Die deutsche Gelehrtenrepublik. Jhre Einrichtung. Jhre Geseze. Geschich- te des lezten Landtags. Auf Befehl der Al- dermaͤnner durch Salogast und Wlemar./ Herausgegeben von Klopstock. Erster Theil. Hamburg gedrukt bey J. J. C. Bode. 1774. Nachricht von der Subscription. D ieser erste Versuch nach dem von mir gemachten Subscriptionsplane ist weit uͤber meine Er- wartung gelungen. Viele wuͤrdige Gelehrte, und auch andre schaͤzbare Maͤnner haben mit Eifern, und durch die That gezeigt, daß ihnen diese gemeinschaft- liche Sache der Gelehrten nicht gleichguͤltig waͤre. Sie ist jezo voͤllig eingerichtet. Denn die Befoͤrde- rer und Collecteur, oder kuͤrzer, meine Corresponden- ten haben die von mir vorgeschlagnen Bedingungen angenommen. Ein Gelehrter, der kuͤnftig ein Buch nach diesem Plane herausgeben, das heist, der die in demselben festgesezten Bedingungen erfuͤllen will, hat nun weiter nichts zu thun, als daß er sein Buch oͤffentlich anzeige, dabey erklaͤre, daß er nach meinem Plane subscribiren lasse, und dann erwarte, was ihm die Correspondenten zu der von ihm be- stimten Zeit schreiben werden. (Jch erbiete mich hierdurch allen denen, die auf die angefuͤhrte Art wollen subscribiren lassen, zum Correspondenten; aber ich verbitte mir zugleich ein Correspondent derer zu seyn, die einen andern Plan haben, besonders wenn Praͤnumeration mit dazu gehoͤrt.) Jch habe denen, die auf meine Art subscribiren lassen, nur dieses zu sagen: Wenn sie auch in diesem oder jenem Orte besondre Freunde haben, von denen sie glau- ben, daß sie die Sache mit vorzuͤglichem Eifer be- treiben wuͤrden; so muͤssen sie sie gleichwol diesen Freunden nicht auftragen. Denn die Subscriptio- nen muͤssen mit der Zeit eine nicht ganz zu verach- tende Nebeneinname fuͤr diejenigen werden, welche die Collecturen uͤbernommen haben. Es ist wol keinem Zweifel unterworfen, daß derjenige, welcher a sub- subscribiren laͤst, das Buch herausgeben muͤsse, wenn er auch nur eben so viel Subscribenten hat, als zur Bestreitung der Unkosten erfodert werden. Wenn aber einer hierzu nicht Subscribenten genung bekaͤ- me, und also das Buch nicht heraus geben koͤnte; so solte er gleichwol, wie mir es vorkomt, denen sei- ner Correspondenten, welche Subscribenten einge- sandt haben, die festgesezten p. C. bezahlen. Denn es ist nicht ihre Schuld, daß das Buch nicht kann heraus gegeben werden. Solte hier und da ein Cor- respondent es nicht ferner seyn koͤnnen, oder wollen, oder auch den Ort seines Aufenthalts veraͤndern; so kann, mich deucht, der, welcher subscribiren laͤst, erwarten, daß ihm Nachricht davon gegeben werde. Jch uͤberlasse es denen Correspondenten, die Herrn Boie oder mir zulezt nicht mehr geschrieben haben, was sie bey einer neuen Subscription thun wollen. Jch habe nach geschlosner Subscription noch folgende Correspondenten bekommen: Frankfurth an der Oder Hr. Prof. Zobel. Helmstaͤdt Hr. Prof. Schirach. Hr. v. der Luͤhe. Jauer Hr. Prorector Floͤgel. Regenspurg Hr. Legat. Secretaͤr Lodere Saarbruͤk Hr. H. L. Wagner, Hofmeister. Soesi Hr. F. W. Balke, Buchhaͤndler. Hr. F. C. Muͤl- ler, Cand. Stockholm Hr. Gjoͤrwell, Koͤnigl. Bibliothekar. Stolzenau Hr. Amtsvogt Tappen. Wuͤrzburg Hr. Doct. Schmidt. Zweybruͤcken Hr. Prof. Piel. An verschiednen Oertern (die klei- neren werden nicht ausgenommen) fehlen noch Cor- respondenten. So wie ich mehre bekomme, werd ich sie von Zeit zu Zeit in den Zeitungen, und zulezt Alle in dem Anhange des zweyten Theils der G. N. anzeigen. Fol- Folgendes enthaͤlt das Wesentlichste aus dem Sub- scriptionsplane (8ten Jun. 73) aus der Nachricht (30ten Jul.) aus einem nur fuͤr die Correspondenten gedrukten Promemoria, (30ten Jul.) und ausser dem noch 2 jezt hinzukommende Zusaͤze zum Vor- theile der Correspondenten. I. 1 Die Buͤcher werden auf gut Papier zum wenigsten auf das beste Druk- papier, das zu haben ist. (correct) Es muß also auf die Kosten nicht gesehn werden, die der Umdruk einiger Blaͤtter macht. (Kupfer Vig- netten) Wenn die Subscriptionssache Dauer haben soll; so muß diese bey den meisten Buͤchern uͤberfliessige Vertheurung vermieden werden. (wohlfeil) Ohne diese Ruͤksicht auf den Vor- theil des Publicums, kann es mit den Subscrip- tionen keinen Bestand haben. , und correct gedrukt, aber ohne vertheurende Kupfer oder Vignetten. 2 Sie muͤssen nicht nur keinen hohen Preis haben, sondern wohlfeil seyn. 3 Die Sub- scribenten bezahlen erst beym Empfange Geld vor der Waare kann in keiner Art Handlung Bestand haben. Wollen indeß einige Subscribenten zur Erleichterung die- ser guten Sache fruͤher bezahlen; so ist das zwar recht gut: aber in dem Plane konte nicht darauf gerechnet werden. (schnell versendet) Hieraus folgt, daß, wer an einem Orte lebt, von dem wenig oder keine Frachten ausgehn, an einem andern drucken lassen muͤsse. Versendung mit der Post wuͤrd auch deswegen zu hoch zu stehen kom- men, weil nunmehr fuͤr noch bessere Emballirung, und die sehr schlechtes Wetter doch wol nicht aus- hielte, gesorgt werden muͤste. der Buͤcher. 4 Es wird so schnell, als es nur moͤglich ist, versen- a 2 det. det. II. 1 Befoͤrderer und Collecteur sind dadurch unterschieden, daß diese p. C. und jene Ersezung ih- rer Unkosten bekommen. Den Collecteuren werden keine Unkosten ersezt. 2 Wenn ein Collecteur an dem Orte lebt, wo die Buͤcher gedruckt werden, so erhaͤlt er 15 p. C. 3 Die p. C. steigen Wer also auch nur Eine Meile von dem Drukorte entfernt ist, bekomt 16 p. C. und wer nur 26 Meilen 17 p. C. u. s. w. (dieß gilt nur von Deutschland; mit auswaͤrtigen Collect. hab ich andre Bedingungen gemacht) von 25 Mei- len zu 25 Meilen immer mit 1 p. C. mehr. 4 Wenn ein Collecteur uͤber 50 Subscribenten hat, so bekomt er fuͤr diejenigen, die uͤber diese Zahl sind, 2 p. C. mehr. 5 Wenn ein Collecteur so wenig Subscribenten hat, daß sein Packet mit der Post geschikt werden, oder wenn dieß, wegen der Einrich- tungen im Brandenburgtschen, geschehn muß; so bekomt er 2 p. C. mehr. 6 Die Transportoͤrter So bald mit der Post ver- sendet werden muß; so faͤlt die Unterscheidung der Transportoͤrter und der Nebenoͤrter, und was daraus folget, weg. Falls ein Packet nach einem T. O. so klein ist, daß es in ein anderes gelegt wer- den muß, so wird dieser T. O. als ein N. O. an- gesehn. sind: Aachen, Augsburg, Basel, Bareuth, Bern, Berlin, Braunschweig, Bremen, Breslau, Cassel, Coburg, Colberg, Cotbus, Darmstadt, Dessau, Dresden, Duͤsseldorf, Embden, Franksurt am Mayn, Frankfurt an der Oder, Gera, Glogau, Goͤttingen, Graͤtz, Greifswald, Halle, Hannover, Heidelberg, Hirschberg, Jnspruck, Jtzehoe, Kiel, Langensalze, Leipzig, Leipzig, Lenzen, Luͤbeck, Luͤneburg, Magdeburg, Marpurg, Muͤnchen, Meinungen, Muͤnster, Neisse, Nordhausen, Noͤrdlingen, Nuͤrnberg, Olmuͤtz, Os- nabruͤck, Passau, Prag, Quedlinburg, Regensburg, Rostock, Salzburg, Schafhausen, Schleswig, Star- gard, Stettin, Straßburg, Stutgard, Ulm, We- sel, Wetzlar, Wien, Wismar, Wuͤrzburg, Zelle, Zittau, Zuͤrch. 7 Ein Collecteur, der nicht an ei- nem dieser Oerter lebt, waͤhlt sich von demselben, welchen er will, um seine Buͤcher mit den andern dorthin bringen zu lassen. Er bezahlt seinen Antheil fuͤr die Fracht bis dahin, besorgt den ferneren Trans- port bis nach dem Orte seines Aufenthalts, und be- komt, nach der Weite des gewaͤhlten Transportortes gerechnet, 1 p. C. mehr. 8 Der Herausgeber traͤgt die Kosten der Emballirung und der Spedition. 9 Er frankirt seine Briefe. 10 Er verguͤtet den Correspondenten fuͤr jedes liegen bleibende Exem- plar ⅓ des Subscriptionspreises. 11 Er ersezt die verloren gegangnen Packete. 12 Er erhaͤlt zu der Zeit der Herausgabe Jch bin es meinen Subscribenten schuldig, wegen spaͤterer Herausgabe (mein Termin war der 1 Febr.) Rechenschaft zu geben. Es wurden mir bey Anschaffung des Pa- piers nicht vorauszusehende Chicanen gemacht. Das und der Empfangnehmung nur ⅔, wenn die Zahl der Subscribenten uͤber 30 ist; und wenn uͤber 50, nur die Haͤlfte der Bezahlung, und erst in 2 Monathen nach Ankunft der Buͤcher den Rest. III. 1 Befoͤrderer und Collecteur lassen binnen 14 Tagen von der Zeit der Herausgabe an, in dem a 3 Orte, Orte, den der Herausgeber anzeigt, in Empfang nehmen, und bezahlen. Diese fruͤhere Bezahlung, durch welche die Correspondenten auf kurze Zeit in Vorschusse sind, (sie ist keine Praͤnumeration, weil sie erst beym Empfange geleistet wird) kann, wie mir es vorkomt, wol erwartet werden. Denn auch die Puncte: II. 10. 11. 12. sind sehr billig; und der Herausgeber muß das Papier fuͤr baares Geld an- schaffen, und den Druk, so bald er fertig ist, be- zahlen. Die Collecteur lassen die p. C. bey der Bezahlung abziehn; und die Befoͤrde- rer ihr Ausgelegtes nebst dem, was der Transport wahrscheinlich kosten wird. (Muß an die lezten mit der Post versendet werden; so frankirt der Heraus- geber.) 2 Die Collecteur frankiren ihre Briefe. 3 Befoͤrderer und Collecteur bezahlen den Transport. Ver- Das nun aus Holland verschriebne Papier kam langsam an. Die Druckerey hatte von Zeit zu Zeit Arbeiten, die nicht konten abgewiesen wer- den, 8 Blaͤtter musten umgedrukt werden; und ich liefere 5 Bogen mehr, als ich versprochen habe. Verzeichnis der Subscribenten, Befoͤr- derer, und Collecteur. Die Zahlen bey den Staͤdten (zu diesen werden alle umliegende Oerter gerechnet, die nicht Staͤdte sind) zeigen die Anzahl ihrer Subscribenten an, und die bey den Namen der Befoͤrderer und Col- lecteur zeigen an, wie viel sie Subscribenten in der Stadt, wobey sie stehn, oder auch anders wo gehabt haben. Jch habe bey die Namen der B. und C. die Anzahl ihrer Subscribenten nicht im- mer sezen koͤnnen. Bisweilen sind ihrer mehre an Einem Orte, und es wurde mir nicht immer gemeldet, wie viel jeder haͤtte; und dann kont ich auch die oft an verschiednen Oertern zerstreu- ten Subscribenten wegen Zeitmangels nicht alle aufsuchen. Altona 53. Herr Professor Ehlers C. 46. Die Herren Consistorialrath Ahlemann. Etatsrath v. Aspern. J. A. Beger. Borchert. Obergerichtsadvocat Bo- the. Charton. Prof. Dusch. J. D. A. Ekhardt. Obergerichtsadvocat Feddersen. Secretaͤr Gaͤhler. Past. Gensicke. Justizrath Gries. Hauptmann v. Grube. v. Helbeling. Doctor und Physicus Hensler. Hoppmann. Doct. Jacobsen. Subrector Jehne. Prof. Lange. Lewon. Luͤders. Martens. M. Martens. Justizrath Mathiessen. Licentiat Mathiessen. Hofkammerrath Maurer 2 Exempl. Neblung 5 Exempl. Fraͤulein A. M. v. Oberg Stiftsdame zu Uetersen. Die Herren Pors. Past. Reichenbach. Richers jun. v. Scheel Stiftsamt- mann und Landdrost zu Pinneberg. F. v. Schilden. Se. Excellenz der General Graf von Schmettau. Sachwalter Schmidt. A. L. Graͤfin zu Stolberg a 4 Stifts- Stiftsdame zu Uetersen. Die Herren J. Struve. Thiessen. Frau Doct. Unzerin. Die Herren Doct. Unzer der juͤngere. C. J. Verver 2 Exempl. Licent. Voͤgeler. C. Wienbarg. Zagel, Generalcassier beym Lotto. Zwergius. Altorf 6. Herr G. A. Wills, C. P. C. und Prof. C. 4. Die Herren Dr. Hoffer Jur. P. p. Nagel, Phi- los. P. p. Dr. Sixt Theol. P. p. Dr. Spieß, Jur. P. p. Stadtlieut. Wagner. Alverdissen 2. Die Herren Canzleyrath und Amtmann Funk. Candidat Werthes. Amersfoort 3. Die Herren A. Cohen. E. Cohen. Corvale. Amsterdam 37. Herr J. F. Storch B. 27. Die Herren E. F. Albert V. D. M. E. L. A. J. Adami. H. Bergh E. A. L. C. A. W. Blankenhagen. A. Buunt. B. Carull. J. Doll. A. Goͤbel. A. Hulshoff A. L. M. Ph. Dr. Lehrer bey den Mennoniten. B. H. Heymann. J. Klap V. D. M. E. L. A. J. O. Linsen. J. Lipkens, Leeraar by de Doops- gezinden. J. Lublink jun. J. Lutkemann. J. Meyer V. D. M. E. L. P. Meyer. H. Nie- mann. W. Noordenhout V. D. M. Eceles. Luth. H. Ogelwight. N. v. Staphorst. M. Ulmann 12 Exempl. J. D. U. Voigt. P. Weslingh V. D. M. E. L. A. J. A. Z. Anspach 37. Die Herren Arzberger Candid. Minist. Back- haus des Kais. Landgerichts Anleiter. Lottosecretaͤr Baum- Baumgaͤrtner. Hofraths Registrator Bekh. Se. Excellenz der geheime Minister u. Kammerpraͤsident v. Benkendorf Vierenmann Lehrer am Gymn. Hofmeister Burkhard. Se. Excellenz der geheime Minister u. Regierungspraͤsident v. Gemmingen. Conrector Geßner. Hofkammerrath Greiner. Kam- mersecretaͤr Greiner. Hofregierungs u. Justizrath Haͤnlein. Hofkammerrath Hirsch. Hirsch D. R. B. Mittagsprediger Hohlbach. Kammersecretaͤr Kern. Geheimsecretaͤr Loͤsch. Lotzbeck Jnsp. des Gymnas. Geheimer Hof u. Regierungsrath Freiherr v. Lynker. Rentey. Oberschreiber Mauritii. Archidiac. Rabe. Secretaͤr Rahnenberger. Jagdsecretaͤr Roͤslein. Hof u. Regierungsrath Rose. Quartiermeister Roth- mund. Schade d. R. Cand. M. Schumacher Ad- junct. Ministerii. Rector u. Prof. Schwebel. Expe- ditionsrath Seefried. Geheimsecretaͤr Stadelmann. Rath Stengel. Cand. Straus, Hof u. Regierungs- rath Strebel. Kammerherr v. Tuͤrck. Uz Ass. des Kais. Landgerichts. Weiß d. R. B. Cand. Wolf. Apenrade 5. Die Herren Probst L. C. Bargum. Stadtse- cretaͤr M. Ventzen. Advoc. Kanuͤtz. Canzleyrath C. G. Koch. Dr. u. Physicus C. Schunk. Archangel 1. Madam Kirchpauer. Arensburg auf Oesel 20. Herr Diaconus und Rector Dingelstaͤdt V. (3 Exempl.) 20. Die Herren Landgerichtssecretaͤr Bar- tholomaͤi. Past. Haken. Fraͤulein von Harmens. Fraͤulein v. Harmens. Die Herren Translateur Harnack. Past. Hirschhausen. Consist. Ass. u. Past. a 5 Kell- Kelimann. Probst Lenz. Stadtsecretaͤr Lenz 4 Exempl. Syndicus v. Lingen. Canzleysecretaͤr Suck- ni. Faͤhnrich v. Vietinghoff. Past. Willmann. Arnstadt 1. Herr Rector Lindner. Aschersleben 4. Die Herren Oberprediger Beyer. Stadtrichter Frauendienst. Rector Sangerhausen. Oberburge- meister Wenzel. Augsburg 4. Fraͤulein v. Ammann. Die Herren G. v. Am- mann. Mag. Arndt. v. Truchses. Augustenburg 1. Herr Hofprediger Jessen C. Baden 1. Herr Amtmann Scherer. Banz 1. Die Bibliothek des Benedictiner Klosters. Bareuth 20. Herr Lang Consistorialrath Prof. u. Bibliothekar B. 52. Die Herren Bereuter Apel. Kammer- secretaͤr Eichel. Consistorialrath u. Superint. Ellrod. Rgrath Goͤkel. Justizrath u. Stadtvogt Goͤring. J. C. Haas. Hofmeister Krauseneck. Landschafts- secretaͤr Loͤw. Geheimer Rgrath u. Consistorialpraͤ- sid. Mayer. Cand. M. Menthe. Landschaftsrath Miedel. Rgrath Petermann. Cand. Reuͤß. Hofge- richtsprocurat. Schmidt. Se. Excellenz der dirigie- rende Minist. v. Seckendorf. Rgsecretaͤr Wagner. Rgad- Rgadvocat Wagner. M. Wanderer Hofprediger u. d. Theol. Prof. am Gymnasium. Bauske 2. Die Herren J. M. Jerzembski, Rect. d. Stadt- schule. G. G. Mylich, Past, Prim. der deutschen Gemeine. Bauzen 28. Herr Doct. u. Stadtphysicus Hesse C. 32. Herr Subrector Faber C. 8. Die Herren Commissions- rath Brescius. Kammersecretaͤr Clauswitz. Major v. Freywald. Landsecretaͤr Fiedler. Dr. Grohmann. Dr. Großmann Probst im Cisterc. Jungfernkloster. Stadtrichter Henrici. Rathsherr Hering. Dr. Lan- ge. Clostersyndicus u. Advoc. Lehmann. Secretaͤr Lob. Advoc. Meißner. v. Metzrad. Reg. Chirurg. Muͤller. Diaconus Nestler. Dr. Probst. Reg. Quartiermeister Praͤtorius. Advoc. Prieler. Advoc. Pannach. Oberamtsvicecanzler Petschke. Catechet Petri. Advoc. Petschke. Advoc. Rietschier. Advoc. Schuͤmberg. Rathsherr Struve. Geheimer Kriegs- rath und Klostervogt v. Zetschwiz. Bergedorff 6. Herr Past. J. L. Schlosser V. 9. Die Herren Lt. P. H. Carstens. Foͤrtsch. J. Graͤpel. B. Reimers. F. Sohrbeck, Dr. und Physicus. Berleburg 1. Se. Excellenz der regierende Graf von Witgenstein. Berlin 90. Herr Pastor Luͤdke B. (nur fuͤr diese Schrift) 14. Herr Cantor J. S. Pochhammer C. 21. Herr Mo- fes Wessely und Mad. Wessely B. 148 Die Herren After. After. Kirchenrath Bamberger. F. Kirchenraͤthin Bamberger. Die Herren Hofmeister Baͤrbaum. Baudesson, Kaufmann. N. Vernhard, Fabricant. Bing, Negociant. Bornemann. H. Bortenstein. Postsecretaͤr Brandes. Hofrath Brendel. Jnspect. Brunn. Oberconsistorialrath Buͤsching. H. Caspar. L. Cerf. Past. Conrad. Past. Cremer. Cand. Cruͤger. Pagenhofm. Dohm. Kriegsrath Dorguth. Ephraim, Banquier. Mslle G. F. Die Herren P. Feronce, Banquier. J. Fliis. D. Friedlaͤnder Banquier. Hof- maler Frisch. Gardemin. Gardemin jun. Past. Geb- hard. Referendarius v. Gerlach. Past. Gillet. Re- ferendarius Graun. J. Haltern. Hiller. Hirsch, Fabricant. Se. Excellenz der Etatsminister v. der Horst 2 Exempl. Cammerherr v. Humboldt. Cand. Jaͤhring. Generalpachter von Jnvalidenhause Jouin. Jtzig, Banquier. Mslle B. J. Mslle. H. J. Die Herren Geheimerath Kaps. Kirnberger, Tonkuͤnstler. Hofmeister Kohlblank. L. Kriglingen. Dr. Kruͤger. Lemmel, d. R. B. Muͤnzassistent Les- sing. Levy, Entrepreneur der Koͤnigl. Tobacks- ferme. Magnus, Negociant. A. J. Moses. Mslle H. M. Die Herren S. Nathan. S. Na- than jun. Banquier. Prof. Naude. Fraͤulein v. Oli- vet. Die Herren Prof. Ramler. Kriegsrath Ran- del. v. Reder. Richter, Raufmann. Geheimerath Riediger. Ries. Concertmeister Salomon. Salz- mann. Scheel, Banquier. Secretaͤr Schmidt. Schulz, Tonkuͤnstler. Prof. Schulze. Hofmeister Seidel. Cand. Stosch, sen. Cand. Stosch, jun. Oberconsistorialrath Spalding. J. Susa. Hofmei- ster Tappe. Prof. Traue. Treplin. Past. Troschel. Cand. Ulrich. Veit, Fabricant. Warburg, Ban- quier. Kriegsrath Werkenthin. Wessely. Wil- link link der A. B. Zinak, Kaufmann. 2 Unge- nante. Boizenburg 13. Die Herren Fischer, Cand. E. F. R. Haak. Koch, Kirchenoͤconomierath u. Past. Koͤhler, Kauf- mann. Postsecretaͤr Maneke. Amtsnotarius Meyer. Past. Mussehl. Zollcommissaͤr Pauli. Commercien- rath Niemann. Amtmann Schrader. Amtsverwal- ter Schroͤder. Schulze, Br. Luͤneb. Rath. Elbzoll- verwalter Stelling. Bonn 17. Das Churfuͤrstliche Jntelligenzcomtoir C. 17. Se. Churfuͤrstlichen Gnaden Maximilian Frie- drich, Erzbischof und Churfuͤrst zu Coͤln, Fuͤrst Bischof zu Muͤnster. Die Herren Se. Excell. der Frey- herr v. Belderbusch adelicher Geheimerath u. Vicehof- rathspraͤsident. Canonicus Brand. Se. Excellenz der Freyherr v. Forstmeister zu Gellnhausen adelicher Geheimer u. Kriegsrath, Oberstallmeister, u. Ge- neralmajor. Hof u. Rgssecretaͤr Guisez. Se. Ex- cellenz der Freyherr v. u. zu Gymnich Geheimer Con- ferenzrath Hof u. Kriegsrathspraͤsident. Der Frey- herr von Hamm, Kaͤmmerer und adlicher Hofrath. F. d’ Hauterive. Freyherr v. Karg zu Bebenburg, Kaͤmmerer u. adlicher Hofrath. Se. Excellenz der Freyherr v. Kleist, adlicher Geheimer u. Kriegsrath, Generalfeld wachtmeister u. Jnhaber eines Jnfante- rieregiments. Lapostolle Practikant der Rechte. Se. Excellenz der Freyherr v. Loͤmbeck Gudenau, adlicher Geheimer u. Hofrath u. Oberstsilberkaͤmmerer. Ad- vocat Sander. Freyherr v. Shall, Kaͤmmerer und Hauptmann. Canonicus Schmitz. Se. Excellenz der Freyherr v. Vorst Lombeck, adlicher Geheimer und Hof- Hofrath u. Obristkaͤmmerer. Freyherr v. Weichs, Probst der Archidiaconalstiftskirche. Borgsteinfurth 3. Die Herren Gempt, der R. Dr. Rector Huth. Dr. und Professor Huth. Borken 2. Die Herren Amtsactuar. Lotz. Licent. Stippius. Bovenden. 1. Herr Metropolitan Schulz. Brackenheim 1. Herr Canzleyadvocat Seybold. Bramsche 8. Herr Apotheker Schacht C. 8. Die Herren Erblanddrost Freyherr v. Baar. Rentmeister Beu- sel. Procurat. Beusel. Past. Gildehausen. Pro- curat. Koch. R. B. Meyer. A. M. Wolff. Bramstede 1. Herr Conferenzrath, u. Amtmann v. Schumacher. Brandenburg 1. Frau Directorin Breymann. Braunschweig 17. Herr Prof. Ebert B. 9. Herr Rector Soͤrgel C. 8. Die Herren Prof. Eschenburg. Prof. Gaͤrtner. J. S. Haußmann. Past. Kohl. Lega- tionsrath Langer 2 Exempl. Past. Reiche. Prof. Schmidt. Schulz, Prinzeninformator. 6 Ungenante. Breda 10. Herr Past. Ruͤtz B. 10. Frau Baronesse C. A. de Borch. Advocat J. v. Goor. Capit. v. Hoͤfisch. Past. Past. Pfister. Rect. u. Prof. Schonk. Spengler, Prediger beym Schweizerregiment. Past. Steuer- wald. Capit. F. v. Wattewille. Bremen 25. Herr Subrector Nicolai C. 27. Die Herren Castendick, Kaufmann. Denken, Kaufmann. Ecken- berg, Kaufm. Conrect. Glaͤsener. Hagedorn, Kaufm. Past. Heeren. Amtmann Hinze. Secretaͤr Jken Past. Klee. Past. Mauch. Muͤhlhausen, Kaufm. Prof. Nonne. Past. Pfannkuchen. Stadtvogt Ren- ner. Past. Riefenstahl. Past. Schlichthorst. J. Schmoldt. Past. Schnering. Mslle Schulenburg. Die Herren Schulenburg, Kaufm. Schulze, Kauf- mann. Tietjen, Kaufmann. Thorbeck, Kaufmann. Warnecke, Kaufmann. Breßlau 66. Herr Jnspector Bischoff C. 24. Herr Hermes, Ecclesiastes, Prof. und Jnspector der Realschule C. 12. Herr Auditeur Streit C. 20. Die Herren Andreaͤ. Past. Arndt. v. Baudiß. Lieut. v. Blan- ckenburg. Billing. S. David, Banquier. Secret. Deckart. Jnspect. Dettmers. Gaͤrtner. v. Goͤrne, Kammerherr, Domherr zu Magdeburg, u. des Joh. Maltheserordens Ritter. Cand. Guͤnther. C. Frey- herr v. Haugwitz. Probst u. Past. Hermes. Jag- witz. Advoc. Klein. Landrath v. Korkwitz. Korn- mann. Audit. Krabel. Audit. Landgraf. Jnspector Lettgau. Rgsadvoc. Lindner. Past. Mescheder. Muͤl- lendorf, Kaufmann. G. v. Pachaly. H. C. W. v. Pachaly. v. Pehnen. Rintel, Banquier. von Rothkirch. Actuar. Schaͤffer. Schall, Kaufmann. Schindler. von Schlaberndorf. Schmidt. Rathssecretaͤr Schubert. Cand. Sey- fert. fert. v. Teichmann. Treutler. Oberamtsreferen- darius Uber. v. Walther. Doct. Warburg. Ober- empfaͤnger Wieland. Wientzel. Jnspect. Wunster. Zenker. 20 Ungenante. Bruchsal 3. Die Herren Brandmayer, Subregens Semi- narii. Hofprediger Goͤtz. Simon Clericus Semin. Brunsbuͤttel 17. Herr Kirchspielvogt Piehl B. 17. Die Herren Kirchspielvogt u. Landpfennigmeister Behrens. Ad- vocat Knoͤlke. Past. Lindemann. Kirchenspielvogt Mesner. Petersen. Pflueg. Kirchenspielvogt Seri- ver. Kirchspielvogt Sprehn. Past. Zwerg. Bunzlau 1. Herr Maͤtzke, Lehrer der Schule. Buxtehude 1. Herr Camerarius Voigt. Buͤckeburg 5. Herr Capitain v. Zanthier B. 5. 4 Ungenante. Buͤzow 16. Herr Dr. Biester C. 35. Die Herren Consisto- rialrath Fiedler. Holm d. R. B. Karsten, Lehrer am Paͤdagogium. A. D. H. i. L. Lange, d. R. B. Die Lesegesellschaft 2 Exempl. Die Herren Con- sistorialrath u. Prof. Mauritii. Kammerjunker Ba- ron v. Meerheimb. Pastor Moͤller, Director des Paͤdagogiums. Pastor Noodt. F. A. Rudlof. Suhrland der R. B. Hofrath Totze. Postmei- ster Ziehl. Cam- Camburg 2. Die Herren Amtsadjunctus Laurentii. Rath Thomaͤ. Camenz 5. Herr Dr. u. Stadtphysicus Tschertner C. 5. Die Herren Dr. u. Stadtrichter Compaß. Oecon. Jn- spect. Ehrenhauß. Apotheker Fiedler. Kind, Kaufm. Carlshaven 1. Herr Pastor Habicht. Carlsruhe 50. Herr Prof. und Kirchenrath Boͤckmann B. 38. Herr Macklor, Hofbuchhaͤndler C. 12. Se. Hoch- fuͤrstl. Durchl. der regierende Markgraf von Ba- den und Hochberg. Jhre Hochfuͤrstl. Durchl. die regierende Frau Markgraͤfin. Se. Hoch- fuͤrstl. Durchl. der Erbprinz von Baden. Se. Hochfuͤrstl. Durchl. der Prinz Friedrich von Ba- den. Se. Hochfuͤrstl. Durchl. der Prinz Lud- wig von Baden. Die Hochfuͤrstliche Bibliothek. Frau Kirchenraͤthin Boͤckmann. Die Herren Hof- rath Buch. Se. Excellenz der Geheimerath Baron v. Edelsheim. Baron v. Gemmingen. Hofrath Gers- lacher. Kammerherr v. Geusau. Frau Kammer- herrin v. Geusau. Frau Generalin v. Geusau. Fraͤu- lein v. Geusau. Die Herren Kammerherr Baron v. Guͤldling. Se. Excellenz der Praͤsident Baron v. Hahn. Baron v. Kniestaͤdt. Kammerherr Baron v. Muͤnzerheim. Baron v. Salm. Hofrath Schlos- ser. Baron v. Schuͤtz. Kammerherr u. Hofrath v. Wallbaum. Prof. Wucherer. 25 Ungenante. Cassel 32. Herr Prof. Casperson B. 27. Die Herren Past. Appelius. v. Canitz, Kammerjunker u. Rittmeister. b Past. Past. Clausenius. Dyck, Grenadier bey der Garde zu Fuß. Amtmann Finke. Bergsecretaͤr Fulda. Kriegsrath u. Obereinnehmer v. Gilsa. Past. Gun- delach. Amtmann v. Hagen. Past. v. Hagen. Advocat Heckmann. Amtmann Heinsius. Cand. Heinze. Amtsschreiber Here. Syndicus u. Regie- rungsprocurator Kalckhof. Capit. v. Kruse. Licent. Lappe. Graf v. Lynar, Hofjunker u. Lieut. Ju- stitzrath v. Malzburgk. Licent. Martini. Prof. Mauvillon. Past. Pfeiffer. Rath, Bibliothekar, u. Prof. Raspe. Rentmeister Schaͤffer. Hauptmann Schlemmer. Obrist v. Stieglitz. Mslle Stirn. Die Herren Prof. Tischbein. Metropolitan Wille. Past. Wimmelmann. Obristlieut. Wittenius. C elle 9. Herr Cantor Henne C. 7. Die Herren Oberap- pellationsrath v. Arnswald. Oberappellationsse- cretaͤr Brandes. Oberappellationsrath v. Buͤlow. Advocat Gsellius. Postmeister Hansemann. Koͤnig, Schulcollege. Oberappellationsrath v. Osten. Li- centcommissaͤr Saurmann. Charlottenburg 1. Herr Fintelmann. Chemnitz 3. Herr Rector Rothe C. 3. Die Herren Haupt- mann Berger. Generalsuperint. Dr. Mehlig. Coburg 8. Herr Professor Briegleb C. 8. Die Herren Prof. Faber. Leibarzt Fischer. Secretaͤr Frank. Kammer- rath Gruner. Geheimerath v. Thuͤmmel. v. Mar- schall. 1 Ungenanter. Col- Colberg 7. Herr Postdirector Madeweis B. 9. Herr Major v. Aderkas. Frau Oberforstmeisterin v. Bornstaͤdt. Frau v. Braunschweig. Frau Commercienraͤthin Buchner. Die Herren Obergerichtsrath Meyer. Justitzrath Wißmann. Colmar 1. Herr Pfeffel, Hofrath u. Director der Koͤnigl. Protest. Militaͤrschule. Coͤlln 2. Die Herren Rentmeister Plankenhewer. Vogt Shall. Coͤslin 1. Herr Hofgerichtsrath Schlechtendal. Crempe 2. Herr Justitzrath Winkler B. 4. Past. Paulsen. Dannenberg 3. Die Herren Superint. Lueder. Amtmann Scharf. Forstsecretaͤr Schwarz. Dantzig 1. Herr Diaconus Stabenau. Darmstadt 77. Se. Excellenz der Herr Geheimerath von Hesse B. 103. Jhre Hochfuͤrstl. Durchl. die regierende Frau Landgraͤfin von Hessen Darmstadt 4 Exem- plare. Se. Hochfuͤrstl. Durchl. der Prinz Georg Carl zu Hessen Darmstadt. Die Herren J. F. Baumann. Rgsadvocat Brade. Archivrath Buch- ner. Cavalli, Handelsmann. Hofrath u. Hofmedi- cus Diez. Past. Erdmann. Amtsrath Eymes. b 2 Steuer- Steuersecretaͤr Flachsland. E. L. Frey. Kriegscassier Frosch. Archivar. Gerau. J. P. Gersten. Amts- rath, Goͤtz. Rgsadvocat Hallwachs. Rasadvocat Hanizsch. Rgsrath Hermanny. Amtsfiscal Hertell. Geheimerath u. Leibmedicus Hesse. L. C. Hoͤfer. Oberappellationsrath Hoffmann. Rgsadvocat Hoff- mann. Garnisonsprediger Hohenschild. Rgsrath Kays. Kammerrath Kleinschmidt. Geheimerath Klipstein. Kammerrath Klipstein. Forstsecretaͤr Knecht. Conrect. Kyritz. Rgsrath Lehmann. Ober- appellationsrath Lichtenberg. Fraͤulein v. Loͤw. Die Herren C. L. Martin. Secretaͤr Menzzer. J. P. Meyer. Rgsrath v. Meyern. Se. Excellenz der Ge- heimerath v. Miltenberg. Rgsrath Mollinger. Se. Excellenz der Praͤstdent u. Canzler Freyherr v. Mo- ser. Geheimerath u. Jaͤgermeister v. Moser. Muͤl- ler, Prinzeninformator. Hosprediger Muhl Haupt- mann de Neufville. Brigadier d’Oertz. Past. Olf. Petersen, Prinzeninformator. Obristleut. v. Po- nickau. Cantor Portmann. Rgsadvocat Praun. Frau Generalin v. Pretlack. Die Herren J. A. H. Ruͤhfell. E. L. Sartorius. Kammerconsulent Schenk. Rgsadvocat Schenk. Schleiermacher. Schnitzspahn. Oberappellationsrath Schoͤndorf. Major v. Schrautenbach. Baron v. Schrautenbach. Canzleysecretaͤr Schueler. Rgsadvocat Schulz. Rgssecretaͤr Schulz. J. A. Schulz. Rgsadvocat Scriba. Rgsrath Stockhausen. Archivar. Strecker. Geheimsecretaͤr Stumpf. Superint. Weitz. Vor- mundsrath Weitzel. Prof. u. Rect. Wenck. Fraͤu- lein v. Wieger. Herr Syndicus und Regierungs- advocat Wilkens. Delmenhorst 2. Die Herren Justitzrath u. Hausvogt Epping. Burgermeister Osterloh. Dessau Dessau 10. Herr Professor Basedow B. Herr Wolke C. Herr Superint. de Marees. 7 Ungenante. Detmold 6. Die Herren Rgsrath Hofmann. Amtsrath Hof- mann. Cand. Kersten. Assessor Koͤnig. Hofrath Manger. Hofrath Schleicher. Dialoszin 2. Herr Promniz, Candidat der Theologie. Dillenburg 1. Herr geheimer Justizrath von Erath. Dornburg 1. Herr Amtmann Wetekind. Dortmund 1. Herr Baron von Berswordt. Dresden 48. Herr Canzleysecretaͤr Dankwart C. 18. Herr Kammersecretaͤr Rothe B. 35. Die Herren gehei- mer Kammerrath v. Berlepsch. Commissariatsse- cretaͤr Beyer. Rgsassessor Born. Kammerherr und Hofrath v. Carlowitz. Geheimer Kriegsrath Clau- der. Appellationsrath, Graf v. Dallwitz. Canzelist Doͤpmann. Geheimer Kammerrath Ferber. Hofrath Ferber. Franke, Haushofmeister der verwitw. Chur- fuͤrstin. Hofrath, u. Leibmedicus Geßner. Kam- mersecretaͤr Grundig. Conferenzminister Freyherr v. Gutschmidt. v. Hagedorn, geh. Legationsrath, u. Oberdirector der Kunstgallerien. M. Haymann, Rect. d. Schule zu St. Annen. Advocat Helbing. Kammerherr v. Heynitz. Rgsregist. Hofmann. Hof- b 3 rath rath Freyherr v. Hohenthal. Appellationsrath von Hopfgarten. Geh. Regist. Jacobi. Canzelist Kaͤst- ner. Accisinspect. Knappe. Geh. Canzelist Kramer. Hofrath Lindemann. Generalauditeur Muͤller. Canzleysecretaͤr Ossenfelder. Dr. Orto, Secretaͤr beym Sanitaͤtscolleg. Vicelandrentmeister Otto. Pietsch, Militaͤroberbauamtssecretaͤr. Geh. Can- zelist Pietschel. Geh. Kriegsrath v. Ponickau. Reinhard. Hofrath u. Oberamtmann Dr. Rein- hold. Canzelist Roͤsler. Canzleysecretaͤr Ruger. Hof- rath Schmidel. Canzelist Schmieder. v. Schoͤn- berg. Generalaccissecretaͤr Sternickel. Appellations- rath v. Theler. v. Vieth, Vicegeneralaccisdirector. Geh. Kammerrath Wagner. Dr. Weinlich. Canzley- secretaͤr Weinlich. Vicelandrentmeister Weisse. Durben 2. Die Herren J. C. Baumbach, Praͤpos. u. Past. der deutschen Gemeine. J. B. Walter, Pastor adj. der lettischen Gemeine. Duͤsseldorf 6. Herr Hofmann, Buchhaͤndler. Eichstaͤdt 1. Herr J. J. H. de Battis, Doct. b. R. Licent. d. Theol. Official, Kirchenrath, und Canonicus. Eisenach 7. Herr v. Goͤchhausen C. 12. Fraͤulein v. Goͤch- hausen C. 12. Hr. Prof. Schumacher. 4 Ungenante. Ellrich 2. Herr Canzleydirector Goͤckingk B. 12. Mslle. Schrader. Emden Emden 6. Herr de Moll C. 6. Die Herren L. v. Buͤhren. Amtmann v. Glan. Past. Kettwich. Past. Krull. Amtmann de Pottere. Emmendingen 1. Herr Diaconus Mylius. Erfurt 12. Herr Hofrath u. Professor Meusel C. 13. Kam- merjunker v. Bellmont. Baron v. Dalberg, Chur- maynzischer Stadthalter. Groͤninger Cand. Prof. Herel. Hr. M. Frau Hofraͤthin Meusel. Die Herren Nagel. v. Piper, K. K. Rath u. Postdi- rector. Generalmajor Freyherr v. Riedesel. Re- gierungsrath u. Prof. Springer. Voigt, d. R. Dr. Frau M. B. v. Wachenheim. Erlangen 21. Herr Wels, Reichspostmeister B. 81. Die Her- ren Prof. Breyer. Hofcommissaͤr Doppelmaier. Eysingk. Past. Frommuͤller. Prof. u. Hofrath Gmelin. Grossi. Hofrath Groß. Das Hochfuͤrstl. Jnstitut der Moral und schoͤnen Wissenschaften. Lange. Luͤtgens. Ruͤssau. Geh. Kirchenrath u. Prof. Dr. Seiler. v. Stempel. Steyl. von Stockar. v. Neuforn. Hofjunker Baron von Teufel. Fraͤulein v. Vaugrieß. Die Herren Jngenieur u. Kreisartillerieoberlieut. Vetter. Commercienrath Wagner. Wels, Candidat. Erpach 1. Herr Pastor Zahn. b 4 Festen- Festenberg 5. Die Herren Past. Barthelemus. Past. u. Se- nior Bockshammer. Baron v. Calisch. Past. Lau- terbach. Past. Weber. Flensburg 6. Die Herren Past. Boie. Prof. Fabricius. Frau Prof. Fabricius. Die Herren P. W. Jessen, Buch- haͤndler 2 Exemplare. Ober und L. G. Advocat Thorstraten. Frankenhausen 7. Die Herren Hofrath Hankel 6 Exempl. Kammer- junker und Rgsrath von Sommer. Frankfurt am Mayn 22. Herr Hofrath Deinet B. 28. Herr Dr. Schlos- ser B. Die Herren J. M. Banz. J. M. Busch. Deinet. Deinet. Eichenberg. Hofrath Eyben. Glatzeis. Dr. Goͤthe. Mslle Goͤthe. Die Her- ren Baron v. Hack. v. Herzogenstein. Mslle F. Heß. Mslle M. Heß. Die Herren Cand. Hilchen- bach. Bibl. Liebhold. Meyer. Cand. Passavant. Pastor Souchay. Banquier Wegelin. Wanzel. Der gelehrten Zeitung Comtoir. Freudenstadt 3. Die Herren Oberamtmann Gentner. Substitut Gentner. Stadt u. Amtsphysicus Gmelin. Freyberg 3. Herr Limke, Klosterverwalter und Acciseinnehmer C. 3. 2 Ungenante. Friedberg 2. Die Herren Canzleyrath Schmidt. Geheime- rath Tabor. Fried- Friedland 3. Die Herren Past. Jansen. Conrector Koͤhler. Pastor Spiegelberg. Friedrichstadt 1. Herr C. Hammer, Stadtsecretaͤr. Giessen 20. Die Herren Rgsassessor Adolphi. Dr. u. Prof. Bahrdt. Prof. u. Superint. Bechthold. Rgsas- sessor v. Buri. Clemm. Prof. Gatzert. Groͤning. Hofmeister Heberlen. Hesse. Dr. u. Prof. Hoͤpfner. Hofmann. Dr. Jauch. Klevesahl, Lehrer d. Phi- losophie. Geheimerath u. Vicecanzler Koch. Dr. Nebel, d. A. Lehrer. Superint. Ouvrier. Prof. Schmid. v. Werner. Wolf. Rgsreferendarius von Zanger. Gluͤksburg 22. Herr Hofrath Ambrosius B. 36. Jhre Durch- lauchten die Prinzessinnen Julie und Sophie zu Schleswig Holstein Gluͤksburg. Die Herren Kirchspielvogt Behrens. Boie. Hofrath Clausen. Past. Dittmer. Kirchspielvogt Johanfen. Advocat Knoͤlk. Koͤnigsmann. Lempfert. Secretaͤr Mat- thiessen. Kirchspielvogt Mesner. Cammerjunker Baron v. Pechlin. Pflueg. Rambusch. Kirch- spielschreiber Remmers. Hofprediger Richter. Scri- ver. Hofmarschall v. Seelhorst. Justizrath von Seelhorst. Kirchspielvogt Sprehn. Past. Zwerg. Gluͤckstadt 5. Die Herren Justitz u. Rgsrath Eggers, Stadt- praͤsident. Consistorialrath Kirchhof. Rgscanzel- list Lau. F. Graf v. Reventlov 2 Exemplare. b 5 Gold- Goldberg 1. Herr Diaconus Bormann. Goldingen 3. Die Herren J. C. Bernewitz, Past. der lettischen Gemeine. W. L. Rosenberger, Rathsherr. C. H. Rosenberger, Rector der Stadtschule. Gotha 14. Frau Kammerherrin v. Beust. Die Herren Se. Excellenz Geheimerath u. Consistorialpraͤsident Goͤ- ckel. Kammerpraͤsident v. Herda zu Brandenburg. Kammerjunker u. Kammerrath v. Herda zu Bran- denburg. Hofjunker v. Hendrich. Kammerjunker u. Kammerrath v. Hesler. Geheimer Rgsrath v. Kaufberg. Hofrath v. Koppenfels. Mslle Roͤder. Die Herren Schmidt, Cand. Seiler, Direct. der Schauspielergeselschaft. Madam Streiber. Die Herren Geh. Legationsrath v. Wangenheim. Obrist- leutnant v. Wizleben. Goͤttingen 342. Herr Heinrich Christian Boie, B. 414. Die Herren Abich, vom Harze. C. W. v. Ahlefeldt, Koͤnigl. Daͤn. Lieutenant. G. F. C. Ahlers, aus Oldenburg. G. D. v. Altrock aus Mecklenburg. E. H. Antonii aus Oldenburg. D. Apell, aus Cassel. G. H. Ayrer, Koͤnigl. Grosbrit. geheimer Justizrath, und Ordinarius der Juristenfacultaͤt. Bach, aus Witzenhausen. A. Bachmann aus dem Paderbornischen. E. G. Baldinger, Prof. der Arz- neygelahrheit. C. D. Ballauff, aus Muͤnden. B. F. D. Ballhorn, Mitglied des Koͤnigl. Repetenten- collegii. J. C. F. Bartels aus Hildesheim. Stephan v. Basiliewsky aus der Ukraine. J. H. Bausse, aus aus Saarbruͤck. C. F. J. C. Becke, aus Goͤttingen. G. P. Becker, aus Niederhessen. C. F. v. Ber- lepsch, aus dem Saͤchsischen. C. J. H. v. Bernstorf aus dem Hannoͤverschen. E. A. Bertling, aus Helmstedt. F. L. A. Bessell aus dem Hannoͤv. J. J. v. Besserer aus Ulm. R. G. Bilgen, aus dem Wittgensteinischen. J. A. Bluhme, aus Holstein. F. C. Boͤcking, aus Zweybruͤcken. J. F. B. Bo- decker, Amtmann zu Adelepsen. G. L. Boͤhmer, Koͤnigl. Grosbr. geh. Justitzrath, u. Prof. d. Rechte. J. F. E. Boͤhmer, aus Goͤttingen. B. Borne- mann, Kaufmann. J. P. Boͤse, Amtmann zu Nordheim. M. F. Graf v. Brahe. C. F. Bran- dis, aus Hildesheim. C. F. Brauns, aus dem Lande Hadeln. P. H. Bruͤgmann, aus Luͤneburg. D. A. Bruͤnings, aus Oldenburg. C. L. Buch, aus Bentheim. H. C. Bunnemann, aus Oldenburg. G. A. Buͤrger, Amtmann zum Gericht Altengleichen. E. F. P. v. dem Busche. J. C. Callisen, aus Preetz. C. E. Capelle, Advocat. J. G. Caspari, aus Bin- kenburg in Schwaben. A. Cetto, aus Zweybruͤcken. C. H. Clauder. W. F. Clauder, aus Dresden. C. W. v. Closen aus Eslingen. J. d. Colom du Clos, Prof. C. M. Cludius, aus Hildesheim. C. F. A. v. Coͤln, aus Detmold. C. F. Cramer. A. R. Cruͤger, aus dem Bremischen. H. W. Daͤhne. C. U. Dau, aus Gluͤckstadt. P. C. Diele, aus Frank- furt. G. W. Dieterichs, aus Clausthal. Die Diet- richsche Buchhandlung, 25 Exempl. J. A. Dieze, Prof. u. Bibliothecar. C. Dresen, aus Hannover. v. Dresky, aus Hamburg. A. G. Dugend, aus Oldenburg. J. P. Duͤmont, Kaufmann. P. C. Duͤrr, aus Ulm. J. C. R. Eckermann, aus Meck- lenburg. J. H. Emmert, aus dem Canton Schoͤn- Wer- Werra. H. A. C. Erdmann, aus Kniphausen. J. C. P. Erxleben, Prof. J. P. Eschenbach, aus Coburg. J. C. Escher, aus Zuͤrich. C. H. Es- march, aus Angeln. T. Evers, aus Jtzehoe. J. N. Eyring, Prof. J. G. H. Feder, Prof. C. Fiserius. L. Fiserius, aus Zweybruͤcken. G. E. v. Fock, aus Esthland. Fontin, aus Riga. J. N. Forkel. F. Friedrichs, aus Goͤtringen. F. Feckete v. Frits, aus Siebenbuͤrgen. P. Freuchen, aus dem Tunderschen. A. F. Fuchs, aus Mecklenburg. Furchau, aus Bremen. J. C. Gatterer, Koͤnigl. Grosbrit. Hofrath u. Prof. der Geschichte. J. A. Gasie, aus Hamburg. D. F. v. Gaudot, aus Neuf- chatel. P. C. Gernhard, aus Riga. F. C. Ge- ther, aus Dannemark. A. Graf v. Giech. F. Graf v. Giech. P. F. Gildemeister, aus Bremen. J. J. Glaß, aus Ulm. J. G. Greve, aus dem Hannoͤverschen. J. C. Greverus, aus Oldenburg. F. M. v. Guͤnderode aus Frankfurt. H. W. v. Guͤn- derode aus der Wetterau. J. J. H. Prof. H. W. Hachenburg, aus Luͤbeck. M. D. Hackmann, aus dem Lande Hadeln. C. G. Hahn, aus Hadersleben. F. Hahn. O. C. Hahn, aus dem Hannoͤv. J. G. Hansing, aus Zelle. G. G. v. Hammerstein, aus dem Osnabruͤckischen. Frau Drostin v. Hanstein, zu Oberstein. Die Herren E. v. Hardenberg, aus dem Hannoͤv. J. C. G. Hartung, vom Harze. J. T. Harz, aus Holstein. F. v. Hauch, Koͤn. daͤn. Kammerjunker. J. C. v. Handring, aus Curland. D. H. Hegewisch. G. F. Heinson, aus dem Bre- mischen. G. C. Helmersen, aus Luͤneburg. G. C. Hentzen, aus Gottingen. Hetzler, aus Frankfurt. P. Hexemer, aus der Pfalz. C. G. Heyne, Koͤn. grosbrit. Hofrath, Prof. und erster Bibliothecar. Hin- Hinrichs, aus Hamburg. G. S. Hoffmann, aus St. Petersburg. J. J. Hoffmann, aus Frankfurt. J. L. Hoffmann, aus St. Petersburg. J. C. C. Hoffmann, aus Curland. J. F. L. Hoffmann, aus der Pfalz. P. C. F. Holenstein, aus dem Bremi- schen. C. L. Hoͤpfner. L. H. Hoͤlty, aus dem Hannoͤv. C. F. M. Huͤbner, aus dem Hildesheimischen. C. A. v. Hugo, aus dem Hannoͤv. D. F. Hypperich, aus Curland. J. J. Jacobi, aus der Pfalz. H. C. Jaͤp, aus Goͤttingen. G. J. Jaͤnisch. R. Jaͤ- nisch, aus Hamburg. v. Jasmund, aus Mecklenb. J. F. Jck, aus Norderditmarsen. G. O. Jens, aus dem Luͤneburg. J. F. T. Jungschulz v. Roͤbern, aus Danzig. L. J. C. Justi, aus Marpurg. von Kalm, aus Braunschweig. A. G. Kaͤstner, Koͤn. grosbrit. Hofrath, und Prof. der Mathem. J. K. Kaup, aus dem Hanauischen. D. L. C. v. Keller, aus Gotha. J. F. Kleuker, aus Osterode. J. C. Klink, aus Schleswig. E. Klugkist, aus Bremen. J. J. A. Koch, aus Goslar. J. Koch, aus Flens- burg. B. L. Koͤnigsmann, aus Holstein. J. C. Kries, aus Preussen. J. A. Kritter, Stadtcaͤm- merer. D. G. Kuhlmann, aus Oldenburg. F. C. Kuhn, aus Zweybruͤcken. L. Kulenkamp, Prof. und Prediger bey der reformirten Gemeinde. F. A. W. v. Kuͤnßberg, aus Coburg. J. H. Kuͤsch, aus Hamburg. P. A. Lampe, aus Danzig. J. C. Landolt, aus Zurich. G. W. Langenbeck, aus dem Lande Hadeln. G. P. Langner, aus Zelle. J. H. Lappe, aus Hessen. J. A. Lau, aus Oldenburg. J. A. Leisewitz, aus Hannover. Leonhart, Amt- mann zur Nideck. G. Leß, Dr. u. Prof. der Theol, F. A. Lichtenberg, aus Darmstadt. G. C. Lichten- berg, Prof. P. J. v. Lilienstern, aus Frankfurt. H. J. H. J. F. v. Lindau. G. C. D. Lindemann, aus dem Hannoͤv. E. L. v. Linsing, aus dem Hannoͤv. Frau Hofraͤthin List, zu Gelihausen. J. C. Loder, aus Riga. J. F. Lohr, Med. Dr. G. Loͤning, aus Bremen. C. O. v. Loͤwenstern, aus Liefland. P. L. J. v. Loͤwenstern, aus Esthland. J. F. Luͤ- demann, aus Heiligenstadt. J. M. Ludwig, aus Ulm. W. Luͤnzel, aus Hildesheim. C. L. Luttmer, aus Zelle. J. Mackeprang. H. A. v. Malzahn, aus Mecklenburg. J. G. Martens, aus Danzig. G. H. Matthaͤi, aus dem Hannoͤv. B. Matthiesen. M. Matthiesen, von der Jnsel Sylt. G. L. May, aus Darmstadt. Magister J. T. Mayer, aus Goͤttingen. O. C. Meier, aus dem Luͤneburgischen. A. M. v. Meiners, aus Esthland. Meiners, Prof. v. Meyenberg, aus Schafhausen. Faͤhnrich Meyer. C. F. Michaelis, aus Goͤttingen. G. F. Michae- lis, aus Clausthal. G. D. Miller, aus Ulm. J. M. Miller, aus Ulm. J. P. Miller, Dr. u. Prof. der Theol. J. M. Moller, aus Flensburg. C. L. Muͤller, aus Mecklenb. J. A. Muͤller, aus Luͤ- neburg. W. C. Muͤller, aus Meinungen. J. P. Murray, Prof. J. D. H. Musaͤus, Dr. Jur. E. H. Mutzenbecher, Universitaͤtsprediger. J. W. Ne- benius, aus dem Baadenschen. C. G. F. Neumann, aus Mecklenburg. C. Nielsen, aus Flensburg. J. C. v. Nolde, aus Curland. P. W. v. Nummers, aus Liefland. F. J. Graf O Donnell v. Tyrconell. L. v. Oerzen, aus Mecklenburg. J. G. H. Oehl- rich, aus Hannover. J. G. Olde, aus Hamburg. C. A. Overbeck, aus Luͤbeck. P. J. v. Overncam p , aus Bamberg. F. H. L. Owen, aus Osterode. C. Pauli, Koͤn. Univ. Tanzmeister. G. G. v. Peetz, aus Esthland. C. G. Perschke. B. Peters, aus Ol- Oldenburg. H. L. Petersen, aus Zweybruͤcken. R. Petersen, aus dem Gluͤcksburgischen. J. L. Pillich, aus Raab in Niederungarn. N. F. Pflueg, aus Jtzehoe. F. C. Polchow, aus dem Hildesheimischen. J. C. Pottmeyer, aus Riga. C. F. Preiß, aus Schoͤneck in Preussen. J. St. Puͤtter, Koͤn. gros- brit. geh. Justitzrath und Prof. H. A. Q. D. H. C. Rabe, aus Hannov. G. C. Raff, aus Ulm. J. C. Raphel, aus Lauenburg. F. v. Reden, 3 Exempl. aus dem Hannoͤv. J. v. Reinhard, aus Zuͤrich. J. M. A. Richelmann, aus Hildesheim. J. Robinson, Esq. aus London. J. Rosendaal, aus Amsterdam. G. v. Rosenthal, aus Esthland. Frey- herr v. Rottenhann, aus Bamberg. E. F. Ruͤhl, aus Frankfurt. J. N. Ruhlender, Kaufm. J. C. G. Ruhstreth, aus Oldenburg. W. L. Rumann, aus dem Hannoͤv. Salzmann, aus Strasburg. H. Sander, aus dem Baadenschen. E. L. Santfort, aus Muͤnster. G. A. F. Sattler, aus dem Hannoͤv. M. Sazger, aus Kempten. A. B. v. Schad, aus Ulm. J. v. Schaden, aus Wallenstein. J. A. Schaͤfer, aus dem Hannoͤv. J. W. Schaͤffer, aus Luͤneb. J. E. F. Scheffer, aus Studtgard. Scheuff- ler, Amtmann zu Wittmarshof. T. Freyherr von Schimmelmann. O. L. C. v. Schleppegrell, aus dem Hannoͤv. J. F. Schluͤter, aus Hamb. H. W. Schmeelke, aus dem Lande Hadeln. J. C. Schmidt, aus Zweybruͤcken. J. A. v. Schoͤnham- mer, aus Biberach. C. B. Schuͤcking, ans dem Muͤnsterschen. A. C. W. Graf v. der Schulenburg. A. F. Schulz, aus Mecklenb. Schulz, aus Bein- burg. C. v. Schulzen, aus dem Hannoͤv. L. E. F. Schulz, aus Mecklenb. J. E. Schumann, aus Danzig. L. A. G. Schrader, aus Holstein. Post- mei- meister Schroͤder. J. C. Schwart aus Liefland. J. F. Schweinitz, Musikdirector. J. H C. v. Sel- chow, Koͤn. grosbrit. Hofrath u. Prof. der Rechte. A. L. Siemerling. C. F. Siemerling, aus Neu- brandenb. Prof. Spangenberg. Freyherr v. Spie- gel, zu Diesenberg. C. F. Spieß, aus dem Schwarz- burgischen. M. C. Sprengel. R. J. v. Stackel- berg, aus Esthland. H. F. C. Freyherr v. Stein. E. G. Freyherr v. Steinberg, aus Hannov . D. H. Stoltenberg, aus Luͤbeck. H. D. Strakerjan, aus dem Verdischen. J. A. Stromeyer, Stadtse- cretaͤr und Manufacturrichter. A. H. Strodt- mann, aus Schleswig. J. G. Struͤver, des Min. Cand. aus dem Hannoͤv. C. D. Sturz aus Zwey- bruͤcken. J. A. Suchfort, Subconrector. J. H. Suermann, aus Danzig. A. Tamm, aus Hamb. G. Tatter, aus dem Hannoͤv. J. G. P. Thiele, aus Hamb. F. de la Tour, aus Hildesheim. P. Trautmann, aus Zweybruͤcken. Die Universitaͤtsbi- bliothek. H. v. Uslar, zu Sennickerode. J. H. von Uslar, aus Clausthal. G. F. v. Varendorff, aus Oldenburg. J. Vaughan, Esq. v. Veltheim, von Harpke. C. G. Vierhuff. F. W. Vierhuff. J. L. Vierhuff, aus Curland. F. A. Voͤlger, aus Nordheim. J. H. Voß, aus Mecklenburg. E. C. H. Waagen, aus Goͤttingen. G. v. Waldhausen, Generalmajor. L. A. Warendorff, aus dem Luͤ- neburgischen. G. J. K. Weckenesel, aus Muͤnden. J. L. C. Wedemeyer, aus dem Hannoͤv. G F. Wehrs, aus Goͤttingen. J. T. L. Wehrs, aus Goͤttingen. Weiß, Med. Dr. J. K. Wilkens, aus Cassel. G. Zoͤga, aus Juͤtland. J. H. Zum- bergen, aus dem Hannoͤverschen. P. M. Zurmuͤh- len, aus Muͤnster. Greifs- Greifswalde 3. Herr Professor Moͤller C. 5. Die Herren Prof. Gadebusch. Prof. Muhrbeck. Greiz 1. Herr Jaͤncke, Candidat. Grobin 1. Herr Past. J. M. Launitz. Guͤstrow 15. Herr Magister Pries, Rector B. Die Herren Advocat Barkey. Dr. Hansen. Dr. Kaͤmmerer. Kaͤmmerer, Kaufm. Kapobus, Cand. Consisto- rialrath u. Superint. Kesler. Assessor v. Mester. Secretaͤr Neumann. Secretaͤr Oertling. Doctor Roͤnnberg. Dr. Stedemund. Hofrath v. Storch. Advocat Suel. Past. M. Zander. Haarburg 1. Herr C. W. Topp. Hadersleben 48. Herr Ahlmann, Koͤnigl. Danisch. Regiments- quartiermeister B. 50. Die Herren Amtssecret. Am- brosius. Past. Bertelsen. Past. Bioͤrensen. Past. Boͤhme. Past. Bondeson. Oberlieut. v. Burgstorf. Probst Cretschmer. Frau Majorin v. Destinon. Die Herren Past. Feddersen. Lieut. v. Fiedler. Reitvogt Ganderup. Lieut. v. Gruttschreiber. Past. Hansen. Past. Harboe. Dr. u. Ph. Hartmann. Past. Holm. Conrect. Holm. Rittmeister v. Jrminger. Past. Jngversen. Frau Geheimeraͤthin v. Klingenberg. Fraͤulein v. Klin g enberg, Stiftsdame. Die Herren Past. Krahn. Past. Lange. Frau Justitzraͤthin Lassen. Die Herren Past. Lassen. Past. Lauterup. c Stifts- Stiftsamtmann v. Levetzau. Past. Lorenzen. Ober u. L. G. Advoc. Lorenzen. Past. Ludwigsen. Obristlieut. v. Luͤtzov. Graf v. Lynar, Koͤn. Daͤn. Generaladjutant u. Rittmeister. Mslle Matthiessen. Die Herren Audit. Meier. Past. Meyland. Rittmeister v. Paul- sen. Amtsverwalter Petersen. Past. Petersen. Past. Praͤtorius. Rittmeister v. Preuser. Hardesvogt Reimers. Hofjuncker u. Oberlieut. Schaffalizky de Muckadell. Lieut. v. Schaumburg. Past. Selmer. Past. Thomsen. Past. Wedel. Rect. Wichmann. Halberstadt 16. Herr Domsecretaͤr u. Canonicus Gleim B. 7. Herr Kriegssecretaͤr Schmidt C. 13. Die Herren Aschoff. Commissionsrath Beyer. Kriegssecret. Bar- ries. Past. Caroli, zu Boͤrneke. Kriegsrath Eich- holz. Dr. Fritze. Past. Haupt, zu Boͤrneke. Cam- merfiscal Heyer. Radeke. Schlitte. Hofmeister Spitzbarth. Graf C. F. zu Stolberg. Consistorial- rath Struensee. Hofmeister Wilhelmi. Hall in Schwaben 3. Die Herren J. F. Benhoͤffer, Prediger u. Capi- tuls Decanus. Archidiac. Schiller. Lct. Seiferheld, Rathsadvocat. Halle 59. Herr Fischer, Lehrer am Paͤdag. C. 35. Herr Prof. Schuͤtz C. 35. Herr v. Angelbeck. Die oratorische Bibliothek 2 Exempl. Die Herren v. Boyneburgk. Bruͤckner Sen. d. Koͤn. Seminariums. Campe. Hof- rath Carpzov. Deter. Fischer. Fischer. Fritsche. Gericke. Gerlach, Sen. des Koͤn. Paͤdag. Hofmann. Jacobi. Jesse. Kappelier. Kopstadt. Krey. Kru- semann. Kunth. v. der Leithen. Lieberkuͤhn, Sen. des Koͤn. Semin. Loͤfler, Sen. des Koͤn. Semin. Luͤdecke. Luͤdecke. Cand. Marothy. Messerschmidt. Muͤller. Neuendorf, Lehrer des Koͤn. Paͤd. Niemeyer. Non- nemann. Orlich. Otto. Ouvrier. Rathmann, Leh- rer d. Koͤn. Paͤd. Ruhmbaum. Schelz. Schiller, Lehrer d. K. Paͤd. Schink. v. Schuͤtz 2 Exempl. Past. Schulz. Schulz. Seidell. Sell, Sen. des Koͤn. Paͤd. Cand. Semian. Seyfert. Sonnemann, Lehrer des Koͤn. Paͤd. Strack, Lehrer d. Koͤn. Paͤd. Stuved. Thon. Windorf, Senior d. Koͤn. Paͤd. v. Witzleben 2 Exempl. Zander. Ziegner. Hamburg 133. Madame E. Schmidt, geb. Moller C. Herr J. M. von Winthem C. Die Herren Legationssecret. v. Alopaͤus. Lic. Ankelmann. Mad. D. A. geb. O. Die Herren C. F. d’ Arien. Capellm. Bach. Lic. Bach. Dr. J. F. Beckman. J. P. Beckmann. Die Frau Geheimeraͤthin Graͤfin v. Bernstorff. Fraͤu- lein v. Bernstorff. Herr Cammerherr v. Bluͤcher. Die Bohnsche Buchhandlung 12 Exempl. Die Herren Postdirect. Bostel. Lic. Boͤckelmann. J. Boͤtefeur. Brockman, Schauspieler. F. L. B. Bruel, Jur. Pract. A. Bubbers. Buchenroͤder u. Ritter. Frau Prof. Buͤsch. Die Herren P Carstens. Lic. Coulon. H. A. Dimpfel. O. v. Doͤhren, jun. M. v. Drateln. J. P. Duwell. W. Eaton. C. D. Ebeling 2 Exempl. Syndie. Faber. J. D. A. Fuͤhrstak. Dr. J. G. Graape. Lic. F. v Graffen. H. J. Greif. F. L. Gries. A. M. Heckscher. S. Heineke. Frau Justitz- raͤthin v. Heinson, geb. Anderson. Mad. H. M. Hen- ningk, geb. v. Axen. Herolds sel. Witwe 12 Exempl. Die Herren J. Hesse. A. Heywood Esq. Dr. T. Hoff- mann. J. M. Hudtwalcker. J. F. Husse. Hofrath Huͤffel. Dr. Janssen. S. Janssen. Jargau, Gast- wirth zum guͤldnen Ochsen. Dr. Joppert. J. D. c 2 Keetz. Keetz. J. P. Kretzmann. J. H. Kruse. D. W. Kummerfeld. Canzleyrath Kunad. Leiding. Legat. Rath Leisching. Leister. Loder. Dr. Matsen. Mei- ners 2 Exempl. J. V. Meyer. Mslle C. Mumssen. Die Herren Dr. D. Mumssen. Dr. J. Mumssen. E. Nissen. Prof. J. H. V. Noͤlting. H. C. Olde. Papengut. Dr. Pauli. P. M. Persent. J. Phi- lippi. M. B. Printz. E. R. J. Reimers. J. P. v. Rosenberg. v. Scheuffling. F. L. Schloͤmann. Hofrath Schmidlin. Commissionsrath Schmidt. J. J. S. Schneider. J. Schuback. N. Schuback. J. H. Schulz. J M. Schulz. J. W. Schulz. Lic. Schwarz. L. V. Seehusen. G. J. Sieburg, in der Handl. Acad. Synd. Sillem. Dr. Simon. Simo- nis, M. C. Siqueira. G. H. Siveking. J. H. Steetz. Etatsrath Stenglin. J. Strachan. Ritt- meist. v. Sudhausen. Adv. H. J. B. Suse. A. G. S. J. M. Tillemann. Valentin, Direct. des Eut. Lotto. G. de Vlieger. C. Voght jun. Lic. D. Wiederholt. J. H. Winter. J. C. Wolff. Baron v. Zaschnitz. J. G. Zimmermann. Frau Legations- raͤthin Zink. Hameln 12. Herr Stadtrichter Avenarius C. 11 Ungenante. Hamm 1. Herr Amtmann Schrader. Hanau 9. Herr Consistorialrath u. Superint. Stockhausen C. 9. Die Herren Conrect. Belzerius. Rect. Berg- straͤsser. Kammerjunker v. Buttler. Consistorialrath Endemann. Past. Roques. Consistorialassessor Use- ner. Past. Vulpius. Secretaͤr Wachs. Han- Hannover 39. Herr Canzleyauditor Ruͤling B. 32. Mad. Al- berti, geb. Hoͤckel. Mad. Alberti, geb. Schleebusch. Die Herren Stallmeister v. dem Busche. Hof u. Canzleyrath v. Doͤring. Past. Droͤnewolf. Canzley- audit. Ebel. Geheimer Canzleysecretaͤr Fluͤgge. Kam- merherr Freiherr v. Grote. Canzleyaudit. v. Hake. Hof u. Canzleyrath Hartmann. Hofgerichtsassessor v. Hattorf. Past. Hoͤlty. Hof u. Canzleyrath v. Hugo. Canzleyaudit. Langwerth. Consistorialrath u. Hofpredig. Lesemann. Die deutsche Lesegeselschaft. Die Herren Kammersecret. Meier. Geh. Canzleyse- cret. Nieper. Amtsschreib. Niemann. Oberpostcom- missaͤr Pape. Kammersecret. Patje. Fraͤulein H. v. Re- den. Die Herren F. v. Reden. Commissar. Rehberg. Hof u. Canzleyrath v. Reiche. Hof u. Canzleyrath Rudloff. Hof u. Canzleyrath Rumann. Stabssecret. Schilling. Past. Schlegel. Kammerregistrat. Seip. Hauptmann v. Spoͤrken. Geheimer Justitzrath Strube. Kammerjunker v. Uttenrodt. Kammersecret. Voigt. Hofmeister Vollborth. Hof u. Canzleyrath Werlhoff. Hofmedicus Wichmann. Leibarzt Zim- mermann. Harderwyck 1. Herr Prof. Scheidius. Hasenpoth 1. Herr J. G. Gruͤner, Stadtseeretaͤr. Hedemuͤnden 1. Herr Past. J. Schultesius. Heeringen 4. Die Herren Burgemeister und Syndicus Ketten- beil. Commißionssecret. Maak. Rath u. Amtmann Oberlaͤnder. Past. Taute. c 3 Hei- Heidelberg 2. Die Herren Administrationsrath Harschen. Prof. Nebel. Heilbronn 24. Herr Kirchen u. Consistorialrath Hirsch B. 32. Die Herren Rauch u. Becht C. 17. Die Herren Consulent Feyerabend. Actuar. Flaxland. Fuͤger. Jhre Excellenz die Frau Graͤfin M. E. von Gem- mingen, geb. Graͤfin v. Nesselroden. Fraͤulein L. v. Gemmingen. Die Herren Freyherr E. v. Gemmin- gen. Freyherr H v. Gemmingen. Hauf. Consulent Lang. Loder. Regierungsrath u. Senat. Mayer. v. Pancug. v. Rieger, Koͤn. daͤn. Oberster. Rector Schlegel. Consulent Uhl. Sen. Minist. Ulsheimer. Past. Varenbuͤler. Hofmeister Vigelius. Rgsrath u. Burgemeister v. Wacks. Doctorand Weber. Prorect. Weisert. Freyherr E. S. v. Ziegesar. Helgoland 1. Herr Past. Krohn. Helmstaͤdt 5. Herr Prof. Kluͤgel C. 5. Die Herren D. u. Hof- rath Kratzenstein. Gerichtsamtmann Neubauer. D. u. Generalsuperint. Rehkopf. Frau v. Veltheim. Hermannstadt 1. Herr Haner, Superint. der evang. Kirchen. Hildesheim 110. Herr Assessor Albrecht B. Die Herren von Be- roldingen B. Herr Cludius B. Herr geheimer Secretaͤr v. Florencourt B. Herr Director Froͤmi- chen B. Die Herren Albrecht. Senat. Ahrens. Se- cret. Affeln. Advoc. Affeln. Past Bartels. Bau- meister. Secret. Baumeister. Baurmeister Segger im im Staͤndestul. Past. Baurmeister. D. Becker. Die Bibliothek des Andreanischen Gymn. Die Her- ren Syndic. Bischof. Past. Blanke. Bleckmann. Domherr v. Bochholz. J. Boͤhme. Burgemeiner Brandis. Assessor Brandis. Brauns. Conrect. Bruͤggemann. Chladen der juͤngere, Kaufm. v. Dauber, Dec. St. Crucis. Denner. Die Dombi- bliothek. Die Herren F icke, Kaufm. D. Frobese. Domdechant Freiherr v. Fuͤrstenberg. Past. Fulda. Kammerherr v. Gemmingen. Consistorialrath Ge- ricke. Hofchirurgus Gericke. F. Gericke. Secret. Guizetti. Burgemeister Hansen. Hausdoͤrfer, Kaufm. Domherr v. Haxthausen. Heisse. Kirchenprov. Hevd- mann. v. Herrmanni, Canon. St. Crucis. Leibmedik. Hofmeister. Kammerrath Hoͤfer. Baron v. Horu- stein Hof u. Rgsrath auch Oberamtmann. Burge- meister Hostmann. Apotheker Jlsemann. Hofrath Kersting. Killig. Kinderling. G. L. Koken. Kaufm. E. A. Koken, Kaufm. D. J. Koken, Kaufm. Bur- gemeister Kroͤsse. Kruͤger, Aeltester im Staͤndestuhl. Freyherr v. Kurzrock, Probst zu St. Crucis u. Schatzrath des Hochstifts. Senat. Lauenstein. Ruͤ- temeister Lepper. Procurat. Lilien. Past. Link. Obristlieuten. v. Linsing. Major u. Stadtcommen- dant v. Linsing. Senat. Luͤnzel. Lehnsecret. Mack. Senat. Marheineke. Senat. May. Rect. Meier. Meier, Kaufm. Gerichtshalter Meineke. Domherr v. Merode. J. G. W. Niemand. Archiv. Noͤlken. Hauptmann v. Plato. Mslle St. Martin de la Porte. Die Herren Rabe, Kaufm. Adv. Rahl. Reichard, Kaufm. Past. Reichhelm. Oberstlieut. v. Reppert. Roͤbeling. F. E. v. Roͤssing. Rathswein- schenke Reuͤter. Past. Sander. Sandvoß. Hofchi- rurgus Schloͤtke. Schneidler, Segger im Staͤnde- stuhl. Adv. Schrader. Schrage, Lehrer am Andr. c 4 Gymn. Gymn. Schroͤder, Lieut. und Commandeur eines Husarencorps. Hofrath Schubart. Canonicus Schulze. Schulze, Aeltester im Staͤndestuhl. A. Schulze. Stanzen. Hofrath Stechentesch. Stein, Segger im Staͤndestuhl. Secretaͤr Suͤstermann. Amtmann Tils. Muͤnzdirector v. Uslar. Past. Vort- mann. Hofrath Voß. Walter jun. Kaufm. Kam- merraͤth v. Weber. Wedekind, Lehrer am Andr. Gymn. Domscholaster Freyherr v. Weix. Hirschberg 67. Herr Friedrich Christian Matthesius C. 83. Die Herren M. C. L. Bauer, Lyc. Rector. J. G. Baumgart, Adv. F. S. Bion, Postmeister. J. A. Freyherr v. Bothmer auf Cammerswaldau. J. S. Braun, Past. C. G. Braun. C. G. Bredow. D. Brendel, Lycei Con- rect. P. H. Burchardi, Diac. G. B. Cotta, Fisci Re- gii Adj. et Justit. Secret. F. G. Doͤring. J. G. Drescher. G. Emler, Kaufm. M. G. Fetter. J. C. Frantz, Kaufm. B. G. Geier, Senat. C. G. Geier, Kreißjustit. u. Advoc. J. F. Glaubitz, Cand. E. L. Grimmer, Past. in Petersdorff. C. B. Haͤnisch, Kaufm. C. G. Haͤnisch. S. F. Hausleutner, D. u. Stadtphys. E. T. Heidrich. J. D. Hensel. M. G. Kahl, Jnspect. Reg. u. Past. Primar. J. G. Kamper, Weinhaͤndler. B. G. Keil. C. G. Kießling, Kaufm. J. C. Klose, Koͤnigl. Kreissteuereinnehmer. F. W. Kolbenach, Kaufm. E. G. Kuͤnzel. G. F. B. Kuͤnzel. G. Kuhn, Organist. C. A. Lange, Adv. C. G. Langer, Cand. C. W. Lichter, Kaufm. E. Liebich, Past. C. S. Liebich. J. A. Lorenz. J. C. Ludewig, Doct. u. Kreißphys. J. F. Lundberg. J. E. Marche, Minist. Cand. F. L. Muͤhlichen. F. Muͤller, Kaufm. C. G. Neumann. C. Opitz. C. F. Pezold, Cand. J. G. Schaul, Kaufm. B. G. Schneider, Kaufm. J. C. Schoͤnau, Proconsul. J. G. Schubart, Lycei Coll. 1. J. G. Schumann, Lycei Lyeei Prorect. J. E. Schwarz. J. C. W. Stock, Cand. J. C. Siegert. J. C. Teucher, Cantor. A. W. Tralles. M. Walther, Waisenlehrer. M. C. W. Weissig, Diac. 6 Ungenante. Husum 7. Die Herren Amtssecret. M. v. Essen. Past. Jng- wersen. Canzleyassessor Krafft. Past. Koch. Stadt- secret. Krafft. Past. Mager. Past. Sternhagen. Jauer 3. Die Herren Archidiac. Heumann. Cand. Hoͤffer. Diac. Teubner. Jena 39. Herr Professor Seybold. C. 58. Die Herren v. Bachof. Bergmann. Dankert. Prof. Danovius. Freyherr v. Duͤrkheim. Dr. Eichmann. Eggers. Prof. Faber. Fischer. Finmann. Graͤser. Dr. Hamberger. Hasentien. v. Heedrich. Dr. Hirt. Kroͤger. Freyherr v. u. zu Mannsbach. Hofrath Nicolai. Prof. Oelze. Consistorialrath Oemler. Hofagent Paulsen. Dr. Salzmann. Prof. Scheidemantel. Schlosser. Geh. Justitzrath Schmidt. Adjunct. Schmidt. Schuͤbler. Kammerrath Succow. Suhl. v. Sulzer. Uechtritz. Prof. Ulrich. Hofrath Walch. Kammerrath Wie- deburg. v. Witzleben. Frau Prof. Zicklerin. Herr Baron v. Zschock. Jlfeld 10. Herr Subconrector Paͤz C. 13. Die Herren Col- laborat. Leopold. Huͤttenschreiber Limmer. Amt- schreiber Luͤder. Rector M. Meisner. Gerichtshalter Piepenbrink. Superint. Roitzsch. Conrect. M. Schwabe. Hauptmann v. Stamford. Jlmenau 7. Die Herren Commissionsrath Hager. Commis- sionssecretaͤr Hoffmann. Amtscommissarius Michae- c 5 lis. lis. Dr. Scherf. Cand. Schwabe. Prof. Wahl. Cand. Wenzel. Jngolstadt 18. Herr Leveling, der Anatomie Professor B. 18. Die Herren A. Baader. D. D. de Battis, d. R. Dr. u. der Gottesgelahrtheit Licentiat. Jos. Bayr. Hertel, Benef. Monac. M. L. Freyherr v. Cronegg. Geheimerath und Universitaͤtsdirector Freyherr v. Jckstadt. v. Leitner, Lehrer der h. Schrift. Baron v. Lerchenfeld Amerland, Kaͤmmerer, Hofrath u. Ritter des St. Georgen Ordens. Matthes, ord. Cister. P. u. Bibliothekar. B. Mayr, ord. Bened. P. Prof. Mederer. D. Muͤnch, Canonic. u. Biblio- thekar. Prof. Rousseau. v. Speckner, Pfleger zu Wabenhausen. Prof. Weishaupt. v. Wolter, des H. R. R. Ritter, erster Leibmedicus u. Geheimerath. Jnspruk 20. Herr Archivar Roschmann C. 20. Herr Graf v. Enzenberg, K. K. Caͤmmerer, Gubernialrath u. Po- lizeyreferent. 18 Ungenante. Joͤllenbeck 1. Herr Past. Schwager. Jzehoe 15. Herr Advoc. Scheel jun. B. Herr Rector Tapp. C. Die Herren C. Bendtzen. Past. Decker. Past. Domeyer. Rathsherr Eitzen. Assessor Eizen. Evers. Adv. Findeisen. Past. Gerber. Past. Hoͤlk. Probst Kramer. Klosterschreiber Mesch. Canzleyrath Mi- chelsen. Wilms. Kiel. 8. Herr Prof. Ljunberg C. 7. Die Herren Canzley- rath Dreyer. Frau v. Hahn. Die Herren v. Hahn. Kam- Kammerherr v. Linstow. Past. Loppenau. Justitz- rath Randahl. Etatsrath v. Saldern. Kirchberg 1. Se. Hochfuͤrstliche Durchlaucht der regierende Fuͤrst zu Hohenlohe Kirchberg. Koͤndringen 1. Herr Kirchenrath und Superint. Sander. Kopenhagen 37. Frau Andersen C. Herr Past. Resewitz B. Die Herren Etatsrath Augustin. Prof. Balle. Past. Bastholm. Canzleyrath Beck. Etatsrath u. Leibme- dicus v. Berger. Se. Excellenz der Graf v. Bern- storff, Staatsminister u. Chef vom Departement der auswaͤrtigen Affairen. Frau Geheimeraͤthin, Graͤfin v. Bernstorff geb. Graͤfin zu Stolberg. Die Herren Conferenzrath Carstens. Conferenzrath Carstens. C. C. Clausewitz, Canzleysecretaͤr. Doct. u. Past. Colsmann. Eckhof. Agent Gondolatsch. Canzleyse- cretaͤr Guͤnther. Hofprediger Janssen. Klog. Con- ferenzrath Luͤxdorf, Ritter v. Dannebrog. Etatsrath Moͤllmann. Justitzrath Muͤller. Doct. u. Past. Muͤnter. Capt. Niebuhr. Lieut. Ruͤdinger. Etats- rath Ryberg. Past. Schoͤnheyder. C. Graf zu Stol- berg, Cammerherr. F. L. Graf zu Stolberg, Cam- merjunker. M. C. Graf zu Stolberg. H. C. Graͤfin zu Stolberg, Stiftsdame zu Walloe. Die Herren Past. Stubenrauch. Kammerherr u. Conferenzrath Suhm. Etatsrath Temler. Se. Excellenz der Staats- minister Graf v. Thott. Hofmedicus Tode. Kam- merrath Trant. Conferenzrath Wassersleben. Koͤnigsberg 70. Herr Hofprediger und Prof. Lindner. C. 52. Die Herren Referendar. Arnd. Baron v. B. v. Birckholz, Praͤ- Praͤsident bey der Lotterie. Dr. Brodthag. Bruin- visch. Secret. Dorov. Muͤnzmeister Goͤsche. Prof. Haman. Kriegsrath Hennings. Dr. Heymann. Cri- minalrath Hippel. Licentrath Jacobi. Geh. Commer- cienrath Jacobi. A. Joel. S. Joseph. E. D. Jtzig. Kade. Prof. Kant. Lotteriedirector u. Buchhaͤndler Kanter. 30 Exempl. Koͤnig. Kriting, Kaufmann. La- val. Loͤwen. Stadtrath Mohr. Rappolt. Referend. Rechenberg. Richter. Richter. L. L. Roͤmpler. Ruff- mann. A. Salo. Past. Schirnmacher. Kriegs u. Do- mainenrath Schlemuͤller. J. J. Schlesinger. S. Se- lig. v. Stegmansky. Vernezobre. Wannovius. Prof. Werner. H. E. Westphal. C. G. Wolf. Kreuznach 27. Herr J. H. Schmerz, Handelsmann B. 32. Mslle J. S. Achenbach. Die Herren Past. Balbier. Schaffner Beck. Boͤcking V. D. M. Cand. Boͤtti- cher. Bergassess. Emmermann. Consistorialass. Goͤtz. J. G. Gundlach. Past. Guntersheimer. C. Henne- mann. Oberamtsadvocat Herger. Hermani. Hertell, M. Cand. Hilgard M. Cand. E. Knebel. Past. Mau- rer. J. J. Maus. Cand. Paniel. J. P. Praͤtorius. Cand. Rettig. C. L. Rischmann. Dr. Steimmig. Wehrsarg V. D. M. Wundt, Jnspector der reform. Classe. 2 Ungenante. Landshut 5. Die Herren Diac. John. Cand. Enckelmann. Cand. Fiebig. Past. Hilger. Cand. Muͤller. Langensalz 8. Herr P. G. Hagenbruch C. 10. Die Herren Advoc. Guthbir. Burgemeister u. Syndic. Hagenbruch. Kammercommissionsrath Laun. Superint. Leisching. Hauptmann v. Liebenroth. Burgemeister Pfaff. Weiß, Kaufmann. Lauf- Lauffen am Neckar 1. Herr Oberamtmann J. F. Seyffer. Lautern 2. Die Herren Jnspectionsverweser Herzogenrath. Kraͤmer Jnspect. u. Past. auch Secretaͤr der oͤcono- mischen Geselschaft. Lehn 2. Die Herren Past. Letsch. Proconsul Tcheutscher. Leipzig 25. Herr Prof. Eck C. 24. Herr A. F. Boͤhme. 23 Ungenante. Lemgo 12. Die Herren Cand. Barkhausen. Benzler. Die Lesegeselschaft. Past. Sasse. 8 Ungenante. Liebau 4. Die Herren J. Helbig, Rector der Stadtschule. J. Preis, Past. der deutschen Gemeine. F. Steg- mann, Hofgerichtsadvocat u. Stadtsecretaͤr. C. G. Weygand, Stadtgerichtsadvocat. Liegniz 1. Herr Landschaftssyndicus Moͤge. Linz 2. Die Herren B. Auer, Petrinergeistlicher. Groß v. Ehrenstein, K. K. Rath u. Oberpostamtsverwalter. Lippstadt 1. Herr Kleinschmidt, Candidat. Lissabon 36. Die Herren R. Brandenburg. J. W. Burmester. L. H. Buschmann. J. P. Dannecker. J. A. Depe- naw. J. F. Depenaw. G. C. Dohrmann. A. H. Dohrmann. F. Ficke. D. Gildemeester, Hollaͤnd. Gene- Generalconsul in Portugal. B. C. Glezel. P. J. Hasenclever. P. H. Hinrichsen. N. Horrn. J. F. Jargau. J. Jllius. C. D. Klemeke. J. Kopp. C. Krochmann. A. Meyer. J. W. C. Muͤller. H. Nootnagel 2 Exempl. D. H. Overmann. C. D. Pe- ters. A. Rodde. N. B. Schlick. H. Schumacher. J. H. Schweckmann. J. T. Stadtmiller. M. Steen- berg. F. Steets. D. Stuͤhr. F. B. Tesdorf. C. H. Vermoͤhren. H. F. Wagner. Loͤwenberg 3. Die Herren Caͤmmerer Bernsdorf. Senator u. Polizeyinspect. Bredow. Past. Doͤring. London 21. Herr Simeon Pope C. 6. Die Herren J. Andre, Esq. H. W. zum Broke. A. P. Chon. F. Clerke, Baronet. D. Hailet, Esq. Geheimer Justitzrath u. geheimer Secret. Hinuͤber. W. Jrby, Esq. A. N. Kirchhof. J. Lemon, Esq. W. Maxwell, Esq. van Santen. J. Schabracq. G. Rodney, Esq. W. D. Poyntz, Esq. J. B. Schutz, Esq. E. Scheldon, Esq. T. Swanton, Esq. Miß Whelly. Die Herren R. Williams, Esq. N. P. Willmerodorf. Ludwigsburg 1. Herr Prof. u. Bibliothekar Fischer. Luͤbbecke 1. Herr Kammerfiscal Dieckmann. Luͤbeck 31. Herr Dr. u. Superint. Cramer B. Herr C. H. Sie- denburg C. Die Herren Baron Albedyl. Biester. P. C. Blohm 5. Exempl. Past. Bruns. Dr. Buchholz. Dr. Curtius. Dircks. Dragun. Secret. Evers. Burgemeister Haake. Senat. Krohn. Dr. Linden- berg. Cand. v. Melle. Dr. Mensching. Muͤller. Lic. Lic. Richerz. Lic. Siedenburg. Stadtsecret. Tesdorff. Lieut. Vermehren. v. Wickede, Patric. 5 Ungenante. Luͤneburg 16. Herr Commissarius Wolprech C. 36. Die Her- ren Landcommissar. v. Behr. Mag. Cramer. Su- perint. Ebeling. Past. Hoͤne. Superint. Hornbostel. Conrect. Krako. Dr. Kraut. Secret. Kraut. Haupt- past. Langhans. Cand. Michaelsen. Dr. u. Syndic. Oldekop. Die Rathsbibliothek. Die Herren Audit. u. Adv. Roscher. Hofmed. Schaͤffer. Amtmann Schlem. Magdeburg 16. Herr Rector Funk B. 17. Die Herren Past. Calvisius. Rathmann Delprik. Federsen. Collaborat. Fritze. Cand. Grosse. Hofrath Koͤpke. Consistorial- rath Kuͤster. Lohmann Past. Patzke. Rect. Reichard. Land u. Domsyndic. Schmidt. Schmidt, Lehrer zu Kl. Bergen. Conv. Schummel. Sturm. Criminal- rath Wahlsdorf. Manheim 81. Herr Regierungs und Hofgerichtsadvocat Graf C. 104. Die Herren Geh. Rath Graf d’Artz. Kam- merherr Baron v. Bevern der Aeltere. v. Bodeck. Rgs. u. Hofgerichtsadv. Boos. Concertm. Canna- bich. Kammerherr Baron v. Dalberg. Hauptm. Do- bel. J. W. M. de E. Kammervirtuos Frenzel. Cand. Frisch. J. W. Gaddun, Kausm. J. Gaddun, Kaufm. Kammerherr u. Hauptm. v. Gaugreben. Hofkammerrath Greyß. Hertel Can. zu St. Petri, Hofcaplan u. geh. Secret. Capellm. Holzbauer. Capt. v. Hueber. Hauptm. v. Kaldenthal. Hofrath Katzner. Lieut. v. Kinkel. Baron v. Leyden, Churb. Kaͤmmerer, Geheimerath u. Gesandter an den Rh. d Chur- Churhoͤfen, 6 Exempl. Kammerherr v. Luͤtzelrode. Hofgerichtsrath Mayer. Hofrath Medicus. Kriegs- rathssecret. Midon. Kammerherr Graf v. Nessel- rode. Rect. Pfeiffer. Obrister v. Pfistor. J. N. de la Place. Kammerherr Graf v. Portia. Se. Excel- lenz Graf v. Riaucourt Chursaͤchs. Staatsminister u. Gesandter am Churpf. Hofe. Hofkammerrath Rigal. Hofkammerrath, Bergrath u. Churb. Agent Roͤmer. de Roy. Lieut. Rungius. v. Saylern. Of- ficier unter dem Churpfaͤlzischen Leibreg. v. Sebach, Officier unter dem Leibreg. Freyherr v. Servi, Kam- merherr u. Captleut. Neub. Obristleut. u. Land- obrister. Hofgerichtsrath Siegel. Geh. Rath Graf v. Schmettau. Kammerherr Baron v. Schwicheldt. Geh. Secret. Stamm. Audit. Steimich. Kammer- herr Baron v. Sturmfeder. Concertm. Toͤschi. Kam- mervirtuos Toͤschi. Se. Excellenz der Rgspraͤsident v. Vennigen. Kammerherr Baron v. Vieregg. Frau v. Wachs. Die Herren Kirchenrath u. Past. Walz. Kammerherr u. Obrister v. Weichs. Hofgerichtsrath v. Weiler. Kammervirtuos Wendling. v. Weveldt, Offieier beym Leibreg. Leut. Womraht. Major Graf v. Ysenburg. Hauptm. u. Reg. Quartierm. Zeisler. 17 Ungenante. Marienwerder 1. Herr Kriegsrath Scheffner. Markoldendorf 2. Die Herren Past. Ernst. Past. Kayser. Maynz 1. Herr C. A. Graf v. Walderdorf. Meissen 6. Herr Kammerassistenzrath v. Ernest C. 7. Die Herren M. Gottleber Rect. bey d. Landschule. Klim, Colleg. Colleg. bey d. Landsch. M. Muͤller Colleg. bey der Landsch. Amtsinspect. Prasser. M. Weisse Vicar. u. Conrector. Meldorf 14. Herr Probst Jochims C. 14. Die Herren Boie. Kirchspielvogt Buchfort. Past. Dreessen. Etatsrath u. Landschreiber v. Jessen. Johanssen. Koͤnigsmann. Past. Langemaak. Past. Lindemann. Matthiessen. Rambusch. Kirchspielschreiber Remmers. Dr. u. Physic. Salchow. Past. Voß. Michelstadt 1. Herr Canzleydirector Graͤfe. Mitau 140. Herr J. F. C. Rosenberger, Past. Prim. zu St. Annen B. 155. Die Herren C. G. Adolphi, Past. J. F. Adolphi, Cand. Mag. J. C. Aller. J. J. Andreaͤ, Hofgerichtsadvoc. A. Anschuͤtz, Cand. J. G. Avenarius jun. Hofgerichtsadvoc. F. W. Ave- narius, Cand. U. G. Becker, Past. Frau Kammer- herrin J. L. v. Behr, geb. Graͤfin v. Kayserlingk. Die Herren H. F. v. Behr, Landr. u. Erbh. der Schloß- Edwahl u. Zierauschen Guͤter. C. U. v. Behr, Ritt- meister u. Erbh. der Wirginalschen Guͤter. W. v. Behr, Kammerjunker u. Erbh. auf Kapseden. U. v. Behr, Kammerjunker u. Erbh. der Pop-Ansen u. Krohtenschen Guͤter. F. Berntheusel, M. D. Herzogl. Leibarzt, Hofr. u. Landphys. C. J. F. Bitterling, Past. Fr. Bl. H. Bl. J. H. Blumenthal, M. D. C. J. Bolner, Hofgerichtsadv. C. H. v. den Brinken, Landeshauptm. Erbh. der Guͤter Ewaden u. Rockaischen. E. D. Bursy, Cand. J. G. Buͤttner, Past. J. C. Cube, Cand. J. D. Diston, Cand. J. G. Doͤrner, Past. C. L. Doͤrper, Koͤnigl. d 2 Pol- Polnis. Sekret. und Notar. M. M. Dr. H. F. Dullo, Past. J. H. Eckhoff, M. D. J. C. Elver- feld, Past. C. F. Faber, Past. F. E. v. Schmieden- feld, gen. Fabricien, Russisch Kaiserl. Obrister, Rit- ter des H. G. Ordens u. Starost, Erbh. auf Wick- straut. D. J. J. Falcke, Physicus des Pilt. Kreises. F. E. v. Firks, Landrath, Erbh. der Schloß Hasen- poth u. Aisternschen Guͤter. F. E. C. v. Firks. G. P. G. U. Hartman, Archivsekr. C. J. Hart- mann, Cand. C. F. Herold, Past. C. F. Hesselberg, Cand. W. C. Hollenhagen, Past. C. Huhn, Supe- rint. der Herzogth. Kurl. u. Semg. u. Oberpast. G. F. Huneke, Hochfuͤrstl. Kammerverwandter. J. Hypperich, Rathsh. u. Apotheker. E. W. Jeschcke, Past. C. E. M. Reichsgraͤfin v. Kettler, geb. v. Kleist. Die Herren D. v. Keyserlingk, Kanzler, Geh. Rath u. Ritter, Erbh. auf Ligutten. C. F. v. Keyserlingk, Oberhauptmann, Erbh. auf Funkenhoff. J. H. v. Keyserlingk, Obristlieut. Erbh. der Sernachtenschen Guͤter. J. C. Kirchner, Cand. U. W. Klapmeyer, Past. C. N. v. Korf, Kammerherr, Erbh. der Pree- kuln- und Assitschen Guͤter. J. E. Krottendorf, Cand. F. Kupfer, Diac. der deutschen Stadtgemeine. A. M. Lahm, Cand. J. F. W. Lieb, M. D. Koͤn . Polnis. Hofr. Frau Obristlieutenantin M. E. v. Lieven, geb. v. Lieven. Die Herren G. F. v. Lieven, Erbh. auf Duͤnhoff. J. J. Lutz, Landgerichtsadv. des Pilt. Kreises und Stadtgerichtsadv. M. J. J. Maczewski, Praͤp. u. Past. L. M. J. S. Maletius, Kanzeley- sekretaͤr. C. E. v. Mannteufel, gen. Szoͤge, R. Kai- serl. Lieutenant. C. D. G. v. Medem, Landmarschall u. Oberrath, auch Ritter, Erbh. der Wilzenschen Guͤ- ter. Fraͤul. C. v. Medem. Die Herren C. F. v. Me- dem, Erbh. auf Tettelmuͤnde. C. G. v. Medem, Lieut. der Leibgarde. E. J. v. Medem, Erbh. auf Rum- ben- benhoff. A. G. Mittelpfort, Past. G. A. Muͤller, Cand. A. O. N. C. F. Neander, Past. F. J. v. Oelsen, Freyherr. E. F. Okel, Past. C. A. Ovander, Cand. C. Panthaͤnius, Herzogl. Fiscal. C. G. Patz, Past. P. P. F. Perkuhn, Cand. J. D. Prahl, aͤltester Burgem. A. L. P. J. S. Preiß, Past. F. W. Raison, Kanzleyrath, Geh. Kabinetssekret. u. Rentm. Frau K. M. v. der Recke, geb. v. Funk, Erbh. der Pinkelschen Guͤter. Frau Kammerherrin C. E. C. v. der Recke, geb. v. Medem. Die Herren F. W. Reck, Past. A. W. Reimer, Commissionssekr. C. D. Reimer, Cand. J. F. Rhanaͤus, Praͤpos. u. Past. Ehrenmitgl. d. d. Ges. zu Koͤnigsb. W. H. Ro- senberger, Past. O. L Rosenberger, Past. O. J. Rosenberger. F. Roux, Landgerichtsadv. des Pilt. Kreises. J. C. Ruprecht, Past. v. d. O. g. S. v. d. O. g. S. M. C. v. Saß, geb. v. Stromberg, Erbh. auf Arischoff. Die Herren G. v. Saß, Erbh. auf Gros Jlmagen. F. v. Schaffer, Capt. der Leibgarde. C. E. Schmidt, Hochfuͤrstl. Kanzeleysekret. u. Koͤn. Poln. Notarius. H. F. Schroͤder, Hochf. Kammer- verwandter. F. G. W. v. Schroͤderß, Freyherr. C. Schultz, Past. E. Schultz, Cand. N. L. S. S. G. Schwander, Koͤn. Poln. Hofr. Hofgerichts- adv. J. G. Schwemschuh, Diac. der Lettischen Stadtgem. F. M. S. J. Svenson, Past. C. L. Tetsch, Hofgerichtsadv. D. W. H. Tieden, Stadt- gerichtsadv. M. J. N. Tieling, Past. Frau Pasto- rin M. Tiling, geb. Murison. Die Herren M. v. Treyden, Erbh. auf Pelzen. Fraͤulein J. H. W. M. Baronesse v. Unger, gen. v. Sternberg. Die Herren D. V. A. V. Hofrath u. Fiscal. J. L. Vierhuf, Past. H. Voigt, Commissionssecret. T. W. J. W. Wagner, Cand. M. F. Watson, Prof. u. Rector der grossen Stadtsch. C. D. Wehrdt, Past. J. D. Weis, d 3 Con- Conrect. der gr. Stadtsch. D. C. Wessel, Kaufm. Frau M. S. v. Wettberg, geb. v. Grothaus, Erb- herrin auf Sturhoff. Die Herren O. C. v. Wettberg, Kammerjunker. C. G. Wilpert, Past. G. F. Witt, Gerichtsvoigt. J. F. Witt, Past. G. F. Witt, Secret. C. H. Wittenburg, Hofapotheker. J. C. Wittenburg. Cand. A. F. Wittenburg, Cand. A. Z. C. J. Zie- genhorn, Stadtsecret. G. F. Zimmermann, M. D. J. A. Zimmermann, Cand. Monzingen 1. Herr Past. G. D. Rettig. Muͤhlhausen 1. Herr Conrector Stieler. Muͤnchen 24. Herr Hofkammer u. Commercienrath Kohlbren- ner C. 11. Herr Revisions u. Commercienrath Ed- ler v. Lippert B. 13. Die Academie der Wissenschaf- ten. Die Hofbibliothek. Herr Braun, geistl. Rath u. Canonic. bey U. L. F. Stift. Das loͤbl. Stift der reg. Chorherren in Polling. Die Herren v. Dufrene, Weltpriester. Legat. Rath Hammerer. J. Menzin- ger, Logicus. M. Graf v. Preysing, Kaͤmmerer u. Hofrath. Se. Excellenz Graf v. Rheinstein u. Tat- tenbach, Geh. Rath u. Oberhofmarschall. Hofrath, Freyherr v. Rumel. A. Graf v. Savioli Corbelli, Kaͤmmerer. auch Hof u. Commerc. Rath. Landrich- ter v. Speckner. Graf v. Spretti, Geh. Rath u. geistl. Rathspraͤsident. Don F. Sterzinger, Thea- tiner. Don J. de la Stockh, Theatiner. v. Wolter, Geh. Rath u. erster Leibarzt. 6 Ungenante. Muͤnden 18. Herr Conrector von Einem B. Herr Superint. Weckenesel B. Die Herren Past. Albers. Past. Ball- Ballauf. Amtsschreiber Daniel. Burgemeister u. Licentcommissar Eike. Past. Hesse. Amtmann. Hinuͤber. Oberpostm. Hugo. Cand. Koͤster. Past. Krohne. Die Lesegeselschaft. Die Herren Dr. Ro- senbach. Se. Excellenz der Generalleut. Freyherr v. Scheither. Past. Schultesius. Past. Schumacher. Past. Steding. Die erste Klasse der gelehrten Schule. Muͤnster 56. Herr Doctor U. Sprickmann B. 60. Die Her- ren Hauptm. v. Ambotten. A. W. Aschendorf, Buch- haͤndl. Hofkammerrath Bark. v. der Beck genannt Boichhorst, Assess. am weltl. Hofgericht. F. v. der Beck von der Hochf. Leibgarde. Leut. Benning. Hofrath Birnbaum. Kammerherr Baron v. Borne. Rath Bruchhausen. Hofrath Callenberg. Brigadier Colson. Cruse d. G. Dr. u. Mitglied der arcadischen Geselschaft zu Rom. Actuar. Dauphin. Hofkammer- rath Detter. Kammerherr Baron v. Droste. M. Baron v. Droste, Domherr. B. A. Duisberg. Amts- rentm. Faber. Fliesberg von der Hochf. Leibgarde. Se. Excellenz der geh. Staats u. Conferenzminister Freyherr v. Fuͤrstenberg. Erbkaͤmmerer Freyherr v. Galen zu Dinklage. F. Freyherr v. Galen zu Dink- lage, Domherr zu Muͤnster, Osnabruͤck u. Pader- born. Audit. Giese. H. de Gref von der Hochf. Leib- garde. Dr. Grewe. Rath u. Referendar. Hosius. Canonic. Hosius. Gograͤfe u. Domsecret. Kerkerick. Cadet Kramer. Canonic. Kuhmann. Dr. Lenz- Oberkriegscommissaͤr Lipper. v. Merode. Graf v. Meerfeld, Domherr zu Muͤnster u. Hildesheim. J. Metz. Miquel von der Hochf. Leibgarde. Mulert, Cand. Leut. v. Mumme. Conce r t m. Nicolai. Ca- nonic. Oisthues. Die verwitwete Frau Reichsgraͤfin M. A. v. Plettenberg u. Wittem. Die Herren Graf d 4 v. Plet- v. Plettenberg, Domherr. Rothmann von der Hochf. Leibgarde. Secret. Sandfort. Kammervirtuose Schlick. Canonic. Schluͤter. Brigadier Schroͤder. Dr. Schuͤcking. Procurat. Signor. v. Tautphaͤus, Geh. Rath, Official u. Commissar. d. Gen. Vica- riats. Baron v. Twickel, Domherr zu Muͤnster u. Hildesheim. v. Wiedenbruͤck, Kammerpage. Zum- kley, Lehrer der Mathemathik. Dr. Zurmuͤhlen. 1 Ungenanter. Naumburg 2. Die Herren Burgemeister Freytag. Dr. Weiz, Landphysicus. Neubrandenburg 26. Herr Bodinus zweyter Lehrer an der Schule C. 28. Herr Bruͤkner, Past. zu grossen Viehlen C. 28. Die Herren Past. Jacobi. Junghenn. Adv. Koͤlling. Cand. Korb. Landsyndic. Pistorius. Cand. Saͤnger. Rath u. Burgemeister Schroͤder. Sturm. Past. Zander. 16 Ungenante. Neuenstein 2. Die Herren Regierungsrath J. L. Dreß. Regie- rungs u. Consistorialrath J. G. Jan. Neusalze 1. Herr Cand. Zachler. Neustadt an der Aisch 8. Die Herren Kammerherr u. Oberforstmeister Frey- herr v. Beust. Dr. Doͤrfler. Fraͤulein v. Holleben. Die Herren Hummel, Collab. Schol. Gerichtsactuar. Marstaller. Stadtsyndic. Walz. Justitzsecretaͤr u. Stadtvogt Wei . Commercienrath Weismann. Nienburg 3. Die Herren Dammers, Cand. Koͤppel, Cand. Stroͤver, Cand. Nord- Nordhausen 26. Herr Senator Filter C. (2 Exempl.) 27. Die Herren Rect. Albert. Baron v. Berg. Dr. Denker. Cand. Ehrhardt. Adv. Filter. Adv. Filter. Past. Goldhagen 3 Exempl. Diac. Hake. Hempel. Past. Huͤpeden. Adv. Lerche. Past. Lesser. Past. Ludwig. Conrect. Poppe. Burgemeister Riemann. Adv. Ru- dolf. Aedilis Schroͤter. Past. Schulze. Adv . Sie- kel. Adv. Sunderhof. Varges, Gymn. Collega. Herr Diac. Zober. Nuͤrnberg 19. Herr Rector Beck C. 30. Die Herren Braun, Cand. Past. Burkardt. Hofrath Fischer. Past. Hartlieb. Hofmann, Assess. des Kais. Landgerichts. Holzschuher v. u. zu Asbach, Pfleger des Stadtal- mosenamts. Zoll u. Wagenamtmann Holzschuher v. u. zu Asbach. Consulent Jan. Kramer, Assess. des Kais. Landgerichts. Winkler v. Mohrenfels, Haupt- psieger des Landalmosenamts. Lct. Negelein. Pan- zer, Schaffer an der Hauptkirche. Hofmeister Sei- del. Past. Seider. A. C. J. S. J. P. v. Vockel, Hochfuͤrstl. Onolzbachscher Kammerjunker u. Assess. des Kais. Landgerichts. Past. Waldau. Weierlein, Geistlicher bey der Feldmilitz. Nyborg 4. Die Herren Major von Dorgelo. von Firks, Rit- ter, Cammerherr, Generalmajor u. Commendant. Wachtmeist. Lieut. u. Garnisonsaud. Knoblauch. 1 Ungenanter. Offenbach 1. Herr Andre, Fabricant. Ohlau 1. Herr Feldprediger Krieckende. d 5 Olden- Oldenburg 4. Herr Postsecretaͤr Schwarting C. 6. Die Buͤcher- geselschaft. Die Herren Legationsrath Sturz. Cand. Zwerg. Oranienburg 3. Die Herren Hagemann, Cammerrath u. Oberamt- mann. Herms, Obermuͤhlen Jnspector. v. Rapin, Lieutenant und Postmeister. Osnabruͤk 20. Das Jntelligenzcomtoir C. Herr Moͤser, Ju- stitzrath u. Landschaftssyndicus B. 19 Ungenante. Osterholz im Bremischen 1. Herr Amtschreiber Fischer. Ottersberg 2. Die Herren Advocat Jauch. Past. Ruͤte. Pappenheim 2. Die Herren Donner, Canzleydirector, Lehnprobst u. Consistorialpraͤsident. Freyer, Decanus, Kirchen- u. Consistorialrath. Passau 5. Die Herren Graf v. Auersberg, Domherr. Geist- licher Rath Bellini. Graf v. Thun, Domherr. Baron v. Waldmannsdorf. Graf v. Welsberg, Domcapitular. Penzlin 2. Die Herren Praͤposit. Scheibel. Rect. Strucke. St. Petersburg 19. Herr Jnspector Bacmeister C. 17. Die Herren Oberfiscal Bergmann. Bruhns, Kaufm. v. Con- doidi. Eichfeldt. Generalmajor v. Engelhardt. Past. Grot. Grot. J. N. Haͤseler, Kaufm. Past. Herold. Jnsp. Katenkamp. H. P. Knust, Kaufm. Mildahn, Kaufm. v. Nilus, Collegienassessor. Pichler. Conr. Stritter. Swatke. Kaufm. Troost, Kaufm. Cand. Truͤmmer. Doct. Walther. Past. Wolf. Petershagen 1. Herr Justitiarius Dieterichs. Potsdam 25. Herr Feldprediger Campe C. 39. Die Herren Capt. v. Aschersleben. Capt. v. Boulet. Mag. Buͤttner. Hofprediger Cochius. Dikow, Kaufm. Capt. v. Doͤberitz. Hofmedicus Frese. Pagenhofm. Fuchs. Obristlieut. Graf v. Henkel Donnersmark. Past. Hirte. Jnspect. Junge. Regim. Feldscher Koͤhler. v. Lingensdorf, Obrist a la Suite. Feld- prediger Preuß. Hofmeister Reiser. Capt. Graf v. Schmettau. Direct. Schock. Hofm. Sprengel. Obrist v. Steinwehr. Jnspect. Wenzelmann. Capt. v. Winning. Regimentsquartiermeister Witte. 