JAPAN NACH REISEN UND STUDIEN IM AUFTRAG DER KÖNIGLICH PREUSSISCHEN REGIERUNG DARGESTELLT VON J. J. REIN PROFESSOR DER GEOGRAPHIE AN DER UNIVERSITÄT BONN. ZWEITER BAND. LAND- UND FORSTWIRTHSCHAFT, INDUSTRIE UND HANDEL. MIT 24 ZUM THEIL FARBIGEN TAPELN, 20 HOLZSCHNITTEN IM TEXT UND 3 KÄRTCHEN. LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1886. JAPAN . ZWEITER BAND. JAPAN NACH REISEN UND STUDIEN IM AUFTRAGE DER KÖNIGLICH PREUSSISCHEN REGIERUNG DARGESTELLT VON J. J. REIN PROFESSOR DER GEOGRAPHIE AN DER UNIVERSITÄT BONN. ZWEITER BAND. LAND- UND FORSTWIRTHSCHAFT, INDUSTRIE UND HANDEL. MIT 24 ZUM THEIL FARBIGEN TAFELN, 20 HOLZSCHNITTEN IM TEXT UND 3 KÄRTCHEN. LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1886. Alle Rechte vorbehalten. VORWORT. I ndem ich hiermit die Resultate vieljähriger Studien der Oef- fentlichkeit übergebe, hoffe ich gebildeten Lesern in den ver- schiedensten Berufsstellungen willkommene Auskunft und Beleh- rung über mancherlei Fragen bezüglich des Culturzustandes von Japan und der Erwerbsthätigkeit seiner Bewohner bieten zu können. Die reiche Literatur über dieses Land und Volk hat viele Gegenstände, welche hier eingehend behandelt wurden, entweder gar nicht berührt oder doch so, dass die naturwissen- schaftliche und technische Seite dabei zu kurz kamen. Dies und verschiedene andere Umstände bestimmten mich, während meines Aufenthaltes in Japan meine Beobachtungen und Studien auch auf Gebiete auszudehnen, die nicht unmittelbar in den Kreis mei- ner Aufgaben fielen. Dennoch fürchte ich nicht, dass desshalb competente Beurteiler in den Abschnitten über das japanische Kunstgewerbe einen Mangel an Hingabe und Gründlichkeit finden werden. Wohl aber wuchsen bei dem weiten Rahmen, welchen ich mir zog, die Schwierigkeiten in hohem Grade, namentlich als es galt, die in Japan gewonnenen Eindrücke und Resultate in Eu- ropa zu bearbeiten und zu ergänzen. Dass und wie dies ge- Vorwort. schehen ist, wird man am besten aus den einzelnen Kapiteln selbst ersehen. Damit habe ich zugleich den Hauptgrund angedeutet, wess- halb diese Arbeit, obgleich ich ihr seit meiner Rückkehr aus Japan den grössten Theil der Zeit und Kraft widmete, welche mir meine Berufspflichten übrig liessen, erst jetzt, d. h. mehr denn fünf Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes und dritthalb Jahre nach der englischen Ausgabe desselben, in die Oeffentlich- keit gelangt. Mit der Befriedigung, ein vielfach noch uncultiviertes Feld zum ersten Mal bebaut zu haben, verbinde ich das weniger an- genehme Gefühl, dass es trotz aller Sorgfalt und Mühe nur Stück- werk ist, was ich bieten kann. Bei der Fülle und ungleichen Wichtigkeit des Materials konnten nicht alle Gegenstände gleich ausführlich behandelt werden. Es kann nicht fehlen, dass der Leser je nach seinem Standpunkt und Interesse den einen zu kurz abgethan, den andern vielleicht zu breit angelegt finden wird. Die zahlreichen japanischen Namen, welche Vielen in Europa werthlos, ja störend sein mögen, dürften Fremden und Einheimischen in Japan selbst ein willkommenes Hülfsmittel zur Orientierung bieten. In dem einleitenden Kapitel über das japanische Kunstge- werbe habe ich die Malerei und ihren Entwickelungsgang nur berührt. Ich wusste, dass mein Urteil und meine Kenntnisse auf diesem Gebiete weit zurückstanden hinter denen eines Gelehrten, der sechs Jahre in Japan selbst und manches weitere seit seiner Rückkehr nach England dem Gegenstande und der Vorbereitung eines Werkes darüber gewidmet hatte. Unter dem Titel: »The Pictorial Arts of Japan by William Anderson « erscheinen jetzt bei Sampson Low \& Co. in London die Resultate seiner Studien in einem Prachtbande, der nicht blos die von mir gelassene Lücke Vorwort. ausfüllt, sondern überhaupt jedem Kunstfreunde die erste gründ- liche Belehrung über Charakter und Entwickelung der japani- schen Malerei bietet. Es erübrigt mir noch, der freundlichen Beihülfe einiger Freunde dankbar zu gedenken. Herr Professor Dr. F. Justi in Marburg lieferte nach Originalen die vorzüglichen Federzeichnungen zu den Holzschnitten Fig. 1 (12), 13, 16, 17, 18 und 19. Meinem talent- vollen Schüler, dem Herrn C. Schulteis , verdanke ich die Zeich- nungen zu den Figuren 8, 9, 10, 11 und 14, sowie zu den Tafeln I, II, III, IV und XV. Herr C. Reinhertz , ein anderer mei- ner wackeren Schüler, zeichnete das Uebersichtskärtchen zur Mon- tanindustrie nach einer grossen Handkarte, welche mir Herr In- genieur Kurimoto vom Oberbergamte in Tôkio freundlichst über- sandt hatte. Auch für verschiedene andere Notizen bin ich letzterem zu Dank verpflichtet, ebenso Herrn Dr. S. Nagai , welcher mich namentlich durch das Lesen der japanischen Correcturen unterstützte. Sämmtliche Illustrationen dieses Buches sind Originale, und ich erkenne es dankbar an, dass der Herr Verleger weder Mühe noch Kosten gescheut hat, dasselbe damit würdig auszustatten. Bonn , im September 1886. Der Verfasser. INHALTSVERZEICHNISS. Seite Einleitung 1 I. Land- und Forstwirthschaft, landwirthschaftliche Gewerbe 3 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen 4 Besitz- und Abgabenverhältnisse S. 4. Areal und Einteilung des Culturlandes S. 19. Klima und Boden S. 12. Bestrebungen der Regie- rung, die Landwirthschaft zu heben S. 19. Das Kaitakushi oder Co- lonialamt S. 20. Düngung und Bearbeitung des Bodens; Terrassen- cultur; Reihensaat S. 23. 2. Nährpflanzen 42 a. Getreide, Halmfrüchte oder Cerealien, japanisch Koku-motsu S. 42. b. Hülsenfrüchte oder Leguminosen S. 64. c. Stärkeliefernde Knollen S. 74. d. Gemüse und Condimente S. 81. e. Essbare Früchte und Obstbau S. 96. f. Nahrungs- und Genussmittel als Erzeugnisse der chemischen Industrie aus den unter 2. a. — e. erwähnten Rohprodukten S. 111. Nachträge S. 120. (a. Chemische Zusammensetzung von Sake, Mirin und Shôchû nach Analysen von Atkinson. b. Statistische An- gaben über vorerwähnte alkoholische Getränke.) 3. Handelsgewächse 129 a. Alkoholfreie Stimulanten: Thee und Tabak S. 129. b. Droguen S. 158. c. Oelpflanzen und ihre Produkte S. 176. d. Textilpflanzen S. 194. e. Farbpflanzen und Gerbstoffe und deren Verwendung S. 204. 4. Viehzucht und Seidenzucht 216 (Zucht und Bedeutung des Yama-mayu oder Eichenspinners, Anthe- rea (Bombyx) Yama-maï, Guér.-Ménev. in Japan S. 243.) 5. Forstwirthschaft 250 Verhältniss der japanischen Wälder (Hayashi) zu den übrigen Cultur- formen und zum Oedland S. 251. Unterscheidung derselben in Cultur- und Natur- oder Gebirgswälder S. 253. Charakter, Verbreitung und Verwerthung beider Arten S. 254. Einfluss auf das Klima S. 264. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume und an- derer Nutzhölzer Japans 266 Gramineae, Abt. Bambusaceen S. 270. Palmeae S. 275. Coniferae S. 275. Salicineae S. 284. Betulaceae S. 285. Juglandaceae S. 285. Inhaltsverzeichniss. Seite Corylaceae S. 285. Cupuliferae S. 286. Moreae S. 288. Ulmaceae S. 288. Buxaceae S. 290. Lauraceae S. 291. Scrophularineae S. 292. Bignoniaceae S. 293. Oleaceae S. 293. Styracaceae S. 293. Ebena- ceae S. 294. Ericaceae S. 294. Caprifoliaceae S. 295. Corneae S. 295. Araliaceae S. 295. Lythrarieae S. 296. Hamamelideae S. 296. Rosa- ceae S. 297. Leguminosae S. 299. Anacardiaceae S. 299. Acerineae S. 299. Sapindaceae S. 300. Rhamneae S. 301. Celastrineae S. 301. Ilicineae S. 301. Meliaceae S. 303. Simarubeae S. 303. Rutaceae S. 303. Tiliaceae S. 304. Sterculiaceae S. 304. Ternstroemiaceae S. 304. Magnoliaceae S. 307. 7. Gartenbau 310 Verbreitung, Einfriedigung und Charakter japanischer Gärten S. 310. Beschränkte Mittel und Eigenthümlichkeiten der Gartenkunst S. 313. Verzwergung und Verkrüppelung S. 315. Veredelung S. 316. Pana- chierung S. 317. Naturfreude und Blumenliebe des japanischen Vol- kes S. 318. Blumenkalender und besondere Lieblinge der Flora S. 319. Alleebäume S. 326. 8. Acclimatisation und Verbreitung japanischer Nutz- und Zierpflanzen in Europa 327 II. Montanindustrie 346 Irrige Vorstellungen vom Mineralreichthum Japans S. 346. Alte Be- triebsweise des Bergbaues und neuere Versuche zur Hebung des- selben S. 347. Tabellarische Uebersicht der Produktion nach Menge, Werth und hervorragenderen Gruben S. 352. Weitere Notizen über letztere und die einzelnen Produkte S. 358. Salz- und Alaungewin- nung S. 368. Produkte der Thongruben und Steinbrüche S. 370. III. Kunstgewerbe und verwandte Industriezweige 373 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen 373 Neubelebung des europäischen Kunstgewerbes. Wachsendes Interesse für die Erzeugnisse des chinesischen und japanischen. China, Lehr- meister und Vorbild Japans S. 374. Charakteristische Züge des ja- panischen Kunsthandwerks und seiner Produkte S. 376. Förderungs- mittel und Blüthezeit desselben S. 384. Sein Einfluss auf dasjenige des christlichen Abendlandes S. 388. 2. Holzindustrie 395 Möbeltischlerei, Intarsia-Arbeiten S. 395. Eigenthümlichkeiten der Dreharbeiten des Hakonegebirges und von Nikkô S. 397. Kamm- schneiderei, Strohmosaik S. 399. 3. Lackindustrie 400 Vorbemerkungen S. 400. Gewinnungsweise und Eigenschaften des japanischen Rohlacks S. 404. Das Urushi-kabure oder die Lack- vergiftung S. 414. Zubereitung des Rohlacks für den Lackierer S. 415. Lackpreislisten S. 416. Sonstige Materialien, sowie Werkzeuge, deren sich der Lackierer bedient S. 419. Grundierungsarbeiten und einfache Lackverzierung S. 423. Einfache Lackwaaren mit einfarbigem Anstrich S. 427. Bunte Lackwaaren mit marmorierten Flächen S. 428. Bunte Lackwaaren, erzeugt durch Aufstreuung glänzender Pulver S. 432. Die Inhaltsverzeichniss. Seite Arbeiten des Lackmalers oder Makiye-shi S. 434. Ebene und er- habene Goldlackverzierungen S. 436. Lackschnitzerei S. 441. Ge- schichtliche Notizen über die Lackindustrie S. 443. 4. Textilindustrie 449 Hanfleinwand und Nesseltuch. Pisang-Gewebe S. 449. Baumwoll- Industrie S. 450. Hervorragende Leistungen, Hauptsitze und be- sonders bemerkenswerthe Produkte der Seidenweberei S. 450. Hülfs- mittel derselben S. 455. Habutaye, Krepp, Kanoko, Brocat S. 456. Verwendung von Gold- und Silberpapier bei letzterem S. 460. Sammetweberei; Stickerei S. 462. 5. Papierindustrie 463 Allgemeine Eigenschaften des japanischen Papiers S. 464. Materia- lien, aus welchen dasselbe bereitet wird, und Gewinnung derselben S. 468. Darstellung und Verwendung hervorragender Sorten japani- scher Bastpapiere S. 475. Gekautschte Pappe: Ita-me-gami und Hari-nuki S. 485. Tapeten, Chirimen-gami oder Krepp-Papier S. 486. Lederpapiere oder Kami-kawa S. 490. Shifu oder Papier-Gewebe S. 492. Oelpapier, Regenmäntel, Schirme, Laternen und Fächer S. 493. Anhang: Sumi-ire, das japanische Schreibzeug und seine Bestandteile: Pinsel, Tusch- und Reibschale S. 496. 6. Holz-, Elfenbein- und Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- und Perl- mutterarbeiten. Steinschleiferei 500 7. Metallindustrie 509 Vorbemerkungen S. 509. Werkzeuge und Verzierungsweisen S. 510. Verarbeitung des Eisens zu Schwertern, Rüstungen und Kunstsachen S. 514. Tauschierung von Gusseisen S. 518. Verwendung des Kupfers S. 521. Wichtigste Legierungen desselben S. 524. Die ja- panische Bronze S. 525. Patina 527. Verwendung der Bronze im Haushalte und buddhistischen Cultus S. 529. Magische Spiegel S. 533. Gold und Silber im japanischen Kunstgewerbe S. 535. Bronze- Analysen S. 536. 8. Keramik 538 Vorbemerkungen S. 539. Eintheilung der Thonwaaren mit beson- derer Beziehung auf die japanischen S. 540. Historischer Ueberblick. Anfänge und Leistungen der Industrie Japans bis zur Einführung der Drehscheibe S. 544. Fortschritte. Einfluss der Cha-no-yu S. 545. Die Erfindung und Darstellung des Porzellans in China S. 548. Ein- führung der Fabrikation in Japan S. 550. Centren derselben, sowie der Steingutindustrie: Arita S. 559. Amakusa S. 564. Kagoshima S. 565. Kiôto S. 568. Seto S. 569. Ôta S. 572. Congo S. 573. Kaga S. 574. Steinzeug. Banko-yaki und Imbe-yaki S. 576. 9. Emailindustrie 582 Wesen und Arten des Email S. 582. Historischer Ueberblick über die Entwickelung der Industrie in verschiedenen Ländern S. 584. Charakter des chinesischen und japanischen Email cloisonné S. 587. Darstellungsweise desselben in Japan auf Kupfer, Porzellan und Steingut S. 588. Zellenlackarbeit S. 591. Freies Email S. 592. Zu- sammensetzung und Zubereitung japanischer Schmelzfarben S. 593. Inhaltsverzeichniss. Seite IV. Handel und Verkehr 596 1. Münzen, Maasse und Gewichte 596 a. Geld, Kane oder Kinsu, Papiergeld, Kinsatsu, Banknoten, Satsu oder Gin-kô-satsu S. 596. b. Maasse und Gewichte S. 600. 2. Sonstige Verkehrsmittel 602 3. Der Aussenhandel Japans bis zur Erschliessung des Landes unter Commodore Perry im Jahre 1854 608 a. von der Entdeckung des Landes 1542 durch Mendez Pinto bis zum Jahre 1639 S. 608. b. die Zeit des Handels der Holländer und Chinesen in Nagasaki von 1641—1854 S. 621. 4. Japan im Weltverkehr 626 Vertrag von Kanagawa S. 627. Verkehr von Yokohama S. 628. Kobe-Ôzaka S. 629. Ausfuhrartikel S. 633. Statistische Tabellen 641 I. Werth der Aus- und Einfuhr Japans von 1868—1885 nach den ein- zelnen Vertragshäfen 642 II. Der auswärtige Handel Japans während der letzten fünf Jahre 642 III. A. Uebersicht der wichtigsten Ausfuhrartikel seit 1868 nach Gruppen und Werth 643 III. B. a. Summen. b. Durchschnittswerthe und c. Prozentantheile der Ausfuhr obiger Artikel am Gesammtexport der fünfjährigen Perioden 1871—75 und 1881—85, berechnet aus obigen Angaben 644 IV. Hauptausfuhrartikel und ihre Werthe während der Jahre 1881—85 646 V. Uebersicht der Ausfuhr im Jahre 1885 nach Gegenständen, Ländern und Werth in Yen 647 VI. Vergleichstabelle der Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber in Münzen und Barren 648 VII. Uebersicht der hervorragendsten Einfuhrartikel seit 1868 und ihres Werthes in Yen 648 VIII. Einfuhr hervorragender Artikel nach Ländern und Yen während des Jahres 1885 649 Deutsch-lateinisches Register 651 Japanisches Register 663 Verzeichniss der Illustrationen 677 Berichtigungen 678 Einleitung . S eit drei Jahrzehnten hat Japan, wie kein zweites Land Asiens, die Blicke und verschiedenartigsten Interessen des gebildeten Abend- landes in immer steigendem Maasse auf sich gelenkt. Zahlreiche Zeitungsartikel, Abhandlungen und Bücher, an Inhalt und Werth so verschieden, wie die Vorbildung, Befähigung und Neigung ihrer Ur- heber, geben davon Zeugniss. Kaufleute, Künstler und Gelehrte füh- len sich von dem schönen Inselreiche Nippon, dem »Land des Son- nenaufgangs« im Osten der Alten Welt, der Cultur seiner Bewohner und ihren vielen hochinteressanten Natur- und Kunstproducten in hohem Grade angezogen. Aber noch wirksamer zur Gewinnung und Erhaltung solcher Sympathien war und ist seit den denkwürdigen Er- eignissen, zu welchen die Perry-Expedition 1854 den ersten Anstoss gab, das Verhalten der Regierung und Bevölkerung Japans zu den Fortschritten der christlichen Civilisation. Das Bestreben, die Resul- tate derselben kennen zu lernen und für ihr Land zu verwerthen, veranlasste die Regierung, gebildete Männer der verschiedensten Be- rufsarten aus den grössten und hervorragendsten christlichen Cultur- staaten als Lehrer und Organisatoren in’s Land zu rufen, umgekehrt aber auch die strebsamsten und talentvollsten Jünglinge in das Abend- land zu senden, damit dieselben dort zum Nutzen ihres Vaterlandes sich weiter ausbildeten. Aber auch Beamte in hohen Stellungen sind aus gleichem Streben wiederholt unter uns erschienen und haben sich bemüht, hervorragende Anstalten der Verwaltung, Volksbildung und gewerblichen Thätigkeit eingehend kennen zu lernen. Und wenn wir ferner lesen, wie hier ein Japaner mit Ehren sich einen Universitätsgrad erwarb, dort ein anderer durch wissenschaftlichen Vortrag die Aufmerksamkeit deut- scher Gelehrten zu fesseln wusste, wie auf den verschiedensten inter- Rein , Japan. II. 1 Einleitung. nationalen Ausstellungen der Neuzeit Japan durch hervorragende Lei- stungen sich auszeichnete, während es zu Hause seine erste Eisenbahn eröffnete, bei deren Plan und Bau kein fremder Ingenieur mitwirkte, so sind dies alles eben so viele Beweise von Talent und Hingabe einer in überraschender Weise aufstrebenden Nation. Aber einen noch grösseren Sieg haben Regierung und Volk auf religiösem Gebiete er- rungen, indem sie endlich von alten Vorurtheilen, Hass und strengem Verbot gegen das Christenthum durch mancherlei Uebergangsstadien bis zur vollen Religionsfreiheit gelangt sind, welche ihre günstige Wirkung für die Ausbreitung der christlichen Lehre nicht verfehlen wird. Mit der Restauration der Mikadoherrschaft im Jahre 1868 brach das ganze Feudalsystem zusammen. Die Daimiô’s verliessen, theils freiwillig, theils von der neuen Regierung gezwungen, für immer ihre festen Burgen, von denen manche in dieser Uebergangszeit der Zer- störung anheimfielen, sodass ihre Ruinen gleich vielen bei uns als stumme Zeugen einer anders gearteten Zeit in’s Land schauen. Den buddhistischen Tempeln und Klöstern droht ein ähnliches Schicksal. Mit der Reorganisation der Verwaltung zog schon ein neuer Geist ein, ein Hauch der christlichen Civilisation, dessen Wirkungen bereits kurz angedeutet wurden. Die neuerdings verkündigte Religionsfreiheit ist ein weiterer naturgemässer Schritt auf dieser Bahn, durch welchen das räumlich fernste Land und Volk Asiens uns geistig noch näher gerückt wird, als dies bisher bereits geschah. Im Hinblick auf alle diese Erscheinungen sind auch hier Schillers Worte anwendbar: »Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen.« Das alte Japan fand in China sein Ideal, in den chinesischen Lei- stungen auf staatlichem, gewerblichem und intellectuellem Gebiete, das neue sucht sich dasselbe im christlichen Abendlande. Im ersten Bande dieses Werkes Rein , Japan. Natur und Volk des Mikadoreiches. Leipzig. W. Engel- mann. 1881. ist gezeigt oder angedeutet worden, wie die Japaner durch Körperbau, Sprache und charakteristische Geisteszüge als eigen- artiger Zweig der grossen mongolischen Völkerfamilie erscheinen, dem chinesischen Culturkreise angehörten und ihre ganze gesellschaftliche, landwirthschaftliche und gewerbliche Entwickelung nach chinesischem Muster, vornehmlich über Korea erhielten. Auch wurde dabei der Einführung des Buddhismus und der chinesischen Philosophie, ins- besondere der Lehre des Confucius, gedacht, als Trägern dieser eigen- Einleitung. artigen Cultur. Während diese Philosophie den Kastengeist, Feudalis- mus und Ahnencultus nährte, wirkte der Buddhismus vor allem auf die productiven Massen ein, milderte die Sitten und bildete friedfertige, unverdrossene Arbeiter in Feld und Werkstatt. Die hervorragenden Leistungen der Japaner auf diesen beiden Arbeitsfeldern und der zunehmende Einfluss ihrer Producte auf un- sere eignen Verhältnisse sollen in den nachfolgenden Abschnitten aus- führlich dargelegt werden, während hinsichtlich der Geschichte und Ethnographie des japanischen Volkes, sowie der Naturgeschichte und geographischen Verhältnisse des Landes hier nochmals auf den ersten Band dieses Werkes verwiesen wird, den ich seiner Zeit als Vorstudie zum besseren Verständniss der verschiedenen Erscheinungen des ge- werblichen Lebens bezeichnet habe. 1* I. Land- und Forstwirthschaft, landwirthschaftliche Gewerbe. »Nihil est agricultura melius, nihil uberius, nihil dulcius, nihil homine libero dignius.« Cic. de off. lib. I. 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. Besitz- und Abgabenverhältnisse. Areal und Eintheilung des Culturlandes. Klima und Boden. Bestrebungen der Regierung, die Landwirthschaft zu heben. Das Kaitakushi oder Colonialamt. Düngung und Bearbeitung des Bodens. Terrassencultur. Reihensaat. G egenüber den beweglichen Nomadenvölkern Centralasiens sind die Bewohner des Monsungebietes seit Jahrtausenden an die Scholle gebunden. Der Ackerbau wird von ihnen, namentlich in China und Japan, auf intensive Weise betrieben. Derselbe lässt hier der Vieh- zucht wenig Raum, und wie eigentliche Wiesen und Weiden fehlen, so sind auch Milch, Butter und Käse, die Hauptnahrung der noma- disierenden Mongolenvölker, den Chinesen und Japanern unbekannt. Eier und die dem Fischfang oder der Jagd entnommene thierische Nahrung spielen eine viel bedeutendere Rolle, als das Fleisch der Hausthiere, welches von vielen Millionen nie gegessen wird. Da das Schaf in Korea und Japan gar nicht, in China nur wenig verbreitet ist, so kam in der Kleidung die Wolle früher wenig in Betracht. Hanf- und Baumwollgewebe, bei den Wohlhabenden aber Seide, be- sonders im Winter, waren und sind die Stoffe, in welche sich die Bevölkerung kleidet. Die Wohnung ist in den Ländern des chinesischen Culturkreises ein mehr oder minder solides Haus, aus Holz oder Bambusrohr ge- zimmert und mit Stroh, Schindeln oder Ziegeln überdacht, luftig und angenehm im Sommer, wenig behaglich dagegen im kalten Winter, wo sich die Bewohner mehr durch die grössere Zahl und bessere Aus- 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. wahl ihrer Kleidungsstücke, als durch solide Wände und zweckmässige Heizvorrichtungen gegen die Kälte zu schützen wissen. In der inneren Ausstattung weichen die Wohnungen der Chinesen, Japaner und Ko- reaner wesentlich von einander ab; gemeinsam ist ihnen dagegen die Anwendung von Bastpapier zu Fensterscheiben. Aus den Berichten der Reisenden in Centralasien geht hervor, dass auch hier die Glas- scheibe, wie im Monsungebiete, fehlt, die Papierscheibe über dem Fenstergitter oder der Schiebethür aber mit dem Chinesen bis in die Dsungarei vorgedrungen ist, ohne von andern Völkern adoptirt wor- den zu sein. Wie Tokugawa Iyeyasu, der Begründer der letzten Shôgun- Dynastie, im 12. seiner »achtzehn Gesetze« hervorhebt, schrieb man die Einführung des Ackerbaues in Japan der Sonnengöttin Tenshô Daijin (Amaterasu) zu. Sie war den alten Japanern Janus und Ceres zugleich. Ihr Tempel zu Yamada in Ise war das grosse National- heiligthum, welches vorschriftsmässig erhalten und nach je 21 Jahren aus dem geweihten Hinoki-Holze (Chamaecyparis obtusa S. \& Z.) neu aufgerichtet werden musste, »damit das Land Frieden habe und die Gokoku wohlgedeihen möchten.« Man verstand unter den Gokoku (fünf Hauptfeldfrüchten) Reis, Gerste und Weizen, Kolbenhirse, andere Hirsenarten und Bohnen, also die hervorragendsten Kokurui , d. h. Halm- und Hülsenfrüchte. Der Begriff Go-koku war jedoch nicht zu allen Zeiten derselbe. So finden wir in Kaempfer, Amoen. exot. pag. 834 Kome (Oryza), O-mugi (Hordeum), Ko-mugi (Triticum), Daidzu (Dolichos soja L.) und Adzuki (Phaseolus radiatus L.) als Go- koku angeführt. Später erweiterte man ihn noch mehr und verstand darunter alle hervorragenden Nährpflanzen aus der Gruppe der Halm- und Hülsenfrüchte. In jener grossen Werthschätzung der Go-koku ahmte man die Chinesen nach, wie denn die chinesische Landwirthschaft überhaupt der Ausgang und Prototyp für die japanische gewesen ist Siehe Bretschneider : »On the study and value of Chinese botanical- works« und Williams : »The Middle Kingdom« I. 78. . Kaiser Shinnung hatte um das Jahr 2700 v. Chr. in China den Ackerbau eingeführt und verbreitet. Dafür wurde er nach seinem Tode unter die Götter versetzt und ihm in Peking ein Tempel gewidmet, in des- sen parkartiger Umgebung der chinesische Kaiser seitdem jährlich zur Zeit des Frühlingsäquinoctiums ein Stück Land pflügt und mit den Go-koku besät. Dem Mikado lag zwar keine analoge Pflicht beim Heiligthum I. Land- und Forstwirthschaft. seiner Stammmutter in Ise ob, aber der Ackerbau wurde darum in seinem Reiche nicht geringer geachtet. Die Erkenntniss, dass derselbe die erste und beste, weil nothwendigste und einzig sichere Grundlage des Wohlergehens der Bevölkerung und des Staates ist, drückt der Japaner durch die Redensart aus »No wa kuni no moto«, d. h. »Land- wirthschaft ist die Quelle (Stütze) des Landes. Nach der neuesten Volkszählung vom 1. Jan. 1883 beschäftigt sie 18160213 Bewohner, d. h. etwa die Hälfte von einer Gesammtbevölkerung von 37017302. Dies sind jedoch blos Hiyakushô oder wirkliche Bauern, wozu noch aus der Gruppe der ehemaligen Samurai ein nach vielen Tausenden zu schätzender Theil kommt, der sich in der Neuzeit ebenfalls der Landwirthschaft zugewendet hat. Der Ackerbau liefert dem Staate 58 % seiner Einnahmen, aber mit Hinzuziehung der landwirthschaft- lichen Gewerbe, wie Sakebereitung etc., und der darauf ruhenden Steuer sogar 80 % Nach dem letzten Finanzjahr, welches am 30. Juni 1884 endete, betrugen nämlich die Gesammteinnahmen Japans im Ordinarium 73943258 yen. Davon lieferte die Grundsteuer 43029745 yen und die Steuer auf Sake und verwandte Genussmittel 16768135 yen (1 yen = 4,3 Mark). . Unter den drei Klassen des japanischen Volkes (Heimin) stand der Bauer (Hiyakushô) im Range höher, als der Handwerker (Sho- kunin) und Kaufmann (Akindo). Während die Beschäftigung der beiden letzteren bei den Samurai als wenig ehrenvoll verpönt war, fanden sie es nicht unter ihrer Würde, dem gewöhnlichen Bauer gleich das Feld zu bestellen, machten jedoch nur in wenigen Herrschaften, wie Satsuma und Tosa, von dieser gesellschaftlichen Freiheit Gebrauch, also gerade in den Gebieten, welche berühmt wa- ren, die tapfersten und selbstbewusstesten Krieger zu liefern. Mit Recht weist Maron in seinem immer noch lesenswerthen Bericht über die japanische Landwirthschaft Siehe Salviati : Annalen der Landwirthschaft 39 Bd. pag. 35—72. darauf hin, dass bei der langen Abgeschlossenheit des Landes die Regierung und Nation von dem Bewusstsein geleitet werden musste, dass die leibliche Existenz unter allen Umständen von den Erträgen des eigenen Bodens abhing und nichts sonst das etwaige Deficit in der Ernte auszugleichen vermochte. Das würde also auf eine Hebung des Ackerbaues bei Beginn der Tokugawa-Herrschaft schliessen lassen, wie solche auch aus der Ge- schichte des Iyeyasu, namentlich hinsichtlich der Ebene des Kuwantô wohl bekannt ist. Die Handelsentwickelung nach aussen wurde ja damals vollständig lahm gelegt und um so mehr die Hauptarbeitskraft der Nation dem Ackerbau zugewandt und erhalten. Viel eingreifen- 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. der als dieses Moment dürfte übrigens die mit dem Jahre 1600 be- ginnende lange Friedenszeit auf die Gestaltung der japanischen Land- wirthschaft gewirkt haben; denn obgleich dieselbe sich schon früh- zeitig nach chinesischem Vorbilde kräftig entwickelt hatte, war sie doch später durch die beständigen Bürgerkriege vielfach zurück- gegangen. Der Mikado war und ist nach alter japanischer Anschauung, die sich an die Sage und Vorstellung von seiner himmlischen Herkunft und der Erschaffung der japanischen Inseln durch seine göttlichen Urahnen Isanagi und Isanami knüpft, der Herr des ganzen Landes, der einzige Grossgrundbesitzer desselben. In der Praxis aber gehörten später die ausgedehnten Bergwaldungen, sowie das Wüst- und Oedland vorwiegend den Feudalherrn und nunmehr dem Staat, der cultivierte Boden dagegen dem Bauer als Erbpächter. Er war und ist nach unserer Auffassung Kleingrundbesitzer, der sein Eigenthum vererben, verpachten', durch Kauf vermehren oder durch Verkauf in andere Hände überführen konnte, in allen Fällen aber dafür sorgen musste, dass es unter hergebrachter Cultur blieb und der vorgesetzten Behörde die darauf berechneten Abgaben rechtzeitig eingeliefert wurden. Hier- durch waren demnach Besitz- und Verfügungsrecht beschränkt. Die Abgaben, welche auf dem Culturboden ruhten, waren im Allgemeinen hoch und in Natur zu leisten; im übrigen aber nahm der japanische Bauer eine viel freiere Stellung ein, als viele seiner europäischen Standesgenossen im Mittelalter, welche durch Frohndienste und son- stige Lasten in viel höherem Grade bedrückt wurden, wie dies schon Thunberg hervorhebt In »Åkerbruket.« Resa IV pag. 76—92. . Aus dem Gesagten lässt sich auf eine grosse Verschiedenheit in der Ausdehnung des bäuerlichen Grundbesitzes schliessen; dennoch fehlen grössere und in unserem Sinne wohlarrondierte Güter durch- aus. Es gibt also keinen Grossgrundbesitz in Japan, weder für den Bauer, noch für den Adel. In ältester Zeit, so lange der Mikado noch thatsächlich erster und alleiniger Landes- und Kriegsherr war und die verschiedenen Klassen der Gesellschaft sich noch nicht streng und erblich geschieden hatten, war die Besteuerung der Bauern für japanische Verhältnisse leicht. Je acht Familien mussten ein Neuntel des ihnen überwiesenen und unter sie gleich vertheilten Ackerlandes für den Mikado bebauen und den Naturalertrag an die Beamten des- selben abliefern. Als aber der Dualismus in der Regierung und das Feudalsystem unter dem Shôgunat sich herausbildete, wuchs die Zahl I. Land- und Forstwirthschaft. der unproductiven Bevölkerungsklasse, der Samurai im weitesten Sinne, und damit auch das Maass der Abgaben bei den Bauern mehr und mehr und erreichte namentlich in Kriegszeiten durch willkürliche Maassregeln oft eine erdrückende Höhe. An Stelle des ursprünglichen Lehnsverhältnisses zum Mikado trat das zu den Feudalherrn. Die Bauern blieben bei allen Wechseln derselben an ihre Scholle gebun- den und sind bis zur Stunde in jeder Beziehung die conservativste Bevölkerungsklasse Japans. Die Hauptstütze und Kraft des Landes ruht in den Händen dieses fleissigen, nüchternen und genügsamen Bauernstandes, der noch immer unverdrossen den Boden bebaut, wie er es seit Jahrhunderten unter den verschiedensten Machthabern ge- wohnt war. Um das Jahr 1595 n. Chr. ordnete Taikô-sama (Hideyoshi) ihre Besteuerungsverhältnisse und bestimmte, dass die Naturalleistung hinfort der dritte Theil des eingeschätzten Ertrags der Felder sein und in Reis bestehen solle. Iyeyasu änderte bezüglich seiner grossen Besitzungen nichts an dieser Ordnung, sondern bestimmte nur in dem 36. seiner Hundert-Gesetze, dass auch die Erträge der Wälder, Hai- den, Berge und Flüsse mit in Anrechnung zu bringen seien Kempermann : »Die Gesetze des Iyeyasu« in Mitth. d. d. Gesellschaft etc. I pag. 12. . Hier- bei blieb es bis zum Jahre 1716, wo für die Ländereien des Shôgun eine Erhöhung der Abgaben auf die Hälfte der eingeschätzten Erträge stattfand. In den Herrschaften der Daimiô’s waren die Abgaben keineswegs überall gleich. Während die Bauern unter dem einen dieser Feudalherrn durch die hohe Landtaxe fast erdrückt wurden und in äusserster Armuth lebten, zeigte der grössere Wohlstand, die Anlage von Wegen, Brücken und Stegen und manches Andere die milde, fürsorgliche Herrschaft eines Nachbars an. Aber ungeachtet dieser grossen Verschiedenheit der Belastung des Grundeigenthums in den einzelnen Herrschaften verrichtete der Bauer in altgewohnter Weise seine Arbeiten und lebte ruhig und gefügig selbst dann, wenn die Ernte schlecht war und er fast den ganzen Ertrag abliefern musste, so dass er für sich und seine Familie nachher auf das Wohlwollen seines Herrn und dessen Magazine angewiesen war. Das Ackerland war in vier Klassen getheilt, deren erste und steuerfähigste die Reisfelder umfasste. Alle Erträge und Abgaben wurden nach koku Reis Ein koku umfasst 180,4 Liter. Der Werth eines koku Reis wechselte zwischen 2½ und 5 Dollars. abgeschätzt und die der andern Feld- früchte auf das Aequivalent in Reis reduciert. Ein Daimiô von 10000 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. koku war hiernach derjenige Feudalherr, dessen Herrschaft auf einen Gesammtertrag von 10000 koku Reis eingeschätzt worden war, mochte auch ein ansehnlicher Theil dieser Menge nur das Aequivalent für andere Feldfrüchte sein. Den festgesetzten hohen Procentsatz (⅓, ½ oder mehr) von dieser Menge mussten ihm die Bauern nach der Ernte abliefern, der Rest verblieb ihnen. Diese Reissteuer aber wanderte in das Magazin, aus dem nicht blos der Daimiô und seine Familie, sondern auch der Shôgun, die Samurai und Priester ihre genau be- stimmten Bezüge erhielten. 10000 koku war übrigens der Ertrag der kleinsten Daimiôherrschaften, während z. B. die grösste, Kaga, mit dem ausgedehntesten Besitz (nächst dem des Shôgun) auf 1027000 koku geschätzt wurde. Eine der ersten Sorgen der neuen Regierung nach der Restaura- tion der Mikadoherrschaft war die, eine gerechtere und gleichmässi- gere Besteuerung des Grundbesitzes herbeizuführen und für die Ab- gaben in Natur solche in Geld zu substituieren. Es geschah dies im Jahre 1872 durch eine Proclamation, von der sich die Urheber den besten Erfolg versprachen, die aber auf den Bauernstand die ent- gegengesetzte Wirkung übte, allgemeine Unzufriedenheit, passiven Widerstand gegen die grosse Neuerung und in den beiden folgenden Jahren in einzelnen Provinzen sogar offene Empörungen hervorrief. Letztere wurden allerdings bald unterdrückt, auch legte sich die grosse Abneigung gegen die Neuerungen allmählich bei den Besonneneren wieder. Immerhin ist die Frage nach der Ursache dieses Benehmens bei einer sonst so unterwürfigen und folgsamen Bevölkerungsklasse nicht ohne Interesse. Die richtige Antwort darauf gab im Jahre 1873 Kidô, einer der hervorragendsten und einsichtsvollsten Stützen und Berather des Mikado zur Zeit der Restauration, in einem Memoran- dum, worin er die Ueberstürzung mit neuen Gesetzen und Verord- nungen geisselt, indem er schreibt: »Ein weiteres Uebel ist, dass die Gesetze aufgehoben werden, ohne genügende Ueberlegung. Was gestern für recht galt, wird heute verurtheilt; noch bevor eine neue Bestimmung in Kraft tritt, folgt ihr eine andere und hebt sie theil- weise auf. Es muss natürlich dem Volke sehr schwer werden, sich in all das zu finden.« Zu den neuen und durchgreifenden Gesetzen, wie die Steuerreform, die neue Rekrutirung, welche alle Klassen der Gesellschaft zum Militärdienst heranzog, während derselbe bislang als Pflicht und Vorrecht der Samurai gegolten hatte, und andere mehr, hatten sich eine Menge, zum Theil höchst lächerlicher Maassregeln in einzelnen Ken gesellt und die Köpfe vollends verwirrt. Kein Wunder darum, dass der Bauer die neue Art der Besteuerung als eine weitere I. Land- und Forstwirthschaft. Belastung ansah und mit Misstrauen und Widerwillen aufnahm. Sie wurde indess durchgeführt und zwar in folgender Weise: Auf Grund der alten Eintheilung des bebauten Bodens in Reis- land (ta) und trockenes Ackerland (hata), und der Annahme, dass der Ertrag eines chô des ersteren dem von 2,6 chô des letzteren gleich zu rechnen sei, liess die Regierung im Jahre 1873 sowohl die Höhe der durchschnittlichen Ernteerträge als auch des Landwerthes in den einzelnen Ken taxieren und bestimmte dann, dass 3 % dieses Grund- werthes als jährliche Staatssteuer zu erheben seien, ein Steuersatz, der am 4. Jan. 1877 auf 2½ % herabgesetzt wurde. Zu dieser allge- meinen Staatssteuer kommt nun aber noch die Bezirks- oder Ken- Steuer, welche zwischen ½ und 2½ % des Bodenwerthes schwankt, nach ihren Zwecken im Allgemeinen unserer Kreis- und Communal- steuer entspricht und wozu auch alle Anstalten (Theater etc.) und Personen herangezogen werden, welche der Unterhaltung und dem Vergnügen dienen. Liebscher Japans landwirthschaftliche Verhältnisse. Jena 1882. sagt bezüglich dieser Grundsteuer, welche also nomi- nell 2½ %, factisch d. h. mit Hinzurechnung der Kensteuer 3—5 % vom Werthe der Felder beträgt, dass sie in andern Ländern uner- schwinglich hoch sein würde, der Besitz des Ackers jedoch für den japanischen Landmann etwas ganz anderes bedeute, als wir gewöhn- lich darunter verstehen. »Wie der Arbeiter bei uns für ein Fleckchen Land, welches er in seiner Freizeit bearbeitet, für dessen Düngung und Bewirthschaftung er sich nichts zur Last schreibt, im Stande ist, einen weit höheren Kauf- oder Pachtpreis zu zahlen, als der grössere Oekonom, so hatte auch das Ackerland für alle japanischen Bauern, weil es für ihre Existenz unbedingt nöthig war, einen weit höheren Werth, als er dem daraus möglicherweise erzielbaren Gewinn an Geld entsprach.« Indess zeigen die Bauernaufstände der allerneuesten Zeit und ihre Ursachen, dass die jetzige Art der Besteuerung ihre grossen Härten hat, nach schlechten Ernten unerschwinglich ist und die Be- völkerung zur Verzweiflung bringen kann. Nach jenen Untersuchungen und Bestimmungen des japanischen Finanzministeriums im Jahre 1873, welche sich nur auf das alte O-yashima erstreckten, berechnete sich das gesammte Areal des Reislandes auf 2539090 chô = 2518106 ha des trockenen Feldes auf 1732449 ‒ = 1718122 ‒ des gesammten Culturlandes auf 4271539 chô = 4236228 ha 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. Der Durchschnittswerth des Reislandes wurde zu 531,24 yen = Mk. 2124,96 per chô (oder Hektar) und der der hata zu 206,72 ‒ = ‒ 826,88 per chô (oder Hektar) angenommen. Der Brutto-Ertrag der Durchschnittsernte wurde beim Reislande zu 11,77 % des Kaufpreises = 62,53 yen pro chô, beim trockenen Felde zu 11,29 % — — = 23,37 ‒ ‒ ‒ berechnet. Diese Ernteerträge von 11,77 %, beziehungsweise 11,29 % des Grundwerthes vertheilten sich wie folgt: Reisland. trockenes Land. %, pro chô %, pro chô Staatssteuer 2,5 13,28 2,5 5,17 Kensteuer 2,5 13,28 2,5 5,17 Productionsunkosten 2,77 21,25 2,29 4,75 Nettogewinn 4,00 14,72 4,00 8,28 11,77 % 62,53 chô 11,29 % 23,37 chô Weiter berechnet sich nach dieser Veranlagung die Grundsteuer für 2539090 chô Reisland auf 33719115 yen 1732449 ‒ Trockenland auf 8956761 ‒ zusammen 4271539 chô Culturland auf 42675876 yen gegenüber 43029745 yen wirklicher Einnahmen im Finanzjahre, wel- ches mit dem 30. Juni 1884 endete. Gegenwärtig vertheilt sich das aus 18537 □ri = 28356945 □ chô bestehende Areal von Alt-Japan Nach gefälligen, auf Erhebungen des Jahres 1879 sich beziehenden Mitthei- lungen der Kaiserl. Japanischen Gesandtschaft in Berlin, sowie des Herrn Re- gierungsrath Rudolph. (Hondo, Kiushiu, Shikoku, Awaji, Sado, Oki, Iki und Tsushima), wie folgt: 1) Bergwälder, ohne Pflege und Oedland 17302928 □chô 2) Cultur- und Nutzland im weitesten Sinne 11054017 ‒ Das letztere umfasst: a) Ta oder Reisland . . . . . . . . . . 2642251 □chô b) Hata oder trockne Felder . . . . . . . 1852455 ‒ c) Benutzte Hara (für Gras, Heu und Weide) . 756127 ‒ d) Yashiki oder Baugrund . . . . . . . . 548541 ‒ e) Shio-hama (flacher Strand zur Salzgewinnung) 6364 ‒ f) Culturwälder . . . . . . . . . . . 5240571 ‒ g) Künstliche Anlagen . . . . . . . . . 7708 ‒ 11054017 □chô Die Gruppe b (Hata) umfasst auch die Maulbeerpflanzungen für die Seidenzucht 110174 □chô ‒ Theepflanzungen mit . . . . . . . 42174 ‒ I. Land- und Forstwirthschaft. sowie das der Papiermaulbeere, dem Lack- und Talgbaum und der Obstzucht ausschliesslich dienende Terrain, das man auf mindestens 60000 chô veranschlagen kann, so dass von obigen 1852455 chô rund 212000 chô abzurechnen sind, und dem Feldbau sub a und b im Ganzen nur etwa 4282000 chô verbleiben oder 15 % vom Gesammtareal. Zieht man dagegen die übrigen Inselgruppen mit in Betracht, so zeigt sich eine vorgeschrittene Cultur nur auf den Riukiu-Inseln mit ihren 156 □ri = 244026 □chô, während das grosse Yezo mit den Ku- rilen = 6093 □ri = 9477280 □chô nur wenig Ackerbau aufzuweisen hat. Wir tragen ihm und den Riukiu genügend Rechnung, wenn wir das ganze Areal der letzteren als Culturland obigen 4282000 □chô zu- schlagen. Dann fällt auf das gesammte japanische Reich mit 24797 □ri = 38564345 □chô für die Cultur der Feldfrüchte ein Areal von höchstens 4518500 □chô, das ist von noch nicht 12 Procent der ganzen Oberfläche. Selbst in Altjapan sinkt übrigens dieser kleine Bruchtheil bei einzelnen Provinzen, z. B. in Hida und Inaba, auf sogar 5 % und darunter. Von den Kurilen sind überhaupt nur die südlichsten strichweise culturfähig, von Yezo nur die Alluvialebenen des Ischikari und anderer Flüsse im Westen und Südwesten, nicht die sommerkalte, nebelreiche Nord- und Ostküste. In Deutschland gehören 41 % des Bodens dem Ackerbau an und weitere 11 % entfallen auf Wiesen, für welche Japan kein Aequivalent hat, da die Thalsohlen, welche bei uns, vornehmlich im Gebirge, dem Graswuchse dienen, in Japan für Reisbau und andere Culturen ver- wendet werden, die Hara aber in öconomischer Beziehung nicht als gleichwerthig mit unseren Waldwiesen gelten kann. Nehmen wir die Bevölkerung Japans zu 37 Millionen, diejenige des deutschen Reiches zu 47 Millionen an, das cultivierte Ackerland von jenem zu 4270000 ha, von diesem zu 22181000 ha (41 % von 541000 qkm), so ergibt sich, dass davon beziehungsweise in Japan 11,5 Are, in Deutschland 47,2 Are auf den Kopf kommen. Die Ur- sache dieser auffallenden Erscheinung liegt theils im Klima und in den Bodenverhältnissen, theils in der Art der Bewirthschaftung. Die Vegetation — und somit auch die Landwirthschaft — hängt vor allem vom Klima, insbesondere von Wärme, Licht und Feuchtig- keit ab, und wird erst in zweiter Linie durch die Bodenverhältnisse und andere Umstände bedingt und modificiert. Nun spiegelt aber das japanische Klima, wie bereits im ersten Bande pag. 120—153 ausführ- lich dargethan wurde Ausser jener Arbeit wurden hier die seitdem erfolgten Publicationen des , in abgeschwächtem Maasse dasjenige des be- 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. nachbarten Festlandes und das oceanischer Inseln ab und vereinigt bis zu einem gewissen Grade beide. Japan steht unter dem Einfluss der Monsune und der sie vielfach deflectierenden und ihre Wirkungen abschwächenden See. Die Depressionen des Luftdrucks folgen in der Regel der Hauptrichtung der Inseln von SW. nach NO.; sie sind im Winter häufig und verlaufen dann meist rasch. Die vorherrschende Richtung der Stürme um diese Zeit ist von W., S. und O. Im Sommer treten die Depressionen im Barometerstande seltener auf, sind weniger gross und schreiten langsamer vor von S. nach N. oder von SO. nach NW. Dementsprechend herrschen gelinde Winde und treten Stürme selten auf, und meist aus S. und O. Im Nachsommer und Herbst nehmen Zahl und Geschwindigkeit der Depressionen schnell zu; ihre Richtung kehrt in die normale aus SW. zurück und es entwickeln sich unter allgemein verbreiteten heftigen und anhaltenden Regen mehrere Taifune . Diese gefürchteten Drehwinde stellen sich am häufigsten im September, zur Zeit der höchsten Meerestemperatur ein, so auch die beiden vorjährigen, von denen der eine am 15. September, der andere am 17. und 18. September beobachtet wurde. Siehe Annalen der Hydrographie und Marit. Meteorologie 1885 pag. 99 ff. Während des ersten, welcher am 15. September 1884 von SW. nach NO. über den südöstlichen Theil von Hondo hinzog, sank das Barometer innerhalb 4½ Stunden um 45 mm bis auf 705 mm und stieg dann fast eben so rasch wieder empor. — Abgesehen von diesen einzelnen Fällen sind die Barometerschwankungen im Laufe eines Jahres ebenfalls gering. Im Winter setzt sich der hohe Barometerstand des benachbarten asiatischen Festlandes nach Japan fort und bringt diesem heftige Winde aus W. und NW. und bedeckten Himmel mit viel Schneefall auf Seite des Japanischen Meeres, dagegen heiteren Himmel und wenig Schnee auf der andern (Lee-) Seite. Der Uebergang der gelinden, war- men und feuchten südlichen Winde des Sommers zu den rauhen und verhältnissmässig trocknen nördlichen Monsunwinden des Winters er- folgt keineswegs schroff und unvermittelt, noch weniger die Umkehrung im Frühjahr. Dieser Umschlag der Windrichtungen im Frühjahr und Herbst bezeichnet das Ende beziehungsweise den Anfang der beiden Hauptjahreszeiten: Winter und Sommer. Wenn im Frühjahr (im März oder April, je nach der Breite) der südliche Monsun seine Herrschaft antritt und das eigentliche Japan seine ersten warmen Regen empfängt, beginnt die Aussaat der Sommerfrüchte, zumal des Reis, und wenn verdienstvollen Leiters der meteorologischen Beobachtungsstationen in Japan, E. Knipping in Tôkio, benutzt. I. Land- und Forstwirthschaft. im September nach reichen Niederschlägen der Sommer zu Ende ist, die Ernte der meisten. Eine verhältnissmässig hohe Temperatur, leichte Winde, hoher Feuchtigkeitsgehalt der Luft und häufige Regen, die jedoch ein- oder mehrmals mit wochenlanger Trockenheit abwechseln, charakterisieren den japanischen Sommer. Der October als hervorragender Erntemonat ist im ganzen trocken und heiter. Das Wasser der schweren Septemberregen hat sich all- mählich wieder verlaufen; aber über den höchsten Berggipfeln haben die Niederschläge bereits eine feste Gestalt angenommen und verkünden die weissen Hauben, wie viele sonstige Erscheinungen in der Natur, den nahen Winter. Bäume und Sträucher in Gärten, Hainen und Wäldern zeigen zum grossen Theil ihre prächtigen Herbstkleider, eine bewundernswerthe Verschiedenheit der Farben von dem tiefsten glän- zendsten dunkelgrün der immergrünen Arten durch alle Abstufungen von mattgrün, weiss, gelb, roth und braun der blattwechselnden. Kälter werden die Nächte, bis gegen Ende des Monats mit den ersten Nachtfrösten der Uebergang rasch beendet und die Winterruhe in Wald und Feld eingekehrt ist. Die meisten Holzgewächse sind von nun ab, wenigstens im mittleren und nördlichen Japan, monatelang entblättert: der Rasen aber erscheint viel fahler und abgestorbener als bei uns. Wie in ganz Ostasien, so ist auch in Japan der Winter die trocknere Jahreszeit, in welcher meist heiterer Himmel, hohe Baro- meterstände und niedrige Temperaturen, letztere besonders Nachts, vorherrschen, namentlich wenn der Nordmonsun mehrere Tage lang mit besonderer Stärke weht. An solchen Tagen (im Januar und Februar) treten ausnahmsweise auch in Japan jene Staubstürme ein, welche den Winter in China so unangenehm machen. Die poröse, leichte Ackerkrume wird empor gewirbelt, die Sonne verliert ihren Glanz und die Winterfrucht auf dem Felde ihren festen Halt. Dabei sinkt das Thermometer in Tôkio wohl auf — 9°C. bis — 10°C. während der Nacht, und nähert sich selbst am Tage dem Gefrierpunkt. Nacht- fröste treten hier vom November bis März auf und beträgt die mittlere Temperatur während dieses fünf Monate langen Winters nur 5,5°C. Es ergibt sich hieraus, dass dieselbe während dieser Zeit, obgleich sie keine besonders hohen Kältegrade aufweist, doch viel zu niedrig ist, um den Pflanzenwuchs zu fördern, und dass dem entsprechend die Feldfrüchte eine lange Ruhezeit durchmachen. Die mittlere Tem- peratur vom April bis October ist 20°C. und während der vier heissesten Monate Juni bis September 23,5°C. Die höchste Tages- hitze von 34—35°C. stellt sich Ende Juli oder Anfang August ein, ist aber von keiner langen Dauer. 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. Da das Land vom Meeresniveau bis zu Gipfeln um mehr als 3000 m sich erhebt und in Meridianrichtung über 27 Breitengrade sich erstreckt, kann übrigens von Gleichartigkeit des Klimas keine Rede sein. Während die Bonin-Inseln und die theilweise von Korallen aufgebauten südlichen Riukiu sich dem nördlichen Wendekreise und damit den Tropen nähern, treten nach ihrer Lage und ihrem Klima Yezo und die Kurilen an das kalte Sibirien heran und haben in Folge der oben erwähnten polaren Strömung an ihren Küsten kalte nebel- reiche Sommer und lange Winter durchweg. So ergaben denn auch die meteorologischen Beobachtungen des Jahres 1883 eine Variation der mittleren Temperatur von 16,7°C. in Kagoshima (31 ½° N.) bis 6,5°C. in Sapporo (43° 4' N.) auf einer Strecke so weit wie von Lyon bis Memel. Es ergibt sich hieraus und im Einklang mit den Be- obachtungen auf den Zwischenstationen, dass die mittlere Jahrestem- peratur in Japan auf jeden Grad höherer Breite durchschnittlich um den verhältnissmässig hohen Werth von über 0,9°C. abnimmt. Sie ist durchweg ansehnlich niedriger als im Westen der Alten Welt unter gleicher Breite, so beispielsweise in der Station Nobiru unter 38° N. am Stillen Ocean gleich der von Çork und Valentia in Irland unter 52° N. Die Differenz ist den langen japanischen Wintern zuzuschreiben mit ihren verhältnissmässig niedrigen Temperaturen, durch welche sich das Klima Japans dem continentalen des asiatischen Festlandes nähert. So hat Nagasaki unter 32° 44' N. gleiche mittlere Wintertemperatur mit dem um 11° weiter nördlich gelegenen Montpellier, und Kagoshima, obgleich unter der Breite von Damiette, im Winter noch häufige Nacht- fröste. Im grössten Theil des südlichen Japan (Kiushiu, Shikoku und den an das Binnenmeer und die Owari-Bucht grenzenden Gebieten von Hondo) war 1883 der Januar der kälteste Monat, im übrigen Hondo und auf Yezo der Februar. Als heissester erwies sich fast überall der August. Die Differenz zwischen mittlerem Maximum und mittlerem Minimum der Temperatur nimmt natürlich auch in Japan mit der Breite und der Entfernung von der Küste zu. Sie betrug beispiels- weise in Miyasaki 19°C., in Sapporo 28°C. Beachtenswerther, für die Vegetation wenigstens, sind die äussersten Extreme von 36,6°C. in Wakayama und — 22,2° C. in Sapporo. In Kôchi betrug die Differenz zwischen höchster und niedrigster Temperatur 36°C., in Sapporo 56° C. Schwankungen von 14—15°C. am selben Tage und Orte sind im Früh- jahr und Herbst nicht ungewöhnlich. Auch hinsichtlich der Menge und Vertheilung der Niederschläge zeigten sich grosse Differenzen. Ausser den Stationen auf Yezo wiesen I. Land- und Forstwirthschaft. Aomori, Nobiru und diejenigen am Binnenmeer die geringste Regen- menge (unter 1000 mm) auf, Kanazawa mit 2400 mm die höchste, dann folgten Kiushiu und Shikoku. Während der Wintermonate haben die NW.- und W.-Küsten am meisten Niederschlag, im April, Mai und Juni kommt Kiushiu und Shikoku das grösste Maass zu, während im März, September und October eine mehr gleichmässige Vertheilung über das ganze Land stattfindet. Im Allgemeinen erfreut sich aber Japan reicher Niederschläge, besonders im Sommer. Dieselben nähren vereint mit dem vielen Schnee, der sich den Winter über in den Gebirgen allenthalben und mehr im Norden auch auf dem flachen Lande sammelt, eine Menge Quellen. Der Wasserreichthum des Landes ist deshalb gross und kommt der Vegetation theils unmittelbar, theils durch künstliche Be- wässerung in hohem Grade zu statten. Stille Seen, murmelnde Bäche und rauschende Wasserfälle erhöhen die Reize der Gebirgs- und Wald- landschaften, aber zur Entwicklung grosser Flusssysteme und einer durchgreifenden Verwerthung für den Verkehr fehlt es an Raum. Die langgestreckte Reihe der japanischen Inseln, mit vorwie- gendem Gebirgscharakter und grosser Abwechselung im Relief, ist geologisch in verschiedener Weise aufgebaut und seit meiner Abreise aus Japan besonders durch Gottsche, Lyman, Naumann und andere Forscher eingehender untersucht worden, insbesondere hat der letzt- genannte als Director der Geologischen Landesaufnahme im Verein mit T. Wada, dem K. Ministerialrath und Director der K. Geologischen Reichsanstalt mit viel Fleiss und Geschick auf diesem Gebiete ge- arbeitet. Siehe E. Naumann : Ueber den Bau und die Entstehung der japanischen Inseln. Berlin 1885. Dem Alter nach folgen auf den Urgneiss, der indess nur an wenigen Stellen anstehend gefunden wurde, krystallinische Schiefer von ansehnlicher Verbreitung und oft in mächtiger Entwicklung. Grosse Massen von Glimmerschiefer, Talkschiefer, Chloritschiefer, Serpentin und Marmor, welche ich zuerst für beide Seiten der Bungo Nada nachwies, und die sich durch ganz Shikoku und die Halbinsel Yamato verfolgen lassen, sind seitdem auch in andern Landestheilen aufgefunden worden; doch scheint diese Formation am mächtigsten auf Shikoku entwickelt zu sein, wo nach Naumann die höchsten Gipfel aus ihr bestehen. Es folgen dem Alter nach verschiedene Schichten von Thon- schiefer, Grauwacken, Quarziten und Kalken, welche gleich den 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. krystallinischen Schiefern oft starke Verwerfungen zeigen und bis jetzt mit Ausnahme der Kalke keine fossilen Einschlüsse und somit keine Anhaltspunkte zur näheren Bestimmung ihres Alters boten, so dass sie vorerst als paläozoische Schichten zusammengefasst werden müssen. Die Kalke zeigen an verschiedenen Orten reiche Einschlüsse von Fusulinen und andern charakteristischen Versteinerungen, welche ihre Zugehörigkeit zur Kohlenformation ausser Zweifel stellen. Siehe den I. Band dieses Werkes pag. 38 und Naumann pag. 12 ff. Dem ersten verbürgten Nachweis über das Auftreten meso- zoischer Schichten, welchen ich im Jahre 1874 durch die Entdeckung von Versteinerungen im braunen Jura der Provinz Kaga brachte, sind seitdem zahlreiche weitere gefolgt, so dass jetzt über das Vorkommen auch der Trias und Kreide kein Zweifel mehr besteht. Den vorerwähnten älteren Gebirgsgliedern lagern sich nun an vielen Orten, namentlich gegen das Meer hin, an den Rändern von Buchten oder durch ehemalige Hebung daraus hervorgegangenen Ebenen miocäne und pliocäne Conglomerate, Sandsteine, Schieferthone, Braun- kohlen, vulkanische Tuffe und Meeressande mit vielen Resten mariner Conchylien oder einer reichen Landflora an, während das Eocän bis jetzt ebensowenig nachgewiesen werden konnte, wie sichere Anzeichen des Diluviums. Die ältesten Eruptionen, welche die metamorphen und paläonto- logischen Schichten vielfach durchbrochen und überlagert haben, waren die des Granits, der weit verbreitet ist und z. B. im mittleren Hondo (oder Honshiu) einen grossen Theil des höheren Gebirges gebildet hat, so namentlich des Grenzgebirges zwischen Shináno und Hida. Im Komágatake von Kai erreicht der Granit 3000 m Höhe. Eine ganze Anzahl anderer ansehnlicher Berge besteht ebenfalls nur aus ihm; bei vielen andern bildet er die Unterlage. Jüngere vulkanische Bildungen durchsetzen fast noch häufiger die verschiedensten Schichtencomplexe, überlagern sie vielfach, wie auch den Granit, und bilden so oft die krönenden Kuppen, oder sie treten als dem Gebirge seitlich vorgelagerte isolirte Berge von bekannter Kegelgestalt auf. Unter diesen imponirt vor allem der Fuji-san oder Fuji-no-yama. Dieser »mons excelsus et singularis« (Kaempfer) erhebt gegen 3750 m hoch weit über alle andern Gipfel des Landes hin- weg sein Haupt, das, 10 Monate des Jahres mit Schnee bedeckt, ein Wetter- und Wahrzeichen ist für Landwirthe und Schiffer, der volks- thümlichste und von Pilgern besuchteste Berg Japans, den man auch auf vielen kunstgewerblichen Erzeugnissen nachgebildet findet. Rein , Japan. II. 2 I. Land- und Forstwirthschaft. Heisse Quellen, besonders indifferente, und Schwefelthermen sind zahlreich und fehlen keiner Provinz. Erdbeben und Erdbebenfluthen haben, ebenso wie gewaltige Eruptionen mit ihren Aschenregen und Lavaströmen, von Zeit zu Zeit das Land in Schrecken gesetzt und theilweise verwüstet. Der vorherrschende Gebirgscharakter Japans und die eigenartige Betriebsweise seiner Landwirthschaft mit vorwiegendem Reisbau be- schränken dieselbe mehr oder minder auf die Ebenen und Thalsohlen und machen den geringen Procentsatz erklärlich. Unstreitig ist noch ein ansehnlicher Theil des Bodens culturfähig, so auf Yezo und im Norden von Hondo, insbesondere auch von der Hara, und manche Mulde in den Gebirgswäldern, doch nicht in der Ausdehnung, wie vielfach behauptet wurde. Aber diese Bodencultur muss auf ganz anderer Grundlage erfolgen, wie die bisherige, und Hand in Hand gehen mit der Anlage besserer Verkehrsmittel, der Entwickelung der Viehzucht und der Gewinnung eines ausreichenden Stalldüngers durch dieselbe, sowie der Einführung einer mehr extensiven Betriebsweise mit zweck- entsprechenderen Geräthen und Maschinen, der Wechselwirthschaft und andern Verbesserungen mehr. Sie würde zugleich die ganze Wohn- und Lebensweise des Bauern umzugestalten haben und kann schon aus diesem Grunde nicht im Handumdrehen erfolgen, sondern muss sich allmählich vollziehen und ohne gewaltsames Eingreifen der Regierungsorgane. Fesca weist an einigen Beispielen überzeugend nach, wie von den drei maassgebenden Factoren, von welchen die Landwirthschaft abhängig ist: »den allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnissen, dem Boden und dem Klima«, der erstere wichtiger ist, als der zweite, und unstreitig eine extensivere Entwickelung der japanischen Landwirth- schaft in hohem Grade gehemmt hat. »Die Transportkosten für die hier am theuersten bezahlte Frucht, den Reis, welcher etwa einen Preis von 5 Mk. per 50 Kilo hat, haben bei einem Transporte von höchstens 20 geogr. Meilen auf den besten Landwegen bereits die Höhe des Marktpreises erreicht, während nach Settegast in Deutschland Hülsen- früchte und Weizen bei nur dem doppelten Marktpreis von 10 Mk. per 50 Kilo auf den gewöhnlichen Landstrassen 66,67 Meilen, auf den Kunststrassen 100 Meilen und auf den Eisenbahnen 400 Meilen weit transportirt werden können, bevor die Transportkosten den Marktpreis erreicht haben. Auf den schlechteren Landwegen verträgt in Japan der Reis noch nicht einen Transport von 5 Meilen. Daher finden wir denn, dass in einiger Entfernung von der Meeresküste, überall da, wo das wirthschaftlich mögliche Absatzgebiet für den guten Boden zu klein 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. wird, selbst solcher nicht in Cultur genommen ist, während in der Nähe der Küste Dünensand, doch sicher ein schlechter Boden, mit Erfolg cultiviert wird.« M. Fesca : Die Aufgaben und die Thätigkeit der Agronomischen Ab- theilung der Kaiserl. Japan. geol. Landesaufnahme. Yokohama 1884. Wie die ungenügenden Verkehrsmittel im Innern des Landes, so musste aber auch die Abgeschlossenheit des letzteren nach aussen während der langen Herrschaft der Tokugawa-Shôgune die Fortent- wickelung der Landwirthschaft gewaltig hemmen, da es an genügender Absatzgelegenheit für den Ueberschuss und somit an einem wichtigen Stimulus für eine ansehnliche Vermehrung der Production fehlte, letztere sich vielmehr in den engen Schranken des normalen eigenen Bedarfs bewegte. Das Streben des Landwirths muss allenthalben auf rationelle Ver- werthung des ihm zur Verfügung stehenden Bodens und dem ent- sprechend auf Vermehrung der demselben abzugewinnenden Produkte gerichtet sein, und es ist ohne Zweifel eine der ersten Aufgaben des Staates, die Landwirthschaft hierin thunlichst zu untersützen, ja auch dazu aufzumuntern; denn es liegt in dem conservativen Charakter des Ackerbaues und der ihm obliegenden Bevölkerung eine gewisse vis inertiae, welche nur zu gern Alles beim Alten lässt und Neuerungen meist misstrauisch und ablehnend entgegentritt. Von diesen Gesichtspunkten aus verdienen die Bemühungen der Regierung Japans, auch die Landwirthschaft zu heben, volle Aner- kennung. Auch kann man es nur billigen, wenn sie dabei an der Organisation des dem Bauern seit vielen Jahrhunderten gewohnten Be- triebes nicht rüttelte, sondern vielmehr nach Gebieten blickte, welche dieser altgewohnten Bewirthschaftung bisher nicht unterlagen, wie die Insel Yezo Nach Lyman hat diese Insel 7000 □ri zum Ackerbau geeignetes Land, 6000 □ri Weide, 5000 □ri Wald, 9000 □ri Gebirge. Der calturfähige Boden beträgt hiernach nahezu 25 % des Gesammtareals. und die grossen Areale der wenig benutzten Wald- und Bergwiesen oder Hara’s. Viehzucht in erster Linie, dann auch Acker- bau, aber beides in anderer Weise als bisher zu betreiben, wurden empfohlen und versucht. Blicken wir nun aber auf die Wege, welche man einschlug, diese Ziele zu erreichen, so erkennen wir leicht die Wirkung ungeeigneter Berather und einer kindischen Unbeständigkeit in der Wahl der Mittel, ein Hin- und Herschwanken von einem Versuch zum andern, ohne irgend einen allseitig vorher erwogenen Plan und ohne stetige, conse- 2* I. Land- und Forstwirthschaft. quente Durchführung eines solchen. Dem entsprechend zeigt die lange Geschichte dieser Versuche eine unverantwortliche Geldver- schwendung auf der einen Seite und ein meist jämmerliches Resultat auf der andern. Insbesondere gilt dies vom Kaitakushi (sprich Kaitákshi, d. h. Entwickelung), dem Colonialamte zur Entwickelung der Hülfsquellen der Insel Yezo, welches 1869 eingesetzt wurde und vor mehreren Jahren ein ruhmloses Ende fand. An die Spitze wurde Gouverneur Kuroda mit dem Rang eines Ministers gestellt, und da man von der raschen Entwickelung des Acker- und Bergbaues in verschiedenen Theilen der Vereinigten Staaten gehört hatte, so nahm man sich diese zum Muster und bezog die Berather und Beamten von dort. Zum Organisator oder »Commishoner« wurde General Capron eingesetzt. Unter ihm arbeiteten verschiedene seiner amerikanischen Landsleute als Geologen, Ingenieure, Landwirthe, Gärtner und Andere mehr, dazu ein Heer junger Japaner, welche hier ihre Lehre durchmachen sollten. Sicher waren verschiedene der amerikanischen Beamten tüchtige Männer, an denen es nicht gelegen hat, dass der Gesammterfolg den Erwartungen in keiner Weise entsprach und deren Leistungen mit denen des General Capron nicht zu identificieren sind. Auf Betrieb des letzteren legte das Kaitakushi auf dem Yashiki- Grund mehrerer früheren Daimiô’s bei Tôkio drei sogenannte Muster- farmen von zusammen etwa 90 ha an. Sie sollten als Versuchsstationen und Vorschulen für Yezo dienen, die eine zur Aufnahme des aus Nord- amerika und England importirten Zuchtviehs und zum Anbau von Futterpflanzen, die zweite für Gemüse und Getreidebau, die dritte zur Einführung fremder Obstbäume, Beerensträucher und sonstiger Nutz- pflanzen. Von dem mit grossen Kosten aus genannten Ländern be- zogenen Vieh wurde ein ansehnlicher Theil durch Krankheiten dahin- gerafft, der Rest ging theilweise durch ungeeignetes Futter und ungenügende Pflege zu Grunde. Auf Yezo selbst wurden weitere Musterfarmen in Hakodate und der neuen Hauptstadt Sapporo ange- legt. Hier eröffnete man auch 1876 eine landwirthschaftliche Schule, »the Agricultural College of Sapporo«, nach dem Muster einer Anstalt in Massachusetts, nachdem man früher mit einer andern in Tôkio für Ainos bestimmten Anstalt Fiasco gemacht hatte. Die geologische Auf- nahme von Yezo, die Anlage einer Strasse von Hakodate nach Sapporo, von Sägemühlen und viele andere Dinge verschlangen ebenfalls viel Geld. Kann man auch nicht sagen, dass sämmtliche Unternehmungen des Kaitakushi verfehlt waren, vernachlässigt und zu Grunde gegangen sind, so gilt dies doch von vielen. Die allgemeine Meinung der 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. Fremden in Japan war die, dass die Resultate zu den aufgewandten enormen Mitteln in schreiendem Missverhältniss standen. Dem Kaita- kushi wurden nämlich ungeheure Summen von der Centralregierung zur Verfügung gestellt, so z. B. im Jahre 1877 noch yen 1905666 = Mk. 7622640. Es war wohl lange die Gans, von der Mancher eine goldene Feder auszurupfen wusste. Indem man Amerika nachahmen wollte, vergass man, dass hier die Regierung fast Alles der freien Concurrenz und Entwickelung überliess, dass die Pioniere aus Europa und den Atlantischen Küsten- staaten, die westwärts vordrangen und über Einöden Cultur ver- breiteten, ein ganz anderer Menschenschlag waren, als die Japaner und Ainos. Mangel an Erfahrung, Blindheit gegen bessere Berather, Sucht, alles durch den Staat und möglichst rasch zu thun, zeichnete in diesem wie in vielen anderen Fällen die Regierung aus. So sind den grossen Hoffnungen, welche sie auf diesen neuen Zweig ihrer Thätigkeit und Kraftentfaltung setzte, nur Enttäuschungen gefolgt, wie es natürlich war. Ein Heer von Beamten, getheilte Verantwortlichkeit und Mangel an ernstem persönlichen Interesse, wobei die Kraft und Energie erlahmen muss, werden überall kein besseres Resultat haben. Die Fehler einer Regierung sind nirgends mehr hervorgetreten, als in Colonisationsangelegenheiten, wie uns dies auch die neueste europäische Staatengeschichte beweist. Muth, Intelligenz, Selbstvertrauen und Aus- dauer in schwerer Arbeit und auch beim Missgeschick, sind die Eigen- schaften, durch welche freie, unabhängige Männer Colonien begründeten und zur Blüthe brachten. Und wenn dabei die Regierungen mitwirkten, so geschah es nur durch zeitweisen, klugen Beistand, nie aber mit gutem Erfolg, wenn sie das Heft selbst in die Hände nahmen und damit jene Kräfte der Individuen lahm legten. In ähnlicher Weise, wie das Kaitakushi verschwenderisch, plan- los und unbeständig wirthschaftete, verfuhr auch manche andere Be- hörde in ihrem Bereich. So hatte man in Kiôto-fu 1874 amerikanische Kühe kommen lassen uud in Gebäuden auf Kieselgeröll am Flussufer untergebracht, an einer Stelle, wo von einer Weide weit und breit keine Rede war und das Futter mühsam von weither beschafft werden musste. Dieselbe Verwaltung der alten Hauptstadt hatte von den Vor- theilen des in Japan unbekannten Flachsbaues gehört. Sofort wurde durch einen Europäer die nöthige Leinsaat bezogen und ein Versuch damit angestellt. Der Flachs gedieh auf dem dazu ausgewählten Grund- stück in Kiôto vortrefflich, wie ich mich selbst überzeugen konnte. Als er aber Knoten gebildet hatte und zur Ernte bereit war, fand sich Niemand, der sich darum kümmerte und die nun nöthigen Arbeiten I. Land- und Forstwirthschaft. verrichtete. Der Lein reifte an den Stengeln und ging mit deren Bast zu Grunde. Mancher Leser dieser Zeilen wird sich der berüchtigten »Model- farm« in Shimosa erinnern; doch ich will nicht alle Beispiele solcher verkehrten Versuche, die Landwirthschaft zu heben, hier anführen. Der richtige Weg für die Regierung, statt Alles selbst in die Hand zu nehmen, wäre jedenfalls der géwesen, die Neigung Fremder, in Japan die Landwirthschaft zu versuchen, zu unterstützen, ihnen auf eine Reihe von Jahren Staatsländereien abgabenfrei oder gegen einen bescheidenen Pacht zu überlassen und ihre Versuche anstellen zu lassen. Gelangen dieselben, so konnten sie dem Volke als Muster dienen und dasselbe zur Nachahmung reizen, blieben sie aber erfolglos, so zahlte das Land nicht die Kosten. Aber die Besorgniss, dass Concessionen zum Betrieb des Acker- baues an Fremde die Japaner benachtheiligen und zu Verwickelungen führen könnten, drängte alle derartigen Erwägungen zurück. Auf Yezo hatte im Jahre 1867, also gegen Ende der Shôgun- Regierung und im Auftrage derselben, ein deutscher Landwirth, Namens R. Gärtner, eine Musterwirthschaft begründet und zwei Jahre später auf eigene Rechnung übernommen. »Augustenfelde«, wie er das Gut nannte, entwickelte sich bald unter Gärtner’s umsichtiger, tüchtiger Leitung zu einer wirklichen Musteranstalt eines für die dortigen Verhältnisse zweckmässigen Betriebes, doch nicht auf lange. Kaum hatte sich die neue Regierung organisiert und befestigt, so übernahm sie gegen reiche Entschädigung das Gut, dessen gedeihliche Entwickelung damit ihr Ende erreichte. Yezo blieb, um mich mit Gärtner’s eigenen Worten auszudrücken, »das grosse und reiche Haus, dessen Bewohner aber, gleich den Schwalben, nur an den Aussenseiten desselben in einem ausserordentlich ärmlichen Zustand leben«. Der Fang zahlreicher Fische und sonstiger Seethiere sowie das Einsammeln und der Versandt mariner Algen im Auftrag unternehmender Kaufleute beschäftigt und nährt sie hinreichend, wenn auch dürftig. Von der chinesischen Landwirthschaft sagt Capt. Gill, Journal Roy. Geogr. Soc. 1878 pag. 60. sie sei nach seiner Meinung vielfach überschätzt worden; dasselbe gilt von der ihr so innig verwandten japanischen. In einem Punkte aber stehen beide einzig in ihrer Art da, in der Sorgfalt nämlich, mit der innerhalb des unter Cultur stehenden Bodens darüber gewacht wird, dass nichts verloren geht. Der japanische Feldbau ist ein in hohem Grade intensiver und 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. mehr dem rationellen Garten- und Gemüsebau in der Nähe unserer grossen Städte vergleichbar. Japan besitzt alle Bedingungen für die geeignete Durchführung einer solchen Betriebsweise, nämlich Ver- theilung des Culturlandes unter viele kleine Besitzer, reiche Be- wässerung durch Niederschläge und Canäle, und vor allen Dingen zahlreiche willige und billige Arbeitskräfte, wozu auch die Frauen und Kinder zu rechnen sind. Durch diese vielen, dem Bauer in Japan zur Verfügung stehenden Hände mit einem hohen Maass von Arbeitsamkeit und Geschick, wird es ihm möglich, sein wenig umfangreiches Besitzthum stets locker und von Unkraut frei zu halten, sowie seine verschiedenartigen Dung- stoffe in rationeller Weise anzuwenden, so dass von denselben möglichst viel zur Wirkung kommt. Dieser Betrieb der Landwirth- schaft bringt es natürlich nie zur Massenproduktion, wie der exten- sive Raubbau. Kämpfer und Thunberg , wie nicht minder verschiedene neuere Reisende in Japan haben die irrige Meinung verbreitet, als ob die Terrassierung des Bodens eine viel grössere Ausdehnung, wie irgend wo in Europa erlangt habe und hoch an den Bergabhängen hinauf- ragte. Zu diesem Irrthum konnte die Umgebung von Nagasáki und der Ômura-Bucht leicht Anlass geben. Die Basalt- und Trachytge- steine dieser Gegenden mit ihrer starken Verwitterung und sphärischen Abschalung dabei liefern einen so fruchtbaren Boden, dass die ziemlich mühsame Anlage und Cultur von Terrassen durch reiche Ernten belohnt wird. Ganz anders liegt dagegen die Sache in vulkanischen Gebieten mit Bimssteinasche oder in Schiefergebirgen. Hier steigen nur aus- nahmsweise Terrassen an den Thalwänden höher empor, weil der wenig fruchtbare Boden nur magere Ernten liefert. Auch nehmen gen Norden die Terrassenanlagen überhaupt mehr und mehr ab. Nirgends aber überbieten, ja erreichen sie an Ausdehnung, systema- tischer Durchführung und den dabei überwundenen Schwierigkeiten diejenigen, welche unsere Winzer am Rhein und in verschiedenen seiner Seitenthäler, wie z. B. an der Mosel und im Ahrthale oberhalb Walporz- heim, durchgeführt haben. Die Terrassierung des Bodens erfolgt in Japan wie auch ander- wärts in erster Linie, um zu verhüten, dass die Ackerkrume steilerer Bergabhänge durch heftige Regengüsse weggespült werde, dann aber auch, um eine leichtere Bebauung und Bewässerung zu ermöglichen. Da nun letztere für den Reisbau unumgänglich nöthig, aber nur auf horizontalem Felde durchführbar ist, so werden für ihn Terrassen selbst da angelegt, wo die natürliche Neigung des Bodens so gering ist, dass I. Land- und Forstwirthschaft. seiner Bebauung nach unserer Weise mit Pflug und Zugthier nichts im Wege stände und auch keine Gefahr vorläge, dass die Ackererde beim Regen etwa weggewaschen würde. Während aber hier einfache geglättete Erdwälle von 25—40 cm Breite und Höhe für den gegebenen Zweck vollständig genügen, müssen an den Thalwänden grössere Arbeiten ausgeführt werden, um die Terrassen genügend zu stützen. Da treffen wir denn Cyclopenmauern, nicht selten aus den Rollsteinen des benachbarten Flusses errichtet, oder breitere grasige Böschungen, auf denen im Süden hier und da Theesträucher, Talgbäume oder die Papiermaulbeere angepflanzt wurden. Die hier zuletzt erwähnte Thatsache der häufig vorkommenden Terrassenanlagen für die Zwecke der Reiscultur steht nur scheinbar, nicht thatsächlich im Widerspruch mit der vorhergehenden Behauptung, dass in vielen Berichten die Ausdehnung der Terrassierung in Japan sehr übertrieben wurde, wie dies ja auch aus dem geringen Procent- satz sämmtlichen Culturlandes hervorgeht. Da es in Japan weder geschlossene Güter, noch weidende Heerden gab und Jeder gewohnt war, die Felder und ihre Gewächse zu schonen, so fehlte die Gelegenheit, sowie jeder Grund für Absperrung irgend welcher Art durch Gräben, Mauern, Zäune und dgl., vielmehr schlossen und schliessen sich noch die einzelnen Landparcellen und ihre oft ver- schiedenartigen Culturen unmittelbar an einander an. Um in den Ebenen und Thalsohlen dem vorherrschenden Reisbau möglichst viel Land zu erhalten, reihte man die Wohnhäuser auch in den Dörfern meist an einander und schloss sie den Landstrassen an. Aus diesem Grunde ziehen sich die Dörfer und Landstädte häufig ohne bemerkens- werthe Seitengassen an der Hauptverkehrsstrasse lang hin oder liegen an den Rändern der kleineren Ebenen. Fuhrwerke kommen beim Betrieb der japanischen Landwirthschaft nicht in Anwendung, so dass schmale Landwege dem allgemeinen Verkehr von Ort zu Ort und die noch viel schmäleren Dämme vielfach zugleich statt unserer Feldwege dienen. Der japanische Ackerbau, beschränkt, wie hervorgehoben wurde, auf nicht viel über ein Zehntel der Landesoberfläche, nährt nicht blos die sehr zahlreiche Bevölkerung, sondern gestattet in günstigen Jahren sogar noch eine nicht unbeträchtliche Ausfuhr an Reis. Es liegt nun nahe, hieraus den Schluss zu ziehen, dass sich das japanische Acker- land durch grosse natürliche Fruchtbarkeit auszeichnen müsse, wie dies auch von vielen Seiten bis in die neueste Zeit behauptet wurde, und doch ist dies keineswegs der Fall. Vielmehr hat neben der Er- fahrung auch die chemische Untersuchung des japanischen Ackerbodens 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. gezeigt, dass derselbe ohne die sorgsamste Pflege und Düngung in den meisten Fällen nicht im Stande wäre, irgend welche erkleckliche Er- träge zu liefern. Die Mittel, durch welche der Japaner sich letztere sichert, ohne die Vortheile der Wechselwirthschaft genügend zu kennen und anzuwenden, bestehen in der tiefgründigen Bearbeitung, Rein- haltung und häufigen Lockerung des Bodens, und in wiederholter Zu- fuhr wirksamen Düngers während der Entwickelung der Pflanzen selbst, wie sie nur bei Reihen- und Stufensaat möglich ist. Hierzu kommt dann eine reiche Bewässerung durch Niederschläge oder auf künstliche Weise und endlich die Wirkung der lange Zeit hindurch ununter- brochenen Sommerwärme. Die japanische Landwirthschaft wird durch unzeitigen oder stren- gen Frost nur selten, durch Mäusefrass und Heuschrecken wohl nie wesentlich geschädigt. Zu ihren lebenden Feinden gehören vor allem die zahlreichen Wildschweine, dann die Affen. Im Herbst kommen sie an den Waldrändern und Thalgehängen häufig dem Bauer im Ernten seiner mühsam gezogenen Knollen und Hülsenfrüchte zuvor. Es ist dann vielfach üblich, an den Feldrändern die Nacht über Feuer zu unterhalten, um die zudringlichen Gäste abzuhalten, sowie durch Flin- tenschüsse sie zu verscheuchen. Am meisten Schaden bringen jedoch die Ueberschwemmungen. Wenn der Regen wolkenbruchartig heftig oder in sanfterer Form viele Tage lang ununterbrochen niederfällt, dann kommt es nicht selten vor, dass das von den Bergabhängen stürzende Wasser die Terrassen zerreisst und die Ackerkrume wegspült oder dass in der Thalsohle und Ebene der seine Ufer überschreitende Strom die Dämme mit sich fortführt und die Felder weithin mit Schlamm und Geröll bedeckt. Die Früchte langen Fleisses, ja die Freuden eines arbeitsvollen Lebens schwinden dann oft über Nacht dahin. Auch vulkanische Aschenregen und Taifune hinterlassen in grösseren Intervallen dem Landmann hier und dort ihre verheerenden Spuren. Der japanische Ackerboden, grösstentheils aus der Verwitterung alter Schiefer, des Granits und trachytischer Eruptionsprodukte her- vorgegangen, zeigt in den meisten Fällen nur geringe natürliche Fruchtbarkeit, so dass der neuaufgeschlossene nur schwache Ernten liefert. Die basische Gruppe der krystallinischen Eruptivgesteine ist in Japan nur schwach vertreten, namentlich der Basalt. Wo er oder basaltische Laven vorkommen, geht aus ihren in den bekannten con- centrischen Schalen sich abtrennenden Verwitterungsprodukten jener eisenschüssige Lehm hervor, der, wie im Basaltgebirge Deutschlands, an den Haupterfordernissen eines fruchtbaren Ackerbodens keinen Man- I. Land- und Forstwirthschaft. gel zu haben scheint. Ich fand solchen Boden u. A. auf dem Wege von Nagasáki zur Ômurabucht, sowie in Gumai-gori am Kôshiukaido. Jene fruchtbaren Lössablagerungen, wie sie viele unserer Thalsohlen begrenzen und auch auf unseren kleinen Plateaulandschaften weit ver- breitet sind, scheinen ganz zu fehlen Wenigstens kann ich mich nicht erinnern, solchen auf all’ meinen Wan- derungen irgendwo begegnet zu sein. , und auch der produktive Mergelboden tritt unter dem Schwemmlande nicht in der Ausdehnung auf, wie man denken sollte. Genauere Bodenanalysen wurden erst in der neuesten Zeit, vor- nehmlich von Kinch Transact. Ass. Soc. of Japan. Vol. VIII. pag. 369—416. 1880. , Korschelt Mitth. d. deutsch. Gesellschaft Ostasiens. Bd. III. pag. 180—201. 1881. und Keller Nobbe , Landwirthsch. Versuchs-Stationen. Bd. XXX. pag. 1—86. 1884. ausgeführt. Bezüglich der Ebene des Kuwantô bestätigen dieselben in vollem Maasse, was alte Berichte über die Aschenregen melden, welche von den Erup- tionen des Fuji-san, Asama-yama und anderer Vulkane ausgehend, zu verschiedenen Zeiten auf sie niederfielen, und was sich aus Autopsie, sowie den mikroskopischen Untersuchungen ihres Bodens bereits früher ergeben hatte, dass nämlich die oberste Schicht wesent- lich aus vulkanischer Asche und Tuff besteht. Der Ackerboden bei Tôkio ist nach Korschelt bis zu einer Tiefe von 6 m ein Cementtuff, von dem 6 Theile mit gleichviel Sand und 1 Theil gebranntem Kalk einen guten Cementmörtel geben, der überall angewandt werden kann, wo es nicht auf grosse Härte ankommt. Dieser Tuffboden besteht aus 85 % Zeolithen und Sesquioxyden, 11 % Mineralsand, 1,5 % Thon, 1,5 % Quarzsand und 1 % organischer Substanz. Mit Recht weist Kinch auf den auffallend hohen Gehalt (40 %) leicht zersetzbarer Silikate (eben jener Zeolithe) und die fast fehlende freie Kieselsäure hin. Der reiche Magneteisengehalt, welchem dieser Tuffboden neben der organischen Substanz seine dunkelbraune Farbe verdankt, wurde von Kinch annähernd mit Hülfe eines Magneten bestimmt und ergab für eine Probe Ackerkrume von Komaba 2,5 %, für eine solche aus Shimosa sogar 7 % des Gesammtgewichts. Absorptionsvermögen und Wassercapacität des japanischen Ackerbodens sind gross; weil derselbe jedoch tiefgründig und durchlassend ist, leidet er selbst nach reichen Niederschlägen nicht an Nässe. Dem Vorwiegen der sauren Silicatgesteine, einschliesslich der tra- chytischen Tuffe und Aschen, woraus die japanische Ackerkrume zum grossen Theil hervorgegangen ist, entspricht ihre auffallende Armut Rein , Japan I. pag. 12, 51 u. 52, 103, 550. 