem Gluͤcke meines Lebens droht! Du kluger Vogel! siehst zu weilen Mich traurig an, als wollt in dir Dein Herz den Kummer mit mir theilen; O fuͤhl ihn doch, und singe mir! Sieh, was auf meiner blassen Wange Die Thraͤne der Empfindung spricht: ”So klagt im traurigsten Gesange, ”Ein Dichter bey den Graͤbern nicht! Ich weine nicht des Freundes Zaͤhre, Ich aͤchze Klagen einer Braut, Die, wenn ihr Freund gefallen waͤre, Den Graͤbern ihren Schmerz vertraut. Viertes Buch. Den ganzen Tag hoͤr’ ich das Knallen Des Treffens, und mein Traum bey Nacht Zeigt mir die Menschen, wie sie fallen, So faͤllt mein Treuster in der Schlacht! O! da sinkt neben seiner Leiche Die zaͤrtliche verlaßne Braut! ”Krieg, toͤdte mich mit einem Streiche! So stoͤhnt ihr letzter Seufzer laut. Sie stirbt, doch nein, sie wacht mit Schrecken Vom schweren Traum zu klagen auf; Gram schlaͤft in ihr, Gram kommt sie wecken; So aͤngstlich ist ihr Lebenslauf! Du Vogel hilf ihr klagend singen! Misch in die Thoͤne Wehmuth ein; Wird mir mein Gluͤck der Friede bringen, Dann soll dein Lied frohlockend seyn! Oden. Klagen eines ungluͤcklichen Verliebten. Flieht ihr Freuden, weicht ihr Scherze, Du Gesellschaft, Saitenspiel und Tanz; Nichts ergoͤtzt mein traurig Herze, Weiche, beste Welt, mit deinem Glanz! Ewig will ich klagen Und von meinen Tagen Soll nicht einer aufgeheitert seyn. Ach ich will fuͤr nichts empfinden, Als fuͤr meine Pein! In den wildesten Gebuͤschen Will ich mit verscheuchten Hirschen gehn, Und wo giftge Schlangen zischen Will ich stolz den Tod erwartend stehn! Viertes Buch. Einsam will ich irren Melancholisch girren Wie des Turteltaͤubchens Gatte thut; Dem der Habicht sein Vergnuͤgen Nahm, mit Raͤuberwuth Da, wo nie ein Thau gefallen, Wo noch nie ein Maͤdchen ward gekuͤßt, Wo kein Lied der Nachtigallen, Und kein Schaͤfer-Rohr zu hoͤren ist, Da, wo mitternaͤchtig Schwarz und schroͤcklich praͤchtig Nur die Furcht ihr ewig Wohnhaus hat, In der Wuͤste will ich taumeln, Meines Lebens satt. Oden. Sapho an Amor. Sohn Cytherens, kleiner Weltbezwinger! Welch ein Schmerz durchtobte deinen Finger Von dem Stich der Honigtraͤgerin! O empfind ihn noch, wie Schlangenbisse Und dann denke, was ich leiden muͤsse, Da ich wund von deinem Pfeile bin! Nicht im Finger, nicht in weichen Backen, Oder in dem hartgenervten Nacken, Nein im Herzen fuͤhl ich deinen Schuß! Ach du hast den Pfeil mit Gift bestrichen, Tausend Pfeile fuͤhl ich in den Stichen, Welche machen, daß ich seufzen muß! Viertes Buch. Habe Mitleid! Nimm itzt deinen Koͤcher, Goͤttern ziemet ja das Amt der Raͤcher Und dein Bogen ist zur Rache stark! Eile, raͤche mich! ach! Amor eile Nicht allein die Spitze von dem Pfeile, Gluth in mir verzehret Blut und Mark! Jener Phaon mit den feuervollen Schwarzen Augen, die mich toͤdten wollen Und mit einem Munde rosenweich, Findet Wollust in der Kunst zu quaͤlen. Zwoͤlf betruͤbte Tage muß ich zaͤhlen Jeder ist den Erndte-Tagen gleich. O du kennst die Thaͤler, wo er gehet, Dort, wo deiner Mutter Bildniß stehet In dem Palmen-Hayn, da wandelt er! Such ihn unter dickbelaubten Eichen, Und will er zu Rosenhecken weichen, Flattre um ihn, wie ein Vogel her. Oden. Hurtig ist er, gleich den jungen Rehen! Aber bleibt er an dem Wasser stehen, Wo der weiche Klee am Ufer gruͤnt; Dann erinnre dich, was ich gelitten, Spann den Bogen faß ihn in der Mitten, Triff die Stelle, die den Pfeil verdient! In sein Herz, noch kaͤlter als die Schollen, Die dem Blick der Sonne trotzen wollen, Amor, in sein Herze ziele du. Dann wird ihm die tiefe Wunde schmerzen, Und er eilt mit halb zerschmolznem Herzen Reue fuͤhlend meinen Armen zu. Vermischte Gedichte. Erstes Buch . An den Prinzen von Preussen, als von dem Nutzen der Geschichte gesprochen wurde. Prinz! die Geschichte mahlt den Menschen und den Held, Den Koͤnig und die Unterthanen; Sie lehret dich von Rom, wie unter seine Fahnen Es niederwarf die ganze Welt; R Vermischte Gedichte. Sie zeigt dir Griechenland die Siegerhand erheben Und nachbarlichem Volk als Herr Gesetze geben; Bald aber wiederum durch niedern Geiz empoͤrt Von eignem Volk bekrieget und zerstoͤrt; Und endlich siehest du Rom von dem Throne werfen, Ganz Griechenland zerrissen seyn; Du siehst der Dinge Wechsel ein, Um den Verstand in dir zu schaͤrfen. Stolz, Herrschsucht, Ehrgeiz, Tyranney, War Ursach von der Thronen Falle. Daß Pyrrhus groß gewesen sey, Beweisen seine Thaten alle: Jedoch, um groͤsser noch zu seyn, Zog er vor eine Stadt, sprang uͤber ihre Mauer, Aus Ruhmsucht ward ihm nicht des Wuͤrgens Arbeit sauer; Von einem Dache flog ein Stein, Dem Menschen-Wuͤrger ins Genicke, Aus runzlichter verdorrter Weiberhand; Er fiel, und starb, verspottet von dem Gluͤcke! Erstes Buch. Du aber Hoffnung fuͤr das Land, Sey deines Volkes Lust, die Zierde deines Sitzes! Und wenn dein Nachbar dirs vergoͤnnt; So fuͤhr ein friedlich Regiment, Das majestaͤtisch ist, ohn die Gewalt des Blitzes, Der um den Koͤnig her im Felde schrecklich faͤhrt, Wenn er mit hunderten sich gegen tausend wehrt! R 2 Vermischte Gedichte. Klagen und Bitte, dem Koͤniglichen Feldherrn Herzog Fer- dinand gesungen auf dem Schutt des Gotteshauses zu Elbingerode am Harz. (Im August 1762.) Held! der in tapfrer Hand verdeckte Keile traͤgt, Biß schlangenfoͤrmig hin und wieder Sein Blitz die Luft durchfaͤhrt, und schnell zur Erde nieder Des stolzen Frankreichs Fahnen schlaͤgt. O Sieger! heiß Dein Heer, heiß Deinen Donner schweigen, Nur einen Augenblick verweil und merk auf mich; Und, unter frischen Lorbeerzweigen Zu mir herunter neige sich Erstes Buch. Dein offnes Ohr, und hoͤre Klagen! Auf einem Schutte sing ich Dir, Unaufgeraͤumt, unabgetragen; Ein Tempel Gottes war er einst. O Du, der Du nach jedem Siege Die Thraͤne der Erbarmung weinst, Und menschlich fuͤhlst im wilden Kriege; Empfinde dieser kleinen Stadt Zu schwer gewordnen Gram, und hoͤre Mich, wegen unsers Gottes Ehre, Der praͤchtig hier gewohnet hat, Als von den Umfang hoher Buͤhnen Sein Lobgesang erscholl, und festlich am Altar Der ganz mit Gold bezogen war, Die Priester standen, dem zu dienen Der Deine grosse Seele liebt, Und in die Flucht vor Dir, des Feindes Haufen giebt! In seinem Namen darf ich kuͤhn Dein Herz beschwoͤren Bis es auf diesen Aschenhuͤgel blickt, R 3 Vermischte Gedichte. Der uͤbrig blieb, als Glut das Heiligthum verzehren In einer Stunde kam Die Hannoͤversche Stadt Elbingerode wurde im Jahr 1759 fast gaͤnzlich in die Asche gelegt. und bey dem Schutt gebuͤckt Der arme Buͤrgerstand, den itzt der Krieg erdruͤckt; Nichts blieb ihm uͤbrig, als nur schlecht bedecktes Leben, Nicht moͤglich ist ihm aus dem Staub Das Gotteshaus empor zu heben; Sein Brod, von schwerem Fleiß ihm vor den Mund gegeben, Ward oft des schnell zuruͤck gekommnen Feindes Raub, Der auch den allerletzten Bissen Mit Drohung, und mit Fluch ihm aus der Hand gerissen, Und taub bey seinen Klagen blieb, Ganz ohne menschliches Gefuͤhle, Nur Spott mit seinen Thraͤnen trieb, Und drohend nannte den Bellisle, Den vormals mit getreuer Hand Die Stadt gefangen nahm, und zu Georgens Fuͤssen Erstes Buch. Als Krieges-Opfer ihn gesandt: Es ist bekannt, daß im Jahr 1744 der franzoͤsische Mi- nister Herzog von Belleisle an diesem Orte gefangen genommen wurde. Dis wollt er nun zu raͤchen wissen, Drum hat er seinen Blick in jene Zeit gewandt, Und grimmiger gehaͤuft der armen Buͤrger Plagen, Die, ganz betaͤubt von Gram, des Feindes Trotz und Spott, Dem hoͤchsten Richter, ihrem Gott, In einem Bretterhause klagen. O Held, o Menschenfreund! wenn in des Winters Tagen Vom Harzgebuͤrg die rauhe Luft Herabstuͤrmt an die duͤnnen Waͤnde, Dann zittern dieses Volkes Haͤnde, Das hier versammlet ist, und laut zum Himmel ruft: Laß Dich bewegen seine Zaͤhre, Und gieb nur einen Wink, so wird bey Deinem Heere R 4 Vermischte Gedichte. Gesammlet zu dem Bau, daß er von statten geh. Der edelmuͤthige und gut geherzte Britte Giebt reichlich, wird belohnt von Gott, der auf der See Die Flotten Albions heißt