2 Ungenante. Prag 13. Herr Professor Seibt C. 12. Herr v. Wagen- burg, Ritter u. aller Siegelgefaͤlle Oberadministra- tor. 11 Ungenante. Prenzlow 8. Herr J. S. Sect C. 11. Die Herren C. N. Ditmar, Obergerichtsadv. E. F. Fuhrmann, Adv. u. Actuar. E. H. Hane, Wirthschaftsinspect. D. Rehfeldt, Landphys. Major v. Siburg. S. H. S. Stilke, Obergerichtsadv. V. W. Stisser, Oberbur- gemeister u. Stadtrichter. A. C. F. Wilke, Oberge- richtsrath und Protonot. Pres- Presburg 1. Herr v. Heimbucher, Registrant bey der Hofkam. Prockau 1. Herr Rath Truka. Querfurth 1. Herr D. und Burgemeister Kuͤhnert. Ratenau 15. Herr Blum C. 14 Ungenante. Ratzeburg 4. Herr Generalmajor u. Commendant v. Ahlefeldt. Obristleut. v. Both. Rgssecretaͤr Mejer. Amtscon- sulent Wagener. Rawitsch 1. Herr Cand. Hellwig. Rebdorf 1. Herr Muͤnch, Chorherr d. Coll. Kirche d. h. Joh. u. Bibliothecar. Rendsburg 12. Die Herren Cammerherr v. Brockdorf. Adv. Jacobsen. 10 Ungenante. Reval 30. Herr Carpov. Prof. der Mathemat. an der Rit- teracademie (3 Exempl.) B. 30. Die Herren Prof. Albaum. Past. Alstadius. v. Baranoff. Landwai- sengerichtssecretaͤr v. Brevern. Fraͤulein v. Bistram. Die Herren Adv. Daͤvel. Prof. Dreyer. Duͤcker. Prof. Goͤbel. Cand. Gronau. Buchhalter Hahn. Stadtwaisengerichtssecretaͤr Harpe. Hofrath v. Hel- ler. Fraͤulein v. Hellwig. Die Herren Jenken, Kaufm. Oeconomiesecretaͤr v. Kurssell. Past. Moier. Cand. Ruͤdinger. Ritterschaftssec. Bar. Stackelberg. Kreisordnungsricht. Bar. v. Stackelberg. Baron v. Stackelberg, zweyter ritterschaftl. Secret. Baron v. Sta- Stackeloͤerg. Stuͤckel. Taube, erster Secret. der Rittersch. Prof. Tiedeboͤhl. Kreisordnungsrichter v. Wartmann. Obrister v. Zweiffel. Riga 48. Herr Mag. Schlegel, Rect. d. Domschule C. 44. Fraͤulein E. v. Anhorn. Die Herren Past. Baͤren- hof jun. Rathsherr G. Behrens. Rathsherr J. C. Behrens. L. Bergmann. Boͤtefeur. Rathsherr Bulmerincq. Rathsherr Ebel. Conrect. Erdmann. Notar. Everwahn. Cand. Glandorf. Past. Guleke. Colleg. Secret. v. Guͤnsel. Hast jun. Rathsherr Hollander. J. S. Hollander. Secret Holst. Notar. N. Holst. Cand. Holst. Hupel, Past. Hofger. Adv. Janckewitz. Obernot. T. N. Janckiewitz. Freyherr v. Kleist. Knack, Past. Kirchennotar. Nessler. Pychlau. C. F. Reimann. v. Richter auf Siggund. Past. Ruhendorf. Scheumann. Burgerm. Schick. Schroͤder, Past. Chirurg. Schroͤder. Obervogt Schwarz. Secretaͤr Schwarz. Dr. Staͤhelin. Se- cret. Stoͤver. Hofrath Tilemann. Rathsherr v. Ulrich. Rathsherr v. Vegesack. Obersecretaͤr v. Ve- gesack. Vos. Burgem. v. Wiedau. Secret. v. Wie- cken. Hofgerichtssecr. Wildperg. Lieut. v. Wrisberg. Zuckerbecker. Risselsheim 1. Hofcath u. Amtmann Strecker. Rostock 6. Herr Fiscalrath Weinland B. 6. Die Herren Mag. Behrens. Rath Friedlieb. Kb. Past. Schramm. Past. Wiggers. Rotenburg an der Tauber 13. Herr Doctor Geßner B. 13. Die Herren Land- vogteysecret. Albrecht. Bezold. Gesner. Lehmus. Merz. Merz. Raab. Renger. Renger. Seyboth. v. Staudt. Walther. v. Winterbach. Rudolstadt 7. Se. Durchlaucht der regierende Fuͤrst Ludwig Guͤnther zu Schwarzburg Rudolstadt. Se. Durchlaucht der Erbprinz Friedrich Carl zu Schwarzburg Rudolstadt. Die Fuͤrstliche Hofvi- bliothek. Die Herren Se. Excellenz der Vicecanzler u. Viceconsistorialpraͤsident v. Ketelhold. Rgsse- cretaͤr Meister. Past. Richter. Direct. Ullrich. Saarbruͤck 1. A. L. W. Saltzburg 20. Herr Consistorialrath u. Geheimsecretaͤr Boͤnicke B. 20. Se. Hochfuͤrstl. Gnaden der Erzbischof, 6 Exempl. Die Herren Consistorialrath v. Clusulis. Geheimerath v. Kleinmeiern. Hofrath v. Koflern. Prof. Langhaiden. Hofcanzler v. Moͤlk, 2 Exempl. Praͤlat v. St. Peter, 2 Exempl. Se. Excellenz Graf v. Sauran, Domdechant u. Kaiserl. Geheimerrath, 2 Exempl. Hofcammerrath v. Scheditzen. Hofrath v. Steinhaͤuser. 1 Ungenanter. Salzwedel 16. Herr Pastor u. Jnspector Stenegke, C. 21. Die Herren Amtmann Alex. Subconrect. Danneil. Con- rect. Dunker. Reg. Quarttermeister Frese. Oberzins- meister Hoppe. Direct. Kindervater. Cantor Leiß. Burgemeister Pohlmann. Rect. Schaumann. Past. Schneider. Kammerherr Graf v. der Schulenburg. Conrect. Tetzner. Cantor Tursch. Advocat Vogel. Past. Wagner. Schleiz Schleiz 3. Die Herren Past. Frommhold. Past. Maul. Amtscommissaͤr Geldern. Schleswig 77. Herr Rector Bendixen C. 88. Jhre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin zu Hessen. Se. Hochfuͤrstl. Durchlaucht Prinz Carl zu Hessen. Jhre Hoch- fuͤrstliche Durchlaucht Christina Sophia verwit- wete Markgraͤfin zu Brandenburg Culmbach. Die Herren v. Ahlefeld, Cammerherr, Landrath u. Probst des Joh. Stifts. O. u. Landgerichtsadv. Bay. Capt. v. Berenschiold. Canzley u. Obergerichtsrath Benicken. Etatsrath v. Boye. Capt. v. Boͤhmer. Boͤrm, Cand. Etatsrath Carstens. Past. Classen. Conferenzrath v. Cronstern. v. Dewitz auf Loitmark. Droͤhse auf Brunsholm. Cammerjunker v. Duͤren- berg. Justitzrath Ericius. E. M. v. Eyben, Stifts- dame. Die Herren Canzleyrath Fitzmann. Justitz- rath u. Amtsverwalter Flesburg. Foͤrsen, Leibarzt. Franke, Dr. Se. Excellenz. v. Gruttschreiber Geh. Rath, Kammerherr, Jaͤgermeister, Landrath, u. Rit- ter von Dannebrog. Past. Hansen. Ober u. Land- gerichtsadv. Harrsen. Landrath Hedemann. Se. Ex- cellenz v. Heespen, Geh. Rath, Landrath u. Ritter von Dannebrog. Past. Hensler. Compast. Hinrich- sen. Kammerherr v. Hoben. v. Holstein, Kammer- herr, Generalmajor u. Chef des Daͤn. Leibreg. zu Pferde u. Ritter von Dannebrog. v. Juͤgert, Kam- merherr, Landrath u. Vieecanzler. Obristleut. v. Keith. Past. Kirchhof. Canzelist Kling. Obristleut. v. Koͤppern. O. u. L. Gerichtsadv. Krebs. Land- commissionssecret. Kruͤck. Obersachwalter Kuͤster. Canzleyrath Lobedanz. Lyhm. Michelsen. Major v. Motz. Stiftsamtmann Oeder. Canzleyassessor Otte. Otte. Burgemeister Petersen. Adv. Petersen. O. u. L. Gerichtsadv. Petri. Major v. der Pforten. Justitzrath Piper. Conferenzrath v. Preuser. Zoll- verwalter Rambusch. Repsold. Kammerherr C. F. Graf v. Reventlov. Baumeister Rosenberg. v. Ru- mohr v. Rundtoft. Justitzrath Schildknecht. Justitz u. Obergerichtsrath v. Schmieden. Die Graͤfin v. Schmettau, Stiftsdame. Die Herren Kammerherr Graf v. der Schulenburg. Schloßprediger Schwoll- mann. Schwollmann, Cand. 2 Exempl. Unterleut. v. Senior. Postmeister Seßler. Silenz, d. A. G. Dr. Past. Silber. v. Sperling, Kammerherr, Amtmann u. Ritter von Dannebrog. Obristleut. Stange. Canzley u. Obergerichtsrath Steemann. Kammerherr u. Oberpostinspect. v. Warnstedt. Ge- neralmajor Wegener. Past. Witte. Generalkriegs- commissaͤr Wodroff. Justitzrath Wohlert. J. Wuͤnne. Schmalkalden 3. Die Herren J. H. Held, Cand. Burgermeister Lutz. Fraͤulein M. S. F. v. Thangel. Schmiedeberg 7. Die Herren Barchewitz, Kaufm. Syndicus Brauns. Adv. Hennig. Past. Just. Proconsul Lu- cius. Rathsdirector Schmidt. Diac. Schroͤer. Schoͤnebek 2. Die Herren Rect. Blum. Schwein, Cand. Schwerin 31. Herr Justitzrath Wachenhusen B. Adv. Amsel. Cand. Barkow. Past. Beckmann. Hofrath Berner. Ho f rath Bouchholz. Hofrath F. A. Bouchholz. Cand. Fa icius. Canzleyrath Faull. Lieut. v. Gundlach. Past. Hahn. Dr. Kuͤtemeyer. Justitiar. Maassen. Kam- Kammerrath Manke. Kammerrevisor Matfeld. Dr. Menge. Past. Muͤller. A. F. v. Oerzen. v. Oerzen. Kassier Pault. Cand. Pistorins. Hofrath Plate. Hofrath Schildt. Hofrath Schnelle. Kammerrath Schroͤder. Schroͤder. Kammerjunker v. Schuck- mann. Past. Seger. Adv. Thiessing. Hofrath Wulsthof. 1 Ungenanter. Soͤst 3. Die Herren Past. Heuser. Past. Maͤhler. Mag. Ritter. Sonderburg 8. Die Herren Lotterie Collect. B. Baxen. Adv. C. Benning. Burgemeister Hansen. Past. Krabbe. Canzleyrath Paulsen. Amts u. Zollverwalter Prehn. Adv. J. H. Prehn. Postm. Sutor. Sondershausen 10. Die Herren Past. Blettermann. Conrect. Boͤtt- ger. Archidiacon. Cannabich. Rgsrath Ernesti. Hauptm. v. Hopfgarten. Secr. Huͤhne. Diac. John. Rgsadv. Rothe. Hofamtsregist. Rothe. Past. Streun. Speyer 7. Die Herren v. Geismar, Churf. Trierscher Kaͤm- merer u. Hochf. Speyerscher Geh. Rath u. Hofmar- schall. Baron v. Hacke, d. Hochstifts Donucellar 4 Exempl. Geh. Seer. Hill. Hofr. Wolf. Stade 26. Herr Hensler, Ritterschaftl. Synd. B. 27. Die Herren Praͤtor Adler. Ahrens, Gymnas. Collega. Obristleut. v. Bardenfleth. v. Bremen. Ritterschaftl. Secr. u. Canzley auch Hofgerichtsprocurat. Conrect. Brincmann. Rgsrath Baron v. Buͤlow. Past. Buͤttner. Drost v. d. Decken. Rgssecr. Ecko. Rgs- secr. Haltermann. Adv. u. Procur. Haltermann. e Boten- Botenmeister Hanneke. Regchirurgus Richter. Rect. Rodde. Stadtsecr. Rose. Canzleyaudit. v. Schluͤtter. Canzleydir. v. Stade. Past. Steffens. Landrath u. Burgem. Stuir. Subconr. Ummius. Procurat. Wehner. Hofgerichtsassess. u. Synd. Werner. Rath Werner. Canzleyaudit. v. Wersebe. Canzleyaudit. v. Zesterfleth. Stargard 4. Herr Prof. Fromm C. 4. Herr Prof. Muͤchler. 2 Ungenante. Stettin 4. Herr Past. Herwig C. 4. 3 Ungenante. Stolzenau 1. Herr Superint. Blau. Stralsund 26. Herr Buschmann, Secr. beym Niedergericht C. 7. Herr Rgssecr. Westphal C. 18. Die Herren v. Bagewitz. Brandenburg. Dr. Charisius, d. Coll. medici. Assess. Classen. Rathsverwandter Dinnies. von Essen, Buͤr- gerworthalter. Synd. Fabricius. Dr. u. Superint. Gebhardi. Rathsverwandter Hercules. Adv. Her- cules. Cand. Hilmers. Synd. Kuͤhl. Rgsrath u. Schloßhauptm. Graf v. Lahnke. Past. Langemak. Adv. Pommersche. Die Rathsbibliothek. Die Herren Camerar. Schlichtkrull. Past. Schlomann. Past. Schulz. Dr. u. Past. Stannike. Rgssecr. Tetzloff. Regssecr. Thomas. O. H. v. Thun. Conr. Unger. Strasburg 7. Die Herren Frank Gebruͤder C. 5. Mslle. F. Hesse. Mslle Louisa Koͤnig. 5 Ungenante. Strelitz 4. Die Herren Past. Bruͤckner. Cand. Denzin. Past. Nahmmacher. Past. Sense. Stutt- Stuttgard 17. Die Herren Secretaͤr Blessing. Oberamtmann Bloß. Die Buͤchergesellschaft. Die Herren Kam- mersecr. Elsasser. Rentkammerexpeditionsrath Hart- mann. Prof. Haug. Madam Kepplin. Die Herren Prof. Kielmann. Superint. Lang. Past. Neuffer. Rentkammerrath Nonnenmacher. Rentkammerrath Reyher. Kammerherr u. Rgsrath v. Riedesel. Rent- kammerrath Spittler. Hof und Rentkammerexpe- ditionsrath Stahl. Prof. Volz. Oberforstamtssecr. Weiblen. Tangermuͤnde 3. Die Herren Hofrath Hern. Burgemeister Holzer- land. Jnspect. Schulze. Thorn 1. Herr Prof. Wetzker. Torgau 3. Herr Stadtschreiber Standfuß. 2 Ungenante. Traventhal 2. Die Herren Se. Excellenz der Geheimerath Graf v. Bothmer. Hofmeister Wiebeking. Trepto an der Rega 1. Herr Stadtsecretaͤr Woheke. Tuͤbingen 81. Herr Magister Hartmann C. 103. Die Herren Abele. Baron v. St. Andraͤ. Prof. Bauer. Bauer. Mag. Beurlen. Oberamtm. Beyer. Cand. Bilfinger. Mag. Binder. Prof. Boͤkh. Brand. Auditeur Breu- ning. Prof. Breyer. Buͤhrer. Prof. u. Rath Canz. Mag. Christmann. Obristleut. Dedell. Past. Denzel. Drack. Leut. u. Audit. Fischer. Mag. Fischer. Leut. Frisch. Past. Fulda. Leut. Baron v. Gaisberg. Mag. Gaume. Baron v. Gemmingen. Mag. Geß. Lic. Gmelin. Hans. Mag. Heinlin. Holdenwang. e 2 Rgs- Rgsrath u. Oberamtm. Harpprecht. Mag. Hauf. Dr. u. Prof. Hofmann. Mag. Huͤbler. Huͤtten. Hofgerichtsadv. Jaͤger. Mag. Jaͤger. Kern. Dr. u. Prof. Kapf. Mag. Kieser. Geh. Rath Baron v. Kniestaͤdt. Leut. v. Kniestaͤdt. Leut. v. Kolb. Cand. Kroͤber. Mag. Lang. Lutz, Cand. Cand. Lucaͤ. Mag. Mittenmajer. Leut. v. Muͤller. Leut. v. Muͤller. Oetinger. Mag. Paret. Mag. Plank. Amtssubstit. Pfingslin. Pichler. Rittmeister Reimoͤhl. Mag. Rumelin. Mag. Reuß. Schall. Mag. Schoder. Rittm. Baron. v. Schoͤnfeld. Lic. Schott. Schmidt, Cand. Prof. Schnurrer. Schuͤler. Lic. Schultheiß. Schwarz. Mag. Serger. Oberamtm. Seyffarth. Mag. Spittler. Hauptm. v. Stein. Mag. Thomas. Cand. Titot. Wagenmann. Mag. Wagner. Mag. Weiß. Mag. Weissenstein. Past. Wirz. Leut. v. Wocher. Ziegler, Cand. Uelzen 3. Die Herren Cammerarius Kern. Spindler. Probst Zimmermann. Ulm 11. Herr Haid, Lehrer am Gymnas. C. 10. J. M. Afsprung. Riet, Prof. Soranus. J. M. Veiel. Procurat. u. Canzleyadjunct. Wolbach. 6 Ungenante. Wahren 2. Die Herren Hofrath v. Altrock. Past. Schmidt. Waldeck 5. Se. Durchlaucht der regierende Fuͤrst von Waldeck. Jhre Durchlaucht die verwitwete Fuͤr- stin von Waldeck. Se. Durchlaucht der Prinz Ludwig von Waldeck. Die Herren Geh. Secret. Frensdorf. Consistortalrath u. Hofpred. Steinmetz. Waldenburg 8. Se. Durchlaucht der regierende Fuͤrst zu Ho- henlohe und Waldenburg Schillingsfuͤrst. Die Herren Herren Hofrath Brecht. Amtm. Eisenmenger. Hof Rgs. u. Lehnrath Hanselmann. Rath u. Phys. Her- wig. Kammerrath Knapp. Past. Meyer. Hof Rgs. u. Consistorialrath Roͤsle. Waͤchtersbach 1. Herr Hofapotheker Wagener. Weilburg 3. Die Herren Hofkammerregistr. Petsch. Rent- meister Rhodius. Cabinetsseer. Winder. Weimar 8. Die Herren Bertuch. Rgsrath v. Einsiedel. Graf v. Goͤrz Canzleyrath Heyligenstaͤdt. Freyherr v. Linker u. Luzenwik. Frau Geheimeraͤthin v. Hagen. Die Herren v. Wedel. Hofrath Wieland. Weissenburg 1. Herr Rathsherr Freyer. Weissensee 1. Herr Superint. Faͤrber. Wernigerode 2. Die Herren Baron v. Braun. Rgsadv. Blum. Westlingbuhren 1. Herr Past. Wolf Wezlar 1. Herr Kerkeriek, Hochf. Muͤnst. Rath u. Leg. Secret. Wien 88. Herr Denis, Prof. u. Bibliothecar B. Das Real- zeitungscomtoir (25 Exempl.) C. Se. Durchlaucht der Fuͤrst Khevenhuͤller. Die Herren Graf L. Ba- thyany. Z. Edler v. Berthold, N. O. Rgsrath. Rgsrath Freyherr v. Boͤck. Rgsrath Freyherr v. Brandau. Abt W. Brouser. Burchardi, Daͤn. Ge- sandtschaftspred. Burckard, Lehrer am Theres. Se. Excellenz der Graf v. Calenberg, Obristhofm. Sr. e 3 Koͤn. Koͤn. Hoheit d. Erzherzogs Maximilian. C. Edler v. Catharin, N. O. Rgssecret. Freyherr v. Dubeis- ne. v. Ernest, Koͤn. Grosbr. Leg. Secret. General Faver. A. P. v. Freytag N. O. Rgsrath. Pater N. Fuchsthaler, Lehrer a. d. K. K. Savoisch. Ritt. Acad. Die Garellische Bibliothek. Die Herren G. Gottlieb, K. K. Kammerdiener. R. Graͤffer, Buch- haͤndl. M. v. Haan, N. O. Rgsrath. Pater Prov. Habel. L. v. Haska. Hofmeist. Hope. P. H. Hopf. Pater E. Job, Lehrer a. d. K. K. Savoisch. Ritt. Acad. J. G. Edler v. Kaͤs, N. O. Rgsrath. Kalin- ger. E. Freyherr v. Kollenbach, Hofsecret. bey der Staatskanzley. P. Graf v. Kollowrat. P. Graf v. Kollowrat. J. Graf v. Koteck, N. O. Rgsrath. Freyherr v. Loͤhr. Prof. Mastalier. J. Matt, N. O. Rgssecret. v. Moll, Herz. Braunsch. geh. Leg. Rath u. Resident. R. S. Pauer, d. K. K. Hof- kriegsbuchhalterey Raitofficier. J. Freyherr v. Penck- ler, N. O. Rgsrath. F. Freyherr v. Pichler. Prof. J. Prehmleihner. J. Freyherr v. Retzer. v. Rosen- thal. J. C. Rosteuscher. F. Graf v. Salm. A. H. v. Schroͤder, K. K. Generalfeldwachtmeister, u. des Feld u. Garnis. Artill. Hauptzeugamts Praͤses. J. F. Scheffler, Niederleger. M. Graf v. Sedlitzky, K. K. Kammerherr u. N. O. Landrath. C. C. H. Frey- herr v. Senkenberg. P. Graf v. Sinzendorf. F. P. v. Stadler. A. Graf v. Stampfer. Stephanie der aͤltere. Stephanie der juͤngere. Stillen, Abt u. Hof- meister. F. Freyherr v. Stupan, N. O. Rgsrath. J. F. Freyherr v. Stupan. Freyherr v. Taufferer, Probst zu Varrau. Graf Ugarti, N. O. Rgsrath. F. Graf. v. Walsegg. F. Graf v. Walsegg. Pater A. Wasserthal, Lehrer a. d. K. K. Savoisch. Ritt. Acad. F. X. v. Wasserberg, Secret. d. K. K. Real- zeitungscomtoir. 2 Ungenante. Wildes- Wildeshausen 3. Die Herren Oberamtmann Hinuͤber. Amtmann Hinuͤber. Amtschreiber Voigt. Wismar 12. Herr Archidiaconus Kuͤhl B. 15. Die Herren Stadtsecr. Dahlmann. Hasse, Dr. u. Procurat. beym Tribunal. Lembke, Dr. u. Procurat. beym Tribunal. Past. Neumann. Nuͤrenberg, Secr. des Consistor. Justitzrath u. Fiscal v. Palthen. Landrath u. erster Burgemeister v. Schlaff. Tribunalsassess. Stamwede. Tribunalsassessor Trendelenburg. C. W. v. Zuͤlow. 1 Ungenanter. Wittenberg 20. Herr Prof. Ebert B. (2 Exempl.) 12. Herr Gen. Acciscommiss. Markwordt B. 11. Die Herren Buch- ted. G. B. Freyherr v. Ende. Appell. Rath u. Prof. Fischer. Prof. Freyberg. Fraͤul. v. Friesen. Die Her- ren v. Friesen. v. Haugwitz, Beysitzer d. Hofgerichts. Jegelau. Krautoff. Marckwordt, Amtsbeysitzer u. Gleitsinsp. Mag. Martini. Hofmeist. Mathei. Schilling. Dr. Schlockverder, der jur. Fac. a. o. Beysitzer. v. Stutterheim. Se. Excell. der Koͤn Pr. Cab. Minister Graf v. Werther. M. C. G. Will- mersdorf. Woldeck 1. Herr Doct. Bruͤckner. Wolfenbuͤttel 1. Herr Lessing, Bibliothekar. Wolgast 2. Herr Past. Bankamp. Frau Obr. Psilanderhielm. Worms 1. Herr G. N. Wiener, Rector C. Zerbst 1. Herr Hofrath Buͤlau. Zit- Zittau 12. Die Herren Bergmann d. R. Dr. P. H. Graͤz. Dr. u. Stadtphys. Hefter. Huͤbner, Gymn. Coll. Cand. Jahry. Stadtschreiber Just. Muͤller, Gymn. Coll. Dr. u. Rathsherr Scholze. Burgem. Schroͤ- ter. Cand. Senftleben. J. C. Tschoppa. 1 Ungen. Zuͤrich 7. Die Herren Dr. J. Hoze. Lavater, Helfer am Waysenhause. Die Lesebibliothek. Die Herren Prof. Nuͤschler. Psenninger, Mechanicus. H. C. Wirtz u. Comp. Past. Schinz. Zweybruͤcken 14. Herr Prof. Crollius C. Mslle Bachmann. Die Herren Conr. Bergmann. Rgsrath Bircken. Land- rentmeister. Ehrlenholz. Prof. u. Conr. Exter. Rgs- u. Oberappellationsrath Hahn. Hoͤffel, Dr. u. Phys. Rgsadv. Kaͤrner. Die Lesegesellschaft. Prof. Piel. Mslle M. Ravauel. Die Herren Oberconsistorialrath Spangenberg. Consistorialrath Tatsch. „Die deutsche Gelehrtenrepublik. „Zweyter und lezter Theil. „Ein Alphabetstark; auf Postpapier; mit neuen „Lettern; (S. 5. erwaͤhnte Chicane hatte auch die „Folge, daß keine Zeit mehr uͤbrig war, neue Let- „tern zu diesem 1sten Theile giessen zu lassen) Preis „1 Rthlr Hamb. Cour. oder 1 Rthlr. 3 Gr. nach „alten Louisd. Der Subscriptionstermin geht mit „dem 1sten Oetob. dieses Jahrs zu Ende. Das „Buch wird den 1sten Febr. 1775. herausgegeben, „und binnen dem 1sten und 15ten Febr. in Empfang „genommen und bezahlt.‟ Einrichtung der Republik . D ie Republik besteht aus Aldermaͤn- nern, Zuͤnften, und Volke. Wir muͤssen auch, weil dieses einmal nicht zu aͤndern ist, Poͤbel unter uns dulden. Dieser hat sich fast auf jedem Landtage uͤber seine Benennung beschwert. Man hat ihm zu seiner Beruhigung verschiedne andre Be- nennungen angeboten als: Das geringe Volk, der grosse Haufen, der gemeine Mann; aber er hat damit nie zufrieden seyn, sondern immer: Das grosse Volk heissen wollen. Die Jahrbuͤcher sezen bestaͤndig: Poͤbel. Es thut nicht Noth ihn zu befchreiben. Er hat keine Stimme auf den Landtagen; aber ihm wird ein Schreyer zugelassen, der so oft man nach einer Stimmensamlung ausruht, seine Sache recht nach Herzens Lust, doch nur eine Viertelstunde lang, vorbringen darf. Er ist gehalten einen Kranz von Schel- len zu tragen. Nach geendetem Landtage wird er allezeit Landes verwiesen. A 2 Von Von dem Volke. Z um Volke gehoͤrt, wer, ohne sich uͤber das Mittelmaͤssige zu erheben, schreibt, oder oͤffentlich lehrt, oder die Wissenschaften in gemeinem Leben anwendet; ferner gehoͤren diejenigen dazu, welche so wenig von dem wissen, was wuͤrdig ist gewust zu werden, (es komt hier auch mit in Betracht, wenn sie sich auf zu viel Unwissenswuͤrdiges einge- lassen haben) daß sie nicht zuͤnftig sind. Aus- ser diesen wird die Zahl des Volkes auch noch durch die schwankenden Kenner, und diejeni- gen Juͤnglinge vermehrt, welche von sich hof- fen lassen, daß man sie bald in eine Zunft werde aufnehmen koͤnnen. Diese Hofnung schlaͤgt freylich nicht selten fehl, und manche von diesen Juͤnglingen bleiben zeitlebens un- ter dem Volke. Jndeß ist es doch gut, hier bey der Untersuchung nicht zu streng zu verfah- ren; denn sonst wuͤrde man wol gar einigen Juͤnglingen anrathen muͤssen, sich fuͤr erst unter dem Poͤbel aufzuhalten, unter dem sie nur verwildern, und ganz wuͤrden verdorben werden. Aber diese duͤrfen es dann auch nicht lange anstehn lassen, sich wuͤrdig zu machen, dem Volke anzugehoͤren; denn sonst muͤssen muͤssen sie sich, oft sehr unvermuthet, unter den Poͤbel begeben. Das Volk hat einen Rathfrager. Die- sen lassen die Aldermaͤnner oder auch die Zuͤnfte so oft zu Anfragen vor, als er es ver- langt. Er hat uͤber dieses auch das Recht etwas oͤffentlich vorzutragen, so wie es die Anwalde der Zuͤnfte haben, aber doch mit dem Unterschiede, daß er nur den Aldermaͤn- nern; die Anwalde hingegen, ob es gleich gewoͤnlich durch die Aldermaͤnner geschieht, der Republik vortragen. Die Aldermaͤnner koͤnnen daher den Vortrag des Rathfragers abweisen. Dieß schraͤnkt zwar auf der einen Seite das Volk ziemlich ein; auf der andern Seite aber hat es, wie man gleich hoͤren wird, auch Vorzuͤge, nicht nur vor jeder einzelnen Zunft, sondern sogar vor den Aldermaͤnnern. Es hat lange gewaͤhrt, eh die Einrichtung der Republik in dieses Gleis gekommen ist. Unsre jungen Politiker pflegen noch sehr oft daruͤber in Streit zu gerathen, ob es so auch gut sey. Wenn unter dem Volke die Mehrheit uͤber zwey Drittheil geht; so macht sie bey der Stimmensamlung drey Stimmen aus: und zwey , wenn sie unter zwey Drittheilen A 3 ist. ist. Sind die einzelnen Stimmen getheilt; so hat das Volk gar keine Stimme. Jm vorigen Jahrhunderte, da dieser Un- terschied noch nicht war, da das Volk noch vier Stimmen hatte, und da uͤber das bald diese bald jene Zunft auf einige Zeit einzugehn pflegte, weil es an Wahlfaͤhigen fehlte, ist das Volk Urheber mancher Zerruͤttungen in der Republik gewesen. Doch eh wir fortfahren von ihrer Einrich- tung Nachricht zu geben, muͤssen wir ein Paar Worte von den Altfranken sagen. Man nent diejenigen Deutschen, die nicht zu der Republik gehoͤren: Altfranken. Die Mitbuͤrger anderer Gelehrtenrepubliken heis- sen bey uns: Auslaͤnder , und die uͤbrigen Einwohner andrer Laͤnder: Fremde Leute. Die Benennung: Altfranken, druͤkt auf keine Weise Geringschaͤzung aus; sie ist in Gegentheile mit daher entstanden, weil wir nicht haben wolten, daß Deutsche solten Auslaͤnder genent werden, obgleich diejeni- gen Deutschen, die keine Mitbuͤrger unsrer Republik sind, (es versteht sich von selbst, daß hier von denen die Rede gar nicht ist, die ihre Erziehung und Lebensart von allem Zu- gange zu den Wissenschaften voͤllig ausschlies- sen,) sen,) in Beziehung auf uns, wol so haͤtten heissen koͤnnen. Der Ursprung dieser Benennung geht in alte Zeiten zuruͤk. Es war damals, da unsre Republik entstand, nicht lange her, daß sich die Deutschen noch Franken genant hatten. Nun hatten die kuͤhnen edlen Fran- ken zwar grosse Thaten gethan, auch sogar einige gute Geseze gegeben; aber die Wissen- schaften hatten sie nicht geliebt. Daher unsre Benennung: Altfranken, um diejenigen zu bezeichnen, die uns nur in Absicht auf die Wissenschaften nicht angehoͤren. Wir schaͤzen die Altfranken; denn man kann Verdienste haben, ohne mit den Wissenschaften bekant zu seyn: aber wir verachten sie auch von gan- zem Herzen, sobald sie sich es herausnehmen deswegen, weil sie unwissend sind, mit Stolz auf uns herabsehn zu wollen. Und hier schuͤzet sie nichts gegen uns. Aus welchen alten Haͤufern, wie maͤchtig, wie bebaͤndert und betitelt, wie reich, wie erfindsam in allen Arten des Wuchers, wie wohlgewach- sen, wie modisch, wie fertig in Leibesuͤbun- gen, fremden Sprachen, und Spielen, durch welche genaue Bande mit der sogenanten grossen oft sehr kleinen Welt sie verbunden seyn, und wie laut sie sich auch fuͤr Kenner A 4 der der schoͤnen Kuͤnste ausgeben moͤgen; sie wer- den verachtet. Man muß uͤbrigens die Altfranken ja nicht mit unserm Poͤbel verwechseln. Ein Mit- glied des Poͤbels verdirbt die wenigen Natur- gaben, die es etwa noch haben mag, durch das Studieren; ein Altfranke laͤst sich gar nicht darauf ein. Denn daß er etwa auch einmal in einem Buche blaͤttert, oder einem Gelehrten mit Gebehrdungen zuhoͤrt, als ob er wirklich Ohren fuͤr ihn haͤtte, das veraͤn- dert bey der Sache nichts. Von den Zuͤnften. W ir haben vier ruhende , und elf wirk- same Zuͤnfte. Diese werden gewoͤn- licher: Oberzuͤnfte , und jene Unterzuͤnfte genant. Die Mitglieder der Unterzuͤnfte haben manchmal Geschaͤfte im gemeinen Leben, zu deren Betreibung allerdinas dieß und das Theilchen einer kleinen Kenntnis erfodert wird; aber solche entfernte Beziehungen ent- scheiden nichts, und die Unterzuͤnfte werden ihrer ungeachtet in Absicht auf die Republik als ruhend angesehn. So- Sobald ein Unterzuͤnfter schreibt, oder oͤf- fentlich lehrt, oder seine Wissenschaft im ge- meinen Leben anwendet; das heist, sobald er aus dem Bezirke hervortrit, in welchem alles, was er weiß, nur zur Nahrung oder auch zum Schmause seines eignen Geistes da ist; so komt er dadurch, nach der Beschaf- fenheit der Schriften, des Vortrags, der Anwendung, entweder unter das Volk, oder in eine Oberzunft, doch in dem lezten Falle so, daß er der Zunft, auf welcher er zuvor war, auch noch angehoͤren kann. Ueber- haupt kann man bey uns zwey ja bisweilen drey Zuͤnften angehoͤren; man muß aber, wenn Landtag ist, die ganze Zeit uͤber, auf der Zunft bleiben, die man fuͤr dasmal ge- waͤhlt hat. Die Unterzuͤnfte sind: Die Zunft der Wisser , oder derer, wel- chen beynah alles Wissenswuͤrdige bekant ist. Diese Zunft ist seit je her sehr klein ge- wesen. Die Zunft der Kundigen , derer, die mehr als die Haͤlfte des Wissenswuͤrdigen wissen. Die Zunft der Drittler. Jhre Benen- nung zeigt ihre Beschaffenheit. Es ist eine uͤberaus grosse Zunft. A 5 Die Die Zunft der Kenner. Durch diese Zunft wird zwar die Zahl unsrer Mitbuͤrger nicht wenig vermehrt, wir haben sie gern un- ter uns, und sie thut auch wol bisweilen etwas fuͤr uns; allein die meisten ihrer Mit- glieder stehen gleichwol in zu vielen und zu genauen Verhaͤltnissen mit den Altfranken, um patriotisch genung gegen die Republik ge- sint zu seyn. Sie hat auch Zuͤnfterinnen; aber diese haben bisher nur immer Abgeord- nete auf die Landtage geschikt. Vielleicht wuͤrde, wenn sie selber kaͤmen, die Zunft pa- triotischer werden. Bey Aufnamen in die Unterzuͤnfte haben die Aldermaͤnner viel saure Arbeit. Denn ohne ihre Genehmigung kann Niemand auf eine Unterzunft kommen. Man vermuthet, daß sie den naͤchsten Landtag neues Maaß und Gewicht des Wissenswuͤrdigen werden ein- zufuͤhren suchen. Was sie bisher davon ab- gehalten hat, ist die alsdann schwerere Be- rechnung gegen auslaͤndisches Maaß und Ge- wicht gewesen. Auch wird, wie man sagt, auf diesem Landtage der grosse Unterschied, der zwischen Geschmak und Kennerey ist, genauer festgesezt werden. Gewoͤnlich werden nur die in die Ober- zuͤnfte aufgenommen, die selbst denken, selten nach- nachahmen, und als Entdecker oder Erfinder wenigstens zu einiger Hoͤhe gekommen sind. Die Oberzuͤnfte haben jezt Anwalde und Ael- teste, auf welche sie stolz seyn duͤrfen. Bey einem Aeltesten koͤmt es nicht auf seine Jah- re, sondern auf die Zeit an, die er Zuͤnfter gewesen ist. Wir sind verpflichtet bey der Nachricht von den Oberzuͤnften allzeit zu erwaͤhnen, daß diese oder jene derselben entweder ent- decke oder erfinde , oder auch beydes vereine. Damit wird nicht gesagt, daß es jeder Zuͤnf- ter thue, auch nicht, daß es die meisten zu allen Zeiten gethan haͤtten; (denn man kon- te ja wol bisweilen bey der Wahl eines Mit- zuͤnfters Erwartungen von ihm haben, die er nicht erfuͤlte,) aber die Zunft selbst kann sich deswegen nichts vergeben, noch Vorzuͤge verschweigen lassen, in deren Besize sie sei t vielen Jahren ist. Weil wir Deutschen von uns selbst so we- nig wissen; so sind uns auch grossentheils unsre eignen Reichthuͤmer, wenigstens ihrem ganzen Werthe nach, unbekant. Auch das gehoͤrt zu diesen Reichthuͤmern, was wir roh hinwarfen, und was dann die Auslaͤnder nahmen, ausbildeten, und sich zueigneten. Aber Aber die Geschichte wird schon zu ihrer Zeit aufstehn, und reden. Man lerne, was man Auslaͤndern, (sagte einmal ein Aldermann,) die etwa was gegen uns vorbringen, zu antworten habe. Dieß hat man ihnen zu antworten: Jn keiner Ge- lehrtenrepublik ist so viel entdekt und er- funden worden, als in der deutschen; und sie werden stillschweigen, wenn sie nicht un- wissend oder Thoren sind, die in Ausfluͤchten oder Hartnaͤckigkeit Ruhm suchen. Einige der Oberzuͤnfte sind darstellende , und andre abhandelnde. Darstellung und Abhandlung (dieß moͤch- te einigen vielleicht noch nicht recht bekant seyn,) sind nicht wenig von einander unter- schieden. Abhandlung ist gewoͤnlich nur Theorie , und wo sie es nicht ist, da ist sie doch von der Darstellung gleich weit entfernt. Die Art des Vortrags, die zum Exempel ein Naturforscher zu der Beschreibung einer ge- habten Erfahrung waͤhlt, graͤnzt wenigstens sehr nah an den Vortrag der Abhandlung; Darstellung hat Theorie. Sie beschaͤftigt, bey der Hervorbringung, die ganze Seele; Abhandlung nur das Urtheil. Die Beschaf- fenheit dessen, was auf beyden Seiten her- vorgebracht wird, lernt man am besten ken- nen, nen, wenn man auf die Wirkung des einen oder des andern Acht hat; und Wirkung zeigt sich vorzuͤglich durch ihre Dauer. Ein ab- handelndes Werk geht unter, sobald ein besseres uͤber eben diesen Jnhalt erscheint. Ein Werk der Darstellung, (wenn es sonst zu bleiben verdient,) bleibt auch nach Erschei- nung eines bessern uͤber eben den Jnhalt. Wir sagen nur, daß es bleibe, und leugnen damit nicht, daß es nicht etwas von seinem Werthe verliere. Die Abhandlung nimt bisweilen, weil sie ihre Beduͤrfnisse kent, einige Toͤne von der Darstellung. Sobald sie zu viel nimt, wird sie Zwitterwerk. Und Zwitterwerk kann zu nichts weiterm gelangen, als etwa dann und wann Mode zu seyn. Man hat hierinn zu viele vergebliche Versuche gemacht, als daß die Sache nicht entschieden seyn solte. Die darstellenden Zuͤnfte sind: Die Zunft der Geschichtschreiber. Sie erfinden, wenn sie auf neue Art darstellen, und entdecken, wenn sie das wirklich Ge- schehne herausbringen. Wer den Namen ei- nes Geschichtschreibers mit Recht fuͤhren will, muß beydes vereinigen. Diese Zunft wuͤrde die kleinste unter allen seyn, wenn sie nicht auch auch die zu Mitgliedern aufnaͤhme, die sich bloß mit Untersuchung des Geschehenen be- schaͤftigen. Die Zunft der Redner. Viele, die dem Namen nach auch Redner sind, hat diese Zunft nicht aufnehmen wollen. Sie haben sich unter das Volk begeben muͤssen. Jn den aͤltesten Zeiten Deutschlands waren vor- naͤmlich die Oberrichter und die Feldherren Redner. Sie sind durch die verschiednen Ar- ten der Darstellung Erfinder. Die Zunft der Dichter. Sie sind theils durch die Erdichtung, und theils durch neue Arten der Darstellung Erfinder. Noch nie ist diese Zunft so groß als jezt gewesen; und doch hat man die Mitzuͤnfter nicht ohne Strenge gewaͤhlt. Die abhandelnden Zuͤnfte sind: Die Zunft der Gottesgelehrten. Sie sind Entdecker, wenn sie die Schrift von un- richtigen Auslegungen reinigen, und neue machen. Als Prediger koͤnnen sie auch den Rednern angehoͤren. Sobald sie aber so mittelmaͤssige Redner sind, daß sie als solche unter das Volk muͤssen, so sind sie (man ist hierinn nach Beschaffenheit der Zeiten mehr oder weniger streng gewesen) auch auf der Zunft der Gottesgelehrten nicht zuͤnftig mehr. Man Man vermuthet zwar, daß den bevorstehen- den Landtag viel Streitigkeiten hieruͤber vor- fallen werden; aber gleichwol ist es, wie uns duͤnkt, nicht zu befuͤrchten, daß diejeni- gen die Oberhand behalten werden, welche auch die guten Redner aus den Kirchen ver- bannen wollen. Solcherley so oft schon da gewesene und bald wieder verschwundne Vor- urtheile pflegen eben kein Gluͤk zu machen, wenn die Republik versammelt ist. Die Zunft der Naturforscher. Eine grosse verehrungswuͤrdige Zunft, zu der vor- naͤmlich auch die Aerzte gehoͤren. Einige ge- hen mit ihrem Ursprunge bis in die Zeiten der Druiden zuruͤk. Diese liessen die Verse, in denen ihre Untersuchungen enthalten waren, nicht aufschreiben, sondern nur auswendig lernen; und so musten sie desto gewisser un- tergehn. Von dem getischen Druiden Or- pheus ist etwas durch einen Griechen uͤbrig, der davon gehoͤrt haben mochte. Welchem Auslaͤnder sind die Entdeckungen der deut- schen Naturforscher unbekant? Diese Un- wissenheit behalten sich nur Jnlaͤnder vor. Auch die Chymiker gehoͤren dieser Zunft an, so wie die Mechaniker der Zunft der Mathe- matiker auch angehoͤren, ob sie gleich be- sondre Zuͤnfte ausmachen koͤnten. Denn sie sie handeln nicht ab, beschreiben auch nicht nach Art der Abhandlung; sondern sie brin- gen hervor , oder stellen dar. (Man sieht, daß hier Darstellung in einer andern Bedeu- tung genommen wird) Aber bey Einrich- tung eines Staats kann nicht alles so auf der Goldwage gewogen werden. Man unter- sucht, man berathschlagt sich, man streitet, die Leidenschaft mischt sich ins Spiel; die Ent- schliessungen werden gefast, und ausgefuͤhrt. Und wer kent die Rechte der Ausfuͤhrung nicht. Man kann von ihr reden was man will; aber drein reden, daß es Wirkung ha- be, laͤst sie sich nicht. Die Zunft der Rechtsgelehrten. Als Gesezerklaͤrer haben sie noch grosse Ernten von Entdeckungen vor sich. Zu dieser Zunft gehoͤren auch die Publicisten und die Politiker. Seit einiger Zeit macht sie nicht wenig Schwierigkeit, wenn ein Politiker will auf- genommen werden, weil die gelehrten Poli- tiker so oft und mit so vielem Rechte von den regierenden sind verlacht worden. Die Zunft der Astronomen beschaͤftigt sich mehr mit Entdeckungen, und Die Zunft der Mathematiker mehr mit Erfindungen. Die Die Zunft der Weltweisen oder der Un- tersucher der ersten Ursachen, und der Sitten- lehre in ihrem ganzen Umfange. Sie sind Erfinder, wenn sie neue oder vorher schon wahrscheinliche Saͤze erweisen. Die Zunft der Scholiasten. Sie haben in unsern Zeiten nicht mehr viel zu entdecken. Die gemischte Zunft. Sie besteht aus deutschen Sprachlehrern, aus Theoristen der schoͤnen Wissenschaften, aus Geographen, aus Heraldikern; aus solchen, die uͤber vie- lerley Jnhalt kleine Schriften so schreiben, daß sie wegen Einer in keine andre Zunft, aber doch wegen aller zusammen in diese koͤn- nen aufgenommen werden, und aus Ueber- sezern der Alten, und solcher Neuern, welche die Vergleichung mit jenen aushalten. Die Uebersezer beschaͤftigen sich zwar eben sowol mit Werken der Darstellung als mit abhan- delnden; aber gleichwol sind sie nur hier zuͤnf- tig. Die Sprachlehrer und Theoristen ha- ben, nach vorhergegangner grossen Saͤube- rung, noch vieles zu entdecken. Erfinder koͤnten die lezten nur alsdann seyn, wenn es anginge aus der Natur der Seele notwen- dige Regeln des Schoͤnen zu erweisen. Sie thun genung, wenn sie durch eigne und durch Andrer Erfahrung die Wirkungen bemerken, B welche welche das Schoͤne hervor bringt, und so ge- fuͤhrt die Beschaffenheit desselben bestimmen. Die Oberzuͤnfte haben auf den Landtagen jede Eine Stimme, auch wenn die Stim- men der Zuͤnfter getheilt sind. Jn diesem Falle giebt der Anwald den Ausschlag. Die Unterzuͤnfte haben nur mit der Bedin- gung die Eine Stimme, daß die einzelnen Stimmen uͤber zwey Drittheil gehn. Die Zuͤnfte haben Anwalde. Ein An- wald muß sehr auf seiner Hut seyn, und sich ja nichts herausnehmen wollen. Denn die Zunft duldet’s nicht. Man hat von mehr als einem Anwalde Beyspiele, daß er sogar von dem Vortrage, den er bey den Alder- maͤnnern hatte, ist abgerufen, und ein neuer an seine Stelle geschikt worden. Von den Aldermaͤnnern. D ie Aldermaͤnner werden aus allen Zuͤnften gewaͤhlt. Ob sie gleich auch von einzel- nen Zuͤnftern zur Wahl koͤnnen vorgeschlagen werden; so geschieht’s doch gewoͤnlich von ei- ner Zunft, selten von ihrer eigenen, weil sie in Anmerk. Aldermann ist ein altes deutsches Wort. in diesem Falle nicht leicht dazu kommen Al- dermaͤnner zu werden. Wenn sie nicht we- nigstens zwey Stimmen uͤber die Haͤlfte ha- ben; so sind sie nicht gewaͤhlt. Wir haben noch kein Beyspiel, daß einer durch alle Stim- men waͤre Aldermann geworden. Selbst Leibniz wurd es nicht. Dieß … doch den Vorhang herunter. Die Aldermaͤnner haben zwey Stimmen. Sind die einzelnen Stimmen gleich; so wird gelost. Sie koͤnnen Anklage und Vertheidigung, wenn sie nicht von einer Zunft gefuͤhrt wer- den, ohne sie auszuhoͤren, (nur den Rathfra- ger muͤssen sie aushoͤren) abweisen. Sie koͤnnen vom Poͤbel so viele, als sie wollen, Landes verweisen. Sie haben keinen Anwald; unterdeß sind doch einige unter ihnen oͤfter Wortfuͤhrer, als andre. Jeder Aldermann darf nicht nur die Meinung der meisten oder aller Aldermaͤn- ner, sondern auch einiger wenigen und sogar seine eigne allein den Zuͤnften und dem Volke vortragen. Ueber dieses alles koͤnnen sie auch Knechte freylassen, und dem Herolde die Stimmen- B 2 sam- samlung auf drey Tage verbieten. Sie thun das lezte sehr selten, weil es die Zuͤnfte nur gegen sie aufbringt. Von den Knechten, Freyen, und Edlen. W er nur Andrer Meinung oder Geschmak hat, oder wer nur nachahmt, ist ein Knecht. Wer selbst denkt, und selten nachahmt, ist ein Freyer. Wer als Entdecker oder Erfinder eine ge- wisse Hoͤhe erreicht hat, ist ein Edler. Da- mit man dieß Wort ja im rechten Verstande nehme, so muͤssen wir anmerken, daß es gar keine Beziehung auf diejenigen Edlen habe, welche Verdienste erben. Unsre Edlen haben selbst Verdienste, und groͤssere, als gewoͤnlich selbst die Erblasser hatten. Diese Unterschiede haben darauf, ob unsre Mitbuͤrger dem Volke oder den Zuͤnften oder auch den Aldermaͤnnern angehoͤren, folgende Beziehung: Die meisten Knechte sind unter dem Volke. Kein Knecht kann Aldermann werden. Die Zuͤnfte Zuͤnfte haben bisweilen einige wenige. Auf dem Landtage 1733 entstand ein grosser Zwist daruͤber: Ob man nicht wol thaͤte, wenn man die Knechte (es waren ihrer damals noch viel mehr als jezt) unzuͤnftig machte; aber es ging nicht durch. Und welche Ungerechtigkeit wuͤrd es auch nicht gewesen seyn, wenn man die guten ehrlichen Knechte, die es kein hehl hatten, wie in ihren Schriften und sonst of- fenbar am Tage lag, so haͤtte verstossen wol- len; da man auf der andern Seite den vielen heimlichen Knechten der Unterzuͤnfte doch nicht haͤtte beykommen koͤnnen. Unter der Zunft der Kenner soll es dazumal so viele dieser lez- ten Art gegeben haben, als es verhaͤltnismaͤs- sig nur immer heimliche Juden in Portugall geben mag. Es sind auch wol bisweilen etliche Freye unter dem Volke; aber gewoͤnlich sind die Freyen Zuͤnfter. Die Aldermaͤnner werden fast immer nur aus den Edlen gewaͤhlt. Von den Belonungen. D ie Freylassung. Die Bedingungen, unter welchen ein Knecht ein Freyer wird, kommen in den Gesezen selbst vor. B 3 Wird Wird ein Knecht, der ein Scribent ist, frey gelassen; so geschieht es (nun seit drey Landtagen) mit dieser Formel, welche der wortfuͤhrende Aldermann ausspricht: Unsre Alten gaben dem Knechte, den sie los liessen, einen Pfeil. Du hast bisher die Fessel der Nachah- mung getragen. Das Vaterland legte sie dir nicht an, das thatest du selbst; aber es loͤset sie. Da ist dein Pfeil: Leser, wie gefall ich dir? Leser, wie gefaͤllst du mir? Die Schale. Einigen wird, wenn sie in die versammelte Landgemeine kommen, aus der Quelle des Hains geschoͤpft. Wir haben eine goldne neuere, und eine Muschelschale, die noch aus den Zeiten der Druiden seyn soll. Das Eichenblatt. Es wird Etlichen bey ihrer Ankunft gereicht. Einigen wird ein Huͤgel angewiesen, von dem nur sie die Landgemeine anreden koͤnnen. Blatt und Eichel empfangen Einige zu- gleich, wenn sie ankommen. Die Unterherolde uͤberreichen die Schale, die Blaͤtter, und die Eichel; sie fuͤhren auch auf den Huͤgel. So So gewiß es auch ist, daß die Eiche den deutschen Charakter vorzuͤglich gut abbildet, und daß sich wol etwas Anmaassung unbeses- ner Verdienste mit einmischte, wenn die Roͤ- mer ihren Buͤrgerkranz aus Eichenlaube floch- ten; so koͤnnen wir doch der Meinung derer nicht beytreten, welche den Ursprung der eben angefuͤhrten Belonungen in den aͤltesten Zei- ten unsrer Nation finden. Denn zu ge- schweigen, daß diese Meinung bloß Vermu- tung ist, so war die Eiche bey unsern aͤltesten Vorfahren mehr, als etwas Symbolisches: sie war ein geheiligter Baum, unter dessen Schatten die Goͤtter am liebsten ausruhten. Alles was man etwa zugestehn kann, ist, daß die geglaubte Heiligkeit der Eiche die Wahl derselben zu einer symbolischen Verstel- lung vielleicht veranlast hat. Denn in den ersten Zeiten der Republik war unter dem ge- meinen Volke die Eiche noch eben so heilig, als es die Loose waren, welche damals nicht etwa im Verborgnen, sondern vor den Altaͤ- ren geworfen wurden. Zuruf an die Nachkommen. Wer einen Huͤgel hat, und die Eichel mit dem Blatte zu erhalten pflegt, ist der groͤsten unsrer Belo- nungen faͤhig, dieser naͤmlich: Der Herold B 4 ruft ruft von ihm vor der versammelten Landge- meine aus: Urenkel! schuͤze sein Werk gegen die Leerheit, die Fuͤhllosigkeit, und die spiz- findige Denkungsart deiner Bruͤder! Daß dieser Ausruf geschehen sey, wird auf eine Pergamentrolle, wie die Geseze, ge- schrieben, und die Rolle wird in der grossen Halle aufbewahrt. Von den Strafen. D as Stirnrunzeln zeigt nicht Spott, son- dern nur Verdruß an. Das Laͤcheln ist angehender Spott. Die laute Lache ist voller herzlicher Spott. Das Naseruͤmpfen ist Spott und Verach- tung zugleich. Das Hohngelaͤchter ist beydes im hoͤchsten Grade. Zwey einheimische Folianten tragen, nen- nen wir: Den Hund tragen ; vier auslaͤn- dische: Den Sattel tragen. Diese beyden Strafen sind durch sehr alte, und lang abge- komne deutsche Geseze veranlast worden. Wer den Hund traͤgt, geht hundert Schritte da- mit, und wer den Sattel, tausend. Kein Kein Freyer oder Edler kann den Sattel tragen. Den tragen nur die Knechte. Un- terdeß beehrt man, bey geringerer Straffaͤl- ligkeit, auch wol Knechte mit dem Hunde. Es ist dieß eine gelinde Strafe. Sie wird der Runzel gleich gehalten. Wir haben’s dabey im Sinne unsrer Alten genommen. Diese, die den wirklichen Hund tragen liessen, meinten’s mit demjenigen nicht schlimm, wel- cher dem einzigen Geselschafter des Menschen unter allen Thieren diese kleine Gegenfreund- schaft erweisen muste. Mit dem Sattel ist es ganz was anders, nicht sowol deswegen, weil es vier Folianten, sondern weil es aus- laͤndische sind. Die Landesverweisung geschieht durch den Herold mit diesem Zurufe: Geh, du trinkst nicht mehr aus der Quelle dieses Hains! und waͤrmst dich nicht mehr an unserm Feuer! Einem die Todtenfackel anzuͤnden , heist: Jhm durch den Herold zurufen lassen, daß seine Schrift todt sey, ob er gleich selbst noch lebe. Es ist schon gesagt worden, was die He- rolde bey den Belonungen, und auch bey zwey Bestrafungen zu thun haben. B 5 Wir Wir haben aber auch sonst noch Beamte , welche die andern Strafen an den Mann brin- gen muͤssen. Dieser sehr loͤbliche Aemter sind allerdings etwas laͤstig. Die Laͤstigkeit fin- det besonders alsdann statt, wenn sie so viele Verrichtungen auf Einmal bekommen, daß sie dieselben so zu sagen, mit Einer Gebehrde, und in Einem Athem, bewerkstelligen muͤssen. Wer ihrer einer werden will, muß haupt- faͤchlich zwey Eigenschaften haben, naͤmlich eine grosse Geschiklichkeit, sich sehr aus- druͤckend zu gebehrden; und dann ein gar be- sondres Larvengesicht, wobey vornaͤmlich die Groͤsse und Gestalt der Nase mit in Betrach- tung kommen. Der Hohnlacher muß ausser diesem (er kriegt aber auch mehr verewigte Maculatur zur Besoldung als die andern) eine sehr starke, und zugleich rauhe Stimme haben. Man pflegt wol den Schreyer von der Landesverweisung loszusprechen, und ihn zum Hohnlacher zu erheben, wenn seine Nase die erforderlichen Eigenschaften zu dieser Ver- richtung hat. Es verlautet, daß es ver- schiednen gewesenen Ausrufern, die jezt Auf- waͤrter bey den Nachtwaͤchtern sind, gegluͤkt sey, Anwartschaft auf eine oder andre dieser Stellen zu bekommen. Sie sollen besonders in der Gebehrdung gar stark seyn. Diese Diese sind die gewoͤnlichsten Belonungen und Bestrafungen. Die uͤbrigen, die selt- ner vorkommen, kann man aus den Gesezen kennen lernen. Von dem Polizeygerichte. B isweilen wird auf den Landtagen ein Po- lizeygericht niedergesezt. Dieses ge- schieht, wenn Faͤlle vorkommen, die zu ent- scheiden unter der Wuͤrde der Republik waͤre. Dieß Gericht besteht aus Zwoͤlfen, die zum Volke gehoͤren, und aus Einem Zuͤnfter. Es ist gehalten, nach einer Vorschrift zu verfahren, die, den Zeitumstaͤnden gemaͤß, gelinder oder strenger eingerichtet wird. Zuͤnf- te und Volk uͤberlassen’s gewoͤnlich den Alder- maͤnnern die Vorschrift zu geben. Vielleicht komt diese Nachricht von der Einrichtung der Republik einigen zu kurz vor. Da sie aber gleichwol vollstaͤndig ist; so kann uns unserm Beduͤnken nach der Vorwurf der Kuͤrze nicht nachtheilig seyn. Den meisten Gelehrten ist diese Einrichtung ohne das schon be- bekant; und diejenigen, welche wegen ihrer Jugend, oder aus andern Ursachen, noch nicht auf unsern Landtagen gewesen sind, moͤ- gen aus dem Kerne, den wir geliefert haben, sich, wie es ihnen gefaͤlt, den Baum auf- wachsen lassen: und, kommen sie hernach auf einen Landtag, zusehn, ob Bluͤthe und Frucht so sind, wie sie es gemeint haben. Wir wollen zu allem Ueberflusse nur noch ein Paar Anmerkungen machen. Die Einrichtung der Republik ist aristo- kratisch. Da die Geseze auch die Groͤsten unsrer Mitbuͤrger angehn; so kann es nicht geschehn, daß die Aristokratie in Oligarchie ausarte. Jm vorigen Jahrhunderte fing die Republik an ziemlich demokratisch zu werden; aber diesem Uebel ist im Anfange des jezigen dadurch voͤllig gesteuert worden, daß das Volk die vierte Stimme verloren hat, und die Aldermaͤnner den Vortrag des Rathfra- gers abweisen koͤnnen. Wir sind auf Landtagen der englischen und der franzoͤsischen Gelehrtenrepublik gewesen. Die englische ist beynah demokratisch. Der Poͤbel hat da viele Freyheiten, und mehr als Einen Schreyer. Wenn sich die Schreyer uͤber eine Sache vereinigen (das beste ist noch, daß dieß selten zu geschehn pflegt) so kann der Poͤbel Poͤbel sogar der Republik vortragen. Knecht kann man da nach Herzens Lust seyn; und heist doch ein Freyer. Denn diese Auslaͤnder be- haupten, daß sie keine Knechte unter sich ha- ben. Deutschen, denen es zuwider ist, daß wir hiervon nicht geschwiegen haben, muͤssen wir bezeugen, daß sie uns gleichguͤltig, und theils veraͤchtlich sind. Die franzoͤsische Gelehrtenrepublik ist jezt so oligarchisch, daß sie sogar einen Hang hat, die Dictatur einzufuͤhren. Auf dem Landta- ge, auf welchem wir waren, fehlte nicht viel daran, daß Voltaire waͤre zum Dictator ge- macht worden. Gluͤklicher Weise gelang noch einem kleinen Haͤuflein Patrioten ihre Widersezung. Wenn denn ja Dictatur seyn solte, welch ein Dictator! Was wuͤrd er un- ter uns seyn! Solte unsre Republik (welches doch ganz und gar nicht zu befuͤrchten ist) so ungluͤklich seyn, auf die Dictatur zu verfal- len; so wuͤrde die Sache doch gewaltig ins Stecken gerathen, wenn es nun auf die Wahl des Dictators ankaͤme. Leibnizen koͤnten wir denn doch nicht wieder auferwecken. Aber gesezt er lebte noch, wuͤrde dieser so sehr ver- ehrungswuͤrdige Mann, dessen Bescheiden- heit nur seiner Groͤsse glich, die Dictatur an- nehmen wollen? Die Die Freyheit unsrer Republik ist in ihrer Einrichtung, und in ihren Gesezen tief ge- gruͤndet. Von innen haben wir also ihren Ver- lust nicht zu fuͤrchten; aber von aussen auch nicht. Denn waͤren auch Maͤcene in Deutsch- land; so wuͤrden die sich gewiß nichts gegen die Republik anmassen, das ihrer Freyheit nachtheilig seyn koͤnte: und dazu, daß uns die Maͤcenate , die es etwa hier und da giebt, auch nur den Schatten eines Jochs solten auf- legen koͤnnen, wuͤrde sehr viel gehoͤren, nichts geringers, als die Abschaffung derer Geseze, welche die Republik in Beziehung auf sie ge- geben hat. Die Die Geseze . Vorrede. D ie Geseze unsrer Republik sind bisher nur durch die muͤndliche Ueberlieferung un- ter uns bekant gewesen. Die Aldermaͤnner pflegten sie bey versammelter Landgemeine bis- weilen aus dem Gedaͤchtnisse zu wiederholen. Nur wenige unsrer Mitbuͤrger bekummerten sich genug darum, um in die Halle zu gehen, und in den Rollen nachzulesen. Oeftere Vor- schuͤzung der Angeklagten, daß sie die Geseze nicht recht wuͤsten, hat die Aldermaͤnner zu dem Entschlusse gebracht, uns, Salogasten und Wlemarn, zu gebieten, daß wir den Hauptinhalt der nothwendigsten Geseze durch den Druk bekant machen solten. Wir thun dieses hiermit, und fuͤhren dabey allzeit die Geseze selbst, oder die Landgerichte, denn so heissen sie in unsern Jahrbuͤchern, dadurch an, daß wir den Anfang derselben hinsezen. Es ist nun auch folgendes von den Aldermaͤn- nern genehmigt worden. Die Landgerichte werden naͤmlich nicht mehr, wie vordem, und nur bisweilen, geschah, vor der Landgemeine aus dem Gedaͤchtnisse wiederholt, sondern verlesen. Und vielleicht wird bey der naͤch- sten Versamlung der Landgemeine auf den Druk derselben angetragen. Jn dem Falle, C daß daß dann die Mehrheit der Stimmen fuͤr diese Bekantmachung ist, so werden wir sie, und zwar in der ihnen eignen aͤltern Schreibart, die aber auch in den spaͤtern Zeiten ist beybe- halten worden, herausgeben. Duͤrften wir diese Schreibart auch veraͤndern; so wuͤrden wir es doch nicht thun wollen. Denn sie ist von einer Beschaffenheit, daß durch sie der wahre Sinn der Geseze vorzuͤglich gut her- vorleuchtet. Haͤtten wir, was unsre jezigen Anzeigen des Hauptinhalts betrift, auch nur in gering- stem diesen wahren Sinn verfehlt; so wuͤrden wir die ersten seyn, die sich daruͤber die leb- haftesten Vorwuͤrfe machen wuͤrden. Denn zu geschweigen, daß dieß dem Besten der Re- publik zuwider waͤre, so muͤsten wir uns ja alsdann fuͤr unwuͤrdige Abkoͤmlinge unsrer grossen Stamvaͤter Salogastens und Wle- mars halten, die nebst andern Weisen ihrer Zeit die Geseze der salischen Franken und der Friesen, mit der gewissenhaftesten Sorgfalt gesammelt, und in Ordnung gebracht haben. Geschrieben in der grossen Halle 1769. Ein- Einleitung. 1 Von den Grundsaͤzen der Re- publik. D eren haben wir nur drey. Der erste ist: D urch Untersuchung Bestimmung, Entdeckung, Erfindung, Bildung, und Beseelung ehmaliger, neuer, und wuͤrdi- ger Gegenstaͤnde des Denkens und der Em- pfindung sich recht viele und recht mannig- faltige Beschaͤftigungen und Vergnuͤgen des Geistes zu machen. Der zweyte: Das nuͤzlichste und schoͤnste von dem, was jene Beschaͤftigungen und Vergnuͤgungen unter- halten hat, durch Schriften; und das nothwendigste auf Lehrstuͤlen Andern mit- zutheilen. Der dritte: Schriften, deren Jnhalt einer gewissen Bildung nicht nur faͤhig, sondern auch wuͤrdig ist, denen vorzuziehen, die entweder ohne diesen Jn- halt, oder ohne diese Bildung sind. Dadurch wird nicht gesagt, daß diese Bil- dung sich immer bis zur Darstellung , aber gesagt wird, daß sie sich allzeit uͤber den trok- nen Vortrag erheben muͤsse. Die Erfahrung vieler Jahrhunderte hat gezeigt, daß nur solche Schriften dauren: C 2 Und Und obgleich auch bisweilen diejenigen, denen jene Wuͤrdigkeit des Jnhalts fehlt, auf die Nachwelt gekommen sind, so verdienen sie doch ihre Dauer nicht. Der Grund des Vor- zuges, den wir geben, ist zu erwartende und verdiente Dauer. Handeln und Schreiben ist weniger unter- schieden, als man gewoͤnlich glaubt. Wer handelt und wer schreibt, bringt Wirkungen hervor. Diese sind auf beiden Seiten sehr mannigfaltig. Die das Herz angehn, sind die vorzuͤglichsten. Sie haben eine naͤhere Beziehung auf die Gluͤkseligkeit, als alle an- dere. Ob der Schreiber oder der Handelnde in groͤsserm Umfange wirke? Der eine viel- leicht bisweilen so lange er lebt, und dann durch die Wirkungen der Wirkungen, so lange sie dauern koͤnnen. Der andre wirkt auch nach seinem Tode, und immer von neuem ganz. Und wenn dieses von neuem ganz auch nur ein Jahrhundert fortwaͤhrt, so waͤhrt es lange. Hierzu koͤmt noch die ge- woͤnlich groͤssere Zahl derer, auf welche die Schrift Einfluß hat. Und dann die Einfluͤsse der Leser auf die, welche sie nicht kennen. Dieß wiegt auch auf der Wagschale. Die Aldermaͤnner haben uns geboten, auch uͤber diese Sachen kurz zu seyn, ob wir gleich, ohne weit- weitlaͤuftig zu werden, viel mehr daruͤber haͤt- ten sagen koͤnnen. 2 Von unserer Politik. W ir haben gar keine. Dieß bringt uns nicht wenig Nachtheil. Den Alder- maͤnnern ist nicht unbekant, daß sie sich bey versammelter Landgemeine vergebens bemuͤhen wuͤrden, sie von diesem Nachtheile zu uͤber- zeugen. Sie haben aber beschlossen, einige wenige Grundsaͤze der Politik fuͤr sich selbst festzusezen. Hiervon komt in der Geschichte unserer Republik, die nun bald vollendet ist, mehr vor. Wir wissen noch nicht, ob wir sie werden herausgeben duͤrfen; aber davon, daß uns die Aldermaͤnner befehlen werden, die Geschichte des bevorstehenden Landtages be- kant zu machen, haben wir viel Hofnung. Auf diesen werden viel wichtige Dinge vorgehn, und ausgemacht werden. Man wird auch, wie die Rede geht, unter anderm einige Freye, die es unrechtmaͤssig sind, zu Knechten ma- chen; viele unsrer Mitbuͤrger, bis sie sich etwa bessern moͤchten, fuͤr stimmenlos, und nicht wenige zu Nachtwaͤchtern erklaͤren, sowol we- gen ihrer Wahlfaͤhigkeit, als auch deswegen, C 3 weil weil die Vermehrung der Nachtwaͤchter jezt Noth thut. Denn von den auslaͤndischen Gelehrtenrepubliken kommen nachtnaͤchtlich mehr verstorbne Schriften an, die als Ge- spenster umgehen, und bey unsrer Jugend be- sonders dadurch viel Unheil stiften, daß sie vorgeben, als machten sie daheim Epoke. (Wir duͤrfen es uns verzeihn, dieses fremde Wort gebraucht zu haben, weil das ganze Ge- schwaͤz von allerley Epoken, die keine Epoken sind, von den Auslaͤndern zu uns heruͤber ge- kommen ist.) Es zweifeln freylich etliche unter uns an erwaͤhnten Gespenstergeschich- ten; sie fuͤhren auch ziemlich scheinbare Ursa- chen ihrer Zweifel an, indem sie sagen, daß solche Schriften ohne Geist gewesen waͤren; wenigstens wuͤrde man das Gegentheil eben so wenig erweisen koͤnnen, als man erweisen koͤnte, daß die Thiere Seelen haͤtten: aber was sie auch vorbringen moͤgen; so sind zu Viele, die solche Gespenster gesehen haben. Die Die Geseze . Von unsrer Sprache. 1 W er lateinisch schreibt (die bekanten Noth- durften ausgenommen) wird so lange Landes verwiesen, bis er etwas in unsrer Sprache geschrieben hat. Landgericht: Die unvaterlaͤndischen Sclaven … L. G. Den Nachlesern und Stoppelsam- lern … Wir werden sowol hier als in der Folge ei- nige historische und auch andre Erlaͤuterungen hinzusezen. Nur denen, welchen unsre Ge- seze gleichguͤltig sind, kann es diese Sorgfalt ihren Sinn zu zeigen seyn. Das Gesez die Sclaven betreffend ist aͤl- ter, als wir wegen der lauen Beobachtung desselben sagen moͤgen. Die Stoppelsam- ler kamen auch schon auf einem Landtage des vorigen Jahrhunderts vor. Die Scholiasten haben sich auf beyden Landtagen nicht wenig C 4 un- unnuͤz gemacht; aber dafuͤr auch derbe Wider- spruͤche hoͤren muͤssen. Eine Stelle des ersten Gesezes hat uns immer vorzuͤglich merkwuͤr- dig geschienen, diese naͤmlich: Denn was da Buͤcher lieset, wird nicht eher aus dem Nebel der Redensarten heraus, und bis zu dem Lichte wirklicher Gedanken kommen, als bis die, welche die Buͤcher fertigen, in der Sprache des Landes schreiben. Der Scholiast Petrus Schorfius Secundus soll von dieser Stelle das Zipperlein gekriegt ha- ben. 2 Wer in einer neuen auslaͤndischen Sprache schreibt, wird so lange Landes verwiesen, bis er etwas in unsrer Sprache herausgiebt. Jst er ein Knecht, so wird er vorher durchs Nafe- ruͤmpfen gestraft. L. G. Die Geringschaͤzung des Eignen, und Bewundrung des Fremden … L. G. Selbst Leibniz, wenn er wieder kaͤ- me … 3 Wenn 3 Wenn ein Knecht uͤber drey neue Worte wagt, so buͤßt ers durch das Naseruͤmpfen. L. G. Einmischung in anderer Leute Sa- chen … Dieß Gesez ist auf dem ersten Landtage, von dem wir Jahrbuͤcher haben, naͤmlich 1553 gegeben worden. Man weiß, daß schon Luther, (gegruͤsset sey mit einem war- men herzlichen Grusse die Asche dieses vortref- lichen Mannes!) daß schon er einen ordentli- cheren Landtag, auf dem unter andern alles was vorginge, in Jahrbuͤcher aufgezeichnet wuͤrde, hat zusammen berufen wollen; aber er ist nicht damit zu Stande gekommen, und daruͤber hingestorben. Wir finden in den Jahrbuͤchern (Luthers Handschrift ist dabey geklebt, und mit Seidenzeuge, wie die klei- nen Malereyen uͤber den Liedern der Minne- saͤnger, bedekt) folgendes mit groͤssern Buch- staben eingetragen: Komts dazu, daß die Landgemeine gelehrter Maͤnner zusammen- trit; so reg ich denn an, und bringe als zur Richtschnur in Vorschlag: Beruͤmpft soll und muß werden jeglicher Knecht, klei- C 5 nes nes oder grosses Rufs und Namens, vom Haubt bis zun Fuͤssen, der’s waghalset auch nur zwey bis drey neue Wort in unsre liebe edle deutsche Sprache einschalten zu wollen. 4 Wenn ein Freyer oder Edler auslaͤndische Worte ohne Beduͤrfnis in die Sprache mischt, so entgilt er’s, sinds nur wenige, durch die Stirnrunzel, sinds aber viele, so traͤgt er den Hund. Mischt ein Knecht ein, es seyn dann viel oder wenig Worte; so buͤsset er’s durch das Hohngelaͤchter, und wird er noch einmal betreten, durch den Sattel. L. G. Wider die Natur und alte gute Sitte unsrer Sprache … 5 Wer hundert Scherfe und zehn Goldstuͤcke in die Sprache gebracht hat, der erhaͤlt Schale und Blatt; wer die doppelte Zahl der Scherfe und der Goldstuͤcke, Huͤgel und Eichel. L. G. L. G. Weil von der Sprache grossentheils die Denkungsart eines Volks abhaͤngt … Sowol das von der alten guten Sitte , als von der Sprache und Denkungsart , sind 1698 gegeben worden. Zu Karls des Fuͤnften Zeiten mischte man, wie Leibniz er- zaͤhlt, spanische Worte ein, vermutlich aus gutherziger Dankbarkeit fuͤr den schoͤnen kai- serlichen Einfall, und damit ihm die Pferde- sprache etwas sanfter wiehern moͤchte. Wie es diesen Worten ergangen ist, wissen wir; und sehen zugleich daraus, wie es kuͤnftig al- len heutigstaͤgigen Einmischungen ergehen werde, so arg naͤmlich, daß dann einer kom- men und erzaͤhlen muß, aus der oder der Sprache waͤre damals, zu unsrer Zeit naͤm- lich, auch wieder eingemischt worden; aber die Sprache, die das nun einmal schlechter- dings nicht vertragen koͤnte, haͤtte auch da- mals wieder Uebelkeiten bekommen. Jn dem zweyten dieser Geseze wird von den Gold- stuͤcken gesagt, daß sie wahre Heckethaler waͤren. Von Von Streitschriften. 1 S treitschriften koͤnnen nur im Falle der Nothwehr gewechselt werden. L. G. Obwohl oft Wahrheit durch Streit und Strauß … Dieses wurde erst auf dem Landtage 1733 gegeben. Eine fruͤhere Gesezgebung Streit und Strauß betreffend haͤtte vielleicht manche Laͤcherlichkeit von den Gelehrten abgewendet. 2 Wenn der Fall der Nothwehr, welcher durch hundert gute Maͤnner und Einen bestaͤ- tigt werden muß, nicht vorhanden gewesen ist, so wirds an dem Angreifer und dem Ver- theidiger durch dreymal wiederholtes Hohnge- laͤchter geruͤgt, weil unter den Altfranken, vornehmen und geringen, viel Lachens uͤber den Streit gewesen ist. L. G. Der hohe Ton etlicher Altfranken, die doch selbst, wenn sie Kriege fuͤhren … 3 Jst 3 Jst der eine von den Streitenden ein Edler gewesen, so buͤst ers nur durch die Stirnrun- zel und das Laͤcheln. L. G. Mehr zur Warnung als zur Strafe … 4 Wird ein Streitender ertapt, daß er un- ter seinem Schreibzeuge Knuͤttel oder Keule verstekt liegen habe, so wird er auf ein Jahr Landes verwiesen. L. G. Alle Wildemanns Arbeit … Diese drey Geseze gehoͤren dem folgenden Landtage zu. Die Angeklagten hatten sich hinter der Schwierigkeit, den Fall der Noth- wehr zu bestimmen, verstecken wollen. Das: Der hohe Ton etlicher Altfran- ken enthaͤlt besonders eine nicht unmerkwuͤr- dige Stelle, diese naͤmlich: Moͤgen sich doch Karl und Franciscus noch so kraͤftige Schimpfworte zugeschrieben haben; mag doch so mancher Fuͤrstendiener, wenn er , zur zur Zeit des Schwertrechts, vom Ver- nunftrechte, geplaudert hat, durch Huͤlfe noch derberer Schimpfworte uͤber beyder- seitige Majestaͤten noch so weit weggekom- men seyn; so ists und bleibts doch der Ge- lehrten unwuͤrdig … Bey der gelinderen Bestrafung des Edlen wird vorausgesezt, daß er mit mehr Maͤssi- gung, als der andre gestritten habe. Denn waͤre dieses nicht; so muͤste er es, weil er ein Edler ist, desto mehr buͤssen. Es koͤnte scheinen, als wenn das lezte die- ser Geseze in fruͤheren Zeiten, in denen, da man noch gewafnete Vorreden schrieb, waͤre gemacht worden. Gleichwol ist es von 1733. Man hat Unrecht, wenn man den Gesezge- bern nicht zutraut, daß sie ihre Zeiten kennen. Vielleicht ist dieß Gesez, selbst in unsern Zei- ten, nicht ganz uͤberfliessig. Kerngeseze. 1 W er, unter dem Vorwande der Vollstaͤn- digkeit, das Wiederholte wiederholt, ist auf Jahr und Tag zu Belonungen un- faͤhig. L. G. L. G. Anlangend die Abschaffung der Pluder- hosen … Wir erwaͤhnen nur in Vorbeygehn, aber, nach unsrer historischen Genauigkeit, koͤnnen wir es doch auch nicht voͤllig weglassen, daß, unter dem Volke und der Zunft der Scholia- sten, ein nicht kurzdaurender Zwist daruͤber entstand, ob man Pluderhosen , oder Pump- hosen sezen solte. Dieses sehr reichhaltige Gesez, das unschuldiger Weise den laͤcher- lichen Zwist veranlaste, wurde auf dem Land- tage 1723 von den Aldermaͤnnern in Vor- schlag gebracht. Beynah waͤr es nicht durch- gegangen. Nur Eine Zunft gab den Aus- schlag. Die Scholiasten regten sich mit be- sondrer Heimtuͤcke dawider. Die Nachricht von ihren damaligen Raͤnken fuͤlt viele Blaͤt- ter der Jahrbuͤcher. Wir haben diese Abthei- lung deswegen Kerngeseze uͤberschrieben, weil wir sie unter den Papieren eines Aldermanus mit dieser Aufschrift gefunden haben. 2 Wenn sich ein Scribent in seinen Werken auf mehr als zwey Wissenschaften und drey Kentnisse einlaͤst, muß er entweder auf alles Ge- Gefuͤhl von Vortreflichkeit Verzicht thun; in diesem Falle ist er, so lange er bey dieser Verzicht beharret, aller Belonungen un- faͤhig. L. G. Alle die sich mit Wissen und Willen beym Stule niedersezen … Oder er muß beweisen, daß Leibnizens Geist in ihn gefahren sey. Jm Falle, daß es mit dem Beweise nicht fort will, ist er, so lange er bey der Behauptung beharret, eben sowol aller Belonungen unfaͤhig. L. G. Da nichts mislicher ist, als Berufung auf grosse Maͤnner … Wir haben die erste von diesen beyden Rol- len nie gelesen ohne uns bey folgender Stelle etwas laͤnger aufzuhalten: Denn Vortref- lichkeit hat Falkenauge und Adlerflug; und ist mit nichten ein Schmetterling, der nur so eben ein wenig uͤberm Geschmeiß umher- flattert. 3 Ein Knecht kann uͤber diese Sache gar nicht vernommen werden. L. G. L. G. Alles was ausser der Sehe und Beaͤu- gung … 4 Jn dem hoffentlich seltnen Falle, daß ein Freyer fortdauernde Unbaͤrtigkeit durch den Augenschein solte darthun koͤnnen, wird er auch nicht vernommen. L. G. Da Unbaͤrtigkeit unter die unuͤberwindli- chen Hindernisse … Die beyden Geseze, die kurze Sehe und die augenscheinliche Unbaͤrtigkeit betreffend, gehoͤren mit zu den gelindesten, welche die Republik hat. Bey den Altfranken sind uns indeß die Folgen dieser Schonung etwas nach- theilig. Denn diese haben kein arg aus dem grossen Unterschiede, der zwischen Knechten, solchen Freyen, und Maͤnnern ist, wider welche nach den drey ersten Kerngesezen mit Strenge verfahren wird. 5 Wer uͤberwiesen werden kann, daß er die Stunde des Genies ungebraucht habe vor- D uͤber uͤber gehen lassen, ist auf Jahr und Tag kei- ner Belonung faͤhig. L. G. Die Kuͤrze des Lebens, und die Selten- heit der Stunden … 6 Wer zu wenigem Jnhalte viel Geschwaͤz gemacht, und dieß hundert und Einen Tag getrieben hat, entgilt es durch die laute Lache. L. G. Niemanden weniger als den Deutschen ziemet … L. G. Die grosse ansteckende und gar gefaͤhr- liche Krankheit unsers erleuchteten achtzehn- ten Jahrhunderts … Die Seuche, der das Gesez erwaͤhnt, ist erst auf dem Landtage 1757 so recht bemerkt worden; und doch hatte sie besonders auch in vorigem Jahrhunderte schon sehr gewuͤtet. Wie schleichend ist oft der Gang, den die menschliche Erkentnis geht. Wir Wir koͤnnen die etwanige Dunkelheit des Ausdruks: Hundert und Einen Tag , am besten aus dem Geseze selbst erklaͤren. Jn der Rolle lautets davon so: Wird’s hundert und eintaͤgige Geschwaͤz auf Lehrstuͤlen ge- trieben; so ist die Rede von wirklichen Ta- gen: faͤlt aber der Unfug in Buͤchern vor; so wird die angezeigte Zahl Bogen verstan- den. 7 Will sich einer, der vieles Geschwaͤzes hal- ben angeklagt ist, durch Gewonheiten, Her- kommen, Sitten und Gebraͤuche anderer Ge- lehrtenrepubliken, unsrer Bundsgenossinnen, entschuldigen, so buͤsset ers durchs Hohnge- laͤchter. L. G. Nicht zur Beschoͤnigung, sondern daß man sich daran spiegle, dient … Mit den Einfluͤssen dieser Sitten und Ge- braͤuche ging es vor der Gebung des Gesezes (es ist auch erst von 1757) doch auch allzu- weit. Wer Mut genung hat, sich in grosse Buͤchersaͤle zu begeben, muß beynah vor je- D 2 dem dem Schranke die Ohren zuhalten, wenn er nicht voͤllig betaͤubt werden will. Von den Lehrgebaͤuden. 1 N eue Lehrgebaͤude werden gleich, wenn sie fertig sind, verbraut. L. G. Damit die Republik nicht durch grosse Wahrheitsverluste in Gefahr komme … 2 Wenn das Lehrgebaͤude brent, wird der Erbauer an die Graͤnze gefuͤhrt. Laͤst er beym Umsehen nur eine Thraͤne fallen, so wird er so lange verwiesen, bis der Wind die Asche ganz zerstreuet hat. L. G. Hartnaͤckige oder welchliche Anhaͤnglich- keit darf nie den Richter … 3 Wer auch nur als Handlanger dabey gehol- fen, vornaͤmlich aber wer den Kranz aufge- sezt sezt und die Rede gehalten hat, wird mit der lauten Lache bestraft. L. G. Bey Dingeu, wodurch die Republik in Gefahr kommen kann, wird bis auf den Helfershelfer … Einige wolten, daß man die Einfuͤhrung dieser Geseze, weil Wolf noch lebte, bis zum kuͤnftigen Landtage aussezen solte. Aber wie konte die versammelte Republik, Eines Man- nes halben, unterlassen, was sie zu thun vor- hatte? Wird die Zeit jemals kommen, da man genug richtige Erfahrungen wird gesam- melt haben, und also die Geseze von den Lehr- gebaͤuden wird abschaffen koͤnnen? Von den Nachtwaͤchtern. 1 W er fuͤnf Jahre und sieben Tage nichts an- ders gethan, als mittelmaͤssige Buͤcher uͤbersezt hat, wird Nachtwaͤchter. L. G. Die gute Vertheilung der verschiednen Geschaͤfte … D 3 Wurde Wurde 1733 von der Zunft der Scholia- sten vorgeschlagen. Sie fuͤrchteten wol, daß naͤhere Bekantschaft mit den Auslaͤndern ih- ren Schriften nachtheilig seyn moͤchte. Die einstimmenden Zuͤnfte nahmen: mittelmaͤs- sig in seinem rechten Verstande; und kehrten sich nicht daran, daß die Scholiasten die Schriften der Neueren uͤberhaupt damit ge- meint hatten. Bald nach Einfuͤhrung des Gesezes wurden drey Scholiasten, weil sie aus andern Ursachen wahlfaͤhig waren, zu Nachtwaͤchtern gemacht. 2 Ein Nachtwaͤchter hat unter andern dafuͤr zu sorgen, daß die, welche durch eine spize oder scharfe Feder im Zweykampf erlegt sind, und nun als Gespenster umgehen, des Spu- kes nicht zu viel machen. L. G. Das ewige Vorgeben derer, die im Zweykampfe geblieben sind, als waͤren sie nicht geblieben … Wer hat solche Beyspiele von Zweykaͤm- pfen nicht erlebt. Wir Gelehrten streiten so viel, daß ja zulezt auch wol mancher bleiben muß. muß. Als vor kurzem der beruͤhmte Para- celsus Gompel von seinem Gegner nicht ritter- maͤssig erlegt, sondern auf gut irokesisch so war zerstuͤmmelt worden, daß er vor aller Welt Augen, Glied bey Glied, dalag; kon- ten seiner gleichwol drey Nachtwaͤchter nicht Herr werden, so gewaltig spuͤkt er, und schrie immer dabey: Jch bin aber doch nicht erlegt! ich bin nicht erlegt, sage ich! Endlich riefen sie einen ganz jungen Kritikbeflissenen zu Huͤl- fe, der eben erst aus dem Neste geflogen war. Der verstand’s anders, und schafte den ar- men Gompel auf der Stelle fort. Wenn er nun noch bisweilen wiederkomt, so trit er ganz leise auf, und fragt, sobald er die Hoͤr- ner hoͤrt, immer erst, eh er weiter schleicht: Jst der Beflissene auch von der Geselschaft? Von der Entdeckung und der Erfindung. 1 E ntdecker bekommen das Eichenblatt. L. G. Da besonders auch dadurch das Beste der Republik gefoͤrdert wird, daß … D 4 Auch Auch die gehoͤren zu den Entdeckern, wel- che die wahr geglaubte Erfahrung als falsch zeigen. 2 Erfindern wird der Huͤgel gegeben. L. G. Die Ehrerbietung, die man den Erfin- dern schuldig ist … L. G. Erfindung hat Augen, Fund ertappts … Da besonders auch dadurch und: Die Ehrerbietung, die man sind schon von 1645. So fruͤh sind uns Entdecker und Erfinder wichtig gewesen; und gleichwol scheint noch jezt die Kenntnis dessen, was ei- ner Nation Ehre macht, bey unsern Grossen sehr eingeschraͤnkt zu seyn. Und wer kann wissen, wie lange ihnen diese altfraͤnkische Denkungsart noch ankleben wird. 3 Wenn die Entdeckung und die Erfindung von Umfange der Schwierigkeit und des Nuzens ist, so wird dem Entdecker der Huͤ- gel, gel, und dem Erfinder ausser dem Huͤgel Blatt und Eichel gegeben. L. G. Keiner hat gerechtere Anspruͤche auf die hoͤchsten Belonungen … L. G. Nicht die blosse Ausbildung, sondern die wirkliche Erweiterung der Wissenschaf- ten … 4 Wenn ein Knecht darthun kann, daß Ent- deckung oder Erfindung einem andern zuge- hoͤre, so wird er frey gelassen. L. G. Solte etwa ein Knecht wider alles Ver- muthen … Nichts ist ungerechter, als eines Andern Erfindung fuͤr seine eigne auszugeben. Des- wegen sind selbst die Knechte gegen solche Raͤu- ber aufgeboten worden. D 5 Von Von den Maͤcenaten. Vorbericht. S elbst ein Maͤcen, ein Unterstuͤzer der Wissenschaften, welcher dem roͤmischen gleicht, und nicht bloß sein Nachaͤffer ist, kann das nicht thun, was Martial in jenen kriechenden Versen an Flaccus schrieb: Wenn nur Maͤcene sind, so wird’s an Maronen nicht fehlen. Selbst dein Dorf wird dir einen Virgil geben. Was koͤnnen nun vol- lends Maͤcenate thun? und was haben sie gethan? Doch sie lassen wir in Ruh und Frieden der Ehre geniessen, mit der sie nun so fuͤrlieb nehmen wollen; unsre Geseze gehen nur diejenigen unter uns an, die schwach- koͤpfig oder niedrig genung sind, Maͤcenate als Maͤcene zu verehren. 1 Nimt sich’s einer heraus, ohne Anfrage bey Zunft oder Volke, irgend Jemanden ei- nen Maͤcen zu nennen, der ein Band hat oder keins, einen Kragen oder keinen, der ein Altfranke ist, oder einer unsrer lauen Mit- buͤrger, aber der weder Macht noch Kopfs genung hat ein Maͤcen zu seyn; so komt er so oft, oft, und jedesmal auf drey Tage, entweder unter das Volk, oder unter den Poͤbel, als ihm es ein andrer nachspricht, und gegen den Mann, der maͤcenirt ist worden, den grossen Namen misbraucht. Wirds ihm zum zwan- zigstenmale nachgesprochen, so muß er bleiben, wo er dann eben hingekommen ist. L. G. Moͤchte sich doch die Asche Maͤcens in ihrer Urne bewegen … Jn der Rolle steht noch dieses: Noth thuts, daß wir sie so gar verschiedentlich benennen. Einer von altem roͤmischen Gepraͤge heisse denn: ein Maͤcen; und einer von neuerem Schla- ge, ein Ehrenpfennig heisse: ein Maͤce- nat. 2 Schmeichelt Jemand einem Maͤcenaten dergestalt, daß diesem sogar davor ekelt; so wird er auf drey Tage unter die Nachtwaͤch- ter gebracht. L. G. Wo einer, es sey schriftlich oder muͤnd- lich, den Maͤcenaten so unmaͤssiglich raͤu- chert, daß diesem schlimm darob wird, und und er endlich die Nase zuhalten muß; so … 3 Fuͤhrt Jemand einen guten Juͤngling zu einem Maͤcenaten, daß er demselben Buͤk- linge mache, und seine Worte noch fuͤr etwas mehr als Worte nehme; so wird er auf so viel Tage Landes verwiesen, als der arme junge Mensch Buͤklinge gemacht hat. Da es manchmal Schwierigkeiten haben koͤnte, die Zahl der Buͤklinge genau anzugeben; so werden, bey verschiedner Aussage des Fuͤh- rers und des Gefuͤhrten, zwanzig in Rech- nung gebracht. L. G. Oberschranzen und Unterschranzen, Jr- wische und Sternschnupfen, und derglei- chen; Masken, und was sie in die Hand schreiben, Versprechen und Halten, und dergleichen … Einige wolten bey der erwaͤhnten Verschie- denheit der Aussagen hundert Buͤklinge an- nehmen; allein sie liessen sich doch von ihrer Meinung abbringen, als man ihnen vorstelte, daß die kleinen halbvollendeten Buͤklinge, deren deren doch bey solchen Anlaͤssen nicht wenige vorfielen, bloß als Zwischenspiele anzusehn, und daher nicht mit zu zaͤhlen waͤren. 4 Wer Maͤcenaten edle Ehrbegierde Schuld giebt wird als ein Verunglimpfer ihres gu- ten Namens angesehn, und gleich allen After- rednern der Polizey uͤbergeben. L. G. Duͤrfte Schuz der Geseze irgend Jeman- den verweigert werden; so faͤnde solche Verweigerung bey etwanigen Klagen der Maͤcenatschaften wol am ersten statt … Wie oft urtheilt man nicht von Sachen, von denen man doch nicht weiß, wie es damit zusammenhaͤngt. Wir befuͤrchten, daß die angefuͤhrte Rolle solche Urtheilerey veranlas- sen werde. Wir muͤssen also sagen, wie sie entstanden ist. Ein Maͤcenat gab wider ei- nen seiner Hofierer eine Klage ein, daß ihm dieser auf eine ehrenruͤhrige Weise Stolz bey- gemessen habe; und der Hofierer hatte doch weiter nichts gethan, als in einem langen Ab- schnitte von der edlen Ehrbegierde eine nicht viel kuͤrzere Anwendung auf den Maͤcenaten ge- gemacht. Man that dem Maͤcenaten Vor- stellung uͤber die eigentliche Beschaffenheit der Sache; da er aber gar nicht hoͤren wolte, und uͤber versagte Gerechtigkeit immer lauter wurde: so konte man ihm zwar wol keine Ge- nungthuung verschaffen; denn nach welchen Geseze haͤtte man den Hofierer bestrafen koͤn- nen? aber man sah sich doch durch den Vor- fall genoͤtigt, das Gesez, wovon wir reden, zu geben. Der Maͤcenat aͤusserte viel Zufrie- denheit daruͤber, und schien voͤllig besaͤnftigt zu seyn, als er den Landtag verließ. Komm mir nun nur wieder! mochte er denken. Nur denen, die noch nicht lange in der Welt gelebt, oder auf nichts, was darinn vorgeht, Achtung gegeben haben, ist es un- bekant, daß solche Begebenheiten sich wirk- lich zuzutragen pflegen. 5 Derjenige Maͤcenat, der den Unfug ein- sieht, welcher dadurch entstanden ist, daß er sich die bekanten Koͤrner hat streuen lassen, und der dabey erklaͤrt, er sey dergleichen ge- lehrte Dienerschaft nicht ferner zu dulden ge- sonnen, kann in die Republik, und also nach vorgaͤngiger Untersuchung der Aldermaͤnner ent- entweder unter das Volk, oder in eine Zunft aufgenommen werden. Wuͤrd er aber weder hier noch dort der Aufname wuͤrdig befunden; so wird ihm gleichwol nicht zugelassen sich un- ter den Poͤbel zu begeben. Denn wie wenig Ansehn er unter wahren Kennern von Perso- nen und Sachen auch immer gehabt haben mag; so geziemt es sich doch nicht, daß ein gewesener Maͤcenat unter dem Poͤbel herum- wandre, und wenn er auf einem Landtage etwas vorzubringen hat, sich bey dem Schreyer in Gunst sezen muͤsse, daß der es bekant mache. L. G. Unerachtet aller Heg- und Pflegung der Zuschriftsverbeugungen, Knechtlichkeiten, und Kriechereyen, der sich etwa ein wei- land Maͤcenat moͤge schuldig gemacht ha- ben … Von der Ehre, die keine Ehre ist. 1 A n denen die Verdienste haben, |aber doch schwach genung sind, sich aus dem Bey- falle falle derer etwas zu machen, die keinen geben koͤnnen, wird diese Schwachheit dadurch be- straft, daß es ihnen mit vorzuͤglicher Strenge, und beynah mit Haͤrte erschwert wird die Be- lonungen der Republik zu erhalten. L. G. Weil mit nichten koͤnnen loben, und auch nicht tadlen, die da sind Nachsager, Angaffer, Wizhaftige, Schwaͤzer in Zu- sammenkuͤnften und Buͤchern, Maͤcenate, Schranzen, Ausschreiber, Abconterfeyer, Meisterer, Pfuscher, Theoreyklauber, Baͤn- kelsaͤnger, Schemelrichter, und wer sonst noch dieses Gelichters, Geschmeisses, und Gezuͤchts seyn mag, kurz die Narren, Tho- ren und Gaͤuche samt und sonders, von denen Luther sagt: Bist du der Haar, Lie- ber, so greif dir an deine Ohren, und grei- fest du recht, so wirst du finden ein schoͤn Paar grosser langer rauher Ohren; und wage dann vollends die Kost daran, und schmuͤcke sie mit guͤldnen Schellen, auf daß, wo du gehest, man dich hoͤren koͤnne, mit Fingern auf dich weisen, und sagen: Sehet, sehet, da geht das feine Thier, das so treflich kann Ehre geben, und Ehre nehmen. Magst dann mit den Schellen laͤu- laͤuten, oder auch, behaget dir dieses baß, auf der Lauten schlagen allerley Sudeley etlichen zum Lobe, und allerley Hudeley etlichen zum Tadel .. so haben wir zu Foͤrderung aͤchter Ehr, und damit diese Kron, Juweel und Kleinod gelehrter Leute nicht unter die Bank gerathe, diensam zu seyn erachtet, daß … Dieß Gesez ist aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, naͤmlich von dem Landtage 1652. Es ist sehr zu vermuten, daß es auf dem naͤchsten Landtage werde abgeschaft wer- den, weil es auf unsre Zeiten nicht past, und daher uͤberfliessig ist. Gleichwol haben wir nicht unterlassen wollen es mit anzufuͤh- ren, weil man denn doch allerhand gute Be- trachtungen uͤber das anstellen kann, was zu den Zeiten unsrer Vorfahren etwa nuͤzlich, oder wol gar notwendig gewesen ist. 2 Wird Jemand ertappt, daß er einem Aus- rufer Eigenlob mit noch etwas dabey in die Hand gedruͤkt, und sich also selbst ausgerufen habe; so wird er der Polizey uͤbergeben, die ihn dann den Umstaͤnden gemaͤß, nachdem naͤmlich der Ausruf laut oder leise gewesen ist, E lange lange oder kurze Zeit gewaͤhrt hat, schon ab- strafen wird. L. G. Da solch Eigenlob, welches einer durch eines Andern Schlund und Maul gehen laͤst, so unsaͤglich stinkt, daß … Wir sind einige Zeit bey uns angestanden, ob wir dieß Gesez mit anfuͤhren wolten. Wir dachten naͤmlich, es koͤnte der Ehre der Re- publik nachtheilig seyn, wenn wir einen so schlimmen Schaden aufdekten, als der ist, zu dessen Heilung sich hier die Gesezgeber ha- ben herunter lassen muͤssen; allein bey reiferer Erwaͤgung der Sache fanden wir, daß es denn doch billige Maͤnner, und solten sie selbst Altfranken seyn, der Republik nicht wuͤrden zu Schulden kommen lassen, wenn sie etwa ein Paar solcher reudiger Mitbuͤrg er haͤtte. Jst doch wol vielfachere und groͤssere Reudig- keit unter denen vorhanden, welche, mit ei- nem der feinsten Toͤne der sogenanten grossen Welt, das gleich von allen Gelehrten be- haupten, weswegen doch nur einige wenige unter ihnen Vorwuͤrfe verdienen. 