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. an den zur Pflanzenernährung wichtigsten Stoffen: Kalk, Kali und Phosphorsäure, welche von der Oberfläche (wo Dünger das Verhält- niss etwas günstiger gestaltet) nach der Tiefe noch zunimmt. Kinch bestimmt den Durchschnittsgehalt aus 6 Proben nach Abzug des hy- groskopischen Wassers, wie folgt: Phosphorsäure 0,185 %, Kali 0,363 %, Kalk 0,475 %. Seine und Korschelt ’s Untersuchungen sind dann vor einem Jahre durch die Analysen von Kellner bestätigt und ansehnlich ergänzt wor- den. Zwei derselben, der schon citirten Arbeit in Nobbe’s Land- wirthschaftlichen Versuchsstationen XXX. Bd. entnommen, folgen hier. Die Bodenproben stammen, wie diejenigen, welche Kinch untersuchte, aus dem Kuwantô. Von dem bei 100°C. getrockneten Boden wurden durch kalte Salzsäure von 1,15 sp. Gew. ausgezogen: Diese Zusammenstellung zeigt, dass die Böden, ihrem Gehalt an wässerigen Doppelsilicaten entsprechend, reich sind an chemisch gebun- denem Wasser und leicht aufschliessbaren Basen. Bei der Digestion mit Salzsäure wurden 38,9 % Krume und 40,8 % des Untergrundes an Basen und Säuren in Lösung übergeführt, von dem Reisboden etwas weniger, nämlich 33,6 % der Krume und 31,1 % des Unter- grundes. Die Menge der aufgeschlossenen Bestandtheile stellt sich auf circa 50 % der gesammten Mineralsubstanz des Bodens, d. h. auf eine Höhe, die man gewöhnlich nur bei Kalk- und Serpentinboden beobachtet. Die Böden sind reich an Thonerde- und Eisen-Verbin- dungen, auffallend arm an Kalk und chemisch gebundener Kohlen- säure. Die Unterschiede zwischen Hata und Ta sind hinsichtlich der Bodenzusammensetzung nicht sehr bedeutend. I. Land- und Forstwirthschaft. Durch Behandlung des Bodens mit heisser, concentrirter Salz- säure wurden folgende Substanzen gelöst, resp. aufgeschlossen: In Na 2 CO 3 löslich und von HCl aufgenommen. Man sieht hieraus, dass die aufschliessende Wirkung der kochend heissen Salzsäure die der kalten nicht viel übertrifft. Die Ebene des Kuwantô, auf welche sich die vorerwähnten Boden- analysen beziehen, obgleich heutiges Tages wie ein Garten gepflegt, wurde erst durch die Tokugawa und in Folge der Entwickelung ihrer Residenz Yedo in ihrem jetzigen Umfang in Cultur genommen. Ihr Boden gilt bei den Japanern selbst für weniger fruchtbar, als der- jenige mancher anderen Landestheile, so namentlich der reichbewäs- serten Ebene von Mino, der Ebene von Hiróschima, der Provinz Higo. Doch liegen über diese noch keine Analysen vor. Bei der japanischen Bodenverbesserung spielen Stalldünger und Rotation oder Wechselwirthschaft nur eine untergeordnete Rolle. Die Ertragsfähigkeit des Ackerlandes wird erzielt und erhalten durch Tiefcultur, zweckmässige Verwendung des zu Gebote stehenden Düngers, geeignete Bewässerung und durch grösste Sorgfalt in der Umarbeitung und Reinhaltung des Feldes. Den wichtigen Satz rationeller Landwirthschaft, dass der Boden durch Dünger wieder zurückerhalten müsse, was ihm durch Ernten 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. entzogen wird, kennt und befolgt der Ostasiate von Alters her, ob- gleich ihm eine wissenschaftliche Begründung seines Verfahrens gewiss ebenso abgeht, wie dem deutschen Bauer aus alter Schule. Doch kann ihm eine grössere Umsicht und mehr Verständniss bei Auswahl und Anwendung des Düngers nicht abgesprochen werden. Vieles, was in dieser Beziehung in Europa erst Theorie und Experiment dem ratio- nellen Landwirth beibrachten, gehört beim Feldbau der chinesischen Culturländer zum Theil zur sehr alten Praxis und es liegt neben dem günstigen Klima hierin unstreitig der Hauptgrund, wesshalb das Land in China und Japan seine alte Ertragsfähigkeit behalten hat, unge- achtet der Boden, in Japan wenigstens, wie wir gesehen haben, keineswegs von besonderer natürlicher Fruchtbarkeit ist. Der Dünger (japanisch Koyashi oder Koye) wird in keinem Theile der Welt mit mehr Fleiss und Sorgfalt gesammelt und aus ver- schiedenartigeren Quellen bezogen, noch rationeller angewandt, als in Ostasien. Was in Japan an thierischen Abfällen längs der Wege durch Reit-, Last- und Zugthiere verloren geht, wird in der Regel mit Hülfe der denkbar billigsten Schaufel, einer flachen Muschelschale (Haliotis) am Ende eines Stabes, aufgenommen und in Körben auf’s Land getragen. Zu keiner Zeit des Jahres bringt jedoch der Japaner Dünger auf’s Brachfeld, wo derselbe austrocknen und Winde ihn sei- nes wirksamsten Bestandtheils zum grossen Theil berauben könnten. So verschiedenartig auch die zur Verwendung kommenden Stoffe sein mögen, so wird doch bei allen Sorge getragen, dass sie rasch in den Boden und zur Wirkung gelangen. Der Japaner düngt weniger den Boden, als vielmehr die Culturpflanzen selbst, denn er weiss, dass er nur auf diesem Wege eine genügende Ernte erzielen kann. Indem er die Stellen, wohin er die Samen legt, oder seine Setzlinge ver- pflanzt, mit Dünger versieht und dann im Laufe ihrer Entwicklung der Pflanze in besonderen Zeitabschnitten von neuem Dünger gibt, befolgt er die zweckmässigste und ökonomischste Methode, welche sich denken lässt und bei uns mit dem Ausdruck » Kopfdüngung « be- zeichnet wird. Das wichtigste Düngemittel unserer Landwirthschaft, der Stall- dünger, tritt in Japan in Folge der beschränkten Viehzucht in den Hintergrund und hat nur in den Gebirgsgegenden mit ihren ausge- dehnten Grasflächen und einem grösseren Bedarf an Lastthieren mehr Bedeutung. Hier kann man zeitweise vor den Bauernwohnungen, wie in manchem deutschen Dorf, Mist aufgestapelt sehen. Bei Rindvieh und Pferden, — denn nur um solche handelte es sich bisher, — findet das ganze Jahr mit wenig Ausnahmen Stallfütterung statt, so dass der I. Land- und Forstwirthschaft. Anblick einer weidenden Herde dem in Japan Reisenden fast nie zu theil wird. Lange bevor unsere Landwirthe, durch chemische Untersuchungen auf den hohen Stickstoff-, Phosphorsäure- und Kaligehalt des Latri- nendüngers aufmerksam gemacht, denselben anwenden und schätzen lernten, spielte er in der empirischen Landwirthschaft Chinas und Japans eine hervorragende Rolle. Die menschlichen Auswurfsstoffe bilden hier den am meisten angewandten und darum wichtigsten Dünger, dem nur Fischguano und Oelkuchen vorgezogen werden. Das vorwiegend treibende Element dieses Latrinendüngers, namentlich für Gramineen Siehe Lawes \& Gilbert : The effect of different manures on the mixed herbage of grass-land. Journ. Roy. Agric. Soc. Vol. XXIV part. I. , also auch Halmfrüchte, ist bekanntlich der Stickstoff, der meist in Form von Harnstoff und kohlensaurem Ammoniak ge- bunden ist, aber bei der leichten Zersetzbarkeit dieser Körper im Ammoniak entweicht, wenn jener Dünger nicht bald zur Verwendung kommt. Hier entspricht nun die alte ostasiatische Praxis ganz unse- rer chemischen Theorie. Die Sammlung und Verwerthung dieser menschlichen Auswurfsstoffe hat bei der schon viel erörterten Frage über die zweckmässigste Art unserer Städtereinigung und den gesteigerten Anforderungen an unsere Landwirthschaft ein erhöhtes Interesse, und diesem entsprechend soll daher das bemerkenswertheste darüber hier folgen. Das System ist einfach, eignet sich aber nicht für uns zur Nach- ahmung, denn es nimmt auf Auge und Nase nicht die Rücksicht, welche unser Culturzustand verlangt. Die betreffenden Sinne des Japa- ners sind von Natur wohl nicht weniger empfindlich als die unserigen auch; aber die Gewohnheit, Fäcalstoffe zu sehen und zu riechen, hat sie offenbar dagegen mehr abgehärtet, etwa wie Praktiker in anato- mischen und chemischen Laboratorien sich ja auch leicht an Anblicke und Gerüche gewöhnen, welche den Neuling anekeln. Es gibt Gegenden in Europa, in welchen der Weg zum Abtritt durch die Küche führt; in Japan führt er in der Regel durch das gute Zimmer oder doch dicht daran vorbei. Das aus Holz leicht gebaute japanische Wohnhaus ist ein- oder zweistöckig und dehnt sich fast immer mehr in die Breite und Tiefe als in die Höhe aus. Keller und Schornsteine fehlen ihm stets, in den meisten Fällen auch Mauern und Fundament. Der untere Boden ruht auf Pfosten oder Steinen 2—3 Fuss über der geebneten Erde; Küche und gewöhnliche Wohn- zimmer sind meist der Strasse, die besseren Zimmer dem auf ent- 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. gegengesetzter Seite sich anschliessenden Gärtchen zugewandt, von dem sie eine etwa meterbreite Veranda scheidet. Ein Gang über letztere führt zu dem sich seitlich anschliessenden Abtritt, Chôdzu-ba, Yôba oder (vulgär) Setzu-in genannt. Bei dem leichten, luftigen Bau gelangt nicht selten der Geruch von hier zunächst gerade in die vor- nehmsten Räume, wie der in Japan Reisende es oft genug beobach- ten kann. Der verschliessbare Raum des Chôdzu-ba hat einen gedielten Bo- den mit einer Oeffnung in Form eines Rechtecks in der Mitte und einem Fass oder einer grossen irdenen Urne als Recipient darunter. Ein Sitz ist nicht vorhanden; aber der in der Oeffnung sitzende und herausnehmbare Rahmen trägt am vorderen Ende eine kleine Lehne zum Anfassen, wodurch sich die Vorrichtung vornehmlich von ähn- lichen bei ganz andern Völkern, z. B. den Marokkanern und alten Römern, vortheilhaft unterscheidet. Für das kleine Bedürfniss ist fast immer besonders gesorgt, nur nicht Nachts. Der zur Aufnahme des »Wassers« in einem Winkel an- gebrachte und meist in die Erde versenkte Behälter trägt in den feineren Häusern eine aus Brettern zusammengesetzte vierseitige Pyramide über sich, deren Hohlraum zur Hälfte mit kurz zerhackten Zweigen immergrüner Nadelhölzer gefüllt ist. Während hierdurch, oder durch eine andere Vorrichtung, das Pissoir gewöhnlich den Blicken des Vorübergehenden verborgen ist, gibt es jedoch auch noch Städte, wo man von einer solchen Verfeinerung der Sitte noch sehr fern ist und die alte chinesische Methode noch herrscht, wie dies nach älteren Berichten, z. B. denen Thunberg ’s, früher fast allgemein Brauch gewesen zu sein scheint. Zwei besonders auffallende Beispiele der Art erlebte ich 1874 auf meinen Reisen, die hier wohl erwähnt werden dürfen. In der durch ihre Bronzegiessereien bemerkenswerthen Stadt Takaóka in Echiú, nicht weit vom Japanischen Meer fand ich zwei Reihen Urineimer als Pissoire an der Hauptstrasse aufgestellt, ohne jede sonstige Maskirung. Noch eclatanter traf ich die Ungenirtheit später in der Stadt Sakata in nord- östlicher Richtung von Niigáta. Hier hatte jedes Haus eine derartige Vorrichtung gleich am Eingang, und das Gasthaus (die Yadoya), in welches ich einkehrte, etwa da, wo bei uns das Portierstübchen sich befindet, deren zwei. Solches mag in früherer Zeit in allen Städten vorgekommen sein; jetzt gehört es zu den bereits seltenen Ausnahmen, ja es wird in dieser Beziehung jetzt in Japan viel weniger der öffent- liche Anstand vermisst, als vielfach bei uns. In den grösseren Städten kommt fast täglich der Koye-tori (wörtlich I. Land- und Forstwirthschaft. Düngerholer), um Faeces (Daiben) und Urin (Shôben) abzuholen und auf’s Land zu bringen. Er vermischt beide und verdünnt die Masse, wenn nöthig, mit Wasser, was in Anbetracht des leichten Stuhlgangs der Japaner (Folge des Genusses starkgesalzener Suppen und Saucen und des leicht verdaulichen Reis) rasch von statten geht. Aber es gibt noch Andere, welche gleich dem berufsmässigen Koye-tori den Inhalt der Senkkufen gern davon tragen. Bei uns sehen wir den Landmann, welcher die Städter mit Milch, Butter und andern täglichen Lebensbedürfnissen versieht, mit den zu Viehfutter be- stimmten Küchenabfällen seiner Kunden heimkehren; in Japan da- gegen fehlt der Milch- und Butterlieferant und damit auch das Be- dürfniss nach Futter. Hier nimmt sich der ländliche Stadt- und Markt- besucher aus der Umgegend vielfach, statt der Abfälle aus der Küche, Latrinendünger mit, den er in Eimer gefüllt am Tragholze aus Bambusrohr oder einer immergrünen Eiche seinen Feldern zuführt. In der Hauptstadt Tôkio ist der Haupt-Sammel- und Versandt- platz solcher Abfuhrstoffe der Sumida-gawa. An seinen Ufern kann man täglich flache Boote damit beladen sehen, wobei entweder der Dünger in Kübel gefasst ist, die reihenweise neben und über einander stehen, oder das wasserdichte Boot ist direct damit gefüllt. Diese Düngerboote gehen dem Fluss entlang und durch Seitencanäle in die Felder. Sobald ein solches Fahrzeug an seinem Bestimmungsorte ankommt, ist eine Anzahl Hiakushô (Bauern) mit Kübeln bereit, den mit Wasser genügend verdünnten Stoff in Empfang zu nehmen. Kleinere Kübel an langen Stäben dienen zum Schöpfen und Ueberführen, noch kleinere endlich zum Uebertragen des Düngers zu den Pflanzen. Indem der Landmann seine Feldfrüchte einzeln mittelst eines Schöpfers (Kübel- chen an langem Stiel) mit diesem Dünger begiesst, führt er den Wurzeln derselben gleichzeitig Nahrung und Feuchtigkeit zu. Mit diesen Abfuhrstoffen pflegt man alle Winterfrüchte und Gemüse im jüngeren Zustande, nie aber den Reis zu düngen. Nur zur Zeit grossen Ueberflusses wird von diesem Dünger auf den Feldern in kleinen Senkgruben und grossen in die Erde einge- senkten und mit Stroh überdachten Tonnen und Kübeln für spätere Benutzung angesammelt; als Regel aber gilt der directe, frische Ver- brauch, wodurch eine stärkere Zersetzung und Ammoniakbildung an der Luft verhütet wird. In vielen japanischen Städten betreiben Gesellschaften, in deren Diensten obige Koye-tori stehen, die Wegschaffung der Latrinenstoffe. Dieselben zahlen für die Berechtigung hierzu den Hauseigenthümern 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. Preise, welche je nach Bedarf mit der Jahreszeit steigen oder fallen, im Frühjahr am höchsten sind, im Winter oft unter die Hälfte herunter gehen. Vor 10 Jahren war in Yokohama der Durchschnittspreis für ein ka (eine Mannslast, hier 2 Eimer) 6—8 sen; vor 3 Jahren stieg er auf 10 sen, im April auf 12½ sen. In diesem Monat verkaufte die Gesellschaft den Dünger an die Landleute für 14—15 sen pro ka. In Tôkio, wo die Nachfrage im Verhältniss zur enormen Ausfuhr geringer ist, stehen dem entsprechend auch die Preise niedriger, in vielen kleineren Orten höher. Dass Latrinendünger für die Land- wirthschaft hochgeschätzt und käuflich erworben wird, z. B. der aus Stuttgart von den schwäbischen Bauern, ist in Deutschland verhältniss- mässig neu. Eine grosse Rolle spielt auch der Compost , koye-tsuchi d. h. die Dünger-Erde, oder Koyashi-tsuchi genannt. Derselbe wird aus Erde und allen zugänglichen pflanzlichen und thierischen Abfällen bereitet und oft mit Gülle oder auch nur mit Wasser übergossen, um die Zersetzung zu beschleunigen, während Kalk hierbei gar nicht in Anwendung kommt. Bei seiner Verwendung erhält der Compost oft noch Zusätze von Fäcalstoffen oder auch von Gründünger. Als theuerster und geschätztester thierischer Dünger gilt der Fischguano , ein ansehnlicher Handelsartikel aus verschiedenerlei Fischabfällen, ganz besonders aber von mehreren Häringsarten, z. B. dem Nishin (Clupea harengus), dem Iwashi (Clupea melanosticta und Cl. gracilis) und Isaza (Engraulis japonicus). Diese Fische, welche in grossen Schaaren im März und April, und dann wieder im October und November an einzelnen Küstenstrichen Japans erscheinen, z. B. an der Ostküste von Yezo, der Küste von Hitachi, vom Japanischen Meer etc., wurden bisher nicht wie in Europa eingemacht, sondern grössten- theils zur Gewinnung von einer Art Thran verwerthet, während ihre getrockneten übelriechenden Rückstände als Dünger in den Handel kommen. Nachdem man das Oel durch Kochen der Fische mit Wasser extrahirt hat, werden die Rückstände auf Matten ausgebreitet, an der Sonne getrocknet und dann lose oder gepresst versandt. So liefert z. B. ein einziger Ort, Namens Tomacomi an der Küste von Yezo jähr- lich etwa 150 Kübel Fischöl und gegen 7000 Koku Fischdünger. Man benutzt diesen widerwärtig riechenden, aber sehr wirksamen Fisch- guano unter anderm zum Düngen der Theepflanzen. Auch die Ab- fälle der Seidenraupenzucht werden als Dünger verwerthet. Eine weitere sehr geschätzte Düngersorte besteht in Oelkuchen oder Abura-kasu , welche man neben Fischdünger auch zum Treiben der jungen Baumwoll- und Tabakpflanzen verwendet. Sie werden Rein , Japan. II. 3 I. Land- und Forstwirthschaft. aus den Samen der verschiedenen Oellieferanten, wie von Brassica, Sinapis, Perilla, Sesamum, Gossypium, erhalten und haben natürlich als Dungmittel einen sehr ungleichen Werth. Abura-kasu kurzweg bezeichnet die gewöhnlichsten und geschätztesten, nämlich die Raps- kuchen. Ausser diesen Oelkuchen verwendet man als vegetabilen Dünger auch gekochte oder zerstossene Bohnen, Raps-, Gersten- und Waizen- stroh, Spreu und andere Abfälle, vor allem aber grüne Pflanzen. Der Gründünger wird nicht, wie in China der Klee und andere Pflanzen, vorher durch besondere Aussaat erzielt, sondern unbebauten Ländereien entnommen. Es ist ein Gemisch von Gras, Kräutern, Halbsträuchern und jungen Zweigen, wie es an Bergabhängen und in lichten Wäldern wächst. Frauen und Kinder sammeln dieses Material und bringen es in Traglasten herbei zum Felde; nur wo es höher und weiter aus den Bergen geholt werden muss, übernehmen Männer mit Packpferden die Beschaffung. Gleich dem Rapsstroh wird es vorwiegend zum Düngen und Einstreuen in die Reisfelder benutzt, wenn dieselben im Vorsommer zur Aufnahme der jungen Setzlinge hergerichtet werden, und ist unter der Einwirkung des Wassers und Schlamms schon nach wenigen Wochen gänzlich zerstört und zersetzt. Gröbere Meeresalgen, insbesondere Sargassum, sah ich auf Ama- kusa und andern südlichen Inseln als Dünger einstreuen. Von Mineralsubstanzen benutzt man als Dünger besonders Holz- und Strohasche, so von Reisstroh (Wara) und Rapsstroh, ferner den Schlamm der Bewässerungscanäle, mit welchem man im Frühjahr gern die Saatbeete für den jungen Reis überzieht. Ueberhaupt wer- den Asche und Schlamm gern angewandt, wo es gilt, junge Aussaaten rasch zu treiben. Von grösserem Interesse für uns ist die umfangreiche Verwendung des gebrannten Kalkes . Bekanntlich unterscheiden die Franzosen Amendement (Bodenverbesserung) und Engrais (Düngung). Der Aetz- kalk dient nach beiden Richtungen. Die Chemie lehrt, dass derselbe in inniger Berührung mit Thonerdesilikaten und Wasser die Kiesel- säureverbindungen aufschliesst und die darin vorkommenden kiesel- sauren Alkalien den Pflanzen zugängig macht, daher ein schwerer gebundener Thonboden durch Zusatz von gelöschtem Kalk lockerer und fruchtbarer wird, ganz abgesehen von dem direkten Werthe des Kalkes als Pflanzennahrung in sonst kalkarmem Ackerlande. So sehen wir den gebrannten Kalk auch bei uns anwenden, z. B. im Siegthale, in Sachsen und verschiedenen andern Gegenden. Aber wohl nirgends in Europa ist der Landmann durch eigene Beobachtung 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. und Erfahrung so frühzeitig schon zu gleichem practischen Resultate gelangt und hat seit so langer Zeit schon gebrannten Kalk als Dünger für schweren Thonboden verwerthet, wie in Japan. Den gemahlenen Aetzkalk, Ishi-bai (Steinasche) genannt, sah ich in den verschiedensten Gegenden Japans anwenden, doch vorwiegend in nicht vulkanischen Distrikten, wo der wenig fruchtbare Ackerboden aus den Verwitterungsprodukten älterer Schiefer und krystallinischer Gesteine entstanden ist. Auch beschränkte sich seine Verwendung in der Regel auf Reisfelder. Wenn dieselben zu Beginn des Sommers zur Aufnahme der jungen Setzlinge hergerichtet und in ihrem Schlamm Gründünger oder Rapsstroh ausgebreitet sind, wird gebrannter Kalk aufgestreut. Er zerstört das Pflanzengewebe rasch und fördert da- durch die Vertheilung und Wirkung solchen Düngers. Seiner cau- stischen Eigenschaft wegen kann er nicht als Nachdünger bei irgend einer Cultur verwendet, also nicht der wachsenden Pflanze selbst bei- gefügt werden. Da der Kalkstein nur ausnahmsweise als reines kohlensaures Salz vorkommt, so ist klar, dass seine bodenverbessernde Wirkung oft noch durch die fremden Beimischungen von phosphorsaurem Kalk, Magnesia, Eisen und anderen Körpern erhöht wird. Andere Sommergewächse, ausser dem Reis, werden meist mit Stroh- oder Holzasche zur Zeit der Aussaat gedüngt und mit Fäcal- stoffen, verdünnt mit Wasser, während des Wachsthums. Dieser flüssige Dünger, sowie die häufigen Niederschläge machen die künstliche Be- wässerung der Hata unnöthig; ebenso ist bei der Porosität des Bodens und der abschüssigen Lage in der Regel eine künstliche Entwässerung überflüssig, ausser derjenigen, welche schon durch die Eintheilung des Feldes in lange schmale Beete mit tiefen Zwischenfurchen bewirkt und vor allen Dingen bei Winterfrüchten, ähnlich wie in Südfrank- reich z. B. bei Bordeaux, angewendet wird. Bodenverbesserungen durch Mischung kennt man nicht, auch nicht die sogenannten Brand- culturen. Aber bei dem Reislande kommt neben dem eingestreuten Kalk, Grün- und Strohdünger auch noch das fliessende Wasser , womit man es überrieselt, als Dungmittel in Betracht, insofern es nicht blos werthvolle mineralische Verwitterungsproducte vom Gebirge herbei- führt, sondern auch Verwesungstoffe der Pflanzendecke. Das Absorp- tionsvermögen der Ackerkrume für dieselben ist über allen Zweifel erwiesen. Die chemische Untersuchung des abfliessenden Rieselwassers durch Keller ergab weniger mineralische Bestandtheile, als die des zugeführten Flusswassers. 3* I. Land- und Forstwirthschaft. Die zur Bebauung des Feldes dienenden Geräthe sind meist einfach und zweckentsprechend. Letzteres kann von den bei der Körnergewinnung verwendeten nicht behauptet werden. Diese land- wirthschaftlichen Geräthe stimmen mit den in China und Korea ge- bräuchlichen meist überein, und haben offenbar im Laufe vieler Jahr- hunderte sich wenig verändert. Wo wir geeignetere Werkzeuge ver- wenden, ersetzen in Ostasien manuelles Geschick in der Handhabung, Fleiss und Ausdauer die Mängel. Der Pflug (Karasuki) erinnert in seiner gebräuchlichsten Form an denjenigen Aegyptens, von welchem man weiss, dass er heute noch hergestellt und gebraucht wird, wie zur Pharaonenzeit. An einer etwa 2 Meter langen Deichsel befindet sich vorn die einfache Vor- richtung, um mittelst eines Joches das Zugthier (Pferd oder Ochs) an- zuspannen, während am andern Ende ein ∼ gekrümmter Holzbalken angefügt ist, schräg abwärts führt und in seinem dickeren unteren Theile das Pflughaupt darstellt, indem es hier in die mit Eisen be- schlagene Pflugschar endet. Ein Querstab durch das obere, dünnere Ende der Sterze dient als Handhabe. Dem japanischen Pflug fehlt hiernach der Vorderpflug, das Secheisen und Streichbrett, also jede Vorrichtung zum Furchenwenden, zum Tief- oder Seichtpflügen je nach Bedarf. Derselbe wird vom Bauer auf die Schulter genommen und dem vorausgehenden Zugthier nachgetragen. Eine gründliche Um- arbeitung des Bodens durch saubere, regelmässig aufeinanderfolgende Furchen, sowie das Durchschneiden und Freilegen von Wurzeln ist mit ihm nicht möglich. Kein Wunder, dass er keine ausgedehnte Verwendung findet und die tiefgründige Umarbeitung und Auflockerung des Bodens meist mit Hacke (Kuwa) und Spaten (Suki) bewirkt wird, von denen namentlich die erstere in vielen Formen und Grössen zur Anwendung kommt. Diese Kuwa oder Hacke ist unstreitig das wichtigste Werkzeug des japanischen Gärtners und Landmanns. Sie besteht aus einer eisernen Platte, welche in der Regel einen Holzkern umschliesst, durch den auch der 60 cm lange Stiel führt. Eine zweite Form ist die eiserne Gabelhacke mit vier Zinken, sodann die Ku- made mit vier Zinken aus Bambusrohr und die Matsubagaki mit sie- ben Zinken aus demselben Material. Diese Zinken gehen strahlenförmig von einem Punkt aus einander und stellen ein gleichschenkliges Dreieck dar, in dessen Basis die einzelnen Strahlen enden und dort haken- förmig umgebogen sind. Diese beiden Apparate bilden gewissermassen den Uebergang zum einfachen Rechen (Sarai). Ich habe den Pflug vornehmlich im Frühjahr bei der Umarbeitung des Reisfeldes anwenden sehen, doch auch hier nur in beschränktem Masse. Berücksichtigt man, 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. dass solches Reisland, nachdem es mit Dämmen versehen und über- rieselt wurde, noch mit der Hacke und den Händen zu einem möglichst ebenen und gleichmässigen Schlamm durchgearbeitet wird, so erkennt man, dass ungeachtet des Pfluges auch hier Tiefcultur stattfindet. Als Egge (Maguwa, spr. Magwa) dient oft ein Apparat, der mehr einem grossen Rechen gleicht, indem der wesentliche Theil aus einer Holzplatte mit einer Reihe hölzerner oder eiserner Nägel besteht. Derselben sind nach vorn zwei parallele Stangen mit Vorrichtung zum Anspannen des Zugthieres angefügt, nach oben aber ein Galgen als Handhabe. Doch gibt es auch hiervon viele Modificationen. Wagen (Kuruma) kommen in der japanischen Landwirthschaft gar nicht in Anwendung; selbst der beim Chinesen so beliebte Schub- karren (Ichirin-sha) fehlt dem Lande fast vollständig. In Traglasten an beiden Enden einer über die Schulter gelegten Stange, oder auf dem Rücken eines Lastpferdes oder Ochsen bringt man den Dünger und Samen aufs Feld und andererseits dessen Produkte nach Hause oder zu Markt. Besonders einfach, oder besser gesagt, primitiv ist die Körner- gewinnung. Da das Stroh vornehmlich zu Geflechten mancherlei Art, wie Seilen, Sandalen (auch für Lastthiere), Matten, aber auch zur Dachbedeckung und theilweisen Einstreuung dient, werden die Halm- früchte in der Regel wie bei uns mit einer Sichel (Kama) nahe der Erde abgeschnitten, in kleine Handgarben gebunden und entweder an den Feldrändern um die Stämme von Erlen oder andern Bäumen, oder auch vor den Häusern aufgestapelt und, wenn nöthig, der Sonne zum Trocknen und Nachreifen ausgesetzt. Indem man ein solches Bündel an den Halmen erfasst und in den Händen ausbreitet, zieht man es zwischen den Stahl- oder Bam- busrohr-Zinken eines Reffs (Ine-kogi oder Mugi-kogi) von 30—40 cm Breite durch und trennt so Aehren und Rispen vom Stroh. Statt eines solchen Reffs benutzt der ärmere Mann wohl auch ein Stück Bambus- rohr mit gabelförmigem Einschnitt oder einen Streichkamm (Kushi) aus demselben Material. Die Rispen des Reis und der Hirse oder viel- mehr ihre Körner werden auch häufig dadurch vom Stroh getrennt, dass man die Halme mit ihnen wider den Rand einer Bütte schlägt. Man wird fragen: Hat denn der Japaner keine Dreschflegel ? — Aller- dings finden wir mit der Benennung Kara-sao und Kururi auch solche in Anwendung, aber von welch plumper, ungeeigneter Form! Sie be- stehen aus einem cylindrischen Stück Holz, das mit einem Seil an eine Stange gebunden ist, so dass man weder ordentlich ausholen, noch wuchtig drein schlagen kann. Gedroschen werden übrigens nur die I. Land- und Forstwirthschaft. Aehren, nachdem sie zuvor durch eine der vorher angegebenen Vor- richtungen von den Halmen getrennt worden sind. Die Drescher stehen dabei in zwei Reihen einander gegenüber und es schlägt jede Reihe auf einmal nieder, so dass von einem angenehmen Drei- oder Vierklang, wie er im Herbst aus den Tennen unserer Bauerndörfer uns entgegenschallt, gar keine Rede sein kann. Eine andere Methode, die Körner aus den Aehren oder Rispen zu befreien, besteht in dem Bearbeiten der Samenträger im Stampf- troge (Usu). Hat man sie dann auf die eine oder die andere Weise von der Spreu gelöst, so findet die Abscheidung nicht auf der Tenne mit der Wurfschaufel, sondern, wie in fast allen wärmeren Ländern, mit Hülfe des Windes statt, indem man das Gemisch in einer flachen Wanne mit den Armen bei Luftzug emporhebt und zu Boden fallen lässt, wobei die leichtere Spreu, wie bekannt, weiter entfernt von den Körnern, also umgekehrt wie in der Tenne, niederfällt. Bei Leguminosen werden die Hülsen mit den Händen, seltener durch den Stösser im Stampftroge geöffnet und ihres Inhaltes beraubt. Beim Raps dagegen trennt und öffnet man die Schoten durch das bereits erwähnte Schlagen der Stengel gegen den Rand einer Bütte, oder eines Reffs. Je nach der Art, wie die Samen dem Ackerboden übergeben werden, unterscheidet man bekanntlich die Breit - oder Handsaat und die Reihen - oder Drillsaat . Bei der Breitsaat überschreitet der Sämann in gleichen Abständen der Reihe nach sein Feld und streut mit weiter Bogenbewegung des rechten Arms die Saat in regel- mässigem Tempo aus, die er dann mit Hülfe der Egge (oder des Rechens bei kleineren Stücken Landes) mit Erde zu bedecken sucht. Letzteres gelingt ihm nie vollständig, die Körner kommen nicht blos verschieden tief in den Boden, sondern es bleibt auch immer ein Theil oben aufliegen und geht verloren. Ueberdies wird die richtige und wichtige Vertheilung der Samen oft sehr ungenügend erzielt, da sie nicht blos abhängig ist von der Geschicklichkeit des Sämanns, sondern auch von der Beschaffenheit des Ackerlandes, dem Wetter (z. B. der An- oder Abwesenheit eines starken Windes) und andern Zufällig- keiten. Bei der Reihensaat gelangen die Samen viel gleichmässiger in den Boden, sowohl bezüglich der Tiefe, als auch der Entfernung von einander, indem man sie in geöffnete Rillen streut und je nach Bedürfniss 2—10 cm, aber gleich hoch und locker mit Erde zudeckt. Die Drillcultur To drill heisst bohren, Löcher machen. Siehe C. J. Eisbein : Die Drill- cultur. Bonn 1880. ist im Grunde dasselbe, nur mit dem Unter- 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. schiede, dass man sich bei ihrer Anwendung besonders construirter Maschinen, bei der einfachen Reihensaat dagegen blos der Hände und etwa des Lochstechers bedient; es wird demnach jene mehr bei grösserem landwirthschaftlichen Betriebe, diese aber vorwiegend beim Kleinbauer und Gärtner in Anwendung kommen. Während letztere die Reihensaat, von der die Stufensaat (z. B. bei Bohnen) nur eine besondere Form ist, schon lange anwenden, war und ist noch immer die Breitsaat in unserer Feldbestellung die Regel, welche erst in der neueren Zeit auf grösseren Gütern nicht mehr streng befolgt wird. In Südfrankreich z. B. um Bordeaux hat man die Reihencultur schon längst streng durchgeführt und die Felder für Winterfrüchte dabei, ähnlich wie in Japan, in lange schmale Beete getheilt. Der chinesische und japanische Landwirth, welcher nur mit ein- fachen Werkzeugen arbeitet, wendet die Reihen- und Stufensaat auf fast alle seine Culturen an, mit Ausnahme der kleinen Saatbeete, auf welchen er den Reis und mehrere andere Gewächse vorpflanzt. Sie ist aufs innigste mit der ganzen Bewirthschaftungsweise der Felder in Ostasien verbunden und gewährt eine Reihe grosser Vortheile, ein- mal durch die Samenersparniss, gleichmässige Keimung, Bestockung und Entwickelung als Folge davon, dass die Samen gleich tief und gleich weit von einander zu liegen kommen, sodann und vor allem aber desshalb, weil sie eine häufigere Lockerung und die Reinhaltung des Bodens erleichtert, eine zweckmässige Anfeuchtung und Düngung der Pflanzen während ihres Wachsthums ermöglicht und endlich die Ansaat für eine zweite Cultur gestattet, wochenlang bevor die erste erntereif ist. So wird z. B. in der Provinz Higo der Weizen im Herbst in Reihen neben den reifenden Reis gesäet, bei Sakai in der Ebene von Ôzaka der Baumwollsamen im Frühjahr neben die Wintergerste. Bei Tabak und Raps habe ich häufig eine Vorzucht im Saatbeet und dann das Verpflanzen auf die frei gewordenen Felder wahrnehmen können. Bei dem lockeren, stein- und unkrautfreien Ackerboden kennt man die Hindernisse nicht, welche anderwärts Steine und Quecken der Drillsaat entgegenstellen und die Breitsaat nothwendig machen. Dass letztere jedoch auf fruchtbarem Boden mit Geschick ausgeführt im Getreidebau erfahrungsmässig reichere Ernten liefert, wegen der dichteren Stellung der Halme, darf nicht verkannt werden. Der grösste Theil des japanischen Reislandes liegt den Winter über brach, weil dasselbe nicht reich genug, oder weil der Winter zu lang ist, um eine zweite Ernte zu ermöglichen und dem Reis eine Winterfrucht folgen zu lassen. Von Wasser durchtränkt und zum I. Land- und Forstwirthschaft. Theil bedeckt, bildet es während der rauheren Jahreszeit mit den benachbarten Gräben und ihrem abgestorbenen Schilf den Tummel- platz vieler Wasservögel. Nur in den milderen Distrikten und auf besonders fruchtbarem Lande wird nach der Reisernte das Feld in eine trockene hata umgewandelt und folgt der Anbau von Gerste, Weizen, Erbsen, Saubohnen, Raps, Senf oder Rettigen, mit denen auch solcher Boden bedeckt wird, welcher den Sommer über man- cherlei Trockenculturen dient. Ist gegen Ende October die Reisernte vorüber, so wird die tief- gründige Umarbeitung des schon vorher trocken gelegten Landes mit der Hacke vorgenommen und dabei das Feld in lange, schmale und hohe Beete abgetheilt, auf denen dann die Saat in 2—4 Reihen mit je 12—18 cm Abstand erfolgt. Vielfach findet diese Reihensaat je- doch schon im Anfang October vor der Reisernte statt, oder es wird der im Saatbeet vorgezogene Raps, wie bei uns die Kohlpflanzen, in Furchen neben dem Reis verpflanzt, so dass nach Entfernung des letzteren nur eine Umhackung und Anhäufung der Erde längs der neuen Culturreihen nöthig ist. In jedem Fall wird die Wintersaat im März nochmals reichlich gedüngt, und die Erde um dieselbe gelockert und angehäuft, ähnlich wie es bei uns mit den Kartoffeln und andern Feldfrüchten geschieht. Es mag diese Sitte zum Theil durch die zuwei- len heftigen Staubstürme im Februar und März hervorgerufen worden sein, durch welche nach längerer Trockenheit die fein zertheilte leichte Ackerkrume emporgewirbelt und manche Wurzel blosgelegt wird. Wie in Andalusien und andern Gegenden der Mittelmeerregion, kommen Raps, Erbsen und Saubohnen auch in Japan im April zur Blüthe; Gerste und Weizen entwickeln kurz darauf ihre Halme und Aehren, dann folgt gegen Ende Mai oder im Juni die Ernte aller dieser Gewächse. Wo Reisbau sich anschliesst, muss natürlich das Feld vorher in einen Sumpf verwandelt werden, also eine totale Umgestaltung er- leiden. Soll dagegen das Land andere Sommergewächse tragen, so werden entweder die Samen derselben, wie bei Bohnen, Mais, Hirse- arten, 3—4 Wochen vorher in Reihen neben die reifenden Rapsstengel, Gersten- und Weizenhalme etc. gesät, oder man verpflanzt die auf dem Saatbeet vorgezogenen Pflänzchen des Tabaks, der Baumwolle, Eierpflanze und andere ebenso in der Regel wochenlang bevor die Winterfrucht erntereif ist. Nicht immer ist eine weite Strecke der Ebene im Sommer ausschliesslich dem Reisbau gewidmet. Vielmehr treten da und dort vereinzelt und eingestreut Trockenfelder auf, die ⅓—½ Meter höher liegen und, mit Hirsearten, Baumwolle, Bohnen, 1. Die japanische Landwirthschaft im Allgemeinen. verschiedenen Wurzelgewächsen und anderen mehr bepflanzt, über der gelbgrünen Reisflur sich abheben, wie in unsern Gärten die einzelnen Blumenbeete über dem wohlgepflegten Rasen. — Bei der nun folgenden Gruppierung und Betrachtung der japani- schen Feldgewächse bin ich im Allgemeinen der natürlichen Einthei- lung des Pflanzenbaues in den meisten unserer landwirthschaftlichen Lehrbücher gefolgt. Da die erste und wichtigste Aufgabe des Acker- baues die Beschaffung menschlicher Nahrung ist und dieselbe vorwie- gend durch die Halm-, Hülsen- und Hackfrüchte gewonnen wird, so gehen diese Gruppen naturgemäss allen andern Feldfrüchten voraus und hat ihr Anbau die älteste Geschichte. Ihnen reihen sich Gemüse und sonstige Küchenkräuter an, welche zum Theil, wie Melonen- und Laucharten, ebenfalls seit Jahrtausenden angebaut werden. Hieran schliessen sich, — wenn auch nicht bezüglich der Gewinnung, so doch hinsichtlich der Verwendung, — Adlerfarren, Pilze, Algen und Algen- präparate an, ferner die essbaren Früchte, welche der Obstbau und der Wald liefern, und endlich die Nahrungs- und Genussmittel, welche wie Sake, Shôyu, Tôfu und andere aus Getreide und Hülsenfrüchten fabrikmässig gewonnen werden. Die nun folgende Abtheilung der Handelsgewächse umfasst die Stimulanten und Droguen, sowie die Oel-, Textil- und Farbpflanzen. Verschiedene der zum Theil hochwichtigen Repräsentanten dieser Gruppe, wie Oelsaaten, Flachs, Hanf und Tabak, gedeihen in Japan und auch noch auf Yezo ganz vortrefflich. Man wird desshalb bei Erweiterung und rationellem Betrieb des Ackerbaues ihre Cultur in erster Linie ins Auge fassen müssen. Im Getreidebau ist die Ein- führung besserer Saat an Stelle der gebräuchlichen für Weizen und Gerste geboten, da diese im Laufe der Zeit entschieden degenerirt sind, indem sie leichtere Körner und dürftigere Erträge liefern, als bei uns. Sie fallen eben im japanischen Haushalte dem Reis gegenüber weni- ger ins Gewicht, wesshalb ihrer Cultur nicht die gleiche Aufmerksam- keit zugewandt wurde. Reis, Hülsenfrüchte, Fische und Eier spielten in der Ernährung des Japaners immer die grösste Rolle, wobei der stärkereiche Reis durch die Proteïnmenge der andern zweckmässig ergänzt, in den Gebirgsgegenden aber vornehmlich durch verschiedene Hirsearten er- setzt wurde. In diesem Verhältniss hat auch die Neuzeit keine we- sentliche Aenderung bewirkt. Der Japaner lernte gleich seinem westlichen Nachbar, dem Chi- nesen, Brot und verwandte Backwaaren erst durch die Portugiesen ken- nen. Von ihnen adoptirte er auch die Benennungen pan und Kasutera I. Land- und Forstwirthschaft. (sprich Kastéra i. e. Castilla), womit ein schwammiger, safrangelber Kuchen bezeichnet wird. Er blieb jedoch seiner alten Lebensweise treu und machte das Brot gar nicht, den Kuchen aber nur in seltenen Fällen nach, so dass noch jetzt der im Innern des Landes reisende Fremde sich mit Brot oder einem Ersatz desselben versehen muss, wenn er sich nicht der japanischen Lebensweise anbequemen und mit Reis und Grütze begnügen kann oder will. — Von den verschiedenen mehr oder weniger umfangreichen Ver- zeichnissen japanischer Cultur- und Nutzpflanzen sind mir bekannt und wurden bei Bearbeitung der nachfolgenden Abschnitte mit zu Rathe gezogen: 1) Kaempfer : Amoen. exot. pag. 766—912. Lemgo 1712. 2) Thunberg : Flora japonica. Leipzig 1784. 3) Thunberg : Resa 4. delen. Åkerbruket. pag. 76—92. Upsala 1793. 4) Von Siebold : Synopsis Plantarum Oeconomicarum Universi Regni Japonici in »Verhandelingen van het Bataviasch Genootschap« XII del. Bat. 1830. 5) Scherzer : Fachmännische Berichte über die österr.-ungar. Ex- pedition nach Siam, China und Japan. Stuttgart 1872. pag. 175—220. 6) Kinch : List of Plants used for food etc. in Japan. Transact. Asiat. Soc. Japan. Vol. XI pag. 1—31. Yokohama 1883. 7) Dupont : Essences Forestières du Japon. Paris 1880. 8) Berichte von verschiedenen Weltausstellungen. Nicht sowohl die grössere oder geringere Vollständigkeit und Correctheit dieser Listen, als vielmehr der fast gänzliche Mangel (mit Ausnahme von den unter 5, 7 und 8 erwähnten) von Angaben über die relative Bedeutung der in ihnen aufgezählten Gewächse hat mich be- stimmt, sowohl in der Gruppierung, als auch in der ganzen Behandlungs- weise einen andern Weg einzuschlagen und, — vornehmlich auf ei- gene Studien und Beobachtungen gestützt, — die einzelnen Namen mit solchen Bemerkungen zu begleiten, wie sie mir nach Maassgabe ihrer Bedeutung und zum allgemeinen Verständniss nöthig schienen. 2. Nährpflanzen. a. Getreide, Halmfrüchte oder Cerealien, japanisch Koku-motsu . In Japan cultiviert man aus dieser Gruppe als Winterfrüchte: Gerste (O-mugi), nackte Gerste (Hadaka-mugi) und Weizen (Ko-mugi), ferner als Sommerfrüchte: Reis (Kome oder Ine), Rispen- 2. Nährpflanzen. hirse (Kibi), Kolbenhirse (Awa), Hahnenfusshirse (Hiye), Fin- gerhirse (Kamo-mata-kibi), Mohrenhirse (Morokoshi), Mais (Tô- morokoshi) und Hiobsthränen (Dzudzu-dama). Es folgt aus dieser Liste, dass von unsern Halmfrüchten Roggen und Hafer fehlen. Wenn dieselben dennoch unter den Culturpflanzen des Landes hier und da angeführt werden, so beziehen sich solche Angaben entweder auf neuere Versuche oder auf Verwechselung mit andern Getreidearten. Ich habe sie nirgends angebaut gefunden, auch zeigt das Zeugniss Ito Keiske ’s und anderer Kenner der japanischen Flora, dass sie dem Lande fehlen. Hiermit stimmt überein, dass v. Siebold ’s Liste japa- nischer frumenta Roggen und Hafer nicht enthält Verhandl. van het Batav. Genotschap XII deel. Batav. 1830. Synopsis Plant. Oec. Univ. Regni Jap. . Dagegen muss der Buchweizen (Soba), obwohl er einer ganz andern Pflanzenfamilie angehört, seiner mehlreichen Samen und ihrer Verwendung wegen hierher gerechnet werden. Wie bereits früher hervorgehoben wurde, ist das diesen Getreide- arten dienende Land zweierlei Art, nämlich ta, Reisland, und hata , Trockenland, insofern nur das erstere überrieselt und in eine Art Sumpf verwandelt wird. Dasselbe überwiegt in gleicher Weise, wie der Anbau des Reis an Umfang und Bedeutung den gesammten übri- gen Getreidebau weit übertrifft. Dieser hervorragenden Bedeutung des Reis entsprechend, lasse ich hier eine Beschreibung desselben und seiner Cultur folgen und schliesse dann kürzere Bemerkungen über die übrigen Halmfrüchte an. 1) Reis , japanisch Ine, Urushine oder Kome (Oryza sativa L.). Auf einem 50—120 cm hohen, nicht sehr kräftigen hohlen Halme entwickelt die Reispflanze (Ine oder Urushine) eine schmale über- hängende Rispe mit einblüthigen Aehrchen und 30—60, ja zuweilen 100 Samenkörnern. Es gibt von dieser alten Culturpflanze über 200 Spielarten, begrannte und grannenlose Sorten, Varietäten mit weissen, gelben, braunen und schwarzen Spelzen und Grannen, früh und spät reifende. Auch kennt man eine Abart, den Bergreis (O. montana Lour.), japanisch Okabo , welcher die grossen Ansprüche der andern Sorten an Wasser nicht macht, sich mit der gewöhnlichen Befeuch- tung seiner Wurzeln durch Niederschläge, wie die andern Halmfrüchte begnügt und desshalb in höheren Lagen und auf abschüssigem Boden wächst, auch eine kürzere Vegetationsdauer (4 Monate, statt 5—6) hat und daher auch noch in Klimaten gedeiht, welche für den gewöhnlichen Reis zu rauh sind. Allein die Halme dieses Bergreis I. Land- und Forstwirthschaft. sind kürzer, die Körner kleiner, die Erträge geringer als bei letzte- rem; daher finden wir ihn in den Hauptreisländern der Erde nur in sehr untergeordnetem Maasse angebaut. Die Körner des Reis sind mit den Blüthenspelzen innig verwach- sen und dadurch kantig, so dass sie hierin, sowie in ihrer sonstigen Gestalt und Grösse wie auch der Färbung, am meisten der Gerste gleichen, ohne jedoch gegen die Mitte so stark angeschwollen zu sein, wie diese. Solcher ungeschälte Reis führt in Indien und im Handel den Namen Paddy ; er kommt jetzt oft in diesem Zustande nach Europa, wird hier geschält und gelangt dadurch in völligerer, schöne- rer Form in den Binnenhandel, als der importierte, welcher fertig für die Küche war. Zu diesem Vortheil gesellt sich eine grössere Halt- barkeit. Der Reis gehört in den nicht tropischen Ländern zu den Som- mergewächsen und bedarf zu seiner meist sechsmonatlichen Entwicke- lung (Mai bis October) einer Durchschnittstemperatur von mindestens 20°C. und eines mit Wasser getränkten Bodens, wenigstens in der ersten Hälfte seiner Vegetationszeit. Seine Ansprüche an ein warmes Klima sind grösser, als bei den meisten andern Getreidearten, und be- züglich der Feuchtigkeit grösser, als bei fast allen andern wichtigen Culturpflanzen, selbst die Dattelpalme nicht ausgenommen. Diesen Bedürfnissen entsprechend, finden wir den Reisbau nur in der tropi- schen und den wärmeren Theilen der gemässigten Zone, zumeist in Niederungen, wo Bewässerung des ebenen Feldes möglich ist, oder häufige reiche Niederschläge dieselbe ersetzen. In ganz Ost- und Südostasien einschliesslich Indiens ist, wie Grisebach in seiner »Vegetation der Erde« mit Recht hervorhebt, die Benutzung der Re- genperiode, welche im Frühling dem Monsunwechsel folgt, für die ersten Vegetationsphasen des Reis die natürliche Grundlage seiner Cultur. Aber der Eintritt dieser Monsunregen erfolgt keineswegs überall und immer mit der gewohnten Regelmässigkeit und Stärke. Wo, wie in den meisten Gebieten Vorder- und Hinterindiens, die künstliche Bewässerung des Reislandes nicht durchgeführt ist, bewirkt eine Ver- spätung dieser Monsunregen die Verschiebung der ganzen Cultur, ein schwaches Maass derselben aber Misswachs und Hungersnoth. Japan ist dank seiner schnee- und wasserreichen Gebirge und Bewässe- rungsanlagen, welche gleich denjenigen China’s zum Theil schon mehrere Tausend Jahre alt sind, bis zu einem gewissen Grade un- abhängig von diesen Monsunregen und hat desshalb eine feststehende Zeit für Aussaat und Ernte, die wir der langen Winter und ihrer 2. Nährpflanzen. niedrigen Temperaturen wegen als eine nothwendige ansehen müssen. Im warmen Indien dagegen kann sich die Culturperiode des Reis und anderer Feldfrüchte vielmehr der Regenzeit anpassen; sie fällt aus diesem Grunde an der Küste Coromandel z. B. in den Winter. Die Nordgrenze des Reisbaues erreicht in der alten Welt stellen- weise, z. B. in der Poebene, den 45. Breitengrad, in Amerika bleibt sie 10 Grad weiter südlich; auf der südlichen Hemisphäre geht der- selbe nur wenig über den Wendekreis hinaus, z. B. auf Madagascar. Für Japan bildet die Tsugaru-Strasse unter 41½° N. die Nordgrenze. Ueberall, wo seine Grundbedingungen vollkommen erfüllt werden, lohnt der Reis den Fleiss des Landmanns mehr als jede andere Halm- frucht und bringt 30—40 Bushels Ertrag à 20—25 kg per acre oder 40,5 per Are. In Japan liefert ein Tan = 300 Tsubo oder 10 Are des besten Reislandes einen Ertrag von 2,4 koku = 4,36 hl geschäl- ten Reis, entsprechend 5,8 hl Paddy, oder 58 hl auf die ha, wäh- rend der Durchschnittsertrag pro ha = 27,5 hl geschälter Reis oder 36,6 hl Paddy ist. In Norditalien, wo Rotation die Regel und un- unterbrochener Reisbau die seltene Ausnahme ist, bringt frisches Land bei jener im günstigsten Falle 70 hl pro ha und bei dieser 40 hl Die grössere Ertragsfähigkeit ist hier dem Wechselbau und der Breit- saat, zum Theil auch der grösseren Fruchtbarkeit des Bodens zuzu- schreiben. Schon im hohen Alterthume wurde der Reis im Monsungebiete Asiens cultiviert, und obgleich alle sicheren Spuren seines Ursprungs verloren gegangen sind, das buddhistische Landvolk in China und Japan ihn aber für ein direktes Geschenk der Götter ansieht, so ist doch sicher, dass er sich gleich so mancher andern Nutzpflanze von Indien aus verbreitet hat. Darauf weist die alte Geschichte China’s in unzweideutiger Weise hin, wie nicht minder der Umstand, dass vom Sanskritnamen vrîhi der iranische brizi und der griechisch- lateinische oryza kommen, von welch letzterer Benennung wiederum alle romanischen, germanischen und slavischen Namen für das Ge- treide stammen und leicht abgeleitet werden Siehe de Candolle »L’origine des Plantes cultivées« pag. 310 und Hehn : Culturpflanzen und Hausthiere. . Der Russe heisst es entweder riss oder saratschinskoë pschenó , d. h. »sarazenische Hirse«. Gegenwärtig cultiviert man den Reis fast im ganzen Monsun- gebiete: in Japan mit Ausnahme von Yezo und den Kurilen, in Korea, China, auf allen Malayischen Inseln, in Vorder- und Hinterindien, im I. Land- und Forstwirthschaft. Tarimbecken, z. B. bei Yarkand, bei Kabul noch in nahezu 2000 m Höhe, in Persien, Armenien und Mesopotamien, soweit es die ver- nachlässigten Bewässerungssysteme noch zulassen, in Arabien. Schon frühzeitig wurde Madagascar, wahrscheinlich in Folge malayischer Einwanderung, eine Culturstätte unserer Pflanze. Sie liefert daselbst noch heute das wichtigste Nahrungsmittel und hat davon noch für die Mascarenen übrig. Brot war hier vor Berührung mit den Europäern ebenso unbekannt, wie in Ostasien. Araber brachten den Reisbau zuerst an die Ostküste Afrikas und in die Mittelmeerregion: nach dem Nildelta, Sicilien und Spanien. Noch jetzt liegt in Ostafrika, wie auf den Mascarenen der Handel mit Reis ganz in ihren Händen. Durch das gleiche Agens drang der Reisbau durch Innerafrika bis zur tropischen Westküste vor; doch wird er hier nur strichweise betrie- ben, wie in Ashanti am Volta, und in Liberia, dessen farbige Colo- nisten ihn indess von Amerika mitbrachten. In Aegypten beschränkt sich die Reiscultur auf das Deltagebiet, vornehmlich bei Rosette und Damiette. Auf der Balkanhalbinsel eignen sich Terrain und Klima nur stel- lenweise, die trägen Türken aber gar nicht zum Reisbau. Wo der- selbe, wie an der Maritza, früher blühte, ist er in Folge der grossen Nachlässigkeit der Regierung verschwunden. Dasselbe gilt zum Theil auch von Portugal und Spanien. Letzteres baut noch Reis, soweit es die alten Wasserleitungen in den Huertas von Valencia gestatten. Unter den europäischen Staaten spielt nur Italien als Reisprodu- cent eine Rolle. In der Lombardei, besonders um Vercelli, in Pie- mont, Venedig und der Aemilia (wenig auf Sicilien und in Toscana), auf etwa 230000 ha gewinnt es jährlich für etwa 70 Millionen Lire Reis, so dass dessen Cultur einen wichtigen Factor seines National- wohlstandes ausmacht. Werfen wir nun zur Ergänzung dieser kurzen Rundschau auch noch einen Blick auf die Neue Welt. Die ersten Anbauversuche mit Reis in Carolina datieren vom Jahre 1647. Im Jahre 1694 kam durch ein holländisches Schiff abermals Saatreis, und zwar von Madagascar, nach der Hauptstadt Charleston, wurde durch den damaligen Gouver- neur Smith unter verschiedene Colonisten vertheilt und bildete die Grundlage zu der von da ab sich rasch entwickelnden Cultur. Sie erstreckt sich heutzutage über Süd-Carolina und Georgia und ragt auch noch etwas in die Nachbarstaaten hinein. Die gesammte Pro- duction der Vereinigten Staaten an dieser geschätztesten aller Reis- sorten wird auf 4 Millionen kg veranschlagt. In den spanisch-amerikanischen Republiken hat der Reisbau nie 2. Nährpflanzen. und nirgends eine grössere Bedeutung erlangt, wohl aber in Brasilien, welches ihn in den Küstenprovinzen zwischen dem Amazonas und San Francisco betreibt. — Reis dient der Mehrzahl des Menschengeschlechts zur Nahrung und bildet bei wenigstens einem Drittel desselben die vorwiegende tägliche Speise. Auf einen malayischen Arbeiter Hinterindiens rechnet man monatlich 28 kg Reis, auf einen Siamesen sogar 32 kg und nicht viel weniger als 1 kg täglich braucht auch der Chinese und Ja- paner, wenn er sich vorwiegend von Reis nährt. In Europa sind Türken und Engländer die stärksten Reisconsumenten, jene, insofern ihr Nationalgericht, der Pilau, hauptsächlich aus in Wasser gekochtem Reis besteht, diese, indem sie beträchtliche Quantitäten zur Herstel- lung von Pudding verbrauchen. Die wichtigsten Bezugsquellen für Reis sind die indischen Häfen Calcutta, Akyab, Màlmén, Basseïn und Rangun, sowie Bangkok und Batavia, ferner Aegypten, Norditalien, Südcarolina und Brasilien. Der Reis enthält weniger Nährstoff als die meisten andern Ge- treidearten, ist aber unter allen am leichtesten verdaulich. So eignet er sich denn auch besonders als Kost für Kinder und Greise, wess- halb man ihn diesen und den Kranken in China und Japan auch gern in den Gegenden reicht, wo der Reisgenuss als ein Luxus angesehen wird, den sich der gesunde Bauer und Handwerker nur ausnahms- weise gestatten darf, wie beispielsweise in den chinesischen Provinzen Honan, Shensi und Shansi, sowie in den Gebirgsgegenden Japans. Die Sorgfalt, welche der Landmann seinem Reisfelde in Ostasien, zumal in Japan, zuwendet, verdient die höchste Anerkennung. Zum bienenartigen Fleisse zur Zeit der Bestellung desselben gesellt sich hier jener heitere Sinn, unter welchem auch die schwere, schmutzige Arbeit leicht und rasch von Statten geht. Im April beginnt dieselbe damit, dass eine Ecke des Reisfeldes als Saatbeet zubereitet wird. Zu dem Zweck wird das Land mit einer Hacke an langem Stiel sorg- fältig rajolt, geebnet und ringsum mit einem kleinen geglätteten und dichten Erddamm von 25—40 cm Breite und Höhe versehen und mit einem kleinen Wasserlaufe oder Bewässerungsgraben, wenn möglich, in Verbindung gebracht, so dass man es nach Bedürfniss überrieseln kann. Als Dünger wendet man gern den ausgehobenen Schlamm eines benachbarten Canals an, wenn ein solcher vorhanden ist, und bedeckt damit etwa 20 cm hoch das zubereitete Saatbeet. In Ermangelung solchen Schlammes müssen Asche und andere schnell wirkende Dung- stoffe, wie gestampfte Bohnen, Compost oder Fäcalstoffe dienen. Hierauf öffnet man den Damm an einer Stelle, lässt Wasser zufliessen und das I. Land- und Forstwirthschaft. Beet etwa 6 cm hoch überrieseln, worauf der Samen aus flacher Wanne mit der Hand darauf gestreut wird. Derselbe wurde aufs sorgfältigste ausgewählt, in vielen Fällen auch tagelang vorher unter Wasser ge- halten. Die Reiskörner sinken rasch unter und liegen dann ziemlich dicht neben einander auf und in dem schlammigen Boden. Nach 4—5 Tagen haben sie schon gekeimt. Das Wasser, welches unter anderm auch den Vortheil bot, die frische Saat vor Vögeln zu schützen, ist verdunstet oder in den Boden gedrungen und muss, wenn kein Regen eintritt, durch einen neuen Zufluss aus der Leitung ersetzt werden. In der Regel wird aber das Saatbeet nur Nachts überrieselt und bei Tage trocken gelegt. Jenes dient zum Schutz gegen die Kälte, dies zur grösseren Erwärmung des Bodens durch die Sonne. In den meisten Gegenden Japans findet diese Aussaat des Reis gegen Ende April oder Anfang Mai statt und etwa 30—45 Tage später das Verpflanzen. In einigen Distrikten, z. B. in den Provinzen Mino und Shináno (südwestlich von Tôkio im Innern von Hondo), pflegt man ganz allgemein die Cultur 2—4 Wochen später zu beginnen, In Shináno gilt allgemein der 33. Tag vor Hange (der 2. Juli) als die Zeit zur Aussaat. in andern, wie bei Kôchi in Tosa (auf der Insel Shikóku), ebensoviel früher. Dies hängt theils von klimatischen Ursachen ab, insofern die zur Reisentwickelung nöthige Boden- und Wassertemperatur in den verschiedenen Landestheilen erst spät oder schon zeitig im Frühling eintritt, vornehmlich aber davon, dass in fruchtbaren Niederungen, wie der reichen Ebene in Mino, das Reisland nicht brach lag und seine Winterfrucht, besonders Gerste und Raps, erst im Juni reif und ge- erntet wird, so dass vor Mitte oder Ende dieses Monats das Feld zur Aufnahme der jungen Reispflanzen nicht hergerichtet sein kann. Weitaus der grösste Theil des japanischen Reislandes liegt den Winter über brach und bildet, zum Theil mit Wasser bedeckt, eine Art Sumpf, den Tummelplatz wilder Enten, Gänse und Becassinen. Dies ist vornehmlich der Fall, wo der Boden zur Erzielung zweier Jahresernten nicht geeignet ist, sei es, dass der Winter zu lang und die Vegetationszeit auf zu wenige Monate beschränkt ist, sei es, dass er vorzugsweise aus den weniger fruchtbaren Zersetzungsprodukten alter Schiefer und krystallinischer Gesteine besteht und desshalb zeit- weise ruhen muss. Von einer andern Wechselwirthschaft ist aber beim Reislande Ostasiens keine Rede; seit vielen Jahrhunderten dient es jeden Sommer dem gleichen Zweck. Während in andern Ländern die Reisfelder mit Pflügen, gezogen 2. Nährpflanzen. von Büffeln oder Ochsen umgewendet werden, verrichtet man in Japan und China diese Arbeit vorwiegend mit den Händen. Der Arbeiter ist dabei barfuss und nur mit groben, hanfleinenen und bis zu den Lenden reichenden Hosen bekleidet. Sein gewöhnliches Werkzeug ist eine dreizinkige Hacke an langem Stiel oder ein kleiner Spaten. So sieht man z. B. in der Umgebung von Tôkio und Nagasáki selten Zugthiere beim Reisbau verwenden. In andern Gegenden dagegen z. B. bei Ôzaka und in der Provinz Mino wird das Land umgepflügt. Die Dämme um die alten Reisfelder und Canäle sind Anfang Mai mit den schönen Blüthen einer kriechenden Papilionacee (Astragalus lotoides) stellenweise wie mit einem rothen Teppich bedeckt. Es be- ginnt um diese Zeit die Herrichtung der Felder zur Aufnahme der Setzlinge. Zur Verbesserung des Bodens streut man das geerntete Raps- stroh, gebrannten Kalk und vor allen Dingen Gründünger ein, wie in China; doch wird letzterer nicht wie hier durch Aussaat von Klee und andern Gewächsen besonders erzeugt. Es ist vielmehr ein Gemisch von Gras, Kräutern und Halbsträuchern, wie es an den Bergabhängen und in den Lichtungen der Wälder in Menge wächst. Frauen und Kinder sammeln diesen Dünger ein und bringen ihn in Traglasten herbei zum Felde, bei welcher Arbeit erstere gewöhnlich den Männern gleich mit hellblauen Hosen und Kittel aus selbstverfertigter grober Hanflein- wand bekleidet sind. Nur wo höher und weiter in den Bergen dieser Gründünger zu holen ist, übernehmen Männer mit Packpferden die Beschaffung. Dieser vegetabile Dünger wird entweder beim Pflügen oder Umhacken des Landes in die Furchen geworfen, oder wie der pulverförmige Aetzkalk nach dem Ebnen aufgestreut. Mit Schlamm und Wasser bedeckt, verfault er rasch, so dass nach wenigen Wochen jede Spur desselben von der Oberfläche verschwunden ist. Gebrannten Kalk und Kalkhydrat habe ich in den verschiedensten Gegenden des Landes als Dünger der Reisfelder, nicht bei andern Culturen anwenden sehen, meist da, wo der Boden aus den Zersetzungsprodukten kalk- armer Schiefer- und Granitgebirge entstanden ist und noch nicht viel Humus enthält, selten in vulkanischen Bezirken. Dies mag jedoch auch darin seinen Grund haben, dass der Kalkstein oft weiten Strecken fehlt, insbesondere vulkanischen Distrikten. Fäcalstoffe wendet man beim Reisbau weniger an, als bei andern Culturen, so dass man im Sommer bei einem Gang durch die überrieselten Reisfelder keineswegs von dem unangenehmen Geruch nach ihnen so oft berührt wird, wie man dies denken sollte. Nach der Umarbeitung, Ebnung, Düngung und Ueberrieselung des Reisfeldes, Arbeiten, denen natürlich die Herstellung der Dämme Rein , Japan II. 4 I. Land- und Forstwirthschaft. vorausgehen musste, ist dasselbe zur Aufnahme der neuen Pflanzung vollständig hergerichtet. — Von ganz besonderer Wichtigkeit erscheint das Bewässerungs- system. Jede Scheidewand des Reisfeldes hat eine oder mehrere kleine Durchstiche, hier für den Zutritt, dort für den Abfluss des Wassers. Kommt dieses von einem Bergabhang, so wird es zunächst zum höchst gelegenen Felde der Thalsohle oder Terrassenanlage ge- leitet. Der kleine Wasserlauf — ein starker würde ja zu viel Gefahren für’s Feld bringen — überrieselt dasselbe bis zu einer gewissen Höhe und fliesst dann über zum nächsten Grundstück, bewirkt hier bald das- selbe, geht hierauf über zur dritten Stufe und so fort von Terrasse zu Terrasse, bis das ganze System bewässert ist. Natürliche Flussbette, oder Canäle mit Betten, welche tiefer liegen als die Felder, durch- ziehen das Ganze, um das Wasser, wenn es nicht mehr nöthig ist, aufzunehmen und fortzuführen. Auf diese Weise steht es stets unter vollkommener Controlle, die nur bei längeren starken Regen aufhört. In wasserarmen Distrikten, solchen, die mehr auf Regen, denn auf die Zufuhr durch Flüsse aus höheren, bewaldeten Gebirgen ange- wiesen sind, hat man Teiche angelegt, damit, wenn in trocknen Sommern die natürlichen Zuflüsse versiegen, der in jenen aufge- speicherte Wasservorrath aushelfen könne. Viele dieser Teiche haben bereits ein hohes Alter; auch wird in der ältesten Landesgeschichte schon solcher Anlagen durch den einen oder den andern Mikado ge- dacht. In ebenen Gegenden und nach längerer Trockenheit werden, wie in China, Indien und anderwärts Schaufelräder angewandt, um das unentbehrliche Wasser aus den tiefer gelegenen Gräben zu heben und den Reisfeldern zuzuführen. Dies geschieht jedoch vielfach auch mit Händen und Schaufeln. Eine beliebte Methode, welche ich auch in Aegypten anwenden sah, ist ferner die, dass zwei Männer sich an den beiden Ufern gegenüberstellen und eine dicht geflochtene Korb- wanne an starken Seilen derart zwischen sich im Takte schwingen, dass dieselbe mit jeder Abwärtsbewegung der Arme in’s Wasser taucht und das dabei Geschöpfte beim Aufsteigen in eine zum Felde führende Leitung ausleert. — Im Herbst, wenn die reifende Ernte des Wassers nicht mehr bedarf, oder auch sonst, wenn Regen das Bedürfniss des Feldes zur Genüge deckt, werden die Zuflüsse verstopft und die Quell- wasser in ihren natürlichen Canälen gelassen. — So sehr sich nun aber auch die japanische Reiscultur durch diese künstliche Bewässerung vortheilhaft von der im südlichen Monsun- gebiet, z. B. in Siam, unterscheidet, so erreicht sie doch den rationellen 2. Nährpflanzen. Betrieb und, wie bereits angegeben wurde, die Resultate derjenigen in der Poebene in keiner Weise. Nirgends auf der Erde ist wohl das Bewässerungssystem so gross- artig, plan- und zweckmässig durchgeführt, als dasjenige, durch welches die »Società d’Irrigazione dell’Ovest della Sesia«, das Wasser der Sesia den Reisfeldern bei Vercelli und Umgegend zuführt, von dem jedes Liter bezahlt werden muss, dessen rationelle Verwendung jedoch durch hohe Erträge diese und andere Auslagen reichlich lohnt. Im Juni — selten früher oder später, und etwa 30—45 Tage nach der Aussaat — werden die jungen Reispflanzen vom Saatbeet auf das zubereitete und 6—10 cm hoch überrieselte Land verpflanzt. Die Setzlinge (naë) haben dann eine Länge von 18—24 cm. Nach dem Ausrupfen bindet man sie in kleine Bündel, so gross, dass man sie mit der Hand noch umfassen kann. Ein Mann nimmt eine Menge solcher Päckchen unter den Arm, und indem er damit sein Feld durch- watet, wirft er sie einzeln und nach Bedarf rechts und links auf das Wasser. Andere, Männer und Frauen, heben dieselben auf und das Pflanzen beginnt. Man setzt je 4—6 Pflänzchen zusammen, die ein- zelnen Büschel in Reihen und bestimmt die Abstände von 20—25 cm durch das geübte Augenmaass, so dass zwischen 1200 und 3000 Büschel auf eine Are kommen. Silberreiher und Kraniche folgen den emsigen Pflanzern, wie bei uns Stare und Bachstelzen dem Pflug des Ackers- manns, und haschen die vorkommenden Larven und Schnecken auf. Von dem erstaunlich raschen Verlauf, den all die erwähnten Arbeiten auf dem Reisfelde nehmen, möge hier ein Beispiel zeugen: Im Frühjahr 1875 hatte ich zu verschiedenen Zeiten Gelegenheit, die Ebene von Ôzaka, welche vom Yodógawa, dem Abfluss des Biwa- Sees, bewässert wird, zu durchreisen. Am 1. April zeigten sich darin die ersten Rapsblüthen, Gerste und Weizen hatten noch keine Halme gebildet, von brachliegenden Reisfeldern war wenig zu sehen. Am 3. Juni, also kaum 9 Wochen später, als ich abermals desselben Weges kam, hatte die Raps- und Gerstenernte begonnen und auch der Weizen näherte sich rasch der Reife. Wiederum bot sich mir am 26. Juni, also drei Wochen später, Gelegenheit, diese fruchtbare Ebene zu sehen und mich ihrer schönen Cultur zu erfreuen. Welch ein Wechsel hatte sich in der kurzen Zeit vollzogen! Von den Winterfrüchten: Raps, Gerste, Weizen, Erbsen, Saubohnen, von den hohen Beeten und tiefen Furchen der trocknen Felder, von den zahlreichen vergnügten Menschen, welche am 3. Juni emsig mit der Ernte beschäftigt waren: von dem allen ist jetzt nichts mehr zu sehen. Wie durch einen Zauber umgewandelt, erscheint das ganze weite Feld. Grosse Strecken desselben sind 4* I. Land- und Forstwirthschaft. geebnet, mit Dämmen und Gräben umgürtet und in einen Sumpf ver- wandelt, dessen schlammigen Boden überall lieblich grüne Reispflanzen bedecken, aus dem nur hier und da einzelne trockne Parcellen mit an- dern Culturen hervorragen. Hin und wieder nur sieht man gemessenen Schrittes einen Landmann dieses Reisfeld durchschreiten, um hier mit seiner Hacke einen Wasserzufluss zu regulieren, dort einige Pflänzchen mit den Händen fester anzudrücken oder nicht angegangene durch andere zu ersetzen. Silberreiher fischen in diesem künstlichen Sumpf zwischen den grünen Reihen der Reisbüsche und Menschen in den sie trennenden Wassergräben. Noch wenige Wochen und man blickt auf einen continuirlichen Teppich des schönsten Smaragdgrüns, wie über einen künstlichen Rasen, in welchem auch die Blumenbeete in Gestalt kleiner Trockenparcellen mit Baumwolle, Hirse und Gemüsesorten nicht fehlen. Ist der Reis verpflanzt und haben auch die Erddämme dadurch noch eine weitere Verwendung gefunden, dass man in 20—40 cm Entfernung auf ihnen kleine kreisförmige Vertiefungen macht, dieselben mit je 3—6 Buschbohnen belegt und mit Erde und Reisschalen zudeckt, so hat man die Hauptarbeit beendet. Es erübrigt nur noch in etwa 14 Tagen, wenn die Reispflanzen auf dem neuen Boden ihr Wachs- thum wieder begonnen haben, sie nochmals fester anzudrücken, die im Wasser und Schlamm noch vergrabenen Erdschollen zu zerdrücken und zu ebnen, Arbeiten, welche lediglich mit den Armen und Händen ausgeführt werden. Von nun ab ist nur noch Aufmerksamkeit auf die Bewässerung nöthig, eventuell auch Fernhaltung des Unkrauts und eine zweite Lockerung längs der Reihen. Andern Beschäftigungen, wie der Seidenzucht, dem Ernten und Zubereiten des Färberknöterichs (Polygonum tinctorium), der zum Blaufärben wie Indigo dient, kann ein Theil der Kraft und Zeit ge- widmet werden, während auch noch Musse bleibt, um an einem Götter- feste sich einen vergnügten Tag zu machen oder eine Pilgerreise nach einem berühmten Berg oder Tempel anzutreten, wenn eine gute letzt- jährige Ernte den dazu nöthigen Sparpfennig lieferte. Die Blüthezeit des Reis fällt in den Anfang September, die Ernte von Ende September bis Ende October, ja vielfach noch in den November. Es ist die Zeit, wenn in den Tempelhainen die gelb gewordenen Blätter des Icho oder Ginko (Salisburia adianthifolia Smith), vom Morgenthau geknickt, langsam zu Boden fallen und die Momiji (Acer polymorphum S. u. Z.) sich prachtvoll roth färben. »Schauet die vollen Rispen im herbstlichen Reisfelde, jede ein 2. Nährpflanzen. Zeuge von des Sommers Hitze und Arbeit!« heisst es in schöner und bezeichnender Weise in einer neueren Sammlung buddhistischer Pre- digten. Und wohl kann der Anblick dieser »goldenen Saaten in den Thälern« Auge und Herz erfreuen. Ein ganzer Büschel Halme mit schwerwiegenden Rispen, welche aus jeder kleinen Gruppe von Setz- lingen hervorging, lohnt reichlich den auf diese verwendeten Fleiss. — Der reife Reis wird mit kurzen Sicheln, wie in China, unmittel- bar über der Erde abgeschnitten, denn auch das Stroh ist ein ge- schätztes viel verwandtes Material. In kleinen Gebunden, mehr Bündel als Garben, hängt man das abgeschnittene Getreide an Stangen auf, schichtet es um die Erlenstämme längs der Gräben oder bringt es direkt nach Hause. Zur Gewinnung der Körner bedient man sich weder der Dreschflegel, wie bei uns, noch des Viehes (Ochsen oder Maulthiere), wie im Mittelmeergebiete, sondern eigenthümlicher Vorrichtungen, welche an unsere Flachsreffen erinnern, vermittelst deren bekanntlich die Kapseln von den Stengeln getrennt werden. Ein anderes Ver- fahren, welches bereits Thunberg erwähnt, besteht einfach darin, dass man mit den Rispen gegen den Rand einer Tonne oder Bütte schlägt, wobei die Körner schon von den Halmen fallen. Das Schälen der Reiskörner erfolgt in der Regel erst beim Be- darf. Eine einfache, sehr verbreitete Vorrichtung zu diesem Zweck besteht in einem runden Trog Die Insel Luçon (Lozon) oder Isla de los Losones hat von solchen Stampf- trögen (lusong) ihren Namen. aus einem ausgehöhlten Holzblock oder Stein, in welchen der Paddy geschüttet und mit einem hölzernen Stösser so lange bearbeitet wird, bis die Schalen von den Kernen ge- trennt sind. Ferner benutzt man Wasserkraft und ähnliche Vorrichtungen, wie bei uns den Stampfapparat der Oelmühlen. Die primitivste, einfache Reisschälmaschine findet man in japa- nischen Gebirgsthälern sehr häufig und benutzt sie auch zum Zerpochen der Materialien für die Thonwaaren-Industrie. Ein behauener Balken fungiert als zweiarmiger Hebel. Der eine, schwerere Arm trägt am Ende den mit Eisen beschlagenen, rechtwinkelig angefügten Bolzen, der sich gleich dem Reistroge in einem Bretterhäuschen befindet. Der zweite, nach aussen gerichtete Hebelarm ist gewöhnlich länger und gegen sein Ende schaufelförmig ausgehöhlt. Auf diese Schaufel fliesst herbeigeleitetes Wasser, füllt sie bald und drückt sie nieder. Hierbei entleert sie sich, worauf der unterdess gehobene Stösser am Ende des andern Arms niederfällt u. s. f. Die Arbeit geht langsam voran, aber hier ist in Wirklichkeit »time no money«. Der Reis ist mit dem ganzen Leben des Japaners eben so innig I. Land- und Forstwirthschaft. verknüpft, wie mit dem des Malayen und Hindu. Dies zeigt sich unter anderm auch darin, dass seine Sprache für fast jede besondere Form ein anderes Wort hat. So heisst die auf dem Saatbeet erzielte junge Reispflanze vor dem Versetzen Naye (sprich naë), die mehr entwickelte auf dem Reisfelde İne. Kome (oder Kuromai) ist der Name für die Körner (Paddy), nachdem sie von der Spreu gereinigt sind. Mit Momi oder Mominai bezeichnet man den ungeschälten, mit Hakumai und Tsukigome den geschälten Reis. Ist letzterer gekocht und warm, so nennt man ihn Meshi, Gozen , oder O-mamma (Bezeichnung bei den Kindern), aber Hiya-meshi , wenn er kalt ist. Nach der Zeit der Reife unterscheidet man Wase, Nakade und Oku , d. h. Früh-, Mittel- und Spät-Reis. Der erstere wird Mitte September, der Spätreis erst gegen Ende October geerntet. Letzterer wiegt bei weitem vor und liefert die Haupternte. Mit Okabo bezeichnet man, wie schon früher erwähnt wurde, den Bergreis, mit Uruchi den gewöhnlichen Reis, mit Mochi-gome (chin. no , malayisch pulut , in Java kattan , bei den Franzosen riz gluante ) den Klebreis (Oryza glutinosa Rumph.), eine besondere, vielfach schwarzspelzige Sorte, bei welcher man früher annahm, dass ein Theil des Stärkemehls in Dextrin umgewandelt sei. Siehe Näheres weiter unten bei den Analysen. Geschält sind die Körner des Klebreis sofort durch ihre weissliche Farbe und Glanz- losigkeit, sowie durch den stearinähnlichen Bruch zu erkennen. Das Mehl liefert einen zähen, höchst elastischen Teig, wie das kleber- reichste Weizenmehl. Man verwendet es besonders zur Darstellung kleiner runder Kuchen, die, mit Bohnenmehl und Zucker gefüllt, unge- backen gegessen werden und sehr beliebt sind, ferner zu Kleister. Dieser Klebreis wird im ganzen Monsungebiete cultiviert und ist in seinen Eigenschaften, keineswegs aber seinem Aussehen die auf- fälligste von all den vielen Reisvarietäten. Da der in Wasser oder Wasserdampf gekochte Reis bei jeder der drei Mahlzeiten des Japaners das wichtigste Gericht bildet, so pflegt man dieselben kurzer Hand Gozen zu nennen und als Asa-gozen, Hiru-gozen und Yu-gozen (wörtlich: Morgen-, Mittag- und Abend- reis) zu unterscheiden, In China heisst in ähnlicher Weise eine Mahlzeit nehmen »tschi fan«, d. h. Reis essen. Williams : The Middle Kingdom I. 772. gerade so, wie wir von einem Morgen-, Mittag- und Abendbrot reden. Da die Hauptreisernte, die des Oku gegen Ende October fällt, die Aussaat aber meist in die zweite Hälfte des April oder Anfang Mai, so bedarf diese wichtigste japanische Reissorte ein volles halbes 2. Nährpflanzen. Jahr zu ihrer Entwickelung. Eine fast gleich lange Vegetationsdauer hat Reis in den Battaländern Sumatras und verschiedenen andern tropischen Monsungebieten. Vergleicht man die Vegetationszeit des Reis in der Poebene z. B. um Vercelli mit der von Japan, so ergibt sich, dass erstere einen Monat früher anfängt und ebenso viel früher endet. Ostiglia und jap. Spätreis werden hier gegen Ende März gesäet und Ende September geerntet. Nach der ersten Octoberwoche befindet sich in Norditalien nur noch wenig Reis auf den Feldern. Dass die Revenüen der Daimio’s und Samurai früher nach koku Reis Ein koku (oder 182,5 Liter) Reis wiegt durchschnittlich 145 kg und kostet in Japan 3—4½ Dollar (12—18 Mk.) bestimmt und in Natur geliefert wurden, ist bereits oben her- vorgehoben worden, ebenso, dass der neueren Besteuerung die Erträge des Reislandes zu Grunde liegen. Selbst die Volkszählungen fanden früher — allerdings auf sehr mangelhafte Weise — nach Production und Consum des Landes an Reis statt. Nichts desto weniger gibt es Hunderttausende armer Gebirgsbewohner, die sich freuen, wenn ihre be- schränkten Felder Gerste- und Hirsearten producieren, bei welchen Reis ein Luxusartikel ist, der höchstens Kranken und schwächlichen Kindern, selten aber den gesunden Erwachsenen zu Theil wurde. Man unterscheidet in Japan drei Hauptreisdistrikte, von denen der nördliche seinen Ueberschuss vorwiegend nach Tôkio liefert; aus dem mittleren und südlichen Reisdistrikte gelangt er noch immer zum grössten Theil nach Ôzaka, welches im Reis- und Seidenhandel, so lange das Land abgeschlossen war, stets den Hauptmarkt abgab. In Honshiu oder Hondo sind als wichtigste Reisgegenden zu nennen: die grösseren Ebenen im Unterlauf der drei bedeutendsten Flüsse (San-dai- ka): des Toné-, Kisó- und Shinanó-gawa, also die Ebene des Ku- wantô, die Ebene der Provinzen Mino, Owári und Ise, sowie die von Echigo. Sodann sind noch zu bemerken: die Ebene von Ôzaka am unteren Yodó-gawa, die Sendai-Ebene, die Ebene von Akita am jap. Meer und von Mongami im Innern, die Aidzu-taira und Iwáki-taira, so- wie verschiedene andere. Auf Shikóku zeichnen sich durch ausgedehn- teren Reisbau aus: Awa, Theile von Sanúki und die Gegend von Kôchi, auf Kiushiu : Higo, besonders in der Nähe der Hauptstadt Kumamóto, sodann Bungo, Chikúgo und das östliche Hiúga am Stillen Ocean. Japanischen Reis hält man für den besten in ganz Ostasien und schätzt ihn höher, wie den von Java oder aus Indien. Geschält hat er ein mittelgrosses schönes Korn, matten Seidenglanz und glasigen Bruch. Er ist sehr schmackhaft. Dies gilt insbesondere von den ge- schätzten Sorten aus den Provinzen Higo und Mino. Aus letzterer I. Land- und Forstwirthschaft. bezog denn auch der Haushalt der Tôkugawa Shôgune in Yedo stets seinen Bedarf. Ein Theil des japanischen Reis wird zur Sake- oder Reisbierfabrikation verwendet. (Siehe hierüber den betreffenden Abschnitt). Das Reisstroh wird weder als Viehfutter oder Streu, noch zur Dachbedeckung verwendet, sondern dient einer nicht unwichtigen Industrie, welche daraus Sandalen (auch für Lastthiere), Packseile und anderes Packmaterial verfertigt. Von den verschiedenen Analysen, welche in der letzten Zeit über wichtige japanische Nahrungsmittel veröffentlicht wurden, mögen hier zum Schluss einige auf Reis bezügliche folgen: Tafel I. Von diesen Analysen beziehen sich a, b und c auf ungeschälten. d auf geschälten Reis. Erstere wurden wie auch Tafel II von Keller in Nobbe’s Landwirthschaftl. Versuchsstationen Bd. XXX, 1884 ver- öffentlicht, die letztere von Kreusler \& Dafert in Landwirthsch. Jahrbücher Bd. XIII pag. 767. Keller fand keinen bemerkenswerthen Unterschied in der chemischen Zusammensetzung des Sumpfreis, Berg- reis und Klebreis. Dagegen heben die beiden andern Chemiker be- sonders hervor, dass die Stärke des glutinösen Reis eine braune Jodreaktion ergeben habe, gegenüber der dunkelblauen der ge- wöhnlichen Reisstärke. Dieser Unterschied wird übrigens schon von Atkinson in seiner Abhandlung »The Chemistry of Saké-Brewing« (Tôkio 1881) pag. 2 erwähnt. Hiermit ist aber die Frage nach der Ursache des hohen Klebvermögens vom Mehl der Oryza glutinosa Rumph. noch keineswegs beantwortet. Von den 3 Hauptreissorten der vorjährigen japanischen Ernte erhielt ich Proben, die alle 3 gelber Grannenreis und ungeschält kaum zu unter- scheiden waren. 100 Körner Paddy wogen vom Klebreis 2,672 gr., vom Sumpfreis (Oku) 2,560 gr., vom Bergreis 2,209 gr. und geschält 2,188 gr., 2,189 gr. und 1,908 gr. resp., so dass vom ungeschälten Klebreis 37,4 Körner, vom Sumpfreis 39 K., vom Bergreis 45,2 K. auf 1 gr. gehen. 2. Nährpflanzen. Davon kamen auf die Kerne 81,9 %, 85,5 % und 86,3 % resp., der Rest auf die Schalen. Tafel II. 1. und 2. Reis enthülst; 3. Mais, kleine gelbe Körner; 4. Pani- cum italicum; 5. Sorghum saccharatum; 6. Ph. radiatus, vielgeb. Bohnenart; 7. Canavallia incurva, bildet Ranken, wenig gebaut, ca. 20 cm lange Hülsen, 6—8 rosaf. Samen, jeder etwa 2,5 gr. schwer. I. Land- und Forstwirthschaft. 2) Weizen, Ko-mugi (Triticum vulgare L.). Mugi ist Collectiv- name für Weizen und Gerste, die man mit Bezug auf die Grösse der Körner als kleine (ko) und grosse (o) mugi unterscheidet. Ich habe in Japan nur diese eine Art Weizen (also keinen Spelz, engl. Weizen oder irgend eine andere) getroffen, Auch Thunberg, Siebold und Kinch führen nur T. vulgare L. an. und zwar stets als Winterfrucht, vornehmlich begrannt, doch auch grannenlos, und nicht selten beide Formen bunt durcheinander. Im November findet in der Regel die Aussaat, im Mai die Aehren- und Blüthenentwickelung, im Juni die Ernte statt; doch verzögert sich letztere in den nördlichen Landes- theilen und in hoch gelegenen Gegenden, wie z. B. in Shináno, bis gegen Ende Juli oder Anfang August. Dass der Weizen in Japan keine hervorragende Rolle spielt und den Eindruck der Degeneration (wohl in Folge mangelnden Samen- wechsels) macht, wurde bereits im vorigen Abschnitt erwähnt und ist auch schon von Maron hervorgehoben worden. Meist wird das Mehl zu kleinen Kuchen (Mochi) verwendet, welche kaum 5—6 cm Durch- messer haben und gleich denen von Klebreis (Mochi-gome) entweder für sich, oder mit schwarzem Bohnenmehl und braunem Zucker be- streut im Teigzustande gegessen werden. 3) Gerste, O-mugi (Hordeum vulgare L.). Man cultiviert so- wohl die sechszeilige Unterart, H. hexastichum L. und zwar eine kurzgrannige Sorte, als auch die vierzeilige, H. tetrastichum; beide nur als Winterfrucht. Die Aussaat fällt meist in den October oder November, die Blüthezeit Anfang Mai, die Ernte in den Juni. Gleich dem Buchweizen und den Hirsearten benutzt man die Samen vor- wiegend zu Grütze, doch auch als Pferde- und Hühnerfutter. Zwei- zeilige Gerste, welche Maron ebenfalls anführt, habe ich nicht ge- troffen, finde sie auch in keinem japanischen Buch abgebildet. Dagegen kommt die nackte Gerste , jap. Hadaka-mugi (Hordeum vulgare β. nudum s. coeleste L.) häufig vor und ist schon im äusseren Aus- sehen der Aehren von der gewöhnlichen vierzeiligen Form leicht zu unterscheiden. Kinch bezeichnet irrthümlich Hadaka-mugi als rye (Secale cereale L.), auch ist sie mit Spelz (z. B. bei Scherzer ) verwechselt worden, was auf dem Felde kaum möglich ist, wohl aber bei den Körnern, welche mit enthülstem Spelz mehr Aehnlichkeit haben, als mit Roggen. Letzterer fehlt Japan, ebenso der Hafer, wie früher schon angegeben wurde. Kaempfer führt zwar Avena sativa L. unter dem Namen Karasu-mugi (Raben-Gerste?) Amoen. exot. 834 an, ebenso nach ihm Thunberg, Flora jap. pag. 54, doch findet er sich weder 2. Nährpflanzen. bei Siebold , noch bei Kinch , noch kenne ich eine japanische Ab- bildung desselben. Die Aussaat der verschiedenen Hirsearten in Rillen (seltener auf Beeten zum späteren Verpflanzen) erfolgt April—Juni, die Ernte im September und October. Es kommen hier in Betracht: 4) Die gewöhnliche oder Rispenhirse , japanisch Kibi (Pa- nicum miliaceum L.), welche in viel beschränkterem Maasse gebaut wird, als die beiden folgenden. 5) Die Kolben - oder italienische Hirse , japanisch Awa (Pa- nicum italicum L., P. verticillatum Th., Setaria italica Kunth), ein auf trockenem, leichtem Lande, zumal in den Gebirgsgegenden, gleich der folgenden Art überaus häufig angebautes Getreide, das durch seine dichten cylindrischen, hängenden Rispen leicht in die Augen fällt. Es gibt ziemlich viele Varietäten, worunter diejenigen, welche durch vorstehende, unfruchtbare, borstenförmige Blüthenstielchen wie kurz- begrannt erscheinen, vorwiegen. Das gelbe, süsse Mehl der kleinen Samen hat als Nahrungsmittel eine hohe Bedeutung, auch in China. 6) Hahnenfusshirse, Hiye , bei Thunberg Ko-kibi d. h. kleine Hirse (Panicum Crus-galli L., P. corvi Thunb., Oplismenus Crus- galli Kunth). Unter demselben Namen Hiye wird auch noch Pa- nicum frumentaceum Roxb. (Oplismenus Kunth) gebaut, doch sel- tener als die vorige Art. 7) Fingerhirse japanisch Kamomata-kibi oder Shishi-hiye und Nora-hiye (Eleusine coracana Gaertn., Cynosurus coracanus L.). In einigen Theilen Indiens, z. B. in Mysore und dem Punjab, wird dieses genügsame, kleinsamige Getreide unter dem Namen Raggi viel gebaut und liefert dem armen Mann ein werthvolles Nahrungs- mittel. In Japan tritt es hinter die beiden vorerwähnten (Awa und Hiye) ganz zurück, so dass man tagelang das Land durchstreifen kann, ohne ihm zu begegnen. Ich traf es in Echigo nach der Ernte, wo man die niedrigen Halme stehen gelassen und nur die Spitzen mit den fingerförmig zusammenstehenden 3—5 Aehren abgeschnitten hatte, sodann in Kaga, wo es die Bauern Kamoashi und Kamo-mata- kibi nannten und das Mehl dem Ko-mugi-no-ko (Weizenmehl) für kleine Teigkuchen vorzogen. An andern Orten hörte ich den Namen Sankaku-hiye , d. h. dreieckige (dreikantige) hiye, welcher sich jedenfalls auf den dreikantigen Halm bezieht. Bei Thunberg und Kaempfer finden sich die japanischen Benennungen Kokusa und Nanban-kibi d. h. Barbarenhirse. 8) Mohrenhirse oder Durrah , japanisch Morokoshi (Sorghum vulgare Pers., Holcus Sorghum L.), auch Taka-kibi (hohe Hirse) ge- I. Land- und Forstwirthschaft. nannt, hat für Japan nur geringe Bedeutung. Man findet dieses Ge- treide selten anders als an den Feldrändern, die es in einer Reihe umgürtet, doch nur ausnahmsweise. Es wird im April auf einem Saatbeete gezogen, später, wenn es etwa 15 cm Höhe erreicht hat, in Abständen von 25—30 cm verpflanzt und im September geerntet. Gleiches gilt von der in Norditalien so häufig angebauten, langrispi- gen Form, aus deren Rispen man auch in Ostasien Besen verfertigt. 9) Hiobsthränen , japanisch Dzudzu-dama und Yokui-nin (Coix Lacryma Jobi L.). Man findet dieses diöcische, dem Mais ver- wandte Getreide beinahe immer in der Nähe der Häuser auf kleinen, etwas feuchten Beeten. Die knochenharten ellipsoidischen Samen dienen wenig zur Nahrung, sondern zur Anfertigung buddhistischer Rosenkränze, die jedoch nur ausnahmsweise daraus gemacht werden. Ob das Thränengras in Japan auch zur Darstellung von Matten, wie bei Canton (siehe Scherzer ), Verwendung findet, ist mir nicht bekannt. 10) Der Mais (Zea Mais L.) wird von den Japanern Tô-moro- koshi, Tô-kibi und Nanban-kibi genannt. Von den drei her- vorragendsten Geschenken, welche die neue Welt der alten im 16. Jahrhundert darbot, wurde der Tabak am freudigsten begrüsst und fand am raschesten Eingang und Verbreitung unter den verschieden- sten Völkern der Erde. Ihm folgte der Mais, dann erst die Kartoffel. Diese trat ihre östliche Wanderung erst spät an, schritt langsam vor und erwarb sich ausser Europa nur unter den Maori Neuseelands warme Freunde. Der Mais bot in seinen halbreifen Fruchtkolben eine reinliche, rasch (durch Rösten oder Kochen) und ohne besondere Mühe benutzbare Nahrung von süsslichem Geschmack, welcher den Völkern Afrikas und Asiens mehr zusagt, als der strengere unserer gewöhn- lichen Kartoffel, und so erklärt sich seine raschere Verbreitung über die ihm günstigen Klimate leicht. Hierzu kommt, dass er sich mit seinen verschiedenen Abarten, wie wenig andere Gewächse, innerhalb einer weiten Zone mannig- faltig gestalteten Klima- und Bodenverhältnissen accommodiert, vom Aequator bis etwa zum 50. Breitengrade in Nordamerika wie in Eu- ropa, und bis zum 40. Parallel auf der südlichen Hemisphäre, von den feuchtheissen Gestaden der mexikanischen Ostküste bis zum Plateau des Anahuac und der Steppe von Utah, wo nur künstliche Bewässe- rung seine Cultur ermöglicht. Gleich dem Reis ist auch der Mais ein Sommergewächs, beschei- dener zwar als dieser in seinen Ansprüchen an Wärme und Feuch- tigkeit, doch immerhin in höherem Grade davon abhängig, als unsere europäischen Getreidearten. Zum Reifen seiner Körner bedarf er 2. Nährpflanzen. einer mittleren Sommerwärme von mindestens 15°C., gedeiht jedoch nur, wo sich hiermit ein reiches Maass von Bewässerung seiner tief- dringenden Wurzeln, sei es durch Niederschläge, sei es durch künst- liche Wasserzufuhr verbindet. Daher beschränkt sich seine Cultur z. B. im Mittelmeergebiete vorwiegend auf die nördlichen Striche des- selben, wo es, wie in der Poebene, im Sommer nicht an Regen fehlt. Dagegen reicht sie bei einigen Abarten mit kurzer Vegetationsdauer (3 Monate, statt 5—6) in Nordamerika noch zum Red-river of the North, dem südlichen Zufluss des Winnipeg-Sees. Wohl ist hier das Klima rauher als in Norddeutschland, aber die reicheren Nieder- schläge im kurzen, warmen Sommer und ein sehr fruchtbarer jung- fräulicher Boden fördern die Entwickelung und Samenreife des Mais, wie dies z. B. in Thüringen unter fast gleicher Breite nicht geschieht. Bei der Entdeckung Amerikas fand Columbus den Mais unter anderm auf Hispañola cultiviert, eben so bei den Indianern verschie- dener Striche des Continents, welche er später berührte. Die carai- bische Benennung Mahis wurde adoptiert und in Mais umgewandelt. Noch jetzt gedeiht der Mais auf amerikanischem Boden am besten und liefert z. B. nach Alex. von Humboldt stellenweise dreihundert- fältige Ernten. In Amerika weist er überdies — und dies ist nicht ohne Bedeutung bei Beantwortung der Frage nach seinem Ursprung, — die meisten Spielarten (über 60) auf, von denen manche, nach andern Ländern verpflanzt, ihren Charakter verlieren. In den frucht- baren Centralstaaten der Union: Jowa, Illinois, Indiana, Ohio, Ten- nessee, Kentucky und Missouri finden die starken Wurzeln in dem tiefen Alluvialboden reiche Nahrung, welche ihnen kräftige Sommer- regen vermitteln. Hier hat desshalb der Maisbau eine Ausdehnung und Bedeutung erlangt, wie sonst nirgends auf der Erde. Wie die verschiedenen germanischen Völker mit dem Worte Korn immer ihr vorherrschendes Getreide bezeichnen: der Deutsche den Roggen, der Schwede die Gerste, der Engländer den Weizen, so pflegt der Nordamerikaner den Mais in richtiger Würdigung seiner Bedeutung »corn« oder »Indian corn« zu benennen. Wie schon hervorgehoben wurde, verbreitete sich seine Cultur rasch über die alte Welt, zunächst nach den drei grossen Halbinseln Südeuropas, und zwar der Reihe nach von West nach Ost, gelangte jedoch nur in den sich nördlich anschliessenden Tiefländern, vor- nehmlich in der Poebene und den unteren Donauländern zu höherer Bedeutung. Dort wurde die aus Maisgrütze bereitete Polenta, bei den Rumänen die Mamaliga, ein Kuchen aus dem Mehl des Kukuruz (Mais), Nationalgericht. I. Land- und Forstwirthschaft. Von den unteren Donauländern gelangte der Maisbau in das fruchtbare Gebiet der Ukraine und macht hier seitdem dem Weizen Concurrenz. Portugiesen verbreiteten ihn gleich dem Tabak mit ihrer Herrschaft zur See um die Gestade Afrikas In Dapper : »Beschreibung von Afrika«, erschienen bei Jacob von Meurs 1670, heisst es Seite 457: »Erstlich hat man den Reis , als auch den Türki- schen Weitzen , den die Indier Mays nennen, und die Portugallier am aller- ersten aus Westindien, da er überflüssig wächset, auf der Insel des heiligen Thomas , und von da auf den Goldstrand gebracht, und den Schwartzen mit- geteilet. Dan vor der Portugallier Zeit war ihnen dieses Gewächse unbekant: aber itzund wächset es bey ihnen überall in grosser menge. Auch backen sie Broht darvon, darunter sie zuweilen Hürse, zuweilen keine menge«. , sowie Süd- und Ost- asiens. Hier folgte die Einführung ihrer ersten Landung, in China 1517, auf den Philippinen 1520, in Japan 1542, wenn auch nicht unmittelbar nach. Dass dies der Gang der Culturverbreitung des Mais war, haben verschiedene Autoren bezüglich Ostasiens bestritten. So glaubte von Siebold Maiskolben auf einem alten japanischen Wappen entdeckt und sonstige Beweise für eine sehr alte Cultur von Zea Mais in China und Japan gefunden zu haben »Ex antiquis temporibus in insulis Japanicis cultum frumentum«. Siehe »Synopsis Plantarum Oeconomicarum Universi Regni Japanici« in: Verhandlingen van het Batavisch Genootschap XII. Bat. 1830. . Auch der französische Agronom Bonafous , dem wir das ausführlichste Werk über den Mais ver- danken Histoire nat., agric. et économique du Mais. Paris 1836. , bezweifelt, dass Ostasien den Mais erst nach der Ent- deckung Amerikas erhielt. Gleiches hat in neuerer Zeit nochmals der Dollmetscher der englischen Gesandtschaft in Peking, W. F. Mayers , gethan. Beide gründen ihre Ansicht, dass Mais in China vor Ent- deckung Amerikas bekannt war, vornehmlich auf das chinesische Werk »Pen-tsao-kang-mu«, die bekannte Materia Medica der Chine- sen, worin sich eine unverkennbare Abbildung unserer Pflanze befin- det. Da jedoch Li Shi chen (Tung pi), der berühmte Autor des Werkes, dasselbe in den 26 Jahren von 1552—1578 compilierte Bretschneider : Botanicum Sinicum pag. 55. , so widerstreitet dies durchaus nicht der Ansicht, dass Mais erst nach Entdeckung Amerikas nach Ostasien kam. Dieselbe hat der berühmte Genfer Pflanzengeograph A. de Candolle wiederholt und in über- zeugendster Weise begründet A. de Candolle : a) Bibliothèque universelle de Genève, août 1836. b) Géogr. bot. raisonnée pag. 942. c) L’origine des plantes cultivées pag. 311—319. , so dass es fast überflüssig erscheinen könnte, hier nochmals auf die Sache zurückzukommen. Es gibt in- dess noch andere, und wie mir scheint directere Beweise für meine 2. Nährpflanzen. Behauptung, dass die Portugiesen in Ostasien den Mais einführten, Beweise, welche De Candolle nicht gebraucht, der unter anderm mit Recht hervorhebt, dass der Mais keinen Sanskritnamen hat und weder von Marco Polo, noch von Mendez Pinto erwähnt wird. Zunächst ist die Thatsache, welche auch v. Siebold erwähnt, nicht ohne Bedeutung bei dieser Frage, dass nämlich Japan nur zwei Sorten Mais baut, während die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass bei einer sehr alten Cultur sich hier, wie bei fast allen sonstigen Feldfrüch- ten, eine grössere Zahl von Abarten herausgebildet haben müsste. Fer- ner muss betont werden, dass der Mais heutzutage nur eine untergeord- nete Rolle unter den Nährpflanzen des Landes spielt, indem man seinen Anbau auf Ackerränder und einzelne Beete beschränkt und nie über grössere Flächen ausdehnt. Auch werden die Körner nur wenige Wochen im Sommer verwerthet, wenn man die halbreifen Fruchtkolben über Kohlenfeuer röstet und dann verzehrt, was wie in verschiedenen Gegen- den des Orients auch auf der Strasse geschieht. Nun können wir aber annehmen, dass bei dem conservativen Charakter und den festen Normen des japanischen Ackerbaues in der Verwendung der in Rede stehenden Getreideart seit ihrer Einführung sich wenig geändert hat und dieselbe nie eine bedeutende Rolle unter den Feldfrüchten des Landes spielte. Doch wichtiger und überzeugender als Beweis dafür, dass der Maisbau in Japan nicht alt ist, vielmehr durch die Portugiesen erst eingeführt wurde, dürfte die Thatsache sein, dass Welschkorn in Japan keinen eigenen Namen hat, wie dies doch bei allen sonstigen, frühzeitig aus China bezogenen, wie nicht minder bei den meisten indigenen Ge- wächsen des Landes der Fall ist; denn alle bereits am Eingang angeführten Benennungen sind Lehnwörter, welche auf’s klarste den fremden Ursprung des Getreides andeuten. So bedeutet die Bezeich- nung » Tô-morokoshi «, chinesisches Sorghum, »Tô-kibi«, chinesi- sche Hirse und »Nanban-kibi«, Hirse der südlichen Barbaren. Ferner nennen die Chinesen auf Formosa den Mais » Fan-meh «, d. h. frem- des Getreide, ein Ausdruck, welchen sie gewiss nicht angewandt hätten, wenn ihnen dasselbe in ihrem Mutterlande bekannt gewesen wäre. Die Worte »Fan«, fremd, und »Nanban« (spr. Namban), d. h. südliche Barbaren, weisen auf die von Süden gekommenen Euro- päer und insbesondere die Portugiesen hin, denn diese wurden vor allem als Fremde und »Nanban« bezeichnet. Ebensowenig aber, wie »Welschkorn« und »Türkischer Weizen« heute noch zu Missdeutungen Anlass geben, dürften die Ausdrücke » Tô-morokoshi « und » Tô- kibi « schwer zu verkennen sein. Wie der Deutsche den Mais über Italien und die Türkei zuerst kennen lernte, und desshalb nach die- I. Land- und Forstwirthschaft. sen Ländern benannte, so erging es den Japanern hinsichtlich des Mais und Chinas auch. Das Getreide kam aus diesem Lande, wurde auch theilweise gleich dem Tabak direkt durch Portugiesen eingeführt und zwar in der Periode Tenshô (1573—1592 n. Chr.), also zur Zeit des Hideyôshi. 