unumschraͤnkt regieren, Und ihre Feinde schreckt, daß sie den Muth ver- lieren, Und Insuln giebt in ihre Hand. Herr! durch das Laͤcheln Deiner Blicke, Wird jedes Herz mir zugewandt. Mein ist die Wohlthat, mein das Gluͤcke, Das den Bedraͤngten wiederfaͤhrt, Und meine Seele weinet Freuden, Wenn Deine Fuͤrstenhuld der armen Stadt gewaͤhrt Ihr Bethhaus besser einzukleiden, Und Glocken auf den Thurn zu ziehn. O tausend Herzen werden gluͤhn, Fuͤr Dich Geluͤbde thun, sich uͤber Dich ergoͤtzen; Erstes Buch. Und tief in ertzne Tafeln aͤtzen Wird ihre Pflicht mit Kuͤnstler Hand: ”Der Feldherr Friederichs, der grosse Ferdinand ”Ließ diesen Altar baun, und diese Pfeiler setzen. R 5 Vermischte Gedichte. Erinnerung und Fragen an die Koͤnigin. ( Im August 1762.) Vergieb, o Koͤnigin! Mein Herz entschliesset sich, Kommt vor Dein Angesicht getreten, Verschlinget Deinen Blick, wird kuͤhn und fraget Dich: Hat schon Dein grosses Herz fuͤr mich, Den Bruder und den Held gebethen? Die Dichterin hatte sich unterstanden, vorstehende Kla- gen und Bitte der Königin Majestät zu uͤberreichen, mit Bitte, solche in einem Brief an des Herzog Ferdinands Durchl. mit einzuschliessen, und mit gnädigster Empfehlung zu begleiten; die großmüthige Königin hatte ihr deßfalls ihr Wort gegeben; hier untersteht sich die Dichterin, sie daran zu erinnern, und man weiß, daß sie mit Gewährung ihrer Bitten von der grossen Kö- nigin sowol, als von dem grossen Feldherrn belohnet wurde. Hast Du mein Lied an Ferdinand In Deinen Brief gehuͤllt, und also fortgesandt? Erstes Buch. Darf ich der armen Bergstadt sagen, Daß Deine Seele, Koͤnigin! Geruͤhret sey von ihren Klagen? Verzeyhst Du mir, daß ich verwegen bin, Halb ungeduldig Dich zu fragen? Ach siehe doch, der Herbst entflieht mit kuͤrzern Tagen Allzugeschwind, und bald verhuͤllt Die Sonne sich, mit kalter Wolke! Wenn denn der rauhe Nord vom Harzgebuͤrge bruͤllt; Dann machet er dem armen Volke Das in dem Bretterhause sitzt, Die Glieder kalt und starr, daß frommer Andacht Feuer Kaum noch des Hoͤrers Herz erhitzt. Frau, ich beschwoͤre Dich bey allem, was Dir theuer In Deines Herzens Augen jemals war! Vermischte Gedichte. Bey Friedrichs Leben! bey dem Leben Des Prinzen, der nach Ruhm zu streben, Nicht achtet Kugeln und Gefahr! Und bey dem Frieden, den das Jahr Das wir erwarten mit sich bringet! Bey jeder Heidenthat, die Deinem Ferdinand Wenn er sie unternimmt, gelinget! Verschaffe, daß von seiner Hand Das Haus gebauet wird zu unsers Gottes Preise! Es bringt dem Helden groͤssern Ruhm, Als wenn ein Sieg ihn schmuͤckt mit frischem Lorbeerreise. Dein Bildniß soll das Heiligthum An einem hohen Pfeiler schmuͤcken; Und wenn die Kinder einst neugierig es beblicken, Denn lobt der Mutter Mund noch Ferdinandens That, Und ruͤhmt die Koͤnigin, die ihren Bruder bath. Erstes Buch. Vorbitte fuͤr einer armen Witwe an das Dohmcapitul zu Halberstadt. Seyd mir gegruͤßt, ihr Herren von dem Dohm! Ehrwuͤrdiger, als ehedem zu Rom, Der Consul und Senat die Voͤlker auszuruͤsten Ins Capitol geeilt, um Nachbarn zu verwuͤsten; Seyd mir gesegneter, als Herren zu Paris, Die Ludewig versammlen ließ, Im grossen Parlament, um alles Volk zu schaͤtzen, Den Krieg mit Nachdruck fortzusetzen; Heil sey euch! mehr, als in dem kalten Norden Den Staͤnden, die gemacht, daß Friedrichs naher Freund In seiner Schwester Arm, ein Feind Trotz seines Herzens ist geworden; Vermischte Gedichte. Ich gruͤß euch mit dem besten Gruß, Der einem Menschen-Freund gebuͤhret; Und meine Muse bringt vor euch ein Weib gefuͤhret, Vom Grabe hergewankt, worauf sie weinen muß. Ihr Mann war euer Syndicus! Er starb im Sommer seiner Jahre, Noch langes Leben sah’ aus seinem Angesicht; Ihn brach der Tod, wie Sturm die g’rade Tanne bricht, Er fiel! die Wittwe raufte nicht, Bey seiner ihr zu fruͤhen Bahre Aus tobendem Gefuͤhl die Haare, Sie schlug sich nicht an ihre Brust; Nein, von zu grossen Schmerz durchdrungen War sie erstarrt, sich selber nicht bewußt, Denn ihr Verlust war nicht mit Zungen Genug zu klagen, ach! die stumme Traurigkeit Ward noch von Dichtern nicht gesungen, Von Rednern nicht gesagt. Sie ist ein nagend Leid Erstes Buch. Und bricht gewaltiger hervor nach kurzer Zeit; Sie stroͤmt in ganzer Thraͤnen-Quelle, Die je ein Auge weinen kann; Ein nahmenloser Gram liegt vor dem todten Mann Am Herzen dieser Frau. Er wird ihr Schlafgeselle; Der Mangel sitzt auf ihrer Schwelle; Ihn, und acht Kinder sieht sie an, So bald die Sonne blickt, die eher noch erscheinet, Als diese Mutter Brodt fuͤr ihre Kinder hat. Sie netzt den Flachs, indem sie weinet, Spinnt, und verkauft das Garn dem Haͤndler in der Stad O der Verdienst macht kaum zween kleine Magen satt! Er kleidet nicht den Sohn, den noch auf ihren Armen Die Amme tragen muß. Er fodert das Erbarmen Mit stammelnder Gewalt von dem, der fuͤhlen kann. Seht dies verlaßne Kind, seht diese Mutter an, Vermischte Gedichte. Und gebt ihr einen Theil von dem, was der erworben, Der euch gedient, und ihr zu bald gestorben! Ihr thuts, ihr seht herab, als wie der Menschen- freund, Ein Engel niedersieht, wenn der Verlaß’ne weint. Erstes Buch. An den Freyherrn von Kottwitz, als er ihr Gemaͤhlde zeigte, und sie fragte, ob die Blumenstuͤcke nicht schoͤn waͤren? Ja, sie sind schoͤn, die bunten Blumenstuͤcke! Betruͤgerisch fuͤr unsre Blicke, Wird meine Hand verfuͤhrt, daß sie nach einer langt, Die wie die schoͤnste Blum in deinem Garten prangt! Doch schoͤner sind fuͤr mich die Stuͤcke der Geschichte: Da stirbt auf Alexanders Angesichte Der Ehrgeiz, den der Held in seiner Brust verbarg; Da sieht sein Auge starr, gleich halb verloschnen Kohlen, Die um ihn stehen, an; Er, der der Welt befohlen, Stirbt, und erobert einen Sarg. S Vermischte Gedichte. Sein Arzt kniet neben ihm, und fuͤhlt mit seiner Rechten Das Herz des Kriegers, dem der Tod schon Stoͤsse giebt, Die Linke fuͤhlt den Puls, und Alexanders Knechten Verkuͤndiget der Blick des Arztes zu betruͤbt Des Weltbezwingers letzte Stunde; Laut klagt ihr Herz in ihrem Munde, Und Gram auf ihre Stirn gewolket, breitet sich; Das ganze Haus, bis auf die Hunde, Steht angstvoll, heulet jaͤmmerlich! Zu des Erobrers Haupt, auf einem Tische, liegen Sein Helm, sein Panzer, und sein Schild, Bemahlt mit Furien; sein Schwerdt, gewohnt zu siegen, Nutzt ihm nicht mehr, er muß dem Tod itzt unterliegen; Wie bin ich, seufzet er, der Nichtigkeit ihr Bild? Ein Gott, und einer von des Todes Unterthanen? Und stirbt, bestroͤmt mit Thraͤnen von Roxanen. Erstes Buch. O du, mein Vater, Die Dichterin nennt den Freyherrn von Kottwitz wegen der ihr erzeigten Wohlthaten, ihren Vater. sprich, ob dich dies Bild nicht ruͤhrt, Mehr, als ein Stuͤck mit Pracht des Fruͤhlings ausgeziert? Und, o! sieh jenes noch! da lieget auf dem Schoosse Der Schoͤnen, die er liebt, ein Held! Sein lockigt Haar, das weich auf seine Schultern faͤllt, Ist schoͤn; doch groͤssern Reiz enthaͤlt Sein blaues Auge, das die grosse Und feuervolle Seele zeigt, Die zaͤrtlich und betruͤbt itzt in das Auge steigt! Aus Seufzern soll er Worte sammeln, Um seinen Abschied herzustammeln; Wehmuͤthig reichet er sein Bildniß schoͤn gemahlt, Der Angebetheten, die, wie Aurora strahlt; S 2 Vermischte Gedichte. Allein, an statt das Bild zu nehmen, Greift sie nach Rosen, die ein Liebes-Gott ihr reicht; Die Stolze! Vater, ja, sie sollte sich nur schaͤmen! Ein Held liegt da vor ihr, von Zaͤrtlichkeit erweicht, Und sie allein ist Stein, und kann ihm wiederstreben, Und sie allein wird nicht erweicht? Ach Vater zuͤrne doch! sie spottet! ja! vielleicht Will sie dem armen Held, dem sie das Herz er- weicht, Die Rose zur Erquickung geben! Zu ihrer Rechten stuͤrzt ein Wasserfall, und schilt Laut murmelnd, daß sie so die Zaͤrtlichkeit vergilt, Ihm gegenuͤber stehn zwey Krieger, und es scheinet, Als ob ihr Herz mitleidig weinet; Voll ritterlicher Treu begleiteten sie ihn Auf seiner Heldenbahn, nun soll er weiter ziehn; Erstes Buch. Welch einen Schmerz fuͤhlt er! ach! Sie