3 Die- 3 Diejenigen die einander oͤffentlich, wieder- holt, und so loben, daß man siehet, der eine wolle immer wieder haben, und bekomme auch wieder, was er gegeben hat, machen sich dadurch unwuͤrdig, daß ihnen Denkmale gesezt werden. L. G. Wechseln ihrer zwey mit solcher Hize Lob gegen einander, daß immer Schuß auf Schuß geschieht, und es sich also zulezt fuͤgt, wie es sich fuͤgen muste, naͤmlich daß sie beyde auf dem Plaze bleiben; so kann sie zwar in der Stille beweinen wer da will: aber Niemand darf solchen der wahren Eh- re verlustigen Leuten … 4 Wer seinem Buche in der Vorrede liebko- set, solt er auch diesen Weg des Selbstlobes mit noch so leisen Tritten gehn, kann in zwey Jahren, wenn er unter dem Volke ist, auf keine Zunft kommen; und ist er ein Zuͤnfter, in eben so langer Zeit nicht Anwald werden. Aldermann wird er niemals. E 2 L. G. L. G. Waͤr es, daß man die Vorreden ganz und gar abschaffen, und also das Uebel mit Strumpf und Stiel ausrotten koͤnte; so … Von den geadelten Gelehrten. D ie Annehmung eines Adelnamens macht, wenn man ihn zwar nicht gesucht, aber auch nicht abgelehnt hat, der Belonungen der Republik verlustig: hat man ihn aber gesucht, so ist und bleibt man uͤberdieses auch zeitle- bens unzuͤnftig. L. G. Wie auch der Federhut zu dem Degen, und zu dem, was sonst noch dorthin gehoͤrt, etwa passen moͤge; so schicken sich doch die Feder auf dem Hute wenitens die neuge- rupfte und die in der Hand so wenig zusam- men, daß … Vom Landtage 1757. Bey diesem Ge- seze ist, nach unsrer Meinung, zweyerley merkwuͤrdig, erst, daß es nicht schon vor lan- ger Zeit ist gegeben worden; und dann, daß es, es, da es endlich gegeben wurde, so schwer durchging. Nur Eine Stimme Mehrheit gab den Ausschlag. Von den Literaturschulen. G laubet ein Kunstrichter, daß er eine Lite- raturschule stiften koͤnne, wenn er ein Haͤufchen oder einen Haufen Kunstrichter um sich versamle, und zu ihnen sage: Wir wol- len eine Schule seyn : so werden sie, der Stifter durch den Ruͤmpfer, und die Gestif- teten durch den Lautlacher bestraft. L. G. Weil nach Einfuͤhrung mancher Mis- braͤuche, und Beglaubigung vieler Jrsale, oben ein auch noch Schulhalter und Schul- knaben aufgekommen sind; so … Die Veranlassung zu diesem Geseze war folgende: Etliche Kritiker hatten davon ge- hoͤrt, daß man die Maler in Schulen abson- derte, als: in die roͤmische, die venetiani- sche; da dachten sie, sie muͤsten auch aus ver- schiednen Schulen bestehn, und vergassen da- E 3 bey bey zu uͤberlegen, daß nicht die Beurtheiler der Maler, sondern die Maler selbst die Schule ausmachten. Von der Freylassung. 1 W enn ein Knecht sein Geschriebnes bis auf ein Stuͤk oder zwey vor der Landge- meine oͤffentlich verbrent, so wird er nach dem uͤbriggelasnen beurtheilt, und kann den naͤch- sten Landtag frey werden. L. G. Obgleich lange Knechtschaft … 2 Wenn ein Knecht durch Nachahmung ei- nes andern Knechts zwiefach ein Knecht wird; so ist er auf Jahr und Tag zur Freylassung unfaͤhig. L. G. Allzugrossem Verfalle vorzubeugen … Jst Jst von 1652. Es ging zwar beynah mit allen Stimmen durch; aber leider ist auf den folgenden Landtagen nicht sonderlich daruͤber gehalten worden. Die Knechte von der Zwitterart , die naͤm- lich, welche halb nachahmen, und halb aus- schreiben, (das Voͤlkchen ist jezt nicht klein!) sind noch unter den zwiefachen. Wir haben des Gesezes oder vielmehr der Polizey- verordnung die erste Art betreffend nicht er- waͤhnt, weil wir, nach dem Befehle der Al- dermaͤnner, nur die nothwendigsten Geseze bekant machen solten. Es ist hier uͤbrigens noch nachzuholen, daß zwiefache Knechte, und Knechte von der Zwitterart nicht zuͤnftig sind. Auf dem Landtage 1757 wurde von eini- gen nur erst vor kurzem freygelasnen Knech- ten in Vorschlag gebracht: Den zwiefachen Knecht zur Freylassung gaͤnzlich unfaͤhig zu erklaͤren. Aber die Republik hat, nach ihrer weisen Gelindigkeit, das alte Gesez behalten, und zugleich das neue gegeben, daß kein ge- wesener Knecht vor Verlauf eines Jahres etwas bey der Landgemeine in Vorschlag bringen koͤnne. E 4 3 Wenn 3 Wenn ein Knecht einen streitsuͤchtigen Freyen im Zweykampf erlegt, so wird er freygelassen. L. G. Den Knechten desto mehr Thuͤren und Thore zu oͤffnen … Auf dem Landtage 1698 traten die Knechte zusammen, und baten um Einfuͤhrung dieses Gesezes. Beym ersten Anblicke scheint es, daß die Streitigkeiten dadurch gebilliget wer- den; aber bey genauerer Untersuchung findet man, daß, da Streitigkeiten einmal ein Uebel sind, welches nicht voͤllig abgeschaft werden kann, es der Weisheit der Gesezgeber gemaͤß war, ihnen dadurch von ihrem Reize etwas zu benehmen, daß sie oft durch Knechte gefuͤhrt wuͤrden: und uͤberdieß war es auch gut, daß ein Weg mehr da waͤre zur Frey- lassung zu gelangen. Von den Ankuͤndigern und Aus- rufern. 1 D ie Ausrufer koͤnnen bey dem Anlasse, da sie neue Buͤcher anzeigen, ihre Stimme als als Mitbuͤrger geben. Duͤnket ihnen aber, daß sie deswegen, weil sie Ausrufer sind, mehr als Eine Stimme haben, so muͤssen sie sich entweder damit entschuldigen, daß sie zu der Zeit, da sie diese Meinung von mehr als Einer Stimme hegten und aͤusserten, krank gewesen seyn, oder sie werden zum Hohnge- laͤchter verurtheilt. L. G. Da allerley Wahn, Duͤnkel, und Schwindel obwaltet, als wenn … 2 Verharren die Ausrufer bey ihrer Meinung, so fragt sie der Aldermann: Wie viel Stim- men denn mehr als Eine? und nachdem sie eine Zahl genant haben, so werden sie eben so viel Jahre Landes verwiesen. L. G. Da die Leute oft mehr als Einen Spar- ren zu viel … 3 Wenn ein solcher Ausrufer von der Landes- verweisung zuruͤk gekommen ist, so wird er E 5 noch noch Jahr und Tag Aufwaͤrter bey den Nacht- waͤchtern, und ihm liegt ob, den Nachtwaͤch- tern das Horn rein zu halten, damit es gut blase, und er in Zeiten damit umgehen lerne. Denn kuͤnftig, wenn er wieder Ausrufer ist, muß er, wenn er sein Ausrufungsgeschaͤft verrichtet, von Zeit zu Zeit dabey ins Horn stossen. L. G. Es ist nicht ohne, daß die Gesezgeber ge- gen eingewurzelte und hartnaͤckige Schaͤ- den … Zu diesem Blasen wird unter andern erfordert, daß sie nicht durchgehends: Jch , oder Wir hoͤren lassen, sondern wenigstens Einmal die Kritik an ihre Stelle unter- schieben. Dieser Unterschub der Kritik ist eine ausdruͤkliche Bedingung, die sie noth- wendig eingehn muͤssen, eh sie ins Land zuruͤk kommen duͤrfen. 4 Solte ein Ausrufer des Umstandes, daß der Landtag noch entfernt ist, zu sehr misbrau- chen, und mit den vielen Stimmen, die er zu haben glaubt, zu laut schreyen, so warne ihn ihn Jeder, der es gut mit den Unmuͤndigen meint, die der Ausrufer etwa irre fuͤhren koͤnte, und gebe ihm zu verstehen, daß denn doch endlich gewiß Landgemeine gehalten werde. Wer dieß thut hat Belonung von den Aldermaͤnnern zu erwarten. L. G. Auch gute Handlungen, die in den Ge- sezen nicht benant sind … 5 Thut ein Ausrufer Einen schiefen Ausruf, und Einen spizfindigen, und Einen gar un- wissenden, und Einen allzuplauderhaften, und bricht er die Ursachen des Tadels oder des Lobes, das er in dem Ausrufe vorbringt, offenbar vom Zaune; und geschieht dieses so ununterbrochen, daß er dazwischen nicht Ein- mal gewissermaassen zur Vernunft komt; so wird er auf fuͤnf Jahre stimmenlos. L. G. Wo ein solcher, der sich vor aller Welt Ohren ins Beurtheilen mischet, bis dahin geriethe, daß er die ganze Runde der Ab- geschmaktheit machte … Wir Wir finden in den Jahrbuͤchern keine Spur, wie es zugegangen ist, daß die gemischte Zunft mit diesem doch wirklich allzugelinden Geseze hat durchdringen koͤnnen. Man stelle sich vor, was alles bey einander seyn muͤsse, eh man straffaͤllig wird; und man wird die uͤbertriebne Gelindigkeit des Gesezes zu- gestehn. Es ist von dem Landtage 1745. Den fol- genden Landtag suchte sich ein Angeklagter in voͤlligem Ernste, und mit grosser Hartnaͤckig- keit auf diese Art zu retten: Nach dem Geseze, besteht die bekante Runde, die in demselben mit einem so widrigen Ausdrucke beschrieben wird, darinn, daß erst ein schiefer Ausruf geschehe, hernach ein spizfindiger, ferner ein gar unwissender, dann ein allzuplauderhafter, und hierauf endlich die Ursachen vom Zaune gebrochen werden. Nun berufe ich mich auf alle, die meine Blaͤtter gelesen haben, und wer hat sie nicht gelesen? ob ich nicht gerade das Gegentheil von dem thue, was in dem Geseze steht. Fange ich etwa schief an? Beym Zaune fang ich an! Dann schreite ich (man erlaube mir die etwas haͤrtlichen Aus- druͤcke des Gesezes ein wenig zu mildern; dieß wird demselben nicht zum Nachtheile ge- sagt; sagt; denn wer hat wol mehr Ehrfurcht gegen die Geseze als ich habe?) ich schreite dann zu einer gewissen angenehmen Redseligkeit fort; hierauf faͤlt denn wol ein Ausruf vor, in dem etwa ein Wort der Unwissenheit stehn mag; wer kann aber auch alles wissen, was andre Leute wissen? Nach diesem begebe ich mich mitten in das Verfeinerte hinein. Denn verfeinert, was soll’s zu vieler Bescheiden- heit? bin ich in hohem Grade! Und endlich komt bey mir erst das, was die Rolle schief, ich aber kuͤhne Wendung des kritischen Ge- nies nenne. Jst das nun die Runde, von der das Gesez redet? Mache ich nicht viel- mehr die meinige in der entgegengesetzten Ord- nung? Zu geschweigen, daß ich, auch in an- drer Betrachtung, mehrbemeldete Runde nicht mache. Jch habe es durch meine gemil- derten Ausdruͤcke zur Gnuͤge dargethan, wie unschuldig ich, auch von dieser Seite, bin! Kurz, denn was braucht es bey einer so kla- ren Sache viel Worte? ich wolte mir die Stimmenlosigkeit, mit der man mir drohet, gar sehr verbeten haben! Man siehet, dieser Mann irte besonders auch darinn, daß er sich vorstelte, es muͤste in der Runde immer alles in einer gewissen Ord- Ordnung auf einander folgen, und nicht in Erwaͤgung zog, daß es dabey nur darauf an- kaͤme, daß das, das zur Runde gehoͤrte, durch nichts anders unterbrochen wuͤrde. 6 Es giebt einen Fall, in welchem den Aus- rufern voͤllige Gesezlosigkeit (es ist hier von den sie angehenden Gesezen die Rede) zuge- standen wird. Der Fall ist, wenn sich Je- mand so sehr erniedrigt, daß er einen Ausru- fer in der Absicht lobt, um, wo nicht Gegen- lob, doch Maͤssigung beym Tadeln von ihm zu erbetteln. Dieser wird dann allen Ausru- fern, die um Gesezlosigkeit ansuchen, und sie erhalten (sie erhalten sie aber allzeit) Preis ge- geben. L. G. Los und ledig von allem, was ihnen bey ihren Verrichtungen obliegt, muͤssen die Ausrufer Nothdurft halben seyn, so bald Jemand fuͤr achtfaͤllig und vogelfrey zu er- klaͤren ist. Denn so traurig es auch im- mer seyn mag, Gesezlosigkeit gestatten zu muͤssen; so wuͤrde doch auch auf der andern Seite der Vogelfreye, ohne die maͤchtige Bey- Beyhuͤlfe der Ausrufer, wie ungestraft her- um wandern, und er wuͤrde also … Einige waren Anfangs dafuͤr, daß man Vogelfreye dem Hohnlacher und seines glei- chen, andre, daß man sie dem Schreyer und seines gleichen uͤberlassen solte; zulezt aber wurde, aus vielen und gewiß sehr guten Ur- sachen, beschlossen, daß man diejenigen Aus- rufer, die um Gesezlosigkeit ansuchen wuͤrden, auf die Vogelfreyen loslassen wolte. Man sieht von selbst, daß hier von ehrba- ren Ausrufern die Rede nicht ist. Denn diese werden sich wol huͤten, um Gesezlosig- keit anzuhalten. Aber die jungen Kritikbe- flissenen, die eben erst Ausrufer geworden sind, sezen sich leicht uͤber solche Bedenklich- keiten weg; und weil man ihnen dieß mit Recht zutraute, so waͤhlte man den Hohnla- cher und den Schreyer nicht. 7 Wenn sich ein Freyer oder ein Edler gegen einen Ausrufer oͤffentlich vertheidigt, so buͤst ers durch Runzel und Laͤcheln. L. G. L. G. Da zur rechten Zaͤhlung, Messung, und Waͤgung mehr als eine Zusammenkunft der Landgemeine … 8 Vertheidigt sich ein Knecht, so laͤst mans hingehen, und ahndet es nicht. L. G. Gemeines Handgemenge und Faust- recht … Die Neuheit der Geseze von den Ankuͤndi- gern und Ausrufern erhelt aus ihrem Jnhalte. Aldermann Ekhard (kuͤnftig mehr von ihm) that sich bey Gebung des ersten durch die be- kante, aber oft sehr falsch abgeschriebne Rede hervor, die anfaͤngt: Mir geht es nicht etwa wie Burinams Thiere zwischen den beyden Heuhaufen; mir geht es so gar wie einem Ausrufer, wenn er gestiefelt und gespornt in den grossen Stall seiner saͤmtlichen Stecken- pferde trit, und ganz und gar nicht mit sich einig werden kann, welches er reiten will: Ob es der Scheckichte seyn soll? ob der Windgleiche? der Langgeschweifte? ob der Tap- Tappende? der Einaͤugige? oder wie sie sonst noch heissen moͤgen. Er pfeist, er tril- lert, er klatscht; und immer kann er noch nicht zu Pferde kommen … Wir hoffen diese Rede ehestens nach einer richtigern Handschrift herausgeben zu koͤnnen. Von Voͤllerey und Trunkenheit. 1 W er sich in einer auslaͤndischen Schrift be- rauscht hat, es sey Wein oder Wein- geist darinn gewesen, sie sey kuͤhl hinunterge- gangen, oder sie habe geraucht, und tau- melnd von ihr auf der Gasse herumwankt, und laut schreyt, (murmeln kann er wie er will,) daß er diese Schrift allen deutschen Schriften vorziehe, uͤber dem rufe man gleich auf der Stelle, und ohne alle Saͤumnis: Jo Duthe! und stosse ihn, ohne Aldermaͤnner und Herold abzuwarten, uͤber die Graͤnzen hinaus. L. G. Der Trunkne muß wie der Nuͤchter- ne .. F 1733 1733 vorgeschlagen von der Zunft der Wisser. Es war ihr damaliger Anwald, der Urenkel des treu’n Ekhards, der die Sache vornaͤmlich betrieb. Weil wir den zu haltenden Landtag nun endlich sehr nahe glau- ben; so hoffen wir auch, daß dieser gute Greis noch darauf erscheinen werde. Er machte uns auf dem lezten Landtage sehr an- genehme Abende. Fuͤr die Kenner gewisser Sachen sagt er viel mehr, als er zu sagen scheint. Er trieft recht von deutschen Sprich- woͤrtern, besonders, wenn er Ekharde er- zaͤhlt. So nennt man diejenigen seiner Er- zaͤhlungen, in welchen sein Uraͤltervater der treu’ Ekhard vorkomt. 2 Wer, ob er gleich zu Hause bleibt, und nur murmelt, sich taͤglich in den Schriften der neuen Sophisten, zum Exempel Voltai- rens und seiner Saͤuglinge besaͤuft, und zwar dermaassen, daß er fuͤnf bis sechsmal beym Stule liegend und den Rausch ausschlafend ge- funden worden ist, der wird bey den Nacht- waͤchtern auf Gnade und Ungnade eingesperrt, und ihm seines gewoͤnlichen Gesoͤfs, wie auch Papiers zum Speyen, so viel er will, gelassen. L. G. L. G. Zur Steurung allzugrosser und anhal- tender Voͤllerey, und damit nicht unter den Altfranken durch die Unthaten Verstandes und Ehrvergesner Trunkenbolde … Auf dem Landtage 1745 von der Zunft der Weltweisen vorgeschlagen. 1757 ließ die Zunft das Gesez aufrollen, und: Voltai- rens und seiner Saͤuglinge, an den Rand schreiben. Von den jungen Gelehrten. 1 J st eines jungen Gelehrten erster Auftritt in den Geschaͤften, oder auf dem Lehr- stule mit Stolze begleitet; so darf er binnen Jahres Frist auf keine Belonungen der Re- publik hoffen. L. G. Ziemte Bescheidenheit minder Jung und Alt, Jung insonders, und waͤr sie nicht deutscher Art und Eigenschaft sonderlich ge- maͤß; so … F 2 Die Die Gesezgeber muͤssen sich bekantlich nach dem Character der Nation richten, fuͤr welche die Geseze bestimt sind. Daß dieß, in Be- tracht des eben angefuͤhrten Gesezes, gut beobachtet sey, werden wenigstens die unver- feinerten Deutschen einsehn, die hier aus der Erfahrung noch mitsprechen koͤnnen. Waͤr es in der franzoͤsischen oder englischen Gelehr- tenrepublik gegeben worden; so wuͤrd es von der Weisheit der Gesezgeber gar nachtheilige Begriffe erwecken. Denn dort (es versteht sich, daß einige Ausnamen zugestanden wer- den) wuͤrd es eine barbarische Strenge haben, und uͤbermenschliche Dinge fodern. Gluͤcklicher Staat, der solche Geseze ha- ben kann, hat, und daruͤber haͤlt. Hochver- rath kann wider ihn begangen, seine Majestaͤt kann beleidigt werden: aber seine Grundfe- sten bleiben unerschuͤttert. 2 Steiget bey einem Juͤnglinge der Stolz so hoch, oder ist er (denn man kann nicht recht wissen, wie es hier eigentlich mit ihm bewandt ist) so uͤbertrieben demuͤtig, daß er eine erste Schrift dennoch herausgiebt, ob sie gleich nichts, als geruchlose Bluͤthe hat, und nir- gends gends auch nur eine saure Frucht zeigt; so ist er desfalls auf Jahr und Tag unzuͤnftig. L. G. Wer’s in Meisterwerken so wenig aus- spaͤht, worauf es ankomt, und sich mit Gesellenarbeit (alle, auch die zierlichsten Schwaͤzer sind Gesellen) noch dergestalt guͤtlich thut, daß er … 3 Hat ein Juͤngling, den die Denkmale nicht schlafen lassen, welche laͤnger als Erz dauern, seine erste Schrift mit feuriger Unruh, und lauten Herzschlaͤgen gearbeitet, aber sie gleich- wol, ohne eine Thraͤne dabey zu vergiessen, ins Feuer geworfen; so bekomt er das Eichen- blatt, wenn er auch noch kein Zuͤnfter ist. L. G. Merkzeichen, welche den kuͤnftigen gros- sen Schreiber wittern lassen … 4 Entdekt Jemand einen Juͤngling, der, un- ter der Last der aͤusserlichen Umstaͤnde, oder der Bescheidenheit erliegend, voͤllig unbekant F 3 ist, ist, aber Gaben hat; so erhaͤlt er das Eichen- blatt, und dereinst ein Denkmal bey dem Denkmale des Entdekten, wenn dieser bis dahin gelangt. L. G. Patriotische Sinnesart, die mit Scharf- sicht vereinigt ist … Von handwerksmaͤssigen Gesin- nungen. 1 E inem Gelehrten, der bloß das lernt, was er zum Amte notwendig braucht, ist es nicht um die Wissenschaften zu thun, und er ist daher unfaͤhig die Belonungen der Re- publik zu erhalten. L. G. Kuͤmmerlicher Behelf mit nur eben so vielem aus den Wissenschaften, als zur Verwaltung eines Amtes alsdann zureicht, wann man allein Brodterwerbs halben sein wartet … 2 Die 2 Die niedrige Denkungsart, nicht zulassen zu wollen, daß einer in mehr als Einer Wis- senschaft vortreflich sey, wird an dem, der sie in oͤffentlichen Urtheilen zu erkennen giebt, dadurch gestraft, daß er kein Zuͤnfter werden kann, oder, ist er einer, aus der Zunft ge- stossen wird. L. G. Einer zeigt sich etwa so in einer Wissen- schaft, daß selbst seine Neider muͤssen ein- gestehn, er habe Haare auf den Zaͤhnen. Darauf begiebt er sich auch wol in eine andre Wissenschaft hinein, und arbeitet in selbiger; da treten denn straks Leute auf, rufen, und schelten: Glattkinn! Glattkinn! Und dieß Gerufe und Geschelte treiben sie nicht deswegen, weil sie’s aus der Beschaf- fenheit der neuen Arbeit darthun koͤnnen, daß der es verdiene, der selbige unter- nommen hat; sondern weil sie eine ver- wachsene Seele haben, und daher auf kei- ne Weise zulassen und dulden wollen, daß einer in mehr als Einer Sache, (denn es ist ihnen schon gar widrig, daß es in Einer geschehn ist) sich hervorthue. Wie sehr F 4 nun nun auch diese Niedertraͤchtigkeit nicht nur in unsrer Heimath, sondern auch unter den Auslaͤndern moͤge eingerissen seyn; so lassen wir doch die Haͤnde nicht sinken, sondern, damit sie mindstens nicht gar zu schamlos ihr Haupt empor tragen koͤnne, und den- jenigen vor andern gesteuert werde, die keine Wissenschaft eigentlich recht angeht, und die doch bey solchen Anlaͤssen am red- seligsten sind; so sezen und ordnen wir, daß … Wir sind die Jahrbuͤcher von der Zeit an, da dieß Gesez ist gegeben worden, (es ist vom vorigen Jahrhunderte) genau durchgegangen, und haben gefunden, daß man auf jedem Landtage mit Strenge daruͤber gehalten hat; und gleichwol .. doch in keinem Staate koͤnnen es ja die Geseze allein thun; die guten Sitten muͤssen hinzukommen, und den Ge- sezen beystehen. Wir koͤnnen, ohne im ge- ringsten zu vergroͤssern, sagen, daß die guten Sitten in unsrer Republik viel Einfluß ha- ben; aber was diese Scheelsucht anbetrift, wider welche das angefuͤhrte Gesez gegeben ist; so kann nicht geleugnet werden, daß es mit dem Einflusse nicht so recht fort wolle. Die Die Ueberlegenheit, welche die deutschen Gelehrten durch ihre Bescheidenheit uͤber die Gelehrten andrer Voͤlker lange gehabt haben, und haben, wuͤrde um einen viel entscheiden- den Grad steigen; wenn sie aufhoͤren wol- ten, sich ihnen, in Betracht jener Scheelsucht, gleich zu stellen. Von den Ausschreibern. 1 W er Andre ausschreibt, und sie nent, muß gleichwol Rechenschaft geben, warum er ausgeschrieben habe. Sind die Ursachen, die er anfuͤhrt, nicht gut; (und beynah nie- mals koͤnnen sie es seyn) so wird er auf ein Jahr Nachtwaͤchter. L. G. Damit der Vervielfaͤltigung und selbst der Verdickung der Buͤcher, als woraus seit langer Zeit so vieles der Ehre der Re- publik nachtheiliges gekommen ist, gleich- wol in etwas gewehret werde; so … F 5 2 Wer 2 Wer Andre, ohne sie zu nennen, aus- schreibt, wird der nur nicht voͤllig willkuͤrli- chen Verurtheilung des Fuͤnfergerichts uͤber- lassen. L. G. Tempelraub ists zwar eben nicht, wenn einer den andern ausschreibt, weil so man- che Buͤcher mit nichten Tempel sind, wol aber Strohhuͤtten und Marktschreyerbu- den … Das Fuͤnfergericht ist eine Art Unterge- richt, das gewoͤnlich nur aus fuͤnf Mitglie- dern besteht, und bey jedem Vorfalle, wo man eins braucht, von neuem ernant wird. Der Schreyer hat oft den Vorsiz darinn. Denn noch allen Schreyern hat diese Ernen- nung so wol gethan, daß sie ein beynah un- fehlbares Mittel gewesen ist, sie auf einige Tage zu schwichtigen. Von den Denkmalen. 1 E in Freund kann einem Freunde wol ein Denkmal in oder ausser dem Haine sezen, wo wo wir die Landtage halten; er muß sich’s aber auch gefallen lassen, daß bey vorhandnen guten Ursachen das Denkmal wieder wegge- nommen werde. L. G. Mag’s doch gestattet werden, daß ein tuͤchtiger Mann, wol verstanden, er sey ein Zuͤnfter oder der Aldermaͤnner einer, seze einem andern einen Denkstein, der Zier habe, oder einfaͤltiglich gehauen sey. Fuͤgt sich’s aber hernachmals, wenn ein Zehend Jahre dahin ist, daß kein Mensch deß mehr kenne, dem das Steinlein ward, und die Zeit hab also einen Spruch gespro- chen wol so streng, als die alten Aegypter pflegten uͤber die Todten zu sprechen: so las- set ihr das Denkzeichen zuschlagen, und die Stuͤck aus ’n ander werfen. Denn ein einzelner Mann mag wol dieß oder das, kleines oder grosses, tiefes oder hohes von ’nem andern einzelnen Manne meinen und halten; aber die Zeit, das ist so viel, als ’ne ganze Reih und Folge Maͤnner, die sich auch auf die Wagschal verstehn, und des Zuͤngleins Bewegung genau beobachten, saͤhrt doch besser durch, wenn’s Entschei- dung gilt, wuͤrde wol Sandkoͤrnlein waͤ- gen, gen, geschweige denn groͤblichen Fehl und Misgestalt. Daher, solt auch derjenig, so das Denkzeichen oder Maal hat aufge- richtet, bitterlich drob weinen; so muß doch mit dessen Zertruͤmmerung und Zer- stoͤrung … 2 Ein Denkmal, das eine Zunft gesezt hat, kann nicht weggenommen werden; aber keine Zunft darf auch einem ihrer Mitglieder ein Denkmal sezen. Derjenige, dem diese Ehre wiederfaͤhrt, muß auf einer andern Zunft, oder ein Aldermann seyn. Solte eine Zunft es wagen, ein solches Denkmal machen zu lassen; so darf es nicht errichtet werden, und die Zunft wird auf fuͤnf Tage stimmenlos. L. G. Geahndet und geruͤgt muß werden alles, was die Grundfeste der wahren Ehre er- schuͤttert. Wuͤrd also ein partheyischer Freund durch List und Raͤnke, Vorspieg- lung und Taͤuschung, Lug und Trug, Helfer und Helfershelfer, auf einer Zunft so viel vermoͤgen, daß er … Von Von dem Landtage 1652. Es herschte damals grosse und unverholne Eifersucht un- ter den Zuͤnften. Jn den Jahrbuͤchern steht viel Denkwuͤrdiges davon. Die Aldermaͤnner haben auf keinem Landtage mit mehr Durch- sehung und Kraft von der wahren Ehre gere- det, als auf diesem. Man behauptet zwar, daß zu unsern Zeiten nur edle Nacheiferung statt finde; unterdeß koͤnte doch wol auch manch Fuͤnkchen von andrer Beschaffenheit hier und da unter der Asche glimmen. Von der Verehrung der Alten und der Auslaͤnder. 1 U ebertriebne Verehrung gegen die Alten bleibt nur dann ungeahndet, wenn, (wie das gewoͤhnlich der Fall ist) gefunden wird, daß sie der Angeklagte doch nicht kenne, wie viel er auch von ihnen schwaze; kent er sie aber, so ist er, haben ihn die Griechen zu der Sclaverey gebracht, auf zwey Jahre un- zuͤnftig; und haben es die Roͤmer, auf drey Jahre. L. G. L. G. Anstaunung, Maulaufsperre, Froͤhnung, und Raͤucherey, als welche den Geist nur kleinlaut machen, und ihn dergestalt aus- troknen und ausdoͤrren, daß er zulezt gaͤnz- lich einschrumpfet, dieses alles, wie es auch, in Betreff der Alten, moͤge beschoͤ- niget werden … L. G. So gar das edle Selbstgefuͤhl, welches nicht durch Stolz, sondern durch Kraft entsteht, kann von der so weit eingerisnen Abgoͤtterey, welche mit den Alten getrie- ben wird … 2 Wer die Verehrung gegen die Auslaͤnder zu weit treibt, ist auf fuͤnf Jahre unzuͤnftig. L. G. Recht und Gerechtigkeit wird der Deut- sche allzeit gegen die Auslaͤnder handhaben; er ist hiezu nur allzugeneigt: aber bestaͤn- dig zum Hofieren in Bereitschaft stehn, wenn sie nur das Maul aufthun, und ihnen da Geist Schuld geben, wo denn doch kaum … Schon Schon auf dem Landtage 1698 gegeben. Es ist dieß der wenigen Wirkung halben, die das Gesez gehabt hat, zwar unglaublich, aber gleichwol ist’s wahr. Von der Polytheorie. D er Polytheorist, welcher durch die Wahl, und den Beweis seiner Saͤze zeigt, daß er sich noch zu bemuͤhen habe, ein guter Lehr- ling zu werden, muß dem Hohnlacher stehn. L. G. Nachdem die Polyhistorey voͤllig abge- kommen ist; hingegen an ihrer Statt die Polytheorey immer mehr und mehr ein- reisset: so sollen, zur Hemmung des neuen Uebels, diejenigen, welche Andre in einer Wissenschaft, in der sie kaum buchstabie- ren koͤnnen, zur Redehaltung anleiten wol- len, gehalten seyn, daß sie zuvor … Vom Landtage 1757. Kaum konten die Meister in den Wissenschaften damit durch- dringen. Denn das Volk hatte dießmal ei- nige Zuͤnfte mit seinen Meinungen angestekt. Von Von der Todtenfackel. 1 W enn ein Freyer, oder ein Edler, oder gar ein Aldermann sieht, daß seinem Werke die Todtenfackel angezuͤndet werden soll; so hat er die Befugnis, die Stimmen- samlung zu hindern, und um Frist bis zu dem naͤchsten Landtage zu bitten. Jn dieser ist ihm vergoͤnt, allerhand ihm vortheilhafte Nach- richten von dem Geschmacke einiger unserer Mitbuͤrger zu sammeln, und sie den naͤchsten Landtag anzufuͤhren. Unterdeß kann ihm dieß nicht viel helfen. Denn die gerechte Re- publik, Aldermaͤnner, Zuͤnfte, und Volk, hatte nicht ohne Ursache die Anklage wegen der nun nothwendigen Anzuͤndung der Todten- fackel ausgehoͤrt. Es koͤmt also diesmal zur Stimmensamlung, und der Herold ruft: Du lebst, aber dein Werk ist todt! L. G. Da keinesweges geduldet werden kann, daß uns die Altfranken oder gar unser Poͤbel in Ausspruͤchen uͤber wichtige Sachen der Republik vorgreifen; und ferner kurze Ver- jaͤhrung doch nie rechtskraͤftig ist … Von Von 1698. So wenige auch auf diesem Land- tage waren, (es waren damals zwey Zuͤnfte ein- gegangen) so war man doch auf demselben sehr ernsthaft fuͤr das Wohl der Republik besorgt. Die Aldermaͤnner brachten dieß Gesez in Vor- schlag. Es war die gemischte Zunft, welche die Befugnis hinzusezte. Die andern Zuͤnfte verwarfen das zwar; aber die Aldermaͤnner waren nachgebend genug, es gleichwol mit auf die Rolle schreiben zu lassen. Wir finden nichts in den Jahrbuͤchern davon, wie die Al- dermaͤnner, wider die Einrichtung der Re- publik so etwas haben fuͤr sich thun koͤnnen, und warum es die Zuͤnfte zugelassen haben. Auf dem Landtage 1723 wurden drey zu dieser Zeit gar beruͤhmte Gelehrte, naͤmlich Sebastian Wisch, Wilibald Knirps, und Otto Hahnekamm auf die Todtenfackel ange- klagt; sie bedienten sich aber der Befugnis, und die Entscheidung ihrer Sache muste also bis zu dem folgenden Landtage ausgesezt wer- den. Sie thaten, die Zwischenzeit uͤber, all ihr moͤgliches um losgesprochen zu werden. Sie verlaͤngerten die Anmerkungen, und vermehr- ten die Register ihrer Buͤcher; sie liessen sie praͤchtig drucken, und sezten ihnen Zuschriften vor. Der Name: gewafnete Vorreden, war zwar damals voͤllig abgekommen; aber, G der der Sache nach, liessen sie in den ihrigen die Waffen recht gut blinken. Gleichwol fuͤrch- teten sie aller dieser Anstalten ungeachtet doch den Landtag ein wenig. Dieser kam. Der Herold war schon hervor getreten, als man erfuhr, daß ein Jrthum vorgegangen waͤre, und nicht Sebastian Wisch, sondern Cyriac Wisch den vorigen Landtag haͤtte sollen ange- klagt werden. Diesen Umstand wolte sich Sebastian sogleich kluͤglich zu Nuze machen, und die Stimmensamlung zum zweytenmal aufschieben lassen, im Falle daß man es etwa bey dieser Gelegenheit uͤbel mit ihm in Sinne haben solte; allein man deutete ihm an, daß er voͤllig ruhig seyn koͤnte, weil man an ihn gar nicht einmal gedacht haͤtte, und auch jezt nicht daͤchte. Cyriac behauptete, daß, ob man es gleich nun anders vorgaͤbe, er doch damals nicht waͤre angeklagt worden, sondern Sebastian waͤr’s; er muͤste also, da er’s jezt erst wuͤrde, des Rechts, sich auf den kuͤnfti- gen Landtag zu berufen, gleich andern genies- sen. Weil er bey diesem Gesuch oder viel- mehr dieser Foderung so viel Wesens machte, so hub man die Anklage gegen ihn auf, so daß also die beyden Wische gluͤklich durchka- men, und sich herzlich freuten, daß es nun mit ihrem Ruhme bey der Nachwelt gewiß gut gut gehn wuͤrde, weil das mit der widrigen Todtenfackel so erwuͤnscht abgelaufen waͤre. Wenn wir die Geschichte unsrer Republik herausgeben, so wird man bisweilen darinn finden, wie diese und jene Schrift, deren Verfasser die Stimme des Herolds gehoͤrt hat- ten, von allerley Leuten und Leutchen, als ob sie noch lebte, geliebkoset worden sey. 2 Ein Knecht kann wol noch zur Not auf Geschwaͤz anklagen, aber nicht auf die Todten- fackel. L. G. Nach dem Maasse der Einsicht … 3 Wenn ein Freyer oder Edler auf die Tod- tenfackel anklagt, und das Urtheil der Land- gemeine wider den Anklaͤger ist, so buͤsset es dieser durch das Hohngelaͤchter, und wird auf fuͤnf Jahre Landes verwiesen. L. G. Die Kuͤhnheit der haͤmischen Scheelsich- tigen … G 2 Von Von 1723. Die Edlen aller Zuͤnfte hat- ten sich vereinigt, diese beyden Geseze vorzu- schlagen. 4 Bey eines Knechtes Schrift wird die Tod- tenfackel nicht angezuͤndet, weil sie eigentlich niemals recht gelebt hat. L. G. Alles uͤberfliessige zu vermeiden … L. G. Nachahmung wolt’s Affengesicht zwar gerne verlarven … Die Knechte machten wegen des Gesezes: Alles Ueberfliessige .. welches 1733 war gegeben worden, 1757 eine Meuterey. Dieß war der Anlaß zu dem Geseze: Nachahmung wolt’s Affengesicht .. Vom Neuen. K ein Buch, dessen Jnhalt oder Ausfuͤhrung nicht wenigstens in einigen Stuͤcken neu ist, wird hinter den goldnen Vorhang gestelt. L. G. L. G. Jn den Wissenschaften nicht wuchern, und den Nachkommen nur die Vermaͤcht- nisse der Vorfahren hinterlassen, ist unter allen traurigen Dingen, die sich in der Re- publik zutragen koͤnnen, bey weitem … Von dem Landtage 1745. Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte man in unserm Buͤchersaale ein abgesondertes Be- haͤltnis, uͤber welches geschrieben war: Unsterbliche Werke. Aber man muste von Zeit zu Zeit einige Buͤ- cher wieder herausnehmen, weil es mit der geglaubten Unsterblichkeit offenbar vorbey war. Jn Anfange dieses Jahrhunderts aͤn- derte man die Ueberschrift, und sezte: Vortrefliche Schriften. Allein auch diese Ueberschrift ist bey Anlasse des eben angefuͤhrten Gesezes abgenommen, und folgendes uͤber den goldnen Vorhang ge- schrieben worden: Buͤcher, in denen auch Neues ist. Es waͤhrte lange, eh der Herold bey Ge- bung dieses Gesezes zur Stimmensamlung G 3 schrei- schreiten konte. Denn es wurde nicht wenig daruͤber gestritten: Ob man nicht in einem Zusaze die Beschaffenheit des Neuen bestim- men muͤste. Endlich drang diejenige Par- they durch, welche den Zusaz fuͤr abschreckend erklaͤrte. Es waͤre so wichtig, behauptete sie, die fast erloschne Begierde neu zu seyn wieder anzufachen, daß man ja alles vermeiden muͤste, was eine gegenseitige Wirkung her- vor bringen koͤnte. Unsre Nachkommen wuͤr- den schon dafuͤr sorgen, das Neue von Be- deutung, und das unbedeutende von einander zu sondern; wir haͤtten nur dahin zu trachten ihnen viel Neues zu hinterlassen. Alles, was man wuͤnschen koͤnte, waͤre, daß, wenn etwa am Ende dieses Jabrhunderts Landtag gehalten wuͤrde, die Aufseher des Buͤcher- saals nicht wegen zu vieler leeren Stellen ver- legen seyn duͤrften, wenn sie, bey Herumfuͤh- rung der Auslaͤnder, den Vorhang oͤfnen solten. Die Zuͤnfte haben es den Aldermaͤnnern uͤberlassen, die Buͤcher fuͤr das abgesonderte Behaͤltnis zu waͤhlen; zwar nicht ohne den Vorbehalt ihnen drein zu reden, wenn sie es fuͤr gut faͤnden: aber sie haben bis jezo noch keine Veranlassung dazu gehabt, weil die Al- dermaͤnner mit einer Strenge gewaͤhlt haben, die die nie der Partheylichkeit, oder einer andern Verblendung gewichen ist. Das Gesez ist gelinde, weil es nichts daruͤber entscheidet, wie das Neue beschaffen seyn muͤsse; gleich- wol findet auch Strenge bey einem sehr we- sentlichen Puncte statt, bey der Untersuchung naͤmlich: Was wirklich neu sey; und was nur dafuͤr ausgegeben werde. Von den Modewoͤrtern. D erjenige erhaͤlt die Belonungen der Re- publik schwerer als Andre, der solche Modewoͤrter aufbringt, die, unter dem Schei- ne etwas Neues zu sagen, das Alte nur ver- wirren, oder die wegen des Wenigen, das hinter ihnen ist, uͤberfliessig sind. L. G. Gehn von Zeit zu Zeit Woͤrtlein in Schwange, die da gleissen, und doch nichts, denn Schlacken bey sich fuͤhren. Gleichwol uͤben sie solche Gewalt unter den Leuten, als deuteten sie viel und groß Ding an. Da werden sie dann in den Buͤchern allerwaͤrts hingestelt des Endes, daß sie darthun sollen allerhand Theoreyen, die, G 4 weil weil sie Fanzen und Frazen sind, nichts kann darthun am mindesten aber Woͤrtlein. Daher denn mit Saͤuberung der Begriff neuerdings Zeit voruͤber streicht, und aͤchte Wissenschaft immer wieder muß Halte ma- chen in ihrem Laufe. Wird deswegen … Wir haben oft Kluͤglinge uͤber dieses alte Gesez (es ist von Landtage 1603) urtheilen hoͤren. Sie haben’s entweder als zu streng, oder als unnoͤthig verworfen. Es ist freylich wahr, daß nur wenige recht einsehn, wie sehr Worte die Welt regieren; aber was veraͤn- dert das bey der Sache? Gelehrte solten hier am wenigsten unterwuͤrfig seyn; aber sie sind es beynah eben so sehr als Andre; und strenge Ausuͤbung dieses Gesezes kann ihnen sehr heil- sam seyn. Wir haben einen Aldermann sa- gen hoͤren: Auf immer solte derjenige die Belonungen der Republik entbehren, der ein Wort aufbringt, das nur Ein Jahr, und nur in Einer Wissenschaft Verwirrung anrichtet. Wenige Beyspiele sind zureichend um zu zeigen, was Worte uͤberhaupt fuͤr Einfluͤsse haben. Was hat man durch die scholasti- schen Kunstwoͤrter in der Theologie fuͤr Blendwerk gemacht. Und wie schaͤdlich ist dieß dieß durch die Wichtigkeit der Gegenstaͤnde ge- worden. Was wurde man nicht alles, wenn man diese Woͤrter recht zu brauchen wuste. Wie manchen haben sie zum Cardinale, zum Bischofe, zum Fuͤrstendiener oder genauer zu reden zum Fuͤrstenherrn gemacht. Welche Schwaͤchen haben wir Neuern oft hinter dem Worte Geschmak verstekt. Ein Jahrhundert koͤnte dieses Verstecken wol noch fortdauren. Rom war einst die ewige Stadt. Seit- dem Rom ein Wort geworden war, wie viel hat nicht dieß Wort zu der groͤsseren und wei- ter ausgebreiteten Macht beygetragen. Vom Neide. W enn Maͤnner von Verstande wider die, von welchen sie uͤbertroffen werden, ge- rades oder krummes Weges so angehn, daß sie die Gegenstaͤnde ihres Tadels nach der un- rechten Seite gewaltsam herumdrehn, und sie dann von dorther zeigen; ferner, daß sie, wenn sie doch endlich einmal auch zu der rech- ten Seite herum muͤssen, dem Zuschauer sa- gen, dort sey eigentlich nichts rechts zu sehen; und, wird’s denn gleichwol daselbst gar zu G 5 hell, hell, einen Seiltaͤnzersprung nach der vorigen Seite hinthun, und sich also offenbar als Kinder am Verstande betragen: so werden sie, als des Neides, dieser jaͤmmerlichen Lei- denschaft, der nur der Geiz an Niedrigkeit gleicht, schuldig angesehn, und befehligt, sich entweder fuͤr erstbenante Kinder zu erklaͤren, oder zu gestehn, daß sie schlecht gehandelt ha- ben. Beharren sie bey hartnaͤckigem Stil- schweigen; so wird’s eben dadurch vollends entschieden, was es ist, und der Herold thut ihr Gestaͤndnis oͤffentlich kund. L. G. Duͤnket einem, der Geistesgaben hat, die Vortreflichkeit eines Andern dergestalt unverzeihlich, und blutet ihm das Auge so heftig von dem Dorne, der ihm dort her- waͤrts hineingekommen ist, daß er so- gar … Jn der Rolle steht noch dieses: Es werden, ob’s wol aus dem Vorigen schon zur Gnuͤge erhellet, dennoch hiemit ausdruͤklich ausgenommen: Die kruͤppel- haften Seelen, ferner: die gar zu eiteln, ferner: die Zwergseelen. Daß die Gesezgeber die gar zu eiteln auch ausnehmen, uͤberzeugt uns, daß sie ihnen die die Gaben des Geistes voͤllig absprechen. Waͤren sie nicht ausgenommen worden, und also faͤhig gewesen bestraft zu werden; so haͤtte man sie bey erfolgter Anklage doch gleichwol auch, etwa auf folgende Art, von der Strafe befreyen koͤnnen: Sie muͤssen, wuͤrde man gesagt haben, als Betrunkne angesehn wer- den. Nun entschuldigt zwar der Rausch vor dem Richter nicht; aber eine solche immer- waͤhrende, von keiner Nuͤchternheit unter- brochne Trunkenheit, wie die ihrige ist, kann nicht Rausch genent werden; und dieser ihr ganz andrer, und sehr betruͤbter Zustand muß ihnen, wenn man der Billigkeit Gehoͤr geben will, zur Entschuldigung, und daher auch zur Lossprechung dienen. Vom Hochverrath. H ochverrath wird durch ewige Landesverwei- sung bestraft. Der Knecht wird in aller Stille bey Nacht und Nebel uͤber die Graͤnze gefuͤhrt, der Freye, Edle und Aldermann aber bey versammelter Landgemeine. Hochverrath ist es, 1 Wenn sich einer zum Beherscher aufwirft. L. G. L. G. Der erste Grundstein unsrer Republik ist Freyheit … 2 Wenn einer die auslaͤndischen Gelehrten- republiken unsrer vorzieht. L. G. Alle Blinzer, Dreyschrittseher, und Be- wunderungssieche … Auf dem Landtage 1757 gegeben, wegen einer recht ernsthaften Krankheit, die nicht etwa nur vielen unsrer Mitbuͤrger, sondern beynah der ganzen Nation anklebt. Aber nun scheint sie sich doch nach und nach in Kraͤnklich- keit zu verwandeln. Kaͤme es doch bald zur voͤlligen Genesung. 3 Wenn ganze Geselschaften in einer fremden Sprache schreiben. L. G. Jm Fall einer nothwendigen grossen Saͤuberung, wenn in hellen Haufen, Schaaren, und Herren … Wurde Wurde auf eben dem Landtage von den Al- dermaͤnnern und der Zunft der Dichter, ohne daß sie sich ihre Gedanken vorher mitgetheilt hatten, beynah zu gleicher Zeit vorgeschlagen. Allerhand Ausstreuungen erklaͤren dieß Gesez fuͤr zu streng; und sie sind vielleicht eine Haupt- ursache, warum wir noch immer keinen Land- tag haben. 4 Wenn einer einen deutschen Fuͤrsten ver- fuͤhrt, klein vom Genie und der Wissenschaft der Deutschen zu denken. L. G. Dem Kleinmuͤthigen, Unedlen, Halb- deutschen … 5 Wie viel Beyfall und Ehre auch die Mit- glieder der Kuͤnstlergeselschaften geniessen, und wie sehr wir und unsre Bundsgenossinnen, und mit welchem Vergnuͤgen wir sie auch ha- ben erweitern und erhoͤhen helfen; so ists doch Hochverrath, wenn einer die Kuͤnste uͤber die Wissenschaften erhebt. L. G. L. G. Wer die Dinge auf den Kopf stelt … Von der Zunft der Dichter auf dem Land- tage 1745 in Vorschlag gebracht. Die mei- sten Grossen stellen noch jezt die Dinge auf den Kopf. 6 Wenn einer diejenigen Altfranken nicht ehrt, die groß vom Vaterlande denken. L. G. Sogar das Stilschweigen von Maͤn- nern, die … 7 Wenn einer Fuͤrsten oder ihre Diener lobt, die es nicht verdienen. L. G. Alle grosse Erleichterung zu Erhaltung des Beyfalls … Diese beyden Geseze sind von 1672 und 1723. Weder das eine noch das andre ist jemals in Ausuͤbung gebracht worden. Denn es hat bisher noch immer an solchen Gegen- staͤnden staͤnden der Verehrung gefehlt; und dann hat sich Niemand gefunden, der von einem Fuͤr- sten hat sagen wollen, er verdiente das, und das, und auch wol noch ein kleineres Lob nicht. Das erste duͤrfte wol auf dem bevor- stehendem Landtage abgeschaft werden, weil es voͤllig uͤberfliessig scheint. 8 Wenn einer nach dem Geseze von Voͤlle- rey und Trunkenheit nicht: Jo Duthe! mit- schreyt. L. G. Die Schwanker und Zwitter … Von 1733. Es entstand so: Als ein Betrunkner verwiesen wurde, ließ in dem Lerme ein Edler das Buch fallen, in dem sich jener betrunken hatte, und schrie aus Ver- druß daruͤber nicht mit. Weil man ihn aber in Verdacht hatte, daß wol noch etwas an- ders Ursach gewesen waͤre; so wurde dieß Gesez gemacht. 9 Wenn ein Ausrufer oder Ankuͤndiger auch nur aͤussert, geschweige denn, wenn er gar frevent- freventlich behauptet, sein Amt sey ein Rich- teramt. L. G. Nur die versammelte Republik, Alder- maͤnner, Zuͤnfte und Volk … Von 1733. Die Zunft der Weltweisen schlug es vor. Es war schwer durchzusezen. Vermutlich ging schon damals viel Unfug in Schwange. 10 Wenn einer die Auslaͤnder uͤber Anmassun- gen der Erfindungen ertapt, die wir erfun- den haben, und es nicht oͤffentlich anzeigt, oder anzeigen laͤst. L. G. Schlaraffenlaͤndische Schlafsucht … 11 Wenn einer zu Ruh und Frieden raͤth, nachdem unsre Republik Wettstreit um den Vorzug mit den auslaͤndischen Republiken beschlossen hat. L. G. L. G. Den Kurzsichtigen, Kleindenkenden, Mutlosen, den Knechten, und Knecht- schaftswerthen, die des Vaterlandes nicht wuͤrdig sind … 12 Wenn einer behauptet, daß die Griechen nicht koͤnnen uͤbertroffen werden. L. G. Was auch scheinbare Vorurtheile fuͤr Gewalt … Aus einer Gesezrolle der griechischen Ge- lehrtenrepublik, die, man weiß nicht wo, ist gefunden worden. Jn dieser Rolle steht: Wenn einer behauptet, daß die Aegypter nicht koͤnnen uͤbertroffen werden. Einige haben an der Richtigkeit der Lesart zweifeln wollen; aber was thut ihm das; genung, daß es ein sehr heilsames Gesez ist. Es soll ein Scholiast vor Verdruß uͤber die Einfuͤh- rung desselben Todes verfahren seyn. 13 Wenn bey einem die Abbildung der Bild- saͤule gefunden wird, die in den neuern Zei- H ten, ten, mit den falschen Aufschriften, hier: Der Eleganz, dort: Dem Geschmacke, anders- wo: Der Grazie, aber im Grunde, und der Wahrheit und Wirklichkeit gemaͤß, der Mit- telmaͤssigkeit gesezt worden ist. L. G. Da es in den Wissenschaften keine gold- ne Mittelmaͤssigkeit giebt, wol aber, und einig und allein, eine bleyerne; da ferner- hin alles, was nicht eigne Kraft in der Ader hat, doch nur, welche Beschoͤnigungsna- men dem Dinge auch gegeben werden, an der Kuͤnsteley, feinerer und groͤberer, kraͤnk- lich oder krank darnieder liegt: so … Auf dem Landtage 1745 von den Alder- maͤnnern vorgeschlagen. Diese Bilderchen fingen damals an, wie Heuschrecken im Lande umher zu fliegen. Die mit der Aufschrift: Der Eleganz sollen von unsern und von aus- waͤrtigen Scholiasten, die mit: Dem Ge- schmacke oft uͤber dem Rheine, und die mit: Der Grazie seit kurzer Zeit vornaͤmlich von einheimischen Ausrufern verfertigt werden. 14 Wenn einer die Abschaffung eines unserer Geseze vorschlaͤgt, und sein Vorschlag verwor- fen wird. L. G. L. G. Aufwieglern und Empoͤrern zu steuren … L. G. Da sich bey allzugrosser Gelindigkeit und Nachsicht besonders auch die Knechte in ganzen Zuͤgen, Horden und Rotten zusam- menthun koͤnten … 1698 wurden sieben Knechte und ein Ed- ler, weil sie das Gesez die Voͤllerey betref- fend gleich nach dessen Gebung hatten ab- schaffen wollen, auf ewig Landes verwiesen. Bey diesem Anlasse wurde das von den Zuͤ- gen, Horden, und Rotten gemacht. Von verderblichen Jrsalen. F olgendes ist eins unsrer aͤltesten Geseze, und zu der Zeit gegeben worden, da wir nur Genossame, und noch keine Landtage hielten. Wer die wolbedachte Mischung deut- scher Gutherzigkeit, und deutsches Ernstes darinn nicht sieht, der verdient kaum, daß er der Republik angehoͤre. Wir wollen das Gesez ganz hersezen. H 2 Bringt Bringt wer ein Jrsal in Schwang, und selbiges ist gering, so daß nur Gaͤuche wer- den, nicht aber Boͤsewichter, denen das Jrsal behagt; so mag es ihm hingehn, und faͤlt er nicht in Ruͤge deshalben, daß er die Menge der Gaͤuch hat gemehrt: ist’s aber mit nichten gemein, sondern maͤchtig und groß Jrsal, was der Mann hat aufbracht, und kriegen die Leut dadurch boͤsartigen und argen Sinn; so wird ihm die Kuͤhr vorge- legt zweyer Ding, naͤmlich: Er muß vor zehn Gelehrten, die da ehrsam und bider sind, frey oͤffentlich bekennen, und sagen, daß es ihm sey gar kaͤrglich zu Theil worden an Hirn und Geist, und hab er eben kein sonderlich Pfuͤndlein zu vergraben, muͤß ihm daher nicht veruͤbeldeut werden sein groͤblich Jrsal, denn gewislich hab er kein arg habt aus dessen Anheb- und Stiftung, und nicht gewust, was er thaͤt; das kann er kiesen. Oder er darf, bis sieben Jahr dahin und verlaufen sind, unter gelehrte Leut nicht eintreten; und mag er dann sein We- sen haben, wo da ist Trinkgelag, und al- lerley Gespasses, und Narrentheidung; das kann er auch kiesen. Solche Acht uͤber solchen Mann haben zu Schluß und Stande bracht zwoͤlf Alder- maͤn- maͤnner, drey Zuͤnfte, und des Volks eine gute Zahl, die einander durch den Herold hatten laden und bescheiden lassen, Rath zu pflegen uͤber das gemeinsame Wohl. Jst verhandelt, und in diese Rolle schrie- ben worden im drey und vierzigsten Jahr nach dem funfzehnten Hundert. Wir muͤssen etwas von den Genossamen sagen, die damals da noch keine Landtage wa- ren, gehalten wurden. Jm Vorbeygehn merken wir an, daß das Wort: Genossam noch jezt in der Schweiz und zwar, so viel wir uns erinnern, in Uri uͤblich ist, und einen Theil des Cantons anzeigt. Unsre Genos- same bestanden aus so wenigen Mitgliedern, daß man, wenn einer gehalten wurde, nicht sagen konte, die Republik oder (nach dem ge- woͤhnlicheren Ausdrucke der Jahrbuͤcher) die Landgemeine waͤre versammelt. Gleichwol sind verschiedne Geseze der Genossame auf den ersten Landtagen, und auch wol spaͤter, von der versammelten Republik bestaͤtigt worden. Das macht, es waren oft kernhafte und va- terlaͤndische Maͤnner, die in diesen alten Zei- ten zusammen kamen. Unser erster Landtag war Anfangs auch nur ein Genossam. Da sich aber nach und nach die Zahl der Ankom- H 3 men menden immer vermehrte, so wurde dieser gluͤkliche Zufall (wir koͤnnen es wol so nennen, weil die Herolde, geschrekt durch ehmalige abschlaͤgige Antworten, nur wenige eingela- den hatten) dieser Zufall wurde die Veranlas- sung die Landtage einzurichten. Nach dieser Einrichtung (die auch sonst noch vieles ent- haͤlt) duͤrfen von den Aldermaͤnnern nur drey, auf den Zuͤnften nur der Zehnte, und von dem Volke nur der Sechste fehlen. Eher kann der Landtag seinen Anfang nicht nehmen. Weil man vermutete, daß verschiedne Mit- glieder des Volkes etwa saumselig seyn moͤch- ten, sich fruͤh genung einzufinden; so wurde den Geschichtschreibern der Republik oͤffentlich befohlen, sie solten, in dem angefuͤhrten Falle, sobald ihnen die Aldermaͤnner den Wink dazu geben wuͤrden, sagen, nach den Eingeschrieb- nen zu rechnen, waͤre das Volk vollzaͤhlig, und zugleich bitten: Die verehrungswuͤrdigen Aldermaͤnner und Zuͤnfter, wie auch das jezo versammelte gute Volk moͤchte es ihnen nicht zu Schulden kommen lassen, wenn sie etwa, aus menschlicher Schwachheit des Gedaͤcht- nisses, oder wol gar des Urtheils, diesen und jenen des Volkes in die Jahrbuͤcher nicht ein- geschrieben haͤtten. Es Es wurde damals noch Eine recht gute Veranstaltung getroffen, uͤber die man aber hernach nicht hat halten koͤnnen. Sie war: Der Poͤbel solte an den Graͤnzen bleiben, und nur alle drey Tage den Schreyer heruͤber schicken. Aber sie ist, wie wir schon ange- merkt haben, gleich vielen andern guten Ver- anstaltungen in der Welt, in der Folge zu Wasser geworden. Fragment eines Gesezes, oder das Gesez von der Eule, wie es gewoͤnlich genent wird. D ie Eule, Minervens Vogel, und die Nachtigall, Apollo’s ...... Mag sie doch dazu ein Paar recht besondrer Au- gen im Kopfe haben, daß sie, wenn’s Nacht ist .... die Dinge in ihrer wahren Ge- stalt ....... ja selbst das sey After- rede, daß sie, was die liebe Sonne be- H 4 schei- Anmerk. Wo etliche Puncte hinter einander stehn, da sind verschiedne Zeilen manchmal wol fuͤnf bis sechs voͤllig unleserlich. scheinet .... Sogar ihre Kehle, die sie nur nicht nach Art und Weise des Ge- sanges .. ihr bisweilen anwandelt … … so daß auf der einen Seite gewiß mehr Friedfertigkeit .... mit gutem Be- dacht derer Dinge richtige Beschauung, die bey Tage .... und ihr’s etwa auch nicht einmal danach luͤstete ...... bey solcher nicht zu aͤndernden Beschaffenheit der Menschen kein Wunder waͤre … Dieses freylich nun einmal erhaltnen, und, wo sie drauf bestuͤnde, denn unverdienten Vorzugs halben .... wiewol in den ver- gangnen Zeitaltern eben diese Meinung ob- gewaltet ..... Wolte man die Graͤnz- steine deß, was man fuͤr nuͤzlich hielte, so nah zusammenruͤcken; so koͤnte man sogar dieß wenige Uebrige mit gleichem Fug und Recht auch als uͤberfliessig verwerfen, und dann nur das notwendige gelten lassen .. .. den Menschen erniedrigte, und ihn ge- rades Weges zur Wurzel, und zum Wild- und Fischfange, zuruͤkbraͤchte ..... Wird also um dem alten Zwiespalte, der unterzeiten sogar in Groll ausbricht, Ziel und Maaß zu sezen, und damit nicht fernerhin vermeinte Ueberlegenheit und dar- aus entspringende Uebersehung .......... Wir Wir haben dieß Fragment nicht weglassen wollen, ob wir gleich gern gestehen, daß wir uns nicht getrauen es so zu erklaͤren, daß dem Leser kein Zweifel uͤbrig bleiben koͤnte. Wir wissen nicht, wodurch die Rolle so ist verdor- ben worden, daß darinn oft viel Zeilen hinter einander voͤllig unleserlich sind. Wir koͤnnen eben so wenig errathen, warum die damali- gen Geschichtschreiber der Republik das Gesez, wie sonst allzeit zu geschehen pflegt, nicht in die Jahrbuͤcher eingetragen haben. Nach der Schreibart zu urtheilen, kann es sowol vom vorigen als vom jezigen Jahrhun- derte seyn. Denn man wird bemerkt haben, daß die Gesezgeber auch in spaͤteren Zeiten die Schreibart der fruͤheren, in einem gewis- sen Grade, beybehalten haben. Wir wollen unsre Meinung uͤber den Jn- halt dieses Gesezes sagen. Der Leser unter- suche selbst, ob wir recht oder unrecht haben, oder auch, ob es vielleicht gar nicht erklaͤrt werden kann. Jn allen Jahrhunderten, (vielleicht kann man einige Zeitpunkte der Griechen ausneh- men) und unter allen gebildeten Nationen, haben gewisse Anspruͤche auf den Vorzug die Gelehrten, welche sich den darstellenden Wissenschaften, und die, welche sich den ab- H 5 han- handelnden widmeten, mehr oder weniger, heimlich oder oͤffentlich entzweyt. Diesem oft ungerechten Wettstreite um groͤssere Ehre Einhalt zu thun, scheint die Absicht dieses beynah halb verlornen Gesezes gewesen zu seyn. Man sieht leicht, welche von beyden Partheyen es gegeben habe. Es ist offenbar, daß sie damals sehr friedfertig muͤsse gewesen seyn; denn sonst wuͤrde sie das Gesez nicht einzufuͤhren gesucht haben. Wir wuͤnschen beyden Partheyen fort- daurende Neigung zu dieser Friedfertigkeit. Denn irren wir auch in unsrer Auslegung, so scheint es uns doch ausgemacht zu seyn, daß die deutschen Gelehrten auch dadurch vor den Gelehrten anderer gebildeten Natio- nen einen Schritt weiter anf der grossen ge- meinschaftlichen Laufbahn der Ehre thun wuͤrden, wenn sie nicht, gleich ihnen, durch stolzes Betragen gegen einander, die Bande aufloͤsten, durch welche die Wissenschaften selbst vereinigt sind. Der Zuruf. V erschiedne Zuͤnfter, und auch etliche vor- trefliche Juͤnglinge aus dem Volke hiel- ten ten 1769 eine besondre Zusammenkunft. Jn dieser wurde unter andern, weil das Gesez die Auslaͤnder betreffend so lau be- obachtet wuͤrde, beschlossen, auf dem bevor- stehenden Landtage aus allen Kraͤften dahin zu streben, daß man die Mehrheit zu fol- genden bekaͤme: Zuͤnfte und Volk wenden sich an die Alder- maͤnner, und beschwoͤren sie beym Vater- lande, daß sie es sich theure und liebe Pflicht seyn lassen, was ihnen der Herold auf dieser Rolle uͤberreicht, und es gleich darauf oͤffent- lich bekant machen wird. Sie nanten es den Zuruf; und dieser lautete so: Die Aldermaͤnner sollen Sorge tragen, daß der Republik, durch Ueberschaͤzung der Auslaͤnder, und Geringschaͤzung un- ser selbst, kein Unheil widerfahre. Gu- Guter Rath der Aldermaͤnner. Einleitung. S chon auf dem Landtage 1603 hat man angefangen unter dieser Aufschrift einige Bemerkungen, Warnungen, kuͤrzere oder laͤngere Spruͤche, bisweilen nur Winke der Aldermaͤnner, Anwalde, und Zunftaͤltesten in die Jahrbuͤcher zu schreiben. Aus diesen haben wir diejenigen gewaͤhlt, die uns am merkwuͤrdigsten vorgekommen sind. Der Zeitordnung sind wir bey unsrer Samlung nicht gefolgt. Man wird dem aͤlterem gu- ten Rathe seine Jahre schon von selber an- sehn. Freylich wird ihm von denen, die es bis zur Ueberfeinerung gebracht haben, dieß und jenes uͤbel gedeutet werden; aber was kann ihm das schaden? Denn Maͤnner, die Kern und Reife in der Seele haben, schaͤzen ihn doch nach seinem Werthe. Der Tiefsinn des Meisterers. Der Meister sezt den zwanzigsten Gedan- ken hin, und laͤst die andern alle weg, durch deren deren Huͤlfe er den hingesezten zur vollendeten Bestimmung gebracht hatte. Sein Mei- sterer, der sich denn doch auch gleichwol bis zu dem dritten empor geschwungen hatte, trit darauf hin, beschnizelt, verlaͤngt, oder verkuͤrzt jenen zwanzigsten Gedanken. Grosser Unterschied. Kleider machen Leute. Kleider machen keinen Mann. Scribenten, die ihre Werke so schoͤnfarbig, und nach so modischem Schnitte kleiden, bescheidet euch immer Leute zu seyn; denn Maͤnner seyd ihr nun einmal nicht. Zuruͤk, Juͤngling, sagte Ekhard, denn du hast es nicht recht gefast. Nakt, wie ein wilder Mann, darfst du deswegen nicht gehen. Gemilderte Haͤrte. Horaz nante die Nachahmer sclavisches Vieh. Urban war das eben nicht; und auch sonst nicht so recht in der Ordnung. Denn er selbst .. (von zwanzig uͤbrigen Ver- sen des Alcaͤus zehn theils sogar nur uͤbersezt) Um mit der Sache recht ins Gleis zu kom- men, so kann Vieh immer weg bleiben; denn man behaͤlt ja an Sclaven genung uͤbrig. Und Und auch dieß ist noch rauh und barsch; aber wahr ist’s. Gewoͤnliche Regelmaͤssigkeit. Unrichtig angewendet, ist ein Sprichwort kein wahres Wort. Eben so angewendet, bringt die tiefsinnigste Regel eine Misgeburt hervor. Notwendige Kentnis. Da schwazen sie: Der eine kent die Leiden- schaft; der andre kent ihre Schattierung. Wehe dem Dichter, der beydes nicht kent, wie der Bauer sein Feld, oder der Guͤnstling den Fuͤrsten, durch den er herscht, oder, wel- ches mit dem lezten voͤllig einerley ist, der Teufel die Seele, die er holt. Vom guten Gebrauche der Sprache. Wie dem Maͤdchen, das aus dem Bade steigt, das Gewand anliegt, so solt es die Sprache dem Gedanken; und gleichwol im- mer noch zehn Roͤcke uͤber einander, und ein Wulst darunter. Von Von der Entdeckung und der Erfindung. Habe du wol acht auf den Unterschied, der da ist zwischen dem, der erfindet, und einem andern, der entdekt. Hernach kanst du folgende Fragen an dich ergehn lassen: Darf ich mich des Erfindens unterfangen? Soll ich suchen zu entdecken? oder muß ich beydes unterwe- gens lassen? Wer entdecken will, siehet sich gar genau um in dem Gewimmel der Dinge, so um ihm her sind; und siehet er darinn etwas, das sonst noch Niemand hatte gesehn; so hat er entdekt. Ein solcher muß vor an- derm Augen haben, und auch Feuers, und Ausdaurens genung, lang und oft hinzusehn, insonders dahin, wo ihm nun, waͤr’s auch nur noch in der Daͤmmerung, etwa ein Licht- lein aufgeht. Solche Flaͤmlein pflegen im- mer heller zu werden, je laͤnger man hin- schaut. Meinst du, daß ein guter Weid- mann, der auch nur das Ohr eines Rehes in einem Busch ist gewahr worden, raste und ruhe, er hab es denn? Wer erfindet, sezt Vorhandnes auf neue Art und Weise zusam- men. Wie du nun zusammensezest, und was zulezt, hast du’s bewerkstelligt, vor ein Zwek, Ziel, und Absicht daraus hervor- blicken, das ist’s eben, worauf es dabey gar gar sonderlich ankomt. Das ist nun eine grosse Schwierigkeit, und ist selbige kein sol- cher Knoten, da du nur koͤnnest drein haun, und das Ding waͤre dann gethan; ist ein Kno- ten, den du loͤsen must, oder dich lieber gar nicht mit selbigem befassen. Denn, wie ge- sagt ist, das Dreinhaun frommet da nicht. Sind manche Zusammensezungen, haben we- nige und grosse Stuͤk; muͤssen solche haben, weil’s Zwek und Absicht also erheischen: sind wieder andre Zusammensezungen, haben viele Stuͤk kleine und grosse; muͤssen sie haben, aus genanter Ursach. Sind aber auch solche, die nichts nicht haben, denn lauter kleine Stuͤk; gebe keinen Pfifferling drum, ange- sehn sie untauglich Werk sind. Von der Nachahmung. Das Urbild ist der Baum, die Nachah- mung sein Schatten; und dieser ist immer bald zu lang, und bald zu kurz, nie die wahre Gestalt des Baums. Der Juͤngling. Schatten also erstlich; und dann verfehlte Gestalt? Der Aldermann. Recht, Juͤng- ling. Schatten ohne Saft und Kraft, Bil- dung ohne Schoͤnheit. Sieh nur die heilige Eiche, die edle Tanne an, und hierauf ihre Schat- Schatten. Und wenn nun vollends (der gewoͤnliche Fall) eine ganze Baumgruppe in eine ungestalte Schattenmasse zusammen fliest. Drey Fragen. Wol thaͤtest du, wenn du unter Zeiten herumwandertest in der gelehrten Geschicht, und kaͤmest du dann vorbey bey den grossen Lichtern, die weiland glaͤnzten und jezo sind erloschen, dich zu fragen anhuͤbst: Warum sind ausgangen, die doch hiebevor so viel Scheines hatten? Ferner: Wie ist ihm zu thun, daß ich dereinsten nicht auch erloͤsche; solt’s anders dahin kommen, daß der Funken, so etwa in mir ist, noch finge? Jst mancher- ley bey den Fragen zu bedenken, und ’s komt allhie gar sonderlich auf die rechte Erforsch- und Beherzigung dessen an, was da ist wahr, und gut, und neu; was Mark hat und Kraft, was tief ergruͤndet ist; was Gestalt hat voll Anmut, so daß Aug und Herz daran weiden moͤge, wer bider ist, und selbiger dadurch ge- locket und entzuͤndet werde aͤhnlich Werk her- vorzubringen. Koͤntest auch noch die dritte Frag hinzufuͤgen: Wie ist’s kommen, daß ihrer etliche blieben sind, die sie vordem wa- ren? Muͤstest alsdann gar tief in ihren Sinn J und und Geist eindringen, und nicht ablassen, du habest denn ausforscht, was da sey ihr Leben und Weben, Lust und Liebe, Art und Eigen- schaft, auch Eigenheit. Denn merke dir: Art und Eigenschaft ist gar notwendig Ding, fleugt Adlerflug; da hingegen alles, was nicht Art und Eigenschaft hat, umher flattert, und nicht weiß, wo es hin will. Ekhards Reue. Wer ein Mann ist, sagt nicht, was er thun will, sondern thut’s .. Es verdreust mich auf mich selbst, daß ich vom Nichtreden geredet habe! Anlegung der lezten Hand. Deine Schrift ist vollendet. Auch mich freut’s. Zu viel ausstreichen, ist Scylla; zu wenig, Charybdis. Sieh mir ins Ge- sicht, Juͤngling! Kanst du steuren? Hast du Mut? Zum hoͤheren Comischen gehoͤrig. Ein Schauspiel, dem kein anderes gliche, waͤre: Wenn ein Kurzsichtiger von Weitse- henden umgeben sie alle uͤbersaͤhe; und diese es es aushielten, jenem die Augen nicht zu oͤfuen. Die Vorlesung. Wenn die Aussprache, die Stimme, die Kentnis, die Empfindung, und die Be- geistrung einem Gedichte, das ein Gedicht ist, Hand in Hand, einen Tanz halten: so stehest du in einem Zauberkreise, und kanst da nicht eher heraus, als bis die Taͤnzerinnen ausruhn. Die Stillschweiger. Man hat sichre Nachrichten, daß noch hier und da viel Wissenswuͤrdiges gleich verborg- nen Schaͤzen vergraben liege. Wer den mei- sten neuern Untersuchern ein wenig nachspuͤrt, der findet, daß sie, ohne auch nur Einen Schritt tief zu kommen, oben herum wuͤhlen, viel bey ihrer Arbeit schwazen, und sich Wun- der was zu seyn duͤnken, weil sie so bestaͤubt sind. Wie laͤcherlich werden diese Leute vol- lends alsdann seyn, wenn die rechten Schaz- graͤber kommen, die kein Wort sprechen, der Raben nicht achten, aber graben. J 2 Rohr- Rohrdommels Weissage. Laurenz Rohrdommel, der auf allen Land- tagen, die wir in diesem Jahrhunderte gehal- ten haben, gegenwaͤrtig gewesen ist, brachte auf dem Landtage 1733 von neuem vielerley sonderbare Dinge vor, unter andern ließ er sich so verlauten: Jch bin kein Chiromant, oder Handgucker, aber ich bin ein Prosopomant, oder Gesichts- gucker, verstehe mich auf allerhand Prophezey aus Gebehrden und Gebehrdungen, und weiß sie dort gar genau heraus zu klauben. Wisset also, daß ich vor zwey Jahren auf einem Landtage der franzoͤsischen Gelehrtenrepublik gewesen bin, und allda nach meinem Spaͤh- und Prophezeygeiste auf Vieler Gesichtern ge- funden habe, wie folget: Bald werden die Franzosen die Wissen- schaften nicht mehr verknuͤpfungs- und folge- weise, da eines immer dem andern die Hand beut, und es stets mehr ans Tageslicht bringt, sondern nach alphabetischer Methode vortragen, so daß sie, so lange diese Gewon- heit dauert, nicht als ein wolgestalter Koͤrper dastehn werden; wol aber als ein zerhakter und zerstuͤkter vor den Augen der Leute herum liegen. Huͤ- Huͤtet euch, liebe deutsche Landsleute, daß ihr nicht auch hier in die Fußtapfen der Fran- zosen tretet, oder gar, welches sich wol eher mit euch zugetragen hat, hinein tappet. Diese Weissage wurde von den Zuhoͤrern, deren er keine geringe Anzahl um sich versam- melt hatte, mit lautem Gelaͤchter empfangen; zwar auch wol deswegen, weil er sich unter- standen hatte, prophezeyen zu koͤnnen; aber doch noch vielmehr aus der Ursache, weil es Unmoͤglichkeiten waͤren, die er prophezeyt haͤtte. Je lauter das Gelaͤchter wurde, mit desto groͤsserer Selbstgenuͤgsamkeit strich sich Rohr- dommel seinen weissen Bart, und ging nicht eher weg, als bis seine Zuhoͤrer sich recht muͤde gelacht hatten. Solte er auf unsern bevorstehenden Land- tag kommen (er muß schon gegen hundert Jahre alt seyn) so wird man ihn gewiß nicht wenig anliegen, nun auch von den kuͤnftigen, hoffentlich nicht aͤhnlichen Vorfallenheiten unsrer Republik zu prophezeyn. Wir muͤssen von Rohrdommeln noch an- merken, daß ob er gleich seit so langer Zeit auf unsern Landtagen gewesen ist, er sich doch bestaͤndig unter den dabey gegenwaͤrtigen Aus- laͤndern aufgehalten hat, aber ohne jemals J 3 auch auch nur ein einziges Wort mit ihnen zu spre- chen. Mit seinen Landsleuten spricht er noch wol unterweilen etwas; allein am liebsten ist er doch fuͤr sich, und hat er mit sich selbst zu thun. Fuͤr junge Dichter. Dreyerley vor allen Dingen, sagte ein Zunftaͤltester zu einem Juͤnglinge, der ihm seine Neigung zur Dichtkunst gestanden hat- te: Untersuchung des Menschen, Vor- uͤbungen, und Sprachkentnis. Wenn du den Menschen nicht kenst, wie er gewoͤnlich ist; und wie er seyn koͤnte, und selten ist: so weist du weder aus noch ein, wenn nun Noth an den Mann geht, das heist, wenn du den rechten, den vorzuͤglich, oder bisweilen allein wirkenden Punkt bey einer Vorstellung treffen solst. Doch diese Untersuchung erfodert Jah- re; und du kanst, eh du sie vollendet hast, Voruͤbungen machen. Von Voruͤbungen hab ich noch nie etwas gehoͤrt. Es aͤndert bey der Sache nichts, daß du jezo das erste- mal davon hoͤrst. Zeichnet der kuͤnftige Ma- ler nicht die Glieder des menschlichen Leibes einzeln, und die, bey denen es ihm am we- nigsten gelingt, wol hundertmal, eh er sich an die ganze edle Gestalt wagt? Und hat er etwa etwa Unrecht, daß er es thut? Und soll sich vielleicht der kuͤnftige Dichter deswegen nicht voruͤben, weil seine Kunst schwerer ist? Die grammatische Richtigkeit der Sprache inne haben, macht den kleineren und leichteren Theil der Sprachkentnis aus. Versteh mich ja recht. Jch sage dieß nur in Vergleichung mit dem groͤsseren, und schwereren. Denn an sich selbst ist er weder klein noch leicht. Bey der eigentlichen und vorzuͤglichsten Sprachkentnis komt es darauf an, daß man die Bedeutungen der Woͤrter in ihrem gan- zen Umfange wisse. Dieser begreift unter andern den Sinn in sich, den ein Wort, in der oder jener Verbindung der Gedanken, auch haben kann. Umfang sezt Graͤnzen. Du must also auch wissen, was ein Wort nicht bedeuten koͤnne. Manche Woͤrter wim- meln, (ich rede besonders von unsrer Spra- che) von vielfachen Bestimmungen der Haupt- bedeutung oder Hauptbedeutungen; manche haben uͤberdieß eine gewisse Biegsamkeit noch neue Bestimmungen anzunehmen, vorausge- sezt, daß die Stelle, wo sie stehen, es erfo- dre, oder wenigstens zulasse. Diese neuen Bestimmungen sind oft nur kleine, sanfte Schattierungen; aber so klein sie sind, so gehoͤren sie doch mit zur Darstellung. Ohne J 4 sie sie mangelt ihr etwas; sie ist noch nicht ganz vollendet. Wie wenig versteht also der von der Sprache, und was kann er darstellen, der nicht einmal die Hauptbedeutungen der Woͤrter recht kent. Ein Maler, der blau und roth nicht von einander unterscheiden koͤn- te, laͤst sich zwar nicht denken, und doch gleicht ihm derjenige Dichter, dem es an jener Kentnis fehlt. Zu den vielfachen Bestim- mungen der Hauptbedeutungen gehoͤrt auch sanfter und starker Klang, langsame und schnelle Bewegung der Woͤrter, ja sogar die verschiedne Stellung dieser Bewegungen. Wie soll ihm aber, (mich deucht du fragst mich das) ein Mann thun, dessen Sprache ihm zu solchen Bemerkungen wenigen oder keinen Anlaß giebt, und die nicht einmal Woͤr- ter genung hat, geschweige denn viele von starker, reicher, und vielseitiger Bedeutung? Allein was geht uns denn dieser Mann an? Meinent- und deinenthalben mag er so viel er nur immer will und kann in Prosa schreiben; und es so oft und lange, als es ihm gefaͤllig ist, Poesie nennen. Doch wenn solcher Mann nun endlich zu der Einsicht komt, wie es, in Beziehung auf die Poesie, mit seiner Sprache eigentlich beschaffen ist, was soll er dann anfangen? Dafuͤr laß du ihn ihn sorgen. Freu du dich, daß du eine Sprache hast, die der griechischen nicht nur frey unter die Augen treten, sondern die ihr auch wol diese und jene Frage thun darf. Man macht sich von dem, was die Spra- che ausdruͤcken kann, keinen richtigen Be- grif, wenn man sie sich, auf der einen Seite, durch Buchstaben bezeichnet; und auf der andern, von der Action des Redenden be- gleitet, vorstelt. Der eigentliche Umfang der Sprache ist das, was man, ohne den Redenden zu sehn, hoͤret. Man hoͤrt aber Toͤne, die Zeichen der Gedanken sind, durch die Stimme so gebildet, daß vieles von dieser Bildung nicht gelehrt werden kann, sondern vorgesagt werden muß, um gelernt zu werden. Die unlehrbare Bildung der Toͤne begreift besonders das in sich, was das Sanfte oder Starke, das Weiche oder Rauhe, das Lang- same und Langsamere, oder das Schnelle und Schnellere dazu beytragen, daß die Toͤne voͤl- lig zu solchen Gedankenzeichen werden, als sie seyn sollen. Man horet ferner mit dieser Tonbildung eine andre, die, in sehr vielen und sehr fein verschiednen Graden, Leiden- schaft ausdruͤkt. Diese zweyte Tonbildung ist allen ein Geheimnis, denen ihr Gefuͤhl nichts daruͤber sagt. Sie hat sogar mehr J 5 Schat- Schattierungen, als der Gesang. Nur der declamirt gut, dem diese doppelte Tonbil- dung gelingt. Wer Dichter werden will, kann von dem guten Declamator mehr als Eine Sache lernen. 1 Die Wirkungen des Wolklangs. Sogar rauhe Toͤne gehoͤ- ren, wenn sie der Jnhalt erfodert, mit zum Wolklange. Cynthius zupfe dich beym Ohre, wenn du einen Trieb bey dir fuͤhlst, diese Anmerkung zu misbrauchen. 2 Die Wirkungen des Silbenmaasses. Aber hier hat mancher sonst vortrefliche Decla- mator noch selbst zu lernen. Da es so wenig ist, was er zu lernen hat, so ist es merkwuͤrdig, daß er es noch nicht weiß. Wir muͤssen bey ihm voraus sezen, daß er seine Sprache und also auch ihr Tonmaaß kenne. Dieß also vorausgesezt, so hat er gar nichts weiter zu thun, als die Laͤngen genung und recht hoͤren zu lassen. Recht laͤst er aber die Laͤngen nicht eher hoͤren, als bis der Zuhoͤrer die Verschiedenheiten der- selben, die durch die Dehnung, und, im abgebrochnen Tonhalte, durch die Zahl und Beschaffenheit der Mitlaute, entstehn, bemerken kann. Geschieht dieses, so erfolgt alles uͤbrige von selbst, und der Rhythmus faͤngt auf einmal an zu tanzen. Mehr oder we- weniger Schnelligkeit, oder auch mehr oder weniger Langsamkeit entstehn von selbst aus der rechten Tonbildung der Leidenschaft. 