Der M essias ein H eldengedicht. HALLE , bey Carl Herrmann Hemmerde . 1749 . Der Messias, Erster Gesang. S ing, unsterbliche Seele, der suͤndigen Menschen Erloͤsung, Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet, Und durch die er Adams Geschlechte die Liebe der Gottheit Mit dem Blute des heiligen Bundes von neuem geschenkt hat. Also geschah des Ewigen Wille. Vergebens erhub sich Satan wider den goͤttlichen Sohn: umsonst stand Judaͤa Wider ihn auf; er thats, und vollbrachte die grosse Ver- soͤhnung. Aber, o Werk, das nur GOtt allgegenwaͤrtig erkennet, Darf sich die Dichtkunst auch wohl aus dunkler Ferne dir naͤhern? Weihe sie, Geist Schoͤpfer, vor dem ich im stillen hier bete; A 2 Fuͤhre Der Messias. Fuͤhre sie mir, als deine Nachahmerinn, voller Ent- zuͤckung, Voll unsterblicher Kraft, in verklaͤrter Schoͤnheit, ent- gegen. Ruͤfte sie mit jener tiefsinnigen einsamen Weisheit. Mit der du, o forschender Geist, die Tiefen GOttes durch- schaueft; Also werd ich durch sie Licht und Offenbarungen sehen, Und die Erloͤsung des grossen Messias wuͤrdig besingen. Sterbliche, kennt ihr die Ehre, die euer Geschlechte verherrlicht, Da der Schoͤpfer der Welt, als Erloͤser, auf Erden ge- kommen: So hoͤrt meinen Gesang, ihr besonders, ihr wenigen Edlen, Theure gesellige Freunde des liebenswuͤrdigen Mittlers, Jhr mit der Zukunft des grossen Gerichts vertrauliche Seelen, Hoͤrt mich, und singt den ewigen Sohn durch ein goͤtt- liches Leben. Nah an der heiligen Stadt, die sich itzt durch Blind- heit entweihte, Und die Krone der hohen Erwaͤhlung unwissend hinweg- warf, Ehmals die Stadt der Herrlichkeit GOttes, der heiligen Vaͤter Pflegerinn, nun ein Altar des Bluts von Moͤrdern ver- gossen: Hier wars, wo der Messias von einem Volke sich losriß, Das Erster Gesang. Das ihn zwar itzo verehrte, doch nicht mit jener Ge- muͤtsart, Die vorm schauenden Angesicht GOttes untadelhaft bleibet. JEsus verbarg sich vor diesen Entweihten. Zwar lagen hier Palmen Des ihm begegnenden Volks; zwar klang dort ihr lautes Hosanna; Aber umsonst. Sie kannten den nicht, den sie Koͤnig nannten. Und den Gesegneten GOttes zu sehn, war ihr Augs zu dunkel. GOtt kam selber vom Himmel herab. Die gewaltige Stimme: Er ist verherrlicht, und soll von neuem verherrlichet werden! War die Verkuͤndigerinn der gegenwaͤrtigen Gottheit. Doch sie waren, dich, GOtt, zu verstehn, zu niedrige Suͤnder. Unterdeß nahte sich JEsus dem Vater, der wegen des Volkes, Zu dem die Stimme geschah, voll Zorn zum Himmel hin- aufstieg. Vor ihm wollt er noch einmal sein goͤttlich freyes Ent- schliessen, Seine Geliebten, die Menschen, zu heiligen, feyerlich kund thun. Gegen die oͤstliche Seite Jerusalems liegt ein Gebirge, Welches schon oft den goͤttlichen Mittler auf seinen Gi- pfeln, A 3 Wie Der Messias. Wie ins Heilige GOttes, verhuͤllt, wenn er einsame Naͤchte Unter dem Anschaun des Vaters in grossen Gebeten durchwachte. Nach dem Gebirge begab er sich itzt. Johannes alleine Folgt ihm bis zu den Graͤbern der Seher, in heiligen Grotten, Wie sein goͤttlicher Freund, die Nacht im Gebete zu bleiben. Von da erhub sich der Mittler zur obersten Spitze des Berges. Jndem umgab ihn vom hohen Moria ein Schimmer der Opfer, Die den ewigen Vater noch itzt vorbildend versoͤhnten. Um und um nahm ihn der Oelbaum ins Kuͤhle. Gelin- dere Luͤfte, Gleich dem Saͤuseln der Gegenwart GOttes, umflossen sein Antlitz. Der dem Messias auf Erden zum Dienste gegebene Seraph, Gabriel ist sein himmlischer Name, stand eben am Ein- gang Zwoer umdufteten Cedern, und dachte dem Heile der Menschen Und dem Triumphe der Ewigkeit nach, als itzt der Er- loͤser Seinem Vater entgegen vor ihm im stillen vorbeygieng. Gabriel wuste, daß nun die Zeit der Erloͤsung heran- kam. Diese Betrachtung entzuͤckt ihn, er sprach mit zaͤrtlicher Stimme: Willst Erster Gesang. Willst du die Nacht, o Goͤttlicher, hier im Gebete durch- wachen? Oder verlangt dein ermuͤdeter Leib nach seiner Erqui- ckung? Soll ich zu deinem unsterblichen Haupt ein Lager bereiten? Sieh, itzt streckt schon der Sproͤßling der Ceder den gruͤnenden Arm aus. Und die weiche balsamische Staude. Beym Grabmal der Seher Waͤchst dort unten das ruhige Moos im kuͤhlenden Erd- reich. Soll ich hieraus, o Goͤttlicher, dir ein Lager bereiten? Wie ist dein Leib, o Erloͤser, ermuͤdet! Wie vieles ertraͤgst du Hier auf Erden aus bruͤnstiger Liebe zum Menschenge- schlechte! Also sagt er. Der Mittler belohnt ihn mit segnenden Blicken, Und stand voll Ernst auf der Hoͤhe des Bergs am benach- barten Himmel. GOtt war daselbst. Hier betet er. Unter ihm toͤnte die Erde, Und ein wandeludes Jauchzen durchdrang die Pforten der Tiefen, Als sie von ihm die gewaltige Stimme tief unten ver- nahmen. Denn es war nicht mehr die Stimme des Fluchs, die Stimme von Stuͤrmen Furchtbar verkuͤndiget, und in donnernden Wettern ge- sprochen, Die die Erde vernahm. Sie hoͤrte des Segnenden Rede, A 4 Der Der Messias. Der mit unsterblicher Schoͤne sie einst zu verneuen be- schloßen. Um und um lagen die Huͤgel in lieblicher Abenddaͤmmrung, Gleich als waͤren sie schon neu erschaffen, und bluͤhend, wie Eden. JEsus redte. Nur er und der Vater durchschauten den Jnhalt, Unbegrenzt; dieß nur vermag die Stimme des Menschen zu sprechen: Goͤttlicher Vater, die Tage des Heils und des ewigen Bundes Naͤhern sich mir, die Tage, zu groͤssern Werken erlesen, Als selbst die Schoͤpfung, die du durch deinen Sohn ehmals vollbrachtest. Sie verklaͤren sich mir so schoͤn und herrlich, als damals, Da wir die Reihe der Zeiten durchschauten, und sie in der Zukunft, Durch mein goͤttliches Anschaun vorzuͤglich bezeichnet, er- blickten. Dir nur ist es bekannt, mit was fuͤr Einmuth wir damals, Du, mein Vater, und ich, und der Geift die Erloͤsung be- schlossen. Jn der Stille der Ewigkeit, einsam und ohne Geschoͤpfe, Waren wir beysammen. Voll unsrer goͤttlichen Liebe, Sahen wir auf Menschen, die noch nicht waren, herunter. Ach das arme Geschlecht! Ach unsre Geschoͤpfe, wie elend Waren sie, sonst unsterblich, nun Staub, von der Suͤnde verstellet! Vater, ich sah ihr Elend, du meine Thraͤnen. Da sprachst du: Laßt Erster Gesang. Laßt uns das Bild der Gottheit von neuem im Menschen erschaffen; Also erfanden wir unser Geheimniß, das Blut der Ver- soͤhnung, Und die zum ewigen Bilde verneuerte Schoͤpfung der Menschen. Hier erkohr ich mich selbst, dieß goͤttliche Werk zu vollen- den. Ewiger Vater, das weißst du, das wissen die Himmel, wie bruͤnstig Mich seit diesem Entschluß nach meiner Erniedrung ver- langte; Erde, wie oft warst du, in deiner niedrigen Ferne, Mein erwaͤhltes geliebtestes Augenmerk! Und du, o Canan, Heiliges Land, wie oft hieng mein sanftthraͤnendes Auge An dem Huͤgel, den ich vom Blute des Bundes schon voll sah. Und, o wie bebt mir mein Herz von suͤssen wallenden Freuden, Daß ich so lange schon Meusch bin, daß schon so viele Gerechte Zu mir sich sammlen, und nun bald alle Geschlechte der Menschen Durch mich geheiliget werden! Hier lieg ich, goͤttlicher Vater, Noch mit den Zuͤgen der Menschheit, nach deinem Bilde, gezieret. Betend vor dir: Bald aber wird mich dein toͤdtend Ge- richte Blutig entstellen, und unter den Staub der Todten be- graben. A 5 Schon Der Messias. Schon hoͤr ich dich, du Richter der Welt, allein und von ferne Kommen, und unerbittlich in deinen Himmeln daher- gehn. Schon durchdringt mich ein Schauer, dem ganzen Gei- stergeschlechte Unempfindbar; und wenn du sie auch im grimmigen Zorne Toͤdtetest, unempfindbar! Schon seh ich den naͤchtlichen Garten Vor mir liegen, schon sink ich vor dir in niedrigen Staub hin, Lieg, und bet, und winde mich, Vater, im Todesschweisse. Siehe, da bin ich, mein Vater. Jch will dein grimmiges Zuͤrnen, Dein Gerichte will ich mit tiefem Gehorsam ertragen. Du bist ewig! Kein endlicher Geist hat das Zuͤrnen der Gottheit, Und den Unendlichen furchtbar und toͤdtend, gedacht und empfunden. GOtt nur konnte die Gottheit ertragen. Hier bin ich, mein Vater, Toͤdte du mich, nimm mein ewiges Opfer zu deiner Ver- soͤhnung. Noch bin ich frey, noch kann ich dich bitten, so thut sich der Himmel Mit Myriaden von Seraphim auf, und fuͤhret mich jauchzend, Vater, zu deinem unsterblichen Thron im Triumphe zu- ruͤcke. Aber ich will leiden, was keine Seraphim fassen, Was Erster Gesang. Was kein denkender Cherub in tiefen Betrachtungen einsieht; Jch will leiden, den furchtbarsten Tod will ich, Ewiger, leiden! Weiter sagt er und sprach: Jch hebe gen Himmel mein Haupt auf, Meine Hand in die Wolken, und schwoͤre dir bey mir selber, Der ich GOtt bin, wie du: Jch will die Menschen erloͤ- sen! JEsus sprachs, und stand auf, und in seinem Antlitz war Hoheit, Und erbarmender Ernst, und Seelenruh, als er vor GOtt stand. Und, unhoͤrbar den Engeln, nur sich und dem Sohne vernommen, Sprach der ewige Vater, und wandte sein ernstes Gesichte Gegen den Meßias: Jch breite mein Haupt durch die Himmel, Meinen Arm durch die Unendlichkeit aus, und sag: Jch bin ewig! Sag, und schwoͤre dir, Sohn: Jch will die Suͤnde ver- geben! Also sprach er, und schwieg. Jndem die Ewigen spra- chen, Gieng durch die ganze Ratur ein ehrfurchtvolles Erbe- ben. Seelen, die itzt wurden, die noch nicht zu denken begon- nen, Zitter- Der Messias. Zitterten, und empfanden zuerst. Ein gewaltiger Schauer Faßte den Seraph, ihm schlug sein Herz, und um ihn lag wartend, Wie vorm nahen Gewitter die Erde, sein furchtsamer Weltkreis. Nur in die Seelen zukuͤnftiger Christen kam sanftes Ent- zuͤcken, Und ein suͤßbetaͤubend Gefuͤhl des ewigen Lebens. Aber sinnlos, und nur zur Verzweiflung allein noch em- pfindlich, Sinnlos, wider GOtt was zu denken, entstuͤrzten im Ab- grund Jhren Thronen die hoͤllischen Geister. Als jeder dahin- sank, Stuͤrzt auf jeden ein Fels, brach unter jedem die Tiefe Ungestuͤm ein, und donnernd erklang die unterste Hoͤlle. JEsus stand noch vor GOtt, und die Leiden seiner Erloͤsung Fiengen itzt an. Und Gabriel lag auf seinem Gesichte Fern und anbetend, von neuen Gedanken gewaltig er- hoben. Seit den Jahrhunderten, die er durchlebt, (so lang als die Seele Sich die Unendlichkeit denkt, wenn sie sich in feurigem Fluge Wie aus dem Koͤrper verliert,) seit diesen Jahrhunderten hatt er So erhabne Gedanken noch nie empfunden. Die Gott- heit Jhre Erster Gesang. Jhre Versoͤhnten, die ewige Liebe des goͤttlichen Mittlers Alles eroͤffnet sich ihm. GOtt bildete diese Gedanken Jn dem Geiste des Seraphs. GOtt selber dachte sich itzo, Als den Erbarmer erschaffener Wesen. Der Seraph er- hub sich, Stand, und erstaunt, und betet, und unaussprechliche Freude Zitterten durch sein Herz, und Licht und blendendes Glaͤnzen Gieng von ihm aus. Die Erde zerfloß in himmlischen Schimmer Unter ihm, wie es ihm vorkam. Jhn sah der goͤttliche Mittler, Wie er den Gipfel des ganzen Gebirges mit Klarheit er- fuͤllte. Gabriel, rief er, verhuͤlle dich itzt, du dienst mir auf Erden. Mache dich auf, dieß Gebet vor meinen Vater zu brin- gen, Daß die edelsten unter den Menschen, die seligen Vaͤter, Daß der versammelte Himmel der Zeiten Fuͤlle vernehme, Nach der er sich so bruͤnstig gesehnt. Hier kanst du mit Glanze, Als der Gesandte des hohen Messias, vor GOtt erschei- nen. Schweigend, mit goͤttlich erheiterten Minen, erhub sich der Seraph. JEsus sah ihm in Niedrigkeit nach, doch erblickt er von ferne Schon Der Messias. Schon sein ganzes Betragen vorm Sitze der Herrlich- keit GOttes, Eh noch der eilende Seraph des Himmels Grentzen er- reichte. Jtzo erhuben sich neue geheimnißvolle Gespraͤche Zwischen ihm und dem Vater, von hohem tiefsinnigen Jn- halt, Selbst Unsterblichen dunkel, Gespraͤche von Dingen, die kuͤnftig GOttes Erloͤsung vor allen Erloͤsten verherrlichen wer- den. Unterdeß war der Seraph zur aͤussersten Grenze des Himmels Aufwaͤrts gestiegen. Hier fuͤllen nur Sonnen den heili- gen Umkreis. Hell, gleich einem vom Lichte gewebten aͤtherischen Vor- hang Zieht sich ihr Glanz um den Himmel herum. Kein dunk- ler Planete Naht sich des Himmels verderbendem Blick. Entfliehend und ferne Geht die bewoͤlkte Natur voruͤber: die Erden fliehn mit ihr Klein und unmerkbar dahin, wie unter dem Fusse des Wandrers Niedriger Staub, von Gewuͤrmen bewohnt, aufwallet und hinsinkt. Um den Himmel herum sind tausend offene Wege, Lange, nicht auszusehende Wege, von Sonnen umgeben. Hier Erster Gesang. Hier schoͤpft mit goldnen Schalen der Seraph das fest- liche Feuer, Welches sein fliegendes Haupthaar umfließt, wenn er schnell von GOtt eilt, Und als Schutzgeist zu einer unsterblichen Seele gesandt wird, Die, dem Geschlecht der Menschen zur Ehre, vom Schoͤ, pfer gebildet Jugendlich waͤchst, und voll Muth sich vor ihre Gespie- linnen vordraͤngt, Und schon erhabner und goͤttlicher fuͤhlt. Auch verklaͤrt hier die Seele Jhren von Luft nach dem Tode zusammengeflossenen Koͤrper. Durch den glaͤnzenden Weg, der gegen die Erde sich kehret, Floß nach der Erden Erschaffung, vom himmlischen Ur- quell entspringend, Ein verklaͤrter aͤtherischer Strom nach Eden herunter. Auf ihm, oder an seinem von Wolken erhobnen Gestade, Ka u m dazumal bald Engel bald GOtt, zum vertraulichen Umgang, Zu den Menschen. Doch schnell ward der Strom zu- ruͤcke gerufen, Als sich durch Suͤnde der Mensch von GOttes Freund- schaft entfernte. Denn die Unsterblichen wollten nicht mehr, in sichtbarer Schoͤnheit, Gegenden, die die Verwuͤstung des Todes entstellte, be- suchen. Damals Der Messias. Damals wandten sie schauernd sich weg. Denn die stillen Gebirge, Wo noch die Spur des Ewigen war; die rauschenden Hayne, Die das Saͤuseln der Gegenwart GOttes sonst sanft be- seelte; Selige friedsame Thaͤler, vordem von der Jugend des Himmels Liebreich besucht; die schattigten Lauben, wo ehmals die Menschen. Ueberwallend von Freuden und suͤssen Empfindungen, weinten, Daß sie GOtt ewig erschuf; die Erde lag unter dem Fluche, Jhren vordem unsterblichen Kindern ein allgemein Grab- mal. Aber dereinft, wenn sich die Weltgebaͤude verjuͤngen. Und aus der Asche des grossen Gerichts triumphirend hervorgehn, Wenn GOtt alle Bezirke der Welten mit seinem Him- mel Durch gleich allgegenwaͤrtiges Anschaun zusammen ver- einbart, Alsdann wird der aͤtherische Strom vom himmlischen Urquell Wieder mit hellerer Schoͤne zum neuen Eden sich senken. Niemals wird dann sein Gestade von hohen Versammlun- gen leer seyn, Die auf Erden den Umgang der neuen Unsterblichen su- chen. Dieß Erster Gesang. Dieß ist der heilige Weg, durch den itzt Gabriel fort- gieng, Und sich von fern dem Himmel der goͤttlichen Herrlich- keit nahte. Mitten in dieser Versammlung der Sonnen erhebt sich der Himmel, Rund, unermeßlich, das Urbild der Welten, die Fuͤlle Aller sichtbaren Schoͤnheit, die sich, gleich fluͤchtigen Baͤ- chen, Um ihn, durch den unendlichen Raum nachahmend er- giesset. Also dreht er sich, unter dem Ewigen, um sich selber. Jndem er wandelt, ertoͤnen von ihm, auf Fluͤgeln der Winde, An die Gestade der Sonnen die sphaͤrischen Harmonien Hoch hinuͤber. Die Lieder der goͤttlichen Harfenspieler Schallen mit Macht, wie beseelend, darein. Dies verein- barte Toͤnen Fuͤhrt vorm unsterblichen Hoͤrer manch hohes Loblied vor- uͤber. Wie sich sein freudiger Blick an seinen Werken ergetzet, Also vergnuͤgte sein goͤttliches Ohr itzt dies hohe Getoͤne. Die du himmlische Lieder mich lehrst, Gespielinn der Engel, Seherinn GOttes, du Hoͤrerinn hoher unsterblicher Stimmen, Melde mir, Muse von Tabor, das Lied, das die Himmel itzt sangen, B Sey Der Messias. Sey uns gegruͤsset, du heiliges Land der Erscheinungen GOttes! Hier erblicken wir GOtt, wie er ist, wie er war, wie er seyn wird. Siehe, den Seligen ohne Verhuͤllung, frey, ohne die Daͤmmrung Fern nachahmender Welten. Dich schauen wir in der Versammlung Deiner Erloͤsten, die du des seligen Anblicks auch wuͤr- digst. Wie unendlich vollkommen bist du! Zwar nennt dich der Himmel, Und der Unaussprechliche wird Jehova geheissen! Unsere Lieder, vom Schwung und Harmonien begeistert Suchen dein Bild; doch umsonst. Auf deine Verklaͤrung gerichtet, Koͤnnen Gedanken sich nur von deiner Gottheit bespre- chen. Ewiger, du bist allein in deiner Groͤsse vollkommen! Jeder Gedanke, mit dem du dein herrliches Wesen durch- schauest, Jst viel erhabner und heiliger, als die stille Betrachtung, Auf erschaffene Dinge von dir hernieder gelassen. Dennoch entschlossest du dich, auch ausser dir Wesen zu sehen, Und auf sie dein beseelendes Hauchen hernieder zu lassen. Erst erschufst du den Himmel, dann uns, des Himmels Bewohner. Fern wart ihr damals von eurer Geburt, du juͤngerer Erdkreis, Und du Sonn, und du Mond, der seligen Erde Gefaͤhrten. Erstge- Erster Gesang. Erstgeborner der Schoͤpfung, wie war dir bey dei- nem Hervorgehn? Da, nach undencklicher Ewigkeit, GOtt zu dir sich herab ließ, Und dich zum heiligen Wohnplatz von seiner Herrlichkeit weihte. Dein unermeßlicher Kreis, zum neuen Daseyn gerufen, Formte sich noch in seine Gestalt; die schaffende Stimme Wandelte noch mit dem ersten Getoͤse krystallener Meere; Jhre gleich irdischen Welten zusammengebirgten Gestade Hoͤrten sie, doch kein Unsterblicher nicht. Da standest du, Schoͤpfer, Auf dem neuen erhabenen Throne, dich selber betrach- tend, Einsam und ernst. O jauchzet der denkenden Gottheit entgegen! Damals, ja damals erschuf er euch, Seraphim, Geister- geschoͤpfe, Voll von Gedanken, voll maͤchtiger Kraͤfte, des Ewigen Bildung, Die er in euch von ihm selber erschafft, anbetend zu fassen. Halleluja, ein feyrendes Hallelujah, o Erster, Sey dir von uns unaufhoͤrlich gesungen! Zur Einsam- keit sprachst du: Sey nicht mehr! Und zu den Wesen: Entwickelt euch, Hallelujah! Unter dem Liede, das nach dem erhabenen Dreymal- heilig, Allzeit gesungen wird, hatte des Mittlers hoher Ge- sandte B 2 Eine Der Messias. Eine der naͤchsten Sonnen am Himmel helleuchtend be- treten. Ueberall schweigen die Seraphim itzt, und feyren den An- blick. Mit dem der ewige Vater ihr heiliges Loblied belohnte. Jndem erschien der Seraph auf dieser Sonne dem Him- mel. GOtt sah ihn an, der Himmel mit GOtt. Er betete kniend. Zweymal die Zeit, in welcher ein Cherub den Namen Je- hova, Und das anbetende Dreymalheilig der Ewigkeit aus- spricht, Ward er des Anschauns der Gottheit gewuͤrdigt. Drauf kam ihm der Thronen Erstgebohrner, ihn feyrlich vor GOtt zu fuͤhren, entgegen. GOtt nennt ihn seinen Geliebten; der Himmel Eloa. Vor allen, Die GOtt erschuf, ist er groß, der naͤchste dem Unerschaff- nen. Denkt er, so ist ein Gedanke von ihm so schoͤn, als die Seele, Als die ganze Seele des