11) Buchweizen (Fagopyrum esculentum Moench, Polygonum Fagopyrum L.), japanisch Soba . Die Heimath dieser weit über die gemässigte Zone der nördlichen Hemisphäre verbreiteten Culturpflanze scheint die Mandschurei und das benachbarte Centralasien zu sein, wo sie nach Maximovicz wild wächst Maximowicz : Primitiae florae Amurensis. Petersburg 1859. . Von hier wurde sie frühzeitig über das nordöstliche Monsungebiet, und im Mittelalter durch Mongolen und türkisch-tatarische Völker über Westasien nach Europa gebracht. Bezüglich seiner Cultur und Verwendung schliesst sich der Buchweizen am meisten den Hirsearten an, ist vorwiegend Sommergewächs, wie diese, nimmt gleich ihnen mit leichtem sandi- gem Boden vorlieb und liefert in seinen Samen ein Mehl, das in ähnlicher Weise zu Suppe und Brei, aber auch zu kleinen Kuchen benutzt wird; doch sind diese in Form der beliebten Blinies der Russen und der Buckwheat cakes der Nordamerikaner der japanischen Küche fremd, in welcher eine andere Zubereitungsweise an die Stelle tritt E farina hujus placentae rotundae, saepe coloratae, coctae in usum pere- grinantium, in omnibus tabernis venales extant. Thunb ., flora japonica pag. 169. . Wie bei uns, so fällt auch in Japan die Blüthezeit des Buchweizens in den Nachsommer und Herbst, die Ernte in den Octo- ber. Als Winterfrucht wird er auch, doch nur ausnahmsweise gebaut. b. Hülsenfrüchte oder Leguminosen . Die Erzeugnisse des Ackerbaues, welche man unter diesem Collec- tivnamen zusammenfasst, nehmen hinsichtlich ihrer Verbreitung und Bedeutung nächst dem Getreide unstreitig die erste Stelle ein. In ihrem hohen Proteïngehalte und Nährwerthe übertreffen sie bei weitem alle andern vegetabilen Nahrungsmittel, nähern sich den Eiern und ersetzen allein oder mit diesen und Fischen vielen Millionen der Erde das Fleisch, vor allem in Ostasien. Der Japaner bezeichnet sie mit dem Namen Mame , der insbesondere verschiedenen Bohnenarten, den wichtigsten und verbreitetsten Vertretern der Familie in Japan, bei- gelegt wird. Ihre Verwendung ist eine verschiedenartigere, als in den meisten andern Ländern. Gekocht bilden viele eine beliebte Zu- 2. Nährpflanzen. speise zu dem etwas faden Geschmack des mit Wasser gekochten Reis, der Hirse und andern stärkereichen Getreidearten. Daneben dienen aber verschiedene auch zur Darstellung von Sauce, Pflanzen- eiweiss und andern Präparaten, welche unter den Namen Shôyu, Tôfu, Miso bekannt sind und im japanischen Haushalte viel verwendet wer- den. Mit Ausnahme von Erbsen und Saubohnen werden alle in diese Gruppe gehörenden Feldfrüchte nur im Sommer gebaut, weil der japanische Winter für sie zu rauh ist. Bei diesen wendet man allge- mein die Stufencultur, bei jenen die Reihensaat an. Man cultiviert in Japan: 1) Die Erdnuss , japanisch Rakkuwaskô (spr. Rakkashô) und Tô-jin-mame d. h. Chinesen-Bohne (Arachis hypogaea L.). Sie wird nur im wärmeren Süden des Landes und in geringem Umfang gepflanzt, theils geröstet gegessen, theils zu Oel verwendet. (Näheres unter Oelpflanzen.) 2) Die Sojabohne , japanisch Daidzu und Ô-mame (Glycine hispida Moench., Soja hispida Miq., Dolichos soja L.) ist zwar schon seit nahezu einem Jahrhundert in unsern botanischen Gärten einge- führt Im Hortus Kewensis von Ait. wird das Jahr 1790 als Zeit der Einführung nach England angegeben. , hat aber erst seit der Wiener Weltausstellung bei uns eine grössere Beachtung gefunden. Es gibt jetzt kaum ein europäisches Land, in welchem nicht während der letzten 10 Jahre Anbauversuche mit derselben vorgenommen worden wären, kaum eine dem Garten- bau oder der Landwirthschaft dienende Zeitschrift, die nicht eine Abbildung oder Beschreibung von ihr gebracht hätte Siehe auch de Candolle : L’Origine des Plantes cultivées. pag. 265. . Insbesondere hat man sich in Frankreich und Oesterreich-Ungarn seitdem viel mit der Sojabohne beschäftigt und ihre Cultur an vielen Orten mit mehr oder weniger Erfolg versucht Von guten Abbildungen der Sojabohne erwähne ich diejenige von E. Kaempfer in Amoen. exotic. pag. 838, sowie namentlich eine in der Revue Horti- cole 1880. pag. 154 et 185. . Die Ergebnisse dieser Studien und Versuche in Oesterreich, welche vornehmlich durch Prof. Haberlandt mit Samen aus China, Japan und der Mongolei in und von der k. k. Hochschule für Bodencultur angestellt und angeregt wurden, hat der- selbe in einer interessanten Schrift niedergelegt Die Sojabohne. Wien 1878. . Dieselben schie- nen die Anbaufähigkeit der Sojabohne im gemässigten Klima, ihre hohen Erträge, den ausserordentlichen Nährwerth und verschiedene andere ihr nachgerühmte Eigenschaften zu bestätigen und bieten so Rein , Japan. II. 5 I. Land- und Forstwirthschaft. ein vielseitiges Interesse. Unter den Hülsenfrüchten Japans (und Chinas nicht minder) nimmt die Sojabohne nach Verbreitung, viel- seitiger Verwendung und hoher Werthschätzung die erste Stelle ein, und chemische Analysen beweisen, dass das empirische Urteil wohl begründet ist. Die Sojabohne nähert sich im Nährwerthe unter allen vegetabilen Producten am meisten dem Fleisch, enthält beinahe ⅖ ihres Gewichtes stickstoffreiches Legumin und nahezu ⅙ Fett. Was die Garbanzos (Kichererbsen) den Spaniern, die Feijão preto (schwarze Bohnen) den Brasilianern, das ist die Sojabohne den Bewohnern Japans. Aber wäh- rend die Kichererbse nur als Garnirung und Zuspeise zum Fleische erscheint, dient Daidzu als Ersatz desselben, ja sie ist in gewissem Sinne Schmalz und Würze für den fadeschmeckenden, stärkereichen Reis und die Grütze aus Gerste oder Hirsearten, mit denen sie ver- speist wird. Die zahlreichen Varietäten der Sojabohne bilden schöne blatt- reiche, viel und regelmässig verzweigte Büsche von 0,50—1,00 m Höhe. Der reichen Verästelung über der Erde entspricht eine kräf- tige Bestockung. Eine starke Belaubung mit grossen, dreizähligen Blättern, welche an den zahlreichen Internodien auftreten, gehört zu den ferneren Kennzeichen der Pflanze, mehr aber noch die Bedeckung der meisten Theile, wie der Hülsen, Blattstiele, Oberseite der Blatt- spreiten, so wie der Zweige mit einer dichten rothbraunen Behaarung. Bei den schwarzsamigen Spielarten zeigen Haupt- und Nebenaxen eine auffällige Neigung sich zu drehen, ohne dazu einer besonderen Stütze zu bedürfen; viel weniger bemerkt man diese Drehung bei den steiferen Stengeln der blassgelben und rothbraunen Varietäten. Aus jedem höheren Blattwinkel entwickelt sich ein kurzgestieltes Blüthen- träubchen. Die Blüthchen selbst sind unscheinbar, wie bei den Linsen, weisslila oder blassviolett. Es folgen ihnen reiche Fruchtansätze, welche gleich der Blüthenentwickelung fortdauern von der Mitte des Sommers an bis zum Spätherbst, wo gewöhnlich Nachtfröste ihnen ein jähes Ende bereiten. Die stark behaarten, hängenden Hülsen treten meist paarweise auf, häufig auch zu drei und vier an gemeinsamem Stiele. Sie sind kurz gestielt, kurz walzenförmig, mit einem Schnabel endend und in der Regel zweisamig, mit scharfer Gliederung zwischen beiden Boh- nen, wie es die Abbildung bei Kaempfer zeigt; doch ist die Zahl der drei- und viersamigen bei verschiedenen Spielarten gross, ja zuweilen überwiegend. Wird dem grossen Licht- und Wärmebedürfniss genügt, so entwickelt auf geeignetem Boden eine einzige Sojapflanze nach 2. Nährpflanzen. Haberlandt durchschnittlich etwa 200 Hülsen. Bei regelmässiger Feldcultur ist der Ertrag natürlich viel geringer. Die Culturversuche hatten in Oesterreich bis zum Jahre 1878 sehr verschiedene Resultate ergeben, vom 680fachen Korn bis zur vollen Missernte in Folge langer nasskalter Witterung. Den Durchschnittsertrag des Jahres 1877, des- sen Sommer sich durch vielen Regen und niedrige Temperaturen aus- zeichnete, berechnete Haberlandt auf das 73fache des Saatkorns. Hiermit stehen die Angaben über die Erträge in China und Japan keineswegs im Einklang. So werden z. B. in letzterem nach Scher- zer von den frühreifenden Shiro-mame 6 Shô Saatbohnen auf 300 Tsubo Land mit einem Ertrag von 120 Shô gerechnet. Dies entspricht nur einer 20fachen Ernte oder, wenn man zugleich die Samenverluste beim Keimen in Rechnung zieht, etwa 12 Hülsen à zwei Samen für jede Pflanze. In Japan unterscheidet man nach der Farbe der Sojabohnen weisse (richtiger gelbliche), schwarze, braunrothe, grünliche und gefleckte Varietäten, nach der Entwickelungsdauer früh-, mittel- und spät- reifende, nach der Form kugelrunde, ellipsoidische, nierenförmige und seitlich zusammengepresste, nach der Verwendung solche, welche vornehmlich zur Darstellung von Shôyu (Sauce), Tôfu (Bohnenkäse) und Miso (einer Art Sulze) dienen, von denen, welche direct in irgend einer Form verspeist werden Das spontane Vorkommen der Sojabohne in Japan bezweifle ich, obwohl es in verschiedenen Schriften über die Flora des Landes angegeben wird. . α) Weisse (erbsengelbe) Sojabohnen, japanisch Shiro-mame oder Haku-daidzu . Hierzu gehört eine frühreifende Sorte mit sehr kleinen Samen, Goguwatsu-mame, d. h. Fünfmonats-Bohne genannt, weil sie schon im fünften Monat nach alter japanischer Zeitrechnung, unserm Juli, reift, ferner eine ebenfalls kleinfrüchtige, frühreifende, die Wase-mame oder Natsu-mame, d. h. Früh- oder Sommer-Bohne. Diese beiden heissen auch Tôfu-mame, weil sie vornehmlich zur Be- reitung des Tôfu verwendet werden. Ebenso dient eine andere Abart, »Nakate-mame« , mittelspäte Bohne genannt, weil ihre Reifezeit in die Mitte zwischen die frühen und späten Sorten fällt, mit etwas grösse- ren runden Samen zur Darstellung des Miso. Die spätreifenden Va- rietäten Okute-mame (Spätbohne), Maru-mame (Kugelbohne) und Teppô-mame (Kanonenbohne) oder Aki-mame (Herbstbohne) haben, wie die Namen schon andeuten, meist kugelrunde Samen, welche härter und grösser werden als die frühreifen und von denen vornehm- 5* I. Land- und Forstwirthschaft. lich die letztgenannte zur Bereitung des Shôyu Verwendung findet, während Maru-mame als Pferdefutter von Werth ist. β) Schwarze Sojabohnen, japanisch Kuro-mame oder Koku- daidzu . Sie werden alle im gekochten Zustande mit Zucker als Zwischenspeise, oder als Zuspeise zum Reis genossen. Es gibt eine mittelspäte Abart mit runden ellipsoidischen Samen, Kuro-mame kurz- weg, und eine desgleichen mit grossen kugelrunden Bohnen, Kuro- teppô-mame genannt; ferner eine spätreifende Sorte mit flachen ellip- tischen Samen unter verschiedenen Namen. γ) Braune Sojabohnen, japanisch Katsu-daidzu (d. h. durstige Sojabohne), werden viel weniger angebaut als die weissen und schwar- zen Abarten, benutzt wie die letzteren. Man unterscheidet: Aka- mame , rothe Sojabohnen, rund, von rothbrauner Farbe in verschie- denen Varietäten, und Cha-mame , Theebohnen, drei hellbraunrothe Sorten von geringer Culturverbreitung und Bedeutung. δ) Grünliche oder bläulichgrüne Sojabohnen, japanisch Aö-mame oder Sei-daidzu , werden wie die schwarzen und braunrothen Va- rietäten meist in gekochtem Zustande mit Zucker gegessen. Sie sind gleich den bräunlich gefärbten Sorten viel weniger verbreitet, als die schwarzen und gelblichen. Die Japaner unterscheiden folgende Ab- arten von Aö-mame: a) Sei-hito , Epidermis grün, das Innere gelbweiss. b) Nikuri-sei , grünlich durchweg. Beide Abarten sind rund- lich-ellipsoidisch bis kugelrund, mittelgross, und erinnern an grüne Erbsen. c) Kage-mame , mit lichtgrünen, runden Bohnen. ε) Gefleckte Sojabohnen, japanisch Fuiri-mame oder Han-daidzu. Diese Gruppe spielt keine hervorragende Rolle; ihre Cultur beschränkt sich auf ein geringes Areal weniger Provinzen. Man unterscheidet: a) Kuro-kura-kake-mame , mit einem schwarzen Fleck am Sattel (Nabel), sonst grünlich, flach eilänglich. b) Aka-kura-kake-mame , mit braunem Fleck am Sattel (Na- bel), sonst gelblichgrün, flach länglich. c) Fuiri-mame oder Udzura-mame , gesprenkelte oder ge- fleckte Sojabohne, gelblich grün mit vielen dunklen Flecken. Eine seltene Varietät, die nur an wenigen Orten, zumal in Harima, gebaut werden soll. Die Aussaat der frühreifenden Sojabohnen erfolgt im südlichen Japan schon im April, im mittleren während des Mai; im Herbst reifende bedürfen viel mehr Wärme und werden in der Regel einen Monat später gesäet. In den Gebirgsgegenden wählt man vielfach Land, 2. Nährpflanzen. welches den Winter über brach lag, sonst dienen besonders die Wei- zen- und Gerstenfelder dazu. Hier werden die Sojabohnen stufenweise in Löcher neben die Halme der reifenden Winterfrucht gepflanzt, so dass nach der Ernte der letzteren die Hülsenfrucht nur der Behackung und Düngung bedarf. Mit spätreifenden Daidzu bepflanzt man auch gern die Ackerränder, insbesondere die neuhergerichteten Dämme der Reisfelder. Die Sojabohne bedarf bei ihrer starken Belaubung noch in höhe- rem Grade, wie unsere Hülsenfrüchte, des Lichtes und der Wärme. Gebricht es ihr an Luft und Licht, so entwickelt sie nur wenig Blü- then und Früchte; fehlt es an der nöthigen Wärme, so reift sie letztere nicht. Der Schatten der Theesträucher in Ostasien, der Weinstöcke bei uns, reicht schon hin, ihre Fructification bedeutend zu vermindern, und macht ihre Anpflanzung als Zwischenfrucht in Theegärten und Weinbergen unzweckmässig. Aus gleichem Grunde empfiehlt sich eine grössere Saatweite, etwa 4—15 Samen auf den Quadratmeter. Man hat gefunden, dass die frühreifen Sorten, je nachdem sie Anfang oder Mitte Mai gesäet wurden, einer Wärmesumme von 2300— 3000°C. bedurften, variirend nicht blos mit den Abarten, sondern auch nach der Zeit der Aussaat, insofern eine Verschiebung der letz- teren bis Mitte oder Ende Mai bei der dann herrschenden höheren Temperatur in Luft und Boden eine raschere Entwickelung und Ver- kürzung der Vegetationsdauer bewirkt. Jene frühreifenden Sorten gedeihen noch über die Nordgrenze des erfolgreichen Maisbaues hin- aus, bei den andern stören hier die ersten Nachtfröste im Herbst den natürlichen Abschluss der Entwickelung, indem sie die Blüthen und unreifen Hülsen ertödten, sobald die Temperatur unter — 2°C. sinkt. Haberlandt fasste am Schlusse seiner oben erwähnten Abhand- lung die Resultate der Versuche mit der Sojabohne und der chemi- schen Analyse in 5 beachtenswerthen Sätzen zusammen. Es ergab sich hieraus, dass a) die Acclimatisation der frühreifen Sorten, worunter insbesondere diejenigen mit gelben und rothbraunen Samen hervorzuheben sind, in Mitteleuropa völlig gelungen zu sein schien; b) die erzielten Samen grösser, schöner und schwerer waren, als die aus Ostasien stammende Saat, während die chemische Zusammen- setzung keinerlei Aenderung erfahren hatte; c) die Sojapflanzen im Frühjahr gelinden Nachtfrösten besser widerstehen, als unsere jungen Bohnen, und im Sommer grössere I. Land- und Forstwirthschaft. Dürre aushalten, als die meisten Hülsenfrüchte, sich ausserdem aber auch verschiedenen Bodenarten gut anpassen; d) sich durch reiche Erträge auszeichnen und auch in ihren Stengeln und Blättern grün oder als Stroh ein nahrhaftes, vom Vieh gern genommenes Futter liefern; e) die Bohnen durch ihren hohen Proteïn- und Fettgehalt alle andern Hülsenfrüchte an Nährwerth weit übertreffen und im zubereite- ten Zustande an Wohlgeschmack keinen andern nachstehen. Nach solchen günstigen Urteilen hätte man erwarten sollen, dass die Sojabohne, wenigstens in den wärmeren Landschaften der Oester- reich-Ungarischen Monarchie bald sehr beliebt und verbreitet würde. Das Endresultat war jedoch ein ganz anderes. Mit Haberlandt , der 1878 starb, scheinen auch die Hoffnungen, welche er auf diese Hülsenfrucht erweckt hatte, verschwunden zu sein. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiss, Nach gefälligen brieflichen Mittheilungen von Herrn Prof. von Liebenberg in Wien. kam man bald zur Ueberzeugung, dass eine sichere Cultur nur mit den frühreifenden, gelben Sorten möglich sei, deren Erträge indess wenig befriedigten und für die es, da sie sich nur schwer weich kochen, auch an Absatz und geeigneter Verwerthung fehlte. Bei dem Interesse, welches sich aus vorerwähnten Gründen an die Cultur und Verwerthung von Glycine hispida in Japan und den Nachbarländern knüpft, lasse ich zum Schlusse dieses Abschnittes zwei Tabellen folgen, von denen die erste verschiedene Analysen derselben und ihres Strohes, die zweite aber eine vergleichende Uebersicht der chemischen Zusammensetzung mit andern Hülsenfrüchten gewährt. 3) Strahlfrüchtige Buschbohne , jap. Adzuki (Phaseolus radiatus L.). Kaempfer gibt eine sehr gute Beschreibung dieser, an Stengeln und Blättern stets behaarten Art, deren kurze, den Blatt- winkeln entspringende Blüthenstielchen eine gelbe Blüthentraube bilden, welcher 4—6 radförmig ausgebreitete oder kopfförmig genäherte und hängende Hülsen von schmaler cylindrischer Gestalt folgen. Die Bohnen haben die Grösse kleiner Erbsen, aber länglich runde, abge- stumpft ellipsoidische Gestalt, sind glatt und glänzend, an Farbe und Grösse in vielen Varietäten bekannt. Da die Adzuki die meisten andern Hülsenfrüchte an Wohlgeschmack übertreffen, ist ihr Anbau und Verbrauch im ganzen weiten Monsungebiet von Alters her ein ausgedehnter und steht in Japan nur dem der Sojabohne nach. Die vielen Abarten gruppiert Savatier Enumeratio Plantarum etc. in folgender Weise: 2. Nährpflanzen. a) typicus . Hülsen doldenförmig, horizontal ausgebreitet, mit rothen oder schwärzlichen Borstenhaaren besetzt. Hierher gehört Adzuki oder Oku-adzuki (grosse Adzuki) mit verhältnissmässig grossen, braunrothen Bohnen. b) pendulus . Hülsen glatt oder kurz behaart, hängend, je zwei einander gegenüber. Folgende Varietäten sind vor allem hierher zu rechnen: α) Kuro-adzuki , schwarzfrüchtige Adzuki, β) Shiro-adzuki , weissfrüchtige A. Die Färbung ist ebenso wenig weiss, wie bei den Dolichos, sondern gelb, wie die mancher Erbsen, denen sie auf den ersten Blick ähnlicher sehen, wie Bohnen; doch sind sie kleiner, von länglicher Gestalt, γ) Tsuru-adzuki , d. h. rankende Adzuki. c) subtrilobatus , jap. Bundo und Yayenari , mit je 4—6 cylindrischen, hängenden Hülsen. 4) Die japanische Schwertbohne, »le Haricot du Japon«, jap. Nata- mame (Canavalia incurva DC., Dolichos incurvus Thunb.), eine windende Bohnenart mit ziemlich grossen rosafarbenen Blüthen in ein- fachen Trauben. Blätter wie bei allen Bohnenarten dreifingerig, Blättchen oval, zugespitzt, glatt. Hängende Hülsen, etwas schwert- förmig gebogen, dick, breit und oft 20 cm lang mit grossen Bohnen. Dieselben sind bei einer Varietät rosafarben (Aka-nata-mame), bei einer zweiten weiss (Shiro-nata-mame). Die jungen Hülsen werden mit den Bohnen gekocht, oder in Salz eingemacht gegessen. 5) Küstenschwertbohne, jap. Hama-nata-mame (Canavalia lineata DC., Dolichos lineatus Thunb.), wild wachsend an mehreren Küstenstrichen des Südens, Samen wenig benutzt. 6) Die gemeine Bohne, jap. Ingen-mame (Phaseolus vulgaris L.), wird auch in der windenden Form, doch vornehmlich als Buschbohne gebaut. Aber es lässt sich schon aus der geringen Zahl von höchstens 12—15 Spielarten schliessen, dass ihre Cultur wohl nicht das Alter und sicher nicht die Bedeutung hat, wie in vielen andern Ländern. Die Samen werden meist in reifem Zustande, seltener mit den jungen Hülsen verbraucht. 7) Phaseolus multiflorus L. Die Feuerbohne wird von Kinch angeführt, doch ohne einheimischen Namen. Da ihrer kein älterer Botaniker gedenkt, ich ihr ebenfalls nie begegnet bin, scheint sie erst neuerdings eingeführt worden zu sein. 8) Phaseolus Mungo L. Bohnen dieser Art, wohl unter allen die kleinsten, bemerkte ich in der Sammlung von Kew aus der japan. Abtheilung der Wiener Weltausstellung mit der Angabe: »used for I. Land- und Forstwirthschaft. food in Japan«. Wie weit dies der Fall ist, vermag ich nicht anzu- geben, auch finde ich sie sonst nicht für Japan erwähnt. 9) Vigna Catjang Walpers (Dolichos Catjang L.). 10) Pachyrhizus angulatus Rich. (Dolichos bulbosus L.). Von diesen beiden Arten, die ich ebenfalls in Kew aus Japan sah, gilt dasselbe, wie von No. 8. 11) Doldenblühende Dolichosbohne, jap. Sasage oder Sasagi (Dolichos umbellatus Thunb.). Der zum Theil windende Stengel treibt aus den Blattwinkeln lange Blüthenstiele mit 3—6 blüthigen, einfachen endständigen Döldchen, denen eben so viele schmale, lange, wellig- cylindrische Hülsen mit kleinen Samen folgen, welche letztere theils reif, theils mit den grünen Hülsen verspeist werden. Es gibt auch von dieser Species eine Reihe Abarten, die theils nach der Farbe der Bohnen, theils nach andern Merkmalen unterschieden und benannt werden, wie Midori-sasagi, Haku-furô-sasagi, Hata-sasagi, Adzuki- sasagi, Yekko-sasagi u. A. 12) Megane-sasagi (Dolichos bicontortus Durieu), eine neuere Einführung aus Frankreich. 13) Faselbohne , (Lablab cultratus DC., Dolichos cultratus Thunb. \& D. ensiformis Thunb.). Die verschiedenen Formen dieser, theils weiss, theils rothblühenden Bohne, werden in Japan mit den Namen Sengoku-mame, Fuji-mame oder Azi-mame, Shiro-hana- azi-mame und Hira-mame bezeichnet. Von den eigentlichen Dolichosbohnen unterscheiden sie der ährenförmige Blüthenstand und die kurzen, an Erbsen erinnernden Hülsen. Von wild wachsenden Bohnenarten, deren Samen zur Nahrung dienen, sind hier noch zu erwähnen: Tankiri-mame (Rhynchosia volubilis Lour., Glycine villosa Thunb.), No-adzuki (Atylosia subrhombea Miq.), Tsuru-mame oder No-mame (Glycine soja S. \& Z.), No-sasage oder Karasu-mame (Dumasia truncata S. \& Z.) 14) Erbsen, jap. Yendo (sprich Endo), Endo-mame und Nora- mame (Pisum sativum L.). Von dieser Art werden drei Hauptsorten gebaut, nämlich einmal die typische, weissfrüchtige, welche in der Regel mit den Hülsen (Saya) im unreifen Zustande gegessen wird, Saya-endo , sodann die Abart P. s. thebaicum Alefeld (Königsberger Würfelerbse) mit graugrünen Samen ( Midori-endo ) oder mit braun- rothen ( Aka-endo ). Letztere wiegt vor. Man cultiviert sie indess alle ziemlich häufig, säet im November und erntet im Mai. 15) Pferdebohne, jap. Sora-mame (Vicia faba L.). Dieselbe ist 2. Nährpflanzen. ebenfalls Winterfrucht. Sie wird im October gesäet und im Juni ge- erntet. Wie in der Mittelmeerregion pflegt man die reifen Bohnen vor- nehmlich zu schroten und als Pferdefutter zu verwenden; doch dienen sie auch den Menschen zur Nahrung. Ihre Cultur hat jedoch nicht die Ausdehnung, wie in vielen andern Ländern. Analysen der Sojabohnen (Glycine hispida Moench) . Bemerkungen: Von diesen Analysen wurden I, IV, V, VI, VII, VIII, IX und X Haberland : »Die Sojabohne« entnommen. Die 4 letzten rühren von Mach , IV, V und VI von Caplan , I von Senff her. Analyse II wurde von Levallois vom Inst. agronomique in Paris ausgeführt und der Révue horticole entnommen, III stammt von Kinch und befindet sich Transact. Asiat. Soc. of Japan VIII, pag. 398. Vergleichstabelle der Analysen verschiedener Hülsenfrüchte . Von diesen Analysen sind I, IV, V, VI, VII und VIII Haber- I. Land- und Forstwirthschaft. landt : »Die Sojabohne« entnommen, II Dwars in Transactions Ass. Soc. of Japan Vol. VI; III wurde nach derjenigen von Keller in Nobbe’s »Landwirthschaftlichen Versuchsstationen« Bd. XXX, 1884 umgerechnet, IX stammt von Wolff und ist aus Ollech : »Die Rückstände der Oel- fabrikation« hierher genommen, weil sich aus dem Vergleich mit der Sojabohne und den übrigen stärkereicheren Leguminosen ergibt, dass das Fett gewissermaassen die Kohlenhydrate vertritt. c. Stärkeliefernde Knollen . Hierher rechnen wir aus der Gruppe der sogenannten Hack- früchte alle Gewächse, die ihrer stärkereichen Knollen oder Wurzel- stöcke wegen gebaut werden, desgleichen aber auch alle nicht culti- vierten Pflanzen, welche in Japan in ähnlicher Weise ihres Stärke- gehaltes wegen zur Nahrung dienen, demnach insbesondere alle Kartoffelarten und ihre Surrogate, welche der Japaner mit dem Collectivnamen Imo bezeichnet. Die Artenzahl dieser Pflanzengruppe und die Verschiedenheit ihrer mehlreichen unterirdischen Gebilde ist grösser, als in den meisten andern Ländern der Erde. Zu den wild wachsenden und theilweise hochgeschätzten Species, welche ohne Zweifel schon den ältesten Bewohnern Japans ein wichtiges Nahrungs- mittel lieferten, sind im Laufe der Zeit eine Reihe anderer, theils aus China, theils vom Malayischen Archipel her eingeführt worden, deren Anbau und Verwendung entweder durch die klimatischen Verhältnisse besonders bedingt, oder durch eine eigene Geschmacksrichtung her- vorgerufen und gefördert wurde. Der Japaner bevorzugt vor allem die süsslich schmeckenden Knollen mehrerer Araceen, insbesondere des Taro , sowie der Batate, und cultiviert sie dem entsprechend in grösserem Umfang, als alle übrigen. Folgen wir jedoch mehr der natürlichen Ordnung, so sind hier hervorzuheben: 1) Die Lotuspflanze, jap. Hasu und Renge genannt (Nelumbo nucifera Gaertn., Nelumbium speciosum Wild., Nymphaea nucifera L.). Ihre Heimath ist das indische Monsungebiet, woselbst sie erst dem Çiva, später Buddha geheiligt war. Ob Buddhistische Priester sie dann nach den Ländern des chinesischen Culturkreises verpflanzten, oder ob sie hier bereits früher einheimisch war, ist schwer zu ergrün- den, doch neige ich bezüglich Japans zur ersten Annahme. Sicher findet man sie gegenwärtig sowohl in China, als auch in Japan nirgends wild wachsend, dagegen viel in Teichen angebaut, theils ihrer herrlichen Blüthen wegen, theils zur Gewinnung ihrer essbaren Rhizome, in Japan Renkon genannt, oder endlich der ölreichen Nüsse halber. 2. Nährpflanzen. Die weissen, walzenförmigen Rhizome erreichen bei ansehnlicher Länge 8—12 cm Dicke und liegen tief im Schlamm eingesenkt. Durch bemerkenswerthe Einschnürungen sind dieselben in lange Glieder ge- theilt, welche auf dem sehr porösen Querschnitt viele concentrisch ge- stellte Canäle aufweisen. Nach Herodot II, 92 war die essbare Wurzel des ägyptischen Lotos ziem- lich rund und von der Grösse eines Apfels. Ist diese Angabe richtig, so ergibt sich, dass die Pflanze eine andere Nymphaeacee sein musste, sicher nicht die hier in Rede stehende Lotosblume der Monsunländer. Diese Rhizome enthalten eine ziemliche Menge Stärke und werden im gekochten Zustande viel gegessen. Die Europäer lieben ihren faden, mehligen Geschmack nicht; aber der Japaner und Chinese schätzt sie, vornehmlich weil er sie für eine sehr gesunde Speise hält, welche namentlich auch Kinder und Greise leicht verdauen. (Ueber Nuphar japonicum und Nymphaea tetragona siehe Näheres im folgenden Abschnitt.) 2) Das Pfeilkraut, jap. Kuwai (Sagittaria sagittaefolia L.) reiht sich zwar nicht im System, wohl aber nach der Art seiner Cultur und Benutzung hier an. Auch in China wird diese Pflanze als Nahrungs- mittel in Teichen gezogen. Ihre Rhizome bilden weisse, kugelrunde Anschwellungen, welche, gekocht, einen kastanienartigen Geschmack (Water Chesnut) haben. Stärkemehl, welches man daraus bereitet, soll in China wie Arrowroot verwendet werden. 3) Ôgi (Hedysarum esculentum Led.). Diese Papilionacee wird gleich den beiden folgenden Arten nicht cultiviert und hat als Nahrungs- mittel für Japan nur geringe Bedeutung. Die Knolle, welche sie er- zeugt (ich hatte nur einmal Gelegenheit, sie zu sehen), erinnert in ihrem äusseren Aussehen an Trüffel. Die Pflanze liebt, wie schon Gmelin in seiner Flora Sibirica hervorhebt, steinige Orte, wie z. B. in Japan die Abhänge des Fuji-san. Ihre eigentliche Heimat ist Sibirien, wo sie z. B. von den Samojeden viel gegessen wird. 4) Hodo oder Hodo-imo (Apios Fortunei Maxim.). In der Busch- wald- und Mittelgebirgsregion ziemlich verbreitet, bildet einen mehr kugel- als birnförmigen Knollen, der im gekochten Zustande mehl- reich erscheint und gern gegessen wird. 5) Kudzu (Pueraria Thunbergiana Benth., Pachyrhizus thunber- gianus S. \& Z.) Diese Pflanze findet sich sehr häufig, namentlich an Waldrändern und in Gebüsch, durch welches sie ihre langen Ranken windet. Die dicken Wurzeln dienen zur Darstellung eines Stärkemehls, das als Nahrungsmittel benutzt wird. 6) Die Batate oder süsse Kartoffel, jap. Satsuma-imo oder I. Land- und Forstwirthschaft. Riukiu-imo (Batatas edulis Choisy, Convolvulus Batatas L., C. edulis Thunb.). Die Cultur dieser wichtigen Nährpflanze hat sich über den grössten Theil der tropischen und subtropischen Gebiete der Erde verbreitet. Sie schliesst sich in Europa und Nordamerika nach Süden an diejenige unserer gewöhnlichen Kartoffel an, z. B. in Andalusien und den Golfstaaten, wo die lange hohe Sommerwärme für sie völlig ausreicht. Ueber den Ursprung sind die Ansichten noch getheilt; doch sprechen gewichtige Gründe für Südamerika. Ohne Zweifel ist sie erst seit Entdeckung dieses Erdtheils dem östlichen Monsungebiete zu- geführt worden, wofür nicht blos die hier üblichen Benennungen, sondern auch historische Daten zeugen. So heisst sie bei den meisten Malayen, wie in Portugal Batata, auf den Philippinen aber Castillian. Um das Jahr 1610 gelangte die Cultur der Batate von Luzon nach China, von hier weiter nach den Riukiu-Inseln Ich verdanke die hier folgenden Notizen vornehmlich meinem alten Freunde Ito Keiske in Tôkio. , wo sie Kara- imo (chines. Kartoffel) heisst und das Hauptnahrungsmittel bildet. Die Bewohner jener Inseln befreundeten sich alsbald mit ihr und cultivierten sie seitdem mit Vorliebe; sie waren stolz, ein werthvolles Gewächs zu besitzen, das ihre nördlichen Nachbarn nicht kannten. Im Jahre 1698 schenkte ihr König dem Daimiô von Satsuma einen Korb voll Bataten, welche dieser auf Tanega-shima pflanzen liess. Von hier aus verbreitete sich ihr Anbau über die ganze Herrschaft Satsuma, dann weiter über alle wärmeren Theile des südlichen und mittleren Japan. So ist es gekommen, dass man die Batate Riukiu- imo nennt in Satsuma, und Satsuma-imo im ganzen übrigen Reiche Nippon. Noch vor 100 Jahren war jedoch der Anbau dieses Ge- wächses selbst in den südlichen Landestheilen so beschränkt, dass seine Knollen den Kindern als seltene Leckerbissen erschienen. Ihr süsslicher Geschmack erinnert an den der essbaren Kastanien, der Stärkegehalt beträgt nur 16 %. Das Hauptverdienst um seine Ver- breitung im Lande wird einem gewissen Aoki Kongô zugeschrieben, dem vor etwa 15 Jahren die Batatenhändler von Tôkio in dem be- nachbarten Meguro einen Denkstein errichteten. Die kleineren Knollen der Satsuma-imo, welche in Japan zur Vermehrung dienen, werden im Frühjahr in lockeren, gut gedüngten Boden reihenweise in 50—60 cm Abstand verpflanzt und ihre jungen Triebe dann während der ersten zwei Monate mehrmals mit flüssigem Latrinendünger begossen. Im Juni kürzt man in einzelnen Gegenden die bereits 2—2½ m über den Boden ausgebreiteten Ranken und ver- 2. Nährpflanzen. pflanzt die Abschnitte zur weiteren Vermehrung auf abgeerntetes, frisch zubereitetes Weizenfeld. Jede Pflanze entwickelt 5—6 Knollen von sehr verschiedener Grösse und Gestalt. Die häufigste und beliebteste Abart ist eine rothschalige (Aka- imo) von ellipsoidischer Form; neben ihr kommt auch die weiss- schalige (Shiro-imo) viel vor. Von dieser gibt es eine mehr keulen- förmige bis kugelige Varietät, welche bis zur Grösse einer unter- irdischen Kohlrabi heranwächst. Gleich den meisten Winden zieht die Batate warmen leichten Boden vor, über den sie 2—4 Meter lange Triebe nach allen Rich- tungen mit zahlreichen langgestielten Blättern ausbreitet. Die Blatt- spreiten erinnern zum Theil an die des Epheus, sind aber grösser und noch vielgestaltiger, bald einfach herzförmig, bald gebuchtet, meist aber drei- bis fünflappig. Zu den Eigenthümlichkeiten der Batatenknollen gehört, dass es flei- schige Anschwellungen von Seitenwurzeln, keine unterirdischen Knollen (tuber) im gewöhnlichen Sinne, wie Kartoffeln und Taro sind, noch Rhi- zome, wie die bekannten Purgiermittel anderer Convolvulaceen Siehe auch Turpin : Mémoires du Museum Vol. XIX, pag. 1 ff. und A. de Candolle : Archives des Sciences phys. et nat. Troisiême Période Vol. VII, No. 6 1882 — . Wo der Boden nicht genügend durchwärmt ist, wie bei uns in Deutschland, entwickelt die Batate jene Wurzelanschwellungen entweder gar nicht, oder lagert doch nur wenig Stärke darin ab. Culturversuche, welche ich vor 18 Jahren mit verschiedenen westindischen Abarten im bota- nischen Garten zu Frankfurt a/M. anstellte, bewiesen dies ebenfalls. Die oberirdischen Theile gelangten zur schönsten Entwickelung und bedeckten den Boden mit einem dichten Teppich von Ranken und Blättern. Als aber im Herbst nach Knollen gesucht wurde, fand sich, dass die stärksten Wurzelanschwellungen nur die Dicke eines Dau- mens erreicht hatten. 7) Die gewöhnliche Kartoffel , japanisch Jagatara -imo (Sola- num tuberosum L.). Der japanische Name Jagatara ist das etwas umgeformte Jacatra, die frühere Benennung für Batavia, und weist auf die Einführung der Kartoffel durch die holländische Compagnie hin. Ueber die Zeit, wann dies geschah, konnte ich nichts Näheres ermitteln. In den Ebenen und Thalsohlen Japans, wo man Bataten oder Taro bauen kann, begegnen wir unserer Kartoffel fast nie, wohl aber in den Gebirgsgegenden von Kiushiu bis nach Yezo und zwar ziemlich häufig, doch auch hier nie auf grösseren Feldern. Man ver- I. Land- und Forstwirthschaft. steht die Pflanze nicht recht zu behandeln, lässt es an geeignetem Dünger fehlen, häufelt nicht und erzielt so nur dürftige Ernten, etwa das Fünffache der Aussaat. Der Japaner hat sich eben weder mit ihrer geeigneten Cultur, noch mit dem Geschmack vertraut gemacht, ebensowenig, wie die meisten andern Völker der Erde letzteren in gleichem Maasse wie wir zu schätzen vermögen. Die hervorragende Stellung der Kartoffel im Haushalte der Germanen und Slaven findet sich nirgends wieder. Ueberschreiten wir die Nordgrenze der Mittel- meerregion, so finden wir eine rasche Abnahme ihrer Cultur, die viel mehr durch eine andere Geschmacksrichtung und das Hinzutreten von Ersatzmitteln, wie Kastanie und Batate, als durch das Klima bedingt ist. So nimmt dieselbe in Norditalien noch 0,33 %, in Mittelitalien 0,24 %, aber in Unteritalien nur noch 0,03 % der Bodenfläche in An- spruch. Eine ähnliche Abnahme zeigt sich auf der Iberischen Halb- insel. Hieraus erklärt sich denn auch, wesshalb die Kartoffel nicht schon durch die Portugiesen nach Japan kam. Dieselben hatten wohl das Bedürfniss, den Tabak, die Weinrebe und die Quitten, aus wel- chen man in Spanien, wie in Portugal mit Zucker eine sehr beliebte Confiture darstellt, einzuführen, nicht aber Solanum tuberosum. Die ihrer Knollen wegen viel cultivierten Araceen kommen in Japan ebensowenig, wie sonst auf den Feldern zur Blüthe, da sie hier nur eine Vegetationsperiode durchmachen und während derselben keine Stengel entwickeln, sondern in der niedrigen Kraut- oder Monopodien- form bleiben. Dies erschwert denn wesentlich ihre Unterscheidung. Die geschätzteste und verbreitetste Art, und zwar nicht blos in Japan, sondern über das ganze Monsungebiet und Polynesien ist 8) Colocasia antiquorum Schott (Arum esculentum L.), welche der Japaner gewöhnlich Imo schlechtweg, oder Sato-imo (Dorfkar- toffel), der Südseeinsulaner aber Taro zu nennen pflegt. Andere japanische Namen bezeichnen verschiedene Abarten. Von der Mutter- knolle (Oya-imo), die sich einem Rhizom nähert, entwickeln sich nach verschiedenen Richtungen am Ende kurzer Triebe (Stolonen) die Axil- larknospen zu ellipsoidischen oder eiförmigen fleischigen Knollen (Ko-imo) von weisser Farbe, der Grösse eines Hühnereies und 60— 80 Gramm Gewicht. Von Kohlenhydraten weisen dieselben mehr Glycose und Dextrin als Stärke auf; daher denn auch der eigen- thümliche süssliche Geschmack. Die Vermehrung geschieht, wie bei unseren Kartoffeln, durch Knollen. Die Blattstiele der Sato-imo sind grün und länger, die ansehnlichen schild-herzförmigen Blattspreiten grösser, als bei den meisten andern Arten der hierher gehörenden Imo, oberseits glänzend grün, unterseits grauweiss. 2. Nährpflanzen. 9) Leucocasia gigantea Schott (Caladium esculentum Sieb.), japa- nisch Hasu-imo , steht der vorigen sehr nahe, wird jedoch weniger geschätzt und angebaut. 10) Alocasia macrorrhiza Schott (Arum macrorrhizum L., Colo- casia esculentum var. C. \& Z.), japanisch Manshiu-imo . Diese Art, ebenfalls in der Südsee unter dem Namen Taro und sonst viel verbreitet, bildet nur ein grosses, knollenartiges Rhizom. 11) Conophallus konjak Schott (Arum Dracunculus Th.), japanisch Konniyaku (sprich Konjak) bildet einen einzigen Knollen, gleich der vorigen Art, doch viel kleiner. Er dient zur Bereitung einer gelatinösen, zähen Speise, welche den Namen Konniyaku führt. Von Yamswurzeln oder Dioscorea-Arten benutzt der Japaner folgende: 12) Dioscorea japonica Thunb. (D. oppositifolia Thunb.), japanisch Yama-imo , d. h. wilde Kartoffel, oder Jinén-jô . Dieselbe ist in den Hügel- und Bergwaldungen bis zu etwa 600 m Höhe sehr ver- breitet. Sie windet sich hier 2—3 m hoch durch Büsche und um Stämme und entwickelt im Juni aus den Blattwinkeln zahlreiche zierliche grünlichgelbe Blüthentrauben. Ihrer langen, walzenförmigen Wurzel wegen heisst sie auch Naga-imo (lange Kartoffel, ein Name, welcher indess vorwiegend auf die cultivierte Form angewendet wird). Jinén-jô ist die beliebteste aller Imo-Arten; ihre Wurzeln kommen 150—200 Gramm schwer und 25—50 cm lang auf die Märkte, wo die höchsten Preise dafür gezahlt werden. Unter solchen Umständen muss es auffallen, dass sie wie alle Yams in Japan verhältnissmässig so wenig angebaut wird, ebenso wie in China, wo man sie Ta-shu (grosse Wurzel) nennt. Die kleinen Pflanzungen, welche sich hier und da finden, erkennt man leicht an den kurzen Stangen, um welche sich die Ranken winden. Eine Varietät der Naga-imo, nämlich Dio- scorea japonica var. bulbifera führt den Namen Kashiu-imo , wohl auch Tsuku-imo . Sie hat rundliche, kartoffelähnliche Wurzeln. Bezüglich einer zweiten Art, 13) D. sativa L., japanisch Tokoro oder Naga-dokoro , scheint mir Savatier im Irrthum zu sein, wenn er sagt: »Hab. in Japonia saepissime culta«, da sie nur spärlich angebaut wird, so weit ich es in verschiedenen Theilen des Landes beobachten konnte. 14) D. quinqueloba Thunb., japanisch Kikubaba-dokoro wird von Savatier als wildwachsend angeführt. Die Art und ihre Ver- wendung ist mir unbekannt. In der Sammlung zu Kew befindet sich Stärkemehl von derselben. Wie die Wurzeln der wildwachsenden Yamsarten, so werden auch I. Land- und Forstwirthschaft. die Zwiebeln der in vielen Species auf der Hara (Waldwiese) und in der Waldregion verbreiteten Lilien (Yuri) vielfach als Nahrung ge- sucht, insbesondere von der ärmeren Bevölkerung und den Ainos auf Yezo. Es kommen hier, wie es scheint, vornehmlich die drei folgen- den in Betracht. 15) Lilium auratum Lindl., japanisch Horaiji-yuri , welche auf den grasigen Bergabhängen ausserordentlich häufig zu finden ist. 16) L. Thunbergianum Roem. \& Schult. (L. nodosum Thunb.), ja- panisch Hirata-yuri und Natsu-sukushi-yuri , deren essbare Zwiebeln schon Thunberg ausdrücklich erwähnt. Ihretwegen wird diese Art nach L. Boehmer in der Nachbarschaft von Hakodate auch viel angebaut Report to the Kaitakushi 1875 pag. 202. . 17) Lilium cordifolium Thunb., japanisch Uba-yuri und Kawa- yuri . Nach Scheube stellen die Ainos aus den Zwiebeln eine Art Stärke dar, welche mit Hirse oder anderm Getreide gekocht wird Mittheilungen der deutschen Gesellschaft Ostasiens. III. Bd. Yokohama 1880—84. pag. 223. . 18) Der Adlerfarn (Pteris aquilina L.), japanisch Warabi . Die- ses Gewächs, unter allen Landpflanzen der Erde wohl die verbrei- tetste, findet sich auch auf den japanischen Inseln in ihrer ganzen Erstreckung von Formosa bis nach Kamtschatka. Aber es ist hier nicht so missachtet und unnütz für Mensch und Vieh, wie bei uns In Shikoku sah ich 1875 Strecken Bergwald niederbrennen, damit Warabi besser gedeihe (siehe Rein , Japan I. pag. 93). . Im April und Mai pflegt man seine jungen, noch eingerollten Wedel zu sammeln und theils frisch in Suppe oder als Gemüse zu essen, theils getrocknet zu gleichen Zwecken aufzubewahren. Wenn aber im Herbst die oberirdischen Theile absterben, werden die horizontal sich verzweigenden Rhizome ausgegraben und zur Darstellung von Farnstärke, Warabi-no-ko , d. h. Adlerfarnmehl, benutzt. Das Verfahren dabei ist einfach und gleich dem bei der Gewinnung an- derer Stärkesorten. Man trocknet, zerstückelt und pulverisiert die Rhizome, mengt mit Wasser, presst durch grobe hanfleinene Beutel, um die Stärke von den Fasern zu trennen, und decantiert weiter, bis das Mehl eine genügende Reinheit erlangt hat. In diesem Zustande ist es von lichtgrauer Farbe und überall käuflich zu haben. Man mischt es mit Hirse, Weizen- oder Reismehl und benutzt es vielfach im Haushalte, namentlich der Armen, z. B. im nördlichen Honshiu und auf Yezo, wo Hirse und Adlerfarn Hauptnährpflanzen sind. 2. Nährpflanzen. Warabi-no-ko dient aber noch einem andern Zweck. Der daraus be- reitete Kleister, versetzt mit Shibu , dem scharfen Saft unreifer Kaki- früchte, widersteht nämlich dem Regen und wird zum Aneinander- kleben von Papier benutzt, das geölt und zu Regenmänteln und -Schirmen verwendet werden soll oder sonst dem Wetter ausgesetzt wird. Doch nicht blos in Japan dient der Adlerfarn zur Nahrung, son- dern auch in Korea und andern Gebieten des asiatischen Festlandes. Ferner erwähnt A. v. Humboldt auch von den Canarischen Inseln Palma und Gomera, dass ihre Bewohner seine Rhizome pulverisieren, mit Gerstenmehl vermengen und damit zur Speise verwenden. Von Neuholland ist bekannt, dass es zur Zeit der Entdeckung nur eine essbare Wurzel besass, diejenige nämlich von Pteris esculenta, einem nahen Verwandten unseres gemeinen Adlerfarns. d. Gemüse und Condimente . Eine grosse Anzahl der verschiedenartigsten Gewächse, theils wahre Culturcosmopoliten für den menschlichen Haushalt, theils Eigen- thümlichkeiten, wie sie das Land und die besondere Geschmacksrich- tung seiner Bewohner entwickelt haben, treten uns in dieser Gruppe entgegen. Liefert dieselbe auch nicht so wichtige Nahrungsmittel, wie die stärkereichen Halm-, Hülsen- und Hackfrüchte so spielen doch nicht wenige ihrer Glieder als tägliche Würze des materiellen Lebens, soweit dieses vom Genuss einer schmackhaften Suppe, sowie des Reis und seiner Ersatzmittel vornehmlich abhängt, eine bedeutende Rolle, und damit auch ihre Culturen. Kenner der japanischen Küche werden sich hier vor allem der Daikon (Rettige), Nasu (Früchte der Eier- pflanze), Negi-rui (Zwiebelgewächse), Uri-rui (gurkenartigen Ge- wächse), Take (Pilze) und anderer Küchenpflanzen erinnern, welche in dieser Beziehung ganz unentbehrlich zu sein scheinen, während man unter den Gemüsen (welche überhaupt in viel geringerer Menge ver- zehrt werden, als bei uns) eine grosse Anzahl unserer verbreitetsten und beliebtesten ganz vermisst, z. B. die meisten Kohlarten, Kohlrabi, Scorzonera, Spargel und viele Salatpflanzen. Der Japaner unterscheidet Yasai-mono oder Yasai , Gemüse, Tsuke-mono , in Salzwasser oder Essig eingemachte Würzen, soge- nannte Pickles, und Yakumi oder eigentliche Gewürze, eine Ein- theilung, die jedoch kaum scharf durchzuführen ist, da oft dasselbe Produkt, je nach seiner Zubereitung und Anwendung, als Gemüse oder Würze erscheint, wie z. B. die Zwiebel. Statt desshalb die hierher- gehörenden Gewächse nach diesen drei Gruppen getrennt aufzuzählen Rein , Japan. II. 6 I. Land- und Forstwirthschaft. und Bemerkungen daran zu knüpfen, dürfte sich eine Anführung der- selben in systematischer Ordnung, wie sie hier folgt, mehr empfehlen. 1) Brasenia peltata Pursch. (Menyanthes nymphoides Thunb.), jap. Junsai , und 2) Nuphar japonicum D. C. (Nymphaea lutea Thunb.), jap. Kawa- hone und Ko-hone . Man isst die Rhizome und jungen Blätter dieser beiden Nymphaeaceen und cultiviert sie zu diesem Zweck in kleinen Teichen hier und da. Auch die Blattknospen von Nymphaea tetragona Georgi, jap. Hitsuji-gusa , werden mit Essig gern gegessen, nament- lich auf Yezo. 3) Papaver sommniferum L., jap Keshi . Der Mohn wird in Japan nur sehr beschränkt angebaut. Man benutzt die Samen als Gewürz, nicht zur Oelbereitung. 4) Eutrema Wasabi , Maxim. (Cochlearia Wasabi, Sieb), jap. Wasabi , der jap. Meerrettig, wildwachsend an der Küste und in beschränktem Maasse angebaut, wird auf dem Reibeisenzerkleinert und zu Fisch gegessen. 5) Brassica chinensis L. (B. orientalis Thunb.), der Raps, jap. Na . Die jungen Blätter werden theils zu Gemüse, theils als Salat verwandt. 6) B. oleracea L., jap. Botan-na, Kappa-na . Die meisten hierher gehörigen Kohlarten wurden erst in der neuesten Zeit einge- führt und haben sich noch wenig verbreitet. Schon länger bekannt ist und mehr cultiviert wird eine grüne Kohlsorte, welche nicht so scharf wie die entsprechende in Europa ist und einen sehr angeneh- men Geschmack hat. 7) B. rapa L., Rüben, jap. Kabura und Kabu , werden in vielen Abarten gebaut und theils als Gemüse gekocht, theils zu Salat ver- wendet, sowohl Wurzeln, als Blätter. Die gewöhnliche plattgedrückte Rübenform herrscht vor; doch gibt es auch walzenförmige, wie z. B. die Akanaga-kabura d. h. Rothe lange Rübe. Zu den besonders dicken Sorten gehören Ômi-kabura und Ô-kabura . 8) Sinapis integrifolia Wild., jap. Ô-garashi, Taka-na . 9) S. cernua Thunb., jap. Karashi-na . 10) S. chinensis L. (S. japonica Thunb.), jap. Midzu-na, Ise-na . Die Blätter dieser drei Senfarten werden gleich denen des Raps zu Salat und Gemüse benutzt; die Verwendung ihrer Samen als Ge- würz wurde durch die Holländer bekannt, aber wenig verbreitet. (Siehe Oelpflanzen.) 11) Raphanus sativus L., jap. Daikon . Roh, gekocht, getrock- net, vornehmlich aber zerschnitten und eingesalzen, bilden die japa- nischen Rettige unstreitig die verbreitetste und beliebteste Zuspeise zum Reis, gleichbeliebt beim Fischer und Jäger der entfernteren Inseln, 2. Nährpflanzen. wie beim verfeinerten Bewohner der Landeshauptstadt. Daher wird auf den Anbau derselben viel Werth gelegt und erstreckt sich derselbe so weit, als sich nur Japaner dauernd niedergelassen haben. In den mittleren und südlichen Landestheilen findet er zu allen Jahreszeiten statt, vornehmlich im Winter, und liefert zum Theil enorm lange und dicke Wurzeln von 2—3 kg Gewicht. Besonders gerühmt werden in dieser Beziehung, und auch ihrer Güte wegen, die Daikon von Sakura- jima in der Bucht bei Kagoshima. Die Cultur hat allmählich viele Abarten erzielt, vorwiegend mit langen, walzenförmigen Wurzeln, wie Sakura-jima Daikon, Miya- shige D., Karahashi D., Murasaki D., Natsu D., Sangatsu D., Hadano D., theils mehr wie Kohlrabi oder Rüben kurz und gedrun- gen, wie Kudzu-hata D. und Karami D. und selbst mit Wurzel- bündeln, wie Bambusrohr und Palmen: die Tako (Octopus) D. Die meisten Sorten sind weiss, wie Rüben aussehend; violette, rothe und grauschwarze werden als Murasaki-, Aka- , und Kuro-Daikon bezeichnet. Der Europäer, welcher die grossen gewaschenen und ap- petitlich aussehenden Rettige, wie sie namentlich gegen Frühjahr viel zu Markt gebracht werden, zunächst wohlgefällig anstaunt, kann sich in der Regel eben so wenig mit ihrem Geschmack, wie mit ihrem scharfen Geruch im zubereiteten Zustande befreunden. 12) Portulacca oleracea L., jap. Suberi-hiyu , stellenweise an- gebaut, meist wild, wenig benutzt. 13) Zanthoxylon piperitum D. C. (Fagaria piperita Thunb.), jap. Sanshô . Die jungen Blätter dieses sehr verbreiteten Strauches, mehr aber noch die pfefferartigen Samen dienen als Gewürz. Zu dem Zweck findet man nicht selten Büsche in der Nähe ’der Bauernhäuser ange- baut. Auch die andern wildwachsenden Zanthoxylon-Arten werden zum Theil in ähnlicher Weise, doch seltener, benutzt. — Mit Uebergehung der Aurantiaceen und Pomaceen, deren bei den Obstsorten gedacht wird, gelangt man zu den Cucurbitaceen , welche in vielen Arten und Formen vertreten sind. Man pflanzt: a. ihrer essbaren Früchte wegen: 14) Cucurbita pepo L., den Kürbis in seinen typischen, flachen, radförmigen und gerippten Formen. Von den japanischen Namen Tô- nasu, Bôbura und Kabocha (d. h. Cambodja) weist der letztere auf die Bezugsquelle einer beliebten Spielart hin. Eine andere japa- nische Abart ist in der Neuzeit unter dem Namen Cucurbita melonae- formis viel in Frankreich versucht worden. Man rühmt ihre Ertrags- fähigkeit, das dichte, hellgelbe Fleisch und den angenehmen Geschmack ihrer gekochten Früchte, welcher zwischen dem der Kartoffel und dem 6* I. Land- und Forstwirthschaft. des Mais liegt. Diese Kürbise sind stark und regelmässig gefurcht und erreichen 55 cm Umfang bei 13 cm Höhe. Ihre Farbe wechselt von kupferroth bis tief grün. 15) Citrullus edulis Spach (Cucurbita citrullus L. \& Th.), jap. Sui- kuwa (sprich Suika). Diese schöne Frucht entwickelt in Japan wenig Aroma, so dass ihr Geschmack demjenigen, welchen sie in der Mittel- meerregion und andern Gebieten mit heissen, trocknen Sommern be- sitzt, weit nachsteht. Ueber das Alter ihrer Cultur in Ostasien ist mir nichts Näheres bekannt. In Aegypten wurde die Wassermelone be- kanntlich schon vor mehr als 3500 Jahren gebaut, wie die Gräberfunde von 1881 durch Brugsch und Maspero bewiesen haben. 16) Cucumis conomon Thunb., jap. Shiro-uri , weisse Melone. Der kopfdicken, ellipsoidischen Frucht dieser Art, von grüner oder heller Farbe, begegnet man häufig. Dieselbe wird gewöhnlich mit Salz eingemacht und als Zuspeise zum Reis (statt Daikon) gegessen. 17) C. flexuosus L., jap. Awo-uri , grüne Melone. 18) C. melo L., die Melone, jap. Makura-uri (Cucumis melo L.). Eine grosse stark verästelte Art, deren Samen 1877 nach Frankreich gelangte, wird hier seitdem gebaut. Die grosse walzenförmige, dünn- schalige Frucht erreicht 15 cm Länge und 7,9 cm Dicke. Das grau- grüne Fleisch ist dicht, fein und von angenehmem, süssem Geschmack, hat jedoch wenig Aroma. 19) Cucumis sativus L., die Gurke, jap. Ki-uri , wurde s. Z. aus China eingeführt. Ausser diesen werden auch die Früchte der wildwachsenden Mo- mordica charantia L. unter dem Namen Tsuru-reishi und Niga-uri benutzt. b) Der Fruchtschale oder des Fruchtgewebes wegen baut man die folgenden Arten: 20) Luffa petala Ser., jap. Tôgan, Tô-guwa oder Hechima . Die grosse ellipsoidische Frucht ist im Aussehen der Wassermelone ähnlich, weiss bereift, sonst grün. Sie wird im jungen Zustande ge- gessen, im reifen aber liefern ihre Fasern die sogenannten Luffa- schwämme. 21) Lagenaria vulgaris Ser. (Cucurbita lagenaria L.), jap. Hiyotan , liefert in Japan, wie im ganzen Monsungebiet und in Afrika, in seinen formenreichen Fruchtschalen beliebte, billige Gefässe für den gemeinen Mann. Dieselben werden in andern Ländern von den Europäern oft Calabassen genannt, ein Name, welcher auch den Früchten des Me- lonenbaumes (Crescentia cujete) zukommt, deren harte Schalen zu man- cherlei Gefässen, wie Eimer, Schüsseln, Löffel etc., von den Eingebo- 2. Nährpflanzen. renen des tropischen Amerikas verwendet werden. In Japan und China hat die birnförmige Gestalt des Flaschenkürbis, sowie jene, welche aus zwei verschieden grossen, aufeinander gesetzten Kugeln hervorgegangen zu sein scheint, als oft angewandtes Modell zu Sake- flaschen gedient. Lagenaria dasystemon Miq., jap. Kamo-uri , wird in ähnlicher Weise wie die vorige Art verwerthet. c) Zur Bereitung von Stärke dienen in bescheidenem Umfang die Samen mehrerer wildwachsenden Arten der Gattung Trichosanthes, nämlich von Karasu-uri (T. cucumeroides Ser.) und Ki-karasu-uri (T. japonica Regel). 22) Apium graveolens L., Sellerie. Der jap. Name Oranda- mitsuba , holländisch Dreiblatt, weist wohl auf die Einführung der Pflanze durch die Holländer auf De-shima hin. Von 23) Petroselinum sativum Hoffm. (Apium petroselinum L.), der Petersilie, gilt dasselbe. 24) Pimpinella anisum L., jap. Uikiyo , der Anis. 25) Foeniculum vulgare Gaertn., jap. Kurenomo und Uikiyo , Fenchel. 26) Pastinaca sativa L., jap. Amerika bôfu , Pastinak. 27) Coriandrum sativum L., jap. Koyendoro , der Coriander. Alle vorerwähnten Umbelliferen werden auch als Droguen gebaut. Ihre Verbreitung und Bedeutung für die japanische Küche ist gering. 28) Daucus carota L., jap. Ninjin (nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Namen für Ginseng). Die gelbe Rübe gehört auch in Japan zu den verbreitetsten Gemüsen; doch ist ihr Anbau und Ge- brauch bei weitem nicht so ausgedehnt, wie bei uns. 29) Aralia cordata Thunb. (A. edulis S. \& Z.), jap. Udo , ein Busch von etwa Meterhöhe, findet sich zerstreut im Gebirge, vornehm- lich auf den grasigen Bergabhängen (Hara), blüht im Juli, wird hier und da auch in der Nähe der Wohnungen angebaut. Die jungen Stengel sowohl, als auch die Wurzeln werden als Gemüse, sowie in der Suppe gegessen und sind sehr beliebt. 30) Petasites japonicus Miq. (Tussilago Petasites Thunb.), jap. Fuki , wildwachsend unter Hecken, an Wegen und Waldrändern, aber auch cultiviert, blüht im Februar und März. Man benutzt die Blattstiele zu Gemüse. 31) Lappa major Gaertn. (Arctium lappa Thunb.), jap. Gobô . Die gewöhnliche Klette findet sich in Japan in ähnlicher Weise, wie bei uns, hat aber eine Verwendung, welche wir nicht kennen. Die daumendicken, langen, fleischigen Pfahlwurzeln mit einem Durchschnitts- gewicht von 350 Gramm werden nämlich vom Volke gegessen. Wie I. Land- und Forstwirthschaft. die Wurzeln und Knollen verschiedener anderer Compositen enthalten sie Inulin. 32) Cichorium endivia L., jap. Kiku-jisa und Oranda-jisa . 33) Lactuca sativa L., jap. Chisa , der Lattich. Beide werden cultiviert und zu Salat und Gemüse benutzt, doch in viel bescheide- nerem Umfange, wie bei uns. Sie sind namentlich der Landbevölke- rung fast gänzlich unbekannt und offenbar ebenfalls erst durch die Holländer eingeführt worden. 34) Solanum melongena L. (S. esculentum Dunal), jap. Nasu oder Nasubi , die Eierpflanze, franz. l’Aubergine. Vom Juni und Juli an, wo die grossen violetten Blüthen erscheinen, denen meist ähnlich ge- färbte, schöne Früchte reichlich folgen, ist dieses Gewächs eine wahre Zierde des trocknen japanischen Feldes. Seine Cultur ist über das ganze Land verbreitet und erstreckt sich von hier über die wärmeren Länder Asiens bis zur Mittelmeerregion In »Frau Baron von Gerstorfs Reise in Syrien von Aleppo nach el Deir am Euphrat. Peterm. Mitth. 1865. pg. 53.« heisst es z. B.: »Wir kauften noch einige Wassermelonen und Patlitdschan (Solanum melongena L.), denn hier waren ganze Felder damit bebaut.« . Aber auch in verschiedenen Ländern Afrikas, sowie in Amerika wird die Eierpflanze gezogen. Der Japaner pflegt die ovalen, keulen- oder birnförmigen Früchte zu zer- schneiden und in Suppe zu kochen oder in Salzwasser zu legen und statt der Rettige als Salat zum Reis zu essen. In andern Ländern, z. B. in Indien, Frankreich, Nordamerika werden die Früchte der Länge nach durchschnitten, in Butter gebraten und bis auf die äussere Schale wie Gemüse gegessen. Auf den Märkten von Paris erscheint unter dem Namen l’Aubergine violette eine langgestreckte Form, welche in ihrer Gestalt an unsere Nierenkartoffeln erinnert. Dieser Abart be- gegnet man auch in Japan; doch ist eine andere mit grossen violetten birn- und keulenförmigen Früchten wohl die verbreitetste. An Wasser- gehalt und Nährwerth stehen sie alle auf gleicher Stufe und nähern sich wässrigen Kürbisen, machen aber mehr Ansprüche an grosse Som- merwärme, welche unser deutsches Klima nicht befriedigen kann. 35. Lycopersicum esculentum Mill., jap. Aka-nasu , die Tomate oder der Liebesapfel, kommt in Japan auch vor, hat aber der Eier- pflanze gegenüber für den dortigen Haushalt nur geringe Bedeutung. 36) Physalis Alkekengi L., jap. Hôdzuki , Blasenkirsche. 37) P. angulata L. (P. ciliata S. \& Z.), jap. Sennari-hôdzuki . Diese Art kommt der gewöhnlichen Blasen- oder Judenkirsche gegen- über nur selten vor. Von letzterer sagt Siebold: »Fructus edulis ac pro nugis habetur venalis.« Die Beerenhaut ist nämlich ein beliebtes 2. Nährpflanzen. eigenartiges Spielzeug japanischer Mädchen, zumal dann, wenn sie ihre jüngeren Geschwister auf dem Rücken herumtragen. Man trennt die rothe Beere, welche die Grösse einer kleinen Kirsche hat, von dem sie umgebenden orangefarbigen Balg und conserviert sie in Salzwasser. Beim Gebrauch löst man durch Hin- und Herdrücken die Haut von dem Fleisch und den Samen im Innern und presst diese dann durch ein kleines Loch, gegenüber dem, welches an der Basis entstand, her- aus. Die Beerenhaut hat nun, wie eine Lampenglocke, zwei Oeffnun- gen. Sie wird in den Mund genommen, voll Luft geblasen und diese dann durch Gaumendruck mit einem eigenthümlichen Ton ausgepresst. Hierin besteht nun das ganze Vergnügen. 36) Capsicum annuum L., jap. Tôgarashi , spanischer oder Ca- yenne-Pfeffer, span. Pimiénto, franz. Piment. Derselbe wird in vielen Abarten cultiviert, die sich namentlich in der Farbe, Gestalt und Grösse der Früchte unterscheiden. So ist in Japan besonders häufig der Naga- tôgarashi , lange, zugespitzte Pfeffer (C. longum D. C.) mit glänzend rothen oder schwarzen Beerenfrüchten, ferner der Maru-tôgarashi mit herzförmigen (C. cordifolium Mill.). Die schwarzen Varietäten heissen Murasaki-tôgarashi , die rothen Aka-tôgarashi . 37) C. frutescens Willd., ebenfalls Tôgarashi genannt, kommt in Japan viel seltener vor, als die vorerwähnte krautförmige Art. Nach de Candolle L’origine des plantes cultivées. Paris 1883. stammt der spanische Pfeffer wahrscheinlich aus dem tropischen Amerika, von wo er sich aber jedenfalls bald nach der Entdeckung rasch verbreitete, denn in England lernte man ihn bereits im Jahre 1548 kennen. Zu seiner rechten Würdigung gehört ein warmes Klima. In vielen Ländern ist er im frischen, eingemach- ten oder pulverisierten Zustande das beliebteste Gewürz. So bemerkt Cap. Hall Capt. Hall: A visit to Korea. Proc. R. G. S. 1881. : »Chilies (d. h. span. Pfeffer) bilden das wichtigste Con- diment der koreanischen Kochkunst« und hebt weiter hervor, dass sie kaum einer Speise fehlen und in der Nähe der Ortschaften viel ange- baut werden. In Japan wird der Name Tôgarashi, Pfeffer, auch als Collectiv- bezeichnung für verschiedene Gewürze gebraucht. So hörte ich während meines ersten fünfmonatlichen Aufenthaltes in der deutschen Legation in Tôkio jeden Morgen eine an meinen Fenstern vorübergehende Frau rufen: »Nana iro tôgarashi!« d. h. wörtlich: »Sieben Sorten Cayenne- Pfeffer«. Sie verkaufte ein pulverförmiges Gemisch aus sieben Gewür- zen, darunter Tôgarashi als Hauptbestandtheil. Die übrigen Ingre- I. Land- und Forstwirthschaft. dienzien waren: 2) Chimpi , getrocknete Orangenschalen, 3) Goma , Sesamsamen, 4) Koshô , schwarzer Pfeffer, 5) Sanshô , Zanthoxylum piperitum D. C., 6) Keshi , Mohnsamen, 7) Asa-no-mi , Hanfsamen. 38) Perilla arguta Benth. (Ocymum crispum Thunb.), jap. Shisô . Man unterscheidet Aka-shisô mit purpurrothen und Ao-shisô mit grünen Blättern. Shisô ist ein sehr verbreitetes Küchengewächs, des- sen junge Blätter als Gemüse und in Suppe gegessen werden. Aus den Blättern der rothen Varietät zieht man durch Uebergiessen mit Pflaumenessig den Farbstoff aus und benutzt die rothe Flüssigkeit zum Einmachen und Färben von Ingwerklauen und verschiedenen andern Wurzeln und Früchten. 39) Beta vulgaris L., jap. Tensei , rothe Rübe. Wenig verbreitet. 40) Spinacea inermis Moench. (S. oleracea β. L.), jap. Hôrensô . Der Spinat wird wie bei uns zu Gemüse benutzt, doch nicht in gleich ausgedehntem Maasse. 41) Polygonum orientale L., jap. Ô-tade , der orientalische Knöterig. Nach Thunberg wurde diese wahrscheinlich aus Indien stam- mende und über einen ansehnlichen Theil der alten Welt verbreitete Art in Japan zuerst durch Portugiesen eingeführt. Man findet sie hier und da, wie bei uns, doch nicht als Zierpflanze, sondern ihrer Blätter wegen angebaut. Gleichem Zweck dient auch P. japonicum Meissn. (P. barbatum L.), die Tade oder Bontoku-tade . 42) Rheum palmatum L. \& Rh. undulatum L., jap. Daiō . Der Rhabarber wird vornehmlich zu medicinischen Zwecken angebaut; doch finden die Blattstiele hin und wieder auch wie bei uns in der Küche Verwendung. 43) Cinnamomum zeylanicum Breyn. und C. Loureirii Nees, Nik- kei , die Zimmt- oder Cassiarindenbäume Japans. Der erstere findet sich nur hier und da cultiviert, häufiger der andere. Die von letzte- rem erhaltene geringwerthige Rinde wird in bescheidener Menge über Nagasaki ausgeführt. 44) Cannabis sativa L., jap. Asa , Hanf. Der Verwendung seiner zerriebenen Samen als Condiment wurde schon oben beim spanischen Pfeffer gedacht. Ueber die viel wichtigere des Bastes folgt Näheres bei den Textilpflanzen. 45) Zingiber officinale L., jap. Shôga . Der Ingwer wird seiner Rhizomklauen wegen von Alters her für den eigenen Gebrauch culti- viert und zwar stets auf kleinen feuchten Flecken in der Nähe der Wohnungen, wie auch in China. Man kann jedoch schon manches Dorf durchwandern, ohne ihn zu erblicken. Derselbe kam bereits 1796 durch Sir Joseph Banks nach Kew. Seine Rhizome werden gewöhnlich 2. Nährpflanzen. in rothgefärbtem Pflaumenessig eingemacht und bilden eine beliebte, doch nicht häufige Zuspeise zum Reis statt der Daikon. 46) Z. Mioga Roscoe (Amomum Mioga Thunb.), jap. Miôga . We- niger cultiviert, als der gemeine Ingwer, liefert in ihren jungen Schöss- lingen ein Condiment. 47) Curcuma longa L., jap. Ukon , wird ebenfalls als Condiment in bescheidenem Umfange angebaut, während man den bekannten gel- ben Farbstoff aus China und Indien erhält. Die lauchartigen Condimente, »Shin« , d. h. stinkende Kräu- ter, wie sie der buddhistische Priester des chinesischen Culturkreises nennt, haben bis jetzt keinem Culturvolke gefehlt, aber nicht bei jedem die gleiche Bedeutung erlangt. Während z. B. der Spanier kaum eine Fleischspeise verzehrt, die nicht mit Knoblauch gespickt wäre, und der Russe eine rohe Zwiebel sammt ihrem grünen Schopfe wie einen Leckerbissen betrachtet, finden wir unter den germanischen Völkern eine solche Neigung nur ausnahmsweise gleich ausgeprägt. Die Vor- liebe der Israeliten für Zwiebeln und Knoblauch ist bekannt und so alt, wie ihre Geschichte. Die Zwiebel war und ist bei vielen Völkern nicht blos Gewürz, sondern wirkliches Nahrungsmittel. Um letzteres zu verstehen, muss man berücksichtigen, dass es neben unsern gewöhn- lichen scharfen, zu Thränen reizenden Sorten auch solche gibt, die, wie die rothe portugiesische, namentlich in leichtem wärmeren Boden oft 1 kg schwer werden und von angenehm süsslichem Geschmack sind, so dass sie gekocht andere Gemüse ersetzen können. Nach der Zwiebel nennt der Japaner die cultivierten Laucharten wohl Negi-rui , d. h. Zwiebelgruppe. Fünf derselben, die Go-shin , d. h. fünf scharfe, stinkende Kräuter, scheinen im Gebiet des Buddhis- mus besonders beliebt gewesen zu sein. Ihr Genuss war und ist den Priestern mit Ausnahme einer Secte aufs strengste verboten. Die be- zügliche Inschrift am Eingang zu manchen ihrer Tempel und Klöster, gewöhnlich auf einen Steinobelisk eingegraben, lautet in deutscher Uebersetzung: »Es ist verboten, stinkende Kräuter und berauschende Getränke durch dieses heilige Thor einzuführen«. Zu den Hauptvorwürfen, welche Nobunaga gegen die Mönche des Hiyei-san Siehe Rein: Japan I. pg. 309. anführte, gehörte der, dass sie Fische und stinkende Kräu- ler assen und damit ihr Gesetz missachteten. Als Go-shin gelten 48) Allium sativum L., jap. Ninniku , der Knoblauch, ein ur- altes Culturgewächs, den alten Aegyptern und Griechen wohlbekannt I. Land- und Forstwirthschaft. und auch in Japan seit den ersten Anfängen seiner Geschichte gebaut. Nach Regel soll Knoblauch in der Kirgiesensteppe und Tsungarei ein- heimisch sein. 49 a ) Allium cepa L., jap. Negi , die Zwiebel. Sie wurde in den Randgebirgen des Iranischen Plateaus wild gefunden, ferner südlich von Kuldscha (Regel). In Japan findet ihre Aussaat gewöhnlich im Februar oder März statt, die Ernte im Herbst. 49 b ) Die Winterzwiebel, jap. Negi (Allium fistulosum L.), welche vom Altaigebirge stammt, wird gleich der vorigen in verschiedenen Arten gebaut. Man isst in Japan die Zwiebeln gekocht, aber auch im frischen, zerhackten Zustande als Condiment. 50) Allium ascalonicum L., jap. Wakegi , die Schalotte. Dieselbe ist im wilden Zustande nicht bekannt und wird von De Candolle für eine blose Abart der Zwiebel gehalten. 51) Allium schoenoprasum L., jap. Azatuki , der Schnittlauch, auch endemisch sehr verbreitet, doch nicht in Japan. 52) Allium porrum L., jap. Nira , Lauch oder Porree, ist nach Gay Ann. des sc. nat. 3 e série. Vol. 8. eine Culturform von A. ampeloprasum L. Nach Kinch wird A. senescens L. mit Nira bezeichnet. Man isst die Zwiebel und das Kraut dieser besonders scharfriechenden Art meist in gekochtem Zu- stande Mit vorstehenden Hauptlaucharten Japans vermochte ich eine ältere Liste der Goshin, welche ich meinem gelehrten Freunde, dem Priester Nanjio Bunyiu, verdanke, nur theilweise in Einklang zu bringen. Sie folgt hier mit ihren sinico- japanischen und jap. Namen, letztere in Klammern: Dai-san (Chobiru), Shio-san (Ninniku), Kôkyo (Aratsuki), Ji-sô (Hitomoji od. Negi), Kaku-sô (Nobiru), Letz- tere ist All. nipponicum F. \& Sav., eine Art, die übrigens meines Wissens gar nicht cultiviert wird. . Ausser den vorerwähnten Laucharten braucht man in Japan noch folgende: 53) Allium splendens Willd. (A. arenarium Thunb.), jap. Rak’- kiyo , und 54) A. japonicum Regel, jap. Yama-rak’kiyo , zwei Species, deren Culturformen ich nicht kenne. 55) Bambusa puberula Miq. und mehrere andere Arten von Take oder Bambusrohr liefern der Küche die Take-no-ko , junge Bambus- sprossen, welche im Frühjahr riesigen Spargeln gleich aus der Erde hervorbrechen und um diese Zeit ein beliebtes, aber fadeschmeckendes Gemüse geben. 56) Pteris aquilina L., jap. Warabi , Adlerfarn. Der Rhizome 2. Nährpflanzen. dieser Pflanze, als Stärkelieferanten, wurde schon im vorigen Abschnitt gedacht. Aber auch die jungen Wedel, so lange sie noch unentwickelt und zusammengerollt sind, werden im ganzen japanischen Reich ge- schätzt und in Suppe viel gegessen. Ausser den in vorstehender Liste angeführten Gefässpflanzen und einer grossen Anzahl anderer, meist endemischer Arten, welche eben- falls ab und zu in der japanischen Küche als Gemüse oder Würzen Verwendung finden, ist hier noch der Pilze und marinen Algen zu gedenken. Die Gewinnung, Zubereitung und Verwerthung derselben nicht blos für den eigenen Haushalt, sondern auch für den Handel, beschäftigt und ernährt Viele. Leider sind neben den Flechten des Landes die Pilze von den Botanikern bisher am stiefmütterlichsten behandelt worden. Von Siebold bietet uns zwar eine Liste von 32 japanischen Namen, »quae vero fungorum species, aut sponte crescen- tes, aut arte imo provocatae, crudae, salsae, siccataeque vix in ulla desunt coena«; doch fehlt jede nähere Beschreibung und Bestimmung derselben. Diese Lücke besteht noch und wird auch durch das Fol- gende nicht ausgefüllt, wohl aber mag es dazu dienen, wenigstens einige Irrthümer zu beseitigen und mehrere Arten, welche ich näher kennen lernte, wissenschaftlich festzustellen. Der Japaner bezeichnet mit Kinoko und Kusabira die grösse- ren Pilze im allgemeinen und mit Take , als Affix zu dem Eigennamen, in besonderen Fällen. In seiner Werthschätzung stehen mehrere Arten Agaricus, namentlich Shii-take und Abatzu-take obenan. 57. Agaricus sp., jap. Shii-take . Es ist dies ein Blätterschwamm, ohne Ring und Schleier, mit excentrisch gestelltem, unregelmässigem Hute, der braune Oberhaut und weisse Lamellen aufweist. Der Strunk ist ebenfalls weiss, ziemlich hoch, mässig dick. Shii-take hat sonach mit unserm gemeinen Champignon (A. campestris Pers.) nur entfernt Aehnlichkeit und nähert sich vielmehr in seinem Aussehen A. fusipes Fr., A. contortus Berk. und A. attenuatus D. C. Um so unbegreiflicher ist die häufige Verwechselung mit jenem, von Kaempfer und Thunberg an bis auf unsere Tage. So führt Kinch in seiner Liste Shii-take als Agaricus campestris an und ebenso finden wir unter diesem Namen im Catalog der jap. Abtheilung der International Health Exhibition, London 1884 Japan. Intern. Health Exhib. London 1884. A descriptive catalogue of the exhibits etc. by K. Nagai and J. Murai. eine Analyse desselben. Der Pilz enthält hiernach im I. Land- und Forstwirthschaft. getrockneten Zustande 11,847 % Albumin, 1,685 % Fett, 67,508 % Cel- lulose und andere stickstofffreie Bestandtheile, 4,370 % Asche und 14,490 % Wasser. Man kann den Shii-take leicht trocknen und aufbewahren. Dabei entwickelt und erhält sich ein ausgezeichnetes Aroma, welches ihn zum geschätztesten und werthvollsten aller japanischen Pilze macht. Sei- nen Namen verdankt er dem Shii-Baume, einer immergrünen Eiche (Quercus cuspidata Thunb.) des mittleren und südlichen Japans. Aber die Menge, welche man an faulenden Wurzeln und Stämmen derselben findet, reicht für den Bedarf bei weitem nicht aus. Dieser wird viel- mehr meist durch künstliche Zucht gedeckt, wie in Europa derjenige an Trüffeln und Champignons, die er an Wohlgeschmack m. E. weit übertrifft. Wie diese vorwiegend zu Sauce verwendet werden, so dient Shii-take vor allen Dingen zur Darstellung schmackhafter Suppen, und wenn derselbe auch im Binnenhandel und bei der Ausfuhr (nach China) nicht so grosse Summen repräsentirt, wie jene, so ist er doch ein er- wähnenswerther Factor. Zur künstlichen Zucht, welche der englische Consulatsbericht von Kanagawa (Yokohama) für das Jahr 1875 näher beschreibt Auch die Revue Horticole des Jahres 1879 gibt eine Beschreibung derselben. , dienen nicht blos Shii-noki (Quercus cuspidata Thunb.), sondern auch andere Eichen, so Kashi (Quercus acuta Thunb.), Kashiwa (Q. dentata Thunb.). Sie findet vornehmlich in der Rinde der gefällten Bäume statt und wird in vielen Provinzen betrieben, nämlich in Yamato, Ise, Mikawa, Tôtômi, Suruga, Kai, Idzu, Mutsu, Dewa und anderwärts. 58) Agaricus Sp. Matsu-dake , d. h. Kiefernpilz, weil er vor- nehmlich in Kiefernwaldungen wächst. Derselbe ist im frischen Zu- stande sehr wohlschmeckend und beliebt und wird gekocht oder ge- braten viel gegessen, auch in Salz eingemacht und getrocknet, verliert aber dann bald seinen Wohlgeschmack und wird fade. 59) Cantharellus cibarius Fries., jap. Shiba-take . Unter letzte- rem Namen bot man unsern wohlbekannten Eierschwamm im Septem- ber 1874 in den Ortschaften am Fusse des Fuji-san korbvollweise zum Verkaufe. Ich sah denselben auch anderwärts, finde ihn aber nirgends für Japan erwähnt. 60) Clavaria flava Pers. \& Cl. Botrytis Pers., jap. Nedzumi- take kommt gleich dem vorigen in den Wäldern des Fuji-san vor und wird in den benachbarten Dörfern verkauft. 61) Lycoperdon Tuber L. (Thunb. flor. jap. 349). Unter dem Na- men Shô-ro (Shô für Matsu, Kiefer, und ro-tsuyu, Thau) kommt 2. Nährpflanzen. im Frühjahr ein kleiner dem Bovistähnlicher Pilz vornehmlich in Kiefern- wäldern vor, der viel in Suppe und auch als Gemüse gegessen wird, sehr zart, aber fast ganz geschmacklos ist. Derselbe wird auch eingemacht. Ferner werden als essbare Pilze noch viel genannt: Shimeshi, Kikurage, Tsuga-take, Hatsu-take, Hira-take und verschiedene andere, welche mir indess sämmtlich fremd geblieben sind. Im Anschluss an das Vorstehende will ich hier noch zweier trock- nen Pilze gedenken, die, obgleich für den Haushalt werthlos, wegen ihrer Verbreitung und eigenthümlichen Verwendung verdienen, dass sie nicht übergangen werden. In Thunberg’s Flora japonica wird pg. 347 unter dem Namen Bo- letus versicolor ein Baumpilz angeführt, den wir zu den trocknen Po- lyporus-Arten rechnen müssen. Derselbe führt, wie auch Thunberg angibt, den Namen Saru-no-koshi-kake , d. h. Affenstuhl, und scheint über das ganze Land verbreitet zu sein. In den Bergwaldungen um- klammert er die Stämme alter Laubbäume und erreicht oft grosse Di- mensionen. So besitze ich einen von 40 cm Breite und etwa 20 cm Länge. In Nikko pflegt man daraus Teller zu machen, deren Ränder noch 2—3 Wachsthumsschichten des Pilzes zeigen mit allen natürlichen Unregelmässigkeiten, die unten abgesägt und schwarz, oben ausgehöhlt und roth lackiert sind und so allerliebste eigenartige Gefässe darstellen. Die zweite Pilzart, welche noch viel bekannter ist, führt den Na- men Reishi , eine trockne, harte und eigentlich nutzlose Art Hutpilz, in ihrem Aussehen dem Polyporus lucidus Fries. oder P. amboinensis von Hinterindien und dem Malayischen Archipel verwandt. Reishi ist von der Grösse unseres Champignon (A. campestris) und hat einen Stiel, der bisweilen 15 cm lang wird und gleich dem Hute dunkelbraun ge- färbt ist. Entwickelt er sich zufällig als Curiosität am Stamm eines alten Zwergbäumchens im Topf oder Kübel eines Gärtners, so wird dasselbe gleich um 1—2 yen (4—8 Mk) höher taxiert und als ein Me- detai oder Glückszeichen und Anlass zur Beglückwünschung ange- sehen. Auch sonst gilt Reishi als gutes Omen und dient wohl auch zur Verzierung des Tokonoma oder etwas erhöhten Erkers im Zimmer. Von viel grösserer Bedeutung als die Pilze sind die marinen Al- gen für Japan Eine umfassende Arbeit über dieselben fehlt noch. Bis jetzt publicierten jap. Arten: 1) Kützing in seinem bekannten Werke Species Algarum 1849, gesammelt von Tilesius, vornehmlich in Nagasaki. 2) Harvey : Characters of New Algae, chiefly of Japan, collected by Ch. Wright. Proc. Am. Ac. of Arts \& Sc. Boston 1857. Vol. IV. pg. 327. — 54 Arten. . »Die Ostasiaten sind die Einzigen«, sagt mit Recht I. Land- und Forstwirthschaft. Prof. Cohn Im 58. Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft pg. 152. , »bei welchen die Tange eine Volksnahrung bilden«. Doch nicht blos diese, die Riesen der marinen Flora, werden von den Chinesen und Japanern gefischt und in verschiedener Weise als Nah- rung verwerthet, sondern in mindestens gleichem Umfang die zarteren rothen und grünen Arten, mit deren Gebrauch sich auch die Malayen befreundet haben. In Europa beschränkt sich der Genuss weniger Arten, wie Alaria esculenta Grev., Sphaerococcus palmatus Kg., Por- phyra laciniata, Gracilaria lichenoides A. und einiger andern auf die arme Küstenbevölkerung des Nordens, insbesondere Irlands, Schott- lands, Islands und Norwegens, während z. B. der Franzose, welcher doch in Bezug auf marine thierische Nahrung keineswegs wählerisch ist und mit seiner Kochkunst jede appetitlich zubereitet, die Algen verschmäht. Licht und Wärme, daher auch Tiefe, Lage und Gestalt der Buch- ten, sowie Meeresströmungen, haben bekanntlich auf die marine Flora den grössten Einfluss. Da aber das Meerwasser nicht so leicht und oft seine Temperatur ändert, als die Luft, da es als Verbreitungsmittel seiner Bewohner alle Erdtheile berührt und auch die von Algen sich nährenden Fische und Schildkröten mit den Strömungen weite Areale durchwandern und die Keime fernen Gestaden zutragen, so kann es nicht fehlen, dass viele Algen eine weite Verbreitnng haben und wir in den Gewässern Japans manche Art wiederfinden, die auch aus an- dern Oceanen bekannt ist. Die circumpolaren Riementange (Lamina- rien) und Blasentange (Fucusarten) lieben kaltes Meerwasser und starke Brandung, wie sie die Umgebung der Insel Yezo und der Kurilen bie- tet, während zwei andere Gruppen der Melanospermen, die Cystosi- reen (Blasenschnur-) und Sargassaceen (Beeren-Tange) sich südwärts anschliessen. Namentlich ist die letztgenannte Familie in verschiede- nen Gattungen (Sargassum, Spongocarpus, Halochloa, Myagropsis, Coc- cophora) reich vertreten. Ich sah sie jedoch nirgends im Haushalte, sondern nur als Dünger verwenden, ausgenommen Halochloa macrantha Kg., jap. Hondawara , welche mit Essig und eingesalzen genossen wird. Eine bedeutende Lichteinwirkung ist Hauptlebensbedingung für die zarteren grünen Meeresalgen; dagegen stellen viele keine hohen Ansprüche an den Salzgehalt des Wassers und finden sich noch an 3) G. von Martens : Die Preuss. Exped. nach Ost-Asien. Botan. Theil. Die Tange, 1866. 111 Arten, gesammelt von E. v. Martens. 4) Suringar : Algae Japonicae Musei Botanici Lugduno-Batavi. Harlem 1874. 34 Sp. hauptsächlich von Siebold in Nagasaki gesammelt. 2. Nährpflanzen. Flussmündungen und in Pfützen, wo derselbe sehr gering ist, sodann an der Küste über dem mittleren Wasserstande. Die rothen Algen (Florideen oder Rhodospermen) erreichen dagegen das Maximum ihres Vorkommens in tieferem Wasser und an Stellen, wo das directe Sonnenlicht nicht viel einwirkt. Diejenigen Arten der- selben, welche dieser Regel nicht folgen, an der Grenze des Wasser- spiegels vorkommen oder wohl gar theilweise periodisch trocken liegen, verlieren viel von ihrer Farbenpracht und neigen nach violet, orange oder grün. Auf der Insel Yezo bilden Meeresalgen, insbesondere die grossen Tange, nächst Fischen den wichtigsten Ausfuhrartikel, vornehmlich nach China. Die hervorragendsten Bestandtheile dieses Algenhan- dels sind: 1) Kombu , Laminaria saccharina Lamour. (L. japonica Arech., Fucus saccharinus Thunb.). 2) Arame , Capea elongata Ag. 3) Katsumi , Capea flabelliformis Rich. 4) Wakame , Alaria esculenta Grev. β. pinnatifida Harv. 5) Haba-nori , Phyllitis debilis Kg., Arten, welche zum Theil auch noch an den Gestaden von Honshiu gesammelt werden. Die meisten essbaren grünen und rothen Algen führen den Col- lectivnamen Nori , während man für Algen überhaupt wohl Umi-kusa oder Kai-sô sagt, welche Wörter einfache Uebersetzungen vom engl. »Sea-weed« sind. Von grünen Algen sammelt und benutzt man an den japanischen Küsten, theils frisch zu Suppe, theils getrocknet oder mit Essig oder Salz eingemacht, verschiedene Arten Ulvaceen, nicht blos die cosmo- politischen Meerlattige selbst, wie U. Lactuca L., Ao-nori , und an- dere, sondern auch Phycoseris australis Kg. (Ulva latissima Ag.), Nori genannt; ferner Enteromorpha complanata Kg., Awosa , und ganz be- sonders Enteromorpha compressa Grev. (U. compressa L.). Der Japa- ner nennt sie Ao-nori und isst sie theils frisch in Suppe, oder ge- trocknet mit Essig und Stärke. Gewöhnlich kommt sie in Form klei- ner Päckchen mit parallel laufendem Thallus in den Handel. Modzuku heisst die Mesogloia decipiens Sur., welche namentlich viel von der Küste der Halbinsel Kadzusa-Awa kommt und ähnlich verwendet wird. Desgleichen Somen-nori , d. h. die Vermicelli-Alge (Nemalion vermiculare). Auch mehrere in fast allen Meeren verbreitete Arten Codium, jap. Miru , fehlen nicht, so Codium tomentosum Ag. \& C. elongatum Ag. Die knorpelartigen Florideen, insbesondere Gattungen und Arten I. Land- und Forstwirthschaft. der Gigartineen, Caulacantheen, Gelidieen, Sphaerococceen und Tylo- carpeen, welche sich durch hohen Gehalt an Pararabin auszeichnen und mit kochendem Wasser Algengallerte liefern, werden an allen Ge- staden des Malayischen Archipels und der chinesisch-japanischen Ge- wässer in Menge gesammelt und theils direct zur Nahrung, theils zur Darstellung von Algenkleister, jap. Fu-nori , oder Algengallerte, jap. Kanten , verwendet. Gewöhnlich pflegt man diese Artikel im Handel, und zwar sowohl im rohen, getrockneten Zustande, wie auch weiter zubereitet, mit dem malayischen Namen Agar-Agar , d. h. Gemüse, zu bezeichnen, eine Benennung, welche ursprünglich auf Gigartina (Eucheuma) isiformis, G. spinosa und G. tenax angewandt wird, die man z. B. auch bei Singapore in Menge sammelt und nach China ver- schifft. Der Chinese benutzt sie nicht blos zur Nahrung, sondern be- reitet daraus auch das Hai-Thao, einen durchsichtigen Leim, mit dem er die Seide und andere Stoffe steift, sowie die Zwischenräume grober Gewebe ausfüllt, um daraus Laternen zu machen. Von hierher ge- hörenden japanischen Algen sind besonders erwähnenswerth: 1) Chondrus punctatus Sur. 2) Gigartinia tenella Harvey, jap. Ogo . 3) G. intermedia Sur. 4) Gleopeltis tenax Kg. (Sphaerococcus tenax Ag.). 5) Gl. capillaris Sur., jap. Shiraga-nori . 6) Gl. coliformis Harv., jap. Kek’kai . 7) Gl. intricata Sur., jap. Fu-nori . 8) Gelidium corneum Lamouroux, jap. Tokoroten-gusa . 9) G. Amansii Lamour. 10) G. cartilagineum Gail. 11) G. rigens Grev., jap. Tosaka-nori , d. h. Hahnenkamm-Alge. 12) Sphaerococcus confervoides Ag., jap. Shiramo . 13) Gymnogongrus flabelliformis Harv., jap. Home-nori . 14) G. japonicus Sur., jap. Tsuno-mata . 15) Kallymenia dentata, jap. Tosaka-nori . 