3 Wie viel die Woͤrter ausdruͤcken koͤnnen. Man hatte oft einem Worte so viel Aus- druͤckendes nicht zugetraut, als man durch die volle gedoppelte Tonbildung der Decla- mation hoͤrt. 4 Was die Woͤrter nicht ausdruͤcken koͤnnen. Der Declamator sieht wol, was der Dichter hat sagen wollen, er sucht ihm auch, ob er es gleich nicht gesagt hat, fortzuhelfen. Da er aber nichts Ge- zwungnes thun darf; und das vorkommende Wort nun einmal nicht gut gewaͤhlt ist; so muß er es wenigstens in einem gewissen Gra- de fallen lassen. Dieses fallen lassen des Deklamators kann manches Licht in der Wort- kentnis geben. Du hast mich ein wenig erschrekt; aber ich will lernen; und ich freue mich, daß ich eine solche Sprache zu lernen habe. Nicht gehaltnes Versprechen. Es macht Freude, Schadenfreude wol, aber solche, wie du dir erlauben magst, wenn ein Maͤnnlein, das mit Duͤnkeln und Kluͤ- geln uͤber allerley gelehrte Arbeit und Schrift, auch auch wol Meisterwerk seine Lebenstage hat zubracht, geblinzt, und gethan, als ob’s sehen koͤnt, beekelt und gethan, als haͤtt’s ’ne Zunge, wenn solch Maͤnnlein nun selbst ’ne Schrift fertigt, und mit selbiger vor aller Welt Augen hervortrit. Darinn lebt und webt denn nun nichts, ist noch Kraft noch Anmut; Anstrengens wol, und vielerley miswachsner Zier; und wird kein halb Wort gehalten von alle dem, was da war durch so viel vorgaͤngige Kluͤgeley versprochen wor- den, auf die Ereignis hin, daß der Kluͤgling einst selbsten auftraͤt, und redete. Lassen’s auch die Zuhoͤrer dafuͤr das eine Ohr hinein- gehn, und das andre wieder hinaus, und vergessen’s Uebermorgen. Gutachten uͤber etliche Redensarten. Sich mit auslaͤndischen Schellen behaͤn- gen .. Dinge, die aufrecht stehen, um- kehren, damit man sie umgekehrt zeigen koͤnne .. Den Musen die Leyer stimmen .. Nach der Pfeife des Tauben tanzen .. Den Pfuscher einseifen, und ihn mit dem weissen Barte sizen lassen .. Nicht einmal des Ero- stratus Ruhm erlangen koͤnnen, weil’s nicht brennen will .. Einen kleinen Zwek fuͤr einen einen Zwek halten .. Sich’s hoch an- rechnen, daß man, da man denn doch nun einmal Marktschreyer ist, gleichwol bey Leibe kein Seiltaͤnzer seyn moͤchte .. Zwi- schen philosophischer Kunstwoͤrterey, und wahren Gedanken, keinen Unterschied fin- den .. Zwischen einem guten Vortrage, dessen Gegenstaͤnde sich aber nur auf philoso- phische Kunstwoͤrterey gruͤnden, und wahren Gedanken, auch keinen Unterschied finden .. sind Redensarten, die mehr in sich halten, als mancher der Sachen und der Zeiten un- kundige etwa vermeinen moͤchte. Woran die Schuld liege. Die Deutlichkeit der Rede stehet nicht allein mit dem Verstande, den Kentnissen, und der Aufmerksamkeit der Zuhoͤrer in Ver- haͤltnissen; sondern auch mit den Gegenstaͤn- den, die vorgestelt werden. Diese bestim- men naͤmlich, durch ihre verschiedene Be- schaffenheit, die bey ihnen erreichbaren Gra- de der Deutlichkeit. Erhabne Gegenstaͤn- de, wenn man sie von der rechten Seite angesehn, und mit wahrem Gefuͤhl ganz empfunden hat, koͤnnen vorzuͤglich deutlich vorgestelt werden. Oft ist es, um hier bis zu zu diesem Grade der Deutlichkeit zu kommen, nicht etwa nur gut; es ist notwendig kurz zu seyn. Die Kuͤrze fasset wenige Theile durch Worte von starker Bedeutung zusam- men, und leuchtet, gleich einer grossen Licht- masse auf einem Gemaͤlde. Gleichwol ist sie es, die am gewoͤnlichsten der Dunkelheit beschuldigt wird. Aber von wem denn? Von Leuten, denen es entweder an Verstan- de, oder an Kentnissen, oder an Aufmerk- samkeit, oder gar an allen dreyen fehlt. Gegruͤndete Befuͤrchtung. Wenn ich, sagte ein Zunftaͤltester, etwas schreiben moͤchte, das, ohne meine Absicht, wuͤrde zur Satyre werden; so wuͤrd ich eine wahre Geschichte der Philosophie schreiben. Fromm wie ein Lamm, aber mit voͤlliger Bestimmung wuͤrd ich es in seinem ganzen Umfange auseinandersezen, wie wenig die allermeisten Philosophen zur Erleuchtung des Verstandes, und zur Lenkung des Her- zens beygetragen haben. Meine Lammfroͤm- migkeit wuͤrde besonders daraus hervorblicken, daß ich den Philosophen nichts, gar nichts andichtete; sondern die Sachen voͤllig so naͤh- me, wie sie wirklich sind; und doch wuͤrd ich ich Unschuldiger ein reissender Wolf zu seyn scheinen, der ganze Heerden Schafe auf Einmal auffraͤsse. Vom Geschmacke. Komt da ein Woͤrtlein immer mehr und mehr auf, heisset: Geschmak; kann an sich selbsten weder frommen noch schaden, ange- sehn auf ’ne Gleichnisrede mehr oder we- niger gar nichts ankomt; aber gleichwol ste- het zu fuͤrchten, daß dieses Woͤrtlein aller- hand, das nicht gut ist, anrichten werde. Denn solche Gleichnisreden werden gewoͤnlich in einem Sinne gefast, der bald hierhin schwankt, und bald dorthin, so daß zulezt Theoreyn daraus kommen, welche die Leut wie Jrwische herumnarren. Moͤcht man’s doch brauchen, wie’s einem gut duͤnket’ und luͤstete, in gemeiner Rede; auch in allerley Zetteln, die umherfliegen, und an welcher Jnhalt wenig liegt: aber in Buͤchern, die darthun sollen, was da sey die Ursach, die Weise, Gestalt, und Gebehrde dessen, das uns behaget, oder nicht behaget, moͤcht be- nantes Woͤrtlein vielleicht zu allerley Regul- maͤssigkeiten verleiten, mit denen, und mit derer Geburten einer’s in die Laͤng nicht aus- halten koͤnte. Die Die Vergleichungssucht. Untersuchest du deinen Gegenstand nur in Vergleichung mit andern; so wird es bald um dich von kleinen und grossen Jrthuͤmern wimmeln; untersuchest du ihn aber allein und fuͤr sich; so kaust du bisweilen dahin kommen, daß du ihn ganz siehest, und du stehest dann, in Absicht auf die Erkentnis, eine Stufe hoͤher, als die Vergleicher. Wer dieses noch nicht weiß, der buchsta- biert noch; und gleichwol ist’s nicht uͤber- fliessig es zu sagen. Jn unserm erleuchteten achtzehnten Jahrhunderte wird mehr vergli- chen, als jemals ist verglichen worden. Es versteht sich von selbst, daß dieses diejenigen am wenigsten glauben, die es am meisten angeht. Wortklauberey. Rohrdommel sagte: Tyrn deutete bey uns vor Alters eben das an, was heutiges Tages Tyrann. Dieß Wort ist aus dem griechi- schen Tyrannos entstanden. Tyrn und Ty- rannos sind eben dieselben Woͤrter; und bey- de sind aus einer und eben derselben aͤlteren Quelle geschoͤpft. Wir haben aber Tyrn ver- verloren, und au dessen Statt Tyrann aus dem Griechischen genommen. Gleichergestalt haben wir auch kritisch aus dem Griechischen genommen; (aus dem Franzoͤsischen denn, wenn ihr’s so haben wolt, und die Franzosen haben’s von den Roͤmern, und die Roͤmer von den Griechen) aber das fruͤhere Wort kriddsk haben wir nicht wie Tyrn gaͤnzlich verloren; sondern es ist, nebst etlichen Woͤrtern gleiches Stammes, noch im Niederdeutschen vorhan- den. Nun komt zwar der Glossierer, und sagt: Kriddsk kann nicht mit kritisch einerley seyn, so wie’s Tyrn mit Tyrann ist. Denn kriddsk bedeutet zaͤnkisch, auch haben die ver- wandten Woͤrter gleiche Bedeutung, als: Kriten (im Gothischen kritan ) ein zanken- des Geschrey erheben, kreischen; ferner: Kriddelije Streit, heftiger Wortwechsel, wie auch: Kriddeler ein Zaͤnker. Das sagt der Glossierer nun zwar; aber ich bin auch ei- ner, und wol ein besserer denn er, und sage: Er haͤtte bey seinem Vorbringen in Erwaͤgung ziehn sollen, daß die angefuͤhrten Bedeutun- gen nur Nebenbedeutungen sind. Denn Kritmann Das brem. Woͤrterb. giebt dem Krit- manne S. 868. eben diese Bedeutung. heisset Richter. K Wor- Woraus denn folget, daß Kriddeler auch Richter, Kriddelije auch Gericht, und kriddsk auch richterlich heisse. (Jch bemenge mich hiebey gar nicht damit, zu eroͤrtern, wie Un- recht die Kritiker darinn haben, daß sie sich duͤnken lassen, Richter zu seyn; es komt mir einzig und allein auf die rechte Auslegung der Woͤrter an, durch deren Huͤlfe und Beystand sie sich, welcher Abkunft die Woͤrter auch seyn moͤgen, griechischer oder deutscher, das an- massen, was sie nicht haben.) Jch haͤtte also in dieser dunkeln Sache ein solches Licht aufgestekt, daß die Hauptbedeutung des Wortes kriddsk wieder hergestelt waͤre. Aber, auf daß man mir nicht Unrecht thue, so muß ich sagen: Jch verlange der Wiederherstellung halben gleichwol nicht, daß man das griechi- sche Wort kritisch verwerfe, und das alte, nur noch im Niederdeutschen uͤbliche auf- nehme. Denn fuͤrs erste muß man zu wich- tigen Dingen nicht ohne die groͤste Noth uͤbel- klingende Woͤrter brauchen; und kriddsk klingt denn doch gewiß uͤbel genung: fuͤrs zweyte muß man sich huͤten, Woͤrter aus den gemeinen Landessprachen ins Deutsche aufzu- nehmen. Sonst haͤtte freylich die Sache, wenn man sie nach der andern Seite herum- dreht, auch ihre Vortheile. Kunstrichterey, wel- welches man anstatt Kritik der Abwechslung wegen zu gebrauchen pflegt, ist zum Exempel kein gutes Wort; wenn wir aber (lasset uns die niederdeutschen Woͤrter, der moͤglichen Aufname halben, gleich deutsch aussprechen) wenn wir Kriteley aufnaͤhmen; so haͤtten wir fuͤr Kunstrichterey ein gutes Wort. Keiner hat jemals kritisieren fuͤr ein gutes Wort ge- halten. Es ist von ungefaͤhr so eine Art Wort, wie hanthieren, hausieren; und nicht einmal so gut; denn es solte nach dem Fran- zoͤsischen, wo es hergenommen ist, kritikieren heissen; aber es mag wol Anfangs dem Poͤbel ein wenig durchs Maul gangen seyn, und all- da die Verwandlung in kritisieren erlitten haben. Wer weiß nicht, daß manchem an- dern franzoͤsischen Worte gleiches Unheil wie- derfahren ist. Nehmen wir aber kriten auf; so koͤnnen wir das verwahrloste kritisieren voͤllig entbehren. Kunstrichter will Man- chen auch noch nicht so recht ein; Kritiker eben so wenig. Dieser Leute Bedenklichkeiten fielen nicht allein so gleich weg; sondern die Sprache wuͤrde auch, und gewiß durch keinen unnuͤzen Schaz, bereichert, wenn wir ihr Kritler und Kritmann gaͤben. Denu das lezte druͤkt mehr aus, als das erste. Wenn man schlechtweg Kritler sagt; so hat die K 2 Sache Sache bey weitem den Nachdruk noch nicht, den sie durch Kritmann bekomt. Was end- lich kritisch anbelangt; so ist das zwar ein recht gutes Wort; aber warum solten wir nicht auch kritsch (da kritisch oft auch kritsch ausgesprochen wird; so faͤlt der Vorwurf ei- ner etwanigen Haͤrtlichkeit, wo nicht weg, doch zuruͤk) ich sage, warum solten wir nicht auch kritsch aufnehmen, wenn wir Kriteley, kriten, Kritler und Kritmann aufgenommen haͤtten? Wem das Licht, das ich in dieser Sache aufgestecket habe, noch nicht genung einleuch- tet, dem halte ich’s hiemit ganz dicht vor die Augen, wie folget: Jch habe um das Wort Kritmann, das einen Richter anzeiget, und die Nebenbedeutung der Geschwisterwoͤrter nicht hat, wie um eine Achse, mein Rad lau- fen lassen, so gut, daß ich, wo ich hinge- dachte, angerolt kommen bin, da naͤmlich: Die Hauptbedeutung des alten deutschen Wortes kritsch wieder herzustellen. Der Scheideweg. Der Tempel der Wahrheit liegt auf einem hohen Felsen. Zwey Juͤnglinge gingen mit einander auf der Heerstrasse. Jezt waren sie an an einem Fußsteige, der von der Heerstrasse ab, und in Buͤsche hinein lief. Auf diesem kam ihnen die Kuͤhnheit, und auf jener die Behutsamkeit entgegen. Folge mir! rief die Eine, mir! die Andre, und beyde waren beredt. Die Juͤnglinge nahmen von einan- der Abschied. Derjenige, welcher der Kuͤhn- heit gefolgt war, saß schon an der Schwelle des Tempels, als der andre noch in einer zu- ruͤkfuͤhrenden Kruͤmme war, und dort in Sande watete. Der verkante Untersucher. Zweyerley komt mir laͤcherlich vor, und das dritte abgeschmakt. Wenn einer durch den Gebrauch der Kunst- woͤrter ein Philosoph zu seyn glaubt. Wenn einer nicht einmal weiß, was andre Philosophen vor ihm gesagt haben; und sich doch duͤnken laͤst, es verlone sich der Muͤhe gehoͤrt zu werden, was er nun zum zwanzig- stenmale sagt. Und wenn der, welcher dieses und jenes vereinigt, den wirklichen philosophischen Un- tersucher uͤber die Achseln ansieht, weil dieser seines gleichen nicht ist. K 3 Die Die Jronie. Die rechte Jronie ist eine gar keusche Dirne, enthaͤlt sich mit grosser Strenge des Mitla- chens. Am besten hat sie’s troffen, wenn nicht etwa nur, wer mit Haut und Haar Gauch ist, sondern auch der Kluͤgling denkt, sie meine das in allem Ernste, was sie sagt. Besser ist besser. Jch bin ein guter Leser, denn ich sehe ein, warum du das und das gesezt hast. Jch danke vielmals, und gewiß recht aufrich- tig; aber ich kenne noch bessere Leser. Und wie sind denn diese beschaffen? Diese sehen auch ein, warum ich das, und das, und wieder das, und noch mehr weggelassen habe. Die ekle Nase. Ein kalter einsylbiger Mann hatte seine Buͤcher folgendermaassen geordnet: Jn einem kleinen Cabinette hatte er die Originalwerke; und in einem grossen Saale die unzaͤhligen Arbeiten der Nachahmer und der Ausschreiber. Jene nante er seine Blu- men; und diese, nach einer woͤrtlichen Dol- met- metschung des franzoͤsischen Ausdruks: seine verfaulten Toͤpfe. Kam einer zu ihm, und wolte seine Buͤcher sehen; so hatte er’s bald weg, wohin er ihn fuͤhren muͤste. Es begab sich selten, daß er Jemanden ins Cabinet fuͤhrte. Gewoͤnlich ging er mit den Leuten in den Saal, machte links und rechts die Deckel auf, und ließ hinein riechen. An ihn. Den bescheidnen Tiedemann (er war vater- laͤndisch gesint, und das bin ich auch) erbat ich endlich, daß er sich vornahm, aber wie man sich Sachen vornimt, die man thun will, die Geschichte von den Entdeckungen und Er- findungen der Deutschen zu schreiben. Tie- demann ist gestorben. Die beyden Zepter. Die lange Laͤnge lang von drey Jahrhun- derten beherschte Aristoteles die Scholastiker mit einem eisernen Zepter; endlich war’s denn doch damit vorbey: und gleichwol hoͤren die Theoristen der Dichtkunst noch nicht auf sein andres Zepter zu kuͤssen. Aristoteles hatte in Vielem Recht. Er war ein grosser Mann. K 4 Wer Wer leugnet denn das? Er hat hin- kende Nachtreter, die sich ein hoͤlzernes Zep- ter schnizeln, und es mit Eisenerde uͤbertuͤn- chen. Diese haben fast in allen Unrecht; und sind Leutlein. Wer leugnet’s denn? Jnhalt und Ausfuͤhrung. Jst Jemanden eine Schrift fertig worden, und hat er einen Freund, der nicht leugt noch treugt, und der scharfes Geistes ist, aber bey Leibe nicht spizfindiges; so geh er zu selbigem Freunde, und zeig ihm die Schrift vor, und thue ihm dabey folgende zwey bedenkliche Fragen: Hat’s auch Jnhalt, was du da liesest? Hat’s auch Gestalt gewonnen? oder ist’s so unlieblich anzuschaun, als ein Mensch, der nur in Haut und Knochen haͤngt? Hapert’s dem Freunde bey der Antwort auf die erste Frage; dann ohne Anstand und Saͤumnis mit dem Buche ins Feuer! Gehn ihm aber nur bey der zweyten Frage die Achseln ein wenig in die Hoͤhe; nun so magst du dich wol noch Einmal an dein Werk machen, nicht, daß du die Feile gebrauchest; denn du hast ja nichts abzufeilen: sondern, daß du dem Jnhalte Gestalt gebest. Was Was solchen Leuten nicht werden kann. Wenn in gemeinem Leben einer dem an- dern jezt eine freundliche, und gleich darauf eine spoͤttische Mine machte; einer den andern jezt mit einem Krazfusse bewillkomte, und ihm gleich darauf einen Tritt versezte; einer seinem Gaste jezt gutes Raͤucherpul- ver, und dann Gestank aufstreute: so .. jeder weiß, wie ein solch Betragen in gemeinem Leben wuͤrd angesehn werden. Unter dem Vorwande der Unpartheylich- keit verfaͤhrt der grosse Haufen der Kritiker gegen die Scribenten eben so, auch gegen sol- che, denen an ihrer Freundlichkeit, ihren Kraz- fuͤssen, und ihrem Raͤuchern nichts gelegen ist. Der grosse Haufen wird doch diesem allen ungeachtet nicht etwa gar verlangen, daß man nach den Regeln des gemeinem Lebens von ihm urtheile? Also sollen wir nur immer loben, und niemals tadeln? Elender Behelf! Als wenn der Tadel noth- wendig Gestank, und desgleichen seyn muͤste; und als wenn dem, der nicht so gerade zu fuͤr- lieb nimt, euer nichts entscheidendes Lob nicht gleichguͤltig waͤre. K 5 Der Der ehrerbietige Wegweiser. Wer erfindet, der sint entweder die Ursa- chen zu schon vorhandnen Wirkungen aus, oder auch zu solchen Wirkungen, die erst noch entstehn sollen, und die er selbst hervorbrin- gen, oder durch andre will hervorbringen laͤssen. Bey der ersten Art der Erfindungen kann es selten mit Gewisheit ausgemacht werden, ob man gut erfunden habe. So ist es zum Exempel noch nicht entschieden, ob die Ursach der Sternbewegung, die zuerst Kepler, und, nach ihm, Newron erfand, die wahre sey. Bey der zweyten Art der Erfindungen ist es offenbar, daß man nicht gut erfunden habe, wenn die abgezwekte Wirkung nicht erfolgt; und gut, wenn sie erfolgt. Man nehme zum Exempel an, daß der Arzt durch seine neue Arzeney voͤllige Genesung, der Dichter durch sein Gedicht starke Ruͤhrung, der Mechani- ker durch seine Machine Fortreibung einer ge- wissen Last zu einer gewissen Weite haben her- vorbringen wollen; so kann man von dem Werthe ihrer Erfindungen nicht anders, als nach dem Erfolge, urtheilen. Die einfachsten Erfindungen koͤnnen nur dann die schwersten genant werden, wenn durch Einfachheit die wenigsten Mittel zum Zwe- Zwecke verstanden worden. Jn einem andern Verstande (und in diesem nimt man hier doch gewoͤhnlich das Wort einfach ) sind die nicht einfachen Erfindungen die schwereren. Die Erfindung der Buchdruckerey war gewiß leich- ter, als des Papiers oder des Glases. Das Erfinden kann nicht gelehrt, aber wer Faͤhigkeit dazu hat, kann auf den Weg, der zum Erfinden fuͤhrt, gebracht werden. Viel- leicht sind folgende die rechten Wegweisungen: Man muß die schon vorhandnen Wirkun- gen, oder diejenigen, die man hervorbringen will, in allen ihren Theilen und Theilchen, bestimt denken. Man muß auch hier ein Mann seyn, und nicht erschrecken, wenn man in Anfange nur kleine Schritte thut. Man kann sich den Reiz der Schwierigkeit so lebhaft vorstellen, daß man gern zu ihr zu- ruͤkkehrt. Man muß den Zwek, den man hat, so lan- ge, und von so vielen Seiten betrachten, bis man ihn lieb gewint. Desto besser, wenn man ihn gleich Anfangs lieb gewonnen hat. Man muß mit scharfer Wage waͤgen, was eigentlich Verdienst sey. Denn alsdann wird man sich keine kleine Zwecke vorsezen, und also nicht in die Gefahr gerathen mitten in der Un- ter- ternehmung abzubrechen. Dieses Abbrechen erfolgt natuͤrlicher Weise, so bald man das Unbedeutende des Zweckes gewahr wird. Es ist keine Kleinigkeit, daß es die Deut- schen sind, die, nach den Griechen, am meisten erfunden haben. Und ist es etwa eine, dazu beyzutragen, daß man einst, daß man nun bald sagen koͤnne: Die Deutschen haben mehr, als die Griechen erfunden? Der Deutsche, der hierbey nichts fuͤhlt, mag meinenthalben gar so sehr verfeinert seyn, daß er uͤberhaupt klein von Vaterlande denkt. Spott und Verachtung uͤber den Thoren! Doch das nicht einmal. Er werde mit dem Kaltsinne des Stillschweigens uͤbergangen. Der Fuchs, der Poetiker, und der Reimer. War ein Fuchs, sah Trauben haͤngen, sprang vergebens danach, lief fort, und sagte: Sind der sauren! Jst gefabelt. Denn der Fuchs frist keine Trauben. War ein Poetiker, sah die Muse mit der Nectarschal in der Hand oben auf’m Huͤgel stehen, wolt zu ihr hinauf, kont nicht, lief fort, und sagte: Schmekt bitter! Abermal gefabelt. Denn der Poetiker hasset alles Solbstarbeiten; es ist ihm ein Greuel! War War ein Reimer, sah die Nectarschal, wolt hinauf, kont nicht, lief fort, und sagte: Schmekt bitter! Jst nicht gefabelt. Denn der Reimer wolt gern was arbeiten; kann’s nur nicht. Weniges von vielem. Auch das gehoͤrt zu dem Vollendeten einer Schrift, daß alles darinn Beziehungen und Verhaͤltnisse unter sich habe, und daß sich von diesen die seltneren Abstaͤnde nicht zu weit ent- fernen. Freylich sind diese Zuͤge des Gemaͤl- des manchem unsichtbar; aber sind sie deswe- gen nicht da, weil’s Leute mit bloͤden Augen giebt? Die Wuͤnschelruthe und der Stein des Weisen. Wo liegst du? Sprich nicht, schlag. Jch schlage. Nach mir hin must du schlagen, und nicht so in die Luft streichen, wie du thust. Aber wo liegst du denn? Wo ich liege, das ist ja eben der Punkt, den du treffen must. So bald du ihn getroffen hast; so huͤpf ich zu dir hinauf. Aber was bist du denn eigent- lich? Du weist noch nicht einmal, was ich bin; und suchst mich doch. Du magst mir wol eine von den Wuͤnschelruthen der Berg- leute seyn; und mich gar fuͤr den beruͤchtigten Stein der Goldmacher halten! Harter Stein! das das denn doch nun eben nicht; aber wenn ich dich schon genung kente; so braͤucht ich dich ja nicht zu suchen. Schlag! Wieder vorbey geschlagen. Wo bist du gewachsen, Wuͤnschelruthe? Gewachsen bin ich .. Bey Suͤmpfen? oder nah an den Wolken? unter den Einfluͤssen des Nebels? oder der Mor- genroͤthe? Jch bin gewachsen .. ja ich bin irgendwo gewachsen. Jch versteh alles. Schlag nun meinenthalben noch so viel; ich werde ruhig liegen bleiben. Weitlaͤuftigkeit und Vollstaͤndigkeit. Wo diese noch mit einander verwechselt werden, da ist man noch ein halbes Jahrhun- dert von der Reife entfernt. Lasset euch die Weitlaͤuftigkeit nicht irre machen, die sich mit Blumen puzt. Sie ist Weitlaͤuftigkeit. Zwey Antworten. Er hat gut geschrieben fuͤr die Zeiten, in denen er lebte. Als wenn das Genie ein Sclav seiner Zeiten seyn koͤnte; und dann, wenn jenes gleichwol gelten soll, als wenn die Griechen und Roͤmer zu denen Zeiten, die zum Dekmantel dienen muͤssen, nicht schon waͤren da gewesen. Aus Aus dem goldnen Abece der Dichter. Laß du dich kein Regulbuch irren, wie dik es auch sey, und was die Vorred auch davon bemelde, daß ohne solchen Wegweiser keiner, der da dichtet, koͤnne auch nur Einen sichern Schritt thun. Frag du den Geist, der in dir ist, und die Dinge, die du um dich siehst und hoͤrest, und die Beschaffenheit deß, wo- von du vorhast zu dichten; und was die dir antworten, dem folge. Und wenn du’s nun hast zu Ende bracht, und kalt worden bist von dem gewaltigen Feuer, womit du dein Werk hast arbeitet; so untersuch alle deine Tritt und und Schritt noch Einmal; und wo sie etwa wankend gewesen sind und gleithaft, da geh du von neuem einher, und halt solchen Gang, der stark und fest sey. Wilst du dich nach ge- thaner Arbeit erholen und erlustigen; so nimm der dicken Regulbuͤcher eines zur Hand, und lauf hie und da die Narrentheidungen durch, die du vor dir findest. Anlaß zum Stillschweigen. Wer die Wollust noch nicht geschmekt hat, welche die zu uͤberwindende, und die uͤber- wundne Schwierigkeit geben, der ist noch ein Neuling, und solte sich des Mitsprechens ent- halten. Das Das poetische Genie. Jst die Reizbarkeit der Empfindungskraft etwas groͤsser, als die Lebhaftigkeit der Einbil- dungskraft; und ist die Schaͤrfe des Urtheils, in ungleichem Abstande von beyden, groͤsser als sie: so sind dieß vielleicht die Verhaͤltnisse, durch welche das poetische Genie entsteht. Nachsicht. Magst du doch die oder jene Thorheit be- gehn; aber vor der Laͤcherlichkeit der Laͤcher- lichkeiten sey auf deiner Hut, naͤmlich: Dem Meister Unterricht in seiner Kunst zu geben. Auslegung eines Sprichworts. Wo der Adler nistet, klekt’s die Schwal- be nicht an. Weit entfernt eine Erklaͤrung uͤber dieß alte deutsche Sprichwort zu machen, wie Erasmus uͤber die griechischen gemacht hat, merkte Ekhard nur an, daß die Schwal- bennester unter andern auch vor den Steinen der Knaben nicht sicher waͤren. Die Blinden. Sassen zwey Blinde bey einer Schilderey. Der eine fuͤhlte auf der unrechten Seite her- um, um, sagte: Jst niedrig Buschwerk, wird etwa fuͤr einen Weidmann geconterfeyt seyn. Der andre fuͤhlte auf der rechten Seite her- um, sagte: Huͤgel sind’s, etliche nur, all das andre ist Ebne. Trat noch ein Blinder, ihr guter Gesell, herein, ließ sich den Zwist er- zaͤhlen, fuͤhlte auf dem glatten Ramen her- um, sagte: Was? Stilles ebnes Meer ist’s, worinn sich die liebe Sonne spiegelt. Hatten die Blinden einen andern guten Gesellen, der kont sehen. Da sie selbigem nun den Zwist der Laͤnge nach hatten erzaͤhlt, sprach er: Bin hergewandert, euch zur Musika einzuladen, weil mir ein treflicher Geiger ankommen ist. Habt wol eh davon sagen hoͤren, daß unter Zeiten der Himmel voller Geigen hinge. Da hat er eine herabgenommen, so spielt er! Aber die Streitigkeit? So komt doch. Jch mag die Schilderey nicht ausehn; sie betruͤbt mich nur. ’s ist Hermann, der von seinen eignen Blutsfreunden ermordet wird! Aber komt immer. Der Mann wartet in der Laub auf uns, und still ist’s, und Mondschein auch. Doch sie spotteten nur des Sehenden, foch- ten das Ding fernerhin unter sich aus, und liessen ihn allein zum Geiger gehen. Bring du diese Gleichnisrede, die dir etwa allzu luͤgenhaftig vorkommen mag, bey der L An- Anwendung, nur an den rechten Mann; (thust am besten, wenn du dir einen Gelehrten zu diesem Manne kiesest) und sie wird dir gar glaubhaft vorkommen. Ekhards Grille. Aldermann Ekhard pflegt zu sagen, daß er viel lieber Einen troknen Ton, ja nur Laut von sich geben moͤge, als eine ganze lange Redseligkeit, wie sie wol eher zu seiner Ju- gendzeit waͤre gelobpriesen worden; und nun besonders in seinen alten Tagen gelobpriesen wuͤrde. Vielen unverstaͤndlich. Die Umkreise dessen, was wir erforschen koͤnnen, und dessen, was uns als Schoͤn ganz gefaͤlt, sind kleiner, als wir es uns, in unserm Durste nach Erkentnis und nach Ver- gnuͤgen, vorstellen. Gleichwol sind uns diese kleineren Umkreise bey weitem noch nicht voͤl- lig bekant, und das besonders daher, weil wir uns so viel uͤber den Graͤnzen zu schaffen machen. Wohl dem, der innerhalb dersel- ben bleibt, und hier noch unbekante Laͤnder und Laͤndchen entdekt. Seze die Graͤnzstei- ne. Wenn ichs auch koͤnte, so thaͤt ichs doch nicht. Als wenn ihr nicht einer Spanne hal- ben, die ich gefehlt haͤtte, und vielleicht auch nicht nicht gefehlt, Streit anfangen wuͤrdet, indem ihr eben hundert Schritte irre gegangen waͤrt. Zudem so hab ich noch dieß und jenes inner- halb zu thun, und also keine Zeit uͤbrig, selbst mit bessern Streitern, als ihr seyd, in die Schranken zu gehn. Am besten an der Anwendung zu kennen. Sind ihrer manche, die vielerley Reguln und Richtschnuren fertigen, wie der Dichter es solle machen, wenn er dichtet. Sind ihrer aber eben so wenige, die das Ding mit den Richtschnuren recht inne haben, als klein guter Dichter Zahl ist. Da sezen sich nun die Regulgeber hin, und meinen’s auszugruͤbeln, was da Natur sey, und kennen doch keine Er- fahrung; und ertappen sie ja ’mal was, das nach Natur aussieht, so koͤnnen sie doch nicht damit umgehn, stellen’s schief hin, werfen’s durch ’nander; und wenn’s nun gar recht zu dem geht, worauf’s allein ankomt, so wissen sie vollends weder aus noch ein. Da sieht man’s denn, wenn sie sich selbst was unter- fangen, und mit ihrem Schiflein auf’s weite Meer hinausfahren, da bleiben sie auf allen Sandbaͤnken sizen, und ist kein Fels wo, auf den sie nicht stossen. L 2 Mit- Mittel in sich zu gehen. Thust wol, wenn du zwischen viel Buͤcher- schreine geraͤthst, daß du gleich beym Ein- tritt dich der Sterblichkeit erinnerst deiner eignen Schriften, und hernach beym Her- umwandeln unter den vielen verblichnen Wer- ken dich des Spoͤttelns uͤber selbige enthaltest. Zieh du vielmehr das Schiksal aller mensch- lichen Ding in Betracht; und der Geist der Spoͤtteley wird schon von selbst die Fluͤgel haͤngen lassen. Von der Kuͤrze. Liebst du runden gediegnen Sinn, so bist du karglaut, und sezest da der Woͤrtlein nur etliche, wo andre ganze lange Zeilen daher laufen lassen. Bist dann freylich auch gar uͤbel dran mit dem, welchem die Art des Ver- staͤndnisses, so ihm etwa worden ist, sich nicht anders oͤfnet, als durch schlackichte und viel- eckichte Gedanken. Solcherley Gedanken haben nun zwar, besieht man’s beyn Lichten, nichts in sich, das nur etlichermaassen des Merkens werth sey; aber das verschlaͤgt dem Manne nichts, dem nur durch sie das Ver- staͤndnis kann geoͤfnet werden. Er hegt und pflegt sich nun einmal mit selbigen. Mag er doch. Aber was soll’s der Demut dich mit ihm ihm zu schaffen machen? Sorge du fuͤr die, denen du, bey aller deiner Karglautigkeit, viel eher ein Woͤrtlein zu viel, denn eins zu wenig sezen koͤntest. Ein alter Schaden. Ausser dem Vortreflichen und Guten noch etwas Halbgutes oder gleichsam Gutes in den Wissenschaften anzunehmen, ist mislich, und hat mancherley uͤble Folgen, und das aus der Ursach, weil das Halbgute und das Mittelmaͤssige nie beyzulegende Graͤnzstreitig- keiten mit einander haben. Wundergeschichte. Es war einmal ein Mann, der viel aus- laͤndische Schriften las, und selbst Buͤcher schrieb. Er ging auf den Kruͤcken der Aus- laͤnder, ritt bald auf ihren Rossen, bald auf ihren Rossinanten, pfluͤgte mit ihren Kaͤlbern, tanzte ihren Seiltanz. Viele seiner gutherzi- gen und unbelesenen Landsleute hielten ihn fuͤr einen rechten Wundermann. Doch etlichen entging’s nicht, wie es mit des Mannes Schriften eigentlich zusammenhinge; aber uͤberall kamen sie ihm gleichwol nicht auf die Spur. Und wie konten sie auch? Es war ja unmoͤglich in jeden Kaͤlberstall der Auslaͤn- der zu gehen. L 3 Die Die Luftschloͤsser des Gelehrten. Den Entwurf zu einem Buche machen, das Neues enthaͤlt (mit Schnelligkeit, mit Feuer, mit Ungestuͤm!) und zugleich glauben, man werde den Entwurf ausfuͤhren, ist innige Herzenslust, und vielmehr als Vergnuͤgen. So hab ich ihrer nicht wenige heut entworfen, und morgen die Hofnung aufgegeben sie zu schreiben. Vergessen sind sie! Doch bin ich darum weniger gluͤklich bey den Entwuͤrfen gewesen? Zurechtweisung. Sind Viele, die allerhand Regelgeschwaͤz treiben uͤber das, was dem Dichter obliege; frommet aber selbes nicht, sondern richt viel- mehr Schaden an bey kleinlauten Gemuͤthern. Wahrer und aͤchter Regeln des Dichtens sind nur etliche wenige; und die haben denn sichre und gewisse Merkzeichen, an denen sie gleich erkennen mag, wer Augen im Kopfe hat. Fuͤr erst sind solche Regeln gutes Ursprungs, das heisset so viel: Sie sind hergenommen aus des menschlichen Herzens Art und Eigen- schaft, wie auch aus der Beschaffenheit und dem Zustande der Dinge, die um den Men- schen her sind. Zweytens sind sie fein leicht anzuwenden, zeigen gerade, gebahnte Strasse dahin, dahin, wo der Dichter hin muß, wenn ihm vor Meistersange ekelt. Sind drittens nicht kleine Ziele, zu welchen er durch diese Regeln bracht wird; sondern wenn er dort ankommen ist, so faͤhrt er auf’s Herz zu, daß einem schaudert, oder froh zu Mute wird, oder was es sonst mehr vor gewaltige Beweg- und Er- schuͤttrungen sind, die einer gern haben mag. Must aber ja nicht dabey zu erwaͤgen aus der Acht lassen, daß selbsten solche aͤchte und wahre Regeln zu nichts nicht taugen dem, der nicht Geisteskraft und Gabe dazu hat, etwas nach selbigen hervorzubringen. Ungekante Gleichheit. Jn einer gewissen verfeinerten Schreibart ei- niger Neuern, welche falschverstandner Atticis- mus ist, grosse Gedanken sagen, oder die Sitt und Weise der Scholastiker wieder aufwaͤrmen wollen, ist einerley. Die Scholastiker liessen Engel auf Nadelspizen tanzen. Die Meisterer betreffend. Einem Meisterer ist ein zu ehrsamer Name worden, angesehn selbiger von Meister abge- leitet wird; solt arger Gesell heissen. Faͤlt wol Widerrede, und wird gesagt: Eben da- durch, daß das Wort Meisterer von Meister komme, zeig es kraͤftiglich den an, der uͤberm L 4 Mei- Meister seyn wolle; aber Mann und Knabe solten auch nicht ’mal etliche Laut und Buch- siaben mit ’nander uͤberein haben; und Mei- sterer solte lieber: arger Gesell, oder wie man sonst wolt, geheissen werden. Die drey Wege. Der Kritikbeflissene schlaͤgt vornaͤmlich drey Wege ein, auf welchen er den kurzsichtigen Le- ser irre fuͤhrt; und demjenigen, der sich so nicht fuͤhren laͤst, und weiß, daß er auch eine Stimme habe, laͤcherlich, und, nach Gele- genheit, auch wol veraͤchtlich wird. Er wendet wahre theoretische Saͤze unrich- tig an; dieß nur selten, denn die wahren sind ihm gar wenig bekant. Manchmal verfaͤlt er auch auf eine richtige Anwendung; aber gewoͤnlich sind die so ange- wandten Saͤze falsch. Von diesen wimmelt es zwar in den Lehrbuͤchern; aber keine geringe Anzahl derselben waͤchst auch dem Kritikbeflis- senen, waͤhrend daß er seine Aufsaͤze verfasset, unter der Hand wie Erdschwaͤmme auf. Was am meisten belustigt ist die unrichtige Anwendung falscher Saͤze. Erst stelle man sich so manchen lieben Leser vor, dem hier wahr und richtig weder kalt noch warm geben; und dann, dann, daß, statt eines Pfeiles, ein Bolzen bey dem Ziele vorbey fliegt. An den, welcher die Geschichte unsrer Sprache schreiben wird. Juͤngling, oder Mann, denn ich weiß nicht, fagte Ekhard, wer es thun wird, merke dir zuerst, und vor allen Dingen, daß deine Spra- che eine reichhaltige, vollbluͤhende, frucht- schwere, toͤnende, gemesne, freye, bildsame, (doch wer kann von ihr alles sagen, was sie ist?) maͤnnliche, edle, und vortrefliche Sprache ist, der es kaum die griechische, und keine der andern Europaͤersprachen bieten darf. Aus celtischer Wurzel wuchs sie nicht auf. Denn Caͤsar ruͤhmt’s an Ariovisten, daß er gut gallisch spraͤche. Spaͤh du ihrer Wurzel nicht nach. Denn wer wolte in solcherley Staube umsonst wuͤhlen. Die Barden, die uͤber Caͤsars Rhein- bruͤcken, gerechte Leute, spotteten; Herman- nen bewunderten, weil er’s werth war; Bo- jokalen beweinten; die kuͤhnen Franken vom schwarzen Meer an bis zu der Rheinmuͤnde geleiteten; die .. von diesem allen sey kurz, denn du kanst weiter nichts, als ich auch kann, dieß naͤmlich: Jhrem Andenken eine heisse deutsche Thraͤne hinstuͤrzen lassen. L 5 Jn Jn Ulphila findest du den ersten Quell der Sprache. Aber er fliest nur kaͤrglich; denn nur wenig Ueberbleibsel haben wir gerettet. Der Angel und der Sachse, die Britan- nien eroberten, haben viel Schaͤze hinterlassen. Ekler, aber auch dummer Kaltsinn hat sie vergraben. Scharre du sie auf. Manesse sah beym Sammeln nicht sonder- lich scharf; doch etwas Goldes ist gleichwol drinn. Von den Minnesaͤngern bis zu Luthern ist ein weiter Weg. Jch hatte nie der Musse genung um zu sehn, ob dort auch Rosen an den Dornen waͤren. Du must ihn auf deiner Wanderschaft gehen. Niemand, der weiß, was eine Sprache ist, erscheine ohne Ehrerbietung vor Luthern. Unter keinem Volke hat Ein Mann so viel an seiner Sprache gebildet. Dein Weg fuͤhrt dich zu unsern Zeitgenossen. Untersuche, und vergleiche sie unter einander. So nur kanst du’s treffen. Trifst du’s, so wird dein Aus- spruch auch der Ausspruch der Enkel seyn. Gehab dich wol, Juͤngling oder Mann, und geh an dein Werk. Ge- Geschichte des lezten Landtages . Erster Morgen. Neuer Zuruf des Herolds. Streit mit den Alder- maͤnnern. Diese schlagen den Zuͤnften Grundsaͤze der Politik vor. Zwey Anklagen. Etwas die Zuͤnfte der Drittler, und der Scholiasten betref- fend. J m achtzehnten Jahrhundert zwey und sieb- zig versammelte sich die Republick, der Gewonheit gemaͤß, an dem alten Eichenhai- ne. Die Aldermaͤnner sassen, wie dieß gleich- falls der Gebrauch war, bey dem Quell, zwi- schen den Zuͤnften. Gegen ihnen und den Zuͤnf- ten uͤber saß das Volk. Hinter dem Volke stand der Poͤbel. Denkmale unsrer beruͤhm- testen Mitbuͤrger sondern die Zuͤnfte von ein- ander ab. Zu diesen Denkmalen waren jezt neue hinzugekommen; und auch der halbe Kreis gleicher Denkmale, welcher die Alder- maͤnner von der Seite des Haines her umgiebt, bestand, nach der Verabredung des vorigen Landtages, aus einer groͤsseren Anzahl Bild- saͤulen. Die Fremden (ihrer waren dießmal nicht wenige: Altfranken, auslaͤndische Gelehrte, und sowol einheimische als auswaͤrtige Kuͤnst- ler auf den Landtag gekommen) hielten sich auf beyden Seiten der Zuͤnfte etwas vorwaͤrts in Lauben Lauben auf, die man fuͤr sie aus Ahornen zu machen pflegt. Denn mit welcher Achtung wir auch denen begegnen, die auf unsre Landtage kommen, so kann ihnen doch ihre Stelle nicht unter den Eichen angewiesen werden. Wie ehrwuͤrdig auch den jezigen Fremden der An- blik der Landgemeine war, so schienen doch ei- nige uͤber die grosse Zahl des Volkes verwun- dert zu seyn. Sie wusten vermutlich nicht, oder bedachten nicht, daß unter uns Deutschen die Zahl solcher Maͤnner, die zu viel Unwis- senswuͤrdiges mit wissen, niemals gering ge- wesen ist; und daß wir, in der neuern Zeit, an unreifen Kennern nicht wenig zugenommen haben. Daß sie die Erblickung des noch viel zahl- reicheren Poͤbels in Erstaunen sezte, war ih- nen vollends auf keine Weise zu veruͤbeln. Denn wie konten sie darauf verfallen, daß die Gelindigkeit der Aldermaͤnner (mit der Bescheidenheit sey es gesagt, die wir allzeit gegen sie gezeigt haben, und allzeit zeigen wer- den!) der Aldermaͤnner, die so viel Poͤbels, als sie wollen, Landes verweisen koͤnnen, allein Schuld daran waͤre, daß die Republik von ihm nicht mehr gesaͤubert wuͤrde. Musten sie nicht denken (wir wissen, daß sie es, eh sie eines bessern belehrt worden sind, gedacht haben) daß daß die Republik, die sie jezt mehr als vordem kanten, und, welches einerley ist, schaͤzten, und zu deren Landtage sie mit derjenigen Neu- begierde, die schon beynah Genuß ist, gekom- men waren, Geschmak daran faͤnde, durch die Anzahl ihrer Mitbuͤrger, durch einen solchen ersten Anblik, dessen Taͤuschung doch so bald verschwaͤnde, groß in die Augen zu fallen. Der Herold eroͤfnete den Landtag mit die- sem neuen Zurufe: Seyd gerecht, und steuert allem, was der Ehre der Republik nachtheilig ist, oder werden kann! Foͤrdert, was der Nation wuͤrdig ist, und haltet derselben nichts wuͤrdig, was nicht gut, edel, und unsterblich ist! Als nach einigem Gemurmel, daß die Al- dermaͤnner den uralten Zuruf abgeschaft, und diesen neuen geboten haͤtten, ein Aldermann zu reden aufstand, hinderte dieß der Anwald der Dichter durch seine schnelle Ankunft. Der Hauptinhalt seiner Anrede an die Aldermaͤn- ner war: Sie haͤtten den Landtag veranlassen sollen, da die Zuͤnfte gezoͤgert haͤtten es zu thun. Sie verdienten auch hierdurch den Vorwurf einer zu grossen Gelindigkeit. Denn waͤre die Land- gemeine eher zusammengekommen; so wuͤrde auch Recht und Gerechtigkeit eher gehandhabt wor- worden seyn. Oder fuͤrchtet ihr, brach er zu- lezt aus, vielleicht etwas fuͤr euch selbst? Wenn es die Anzuͤndung der Todtenfackel fuͤr eins oder zwey eurer Werke ist, was ihr fuͤrch- tet: so wisset, daß sie durch nichts, auch nicht durch Gelindigkeit, abgewendet werden kann. Dieser Landtag wird zeigen, ob unsre Vor- wuͤrfe gerecht sind, oder nicht. Jch will euch sagen, wo wir euch vornaͤmlich erwarten. Ge- recht sind unsre Vorwuͤrfe, wenn ihr entwe- der gar nicht, oder auch nur nach langsaͤumen- der Berathschlagung, zur genauen Ausuͤbung der Geseze vom Hochverrathe, mit den Zuͤnften einstimt. Der antwortende Aldermann sprach zwar mit vieler Maͤssigung und Weisheit; auch konte er den Vorwurf des spaͤtern Landtages dadurch leicht ablehnen, daß es bisher immer die Sache einer der Zuͤnfte gewesen waͤre, den Landtag zu veranlassen: aber man sah offen- bar, daß er von den Zuͤnften nicht mit Bey- falle gehoͤret wurde, als er die Gelindigkeit der Aldermaͤnner damit entschuldigen wolte, daß sie gewissermaassen geruht haͤtten, um die grosse Gaͤhrung nicht zu stoͤren, in welcher die Republik bisher gewesen waͤre. Jhr haͤttet den wildem Strom leiten sollen! rief der Anwald der Naturforscher. Der Der Aldermann bemerkte den Beyfall, mit dem der Anwald selbst vom Volke gehoͤrt wur- de. Jener fuhrt fort: Jhr werft uns eine Gelindigkeit vor, auf deren Seite uns gleichwol noch immer gute Gruͤnde zu seyn scheinen; aber gesezt auch wir irten, und nicht ihr: so ist doch das ein Vor- wurf von viel weiterem Umfange, daß sich die Zuͤnfte niemals haben einlassen wollen, Grund- saͤze der Politik anzunehmen. Wir meinen nicht jene listige, die bey Beherschung der Voͤl- ker und dem Betragen der Beherscher gegen einander, noch immer so viele Einfluͤsse hat: wir meinen eine freye, ofne, gerechte Politik, die auch erkant, und an hellem Tage ausgeuͤbt, ihre Zwecke nicht verfehlt. Wolt ihr nie auf- hoͤren auch diese zu verachten? Die grosse Pflicht, die uns obliegt, bey keiner wichtigen Sache zu ermuͤden, gebietet uns jezt, was wir an sich selbst so sehr hassen, auch ohne Er- wartung eines guten Erfolgs, uns von neuem an euch zu wenden. Er fuhr noch einige Zeit auf diese Art fort, und sagte zulezt, daß er den Zuͤnften vor- naͤmlich drey Grundsaͤze der Politik vorlegen wolte, welche den Aldermaͤnnern, der Anneh- mung wuͤrdig geschienen haͤtten. M Wir Wir wissen so gut, begann er von neuem, als es irgend jemand wissen kann, daß man dadurch, was wir zu sagen haben, nur kleine Schritte thut. Aber der ist sehr von der Reife eines weisen Mannes entfernt, dem es noch unbe- kant ist, daß auch kleine Schritte von Bedeu- tung sind, wenn sie zu grossen Zielen fuͤhren. Der erste Grundsaz, den er anfuͤhrte, war: Sich der Gewalt der Grossen, sie moͤchten Altfranken seyn, oder als herschsuͤchtige Kenner (denn dieß waͤren sie gewoͤnlich) der Republik angehoͤren, dadurch zu entziehen, daß man theils durch sie so selten Aemter suchte, als es nur immer moͤglich waͤre; denn etliche dersel- ben hingen ja nicht von den Grossen ab, und etliche waͤren von einer Beschaffenheit, daß sie dem Verdienste wohl werden muͤsten: und daß man theils, wenn man ja anzusuchen ge- zwungen waͤre, zu strenger Maͤssigkeit ent- schlossen, es oft nur um solche Aemter thaͤte, die gewoͤnlich Ungelehrte bekaͤmen, und deren Erlangung also nicht hoch angerechnet werden koͤnte. Ausser der groͤssern Unabhaͤngigkeit, wuͤrde die Verwaltung solcher Aemter auch den Nuzen haben, daß man dabey mehr Musse zu gelehrten Unternehmungen uͤbrig behielte. Der Der zweite Grundsaz war: Von der Art, wie die Laͤnder jezt beherscht wuͤrden, wahr und frey, aber zugleich mit ei- ner solchen Maͤssigung zu schreiben, daß diese nicht nur etwa gegen Verfolgungen in Sicher- heit stelte; sondern auch die freye Wahrheit desto gewisser zu ihrem Zwecke fuͤhrte, je ge- wisser zwar manchmal offenherzige, allein noch oͤfter ausschweifende und luͤgenhafte Kuͤhnheit, wie sie zum Exempel uͤber dem Meere so sehr gaͤnge und gebe waͤre, diesen Zwek verfehlte. Der dritte Grundsaz war: Sich durch tiefe Untersuchung der Geschich- te, und durch meisterhafte Vorstellung des ge- fundnen Wahren, den Grossen, welche die Ehre liebten, furchtbar zu machen. Wir Deutschen, schloß er, haben hier noch ein grosses ungebautes Feld vor uns. Denn seht nur hin, wie klein in der Zunft unsrer Ge- schichtschreiber die Anzahl derer ist, welche den grossen Namen, Geschichtschreiber zu heissen, voͤllig verdienen. Diejenigen Grundsaͤze der Politik, die sich auf das Betragen unsrer Mitbuͤrger gegen die uͤbrigen Altfranken, und die Auslaͤnder bezie- hen, behalten wir uns vor, zu einer andern Zeit vorzutragen; auch behalten wir es uns fuͤr das Kuͤnftige vor, uns mit euch zu berath- M 2 schla- schlagen, ob, und wie weit sich ein Gelehrter auf die Handlung einlassen solle? Die Sache ist thunlicher als ihr etwa glaubt, und auch besser, als sie euch beym ersten Anblicke schei- nen moͤchte. Sie ist das lezte unter der Be- dingung, daß der Gelehrte, der ein Kaufmann wird, sich nicht Bereicherung, sondern nur gu- tes Auskommen zum Zwecke vorseze. Ob man gleich bald entdekte, daß es die Zuͤnfte uͤber diese Sache nicht wuͤrden zur Stimmensamlung kommen lassen; so sah man doch auch, daß der Vortrag des Alder- manns nicht ohne Eindruk, und besonders nicht ohne den gewesen war, daß die Zuͤnfte geneigt schienen, den Aldermaͤnnern ihre Ge- lindigkeit zu verzeihn. Diesen Augenblik ergrif der Anwald der Mathematiker. Was hat denn, sagte er, die Zunft der Dichter vor allen andern Zuͤnften berechtigt, den Aldermaͤnnern Vorwuͤrfe zu machen? Jhr Anwald antwortete: Erst die Vaterlandsliebe, die unsre Zunft seit jeher in hoͤherem Grade gehabt hat: und dann, daß wir es sind, die es in den lezten Zeiten dahin gebracht haben, daß der Name unsrer Republik unter den Altfranken, den Aus- Auslaͤndern, und so gar unter fremden Leuten jezo mehr gilt, als er sonst gegolten hat. Der Mathematiker schien keine Antwort zu haben. Unterdeß wurde sein Stillschweigen weniger bemerkt, weil der Rathfrager zur rech- ten Zeit fuͤr ihn gegangen kam, und sich so an die Aldermaͤnner wendete: Wir sehen nicht genung, wie wir es machen sollen, um eure vorgeschlagne Grundsaͤze in Ausuͤbung zu bringen; wir bitten euch daher, euch naͤher daruͤber zu erklaͤren. Die Antwort war: Du wuͤrdest keine naͤhere Erklaͤrung von uns verlangen, wenn, fuͤr die meisten unter euch, die Ausfuͤhrung nicht mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden waͤre. Und damit uns kuͤnftig keine Gelindigkeit mehr vorge- worfen werde, so sezen wir hinzu: Jn Bezie- hung auf eure groͤssere Zahl, ist der Republik wenig daran gelegen, daß ihr euch der Gewalt der Grossen entzieht, und euch durch mehr Musse geschikter zu gelehrten Unternehmungen macht. Wir haben die Grundsaͤze unserer Politik nur den Zuͤnften vorgeschlagen. Wir koͤnnen dem Volke zwar nicht wehren, sie auch anzunehmen; aber wir empfehlen sie doch gleichwol unter euch vorzuͤglich nur den Juͤng- lingen. Sie sollen sie naͤmlich oft uͤberdenken, M 3 sie sie bey sich reifen lassen, und, wenn sie nun Maͤnner sind, ausfuͤhren. Jhnen empsehlen wir sie recht sehr, und bitten sie zu erwaͤgen, daß die Republik durch ihren Entschluß gewiß an Ansehn gewinnen werde, wenn die Zuͤnfte auch fortfahren solten durch ihren versagten Beyfall zu machen, daß sie die hoͤchste Stufe dieses Ansehns nicht erreichen kann. Der Rathfrager trat ab. Der Aldermann wendete sich wieder an die Zuͤnfte: Wie es dem, was wir vorgetragen haben, auch gluͤcken, oder nicht gluͤcken moͤge; so sind wir, dieser Ungewisheit ungeachtet, entschlos- sen, den Zuͤnften und dem Volke vor- zuschlagen, daß sie Alambert, ob er gleich ein Auslaͤnder ist, wegen seiner vortreflichen Schrift „uͤber die Gelehrten und die Gros- sen “ mitten in diesem heiligen Haine ein Denkmal seze. Die Zuͤnfte waren seit dem kleinen Streite, welchen der Anwald der Mathematiker ange- fangen hatte, in einige Bewegung wider ein- ander gekommen. Durch die Antwort, welche der Aldermann dem Rathfrager gegeben hatte, war diese Bewegung noch vermehrt worden. Der Aldermann stand wieder auf: Die Gaͤhrung, sagte er, in der bisher die Republik gewesen ist, mag immer in einige zu warme warme Untersuchungen ausarten; wenn die Ausartung nur nicht lange fortdauert, und jene Gaͤhrung so viel Reifes hervorbringt, daß der Auswuchs unmerklich wird. Doch die Zuͤnfte haben keine Warnung, sondern viel- leicht nur einige Aufmunterung noͤtig. Denn ich seh euch, wie mir es vorkomt, alle ent- schlossen, und entschlosner als jemals, diesen Landtag, zu dessen Haltung wir endlich gekom- men sind, fuͤr die jezigen und die kuͤnftigen Zeiten merkwuͤrdig zu machen. Dieses zu thun, kenne ich keinen andern Weg, als weise Ausuͤbung unserer Geseze. Bey zu grosser Strenge, wuͤrde man euch satyrische Gesin- nungen Schuld geben koͤnnen; und diesen pfle- gen sich nur einzelne Gelehrte bey ihren Strei- tigkeiten zu uͤberlassen; aber die versammelte Republik, der es genung ist gerecht zu seyn, ist allezeit selbst uͤber einen solchen Schein erha- ben gewesen: in Gegentheile wuͤrdet ihr, bey zu grosser Gelindigkeit, eine solche Kraftlosig- keit im Handeln zeigen, daß es besser waͤre, den Landtag gar nicht zu halten. Dieser lezte Vorwurf, was wir Aldermaͤnner auch haben hoͤren muͤssen, ist es, von dem wir am meisten wuͤnschen, daß er nicht gemacht werden koͤnne; des ersten, weil er gewiß ungegruͤndet seyn wird, achten wir wenig. Denn was etliche M 4 in in den jezigen Zeiten etwa als eine Folge saty- rischer Gesinnungen ansehn moͤchten, wird in den kuͤnftigen (ein solches Verfahren trau ich uns und euch zu!) so gar fuͤr schonende Ge- rechtigkeit erkant werden. Jch meine nicht etwa die fernen kuͤnftigen; ich meine die na- hen. Nur dieß und jenes, einige wenige Be- griffe brauchen nur noch zu ihrer vollen Reife gekommen zu seyn; so wird gemaͤssigte Stren- ge von keinem mehr verkant, und eingesehen werden, daß sie es vornaͤmlich ist, die das Wohl der Republik befoͤrdert. Jhr sehet, was wir von euch erwarten; aber auch dieß erwarten wir noch: Jhr wer- det deutsche Einfalt, Kraft, Entschlossenheit zeigen, und nach Zwecken streben, die der Er- reichung werth sind, und die, als solche erkant zu werden, der schoͤnen Schwazhaftigkeit, die- ses Tons der Mittelmaͤssigkeit, der in unsern Jahrhunderte der herschende ist, nicht beduͤr- fen, einer Schwazhaftigkeit, die noch verziehn werden koͤnte, wenn sie je bedeutenden Jnhalt haͤtte, die es aber nicht kann, weil sie nie et- was vom Kerne weis, und nur Schalen und wieder Schalen dem Zuhoͤrer ins Gesicht wirft. Daß ihr von uns patriotische Gefinnungen sowol gegen die Republik, als uͤberhaupt ge- gen unser Vaterland erwarten koͤnt, wist ihr: und und wuͤstet ihr es auch nicht; so wuͤrden wir es doch lieber zeigen, als viel davon reden. Da die Aldermaͤnner alles, was sie etwa noch zu sagen haben, fuͤr die Zeiten aussezen, wenn sie Vortrag halten werden; so gebieten sie, damit die zu entscheidenden Sachen in der gewoͤnlichen Ordnung auf einander folgen, hierdurch dem Herolde: Die einzelnen Anklaͤger aufzufodern. Die Anwalde zum Vortrage einzuladen. Und, nach jedem geendeten Vortrage einer Zunft, und so bald die Stimmensamlung dar- uͤber geschehen, und die Entscheidung der Mehrheit zur Ausfuͤhrung gebracht ist, bey uns, den Aldermaͤnnern, der Sitte gemaͤß, an- zufragen: Ob wir jezt Vortrag halten wollen? Die Zuͤnfte aͤusserten sich hierauf, nachdem sie einige Zeit an einander geschikt hatten, durch den aͤltesten Anwald auf folgende Art gegen die Aldermaͤnner: Wir muͤssen es noch aussezen uns umstaͤnd- lich uͤber eine anzunehmende Politik zu erklaͤ- ren. Wir halten fuͤr besser, daß sich die Re- publik bestrebe die Grossen fuͤr sich zu gewin- nen, als daß sie sich ihrer Gewalt zu entziehn suche. Wenn ihr uns sagt, daß man sie nie gewinnen werde; so antworten wir fuͤrs erste, daß man sich ihrer Gewalt auch nie ganz werde M 5 ent- entziehn koͤnnen: aber wir gehen weiter, und behaupten, daß es denn doch am Ende nicht voͤllig unmoͤglich sey, sie zu gewinnen, und daß oft die geglaubte Unmoͤglichkeit mache, daß etwas, das sonst noch wol auszufuͤhren, waͤre, unausgefuͤhrt bleibe. Wir wollen euch jezt kurz sagen, wie wir es vorhaben, und das naͤhere daruͤber den abendlichen Berathschla- gungen vorbehalten. Was sollen wir es hehl haben, daß die meisten der Grossen Altfranken sind; sie haben es ja selbst kein hehl. Zu die- sen Altfranken also schikt die Republik Ab- geordnete, doch ohne daß diese es merken las- sen, wer sie sind, und warum sie kommen. Wir wollen mit Zuziehung des Volkes die Ab- geordneten waͤhlen; ihr solt ihnen Verhal- tungsbefehle geben. Und damit die Sache desto eher zu Stande komme; so solt ihr nichts gegen unsre Wahl, und wir wollen nichts ge- gen eure Befehle einwenden. Wir werden Maͤnner zu Abgeordneten waͤhlen, die, nach den Umstaͤnden, ohne Verlezung des Gehor- sams, auch von Befehlen abzugehen wissen; und ihr werdet so auf alles denken, ihnen sol- che Vorschriften ertheilen, daß nicht leicht ein Umstand vorkomme, der die Abweichung noth- wendig mache. Nur noch etwas weniges von der Beschaffenheit der Abgeordneten, und den Ver- Verhaltungsbefehlen; und dann fuͤr diesesmal genung von der Sache. Ein Abgeordneter muß ein Mann seyn, der sich fuͤr die Republik aufzuopfern so entschlos- sen ist, daß er sich, zur gehoͤrigen Zeit, und am gehoͤrigen Orte, etwas tiefer buͤcke, nicht tiefer, als es noͤthig ist, denn sonst wuͤrd er mehr schaden als unzen, sondern tiefer, als er Lust hat. Er muß die Geschiklichkeit, und so zu sagen die Nase haben, alle die Widerspruͤche, die sich in eines Altfranken Seele unaufhoͤrlich herumtummeln, zu entdecken, sie, wo nicht zum Frieden, (denn das moͤchte wol nie an- gehn) aber doch zum Waffenstillstande zu brin- gen, und waͤhrend dieses Waffenstillstandes die Hand schnell aus Werk zu legen, daß es bis zur Fassung eines Entschlusses komme. Hat er jene Neigung und diese Geschiklich- keit, so wird es euch leicht seyn, ihn durch Vorschriften vollends zu dem zu machen, was er seyn soll. Vielleicht wuͤrden folgende zwey Vorschrif- ten (doch wir sagen das nur so hin, ohne daß es in geringsten Rathgebung seyn soll) nicht undienlich seyn: Wenn auch ein ganzer Pfeil- regen angenehmer nichts entscheidender Worte auf dich faͤlt; so must du dich das nicht irre machen machen lassen, sondern, wie der grosse Lecedaͤ- monier, in Schatten fortfechten. Weil du, so lange du Abgeordneter bist, wegen Uebertretung der Geseze die Maͤcenaten betreffend nicht kanst angeklagt werden, so kanst du auch den Namen Maͤcen nur immer frisch weg brauchen; aber doch so, daß er kein Flikwort, wie er hier denn doch der Gegen- staͤnde wegen ist, sondern gleichsam die Seele dessen, was du eben sagest, zu seyn scheine. Doch wir wollen euch nicht laͤnger an Sa- chen erinnern, die ihr wisset, und auch den Herold, den ihr schon Befehl gegeben habt, nicht weiter aufhalten. Als sich hierauf die Anklaͤger nach der Auf- foderung des Herolds auf dem bestimten Plaze versammelt hatten, so liessen die Aldermaͤnner (das war sonst nicht gewoͤnlich) noch dieses bekant machen: Die Anklaͤger und die Angeklagten muͤssen kurz sagen, was sie zu sagen haben. Weit- laͤuftigkeit, wenn sie auch sogar beredt ist, wird zu nichts helfen. Dieses schrekte ein wenig, weil es den Ent- schluß der Aldermaͤnner sehr deutlich zu erken- nen gab. Man sah naͤmlich, daß sie ihr Recht brauchen, und, wenn sie es fuͤr gut faͤnden, Anklage oder Vertheidigung ohne viel viel Umstaͤnde abweisen wuͤrden. Und dazu, daß sich die Zuͤnfte wider solche Abweisungen erklaͤren wuͤrden, konte man auch eben keine sonderliche Hofnung haben, weil sie den Al- dermaͤnnern zu grosse Gelindigkeit vorgewor- fen hatten. Anklaͤger und Angeklagte fanden sich daher in Umstaͤnden, worinn sie auf nichts, als auf die Unterstuͤzung der Geseze hoffen konten. Der Anklaͤger den man anzufangen erlaubt hatte, weil er zuerst auf dem Plaze gewesen war, sagte: Er wolte nur daran erinnern, weil es sonst vielleicht koͤnte vergessen werden, daß von Bar in der franzoͤsischen Sprache ge- schrieben haͤtte, und daher nach dem Geseze: Selbst Leibniz, wenn er wieder kaͤme muͤste Landes verwiesen werden. Seine Ver- weisung wuͤrde freylich wohl ohne Wieder- kunft seyn, weil er sowohl zum Schreiben, als auch zur Erlernung unserer Sprache zu alt waͤre. Bey dieser Anklage entstand hier und da ein kleines Gelaͤchter. Es wuͤrde allgemeiner geworden seyn, wenn die meisten nicht mit dem Anklaͤger in gleicher Unwissenheit gewesen waͤren. Man hatte sich naͤmlich in den lezten Zeiten so wenig um von Bar bekuͤmmert, daß man man nicht wuste, daß er schon todt waͤre, und daher nicht mehr angeklagt werden koͤnte. Der Anklaͤger trat laͤchelnd ab, weil er sein Versehn, in so grosser und guter Geselschaft, begangen hatte. Unterdeß da dieses vorging, hatte sich der zweyte Anklaͤger gegen alles Vermuthen ent- fernt. Er hatte vorgehabt, und sich es sogar geruͤhmt, wider den Ungenanten, zur An- klage zu erscheinen. Aber in dem Augenblicke der Ausfuͤhrung hatte ihn der Mut verlassen. Die Aldermaͤnner konten ihre Freude uͤber die Entfernung dieses Anklaͤgers kaum verbergen. Doch sie dauerte nicht lange. Denn die Weltweisen schikten ihren Anwald auf den An- klageplaz, und dieser erklaͤrte sogleich, was ihm von seiner Zunft aufgetragen sey. Er wolte auch schon zu reden anfangen; aber die Aldermaͤnner baten ihn, ihn nur auf kurze Zeit von dem abhalten zu duͤrfen, was er vor- zutragen haͤtte. Es ist ganz ungewoͤnlich, sagten sie, daß uͤber Abwesende etwas entschieden werde. Denn fuͤr’s erste koͤnnen sie sich nicht verthei- digen; und dann so kann das Urtheil, das uͤber sie gefaͤlt wird, ja nicht vollzogen werden. Und seit wenn hat die Republik gefaͤllte Ur- theile nicht sogleich vollzogen? Ueberdieß scheint scheint es ja, daß der Ungenante nicht uns, sondern Auslaͤndern angehoͤren wolle. Wir haben nie Jemanden gezwungen uns anzuge- hoͤren; wollen wir bey ihm damit anfangen? Der Anwald hatte den Aldermann zwar ausreden lassen; aber jezt sagte er ihm nicht ohne Hize: Die Zuͤnfte haben euch zu grosse Gelindig- keit vorgeworfen; wie gerecht, oder wie un- gerecht, untersuche ich zwar jezt nicht, auch mache ich euch diesen Vorwurf bey diesem An- lasse nicht: aber den Vorwurf der Mutlosig- keit, den ihr jezo verdient, mache ich euch. Meine Antwort kann, und soll kurz seyn. Jst der Anzuklagende ein Deutscher? oder ist er es nicht? Jst er es; so gehoͤrt er uns an. Waͤr er auch zugegen, so wuͤrde er sich nicht vertheidigen wollen, weil er sich nicht verthei- digen kann! Freylich werden Urtheile an Ab- wesenden nicht vollzogen. Das thut hier nichts. Denn in Beziehung auf ihn ist ein gefaͤltes Urtheil schon genung. Der Anwald wendete sich jezt an die Zuͤnfte. Die Aldermaͤnner, sagte er, wollen mich von einer Anklage abhalten, uͤber welche zu entscheiden die Republik schon lange vor die- sem Landtage durch stillschweigende Einstim- mung mung beschlossen hatte. Dieses ist den Al- dermaͤnnern gar nicht unbekant geblieben; und dennoch wollen sie es jezo hindern. Was sie auch fuͤr Ursachen haben moͤgen, in gewis- sem Betracht, so widersprechend zu handeln; so bin ich doch weit davon entfernt mich da- durch wankend machen zu lassen, und etwa bey meiner Zunft anzufragen, ob sie mir jezo andre Auftraͤge zu thun habe. Es geschieht also hiermit durch mich die An- klage des Ungenanten. Er hatte sich das Gesez, auf welches er an- klagte, bringen lassen. Er las es ganz ab. Er muste, (man riefs ihm aus den Zuͤnften zu,) einige Stellen seiner Rede wiederholen. Da diese Rede so vielen auch deswegen bekant ist, weil sie die Abschrift derselben, die in der grossen Halle beygelegt wurde, nachgelesen ha- ben; so ist es genung den Anfang jeder von diesen Stellen anzufuͤhren. Da der Angeklagte seinem grossen Mu- ster nur in dem einzigen Fehltritte, den es gethan hat, nachgefolgt ist, und mich diese Nachfolge eben zu seinem Anklaͤger macht .. Nach unsrer Meinung darf der Geschicht- schreiber die Erzaͤhlung durch Anmerkungen, wie tief sie auch gedacht, und wie kurz sie ge- sagt seyn moͤchten, niemals unterbrechen. Dieß ist ist so wahr, daß die recht guten Leser es kaum dulden, wenn die Anmerkung auch nur durch eine gewisse Vorstellung der Sache in die Er- zaͤhlung eingewebt wird. Daß man ein fuͤr allemal nicht haben will, daß der Geschicht- schreiber Anmerkungen einmische, dieß komt daher. Man will sich in dem warmen Anthei- le, den man an den Begebenheiten nimt, durch nichts stoͤren lassen, am wenigsten durch etwas so kaltes, als Anmerkungen selbst die besten zu seyn pflegen; aufs hoͤchste will man die Unterbrechung nur sich selbst erlauben. Da also der Geschichtschreiber nun einmal ein Freudenstoͤrer gewesen war, und man daher verdrieslich auf ihn ist, so mist man ihm nun auch den Stolz bey, als ob er geglaubt haͤtte, der Leser wuͤrde die Anmerkung nicht selbst ha- ben machen koͤnnen. Kurz, es ist ein misli- ches Wagstuͤk, wenn ein Geschichtschreiber Anmerkungen einstreut. Auch haben wir uns bisher sorgfaͤltig davor gehuͤtet, den angezeig- ten Fehler zu begehen. Aber voͤllig unverzeih- lich ist er denn doch auch nicht. Es wird also darauf ankommen, den Leser bey jedesmaliger Begehung zur Verzeihung geneigt zu machen. Wir haben kein andres Mittel zu diesem Zwecke zu gelangen ausfinden koͤnnen, als der Anmerkung allezeit eine gewisse Formel vorzu- N sezen, sezen, die dem Leser anzeige, wo er nun hinge- rathen sey, und daher nach seiner Wahl ent- weder fortlesen, und waͤhrend dieses Fortle- sens Verzeihung angedeihen lassen, oder auch uͤber die anstoͤssige Stelle wegspringen koͤnne. Ein gleiches zu thun, rathen wir auch den nicht historischen Scribenten, deren Werke viel Aus- wuchs Hoͤcker und Puckel, oder kuͤrzer, viel Ueberfliessiges haben, wohlmeinend an. Wir haben: Vorgesehn! zu unsrer Warnungs- formel gewaͤhlt; und damit man gleichwol nicht in Gefahr sey irgendwo mitten in die An- merkung hinein zu gerathen, so macht sie bey uns allezeit einen Absaz aus. So bald man also die Formel erblikt; so darf man nur das Auge von dort an bis zum Ende des Absatzes fortlaufen lassen; und man ist gerettet! Wer weiß es nicht aus trauriger Erfahrung, wie er in manchem Buche, wo solche Tonnen nicht lagen, hat rudern und staken muͤssen, eh er von den Sandbaͤnken abgekommen ist. Solte Jemanden dieses Warnen uͤberhaupt, oder auch nur die von uns gewaͤhlte Formel dem Ernste nicht gemaͤß zu seyn scheinen, den wir uͤberall, wie uns duͤnkt, mit recht gewissenhaf- ter Sorgfalt beobachten, dem geben wir zu bedenken, daß er sich denn doch auch gleichwol irren koͤnte; und will er dieses nicht zugestehn, daß daß es uns oblag fuͤr das wahre Wohl des Lesers, selbst mit der Gefahr solcher lieblosen Verunglimpfungen, zu sorgen. Wir wuͤrden Unrecht haben, wenn wir uns der bisher gesuchten, und hoffentlich erhaltnen Erlaubnis nicht auf der Stelle bedienen wol- ren. Also Vorgesehn! Was der Weg des Nachahmens uͤberhaupt fuͤr ein Jrweg sey, erhellet klaͤrlich auch dar- aus, daß er fuͤr so Manchen nicht ein Weg des Nachgehens, Wandelns, Tanzens, und endlichen Erreichens, sondern lediglich ein Weg des Nachstolperns ist. Diesen Zeitpunkt zu verkennen, der Bluͤ- the und Frucht zugleich, und nur wenig wil- den Wuchs hat .. Beynah nur mit dem Kennerange des von ihm gepriesenen saͤchsischen Schwans .. Da nun die Eichel wenigstens hundert Jahre braucht, eh sie zur Eiche wird .. Er endigte so: Meine Anklage geschieht vor den Zuͤnften und dem Volke. Denn die Aldermaͤnner haben sich selbst von der Theil- nehmung an dem Ausspruche ausgeschlossen. Sie moͤgen also nur immer stehn, wenn wir sizen, unsre Stimmen zu geben. Denn ich frage Zuͤnfte und Volk, ob es sich zieme, daß die, welche sich dem Richteramte zu einer Zeit N 2 ent- entziehn, da sie es am wenigsten thun solten, mit uns, indem wir dieß erhabne Amt eben verwalten, zugleich sizen? Die Aldermaͤnner hatten noch nie so deut- lich als jezo gesehn, wie aufgebracht die Zuͤnfte gegen sie waͤren. So sehr sie dieses, weil sie es nicht zu verdienen glaubten, auch schmerzte; so waren sie doch grosmuͤtig genung, sich lie- ber neuen Vorwuͤrfen auszusezen, als etwas von dem unversucht zu lassen, was vielleicht noch eine Sache hintertreiben koͤnte, die, aus- gefuͤhrt, der Republik, wie sie meinten, nach- theilig seyn wuͤrde. Wie empfindlich ihnen also die Frage des Anwalds auch gewesen war, so entschlossen sie sich doch, sie mit ihm zu thun. Sie glaub- ten, daß man sich mit Untersuchung derselben, wegen ihrer Neuheit, lange aufhalten wuͤrde; und so koͤnten denn heute uͤber die Anklage die Stimmen nicht gesammelt werden. Am Abend wolten sie sich unter die Zuͤnfter mi- schen, wenn diese am vergnuͤgtesten seyn wuͤr- den, und alles anwenden, es dahin zu brin- gen, daß den kuͤnftigen Morgen die Abwei- sung der Anklage durchginge. Es trat daher einer von ihnen hervor, und sagte in seiner Anrede an die Zuͤnfte von un- gefaͤhr eben das, wodurch sie den Anwald von seiner seiner Anklage hatten zuruͤkhalten wollen. Er schloß damit, daß sie, die Aldermaͤnner, die Frage des Anwaldes an die Zuͤnfte und das Volk hiermit auch thaͤten. Dieses lezte kam den Zuͤnften zwar sehr un- erwartet; dennoch wurden sie in kurzer Zeit einig: Die Frage, in so fern sie auch von den Aldermaͤnnern waͤre gethan worden, fuͤr un- gethan zu erklaͤren; sie dem Anwalde zu ver- weisen; aber noch heute uͤber seine Anklage die Stimmen zu sammeln. Die Sache stand jezo auf der aͤussersten Spize. Der Herold hatte sich sogar schon ge- naͤhert, von den Aldermaͤnnern den Befehl zu der Stimmensamlung zu empfangen. Aber nie hatten diese mehr Standhaftigkeit und Entschliessung gezeigt, als sie heute thaten. Denn es waͤhrte gar nicht lange, daß sie dem Herolde geboten: Den dreytaͤgigen Aufschub der Stim- mensamlung oͤffentlich bekant zu machen. Die Bewegung, welche daruͤber entstand, war sehr heftig. Unterdeß legte sie sich doch nach einiger Zeit wenigstens so weit, daß man anfing die Nachrichten, die man von den Zuͤnf- ten der Scholiasten und der Drittler erhielt, anzuhoͤren. Man erfuhr naͤmlich, daß sie, und zwar, wie man gewiß glaubte, nur aus N 3 Groll Groll gegen die andern Zuͤnfte, fuͤr die Abwei- sung der Anklage wuͤrden gestimt haben. Man wurde auf den uͤbrigen Zuͤnften uͤber diese beyden sehr laut; und dasjenige, was ihnen drohte, schien immer reifer zu werden. Denn der alte Vorschlag, welcher den vorigen Landtag schon war auf die Bahn gebracht wor- den, wurde jezo von neuem mit vieler Lebhaf- tigkeit mehr angenommen, als untersucht, der naͤmlich, daß die beyden Zuͤnfte der Scholia- sten und der Drittler aufgehoben werden, und kuͤnftig die Mitglieder der lezten zum Volke; der ersten aber theils zum Volke, und theils zum Poͤbel gehoͤren solten. Wuͤrden uͤbrigens einige wenige Scholiasten etwa anderwaͤrts zuͤnftig seyn; so wolte man diesen, auch ohne ihr Ansuchen, Gerechtigkeit wiederfahren lassen. So endigte sich der erste Morgen. Die Abende pflegen unter uns, wenn Landtag ist, so zugebracht zu werden. Die, welche sich von den Wissenschaften un- terhalten wollen, versammeln sich bey drey sehr schoͤnen Ulmen, die etwas von den ge- woͤnlichen Spaziergaͤngen entfernt sind. Die Geschichtschreiber der Republik sind verbunden, das Neue, welches in diesen Zu- sammenkuͤnften uͤber die Wissenschaften, oder auch uͤber die Kentnisse gesagt oder vorgelesen wird, wird, in den Jahrbuͤchern aufzuzeichnen. Unsre Geschichte wird verschiednes von dem enthalten, was diesen Landtag uͤber ist aufge- zeichnet worden. Neues heisset uns nicht nur das, was es von Grund aus und durchgehends, sondern auch, was es durch andre Bestimmungen und Gruͤnde ist. Man pflegt auch wol Stellen noch unge- drukter Schriften, die von ihren Verfassern mit nicht zu strenger Forderung der Verschwiegen- heit der Ulmengeselschaft anvertraut werden, in die Jahrbuͤcher zu schreiben. Auch von die- sen werden wir solche mittheilen, die uns Neues von andrer Art (vorher war von theo- retischem Neuen die Rede) zu enthalten ge- schienen haben. Andre kommen in einer grossen Laube zu- sammen, in der Absicht, wie es scheinen soll, sich bloß zu vergnuͤgen; aber es werden dort nicht selten die geheimsten Berathschlagungen gehalten. Wer sich von den vorseyenden Geschaͤften des Landtages, oder von der Republik uͤber- haupt unterreden will, erscheint anfangs in dem Thale, welches zwischen den etwas erhoͤh- ten Zunftplaͤzen, und den Huͤgeln ist, bey welchen sich das Volk versammelt; aber nach N 4 und und nach entfernen sich solche Geselschaften in den Wald. Denn es pflegen sich ihnen zu viele gaffende Horcher aus dem Poͤbel zu naͤhern. Auch sind Austheilungen ungedrukter Schriften auf unsern Landtagen nicht unge- woͤnlich. Nur muß derjenige, der austhei- len will, es thun, eh es voͤllig Abend ist. Denn um die Zeit wuͤrden sie zwar wol ange- nommen, aber nicht gelesen werden, weil man alsdann bey den Ulmen, in der Laube, und im Thale mit andern Gegenstaͤnden beschaͤf- tigt ist. Ein Dichter hatte schon vor dem Landtage bemerkt, daß einiger Zwist unter den Zuͤnften waͤre. Der Streit der Zuͤnfte mit den Alder- maͤnnern, so sehr er diese auch verehrte, und der Umstand, daß das Volk, aus altem Grolle gegen die ihm zu maͤchtigen Zuͤnfte, die Alder- maͤnner oft unterstuͤzen wuͤrde, dieses kuͤm- merte ihn weniger, als er wuͤnschte, daß die wah- re inre Kraft der Republik, die Uebereinstim- mung der Zuͤnfte, angewendet wuͤrde. Vor- zuͤglich zu Befoͤrderung dieser wichtigen Ab- sicht, hatte er einige Kleinigkeiten gemacht, die er Verse nante. Er ließ jezo (es war noch nicht Abend) davon unter die Aldermaͤnner, die Zuͤnfte, und das Volk austheilen. Es war vor- vornaͤmlich die Art der Austheilung, was sei- nen Zwek befoͤrderte. Denn da die Aldermaͤn- ner, jede Zunft, und das Volk nicht eben die- selben, sondern immer andre Verse erhielten; so kam es bald zu einer fast allgemeinen Mit- theilung. Alle Zuͤnfte waren unter einander gemischt, und weder sie entzogen sich dem Volke, noch ihnen die Aldermaͤnner. Da diese Verse (der Dichter hatte wol gewust, daß in Erholungsstunden auch kleine Anlaͤsse zu Zwecken fuͤhrten) die Ursach zu nicht wenigen Berathschlagungen und Vereinigungen gewe- sen sind; so haben die Aldermaͤnner geboten sie in den Jahrbuͤchern aufzubehalten. Ein Gelehrter, der nichts von seinen Ar- beiten herausgeben wolte, und sie, selbst vor seinen Freunden, in seinem tiefsten Pulte ver- barg, wurde gleichwol durch die gluͤkliche Wir- kung, welche die Verse gehabt hatten, gereizt, einige wenige Fragmente eines Werks, wel- ches er Denkmale der Deutschen nante, auf gleiche Weise, und in gleicher Absicht, aus- theilen zu lassen. Er fuͤhrte aber seinen Ent- schluß nicht ohne Zoͤgerung aus. Erst den dritten Morgen konte derjenige, der aus- theilen solte, einige Denkmale von ihm be- kommen. N 5 Ver- Verse. Vorrede. Bald ist das Epigramm ein Pfeil, Trift mit der Spize; Jst bald ein Schwert, Trift mit der Schaͤrfe; Jst manchmal auch, (die Griechen liebten’s so) Ein klein Gemaͤld, ein Strahl, gesandt Zum brennen nicht, nur zum erleuchten. Vorschlag zur Guͤte. Nun endlich sind wir doch dahin gekommen! Erfahrung hat den Plaz, der ihr gebuͤhrt, genommen! Sie ist’s in der Philosophie; Sie ist es in der Theorie Des Dichters, und auch da nur sie! Erst hatte sie der Dichter, sprach Jhr Donnern und ihr Saͤuseln nach. Erfahr du sie, wie er. Wenn dieser Tag dir tagte; Dann frag ihn erst: Ob er sie recht erfuhr? recht sagte? Denn was dein Saz auch immer seze, Vom folgereichsten Allgemeinen Bis zu dem Einzelsten des engbregraͤnzten Feinen, Jst alles, ohne sie, Geschwaͤze. Die Chronologen. Er lahmt am Griechenstab’, und schleicht am Roͤ- merstocke; Und dennoch schreyen sie, er mach epoque ! An An den, der’s versteht. Aus deutscher herzensvoller Lache, (Fern laß vollhalsiges Gelaͤchter seyn; Und streu des Laͤchelns Wuͤrze sparsam ein.) Besonders aber auch Aus Sitt und Brauch, Aus eigner Laun’ und Geist, vereine du und mache Ein neues schoͤnes Sonderding, Das nicht von fremder Flitter gleisse, Und das so Vornehm wie Gering Deutscheomisch heisse. Frage, die gleichsam zur Sache zu gehoͤ- ren scheint. Er, sagt er, Jst Richter, und Verklagter, Wer schreibt. O du vom Herrn Verleger Gemietheter, wer ist denn Klaͤger? Ganz gute Bemerkung. Die Dichter, die nur spielen, Verstehen nicht, was sie, und was die Leser sind. Der rechte Leser ist kein Kind; Er mag sein maͤnlich Herz viel lieber fuͤhlen, Als spielen. Sitt und Weise der Neuern. Die Roͤmer sind es euch, die Griechen last ihr liegen: Jhr nehmt das Ey, und last die Henne fliegen. Fort- Fortgang in den Wissenschaften. Stets vor, und nicht langsaͤumend stille stehen, Nicht hinter sich mit Stolze sehen, Nicht auf dem Wege sich im Kreise drehen, Darauf komts an, ihr Soͤhne meines Vaterlands! Steil ist sie hier und da die Bahn Den Felsenberg hinan; Allein wer steigen kont’, und stieg, der fands. Der seltne Zuhoͤrer. Taub bin ich, spricht man mir von Thaten, die man thun will, vor; Doch von geschehnen: lauter Ohr. Vom rechten Gebrauche der Feile. Wilst du dein Bild vom Untergange retten; So must du es so sehr nicht glaͤtten. Der Arm, an dem so viel die Feile macht und schaft, Die gar zu helle Stirn Hat keine Kraft, Und kein Gehirn. Veit. Da hat er’s nun! bekomt, wie Janus, zwey Gesichter! Doch warum ahmt er auch izt Frankreichs Dichter, Jzt Engellands, so unablaͤssig nach? Scharfsinn sprech’ izt seine Mine, Tiefsinn izt, wie’s Urbild sprach, Meint ihr. Nachgebehrdung wuͤrde ja auch dieß nur seyn, Ange- Angenomnes, fremdes Ding, nichts mehr; allein Veit macht ja nur Gesichter. Der ungluͤkliche Waghals. Den Griechen seine Nation vergleichen .. Es ist ein kuͤhner Schritt; Man thut ihn wol, doch thun ihn andre mit? Der Griech’ erfand! Welch ist die Wahrheit, die sein tieferer Verstand Nicht forschte? Welcher Schoͤnheit Bild Hat nicht sein Genius enthuͤlt? Und ihr, was habt ihr? Nachgeahmet! Daß also hier, wie sonst, die Gleichheit lahmet. Geh’s, wie es kann; allein wo ist der neue Zug, Der laͤcherlich genug Den Thoren zeichnet, der in Wolken schift, Und schwaͤzet, daß sein Volk die Griechen uͤbertrift? Der Untersuchung wuͤrdig. Du gingst der Schoͤnheit Bahn, Sohn Fingals, Ossian! Sie ging Maͤonides Homer! Wer that der Schritte mehr? Die Henriade. Was ist wol, daß bey Meister Arouet, Jn seinem Heldenreim, nicht bey einander steht? Erst macht er dieß und jen’s Wir Endesunterschriebenen erklaͤren hier- durch, daß wir die Verse mit Anmerkungen heraus zu geben gedenken. Eine vorlaͤufige, zur Prode von Menschen kund, Dann Dann kommen Geister, und Hernach, als handelnde Personen, Abstractionen: Die Politique, Mit mancher Nicke; Auch die Discorde Zu Blut und Morde; Darauf, Ein Goͤtterhauf’! Jst dieser Misch was anders, als Horazens Maͤdchenkopf, Fischschwanz, und Pferde- hals? Die Kritik. Durch die Kritik, zu zeigen neue Wege, Die sich der Dichter waͤhlen wuͤrde, Wenn er nicht lieber eigne ginge, Das waͤre Meisterwerk; Die neuen Wege zu entdecken, Die Dichter, welch’ Erfinder sind, betraten, Das Probe dienende Anmerkung sey folgende: Die Haͤrte, welche in verschiednen dieser Verse das Ohr so sehr beleidigt, bringt auf die sichre Ver- mutung, daß wenigstens die so beschafnen im vo- rigen Jahrhundert gemacht sind. Es ist dieß unsre steife und feste Meinung. Nur muͤssen wir von den Versen dieser Art diejenigen ausnehmen, die ihrem Jnhalte nach offenbar in das gegenwaͤrtige Jahrhundert gehoͤren. Komm uns keiner (es soll Leute geben, die diese Haͤrte so verkleistern wol- len komm uns keiner, sagen wir, und behaupte, daß diese abscheulichen Verstoͤsse wider die Regeln des Wohlklangs mit allem Fleiß, und in der Ab- sicht Das waͤr nicht kleines Beyfalls werth; Doch, Wege hundertmal gewiesen, Zum hundert erstenmal zu weisen, Und trift man auch dabey auf unbemerkte Stege, Die seitwaͤrts laufen, wiederkehren, Was ist denn das? Der Zufriedne. So oft ich dieß, und das, und jenes noch bey mir beschoͤnige, Bleib ich bey guter Laune, So daß ich dann in meinem Sinn Zufrieden bin Mit jedem Koͤnige Auf jedem Zaune. Von wenigen bemerkter Unterschied. Jn zwanzig Versen des Homer Liegt wahrer tiefgedachter Regeln mehr, Als in des Lehrbuchs ausgedehnten, bis zum Schlafen Fortplaudernden zehn hundert Paragraphen. Ver- sicht waͤren begangen worden, um auch auf diese Weise auf die Geringfuͤgigkeit der vorkommenden Gegenstaͤnde gleichsam mit Fingern zu zeigen. Worauf zeigt denn das und am Ende des Ver- ses? Kurzum, es ist diese Behauptung eine wun- derliche Behauptung; und wir erklaͤren uns hier- mit zwar nur vorlaͤufig, aber dennoch auf das nachdruͤklichste dawider. Fabian Wabbel. Otto Bimm. Theobald Schwopp der Juͤngere. Seiffart Kickel. Verlorne Muͤhe. Er zischt mich an, und wolte Krieg Mit mir so gerne fuͤhren! Antworten? mich hinab bis gar zu ihm verlieren? Jch geh, und laß, auch diesen Kriechenden, Muͤsik Der Schlangen, wie’s ihm luͤstet, musicieren. Das feine Ohr. Gleich dem thatenlosen Schuͤler der Ethik, Hoͤrst du in der Poetik Gras wachsen; aber hoͤrest nie Den Lorber rauschen in dem Hain der Poesie. Die Jdealisten. Kernlose Schale, Wie’s auch mit tiefer Untersuchung prale, Jst doch nur dieß Geschwaͤz vom Jdeaͤle. Der philophische Jdealist, Hat, wie ihr wist, So was von einem Narren; Der kritische Jdealist Hat, wie ihr noch vielleicht nicht wist, Auch oft wol was von mehr als Einem Sparren. Die veraltete Kritik. Die Griechen hielten am Olympe Spiel, Mit Lauf, und Roß, und Kampf, mit Floͤt’, und Liede. Da schattete der Lorder nur am Ziel; Da sassen andre Richter, Als die vom heutigen Gelichter; Da scholl kein Lob, Das euch erniedrigte, kein Tadel, der erhob. Klage. Klage. Bardiete toͤnten auch im Eichenhain, Poeme nicht allein Jm Lorberhain. Und, o ihr Jahre! doch Jst umgefallen Der Baum, den ihr erkort vor allen; Der Lorber schattet noch. Diesen Abend war weder bey den Ulmen noch in der Laube Versamlung; aber im Thale war sie desto zahlreicher, und die Unterredung von dem, was auf diesem Landtage geschehen muͤste und wuͤrde, desto lebhafter und freyer. Zweyter Morgen. Die Aldermaͤnner weisen einen Anklaͤger ab. Andre Anklagen. Wie es der Zunft der Scholiasten ergeht. E in Anklaͤger erklaͤrte, er waͤre in Stande viele der Ausrufer zu uͤberweisen, daß sie sich mehr als Eine Stimme angemaast haͤtten; auch haͤtten etliche ihr Amt ein Richteramt ge- nant, und waͤren daher des Hochverraths schuldig. Was das Richteramt besonders an- O be- betraͤfe; so haͤtte er nicht wenig Laͤcherlichkei- ten in Bereitschaft, die bis zum Abgeschmak- ten gingen, und die auf keine Weise durch Ausbildungen bis dahin gekommen waͤren, weil sie aus den eignen Worten * dieser Leute bestuͤnden. Ueber das alles waͤr er durch sehr glaubwuͤrdige Maͤnner dahinter gekommen, daß etliche Ausrufer, die er kente, eine Ge- selschaft unter sich errichtet haͤtten, und mit kleinen leicht zu verbergenden Abbildungen der Mittelmaͤssigkeit Schleichhandel trieben. Sie solten, sagte man, Nachtwaͤchter zu Maklern und Hoͤkern brauchen. Er wuͤste von diesem allen wenigstens so viel, daß eine weitere Un- tersuchung angestelt werden koͤnte. Was die beyden ersten Punkte naͤmlich die Vielheit der Stimmen, und das Richteramt betraͤfe; so muͤste er die Aldermaͤnner bitten, nicht mit zu grosser Strenge die Kuͤrze von ihm zu fodern, weil die Beweise, die er zu fuͤhren haͤtte, und die er gern sehr genau fuͤhren wolte, durch viele Andeutungen, auch Beziehungen auf das, was man anderswo gerade heraus ge- sagt haͤtte, unterstuͤzt wuͤrden. Wir verlangen da keine Kuͤrze, sagte der wortfuͤhrende Aldermann, wo sie, wegen Be- schaffenheit der Sache, nicht statt findet; aber wir halten dafuͤr, daß alles, was die Ausru- fer fer angeht, und solten sie auch selbst des Hoch- verraths schuldig seyn, in Vergleichung mit denen vielen wichtigen Sachen, die wir auf diesem Landtage abzuthun haben, Kleinigkeit sey. Vielleicht ist gegen das Ende des Land- tages noch Zeit zu diesen Nebendingen uͤbrig. Fuͤr jezt weisen wir deine Anklage ab. Von dem Schleichhandel, der mit dem Bilderchen getrieben wird, kanst du uns diesen Abend wei- tere Nachricht geben. Ein zweyter Anklaͤger naͤherte sich. Ent- scheidet, sagte er, ob nicht sogar … unter die Nachahmer gehoͤre? Jst meine Anklage ge- recht; so — es wird mir schwer ein gewisses Wort mit …s Namen auszusprechen; aber sein Beyspiel ist zu verfuͤhrend, die Geseze sind ein- mal die Geseze, und die Republik ist versammelt, so muß … zum Knecht erklaͤrt werden. … bezog sich in seiner Vertheidigung auf das Urtheil der Republik, ob er nicht gut, und so wie es ein Freyer thun duͤrfte, nach- geahmt haͤtte? und ob er nicht fuͤr die grosse Anzahl derer, die sein Urbild nicht kenten, auf- hoͤrte ein Nachahmer zu seyn? Ueberdieses haͤtte er auch oft nicht nachgeahmt . Viele liessen sich auf die Vertheidigung ein. Es wurde nicht wenig auf den Zuͤnften gestritten. O 2 … … soll also, sagte man unter andern, nach dem Geseze: Obgleich lange Knechtschaft seine Wer- ke vor der Landgemeine oͤffentlich verbrennen, da- mit er zur Freylassung faͤhig werde? Welche Fordrung? Bleibt denn, wurde geantwortet, nach dem angefuͤhrten Geseze nicht auch man- ches unverbrant? Und uͤberdieß hat er ja auch andre Wege zur Freylassung zu gelangen. Freylich wird er keinen streitsuͤchtigen Freyen in Zweykampf erlegen wollen, und die Leute auf angemaasten Erfindungen zu ertappen hat man nicht immer Anlaß. Recht gut. Aber kennen denn die Aldermaͤnner einen Mann von … s Verdiensten nicht? und wird es ihnen nicht eine Freude seyn ihr Recht frey zu lassen, wen sie wollen, bey ihm zu brauchen? Jst er es denn allein, fuhr man fort ihn zu vertheidigen, der nachgeahmt hat? Warum werden die andern nicht auch angeklagt? Daß er es allein ist, der angeklagt wird, macht ihm Ehre. Man wuͤrde, wenn man mit Anklagen fortfuͤhre, Gefahr laufen auf Nachahmer von der Zwitterart zu stossen. Und wer moͤchte sich vorwerfen lassen, diese angeklagt zu haben? Der Herold unterbrach diese und aͤhnliche Streitigkeiten. Er fing an die Stimmen zu sammeln. Ohne Ohne die Zunst der Scholiasten waͤre … zum Knecht erklaͤrt worden. Denn sie, die den Herold abwies, da er zu ihr kam, und sich zulezt fragen ließ, gab, da die Stimmen getheilt waren, durch die ihrige den Ausschlag. Es war schmeichelhaft fuͤr den Angeklagten, daß sich die Haͤlfte der Zuͤnfte fuͤr ihn erklaͤrte; aber gleichwol hatte ihn mehr als die Haͤlfte Aldermaͤnner (die andern hielten die wenigen unnachgeahmten und zugleich schoͤneren Stuͤcke seiner Werke davon ab) verurtheilt. Uebri- gens war es zwar wol die Zunft der Scholia- sten gewesen, die ihn gerettet hatte; doch dieß konte ihm auf keine Weise nachtheilig seyn. Denn nicht ihr Beyfall war es, was sie ihm dadurch hatte bezeigen wollen, (die meisten dieser Zunft kennen weder … noch sein Ori- ginal) sondern sie folgte nur ihrer Neigung, es ihm, als einem Nachahmer der Alten, eher wie andern zu verzeihn, daß er deutsch geschrieben haͤtte. Ein neuer Anklaͤger erschien. Er sagte: Wenn mir … zutraut, daß ich ihn, ohne deswegen etwas wider ihn zu haben, anklage; so hat er Recht: und traut er mir es nicht zu; so hab ich gleichwol Recht, daß ich es thue, Wer das Beste der Republik mit meinem Ei- fer wuͤnscht, der denkt hierinn, wie ich; und O 3 wer wer diesen Eifer nicht kent, der ist mir gleich- guͤltig. … hat auch ohne Beduͤrfnis viel aus- laͤndische Worte in die Sprache gemischt. Es muß daher das Landgericht: Wider die Natur und alte gute Sitte unsrer Sprache auch gegen ihn, oder vielmehr vorzuͤglich gegen ihn gelten, weil er schon viele zur Nachfolge gebracht hat. Der Anklaͤger las hierauf aus … s Schriften alle Stellen her, in welchen er auslaͤndische Worte gebraucht hat. Das Urtheil von Beduͤrfnis und Nichtbeduͤrfnis uͤberließ er zwar, wie sich das verstand, der Entscheidung der Republik; er schloß aber gleichwol mit dieser Anmerkung: So wol die, welche die Sprache nicht kennen, aus der das auslaͤndische Wort genommen wird, als die, welche sie ein wenig verstehn, und wie klein ist die Anzahl derer, die fremde Sprachen ge- nung verstehn, bekommen von diesem Worte so unbestimte Begriffe, daß der Absicht des Gebrauchs beynah ganz verfehlt wird. Dieß ist desto wahrer, je bedeutender das auslaͤndi- sche Wort ist; und bedeutende Worte soll man denn doch vorzuͤglich waͤhlen, wenn man an- ders verlangt, noch einigermaassen entschuldigt zu werden. Dieß schon ist zureichend, solche Worte Worte zu verwerfen; und wir |haben, es zu thun, kaum noͤtig, uns des Widrigen der Mischung, und des Reichthums unsrer Spra- che, den sie schon hat, und nach ihrer vielsei- tigen Anlage noch haben kann, zu erinnern. Es wunderte einige, daß die Aldermaͤnner den Anklaͤger, nach der Ablesung, noch dieses zu sagen erlaubten. Denn was braucht er, war ihre Anmerkung, Gruͤnde der Geseze, die uns allen bekant sind, anzufuͤhren? Man klage ihn an, sagte … und werde ihn vielleicht gar verurtheilen; gleichwol fodre er Belonung. Denn er habe, ausser den aus- laͤndischen Goldstuͤcken, auch einheimische, der Scherfe, nicht zu gedenken, in die Sprache ge- bracht. Der Anklaͤger antwortete: Er wuͤrde doch an der Gerechtigkeit der Republik nicht zweifeln, und wissen, daß sie sich durch die auswaͤrtige Muͤnze, denn nur das, und nichts mehr waͤren auch die besten solcher Worte, nicht wuͤrde abhalten lassen, fuͤr die Goldstuͤcke zu belonen, im Falle, daß diese die in den Ge- sezen bestimte Zahl ausmachten. Die Stim- men wurden hierauf gesammelt. Jn den Zuͤnf- ten der Rechtsgelehrten, der Astronomen, der Naturforscher, der Mathematiker, und der Weltweisen waren zwar nicht wenig Stimmen fuͤr den Angeklagten, weil verschiedne Mit- O 4 glieder glieder dieser Zuͤnfte, bey Bereicherung der Sprache, eben nicht ekler Wahl seyn, und auch wol die Beduͤrfnis nicht genau mochten unter- sucht haben; aber die Mehrheit war doch wi- der ihn. Die Aldermaͤnner, und die uͤbrigen Zuͤnfte waren’s beynah mit allen einzelnen Stimmen. Fuͤr ihn waren nur die Zunft der Scholiasten, und das Volk; aber dieß, zu Vie- ler Verwundrung, doch nur mit zwey Stimmen. Die Aldermaͤnner schikten zu den Dichtern, und liessen ihnen, wegen ihrer Unpartheylich- keit, in Absicht auf … n, und auf sich selbst, danken; auf jenen, weil sie ihn uͤberhaupt und als ihren Mitzuͤnfter hochachteten, und auf sich selbst, weil ihnen die Sprachmischung so vortheilhaft waͤre. Denn, gemischt, waͤre die Prosa am meisten von der Poesie unter- schieden; und bekantlich muͤsten die Dichter nach nichts so sehr trachten, als sich von den Prosaisten zu unterscheiden. Der wuͤrde sehr Unrecht haben, fuhr der Abgeordnete der Al- dermaͤnner fort, welcher das Verdienst der Unpartheylichkeit, fuͤr die jezo den Dichtern ge- dankt wuͤrde, durch die Vermutung schmaͤlern wolte, daß sie gefuͤrchtet haͤtten, das Gemisch koͤnte wol einmal bis zur poetischen Sprache durchdringen. Denn es waͤre eine offenbare Un- Ungerechtigkeit, von den Deutschen zu glau- ben, sie wuͤrden jemals so sehr, als es hierinn die Englaͤnder waͤren, von allem Geschmacke verlassen seyn, daß sie den Dichtern einen sol- chen Verderb ihres Ausdruckes gestatten solten. Um die Unpartheylichkeit der Dichter (der Ab- geordnete wandte sich an seine Begleiter, un- ter denen Altfranken waren) richtig zu beur- theilen, muß man sich, (denn bis dahin wuͤrd es zulezt kommen) auf der einen Seite, die Sprache der Prosaisten beynah auf englische Art, und selbst mit dem Englischen, denn warum denn nicht auch dieß? vermischt, und also als eine halbauslaͤndische, oder mit dem nicht so gelinden Worte der Alten, als eine halbbarbarische vorstellen; und auf der andern Seite, daß die Dichter die deutsche Sprache behalten haben: ein Unterschied zwischen Prosa und Poesie, der selbst bey den Griechen, bey denen er doch am weitesten geht, so weit nicht gegangen ist. Wer unter euch die Alten kent, der vergleiche hier, nicht etwa Herodotus und Sophokles, denn bey ihnen ist die Verschieden- heit weniger merklich; sondern Xenophon und Homer: und thue dann den Ausspruch. Die Zuͤnfte wurden durch das jezige Ver- fahren der Scholiasten von neuem gegen sie aufgebracht. Denn sie fanden in demselben O 5 eine eine geheime Absicht der Sprache zu schaden. Da diese Meinung zu so vielem Alten, das ge- gen die Scholiasten zu erinnern war, hinzu- kam, so blieb es selbst ihnen nicht laͤnger zwei- felhaft, daß die Aufhebung ihrer Zunft be- schlossen. Waͤre. Sie thaten in dieser grossen Angst einen Schritt, den sie freylich, wie viel anderes, nicht genung uͤberlegt hatten, und der sie hernach sehr reute. Sie schikten ihren Anwald ab, der sich mit