soll er ver- lassen? Die Grausame! sie bleibet kalt? O welch ein boͤses Weib! ich muß, ich muß sie hassen, Und waͤre sie, wie Venus, von Gestalt! S 3 Vermischte Gedichte. An den Dohmdechant Freyherrn von Spiegel, zum Diesenberg, als er gesagt hatte, daß er schlaflose Naͤchte haͤtte, und bey Lichte nicht gut lesen koͤnnte 1761 . Dich flieht der Schlaf? dich sieht die Lampe wachen? Du nimmst ein Buch, um dir die Naͤchte kurz zu machen? Das Auge fodert Sonnenschein? Dein Blick ist, wie die Naͤchte, truͤbe? Ein Maͤdchen sollte da dir vorzulesen seyn, Ein Maͤdchen, schoͤn wie Lenz und Liebe! Und an Geschmack wie Dichter fein! Doch wachend faͤllt dir nur die Lust zu jagen ein, Du wuͤnschest dir im Wald dem Hirschmann nachzusetzen, Den Hauer im Morast zu hetzen, Erstes Buch. Ihn faͤllen, und dann zappeln sehn, Wie Russen, die gestuͤrzt in schwarzem Blute roͤcheln, Und kruͤmmend sich im Staube drehn! Sie fallen bruͤllend hin; die Preussen aber laͤcheln Des Heldentodes, sterben so, Als ein gerechter Mann, verarmt, auf wenig Stroh Im Schlafe laͤcheln liegt; Ihn traͤumt von Gottes Knechten, Von Engeln, die ihm Brodt auch in der Wuͤste braͤchten. So schlief ich ehedem sanft und geruhig ein, Vier Kinder um mich her und neben mir ein Gatte, Der keinen Gram um Brodt, und keine Pflichten hatte, Als, uͤber mich ein Herr zu seyn! Die Sorgen blieben alle mein; Mein suͤsser Trost der Schlaf, und Traͤume wie Propheten Verminderten den Druck von taͤglich neuen Noͤthen; S 4 Vermischte Gedichte. Je groͤsser Kummer nun mit mir zu Bette ging, Je lieblicher daß mich der sanfte Schlaf umfing! Wie gluͤcklich war ich da! ich fuͤhlte halb mein Leiden! Der Tag war schwer fuͤr mich! die beßre milde Nacht Verliehe dieser Seele Freuden, Die noch im Schlafe denkt und wacht. Ich lag wie unterm Schutz von einer Gottheit Haͤnden, Nicht aufgeweckt, bis sich die Schatten von uns wenden, Bis mir die Sonne schien, da sah ich ihren Gruß Wie Gottes Augen an, die auf mich niederblickten. Ich bat ihn nie um Ueberfluß; Nicht ungeduldig bat ich, Sorgen die mich druͤckten Von mir zu nehmen, nein, ich blieb Gelassen, bis er meinen Kummer, Wie einen Nebel von mir trieb. Dir wuͤnsch ich jenen sanften Schlummer, Erstes Buch. Der mir im Elend Wohlthat war; So wirst du nie das Buch erwaͤhlen, Um Mitternacht wird dir nie deine Ruhe fehlen, Zur Sommernacht wird dir die laͤngste Nacht im Jahr. S 5 Vermischte Gedichte. Morgen-Fragen an Gliphaͤstion, als er Abends vorher einen Traum erzaͤhlet und dabey gesagt hatte: Er schlafe immer sehr gut, und habe selten Traͤume. (Zu Berlin, den 4ten des Brachmonaths 1761.) Freund, war dein Schlaf, so wie nach einer Schlacht Des Feldherrn Schlummer ist, der ganze schwere Naͤchte Bey seiner Lampe durchgewacht, Und nichts, als nur daran gedacht, Wie er den Sieg erhalten moͤchte? War deine Ruhe so, wie eines Juͤnglings ist, Der mehr als Cicero zu uͤberreden wuste, Und der, die sich ergeben muste, Bewegungsgruͤnde zugekuͤßt? Erstes Buch. War sie dem Schlaf des Schnitters gleich, Der, ohne Gold bey schwarzem Brodte reich, Bey Wasser aus dem Quell zufrieden ist, und muͤde Die Schlummerkoͤrner bald auf seinem Augenliede Sanft druͤckend liegen hat, wenn sie manch grosser Mann Auf Purpurdecken wuͤnscht und nicht erseufzen kann? Und schliefst du nun so suͤß, als Helden auf Trophaͤen, Und wie ein Juͤngling, der am weichen Busen schlief? Wie Schnitter, die zuruͤck im Abendthaue gehen Vom Feld, auf welches sie die Morgensonne rief? So sollst du deinen Traum mir sagen; Sprich! fuhrest du auf Venus Wagen, Bespannt mit Tauben, die du laͤngst ersungen hast? Und sah dein Geist den praͤchtigsten Pallast, Vermischte Gedichte. Wie dort in Miltons Lied ihn schwarze Krieger bauen, Die aus der Erde Demant-Klippen hauen; War der Pallast groß wie Europa ist, Eines solchen Pallastes wurde bey Erzaͤhlung des Trau- mes erwähnet. Und waren die Tapezereyen Gemaͤhlde, derer die im Schattenreich sich scheuen, So oft ein Fremdling sagt, daß sie die Welt vergißt, Weil jedermann nur Friedrichs Thaten ließt? Und hat dich endlich dieser Wagen Nicht vor ein praͤchtig Zelt getragen, Wo Tuͤrken auf den Knien lagen? Entbothen sie des Sultans Gruß, Nicht mit versichernden Gebehrden, Daß Mustaph stolz drauf thut, ein Bundsgenoß zu werden Vom besten Koͤnige und groͤßtem Held auf Erden? Damals wurde von einem Bündniß des Königs mit der Ottomannischen Pforte gesprochen. Erstes Buch. Und sahst du nicht erschrockne Russen fliehn, Die Schaam auf ihren Wangen gluͤhn; Und Oestreich, mit Entschluß zum Sterben oder Siegen, Noch einmal fechten und alsdann zu Boden liegen? Sprich bist du nicht erwacht vom jauchzenden Berlin, Und hast, indem du bist erwacht, Erst an den Frieden und zuletzt an mich gedacht? Vermischte Gedichte. Gliphaͤstions wirklicher Traum. (Zu Berlin den 6ten des Brachmonaths 1761.) Gliphaͤstion, mein Freund, der nicht zu traͤumen pflegt, Nicht aberglaͤubisch forscht, nicht Zeichendeuter fraͤgt, Der Kuß und Freuden nimmt, die ungeweissagt kommen; Gliphaͤstion, mein Freund, ist einer von den Frommen, Die Zevs, indem er schuf, schoͤnherzig hat gemacht. Er lag in einer Winternacht Im besten Schlaf, den je das Gastmahl noch gebracht, Wo, mit dem Duft vom Wein, geselliges Vergnuͤgen Den Freunden in den Kopf gestiegen, Und vom Gespraͤch ihr Herz berauscht gemacht. Er schlief so suͤß, als wie bey einem Wasserfalle, In weichem Graß, ein Wandrer schlafen liegt; Er sah im Traum Roms Helden alle Erstes Buch. Und Griechenlandes, das so oft mit Rom gekriegt. Der Luftereyß war, als wie in Fruͤhlingstagen heiter; Auf einmal aber ward prachtvolle Mahlerey Von Wolken in der Luft, da zogen grosse Streiter Mit glaͤnzendem Gewehr vorbey. Der Macedonier, noch mehr bespruͤtzt mit Blute, Als beym niyhatischen Gebuͤrge, wo Der Perser, den er schlug, auf einer matten Stute Und uͤber Leichenberge noch entfloh. Noch siegbegieriger, als bey den Donnerschlaͤgen Wo starker Sturm den schnell herabgegoßnen Reg Ans Ufer des Hydaspes schlug, Ein Stuͤck des Ufers nahm, und eine Insel machte, Die in dem Flusse schwamm und den Erobrer trug, Der halb im Wasser stand, den Tod des Porus dachte, Und Wuth und Sieg heruͤber brachte. Vermischte Gedichte. Noch praͤchtiger sah in dem Traum Mein Freund ihn auf dem Thron des Persianers sitzen, Gefangne Koͤnige zu seiner Fuͤssen Raum, Und Nationen fliehn vor seines Auges Blitzen. Auch sah’ er Caͤsarn, der, den Feinden zu ent- kommen, Sich aus dem kleinen Schiff geworfen in die See, Mit einer Hand fortruderte Und in der andern Hand, die Briefe festgenommen Frey uͤber seinem Haupte traͤgt, Ans Trockne kommt, noch feucht vom Meere, Den Koͤnig der Egypter schlaͤgt, Und dann mit seinem Heldenheere Bey Zella den Pharnaces sieht, Schlaͤgt, uͤberwindet, und als Sieger weiter zieht. Noch mehr! Es schilderte die wunderbare Wolke Den dritten praͤchtigen Triumph Pompejus ab, Erstes Buch. Und wie er Korn genug zu Rom dem armen Volke; Der König ließ, als die Dichterin dieses schrieb, für eine Tonne Goldes Getreyde den Armen austheilen. Wie er die Sicherheit dem Meer vor Raͤubern, gab. Da waren Hercules, Achill, und alle Helden Des Alterthums, glorreicher vorgestellt, Als jemals die Geschichte melden, Und jemals noch ein Kuͤnstler in der Welt Erobrer, Sieger, Triumphirer, Mit kriegerischer Gluth im Antlitz vorgestellt. Mein Freund betrachtete die Bilder dieser Fuͤhrer, Rief sein Gedaͤchtniß auf, und fand, Daß diese Mahlerey da nicht gezeichnet stand. Er staunte, dachte tief, bewunderte die Bilder, Als vom Olymp Minerva zu ihm kam, Ihr feurig Auge blickte milder Ihn an, sie sprach, und er vernahm: T Vermischte Gedichte. ”Daß diese Schaar von Fuͤhrern grosser Heere, ”Die Schilderey von einem Helden waͤre, ”Den Rom und den das Griechenland ”So glaͤnzend nicht gehabt, und der fuͤr seine Staaten ”Allein so viel gethan, als alle diese thaten. Die Goͤttin sprach es, und verschwand. Und ploͤtzlich stiessen Alexander, Und Caͤsar mit dem Speer und