Menschen vom Staube gebildet, Wenn sie, ihrer Unsterblichkeit wuͤrdig, gedankenvoll nachsinnt. Sein umschauender Blick ist schoͤner, als Fruͤhlingsmor- gen, Lieblicher als die Gestirne, da sie vorm Throne des Schoͤ- pfers Jugendlich nen, und voll Licht, mit ihren Tagen, vorbey- flohn. GOtt Erster Gesang. GOtt schuf ihn erst. Aus einer helleuchtenden Morgen- roͤthe Schuf er ihm einen aͤtherischen Leib. Ein Himmel | von Wolken Floß um ihn, da er wurde: GOtt hub ihn mit offenen Armen Aus den Wolken, und sagt ihm segnend: Da bin ich, Er- schaffner! Seraph Eloa sah itzt auf einmal den Ewigen vor sich, Schaut ihn entzuͤckungsvoll an, und stand, und schaut ihn begeistert Wiederum an, und sank, verloren in GOttes Anblick. Endlich redt er, und sagte dem Ewigen alle Gebanken, Die er empfand, die neuen unsterblichen Ruͤhrungen alle, Die sein grosses Herz durchwallten. Erst werden die Welten Alle vergehn, und neu aus ihrem Staube sich schwingen, Ganze Jahrhunderte werden dann erst in die Ewigkeit eingehn, Eh der erhabenste Christ so goͤttliche Ruͤhrungen fuͤhlet. Jtzt kam Eloa von seinem Sitze zum Engel des Mitt- lers Auf neu erwachenden Strahlen in seiner Schoͤnheit her- nieder, Jhn zum Altare des Mittlers zu fuͤhren. Er gieng noch von ferne, Als er schon Gabriel kannte. Wie groß war Eloa Ent- zuͤckung, Von den Unsterblichen einen zu sehn, mit dem er vor diesem B 3 Alle Der Messias. Alle Bezirke der Schoͤpfungen GOttes, und ihre Bewohner Sah, und mit dem er unnachahmbarere Thaten voll- fuͤhrte, Als das Geschlecht der Menschen mit seinen Edelsten aus- uͤbt. Jtzo verklaͤrten sie sich schon liebreich gegen einander. Schnell, mit bruͤnstig eroͤffneten Armen, mit herzlichen Blicken Eilten sie gegen einander. Sie zitterten beyde vor Freuden, Als sie sich umarmten. Wie Bruͤder erzittern, die beyde Tugendhaft sind, und beyde den Tod fuͤrs Vaterland suchten, Wenn sie, vom Heldenblute noch voll, sich nach ewigen Thaten Wiedersehn, und sich vor ihrem noch goͤttlichern Vater um- armen. GOtt sah sie fern, und segnete sie. So giengen sie beyde, Herrlicher noch durch die Freundschaft, dem himmlischen Thron entgegen. Also kamen sie weiter bis ans Allerheiligste GOttes. Nah bey der Herrlichkeit GOttes, auf einem himmlischen Berge, Ruht des Allerheiligsten Nacht. Ein lichthelles Glaͤnzen Wacht inwendig um GOttes Geheimniß. Das heilige Dunkel Deckt nur das Jnnre vorm Auge der Engel. Bisweilen eroͤffnet GOtt den daͤmmernden Vorhang durch majestaͤtische Donner Vor dem Blicke der himmlischen Schauer. Sie sehen und feyren. Jtzo Erster Gesang. Jtzo stand auf einmal, bey des Allerheiligsten Eingang, Wie ein Berg GOttes, der Altar des Mittlers, vor Ga- briels Auge Wolkenlos da. Er sah ihn, und gieng, in festlicher Schoͤn- heit, Priesterlich zum Altar, und trug zwo goldene Schalen Voll vom heiligen Raͤuchwerck, und stand tiefsinnig am Altar. Neben ihm stand Eloa, und rief aus seiner Harfe Goͤttliche Toͤne, den opfernden Seraph zum hohen Gebete Vorzubereiten. Der hoͤrt ihn, und durch die allmaͤchtige Harfe Hub sich sein Geist voll Andacht empor. Wie der Ocean aufwallt, Wenn uͤber ihm die Stimme des Herrn in Sturmwinden wandelt. Gabriel sah GOtt an, und sang mit maͤchtiger Stimme. Nunmehr hoͤrte der ewige Vater, es horte der Himmel Deine Gebete, Messias. GOtt selber zuͤndte das Opfer Wunderbar an! ein heiliger Rauch stieg mit dem Gebete Still begleitend vom Altar; dann hub er sich weiter, und wallte, Wie von unsern Gebirgen ein ganzer Himmel, zu GOtt auf. Bis itzt hatte GOtt stets die Erde nachdenckend brtrach- tet. Denn sein Sohn besprach sich noch immer aus vollem Ge- muͤthe Mit ihm von der erhabenen Seligkeit seiner Erloͤsten. Aber itzt fuͤllte sein freundlicher Blick den Himmel von neuem. B 4 Jeder Der Messias. Jeder begegnete feyrend und still dem goͤttlichen Blicke. Alles erwartet die Stimme des HErrn. Die himmlische Ceder Rauscht itzt nicht, der Ocean schwieg am hohen Gestade. GOttes geistiger Wind hielt zwischen den ehernen Bergen Unbeweglich, und wartete mit verbreiteten Fluͤgeln, Auf die Herabkunft der goͤttlichen Stimmen. Ein Don- nerwetter Stieg, da er wartete, schnell, vom Allerheiligsten nieder. Doch GOtt redte noch nicht. Die heiligen Donnerwetter Waren Verkuͤndiger einer annahenden goͤttlichen Ant- wort. Als dies geschah, that GOtt vorm Angesichte der Thronen Offenbarend sein Heiligthum auf, den wartenden Him- mel Zu den hohen Gedanken des Ewigen vorzubereiten. Und da wandte sich Urim voll Ernst, mit goͤttlichem Tief- sinn, Cherub Urim, des ewigen Geistes vertraulichster Engel, Zu dem hohen Eloa, und sprach: Was siehst du, Eloa? Seraph Eloa stand auf, gieng langsam vorwaͤrts, und sagte: Dort an den goldenen Pfeilern, da sind labyrinthische Tafeln Voll vom Schicksal; dann Buͤcher des Lebens, die unter dem Hauche Maͤchtiger Winde sich oͤffnen, und Namen kuͤnftiger Chri- sten Neue belohnende Namen, des Himmels Unsterblichkeit auf- thun. Wie Erster Gesang. Wie sich die Buͤcher des Weltgerichts hier, gleich wehen- den Fahnen Kriegender Seraphim, furchtbar eroͤffnen! Ein toͤdtender Anblick Fuͤr die niedrigen Seelen, die wider GOtt sich empoͤr- ten! O wie GOtt sich enthuͤllt! ach, Urim, in heiliger Stille Schimmern die Leuchter im Silbergewoͤlk! So gebieret der Morgen Thau auf den Bergen, so glaͤnzen die Erben der ewigen Kindschaft, Tansend bey tausend, der wahren Gemeinen vorbildende Leuchter. Zaͤhle sie, Urim, die heilige Zahl. Die Welten, sprach Urim, Tugenden, die Thaten der Geister, selbst GOttes Ge- dancken, Wenn er sich, einen grossen Tag, uns offenbarend eroͤffnet, Sind uns zaͤhlbar: allein die Folgen der grossen Erloͤsung, GOttes Erbarmungen nicht. Eloa sprach weiter: Jch sehe GOttes Gerichtsstuhl! Wie schrecklich bist du, Weltrich- ter, Messias! Schau das Antlitz des hohen Gerichtsstuhls! Es toͤdtet von ferne! Und die zur Nache geruͤstete Glut! Ein lebendiger Sturm- wind Waͤlzet die Raͤder in fliehenden Wolken. Ach schone, Mes- sias, Schone, Weltrichter, mit deinem Verderben von ferne bewaffnet! B 5 Also Der Messias. Also besprachen Eloa und Urim sich unter einander. Siebenmal hatte der Donner das heilige Dunkel eroͤffnet, Und die Stimme des Ewigen kam sanftwandelnd hernie- der: GOtt ist die Liebe. Der war ich vorm Daseyn meiner Geschoͤpfe; Da ich die Welten erschuf, war ich auch der; itzt, bey der Vollendung Meiner geheimsten erhabensten That, bin ich eben derselbe. Schaut den Ewigen an, ihr vorerwaͤhlten Gerechten, Heilige Kinder. Erkennet mein Herz, ihr wart mir das Liebste Meiner Gedanken, als ich dem kuͤnftigen Heile nachdachte. Euch hat herzlich verlangt, ich bin euer goͤttlicher Zeuge, Endlich die Tage des Heils, und meinen Messias zu se- hen. Seyd mir gesegnet, ihr Kinder der Gottheit vom Geiste ge- boren! Weinet nicht, Kinder, hier bin ich, ein Vater, das Wesen der Wesen, Siehe, der Erst und der Letzte, ein ewig treuer Erbarmer. Der ich von Ewigkeit bin, den keine Geschoͤpfe begreifen, Jch, die Gottheit, ich lasse zu euch, mich vaͤterlich nieder. Dieser Bote des Friedens, von meinem Sohne gesen- det, Jst nur um eurentwillen zum hohen Altare gekommen. Waͤret ihr nicht zu Zeugen der grossen Erloͤsung erkohren, O so haͤtten wir uns in entfernter Stille besprochen, Einsam, geheim, unerforschlich. Doch ihr, mein the u res Geschlechte, Sollt Erster Gesang. Sollt die Tage mit Wonn und unsterblichem Jauchzen vol- lenden! Jch, und mein Himmel, wir wollen den ganzen verborge- nen Umfang Meiner Erloͤsung durchschaun, mit viel verklaͤrteren Bli- cken Wollen wir diese Geheimnisse sehn, als eures Erloͤsers Fromme, weichmuͤthige Freunde, die noch in Dunkelheit irren, Oder als seine verruchten Verfolger. Die hab ich schon lange Aus den heiligen Buͤchern vertilgt; und meinen Erloͤsten Send ich mein Licht, sie sollen nun bald das Blut der Versoͤhnung Nicht mehr mit weinendem Auge betrachten. Sie werden es sehen, Wie sich vor ihnen sein Strom ins ewige Leben verlie- ret. Alsdann sollen sie hier, im Schosse des Friedens getroͤ- stet, Feste des Lichts und der ewigen Ruh triumphirend bege- hen. Seraphim, und ihr Seelen, erloͤste Vaͤter des Mittlers, Fangt ihr die Feste der Ewigkeit an. Sie sollen von itzo Mit der Unendlichkeit dauern. Die heiligen Kinder der Erde Werden sich allgemach alle zu euch vollendet versammeln, Bis sie zusammen dereinst, mit neuen Leibern umgeben. Nach vollbrachtem Gericht zu meiner Seligkeit kommen. Unterdeß geht von mir aus, des hohen Thrones Bewoh- ner, Meldet Der Messias. Meldet den Herrschern der Schoͤpfungen GOttes, daß sie sich zur Feyrung Dieser erwaͤhlten verehrungswuͤrdigen Tage bereiten. Und ihr Frommen des Menschengeschlechts, und ihr Vaͤ- ter des Mittlers, (Denn von jenem Gebein der Sterblichkeit, das ihr im Staube Sterbend zuruͤcke gelassen, entstammt der hohe Messias, GOttes und Menschensohn,) auch euch ist die Freude be- stimmet, Die ich allein bey mir, mit meiner Gottheit Gedanken, Ganz empfind; unsterbliche Seelen, auf, eilt zu der Sonne, Welche den Kreis der Erloͤsung umleuchtet. Hier sollt ihr von ferne Eures Erloͤsers und Sohns Versoͤhnung und Thaten be- trachten. Laßt euch diesen Lichtweg hinab. Aus allen Bezirken Sieht euch meine Natur mit verneuter Schoͤnheit entge- gen. Denn ich der HErr will selbst, nach dieser Jahrhunderte Kreislauf, Einen Ruhetag GOttes, den zweyten erhabenen Sabbath, Bey mir feyren. Der ist mir viel hoͤher, als jener be- ruͤhmte, Jener von euch, ihr Geistergeschoͤpfe, seraphische Schaa- ren, Heilig besungene Tag, den ihr, nach Vollendung der Welten, Einst am Schoͤpfungsfeste begiengt. Jhr wißt es, o Gei- ster, Wie Erster Gesang. Wie sich die neue Natur, in liebenswuͤrdiger Schoͤne, Damals erhub, wie die Morgensterne mit eurer Gesell- schaft Vor mir, dem Schoͤpfer, sich neigten. Allein itzt soll mein Messias, Mein unsterblicher Sohn, viel groͤssere Werke vollenden. Eilt, verkuͤndigt dies meinen Geschoͤpfen. Mein Sabbath erhebt sich, Jtzt mit dem freyen Gehorsam und Leiden des grossen Messias. Jch, der HErr, nenn ihn den Sabbath des Heils und des ewigen Bundes. GOtt sprachs. Ueberall faltete noch die tiefe Ver- wundrung Heilige Haͤnde vor ihm. Stillschweigend sahe der Himmel Zum Allerheiligsten GOttes hinauf. Dem Gesandten des Mittlers Winkte GOtt; da stieg er zur obersten Stufe des Thro- nes. Allda empfing er, an Uriel und die Beschuͤtzer der Erde Wegen der Wunder beym Tode des Mittlers, geheime Befehle. Unterdeß waren die Thronen von ihren Sitzen gestie- gen. Gabriel folgte. Da er dem Altare der Erde sich nahte, Hoͤrt er von fern aus den hohen Gewoͤlben herwallende Seufzer, Die mit weinendem Laut das Heil der Menschen verlang- ten, Und Der Messias. Und die der Opferpriester am Altar dem Ewigen brachte. Dies ist der Altar, von dem du, des neuen Bundes Pro- phete, An dem Gestade der Patmus die himmlischen Bildungen sahest; Hier wars, wo sich in hohen Gewoͤlben der Maͤrtyrer Stimme Klaͤglich erhub; hier weinten die Seelen mit Thraͤnen der Engel, Daß der erhabene Richter den Tag der Rache verzoͤgre. Als itzt zu diesem Altare der Erde der Seraph hinabstieg, Eilt ihm Adam, der Opferpriester am Altar, entgegen, Nicht ungesehn; ein aͤtherischer Leib, helleuchtend gebildet, Huͤllte den seligen Geist in eine verklaͤrte Behausung. Seine Gestalt war so schoͤn, wie du vor des Schoͤpfers Gedanken Goͤttliches Bild, als er Adam zu schaffen gedankenvoll da stand, Und im gesegneten Schosse der paradiesischen Fluren Unter ihm heiliges Erdreich zum werdenden Menschen sich loßwand. Also gebildet kam Adam zum Seraph. Ein liebliches Laͤ- cheln Machte sein Antlitz wie goͤttlich, er sprach mit verlangen- der Stimme: Sey mir gegruͤsset, begnadigter Seraph, du Friedens- Bote. Da die Stimme von deiner erhabnen Gesandschaft er- schallte, Hub sich mein Geist jubilirend empor. Du theurer Mes- sias. Koͤnnt Erster Gesang. Koͤnnt ich dich auch in jener holdseligen menschlichen Schoͤnheit, Wie der Seraph hier, sehn! Ach in jener Gestalt der Er- barmung, Jn der du mein gefallnes Geschlecht zu versoͤhnen be- schlossen! Fuͤhre du mich zu den goͤttlichen Fußtapfen meines Er- loͤsers, Meines Erloͤsers und Freundes, ich will ihn nur ferne be- gleiten! Ruhestatt jenes Gebets, wo mein Mittler nieder gefallen, Duͤrft ich dich sehn, und daselbst die zaͤrtlichen Thraͤnen hinweinen! Ach! ich war ja vordem dein erstgeborner Bewohner, Muͤtterlichs Land, o Erde, nach dir seh ich sehnlich her- nieder. Deine vom Donnerworte des Fluchs zerstoͤrten Gefilde Waͤren mir in der Gesellschaft des Mittlers, den eben der Koͤrper Jenes Todes umhuͤllt, den ich dort im Staube zuruͤckließ, Lieblicher, als dein Gefilde nach himmlischen Auen er- schaffen, O Paradies, verlorner Himmel! So sagt er voll Jnbrunst. Deine Verlangen will ich, du Erstling der Auserwaͤhl- ten, Sprach der Seraph mit freundlicher Stimme, dem Mitt- ler erzaͤhlen. Jst es sein goͤttlicher Wille, so wird er dich zu sich berufen, Du wirst ihn sehn, wie er ist, die erniederte Herrlichkeit GOttes. Jndem Der Messias. Jndem hatten die goͤttlichen Engel den Himmel ver- lassen, Und sich uͤberall schnell ins Weltgebaͤude vertheilet. Gabriel nur kam allein zur seligen Erden hernieder, Die der benachbarte Kreis voruͤbergehender Sterne Still mit einem allgegenwaͤrtigen Morgen begruͤßte. Ringsum erschallten zugleich die neuen Namen der Erde. Gabriel hoͤrte die Namen: Du Koͤnigiun unter den Erden, Augenmerk aller Geschoͤpfe, vertrauteste Freundinn des Himmels, Anderer Wohnplatz der Herrlichkeit GOttes, unsterbliche Zeuginn Jener geheimen erhabenen Thaten des grossen Messias! Also ertoͤnte der Umkreis von englischen Stimmen bele- bet. Gabriel hoͤrt es und kam mit verweilendem Fluge zur Er- den. Hier sank Schlummer und Kuͤhlung noch in die Thaͤ- ler hernieder, Dunkle gesellige Wolken verhuͤllten noch ihre Gebirge. Gabriel gieng in der Nacht, und suchte mit sehnlichen Bli- cken Seinen Messias. Er fand ihn in einem niedrigen Thale, Das sich zwischen dem Gipfel des himmlischen Oelbergs hinabließ. Hier war der goͤttliche Mittler, von tiefen Gedanken er- muͤdet, Eingeschlafen. Natur, du mußtest zu seinem Haupte, Also sagtler dir schlummernd, leichttragende Blumen er- schaffen. Gabriel Erster Gesang. Gabriel sahe den Mittler in suͤssem luftigen Schlafe, Stand voll Verwunderung still, und sah unverwandt nach der Schoͤnheit, Die die vereinbarte Gottheit der menschlichen Bildung er- theilte. Ruhige Liebe, die Zuͤge des goͤttlichen Laͤchelns voll Gnade, Huld und Milde, noch Thraͤnen der zaͤrtlichen treuen Er- barmung, Zeigten den Geist des goͤttlichen Mittlers in seinem Ge- sichte; Doch war sein Abdruck daselbst in Zuͤgen des Schlafes verdunkelt. Also sieht ein reisender Seraph der bluͤhenden Erde Halbunkenntliches Antlitz an Fruͤhlingsabenden liegen, Wenn der Abendstern schon am einsamen Himmel herauf- geht, Und aus daͤmmernden Lauben den Weisen, ihn anzuschaun, herwinkt. Endlich redte der Seraph nach langer Betrachtung und Stille. O du, der du allwissend bist, sprach er mit zaͤrtlicher Stimme, Der du mich hoͤrst, obgleich dein sterblicher Leib hier ru- het, Deinen Befehlen hab ich mit getreuer Sorgfalt gehor- chet. Als ich dies that, so eroͤffnete mir der Erste der Menschen, Wie er dein Antlitz zu sehn, unsterblicher Mittler, sich sehne. Jtzo will ich, nach deines erhabenen Vaters Entschlies- sung, C Gleich Der Messias. Gleich von hier, deine Versoͤhnung auch mit zu verherr- lichen, eilen. Unterdeß schweigt hier, o nahe Geschoͤpfe! den fluͤchtigsten Anblick Dieser hineilenden Zeit, da euer Schoͤpfer noch hier ist, Muͤßt ihr fuͤr seliger, als viel lange Jahrhunderte halten, Da ihr den Menschen mit reger sorgfaͤltiger Aemsigkeit dienet. Schweig, Getoͤse der Luft, in deinen aufruͤhrischen Hoͤlen, Oder erhebe dich sanft mit stillem behutsamen Saͤuseln. Und du, nahes Gewoͤlk, o treufle du Segen und Waͤrme Auf die kuͤhlenden Schatten aus deinen Schoͤssen herunter. Rausche nicht, Ceder, schweig, heiliger Hain, vorm schlum- mernden Schoͤpfer! Also verlohr sich mit sorgsamem Ton die Stimme des Seraphs. Und drauf eilt er zu jener Versammlung der heiligen Waͤchter, Die als Vertraute der Gottheit und ihrer verborgenen Vorsicht, Mit ihm die Erde zugleich in geheimer Stille beherrschten. Diesen sollt er noch itzt, vor seiner Erhebung zur Sonne, Jenes Verlangen der seligen Geister, die nahe Versoͤh- nung, Und den zweyten erhabenen Ruhetag GOttes eroͤffnen. Der du nach Gabriel itzt den Kreis der Erloͤsung be- herrschest, Goͤttlicher Schutzgeist der Mutter so vieler unsterblichen Kinder, Die Erster Gesang. Die sie, wie ihre Begleiter, die schnellen Jahrhunderte, fluͤchtig Und unerschoͤpflich am Reichthum, den hoͤhern Gegenden sendet, Und dann des ewigen Geistes zerfallne vermorschte Behau- sung Unter verlassenen Huͤgeln in traurige Dunkelheit ein- schließt; O du dieser verherrlichten Erden erwaͤhlter Beschuͤtzer, Seraph Eloa, verzeih dies deinem zukuͤnftigen Freunde, Wenn er deinen feit Edens Erschaffung verborgenen Wohn- platz, Von der heiligen Muse gelehrt, den Sterblichen zeiget. Hat er sich iemals, voll einsamer Wollust, in tiefe Gedan- ken Und in den hellen Bezirk der stillen Entzuͤckung verloh- ren; Hat mit Gedanken der Geister sich sein Gedanke verei- net, Und die enthuͤllete Seele die Rede der Goͤtter vernom- men; O so hoͤr ihn, Eloa, wenn er, wie die himmlische Ju- gend, Kuͤhn und erhaben, nicht modernde Truͤmmern der Vor- welt besinget, Sondern den Buͤrgern der goͤttlichen Erde dein Heilig- thum aufthut. Jn dem stillen Bezirk des unbetrachteten Nordpols Herrschet die Mitternacht ewig einsiedlerisch. Dunkel und Wolken C 2 Fliessen Der Messias. Fliessen von ihr, wie ein sinkendes Meer, unaufhoͤrlich herunter. So lag unter der Finsterniß GOttes von Mosen geru fen, Ehmals der Nil, in vierzehn Gestade zusammen gedraͤn- get, Und ihr, der Koͤnige Grab, unsterbliche Pyramiden. Niemals hat noch ein Auge, von kleinern Himmeln um- grenzet, Diese verlaßnen Gefilde gesehen, wo naͤchtliches Erdreich Unbewohnt ruht, wo kein Laut von Menschenstimmen ertoͤnet, Wo kein Todter begraben liegt, wo kein Auferstehn seyn wird. Aber zu tiefen Gedanken, und zur Betrachtung gewid- met, Machen sie Seraphim herrlich, wenn sie auf ihren Ge- birgen, Orionen gleich, gehn, und in prophetischer Stille Thraͤnenvoll, der Menschen zukuͤnftige Seligkeit an- schaun. Mitten in diesen Gefilden erhebt sich die englische Pforte, Durch die der Erde Beschuͤtzer zu ihrem Heiligthum ein- gehn. Wie zur Zeit des belebenden Winters ein heiliger