der Bitte an die Re- publik wandte: Man moͤchte dem grossen Volke (so nanten sie den Poͤbel, um ihn zu gewin- nen, und vielleicht auch, das Sonderbare ih- rer Entschliessung sich selbst zu verbergen) dem grossen Volke gestatten, morgen doch auch Einmal eine Stimme zu haben. Die Alder- maͤnner antworteten dem Anwalde auf der Stelle: Das sollen sie schon heute; und aus allen Zuͤnften und dem ganzen Volke rief man dem Herolde, der die Stimmen sammeln wol- te: Schon heute! zu. Kaum war dieß vorbey; so begaben sich die Anwalde der Redner, der Dichter, und der Geschichtschreiber zu den Aldermaͤnnern. Die- ser ungewoͤnliche Hergang der Sache, denn sonst hat immer nur Ein Anwald den Vortrag, veranlaste die uͤbrigen Zuͤnfte ihre Anwalde schnell nachzuschicken. Nur der Anwald der Dritt- Drittler wurde ein paarmal zuruͤk gerufen, neue Verhaltungsbefehle zu empfangen. Denn diese Zunft schwankte ein wenig. Der An- wald der Geschichtschreiber fuͤhrte das Wort. Jhr sehet, Aldermaͤnner, daß dießmal alle Zuͤnfte vor euch versammelt sind. Der Herold braucht die Stimmen nicht zu sammeln. Wir haben von unsern Zuͤnften Befehl sie zu geben. Es sind drey Jahrhunderte, daß nicht etwa nur die Scholiasten unsrer Republik, sondern auch die Scholiasten aller Gelehrtenrepubliken des ganzen Europa die Alten erklaͤrt haben. Also denken wir, daß sie endlich einmal erklaͤrt sind. Zu der geringen Nachlese, die etwa noch zu halten seyn moͤchte, braucht es keine Zuͤnf- ter. Denn die Stelle, welche ein Zuͤnfter in der Republik einnimt, ist fuͤr den zu erhaben, der weiter keine Verdienste hat, als ein solcher Nachleser zu seyn. Gleichwol wuͤrden wir Deutschen, nach der uns eignen unaussprech- lich grossen Geduld, noch immer Nachsicht mit unsrer Scholiastenzunft gehabt haben, wenn sie nicht groͤstentheils aus Leuten bestuͤnde, die vor Duͤnkel und Vorurtheil nicht wissen, wo sie hinwollen. Sprachen muß man lernen; wer leugnet das? Aber wie man die englische, franzoͤsische, oder italienische, entweder durch sich selbst, oder von einem Sprachmeister lernt, so, so, und nicht anders lerne man auch die latei- nische, und die griechische. Die ersten und naͤchstfolgenden Scholiasten waren, und musten ganz andre Leute seyn, als die jezigen. Sie begaben sich auf ein neues grosses Feld voller Schwierigkeiten. Sie sahen scharf, einige naͤmlich, verglichen, entwickelten eben so, und konten nur erst spaͤt ein reifes Urtheil faͤllen. Die jezigen Scholiasten, die jenen nun das hundertemal nachsprechen, sind weiter nichts, als lateinische oder griechische Sprachmeister. Wer verachtet sie deswegen, weil sie nur das sind? Aber sollen sie denn deswegen, weil sie nur das sind, auch fortfahren eine Zunft zu seyn? Und dennoch wuͤrde die unuͤberwindliche deutsche Geduld sie noch beybehalten; wenn sie den Fortgang der Wissenschaften, durch Verwandlung der Nebendinge in Hauptsachen, des Mittels in den Zwek, nicht hinderten; nicht, weil man Anmerkungen uͤber die Alten gar fuͤglich lateinisch schreibt, noch immer bey ihrem Wahne blieben, daß man uͤberhaupt am besten thaͤte in dieser Sprache zu schreiben; und, welches vollends alles uͤbertrift, was nur ungedacht und laͤcherlich ist, daß man in kei- ner neuern, sondern einzig und allein in der roͤmischen Sprache, (thun sie’s etwa? und kann man’s jezo noch?) schoͤn schreiben koͤnte; wenn wenn sie uns endlich, vornaͤmlich durch diese Behauptung, nicht gerade zu verfuͤhren wol- ten, Hochverraͤther an unserm Vaterlande, an uns selbst, und an unsern Nachkommen zu werden, und zu glauben, die wahre, inre, tiefeingepraͤgte Kraft und Schoͤnheit des deut- schen Geistes koͤnne durch unsre Sprache nicht ausgedruͤkt werden. Nichts geringers liegt in ihrer Behauptung. Denn sie wissen, oder solten wissen, daß wir auf keine Weise ver- langen was Fremdes, was Auslaͤndisches, altes oder neues auszudruͤcken. Jch rede gar nicht mehr von diesen Maͤnnern, gar nicht mehr mit ihnen, wenn ich hinzuseze, daß wir noch sehr vieles ungethan lassen, wenn wir nur diesen Hochverrath nicht begehn. Wir muͤssen den Mut haben, den Entschluß fassen, ihn mit deutscher Standhaftigkeit ausfuͤhren, alle Wissenschaften, welche diesen grossen Namen verdienen, und dieß ungeachtet der Mitanspruͤ- che der gebildeten Voͤlker Europa’s, in unsrer Sprache zu erweitern, und zu erhoͤhn. Denn der ist nur ein Kleinmuͤtiger, ein Halbdeut- scher, einer, der sein Vaterland verkent, der es noch erst lernen muß, daß der aͤchte Deut- sche, der kernhafte Mann der Nation alsdann gewiß ausfuͤhrt, wenn er auszufuͤhren be- schlossen hat. Nach Nach Endigung dieser Anrede zeigte es sich, daß die Hofnung, welche die Scholiasten auf die Gelindigkeit der Aldermaͤnner gesezt hat- ten, eitel gewesen war. Denn diese stimten dem Ausspruche der Zuͤnfte sogleich bey. Es waͤhrte auch gar nicht lange, daß der Rath- frager zu den Aldermaͤnnern herauf kam, und den Beytritt des Volks anzeigte. Der Schreyer war mit ungebehrdiger Freude unter dem Poͤbel herumgewandert, und hatte die Stimmen gesammelt. Er kam ganz ausser Athem zu dem Herolde gelaufen (denn herauf kommen darf er nicht) und sagte ihm, daß man sich ihrer Seits hiermit gegen die ganze Republik erklaͤre. Den Aldermaͤnnern wurde von den Zuͤnften und dem Volke aufgetragen, die Mitglieder der aufgehobnen Zunft zu vertheilen. Dieß ge- schah, und die meisten kamen unter den Poͤ- bel. Die Aldermaͤnner wurden zugleich einig, daß den Plaz, welchen die Zunft der Scholia- sten einzunehmen pflegte, keine andre Zunft betreten, und daß dort ein Stein mit einer Aufschrift errichtet werden solte. … n gings bey dieser Gelegenheit ein we- nig wunderlich. Er gehoͤrte zwar der Zunft der Gottesgelehrten auch an, aber er war die- sen Landtag auf der Zunft der Scholiasten, die er er sehr liebte, erschienen. Man hatte ihn ge- warnt, und ihm gar nicht undeutlich zu ver- stehn gegeben, daß er doch dießmal die Zunft der Gottesgelehrten vorziehn moͤchte; allein er hatte es schlechterdings fuͤr unmoͤglich ge- halten, daß sich so etwas, wie doch gleichwol hernach erfolgte, mit der ersten der Zuͤnfte zu- tragen koͤnte. Wie kann es Uns so schief gehn, sagte er, da Wir es eigentlich sind, welche die Republik aufrecht erhalten? Nein, nein solche Einfluͤsse koͤnnen die Liebhaber der Frau Mut- tersprache niemals haben! Frau Mutterspra- che war auch dießmal sein Ausdruk gewesen. Wir wissen durch sehr glaubwuͤrdige Zeugen, daß er diesen Scherz, der uns nur gar winzige Koͤrnchen des attischen Salzes zu haben scheint, fast taͤglich auf dem Lehrstule vorbringe, ver- mutlich, um die jungen Deutschen, seine Zu- hoͤrer, dadurch zu vaterlaͤndischen Gesinnun- gen anzufeuren. Seiner Einsichten und Schluͤsse ungeachtet war er jezo unter dem Volke. Nun erst auf der Zunft der Gottes- gelehrten zu erscheinen? Dazu haͤtte er eine Erlaubnis haben muͤssen, welche Ausname ge- wesen waͤre; und die konte vielleicht auch nicht gegeben werden. Es war also mislich mit der Ansuchung. Und uͤberhaupt jezo, bey so sehr einreissender Unwissenheit, jezo um ir- gend etwas anzuhalten? Die Die Zunft der Gottesgelehrten kam ihm zu- vor, und lud ihn ein den Landtag unter ihr zu- zubringen. Das hat er zwar gethan; aber er hat, den ganzen Landtag uͤber, zu nichts seine Stimme gegeben, weil er an der Repu- blik verzweifelte. Der Abend. Aus einer neuen deutschen Grammatik. N achdem man sich einige Zeit uͤber die Sprache unterredet hatte, las einer von der Geselschaft verschiedenes aus einer neuen deutschen Grammatik vor, von der er sagte, daß er sie, wenn er auch Zeit dazu haͤtte, doch wol nicht ganz ausarbeiten wuͤrde. Weil er keine Neigung haͤtte, das schon gesagte zu wiederholen; (wenige Wiederholungen ausgenom- men, welche die Verbindung notwendig machte,) so wolte er sich nur auf das einlassen, was die Gram- matiker bisher in der Sprache noch nicht bemerkt haͤtten, und was doch unentbehrlich waͤre, wenn man sich einen vollstaͤndigen Begrif von ihr machen wolte. Da man ihn aber bald uͤberzeugte, daß von dem schon gesagten vieles unrichtig waͤre, und auch das richtige noch viel bestimter, und theils auch kuͤr- zer muͤste vorgetragen werden; so schien es, daß er seinen Entschluß, nur grammatische Fragmente her- aus zu geben, vielleicht aͤndern wuͤrde. Wir Wir liefern hier einige dieser Fragmente in der Ordnung, wie sie uns, nach Veranlassung des fort- waͤhrenden Gespraͤchs, sind vorgelesen worden. Nur die Einleitung sezen wir zuerst, obgleich die Vor- lesung nicht damit angefangen wurde. Der Gram- matiker lehrt die Regeln der Sprache, und bemerkt die Bedeutungen der Woͤrter. Weil er die Sprache nehmen muß, wie sie ist , und nicht, wie sie, nach seinem gegruͤndeten oder ungegruͤndeten Beduͤnken, seyn solte; so ist es der Sprachgebrauch allein, der, so wol in Absicht auf die Regeln, als auf die Be- merkungen, sein Fuͤhrer seyn muß. Er mag auf ihn als einen Tyrannen so viel schelten, wie er will; aber gehorchen muß er ihm. Thut er das nicht, so ist er ein grammatischer, bisweilen recht feiner Schwaͤzer; aber kein Grammatiker. Er wolte frey- lich gern die Sprachaͤhnlichkeit und die selbstge- machte Wortbestimmung zu einer Art von Maͤch- ten erheben, und sie dem Tyrannen hier und da ent- gegen stellen; aber sein Bestreben bleibt ohne Wir- kung, und diese kleinen Maͤchte koͤnnen wider den Tyrannen nichts ausrichten. Soll die Sprach- aͤhnlichkeit gelten; so muß sie’s in ihrem ganzen Um- fange: und der waͤre kein geringerer, als daß wir lauter Regeln ohne Ausname bekaͤmen. Die mei- sten von denen, die sich unter uns an Untersuchun- gen der Sprache gewagt haben, lieben nichts so sehr, als selbstgemachte Wortbestimmungen; aber sind die denn darum in der Sprache auch vorhanden, weil man sie ihr andichtet? Jede Sprache ist gleichsam ein Behaͤltnis der eigensten Begriffe eines Volks. Was wuͤrde in unser Behaͤltnis nicht alles hinein geworfen, und was nicht herausgenommen worden seyn, wenn man da nur so nach Belieben schalten P und walten koͤnte? Aber es geht nun einmal damit nicht, und die Nation denkt, wie sie denkt, und nicht, wie es die wol haben moͤchten, die vornaͤmlich deswe- gen, weil sie die Sprache nicht kennen, so viel Lan- ges und Breites, uͤber Bedeutungen, welche die Woͤrter nicht haben, hererzaͤhlen. Ganz anders ist es mit denjenigen, welche nicht durch Regeln und Bemerkungen, sondern durch Bey- spiele, zu der Ausbildung der Sprache beytragen. Diesen muß die Sprachaͤhnlichkeit eine Gesezgeberin seyn; sie duͤrfen aber auch auf der andern Seite, gewiß das Kleinere thun, naͤmlich den Bedeutungen derer Woͤrter, die sie lenksam finden, hier und da eine etwas veraͤnderte Bedeutung geben, da ihnen das Groͤssere, naͤmlich neue Woͤrter zu machen, er- laubt ist. Und auch hier muß die Sprachaͤhnlich- keit wenigstens ihre oft gefragte Rathgeberin seyn; ich meine, daß man nur sehr selten nach den Vor- stellungen von der Schoͤnheit der Sprachen uͤber- haupt verfahren duͤrfe. Wir muͤssen den Begrif, den wir uns von dem Sprachgebrauche zu machen haben, auseinander sezen. So bald das Volk , die guten Geselschaften und Scribenten (ich schliesse hierdurch die Redner nicht aus, welche ihre Reden nur halten) so bald diese uͤbereinstimmen ; so gilt gar keine Widerrede, und solt es selbst gegen die Be- griffe seyn, was durch diese Uebereinstimmung ein- gefuͤhrt wird. Wir sagen zum Exempel Allerdings ; es ist widersinnig Mehrheit und Einheit zusammen zu sezen; es solte Allerdinge oder Allesdings heis- sen; die Athenienser sagten zum Exempel die Thiere laͤuft (unter der Einschrankung, daß das Hauptwort geschlechtlos war) dieß ist eben so widersinnig: aber gleichwol ist jenes deutsch, und dieses attischarie- chisch. chisch. Das Volk allein (der ganz geringe Mann wird beynah niemals mit darunter begriffen) kann nur in wenigen Faͤllen entscheiden, z. E. wenn es darauf ankomt die Beschaͤftigungen, und die Werk- zeuge des Handwerkers oder des Ackermanns zu be- nennen. Damit wird gleichwol nicht gemeint, daß man die Ausdruͤcke des Volkes in allen andern Punk- ten der Aufmerksamkeit voͤllig unwuͤrdig halten solle. Jn einigen Gegenden sagt es z. E. die Syndicusse . Vielleicht endigen wir noch mit der Zeit kuͤrzere Na- men, als die Brutusse , eben so; aber mit den laͤn- gern, als die Pompiliusse wird es wol nicht ge- schehn, weil sie schleppend seyn wuͤrden. Die guten Geselschaften solten natuͤrlicher Weise viel mehr entscheiden koͤnnen. Weil sich aber bey uns fast Nie- mand etwas daraus macht, seine Sprache auch nur richtig zu sprechen; und weil man so gar in denen Geselschaften, welche den Namen der guten vorzuͤg- lich verdienen, oft aus dem Franzoͤsischen uͤbersezt, indem man deutsch spricht, und dieß wol so woͤrtlich thut, daß man denen, die nur deutsch wissen, voͤllig unverstaͤndlich ist; so wuͤrde es sonderbar seyn, wenn sich die Geselschaften mehr als das Volk anmaassen wolten. Sie, und das Volk sagen z. E. lehre mir ; und gleichwol ist lehre mich allein deutsch. Die guten Scribenten sind es also, auf deren Beyspiel es vornaͤmlich ankomt. Wie gern uͤberliessen sie den Geselschaften einen Theil ihrer Buͤrde. Aber diese wollen ja nun einmal nicht; am wenigsten wollen es die, welche man an Hoͤfen sieht, und sie manch- mal so ziemlich blindlings fuͤr die besten haͤlt. Man kann sich hier eine scheinbar schwere Frage einfallen lassen. Die suͤdlichen Deutschen sezen gewoͤnlich da die langvergangne Zeit, wo die noͤrdlichen die juͤngst- P 2 ver- vergangne sezen; jene sagen ich bin gegangen , wo diese, und zwar Volk, Geselschaften, und Scri- benten ich ging sagen. Wer soll hier entscheiden? Weil auch die suͤdlichen Scribenten sagen ich ging ; so wird die Sache durch ihren Beytritt entschieden. Wie gebildet eine Sprache auch seyn moͤge; so ist in ihr doch immer etwas vorhanden, das der Ge- brauch noch nicht festgesezt hat. Jndem hiervon dieß oder das von Zeit zu Zeit festgesezt wird, so ist indeß wieder etwas aufgekommen, wobey man von neuem schwankt. Hierher gehoͤrt z. E. ob man leisen Tritts oder leises Tritts sagen solle; ob- gleich jeder stehendes Fusses sagt. Bey rief oder rufte schwankt man nicht; denn es ist ausgemacht, daß beydes angehe. Hingegen ist bey pries und preiste die Festsezung des pries ganz nahe. Bey den Huͤlfswoͤrtern seyn und haben werden wir wol nie zur voͤlligen Festsezung gelangen. Verdient ha- ben wir es wenigstens, daß es nie geschehe. Denn warum fanden wir noͤtig, zu einerley Bedeutung zwey Huͤlfswoͤrter anzunehmen. Der Grammati- ker kann ausserdem, daß er das Festgesezte in so wenige und so kurze Regeln fast, als es der Voll- staͤndigkeit unbeschadet nur immer angeht, auch uͤber das Festzusezende seine Meinung sagen; aber wenn er glaubt, daß er die Sache dadurch entscheide, so irt er sich. Denn er hat nur Eine Stimme. Er muß mit andern ehrlichen Leuten geduldig abwarten, was der Tyrann fuͤr ein Endurtheil faͤllen werde. Jch habe den Kanzleystyl mit Bedacht ausgelassen. Er gehoͤrt eben so wenig zur Sprache , als die Mundarten dazu gehoͤren. Ob ein obersaͤchsischer Dichter Truz anstatt Troz seze; ein niedersaͤch- sischer Fach und Tag reime; ein schweizerischer in Musik Musik die erste Sylbe lang ausspreche, oder ob ein Canzellist zu Jemanden eine tragende Neigung habe, das ist alles einerley. So etwas wird nicht mit auf die Wagschale gelegt, wenn es auf Entschei- dung ankomt. Da ich diese Grammatik vornaͤmlich fuͤr die schrei- be, die nur unsere Sprache wissen, oder wenn sie auch auslaͤndische verstehen, diese allein durch die Uebung gelernt haben; so habe ich mich wenig dar- um zu bekuͤmmern, was Andre dazu sagen werden, daß die Kunstwoͤrter, welche ich brauche, deutsch sind. Jch wil also auch nur mit denen, fuͤr die ich vornaͤmlich schreibe, ein Paar Worte uͤber diese Sa- che reden. Wenn diese ein deutsches Kunstwort lesen, so verstehen sie es gleich beym ersten Anblicke, we- nigstens bis auf einen gewissen Grad, und verstehen es voͤllig, so bald sie es noch ein paarmal angetroffen haben. Man sieht, daß ich gut gemachte Kunstwoͤr- ter vorausseze. (Ob es die meinigen sind, daruͤber habe ich nicht zu entscheiden.) Wem solte es un- deutlich seyn, wenn ich zum Exempel sagte: Aus Strom wird Stroͤme , und sang aus singen , durch den Umlaut ? Wenn aus a aͤ , aus o oͤ , und aus u uͤ wird, als Kraft Kraͤfte, floß floͤsse, Fluß Fluͤsse ; so ist der Umlaut bestimt : und wird aus irgend einem Selbstlaute irgend ein andrer, als kom- men, kam; laufen, lief; fliehen, floh ; so ist der Umlaut unbestimt ? wem undeutlich, wenn ich sag- te: Tag wird in Tages, Tage, Tagen, um- geendet ? Jch koͤnte hierbey etwa fortfahren: Wir haben so und so viel Umendungen der Hauptwoͤr- ter (uͤber Hauptwoͤrter haͤtte ich mich dann vorher schon erklaͤrt) und es ist sonderbar, daß wir seit Boͤ- dikern so viele Grammatiken geschrieben, und gleich- P 3 wol wol in keiner die Zahl jener Umendungen festgesezt haben. Mich deucht, ich kann schon jezt fragen, ob man diese und ahnliche Kunstwoͤrter nur so eben in Vorbeygehen bemerken, und sie dadurch lernen, oder ob man sich darauf einlassen wolle, die lateinischen Kunstwoͤrter dem Gedaͤchtnis muͤhsam einzupraͤgen, und die Erklaͤrungen derselben, die nur selten kurz seyn koͤnnen, auszuhoͤren? Denn man will denn doch wol mit dem fremden und daher schwer zu be- haltenden Schalle auch Begriffe verbinden. Jch habe gesagt, daß die Erklaͤrungen der lateinischen Kunstwoͤrter nur selten kurz seyn koͤnnen. Die Ut- sache davon liegt in ihrer Beschaffenheit. Sie sind naͤmlich oft weit hergeholt und haben zu allgemeine Begriffe, als daß sie das Ding, wovon die Rede ist, genau bestimmen solten: bisweilen sind sie so gar widersinnig. Was mir, wenn z. E. die Um- endung ist des Stromes, wie mir es vorkoͤmt der Sache gemaß Verkuͤrzung nennen koͤnten (Es ist offenbar Verkuͤrzung, wenn man z. E. der Zweig des Baumes sagt. Denn koͤnte man nicht so umenden, so muͤste man sagen: Der Zweig, den der Baum hat, der auf dem Baume wachst, oder welche verlaͤngernde Redensart man sonst waͤhlen wolte) was wir Verkuͤrzung nennen koͤnten, das nent man im Lateinischen Genitivus casus , oder Zeugeendung auf eine sehr weit hergeholte Art. La- teinische Kunstwoͤrter sind ferner: indicativus mo- dus oder anzeigungsweise: conjunctivus modus , verbindungsweise; imperativus modus , befehls- weise; und infinitivus modus, auf unbestimte Weise. Das, wovon hier geredet wird, ist, durch diese Kunstwoͤrter, befehlsweise ausgenommen, so ziemlich ins Weite hin angedeutet worden. Wenn ich ich es nicht fuͤr uͤberfliessig hielte, bey dem Zeit- worte , ausser dem Begriffe der Zeit, noch etwas anders zu bestimmen; so wuͤrde dieses Andre dasje- nige nicht seyn, was die lateinischen Grammatiker und ihre Nachsprecher gewaͤhlt haben. Ein lateinisches Kunstwort ist auch genus neu- trum oder keines von beiden Geschlechtern . Aber das Wort Geschlecht kann ja hier dem Begriffe nach gar nicht mehr statt finden. Jch habe daher die Hauptwoͤrter in maͤnliche, weibliche, und geschlecht- lose abgetheilt. Wer diese Kunstwoͤrter den deutschen vorzoͤge, muͤste, ausser den angefuͤhrten, noch viele die ihnen aͤhnlich sind, lernen. Dazu komt nun noch, daß eine deutsche Grammatik, in welcher die fremden Kunstwoͤrter gebraucht wuͤrden, dennoch nicht ganz ohne deutsche seyn koͤnte. Denn fuͤrs erste haben diese alten Grammatiker verschiednes nicht unter- sucht, was sie hatten untersuchen sollen; man muͤste also noch einige Kunstwoͤrter mehr haben, als man bey ihnen antrift: fuͤrs zweyte erfodert das Eigen- thuͤmliche unsrer Sprache einige, die in den latei- nischen Grammatiken nicht vorkommen konten. Also lateinische und deutsche Kunstwoͤrter durch einander, ein Gemisch, das mir wenigstens sehr widrig vor- komt. Jch hoffe, daß ich die, fuͤr welche ich schrei- be, auf meiner Seite habe. Diejenigen, denen die fremden Kunstwoͤrter durch lange Angewoͤnung ge- laͤufig sind, koͤnnen von dieser Sache nicht unpar- theyisch urtheilen, wenn sie sich nicht an die Stelle derer sezen, welche diese Kunstwoͤrter nun erst in spatern Jahren, und ohne die geringste Kentnis des Lateins, viel muͤhsamer lernen muͤsten, als sie die- selben in fruͤheren, mit dem Lateine zugleich, gelernt P 4 haben. haben. Jch habe fuͤr den Gebrauch deutscher Kunst- woͤrter noch Einen Grund, der, wie ich hoffe, nicht zu wenigen stark vorkommen wird, ob es gleich noch jezo, gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts, so lange nach Luthern! Leute unter uns giebt, die es noch nicht einmal wissen, daß wir eine Sprache haben, und sie daher die hochdeutsche Mundart nennen; dieser mein Grund ist, daß es laͤcherlich seyn wuͤrde, wenn wir von unsrer Sprache nicht in unsrer Sprache schreiben wolten. Von den einfachen und vereinten Toͤnen (Dieß gehort in die Abtheilung Von der richtigen Aus- sprache ) Wir haben funfzehn einfache Toͤne , erst die Selbstlaute, und dann die Mitlaute h, b, f, d, k, l, m, n, r , und s . Fuͤnfe davon werden in der Aussprache veraͤndert; aber sie bleiben gleich- wol einfach. E wird in aͤ, und oͤ veraͤndert, i in uͤ und j; u in w; b in p; und d in t . Die ein- fachen Toͤne unveraͤnderte und veraͤnderte sind ent- weder Selbstlaute, oder Mitlaute, oder Zwischen- laute . Die Zwischenlaute sind j und w . Die ver- einten Toͤne werden zugleich ausgesprochen, und bekommen dadurch eine andre Bildung, als wenn man sie hinter einander ausspraͤche. Sie sind jh wir schreiben’s g, jhh oder gh , wir schreiben’s ch, sjhh oder sgh , es wird sch geschrieben, und pf , welches auf gleiche Art geschrieben, und ausgesprochen wird; ferner ai wir schreiben’s fast immer ei . Bey au, eu , und aͤu ist Schreibung und Aussprache gleich; oͤi komt fast gar nicht vor. Aus Anmerkung 1. Z und x sind Schreibverkuͤrzungen, und werden nicht als vereint, sondern als sich fol- gend Aus der Abtheilung von der schoͤnen Ausspra- che wurde noch viel weniger, nur der Hauptinhalt derselben, vorgelesen. 1 Der Begriff vom Wohl- klange muß nicht auf das Sanfte eingeschraͤnkt werden. 2 Von der verschiednen Zusammen- sezung wohlklingender Toͤne in Sylben und Woͤr- tern. 3 Sie muͤssen durch die Aussprache so ge- bildet werden, daß sie sich vor den andern aus- nehmen. 4 Die Tonwandlung muß nicht sprung- weise geschehn. 5 Man laͤst die Dehnung un- uͤbertrieben hoͤren. 6 Man spricht die verschiedne Laͤnge und die verschiedne Kuͤrze noch der wah- ren Zeit aus. Abtheilung von der Tonwandlung und dem Ton- halte . Man kann einige Woͤrter hinter einander nicht ohne Tonwandlung aussprechen. Die Stim- me steigt naͤmlich oder sinkt in einem gewissen Um- fange. Der Umfang der Tonwandlung ist bey P 5 uns gend ausgesprochen. Tz kann nur mit der aͤusser- sten Anstrengung, und das nicht einmal in allen Stellungen ausgesprochen werden; es wird aber von Niemanden ausgesprochen. Wer spricht sitts aus, und vollends sittst ? Dieser Schreibverkuͤr- zung koͤnten wir also entbehren. Man sagt zwar wenn wir: schuͤzen schrieben; so muͤsten wir schuͤ- tsen aussprechen. Aber warum muͤsten wir denn? Was geht’s denn Zunge und Ohr an, daß der Schreiber ts durch z verkuͤrzt hat? und was hin- dert uns denn das durch z ausgedruͤkte ts hoͤren zu lassen, und schuͤt-sen auszusprechen? Anmerkung. 2. V, th, dt, v, ph, und g sind nur fuͤrs Auge. Q wuͤrde Schreibverkuͤrzung seyn, wenn man das u nach demselben wegliesse. V klingt voͤllig wie i, th , und dt wie t, v und ph wie f , und q wie k . uns kleiner , als bey einigen andern Nationen . Denn wir sind zu maͤnlich, um beym Sprechen, oder bey Haltung einer Rede, Geschrey zu machen. Der Tonhalt bildet die an sich selbst schon langen Woͤrter oder Sylben auf zweyerley Weise. Er bricht entweder die Zeit, in der sie ausgesprochen werden, schnell ab, oder er dehnt sie ein wenig aus, als Waldstrom, sann, sahn. Wald, sann wird ab- gebrochen, Strom , sahn gedehnt. Von der Rechtschreibung . Wenn wir die unsri- ge mit der englischen oder franzoͤsischen vergleichen; so ist sie vortreflich, wir schreiben z. E. nicht o auch durch au und aux , und ean , und eaux (wie barba- risch wuͤrde das den Franzosen bey einer andern Na- tion vorkommen?) aber, ohne diese Vergleichung, ist sie nicht wenig fehlerhaft. Der Begrif einer guten Rechtschreibung kan kein andrer seyn, als nur das , was man hoͤrt, aber auch alles , was man hoͤrt, zu sezen. Jn vollkommner hoͤrt man Ein I und Ein m nicht; in nur und schon ist die Dehnung des u und des o unbezeichnet geblieben. Wir Anmerkung 1. Geschrey entsteht nicht allein durch die Anstrengung, sondern auch durch die Hoͤhe der Stimme. Anmerkung 2. Diejenigen Sylben, mit denen die Stimme sinkt, sind bey uns gewoͤnlich kurz; aber nicht deswegen, weil die Stimme mit ihnen sinkt, sondern weil es da zu geschehn pflegt, wo die aus andern Ursachen kurzen Sylben sind. Anmerkung 3 Etliche wenige Woͤrter oder Sylben, die nach den Regeln des Tonmaasses zweyzeitig sind, haben gleichwol die Dehnung; aber sie giebt ihnen die Laͤnge nicht. So ist ihm , zweyzeitig, und wird, wenn es lang wird, aus andern Ursa- chen lang, als des Tonhalts wegen. Wir bezeichnen jezt die Dehnung bald durch ein h und bald durch die Verdoplung der Selbstlaute, i aus- genommen, dessen Dehnung wir durch ein dabey geseztes e ausdruͤcken. Aber oft lassen wir diese Be- zeichnungen, das e ausgenommen, weg. Sich dar- uͤber zu vergleichen, in welchen Woͤrtern von denen, wo das Zeichen fehlt, das h , und in welchen die Verdoplung gebraucht werden solte, wuͤrde schwe- rer seyn, als daruͤber uͤberein zu kommen, daß man ein allgemeines Zeichen der Dehnung einfuͤhren wol- te. Welches Zeichen? Nicht die Verdoplung; das h auch nicht. Vielleicht einen Ovalzug unter den Selbstlauten. Es kaͤme hier darauf an, den Zug so zu machen, und so anzubringen, daß das Auge dabey nichts zu erinnern haͤtte. Doch eh wir zu einem allgemeinen Zeichen der Dehnung, und zur Weglassung ungehoͤrter Buchstaben kommen, wird wol noch viel Zeit hingehn. Das lezte haben schon manche thun wollen; aber es ist ihnen mislungen, weil sie es auf Einmal haben ganz thun wollen. Vielleicht wuͤrd es eher gelingen, wenn man nach und nach immer ein wenig in der Sache vornaͤme. Jst dieß zu hoffen; so ist es auch gut anzufangen. Womit? Das ist fast gleichguͤltig. Wenn es nun einen gaͤbe, dessen Auge z. E. durch kommt, nimmt eben so sehr beleidigt wuͤrde, als jezo eines jeden Auge durch Freundschafft, Krafft (welches vor kur- zem noch da war) wuͤrde beleidigt werden; und die- ser also lieber komt nimt , als kommt nimmt schriebe: so wuͤrde man es ihm wenigstens denn doch wol verzeihen, daß er ein so grillenhaftes Auge haͤtte, und daher auf die angefuͤhrte Art schriebe. Auch wuͤrde man wol nicht sagen koͤnnen, daß er mit zu Vielem auf Einmal anfinge, wenn er zu- gleich gleich das tz , als etwas, das kein Deutscher ausspre- chen koͤnte, wenigstens in diesem Jahrhunderte nicht ausgesprochen haͤtte, ganz verwuͤrfe. Wer kann denn settsen oder gar settst aussprechen? Glaubt es einer zu koͤnnen; so wird er gefragt: Ob er mag, und wenn er moͤchte, darf? Der Einwurf, daß, wenn man z. E. nicht setzen sondern sezen schriebe, das e bey der Aussprache gedehnt werden muͤste, wuͤrd ihm etwa deswegen kein Einwurf zu seyn scheinen, weil Niemand darauf verfallen wird, das e da zu dehnen, wo er es nie zu dehnen pflegt, und weil er es vor der Schreibverkuͤrzung z in set-sen z. E. sehr gut ungedehnt aussprechen kann; hingegen aber tsen in set-tsen nicht aussprechen darf, wenn er es auch koͤnte, oder gar moͤchte. So weit ginge etwa einer im Anfange ; und an- dern, die wie er glaubten, daß die Rechtschreibung ein Ding fuͤrs Ohr, und nicht fuͤrs Auge waͤre, uͤber- liesse er, nach und nach zu versuchen. 1 Mehr Verdoplungen wegzulassen. (Der versteht nichts von der Ableitung, welcher glaubt, daß sie bey die- ser Weglassung leide) 2 F oder v zu waͤhlen, und das ph nicht mehr zu brauchen. 3 Das q ohne u zu schreiben, oder es wegzuwerfen, und, wo es dann noͤtig waͤre, auf das k ein u folgen zu lassen. 4 Das th und dt wegzuwerfen. 5 Des c und y nicht fer- ner zu schonen, und 6 ein allgemeines Zeichen der Dehnung festzusezen. Nachdem wir nun laͤngere oder kuͤrzere Zeit mit diesen Veraͤnderungen zuge- bracht haͤtten, wuͤrden wir mit den Franzosen und Englaͤndern, die etwan auch alsdann noch ihre Aller- leyzeichen haben moͤchten, auch in diesen Nebendin- gen, die aber gleichwol mit zur Sache gehoͤren, fruͤher oder spaͤter zur Richtigkeit kommen. Ent- fernt fernt koͤnte diese zu machende Richtigkeit wol noch so ziemlich seyn, weil wir jezo so gar noch nicht ein- mal mit einander einig geworden sind, ob wir uns Teutsche oder Deutsche schreiben wollen. Dritter Morgen. Die Zunft der Dichter schlaͤgt ein neues Gesez vor. Wlemars Nachforschung, ob das Ge- sez werde angenommen werden. Seine Un- terredung mit einigen Auslaͤndern. E s solten zwar nach der Anordnung der Al- dermaͤnner die einzelnen Anklaͤger erst ge- hoͤrt werden, eh man die wichtigern Sachen vornaͤhme; aber die Bewegung der Republik war zu groß dieser Anordnung zu folgen. Mit Anbruche des Tages waren Lehrgebaͤude ver- brant worden; man hatte sie, ohne viel hinzu- sehn, brennen lassen, und die Zeit mit sehr warmen Berathschlagungen zugebracht. Man wuͤrde kaum gewust haben, was vorginge, wenn der Schreyer nicht eine so jaͤmmerliche Klage waͤhrend des Brandes erhoben haͤtte. Der Anwald der Dichter kam herauf, ein neues Gesez in Vorschlag zu bringen. Er las es von einer ehernen Tafel ab, und nicht, wie bis- bisher gewoͤnlich gewesen war, von einer Per- gamentrolle. Es ist seitdem beschlossen wor- den, daß es kuͤnftig allzeit so gehalten, und kein Gesez mehr auf Rollen geschrieben wer- den soll; und nicht allein dieß, sondern es wer- den auch die aͤlteren Geseze auf Tafeln geschrie- ben, und in der Halle aufgestelt werden. Hier- durch faͤlt vollends alles Vorwenden weg, daß man die Geseze nicht genung kenne, weil man sie bestaͤndig vor Augen hat. Der Anwald las die Tafel ab. „Den Ausrufern und Ankuͤndigern wird „bey dreyjaͤhriger Landesverweisung, und de- „nen, die schreiben, bey der lauten Lache, oder „noch schaͤrferer Ruͤge, verboten: Buͤcher, „wie sie die Auslaͤnder lange gehabt, und „lange vergessen haben, so zu empfehlen, als „ob die Nation stolz darauf sey sie zu besizen. „Jst ein Ausrufer, oder Ankuͤndiger, oder „gar ein Scribent wegen einer solchen An- „preisung eines solchen Buchs verdientermaas- „sen heimgesucht worden, und trit dann ein „gleicher Anpreiser eben dieses Buches auf; „so wird er, des Verfahrens halben, ange- „sehn als einer, welcher der Nation mit Wis- „sen und Willen, freventlich und oͤffentlich „Hohn gesprochen hat. Und ein solcher duͤn- „kelhafter, und unvaterlaͤndischer Mensch hat „Hochverrath begangen. „Also „Also urtheilte, nach reifer Erwaͤgung, „und kalter Berathschlagung, die Zunft der „Dichter auf dem Landtage, zwey und siebzig, „achtzehntes Jahrhundert.‟ Der Anwald stelte die Tafel hin, und sie wurde, wie vordem die Rollen, von Zunft zu Zunft, und zulezt auch zu dem Volke gebracht. Ein Gesez vorschlagen, und die Stimmen uͤber die Aufname oder Verwerfung desselben sammeln geschieht bey uns selten an Einem Tage. Auf andre Sachen wolte man sich, nach diesem vorgeschlagnen Geseze, auch nicht ein- lassen. Die Landgemeine ging daher aus ein- ander. Jch suchte den Ausgang des morgen- den Tages (Wlemar schreibt dieses) aus dem, was den heutigen geschaͤhe, zu errathen. Jch hoͤrte hier und da einige, doch nur behutsame Klagen uͤber die Strenge des neuen Gesezes; aber ein hoͤhrer Ton, der Ton des jezigen Land- tages waltete vor, und diese Klagenden konten wenigstens so gleich nicht aufkommen. Die Ausrufer und Ankuͤndiger hoͤrten nur umher; ihre gewoͤnliche Kuͤhnheit hatte sie verlassen, und sie wusten uͤberhaupt nicht so recht, woran sie waͤren. Denn es konte ja ihr Anklaͤger von neuem vorgerufen, und ihrentwegen gar ein Gesez gegeben werden, welches ihr Ansehn und ihre Faͤhigkeiten in ein sehr genaues Ver- haͤlt- haͤltnis braͤchte. Ueberdieß war das eben vor- geschlagne Gesez schon schlimm genung fuͤr sie; und manchem unter ihnen ging auch der Schleichhandel mit dem Bilderchen nicht we- nig im Kopf herum. Denn es waren schon einige derselben bey den Nachtwaͤchtern gefun- den worden; und diese hatten auch schon alles gestanden. Dieß zusammen hatte den Erfolg, daß sich die Ausrufer auf keine Weise getrau- ten, sich wider das neue Gesez zu erklaͤren. So bald ich sah, daß es mit ihnen so stand, gab ich mich nicht weiter mit ihnen ab. Jn der gemischten Zunft wurden nicht wenig Wi- derspruͤche so laut, daß man haͤtte fuͤrchten koͤn- nen, das Ding wuͤrde voͤllig um sich greifen, wenn ihr Anwald, ein heftiger vaterlaͤndischer Mann, nicht sehr Obstand gehalten haͤtte. Gleichwol konte man doch nicht so recht wis- sen, wie es Morgen bey der Stimmensamlung hergehn wuͤrde. Denn viele Scribenten die- ser Zunft hatten, bey allem, was sie sagten, eine sehr vaͤterliche Ruͤksicht auf ihre Schrif- ten. Ueberhaupt bekam auch auf andern Zuͤnf- ten diese Ruͤksicht nach und nach so viel Ein- fluͤsse, daß ich zulezt zu zweifeln anfing, ob das neue Gesez durchgehn wuͤrde. Das Volk hatte man auch, ich weis nicht durch welche Abgeschikte, grossentheils gewonnen. So viel ist ist gewiß, daß sich einige Ausrufer wegschli- chen, als ich mich unter dasselbe mischte. Jch muß es dem Rathfrager nachruͤhmen, daß er sehr gut gesint ist. Er nahm meinen Vor- schlag, die Aldermaͤnner zu fragen, gleich an; und seine Zuruͤkkunft brachte eine so merkliche Veraͤnderung hervor, daß ich beym Weggehn fast mit Gewisheit auf die drey Stimmen hof- fen konte. Jch kam hierauf mit einigen Auslaͤndern in Geselschaft, deren Aufmerksamkeit auf alles, was vorging, ich schon mehr als einmal be- merkt hatte. Jch freue mich, sagte mir einer von ihnen, auf den Landtag der deutschen Ge- lehrten gekommen zu seyn. Jhr habt einige Geseze, die wir nicht haben, und haben solten. Und mit welcher Einsicht und Entschlossenheit bringt ihr sie zur Wirksamkeit. Diese Auf- hebung der Scholiastenzunft ist ein kuͤhner Schritt. Die Gelehrtenrepubliken Europa’s machen, wie ihr wisset, Eine grosse lateini- sche Republik aus. Jhr sondert euch, und tretet aus diesem vieljaͤhrigen Bunde, und wagt es mit eurer Sprache, wie weit sie sich, und mit ihr die darinn vorgetragnen Wissen- schaften ausbreiten, oder nicht ausbreiten wer- den. Wir wissen, antwortete ich, daß wir uns sondern, und was wir wagen. Unsre Q Sprache Sprache hat Kraft und Schoͤnheit; und Jn- halt, denk ich, geben wir ihr in unsern Schriften doch auch bisweilen. Was ihre Ausbreitung anbetrift, so sagen unsre Alder- maͤnner, daß wir keinen groͤssern, und beynah keinen andern Stolz haben muͤssen, als den, fuͤr unsre Nation zu arbeiten. Jhr sehet, daß uns diese strengen Leute denjenigen Stolz, der auch nach Beyfalle der Auslaͤnder strebt, fast verbieten. Sind uͤbrigens unsre Schrif- ten nur gut; so wird unsre Sprache, wir moͤ- gen diesen Stolz haben, oder nicht haben, ih- ren Weg schon gehen. Wir redeten noch von vielem, das zu dieser Sache gehoͤrte; aber nur dieß hab ich der Aufzeichnung einigermaas- sen wuͤrdig gehalten. Denkmale der Deutschen. Unsre Stammart. Einige Cohorten dekten die Flucht Catulus, und seiner Legionen gegen uns, und unterlagen. Fuͤr ihre Tapferkeit schwuren ihnen die Sieger beym ehernen Stiere Freyheit, und Waffenstillstand. Un- Ungluͤckliche grosse That. Eine Cohorte Usipier, gezwungen fuͤr die Roͤmer zu streiten, und wider die Kaledonier, ein freyes Brudervolk, verachtete, um sich so nicht zu enteh- ren, Gefahren, wie sie die Schlacht nicht hat. Sie verließ die Legion, in welche sie eingekerkert war, toͤdtete ihre Waffenlehrer, stuͤrzte sich in drey Na- chen, warf die treulosen Schiffer ins Meer; trieb um Britannien, kriegte auf der Fahrt, nicht zu verhungern, oft siegend, selten besiegt, aß erst Ster- bende, dann Geloste, strandete am Ufer des Vater- lands, und wurde von Deutschen in die Fessel ver- kauft, und in der Gallier. Der verdiente Triumph. Domitius Aenobarbus, nur er unter allen Roͤ- mern, kam bis uͤber die Elbe; ein Gang unmerk- licher Spur, aber dennoch, wegen der kuͤhnen Neu- heit, bis zum Triumphwagen. Der uͤbrige Zweig. Die Cimbrer und Teutonen hatten ihre Beute, und sechs tausend, sie zu schuͤzen, am Rheine gelas- sen. Als zu diesen die Todesbotschaft von ihren Vaͤ- tern und Bruͤdern kam, erkampften sie sich von den umliegenden Voͤlkern ein Land, und wurden, durch Entschluͤsse, die nichts geschrekt, und durch eine Standhaftigkeit, die keine andre ausgedauert hatte, selbst ein Volk. O Untergang auch der groͤsten Tha- ten! Denn ich muß den Namen des neuen Volkes nennen. Sie heissen Atwaticher. Q 2 Die Die Sikambrer. Nach den Cheruskern, verdienen die Sikambrer Nachkommendank. Sie nahmen Lollius einen Ad- ler. Der Eine weissagte die drey. Aber auch das selbsttoͤdtende Schwert wendete sich fruͤher gegen die Brust der gefesselten Fuͤrsten Melo’s und Baitorits, als gegen des Varus. Der gute Gabin. Valentinian bedekte, nach seinem Lieblingsgedan- ken, die Graͤnzen zu befestigen, auch die Donau mit Schloͤssern. Bald fing er auch an uͤber den Graͤnzen zu bauen. Der Koͤnig der Quaden, Ga- bin erklaͤrte sich mit Maͤssigung dawider, ward zum Gastmahl eingeladen, und verraͤtherisch getoͤdtet. Sein Feldherr Percha, vergalt den Mord, und un- terbrach den zu nahen Bau, indem er zwey Legionen vertilgte. Die Ungleichen. Die Sueven und die Cherusker schlugen mit ein- ander, Deutsche mit Deutschen. Die Sueven fuͤhrte Marbod, ihr Tyrann, er, der nie aus Hercyniens Schatten gegen die Roͤmer zur Schlacht hervorbrach, mit ihnen durch Geschenke Buͤndnis schloß, ein Waffentraͤger des Caͤsars, und ein Verraͤther des Vaterlands war. Jngomar, Siegmars Bruder, war mit seinen Kriegsgefaͤhrten zu ihm uͤbergegan- gen. Die Cherusker fuͤhrte Hermann, der Befreyer des Vaterlandes. Zwey suevische Voͤlker, die Semno- nen, und die Longobarden, hatten seinen Arm ge- staͤrkt. Lange schwebte die Schlacht in Gleichgewich- te. te. Endlich entwich der Tyrann auf seine Huͤgel; und, von noch mehr Voͤlkern verlassen, flehte er dem Caͤsar vergebens um Beystand. Der Entschluß der Maͤnninnen. Nach der Schlacht mit Marius sendeten die Fuͤr- stinnen, die Schwestern, Muͤtter, und Weiber der Todten zu dem Ueberwinder: Wir wollen frey, und Vestalinnen seyn, oder sterben. Sie wurden nicht frey, und toͤdteten sich. Weise Enthaltsamkeit. Tiber stand mit den Legionen an der Elbe, und seine Flotte fuͤhrte ihr neues, furchtbares Schau- spiel auf. Ein Deutscher kam in einem Nachen heruͤber, und betete die goͤttlichen Roͤmer an. Den- noch blieb ihnen die jenseitige Anbetung zweifelhaft. Varus Ruͤckehr. Hermann wolte, mit den lebenden Boten, auch todte nach Rom senden; und zugleich Marbods, des Zuschauers mit der Hand im Schoosse, spotten. Er schikte Varus Haupt an den Verraͤther, und dieser nach Rom. Die Truͤmmer. Die Mundarten der Oberdeutschen sind die Stein- bruͤche, woraus unsre Vorfahren die Sprache gebaut haben. Wir hinterlassen sie dem Nachkommen in einer Gestalt, daß er die Umbildung ihrer Saͤulen nicht wagen, und nur an den Zierathen der Knaͤufe aͤndern wird. Aus den Mundarten Niederdeutsch- Q 3 lands lands ist nur in fremden Laͤndern gebaut worden. Gleichwol gehoͤrt ihm das aͤlteste deutsche Buch an, das gerettet ist die Schriftdolmetschung des Gesez- gebers und Bischofs Ulfila. Die gluͤkliche Stunde. Die Druidinnen verkuͤndeten: Jhr siegt nur, wenn der Mond voll ist. Waͤr er dieses zur Zeit der Schlacht gewesen; so haͤtt es etwa Ariovistens Schwert gethan, und weder Portia’s noch Brutus Dolch geblutet. Der gegebne Friede. Valentinian hatte die Kuͤnste des Ueberfalls und des geheimen Mordes umsonst gegen Macrianen, den Koͤnig der Allemannen, versucht. Er entschloß sich ihm Frieden anzubieten. Der Deutsche sich bewust, daß er dem Roͤmer den Frieden bewilligen konte, und auch abschlagen, stand, mit diesem Stolze, an dem einen Ufer des Rheines. Seine Kriegsgefaͤhr- ten kanten die Ursach des Stolzes, und schlugen mit dem Ungestuͤme der Schlacht an ihre Schilde. Jn dem Nachen des Roͤmers glaͤnzten die Feldzeichen der Legionen. Aber er fuhr zu der Unterredung heruͤber. Endlich hoͤrte der Klang der Schilde, und das Kriegsgeschrey der Deutschen auf und ein Friede ward geschlossen, den Macrian niemals brach. Die heutigen Spuren. Steh still, Wanderer, oft, lange, und mit Dank- barkeit. Jn Varburg hielt Varus Gericht und Gastmale. Jn Jn Varlar machte er sein erstes Lager, groß und fest, weil Hermann diesen Tag allein geschlagen, und die andern Fuͤrsten in der Ferne gezweifelt, und gezoͤgert hatten. Jn Varenholt barg sich der Roͤmer, wie er konte, in einem kleinen Lager, das niedrige Waͤlle und untiefe Graben hatte. Auf Winfeld sahen die Uebrigen am dritten Abend ihre lezte Sonne untergehn. Jm rothen Bache floß das meiste Roͤmerblut. Jn den Knochenbach warfen wir die Gebeine, die Germanicus gesammelt, und mit einem Grabhuͤ- gel bedekt hatte, damit sie der Roͤmer nicht noch ein- mal sammelte. Geh nun weiter, Wanderer, oder wenn du noch weilen magst, so grab hier irgendwo; und du wirst Waffen oder Schaͤdel oder Muͤnzen sinden, mit den Bildnissen Caͤsars und Augustens. Der gegruͤndete Mut. Gratian hoͤrte auf vor der Ankunft des feindlichen Heeres zu zittern. Denn seine Legionen fuͤhrten Baudo und Arbogast, Feldherren, die unbestechbar, kriegsgelehrt, und kuͤhn waren. Der Graͤnzfluß. Die Roͤmer hatten Gallien, Jberien, und Bri- tannion erobert, auch etwas von Oberdeutschland. Die Donau sonderte das Wenige. Wenn ihr groß von grossen Thaten denkt, Nachkommen der Rhaͤ- tier, Noriker, und Vindelicier, so betretet das jen- seitige Ufer des Graͤnzflusses mit Ehrfurcht. Denn druͤben eroberten die Roͤmer nicht. Q 4 Be- Belonte Gutherzigkeit. Dem Fuͤrsten der Ansibaren, Bojokalen, war Auf- ruhr die Befreyung, welche die Jrmensaͤule verdien- te, und erhielt. Dafuͤr flehten er und sein Volk auch dem Feldherrn der Roͤmer vergebens um unbe- wohnte Felder in ihrem Vaterlande. Sie musten, da sie fortzogen, die Thraͤne hinstuͤrzen: Fehlt uns Erde zur Huͤtte; so fehlt sie uns doch zum Grabe nicht. Dieß erreichten sie bald; die Juͤnglinge, und die Maͤnner durch ihr Schwert, die Greise in der Fes- sel. Und nun waren keine Ansibaren mehr. Die grosse Entscheidung. Sechs deutsche Cohorten legten in Pharsaliens Wagschale das Uebergewicht fuͤr den, der in Scy- thien die Eroberung Deutschlands versuchen wolte. Allein Brutus zukte den Dolch gegen ihn, und nun bedurft es unsers Schwertes nicht. Wir gegen uns. Die Brukterer waren, bis zum Uebermute, stolz, und ihre Nachbarn, bis zur Grausamkeit, Hasser dieser Stolzen. Die Verbuͤndeten zogen das Schwert, und hoͤrten erst auf zu vertilgen, als die Uebrigen mit den Schatten sechzig tausend Todter flohn. Ein Schauspiel fuͤr die Roͤmer, das ihr Herz gewuͤnscht hatte, und das ihr Auge sah. Wir haben andern Feinden gleiche Schauspiele aufgefuͤhrt. Spaͤte Wiederkunft. Vierzig Winter waren vergangen, und die gefes- selten Fabier in Huͤtt und Huͤrde grau geworden. Da Da endlich nahmen die Roͤmer den dritten Adler Varus wieder. Die bekraͤnzten Loͤwen. Jn Aurels Kriege mit den Markomannen und den Quaden antwortete der Weissager: Sieg, wenn ihr zween Loͤwen mit Opferkraͤnzen schmuͤkt, und sie uͤber die Donau vorausschikt! Die deutschen Juͤnglinge am Ufer spielten gegen die Loͤwen hin, und toͤdteten sie mit Staͤben. Aus den nachkom- menden Legionen fielen zwanzig tausend. Nur gegen diese bedurft es der Schwerter. Uralte Verwandschaft. Der hereynische Wald sandte Belgien, Britan- niens Kuͤsten, und, aus andern Schatten, den Ge- birgen Schottlands Bevoͤlkerung. Die Cimbrer. Die Deutschen der Nordgraͤnze begannen den furchtbaren Zug gegen die Roͤmer. Jhr Heer wuchs in dem Herzen Deutschlands. Die Namen ihrer Feldherren und Helden sind nicht mehr. Aber noch nennen wir die Namen der uͤberwundnen Consulen. Jn fuͤnf grossen Schlachten flohn, oder fielen, vor den Unbekanten, Carbo, Cassius, Scaurus, Caͤpio, und Manlius. Endlich vereinten sich Sonn, und Sturm, und Marius, und gelernte Weichlichkeit, die Sieger zu vertilgen. Unsre verlorne Freyheit. Eh sinke dieser Fels, als die Geseze unserer Freyheit aufhoͤren. Q 5 Der Der Koͤnig, die Oberrichter, und die Feldherren sollen die kleineren Dinge entscheiden, die groͤsseren das Volk. Ueber die, welche das Volk entscheidet, sollen die Fuͤrsten, eh die Landesversamlung anfaͤngt, ge- rathschlagt haben. Das Volk sezt sich nicht eher, als es will, zur Berathschlagung nieder. Hierauf gebietet ihr, Druiden, Stillschweigen, und wer nicht gehorcht, den bestraft ihr. Die Fuͤrsten sollen gehoͤrt werden, nachdem sie aͤlter, beredter, von besserem Geschlecht, und beruͤhm- tere Krieger sind. Sie duͤrfen es unternehmen, zu uͤberreden, aber nicht zu gebieten. Das Volk verwirft entweder durch Murren, oder es giebt durch die bewegte Lanze Beyfall. Jn der Landesversamlung werden neue Ober- richter gewaͤhlt, die in Bezirken Recht sprechen. Jeder Oberrichter soll hundert aus dem Volke zu Rathgebern und Ausfuͤhrern haben. Jhr komt alle gewafnet zu der Landesversam- lung, damit ihr, wenn ihr uͤberfallen werdet, von der Berathschlagung zur Schlacht aufstehn koͤnt. Teutoburg. Beschattet, Eichen, die Felsenschrift! Hermann, Siegmars Sohn, vertilgte Varus mit drey Legio- nen. August ließ Haar der Trauer wachsen, Tibers illyrischen Lorber verwelken, und unter denen, wel- che sich der Beschuͤzung des Vaterlands weigerten, das Todesloos werfen. Die Wunde blutete die zwey Jahrhunderte fort, in denen die Roͤmer noch genung sie sie selbst waren, um, geheilt, Deutschlands Erobe- rung zu unternehmen. Die wiedergesehne Heimath. Ueberwundne Franken waren von den Roͤmern am schwarzen Meere zum Anbaue vertheilt worden. Jhre Kuͤhnsten entschlossen sich zur Wiederkehr ins Vaterland. Sie stuͤrzten sich in Schiffe der Ueber- winder, liessen die Schwerter an Griechenlandes und Asiens Kuͤsten triefen; musten von Africa’s weichen; eroberten Syracus, und landeten endlich im Schatten deutscher Haine. Doppelte Vergeltung. Der Grausamkeit und der Verachtung lohnten wir es mit Unterjochung und mit Spott. Denn so gar in den Gesezen, die wir den Roͤmern, und uns gaben, nanten wir uns Barbaren. Hermanns roͤmisches Denkmal. Hermann war der Befreyer Deutschlands. Er grif nicht, wie andre Koͤnige und Feldherren, die beginnende Macht des roͤmischen Volkes an; son- dern unser Reich in seiner vollen Groͤsse. Er war gluͤklich, und ungluͤklich in Schlachten; unuͤberwun- den im Kriege. Er hat sieben und dreyssig Jahre gelebt, und zwoͤlfe das Heer gefuͤhrt. Er wird noch jezt unter den deutschen Voͤlkern besungen. Der Erfolg. Auf der Ebne, und nur auf Einer Seite vom Walde beschattet, brach Hermann so hervor, hielt so, so, machte mit seinen ungestelten zu mutigen Schaa- ren solche Wendungen des Meisters, daß Germani- cus, mit acht Legionen, und mit unzaͤhlbaren Schwaͤr- men Huͤlfsvoͤlker, erst am Abend stehn konte. Der Tag kam; und der Casar ging nach dem Rheine zu- ruͤk, den Feldzug zu endigen. Lissa. Wir nennen zehnmal Hoͤchsted; und Einmal Lissa. Aber der Enkel vergist Hoͤchsted bey Lissa. Denn, gegen zwoͤlf, waren da vierzig tausend in der Fessel, und deutsche. Gehinderte grosse That. Bedek, Espe, des Grabhuͤgels Baum, die Felsen- schrift. Hermann schlug zween Tage mit Caͤcina’n, wie mit Varus. Am dritten hinderten der Neid, und der Stolz der Fuͤrsten die voͤllige Gleichheit. Munichis. Die Sclavonier lagen auf einem Berge. Ein heisser Zwist um Ehre unter dem Feldherrn Ferdulf, und dem Schultheiß Argaͤd machte, daß der Angrif auf der steilsten Seite geschah. Ferdulf, Argaͤd, und jeder, wer kuͤhn genung zur Nachfolge war, fielen. Munichis war vom Pferde geworfen. Ein Scla- vonier fesselte ihn. Mit gebundenen Haͤnden fast’ er die Feindeslanze, durchstach ihn, waͤlzte sich in den Abgrund hinunter, und entkam. Die beyden Niederlagen. Jn der Schlacht auf der Maͤdchenwiese brachen die Cherusker zu fruͤh aus dem Hinterhalt hervor. Die- Dieser Schritt der zu kuͤhnen Eile fuͤhrte Herman- nen beynah dem Tode, und das Heer der Deutschen zween grossen Niederlagen zu. Der ersten entkam Hermann kaum, indem er das Gesicht durch sein Blut verstelte, durch Blut aus einer so gefahrvollen Wunde, daß, bey der zweyten Niederlage, nicht er, sondern nur Jngomar Feldherr war. Nun haͤufte Germanicus die Waffen der Besiegten auf, und schrieb stolz daran: Nach Unterjochung der Voͤlker zwischen dem Rheine und der Elbe, weihet das Heer Tibers dieses Denkmal Jupitern und Mars und Augusten .. Noch Ein Feldzug haͤtte den Stolz des Mals etwan entschuldigt. Aber die Vorsehung lenkte es anders. Der neidende Tiber zwang Germanicus zum Triumphe. Britanniens Eroberung. Hengst und Horst sprangen aus zween Kiulen aus Ufer. Nach siebzig Jahren hieß Britannien England. Das zwiefache Gluͤk. Valentinian sagte zu Aurelianen: Geh, und siege! Denn die gluͤkliche Legion, und Hartmund, Haldo- gast, Karwisko, und Hildemund sind mit dir. Hermanns Tod. Hermann ward von feindseligen Verwandten uͤber- fallen, und geroͤdtet. Hatte er nur buͤrgerliche Kriege gesuͤhrt, wie das vor ihm, und nach ihm, unser boͤser Brauch gewesen ist; welch ein Mord! Wenn er aber die Majestaͤt der heiligen Freyheit beleidiget hatte; hatte; so verdiente er zwar vor dem Gerichte des Volkes zu stehen, und verurtheilt zu werden, aber nicht von solchen Haͤuden zu sterben. Der Fußfall des Stolzen. Koͤnig Knodomar hub sich auf einem schnaubenden Rosse, schwoll unter dem Schimmer eines hochge- buschten Helms, und wog in der Rechten eine unge- heure Speerslast, vor der Schlacht; nach verlor- ner, wie blutig sie auch durch ihn gewesen war, fiel er Julianen zu den Fuͤssen, und dat ums Leben. Caͤsars Ueberlegungen. Jhm, dem der Senat Siegslieder bey den Altaͤ- ren beschloß, und Cato Auslieferung an die Belei- digten, entboten wir nach Ariovistens Schlacht: Warum haͤltst du fuͤr ungerecht, daß wir uͤber den Rhein gehn, und willst doch selbst zu uns heruͤber kommen? Aber er kam. Wir erwarteten ihn in un- sern Schatten. Er rathschlagte achtzehn Tage mit sich uͤber die Waldschlacht, und kehrte zuruͤk. Noch einmal kam er so, sahe nicht, und ging. Otto’s Lorber. Otto der erste hieß die Dichter um den Vorzug streiten, und gab dem Vortreflicheren eine goldne Krone. Die Namen der Sieger sind nicht mehr. Auch wenn sie ihres Unterganges werth waren, ver- dient doch der grosse Kaiser Nachkommendank. Die erfahrne Ursach. Wenn Siegmund, Herzog von Oestereich, mit den Adlichen Berathschlagung hielt, so ließ er oft die Schrif- Schriften der Weisen den Ausspruch thun. Die Adlichen zuͤrnten: Warum ziehest du uns die Ba- retsleute so vor? Gott allein kann euch Kunst und Weisheit geben, die Natur kanns, und nicht ich. Jch kann euch nur groß machen, euch Silber und Gold, Land und Leute geben. Die zehn Feldzuͤge. Von Ariovisten bis Hermannen thaten die Roͤmer zehn Feldzuͤge nach Deutschland: Einen gegen Huͤt- ten, zween zur Schau, einen gefluͤchteten, fuͤnf sie- gende, keinen erobernden; den lezten ohne Wie- derkehr. Der Abend. Aus einer neuen deutschen Grammatik. V on den einfachen und vermehrten Woͤrtern. Alle einfache Woͤrter sind einsylbig ; aber nicht alle einsylbige sind einfach. Soll ist einfach und einsylbig; das davon abgeleitete Schuld ist einsylbig, aber nicht einfach. Die von der lezten Art koͤnte man vermehrte Woͤrter nennen. Jn der Wortbildung werden die Woͤrter am besten in einfache, vermehrte, und mehrsylbige abgetheilt. Nach der Aussprache und Rechtschreibung ist Liebe zweysylbig; nach der Wortbildung ein vermehrtes Wort. Denn diese theilt Lieb-e . Daher hat z. E. wie Kraft, so auch Liebe die Buchstabenendung; dahin- dahingegen Bildung Schoͤnheit und solche Woͤrter die Sylbenendung haben. Diese Unterscheidung verkuͤrzt dasjenige, was von den Umendungen und dem Geschlechte der Woͤrter zu sagen ist. Die Ver- mehrungen der einfachen Woͤrter sind e, roth Roͤ- the; g, behr Berg; k, soll Schalk; d, soll Schuld; t, mag Macht (moͤgen hieß sonst koͤnnen, diese Be- deutung ist noch in vermoͤgen). m, huͤll Helm; n, vor vorn; s, krup Krebs; (nicht wenig deut- sche Woͤrter stammen von niederdeutschen ab) sch, Mann Mensch; ft, zahm Zunft; st, kann Kunst; ng, thu Ding; und z her Herz. (Her ist so viel als, er ur . Der Begrif ist: urspruͤngliche Le- benskraft) Vordem brauchten wir alle Selbstlaute zu Ver- mehrungen; jezt brauchen wir nur das einzige e dazu. Unsre aͤltern Vorfahren endeten die meisten Woͤr- ter mit Selbstlauten. Die Jtaliener, und Spa- nier scheinen dieß (denn sie brauchen die von den altdeutschen unterschiednen roͤmischen Endungen nicht) von ihnen, die ihre Ueberwinder waren, ge- nommen zu haben. Unsre spaͤtern Vorfahren haben die Selbstlaute bis auf das e (und auch dieß komt eben nicht oft vor) weggeworfen. Der Verdruß uͤber diesen Verlust hat mich manchmal darauf ge- bracht, die Ursach der Wegwerfung zu finden. Jch bin bey folgender stehn geblieben: So viel ich von der Geschichte unsrer Sprache weis, so war man die ganze Zeit uͤber, da man die Selbstlaute am Ende der Woͤrter brauchte, nicht gewiß genung, welche (es ist da nur sehr wenig Festgeseztes) man brauchen wolte. Hierdurch musten notwendig Undeutlichkeit und Doppelsinn entstehn, und dieß um so viel mehr, da auch die Umendungen der Woͤrter durch Selbst- laute laute gemacht wurden. Wie sehr man uͤberhaupt damals in der Sprache schwankte, erhelt daraus, daß man wol drey Jahrhunderte lang das so oft wiederkommende Wort seyn mit der groͤsten Ver- schiedenheit bildete. Da man nun mit diesem Wichtigeren, und leich- ter Festzusezenden nicht konte zu Stande kommen; so war es kein Wunder, daß man das weniger wich- tige, und das doch zugleich (wegen seiner vielen klei- nen Theile) schwerer zu bestimmen war, und mehr Doppelsinn verursachte, so vernachlaͤssigte, daß man es zulezt ganz muste fahren lassen. Es ist kein klei- ner Verlust, den die Sprache hierdurch gelitten hat. Sunt lacrimae \& vocum, \& mentem mor- talia tangunt. Jet ist unsre Sprache ein tiefgewurzelter, hoher, vielaͤstiger, fruchtvoller Baum, dem aber hier und da etwas Laub fehlt. Und daß sie das ist, kann jene vielleicht zu weichen Thraͤnen schon stillen. Alle einfache und vermehrte Woͤrter sind Stam- woͤrter. Die lezten stammen von den ersten ab, und von jenen wieder andre. Soll Schuld Schuld- ner; kann Kunst Kuͤnstler . Welche einfache Woͤr- ter aber von einander abstammen, kann man nur selten ausmachen. Fliessen (die Veraͤndrungs- sylbe en komt hier nicht in Betrachtung) kann von Fluß; aber Fluß kann auch von fliessen abstammen. Hingegen ist der bestimte Umlaut (a in aͤ, o in oͤ, u in uͤ) ein unfehlbares Kenzeichen der Abstammung, als stroͤmen von Strom . Von den mehrsylbigen Woͤrtern . Sie bestehen entweder aus mehr als einer Stamsylbe, als Ehr- geiz; diese haben zwey Hauptbegriffe, ob gleich der eine der vornehmste ist; oder sie bestehn aus Stam- R sylben sylben und aus Ableitungssylben als fruchtbar, Verdacht. Die einfachen, vermehrten, und diejenigen mehr- sylbigen Woͤrter, die mit einer Stamsylbe enden, haben die Buchstabenendung, als Flug, Art, Schuzgeist, die mit einer Ableitungssylbe enden, haben die Sylbenendung, als Mehrheit . Die Stamsylben haben den Hauptbegrif, und sind, allein genommen, Woͤrter, als Furcht in furchtbar; die Ableitungssylben haben Man kann Ab- leitung in engerm und in weiterm Verstande neh- men; in engerm komt nur z. E. stroͤmen von Strom, geistig von Geist her; in weiterm z. E. entfliehn von fliehn . Jch nehme Ableitung, um manches zu verkuͤrzen, in wei- terem Verstande. den Neben- begrif, und sind, allein genommen, ausser den Nich- tungen keine Woͤrter, als bar in furchtbar. Einige Stamsylben kommen zwar nicht mehr als Woͤrter vor, sind aber doch Woͤrter gewesen, und werden auch manchmal noch als solche in den Mund- arten gebraucht, als vergiß. Giß, vermute wird noch im Niederdeutschen gebraucht. Die Ablei- tungssylden sind ehmals zwar auch Woͤrter gewesen; sie haben aber ihre erste Bedeutung so sehr veraͤn- dert, daß sie nicht mehr als Woͤrter koͤnnen ange- sehn werden. Heit hieß sonst Beschaffenheit, auch Person . Die Ableitungssylben (es giebt auch Ab- leitungswoͤrter: unter in untergehn; da sie aber keine andre Eigenschaften als die Ableitungssylben haben, so koͤnnen sie unter dieser Benennung mit begriffen werden) die Ableitungssylben sind, in Ab- sicht auf die Stamsylben, entweder voranstehend, und und dann bald trenbar und bald untrenbar, als ausgehn vergehn; oder nachstehend , wobey auch zwey auf einander folgen koͤnnen, als Heiterkeit. Hierher gehoͤren auch die Wohlklangssylben er ig, und das t, welches aus eben der Ursach gesezt wird, als fuͤrchterlich Leichtigkeit wesentlich . Ohne Ruͤksicht auf Stelle und Trenbarkeit, sind, in Absicht der Bedeutung, die Ableitungsylben er, ver, be, ab, ent, aus, auf, und an doppelseitig . Eh ich herausdrachte, daß diese Ableitungssylben ein zweyfaches Aeusserstes entweder der Zeit, oder des Orts, oder auch der Handlung ausdruͤkten, wa- ren mir nicht wenig Woͤrter, ihrer urspruͤnglichen Bedeutung nach, unerklaͤrbar. Kuͤrzer kann keine Sprache die Begriffe zusammen fassen, als es die unsrige durch die Woͤrter thut, welche diese Ablei- tungssylben haben. Jch merke noch an, daß sich der Begrif des zweyfachen Aeussersten auch in dem Worte Ende findet. Jn einem unsrer Alten steht: Fan thesaro Weroldes Endie . Von Anfange dieser Welt. Von den doppelseitigen Ableitungssylben. Er (ur, und or, auch oͤhr in dem einzigen Worte Na- deloͤhr sind eben dasselbe) wurde sonst als eine Rich- tung gebraucht, als er Himile, vom Himmel. Um der Kuͤrze willen druͤck ich die eine Seite durch her, und die andre durch hin aus. Her: erhalten von einem etwas, erwaͤhlen etwas aus vielem, er- sinnen. Hin: erleben, erreichen, ergruͤnden, ersingen. Her: Uraͤltern, Urphede Ablassung vom Kriege, Ursprung eigentlich die erste Quelle. Hin: Urenkel. Her: Orlog das erste Gesez, das Schiksal, der Krieg. Hin: Orband am Degen. Ver hieß sonst fra, far, for. Her: vernehmen R 2 von von einem etwas, verlernen, verweisen aus dem Lande, vervortheilen vom Vortheile bringen ver- sezen Buchstaben. Hin: verdenken einem etwas, versehn sich gutes zu einem, vernichten, verspot- ten, versezen an einen etwas. Be . bey ist eben das Wort, hat aber keine dop- pelte Bedeutung. Wie wir aus dem alten Odmont: Demut gemacht haben ( Erbarmung hieß ehmals auch Re- barmnussi ) so verwandeln wir auich das ab biswei- len in be. Her: benehmen einem seine Meinung, bekommen von einem etwas Hin: besichtigen, be- kraͤnzen, bescheiden einen wohin, bekommen es be- komt ihm. Ab. Her: absehn einem etwas, abmahlen, able- gen. Hin: Absicht, abtragen einem seine Schuld, abkuͤrzen. Aus. Her: ausgehn, ausfinden. Hin: aus- gehn vom Lichte, ausdauren, ausmachen eine Sache. Ent. Es scheint von dem alten Hauptworte An herzukommen. Auf gleiche Weise ist Art von ur oder or abzuleiten. Her: entstehn, entkommen, entfernen sich von einem. Hin: entbieten, ent- flammen, entbloͤssen, entscheiden, entschlafen dahin schlafen, Entschluß, Antwort . Auf. Her: aufgehn von der Sonne, aufwerfen Erde. Hin: aufhaͤufen, aufwerfen sich zum Herscher. An. Her: von der Zeit an, Anfang, anstimmen. Hin: bergan, Antrag. Diese Beyspiele moͤgen zureichen. Es giebt Woͤr- ter, bey denen einige der doppelseitigen Sylben so wol wol auf der einen, als auf der andern Seite erklaͤrt werden koͤnnen. Aber wenn man ein wenig ge- nauer daruͤber nachdenkt, so ist es immer Eine, die dem Begriffe am gemaͤssesten ist. Manchmal wird hier die Wahl dadurch schwer, daß die mit diesen Ableitungssylben verbundnen Stamsylben vordem auch Bedeutungen muͤssen gehabt haben, die wir nicht mehr kennen. So wird man z. E. wol so leicht nicht heraus brin-gen, warum ver mit stehen in verstehn zusammengesezt ist. Vierter Morgen. Die gemischte Zunft sucht es dahin zu bringen, daß das vorgeschlagne neue Gesez nicht durchgehe; es wird aber dieser Bemuͤhungen ungeachtet eingefuͤhrt. E inige Sachen thaten die Aldermaͤnner nach den Auftraͤgen, welche sie von den Zuͤnf- ten und dem Volke dazu hatten, kurz ab. Heute solte wieder ein Lehrgebaͤude verbrant werden; aber selbst der Nachtwaͤchter, den die Reihe des Anzuͤndens traf, war so aufmerk- sam auf das, was sonst vorging, daß er mit ofnem Maule, und verloschner Fackel, bey dem Lehrgebaͤude stehn blieb. Der Anwald der ge- mischten Zunft war in den halben Kreis ge- R 3 kom- kommen. Er hatte folgendes vorzutragen: Jch habe, sagte er, von meiner Zunft Befehl, auf naͤhere Bestimmung der eigentlichen Be- schaffenheit solcher Buͤcher zu dringen, die, wie es meiner Zunft vorkomt, in den vorge- schlagnen Geseze nur so obenhin angedeutet sind. Denn sehr ungerechter Weise wuͤrde man bey dieser Dunkelheit des neuen Gesezes in die Strafe der Lache, oder wol gar der Lan- desverweisung verfallen. Die Zunft schlaͤgt auch, obwol ohne Maasgebung, vor, daß die Dichter angehalten werden, einige schon vor- handne Buͤcher von der Art, wie sie in Sinne haben, anzuzeigen. Jst es denn, sagte der wortfuͤhrende Aldermann, so schwer zu wissen, mas mittelmaͤssig sey? Wenn ich schlimm seyn wolte, koͤnte ich die Zunft in Verdacht haben, daß es vielleicht Leute unter ihr gaͤbe, die den Schleichhandel mit den Bilderchen auch trie- ben. Solt es seyn, Anwald, so laß sie in Zeiten aus der Zunft stossen. Jn diesem Falle soll das Gesez, das wider sie ist, noch schweigen. Du weist, daß wir einen gemesnen, und ge- wiß nicht glimpflichen Auftrag die Bilder be- treffend von den Zuͤnften haben. Und wenn es auch einigen gelaͤnge (denn wir hoͤren, daß so was vorseyn soll) uns den Auftrag wieder nehmen zu lassen; so wuͤrd es ihnen, und ihres gleichen gleichen doch zu nichts helfen. Denn es ist, denke ich, doch bekant genung, daß die Repu- blik, wegen dieser so hartnaͤckigen, und wie es scheint, auch so ausgebreiteten Anhaͤng- lichkeit an das Mittelmaͤssige, nicht wenig aufgebracht sey. Der Anwald kam zuruͤk, und sagte, daß seine Zunft schlechterdings dar- auf bestuͤnde, die verlangte naͤhere Erklaͤrung zu haben. Erfolgte keine; so wuͤrde sie den Herold bey der Stimmensamlung abweisen. Der Aldermann antwortete: Dank allen, die auf dem vorigen Landtage das Gesez von der bleyernen Mittelmaͤssigkeit eingefuͤhrt haben! Lies es deiner Zunft vor, und wenn sie dann noch nicht ergruͤnden koͤnnen, wovon die Rede ist; so haben wir ihnen weiter nichts zu sagen. Auch wehren wir es ihnen nicht, ihre Stim- me fehlen zu lassen. Bring mir Nachricht, ob sie dabey beharren ihre Stimme der Repu- blik zu versagen. Thun sie’s; so verbiet ich dem Herolde bey der Samlung zu ihnen zu gehn. Der Anwald der Dichter war vom Anfang an gegenwaͤrtig gewesen. Jch will, sagte er zu dem andern Anwalde, deiner Zunft Genuͤge thun. Wir meinen in dem vorgeschlagnen Geseze fuͤrs erste, und vor allen Dingen mit- telmaͤssige Gedichte; und diese kent ihr denn R 4 doch doch wol gewiß: aber sie nicht allein, denn wir meinen auch diejenigen prosaischen Schrif- ten, welche nichts oder fast nichts anders thun, als bekanten Jnhalt wiederholen. Denn bey den Untersuchungen, womit man sich in die- sen Schriften beschaͤftigt, komt ja das wenige, was etwa von neuer Darstellung darinn ange- troffen wird, nicht in Betracht, weil ihnen uͤberhaupt die Darstellung nur Nebenwerk seyn darf. Und wenn man nun vollends dieß Nebenwerk entweder nachlaͤssig, oder auf eine gezwungne Art, oder auf eine solche, die ganz aus dem Tone des Jnhalts heraus komt, ge- than hat; was hat man alsdann gethan? Doch bleibt hierbey nicht stehen. Denn auch auf Schriften, welche das Nebenwerk besser thun; aber keinen neuen Jnhalt haben, und immer nur altes bis zum eisgrauen hinauf wie- derkaͤuen, auch auf solche Schriften, sag ich, kann und wird die Nation niemals stolz seyn. Diejenigen, die wir von dieser Art haben, zu nennen, waͤre sehr uͤberfliessig. Denn den we- nigen, die sie etwa jezo noch nicht kennen, wer- den sie durch das sieche Leben, das sie in kur- zem fuͤhren werden, schon genung in die Augen fallen. Ueberhaupt waͤre zu wuͤnschen, daß Leute, die hier noch mehr Deutlichkeit brau- chen, lieber unter den Altfranken leben, und sich sich dort wol gehaben moͤchten. Wir sind, schloß er, viel zu nachsehend gewesen, daß wir nur die des Hochverraths schuldig erklaͤrt ha- ben, die, nach vorhergegangner Bestrafung andrer, eine solche Demut von der Nation verlangen wuͤrden. Der Anwald der gemischten Zunft war zu beklagen. Denn er dachte voͤllig eben so; und gleichwol muste er die Sache seiner Zunft fuͤhren. Dieser war ihre Absicht mislungen. Denn sie hatte durch die Abschickung ihres An- waldes nur Untersuchungen veranlassen, und auf diese Weise Zeit gewinnen wollen, etliche der andern Zuͤnfte auf ihre Seite zu bringen. Als jezo der Herold zu der Stimmensam- lung herauf gerufen wurde, zeigte sich fast uͤberall eine solche Heiterkeit, daß es nicht mehr zweifelhaft blieb, welchen Ausgang die Sache haben wuͤrde. Nur einige Auslaͤnder sahen etwas ernsthaft aus. Sie schienen die immer zunehmende Groͤsse unsrer Republik zu fuͤrch- ten. Wir wollen diesesmal eine so genaue Nachricht von der Stimmensamlung geben, als sie in den Jahrbuͤchern aufgezeichnet wur- de. Fuͤr das neue Gesez waren: Die Alder maͤnner mit allen Stimmen; die Zunft der Redner mit drey Stimmen Mehrheit; der Geschichtschreiber auch mit dreyen; der Rechts- R 5 gelehr- gelehrten durch den Ausschlag des Anwalds; der Astronomen mit allen Stimmen; der Na- turforscher mit allen Stimmen; der Gottes- gelehrten mit Einer Stimme Mehrheit; der Mathematiker mit fuͤnfen; der Weltweisen mit zweyen; der Wisser mit allen Stimmen; der Kundigen mit n e un Stimmen Mehrheit, und die Zuͤnfte der Kenner, und der Drittler jede mit Einer Stimme Mehrheit. Das Volk gab weiter hatte es der Rathfrager nicht brin- gen koͤnnen) nur seine zwey Stimmen. Die gemischte Zunft war mit vierzehn Stimmen Mehrheit wider das neue Gesez. Die Ueber- stimten haben beschlossen, sich, so bald sie nur dazu im Stande seyn wuͤrden, in andre Zuͤnfte aufnehmen zu lassen. Der Anwald hat sein Amt niedergelegt. Am dritten Morgen nach der Anname wurde das neue Gesez in die grosse Halle gebracht. Diejenigen, welche mit Schale und Blatt, Huͤgel und Eichel belohnt werden, gingen vor- an. Man bemerkte an den Juͤnglingen, die aus dem Volke zum Nachfolgen waren gelost worden, daß sie das Laub zu ihren Eichenkraͤn- zen dießmal mit vorzuͤglicher Sorgfalt gewaͤhlt hatten. Die Tafel wurde zwischen Leibnizen und Keplern aufgestelt. Wir wiederholen das Gesez. Der Schluß, den unsre Geseze zu haben haben pflegen, moͤchte einigen noch nicht be- kant seyn. „Den Ausrufern und Ankuͤndigern wird, „bey dreyjaͤhriger Landesverweisung, und de- „nen, die selbst schreiben, bey der lauten La- „che, oder noch schaͤrferer Ruͤge, verboten: „Buͤcher, wie sie die Auslaͤnder lange gehabt, „und lange vergessen haben, so zu empfehlen, „als ob die Nation stolz darauf sey sie zu besi- „zen. Jst ein Ausrufer oder Ankuͤndiger, „oder gar ein Scribent, wegen einer solchen „Anpreisung eines solchen Buches, verdienter- „maassen heimgesucht worden; und trit dann „ein gleicher Anpreiser eben dieses Buches „auf: so wird er des Verfahrens halben ange- „sehn als einer, welcher der Nation mit Wis- „sen und Willen, freventlich und oͤffentlich „Hohn gesprochen hat. Und ein solcher duͤn- „kelhafter, und unvaterlaͤndischer Mensch hat „Hochverrath begangen. „Also urtheilte, nach reifer Erwaͤgung, „und kalter Berathschlagung, die Zunft der „Dichter auf dem Landtage zwey und siebzig „achtzehntes Jahrhundert. „Auf dem Landtage angezeigtes Jahrs an- „genommen, in der Halle aufgestelt, und mit „vollgeltender Obergewalt versehn von der ver- „sammelten Landgemeine; verworfen von der „ge- „gemischten Zunft, und manchem andern Zuͤnf- „ter, mit welchen samt und sonders der Schuz- „geist deutscher Nation dergestalt schalten und „walten wolle, daß es ihnen nimmer, wie „nicht an Helle des Kopfs, also auch nicht an „Waͤrme des Herzens, gebrechen moͤge.