Schilden an einander, Es ward ein stark Geraͤusch; die Wolken trennten sich, Und mein erwachter Freund rief: Groß ist Frie- derich! Erstes Buch. An den kranken Herrn Rector Goldhagen. (Zu Magdeburg den 21ten August 1762.) Du liegst zu Bette, Freund! an Haupt und Fuͤssen krank, Itzt, da von allen Patrioten Geredet wird: Man hatte die erste Nachricht erhalten, daß der feind- liche General Laudon, auf dem Wege zum Entsatz der Vestung Schweidnitz, am 16ten August geschlagen sey. daß Gott dem Kriegesgluͤck geboten Zu seyn bey Friedrichs Volk, bis matt zu Boden sank Der stolzgekommne Feind, der jene Vestung wieder Dem Sieger uͤberlassen soll? Bald stuͤrzt Theresiens gethuͤrmte Hoffnung nieder! T 2 Vermischte Gedichte. Darius baute so, von stolzer Hoffnung voll, Acht grosse Schloͤsser hin in eine grosse Wuͤste; Und keine Sorge fiel ihm ein, Daß er den Bau verlassen muͤste, Wenn halb heraufgefuͤhrt die Waͤnde wuͤrden seyn! So gieng sein stolzer Sohn mit praͤchtigem Geruͤste, Und glaͤnzend, gleich dem Sonnenschein, Aus freye Griechenland, hieß ungezaͤhlte Heere Vor sich voruͤber gehn, und gab dem wilden Meere Bestrafung, wie ein ernster Mann Dem wilden Knaben giebt, den er nicht zwingen kann; Den Wellen warf er Fesseln an. Die Fesseln aber, Freund, verschluckten erst das Eisen, Und dann vier hundert Schiffe nach, Um einig mit dem Sturm, vollmaͤchtig zu beweisen, Wem Xerxes trotzig wiedersprach. Erstes Buch. Der Gott regieret noch, dem bey dem Hellesponte Der Perser Hohn gesprochen hat; Daß unser Friederich nicht matt Geworden ist, o Freund! daß ihn nichts stuͤrzen konnte, Das wollte dieser Gott, den Griech’ und Perser blind In ihrem Jupiter mit Hecatomben ehrten. Wir aber, die sein Wort und seinen Willen hoͤrten, Wir gluͤckliche Geschoͤpfe, sind Im Herzen uͤberzeugt, daß aus dem Vaterlande Der Feind getrieben wird, und Deutschland nicht die Bande Gedrohter Knechtschaft tragen darf; So wie der Perser nicht mit seinen Millionen An Griechenland die Fesseln warf; So werfen sie an uns nicht beyde Kayser-Cronen. T 3 Vermischte Gedichte. Aufmunterung an den Geheimen Rath Freyherrn von Labes, wegen seiner Betruͤbniß uͤber Peter den dritten. (Den 20ten des Weinmonaths 1762.) Der du des Gluͤckes Eigensinn ertragen, Und itzt in seiner Freundes-Schooß Auf samtnem Sessel wirst getragen, O Labes, Patriot! verwandle deine Klagen In Saitenspiel, und laß nicht mehr Gedanken fragen: Warum dein Peter fiel? der strahlenreich und groß Der hohen Sonne glich, die Gottes Erde waͤrmen, Und seine Majestaͤt den Menschen zeigen muß! Ihn wecken Seufzer nicht, auch nicht ein Thraͤnenguß Gestroͤmt auf heilige Gebeine; Sein Engel, sonst umeraͤnzt mit Morgensternes Licht, Verhuͤllet itzt sein Angesicht Und wirft sich nieder, daß er weine, Erstes Buch. Und wuͤrde, waͤr es ihm erlaubt, Den Schoͤpfer aller Wesen fragen: ”Warum der hohen Ceder Haupt ”Von schnellem Blitze ward zerschlagen? ”Warum der Todes Engel schlug ”Den Herrscher uͤber Nationen, ”Der in erhabner Brust so viel Entwuͤrfe trug, ”Die Tugend, das Verdienst, die Kuͤnste zu belohnen? ”Und den, den schon sein Fleiß erhub. ”Noch glaͤnzender empor zu heben? Er ist nicht mehr! der Staub begrub Den, der ein Koͤnigreich, ein Land zuruͤckzugeben, Mehr Seeligkeit, mehr Lust genannt, Als wenn er von dem Kayser-Sitze Des diamantnen Zepters Spitze Zu fremder Bothen Stirn gewandt! Er ist nicht mehr. Ihn segnet Preussen Noch in der Ewigkeit; ihm thoͤnet Lobgedicht, Wenn Friedrichs Seufzer von ihm spricht; Und Engel horchen zu, und heissen Ihn goͤttlich, wie sein Freund ihn nennt! Er ward der Erde nicht gegoͤnnt; T 4 Vermischte Gedichte. Wir sind zu klein, zu dunkelsichtig Den Rathschluß einzusehn, der alle Dinge richtig, Schon eh er sie gemacht, bestimmt, Und Cronen geben kann, so wie er Cronen nimmt. Gott ist nicht uͤber uns ergrimmt! Ruf deinen Geist mit schnellem Fluge Zuruͤck von Peters Todtenkruge, Und blick’ als Vaterlandes-Freund, Auf jenen grossen Siegesbogen, Durch welchen Friederich in seine Stadt gezogen! Die Vestung Schweidnitz wurde den 8ten des Octobris 1762 wieder erobert. Von hohen Huͤgeln sah’ der Feind Mit starrem Auge zu, die Schaam auf blasser Wange, Und seine Krieger, die sich lange Herab gewehrt vom hohen Wall, Stehn waffenlos, und taub von starkem Jubelschall Der Buͤrger und des Siegesheeres; Und Friedrichs grosse Feindin stoͤßt Erstes Buch. Aus ihrer Brust herauf ein schweres Und bittres Ach; So hat, da Griechenland erloͤst Durch seine Helden ward, der Perser fortgestossen Bleyschwere Seufzer aus der Brust; So klopfte seiner unbewußt, Das Herz erschrocken in dem grossen Pompejus, als sein Heer entwich, Und er von dicker Staubes Wolke Davon belehrt zuruͤck in oͤdes Lager schlich. Furcht fuͤhlt die Herscherin von mehr als einem Volke. Der Adler hat sein Felsen-Nest Mit starken Fluͤgeln uͤberbreitet; Und Heinrich, der fuͤr uns am Erzgebuͤrge streitet, Bleibt muthig, wachet, und verlaͤßt Der Berge Spitzen nicht, bis vor dem Leoparden Entfliehet jedes wilde Thier. Dann singen seinen Sieg des Vaterlandes Barden, Und goldne Tage leben wir! T 5 Vermischte Gedichte. An Palemon. (Den 2ten April 1762.) Freund! staune mich nicht an. Ich komm im schoͤnsten Putz, Bin wie der Fruͤhling gruͤn, und bunt wie Blumen- stuͤcke; Dem wolckigten April, der Kaͤlte biet ich Trutz; Mich waͤrmen andre Sonnenblicke. Der Freund, der oft mein Tag, wenn ich ihn dachte, war, Zaͤhlt heute sechsmal sieben Jahr. Ihm wird kein Liebes-Gott Wein in den Becher giessen. Du weißt, wie grimmig seine Hand Den Pfeil aus seiner Brust gerissen, Und hingeworfen Hymens Band. Ach! er zerbrach des kleinen Amors Leyer, Und heiß von einem Heldenfeuer, Sang er von Krieg und Vaterland Erstes Buch. Auf goldnem Saytenspiel, das ihm Apollo brachte, Da Friedrich Frankreich schlug, und Wien erzittern machte. Itzt braucht ers nicht. Doch beym Apoll Beschwoͤr ich ihn, daß er es dann gebrauchen soll, Wann Mars und Pallas trinken werden, Was Ganimedes giebt, von Heben eingeschenkt, Wann Venus weiter macht ihr grosses Reich auf Erden; Und Friedrich keine Schlacht mehr denkt. O dann soll Gleim, von Freuden stark getrieben Laut singen: daß der Held groß wie ein Gott ge- blieben. Vermischte Gedichte. An Palemon, als er von Magdeburg nach Berlin verreisen wollte. (Im Merz 1762.) Komm wieder, Freund! und laß die singen Bald ernsthaft, bald im Scherz. Die Freundschaft gegen mich wirst du zuruͤcke bringen; Doch nicht dein mitgenomnes Herz! Mir hat ein Gott im Traum erzaͤhlet: In zwanzig Maͤdchens Augen saß Cytherens kleiner Sohn, und hat zwar oft gefehlet; Doch als Palemon ganz vergaß, Daß in der Welt ein Amor waͤre, Schoß ihm, aus schoͤner Sternen Sphaͤre, Ein Strahl in seine Brust. Nun fuͤhlt er suͤsse Pein, Und seufzet: Ach! es muß der Pfeil gewesen seyn. Erstes Buch. An Mademoiselle W. Buchholz, auf ihren Geburtstag. (Den 30ten des Wintermonaths 1761.) Du aus den Haͤnden der Natur, Zu ihrem Ruhm hervorgegangne Schoͤne! Jetzt singet, auf der arm gewordnen Flur, Nicht mehr die Lerche. Jetzt verlernt die Thoͤne Selbst deiner Schwester Nachtigall. Sie schweigt In ihrem melancholischen Gehaͤuse; Tief denkend sitzt sie da — so sitzet oft der Weise, Der Menschenfreund, wenn fremde Noth ihn beugt, Wenn druͤckend Elend kommt mit jung gewordnen Tagen, Wenn durch das Vaterland die lautgestoͤhnten Klagen Erschallen allgemein: Dann sitzet traurig er, Verstummt von Schmerz, und blickt umher, Ob aufgeklaͤrtre Tage kommen — Du holdes Maͤdchen, von zwey Frommen, Vermischte Gedichte. Im Lande Friedrichs auf die Welt gebracht; Unmuthig siehest du den Baͤumen ihre Pracht, Den Blumen ihren Reiz benommen. Der Maulbeerbaum — er stehet blaͤtterlos; Wie liegen unter ihm, die stolz getragne Locken Zerstreut, auf schwarzer Erde Schooß, Den blassen Leichen gleich! O! ihre Sterbeglocken, Die rauhen Winde stuͤrmten um sie her. Wie ist die Reben-Wand von ihrem Schmuck so leer! Nichts gruͤnet mehr in dem beliebten Raume, Wo du Lustwandeln