Festtag Ueber beschneyten Gebirgen nach truͤben Tagen hervor- geht; Wolken und Nacht entfliehen vor ihm, die beeisten Ge- filde Hohe Erster Gesang. Hohe durchsichtige Waͤlder entnebeln ihr Antlitz, und glaͤnzen: Also gieng Gabriel itzt auf den mitternaͤchtlichen Ber- gen, Und schon stand sein unsterblicher Fuß an der heiligen Pforte Die sich vor ihm, wie Fluͤgel der rauschenden Cherubim, aufthat. Schon war sie hinter ihm wieder geschlossen. Nun gieng der Seraph Jn den Tiefen der Erde. Da waͤlzten sich Oceane Um ihn mit langsamer Flut zum menschenlosen Gestade. Alle Soͤhne der Oceane, gewaltige Fluͤsse, Flossen, wie Ungewitter sich aus den Wuͤsten heraufziehn, Fern und rauhtoͤnend ihm nach. Er gieng, und sein hei- liger Wohnplatz Zeigte sich schon in der Naͤhe. Die Pforte von Wolken erbauet Wich ihm itzt aus, wie auf blumichten Huͤgeln dem Mor- gen die Nacht weicht. Unter dem Fuß des Unsterblichen floß die fluͤchtige Daͤmm- rung Wallend hinweg. Weit hinter ihm, an den dunkeln Ge- staden, Blieben wehende Flammen in seinem Fußtritt zuruͤcke. Nunmehr hatte der Seraph den heiligen Wohnplatz be- treten. Da, wo sich fern von uns die Erde zum Mittelpunct kehret, Woͤlbt sich in ihr ein weiter Bezirk voll himmlischer Luͤfte. C 3 Mitten Der Messias. Mitten darinnen erhebt sich mit fluͤßigem Schimmer be- kroͤnet Eine sanftleuchtende Sonne. Von ihr fließt Leben und Waͤrme Jn die Adern der Erden empor. Die oberste Sonne Bildet mit dieser vertrauten Gehuͤlfinn den blumichten Fruͤhling, Und den feurigen Sommer, von sinkenden Halmen bela- stet, Und dich, o Herbst, auf Traubengebirgen. Jn ihren Be- zirken Jst sie niemals nicht auf und niemals nicht untergegangen. Um sie laͤchelt ein ewiger Morgen in thauenden Wol- ken. Unterweilen thut der, der die Himmel zusammen erfuͤllet, Seine Gedanken den Engeln daselbst durch Zeichen in Wolken Wunderbar kund; da erscheinen alsdann die Folgen des Schicksals. Also entdeckt sich GOtt, wenn nach wohlthaͤtigen Wet- tern Ueber besaͤnftigten Wolken der Regenbogen hervorgeht, Und dir, Erde, den Bund und die Fruchtbarkeit GOt- tes verkuͤndigt. Gabriel ließ itzo auf dieser Sonne sich nieder. Um ihn versammelten sich der Koͤnigreiche Beschuͤtzer, Engel des Kriegs und des Todes, die im Labyrinthe des Schicksals Bis zur goͤttlichen Hand den fuͤhrenden Faden beglei- ten; Die Erster Gesang. Die im Verborgenen uͤber die Werke der Koͤnige herr- schen, Wenn sie damit triumphirend, als ihrer Schoͤpfung, sich bruͤsten. Dann die Huͤter der tugendhaften und wenigen Edlen, Die den denckenden Weisen in seiner Entfernung beglei- ten, Wenn er das Menschengewebe der irdischen Seligkeit fliehet, Und die Buͤcher der ewigen Zukunft im Stillen eroͤffnet. Auch sind sie oft insgeheim bey einer Versammlung zu- gegen Wo der feurige Christ die Herabkunft GOttes empfindet, Wenn ein bruͤderlich Volk, durch das Blut des Bundes ge- heiligt, Seinem unsterblichen Lamme zu Sion ein Loblied erhe- bet. Wenn die Seelen entschlafner Christen ihr todtes Antlitz Und den Schweis, und die traurigen Zuͤge des siegen- den Todes, Und die bezwungne Natur auf ihrem Leichnam erbli- cken: So empfangen sie diese Gefaͤhrten mit troͤstendem Anblick: Lieber, wir wollen dereinst die Truͤmmern alle ver- sammeln; Eben diese Behausung der Sterblichkeit, dieses Gebeine, Durch die Hand des gewaltigen Todes so traurig ent- stellet, Soll mit dem Morgen des Richters zur neuen Schoͤ- pfung erwachen. C 4 Kommt Der Messias. Kommt nur, des Himmels zukuͤnftige Buͤrger, ein helle- res Anschaun, Selbst die Umarmung des goͤttlichen Mittlers erwartet euch liebreich. Auch die Seelen, die dem kaum gebornen Koͤrper ent- flohen, Sammelten sich um den Seraph herum. Sie flohen mit Weinen, Mit dem zaͤrtlichen Weinen der Kindheit. Jhr schuͤch- ternes Auge Hatte die Oberflaͤche der Erde kaum staunend erblicket; Darum durften sie sich auf den groͤssern Schauplatz der Welten Noch ungebildet so bald hervorzutreten nicht wagen. Jhre Beschuͤtzer begleiten sie zu sich, und lehren sie rei- zend, Unter dem Klange belebender Harfen, in lieblichen Lie- dern: Wie und woher sie entstanden; wie groß die menschliche Seele Von dem vollkommensten Geiste gemacht sey; wie ju- gendlich heiter Sonnen und Monde nach ihrer Geburt zum Schoͤpfer gekommen. Euch erwarten vollendete Vaͤter; ein herrliches An- schaun Eures Erbarmers erwartet euch dort am ewigen Throne. Also lehren sie diese der Weisheit wuͤrdige Schuͤler, Jener erhabenen Weisheit, nach deren fluͤchtigen Schat- ten Durch Erster Gesang. Durch ihr Glaͤnzen geblendet, die irren Sterblichen eilen. Jtzo hatten sie haͤufig die schimmernden Lauben ver- lassen, Und sich zu ihren Vertrauten, den Engeln der Erde, ver- sammelt. Gabriel that itzo der ganzen Geisterversammlung Alles das kund, was GOtt ihm befahl vom Meßias zu sagen. Diese blieb wie entzuͤckt um den hohen goͤttlichen Lehrer, Und ließ ihre Gedancken in tiefe Betrachtungen nieder. liebenswuͤrdiges Paar, zwo befreundete See- len, Benjamin und Dudaim, umarmten einander, und spra- chen: Jst das nicht, o Dudaim, der holde vertrauliche Leh- rer? Jsts nicht JEsus, von welchem der Seraph dies alles erzaͤhlte? Ach, ich weiß es noch wohl, wie er uns inbruͤnstig um- armte, Wie er uns an die klopfende Brust mit Zaͤrtlichkeit druͤckte. Eine getreue leutselige Zaͤhre, die seh ich noch immer, Netzte sein Antlitz, ich kuͤßte sie auf, die seh ich noch immer. Und drauf sagt er, o Benjamin, unsern umstehenden Muͤttern: Werdet, wie Kinder, sonst koͤnnt ihr das Reich des Vaters nicht erben. C 5 Ja, Der Messias. Ja, so sagt er, Dudaim, und der ist unser Erloͤser; Durch den sind wir so selig, umarme mich, lieber Du- daim! Also besprachen sie sich mit Zaͤrtlichkeit unter einan- der. Gabriel aber bereitete sich zur neuen Gesandschaft, Nahm sein helles Gewand, mit dem er beym Engel der Sonnen Allzeit erschien. Ein festliches niederwallendes Glaͤnzen Floß, da er gieng, den Fuß des Unsterblichen praͤchtig her- unter. Also sehen des Mondes Bewohner den Tag der Erde, Jhren Naͤchten zu leuchten, in stillen thauenden Wolken Auf die Gipfel von ihren Olympen herunterwallen. Also geschmuͤckt stand Gabriel auf, und unter dem Nach- ruf Jauchzender Engel und Seelen betrat er den freyeren Luftkreis. Rauschend, wie Pfeile vom silbernen Bogen, zum Sie- ge befluͤgelt, Schoß er neben Gestirnen vorbey, und eilte zur Sonne. Jtzo sank er auf Uriels Burg schon schwebend hernie- der. Hier fand er auf der Zinne der Burg die Seelen der Vaͤ- ter, Die unverwandt den feurigen Blick zu den Strahlen ge- sellten, Welche den Tag in die canaanitischen Gegenden sen- den. Unter Erster Gesang. Unter den Vaͤtern war einer von hohem denkenden An- sehn, Adam, der Sohn der erwachenden Erd und der Bildun- gen GOttes. Gabriel, er, und der Herrscher der Sonnen erwarteten sehnlich, Unter Gespraͤchen vom Heile der Menschen, den Anblick des Oelbergs. Zweyter Gesang. J tzo stieg uͤber die Cedernwaͤlder der Morgen her- unter. JEsus erhub sich, ihn sahn in der Sonne die See- len der Vaͤter. Als sie ihn sahn, da sangen zwo Seelen so gegeneinan- der, Adams Seele, mit ihr die Seele der goͤttlichen Eva: Schoͤnster der Tage, du sollst vor allen kuͤnftigen Tagen Festlich und heilig uns seyn, dich soll vor deinen Gefaͤhr- ten, Kehrst du wieder zuruͤck, die Seele des Menschen der Se- raph Und der Cherub, beym Aufgang und Untergange, begruͤssen. Steigst du zur Erden herab; verbreiten dich Orione Durch die Himmel; und gehst du beym Throne der Herr- lichkeit GOttes Heilig hervor, so wollen wir dir in feyrendem Aufzug Jauch- Der Messias. Jauchzend mit Hallelujagesaͤngen entgegen segnen! Dir, unsterblicher Tag, der du unsern getroͤsteten Augen GOtt, den Meßias, auf Erden in seiner Erniedrung entdeckest! Wie er so schoͤn ist! O, unser Meßias in menschlicher Bildung! Wie sich in seinem erhabenen Ansehn die Gottheit ent- huͤllet! Selig bist du und heilig, die du den Meßias gebarest, Seliger als Eva, die Mutter der Menschen. Unzaͤhlbar Sind zwar die Soͤhne von ihr, doch zugleich unzaͤhlbare Suͤnder. Aber du hast einen, nur einen goͤttlichen Menschen Einen gerechten, ach einen unschuldigen theuren Meßias Einen Sohn GOttes, unsterbliche Tochter der Erde, ge- boren! Zaͤrtlich mit irrendem Blick seh ich zur Erden hernieder, Dich, Paradieß, dich seh ich nicht mehr. Du bist in den Wassern Weggeschwemmt, in Wassern der allgegenwaͤrtigen Suͤnd- flut. Deiner erhabnen umschattenden Cedern, die GOttes Hand pflanzte, Deiner friedsamen Lauben, der jungen Tugend Behausung, Hat kein Sturmwind, kein Donner, kein Todesengel ge- schonet! Bethlehem, wo ihn Maria gebar, und ihn bruͤnstig um- armte, Sey du mir mein Eden; du Brunnen Davids, die Quelle, Wo ich goͤttlich erschaffen zuerst mich sahe, du Huͤtte, Wo Zweyter Gesang. Wo er weinte, sey du mir die Laube der ersten Unschuld! Ach haͤtt ich dich in Eden geboren, du Goͤttlicher! haͤtt ich Gleich nach vollbrachter entsetzlichen That dich, Sohn, geboren! Siehe, so waͤr ich mit dir zu meinem Richter gegangen; Da, wo er stand, wo unter ihm Eden zum Grabe sich aufthat, Wo der Erkentnisse Baum mir fuͤrchterlich rauschte, wo Stimmen Seiner Donner den Fluch uns und der Erde zuriefen, Wo ich im bangen Erdbeben dahin sank, und sterben wollte, Da waͤr ich zu ihm gegangen; dich, Sohn, haͤtt ich wei- nend umarmet Und an mein Herze gedruͤckt, und gesagt: Ach zuͤrne nicht, Vater! Zuͤrne nicht mehr, ich habe den Mann Jehova geboren! Heilig bist du, und anbetenswuͤrdig und ewig, o Er- ster! Der du dir deinen goͤttlichen Sohn von Ewigkeit zeug- test, Und ihn, nach deinem Bilde gezeugt, zum Erloͤser der Menschen, Meines von mir beweinten Geschlechts, erbarmend er- waͤhltest. GOtt hat meine Thraͤnen gesehen; ihr habt sie gesehen, Seraphim, und sie gezaͤhlt; auch ihr, ihr Seelen der Tod- ten, Seelen meines entschlafnen Geschlechts, habt sie alle ge- zaͤhlet. Waͤrest du nicht, o Messias, gewesen, die ewige Ruhe Haͤtte Der Messias. Haͤtte mir selbst traurig, und ungenießbar geschienen. Aber in deinem goͤttlichen Umgang, von deiner Erbar- mung, Stifter des ewigen Bundes, sanft uͤberschattet, da lernt ich Selbst in zaͤrtlicher Wehmuth mehr Seligkeiten empfin- den. Und nun traͤgst du sein Bild, das Bild des sterblichen Menschen! GOttmensch Erloͤser, dich beten wir an! Vollende dein Opfer, Das du fuͤr uns, unsterblicher GOtt, zu vollenden her- abstiegst. Mache die Erde bald neu, die du zu verneuen beschlossest, Dein und unser Geburtsland. Komm bald gen Himmel zuruͤcke! Komm, sey gegruͤsset in deinen Erbarmungen, GOttmensch Erloͤser; Also ertoͤnte mit maͤchtigem Klang die Stimme der Seelen Durch die Gewoͤlbe der englischen Burg. Der Messias vernahm sie Fern in der Tiefe. Wie mitten in dichtrischen Einsied- leyen, Jn zukuͤnftige Folgen vertieft, prophetische Weisen Dich von fern, sanftwandelnde Stimme des Ewigen, hoͤ- ren. JEsus gieng den Oelberg hinab. An der Mitte des Oel- bergs Stand Zweyter Gesang. Stand ein Palmbaum auf niedrigen Huͤgeln vor allen er- haben, Von leichtschimmernden Wolken des Morgennebels um- flossen. Unter dem Palmbaum vernahm der Messias den Schutz- geist Johannes, Raphael ist sein Name, der ihn hier betend verehrte. Liebliche Winde zerflossen vom Oelbaum, und trugen die Stimme, Die sonst kein Geschoͤpfe nicht hoͤrten, zum Mittler her- nieder. Raphael komm, rief ihn der Messias mit freundlichem Anblick, Wandle mir hier ungesehen zur Seite. Wie hast du die Nacht durch Unsers lieben Johannes unschuldige Seele bewachet? Was fuͤr Gedanken, die deinen Gedanken, o Raphael, glichen, Hatte sie? Wo ist er itzt? Jch bewacht ihn, sagte der Se- raph, Wie man die Erstlinge deiner Erwaͤhlten, o Mittler, be- wachet. Seinen eroͤffneten Geist umschatteten heilige Traͤume, Traͤume von dir. O haͤttest du ihn da schlummern gesehen, Als er dich, Goͤttlicher, sah! Ein heiliges Fruͤhlingslaͤ- cheln Fuͤllte sein Antlitz. Dein Seraph hat auch in Edens Ge- filden Adam gesehn, da er schlief, und das Bild der werdenden Eva Und Der Messias. Und des bauenden Schoͤpfers vor seine Gedanken herab- kam. Aber so schoͤn war er nicht, wie dein goͤttlicher Juͤnger Jo- hannes. Doch itzt ist er dort unten in traurigen naͤchtlichen Graͤ- bern, Und klagt einen besessenen Mann, der im Staube der Todten Fuͤrchterlich bleich, wie ein bebend Gerippe, hinausge- streckt lieget. JEsus, du soltest ihn sehn, du soltest den zaͤrtlichen Juͤnger Neben ihm voller mitleidigen Kummers und Wehmuth erblicken, Wie ihm vor Menschenliebe sein Herz erbarmend zerflies- set, Wie er erbebt. Mir selbst drang eine wehmuͤthige Thraͤne Zitternd ins Auge. Da wandt ich mich weg. Das Leiden der Geister, Die du zur Ewigkeit schufst, ist mir stets durch die Seele gedrungen. Raphael schwieg. Das Auge des Mittlers sah zuͤrnend gen Himmel. Grosser Vater, erhoͤre mich itzt. Der Menschenfeind werde Deinen Gerichten ein ewiges Opfer, das jauchzend der Himmel, Das voll Bestuͤrzung und Schand und Schmach die Hoͤlle betrachte! Also sagt er, und naͤherte sich den Graͤbern der Todten. Unten am mitternaͤchtlichen Oelberge waren die Graͤber Jn Zweyter Gesang. Jn zusammengebirgte zerruͤttete Felsen gehauen. Dick und finster verwachsene Waͤlder verwahrten den Ein- gang Vor dem Blicke des fliehenden Wandrers. Ein trauriger Morgen Stieg, wenn uͤber Jerusalem schon der Mittag sich senkte, Zu den Graͤbern noch daͤmmernd mit kuͤhlem Schauer hin- unter. Samma, so hieß der besessene Mann, lag neben dem Grabe Seines juͤngsten geliebtesten Sohns in klaͤglicher Ohn- macht, Satan ließ ihm die Ruh, ihn desto ergrimmter zu quaͤlen. Hier lag er bey den Gebeinen des Knabens in Moder und Asche, Neben ihm stand sein anderer Sohn, und weinte zu GOtt auf. Jenen verstorbenen, welchen der Vater und Bruder be- weinten, Hatte vordem die zu zaͤrtliche Mutter, durch Flehen erwei- chet, Mit in die Graͤber zum Vater hinab gebracht, welchen der Satan Ungestuͤm und voll grimmiger Wut bey den Todten her- umtrieb, Ach mein Vater! so rief der kleine geliebte Benoni, Und entfloh den Armen der Mutter, die aͤngstlich ihm nach- lief; Ach mein Vater, umarme mich doch! und hielt seine Haͤnde, Druͤckte sie an sein Herz. Der Vater umfaßt ihn, und bebte D Da Der Messias. Da nun der Knabe mit kindlicher Jnbrunst ihn zaͤrtlich umhalste, Da er mit stillem liebkosenden Laͤcheln ihn jugendlich an- sah, Warf ihn der Vater an einen entgegenstehenden Felsen, Daß sein zartes Gehirn an blutigen Steinen herabrann, Und die unschuldige Seele, mit leisem Roͤcheln, entflohe. Nunmehr klagt er ihn trostlos, und faßt das kalte Behaͤlt- niß Seiner Gebeine mit sterbendem Arm. Mein Sohn, ach Benoni! Ach Benoni, mein Sohn! so sagt er, und jammernde Thraͤnen Stuͤrzen vom Auge, das bricht und langsam starrend erstirbet. Also lag er und aͤngstete sich, da der Mittler hinabkam. Joel, der andere Sohn, verwandte sein thraͤnendes Ant- litz. Von dem Vater, und sah den Messias im Grabmal daher- gehn. Ach! mein Vater, erhub er voll froher Verwundrung| die Stimme, JEsus der grosse Prophet, koͤmmt in die Graͤber hernie- der. Satan hoͤrt es, und sahe bestuͤrzt durch die Oeffnung des Grabmals. Also sehn Gottesleugner, der Poͤbel, aus duͤstern Ge- woͤlben, Wenn das hohe Gewitter am donnernden Himmel herauf- zieht, Und der Rache gefuͤrchtete Wagen in Wolken sich waͤlzen. Satan Zweyter Gesang. Satan hatte bisher nur Samma von ferne gepeinigt, Aus den tiefsten entlegensten Enden des naͤchtlichen Grab- mals Sandt er langsame Plagen hervor. Jtzt erhub er sich wieder Ruͤstete sich mit Todesschrecken, und stuͤrzt auf Samma. Samma sprang auf, dann fiel er von neuem ohnmaͤchtig dar- nieder. Seine dem Tode noch kaum entgegenringende Seele Trieb ihn, von dem moͤrdrischen Feind zur Verzweiflung empoͤret, Felsen an. Hier wolt ihn vor deinen goͤttlichen Au- gen Grosser Messias, der Satan am schroffen Felsen zer- schmettern. Doch du warest schon da, und deine voreilende Gnade Trug dein verlassnes Geschoͤpf auf treuen allmaͤchtigen Fluͤ- geln, Daß er nicht sank. Da ergrimmte der Geist des Men- schenverderbers Und erbebte. Die kommende Gottheit erschreckt ihn von ferne. Jndem richtete JEsus sein helfendes Antlitz auf Sam- ma. Eine belebende goͤttliche Kraft, mit dem Blicke verein- bart, Gieng von ihm aus. Da erkannte der arme verlassene Samma Seinen Erloͤser. Jns bleiche schon halbverweste Gesichte Kam die Menschheit zuruͤck, er schrie, und weinte gen Himmel. D 2 Jtzt Der Messias. Jtzt wollt er reden, allein kaum kont er von Freuden erschuͤttert Bebend stammeln. Doch breitet er sich mit sehnlichen Armen Nach dem Ewigen aus, und sah mit getroͤsteten Augen, Voll von Entzuͤckung, nach ihm von seinem Felsen herun- ter. Wie die Seele truͤbsinniger Weisen, die, in sich gekehret, An der Unsterblichkeit ihrer zukuͤnftigen Dauer verzwei- felt, Jnnerlich bebt; der Ewigen schauert vor ihrer Zernich- tung; Aber itzt nahet sich ihr der weisern Freundinnen eine, Jhrer Unsterblichkeit sicher, und stolz auf GOttes Ver- heissung, Koͤmmt sie zu ihr mit troͤstendem Blick. Die truͤbe Ver- laßne Heitert sich auf, und windet mit Macht von jammerndem Kummer Ungestuͤm freudig sich los; nun jauchzt die ewige segnend, Wie im Triumph, uͤber ihrer verneuten unsterblichen Groͤsse. Also empfand der besessene Mann die Beruhigung GOt- tes. Und drauf sprach der Messias mit maͤchtiger Stimme zu Satan: Geist des Verderbens, wer bist du, der du vor meinem Gesichte Dies zur Erloͤsung erwaͤhlte Geschlecht, die Menschen, so quaͤlest? Jch bin Satan, antwortet ein zorniges tiefes Gebruͤlle, Koͤnig Zweyter Gesang. Koͤnig der Welt, die oberste Gottheit unsclavischer Gei- ster, Die mein Ansehn zu etwas erhabnerm, als zu den Ge- schaͤften Himmlischer Saͤnger bestimmt hat. Dein Ruf, o sterb- licher Seher, (Denn Maria wird wohl Unsterbliche niemals gebaͤren!) Dieser dein Ruf drang, wer du auch bist, zur untersten Hoͤlle. Selbst ich verließ sie, sey stolz auf deines Koͤnigs Bemuͤ- hung! Dich von himmlischen Sclaven verkuͤndigten Heiland, zu sehen. Doch du wurdest ein Mensch, ein goͤttertraͤumender Se- her, Wie die, welche mein maͤchtiger Tod in die Erde begra- ben. Darum gab ich nicht Acht, was die ueuen Unsterblichen thaten. Doch nicht muͤßig zu seyn, so plagt ich, das hast du gese- hen! Deine Geliebten, die Menschen. Da sieh des Todes Ge- stalten, Meine Geschoͤpf, auf diesem Gesicht! Jtzt eil ich zur Hoͤlle. Unter mir soll mein allmaͤchtiger Fuß das Meer und die Erde, Mir anstaͤndige Wege zu bahnen, gewaltsam verwuͤsten. Dann soll die Hoͤll im Triumph mein koͤniglich Angesicht