“ Der Abend. Unterredung mit einigen Altfranken. D ie Aldermaͤnner wurden benachrichtigt, daß ei- nige Juͤnglinge unter den Altfranken diesen Morgen waͤhrend der Stimmensamlung sehr hoch, und mit allerhand Einfaͤllen, von den Vorzuͤgen ih- rer Geschaͤfte vor den Geschaͤften der Republik, ge- sprochen haͤtten. Ueberdieß waͤr es schon das zwey- temal, daß sie haͤtten fuͤr gut gefunden, sich so zu be- tragen. Es waͤren so gar beydemal einige aͤltliche Herren unter ihnen gewesen, die das Ding mitge- macht, und die Juͤnglinge, anstatt sie zuruͤk zu hal- ten, nur noch mehr angefeuert haͤtten. So wol die Juͤnglinge, als die aͤltlichen Herren waͤren adlicher Abkunst. Nach einigen Fragen sahen die Aldermaͤn- ner, daß diese Altfranken Verstand genung besaͤssen, Unterricht anzunehmen, aber nicht genung, keines Unterrichts zu beduͤrfen. Sie wurden daher zu einer Unterredung mit einem Aldermanne in die grosse Halle eingeladen. Als sie dort allein waren (die aͤlt- aͤltlichen Herren waren nicht mit gekommen) sagte der Aldermann zu ihnen: Wir haben erfahren, was, und wie Sie von uns geurtheilt haben. Erlauben Sie mir etliche wenige Fragen an Sie? So viel wissen Sie vermutlich von Caͤsarn, daß Sie einsehn, keiner von ihnen werde (ich denke mir ihn jezt, wie er auf dem Schauplaze, auf dem Sie sind, handeln wuͤrde) ihm jemals nur einigermaassen gleich kom- men. Aber kennen Sie ihn? Wer bewundert ihn nicht? Und wem ist diese Bewundrung unbekant, zu der man nun so durchs Hoͤrensagen komt? Jch bin gewiß, daß Sie Caͤsarn nicht kennen. Jch will Sie gleich uͤberzeugen. Dieser bewunderte Caͤsar hat auch von der Sprachaͤhnlichkeit geschrieben, und in dieser Schrift sehr genaue, und sehr feine An- merkungen gemacht, die zur Grammatik gehoͤren. Sie scherzen . Ob ich scherze, sogleich. Nur noch Ein Wort vorher. Das, womit sich die Republik bisher beschaͤftigt hat, ging, wie mich deucht, und wie Sie, denk ich, auch deuchten wird, denn doch uͤber die Grammatik hinaus. Was wollen sie da- mit sagen? Nur dieses, daß, wenn bey uns gram- matische Untersuchungen vorgekommen waͤren, Sie den Kopf noch hoͤher wuͤrden gehalten haben; und daß Sie ihn also, in Absicht auf Caͤsarn, so gehal- ten haben. Aber gewiß, Sie scherzen, was Caͤ- sars grammatische Untersuchungen anbetrift. Sie wissen doch wol noch ein wenig Latein? Einige von uns wissen so gar viel Latein. Denn damit haben sie ihre Kindheit, und ihre Tugend hin- bringen muͤssen . Desto besser. So kann ich mich Jhnen ohne viel Umschweise deutlich machen. Aber reden Sie denn wirklich in Ernste? So in Ernste, daß ich Jhnen hiermit noch anvertraue: Karl der Grosse, Grosse, und Alfred der Grosse haben sich, durch aͤhnliche Untersuchungen, beynah eben so laͤcherlich gemacht, wie Caͤsar; ich sage: beynah, weil er darinn viel weiter gegangen ist, als sie. Jch sehe wol, ich komme Jhnen immer scherzhafter vor. Und das ist denn auch recht so, wie es seyn muß. Denn Sie scheinen gar nichts davon zu wissen, daß einer Na- tion viel mehr an ihrer Sprache gelegen seyn kann, als an hundert Sachen, die Sie nicht wenig bewun- dern. Doch nun zu dem, was ich Jhnen deutlich zu machen versprochen habe. Caͤsar halt sich unter andern bey folgenden Untersuchungen auf: Man duͤrfe von arena nicht arenaͤ in der Mehrheit sa- gen, so wie man im Gegentheile quadrigaͤ, und nicht quadriga sagen muͤsse. Turbo muͤsse, auch wenn das Wort vom Ungewitter verstanden wuͤrde, turbonis, und nicht turbinis umgeendet werden. Jdem heisse in der Mehrheit iidem. Man muͤsse partum nicht partium von pars sagen. Wenn drey i auf einander folgten, so wuͤrde das lezte zum Mit- laute. Ens waͤre von esse abzuleiten. Man sagte besser maximus als maxumus . Einige von diesen, und aͤhnlichen grammatischen Anmerkungen wurden zur Regel; einige nicht. Denn selbst Caͤsar, der grosse Sieger, und der grosse Sprachkenner zugleich konte da, wo es uͤber die Graͤnzen des Zwanges hinausgeht, nichts mehr, als ein anderer thun, der gleiche Sprachkentnis gehabt haͤtte. Schon ein Alter hat angemerkt, daß Caͤsars Schlachten, der Buͤcher von der Sprachaͤhnlichkeit ungeachtet, Caͤsars Schlachten geblieben waͤren. Allein ich sehe, daß Sie sich entfernen wollen; und dieß ist auch die beste Parthey, die Sie zu nehmen haben. Denn Sie wuͤrden doch nichts, als Ausfluchte wider mich vor- brin- bringen koͤnnen; und bloß das zu thun, dazu haben Sie zu viel Verstand. Nur noch ein einziges Wort zum Abschiede: Dieser bewunderte Caͤsar, dessen Schlachten, und Unterjochung Roms, dessen noch auszufuͤhrende Entwuͤrfe Sie auch nicht kennen, (Jhre nahe Entfernung verbietet mir, mich auch uͤber diesen Punkt gegen Sie deutlich zu machen) dieser grosse Krieger, der groͤste vielleicht, der jemals ge- lebt hat, sagt von Ciceronen, dessen Freund er in Grunde nicht war: Sein Lorber waͤre schoͤner, als die Lorbern aller Triumphe. Denn es waͤre groͤsser, die Graͤnzen des roͤmischen Geistes eben so sehr er- weitert zu haben, als die Triumphirenden die Graͤn- zen des Reichs erweitert haͤtten. Die Unterredung endigte sich hiermit. Denn die Altfranken begaben sich weg. Fuͤnfter Morgen. Die Zunft der Kundigen dringt auf die Anklage der straffaͤlligen Ankuͤndiger und Ausrufer. Diese geht vor sich. Die Zuͤnfte erklaͤren, daß die Landgemeine die Urtheile nicht sprechen muͤsse. Die Aldermaͤnner wollen sich auch nicht darauf einlassen. Es wird gelost, welche Zunft es thun solle. Nach gesprochnen und vollzognen Ur- theilen, wird der Denkstein auf dem Plaze der eingegangnen Scholiastenzunft errichtet. D ie Zunft der Kundigen war heut fruͤher, als die andern Zuͤnfte zusammen gekom- men, sich zu berathschlagen, ob sie ihren An- wald, wald, der Ausrufer und Ankuͤndiger wegen, an die Aldermaͤnner schicken, und Ausuͤbung der Geseze wider jene fodern wolten. Einer aus der Zunft erklaͤrte sich so uͤber die Sache: Was bisher ist gesagt worden, thut mir kein Genuͤge. Jch bleibe dabey, es wuͤrde, wie das Sprichwort sagt, nicht das halbe Korn tragen, wenn man den Unfug, den die Aus- rufer gestiftet haben, durch die Geseze ruͤgen wolte. Jch habe dem Dinge, seitdem wir in unserm deutschen Vaterlande auch deutsch schreiben, zugesehn, und immer gar genau be- merken koͤnnen, daß gute Schriften, was fuͤr Duͤnste die Ausrufer auch um sie zusammen- gezogen haben, immer ihren Weg fort, nach dem Sprichworte: Wer gehn kann, komt an; schlechte Buͤchlein hingegen, mit welchem Jr- wischglanze sie auch sind von jenen Leuten um- leuchtet worden, den Weg alles Papiers, des- sen Worte keine Lebenskraft in sich haben, ge- gangen sind. Mir hat’s dabey allzeit im Her- zen weh gethan, wenn rechtliche Schreiber die Muͤhwaltung uͤber sich genommen haben, sich gegen die Angriffe solcher Leute zu vertheidigen. Jm Anfange, als Gellert und Gleim noch neu waren, da fabelten, oder liedelten sie; (die mei- sten von denen, die in spaͤtern Zeiten aufge- kommen sind, haͤtten’s in jenen fruͤheren eben so so gemacht) und da es mit dem Gesinge nicht fort wolte, da verliessen sie die Bank, und sezten sich auf den bekanten Schemel, den sie so gern fuͤr einen Richterstul gehalten saͤhen. Ob sie, wie abermal das Sprichwort lautet, sich von dem Pferde auf den Esel gesezt haben, laß ich deswegen keinesweges an den Ort gestelt seyn, an den so manches gestelt wird, weil es klar am Tage liegt, daß sie sich von einem Esel auf einen andern gesezt haben. Daruͤber, daß sie die Leute angreifen, ohne sich zu nennen, und also ihr Werk fein hinter dem Ruͤcken treiben, mach ich ihnen keine Vorwuͤrfe. Denn es wuͤrde doch bey der Sache nichts aͤndern, wenn sie solche unbekante Namen, als die ihrigen sind, auch nenten. Jch habe nichts geschrie- ben, und werde nichts schreiben; aber auch wenn ich schriebe, wuͤrd ich nicht anders urthei- len, und vornaͤmlich mich nie wider einen Aus- rufer zur Wehr stellen. Denn ich wuͤrde es meiner Obliegenheit halten, durch die That zu zeigen, auch das Sprichwort: Weise Leute sind starke Leute, sey ein wahres Wort. Die Zunft beschloß gleichwol die Absendung des Anwaldes. Sein Vortrag an die Alder- maͤnner (er las ihn ab) war dieser: Wir ken- nen die Geschichte der Gelehrten so gut, als Je- mand, und wissen, daß gute Schriften durch S Tadel Tadel der Kritiker nicht untergehn, und schlechte durch ihren Beyfall nicht bleiben; aber gleich- wol wird keiner von uns (so ungern wir auch Mitzuͤnfter verlieren, so saͤhen wir doch gern, daß einige Werke von Jnhalt und Ausbildung, die wir auf unsrer Zunft haben, bekant wuͤr- den) keiner von unswird jemals etwas heraus- geben, wenn die Geseze an den Ankuͤndigern und Ausrufern nicht vollzogen, und sie dadurch nicht genoͤtigt werden, ihrem Stolze Schran- ken zu sezen. Auf der Zunft der Wisser, die wir mit der ganzen Republik verehren, und aus der nicht selten Aldermaͤnner gewaͤhlt wer- den, denkt man nicht anders, als auf der unsrigen. Jch habe Wisser ihre Handschrif- ten verbrennen sehn, damit sie der Gefahr, sie doch wol noch heraus zu geben, nicht ferner ausgesezt waͤren. So unertraͤglich war ihnen der Gedanke, von den Ausrufern angegriffen zu werden. Und wie natuͤrlich ist es auch, diesen Gedanken nicht aushalten zu koͤnnen. Wer das fuͤr Schwachheit erklaͤrt, wird die Schwachheit wenigstens sehr entschuldigen. Ein Mann, der denkt, und sehr wol weis, was er thut, wenn er so, und nicht anders schreibt, soll sich, vor den Augen seiner Mit- buͤrger, seiner Verwandten, seiner Untergeb- nen, seiner Feinde, der Welt, auf die bekante Art, Art, anfallen lassen, und noch dazu durch sein Stillschweigen den Schein haben, als waͤre der Anfall gerecht? Die Verhaͤltnisse zwischen diesen Kritikern, und den Scribenten sind zu ungleich . Jene duͤrfen alles thun; und diese nichts. Denn welcher Scribent, der auf eine gewisse Art denkt, wird sich jemals vertheidi- gen? Darf er sagen, daß seine Schrift gut, oder schoͤn sey? Denn darauf wuͤrde das, was er zu sagen haͤtte, doch hinaus laufen, welche Wendung er der Sache auch zu geben wuͤste. Kein halbes Wort darf er davon sagen. Und entschloͤß er sich auch dazu; wuͤrde nicht die Vertheidigung eben deswegen ein sehr wehrlo- ses Ansehn haben, weil er nur ein schuͤchternes halbes Wort gesagt haͤtte? Und selbst bey Anlaͤssen solcher noch so bescheidnen Vertheidi- gungen, pflegen die Ausrufer, sie, die zuerst, und so sehr beleidigen, zu sagen, das sey das Geschrey des beleidigten Scribenten! Aber roth ist auch dafuͤr vor allen Gesichtern, die nicht mehr roth werden koͤnnen, keins wie das ihrige, von den Brandmalen der Schamlosig- keit. Dawider wird denn doch wol auch nicht der schwaͤchste Einwurf vorgebracht werden koͤnnen, daß die, welche, bey solchen Ver- haͤltnissen, angreifen, sehr unedel handeln? Doch nur unedel zu handeln, das ist ihnen noch S 2 zu zu wenig. Sie verfahren auch auf eine Art, welche die guten Sitten gerade zu beleidigt. Wird der entschlossenste, ja selbst der hizigste Mann, wenn er nur noch einen Schatten deß, was den Sitten gemaͤß ist, uͤbrig hat, irgend Jemanden, wer er auch sey, selbst in der klein- sten Geselschaft, jemals Dinge sagen, wie diese Kritiker, selbst guten Scribenten, und das in der groͤsten Geselschaft, in der man nur reden kann, so oft sagen? Und so gar dieses ist ihnen noch zu wenig. Sie handeln auch hinter dem Ruͤcken, indem sie ihre Namen verschweigen. Nur die sehr wenigen duͤrfen ihre Namen verschweigen, (eine ganz andre Frage ist es, ob sie es thun solten, und ob sie nicht manchmal misvergnuͤgt mit sich gewesen sind, es gethan zu haben) die sehr wenigen, sag ich, welche den Verstand , die Kentnis, die Wissenschaft , und den Willen haben, ge- recht zu seyn. Diese werd ich auf Erfordern anzeigen Salogast und Wlemar hatten mir ihr Manuscript, mit der Erlaubnis, daran zu aͤndern, anvertraut. Jch habe mich dieser Erlaubnis nur in dem Einen Puncte bedient, daß ich die Beylagen wegge- lassen habe, und dieß aus keiner andern Ursach, als aus Neigung zum Schonen. Solten aber die Ver- , damit sich nicht Leute ausnehmen, die der Ausname unwuͤrdig sind. Denn wie viele viele wuͤrden sich, ohne meine Erklaͤrung, un- ter jenem Schirme verkriechen wollen. Was die Namlosigkeit der uͤbrigen, das heist bey weitem des groͤsten Haufens, anbetrift; so ist es, die Sache von einer andern Seite betrach- tet, denn doch noch gut, daß man mindstens einige Scham, die naͤmlich, seinen Namen zu nennen, uͤbrig behalten hat. Gelehrte (um nur Einen Blik in die vorigen Zeiten zuruͤk zu thun) haben sonst freylich auch andre Gelehrte, die sie gereizt, oder auch nicht gereizt hatten, angegriffen. Damals hatten denn nun die periodischen Blaͤtter ihre Fluͤge noch nicht begonnen, und die Angriffe gescha- hen in den Buͤchern selbst; (die untergegangen sind, versteht sich, so wie die Blaͤtter unter- gehn werden, wie sich auch versteht,) aber im- mer mit Anzeige des Namens, den man, wie klein etwan auch er seyn mochte, wenigstens denn doch, ohne eben bis dicht an die Ohren roth zu werden, nennen durfte. Selbst der kaͤlteste unter euch, Aldermaͤnner, wird mich nicht beschuldigen koͤnnen, daß ich durch meine S 3 Vor- Verfasser mit der Weglassung nicht zufrieden seyn; so werd ich die Beylagen, als einen Anhang des zweyten Theils, noch bekant machen. Jch habe die Stellen, wo sie hingehoͤren, durch ein Stern- chen bezeichnet. Der Herausgeber. Vorstellung auch nur Einen Schritt uͤber die wirkliche Beschaffenheit der Sache hinaus gethan haͤtte. Jch habe Worte, und Wahr- heit mit einer Genauigkeit, die eben nicht ge- woͤnlich ist, gegen einander abgewogen. Daß dem so sey, sollen auch die, welche nach uns kommen, wissen; wenn sie anders in dem Ge- schriebenen dieser Leute blaͤttern, und es mit dem, was ich gesagt habe, vergleichen moͤgen. Aber wie sie es auch mit der Sache halten wol- len; so nimm gleichwol meine Erklaͤrung, Her- old, und laß sie von den Aufsehern in der gros- sen Halle beylegen. Du hast so recht, sagte der wortfuͤhrende Aldermann, als man selten hat; aber Brodt und Schauspiele, Anwald, das ist der Punct, wo alles zusammentrift, die voͤllige Steurung des Unwesens zu hin- dern; nicht fuͤr den Poͤbel, wie einst in Rom, nein, bey uns ist es ganz anders: das Brodt fuͤr die Ausrufer, und die Schauspiele fuͤr das Publicum, das altfraͤnkische, und unsers. Dem Puncte, sagte der Anwald, fehlt noch ein Puͤnctchen: Nicht nur Leibes Nahrung fuͤr die Ausrufer, sondern auch Nahrung fuͤr ih- ren Stolz! Elendes Brodt, genieß es, wer’s geniessen mag. Aber vollends dieses unpatrio- tische Verfahren, unter den Altfranken aller Enden und Orten solche Schauspiele von uns selbst selbst zu geben! Nie wird die Republik zu dem Ansehn kommen, das sie haben koͤnte, und zu haben verdient, wo diesem Unfuge nicht Ziel und Maaß gesezt wird. Wenn die Grossen sich noch einigermaassen um uns bekuͤmmern; so geschieht es dadurch, daß sie den Schauspie- len, die wir von uns selbst geben, wol mit zu- sehn moͤgen. Jhr wolt zwar nicht, Aldermaͤn- ner, daß wir uns viel um die Grossen bekuͤm- mern sollen; aber so weit muͤssen wir es we- nigstens denn doch wol, daß wir endlich auf- hoͤren ihre Lustigmacher zu seyn. Wir, sagst du, Anwald? Die Ausrufer sind ja nur die Lustigmacher. Aber sind’s denn nicht, antwor- tete der Anwald, oft sehr wuͤrdige Gelehrte, auf deren Unkosten jene belustigen? Und deh- nen es nicht die Zuschauer auf die Gelehrten uͤberhaupt aus, was die Lustigmacher von ei- nigen vorbringen? Und wird nicht, nach die- sem Vorbringen, von dem Zustande der Repu- blik geurtheilt? Jch bin erst viel zu gelinde gewesen, daß ich es nur Unfug genent habe. Doch wenn dieß Verfahren auch keinen aͤrgern Namen verdient; so ist es doch eure Pflicht, Aldermaͤnner, ihm Einhalt zu thun. Der Wortfuͤhrer der Aldermaͤnner wendete sich zu dem Herolde .. (Nur noch Ein Wort, sagte Ekhard zu dem Anwalde, eh fortgeschikt S 4 wird. wird. Es waren einmal eine Nachtigall, ein Juͤngling, und eine Jungfrau; und es war auch eine Muͤcke. Die Nachtigall sang’s Lied, der Juͤngling, und die Jungfrau blieben stehn, und hoͤrten dem Liede recht herzlich gerne zu. Jndeß schwaͤrmte die Muͤcke um die Nachti- gall, und trompetete Glossen das Lied betreffend. Je herlicher das Lied klang, desto lauter wurde die Muͤcke auf dem Trompetlein. Aber Saͤn- gerin, und Zuhoͤrer blieben ungestoͤrt.) Gleich- wol beharte der Anwald so sehr bey seiner For- derung, daß der Aldermann dem Herolde be- fahl, den Anklaͤger herauf zu rufen, den sie neulich abgewiesen haͤtten. So hald dieser da ist, sezte er hinzu, so geh wieder, und suche die auf, welche die Bilderchen entdekt haben. Es waͤhrte nicht lange, so erschien der Anklaͤ- ger. Aber eh er anfangen konte, war eine Bekantmachung noͤtig. Der Herold stieß, der Gewonheit nach, dreymal in die Trompete, und machte hierauf folgendes bekant: Alle, die, seit den beyden vorigen Landta- gen bis jezt, in Zeitungen, oder Monathschrif- ten, oder auch in sonstigen fliegenden Blaͤttern und Zetteln, diese moͤgen nun laͤngere oder kuͤrzere Zeit gedauert haben, zu Budenpapier geworden, oder in Baͤnde gekommen seyn, alle, alle, die sich seit angezeigter Zeit damit behelli- get haben, in solchen Schriften und Blaͤttern aufzutreten, und alldort auszurufen, oder an- zukuͤndigen, werden hiemit, durch mich, den Herold, vorgefodert, und befehliget, alsofort vor den Aldermaͤnnern zu erscheinen, und da- selbst namentlich, vernehmlich, wie auch haar- klein, ihre allerseitigen Ausrufe oder Ankuͤn- digungen anzuzeigen, und hierauf das Weitere zu gewaͤrtigen. Solte einer derselben, wider alles Vermuten, so gesezlos seyn, und sich zu erscheinen widerstreblich weigern; so wird sel- biger, so bald man durch die dicke Nacht seiner Namlosigkeit wird durchgedrungen seyn, von den Nachtwaͤchtern herbeygeblasen werden. Wofern sich aber vollends einer erkecket, die- sen, oder den, oder jenen seiner etwanigen Ausrufe nicht anzuzeigen; so empfaͤnget er, im Falle daß er der verholnen Ausrufe halben straffaͤllig ist, gleich nach der Ertappung, die Ruͤge dieser Straffaͤlligkeit zwiefach: und ist er in diesem Betreffe nicht straffaͤllig; so wird dennoch die Verheimlichung nicht unbeahndet gelassen. Die Ankunft so Vieler von so vielen Sei- ten, (selbst aus den Zuͤnften!) ihr Gang, ihre Gebehrdung, das alles war wirklich recht se- henswuͤrdig. Besonders merkte man es den S 5 Aus- Auslaͤndern an, daß sie bey ihrer Heimkunft ihren Freunden vieles von diesem Vorgange wuͤrden zu erzaͤhlen haben. Die Anzeige (bey welcher der Herold dem unordentlichen Rufen nicht selten Einhalt thun muste) wurde nieder- geschrieben. Nachdem die Blaͤtter dem An- klaͤger waren uͤbergeben worden; so las er die Geseze ab, nach denen er anklagen wolte. Hierauf kam er, mit einigen Heften von ziem- licher Dicke, zum Vorschein, welche solche Stellen aus den Schriften der Angeklagten enthielten, die diesen dadurch ungemein laͤstig fielen, daß sie den Gesezen immer schnurstraks entgegen waren. Da er also die Stellen so gut gewaͤhlt hatte, daß nichts als Ausfluͤchte |da- wider konte vorgebracht werden; so hatten die Aldermaͤnner beynah nichts anders zu thun, als die Vertheidigungen abzuweisen. Denn sie pflegen die Plauderhaftigkeit nie lange zu dulden, wodurch man, eben deswegen, weil man nur Ausfluͤchte macht, bloß Mangel des Verstandes, und ausser dem noch den Stolz zeigt, zu glauben, solcherley groͤbliche Sophi- sterey werde nicht, da es doch selbst feine so leicht wird, gleich beym ersten Anblicke ent- dekt. Sie thaten nur selten eine und die an- dre unerwartete Frage an die Angeklagten, wodurch sie diese und jene nicht dunkle Stelle zu zu den hoͤchsten Graden der Deutlichkeit zu erheben wusten. Diejenigen Hefte des Anklaͤ- gers, durch welche viel Geschwaͤz bey wenig Jnhalte erwiesen wurde, waͤhrte den Alder- maͤnnern manchmal zu lange. Man hoͤrte nicht selten von ihnen: Abgebrochen! Genung! Voͤllig genung! Ein Ausrufer unterschied sich so durch seine Vertheidigung, daß sie aufbe- halten zu werden verdient: Wir sehen, sagte er, nur allzu klar, wo es zulezt mit uns hin- auslaufen werde! Wenn ich uns sage; so ver- steh ich meine meisten Mitbruͤder, und nehme nur etliche wenige aus, die wol selbst nicht recht wissen moͤgen, wie sie unter uns gekom- men sind; und an denen uns auch gar wenig gelegen ist. Denn schaͤmen muͤssen wir uns ihrer, wegen ihrer Unpartheylichkeit, und Be- scheidenheit, worinn sie bis zum Laͤcherlichen weit gehn. Man mag mir, wenn ich werde geredet haben, Schuld geben, was man will; aber den Mangel der Aufrichtigkeit soll man mir gewiß nicht Schuld geben. Nach den Ge- sezen, hat freylich jeder von uns nur Eine Stimme. Nach den Gesezen, ist unser Amt kein Richteramt. Recht gut das! Mag es doch in den Rollen so stehen! Aber, der Wir- kung nach, haben wir viele Stimmen; sind wir Richter! Kurz, wir herschen innen und aussen, aussen, in der Republik, und draussen unter den Altfranken! Denn wenn diese einmal worinn blaͤttern, so ist es in unsern Schriften. Freylich erstrecken wir unsre Herschaft nicht bis auf die Nachwelt; allein recht gut auch das! Denn was gehen wir, und die Nachwelt, ein- ander an? Uns ist’s voͤllig genung, wenn wir nur zu unsrer Zeit herschen. Und das thun wir denn ja auch, besonders jezt, recht nach Herzens Lust. Du fragst nach den Unter- jochten, Aldermann, Zuͤnfter, oder wer du sonst bist. Gleich! vorher nur noch Ein Wort von unsrer Herschbegierde. Wenn man denn nun einmal etwas von einer gewissen Art seyn muß; so ist’s doch immer besser der Wolf, als das Schaf zu seyn. Wir sind also die Woͤlfe; treten wie Woͤlfe mit einander in Buͤndnisse, und wenn die Raͤnke, die sich unsre verschied- nen Rotten zu spielen pflegen, in Kriege aus- brechen; so beissen wir uns auch wie Woͤlfe. Wer die Schafe, die Beherschten, die Unter- jochten, oder wie ihr es sonst am liebsten hoͤren moͤgt, wer diese sind? Fuͤrs erste viele, viele Altfranken; fuͤrs andre das grosse Volk (er- lanbt uns immer diese Benennung) das grosse Volk samt und sonders; drittens die meisten des Volks; viertens keine geringe Anzahl Kenner, von der Zunft naͤmlich: aber wir ge- rathen rathen ja fuͤnftens auch wol manchmal unter diese oder jene andre Zunft; und soltens Ober- zuͤnfte seyn, so gerathen wir darunter! Jst dieß nicht eine Herschaft von einem Umfange, daß es sich gar sehr der Muͤhe verlohnt, sie zu haben? Wie wir sie fuͤhren diese Herschaft, das heisset, wie wir denen, welche Neigung bey sich verspuͤren, sich selbst zu Schafen zu machen, die Huͤlfe geben? Unter andern durch Gruͤnde unsrer Beurtheilungen, die entweder an sich selbst, oder so angewendet, wie wir sie anwenden, keine Gruͤnde sind. Aber wir wis- sen sie schon in genugsamen sophistischen Nebel einzuhuͤllen, daß sie wol, als Gruͤnde, durch- schleichen muͤssen. Es wuͤrde laͤcherlich seyn vorzugeben, daß die Beschaffenheit unsrer Gruͤnde uns selbst nicht gar gut bekant waͤre: allein fuͤhren Mittel nur zu Zwecken; was ist Herschern an der uͤbrigen Beschaffenheit der- selben gelegen? Wir solten selbst etwas her- vorbringen? Dazu gehoͤrte zweyerley: Erst muͤsten wir’s koͤnnen, und dann wollen. Be- kantermaassen koͤnnen wir es nicht! Doch ge- sezt, nicht zugestanden, wir koͤnten’s; ist dieß denn so suͤß, so hinreissend, als herschen? Selbst etwas hervorbringen? Nein, nein, komt uns nur nicht mehr damit. Viel lieber der erste in Querlequitsch, als der zweyte, wo denn denn nun gleich? in einer grossen, grossen Stadt! Die Aldermaͤnner haͤtten ihn gewiß nicht ausreden lassen, wenn sie der Ablesungen des Anklaͤgers, ob dieser es gleich, nach Be- schaffenheit der Sache, sehr kurz machte, nicht waͤren muͤde gewesen. Haͤtten wir durch deine Aufrichtigkeit, sagte der Aldermann, auch nur das geringste uns unbekante von euren Eigen- schaften, und eurer Denkungsart erfahren; so wolten wir es ungestraft hingehn lassen, was du nun da so gesagt hast. Weil das aber nicht ist; so must du denn doch etwas bestraft werden. Jch ernenne dich also hiermit auf drey Tage zum Schreyer. Aber das Urtheil konte nicht vollzogen wer- den. Denn der Poͤbel wolt ihn schlechterdings nicht fuͤr sein Oberhaupt erkennen, weil er sie mit Schafen verglichen hatte. Daruͤber wischte er hernach auch seiner Ausrufe halben ohne Strafe durch. Denn der Hohnlacher duͤnkte sich zu vornehm dazu, sich einen Mann vor- fuͤhren zu lassen, den der Poͤbel nicht haͤtte zum Schreyer haben wollen. Von denen, die nicht erschienen waren, wurde besonders einer auf- gesucht. Selbst die Nachtwaͤchter waren bey der Aufsuchung beschaͤftigt, und freuten sich nicht wenig darauf, bey diesem Anlasse ihre Hoͤrner hoͤren zu lassen. Der Mann, den man suchte, suchte, hatte vor kurzem behauptet, daß er wenigstens hundert tausend Stimmen haͤt- te *. Es war Vielen lieb, daß er nicht gefun- den wurde. Denn seine Vorfuͤhrung wuͤrde zu viel Laͤcherlichkeit fuͤr den Ernst der Ver- samlung gehabt haben. Wir enthalten uns, mit gleicher Gesinnung, verschiedne Vorfaͤlle, die sich bey dem Verhoͤre ereigneten, zu erzaͤhlen. Die Geschichte geht solche kleine Begebenheiten vorbey; allein unsre Jahrbuͤcher zeichnen es mit grosser Sorg- falt auf, weil einmal festgesezt ist, daß man in denselben alles soll finden koͤnnen, was sich waͤhrend eines Landtages nur immer zugetra- gen hat. Die Anklage, die nicht kurze Zeit gedauert hatte, war nun zwar geschehn; aber die Aldermaͤnner wolten, eh die Urtheile ge- sprochen wuͤrden, noch alles anwenden, die weggebliebnen dahin zu vermoͤgen, daß sie vor ihnen erschienen. Sie liessen in dieser Absicht den Herold zu einer zweyten Bekantmachung hervortreten. Dieser rief: Alle Ausrufer und Ankuͤndiger, die sich durch bisherigen Auf- schub und Zoͤgerung widerspenstig bezeigt ha- ben, und nicht vor den Aldermaͤnnern erschie- nen sind, werden hiemit noch Einmal vorgefo- dert. Kommen mehr benante Ausrufer und Ankuͤndiger straks; so darf s ohne Begleit der Nacht- Nachtwaͤchter geschehn: lassen sie aber ihrer strafbaren Widersezlichkeit dergestalt den Zie- gel schiessen, daß man sie auskundschaften muß; so werden sie als Aufwiegler und Meutmacher angesehn, und dieserwegen, den Gesezen ge- maͤß, mit der funfzehnjaͤhrigen Landesverwei- sung heimgesucht. Der Erfolg der Bekantmachung war, daß noch eine ziemliche Anzahl vor den Aldermaͤn- nern erschien. Nachdem auch dieser Sache vorgewesen war; so liessen die Aldermaͤnner bey den Zuͤnften und dem Volke anfragen: Ob die Republik die Urtheile faͤllen solte? Die Antwort war: Deß Belangs waͤre die Sache nicht. Die Aldermaͤnner moͤchten es daher thun. Diese lehnten es von sich ab. Weil sie aber, einiger wenigen wuͤrdigen Maͤnner halben, die sich auch auf Ankuͤndigungen ein- gelassen hatten, nicht wolten, daß die Sache vor das Polizeygericht kaͤme; so suchten sie ih- ren Zwek dadurch zu erreichen, daß sie den Zuͤnften und dem Volke vorschlugen, die zu uͤbernehmende Entscheidung durch das Loos auszumachen. Dieß war bisher noch nie ge- schehn; und es waͤre auch gewiß nicht ange- nommen worden, wenn die Aldermaͤnner nicht hinzugesezt haͤtten, daß es auch gestattet wuͤr- de, nicht mit zu losen. Einige Zuͤnfte zoͤgerten ein ein wenig, da der Herold mit den Losen zu ih- nen kam; unterdeß liessen sich denn doch die Anwalde zulezt das Gefaͤß oͤfnen. Die ge- mischte Zunft aber schlug es rund ab. Und sie hatte gewiß auch ihre recht guten Ursachen da- zu. Denn die Republik haͤtte ihre Entschei- dung, im Falle, daß diese partheyisch gewesen waͤ- re, gerade zu verworfen; und hier unpar- theyisch seyn zu muͤssen, wuͤrde ein zu harter Stand fuͤr die Zunft gewesen seyn. Das Loos traf die Zunft der Wisser. Sie liessen sich, mit der ihnen gewoͤnlichen Kaͤlte, dieß und jenes von der Anklage, die sie gehoͤrt hatten, wiederholen, und sprachen hierauf die Urtheile. Drey und dreyssig mehrentheils Ankuͤndiger entgalten viel Geschwaͤz zu wenigem Jnhalte durch die laute Lache. Wir wollen nur einige der beruͤhmtesten Maͤnner nennen, und die Namen unbekanter Leute ganz auslassen. Das viele Geschwaͤz entgalten also unter andern: Ehrhard Pfifferling, Peter Wabbel, Theo- bald Schwopp, der Aeltere, Otto Schlauch, Dietrich Volkmar Seifenblase, und Erdmann Zernebock. An sieben und siebzig groͤstentheils Ausru- fern wurden die vielen Stimmen durch den Hohnlacher geruͤgt. Unter diesen waren: T Gorg Gorg Wisch, Fabian Brauseke, Lorenz Knirps, Seifsart Bimm, Siegfried Hahne- kamm, die beyden Kickel, Alexander und Frie- delin, Sebastian Zwerchfell, Eustachius Kicke- rick, und Gebhard von und zum Sparren. Die drey lezten hatten beylaͤufig auch die Run- de gemacht. Zwey Ausrufer dachten eine recht gute List ausgesonnen zu haben, um sich von der Strafe des Hohngelaͤchters zu befreyn; aber sie ver- ungluͤkte ihnen. Sie sagten zu dem Anwalde: Sie wuͤrden als fuͤr eine Milderung ihrer Strafe danken, wenn ihnen, anstatt sich dem Hohnlacher hinzustellen, erlaubt wuͤrde, sich unter den Poͤbel zu begeben. Es solte ihnen eben die gewuͤnschte Milderung zugestanden werden, als man erfuhr, daß die beyden Leute dem Poͤbel schon augehoͤrten. Dafuͤr musten sie nun aber auch noch Einmal so lange, als es sonst zu geschehn pflegt, dem Hohnlacher stehen. Neun und neunzig Ausrufer waren (nach der von dem Geseze erlaubten Entschuldigung) die Zeit uͤber, da sie die vielen Stimmen gege- ben hatten, krank gewesen. Etliche unter ihnen mochten wol die ungegruͤndete Furcht haben, daß man ihnen nicht glauben wuͤrde. Denn sie schrien: Sehr krank! bettlaͤgrig! immer immer von einer Ohnmacht in die andre! Zu den neun und neunzigen gehoͤrten: Peter Kau- der, Wilibald Dickepote, Hans Quytsch, Martin Cyriac Kaaf, ein Baccalaur, Gorg Veit Franz Hans Claas, ein Cicerone, Con- rad Wisperling, Andrees Wiedehopf, Ulrich Sgrebbele, Tobias Anshelm Faustrechtius, Otto Haberstroh, genant Unke, Lampert Hin- rich Mulmeke, und Ruprecht Potentian All- ruun. Dreyzehn, ein Ankuͤndiger, und zwoͤlf Aus- rufer, wurden, weil sie ihr Amt fuͤr ein Rich- teramt ausgegeben hatten, als Hochverraͤther, ewig Landes verwiesen. Einer ganz kleinen Anzahl (diese waren zwar zur Anzeige mit vorgerufen, aber nicht ange- klagt worden) rieth der Anwald an, ihre Stuͤcke besonders, und zwar bald heraus zu geben. Denn den Buͤchern, zu welchen sie gehoͤrten, drohte der Untergang; und nur sel- ten truͤg es sich zu, daß die Alterthumskenner bey ihren Nachsuchungen solcherley Schutt nicht vorbey gingen. Die Namen gemeiner Hochverraͤther wer- den bey uns von dem Hohnlacher in Runstaͤbe gekerbt, und buͤndelweise in eine Seitenhalle geworfen. Da dieser zu abgemattet von sei- nen heutigen Amtsverrichtungen war, so wurde T 2 die die Einkerbung dießmal von dem Ruͤmpfer vor- genommen. Es war beynah Mittag geworden, und die Sache die Bilder betreffend muste daher noch ausgesezt werden. Das einzige, was noch vorgenommen wurde, war, daß ein Alder- mann auf dem Plaze der eingegangnen Scho- liastenzunft den Denkstein errichten ließ. Es war kein kleiner Zulauf bey dieser Errichtung. Dieß ist die Aufschrift: „Steh still, Auslaͤnder, und lerne, wie die „deutschen Gelehrten es ruͤgen, wenn man „sich Verdienst anmaast, weil man bekante „Nebenkentnisse wiederholt. Hier war vor- „dem die Stelle der Scholiastenzunft. Jm „zwey und siebzigsten Jahre des achtzehnten „Jahrhunderts beschloß die versammelte Land- „gemeine, lieber eine Zunft weniger zu haben, „als die Barbarey laͤnger zu dulden, mit der „sich diese Nachsager dem allgemeinen Gebrau- „che der Sprache, und der Erweiterung der „Wissenschaften widersezten.‟ Denk- Denkmale der Deutschen. Eine gute, und eine schlimme That. Die kriegerischen Katten duldeten Graͤnzeu ihres Aufenthalts von den Roͤmern, und entzogen sich dem Buͤndnisse der Deutschen gegen die Eroberer. Da- fuͤr suchten sie die Sikambrer, Tenchterer, Sueven, Brukterer, und Cherusker mit dem Schwerte heim. Waͤren diese nicht so stolz gewesen, als sie gerecht waren; so haͤtten sie Drusus nacheilende Legionen in dem engen Thale vertilgt, und schon damals Schatten vorausgesendet, die grossen Nachfolger von Teutoburg anzukuͤndigen. Die zuruͤkgelasne Streitaxt. Authari, der Koͤnig der Longobarden, hatte sich Theudelinden, die Tochter Garibaldes, des Koͤnigs der Bayern, zur Braut gewaͤhlt. Er ging mit sei- nen Gesandten, als einer von ihnen, zu Garibalden. Der Juͤngling Authari, schoͤner Bildung, und weis- ses Haars, sahe die junge Fuͤrstin. Er sagte zu ihrem Vater: Sie ist wuͤrdig, die Koͤnigin der Lon- gobarden zu seyn. Laß sie uns Kriegern, wie sie kuͤnftig nach unsrer Sitte thun wird, die goldne Schale reichen. Theudelinde bracht auch ihm die Schale. Er beruͤhrte ihr, da er getrunken hatte, leise die Hand, und ließ sie uͤber sein Gesicht gleiten. Die Fuͤrstin erzaͤhlt’ es, vor Scham gluͤhend, ihrer Amme. Es ist der Koͤnig, Theudelinde, sonst haͤtt ers nicht gewagt, dich zu beruͤhren. Die Gesandten kehrten begleitet zuruͤk. Da sie an die Graͤnze ge- kommen waren, erhub sich Authari an einem nahen T 3 Bau- Baume, so hoch er konte, auf seinem Pferde, haute die Streitaxt in den Baum, ließ sie darinn, und sagte zu den begleiten den Bayern: So fuͤhrt Authari seine Waffen. Gesez der Bayern von der Unverlezlich- keit der Todten. Frevel, oder Leichtsinn buͤsset durch zwoͤlf Guͤlden, wer die Leiche eines Erschlagnen verlezt, mit Vorsaz, auch nur durch die leichteste Wunde, aus welcher bey einem Lebenden Blut floͤsse; ohne Vorsaz, in- dem er unter die Adler, oder die andern Raubvoͤgel schiest, und der Pfeil die Leiche trift. Die Eroberung Galliens. Sechs tausend Franken hielten Kriegswandrung, zukten ihr Schwert, und nanten Gallien, Frankreich. Die gute Einsicht. Wir wusten wohl, wer wir waren, wenn wir uns, mit den uͤberwundnen weichlichen Roͤmern, und lau- ter als sie, Barbaren ne n ten. Denn so sagten die Raͤthe zu der Koͤnigin Amalaschwind von ihrem Sohne Athalerich: Er muß keine Lehrer haben, vor deren Peitsche er zittre, sondern solche, durch die er die Lanze, und eine Herschaft kennen lerne, die edel, und barbarischer Sitte sey. Kaͤdmon. Auch nach Britannien hatten wir Eroberer gesen- det. Unter ihnen war Kaͤdmon der erste christliche Dichter, der an die Stelle der Barden trat. Er sang in in einer der Mundarten Niederdeutschlands. Da- mals waren, uͤber unser ganzes Vaterland, nur Mundarten, wie Buͤsche, ausgebreitet. Verpflanzte Sproͤslinge Niederdeutschlands wurden weiter gen Norden zu Waͤldern. Der grosse Wald, unsre Sprache, erhub sich spaͤter, und langsam in Ober- deutschland. Luther, und wenige, die nach ihm, wie er, aushauten, und pflanzten, haben den Wald zum Haine gemacht. Roßbach. Sie kamen, sahn, flohn. Die erhaltnen Waffen. Audoͤn, der Koͤnig der Longobarden, hatte Turi- senden, den Koͤnig der Gepiden, uͤberwunden, und sein Sohn, Alboͤn, den Sohn des Ueberwundnen, Turismoden, in der Schlacht getoͤdtet. Die Feld- herrn der Longobarden sagten zu ihrem Koͤnige: Dein Sohn, der dir den Sieg erfochten hat, muß nun auch mit dir von deinen Rehen essen, und aus deiner Schale trinken. Jch kann die deutsche Sitte nicht aͤndern. Jhr wist, er muß mir, eh er mein Tischgenoß wird, erst die Waffen eines auslaͤndischen Fuͤrsten bringen. Alboͤn eilte mit vierzig Juͤnglingen zu Turisen- den, und foderte die Waffen seines Sohns. Turi- send gab ihm ein Gastmahl, und sezte ihn an die Stelle, wo sonst sein Sohn zu sizen pflegte. Aber nun kont er die Erinnerung des Todten nicht mehr aushalten. Ach diese Stelle hier ist mir so werth; aber der jezt daran sizet, ist mir ein bitterer Anblik. T 4 Das Das hoͤrte sein zweyter Sohn, Kunimund, und fing an die Longobarden beleidigend anzureden. Jhr seyd (sie hatten ihre Sohlen mit weissen Baͤndern befestigt) ihr seyd den Stuten gleich, die auch weisse Fuͤsse haben. Ein Longobarde rief: Komm hin auf das Schlacht- feld, und sieh da, wie die Stuten ausgeschlagen ha- ben, und wie die Gebeine deines Bruders, gleich den Knochen eines schlechten Gauls, auf dem Anger umher liegen. Die Gepiden entbranten, und machten Bewe- gungen, mit dem Schwerte zu antworten. Auch die Longobarden hatten den Grif ihrer Schwerter gefast. Turisend sprang auf, lief unter sie hinein, und rufte, daß Gott kein Sieg gefalle, durch den man den Feind am eignen Heerde uͤberwinde. Sie sezten sich wieder zum Mahle, und waren so froh, als sie seyn konten. Turisend nahm die Waffen sei- nes Sohns, und gab sie Alboͤnen. Dieser kam zu seinem Vater, trank aus seiner Schale, und erzaͤhlte ihm von den mitgebrachten Waffen. Alle, die zu- gegen waren, priesen den kuͤhnen Alboͤn, und den edelmuͤtigen Turisend. Der Rhein zur Graͤnze. Hermann that, nach Teutoburgs Schlacht, den Zug nicht, vor dem August, und die ewige Stadt zitterten. Jhm, der auch hierinn ein Deutscher war, galt das Grosse der gewissen Ausfuͤhrung, vor dem Groͤsseren der ungewissen. Er ließ, die Be- freyung zu vollenden, hundert Roͤmerfesten gen Him- mel aufflammen, so viele Male fuͤr ihn, aber die, gleich gleich nach ihrer Erhebung, in die fruͤhere Truͤmmer sanken. Jn der Geschichte dauren sie. Die Herschaft der Deutschen. Auf den grossen Buͤhnen: Rußland, Pohlen, Daͤnnemark, Schweden, Preussen, Holland, Eng- land, Jtalien, Ungern, Spanien, West indien spiel- ten, oder spielen ihr erhabnes Schauspiel Deutsche. Was geht diese Theodor von Neuhof an, der auf Corsica Possen riß? Der zuverlaͤssige Bote. Erimoald eilte seinem belagerten Sohne zu Huͤlfe. Er schikte ihm seinen Pflegevater Seswald, die na- hende Huͤlfe anzukuͤndigen. Dieser fiel den Belage- rern in die Haͤnde, und nun solte er an die Mauer gehn, und sagen, daß keine Huͤlfe zu erwarten waͤre, oder sterben. Seswald versprachs, und ward hin- gefuhrt. Dein Vater komt, Romoald! Er war die lezte Nacht schon beym Flusse Sanger. Mitleid mit mei- nem Weib und Soͤhnen! Denn sie toͤdten mich! Die Belagerer warfen Seswalds Kopf uͤber die Mauer. Diesen nahm Romoald, kuͤst ihn weinend, und begrub ihn, wie so viel Treue es verdiente. Die drey Freunde. Der Thronraͤuber Grimoald hatte Bertarithen, den Koͤnig der Longobarden, aus seinem Reich, und zulezt auch aus dem Orte seiner Zuflucht vertrieben. Bertarith entschloß sich, sich Grimoalden zu uͤber- lassen. Dieser schwur ihm: T 5 Weil Weil du auf Treu und Glauben gekommen bist; so solst du leben, und so leben, wie es dir nach dei- nem Stande ziemt. Aber bald war Schein fuͤr Argwohn da; und Grimoald argwoͤhnte. Schon den ersten Abend ka- men reiche Trachten von dem, was der Bogen ge- faͤlt, und die Kelter geprest hatte, aus dem Palaste des Koͤnigs bey Bertarithen an. Ein alter Getreuer seines Vaters lispelte ihm ins Geheim zu: Er will dich toͤdten! Die andern Ueberbringer baten ihn im Namen des Koͤnigs, aus voller Schale zu trinken. Sein Mundschenke verstands von ihm, daß er nur Wasser eingiessen solte. Er trank das Wasser, aber Grimoald sagte, nach der Wiederkunft der Ueber- bringer: Der Trunkenbold! Morgen soll er Wein, und Blut speyen! Bertarith ließ seinen Freund Hunolf rufen. Jezt war das Mahl vorbey, jeder Gast weg, und nur Hunolf, und noch ein Freund bey Bertarithen. Sie rathschlagten kurz. Der Uubekante, der dieß so wenig zu seyn verdient, blieb, daß die Wache ihn inwendig hoͤren, und fuͤr den trunknen Bertarith halten solte. Hunolfen gelang kuͤhne List, und er brachte seinen Freund unentdekt durch. Er ließ ihn uͤber die Mauer hinunter, und gab ihm Gefaͤhrten mit. Grimoald erfuhr alles. Der edle Unbekante ward zuerst vor ihn gebracht. Er sagte zu seinen Hauptleuten, und Schildtraͤgern: Er soll nicht ster- ben, wie ihr mir rathet. Er hat, der Treue wegen, den Tod nicht gefuͤrchtet, und er ist bey mir, was er bey seinem Freunde war. Hunolf verließ seine Zuflucht, den Altar, und wurde, von dem Koͤnige eben so aufgenommen. Nach einiger Zeit sagte die- ser zu beyden: Jch Jch sehe es, ihr waͤret lieber bey eurem Freunde! Ja, wir wollen lieber mit ihm sterben, als an- derswo in Freude leben! Grimoald ließ sie mit aller ihrer Habe, und von einer Bedeckung geschuͤzt, zu ihrem geliebten Berta- rith ziehn. Gesez der rheinischen Franken vom Todtschlage. Wenn ein Franke des Rheinufers toͤdtet, so buͤs- set ers, ist der Erschlagne ein Roͤmer, durch hundert Guͤlden; ist er ein Alemann, ein Bayer, ein Friese, ein Burgunder, ein Sachse, durch hundert und sech- zig; ist er aber ein salischer Franke, durch zwey hun- dert Guͤlden, oder auch durch fuͤnf Schwerter mit den Guͤrteln, einen Schild, zwo Lanzen, zween Helme, zween Panzer, vier abgerichtete Falken, und dreyssig Hengste. Verspottete Warnung. Die Wandalen in Deutschland sendeten zu den Eroberern, den Wandalen in Africa: Gluͤk euch zu euren Thaten! Aber ihr bauet unter uns keine Huͤt- ten mehr; gebt uns eure Einoͤde, daß wir wissen, fuͤr welches Vaterland wir sterben muͤssen! Der Koͤ- nig Gizerich, und das Volk gaben die Einoͤde. Al- lein ein weiser Greis, und bald nach ihm Gizerich sprachen: Breitet euch nicht aus. Das Gegenwaͤr- tige so gar ist ungewiß; noch ungewisser das Zukuͤnf- tige. Das Volk lachte, und wuste nicht, wie sein lezter uͤberwundner Koͤnig vor Wut der Verzweif- lung lachen wuͤrde. Die Die Umbildung. Die Longobarden waren durch lange Ruhe weich geworden, und hatten zwey Schlachten gegen die Bulgaren verloren. Jhr Koͤnig, Lamissio, fuͤhrte sie zu der dritten heran. Eure Schmach, den Tod eures Koͤnigs, die Fes- sel seiner Tochter, die ihr euch zur Koͤnigin erkort, muͤst ihr raͤchen! und lieber sterben, als Knechte werden! Wie er sprach, so stritt er. Und ein Sieg ward erfochten, daß die Longobarden von neuem kriegerisch wurden. Diesen Grundstein legte Lamissio, zu dem grossen Gebaͤude, zu der Eroberung Jtaliens. Denkungsart eines Gothen. Wider den Zweykampf vor dem Richterstule fuͤhrte Theuderich den Pannoniern das Beyspiel seiner Go- then an: Unter uns die Zunge, nicht die gewafnete Hand! Schlacht im Felde, zu Hause Gerechtigkeit! Kein Arm gegen Bruͤder erhoben, fuͤr die zu ster- ben, edle That ist. Blumen auf das Grab des menschlichen Barbaren! Gelimer. Die Wandalen besassen die Kuͤsten Africa’s vom atlantischen Meer an bis Cyrene. Aber Gelimer, ihr Koͤnig, stritt nicht deutsch, als er dieß sein Reich behaupten solte. Fruͤh bar er aus seinem Bergschlosse die Sieger um Brodt, den Hunger, und um eine Harfe, die Schwermut zu stillen. Als er vor Be- lisaren kam, erhub er in der Wut der Verzweiflung ein ein Gelaͤchter uͤber die menschlichen Schiksale! Ein zweyter Triumph, Karthago’s wegen, fuͤhrte ihn in Konstantinopel auf. Ein Anblik furchtbarer War- nung; allein das Auge des Tiefsinnigen wandte sich von einem, der das noch mehr war, gen Himmel. Denn unter den Schaͤzen des Ueberwundenen waren die Tempelgefaͤsse Jerusalems. Die Sonderung. Als die Sproͤslinge der teutonischen Franken, die Gesez und Schwert von Salogasten und von den Sikambrern hatten, die Stammart wandelten, nan- ten sie sich: Alte edle Franken; und die Eroberer druͤben: Gallische Fremdlinge. Der bessere Ueberrest. Gelimer kuͤste niederknieend den Purpur Justi- nians, indem vier hundert kuͤhnere Wandalen ih- ren Schiffern Flucht, und sich neue Kaͤmpfe gegen die Ueberwinder geboten. Unsre Kriege mit Aurelen. Aurel fuͤhrte zween grosse Kriege gegen uns. Den zweyten zu fuͤhren, verkaufte er goldne Gefaͤsse, Gemaͤlde, Bildsaͤulen, den Schmuk der Kaiser und Kaiserinnen; warb auch Fechter, Sclaven, und Raͤuber; zog mit der blutigen Lanze des Krieges- gottes von seinem Tempel aus, und starb Sieger, und Besiegter. Sein Nachfolger muste die Festen in des Feindes Lande verlassen, und ihm Gold fuͤr den Frieden zuwaͤgen. Das Das Schloß uͤber der Graͤnze. Valentinian bedekte den Rhein von der Quelle bis zum Ausflusse mit Schloͤssern. Er baute so gar jenseits bis dicht an die Graͤnzen. Auch dieß dul- deten wir. Aber er verstand, in seiner Freude, die Duldung falsch. Denn er meinte, er koͤnte auch uͤber den Graͤnzen, auf Pirens Berge, unvermerkt ein Schloß bauen. Schon gruben die Roͤmer, und senkten die Grundsteine. Syagrius, ein Vertrau- ter des Kaisers, Arator, und Hermogenes, zween Feldherren, waren die Anfuͤhrer. Nach unsrer Gut- herzigkeit daucht es uns auch jezt noch zu fruͤh, das Schwert zu zuͤcken. Die Vaͤter der Juͤnglinge, die Geisseln waren, erschienen, und flehten mit gebog- nem Knie die Roͤmer an: Seyd nicht so sorglos we- gen eurer Sicherheit, und brecht die Buͤndnisse nicht so, ihr, die Treu und Glauben zu dieser Groͤsse er- hoben hat. Sie wurden kaum angehoͤrt. Sie gingen, und beweinten ins Geheim das Schiksal ihrer Soͤhne. Unsre verstekten Krieger sprangen hervor, umringten, befragten die Wiederkommen- den, eilten weiter, und hinderten den Bau so blu- tig, daß nur Syagrius entrann, die Botschaft zu bringen. Das Gegentheil der Absicht. Germanicus sammelte Teutoburgs Gebeine, und bedekte sie mit einem Grabhuͤgel. Wir staͤubten den Huͤgel weg. Der Roͤmer hatte zerstreute Erin- nerungen zu einem Denkmale gemacht. Das Das Recht des Vortreflichen. Wir, die Carbo’s, Cassius, Scaurus, Caͤpio’s, und Manlius Legionen durch Trommel und Heer- pauke, als Kenner der Kriegskunst, schrekten, wir liebten auch wol einmal die sanfteren Kuͤnste. Denn so gebietet das Gesez der Warner: Wer dem Mei- ster auf der Harfe die Hand verlezt, deß Busse soll viermal groͤsser seyn, als die fuͤr die Hand des Lehr- lings. Die Sechstausend. Sachsen kamen von einem Zuge, den sie mit Lon- gobarden gethan hatten, in die Heimath zuruͤk. Sie, sechs und zwanzig tausend, trafen sechs tausend Schwaben an, keine Eroberer, sondern von Sige- berten, ihrem Koͤnige, dorthin zum Anbaue gesandt. Der kleine Haufen erbot sich: Zum dritten Theile des Landes; zur Haͤlfte; zu mehr! Kein Gehoͤr. Zum Abzuge, so gar ohne die Heerden! Noch kein Gehoͤr. Die kuͤnftigen Sieger hatten die Weiber der Besiegten schon unter sich gelost. Zwanzig tau- send Sachsen, und fuͤnf hundert Schwaben fielen. Dennoch ließ der kleine Ueberrest der Sachsen das Kriegshaar wachsen, und verwuͤnschte sich, nur uͤber den Leichen seiner Feinde die fuͤrchterliche Huͤlle ab- zunehmen. Die edleren siegten noch Einmal, und liessen die Ueberwundnen unter sich wohnen. Der Abend. Von einem zu schreibenden deutschen Woͤrterbuche. D ie Crusca, die franzoͤsische Academie, Johnson haben Woͤrterbuͤcher ihrer Sprachen geschrie- ben. ben. Der einzelne Mann hat’s besser, als die Ge- selschaften gemacht. Gleichwol wuͤrden es Mehre doch noch besser, als selbst ein solcher einzelner Mann machen koͤnnen. Jn der Crusca, und unter den Acade- misten theilte man sich oͤfter Vorurtheile, als richtige Untersuchungen mit; und so ging es denn, wie es ge- gangen ist. Johnson hat mehr, und tiefer in seiner Sprache untersucht, als jemals ein andrer in der seinigen. Allein unsrer Sprache wuͤrde selbst ein Johnson zwar wol das Wasser, aber keinen Wein reichen. Sie hat dazu einen zu grossen Umfang. Also muß ein deutsches Woͤrterbuch wenigstens von einigen geschrieben werden. Aber diese muͤssen ja in keine Geselschaft zusammengekneter seyn. Krieg muß seyn, Aller gegen Alle! Ueber ein einziges Wort, besonders wenn es viele, und bedeutende Ab- koͤmlinge hat, muͤssen sich oft zehn, und mehr wi- dersprechen. Aber da wird man ja nur immer ungewisser. Diejenigen, die Woͤrterbuͤcher schrei- ben, sollen ja die Sprache festsezen. Festsezen? Als wenn die unsrige nicht schon beynah durchge- hends festgesezt waͤre? und es eine lebende Sprache jemals ganz wuͤrde? Und dann solten es vier, fuͤnf, zehn, zwoͤlf Maͤnner thun koͤnnen? Seit wenn ha- ben denn die Nationen aufgehoͤrt ihre Sprachen fest- zusezen? Nach den Scribenten, kann das kleine Haͤufchen Untersucher zu Festsezungen veranlassen. Das ist es alles; aber auch das schon ist Verdienst um die Nation. Welche sollen denn die Untersu- cher seyn? Wer will, und kann; denn das lezte ge- hoͤrt doch gleichwol auch mit zur Sache. Und wer hernach der Samler des Zerstreuten? Auch wer will und kann. Wenn der’s aber nun schlecht macht? wegwirft, was er behalten solte, und be- haͤlt, haͤlt, was er wegwerfen solte? So komt ein andrer, der Augen im Kopfe hat, und macht es besser. Nur keine grauen Haare wegen der Samlung. Alles komt darauf an, daß der Samler was vorfinde, wo- bey ihm die Lust zur Wahl ankommen kann. Jch werde naͤchstens einmal ein Paar Scherfe eines er- sten Beytrags mitbringen. Sechster Morgen. Vorfall, der sich mit einem gewissen de la Popepiere zutraͤgt. Was in Absicht auf die Polemik, und die Heraldik festgesezt wird. Der Ausrufer, welcher die hundert tausend Stimmen gehabt hatte, wird noch gefunden. Trennung des Buͤndnisses, welches verschiedne Ausrufer, und einige Mitglieder der aufgehobnen Scholiasten- zunft unter einander gemacht hatten. D a sich die Zuͤnfte heut etwas langsam ver- sammelten, so liessen sich die Aldermaͤn- ner, waͤhrend daß die Zuͤnfte ankamen, die Zwistigkeit vortragen, die ein Nachtwaͤchter mit einem Sieur de la Popepiere genant Tau- perau gehabt hatte. Weil die Auffuͤhrung des Nachtwaͤchters bey der Sache wirklich recht gut gewesen war, so machten ihn die Al- U der- dermaͤnner, ihn dafuͤr zu belonen, zum Unter- herolde. Mit dieser Begebenheit hatte es folgende Bewandnis. De la Popepiere war auf den Landtag gekommen, um als Marktschreyer auszustehn. Er hatte gedacht, daß er dieß den Deutschen wol wuͤrde bieten koͤnnen, oder vielmehr, daß er es ihnen bieten muͤste, wenn er anders zu seinen beyden Zwecken kommen wolte, naͤmlich sich rechtschaffen bewundern, und zugleich durch ein gut Stuͤk Geldes beza- len zu lassen. Aber bey seiner Ankunft bemerkte er denn doch gleichwol, daß es mit der oͤffent- lichen Marktschreyerey, dem Ausstande in ei- ner Bude, und dem franzoͤsisch-deutschen Hans Wurst (denn fuͤgen wolt er sich so gut er nur immer koͤnte,) nicht gehen wuͤrde. Seiner Bemerkung zu Folge kehrte er jezo die andere Seite heraus, die, in Vergleiche mit der er- sten, zwar wol etwas feiner, aber an sich selbst doch noch immer gar grob war, indem er, oh- ne eine Bude zu haben, beynah im Tone der Bude seinen Unterricht angedeihen ließ. Es gelang ihm dieß auch so gut, daß er verschiedne unsrer Juͤnglinge voͤllig hinriß. Sie bewun- derten, und bezahlten ihn recht nach seines Her- zens Lust. Er Er war gekommen, die deutschen Scriben- ten schreiben zu lehren. Diese seine Weisheit machte er in zwey verschiednen Vorlesungen bekant, von denen die erste gewiß nicht wohl- feil, und die zweyte ausschweifend theuer war. Jn der ersten lehrte er, Aus wenigem viel, und in der zweyten, Aus nichts etwas ma- chen. (Sein Hans Wurst triebs noch aͤrger. Er brachte seinen Lehrlingen so gar bey, wie sie Aus nichts viel machen koͤnten .) De la Popepiere hatte seine Lehrstunden von ungefaͤhr auf folgende Art eroͤfnet: Geheim- nisse theil ich euch mit, und ganz und gar nicht so etwas, als schon in Buͤchern steht, und als es so gar ein Deutscher lehren kann. Meine Geheimnisse sind zwar einigen, besonders fran- zoͤsischen Scribenten zur Gnuͤge bekant; und sie zeigen es auch recht meisterhaft in ih- ren Schriften, daß sie in dieselben hineinge- drungen sind: aber die Theorie haben sie im- mer noch fuͤr sich behalten. Jch bin es, der diese nicht etwa nur so gut, als die Scriben- ten einsieht, sondern der sie auch auf eine licht- volle Art vortraͤgt. Was wuͤrde euch ein noch so anhaltendes Studiren dieser Muster helfen, wenn meine Theorie nicht ihre Fackel uͤber den- selben schwaͤnge, und so schwaͤnge, daß die Schoͤnheiten der Muster den Weg in Kopf U 2 und und Herz finden koͤnten? So erleuchteten vor- dem die Roͤmer uns, als wir noch Barbaren waren, wie wir euch Deutsche schon seit langer Zeit erleuchtet haben, und immer noch fort- fahren zu erleuchten! Jch bin eigentlich in der Absicht auf dem Landtage angelangt, die Scri- benten schreiben zu lehren; und ich weis nicht, wie es zugeht, daß sie sich nicht als Zuhoͤrer bey mir einfinden. Solte es wol gar Stolz, zwar immer sehr ungegruͤndeter, aber doch Stolz seyn, daß sie nicht kommen? Ja, es ist Stolz, der naͤmlich: Sie schmeicheln sich meine Geheimnisse selbst auszufinden. Denn unmoͤglich koͤnnen sie noch so weit zuruͤk seyn, daß sie die Geheimnisse, die ich habe, verach- ten solten. Was euch anbetrift, meine jezigen Zuhoͤrer, so seyd ihr freylich noch keine Scri- benten; (ich kann nicht wissen, was etwa einer oder der andre schon im Winkel gewesen ist) allein ihr werdet es doch vermutlich seyn: und so lernet ihr denn desto fruͤher, was euch vor allen Dingen zu wissen noͤtig ist. Jhr werdet die Fruͤchte der liebenswuͤrdigen Lehrbegierde, mit welcher ihr da vor mir steht, schon einernten; und mit Neide werden euch die, welche jezt nur so eben dem Namen nach Scribenten sind, uͤber sich wegfliegen sehen. Dieß Dieß war der Ton, in welchem er, nicht unsre deutschdenkenden Juͤnglinge, denn die liessen so etwas nicht an sich kommen, sondern unsre junge Brut, nicht ohne mancherley Ge- behrdung und Handgaukeley, unterrichtete. Da er eben einmal eine solche Lehrstunde hielt, fuͤgte es sich, daß ein Nachtwaͤchter, weil er ein so gar grosses Geschrey hoͤrte, endlich stehn blieb. Der Mann wuste anfangs gar nicht, woran er war. Denn ob er gleich das, was gesagt wurde, recht gut verstand, so glaubte er doch lange Zeit, er irte sich. Denn er konte sich nicht vorstellen, daß das wirklich die Mei- nung waͤre, was er nur aus Unerfahrenheit und Gutherzigkeit nicht dafuͤr hielt. Er brachte eine ziemliche Zeit mit Angaffung und Ver- wundrung zu. Als er aber endlich einsah, daß er von Anfang an alles recht verstanden haͤtte; so draͤngte er sich auf Einmal, und mit Unge- stuͤme durch die Zuhoͤrer, faste den Redner bey der Schulter, und sagte: Hoͤr er einmal, Freund! alles, was er da gesagt hat, ist schnurstraks wider unsre Geseze. Wir ver- bieten Geschwaͤz, wie er da, als eine so herliche Sache, einschaͤrft, bey harter Strafe. Und wider dieses Verbot will er selbst zu der Zeit, da die Landgemeine beysammen ist, unsre jun- gen Leute aufwiegeln? Was regt er sich noch U 3 viel? viel? Was gaukelt er von neuem? Meint er, daß ich diese Hand vergebens beym Uebersezen zur Faust geschrieben habe? Jndem hob, und balte der Nachtwaͤchter diese Faust; und waͤ- ren die Zuhoͤrer nicht dazwischen gesprungen; so haͤtt er sie vermutlich auch gebraucht. Last mich nur, rief er, last mich, ich habe mich ei- nes Bessern besonnen. Hoͤr er .. Freund, wolt er vermutlich sagen, weil aber de la Po- pepiere, der sich jezt sicher glaubte, ihn etwas hoͤnisch ansab, so fiel es anders aus: hoͤr er, Aussenmensch! sagte der ehrliche Nachtwaͤch- ter, ich habe einmal wo gelesen, wie es seine alten Vorfahren mit Leuten, wie er einer ist, gehalten haben. Wenn sich dazumal so ein Gesell vor dem Volke als einen Kuͤnstler zeigen wolte, und das Kunststuͤk dem Volke nicht ge- fiel; so warfen sie ihn mit gesamter Hand ins Wasser, und das nicht etwa nur ihn abzukuͤh- len, sondern ihn zu ersaͤufen. Und das eben hab ich mir vorgenommen mit ihm, und zwar jezt gleich, zu bewerkstelligen! Das schlimste war, daß er es wuͤrde gethan haben, wenn die Anzahl derer, die ihn abhielten, nicht zu groß gewesen waͤre. De la Popepiere bekam voͤllig Zeit sich zu entfernen; und sein Gegner willigte endlich ein, ihn wenigstens heute nicht zu ersaͤufen. Denn man konte ihn schlechter- dings dings nicht dahin bringen, seinen Vorsaz voͤl- lig fahren zu lassen. Die Aldermaͤnner schik- ten dem de la Popepiere einen Wegweiser, mit dem Bedeuten, daß er sich diesem zuverlaͤssigen, und mit den kuͤrzesten Wegen wol bekanten Manne sogleich nach dessen Ankunft anvertraun moͤchte. Endlich waren die Zuͤnfte, und das Volk versammelt. Die Zunft der Gottesgelehrten kam zulezt an. Etliche unruhige und eitle Maͤn- ner hatten sie so lange in ihrer Halle aufgehal- ten. Die Zunft schikte gleich nach ihrer An- kunft den Anwald zu den Aldermaͤnnern. Es ist sonderlich genung, sagte er, daß wir es ge- wesen sind, welche die Polemik zu einer Wis- senschaft erhoben haben; da wir es allein nicht haͤtten thun sollen, wenn es auch alle uͤbrigen Zuͤnfte gethan haͤtten. Jch will mich jezo da- bey nicht aufhalten, daß es ausser dem auch laͤcherlich war, die Behauptung seiner Mei- nung gegen Andre in eine Wissenschaft zu ver- wandeln. Die Sache selbst haben zwar die andern Zuͤnfte auch, nur daß sie ihnen nicht auch eine Wissenschaft ist; aber das rechtfer- tigt uns nicht. Denn uns lag es vorzuͤglich ob, keine Polemiker zu seyn. Jch wende mich hierdurch auf Befehl meiner Zunft an die Re- publik mit dem Ansuchen, die Polemik aus der U 4 Zahl Zahl der Wissenschaften auszuschliessen. Ueber- zeugt, daß man uns leicht willfahren werde, denn in so guten Zeiten leben wir! merke ich nur noch an, daß mein Ansuchen vornaͤmlich um der Altfranken, und der wenigen kurzsich- tigen stoͤrrischen Maͤnner willen geschieht, die wir noch immer unter uns haben, und die wir nicht nur dulden, sondern mit grosser Scho- nung* dulden muͤssen, weil wir ihnen Beyspiele schuldig sind. Waͤhrend der Anrede des An- walds hatten sich ein Paar der Stoͤrrischen auf die gemischte Zunft begeben, und dort durch ihre Vorstellungen nicht wenige Kritiker in Bewegung gebracht. Man moͤchte, sagten sie, doch die Ehre der Polemik retten! sie doch als Wissenschaft beyzubehalten suchen! die theologische Polemik vor allen Dingen! aber freylich auch (in der Hize, in welcher sie wa- ren, wusten sie kaum recht, wie sie sich aus- druͤcken solten) die literarische Polemik mit! die polemische Literatur mit! Nur mit? wurde ihnen geantwortet, unsre Polemik, unsre Pal- las Minerva mit der Lanze, und der undurch- dringlichen Aegide nur mit? Jn der Angst ga- ben die Theologen dießmal nach, und riefen: Nein nicht mit! beyde zugleich! die beyden Schwestern zugleich! So lasset euch doch ver- soͤnen, wir sagen’s ja, wir wiederholen’s ja: Die Die beyden Polemiken zugleich! Nun gut das! aber welche ist die aͤltere Schwester? Unsre denn doch wol! erwiederten die Theo- logen. Eure Polemik? eure? Nein was zu weit geht, das geht zu weit! Dieser Zwiespalt wurde zulezt zu einem solchen Zerfalle, daß man in vollem Zorne von einander schied. Mit der Stimmensamlung war es bald vorbey. Die gemischte Zunft haͤtte beynah fuͤr die Bey- behaltung der Polemik gestimt. Waͤren die- jenigen Zuͤnfter, welche den Zwist mit den Theologen gehabt hatten, von ihrem Grolle geblendet, und ohne zu wissen, was sie thaͤten, nicht zu der guten Parthey uͤbergetreten; so haͤtte die Beybehaltung auf dieser Zunft die Oberhand bekommen. Nun war nur das Volk dafuͤr. Einige hatten Neugier genung, unter dem Volke nach der Ursach zu fragen. Was man denn auch immer sage, war die Antwort, so koͤnnen und moͤgen wir nicht verbergen, daß wir die Schauspiele uͤber alles lieben! Jezo trat ein Aldermann hervor. Man kann sich, sagte er, daruͤber betruͤben, aber es doch auch vergessen, daß einzelne Gelehrte den Grossen so oft geschmeichelt haben; allein daß die Republik die Heraldik, die kaum eine klei- ne Kentnis ist, zu einer Wissenschaft gemacht, und sie, als Wissenschaft, nun schon so lange U 5 hat hat gelten lassen, uͤber diese groͤste unter allen Schmeicheleyen sich nur zu betruͤben, das waͤ- re wenig; daruͤber aufgebracht zu werden, auch nicht viel: wenn es moͤglich seyn soll, das Geschehne zu vergessen; so muͤssen wir diese Wissenschaft zu dem herunter sezen, was sie ist, zu einer geringen, und vor allen andern eingeschraͤnkten Kentnis, sie die Wappen- kunde, oder mit einem andern gleich angemes- nen Namen nennen, und sie dann, als eine solche Kentnis, studieren, oder auch, mit der verzeihlichsten Unwissenheit, ganz unbekant darinn bleiben. Wenn wir auch nur in ge- ringstem von dem, was die Gewonheiten der Landtage erfodern, abweichen moͤchten; so wuͤrden wir jezt die Stimmen gar nicht sam- meln lassen. Denn es duͤnket uns, daß hier die blosse Vorstellung der Sache, und die Ein- stimmung Aller einerley sind. Der Herold war noch nicht wieder zuruͤk- gekommen; sonst wuͤrd er jezo gleich zur Stim- mensamlung abgegangen seyn. Jndem er er- wartet wurde, kamen etliche Altfranken zu den Aldermaͤnnern herauf. (Andre waren unter- deß auf die Zuͤnfte gegangen.) Die anfaͤngli- che Verwundrung der Altfranken wurde von den Aldermaͤnnern mit einer solchen Kaͤlte beantwortet, daß jene bald zu Vorstellungen kamen. kamen. Aber auch die Vorstellungen hatten keinen andern Erfolg, als daß die Aldermaͤn- ner mit eben der Kaͤlte, und aus Gruͤnden, denen es weder an Kuͤrze, noch an Guͤte fehlte, zulezt anriethen: So moͤchten sie denn unter sich die Heraldik eine Wissenschaft bleiben las- sen, und sie mit allen dem Fleisse, dessen sie nur immer faͤhig waͤren, und, wenn sie auch das fuͤr gut faͤnden, nur in den gluͤklichen Stunden des Genies studieren! Der Herold war indeß zuruͤk gekommen. Die meisten Zuͤnfte winkten ihm ihre Stimmen zu; die uͤbrigen liessen sie, dem Gebrauche gemaͤß, von den Anwalden sammeln, und sie dann dem Herolde bekant machen. Daß diese Zuͤnfte nicht so schonend, als die andern waren, kam daher, weil die Altfranken dort ihre Meinun- gen zu lebhaft vorgetragen hatten. Wenn der Herold alle Stimmen anzukuͤndigen hat, so ruft er die Namen der Zuͤnfte nicht aus, son- dern er trit nur ein wenig auf seinem Plaze vor, und giebt die Trompete weg. Und auf diese Weise erfuhr man auch jezo, daß die Sache durch alle Stimmen waͤre entschieden worden. Wir haͤtten beynah aus der Acht gelassen zu erwaͤhnen, daß diesesmal die Stimmensam- lung durch einen schnellen Lerm, doch nur auf kurze kurze Zeit, unterbrochen wurde. Wir wuͤr- den dieser Sache auch gar nicht gedenken, wenn sie nicht einen so besondern Ausgang genom- men haͤtte. Der Kritiker mit den hundert tausend Stimmen war noch unvermutet auf- gefunden worden. Da ihn nun die Nacht- waͤchter, mit keiner geringen Freude an dem Hergange, herbey bliesen; so kann man sich den Lerm, der dadurch entstand, leicht vorstel- len. Die Aldermaͤnner konten jezt nicht um- hin, den Kritiker vor sich bringen zu lassen. Ekhard bekam den Auftrag, des Dinges hal- ben Verfuͤgung zu treffen. Diese traf er da- durch, daß er ein Fuͤnfergericht niedersezte. Die Bestaͤtigung, oder Aufhebung des Ur- theils behielt er sich dabey vor. Das Gericht bestand aus zwey Nachtwaͤchtern, einem ihrer Aufwaͤrter, dem Ruͤmpfer, und dem Schreyer. Nachdem diese Richter drey Tage allzeit bis in die spaͤte Nacht in der Sache zu Werke ge- gangen waren, so hatten sie (die Nachtwaͤch- ter waren zulezt auch mitleidig geworden) auf den Vorschlag des Schreyers, der auch allein der Ausfuͤhrer desselben seyn konte, es so ein- gefaͤdelt: Der saͤmtliche Poͤbel, der dabey be- kantlich nichts wagte, solte die hundert tau- send Stimmen auf sich nehmen. An den Poͤ- bel koͤnten sich ja dann nur die Aldermaͤnner des des vielstimmigen Kritikers wegen halten. Aber die Stimmen muͤssen denn doch, sagte der Schreyer, unter die Mitglieder des grossen Volkes vertheilt, und es muß ausgemacht wer- den, wie viele jeder auf sich nehmen solle. Dieß wurde von den Mitgliedern des Fuͤnfer- gerichts so gleich genehmigt. Zum Ungluͤcke, (wie es scheinen koͤnte,) verzaͤhlte man sich bey der Vertheilung etwa um hundert und funfzig Stimmen, so daß der mehr erwaͤhnte Kritiker wenigstens auf so viele Jahre haͤtte muͤssen ver- wiesen werden. Kaum war das Gericht mit der Vertheilung fertig, so lief es in aller Eile zu Ekharden, und uͤberreichte das Urtheil. Dieser schien die Papiere genau anzusehn, und auch zuzuhoͤren, als ihm der ganze Verlauf sehr umstaͤndlich vorgetragen wurde; aber gleichwol hoͤrte und sahe er nur sehr wenig da- von, und unter andern die Verzaͤhlung nicht, die mit den hundert und funfzig Stimmen vorgegangen war, so daß der Angeklagte ohne alle Strafe los kam, und nun von neuem nach Herzens Lust ausrufen konte. Die Landgemeine wolte eben aus einander gehen, als von der Seite des Tannenwaͤld- chens, wo der Poͤbel sehr weit uͤber das Volk hinaus stand, viele ganz ausser Athem herzu- gelaufen kamen, und schrien, daß sich hinter den den Tannen auf Einmal ein sehr dicker Staub erhoben haͤtte. Es kamen immer mehr, und berichteten, daß der Staub zunaͤhme. Die Aldermaͤnner schikten gleich zwey Anwalde ab. Als diese zuruͤk kehrten, so winkten sie dem Herolde, ihnen entgegen zu kommen. Der Herold machte, auf erhaltnen Befehl, folgen- des bekant: Hoͤret, und beruhiget euch! Die meisten der eingegangnen Scholiastenzunft ei- nerseits, und gar viele derjenigen Ausrufer, die neulich den Hohnlacher in der Naͤhe haben beaͤugen muͤssen, andrerseits, sind die lezt ver- laufne Nacht in ein Buͤndnis, und in eine Verbruͤderung mit einander getreten, und ha- ben in angezeigter Nacht, als wahre Meut- macher, unter sich verabredet, zu einer aus- laͤndischen Gelehrtenrepublik uͤberzugehn, und allda, sofort nach beyderseitiger Ankunft, gar manches einzufaͤdeln, und anzuzetteln, wie denn auch hierauf, mit Huͤlf und Beytritt der auslaͤndischen Republik, recht kekhafte und grosse Feindseligkeiten wider uns deutsche Ge- lehrte vorzunehmen, und zu veruͤben. Nun haben sie aber mit und unter einander ganz nicht einig werden koͤnnen: Ob sie nach Hol- land, oder nach England ziehen solten? wobey denn die Scholiasten immer geschrien haben: Nach Holland! Denn dort darf Athen doch noch noch bluͤhen! Dort zuͤnden keine neue Nerone Rom zum zweytenmal an! Und die Ausrufer haben geschrien: Nach England! Denn dort wird doch noch freyes Kunstgericht gehegt! Dort duͤrfen die Gelehrten doch noch mit so vielen Stimmen Ausspruͤche thun, als ihnen zu haben beliebet! und das hat denn lange Zeit so fortgewaͤhrt. Da sind sie zulezt so er- bittert auf einander worden, daß sie (Saure Pflicht, die einem Herolde obliegt, so was an- zeigen zu muͤssen!) daß sie sich theils in die Haare, und theils an die Ohren, oder auch zugleich einerwaͤrts, und anderwaͤrts hingera- then sind. Die Nachricht wurde mit Lachen angehoͤrt, und die wenigen, welche ernsthaft werden, und die Meutmacher, des Einfaͤdelns und Anzettelns wegen, auf der Stelle Landes verweisen wolten, konten damit nicht durch- dringen. Gleichwol haben die Meutmacher ihre Zeit bis zu ihrem Abzuge, wegen der ih- nen bevorstehenden Verweisung, in grossen Schrecken zugebracht. Man kann diese ihre unnoͤtige Furcht nicht wol anders als daraus erklaͤren, daß Leute solcher Art die Sachen im- mer nur halb zu hoͤren, und halb zu wissen pflegen. Der Der Abend. Zur Poetik. V on der Handlung, der Leidenschaft, und der Darstellung. Je angenehmer Unterre ungen von den Wissenschaften durch Lebhaftigkeit und Schnelligkeit, ja selbst durch Unordnung werden, desto schwerer ist es, wenn man sie hernach wieder uͤberdenkt, dasjenige genau zu sagen, was darinn als festgesezt angenommen worden ist. Gleichwol getrauen wir uns das Hauptsaͤchlichste von dem auf- zuschreiben, woruͤber man heute in der Ulmengesel- schaft uͤberein zu kommen schien. Ein Gedicht ohne Handlung und Leidenschaft ist ein Koͤrper ohne Seele. Handlung besteht in der Anwendung der Willenskraft zu Erreichung eines Zweks. Es ist ein falscher Begrif, den man sich von ihr macht, wenn man sie vornaͤmlich in der aͤusserlichen That sezt. Die Handlung faͤngt mit dem gefasten Entschlusse an, und geht (wenn sie nicht gehindert wird) in verschiednen Graden und Wendungen bis zu dem erreichten Zwecke fort. Mit der Leidenschaft ist wenigstens beginnende Handlung verbunden. Einige Handlungen geschehen ohne Lei- denschaft; aber die, welche der Wahl des Dichters wuͤrdig seyn sollen, muͤssen mit Leidenschaft gesche- hen. Man sieht, wie beyde Hand in Hand mit einander fortgehn. Jn diesem Gedicht ist viel Hand- lung! rufen die Theoristen bisweilen aus; und doch enthaͤlt es nur Begebenheiten. Zwischen der epischen, und der dramatischen Hand- lung ist kein wesentlicher Unterschied. Die lezte wird wird nur dadurch eingeschraͤnkt, daß sie vorstelbar seyn muß. Dem lyrischen Gedichte, ob es gleich die Hand- lung nicht ausschliest, ist Leidenschaft zureichend. Aber es ist, in so fern es diese allein hat, dennoch nicht ganz ohne Handlung. Denn mit der Leiden- schaft ist ja wenigstens beginnende Handlung ver- bunden. Die Erdichtung ist keine wesentliche Eigenschaft eines Gedichts. Denn der Dichter kann wirklich geschehene Handlung, und sie unvermischt mit er- dichteter, er kann seine eignen Empfindungen zu sei- nen Gegenstaͤnden waͤhlen. Unterdeß, da unter je- nen Handlungen so wenige fuͤr ihn brauchbar sind, so gehoͤrt die Erdichtung beynah zu den wesentlichen Eigenschaften eines Gedichts. Wenn ein Gedicht Handlung und Leidenschaft nicht darstelt, das heist, wenn es ihnen nicht alle die Lebendigkeit giebt, deren sie, nach ihrer verschied- nen Beschaffenheit faͤhig sind; so fehlt ihm eine Ei- genschaft, die zwar bisher von den Theoristen nur in Vorbeygehn ist bemerkt worden, die aber etwas so Wesentliches ist, daß man ein Gedicht ohne Dar- stellung, mit Recht, als etwas seiner Art nicht an- gehoͤriges, ansehn kann. Es ist ein Taͤnzer, der geht. Vielleicht giebt es nur zwey Grade der Dar- stellung; und der geglaubte dritte gehoͤrt schon nicht mehr zur Darstellung. Leblose Dinge sind nur dann der Darstellung faͤ- hig, wenn sie in Bewegung, oder als in Bewegung gezeigt werden. Doch kann die Darstellung der leblosen Dinge nie den ersten Grad erreichen. Sie bringt es nicht bis zur Taͤuschung. Wenn die leb- losen Dinge nicht in Bewegung, oder als in Bewe- X gung, gung, gezeigt werden; so ist das, was alsdann von ihnen gesagt wird, bloß Beschreibung . Und durch diese darf der Dichter den Leser nur selten ausruhen lassen. Die Malerey zeigt ihre Gegenstaͤnde auf Einmal; die Dichtkunst zeigt sie in einer gewissen Zeit. Die schnelle Vorstellung giebt jener so wenig einen Vor- zug, daß diese vielmehr eben dadurch einen bekomt, daß man ihre Gegenstaͤnde nur nach und nach ent- dekt. Dort war der Eindruk zu schleunig entstan- den, um genung zu wirken. Man nehme ein Stuͤk eines Dichters, ein kleines Ganzes, so viel als etwa ein Gemaͤlde in sich fasset. Hier entsteht erst die Begierde zu entdecken eben dadurch, daß nicht Alles gleich ganz da ist. Mit dieser Begierde, ist die Erwartung deß, was man entdecken werde (ich seze voraus, daß man hoͤre, und nicht selbst lese, wenig- stens nicht so, daß das Auge Spruͤnge voraus ma- che) sehr genau verbunden, ein doppelter Reiz, den das Gemaͤlde nicht geben kann. Wenn nun, wie bey dieser Vergleichung angenommen werden muß, die Arbeit des Dichters in ihrer Art so schoͤn ist, als die Arbeit des Malers in ihrer; so hat der Dich- ter so zu sagen zwey Kraͤfte mehr, es bey uns dahin zu bringen, wohin er es bringen will, naͤmlich, die Darstellung bis zur Taͤuschung lebhaft zu machen. Wer hat jemals bey einem Gemaͤlde geweint? Unsre Sprache ist einer Wortfolge faͤhig, welche die Erwartung sehr reizen, und einer Kuͤrze, durch die der Dichter machen kann, daß die genung gereizte Erwartung nun auch fruͤh genung zu ihrem Ziele komme. Durch Sprachkuͤrze werden die we- nigsten Worte zu einem gewissen Jnhalte verstan- den, dieser mag dann einfache, oder zusammenge- sezte Gedanken in sich begreifen. Auch Auch in der Musik entdekt man nach und nach. Wenn sie ohne Worte reden will; so ist ihr Ausdruk sehr unvollkommen, und das nicht allein deswegen, weil er allgemein ist, und keine einzelne Gegenstaͤnde bezeichnet, sondern auch, weil er noch dazu nur we- nig Allgemeinheiten hat. Die Musik, welche Worte ausdruͤkt, oder die ei- gentliche Musik ist Declamation. Denn hoͤrt sie etwa dadurch auf dieses zu seyn, weil sie die schoͤnste Declamation ist, die man sich nur denken kann! Sie hat eben so Unrecht, wenn sie sich uͤber das Ge- dicht, das sie declamirt, erhebt, als wenn sie unter demselben ist. Denn dieß Gedicht, und kein an- deres, voͤllig angemessen auszudruͤcken, davon war ja hier die Rede; und ganz und gar nicht davon, uͤberhaupt zu zeigen, wie gut man declamiren koͤnne. Aber so waͤre ja die Musik unter der Dichtkunst! Haben sich denn die Grazien jemals geschaͤmt, der Venus den Guͤrtel anzulegen? Vorschlag zu einer Poetik, deren Regeln sich auf die Erfahrung gruͤnden. Wir werden die Natur unsrer Seele nie so tief ergruͤnden, um mit Gewisheit sagen zu koͤnnen, diese oder jene poetisch e Schoͤnheit muß diese oder eine andre Wirkung (Wir- kung wird hier in ihrem ganzen Umfange, und mit allen ihren Bestimmungen genommen) notwendig hervorbringen. Gleichwol sind die meisten Regeln in fast allen Theorien der Dichtkunst so beschaffen, daß sie, ohne Voraussezung jener notwendigen Wirkung, unverweislich bleiben. Jch halte mich nicht dabey auf, was dieses Gemisch unerwiesener, theils fal- scher, und theils zufaͤllig, und wie im Blinden er- tapter halbwahrer Regeln auf Dichter, und Leser fuͤr schlimme Einfluͤsse gehabt habe. Meine Frage X 2 ist ist nur: Was muß der Theorist thun, der wahre Regeln festsezen will? Jch denke, er muß zwey Sachen beynah zu glei- cher Zeit thun, die erste: Er bemerkt die Eindruͤcke, welche Gedichte von allen Arten auf ihn, und auf andre machen, das heist: er erfaͤhrt, und sammelt die Erfahrung Andrer; die zweyte: Er sondert die Beschaffenheiten der verschiednen Gedichte mit ge- nauen Bestimmungen von einander ab, oder er zer- gliedert das in Dichtarten, was Wirkung hervorge- bracht hat. (Anzeige schwaͤcherer oder staͤrkerer Wir- kung wuͤrde dabey nicht uͤberfliessig seyn.) Wie sehr man sich hier irren koͤnne, beweist unter andern, daß man die poetischen Briefe zu einer Dichtart hat machen wollen. Wenn nun vollends das Lehrgedicht kein eigentliches Gedicht waͤre, und also auch keine Dichtart ausmachen koͤnte? (Hiermit wird nicht ge- sagt, daß ein Lehrdichter nicht viel poetischen Geist haben, und theils zeigen koͤnne.) Bey der anzu- stellenden Erfahrung moͤchten drey Classen Zuhoͤrer wol genung seyn. Es giebt eine gewisse unterste, mit der keine Erfahrung zu machen ist. Man ist nicht sicher, voͤllig richtige Erfahrungen zu machen, wenn man den Dichter nur zum Lesen hingiebt, und sich hierauf die Eindruͤcke sagen laͤst. Man muß ihn vorlesen, und die Eindruͤcke sehen. Man wuͤrde dann auf seinem Wege unter andern auch da- hin kommen, daß man sagen muͤste: Diese oder jene poetische Schoͤnheit macht auf alle drey Classen ge- wisse Wirkungen, eine andre nur auf zwey, wieder eine andre nur auf Eine. Die Werke der Alten haben die Erfahrungen von Jahrhunderten fuͤr sich; aber bey der Untersuchung muͤste man doch das, was wirkliche Erfahrung des- jenigen, jenigen, der von diesen Werken spricht, und was nur Nachgesagtes ist, genau von einander absondern; und dann auch hier alles weglassen, was, nur unter der Voraussezung einer notwendigen Wirkung, als gegruͤndet, kann angenommen werden. Da besonders, wo es der Dichter so recht warm aus der Natur schiene herausgenommen zu haben, muͤste man ihm in der Natur selbst nacherfahren. Traͤfe man hier die Eindruͤcke wieder an, die man vorher durch ihn bekommen haͤtte; so koͤnte man sich von diesen Puncten des Festzusezenden desto gewisser uͤberzeugen. Jch moͤchte wol eine Poetik lesen, welche diesen Plan, die Wagschale bestaͤndig in der Hand, aus- gefuͤhrt haͤtte, nicht eben wenn ich Dichter waͤre; denn alsdann hofte ich doch noch mehr zu wissen, als selbst der Theorist, der diese Poetik geschrieben haͤtte. Siebender Morgen. Die Zuͤnfte der Astronomen und der Dichter thun den Aldermaͤnnern den Vorschlag, ein Gesez zur Steurung der Freygeisterey zu geben. Der Rathfrager widersezt sich diesem Vorschlage. Die Aldermaͤnner verlangen Bedenkzeit. Sie lassen Leibnizens neues Denkmal errichten. Un- vermuteter Vorzugsstreit zwischen den suͤdlichen und den noͤrdlichen Deutschen. D ie Zuͤnfte der Dichter und der Astronomen hatten sich seit einiger Zeit oft mit einan- der berathschlagt. Heute wurde die Ursache X 3 ihrer ihrer Berathschlagungen bekant. Die beyden Anwalde kamen nebst etlichen Aeltesten zu den Aldermaͤnnern herauf. Jhr Vortrag war dieser: Jhr wist es, wie sehr sich die Freygeisterey in England, und Frankreich, um nur diese Laͤnder zu nennen, ausgebreitet, wie sie dort mit der schnellen Ansteckung, mit den andern Eigenschaften der Pest, gewuͤtet habe, und fortwuͤte; und ihr wist es gewiß auch, daß sie nun schon seit nicht kurzer Zeit, auch in unser Vaterland eindringe. Die Ursachen, warum sich der ernsthafte, tiefdenkende, und standhafte Deutsche auch mit fortreissen lasse? Eine da- von ist gewiß die Nachahmungssucht. Doch die Ursachen, und die Beschaffenheit des Uebels bey Seite; duͤrfen wir Gelehrten es den Fuͤr- sten uͤberlassen ihm zu steuren? Sie scheinen es nicht zu wollen; aber wolten sie es auch: koͤnnen sie es denn? Etwa bisweilen einmal die Schrift eines Freygeistes verbrennen lassen? Wozu hilft dieses anders, als eine solche Schrift bekanter zu machen? Wenn es also den Ge- lehrten obliegt es zu thun; so ist die grosse Fra- ge, wie sie es thun sollen? Daß wir uns mit derselben an euch wenden, Aldermaͤnner, kann euch ein Beweis seyn, daß wir euch verehren, ob wir gleich manchmal in dieser oder jener Sache Sache mit euch nicht uͤberein kommen. Habt ihr ein Gesez daruͤber vorzuschlagen; so den- ken wir, daß es, und solt es auch die Grund- saͤulen der Republik erschuͤttern, durchgehn werde. Jhr seht, daß wir es bey der Sache wie Maͤnner meinen. Wenn man von der Einrichtung, daß die unter uns, welche sich auf irgend eine Art hervorthun, Zuͤnfter sind, auch nur in Beziehung auf einige, abweichet; so werden die Grundsaͤulen der Republik er- schuͤttert: sehet ihr aber diese Abweichung als zum Zwecke fuͤhrend an; so willigen wir gleich- wol gern ein, daß ihr die, welche die Freygei- sterey oͤffentlich, und nicht zweydeutig ausbrei- ten, fuͤr unzuͤnftig erklaͤrt. Wir haben die Unzweydeutigkeit, wiewol nicht ohne einige Zweifel, zu einer der Bedingungen gemacht, weil man auf der einen Seite Niemanden, dessen Worte auch noch einer bessern Auslegung faͤhig sind, nach denselben, in so fern sie ihm zum Nachtheile gereichen, verurtheilen darf: auf der andern Seite aber diese bessere Aus- legung, was die Freygeister anlangt, gewoͤhn- lich sehr gezwungen ist. Hierzu komt nun oft noch, daß ihre nur nicht alles sagenden Worte, eben dadurch, daß sie nicht alles sagen, einen Stachel des Reizes bey dem Leser zuruͤk lassen, der noch schlimmere Wirkungen hervorbringt, X 4 als als eine voͤllig deutliche Erklaͤrung haben wuͤrde. Der Rathfrager war, so bald er von der Unzuͤnftigkeit gehoͤrt hatte, heraufgekommen. Vermutlich sollen sie also wohl, sagte er, kuͤnf- tig unter uns seyn? Als wenn wir nicht ohne sie schon Freygeister genung haͤtten! Verstosset ihr sie nicht unter den Poͤbel; so versprech ich euch, daß das Volk mit allen Stimmen wider euch seyn wird. Unter den Poͤbel, antwortete der Anwald der Astronomen, sollen sie nicht kommen. Und auch die Freygeister, die ihr schon jezt habt, sollen das nicht. Denn ich vermute, daß ihr diese Forderung thun werdet, weil ihr einmal durch solche neue Ankoͤmlinge nicht zahlreicher werden wolt. Eure jezigen Freygeister sind zu unschaͤdlich, als daß es noͤtig waͤre, gegen sie irgend etwas zu thun. Was diejenigen, die jezt noch Zuͤnfter sind, anbetrift, so werd ich meine Ursachen, warum ich sie nicht unter dem Poͤbel haben will, schon anzeigen, wenn die Sache bey der Republik in Bewegung seyn wird. Also sollen wir es seyn, rief der Rathfrager, unter denen es von Freygeistern wimmelt? Die Zuͤnfte meinen es doch recht gut mit dem Volke. Jch wiederhol euch mein Versprechen; und verschiedne Zuͤnfte werden uns, uns, aus gewissen recht guten Ursachen, schon beytreten. Er ging weg. Nach einigem Still- schweigen sagte der wortfuͤhrende Aldermann: Es ist unsers ganzen Dankes werth, daß ihr uns in dieser sehr ernsthaften, und sehr wich- tigen Sache zur Gesezgebung aufgesodert habt; allein wir brauchen es euch kaum zu sagen, daß wir, uns daruͤber zu berathschlagen, und zu entschliessen, Zeit haben muͤssen. Jch mei- ne, daß verschiedne Tage vergehn werden, eh wir uns dieser Sache halben an die Zuͤnfte und an das Volk wenden. Jch sehe einen solchen besondern Ernst, der eines theils, mich deucht, groͤstentheils Traurigkeit ist, uͤberall ausgebreitet, daß ich fuͤr rathsam halte, heute weiter keine Geschaͤfte mehr vorzunehmen. Wir wollen uns durch einen Gegenstand zer- streuen, mit dessen Wahl man, wie ich hoffe, zufrieden seyn wird. Leibnizens neues Denk- mal ist fertig geworden, und auch schon nach der Stelle gebracht, wo es stehn soll. Es fehlt nichts, als daß wir es errichten lassen. Jn- dem standen die Aldermaͤnner, und mit ihnen beynah zugleich auch die Zuͤnfte auf. Der Herold muste ausrufen, daß sich der Poͤbel bey der Errichtung des Denkmals nicht zu sehr zu- draͤngen solte. Dieses wurde nicht weit von den Ulmen, unter mehr als Einem recht herz- X 5 lichen lichen Zurufe der Freude und des Stolzes, er- richtet. Es waͤhrte lange, eh man durchkom- men, und die Aufschrift in Ruhe lesen konte. „Steh still, Untersucher, Deutscher, oder „Britte. Leibniz hat die Furche gefuͤhrt, und „die Saat gestreut, wo es Newton, und wie „er es gethan hat. Allein er hat, mit gleicher „Furch und Saat, auch da angebaut, wo „Newton nicht hinkommen ist. Du weigerst „dich umsonst, Britte, ihn den Vortrefliche- „ren zu nennen. Denn Europa nent ihn so.