16) Porphyra vulgaris Ag., jap. Asakusa-nori . d. Essbare Früchte. Obstbau . Japan weist gleich China vielerlei Obst und sonstige essbare Früchte auf, sowohl eigenthümliche Arten, als auch solche, welche seit lange über einen grossen Theil der gemässigten Zone verbreitet sind. Doch ermangeln weitaus die meisten des Wohlgeschmacks, sind fade und nach unserem Urtheil nicht empfehlenswerth. Fast alle unsere be- liebten Obstsorten, wie Aepfel. Birnen, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, 2. Nährpflanzen. Pfirsiche, verlieren, wenn man sie nach Japan oder China verpflanzt, bald ihr Aroma und degenerieren zum Theil auch in der Gestalt und Grösse. Daher finden zum Beispiel die Aepfel Californiens während der Wintermonate in allen grösseren Häfen Ostasiens von Yokohama bis Singa- pore unter den Fremden grossen Beifall und viel Absatz. Die Ursache jener Entartung des Obstes in Japan und China, namentlich des feh- lenden Aromas, dürfte im Klima, vor allem in den feuchten, regen- reichen Sommern zu suchen sein, ist jedoch nicht sicher ergründet. Auch mit gewöhnlichem Beerenobste ist das Land recht schlecht ver- sehen. Unsere schwarzen Maulbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und andere Arten fehlten bisher ganz, wäh- rend Erdbeeren und Trauben nur spärlich und in untergeordneter Qua- lität vorkamen. Was aber von wildwachsenden Beeren genossen wird, entspricht meist nicht unserm Geschmack. Tropische Beerenfrüchte kom- men aber gar nicht in Betracht; denn die wichtigste und unempfind- lichste derselben, die Banane, reift selbst in Satsuma ihre Früchte nicht. Bemerkenswerth ist, dass die bei Zierpflanzen in Japan so beliebte Zwergbildung auf die Obstsorten selten Anwendung findet, ebensowe- nig die in Europa geschätzte und verbreitete Cultur von Pyramiden-, Cordon- und Spalierobst. Eine besondere Pflege wird überhaupt nur wenigen Obstsorten, wie Trauben, Orangen, Pfirsichen und Birnen, und auch diesen keineswegs allgemein zu theil. Es mag dies theilweise von der Geschmacksrichtung abhängen, welche bei vielen Völkern von der unsrigen auch in diesen rein materiellen Dingen abweicht. Wie z. B. in Marokko und China, so werden auch in Japan eine Menge Früchte im harten, unreifen Zustande gegessen, z. B. Aepfel und Pfir- siche, oder wenigstens geerntet und zum Nachreifen aufgehoben, wie die Biwa (Eriobotrya japonica). Dieser Geschmacksrichtung ganz ent- sprechend, schätzt der Japaner seine schönen und saftigen, aber harten und unaromatischen Birnen, welche De Candolle L’Origine des plantes cultivées. Paris 1883. pg. 136. mit Recht »plus beau que bon« nennt, während sie die meisten Fremden nicht mögen. Zu den wenigen wohlschmeckenden Obstsorten Japans gehören vor allen Dingen die Mandarinorangen, die Kaki und die Kastanien, denen Ostasien eine uralte Heimat ist. Die Mandarinorangen hat man schon lange, die Kaki erst in neuester Zeit aus ihrem ältesten Culturlande China nach Südeuropa und weiter verpflanzt. Bei den Kastanien ist die Verbreitung und Verwilderung so leicht und weitgehend, dass die Feststellung ihres ersten Ausgangs grosse, noch nicht überwundene Schwierigkeiten bietet. Der erfolgreiche Anbau einer vierten Obstsorte Rein , Japan. II. 7 I. Land- und Forstwirthschaft. des chinesischen Culturgebietes, der Eriobotrya japonica, in fast allen von Europäern bewohnten subtropischen und tropischen Klimaten der Erde hat sich erst in diesem Jahrhundert, jedoch mit erstaunlicher Raschheit vollzogen, welche leicht in dem Charakter dieser Pflanze ihre Erklärung findet. Der hier folgenden Aufzählung und Beschreibung essbarer japa- nischer Früchte (mit Ausnahme derer des Ackerbaues, wie z. B. der Cucurbitaceen, welche bereits früher in Betracht kamen) liegt die prak- tische Eintheilung W. Lauche’s in seinem Handbuch des Obstbaues zu Grunde. Wir unterscheiden hiernach Kern-, Stein- und Beerenobst, sowie Schalfrüchte. a) Kernobst . 1) Pyrus sinensis Lindl. (P. usuriensis Maxim.), die Birne, jap. Nashi . Dieselbe stammt aus der Mandschurei und Mongolei. Ihre Cultur hat sich offenbar schon frühzeitig über China, Korea und Japan verbreitet und liefert hier nächst Kaki das gewöhnlichste Obst Décaisne gibt in seinem Jardin fruitier du Muséum Poitiers, pl. 5 eine gute Abbildung derselben; eine gleich gute lieferte vor wenigen Jahren die Revue Horticole. . Von unserem gemeinen Birnbaum unterscheidet sich diese Art vornehmlich durch die Blätter und Früchte. Erstere sind gross und immer deutlich spitz ge- zahnt. Die japanischen Birnen haben die sphärische und an beiden Enden etwas zusammengedrückte Gestalt unserer Kirschen und man- cher Aepfel. Es sind dabei durchweg grosse Früchte mit dicker bronzegelber Schale, welche mit kleinen hellgrauen Punkten übersäet ist. Von der grossen Mannigfaltigkeit in der Reifezeit, Grösse, Gestalt und Färbung, sowie des Geschmacks unserer Birnen ist bei den japa- nischen keine Rede. Die im August reifenden Frühbirnen sind wohl kleiner als diejenigen der 1—2 Monate später erfolgenden Haupternte, weichen aber im übrigen nicht wesentlich von diesen ab. Das Fleisch ist grob, brüchig, körnig, von gelblicher Farbe, sehr saftreich und ziem- lich süss, aber ohne die Weichheit und das Aroma unserer Birnen. Der Geschmack erinnert mehr an den unreifen Zustand der letzteren. Dem oben citierten Urteil von de Candolle reiht sich ein weiteres in der Revue Horticole an, welches die japanischen Birnen geradezu schlechte Früchte nennt. Die Vermehrung der Pflanze erfolgt in der Regel durch Stecklinge, seltener durch Samen und nachherige Veredelung. Zwischen Mitte und Ende März schneidet man kräftige, gesunde Jahrestriebe bis auf 42— 45 cm Länge beiderseits zu und lässt die Enden über einem schwachen 2. Nährpflanzen. Feuer verkohlen. Die so vorbereiteten Stecklinge werden reihenweise in Furchen guten Landes gesetzt, mit Compost gedüngt und dann an- gehäufelt. Die Verpflanzung erfolgt nach wenigen Jahren. Am häufigsten trifft man die Birnbäume in Japan, wie bei uns auf dem Lande zerstreut, als Hochstämme mit natürlicher Entwickelung und augenscheinlich ohne besondere Pflege. Im nördlichen Honshiu siedelt sich nicht selten Viscum album L. auf ihnen an, doch noch viel häufiger auf Castanea vulgaris Lamk. und auch auf blattwechselnden Eichen. Dieser Mistel unterscheidet sich von dem unsrigen durch wein- gelbe Beeren. Eine ganz andere Behandlungsweise und viel mehr Sorgfalt lässt man den Birnbäumen hier und da in der Nähe grosser Städte zu theil werden, so z. B. zu Kawasaki zwischen Tôkio und Yokohama. Die Bäume werden hier in Reihen gepflanzt mit gleichen Abständen von 12 Shaku (3,64 Meter) nach jeder Richtung. Man düngt sie zweimal im Jahr und zieht zu dem Zweck ringförmige Gruben um die Stämme, welche man nach Eintragung des Düngers wieder schliesst. Im übri- gen wird der Boden von Unkraut freigehalten und von Zeit zu Zeit gelockert. In einer Höhe von 5—6 Shaku (150—180 cm) pflegt man die Kronen nach Art unserer Laubengänge horizontal zu ziehen. Als Aststützen dienen Zwischenreihen von Pfosten, sowie Querstangen aus Bambusrohr. Als ich mir Ende April diese Pflanzungen näher besah, war die Blüthezeit vorbei und ich fand die Eigenthümer damit beschäftigt, die 20—25 cm langen neuen Triebe zu entfernen, damit sie den zahlrei- chen Fruchtansätzen nicht die Nahrung entziehen sollten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass eine derartige Pflanzung nach 50—60 Jah- ren erneuert werden müsse. Die Birnen reifen hier Ende August, werden sehr gross und schön gelbbraun bis graubraun, scheinen sich sehr lange zu halten, sind aber ebenso wässerig von Geschmack und ohne Aroma, wie die andern. 2. Pyrus malus L., der Apfelbaum. Derselbe und seine unan- sehnlichen Früchte, jap. Ringô , sind so selten, dass mancher Fremde jahrelang im Lande wohnt, ohne ihnen zu begegnen. 3) Pyrus Cydonia L. (Cydonia vulgaris Pers.). Die Quitte, jap. Marumero , wurde durch die Portugiesen eingeführt und findet sich zerstreut durch ganz Japan in der Nähe der Wohnungen angebaut, doch nicht häufig. 4) P. chinensis Poir. (Cydonia sinensis Thouin). Die chinesische Quitte, jap. Kuwarin , mit kleineren Früchten als die voriger Art, wird wie diese hier und da cultiviert und zu Compot verwendet. Dagegen 7* I. Land- und Forstwirthschaft. finden die Früchte der naheverwandten einheimischen Art P. japonica Thunb. kaum eine Verwendung und können als Obst nicht gelten. 5) Eriobotrya japonica Lindl. (Mespilus japonica Thunb., Photinia japonica Fr. \& Sav.). Der japanische Name für die Pflanze und ihre Früchte ist Biwa , chin. Lu-kuh , engl. Loquat , franz. Bibasier, Nèfles du Japon , span. Nispero de Japon . In Japan, China und Korea wird diese eigentümliche, schöne Obstsorte als erste Frucht des neuen Jahres geschätzt und seit alter Zeit cultiviert, doch nicht in grossem Umfange. Ich habe z. B. in Japan stets nur vereinzelte Bäume bei den Bauernwohnungen, nie und nirgends grössere Pflanzun- gen gesehen Auch scheint es mir sehr zweifelhaft, ob Eriobotrya von Japan ausgegangen oder nicht vielmehr von China aus sehr frühzeitig hierher verpflanzt wurde und dann stellenweise verwilderte, obgleich die Verfasser jap. Floren von Kaempfer und Thunberg an sie als endemisch anführen. Ich selbst habe sie nie anders, denn angebaut gefunden. . Im mittleren Japan reifen die Früchte erst im Juni; dieselben werden jedoch in der Regel büschelweise und mit einigen Blättern zum Nachtheil ihres Wohlgeschmackes schon vorher abgenom- men und bis zur erfolgten Nachreife aufbewahrt. Der Umstand, dass bereits Kaempfer ihr Vorkommen auf Java erwähnt, lässt auf eine frühzeitige Verbreitung über ganz Ostasien schliessen. Im Jahre 1787 brachte sie Sir Joseph Banks nach England. Seitdem hat man sie in vielen wärmeren Ländern, z. B. in den meisten engl. Colonien, im ganzen Mittelmeergebiet und in Westindien ein- geführt, weil sie sich in gleicher Weise als Zierpflanze und Obstbaum, sowie durch ihre leichte Cultur und rasche Entwicklung empfiehlt. Es ist ein hoher Strauch oder kleiner Baum, der schon durch sei- nen grossblätterigen, immergrünen Laubschmuck auffällig und stattlich hervortritt, mehr noch, wenn weisse Blüthensträusse oder eine Fülle gelber Früchte ihn bedecken. Derselbe trägt schon vom dritten Jahre an, reichlich mit 6—10 Jahren, gedeiht auch in leichtem Boden und hielt an den Norditalienischen Seen und der Riviera eine Kälte bis —9° C. aus, bei der viele einheimische Obstsorten zu Grunde gingen. Die Vermehrung ist leicht durch Stecklinge oder Samen. Auf den Bermudas, woselbst die Biwa vor 45 Jahren von Malta aus eingeführt wurde, fand ich reife Früchte am 3. März, in Malaga am 7. April, in Gibraltar am 14. April; doch sind Mai und Anfang Juni für die mei- sten Gebiete der Mittelmeerregion die eigentliche Reifezeit, so auch in Sevilla, wo z. B. im Garten des Herzogs von Montpensier lange Reihen grosser, schöner Büsche zu sehen sind. Ueberdies habe ich sowohl in Westindien, als auch im Mittelmeergebiete gefunden, dass die Biwa 2. Nährpflanzen. grösser, schöner und wohlschmeckender werden, als in ihrer japani- schen Heimat. Auch hat sich die Form verändert. In Japan sind die Früchte meist mehr oder weniger kugelförmig, so gross, wie grosse Herzkirschen, sonst nähern sie sich der Keulen- und Birnform. Das mit gelber Epidermis versehene Fleisch liegt locker auf 1—6 grossen Kernen, ist sehr saftig und von säuerlich süssem, erfrischendem Ge- schmack, doch ohne viel Aroma. Dagegen schmeckt es sehr sauer vor völliger Reife und fade, wenn die Frucht länger aufbewahrt wird. Die Biwa bildet den Uebergang zur Gruppe b) Steinobst . 6) Amygdalus persica L., jap. Momo oder Tô . Pfirsiche sind weitaus das beliebteste und verbreitetste Steinobst Japans. Sie stam- men aus China, welches De Candolle überhaupt als die Urheimat die- ser Frucht ansieht, kommen in mehreren Varietäten vor, sind kleiner als die chinesischen und meisten bei uns und stehen überdies an Wohl- geschmack letzteren bedeutend nach. Ihre Cultur wird vielfach in grösserem Umfange und mit Sorgfalt betrieben. Man wählt dazu leich- ten, sandigen Boden, wie auch in den Mittelmeerländern und den Ver- einigten Staaten, pflanzt in Reihen und hält dabei die Bäumchen in mittlerer Höhe und den Boden frei von Unkraut. 7) Prunus armeniaca L., jap. Andzu , Aprikosen, und zwar die kleinfrüchtige, südeuropäische Sorte, welche sich auch vielfach bei uns findet und von Duhamel Abricot de Portugal genannt wird, werden im Juli hier und da zum Verkauf angeboten, sind aber im Ganzen selten. Ich fand sie im Aussehen und Geschmack nicht wesentlich von den unsrigen verschieden. 8) Prunus insititia L. und P. domestica L. Die eigentlichen Zwet- schen fehlen Japan, wie auch die Kirschen insgesammt. Von den vie- len Abarten der Pflaumen begegnet man hin und wieder einigen mit wohlaussehenden Früchten, doch von fadem, wässerigem Geschmack. Offenbar haben sie gleich den Aprikosen nie grosse Beachtung gefun- den und sind wahrscheinlich früher durch Portugiesen oder Holländer eingeführt worden. Mit dem Namen Hadankiô wird eine grosse gelbe Eierpflaume bezeichnet, welche an Dame-Aubert (Duhamel) erinnert. Botankiô heisst eine rothe, die sich vielleicht mit Prunus oxycarpa (Bechstein) identificieren lässt. Auch eine Art Herrenpflaume kommt vor. 9) Prunus japonica Thunb., jap. Su-momo und Niwa-sakura , ein Strauch, welcher in Japan seit den ältesten Zeiten, doch keines- wegs häufig in Gärten angebaut wird. Die kleine, rothe, pflaumen- artige Frucht heisst Su-momo . Sie wird wie die vorerwähnten roh- und in Salz eingemacht gegessen. I. Land- und Forstwirthschaft. 10) Prunus Mume S. \& Z. (Amygdalus nana Thunb.), jap. Mume, Bai , jap. Aprikosenbaum (Lauche). Diese Species, eine Lieblingspflanze der Japaner und als solche in Gärten und Tempelhainen sehr verbrei- tet, wird hauptsächlich ihrer Blüthen wegen cultiviert. Die rundlichen, fein behaarten Früchte erinnern in der Form an Aprikosen oder noch mehr an kleine harte Pfirsiche, sind hart und sauer und werden in der Regel eingesalzen oder getrocknet unter dem Namen Ume (Mume)- boshi oder Haku-bai genossen oder auch zu Essig verwendet. 11) Prunus tomentosa Thunb., jap. Isora mume . Der filzblätte- rige Aprikosenbaum, wie ihn Lauche Lauche : Dendrologie. Berlin 1880. pg. 643. nennt, ist nur ein Strauch mit rothen kirschenähnlichen Früchten, die noch kleiner als unsere wilden Kirschen und von ähnlichem Geschmack sind. Ich sah sie in Waka- yama zum Verkauf und den damit geschmückten Strauch häufig in der Nähe der Wohnungen in Kishiu. Dass auch die Früchte der Yama- sakura (Pr. pseudo-cerasus Lindl.) und der Man’-zaku (P. incisa Thunb.) gegessen werden, wie Siebold, beziehungsweise Kinch angeben, ist mir nicht bekannt. 12) Zizyphus vulgaris Lam. var. inermis Bunge, jap. Natsume und Sanebuto-natsume . In der Sammlung zu Kew befinden sich unter der Aufschrift Z. jujuba Lamk. Früchte aus China, Japan, In- dien etc. und heisst es, dass man 1864 in London in einer alten rö- mischen Amphora Samen dieser Pflanze fand. Sie war schon im Al- terthum in den Culturstaaten Asiens sehr verbreitet. In Japan wird die Pflanze hin und wieder cultiviert, doch nicht in dem Maasse wie in Korea. Sie bildet unbewehrte Bäume von 6—8 m Höhe, welche im Juni zur Blüthe und im Herbst zur Fruchtreife gelangen. Die el- lipsoidischen Steinfrüchte haben die Grösse der Oliven, sind mit gelber oder röthlicher Epidermis versehen und haben ein säuerlich süsses Fleisch, das roh gegessen, aber auch medicinisch verwendet wird. In den nördlichen Provinzen China’s, wo die »Jujuben« in Menge gezogen werden, pflegt man sie viel in Honig einzumachen, so dass sie dann, wenn auch nicht in der Grösse, so doch nach Gestalt, Farbe und Ge- schmack an getrocknete Datteln erinnern. Desshalb findet man sie auch oft als » Datteln « oder » chinesische Datteln « angeführt, Be- nennungen, welche leicht zu Missverständniss Anlass bieten können. 13) Hovenia dulcis Thunb., jap. Kempon-nashi . Dieser Baum, welchen Kaempfer, der auch die Abbildung eines Zweiges mit Blättern und Früchten gibt, passend mit einem mittelgrossen Birnbaum ver- gleicht (Am. exot. p. 808), gehört zur selben Familie, wie der vorige, 2. Nährpflanzen. liefert aber ein davon total verschiedenes Obst, insofern als dafür nicht die Frucht selbst, sondern ihre eigenthümlich fleischig verdickten Stiele zu gelten haben. Der süsse Geschmack der letzteren erinnert etwas an unsere Birnen und ist namentlich bei Kindern sehr beliebt. Der Baum gedeiht im wärmeren Europa ganz gut Siehe Philippe: Sur l’Eucalyptus globulus et l’Hovenia dulcis. Bull. Soc. Accl. sér. 2. I. pg. 196 (1864). . 14) Cornus officinalis S. \& Z. (C. sanguinea Thunb., C. ignorata K. Koch.), jap. Sanshiô-nayu , wird der Früchte wegen hier und da cultiviert. Die grossen Büsche oder kleinen Bäume, welche ich im Som- mer 1875 in Yamato in der Nähe von Mandarinorangen angebaut fand, erinnerten mich lebhaft an unsere gewöhnliche Kornelkirsche (C. mas L.), der auch die scharlachrothe ellipsoidische Steinfrucht sich nähert. 15) Elaeagnus umbellata Thunb. (E. parvifolia Royle), jap. Gumi . Die doldenblüthige Oelweide, welche man in Japan häufig wildwach- send findet und auch als Zierstrauch anbaut, liefert eine kleine, runde, rosafarbene Steinfrucht, deren Fleisch namentlich von Kindern geges- sen wird. Dasselbe gilt, wenn auch nicht in gleichem Maasse, von den übrigen Elaeagnus-Arten, für welche Gumi Gattungsname ist. c) Beerenobst . 16) Diospyros Kaki L. fil., jap. Kaki , chin. Shi-tse , franz. Pla- queminier , engl. Persimon , die Dattelpflaume oder der Lotus- pflaumenbaum . Diese, auch ihres Holzes wegen bemerkenswerthe Ebenacee ist unstreitig der verbreitetste, wichtigste und schönste Obst- baum Japans, Koreas und Nordchinas So heisst es z. B. bei Markham: Travels through the Province of Shan- tung im Journ. Roy. Geogr. Soc. 1870 »Persimon trees abound«. . Derselbe hält in Japan Nacht- fröste von —12° C. bis —16° C. aus. Seine Cultur geht noch hoch den Thälern und weit über die Grenze des Bambusrohrs hinauf. Es ist ein stattlicher Baum von der Tracht des Birnbaums, mit schönen abfallenden Blättern, fast so gross, wie bei einigen Magnolien, doch von gelbgrüner Farbe, nur in der Gestalt an die des Birnbaums er- innernd. Die Neubelaubung fällt in den Mai, die Blüthezeit in den Juni, die Fruchtreife in den Spätherbst von Mitte September bis Ende November. Die stattliche Beerenfrucht von Hühnerei- bis Faustdicke beschreibt Thunberg (flor. jap. pg. 158) treffend in folgender Weise: »Pomum subglobosum, obsolete tetragonum, glabrum, immaturum viride, maturum flavum, basi truncatum, calyce persistente ornatum, obtusum stigmate persistente, octovalve, octoloculare, magnitudine pomi mediocris, sapore fere pruni albi dulcis, carnosum.« I. Land- und Forstwirthschaft. Es gibt viele Sorten Kaki, die in der Grösse von derjenigen eines kleinen Hühnereies bis zu der eines dicken Apfels wechseln, in der Gestalt fast sphärisch, oblong oder herzförmig erscheinen und in der Farbe der glatten Oberhaut von hellorangegelb bis tieforangeroth, sowie auch im Geschmack sich unterscheiden. Derselbe ist eigenartig ange- nehm und erinnert etwas, wie die Farbe, an Tomaten. Man isst sie, wenn sie teigig weich sind, und schätzt am meisten diejenigen vom Migako-no-djô in der Provinz Hiuga. Der herbe, adstringierende Ge- schmack aller Kaki im grünen Zustand erhält sich in einigen Varie- täten auch bei der Reife, und diese sind es, aus denen man den Sommer über eine gerbsäurereiche adstringierende Flüssigkeit, Shibu genannt, darstellt, welche als Beizmittel für verschiedene Gewerbe von Bedeutung ist. (Siehe den betreffenden Artikel im nächsten Abschnitt.) Im überreifen Zustande an der Sonne getrocknet, etwas flach gedrückt und in Mehl aufbewahrt, gleichen die geschälten süssen Kaki nach einigen Monaten in Aussehen und Geschmack getrockneten Feigen und werden wie diese benutzt. Im September bildet der mit grossen orangefarbenen Früchten beladene Kakibaum eine besondere Zierde der Landschaft und bleibt es auch noch im October nach dem Laubfall An seinen Anblick im blattlosen Zustande wurde ich im Frühjahr 1884 leb- haft durch Orangenbäume bei Cordoba erinnert, welche in Folge eines ungewöhn- lichen Frostes zu Anfang des vorausgegangenen Winters ihre Blätter verloren hatten, aber noch mit den erfrorenen Früchten beladen waren. . Der Sommer Deutschlands ist für Diospyros Kaki nicht lang und warm genug, der Winter in der Regel zu kalt. Dagegen gedeiht der Baum und seine Frucht bereits an den norditalienischen Seen, z. B. bei Intra, sowie an der Riviera, eben so in den subtropischen Theilen der Iberischen Halbinsel. Auch im südlichen Californien, z. B. bei Santa Barbara, hat man seinen Anbau mit Erfolg versucht. 17) Diospyros Lotus L. (D. Kaki Thunb. var. β. D. japonica S. \& Z.), jap. Shinano-gaki , also Kaki von der Provinz Shinano, wird vielfach als die wilde Form der vorigen Art angesehen. Seine kleinen, kaum geniessbaren Früchte reifen erst spät im Herbst, wenn der Baum bereits seine Blätter abgeworfen hat, und erinnern an Holz- äpfel und Essigbirnen. Den Dattelpflaumen schliessen sich an Bedeutung als Beerenobst die Vertreter der Aurantiaceen an, obwohl ihre Cultur auf die wärmeren Theile Japans beschränkt bleibt und ihre Verwendung keineswegs eine so allgemeine, vielseitige ist. 2. Nährpflanzen. Oben an steht: 18) Citrus nobilis Lour., jap. Mikan , die Mandarinorange. Ihr Vaterland scheint China und Cochinchina zu sein. Noch im Anfang dieses Jahrhunderts war sie in den Orangengärten der Mittelmeerländer eine neue Erscheinung. Durch ihren kleineren Wuchs (mehr Strauch, als Baum), Blätter und Blüthen ist sie eben so leicht unterscheidbar, wie durch die bekannten Früchte. In Japan wird sie schon seit vielen Jahrhunderten angebaut. In Hondo erreicht die erfolgreiche Cultur der schönen und vortrefflichen Frucht auf der Halbinsel Yamato ihre Nordgrenze. Das Gebirge derselben und seine südlichen Ausläufer schützen hier die Thäler vor rauhen Winden, während sie unter dem Einfluss warmer südlicher Strömungen stehen. Es sind also vornehm- lich die Thäler von Kishiu, insbesondere des Kreises Arita (Arita-gori) nord- östlich von Wakayama, sowie von Ise, in denen Mikan gewonnen werden. Die Blüthezeit ist hier Ende Mai und Anfang Juni, während ich in Malaga schon am 7. April Büsche in voller Blüthe fand. Dieses Ge- biet liefert auch den drei Fu oder Hauptstädten, insbesondere Tôkio ihren Bedarf. Die Mandarinorangen kommen hier den Winter über in Menge und billig zum Verkauf. Im südlichen Japan gedeihen sie an vielen Orten; doch bin ich ausgedehnten Pflanzungen nie begegnet. 19) Citrus aurantium L. α. C. a. Bigaradia Brandis \& Hooker (C. vulgaris Risso), jap. Daidai , die Pomeranze oder bittere Orange, von den Engländern Seville-Orange genannt. β. C. a. sinense Galesco (C. aurantium Risso), jap. Kunembo , die Apfelsine, dickschalig und wenig geschätzt. 20) Citrus decumana L., jap. Zabon . Die Pompelmuse (engl. Shaddock) traf ich u. A. aus verschiedenen Theilen von Bungo auf einer Ausstellung zu Funai. Sie wichen in Gestalt und Grösse von denen Südeuropas wesentlich ab und standen namentlich den präch- tigen Shaddocks westindischer Inseln weit nach. In diesen erreicht die Familie der Aurantiaceen unstreitig ihre grössten Früchte. Häufiger als sie sind die kleinsten derselben in Japan, nämlich die Kinkan od. Früchte von 21) Citrus japonica Thunb., welche als Uebergang zu den Li- monen und Citronen betrachtet werden können. Sie reifen im De- cember und Januar und kommen in Tôkio viel auf den Markt (man kauft 12—15 Stück für 10 Pf.). Dass sie »valde dulces, grati et edules« sind, wie Thunberg angibt, kann ich nicht behaupten. Sie be- sitzen viel Citronensäure und erinnerten mich immer an Citrus Li- I. Land- und Forstwirthschaft. metta Risso (engl. Lime). Man unterscheidet, wie auch Siebold an- gibt, zwei Varietäten: a. Kin-kan , mit kugeligen Früchten von der Dicke einer grossen Kirsche, b. Tô-kinkan d. h. chin. Kin-kan , von gleicher Grösse, aber ellipsoidischer Gestalt. Kaempfer vergleicht die Kinkan nach Form und Grösse nicht unpassend mit Muskatnüssen. Diese Früchte sind prächtig anzusehen. Ihre glatte hellorangefarbige Schale ist mit grünen Grübchen übersät, sehr aromatisch, das Fleisch aber der Säure wegen wie Citronen verwendbar. Mit Kinkan (C. japonica Thunb.) scheinen C. aurantium micro- carpum und C. a. minimum Dierbach Dierbach: Grundriss der allgemeinen ökon.-techn. Botanik. Heidelberg 1836. identisch zu sein. Auch dürfte sich in einem Artikel der Revue Horticole vom Jahre 1880, welcher von bemerkenswerthen Zierpflanzen in Lissabon handelt, die Notiz über den »Limonier du Brésil« im alten botanischen Garten auf die- selbe Art beziehen, denn es heisst dort, der alte Baum liefere jähr- lich kleine sphärische Citronen von der Grösse mittlerer Pflaumen. 22) Citrus medica Risso, jap. Tebushiu-kan , die Citrone. Die- selbe, var. chirocarpus L., jap. Bushiu-kan , ellipsoidisch, mit dicker höckeriger und sehr aromatischer Schale ist nicht häufig. 23) Citrus medica Limonum Brandis \& Hooker, jap. Yudzu , die Lemon der Engländer. 24) Punica granatum L., jap. Zakuro . Der niedrige Baum findet sich vereinzelt viel weiter nördlich angebaut, als die Aurantiaceen. Ich sah ihn noch in Kaga und Aidzu in Gärten und reife Früchte in Yonezawa und Sendai zum Verkauf, die offenbar in der Nähe ge- wachsen waren. Sie hatten mittlere Grösse und waren weniger wohl- schmeckend, als solche der Mittelmeerregion. 25) Ficus carica L. jap. Ichijiku und Tô-kaki , d. h. Chinesi- scher Kaki. Der gemeine Feigenbaum wurde nach Thunberg durch Portugiesen eingeführt. Sein Anbau ist aber sehr beschränkt ge- blieben. Auch in China suchten Portugiesen (nach Williams) die Cultur des Feigenbaumes zu verbreiten; es gelang aber nicht, da er keine wohlschmeckenden Früchte lieferte. 26) Morus alba L., jap. Kuwa . Die Früchte der verschiedenen Abarten dieser, der Seidenzucht dienenden Maulbeere werden nur selten gegessen. Sie sind keineswegs alle weiss; es gibt vielmehr auch schwarzbeerige, wie schon Kaempfer hervorhebt. Thunberg fasst dessen Angabe entschieden falsch auf, wenn er Morus nigra L. 2. Nährpflanzen. anführt und dabei auf Kaempfer hinweist. Die als Obst dienende schwarze Maulbeere findet sich in Japan nicht. 27) Vitis vinifera L., jap. Budo . Weintrauben werden im Spät- herbst in fast allen japanischen Städten zum Verkauf angeboten. Es sind zwei Sorten, eine weisse und eine an rothe Muskateller erinnernde. Die Beeren sind dickhäutig, weniger süss als bei uns und mit einem fremdartigen, herben Beigeschmack versehen. Kaempfer beurtheilte sie schon richtig dahin, dass sie zur Weinbereitung nicht tauglich seien »adeoque ad oenopaeiam haud idonea«. Am. exot. pg. 786. . Die Annahme Thunbergs, dass sie von Euro- päern (wohl Portugiesen) zuerst eingeführt wurden, hat viel Wahr- scheinlichkeit für sich. Gleich anderm Obst sind sie entartet, und diese Thatsache gibt kaum der Hoffnung Raum, dass aus Japan oder Ostasien überhaupt je ein Weinland werden könne. Die in Tôkio geschätzten Koshiu-no-budo, d. h. Koshiu-Trauben, kommen vornehmlich von Katsunuma und einigen andern Orten der Umgebung von Kôfu. Sie werden hier in Laubgängen gezogen, ähn- lich wie die Birnen von Kawasaki, und reifen erst im September, wie ich mich im Herbst 1874 überzeugen konnte. 28) Vitis Labrusca L., jap. Yama-budo , d. h. wilde, in den Bergen wachsende Weintraube. Dieselbe erinnert mit ihren kleinen blauen Beeren und deren Geschmack an kleinbeerige Frühburgunder und wird in den Städten häufig zum Verkauf gebracht. Vitis La- brusca L. ist in Ostasien in gleicher Weise weit verbreitet, wie im atlantischen Waldgebiete Nordamerikas. Dieser Beere des Waldes schliessen sich eine ganze Anzahl anderer an, welche z. B. dem Aino das Obst ersetzen und auch im eigentlichen Japan gegessen und zum Theil zum Verkauf gebracht werden. Hierher sind vornehmlich folgende zu rechnen: 29) Akebia quinata Decaisne (Rajania quinata Thunb.), jap. Akebi , und 30) A. lobata Dcne, jap. Mitsuba-akebi , d. h. Dreiblatt- Akebie. Die gurkenartigen Früchte der Akebien, gewöhnlich zwei gegen- über stehend an langem Stiele, erinnern lebhaft an diejenigen der Holboellia latifolia Wall. aus Sikkim. Sie kommen im September zur Reife und sind dann im Durchschnitt 10 cm lang und 12—15 cm im Umfang, von elliptischer Gestalt, weiss, grau oder braun. Sie springen der Länge nach auf. Ihre äussere, fleischige Hülle unter der Schale ist ungeniessbar. Eine weisse, durchscheinende schleimige Masse I. Land- und Forstwirthschaft. von angenehm süssem Geschmack umgibt die zahlreichen kleinen Samen und ist das einzig Geniessbare. Die leeren Schalen der Ake- bien trifft man im Herbst häufig längs der Pfade und begegnet wohl auch Frauen und Kindern, welche mit dem Einsammeln dieser eigen- tümlichen Früchte beschäftigt sind. 31) Actinidia arguta Planchon (Trochostigma arguta S. \& Z.), jap. Kokuwa, Shira-kuchi-katsura und Saru-nashi (Affenbirne) genannt, ist wie alle Actinidien ein blattwechselnder Kletterstrauch, der sich gern in die Kronen niedriger Bäume emporwindet, von wo er mit zahlreichen Aesten und Früchten niederhängt. Die weissen Blüthen ähneln in ihrer Gestalt denen des Theestrauchs und er- scheinen im Juni. Im Herbst reifen die Beeren, welche nach Aussehen und Grösse an grüne Stachelbeeren erinnern und bei Ueberreife nach Birnen riechen. Böhmer fand ihren Geschmack angenehm, eine Ver- bindung von dem der Feigen mit dem der Trauben. Ich habe sie mehrmals gegessen, auch in Ueberreife, fand sie dann aber weniger wohlschmeckend. 32) Actinidia polygama Planchon, jap. Matatabi , ist ein in Ge- büsch häufig vorkommender Kletterstrauch, dessen weiche, reife Beeren, mit fünftheiligem grünen Kelche versehen, elliptische Gestalt haben und hierin, wie in der Grösse und Zuspitzung an Eicheln erinnern. Das gelbe Fleisch ist mit kleinen Samen erfüllt und wird so viel ich weiss nicht gegessen, obgleich Kinch die Frucht als essbar anführt. Dagegen hat dieselbe, wie die ganze Pflanze, eine andere bemerkens- werte Eigenschaft, die nämlich, dass sie gleich der Baldrianwurzel die Katzen anzieht. Hierauf deutet eine bekannte japanische Redensart: »Neko ni mata tabi«, dem Sinne nach so viel, als: »Er kann es nicht lassen, wie die Katze (neko) die matatabi«. — Die beiden er- wähnten Actinidien kommen jetzt auch bei uns als Zier-Kletter- sträucher vor. 33) Rubus, jap. Ichigo . Unter den 22 Arten, welche Japan aufweist und die fast alle zur Gruppe der Himbeeren gehören, gibt es nur wenige mit essbaren Früchten. Siebold zählt 6, Kinch 11 als solche auf, doch kann man sicher verschiedene aus ihrer Liste streichen. Die eigentliche Himbeere, Rubus Idaeus L. var. strigosa, scheint auf wenige Standorte der Insel Yezo beschränkt zu sein, und ebenso die Schell- oder Sumpfbeere R. chamaemorus L., welche in den Mooren Nordeuropas so verbreitet ist. Ausser ihnen führt Kinch an: R. triflorus Richards, R. Buergeri Miq., R. corchorifolius L. fil., R. incisus Thunb., R. crataegifolius Bunge, R. trifidus Thunb., R. 2. Nährpflanzen. Thunbergii S. \& Z., R. parvifolius L., R. tokkura S. \& Z. Ich habe die Früchte der meisten dieser Arten versucht und fade gefunden. 34) Fragaria vesca L., jap. ebenfalls Ichigo genannt. Reife, wohlschmeckende Erdbeeren habe ich nur einmal in Japan, und zwar am Fujisan gefunden, niemals weder wildwachsende, noch Garten- erdbeeren zum Verkauf ausbieten sehen, was als Beweis für ihr seltenes Vorkommen dienen kann. Der Name Oranda-ichigo für Fragaria chilensis Ehrh. und F. grandiflora Ehrh., die Ananasbeere, weist auf die Einführung dieser Arten durch Holländer hin. 35) Rosa rugosa Thunb., jap. Hama-nashi , d. h. Küstenbirne. Die grossen, zwiebelförmigen Hagebutten oder Scheinfrüchte dieser schönen Dünenpflanze werden nicht blos von Ainos, sondern auch von Japanern gegessen. 36) Vaccinium L. Von dieser Gattung fehlen die Schwarz- und die Blaubeere (V. Myrtillis L. und V. uliginosum L.) ganz, während von den sauren rothbeerigen von Werth die Preisselbeeren (V. Vitis Idaea L.), jap. Koke-momo und Iwa-momo , sowie die Moosbeere (V. oxycoccos L.), jap. Aka-momo und Iwa-haze , nur sporadisch vor- kommen und vornehmlich auf Yezo beschränkt zu sein scheinen, so dass eine grössere Verwerthung ausgeschlossen ist. 37) Epigaea asiatica Maxim. (Parapyrola trichocarpa Miq.), japa- nisch Iwa-nashi , d. h. Felsbirne. Wie weit die Beere, welche die Dicke einer kleinen Kirsche erreicht, als Nahrungsmittel verwendbar ist, kann ich nicht beurtheilen. Die Pflanze, bis jetzt sehr wenig be- kannt, verdient aber auch ihrer schönen immergrünen Blätter, sowie der bereits im März und April erscheinenden Blüthen wegen nähere Beachtung. Es ist ein kleiner immergrüner, kriechender Strauch, den ich in den Wäldern um Kiôto fand, der nach Keiske auch in Owári vorkommt und ausserdem im Norden gefunden wurde. d) Schalenfrüchte . 38) Castanea vulgaris Lamk. (Fagus castanea Thunb.), jap. Kuri . Wenn man die Leichtigkeit in Betracht zieht, mit der die Kastanie selbst bei uns in Deutschland, z. B. im Schwarzwald und an der Hardt verwildert; so begreift man die Schwierigkeiten, welche die Abgrenzung ihres endemischen Vorkommens von ihrem Culturgebiet verursacht. Ist sie z. B. in England, Kaukasien, Japan, Nordamerika heimisch oder verwildert? — Verschiedene Gründe sprechen für das erstere. Auf ihnen fussend sagt z. B. De Candolle in seinem schon oft citierten Buche über L’origine des plantes cultivées: »Le Châteig- nier, de la famille des Cupulifères, a une habitation naturelle assez étendue, mais disjointe«, und betrachtet mit Recht die Differenzen, I. Land- und Forstwirthschaft. welche zwischen der im Atlantischen Waldgebiet Nordamerikas wachsen- den Kastanie, der in Japan heimischen und der im Westen der alten Welt gefundenen für zu geringwerthig, um daraus einen specifischen Unterschied abzuleiten. Wir betrachten somit C. vesca L. nur als die Culturform von C. vulgaris Lamk., welche aus dieser nicht blos in Europa und Vorderasien, sondern unabhängig davon auch in Japan hervorgegangen ist. Was Radde über das Vorkommen der Kastanie in Kaukasien sagt, gilt auch zum Theil mit Bezug auf Japan. Der Baum sucht das Licht und meidet die heisse Ebene. Er bildet selten reine, ge- schlossene Bestände und erscheint in eingesprengten Gruppen im Jungholz und Gebüsch. In Japan bildet er namentlich an den Ab- hängen der Gebirgsthäler und in Anschluss an den höher gelegenen buntgemischten Laubwald lichte Haine und steigt bis zu mehr als 800 m Seehöhe empor. Im Juni, wenn die weissgelben Blüthen- kätzchen entwickelt sind, heben sich diese lichten Kastanienwälder überall scharf und vortheilhaft von dem übrigen Laubwald ab, wie man es ähnlich auch am Heidelberger Schloss beobachten kann. Die Kastanien werden in Japan nicht in dem Maasse als Nahrung benutzt, wie anderwärts, und fallen zum grössten Theil den Wildschweinen an- heim. Nur im nördlichen Hondo fand ich sie auch hier und da an- gebaut (einmal sogar als Alleebaum in einem Dorfe), am häufigsten in Yonezawa, wo auch diejenige Varietät sich entwickelt hat, welche wir Marronen nennen, die sich bekanntlich dadurch auszeichnet, dass jede Kapsel statt 2—3 Samen nur einen, aber dafür um so grösseren enthält. 39) Juglans regia L. (Pterocarya japonica) und 40) Juglans Sieboldiana Maxim. (J. nigra Thunb., J. mandschu- rica Miq.). Beide Arten Wallnüsse heissen in Japan Kurumi und werden vielleicht nur angebaut gefunden. Ihre Cultur ist verbreitet, doch nirgends ausgedehnt. 41) Corylus heterophylla Fisch. (C. Avellana Thunb.), jap. Ha- shibami , meist wild wachsend, doch auch cultiviert. Seltener ist C. rostrata Ait. 42) Quercus cuspidata Thunb., jap. Shii . Die kleinen Eicheln dieser sehr verbreiteten immergrünen Art werden unter dem Namen Shii-no-mi (Shii-Samen) verkauft und geröstet gegessen. 43) Pinus koraiensis S. \& Z. (P. Strobus Thunb.), jap. Goyô-no- matsu . Die Samen dieser wohl nur cultivierten Kiefer werden wie die der Pinien gegessen. Zu dem Zweck wurde z. B. die Ernte an Zapfen auf dem Schloss zu Morioka in Nambu öffentlich versteigert. 2. Nährpflanzer. 44) Torreya nucifera S. \& Z., jap. Kaya . Die essbaren Nüsse dienen vornehmlich zur Oelbereitung. (Siehe Kaya-no-abura.) 45) Ginkgo biloba L. (Salisburia adiantifolia Smith), jap. Ichio oder Ginkiyo . Die Früchte heissen Ginnan (in China Pa-Kwa). Es sind eigentlich Steinfrüchte von der Grösse, Gestalt und Farbe grosser Mirabellen mit dünnem, ungeniessbarem Fleisch und Samen- kernen, deren Geschmack dem der Mandeln nicht unähnlich ist. Man bietet die Ginnan nach Fortune in China auf allen Märkten feil und schätzt sie nicht minder in Japan; doch wird der Baum hier nicht ihretwegen angebaut, wie dort, sondern als Zierpflanze. (Siehe diese.) 46) Trapa bispinosa Roxb., jap. Hishi . Die zweidornige Wasser- nuss oder Wasserkastanie findet sich in den stehenden Gewässern Ostasiens weit verbreitet von Kaschmir bis Japan, theils wild wachsend, theils ihrer Früchte wegen angebaut, besonders in China. In Japan sah ich sie häufig in Weihern, zumal denen, welche zur Bewässerung der Reisfelder dienen. Auch die Varietät Trapa incisa S. \& Z. (T. natans Thunb.), jap. Hime-bishi , kommt häufig vor. 47) Nelumbium speciosum Willd. (Nelumbo nucifera Gaertn.), jap. Hasu . Der elliptischen Nüsse, Hasu-no-mi , so gross, wie kleine Eicheln, äusserlich graubraun, im Innern von weisser Farbe, nuss- artig angenehm schmeckend, wurde bereits früher gedacht. f. Nahrungs- und Genussmittel als Erzeugnisse der chemischen In- dustrie aus den unter 2a—e erwähnten Rohprodukten . Unter der Bezeichnung »Alimenta composita« gibt Siebold in dem schon früher citierten Verzeichniss japanischer Nutzpflanzen (siehe p. 42) die Namen einer Anzahl Präparate an, welche theilweise dem Lande eigenthümlich und durch die Art ihrer Gewinnung und Ver- wendung von hohem Interesse sind. Im Haushalte der Japaner — und zum Theil auch der Chinesen — spielen mehrere derselben seit Jahrhunderten als Würze, durch welche selbst die sonst fadeste Speise schmackhaft gemacht wird, eine unentbehrliche Rolle, so dass sie zum Theil auch in Europa, zumal in England, Beachtung und Nachahmung gefunden haben. Andere fungieren als werthvolle Nahrungsmittel und sind durch ihren hohen Stickstoffgehalt geeignet und berufen, das Fleisch zu ersetzen. Wiederum andere enthalten genügend Alkohol und Beimengungen, um durch ihren Genuss zu begeistern und schwere Köpfe zu machen, wie es nun einmal auch in Ostasien für Viele Be- dürfniss zu sein scheint. Und gerade für diese berauschenden Ge- tränke zeigt die Regierung ein grosses Interesse, das ähnlichen in den christlichen Staaten kaum nachsteht, indem sie schon lange eine wich- I. Land- und Forstwirthschaft. tige Einnahme von ihnen herzuleiten wusste, so dass es auch an der nöthigen Statistik über Production und Consum nicht fehlt. Da sie wenigstens in dieser Beziehung alle übrigen an Bedeutung übertreffen, setze ich sie an die Spitze der nachstehenden Liste und wende mich ihnen zunächst zu. 1. Sake oder Seishû ist das eigenartige berauschende Getränk Japans und seiner beiden westlichen Nachbarn. Dasselbe wird, wie bekannt ist, aus Reis bereitet, hat aber mit dem indischen Arac wenig Aehnlichkeit. Auch deuten die häufig angewandten Bezeichnungen »Reisbier« und »Reisbranntwein« keineswegs genügend seinen wahren Charakter an, der sich insbesondere im Alkoholgehalte von Bier und Schnaps wesentlich entfernt und wie Wein eine Mittelstellung zwischen beiden einnimmt. Wenige Fremde können sich mit dem eigenartigen Geschmack des Sake befreunden. Den Japanern aber sagt dies Ge- tränke so zu, dass sie nicht versäumen, bei ihren Tempelfesten nach alter Sitte auch den Göttern neben beliebter Speise davon vorzusetzen. Dieser geweihte Sake wird Miki Mi ist ein ehrendes Präfix, wie in Mikado, Midera und Ke oder Ki, der älteste Name für Sake. oder ô Miki genannt. Und wie die Bewohner Japans überhaupt Freunde eines warmen Trunkes sind, selbst des warmen Wassers, wenn Thee und Sake fehlen, so trinken sie auch diesen aus ihren Porzellan- oder lackierten Holzschalen gern erwärmt. Nachdem im Jahre 1874 Oberstabsarzt Hoffmann die erste kurze Beschreibung der Sakefabrikation nach eigener Anschauung gegeben hatte »Sake- und Myrin-Bereitung« von Hoffmann. Mitth. der deutsch. Ges. Ostasiens. 6. Heft 1874. , folgte vier Jahre später von Korschelt eine eingehendere wis- senschaftliche Arbeit über den Gegenstand »Ueber Sake« von O. Korschelt. 16. Heft 1878 derselben Zeitschrift. und endlich 1881 eine zweite von Atkinson, eine beachtenswerthe Abhandlung »The Chemistry of Saké-Brewing by R. W. Atkinson«. Memoirs of the Science department Tôkio. Daigaku 1881. , welche die vorausgegangene von Korschelt in vielen Stücken ergänzt und gleich jener auch für das hier Folgende mitbenutzt wurde. Wie es scheint, lernten die Japaner den Sake zu Anfang des dritten Jahrhunderts während ihrer ersten Expedition nach Korea näher kennen, wenigstens datiert man die Einführung seiner Fabrikation aus dieser Zeit. Es war das chinesische Verfahren und wurde auch von China aus weiter vervollkommnet. Eine grosse Schwierigkeit bot viele Jahrhunderte hindurch die Sommerhitze, indem sie das Getränke 2. Nährpflanzen. leicht verdarb. Da entdeckte man vor etwa 300 Jahren in dem Er- hitzen desselben ein Mittel zu seiner Conservirung. Damals hatten die Sakefabriken zu Itami und Nishinomiya auf dem Wege (jetzt Eisenbahn) von Hiogo nach Ôzaka und von Ikeda bereits hohen Ruf, den sie sich bis zur Gegenwart aller Concurrenz gegenüber erhalten haben. Wie auch das Verfahren in einzelnen untergeordneten Dingen ab- weichen möge, so ist es doch der Hauptsache nach in allen Fabriken dasselbe. Ueberall benutzt man den gewöhnlichen Reis (Uruchi), und zwar stets im geschälten Zustande, niemals den Klebreis, doch viel- leicht einfach desshalb nicht, weil er ansehnlich theurer ist. Nach dem Vorgang der Japaner unterscheidet Korschelt bei der Sakebereitung vier Stufen, nämlich 1) die Darstellung des Kôji, 2) des Moto, 3) den Hauptprocess und 4) das Pressen und Klären. Atkinson trennt die Bereitung des Kôji ganz von den drei übrigen Abschnitten und fasst diese als eigentliche Saké-Brauerei zusammen. a. Bereitung des Kôji oder Reisferments . Das Mittel, durch welches in der Sakebereitung das Stärkemehl der Reiskörner umge- wandelt und für die alkoholische Gährung vorbereitet wird, das also dabei eine ähnliche Rolle wie die Diastase beim Malz spielt, heisst Kôji. Da es nebenbei auch in der Shôyûfabrikation, sowie sonst statt unserer Hefe in Anwendung kommt, ist seine Darstellung oft eine für sich bestehende und nicht blos mit der Sakefabrikation vereinte. Kôji hat im wesentlichen noch das Aussehen der geschälten Reis- körner, aus welchen es bereitet wurde, nur dass die meisten derselben zu grösseren oder kleineren Klümpchen locker vereinigt sind, und zwar durch die Myceliumfäden eines Schimmelpilzes (Eurotium Oryzae, Ahl- burg), welche in die gelockerte Zellschicht eingedrungen sind, während in den dichteren Zellen gegen die Mitte hin die Wandungen hornige Beschaffenheit angenommen haben, so dass die einzelnen Stärkekörner nicht mehr unterschieden werden können. Bei längerer Berührung mit Wasser löst sich ein ansehnlicher Theil dieser Kôjikörner auf und färbt dasselbe gelb. In warmem Wasser verläuft diese Veränderung noch rascher und vollständiger, so dass oft nur noch die Zellwandun- gen und Myceliumfäden ungelöst zurückbleiben. Auf diese Weise gehen zwischen 30 und 60 % des Kôji in Lösung über. Wie Atkinson ge- zeigt hat, besteht dieser lösbare Theil des Kôji vornehmlich aus Stärke- zucker und Dextrin, deren Verhältniss zu einander natürlich vielen Schwankungen unterworfen und besonders durch die Temperatur und die Dauer der Pilzwucherung bedingt ist. Unter Tane-kôji , d. h. Kôji-Samen versteht man ein feines gelbes Pulver, die Sporen des Pilzes, wie sich unter dem Mikroskop ergiebt. Rein , Japan. II. 8 I. Land- und Forstwirthschaft. Sake wird nur während der kältesten Monate, November bis Fe- bruar dargestellt, Kôji in derselben Zeit; doch fängt man mit seiner Bereitung oft schon im October an. Der geschälte Reis wird zunächst so lange mit frischem Wasser gewaschen, und dasselbe so oft erneuert, als es sich noch milchig trübt. In dem zuletzt zugeführten bleibt er eine Nacht liegen und wird dadurch weich; das übrige thun die Was- serdämpfe, welche man in einem eisernen Kessel entwickelt und durch den so vorbereiteten Reis streichen lässt, so dass von einer Keimung und Diastasentwickelung, wie bei unserer Malzbereitung, keine Rede sein kann. Ist der gedämpfte Reis so weich geworden, dass er sich leicht zwischen den Fingern zu Teig kneten lässt, so breitet man ihn auf Strohmatten zur Abkühlung aus und versetzt ihn dann, wenn diese bis zur Körperwärme vorgeschritten ist, mit Tane-kôji, wobei ein Thee- löffel voll des letzteren auf 4 To (73 Liter) des Reis gerechnet wird. Bei der Herstellung der Mischung werden die Pilzsporen erst mit einem kleinen Theil der Reismenge innig vermischt und dann die Mengung mit dem ganzen Haufen vorgenommen. So vorbereitet wird nun der Reis auf seiner Unterlage in warmen Räumen etwa 3 Tage lang der Entwickelung des Schimmelpilzes über- lassen. In den für sich bestehenden Kôjifabriken sind diese Räume unterirdische Kammern von 8—10 m Länge, 2 ½ m Breite und 1 ½ m Höhe, welche 3—4 m unter der Erde in Thonboden angelegt sind. Sie stehen durch schmale, niedrige Gänge, deren Oeffnungen mit Stroh- matten verhängt sind, in Verbindung mit dem Eingang einer quadra- tischen Schachtöffnung von 3—4 m Tiefe und 2 m Weite. Zweck die- ser ganzen Vorrichtung ist offenbar der, eine in den Kammern vor- handene höhere Temperatur längere Zeit constant zu erhalten. An beiden Längsseiten jeder Kammer ist eine Bank Erde von ½ m Höhe gelassen worden und nahe dem Eingang zur Kammer eine Vertiefung in derselben angebracht, in welche man die Matten mit dem eingeschlagenen Reis legt und über Nacht einer Temperatur von 25—26° C. überlässt. Am folgenden Morgen wird der Reis mit den Händen durchgearbeitet, um das Zusammenballen zu beseitigen. Gegen Nachmittag findet man ihn mit dem Mycelium des Pilzes in Gestalt eines weissen Filzes überzogen. Man schüttet ihn nun in Körbe und besprengt ihn während häufigen Umschüttelns mit kaltem Wasser. Als- dann vertheilt man ihn auf Brettchen mit Randleisten und stellt diese neben einander auf die Bänke der Kammern. Während der 1 ½ Tage, welche der Reis hier bleibt, wird er mehrmals mit den Händen durchge- mengt, um die mit Filz verbundenen Körner zu trennen. Endlich nimmt 2. Nährpflanzen. man am Morgen des fünften Tages (vom Waschen des Reis an gerechnet) die Brettchen mit dem fertigen Kôji aus den Kammern und bewahrt sie an einem kühlen, luftigen Orte übereinandergestellt bis zum Verkauf oder Verbrauch des Kôji auf, das sich so mehrere Monate hält, ohne durch Sporenbildung, welche gelbe Flecken andeuten, zu verderben. Durch die Pilzentwickelung steigt in einer Luftwärme der Kammern von 20° C. die Temperatur des Reis auf 25—28° C., und noch höher am Morgen, da dann die Entwickelung des Pilzes lebhafter ist, als am Nachmittag. In den Sakefabriken wird Kôji in ganz analoger Weise darge- stellt, nur sind die Kammern kleiner und weniger tief in die Erde eingesenkt. Tane-kôji stellt man nur gegen das Frühjahr dar, indem man die Pilzwucherung noch 1—2 Tage länger, als bei der Kôjibe- reitung andauern lässt, zuletzt aber überdeckt. Die gewonnenen Spo- ren hebt man den Sommer über in einem luftdicht verschlossenen Topfe an einem trocknen, kühlen Orte bis zum Bedarf im Herbst auf. Den Winter über bedient man sich statt ihrer des Kôji selbst. b. Darstellung des Moto oder der Maische . Es ist dies eine trübe Flüssigkeit, welche Hoffmann Mutterwürze genannt hat (ob- gleich dies Wort ebensowenig, wie Maische die richtige Verdeutschung von Moto ist), das Product einer durch Kôji und Wärme angeregten Gährung, wodurch ein ansehnlicher Theil der Reisstärke in Dextrin, Stärkezucker und schliesslich in Alkohol übergeführt wird. Ihre Dar- stellung erfordert etwa 14 Tage und ist beendet, wenn bei der Gäh- rung die Entwickelung der Kohlensäure bedeutend nachgelassen und die Flüssigkeit statt des früheren süssen Geschmacks, einen vorherr- schend säuerlich bitteren und scharfen alkoholischen angenommen hat. In den Sakefabriken wird am 3. oder 4. Tage, nachdem man An- fangs November mit der Darstellung des Kôji begonnen hatte, ein neues Quantum Reis gedämpft und bis zum folgenden Morgen auf Matten ausgebreitet. Alsdann mischt man dasselbe mit Kôji und Wasser zu einem dicken Brei. Das Verhältniss, in welchem dies geschieht, ist nicht sehr schwankend, dem Volum nach wie Reis : Kôji : Wasser 10 : 3,6 : 11,1 , und dem Gewicht nach wie 10 : 4 : 12 des trocknen geschälten Reis, welcher zum Dämpfen, beziehungsweise zur Kôjibereitung in Anwendung kam. In den berühmten Fabriken zu Itami und Nishinomiya mischt man 0,5 Koku gedämpften Reis mit 0,2 Koku Kôji und 0,6 Koku Wasser und nennt auch dieses Gemisch ein Moto . Dieses Moto wird in sechs gleichen Theilen auf eben so viele 8* I. Land- und Forstwirthschaft. flache cylindrische Holzkübel, Han-kiri genannt, von 100 Litern Inhalt vertheilt, so dass jeder Kübel kaum zum 5. Theil voll ist. Hier wird nun die Masse zwei Stunden lang mit den Händen durchknetet und durchmengt, bildet dann einen steifen, dicken Brei, und wird nachher 24 Stunden lang sich selbst überlassen, währenddem sich die Steifheit vollständig verliert, die Masse dünner und beweglicher wird. Nun- mehr wird ein ruderartiges Rührscheit, Kai (Ruder) genannt, hinein- getaucht und das Gemisch damit während mehrerer Tage oftmals gründlich umgerührt. Die milchige Flüssigkeit, welche sich mehr und mehr bildet, zeigt durch ihren süssen Geschmack den Stärkezucker an, in welchen unterdess ein ansehnlicher Theil Stärke übergegangen ist. Die gegen das Ende dieses Processes mehr und mehr wahrnehm- bare Kohlensäure lässt aber zugleich erkennen, dass die alkoholische Gährung trotz der niedrigen Temperatur bereits begonnen hat. Die letztere entsprach nämlich die ganze Zeit über derjenigen der äusseren Luft und bewegte sich zwischen 0° und 10° C. Korschelt macht da- rauf aufmerksam, dass sie nöthig sein dürfte und die Sakebereitung sich überhaupt unter den gegebenen Verhältnissen desshalb auf die 4 kältesten Monate beschränken müsse, weil sonst Sporenbildung des Pilzes (Eurotium Oryzae Ahlb.) im Kôji eintreten würde. Nach spätestens 6 Tagen ist dieser Process beendet. Man giesst nun den Inhalt von je drei Han-kiri in einen grösseren Gährbottich (Moto-yoshi-oke), der etwa 6 hl. fassen kann und lässt ihn hier einen Tag lang in Ruhe. Dann folgt Erwärmung der Maische, um die al- koholische Gährung zu beleben. Es geschieht dies durch kochendes Wasser. Kegelförmig sich nach oben verengende, allseits dicht ver- schlossene Holzkübel, Daki genannt, unten 30 cm, oben 23 cm weit und 50 cm hoch, werden damit gefüllt, in die Masse eingetaucht und hin und her bewegt. Zu dem Zweck hat jeder Daki oben einen Griff, befestigt an zwei über den oberen Rand hervorragenden Ohren. Nach etwa 12 Stunden wird der abgekühlte Kübel durch einen andern mit kochendem Wasser ersetzt, und so fährt man in grösseren oder kleineren Intervallen je nach Bedürfniss bis zum 14. Tage, dem Ende der Motobereitung, fort. Während dieser Zeit hatte man die Gährkübel mit Strohmatten umhüllt, um die Abkühlung von aussen möglichst zu verringern. Im Innern steigert sich die Temperatur all- mählich, zum grössten Theil mit und durch die zunehmende Gährung bis auf etwa 25° C., in andern Fabriken sogar bis 30° C. Ist dieser Gährungsprocess seinem Ende nahe, so vertheilt man den Inhalt der Kufen wieder auf die Han-kiri, und lässt in ihnen allmählich abkühlen. Die Zusammensetzung des fertigen Moto ist selbstverständlich sehr 2. Nährpflanzen. verschieden. So schwankt z. B. der Alkoholgehalt zwischen 3 und 14 %. Atkinson fand in solchem von Nishinomiya Alkohol 10,5 %, Stärkezucker 0,2 %, Säure 0,56 %, Stärke und Cellulose 16,58 % und 72,16 % Wasser. c. Der Hauptprocess . Verfahren und Vorrichtungen sind auch bei ihm im wesentlichen allenthalben dieselben. In Gebrauch kommen u. A. nach einander dreierlei eimerartige Bottiche, die sich nach oben etwas ausweiten und deren mittlere Weite die Höhe um 15—25 cm übertrifft. Nach letzterer unterscheidet man sie als San-shaku-oke, Shi-shaku-oke und Roku-shaku-oke, d. h. Drei-, Vier- und Sechs- Fuss-Bütten. Sie können beziehungsweise ungefähr 5, 10 und 33 Koku, oder die doppelte Menge Hectoliter fassen, werden aber beim Gebrauch nur bis zur Hälfte gefüllt, um für die Gährung Raum zu lassen. Man verfertigt sie in der Regel aus weichem Sugi-(Cryptomeria-)Holze. Der Gährungsprocess zerfällt in den grösseren Fabriken in drei Stufen, welche man als Soye, Naka und Shimai (Anschluss, Mitte und Ende) bezeichnet. Zur Verwendung für Soye kommen wiederum gedämpfter Reis (Mushi-han), Kôji und Wasser, ausserdem Moto, und zwar in folgendem Verhältniss: Itami Nishinomiya Mushi-han 1,30 Koku 1,05 Koku Moto 1,30 ‒ 1,33 ‒ Kôji 0,35 ‒ 0,35 ‒ Wasser 1,30 ‒ 1,15 ‒ 4,25 Koku 3,88 Koku. Das Gemisch wird in der hier angegebenen Menge in ein San- shaku-oke übergeführt und dort während 2—3 Tagen nach je 2 Stun- den einmal gründlich umgerührt. Während dieser Zeit entwickelt sich mit zunehmender Gährung und bei einer Temperatur von etwa 20° C. (gegenüber 10° C. an der Luft) ein angenehm aromatischer, scharf- stechender Geruch. Das Soye ist nun beendet. Die Masse wird auf zwei andere Drei-Fuss-Bütten gleich vertheilt und eine frische Menge von gedämpftem Reis, Kôji und Wasser zugefügt, und zwar in folgen- dem Verhältniss: zu Itami, zu Nishinomiya Soye 4,25 Koku 3,88 Koku Mushi-han 2,00 ‒ 1,80 ‒ Kôji 0,65 ‒ 0,60 ‒ Wasser 3,90 ‒ 2,40 ‒ 9,90 Koku 8,68 Koku, I. Land- und Forstwirthschaft. so dass in Itami 4,95 Koku, in Nishinomiya 4,34 Koku in jeden der beiden Bottiche kommen. Auch diese Mischung wird nach je 2 Stun- den einmal tüchtig umgerührt, doch nur einen Tag lang, womit das Naka beendet ist. Abermals wird nun die gegohrene Masse einer jeden Bütte unter zwei weitere vertheilt und von neuem gedämpfter Reis, Kôji und Wasser darunter gemischt. Das Verhältniss der neuen Mischung für Shimai, die letzte Stufe der Gährung, ist folgendes. zu Itami, zu Nishinomiya Naka 9,90 Koku 8,68 Koku Mushi-han 3,30 ‒ 3,60 ‒ Kôji 1,00 ‒ 1,20 ‒ Wasser 4,20 ‒ 6,20 ‒ 18,40 Koku 19,68 Koku. Von dieser Menge kommt demnach die Hälfte auf jeden Bottich und wird darin ebenso behandelt, wie in den beiden vorausgegangenen Fällen. Nach 3 Tagen trägt man jedoch das ganze, auf 4 Bütten ver- theilte Gemisch in eine grosse Roku-shaku-oke allmählich ein, worin zunächst eine viel lebhaftere Gährung eintritt, die aber nach 2 bis 3 Tagen allmählich abnimmt. Der Schaum sinkt, die Flüssigkeit ist stark alkoholisch und nun für den Schluss der Arbeiten bereit. d. Das Pressen und Klären . Das Auspressen der noch lang- sam fortgährenden flüssigen Maischmasse wird durch eine ähnliche Winkelpresse bewirkt, wie das der Shôyû (siehe Nr. 6 dieses Ab- schnitts). Man füllt sie in dicht gewobene, durch Shibu Shibu ist der gerbsäurereiche Saft unreifer Früchte von Diospyros Kaki. gestärkte, hanfleinene Beutel, legt diese dann neben- und kreuzweise über ein- ander in einen starken würfelförmigen Kasten und schliesst oben mit einer Platte (oder mehreren kleiner werdenden über einander), von geringerer Grösse als der Boden des Presskastens. Auf diesen Deckel drückt nun als einarmiger Hebel ein langer Balken, dessen eines Ende drehbar einem starken Pfosten eingefügt ist, während das andere mit 600—900 kg. Gewicht herunter gezogen wird. Auf der vorderen Seite jenes Kastens befindet sich nahe dem Boden die Ausflussvorrichtung, durch welche der trübe Sake in ein darunter befindliches Gefäss ge- leitet wird. Behufs Klärung überträgt man ihn in ein stehendes Fass, das nahe dem unteren Boden und in einiger Entfernung von einander zwei Ausflussöffnungen über einander hat. Während der Sake hier 14 Tage lang ruhig steht, sinken alle festen Verunreinigungen zu Boden. Durch Oeffnen des oberen Hahns fliesst dann der Sake von dem darunter befindlichen Bodensatz klar ab. Er wird in Fässer oder 2. Nährpflanzen. geschlossene Kübel gefüllt und bedarf später bei nahendem warmen Wetter nur noch des Erwärmens, um ihn haltbar zu machen, wie das bereits im Eingang angedeutet wurde. 2) Shôchû ( Shôchiu ). Sake enthält, wie die nachfolgende Tabelle von Analysen zeigt, 11—14 % Alkohol. Aus den Press- rückständen, welche vornehmlich aus Stärke und Cellulose bestehen und 6 % Alkohol haben, wird durch eine einfache Vorrichtung ein Destillat bereitet, das den Namen Shôchû führt und 20—50 % Al- kohol aufweist, so dass es darin mehr dem Schnaps, als dem Wein- geist entspricht, obwohl man das Wort gewöhnlich mit Alkohol über- setzt. Shôchû wird vornehmlich zu Mirin verwandt. Eine in Kiushiu, besonders Satsuma bereitete Sorte Shôchû führt den Namen Awamori . 3) Shiro-sake , weisser Sake, ist ein weisses, süsses Getränk, vom Aussehen der Milch, das man dadurch bereitet, dass man Kleb- reis (Oryza glutinosa) in Mehl verwandelt, mit Wasser mischt und etwas Sake zusetzt. Beim Hina-matsuri oder Sangatsu-no-sekku, dem Puppenfeste Siehe Rein , Japan I pag. 506 und 509. , wird es den Puppen und deren Freundinnen vor- gesetzt. 4) Mirin ist ein gelb bis braun gefärbter, ölig dickflüssiger, süsser Liqueur vom Alkoholgehalt des Sake oder darüber, und einem eigenartigen, oder durch fremde Beimischungen erzeugten Aroma. Derselbe hält sich viele Jahre hindurch und wird mit dem Alter — Komirin , alter Mirin — dunkler, dickflüssiger und geschätzter. Unter dem Namen Toso-shû oder Toso wird Mirin besonders viel zu Neujahr getrunken, nicht blos in jedem Hause nach der ersten Be- glückwünschung vom jüngsten bis zum ältesten Familiengliede, die dabei alle im Kreise sitzen, sondern auch bei den gegenseitigen Be- suchen. Seine fabrikmässige Darstellung ist gewöhnlich mit der des Sake verbunden. Eine grosse und ihres Mirin’s wegen berühmte Fabrik ist diejenige zu Nagare-yama am Yedo-gawa, 5 deutsche Meilen nörd- lich von Tôkio. Zur Mirinbereitung werden gedämpfter Mochi-gome oder Klebreis, Kôji und Shôchû angewandt, doch nicht immer in glei- chem Verhältniss. Zu Itami z. B. mengt man 9 Koku Mochi-gome mit 3,3 k. Kôji und 14 k. Shôchû, zu Nagare-yama dagegen 13 Theile Mochi-gome mit 4 ½ Theilen Kôji und 10 Theilen Shôchû. Das Ge- misch wird in grossen Fässern jeden zweiten Tag einmal umgerührt, sonst aber bedeckt gehalten. Es kommt des vielen Alkohols wegen I. Land- und Forstwirthschaft. nicht zur Gährung, sondern blos zur Umwandlung eines Theils Stärke in Dextrin und Zucker. Nach 20—40 Tagen beendet man den Process und presst die Masse aus. Der Mirin wird hierauf ähnlich wie Sake geklärt und dann in geschlossenen Gefässen beliebig lange aufbewahrt. Nachträge . a. Chemische Zusammensetzung von Sake, Mirin und Shôchû nach Analysen von Atkinson . I. ist das Mittel aus vier Analysen von Sake aus Itami. II. ist das Mittel aus fünf Analysen von Sake aus Nishinomiya. III. ist das Mittel aus acht Analysen von Mirin verschiedener Be- zugsquellen. Der Alkoholgehalt schwankt zwischen 10 % und 18 ½ %, der Zuckergehalt zwischen 17,8 % und 30,1 %. IV. ist das Mittel aus fünf Analysen Shôchû, in denen sich der Spiritusgehalt zwischen 26 % und 50,2 % hält. b. Statistische Angaben über vorerwähnte alkoholische Getränke . Im Jahre, welches mit dem 30. September 1880 endete, wurden in Japan an alkoholischen Flüssigkeiten, abgesehen von fremder Ein- fuhr Welche vornehmlich den Europäern und Amerikanern zufällt. , versteuert 5 207 970 Koku = 9 389 970 Hektoliter. Die Ge- sammteinnahme des Staates aus dieser Quelle betrug 6 459 570 yen = 25 838 280 Mk. Die Bevölkerung zu 34 Millionen gerechnet, ent- fielen sonach auf jeden Kopf derselben 27,6 Liter geistige Getränke und 76 Pf. Abgabe für dieselben. Die letzteren sind übrigens seitdem 2. Nährpflanzen. verdoppelt worden, ohne dass Production und Consum dadurch sich vermindert haben. Obige Menge und Steuer vertheilte sich wie folgt: 5) Ame ist ein unreiner Stärkezucker, vermischt mit Dextrin und Wasser, welcher in zweierlei Zuständen in den Handel kommt, näm- lich einmal unter dem Namen Midzu-ame (Wasser- oder flüssiger Ame) mit grösserem Wassergehalte als ein sehr zäher gelber Syrup, und sodann als Ame, eine in hohem Grade elastische, teigartige Masse, welche in runde oder prismatische Stangen gezogen und als beliebte Leckerei eine grosse Anziehungskraft auf die Kinder ausübt, nament- lich dann, wenn der in den Strassen umherziehende Händler zugleich Künstler ist und aus der weissen oder gefärbten und etwas erwärmten plastischen Masse allerlei Figuren formt. Sobald der Ton des Glöck- chens oder einer Triangel, welche er in der Hand hält, und der Ruf »Amai! Amai!« d. h. »Süsses! Süsses!, oder »Amai to karai« (Süsses und Scharfes), oder irgend ein anderer wohlbekannter ertönt, ist er eines ansehnlichen Gefolges sicher. Im Haushalte ersetzt Midzu-ame vielfach den Zucker und findet mancherlei Verwendung. Auch dient er in der Färberei und zur Dar- stellung von Mirin. Die beste Sorte ist von klarer, gelber Farbe, wird gewöhnlich von ital. Hirse bereitet und desshalb Awa-no-midzu- ame genannt. Ame und Midzu-ame wird aus ital. Hirse (Awa), Kleb- oder Kuchenreis (Machi-gome) oder gewöhnlichem Reis (Uruchi) bereitet. Die Darstellung hat R. W. Atkinson Transactions As. Soc. Japan Vol. VII pag. 313—322. in eingehender Weise mit- getheilt, so dass ich hier darauf verweisen und mich mit dem wesent- lichsten derselben begnügen kann. Das Getreide wird zunächst in kaltes Wasser zum Aufquellen ein- I. Land- und Forstwirthschaft. getragen, darauf durch Wasserdampf, welchen man in einem eisernen Kessel entwickelt, weich gekocht, dann in flache hölzerne Bütten ge- schüttet und mit Matten überdeckt, bis ein grösseres Quantum in gleicher Weise vorbereitet ist. Gerstenmalz, jap. Moyashi , welches in ähn- licher Weise wie bei uns bereitet wird, nur mit längeren Keimen, und vor seiner Verwendung in Wasser gequellt wurde, mischt man nun mit weichem Getreide und mit warmem Wasser und trägt dann die Mischung, welche ungefähr 60° C. warm ist, in eine Holzkufe ein, wo sie mindestens 6 Stunden ruhig stehen bleibt. Die Schalen und andere unlösliche Bestandtheile sinken hierbei zu Boden, während sich darüber Midzu-ame als klare Flüssigkeit sammelt. Sie wird sorg- fältig davon getrennt, aus dem Rückstand aber durch Auspressen in Hanfbeuteln noch eine zweite, untergeordnete Qualität erhalten. Das Verhältniss, in welchem die Bestandtheile der vorerwähnten Mischung genommen werden, richtet sich nach der Beschaffenheit des Stärkelieferanten und andern Rücksichten. Durchschnittlich kommen aber auf 5 To des gedämpften Getreides 5 Shô (½ To) Malz und 8 To warmes Wasser. War der Reis vorher geschroten, oder bestand er aus den Abfällen beim Schälen desselben, so verringert sich die Menge des nöthigen Malzes. Anderseits leuchtet aber auch ein, dass ein reicherer Malzverbrauch die Ueberführung einer grösseren Menge Stärke in Dextrin und Zucker und somit die Erzielung eines süsseren Ame bewirken wird. Die durch Decantierung gewonnene Flüssigkeit ist Midzu-ame in sehr verdünntem Zustande. Behufs grösserer Concentrierung wird sie rasch bis zur erforderlichen Consistenz eingedampft. Es geschieht dies in eisernen Pfannen während 3—6 Stunden und einer etwas län- geren Zeit zur Erzielung des festen, weissen Ame, den man stets aus Reis, insbesondere Klebreis bereitet. Die erstarrte Masse ist anfangs durchscheinend. Man rollt sie auf Brettern in dicke Stränge, zieht dieselben in die Länge und bearbeitet den Stoff so lange, bis eine opake, weisse Farbe eingetreten ist und derselbe nicht mehr an den Fingern klebt. Bei dieser Behandlungsweise vermehrt sich das Volu- men derart, dass fertiger Ame auf dem Wasser schwimmt, während Midzu-ame darin sofort untersinkt. Aus den Analysen der verschiedenen Ame-Sorten, welche Atkin- son machte, wurde die nachfolgende Tabelle berechnet und zusammen- gestellt. I ist das Mittel von 6 derselben, II, III und IV von je zweien. Das übrige ergibt sich aus der Uebersicht selbst. 2. Nährpflanzen. 6) Shôyû , die japanische Bohnensauce, auch Soja, engl. Soy genannt, beides Corruptionen des japanischen Namens, stellt eine dunkelbraune Flüssigkeit von angenehm aromatischem Geruch und eigenartigem, salzigem Geschmack dar. Sie schäumt beim Schütteln gelb auf und hinterlässt an der Wand des Glasgefässes einen deut- lichen fettglänzenden Rand, so dass die japanische Bezeichnung, welche Salzöl bedeutet (shô = Salz, yû = Oel), ganz passend ist. Das speci- fische Gewicht, welches Kinch zu 1,199 angibt, dürfte je nach der Bereitungsweise nicht unwesentlich variieren. Derselbe Autor fand in 1 Liter als Gesammtgewicht des festen Rückstandes 359,88 gr, Asche (vornehmlich Chlornatrium) 195,16 gr, Zucker 31,03 gr, stickstoffhal- tige Bestandtheile 41,00 gr, freie Säure (Essigsäure?) 6,20 gr. Zur fabrikmässigen Darstellung der Shôyû, wie ich sie in Kiôto kennen gelernt habe, verwendet man Weizen (Ko-mugi), hellgelbe Sojabohnen (Shiro-mame), Kochsalz (Shio od. Shô) und Wasser (Midzu), und zwar gleiche Theile der beiden ersteren, 3 Theile Wasser und 5—6 Theile Salz. Anderwärts pflegt man gleiche Volumtheile aller vier Bestandtheile zu nehmen. Ein kleiner Theil des Weizens wird mit Kôji (Reisferment) zur Gährung gebracht, das übrige in Eisen- pfannen über Kohlenfeuer schwach hellbraun geröstet und dann auf kleinen Handmühlen gemahlen. Die Sojabohnen werden mit wenig Wasser in eisernen Kesseln etwa einen halben Tag lang weich ge- kocht und darauf zu Brei zerstampft. Weizenmehl, Bohnenbrei und der fermentierende Weizen werden nunmehr innig gemengt, in kleine Holzkästchen gefüllt und an einem geeigneten Raume drei Tage lang bei einer möglichst gleichmässigen Temperatur von etwa 25° C. der Gährung ausgesetzt, wobei sich die Masse mit Schimmelpilzen be- deckt. Nach Hoffmann : Mittheilungen der Ges. Ostasiens 6. Heft pag. 98 pflegt man die Weizenkörner nur grob zu schroten und die Bohnen nicht zu zerstossen, sodass eine Diastasbildung eintritt, ähnlich wie bei der Malzbereitung. Man trägt dieselbe sodann in oben offene Fässer, fügt das nöthige I. Land- und Forstwirthschaft. Quantum Salz und Wasser hinzu und erhält durch innige Vermengung einen Brei, welcher in grosse offene Bottiche übergeführt wird, die an die Maischbütten der Bierbrauer erinnern. Nach Hoffmann Mitth. d. deutsch. Gesellschaft Ostasiens. Heft 6. kann ein jeder derselben 20—30 000 Liter fassen; ich fand sie in Kiôto wesentlich kleiner, etwa 2 m tief und 1,2 bis 1,6 m weit. In diesen Kufen wird nun der anfangs dicke Brei den Winter über täglich einmal mehrere Minuten lang gründlich durch- und um- gerührt. In der heissen Jahreszeit, wo die Fermentation rascher ver- läuft und die festen Theile sich mehr an der Oberfläche sammeln, ist ein zwei- bis viermaliges Umrühren täglich geboten. Der Arbeiter bewirkt dasselbe mit einer Art hölzerner Schaufel an langem Stiele und steht dabei auf dem Rand der Bütte. Eine landläufige Redensart sagt, Shôyû werde um so besser, je mehr Ratten in den Bütten ihren Tod fänden, und drückt, wenn sie auch nicht wörtlich zu nehmen ist, doch immerhin die lange Zeit aus, welche man zur Shôyûfabrikation braucht. In der That schwankt dieser Zeitraum, der in der Regel im Herbst nach der Ernte der Sojabohnen beginnt, zwischen 20 Monaten und 5 Jahren. Bei diesem langsamen und eigenartigen Gährungsprocess wird ein ansehnlicher Theil der Stärke in Dextrin und Zucker verwandelt, daneben aber auch Milch- und Essigsäure gebildet. Der anfangs dicke Brei wird im Laufe des- selben immer dünner und flüssiger, zugleich geht seine graue Farbe allmählich in eine trübbraune und schliesslich in eine rein dunkel- braune über. Die letztere Farbe und das angenehme Aroma ent- wickeln sich gleichzeitig mit einem bitteren Geschmack vornehmlich zwischen dem dritten und fünften Jahr. Die nach Aussehen, Geruch und Geschmack am meisten geschätzte Shôyû wird nur durch Mischung gleicher Quantitäten des dreijährigen und des fünfjährigen Produkts erhalten. Man trägt das Gemisch in grobe, starke, dichtgewobene baumwollene oder hanfleinene Beutel, die man durch Eintauchen in Shibu (siehe dieses) noch dichter gemacht hat. Diese 60—70 cm langen und 18 cm breiten Beutel werden schlaff gefüllt und dann in einen grossen viereckigen Kasten schicht- und kreuzweise neben und über einander gelegt. Ist derselbe auf diese Weise gefüllt, so wird ein schwerer Holzdeckel aufgelegt und nun diese Vorrichtung der Wir- kung einer sehr einfachen Winkelpresse ausgesetzt, wobei man das Ende des 4—5 m. langen Hebelarms mit Steinen beschwert. Die ausgepresste Shôyû fliesst durch eine Oeffnung auf dem Boden des Kastens in ein Bambusrohr und durch dieses nach einem in der Erde 2. Nährpflanzen. eingegrabenen Fass und ist nun zur Verwendung fertig. Aehnlich, wie bei der Oelgewinnung, ist auch hier die zuerst erhaltene Menge die werthvollste. Durch fortgesetztes Pressen unter erhöhtem Druck erzielt man eine zweite Qualität, und endlich eine dritte hellflüssige und wenig aromatische dadurch, dass man die Pressrückstände mit Salzwasser mischt und das Gemenge von neuem auspresst. Shôyû kommt in Holzgefässen von 1 To (20 Liter) Inhalt zum Verkauf. Nach Hoffmann war früher der Preis von einem To der besten Sorte 1,5 yen = 6 Mk., der zweiten etwa 3—4 Mk. und der letzten 2 Mk. Durch langen Seetransport und eintretende Schimmelbildung geht das liebliche Aroma und der angenehme Geschmack leicht verloren. Im guten Zustande aber erweist sich Shôyû als vortreffliches Mittel, den Appetit anzuregen und die Verdauung zu fördern; sie ist zu diesem Zweck, wie Oberstabsarzt Hoffmann weiter mit Recht hervor- hebt, wegen ihrer völligen Unschädlichkeit für den menschlichen Or- ganismus europäischen Präparaten, die gleichen Zwecken dienen sollen, weit vorzuziehen. Ihre hohe Bedeutung für die japanische Küche hebt derselbe mit folgenden zutreffenden Worten hervor: »Die Bohnensauce — Shoju — ist dem Japaner fast eben so un- entbehrlich, wie der Reis, und ihr Gebrauch so allgemein, wie der von Thee und Tabak. Der reiche Mann und der Bettler benutzen sie in gleicher Weise, nur in verschiedener Qualität, als die Haupt- würze ihrer Mahlzeiten, und in keinem Hause, ja bei keiner Mahl- zeit darf sie fehlen.« — 7) Miso ist eine dickflüssige, in Wasser leicht vertheilbare, weisse oder rothbraune Sauce, zu deren Darstellung ebenfalls Shiro- mame, oder gelbweisse Sojabohnen, Salz und Wasser gehören, ausser- dem auch noch Kôji oder fermentierender Reis. Das Verhältniss, in welchem diese Substanzen genommen werden, ist nicht immer das gleiche, noch das Verfahren bei ihrer Verwendung. Die Bohnen pflegt man einen halben Tag lang in Wasser zu quellen, hierauf in einem grossen Kessel weich zu kochen und endlich zu Brei zu zer- reiben. Dieser Brei wird dann mit Kochsalz, Kôji und Wasser ver- mischt und die Mischung ein oder mehrere Jahre an einem kühlen Ort sich selbst überlassen. Miso verdirbt nicht und soll nach drei Jahren am besten sein. Die Verwendung desselben, vornehmlich zu Suppe, aber auch zu verschiedenen andern Speisen, ist eine allge- meine und in vieler Beziehung ähnlich derjenigen der Shôyû. Eine Analyse von Komaba ergab 50,40 % Wasser, 8,25 % Faser, 12,50 % Asche (Salz), 0,61 % Zucker, 10,08 % Legumin und 18,16 % lösliche Kohlenhydrate. I. Land- und Forstwirthschaft. 8) Tôfu , engl. Bean-curd, deutsch und franz. weniger passend Bohnenkäse und Fromage de Pois Siehe Ritter : Mittheil. der deutsch. Ges. Ostasiens. 5. Heft pag. 4, und St. Julien , Industries de l’Empire Chinois. Paris 1869. genannt, ist ein in Japan und China aus gelben Sojabohnen dargestelltes, werthvolles Nahrungs- mittel, das aus frischem geronnenen Legumin besteht, so dass die englische Bezeichnung zutreffender ist, als die unsrige. Folgendes ist die einfache Bereitungsweise desselben: Die gelben Sojabohnen werden während 12—24 Stunden in kaltem Wasser, oder eine kürzere Zeit hindurch in warmem zum Aufquellen gebracht und dann zwischen den Steinen einer Handmühle unter Zu- fügung von Wasser, das zur Maceration diente, zu einem dünnen Brei zerrieben, bei welchem die Wassermenge etwa zehnmal die der Bohnen übersteigt. Hierauf filtriert oder presst man das Ganze durch ein feines Sieb und bringt den Rückstand zum zweiten Mal in die Mühle. 10 Volumina dieses Filtrats fügt man nun zu 3 Vol. heissen Wassers in einem Kessel, der dadurch etwa zur Hälfte voll wird, und erhitzt bis zum Kochen. Nach dem Erkalten filtriert man durch einen Sack aus Baumwollzeug und schliesst durch Drücken unter der Hebelpresse. Wie bei unsern Suppen aus Hülsenfrüchten, befindet sich nun das Legumin gelöst im Filtrat. Zu seiner Coagulierung und Abscheidung wird demselben Shio-no-nigari (Salzbitter), d. h. die vornehmlich aus Chlormagnesium bestehende Mutterlauge von der Seesalzgewinnung zu- gesetzt und dabei beachtet, dass der Niederschlag sich allmählich und ruhig absetzt. (In China setzt man nach den Angaben von St. Ju- lien noch gebrannten Gips zu.) Hat sich die Flüssigkeit geklärt, so wird sie behutsam abgeschöpft, darauf der Niederschlag in viereckige Holzformen mit durchlöcherten, beweglichen Wänden gebracht, die mit einem Tuche ausgelegt sind. Dasselbe faltet man über dem Tôfu zu- sammen, legt dann ein Brett darüber und presst durch mässige Be- lastung mit Steinen den Tôfu aus. Endlich schneidet man durch breite Messer aus Messingblech die weiche, grauweisse Masse in Tafeln und bewahrt dieselben unter Wasser auf. Im Sommer kann dies nur für sehr kurze Zeit geschehen. Eine längere Conservierung wird durch Einlegen in Shôyû, Einsalzen und andere Mittel erzielt. Kori-tôfu , gefrorener oder Eis-Tôfu ist der schwammige, hornige Rückstand, welcher bleibt, wenn man gewöhnlichen Tôfu gefrieren lässt und dann an der Sonne aufthaut und trocknet, wodurch der Wassergehalt grösstentheils schwindet. Unter Yuba versteht man 2. Nährpflanzen. ein drittes Präparat, aus bräunlichen, zähen Häuten bestehend, das dadurch erhalten wird, dass man die Leguminlösung zur Tôfubereitung unter Zusatz von etwas Holzasche kocht und die sich bildenden Häute der Reihe nach wegnimmt. 9) Undon , Macaroni, und Somen , Vermicelli. Sie werden wie bei uns aus Weizenmehl dargestellt und treten als Nahrungsmittel nirgends hervor. 10) Fu ist ein eigenartiges Gebäck, das man kaum Brod nennen kann, da es nach seiner Darstellung und Verwendung von solchem sich wesentlich unterscheidet. Man bereitet es aus Weizenmehl, welches man zunächst in ähnlicher Weise, wie für die Anfertigung von Nudeln behandelt, doch verwendet man eine geringere Sorte, eine Art Weizenschrotmehl. 2 Theile desselben werden mit Wasser und Salz stark geknetet. Hierauf wird der Teig mit Wasser ausgewaschen, um Kleie und Salz zu entfernen, und nach Zusatz von 2 Theilen Mehl des Mochi-gome (Kuchen- oder Klebreis) von neuem tüchtig geknetet. Es entsteht so ein ausserordentlich zäher, elastischer Teig, welcher, um das eingeschlossene Wasser zu entfernen, wiederholt durchschnitten und umgeformt wird. Endlich wird er in 2 Fuss lange cylindrische Formen gebracht, gebacken und das in kleine Scheiben zerschnittene Fu verkauft. Man erweicht sie in warmem Wasser und kocht sie mit andern Speisen. 11) Sembei (sprich Sémbé), ein ungesäuertes Gebäck aus dem Mehl des Klebreises oder Weizens, mit Zusätzen von Zucker und an- dern Ingredienzien und damit im Geschmack sehr verschieden, er- innert nach diesem und dem Aussehen oft an die ungesäuerten Oster- brote der Juden. Es kommt in der Regel in dünnen, gelbbraun ge- backenen Kuchen oder in Form kleiner Kringel zum Verkauf. Die Feilbietenden (meist Jungen) durchziehen oft die Strassen der Städte mit dem Rufe: »Sembei kaonaika?« — »Kaufen Sie keine Sémbé?« — oder »Sembei iri masenka?« — »Mögen Sie keine Sémbé?« 12) Ame-no-mochi . Nach einem alten, allbekannten Sprich- wort lässt sich über Geschmackssachen nicht streiten. Das gilt auch bezüglich der Art, wie der Japaner zum Theil das Mehl von Weizen, Buchweizen und Reis verwendet. Während er sich mit unserem Back- werk. soweit er es durch Portugiesen und Holländer kennen zu lernen reichlich Gelegenheit hatte, nie befreundet hat, sind ihm einige un- gegohrene und ungebackene Präparate aus Teig, namentlich wenn dieselben mit einem Gemisch von Bohnenmehl (Adzuki) und Zucker gefüllt sind, wahre Leckerbissen. Obenan stehen solche aus dem ela- stischen Teige des Kuchen- oder Klebreis (Mochi-gome), insbesondere I. Land- und Forstwirthschaft. Ame-no-mochi. Die kleinen Teigkuchen dieses Namens, etwa von der Gestalt und Grösse eines frischen Handkäses, blos aus dem Mehl von Mochi-gome, oder vermischt mit etwas Gersten- oder Weizenmehl und mit Bienenhonig (Hachi-midzu) oder Zucker überdeckt, bietet man u. A. an verschiedenen Stellen der alten Landstrassen, z. B. dem Tô- kaidô, feil und macht in den japanischen Beschreibungen des Weges ganz besonders darauf aufmerksam. 13) Satô, Zucker , wird in den wärmeren Provinzen Japans (Satsuma, Hizen, Tosa, Sanuki, Awa, Aki, Kii, Ise, Owai, Mikawa, Tôtômi und Suruga), besonders aber auf den Riu-kiu-Inseln aus Zucker- rohr, jap. Satô-kibi , d. h. Zuckerhirse gewonnen. Es ist das so- genannte chinesische Zuckerrohr (Saccharum sinense Roxb.), eine aus China stammende, kleine, aber niedrigen Temperaturen gegenüber harte und widerstandsfähige Sorte, welche man in den angeführten Provinzen in bescheidenem Umfang baut. Indess ist diese Widerstands- fähigkeit nicht so gross, um auch die Nachtfröste, wie sie selbst noch in Satsuma den Winter über gar nicht selten sind, auszuhalten. Da- her beschränkt sich dann die Cultur des Zuckerrohrs in Japan auf die Sommermonate, indem man es im 3. oder 4. Monat pflanzt und im 9., also nach nur sechsmonatlicher Vegetationsdauer, erntet. Es kann während dieser Zeit nicht zur Blüthe kommen, noch so reichlich Zucker entwickeln, wie Rohre von höherem Alter in geeigneteren Kli- maten. Das zur Vermehrung bestimmte Rohr wird den Winter über in einem frostfreien trocknen Raume in Erde und Sand eingeschlagen und dann im Frühjahr in Stücke geschnitten und auf bekannte Weise als Ableger verpflanzt. Die Zuckergewinnung bietet nichts bemerkens- werthes. Sie reicht für den Bedarf nicht aus, so dass noch ansehn- liche Mengen Rohzucker (weiss, gelb, dunkelbraun) aus Südchina (Swatau, Amoi und Canton), vornehmlich aber aus Formosa eingeführt werden müssen. Eine Raffinierung findet nicht statt. 14) Su, Essig, wird vornehmlich aus Sake bereitet. Geschätzter ist derjenige aus Mume-Pflaumen und mehr noch solcher aus Orangen. 15) Kanten oder Tokoroten , franz. Colle du Japon, Gélatine Végetale, engl. Japanese Isinglass, ist ein Präparat aus verschiedenen Algen, das wir als Algengallerte bezeichnen können. Es kommt von Japan aus viel nach China und in der Neuzeit auch zu uns in den Handel. Man benutzt es statt Gelatine, Hausenblase und ver- wandter Stoffe sowohl im Haushalte, wie auch in den Gewerben, z. B. als Appreturmittel bei Geweben. Zur Darstellung werden die Kanten-sô oder Kanten-gusa (d. h. Kanten-Kräuter) (Gelidium corneum Lamour. und verschiedene andere Florideen), nachdem man Rein, Japan II. Tafel I. Theestrauch, Camellia theifera. 3. Handelsgewächse. sie an der Luft getrocknet und bis zum Gebrauch trocken aufbewahrt hat, zuerst in frischem Wasser, worin sie bald zu einer gallertartigen Masse aufquellen, ausgesüsst und gereinigt. Hierauf kocht man sie in einem Kessel mit Wasser, wobei sie sich leicht und vollständig ver- theilen und lösen. Die klebrige Flüssigkeit wird nun durch einen hanf- leinenen Beutel in ein Gefäss gepresst, in welchem sie beim Erkalten zu Gallerte coaguliert. Diese Masse zerschneidet man sodann und trocknet die Stücke auf Bambusgeflecht oder Matten an der Luft völlig aus. Diese Algengallerte, welche unter dem unpassenden englischen Namen Isinglass (Hausenblase) in den Handel kommt und bei uns ge- wöhnlich als Agar-Agar verkauft wird, erscheint in der Regel in Gestalt unregelmässig prismatischer Stäbe mit quadratischem Quer- schnitt von 3 cm Breite. Die Länge derselben beträgt 28 cm, das Ge- wicht nur 11 bis 11,5 Gramm. Es ist eine runzlige, leichtzerbrech- liche membranartige Masse, ohne Geschmack und Geruch, meist von gelbweisser Farbe und dann halbdurchsichtig, zumal an den scharfen Kanten, oder blutroth, und dann mehr blätterig-brüchig. In kaltem Wasser schwellen diese Stäbe beträchtlich zu schwammigen, viersei- tigen Prismen mit concaven Seiten an, ohne sich förmlich zu ver- theilen; werden sie aber damit nur kurze Zeit erhitzt, so lösen sie sich wieder völlig darin auf. Die Lösung coaguliert beim Erkalten von neuem gleich Leim, sogar noch in verdünntem Zustande. Eine Analyse des Kanten In: Descriptive Catalogue, Intern. Health Exhib. London 1884. ergab 11,71 % Albumin (?), 62,05 % stickstofffreie Substanz (offenbar Schleim, das Pararabin Reichardt’s), 3,44 % Asche und 22,80 % Wasser. Das eigentliche Agar-Agar der Malayen, welches bei Singapore und im ganzen Malayischen Archipel viel gesammelt und vornehmlich nach China gebracht wird, besteht aus getrockneten Florideen, welche dem Gelidium corneum Lamx. nahe verwandt sind, insbesondere den Arten Sphaerococcus spinosus Ag. und S. isiformis. 3. Handelsgewächse. a. Alkoholfreie Stimulanten: Thee und Tabak . Thee . Die dem Monsungebiete Südostasiens angehörenden Bäume und Sträucher der Ternstroemiaceae weisen im Theestrauch und in der Ca- mellie zwei immergrüne Glieder auf, welche der Familie über die ganze civilisierte Welt Ansehen und Bedeutung verschafft haben. Beide Rein, Japan. II. 9 I. Land- und Forstwirthschaft. werden in China und Japan seit vielen Jahrhunderten ihrer Blätter, beziehungsweise Blüthen wegen cultiviert; aber während der Anbau des Theestrauchs im wesentlichen noch immer auf diese Länder be- schränkt ist und ihren zweitwichtigsten Handelsartikel liefert, dessen Gewinnung mit dem riesig wachsenden Verbrauch anderwärts gleichen Schritt hält, verbreitete sich die Aufzucht der Camellie über fast alle christlichen Länder der Erde, freilich meist nur im Schutz der Ge- wächshäuser und durch die Kunst der Gärtner. Diese allgemeine Werthschätzung und Verbreitung der Camellie gehört übrigens ebenso vorwiegend unserem Jahrhundert an, wie die des Theegenusses. Be- friedigen nun auch die erwähnten Pflanzen ganz verschiedene Sinne und Geschmacksrichtungen, so kennt man in der Heimat beider doch auch einen gemeinsamen Nutzen. Es ist der, welchen man theils aus ihrem festen Holze, theils und vor allem aus ihren ölreichen Samen zieht. Die Verwandtschaft, welche diese ökonomischen Seiten zwischen beiden Gewächsen erkennen lassen, ergibt sich in noch viel höherem Grade aus der näheren Betrachtung ihres ganzen Baues, zumal der Blüthen und Früchte, und ist in der That so gross, dass man in der Neuzeit vielfach den Theestrauch nur als eine besondere Art der Gattung Camellia ansieht (z. B. in Bentham \& Hooker’s: Genera plan- tarum), also generelle Unterschiede nicht anerkennt. Die Verbreitungsgeschichte der Theecultur weist gleich den Namen des Produkts in den verschiedenen Sprachen auf China als Ausgang hin. Im grössten Theil des chinesischen Reichs, namentlich auch in Peking und Canton, heissen die für den Handel zubereiteten Blätter und vornehmlich der daraus mittelst kochenden Wassers gewonnene Aufguss cha (tscha), und dies ist auch der Name dafür bei Japanern, Portugiesen und Russen (tschai). Die Benennungen: Thea, Thee, thé, té, te, tea u. A. scheinen auf die Provinz Fukien zurückzuführen, denn nach Williams (The Middle Kingdom) heisst der Strauch in Amoy tai und in Futschau ta. Ob nun aber China, das älteste Culturland des Theestrauchs, zugleich auch seine ursprüngliche Heimat und wel- cher Theil desselben dafür anzusehen ist, erscheint noch zweifelhaft. Im Jahre 1826 wurde die Theepflanze bekanntlich in den Dschungel- wäldern der Landschaft Assam in anscheinend wild wachsendem Zu- stande gefunden, aber das Vorkommen erst acht Jahre später näher bekannt. Thea assamica Masters bildet hier gerade so, wie die Ca- mellie im südlichen Japan wirkliche Bäume von 7—9 Meter Höhe mit hellaschfarbener Rinde und grossen elliptischen Blättern, durch letztere weit abweichend von den strauchförmigen und kleinblätterigen Formen des chinesischen Culturgebietes. 