schauen. Willst du was thun, so thu es alsdann. Jch kehre zu- ruͤcke, D 3 Hier Der Messias. Hier auf der Welt mein erobertes Reich, als Koͤnig, zu schuͤtzen. Unterdeß stirb noch, Verlassner, vor mir! So sagt er, und stuͤrtzte Stuͤrmend auf Samma. Allein des ruhigschweigenden Mittlers Stille verborgne Gewalt kam, gleich der Allmacht des Vaters, Wenn er Welten geheim und still den Untergang zuwinckt, Satan im Zorne zuvor; er floh, und vergaß im Entflie- hen, Unter allmaͤchtigem Fusse das Meer und die Erde zu schlagen. Unterdeß stieg Samma von seinem Felsen hernieder. Also entfloh vom hohen Euphrates Nebucadnezar, Da ihm der Rathschluß der heiligen Waͤchter die mensch- liche Bildung Wiederum gab, und ihn zum Anschaun des Himmels er- hoͤhte. GOttes Schrecknisse gingen nicht mehr, mit dem Rau- schen Euphrates, Vor ihm in dunklen sinaischen Donnerwettern voruͤber. Nebucadnezar kam auf die stolzen Hoͤhen zu Babel, Nicht mehr als GOtt; er lag, von da gen Himmel ver- breitet, Dankbar im Staube gebeugt, den Ewigern anzubeten. Also kam Samma zu JEsu herab, und fiel vor ihm nieder! Darf ich dir folgen, du heiliger Mann? ach laß mich mein Leben Das du mir wieder geschenkt, bey dir, Mann GOttes, vollenden! Also Zweyter Gesang. Also sagt er, und schlung sich mit |bruͤnstigen zitternden Armen Um den Erloͤser, der ihm, mit menschenfreundlichen Blicken, Dieses erwiederte: Folge mir nicht, doch verweile dich kuͤnftig Mehr als sonst um Golgathas Huͤgel, da wirst du |die Hoffnung Abrahams und der Propheten mit deinen Augen erbli- cken. Jndem JEsus zu Samma so sprach, da wandte sich Joel Zu Johannes, und sagte zu ihm, |mit |schuͤchterner Un- schuld: Ach du lieber Mann, fuͤhre du mich zum grossen Propheten, Daß er mich hoͤre, du kennest ihn ja. Der zaͤrtliche Juͤnger Nahm ihn, und fuͤhrt ihn zu JEsu, da sagt er in seiner Unschuld: GOttes Prophet, so kann denn mein Vater und ich dir nicht folgen? Aber, o darf ichs wohl sagen, warum verweilest du itzo Hier, wo mein jugendlich Blut vor den Graͤbern der Todten erstarret? Komm doch, du goͤttlicher Mann, in meines Vaters Be- hausung. Dich soll hier meine verlassene Mutter mit Demuth be- dienen. Milch und Honig, die lieblichsten Fruͤchte von unseren Baͤumen, D 4 Sollst Der Messias. Sollst du geniessen; die Wolle der juͤngsten Laͤmmer in Auen Soll dich bedecken. Jch selber will dich, o GOttes Pro- phete, Koͤmmt die Sommerszeit, unter die Schatten der Baͤu- me begleiten, Die mir mein Vater im Garten geschenkt. Mein lieber Benoni! Ach Benoni, mein Bruder! dich laß ich im Grabe zu- ruͤcke. Ach nun wirst du mit mir die Blumen kuͤnftig nicht traͤncken! Niemals wirst du am kuͤhlenden Abend mich bruͤderlich wecken! Ach Benoni! ach GOttes Prophet, da liegt er im Staube! JEsus sah ihn erbarmungsvoll an, und sprach zu Jo- hannes: Wische dem Juͤngling die Zaͤhren vom Antlitz; ich hab ihn viel edler Und rechtschaffner, als viele von seinen Vaͤtern, erfunden. Also sagt er, und blieb mit Johannes allein in den Graͤbern. Nah beym stillen Gebein des entschlafnen kleinen Benoni Stand der Koͤnig zu Salem, Melchisedeck, marmorn ge- bildet, GOttes Priester, Prophet und Koͤnig. Er stand und schaute Sterbend in sein Grabmahl, nicht mit jenem traurigen Antlitz Welches Zweyter Gesang. Welches sterbende Suͤnder entstellt; nein, mit einem Ge- sichte, Das sich mit maͤnnlichen Laͤcheln die Auferstehung der Todten, GOttes Tag, und das Erwachen zum Bilde des Ewi- gen weissagt. Um ihn schlug kein weinender Greis sein Vaterhertz; um ihn Jammerte keine verlassene Mutter; er stand ganz einsam Vor der Gottheit, und horchte, gehorsam ins Grab sich zu legen. Allda blieb mit seinem Johannes der goͤttliche Mittler. Unterdeß gieng Satan, mit Dampf und Wolcken um- huͤllet, Durchs Thal Josaphat, uͤber das todte Meer finster hin- uͤber. Von da kam er zum wolkichten Carmel, vom Carmel gen Himmel. Hier durchirrt er mit grimmigem Blicke den goͤttlichen Weltbau, Daß er noch durch so viele Jahrhunderte, seit der Er- schaffung, Jn der ersten von GOtt ihm gegebnen Herrlichkeit glaͤnzte. Gleichwohl ahmt er ihm nach, und aͤnderte seine Gestalten Durch aͤtherisches Glaͤnzen, damit nicht die Morgen- sterne Ueberall, wo er den irrenden Fuß ins Weltgebaͤu setzte, Ueber sein finstres Ansehn in stillem Triumphe sich freu- ten. D 5 Doch Der Messias. Doch dies helle Gewand war ihm schon unertraglich; er eilte, Aus den Bezirken der goͤttlichen Herrschaft zur Hoͤlle zu kommen. Jtzo hatt er sich schon bey den aͤussersten Weltgebaͤuden Stuͤrmisch herunter gesenkt. Unermeßliche daͤmmernde Raͤume Thaten vor ihm wie unendlich sich auf. Die nennt er den Anfang Seiner von ihm durchherrschten Bezirke. Hier sah er von ferne Fluͤchtigen Schimmer, so weit die aͤussersten Sterne der Schoͤpfung Noch das unendliche Leere mit matten Strahlen durchirr- ten. Doch hier sah er die Hoͤlle noch nicht; die hatte die Gott- heit Fern von sich und ihren Geschoͤpfen, den seligen Gei- stern, Weiter hinunter in ewige Dunckelheit eingeschlossen. Denn in unserer Welt, dem Schauplatz ihrer Erbarmung, War kein Raum fuͤr Oerter der Quaal. Der Ewige schuf sie Furchtbar, zum Verderben, zu seinem strafenden Endzweck, Praͤchtig und vollkommen. Jn drey erschrecklichen Naͤch- ten Schuf er sie, und verwandte von ihr sein Antlitz auf ewig, Jenes, mit welchem er huldreich nach seinen Geschoͤpfen herabsieht. Zween von den heldenmuͤthigsten Engeln bewachten die Hoͤlle. Dies Zweyter Gesang. Dies war GOtes Befehl, da er sie mit allmaͤchtiger Ruͤstung Segnend umgab. Sie sollten den Ort der dunklen Ver- damniß Ewig in seinen Bezircken erhalten, damit nicht der Satan Kuͤhn mit seiner verfinsterten Last die Schoͤpfung be- stuͤrmte. Und das Antlitz der schoͤnen Natur durch Verwuͤstung entstellte. Wo sie beym Eingang der Hoͤlle mit herrschendem Ange- sicht sitzen, Von da senkt sich ein strahlender Weg, wie von Zwillings- quellen Ein krystallener Strom, in geradefortlaufender Laͤnge Gegen den Himmel gekehrt, nach GOttes Welten hin- uͤber, Daß es ihnen in ihrer Entfernung an frommen Vergnuͤ- gen, Ueber die mannichfaltige Schoͤnheit der Schoͤpfung, nicht sehle. Neben diesem helleuchtenden Wege kam Satan zur Hoͤlle, Und ging unsichtbar durch die eroͤffneten Hoͤllenpfor- ten. Drauf hub er sich in einem vom Schwefel dampfenden Nebel Langsam auf seinen gefuͤrchteten Thron. Jhn sahe kein Auge Unter den Augen, die Nacht und Verzweiflung truͤbe verstellten. Zophiel nur, ein Herold der Hoͤllen, entdeckte den Ne- bel, Der Der Messias. Der die erhabenen Stufen hinaufzog, und sagte zu ei- nem, Der gleich neben ihm stand: Kehrt Satans oberste Gottheit Etwa zur Hoͤlle zuruͤck? Verkuͤndigt der dampfende Nebel Seine von allen Goͤttern so lange gewuͤnschte Zuruͤck- kunft? Jndem, da er noch sprach, so floß der umhuͤllende Nebel Ringsum vom Satan; er saß auf einmal mit zornigem Antlitz Fuͤrchterlich da. Gleich eilte der fluͤchtige sclavische He- rold Gegen die Feuergebirge, die sonst mit Stroͤmen und Flam- men Satans Ankunft dem Abgrund in allen Gegenden kund thun. Zophiel stieg auf Fluͤgeln des Sturms durch die Hoͤlen des Berges Gegen die dampfende Muͤndung empor. Ein feuriges Wetter Machte darauf den ganzen Bezirk der Finsterniß sicht- bar. Jeder erblickte den schrecklichen Koͤnig in schimmernder Ferne. Alle Bewohner des Abgrunds erschienen. Die waͤchtig- sten eilten Neben ihm auf die Stufen des Throns sich niederzusetzen. Die du entzuͤckt voll Feuer und Ernst nach der Hoͤl- len hinabsiehest, Weil du zugleich im Angesicht GOttes Klarheit erblickest, Und Zweyter Gesang. Und Zufriedenheit uͤber sich selbst, wenn er Suͤnder be- strafet, Zeige sie mir, Goͤttin, doch laß die maͤchtige Stimme Rauschend, wie den Sturmwind, wie Gewitter GOttes, ertoͤnen. Adramelech kam erst, ein Geist, boshafter als Satan Und verdeckter. Noch brannte sein Herz von grimmigem Zorne Wider Satan, daß dieser zuerst den Abfall gewaget. Denn er hatte schon lange bey sich den Abfall beschlossen. Wenn er was that, so that ers nicht, Satans Reiche zu schuͤtzen; Seinentwegen that ers. Seit langen undenklichen Jah- ren Hatt er darauf schon gedacht, wie er sich zur Herrschaft erhuͤbe, Wie er Satan von neuem mit GOtt zu kriegen bewegte, Oder ihn in den unendlichen Raum auf ewig entfernte, Oder zuletzt, waͤr alles umsonst, durch Waffen bezwaͤnge. Damals schon, als die gefallenen Engel vorm Donnerer flohen, Sann er darauf. Als alle zusammen die Hoͤlle schon ein- schloß, Kam er zuletzt, und trug vor seinem kriegrischen Harnisch Eine helleuchtende goldene Tafel, und rief durch den Ab- grund: Warum fliehen die Koͤnige so? Jn hohem Triumphe Soltet ihr, o Krieger, fuͤr unsre behauptete Freyheit Jn die neue Behausung der Pracht und Unsterblichkeit einziehn! Denn Der Messias. Denn da Messias und GOtt den neuen Donner erfan- den, Und im Kriegesgeschaͤfte vertieft euch zornig verfolgten, Stieg ich ins Allerheiligste GOttes, da fand ich die Tafel Voll vom Schicksal, das unsre zukuͤnftige Groͤsse ver- kuͤndigt. Sammelt euch, seht die heilige Reih offenbarender Schriften: Einer von denen, die GOtt als dienstbare Geister be- herrschet, Wird, daß er GOtt sey, erkennen, er wird den Himmel ver- lassen, Und mit seinen vergoͤtterten Freunden im einsamen Raume Wohnungen finden. Die wird er zwar erst mit Abscheu bewohnen; Wie der GOtt, der ihn vertrieb, eh ich ihm den Weltkreis erbaute. Lange Zeit, dies war mein Wille, des Chaos Tiefen, be- wohnte. Aber er soll nur das Reich der Hoͤlle muthig betreten; Denn aus ihr eutstehet dereinst ein herrlicher Weltbau. Den wird Satan erschaffen, doch soll er den goͤttlichen Grundriß Selber von mir vor meinen erhabenen Sitzen empfangen. Also saget der GOtt der Goͤtter, ich, der ich alleine Alle Bezirke des Raums, mit ihren Goͤttern und Welten Ringsum, mit meiner vollkommensten Welt, unendlich umgrenze! GOtt Zweyter Gesang. GOtt Jehova, der Ewige, hoͤrte die Stimme der Laͤstrung. Ruhig in sich selber, in seiner unendlichen Groͤsse, Hoͤrt er sie, sagte zu sich: Jch werde seyn, der ich seyn werde! Aber, du Sclave des Elends, sollst sehn, wen du itzo ge- schmaͤht hast! Alsobald gieng das ernste Gericht vom Angesicht GOt- tes. Tief in der innersten Hoͤllen erhebt sich ein feuriger Klum- pen Aus dem Flammenmeer, und geht in des Todesmeer un- ter. Der stuͤrzt Adramelech ins Meer des Todes. Da wurden Sieben Naͤchte, statt einer! Die Naͤchte lag er im Ab- grund. Lange darauf erbaut er der obersten Gottheit den Tem- pel, Wo er als ihr Priester die goldnen Tafeln des Schicksals Ueber die hohen Altaͤre gestellt hat. Hier ehret die Hoͤlle Die dich, Jehova, verwarf, ein unendliches ewiges Un- ding. Selber Satan erscheinet hier oft, und fraget den Priester, Wegen der Reis ins Unendliche, die er schon vielmal gewagt hat, Doch nicht so weit, als Adramelech aus Herrschsucht es wuͤnschte. Jtzo kam Adramelech vom Tempel, und saß auf dem Throne Mit verborgenem Grimm, bey Satans linker Hand nieder. Drauf Der Messias. Drauf kam Moloch ein kriegrischer Geist von seinen Ge- birgen, Die er, wenn etwa der donnernde Krieger, so nennt er Jehova, Jn die Gefilde der Hoͤlle, sie einzunehmen, herabkaͤm, Sich zu vertheidigen, stolz mit neuen Bergen umthuͤrmt hat. Oft wenn der traurige Tag an des flammenden Oceans Ufern Dampfend hervorsteigt, erblicken ihn schon der Hoͤlle Bewohner Wie er unter der Last, vom eisernen Rauschen umstuͤrmet, Muͤhsam geht, und sich dem hohen Gipfel des Berges Endlich naͤhert. Und wenn er alsdann die neuen Ge- birge Auf die Hoͤh, dem Gewoͤlbe der Hoͤllen entgegen gethuͤrmt hat, Steht er in Wolken, und donnert daraus mit schwerer Ar- beit Langsam hervor. Jhn sehen die Seelen der Erdenbezwin- ger Unten erstaunungsvoll an. Er rauschte von seinen Gebir- gen Durch sie gewaltig einher. Sie wichen auf beyden Seiten Schuͤchtern hinweg. Er gieng, von seiner toͤnenden Ruͤ- ftung, Dunkel, wie der Donner von schwartzen Wolken, umge- ben. Vor ihm bebte der Berg und hinter ihm sanken die Felsen Sandig herab. So gieng er, und kam zum Throne des Satans. Nach Zweyter Gesang. Nach ihm erschien Belielel. Er kam in trauriger Stille Aus den Waͤldern und Auen, wo sich die Baͤche des To- des Dunkel aus nebelndem Quell nach Satans Throne zuwaͤl- zen. Allda wohnt Belielel. Umsonst ist seine Bemuͤhung, Ewig umsonst, die Gegend des Fluchs nach den Welten des Schoͤpfers Umzuschaffen. Jhm siehst du mit hohem erhabenen Laͤ- cheln, Ewiger, zu, wenn er den furchtbar brausenden Sturm- wind Sehnsuchtsvoll, mit ohnmaͤchtigem Arm, gleich kuͤhlenden Zephyrn, Vor sich am traurigen Bache voruͤber zu fuͤhren bemuͤht ist! Denn der braust unaufhaltsam dahin, die Schrecknisse GOttes Nauschen auf seinen verderbenden Fluͤgeln. Die oͤde Ver- wuͤstung Bleibt ungestalt im erschuͤtterten Abgrund hinter ihm lie- gen. Unmuthsvoll denkt Belielel an jenen unsterblichen Fruͤh- ling, Der die himmlische Flur wie ein junger Seraph umlaͤ- chelt! Jhn will er in den Wuͤsten der Hoͤllen von ferne nachbil- den. Doch er ergrimmt, und seufzet vor Wut; die traurigen Auen E Liegen Der Messias. Liegen vor ihm in entsetzlichem Dunkel unbildsam, und oͤde, Ewig unbildsam, unendliche lange Gefilde voll Jammer. Belielel kam traurig zu Satan. Noch brannt er vor Nach- sucht Wider den, der ihn von himmlischen Auen zur Hoͤllen hinabstieß, Und sie, so dacht er, mit jedem Jahrhundert, erschreck- licher machte. Auch du sahest in deinen Gewaͤssern die Wiederkunft Sa- tans, Magog, des todten Meeres Bewohner. Aus brausenden Strudeln Kamst du hervor. Die Meere zerflossen in lange Gebirge, Da die Rosse vor dir die schwarzen Fluthen zertheilten. Magog fluchte dem HErrn, der wilden Laͤsterung Stimme Bruͤllt unaufhoͤrlich aus ihm. Seit seiner Verwerfung vom Himmel Flucht er dem Ewigen. Voll von Rachsucht will er die Hoͤlle, Braucht er auch Ewigkeiten dazu, doch endlich vernich- ten. Jtzo, da er das Trockne betrat, da warf er verwuͤstend Noch ein ganzes Gestade mit seinen Bergen in Abgrund. Also versammelten sich die Fuͤrsten der Hoͤlle zu Sa- tan. Wie die Jnseln des Meers aus ihren Sitzen gerissen, Rauschten sie hoch, unaufhaltsam einher. Der Poͤbel der Geister Floß Zweyter Gesang. Floß mit ihnen unzaͤhlbar, wie Wogen des kommenden Weltmeers Gegen den Fus vorgebirgter Gestade, zum Sitze des Sa- tans. Tausend geistige Voͤlker erschienen. Sie giengen und sangen Eigene Thaten, zur Schmach und unsterblichen Schande verdammet. Unterm Getoͤse vom Donner geruͤhrter entheiligter Har- fen Sangen sie. So rauschen in mitternaͤchtlicher Stun- de Cedern, die ihr benachbarter Himmel im Donnerwetter Spaltete, wenn brausend auf ehernen Wagen der Nord- wind Ueber sie faͤhrt, und Libanon bebt, und Hermon erzittert. Satan sah und hoͤrte sie kommen. Vor wilder Entzuͤ- ckung Stand er mit Ungestuͤm auf, und uͤbersah sie alle. Fern, beym untersten Poͤbel erblickt er in spoͤttischer Stel- lung GOttesleugner, ein niedriges Volk. Jhr schrecklicher Fuͤhrer, Gog, war darunter, erhabner als alle vom Ansehn und Unsinn. Daß das alles ein Traum sey, ein Spiel verirrter Ge- danken, Was sie im Himmel gesehen, Jehova erst Vater dann Richter, Konnten sie leicht, labyrinthisch in Schluͤsse verirret, be- greifen. E 2 Satan Der Messias. Satan sah sie mit Hohn; Denn mitten in seiner Verfin- strung Sah er doch noch, daß der Ewige sey. Bald stand er voll Tiefsinn, Bald sah er uͤberall langsam herum, und setzte sich wie- der. Wie auf hohen unwirthbaren Bergen olympische Wet- ter Langsam und verweilend sich lagern, so saß er, und dachte. Nun that sein Mund sich ungestuͤm auf, und tausend Don- ner Sprachen aus ihm, da er sprach. Wenn ihrs, o furcht- bare Schaaren, Wenn ihrs noch seyd, die mit mir die drey erschrecklichen Tage Auf den himmlischen Ebnen aufhielten, so hoͤrt im Trium- phe, Was ich euch itzt von meiner Verweilung auf Erden er- oͤffne. Doch nicht die Nachricht allein, ihr sollt auch den maͤch- tigen Rathschluß, Unsere Gottheit dem Ewgen zur Schmach zu verherrlichen, hoͤren. Eh soll die Hoͤlle vergehn, eh soll der seine Geschoͤpfe, Der, wie man sagt, vor diesem einmal im Chaos gebaut hat, Um sich vernichten, und wieder allein in der Einsamkeit wohnen, Eh er uͤber die sterblichen Menschen die Herrschaft uns raubet. Goͤtter, Zweyter Gesang. Goͤtter, stets unbesiegt, unselavisch, die wollen wir blei- ben, Wenn er auch gegen uns seine Versoͤhner zu tausenden schickte, Wenn er auch selbst, ein Meßias zu werden, die Erde betraͤte. Doch was erzuͤrn ich mich so? Wer ist der niedre Mes- sias, Der die erdichtete Gottheit im sterblichen Koͤrper herum- traͤgt, Daß daruͤber die Goͤtter so sinnen, als wenn sie von neuem Hohe Gedanken von ihrer Vergoͤttrung und Schlachten erfaͤnden? Sollte der Ewigen einer, um uns den Sieg zu erleich- tern, Aus den Schoͤssen sterblicher Muͤtter, die bald die Ver- wesung Nehmen wird, gegen uns, die er doch kennt, zu kaͤmpfen hervorgehn? Das sey ferne! So handelt der nicht, den Satan be- krieget. Zwar stehn einige hier, die vor ihm furchtsam entflohen, Und aus der morschen Behausung beseßner Sterblichen wichen; Furchtsame, zittert vor dieser Versammlung, umhuͤllt euer Antlitz Mit verfinsternder Schaam! die Goͤtter hoͤrens, ihr flohet! Warum flohet ihr so, Elende? Was nanntet ihr JEsum Euer und meiner unwuͤrdig den Sohn des ewigen GOt- tes? E 3 Doch Der Messias. Doch daß ihr wißt, wer der sey, der unter den Jsraeliten Auch gern ein GOtt waͤr, so hoͤret von mir des Traͤu- mers Geschichte. Hoͤr dus auch im hohen Triumphe, Versammlung | der Goͤtter. Unter dem Volke der Juden ist seit undenklichen Zeiten Eine prophetische Sage gewesen; denn unter der Sonne Hat dies Volk vor allen Geschlechten am meisten ge- traͤumet. Nach der Prophezeyung entspringt von ihnen ein Hei- land, Der sie von ihren umliegenden Feinden auf ewig erloͤset, Und vor allen Voͤlkern ihr Reich zum herrlichsten Reich macht. Auch wißt ihr wohl, daß vor wenigen Jahren von unsrer Gesellschaft Einige kamen und sagten, sie haͤtten auf Tabors Gebir- gen Eine Versammlung der Engel gesehn, die haͤtten den Na- men, JEsus, unaufhoͤrlich voll Entzuͤckung und Ehrfurcht ge- nennet, Daß die Cedern davon bis in die Wolken erbebten, Daß die Stimmen des hohen Geraͤusches die Palmen- waͤlder Ganz durchruften, und JEsus allein den Tabor erfuͤllte. Drauf gieng mit uͤbermuͤthigem Stolz, hoch, wie im Triumphe, Gabriel vom Tabor zu der Jsraelitinnen einer, Gruͤßte sie, wie man Unsterbliche gruͤßt, und sagt ihr voll Ehrsurcht, Von Zweyter Gesang. Von ihr sollt ein Koͤnig entstehn, der die Herrschaften Davids