‟ Es war noch nicht Mittag, als einige Ael- teste des Volkes dasselbe auf seinem Plaze un- vermerkt versammelten, viel von dem sprachen, was die beyden Zuͤnfte vor kurzem vorgetragen hatten, und dann den Ergiessungen zuhoͤrten, in welche Viele uͤber das Vorgetragne aus- brachen. Die wahre Absicht der Zusammen- berufung wurde unter der scheinbaren, etwas uͤber die wichtige Sache zu beschliessen, ver- borgen. Die ungestuͤme Berathschlagung hatte nicht lange gewaͤhrt, als der Rathfrager mit den uͤbrigen Aeltesten in die Versamlung kam. Bald darauf entstand unter den Aelte- sten ein Streit, der sich mit eben der Schnel- ligkeit ausbreitete, als er entstanden war. Man wolte entscheiden, entschied es aber desto weniger, je laͤnger man fortfuhr: Ob die noͤrd- noͤrdlichen Deutschen, und zwar in wichtigen Dingen, Vorzuͤge vor den suͤdlichen haͤtten? Kaum hatten sich nun auch Zuͤnfter genaͤhert, und herausgebracht, wovon die Rede waͤre, als man schon fast uͤberall anfing sich Norde oder Suͤde zu nennen. Die meisten, die sich so, oder so nanten, waren es wirklich; aber verschiedne nahmen nur durch die Benennung Parthey. Niemanden fiel auch nur von fern der Gedanke ein, daß die Entstehung dieses Streites, und dasjenige, was bey den Alder- maͤnnern vorgewesen war, Beziehung auf ein- ander haͤtte; und so war es doch, wie man in der Folge sehen wird. Die Versamlung trente sich; und man traf keine Norden und Suͤden bey einander an, ausgenommen da, wo sie von neuem, und immer heftiger stritten. Es war noch nicht Abend, da auch schon hier und da unter den Zuͤnftern die beyden Namen ge- hoͤrt wurden. Den Abend uͤber nahm es selbst unter den Zuͤnftern merklich zu. Verschiedne Aldermaͤnner gingen nach den Ulmen, und nach der Laube; fanden aber da Niemanden: desto zahlreicher waren die Zusammenkuͤnfte im Thale. Dort sahen sie den ganzen Umfang des so schnell entstandnen, und so schnell wach- senden Zwiespalts; und sie, die nichts irre zu machen, und zu erschuͤttern pflegt, wurden es doch doch jezt durch die Vorstellungen: Ob sich Morgen die Republik auch versammeln wuͤr- de? und wenn sie sich versammelte, was dann vorgehn koͤnte? und ob es zulezt nicht mit der Sache gar so weit kommen wuͤrde, daß sich der Landtag trente? Sie waren desto unruhi- ger, weil sie noch keinen Entschluß ihres Be- tragens halben gefast hatten. Achter Morgen. Als man eben anfangen will den Streit uͤber die Suͤden und die Norden vor der versammelten Landgemeine zu fuͤhren, wird er durch Ent- deckung des Urhebers, und seiner Absichten beygelegt. Die Aldermaͤnner trauen gleichwol der Beylegung noch nicht voͤllig, und lassen daher nur Nebendinge untersuchen. D ie Aldermaͤnner kamen mit dem Entschlusse in die Versamlung, zu erwarten, ob sich eine der Zuͤnfte uͤber den Zwiespalt aͤussern wuͤrde, und sich dann erst, nach Maasgabe der Aeusserung, darauf einzulassen; aber auch, wenn ein solcher erster Schritt nicht geschaͤhe, alles, was in ihrer Gewalt waͤre, anzuwen- den, um die Einigkeit wieder herzustellen. Die Die Sache hatte, wie man sie auch ansah, besonders Eine grosse Schwierigkeit fuͤr die Aldermaͤnner. Sie musten Parthey nehmen. Nahmen sie keine; so war ihre Verurtheilung, als solcher, die sich der Republik in Zeiten der Unruh entzoͤgen, gewiß: und nahmen sie Parthey, so thaten sie in Grunde nichts wei- ter, als daß sie das Feuer eines so ernsthaften Zwistes nur noch mehr entflamten. Einige von ihnen waren aus zwey Ursachen noch nicht auf dem Versamlungsplaze. Die Zuͤnfte, meinten sie, wuͤrden den Anfang machen, wenn sie saͤhen, daß die Aldermaͤn- ner noch nicht alle bey einander waͤren; und die Zuruͤkgebliebnen hatten ausserdem die Ab- sicht, dem Rathfrager, mit dem sie sich unter- redeten, in einer Sache naͤher auf die Spur zu kommen, die, wenn sie voͤllig entdekt wuͤr- de, der Republik die vorige Ruhe auf Ein- mal wiedergeben koͤnte. Nach einiger Stille, waͤhrend welcher man die Aldermaͤnner keine Kaͤlte, die sie nicht hatten, annehmen, son- dern sie vielmehr voll lebhaften und beynah unruhigen Nachdenkens sahe, trat der An- wald der Dichter auf dem Plaze der Zunft hervor, und erklaͤrte mit wenigen Worten: Daß die Zunft der Dichter keine Parthey in dem Streite uͤber die Vorzuͤge der Suͤden oder oder der Norden naͤhme. Erklaͤrungen, von denen man nicht weichen will, werden auf diese Art gegeben. Denn wenn die Anwalde zu den Aldermaͤnnern hinaufgehn, so zeigen sie dadurch, daß sie die Abrathung derselben wenigstens nicht geradezu verwerfen wollen. Der Anwald der Mathematiker trat gleich hernach auf dem Zunftplaze hervor, und beschuldigte die Dichter ohne allen Umschweif des Stolzes. Die Norden auf dieser Zunft, sagte er, glauben der hoͤheren Stufe so gewiß zu seyn, daß sie es wenig kuͤmmert, wie wir andern den Streit entscheiden werden. Ohne diesen ersten Stolz. wuͤrden sie den zweyten nicht haben, den naͤmlich, daß sie sich es her- ausnehmen, ruhn zu wollen, wenn die ganze Republik in Bewegung ist, und das durch eine Sache veranlasset, die nicht etwa nur uns allein, sondern die ganze Nation angeht. Aber vergeltet’s den Dichtern, Aldermaͤnner, Zuͤnfte, und Volk, weil ihr bey der ernsthaf- ten Sache gewiß nicht zu ruhen gedenkt. Die Dichter koͤnnen, ich weiß es, fuͤr ihr Betra- gen anfuͤhren, daß in dieser Sache die Mehr- heit der Stimmen nichts entscheide, und daß es also besser sey, sie nicht zu sammeln; denn, gesammelt, wuͤrden sie der entstandnen Zwie- tracht nur neue Nahrung geben. Aber ha- ben ben sie denn deswegen in Allem recht, weil sie in Einem Puncte recht haben? Nur darinn haben sie’s, daß die Mehrheit hier nichts ent- scheide; allein folgt denn daraus, daß es gleichguͤltig sey, zu erfahren, wohin sich diese Mehrheit lenken werde? Jhr koͤnt euch also ja nur von hier weg, in eure Halle, in die Laube, oder wo ihr sonst hin wolt, begeben. Denn weswegen woltet ihr hier seyn, und zu- hoͤren, wenn nun die grossen Namen der Ot- tone, der Heinriche, der Hermanne, der Lu- ther, und der Leibnize erschallen, und auf der andern Seite .. Der Anwald wurde hier, durch ein Ge- raͤusch, das eben so schnell zunahm, als es entstanden war, gehindert fortzureden. Diese Bewegung ward durch die zuruͤkgebliebnen Aldermaͤnner veranlast. Sie redeten den Rathfrager auf Einmal sehr lebhaft, und beynah mit Zorn an, und riefen, indem sie es thaten, zugleich einigen aus dem Volke. Diese eilten herbey; und es schien, als wenn sie dasjenige bezeugten, was die Aldermaͤnner dem Rathfrager vorwarfen. Dieser hatte wenig oder nichts zu antworten, und wurde, so ungern er auch wolte, nebst den Zeugen, auf den Versamlungsplaz der Aldermaͤnner gefuͤhrt. Das Verhoͤr war bald zu Ende. Denn Denn der Rathfrager hatte, vor grosser Freu- de, daß ihm sein Anschlag so gut gelungen waͤre, zu viele zu Vertrauten gemacht. Der Herold rief gleich nach geendigtem Verhoͤre folgendes aus: Der Rathfrager haͤtte aus Unmut daruͤber, daß die fuͤr unzuͤnftig zu er- klaͤrenden Freygeister unter das Volk kommen solten, den Anschlag gefast, die Republik zu verwirren, alles in der Absicht, damit man sich mit Wiederherstellung der Ruhe so sehr beschaͤftigen muͤste, daß man keine Zeit uͤbrig behielte, der Freygeister halben etwas aus- zumachen; und damit man, wenn es etwa doch noch zu dieser Untersuchung kaͤme, so ent- zweyt waͤre, daß die vorgeschlagne Unzuͤnf- tigkeit wenigstens in grosser Gefahr stuͤnde, nicht durchzugehn. Aber weil er bey Sachen, die er recht ernsthaft wolte, die Wuͤrfel nicht gern auf dem Tische liegen saͤhe; so haͤtte er fuͤr die Verwirrung der Republik so gut ge- sorgt, daß er nicht ohne Hofnung waͤre, der Landtag koͤnte daruͤber wol gar aus einander gehn. Denn der Rathfrager ist es, endigte der Herold, der dieß Feuer, das, der Suͤ- den und der Norden wegen, unter uns so schnell, und so sehr Ueberhand genommen, angelegt hat. Der Der Verdruß uͤber die Kuͤhnheit des Man: nes, daß er sich unterfangen hatte, einen sol- chen Anschlag zu fassen, und noch mehr dar- uͤber, daß dieser Anschlag ihm so gut gelungen war, wirkte so stark, daß man nicht einmal bey dem Volke anfragte, ob es seinen ihm so getreuen Rathfrager absezen wolte, sondern ihn fuͤr abgesezt erklaͤrte, und ihn gleich dar- auf, nebst etlichen seiner schlimsten Mithelfer, Landes verwies. Die grosse Einigkeit der Zuͤnfte bey Abthuung dieser Sache zeigte ge- nung, daß sie einen Zwist, der einen solchen Ursprung gehabt hatte, nicht lange mehr fort- sezen wuͤrden. Da es aber indeß doch nicht unmoͤglich war, daß etwa hier und da noch ein Fuͤnkchen unter der Asche verborgen laͤge; so wolten die Aldermaͤnner heute kein Geschaͤft vornehmen, das zu ernsthafteren Untersu- chungen und dabey leicht entstehendem Streite veranlassen koͤnte. Gluͤklicherweise fuͤr sie war die lezte Nacht ein nicht kleiner Lerm ge- wesen; und gleichwol hatten die Nachtwaͤch- ter ihre Obliegenheit so schlecht beobachtet, daß man auch nicht Ein Horn gehoͤrt hatte. Die Aldermaͤnner trugen es daher dem An- walde der Drittler, und zwey Aeltesten dieser Zunft auf, die Nachtwaͤchter zu vernehmen. Wir koͤnnen nicht in Abrede seyn, daß es uns Y sehr sehr kraͤnken wuͤrde, wenn man deswegen Mistrauen in unsre historische Wahrhaftig- keit sezen wolte, weil wir der allerdings etwas wunderbaren Ereignisse, (welche wir gleich erzaͤhlen wollen) die Gespenster und den Maͤu- seberg betreffend erwaͤhnen. Mit gleichem Unrechte, wuͤrde man so gar gegen die Glaub- wuͤrdigkeit der Xenophone, der Caͤsare, und der Dione Zweifel vorbringen koͤnnen, weil (wir fuͤhren nur sie, und aus jedem nur Ein Bey- spiel an) der erste durch einen Traum zu der Fuͤhrung der Zehntausend ermuntert wurde; der zweyte von Thieren des Harzes, die Beine ohne Gelenke hatten, Nachricht gab, und der dritte erzaͤhlte, eine Bildsaͤule der Sieges- goͤttin haͤtte ihr Gesicht zu der Zeit von Rom weggewendet, als Varus und die Legionen in Teutoburgs Thaͤler gekoͤmmen waͤren. Wir hoffen durch diese wenigen Beyspiele (wie viele koͤnten wir nicht noch anfuͤhren) allen Ver- dacht des Fabelhaften, das wir so sehr hassen, von uns abgelehnt zu haben. Sie, und an- dre, lautete die Vertheidigung der Nacht- waͤchter, haͤtten diese Nacht nicht wenig Ge- spenster verstorbner Schriften gesehen, aber sie durchaus nicht zum Weichen bringen koͤn- nen: Bergmaͤnchen mit langen weissen Baͤr- ten, und die gleichwol doch sehr possenhaft her- herumgesprungen waͤren; diese haͤtten Vol- tairens fliegende Blaͤtter eben verlassen ge- habt; Kobolde aus politischen Schreibereyen; diese waͤren uͤber’s Meer gekommen; Jrwi- sche, theils kurze feiste Dinger aus deutschen wolluͤstigen Versbuͤchern, theils lange hagre Gestalten aus einheimischen Schoͤnwissen- schaftstheorien, und sonst noch allerhand in- laͤndischen und auslaͤndischen Spuk in Gestalt der kleinen chinesischen Wackelkoͤpfe. Bey der Untersuchung fand sich’s, daß die Nacht- waͤchter die Worte der Bannung vor Schre- cken nicht hersagen koͤnnen, und daher nur kurze Zeit Stand gehalten hatten. Ja ei- nige wusten sie sogar nicht einmal recht aus- wendig. Die aͤlteren Nachtwaͤchter bekamen einen Verweis wegen ihrer Furchtsamkeit, und zugleich Befehl, den juͤngern die Ban- nungsformel so lange vorzusagen, bis sie die- selbe genau wuͤsten. Jene fingen, um ihren Gehorsam zu zeigen, schon jezt vor den Rich- tern ihren Unterricht an. Es murmelte auf allen Seiten: Weiche, Bergmaͤnchen, Kobold, Jrwisch, Wackelkopf, (hier muß stark ins Horn gestos- sen werden) und du o Knochenriese, Foliant! (abermal stark ins Horn) und du o breites Geripp, Quartant! und alle ihr geschwaͤzi- Y 2 gen gen weissen Frauen samt und sonders, (ins Horn, ins Horn!) weichet, weichet! Denn die Wische, Blaͤtter, und Buͤcher, worinn ihr ge- wesen seyd, verachten Leser, die denken, und uͤberlassen sie in Krambuden der Hoͤkerin- nen, oder in Goldsaͤlen der Grossen, ihrem Schiksale. Aber die Nachtwaͤchter durften dieses Mur- meln nicht lange treiben, und musten sich wegbegeben. Die Aldermaͤnner wolten hierauf, um heu- te nichts Ernsthaftes vorzunehmen, nun gleichwol noch die schon vergesne Sache der neulichen Meutmacher untersuchen lassen; al- lein sie erhielten, als sie deswegen ausschick- ten, den Bericht, daß sich die Meutmacher die gute Gelegenheit der allgemeinen Furcht zu Nuze gemacht, und in aller Geschwindig- keit abgezogen waͤren, und zwar viele unter ihnen mit inniger Betruͤbnis, daß so manche von ihnen gepriesene Schriften schon jezt un- tergangen waͤren. Die Entwichnen hatten sich auf den beruͤchtigten Berg begeben, der vor Alters nach langen Kindesnoͤthen und da- zu gehoͤrigen Geschrey die bekante Maus ge- boren hatte. Dieser Berg besteht fast aus lauter Hoͤlen, welche bloß mit einer duͤnnen Erdrinde bedekt sind. Daher ihn nur solche, die die leere Koͤpfe haben, (die Aufgeblasenheit des Herzens ist ihnen dabey gar nicht nachthei- lig) ersteigen koͤnnen. Betritt ihn einer, des Kopf nur nicht voͤllig leer ist (es kommen da die geringsten Kleinigkeiten in Betracht) so stuͤrzen die Hoͤlen augenbliklich unter ihm ein. Dieser Berg war also ein recht sichrer Zu- fluchtsort fuͤr die Meutmacher. Sie sollen nicht wenige Auslaͤnder auf demselben ange- troffen haben. Vor einigen Jahren hatte sich ein Geruͤcht weit ausgebreitet, daß sich in einem Erdbe- ben ein grosses Stuͤk von dem Maͤuseberge losgerissen, und uͤber den Versamlungsplaz einer gewissen Zunft der franzoͤsischen Gelehr- tenrepublik hergestuͤrzt haͤtte. Der Landtag, (erzaͤhlte man damals) den sie eben halten wolte, war zwar gluͤklicher Weise noch nicht angegangen; aber er muste doch gleich nach dem sonderbaren Vorfalle eroͤfnet werden, so daß keine Zeit uͤbrig war, den Schut wegbrin- gen zu lassen, und die Zunft sich also gezwun- gen sah, mit einem Plaͤzchen in der Naͤhe fuͤr- lieb zu nehmen. Da der Mittag noch ziemlich entfernt war, und die Aldermaͤnner dabey blieben, nichts vorzunehmen, das von Belange waͤre; so liessen sie die Glaubwuͤrdigkeit des angefuͤhr- Y 3 ten ten Geruͤchts untersuchen. Aber die Sache konte, wie eifrig man sie auch untersuchte, doch in kein Licht gesezt werden, das hell ge- nung gewesen waͤre, eine Meinung daruͤber anzunehmen. Etliche Altfranken, (auch dieses kam der Absicht der Aldermaͤnner sehr zu statten) wa- ren ziemlich verdrieslich daruͤber geworden, daß es mit der Heraldik auf Einmal so zur Endschaft gekommen war. Ob es ihnen nun gleich viele der ihrigen widerriethen, weil es ja ohnedas schon mit dieser Wissenschaft uͤber- lange Stich gehalten haͤtte, so entschlossen sich doch die wenigen, einen Versuch zu thun, ob sie die ihnen so sehr am Herzen liegende Heral- dik nicht wieder zu ihrer vorigen Hoͤhe empor bringen koͤnten. Um dieß auszufuͤhren, mu- sten sie Mitglieder der Republik werden. Sie erklaͤrten also, daß sie, alles erwogen, der Zunft der Kenner angehoͤrten, ob sie gleich bisher nicht auf derselben erschienen waͤren. Wir sind, sagten sie, mit den schoͤnen Wis- senschaften der Auslaͤnder, besonders der Franzosen so gut bekant, als es nur ein ge- borner Franzose oder ein andrer Auslaͤnder seyn kann. Wahr ist es freylich, daß wir das Einheimische so etwas vernachlaͤssiget ha- ben: aber gleichwol sehen wir nicht ein, war- um um es der Zunft der Kenner nicht ein Ver- gnuͤgen machen solte, uns unter sich zu ha- ben. Denn, wie gesagt, Kenner sind wir doch einmal. Deunoch wolten die Zuͤnfte sich nicht da- mit abgeben die Sache zu entscheiden; sie tru- gen es auch nicht einmal den Aldermaͤnnern auf, es an ihrer statt zu uͤbernehmen. Die Aldermaͤnner geriethen daher in eine etwas sonderliche Stellung. Auf der einen Seite konten sie sich, ohne den Auftrag der Zuͤnfte, nicht allzuwol darauf einlassen, einen Aus- spruch zu thun; auf der andern Seite waren sie daruͤber nicht ohne Verdruß, daß es schei- nen koͤnte, sie brauchten viel Zeit, einen so leichten Ausspruch zu thun. Der abgeord- nete Altfranke schien sich uͤber die Verlegenheit zu freuen, in die er nicht etwa die Alder- maͤnner allein, sondern die ganze Republik ge- sezt haͤtte. Doch diese sehr unveranlaste Freu- de dauerte nur kurze Zeit. Die Aldermaͤnner liessen es darauf ankommen, was die Zuͤnfte zu der ihnen jezt notwendig scheinenden Ab- weichung von den Gesezen sagen wuͤrden, und erklaͤrten, daß der Abgeordnete und sein Anhang ihrenthalben zu franzoͤsischen, engli- lischen, auch chinesischen, oder auch tartari- schen Kennern (sie baͤten der lezten halben des- Y 4 we- wegen nicht um Verzeihung, weil die Erobrer China’s wol hundert Jahre vor der franzoͤsi- schen Academie eine Academie ihrer Sprache gehabt haͤtten) zu tartarischen Kennern gehoͤ- ren moͤchten. Gleichwol wuͤrde sie die Re- publik nicht eher zu Mitgliedern aufnehmen, als bis sie wieder Deutsche geworden waͤren. So bald es mit diesem Punkte seine Richtig- keit haͤtte, alsdann erst, und nicht eher koͤn- te es ausgemacht werden: Ob sie, als Ken- ner, in die Zunft, oder unter das Volk auf- zunehmen waͤren? Die Zuͤnfte schienen hiermit so sehr zufrie- den zu seyn, und der abgeordnete Altfranke konte dawider so wenig erhebliches vorbrin- gen, (dieß kam wol mit daher, weil er, in- dem er redte, franzoͤsisch dachte, und es im- mer erst, eh es herauskam, zwischen den Zaͤhnen verdolmetschte) daß alles auf Einmal vorbey war, und es bey der Erklaͤrung der Aldermaͤnner sein Bewenden hatte. Es war endlich Mittag geworden; und die Landgemeine ging aus ein ander. Der Der Abend. Aus einer neuen deutschen Grammatik. V om Tonmaasse. 1 Von der Beschaffenheit des- selben uͤberhaupt. Unser Tonmaaß verbindet die Laͤnge Hier sind zwar einige, aber in Beziehung auf den wei- ten Umfang der Bemerkung sehr wenige Abwei- chungen. Diese kommen hernach vor. ( Laͤnge. Stamsylbe. Hauptbegrif .) Be und ert haben in begeistert Nebenbegriffe. Der Hauptbegrif liegt in der Stamsylbe Geist . Wenn man sagt, daß die Stamsylbe den Hauptbegrif habe; so versteht sich’s von selbst, daß, da das Wort ein Ganzes ausmacht, die Stamsylbe mit den andern zugleich, und nicht so gedacht werde, als wenn sie abgesondert waͤre. Die Stamsylbe behaͤlt. die Laͤnge, auch wenn sie Nebenbegriffe ausdruͤkt, als aus in ausser. Aus und ausser haben Nebenbegriffe. mit den Stamwoͤrtern oder den Stam- sylben, und beyde mit den Hauptbegriffen; die Kuͤrze Dieß gehet, die Huͤlfswoͤrter (sie ge- hoͤren zu den Veraͤndrungssylben) so lange sie einsylbig bleiben, allein ausgenommen, gehet durch die ganze Sprache; und waͤre allein zurei- chend, zu beweisen, daß wir bey dem Tonmaasse vornaͤmlich auf die Begriffe sehen. Die Bemer- kung, daß Kuͤrze, Veraͤndrungssylbe, und Ne- ben- hingegen mit den Veraͤnderungssylben, (diejenigen, durch welche umgeendet, und umgebildet wird) und beyde mit den Nebenbegriffen. Dieses macht, daß Y 5 unsre unsre Sprache den Absichten der Verskunst ange- mesner Wenn man irgend ein Sylben- maaß annimt, das der Wahl eines Dichters wuͤr- dig ist; so hat der Erfinder desselben Absichten bey der Zahl und Vertheilung der Laͤngen und Kuͤrzen gehabt. Unter andern wolte er den be- deutendsten Zeitausdruk da haben, wo die Laͤn- gen sind. Wenn man nun, nach der Beschaffen- heit seiner Sprache, gezwungen ist, (dieß ist ge- woͤnlich der Fall der griechischen und roͤmischen) die Laͤngen da zu sezen, wo die Nebenbegriffe, und die Kuͤrzen, wo die Hauptbegriffe sind: so erfolgt noch mehr, als Vernichtung jener Absich- ten. Denn es gehet nicht etwa nur, (wie ich sonst dachte) das Sylbenmaaß seinen Weg, und die Sprache den ihrigen; sondern sie sind mit ein- ander in Widerspruche, so daß der Wortsinn durch den ihm entgegengesezten Zeitausdruk ge- schwaͤcht wird. Die Leser der Alten sind freylich hieran so sehr verwoͤhnt, daß sie es nicht mehr merken; aber die Sache bleibt doch gleichwol, was sie ist. Niemals, sagt man mir, hat ein Alter diese Anmerkung gemacht; und bedenkt nicht, daß die Alten noch mehr daran verwoͤhnt seyn musten. Jch will mich nicht mit Beyspielen aufhalten. Wenn ich das wolte, so koͤnt ich, besonders aus Pindarn, und den dithyramhischen Fragmenten, weil diese in ihren Sylbenmaassen oft viele Kuͤr- zen hinter einander haben, sehr merkwuͤrdige an- fuͤhren. Es ist genung, wenn ich die Kenner der Alten ist, als es selbst die beyden alten Sprachen sind. Zwey- benbegrif zusammen gehoͤren, schliesset uͤbrigens die andre Bemerkung nicht aus, daß die Ablei- tungssylben, welche auch nur Nebenbegriffe ha- ben, oft auch kurz sind. Zweyzeitigkeit (die vermutlich groͤstentheils durch die Ungewisheit Wenigstens konten die Begriffe, die uͤberhaupt in Fuͤrwoͤrtern, und die, welche oft, bey gewissen Verbindungen der Gedanken, in Verhaͤltniswoͤrtern liegen, diese Ungewisheit veranlassen. Selbst Philosophen, die eine Sprache erfaͤnden, wuͤrden hier nicht immer mit einander einig seyn. Die Vorwoͤrter lassen weniger zwei- felhaft; und die Huͤlfswoͤrter gar nicht. Die lezten haben keinen andern Begrif, als den die Veraͤndrungssylben haben. Vielleicht hat man sich von dem Begriffe, den die Huͤlfswoͤrter, als Zeitwoͤrter gebraucht, auch haben, nicht sogleich losmachen koͤnnen; und so ist denn ihre Zweyzei- tigkeit entstanden, und hernach geblieben. entstanden ist, in der man zwischen Hauptbegriffe und Nebenbegriffe war) hat die deut- sche Sprache, in dem gewoͤnlichen Verstande, nur selten. Alten daran erinre, daß in der griechischen und lateinischen Sprache sehr viele Hauptwoͤrter, Beywoͤrter, und Zeitwoͤrter vorkommen, welche kurze Stamsylben, und lange Veraͤndrungssylben haben. Jndeß will ich doch Ein Beyspiel an- fuͤhren. Regum timendor’ in proprios greges Reges in ipsos imperi’ est Joŏvĭs. Die furchtbaren Koͤnige herschen uͤber ihre Voͤl- ker; aber uͤber die Koͤnige selbst, Jupiter. Ju- piter hat in Jovis den Zeitausdruk zweyer kurzen Sylben. Eiliger konte man uͤber Jupitern, be- sonders uͤber den hier so groß vorgestelten Jupi- ter, nicht wol wegwischen. selten. Naͤmlich in dem Verstande, da zwey- zeitige Woͤrter und Sylben solche heissen, die durch nichts anders, als durch die Versart, worinn sie vorkommen, bestimt werden. Denn wir muͤssen die Woͤrter und Sylben, die man zweyzeitig zu nennen pflegt, die ersten, wenn sie mit Nachdruk Der Nachdruk ist zwar von der Leidenschaft unterschieden, aber bisweilen beruͤhren sie einander doch so nah, daß man den Unterschied kaum bemerkt. Beyde geben nur die Laͤnge, und gehen nur die Woͤrter, aber nicht die Sylben an. Die zweyzeitigen Sylben koͤnnen dadurch deswegen nicht lang werden, weil ein mehrsylbiges Wort allzeit wenigstens Eine Stamsylbe hat. Und nur auf diese faͤlt alsdann der staͤrkere, und zugleich verlaͤngernde Ton des Nachdruks oder der Leidenschaft. oder Leidenschaft ausgespro- chen werden immer lang; und beyde, wenn man sie mit andern, neben denen sie stehen, vergleicht, fast immer entweder lang oder kurz brauchen, und alle koͤnnen so zu stehen kommen, daß sie durch diese Vergleichung, bestimt werden. Die Tonstellung, Nach der Tonstellung, werden die zweyzeitigen Woͤrter und Sylben mit den da- bey stehenden, langen, kurzen, zweyzeitigen, oder auch aus diesen gemischten, verglichen, wo- durch sie entweder lang, oder kurz werden, oder auch (dieß, wenigstens fuͤr feine Ohren, nur sehr selten) zweyzeitig bleiben. Sie neigen sich bald mehr zur Laͤnge, bald mehr zur Kuͤrze, oder blei- ben auch dazwischen von ungefaͤhr in der Mitte. Diese ihre Beschaffenheit macht, daß die Verglei- chung die etwas Mechanisches ist, und die Begriffe nichts mehr mehr angeht, bestimt sie zwar am oftesten; unter- deß thun es doch Nachdruk und Leidenschaft, bey denen jenes Mechanische seine Wirkung verliert, auch nicht selten. Und diese zweyte Bestimmungsart graͤnzt sehr nah an die Hauptbegriffe, wenigstens an solche, wie derjenige hat, der in der Leidenschaft ist. 2 Wodurch wir unser Tonmaaß kennen lernen. Nicht durch unsre gewoͤnlichen Verse. Jhr unrichtiges Ton- maaß koͤnte ich aus Dichtern, die ich sehr hoch schaͤze, und sehr gern lese, durch nicht wenig Bey- spiele zeigen. (Es waͤre, mich deucht, gut, wenn der Vorleser, anstatt sich nach dem Verse zu zwin- gen, auch hier das wahre Tonmaaß ausspraͤche. Die Eintoͤnigkeit wuͤrde dadurch wenigstens etwas aufhoͤren; und der Zuhoͤrer wuͤrde finden, daß der Zufall manchmal recht gute Verse gemacht haͤt- te.) Unser wahres Tonmaaß muß wohl sehr tief in der Sprache liegen; denn wie haͤtte es sich sonst, seit Opizen, gegen die Dichter wehren, und seinen festen und sichern Tritt behalten koͤnnen? Denn in die- sen, weil sie nur immer mit Einer Laͤnge, und mit Einer Kuͤrze abwechseln, muß das Tonmaaß, wenn die Dichter anders in denselben noch denken wollen, oft unrichtig seyn. Wir lernen das Tonmaaß zwar wol auch durch die Aussprache des gemeinen Lebens; Die gute Geselschaft, und das comische Schauspiel gehoͤren vornaͤmlich hier- her. Wenn diese das Tonmaaß auch richtiger hoͤ- ren aber chung auf sie wirkt. Man kann an dieser Wir- kung besonders alsdann nicht zweifeln, wenn man sich erinnert, daß die Tonstellung bisweilen sogar lange Woͤrter in kurze verwandle. aber gewiß nicht in zweifelhaften Faͤllen, weil sie zu fluͤchtig zu dieser Entscheidung ist. Wir koͤnnen es also nur durch die Declamation des Redners und nicht et- wa nur des guten, sondern auch des mittelmaͤssi- gen. Denn es ist ihm, wenn er auch nur will verstanden werden, und daher wenigstens mit ei- niger Langsamkeit sprechen muß, beynah unmoͤg- lich, sich derjenigen Ausbildung und Fuͤlle der Toͤne ganz zu enthalten, welche die Declamation erfodert. Und bey dieser Ausbildung ist die rich- tige Aussprache des Tonmaasses unvermeidlich- wenn der Redner auch noch so wenig an dasselbe denkt. lernen. Denn dieser wird weder durch Versart, noch durch zu grosse Schnelligkeit gehindert, dem Tonmaasse seinen voͤlligen Umfang, und dadurch seine richtige Bestimmung zu geben. 3 Von der Laͤnge, der Kuͤrze, und der Zweyzeitig- keit. Alle gebildete Sprachen haben kleinere und groͤs- sere Laͤngen, oder Laͤngen und Ueberlaͤngen, Die Volltoͤnigkeit, die in mehr, oder starken Mitlauten, und in vereinten oder gedehnten Selbstlauten besteht, giebt den langen Woͤrtern und Sylben die Ueberlaͤnge, als Kunst Sturm Laut Bahn . Jn so fern sie aus mehr Mitlauten besteht, hat sie einige Aehnlichkeit mit der Position der Alten. Diese machte bey den Roͤmern alle Selbstlaute, und bey den Griechen (welche mehr und weni- ren liessen, als sie thun; so koͤnten sie in zweifel- haften Faͤllen doch nicht Schiedsrichter seyn. Denn sie duͤrften auch alsdann dem Tonmaasse denienigen Umfang nicht geben, der dazu erfodert wird, um solche Faͤlle auszumachen. weniger schnelle Kuͤrzen, oder Verkuͤrzungen, und Kuͤrzen; aber uͤberdieses auch Zweyzeitigkeit, oder ein solches Tonmaaß einiger Woͤrter und Sylben, daß man sie lang, und auch kurz aussprechen kann. Einer Sprache, die lauter Kuͤrzen haͤtte, wuͤrde ein wichtiger Theil der Articulation fehlen, sie wuͤrde der grossen Schnelligkeit wegen beynah gar nicht verstanden werden; eine Sprache, die nichts als Laͤngen haͤtte, wuͤrde eine sonderbare Langsamkeit der Begriffe, und Schlaͤfrichkeit der Empfindungen beweisen; und eine, die nur Laͤngen und nur Kuͤr- zen haͤtte, wuͤrde durch diese zu genaue Abmessung etwas sehr Gesuchtes zeigen. Es war daher die Ueberlaͤnge, und die Verkuͤrzung zu der Abwechs- lung, die uns Vergnuͤgen macht, noͤtig. Aber die Zweyzeitigkeit ist ein Mangel. Unterdeß hat ihn so gar die griechische Sprache nicht selten. Wir koͤn- nen mit Recht von unsrer sagen, daß sie ihn bey weitem so oft nicht habe. Unsre zweyzeitigen Woͤr- ter und Sylben sind theils fastlange, theils mitlere, theils fastkurze. Die fastlangen koͤnnen, wenn sie durch die vorher angefuͤhrten Ursachen bestimt wer- den, weder die Ueberlaͤnge noch die Verkuͤrzung be- kommen; die mitleren das erste noch weniger, und das lezte auch nicht; und die fastkurzen nur eben die Laͤnge, Dieß wird, bloß in Be- ziehung auf den festen und maͤnlichen Tritt unsrer uͤbri- und manchmal die Verkuͤrzung. Lange #(welche schon an sich selbst lange hatten) die zwey- zeitigen, und kurzen Selbstlaute lang. Bey uns hingegen verlaͤngert die Volltoͤnigkeit nur ein we- nig. Denn nicht das Mechanische der Sprache, sondern das, was durch sie bezeichnet wird, ist bey uns der Bestimmungsgrund des Tonmaasses. Lange Woͤrter. Reg. 1. Die Stamwoͤ r ter, wel- che Hauptbegriffe ausdruͤcken, sind lang. Macht schnell gehn. Nicht alle Stamwoͤrter haben Hauptbegriffe; aber alle Hauptbegriffe werden durch Stamwoͤrter (oder Stamsylben) ausgedruͤkt. Lange Sylben. Reg. 2. Die Stamsylben sind lang. Voller stroͤmen. Diese Regel ist von sehr weitem Umfange. Sie hat nur sehr wenig Ausnamen; und diese finden nur statt, wenn ein Wort aus zwey Stamsylben besteht; da denn die, welche vergleichungsweise einen Neben- begrif ausdruͤkt, bisweilen kurz wird, als voll in Vol- lendung, aber in Vollmacht ist voll lang. Woͤrter, die aus zwey Hauptwoͤrtern zusammengesezt sind, ge- hoͤren gar nicht zu diesen Ausnamen. Gleichwol sagt man, wenn zwey einsylbige Hauptwoͤrter zu- sammengesezt wuͤrden; so waͤre das lezte kurz, und das, ohne einen andern Grund, als die Bequem- lichkeit der Dichter fuͤr sich zu haben. Wenn also Geist in Schuzgeist kurz seyn soll; so muß es Strom in Waldstrom auch seyn: und Strom ist gleichwol merklich langer, als Wald. Wir haben uͤbrigens viererley Spondeen, als Schuzgeist Ur- sprung Waldstrom Heerschaar. Diese machen das Wort zugleich aus. Derer, die es nicht zugleich ausmachen, haben wir nur dreyerley, als Wald- stroͤme Heerschaaren herfuͤhrte. (Jn Stroͤme und Schaaren hat sich der Tonhalt der Dehnung verloren.) Die Griechen hatten auch verschiedene Spondeen, und sie sezten sie auch verschiedentlich. So uͤbrigen Laͤngen, gesagt; und gar nicht damit ge- meint, daß die langgewordnen fastkurzen keine wirkliche Laͤnge bekommen haͤtten. So sehr liebten sie den genauen Ausdruk des Syl- benmaasses in der Musik. Vor in vorige wird deswegen lang, weil es nun einen Hauptbegrif bekommen hat; aber aus in aus- ser ist nur lang, weil es die Stamsylbe ist. Unter neben u. s. w. haben unbekante Stam- sylben. Halt man unbekante, und keine fuͤr einer- ley; so muß man noch Eine Regel annehmen, die dadurch, daß sie die Stelle der Laͤnge nicht anzeigt, unbestimt ist, diese naͤmlich: Jedes zweysylbige Wort hat wenigstens Eine Laͤnge. Reg. 3. Die voranstehenden trenbaren Ablei- tungssylben sind lang. Aufgehn ausstroͤmen her- kommen. Um durch und zu sind bisweilen kurz, aber nur, wenn sie ungetrent sind, als: die Waͤlder umgehn durchgehn zufrieden. Vielleicht ist es nur Frey- heit, vielleicht Spracheigensinn, daß aus auf ab zwischen dem zweyzeitigen un und der Stamsylbe zweyzeitig sind, als unaussprechlich unaufhaltsam unabsehbar. Diese Ableitungssylben (es sind meistens Rich- tungen) die zweyzeitig sind, wenn sie allein stehn, scheinen in der Zusammensezung deswegen lang zu werden, weil sie alsdann gewissermaassen Hauptbe- griffe ausdruͤcken. Wenn man Vorzimmer sagt; so zeigt vor mehr an, als wenn man in vor dem Zimmer nur einen gewissen Umstand anmerkt. Reg. 4. Die nachstehenden Ableitungssylben: halb hand ey und ley sind lang. Sie kommen beynah nur in comischen Gedichten vor. Sie waren sonst wie ung heit u. s. w. Haupt- woͤrter; aber nur sie haben sich bey ihrem Rechte erhalten. Selbst thum hat das nicht, ob es gleich Z in in thuͤmer umgeendet wird, und also durch den Um- laut offenbar zeigt, daß es ein Hauptwort ist. Kurze Woͤrter. Reg. 5. Die beyden Bestim- mungswoͤrter ein der und das Fuͤrwort es sind kurz. Wegen es koͤnte man zwar wol etwas zweifelhaft seyn, weil die Fuͤrwoͤrter sonst zweyzeitig sind; aber es ist gleichwol der Laͤnge nicht faͤhig. Denn so bald Nachdruk oder Leidenschaft da ist; so sezt man das fuͤr es. Auch die Tonstellung kann ihm die Laͤnge nicht geben. Kurze Sylben. Reg. 6. Die voranstehenden un- trenbaren Ableitungssylben sind kurz. Mis ur und un machen die Ausname. Die erste ist lang, und die beyden lezten sind zweyzeitig. Reg. 7. Die nachstehenden Ableitungssylben ig er el und end sind kurz. Selig Richter Meissel Jugend. Reg. 8. Die Veraͤndrungssylben sind kurz. Stromes liebten geliebt. Die Wohlklangssylben ig er gehoͤren zu den Ver- aͤndrungssylben, Jn treffend ist end die Veraͤn- drungssylbe, daher treffendere Bilder, ob dieß gleich mit friedsamere, welches friedsāmere aus- gesprochen wird, Aehnlichkeit hat. Denn sam, das an sich selbst zum wenigsten die Kuͤrze von end hat, ist zweyzeitig, weil es eine Ableitungssylbe ist. Es muß sich daher nach den Regeln der Tonstellung richten; end hingegen richtet sich nicht danach, weil es eine Veraͤndrungssylbe ist. Die Ableitungssylben druͤcken Begriffe aus, die sich gewissermaassen den Hauptbegriffen naͤhern; aber die Veraͤndrungssyl- ben druͤcken voͤllige Nebenbegriffe aus. Wie sehr es uns uͤberhaupt auf die Begriffe, die ausgedruͤkt wer- werden, und wie wenig auf die Bestandtheile des Ausdruͤckenden ankomme, zeigt unter andern gern und Vertheidigern. Jch gestehe zu, daß diese, und noch ein Paar ahnliche Veraͤndrungssylben (laͤcheln eiligst) keine leichte Kuͤrze haben; aber was gewint das Tonmaaß unsrer Sprache nicht, durch seine Verbindung mit den Begriffen, in Vergleichung mit dem, was es durch eine notwendige Folge dieser Verbindung verliert. Reg. 9. Die endenden Selbstlaute sind kurz. Freude jezo Peru China u. s. w. Diese neun Regeln sezen unser Tonmaaß fest, in so fern es die Bestimmung der zweyzeitigen Woͤrter und Sylben noch nicht in sich begreift. Jch kenne keine Sprache, die hier mit einer so geringen An- zahl Regeln, welche uͤberdieß noch so wenige und so eingeschraͤnkte Ausnamen haben, zureiche. Man weis, wie groß die Zahl der Regeln in den Proso- dieen der beyden alten Sprachen ist, und wie diese Regeln von Ausnamen wimmeln. Die Alten haben keine andre Bestimmung der Zweyzeitigkeit, als den Vers. (Mit welcher Ungewisheit musten daher die Vorleser Prosa und Dithytamben oft ausspre- chen.) Wenn wir uns, wie sie, mit dieser Bestim- mung allem begnuͤgen wolten; so waͤre unsre Pro- sodie vielleicht die kuͤrzeste, deren eine Sprache faͤhig ist. Wir duͤrften alsdann nur die zehnte Regel hin- zusezen, und sagen: Bey der Aussprache der zwey- zeitigen Woͤrter und Sylben richtet man sich nach der Versart, worinn sie vorkommen. Aber wir un- terscheiden uns eben dadurch, zu unserm Vortheile, von den Alten, daß wir die Zweyzeitigkeit fast durch- gehends durch den Nachdruk, die Leidenschaft, und die Tonstellung bestimmen. Die Tonstellung ist sehr Z 2 man- mannichfaltig. Wir brauchen daher zur Bestimmung der Zweyzeitigkeit eine groͤssere Zahl Regeln, als zur Bestimmung der unveraͤnderlichen Laͤngen und Kuͤr- zen noͤtig waren. Wer sich auf die kleine leichte Kentnis der bestimten Zweyzeitigkeit nicht einlassen will, der kann mit den angefuͤhrten neun Regeln so ziemlich fortkommen. Freylich muͤste er dann mit den verschiednen Versarten genau bekant seyn, um immer gleich beym ersten Aublicke zu sehen, welches zweyzeitige Wort oder Sylbe hier lang, und dort kurz muͤsse ausgesprochen werden. Will er mit noch wenigerem fuͤr lieb nehmen; so kanns ihm z. E. beym Hexameter zureichen, daß er wisse 1 Jm He- xameter sind die erste und die vorlezte Sylbe allzeit lang. 2 Niemals kommen darinn mehr, als zwey kurze Sylben hinter einander vor. Jn Absicht auf die lyrischen Sylbenmaasse geht es nicht wol an, so genuͤgsam zu seyn. Von der Bestimmung der Zweyzeitigkeit uͤber- haupt. Alle zweyzeitige Woͤrter und Sylben koͤn- nen bestimt werden, die Woͤrter durch den Nachdruk, die Leidenschaft, Leidenschaft kent man leicht. Nachdruk ist z. E. in folgendem: Muß ich denn immer wiederholen, daß er damals nicht in, sondern vor dem Hause war? Leidenschaft komt uͤbrigens viel oͤfter in Gedichten vor, als Nachdruk. Sonst ist von beyden noch anzumerken, daß die unveraͤnderlichen Kuͤrzen ihrer gar nicht faͤhig sind, und daß sie den unveraͤnderlichen Laͤn- gen die Ueberlaͤnge geben. ( Tonstellung ) Aus- ser denen mit unsrer verwandten Sprachen komt sie, so viel ich weis, in keiner andern Sprache in Betrachtung. Mir ist nicht bekant, welchen Um- fang und die Tonstellung; die Sylben durch durch diese allein: sie werden aber nicht immer alle bestimt, weil die Tonstellung manchmal so beschaffen ist, daß sie keine oder fast keine Wirkung Die- ses findet besonders alsdann statt, wenn nur Eine kurze Sylbe neben der zweyzeitigen steht. Es ist die Sache des guten Dichters, diese Ton- stellung zu vermeiden. hat. Verschiedne Wirkung der Tonstellung in Ab- sicht auf die zweyzeitigen Woͤrter, und die zwey- zeitigen Sylben. Vorhergehende, nachfolgende und einschliessende Woͤrter oder Sylben bestimmen das Tonmaaß zweyzeitiger Woͤrter. Die Bestim- mung ist ausser ihnen. Die Bestimmung zweyzei- tiger Sylben ist in den Woͤrtern selbst, zu denen sie gehoͤren. Die Woͤrter oder Sylben, welche ausser den Z 3 mehr- fang sie in den verwandten hat. Da ihre Wirkung bey uns Bestimmung der Zweyzeitigkeit ist; so muß man sie mit dem Accente der Griechen (Leute, die viel Kentnisse, und nicht weniger Urtheil zu haben glauben, haben es so gar mit unserm Tonmaasse uͤberhaupt so gemacht) nicht vergleichen. Denn ob ich ánthroopos oder an- thróopu bezeichne, so behalten an und throo eben dieselbe Quantitaͤt. Jch fuͤhre dieß nur an, um der so oft von Deutschen, und mich deucht al- lein von Deutschen, gemachten Beschuldigung zu begegnen, daß unser Tonmaaß Accentquantitaͤt waͤre. Jch gebe gern zu, daß mancher Deutsche mehr Griechisch, als Deutsch wisse; aber ich kann nicht zugeben, daß man viel Griechisch wisse, wenn man |sich nicht erinnert, daß bey den Griechen der Accent die Quantitaͤt nicht allein nicht bestimte, sondern daß jener so gar nach dieser veraͤndert wurde. mehrsylbigen Woͤrtern sind, haben keine Wirkung Wenn man z. E. vor unsterblich noch so viele Kuͤrzen fezt, so behaͤlt un doch sein Tonmaaß: und wenn nach Schoͤnheit, so behaͤlts heit auch. Es ist hier nur Eine Ausname, und die fin- det nur unter der Einschraͤnkung statt, daß ein mehrsylbiges Wort mit einer zweyzeitig ge- bliebnen, und also durch die andern Sylben des Worts nicht bestimbaren Sylbe ende. Denn diese wird durch die folgende Laͤnge kurz, als Herlichkeit strahlt; durch eine solgende Kuͤr- ze wird nichts veraͤndert. Die zweyzeitige Endsylbe bleiht unbestimt. ( nicht alle auf gleiche Art Sobleibt z. E. mein in haͤtte mein Ge- sang zweyzeitig; aber heit wird in Selten- heiten lang. auf ihre Zweyzeitigkeit. Dieß ist der Eine Unter- schied; der zweyte ist der, daß nicht alle Tonstellun- gen die zweyzeitigen Woͤrter, und die zweyzeitigen Sylben auf gleiche Art bestimmen. Neunter Morgen. Die Aldermaͤnner untersuchen, ob ein Geruͤcht ge- gruͤndet sey, daß es von Auslaͤndern darauf angelegt wuͤrde eine Kirche fuͤr die Freygeister in Deutschland zu bauen. E s hatte sich ein Geruͤcht ausgebreitet, daß abgeschikte Auslaͤnder, die aber mit Deut- schen in Verbindungen stuͤnden, auf dem Land- tage waͤren, und sich nicht wenig Muͤhe gaͤben, es es dahin zu bringen, daß in Deutschland eine Kirche fuͤr die Freygeister erbaut wuͤrde. So erzaͤhlten’s einige; andre hingegen hatten nur von einer Capelle gehoͤrt. Was Capelle? sag- ten wieder andre, Gott wird nun bald nur Capellen; aber der Teufel wird Kirchen ha- ben! Verschiedne gutdenkende und entschlosne Juͤnglinge hatten dem Rufe zwar sehr lebhaft, aber zugleich auch mit Behutsamkeit und An- halten nachgespuͤrt, um bis an seine Quelle zu kommen. Allein er schlaͤngelte so sehr umher, daß sie oft wieder weiter von der Quelle weg- kamen. Sie hatten es nicht von sich erhalten koͤnnen, sich in Freygeister zu verstellen; denn sie waren auch darinn Deutsche, daß sie alle Verstellung, selbst diejenige, welche die Klug- heit notwendig zu machen scheint, von ganzer Seele hasten. Haͤtten sie anders gedacht; so waͤren sie vielleicht fruͤher, und naͤher zu ihrem Zwecke gekommen. Unterdeß hatten sie sich doch nicht ganz fruchtlos bemuͤht. Als heute die Landgemeine kaum zusammen gekommen, und noch kein Anwald aufgestanden war, bra- chen die Juͤnglinge unvermutet auf, und gin- gen zu den Aldermaͤnnern. Der Ruf von der Freygeisterkirche, sagten sie, wuͤrde auch zu den Aldermaͤnnern gekommen seyn. Jhnen waͤren bey ihrer Nachforschung, die sie nicht Z 4 ohne ohne Eifer und Ueberlegung fortgesezt haͤtten, endlich Papiere in die Haͤnde gefallen, die, wenn sie zuverlaͤssig waͤren, die Sache voͤllig entwickelten. Sie erwaͤhnten der moͤglichen Unzuverlaͤssigkeit deswegen, damit die Alder- maͤnner saͤhen, wie sehr sie gegen jugendliche Uebereilung auf ihrer Hut waͤren. Sie koͤn- ten aber mit Wahrheit sagen, daß sie nicht die geringste Ursache haͤtten, an der Zuverlaͤssigkeit der Papiere zu zweifeln. Sie haͤtten sich selbst nicht wenig Zweifel gemacht; allein sie waͤren daher auch zur Beantwortung der Fragen, die ihnen etwa gethan werden koͤnten, desto berei- ter. Sie erwarteten den Befehl der Alder- maͤnner, den gefundnen Aufsaz ablesen zu duͤr- fen. Diese wuͤrden besser, als sie, beurthei- len koͤnnen, ob, und wie viel Beweis der Zu- verlaͤssigkeit in der Beschaffenheit des Aufsazes selbst laͤge. Die Aldermaͤnner bezeigten den Juͤnglingen Hochachtung, und liessen sie, nach- dem die dazu eingeladnen Anwalde und der Rathfrager angekommen waren, den Aufsaz ablesen. Dieser lautete so: Wir zwar nicht Unterschriebene, aber doch von den liebsten und getreusten der Unsern Wohlgekante machen hierdurch allen, denen man diese Blaͤtter anvertrauen wird, bekant, daß wir auf den Landtag der deutschen Gelehr- ten ten Abgeordnete geschikt haben, in der Absicht, daß diese sich dort bemuͤhen| sollen, daß dasje- nige, was wir schon so lange auszufuͤhren vor- gehabt haben, naͤmlich eine Kirche fuͤr uns Freygeister zu bauen, in Deutschland ausge- fuͤhrt werde. Wir haben Deutschland dazu ausersehn, weil es leider! weder in Jtalien, noch in Frankreich, ja so gar nicht einmal in England angehn will. Die Hofnung, die wir uns in dieser Sache von Deutschland machen, gruͤndet sich auf folgendes: Die Gelehrten die- ses Landes (wir wissen, daß nun endlich die Zahl der Unsern unter ihnen nicht mehr klein ist) pflegen das mit vielem Eifer zu betreiben, was sie sich durchzusezen vorgenommen haben. Die Juͤnglinge unterbrachen hier die Able- sung durch die Nachricht, daß diejenigen der Abgeordneten, die am meisten von der Sache wuͤsten, es nicht ganz verschwiegen haͤtten: Die wahre Ursach, warum man sich an die deutschen Gelehrten wendete, waͤre, weil diese sich, so wie uͤberhaupt die ganze Nation, von Auslaͤndern leicht zu etwas beschwazen liessen. Nun ists uns zwar (wurde weiter gelesen) recht gut bekant, daß sie mit ihren Fuͤrsten bey- nah in gar keiner Verbindung stehen; aber die- ses ist unserm Vorhaben bey weitem nicht so hinderlich, als es beym ersten Anblicke etwa Z 5 schei- scheinen moͤchte. Denn die meisten deutschen Fuͤrsten, besonders die kleineren sinnen nacht- naͤchtlich darauf (denn den Tag uͤber sind sie auf der Jagd, oder lassen ihre Heere Kriegs- uͤbungen machen) sie sinnen, sagen wir, nacht- naͤchtlich, und so sehr darauf, ihre Einkuͤnfte zu vermehren, daß jeder Vorschlag, der hierzu Mittel an die Hand giebt, bey ihnen leicht Gehoͤr findet. Wenn also ein deutscher Gelehrter, wir sagen nicht das Ohr, sondern nur den Ohrzipfel eines solchen Fuͤrsten hat; so kann er es bald dahin bringen, daß sein Vor- schlag ins Werk gerichtet werde. Und daran wird doch wol Niemand zweifeln, daß dieje- nige Stadt, wo man in eine Freygeisterkirche wird gehn koͤnnen, gar sehr an neuen Bewo- nern zunehmen, und so viele oft wiederkom- mende Fremde, deutsche und auslaͤndische, be- herbergen werde, daß der Besizer dieser Stadt die Auflagen um ein Erklekliches wird steigern koͤnnen. Die Sache kann also von Seiten der Fuͤrsten keine Schwierigkeit haben. Es wird daher nur darauf ankommen, daß sich ein gutgesinter deutscher Gelehrter finde, der fuͤr das wahre Wohl seiner Mitbruͤder, der Frey- geister, die kleine Sorge uͤbernehme, mit dem Vorschlage zu obenerwaͤhntem Kirchenbaue, seine Aufwartung an einem Hofe zu machen. Jezo Jezo muͤssen wir euch, denen unsre Abgeord- nete dieses vorlesen, oder zu lesen geben wer- den, naͤheren Bescheid von der ganzen Sache ertheilen. Hoffentlich wird der Fuͤrst, an den man sich wenden wird, selbst ein Freygeist seyn. Solte man, wider alles Vermuten, den laͤcherlichen Fehltrit begehn, und sich an einen, der ein Christ waͤre, wenden; so wird man sich doch rechts oder links bald wieder zu- recht finden koͤnnen. Man braucht also dem Fuͤrsten kein Geheimnis daraus zu machen, daß wir deswegen eine Kirche bauen lassen, damit unsre Lehre oͤffentlich und oft durch Pre- diger vorgetragen, und eingeschaͤrft werden koͤnne; und daß es nur des gemeinen Mannes halben geschehe, wenn wir derselben, so viel sich dieses nur immer thun lassen will, das aͤusserliche Ansehn einer Christenkirche geben. Sie soll von Marmor, eyfoͤrmig, und so groß seyn, daß sie, gleich einer Hochstiftskirche, auf die Stadt heruntersehen kann. Denn was brauchen wir die Kosten zu sparen; wir ha- ben’s ja dazu. Jhr werdet wissen, daß viele auch von den reichen Grossen, und, unter den Wucherern, die gierigsten Sauger der Unsern sind. Diese achten, wie bekant ist, auf das abgeschmakte Geschrey der Vervortheilten, der Witwen, und der Waisen nicht. Aber bis- bisweilen (wer hat nicht Thorheiten und Schwachheiten an sich?) achten sie denn doch gleichwol ein wenig darauf. Dessen bedienen wir uns dann, und sagen ihnen, daß sie, durch Beysteuer zu unserm Kirchenbaue, alles wie- der gut machen koͤnnen. Besinnen sie sich aber eines besseren, und |enken wieder ins alte Gleis ein; so machen wir ihnen, zwar nicht die Hoͤlle, aber doch den Kopf dadurch heiß, daß wir ih- nen vorstellen, nichts wuͤrde sie so gut aus der uͤbeln Nachrede, in der sie stuͤnden, bringen, als die Beysteuer; ja, sie wuͤrden noch viel- mehr, als da nur heraus gebracht, sie wuͤrden von dem grossen Haufen so gar fuͤr recht heilige fromme Christen ausgeschrien werden, weil sie zum Baue einer so schoͤnen neuen Kirche so viel von dem Jhrigen hergegeben haͤtten. Jhr se- het, daß die Sache, auf Seiten der erforder- lichen Kosten, ganz und gar keine Schwierig- keit hat; und daß man also den Fuͤrsten, wenn ihm Zweifel dieser Art aufsteigen solten, sehr leicht wird beruhigen koͤnnen. Wir kommen zu wesentlicheren Punkten der Sache, als die Schoͤnheit und Groͤsse der Kirche, und die leicht zu bestreitenden Baukosten sind. Wir (denn ihr muͤsset nun auch gelegent- lich erfahren, wer diejenigen sind, die mit euch, theils durch diese Blaͤtter, und theils durch den den Mund der Abgeordneten reden,) wir gehoͤ- ren zu den so genanten Semideisten. Wir koͤnnen es nun einmal nicht aͤndern, daß wir so heissen; aber wir solten es billig nicht, son- dern vielmehr den Namen Freygeister vor- zugsweise fuͤhren. Denn wir sind es allein, die die wahre reine Lehre der Freygeisterey haben; und es wird dadurch eine schreyende Ungerechtigkeit an uns begangen, daß man uns durch die Benennung: Semideisten gleichsam zu einer Secte machen will. Wir verwahren uns aber auch hiermit vermittelst eines feyer- lichen Widerspruchs gegen das Unrecht, wel- ches uns durch diese verkleinerliche Beschuldi- gung der Sectirerey geschieht. Wer seine fuͤnf Sinne nur noch einigermaassen beysam- men hat, wird einsehen, daß wir die allein Rechtlehrenden sind. Denn was hoͤret man bey uns wol anders, als die grossen, tiefge- dachten Saͤze: Die Unsterblichkeit der Seele muß man bald annehmen, und bald nicht an- nehmen, nach dem einem naͤmlich entweder das Eine oder das Andre, um mit den Herrn- hutern, die doch auch ihr Gutes haben, zu re- den, gemuͤtlich, oder es etwas weltlicher, aber nicht viel anders auszudruͤcken, empfindsam ist. Von der Sittenlehre muß man nur so viel annehmen, als einem jezt eben thunlich ist. ist. Morgen oder Uebermorgen macht man’s besser, wenn man kann. Man muß alle Sec- ten der Freygeister dulden, die Tuͤrken auch (von den Heiden versteht sichs von selbst) nur die Christen nicht! Denn es ist eine laͤcherliche Schwachheit, wenn man es auch nur einiger- maassen an sich kommen laͤst, die grosse Lehre von der Duldung bis auf die Christen zu er- strecken. Wir muͤssen vor allen Dingen den Lehrpunkt die Christen betreffend ein wenig er- laͤutern. Ruͤhmen sich nicht die inquisitorisch gesinten Christen, und nur diese sind die rech- ten eigentlichen Christen, denn alles uͤbrige ist Secte; ruͤhmen sie sich nicht gegen uns, daß sie die Feder und den Degen zugleich fuͤhren; da wir Freygeister hingegen nichts, als die Feder allein fuͤhrten? Ja freylich seyd ihr wahre Caͤsare, Borgia naͤmlich, ihr Hunde! Denn auch dieser Caͤsar fuͤhrte Feder und De- gen zugleich, aber eine schlechte, elende, jaͤm- merliche Feder, eine wie die eurige ist! (Fast haͤtten wir uns ein wenig ereifert!) Und sol- chen Leuten, die uns mit diesem Stolze begeg- nen, die sich des hinzukommenden Degens gegen uns ruͤhmen, (Moͤgt ihr euch doch un- sernthalben auch des hinzukommenden Schei- terhaufens ruͤhmen, und Gesinnungen bey euch hegen und pflegen, naͤhren und fuͤttern, ihr ihr Vieh! wie der Jnquisitor, einer der zwoͤlf Blutrichter hatte, der es dem Herzog Alba recht einzubringen wuste, daß er nur dreyssig tau- send hatte hinrichten lassen, indem er zu dem getuͤnchten Philipp sagte: Jch weiß es, ich weiß es, was Schuld ist, daß die Empoͤrer nicht sind gedaͤmpft worden! Die grosse Ge- lindigkeit des Alba ist Schuld!) solchen Leuten solten wir unsre mit so vielem Rechte gepriesene Duldung angedeihen lassen? Aber uns denn doch wenigstens, sagt vielleicht ein Christ, der ein Sectierer ist. Euch auch nicht! Denn ob ihr euch gleich auf den Degen nichts zu gute thun koͤnt, und auch wol eine bessere Feder fuͤhrt, als das Jnquisitorgezuͤcht; so seyd ihr denn doch einmal Christen; und so bald wir diesen Namen auch nur von ferne hoͤren, so koͤnnen wir schlechterdings keine Duldung wi- derfahren lassen. Wir kommen auf die, bey denen unsre Duldung statt findet. Wir dul- den also: Die Deisten, plumpe Philosophen, die leicht etwas fuͤr einen Grundsaz halten, was doch nur eine Folgerung ist, und so bald sie eine Schlußkette gewahr werden, sich gleich zu Gefangnen ergeben. Sie glauben die Un- sterblichkeit der Seele erweisen zu koͤnnen. Ferner: Die Zweifelsuͤchtigen. Denn man muß mit seinem kranken Nebenmenschen Mit- leiden leiden haben. Diese Secte wird immer kleiner, weil ihre beyden Sproͤslinge die Oberhand taͤg- lich mehr bekommen. Die wenigen uͤbrigen Sectierer von der alten Art zweifeln bloß aus Liebhaberey des Grillenfangs. Die beyden sehr zunehmenden Sproͤslinge sind: Die Schwarzsuͤchtigen, die aus Schwermut zwei- feln; und die Gerntaͤuscher, die ihren Zwei- feln recht nach Herzens Lust nachhaͤngen. Wir dulden ferner: Die deistischen Herrnhuter. Sie lehren, daß es ohne einen gewissen Sinn ganz und gar keine Gluͤkseligkeit gebe. Die Wolgesitteten. Weil es in einigen Geselschaf- ten der grossen Welt wider den Wolstand ist, ein Christ zu seyn, und die Wolgesitteten kein hoͤheres Gluͤk kennen, als dort nur so eben an- kriechen zu duͤrfen, so verleugnen sie das Chri- stenthum, von dem sie so wenig, als von der wahren Lehre der Freygeister oder von ihren Jrlehren wissen. Die Spottglaͤubigen. Die- se haben ein so schwaches Gehirn, daß die Spoͤtterey bey ihnen einen eben so unwider- stehlichen Eindruk macht, als die immer wie- derkommenden Einbildungen der Schwermuͤ- tigen bey diesen zu machen pflegen. Bey ih- nen haͤlt keine Untersuchung gegen die Bilder stand, die ihnen von Spoͤttereyen uͤber die christliche Religion, gluͤklichen, oder ungluͤk- lichen, lichen, das ist alles einerley, uͤbrig geblieben sind. Wir dulden ferner: Die Atheisten, weil man (uns deucht dieß steht gar in der Bi- bel) sich auch des Viehes erbarmen muß. Die Gespensterglaͤubigen. Ahndungen, und wie es sonst heist, gehoͤren mit dazu. Diese Secte lehrt, man koͤnne von jeder andern Secte seyn, selbst ein Atheist; nur muͤsse man, was den Gespensterglauben anlange, keine Jrthuͤmer, noch viel weniger Zweifel hegen. Schlieslich dulden wir auch: Die Socinian-Deisten*, oder diejenigen, die den Socinianismus noch mit zum Christenthume rechnen, und diesen gern mit dem Deismus (man verstehe uns ja recht, wir reden nicht von der allein reinen Lehre, naͤmlich dem Semideismus) vereinigen wollen. Die Socinian-Deisten haben einen ziemlich harten Stand, indem sie die Secte der Socinianer noch unter den christlichen an- bringen wollen. Denn diese Secte muß sich voͤllig daruͤber wegsezen, daß sie ihre Meinun- gen auf keine andre Art erweisen kann, als wenn sie die Bibel ganz anders erklaͤrt, wie man sonst ein Buch zu erklaͤren pflegt, oder auch ein Gespraͤch, einen Brief, einen Con- tract, selbst ein Vermaͤchtnis, ja so gar ein Buͤndnis, so lange naͤmlich das Schwert noch nicht wieder gezogen ist: denn ist es gezogen; A a so so geht es bey den Auslegungen freylich so ziemlich socinianisch zu. Aber wie dem auch seyn mag; so dulden wir gleichwol die Soci- nian-Deisten. Denn es ist denn doch voͤllig ausgemacht, daß sie keine Christen sind. Unsre Abgeordneten werden euch einen Riß zu der neuen Kirche zeigen. Er wird euch ge- fallen. Es ist Streit unter uns gewesen, wie wir sie nennen solten; und die Wahrheit zu gestehn, dieser Streit ist noch nicht voͤllig ge- schlichtet. Einige verlangten, sie solte die Kir- che der heil. Petronia heissen, weil dieß die aͤchten Kenner unsrer Saͤze und unsrer Anwen- dungen auf den liebenswuͤrdigen Schlemmer, Petronius Arbiter, der, wenn es Schuzhei- lige gaͤbe, gewiß der unsrige seyn wuͤrde, sehr deutlich verwiese. Andre wolten sie nach der heil. Stomachalis, und das wirklich auch aus recht triftigen Ursachen, genent haben. Die Ursachen hielten sich auf beyden Seiten ziem- lich lange das Gleichgewicht, bis endlich einer von uns noch Eine anfuͤhrte, welche viele von denen, die der heil. Petronia zugethan wa- ren, auf seine Seite brachte, er sagte naͤmlich: Wenn wir den Namen der heil. Stomacha- lis waͤhlen; so nent der gemeine Mann die Kirche, und die Namen, die er bey solchen An- laͤssen giebt, bleiben, der gemeine Mann nent sie sie die Stomachalkirche, und das klinget dann den Leuten fast wie Cathedralkirche; ein klei- ner Umstand, wie es denen, welche die Welt nicht kennen, etwa vorkommen moͤchte, der aber gewiß fuͤr uns und unsre Kirche sehr er- spriesliche Folgen haben wird. Unser grosser und fester Grundsaz ist: Es soll in unsrer Kirche, so weit dieß nur immer thunlich ist, von ungefaͤhr eben so hergehn, wie in einer Christenkirche. Aber Prediger muͤsten wir, selbst wenn auch unser Grundsaz nicht waͤre, notwendig haben. Denn darauf komt es uns ja eben an, daß wir, unter dem Vorwande, die Sittenlehre, im Nothfalle so gar die christliche, vorzutragen, unsre Lehre, mit dem Scheine, als entfiele uns das nur so von ungefaͤhr, rechtschaffen einschaͤrfen. Kurz, die gute Verwaltung des Predigtamts ist der Mittelpunkt, um den sich alle unsre Zirkel drehn, die grossen und die kleinen. Unsre Prediger sollen Bischoͤfe heissen. Das klingt viel besser, als Paster, Magister, Probst, Jnspecter, Supperndent. Denkt’s nur recht nach, wie viele, und wie fleissige Kirchengaͤn- ger unsre Cathedrale, besonders wenn Bi- schoͤfe darinn predigen, haben werde. Wir koͤnnen hier nicht unberuͤhrt lassen, daß uns der Sinn auch schon nach einem Erzbischofe A a 2 steht. steht. Der wird vollends den Leuten Duͤnste von gehoͤriger Blaͤue vormachen. Wenn er seine Hirtenbriefe ergehen laͤst, so soll er sie so anfangen: Wir Erzbischof der deutschen Hauptkirche der heil. Stomachalis, wie auch Bischof in omnibus Partibus Jnfideli- um .. Aber so wol er, als die andern Bi- schoͤfe haben keine Einkuͤnfte. Sie muͤssen und werden sich an der Ehre, durch die Beredt- samkeit zu herschen, genuͤgen lassen. Haͤtten wir diesen vortreflichen Gedanken, den Bi- schoͤfen keine Einkuͤnfte zu geben, nicht gehabt, so wuͤrd es uns, wie ihr in der Folge hoͤren werdet, gar schlimm mit Voltairen ergangen seyn. Denn er bestand schlechterdings darauf, Bischof zu werden; und das ging denn doch nun einmal auf keine Weise an, weil er es be- kantlich gar zu toll macht, und uns daher seine Predigten, wie rein feine Lehre auch ist, sehr nachtheilig seyn wuͤrden. Aber da er von den Nicht-Einkuͤnften hoͤrte, so stand er auf Ein- mal von seiner Foderung ab. Wir kenten den Mann, und wusten, daß er gleichwol unver- sehns wieder umkehren koͤnte; wir boten ihm daher Sachen an, die sich gewaschen hatten, wie ihr auch in der Folge hoͤren werdet. Wir muͤssen unsrer Kirche, wie schon gesagt ist, das aͤusserliche Ansehn einer Christenkirche so sehr geben, geben, als wir nur immer koͤnnen. Wir ha- ben daher Oberkuͤster, Unterkuͤster, Kloͤkner, Thurmblaͤser, Klockenspieler, Organisten. Diese lezten wissen wir genung zu beschaͤftigen; aber die Cantoren, die wir auch haben, nicht. Denn was solten wir wol singen lassen? Wir schraͤnken uns daher weislich auf die Jnstru- mentalmusik ein. Unterdeß durften wir es doch, des Aeusserlichen halben, an den Canto- ren nicht fehlen lassen. Diese Leute haben ins- gesamt grosse Einkuͤnfte. (Die Cantoren essen ihr Brodt mit Suͤnden; moͤgen sie doch!) Aber diejenigen, die unsre Schazkammer am meisten leeren, sind die Todtengraͤber. Gleich- wol waͤr es auch grausam, wenn wir Leute, die sich mit so sehr widrigen Dingen beschaͤfti- gen muͤssen, nicht gut bezahlen wolten. Auch der Kirchenarzt kriegt sein gutes Theil. Wen es Wunder nimt, daß wir einen Kirchenarzt haben, der ist noch ein Neuling. Kann denn einem ehrlichen Manne nicht mitten in der Kirche unvermutet eine Todesfurcht dergestalt anwandeln, daß er der schleunigen Huͤlfe ei- nes zu rechter Zeit angebrachten Aderschlages bedarf? Der Kirchenarzt fuͤhret den Titel Grosmaͤchtiger. Auch unsre andern Kirchen- diener haben gehoͤrige Titel. Denn wir muͤs- sen allen diesen Sachen ein gewisses Ansehn A a 3 geben. geben. Um nur noch des Todtengraͤbers zu erwaͤhnen, so heist der: Gestrenger Herr. Weil wir Voltairen schlechterdings auf unsrer Seite behalten musten; so suchten wir, und fanden auch gluͤklich einen Ausweg, wodurch wir uns aus den Schwierigkeiten, in die wir mit ihm waren verwickelt worden, heraushal- fen. Wir boten ihm naͤmlich alle Kirchenaͤm- ter ausser dem bischoͤflichen an, mit den Ein- namen versteht sich, nur daß er etwas Weni- ges an Gevollmaͤchtige, welche die Aemter an seiner Statt verrichten solten, auszugeben haͤt- te. Wir hatten dabey den Baͤlgentreter ver- gessen. Es kaͤme ihm, sagte er nicht ohne Hize, sonderbar vor, daß wir so vergeslich waͤren. Wir fuͤgten ihm natuͤrlicher Weise so gleich auch hierinn, und die Sache wurde daher auf das beste, und zu beyderseitigem Vergnuͤgen festgesezt, so daß also Voltaire Oberbaͤlgentreter, Oberkloͤkner, Oberthurm- blaͤser, erster Oberkuͤster, (man erlaube uns einige Auslassungen) Oberkirchenarzt, und Obertodtengraͤber an der Stomachalkirche seyn, und unter andern die Titel: Obergrosmaͤchti- ger, und Obergestrenger Herr fuͤhren wird. Die Namen der ernanten Bischoͤfe zeigen wir euch an, so bald wir Nachricht von dem ange- fangnen Kirchenbaue erhalten. Die Die Aldermaͤnner schritten gleich nach der Ablesung zur Untersuchung. Diese fingen sie damit an, daß sie denjenigen vor sich fodern liessen, aus dessen Haͤnden die Juͤnglinge den Aufsaz bekommen hatten. Nachdem man ei- nige Zeit von Hand zu Hand zuruͤkgegangen war, so kam man endlich an einen, der einge- stand, daß er den Aufsaz mit auf den Landtag gebracht haͤtte. Allein, fuhr er fort, ich be- sinne mich nicht, denn ich bin, wie meine Be- kanten wissen, etwas zerstreut, von wem ich dieß Papier vor meiner Abreise erhalten, und es ist ein blosser Zufall, daß ich es mitgenom- men habe. Jch hab es nicht gelesen. Die Ueberschrift: Finanzvorschlag, die es hat, wie ihr sehet, hielt mich davon ab. Denn ich hasse Schriften, die in diese Materie einschla- gen, eben so sehr, als sie mein Freund hier liebt, der sich das Papier, ohne diese fuͤr ihn so verfuͤhrerische Ueberschrift, gewiß nicht zum Durchlesen wuͤrde ausgebeten haben. Man muste dieses nun wol glauben, und das um so mehr, weil man es auf keine Weise auf diesen ersten Ausleiher des Aufsazes bringen konte, daß er sich als Abgeordneter betragen haͤtte. Wider zwey andre von denen, durch deren Haͤnde der Finanzvorschlag gegangen war, zo- gen sich zwar einige Woͤlkchen Verdachts zu- A a 4 sam- sammen, daß sie hier und da Geschaͤfte der Abordnung haͤtten veruͤben wollen; aber sie wusten sich, ob sie gleich hatten gestehen muͤssen, sie waͤren Freygeister, doch so gut heraus zu helfen, daß man ihnen nichts entscheidendes zur Last legen konte. Die Aldermaͤnner, welche die Hofnung, durch weitere Untersuchung mehr heraus zu bringen, dem Scheine nach, aufgaben, bra- chen jezo das Verhoͤr auf Einmal ab, und dankten den Juͤnglingen, daß sie so gedacht, und so gehandelt haͤtten. Beym Heruntergehn, machten sie mir, (Sa- logast schreibt dieses) den Jnhalt einer neuen Polizeyverordnung in der Absicht bekant, daß ich sie aufsezen solte. Kuͤnftighin, war ihre Vorschrift, wuͤrd es gar nicht mehr als Un- verstand, oder als Mangel an Kentnis, sondern lediglich als ein grober Verstoß gegen das, was sich ziemte, angesehn werden, wenn einer dieß, und das, und wieder das gleich fuͤr die Denkungsart und den Geschmak der Nation ausgaͤbe, weil es in zwey drey Buͤchern stuͤn- de, die heute Mode waͤren, und uͤbermorgen altvaͤterisch, und die man nur laͤse, weil man eben etwas zu zehren haben muͤste, und gleich nichts anders bey der Hand waͤre; so wie volkreiche Staͤdte taͤglich, aus gleicher Noth- durft, durft, irgend ein grosses Thier von Neuigkeit, einen Lindwurm, eine Seekuh, oder desglei- chen verschlingen muͤsten. Sie wolten mir, wenn ich den Aufsaz braͤchte, schon sagen, ob diese besondre Gattung von Schwaͤzern, die sich unterstuͤnde der Nation so etwas aufzu- buͤrden, dem Schreyer, oder wem sie sonst zur Zuͤchtigung heimfallen solte. Der Abend. Aus einer neuen deutschen Grammatik. U mendungen der Hauptwoͤrter. Einleitung. Die Endungen werden so genant: Die Wir- kung. Der Tag leuchtet; der Tag wird verfin- stert. Die Verkuͤrzung. Die Schoͤnheit des Ta- ges. Die Abzweckung. Dem Ohre angenehm. (Der Begrif einer Abzweckung findet vielleicht in den mei- sten Faͤllen statt) Die Behandlung. Den Stein fort- tragen. (Auch dieser Begrif findet in nicht wenigen Faͤllen statt) Bey den Richtungen, die entweder mit der Abzweckung, oder Behandlung, oder mit bey- den verbunden werden, hat man diese Begriffe nur selten; und den Begrif der Verkuͤrzung gar nicht mehr, wenn diese durch eine Richtung entsteht. Die Umendungen. Kenzeichen, die alle Um- endungen gemein haben. 1 Jn der Mehrheit A a 5 sind sind Wirkung, Verkuͤrzung, und Behandlung einander gleich. 2 Die Abzweckung hat in der Mehrheit durchgaͤngig n oder en. Ken- zeichen, die einige Umendungen gemein haben. 1 Die zweyte, dritte, vierte und fuͤnfte Umendung haben s oder es in der Verkuͤrzung. 2 Jn der ersten, zweyten, und dritten Umendung sind sich Wirkung und Behandlung in der Einheit gleich. 3 Abzweckung, und Behandlung sind sich gleich in der ersten, zweyten, vierten, fuͤnften, und sechsten Umendung. 4 Die vierte, fuͤnfte und sechste Um- endung haben niemals den Umlaut. 5 Die vierte, und fuͤnfte Umendung haben: a) n oder en in der Abzweckung, und Behandlung. b) Dieses n oder en wird weggelassen, wenn ein Beywort voransteht. c) Jhre Woͤrter sind maͤnliches und weibliches Geschlechts. 6 Die drit- ( Kenz. 1. einander gleich ) Die Zahlen, der Zahlen, die Zahlen. Die Himmel, der Him- mel, die Himmel. Die Tage, der Tage, die Tage. Die Hermanne, der Hermanne, die Her- manne. Die Leibnize, der Leibnize, die Leibnize. Die Menschen, der Menschen, die Menschen. ( Kenz. 2. durchgaͤngia n oder en .) Den Zahlen. Den Himmeln. Den Tagen. Den Her- mannen. Den Leibnizen. Den Menschen. ( Kenz. 1. s oder es ) Des Himmels. Des Tages. Her- manns. Leibnizens. (Kenz. 2. in der Ein- heit gleich ) Die Zahl, die Zahl. Der Him- mel, den Himmel. Der Tag, den Tag. ( Kenz. 3. sind sich gleich ) Der Zahl, die Zahl. Dem Himmel, den Himmel. Hermannen, Herman- nen. Leibnizen, Leibnizen. Dem Menschen, ben Menschen. ( Kenz . 5. b) Dem grossen Hermann, den grossen Hermann. Dem tiefsin- nigen Leibniz, den tiefsinnigen Leibniz. dritte, und sechste Umendung haben die Buchsta- benendung. Umendung 1. Mit der gleichen Einheit. Ein- heit. Wirkung: Die Zahl. Verkuͤrzung: der Zahl. Abzweckung: der Zahl. Behandlung: die Zahl. Mehrheit W. Die Zahlen. V. der Zahlen. A. den Zahlen. Kenzeichen. 1 Die Woͤrter haben die Buch- stabenendung, und die Sylbenendung. An den Sylbenendungen feh- len nur: en, em, und ein . 2 Alle En- dungen sind sich in der Einheit gleich. 3 Die Wir- kung hat in der Mehrheit e und n oder en. N oder en ist am gewoͤnlichsten. E wird nie an die Syl- benendung; beyde werden an die Buchstabenendung gesezt. 4 Alle Woͤrter weibliches Geschlechts, nur einige weibliche Namen und Vornamen ausgenom- men, gehn nach dieser Umendung. Woͤrter. Buchstabenendung: Jagd, That, Wahl, Spur, Maus, Freude, Finsternis, Au. Sylbenendung: Bildung, Leidenschaft, Klarheit, Heiterkeit, Einsiedeley, Jugend, Koͤnigin, Amsel, Mauer. Die Namen einiger Laͤnder und Bezirke, als: die Schweiz, die Wetterau, gehn auch nach dieser Umendung. Ausnamen. (Kenzeichen 2) Zu unsrer lieben Frauen, auf Erden. (Kenzeichen 3. E wird nie an die Sylbenendung.) Die in nis Finsternisse. (Jch fuͤhre diese Ausname an, ob sie gleich nur scheinbar ist. Denn nis, das in der dritten Umendung als Stam- sylbe angesehn wird, kann hier eben so wol dafuͤr gelten) Muͤtter, Toͤchter bekommen keinen Zusaz. Umendung 2. Mit der Wiederholung. Ein- heit. W. Der Himmel. V. des Himmels. A. dem Him- Himmel. B. den Himmel. Mehrheit. W. Die Himmel. V. der Himmel. A. den Himmeln. Kenzeichen. 1 Die Woͤrter haben die Sylben- endung. 2 Alle Endungen, ausser der Verkuͤrzung, sind in der Einheit der Wirkung gleich. 3 Die Wirkung der Mehrheit wiederholt die Wirkung der Einheit. 4 Die Woͤrter sind maͤnlich, und geschlechtlos. Die Zahl der lezten ist die groͤste. Woͤrter. Raͤthsel, Richter, Namen, Die Dichter duͤrfen auch Name, Friede u. s. w. sagen. Kindlein, Athem, das Gehen, das Gerede, und die sremden: Puritaner, Tempo, Gummi, Physiker. Die Na- men in n und m. Die Namen der Staͤdte, und verschiedner Laͤnder. Bey diesen braucht nicht dar- auf gesehn zu werden, ob sie die Buchstaben- oder Sylbenendungen haben. Ausnamen. Die fremden Woͤrter in: or und um Doctoren, Privilegien. Die Namen der Staͤd- te, die in e, s nach einem langen Selbstlaute, x, z, st, xt, zt, sch, und sk endigen. Diese sezen, so wie die Woͤrter der fuͤnften Umendung, ein n vor das s der Verkuͤrzung. Umendung 3. Mit dem E. Einheit. W. Der Tag. V. des Tages. A. dem Tage. B. den Tag. Mehrheit. W. Die Tage. V. der Tage. A. den Tagen. Ken- (Die Zahl der geschlechtlosen die aroͤste) Wir ha- ben viel solche Woͤrter als Maͤdchen, das Sizen, Gelispel, Gewimmer, Gesin- ge . Gesinge, und solche haben zwar die Buch- stabenendung; aber der andern sind so viel, daß jene nicht in Betracht kommen. Kenzeichen. 1 Die Abzweckung Anmerkung. Daß wir Koͤnig, Fittig, Zei- sig, Wuͤtrich, und aͤhnliche; Zierath, Klei- nod, Heiland, Elend, Abend, Reichthum, Leichnam, Labsal, Fruͤhling, Gestaͤndnis nach dieser Umendung veraͤndern, auch dieß be- weist, daß sie aus zwey Stamsylben be- stehn. Von einigen derselben kann man es auch ausserdem beweisen. Nur and und end sind in: Heiland und Abend keine Stamsylben. Denn Heiland ist so viel, als: der Heilende, und Abend, als: der abende (weggehende) Tag. ( Kenz. 2. r nur in dieser Umendung ) Sie druͤkt bisweilen etwas Unedles aus, als: Er macht Gesichter. Man sagt: Er sah Gesichte. (n sehr selten ) Mich deucht nur in: Ohren, Augen, Schmerzen, Strah- len. ( Kenz. 3. Umlaut am oftesten ) Ob- hat ein hin- zukommendes E. 2 Die Wirkung hat in der Mehrheit e, er, und en. E ist am gewoͤnlich- sten, er nur in dieser Umendung, und n komt sehr selten vor. 3 Die Woͤrter haben den Umlaut am oftesten. 4 Die Woͤrter sind maͤnliches Ge- schlechts, und geschlechtlos. Die Zahl der ersten ist die groͤste. Woͤrter. Stab, Geripp, Pfad, Spott, Rath, Reif, Rock, Flug, Keil, Kern, Halm, Rohr, Gleis, Bliz, May, Klee, Auge, Thau, Stroh; auch die fremden Woͤrter: (es ist dabey gleichguͤltig, ob sie wirklich, oder nur dem Scheine nach, eine Stamsylbe ausmachen, oder mit einer endigen) Original, Officier, Factor, Creditiv, Baron, Faun Phantom, Theorem, Decret, Subject, Discant, Centaur, Regiment, Chirurg u. s. w. Aus- Ausnamen. Wir sagen nicht Gotte, wenn wir das hoͤchste Wesen nennen; aber wol dem Gotte, wenn von einem Goͤzen die Rede ist. Drey Fuß lang, tausend Mann ist in seiner Art eben so feh- lerhaft, als wenn commandirt wird: Herstelt euch. Unterdeß ist es einmal in der Sprache. Umendung 4. Mit zwey N. Einheit. W. Hermann. V. Hermanns. A. Hermannen. B. Hermannen. Mehrheit. W. Die Hermanne. V. der Hermanne. A. den Hermannen. Kenzeichen. 1 Die Wirkung der Mehrheit wie- derholt die Wirkung der Einheit, oder bekomt ein e. 2 Bey den alten Namen maͤnliches Geschlechts, die in o endigen, wird zwischen das o der Einheit, und das hinzukommende e der Mehrheit ein n gesezt. ( Kenz. 2. ein n gesezt ) Die Cicerone , aber nicht: die Sapphone, auch nicht: die Sucrone . Woͤrter. Namen der Maͤnner und Weiber, der lezten nur wenige alte. Aus- Obgleich der Umlaut kein Kenzeichen werden kann, weil er bald hier, und bald da ist; so kann es doch der Umstand, daß ihn Eine Umendung am oftesten hat. (die groͤste) Jn Umend. 2 war sie die kleinste. Daher stehn diese Kenz. nicht S. 378. Anmerk. Bey dieser vierten, und bey der fuͤnften Umendung kommen Buchstaben- oder Sylbenen- dung nicht in Betracht. Denn man sieht die Woͤrter derselben, wenn sie auch eine Bedeutung haben, nicht mehr von dieser Seite an. Es ist also nicht noͤtig, sich dabey auf die Regeln der Ableitung zu beziehen. Man bezieht sich aber auf diese Regeln, wenn man Buchstaben- und Sylbenendung unterscheidet. Ausnamen. Diese Umendung hat keine Aus- namen. Umendung 5. Mit drey N. Einheit. W. Leibniz. V. Leibnizens. A. Leibnizen. B. Leibnizen. Mehrheit. W. Die Leibnize. V. der Leibnize. A. den Leibnizen. Kenzeichen. 1 Die Woͤrter endigen in e, s, x, z, st, xt, zt, sch, oder sk. 2 Jn der Ein- heit wird vor das s der Verkuͤrzung ein n ge- sezt. Gisekens, Thoma- sens, Rexens, Opizens, Kleistens, Calixtens, Duschens. ( Kenz. 3. am gewoͤnlichsten ) Jn Umend. 1 war’s n oder en. Daher stehn diese Kenz. nicht S. 378. 3 Die Wirkung hat in der Mehrheit e und n oder en. E ist am gewoͤhnlichsten. Woͤrter. Namen der Maͤnner und Weiber. Ausnamen. Das Herz in der Behandlung; dieß Wort ist auch geschlechtlos. Die Namen in s mit vorhergehendem kurzen Selbstlaute, werden gar nicht umgeendet. Unsre Alten verstanden das besser, als wir. Sie sagten: Johanneses, Jonases. Wer die vierte und fuͤnfte Umendung lieber in Eine verwandeln wolte, haͤtte deswegen Unrecht, weil beyde Kenzeichen haben, die sie genung unter- scheiden; und weil, wenn sie Eine Umendung aus- machten, mehr Ausnamen dabey seyn wuͤrden, als sonst wo in dieser Grammatik vorkommen werden. Ei- ne Regel mehr mit wenigen oder fast keinen Ausna- men behaͤlt man viel leichter, als man es anrech- net, daß eine Regel weniger da ist, wenn diese Ver- mindrung der Regeln viele Ausnamen veranlasset. Um- Umendung 6. Mit dem herschenden N. Ein- heit. W. Der Mensch. V. des Menschen. A. dem Menschen. B. den Menschen. Mehrheit. W. Die Menschen. V. der Menschen. A. den Menschen. Kenzeichen. 1 Ausser der Wirkung, sind alle En- dungen n oder en. 2 Das Geschlecht ist das maͤnliche. Woͤrter. Bote, Pfau, Graf, Gesell, Thor, Genoß, Gefaͤhrt, (der Geliebte, ein Geliebter, die Schoͤne, das Vortrefliche gehoͤren zu den Um- endungen der Beywoͤrter) sonst auch noch fremde Woͤrter, als: Chinese, Philosoph, Theolog, Astro- nom, Tartar, Supplicant, Dissident, Eremit, Patriot, Enthusiast. Ausname. Der Bauer. Die kuͤrzesten Benennungen der Umendungen waͤren wol diese: Nach welcher Umendung geht Zahl? Nach der gleichen. Nach welcher Himmel? Nach der Wiederholung. Und Tag? Nach E. Hermann? Nach zwey N. Leibniz? nach drey N. Und Mensch? nach N. Rohr- Anmerkung . Einige fremde Woͤrter der dritten Umendung haben die Buchstaben- endung auch. Diejenigen, welche davon ge- schlechtlos sind, kommen hier nicht in Betrach- tung, weil diese Umendung keine geschlechtlose Woͤrter hat. Die wenigen andern gleichenden- den Woͤrter kann man leicht behalten, als: des Flors, des Thoren, des Discants, des Suppli- canten, des Respects, des Patrioten. Rohrdommels Verhoͤr. D ie Geselschaft in der Laube wurde so groß, daß die, welche sich dorthin bestelt hatten, nach und nach die Unterredung abbrachen. Ein Alder- mann machte dem unangenehmen Stillschweigen, das zulezt entstanden war, auf folgende Art ein Ende. Jhr wist, sagte er, was sich die vorige Nacht mit Rohrdommeln, und einigen Juͤnglingen zuge- tragen hat. Jch fuͤrchte, daß die Sache morgen bey versammelter Landgemeine angeregt, und durch sie die Geschaͤfte des Landtages koͤnten verzoͤgert wer- den. Wenn ihr es genehmigt, so laß ich Rohrdom- meln jezt kommen, verhoͤr ihn, und spreche das Ur- theil. Es komt freylich darauf an, ob er sich mei- nem Urtheile unterwerfen wolle. Denn verlangt er, daß die Sache vor der versammelten Landge- meine untersucht werde; so muß ich’s mir gefallen lassen, und kann nichts gegen ihn machen. Doch so sonderbar er auch immer seyn mag; so ist er doch im Grunde ein gescheiter Mann, und ich hoffe, daß ihm an meiner Entscheidung gnuͤgen werde. Wir koͤnnen es wenigstens versuchen. Rohrdommel, und die Juͤnglinge erschienen, und erklaͤrten, daß sie sich dem Urtheile des Aldermanns unterwerfen wolten. Dieser sezte sich herum, und das Verhoͤr nahm seinen Anfang. Der Aldermann. Dein Namen? Rohrdom- mel. Laurenz Rohrdommel. A. Gebuͤrtig? R. Aus dem Freyreichsdorfe Urlau belegen auf der leut- kircher Heide in Schwaben. A. Dein Alter? R. Hundert und drey Jahre. A. Deine Wissenschaft? R. Die Zauberey. A. So? Was machst du hier? R. Jch bin seit meinem achtzehnten Jahre auf B b allen allen euren Landtagen gewesen; ich wolt auch auf diesem seyn. A. Warum hast du diese Juͤnglinge hier zu den Geisterbannungen verfuͤhrt? R. Da’s keiner von euch kann, soltet ihr’s dem, der’s allein kann, danken, daß er’s thut. A. Kenst du unsre Verbote nicht? R. Was gehn mich eure Verbote an? A. So? Was thust du eigentlich, wenn du banst? Worauf komt’s dabey an? R. So fragt man die Leute auch aus, die Goldmacher zum Exem- pel, oder mich! Die Schale davon steht dir zu Dienste; vom Kerne kriegst du nichts. A. Wie machst du’s? Machst du einen Kreis? R. Was Kreis? Wer unter meiner Obhut und Einwirkung steht, wenn ich die Geister untergegangner Buͤcher, diese animulas vagulas, minime blandulas, aus ihren locis squalidis, luridis, tetricis her- aufbanne, naͤhert sich einem Druidenschuhe, den ich .. A. Wo hast du denn Druidenschuh herge- kriegt? R. Ey was? Jch zeichne den Schuh auf den Boden, mit einer Farbe, die theils aus Misteln gekocht ist. Du weist doch, daß ein Druidenschuh ein Fuͤnfek ist? Jn so was alltaͤgliches, als ein Kreis ist, und das selbst ein Pfuscher in der Zauberey ma- chen koͤnte, komt kein Buͤchergeist; es muͤste denn etwa der Geist einer politischen Deduction seyn, der sich dahinein locken liesse. A. Und wenn der Schuh fertig ist; dann vermutlich allerhand Worte herge- murmelt? R. Unwissender! nie wird gemurmelt! gesungen wird! A. Kanst du denn singen? R. Ob ich kann? Da frag die hier. Die Juͤnglinge betheuerten insgesamt, er haͤtte eine trefliche Kehle. A. Und was wird denn gesungen? R. Die Titel der Buͤcher, denen die Geister ausgefahren sind, sind, werden abgesungen. A. Der Namen des Verlegers auch mit? R. Allerdings. Manchmal auch die Ueberschrift der Dedication. Ja einmal hab ich so gar die ganze Dedication durchwaten, und bis auf den geliebten Leser, und den Anfang der Vorrede kommen muͤssen. So hartnaͤckig und starr- koͤpfisch war dießmal der Geist, eh er sich wolte se- hen lassen. A. Niemals weiter? R. Ach! erinre mich an den verdrieslichsten Vorfall meines Lebens nicht! Noch moͤcht ich vor Zorne bersten, wenn ich daran denke. Stelle dir’s nur einmal vor! Ein dickes Buch mit Anmerkungen war’s! ein Quar- tant war’s! Und nun hatt ich schon bis in die Mitte hineingesungen; aber noch immer der Geist nicht! und nun bis zum Ende, und nun bis ins Register hinein; aber immer, immer noch kein Geist nicht! und nun gar das lezte Wort des Registers; und der widrigste unter allen Geistern, die jemals in einem Buche gewesen sind, noch, noch, noch nicht! Aber ich kriegt ihn auch dafuͤr! Jch entschloß mich als ein Mann, und sang zuruͤk. Davor hatte er sich nicht gehuͤtet. Kurz, er kam, und ich ließ ihn aus Rache wenigstens so lange stehn, als ein Knecht, (ist aus’m Englischen) der was anhaͤngig machen will, im Borzimmer stehen muß, wenn der Fuͤrst .. nichts zu thun hat. A. Wie geht dir’s, wenn du ein Buch fuͤr Todes verfahren haͤltst; und es doch nicht Todes verfahren ist? R. Fuͤr erst weis ich so ziemlich gut, welche es sind, und welche nicht; und dann, wenn ich mich hier auch einmal irre, so geschieht es doch eben nicht sehr. Denn mit solchen Buͤchern, bey denen ich etwan einmal in Jrthum ge- rathe, pflegt es auf die Neige zu gehen. Dieß wit- tre rch aus folgendem: Allerhand Geisterchen aus B b 2 Zei- Zeitungen oder Monathschriften, in welchen dieß Buch sehr ist gelobpriesen worden, schleichen herbey, so bald das Beschwoͤren angeht, und lassen ein gar klaͤgliches Gewimmer von sich hoͤren. Da hab ichs dann gleich weg, und singe, wenigstens diesen Tag, nicht weiter. A. Jezo, Juͤnglinge, mit denen wir eben nicht zufrieden seyn koͤnnen, weil ihr unsre Verbote so wenig geachtet habt, ist die Reihe an euch. Jhr solt mir vornaͤmlich auf zwey Dinge antworten: Welche Geister ihr habt in das Fuͤnfek rufen lassen, und wie sie ausgesehen haben? Zwey- tens: Woher es gekommen ist, daß man euch wie todt gefunden hat? Waͤr es zulezt nur nicht so schlimm abgelaufen, Alter! so moͤcht es dir allenfalls hingehn, daß du dich von der Neubegierde dieser jungen Leute zu deinen Bannungen hast verfuͤhren lassen. Wem ich unter euch winke, den frag ich. Der Anfang eurer Bekantschaft mit Laurenz Rohr- dommeln? J. Gestern Abend beym Mondlichte. Wir sahen ihn gehn. Er strich sich den Bart, und sang dabey. Da gingen wir zu ihm hin. A. Was sagte er euch? J. Kein Aldermann koͤnte, was er koͤnte. Wir fragten ihn ziemlich hoͤnisch: Was er denn koͤnte? Nur nicht gespottet, junge Herren, sagte er. Wenn ich bey der Laune bleibe, in der ich jezo bin; so will ich euch noch diese Nacht zeigen, was ich kann. Und was kanst du denn? riefen wir, was denn? was? Er antwortete: Die Gei- ster verblichner Buͤcher in ihrer voͤlligen langen ha- gern Gestalt vor eure sichtlichen Augen hinbaunen, daß ihr sie, so lange ihr nur moͤget und wolt, da vor euch betrachten koͤnt. Nun hatten wir schon oft von diesen Geisterbannungen gehoͤrt; freylich hatten wir’s nie so recht glauben koͤnnen: aber jezo war war denn doch der Augenblik da, der’s entscheiden konte, was an der Sache waͤre. Ausser dem war unsre Neubegierde unaussprechlich groß. Weil einer von uns Unteraufseher des grossen Buͤchersaals ist; so konten wir mit Rohrdommeln, wie er verlangte, dahinein gehn. Kaum war die Thuͤre hinter uns verschlossen, so fing er an das Fuͤnfek auf den Bo- den zu zeichnen. Als er fertig war, sagte er: Wir moͤchten uns uun auf die Buͤcher besinnen, von de- nen wir glaubten, daß es mit ihnen vorbey waͤre, und deren Gespenster wir sehen wolten. Waͤren sie aber, seiner Einsicht nach, noch am Leben; so be- schwuͤr er nicht, und dann muͤsten wir andre nen- nen. Uebrigens solten wir, wenn er saͤnge, so gut wir koͤnten, aber nur leise, mitsingen. Uns war noch immer sehr lacherhaft zu Mute; aber wir nahmen uns gleichwol vor, zu thun, was er sagte. Er strich, so lange er redte, und eh wir uns beson- nen hatten, diesen grossen Bart, den ihr vor euch sehet, mit besondrer Lebhaftigkeit, und gleichsam nach dem Tacte, ja bisweilen kraͤuselte er auch dar- an. Wenn der erste Schrecken vorbey ist (wir moch- ten wol angefangen haben ein wenig blaß auszusehn) so ist aller Schrecken vorbey! rief er einmal uͤbers andre; aber darinn hat er nicht wahr geredet. Denn zulezt wurd es leider! uͤber die Maassen arg. R. Was kann ich davor, daß ihr so tollkuͤhn wurdet, und das, mit solchem Ungestuͤme, von mir verlang- tet? Must ich denn etwa nicht endlich nachgeben? J. Als wir Rohrdommeln jezo zu erkennen gegeben hatten, daß wir uns auf Buͤcher besonnen haͤtten, so hieß er uns dem Fuͤnfecke etwas naͤher treten. A. Nantet ihr dieß oder jenes Buch aus besondern Ursachen, oder nur, weil es euch zuerst eingefallen B b 3 war? war? J. Wir hatten die Schraͤnke gegen uns uͤber aufgemacht, und so wie unsre Augen auf ein Buch fielen, und wir mutmasten, es koͤnte wol dahin seyn; so waͤhlten wir’s. Mich foderte er zuerst auf. Als ich ihm das Buch nennen wolte, sagte er: Bring mir’s her, und dann stell dich wieder hin, wo du gestanden hast. Jch that’s. Er sezte seinen Brill auf hielt das Buch ganz dicht ans linke Auge, und nachdem er zwey dreymal recht kraͤftig Tobak genommen hatte, sang er. Sonderbar war es, daß er von unten zu singen anfing. Wir haͤrten fast gelacht; aber das Blatt wandte sich gewaltig, als nach Absingung der wenigen Worte: Ches Haude \& Spener à Berlin der Geist auf Einmal vor uns in dem Fuͤnfecke stand! Wir verlangen es gar nicht zu leugnen, daß dieser unser erster Schrecken groß war. Aber wie kont’s auch anders seyn? Denn hager, grau, wie ungebleichtes Leinen, breitkoͤpfig war der Geist! Ein Spinnwebengesicht hatt er! Augen hatt er nicht; aber wol eine Nase. Lang- nasig, spiznasig war er! Wir wuͤnschten ihn weg; aber das half nichts. Denn Rohrdommel wolt’s noch nicht; und so blieb er denn. Wie gesagt, grau, breitkoͤpfig war er, und spinnwebig im Gesicht, und langnasig, und spiznasig! A. Wie machte es der Mann, daß er den Spuk wieder wegbrachte? J. Er psif auf dem Finger, daß es schmetterte, da war der Geist weg. Nur die Nase tummelte sich noch ein wenig allein in der Luft herum. Wir nahmen einen guten Schluk Wasser, um uns zu erholen; und keiner von uns hatte so recht Lust einen zwey- ten Gang zu wagen. Nun wie steht’s? fagte Rohr- dommel, kann ich nun Sachen, welche die Alder- maͤnner nicht koͤnnen? Frisch! denn es soll noch viel aͤrger aͤrger kommen. Wir fasten uns endlich. A. Jch seh es dir da an, daß du ihm das zweyte Buch ge- bracht hast. J. Das hab ich auch. Rohrdommel sang. Kaum war er auf dem Titel zu den Worten: Zusammengetragen, und nachgeahmet (mit deren vier Aaen er ungemein melodische Dehnungen verubte) gekommen; so war der Geist ploͤzlich da! A. Vom Haupte bis zu den Fuͤssen brauchst du ihn eben nicht zu beschreiben. Was war dir an ihm merkmuͤrdig? J. Jm Anfange fast nichts, als seine Gegenwart, ausser daß seine Finger aus Fe- dern bestanden, deren Spizen beynah alle eben ein- getunkt und gegen uns gerichtet waren. Aber zu- lezt erschrekte er uns doch ein wenig. Denn er nahm die Hirnschale ab, buͤkte sich gegen uns, und zeigte uns seinen leeren Kopf. Auch wanderte er, nach- dem er uns nicht wenig solcher Buͤklinge gemacht hatte, mit der Hirnschale unter dem Arme, wieder fort .. A. Das war ein offenherziger Geist. Jhr haͤttet ihn wol ruhen lassen koͤnnen. Die Buͤcher, mit denen es aus ist, sind uns sehr gut bekant; wir verlangen daher keine weitere Bannungen zu hoͤren. Also nur noch einige Fragen. Wie sahen die Gei- ster der Lehrgebaͤude aus? J. Sie waren lang und duͤrr wie Hopfenstangen; hatten stroherne Gesichter, gewoͤnlich bleyerne Fuͤsse, und nicht selten ein hoͤlzer- nes Bein. A. Und die