3. Handelsgewächse. Nach persönlichen Mittheilungen von Dr. Brandis war das Assam- thal noch im vorigen Jahrhundert dicht bevölkert und vortrefflich bebaut. Diese Cultur wurde jedoch durch die Einfälle der Birmaner zum grossen Theil vernichtet. Die Wälder nun, welche seitdem über alten Culturstätten herangewachsen sind, enthalten den Theebaum, und so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass derselbe trotz mancher Eigen- thümlichkeiten hier nur verwilderte und im wirklichen Naturzustande die Theepflanze möglicherweise in den noch unerforschten Urwäldern der benachbarten indo-chinesischen Grenzgebiete sich findet. Nach neueren Ansichten gehört nun aber der Theebaum vom Assamthale gleich den verschiedenen, in ihrer Entwickelung gehemmten Formen des in China und Japan cultivierten Strauches derselben Art an, die man als Camellia theïfera Griffth. oder Thea chinensis Sims. bezeichnet. Hiernach gelten als Varietäten mit mancherlei Ueber- gängen α Thea viridis L. β Thea Bohea L. γ Thea assamica Masters. Die allgemeinen Charaktere (Siehe Taf. I) sind folgende: Strauch oder Baum bis 9 m Höhe, mit hartem, lichtem Holze und starker Ver- ästelung. Rinde glatt, hellaschfarben, an die der Buche erinnernd, bei jungen Zweigen bräunlich. Krone dicht. Blätter abwechselnd, kurzge- stielt, elliptisch bis länglich lanzettförmig, am Rande scharf gesägt, aus- dauernd, glänzend dunkelgrün, doch viel weniger dick und lederartig steif wie bei Camellia japonica, in der Jugend mit weissem Flaum oder seidenen Härchen bedeckt, die bei weiterer Entwickelung abfallen. Blüthen nach dem Linné’schen System der 13. Cl. 1. Ordn. angehörend, fast geruchlos, regelmässig, einzeln oder zu 2—3 aus den Blattwinkeln, kurzgestielt. Kelch 5—6-blätterig, Krone regelmässig radförmig mit 1—1½ cm Durchmesser, weiss bis rosafarbig mit 6 Blumenblättern, von denen die 2 äussersten etwas kleiner als die 4 andern sind. Staub- gefässe zahlreich, radförmig ausgebreitet, Griffel dreispaltig, Frucht- knoten mit drei Embryonen. Frucht eine runde, dreifächerige, drei- samige Kapsel, aussehend, wie aus drei theilweise in einander ge- schobenen Kugeln bestehend, seitlich aufspringend. Die von harter Schale eingeschlossenen ölreichen Samen sind kugelrund, von der Grösse der Kirschkerne und der Färbung der Haselnüsse (a). Blüthe- zeit und Fruchtreife fallen September bis December, so dass die Samen fast ein ganzes Jahr zur Entwickelung bedürfen und in den kälteren Theedistrikten Japans, Chinas und der Himalaya-Landschaften in der Regel Nachtfröste die späteren Blüthen zerstören. Von den Abarten bildet Thea viridis L. einen grossen rasch wach- senden Strauch, der weniger empfindlich ist, als Th. Bohea L. Seine Blätter sind lanzettlich und erreichen oft 8—12 cm Länge bei ⅓ der 9* I. Land- und Forstwirthschaft. Breite. Am Rande sind sie grob und unregelmässig gezahnt, oft etwas wellig, dünn und im Treibhause lichtgrün. Die grossen Blüthen er- scheinen meist einzeln. Thea Bohea bleibt viel kleiner (doch gibt es in den Gewächs- häusern botanischer Gärten auch von ihm sehr grosse Exemplare; so hatte z. B. dasjenige zu St. Petersburg bis vor wenigen Jahren sowohl von Thea viridis, als auch von Th. Bohea Bäume aufzuweisen, welche etwa 60 Jahre, und bei 12—15 cm Stammdurchmesser eine Höhe von 5 m erreicht hatten) und ist empfindlicher gegen die Kälte. Die Aeste und Zweige sind gleich den Blättern steif, letztere überdies länglich- elliptisch, kaum halb so lang wie bei Th. viridis, meist 3—5 cm lang und halb so breit, glatt und regelmässig gesägt. Die Sträucher blühen reichlich und häufig mit 2—3 Blüthen in einem Blattwinkel. Thea assamica Masters bildet cultiviert ein schönes Bäumchen von 1 ½ m Höhe. Die Blätter sind gegenüber den chinesischen Sorten sehr gross, elliptisch zugespitzt, 10—15 cm lang und halb so breit, glatt und stark genervt. Ein Hybride zwischen der Assampflanze und dem chinesischen Theestrauch, welcher jetzt mit Vorliebe in Indien gepflanzt wird, verbindet den reichen Blattertrag und die Stärke des Aufgusses der indischen Stammform mit der Compactheit, Abhärtung und dem angenehmen Aroma der chinesischen. Nach Fortune wird Bohea vorzugsweise im Süden Chinas, in der Provinz Kuang-tung gezogen und zur Darstellung des schwarzen Thees benutzt, während Th. viridis den grünen Thee des Gebietes südlich des Jang-tse-kiang liefert, der vornehmlich über Schanghai und Ningpo verschifft wird. Zu seiner Ueberraschung fand er jedoch, dass auf den sogenannten Bohea Hills der theereichen Provinz Fukien, welche fast nur schwarzen Thee liefert, überall Th. viridis angebaut ist, und überzeugte sich bald, dass die verschiedene Farbe des Han- delsprodukts nur das Resultat der verschiedenartigen Zubereitung der Theeblätter ist, die letzteren also je nach der Behandlungsweise den grünen oder den schwarzen Thee des Handels liefern. In Japan, das fast nur grünen Thee erzeugt, kommt derselbe von mehreren Varie- täten niedrig gehaltener Boheabüsche. Die Form Th. viridis habe ich kaum irgend wo getroffen. Obgleich nun Fortune vornehmlich durch seine Reiseberichte aus China den weit verbreiteten Irrthum ver- scheuchte, als ob grüner und schwarzer Thee die Produkte ganz ver- schiedener Pflanzen, von Thea viridis und Th. Bohea beziehungsweise seien, so war er doch keineswegs der erste Schriftsteller, welcher das Verhältniss richtig stellte. Dies hat vielmehr schon Lettsom über ein 3. Handelsgewächse. halbes Jahrhundert zuvor gethan, indem er mit klaren Worten pag. 7 seines schönen Werkes über den Theestrauch Lettsom : The Natural History of the Tea-Tree. London 1799. , wie folgt sich äussert: »Es gibt nur eine Species dieser Pflanze, indem der Unterschied zwischen grünem und Bohea-Thee von der Natur des Bodens, der Cultur und Art, die Blätter zu trocknen, abhängt. Man hat sogar be- obachtet, dass ein grüner Theebaum, in den Bohea-Distrikt verpflanzt, Bohea-Thee liefern wird, und so das Gegentheil.« Die hervorragendsten Theedistrikte Indiens, Chinas und Japans fangen am nördlichen Wendekreis (bei Japan unter 33° N.) an und erstrecken sich bis zum 35. Parallel. In Japan ist der 40. Breitengrad, in China der 36. die äusserste Nordgrenze der Theepflanzungen. In Java hat man die Theegärten in der unteren Gebirgszone 1000— 1200 m über der See angelegt, in Indien befinden sich dieselben im allgemeinen in 800—1200 m Meereshöhe; in Assam und Chittagong je- doch nur 60—80 m hoch. An den unteren Temperaturgrenzen der Theecultur, sowohl im Himalaya, als auch im nördlichen China und Japan sind die Sträucher im Winter häufig Nachtfrösten ausgesetzt, welche bis zu — 9° C. steigen können, ohne dieselben zu tödten. Neben den Varietäten des Strauches haben natürlich Clima, Boden und Zubereitungsweise auf die Qualität des Thees den grössten Einfluss. Was den Boden anlangt, so gilt ein sandiger humusreicher Lehm an den unteren Gehängen der Hügel für den besten Untergrund einer Theepflanzung. Auf einem solchen sanftgeneigten Boden fliesst das atmosphärische Wasser leicht ab, ohne die Ackerkrume mit fortzu- reissen. Theegärten, welche steile Bergabhänge hinaufziehen, gibt es nicht und Terrassencultur für solche Anlagen nur ausnahmsweise. Da- gegen kommen in Japan Theepflanzungen auch in der Ebene vor, z. B. in dem berühmten Theedistrikte von Uji am Yodogawa zwischen Ôzaka und dem Biwa-See. In solchem Falle muss aber der Boden wohl- drainiert sein und das Grundwasser den Wurzeln fernbleiben. In Indien und Java hat sich Waldland mit fruchtbarem Humusboden auf einer Unterlage von sandigem Lehm, in welchen die Pfahlwurzeln leicht eindringen, Halt und Feuchtigkeit finden können, für den Anbau des Theestrauchs besonders günstig erwiesen. In China und Japan, wo solcher jungfräulicher Waldboden fast nirgends zu haben ist, sind um so mehr sorgfältige, tiefe Umarbeitung des Bodens, Reinhaltung und zweckmässige Düngung Grundbedingungen bei der Anlage und Unter- haltung eines Theegartens. Die Aussaat der Theesamen folgt entweder noch im Herbst un- mittelbar nach der Reife, oder erst im nächsten Frühjahr. In diesem I. Land- und Forstwirthschaft. Fall erhält man ihre leicht schwindende Keimkraft am besten da- durch, dass man sie an einem kühlen Orte in einem Gemisch von Sand und Erde aufbewahrt, ähnlich wie dies bei uns wohl mit Kirsch- kernen und andern Samen von Steinobst geschieht. Die Pflanzung im Theegarten erfolgt theils direkt, theils geht ihr eine Anzucht in der Baumschule voraus, wie man dies in Japan oft beobachten kann, wo die Baumschule auch als willkommene Reserve dient, um in der Pflanzung eingegangene Büsche oder einzelne Individuen durch andere zu ersetzen. Bei direkter Aussaat werden auf dem zum Theegarten bestimmten, wohl vorbereiteten und insbesondere gedüngten und tiefdurcharbeiteten Boden Reihen von 1—1,5 Meter Abstand gezogen und in denselben in gleichen Entfernungen Kreise mit 30—50 cm Durchmesser. Jeder derselben erhält 20—30 Samen so vertheilt, dass aus den Pflanzen mit Hülfe zweckmässiger Beschneidung nach einigen Jahren ein schöner, geschlossener Busch von fast halbkugeliger Oberfläche und 40—120 cm Höhe wird. Mit etwa 5 cm Erde bedeckt, keimen die im Frühjahr gelegten Samen nach etwa 50 Tagen. Die jungen Pflänzchen erreichen im ersten Sommer nur 6—10 cm Länge, im zweiten zeigen sie die ersten Seitentriebe und werden etwa 25 cm hoch, im 3. Jahre erreichen sie gegen 50 cm. Die in der Baumschule erzielten Sämlinge werden nun verpflanzt, wenn dies nicht bereits im Frühjahr nach der zweiten Vegetationsperiode geschah. Hierbei pflegt man im Theegarten ähnlich, wie schon angegeben, zu verfahren, ver- eint aber in der Regel nur 10—12 Pflanzen zu einem Busch und hält die bei unsern Reihenpflanzungen unter der Bezeichnung »ins Klee- blatt« bekannte Abwechselung inne, damit die einzelnen Büsche be- nachbarter Reihen den grösstmöglichen Abstand erhalten. Die Entfernungen der Reihen unter einander und der einzelnen Büsche in den Reihen, welche keineswegs in allen Pflanzungen die nämlichen sind, pflegt man durch die auf Fussmaass sich beziehen- den Zahlenverhältnisse 3 : 3; 3 ½ : 3; 4 : 3; 4 : 4; 5 : 4; 5 : 5 auszu- drücken. Man hat gefunden, dass bei enger Pflanzung der Ertrag wohl am grössten und in Folge des Anschlusses der Büsche an ein- ander der Boden am meisten vor Unkraut bewahrt wird, dagegen bietet dann die Lockerung und Düngung desselben manche Schwierigkeiten, auch wird das Einsammeln der Blätter erschwert. Eine Pflanzung im Verhältniss 4 : 4 oder 4 ½ : 4 entspricht dagegen, zumal da wo die Büsche, wie in Japan, niedrig gehalten werden, allen Anforderungen. Sie haben nach allen Seiten freien Spielraum, auch für ihre Wurzeln, was eben so wichtig ist, als Luft und Licht für das oberirdische Gedeihen. Wo die Reihen in grösseren Abständen angelegt werden, pflegt 3. Handelsgewächse. man in China und Japan Zwischenculturen von Hülsenfrüchten, Ge- müsen, Tabak oder auch Maulbeerbüschen. Auf dem Wege von Nara nach Fushimi in Japan sah ich Reihen von Theesträuchern in etwa 4—5 Meter Abstand abwechseln mit Reihen von Obstbäumen (Diospyros Kaki). Die Pflanzung erinnerte mich aus einiger Entfernung an solche meiner deutschen Heimat, wo Reihen Beerensträucher mit Kirschbäumen abwechseln. Solche gemischte Anlagen sind jedoch Ausnahmen; in der Regel dient der meist freiliegende Theegarten keinem Nebenzweck. In Japan, besonders auf Kiushiu, findet man die Theesträucher nicht selten vereinzelt an den Rändern der Terrassen, Felder und Wege, zuweilen auch in Hecken vereinigt. Es liefern solche An- lagen aber nur untergeordnete Waare und sind nichts weniger als Regel und mustergültige Culturen zu betrachten. Offenbar hatte E. Kaempfer, der die Landestheile mit ausge- dehnterer, sorgfältigerer Theecultur nicht kennen lernte, solche Ver- hältnisse auf Kiushiu im Auge, als er schrieb, dass man dem Tsja (Tscha) no ki oder Theebaum keinen andern Platz vergönne, als die Ränder der Aecker und andere zur Benutzung unbequeme Oerter E. Kaempfer : Geschichte und Beschreibung von Japan pag. 131, und E. Kaempfer : Amoen. exot. pag. 612. . In gleicher Weise und auf dieselbe Art irre geleitet, bemerkt Maron: »Die Theestaude wird überhaupt wenig und dann nur in Hecken und Umgrenzungen des Gartens gezogen und ich glaube kaum, dass ihre Cultur irgendwo in das Feld verlegt ist« Salviati : Annalen der Landwirthschaft 1862 pag. 71. . In China sind die Theegärten meist kleine Flecken Landes, wie sie der Kleinbauer mit seiner eigenen Familie bearbeiten kann; doch erwähnt Fortune auch solcher, welche 4—5 acres umfassen. In Japan begegnet man solchen grösseren Pflanzungen gar nicht selten. Oft schliessen sich viele an einander an, wie bei uns die Weinberge ver- schiedener Besitzer. Ueber sanft gewelltes, schwach ansteigendes Land, oft zur Seite des gelbgrünen Reisfeldes ausgebreitet, gewähren diese Theegärten mit ihrer dunkelgrünen Belaubung im Sommer einen überaus angenehmen Anblick, zumal, wenn das Bild noch weiter be- lebt wird durch bunt und sauber gekleidete Frauen und Kinder, welche emsig der Blattlese obliegen. Das zweckmässige Beschneiden des Theestrauchs ist eine der wichtigsten und am meisten Geschick und Verständniss erfordernden Arbeiten in der Bewirthschaftung eines Theegartens; denn es soll da- mit ja der Pflanzung nicht blos ein gefälliges Aussehen verliehen, son- dern vor allen Dingen der Ertrag und die Qualität der Ernte erhöht I. Land- und Forstwirthschaft. werden. Gleich dem Pflanzen und Düngen muss es in der kälteren Jahreszeit vorgenommen werden, ganz so, wie bei unseren Holzge- wächsen, also zu einer Zeit, wo ein Stillstand in der Vegetation ein- getreten und die geringste Saftentwickelung vorhanden ist. Die Theepflanzungen erhalten reichliche Düngung, oft viermal im Jahre, die stärkste jedoch im Frühjahr, wenn die neue Vegetations- epoche beginnt. Oelkuchen und Fischguano gelten als besonders wirk- sam und werden mit Vorliebe, namentlich bei jungen Pflanzen, ange- wandt; wo sie fehlen und in der älteren Pflanzung greift man zu menschlichen Fäcalstoffen. Da eine Jahresernte von 1600 Pfd. Thee- blättern per Hectare dem Boden u. A. 100 kg Stickstoff und 24 kg Potasche entzieht, so muss ein zweckmässiger Dünger vor allen Dingen diesen Verlust ersetzen. Aus diesem Grunde empfehlen sich auch Holzasche und Meeresalgen, wo solche zu haben sind. Je nachdem man einen Theegarten aus Samen, oder durch Ver- pflanzen von Sämlingen erzielte, beginnt man mit dem dritten oder vierten Altersjahr der Pflanzen die Blatternte. Dieselbe steigert sich bei sorgfältiger Behandlung und normaler Witterung bis zum 10. oder 12. Jahr, worauf eine allmähliche Abnahme folgt, so dass nach etwa 15—18 Jahren eine neue Anlage nöthig wird. Oft ist eine Pflanzung jedoch schon nach 10—12 Jahren abständig und der Boden erschöpft; anderseits findet man solche, welche mindestens 24—30 Jahre alt und noch ertragsfähig sind, wie z. B. in dem berühmtesten japa- nischen Theedistrikte von Uji , dessen schon Kaempfer gedenkt. » Udsi tsjaa nominavi; de qua ne quid in historia omittatur, pauca addimus, Udsi oppidulum est ad limites maris situm (ist 5 Meilen nordwärts vom Meer bei Ôzaka), non procul a metropoli et Pontificali see Miaco .... Ejus clima mira benignitate favet culturae fru- ticis.« Das Produkt dieses 2400 Ew. zählenden Städtchens verdankt jedoch seinen alten Ruf nicht sowohl einer besonderen Gunst des Klimas, als vielmehr der eigenartigen Behandlung und Pflege der Theebüsche zur Zeit der ersten Blattentwickelung, ein Umstand, den ich in Uji selbst kennen lernte und worauf meines Wissens noch Niemand aufmerksam gemacht hat. Es sind eigentlich zwei Orte zu beiden Seiten des Yodogawa ¾ Meilen oberhalb der Stadt Fushimi. Der am rechten Ufer gehört Uji-gori, der zur Linken Fuse-gori an, beides Kreise der Provinz Ya- mashiro, deren alte Hauptstadt Kiôto (Miaco oder Miyako) etwas über eine g. Meile entfernt ist. Der Fluss tritt hier aus seinem engen Gebirgsbett heraus und breitet sich in der nun beginnenden Ebene aus. An den niedrigen 3. Handelsgewächse. Hügeln dieser Uebergangszone und theilweise in der Ebene selbst ge- winnt man den geschätztesten Thee von Uji, von dem noch immer die auserlesene Waare Yen 10=40 Mk. das Kilo kostet und von der gewöhnlichen Sorte 2—3 Yen. Etwa 30 Tage vor der ersten Ernte, welche Mitte Mai beginnt (die zweite fängt am Schluss der Regenzeit etwa 2 Monate später an) werden die Theegärten zu Uji überdacht. Das Dach ruht auf Pfählen und Stangen und besteht aus Matten von dicht aneinander gereihten Schilf- stengeln. Es befindet sich 1 ½—2 Meter über dem Boden — die Sträucher sind ½—1 Meter hoch, so dass die Arbeiter bequem dar- unter hergehen und die erste Blatternte besorgen können. Ist die- selbe vorüber, so wird es entfernt und bis zum nächsten Jahr in be- sonderen Häuschen oder Schuppen aufbewahrt. Die Ueberdachung, welche bereits vor 200 Jahren angewandt worden sein soll, hat zum Zweck, die Büsche vor dem nächtlichen kalten Thau zu schützen, der die jungen Blätter röthet und ihnen einen bitteren Geschmack ver- leiht. Offenbar wird durch dieselbe die Wärmeausstrahlung des Bo- dens und der Blätter und damit die nächtliche Abkühlung vermindert, während durch das gedämpfte Licht sich zugleich die Internodien der jungen Triebe verlängern und die Blätter zarter werden. Wie in China, so findet auch in Japan in der Regel eine zweimalige Blatt- lese statt, von denen die erste als Haupternte je nach der Lage und Entwickelung der Pflanzung Anfang oder Mitte Mai beginnt (im süd- lichen China noch eher) und 10—20 Tage dauert, die zweite aber erst den grossen Sommerregen, also etwa 4—6 Wochen später folgt. In China geht der Haupternte an manchen Orten im April noch eine an- dere von unentwickelten und noch mit weissem Flaum behafteten Blättern voraus. Sie liefert die theuersten Theesorten: den feinsten Pekoe, Pekoe tips, Pekoe Spitzen, fälschlich Pekoe Blüthen genannt, und Young Hyson und erfordert natürlich besondere Sorgfalt, um die Büsche nicht zu beschädigen und die Haupternte zu sehr zu beein- trächtigen. Für diese werden entwickelte, aber noch junge Blätter genommen, von denen Frauen und Kinder im Durchschnitt täglich etwa 15 Pfund pflücken, während man sonst und auch in Assam das dreifache Quantum als Tagesarbeit eines fleissigen Mannes erhält. Man rechnet 4 Pfund frische Blätter auf 1 Pfund fertigen Thee. Der Bauer, welcher sie gewann, verarbeitet sie entweder selbst oder ver- kauft sie an Mittelpersonen. Die zweite, beziehungsweise dritte Blatt- lese liefert nur ältere, rauhere Blätter für den einheimischen Gebrauch oder für die Darstellung von Backsteinthee. Es ist wichtig, dass die frischen Blätter thunlichst bald weiter verarbeitet werden, um daraus, I. Land- und Forstwirthschaft. je nach dem Verfahren, den grünen oder schwarzen Thee des Han- dels zu gewinnen. Der Chinese nennt nach der Farbe des Aufgusses die eine Sorte Luh-cha, d. h. grüner Thee, die schwarze Hung-cha, d. h. rother Thee. Man hat nämlich gefunden, dass ein längeres Welken derselben wohl das Rollen und andere Manipulationen er- leichtert, aber die Farbe und den Geschmack des Extracts beeinträch- tigt; besonders gilt dies vom grünen Thee, dessen Güte wesentlich durch ein rasches, gewandtes Trocknen gefördert wird. Betrachten wir desshalb seine Zubereitung (curing) zunächst. Japan stellt, wie schon früher angedeutet wurde, fast nur grünen Thee dar. Die verschiedenen Processe, welche das gepflückte Blatt hier, bis zu seiner Verschiffung nach dem amerikanischen oder euro- päischen Markt dabei durchmacht, zerfallen in solche am Erzeugungs- orte und solche beim Grosshändler vor der Verschiffung. a. Das Dämpfen (Steaming) der Blätter . Eine Reihe ein- gemauerter eiserner Kessel (oder Pfannen) wird zur Hälfte mit Wasser gefüllt und dasselbe durch darunter angebrachte Holzkohlenfeuerungen in’s Kochen versetzt. Die Oeffnung eines jeden Kessels deckt ein mit den Rändern gut anschliessendes Sieb von etwa 45 cm Durchmesser, auf dessen Boden man mehrere Händevoll (etwa ½ Pfund) frische Thee- blätter ausbreitete, worauf ein Deckel das Sieb oben schliesst. Man lässt nun den Wasserdampf kurze Zeit, gewöhnlich etwa ½ Minute auf die Blätter einwirken, das ist so lange, bis der charakteristische Theegeruch sich entwickelt. Man nimmt alsdann die Siebe mit ihrem Inhalt von den Pfannen weg, schüttelt letzteren durcheinander und dann über Strohmatten oder Tische aus. Die feuchten Blätter haben natürlich ihre Steifheit verloren, sind weich und nach allen Rich- tungen leicht biegsam, und zeigen überall Spuren des aus ihnen her- vorgetretenen Oels. Durch Ausbreiten und Befächeln werden sie rasch abgekühlt und hierauf einer andern und besonders wichtigen Umarbeitung unterworfen, nämlich b. dem Dörren (Firing) . Ein Rahmen aus Holz oder Bambus- rohr von der Gestalt eines Backtrogs bei uns auf dem Lande, in der Regel 4' (120 cm) lang und 2 ½' (75 cm) breit, ist mit Cement be- kleidet und dient als Ofen oder Herd, indem auf dem Boden des- selben, von Asche umgeben, ein gelindes Holzkohlenfeuer unterhalten wird. Ein zweiter Rahmen schliesst als vertiefter Deckel, wie der Einsatz in einem Koffer, nach oben diesen Behälter. Die Wände dieses leichten Einsatzes sind mit starkem Bastpapier überzogen, ebenso der Boden, welcher 40—50 cm über den glimmenden Kohlen darunter endet und desshalb nicht versengt wird, da die auf dasselbe ein- 3. Handelsgewächse. wirkende Wärme 50—60° C. nicht übersteigt. Grössere Producenten haben eine Anzahl (3—8) dieser Vorrichtungen in einem luftigen Raume, bei kleinen genügt oft eine einzige. Zur Bedienung einer jeden dient ein kräftiger, fast nackter Mann. Derselbe schüttet auf den Einsatz etwa 800 me (gegen 3 kg.) der nach a vorbereiteten Theeblätter, breitet sie über dem Papierboden aus und bewegt und bearbeitet sie nun mit den Händen beständig. Zunächst hebt er die weichen, feuchten Blätter empor und lässt sie wieder niederfallen, bis sie allmählich eine mehr dunkelgrüne Farbe angenommen haben. Er geht nun dazu über, zwischen den flachen Händen durch Reiben und Rollen Bälle daraus zu formen, sie wieder zu trennen, an den papiernen Seitenwänden seines Trogeinsatzes hin und her zu rollen, sie abermals in Kugeln zu vereinigen, die er mit starkem Druck auch an den Papierwänden hin und her rollt. So setzt er mit verschiedener Abwechselung die mühsame Arbeit mehrere Stunden lang emsig fort, bis die ganze Masse eine dunkel-olivengrüne Farbe angenommen hat und die einzelnen Blätter gekräuselt, gedreht und gerollt erscheinen. Sie heissen bei den englischen Theehändlern squills, Zapfen, und wer- den nun zum langsamen Trocknen auf ähnlichen erwärmten Papier- rahmen ausgebreitet, wo sie in einer von 45—30° C. abnehmenden Wärme längere Zeit (4—12 Stunden) verbleiben, bis sie ganz spröde geworden sind. Für den einheimischen Gebrauch ist der Thee nun fertig und bedarf nur noch des Sortierens und Verpackens. In Thon- oder Porzellangefässen mit gut schliessendem Deckel aufbewahrt, hält er sich mindestens ein Jahr lang. c. Das Sortieren des Thees . Bei der Ernte wurden mit den nicht durchweg gleichen und gesunden Blättern auch nicht wenige der jungen Samenkapseln abgepflückt, welche auf ihren kurzen Stielchen den bekannten Kapern nicht unähnlich sehen. Beim Sortiren des Thees werden sie, wie die Stiele und schadhaften Blätter ausgeschie- den; ferner trennt man das entstandene Theepulver, sowie die kleinen Blättchen von den grösseren, denn es gilt eine gleichförmige, schön aussehende Waare zu erhalten. Zu diesem Zweck wird der trockne Thee zunächst mit einer leichten Handwanne aus Bambusrohr ge- schwenkt und das dabei sich oben aufsammelnde grobe Material, wie Blattstiele und Samenkapseln, weggenommen. Hierauf folgt das Durch- sieben (Sifting) des Thees. Das Sieb wird durch ein an der Decke befestigtes Seil in Brusthöhe schwebend erhalten, wodurch es mit Leichtigkeit in jeder Richtung, sowie auch kreisförmig bewegt werden kann. Hierbei sammelt sich das durchfallende, feinere Material in einem Haufen, während der zurückbleibende Thee aus mehr gleich- I. Land- und Forstwirthschaft. förmigen gedrehten und gerollten Blättchen besteht. Endlich wird dieser zum Export kommende Thee auf einem Tisch ausgebreitet und hier von Mädchen noch sorgfältig durchlesen, wobei alle noch zurück- gebliebenen Verunreinigungen durch Fruchtkapseln, Stielreste etc. be- seitigt werden. Die Arbeiten sind nun beendet, die Waare wird in neue Holzkisten verpackt, deren jede ein halbes Picul (30 Kilo) fasst, und nach einem der Vertragshäfen zum Verkauf gesandt. Eingeborene Zwischenhändler vermitteln ihren Uebergang aus den Händen des Pro- ducenten in diejenigen des fremden Kaufmanns und Exporteurs. Um den Thee seetüchtig und marktfähiger zu machen, unterwirft dieser denselben 1—2 Stunden lang einem nochmaligen Dörren und endlich dem Färben. Bezüglich des ersteren werden zweierlei Ver- fahren eingeschlagen, das Erhitzen in Pfannen (Pan firing) und in Körben (basket firing). In grossen luftigen Hallen (Tea Firing Go- downs) werden eiserne Pfannen von annähernd halbkugeliger Gestalt, jede gegen 40—50 cm weit und etwas mehr als halb so tief, reihen- weise in niedrige Backsteinmauern gesetzt, jede mit einer besonderen kleinen Holzkohlenfeuerung darunter. Manche Kaufleute haben gegen 500 solcher Pfannen in einem Raume und zur Bedienung derselben ebensoviele Personen, vornehmlich Frauen und Mädchen. Wenn der frische Thee vom Lande hereingebracht wird, geht es hier von früh Morgens bis zum Sonnenuntergang munter her und wird das Scherzen und näselnde Singen schon von weitem wahrgenommen. Auf ein ge- gebenes Zeichen des dirigirenden Chinesen erhält jede vorgewärmte Pfanne den Inhalt des bereitstehenden Körbchens, etwa 5 Pfd. Thee, welche darin zwischen den flachen Händen zum letzten Mal emsig be- arbeitet und in beständiger Bewegung erhalten werden, bis der Diri- gent die Waare für vollkommen trocken hält. Das Färben, soweit es noch geübt wird, schliesst sich nun an (Näheres darüber weiter unten), worauf der zur Verschiffung bereite Thee in den Packraum kommt, wo er noch warm in sogenannte Halbkisten (half-chests), die im In- nern mit Bleifolie ausgelegt sind, zu je 40 englischen Pfund verpackt wird, in denen er zu den Händlern in den Vereinigten Staaten und der Dominion of Canada, als den fast ausschliesslichen Abnehmern, gelangt. Zum Trocknen des Thees in Körben (Basket firing) bedient man sich geflochtener, beiderseits offener Körbe von Gestalt der Würfel- becher, welche aus gespaltenem Bambusrohr dargestellt werden. Der Korb wird mit dem einen Ende über eine Pfanne gestülpt, in welcher Kohlen von Asche umgeben glimmen. Auf der andern Seite wird ein dichtmaschiges Bambusgeflecht in Gestalt eines runden flachen Korbes eingefügt und darauf der zu erhitzende Thee gestreut etc. Dieses Ver- 3. Handelsgewächse. fahren findet dem andern gegenüber nur beschränkte Anwendung. Sicher wird durch diese Theetrockenanstalten des Exporteurs und die darin vor- genommenen Arbeiten der Kostenpreis des zum Verschiffen kommenden Thees bedeutend erhöht; doch hat man bislang kein Verfahren kennen gelernt, welches billiger und zweckmässiger an die Stelle treten könnte. Als Prima-Theesorte Japans gibt schon Kaempfer den Sen-cha oder Hiki-cha oder Pulverthee an, der aus den zartesten Blättchen älterer und besonders sorgfältig gepflegter Sträucher auf die Art, wie der grüne Thee bereitet, sorgfältig aufbewahrt und vor dem Gebrauch auf einer Handmühle gemahlen wird. Es ist die theuerste Sorte, die nicht ausgeführt und in der Regel nur bei feierlichen Anlässen, z. B. den Cha-no-yu oder Theegesellschaften, serviert wird. Dem Hiki-cha im Preise am nächsten kommt der Giyokurô oder Perlthee, von dem ebenfalls wenig exportiert wird. Die Hauptmasse des jap. Thees, welche zur Ausfuhr kommt, heisst in der besseren Sorte Sen-cha und in der geringeren Ban- cha ; letzterer ist vornehmlich das Produkt der zweiten Ernte. Von jeder dieser beiden Sorten werden jetzt etwa 15 Mill. japan. Pfund gewonnen, oder 9 Mill. Kilogramm. Nach der Beschreibung von For- tune, Williams und Andern weicht die Darstellung des grünen Thees in China von der japanischen Methode in mehreren Stücken ab. Die frischen Blätter werden hiernach nicht gedämpft, sondern unter stetem Umdrehen 4—5 Minuten lang in flachen Eisenpfannen über Kohlenfeuer erhitzt. Das dabei austretende Oel und Wasser machen sie weich und biegsam. Sie werden in diesem Zustande auf sogenannten Roll- tischen ausgebreitet. Jeder Arbeiter ergreift so viele, als er bequem fassen und verarbeiten kann. Er formt durch Druck und Rollen dar- aus eine Kugel, die er um- und durcharbeitet, etwa wie ein Bäcker seinen Teig. Oft geht dabei die Kugel aus den Händen des ersten Arbeiters in die eines zweiten und dritten über, der sie wieder öffnet, umformt, presst und rollt, bis sie zum Leiter der Arbeiten ge- langt, der sie prüft und entscheidet, ob die Blätter genügend gerollt sind. Obwohl diese Arbeiten nur kurze Zeit dauern, greifen sie, vornehmlich in Folge der Wärme der Theeblätter und des aus ihnen hervortretenden Saftes die Hände, auch der geübteren Arbeiter, stark an. Sie vermindern das Volumen der Blätter ansehnlich, auf etwa ¼ des ursprünglichen, und verändern noch mehr die Gestalt und Farbe der Blätter. Dieselben werden hierauf auf Sieben aus Bam- busstäbchen dünn ausgebreitet und langsam an der Luft getrocknet, wozu bei bedecktem Himmel mehrere Tage erforderlich sind. Ein zweites Erhitzen und Bearbeiten der lufttrocknen Blätter in den I. Land- und Forstwirthschaft. Pfannen schliesst sich nun an und dauert etwa eine Stunde. Die Blätter werden dabei beständig umgeworfen, erst mit den Händen und bei zunehmender Hitze mit einer aus Bambusrohr verfertigten Bürste. Beim Hinabgleiten auf der heissen, geneigten Hinterwand der Pfanne trocknen und rollen sich die Blätter vollends zusammen. Der Thee ist nun für den einheimischen Gebrauch fertig und bedarf nur noch der Sortierung. Für den fremden Markt wird er weiter behandelt, wie oben beim japanischen Thee angegeben wurde. China exportiert den meisten grünen Thee von den nördlichen Theehäfen Ningpo und Schanghai. Derselbe kommt vornehmlich aus den Provinzen direkt südlich vom Yang-tse-kiang und westlich von Ningpo, aus der Hügelregion der Provinzen Tschekiang, Ngan-hui, Kiangsi und Hunan. Man unterscheidet gewöhnlich nach englischen Bezeichnun- gen Imperial, Gunpowder, Young Hyson, Hyson und Twan- kay . Die beiden ersten Sorten führen auch den Namen Perlthee . Sie sind von jungen unentwickelten Blättern bereitet und besonders kugelförmig gerollt, wie der entsprechende Caper , der den schwarzen Theesorten zuzählt. Die Darstellung des Caper in Canton ist nach Fortune folgende: »Eine Partie (20—30 Pfd.) des vom Lande einge- brachten, unvollständig zubereiteten Thees wurde in eine geheizte Trockenpfanne geworfen, dann mit einem Eimer voll Wasser bespritzt und rasch umgewendet. Die Blätter sogen natürlich das Wasser rasch auf und wurden dadurch weich und biegsam. Nun kamen sie in einen starken Canevassack, der zu einem Ball fest zusammengedreht wurde. Man warf ihn auf eine Matte unter eine horizontal darüber hinführende Stange. Ein Arbeiter trat barfuss darauf, und — indem er sich mit den Händen an der Stange festhielt, bearbeitete und drehte er den Ball mit seinen Fersen, Zehen und Fusssohlen beständig. Um dem sich verringernden Volumen entsprechend die Kugelform wieder her- zustellen, sprang der Mann zuweilen ab und drehte den Sack fester zu. So entstand zuletzt eine viel kleinere, harte und sich nicht mehr verändernde Kugel. Diese wurde mit ihrem Inhalt auf Seite geworfen und mehrere Stunden liegen lassen. Beim Oeffnen waren die heraus- genommenen Blätter meist kugelförmig zusammengerollt. Rasches Trocknen in geheizten Pfannen und Sieben besorgte das übrige (siehe Darstellung auf Titelblatt zu Fortune: A. Residence etc.). Twankay ist der ordinäre grüne Thee, welcher nach Europa kommt, Hyson der bessere. Das Wort soll von Hi-chun, blühender Frühling, abgeleitet sein. Die Darstellung des schwarzen Thees oder Hung-cha (d. h. rother Thee), wie die Chinesen ihn nennen, unterscheidet sich von 3. Handelsgewächse. derjenigen des grünen vornehmlich dadurch, dass die frisch geernteten Blätter zur Entfaltung des Aromas und der Farbe eine Art Gährung (Fermentation) durchmachen, bevor sie in die heissen Darrpfannen kommen. Da von diesem Fermentationsprocess in hohem Grade Cha- rakter und Güte des schwarzen Thees abhängen, ist die zweckmässige Leitung desselben von grösster Wichtigkeit. Gewöhnlich geschieht dies so, dass man die frischen Blätter über Nacht oder doch Stunden lang auf Bambusrahmen liegen lässt. Sie werden dann emporgeworfen und gelinde geschlagen, bis sie weich und biegsam sind. Hierauf kommen diese welken Blätter mehrere Stunden lang auf einen Haufen, wo sie warm, feucht und dunkel werden. Sie sind in dieser Beziehung vergleichbar mit den zum Trocknen für’s Herbar bestimmten Pflanzen, welche der Botaniker längere Zeit in feuchtem Papier liegen lässt und die dadurch statt grün, nach dem gewöhnlichen Verfahren, schwarz werden. Ein längeres Verbleiben an der Luft in feuchtem Zustande (nach Fortune oft 2—3 Tage) und stärkeres Erhitzen nachher in den Pfannen bewirkt die Entwickelung des eigenthümlichen Aromas und der schwarzen (richtiger dunklen) Farbe, sowie die rothbraune Fär- bung der Infusion des trocknen Thees mit kochendem Wasser. Was die übrigen Arbeiten in den Röstpfannen und sonst anlangt, so unter- scheiden sich dieselben bei der Darstellung des schwarzen Thees nicht von den bereits beim grünen erörterten. Pecco, Souchong und Congo sind die der Güte nach geordneten, bemerkenswerthesten schwarzen Theesorten China’s, denen sich noch Caper und Oolong anreihen. Im Allgemeinen ist es wohl richtig, wenn behauptet wird, dass, von der Spitze der jungen Triebe aus gerechnet, Pecco aus der Endknospe und dem ersten (jüngsten) Blatt bereitet wird, Souchong aus den beiden folgenden und Congo aus dem vierten, fünften und sechsten, also den älteren Blättern. Caper ist, wie schon früher bemerkt wurde, ein feiner schwarzer Thee, dessen Blätter durch besondere Behandlung wie die des grünen Perlthees stark kugelförmig gerollt wurden. Der Oolong wird in der Provinz Fukien bereitet und vorwiegend in Indien und Australien verbraucht. Es ist eine schwarze Theesorte mit dem Geschmack des grünen. Der Congo d. h. »wohl- gearbeitet« wird nach einem Distrikt in Fukien auch Bohea genannt. Er bildet die grosse Masse des billigeren schwarzen Thees und wurde in seiner geringsten Sorte in London schon zu 3 Pence das Pfund ver- kauft. Der gebräuchliche bessere, schwarze Thee ist Souchong (d. h. kleine, seltene Sorte), wozu auch der Caravanenthee grösstentheils gehört. Der Pecco (Pek-ho, d. h. weisser Flaum) ist der feinste und theuerste schwarze Thee. Für die unentwickelten Blättchen der I. Land- und Forstwirthschaft. Knospen, welche noch mit weissem Flaum bedeckt sind, ist die eng- lische Benennung Pekoe tips (Pecco-Spitzen) bezeichnender, als der Ausdruck Pecco-Blüthen im deutschen Marktgebrauch, gegen den schon Kaempfer vergeblich eifert; denn da die Blüthezeit des Thee- strauchs in den Herbst, also lange nach der Ernte fällt, so können Theeblüthen bei keiner Theesorte vorkommen, am wenigsten bei dem zuerst gewonnenen Pecco. Souchong und Congo haben eine schwärzere Farbe als Pecco und liefern einen dunkleren Aufguss. Es ist ferner eine erwiesene That- sache, dass das Aroma des Thees sich erst mit den Blättern entwickelt und erst nach der Zubereitung derselben zum Vorschein kommt. Ganz junge Blätter enthalten es nicht; daher kann der beste Pecco trotz seines hohen Preises unsern Geschmack nicht befriedigen und muss mit Souchong vermischt werden. Als Karawanenthee führte man bis- her nur die besseren schwarzen Theesorten, vornehmlich Souchong aus; der Landtransport durch kalte trockne Gebiete gestattete, dass die nochmalige starke Erhitzung in den Trockenanstalten der Hafenorte wegfiel, und bewahrte ihnen in höherem Grade ihr Aroma, so dass die vielgerühmten Vorzüge wohlbegründet waren. Seitdem man jedoch der Zubereitung und Verpackung für die Verschiffung mehr Sorgfalt wid- met und diese selbst einen viel rascheren Verlauf nimmt, fällt der Unterschied in der Güte grösstentheils weg, und es bleibt nur der hohe im Preise zum Nachtheil des Karawanenthees bestehen. Die Folge ist, dass in Russland die Einfuhr des billigen Thees zu Schiff immer mehr zunimmt, während in der des Karawanenthees über Sibirien schon lange eine Abnahme bemerkt wird. Ein Zuibik , d. h. die mit Bleifolie ausgelegte, äusserlich bemalte und mit chinesischen Zeichen versehene würfelförmige Theekiste enthält gewöhnlich 60 Pfund Karawanenthee. Der schwarze Thee wird vornehmlich in den Provinzen Fukien, Kuang-tung, Hupeh, Hunan und Sz’chuan dargestellt, welch letztere Provinz auch viel grünen und Ziegelthee (für Tibet) liefert. Futscheufu und Canton sind die hervorragendsten Hafenplätze für schwarzen Thee, doch führen auch Schanghai und Ningpo neben grünem Thee beträcht- liche Mengen davon aus. Die Vorliebe der Ostasiaten für grünen Thee wird nur von den Nordamerikanern und vornehmeren Marokkanern getheilt. Unter den Theetrinkern Europas bevorzugen weitaus die meisten den schwarzen, und auch der in Japan wohnende Fremde (selbst der Theeexporteur) bezieht solchen für seinen eigenen Bedarf aus China. Der Japaner ist sich wohl bewusst, dass er hinsichtlich seines Thees, dem zweitwich- tigsten Handelsartikel, vom amerikanischen Geschmack abhängt. Aus 3. Handelsgewächse. diesem Grunde mehrten sich während der letzten 15 Jahre seine Ver- suche, schwarzen Thee, insbesondere Congo (Kocha) und Oolong (Uriyo), darzustellen. Leider haben dieselben bislang kein befriedigendes Re- sultat geliefert. Der in Japan verfertigte schwarze Thee ermangelt des charakteristischen Aromas und der Stärke, gibt also ein uns nicht zusagendes Getränk. Das japanische Theeblatt verträgt aus noch nicht genügend ermittelten Gründen den Gährungsprocess nicht, wel- cher so wichtig ist für die Darstellung schwarzer chinesischer Thee- sorten. Es wird nach demselben leicht feucht und welk und ent- wickelt statt des geschätzten Aromas einen unangenehmen Geruch. Wenn die Haupttheeernte in Japan vorbei ist, werden für den eigenen Gebrauch die älteren Blätter gesammelt und daraus je nach der Trockenmethode Präparate gemacht, die unter den Namen Hiboshi, Ka- mairi und Kuroguchi bekannt sind. Der Aufguss, den dieselben liefern, ist von dunkler Farbe, wie beim Congo, und hat einen uns nicht zu- sagenden Geschmack. Färben und Parfümieren des Thees . Noch muss hier zweier Verfahren gedacht werden, welche dazu dienen, eigenthümliche und dem Ostasiaten mit Recht unbegreifliche Geschmacksrichtungen unter den Abnehmern des Thees im Abendlande zu befriedigen, nämlich des Färbens und Parfümierens. Das Färben (Colouring) wird nur bei grünem Thee angewandt. Es besteht darin, dass der Exporteur in Japan und China dem vor- nehmlich für den nordamerikanischen Markt bestimmten Thee in jeder Pfanne gegen das Ende der letzten Feuerung eine Messerspitze voll eines Pulvers beimengen lässt, einer Mischung von Berliner Blau mit chinesischem Speckstein oder Gips, wobei gewöhnlich auf vier Theile der blauen Farbe drei von einem der weissen Pulver (in Japan fast immer Gips) kommen. Dieser pulverförmige blaue Zusatz wird von dem feucht- heissen Thee leicht absorbiert; er vermehrt dessen Gewicht nur um etwa 1 ¼ % und schädigt beim Gebrauch die Gesundheit in keiner Weise, hat aber auch keinen vernünftigen Zweck, denn er dient lediglich, die natürliche, wenig ausgesprochene grüne Farbe etwas zu ändern und zu heben, wie es der bisherige Geschmack in Nordamerika verlangte. Das Parfümieren (Scenting) des Thees wird nur in China und vornehmlich bei besseren schwarzen Sorten angewandt. Es ist gleich dem Färben, wie es scheint, in Abnahme begriffen. Zur Verwendung kommen die von ihren Stielen und Kelchen getrennten wohlriechenden Blüthen von Jasminum Sambac Ait., Jasm. paniculatum Lour., Citrus Begaradia Duham., Rosa centifolia L., Prunus Mume S. \& Z., Olea Rein , Japan. II. 10 I. Land- und Forstwirthschaft. fragrans Thunb., Aglaia odorata Lour., Gardenia florida L. und Daphne odora Thunb. Der im übrigen fertige Thee wird mit diesen Blüthen gemischt (z. B. 100 Pfund Thee mit 40 Pfund Orangenblüthen, oder Blüthen des Jasmins, mit 100 Pfund Blüthen der Aglaia odorata) und 24 Stunden lang in Berührung gelassen. Dann werden die beige- mengten Blüthen und Blüthentheile ausgesiebt, ausgeschwungen und ausgelesen. Der Thee hat von ihnen Feuchtigkeit und Aroma ange- nommen, von denen jene durch rasches Erwärmen wieder entfernt wird, der Wohlgeruch oder »die Blume« des Thees dagegen je nach Qualität und Stärke bei sorgfältiger Verpackung sich 1—6 Jahre lang erhält. Früher wurden parfümierte Theesorten nur in Canton bereitet; jetzt stellt man sie auch in nördlichen Theehäfen, wie Schanghai und Ningpo dar. Der Reisende, welcher im Vorsommer mit einem Küsten- fahrer von Süden her diesen Städten zusteuert, findet sich zuweilen in Gesellschaft von Hunderten von Töpfen mit blühenden Sträuchern mehrerer der genannten Arten, welche zu diesem Zweck von Canton, Macao und Hongkong nordwärts gesandt werden. Als »Orange Pekoe«, »Scented Caper« etc. kommt dieser parfümierte Thee sorgfältig verpackt nach London, Rotterdam und anderen Häfen und wird hier mit Thee ohne solche Blume weiter vermischt. (Nähe- res siehe Fortune: A Residence among the Chinese, pag. 199 ff. Lon- don 1857.) Guter Thee muss jedoch sein eigenes Aroma haben. Die Zufügung eines fremden ist meines Erachtens durchaus verwerflich. Das ätherische Oel, welches der Thee durch das Parfümieren erhält, kann bei empfindlichen Nerven eben so gesundheitsschädlich wirken und Kopfweh erzeugen, wie in Wein- und Punschessenzen. Die Eigenschaft des grünen oder braunrothen Extracts, welches durch Aufguss kochenden Wassers auf den Thee des Handels gewon- nen wird, den Körper zu erwärmen, zu erfrischen und neu zu beleben, wird schon seit vielen Jahrhunderten von den Völkern des chinesischen Culturkreises hochgeschätzt. Bei den Culturvölkern des Abendlandes hat der Thee seit 200 Jahren, erst sehr langsam, in diesem Jahrhun- dert aber um so rascher Eingang und Verbreitung gefunden und schon in vielen Haushaltungen seine Concurrenten: Kaffee und Cacao aus dem Felde geschlagen. In Ostasien wird ihm gar keine Concurrenz gemacht, dort herrscht er bei Hoch und Niedrig in gleicher Weise. Der Japaner trinkt gleich dem Chinesen selten kaltes Wasser, Thee ist sein Lieblingsgetränk bei jeder Mahlzeit und sonst, grüner Thee aus kleinen Kannen in entsprechend kleinen Schalen, ohne jede Zuthat, und wenn er fehlt, so verschmäht er auch das blosse warme Wasser aus dem eisernen Kessel nicht, mit dem die Theekanne 3. Handelsgewächse. sonst stets nachgefüllt wird. Lässt der Reisende in Japan sich in einer Wirthschaft nieder, so wird ihm ohne Verzug ein Becken mit einigen glühenden Kohlen zum Anzünden seines Pfeifchens und Thee zur Erfrischung vorgesetzt. Er belohnt diese Aufmerksamkeit durch das Cha-dai (d. h. Theetisch) oder Trinkgeld, welches er auf den Präsentierteller legt. Tritt ein Kunde in ein grösseres Geschäft, so gehört es zum guten Ton des Hauses, dass ihm alsbald vor Beginn der Verhandlung ein Schälchen grünen Thees vorgesetzt wird. Im armen Gebirgslande ist freilich die Qualität des unter dem Namen Cha (Tscha) vorgesetzten Getränkes nicht immer so einladend; ein Aufguss oder Dekokt aus den billigsten Abfällen der Theedistrikte, an Aussehen mehr Spülwasser gleich und ebenso wenig durch den Ge- schmack einladend, tritt oft an die Stelle. Ziegelthee (chin. Tung-kau, russ. Kirpitschnoi-tschai) . Schwarzer und grüner Thee liefern, wie hervorgehoben wurde, für einen grossen Theil der Menschheit den wichtigsten und gesun- desten Stimulanten. Ausser dieser Hauptverwendung der Blätter des Theestrauchs ist hier jedoch noch einer andern, für einen weiteren Theil der menschlichen Gesellschaft nicht minder bedeutsamen zu ge- denken, derjenigen nämlich als wirkliches Nahrungsmittel, wie wir den sogenannten Ziegel- oder Backsteinthee ansehen müssen. Die Verfertigung desselben in Sz’chuan, Hupeh und benachbarten chine- sischen Provinzen erfolgt, nachdem die Ernte und sich anschliessende Arbeiten zur Darstellung des gewöhnlichen Thees vorüber sind. Die Abfälle, welche es hierbei gibt, sowie die älteren Blätter werden zu dem Zweck längere Zeit heissem Wasserdampf ausgesetzt und dadurch erweicht, darauf in Tafeln von der Gestalt dünner Backsteine, näm- lich 8—12 Zoll (20 bis 30 cm) lang und breit und 1 Zoll (2 ½ cm) dick gepresst, und zwar solange, bis sie trocken und hart sind. Mongolen und Tibetaner sind die Hauptconsumenten, denen sich verschiedene russische Volksstämme anschliessen. Beim Gebrauch wird ein Stück abgeschlagen, mit Milch oder Wasser gekocht, durch Zusätze von Butter, etwas Essig, Pfeffer und Salz gewürzt und als Suppe gegessen. Das Gericht soll nach dem Aussehen nicht gerade einladend, aber erfri- schend und nahrhaft sein, wie man sich denken kann, da ja neben den sonstigen Extractivstoffen des Thees auch das coagulierende Ei- weiss und die Zellsubstanz zur Verwerthung kommen. Die Zeit, wann der Theebau in China seinen Anfang nahm, lässt sich nicht genau bestimmen. Nach W. Williams gehen die ältesten chinesischen Nachrichten über den Thee nur bis zum Jahre 350 n. Chr. 10* I. Land- und Forstwirthschaft. zurück. Ein arabischer Kaufmann, Namens Soliman, der um’s Jahr 850 n. Chr. einen Bericht über seine Reisen in Ostasien veröffentlichte, bemerkt, dass Thee das gewöhnliche Getränk der Chinesen sei. Auffallend bleibt, dass Marco Polo desselben gar nicht erwähnt. Viel- leicht lässt sich dies so erklären, dass bis zum Ende des 13. Jahr- hunderts die Kenntniss und Anwendung desselben noch nicht von den Chinesen des Südens nach Norden bis zu den mongolisch-tatarischen Völkern, unter welchen der berühmte Venetianer lebte, vorgedrungen war. Sicher erhielt Europa die ersten Nachrichten über den Thee durch Jesuitenmissionäre in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zur Zeit, als dieselben in China und Japan in grösserer Zahl erfolg- reich unter den Bewohnern lebten und wirkten. Siehe J. P. Maffeus : Rerum Indicarum libro II pag. 108 ff. Die ersten Proben des Artikels — sie stammten wahrscheinlich aus Japan — kamen je- doch erst viel später (1610 n. Chr.) nicht durch sie, wie man annehmen könnte, sondern durch die holländisch-ostindische Compagnie nach Europa. Die englische East India Compagny kaufte im Jahre 1664 von schwarzem Thee aus der Provinz Fukien 2 Pfund 2 Unzen, um damit König Karl II ein Geschenk zu machen; doch hielt sie es erst 14 Jahre (1678) später für angezeigt, den Thee als neuen Handels- artikel in ihre Liste aufzunehmen. Mit 4713 Pfund eröffnete sie in jenem Jahre seine Einfuhr nach England und behielt hier das Mono- pol des Handels bis zum Jahre 1834, wo die Einfuhr nach Grossbri- tannien und Irland auf 30 ½ Millionen Pfund gestiegen war. Mit der Freigabe des Theehandels in England, der allmählichen Reduction der Transportkosten und des Eingangszolls, sowie dem Hin- zutreten neuer Producenten (Indien und Java) sanken die Preise des Thees mehr und mehr Längere Zeit hatte in London das Pfund ₤ 10 bis ₤ 5 gekostet und noch im Jahre 1780 wurde es zu ₤ 3 verkauft. , und es wuchs damit zugleich der Verbrauch. Thee hörte auf blos Luxusartikel auf dem Tisch des Wohlhabenden zu sein. Millionen von Unbemittelten haben sich auch in Europa und in allen englisch redenden Ländern ausserhalb an seinen Genuss gewöhnt und gefunden, dass er ihnen das billigste und gesundeste warme Getränk liefert. Wie sich sein Verbrauch über die verschiedenen Länder ver- theilt, ergibt sich aus einer der nachfolgenden Uebersichtstabellen. — Nach Junker von Langegg Japanische Theegeschichten. Wien 1884. C. Gerold. ist Thee seit mehr als tausend Jahren in Japan bekannt; doch erst seit dem 14. Jahrhundert allmählich National-Getränk geworden. Im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde der kaiserliche Hof (Shommu Tennô, Kwammu Tenô) zuerst 3. Handelsgewächse. mit ihm bekannt. Gegen das Ende der Regierung des letztgenannten Kaisers brachte der Priester Saitô (Denkio Daishi) Theesamen aus China und pflanzte sie bei Uji (805 n. Chr.). Nach einer andern An- gabe soll bereits vor diesem der Abt Yei-shu aus China Theesamen und die Kunst der Theebereitung nach seinem Kloster in Omi ge- bracht und dort gepflegt haben. Im Zusammenhang hiermit steht die weitere Nachricht, dass Saga Tennô, der 52. Mikado, als er im Jahre 815 dieses Kloster besuchte, mit Thee bewirthet worden sei, und da das Getränk seinen Beifall gefunden, so habe er Befehl zur Anlage von Theegärten in den benachbarten Provinzen des Gokinai, sowie in Omi, Tamba und Harima gegeben. Damals und noch Jahrhunderte später war jedoch Thee sehr theuer, ein Luxusgetränk, dessen sich nur der Adel und die Bonzen bedienten; auch scheint der Anbau des Theestrauchs allmählich wieder vernachlässigt worden zu sein, denn nur so hat ein weiterer Bericht Bedeutung, nach welchem der Bonze Yei-sei gegen das Jahr 1200 in der Provinz Chikuzen der Inseln Kiushiu die Theepflanze durch Samen aus China einführte, und überhaupt erst um diese Zeit unter dem Schutz des 83. Mikado (Tsuchi Tennô) die Theecultur in Japan dauernd Boden gewann. Miyo-ye (Meiki), der Abt des Klosters To- gano bei Kiôto erhielt von Yei-sei Theesamen nebst Anleitung zur Anzucht des Strauches und Behandlung der Blätter. Derselbe gilt als Begründer des Theebaus in Yamashiro und Yamato und insbe- sondere zu Uji , dem berühmten Theeorte, woselbst ihm in einer Kapelle noch jedes Jahr der erste Thee geopfert wird. Eine weitere Förderung des Theebaues um Uji brachte Shôgun Ashikaga Yoshi- mitsu nach seiner Abdankung um’s Jahr 1400. Wir haben bereits (pg. 137) Kaempfer’s Aeusserungen über den Thee von Uji zum Theil citiert und daraus ersehen, dass derselbe schon vor 200 Jahren in ganz Japan hohen Ruf hatte. An einer andern Stelle der Amoenitates exoticae hebt der Autor hervor, wie der beste Uji-Thee für den Hof reserviert werde und man ihm gesagt habe, dass davon die ihm vorge- setzte kleine Schale voll einen Bu (etwa 1 Mark) werth sei. Ich kaufte ein Pfd. Thee in Uji, dessen Herstellung ich verfolgt hatte, für 3 yen, hörte aber, dass der feinste mit 5 yen = 20 Mk. bezahlt werde. Der Hof hatte in Uji seinen besonderen Beamten, welcher das Ceremoniel und die Vorschriften für die Anfertigung seines Thees, sowie den Transport aufs sorgfältigste überwachen musste. So lange Portugiesen den Verkehr mit Japan in Händen hatten, wird des Thees kaum gedacht; aber auch in der langen Zeit des ausschliesslich holländischen Handelsverkehrs mit Japan spielt der I. Land- und Forstwirthschaft. Artikel in der Ausfuhr Japans keine Rolle. Dieselbe begann erst durch die Eröffnung des Landes in Folge der Perry-Expedition. In welchem Maasse der japanische Theeexport seitdem gewachsen ist, zeigt die angefügte Uebersichtstabelle. Mit der zunehmenden Ausfuhr wuchs die Verbreitung des Anbaues, so dass ich auf meinen Reisen an hunderten von Stellen die Anlage neuer Theegärten constatieren konnte, wo nie früher Theebau betrieben worden war. In Tôkio selbst wurde, wie Jedem, der dort eine zeitlang wohnte, bekannt ist, sogar manches Stück von früheren Parkanlagen der Daimioresidenzen in einen Theegarten umgewandelt. Die japanische Regierung hat be- rechnet, dass so im Ganzen 4600 chô Land in der Neuzeit andern Culturen entzogen und dem Theebau gewidmet wurden. Nach H. Gribble, dessen statistischen Angaben ich hier folge, be- sass Japan im Jahre 1881 42224 chô = 41874 ha Theepflanzungen. Hiernach dürften dieselben gegenwärtig mindestens 42000 ha um- fassen, oder ungefähr 2⅓ % alles cultivierten Landes. Thee wird in fast allen japanischen Provinzen südlich der Tsugaru-Strasse gewonnen, doch in sehr verschiedener Menge. Während sich der Anbau des Theestrauchs nördlich vom 37. Parallel, sowie in den hochgelegenen Provinzen des Landesinnern, wie Shinano und Hida auf nur wenige günstige Stellen beschränkt, bildet er in andern die Haupterwerbs- quelle. Sowohl nach der Menge, als auch der Güte des Produkts stehen die Provinzen des mittleren Hondo oben an. An das alte Cen- trum der Theecultur am Südende des Biwa-Sees, zwischen den Buchten von Idzumi, Owari und Wakasa, wozu die Provinzen Yamashiro, Ya- mato, Ise, Iga, Omi, Mino und Tamba zu zählen sind, haben sich später zwei mächtige Flügel angeschlossen, von denen der eine von Ise aus die Provinzen des Tôkaidô, namentlich Mikawa, Tôtômi, Su- ruga, Musashi, Shimosa und Hitachi umfasst, der andere über die- jenigen des Hokurokudô sich erstreckt, unter denen namentlich Kaga und Echigo in Betracht kommen. Gerade im Gebiete dieser beiden Landstrassenbezirke (des Tôkaidô und Hokurokudô) hat die Theecultur während der letzten 20 Jahre grosse Ausdehnung erfahren. Sie würde sich unzweifelhaft in den Provinzen am japanischen Meer, zu- mal in Echizen und Wakasa noch weit mehr entwickelt haben, wenn hier die Absatzverhältnisse günstiger wären und das Produkt vom Hafen Tsuruga aus direkt verschifft werden könnte. Aus dem Angeführteu ergibt sich, dass der Haupttheedistrikt Japans auf der Insel Hondo zwischen 34° und 36° n. Breite liegt. Thee, welcher weiter entfernt von diesen Grenzen gewonnen wird, ist von geringerer Güte und steht viel niedriger im Preise. 3. Handelsgewächse. Dies gilt inbesondere von allem Thee, welchen Nagasáki ver- schifft, wie auch von dem, welchen man von Niigata nach Yokohama sendet. Dort dürften die Ursachen in der nachlässigen Behandlung des Theestrauchs zu suchen sein, hier in klimatischen Verhältnissen. Der von Niigata versandte Thee kommt aus den Distrikten von Murakami, Muramachi, Kurokawa, und Niidzu, also aus den nörd- lichsten Theilen der Provinz Echigo. Der Theestrauch wird dort sehr niedrig gehalten und mit Sorgfalt gepflegt, kann jedoch gegen die Einwirkungen eines langen Winters und gegen die Nachtfröste im April trotz der Stroh- und Schneedecke während des ersteren, nicht genügend geschützt werden. In Folge dessen wird das Blatt zäh und herb. Die erwähnten Gebiete sind überhaupt die nördlichsten, in welchen der Theestrauch noch mit Vortheil und in grösserem Umfange ge- pflanzt wird. In Akita-ken unter dem 40. Parallel, wo ich die letzten Theegärten sah, vermag man sie nur durch besonderen Schutz im Winter zu erhalten. Nach meinen Beobachtungen endet mit dem wild- wachsenden Vorkommen der Camellie unter 38½° N. im nördlichen Echigo auch die erfolgreiche Theecultur. Aus unserer Tabelle (A pg. 154) ist mancherlei zu entnehmen. Zu- nächst ergibt sich, dass bezüglich des der Theecultur dienenden Areals die Provinzen Suruga, Mino, Tôtômi, Ise, Musashi, Shimosa, Yamashiro, Omi, Hitachi und Yamato allen andern weit voranstehen und Suruga allein mehr als den 8. Theil aller japanischen Theegärten hat. In jenen 10 Provinzen nehmen dieselben 0,7 %, in Suruga aber 1,5 % des Areals ein. Unstreitig ist in Suruga der ausgedehnte Theebau zum Theil durch den vorzüglichen Schutz bedingt, welchen ihm der Fuji-san und andere hohe Berge gegen die rauhen nördlichen Winde gewähren. Jenes der Theecultur 1881 gewidmete Areal von 42224 chô oder 41874 Ha lieferte an: kin Tencha oder Hikicha, d. i. pulverisiertem Thee . . . . 36668 Giyo kurô oder Thautropfen . . . . . . . . . . 167728 Sencha oder gewöhnlichem Thee . . . . . . . . 14797945 Bancha oder ordinärem Thee . . . . . . . . . 14294895 Hiboshi oder an der Sonne getrocknetem Thee . . . . Kamairi oder in der Pfanne erhitztem Thee . . . . Kuroguchi oder schlecht erhitztem Thee . . . . . . 4940277 Kocha oder Congo . . . . . . . . . . . . . . 450124 Uriyo oder Oolong . . . . . . . . . . . . . 319604 Zusammen kin 35007241 oder 21040724 Kilogr. — Dies macht 480 Kilo per Ha. I. Land- und Forstwirthschaft. Im Allgemeinen liefern 4 Pfund frische Theeblätter 1 Pfund fer- tige Handelswaare; es würde also die Blatternte eines ha Theegartens von Japan auf 1920 kg. zu veranschlagen sein. Der indische Theebau hat sich seit dem Jahre 1835 entwickelt, anfangs nur langsam, um so rascher aber während der letzten 20 Jahre. Den ersten Versuchen folgte 1839 die Gründung der Assam Tea Com- pany. Von 1864—1876 stieg die Ernte von 2½ Millionen Pfund auf 28 Millionen Pfund an fertigem Thee. Im letztgenannten Jahre war der Durchschnittspreis in London 1 s. 11 d. für 1 Pfund indischen, gegen 1 s. 3 d. für 1 Pfund chinesischen Thee. Im Jahre 1879 be- rechnete man das mit Theesträuchern bepflanzte Areal in Indien auf 206874 acres, welche insgesammt 44771632 Pfund Thee lieferten, wovon 41½ Millionen Pfund nach Europa verschifft wurden. Es er- gibt sich aus diesen Daten, dass der acre im Durchschnitt 216 Pfund Thee lieferte, was 245 kg. für die Hectare macht, ein Ertrag, welcher so sehr hinter dem für Japan berechneten (480 kg. per Ha) zurück- bleibt, dass man unwillkürlich die Richtigkeit der einen oder der an- dern Angabe, welche dieser Rechnung zu Grunde liegt, bezweifeln muss. Vom Assamthale aus hat sich die indische Theecultur über Chittagong und Arracan, Darjeeling, Nagpore, Kangra und andere Ge- biete verbreitet und gewinnt noch jährlich neue Areale. Die Theecultur auf Java , obgleich ihr Anfang noch 7 Jahre hinter dem der indischen zurückliegt, und ins Jahr 1828 fällt, kann sich eines gleichen Aufschwungs nicht rühmen. Javathee hat zwar ein gutes Aussehen und ist hübsch gerollt, allein sein Aufguss ist schwach und besitzt überdies einen bitteren Beigeschmack. Desshalb steht er im Preise weit hinter dem indischen und selbst hinter dem chinesischen zurück, und diesem Umstand ist es denn auch zuzu- schreiben, dass der Theebau auf Java nicht die erwartete Ausdehnung gewonnen hat. Im Jahre 1872 wurden 3104000 kg. Thee aus Java ausgeführt. Die Cultur des Theestrauchs hat, wie wir anführten, während der letzten 50 Jahre sich über zwei neue Gebiete (Indien und Java) ver- breitet und in ihren alten Stätten China und Japan mit zunehmender Ausfuhr ihres Produkts sich immer mehr ausgedehnt, aber sie bleibt immerhin auf das Monsungebiet beschränkt. Alle Versuche, sie auch nach andern Ländern und Erdtheilen zu verpflanzen, lieferten bisher nicht die erwarteten Resultate; noch ist es meines Erachtens wahrscheinlich, dass zukünftige mehr Erfolg haben werden. Im Monsungebiete finden sich, wie nirgends sonst, die beiden Grundbedingungen ihres Erfolgs, ein geeignetes Klima und reichliche, 3. Handelsgewächse. billige Arbeitskraft. Die Handarbeit beim Pflücken, Zubereiten und Sortieren des Thees kann nie durch Maschinen ganz ersetzt werden. Ihr Preis ist im ganzen Monsungebiete so billig, und der des Thees daher nicht minder, dass man in andern civilisierten Ländern der Erde dagegen wird schwer aufkommen können. Die Anforderungen des Theebaues an das Klima können aber nur ausnahmsweise anderwärts erfüllt werden. Der Theestrauch gedeiht am besten und liefert da die werthvollsten Blätter, wo sich die Tem- peratur zwischen 0° und 35° C. bewegt, wo der Feuchtigkeitsgehalt der Luft während der Vegetationsperiode ziemlich hoch und Nieder- schläge ziemlich häufig sind. Er hat in dieser Beziehung ganz andere Bedürfnisse, wie der Weinstock, dem trockne Wärme besonders zuträg- lich ist, so dass ein erfolgreicher Anbau des einen so zu sagen den des andern ausschliesst. — A. Tabelle der dem Theebau in Japan 1881 gewidmeten Areale. Provinz Chô Provinz Chô Suruga 5355,5 32102,9 Mino 4069,3 Hizen 721,1 Tôtômi 3541,2 Iga 679,7 Ise 3300,8 Kaga 655,2 Musashi 2830,2 Igo 564,0 Shimosa 2354,8 Etchiu 513,9 Yamashiro 2260,5 Buzen 464,6 Omi 1555,0 Awa 428,5 Hitachi 1388,9 Kii 395,2 Yamato 1040,2 Mikawa 389,3 Higo 930,7 Chikugo 348,3 Tosa 961,7 Ôsumi 333,7 Hiuga 867,1 Kawachi 308,0 Echigo 849,8 Das übrige Land 4320,0 Tanba 797,2 Im Ganzen 42224,4 32102,9 oder 41874 Ha. B. Analysen des Thees. Thee-Untersuchungen von A. W. Blythe: I. Land- und Forstwirthschaft. Grüner chinesischer Thee nach Hassall: Stonehouse fand nach Ann. d. Chemie u. Pharm. Bd. 45. S. 336 den Theeingehalt wie folgt: 2. Tabak, Nicotiana Tabacum L. und N. rustica L . Nicht blos der Name Tabako — die Japaner haben kein eigenes Wort dafür —, sondern auch unzweideutige historische Berichte über die Einführung dieses weltverbreiteten narkotischen Genussmittels weisen auf den fremden Ursprung hin. Wie Christenthum, Schiess- pulver und Feuerwaffen, so kam auch der Tabak durch die »Nanban« (sprich Námban) oder »südlichen Barbaren« zuerst nach Japan. Unter Nanban verstand man aber in erster Linie die Portugiesen, später auch die von Manila kommenden Spanier. Man kann annehmen, dass das Rauchen in den letzten Decennien des 16. Jahrhunderts, der Anbau des Tabaks aber um das Jahr 1605 Eingang fand. Bezeichnend sind die Mittheilungen Siehe Satow : The introduction of Tobacco into Japan. Jap. Weekly Mail Nov. 17. 1877. Rein : Zur Geschichte der Verbreitung des Tabaks und Mais in Ostasien. Peterm. Mitth. 1878. , welche ein Arzt Namens Saka aus Nagasáki in einer Familienchronik aus jener Zeit über den Gegenstand hinterlassen hat. Im Jahre 1607 schreibt er: »Neuerdings kommt eine Sache, Ta- bako genannt, in Mode. Sie soll aus Nanban stammen und besteht aus grossen Blättern, die man zerschneidet und deren Rauch man schluckt.« Zwei Jahre später bemerkt derselbe Beobachter: »Seit den letzten zwei oder drei Jahren kommt ein Artikel, Tabako genannt, aus Nan- ban, mit dem sich alle Klassen der Japaner belustigen. Er soll ein Heilmittel sein gegen alle Krankheiten. Auf der andern Seite sind jedoch Fälle bekannt, wo Personen krank wurden, nachdem sie Ta- baksrauch getrunken hatten. Da nun kein medicinisches Werk Weisung für die Behandlung solcher Patienten enthält, konnte man ihnen keine Arzenei bieten.« — In einem andern Berichte aus dem Jahre 1605 findet sich nach Satow folgende Notiz: »In diesem Jahr wurde Tabak in 3. Handelsgewächse. Schiffen der Nanbanleute gebracht und bei Nagasáki gesät. Die Be- wohner der Hauptstadt (Kiôto) wetteifern mit einander im Rauchen und die Sitte verbreitet sich rasch über das Land.« Es sei hier ausdrücklich bemerkt, dass andere narkotische Genussmittel, wie Opium- oder Hanfrauchen und Betelkauen unbekannt sind. Wir dürfen an- nehmen, dass in Bungo, dieser Hauptstütze der Portugiesen von An- fang an, und in Satsuma, das noch heutzutage in ganz Japan seines Tabaks wegen hohen Ruf hat und ebenfalls schon von Pinto, wie von Xavier besucht worden war, der neue Artikel bekannt war, bevor er nach Nagasáki gelangte. Auch scheint es kaum einem Zweifel zu unter- liegen, dass das Rauchen zu den Koreanern und benachbarten Man- dschu von Japan aus kam, und zwar zur Zeit des Hideyoshi durch die Expedition und Nachschübe aus Kiushiu zwischen den Jahren 1592 und 1597. Dagegen wurde das eigentliche China von Luzon aus mit dem Tabak beglückt, wie dies von mehreren Seiten, so namentlich von Satow nachgewiesen werden konnte. In China, wie in Japan verbreitete sich das Rauchen unter allen Bevölkerungsklassen und beiden Geschlechtern mit unglaublicher Schnel- ligkeit. Vergeblich, wie das Bemühen Pabst Urban VII und James I in Europa, dem Rauchen zu steuern, waren auch die Verordnungen ihrer mächtigen Zeitgenossen aus der Mingdynastie in China und des Iyeyasu in Japan gegen diese neue Macht, ja von allen Gesetzen des Begründers der Tokugawa-Herrschaft ist wohl keins so wirkungs- los geblieben, als das Verbot vom Jahre 1612 gegen das Rauchen und Pflanzen des Tabaks. — Kiseru , die japanische Pfeife, mit ihrer blanken Metallspitze und dem zierlichen Köpfchen am andern Ende, aus Messing oder Silber — das Rohrstück ist von einem dünnen Bambus —, ist ein ganz anderer Apparat und erfordert auch eine andere Behandlung, wie unsere Rauch- werkzeuge. Der kleine Ballen feingeschnittenen Tabaks, womit ihr Besitzer das Köpfchen, welches an Gestalt und Grösse sich mit der Kapsel einer grösseren Eichel vergleichen lässt, füllt, reicht nur für 2—3 Züge; dann muss der Kopf am Rande des Aschenbechers aus- geklopft und neu gestopft werden. Zierlich, wie das Pfeifchen, und nicht selten kunstvoll mit Lack- oder Silberarbeit geschmückt, wie nachstehende Abbildung es zeigt, ist auch das Futteral und der Ta- baksbeutel aus gepresstem Lederpapier. Beide werden mittelst eines Nedzuke (Näheres hierüber beim Kunstgewerbe), einer Art ge- schnitzten Knopfes, am Gürteltuch aufgehängt. Die Beschaffenheit eines solchen Pfeifchens, das nebst Tabak ein Jeder mit sich führt, I. Land- und Forstwirthschaft. gestattet das Rauchen weder unterwegs, noch bei der Arbeit. Da- gegen wird keine Gelegenheit vorher oder nachher versäumt, um das- selbe zu ergreifen und wenigstens einige Züge daraus zu thun, und oft viel Zeit damit verbracht. Kommt Jemand in ein Haus, so ist die Fig. 1. erste Aufmerksamkeit, welche ihm die weibliche Bedienung nach der üblichen Begrüssung erweist, die, dass sie ihm das Tabaksbrett (Tabako- bon) vorsetzt, noch ehe sie ihm Thee credenzt. Auf demselben steht aber der Hi-rei oder Feuertopf mit glühenden Kohlen und ein grosser 3. Handelsgewächse. Aschenbecher (Hai-fuki) aus Bambusrohr, der auch wohl als Spuck- napf dient. Die japanische Tabakspfeife erinnert in ihrer Gestalt an das Ge- häuse der im Lande artenreich vertretenen Schneckengattung Clausilia, was den Japanern nicht entgangen ist und sie veranlasst hat, die letztere Kiseru-gai , Pfeifenschnecke, zu nennen. — Hooker gibt in seinem Buche »Himalayan Journals« Tafel III, Fig. 7 die Abbildung einer tibe- tanischen Tabakspfeife, welche der japanischen Kiseru sehr ähnlich ist. Das Tabakrauchen ist in Japan noch viel verbreiteter, als bei uns, und die von mir viel gebrauchte Phrase »Arigato, tobako-o nomimasen« (Ich danke, ich trinke keinen Tabak) überraschte immer, weil man sich kaum einen Fremden vorstellen kann, der sich nicht mit Tabak befreundet hat. Der Japaner sagt nicht unpassend »Tabako-o nomi- mas’, ich trinke Tabak«, weil er den Rauch einschlürft und durch die Nase wieder ausstösst. Auch in Deutschland hiess es anfangs »Tabak trinken«, statt rauchen, wie uns u. A. Freytag in seinen Bildern aus der deutschen Vergangenheit belehrt. Auf der mit Papier überzogenen Schiebewand, welche einen ja- panischen Tabaksladen gegen die Strasse abschliesst, ist statt eines Schildes ein Tabaksblatt abgemalt und daneben stehen zwei chine- sische Wortzeichen, welche man wohl sonst mit »Landhauptstadt« über- setzt, die aber hier Kokubu , einen Distrikt von Ôsumi im südlichen Kiushiu bedeuten, der seines Tabaks wegen besonders berühmt ist und dessen Name auf das Tabakgeschäft allgemein übertragen wurde. Der Distrikt Kokubu wurde von mir im Frühjahr 1875 besucht. Derselbe bildet eine kleine Ebene im Nordosten der Kagoshima-Bucht. Ihr mit viel Bimssteinsand gemischter, leichter Boden liefert nur bei der sehr sorgfältigen Düngung und Bearbeitung erträgliche Ernten. Im Frühjahr schützt man die Saatbeete des Tabaks durch Stroh- dächer in etwa Meterhöhe gegen starke Abkühlung durch Wärme- strahlung während der Nacht und erhält gegen Ende April genügend kräftige Setzlinge, welche nun wie anderwärts in Reihen verpflanzt werden, und zwar zur Seite der Reihen Gerste, die um diese Zeit verblüht hat. Anderwärts, z. B. in Higo, findet das Aussäen des Tabaks erst im April, die Verpflanzung aber im Juni statt, auf Gersten- oder Weizenfelder, welche keinen Reis erhalten sollen. Der Anbau des Tabaks ist über die japanischen Inseln weit, wenn auch sehr ungleichmässig, verbreitet. Die erste Blattlese findet im August, eine zweite und dritte im September statt. Zum Trocknen hängt man die Blätter um die Häuser auf, wie das auch bei uns ge- schieht. In Aidzu sah ich zu dem Zweck folgende Vorrichtung an- I. Land- und Forstwirthschaft. wenden: Von zwei Personen flocht die eine aus zwei dünnen Stroh- seilen ein dickeres, die zweite schob dabei je zwei Tabakblätter mit ihren nach oben gekehrten Stielen jedesmal in etwa 10 cm Abstand ein. So vorbereitet hing man schliesslich das Seil mit seinen vielen nach unten gekehrten Blattspreiten an den Wänden des Gebäudes oder auf Stangen auf. Unter den japanischen Tabaksorten hat bei den Eingeborenen der- jenige aus der ehemaligen Herrschaft Satsuma, zu der auch Kokubu gehörte, den grössten Ruf, wie bereits angedeutet wurde. Europäern schmeckt er aber zu süsslich und wird desshalb nur wenig exportiert. Die geschätzteste Waare für die Ausfuhr, obgleich ebenfalls amerika- nischen Tabaken an Werth weit nachstehend, kommt vielmehr von Higo und andern Provinzen des Südens. Man sendet ihn in Stroh- matten verpackt nach Nagasáki, wo man zunächst die Stiele beseitigt und dann die Umpackung in Ballen vornimmt. Sie gehen ausschliess- lich nach England. Das Blatt hat einen schwammigen Charakter, wird desshalb mit andern, strengeren Sorten gemischt und bewirkt die Aufnahme beträchtlicher Mengen der Beize. Als Exportartikel steht Tabak hinter vielen andern zurück und ist im allgemeinen wenig begehrt. b. Droguen . In meinem Tagebuch über meine erste Reise in Japan im Sommer 1874 steht folgender, im Orte Sunjo am Fusse des Ibukiyama (siehe Rein, Japan I. pg. 88) niedergeschriebener Vermerk: »Der Wirth sagte mir, der kräuterreiche Ibukiyama liefere 130 verschiedene Me- dicinen, meist pflanzliche. Aus seiner kleinen Sammlung schenkte er mir zwei, dabei mitgezählte, ein Stück von einem Tropfstein und ein Stück faserigen Wollastonit.« Die chinesische Heilmittellehre, welcher die Japaner bis vor 30 Jahren blindlings folgten, weist gleich der im Mittelalter, ja noch später bis zur Entwickelung der Chemie bei uns gebräuchlichen, eine sehr grosse Anzahl, zum Theil höchst seltsamer Droguen auf. Nachdem schon Thunberg eine kleine Liste pharma- ceutisch verwendeter Pflanzen Japans gebracht hatte, lieferte v. Sie- bold in der schon citierten Arbeit: »Verhandl. van het Batav. Genoot- schap XII deel. Bat. 1830« ein langes, doch keineswegs erschöpfendes Verzeichniss. Oyaku-yen (der Arznei-Garten), welchen die Toku- gawa vor 200 Jahren in Yedo anlegen liessen, der botanische Garten des heutigen Tôkio, enthält die wichtigsten derselben. Neuerdings hat Holmes im 10. Bde des Pharmac. Journ. eine grosse Zahl derselben mit Bemerkungen versehen. Es liegt 3. Handelsgewächse. ausser dem Rahmen und Zweck dieser Arbeit, es zu wiederholen oder zu ergänzen. Ich beschränke mich vielmehr auf die verhältnissmässig wenigen Gewächse, welche ich als Arzneipflanzen angebaut fand und von denen ich aus eigener Anschauung weiss, dass sie für die Land- wirthschaft noch von mehr oder minder Bedeutung sind. 1) Paeonia Moutan Sims, jap. Botan . 2) Paeonia albiflora Pall., jap. Shakuyaku . Wie die alten Classiker Paeonia officinalis L., welche in den Bergen Griechenlands und anderer Mittelmeerländer zu Hause ist, schon vor mehr als zweitausend Jahren ihrer Heilkräfte wegen rühmten und nach dem Paeon, dem obersten Arzt der Götter benannten, so haben auch diese beiden strauchförmigen Arten Pfingstrosen Ostasiens bei Chinesen und Japanern alte Berühmtheit und werden sowohl ihrer medicinischen Wurzeln als auch ihrer schönen Blüthen wegen oft an- gebaut (siehe auch Decoration im Kunstgewerbe). Zuweilen findet man einen dritten und grösseren Strauch ihnen auf einem Stück Garten- land zugesellt, der ebenfalls medicinischen Zwecken dient, nämlich: 3) Evodia rutaecarpa Benth., jap. Goshiu-yu oder Kara-haji- kami. Er erinnert mit seinen gefiederten Blättern an Sumach und wird gleich seinen Verwandten, wie z. B. Evodia glauca und Xanthoxylum piperitum vornehmlich der aromatischen Beeren wegen geschätzt. 4) Ricinus communis L., jap. Himashi . Derselbe heisst auch Tôjin-mame (Chinesen-Bohne) und Tô-goma (Chinesischer-Seesam), Namen, welche auf seine Einführung aus China hinweisen. Nicht selten trifft man kleine Pflanzungen verschiedener Medicinalkräuter neben einander. Ich habe auf diese Weise im freien Felde angebaut gefunden: 5) Foeniculum vulgare Gaertn., den Fenchel, jap. Uikiyo . 6) Angelica refracta Fr. Schmidt., jap. Senkiyu . 7) Angelica anomala Lall., jap. Biyakushi . 8) Scutellaria macrantha Fisch., jap. Ogon . 9) Mentha piperita Thunb., Pfeffermünze, jap. Hak’ka . 10) Rheum palmatum L., jap. Daiô . 11) Rheum undulatum L., jap. Daiô . Von dieser Rhabarberart kennen wir jetzt durch den Bericht von Przewalski über seine Reise zum Kuku-noor und dem Quellgebiet des Hoangwho die eigentliche Heimath. Hiernach ist das Centrum ihrer natürlichen Verbreitung das Gebirge zwischen den Quellflüssen des Hoangwho, Yalung und Min- kiang in China. Im Anschluss an die vorigen Droguen nenne ich drei in Japan I. Land- und Forstwirthschaft. wildwachsende, ihrer eigenthümlichen wohlbekannten Verwendung wegen, nämlich: 12) Aconitum Fischeri Reichb., jap. Tori-kabuto . 13) Artemisia vulgaris L., jap. Yomogi (Mogusa). 14) Illicium religiosum S. \& Z., jap. Sikimmi (spr. Skimi). Das erstgenannte dieser drei Gewächse, der über die Bergwal- dungen von ganz Japan verbreitete hellblaue Eisenhut, liefert in seinen Knollen, Udzu (bei den Ainos Shurku ) genannt, den Ainos das wohlbekannte Gift, mit dem sie ihre Jagdpfeile vergiften. Es ist das- selbe Coniin C 8 H 17 N, wie man es auch in den Knollen anderer Aconit- arten findet und neuerdings selbst künstlich darstellt. Siehe die neueren Versuche von A. W. Hofmann darüber in den Berichten der d. chem. Gesellschaft. 17. Jahrg. pag. 825—833. Dasselbe ruft im thierischen Organismus krampfhafte Bewegungen und Paralyse hervor. Die Früchte des Buddha geweihten und darum bei buddhistischen Tempeln und Klöstern viel angebauten Skimi machten vor längerer Zeit einiges Aufsehen. Sie kamen nämlich statt des Sternanis, dem sie sehr ähnlich sehen, als Gewürz in den Handel, erwiesen sich aber giftig. Eine ganz andere Rolle spielt die gemahlene und mit Hülfe von etwas Harz zu kleinen, federkieldicken braunen Stäbchen geformte Rinde. Sie bildet in dieser Gestalt die Räucherkerzchen, mit welchen man vor den Götzen Wohlgeruch verbreitet. Diese glimmenden Kerzen werden aber auch benutzt bei der Mogusa (sprich Moxa). Es ist dies ein eigenthümliches Zugpflaster, womit man Krankheiten vorzubeugen sucht. Die Moxa oder Blüthentheile der Artemisia vulgaris werden mit dem sie umgebenden Filz getrocknet. Bei ihrer Verwendung legt man etwas davon auf den nackten Körper und brennt es durch Be- rührung mit der glimmenden Kerze ab. Dadurch entstehen Wunden und später Narben so gross wie ein Markstück, wie man sie nament- lich auf Rücken und Posterior der Arbeiter häufig sehen kann. Die vorerwähnten Arzeneipflanzen spielen im Handel Japans keinerlei Rolle. Nur dem eigenen Gebrauche dienend, tritt ihre Be- deutung hinter diejenige von Ginseng und Kampfer weit zurück, zwei Droguen Ostasiens, die nicht blos ihrer sehr verschiedenartigen Ge- winnung und Verwendung wegen, sondern auch als bemerkenswerthe Exportartikel Japans eine eingehendere Betrachtung verdienen. 15) Panax Ginseng C. A. Meyer (Aralia Ginseng, jap. Nin-jin , chin. Jin-san). Der Ginseng , von dem Kaempfer sagt, er sei der Wurzel wegen nächst dem Thee im ganzen Orient die berühmteste Pflanze, ist ein den Doldenpflanzen nahestehendes perennierendes, 3. Handelsgewächse. krautartiges Gewächs aus der Familie der Araliaceen. Die walzen- förmige, möhrenartige Wurzel liefert das von Chinesen, Japanern und Koreanern hochgeschätzte Arzeneimittel. In der That ist diese Gin- seng- oder Kraftwurzel, wie man sie bei uns auch genannt hat, die Cinchona und der Moschus dieser Völker, ein Mittel gegen Fieber und Schwächezustände aller Art, die wichtigste und theuerste Arzenei, zu der noch bei Todkranken gegriffen wird, wenn kein anderes Mittel mehr verfangen will. Bezeichnend für die hohen Preise derselben und den Glauben an ihre Heilkraft zugleich ist auch die japanische Redens- art: »Ninjin kute kubiku kuru«, d. h. wörtlich »nach Ginsengessen Er- hängungstod« und dem Sinne nach »man wird durch Ginsengessen wohl gesund, stirbt aber (weil es arm macht) nachher den Hungertod.« Aus dem Erwähnten geht zur Genüge hervor, dass Linné, als er den Namen Panax Von πανακής, Alles heilend. der Alten, womit diese in erster Linie wohl einige Arten Ferula Kleinasiens und des Pontus bezeichneten, auf das Uni- versalmittel des östlichen Monsungebietes übertrug, von dem er durch Kaempfer und Andere gehört hatte, wohl kaum ein passenderes Ob- ject für denselben hätte finden können. Die Ginsengpflanze wächst in den schattigen Gebirgswaldungen Ostasiens von Nepal bis zur Mandschurei wild, während sie in Japan bislang nur in Cultur gefunden wurde. In den tiefen Waldungen der chinesischen Mandschurei zwischen 39° und 47° N. wurde sie zu- erst von Pater Jartoux beobachtet. Aber die hier mit Sorgfalt ge- sammelten Wurzeln, ein Regal des chinesischen Kaiserhauses, reichen für den grossen Bedarf China’s nicht aus; es muss demselben eine ziemlich weit verbreitete Cultur der Pflanze im nördlichen China, in Korea und Japan zur Hülfe kommen, woran sich auch noch ein an- sehnlicher Import von Philadelphia und Baltimore schliesst, welche Städte den Chinesen die Wurzeln des im Alleghanny-Gebirge wach- senden, weniger geschätzten Panax quinquefolius liefern. In Japan wählt man für den Ginsengbau schwarzen, humusreichen Boden in trockner Lage aus, da nur in ihm die Pfahlwurzeln der Pflanze sich genügend stark und mit weisser Farbe entwickeln, wäh- rend sie in eisenschüssiger Erde eine röthliche Färbung annehmen und dann weniger geschätzt werden. Das gutgedüngte, tief umge- grabene und wohl zubereitete Feld wird in Beete getheilt, die in der Regel 27 jap. Fuss (8,13 Meter) lang, 2½ Fuss breit und 2 Fuss von einander entfernt sind. Sie ziehen stets von Osten nach Westen. Um die Pflanzungen gegen directen Sonnenschein und heftige Regen Rein , Japan. II. 11 I. Land- und Forstwirthschaft. zu schützen, trägt jedes Beet der Länge nach in ⅔—1 Meter Höhe beständig ein auf Pfählen und Stangen ruhendes Strohdach über sich, das nach Süden etwas geneigt ist. Hierdurch sind Ginsengpflanzungen Fig. 2. dem Auge des aufmerksamen Reisenden schon aus der Ferne erkennbar, wie z. B. in der Provinz Shinano zur Seite des Na- kasendo, in Aidzu und anderwärts. Wäh- rend der Vegetationsdauer findet nur eine Reinhaltung und zeitweise Lockerung der Beete statt, sowie eine mehrmalige Düngung mit Strohasche. Die Aussaat erfolgt im Süden Japans (z. B. in den Provinzen Idzumi und Hoki) im November, weiter nordwärts aber erst im April. Da die Samen leicht ihre Keim- kraft verlieren, werden sie im letzteren Fall mit Erde vermischt aufbewahrt. In das tiefgegrabene, durchsiebte Land setzt man den Samen in 6—9 cm Abstand und eben so tief in Reihen, deren 2 auf ein Beet kommen, so dass sie etwa 30 cm von ein- ander entfernt sind. Ginseng wächst lang- sam und bedarf 3½ Jahre zu seiner Ent- wickelung. So kann man denn Felder sehen mit Pflanzen vom ersten Jahr (ichi nen shô), von zwei Jahren (ni nen shô), von drei Jah- ren (san nen shô), vom vierten Jahr (yo-nen shô). Die Pflänzchen des Ichinenshô (siehe Figur 2) haben bis zum Herbst nur ein, auch zwei Blätter, keinen Stengel entwickelt. Ein solches Blatt ist einschliesslich des lan- gen Stieles 8—10 cm hoch und dreizählig, wie das des Klees. Die eiförmigen, zuge- spitzten Blättchen haben scharfgezahnte Ränder. Stärker entwickelt erscheint die walzenförmige ausdauernde Wurzel. Im zweiten Som- mer bildet dieselbe einen einfachen glatten Stengel, der sich oben in zwei, auch drei Blattstielen gabelt (siehe Figur 3). Die einzelnen Blätter sind nun fingerförmig fünfzählig, in symmetrischer Weise ent- wickelt, am stärksten das mittlere der Blättchen. Gestalt und Rand- theilung, wie im ersten Jahr. Die Wurzel hat mit etwa 12 cm fast gleiche Länge, wie der oberirdische Theil der Pflanze. Im dritten 3. Handelsgewächse. Sommer (Figur 4) wird dieser 30—40 cm hoch und sendet in halber Fig. 3. Höhe einen Kranz von 3—4 Blättern aus, deren fünf Blättchen gleich- geformt, aber grösser sind, als die im zweiten Jahre. Die glatten 11* I. Land- und Forstwirthschaft. Blattstiele haben wie der runde untere Stengel eine rothbraune Farbe. Die Pflanzenachse setzt sich als nackter, grünlicher Stengel von der Basis der Blätter aus noch 10—20 cm fort und endet mit einer ein- Fig. 4. fachen Blüthendolde an der Spitze, wozu sich mitunter noch ein zwei- tes Döldchen etwas tiefer und seitwärts gesellt. Nur wenn Samen erzielt werden soll, lässt man den Blüthenstand im dritten oder vier- ten Sommer sich entwickeln, sonst wird er abgeschnitten. Ueber 3. Handelsgewächse. einem Kranz von 5—7 lanzettlichen Hüllblättchen wölbt sich die kleine, an Alliumarten erinnernde 10—20-strah- lige Dolde mit ihren hellgrünen polyga- mischen Blüthchen, die aus unschein- barem, oberständigem, fünfzahnigem Kelche, fünf Blumenblättchen, ebenso- vielen Staubgefässen und 2—3 Griffeln zusammengesetzt sind. Der unterständige Fruchtknoten entwickelt sich zu einer glänzend scharlachrothen, erbsengrossen, seitlich zusammengedrückten Beere, welche zwei graue, geriefte Samen von der Fig. 5. Grösse der Hanfkörner einschliesst (Fig. 6). Nachdem dieselben geerntet Fig. 6. sind, werden sie 30—50 cm tief bis zum November oder nächsten Frühjahr in Erde eingegraben, um so bis zur Aussaat ihre Keimkraft zu erhalten. I. Land- und Forstwirthschaft. Die Ernte der Ginsengwurzeln findet im Doyô (Juli und August) des vierten Sommers statt. Sie sind walzenförmig, höchstens finger- dick und oft gabelförmig nach unten getheilt (Fig. 7), von weisser Fig. 7. Farbe und erinnern im Geruch und Geschmack an Mohrrüben (Daucus Carota). Das gewöhn- liche Gewicht einer frischen Ginsengwurzel beträgt 20—25 Gramm, selten doppelt so viel, und der Ertrag eines □-Meters Land = 1—1½ kg. an solchen frischen Wurzeln. Nachdem man dieselben ausgegraben hat, werden sie von den Fasern und andern Anhängseln befreit und sorgfältig abgewaschen, darauf rasch in kochendem Wasser oder Wasserdampf abgebrüht, so dass sie nachher auf dem Querschnitt braungelb und gal- lertartig aussehen. Hierauf setzt man sie in Darren mit etwa 12 über einander angebrachten Schieberahmen, deren Böden aus starkem Papier bestehen, je nach der Grösse 2—3 Tage lang einer Hitze von 100—120° C. aus, wodurch dieselben völlig trocken und marktfähig werden. Doch wird dieses Dörren viel- fach auch an der Sonne vorge- nommen und dauert dann ent- sprechend länger. Diese präparierten und ge- trockneten Ginsengrüben haben noch etwa ¼ ihres ursprüng- lichen Gewichts; 160—200 derselben gehen auf ein Kilogramm. Sie sind gelblich bis braun, halb durchsichtig, etwas spröde und von bit- terlich süssem, schleimerzeugendem Geschmack. Man muss sie gegen Feuchtigkeit und kleine Käfer (Rhynchophoren) sorgfältig schützen und wendet sie in Form von Decoct und Extract an. Stengel und Blätter 3. Handelsgewächse. der Pflanze werden ebenfalls verwendet und zu einem schwarzen, zähen Brei gekocht, der in Folge des in Caramel übergegangenen Zuckers wie Lakritze aussieht und schmeckt, jedoch einen bitteren Beigeschmack hat. Dieses Präparat kommt nicht zur Ausfuhr. Für die zubereitete Ginsengwurzel gibt es bald zahlreiche Käufer, welche das Kin (600 Gramm) dem Producenten mit 5—7 yen bezahlen, während es in China 10 yen oder 40 Mark werth ist. Der Ginseng der Mandschurei steht viel höher im Preis, zumal die gesuchteste Sorte, deren Aussehen an Bernstein erinnert und deren Preis oft mit dem 5—8-fachen Gewicht Silber aufgewogen wird. Mindestens gleich- geschätzt und noch immer ein beachtenswerther Ausfuhrartikel ist der Koreanische Ginseng. In der Tokugawa-Periode war der Daimiô von Tsushima abgabenfrei, hatte dafür aber dem Hofe des Shôgun jährlich ein gewisses Quantum Ginseng aus dem benachbarten Korea zu liefern. Seitdem die jüngeren japanischen Aerzte begonnen haben, sich mit den europäischen Heilmethoden und -Mitteln mehr und mehr vertraut zu machen, ist in Japan das Ansehen der Ginsengwurzel bedeutend gesunken, so dass bei gleichbleibendem, ja stellenweise zunehmendem Anbau derselben jährlich immer grössere Mengen nach China ausge- führt werden können, wo sie stets willige Abnehmer finden. Früher vermittelten die Holländer in Nagasáki diesen Export, jetzt findet er meist über Ôzaka durch Japaner und Chinesen direkt statt. Der Be- trag desselben erreichte im Jahr 1879 die hohe Summe von 507494 yen, ist aber seitdem etwas zurückgegangen. Die Ginsengcultur findet in verschiedenen Hügellandschaften von 300—800 Meter Höhe statt, vornehmlich auf Hondo. Ihre bemerkens- werthesten Distrikte sind: 1) in der Provinz Idzumo südlich der Hauptstadt Matsuye an den Bergabhängen der Landschaft Tu (Tu-gori) und auf der kleinen Rettig- insel (Daiko-jima) im Nakano-umi; 2) in der Provinz Hoki auf der Nordseite des Daisen; 3) in Shinano längs des Nakasendô zwischen den Poststationen Iwamurata und Wada, sowie bei der Stadt Takeda an der Grenze von Hida; 4) in Aidzu 30 Meilen nördlich von Tôkio an mehreren Stellen, insbesondere bei Terayama und Matsukawa, sodann bei Kuradani und Uchi auf dem Wege von Sannô-tôge nach Wakamatsu. Ausser in diesen Gebieten, wo Kempermann oder ich den Gin- sengbau beobachteten, kommt derselbe nach Maximowicz auch bei Hakodate vor, sowie an verschiedenen andern Orten des japanischen I. Land- und Forstwirthschaft. Reichs, wie dies aus dem Catalog der 1877 in Tôkio veranstalteten Ausstellung landwirthschaftlicher Produkte zu ersehen ist. Seit einer Reihe von Jahren sind auch die Vereinigten Staaten dem grossen chinesischen Bedarf an Ginseng zur Hülfe gekommen, indem sie die Wurzeln einer im Gebiet der Appalachen endemische Art (Panax quinquefolius L.) präparierten und auf den chinesischen Markt brachten. Nach den Berichten des Commissioner of Agriculture hatte diese Ausfuhr im Jahr 1877 den Werth von annähernd $ 700000 erreicht. 