Maͤchtig besitzen und Jsraels Erbe verherrlichen wuͤrde. Er hieß JEsus, so sollte sie ihn, den Goͤttersohn, nennen. Ewig sollte die Macht des großen Koͤnigreichs dauern. Dieses vernahmt ihr, Warum erstaunten die Goͤtter der Hoͤlle, Da sie dies hoͤrten? Jch selber, ich habe viel mehr noch gesehen; Doch mich erschreckt nichts. Jch will euch alles treulich entdecken. Nichts will ich euch verschweigen, damit ihr sehet, wie feurig, Sich mein Muth in Gefahren erhebt; sinds anders Ge- fahren, Wenn sich auf unserer Welt ein sterblicher Traͤumer ver- goͤttert. Jch war auf Erden, und wartete dort auf des goͤttlichen Knabens Hohe Geburt. Jtzt wird aus deinem Schosse, Maria, Dacht ich, der Goͤttliche kommen. Geschwinder als Au- genblicke, Schneller noch als die Gedanken der Goͤtter vom Zorne befluͤgelt, Wird er gen Himmel erwachsen. Jtzt deckt er in seiner Erhoͤhung Mit dem einen Fusse das Meer, mit dem andern den Erd- kreis. Jtzt waͤgt er in der erschrecklichen Rechte den Mond und die Sonne, Jn der Linken die Morgensterne. Da koͤmmt er und toͤdtet! E 4 Mitten Der Messias. Mitten in Stuͤrmen, die er aus allen Welten herbeyrief, Rauscht er zum Sieg unaufhaltsam daher. Ach fliehe nur, Satan! Fliehe, damit er dich nicht mit seinem allmaͤchtigen Don- ner Ungestuͤm fasse, bis du durch tausend Erden geworfen, Sinnlos bezwungen, ja todt, im Unerweßlichen liegest. Seht, so dacht ich, ihr Goͤtter; allein ihm gefiel es noch itzo, Daß er ein Mensch blieb, ein weinendes Kind, wie die Soͤhne der Erde, Die schon bey ihrer Geburt um ihre Sterblichkeit weinen. Zwar sang um seine Geburtszeit ein Chor der himmlischen Geister. (Denn sie kommen bisweilen hernieder, die Erde zu sehen, Wo wir herrschen; da Huͤgel der Todten und Gruͤfte zu sehen, Wo vordem Paradiese nur stunden: dann kehren sie thraͤnend, Um sich zu troͤsten, mit feyrenden Liedern gen Himmel zuruͤcke; Also war es auch itzt) Sie eilten, und liessen den Knaben, Oder hoͤrt ihrs so lieber, die weinende Gottheit, alleine. Drauf entfloh er vor mir, ich ließ ihn immer entfliehen. Einen so furchtsamen Feind zu verfolgen, war meiner nicht wuͤrdig. Unterdeß ließ ich, nicht muͤßig zu seyn, durch meinen Er- waͤhlten, Meinen Koͤnig, und Opferpriester Herodes, zu Bethlem Saͤuglinge wuͤrgen. Das rinnende Blut, der Sterbenden Winseln, Und Zweyter Gesang. Und die Verzweiflung untroͤstbarer Muͤttter, der Ausfluß der Leichen, Der, mit Seelen vermischt, mir wallend entgegen dampfte, Waren fuͤr meine befriedigte Gottheit ein liebliches Opfer. Wandelt nicht dort der Schatten Herodes? Verworfene Seele, War ichs nicht selbst, der in dir den Gedanken, die Beth- lehemiten Umzubringen, erschuf? Kann etwa des Himmels Bewoh- ner Seiner Bildungen muͤhsames Werk, die unsterblichen Seelen, Vor mir beschuͤtzen, daß ich sie mit meiner verborgnen Begeistrung Nicht umschatte, und uͤber sie nicht zum Verderben mich breite? Ja, Verlaßner, dein klaͤgliches Winseln, dein banges Verzweifeln, Und der Seelen Geschrey, die du sonst noch unschuldig erwuͤrgtest, Daß sie suͤndigend starben, und dir, und der Vorsehung fluchten, Jst nun deinem befriedigten GOtt auch ein liebliches Opfer Als er starb, versammelte Goͤtter, da kehrte der Knabe Aus Alegyptens Gefilden zuruͤck. Die Jahre der Jugend Bracht er im Schosse der zaͤrtlichen Mutter, in ihrer Um- armung Unbekannt zu. Kein jugendlich Feuer, kein edles Erkuͤh- nen E 5 Trieb Der Messias. Trieb ihn zu Unternehmungen an, sich furchtbar zu ma- chen. Doch, ihr Goͤtter, im einsamen Wald, am oͤden Gestade, Wo er oft war, da hat er vielleicht auf Dinge geson- nen, Die, aus schrecklicher Ferne, der Hoͤlle den Untergang drohen, Und die von uns verneuerten Muth und Wachsamkeit fordern? Seht, dies glaubt ich vielleicht, haͤtt er sich mit tiefen Gedanken Mehr beschaͤftigt, als mit der Betrachtung der Blumen und Felder Und der Kinder um ihn, und mit dem sclavischen Lobe Des, der ihn mit den Wuͤrmern aus niedrigem Staube gemacht hat. Ja, ich waͤre vor Ruh und langer Musse vergangen, Haͤtte mir nicht der Menschen Geschlecht stets Seelen geopfert, Die ich, vorm Himmel voruͤber, hieher zur Bevoͤlkerung sandte. Endlich schien es, als wollt er auch einmal bemerkens- werth werden. GOttes Herrlichkeit kam, als er einst am Jordan her- umgieng, Praͤchtig vom Himmel. Sie hab ich mit diesen unsterb- lichen Augen Selbst am Jordan gesehn; kein Bild, kein himmlisches Blendwerck Hat mich getaͤuscht; sie wars, wie sie vom Throne des Himmels Durch Zweyter Gefang. Durch die langen anbetenden Reihen der Seraphim wandelt. Aber, warum, und ob sie, dem Erdenkinde zu Ehren, Oder um unsere Wachsamkeit auszusorschen, herabstieg. Dies weiß ich nicht. Zwar hoͤrt ich darunter gewaltige Donner, Donner mit dieser Stimme vermengt: Das ist mein Ge- liebter, Und mein Sohn, der mit innig gefaͤllt! Der war wohl Eloa, Oder sonst einer vom Throne, der, mich zu verwirren, dies ausrief. GOttes Stimme wars nicht; zum mindsten klang sie viel anders, Als er uns Goͤttern vordem den Sohn der Ewigkeit auf- drang Auch war ein finstrer Prophet dabey, der dort in der Wuͤste Menschenfeindlich die Felsen durchirrt; der rief ihm ent- gegen: Siehe das Lamm GOttes, daß der Erden Suͤnde ver- soͤhnet! Der du von Ewigkeit bist, der du lange schon vor mir gewesen, Sey mir gegruͤßt! Aus dir, o du der Erbarmungen Fuͤlle! Nehmen wir Gnad um Gnade. Durch Mosen gab GOtt die Gesetze, Aber durch den Gesalbten des HErrn koͤmmt Wahrheit und Gnade. Jst das nicht hoch und prophetisch genug? So ist es, wenn Traͤumer Traͤumer Der Messias. Traͤumer besingen, da bauen sie sich ein heiliges Dunckel. Und ach! die armen unsterblichen Goͤtter sind viel zu ge- ringe, Bis ins innre Gebaͤu der Geheimnisse durchzuschauen. Will er uns nicht den hohen Meßias, den Koͤnig des Him- mels Jenen Donnerer GOttes, der in der gewaltigen Ruͤ- stung Wider |uns stritt, bis wir die neuen Welten erreichten, Unsern wuͤrdigen Feind und erhabenen Widersacher, Will er den nicht in jene Gestalt, die wir toͤdten, ver- kleiden? Zwar er selber, das Erdengeschoͤpf, von dem der Prophet traͤumt, Duͤnkt sich nicht wenig zu seyn. Bald hat et die Todten erwecket, Die doch der Ewige muͤhsam, ja muͤhsam, sonst thaͤt ers wohl oͤfters! Seine veraltete Macht nicht ganz zu vergessen, erwecket. Bald will er gar das ganze Geschlecht der sterblichen Men- schen Von der Suͤnd und vom Tode befreyn: Von der Suͤnde, die allen Eingepflauzt ist, und immer empoͤrend und ungestuͤm im- mer GOtt in ihren unsterblichen Seelen entgegen sich auf- lehnt, Unbezwingbar der sclavischen Pflicht: Auch vom Tode, der alle, Der das ganze Geschlecht, so oft wir ihm winken, durch- wuͤrget, Will- Zweyter Gesang. Will er sie alle befreyn; euch auch, verworfene Seelen, Die ich seit der Schoͤpfung zu mir, wie den Ocean, sammle, Wie die Gestirne, wie GOtt die anbetenden sclavischen Saͤnger; Ja, euch auch, die die ewige Nacht im Abgrunde quaͤlet, Und in der Nacht ein strafendes Feuer, im Feuer Ver- zweiflung, Jn den Verzweiflungen ich! euch will er vom Tode be- freyen. Wir, wir werden alsdann, der Gottheit uneingedenck, scla- visch Vor ihm liegen, vor ihm, dem neuen vergoͤtterten Men- schen. Was der mit dem allmaͤchtigen Donner nie von uns er- zwinget, Wird der aus des Todes Bezirk unbewaffnet vollen- den. Armer Verwegner! befreye dich erst, dann erwecke die Tod- ten. Er soll sterben, ja sterben! er, der das Geschlechte der Menschen Eigenmaͤchtig vom Tode befreyte. Dich leg ich in Staub hin Bleich und entstellt, in den Staub der Todten! Dann will ich den Augen, Die nicht sehen, die Dunkel und Nacht nun ewig um- nebeln, Sagen: Ach seht, da erwachen die Todten; dann will ich den Ohren, Die nicht hoͤren, die ewig dem Ton die Unfuͤhlbarkeit zu- schließt, Sagen: Der Messias. Sagen: Ach hoͤrt! Es rauschet das Feld, die Todten er- wachen. Und der Seele will ich, wenn sie zur Hoͤllen entflichet, (Denn sie soll noch von mir, und von Todesquaalen er- schuͤttert, Suͤndigen und GOtt schmaͤhn; so grausam will ich ihn toͤd- ten!) Dann will ich ihr, wenn sie flieht, wenn sie im furchtba- ren Sturme GOttes Verfolgungen treiben, mit donnernder Stimme nachrufen: Eile, die du siegtest, ja eil in deinem Triumphe! Dich erwartet ein praͤchtiger Einzug, die Pforten der Hoͤlle Thun vor dir einladend sich auf! Dir jauchzet der Ab- grund! Gegen dich wallen in seyrenden Choͤren die Seelen und Goͤtter! Doch du laͤßt ja die Gottheit zuruͤck! Jsts etwa der Leich- nam, Der sie noch deckt? oder eilt sie vielleicht ungesehen gen Himmel? GOtt muß entweder anitzt, da ich hier bin, den fliehen- den Erdkreis Mit ihm und dem Geschlechte der Menschen gen Himmel erheben: Oder ich fuͤhr es hinaus, was ich maͤchtig bey mir be- schlossen. Er soll sterben! so wahr ich des Todes Erhalter und Schoͤ- pfer Unbe- Zweyter Gesang. Unbesiegt die Zukunft der Ewigkeiten durchlebe. Er soll sterben! Bald will ich von ihm den Staub der Verwesung Auf dem Wege zur Hoͤlle, vorm Antlitz des Ewigen, aus- streun. Seht den Entwurf von meiner Entschliessung. So raͤchet sich Satan! So sprach Satan. Die Hoͤlle blieb noch vor Verwunde- rung stille. Unten am Throne saß einer einsiedlerisch, finster und trau- rig, Seraph Abdiel Abbadonaa. Er dachte der Zukunft Und dem Vergangnen voll Seelenangst nach. Vor seinem Gesichte, Aus dem ein truͤbes entsetzliches Dunkel mit Schwermuth hervorbrach, Sah er nur Quaalen auf Quaalen gehaͤuft in die Ewigkeit eingehn. Jtzo erblickt er die vorigen Zeiten; da war er voll Un- schuld Jenes erhabenen Abdiels Freund, der am Tage des Auf- ruhrs, Nach dem Messias, im Himmel die groͤßten Thaten voll- fuͤhrte; Denn er kehrte zu GOtt allein und unuͤberwindlich Wieder zuruͤck. Mit ihm, dem edelmuͤthigen Seraph, War schon Abbadonaa den Blicken der Feinde GOttes Fast entgangen: Allein die Kriegeswagenburg Satans Die, im Triumph sie wieder zu holen, schnell um sie herum kam, Und Der Messias. Und der gewaltig einladende Lerm der Kriegesposaunen, Und die Heldenschaar, jeder ein GOtt, vor ihm ausge- breitet, Uebermannten sein Herz, und rissen ihn stuͤrmisch zu- ruͤcke. Hier noch wollt ihn sein Freund mit Blicken drohender Liebe Fortzueilen bewegen, allein von kuͤnftiger Gottheit Trunken und umnebelt sah er die sonst maͤchtigen Blicke Seines Freundes nicht mehr. Er kam im Triumphe zu Satan. Jammernd und in sich verhuͤllt, denkt er an diese Ge- schichte Seiner heiligen Jugend, und an den lieblichen Morgen Seiner Geburtszeit zuruͤck; der Ewige schuf sie auf ein- mal. Damals besprachen sie sich mit angeborner Entzuͤckung Unter einander: Ach, Seraph, was sind wir? Woher, mein Geliebter? Sahst du zuerst mich? Wie lange bist du? Ach, sind wir auch wirklich? Komm, umarme mich, goͤttlicher Freund, erzaͤhle, was denkst du? Jndem kam die Herrlichkeit GOttes aus lichtheller Ferne Segnend einher. Sie sahen um sich nicht zu zaͤhlende Schaaren Neuer Unsterblichen wandeln. Ein wallend silbern Ge- woͤlke Hub sie zum Ewigen auf: Sie sahn ihn, und nannten ihn, Schoͤpfer. Diese Gedanken zermarterten Abbadonaa, sein Auge Floß Zweyter Gesang. Floß von jammernden Thraͤnen. So floß von Bethlehems Bergen Rinnendes Blut, da die Saͤuglinge starben. Er hatte den Satan Schauernd gehoͤrt, doch ermuntert er sich, und erhub sich, zu reden. Dreymal seufzt er noch, eh er was sprach. Wie in blutigen Schlachten Bruͤder, die sich erwuͤrgt, und, da sie sterben, sich ken- nen, Neben einander aus roͤchelnder Brust ohnmaͤchtig er- seufzen. Drauf fieng er an zu reden: Ob mir gleich diese Ver- sammlung Ewig entgegen seyn wird, so will ich dennoch frey reden! Reden will ich, damit des Ewigen schwere Gerichte Nicht so ungestuͤm uͤber mich kommen, wie uͤber dich, Sa- tan! Ja, ich hasse dich, Satan, dich haß ich, Verruchter! Dies Wesen Diesen unsterblichen Geist, den du dem Schoͤpfer entrissen, Fordert, dein Nichter, auf ewig von dir! Ein unendliches Wehe Schreye die ganze Versammlung der Geisterwelt, die du verfuͤhrt hast, Ueber dich, Satan! Jch habe kein Theil an dir, ewiger Suͤnder, GOttesleugner! kein Theil, an deiner finstern Ent- schliessung, GOtt den Messias zu toͤdten. Ach! wider wen redest du, Satan? F Wider Der Messias. Wider den, der, wie du selbst zu bekennen gezwungen bist, furchtbar Maͤchtiger, als du, ist? Jst fuͤr die sterblichen Menschen Eine Befreyung vorhanden, du wirst sie nicht hintertreiben; Du willst den Leib des Messias, den willst du, Satan, er- wuͤrgen? Kennest du ihn nicht mehr? Hat sein allmaͤchtiges Donnern Dich nicht genug an dieser verwegnen Stirne gezeichnet? Oder kann sich GOtt nicht vor uns Ohnmaͤchtigen schuͤ- tzen? Wir, die die Menschen zum Tode verfuͤhrten; ach wehe mir, wehe! Jch that es auch! Wir wollen uns nun an ihrem Erloͤser Wuͤtend vergreifen? Den Sohn, den Donnergott, wol- len wir toͤdten? Ja, den Zugang zu einer vielleicht zukuͤnftigen Rettung, Oder, zum mindsten zur Lindrung der Quaal, den wollen wir ewig Uns, so vielen vordem vollkomnen Geistern, verschliessen? Satan! so wahr wir alle die Quaal nur gewaltiger fuͤh- len, Wenn du diese Behausung der Nacht und der dunkeln Verdamniß Koͤniglich nennst, so wahr kehrst du mit Schande belastet, Statt des Triumphs, von GOtt und seinem Messias zu- ruͤcke! Satan hoͤrt ihn voll grimmiger Ungedult also reden Jtzt wollt er auf ihn donnern, allein die schreckliche Rechte Sank ihm zitternd im Zorne dahin, er stampft und erbebte, Dreymal bebt er vor Wut, dreymal sah er Abbadonaa. Ungestuͤm Zweyter Gesang. Ungestuͤm an, und schwieg. Sein Auge ward dunkel vor Grimme, Jhn zu verachten, ohnmaͤchtig; doch Abbadonaa blieb ernsthaft Und unerschrocken vor ihm mit traurigem Angesicht stehen. Aber GOttes, der Menschen, und Satans Feind, Adra- melech Sprach: Aus finstern Wettern will ich mit dir reden, Verzagter Dir soll ein Ungewitter die Antwort entgegen donnern! Darfst du die Goͤtter so schmaͤhn? darf einer der niedrig- sten Geister Wider Satan und mich aus seiner Tiefe sich ruͤsten? Wirst du gepeinigt, so wirst du von deinen niedern Ge- danken, Sclave, gepeinigt! Entfleuch, Verzagter, aus diesen Bezirken Unsrer Herrschaft, wo Koͤnige sind! Entfleuch in die Tiefe, Laß dir von deinem Allmaͤchtigen dort ein Quaalenreich bauen! Allda bring die Unsterblichkeit zu! Doch du stuͤrbest wohl lieber! Stirb denn, vergeh, anbetend und sclavisch gen Himmel gebuͤcket! Der du mitten im Himmel dein Goͤtterwesen erkantest, Und dem berufnen Allmaͤchtigen kuͤhn, mit heiligem Zuͤrnen, Widerstandest, zukuͤnftiger Schoͤpfer unzaͤhlbarer Welten, Komm, Gott Satan, wir wollen den kleinen niedrigen Geistern Unsern furchtbaren Arm durch Unternehmungen zeigen, F 2 Die, Der Messias. Die, wie ein Wetter, auf einmal sie blenden und nieder- schlagen! Komm! Labyrinthe verborgener List, zum Verderben ver- wirret, Zeigen sich mir! der Tod ist darinn. Kein oͤffnender Aus- gang Und kein Fuͤhrer soll ihn den Labyrinthen entreissen. Doch entfloͤh er auch unserer List, gaͤbst du im Olym- pus, Uns zu entrinnen, ihm Goͤtterverstand: so sollen im Grim- me Feurige Wetter ihn schnell vor unsern Augen verderben! Wie die Wetter, womit wir vordem den Geliebtesten GOttes, Seinen gluͤckseligen Job, vorm Antlitz des Himmels be- stritten. Fleuch, fleuch, Erde, wir kommen mit Tod und Hoͤlle bewaffnet! Wehe dem, der auf unserer Welt sich wider uns auf- lehnt! Also sprach Adramelech. Nun fiel die ganze Versamm- lung Satan auf einmal mit Ungestuͤm bey. Gleich stuͤrzenden Felsen Stampft ihr gewaltiger Fuß, daß die Tiefe davon er- bebte, Jauchzend und stolz auf kuͤnftigen Sieg erregten sie um sich Ein entsetzlich Getoͤse von Stimmen. Die giengen vom Aufgang Bis Zweyter Gesang. Bis zum Niedergang hin; der Satane ganze Versamm- lung Willigt darein, den Meßias zu toͤdten. Dergleichen That sahe Seit der Schoͤpfung die Ewigkeit nicht. Jhr unselger Erfinder, Satan, und Adramelech, voll Rachsucht und grimmigen Tiefsinns, Stiegen vom Throne. Die Stufen ertoͤnten, wie eher- ne Berge, Da sie gingen. Ein lauter zum Sieg empoͤrender Zuruf Leitete sie jauchzend bis zu den Pforten der Hoͤlle. Abbadonaa, (der einzige war unbeweglich geblieben,) Folgte von fern, entweder sie noch von der Bosheit zu wenden, Oder den Ausgang der schrecklichen Thaten mit anzu- sehen. Jtzo naͤhert er sich mit saͤumendem Tritte den Engeln, Die die Pforte bewachten. Wie war dir, Abbadonaa? Da du hier deinen ehmaligen Freund, den Abdiel, wahr- nahmst. Seufzend schlug er sein Angesicht nieder. Jtzt wollt er zuruͤckgehn, Jtzo wollt er sich naͤhern, dann wollt er verlassen und schuͤchtern Jns Unermeßliche fliehen; allein noch blieb er mit Zittern Wehmuthsvoll stehn. Nun faßt er sich ganz auf einmal zusammen, F 3 Ging Der Messias. Gieng auf ihn zu. Jhm klopfte sein Herz mit maͤchtigen Schlaͤgen; Stille, den Engeln nur weinbare Thraͤnen bedeckten sein Antlitz; Seufzer aus tiefer erbebender Brust; ein langsamer Schauer, Sterbenden selbst unempfindbar, erschuͤtterten Abbado- naa, Jndem er gieng. Doch Abdiels ruhig eroͤffnetes Auge Sah unverwandt nach der Welt des Schoͤpfers, dem er getreu blieb! Jhn sah es nicht. Wie die Sonn in der Jugend, wie Fruͤhlingstage, Die in den Schoß der kaum erschaffnen Erde sich senkten, Glaͤnzte der Seraph, doch nicht fuͤr den traurigen Ab- badonaa. Dieser gieng fort, und seufzte bey sich verlassen und ein- sam: Abdiel, mein Bruder, du willst dich mir ewig entzie- hen! Ewig willst du mich ferne von dir in der Einsamkeit lassen! Welnet um mich, ihr Kinder des Lichts! Er liebt mich nicht wieder, Ewig nicht wieder, ach weinet um mich! Verbluͤhet, ihr Lauben, Wo wir von GOtt und unserer Freundschaft uns zaͤrtlich besprachen! Himmlische Baͤche, versiegt, wo wir, in suͤsser Umarmung, GOttes des Ewigen Lob mit reiner Stimme besangen! Abdiel, mein Bruder, der ist mir auf ewig gestorben! Du Zweyter Gesang. Du mein finsterer Aufenthalt, Hoͤlle, du Mutter der Quaalen, Ewige Nacht, beklag ihn mit mir! Ein traurig Geheule Steige, wenn mich GOtt schreckt, von deinen Bergen hernieder. Abdiel, mein Bruder, der ist mir auf ewig gestorben! Also jammert er seitwaͤrts gekehrt. Drauf stand er am Eingang Jn das goͤttliche Weltgebaͤu, zwischen zween Orionen. Hier stand er still. Er sahe die Welt und den goͤttlichen Himmel, Weil er sich stets, in sein Elend vertieft, in Einsamkeit einschloß, Seit Jahrhunderten nicht. Er stand betrachtend und sagte: Seliger Eingang, o duͤrft ich durch dich in die Welten des Schoͤpfers Wiederkehren! Und niemals das Reich der dunkeln Ver- damniß Wieder betreten! Jhr Sonnen, unzaͤhlbare Kinder der Schoͤpfung, War ich nicht