Gespenster der kritischen Ausarbeitungen? J. Sie hatten Koͤpfe, wie Kal- kuten; der meisten Haͤnde waren etwas krallenhaft. Wenn sie die Haͤnde auf den Ruͤcken hielten, so war das ein Zeichen einer sehr sichtlichen Krallenhaftig- keit. Pfif ihnen aber Rohrdommel, so musten sie gleichwol mit den Haͤnden herum. Hierbey pflegten sie blauroth in den Gesichtern zu werdrn. Sehet B b 4 nur nur recht hin, sagte Rohrdommel, und spiegelt euch daran. Denn ihr koͤnt ja leider! nicht wis- sen, was einst aus euch werden wird. Das ist Roͤ- the des Zorns, und nicht der Scham. Denn die Roͤthe der Scham faͤlt nicht ins Blaͤuliche. A. Was fuͤr eine Stimme hatten sie? R. Kein Buͤ- chergespenst kann reden. Sie sind stumm, weil sie, da sie noch im Leben waren, so viel geschwazt haben. J. Gleichwol glaub ich doch gehoͤrt zu haben, daß etliche wie Muͤcken trompeteten. Eins muß ich doch noch erzaͤhlen. Als Rohrdommel, ich besinne mich nicht mehr, welchen Buͤchergeist (dieser Art sind so viele, daß man bey ihnen wol ein wenig vergeslich seyn darf) herbeybannen wolte, so kamen schon bey dem ersten Triller, den er machte, ganze Schwaͤrme Geisterchen, und erhuben eine gar betruͤbte Weh- klage. Da hoͤrte er gleich auf. A. Wie sahn die Geisterchen aus? J. Wie allerley Geschmeiß. A. Und wie ist’s gekommen, daß man euch des Mor- gens in einem so schlimmen Zustande gefunden hat? J. Damit ist es so zugegangen. Wir hatten nun schon so viele Gespenster gesehn, daß wir die neuge- rufnen ohne alle Furcht in den Schuh treten sahn. Da stand es uns nicht mehr an, sie nur einzeln zu sehen. Wir brachten Rohndommeln durch vieles Bitten dahin, daß er einen ganzen Buͤcherschrank bante. Das that er auf folgende Art: Schrank! Schrank! tiefer Schrank! breiter Schrank! hoher Schrank! Schrank! Schrank! o du Schrank! Aber kaum hatte er auch ausgesungen, als das ganze wuͤ- tende Heer Gespenster auf Einmal uͤber uns herfiel, und uns so uͤbel zurichtete, wie wir hernach sind ge- funden worden. A. Nun ich hoffe denn doch, daß sich Andre an eurem Exempel spiegeln werden. Wa- ren ren viel Streitschriften in dem Schranke? J. Ver- mutlich. Die Buͤcher standen in drey Reihen hinter einander. Jn der vordersten sah es, mich deucht, hier und da etwas polemisch aus. A. Kam Rohr- dommel ganz unbeschadet davon? J. Was wolt er? Jhr sehet ja, wie ihm auf der linken Seite der Bart ausgerauft ist. Als wir wieder zu uns selber kamen, fanden wir um uns herum viel weisses Haar liegen. Am diksten lag’s im Schuhe. Der Spuk mocht’s wol aus Rache dahin zusammengeschlept ha- ben. A. Wirst du fortfahren zu bannen, Rohr- dommel? R. Warum nicht? A. So? Und ihr wolt ihr wieder bannen lassen? J. Ganze Schraͤnke nun eben nicht; aber sonst .. wir glauben, daß es uns denn doch sonst wol koͤnte verstattet werden; wiewol wenn in den Schraͤnken keine Streitschrif- ten waͤren .. A. Man kann es euch jungen Leuten eben nicht so sehr verargen, daß ihr gern wissen wolt, wie es mit der Dauer dieser und jener Schrift be- schaffen sey. Diese Kentnis kann euch auf den Fall hin, daß ihr etwa selber was schreiben woltet, gar heilsam seyn: aber unsre Verordnung, die Todten in Ruhe zu lassen, ist gleichwol einmal da, und das habt ihr gewust; uͤberdieß haͤttet ihr euch ja nur bey Zuͤnftern, oder bey uns erkundigen koͤnnen, wie es mit solchen Schriften stuͤnde, und eben eure Zu- flucht nicht zu einem Zauberer nehmen duͤrfen. Herold! so lange der Landtag dauert, fuͤhrst du Laurenz Rohrdommeln, und diese fuͤnf Juͤnglinge, einen Abend um den andern, jedesmal auf eine Stunde, in den grossen Buͤchersaal. Dort solt ihr Rohrdommeln aus den Buͤchern, deren Gespenster ihr durch ihn habt bannen lassen, (ihr muͤsset Sorge tragen, daß er ja nicht daruͤber einschlafe, denn sonst B b 5 wuͤr- wuͤrdet ihr ihm und euch nur neue Strafe zuziehn) diejonigen Stellen, wo die Buͤcher am kraͤnksten ge- wesen sind, und wo sie die unheilbarsten Beulen gehabt haben, solt ihr ihm dort so gut, als es die sorgfaͤltigste Declamation nur immer vermag, vor- lesen. Und trift’s Buͤcher, die bey ihren Lebzeiten eine bluͤhende, hochrothe Farbe gehabt haben, und hernach an der Schwindsucht gestorben sind, die solt ihr nicht stellenweise, sondern ganz vorlesen. Rohrdommel hatte vom Anfange des Verhoͤrs an die Hand von der linken Seite des Kinns nicht weg- gebracht; und da behielt er sie auch jezo, indem er von dannen schied, und sich dem Urtheile, uͤber des- sen Strenge er nur zweymal einen lauten Schrey gethan hatte, unterwarf. Zehnter Morgen. Die Berliner und Manheimer Academien werden angeklagt. Der Muͤncher Academie wird ge- dankt. Franzoͤsische Botschafter kommen an. Die Zunft der Naturforscher erhaͤlt einen Vor- zug. S chon seit dem Anfange des Landtages hatte ein geheimes Feuer in der Asche ge- glommen, dessen nahen Ausbruch man nun beynah mit Gewisheit voraussehen konte. Wir Wir haben mit Vorsaz noch nichts davon er- waͤhnt, weil wir die Geschichtschreiber eben nicht sehr bewundern, welche, nachdem die Sachen nun geschehen sind, bis zu dem fruͤhe- sten Vorhergange zuruͤck spuͤren, und in dem- selben das Geschehne, als notwendig kuͤnftig, bisweilen zwar wol recht gut, aber doch im- mer zu spaͤt entdecken. Dieß verleitet oft scharfsichtige, und sogar tiefsinnige Maͤnner zu Geschwaͤz; und vornaͤmlich bringt es sie von ihrem Hauptzwecke ab, welcher kein andrer senn kann, als die wirklichen Begebenheiten nach ihrer wahren Beschaffenheit zu erzaͤhlen. Sobald aber der Vorhergang schon einen Theil der Begebenheiten selbst ausmacht, ob er gleich, wegen noch fehlender Folge, nicht mit voͤlliger Gewisheit dafuͤr gehalten werden kann; so darf ihn der Geschichtschreiber, als einen solchen, anfuͤhren. Die meisten Mit- glieder der Berliner und Manheimer Acade- mien hatten sich, ob wohl verschiedne von ih- nen auch auf andern Zuͤnften haͤtten seyn koͤn- nen, auf die Zuͤnfte der Naturforscher, der Mathematiker, und der Weltweisen begeben. Die Absicht, warum sie vornaͤmlich auf diesen Zuͤnften Einfluͤsse zu haben gesucht hatten, war gestern, durch gewisse Erklaͤrungen wider einige Geseze vom Hochverrathe, sehr kenbar ge- geworden. Die uͤbrigen Academisten waren so auf etlichen andern Zuͤnften vertheilt, daß die Art der Vertheilung nur durch die Absicht, auch hier nicht ohne Einfluͤsse zu seyn, gut er- klaͤrt werden konte. Auch diese hatten sich seit einem Paar Tagen immer lebhafter bemuͤht, sich ihrem vorgesezten Ziele zu naͤhern. Die Zunft der Naturforscher hatte sich bestrebt, zwey Stimmen zu bekommen; und dieß wuͤrd ihr auch, wegen ihrer Groͤsse, und wegen ih- rer Vortrflichkeit, gelungen seyn, wenn die andern Zuͤnfte nicht entdekt haͤtten, daß die Academisten die Veranlasser dazu gewesen waͤ- ren. Die Aldermaͤnner hatten mit ihrer ge- woͤnlichen Festigkeit, aber lebhafter, als sonst erklaͤrt, daß die Berathschlagungen uͤber das Ansuchen der Naturforscher noch muͤsten aufge- schoben werden. Dieß hatte die Zunft der Dichter auf die Vermutung gebracht, daß es die Aldermaͤnner wider die Academisten aus- zufuͤhren vorhaͤtten. So sehr sie dieses auch freute; so branten sie gleichwol auch vor Be- gierde, es selbst auszufuͤhren. Aber sie hiel- ten dafuͤr, der wahre Zeitpunkt der Ausfuͤh- rung waͤre noch nicht da; und dieß unter an- derm auch deswegen, weil sich die Academisten mit sehr gutem Erfolge bemuͤht hatten, auch das Volk fuͤr sich einzunehmen. Dieß muͤste, mein- meinten sie, ausser dem, was sonst noch zu thun waͤre, erst wieder zuruͤkgebracht werden, eh man es unternehmen koͤnte. So standen die Sachen diesen Morgen, als es schien, daß die Aldermaͤnner der Bilder wegen Ver- hoͤr halten wuͤrden. Aber unvermutet ging ein Aldermann auf seinen Huͤgel. Die Stille war gleich allgemein, weil man deswegen, daß er den halben Kreis verlassen hatte, et- was ungewoͤnliches erwartete. Er redete die Landgemeine so an: So oft bisher bey uns ist angefragt worden, ob wir Vortrag halten wolten; so haben wir es allezeit ausgesezt, und den Zuͤnften die Verehrung, mit der wir immer an sie denken, zu zeigen, und dem, was sie etwa zum Besten der Republik zu sa- gen haͤtten, auf keine Weise im Wege zu stehn. Wir wuͤrden dieß unser Betragen auch jezo noch nicht aͤndern, wenn wir nicht wich- tige Gruͤnde dazu haͤtten. Wir sind geruͤhrt, daß wir streng seyn muͤssen. Dieß sey ge- nung. Denn ihr verlangt gewiß nicht von uns, daß wir heute das erstemal weitlaͤuftig sagen, was wir zu sagen haben. Jeder weiß, daß die Academisten zu Berlin, und zu Man- heim nicht in unsrer Sprache schreiben. (Den Muͤncher Academisten werden wir hernach un- sern Dank oͤffentlich dafuͤr abstatten, daß sie wissen, wissen, daß sie Deutsche sind!) Die Republik hat den vorigen Landtag beschlossen, daß, wenn ganze Geselschaften in einer fremden Sprache schrieben, ihre Mitglieder als Hochverraͤther solten angesehen werden. Es ist, wie ich hoffe, uͤberfliessig, daß ich die Rolle von der notwendigen grossen Saͤuberung, wenn in hellen Haufen, Schaaren, und Heren brngen lasse. Diejenigen Academisten, deren meiste Schriften nicht academisch, und zu- gleich deutsch sind, entfernen sich von den uͤbrigen. Sie haben zwar in den Hochver- rath gewilligt; aber wir muͤssen ihrentwegen gleichwol einen zweyten Vortrag halten. He- rold, samle die Stimmen wegen der Ange- klagten. Die Academisten hatten einen so schnellen Ausbruch nicht gefuͤrchtet. Auf eine Verthei- digung konten sie sich nicht einlassen. Das Gesez wider sie war zu klar. Es kam also jezt allein darauf an, zu erwarten, ob ihre vielfa- chen Bemuͤhungen bey ihren Mitzuͤnftern und dem Volke die Wirkung haben wuͤrden, daß das Gesez schweigen muͤste. Haͤtten sie die Abschaffung desselben in Vorschlag bringen wollen; so waͤren sie desto gewisser verloren gewesen. Und gleichwol war ihnen, wenn sie ja was unternehmen wolten, nichts anders als als dieses uͤbrig. Einer von ihnen redete zwar viel von seiner Verwunderung, daß die Goͤt- tinger Academie nicht auch angeklagt wuͤrde; aber er muste bald davon abstehn. Denn die Aldermaͤnner erklaͤrten ihm, daß sie keine Re- chenschaft daruͤber zu geben haͤtten, wen sie anklagten, und wen sie nicht anklagten. Andre machten ihm deutlich, daß man sich heute ge- wiß nicht in Schwierigkeiten verwickeln wuͤrde. Und dazu wuͤrde man doch gezwungen seyn, wenn man die Sache der Goͤttinger Academi- sten auch untersuchen wolte. Denn sie haͤtten nicht nur in der lateinischen Sprache, sondern auch in unsrer geschrieben. Uebrigens waͤre der jezige Aufschub dieser Untersuchung kein Beweis, daß sie diesen Landtag nicht noch vor sich gehen koͤnte. Die Angeklagten haͤtten nicht einmal so ru: hig scheinen koͤnnen, als sie noch schienen; wenn sie ihren Entschluß auf den Fall, der sich jezt zutrug, nicht schon haͤtten gefast gehabt. Aber ihre scheinbare Ruhe war nicht ohne Ver- druß, und auch nicht ohne Kummer. Denn einige liebten ihr Vaterland gleichwol doch ein wenig. Die Stimmensamlung ging deswegen etwas langsam vor sich, weil viele Zuͤnfte waͤh- rend derselben bestaͤndig an einander schikten. Dieß vermehrte die Unruh bey Erwartung des des Ausgangs nicht wenig. Den alten Herold hatte es so angegriffen, daß er nicht im Stande war, den Ausruf zu thun. Ein Unterherold muste daher sein Amt verrichten. Endlich wurde der Ausgang, den die Sache genom- men hatte, bekant. Die Zunft der Drittler erklaͤrte beynah mit allen Stimmen; der Rechtsgelehrten mit zwey Stimmen Mehrheit; der Mathematiker durch den Ausschlag des Anwaldes; die gemischte Zunft durch sieben Stimmen Mehrheit, und das Volk mit drey Stimmen, daß die Entscheidung bis gegen das Ende des Landtages solte ausgesezt blei- ben. Aber alle uͤbrigen Zuͤnfte, und unter ihnen die Zuͤnfte der Naturforscher, der Dich- ter, der Redner, und der Geschichtschreiber mit allen Stimmen, waren fuͤr Urtheil und Recht nach den Gesezen. Drey Aldermaͤnner verliessen den halben Kreis, und gingen nach derjenigen Zunft zu, auf welcher sie die meisten Mitglieder der Muͤncher Academie sahen. Einige Academi- sten kamen ihnen entgegen. Wir kommen, euch unsern Dank abzustatten, sagten die Al- dermaͤnner. Wir wuͤrden erroͤthen, deswegen Dank an- zunehmen, weil wir thun, wir sagen nicht, was wir zu thun schuldig sind, denn an die Schul- Schuldigkeit hatten wir nicht noͤtig zu denken, sondern was wir gern thun. Wohlan denn, ihr wehrt uns, euch zu dan- ken; aber euch unsre Freude zu bezeugen, solt ihr uns nicht wehren. Wir freuen uns, daß ihr wist, wer ihr seyd! und daß ihr un- sern Dank ausschlagt! Die Aldermaͤnner, und die Academisten gingen hierauf nach ihren Plaͤzen zuruͤk. Niemals ist solche Freude, und solche Be- truͤbnis an so Bielen zugleich gesehen worden, als diesen Tag. Ueberall wurde Abschied ge- nommen, und beklagt, daß die Republik so viele verdienstvolle Maͤnner auf Einmal ver- loͤre; aber es wurden auch beynah von allen Zuͤnften, selbst von denen, welche den Auf- schub der Entscheidung verlangt hatten, die Anwalde an die Aldermaͤnner geschikt, ihnen zu ihrer maͤnlichen und patriotischen That Gluͤck zu wuͤnschen. Der Anwald der Dichter endigte seine Anrede so: Wir haben es auch thun wollen; aber ihr seyd uns zuvor gekom- men. Jhr habt den wahren Zeitpunkt besser, als wir gekant. Keiner andern Zunft haͤtten wir es verziehn; euch verzeihn wir’s, weil ihr die Aldermaͤnner, und es heute mehr als je- mals seyd: allein uns selbst koͤnnen wir kaum verzeihen, daß wir durch allerhand Vorstellun- C c gen gen von noch fortwaͤhrender Unreife der Sache unsre Entschlossenheit unwirksam gemacht ha- ben. Damit wir aber heute doch auch etwas Bidermaͤnnisches thun, so schlagen wir vor, daß, so bald sich die Verwiesenen werden entfer- net haben, der Zunft der Naturforscher die zwey Stimmen gegeben werden, doch unter der Einschraͤnkung, daß sie dieselben nur dann habe, wenn die Stimmen der Zuͤnfter uͤber zwey Drittheil gehn. Denn wie sehr wir die Zunft der Naturforscher auch verehren; so duͤrfen wir sie doch den Aldermaͤnnern nicht voͤllig gleich machen. Da den Academisten die weissen Staͤbe schon waren gereicht worden, und sie wol sahen, daß man geneigt war, jezo gleich zu der Stimmen- samlung, der Naturforscher wegen, zu schrei- ten; so brachen sie auf. Die vorseyende Stimmensamlung war die einzige Ursach, daß sie unbegleitet weggingen. Der Herold war bey seinem heutigen Ge- schaͤfte so hinfaͤllig geworden, daß er sich noch immer nicht erholen konte. Dieß verzoͤgerte die Stimmensamlung wegen der Naturfor- scher. Endlich ging sie vor sich. Sie war kaum halb vollendet, als Nachricht bey den Aldermaͤnnern ankam, daß Botschafter der franzoͤsischen Gelehrtenrepublik, die sich auch ver- versammelt haͤtte, in der Naͤhe waͤren. Die Aldermaͤnner hiessen den Herold inne halten. Dieß geschah deswegen, weil die Botschafter gleich bey ihrer Ankunft eine wichtige Entschei- dung der Republik mit ansehn solten. Bald darauf schikten die Franzosen ihren Dolmet- scher, liessen von ihrer Ankunft Nachricht ge- ben, und zugleich anfragen: Ob, eh sie erschie- nen, ein Ceremoniel solte festgesezt werden? Die Aldermaͤnner (die Zuͤnfte erlaubten ihnen zu verfahren, wie es ihnen gefiele) schikten ei- nen Dolmetscher zuruͤck, und liessen den Bot- schaftern sagen; Die deutschen Gelehrten ha- sten alles Ceremoniel, so sehr es auch viele Altfranken noch liebten. Sie wuͤrden aus freyer Neigung so gleich drey Anwalde losen, und sie ihnen, so weit sie nur kommen koͤnten, entgegen gehn lassen. Ein Aldermann solte sie bey Leibnizens Eiche empfangen, und das nicht deswegen, weil sie nahe, sondern weil es Leibnizens Eiche waͤre. Das einzige, was etwa vorher festzusezen waͤre, bestuͤnde darinn, daß bey den Unterredungen Dolmetscher ge- braucht wuͤrden. Das Loos traf die Anwalde der Kundigen, der Mathematiker, und der Drittler. Der Anwald der Geschichtschreiber erhielt es von diesem, seine Stelle zu vertreten. Unser Dolmetscher kam zuruk, und berichtete, C c 2 wo wo die Anwalde, und die Botschafter sich an- getroffen haͤtten, und daß diesen zuvor etliche unsrer Verwiesenen begegnet waͤren. Die Botschafter haͤtten’s ihnen abtgeschlagen, sich bey ihrer Republik dortiger Aufname halben zu bemuͤhen, weil sie sich jezo, da sie an die Deutschen gesandt wuͤrden, ganz und gar nicht auf solche Empfehle einlassen koͤnten. Und uͤberdieß muͤsten sie gestehn, die Ursach der ge- wuͤnschten Verpflanzung waͤre von einer Art, daß sie nirgends so wenig, als in Frankreich, wuͤrde bewundert werden. Die Botschafter kamen an. Der Aldermann, die Anwalde, und einige Franzosen, die vor ihnen auf den Landtag gekommen waren, begleiteten sie. Sie gingen, weil sie den Weg von den Ahornwaͤldchen her genommen hatten, zwischen dem Volke, und den Zuͤnften der Kenner, der Wisser, dem Zunftplaze mit dem Denksteine, den Zuͤnften der Geschichtschrei- ber, der Weltweisen, der Mathematiker, und der Astronomen nach dem halben Kreise hin- auf. Die Aldermaͤnner empfingen sie mit Hochachtung, und deutscher Offenherzigkeit; und weil die Franzosen das Ceremoniel auch verachteten; so verschonte man sich so gar mit feyerlichen Anreden, und Antworten. Die Botschafter entdekten die Ursach ihrer Absen- dung dung ohne alle Umschweife. Sie waͤren, sag- ten sie, gekommen, unsre Geseze, von denen man bey ihnen gehoͤrt haͤtte, genauer kennen zu lernen, und einige davon ihrer Republik zu uͤberbringen. Sie baͤten also um die Mitthei- lung derselben. Sie haͤtten, der Wahl hal- ben, keine gemesnere Befehle, als bey Din- gen, von denen man nicht genung unterrichtet waͤre, koͤnten gegeben werden. Wolte ihnen die Republik vergoͤnnen, ihre Jahrbuͤcher zu sehn; so wuͤrden sie dadurch desto mehr in den Stand gesezt werden, von dem Sinne der Ge- seze ein richtiges Urtheil zu faͤllen. Ausser dem wuͤrde dieses auch ihr Vergnuͤgen einige Zeit auf dem Landtage zuzubringen vermehren. Die Aldermaͤnner bezeigten den Botschaftern ihre Freude uͤber die Absicht ihrer Ankunft, und erboten sich, ihnen die Kentnis der Geseze auf alle Weise zu erleichtern. Was die Jahr- buͤcher betraͤfe, so koͤnten sie daruͤber nichts entscheiden; sondern sie muͤsten deswegen bey den Zuͤnften und dem Volke anfragen. Dieses wuͤrden sie so bald thun, als es ihnen die Ge- schaͤfte des Landtages zuliessen, deren einige so beschaffen waͤren, daß ihre rechte Zeit nicht duͤrfte verabsaͤumt werden. Nachdem sie mir hierauf (Wlemar schreibt dieses) noch den Be- fehl gegeben hatten, die Botschafter so bald C c 3 sie sie es verlangten, in die grosse Halle zu fuͤhren. und ihnen aus den Rollen zu uͤbersezen; so hiessen sie den Herold mit der Stimmensam- lung fortfahren. Die Naturforscher erhielten ihren Zwek, den sie durch alle Stimmen zu er- halten, so sehr verdienten, doch nur durch Eine Stimme Mehrheit. Aber von den Zuͤnften, die einwilligten. war auch beynah keine, die es nicht mit allen einzelnen Stimmen gethan haͤtte. Der Abend. Von einer alten Felsenschrift. M an unterhielt sich von nichts anderm, als von einer alten deutschen Aufschrift, die an einem Felsen war gefunden worden. Hiermit war es so zugegangen. Am Ausgange des kuͤhlen Thals liegt ein abge- sonderter Fels. Seine Lage, und die von vielen geglaubte Erzaͤhlung, daß in den aͤltesten Zeiten bey ihm der Genossam zusammengekommen ware, ma- chen ihn merkwuͤrdig. Diesen Nachmittag hielten sich einige bey dem Felsen auf, weil ein verdorter Baum, der aus einer Spalte desselben hervorge- wachsen war, weggenommen wurdꝛ. Sie wolten den lieben Baum noch einmal sehen, der ihnen durch seine seine Schoͤnheit, und durch seinen Schatten so oft Vergnuͤgen gemacht, und der nun diesen Fruͤhling nicht wieder gebluͤhet hatte. Jndem bey dem Weg- nehmen des Baumes unter seinen Zweigen das Moos hier und da von dem Felsen losging, so wurden sie in diesem alte Schrift gewahr, die sie desto auf- merksamer machte, je mehr sie davon entdekten. Sie sahen bald etliche Worte, die sie fuͤr deutsche hielten. Einer unter ihnen behauptete dieß mit noch mehr Zuversicht, als die uͤbrigen, weil er mit dem alten Deutschen, wofuͤr er die Schrift erklaͤrte, nicht un- bekant war. Ein andrer rief Freunde herzu, von denen er glaubte, daß sie uͤber die Sache noch ent- scheidender urtheilen koͤnten. Es waͤhrte gar nicht lange, so war eine nicht kleine Anzahl bey einander, die belehrten, lernten, und widersprachen. Jezo kam auch derjenige, der unsre alte Sprache genau wuste, und der zulezt die andern Ausleger uͤberzeugt hat, daß sie seiner Beyhuͤlfe beduͤrften, um zur voͤl- ligen Gewisheit zu kommen. Damals war das Moos hier und da noch nicht genung weg; aber man be- merkte dieß nicht, und glaubte schon alles zu lesen; und es fehlte nicht viel, daß man nicht auch alles zu verstehn glaubte. Hier folgt das, was man da- mals las, und beynah ohne uͤberbleibende Zweifel erklaͤrte. Denn der erwaͤhnte Sprachkenner konte bey der Hize, in der man war, mit seiner Bemer- kung, daß hier und da noch ein wenig Moos vor- handen waͤre, kein Gehoͤr finden. Man las: Ena furi alliu di alliu furi end. So wher s birit fra themo farborgenode endi is libbia sagit efto sin- git then aldon frankonon hesare ist elline endi skal obarreckeanne helithos litheodono imo burit blado fram them he ag Ek joh thaz her sittea in samninge C c 4 undar undar louthi endi bi idiseo thero skonista. Si is thesan anblekit thie gramo her insengit tweena blado fram them lag Eek. Hail waͤs joh skimo in hageno themo biderbe ther tha horit sang in wordo wittena. Ena furi alliu endi alliu furi eno. Dieß uͤbersezte man woͤrtlich so, und verstand es auch, wie man meinte. Das Moos hatte dabey nicht alle Schuld. Einer fuͤr alle, die alle fuͤr Einen. So sey es! Wer es nimt von dem Verborgnen, und seine Lippe es sagt oder singt den alten Franken, sehr ist er es allen. Er wird es (nur diese Stelle hielt man fuͤr etwas schwer) den Helden des kleinen Eigenthums uͤberreichen. Jhm gebuͤhrt das Blatt von der hei- ligen Ecke, (von dem Druiden naͤmlich. Denn die Druiden trugen fuͤnfeckichte Schuhe) ja, daß er size in der Versamlung unter den Maͤnnern, und bey dieser Schoͤnsten. Sie ist es! Diesen blekt der Hoͤl- lenhund an. (Gramo, durch die Versezung, fuͤr: garmo. Hela’s Hund hieß Garm) Er empfaͤngt zwey Blaͤtter von der Eiche des Gesezes. Heil sey, ja Schatten im Haine dem Bidermanne, der Gesang hoͤrt in den Worten der Richter. Jndem man schon alles zu lesen glaubte, und auf die angefuͤhrte Weise getrost uͤbersezte, ließ der Sprachkenner das uͤbrige duͤnne Moos mit Sorgfalt abnehmen, damit die vermutlich noch fehlenden Buch- staben nicht beschaͤdigt wuͤrden. Unterdeß hatte sich die Nachricht von der entdekten Feisenschrift auch ausser dem kuͤhlen Thale ausgebreitet. Man koͤnte sie, wurde gesagt, schon ganz lesen, schon erklaͤren. Sie waͤre von eisgrauen Zeiten her, und enthielte viel Merkwuͤrdiges. Die Druiden kaͤmen darinn vor; auch eine unbekante Heldin. Man haͤtte da- mals mals eine Eiche gehabt, die haͤtte die Eiche der Ge- seze geheissen. Der Schreyer lief unter seinen aus- gesuchtesten Busenfreunden ganz athemlos umher, und machte bekant: Ja an dem Felsen des kuͤhlen Thales ist sie gefunden worden. Dort sind sonst die Genossame zusammen gewesen; und dort soll kuͤnftig das grosse Volk auch zusammen kommen, und nirgends anders! Wist ihrs schon? Jn dieser Schrift steht ein langes und breites von verborgnen Schaͤzen! Sie haben auch einen Druidenschuh in der Kluft wo gefunden. Es faͤlt auch eine Liebes- geschichte von einer Prinzessin in dieser alten Nach- richt vor. Garm (das ist der Hoͤllenhund!) reist sich los, und verfolgt die Prinzessin; sie kann aber ein Paar Aeste einer bezauberten Eiche erwischen, und damit schlaͤfert sie den Hoͤllenhund ein. Jndem er nun liegt, und schnarcht; so entkoͤmt die Prin- zessin gluͤklich! Einige Aldermaͤnner, die eben bey einander wa- ren, schikten, ob sie gleich von der ganzen Sache beynah noch gar nichts glaubten, Jemanden ins kuͤhle Thal, der selber sehen, und Nachricht bringen solte. Der Abgeschikte kam mit dem Sprachkenner, dessen wir erwaͤhnt haben, zuruͤk. Dieser uͤberbrachte den Aldermaͤnnern seine Abschrift, von der er, nach Er- zaͤhlung des ganzen Hergangs, sagte, daß sie genau, und daß nun kein Buchstaben mehr unter Moose verborgen waͤre. Weil die Aldermaͤnner ihren Mann kanten, so erhielt die Sache auf Einmal ihre Auf- merksamkeit. Sie liessen noch drey andre kommen, denen sie gleiche Kentnis der alten Sprache zutrau- ten. Diesen solte die Abschrift, und die Uebersezung nebst den Gruͤnden derselben vorgelegt werden. Dieß geschah. Man glaubte zu bemerken, daß die C c 5 Alder- Aldermaͤnner waͤhrend der Untersuchung sehr ver- gnuͤgt uͤber die Entdeckung wuͤrden. Dieß breitete unter denen, welche sich um sie versammelt hatten, gleiches Vergnuͤgen aus, nur daß es durch die Un- geduld, die Sache auch zu wissen, ein wenig unter- brochen wurde. Nachdem der Abschreiber die ihm gemachten Einwuͤrfe so beantwortet hatte, daß kein Zweifel mehr uͤbrig zu seyn schien; so waren die Al- dermaͤnner gleichwol noch nicht zufrieden. Sie schikten die Drey nach dem kuͤhlen Thale, daß sie die Abschrift mit dem, was sie an dem Felsen lesen wuͤrden, vergleichen solten. Diese kamen endlich zuruͤk, und nun wurde die allgemeine Neubegierde durch die Ablesung der Uebersezung befriedigt. Diese war mit Fleiß woͤrtlicher gemacht, als man sonst bey Uebersezungen seyn darf. Um der wenigen Leser willen, die etwa von der Urschrift miturtheilen koͤn- nen, lassen wir dieselbe vorangehn. Sie werden dann am besten sehen, ob dem Sprachkenner, und seinen Gehuͤlfen ihre Arbeit schwer, oder leicht ge- wesen sey, wenn sie mit Lesung der Uebersezung war- ten, bis sie die Urschrift selbst heraus gebracht haben. Ena furi alliu endi alliu furi eno. So wher s birit fra themo farborgenode endi is libbiand sagit efto singit then aldon frankonon thesare ist elline endi skal obarreckeanne helithos elitheodono imo burit blado fram them helag Ek joh thaz her sittea in samninge undar blouthi endi bi idiseo thero sko- nista. Si is thesan anblekit thie gramo her infen- git tweena blado fram them helag Eek. Hail waͤs joh skimo in hageno themo biderbe ther tha horit sang in wordo Wittena. Ena furi alliu endi alliu furt eno. Einer Einer fuͤr Alle, und Alle fuͤr Einen. Wer es aus der Verborgenheit hervorbringt, und es den alten Franken lebendig sagt, oder singt, der ist vor- treflich, und er wird uͤber verehrte Auslaͤnder her- vorragen. Jhm gebuͤhrt das Blatt von der heili- gen Eiche, und daß er in der Zusammenkunft un- ter Bluͤthe, und bey dem schoͤnsten Maͤdchen size. Geschieht es, daß ihn der Neidische anblekt; so empfaͤngt er zwey Blaͤtter von der heiligen Eiche. Heil sey, und Schatten im Haine dem Guten, der Gesang hoͤrt in dem Worte der Weisen: Einer fuͤr Alle, und Alle fuͤr Einen. Diejenigen, welche uͤber das eigentliche Alter der Felsenschrift, und daruͤber, ob man damals unter alten Franken eben das verstanden haͤtte, was wir jezt unter Altfranken verstuͤnden, viel vorzu- bringen anfingen, wurden bald unterbrochen. Man ließ sich allein auf die Untersuchung der Fragen ein: Ob die entdekte Schrift nicht ein Gesez waͤre? und ob die Republik dieses Gesez nicht von neuem annehmen solte? Alles war in Bewegung. Man ging, den ganzen Abend uͤber, zwischen den Ul- men, der Laube, und dem Thale hin und wieder, und theilte sich seine Gedanken und Entschliessungen mit. Elf- Elfter Morgen. Die alte Aufschrift wird fuͤr ein Gesez gehalten, und als ein solches von neuem eingefuͤhrt. Wozu das Ekharden veranlast. Zwey Zuͤnf- te, und das Volk drohn ihn zu verklagen. D ie Aldermaͤnner erklaͤrten die Felsenschrift fuͤr unser aͤltestes Gesez, und indem sie dem Herolde winkten, die Stimmen zu sam- meln: ob dasselbe erneuert werden solte? riefen wir uns aus allen Zuͤnften mit Einem lauten Gluͤkauf! zu, daß wir das alte Gesez wieder annaͤhmen. Ekhard stieg auf seinen Huͤgel. Der eis- graue Mann hatte Blatt und Eichel in der Hand, indem er die Landgemeine auf folgende Art anredete: Daß ich ein aͤchter wahrer Ab- koͤmling des treu’n Ekhards bin, das fuͤhl ich heute so sehr, als ich es kaum noch gefuͤhlt ha- be. Daß ich’s Vaterland liebe, wist ihr schon; aber, wie sehr ich es liebe, wist ihr wol noch nicht so recht. Jch kann mich noch immer der Thraͤnen nicht enthalten, und will mich ihrer auch nicht enthalten! daß wir das alte liebe Gesez von der bruͤderlichen Eintracht der Ge- lehrten unter einander wiedergefunden haben. Der gute Genius Deutschlands wache uͤber euch, liebe rechtschafne Biderleute, und erhalte diese diese bruͤderliche Eintracht unter euch! Wisset ihr denn auch, was in einer deutschen Seele vorgeht? Ueberm Rheine flamt’s auf, und dampft’s; uͤberm Meere brent’s, und spruͤht’s Funken: aber diesseits gluͤht’s! Bey meinem grauen Haare, eurer etliche wusten das noch nicht; ich must es ihnen also sagen. Wenn wir die liebe, deutschartige, alte Felsenschrist uns recht durch Mark und Bein gehn lassen; wenn wir sie mit dem Anhalten, mit der Aus- dauer, die wir haben, und die kein anderes Volkhat, in Ausuͤbung bringen: so sind wir’s, denen es kein anderes Volk rings um uns her kuͤnftig mehr bieten wird. Wozu wir uns, laut des alten wiedergefundnen, und wieder aufgenomnen Gesezes, (es ist dieß zwar nicht den Worten nach drinn enthalten; aber es liegt doch drinn) wozu wir uns auf recht gut deutsch vereinigen sollen? Etwa zu Erhaltung kleiner Zwecke? Auf den blicke der Genius des Vaterlands, nicht mit Zorne, denn wie waͤr er Zornes werth? aber mit Verachtung her- unter, dessen kleine Seele an der Sucht der Kleinigkeiten siechet, an dieser Lust und Liebe zur Nachahmerey, zur Nachpinseley, zur Nachschwaͤzerey, zur Nachsophisterey, zur .. doch wer mag solchen Alfanz und Firlfanz wei- ter fortnennen? Dazu sollen wir uns, laut der der alten Felsenschrift, vereinigen, daß wir die andern Nationen uͤbertreffen. Damit ich von dem Feuer, in dem ich jezo bin, in dem ihr auch seyd! zum kalten Blute wiederkehre; so muß ich euch schon jezo sagen, ob ich es gleich erst hernach sagen wolte, daß, wenn wir uns auf recht gut deutsch vereinigen, die an- dern Nationen zu uͤbertreffen, wir sie auch uͤbertreffen werden. Das thun wir zwar schon jezo in Vielem; aber wir muͤssen es in noch Mehrem thun, damit es unsre Bescheidenheit, und ihr Stolz so ganz durchaus fuͤhlen, daß wir es thun! Dieses euch einmal recht heraus sagen zu koͤnnen, hat mir schon lange, wie eine Last, auf der Seele gelegen; und nun ist endlich die Zeit gekommen, daß ich sie vor euch so gerade zu habe hinwerfen koͤnnen die schwere liebe Buͤrde. Es wuͤrde mir duͤnken, als waͤre die Landgemeine nicht bey einander gewesen, wenn wir nicht von diesem Augenblik an, da ich rede, darauf saͤnnen, recht tief darauf saͤn- nen, Weg und Steg zu finden, auf dem wir bey unserm grossen Ziele ankommen koͤnnen. Also dahin gilt’s! Geseze muͤssen seyn; gute Sitte muß auch seyn. Gute Sitte ist mehr, denn Geseze; aber Geseze muͤssen seyn! Weil denn auch diese seyn muͤssen; so bitt ich die ehrenvollen Zuͤnfte, und das gute Volk, daß sie sie sich besonders auch darinn recht bruͤderlich fest vereinigen, noch auf diesem Landtage ein Gesez zu geben, das mit der guten Sitte in einen festen ewigen Bund trete, und uns mit ihr zugleich zu dem grossen Ziele hinfuͤhre. Viel ist’s, zu sagen, daß man uͤbertreffen wolle; und thoͤricht waͤr’s, wenn man nicht schon ost uͤber- troffen haͤtte: aber hat man’s gesagt; so muß man auch Grundfesten zum Worthalten legen, die nichts erschuͤttern kann. Jch fuͤrchte nicht, daß es Noth thue, euch die Art und Beschaf- fenheit der guten Sitte bekant zu machen. Sie arbeitet, wie eine Feuerflamme, die volle Nah- rung hat, immer vor sich hin, wenn auch kein Wind nicht wehet. Das ist die gute Sitte; und ihr wisset es so gut als ich, daß sie das sey: aber kont ich gaͤnzlich von ihr schweigen, da ich an sie dachte? Etliche der Unsern haben nicht erst auf Geseze geharret, um zu lernen, was sie thun, und was sie lassen solten; sie sind ohne weiteres der guten Sitte gefolgt. Aber Geseze gehoͤren doch auch zur Sache, wie wir mit einander ausgemacht haben. Am be- sten segelt sich’s mit Strom und Winde zu- gleich. Die Aldermaͤnner sollen, bey der Ge- bung des Gesezes vom Uebertreffen, eine Schaͤ- zung von den Verdiensten der Auslaͤnder ma- chen, nach ihrem Werthe naͤmlich, nicht dem schein- scheinbaren, sondern dem wirklichen, und das mit deutscher Gerechtigkeit. Versteht mich nur recht, das heisset fuͤr diesesmal nicht, mit deutscher Ungerechtigkeit gegen uns selbst. Sie sollen diese Schaͤzung auf eine grosse Tafel eingraben lassen, und sie dort an eine der vor- dersten Bildsaͤulen des halben Kreises hinstel- len. Sie soll mit grossen Buchstaben geschrie- ben werden, damit sie jeder, wer da will, auch von weitem lesen koͤnne. Mag die Tafel doch die Bildsaͤule ganz bedecken, auch die Sym- metrie verderben, das thut ihm alles nichts. Jhr habt, wie ich, von dem Zurufe gehoͤrt, den im Jahre 1769 Alt und Jung bey einer bruͤderlichen Zusammenkunft beschlossen haben. Diesen Zuruf hab ich mir gesagt seyn lassen. Gute Juͤnglinge, und Maͤnner, da hoͤrt ihr’s, daß es der alte, auch treu’ Ekhard nicht ver- hehlen will, daß ihr ihm den ersten Stoß gege- ben habt, eine Schaͤzung der Auslaͤnder in Vorschlag zu bringen. Die Schaͤzung wer- den die Aldermaͤnner machen; das Gesez hab ich gemacht. Jhr koͤnt es nun verwerfen, oder geben. Jch hab es, unsrer ehmaligen Gewon- heit nach, nur auf eine Rolle geschrieben. Jch wolte lieber diesen Fehltrit thun, als auf die Langsamkeit des Griffels warten. Der kann schon noch gebraucht werden. Jn- Jndem winkte er einem der Juͤnglinge, die ihn auf den Huͤgel begleitet hatten; und dieser brachte ihm die Rolle. Jch habe, sagte er noch, indem er die Rolle aufmachte, dieses- mal mehr gethan, als mein Stamvater. Jhr wisset durch das Sprichwort: Der treu’ Ek- hard warnt, was dieser that. Jch habe in dem Geseze zwar auch vor einem gewissen Wege gewarnt; ich habe aber darinn auch einen an- dern gewiesen. Hoͤrt jezo die Rolle: „Will einer irgend einen Weg auf dem wei- „ten Felde der Wissenschaften gehn, so zieh er „zuvor genaue Erkundigung ein von dieses „Weges Beschaffenheit. Sind ihn andre „schon gegangen, und sind diese auf selbigem „beruͤhmt worden; so frag er sich dreymal, „und das ja nicht mit Liebkosung seiner selbst: „Ob er auch, ohne Nachahmung der Vorgaͤn- „ger, ja selbst ohne den Schein derselben, auf „diesem Wege gehen, und gut gehen koͤnne? „Kann er nicht; so kehr er straks um, und „meide, so lieb ihm seine und seiner Mitbuͤrger „Ehre ist, solchen Weg, als waͤr er unten „hohl, und als kroͤchen oben darauf Schlan- „gen herum. Findet er danneinen andern „Weg, der des Betretens werth ist, und Vor- „gaͤnger darauf des Uebertreffens werth; und „kann er ihn gehen, nicht nur ohne hin und D d „her „her zu wanken, sondern mit festem Schritt: „so kies er ihn sich aus, und walle auf selbigem „frisch und froͤhlich einher. Juͤnglingskuͤhn- „heit, und Mut und Kaͤlte der Maͤnner gelei- „ten ihn, wenn nun bey Anbruche der Nacht „sein Weg schmaͤler wird, und die Wasser un- „ten am Felsen brausen. Wer das erste laͤst, „und das andre rechtschaffen thut, der hat der „Anspruͤche auf die Belonungen der Republik „nicht wenige. Denn er weis, was Ver- „dienst ist. „Also urtheilte, nach reifer und kalter Er- „waͤgung, Aldermann Ekhard auf dem Land- „tage zwey und siebzig, achtzehntes Jahr- „hundert. „Auf dem Landtage angezeigtes Jahrs an- „genommen, in der Halle aufgestelt, und mit „vollgeltender Obergewalt versehn von der ver- „sammelten Landgemeine; verworfen von dem „Volke, von den Gemischten, und den Dritt- „lern, mit welchen samt und sonders der „Schuzgeist deutscher Nation dergestalt schal- „ten und walten wolle, daß es ihnen nimmer, „wie nicht an Helle des Kopfes, also auch „nicht an Waͤrme des Herzens, gebrechen „moͤge.“ Ekhard war der Liebling von Vielen; aber das neue Gesez wuͤrd auch ohne diese Neigung gegen gegen ihn durchgegangen seyn. Selbst das Volk, und dieß zwar mit den drey Stimmen, die gemischte Zunft, und die Zunft der Dritt- ler nahmen es an; aber die beyden Anwalde, und der Rathfrager drohten Ekharden auch, ihn morgen, der zugefuͤgten Beleidigung hal- ben, oͤffentlich anzuklagen. Der Abend. Unterstuͤzung der Wissenschaften, die wir zu er- warten haben. D ie Versamlung im Thale war heute sehr zahl- reich. Es wurde viel, und lebhaft von der Republik gesprochen. Unter anderm wurde Klopstock auf eine Weise veranlast, daß er es nicht von sich ablehnen konte, sich uͤber den Jnhalt der Zuschrift, die vor Hermans Schlacht steht, naͤher zu erklaͤren. Er wolt es, sagte er, der Geselschaft uͤberlassen, nach einigen Stellen aus einem Plane zur Unterstuͤzung der Wissenschaften in Deutschland, und aus daruͤber gewechselten Briefen, von dem Jnhalte dieser Zu- schrift, zu urtheilen. Der Plan hatte die Ueberschrift: Fragment aus einem Geschichtschreiber des neunzehnten Jahrhun- derts. Wir muͤssen erst uͤbersehn, (stand darinn) in welchem Zustande der Kaiser die Wissenschaften fand, eh wir von dem, in welchen er sie gesezt hat, D d 2 ur- urtheilen. Dieser Zustand war, daß die Gelehrten Deutschlands von keinem ihrer Fuͤrsten unterstuͤzt wurden; und daß, indem sie das Verdienst hatten, alles, was sie thaten, allein zu thun, die Unterstuͤ- zung, auf die man sich hier und da ein wenig, und nur auf kurze Zeit einließ, viel zu unbedeutend war, als daß sie auf die Gegenwagschale jenes Verdienstes gelegt werden konte. Stolz konte freylich ein solches Verdienst diejenigen machen, die es hatten; aber zu einer Zeit, da eine Nation in Absicht auf die Wissenschaften in einer gewissen Bewegung ist, ist dem Fortgange derselben, und der Erreichung eines hohen Zieles nichts hinderlicher, als es haben zu muͤssen. Der Kaiser sah die Bewegung, in der die Nation war, und daß er in einem Perioden lebte, den seine Vorfahren vergebens wuͤrden haben her- vorbringen wollen; er ergrif den Augenblik des An- lasses, und entschloß sich zu seyn, was er, weil er vaterlaͤndisch dachte, zu seyn verdiente … Wo drey Puncte stehn, fehlt etwas. Unter- deß fuhr die Nation fort ihre Sprache zu lieben, die Werke ihrer guten Scribenten mit Beyfalle auf- zunehmen, und uͤberhaupt Talenten mit viel mehr Antheile, als sonst gewoͤnlich gewesen war, Gerech- tigkeit wiederfahren zu lassen. Und dieß war der Zeitpunkt, in welchem ein junger Kaiser, der ben Geist Karls des Fuͤnften in sich fuͤhlte, Deutschlands Oberhaupt wurde. Die Nation war ungeachtet der Bewegung, in welcher er sie fand, gleichwol noch nicht patriotisch genung; einige der besten Werke der schoͤnen Wissenschaften waren noch ungeschrieben, und viele Erfindungen der philosophischen waren noch nicht da. Ein Volk, das in viele Fuͤrstenthuͤ- mer abgesondert ist, konte auch nicht eher mit einem ge- gewissen Feuer, und mit Festigkeit vaterlaͤndisch seyn, als bis man es veranlaste, Gesinnungen der Verehrung und der Dankbarkeit in seinem Ober- haupte zu vereinigen. Dieses, auch durch Unter- stuͤzung der Wissenschaften, zu thun, und ihm durch die Kuͤrze der Zeit, in der es ausgefuͤhrt wurde, eine noch staͤrkere Wirkung zu geben, war, und ver- diente das Werk eines Kaisers zu seyn, dessen Na- men unsre besten Dichter, und unsre strengsten Ge- schichtschreiber so oft ausgesprochen haben. Da die, welche in den philosophischen, und in den schoͤnen Wissenschaften gut schriebenj, als solche von Maͤn- nern erkant wurden, denen man Entscheidung auf- tragen konte; so wurde hierdurch ein Grund gelegt, ohne den die Belonungen wuͤrden Verschwendungen gewesen seyn. Die Zahl derer, die zu entscheiden hatten, war klein. Sie hatten, und durften nichts Geringers, als die Ehre des Vaterlandes, des Kai- sers, und der Beschuͤzer der Wissenschafren, die der Kaiser durch diese Befehle unterscheiden wolte, zum Zwecke haben. Auch ihre eigne Ehre konte ihnen nicht gleichguͤltig seyn. Sie hatten andern Gelehr- ten, oder wer sich sonst ins Urtheilen mischen wolte, gar keine Rechenschaft, aber dem Kaiser und den Beschuͤzern der Wissenschaften alle moͤgliche von ih- ren Urtheilen zu geben: und da diese oft gegeben wurde; so sahe man in das Jnnerste der Sache, und war nicht in Gefahr, Unwuͤrdige zu belonen. Der Gedanke, eine kaiserliche Druckerey zu errich- ten, und darinn die besten Werke zum Vortheile ih- rer Verfasser zu drucken, fand deswegen nicht statt, weil es zu schwer war auszumachen: Welchen Grund- saͤzen die Censoren dennoch folgen muͤsten, wenn es auch bey den Buͤchern nicht in Betrachtung kommen D d 3 solte, solte, ob die Verfasser Katholiken, oder Protestan- ten waͤren. Wenigstens haͤtte die Festsezung dieser Grundsaͤze zu viel Zeit erfodert; und man haͤtte sich gleich Anfangs in Schwierigkeiten verwickelt, statr mit schnellen Schritten zur Erreichung des vorge- sezten Zweckes fortzueilen. Die Belonungen fuͤr die guten, und fuͤr die vor- treflichen Scribenten, und fuͤr die nicht schreibenden Erfinder von gleichem Unterschiede, bestanden in Geschenken von zweyerley Art. Die ersten erhielten Geld und Ehre dadurch, daß ihnen jenes gegeben wurde; die zweyten Geschenke zwar auch nicht von geringem Werthe der ersten Art, aber zugleich von solcher Beschaffenheit, daß der Empfang nicht allein die Ehre derselben ausmachte. Man kante alle, die Verdienste um die Wissenschaften hatten, so unbe- kant sie auch ausser ihrem Kreise zu seyn glaubten; und man ließ es ihnen dadurch merken, daß man sie zu Schriften oder zu Erfindungen auffoderte. Diese Ausspaͤhung des bescheidnen Verdienstes er- hielt den Beyfall der Welt so sehr, daß ihr Deutsch- lands Kaiser alle Fuͤrsten zu uͤbertreffen schien, die jemals durch die Unterstuͤzung der Wissenschaften waren beruͤhmt geworden. Man war so gar auf junge Genies aufmerksam, und sie bekamen Bey- huͤlfe, sich weiter zu bilden. Wenn fuͤr angezeigte Erfindungen, oder fuͤr Schriften von bestimtem Jn- halte Preise ausgesezt wurden; so erfuhren die, wel- che sie erhielten, oder sich umsonst darum bemuͤht hatten, die Namen derjenigen, die ihre Beurtheiler gewesen waren … Ueberhaupt wurde auf eine Art verfahren, die den Werth dessen, was geschah, noch erhoͤhte. Mannigfaltigkeit in dem Betragen, und Neigung, das Verdienst liebenswuͤrdig zu machen, gab gab Allem eine Wendung der Anmut, mit der nichts, als die gutwaͤhlende Beurtheilung konte verglichen werden … Durch dieses alles stieg der Ruhm des Kaisers so schnell, daß es bald laͤcherlich wurde, ihm publicistisch zu raͤuchern. Denn er ward wirklich verehrt, und geliebt … Lessing und Gerstenberg, die Unterausseher der Schaubuͤhne, waͤhlten so wol die deutschen Stuͤcke, die gespielt, als die auslaͤndi- schen, die fuͤr die Vorstellung uͤbersezt werden sol- ten. Sie hatten die Gewalt, ohne Jemanden von dem Gebrauche derselben Rechenschaft zu geben, Schauspieler anzunehmen, und fortzuschicken. Sie gaben ihnen zugleich Unterricht in der Kunst der Vorstellung, und bereiteten sie zu jedem neuen Stuͤ- cke. Bey der Wahl der Stuͤcke wurde nicht allein auf ihre poetische, sondern auch auf ihre moralische Schoͤnheit gesehn. Jn Absicht auf diese hatte der Oberaufseher den streitigen Fall zu entscheiden. Denn dieser hoͤchstwichtige Punkt ist nicht die Sache der Kunst, sondern des Staats. Weil die Schau- buͤhne nicht allein von ihren Einkuͤnsten, sondern im Falle des Mangels auch vom Hofe unterhalten wurde; so kam der Gedanke, daß man weniger Zu- schauer haben wuͤrde, wenn man auf diese oder jene Art verfuͤhre, nicht in Betrachtung, und man konte kuͤhn mit dem griechischen Dichter sagen: Jch bin nicht da, ihr Athemenser, von euch, sondern ihr seyd da, von mir zu lernen … Endlich eine Geschichte unsers Vaterlandes schreiben zu lassen, dazu gehoͤrte mehr Zeit, als die Schaubuͤhne zu heben, oder ein Singhaus (es ist hier nicht von der Oper die Rede) einzurichten. Einige Gelehrte, die bloß Samler waren, erhielten von zwey Geschichtschreibern, ei- nem Katholiken, und einem Protestanten eine ge- D d 4 naue naue Anweisung zu dem, was sie sammeln solten. Sie konten nicht eher, als nach einigen Jahren von ihrer Reise zuruͤkkommen. Nun waren zwar die Geschichtschreiber von einer grossen Menge Stof, Ruinen, aus denen sie bauen solten, umgeben; aber gleichwol musten sie erst lange und sorgfaͤltig waͤh- len, eh sie schrieben. Wir duͤrfen sie keiner Zoͤge- rung beschuldigen. Was hatten sie nicht zu thun. Sie musten festsezen, was wirklich geschehn sey, und sie durften aus dem Wahren nur dasjenige heraus- nehmen, was wissenswuͤrdig war. Sie konten also nicht anders, als mit langsamen Schritten fortgehn. Dafuͤr haben sie uns aber auch ein Werk geliefert, das uns auf unsre Nation, und auf sie stolz machen kann. Kopenhagen den 28 Apr. 68. Ew. Dnrchlaucht sehen, daß der Zwek dieses Entwurfs ist, den Ge- lehrten, welche man der Belonung wuͤrdig haͤlt, ausser den Ermunterungen der Ehre, auch Musse zu geben, und zwar eine solche, die ihrer Arbeitsam- keit angemessen ist. Nur neue Arbeiten koͤnnen nach demselben neue Geschenke veranlassen … Die Aus- gaben koͤnnen von keiner Erheblichkeit seyn. Nur im Anfange koͤnten sie es einigermaassen seyn, weil schon vieles da ist, das Belonung verdient. Aber auch den Anfang mit gerechnet, hat doch dem vori- gen Koͤnige von Pohlen seine Oper, in wenigen Jahren, mehr gekostet, als diese Unterstuͤzung der Wissenschaften, in vielen, kosten wuͤrde. Und wel- cher Unterschted der Folgen. Auf der einen Seite diese nun vergesne Oper, die einigen Vergnuͤgen gemacht hat; und auf der andern Seite: Die Wis- senschaften in Deutschland zu einer Hoͤhe gebracht, welche von der Geschichte als Epoke wird bemerkt wer- werden … weil ich fuͤr mich selbst nichts suche, und mich fuͤr gluͤklich halte, wenn ich erwas fuͤr die thun kann, denen es in den Wissenschaften gelungen ist … Die Unterstuͤzung der Wissenschaften solte eben so wenig den Geist der Nachahmung haben, als ihre Werke. Auch aus diesem Grunde brauchen wir keine Academie. K. den 12 Jul. 68. Es hat mir nicht wenig Ueberwindung gekostet bis jezo still zu schweigen. Denn mit eben der Unruh und Ungeduld liebt man, (ich bin einst gluͤklich in der Liebe gewesen) mit der ich oft mitten in andern Beschaͤftigungen zu dieser unsrer Sache, und gewiß des Vaterlandes, wenn sie gelingt, zuruͤk gekommen bin … Jch glaube jezo Ew. Excellenz einen noch kuͤrzeren Weg, als in dem Plane von der Geschichte unsers Vaterlandes steht, anzeigen zu koͤnnen. Die Hauptidee davon ist: Unsre Geschichte in Perioden abzusondern, und fuͤr die Ausarbeitung eines jeden einen Preis zu bestim- men. Die Preise fuͤr die gute, und fuͤr die vor- trefliche Ausarbeitung sind nicht allein verschieden; sondern wenn fuͤr Einen Perioden eine gute, und eine vortrefliche Ausarbeitung erscheint, so bekomt diese den groͤsseren Preis, und jene keinen. Solche Erklaͤrungen in einer Ankuͤndigung sind Stacheln, die in dem olympischen Wettlaufe das Pferd, das leicht genung zum Siege ist, zwar nur von ferne blinken zu sehn braucht; aber sehn muß es sie gleich- wol … Der lezte Periode dieser Geschichte … wenn der Kaiser uͤberhaupt fortfaͤhrt zu handeln, wie Er thut; und wenn Er ins besondre die Ehre der vaterlaͤndischen Wissenschaften an Sein Zeitalter mit Blumenketten fesselt. D d 5 Con- Constanz den 24 Aug. 68. Der Graf hat bey der ersten Gelegenheit dem Fuͤrsten Kauniz alles vorgetragen, und Jhm sodann die Schriften uͤber- geben. Er hat auch noch anderwaͤrts die Sache an- gebracht, um sie zu befoͤrdern, und, ich muß Jhm die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, sich ihrer so ernstlich, als es sich nur thun laͤst, angenommen. Er hat aber doch bis jezt noch keine positive Ant- wort bekommen … Der Kaiser ist, wie Sie wis- sen, spaͤt zuruͤk gekommen, und bald wieder verreist. Langenstein den 16 Sept. 68. Jch habe nun erfahren, daß der Kaiser die Dedication angenom- men habe. Jch sage Jhnen dieß nur sub rosa. Das weitere werden Sie alles von dem Grafen schon hoͤren. K. den 20 Sept. 68. Jch kann mir vorstellen, daß viele und grosse Geschaͤfte die Untersuchung sol- cher Sachen hindern, die noch ausgesezt werden koͤn- nen. Jene unterdruͤcken selbst den Entschluß, diese zu untersuchen. Denn sonst wuͤrden leicht zu ent- scheidende Dinge oft nicht so langsam entschieden werden. Wenn ich mir eine andre Ursach der auf- geschobnen Entscheidung denke; so fuͤrcht ich alles. Aber ich habe gute Gruͤnde diese Furcht zu entfer- nen, erst Jhren Charakter, nach welchem Sie bey mir unter die Wenigen gehoͤren, die mehr halten, als sie versprechen; und dann alles das, was ich durch Sie von dem Fuͤrsten Kauniz weis. Aber lassen Sie uns einmal das Schlimste sezen, ich meine, daß der Fuͤrst Kauniz keinen Geschmak an der Sache faͤnde. Dieß also gesezt, frag ich Sie: Wollen Sie dann nichr mein Fuͤhrer werden, wie ich es machen muß, die Sache unmittelbar an den Kaiser selbst gelangen zu lassen? .. Jch habe Ew. Ex- Excellenz in meinem lezten Briefe gestanden, (ich that es, weil ich nichts Geheimes in der Sache vor Jhnen haben mochte) daß ich mit einigen meiner Freunde von unsrer Sache geredet habe. Jch habe sie durch meine Hofnung des guten Erfolgs zum Hoffen gebracht. Sie waren desto eher dazu zu bringen, je bekanter es ihnen ist, daß ich sonst eben kein grosser Hoffer bin. So oft ich mir die Sache als mislungen denke; so ist mir die Vorstellung von dieser Mittheilung derselben unangenehm. Unter- deß kann ich es nun nicht mehr aͤndern … Jch fuͤrchte nicht, daß, wenn irgend ein Theil meines Plans keinen Beyfall erhalten solte, dieser Umstand Einfluß auf das Ganze haben werde. Es giebt viele Arten der Ausfuͤhrung einer so vielseitigen Sache. Jch haͤtte noch mehre anfuͤhren koͤnnen, als ich angefuͤhrt habe, wenn ich mir haͤtte erlau- ben duͤrfen auch nur weitlaͤuftig zu scheinen. Es ist nur Ein Punkt, von dessen Gegentheile ich schwer zu uͤberzeugen seyn werde. Dieser ist: Der Kaiser muß entweder gar nichts fuͤr die Wissenschaften thun, oder Er muß etwas dafuͤr thun, das Seiner wuͤrdig ist. Es wuͤrde voͤllig uͤberfliessig seyn dieses Grund- sazes erwaͤhnt zu haben, wenn ich nicht in der Ge- schichte die Meinung so oft an den Hoͤfen faͤnde, daß es genung sey, diese und jene Kleinigkeit fuͤr die Wissenschaften zu thun. Aber die Beschaffen- heit des Verfahrens an sich selbst, und die Geschichte haben mich gelehrt, daß der Erfolg des Nuzens und der Ehre auch nur von geringer Bedeutung seyn koͤnne; und gewesen sey. Vielleicht sind Sie auf diese Meinung, in Betrachtung deß, was sie in der Geschichte, die sie in ihren Wirkungen zeigt, fuͤr Eindruͤcke macht, nicht so aufmerksam gewesen, als als ich. Dieses ist die Ursach, warum ich sie beruͤhrt habe. Wenn Sie in den Fall kommen solten. sie bestreiten zu muͤssen; so kenne ich keine besseren Waf- fen, als sich auf ihre Folgen zu beziehn … Jch wuͤnschte sehr, daß Sie in Jhren Bemuͤhungen fuͤr unsre Sache bald einmal zu der Frage kaͤmen: Wie viel man jedes Jahr, und zwar fuͤrs erste nur auf einige Jahre, fuͤr die Wissenschaften bestimme? .. Jch bin nicht gern Vorausversprecher; aber ich bin uͤberzeugt, daß der Erfolg weniger Jahre so seyn wuͤrde, daß man sie, ohne meine Bitte, wuͤrde ver- mehren wollen. Wien, den 19 Oct. 68. Da wir wieder auf dem Plaze sind, wo der Graf handeln kann; so sind wir doch schon wieder so viel naͤher … Es wird doch, wenn nicht im Ganzen, doch gewiß zum Theile gut gehen; und was Sie immer freuen solte, und was mich auch fuͤr Sie, und fuͤr Wien unendlich freut, ist, daß man Sie hier kent, und daß Sie durch die jezige Negociation noch mehr und genauer bekant werden … Der Ausdruk, dessen ich mich bedient, und der Sie nicht vollkommen befriedigte, will sa- gen, daß der Graf die Sache auch bey Verschiednen, die man, ich meine der Fuͤrst, wenn von den Wis- senschaften die Rede ist, anhoͤrt, angebracht, und Sie auch empfolen habe. W. den 10 Dec. 68. Jch wiederhol es Jhnen: Mit der edelsten, mit einer Seiner wuͤrdigen Art, hat unser angebeteter, hofnungsvoller Kaiser Jhre Dedication angenommen … Der Graf hoft |alles wieder gut zu machen, wenn Er Jhnen selbst schrei- ben werde. Sie sollen alsdann auch die Zueignungs- schrift mit den wenigen Veraͤnderungen, die mir wirk- wirklich, die Wahrheit zu gestehn, nicht bekant sind, die aber, wie ich hoͤre, nicht groß seyn werden, so wie sie gedrukt werden darf, von Jhm erhalten. W. den 24 Apr. 69. Wegen des Plans koͤnne Er nichts weiter sagen. Freylich haͤtt es der Fuͤrst Kauniz gut aufgenommen, aber noch keine weitere Erklaͤrung oder Entschliessung gemacht. Vielleicht wuͤrde die Sache fruͤher, als wir daͤchten, genuzt, und in Ausfuͤhrung, wo nicht im Ganzen, doch in etwas gebracht werden. K. den 9 May 69. Jch habe bey Uebersendung des Plans an den Fuͤrsten Kauniz geschrieben, daß ich nichts fuͤr mich suchte. Bey dieser Gesinnung freute mich das Geschenk des Kaisers vornaͤmlich deswegen, weil es demjenigen gegeben wurde, des- sen Plan fuͤr Andre der Kaiser mit dieser Gnade angenommen hatte. Wenn aber (nach der oben an- gefuͤhrten Nachricht) der Plan nun nicht angenom- men seyn soll, oder die Annehmung doch wenigstens so ungewiß ist, und also auch die Zuschrift aufhoͤrt ein Theil des Plans zu seyn; (sie ist dieß dadurch, daß sie eine jezige Ankuͤndigung der Sache enthaͤlt) so bin ich wirklich in einer Stellung, die nicht ohne Schwierigkeit ist sie zu aͤndern. Jch habe gleichwol auf den Fall hin, daß jene Nachricht voͤllig gegruͤn- det ist, meinen Entschluß gefast. Jch werde naͤm- lich, ohne Tadel von denen zu fuͤrchten, deren Bey- fall ich am meisten wuͤnsche, die Erlaubnis zu er- halten suchen, das Gedicht lieber ohne Zuschrift her- auszugeben. (Dieser Brief wurde, weil der gleich- solgende daruͤber ankam, nicht weggeschikt.) W. den 4 May 69. Von diesem werden Sie die Dedication, so wie sie darf gedrukt werden, naͤm- lich lich mit Auslassung der Stelle: aber nicht Friede- rich; und Deutschland war doch auch sein Vaterland. erhalten … Es steht Jhnen voͤllig frey, die De- dication so drucken zu lassen, wie Sie dieselbe em- pfangen werden. Denn so ist sie von der Hofcanz- ley durch einen Vortrag an den Kaiser gegangen; und auch so von Jhm gut geheissen worden. K. den 16 Sept. 69. Die Anmerkungen zu dem Plane sind erst jezt hinzugekommen. Jn der Vor- aussezung, daß Sie die Beylagen durchgesehn ha- ben, hab ich jezo nur noch dieses zu sagen. Jch bin darauf, daß ich das edle Vorhaben des Kaisers in der Dedication vor Hermanns Schlacht zuerst habe bekant machen duͤrfen, so stolz, als wenn ich die Erlaubnis erhalten haͤtte, eine Aufschrift unter eine Bildsaͤule des Kaisers zu sezen, und meinen Namen dabey zu nennen. Jch lese bisweilen in Gedanken jene Worte der Bekantmachung, als eine Umschrift des von mir oft wiederangesehnen Brustbildes der Medaille, die Seine Majestaͤt mir zu geben die Gnade gehabt haben … (guten und vortreflichen) Man war mit den Urtheilen, die eine Schrift oder Erfindung fuͤr gut erklaͤrten, sparsam; und mit de- nen, die ihre Vortreflichkeit entschieden, geizig. Nicht wenige derer franzoͤsischen Werke, welche dem Jahrhunderte Ludewigs des Vierzehnten angehoͤren, wuͤrden die deutsche Untersuchung nicht ausgehalten haben. (Ausspaͤhung des bescheidnen Verdienstes) Diese Art zu verfahren war allein schon zureichend, die Unterstuͤzung der Wissenschaften durch Joseph den Zweyten von denen zu unterscheiden, die in an- dern Laͤndern und Zeiten, groͤstentheils bloß zur Schau, sind unternommen worden. Denn es ist hier der so wesentliche Unterschied des Scheinens und und des Seyns … (der Geist der Nachahmung) Er haͤlt die Erreichung eines hohen Zieles in den Wissenschaften eben so sehr zuruͤk, als er der Ehre der Nation nachtheilig ist; und es ist unter dem Kaiser, ihm auch nur mit Einem leisen Tritte zu folgen. K. den 16 Sept. 69. Nur Einen ununterbrochnen Abend bitte ich mir von Jhnen Beyden aus, und daß Sie Jhren Freund uͤberzeugen, Er thue etwas recht nuͤzliches, und ruhmvolles, oder mit Einem Worte, etwas, das recht deutsch ist, wenn Er diese vaterlaͤndische Sache dem Kaiser mit Waͤrme vor- traͤgt. Jn dieser Stunde Jhrer Zusammenkunft, und zugleich der Grundlegung zu daurenden Denk- malen wird Deutschlands Genius mit hoher Fackel vorleuchten. (Der Erfolg wird zeigen, daß mein poetisch scheinender Ausdruk Prosa war) Es giebt auch fuͤrs Vaterland Thraͤnen der Ehrbegierde, und Seufzer einer edlen Rache, wenn es verkant worden ist. Jn der auf jene folgenden Stunde des Aus- spruchs: Has inter lacrimas sedet et suspiria Cæsar. W. den 24 Sept. 69. Weil ich Verschiedner, deren Stimmen gezaͤhlt werden, Gesinnungen gegen Sie erfahren habe, so getraue ich mir, Jhnen eine Reise zu uns zu proponiren … Jch habe mit van Switen beynah eine Stunde von Jhnen gesprochen, und gefunden, daß er Sie ungemein liebt. Er sagte unter anderm, daß Sie hierher kommen, und unsre Maria Theresia, und unsern Joseph kennen lernen muͤsten. Nun denken Sie, wie er mein Project, daß Sie hierher kommen moͤchten, aufgenommen habe. W. den 23 Apr. 70. Wir muͤssen die Hofnung und die Geduld nicht verlieren. Man kann bey der der jezigen Lage der Sachen nichts anders thun, als nur immer die guten, und nicht einmal gesucht zu seyn scheinenden Gelegenheiten abpassen, wo man noͤtige Erinnerungen machen kann, die dann, wenn es einmal recht Ernst wird, gewiß nicht ohne Wir- kung seyn werden. K. den 9 Jun. 70. Graf Dietrichstein schrieb mir im Dec. des vorigen Jahrs, daß zur aͤchten Ausfuͤh- rung ich, und vielleicht ich allein der Mann waͤre; schrieb aber auch, daß, was die Zeit derselben anbetraͤ- fe, wir noch andre Umstaͤnde abwarten muͤsten. Jch habe bisher noch nicht geantwortet, weil ich nicht dringend scheinen wolte. Aber wenn ich nicht un- gewiß waͤre, ob Er schon von Berlin zuruͤkgekommen sey; so wuͤrd ich nun antworten. Jch mache mir jezo Vorwuͤrfe wegen des Aufschubs. Denn nur immer nicht dringend zu scheinen, damit kann das Leben hingehn, ohne daß man etwas gethan hat … Die Meinung war, daß die Reise schon im damals bevorstehenden Fruͤhjahre geschehn solte. Mehr Einladung, und also auch mehr Hofnung, etwas auszurichten, wuͤrde gemacht haben, daß ich so gar das Unangenehme einer Winterreise nicht wuͤrde geachtet haben. W. den 19 Jul. 70. Es war mein und Jhrer andern hiesigen Freunde Gedanken, die Sache wah- rend Jhrer Anwesenheit ganz anders anzugreifen, und sie hoffentlich zu Jhrem voͤlligen Vergnuͤgen zu endigen. Freylich koͤnnen Sie mehr Einladung ver- langen … Der Kaiser selbst ist Jhnen geneigt. Was begehren Sie denn mehr? Lassen Sie sich das fuͤr dießmal genung Einladung seyn. Zwoͤlf- Zwoͤlfter Morgen. Die Aldermaͤnner halten Vortrag. Die Zunft der Drittler widersezt sich denselben. Was darauf erfolgt. Bitte einiger Juͤnglinge. Die Anwalde der Weltweisen, der Natur- forscher, und der Dichter erklaͤren sich uͤber den Vortrag der Aldermaͤnner. D ie Aldermaͤnner waren heute beym Herauf- gehn auf die Fragen, welche ihre Beglei- ter an sie richteten, sehr kurz in ihren Antwor- ten. Sie schienen mit tiefen Entwuͤrfen be- schaͤftigt zu seyn. Dieß waͤhrte fort, und wur- de, als man nun ganz versammelt war, uͤberall bemerkt; und vielleicht war es die Ursach, daß kein Anwald vor den Aldermaͤnnern erschien, Vortrag zu halten. Als diese sahen, daß ihnen kein anderes Geschaͤft im Wege stuͤnde; so trat ihr heutiger Wortfuͤhrer aus dem halben Kreise hervor, sahe kurze Zeit mit kaltem Nachdenken umher, und sagte: Es sind wenig Zeitpunkte, in denen man durch zusammentreffende Umstaͤnde unterstuͤzt, grosse Entschliessungen fassen kann; und noch seltner ist es, daß die gefasten Entschliessungen ausgefuͤhrt werden. Wie oft bleibt man so gar auf der Schwelle der Ausfuͤhrung stehen. Kaum daß sich Schwierigkeiten zeigen, und E e es es nun auf ausdaurendes Fortfahren, auf den unermuͤdeten Schritt ankomt, den nur Maͤn- ner haben; so ist es mit der Sache vorbey, und das grosse Gebaͤude, welches sich nur eben uͤber seine Grundlegung erhoben hatte, sinkt in Truͤmmern. Lieber die Haͤnde voͤllig in den Schooß, unbemerkt gelebt, und unbemerkt gestorben, lieber nicht den ersten Gedanken zu irgend einem Entschlusse, als den uͤberdachte- sten, den maͤnlichsten, den kuͤhnsten so ausge- fuͤhrt! Doch von euch fuͤrchten wir eine solche Ausfuͤhrung nicht. Denn ihr seyd Deutsche! Aber euch zu uͤberzeugen, daß der Entschluß, den ich bald bekant machen werde, zu fassen sey! darauf komt es an. Das alte wiederge- fundne Gesez hat Ekharden, und er die Re- publik nicht wenig Schritte vorwaͤrts auf der grossen Laufbahn gebracht. Wo das gegebne neue Gesez mit seiner Wirkung stehn bleibt, da faͤngt unser Entwurf an. Und wohin dieser von dort an fuͤhre? Bis zu einem Ziele, den- ken wir, das ihr euer, und unser wuͤrdig fin- den werdet. Was wir Deutschen, weil wir unsre ersten oft tiefen und weitsehenden Ge- danken entweder nakthinwerfen, oder sie durch weitlaͤuftigen Vortrag, wie in einer Vermum- mung, beynah ersticken; (wenigstens haben wir erst seit kurzem aufgehoͤrt dieß zu thun) weil weil wir zu bescheiden von uns selbst urtheilen, und die Auslaͤnder eben dieß Verdienst mehr nicht nur verkennen, sondern so gar zu unserm Nachtheile anwenden; was wir aus diesen Ursachen zu seyn scheinen, daran liegt wenig: aber alles daran, was wir sind! Wenn wir, in den meisten abhandelnden Wissenschaften, den rechten Weg zuerst gesehen, in vielen ihn zuruͤkgelegt, in keiner unbetreten gelassen ha- ben; wenn wir, in den darstellenden, neue Bahnen gebrochen haben, und auf einigen derselben weiter vorwaͤrts gegangen sind, als manche Auslaͤnder, auf alten lange bereisten Wegen und Stegen; wenn wir uͤberhaupt mehr Altes verkuͤrzt, umgebildet, verworfen, mehr Neues gefunden, entdekt, erfunden, es tiefsinniger bestimt, lebendiger gefast, gerader und staͤrker zum Gebrauche angewendet haben: wenn das unsre von vielen ungekante, aber wirkliche Vorzuͤge sind, warum sollen wir laͤn- ger anstehn einen Entschluß zu fassen, zu dem solche Vorzuͤge nicht nur auffodern, sondern dem sie auch das, was zulezt, die Zuschauer moͤgen viel oder wenig gezweifelt haben, alles entscheidet, naͤmlich die gluͤkliche Ausfuͤhrung, in voraus versichern. Es gelte also das neue Gesez vom Uebertreffen; mit gleichem Ver- fahren werd es aufrecht erhalten, und sein Er- E e 2 folg folg breite sich in dem ganzen Umfange aus, den er haben kann. Aber lasset uns auf diesem Pfade fort, und weit fortgehn. Jn dem grossen beynah graͤnzlosen Bezirke der Wissenschaften, oder dessen, was von dem Denkenden und Tiefsinnigen gekant, und von dem Guten und Edlen empfunden zu werden verdient, liegen Gegenden, Landschaften, auch wol Reiche, die von uns und den Auslaͤndern gemeinschaftlich oder allein, halb oder ganz be- sessen werden, schlechter oder besser sind ange- baut worden; liegen andre unentdekte Laͤnder, die man theils glaubt von fern gesehn zu haben, und theils nicht einmal mutmasset. Wenn die Republik auf dem jezigen Landtage den grossen Entschluß fasset, den wir euch gleich anzeigen wollen, wenn er mit deutscher Bestaͤndigkeit, mit diesem unuͤberwindlichen Ausdauren, ins Werk gerichtet wird; so werden die, welche ein Jahrhundert nach uns Landtag halten, unsre Male mit Blumen bestreun, daß wir ihn gefast, daß wir es zum bleibenden unveraͤnderlichen Grundsaze der Republik gemacht haben, von dem nur der Feige, und der Geistlose abweichen duͤrfen, den der Greis dem Juͤnglinge, der Freund dem Freunde, aber auch der Juͤngling dem Greise, und der Feind dem Feinde zurufen soll: „Hin- „Hinzugehn, und in jenem grossen Umkreise „der Wissenschaften, die Laͤnder, welche nur „halb besessen werden, ganz einzunehmen; die „Miebesizer der andern Haͤlften nicht nur da- „durch zu schwaͤchen, daß wir in diesen Haͤlften „besser als sie anbaun, sondern auch dadurch, „daß wir es da thun, wo wir uns allein nieder- „gelassen haben; nirgends der falschen Cultur „zu schonen, uͤber alle Gaͤrten, wo nur Blumen „wachsen, den Pflug gehn zu lassen, jedes Ge- „baͤude, das in den Sand gebaut ist, niederzu- „reissen, und solten ganze Staͤdte auf solchem „Grund und Boden liegen, und waͤr es dann „auch mitten in den besten gemeinschaftlichen „Besizen, oder auf Landwinkeln der franzoͤsi- „schen Gelehrtenrepublik, der englischen, wo „wir sie antraͤfen, und wuͤrden sie auch von „Chimaͤren bewacht, die Feuer und Flammen „spien, diese Staͤdte an allen Ecken anzuzuͤnden, „und nicht eher von dannen zu ziehn, als bis der „Dampf uͤberall aufstiege: uns aufzumachen, „und neue Laͤnder zu suchen, auf der kuͤhnen „Fahrt selbst nicht die kleinste Jnsel, kein „Puͤnktchen in dem Oceane liegen zu lassen, son- „dern uͤberall zu landen, alles zu umgehen, aus- „zuspaͤhn, zu untersuchen; in den anbaulichen „Entdeckungen gleich die Erde aufzureissen, und „Saat zu streun; und treibt die unuͤberwindli- E e 3 „che „che Unruh des Aufsuchens so gewaltig fort, daß „nur in dem naͤchsten dem besten Felsen gegraben „wird: Hier sind Deutsche gewesen! da- „mit wenn Sturm oder Nadel Auslaͤnder auch „dahin bringen, sie unser fruͤheres Recht sehn; „dennoch gleich einen der edlen Abentheurer „nach der Heimath zu schicken, damit er deutsche „Anbauer heruͤber fuͤhre, und diesen solche Eile „und Aemsigkeit gebieten zu lassen, daß die „Auslaͤnder (denn verwerflich ist unsre alte „Sitte, daß wir nur immer entdekt, und dann „Andre haben anbaun lassen!) von der Ent- „deckung, und von der bluͤhenden Einrichtung „zugleich Nachricht bekommen.‟ Wenn wir auf diese Weise ein halbes Jahr- hundert das werden vereinigt gethan haben, was vor uns nur einzelne kuͤhne Maͤnner tha- ten, und eben dadurch den Grund legten, daß wir uns ihre Unternehmungen fortzusezen, ver- einigen konten; dann werden wir rings um uns vernehmen, daß man uns fuͤr Eroberer haͤlt, deren weitaussehenden Absichten man sich wi- dersezen muͤsse. Gluͤklicher Zeitpunkt! Jhr koͤnt ihn erleben, Juͤnglinge, deren Herz jezo laut vor Unruh schlaͤgt, ob die Republik den grossen Entschluß, sich zu diesem Zwecke zu vereinigen, fassen werde. Jst er gefast; so macht euch nichts mehr Unruh. Denn ihr wisset, wisset, daß der Deutsche gewiß ausfuͤhrt, wenn er einmal beschlossen hat auszufuͤhren! Die Zeit, in welcher die Eroberer am mutigsten und kraͤftigsten handeln, ist die, wenn sie schon vieles gethan haben, Schrecken und Buͤndnisse verur- sachen, und in ihrem Laufe noch koͤnnen auf- gehalten werden. Nie sind sie furchtbarer und unwiderstehlicher, und nie geschehn groͤssere einzelne Thaten. Das alles koͤnt ihr erleben, Juͤnglinge, und daran koͤnt ihr Theil haben! Jch will euch sagen, wie es zu dieser Zeit seyn wird. Der Anblik unsrer neuen, von uns selbst angebauten, und fruchtreichen Besize wird uns alsdann beynah eben so sehr zur Fort- sezung der Entdeckungen reizen, als es die Schwierigkeit sie zu machen nur immer thun kann; und dieser doppelte Reiz wird uns, gleich einem unaufhaltbaren Strome, mit sich fortreissen. Wer diese Zeit erlebt, eine Seele hat, und gleichwol stillsizt, und zusieht, den wird man, auch bey der groͤsten Neigung zur Nachsicht, aus der Republik verbannen. Hat diese dann, nach dem Verflusse nur noch einiger Jahre, ihre Besize nun so sehr erweitert, daß fast keine Wissenschaft ist, in welcher die aus- laͤndischen Republiken nicht von ihr, mehr oder weniger, aber lernen muͤssen; so ist sie bis dahin gekommen, wo die Eroberer anfangen E e 4 mit mit Gelindigkeit zu herschen. Die Herschaft einer Gelehrtenrepublik uͤber eine andre ist an sich selbst schon gelinderer Art, als die Herschaft derer ist, die durch Blutvergiessen erobern: wie sehr muß sie es also vollends alsdann seyn, wenn es nicht mehr noͤtig ist, jedes Recht der Vorzuͤge, die man erlangt hat, gelten zu machen. Wenn ich gelten machen sage; so nehme ich es so, wie es von Deutschen genommen werden darf, naͤmlich, ohne Herablassung bis zur Eitelkeit, und durch Darzeigung solcher Dinge, deren Werth von selber redet. Der Charakter der blu- tigen roͤmischen Eroberung war: Derer, welche sich unterworfen hatten, zu schonen; und die Stolzen bis zur Vertilgung zu bekriegen. Der Charakter unsrer Eroberung muß, und wird seyn: Die, welche sich unterwerfen, zu Bun- desgenossen aufzunehmen; und die Stolzen, welche unsre Unterstuͤzung von sich stossen, ihrem Mangel, und dem Bewustseyn zu uͤberlassen, daß wir uͤber sie erhaben sind. Bleiben wir uns alsdann gleich; so werden sie sich nicht gleich bleiben. Der Mangel wird sie druͤcken, ihr Bewustseyn wird zu sehr bemerkt werden, als daß sie es laͤnger verbergen koͤnten. Sie werden sich unterwerfen, und wir werden sie in unsern Bund aufnehmen. Denn wir hatten edler gedacht; wir hatten erobert, gluͤklich zu machen. Jch Jch fodre Niemanden auf, sich auf diesem grossen Schauplaze der Eroberung fuͤr die Re- publik aufzuopfern. Wer zur Aufopferung Kraft in der Seele hat, der thut’s ohne Auf- foderung zu erwarten, ohne sie nur einmal zu dulden! Wie Maͤnner sich betragen, die solche Auffoderungen so gar beleidigen wuͤrden? Meint ihr, daß sie ihre Gesundheit, ihre Ruhe, ihr Leben nicht wie andre lieben? So gar mehr; denn sie sind lebhafter, als andre. Aber komt die Zeit, daß die Gegner keine Siege mehr er- dulden wollen, daß sie auch fechten, daß der Kampf um grosse Besize hart und heiß wird, so heiß, daß der Sieg schwankt: dann sind es jene Maͤnner, die nicht hinter sich sehen, wer flieht, oder wer steht, sich nicht etwa nur die Vergnuͤgungen, sich so gar die Erholungen des Lebens versagen, mit Kaͤlte, und mit Feuer wi- der die, welche sich geluͤsten lassen, uͤberwinden zu wollen, heranstreben; mit Kaͤlte, die die Wendungen, die Staͤrke, die Schwaͤche der Gegner scharfes Bliks entdekt, mit Feuer, das die ganze Kraft da schnell anwendet, wo die Kaͤlte hingefuͤhrt hatte, so lange, und so unuͤberwindlich heranstreben, bis, wer sich wandte, umkehren, und siegen helfen kann. Der Aldermann trat nicht, wie das sonst nach gehaltnen Anreden zu geschehen pflegt, E e 5 auf auf dem Plaze zuruͤk; sondern blieb stehen, und sahe, mit dem heitern Ernste der Entschlossen- heit, rings umher. Er war bald mit unge- woͤnlich tiefem Stillschweigen, und bald mit lauten Ausbruͤchen der Freude gehoͤrt worden. Unsre aͤltesten Mitbuͤrger haben bezeugt, daß sie noch niemals eine solche Bewegung auf ei- nem Landtage gesehn haͤtten. Nachdem die ersten und waͤrmsten Berathschlagungen vor- uͤber waren, breitete sich die Erwartung, welche Zunft sich zuerst erklaͤren wuͤrde, fast uͤberall aus. Wider alles Vermuten that es die Zunft der Drittler. Jhr Anwald sahe die Sache, in einer langen Eroͤrterung, von vielen falschen Seiten an, und schloß endlich, daß sich also hiermit die Zunft wider die Aldermaͤnner er- klaͤre! Diese antworteten dem Anwalde nicht, sondern liessen durch den Herold ausrufen: Daß es jezo zu seiner vollsten Reife gekommen waͤre, was die Republik schon lange wider die Drittler beschlossen haͤtte; und daß also die Zunft, und zwar nun gleich, muͤste aufgehoben werden. Diesem zufolge baͤten sie die Zuͤnfte, den Herold nicht abzuwarten, sondern dadurch, daß sie die Anwalde auf den Plaͤzen vortreten, und die Stimmen geben liessen, die Sache kurz abzuthun. Dieß geschah; und die Zunft der Drittler sahe sich, mit einer Verwunderung, welche welche die andern Zuͤnfte nicht recht begriffen, auf Einmal unter dem Volke. Man hat nach- her erzaͤhlt, daß die gemischte Zunft die Drittler haͤtte in Schuz nehmen wollen, aber durch die Befuͤrchtung eines gleichen Schiksals davon waͤre abgehalten worden; allein wir muͤssen zur Steuer der Wahrheit, die uns uͤber alles geht, sagen, daß wir, nach langer und sorg- faͤltiger Nachforschung, das Geruͤcht falsch be- funden haben. Die eingegangne Zunft breitete sich schnell unter dem Volke aus, und bekam, ob man gleich sehr wol haͤtte einsehn koͤnnen, aus welchen Ursachen diese neuen Mitglieder handelten, eben so schnell Einfluͤsse unter dem- selben. Geschrekt durch die vielleicht ganz nahe Gefahr, daß das Volk nun gar die drey Stimmen wider die Aldermaͤnner geben koͤnte, sprangen zwoͤlf edle und vaterlaͤndische Juͤng- linge, die einander zugewinkt hatten, auf Ein- mal auf, sonderten sich von dem Volke, zwan- gen ihrer einen zum Anfuͤhrer, und gingen bleich und zitternd, aber dennoch sehr mutig, nach dem halben Kreise zu. Die Aldermaͤnner wink- ten, und riefen ihnen Ruͤkkehr entgegen; al- lein die Juͤnglinge sahen und hoͤrten nichts mehr, gingen hinauf, sagten: Es waͤre jezt eben eine weitansteckende Seuche unter das Volk gekommen! baten, beschworen die Alder- maͤnner maͤnner (sie haͤtten sich beynah vor ihnen nie- dergeworfen; der Anfuͤhrer konte nicht reden, also redeten alle) beschworen sie bey der Ehre der Nation, beym Vaterlande, nicht hart zu seyn, ihnen es nicht zu versagen, nicht abzu- schlagen, heute, an diesem festlichsten ihrer Tage, eine Stimme haben zu duͤrfen! Ekhar- den stuͤrzten dabey die Thraͤnen der Freude so heiß herunter, daß er sich wegwenden muste. Auch den uͤbrigen Aldermaͤnnern wurd es schwer zur Rede zu kommen; und nicht wenig nahm ihre Freude zu, da sie beynah aus allen Zuͤnften die Anwalde laut rufen hoͤrten, daß den Juͤnglingen ihre Bitte nicht verweigert werden muͤste! Die Aldermaͤnner gestanden sie zu. Die Juͤnglinge gingen nicht wieder zum Volke hinunter. Sie traten seitwaͤrts neben die Bildsaͤulen, blieben dort stehen, und schlugen, mit jeder Anmut der Bescheidenheit, und mit der schoͤnen Roͤthe des zuruͤkgehaltnen Feuers, die Augen nieder. Der Anwald der Weltweisen kam langsam auf dem Zunftplaze vorwaͤrts gegangen, und sagte, indem er sich gegen den halben Kreis wandte: Die Aldermaͤnner, und wer sonst wie sie daͤchte, wuͤrden seine Kaͤlte nicht in ei- nem falschen Gesichtspunkte ansehn. Sie haͤt- te keine andre Ursache, als die Neigung, vor dem dem Entschlusse, zu untersuchen. Die Alder- maͤnner haͤtten diese allerdings wichtige Sache nicht der ganzen Republik vortragen sollen, sondern einige wuͤrdige, und zur Ausfuͤhrung vorzuͤglich faͤhige Maͤnner waͤhlen, diesen ihre Absicht anvertraun, und durch sie den Ver- such sollen machen lassen, ob die Unternehmung nicht zu kuͤhn sey. Denn groß in den Wissen- schaften waͤren die andern Gelehrtenrepubliken, und gefahrvoll das Bestreben, uͤber sie hinaus zu steigen. Wenn wenige Ausgewaͤhlte, ohne zu erklaͤren, was sie vorhaͤtten, es versuchten, und also nicht die ganze Republik auf die schluͤ- pfrige Laufbahn gewagt wuͤrde; so koͤnte das un- ter andern auch den Vortheil haben, daß die, wider welche es die Wenigen versuchten, gleich- sam unvermutet uͤberfallen wuͤrden, und noch auf ihren Lorbern schliefen, wenn die Sache vielleicht schon geschehen waͤre. Versuche, sagte der Anwald der Naturforscher, sollen wir machen? und noch dazu ins geheim? Eine Verschwoͤrung soll’s? Du meinst wol gar, weil du so klug, und so furchtsam bist, tiefer zu sehen, als die Aldermaͤnner, welche die Re- publik, und sie so zu den grossen Thaten auf- gefodert haben, daß sie nun, was sie beschliest, nicht im Winkel beschliessen kann. Denn du koͤmst unter anderm auch viel zu spaͤt mit deinen Be- Behutsamkeiten! Du haͤttest es den Aldermaͤn- nern anmerken sollen, was ihnen im Sinne laͤge, und ihnen dann deinen Rath von den Versuchen, und der Verschwoͤrung, ertheilen sollen. Auch hast du von der Groͤsse der andern Republiken geredet. Kleinmuͤtiger Mann! sollen wir denn etwa den edlen, den ehrenvol- len, den vaterlaͤndischen Wettstreit mit solchen halten, die nicht werth sind uͤberwunden zu werden? Da sieh dort die Juͤnglinge bey den Denkmalen an, und lerne von ihnen, Anwald! Euch, Aldermaͤnner, hab ich nur zwey Worte zu sagen, das erste ist mein Dank, und das zweyte eine Bitte. Lasset heute die Stimmen nicht sammeln. Jch habe weit umhergesehen, als euer Wortfuͤhrer redete. Doch ich haͤtte das nicht einmal gebraucht. Denn ich kant uns ohne dieß schon. Wir muͤssen Zeit zu un- sern Entschluͤssen haben. Es ist kein Vorwurf. Desto besser die Frucht, je laͤnger es keimt! Der Anwald der Dichter trat schnell hervor, und rief dem Anwalde der Naturforscher zu: Edler, rechtschafner Mann, du hast die Re- publik geirrt! „Sage, was du meinst“ Du hast die Republik geirrt! „Wenn du dich nicht „erklaͤrst; so hab ich dir weiter nichts zu sagen.‟ Jch aber habe dir noch etwas zu sagen. Die Ver- Verbuͤndung der Ausgewaͤhlten, von welcher der Anwald der Weltweisen sprach, hat von einer andern Seite betrachtet, denn sie braucht ja nicht geheim zu seyn, und dadurch einer Verschwoͤrung zu gleichen, sie hat, sag ich, etwas, das mit lauten Toͤnen zu meinem Her- zen stimt. Du weist, was die Aldermaͤn- ner von dem grossen bleibenden Grundsaze, was sie von der Eroberung gesagt haben. Die Republik, sie das Heer. (Faͤhnchen moͤ- gen nebenher wehn, und dieß und das Klei- nere thun) das Heer ruͤkt heran, und mit ihm eine heilige Cohorte. Was diese alsdann thut, wenn die Schalen schweben, wenn gar die gegen uns zu sinken anfaͤngt? Jn das lezte Faͤhnchen mit dem, der dieß noch zu fragen hat! „Jch versoͤne mich mit dir! Aber wo- „durch hab ich die Republik geirrt?‟ Dadurch hast du sie geirrt, daß du Aufschub der Ent- schliessung vorgeschlagen, und sie also veran- last hast, an sich selbst zu zweifeln. Hier Aufschub, Anwald, hier? Welche Wolke um- gab dich, als du das aussprachst? „Meine „Versoͤnung ist aus, Anwald! Aldermaͤnner, „Zuͤnfte, und Volk, ich betheure euch bey „meiner Wahrheitsliebe: Jch hab euch nicht „irren wollen, am wenigsten so! und hab euch, „wie „wie ich gewiß bin, auch nicht geirrt. Jch „kenn euch; und mein Kennen ist mit Vereh- „rung verbunden. Jch bleibe fest dabey: „Desto reifer, je laͤnger’s keimt!“ Die Aldermaͤnner standen auf, und die Land- gemeine ging aus einander. Ende des ersten Theils.