16) Cinnamomum Camphora Nees \& Eberm. (Laurus Cam- phora L.), der Kampferbaum oder Kampferlorbeer, jap. Kusu-no-ki (sprich Ksúnoki). Dies ist der Riese unter den Laubhölzern Japans, der sowohl an Stammumfang als an Höhe alle andern, selbst Planera acuminata, übertrifft. Kaempfer vergleicht ihn mit einer Linde. Die schmächtigen Repräsentanten desselben in unsern Gewächshäusern mit ihren gelbgrünen Blättern und dem siechen Aussehen lassen die mächtigen Gestalten mit ihrer glänzend dunkelgrünen Belaubung kaum ahnen, zu der sich dieser Lieferant des allbekannten Kampfers (jap. Shônô ) in seiner Heimath empor- schwingt. Doch schon jenseits der Alpen, in den schönen Anlagen an den norditalienischen Seen, der Riviera und weiter südlich, wo der Baum vortrefflich gedeiht und durch rasches Wachsthum sich aus- zeichnet, gewinnen wir eine richtigere Vorstellung von ihm. So hat ein Exemplar im Park der bekannten Villa Pallavicini bei Pegli in 25 Jahren einen Stamm von 1 Meter Umfang entwickelt. Noch über- raschender ist das Wachsthum eines Kampferbaumes in Cannes, den man seit 1871 aus Samen erzog und der im Herbst 1878 an der Ba- sis 98 cm Umfang bei 30 Meter Höhe hatte. Viel älter und statt- licher noch ist der Kampferlorbeer im botanischen Garten zu Pisa, vielleicht das grösste Exemplar in Europa. Neben dem raschen Wachsthum des Baumes im Mittelmeergebiet ist aber auch seine Accommodationsfähigkeit an das heisseste und trockenste Klima innerhalb desselben gegenüber seiner regenreichen Heimath in Ostasien bemerkenswerth; denn er ist eine der wenigen Pflanzen Japans, welche z. B. noch auf den Canarischen Inseln gut fortkommen und sogar zu Schubrah bei Kairo sich kräftig entwickelt haben. Auch in verschiedenen andern subtropischen und tropischen Ge- bieten der Erde, z. B. bei Buenos Ayres und auf Mauritius gedeiht Lau- rus Camphora vortrefflich. Es ist unter diesen Umständen auffallend, dass man noch nirgends Pflanzungen zur Kampfergewinnung anlegte. 3. Handelsgewächse. In Japan ist der Kampferbaum der wichtigste und verbreitetste Repräsentant der immergrünen Laurineengattung Cinnamomum, deren Arten sich alle durch den Geruch nach ätherischen Oelen, die sich in ihren verschiedensten Theilen entwickeln, sowie durch langgestielte eilanzettliche, ganzrandige, lederartige, glänzend dunkelgrüne Blätter auszeichnen. Dieselben stehen meist abwechselnd und sind weiter durch eine charakteristische dreinervige Beaderung gekennzeichnet. Im April findet, wie bei den meisten immergrünen Pflanzen, der Blatt- wechsel statt, bei dem das junge, zarte, gelbgrüne Laub die alten dunkelgrünen Blätter verdrängt, nachdem ihr Glanz erloschen ist. Die jungen Zweige des Kusunoki brechen sehr leicht ab, so dass man nach jedem stärkeren Winde eine grössere Zahl derselben auf dem Boden findet. Daher bildet der Kampferbaum selten eine symmetrisch gebaute volle Krone. Aber was ihm in dieser Beziehung an Schön- heit abgeht, ersetzt die mächtige Gestalt. Sieht man dabei von der Verschiedenheit der Belaubung, Blüthen- und Fruchtbildung ab, so gleicht ein alter Kampferlorbeer am meisten einer stattlichen Eiche in der Dicke des Stammes, der Symmetrielosigkeit seiner Krone, den mächtigen, auffallend knorrigen und gebogenen Aesten und der rauhen, zerrissenen Borke. Dies gilt namentlich von den zum Theil sehr alten Exemplaren, welche man bei Tempeln und in den alten Park- anlagen der südlichen Schlossstädte findet. Fortune erwähnt, dass er in China nie so alte und grosse Kampferbäume sah, wie bei den Tempeln in Nagasȧki. Kaempfer sah 1691 einen Kampferbaum in Kiushiu, welcher seiner Dicke wegen berühmt war. Im Jahr 1826 fand ihn v. Siebold noch gesund und reich belaubt. Der hohle Stamm hatte 16,884 m Umfang. Aber auch in andern und mehr nördlichen Theilen Japans kommen noch überraschend starke Exemplare vor. So sah ich im Frühjahr 1875 in der Provinz Kii auf dem Wege von Wakayama nach der berühmten Klosterstadt Koyasan (etwa 34½° N. und 135° 20' O. Gr.) bei Kaseda-mura ein solches mit 11,5 Meter Stamm- umfang. In 1½ Meter Höhe theilt sich der Riese in eine Anzahl mächtiger, weit ausgebreiteter Aeste. Im nördlichen Theile von Tô- kio, dem Park von Uyeno, befindet sich nahe dem Tempel des Gon- gensama ein Baum, dessen hoher Stamm 1874 in Brusthöhe 5,88 Meter Umfang hatte und mit seinen starken Aesten die schlanken Nadel- hölzer ringsum (Cryptomerien und Tannen) noch theilweise überragte, in einer Höhe von 40—50 Meter. Ein zweites grosses Exemplar ge- wahrt man in Hon-jô, auf der linken Seite des Sumidagawa. Diese Bäume haben hier, in der Hauptstadt, einen Winter mit 70—80 Frost- nächten auszuhalten, in denen die Temperatur zuweilen auf —7° C. I. Land- und Forstwirthschaft. sinkt und ausnahmsweise sogar auf —9° C. Auch in Norditalien, z. B. am Lago Maggiore, hat der Kampferlorbeer im December 1879 eine Kälte von —9° C. ausgehalten. Doch scheint hiermit die untere Temperaturgrenze seines Vorkommens im Freien erreicht zu sein, da ich ihn nordwärts vom 36. Breitengrad, selbst an der flachen und mil- den Küste des Stillen Oceans nicht fand. Im höher gelegenen und rauheren Landesinnern kommt er auch mehr südwärts nirgends fort. Von diesem Vorkommen bei Tempeln und Wohnstätten ist jedoch dasjenige im wilden Zustande wohl zu unterscheiden. Dasselbe über- schreitet nirgends den 34. Parallel und beschränkt sich auf die milden Hügellandschaften in der Nähe des Meeres in Süd-Japan. Es sind Theile von Ôsumi und Satsuma an der Bucht von Kagoshima, so wie von Hiuga auf der Insel Kiushiu, sodann und vor allem die Provinz Tosa auf der Insel Shikoku. Nach Kaempfer und Thunberg ist der Baum auch häufig auf den Gotô (Gothô ôar Thunb.) zu finden. In den ge- nannten Gebieten bildet er einen Bestandtheil der immergrünen Wäl- der, gemischt mit mehreren andern Arten der Gattung Cinnamomum, mit lorbeerblätterigen Eichen (Quercus cuspidata, Qu. acuta, Qu. glauca), Camellia japonica und andern mehr strauchartigen Gewächsen; doch kommen hier so alte, starke und dickrindige Exemplare, wie in den Tempelhöfen nirgends vor. Was die geographische Verbreitung von Cinnamomum Camphora überhaupt betrifft, so erstreckt sich dieselbe nur über Theile des öst- lichen Monsungebiets und umfasst das Küstenland Ostasiens mit vielen Unterbrechungen von Cochinchina bis gegen die Mündung des Jang- tse-kiang, einschliesslich der Inseln Heinan und Chusan, ferner die Insel Formosa, die Riukiu-Inseln und die schon erwähnten Theile von Kiushiu und Shikoku, demnach ein Gebiet zwischen 10° N. und 34° N., das also theils den Tropen, theils der subtropischen Zone an- gehört. Reiche Niederschläge, namentlich im Sommer, zeichnen das- selbe aus; die klimatischen Verhältnisse sind sonach für eine üppige Vegetationsentwickelung sehr günstig. Am häufigsten findet man den Kampferbaum nach allen Berichten auf der Insel Formosa, und zwar, wie es scheint, vornehmlich in den Hügel- und Gebirgslandschaften des nordwestlichen Theils derselben. Formosa liefert schon seit län- gerer Zeit den meisten Kampfer und hat nur im Reis und Zucker noch bedeutendere Exportartikel. Früher brachte man ihn auf Dschunken zunächst nach Hongkong, Amoy oder Futschau, von da nach Europa, während jetzt ein direkter Versandt von Tamsui stattfindet. Im eigentlichen China ist Fukien die an Kampferbäumen reichste Provinz. Derselben und ihres Produkts gedenkt schon Marco Polo 3. Handelsgewächse. (Yule: Marco Polo II, 217.), sowie mancher Andere, der später die Wälder dieser Provinz durchreiste. Dieselben liefern noch immer jähr- lich gegen 2500 piculs (150000 kg.); doch stieg die Produktion schon auf 4000 piculs (240000 kg.) in einem Jahr. An den Verbreitungsbezirk des Laurineenkampfers schliesst sich derjenige des Borneols, Baros- oder Sumatra-Kampfers an. Flückiger erwähnt in seinem sehr lesenswerthen Artikel »Camphora« (Phar- makognosie des Pflanzenreichs II. Aufl. pag. 148) auch noch des Blumea-Campfers, der aber für Japan nicht in Betracht kommt. Diese Kampferart findet sich bekanntlich im Holze von Dryobalanops Cam- phora Colebr., einem Baume der Familie der Dipterocarpeen, abge- lagert, und zwar in Hohlräumen und Spalten desselben, doch selten mehr als ¼—1 Pfund in einem Baum. Dieser Kampferbaum bewohnt Sumatra und West-Borneo. Junghuhn spricht sich über ihn folgender- massen aus: »Unter den Waldbäumen von Tapanuli (an der Westküste von Sumatra nordöstlich von Nias und südöstlich der Stadt Baros) zieht vor allem der Kampferbaum (Dryobalanops Camphora) des Reisenden Aufmerksamkeit auf sich, durch seinen geraden, säulenartigen und colossalen Stamm und seine Blätterkrone, welche sich hoch über den Teppich des Waldes erhebt. Er übertrifft in seinen Dimensionen den Rasamala (Liquidamber Altingiana), den höchsten Baum Java’s.« Eine ausführliche Beschreibung des Baumes nebst Abbildung lieferte W. H. de Vriese 1856 unter dem Titel: »Mémoire sur le Camphrier de Sumatra et de Bornéo«. In ganz Süd- und Ostasien waren beide Kampfersorten ohne Zweifel schon zu Anfang unserer Zeitrechnung bekannt und geschätzt, was daraus hervorgeht, dass Araber sie schon im 1. Jahrhundert nach Europa brachten. Insbesondere galt das ganze Mittelalter hindurch bis in die neueste Zeit Bornéo-Kampfer auch bei Chinesen und Ja- panern für eine höchst wichtige Medicin, welche sie ihrem einheimi- schen Produkt weit vorzogen. Sein eigentlicher malayischer Name ist Kápúr Bárós oder Barús, d. h. Kampfer von Baros, dem Hauptver- sandtplatze an der Nordwestküste der Insel Sumatra, im Gegensatz zu Kapur China oder Kapur Japún, dem Laurineenkampfer. Von Ba- ros, aber auch von den andern Häfen der Nordwestküste zwischen 1° und 2½° N., nämlich Tapanuli, Natal und Ajer Bangngies kam der Sumatrakampfer über Padang nach Batavia und über Atschin nach Pinang und Singapore. Den Namen Kápúr adoptierten u. A. die Araber und wandten ihn auch auf den Kampferbaum an, wie man sich noch in Aegypten überzeugen kann. Marco Polo ist der erste Europäer, der des Sumatrakampfers erwähnt. Er nennt denselben I. Land- und Forstwirthschaft. Camfora Fansuri und sagt, er sei so fein, dass er in China mit Gold aufgewogen werde. Yule : Marco Polo. II. 282. Kaempfer bemerkt E. Kaempfer : Geschichte und Beschreibung von Japan 1777 pag. 131. , dass ein Catti (605 gr.) des eingeführten borneischen Kampfers gegen 80 bis 100 Catti des japanischen Kampfers vertauscht werde, und de Vriese schreibt in der erwähnten Arbeit über den Sumatra-Kampfer Folgendes: »Une caisse de camphre, qui con- tenait en tout 125 livres de camphre en trois différentes qualités ren- dait au Japon un prix de 2500—3000 rijksdaalders, c’est-à dire d’en- viron 12500—15000 francs«. Weiter bemerkt er: »Pendant les années de 1750—1760, le commerce de cet article avec la Chine a rendu à la Compagnie le provenu considérable de 153490 florins«. Diese hohe Werthschätzung der Ping-pien (Eisflocken) oder Lung-nan (Drachen- gehirn), wie die Chinesen den Sumatra-Kampfer nennen, scheint noch fortzudauern, denn nach derselben Quelle geht der gesammte Export von Baros in diesem Artikel (weniger als 400 kg jährlich) nach China, wo sein Preis den des einheimischen Produkts hundertfach übertrifft. Im Jahre 1760 kostete das Pikul in Padang 44 fl. holländisch, 1860 gegen 60 fl., aber in Canton und Shanghai 114 fl. Nicht blos als in- nere Medicin und gegen Augenleiden wurde er bisher so hochgeschätzt; noch eine ganz andere Verwendung fand er früher in Sumatra selbst. Wenn nämlich ein Rajah der Battas starb, so kam sein Leichnam in einen Sarg aus dem Holze des Durio zibethinus und wurde hier mit Kampfer einbalsamirt und verschlossen gehalten, bis der am Todes- tage gesäete Reis nach 5—6 Monaten geerntet werden konnte. Dann fand unter Beigabe dieses neuen Reis die eigentliche Beerdigung des unterdess zur Mumie gewordenen Todten statt. Man hat berechnet, dass dieser Brauch im einzelnen Fall 50—100 Pfund Kampfer ver- schlang im Werthe von 2000—5000 fl. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand ein lebhafter Handel mit diesem Sumatra-Kampfer nach Japan statt, dessen aber (nach de Vriese) die Bücher der holländischen Handelsgesellschaft von 1768 ab nicht mehr erwähnen und der desshalb von da an wohl aufhörte. Als die Portugiesen zuerst nach Indien kamen, waren hier beide Kampferarten bekannt und in medicinischem Gebrauch. Man zahlte für das Pikul (60 kg) Sumatra-Kampfer erster Qualität 1360 Dollars und für das gleiche Gewicht chinesischen Kampfer 40—45 Dollars, woraus sich das Preisverhältniss 1 : 34 bis 1 : 30 berechnet. Den 3. Handelsgewächse. Ruhm des Kampfers von Borneo kannte auch Camôens und widmete ihm im 10. Gesang 133 seiner Lusiade einen Vers. Der Lorbeerkampfer (japanisch Shônô) wird in Japan zu irgend einer Jahreszeit, gewöhnlich aber im Sommer, und zwar aus den Spänen des frisch gefällten Holzes durch Destillation mit Wasser ge- wonnen. Man benutzt dabei eine sehr scharfe, hohlgeschliffene Haue mit kurzem Stiel und zerhackt die Stämme, Aeste und dickeren Wur- zeln auf mühsame Weise in Spähne, wie sie beim Fällen eines Baumes abfliegen. Die zur Kampfergewinnung dienende Vorrichtung und Fig 8. Apparat zur Kampfergewinnung in Tosa, Japan. namentlich die Einrichtung zum Auffangen und Condensieren der Dämpfe ist nicht überall dieselbe. Der Apparat, welchen ich im Walde nicht weit von Kochi, der Hauptstadt von Tosa in Thätigkeit sah, war wie folgt beschaffen: Auf einem primitiven kranzförmigen Mauerwerk (siehe Figur 8) von ⅔ m Höhe, welches den Feuerraum ( F ) umschloss, ruhte eine eiserne Pfanne ( P ) und auf dieser ein Holzkübel ( K ) von 1 m Höhe, dessen durchlöcherter Boden 50 cm Durchmesser hatte, während die obere Oeffnung 37 cm weit war. Diese Kufe war nun umgeben von einer ebenfalls auf der Mauer ruhenden Lehmwand ( W ) von 12 bis I. Land- und Forstwirthschaft. 15 cm Dicke. Bei der Inbetriebsetzung des Apparats wurde die eiserne Pfanne von oben mit Wasser und die Kufe bis nahe zum Rande mit frischen Spähnen gefüllt, hierauf ein Deckel ( D ) oben aufgesetzt und sein Rand mit dem des Kübels durch Lehm dampfdicht verkittet. Hier- auf zündete man das Brennholz im Feuerraum F an. Die sich bald entwickelnden Wasserdämpfe treten aus der Pfanne durch den durch- löcherten Boden der Kufe in diese ein, bestreichen und erhitzen die Kampferholzspähne daselbst, reissen die Kampferdämpfe mit sich fort und treten durch ein nahe dem oberen Rande angebrachtes, dicht- schliessendes Bambusrohr ( B ) in den Kühlapparat ( C ). Derselbe ruht auf einer anstossenden Bergwand und besteht aus zwei verschieden- grossen wasserdichten Kasten, von denen der grössere aufsitzt und wie eine pneumatische Wanne nach oben geöffnet und zugleich durch parallel laufende Bretter in mehrere miteinander communicierende Ab- theilungen geschieden ist, während der kleinere mit nach oben ge- richtetem Boden in dem grossen ruht und Recipient für die Dämpfe ist. Eine Bambusröhre ( B' ) führt beständig fliessendes Wasser über den Boden desselben und an den Wänden hinab zur unteren Wanne, an welcher durch ein Loch in halber Höhe der Ueberschuss abgeleitet wird. Nach etwa 12 Stunden sind die Spähne erschöpft. Man öffnet eine nahe dem Boden des Kübels angebrachte, an den Rändern eben- falls sorgfältig verklebte Klappe ( V ) und entfernt dieselben auf diesem Wege. Sie werden vor der Feuerung getrocknet und dann als Brenn- material bei einer späteren Füllung benutzt. Im Kühlapparat haben sich über dem Wasser Kampfer und Kam- pferöl angesammelt. Sie werden abgeschöpft und mittelst Filtration durch Stroh, oder durch Auspressen von einander getrennt. Von der hier beschriebenen Gewinnungsweise des Kampfers weicht diejenige ab, welche Thunberg angibt. Nach ihm ruhte auf einem eisernen Kessel ein hölzerner Hut, der in eine lange Spitze ausging, in welcher Stroh befestigt war. Die Kampferholzspähne wurden mit Wasser im Kessel gekocht; der aufsteigende Kampferdampf sammelte und verdichtete sich im Stroh der Hutspitze, wurde dann als körnige, grauweisse Masse davon getrennt, in Holzkufen verpackt und nach dem Gewicht an die holländische Compagnie in De-shima verkauft. Es unterliegt keinem Zweifel, dass das von mir beobachtete Ver- fahren einen bedeutenden Fortschritt gegenüber dem zuletzt ange- gebenen bekundet. Ein mehrtägiges Einweichen der Spähne in Wasser vor Beginn der Destillation, wie es für China angegeben wird, ist in Japan nicht gebräuchlich. — Scherzer beschreibt die Kampferge- winnung auf Formosa. Dieselbe stimmt in den Hauptzügen mit der 3. Handelsgewächse. für Tosa angegebenen überein, aber die Vorrichtungen sind entschie- den viel primitiver, als hier. Der sorgfältigeren Gewinnungsweise entsprechend ist der japa- nische Kampfer ein viel reineres, geschätzteres Produkt und steht dess- halb auch höher im Preise als der chinesische. Es ist eine körnige, grauweisse Masse, nicht unähnlich dem zusammengeballten Firn un- serer Hochgebirge oder dem weissen unraffinierten Zucker. Er kommt vorwiegend aus Tosa, und da Kochi, die Hauptstadt dieser Provinz der Insel Shikoku, in direktem Dampfschiff-Verkehr mit Ôzaka steht, so gelangt derselbe meist über diese Stadt in europäische Hände und wird vom benachbarten Kobe (Hiogo) ausgeführt. Der Export an Kampfer von Nagasáki beträgt kaum den dritten Theil desjenigen von Hiogo; noch geringer ist derjenige von Yokohama. So sind denn Tamsui im Norden von Formosa und Hiogo gegenwärtig die wich- tigsten Bezugsquellen dieser Drogue, doch ist die jährliche Ausfuhr in ihnen und einigen andern Plätzen eine sehr schwankende und hat sich in den letzten Jahren zwischen 18000 und 24000 Pikuls — 1080000 kg und 1440000 kg — bewegt, im Durchschnittswerthe von ₤ 12 das Pikul oder 4 Mark per Kilogramm. Bevor Formosa als Hauptlieferant dieses Artikels auf dem Markt erschien, stellte sich ein Pikul japanischen Kampfers auf ₤ 20—24, während der jetzige Preis ₤ 14—17 ist. Im Jahre 1876 führte Ôzaka-Hiogo 8393 Pikuls Kampfer aus, im Werthe von ₤ 121846, im Jahre zuvor dagegen nur halb so viel. Der Gesammtwerth der japanischen Ausfuhr an dieser Dro- gue betrug im Jahre 1872 ₤ 152879, im darauffolgenden Jahre nur ₤ 71026. In den letzten Jahren ist die Kampferausfuhr Japans an- sehnlich gestiegen und hat 1882 mehr denn 5 Millionen yen betragen. Die Eigenschaften des Kampfers und seine Verwendungen sind in jedem chemischen und pharmacognostischen Lehrbuch zu finden und so bekannt, dass ihre Aufzählung hier überflüssig sein dürfte. Nur eine Japan und China eigenthümliche Anwendung erscheint mir er- wähnenswerth. Man benutzt ihn nämlich in diesen Ländern allge- gemein zur Verdünnung des Lackes, indem man ihn in fester Form mittelst des Spatels innig mit diesem mischt, wobei er flüssig wird und auch den Lack dünnflüssiger macht. Auch unterliegt es keinem Zweifel, dass das bei der Kampfergewinnung als Nebenprodukt auf- tretende bräunliche Kampferöl (Ol. Camphorae japonicum), das sich allmählich am Licht bleicht, und sowohl nach seinem Geruch, als auch in der chemischen Zusammensetzung (C 10 H 16 ) dem Terpentinöl ent- spricht, das primäre Produkt ist, aus welchem sich durch Oxydation der Kampfer (C 10 H 16 O) bildet. Das Borneïn oder Borneo-Kampferöl I. Land- und Forstwirthschaft. stimmt damit überein. Die nahe Verwandtschaft des Borneols (C 10 H 18 O) mit dem japanischen Kampfer und die leichte Ueberführbarkeit des einen in den andern sind längst erwiesen. Siehe von neueren Arbeiten darüber Kaehler und Spitzer in Sitzber. d. Wien. Akad. Bd. 80 pag. 197—216. Kampferöl ist ein vor- treffliches Lösungsmittel für den stearoptenen Kampfer, wird jedoch nicht zu diesem Zweck, noch sonst technisch oder pharmaceutisch be- nutzt, vielmehr auf Lampen verbrannt, wozu es sich aber der russen- den Flamme wegen am wenigsten eignet. Das Holz des Kampferbaumes wird in Ostasien viel zur Dar- stellung von Cabinetten, Kommoden, Kästchen etc. verwendet. Ins- besondere geschieht dies zu Atami und im Hakonegebirge eine Tage- reise westwärts von Yokohama. Es hat ein feines Korn, helle, gelb- braune Farbe, seidenartigen Glanz und schönes Aussehen, so dass es sich auch zu Fournituren vortrefflich eignet. Dem Insektenfrass nicht unterworfen, dürfte es sich als Vermifugium zu Schränken und Kom- moden, namentlich für diejenigen Gegenden ganz besonders empfehlen, in welchen Termiten und kleine rothe Ameisen eine wahre Hausplage sind, wie beispielsweise in Westindien und Westafrika. c. Oelpflanzen und ihre Produkte . Japan weist eine ansehnliche Zahl, theils wildwachsender, theils angebauter Gewächse auf, aus deren Samen man fette Oele ( Abura ) oder talg- und wachsartige Fette ( Rô ) gewinnt. Eine grössere volks- wirthschaftliche Bedeutung haben aber nur wenige derselben erlangt, insbesondere die Oele des Raps, der Sesampflanze, der Perille, der Camellie und der vegetabile Talg mehrerer Sumacharten, welcher auch als Ausfuhrartikel von Belang ist und unter denen der englischen Consulatsberichte die sechste Stelle einnimmt. Als Speiseöle dienen Goma-no-abura, das Sesamöl (von Sesamum orientale), Kaya-no-abura, das Kayaöl (von Torreya nucifera), Buna- no-abura, das Buchelöl (von Fagus Sieboldi), Rakkashô-no-abura, das Erdnussöl (von Arachis hypogaea), Karashi-abura, Senföl (von Sinapis cernua u. S. integrifolia), Tane-abura, Rapsöl (von Brassica chinensis) und einige andere. Zum Brennen auf Lampen (Andon) verwendet man vornehmlich Tane-abura, Rapsöl, Dokuye-no-abura (von Elaeo- cocca cordata), Hiyobu-no-abura (von Cephalotaxus drupeacea), zuwei- len auch Giôto oder Fischöl (von verschiedenen Gliedern der Herings- familie). Leuchtgas, und namentlich das Petroleum haben jedoch auch in Japan die Verwendung der Fette als Beleuchtungsmittel ansehnlich 3. Handelsgewächse. beschränkt. Als Haaröl dient vor allem Tsubaki-no-abura, das Ca- mellienöl (von Camellia japonica, C. Sasanqua u. C. theïfera, letzteres auch Cha-no-abura, Theeöl, genannt). Endlich verwerthet man zu technischen Zwecken vor allen Dingen Ye-(sprich E) no-abura, das Oel der Perilla ocymoides, Tô-goma, Hanföl, von Cannabis sativa, Zokudzui-shi, Wolfs- milchöl, von Euphor- bia lathyrus und Shira-shibori, das kaltgepresste Rapsöl, sowie das Rô von Rhusarten. Zur Gewinnung dieser verschiedenen Pflanzenfette bedient man sich in Japan ebenso wie in China hölzerner Keilpressen von verschiedener Construction. Eine solche bildet z. B. Sta- nislas Julien in seinem bekannten Buche »In- dustrie de L’Empire Chinois« pag. 119 ab. Eine andere Art ist jene, welche ich viel- fach in Japan, auch zur Gewinnung des Pflanzentalgs anwen- den sah, und von der hier eine Skizze folgt, deren Einrichtung und Fig. 9. Anwendung keiner weiteren Erläuterung bedarf. Dass die in einem einfachen Stampftrog zerkleinerte fetthaltige Masse in der Regel er- wärmt wird, bevor man sie in dem ausgehöhlten Stein, Klotz oder Kasten unter die Presse bringt, ist selbstverständlich. Dabei schlägt man das Samenmehl in Beutel oder Tücher ein, ganz wie bei uns. Häufig findet man die Vorlage zur Aufnahme des flüssigen Oeles nicht über dem Boden angebracht, sondern in denselben eingesenkt. Von einem Extractivverfahren zur Oelgewinnung konnte aber in Ost- Rein , Japan. II. 12 I. Land- und Forstwirthschaft. asien bisher umsoweniger die Rede sein, als fast alle Lösungsmittel des Oeles, die bei uns in Anwendung kommen, fehlen. Bezüglich der einzelnen vorerwähnten Fette und ihrer Lieferanten ist hier noch folgendes zu erwähnen: 1) Tane-abura , das Oel des Rapssamens (Na-tane), wird vor- nehmlich auf Lampen gebrannt. Des kratzenden Geschmackes wegen, welchen es den Speisen verleiht, bleibt seine Verwendung in der Küche auf unbemitteltere Kreise beschränkt. Dieser Raps (Brassica chinen- sis L.), Na, Abura-na oder Tô-na genannt, wird in Japan — und wohl auch in China — in ausgedehnterem Maasse, als alle anderen Oelgewächse cultiviert, und zwar stets, soweit ich beobachten konnte, als Winterfrucht. Die Aussaat fällt in den September oder October, die Blüthezeit ist der April, die Ernte im Juni. Oft wechselt sein Anbau ab mit dem des Reis. Er wird dann häufig auf Saatbeeten angezogen und neben dem Reis in Reihen verpflanzt. Wird Tane-na vor dem Pressen erhitzt, so erhält man das gewöhnliche Tane-abura, bei kaltem Pressen dagegen das hellere und bessere Shira-shime oder Shira-shibori , welches vornehmlich zum Oelen von Werk- zeugen und Maschinen verwendet wird. 2) Karashi-no-abura , fettes Senföl. Es wird aus dem Samen von Sinapis cernua Thunb. (Karashi oder Karashi-na), sowie von S. integrifolia Wild., dem Ô-garashi (grosser Senf) und Taka-na (hoher Raps) der Japaner gewonnen, ist heller und milder, als das Rapsöl und wird diesem desshalb zu Speisen vorgezogen. Ich fand beide Arten namentlich häufig auf Kiushiu, z. B. in der Provinz Higo, und konnte mich überzeugen, dass die Benennung Taka-na (hoher Raps) für die eine wohl begründet ist. Die Stengel erreichen gegen 2 m Höhe und überragen somit diejenigen des ähnlichen Raps bei weitem. Sie wer- den in 15—25 cm Abstand in Reihen gezogen, die ungefähr 85 cm weit von einander sind. Mitte April standen bei Kumamoto die Senf- felder in voller Blüthe, während der Raps zur Seite in seiner Ent- wickelung schon weiter vorgeschritten war. Obgleich man in Japan, wie bei uns, den Senf auch als eine Art Gewürz benutzt und das äthe- rische Oel in bekannter Weise dabei entwickelt, wird er doch vor- nehmlich zu ähnlichen Zwecken wie der Raps angebaut. 3) Tsubaki-no-abura, Sasank’wa-no-abura, Cha-no- abura . Unter diesen Namen kennt und verwendet man in Japan, namentlich um die Haare geschmeidiger zu machen, die dickflüssigen Oele aus den nussartigen Samen der Camellia japonica L., jap. Tsu- 3. Handelsgewächse. baki, C. Sasanqua Thunb., jap. Sasank’wa und C. theïfera Griffith, jap. Cha, welche davon 30—35 % enthalten. Bezüglich der beiden ersten sei hier auf das Kapitel über Zierpflanzen ver- wiesen, während Näheres über C. theïfera (Thea chinensis Sims.) unter 3a. Thee zu finden ist. Das Theesamenöl wird nur von denjenigen Theenüssen gewonnen, welche man nicht zur Vermehrung verwenden will, während man die beiden andern Camellienarten speciell der ölreichen Samen wegen baut. So weist z. B. die Küstenlandschaft von Sendai und Nambu am Stillen Ocean zwischen 38 und 40° N. an manchen Feld- und Weg- rändern einzelne oder in Reihen gepflanzte Camellien auf, und zwar sind es Bäume, von denen einzelne bei 4—6 m Höhe kerzengrade Stämme bis zu 30 cm Durchmesser haben. Ihre wohlgeformten dunkelgrünen Kronen stechen namentlich im Herbst scharf ab gegen das verblei- chende Laub der meisten übrigen Holzgewächse. Die kugelförmigen Früchte von der Grösse eines Taubeneies färben sich im direkten Sonnenlichte rothbraun. Bei Ueberreife werden sie dunkel bis schwarz — auch im Innern —, springen dann mit drei Klappen auf, so dass die drei dunkelgrauen, länglichen und etwas kantigen Nüsse leicht herausfallen. Das daraus gewonnene Tsubaki-no-abura steht unter allen japa- nischen Oelen am höchsten im Preise (75 sen per ichô = 3 Mark für 1,75 Liter). Es ist bernsteingelb bis strohgelb, hat bei 14° C. ein spe- cifisches Gewicht von 0,927 und wird bei —4° bis —6° C. fest. Es besteht zu ¾ seines Gewichts aus oleinsaurem und ¼ stearinsaurem Glycerid und soll in China gleich dem sehr ähnlichen Theeöl auch zu Speisen, zur Beleuchtung und zur Darstellung von Seife Verwendung finden. Das Oel der Sasanqua ist heller, sonst aber ebenfalls wenig davon verschieden. Man cultiviert diese Pflanze in Suruga, auf Kiushiu, z. B. in Hizen, auf Amakusa und in verschiedenen andern Distrikten, ähnlich wie den Theestrauch. Sie bildet ausgebreitete Büsche von 2—4 m Höhe, nie Bäume, und ähnelt überhaupt mehr dem Theestrauch, als der ge- wöhnlichen Camellie, so auch hinsichtlich der Blüthezeit, welche in den November und December fällt. 4) Wata-no-abura , Baumwollsamenöl. Die Baumwollsamen (Wata-no-mi) sind erst in neuerer Zeit, wie anderwärts, so auch in Japan, zur Darstellung eines schweren (specifisches Gewicht 0,926), dickflüssigen, braunen Oels verwerthet worden. Dasselbe wird z. B. in Awa auf der Insel Shikoku aus Samen von Gossypium herbaceum 12* I. Land- und Forstwirthschaft. dargestellt und als Brennöl benutzt, gibt aber, wie das Leinöl, an dessen Geruch und Geschmack es erinnert, eine starkrussende Flamme. Im gereinigten Zustande ist es strohgelb und von nussartigem Ge- schmack und wird dann in Europa auch als Speiseöl benutzt, mit dem man das mehr als doppelt so theure Olivenöl gar oft verfälscht. 5) Rakkuwashô - (sprich Rakkashô) no-abura , Erdnussöl. Ara- chis hypogaea L., jap. Rakkashô oder Tojin-mame, die Erdnuss (Ground-nut, Pea-nut, Pistache de Terre und Arachide), liefert dieses Oel, das nur in geringer Menge im südlichen Japan dargestellt und als Speiseöl verwendet wird. Ein nicht geringes pflanzengeographi- sches Interesse knüpft sich an diese bemerkenswerthe krautartige Le- guminose. Nachdem sie nämlich ihren niederliegenden verästelten Stengel mit ziemlich zahlreichen, zweipaarig gefiederten, elliptischen oder verkehrteiförmigen Blättchen entwickelt hat, treten aus den Blatt- winkeln kurzgestielte, gelbe Blüthen hervor. Sind dieselben ver- schwunden, so verlängern sich ihre Stiele, die Fruchtknoten senken sich in den lockeren, sandigen Boden und entwickeln sich hier 5—8 cm unter der Oberfläche zu kleinen Hülsen, welche 15—30 mm lang und 10—15 mm dick sind. In der Regel haben dieselben gegen die Mitte eine allmählich zunehmende, tiefe Einschnürung, wodurch sie, wie nach ihrer ganzen Gestalt, Grösse und netzaderigen Oberfläche, weniger hinsichtlich der grauweissen erdfahlen Farbe, an männliche Cocons kleiner Rassen des gewöhnlichen Seidenspinners erinnern. Solche Hül- sen enthalten auf jeder Seite der Einschnürung einen Samen, die nicht eingeschnürten kürzeren nur einen. Man kann diese mit den Kernen länglicher, mittelgrosser Haselnüsse vergleichen. Sie sind äusserlich braunroth, im Innern weiss und liefern 40—60 % eines fetten Oels, das fast allen Zwecken des Olivenöls dient. Der Geschmack der Samen erinnert im rohen Zustande an den aller Hülsenfrüchte, geröstet aber an denjenigen von Mandeln, Nüssen und Pistazien, worauf auch die verschiedenen Benennungen hinweisen. Seitdem man die weite Verbreitung der Erdnuss durch Afrika ken- nen gelernt hat, ist man von der früheren Ansicht, dass Brasilien ihre ursprüngliche Heimat sei, zurückgekommen, hält es vielmehr für wahr- scheinlicher, dass sie von Afrika aus durch portugiesische Sklaven- schiffe erst in die neue Welt kam. In der alten Welt findet man sie in vielen subtropischen und tropischen Ländern cultiviert, doch nirgends in der Ausdehnung und Bedeutung, wie an der Westküste Afrikas von Senegambien und den sich anschliessenden Gebieten bis zur Goldküste hin, wo sie einen hervorragenden Ausfuhrartikel bildet. Marseille ist, wie für Oelsamen überhaupt, so auch für Erdnüsse und das daraus 3. Handelsgewächse. bereitete Oel der bedeutendste Markt. In Japan und China pflegt man die meisten Erdnüsse, wie in Nordamerika, im gerösteten Zustande zu verzehren, und ist die ganze Cultur eine sehr beschränkte. 6) Goma-no-abura , Sesamöl. Die Pflanze (Sesamum indicum D.C., jap. Goma), welche dieses hochgeschätzte Speiseöl vieler Völker liefert, hat eine alte und weite Culturverbreitung über die meisten wärmeren Länder der Erde von der Ostküste Asiens bis zu den Ge- staden des Mittelmeers, an der Ost- und Westküste Afrikas, wie nicht minder tief im Innern dieses Erdtheils, wo z. B. E. Vogel die Inseln des Tsadsees damit bepflanzt fand, und auch in der neuen Welt. Als ursprüngliche Heimat betrachtete De Candolle aus triftigen Gründen Indien und die beiden Formen mit schwarzem Samen (Sesamum orien- tale L., jap. Kuro-goma) und mit weissen (S. indicum L., jap. Shiro- goma) nur als Varietäten derselben Art. In Indien führt Sesam die Namen Til und Gingeli ; in China heisst er (nach Bretschneider) Chi-ma und an der Westküste Afrikas Benni-seed . Wie für Erdnüsse, so ist auch für Sesam Marseille der grosse Markt, wohin sehr bedeutende Mengen, sowohl der weissen, als auch der schwarzen Samen aus Indien, Siam, Formosa, der Le- vante, der Ost- und Westküste Afrikas und anderer Bezugsquellen zusammenkommen. Das Preisverhältniss des weissen Samens zu dem schwarzen ist in der Regel wie 10 : 9, auch in Japan, wo das Oel der ersteren oder Shiro-goma zu 30 Sen per Shô verkauft wird, wenn das der Kuro-goma 27 Sen per Shô im Preise steht. Die Sesampflanze ist eine krautartige Bignoniacee. Ihr steifer, vierseitig gefurchter Stengel erreicht die Höhe von 1 m und trägt in den Blattwinkeln die kurzgestielten weissen Blüthen, welche in Grösse und Gestalt etwas an diejenigen unserer Digitalis-Arten erinnern, wo- rauf die früher nicht seltenen Benennungen »weisser oder orientali- scher Fingerhut« hindeuten. Die Frucht ist eine abgerundet vier- kantige, vierfächerige Kapsel von etwa 2 cm Länge, in welcher um die centrale Samenleiste die zahlreichen Samen in vier Reihen geord- net sind. In ihrer Grösse und flacheiförmigen, zugespitzten Gestalt erinnern sie etwas an Leinsamen, von dem sie aber schon ihre Farbe und Glanzlosigkeit unterscheidet. Nach Flückiger’s sorgfältigen Unter- suchungen Schweizerische Wochenschrift für Pharmacie 1868 pag. 282 ff. derselben beträgt ihr Oelgehalt 56,33 %, wovon 48—50 % durch Auspressen und die ganze Menge durch Extraction gewonnen werden können. Das Sesamöl, zumal wenn kaltgepresst, hat eine schöne hellgelbe Farbe, 0,9235 specifisches Gewicht und erstarrt bei I. Land- und Forstwirthschaft. —5° C. Sein Geschmack ist angenehm, doch weniger mild, als der des Olivenöls, dem es im Preise weit nachsteht, so dass letzteres viel mit ihm verfälscht wird. Man erkennt Sesamöl leicht an der rothen Färbung, welche eintritt, wenn man es mit gleichviel Salzsäure von 1,18 specifischem Gewicht und etwas Zucker schüttelt. Das Erdnuss- öl, als drittes im Bunde des Marseiller Oelhandels wird erkannt und vom Olivenöl unterschieden durch die Arachinsäure, welche sich aus der heissen alkoholischen Lösung der abgeschiedenen Fettsäuren beim Erkalten perlmutterglänzend ausscheidet. Dingler’s Polyt. Journ. 1882 pag. 324. In Japan wird die Sesampflanze nirgends in grösserem Umfang gebaut. Häufig sieht man einzelne Beete damit bepflanzt, mehr noch andere und ganze Ackerränder damit eingefasst. Daher wird denn auch der Bedarf an Speiseöl nur theilweise durch sie gedeckt, sodass man noch nach verschiedenen andern Ersatzmitteln greifen muss. 7) Ye- (sprich E) no-abura , richtiger Yegoma-no-abura , das Oel aus den Samen der Yegoma -Pflanze (Perilla ocymoides L.). Das- selbe fungirt in Japan und China von Alters her als trocknendes Oel statt des Leinöls. Gleich dem Flachsbau selbst war letzteres bis in die Neuzeit den Ostasiaten fremd geblieben. Die Entwickelung der Perilla ocymoides L., einer in allen Theilen stark und eigenthümlich riechen- den Labiate, ist eine langsame. Im April erfolgt die Aussaat; doch haben die Pflanzen erst gegen Ende September oder Anfang October ihre volle Grösse erreicht. Ihre vielfach verästelten Stengel zeigen dann 1 m—1,50 m Höhe. Nun erst erscheinen in achselständigen Aehr- chen die kleinen weissen Blüthchen, welche bald abfallen und in der ersten Hälfte des Octobers den Boden bedecken. Vierzehn Tage später folgt bereits die Samenreife, also sehr rasch, wie bei den meisten Lippenblüthlern. Die graubraunen Samen sind noch viel kleiner als die des Raps und leicht zwischen den Fingern zerreiblich. Sie fallen leicht aus den Kapseln, so dass die Ernte vor völliger Reife erfolgen muss, will man nicht Gefahr laufen, dass ein stärkerer Wind einen ansehnlichen Theil zu Boden wirft. Nach den Untersuchungen des Chemikers Cloëz in Paris ergaben in Südfrankreich gezogene Perillasamen durch Auspressen 30 %, durch Extraction mit Schwefelkohlenstoff 34,5 %, japanische Samen aber 39,2 % des trocknenden, farblosen, dünnflüssigen Oels, das gleich dem Leinöl in der Malerei verwendbar ist und in Japan für verschiedene technische Zwecke hohe Bedeutung hat. Man benutzt es insbesondere: 3. Handelsgewächse. 1) zur Darstellung geölter Papiere (Abura-kami) für Laternen, Regenschirme und Regenmäntel; 2) zur Darstellung des sogenannten Lederpapieres (Kami-kawa); 3) als Zusatz zu verschiedenen Lacksorten; 4) als Zusatz zum Fruchtmehl des Lack- und Talgbaums, um dar- aus leichter und vollständiger das jap. Pflanzenwachs zu gewinnen. Das Nähere über die hier angegebenen Verwendungsweisen des Perillaöls folgt bei den entsprechenden Abschnitten. Die stickstoff- und phosphorreichen Oelkuchen, welche man als Dünger verwendet, würden ein eben so gutes Viehfutter abgeben, als die Leinkuchen. Den vorerwähnten und einigen andern Verwendungen entspre- chend, finden wir die Yegoma unter allen Oellieferanten Japans nächst dem Raps am meisten angebaut. In England kennt man sie von ihrer indischen Heimat her seit dem Jahre 1770. In der Neu- zeit wurden im südlichen Frankreich Anbauversuche mit ihr gemacht. So hatte Léon de Lunaret von Montpellier im Jahre 1878 mit 500 Gramm Samen ein Stück Land von 50 m besäet und darauf 7 kg Samen ge- erntet. Revue Horticole. Eine ha kann hiernach mindestens 500 kg liefern. Als wei- teres Resultat jener Versuche ergab sich aber, dass Perilla ocymoides L. nur in der Mittelmeerregion die für ihre Entwickelung nöthige lange Sommerwärme findet und ihre Cultur in höheren Breiten Euro- pas unmöglich ist. 8) Dokuye-no-abura heisst das Oel aus den Nüssen der Elaeococca cordata Bl. (E. verrucosa S. \& Z., Aleurites cordata Müll.), eines mittelgrossen Baumes mit ausgebreiteter Krone aus der Familie der Euphorbiaceen, den man in vielen Gegenden Japans und auch in China anbaut. Der von Kaempfer in Amoen. exot. pag. 789 \& 790 unter dem Namen Abrasin (Ricinus arboreus, fol. Alceae) und von Thunberg in Flor. jap. als Dryan- dra cordata, beschriebene Baum ist unzweifelhaft derselbe. Beide Autoren er- wähnen auch des Brennöls aus den Samen. Von seinen vier japanischen Namen Dokuye, Abura-no-ki, Abura-giri und Yama-giri bedeutet der zweite »Oelbaum«, der dritte »Oel-Kiri«, der vierte »Wilder Kiri«. Kiri (giri) ist aber der Name für die Paulownia imperialis, an welche Elaeococca cordata vornehmlich durch die grossen herzförmigen Blätter und zum Theil auch durch das Aussehen der Stämme erinnert. Ihre grossen, weissen Blüthensträusse erscheinen Ende Mai und Anfang Juni, die drei- bis viersamigen Kapseln reifen im Herbst und erinnern, wie ihr Inhalt, an Ricinus. Das aus den Samen gewonnene Oel wurde erst in I. Land- und Forstwirthschaft. der Neuzeit von Cloëz näher untersucht. Siehe auch Flückiger : Archiv d. Pharmacie 1876 pag. 208 \& 422. Es zählt zu den trocknen- den Arten und dient in Japan vornehmlich als Beleuchtungsmittel. In China, wo es den Namen T’ung-tsze-yu, d. h. Holzöl führt, wird es auch als Medicament, zu Oelanstrichen bei Schiffen und andern Zwecken verwendet, worauf sich die Benennung Elaeococca vernicea Spreng. bezieht. Einer Angabe der Augsb. A. Ztg. vom 6. Juni 1876 entnehme ich, dass man in China die Termiten mit diesem Oel vertreibt und der französische Consul in Canton es seiner Regierung als Mittel gegen die Reblaus empfahl. Der Baum ist in ganz Japan bekannt. Man pflanzt ihn gewöhnlich auf Boden, der zum Ackerbau ungeeignet ist, u. A. in Suruga, Echizen und Kaga. Die Samen und daraus gewonnenen Oele dreier andern Euphor- biaceen, nämlich von Croton Triglium L., Ricinus communis L. und Euphorbia Lathyris L., sind wegen ihrer medicinischen Verwendung in Europa bekannter, als von vorerwähnter Art. 9) Himashi-no-abura heisst in Japan das Ricinusöl. Ricinus (Himashi oder Tô-goma, d. h. chin. Sesam) wird hier und da in kleinem Umfange neben andern Arzeneikräutern angebaut und bleibt krautartig. Das Oel benutzt man, ausser zu den bekannten Zwecken, auch zur Darstellung der rothen oder schwarzen Siegelfarbe. 10) Zokudzu-shi wird das Oel der Zokudzui oder Horutoso (Euphorbia Lathyris L.) genannt. Man stellt es nur in geringer Menge dar und benutzt es, um eiserne Waffen gegen den Rost zu schützen; insbesondere wurden dadurch die Schwerter als Lieblingswaffen der Samurai blank erhalten. 11) Asa-no-abura , Hanföl, aus Asa-mi , Hanfsamen (Canabis sativa L.), dargestellt, von bekannten Eigenschaften, dient ebenfalls zur Bereitung der rothen und schwarzen Siegel- und Stempelfarbe. 12) Kaya-no-abura , Kaya-oel, stellt der Japaner aus den haselnuss- oder eichelähnlichen Samen der Torreya nucifera S. \& Z., der Kaya , her und benutzt es vornehmlich in der Küche. Die Kaya erinnert an unsere Eibe. Man findet sie meist als Unterholz strauch- artig zerstreut in den Bergwäldern, selten als Baum. Die Pflanze ist im Herbst mit Nüssen beladen, die gern gegessen werden, aber einen harzigen Beigeschmack haben. 13) Inu-gaya-no-abura wird aus den Nüssen der Inu-kaya , d. h. Hunds- oder schlechten Kaya (Cephalotaxus drupeacea S. \& Z.) gewonnen. Es ist ein harziges, geringwerthiges Oel, das man nur zum Brennen auf Lampen verwendet. Die Früchte hängen zahlreich an 3. Handelsgewächse. den durch die Bergwaldungen zerstreuten Sträuchern, sind so dick wie kleine Kirschen, länglich und braun. Das Fleisch, welches die Nüsse umgibt, ist von süsslichem, harzigen Geschmack und ungeniessbar. 14) Buna-no-abura , Buchelöl. Man stellt es aus den Samen der Buna oder Buche (Fagus Sieboldi Endl. und F. sylvatica L.) dar und benutzt es dann wie bei uns, doch nur selten. Mittlere Zusammensetzung verschiedener japanischer Oelsamen nach E. Wolff u. A. Entnommen: Ollich : Die Rückstände der Oelfabrikation. Leipzig 1884. 15) Die festen japanischen Pflanzenfette , insbesondere die wichtigsten derselben, welche man aus den Früchten mehrerer Sumacharten gewinnt, führen den Namen Rô . Im fremden Handel heisst dieser Pflanzentalg japanisches Wachs (Cera japonica), ve- getabiles Wachs und japanisches Pflanzenwachs ; doch ist die Aehnlichkeit mit Bienenwachs (jap. Mitsu-rô) nur eine äusser- liche, nicht chemisch begründete, in sofern dasselbe nach Aussehen, Consistenz und Verwendung an das Produkt der Honigbiene erinnert, nach seiner Zusammensetzung aber gleich allen übrigen Fetten ein Gemisch von mehreren fettsauren Glyceriden darstellt. Ueber diesen Gegenstand wurde in Reichardt’s Archiv der Pharmacie XII. Bd. 2. Heft 1879 unter dem Titel »Ueber den Japantalg« von A. Meyer eine vortreffliche Abhandlung aus dem pharmaceutischen Institut der Universität Strass- burg veröffentlicht, zu der ich verschiedene Beiträge liefern konnte, so auch die Zeichnung der Presse, wie es der Verfasser gewissenhaft erwähnt. Aus derselben Anstalt erschien dann unter weiterer Anregung des verdienstvollen Leiters Prof. Flückiger und demselben Titel im 5. Heft des XII. Bandes genannter Zeitschrift, gewissermaassen als Ergänzung zu jener Abhandlung, eine kleinere Arbeit von Dr. Buri. I. Land- und Forstwirthschaft. Unter den sechs in Japan vorkommenden Arten der Gattung Su- mach (Fam. Anacardiaceae) befinden sich zwei fremde Einwanderer, die in verschiedenen Theilen des Landes cultiviert werden und für dasselbe eine hohe Bedeutung erlangt haben, nämlich Rhus vernici- fera D. C. und Rh. succedanea L. Letztgenannte Art stammt viel- leicht von den Riu-kiu-Inseln, doch ist das indigene Vorkommen bei- der noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Sie macht an ein mil- deres Klima Anspruch, als die andere, gedeiht desshalb nur in den wärmeren Landestheilen und findet unter etwa 35° N. und 136° O. Gr. die Nord- und Ostgrenze ihrer Cultur. Diese hat die Gewinnung des Pflanzentalges zum Zweck, dem ihre Früchte dienen. Zu gleichen Zwecken cultiviert man in den kälteren Theilen der Insel Honshiu bis gegen die Tsugaru-Strasse hin Rhus vernicifera, mehr aber noch des aus ihrem Safte gewonnenen Lackes wegen. Das Nähere über die Gewinnung dieses eigenartigen, kostbaren Materials folgt beim Artikel über die Lackindustrie. Die Früchte der wildwachsenden Sumacharten Japans, nämlich des Yama-urushi (Rh. sylvestris S. \& Z.), Nurude oder Fushi-no-ki (Rh. semi-alata Murr.), Tsuta-urushi (Rh. Toxicodendron L.) und Rh. trichocarpa Miq. enthalten zwar ebenfalls festes Fett, doch in ge- ringerer Menge, und werden mit Ausnahme der erstgenannten nie benutzt. Rhus vernicifera D. C. (R. vernix Thunb.), der Lackbaum, jap. Urushi-no-ki , erreicht eine Höhe von 8—10 m und mit einem Alter von 40 und mehr Jahren oft über 1 m Umfang. Während der ersten sechs Jahre ist sein Wachsthum ein ziemlich rasches und be- trägt auf günstigem Boden 50—80 cm jährlich; dann aber verringert sich dasselbe auf durchschnittlich 25—30 cm im Jahre. Desshalb hat das grünlich gelbe Kernholz, dessen Aussehen an Morus, Maclura und andere verwandte Gattungen erinnert, ein verhältnissmässig hohes Gewicht. Das jüngere, leichtere Holz ist weiss, die Rinde hellgrau. Sie wird mit zunehmendem Alter rissig. Die Lackbäume haben einen geraden Wuchs und ziemlich regel- mässige Kronen; doch ist in höherem Alter die Verästelung zu spär- lich und die Belaubung zu hell und dünn, um besonders schön zu er- scheinen. Dagegen können jüngere Exemplare unter 15 Jahren in der Landschaftsgärtnerei ihrer prachtvollen grossen Fiederblätter we- gen, welche bei uns auf gutem Boden oft mehr als meterlang werden und alle andern Rhusarten an Grösse und Schönheit weit übertreffen, mit Vortheil verwendet werden und als hübsche Blattpflanzen gelten. 3. Handelsgewächse. Diese unpaarig gefiederten, langgestielten Blätter färben sich vor dem Abfallen im October gelb oder braunroth. Die Neubelaubung findet im Mai statt. Die 9—15 Fiederblättchen sind gross, eiförmig, zu- gespitzt, ganzrandig und auf der Unterseite leicht und kurz behaart. Im Juni erscheinen die schlaffen, gelbgrünen Blüthentrauben aus zahlreichen Blattwinkeln gegen die Spitzen der dicken Zweige. Die Früchte reifen in der zweiten Hälfte des October, trockene, gelblich- grüne Steinfrüchte, welche den ganzen Winter über hängen bleiben, gewöhnlich aber im November geerntet werden. Der Lackbaum ist getrenntgeschlechtig. Wo also die Gewin- nung von Fett aus seinen Samen Hauptzweck des Anbaues ist, muss man männliche Bäume zu vermeiden suchen und nimmt desshalb die Vermehrung nicht durch Samen, sondern durch Wurzelschösslinge weib- licher Individuen vor. Wird dagegen die Lackgewinnung in’s Auge gefasst, so wählt man die Vermehrung durch Samen, weil sie besser bewurzelte, lebenskräftigere Pflanzen liefert. Vom 8. Jahre an fructificieren die Lackbäume; mit einem Alter von 18—20 Jahren stehen sie in ihrer kräftigsten Entwickelung für die Lackgewinnung, liefern alsdann am meisten Lack und werden zu dem Zweck geopfert und durch neue ersetzt. Lackbäume, welche dagegen nur oder vorwiegend Samen und Wachs liefern sollen, wie in Aidzu und dem südöstlichen Echigo, erreichen ein höheres Alter und steigern ihre Ertragsfähigkeit bis zum dreissigsten, ja vierzigsten Jahre. Der Lackbaum gedeiht zwar in ganz Japan, von den Riukiu bis nach Yezo, doch findet man ihn in den südlichen Landestheilen, so- weit sein naher Verwandter, der Talgbaum, vorkommt, nur ausnahms- weise und nirgends in grösserer Ausdehnung angebaut. Seine Haupt- culturstätte ist vielmehr das nördliche Hondo zwischen dem 37. und 39. Parallel. Grösseren Pflanzungen begegnet man vor allem im Thal des Tadami-gawa mit dem Centrum Hibara im westlichen Aidzu, fer- ner bei Yonezawa und Mogami in Uzen, sowie im nördlichen Echigo. Mancher Ort liegt hier wie in einem Hain von Lackbäumen. Am Rande der Thalsohlen und in den kleinen Bergmulden, wo Reis und oft auch sonstige Feldfrüchte nicht gebaut werden können, sieht man Lackpflanzungen sehr häufig. Seltener trifft man Bäume in regel- mässigen Reihen und Abständen von einander, wie bei uns die Obst- bäume, auf cultiviertem Felde; nirgends aber werden sie wie die ge- wöhnlichen Feldfrüchte gedüngt, da man weiss, dass ihre Wurzeln schon so vom Felde her genügend Dünger und Nahrung bekommen. Auch wachsen in der Regel ältere und jüngere Bäume durch einander, we- I. Land- und Forstwirthschaft. nigstens da, wo man die Vermehrung durch Wurzelausschläge be- werkstelligt. Im südwestlichen Aidzu ist der Lackbaum das wichtigste Gewächs, beschattet stellenweise die Wege und wird mit viel Sorgfalt gepflegt. Unter der Herrschaft des Daimio gab es genaue Vorschriften, selbst über die Minimalzahl der alljährlich von jedem Ort zu pflanzenden Bäume. Die Beschädigung derselben bestrafte man aufs strengste. Die weiblichen Bäume (Me-gi) durften nur jedes vierte Jahr im Herbst an einigen wenigen Stellen angezapft werden. Man glaubte dadurch, wie durch einen Aderlass das Gedeihen derselben zu fördern und nannte es dem entsprechend das Yojo-gaki (Yojo=Gesundheitspflege, gaki=kaki=ritzen). Dadurch erhielt man wenig, aber vortrefflichen Lack und kräftige Früchte; denn die Wachsgewinnung wurde als Hauptsache betrachtet. Nur mit den männlichen Bäumen (Ô-gi) konnte jeder nach Gutdünken verfahren. Aidzu-rô und Aidzu-rô-soku , d. h. Pflanzentalg und Kerzen daraus aus Aidzu, hatten aber in Yedo stets einen hohen Ruf, wie sie denn noch immer, ungeachtet der grossen Concurrenz, welche ihnen das Petroleum macht, viel gebraucht werden. Ihre Darstellung und Eigenschaften stimmen mit denen aus den Früchten der folgen- den Art überein und sollen am Schluss näher erörtert werden. Yone- zawa nördlich von Aidzu liefert in manchen Jahren über 30000 kg Rô-soku aus dem Rô des Lackbaums. Jahrzehnte hindurch hat man in verschiedenen botanischen Gärten unter dem falschen Namen Rhus vernicifera eine strauchförmige in- dische Sumachart gepflegt, welche mit unserer Pflanze nur entfernte Aehnlichkeit zeigt. In Frankreich findet man vielfach unter dem falschen Namen »Vernis de Japon« Ailanthus glandulosa Desf. Diese war thatsächlich unbekannt und wurde erst durch mich 1875 und 1876 eingeführt. Die aus Samen gezogenen Lackbäume haben sich namentlich in den botanischen Gärten zu Frank- furt a/M. und Strassburg vortrefflich entwickelt, so dass in ersterem schon in 1—2 Jahren zu Versuchen mit der Lackgewinnung vorge- schritten werden kann. Den strengen Winter von 1879/80 mit —27° C. Kälte hielten sie vortrefflich aus und erwiesen sich damit für Deutschland völlig winter- hart. Diese Thatsache ist um so überraschender, wenn man bedenkt, dass die Lackbäume in den schneereichen Wintern des nördlichen Honshiu einer Kälte von höchstens —12° C. ausgesetzt sind. Sie be- weist, dass man die Acclimatisationsfähigkeit einer Pflanze nicht immer 3. Handelsgewächse. a priori nach den Lebensverhältnissen beurtheilen darf, unter welchen man sie findet, sondern eine Accommodationsfähigkeit in Betracht ziehen muss, die sehr verschieden ist und nur durch Versuche fest- gestellt werden kann. Rhus succedanea L., jap. Haze-no-ki oder Rô-no-ki, d. h. Wachs- oder Talgbaum. Seine Cultur gehört, wie schon erwähnt wurde, dem Süden an. Die am weitesten gen Norden vorgeschobenen Pflanzungen fand ich in Kii an der Linschoten-Strasse, wo die Ent- wickelung schon langsamer vorschreitet und die Früchte nicht die nor- male Grösse erreichen. Letzteres ist noch weniger bei den Exemplaren im botanischen Garten zu Tôkio der Fall, so dass an ein Fortkommen der Pflanze bei uns nicht zu denken ist. In Jyo und andern Theilen von Shikoku, auch hier und da in der Landschaft San-yô-dô am Binnenmeer, vor allen Dingen aber auf Kiushiu, wird der Talgbaum viel angebaut. Hier bildet er oft einen wichtigen Factor im Landschaftsbilde, bedeckt die Abhänge der Hügel, die Feld- und Wegeränder, die Fluss- und Canaldämme. Er hat den Habitus der Aepfelbäume, erreicht aber bei weitem ihre Stärke nicht. In Folge baldiger Verästelung breiten sich die Kronen mehr aus, als die der Lackbäume und erreichen nicht deren Höhe, sondern in der Regel nur 4—6 m. Ihre Fiederblätter sind viel kleiner, die Früchte aber grösser, schwerer und fettreicher, als die des Lackbaums. Jene zeigen mehr Aehnlichkeit mit denen von Rhus sylvestris. Gewinnung und Eigenschaften des Sumachtalges. Die trocknen Steinfrüchte der beiden vorerwähnten Sumacharten sind schiefrauten- bis nierenförmig und zur Reifezeit von glänzend gelbgrüner Farbe. In ihrer Grösse gleichen sie sehr kleinen Busch- bohnen, wie den Adzuki (Phaseolus radiatus). Die semitransparente Oberhaut löst sich, wie bei allen jap. Sumacharten leicht ab, nament- lich bei Rhus vernicifera und R. sylvestris, so dass man bei letzterer z. B. das grauweisse Fett des Mesocarps schon bald nach der Reife an den Fruchttrauben überall erblickt. Das Fett gehört ganz dieser Mittelschicht an und füllt hier locker aneinander gelagerte Zellen völlig aus. Zwischen denselben sind harte Fasern (intercellulare Milchsaft- gänge), welche das Mesocarp in ähnlicher Weise durchziehen, wie bei den Nüssen der Oel- und Cocospalme. Bei Rhus vernicifera liegt diese Mittelschicht locker über dem Steinkern und lässt sich leicht davon trennen, während sie bei dem eigentlichen Talgbaume stellenweise fest anhängt. Dies mag der Grund I. Land- und Forstwirthschaft. sein, wesshalb man bei der Rô-Gewinnung aus den Früchten des Lack- baums jene Kerne vorher ausscheidet, während man sie bei der an- dern Art mit der zerstampften Hülle vereint lassen soll. Das Los- trennen erfolgt bei jenen durch Stampfen in runden Reiströgen (Usu), nachdem man die Stiele entfernt hat, worauf man die Masse bei Luft- zug aus einer emporgehobenen Wanne allmählich auf ausgebreitete Binsenmatten fallen lässt. Die zunächst niederfallenden schwereren Steinkerne sind werthlos und werden beseitigt. Das Mehl aus Epi- dermis und Mesocarp sammelt und erhitzt man durch Wasserdampf in hanfleinenen Säcken und setzt es dann rasch dem Druck unter der Keilpresse aus. Mit dem Rückstand verfährt man zum zweitenmal in gleicher Weise. Dies ist im wesentlichen das Verfahren, welches ich zu Murakami im nördlichen Echigo bei der Talggewinnung aus den Früchten des Lackbaumes einschlagen sah. Ganz analog fand ich es in Jyo auf Shikoku, wo die etwas grösseren Früchte von Rhus succedanea zur Verwendung kamen. Die hier in Anwendung kommenden Keilpressen hatten ganz analoge Construction und waren nur sorgfältiger gearbeitet, als dort. Zum Eintreiben der Keile schwang man die hölzernen Bolzen nicht frei in den Händen, sondern gewann die Kraft, welche sonst zum Tragen ihres Gewichtes verbraucht wird, indem sie in horizontaler Lage an Seilen aufgehängt und geschwungen wurden. Zur Erwärmung der Masse, welcher noch viele Steinkerne beigemengt waren, diente wie anderwärts ein eiserner Kessel, der zur Hälfte mit kochendem Wasser gefüllt war und in dessen oberem Theil ein Bambuskorb mit Tucheinsatz ruhte, auf welchem das fetthaltige Mehl von den Wasser- dämpfen bestrichen wurde. Eine ganz andere Gestalt und Einrichtung hatte eine Wachspresse, welche mir in Nagasáki gezeigt wurde. Es war ein flaschenartig aus- gehöhlter Baumstamm aus Keaki (Planera Keaki), den man an beiden Enden mit eisernen Reifen beschlagen hatte. Die in Hanfbeuteln er- hitzte Masse wurde zwischen starke runde Deckel aus Weidengeflecht gepackt und in den nach unten gerichteten Hals der Flaschenhöhlung geschoben. Zur Füllung des weiteren Hohlraums wurden dicke runde Bretter verwendet und diese durch Keile von oben eingetrieben. Auf einem Kohlenbecken stand das Gefäss, welches das durch eine Röhre unten ausfliessende Fett aufnahm. Wie nun auch in verschiedenen Landestheilen das Verfahren bei der Gewinnung des Pflanzentalges in einzelnen Dingen von einander abweichen möge, so ist es im wesentlichen doch immer dasselbe und kann zur völligen Erschöpfung der Masse an Fett nicht führen. Dies 3. Handelsgewächse. dürfte besser gelingen durch Zusatz von Perilla-Oel, welcher von Einigen erwähnt, von mir aber nie beobachtet worden ist. Das Gewichtsverhältniss der einzelnen Bestandtheile der zur Talg- gewinnung in Japan verwendeten Sumachfrüchte, wie ich es in Japan selbst bestimmte, sowie die Menge des durch Aether extrahierten Fettes stimmt mit den Angaben A. Meyer’s nicht überein. Ich lasse dess- halb beide hier folgen. Meyer nahm, wie er sagt, 10 Früchte von Rhus succedanea (nähere Herkunft unbekannt) in Arbeit, fand, dass sie 1,51 gr wogen und aus 46,45 % Mesocarp, 42,35 % Epidermis und Putamen (Steinschale), 8,85 % Embryo neben einem Verlust von 2,35 % durch Bestäuben bestanden. Er extrahierte aus dem zerriebenen Me- socarp mit Aether 20,9 % von der ganzen Frucht an Talg, die Cotyle- donen lieferten ihm 2,65 % des Gesammtgewichts an Oel und 36 % ihres eignen. Ich verwandte bei meinen Versuchen grössere Mengen frisch gewonnener lufttrockner Früchte und zwar vom Lackbaum aus Murakami, vom Talgbaum aus Nagasáki und fand: Der in die Vorlage aus der Presse fliessende Pflanzentalg erstarrt hier bald zu einer festen Masse. Um dieselbe von den beigemengten Verunreinigungen zu trennen, schmilzt man sie in eisernen Kesseln und schöpft das klare Wachs ab in kleine irdene Schüsseln, aus denen es nach dem Erkalten leicht herausgehoben werden kann. Die Talgkuchen erinnern an die nordamerikanischen Stücke Ahornzucker, sind von verschiedener Grösse (8—16 cm Durchmesser, 3—6 cm Dicke) und ¼ bis 1 kg Gewicht. In diesem Zustande kommt es immer in den Binnenhandel und findet mancherlei Verwendungen, namentlich aber eine umfangreiche zu Kerzen oder Rô-soku. Zur Ausfuhr gelangt fast nur das Rô von Rhus succedanea aus den südlichen Häfen und zwar theils im gewöhnlichen Zustande, theils gebleicht. Das Bleichverfahren, welches ich in Uchinoko im südlichen Jyo anwenden sah, war folgendes: Das Rohwachs wurde geschmolzen, I. Land- und Forstwirthschaft. durch Baumwollbeutel in kaltes Wasser tröpfeln lassen, um es zu ver- theilen, und dann in Kästchen von 2½ Fuss Länge und 1 Fuss Breite auf Gestellen der Sonne ausgesetzt. Wie die Leinwand auf der Rasen- bleiche, müssen die Talgstücke hier oft mit Wasser begossen und um- gewandt werden. In einer der Bleichereien sah ich auf Gestellen 3 Fuss über dem Boden im Ganzen 14 Reihen solcher flachen Bleichkasten und in jeder Reihe 82 Stück. Nach etwa 30 Tagen ist das Rô weiss, wie gebleichtes Bienenwachs und fast ohne allen Geruch. Der ge- wöhnliche Sumachtalg bleicht übrigens selbst in geschlossenen Räumen, z. B. der Schieblade eines Schrankes, allmählich an der Oberfläche und überdeckt sich wie mit einem weissen Reif, der jedoch wenig tief geht. Ein Unterschied zwischen dem Fett des Lack- und Talgbaums be- steht weder äusserlich, noch in ihrer Zusammensetzung. Beide stellen in der Kälte feste, spröde Massen von muscheligem Bruch dar, welche einen eigenartigen Geruch (wie der von Wachs und Kernseife gemischt) und im ungebleichten Zustande hellgelbgrüne Farbe zeigen. Die Härte ist grösser als beim Wachs, viel geringer als bei Carnauba-Wachs. Das spec. Gewicht ist 0,916, das des gebleichten Talges wechselt von 0,97 bis 1,14. Unter den verschiedenen Stücken in meinem Besitz befindet sich eins von 0,75 kg aus Aidzu, welches in Brunnenwasser von 15° C. sofort untersinkt. Der Schmelzpunkt liegt bei 52° C., aber wenn die kaum erstarrte Masse von neuem geschmolzen wird, bei 42° C. In 700 Theilen Alkohol von 30° Wärme und 97 % löst es sich voll- kommen auf. Chemische Untersuchungen ergaben, dass dieser Sumachtalg aus einem Gemisch mehrerer Glyceride besteht, unter denen aber das der Palmitinsäure vorwiegt. Die Japaner bedienen sich seiner nicht blos zu Kerzen, sondern auch in vielen andern Fällen statt des Bienen- wachses, so auch zur Herstellung des Glanzes bei Holzdreharbeiten. Bei uns wird er dem Bienenwachs zugesetzt, um daraus festere Kerzen zu giessen und ihre leichte Loslösung von der Form zu bewirken. Zu einem ähnlichen Zweck vertritt dieser Pflanzentalg das Bienenwachs in einzelnen Gummifabriken. — Die Ausfuhr des Pflanzentalges aus Japan begann erst nach Eröff- nung des Landes. Ihr Werth war seitdem vielen Schwankungen unter- worfen zwischen yen 106000 im Jahre 1878 und yen 377000 im Jahre 1873. England und die Vereinigten Staaten sind die Hauptabnehmer. Menge und Werth des Exports richten sich auch hier wesentlich nach der Nachfrage. Sollte sich letztere steigern, so wäre Japan sehr bald in der Lage, derselben zu entsprechen, einmal indem es den Ver- 3. Handelsgewächse. brauch zu Kerzen beschränkte, und ausserdem dadurch, dass es den sehr ansehnlichen Theil der Früchte des Lackbaumes, welcher jetzt unbeachtet verloren geht, sammelte und verwerthete. Ueberdies hat das Land zur Ausdehnung der Cultur beider Sumacharten noch weite Areale zur Verfügung, falls sich dieselbe vortheilhaft erweisen sollte. — 16) Ibota-rô, Ibota-Wachs von Ligustrum Ibota Sieb. (L. vulgare Thunb.). Dasselbe ist sehr fest, schön weiss, faserig und seidenglän- zend, wie die Fasern einer Asbestschicht, und erinnert an das chine- sische Pelah-Wachs, welches bekanntlich durch eine Schildlaus (Coc- cus Pelah) auf den jungen Trieben von Fraxinus chinensis Roxb. er- zeugt wird. Das Ibota-Wachs soll von den Secretionen eines ähn- lichen Insectes stammen. Gewinnung und Verwendung desselben kenne ich nicht, noch habe ich jene Schildlaus auf der viel verbreiteten Ibota- Rainweide beobachtet. Der Freundlichkeit des Herrn Professor Fesca in Tôkio verdanke ich nach- träglich folgende, durch seinen jap. Assistenten gesammelte Notizen über diesen Gegenstand: » Ibota-Wachs wird hauptsächlich in den Provinzen Chikuzen, Chikugo und Buzen der Insel Kiushiu gewonnen und über Ôzaka in den Handel gebracht. Man schätzt die Gesammtmenge aus jenen drei Provinzen auf nur 2000 kin (1202 kg.) im Jahr. Der Preis von 100 kin bewegt sich zwischen 50 und 70 yen. Die Japaner verwenden dieses Fett als Firniss (?) für ihre Möbel.« Eine kleine Probe des Rohmaterials, welche mir Prof. Fesca sandte, stellt leichte, lockere Klümpchen von grauweisser Farbe dar, die sich wie Mehl anfühlen. Zusätze. Thunberg bemerkt in seiner Flora japonica pg. 180 zu Melia Azedarach, dass aus den im December reifenden Früchten ein fettes Oel von der Consistenz des Wachses bereitet und zu Kerzen verwen- det werde. Diese Notiz ist auch in verschiedene neuere Werke über- gegangen. Ich muss mich jedoch bezüglich derselben dem Ausspruch Sie- bold’s anschliessen: »E fructibus exprimitur oleum (Thunb.), id quod ignoro« und möchte glauben, dass hier möglicherweise eine Verwechs- lung mit Rhus succedanea oder R. vernicifera vorliegt, mit deren Früchten diejenigen der Melia Azedarach einige Aehnlichkeit haben, wenn sie auch an Grösse dieselben weit übertreffen. Nach Siebold wird auch aus den Früchten von Listaea glauca L. und L. Thunbergii Sieb. (Tomex japonica Thunb.) Oel gewonnen; doch habe ich hierüber nichts weiter erfahren können. Dem Thierreich entnommen sind Kujira-abura, Walfischöl Rein, Japan. II. 13 I. Land- und Forstwirthschaft. oder Thran, und Giôto oder Fischöl. Die grosse Menge verschiedener Häringsarten (Clupeaceï), welche namentlich an den Küsten von Hondo und Yezo gefangen werden, findet vornehmlich zur Bereitung von Fischöl und Fischguano Verwendung. Hierher gehören (siehe Rein: Japan I, pg. 226) insbesondere die Iwashi oder jap. Sardinen (Clupea melanosticta und Cl. gracilis), von denen man z. B. in Chôshi an der Mündung des Tone-gawa 24—40 für einen Groschen kaufen soll, und der Nishin (Cl. harengus). Die frischgefangenen Fische werden in grossen eisernen Kesseln mit Wasser bis zum Kochen erhitzt. Dabei sammelt sich das Fett auf dem Wasser und wird abgeschöpft. Die Rückstände breitet man hier auf alten Matten an der Sonne aus und trocknet sie. Sie verbreiten dabei einen widerwärtigen Geruch um die Fischerdörfer, liefern aber nachher einen geschätzten Dünger, den Kaufleute aus den grösseren Städten abholen und an die Landwirthe der Theedistrikte und die Gärtner verabfolgen. d. Textilpflanzen. Wir zählen in diese Rubrik alle Gewächse Japans, die der Textil- industrie im weitesten Sinne dienen, demnach ausser den eigentlichen Gespinnstpflanzen auch solche, welche wie Binsen und Weiden zu ver- schiedenem Flechtwerk verwendet werden, oder wie manche Bastsorten vornehmlich zu Seilen und Papier. 1) Cannabis sativa L., jap. Asa. Soweit sich die Geschichte des Hanfs verfolgen lässt, erscheint er als älteste Textilpflanze der mongolisch-tatarischen Völker. Siehe hierüber u. A. Hunfalvy »Die Ungarn od. Magyaren«. Wien 1881. Von ihrem alten Stammsitze in Cen- tralasien hat er sich mit ihnen weit verbreitet, und zwar ostwärts über China, Korea und Japan und westwärts vornehmlich durch die Scythen über Vorderasien und zu den Slaven. Von diesen gelangte er zu den germanischen Völkern und weiter zu den Romanen, sofern sie ihn nicht schon direkt von Kleinasien her kennen gelernt hatten. Das Hanfrauchen oder Haschisch, welches nach Herodot schon bei den Scythen vorkam und in den muhammedanischen Ländern Asiens und Afrikas heute noch weit verbreitet ist, blieb den buddhistischen Ost- asiaten fremd. Wie der Flachs im alten Aegypten, so wurde der Hanf in Japan schon vor mehreren Tausend Jahren angebaut und lieferte vor Ein- führung der Seide und Baumwolle allen Ständen das wichtigste und den meisten Bewohnern das ausschliessliche Bekleidungsmaterial. Die alte Sage schreibt seine Einführung der hocherhabenen erzeugenden 3. Handelsgewächse. Gottheit Taka-mi-musubi zu, welche zwei untergebenen Göttern Be- fehl ertheilte, dass sie Kôdzu (Broussonetia) und Asa (Cannabis) pflanzen sollten, um die Rinde des einen und den Bast des andern zu gewinnen und zu verarbeiten. Siehe Satow: »The Shintô Temples of Ise«. Transactions As. Soc. o. Ja- pan. Vol. II, pg. 129. Noch jetzt werden die trüb indigo- blau gefärbten Gewebe, aus welchen ein ansehnlicher Theil der Land- bevölkerung sich Hosen und Kittel verfertigt, aus grobem Hanfgarn dargestellt, wie denn auch Fisch- und Moskitonetze aus solchen be- stehen. Aber auch feine weisse Gewebe, die unserer guten Leinwand wenig nachstehen und Nuno oder Jôfu genannt werden, verfertigt man viel daraus. Der Hanfbau ist über ganz Japan verbreitet; doch findet man ihn am häufigsten in den Gebirgsthälern und den nördlichen Ebenen, wo die Baumwolle nicht mehr fortkommt. Wie in vielen Theilen Deutsch- lands der Flachs, so wird hier der Hanf auf kleinen Parcellen und meist für den eigenen Bedarf gezogen. Klima und Boden sind seiner Cultur überaus günstig; er gedeiht vortrefflich, auch noch auf Yezo, wie wir aus Gärtner’s zuverlässigen Mittheilungen wissen, und ist ohne Zweifel eins von denjenigen Gewächsen, welche sich für die japanische Landwirthschaft bei ihrer weiteren Ausdehnung und Entwickelung ganz besonders empfehlen. — Bei der Ernte werden die Hanfstengel von den Blättern und Wur- zeln befreit und dann 4—6 Tage der Maceration in Wasser ausgesetzt. Man streift hierauf den gelockerten Bast mit den Händen ab und trocknet ihn, ebenso die Stengel, welche aussehen wie bastfreie Korb- weiden. Dieselben werden bei der Dachbedeckung verwendet, und zwar als unterste Lage über den Sparren, worauf eine Strohschicht sie überdeckt. Der japanische Hanfbast ist 1—1 ½ m lang, zart, fest, seidenglänzend, also von vorzüglicher Qualität, und könnte zu einem hervorragenden Ausfuhrartikel werden, wenn die Cultur desselben eine grössere Ausdehnung gewinnen würde. 2) Gossypium herbaceum L. Die Japaner nennen diese wich- tigste aller Baumwollstauden, die einzige Art, welche sie cultivieren, Wata-no-ki oder Ki-wata und ihr Produkt Wata. Dieses Wort erinnert an unser »Watte«, das französische »ouate« und analoge roma- nische Benennungen, sowie den Sanskritnamen badarâ für die Baum- wolle. Seine Ableitung von letzterem scheint, zumal da Indien die älteste Culturstätte der Pflanze ist, naturgemässer, als diejenige von Ovum, welche Diez giebt. 13* I. Land- und Forstwirthschaft. Nach den ältesten japanischen Angaben wurden um’s Jahr 799 die ersten Versuche mit dem Anbau der Baumwolle in Dai Nippon ge- macht, und zwar mit Samen, den der Zufall in einem Boote von In- dien her dem Lande zugeführt haben soll. Die Cultur fasste aber da- mals noch keinen Boden und scheint erst im Jahre 1570 von neuem versucht worden zu sein. Eine grössere Ausdehnung gewann sie je- doch erst nach Befestigung der Tokugawa-Herrschaft im folgenden Jahrhundert. Es scheint, dass die Production den Bedarf zu keiner Zeit völlig befriedigt und China, wie in neuerer Zeit, so auch früher Zuschüsse an Rohbaumwolle für die einheimische Industrie geliefert hat. Bei den jetzigen Verkehrserleichterungen und den billigen Preisen der englischen und indischen Baumwollwaaren sind auch kaum für eine weitere Ausdehnung des japanischen Baumwollbaues die Verhält- nisse günstig. Derselbe erreicht mit dem 38. Parallel so ziemlich seine Nord- grenze. Wahrscheinlich lernten ihn die Japaner erst durch die Por- tugiesen kennen, wie auch den Namen Wata für Baumwolle, da sie weder eine eigene, noch eine chinesische Bezeichnung für die Pflanze haben und diese selbst im südlichen China erst im 11. Jahrhundert Eingang gefunden haben soll. Die krautartige Baumwollstaude kommt in Japan in drei Varie- täten mit gelben, weissen und rothen Blüthen vor, von denen jedoch die gelbblühende weitaus vorwiegt. Anfang Mai legt man die Samen 3—4 cm von einander in Reihen, welche etwa 40 cm Abstand von ein- ander haben, in das zubereitete Land und umgibt sie mit etwas Reis- strohasche. In der Regel folgt aber die Cultur einer Winterfrucht, insbesondere Gerste und Weizen, und dann wird in kurzem Ab- stande neben jeder Reihe reifender Halme eine Reihe Baumwollsamen in den etwas gelockerten Boden gelegt. Da dieselben einen Tag lang zuvor in Wasser geweicht wurden, folgt die Keimung bald. Sobald die ersten eigentlichen Blätter sich zeigen, gibt man kräftigen Dünger, wie Oelkuchen oder Fischguano, letzteren jedoch nur in einer Kreis- furche, die 6—9 cm von der Pflanze läuft, damit diese durch die Schärfe des Düngers nicht zerstört werde. Gewöhnlich aber wird eine Art Compost angewandt, den man langer Hand vorbereitet hat, be- stehend aus einem Gemisch gleicher Theile Schlamm, Strohasche, zer- hacktem Unkraut, Oelkuchen und Fischguano. Sobald die Halmfrucht geerntet ist, folgt eine sorgfältige Umarbeitung und Lockerung des Bodens und eine neue Gabe von Dünger, wozu diesmal wohl auch flüssige Latrinenstoffe verwendet werden. Gegen den 20. Juni findet das Ausjäten der überzähligen Pflanzen statt, indem man nur noch 3. Handelsgewächse. 27—28 auf den Ken (1,80 m) stehen lässt. Eine nochmalige Lichtung wird 14 Tage später vorgenommen. Während der heissesten Tage (20. Juli—7. August) erscheinen Knospen an den verästelten Stengeln. Die Blüthezeit ist der August, die Ernte fällt in den September. Sie wird als eine ergiebige angesehen, wenn 300 Tsubo = 9,92 Are, 250 Kin oder 150,261 kg Baumwolle liefern. 3) Boehmeria nivea Hooker \& Arn. (Urtica nivea L.), jap. Mao, Kusa-mao und Kara-mushi, chin. Tschou-ma. Diese Pflanze, welche sich namentlich durch die weisse Unterseite der Blätter von allen verwandten Nesselarten unterscheidet, wächst in Cochinchina, China und Japan wild, wird aber daselbst, und ebenso im südlichen Monsungebiete auch angebaut. Sie liefert in ihrem Baste das vielge- priesene Chinagrass der Engländer, aus welchem die Chinesen das feine Nesseltuch bereiten. Eine verwandte Art mit höheren Stengeln und beiderseits grünen Blättern ist Boehmeria tenacissima Gaud. (B. utilis Bl.), deren Bast Ramie (engl. Ramee ) oder Rheea-Faser ge- nannt wird. Sie gehört dem tropischen Monsungebiete an und kommt in Japan nicht vor. Indess wird auch der Chinagrass-Bast oft Ramee genannt, ebenso die Fasern anderer Boehmeria-Arten, sowie auch der japanischen Urtica Thunbergiana S. \& Z. oder Schi-kusa. Boehmeria nivea bedarf zu ihrem Gedeihen eines feuchten, frucht- baren Bodens und kräftiger Düngung; dagegen reicht dazu unsere Sommerwärme aus, wie manche Versuche in botanischen Gärten längst dargethan haben. Im botanischen Garten zu Marburg erreichten ihre Stengel 1877 eine Höhe von 1,31 m, während diejenigen von B. utilis Bl. dicht daneben in gleicher Zeit 1,90 m hoch und entsprechend dicker geworden waren. Erstere wurde unter dem Namen Chinese oder Whiteleaved nettle schon 1739 in England eingeführt. Gleich ihren Verwandten treibt sie jeden Sommer aus perennierenden Wurzelstöcken krautartige steife Stengel von 1½ bis 2 m Höhe, welche gegen Ende August oder im September über der Erde abgeschnitten und behufs Gewinnung des Bastes einer kurzen Maceration in Wasser unterworfen werden. Die Angabe bei St. Julien in »Industries de L’Empire Chinois etc.« pg. 166, »Chaque année on peut faire trois récoltes«, beruht auf Irrthum. Die technische Verwerthung der Boehmeria nivea, sowie verschie- dener andern Nesselarten bietet einige besondere Schwierigkeiten und entspricht bis jetzt bei weitem nicht den grossen Bemühungen und Aufmunterungen zur Förderung derselben, noch den übertriebenen Hoffnungen, welche von verschiedenen Seiten daran geknüpft wurden. Es handelt sich vor allem um die Erfindung einer zweckmässigen Ma- schine zur Lostrennung und Zubereitung des Bastes. Die indische I. Land- und Forstwirthschaft. Regierung schrieb 1878 zu dem Zweck den hohen Preis von ₤ 5000 aus und erbot sich, für die Versuche, welche von Mitte August bis Mitte September 1879 in Sahdranpur in Indien angestellt werden soll- ten, die Boehmeria-Stengel aus dem Botanischen Garten von Calcutta zu liefern; doch hat sie ihren Zweck nicht erreicht und den Gegen- stand fallen lassen. Die Epidermis der hier in Betracht kommenden Pflanzen liegt nämlich so fest auf dem darunter befindlichen Bastgewebe, dass eine völlige Scheidung nur schwer gelingt. Ausser dieser Schwierigkeit stehen der Reindarstellung in grösserer Menge noch andere entgegen, welche Wiesner zum Theil in seinem Werke über die Pflanzenstoffe pag. 387—393 erörtert hat. Marco Polo erwähnt bereits der Cultur dieser weissblätterigen Nessel und hebt hervor, dass sich besonders die Provinz Kweichau durch Gewebe aus ihrem Baste auszeichne. Dieses »Grasleinen« ist fein, glatt und glänzend, wie Battist, daneben sehr kühl, daher be- sonders für den Sommer geeignet. In Japan habe ich Culturen der Mao-Pflanze aus eigener Anschauung nicht kennen gelernt. Sie sollen vornehmlich in Uzen, Kaga, Echigo und Idzumo vorkommen, wie sich auch aus der Landesausstellung von Tôkio vom Jahre 1877 ergab, deren officieller Catalog u. A. nicht weniger als 13 Aussteller von Fasern, Seilen und Geweben aus Yamagata-ken (Uzen) und 17 aus Chimane- ken (Idzumo) aufweist. Diese Industrie steht aber keineswegs auf einer hohen einflussreichen Stufe. Der gewöhnlich verarbeitete Bast ist wohl auch fest und dauerhaft, doch fehlt ihm die Feinheit. Da- gegen besteht das sogenannte »cotonisierte Chinagras« aus weissen Fasern, die es an Feinheit und Stärke mit dem Flachse, an Glanz mit der Seide aufnehmen können. 4) Musa basjoo Sieb. (M. paradisiaca Thunb., M. textilis Nees), jap. Bashô. Der Pisang kommt im eigentlichen Japan nicht mehr fort, wird dagegen auf den Riukiu-Inseln viel gebaut, vornehmlich des Bastes wegen, aus dem die Bewohner ein leichtes, lockeres, braunes Gewebe, Bashôfu genannt, verfertigen. Doederlein bemerkt über die Pflanze Folgendes: »Bananen gehen (auf Amami-Oshima) fast eben so weit in die Höhe, wie Cycas; doch halten sie sich streng an die Wasserläufe, die sie in dichtgedrängten Beständen begleiten. Sie werden als eine vor- zügliche Gespinnstpflanze gebaut (Manila-Hanf), deren Fasern nicht allein ein vortreffliches Material für Seile und Netze abgeben, sondern überaus geschätzt sind, wegen der sehr guten Kleidungsstoffe, die sich aus ihnen fertigen lassen. Im Sommer werden solche Kleider den aus 3. Handelsgewächse. Baumwolle bestehenden weit vorgezogen; sie bilden einen der wich- tigsten Handelsartikel der Liu-kiu-Inseln und werden besonders in grosser Menge nach Satsuma importiert, von wo sie ihren Weg weiter durch Japan finden mögen.« Die Liu-kiu-Insel Amami Oshima. Zeitschrift d. deutsch. Ges. Ostasiens. 3. Bd. pg. 141. Letzteres ist nun nur in sehr beschränk- tem Maasse der Fall. Die Gewebe bleiben im südlichen Japan und kommen heutzutage in den übrigen Landestheilen kaum noch zur Ver- wendung. 5) Corchorus capsularis L., jap. Ichibi, Tsunaso und Ka- nabi-kiyo. Dieser Lieferant der so wichtig gewordenen Jutefaser ist an verschiedenen Stellen Japans gefunden worden. Ob man aber die Pflanze auch cultiviert und ihren Bast zu Seilen und groben Ge- weben verarbeitet, wie von einer Seite angegeben wurde Le Japon à l’Exposition Universelle de 1878. Paris. pg. 152. , scheint mir zweifelhaft. — Die vier nun folgenden Bastpflanzen werden nicht cultiviert. Als Lieferanten von Bekleidungsmaterial spielten sie in alten Zeiten wahrscheinlich eine viel wichtigere Rolle, wie jetzt. 6) Wistaria chinensis S. \& Z., jap. Fuji (siehe Zierpflanzen). Der zubereitete Bast dieser Pflanze, sowie Gewebe daraus, Fuji- nuno oder Wistaria-Leinwand genannt, waren 1877 auf der Ausstel- lung in Tôkio von Iwate-ken, Fukushima-ken, Shimane-ken und Hi- roshima-ken zu sehen, also sowohl aus dem Norden, als auch dem Südwesten der Hauptinsel Honshiu. 7) Pueraria Thunbergiana Benth., jap. Kudzu. Die jungen Triebe dieser häufigen Pflanze (siehe Knollengewächse) pflegt man in Stücken von 1 m Länge in einem eisernen Kessel eine zeitlang mit Wasser zu kochen und dann einer längeren Maceration in fliessendem Wasser auszusetzen, bis der Bast sich leicht loslöst. Derselbe wird alsdann mit den Händen abgestreift. Die weitere Behandlung mit Wasser, das Klopfen und andere Manipulationen haben das Bleichen, Weichmachen und Theilen der Faser zum Zweck. Dieselbe ist im fertigen Zustande ziemlich fest und weiss, wie Hanfbast. Sie wird als Einschlag bei verschiedenen Geweben benutzt, doch nur in sehr be- schränktem Maasse. Die Ainosfrauen stellen daraus Fäden her, mit denen sie ihre Kleider nähen. 8) Ulmus montana Sm. ist nach den Zeugnissen von Böhmer Report to the Kaitakushi 1875. und Scheube Die Ainos. Mitth. d. deutsch. Ges. Ostasiens. 26. Heft 1882. auf Yezo der Baum, welchen die Ainos At, die Japa- ner Ohio-no-ki nennen. Jene bereiten aus seinem Baste das braun- I. Land- und Forstwirthschaft. gelbe Zeug, aus welchem sie in der Regel ihre Kleidung verfertigen. Dasselbe zeichnet sich mehr durch Dauerhaftigkeit, als durch Feinheit aus und wird auch von Japanern auf Yezo viel getragen. Man schält die Rinde des Baumes im Frühjahr ab und lässt sie ½—1 Monat lang in Wasser macerieren, bis sich der Bast leicht in langen Streifen los- löst. Die Ainosfrauen drehen daraus Fäden und verarbeiten sie auf ihren Webstühlen, deren Einrichtung Scheube in der erwähnten Arbeit ebenfalls näher angibt. 9) Tilia cordata Mill., jap. Shina-no-ki, von den Ainos Ni- beshi genannt. Die Ainos machen aus dem Baste Seile. In Aidzu sah ich denselben zu Matten verarbeiten. Er wird durch längeres Macerieren in fliessendem Wasser von der Rinde gelöst und durch Klopfen geschmeidig gemacht. Der Bast von Tilia mandschurica Ma- xim. dient denselben Zwecken. 10) Vorerwähnten Gewächsen reihen sich diejenigen an, deren Bast vornehmlich zu Papier verwendet wird, hin und wieder aber auch noch zur Darstellung grober Gewänder dient, wozu er jedenfalls in alten Zeiten in viel ausgiebigerem Maasse benutzt wurde. Es sind dies vornehmlich die verschiedenen Arten der Papiermaulbeere (Brous- sonetia papyrifera Vent., B. Kasinoki Sieb. und B. Kaempferi Sieb.), sodann die weisse Maulbeere (Morus alba L.), die Dreigabel (Edge- worthia papyrifera S. \& Z.) und die Gampi (Wickstroemia canescens Meisn.), welche alle bis auf letztere viel cultiviert werden. Näheres über die Art dieser Cultur und die Gewinnung des Bastes folgt in dem Kapitel über die Papier-Industrie. 11) Chamaerops excelsa Thunb., jap. Shuro, Shiro oder Shiro-no-ki. Diese schöne Fächerpalme erreicht in Japan gewöhn- lich 5—6 m Höhe und gegen 0,80 m Stammumfang. Sie ist nicht ein- heimisch, sondern wird ebenso wie im wärmeren China cultiviert, und zwar ungefähr soweit, als immergrüne Eichen und der Kampferlorbeer gedeihen. In einzelnen Exemplaren findet man sie auf der Ostseite von Hondo noch in der Nähe der Sendai-Bucht unter 38½° N., weniger weit auf der Westseite und nicht im höher gelegenen Innern der Insel. Ihre eigentliche Heimat ist noch nicht genau ermittelt, dürfte jedoch im tropischen Monsungebiet zu suchen sein. Zur Verwendung kommen vornehmlich die über 2 Jahre alten Blät- ter dieser Palme, und zwar einmal die ganzen Blattspreiten, indem man sie in schmale Streifen theilt und daraus verschiedene Geflechte, namentlich Hüte und Seile, darstellt; vor allem bedient man sich aber der dunkelbraunen Fasern, wie sie auch bei Chamaerops humilis der Mittelmeerregion als lange Wimperhaare an den Rändern der Blatt- 3. Handelsgewächse. scheiden auftreten und die Basis der Blätter und Blüthenträger um- hüllen. Diese haarartigen Fasern (jap. Shiro-no-ki), eine Art Crin végétal, viel länger und weicher, wenn auch weniger stark als das sogenannte Coir der Cocosnüsse, werden in Japan und ebenso in China zu Seilen, Matten, Staubbesen und Bürsten verarbeitet. In Tôkio gibt es z. B. viele Familien, welche sich durch die Darstellung solcher Shiro-saiku, d. h. Arbeiten (ku) aus diesem Material (sai) der Palme (Shiro) ernähren, indem sie dieselben zugleich in kleinen Läden feil- bieten. 