schon, da der Ewige rief, da ihr glaͤnzend hervorgiengt, Heller als ihr, da ihr itzt aus der Hand des Schoͤpfers herabkamt? Nun steh ich da in meiner Verfinstrung, verworfen, ein Abscheu Dieser herrlichen Welt? Und ach, du seliger Himmel, Jtzo erbeb ich erst, da ich dich sehe! Dort bin ich gefallen, F 4 Dort Der Messias. Dort stand ich wider den Ewigen auf. Du, unsterbliche Ruhe, Meine Gespielinn im Thale des Friedens, wo bist du ge- blieben? Ach, an deiner Stat laͤßt mir mein Nichter ein traurig Erstaunen Kaum noch uͤber sein Weltgebaͤu zu! O duͤrft ichs nur wagen, Ohne zu zittern, ihn Schoͤpfer zu nennen, wie willig und gerne Wollt ich alsdann den zaͤrtlichen Vaternamen entbehren, Mit dem ihn seine Getreuen, die Seraphim, kindlich nennen. O du Richter der Welt! dir darf ich Aermster nicht flehen, Daß du mit einem Blicke mich nur im Abgrund hier an- saͤhst. Finstrer Gedanke, Gedancke voll Quaal, Und du, wilde Verzweiflung! Wuͤte, Tyrannin, ja wuͤte nur fort! - - - Wie bin ich so elend! - - - Waͤr ich nur nicht! - - - Jch fluche dir, Tag, da der Schoͤpfung GOtt sagte: Werde! Da er von Osten mit seiner Herrlichkeit ausgieng! Ja, dir fluch ich, o Tag, da die neuen Unsterblichen sprachen: Unser Bruder ist auch! Du, Mutter unendlicher Quaalen, Warum gebahrest du, Ewigkeit, ihn? Und mußt er ja werden, Warum ward er nicht finster und traurig, der ewigen Nacht gleich, Jn der mit Ungewitter geruͤstet der Donnerer auszieht, Leer Zweyter Gesang. Leer von Geschoͤpfen, vom Zorn und Fluche der Gottheit belastet? Aber, ach wlder wen redest du hier im verlassenen Ab- grund, Laͤstrer! Auf, Sonnen fallt uͤber mich her, bedeckt mich, ihr Sterne, Vor dem grimmigen Zorn des, der vom Throne der Rach- Ewig als Feind und Richter mich schreckt! Du, in dei- nen Gerichten Ganz Unerbittlicher! ist denn in deiner Ewigkeit kuͤnftig Nichts mehr von Hoffnungen uͤbrig? Ach, wird denn, goͤttlicher Richter, Schoͤpfer, Vater, Erbarmer! - - - Ach, nun ver- zweifl ich von neuem, Denn ich habe Jehova gelaͤstert! Jhn hab ich mit Namen, Die ich ohne Versoͤhner nicht nennen darf, angeredet Jch entfliehe! Schon rauschet von ihm ein allmaͤchtiger Donner Durch das Unendliche furchtbar daher! Doch wohin? - - - Jch entfliehe! Also sagt er, und ich sahe betaͤubt in die Tiefe des Abgrunds. Schaffe da Feuer, ein toͤdtendes Fener, das Geister verzehre, GOtt, Verderber der Wesen, die du ohn ihr Wollen er- schufest! Rief er im Hinabsehn, doch da wurde kein toͤdtendes Feuer. Darum wandt er sich um, und floh in die Welten zu- ruͤcke. Jtzo stand er ermuͤdet auf einer erhabenen Sonne, F 5 Schaute Der Messias. Schaute von da in die Tiefen hinab; da draͤngten Gestirne Andre Gestirne, wie gluͤhende Seen. Ein irrender Erdkreis Raͤherte sich, schon dampft er, schon war sein Weltge- richt nahe. Auf den stuͤrzte sich Abbadonaa, um mit zu vergehen; Doch er vergieng nicht, und senkte, betaͤubt vom ewigen Kummer, Wie ein gebeinvoller Berg, wo vormals Menschen sich wuͤrgten, Jm Erdbeben versinkt, langsam zur Erde sich nieder. Unterdeß war Satan nebst Adramelech der Erde Auch schon naͤher gekommen. Sie giengen neben einan- der, Jeder allein, und in sich gekehrt. Jtzt sahe den Erdkreis Adramelech vor sich in ferner Dunkelheit liegen. Das ist sie also, so sagt er bey sich, so draͤngten Gedan- ken Andre Gedanken, wie Wogen des Meers, wie der Ocean draͤngte, Als er von drey Welten dich, fernes Amerika, losriß; Das ist sie also, die ich, so bald ich Satan entfernet, Oder mich uͤber ihn siegend vor allen verherrlichet habe, Die ich alsdann, als Schoͤpfer des Boͤsen, allein be- herrsche! Aber warum nur sie? Warum nicht auch jene Gestirne Die zu lange schon selig, um mich, durch die Himmel daher gehn? Ja, Zweyter Gesang. Ja, auch dort soll der Tod von einem Gestirne zum andern Bis an die Grenze des Himmels vorm Antlitz des Ewigen toͤdten! Dann wuͤrg ich nicht die vernuͤnftigen Wesen, wie Sa- tan, nur einzeln; Nein, zu ganzen Geschlechtern! Die sollen von mir sich in Staub hin Niederlegen, ohnmaͤchtig sich kruͤmmen, und winden, und jammern. Wenn sie sich winden und kruͤmmen und jammern, so sol- len sie sterben! Dann will ich hier, oder dort, oder da, triumphirend und einsam Sitzen, und mich umsehn. Die du nun deinen Ge- schoͤpfen Durch mich zum Grabe geworden, Natur, auf deine Verwesten, Jn dein tiefes unendliches Grab will ich lachend hinab- sehn! Auch will ich ihn, wenn er flieht, wenn ihn das Anschaun der Todten Ueberall umringend vom alten Throne vertreibet, Selbst den Ewigen will ich alsdann auch lachend be- trachten. Oder gefaͤllts ihm vielmehr im duͤstern Grabe der Welten Neue Geschoͤpfe zu baun, daß ich sie von nenem verderbe: Auch die will ich alsdann, mit eben der Allmacht, wie vormals, Wieder von einem Gestirne zum andern verfuͤhren und toͤdten. Adrame- Der Messias. Adramelech, das bist du! Doch moͤcht es dir endlich ge- lingen, Daß du auch das Sterben der Geister erfaͤndest, daß Satan Durch dich verging, und von dir verderbt in ein Unding zerfloͤsse! Unter ihm sollst du kein Werk, das deiner nur wuͤrdig ist, enden! Feuriger Geist, der du Adramelech beseelest, erschaffe! Toͤdte die Geister, ich fluche dir, toͤdte sie, oder vergehe! Ja, vergehe, sey lieber nicht mehr, eh du lebst und nicht herrschest! Ja, ich will hingehn, gehn will ich, und alle meine Ge- danken Jn mir, wie Goͤtter, versammeln, sie sollen erfinden und toͤdten. Jtzt ist es Zeit, worauf ich seit Ewigkeiten schon dachte, Das zu vollenden. Ja itzo, da GOtt von neuem er- wachet, Und, wenn Satan nicht irrt, uns einen Erloͤser der Menschen, Unser erobertes Reich uns abzunehmen, herabschickt Doch er mag immer nicht irren, der Mensch sey der groͤßte Prophete Unter den Propheten seit Adam, er heisse Messias Oder auch GOtt, so soll er nur mir zur Verherrlichung da seyn! Seine Vernichtung soll mich vor der ganzen Geister- versammlung Zu der Besitzung des hoͤllischen Thrones zum wuͤrdigsten machen: Oder, Zweyter Gesang. Oder, was ich vielmehr von meiner Gottheit erwarte! Was du vielmehr, unsterblicher Adramelech, vollendest, Wenn ich Satan vor ihm noch verderbe, so sey er der Erstling Meiner Besiegten, mit deren Vernichtung mein neues Reich anfaͤngt. Armer Satan, wie schwer wird dirs, den Leib des Messias Nur zu erwuͤrgen! Erwuͤrg ihn nur! Ja, so kleine Ge- schaͤffte Laß ich dir, eh du vergehst; ich aber toͤdte die Seele! Die vernicht ich; den sterblichen Staub magst du muͤhsam zerstreuen! Und wenn der Ewige sie vor andern Seelen erwaͤhlte, Wenn er sie, sich zu verherrlichen, schuf: so soll er voll Jammer Um sie in einsamer Ewigkeit klagen! Drey schreckliche Naͤchte Soll er um sie klagen! Wenn er sich ins Dunkle verhuͤllt hat, Soll drey schreckliche Naͤchte kein Seraph sein Angesicht sehen! Dann will ich durch die ganze Natur ein tiefes Geheule Hoͤren, ein tiefes Geheul, am dunkeln verfinsterten Throne, Und ein Geheul in der Seelen Gefild, ein Geheul in den Sternen, Da, wo der Ewige wandelt, das will ich hoͤren, und GOtt seyn! Also verlohr sich sein Geist, vom wuͤnschenden Herzen empoͤret, Jn Der Messias. Jn verruchte Gedanken. GOtt, der die Zukunft durch- schaute, Hoͤrt ihn, und schwieg. Voll ermuͤdenden Tiefsinns blieb Adramelech Unvermerkt auf einer sich um ihn sammelnden Wolke, Starr mit gluͤhender Stirn, die der Grimm durchfaltete, sitzen. Doch das Getoͤse der wandelnden Erde, die itzt mit der Nacht kam, Weckte den Verruchten von seinen schwarzen Gedanken. Jtzo gesellt er sich wieder zu Satan. Sie giengen und stuͤrm- ten Gegen den Oelberg, den Mittler daselbst mit seinen Ver- trauten Aufzusuchen. So stuͤrzen zween toͤdtende Kriegeswagen Jn die Thaͤler, dem ruhigen Feldherrn des Feindes ent- gegen. Jtzo sandten sie, hoch von dunkeln donnernden Bergen, Eherne Krieger; sie rauschen mit eisernem wilden Gotoͤse Ueber die Felsen, und krachen, und donnern, und toͤdten von ferne. Also kam Adramelech und Satan zum Oelberg hernieder. Dritter Gesang. H ey mir gegruͤßt! ich sehe dich wieder, die du mich gebahrest, Erde, mein muͤtterlich Land, die du mich im kuͤhlenden Schosse Einst Dritter Gesang. Einst zu den Schlafenden GOttes begraͤbst, und meine Gebeine Sanft bedeckst; doch dann erst, dies hoff ich zu meinem Erloͤser, Wenn von ihm mein heiliges Lied zu Ende gebracht ist. Alsdann sollen die Lippen sich erst, die ihn zaͤrtlich besan- gen; Dann erst sollen die Augen, die seinentwegen vor Freuden Oftmals weinten, sich schliessen; dann sollen erst meine Freunde Und die Engel mein Grab mit Lorbeern und Palmen umpflanzen, Daß, wenn ich einst nach himmlischer Bildung vom Tod erwache, Meine verklaͤrte Gestalt aus stillen Hainen hervorgeh. Und du, die du zur Hoͤlle mich fuͤhrtest, unsterbliche Muse, Und nun meinen noch bebenden Geist zuruͤcke gebracht hast, Du, die vom goͤttlichen Blick die ernste Gerechtigkeit lernte, Aber auch ihren Vertrauten mit suͤsser Freundlichkeit laͤchelt, Heitre die Seele, die noch von ihren Gesichten umgeben Jnnerlich bebt, mit himmlischem Licht auf, und lehre sie ferner, Jhren erhabnen anbetungswuͤrdigen Mittler besingen. JEsus war noch allein mit Johannes im Grabmal der Todten. Unter Der Messias. Unter zerstreuten Gebeinen, von Nacht und Schatten umgeben, Saß er, und uͤberdachte sich selber, den Sohn des Ewgen, Und den Menschen zum Tode bestimmt. Vor seinem Ge- sichte Sah er die Suͤnden der Menschen, die alle, die seit der Erschaffung Adams Kinder vollbrachten, auch die, so die schlimmere Nachwelt Suͤndigen wird, ein unzaͤhlbares Herr, GOtt fliehend, vorbeygehn. Satan war mitten darinnen, und herrschte. Vom Ange- sicht GOttes Trieb er, den Suͤnder, das Menschengeschlecht, und versammelt es zu sich, Wie die Ebnen des Meers ein mitternaͤchtlicher Strudel Ringsum in sich verschlingt, und immer zum Untergang offen, Unsichtbar unter den Wolken des niedersteigenden Himmels, Alle zu sichre Bewohner des Meers in die Tiefen hinab- zieht. JEsus sah die Suͤnden und Satan. Drauf sah er zu GOtt auf. GOtt, sein Vater, sah auch nach ihm tiefsinnig hernie- der. Zwar brach aus seinem erhabenen Blick das ernste Ge- richte Langsam hervor; zwar donnerte GOtt, und schreckt ihn von ferne. Gleich- Dritter Gesang. Gleichwohl blieben noch Zuͤge des unaussprechlichen Laͤ- chelns Jn dem Antlitz voll Gnade zuruͤck. Die Seraphim sagen, Damals habe der ewige Vater die andere Thraͤne Stille geweint. Er weinte die erste, da Adam verflucht ward. Also sahn sie sich an. Jn feyrender Sabbathstille Neigt sich vor ihnen die ganze Natur. Voll Ehrfurcht und wartend Bleiben die Weltgebaͤu stehn, und, auf beyder Anschaun gerichtet, Geht der betrachtende Cherub in stillen Wolken voruͤber, Auch kam Seraph Eloa, von himmlischen Wolken umgeben, Zu der Erden herunter, und sah von Antlitz zu Antlitz Den Messias, und zaͤhlte die menschenfreundlichen Thraͤ- nen Alle Thraͤnen, die JEsus weinte. Drauf stieg er gen Himmel. Als er hinaufstieg, erblickt ihn Johannes. Jhm oͤffnete JEsus, Daß er den Seraph erblickte, die Augen. Er sah ihn und staunte, Und umarmte voll Jnbrunst den Mittler, und nant ihn mit Seufzern Seinen Erloͤser und GOtt, mit unaussprechlichen Seuf- zern Nannt er ihn so, und blieb bey ihm in suͤsser Umarmung. Aber die uͤbrigen Eilfe, die JEsum schon lange nicht sahen, Giengen im Dunkeln am Fusse des Oelbergs, und suchten ihn traurig. G Ausser Der Messias. Ausser einem der JEsum, wie sie, nicht mehr zaͤrtlich verehrte, Waren sie Maͤnner voll Unschuld. Die Goͤttlichkeit ihrer Herzen Kannten sie nicht. GOtt kannte sie besser. Er schuf sie zu Seelen, Welche dereinst des Ewigen Offenbarungen schauten. Doch nicht jener zugleich, der, der himmlischen Juͤnger- schaft unwerth, JEsum verrieth. Er konnte sie schaun, verrieth er nicht JEsum. Jhnen wurden schon, eh sie der Leib der Sterblichkeit einschloß, Neben den Stuͤlen der vier und zwanzig Aeltsten im Him- mel Goldene Stuͤle gesetzt; doch einer der goldenen Stuͤle Ward einst mit Wolken bedeckt, bald aber entflohen die Wolken, Und ein lichtheller ewiger Glanz gieng wieder vom Stul aus. Dazumal rief Eloa und sprach: Er ist ihm genommen, Und ist einem andern gegeben, der besser als er ist! Jhre Beschuͤtzer, zwoͤlf Engel der Erde, die unter der Aufsicht Gabriels stehn, erhuben sich itzt auf die Hoͤhen des Oel- bergs, Und betrachteten da mit freundschaftsvollem Vergnuͤgen Unsichtbar ihre Gespielen, wie sie den goͤttlichen Mittler Ueberall thraͤnenvoll suchten. Da kam mit fluͤchtigen Schritten Aus Dritter Gesang. Aus der Sonnen ein Seraph, und stund auf einmal bey ihnen. Dieser war einer von Vieren, die gleich nach Uriel herr- schen. Selia, so hieß er, itzt sprach er also zu ihnen: Sagt mir, himmlische Freunde, wo ist er, in welchen Gefilden Wandelt er itzt, der grosse Messias? Die Seelen der Vaͤter Senden mich, ich soll ihn auf allen goͤttlichen Wegen Still begleiten, und jegliche That der grossen Erloͤsung Achtsam bemerken; kein heiliges Wort, kein zaͤrtlicher Seufzer Soll mir von seinem unsterblichen Mund ungehoͤret ent- fliehen; Himmlische Freunde, kein troͤstender Blick, und keine der Zaͤhren, Jener getreuen der Gottheit und Menschheit so wuͤrdigen Zaͤhren Sollen unangemerkt mir im goͤttlichen Auge sich zeigen. Ach zu fruͤh entziehst du dem Blicke der heiligen Vaͤter, Erde, dein schoͤnstes Gefilde, wo GOtt in Huͤllen der Menschheit Wandelt, und das Opfer des grossen Mittleramts an- faͤngt! Ach zu fruͤh entfliehst du dem Tag und Uriels Antlitz, Der nun ungern und traurig den untersten Welttheil umleuchtet! Dort ist ihnen kein aͤnderndes Thal, kein erwachend Ge- birge Angenehm; denn hier wandelt er nicht, der grosse Messias! G 2 Selia Der Messias. Selia endigte so. Jhm erwiederte Seraph Orion, Simons Schutzgeist. Dort unten, wo sich die traurigen Gruben Oeffnen, und sich sinkend mit des Oelbergs Fusse vertiefen, Dort steht, himmlischer Freund, der hohe Messias und denket Selia sah ihn, und blieb unverwandt in stiller Entzuͤ- ckung Stehn. Schon waren mit leichtem Gefieder zwo fliehende Stunden Ueber sein Haupt mit der Stille der Nacht voruͤber geflo- gen, Als er noch stand. Jndem kam der letzte vertrauliche Schlummer Jn das Auge des Mittlers herab, die heilige Ruhe Eilte, gesandt von GOtt, vom Allerheiligsten GOttes, Auf ihn, mit kuͤhlendem Saͤuseln, in stillen Duͤften her- nieder. JEsus schlief ein. Drauf wandte sich Selia zu der Ver- sammlung, Und trat mitten hinein und sprach vertraulich zu ihnen: Meldet mir, himmlische Freunde, wer sind die Maͤnner dort unten, Die da wandeln, und wie verlassen, und traurig herum- gehn? Sehet, ein stiller einnehmender Schmerz deckt ihre Ge- sichter, Doch entstellt er sie nicht. So druͤcken sich edle Gemuͤter Wehmuthsvoll aus. Sie weinen vielleicht um einen geliebten Und Drittter Gesang. Und entschlafenen Freund, der ihnen an Tugenden gleich war. Jhm erwiedert Orion: Das sind die Heiligen Zwoͤlfe, Selia, die JEsus sich zu Vertrauten erwaͤhlte. Ach wie selig sind wir, daß uns ihr Meister erlesen, Jhre Beschuͤtzer und Freunde zu seyn! Da sehen wir immer, Wie er mit suͤsser geselliger Liebe sich ihnen eroͤffnet. Wie er sie lehrt, wie er bald mit maͤchtigen Reden den Eingang Zu den hohen Geheimnissen zeigt, bald in menschlichen Bildern Dich, unsterbliche Tugend, verklaͤrter und fuͤhlbarer zeiget, Und nach und nach ihr empfindendes Herz zur Ewigkeit bildet. O wie viel erlernen wir da! wie macht uns sein Bey- spiel Aufmerksam, und wie reizet er uns, ihm anbetend zu folgen! Selia, solltest du ihn und seinen goͤttlichen Wandel, Und sein edles, des ewigen Vaters so wuͤrdiges Leben Taͤglich sehen, dein Herz zerfloͤß in stiller Entzuͤckung! Auch ist es schoͤn, und klinget auch selbst in unsterblichen Ohren Lieblich, wenn seine Vertrauten von ihm sich zaͤrtlich besprechen. Freund, wie wir uns, so lieben sie ihn. Jch hab es hier oͤfters Jn der Versammlung gesagt, und wiederhol es auch itzo: G 3 Vielmals Der Messias. Vielmals wuͤnsch ich von| Adams Geschlecht, ja selber auch sterblich Mit den Menschen zu seyn; wenn anders ohne die Suͤn- de Eine Sterblichkeit seyn kan. Vielleicht verehrt ich ihn treuer. Meinen Bruder von eben dem Fleisch und Blute ge- boren Liebt ich vielleicht weit bruͤnstiger noch. Mit welcher Ent- zuͤckung Wollt ich fuͤr ihn, der zuerst fuͤr mich starb, mein Leben verlieren! Mitten im heissen unschuldigen Blute, mit brechenden Augen Wollt ich ihn loben; mein schwaches Geseufz, mein ster- bendes Stammeln Sollte so harmonisch, wie die hohen Lieder Eloa, Wenn er am Throne vorbeygeht, in goͤttlichen Ohren ertoͤnen. Alsdann sollteft du, Selia, mir, oder einer von diesen Sanft mit unsichtbarer Hand die gebrochnen Augen zu- druͤcken, Und die entfliehende Seele zum Thron des Ewigen fuͤh- ren Selia sprach: Wie ruͤhrest du mich! Wie nimmt mich dein Wuͤnschen, Edler Orion, mit Zaͤrtlichkeit ein! Die Maͤnner dort unten Die sind also die heiligen Zwoͤlfe, die Freunde des Mitt- lers? Welche Dritter Gesang. Welche zu seyn, selbst Seraphim, auch mit der Sterb- lichkeit, wuͤnschen. Seyd mir gesegnet! Jhr seyd es auch wuͤrdig, Unsterb- liche, denn euch Liebt der Erloͤser, wie Bruͤder, ihr werdet auf goldenen Stuͤlen Sitzen, und den Weltkreis mit eurem Koͤnige richten. Seraphim, nennet sie mir! Jch will die Namen auch hoͤren, Die schon lange mit glaͤnzenden Zuͤgen im Lebensbuch stehen. Nennt mir jenen zuerst, der dort mit feurigen Augen Um sich blickt, und im schattichten Walde mit Ungeduld suchet; JEsum vielleicht. Muth, und ein kuͤhnes entschlossenes Wesen Seh ich in seinem Gesicht. Aufrichtig sagt es mir alles, Was vom fuͤhlenden Herzen belebt die Seele gedenket. Dieser ist Simon Petrus, erwiederte Seraph Orion, Einer der groͤßten. Mich waͤhlte der Mittler zu seinem Beschuͤtzer. Wie du sagtest, so ist auch mein Freund. Du solltest ihn immer Nebst mir in allem seinen Betragen, in JEsu Gesellschaft, Wenn er inbruͤnstig ihn hoͤrt, auch wenn er am fernen Gestade Von ihm getrennt, und von mir begleitet und von mir begeistert, Schlummert und von GOtt traͤumt, da solltest du immer ihn sehen, G 4 Seraph, Der Messias. Seraph, du wuͤrdest sein fuͤhlendes Herz noch goͤttlicher nennen. Juͤngst als JEsus die Juͤnger befragte, fuͤr wen sie ihn hielten, Sprach er: du bist Christus, der Sohn des lebendigen GOttes! Dieses sagt er, und weinte vor Freude. Wir weinten auch, Seraph, Als er die Worte vor unaussprechlichen Seufzern kaum ganz sprach. Aber ach! haͤtt ich nur nicht selbst aus dem Munde des Mittlers Dies vom Petrus gehoͤrt: du wirst mich dreymal verleug- nen. Traurige Worte, was sagtet ihr