giengst, wo Blumen sich gebuͤckt, Vor deines weissen Kleides Saume, Wann sie dein Angesicht erblickt. So nimmt die Zeit, einst Guͤter der Natur Dir schoͤnes Kind! Dein Herbst, dein Winter werden kommen Mit raͤuberischer Hand. Dann wird, wie von der Flur, Der Reiz von dieser Wange weggenommen. Sie lassen dir des Herzens Schoͤnheit nur! Nur den Verstand heraufgereift, nur Zuͤge Der Seele, die mit Tugend ausgeschmuͤckt Erstes Buch. Nicht von der Zeit, vom Zufall nicht erdruͤckt, Bezeuget, daß in ihr der Gottheit Funke liege! Wann achtzehn Erndten noch voruͤber gehn, Und Krankheit nicht in Dir Verwuͤstung angerichtet; Dann ist vielleicht noch dieses Antlitz schoͤn, Das alle Kunst der Mahlerey zernichtet. Wann aber funfzig Sommer du gelebt; Alsdann haucht alle Reize von den Wangen Die starke Zeit, vor der die Gaͤrten sind vergangen, Die praͤchtig in der Luft geschwebt. Dein aͤußrer Bau, so kuͤnstlich er gewebt, So sein die Nerven auch sind uͤberzogen worden, Ist nichtig, muß vergehn; wie Bluͤten im April, Wenn naͤchtlich sie ein Frost kommt in der Knospe morden, Und wenn ins Leben sie die Sonne wecken will, Noch ungestalt und welk an Zweige kleben — Dir aber sollen noch die Jahre Reizung geben. Dein Geist, der innre Mensch, soll, wirst du aͤlter seyn, Durch groͤßre Schoͤnheit den erfreun, Der dir bestimmt, und deiner werth befunde Mit dir durchlebet goldne Stunden. Vermischte Gedichte. Uns nicht bekannt, ist dieser Juͤngling noch. Du horchst hoch auf, wirst roth, und willst ihn wissen? Der Himmel kennet ihn, und der wird doch Dich nicht unedle Lippen lassen kuͤssen. Nein, fromm und treu, verstaͤndig, zaͤrtlich, ernst Sey der, von dem du leicht mehr Tugenden noch lernst. Vermischte Gedichte. Zweytes Buch . U Der Persische Prinz, eine Erzaͤhlung, an Ihro Koͤnigliche Hoheit den Prinzen Heinrich von Preussen. Ben-Ha-Alim, ein Prinz erzogen an dem Thron, Des grossen Perser Schachs, war seines Bruders Sohn, Jung, lieblich, angenehm, und in dem ganzen Lande Ein kleines Wunderwerk von keimendem Verstande. U 2 Vermischte Gedichte. Ben-Ha-Alim gieng einst mit seinem Großvezier Lustwandeln in breitschattigten Alleen. Ein armer alter Mann blieb in der Ferne stehen; Wie ich im schlechten Rock einst an der Kirchenthuͤr Versteckt, anbethen stand, und schuͤchtern neben mir Vorbey sah reiche Leute gehen: So niederblickend blieb der arme Perser stehen. ”Gegruͤsset seyst du mir, o Greiß! ”Dich seegne der Prophet, und Gott, der ihn gesendet! So spricht Ben-Ha-Alim zum alten Mann gewendet, Der ihn mit nichts zu danken weiß, Als nur mit einer stillen Zaͤhre, Die von der Wang herunter fließt. Schon froh, daß ihn der Prinz gegruͤßt, Vergaß er, daß er nackt und daß er hungrig waͤre; Die Haͤnde faltet er auf seinem Stab, und hebt Das Auge zu dem Gott, der allem, was da lebt Auf Erden, Speise giebt. Ach! spricht Ben-Ha-Alim, Der arme Mann! er betet fuͤr mein Leben! Ich wolt ihm ohne dies schon geben. Zweytes Buch. Mein lieber Großvezier! vernimm, Du gabst mir heute die Zechinen! Sie sollten auf den Monath mir, Zu meinen kleinen Kosten dienen; Der alt gewordne Perser hier Braucht Geld zu Rock und Brodt, er soll die Haͤlfte haben. Der junge Prinz sprach so, und seine Finger gaben Den halben Reichthum in die Hand Des Mannes, der vor ihm als wie versteinert, stand! Zu angenehm erschrack er vor so vielem Gelde. Prinz! sprach der Großvezier, dich lohne der Prophet, Dann dieser Greiß that jung auch tapfer in dem Felde; Siehst du nicht, wie er hinken geht? Und welche Narben auf den Wangen Er von den Wunden hat, die ihm der Feind gemacht? Sein Leben war ihm feil in mehr als einer Schlacht. Die Haͤlfte gabst du ihm, doch hast du nicht bedacht Wenn nun bald noch ein Armer kaͤme? O! sprach der allerliebste Sohn Der frommen Menschlichkeit, Vezier! dann wuͤst ich schon U 3 Vermischte Gedichte. Auch Rath dafuͤr. Mitleidig naͤhme Ich meines Reichthums Ueberrest, Und theilt ihn mit dem Mann, den ganz das Gluͤck verlaͤßt. Du lehrst mich ja, Vezier! man soll die Menschen lieben. Ich wollt es thun, und stuͤnde kein Geboth Dazu im Alcoran geschrieben; Tief ruͤhrte mich des armen Mannes Noth. Heyl sey dir, guter Prinz! sprach der Vezier, und redte Mit Freudenthraͤnen mehr in seinem Angesicht, Als Cicero hoch ausgerufen haͤtte Zum Lob Ben-Ha-Alims. Sprich, Heinrich! wuͤrde nicht Dein ganzes Herz gewogen werden, Dem Ha-Alim, von dem das Buch der Perser spricht? Die Menschen-Liebe war sein groͤßt Gesetz auf Erden. Mich duͤnkt, du gleichest ihm an Herzen und Ge- behrden! Zweytes Buch. Der Saͤnger bey der Heerde, in Welschland, eine Erzaͤhlung. Im Lande, wo Horaz Gesaͤnge Umher erschallen ließ, wo unter gruͤne Gaͤnge Zu jeder Jahreszeit der Juͤngling hoffend geht, Der mit dem Maͤdchen sich versteht: In Welschland war ein Hirtenknabe, Der niemals las, und niemals schrieb, Und von der Kindheit an, bey stillen Schaafen blieb, Ganz unbekannt mit der in ihm verborgnen Gabe. Einst stand er hingelehnt an seinem Hirtenstabe, Da kam ein Paͤchter, las ihm seinen Tasso vor; Der Schaͤfer stand, war lauter Ohr, U 4 Vermischte Gedichte. Und ließ das Heldenlied sich in die Seele dringen, Und fing den naͤchsten Tag den Schaͤfern auf der Flur Ein neues Lied an vorzusingen. Er sang die Schoͤnheit der Natur, Sang den Citronenwald, fruchtbare Feigenbaͤume, Den Weinstock und ein bluͤhend Thal. Er zaͤhlte Sylben, und fand Reime, Ohn daß ein Lehrer ihm die Wahl Des schoͤnen Ausdrucks wieß. Die Zaͤrtlichkeit befahl In ihm oft den Gesang. Er dichtete sich Traͤume, Und bracht sie in das Lied, das er der Hirtin sang, So ruͤhrend, daß er sie zu seiner Liebe zwang. Mit jedem Tag ward ein Gesang Dem Schaͤfervolk bekannt. Oft prieß er in dem Liede Etruriens Gluͤckseligkeit; Denn eben zu derselben Zeit War weit umher ein tiefer Friede! Zweytes Buch. Der Ruf von diesem Saͤnger flog Bis an des Herzogs Hof. Bewunderung bewog Den Fuͤrsten, daß er schnell befohlen, Den schaͤfrischen Ovid in den Pallast zu holen. Er kam in seiner Hirtentracht, Und, wie man sagt, hat er in zweymal dreißig Tagen Zwey hundert Lieder ihm gemacht. Doch laͤnger konnt er nicht ertragen Des Hofes Schmeicheley, die Falschheit unter Pracht Verdeckt, und schoͤn verhuͤllt, wie Gift in bunter Schlange. Der Hirt, zu redlich, kam und trat Vor seinen Herzog mit Gesange, Worin er um Erlaubniß bat, Auf seine stille Trift sich wieder zu begeben. Herr Herzog! sang er, gieb du mir Nur so viel Brodt, daß ich mit Laura koͤnne leben, Die ganze Welt hab ich in ihr. U 5 Vermischte Gedichte. Der Herzog war ein roͤmischer August; Mit einer Meyerey belehnt er seinen Hirten; Der sang, sich seines Gluͤcks bewußt, Noch dreyßig volle Jahr, und starb an Laurens Brust, Sein graues Haupt bekraͤnzt mit frischgebrochnen Myrten. Wie gluͤcklich, wenn ich einst bekraͤnzt, und mit Gesang, Aus meiner Freunde Arm, geh meinen letzten Gang! Zweytes Buch. Das Wunderbild , eine Erzaͤhlung. Zur Zeit, da Luther und Calvin, Von Gott geruͤstet, sich bestrebten, Die armen Menschen, die in dicker Blindheit lebten, Vom Aberglauben abzuziehn: Da war ein Wunderbild, geschmuͤckt wie Kayserinnen. Die Lahmen beteten: Frau! heile meinen Fuß! Der taubgewordne gab der Erde manchen Kuß, Um sein Gehoͤr hier wieder zu gewinnen; Das unfruchtbare Weib verließ den alten Mann, Und stellte grosse Wallfahrt an, Mit frommen Juͤnglingen, die auf der Mutter Rathen, Bey diesem Gnadenbild um gute Weiber baten, Die man so schwer erbitten kann! Vermischte Gedichte. An einem Fasttag kniete nieder Ein ganzes Volk um den Altar. Sie sangen Hymnen, sangen Lieder, Und an die Brust schlug sich, wer recht andaͤchtig war; Am laͤngsten blieb zu ihrem Fusse Ein armer baͤrtiger Soldat, Der sie vielleicht im Thon der Busse Fuͤr seiner Jugend Schuld zur Mittlerin erbath. Er ganz allein hat da gelegen, Als schon die Priester allen Segen Und allen Ablaß ausgetheilt, Und dann zum fetten Mahl und guten Wein geeilt. Der Tag ward zugebracht mit Freuden, Und an dem andern Morgen fruͤh