12) Juncus effusus L., jap. I oder I-gusa. Diese Binse, welche auf der nördlichen Hemisphäre weitverbreitet ist, wird zwar auch in verschiedenen andern Ländern gesammelt und zu Matten ver- arbeitet, hat aber nirgends eine solche Bedeutung erlangt, wie in Ja- pan, indem hier manche Sitte und Hauseinrichtung aufs innigste mit den aus ihr bereiteten Fussmatten und andern Geflechten verknüpft ist. Um den grossen Bedarf an dieser Binse zu decken, wird sie regel- recht in verschiedenen Landestheilen und manchmal in grossem Um- fang cultiviert. Die Cultur erinnert an diejenige des Reis und wird auf sumpfigen Feldern betrieben, die zuweilen mit Reisland abwech- seln. Man vermehrt durch Rhizomableger und legt neue Pflanzungen zeitig im Frühjahr an, indem man Reihencultur anwendet. Im August findet die Ernte statt. Die Binsen, welche man auch wohl Goza- gusa (Mattenkraut) nennt, haben alsdann etwa ein Meter Höhe erreicht. Sie werden dicht über dem Boden abgeschnitten, getrocknet und zur Aufbewahrung unter Dach gebracht. Vor dem Verbrauch feuchtet man sie an und reibt dann die Epidermis mit Asche ab. Im 1. Band dieses Werkes pag. 481 wurde hervorgehoben, dass sich die Grösse der japanischen Zimmer, ja der ganze Grundriss der Häuser nach den Fussmatten oder Tatami richte, indem diese letz- teren die feststehende Grösse von Rechtecken haben, welche 6 Shaku oder jap. Fuss à 30,33 cm lang, 3 Shaku breit und ⅙ Shaku dick sind. Nach denselben construiert und unterscheidet man Zimmer von 4, 6, 8, 10, 12 und mehr Matten. Diese Tatami werden nun aus Wara oder Reisstroh, das dicht mit einander verbunden oder verflochten ist, dem Toko oder Bett derselben, dargestellt, an den Rändern mit Zeug- streifen eingefasst und auf der Oberseite (Omote) mit schöngeflochtener Binsenmatte überdeckt und befestigt. Die Riu-kiu-Inseln, Bungo und andere Provinzen von Kiushiu, vor allem aber Bingo im San-yôdô und Nachbarprovinzen sind wegen ihrer Binsenzucht und Matten be- rühmt. Am meisten schätzt man die Bingo-omote. Dieselben sind schöner und theurer, aber nicht so stark als diejenigen von Bungo. I. Land- und Forstwirthschaft. Die Binse, woraus sie verfertigt werden, heisst hier Tôsô, auf Kiushiu dagegen Riu-kiu-I. Die Cultur und Verarbeitung der Binse wird indess auch in weiter nördlichen Landestheilen betrieben, so z. B. in Kaga, wo die Stadt Komadzu und einige benachbarte Dörfer sich viel damit befassen, in Aidzu-taira und anderwärts. Ausser den erwähnten Omote verfertigt man daraus die einfachen Goza, welche u. A. zum Umhängen und Schutz gegen Sonne und Regen dienen, so- wie die Seki oder Sitzmatten, und nennt hiernach die Binse auch Goza-gusa und Seki-gusa. 13) Eine ausgedehnte Verwendung zu grobem Flechtwerk man- cherlei Art, wie zu Seilen und Matten, findet, wie dies bereits früher hervorgehoben wurde, das Reisstroh. Mushiro heissen die daraus verfertigten Matten, auf welchen der Landmann sein Getreide und sonstige Sämereien, der Küstenbewohner die verschiedenen Meeres- produkte, deren Fang und Verkauf ihn beschäftigt, ausbreitet und trocknet. Ein anderes Strohgeflecht, Komo genannt, wird vornehm- lich zur Darstellung von Säcken verwerthet, welche dem Reistransport und andern Zwecken dienen. — Im Kunstgewerbe benutzt man das Gerstenstroh, um schöne Mosaikbekleidung herzustellen. Der Binse und dem Reisstroh schliessen sich ferner in Bezug auf die Art der Benutzung eine Anzahl Schilfgewächse an, die in alter Zeit jedenfalls eine viel umfangreichere Verwendung fanden, als jetzt. Hierzu gehören vor allen Dingen die folgenden: 14) Typha japonica Miq., jap. Gama. Die daraus verfertigten weichen Matten heissen Gama-mushiro. 15) Scirpus maritimus L., jap. Suge, diente schon in den ältesten Zeiten zur Darstellung von Hüten und Regenmänteln, sowie von Seilen, mit denen man beim Bau der Hütten die Balken an ein- ander befestigte. Die erstgenannte Verwendung war auch Kaempfer bekannt, denn er schreibt Am. exot. pag. 900: »Setz, vulgo Suge. Herba palustris, foliis arundinaceis brevioribus tensis, ex quibus ad albedinem redactis construuntur elegantissimi pilei, quibus teguntur deambulantes faeminae.« 16) Zur Darstellung der Mino oder alten Grasregenmäntel dienten vornehmlich die Blätter der Zoysia pungens Willd., jap. Shiba und Iwa-shiba. Die langen Wurzelblätter dieses Grases wurden in den Gebirgswäldern gesammelt, zu Hause in kochendes Wasser getaucht, dann gebleicht und getrocknet, hierauf mit Holzhämmern geklopft und endlich mit Fäden dicht an einander gereiht. Die dachziegelförmige Anordnung, in welcher die einzelnen Blattreihen über einander liegen, erinnert an die Art, wie die Maori Neuseelands sich früher aus den 3. Handelsgewächse. viel breiteren Blättern des Phormium tenax ihre Kleider verfertigten. Diese Mino wurden auch aus verschiedenen Riedgräsern, sowie aus Hanfbast dargestellt. Man findet sie hin und wieder noch in Gebirgs- gegenden. Regenmäntel aus geöltem Bastpapier, sowie in neuerer Zeit namentlich Regenschirme, haben dieselben verdrängt. 17) Imperata arundinacea Cyrill (Saccharum spicatum Thunb.), jap. Chi-kaya oder Kaya wurde in ähnlicher Weise benutzt; auch diente dieses Gras in alten Zeiten zur Dachbedeckung. 18) Phragmites communis Trim. (Arundo phragmites L.). Die Japaner nennen dieses Schilfgras Yoshi. ebenso auch die verwandte Art P. Roxburgii Kunth. Es wächst in Menge auf uncultivierten, sumpfigen Stellen, namentlich auch zur Seite der Bewässerungscanäle für die Reisfelder. Man verwendet es vornehmlich zur Dachbedeckung, doch auch zur Darstellung der Yoshi-dzu oder Schilfmatten, und baut es gleich der folgenden Art zu diesen Zwecken hier und da auch auf nassem Boden an. 19) Eulalia japonica Trim. (Erianthus japonicus Beauv., Sac- charum polydactylon Thunb.), jap. Susuki. Mancher Freund der Er- zeugnisse des japanischen Kunstfleisses hat dieses schöne Gras mit seiner fingerförmig getheilten Rispe schon abgebildet gesehen. Aber auch lebend wird es uns in neuerer Zeit öfter vorgeführt; denn es erweist sich weniger empfindlich, als das südamerikanische Pampasgras und ist als Einzelpflanze auf schöner, kurzgehaltener Rasenfläche doch von ganz ähnlicher Wirkung. Ausser der einfachen Stammform er- scheint es auch mit panachierten, ja neuerdings sogar mit quer- gestreiften Blättern (Eulalia jap. zebrina). In seiner Heimat ist es sehr verbreitet. Es wächt vornehmlich auf der Hara, jenen ausge- dehnten grasigen Abhängen der Gebirge, aber auch an uncultivierten Stellen sumpfiger Niederungen. Hier und auf den damit bepflanzten Aeckern finden im Herbst und Winter Fasanen und Becassinen im Dickicht seiner abgestorbenen Halme und Blätter ebenso beliebte Ver- stecke, wie in demjenigen des gewöhnlichen Schilfes. 20) Das festere Holzflechtwerk wird aus Bambusrohr (Take), Wei- den Ausser Salix japonica Thunb. kommen hier noch mehrere andere Arten in Betracht, die noch einer genaueren Untersuchung bedürfen. (Yanagi) und Rotang oder Rattan (To) verfertigt. Die beiden erstgenannten Materialien liefert das Land selbst; dagegen muss der Rotang, aus welchem die feinsten Geflechte dargestellt werden, die so- gar zum Theil im Kunsthandwerk eine Rolle spielen, aus dem tropi- schen Monsungebiet im Süden bezogen werden. Dass er für diese Art I. Land- und Forstwirthschaft. der Verwendung gleich dem Bambusrohr vorher gespalten und in mehr oder minder dünne glatte Streifen zerlegt werden muss, bedarf kaum der Erwähnung. Man verfertigt und benutzt in Japan To-mushiro (Rotangmatten) viel weniger als in China. Dagegen dienen To, Ya - nagi und Take zu vielerlei sonstigem Flechtwerke, von dem hier nur der Kôri oder Schachtelkörbe gedacht werden soll, die sich für man- cherlei Zwecke vortrefflich eignen. Wie z. B. der Schliesskorb aus Weidengeflecht bei uns, so ist in Japan der Yanagi-gôri, d. h. Weiden-Schachtelkorb ein vortrefflicher Ersatz des Koffers, zumal auf Reisen. Der übergreifende Deckel reicht dabei bis zum Boden der engeren unteren Korbschachtel. Sehr viele kleinere Kôri stellt man aus Rotang her. Sie haben vor unseren Holzschachteln den Vorzug der Elasticität, Geschmeidigkeit und längeren Dauer. Auch jene breit- randigen steifen Hüte, Kasa genannt, welche den Kopf gegen Sonnen- schein und Regen schützen, im übrigen freilich nicht gerade sehr be- quem sind, werden bald aus geschälten Weiden, bald aus Rotang oder Bambus geflochten. Zahl- und gestaltreich sind ferner die vielen Körb- chen aus den beiden letztgenannten Materialien. Dieselben kommen besonders schön aus der Provinz Tajima nach dem Bade Arima und weiter nach Kobe auch zur Ausfuhr. e. Farbpflanzen und Gerbstoffe und deren Verwendung. Seitdem die chemische Industrie in der Darstellung organischer Farben einen so gewaltigen Aufschwung genommen hat, ist von ihrem weitragenden Einfluss auch Japan nicht unberührt geblieben. Ver- schiedene der vordem hochgeschätzten cultivierten oder wildwachsen- den Farbpflanzen des Landes haben seit Einführung der künstlichen Krapp- und Anilinfarben viel von ihrer früheren Bedeutung verloren. Das wissenschaftliche Interesse, welches sich an ihr Vorkommen und ihre Verwendung knüpft, wird dadurch nicht beseitigt. Dasselbe zu fördern, ist Zweck der nachstehenden Mittheilungen, die in keiner Weise eine erschöpfende Darstellung sind, immerhin aber verschiedenes Neue bieten dürften. 1) Polygonum tinctorium Lour., jap. Ai, der Färberknö- terig. Diese ostasiatische Culturpflanze wurde zuerst 1790 von Lou- reiro in seiner Flora Cochinchinensis beschrieben. Sie liefert einem weiten Gebiete Ostasiens, zumal China, Korea und Japan, seit alter Zeit den vielverwendeten Indigo und gehört gleich unsern gewöhn- lichsten Knöterigarten zur Gruppe Persicaria. Aus einer kräftigen Faserwurzel entwickelt sie viele 30—50 cm hohe, blattreiche runde 3. Handelsgewächse. Stengel, an deren Knotenstellen die ziemlich ansehnlichen ovalen, zu- gespitzten Blätter und später auch die Blüthenähren sich entwickeln. Die Blüthen sind geruchlos, von rother Farbe und in ihrem Aussehen und Bau verschiedenen andern Polygonumarten sehr ähnlich. Sie er- scheinen im August und September, doch findet die Ernte gewöhnlich vor ihrer völligen Entwickelung statt. Chemische Untersuchungen der Pflanze haben nämlich ergeben, dass das Indigochromogen, Indican, als Zellinhalt auf das Blattparenchym beschränkt und Stengel und Blüthen frei davon sind. Schunk: »On Indian Blue from Polygonum tinctorium and other Plants.« Memoirs of the Lit. \& Phil. Soc. Manchester Vol. VI (3. Series). pp. 218—234. Siehe auch Flückiger’s Referat im Botanischen Jahresbericht von Just VII. 2. pg. 343. 1879. Dieser Thatsache entspricht die Cultur- und Behandlungsweise der Pflanze. Der Färberknöterig ist unter allen japanischen Farbpflanzen weit- aus die wichtigste, da der aus ihm gewonnene Indigo zum Färben der Baumwoll- und hanfleinenen Gewänder eine ausgedehnte Verwendung findet. Dementsprechend ist auch seine Cultur eine weitverbreitete und findet sich in den Ebenen und Thalsohlen fast aller Landestheile südlich von Yezo. Bei Bestellung der Felder wendet man selten di- rekte Saat (Breitsaat), sondern meist Verpflanzung in Reihen der auf dem Saatbeete gewonnenen Setzlinge an. Auf denselben entwickeln sich aus den zeitig im Frühjahr ausgestreuten Samen innerhalb zweier Monate und mit Hülfe wiederholt angewandten kräftigen Düngers, wie Fischguano und Oelkuchen, die 12—15 cm hohen Setzlinge und werden dann auf das zubereitete Feld verpflanzt. Nach abermals 60—70 Tagen — gegen Ende Juli oder Anfangs August — beginnt die Haupternte, der sich später noch eine vom Nachwuchs anschliesst, ähnlich wie beim Klee. Einem Kleefelde, bevor dasselbe Blüthenköpfe entfaltet hat, gleicht auch aus einiger Entfernung das Aussehen der Ai-Pflan- zung. Die Stengel derselben haben etwa 30 cm Höhe erreicht, wenn sie mit einer Sichel dicht über dem Boden abgeschnitten werden. Die oberen blattreichsten Theile hält man mit Recht für die werth- vollsten und trennt sie und die Blätter von den Stengelstücken, die man nach dem Trocknen verbrennt, um daraus eine geschätzte Asche (Ai-no-bai) zu erhalten. Die Blätter aber breitet man an der Sonne zum Dörren aus und zwar oft ohne jede Unterlage vor den Häusern, so dass der Strassenstaub nicht ausgeschlossen bleibt. Sie werden da- durch mattdunkelgrün und kommen in diesem Zustande in Strohseil- säcke zur Aufbewahrung für weitere Behandlung. Diese erfordert 70—80 Tage Zeit und unterscheidet sich dadurch und sonst sehr wesent- I. Land- und Forstwirthschaft. lich von den kurzen Macerationsprocessen, durch welche man ander- wärts aus andern Gewächsen Indigo gewinnt. Es ist eine Art Gäh- rungsprocess, welcher mit viel Aufmerksamkeit und Geschick geleitet werden muss. Dabei werden die Blätter mit einer bestimmten Menge Wasser benetzt und gemengt, dann ausgebreitet und 3—5 Tage lang mit Matten bedeckt sich selbst überlassen. Hierauf wiederholt man dies Verfahren im Ganzen 9—20 mal, bringt die Blätter schliesslich in einen hölzernen Mörser, in welchem man sie während zweier Tage in eine teigige Masse von dunkelblauer Farbe verarbeitet. Man macht daraus Ballen von der Dicke der Billardkugeln und darüber und bringt sie so in den Binnenhandel. Es ist dies Indigo mit vielerlei Verun- reinigungen, wie er allgemein zum Blaufärben dient. Ruri-kon, ein nach violett oder braun neigendes dunkles Indigobraun, wird aus Ai unter Zusatz von Aku, der Asche aus Indigoabfällen, und Kalk bereitet. Vor 10 Jahren wurden mit Unterstützung der Regierung Versuche an- gestellt, um mit Hülfe von Schwefelsäure aus diesen Ai-tama (In- digokugeln) Indigoblau abzuscheiden und zur Ausfuhr zu bringen. Dieselben scheiterten aber an der Kostspieligkeit des Verfahrens. Den geschätztesten japanischen Indigo liefert die Provinz Awa auf der Insel Shikoku an der Linschotenstrasse. Im Jahre 1776 kam der Knöterig-Indigo aus China zuerst nach England, wo ihn die Färber unter dem Namen Persicaria verwen- den lernten. Später hörte diese Einfuhr jedoch wieder auf, als eine bessere Waare zu annehmbaren Preisen von der zunehmenden Cultur der Indigofera Anil und anderer Arten aus Bengalen und Java ge- liefert wurde. Im Jahre 1826 lenkte in Frankreich Saint-Hilaire die Aufmerk- samkeit auf den Färberknöterig. Zehn Jahre später baute man die Pflanze in grösserer Menge in den botanischen Gärten zu Montpellier und Paris und gewann so frisches Material für die zahlreichen Unter- suchungen, welche von 1838—40 folgten. Botaniker, Chemiker, Land- wirthe und Industrielle wetteiferten im Studium ihrer Eigenschaften. Siehe u. A. Turpin: »Etudes microscopiques sur le gisement de la matière bleue dans les feuilles du Polygonum tinctorium etc. Comptes Rendus VII pg. 806 —824 (1838). Es galt die Pflanze und ihr Produkt für die Landwirthschaft und Fär- berei zu erproben, weil man der Hoffnung lebte, dem Lande eine neue Nutzpflanze zuzuführen und durch sie den Bedarf an Indigo zu decken. Dieselbe hat sich nicht erfüllt. Von hervorragenden Gelehrten, welche sich mit dieser Indigofrage damals befassten, nenne ich: Saint Hilaire, 3. Handelsgewächse. Vilmorin, Delile, Chevreul, Turpin, Joly, Baudrimont, Pelletier und Robiquet. Der bereits oben citierten gründlichen Abhandlung unseres Lands- manns Dr. E. Schunk in Manchester entnehme ich zum Schlusse noch folgende Notizen über den Gegenstand: Schunk erhielt aus Paris Samen von Polygonum tinctorium, säte dieselben in ein Mistbeet und verpflanzte sie dann in’s freie Land. Gegen Ende des Sommers erhielt er schöne rosafarbene Blüthenähren, doch keine reifen Samen. Die schönen, glänzenden ovalen Blätter zeigten, wenn sie von Insekten oder sonst verletzt wurden, wohl blaue Flecken, sonst aber war selbst unter dem Mikroskop nur Blattgrün, keine andere Farbe zu erkennen. Zerhackt und zerreibt man eine Partie Blätter im Mörser mit etwas Wasser und presst sie dann aus, so erhält man eine grüne, schlammige Flüssigkeit, aus welcher Bleizuckerlösung ein grünes, flockiges Präci- pitat scheidet, welches aus Chlorophyll, Albumin und einigen andern Substanzen besteht. Die abfiltrierte Flüssigkeit ist klar und gelb. Wird sie mit Salzsäure oder Schwefelsäure versetzt, so liefert sie einen reichen Niederschlag von fast reinem Indigoblau. Man erhält auf diese Weise weit mehr Farbstoff, als bei Anwendung einer gleichen Menge Waidblätter (von Isatis tinctoria). Indican, das Indigochromogen, stellte Schunk auf folgende Weise dar: Der alkoholische Auszug aus den getrockneten und pulverisierten Polygonumblättern wurde verdunsten lassen, bis eine braune Flüssig- keit blieb, die er vom Niederschlag abgoss und mit Bleizuckerlösung mischte. Er erhielt so ein schmutziggelbes Präcipitat aus Chlorophyll und andern Verunreinigungen und nach dem Filtrieren eine klare gelbe Flüssigkeit, welcher er basisch-essigsaures Blei zusetzte. Der ent- standene hellgelbe Niederschlag wurde durch Filtration von der Flüssig- keit getrennt, mit Wasser und Spiritus ausgesüsst, dann in absolutem Alkohol gelöst und darauf ein Strom Kohlensäure hindurch geleitet. Die Flüssigkeit wurde dabei nach einiger Zeit gelb und es schied sich Bleiweiss ab. Es folgte Filtration und Zusatz von Schwefelwasser- stoff, um noch Blei zu fällen. Nach abermaligem Filtrieren liess S. verdunsten und behielt einen Syrup, welcher, mit Aether behandelt, Indigo lieferte. Die qualitativen Reactionen dieses Indigoerzeugers gleichen durch- aus denen des Indican’s aus den Blättern von Isatis tinctoria. Es ist ein gelber, transparenter Syrup, der keine Neigung zur Krystallisation zeigt, sich in Wasser, Alkohol und Aether löst. Die wässerige Lösung reagiert mehr oder weniger sauer, färbt sich bei Zusatz von kausti- I. Land- und Forstwirthschaft. schem Alkali tiefgelb und gibt mit basisch-essigsaurem Blei ein licht- gelbes Präcipitat. Wenn die wässerige Lösung mit etwas Schwefel- säure oder Salzsäure vermischt und ruhig stehen gelassen wird, so scheidet sich nach einiger Zeit Indigo auf dem Boden und als Haut an der Oberfläche aus, wie bei Indican aus Isatis tinctoria auch. Schunk lieferte durch diese Untersuchungen den Beweis, dass in dem Färberknöterig weder fertiger Indigo, noch dessen Hydrat (Indi- goweiss), sondern nur Indican vorhanden sei und widerlegte damit die Annahme Joly’s vom Gegentheil. 2) Carthamus tinctorius L., jap. Beni, Beni-no-hana, die Färbedistel oder der Saflor. Dieses einjährige Gewächs, das nach seinem steifen, nach oben sich verästelnden Stengel und den grossen, radförmigen, gelben Blüthen an Inula, nach seinen sitzenden, stache- ligen Blättern an Disteln erinnert, gehört wie beide zur grossen Fa- milie der Compositen und folgt im System auf Centaurea. Die Pflanze erreicht 50—100 cm Höhe und liefert in den vom Kelch getrennten Blüthen neben einem gelben Farbstoff das bekannte Saflor- oder Spa- nisch-Roth. Indien, welches man als ihre Urheimat ansieht, sowie Persien und Aegypten haben sich von Alters her durch ihren Anbau ausgezeichnet und bringen auch noch heute den meisten Saflor in den Handel. Wir wissen jetzt auf das bestimmteste, dass die Färbedistel schon vor mehr als 3500 Jahren in Aegypten angebaut wurde, da Schweinfurth sie in der Guirlande erkannte, welche 1881 Brugsch und Maspero in den neuentdeckten Pharaonengräbern bei Theben auf der Brust von Ahmes II., dem Sieger von Hycsos, fanden. Von den genannten drei Ländern aus verbreitete sich ihre Cultur über viele Gebiete mit tropischem und gemässigtem Klima, selbst nach Deutschland, ist aber in diesem Jahrhundert fast allenthalben zurück- und vielfach ganz eingegangen. Insbesondere haben Cochenille und Lac Dye, dann in der Neuzeit in noch viel höherem Maasse die Ani- linfarben den Saflor zurückgedrängt. Japan erhielt ihn durch die Chinesen. Seitdem aber Südchina und Indien eine bessere Waare, als die im Land erzeugte, zu billigen Preisen auf den Markt brachten, sank der Anbau der Pflanze mehr und mehr und ist jetzt kaum noch erwähnenswerth. Ich bin bei all meinen Kreuz- und Querreisen durch das Land ihm nur 2—3-mal be- gegnet. Die Pflanze bedeckte kleine Beete und war bestimmt, das beliebte Cosmeticum Beni für die japanischen Mädchen zu liefern. Es ist dies reines Carthamin (C 14 H 16 O 7 ), dessen Darstellungsweise ana- log der unsrigen sich aus meinen Notizen über das Färben mit Saflor am Ende dieses Kapitels ergibt. Die metallisch glänzende, goldgrüne 3. Handelsgewächse. Masse, welche in diesem Aussehen lebhaft an verschiedene Anilin- farben und an die Flügeldeckel mehrerer Arten Cetonia und anderer Käfer erinnert, wird von den japanischen Mädchen in Wasser gelöst und zum Röthen der Lippen angewandt, in Kiôto manchmal so con- centriert und reichlich, dass statt der rothen Farbe wieder der grüne Metallglanz erscheint. 3) Rubia cordifolia L. (R. cordata Thunb., R. munjista Roxb.), jap. Akane oder Beni-kadzura. Dies ist die alte indische Färbe- röthe, welche ebenso, wie in den Thälern des Himalaya, auch im östlichen Monsungebiete weit verbreitet zu sein scheint. In Japan habe ich sie wiederholt gefunden, und zwar gleich der folgenden Art stets wildwachsend. 4) Rubia chinensis Reg., jap. Ô-kinuta-sô. 5) Lithospermum erythrorhizon S. \& Z. (L. officinale, var. japonica Miq., L. officinale β. erythrorhizon Maxim.), jap. Murasaki und Murasaki-kusa. Die Wurzeln, Shikon genannt, dieses über ganz Japan verbreiteten Steinsamens, dienten bisher, wie in China, zum Violet- und Rothfärben. 6) Myrica rubra S. \& Z., jap. Yama-momo. Die Rinde, welche Shibuki genannt wird, enthält einen adstringierenden Farbstoff, mit dem man Fischangeln und Gewebe färben und haltbar machen soll. 7) Perilla arguta Benth., jap. Aka-shiso. Der Verwen- dung des rothen Farbstoffs dieser Pflanze im Haushalte wurde bereits früher (pg. 88) gedacht. 8) Caesalpinia Sappan L., jap. Suwo. Das Sappanholz findet sich nicht in Japan, wurde aber früher von Chinesen zum Roth- färben viel eingeführt. Wie Cochenille, Lac Dye, Fuchsin und verwandte Farben die Be- deutung und Verwendung vorerwähnter rother Farbstoffe in Japan herabgemindert haben, so fangen Auramin und Flavanilin durch ihre vortrefflichen Eigenschaften und billigen Preise an die nachstehenden gelben Pigmente zurückzudrängen. 9) Gardenia florida L. Mit dem Namen Kuchi-nashi be- zeichnet man in Japan sowohl die Pflanze, als auch ihre Früchte. Der kleine immergrüne Strauch findet sich hier und da als Zier- pflanze, ist aber ohne Zweifel im südlichen und mittleren Japan auch einheimisch und nicht blos verwildert. So fand ich ihn in Menge auf kiesigem Grunde eines lichten Buschwaldes in Mino und zwar am Wege, der von Gifu über Hino (2 ri) und Kuchinashi nach Atami führt, auf Hügeln, wo man das wildwachsende Vorkommen nicht be- zweifeln kann. Der prismatisch sechskantige Rein, Japan. II. 14 I. Land- und Forstwirthschaft. und sechszipfelige grüne Kelch ist mit dem Fruchtknoten verwachsen. Die grosse weisse Krone sitzt präsentiertellerförmig auf. Ihren sechs Zipfeln entsprechen sechs an den unteren Kronenrand angewachsene Staubgefässe. Zur Reifezeit hat die orangegelbe Beere die Grösse unserer gewöhnlichen länglichen Eicheln. Sie ist von dem anlie- genden, runzligen, gelblichen Kelche umgeben und kommt mit dem- selben getrocknet in den Handel. Der gelbe Farbstoff, welchen sie enthält, soll mit dem Crocin C 32 H 36 O 12 des Safrans identisch sein. Flückiger: Pharmakognosie. 2. Aufl. pg. 735. 10) Evodia glauca Miq., jap. Kiwada und Obaku, ein hoher Baum aus der Familie Rutaceae (Gruppe Xanthoxylaceae) mit glatter Rinde, der nach seinen gefiederten Blättern und seiner ganzen Tracht an eine Esche erinnert und in den entlegeneren Bergwaldungen des mittleren und nördlichen Hondo immer noch ziemlich häufig vorkommt, trotzdem man ihn im Sommer viel aufsucht, um seine Rinde in grossen Streifen abzulösen und den Färbereien der Städte zuzuführen. Bei Reisen durch gebirgige Landestheile, z. B. durch die Halbinsel Yamato und die Landschaft Aidzu um den Inawashiro-See begegnet man nicht selten Trägern oder Packpferden mit Lasten von armlangen lufttrockenen Stücken dieser Rinde. Dieselbe ist durchweg bis auf die dünne bräun- liche und hellgraugefleckte Epidermis gelb gefärbt, wie zerriebenes Gummigutt, und lieferte früher vornehmlich das Ki-iro oder Gelb der Seidenstoffe. Auf meine Veranlassung nahm Herr Dr. F. Noll jun. während seiner Studienzeit in Marburg eine Reihe Versuche mit dieser Rinde vor, von denen ich hier nur die wichtigsten Ergebnisse mit- theilen will: a. Unter den angewandten Lösungsmitteln nahm Wasser alsbald den Farbstoff in reicher Menge auf und färbte sich intensiv gelb. Bei Alkohol fand eine viel schwächere Lösung statt, bei Aether die schwächste. Dieser blieb längere Zeit klar und zeigte erst allmählich eine gelbe Farbe. Hieraus folgt, dass der Farbstoff nicht harziger Natur ist. b. Die Lösung in kaltem Wasser ist viel reiner und schöner gelb, wie solche in kochendem, welches eine bräunliche Färbung an- nimmt nach beigemengten fremden Stoffen, wie Pflanzenschleim und andern. c. Sowohl der durch kaltes Wasser gewonnene Extract, als auch der heisse reagiert neutral. d. Die durch wässerigen Aufguss bei gewöhnlicher Temperatur 3. Handelsgewächse. bereitete reiche Lösung des gelben Farbstoffs zeigt bei Hinzufügung von Aetznatron, Chlorkalk oder schwefliger Säure keine Veränderung desselben. e. Seide und Wolle nehmen nach dem Entfetten den gelben Farb- stoff leicht an und färben sich prächtig gelb damit, verhalten sich auch waschecht bei Anwendung von Seife und kaltem Wasser, sowie ferner widerstandsfähig gegen kalte verdünnte Laugen, Chlorkalk- lösung und schweflige Säure, während heisse Natronlauge oder Seifen- lösung sofort Entfärbung bewirken. Die Pflanzenfaser nimmt den Farbstoff schwerer an und wird schon durch das Waschen theilweise wieder entfärbt. — Bei der reichen Menge des schönen Farbstoffs, welche die Kiwada- rinde enthält, wären fernere eingehende Versuche damit sehr am Platze. Sie würden sich mit der Natur desselben, sowie mit der Frage zu befassen haben, ob nicht durch Anwendung geeigneter Beizen auch die Beständigkeit der schönen gelben Farbe sich erhöhen liesse. 11) Pyrus —?, jap. Dzumi. Die Rinde dieses, mir nicht näher bekannten, Baumes soll ebenfalls ein schönes Gelb liefern. 12) Curcuma longa L., jap. Ukon. Die Rhizome dieser Pflanze, mehr jedoch die daraus bereitete gelbe Farbe werden aus Indien und China eingeführt. 13) Prunus Mume S. \& Z. Die Rinde, Ume-kawa genannt, liefert eine hellbraune Farbe, das Shira-cha. 14) Amygdalus Persica L., jap. Momo-kawa, die Rinde des Pfirsichbaumes, dient in der Zeugfärberei zur Darstellung des Cha- iro, der Theefarbe. 15) Um Kuro-iro, schwarze Farben zu erzeugen, bedient man sich des schwefel- oder essigsauren Eisens in Verbindung mit einem der vielen gerbsäurehaltigen Körper. Hierzu zählen die Galläpfel oder Fushi von Rhus semialata Murr., die Früchte des Hari-no-ki (Alnus maritima Nutt. und A. incana Willd.) und des Hanno-ki (A. firma S. \& Z.), die grünen Fruchtschalen des Kuri (Castanea vulgaris Lamk.) und Tôchi (Aesculus turbinata Blume), Shibu, der Saft von Diospyros kaki L. \& D., Lotos L.), Kawa, die Rinde von verschiedenen Bäumen, insbesondere der Kashiwa (Quercus dentata Thunb.), Kunugi (Q. serrata Th.). Das Budo-nedzumi, eine dunkelviolette Farbe, wird durch Fushi und O-haguro (essigs. Eisen) erzielt. Ist letzteres concentriert, so entsteht schwarz. Kobi-cha, eine grau- braune Zeugfarbe, erhält man aus O-haguro und Momo-kawa, Hiwa, grasgrün, aus Indigo und Kiwada-Rinde. Eine gelbgrüne Farbe liefert ein Dococt von Kariyasu (Calamagrostis Hakonensis Fr. \& Sav.). 14* I. Land- und Forstwirthschaft. Gerbstoffe. Da Leder ( Kawa ) früher in Japan wenig verwendet und in den meisten Fällen durch das sogenannte Lederpapier ersetzt wurde, seine Darstellung und Verarbeitung ausserdem zu den unreinen, verachteten Be- schäftigungen gehörten, welche den Etas zufielen, waren die Leistungen auf diesem Gebiete entsprechend gering und kamen Gerbstoffe als solche weniger in Betracht, als vielmehr zur Erzeugung der schwarzen Farbe in der Färberei. In der Neuzeit hat die europäische Bekleidungs- und Bewaffnungsweise beim Militär, sowie in Beamtenkreisen und sonst auch hier Wandel gebracht. Das Schuhmacherhandwerk und die Gerberei entwickelten sich rasch und wurden in der öffentlichen Mei- nung ehrbare Berufsarten. Damit stieg denn auch die Nachfrage nach Gerbmitteln, von denen das Land manche aufweist. Der Bedarf wird bis jetzt vornehmlich durch Eichenrinden, insbesondere von der Ka- shiwa (Quercus dentata Thunb.) gedeckt; doch schätzt man auch die- jenige der Yama-momo (Myrica rubra S. \& Z.). Eigenartig und von viel grösserem Interesse sind aber zwei an- dere Gerbstoffe des Landes, welche unter den Namen Fushi und Shibu allbekannt sind und vielfache Verwendung finden. Unter Fushi oder Gobaishi versteht man in Japan die eigen- thümlichen, gerbsäurereichen Gallen von Rhus semi-alata Murr. (R. Osbeckii D. C., R. javanica L.). Dieser schön belaubte Sumach, Narude, Fushi-no-ki, Kachi-ki oder Yenbuju genannt, bildet einen ansehnlichen Strauch oder kleinen Baum von 3—8 m Höhe, der in den Bergwaldungen Japans, wie Ostasiens überhaupt, sehr ver- breitet ist. Die Gallen stellen vielgestaltige und verschieden grosse Blasen dar, welche durchschnittlich 4—5 gr Gewicht, 4—6 cm Länge und in ihren dicksten Theilen 2—4 cm Umfang erreichen. Sie sind sehr unregelmässig gebildet, mit Höckern und Hörnern versehen und hängen in der Regel an den Blattstielen (selten an jungen Zweigen) mit einem spitz zulaufenden Horn fest, ähnlich wie die Hängepuppen mancher Tagfalter. Die Grundfarbe ist braun, tritt aber nur an den Vorsprüngen hervor, während sonst ein kurzer, dichter, erdgrauer Filz sie bedeckt. Nach der sich zuspitzenden Basis erkennt man, zumal auf der convexen Seite dieser so mannigfaltig und höchst eigenthüm- lich gestalteten Gallen, eine deutliche Streifung, die sich nach den dickeren Theilen allmählich verliert. Die Wandung ist meist gegen 0,5 mm, ausnahmsweise aber auch 3—4 mal so dick, sehr spröde, durchscheinend, hornig. Diese eigenartigen Gebilde sollen durch den Stich einer Blattlaus 3. Handelsgewächse. (Aphis chinensis) erzeugt werden, wie auch die chinesischen Galläpfel. Sie sind unstreitig die gerbsäurereichsten und werthvollsten aller Gallen, da sie 65—78 % Tannin enthalten. Siehe Näheres unter Gallae chinenses pg. 246—249 in Flückiger: Pharma- kognosie des Pflanzenreichs. 2. Aufl. Eine gute Abbildung der Pflanze mit einer Galle gibt das 2. Heft des achtbändigen japan. Werkes, Ko yeki koku san ko (Gedanken über die Verbreitung nützlicher Erzeugnisse des Landes) von Ôkura (Nagatsune) Ôzaka 1844. Ich bin dem Fushi-no-ki (Galläpfel-Baum) in Japan sehr häufig, seinen Gallen aber nur ausnahmsweise begegnet. Die besten kommen aus Shinano. Als weitere Bezugsquellen wurden mir Nasu in Shi- motsuke, Chichibu in Musashi, sowie die Provinzen Bingo, Jye, Idzu und Kii genannt. Die Menge, welche in den Handel kommt, übersteigt jedoch wenig den einheimischen Bedarf, während von China im Jahre 1878 nicht weniger als 20409 Piculs oder gegen 1234000 kg ausgeführt wurden. Eine frühere Landessitte Japans, welche in der Neuzeit mehr und mehr ausstirbt, verlangte, dass verheirathete Frauen, sowie Mädchen, welche über ein gewisses Alter und die Hoffnung, einen Mann zu finden, hinaus waren, ferner auch die Kuge (der Hofadel in Kiôto) sich die Zähne schwärzten. Es geschah dies durch eine Art Tinte, welche an den Zähnen selbst erzeugt und Ohaguro, O, ein respectvolles Praefix, ha, Zähne, guro = kuro, schwarz. Haguro oder Kane genannt wurde. Hierzu bediente man sich pulverisierter Gallen (Fushi-no-ko) und essigsauren Eisens, das man durch Uebergiessen von Eisenstücken in einer Schale mit kochendem, verdünnten Sake bereitete. Nachdem man mit dieser Eisenlösung mit Hülfe einer Bürste die Zähne bestrichen hatte, wurde etwas von dem weissen Galläpfelpulver aufgerieben und so factisch Tinte erzeugt, welche natürlich von Zeit zu Zeit erneuert werden musste. Shibu oder Kaki-no-shibu. So heisst der adstringierende Saft unreifer Kaki und zwar gewisser Sorten, die als Shibu-gaki bezeichnet werden. In Transactions Asiatic Soc. Vol. IX pg. 36 gibt Ishikawa die Darstellung desselben wie folgt an: Die Früchte von Shibu-gaki, das sind Kakiarten, die selbst zur Reifezeit noch ihren adstringierenden Charakter zeigen, werden früh- zeitig im Sommer in eisernen Mörsern zerstampft, worauf man die breiige Masse in Holzbütten überführt, mit Wasser übergiesst und einen halben Tag stehen lässt. Hierauf wird das Ganze in aus dünnen Strohseilen geflochtene Beutel eingetragen und unter einer sehr ein- fachen Winkelpresse ein milchiger Saft ausgepresst, welcher den I. Land- und Forstwirthschaft. besten Shibu liefert, insbesondere, wenn dazu die kleinen Früchte des Shinano-gaki (Diospyros Lotus L.) verwendet werden. Durch nochmaliges Einweichen des Rückstandes und Auspressen des- selben erhält man eine zweite Qualität. Der milchige Saft färbt sich an der Luft bald dunkler und überzieht sich an der Oberfläche mit einer dünnen Haut. Wie Shibu in den Handel kommt, stellt er eine hell- oder dunkel- graue Flüssigkeit dar, in welcher kleine, feste Partikel in grosser Menge suspendiert sind. Dieselbe zeigt gegen Lackmuspapier saure Reaction und gibt mit Gelatinlösung reichliche Mengen des bekannten, flockigen Präcipitats der Gerbsäure. Ihr Geruch ist eigenartig unangenehm. Diese Flüssigkeit findet zahlreiche Verwendungen. Sie stärkt Holz, Papier, Fischnetze und andere Gegenstände und macht sie widerstandsfähiger gegen mancherlei schädliche Einflüsse. In einer Probe Shibu, welche Ishikawa untersuchte, befanden sich 64,6 Gramm per Liter feste Bestandtheile, davon mehr als die Hälfte Tannin. Papier, welches mit Shibu getränkt wurde, erhält dadurch andere Eigenschaften, als bei Anwendung sonstiger Gerbstoffe. Die Wirkung (grössere Festigkeit, dunkle Farbe) ist daher nicht etwaigem Vor- handensein von Albumin und der Bildung einer Art Leder zuzu- schreiben. Während der Versuche wurden nämlich folgende That- sachen constatiert, welche eine Erklärung andeuten: 1) Shibu schwärzt sich nur, wenn er in Berührung mit der Luft kommt, und verhält sich demnach in dieser Beziehung, wie japa- nischer Lack. 2) In flachen Gefässen der Luft ausgesetzt, bildet sich eine zähe Haut darüber, welche in Wasser und Alkohol fast ganz unlöslich ist. 3) Wird die erste Haut beseitigt, so bildet sich eine neue, doch viel langsamer und schwächer, und so fort. 4) Von der suspendierten Substanz sinken die gröberen Theile zu Boden, die andern bleiben in der Lösung vertheilt. Sie stellen demnach wahrscheinlich eine Art Gummi resinae dar, dem auch die Bildung der Haut und die dunkelbraune Farbe zuzuschreiben ist, welche mit Shibu behandelte Gegenstände immer annehmen und die auf einer Oxydation des Gummi zu beruhen scheint. Der unangenehme Geruch des Shibu rührt dagegen wohl grösstentheils von Buttersäure her. Zum Schlusse mögen den vorstehenden Notizen über japanische Farbstoffe noch einige Bemerkungen über die Verwendung des Saflors, sowie über sonstige Kunstgriffe beim Färben folgen. Von den zwei Farben, welche die getrockneten und in kleine Kuchen gepressten Kronenblätter der Saflorblüthen enthalten, wird die gelbe nicht verwendet, die rothe aber wegen ihrer Schönheit und der 3. Handelsgewächse. vielen Nüancen, welche man mit ihr zu erzeugen versteht, besonders in den japanischen Seidenfärbereien hochgeschätzt. Da in Europa das Saflorroth allgemein für eine sehr unbeständige Farbe angesehen wird, war ich erstaunt, in Japan gerade neben ihrer Schönheit auch die Dauerhaftigkeit rühmen zu hören, und fand dann genügend Ge- legenheit, mich selbst davon zu überzeugen und auch das in einer der grössten Färbereien von Kiôto angewandte Verfahren kennen zu lernen. Abgesehen von den äusseren Vorrichtungen bestand dasselbe in Fol- gendem: Die kleinen, dünnen Saflorkuchen, wie sie der Handel liefert, übergoss man Abends mit so viel Wasser, als sie aufzunehmen ver- mochten, und liess sie dann über Nacht stehen. Am folgenden Morgen wurde die so mit Wasser getränkte Masse in eine Bütte geschüttet und mit etwas Reisspreu versetzt, um das Ankleben zu hindern, worauf man sie mit den Füssen knetete und zu einem steifen Brei verarbeitete. Diesen füllte man alsdann in Beutel aus Palmseilen (von Chamaerops excelsa) und unterwarf ihn darin dem Druck einer schweren Winkelpresse, wodurch eine gelbliche, trübe Flüssigkeit, welche das Saflorgelb enthielt, aus- und unbenutzt wegfloss. Der Rückstand wurde nun in eine Bütte geschüttet, mit Holz- aschenlauge und Wasser vermischt und abermals über Nacht stehen lassen. Am andern Morgen schlug man die Mischung wieder in Säcke ein und presste daraus unter der nämlichen Winkelpresse eine braun- rothe Flüssigkeit, welche das Saflorroth oder Carthamin (C 14 H 16 O 7 ) ent- hielt. Dasselbe wurde daraus durch Ume-dzu (Pflaumenessig, siehe pg. 128) niedergeschlagen und die trübe Flüssigkeit darüber abdecan- tiert. Sodann löste man das Carthamin in heissem Wasser, welches man mit Essig versetzte, und benutzte die Lösung ohne Weiteres zur Erzeugung eines schönen Momo-iro (Pfirsichblüthroth) auf Seide. Durch Zusatz von Ukon (Curcuma-) Pulver zur Lösung wird das präch- tige Aka (Türkischroth in verschiedenen Nüancen) erzeugt, welches bei japanischen und chinesischen Seidenstoffen so oft schon die Be- wunderung von Kennern hervorgerufen hat. Statt der Curcuma be- nutzt man auch zur Erzielung gewisser schöner Farbentöne die wässe- rige Lösung der Kiwada-Rinde und zieht das in der Akalösung rothgefärbte Zeug, so lange es noch nass ist, hindurch. Man wird aus diesen Mittheilungen erkennen, dass das Verfahren bei der Gewinnung und Anwendung des Saflorroths im Wesentlichen mit dem bei uns übereinstimmt, und muss das bessere Resultat jeden- falls den kleinen Abweichungen zuschreiben. Die zum Bedrucken der Zeuge mit Figuren dienenden Kata’s I. Land- und Forstwirthschaft. oder Matrizen sind in Relief auf Honoki oder Sakura (siehe Hölzer) ausgeschnitten. Um einzelne Stellen, wie Namenszüge etc., weiss zu erhalten, Wie der Bauer seinen Namen in weiss auf blauem Kittel trägt, so der Samurai Namen oder Wappen auf dem Rücken und den Aermeln seines Ge- wandes. schlägt man beim Färben verschiedene Wege ein. Der gewöhnlichste ist der, dass man die Stellen, welche keine Farbe an- nehmen sollen, mit Nori (Stärkekleister), dem man Nuka (Reiskleie) beimengt, bestreicht und an der Luft trocknet, bevor man das Zeug in die Farbe eintaucht. Ein anderes Mittel besteht darin, dass dünne Brett- chen (wie Hobelspähne) auf der Unterseite mit Funori (Algenleim aus Gleopeltis cotiformis Harv. und andern Arten), auf der oberen mit Papier beklebt und sie dann auf die hellzulassenden Stellen festnäht. Auch bei der in Kiôto geübten Kunst, Blumen und andere Dinge auf fertige Seidengewebe zu malen, wird, nachdem das Bild vorge- zeichnet ist, der freie Theil mit Nori bedeckt, damit die Farben nicht in Folge der hygroskopischen oder capillaren Aufsaugung überfliessen. — 4. Viehzucht und Seidenzucht. Es genügt hier, den verschiedenen zerstreuten Angaben über die geringe Bedeutung der Grossviehzucht für die japanische Landwirth- schaft, welche in den vorausgehenden Abschnitten bereits gemacht wurden, einige Ergänzungen folgen zu lassen. Das japanische Pferd oder Uma (sprich M’ma), der mongolischen Pferderasse zugehörend, von kleiner Statur, mit dickem Kopf und Bauch, ist schlaff im Trabe und geräth bald in Schweiss, zeigt aber sonst viel Ausdauer. Selten wird ihm eine sorgfältige Pflege zu theil. Im Stall steht es mit dem Kopf nach dem Eingang zugekehrt und ist mit Stricken an die Eckpfosten rechts und links so kurz angebunden, dass es sich kaum bewegen, vor allem aber nicht niederlegen kann. Krippe und sonstige feste Vorrichtungen für seine Fütterung fehlen. Dagegen herrscht um dasselbe herum grosse Reinlichkeit. Sein Futter besteht in der Regel in grobem Heu, das man anfeuchtet, mit etwas Schrot oder Kleie bestreut und in einem Kübel ihm vorsetzt, wobei man diesen gewöhnlich ihm anbindet. Ausserdem erhält es Gerste und als Leckerbissen wohl auch eine handvoll Bohnen. Das Heu, von dem hier die Rede ist, Ma-gusa, d. h. Pferde- 4. Viehzucht und Seidenzucht. kraut im getrockneten Zustande, wird aus dem Gras der Hara, mit Vorliebe aber aus zwei daselbst wachsenden schmetterlingsblüthigen Stauden, der Hagi (Lespedeza cyrtobotrya Miq. und andern Arten) und der Kudzu (Pueraria Thunbergiana Benth.) bereitet. In Trag- lasten und auf Pferdesrücken bringt man den mit der Sichel abge- schnittenen geringen Bedarf nach den Wohnungen und breitet hier vor denselben das Material zum Trocknen an der Sonne aus. Das Wenden erfolgt mit Hülfe der Sichel oder einer Stange, nie mit dem Rechen. Das Pferd diente bisher vornehmlich als Lastthier und erst in zweiter Linie zum Reiten. Dagegen kam es als Zugthier, abgesehen beim Pfluge, gar nicht zur Verwendung; denn die wenigen schwer- fälligen Kuruma oder Wagen, z. B. in Kiôto für den Mikado und die Kuge oder für den Waarenverkehr zwischen Kiôto und Ôtsu, welche es gab, wurden von Alters her durch Ochsen gezogen. Marion fiel es seiner Zeit auf, dass er zu Yedo, Yokohama und Nagasáki nur Hengste zu sehen bekam. Wäre er tiefer in’s Land ge- drungen, so würde er ebenso Gebiete kennen gelernt haben, in wel- chen nur Stuten als Lastthiere getroffen werden. Es war dies eine Folge davon, dass keine Castrierung stattfand, die Hengste aber in Gegenwart der Stuten bekanntlich leicht unbändig werden; desshalb bestanden alte Verordnungen, nach welchen die Pack- und Reitpferde nach den Geschlechtern distriktweise geschieden waren. Esel und Maulthiere waren dem Lande fremd. Das Rindvieh, jap. Ushi (O-ushi oder Kotoi, der Stier, Me-ushi, die Kuh, Ko-ushi, das Kalb), wurde früher nur zum Tragen von Lasten, Ziehen der Pflüge und wenigen Wagen, nie zur Gewinnung von Milch und Fleisch gehalten. Es ist eine grosse, schöngebaute und mästungsfähige Rasse mit hohem Widerist, abfallendem Kreuz und vorherrschend schwarzer, braunschimmernder Farbe, welche dem unga- rischen und podolischen Steppenvieh ähnelt. Die Kühe haben wie bei diesem nur schwach entwickelte Euter und gleichen demselben auch darin, dass ihre Milch ausschliesslich dem säugenden Kalbe gehört und versiegt, sobald dasselbe entwöhnt wird. Ziegen (Hitsuji im chin. Thierkreis) und Schafe (Rashamen und Menyô) fehlten früher durchaus. Sie sollen wohl zu verschiedenen Zeiten versuchsweise durch Portugiesen und Holländer in’s Land ge- bracht worden sein, haben sich aber nicht verbreitet. Ob die Ver- suche der Regierung während der letzten zehn Jahre, die Schafzucht einzuführen, einen viel besseren Erfolg hatten, ist mir nicht bekannt geworden. Dagegen will ich nicht unerwähnt lassen, dass Gärtner I. Land- und Forstwirthschaft. die Ansicht aussprach, Boden und Klima Japans seien für die Schaf- zucht ungeeignet, weil sie ein zu langes, saftiges Futter erzeugten. Darum seien auch bisher alle Versuche, dieselbe einzubürgern, ge- scheitert. Ob ersteres wohl begründet ist, möchte ich bezweifeln. Berücksichtigt man aber, dass die Sehafzucht am besten in Ländern mit trocknem Klima gedeiht, so dürfte das Haupthinderniss derselben in Japan eher in der feuchten Atmosphäre und den vielen Sommer- regen zu suchen sein. Schweine (Buta), die der Chinese so hoch schätzt und zuerst nach Japan brachte, wurden hier vor der Eröffnung des Landes und der grösseren Nachfrage der Fremden nach ihrem Fleisch, wenig gezogen und sind auch jetzt noch auf die Umgebung der grösseren Städte be- schränkt. Die Jagd allein, und zwar vornehmlich auf die häufigen Wildschweine oder I (Sus leucomystax Tem.), Hirsche oder Shika (Cervus Sika Tem.), Bären oder Kuma (Ursus japonicus Schl.), Affen oder Saru (Inuus speciosus) und mehrere andere Thiere, sowie der Fang wilder Vögel, wie Enten und Fasanen, doch auch der Häher und Raben, lieferte dem Landbewohner hin und wieder einen Braten, während seine thierische Nahrung sonst auf die Erzeugnisse des Fisch- fangs Näheres hierüber, sowie über die japanische Fauna überhaupt findet sich im I. Bande dieses Werkes pg. 199—240. und wenige Eier sich beschränkte. Unter dem Geflügel ist das Huhn (Tori, d. h. Vogel, On-dori, der Hahn, Men-dori, die Henne) das einzige Thier, dessen Züchtung sich die Japaner allenthalben mit Vorliebe hingeben und von dem sie ver- schiedene Rassen pflegen. Dagegen wird die zahme Ente (Ahiru) nicht häufiger als bei uns in Deutschland, die Gans aber gar nicht getroffen. Hunde, Katzen, Kaninchen, weisse und bunte Mäuse (und auch Ratten), welche man den japanischen Hausthieren zuzählen muss, werden fast nur zum Vergnügen gehalten. Die Zucht der Honigbiene (Mitzu-bachi) wird in sehr beschränktem Umfang und mit wenig Sorg- falt betrieben. Die Stelle des Wachses vertritt, wie früher hervor- gehoben wurde, der Pflanzentalg von den Früchten zweier Sumacharten. Zuletzt wende ich mich zu demjenigen Hausthier der Japaner, das zwar unbeholfener und unscheinbarer als alle andern, aber zu- gleich wichtiger und werthvoller als diese insgesammt ist, der Seiden- raupe. Hat sie doch nebst dem Ackerbau die grösste Bedeutung für das Wohlergehen vieler Millionen des Landes! Dieser hohen Wich- tigkeit entsprechend, verdient sie und ihr Produkt eine eingehendere Betrachtung, welche ihnen in den folgenden Spalten zu theil werden soll. 4. Viehzucht und Seidenzucht. Seidenzucht. Unter allen Artikeln, welche China und Japan dem Auslande liefern, stehen Rohseide und seidene Gewebe in mehrfacher Hinsicht oben an. Nicht blos repräsentieren sie die höchsten Summen und tragen am meisten zur Hebung des Wohlstandes dieser Länder bei, sondern es greift auch der Handel mit ihnen der Zeit nach am wei- testen zurück und hat von da ab, wo römische Kaufleute Seide gelangte ohne Zweifel schon viele Jahrhunderte früher nach West- asien, denn sie lieferte ja den Stoff zu den von griechischen Schriftstellern so viel gerühmten persischen und medischen Gewändern. Jedoch waren römische Kauf- leute die ersten Europäer, welche zur Kaiserzeit bis nach Centralasien auf den sogenannten Seidenstrassen vordrangen, um dem geschätzten Artikel bessere Wege zu bahnen. zu Lande und portugiesische 1500 Jahre später zur See ihn eröffneten, ungeachtet mancherlei Wechsel an Umfang immer mehr gewonnen. Und diese hervorragende Bedeutung wird die Seide trotz aller Concurrenz, welche von der einen Seite die Wolle, von der andern die Baumwolle ihr bereiten, voraussichtlich auch in Zukunft behalten. Doch nicht blos in Ostasien, auch in Europa bildet die Erzeugung von Rohseide einer- seits und von seidenen Garnen und Geweben auf der andern Seite eine der wichtigsten Grundlagen des Nationalwohlstandes grosser Reiche und der Existenz für Millionen ihrer Bewohner. Soll eine Naht Festigkeit mit Feinheit verbinden, so greift man zum seidenen Faden, und wenn es gilt, einen Körpertheil warm zu halten, so dient das seidene Tuch, ohne durch Rauhigkeit zu verletzen oder durch seine Dicke lästig zu werden. Die aus Seide gefertigten Garne und Gewebe sind glänzend und geschmeidig, fein, fest und dauerhaft, gesund, warm und leicht zugleich. Wegen dieser vielen Vorzüge hat sich mit der Abnahme des Preises und mit zunehmendem Wohlstande ihre Verwendung mehr und mehr unter allen Schichten der Gesellschaft verbreitet. Die Sehnsucht nach einem seidenen Kleide ist Gemeingut des weiblichen Geschlechts geworden, und wer sie nicht befriedigen kann, erfreut sich wenigstens eines seidenen Bandes, dem die Anilinfarben der Neuzeit, wie dem Kleide erhöhten Glanz verleihen. Die Geschichte berichtet, dass zur Zeit des Kaisers Aurelian (270 n. Chr.) die Seide mit Gold aufgewogen wurde, und dass Jacob I. von Schottland im Jahre 1406 sich ein Paar seidene Strümpfe lieh, um den englischen Gesandten würdig zu empfangen. Es beweist dies einerseits, dass man schon vor vielen Jahrhunderten und zu verschie- denen Zeiten diesen edlen Stoff zu würdigen wusste, lange, bevor man I. Land- und Forstwirthschaft. in Europa daran dachte, seinen alten asiatischen Genossen, die Baum- wolle, zu einer so einflussreichen Stellung zu erheben; anderseits können wir jedoch auch daraus schliessen, dass die Beschaffung der Seide aus Ostasien mit grossen Kosten verknüpft war und ihre Er- zeugung in Europa während einer langen Periode nur langsame Fort- schritte machte. Sie hatte eben mit Schwierigkeiten eigener Art zu kämpfen. Die andern Webstoffe, wie Wolle, Baumwolle, Flachs, Hanf etc. sind Produkte grösserer Thiere, oder von Pflanzen, deren Natur leicht zu studieren, deren Pflege nicht sehr mühsam, und bei denen man schon nach wenigen Monaten einer Ernte gewiss ist. Die Seide dagegen verdanken wir einem kleinen Insect, dessen Leben an eine bestimmte Pflanzengattung gebunden ist. Zwei Organismen sind hier in Einklang zu bringen, von denen der eine, die Nährpflanze, mindestens eine mehrjährige Entwickelung durchmachen muss, bevor der andere, die Seidenraupe, seine Lebensthätigkeit beginnen kann, und diese ist eine sehr abweichende von der unserer andern Haus- thiere. Die Seidenraupe ist sehr wählerisch in ihrer Nahrung und hat doch in der Gefangenschaft nicht die Mittel, diese Wahl selbst zu treffen; sie besitzt keine Stimme, um Hunger oder Frost oder sonstiges Missbehagen auszudrücken, und doch erliegt sie schädlichen Einflüssen sehr rasch; denn ihr Leben ist kurz und darum zart. Das Erkennen dessen, was ihr förderlich ist, das Vermeiden aller schädlichen Ein- flüsse, erfordert genaue Beobachtungen, viel Umsicht, Sorgfalt, Fleiss und Erfahrung. Ein einziges Versehen, eine Vernachlässigung der Aufgabe von nur wenigen Stunden bei ihrer Pflege raubt dem Seiden- züchter unter Umständen den Lohn für alle vorausgegangene Mühe und Arbeit. Unter solchen Verhältnissen, — und da nicht blos die Seiden- raupe (Bombyx mori), sondern auch ihre Nährpflanze, der weisse Maulbeerbaum (Morus alba L.) aus Ostasien eingeführt werden musste —, findet man es begreiflich, wenn die Seidenzucht in Europa nur langsam von Ost nach West und nordwärts vom Mittelmeer vorschritt, umsomehr, da nebenbei jede Neuerung gegen Vorurtheile zu kämpfen hat, besonders beim conservativen Landmann. So konnte z. B. auch der sonst so einsichtsvolle Minister Sully nicht begreifen, dass ein so unscheinbares Insect, wie die Seidenraupe, Frankreich wirklich Nutzen bringen könne, und führte desshalb die Befehle Heinrich’s IV., für An- lage von Seidenraupenzuchten zu sorgen, nicht ohne Widerstreben aus. Gleich dem Theebau ist auch die Seidenzucht von China aus- gegangen und hat sich zunächst über Japan verbreitet, doch kommt ihr unzweifelhaft ein viel höheres Alter zu, da nicht blos alttesta- 4. Viehzucht und Seidenzucht. mentliche Andeutungen und Nachrichten griechischer Classiker von Herodot an, sondern auch alte chinesische Berichte auf sie hinweisen. Siehe namentlich die interessanten Notizen hierüber in v. Richthofen’s China I. 443 u. Yule: Cathay 159. Nach W. Williams The Middle Kingdom I. pg. 32 ff. verlegt man nach den ältesten sagenhaften Nach- richten die Anfänge der Seidenzucht um die Zeit 2600 v. Chr. Da- mals, heisst es, fing die Kaiserin Lui Ttsu in Shan-tung an, Seiden- raupen zu ziehen und aus ihren Gespinnsten Gewebe zu machen. Sie wurde später als Seidengöttin unter dem Namen Yuenfi verehrt und ihr im Palast zu Peking ein Tempel geweiht, in welchem ihr die Chinesische Kaiserin und Protektorin der Seidenzucht noch immer jährlich im April bei Beginn der neuen Zucht ihre Huldigung und gewisse Opfer darbringt. »Mit der Seide wanderte das Wort, mit dem die Chinesen sie bezeichnen, und unter diesem oder von ihm abgeleiteten Namen finden wir sie schon früh mehrfach angeführt« (v. Richthofen). Von der chinesischen Bezeichnung sz’ (auch ssu, sée und sse) für Seide und dem Affix orr(’r) werden das koreanische sir, das griechische σήρ und unsere verschiedenen europäischen Bezeichnungen für den Stoff abgeleitet. Die serischen Stoffe kamen von den Serern im Lande Sera her, aus dem dann Serica als Bezeichnung für China wurde. Nach v. Richthofen ist unter Issedon serica des Ptolemaeus die heutige Stadt Khotan zu verstehen, wohin schon frühzeitig die Seidenzucht vom chinesischen Osten her verpflanzt worden war, und unter Sera metro- polis die chinesische Stadt Hsi-ngan-fu. Später, als nach Procopius zwei Mönche (Nestorianer) dem griechischen Kaiser Justinian aus dem Lande »Serida« Seidenraupeneier brachten, war Tshang-ye, das heu- tige Kan-tshóu der grosse Stapelplatz für Seide. Als hervorragender Förderer der Seidenzucht wird aus der ältesten Zeit der Minister Yǔ (spätere Kaiser Yan) genannt, welcher das Hügelland von Shansi mit Maulbeeren bepflanzte. Obgleich gegenwärtig jede chinesische Provinz Seide liefert, zeichnen sich doch Tshě-kiang, Kwang-tung, Sz’tshwan, Hōnan, Kiang- su und Kwéi-tshóu besonders durch ihre ausgedehnte Zucht aus. Die beste Seide kommt von der Provinz Tshě-kiang und insbesondere ihrem nordwestlichsten Theil, wenn sie auch die Güte der italienischen und der Sevennenseide nicht erreicht. Aus der statistischen Tabelle ergibt sich, dass China noch immer der erste Seidenlieferant der Erde ist und die jährliche Ausfuhr nach Europa, Nordamerika und Bombay zwischen 52000 und 85000 Ballen (à 100 kg) beträgt. I. Land- und Forstwirthschaft. Die Einführung der Seidenzucht in Japan wird in die zweite Hälfte (289) des dritten Jahrhunderts verlegt und koreanischen, sowie chinesischen Einwanderern zugeschrieben; ihre Befestigung und Aus- breitung fand gleichzeitig mit der des Buddhismus statt. Verschie- dene Sagen weisen ihr freilich einen ganz anderen und zum Theil viel älteren Ursprung zu. Die bekannteste derselben berichtet, dass eine indische Königstochter von ihrer grausamen Stiefmutter, nach- dem diese schon verschiedene Versuche gemacht hatte, sich ihrer zu entledigen, in einem ausgehöhlten Maulbeerstamm den Wellen des Oceans übergeben und von diesen nach Toyoura an der Küste von Hitachi verschlagen worden sei. Hier habe sie freundliche Aufnahme unter den Bewohnern gefunden und sei zum Danke dafür nach ihrem Tode in eine Seidenraupe verwandelt worden. Um die Anpflanzung des Maulbeerbaums und die Seidenzucht er- warb sich besonders der 21. Mikado, Yuriaku Tennô (457—479 n. Chr.) grosse Verdienste, desgleichen die Kaiserin, welche darin dem Hofe und Volke ein gutes Beispiel gab. Auch mussten von da ab die fremden Einwanderer ihre Abgaben in Seide entrichten. Doch erst von der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts ab erschien die Seiden- zucht als nationaler Industriezweig genügend befestigt und verbreitet. Die Aufmerksamkeit und das Interesse der Herrscher Japans ist ihr auch unter den ganz veränderten Verhältnissen der Neuzeit ge- blieben. Der regierende Mikado hat bei mehr als einem Anlass seine Vorliebe für die Seidenzucht und die Produkte der Seidenweberei be- zeugt, und auch der Umstand, dass der japanische Hof für Geschenke vorzugsweise im Lande verfertigte Seidenstoffe wählt, kann füglich so gedeutet werden. Wie der Theebau, so hat auch die Seidenzucht in Japan während der letzten 30 Jahre einen neuen Aufschwung genommen. Der Haupt- antrieb dazu waren die hohen Preise, welche in Folge der in Europa herrschenden Seidenraupenkrankheit für Rohseide und Seidenraupen- eier bezahlt wurden. Sind dieselben auch wieder gesunken, so dauert die gesteigerte Ausfuhr an ersterer doch fort. Seide wird auch wahrscheinlich in Zukunft der hervorragendste Handelsartikel Japans bleiben und mehr als jeder andere manchem armen Gebirgsthale Nah- rung und Verdienst zuführen. China und Japan gegenüber spielen die übrigen asiatischen Seiden- lieferanten keine grosse Rolle. In Indien ist die Seidenproduktion, wenn nicht zurückgegangen, so doch stationär geblieben. Dagegen hat in den persischen und türkischen Ländern der allgemeine Verfall vielfach auch schon den wichtigsten Erwerbszweig mancher Distrikte, 4. Viehzucht und Seidenzucht. die Seidenzucht, erfasst, nirgends aber erhielt dieselbe durch die oben angegebenen Verhältnisse in den Seidenländern Europas jenen neuen Anstoss, der in Japan so wirksam war. In Europa wurden die Griechen mit der Seide erst durch den Eroberungszug Alexanders des Grossen durch Persien nach Indien näher bekannt. Nach Arrian kleidete sich sein Feldherr Nearchos in diesen kostbaren Stoff; auch sandte Alexander seinem Lehrer Aristo- teles Seidenraupen, welche dieser zuerst beschreibt; aber die Ein- führung der Seidenzucht blieb einer viel späteren Periode vorbehalten. Die Geschichte derselben ist jedem Schüler bekannt. Zwei nesto- rianische Mönche brachten nach Procopius in ihren hohlen Stöcken Eier des Seidenspinners von Khotan an den Hof Justinians (550 n. Chr.), wo die aus ihnen erzielten Raupen mit den Blättern der schwarzen Maulbeere (Morus nigra L.) gefüttert wurden, die, in Ostasien unbe- kannt, schon frühzeitig im westlichen Asien, ihrer wahrscheinlichen Heimat, der beliebten Früchte wegen angebaut wurde. Italien, schon lange der erste Seidenproducent Europas, wurde mit der Zucht der Seidenraupe erst verhältnissmässig spät bekannt. Die Einführung fand 1130 n. Chr. durch König Roger II. von Sicilien statt. Derselbe brachte sie nach einem ruhmvollen Feldzug gegen den byzantinischen Kaiser Emanuel aus Griechenland, ebenso griechische Seidenzüchter, Spinner und Weber, die er zwang, sich in Palermo niederzulassen und seinen Unterthanen als Lehrer ihrer Kunst zu dienen. Von Sicilien aus verbreitete sich die Seidenzucht nach Ca- labrien und nordwärts über ganz Italien, doch so langsam, dass sie erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Mailand eingeführt wurde. Jetzt ist die Lombardei der Hauptsitz der italienischen Seidenzucht. Von den 40 Millionen kg Cocons (= 100000 Centner Rohseide) im Werthe von 170 Millionen Lire, welche Italien 1857 erzeugte, lieferte sie allein 15 Millionen kg = 37500 Centner Rohseide. Die Pyrenäische Halbinsel erhielt die Seidenzucht lange vor Ita- lien, nämlich schon im 8. Jahrhundert durch die Araber. Wie die Ueberführung hier und von Griechenland nach Italien Eroberungskriegen zuzuschreiben ist, so verdankt auch Frankreich seine ersten Maulbeerbäume und Seidenraupen einem Kriege. Nach der Eroberung Neapels durch Karl VIII. im Jahre 1440 brachten sie einige französische Edelleute in ihre Heimat. Doch entwickelte sich auch in Frankreich die Seidenzucht nur langsam, so dass die lombar- dischen Weber, welche Ludwig IX. und Franz I. heranzog, um mit ihnen in Frankreich die Seidenindustrie zu begründen, das Rohmate- rial aus Italien und Spanien beziehen mussten. Unter Karl IX. breiteten I. Land- und Forstwirthschaft. sich die Maulbeerpflanzungen mehr und mehr aus; doch schlugen Seidenindustrie und Raupenzucht erst dann festere Wurzeln, als Hein- rich IV. sich lebhaft dafür interessierte und seinen Unterthanen darin ein hervorragendes Beispiel von Umsicht und Ausdauer gab. Der Luxus, welchen der Hof Ludwigs XIV. entfaltete, vereint mit hohen Ehren, die auf Anregung Colberts erfolgreichen Seidenfabrikanten in Aussicht gestellt wurden, waren gewaltige Stimulanten für die Hebung der Seidenindustrie; dagegen ging die Seidenzucht um jene Zeit wie- der merklich zurück und war nur im Stande, den fünften Theil der 6000 Centner Rohseide zu liefern, welche die französische Industrie damals verarbeitete. Einen neuen Aufschwung nahm sie unter Lud- wig XVI.; sie gab vor der grossen Revolution eine Jahresernte von 6½ Millionen kg Cocons (etwa 1½ Millionen kg Seide). Die Revolu- tion brachte dieselbe auf 3600000 kg Cocons zurück, doch hob sie sich und verbreitete sich nach derselben ziemlich stetig, bis das Jahr 1853 ihren Maximalertrag mit 26 Millionen kg Cocons aufwies. In der Zeit von 1840—1860 berechnet man die jährliche Rohseidenpro- duktion von 28 Departements des südlichen und mittleren Frankreichs im Durchschnitt auf 40000 Centner im Werthe von 100 Millionen Francs. Da trat die verheerende Seidenraupenkrankheit ein und re- ducierte im Jahre 1865 den Ertrag auf 34 Millionen Franken und in den Sevennen sogar auf 1/20 früherer Ernten. Hier, wo z. B. im De- partement Alais die beste Rohseide für die stärksten Ketten feiner Gewebe gewonnen wird und eine Hektare Maulbeerpflanzungen 20000 Francs werth war mit einem Jahresertrag von 1200 Francs, wurde die Wirkung auf den bisherigen Wohlstand und den Landwerth besonders fühlbar. Man muss die Alpen als Nordgrenze der erfolg- und einfluss- reichen Seidenzucht in Europa bezeichnen. Alle Versuche und Be- mühungen durch Fürsten, Privatpersonen und Genossenschaften dieselbe auch über die Länder Centraleuropas zu verbreiten, haben bisher, un- geachtet kleiner Erfolge, sie hier nicht einzubürgern vermocht. Alte, moosbedeckte Maulbeerbäume in grösserer Anzahl da und dort im deutschen Reiche sind, wie Maulbeerhecken an Eisenbahndämmen und sonst, die Zeichen solcher vergeblichen Versuche. Dieselben begannen in Brandenburg, als die eingewanderten Hugenotten auch die Seiden- weberei einführten. Friedrich der Grosse ermunterte sie und suchte die Seidenzucht durch das Anpflanzen von Millionen Maulbeerbäumen zu fördern. Im Jahre 1784 hatte man in seinem Lande 14000 Pfund Rohseide gewonnen, ein Ertrag, welcher seitdem im gesammten Deutschland nicht wieder erreicht worden ist. Wenn dasselbe heut- 4. Viehzucht und Seidenzucht. zutage eine blühende Seidenindustrie aufweist, so bezieht dieselbe gleich der schweizer, englischen und nordamerikanischen ihr ganzes Rohmaterial aus dem Ausland, aus Italien und dem Orient, direct oder mittelbar. Nach dieser kurzen historischen und geographischen Rundschau über die Verbreitung der Seidenzucht kehren wir nach Japan zurück, zu dem Lande, dessen Industrie und Handelsverhältnisse allseitig zu beleuchten auch Zweck dieses Excurses ist, und das als Seiden- lieferant für unsere europäische Industrie an Bedeutung nur China und Italien nachsteht. Einer eingehenderen Würdigung seiner Seiden- zucht muss jedoch naturgemäss eine kurze Betrachtung ihrer Grund- lagen, des Maulbeerbaums und des Seidenspinners, vorausgehen. Der weisse Maulbeerbaum (Morus alba. L.), japan. Kuwa, ist gleich dem sich von seinen Blättern nährenden Seidenspinner (Bom- byx mori L.) durch eine sehr alte Cultur in viele Abarten gegliedert, aber trotz mancher gegentheiligen Behauptung mit Sicherheit im ur- sprünglich wildwachsenden Zustande bis jetzt nicht gefunden worden. Selbst gewiegte Botaniker gerathen bei dem verwilderten Vorkommen von Culturpflanzen zuweilen in Zweifel, ob sie nicht eine ursprüngliche Fundstätte und reine Naturform der Pflanze vor sich haben; wie viel mehr wird sich der Laie irren. Wenn daher Oppert in seinem Buch über Korea sowohl den Maul- beerbaum als auch den Theestrauch in diesem Lande wildwachsen lässt, so be- darf dies noch sehr der Bestätigung von sachkundiger Seite. Sein allgemeiner botanischer Charakter kann als bekannt voraus- gesetzt werden. Nur gegen einen viel verbreiteten Irrthum dürfte hier die Bemerkung am Platze sein, dass auch einige Varietäten dieser »weissen Maulbeere« schwarze Früchte bringen, sich aber stets durch die hellgrüneren dünneren und zarteren Blätter von Morus nigra L. sofort unterscheiden. Der Baum gewöhnt sich an verschiedene Klimate und Bodenarten, und hat desshalb und mit Rücksicht auf seine Wichtigkeit für die Seidenzucht eine weite Verbreitung. So begegnen wir ihm in Europa von den Gestaden der Nord- und Ostsee an bis zu denen des Mittel- meers, bald nur in einzelnen Exemplaren, bald in grösseren Beständen, und diesem letzteren Fall um so häufiger, je wichtiger die Verwen- dung seines Laubes geworden ist. Die Vermehrung kann durch Samen, Stecklinge und Ableger er- folgen; doch wählt man dazu in der Regel eine der beiden letzten Methoden. Veredelung findet nicht statt. Die Pflanze hat einen raschen Wuchs und treibt jährlich, wenn man sie nach Art der Weiden köpft, mehr als meterlange kräftige Triebe mit reicher Blattentwicke- Rein, Japan. II. 15 I. Land- und Forstwirthschaft. lung. In irgend einer der gebräuchlichen Formen erreicht sie ein Alter von 40—60 Jahren, wird aber gewöhnlich nach 30—40 Jahren durch andere ersetzt. In subtropischen Gebieten, wie in Syrien und Andalusien, findet die Neubelaubung bereits im März statt, in der Pro- vence und Norditalien und ebenso im mittleren Japan im April, in Deutschland erst im Mai. Von den verschiedenen Abarten fand ich in Japan: a. M. alba laciniata Hort., wozu auch α vulgaris indica D. C. (Prodromus XVII pg. 238 ff.) zu rechnen ist. Sie hat tiefgelappte Blätter, wird Tô-kuwa genannt und vornehmlich in den höheren Gebirgsthälern gefunden. b. M. alba macrophylla Hort. c. M. alba Morettiana Hort. mit glänzend glatten grossen Blättern, die herzförmig, zugespitzt und scharf gezähnt, seltener gelappt sind. Es ist dies bekanntlich die vorherrschende Sorte in Südeuropa. d. M. multicaulis Perr. (M. Constantinopolitana Lam.) mit grossen herzförmigen Blättern, unterseits etwas behaart, wird vorwiegend in der Ebene und dem Hügellande Japans angebaut, und meist als Busch behandelt. Hinsichtlich der Behandlung des Maulbeerbaums kann man näm- lich in Japan drei Culturarten unterscheiden: 1) Die strauchförmige (Hikui-kabu, d. h. niedriger Stumpf). Es ist die sorgfältigste und intensivste, welche in den flacheren Ge- genden der Hauptseidendistrikte vorherrscht. Man setzt hier die Maul- beerstecklinge auf das tief und gut umgearbeitete Land ⅔ Meter von einander in Reihen von 1 Meter Abstand und schneidet sie jedes Jahr, wie Korbweiden-Pflanzungen, bis beinahe zur Erde zurück. Der hier sich bildende Kopf treibt jeden Sommer eine grössere Zahl Triebe (da- her wohl M. multicaulis Perr.) mit kräftigen grossen Blättern, die ent- weder in loco oder erst zu Hause von den Ruthen abgestreift werden; doch ist letzteres das gewöhnliche Verfahren. Aus einiger Entfernung ist eine solche Pflanzung dem Weinberg auf ebenem Lande, zumal wie er im Mittelmeergebiet, ohne Stütze der Reben erscheint, nicht unähnlich. 2) Die beschränkt baumförmige (Taka-kabu, d. h. hoher Stumpf). Bei dieser Cultur werden wie bei der Weidenzucht für Fass- reifen wirkliche Stämme erzielt, dieselben aber in 1—2 Meter Höhe geköpft. Es ist die Maulbeerzucht, wie wir ihr beispielsweise in Nord- italien und in Spanien (mit Morus alba L. α, vulgaris Morettiana Jacq.) vorzugsweise begegnen. Sie ist in Japan besonders in Hügelregionen beliebt, gewährt aber nicht den schönen Anblick, wie in Norditalien, 4. Viehzucht und Seidenzucht. wo sie mit mehr Regelmässigkeit und Sorgfalt durchgeführt ist. Wie wir hier sehen, lässt sie noch andere Feldculturen zu, die wir auch in Japan finden, wenn die Bäume, wie gewöhnlich, in grösseren Abstän- den oder auf den Feldrändern gepflanzt werden. 3. Die freie, baumförmige (Taka-gi, d. h. hoher Baum). Wie schon erwähnt, findet man diese am häufigsten bei M. alba L. indica und in den Gebirgsthälern oder vielmehr an deren Abhängen. Es liegt zum Theil an ihrem Standorte, und an der Armut ihrer Besitzer, dass diese Bäume etwas verwahrlost erscheinen. Sie werden selten mehr als 30—40 Jahre alt und noch seltener zeigen sie eine schön- geformte Krone. Dünger, dessen sie mehr als die besser situierten Bäume und Sträucher in der Ebene bedürften, wird ihnen viel seltener zu theil. — Alle Seide, jap. Kinu, entstammt den Cocons oder Puppenhüllen einer Gruppe von Nachtschmetterlingen, die man mit dem Namen Bombyciden oder Spinner bezeichnet. Bombyx mori L., der Maul- beerspinner, ist die bekannteste und weitaus wichtigste Art derselben. Auf sie beziehen sich zunächst alle vorliegenden Betrachtungen, so wie in der Regel alle auf Seide und Seidenzucht bezüglichen Notizen. Die Jahrtausende hindurch fortdauernde Zucht derselben hat wie bei unsern übrigen Hausthieren und vielen Culturpflanzen allmählich die Ausbildung einer grossen Anzahl von Rassen bewirkt, die sich in allen Entwickelungsstadien, als Eier, Raupen, Cocons (Puppen) und im Schmetterlingszustand von einander unterscheiden, besonders aber in der Lebensdauer, Grösse und Zeichnung der Raupen, sowie in Grösse, Form und Farbe der Cocons, während sie fast allesammt im Raupen- zustande durch ein träges, geselliges Leben, vier Häutungen und die Ernährung durch frische Blätter von Morus alba L. sich auszeichnen. Man theilt sie zunächst ein in: a. Einjährige Rassen, Einspinner, ital. Annuali, jap. Haru-ko, d. h. Frühlingskinder. Sie liefern nur eine Zucht im Frühling und Vorsommer, und weitaus die meiste und beste Seide. b. Wiederholt fliegende Rassen, Zwei- und Dreispinner, ital. Bi- voltini und Trivoltini, jap. Natsu-go, d. h. Sommerkinder mit mehr- maligem Generationswechsel in einem Sommer, die nur wenig ge- schätzt und nur selten gezogen werden. Von beiderlei vorerwähnten Hauptrassen gibt es wieder eine Menge Unterabtheilungen, die zunächst nach der Farbe ihrer Cocons wieder als Weissspinner (jap. Shiro-ko, Weisskinder), Grünspinner (von gelb- grüner Farbe, jap. Kin-ko, d. h. Goldkinder) und Gelbspinner unter- schieden werden. Weiss- und Grünspinner sind die beiden beliebten 15* I. Land- und Forstwirthschaft. japanischen Rassen, von denen die eine in dieser, die andere in jener Gegend des Landes mit Vorliebe gezogen wird. Ihre Cocons, jap. Mayu, sind kleiner als die europäischen und levantinischen. Von den weissen Japanern gehen 850 auf ein Kilogramm, von Kleinasiaten 550; während von den schönen gelben Cocons der norditalienischen Brianza- rasse schon 500 Stück dieses Gewicht haben. Auch in ihren übrigen Entwickelungsstadien unterscheiden sich die japanischen Weiss- und Grünspinner durch verschiedene Merk- male von unseren europäischen Rassen. Die Eier, jap. Tane, Samen, franz. graines, z. B. haben eine sehr zerbrechliche Schale. Desshalb lässt man sie von den Schmetterlingen auf Cartons (tane-gami) aus Bastpapier ablegen, welche gewöhnlich 35 cm lang und 22 cm breit und mit etwa 25 Gramm (45000 Stück) Samen bedeckt sind, der fest daran haftet und auf denen auch die jungen Räupchen auskriechen. Der eigenthümliche Charakter der letzteren zeigt sich erst nach der dritten Häutung: gelbe Augen mit schwarzen Bogen und deutlich ausgespro- chene dunkle Sicheln oder Halbmonde auf dem Rücken. Nach der vierten Häutung wachsen sie sehr rasch und bekommen dann das Aus- sehen unserer alten Rassen, bleiben aber ¼ kleiner, als unsere Gelb- spinner. Auch zeigen die Kaiko oder japanischen Seidenraupen sich träger und haben grosse Neigung, sich auf ihrem Lager einzuspinnen. Bis zur zweiten oder dritten Häutung müssen sie mit zerhackten Blättern gefüttert werden, die man ihnen in der Regel 4 mal am Tage reicht. In weniger zahlreichen Fällen ist eine 5—6 malige Fütterung üblich, namentlich auf den beiden ersten der fünf Alters- stufen, in welche das Raupenleben durch die vier Häutungen zerfällt. Die Seidenraupe bedarf zu ihrer guten, kräftigen Entwickelung der Ruhe in einem reinlichen trockenen, zugfreien Raume mit gesun- der frischer Luft, welche die Grenzen von 10—30°C. wenig über- schreitet, Schutz gegen directes Sonnenlicht und reichliche, frische, staubfreie, doch trockene Nahrung. Der tüchtige Züchter hat alle diese Lebensbedingungen im Zusammenhang mit einer Menge anderer kleiner, doch nicht unwichtiger Umstände, wozu auch die Reinlichkeit des Pflegers gehört, mit Fleiss studiert und lässt es an Aufmerksamkeit und Sorgfalt nicht fehlen, sie zu erfüllen. In Japan fällt die Haupt- arbeit den Frauen zu. Die Zucht (der Haru-ko oder Frühlingskinder) richtet sich natürlich nach der Wiederbelaubung der Nährpflanze und beginnt in der Ebene und dem wärmeren Hügellande Anfang Mai, in den Gebirgsthälern dagegen erst Mitte oder Ende des Monats. Die- selbe dauert durchschnittlich 34 Tage bei natürlicher Wärme, d. h. einer Lufttemperatur, die sich zwischen 8° und 28° im Schatten be- 4. Viehzucht und Seidenzucht. wegt, im Zuchtraume aber im Durchschnitt auf 10—20° C. ge- halten wird. Die künstliche Wärme von 20—25° C., welche man bei den meisten Zuchten in Europa anwendet, kürzt die Zucht der japanischen Rassen auf 32 Tage, die der Brianzarasse sogar auf 25 Tage ab. In Japan ist die Seidenzucht auf Hondo, die grösste der Inseln, beschränkt. Sie bildet hier die verbreitetste und wichtigste Haus- industrie, die in den meisten Fällen neben andern landwirthschaft- lichen Beschäftigungen herläuft, in der Regel jedoch Haupterwerbs- quell der Bewohner ist. Wo sie besonders intensiv betrieben wird, nimmt man an den grossen reinlichen Häusern und ihren schönen Matten den durch sie bewirkten grösseren Wohlstand der Bewohner wahr. Kein anderer landwirthschaftlicher Industriezweig lässt einen gleich günstigen Einfluss erkennen. In solchen Gebieten gibt es wohl auch besondere Locale, worin die Raupen in grösserem Umfang ge- zogen werden. In einigen engen Gebirgsthälern hat man sogar den gewöhnlich einstöckigen Baustiel der Häuser verlassen und der unteren Wohnung noch einen Stock aufgesetzt, um für die Seidenzucht ge- nügend trockene und luftige Räume zu gewinnen, wie ich dies unter anderm in der Provinz Kaga bei Ushikubi beobachten konnte. Wo dagegen der Züchter aus Armut oder Nachlässigkeit seinen Raupen keinen besonderen Raum bietet, wo mir beim Eintreten übler Geruch und ein Schwarm Fliegen, wie in manchem unserer Viehställe ent- gegentrat, da konnte ich auch verderbliche Krankheitserscheinungen, die Pébrine nicht ausgenommen, constatieren und sehen, wie bei einem einzigen Lagerwechsel hunderte von kranken Raupen dem vorbeifliessen- den Wasser übergeben werden mussten, wie z. B. im nördlichen Theile von Mino. Verschieden und den Mitteln angepasst, wie die Zucht- räume, sind auch die Lagervorrichtungen, vom einfachen Rahmen oder Sieb bis zum soliden Aufbau eines hohen Gestells mit Abtheilungen. Dasselbe ist in der Regel zwei vertical gegenüberstehenden Leitern vergleichbar, über deren Sprossen in 25—40 cm Entfernung von ein- ander die horizontal laufenden Hürden oder Lager gelegt werden, welche entweder aus parallel laufenden Latten oder aus Bambusstäben mit 1 bis 3 cm Zwischenräumen bestehen und mit dünnen Strohmatten überdeckt werden. — Naht die Zeit, in welcher die Zucht beginnen soll, so bringt man die Cartons mit dem Samen, welche man bis dahin an einem trockenen kühlen Ort in Papier eingeschlagen und gegen Mäuse verwahrt hatte, in den Zuchtraum oder ins Freie an einen schattigen Ort, an welchem allmählich mit zunehmender Wärme die Entwickelung des Räupchens I. Land- und Forstwirthschaft. im Ei stattfindet. Genauere Beobachtungen in Europa haben ergeben, dass dieselbe bei einer Temperatur von 10° C. beginnt und von da ab eine Wärmesumme von etwa 400° C. bedarf, welche sich je nach der Temperatur über 24—30 Tage des April und Anfang Mai vertheilen, woraus sich ergibt, dass künstliche Wärme, die man allmählich, doch nicht über 25° C. steigert, das Auskriechen beschleunigt. Die aus- gekrochenen Räupchen werden von Zeit zu Zeit auf verschiedene Weise auf das mit zartem, zerhackten Laube belegte Lager übergeführt, sei es durch gelindes Klopfen wider die Rückseite des Cartons, durch Abstreifen mit dem Barte einer Feder, oder dadurch, dass man einen leichten durchlöcherten Bogen Papier über den Eiern ausbreitet und auf der Oberseite mit zarten Maulbeerblättchen bestreut. Die ausge- krochenen Räupchen gelangen durch die Löcher des Papiers zum Futter und können mit diesem leicht auf das der Hürden übertragen werden. Eine sorgfältige Zucht verlangt die tägliche Reinigung des Lagers mit Ausnahme der Häutungszeiten. Sie wird vor einer neuen Fütte- rung vorgenommen, in der Regel so, dass man über dem Lager ein dünnes Netz (Ami) aus Hanfgarn ausbreitet und darauf frische Blätter legt, zu denen die Raupen überkriechen, worauf die Strohmatte dar- unter mit den Futterresten, Auswürfen und etwa todten Raupen weg- gezogen und gereinigt oder direct durch andere mit neuem Futter er- setzt wird. Die zurückgebliebenen trägen Raupen sah ich wohl auch mit den Fingern auf das neue Lager übertragen; zweckmässiger ist aber jedenfalls ihre Ueberführung und Pflege auf besonderen Hürden, da ihre Mattigkeit oft nur das erste Zeichen des Krankseins und es darum sehr wichtig ist, dass sie thunlichst bald von den gesunden Würmern getrennt werden. Auch kommt es bei einer rationellen Zucht darauf an, dass man Raupen von gleichem Alter und Entwickelungs- gange beisammen hat, die ihre Häutungen gleichzeitig durchmachen und sich schliesslich auch so ziemlich zur selben Zeit einspinnen und verpuppen. Aus diesem Grunde trennt man auch die Räupchen, welche einen Tag früher oder später auskriechen, als die grösste Menge, von dieser und pflegt sie auf besonderen Lagern. Dagegen geschieht es oft, dass ein Züchter acht oder vierzehn Tage nach begonnener Zucht mit einer zweiten oder sogar dritten Serie Raupen anfängt, wenn er noch Samen und genügend Futter zur Verfügung hat. Da die Raupen nach der dritten und vor allem nach der vierten Häutung stark wachsen, muss man sie auf mehr Lager vertheilen, damit sie nicht zu dicht neben- oder gar über einander zu liegen kommen. Es geschieht dies am besten bei der letzten Lager- reinigung vor den Häutungen, derart, dass nach der dritten Häutung 4. Viehzucht und Seidenzucht. 80—100 Raupen auf einen Quadratfuss Lager kommen. Naht eine solche Häutung (jap. Neoki-tsuru, franz. mue), so hört das Fressen auf, die Raupe wird etwas heller, glatter und durchscheinend, ihr Kopf schwillt an, sie richtet sich damit wie eine Sphinx empor und versinkt in dieser Stellung in einen krankhaften, lethargischen Zu- stand, den Schlaf, in welchem sie nicht gestört werden darf, bis die Häutung vorüber ist. Bei gesunder, normaler Entwickelung dauert dies einen Tag, dann wendet sich die Raupe wieder mit neuem und verstärktem Appetit dem Futter zu, das sie in reicherem Maasse er- halten muss. Bei den japanischen Rassen sind die erste und fünfte Altersstufe am längsten, und dauert jede derselben 8 Tage, jede der drei andern durchschnittlich 6 Tage. Von 300 kg Futter, welche 20000 Raupen zu ihrer Entwickelung bedürfen, verzehren sie mehr als ¾ zwischen der vierten Häutung und Verpuppung. Diesem über- raschenden Nahrungsbedürfniss entspricht ihr Wachsthum und ihre Gewichtsvermehrung. Der Stickstoffgehalt der Raupe hat allein schliess- lich 14 % ihres Gewichts erreicht. Ueber die Gewichtsverhältnisse am Ende der einzelnen Lebens- abschnitte der Raupe, sowie ihrer Umwandlungsprodukte gibt die hier folgende Tabelle Aufschluss. Die quantitativen Veränderungen des Lebend- und Trocken- gewichts während der Entwickelung des Seidenspinners . Nach Kellner in Landwirthschaftl. Versuchsstationen von Nobbe. Bd. XXX, pg. 75. 1884. 1000 Individuen des jap. Weissspinners ergaben: I. Land- und Forstwirthschaft. Die Gewichtszunahme der Raupen ist also eine ganz enorme, namentlich nach der vierten Häutung. Die spinnreifen Raupen haben ihr Lebendgewicht fast um das 5400 fache vermehrt und zwar inner- halb 34 Tagen und 10 Stunden der gesammten Entwickelungszeit. Während von den frisch ausgekrochenen Räupchen 2415 auf ein Gramm gehen, wiegt von den spinnreifen ein einziges 2,22 mal so viel. Die Raupe verliert vor dem Verspinnen ihre Fresslust, kriecht un- ruhig umher, richtet sich oft sphinxartig empor, entleert sich ihrer Excremente und wird auffallend durchscheinend. Die grösste Ver- änderung ist jedoch in ihrem Innern vorgegangen. Die beiden Spinn- drüsen, — lange gewundene Schläuche, welche beiderseits des Er- nährungscanals der Raupe sich befinden —, haben sich allmählich mit durchsichtigem, dickflüssigem Seidenstoff gefüllt, welcher beim Ver- spinnen der Raupe aus ihnen durch die sogenannten Spinnwarzen am Kopfe hervortritt und zu zwei getrennten Fäden erstarrt, die sich aber sofort in dem kurzen, gemeinsamen Ausführungscanal in Folge ihres Leimüberzugs zu einem Doppelfaden verkitten. Die Länge desselben wechselt bei verschiedenen Rassen und Cocons nach ihrem Seiden- reichthum zwischen 350 und 650 Meter. Unter dem jap. Namen Tengusu , engl. Silkworm-gut, franz. fil de Flo- rence, kennt man im Handel starke Seidenfäden vom Aussehen der Violinsaiten. Sie werden in China direkt aus den Spinndrüsen ausgewachsener Seidenraupen dargestellt und seit einiger Zeit bei uns zu chirurgischen Nähten, sonst aber viel zu Angelschnüren verwendet. (Siehe auch Caligula japonica Butl.) Zum Verspinnen sucht sich die Raupe gern einen Winkel, die Gabel eines Zweiges oder sonstige Anhaltpunkte für ihre ersten Fäden auf. Der Seidenzüchter kommt ihr bei dieser Neigung zur Hülfe und wendet verschiedene Vorkehrungen an, um die Coconsbildung zu för- dern. Eine der einfachsten und zweckdienlichsten ist die, dass man über dem Lager der spinnreifen Raupen Rapsstengel ausbreitet, deren zahlreiche, leichte Verästelungen denselben Gelegenheit zur Befestigung ihrer ersten Fäden bieten. An andern Orten Japans bindet man kleine lockere Wellen von stark verästeltem Reissig so lang, als das Lager breit ist, und legt sie quer über dasselbe. In Nagahama am Biwa- See sah ich noch ein anderes, ganz abweichendes Verfahren anwen- den, indem man eine Art kleiner Strohdüten über dem Lager aus- breitete, welche die Raupen leicht erreichten und gern zur Verpuppung benutzten. Das Verpuppen ist in 3—4 Tagen fertig. Die Raupe macht zuerst eine lockere, ellipsoidische Hülle und dann erst, von dieser getragen, 4. Viehzucht und Seidenzucht. unter Krümmen und Biegen des sich verkürzenden Körpers den Cocon, der aus einem einzigen Faden von durchschnittlich 400—500 Meter Länge besteht, nach innen übrigens dünner und schwächer wird (im Verhältniss von 3:4). Das äussere, lockere Gespinnst, die Flockseide, jap. Noshi und Mawata , engl. Floss-silk, franz. Bourre, besteht aus viel dünneren und darum schon viel weniger werthvollen Fäden. Ein Querschnitt einer Coconswand zeigt, wenn vergrössert, 5—10 Seidenschichten, die fest oder locker zusammenhängen. Der Faden, welcher sie bildet, wurde von der Raupe in continuirlichen Achtertouren aneinander- geschichtet und klebt an den benachbarten fest. Liegen die Faden- schichten dicht zusammen, so erscheint die Coconwand pergamentartig und hat kaum 0,3 mm Dicke, im andern Fall ist die Structur eine blättrige, filzartig aufgetriebene und die Wandung bis 1 mm dick. Die Grammgewichte von Flockseide, festem Seidengespinnst und Puppe stellen sich nach Haberland bei 100 jap. Cocons italienischer Zucht, wie folgt zu einander: woraus sich ergibt, dass Grünspinner 13,26 % und Weissspinner 12,69 % Seide vom Gesammtgewicht des Cocons haben. 7—9 Tage nach dem Einspinnen der Raupen werden die Cocons von ihren Trägern genommen und von der sie umgebenden Flock- seide getrennt. Man wählt die besten zur Zucht aus und tödtet die Puppen der andern, indem man sie der Sonne aussetzt, aber auch durch Wasserdampf oder geheitzte Luft, trocknet sie hierauf und be- wahrt sie zum Abhaspeln auf oder verkauft sie an fabrikmässig ein- gerichtete grössere Haspelanstalten oder Filanda’s. Ein Cocon ist normal oder gut gebildet, wenn er bei scharf ausgeprägter Form volle Wände, ein feines dichtes Gewebe und Festigkeit, namentlich an den beiden Enden zeigt. Die Form ist in der Regel ellipsoidisch, doch haben die männlichen Cocons in der Mitte fast immer eine sattel- förmige Einschnürung und sind kleiner, aber fester als die weiblichen. Die sogenannten Doppelcocons, jap. Tama-ito , franz. Douppions, sind weder zum Abhaspeln, noch zur Zucht geeignet. Sie entstehen dadurch, dass zwei oder wohl gar drei Raupen denselben Winkel aufsuchen und ihre Fäden beim Einspinnen kreuzen und verstricken. Dieselben sind viel grösser und in der Regel auch etwas anders ge- staltet, als die einfachen, normalen; doch ist ihre Seidenmenge ge- ringer, als wie dieselbe sein würde, wenn die Raupen sich einzeln versponnen hätten. In der Regel entwickelt sich keine der ein- I. Land- und Forstwirthschaft. geschlossenen Puppen zum Schmetterling, sondern sie sterben (er- sticken?) bald nach ihrer gemeinsamen Arbeit. Ein aufmerksamer Züchter sucht aus diesen Gründen die Bildung solcher Doppelcocons zu verhindern, indem er, wo sie bevorsteht, durch Einschiebung eines Holzspahns oder steifen Papierstücks die Raupen trennt. In Europa hat man zu diesem Zweck sogar besondere Vorrichtungen, »Appareil cellulaire isolateur«, und andere ersonnen, wie man sie auf den grossen Industrieausstellungen zu Paris sehen konnte. Auch die spitzen Co- cons (Cocons pointus), sowie die sehr grossen lockeren (Cocalons) sind schwer abzuhaspeln. Geringwerthig sind auch die Chaquettes und Co- cons calcinés, nämlich solche, in denen das Insekt starb, bevor es den Faden vollendet hatte. Endlich ist hier noch der Cocons percés oder durchbrochenen Cocons zu gedenken. Hierher gehören in erster Linie diejenigen, aus welchen die Schmetterlinge geschlüpft sind, nachdem sie den Faden mit Hülfe eines scharfen Saftes am Ende der einen Längsachse des Cocons gelöst und ein Loch in dieses gemacht hatten. Aber auch solche Cocons, welche durch Parasiten, wie in Japan durch die Larven der Uchifliege durchlöchert sind, müssen hierher gerechnet werden, denn sie sind ebenfalls nicht abhaspelbar, sondern können nur gleich den Doppelcocons und der Bourre zu Floretseide verarbeitet werden. 