mir! Ach Simon, mein Bruder, Hoͤrtest du sie? Und wenn du sie hoͤrtest, was dachte dein Herze? Simon, du sagtest zwar kuͤhn: Du wolltest ihn niemals verleugnen, Deinen Erloͤser und GOtt! Doch JEsus sagt es noch einmal. Wenn du es wuͤßtest, wie mir mein Herz fuͤr Wehmuth zerfliesset, Wenn ich dran denke, du stuͤrbest viel lieber, als daß du den besten, Deinen getreusten unsterblichen Freund unedel verkenn- test. Doch du weißt ja, wie JEsus dich liebt. Du sahst ja sein Auge, Das voll goͤttlicher Huld bey diesen Worten dich ansah. Simon Dritter Gesang. Simon Petrus, du wirst ihn doch nicht unedel verken- nen. Selia hoͤrt ihn. Den Seraph durchdrang ein zaͤrtlicher Kummer. Nein, so sagt er zu ihm, nein, theurer Orion, er wird nicht Seinen getreusten unsterblichen Freund | unedel verleug- nen! Schau ihn nur an, welch redliches Herz dies Angesicht ausdruͤckt! Aber, wer ist jener, der dort auf maͤnnlicher Stirne Feuer zur Tugend, und zuͤrnenden Haß der Laster ver- breitet, Unerbittlich den sclavischen Suͤndern, die GOtt verken- nen? Jst er nicht Simons Vertrauter? O wie er sich um ihn beschaͤfftigt! Waͤr er sein Bruder, so koͤnnt er ihm nicht vertrauter be- gegnen! Sipha, sein Engel, nahm itzo das Wort: Du irrest nicht, Seraph, Dieser ist Simons Bruder, Andreas. Sie wuchsen zu- gleich auf, Und Orion, und ich, wir erzogen der Juͤnglinge Seelen Neben einander mit Sorgsamkeit auf. Oft hab ich ihn damals, Wenn mit Zaͤrtlichkeit beyde die bruͤnstige Mutter um- armte Unvermerkt zu jener vollkommnern Liebe gebildet, G 5 Die Der Messias. Die er dereinst dem grossen Messias heiligen sollte. Als ihm JEsus am Jordane rief, da war er noch einer Von den Juͤngern Johannes. Noch klang ihm die Re- de Johannes Von dem kommenden Mittler in seinem aufmerksamen Ohre; Als ihn mit einem durchdringenden Blick, voll segnender Liebe, JEsus berief. Jch hab ihn gesehn, ein goͤttliches Feuer Drang gewaltig in ihn, er flog dem Messias entgegen! Jtzo sprach, Philippus Schutzgeist, Libaniel, also: Den du dort unten um beyde gesellig und friedsam erbli- ckest, Dieser ist Philippus. Ein menschenfreundliches Laͤcheln Bildet die Zuͤge des stillen Gesichts. Ein treues Bestre- ben, Alle, die GOtt zum Bilde sich schuf, wie Bruͤder zu lieben, Jst der geliebteste Trieb in seinem goͤttlichen Herzen. Auch hat sein Schoͤpfer in ihn der suͤssen Beredsamkeit Gaben Reichlich gelegt. Wie von Hermon der Thau, wenn der Morgen erwacht ist, Treufelt, und wie wohlriechende Luͤfte dem Oelbaum ent- fliessen, Also fliesset die liebliche Rede vom Munde Philippus. Selia sprach weiter: Der dort mit langsamen Schrit- ten Unter den Cedern heraufgeht, wer ist der? Auf seinem Gesichte Gluͤht Dritter Gesang. Gluͤht die edle Begierde nach Ruhm. Da geht er, wie einer Von den unsterblichen, welche der Nachwelt ihre Ge- schaͤffte Heiligen, und von Enkel zu Enkel unsterblicher werden. Oft bleibt ihr Ruhm nicht auf Erden allein. Unbegrenz- ter und ewig Geht er von einem Gestirne zum andern. Und war ihr Geschaͤffte, Wuͤrdige Lieder von GOtt und seinem Messias zu singen, Seraphim, so wißt ihr, wie wir sie den Himmeln erzaͤhlen. Seraph Adona sprach itzt: Jakobus der Zebedaͤide Jst der, welchen du siehst. Sein edelmuͤthiger Ehrgeiz Jst nur auf goͤttliche Dinge gerichtet. Vor jener Ver- sammlung Aller Menschen, vorm grossen Gericht der erwachenden Todten, Durch den Ausspruch des ewigen Ersten und seines Ge- salbten, Da noch verehrungswuͤrdig zu seyn, ist sein grosses Be- streben; Weniger Ehre waͤr Schmach fuͤr seine goͤttliche Seele. Wenn er den Mittler erblickt, so geht er entzuͤckt und be- friedigt Jhm entgegen, als gieng er ihm schon am ewigen Throne Jauchzend entgegen. Jch hab ihn gesehn, da auf Ta- bors Gebirge GOttes Gesandten, Elias und Moses dem Mittler er- schienen. Siehe Der Messias. Siehe! der Himmel umzog sich mit hellen umschattenden Wolken. JEsus wurde verklaͤrt. Sein Antlitz war, wie die Sonne, Wenn sie allgegenwaͤrtig und hoch im Mittage glaͤnzet. Seine Bekleidung war silbern, wie Licht. Da eilte Ja- kobus, Wie ins Allerheiligste GOttes der obersie Priester, Aron, zur Lade des Bundes zu GOtt und dem Gnaden- stul eilte. Also eilte Jakobus, erfuͤllt von der Ehre des Anschauns, Deß ihn GOtt wuͤrdigte, kuͤhn der hohen Erscheinung entgegen. Unter den Heiligen Zwoͤlfen ist dieser der Maͤrtyrer Erst- ling. Also sagen die Tafeln des Schicksals. Jhm ist es bestimmet, Bald im Triumph auf den weitern Schauplatz der Zukunft zu treten, Und die Begierde des ewigen Geistes unendlich zu stillen. Simon, der Kananite, den du dort sitzend erblickest, Sagte sein Engel, Megiddon, war ehmals ein heiliger Schaͤfer. JEsus rief ihn vom Felde. Sein stilles unschuldiges Wesen, Und die Demuth, mit welcher er ihn voll Einfalt bediente, Wandte das Herz des Erloͤsers ihm zu. Dann da er im Reisen Einst zu ihm kam, so schlachtet er ihm mit sorgsamer Eile Gleich ein jugendlich Lamm, und stand, und dient ihm voll Unschuld, Segnete Dritter Gesang. Segnete sich, und die niedrige Huͤtte, wo GOttes Pro- phet war. JEsus aß so vergnuͤgt, wie er einst im Haine zu Mamre Mit zween Engeln und Abraham aß. Komm, folge mir, Simon, Sagt er zu ihm, laß deinen Gespielen die Heerden der Laͤmmer. Jch bin der, von dem du das Lied der himmlischen Schaaren, Bey dem bethlehemitischen Quell, als ein Knabe, vernah- mest. Dort seh ich meinen Geliebten hervorgehn, sprach Seraph Adoram, Schau, Jakobus, der Alphaͤide! Dies ernste Gesichte, Jst verschwiegene Tugend, die weniger saget, als ausuͤbt Kennt ihn der Ewige nur, wenn ihn von Nachwelt zu Nachwelt Menschen auch nicht kennten, wenn er uns auch unbekannt bliebe, Dennoch wuͤrd er, vom Ruhm unbelohnt, stets Tugenden uͤben. Umbiel sprach ferner: Der dort voll Gedanken und ein- sam Tief im Walde sich zeigt, ist Thomas, ein feuriger Juͤng- ling. Stets zeugt sein Geist aus Gedanken Gedanken, davon er das Ende Vielmal nicht sieht, wenn sie, wie Meere, vor ihm sich verbreiten. Bald Der Messias. Bald haͤtt er sich im finstern Gebaͤu sadducaͤischer Traͤu- me Klaͤglich verlohren: allein des Messias gewaltige Wunder Retteten ihn, er verließ das Bezirk labyrinthischer Jrren, Und kam zu JEsu. Doch wuͤrd ich mich seinetwegen noch oͤfters Zaͤrtlich bekuͤmmern, haͤtt ihm zu dieser denkenden Seele Nicht die Natur ein redliches Herz und Tugend gegeben. Jener ist Matthaͤus, sprach Seraph Bildai, ein Juͤnger, Der, im Schosse beguͤterter Eltern wolluͤstig erzogen, Doch auch zugleich zum niedern Geschaͤffte der Reichen verwoͤhnt ward, Die des unsterblichen Geistes uneingedenk, niemals er- saͤttigt, Wie fuͤr die Ewigkeit sammeln. Allein die maͤchtigen Triebe Seines Geistes erhuben sich bald, da er JEsum erblickte. JEsus rief ihn kaum zu sich, so folgt er, und ließ die Geschaͤfte, Die ihn bisher zur Erde gedruͤckt, den Thieren zuruͤcke. So entreißt sich ein Held der Koͤnige weichlichen Toͤch- tern, Wenn ihn der Tod fuͤrs Vaterland ruft. Jns Feld hin, wo GOtt steht, Und dem Tode, geruͤstet mit Rache, die Schuldigen zu- zaͤhlt, Ruft ihn mehr als ewiger Ruhm, die Stimme der Un- schuld. Jhn wird danckbar und froh erretteter Voͤlker Mund eh- ren, Denn Dritter Gesang. Denn sein Krieg war gerecht. Und bleibt er, mitten im Wuͤrgen, Da noch ein Mensch, so wollen wir ihn vor dem Ewigen fingen. Seraph Siona fuhr fort. Der dort mit dem silber- nen Haupthaar Jener freundliche Greis, ist Bartholomaͤus, |mein Juͤn- ger. Schau sein frommes einnehmendes Antlitz. Die goͤttli- che Tugend Wohnet da gern. Den Sterblichen wird ihr strenges Betragen, Wenn er vor ihnen sie uͤbt, weit liebenswuͤrdiger werden. Du wirst viel zu JEsu versammeln. Sie werden dein Ende Sehen und sich wundern, wenn du im Schweisse des Todes Deinen Moͤrdern und Bruͤdern, gleich jungen Seraphim, laͤchelst. Wischet mit mir, wenn er stirbt, das Blut von seinem Gesichte, Himmlische Kraͤfte, damit sein abschiednehmendes Laͤcheln Alle Versammlungen sehn, und sich zu JEsu bekehren. Jener blasse verstummende Juͤngling, sprach Elim itzt weiter, Jst mein auserwaͤhlter Lebbaͤus. So zaͤrtlich und fuͤhlend, Als die Seele des stillen Lebbaͤus, sind wenig eeschaffen. Da ich aus jenem Gefilde sie rief, wo die Seelen der Menschen Vor Der Messias. Vor des Leibes Geburt, sich selbst noch unbekannt, schweben, Fand ich sie im Truͤben naͤchst einer rinnenden Quelle, Die, wie von fern herweinende Stimmen, langrauschend ins Thal floß. Hier hat einmal, wie die Engel erzaͤhlen, der traurige Seraph Abbadonaa geweint, als er einst aus Eden zuruͤck kam, Und das erste Paar Menschen der heiligen Unschuld be- raubt sah. Auch wißt ihr wohl, daß Seraphim oft hier die Seelen beklagen, Denen sie GOtt zu Vertrauten erkohr, die aber auf Er- den Erst die heilige Jugend mit Unschuld lieblich bekroͤnen, Dann den Anfang des goͤttlichen Lebens entheiligen wer- den. Ach, sie wird, vom Laster entstellt, ein schreckliches Ende Nehmen. Sie sinds, um die vor ihrer unselgen Geburts- zeit Bruͤderlich, mit Seufzern der himmlischen Freundschaft, mit Thraͤnen, Menschen unweinbar, die Seraphim klagen. Hier fand ich die Seele Meines geliebten Lebbaͤus in ruhige Wolken gehuͤllet. Also vernahm sie den traurigen Ton mit schwacher Empfin- dung Die nun so lang, als das staͤrckre Gefuͤhl der Sinne sie einnimmt, Ausgeloͤscht ist, doch wieder erweckt wird und maͤchtiger wirket, Wenn Dritter Gesang. Wenn die Seele mit Lichte bekleidet dem Koͤrper entflie- het. Doch blieb dieses zwar leise Gefuͤhl der traurigen Stim- men Maͤchtig genung, die erste Gestalt der Seele zu bilden. Sie hab ich sanft im Schosse leichtfliessender Morgen- wolken Bis zur sterblichen Huͤtte gebracht. Die Mutter gebahr ihn, Unter den Palmen. Da kam ich vom Wipfel der rauschen- den Palmen Unsichtbar her, und kuͤhlte den Knaben mit lieblichen Luͤften. Aber er weinte schon dazumal mehr, als die Sterblichen weinen, Wenn sie mit dunkler Empfindung den Tod von ferne schon fuͤhlen. Also bracht er bey jeglicher Thraͤne, die Freunde ver- gossen, Zaͤrtlich geruͤhrt, beym leichtesten Schmerz der Menschen empfindlich, Seine wehmuͤthige Jugendzeit hin. So ist er bey JEsu Jmmer gewesen. Wie sehr bin ich deinentwegen bekuͤm- mert! Wenn der Erloͤser erst stirbt, da wirst du, heiliger Juͤng- ling, Unter der Last des Elends vergehn. Ach staͤrk ihn, Er- loͤser, Staͤrk ihn alsdann, erbarmender Heiland, damit er nicht sterbe. Siehe! dort koͤmmt er selbst, tiefsinnig mit wankenden Schritten, H Zu Der Messias. Zu uns herauf, hier kanst du ihn, Seraph, naͤher be- trachten, Und von Antlitz zu Antlitz die zaͤrtlichste Seele bemerken Jndem, als er noch sprach, da trat der stille Lebbaͤus Unter sie hin. Die hohe Versammlung wich ungemerkt seitwaͤrts Vor dem Sterblichen aus. So zertheilen sich Fruͤhlings- luͤfte, Durch der Nachtigall klaͤglichen Ton, wenn sie muͤtterlich jammert. Jtzo umgaben sie ihn, und standen, wie Menschen, voll Liebe, Um ihn herum. Von keinem Geschoͤpf, wie er glaubte/ vernommen, Klagte der stille Lebbaͤus, und schlug im zaͤrtlichen Kla- gen Ueber sein Haupt die Haͤnde zusammen. So find ich ihn nirgends! Schon ist ein trauriger Tag und fast zwo Naͤchte verflos- sen, Daß wir ihn nicht sehen! Ja seine verruchten Verfolger Haben gewiß ihn endlich ergriffen! Jch armer Verlaßner Kann noch leben, da JEsus schon todt ist? Dich haben die Suͤnder Klaͤglich erwuͤrgt, du goͤttlicher Mann! Und ich sah dich nicht sterben! Und ich habe nicht sanft dein goͤttliches Auge geschlos- sen! Sagt, Verruchte, wo wuͤrgtet ihr ihn? Jn welche Ge- filde, Ach! in welche veroͤdete Wuͤste, zu welchen Gebeinen Unter Dritter Gesang. Unter den Todten entsuͤhrtet ihr ihn, und nahmt ihm sein Leben? Ach wo liegst du goͤttlicher Freund? Ja, unter den Todten, Bleich und entstellt, der zaͤrtlichen Huld und des himmli- schen Laͤchelns, Aller deiner erbarmenden Blicke von Moͤrdern beraubet, Liegst du! Und dich haben die Deinen nicht sterben gese- hen! Ach daß dieses bekuͤmmerte Herz mir nur nicht mehr schluͤge! Daß mein zum Trauren erschaffener Geist, wie dies duͤstre Gewoͤlke, Tief in die Nacht des Todes entfloͤhe! Daß meine Ge- beine Felsen wuͤrden, und ewig hier stumm, und ewig hier einsam Stuͤnden, und ein Denkmal der baͤngsten Traurigkeit wuͤrden! Also klagt er, und sank in Ohnmacht und Schlummer danieder. Elim bedeckt ihn mit Sproͤßlingszweigen des schattenden Oelbaums, Wehte zugleich mit waͤrmenden Luͤften sein starrendes Antlitz Unsichtbar an, und goß ihm Leben und ruhigen Schlum- mer Ueber sein Haupt. Er schlief und sah im heiligen Traume, Durch den Engel, den Mittler vor sich lebendig herumgehn. H 2 Selia Der Messias. Selia hieng noch mit thraͤuendem Blick, und zaͤrtlichem Mitleid Ueber ihm, als noch ein Juͤnger gleich gegen ihn uͤber heraufftieg. Nennet mir auch jenen, so sagt er, da koͤmmt er am Berge Zu uns herauf. Jhm faͤllt ein schwarzes lockichtes Haupthaar; Ueber die breiten Schultern herab. Sein ernstes Ge- sichte Jst voll maͤnnlicher Schoͤne. Dies Haupt, das uͤber die Haͤupter Aller Juͤnger hervorragt, vollendet sein maͤnnliches An- sehn. Aber darf ichs wohl sagen, und irr ich nicht, himmlische Freunde? Wenn ich in diesem Zuge des Angesichts Unruh ent- decke, Und in jenem nicht edles genung. Nein, er ist ja ein Juͤnger, Und er wird ja mit JEsu dereinst das Weltgericht hal- ten! Doch ihr schweiget, Unsterbliche? Keiner von meinen Geliebten Sagt mir ein Wort? Ach warum schweigt ihr, himm- lische Freunde? Hab ich euch etwa betruͤbt, daß ich diesen Juͤnger ver- kannte? Redet mit mir, ich habe geirrt. Und du, heiliger Juͤnger, Zuͤrne du nicht, ich will, wenn du einst als Maͤrtyrer GOtt ehrst, Und Dritter Gesang. Und im Triumph die Unsterblichen siehst, da will ich den Fehler Durch die zaͤrtlichste Freundschaft vor diesen Seraphim gut thun. Ach! so muß ich denn reden? sprach Seraph Jthuriel seufzend, Und gieng mit klaͤglich gerungenen Haͤnden dem Seraph entgegen, Ach! so muß ich denn reden, mein Freund? Ein ewiges Schweigen Waͤre fuͤr meine Betruͤbniß und deine Beruhigung besser! Doch du wilst es, ich red, o Seraph. Jscharioth heißt er, Welchen du siehst. Ja, Seraph, ich wollte nicht uͤber ihn weinen, Ungeruͤhrt wollt ich ihn sehn, unbethraͤnt und ohne Be- truͤbniß Wollt ich ihn sehn, und in heiligem Zorne den Strafbaren meiden; Haͤtt ihm nicht GOtt ein edles Gemuͤth, und ein tugend- haft Herze, Und in der unentheiligten Jugend viel Unschuld gege- ben; Haͤtt ihn nicht selbst der Messias der Juͤngerschaft wuͤrdig geachtet, Jn der er anfangs auch heilig und fromm und untadel- haft lebte. Aber ach nun! - - Doch ich schweige, mein Leid nicht unendlich zu haͤufen! Ja nun weis ich, warum, da wir uns von den Seelen der Juͤnger H 3 Einst Der Messias. Einst vor des Leibes Geburt, vorm Antlitz GOttes, be- sprachen; Warum damals, auf goͤttliches Winken, Seraph Eloa Traurig herabstieg, und einen der hohen goldenen Stuͤle, Die den heiligen Zwoͤlfen GOtt gab, mit Wolken bedeckte. Auch ist Gabriel traurig und mit verhuͤlltem Gesichte Vor mir voruͤbergegangen, als ihn in unseliger Stunde Seine verlassene Mutter gebar. Waͤrst du nur nicht ge- boren! Haͤtte von deiner nun ewigen Seele kein Seraph gespro- chen, Armer verlohrner! dies waͤre dir besser, als daß du den Mittler Und der Juͤnger erhabnen Beruf unedel entheiligst. Seraph Jthuriel sprachs, und blieb mit sinkenden Bli- cken Traurig vor Selia stehen. Mein ganzes Herz erbebt mir, Und ein truͤbes Dunkel, wie Daͤmmrung, umnebelt mein Auge! Sagt itzt Selia seufzend. Jscharioth, einer der Zwoͤlfe, Und dein Juͤnger, Jthuriel? Was der Unsterblichen kei- ner Jemals geglaubt, was itzo ihr Mund vor Wehmuth kaum ausspricht! Der entheiligt der Juͤnger Beruf und den goͤttlichen Mitt- ler? Doch was ist denn sein traurig Verbrechen? Was that der Verlorne? Das Dritter Gesang. Das ihn vor JEsu und dir und allen Geistern entehrte. Sag es nur frey, zwar bebt mir mein Herz, doch, Jthu- riel, sag es! Seraph, ein heimlicher Haß, ein feindschaftsvolles Be- streben, Sprach Jthuriel, hat den ungluͤckseligen Juͤnger Wider den goͤttlichen Mittler empoͤrt. Er hasset Johan- nes, Weil den JEsus vor allen mit inniger Zaͤrtlichkeit liebet; Und, was er noch vor sich selbst zu verbergen sucht, auch den Erloͤser. Auch sind in einer erschrecklichen Stunde Begierden nach Reichthum Noch dazu in seiner sonst edleren Seele gewurzelt. Denn die kannt ich im Juͤnglinge nicht. Von ihnen ver- blendet, Glaubt er, nun werde Johannes dereinst vor den uͤbrigen Juͤngern Und auch besonders vor ihm im neuen Reiche des Mitt- lers Schaͤtze, die herrlichsten Schaͤtze, des Reichthums Erst- linge, sammeln! Dies hab ich oft, wenn er, wie er glaubte, von keinem bemerket, Einsam herumgieng, von ihm aus klagendem Munde vernommen. Einst als er auch, (dies schreckliche Bild wird mir ewig vor Augen Schweben, und ewig mein Herz mit stillem Kummer er- fuͤllen!) H 4 Einst Der Messias. Einst, als er auch im Thale Benhinnon voll Unruh dies sagte, Und in Wuͤnsche voll Bosheit bey seiner Beschuldigung ausbrach; Als ich dabey, wie untroͤstbar und wehmutsvoll in mich gekehret Stand, und mein Angesicht aufhub, da sah ich, wie Sa- tan vorbey gieng, Und mit bitterm Gespoͤtt und triumphirendem Laͤcheln Von Jscharioth kam, und stolz mitleidig mich ansah. Jtzt ist sein Herz dem Zugang des Lasters so bloß und eroͤffnet, Daß ich fuͤr ieden Gedanken, fuͤr iede Bewegung des Herzens Jnnig besorgt bin, daß sie zum schnellen Verderben ihn fuͤhren. GOtt! daß deine gefuͤrchtete Hand itzt im Abgrunde Sa- tan Mit diamantenen Ketten der tiefsten Finsterniß hielte! Daß die unsterbliche Seele, die du, erhabner Messias, Auch zur seligen Ewigkeit schufft, von ihrer Verirrung Wiederzukehren die theuren Minuten noch lange ge- noͤsse! Daß sie, wuͤrdig der hohen Geburt und der schaffenden Stimme, Mit der sie GOtt zur Unsterblichkeit rief, und zur Juͤn- gerinn weihte, Jhrem ergrimmten Verderber unuͤberwindlich und furcht- bar, Gleich dem muthigsten Seraph, mit Heiligkeit wider- stuͤnde! Theu- Dritter Gesang. Theurer Seraph, was sagt denn der Mittler, sprach Selia ferner, Ach was sagt denn der goͤttliche Mittler von seinem Ver- lornen? Kann er den Verruchten vor seinem Gesichte noch sehen? Liebt er ihn noch? Und wenn er ihn liebt, wie entdeckt er sein Mitleid? Selia, du zwingst mich, ich muß dir alles entdecken, Was ich so gern vor mir selbst, vor dir, und den Engeln verbuͤrge. JEsus liebt den Unwuͤrdigen noch. Voll sorgsamer Liebe, Zwar mit Worten nicht, aber mit Blicken der goͤttlichsten Freundschaft, Sagt er ihm juͤngst, bey einem zufriednen