Gieng, unsre liebe Frau, ein Priester umzukleiden; Denn mehr als sunfzig Kleider hatte sie. Fuͤr Schrecken fuhr der Priester ganz zusammen. ”Den frechen Dieb soll Gott verdammen! Zweytes Buch. ”Hier fehlet eine Perlen-Schnur! So schrie er, als sein Herz in ihm zusammenfuhr: Es wurde nachgeforscht, und endlich ward befunden, Daß lange nach den Andachts-Stunden, Noch ein Soldat vor ihr gekniet. Er wird geholt; er kommt gebunden; Und als er nun die Richter sieht, So spricht er: ”Ja! ich laͤugne nicht, zu haben ”Die theure Perlen-Schnur. Doch ihre Haͤnde gaben ”Mir selber diesen Schatz. Ich bin ein armer Mann ”Der Weib und Kinder hat, und sie nicht naͤhren kann. ”Ich hoͤrte, daß dies Bild so viele Wunder thaͤte, ”Drum lieg ich lange da, und bete: ”Ach! hilf mir liebe Frau! wenn du begabet bist ”Mit solcher Gotteskraft auf Erden! ”Mir hilft kein roͤmischer, catholisch-guter Christ ”Wenn du nicht hilfst, so muß ich werden ”Aus Armuth heut ein Calvinist. Vermischte Gedichte. ”Ich wiederholte diese Bitte ”Mit tiefgeschoͤpften Seufzern oft; ”Klagt ihr den Mangel, den ich litte, ”Und da geschahe, was kein boͤser Ketzer hofft, ”Das grosse Wunderwerck. Die Mutter Gottes langte ”Mir diese Perlen-Schnur, die an dem Halse prangte, ”Mit ihrer starken Hand herab, ”Und sprach, indem sie mir sie gab: ”Geh hin, und kaufe Brodt fuͤr Weib und Kinder! ”Nur werde kein verlohrner Suͤnder, ”Lauf niemals aus der Kirche Schooß! ”Sie sprachs: Die Heiligen sind alle meine Zeugen; Die Richter hoͤrten dies, und alle mußten schweigen. Die Priester riefen aus: ” Maria, du bist groß! Zweytes Buch. Don Goldofon: oder der sterbende Geizige, eine Erzaͤhlung . (Den 16ten des Wintermonaths 1761.) Als Lissabon noch ganz in koͤniglicher Pracht Dem alten Tyrus glich; durch Schiffarth stolz gemacht, Noch sein erhabnes Haupt bis an die Wolken thuͤrmte, Eh’ aus der Erd ein Gott die starke Hand erhub, Herauf an die Pallaͤste stuͤrmte, Und tief im Abgrund sie begrub: Da war ein reicher Mann, ein alter Portugiese. Der Reichthum fiel ihm zu. So haͤufen auf der Wiese Die Maͤher trocknes Heu; und an des Meeres Strand Hat kleine Steinechen so ungezaͤhlt der Sand, Als dieser Goldofon, im raumichten Gewoͤlbe Dublonen aufgehaͤust. Ihm gleichen an der Elbe Vermischte Gedichte. Vielleicht auch reiche Maͤnner? Nein! Zu Magdeburg kann nicht der Geiz gebohren seyn! In Lissabon war er nur ganz in seinem Knechte. In Lissabon, da sind vom juͤdischen Geschlechte Viel tausende verkapt, die fromm im Tempel gehn, An einem Rosenkranz die Koͤrner zaͤhlen stehn, Vor einem Bilde knien, und doch Hebraͤer bleiben. In Lissabon allein, wie mir ein Buch gesagt, War nur ein Mann, von dem ich weiter nichts beschreiben Als nur die Stunde will, in der ein Reicher fragt: Ob Millionen ihm nur einen Tag erkaufen? Krank ward der reiche Greiß. Krank dacht er seinen Haufen, Und seufzte blickend in das Grab: ”Was halfs, daß ich Allmosen gab? ”Die Armen trotzten mir fuͤr das, was ich gegeben, ”Doch kein methusalemisch Leben ”Durch ihr Gebet vom harten Himmel ab! Zweytes Buch. So sprach Don Goldofon, mit Zittern und mit Beben, Und hieß aufs Sterbebett sich einen Beutel heben, Mit alten goldnen Muͤnzen voll. Er zaͤhlte seinen Trost, und klebte mit den Blicken Wie mit der Hand daran. Doch fuͤr sein ewig Wohl Befand ein Nachbar gut, den Priester hinzuschicken. Der Pater kam, und sprach: ”Don Goldofon, ich soll ”Vermoͤge meiner Pflicht, euch fragen, ”Ob ihr bereitet seyd zum Schritt in jene Welt? ”Dort einem Gotte Dank zu sagen, ”Der euch viel Guͤter hier, als Darlehn zugestellt! ”Ihr wurdet alt, bey Gluͤck und guten Tagen; ”Jetzt hoff ich doch von euch, daß ihr als guter Christ, ”Dem muͤden Wandrer gleich, die Buͤrde von euch gebet, ”Und glaubt, daß uͤber uns die beßre Gegend ist, ”In welcher eure Seele lebet! X Vermischte Gedichte. Don Goldofon vernahm des Priesters Stimme, Und murmelte das Pater noster nach Mit zwischen seinem Gaum verbißnem bittern Grimme. Der Pater, der noch viel von jenem Leben sprach, Verließ zuletzt das Krankenbette Des Wuchrers, der schon lang ihn gern entlassen haͤtte. ”Man bringe mir den Beutel wieder her! Rief Goldofon und seufzte schwer, Und zaͤhlte doppelte Pistolen. Indeß ward schnell dem Tod befohlen, Zu schlagen an sein Herz. Er traf den kranken Mann, Des Grabes Dunkel kam sein Auge uͤberdecken, Die Hand, wie Eis erstarrt, blieb in den Beutel stecken, Und welcher Mensch es sah, dem kam ein Schander an. Zweytes Buch. An den jungen Lenz. Du junger Fruͤhling kommst herab Vom Schoͤpfer, um ganz neues Leben Geschoͤpfen seiner Hand zu geben. Das Blumen-Volk verlaͤßt sein Grab, Und mit empor gehobnem Haupte Beschaͤmt es den, der keinen Gott Und fuͤr sich selbst Vernichtung glaubte. Der Vogel wiederspricht des Wiedersprechers Spott. Die Saat mit Millionen Zungen Aus schwarzer Erd herauf gedrungen Bestaͤtiget, was er gesungen! Der Linde Blaͤtter lispeln nach; Die Elbe rauscht und murmelnd spricht der Bach: X 2 Vermischte Gedichte. ”Es ist ein Gott, der laue Winde schickte, ”Den Schnee zerschmolz, das Eis zerbrach, ”Mit jungem Gruͤn das Ufer schmuͤckte ”Und diese Sonne scheinen laͤßt! Nach sanft gefallnem Fruͤhlingsregen Quackt der erweckte Frosch sein Fest, Und Fische scherzen ihr entgegen! Der Hirt heißt seine Heerde leben! Sie weidet jugendliches Graß, Bloͤckt ihre Freuden laut, und hoͤrt ohn Unterlaß Sich Thal und Huͤgel Antwort geben! Die Honigtraͤgerin verlaͤßt ihr kleines Haus Und saugt den Veilchen, wenn sie duͤften, Die Suͤßigkeit des kleinen Kelches aus. Die Schwalbe kommt aus Sumpf, wie aus ver- schloßnen Gruͤften Einst unsre Leiber neu hervor, Sie baut ihr Haus von Stroh und fetter Erde, Zweytes Buch. Und schwitzert froh dem Menschen vor, Daß er auch wieder leben werde! Hoch in der Wolken lauschend Ohr Singt mit nie heisch gewordner Kehle Das aufgeschwungne Lerchenchor. O daß der Jaͤger sie verfehle! O daß der Habicht, ihr Tyrann, Der Raͤuber in dem Vogelreiche, Nicht eine hasche! daß die Lerch ihm klug entweiche, Wie vor dem Laster weicht, ein Christ, ein weiser Mann! X 3 Vermischte Gedichte. Ein Wort an den Tod. (Zu Magdeburg den 16ten Jenner 1762.) O Tod, wie bitter bist du dem, Der reich war, der sich hier ein ewigs Leben dachte, Und alle Stunden angenehm Durch neuerfundne Freuden machte! Du kommst: sein Flittergold und seine Federbuͤsche, Die ihm das Gluͤck, die ihm der Ruhm verschwend- risch gab, Das alles reissest du mit starkem Arm ihm ab. Und laͤg am Sterbebett auf einem Marmortische Der Zepter uͤber eine Welt, Und waͤre bey die Arzeneyen, Das Diadem von theurem Stein gestellt: Doch wuͤrde nichts den Menschen mehr erfreuen, Der itzt in deine Haͤnde faͤllt. Doch, Menschenfeind, der alles so vergaͤllt, Dich zu beschaͤmen, will ich die Geschichte sagen, Zweytes Buch. Die nicht vor hundert Jahren sich, Nein, erst vor kurzer Zeit, wahrhaftig zugetragen. Rosaria war schoͤn, reich, vornehm, jugendlich Und erst vermaͤhlt seit hundert Tagen An einen Mann, der sie geliebt, Mehr, als sein Herz, das ihrem Staube, Nun traurige Besuche giebt! Krank ward sie und ihr Reiz ward ploͤtzlich der Gewalt Des Fiebers und der Nichtigkeit zum Raube. Sie lag. Nicht eine Spur der bluͤhenden Gestalt Blieb uͤbrig auf den blassen Wangen: So haͤngt an Baͤumen, die im jungen Fruͤhling prangen, Ein von dem Frost getoͤdtet Blat, Das ausser seiner Form nichts mehr behalten hat! Rosaria mit mattem Blicke Sah in das ofne Grab, sah in die Welt zuruͤcke: O alle Freuden waren ihr entflohn! Nichts mehr fuͤr sie! Ihr Auge wandte X 4 Vermischte Gedichte. Sich heilig zur Religion, Die himmlisch laͤchelnd sich zu ihrer Seele wandte Mit Guͤtern, die vorher ihr Herz nie recht er- kannte; Und kaͤmpfen mußte sie noch schwer. Sie suchte lange Trost und lange blieb sie leer, Fiel in Entzuͤckung, lag tief schlummernd viele Stunden, Schlug sanft die Augen auf, ward Tag im An- gesicht Und rief mit Freudigkeit: ich habe nun gefunden! Was fand sie denn, o Tod? — Die Ruhe, welche nicht Der ganzen Welt Versprechung kann gewaͤhren Dem Sterbenden, der alles eitel nennt, Nicht mehr der Erde Goͤtzen kennt Und Ruhe sucht und Ruhe liegt begehren. Dann fraͤgt der staͤrkste Geist, der kuͤhnste Atheist: Ob Reichthum, Lust und Ehre folgen werden? Und alle sagen; nein, und alles bleibt auf Erden, Zweytes Buch. Und allen spottet fromm der Christ. Dir aber, der du ihm nicht rauh, nicht schrecklich bist, Reicht er die Hand, wie auf dem Meere Ein Schwimmender sie reicht dem, der sein Retter waͤre. X 5 Vermischte Gedichte. Das toͤdtlich kranke Kind, an Herrn Professor Sulzer. (Zu Berlin den 17ten Merz 1761.) Ihr traurig Bild muß immer vor dir schweben Bey Freunden, bey Geschaͤften deiner Pflicht! Schon zeichnet sich in ihrem Angesicht Der Tod, kaum athmet noch in ihr das matte Leben! Des Arztes Kunst, und treuster bester Fleiß Ist hier umsonst; denn, kein Vernunftschluß weiß Den hoͤhern Rathschluß je zu hintertreiben, Der Engeln nicht erlaubt, auf dieser Welt zu bleiben. Zweytes Buch. Begebenheit im Reiche Plutons, nach der Schlacht bey Torgau. 1761 . Im Reich der Schatten ging juͤngst ein Geruͤcht umher: Daß auf der Welt ein Koͤnig waͤr, Der groͤsser sey, als alle Helden, Von deren Thaten uns Plutarche Wunder melden. Der Schatten Maupertuis kommt an und liest ein Buch Von dieses Helden Thaten voll; Bald ist er Antonin, bald Mars und bald Apoll, Und jede Stirn wird Wiederspruch! Der Schatten von dem Weltbezwinger, Der noch mit nervenlosem Finger Den Staaten Plutons scheint zu drohn, Weint neidisch eine Geisterzaͤhre, Vermischte Gedichte. Daß auf der Welt ein Koͤnig waͤre, Der groͤsser sey, als Philipps Sohn. Achill stampft grimmig mit dem Fusse, Schwoͤrt bey dem Styx, daß ihnen zum Verdrusse Der groͤßre Held erdichtet sey: ”Groß, schwoͤrt er, war nur ich, groß war nur Alexander! Indem er schwoͤrt, entsteht ein graͤßliches Geschrey, Die Helden fliegen auseinander, Gehn dem Getuͤmmel nach, und stehen lauter Ohr, Zu hoͤren, was zehntausend Schatten sprechen, Zehntausend ziehen ihn nun allen Helden vor, Zehntausend wollen sich nicht an den Sieger raͤchen, Von Torgau kommen sie, die armen Schatten, her. Starr steht nun Philipps Sohn, nun stampft Achill nicht mehr. Zweytes Buch. Der weinende Amor, bey Betrachtung einer Bildsaͤule zu Char- lottenburg im Garten. (Den 16ten des Heumonaths 1761.) Was fehlt doch dem allmaͤchtgen Goͤtterkinde, Das alle Welt zu drohen scheint, Cytherens Sohn? Was that er denn fuͤr Suͤnde? Er ward gestraft, und weint? Die Thraͤne redet von der rechten Backen In stummer Sprache, Schmerz herab! Von Pfeilen leer haͤngt ihm der Koͤcher auf dem Nacken; Die grosse Venus gab Ihm einen Kelch voll Mutterzorn zu schmecken: Sie nahm ihm Pfeile. Was empfand Sein Stolz? Wie schaamvoll steht er sich das Auge decken, Mit seiner linken Hand? Vermischte Gedichte. Mit Bitterkeit schilt sie auf ihn hernieder, Fuͤhlt seine nasse Klagen nicht. Ach! keinen Pfeil giebt sie dem armen Knaben wieder? Nein, Spott ins Angesicht! Er nennt ihr seines Bogens groͤßte Thaten, Und alle Helden, die er zwang, Daß sie ihr opferten, und ihre Huͤlfe baten, Wann sie sein Pfeil durchdrang! Ja, spricht sie, schweig, du nutzenloser Knabe, Was hilft mir Hercul, was Achill? Wann ich den Helden nicht zu meinen Fuͤssen habe, Der nicht empfinden will? Nur Heldenlorbeer will er sich erfechten, Dem Mars folgt er und dem Apoll, Die mit vereinter Hand ihm eine Crone flechten, Die ewig strahlen soll! Zweytes Buch. Soll meiner Macht ein Sohn der Erde lachen? Ich hieß den Donnergott zum Schwan, Zum Stier, ich hieß ihn sich zur goldnen Wolke machen, Mir voͤllig unterthan. Geh’ Bube, fern von meinen Augen eile! Ist Friedrich mehr, als Jupiter? Ja — schluchzte Amor, gieb mir — Mutter — meine Pfeile! Mehr als ein Gott ist er! Vermischte Gedichte. An Palemon, als sie die goldene Feder vermißte. (Den 6ten des Christmonaths 1761.) Sie ist verlohren! Ach! ein boͤser Geist entfuͤhrte Die goldne Feder mir — du goͤttlicher Apoll! Wo klagender Gesang dich je zum Mitleid ruͤhrte, So sage mir, wo ich sie wieder finden soll. Nicht in den Fluͤgeln weisser Schwaͤne, In schwarzen Raben nicht. Kein Vogel in dem Reich Des Fluͤgelvolks hat Federn, die ihr gleich An Pracht und Dauer sind. O! hoͤre meine Thraͤne, Die in der Seele niederfaͤllt! Laß einen Traum Orakelspruͤche sagen, Laß dich noch einmahl in der Welt Von mir als wie zu Delphos fragen! Zweytes Buch. Freund! also klagte, redend mit Apollen, Die Muse heimlich meinen Gram. Im truͤben Auge, aus der vollen Argwoͤhnisch denkenden umwoͤlkten Seele, kam Kein heitrer Blick auf eine Reihe, Die um mich saß. O! wann selbst Thyrsis, meine Wahl, Mein Wunsch, und mein Gesang, wann er selbst dazumahl Gekommen waͤr mit dir, wenn du und er mir neue Versicherung der Freundschaft vorgesagt; So haͤtte doch mein Auge noch geklagt. Ich saß im Gram’ versenkt; und wann ich nun erwachte, So rief ich in dem Thon der Wuth: Amint, hat das entwandte Gut, Versteckt hats seine Hand, daß er mich klagend machte! O du! der grossen Venus Kind, Du Amor! strafe den Amint; Y Vermischte Gedichte. Nimm deinen Koͤcher, flieg’ und spiele Vor seinem Angesicht mit Pfeilen, und wenn er Wie Mars nach einem greift und scherzet: Ach wie schwer! Die Dichterin zielt auf die bekannte Ode Anacreons. So sprich: Behalt ihn nur und fuͤhle! Dies sagt ich zu Cytherens Sohn; Und seine Mutter, meine Freundin, blickte Befehl auf ihren Knaben schon; Ich sahe, daß sie ihn verschickte. Doch bald kam er zuruͤck, sah traurig, sprach zu ihr: Man muß sich vor dem Juͤngling scheuen; Er giebt nicht acht aufs Spiel, merckt nicht auf Taͤndeleyen, Auch nimmt er keinen Pfeil von mir. Zweytes Buch. Das Harz-Moos, als Herr Dohmdechant Freyherr Spiegel zum Diesenberg etwas Moos vom Harzgebuͤrge mitgebracht hatte. (Zu Halberstadt den 10ten des Weinmonaths 1761.) Gott zeigt in seiner Schoͤpfung-Werke, Sich uͤber unserm Haupt, sich auf der Erde groß; Er gab der Sonne Glut, er gab dem Loͤwen Staͤrke, Und bildete das kleinste Moos, Das an dem Harzberg waͤchst, fein zweigigt wie Cypresse, Voll kleiner Knospen, untersprengt Mit etwas Roͤthe, so, wie junger Maͤdchen Blaͤsse Im Antlitz sich mit roth vermengt, Wenn sie der Juͤngling angeblicket; Die Flur, der Garten und der Wald Und selbst die Huͤgel sind geschmuͤcket. Y 2 Vermischte Gedichte. Doch andre Blumen sterben bald, Das fein gebaute Moos bleibt, wenn sie schon gestorben, Tief unter Schnee noch unverdorben. Wie aͤhnlich ist es mir! tief lag ich unter Gram Viel schwere Jahre lang, und als mein Winter kam, Da stand ich unverwelkt und fieng erst an zu gruͤnen. Ich muste, wie das Moos, dem Gluͤck zum weichen Tritt, Dem Thoren zur Verachtung dienen. Einst sterb ich! Doch mein Lied geht nicht zum Grabe mit! Zweytes Buch. An Gleminden, nach einem Ungewitter. Nicht von den Fluͤgeln starker Winde Heraufgebracht, kam es daher Das Ungewitter, o Gleminde! Es waͤlzte sich herauf, so fuͤrchterlich, so schwer, Als wenn in grossen Menschenkriegen, Zwey Heere langsam ziehn, itzt an einander stehn, Und Kugeln durch die Luft mit Feuerfluͤgeln gehn; So bruͤllten Donner fort! die Voͤgel alle schwiegen, Die Nachtigallen krochen tief In dunkler Hecken Laub, und keine Wachtel rief Der andern zaͤrtlich zu, in Furchen, wo der Weizen Den Mund hatt’ aufgethan, um Regen einzugeizen. Dem Schaͤfer, der im Schatten schlief, Fuhr Schrecken in das Ohr, und in die Brust. Er hoͤrte Das Brausen in dem Wolkenzug. Dem Pfluͤger sank die Hand an seinem schweren Pflug; Und in der Staͤdte Zimmer stoͤhrte Y 3 Vermischte Gedichte. Das Wetter Gastmahl, Tanz, und Spiel. Der Muth zur Uebelthat entfiel Dem Suͤnder, der sie itzt versteckt begehen wollte; Denn hohl, und unaufhoͤrlich rollte Des Donners schreckliche Gewalt. Dir aber, Freundin, ward das Herz nicht schauerkalt, Du danktest einem Gott, der groß in Ungewittern Nach duͤrrer Luft, und duͤrrer Zeit Kommt, seinen Erdkreiß zu erschuͤttern, Hervorzubringen Fruchtbarkeit. Einfaͤlle . Y 4 Als die Wiederkunft des Koͤnigs gewuͤnschet wurde. (Im Weinmonath 1761.) Wenn unsern Feinden das Herze gesunken; Dann bringt uns der Friede den Koͤnig zuruͤck, Dann sagen wir nuͤchtern, dann stammeln wir trunkeu: Sein Antlitz ist Himmel, und Sonne sein Blick! Y 5 Einfaͤlle. Als gesagt wurde, daß in Abwe- senheit des Koͤnigs manches Unrecht geschehen sey. O! wenn du wiederkommen wirst; Dann, Friedrich! nimmt das Recht die Wage hurtig wieder. Kein boͤser Richter beugt die gute Sache nieder; Und kein Hebraͤer wird ein Fuͤrst. Einfaͤlle. Als sie uͤber bestaͤndiges Kopfweh geklagt hatte, und darauf erinnert wurde, des Koͤnigs Gesundheit zu trinken. Du Glaß! an meines Grabes Rande Leer’ ich dich nicht mehr aus! Doch stamml’ ich noch, bey schon verdunkeltem Verstande: Es lebe Friedrich und sein Haus! Einfaͤlle. Als von Sanssouci gesprochen wurde. (Im Weinmonath 1761.) Wenn Oestreich mit gezwungnem Blick Sagt, daß es Friede werden soll; Dann kehren Friedrich, und Apoll, Nach Sanssouci zuruͤck. Einfaͤlle. Als das Tagebuch der Oestreichi- schen Armee, unter dem Befehl des Gene- ral von Laudon, vorgelesen wurde. (Im Weinmonath 1762.) Dich, grosser Friedrich, sing ich nicht; Daß deine Feinde ruhig bleiben, Und ihre Furchtsamkeit beschreiben, Das ist dein Lobgedicht! Einfaͤlle. Als von Lobgedichten gesprochen wurde. Oft loben uns Dichter, die taͤuschen. Es lebe mein Ramler! Er spricht: Wenn es Verdienste nicht heischen, Lob’ ich selbst Koͤnige nicht! Einfaͤlle. Als man sagte, der Gram naͤhm ihr viel Zeit weg. Gram! wilst du mir die Stunden nehmen? Sie sind mir kaͤrglich zugezaͤhlt: Geh Gram! du solltest dich doch schaͤmen! Komm wieder, wenn mein Freund mir fehlt. Einfaͤlle. Als sie sich gegen den Angrif eines Freundes mit verschiedenen Einfaͤllen geweh- ret hatte, und bald darauf ein wilder Schweins- kopf auf die Tafel gesetzet wurde. Des Waldes Thiere sind dem Loͤwen unterthan; Der Eber schaͤumt, und droht mit groß gewachsnem Zahn Des Jaͤgers stark gewordnen Gliedern: Ich bin ein schwaches Weib, und wehre mich mit Liedern. Einfaͤlle. An Herrn Dohmdechant, Freyherrn Spiegel zum Diesenberg, als vom Horaz gesprochen wurde. Horaz verband Natur und Kunst, Und sang ein Lied voll Dichterhitze, Gieng nicht, bey vieler Schuͤsseln Dunst, Zu Caͤsars Tafelsitze, Schloß auf der Meyerey geruhig seinen Lauf. Du hast der Fuͤrsten Gunst und bist nicht stolz darauf! Z Einfaͤlle. Als sie eine Rose zeigte, an welcher eine Rosenknospe saß. Die Rosenschwester ist noch klein, Wenn sie ist aufgebluͤht, wird diese nicht mehr seyn. Einfaͤlle. An Herrn Borchmann, als er bat, mit einer Schuͤssel vorlieb zu nehmen. O Borchmann, sprich! wann essen Die Menschen mehr als koͤniglich? Wenn sie der ganzen Welt vergessen Und so vergnuͤgt, wie Gleim und du, und ich Mit einer Schuͤssel sind, und niemand fuͤrchten duͤrfen, Und ihren Wein mit einer Zunge schluͤrfen, Die frey und unbeurtheilt spricht; O welch ein Mahl! der Koͤnig hat es nicht! Z 2 Einfaͤlle. Als jemand sagte: der Wein habe manchen Dichter auf den Parnaß gefuͤhret. Nicht Bachus, nicht das Gluͤck befand Sich bey mir, da ich ging zum hohen Musensitze; Die Freundschaft hielt mich bey der Hand, Und fuͤhrte laͤchelnd mich bis an des Berges Spitze. Einfaͤlle. Als sie waͤhrend eines Ungewitters von einem Dichter gefragt wurde: ob sie sich vor dem Donner fuͤrchte? Zevs schilt im Wolkenhimmel, Sein lauter Donner sprichts! Er schilt dem Kriegsgetuͤmmel, Den Dichtern thut er nichts. Z 3 Einfaͤlle. Als ein Dichter im Weinmonath ihr eine Rose gab. Die reife Traube hoͤrt ich juͤngst zur Rose sprechen: Wo kommst du her? wo willst du hin? Sie sprach: Mich gab der Herbst. Ein Dichter soll mich brechen, Fuͤr eine Dichterin. Inhalt . Oden. Erstes Buch. Seite. A n Gott 3 An den Schoͤpfer 7 Das Ungewitter 10 An Gott 14 Die Allmacht und Güte Gottes 16 Morgengedanken 21 An Gott 23 Morgengesang 25 An Gott 28 Der Fruͤhling 33 An Hern von Humbracht 36 An den May 39 An einen Freund 43 Von dem Vertrauen auf Gott 46 An Thyrsis 49 An W. * * * 53 Auf eine Glocke 55 Klagen einer Witwe 57 An die goldene Feder 62 Oden. Zweytes Buch. Gesang am Geburtstage der Königin 67 An die Königin über eine Lustfahrt auf der Elbe 71 Auf den Tod des Prinzen Heinrich von Braunschweig 74 Z 4 Seite. Ueber den Entsatz von Braunschweig 77 Der Feldzug in Sachsen, eröfnet vom Prinzen Heinrich 80 An den Prinz von Preussen 82 Die Fahrt der Königlichen Braut nach Engelland 85 An die Frau von Reichmann 87 An Herrn Grafen Heinrich Ernst, Reichsgrafen zu Stol- berg-Wernigerode 89 An ihren verstorbenen Oheim 92 Lied an gefangene Lerchen 95 An Herrn Grafen Heinrich Ernst, Reichsgrafen zu Stol- berg-Wernigerode 99 An die Freyfrau von Troschke 103 Zuruf an Glogau 106 An den Dohmherrn von Rochow 110 Oden. Drittes Buch. An ihren Geist 115 An Seine Königl. Hoheit, den Prinzen Heinrich 118 An Ihro Königl. Hoheit, die Prinzeßin Amalia 120 Lied der Musen an die junge Prinzeßin Tochter des Prinzen Ferdinands vom Hause 122 An Mademoiselle Stahl 126 Der Frau Geheimen-Räthin Buchholz 128 An Herrn Geheimen Rath Buchholz 130 An denselben 133 An Herrn Professor Sulzer 138 An denselben 141 An denselben 144 An denselben 147 An Herrn Gleim 152 Klagen bey dem Grabe des Herrn von Kleist 155 An Herrn Gleim 160 Seite. An denselben 163 An Herrn Ramler 167 An Herrn Professor Sulzer 173 An Herrn Zachariä 177 An Herrn Köpken 181 An Palemon 183 An Herrn Uz 186 An denselben 188 An die Chartenspieler 190 Oden. Viertes Buch. An Palemon 195 An Palemons Flügel 198 An Palemon 201 An Herrn Gleim 204 An Palemon 207 An denselben 211 An denselben 214 An denselben 217 An Herrn Gleim 221 An denselben 225 An Palemon 228 An Herrn Rolle 231 An Palemon 233 An denselben 235 Eine kranke Braut an ihren Geliebten 237 Klaglied über den Tod eines Canarien-Vogels 239 Lied, in einer Gesellschaft 243 Klagen einer Braut an ihre Nachtigall 247 Klagen eines Unglücklichen Verliebten 250 Sapho an Amov 252 Z 5 Vermischte Gedichte. Erstes Buch. Seite. An den Prinzen von Preussen 257 Klagen und Bitte an den Herzog Ferdinand 260 Erinnerungen und Fragen an die Königin 266 Dem hochwürdigen Dohm-Capitul zu Halberstadt 269 An den Freyherrn von Kottwitz 273 An Herrn Dohmdechant, Freyherrn Spiegel zum Diesenberg 278 Morgen-Fragen an Gliphästion 282 Ein würklicher Traum 286 An den kranken Herrn Rector Goldhagen 291 Aufmunterung an den Geheimen Rath Labes 294 An Palemon 298 An denselben 300 An Jungfer W. Buchholz 301 Vermischte Gedichte. Zweytes Buch. Der Persische Prinz, eine Erzählung an Ihro Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich 307 Der Sänger bey der Heerde in Welschland 311 Das Wunder-Bild 315 Don Goldofon 319 An den jungen Lenz 323 Ein Wort an den Tod 326 An Herrn Professor Sulzer 330 Begebenheit im Reiche Plutons 331 Der weinende Amor 333 An Palemon, als sie die goldene Feder vermißte 336 Das Harzmoos 339 An Gleminden 341 Einfaͤlle. Seite. Als die Wiederkunft des Königs gewünschet wurde 345 Als gesagt wurde, daß in Abwesenheit des Königs manches Unrecht geschehen sey 346 Als sie über beständiges Kopfweh geklagt hatte, und darauf erinnert wurde, des Königs Gesundheit zu trinken 347 Als von Sanssouci gesprochen wurde 348 Als das Tagebuch der Oesterreichischen Armee unter dem Befehl des General von Laudon vorgelesen wurde 349 Als von Lobgedichten gesprochen wurde 350 Als man sagte, der Gram nähme ihr viel Zeit weg 351 Als sie gegen den Angrif eines Freundes sich mit ver- schiedenen Einfallen gewehret hatte, und bald dar- auf ein wilder Schweinskopf auf die Tafel gesetzet wurde 352 An Herrn Dohmdechant, Freyherrn von Spiegel zum Diesenberg 353 Als sie eine Rose zeigte, an welcher eine Rosenknospe saß 354 An Herrn Borchmann 355 Als jemand sagte: Der Wein habe manchen Dichter auf den Parnaß geführet 356 Als sie während eines Ungewitters von einem Dichter gefragt wurde: ob sie sich vor den Donner fürchte 357 Als ein Dichter im Weinmonath ihr eine Rose gab 358