vertraulichen Mahle, Vor der Versammlung der Juͤnger, er sey es, er werd ihn verrathen. Theurer Seraph, er wird ihn verrathen! Der Strafbare fuͤhlte JEsu erbarmende Blicke nicht mehr. Er wird ihn ver- rathen! Selia, siehe, da koͤmmt er herauf. Jch will den Ver- ruchten Ferner nicht sehn, komm mit mir. Jthuriel sagt es, und eilte. Selia folgte betruͤbt. Johannes zweyter Beschuͤtzer, Salem, ein himmlischer Juͤngling, begleitete beyde von ferne. JEsus gab dem geliebten Johannes zween heilige Waͤch- ter, H 5 Raphael, Der Messias. Raphael, einer vom Throne, der hohen Seraphim einer, Und aus Gabriels Ordnung, der ward sein erster Be- schuͤtzer. Selia, und Jthuriel gingen beyde zu JEsu Jn die Graͤber. Da trat mit erheitertem Angesicht Sa- lem Unter sie hin, und blickte sie an, und umarmte sie zaͤrtlich Frohe besaͤnftigte Zuͤge verklaͤrten das Angesicht Salems, Und ein jugendlich Laͤcheln umfloß die unsterbliche Stir- ne, Da, wie die Pforten des lieblichen Morgens im Fruͤhling sich oͤffnen, Sich sein heiliger Mund voll suͤsser Beredsamkeit auf- that, Und von seinen Lippen die Stimme sanfttoͤnend herab- floß: Seraph, beruhige dich, der dort in den Graͤbern bey JEsu, Jener ist Johannes der liebenswuͤrdigfte Juͤnger. Schau ihn nur an, bald wirst du nicht mehr an Jscha- rioth denken! Heilig, wie ein Seraph, ja wie der unsterblichen einer, Lebt er beym Messias, der sein Herz vor allen ihm oͤffnet, Der ihn, mit goͤttlicher Huld, sich zum vertrautesten waͤhlte. Wie die Freundschaft des hohen Eloa und Gabriels Freundschaft: Oder wie Abdiels Liebe zu Abbadonaa gewesen! Als er mit ihm in anerschaffener Unschuld noch lebte: Also ist Johannes und JEsu goͤttliche Freundschaft, Und Dritter Gesang. Und er ist es auch wuͤrdig. Noch ward in heiligen Stun- den Keine so goͤttliche Seele vom grossen Schoͤpfer gebildet, Als die unschuldige Seele Johannes. Jch hab es gese- hen, Da die Unsterbliche kam. Sie priesen glaͤnzende Reihen Himmlischer Juͤnglinge selig, und sangen von ihrer Ge- spielinn: Sey uns gegruͤßt bey deinem Hervorgehn, unsterb- liche Freundinn, Heilige Tochter des goͤttlichen Hauchs, komm, sey uns gesegnet! Du bist schoͤn und zaͤrtlich, wie Salem, wie Raphael, himmlisch Und erhaben. Dir werden aus deiner heiteren Fuͤlle, Wie aus der Morgenroͤthe der Thau, die Gedanken ge- boren, Und dein menschliches Herz, dein Herz voll zaͤrtlicher Trie- be Fließt, wie der Seraphim Auge, das bey Erblickung der Tugend Voller Entzuͤckungen weint, von suͤssen Empfindungen uͤber! Tochter des goͤttlichen Hauchs, vertraulichste Schwester der Seele, Die in ihrer unschuldigen Jugend einst Adam belebte, Komm, wir fuͤhren dich itzt zu deinem Vertrauten, dem Koͤrper, Den die Natur schoͤn bildet, damit du im Laͤcheln, o Seele, Dein Der Messias. Dein holdseliges Wesen vom heitern Angesicht redest. Ja er wird schoͤn seyn, und deinem Leibe, Messias, glei- chen, Den nun bald der goͤttliche Geist zum schoͤnsten der Men- schen Bilden wird, zum schoͤnsten vor allen Kindern von Adam. Ach daß dieses dein zartes Gebaͤu in Staub hin sich le- gen Und verwesen muß! Aber dich wird bey den Todten dein Salem Suchen und auferwecken, und wenn du erwacht bist, ver- klaͤren! Herrlich nach himmlischer Bildung mit neuer Schoͤnheit umkraͤnzet, Wird er dich hoch in kommenden Wolken, du Richter der Menschen, Deinem Messias entgegen, zu seinen Umarmungen fuͤh- ren. Also sang von meinem Johannes die himmlische Ju- gend. Salem sagt es, und schwieg. Er und die Seraphim blieben Um Johannes herum, voll suͤsser Zaͤrtlichkeit, stehen. Also stehen drey Bruͤder um eine geliebteste Schwester Zaͤrtlich herum, wenn sie auf weich verbreiteten Rasen Unbesorgt schlaͤft, und in bluͤhender Jugend Unsterbli- chen gleichet. Ach sie weis es noch nicht, daß ihrem redlichen Vater Seiner Tugenden Ende sich naht. Jhr dieses zu sagen, Kamen Dritter Gesang. Kamen die Bruͤder; allein sie sahen sie schlummern, und schwiegen. Unterdeß schliefen die uͤbrigen Juͤnger vom Kummer ermuͤdet An den Hoͤhen des Oelberges ein. Der unter dem Oelbaum, Wo er sein en bedeckenden Arm am tiefsten herabließ; Jener im Thal, das sich bey kleinen Huͤgeln versenkte; Dieser am Fusse der himmlischen Ceder, die hoch und er- haben Stand, und mit leisem Geraͤusch vom stillen waldigten Wipfel Schlummer und Thau auf die Ruhenden traͤufte. Viel schliefen im Grabmal, Welches die Kinder der moͤrdrischen Stadt den Prophe- ten erbauten. Petrus und Jakobus bey des hohen Hesekiels Denk- mal, Wo er auf dem Marmor mit ernstem entzuͤckten Gesichte Stand, und um sich herum erwachende Todten er- blickte. Judas Jscharioth war, nicht weit vom stillen Lebbaͤus, Der sein Verwandter und Freund war, aus Ungeduld eingeschlafen. Aber Satan, der seitwaͤrts in einer verborgenen Hoͤle Alles, was die Engel von ihren Juͤngern erzaͤhlten, Angehoͤrt hatte, brach zuͤrnend hervor, und ließ voll Ge- danken Zum Verderben erhitzt, sich bey Jscharioth nieder. Also naht sich die Pest im mitternaͤchtlichen Stunden. Schlum- Der Messias. Schlummernden Staͤdten. Der Tod liegt auf ihren verbreiteten Fluͤgeln An den Mauern, und hauchet um sich verderbende Duͤnste. Jtzo liegen die Staͤdte noch ruhig: Bey naͤchtlicher Lampe Wacht noch der Weise; noch unterreden sich goͤttliche Freunde Unter den Rosen des Fruͤhlings beym unentheiligten Weine Von der unsterblichen Dauer der Seelen und ihrer Freundschaft: Aber bald wird sich der furchtbare Tod am Tage des Jammers Ueber sie breiten, am Tage der Quaal und des sterbenden Winselns, Wo mit gerungenen Haͤnden die Braut um den Braͤutigam jammert; Wo nun aller Kinder beraubt die verzweifelnde Mutter Wuͤtend dem Tag, an dem sie gebahr und geboren ward, fluchet; Wo mit tiefen verfallenen Augen die Todtengraͤber Durch die Leichname wandeln bis hoch vom truͤben Olympus Mit tiefsinniger Stirn der Todesengel herabsteigt, Und sich umsieht, und alles veroͤdet und still und einsam Sieht, und auf den Graͤbern voll ernster Betrachtungen stehn bleibt. Also kam uͤber Jscharioth Satan zum nahen Verderben, Und ließ einen verfuͤhrenden Traum in sein offnes Ge- hirne. Schnell Dritter Gesang. Schnell empoͤrt er sein klopfendes Herz zu Begierden der Bosheit; Senkte zuerst empfundne Gedanken, voll Feuer und stuͤrmend, Jn die Seele. So wie sich ein Donner in schweflichte Berge Himmelab stuͤrzt, sie entzuͤndt, neue Donner zu sich versammelt, Dann durch die Tiefen, nunmehr ein ganzes Gewitter, sich fortwaͤlzt. Denn der Seraphim hohes Geheimniß, den Seelen der Menschen Edle Gedanken, der Ewigkeit wuͤrdige grosse Gedanken Einzugeben, war Satan zu seiner groͤssern Verdammniß Annoch bekannt. Zwar kam aus treuer sorgsamer Ahndung Seraph Jthuriel wieder zuruͤck, bey dem Juͤnger zu blei- ben. Aber da er wahrnahm, wie uͤber Jscharioth Satan Sich verbreitete, bebt er und stand, und sahe zu GOtt auf, Und entschloß sich, vom Schlaf Jscharioth aufzuwecken. Dreymal schwebt er auf Fluͤgeln des Sturms durch brausende Cedern Ueber sein Angesicht hin, gieng dreymal mit maͤchtigen Schritten, Bey dem Juͤnger vorbey, daß des Bergs Haupt unter ihm bebte. Aber Jscharioth blieb mit kalten erblassenden Wangen, Wie in toͤdtlichem Schlummer. Der Seraph gieng seit- waͤrts, und seufzte. Jndem Der Messias. Jndem erschien dem Juͤnger im Traume sein Vater und sah ihn Mit der Mine, mit der er den Geist voll Seelenangst ausblies, Und noch mit sterbendem Ton von des Reichthums Se- ligkeit seufzte, Trostlos und sorgenvoll an, und sprach mit bebender Stimme: Und du schlaͤfft, Jscharioth, hier unbekuͤmmert und ruhig? Und entfernst dich so lange von JEsu, als wenn du nicht wuͤßtest, Daß er dich haßt, und die uͤbrigen Juͤnger dir insgesammt vorzieht! Warum bist du nicht immer bey ihm, und um ihn zuge- gen? Warum suchest du nicht von neuem sein Herz zu gewin- nen? Wem uͤberließ, Jscharioth, dich dein sterbender Vater! GOtt! mit welcher Vergehung hab ichs, mit welchem Verbrechen Hats mein Geschlecht verdient, daß ich aus dem Reiche der Schatten Kommen, und um Jscharioth hier und sein trauriges Schicksal Weinen muß? Ach meynst du, du werdest im Reiche des Mittlers, Das er errichten wird, gluͤcklicher seyn: so betruͤgst du dich, Aermster, Kennest du nicht Petrum, kennst du die Zebedaͤiden, Diese Dritter Gesang. Diese geliebtesten Juͤnger nicht mehr? Die sind es, die werden Groͤsser, als du, und herrlicher seyn! die werden bey JEsu Schaͤtze, wie Stroͤme, zu sich von des Landes Milde ver- sammeln. Auch die uͤbrigen werden ein viel gluͤckseliger Erbtheil, Als du, verlgssener Sohn! von ihrem Messias empfan- gen. Komm, ich will dir ihr Reich in seiner Herrlichkeit zeigen. Steig auf diesen Berg! Wanke nicht, Sohn! es ist ein- mal dein Schicksal! Siehest du dort vor uns das unendliche breite Gebirge, Welches ins fruchtbare Thal verlaͤngerte Schatten hinab- streckt? Hier wird unaufhoͤrlich, wie aus Ophirischen Jnseln, Gold ausgegraben! hier triefet das Thal, durch selige Jahre Reich und unerschoͤpflich, vom Ueberflusse des Segens. Dies ist des auserwaͤhlten Johannes gesegnetes Erbe. Jene mit hohen Traubengelendern umhangenen Huͤgel, Diese von wallendem Korn weit uͤberfliessenden Auen Sind dem geliebtesten Petrus von seinem Messias gege- ben, Siehst du den ganzen Reichthum des Landes? Wie hier sich die Staͤdte, Gleich der Koͤnigstochter, Jerusalem, unter der Sonne Glaͤnzend und hoch, voll unzaͤhlbarer Menschen im Thale verbreiten! Wie sich neue Jordane dort, die Staͤdte zu waͤssern, Unter der Umwoͤlbung der hohen Mauren dahinziehn? Gaͤrten, gleich dem befruchteten Eden, umschatten den Goldsand Jhrer Gestade. Dies sind die Koͤnigreiche der Juͤnger. Aber erblickst du, Jscharioth, auch in jener Entfernung Dieses kleine gebirgigte Land? Da liegt es veroͤdet Wild, unbewohnt und steinigt mit duͤrren Gehoͤlzen durchwachsen. J Auf Der Messias. Auf ihm ruhet die Nacht in kalten weinenden Wolken, Unter ihr Eis und nordischer Schnee in unfruchtbaren Tiefen, Wo zur Einoͤd und Nacht und deiner Gesellschaft ver- dammet, Naͤchtliche Voͤgel die tausendjaͤhrigen Eichen durch- irren. Dieses ist dein Erbtheil. Wir werden, verachteter Juͤn- ger, Vor dir die uͤbrigen Eilfe mit triumphirender Stirne Koͤniglich vorbeygehn, und kaum im Staube dich merken! Juda, du weinest vor Gram und edelmuͤthigem Zorne! Sohn, du weinest umsonst, umsonst sind alle die Thraͤ- nen, Die du in deiner Verzweiflung vergießt, wenn du selbst dir nicht beystehst! Hoͤre mich an! Jch schliesse dir ganz mein vaͤterlich Herz auf. Siehe, der Messias verzieht mit seiner Erloͤsung, Und mit dem herrlichen Reich, das er aufzurichten ver- heissen. Nichts ist den Grossen in Juda verhaßter, als dieses Reich JEsu! Taͤglich sinnen sie ihm den Tod aus. Verstelle dich, Juda. Thu, als wolltest du ihn in die Hand der wartenden Priester Ueberliefern; nicht Rache zu uͤben, weil er dich hasset, Das sey ferne von dir! er wuͤrd ihr spotten, und immer Unuͤberwindlich dem Arm der Widersacher entrinnen: Sondern ihn nur dadurch zu bewegen, damit er sich endlich Jhrer Verfolgungen uͤberdruͤssig und furchtbarer zei- ge. Und, sie mit Schande, Bestuͤrzung und Schmach zu Bo- den zu schlagen, Sein so lang erwartetes Reich auf einmal errichte. Alsdann Dritter Gesang. Alsdann waͤrst du ein Juͤnger von einem gefuͤrchteten Meister! Alsdan wuͤrdest du auch dein Erbtheil fruͤher erlangen! Jst es gleich klein; so kannst du es doch, erlangst dus nur fruͤhe, Endlich mit unermuͤdendem Fleiß, mit Wachen und Ar- beit, Durch Anbauung und Handeln bereichern, damit es der andern Grossen gesegnetem Erbe, wiewol von ferne nur, glei- che. Hierzu fuͤllen gewis, fuͤr die Ueberlieferung JEsu, Dir die dankbaren Priester mit ihrem Reichthum die Haͤnde. Dies ist der Nath, den dir |dein bekuͤmmerter Vater er- theilet. Schaue mich an! Jst dies nicht mein blasses erstorbenes Antlitz! Ja, aus dem Reiche der Schatten, da deinentwegen noch zaͤrtlich, Komm ich hieher! Ein Engel des Lichts, der war wohl dein Schutzgeist, Leitete mich zu dir, da zeigt ich dir dieses im Traume. Doch du erwachest. Verachte nicht, Sohn, die ermah- nende Stimme Deines Vaters, und laß mich nicht traurig in meine Behausung Unter die Seelen der Todten mit Herzeleid wiederkehren. Satan richtete sich, nach Vollendung seiner Gesichte Ueber ihm auf. So richtet sich hoch ein olympischer Berg auf, Welcher ein Thal war, wenn Thaͤler um ihn, bey Er- schuͤttrung der Erde, Mit unermeslichem sinkenden Schritt in die Tiefe sich stuͤrzen. Judas erwacht und sprang ungestuͤm auf. Ja, sie war es, die Stimme J 2 Meines Der Messias. Meines verstorbenen Vaters, so redt er, so sah ich ih sterben! Also ist es gewiß, man haßt mich! Selbst unter den Todten Jst es bekannt; was du immer voll Furcht, und zitternd vermuthet Armer Verlasner, das melden dir itzt die Seelen der Todten? Nun wohlan! so will ich denn hingehn, und alles vollen- den, Was dies hohe Gesicht mir befahl! Doch so handl ich ja untreu An dem Messias! Entfleuch, zu furchtsamer kleiner Ge- danke! Meinem Vater befahl es ein Geist; unfehlbar befahl es GOtt dem Geiste! so thu ich, was GOtt will; so hand| ich nicht untreu! Was ich thue, geschieht selbst zur Verherrlichung JEsu! Aber ich fuͤhle ja bey mir nach Reichthum heisse Begierden! Heisse Begierden nach Rache! Was bist du, Seele, so zaͤrtlich, Und so empfindlich mit schwachen Gedanken dich aͤngstlich zu quaͤlen? GOtt schickt Gesichte; die hohen Gesichte befehlen die Rache; Wenn sie der Ewige will, so ist die Rache geheiligt! Satan hoͤrt ihn, den GOttes Gerichte von ferne schon trafen, Weil er die Unschuld der Seele vorher entheiliget hatte, Also reden. Er stand, und sah mit schweigendem Stolze Und mit grimmen Geberden auf ihn triumphirend herun- ter: Also sieht ein gefuͤrchteter Fels vom hohen Olympus Jn das gebirgigte Meer aufschwimmende Leichname nieder! Aber bald wird ihn der Donner fassen; bald wird er zertruͤmmert Tief im Meer ein Thal seyn, und liegen; ihn werden die Jnseln Fallen Dritter Gesang. Fallen sehn, und ringsum dem raͤchenden Donner zu- jauchzen. Satan verließ den Oelberg, und gieng mit erhabenen Schritten Ueber Jerusalem hin, und sucht in stillen Pallaͤsten Kaiphas auf, den Feind und Hohenpriester der Gott- heit, Ueber sein boshaftes Herz noch viel boshaftre Gedanken Auszugiessen, und ihn mit dunkeln Gesichten zu taͤuschen. Judas Jscharioth blieb noch, in irre Gedanken vertiefet, Auf dem Gebirge. Der Morgen gieng itzt der schlum- mernden Welt auf. JEsus erwachte, Johannes mit ihm. Sie giengen zu- sammen Auf den Oelberg, und fanden daselbst die Juͤnger noch schlafend. JEsus ergriff den frommen Lebbaͤus bey sinkenden Haͤnden, Und sprach, als er erwachte, zu ihm: Da bin ich, und lebe, Frommer Lebbaͤus! Der Juͤnger sprang auf, umarmt ihn mit Thraͤnen, Lief, und weckte die uͤbrigen Juͤnger, und brachte sie JEsu, Als sie ihn ringsum vertraulich umgaben, so sprach er zu ihnen: Komm, du heilige Schaar, wir wollen uns unter ein- ander Diesen noch uͤbrigen Tag vor dem Abschiedskusse vergnuͤ- gen! Komm, itzt stehet uns Saron noch offen, itzt thaut noch der Himmel Ueber uns, aus des Morgens Gewoͤlk, in die Segens- gefilde Jtzt laͤßt die himmlische Ceder, von meinem Vater erzogen, Auf uns noch kuͤhlende Schatten herab. Noch seh ich den Menschen J 3 Von Der Messias. Von so goͤttlicher Bildung bey meinen Unsterblichen wandeln! Aber bald wird dies gar nicht mehr seyn! Bald wird sich der Himmel Dunkel mit schreckenden Wolken umziehn! Bald werden die Tiefen Ungestuͤm erzittern, und diese Gefilde voll Segen, Diese geliebten Gefilde verwuͤsten! Bald werden die Menschen Moͤrderisch mich ansehn! Bald werdet ihr alle mich flie- hen! Weine nicht, Petrus, und du, mein zaͤrtlich bekuͤmmerter Juͤnger, Weine du nicht! wenn der Braͤutgam noch da ist, so weinet die Braut nicht. Ach! ihr werdet mich wieder erblicken, ihr werdet mich sehen, Wie bey erwachenden Todten die Mutter ein theurer Sohn sehn wird. Dieses sagt er, und stand mit goͤttlich erheitertem Ant- litz Unter ihnen; allein in seinem Herzen empfand er Jnnerlich Seelenangst und der Erloͤsung erhabene Leiden. Also gieng er, und wurde von allen vertraulich be- gleitet; Nur von Jscharioth nicht. Der hatt ihn unter den Schatten Waldigter Wipfel von ferne gehoͤrt. So weis ers ja selbst schon, Sagt er vor sich, da er JEsu im weggehn von ferne noch nachsah, Daß ihm ein Tag der Verfolgung bevorsteht; so wird ers auch wissen, Wie er seinen Verfolgern begegnen, und unuͤberwind- lich Seine Verherrlichung endigen soll. Doch sieht er auch Juda, Dich Dritter Gesang. Dich, als seinen Gehuͤlfen auf diesem erhabenen Schau- platz? Weis er dein Unternehmen auch schon? Du willst ihn verrathen! Ach wie sind vor dem sterblichen Auge des Ewigen Wege Wunderbar! Wie unerforschlich ist GOtt in seinen Ge- richten? Meinen Meßias, den soll ich, zu seiner Erhoͤhung ver- rathen? Aber, wenn mein Gesicht mich nun taͤuscht? Wenn mein Traum mich betrieget? Taͤuscht mich mein Traum; schickt der Ewge Gesichte, die Menschen zu quaͤlen: So sey die Stunde verflucht, in der ich unmuthsvoll ein- schlief, Jn der uͤber mein Haupt des Vaters Schatten herab kam! Jn ihr muͤsse man auf den Gebirgen ein sterbendes Win- seln Hoͤren! Ein sterbendes Winseln in tiefen verfallenen Graͤ- bern Muͤsse man hoͤren! Verflucht sey der Ort, wo ich lag und einschlief! Allda muͤß ein entsetzlicher Sohn den Vater erwuͤr- gen! Allda fliesse das Blut von meinem geliebtesten Freun- de, Wenn er verzweifelnd mit eignen Haͤnden daselbst sich er- erwuͤrgt hat! Juda, wohin verirrest du dich? Ja wohin! Was zuͤrnst du Ueber dich selbst? Du verirrest dich nicht, wenn du also getaͤuscht wirst! Lehrt mich ein goͤttlich Gesicht den hohen Messias verra- then, Und ich suͤndige dran: so seyst du, unter den Tagen Schrecklichster Tag, auch verflucht! da mich der Messias erwaͤhlte, Da Der Messias. Da er voll Liebe mit holden einnehmenden Blicken mir sagte: Folge mir nach! Du muͤßest umwoͤlkt und dunkel und Nacht seyn; An dir muͤsse die Pest in Finsternissen herumgehn! An dir muͤßen verderbende Seuchen im Mittage toͤdten! Dich, Tag, nenne kein Mensch! GOtt vergesse dich unter den Tagen; Ach! wie wird mir so angst! mir zittern alle Gebeine! Juda, wo bist du? erwache! sey stark! Was quaͤlst du dich, Aermster? GOttes Gesichte betriegen dich nicht! Der Tag sey ge- segnet! Wenn der Messias durch dich ein neues Koͤnigreich an- faͤngt. Also sagt er. Jndem war er, seit dem unselgen Ge- sichte, Zwo erschreckliche Stunden der Ewigkeit naͤher gekom- men. Druckfehler. S. 15. Z. 12. lies kam stat kaum.