17—18 Tage, nachdem sich die Raupen zu verspinnen anfingen, kriechen Morgens gegen 8 Uhr aus ihren Cocons die Schmetterlinge (jap. Chôchô ) aus. Sie haben mittelst eines ätzenden Saftes ihre Co- cons am einen Ende der Längsachse durchbrochen und sitzen nun zu- nächst ausserhalb derselben mit nach oben gerichteten Köpfen. Be- deutendere Grösse, ein dickerer Hinterleib, nicht gekämmte Fühler und grosse Trägheit sind die untrüglichen Erkennungszeichen der Weibchen, während sich die Männchen oder Hähnchen durch lebhaften Flügelschlag auszeichnen. Alsbald beginnt die Paarung und ist nach 6—8 Stunden beendet, worauf man die Männchen wegwirft, die Weib- chen aber zur Ablegung ihrer 250—400 Eier auf die dazu bestimmten Cartons setzt. Sie haben innerhalb 24 Stunden diese Aufgabe erfüllt und werden nun ebenfalls als weiter unnütz beseitigt. Die anfangs strohgelben rundlichen Samen oder Graines werden innerhalb 14 Tagen schiefergrau und lassen dadurch ihre Befruchtung erkennen. Man bringt sie, wie bereits früher erwähnt wurde, in Pa- pier eingeschlagen in einen trocknen kühlen Raum und bewahrt sie bis zur neuen Zucht im nächsten Frühjahr, oder man verkauft sie an italienische und französische Händler für die Zucht in Europa, worüber Näheres später folgt. 4. Viehzucht und Seidenzucht. Bei der geringen Bedeutung, welche die Bivoltini (Natsu-go oder Sommerkinder) auch für Japan haben, Nur in der Umgegend von Miharu , Provinz Iwaki, wurden weisse Bivol- tini bisher viel gezogen. genügen hier im Anschluss an das Vorausgegangene einige wenige Bemerkungen. Wir entnehmen dem bekannten, schon früher citierten Werke von Richthofen’s, dass es in alter Zeit in China streng verboten war, in einem Jahr zwei Ernten von Seide zu machen, oder sagen wir statt dessen, Bivoltini zu ziehen. Das geringe Ansehen, in welchem diese Rassen damals schon standen, haben sie auch in andern Seidenländern. Es rührt daher, dass ihre Cocons leicht und die Fäden schwach sind. Nach Haberland enthalten jap. Bivoltini (Weiss- und Grünspinner) nur 9,18 Gramm oder 11 % vom Coconsgewicht Seide. Die Raupen bilden 30 Tage nach dem Auskriechen ihre Cocons, 15 Tage später erscheinen schon die Schmetter- linge. Ihre Samen sind kleiner als bei den andern Rassen, haben eine röthliche Farbe und längliche Gestalt. Zehn Tage, nachdem sie abgelegt sind, kriechen schon die Räupchen aus, und es beginnt eine zweite Zucht mit demselben Verlauf, wie die erste. Die Cocons sind in der Regel länglich eiförmig, auf einer Seite zugespitzt. Abgesehen von verschiedenen Krankheiten wird die japanische Seidenzucht vor allen Dingen heimgesucht durch ein schmarotzendes Insekt, die Larve der Udschifliege (Udschimya sericaria Rond.). Nach C. Sasaki »Udschimya sericaria Rond. A Fly Parasitic on the Silkworm.« Nature. Sept. 4. 1884. legt diese Fliege ihre kleinen ovalen Eier Anfang Mai längs der Blattrippen auf die Unterseite junger Maulbeerblätter. Die Seidenraupen, welche diese fressen, führen mit dem Futter auch manches heile Udschi-Ei ihrem Verdauungscanal zu, wo ihm eine dünne, weisse Larve entschlüpft. Mit Hülfe ihrer hornigen Mandi- beln und kleiner daran befindlicher Borsten durchbohrt sie die Wan- dung des Canals und gelangt in die Ganglien, wo sie sich von Nerven- zellen nährt. Später tritt sie in die Tracheen und den Fettkörper ein, erreicht hier ihre Reife und kommt endlich an irgend einer Stelle der Oberfläche der Raupe als fertiges Insekt hervor. Sehr häufig fängt dieser Entwickelungsgang erst in einem höheren Lebensalter der Raupe an und setzt sich in der Puppe fort. Der leichte Cocon, welcher dann entsteht, wird schliesslich noch durch die sich durchbohrende Udschifliege für die Abhaspelung ganz unbrauchbar. Das Tödten der Cocons, sobald sie fertig gebildet sind, verhütet desshalb in manchen Fällen auch die völlige Zerstörung solcher, welche noch den lebenden Parasiten bergen. I. Land- und Forstwirthschaft. Auf diese Udschifliege und ihre grossen Verheerungen hat schon Greeven vor zehn Jahren aufmerksam gemacht Mitth. d. Deutschen Gesellsch. Ostasiens. Heft 7. pg. 20 u. 21. und hervorgehoben, dass zuweilen schon 80 % der zur Grainierung reservierten Cocons da- von behaftet gewesen seien. Auch Bavier widmet in seinem Buche über Japans Seidenindustrie dem Gegenstande seine Aufmerksamkeit und bemerkt, dass in Sinshiu (Shinano) im Durchschnitt 40 %, in Musashi und Joshiu (Kotsuke) 50 % der Raupen mit dem Parasiten be- haftet seien. Einer solchen Plage gegenüber treten allerdings die verschiedenen Krankheiten, welche sich während der Zucht japanischer Raupen bis- her einstellten, in ihren Wirkungen weit zurück und fanden bislang nur geringe Beachtung. So weit man sie in der Neuzeit jedoch kennen und vergleichen gelernt hat, erscheint die Behauptung nicht mehr ge- wagt, dass es kaum in Europa eine Seidenraupenkrankheit gibt, die dem japanischen Züchter nicht ebenfalls bekannt wäre. Sein Hoshii ist die Muscardine, sein Fushi-kaiko scheint die Schlaffsucht zu sein, und endlich finden wir im Koshari , wenn auch gelinder auftre- tend, die in Europa so gefürchtete Pébrine oder Körperchenkrankheit wieder. Da der Verlauf der letzten verhängnissvollen Pébrine-Epide- mie in Europa auf die japanische Seidenzucht eine im hohen Grade einflussreiche Rückwirkung gehabt hat, mögen hier einige nähere An- gaben darüber folgen. In den Jahren 1845 und 1846 traten bei drei unserer einfluss- reichsten Culturartikel: der Kartoffel, dem Weinstock und der Seiden- raupe, Krankheitserscheinungen auf, die in ihrem Charakter so eigen- artig, in ihrer Ausdehnung und ihren Verheerungen so weitragend waren, dass sie auf unser sociales Leben, und namentlich auf Handel und Gewerbe einen mächtigen und dauernden Einfluss übten. Bald lernte man der Traubenkrankheit mit chemischen Mitteln erfolgreich vorbeugen, die Kartoffelkrankheit, nachdem sie lange geherrscht, ver- lor sich allmählich, wie sie gekommen; aber die Sterblichkeit unter den Seidenraupen erreichte dann erst — nämlich zwischen den Jahren 1860 und 1870 — ihren Höhepunkt und wirkte also nachhaltiger und empfindlicher fort. Ihr Charakter wich von allen bis dahin bei der Seidenzucht beobachteten Krankheiten wesentlich ab. Man nannte sie danach Pébrine, Flecken- oder Körperchenkrankheit. Sie wurde zuerst im französischen Mittelmeergebiet wahrgenommen. Von den Ufern des Hérault verbreitete sie sich wie die Traubenkrank- heit zunächst den Gewässern entlang: über die Thäler des Clain, der 4. Viehzucht und Seidenzucht. Boivre, der Durance und Rhone, aber mit viel grösserer Raschheit, so dass um’s Jahr 1851 bereits alle seidenbautreibenden Departements Frankreichs damit behaftet waren. Im Jahre 1854 trat sie zuerst in Italien bemerkbar auf; doch nahm man ihre verderblichen Wirkungen ganz besonders 1856 wahr, wo an vielen Orten die Ernte auf ein Viertel der normalen sank. Eine Erscheinung, welche dem National- wohlstande Frankreichs, Italiens und anderer Länder so tiefe Wunden schlug, erregte natürlich die Aufmerksamkeit und das Nachdenken der Regierungen und Gelehrten. Zahlreiche Mittel wurden zur Abhülfe empfohlen und versucht, keins verfing. Man wandte sich weiter öst- lich, nach den unteren Donauländern, nach Griechenland und Klein- asien, um durch Einführung von Samen anderer, scheinbar noch ge- sunder Rassen dem Uebel zu steuern, aber fast schien es, als ob mit den Händlern auch die Krankheit nach Osten wandere. Dieselbe ver- breitete sich immer weiter, zeigte sich auch in der Krimm, in Trans- kaukasien und Persien und endlich sogar in Indien und China. Nur ein Land, Japan, schien von der Seuche verschont geblieben zu sein, und auf dieses richteten sich darum alle Blicke der nach Erlösung verlangenden Seidenzüchter Europas. Ein neues Geschäft, die Aus- fuhr von Seidenraupeneiern, entwickelte sich daraus für Japan, ein Geschäft, das bald bedeutende Dimensionen annahm und auf die ja- panische Seidenzucht selbst einen grossen Einfluss übte. Bevor wir diesen weiter betrachten, mögen hier noch einige Angaben über die Krankheit selbst Platz finden. Das Vorhandensein der Fleckenkrankheit verräth sich zunächst durch ein auffälliges Zurückbleiben im Wachsthum mancher Raupen. Solche kleine Raupen zeigen abnehmende Fresslust und schleppen sich matt und träge dahin. Die Häutungen treten später ein, als bei den gesunden Altersgenossen; bei der vierten Häutung beträgt der Unter- schied 8—14 Tage und es geht der grösste Theil derselben zu Grunde, bevor er die Spinnreife erreicht. Ihr Körper ist weich, nimmt eine schmutziggelbe Farbe an und zeigt eigenthümliche Flecken, zunächst an den mit kleinen Härchen versehenen Stellen. Diese Flecken, an- fangs klein und wie schwache Schatten aussehend, vergrössern und verdunkeln sich allmählich, fliessen zu unregelmässigen Formen zu- sammen und sind schliesslich pechschwarz und glänzend. Die Aus- würfe sind weicher als im gesunden Zustande und mit gelbem Schleim bedeckt, der an der Luft rasch erhärtet, auch für sich ausfliesst, sich schwärzt und oft den After verstopft. Nach dem Tode zerfliesst die Raupe bald in eine ekelhafte schwarze Flüssigkeit. Oft zeigt sich die Krankheit erst gegen das Ende der Zucht, entwickelt sich aber als- I. Land- und Forstwirthschaft. dann in der Puppe weiter, so dass der daraus erhaltene Schmetter- ling die Symptome des Uebels deutlich erkennen lässt. Viel wichtiger, als die angeführten äusseren Kennzeichen der Krankheit, sind die inneren Umwandlungen, welche sie im Körper des Insekts bewirkt. Man hat dieselben von verschiedenen Seiten einem sorgfältigen Studium unterworfen und gefunden, dass als sicherstes Zeichen der Pébrine gewisse eiförmige, ellipsoidische oder walzen- förmige und dann an beiden Enden halbkugelförmig abgerundete Körperchen anzusehen sind, deren Länge 0,005—0,002 mm beträgt und die sich dem Lichte gegenüber wie Oeltropfen verhalten. Diese »Corpusculs vibrants« wurden zuerst von Prof. Cornalia in Mailand näher untersucht und beschrieben und werden desshalb auch nach ihm die Cornalia’schen Körperchen genannt. Die Natur dieser Orga- nismen, der Nosema bombycis Nagl., wurde erst später festgestellt. Sie finden sich in allen Theilen des erkrankten Insekts, auch in den Auswürfen, und pflanzen sich von Generation zu Generation fort. Der gesunde Schmetterling hat keine Körperchen, noch finden sich solche in seinen Eiern. Hierauf hat man denn nach dem Vorgang des be- kannten Physiologen Pasteur auch das einzig wirksame Heilmittel, oder sagen wir besser, das Mittel zur Beherrschung und Beseitigung der Krankheit gegründet, das, consequent durchgeführt, die besten Resultate liefert, wie die Erfahrung gezeigt hat. Es besteht darin, dass man die zur Zucht bestimmten Schmetterlinge und ihren Samen auf’s sorg- fältigste mikroskopisch prüft und alles Verdächtige ausscheidet, dass man die Zucht mit grösster Sorgfalt leitet und kranke Raupen mög- lichst fern hält. Die besonderen Vorschriften und Vorrichtungen zu diesem Zweck anzuführen, würde hier zu weit führen. Nur sei im Anschluss daran noch erwähnt, dass die seiner Zeit von Liebig und Andern vertretene Ansicht, als habe die Cultur des Maulbeerbaumes allmählich eine Schwächung und chemische Veränderung des Futters durch Bodenerschöpfung bewirkt und dieses in erster Linie die Krank- heit hervorgerufen, durchaus irrig war, wie ich schon vor 18 Jahren gezeigt habe. Rein: Der gegenwärtige Stand des Seidenbaues. Frankfurt a/M. 1868. pg. 22—24. Die Sommer 1856, 1862 und 1865 waren die schlechtesten für die Seidenzucht der Neuzeit. Sie zeichneten sich alle durch schwüle Witterung und mehrere lang dauernde Regen während der Raupen- zucht in Südeuropa aus, so dass diese abnorme und ungünstige Witte- rung jedenfalls die Krankheit in hohem Grade förderte. 4. Viehzucht und Seidenzucht. In Italien sank die Coconsernte, welche 1857 im ganzen 40 Mil- lionen kg betrug, im Jahre 1865 auf weniger als die Hälfte. In Frankreich ging im nämlichen Jahre der durchschnittliche Ertrag der Seidenernte von 100 Millionen Franken Werth herunter auf 34 Millionen, und von dieser letzteren Summe sind noch über 10000000 Francs ab- zuziehen, welche vorher für den Ankauf von Graines in’s Ausland gingen. Kostete in früherer Zeit die Unze französischen Samens 4—6 Francs, so zahlte man nun für dasselbe Gewicht an importierten 15—20 Francs. Unter solchen Umständen sank der Wohlstand der Seidendistrikte mehr und mehr. Grosse Maulbeerpflanzungen, welche früher Renten, wie gute Weinberge, abgeworfen hatten, fanden gar keine Käufer mehr, wie unter Anderem der verstorbene Chemiker Dumas 1865 im französischen Senat hervorhob. Seitdem haben sich die Verhältnisse allmählich gebessert, doch hat kein europäisches Land die frühere Höhe seiner Seidenproduktion wieder erreicht. Frankreich liefert jetzt etwa die Hälfte seines früheren Ertrags an Rohseide und Italien etwa ⅔ des seinigen. Das Land, welches aus diesen Verhältnissen vor allem Nutzen zog, war, wie bereits bemerkt wurde, Japan. Zu der Ausfuhr an Rohseide, deren Menge und Preis zusehends stiegen, gesellte sich die der Seidenraupeneier, und wurde ihre Erzeugung für den Export ein wichtiger Factor für die Seidenzucht des Landes. Im Auftrag von Genossenschaften, insbesondere aber von Kaufleuten, erschienen jeden Sommer eine Anzahl Fremde, vornehmlich Italiener, reisten mit Er- laubniss der japanischen Regierung nach den Seidendistrikten des In- nern, kauften hier ihren Bedarf an Graines und kehrten damit nach Europa zurück, wo ihre speculierenden Auftraggeber dieselben meist leicht an den Mann brachten. Diese »Bivoltini«, wie man sie scherz- weise wohl nannte, machten daraus ein stehendes Geschäft, zum nicht geringen Verdruss der italienischen Gesandtschaft und japanischen Regierung, welche ihre vielfach lästige Vermittelung für durchaus überflüssig hielten, da der Aufkauf und Export der Eier gerade so gut durch die in Japan ansässigen fremden Kaufleute erfolgen konnte. Die Ausfuhr von Cartons mit Seidensamen begann im Jahre 1860, musste aber bis 1865 mehr oder minder heimlich betrieben werden, da bis dahin ein altes Verbot dagegen bestand, welches Zuwiderhan- delnde mit Todesstrafe bedrohte. In Italien fielen die Versuche, welche man 1860 und 1861 mit japanischen Weiss- und Grünspinnern machte, sehr günstig aus, ebenso spätere; doch zeigte sich eine bedeutende Schwächung der Rassen nach der zweiten oder dritten Generation. Unterdess stieg der Export der Graines aus Japan rasch. Derselbe I. Land- und Forstwirthschaft. belief sich schon 1863 auf 30000 Cartons, 1864 auf 300000 und 1865 sogar auf 2500000. Dieser enorme Absatz und der hohe Gewinn, welchen vor allem die japanischen Kaufleute dabei erzielten, führte zu Betrügereien und Fälschungen mancherlei Art, nicht blos durch Beimengung von Eiern schlechter Zuchten, sondern auch der Bivol- tini, so dass die Klagen darüber zunahmen. Anderseits konnte eine solche Steigerung der Ausfuhr von Cartons nicht ohne nachtheiligen Einfluss auf die einheimische Seidenzucht bleiben, und so wurde die Regierung veranlasst, sich in’s Mittel zu legen. Sie that dies, indem sie die Ausfuhr des Seidensamens wohl frei gab, dagegen zugleich eine Regulierung und Controle der Produktion in die Hand nahm, wo- bei sie sich zum Theil bisherigen Erfahrungen und Gewohnheiten an- schloss. Es war längst bekannt, dass die Eier höher gelegener Orte viel bessere Zuchten lieferten als die der tieferen mit viel inten- siverer Seidenzucht. Darum bezogen und beziehen z. B. die Züchter der seidenreichen Provinz Jôshiu ihren Samen aus Shinano. Die Re- gierung erlaubte nun nur Seidenzüchtern solcher hochgelegenen Orte für den Export zu grainieren, controllierte ihre Zuchten und versah deren Cartons mit ihrem Stempel, bevor dieselben nach den Vertrags- häfen gingen. Die günstige Wirkung ihrer Massregeln war unver- kennbar, sowohl auf die einheimische Zucht, als auch auf die Aus- fuhr der Cartons, welche jedoch vielerlei Schwankungen unterlag, so- wohl hinsichtlich der Zahl, als auch der Preise, und im allgemeinen nach beiden Richtungen in der Neuzeit sehr zurückgegangen ist. Die Preise erlangten ihre grösste Höhe 1873, wo der Durchnittswerth des Carton 2,15 yen = 8,60 Mark war, während er 1877 auf 0,29 yen = 1,16 Mark sank. 1868 wurden 1886320 Cartons im Werthe von yen 3712351 = 14849404 Mark ausgeführt, im Jahre 1877 1167502 Cartons für nur 341467 yen = 1365868 Mark. Die Seidenzucht Japans ist, wie dies bereits früher angedeutet wurde, auf die Hauptinsel Hondo beschränkt. Zu den verschiedenen Produkten derselben, welche über Yokohama nach Europa und den Vereinigten Staaten exportiert werden, der Seide, jap. Kinu oder Ito im weitesten Sinne, gehört als wichtigstes vor allen Dingen die Haspelseide, jap. Sage-ito , franz. Grège, engl. Hanks, welche an Güte nur von der französischen und italienischen übertroffen wird. Ferner sind die Seidenabfälle aller Art, franz. déchets, zu erwähnen, welche zur Darstellung der Schappe oder Floretseide dienen. Hierher gehören vor allen Dingen diejenigen Abfälle, welche bei der Zucht selbst sich ergeben, nämlich die Flockseide (franz. blaze) oder das 4. Viehzucht und Seidenzucht. lockere Gespinnst der Raupe, innerhalb dessen sie ihren Cocon bildete, die Tama-mayu oder Doppelcocons, franz. douppions, die Degara , franz. Cocons percés, d. h. Cocons, aus denen die Schmetterlinge ge- krochen sind, sowie die unvollendeten Cocons. Aus diesen verschie- denen Coconssorten, die alle zur Darstellung von Grège untauglich sind, macht der Japaner seine Ma-wata oder Seidenwatte, indem er sie zuerst in warmem Wasser, dem etwas Holz- oder Strohasche zu- gesetzt war, aufweicht, dann aufschneidet und die todten Puppen ent- fernt. Hierauf wird die Seide eines jeden Cocons mit den Fingern ausgebreitet und an den Enden von Stäbchen befestigt, um in dieser gestreckten Lage zu bleiben. So kommen die kleinen Fliesse von 20—60 Cocons übereinander. Nach dem Trocknen füttert man mit denselben Kleider und Bettdecken, oder sie werden, wie bei uns die Wolle versponnen, oder endlich neben andern Seidenabfällen verkauft und versandt. Eine zweite Gruppe der letzteren wird bei dem Ab- haspeln der Cocons erhalten. Insbesondere zählt hierher das äussere Gewebe der Cocons, welches nach dem Einweichen derselben in heissem Wasser beim Schlagen mit einem kleinen Handbesen an diesem hängen bleibt und entfernt wird, bis der eigentliche gleichmässige Haspel- faden sich zeigt. Diese lockeren Seidenfäden nennt der Japaner Kawa-muki (Rindenseide), Noshi-ito und Shike-ito , der Fran- zose Frisons. Zu ihnen gesellen sich andere Bruchstücke beim Ab- haspeln und unvollkommene Cocons. — Einen weiteren Ausfuhrartikel aus der Seidenzucht, dessen Be- deutung bereits früher erörtert wurde, bilden die Seidenraupeneier, jap. Tane , franz. graines. Endlich kommen auch Erzeugnisse der Seidenweberei des Landes auf den fremden Markt. Nach der Qualität der Haspel- oder Rohseide und ihrer »Auf- machung«, d. h. der Art, wie ihre Strähne zusammengelegt und ver- packt werden, unterscheiden die Händler in Yokohama drei geogra- phische Seidenzonen in Hondo: a) Der nördliche Distrikt liefert die nach der Landschaft Ôshiu benannte Ôshiu-Seide , etwa 20 % der Gesammtproduktion, dazu noch gegen 25 % aller ausgeführten Cartons (mit graines. Die Stadt Fukushima am Abukuma-gawa kann als Centrum des inten- sivsten Betriebes der Seidenzucht in Ôshiu gelten. Das Gebiet um- fasst in erster Linie die Strecke zwischen 37° und 38⅓° N. und 140 bis 141° O. Gr. Es gehören derselben an: α . Das östliche Iwashiro , vornehmlich vom Abukuma-gawa durchflossen, mit den Städten Fukushima, Yanagawa, Nihonmatsu, Rein , Japan. II. 16 I. Land- und Forstwirthschaft. Motomiya, Moriyama und Sukagawa, sowie andern bekannten Seiden- orten; β . die Provinz Uzen , nordwestlich von Iwashiro und nördlich der Aidzu-taira mit den Städten Yamagata, Kaminoyama und Yonezawa . Die Umgebung der letzteren mit den Orten Koide und Narita lieferte namentlich auch viel und geschätzten Tane in den Handel; γ . Iwaki , worin die Stadt Miharu den grössten Seidenmarkt hat. Die weiter nördlich gelegenen Provinzen, beginnend mit Sendai, sowie das im Westen längs des japanischen Meeres sich lang hin- ziehende Echigo, treten nach Menge und Werth der von ihnen ge- lieferten Ôshiu-Seide weit hinter die drei erstgenannten zurück. b) Der centrale Distrikt schliesst sich jenem nördlichen gegen Südwesten an und breitet sich von ungefähr 37° N. bis 35½° N. zwi- schen 137° O. Gr. und 139½° O. Gr. westlich und nordwestlich von Tôkio aus. Es gehören ihm in erster Linie die Provinzen Kôdzuke (Jôshiu), Shinano (Sinshiu) und Kai (Kôshiu) an, ferner im Anschluss an Sinshiu die Provinzen Hida, Kaga und Echiu, deren Seidenzucht weit hinter derjenigen der drei erstgenannten zurücksteht, und end- lich ostwärts von Kôshiu und Jôshiu das westliche, hügelige Musashi, sowie Shimodzuke und Hitachi, welche nur sehr wenig Seide liefern. Diese centrale Zone der japanischen Seidenzucht nimmt eine her- vorragende Stellung ein, insofern sie 65 % aller auf den Markt kom- menden japanischen Seide und 70 % aller Cartons (mit Tane) erzeugt. Davon kommen wieder auf Jôshiu 30 % Seide und 15 % Cartons, auf Sinshiu 27 % Seide und 60 % Cartons, auf das westliche Musashi etwa 15 % Seide. Es geht hieraus hervor, dass Jôshiu die seidenreichste Provinz Japans ist. Insbesondere sind die Umgebungen von Maye- bashi , Takasaki und Numata durch ihre Seidenzucht berühmt und Mayebashi Hanks oder Mayebashi-grappes in gewissem Sinne tonangebend für die Preise aller japanischen Haspelseide. Auch in der hochgelegenen Provinz Shinano wird die Seidenzucht intensiv und mit Sorgfalt betrieben und übertrifft als erste Nahrungsquelle alle an- dern Beschäftigungen an Bedeutung. Ueberdies ist ihr Produkt auf dem Markte sehr geschätzt. Dies gilt namentlich von den Gegenden um Uyeda am Chikuma-gawa, um Nagato und um Ida . c) Der südliche Seidendistrikt . Derselbe reiht sich dem vorigen gen Südwesten an und umfasst die Provinzen Mino, Omi, Echizen, sowie Tamba, Tango und Tajima, denen sich die übrigen vom südwestlichen Hondo mit kaum nennenswerther Seidenzucht an- schliessen. Sehr unbedeutend ist letztere somit in den Provinzen des Tôkaidô, mit Ausnahme des unter b angeführten Kôshiu und Musashi, 4. Viehzucht und Seidenzucht. ferner im Gokinai und San-yo-dô, sowie im westlichen San-in-dô, am entwickeltsten dagegen in Mino , zumal um Hachiman , und in Gôshiu oder Ômi, östlich des Biwasees, wo Nagahama sich durch seinen umfangreichen Betrieb derselben auszeichnet. Diese dritte Seidenzone liefert den Rest der japanischen Produktion mit 15 % Roh- seide und 5 % Cartons; sie steht mithin der mittleren und nördlichen an Bedeutung weit nach. Die Ausfuhr japanischer Rohseide nahm im Jahre 1859 ihren An- fang. Die hohen Preise, welche in Folge der europäischen Raupen- krankheit erzielt wurden, wurden bald ein gewaltiger Stimulus zur Erweiterung der Zucht. Nur vorübergehend erlitt dieselbe in Folge des sich entwickelnden Handels mit Cartons eine wesentliche Einbusse. Eine bemerkbare Verbesserung der ausgeführten Grège trat ein, als 1872 die Regierung zu Tomioka in Musashi nach französischem Muster eine grosse Haspelanstalt oder Filanda errichtete, in welcher die Co- cons unter Brunat’s umsichtiger Leitung zu gleichmässigeren Fäden abgehaspelt wurden. Die höheren Preise, welche diese Rohseide von Tomioka erzielte, gaben zu vielfacher Nachahmung Anstoss. Umfang- reiche Filanden entstanden allmählich in manchem Mittelpunkt der Seidenzucht und des Seidenhandels, meist durch die Initiative und auf Kosten der Regierung. So ist denn die Menge, der relative Werth und die Gesammtsumme der ausgeführten Produkte japanischer Seiden- zucht, trotz manchen Störungen und Schwankungen, im allgemeinen ansehnlich gestiegen. Die japanische Seidenausfuhr erreichte im Jahre 1883 mit 56432 Piculs à 60,128 kg ihre höchste Ziffer; aber der Werth blieb um etwa 350000 yen hinter demjenigen des vorausgegan- genen Jahres zurück, wo für 52021 Piculs die Summe von 18638984 yen = Mk 74555935 erzielt wurde. — Zucht und Bedeutung des Yama-mayu oder Eichenspin- ners, Antherea (Bombyx) Yama-maï Guér.-Ménev. in Japan . Das Bestreben, Ersatz zu finden für die durch die Fleckenkrank- heit (Nosema bombycis Naeg.) decimierten europäischen Seidenraupen, führte nicht blos zur Einführung japanischer Weiss- und Grünspinner und einem ansehnlichen Handel mit ihren Samen, sondern lenkte zu- gleich die Aufmerksamkeit auf andere Bombyciden und veranlasste umfangreiche Versuche mit ihnen. Solche Zuchtversuche, an welche man zum Theil grosse Erwartungen knüpfte, wurden namentlich an- gestellt mit dem japanischen und chinesischen Eichenspinner (Antherea Yama-maï und Anth. Pernyi), von welchen jener in Japan, dieser vor- 16* I. Land- und Forstwirthschaft. nehmlich in den chinesischen Provinzen Shantung und Sze-Chuen ge- pflegt wird; ferner mit dem Ailanthus-Spinner (Saturnia Cynthia), welcher ebenfalls viel in Shantung gezogen wird und die sogenante Pongee-Seide China’s liefert, mit dem indischen Ricinus-Spinner (Sa- turnia Arindia) und dem indischen Eichenspinner (Saturnia Mylitta), welcher in Assam und Bengalen die Tussah-Seide liefert. Die Resul- tate dieser Versuche haben die daran geknüpften Hoffnungen nicht er- füllt; man hat sich überzeugt, dass kein anderer Seidenspinner dem gewöhnlichen ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann, vielmehr auch in Zukunft dieser Maulbeerspinner der wichtigste Seidenlieferant bleiben wird. — Unter allen andern Arten rief der japanische Eichenspinner (An- therea Yama-maï G. M.) am meisten das Interesse wach. Derselbe bot in seinen verschiedenen Entwickelungsstadien: als Ei, Raupe, Puppe und Schmetterling, sehr viel Lehrreiches, überraschte ausserdem und er- freute durch seine Schönheit und Grösse. Die starken, glänzenden Seidenfäden seiner grossen gelbgrünen Cocons lassen sich wie beim Maulbeerspinner abhaspeln und liefern ein sehr dauerhaftes Gewebe. Da die Raupe sich vom Laube sommergrüner Eichen nährt, auch das unserer einheimischen Arten gern frisst, und man ausserdem aus Ja- pan hörte, dass sie dort viel gezogen und ihre Seide in hohem Grade geschätzt werde, so waren die grossen Erwartungen, welche gerade sie erweckte, leicht erklärlich. Verschiedene Regierungen interessierten sich lebhaft dafür und ermuthigten zu Versuchen damit, so diejenige der Schweiz, welche im Jahre 1865 durch ihren Consul in Yokohama 6 kg Eier derselben kommen liess und drei Jahre später ein noch grösseres Quantum. Von beiden Sendungen wurden mir kleine Proben zur Verfügung gestellt, mit denen ich Zuchtversuche anstellte, ebenso wie mit Eiern, welche Postmeister Baumann in Bamberg erzielt hatte. Die Berichte, welche über die Resultate der Versuche von verschiedenen Seiten veröffent- licht wurden, lauteten meist ungünstig für die Sache und stimmten mit meinen eigenen Erfahrungen überein. Die grosse Beweglichkeit der jungen Räupchen, ihr Mangel an ruhigem Zusammenleben auf allen Alterstufen, grosse Sterblichkeit noch nach der vierten Häutung und die Länge der Entwickelungszeit, waren die Haupthindernisse, welche sich entgegenstellten. Zur Zeit der Pariser Industrie-Ausstellung von 1867, konnte man sich bereits überzeugen, dass es vergebliche Hoffnungen waren, welche man auf Yama-maï gesetzt hatte. Im Jardin de l’Acclimatation, wo 1861 die ersten Raupen dieser Art gezogen und ihre Eigenschaften 4. Viehzucht und Seidenzucht. von Guérin-Méneville studiert worden waren, hatte man die Versuche aufgegeben. Günstigere Resultate, welche Camille Personnat in Laval erzielt hatte, und seine Bemühungen, während der Ausstellung selbst für seine Zucht Interesse zu erwecken, vermochten das sinkende Ver- trauen zur Sache ebensowenig neuzubeleben, als die Erfolge Einzelner in Deutschland und Oesterreich. Während meines Aufenthaltes in Japan war ich bestrebt, mich auch über die Verwendung der Yama-maï-Seide und der Art ihrer Gewinnung genau zu unterrichten; doch kam ich nur allmählich zu meinem Ziele, zu den entlegenen Orten der Gebirgsabhänge, wo die Zucht betrieben, und in die Webereien und Färbereien mehrerer Städte des Innern von Hondo, wo diese Seide verarbeitet wird und wo ich in Folge eigener Anschauung zu einem sicheren Urteil über die Be- deutung des Gegenstandes gelangen konnte. Auf diese Weise kam ich zur Ueberzeugung, dass die Wichtigkeit der Yama-maï-Seide in hohem Grade übertrieben worden ist, sowohl in japanischen Schriften, deren Uebersetzungen theilweise zu uns gelangt sind, als auch in den Berichten der Consulate, welche sich stets auf mündliche Mittheilung von geringer Zuverlässigkeit bezogen haben. Auch v. Scherzer K. v. Scherzer, Die Oesterreichisch-Ungarische Expedition nach Ostasien. Stuttgart 1872. war falsch belehrt worden, als er schrieb: »In Japan selbst findet das Produkt theils mit Baumwolle, theils mit gewöhnlicher Seide vermischt zur Erzeugung von Kleidungsstoffen ausgebreitete Verwendung.« Die japanische Benennung Yama-maï, richtiger Yama-mayu be- deutet Berg-(Yama) oder wildes Cocon (mayu); ihr entsprechend heisst die Raupe Yama-ko . Nach alten Angaben war zur Zeit der Besitz- ergreifung von Hachijo-shima (sprich Hatschidschoschima) Hachijo-shima (d. h. Achtfrauen-Insel) liegt südlich von den Shichi-tô (Sieben-Inseln) unter 33° 8' N. und 139° 50' O. Auf Karten findet sich oft noch die alte verkehrte Schreibweise Fatsicio und Fatsi-syo. im Jahre 1487 durch die Japaner diese Art über die ganze Insel verbreitet und die aus ihr gewonnene Seide sehr geschätzt. Die Ueberführung der Zucht nach der Hauptinsel, wo die Raupe vielleicht zu keiner Zeit einheimisch war, sicher gegenwärtig nirgends wild vorkommt, fand erst viel später statt. Im British Museum sah ich Antherea Hazina Butl. und Anth. Morosa Butl. aus Japan, die ich für blosse Spielarten unserer vorliegenden Species halte. Die Orte, welche sich mit der Zucht des Eichenspinners in Ja- pan befassen, liegen in der Regel in den gewöhnlichen Seiden- distrikten und zwar meist an Gebirgsabhängen. Dies gilt insbeson- I. Land- und Forstwirthschaft. dere von der Provinz Shinano, welche am meisten Yama-maï-Seide liefert. Es sind mir vier Gebiete dieser Provinz näher bekannt, in welchen der Eichenspinner in etwas grösserem Umfange gezogen wird, nämlich die Nachbarschaft von Uyeda am Chikuma-gawa, von Iida am Tenriu-gawa, von Ikeda und von Matsumoto im Flussgebiet des Sai-gawa. An den östlichen Vorbergen des Shinano-Hida-Schneegebirges breitet sich der Distrikt von Matsumoto aus, etwa 2—5 Meilen west- lich dieser Stadt und gegen 30 Meilen in gleicher Richtung von Yoko- hama. Die Matsumoto-Gumi ist ein Verband (Gumi), welcher sich über 15 Ortschaften dieses Distriktes erstreckt und sich die Erzielung und Verwerthung der Yama-maï-Seide zur Aufgabe gestellt hat. Doch findet man kleinere Zuchten auch in und bei Matsumoto selbst. Man zieht die Raupen vorwiegend im Freien. Als Futterpflanze dient Quercus serrata Thunb. (jap. Kunu-gi oder Kunugi-nara.). Doch sollen auch die Blätter von Quercus dentata, Qu. acuta und Qu. glauca zuweilen verwandt werden. Diese Eiche bildet oft ansehnliche hohe Bäume, auch in eigenen, ge- schlossenen Beständen, und ist namentlich im Norden von Hondo sehr verbreitet. Ihre Blätter erinnern an die der essbaren Kastanie und erscheinen gleich diesen spät. Aus den jungen Sämlingen, die nach einem Jahre an einen geschützten Ort in Reihen verpflanzt werden, erzieht man in 3—4 Jahren durch mehrmaliges Zurückschneiden kräf- tige Büsche von etwa 2 Meter Höhe und genügend grossen Abstän- den, um Luft und Leute frei circulieren zu lassen. Ist die Pflanzung so vorbereitet, so überträgt man Anfang Mai, wenn die jungen Blätter erscheinen, die Eier auf die Zweige. Auf schmale Papierstreifen wer- den je 20—30 Stück festgeklebt, worauf man die Papiere so an die Zweige bindet, dass die jungen Raupen bei ihrem Auskriechen bald Futter und Schutz gegen die Sonne finden können. Gegen den Regen schützen sie sich selbst, indem sie sich bei ihrer grossen Beweglich- keit leicht auf die Unterseite der Blätter flüchten; dagegen leiden die schweren und schwerfälligen alten Raupen leicht durch heftige Nieder- schläge. Zu den vielen Feinden solcher Zuchten im Freien zählen ausser Insekten (insbesondere Ameisen) vornehmlich Laubfrösche, Ratten und Vögel, namentlich Raben. Man sucht sie theils durch Be- streichen der unteren Stammtheile mit einer klebrigen Substanz, wie dem Wurzelschleim von Hibiscus Manihot, theils durch Vogelscheuchen und Klappern fern zu halten, welche an einem, die ganze Pflanzung umspannenden Seil aufgehängt sind und von einer Person in Bewegung Rein, Japan II. Tafel II. Seidenspinnerraupen auf Quercus serrata. 4. Viehzucht und Seidenzucht. gesetzt werden, welche von einem hohen, überdachten Sitz in der Mitte der Pflanzung aus das Ganze überwacht. Die Entwickelung der Raupe bis zur Spinnreife nimmt etwa 60 Tage in Anspruch. Bei den Zuchten in Europa war die Durchschnittszeit 64 Tage. Dieselbe vertheilt sich auf die fünf Altersstufen so, dass auf die beiden ersten je 10 Tage, auf die 3. und 4. je 13 Tage und auf die letzte 18 Tage kommen. Diese Lebensdauer der Raupen unterliegt jedoch mancherlei Schwankungen. Durch höhere, gleich- mässige Temperatur und reichliches Futter kann sie auf 50 Tage ver- kürzt werden, anderseits sich bis gegen 80 Tage ausdehnen. Jeder Häutung geht ein 2—3 Tage langer Schlaf voraus, während dessen die Raupe bewegungslos sitzt, indem sie sich mit den hinteren Füssen festhält, den Vorderkörper aber sphynxähnlich emporhebt. Die Räupchen, welche beim Auskriechen 7 mm lang, an den Fuss- klauen röthlichbraun, sonst gelbgrün und mit zwei schwarzen Längs- streifen versehen sind, haben nach der vierten Häutung, wenn aus- gestreckt, eine Länge von 7 cm und 2 cm Umfang. Sie sind prächtig grün mit hochgewölbten Ringen und zwei Reihen Warzen über den Rücken, deren jede schwarzbraune Borstenhaare trägt. Den Rücken scheidet auf jeder Seite ein goldgelber Streifen von der Bauchseite und daran schliessen sich jederseits fünf silberglänzende Flecken um die Athmungsöffnungen. Ist die Raupe spinnreif, so lässt sie eine hellbraune Flüssigkeit fallen und wird unruhig, steigt aber nicht empor, sondern zieht ein oder mehrere Eichblätter, die sie auf der ihr zugewandten Seite über spinnt, an sich heran und heftet daran ihren Cocon. Zu diesem Zweck webt sie zunächst rings um sich herum ein transparentes Netz von schöner gelblichgrüner Seide, durch welches man sie im Innern fleissig arbeiten sieht. Nach etwa 6 Stunden ist dasselbe durch neue Schichten undurchsichtig geworden und nach 6—8 Tagen die Verpuppung voll- endet. Das Grün des äusseren Gewebes hat mittlerweile viel von seiner Intensität verloren und ist in Grünlichgelb übergegangen. Die Cocons sind fest, von schöner ellipsoidischer Form, ohne Einschnürung in der Mitte, gegen 3 cm lang und 7 Gramm schwer. Ohne Puppe wiegt ein solcher Cocon 70—80 cg, während ein larvenfreier Cocon der Bombyx Mori noch nicht halb so schwer ist. Zehn Pfund Cocons liefern etwa 1 kg Haspelseide. Die oberste Lage hat einen gröberen Faden von grünlich gelber Farbe, aber die darunter befindlichen lie- fern eine schöne grünlichweisse Seide, die sich fast ebenso leicht ab- haspeln lässt, als bei B. Mori, wenn man die Cocons in heisses Wasser taucht. Etwa 15 Tage nach dem Anfang der Verpuppung trennt man I. Land- und Forstwirthschaft. die Cocons von den Blättern und sondiert sie. Diejenigen, welche ab- gehaspelt werden sollen, setzt man warmen Sonnenstrahlen oder einer mässigen Hitze im Backofen aus, um die Puppen zu tödten. Aus den besten, für die Zucht bestimmten, brechen 20—25 Tage nach ihrer Entstehung früh Morgens die stattlichen Schmetterlinge hervor. Da Weibchen der Antherea Yama-maï Guérin-Méneville. ½ der natürlichen Grösse. Männchen der Antherea Yama-maï Guérin-Méneville. ½ der natürlichen Grösse. dieselben unruhig umherfliegen und sich nicht leicht befruchten, sperrt man sie paarweise in glockenförmige Körbe aus siebartigem Bambus- geflecht ein, welche man an Stangen aufhängt. Nachdem die Weib- chen an den Innenwänden der Körbe ihre Eier abgelegt haben, wer- den letztere sorgfältig gesammelt und an trocknen Orten, die zugleich luftig und kühl sind, in Beuteln aufbewahrt bis zur Zeit, wo die neue Zucht beginnen kann. Dieser Samen von Yama-maï ist etwa neun mal so schwer, als der von Bombyx Mori, indem 130—140 Stück auf ein Gramm gehen. Sie sind sphäroidalrund, d. h. auf zwei Seiten flachconvex, Mandarin- 4. Viehzucht und Seidenzucht. orangen in der Gestalt vergleichbar. Die dunkelbraune Farbe der- selben, mit schwarzen Flecken und Streifen, rührt von einem gummi- artigen Ueberzug her, der sich durch Waschen mit Wasser oder Sodalösung entfernen lässt, worauf die Eierschale weiss erscheint, wie das auch bei einzelnen Eiern von Anfang an schon der Fall ist. Oeffnet man die Eier kurze Zeit, nachdem sie gelegt wurden, so wird man überrascht, keine Dottermasse in ihnen zu finden, sondern schon ausgebildete krummliegende Räupchen, welche in ihrem schlafenden Zustande verharren, bis eine grössere Wärme sie weckt. Alsdann lösen sie, vornehmlich in den Morgenstunden, die pergamentartige Eierschale am Rande, wo der Kopf liegt, und sind beim Hervor- kriechen durch rasches Wachsen etwa 7—8 mm gross, d. h. etwa vierthalb mal so lang als der Durchmesser der Eier. — Yama-maï-Seide ist theurer als die gewöhnliche. In Matsumoto kosteten 1875 25 Momme (c. 93,75 Gramm) Haspelseide von jener 1 yen, während man für denselben Preis 35 Momme der gewöhnlichen Seide erhielt. Die Preise beider Sorten verhalten sich demnach wie 7 : 5, woraus sich sowohl auf die besonderen Schwierigkeiten der Erziehung des Eichenspinners, als auch auf die Güte seines Gespinnstes schliessen lässt. Aus obiger Preisangabe berechnet sich das Picul Yama-maï- Seide auf rund 640 Dollars, und dies stimmt mit der Angabe von Bavier Japans Seidenzucht etc. von E. von Bavier. pg. 99. , wonach der Preis sich je nach der Qualität von 400 bis 800 Dollars per Picul bewegt, das ist von 27 bis 54 Mark per Kilo- gramm. Nach demselben Autor soll die Gesammtproduktion Japans an Yama-maï-Seide etwa 100 Ballen, à 75 Pfund engl. betragen, also rund 3400 kg nach unserem Gewichte. Es war mir nicht möglich, die Richtigkeit dieser Angabe, für welche v. Bavier selbst nicht ein- stehen will, zu prüfen; doch scheint mir die Schätzung eher zu hoch gegriffen zu sein, als unter dem wirklichen Ertrag der Ernte zu bleiben, da die Yama-maï-Seide im Lande bleibt und hier nur in be- schränktem Maasse verwendet wird. (Siehe Kunstgewerbe: Textil- industrie.) Der Kastanienspinner (Caligula japonica Butl.) ist die einzige Art unter den in Japan wildlebenden Bombyciden, deren Cocons, be- ziehungsweise Raupen, zuweilen gesammelt und verwerthet werden. Jene heissen Sukari , die Raupen Genziki-mushi (Kampferspinner), aber auch Shiraga-mushi (Grauhaarraupe). Official Catalogue. Jap. Section. Philadelphia 1876, pg. 120. Hilgendorf hat zuerst auf dieses Insekt aufmerksam gemacht und das wichtigste I. Land- und Forstwirthschaft. darüber, was ihm vornehmlich nach japanischen Quellen bekannt wurde, in einem Artikel betitelt »Der Kampferspinner (Genziki mushi)« Mitth. d. deutsch. Ges. etc. 9. Heft. Yokohama 1876. veröffentlicht. Das Insekt nährt sich von den Blättern der Kastanie, der Wall- nuss, verschiedener Eichen- und Sumacharten und im südlichen Japan auch von denen des Kampferlorbeers. Ich fand es häufig auf allen meinen Reisen in Japan und überzeugte mich, dass sein Lieblings- wirth der Kuri (Castanea vulgaris Lamk.) ist. Die grossen Raupen fressen einzelnstehende Kastanienbäume oft ganz kahl und rufen auch in grösseren Beständen zuweilen erkleckliche Verheerungen hervor, während sie andere Bäume daneben meist ganz verschonen. Da nun ausserdem jene Nährpflanze gleich der Raupe selbst über ganz Japan verbreitet ist, so ziehe ich vor, diese » Kastanienspinner « zu nennen, weil dies die allein passende Bezeichnung ist. Der Bauch dieser grossen Raupe ist hellgrün, der Rücken grauweiss. Eine Reihe schöner blauer Flecken bezeichnet auf jeder Seite die Tracheen. Seidenglänzende, grauweisse Haare von Centimeterlänge bedecken die Oberseite und bewirken im Verein mit der hellen Farbe der Raupen selbst, dass diese aus einiger Entfernung das Aussehen der blühenden Kätzchen ihres Ernährers haben. Der Kastanienspinner bildet kein allseits geschlossenes Cocon, sondern ein ziemlich grobes netzförmiges Gewebe von bräunlicher Färbung, dessen Fäden nur mühsam abzuwinden und nur als Ein- schlag zu groben Zeugen zu verwenden sind. Früher benutzte man die spinnreifen Raupen, wie es scheint häufiger als jetzt, zu den sogenannten Tengusu (Silkworm guts), indem man sie in Essig legte, sorgfältig an den Spinndrüsen öffnete, und die Seide als Faden von mehreren Fuss Länge hervorzog. Seitdem jedoch das feinere Material aus China leicht und billig zu haben ist, geben diesem auch die japanischen Angelfischer den Vorzug. (Siehe pg. 232 Anmkg.) 5. Forstwirthschaft. Verhältniss der japanischen Wälder (Hayashi) zu den übrigen Culturformen und zum Oedland. Unterscheidung derselben in Cultur- und Natur- oder Gebirgswälder. Charakter, Verbreitung und Verwerthung beider Arten. Einfluss auf das Klima. — Nach der früher (S. 11 u. 12) gegebenen Uebersicht der wirth- schaftlichen Bodeneintheilung in Alt-Japan , welche sich auf officielle 5. Forstwirthschaft. Mittheilungen vom Jahre 1879 stützt, fallen von dem gesammten Areal desselben im Betrage von 28356945 chô auf a. Bergwälder ohne Pflege und Oedland 17356945 chô. b. Culturwälder ‒ ‒ ‒ ‒ 5240570 ‒ Neuerdings ist nun die Oberfläche des hier in Betracht kommen- den Gebiets zwischen Tsugaru- und Colnet-Strasse ansehnlich höher, nämlich zu 28842011 chô berechnet worden, wie sich dies unter Andern aus dem Bericht über die japanische Abtheilung der forstwirthaftlichen Ausstellung zu Edinburg im Jahre 1884 ergibt. In dieser Publikation wird das bewaldete Terrain zu 11866625 chô angegeben, und zwar nimmt davon der Staatswald 5259182 chô ein und der Privatwald 6607443 chô. Die Vertheilung beider Categorien Wälder unter die drei Haupt- inseln und ihr Zubehör an kleineren ist in chô ausgedrückt folgende: Hieraus ergibt sich, dass der Wald im eigentlichen Japan 41 % des ganzen Areals einnimmt, und zwar in Honshiu 44 %, in Shikoku 64 %, in Kiushiu 17 %. Dieses Verhältniss ist nun in der angeführten Schrift weiter auf den Kopf der Bevölkerung berechnet worden. Es kommt hiernach auf jede Person in Alt-Japan 3,25 Tan Wald, in Honshiu 3,529 Tan, in Shikoku 4,4 Tan und in Kiushiu 1,32 Tan. Da nun weiter 1 Tan = 10 Are angenommen werden kann, so ent- spricht dies 32,5, 35,25, 44 und 13,2 Are beziehungsweise. Auf Honshiu, der Hauptinsel, ist wohl der südwestliche Theil oder Chiu- góku (Sanyodô und Sanindô) am waldärmsten. Es fehlen hier hohe Gebirge; auch hat der Bergbau hier und da, wie namentlich in weitem Umkreise von Ikuno in Mimasaka eine solche Entwaldung hervor- gerufen, dass bereits fühlbarer Holzmangel besteht. Aus den Daten des erwähnten Berichts, sowie den pg. 11 und 12 gegebenen lässt sich nun folgende genauere wirthschaftliche Glie- derung des Areals von Alt-Japan berechnen und zusammenstellen: I. Land- und Forstwirthschaft. a. Oedland 10730890 chô oder 37 % des Flächenraums b. Bergwälder 6626050 ‒ ‒ 23 ‒ ‒ ‒ ‒ c. Culturwälder 5240570 ‒ ‒ 18 ‒ ‒ ‒ ‒ d. Ackerland (Ta und Hata) 4280000 ‒ ‒ 15 ‒ ‒ ‒ ‒ e. Sonstige Culturen , einschliess- lich der benutzten Hara ungefähr 1364900 ‒ ‒ 5 ‒ ‒ ‒ ‒ f. Baugrund und Wege , ungefähr 600000 ‒ ‒ 2 ‒ ‒ ‒ ‒ Zusammen 28842410 ‒ ‒ 100 % ‒ ‒ ‒ wobei nur die unter e und f erwähnten Zahlen auf Schätzung beruhen und unsicher sind. Dieselben kommen indess für vorliegende Zwecke nicht weiter in Betracht, ebenso nicht die unter d für Ackerland an- gegebene Zahl. Das Oedland besteht zum grossen Theil aus der wirthschaftlich kaum benutzten Hara , Grasflächen, welche sich vornehmlich am Fuss höherer Vulkane weit ausbreiten und den höheren Gebirgswald in der Regel begrenzen. Bezüglich des sonstigen Charakters dieser Vege- tationsformation verweise ich auf Band I pg. 163 dieses Werkes. Es unterliegt kaum einem Zweifel, dass die Hara zum grossen Theil all- mählich in Wald übergehen würde, wenn nicht die verheerenden Feuer im Herbste mit der abgestorbenen Gras- und Krautvegetation auch die jungen Schösslinge der Holzgewächse, welche sich ansiedelten, immer wieder vernichteten. Nur in den Schluchten und andern geschützten Stellen vermögen sich solche Ansiedelungen von Gehölzen zu erhalten und zu entwickeln. Ein weiterer Theil Oedland besteht aus nackten Hügelrücken und Bergabhängen, die nicht selten mit bewaldeten abwechseln und zur Annahme berechtigen, dass auch sie ehedem mit Wald bestanden waren. Nachdem man ihnen aber ihren Schmuck genommen hatte, sei es, um die Bedürfnisse des Bergbaues in der Nachbarschaft zu be- friedigen, um Adlerfarren auf einer geschaffenen Brandstätte besser emporspriessen zu lassen (siehe pg. 80 Anmerk.) oder aus irgend einem andern Grunde, hatten die heftigen Regen ein freies Spiel, beraubten den Boden seiner lockeren Humusschicht und riefen damit für natür- liche wie künstliche Wiederbewaldung grosse Hindernisse hervor. Eine dritte Categorie wald- und culturfreier Flächen finden wir an und auf den Gipfeln höherer Berge jenseits der oberen Waldgrenze, wo entweder die Heftigkeit der Winde und Rauhheit des Klimas überhaupt, oder auch Mangel an geeignetem Boden die Baumlosigkeit bedingen. Dass vulkanische Eruptionen, auch wenn sie nur als Nach- wehen heftiger Ausbrüche in Form von Solfataren sich äussern, die Waldvegetation oft in weitem Umkreise vernichten, ist allbekannt. Die Solfataren wirken dabei in gleicher Weise wie die schweflige 5. Forstwirthschaft. Säure beim Röstprocess geschwefelter Erze. Endlich muss auch der vegetationsarme Dünensand der Küste dem Oedland zugerechnet wer- den. Eine Vermessung des letzteren, das theilweise der Aufforstung fähig ist, und wie die Sanddüne auch unterworfen wird, hat noch nicht stattgefunden. Oedland und Wälder nehmen im eigentlichen Japan zusammen nahezu ⅘ der gesammten Bodenfläche ein, wie aus obigen Zahlen leicht ersichtlich ist. Davon kommt auf die Wälder wieder mehr als die Hälfte. Sie bilden sonach im Landschaftscharakter die ausge- dehnteste und ausgeprägteste Vegetationsformation. Ihr Procentantheil (41) vom ganzen Areal ist grösser als in den meisten waldreichen Ländern Europas; auch sind sie im Haushalte der Natur und Bewohner Japans ein hochwichtiger Factor, wenngleich bisher nur der kleinere Theil eine grössere wirthschaftliche Verwerthung gefunden hat. Der aufmerksame Reisende erkennt leicht die grosse Verschieden- heit der japanischen Wälder, je nachdem dieselben dem schwerzu- gänglichen Gebirge oder seinen Gehängen, dem Hügellande und der Ebene angehören. In der That lassen sich dieselben nach ihrem Cha- rakter und der Art ihrer Verwerthung, welche beide wieder vornehm- lich durch die Lage bedingt wurden, in Cultur - und Natur - oder Bergwälder unterscheiden. Mangel an Wegen und sonstigen ge- eigneten Verkehrsmitteln bewirkte, dass letztere mehr oder weniger ihren natürlichen Charakter bewahrten, weil sie von der Hand des Menschen schwer erreichbar waren. Das grosse Bedürfniss an Holz, namentlich an leichtem und bequem zu verarbeitendem Bauholz, wie es vornehmlich die Coniferen liefern, rief den Culturwald hervor. Dem entsprechend hat letzterer in der Regel den Charakter des ge- schlossenen, mehr oder weniger einförmigen Nadelwaldes, während jener, wie schon im ersten Bande dieses Werkes pg. 166 ff. hervorgehoben wurde, durch die Mannigfaltigkeit und bunteste Mischung seiner Holz- gewächse sich auszeichnet. Der grösste Theil der Culturwälder ist in Privatbesitz, während der Gebirgswald hauptsächlich dem Staate an- gehört. Der japanische Culturwald dient, wie bereits angedeutet wurde, vornehmlich dazu, das nöthige Bauholz zu liefern. Die japanische Holzzucht beschränkt sich jedoch keineswegs auf den Wald, wie im nächsten Kapitel, namentlich bei Paulownia und Zelkowa zu sehen ist. Von Alters her sind die Wohnungen aus Holz construiert, leichte luftige Bauten, die der Solidität ermangeln, da die japanischen Zimmerleute keine Idee I. Land- und Forstwirthschaft. haben von der Anwendung von Spannern in irgend einem Rahmwerk, noch das Bedürfniss, ein solches auf ein festes Fundament zu stützen. So gewährt denn das japanische Wohnhaus wohl während der heissen Sommermonate einen luftigen, kühlen Aufenthalt; wenn aber im Winter draussen heftige rauhe Winde wehen, dringt ihr kalter Hauch durch alle Fugen. Alsdann vermögen nur warme Kleider gegen die Kälte genügend Schutz zu gewähren, da auch die Heizvorrichtungen keineswegs zweckmässig sind. Auf dem Lande sind die Häuser meist mit Stroh, in den Städten in der Regel mit Schindeln oder auch mit Ziegeln bedeckt. Das Schindeldach trägt rechtwinklig sich kreuzende Bambusrohrschienen, welche mit Drähten befestigt sind, und dazu dienen, die Schindeln bei heftigen Winden in ihrer Lage zu erhalten. Zu diesem Zweck werden sie an hochgelegenen Orten noch weiter durch Steine unterstützt, wie dies in ähnlicher Weise auch in unsern Gebirgen an Dächern zu beobachten ist. Der leichte Holzbau, das Fehlen der Schornsteine und genügen- der Heizvorrichtungen überhaupt, sowie endlich die Sitte, die Woh- nungen in den Städten und grösseren Ortschaften unmittelbar an ein- ander zu reihen, erhöhen die Feuersgefahr ausserordentlich. Ver- heerende Feuersbrünste kommen desshalb sehr häufig vor, zumal in dem grossen Häusermeer von Tôkio; sie vermehren den Bedarf des Landes an Bauholz in hohem Grade und sind eine der Hauptursachen, wesshalb letzterer schon seit lange durch planmässige Waldanlagen gedeckt wird. Denn während im Gebirge noch jetzt der grosse Ueber- fluss an Holz bei dem Fehlen geeigneter Verkehrsmittel, wie Fuhr- werke und fahrbare Wege, nur geringe Verwendung findet, und man die alten abgestorbenen oder vom Winde gebrochenen Stämme in Menge verfaulen lässt, machte sich in der tieferen Culturregion schon vor Jahrhunderten Holzmangel geltend, dem nur Aufforstung oder künstliche Anlagen abhelfen konnten. In dieser Beschränkung ist denn auch die japanische Behauptung, dass man schon vor 1200 Jahren in Dai Nippon Wälder durch künstliche Pflanzung erzielt habe, wohl begründet. Eine systematische, zielbewusste und vom Staate geleitete Forstwirthschaft war dies jedoch nicht, da ja, wie gesagt, der einzige Zweck dieser Waldcultur die Beschaffung des nöthigen Holzes war. Dass aber gerade der vollständig vernachlässigte Gebirgswald ein Hauptquell der Wohlfahrt für das Land sei und man diese nicht blos in seinem Holze, sondern vornehmlich auch in seinem klimatischen Einflusse suchen und erhalten müsse, ist den Japanern erst in der neuesten Zeit zum Bewusstsein gebracht worden. Von hier ab datiert denn auch die Energie, mit welcher sie die wissenschaftliche Wald- 5. Forstwirthschaft. pflege betreiben und von der ihr Anteil an der forstwirthschaftlichen Ausstellung zu Edinburg im Jahre 1884 ein vielgerühmtes Zeugniss ablegte. — Als bestes Bauholz, hart, zähe und dauerhaft zugleich, wird das Keyaki (Zelkowa Keaki Sieb.) angesehen; doch ist sein Preis verhält- nissmässig hoch, wesshalb man es mehr zu Tischlerarbeiten verwendet. Auch die geschätztesten Nadelhölzer, wie Hinoki (Chamaecyparis obtusa Endl.) und verwandte Arten, Tsuga (Abies Tsuga S. \& Z.), Kara-matsu (Larix leptolepis Gord.), Ichii (Taxus cuspidata S. \& Z.) kommen ihres höheren Preises wegen im Häuserbau nicht in dem Maasse zur An- wendung, wie sie es nach ihren vortrefflichen Eigenschaften verdienten, sondern werden mehr bei der inneren Ausschmückung werthvollerer Wohnungen herangezogen. Das gewöhnliche Bauholz für Wohn- häuser liefert die schnellwachsende Sugi (Cryptomeria japonica Don.), ferner die Momi (Abies firma S. \& Z.) und ein noch billigeres, viel- verwandtes, die vielgepriesene Matsu (Pinus densiflora S. \& Z. und P. Massoniana Lamb.), dessen man sich in der Regel auch zum Bau der Brücken bedient, wozu sich das leichtbrüchige Sugiholz wenig eignet. Aus Vorerwähntem ergibt sich, wesshalb man dem Anbau der Sugi und Matsu besonders viel Aufmerksamkeit zuwendet. Höchst- wahrscheinlich sind alle Bestände dieser Nadelhölzer und ebenso die- jenigen der Cupressus-Gruppe (Chamaecyparis und Thujopsis) künst- liche Anlagen, auch schon aus dem Grunde, weil erfahrungsmässig die Selbstbestockung dieser, wie der meisten Coniferen schwer ist, und da, wo ein Nadelhochwald verschwindet, in der Regel zunächst Brom- beergebüsch, Weidenröschen und andere Pflanzen, sowie geringwerthige blattwechselnde Gehölze an die Stelle treten. Als Brennmaterial zu Haushaltungszwecken dient allgemein die Holzkohle verschiedener Cupuliferen, insbesondere der Kastanie oder Kuri (Castanea vulgaris Lamk.) und mehrerer sommergrüner Eichen, wie Kashiwa, Kunugi und Nara (Quercus dentata, Q. serrata und Q. crispula). Da ausserdem das Holz derselben verschiedenen andern Zwecken dient, so werden auch sie häufig angepflanzt, und in reinen Beständen gefunden, ein Vorkommen, welches von dem im Gebirgs- walde wohl zu unterscheiden ist. Dasselbe lässt sich von der immer- grünen Shii-no-ki (Quercus cuspidata) behaupten, welche auf den wärmeren Süden beschränkt ist und ihres geschätzten Holzes wegen ebenfalls forstwirthschaftlich gepflegt wird. Alle vorerwähnten Waldbäume und einige andere, weniger ver- breitete, wozu auch die Koya-maki oder Schirmtanne (Sciadopitys verticillata) zu rechnen ist, werden in ähnlicher Weise, wie unsere I. Land- und Forstwirthschaft. Nadelhölzer aus Samen in Baumschulen erzogen und die Pflänzlinge gewöhnlich nach zwei Jahren verpflanzt. Die Behandlungsweise inner- halb dieser Zeit, sowie die Anlage der Holzpflanzung selbst ist eine sehr sorgfältige, auf alte Erfahrung sich gründende. Auch fehlt es nicht an gedruckten und mit den nöthigen Abbildungen versehenen Anweisungen. Der zu einem Pflanzgarten ausgewählte Boden wird eben so tief und sorgfältig bearbeitet, wie zu der Anlage einer Obstbaumschule oder eines Theegartens. Auch lässt man es an der nöthigen Einfriedigung nicht fehlen. Dieselbe besteht gewöhnlich aus einem 1—2 m hohen, leichten und gefälligen Bambusrohrzaun, welcher Luft und Licht durch- lässt. In schneereichen Distrikten kommt im Winter der Yuki-ôi oder Schneeschutz in Gestalt eines leichten Strohdaches darüber; wenn es sich dagegen um Abhaltung der Kälte von den empfindlichen jungen Sämlingen handelt, wie z. B. bei den Ko-kuri oder jungen Kastanien, so werden Strohdecken, die an Bambusrohr befestigt und von ihm ge- tragen werden, horizontal darüber ausgebreitet. Auch auf das Ausheben der Naye oder jungen Setzlinge, das Zurückschneiden ihrer Pfahlwurzeln, die Anfertigung der Pflanzlöcher mit Hülfe der Hacke und das Einpflanzen selbst auf dem zur Auf- forstung bestimmten Boden wird viel Sorgfalt verwendet. Dagegen fand ich unsere verschiedenartigen Reihenpflanzungen selten scharf durchgeführt, vielmehr richtet man sich offenbar meist ganz nach der Beschaffenheit des Bodens und dem eigenartigen Geschmack, der einer systematischen Anordnung auf weite Strecken nicht hold ist, wenn nicht dringende und augenscheinliche Zweckmässigkeitsgründe dazu nöthigen, wie beim Landbau. Die Culturwälder Japans haben selten eine grössere Ausdehnung. Feste Dünen und sonstige sandige Strecken fallen in der Regel den oben genannten Kiefern zu, wie im Département des Landes der Pi- nus Pinaster Solander (Pin des Landes), ebenso der unfruchtbare Ge- röllboden des Hügellandes. Die andern Nadelhölzer bedürfen eines tiefgründigeren, besseren Bodens, welchen man in der Ebene nur der Sugi hier und da einräumt. Meist aber findet man auch diese, gleich Chamaecyparis und Thujopsis, an den unteren, sanfteren Gebirgs- abhängen. Ist hier der Boden zu steinig und unfruchtbar, so wird wohl die Kastanie zur Aufforstung herangezogen, während die Eichen in den Sätteln und Mulden besser gedeihen. Selten ragt aber der Culturwald irgend welcher Art über eine Höhe von 1000 Metern hin- aus. Auf Yezo ist die Cryptomeria nach Böhmer Reports to the Kaitakushi. Tôkio 1875. der einzige Wald- 5. Forstwirthschaft. baum, welcher von den eingewanderten Japanern seines Holzes wegen angebaut wird. Gegenüber den zahlreichen und über alle Provinzen verbreiteten Wäldern und Hainen der Sugi und der Kiefern (Pinus densiflora oder Aka-matsu und P. Massoniana oder Kuro-matsu) treten die ge- schlossenen Bestände der andern Culturnadelhölzer sehr zurück. Die- jenigen der Cypressengruppe, nämlich Hinoki, Sawara und Hiba (Chamaecyparis obtusa, Ch. pisifera und Thujopsis dolabrata) findet man in grösster Ausdehnung und schönster Entwickelung im mittleren Theil von Hondo auf der Halbinsel Yamato und im Gebiet des oberen Kiso-gawa. Sie gehörten vor der Restauration der Mikadoherrschaft grösstentheils den beiden mächtigen Daimiô von Kishiu (Kii) und Bishiu (Owari). Jyeyasu hatte den Besitzern dieser Herrschaften durch ein besonderes Gesetz die Pflicht auferlegt, für das nöthige Hino-ki- Holz zum Bau des Nationalheiligthums in Ise (Tempel der Sonnen- göttin Amaterasu) und seiner Erneuerung nach je 21 Jahren zu sorgen und den Wäldern des Baumes ihre beständige Aufmerksamkeit zuzu- wenden, sie dagegen von allen sonstigen allgemeinen Lasten entbun- den. Zum besseren Verständniss sei noch erwähnt, dass Hi-no-ki und Sakaki (Cleyera japonica) die der Sonnengöttin und überhaupt im Shintô oder Ahnencultus geheiligte Pflanzen waren und noch sind, und alle Tempel desselben, wie auch die ehemalige Residenz des Mikado in Kiôto aus dem Holze des Feuerbaumes (Hi-no-ki) erbaut waren. Siehe auch Rein, Japan I, pg. 515. Am wenigsten verbreitet unter den waldbildenden und der Cultur unterworfenen Nadelhölzern Japans ist unstreitig die schöne Schirm- tanne (Sciadopitys verticillata S. \& Z.), von der nur die Bergabhänge um Koya-san in Kishiu (daher Koya-maki genannt) grössere Pflan- zungen aufweisen. Dr. Yaroku Nakamuro führt auch Podocarpus Nageia und P. macrophylla als Bestandtheile des Culturnadelwaldes an, Ueber den anatomischen Bau des Holzes der wichtigsten japanischen Coni- feren; Untersuchungen aus dem forstbotanischen Institut zu München. III. 1883. während ich sie stets nur gleich dem Ginko als Zierpflanzen traf. Den Culturwäldern reihen sich die Bambushaine (Yabu, Take-yabu) an, welche den mannigfaltigsten Bedürfnissen des Lebens dienen, im Landschaftsbilde eine gar liebliche Erscheinung sind und vornehmlich häufig im Weichbild grösserer Städte getroffen werden, wo der Ver- brauch an Rohr besonders gross ist. Wie die blumen- und formenreiche Waldwiese absticht gegen den wohlgepflegten, aber einförmigen Rasen unserer Gärten und Park- Rein , Japan. II. 17 I. Land- und Forstwirthschaft. anlagen, so verschieden erscheint der japanische Naturwald im Gebirge Yama, Berg, Gebirge, ist auch die häufigste Bezeichnung für Naturwald. mit seinen vielerlei buntgemischten Gewächsen von dem gleichförmigen Nadel- oder Laubwald, welchen Bedürfniss und Für- sorge hervorriefen. Wie auf der Hara, so hat sich auch in dem Ge- birgslaubwalde die ursprüngliche Physiognomie der japanischen Natur mit ihrem grossen Reichthum an Formen und Arten erhalten. Aber Reichthum an Arten bedeutet keineswegs auch schon Reichthum an werthvollem Holz in einem solchen Walde oder an Futter mit Bezug auf die Waldwiese, und ein Eldorado im Sinne des Natur- und Pflanzen- freundes ist nicht immer eins vom Standpunkt des Nationalökonomen. In dem sich selbst überlassenen Wald, ob Urwald oder verwil- dert, kommt dabei nicht weiter in Betracht, mischt sich Leben und Tod, aufspriessende und absterbende Vegetation in wunderbarer Weise. H. Cotta Vorrede zu seiner »Anweisung zum Waldbau«. sagt mit Bezug hierauf, dass Wälder sich da am besten bilden und bestehen, wo es gar keine Menschen- und folglich auch keine Forstwirthschaft gibt. Es ist jedoch eine viel verbreitete, nichts- destoweniger aber irrige Ansicht, dass der Urwald besonders holzreich sei. Derselbe zeigt vielmehr neben eingestreuten Baumriesen alle Abstufungen der verschiedenartigsten Holzentwickelung bis zum nie- drigsten Strauche und bietet keineswegs die gesammte Holzmasse eines Culturhochwaldes auf derselben Fläche, auf welcher Dutzende geringwerthiger Arten Holzgewächse zurückgedrängt wurden, um Licht und Raum für eine kräftige Entwickelung besserer zu gewinnen. Der Forstwirth reduciert also die Artenzahl eines Naturwaldes mit Hülfe der Axt und anderer Mittel, gleichwie durch fortgesetzte Düngung und Pflege eine Verarmung der Flora einer Wiese eintritt, indem zwischen zahlreichen und buntgemischten Gräsern und Kräutern das bisherige Gleichgewicht gestört und eine ungleiche Förderung der Entwickelung eingeführt wird, bei der die schwächeren Bestandtheile zu Grunde gehen. Wie Bd. I, pg. 166—179 näher ausgeführt wurde, ist Asa-ki, der japanische Laubwald , im Gegensatz zum Kuro-ki oder dunklen Nadelwalde und zu unsern eigenen artenarmen Wäldern, aus einem überaus bunten Gemisch einer grossen Anzahl von Baum- und Straucharten auf allen Altersstufen zusammengesetzt. Nur aus- nahmsweise und meist in Folge besonderen Anbaus finden wir Ka- stanien und verschiedene Eichenarten in geschlossenen Beständen. Schling- und Kletterpflanzen, schmarotzende und im Boden wurzelnde Farne treten häufiger, in viel mehr Arten und in kräftigerer Entwicke- 5. Forstwirthschaft. lung auf als bei uns. »Die Bildner und Bewohner des japanischen Gebirgs-Laubwaldes alle aufzuzählen, hiesse mindestens die Hälfte der ganzen Flora nennen. Im höheren Gebirge und mehr im Norden fin- den wir nur wenige immergrüne Sträucher, keine Bäume (Nadelhölzer natürlich ausgenommen). Die hervorragendsten Bestandtheile eines solchen blattwechselnden Waldes sind Eichen, Buchen, Hainbuchen, Ahorne, Birken, Rosskastanien, Magnolien, Aralien, Wallnüsse, Ulmen, Planeren, verschiedene Rosaceen und an feuchteren Stellen auch Eschen und Erlen« (I. Bd. pg. 167). Da die wichtigsten derselben bei Besprechung ihrer Hölzer im nächsten Kapitel noch näher angeführt werden, kann ich hier von der Aufzählung ihrer botanischen Namen absehen. Als grössere und besonders wichtige Laubhölzer der Insel Yezo werden hervorgehoben: Stattliche Magnolien (Magnolia hypoleuca und Cercidiphyllum japonicum), Kastanien, Rosskastanien, Wallnüsse, Ahorne, Erlen, Birken, Eschen, Ulmen, Linde, blattwechselnde Eichen u. A. m. Der japanische buntgemischte Asa-ki ist keineswegs Urwald, ja er mag hier und da sogar aus einer Pflanzung an Stelle eines ehe- maligen Feldes hervorgegangen sein, Nach einer getälligen brieflichen Mittheilung botanisierte der bekannte Akademiker Maximowicz im Jahre 1863 einmal bei Nagasáki in einem so dicht verwachsenen Hochwalde, dass er ihn für einen Urwald hielt, bis er in der Ter- rassierung des Bodens erkannte, wie er sich auf einem ehemaligen Felde befand. aber er hat ein durchaus natur- wüchsiges Gepräge, ist sich selbst überlassen und erneuert sich selbst. Wohl dringt der Mensch mit seiner Axt auch in ihn ein, doch nur um die geschätztesten und zerstreut wachsenden Hölzer, wie Ho-no-ki Saru-suberi, Tsuta-no-ki (Magnolia hypoleuca, Stuartia monadelpha, Actinidia volubilis) und einige andere zu suchen, wodurch der Grund- charakter in keiner Weise wesentlich verändert wird. Dies geschieht erst in Folge einer durchgreifenden Vernichtung durch Waldbrand. Wie die Capoeira auf der verlassenen Roça (Pflanzung) Brasiliens aus ganz andern Pflanzenformen besteht, als der frühere Urwald, so ist es auch hier. Ein Buschwald, in welchem auch das schmalblätterige Weidenröschen (Epilobium angustifolium L.) hier und da, wie auf unsern Waldbrandstätten, nicht fehlt, ferner das steife Bambusgras (Phyllostachys bambusoides S. \& Z.), und an noch höheren, feuchteren Stellen wohl auch das Itadzuri (Polygonum cuspidatum) gegen 3 Meter hoch sich entwickelt, tritt an die Stelle. Der Wald nimmt wohl erst allmählich und nach langer Zeit, wenn überhaupt, den früheren Cha- rakter wieder an. 17* I. Land- und Forstwirthschaft. In dem Gebirgslaubwalde zählt die Buche zu den häufigsten Bäumen. Sie erweist sich auch hier, ebenso wie in unserer deutschen Heimat als bodenpflegende Holzart von hohem Werthe, wie man leicht an der mächtigen Laubdecke Eine Beeinträchtigung der Selbsterhaltung des japanischen Waldes durch Hutungen oder Entziehung der Streudecke kommt nach dem, was früher über Viehzucht und Dünger gesagt wurde, nicht vor. und den fast meterhohen Wedeln der schönen Lomarien und anderer Farnkräuter, welche üppig über dem Boden emporwachsen, erkennen kann. Auch zwingt sie die verschiedenen an- dern Baumarten, welche sich ihr zugesellen und unter denen stattliche Exemplare der Magnolia hypoleuca, Calopanax ricinifolia und Aesculus turbinata durch ihre grossen, fremdartigen Blätter besonders auffallen, zur Langschaftigkeit und Astreinheit, wie nicht minder die zerstreut auftretende Momitanne (Abies firma). Es ist klar, dass mit der Erhebung, wie mit der geographischen Breite der Natur-Laubwald Japans wesentlich seine Zusammensetzung ändert. Neben einer ganzen Anzahl Baum- und Straucharten, welche man von Yezo bis nach dem südlichen Kiushiu in demselben immer wieder findet, treten gen Süden und in geringerer Meereshöhe mehr und mehr immergrüne Bäume und Sträucher hinzu, worunter lorbeer- blätterige Eichen, Camellien und andere Ternströmiaceen, der Kampfer- lorbeer, sowie verwandte Cinnamomum-Arten, besonders in die Augen fallen. Auf Shikoku und der Halbinsel Yamato mischt sich stellen- weise die Camellie mit der Buche, blattwechselnden Eichen und Ahorn- arten. In Hiuga sah ich sie in gleicher Höhe in Gesellschaft von Quercus cuspidata, Illicium religiosum und immergrünen Daphne- Büschen. An noch andern Stellen des südlichen Kiushiu und bis zu 300 m Seehöhe finden wir neben ihr und immergrünen Eichen hohe Bäume der Cinnamomum-Arten und als Unterholz u. A. Buxus japonica. Indess müssen wir alle diese Wälder doch in der Gruppe der Naturwälder vereinigen; denn sie sind nicht das Produkt einer Wald- cultur zu bestimmten Zwecken, sondern der eigenartigen Natur. Auch erkennen wir in allen noch einen andern und viel interessanteren ge- meinsamen Zug. Derselbe besteht in ihrer grossen Verwandtschaft mit den Wäldern des Atlantischen Gebietes von Nordamerika, sowie mit denen der Tertiärzeit in Mitteleuropa. Ein näheres Eingehen auf diese Verhältnisse liegt jedoch ausserhalb der Zwecke dieser Arbeit und kann hier um so mehr wegbleiben, als diejenigen, welche sich dafür interessieren, bereits im I. Bande pg. 191—198 das Nähere dar- über finden werden. 5. Forstwirthschaft. Es ist bisher immer nur von dem Natur-Laubwalde des Gebirges die Rede gewesen. Ich habe hier jedoch auch noch einer Gruppe von Nadelwäldern zu gedenken, welche in mehr oder minder reinen Be- ständen sich meist an den Laubwald nach oben anschliessen und zwar für den grössten Theil des Landes innerhalb der Höhengrenze von 1500—2000 Metern. Wo letztere überschritten wird (bis 2400 m, siehe Bd. I, pg. 174), bleibt die Entwickelung der Bäume hinter der nor- malen weit zurück, falls nicht ein alter Kraterboden oder sonstiger Sattel Schutz vor heftigen Winden und zugleich besseren Boden ge- währt. So findet man z. B. nahe dem Gipfel des 2500 m hohen Nan- taisan im Nikko-Gebirge Abies Tsuga und A. polita nur noch 3—6 m hoch, während gleichalterige tiefer abwärts die 4—5 fache Höhe zeigen. Von den 6 häufigsten Nadelhölzern dieser Region ist die Tsuga ohne Zweifel das verbreitetste, welches auch für sich allein weite Strecken bedeckt. Mit ihr gehören Abies firma und Larix leptolepis mehr der unteren, A. polita, A. Alcockiana und A. Veitchii dagegen meist der oberen Stufe an. In der Regel sind diesem dunklen Hochgebirgswalde (Kuro-ki, d. h. Schwarzwald genannt) nur wenige blattabwerfende Arten Laub- hölzer eingestreut, und diese kommen natürlich auch nur ausnahms- weise zu kräftiger Entwickelung. Hierher gehören Birken, Erlen und Ebereschen (Betula alba, Alnus viridis, A. incana, Pyrus sambucifolia), sowie verschiedene Sträucher. Von Yezo abgesehen, veranschlagt Dupont Les Essences forestières du Japon. pg. 8. das Verhältniss sämmt- licher japanischen Nadelhölzer zu den Laubhölzern wie folgt: Harzige Bau- und Werkhölzer (Bois de travail résineux) 35 %. Laub-, Bau- und Werk-Hölzer (Bois de travail feuillus) 5 %. Laubhölzer für Heizzwecke (Bois feuillus pour chauffage) 60 %. Dieses Verhältniss dürfte nach dem bisher Erwähnten annähernd auch das der Nadelwälder zu den Laubwäldern sein, so dass meine Behauptung (Bd. I, pg. 172) vom Vorwiegen der letzteren von Dupont nur bestätigt wird. Die Bezeichnung »Bois feuillus pour chauffage« ist aber, nach dem, was ich früher über den Gebirgs-Laubwald be- merkt habe, nur dahin zu deuten, dass der grösste Nutzen, den man bisher daraus zog, lediglich der zur Gewinnung von Holzkohle ist; denn selbstverständlich ist der Bedarf Japans an Brennmaterial nicht so gross, um 60 % seiner Wälder nach Vermögen auszunutzen. Ander- seits beschränkt sich die japanische Holzzucht keineswegs auf den Wald, wie wir namentlich bei Kiri (Paulownia) sehen. I. Land- und Forstwirthschaft. Ueber Yezo liegt eine, auch die höchsten Regionen umfassende, gründliche pflanzengeographische Untersuchung nicht vor; dagegen wissen wir von F. Schmidt, dass auf Sachalin die Knieholzregion, mit Pinus parviflora, welche im mittleren Hondo erst auf den höheren Berggipfeln getroffen wird, stellenweise bis auf 320 m herabsteigt. Meine Bd. I pg. 153—198 niedergelegten pflanzengeographischen Studien in Japan führten mich auch zu einer Gruppierung der Wald- bäume und insbesondere der Coniferen Japans nach 5 Höhenzonen, welche sich vorwiegend auf Honshiu beziehen. Zwei Jahre nach mir hat Dr. Yaroku Nakamura aus Tôkio in der bereits citierten Arbeit »Ueber den anatomischen Bau des Holzes der wichtigsten japanischen Coniferen« Untersuchungen aus dem forstbotanischen Institut zu München. III. Berlin 1883. pg. 17—45. unter der Ueberschrift: »Beschreibung der japanischen Waldflora« ebenfalls 5 Höhenstufen angenommen. Da diese Einthei- lung etwas von der meinigen abweicht, letzterer überdies gar nicht gedacht wird, so stelle ich zum Schlusse hier beide ohne weiteren Commentar neben einander. Bei Rein, Japan I, pg. 179 heisst es: Fassen wir zum Schlusse das, was in Vorstehendem über die Ve- getationsformen Japans und ins- besondere über die Verbreitung der Nadelhölzer in verticaler Rich- tung gesagt wurde, zusammen, so vermögen wir fünf Pflanzenregionen zu unterscheiden: 1. Zone des Kiefernwaldes und des Wachholders , bis 400 Meter hoch. Sie umfasst die Culturregion, die Vegetation des Dünensandes, der stehenden und langsam fliessenden Gewässer, der buschigen Hügellandschaften und des immergrünen Waldes im Sü- den, welcher nur ausnahmsweise 200 m höher reicht. Nakamura schreibt: Betrachten wir endlich die ver- ticale Verbreitung der Waldbäume in dem Gebirge, so können wir dieselben im Allgemeinen in 5 Zonen vertheilen: 1. Die Zone der Kiefern . Dieselbe steigt bis 500 m. Den unteren Theil (bis 300 m) bewohnt Pinus Massoniana mit wintergrünen Laubhölzern, wie Quercus acuta, Q. glauca, Q. gilva, Q. phylly- rhoides, Q. glabra, Cinnamomum camphora, Distylium racemosum, Cinnamomum pedunculata, Buxus sempervirens etc. und den oberen Theil (300—500 m) Pinus densi- 5. Forstwirthschaft. 2. Zone der Cryptomerien, Cypressen und Eiben , 400 bis 1000 Meter Höhe. Es ist dies zu- gleich das Gebiet des unteren, sommergrünen Laubwaldes, in wel- chem die Vegetation an Ueppig- keit und Artenverschiedenheit ihre grösste Kraft entwickelt, die Re- gion der Kastanien, blattwechseln- den Laurineen, der meisten Magno- liaceen, Ternströmiaceen, Lardiza- baleen, Hydrangeen, Caprifoliaceen und anderer reich vertretener Sip- pen, sowie endlich das Gebiet der unteren und ausgebreitetsten Hara. 3. Zone der Abies firma und des mittleren Laubwal- des , 1000—1500 Meter Höhe. Hierher gehört der grösste Theil des blattwechselnden Hochwaldes mit Eichen, Buchen, Ahornen, Er- len, Eschen, Rosskastanien, Ara- lien, ferner die obere Hara. 4. Zone der Tannen und Lärchen , 1500—2000 Meter. Es ist zugleich das Gebiet des oberen Laubwaldes mit Birken, Erlen, der subalpinen Kräuter und Sträucher. flora mit blattabwerfenden Bäumen, wie Zelkowa Keaki, Ginko biloba, Quercus dentata, Q. serrata, Casta- nea vulgaris, Q. crispula, Melia japonica, Sophora japonica, Apha- nante aspera, Celtis sinensis, Popu- lus Sieboldi, Ilex crenata etc. 2. Die Zone der Cypressen ; 500—1100m. Die vorherrschenden Holzarten sind: Chamaecyparis ob- tusa, Ch. pisifera, Podocarpus ma- crophylla, Sciadopitys verticillata, Podocarpus Nageia, Torreya nuci- fera etc. 3. Die Zone der sommer- grünen Laubhölzer ; 1100 bis 1700 m. Hier kommt hauptsäch- lich vor: Magnolia hypoleuca, Cer- cidiphyllum japonicum, Evodia glauca, Ulmus campestris, Alnus maritima, Fagus sylvatica, Juglans Sieboldi, Aesculus turbinata, Acer palmatum, A. crataegifolium etc. 4. Die Zone der Tannen und Fichten ; 1700—2400 m. Im unteren Theil dieser Zone sind Abies firma, Larix leptolepis und Abies Tsuga vorherrschend und im oberen Theile finden sich Abies Veitchii, Picea Alcockiana, P. po- lita etc. I. Land- und Forstwirthschaft. 5. Zone des Knieholzes , von 2000 Meter an aufwärts, die Region der kriechenden Ericineen und hochalpinen Kräuter. 5. Die Zone der Krumm- holzkiefern , 2400—2800 m. Hier findet Pinus parviflora ihre Heimat und darin kommen verkümmerte Alnus viridis, Sorbus aucuparia, Betula alba, Alnus firma etc. vor. Der grosse Einfluss der Wälder auf das Klima ist wieder- holt in Zweifel gezogen, noch öfter aber in überschwänglicher Weise gepriesen worden. Eine kurze, sachgemässe und auf viele zuver- lässige Beobachtungen sich stützende Darlegung der Verhältnisse von so competenter Seite, wie die des russischen Meteorologen A. Woeikof in Petermann’s Mittheilungen P. M. 31. Bd. 1885. pg. 81—87. , war desshalb gewiss Vielen willkommen. Das Resultat dieser Untersuchung bestätigt die herrschende, und namentlich auch Seitens unserer Forstwirthe stets vertretene Ansicht, dass Wälder in der That für ein Land von hoher klimatischer Bedeu- tung sind. Auch nach Ansicht der hervorragendsten französischen Ge- lehrten, welche sich mit der Frage der Wiederbewaldung der Gebirge in Südfrankreich und Algerien eingehend befasst haben, üben Wälder unter allen Vegetationsformen auf das Klima den grössten Einfluss aus. Sie reinigen die Luft, kühlen sie im Sommer ab, mässigen die Kälte im Winter, condensieren in vielen Fällen den Wasserdampf der Atmosphäre »Jedes Moos, welches wir zerstören, bildet wie die ganze Laubdecke ein Reservoir für das Wasser«, sagt Göppert. und bewirken die verschiedensten Formen von Nieder- schlägen. In ihrer Laub-, Moos- und Humusdecke saugen sie, wie der trockne, schwammige Torf das Regen- und Schneewasser auf, Wälder ziehen nicht die Wolken an, wie eine weit verbreitete Volksan- sicht nach dem täuschenden Augenschein annimmt, sondern rufen sie durch Ab- kühlung der durch und über sie hinwegziehenden Luft hervor. vermindern die Schluchtenbildung durch Erosion und beeinflussen die Flüsse, indem sie einerseits zur Zeit heftiger Regen und der Schnee- schmelze das rasche Ansammeln des Wassers in den Thalsohlen ver- hindern, anderseits das aufgesogene und aufgespeicherte Wasser erst allmählich abgeben und so mittelbar auch in trockner Zeit die Quellen speisen. So ist der Wald also ein Wassersammler und eine uner- schöpfliche Feuchtigkeitsquelle, durch welche der Wasserstand der Flüsse bis zu einem gewissen Grade geregelt und erhalten wird. Darum zeigen sich die Folgen der Waldvernichtung nicht blos im Mangel an Brenn-, Bau- und Werkholz, sondern in noch höherem 5. Forstwirthschaft. Grade in den bedeutenden klimatischen Veränderungen, welche ein Land dadurch erleidet. Die Abnahme der Wälder hat eine Erhöhung der mittleren Jahres- temperatur und insbesondere der Sommerhitze, sowie eine Verminde- rung der jährlichen Niederschläge zur Folge. Sie als Ursache der Ueberschwemmungen überhaupt anzusehen, hiesse jedoch ihre Wirkung einseitig beurteilen. Ueberschwemmungen kommen in den wald- reichsten Gebieten der Erde und namentlich auch in waldreichen Theilen Japans vor. So kamen auch die mächtigen Wassermassen, welche im November und December 1882 den Rhein schwellten und weit über seine Ufer drängten, von den waldreichen deutschen Mittelgebirgen. Auch beweisen die breiten Spuren alter Flussläufe, dass unsere Flüsse viel zahmer und manierlicher geworden sind und Ueberschwemmungen ehemals, als Deutschland noch seine Urwälder hatte, viel häufiger waren, als jetzt, und weite Strecken mit Geröll überflutheten. Aber die richtige Erklärung hierfür liegt auf einer andern Seite und widerstreitet nicht der Thatsache, dass die Entwaldung der Gebirge die Trockenheit der Atmosphäre, Ungleichheit in der Vertheilung der Niederschläge und zugleich die Gefahr der Ueberschwemmung in den Thälern wesentlich vermehrt hat. Offenbar war nicht sowohl die grössere Menge des Niederschlags, als gerade der Urwald in der Ebene, welcher später dem Acker- und Wiesenbau weichen musste, eine der Hauptursachen derselben. Die Erosion hatte noch nicht so gründlich gearbeitet und die Flussbette so tief eingesenkt, wie jetzt, während einem raschen Abfluss zahlreiche Hindernisse in den Weg traten. Die Entwaldung der Gebirge wird heutzutage von allen Gebildeten geradezu als ein Unglück für die Zukunft eines Landes angesehen. Nach dem Holze schwindet unvermeidlich auch der Humusboden mit den Laub- und Moospolstern von den Bergabhängen. Widerstandslos fegen heftige Regengüsse und Winde sie weg und legen den nackten Fels blos. Was von diesem zerbröckelt und verwittert, wird mit dem grössten Theil der Regenmenge eiligst dem Thale zugeführt, wo Ueber- schwemmungen und Geröllablagerungen über vordem culturfähigen Boden häufig sind. Beispiele derartiger Folgen der Waldverwüstung für Kinder und Kindeskinder liegen in Menge und aus verschiedenen Ländern vor. So las man im Sommer 1879 in der russischen Zeitung Kawkas Folgendes: »Man kann am Schwarzen Meere, dessen Küsten ehemals mit Eichenwäldern bedeckt waren, 20—30 Stunden weit wandern, ohne einen Baum anzutreffen. Die früher reichbewaldete Gegend von Tiflis ist abgeholzt. Noch mehr ist dies mit den Bergrücken von Daghestan I. Land- und Forstwirthschaft. geschehen, deren Holz man zum Heizen der Dampfschiffe auf dem Kaspischen Meere verwandte. Aeusserst fruchtbar war einst der Bo- den von Eriwan, reiche Kornfelder wechselten mit Wiesen zwischen Wäldern ab. Heute ist alles Wüstenei; die Bewohner sind kaum im Stande, ihre nothdürftigste Nahrung zu gewinnen«. Aus Vorstehendem ergibt sich manche Nutzanwendung auf die japanischen Verhältnisse. Da in den Gebirgen und ihren Wäldern bis zu einem gewissen Grade Wohl und Wehe der Thalbewohner liegt, so erscheint auch die Correction und Schiffbarmachung der Flussläufe als eine Frage, welche sich nur in Verbindung mit der gleichwichtigen einer verständigen Forstwirthschaft im Gebirge in befriedigender Weise lösen lässt. Die Erhaltung und zweckmässige Bewirthschaftung der Gebirgswälder ist auch für die japanische Regierung eine der wich- tigsten Aufgaben, welche sie zum Wohle des Landes zu lösen hat. Dient die Erhaltung derselben, wie bisher, vornehmlich dazu, die reichen Niederschläge zu regulieren, das Land zur Zeit der Regen und der Schneeschmelze thunlichst vor Ueberschwemmungen zu schützen, und für die trockne Jahreszeit dem Boden zur Speisung der Flüsse einen reichen Wasservorrath zu vermitteln, so hat anderseits eine ge- eignete Bewirthschaftung den Zweck, den Holzbedarf zu decken und dem Lande eine Einnahmequelle zu erschliessen, welche bisher noch sehr ungenügend entwickelt und verwerthet wurde. Wie jede Forstwirthschaft, so wird auch die japanische auf Ver- mehrung der besseren Hölzer und Zurückdrängung der geringwerthigen, sowie auf geeigneten Absatz durch Anlage von Wegen und Anwen- dung sonstiger Förderungsmittel ihr Augenmerk richten müssen. Ein weites Feld der Arbeit, aber auch des reichen sicheren Gewinnes — auch im Hinblick auf das holzarme China — öffnet sich hier, eine Arbeit, die freilich nicht kurzer Hand abgethan werden kann, sondern umsichtig und stetig fortgeführt werden muss. — Oft wurde ich auf meinen Reisen durch Japan aus Regierungskreisen gefragt, was ich zur Hebung des Nationalwohlstandes besonders empfehlen könnte. Ich nannte dann immer in erster Linie und empfehle hiermit nochmals »Schutz und Pflege dem Walde!« — 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume und anderer Nutzhölzer Japans. Ueber diesen Gegenstand standen mir ausser verschiedenen mehr oder weniger langen Listen japanischer Bezeichnungen mit oder ohne 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. wissenschaftlichen Namen nur wenige Arbeiten von grösserem Werthe zu Gebote. Thunberg gab in der Vorrede zu seiner Flora japonica 1784 das erste Ver- zeichniss japanischer Nutzhölzer. Seiner Anordnung folgte v. Siebold in der schon oft citierten Arbeit Synopsis Plantarum Oeconomicarum Universi Regni Japonici. Batavia 1830, worin er als Ligna maxime quaesita 39 Species anführt. Viel werth- voller sind folgende Arbeiten über den Gegenstand: 1) Preliminary Catalogue of the Japanese Kinds of Woods, by Dr. Geerts. Transactions As. Soc. of Japan. Vol. IV, pg. 1—26. — 134 Arten. 2) Experiments upon the Strength of Japanese Woods, by R. H. Smith. ibid. pg. 27—28. 3) Les Essences forestières du Japon par Dupont. Paris 1879. 4) Nippon Juboku-shi. Abhandlungen von 100 japan. Holzgewächsen mit Längs- und Querschnitten. Herausgegeben vom geogr. Dept. So war ich denn auch hier grösstentheils auf eigene Beobachtungen und die von mir auf meinen Reisen angelegten Holz- sammlungen angewiesen, sowie auf eine Sammlung Längsschnitte von 50 Holzarten, welche das Naimushio (Ministerium des Innern) in Paris 1878 ausgestellt hatte und die später auf mich überging. Die lange Dauer der kälteren Jahreszeit beschränkt die Vege- tationsperiode der meisten Gewächse in Yezo auf 5, im mittleren Ja- pan auf 6 und im südlichen auf 7 Monate des Jahres. Sie unterbricht auch das Wachsthum aller Holzgewächse, selbst der immergrünen. Dieselben zeigen daher, wie dies in allen Ländern mit niedrigen Wintertemperaturen und einem regelmässig wiederkehrenden Still- stand des Wachsthums vorkommt, deutliche Jahresringe. Aus gleichem Grunde fehlen schwere Hölzer, wie die Tropen so viele aufweisen, fast vollständig. Bei aller sonstigen Verschiedenheit der zahlreichen japanischen Arten schwankt das specifische Gewicht zwischen 0,191 für Kiri (Paulownia imperialis) und 0,960 für Tsuge (Buxus japonica J. Müller). R. H. Smith gibt als specifisches Gewicht für Bux nur 0,839 an, dagegen für Paulownia 0,329 und für Kashi (Quercus dentata Thunb.) 1,017. Hier liegen ohne Zweifel Irrthümer vor, denn das Buxbaumholz des südlichen Japan fällt ebenso durch seine Schwere vor allen andern Hölzern auf, wie Kiri durch seine Leichtigkeit. Zu den schweren und härteren japanischen Hölzern zählen, ausser Bux, noch Yusu (Distylium racemosum), die Hölzer ver- schiedener Ternströmiaceen (Camellia, Theestrauch, Stuartia und an- dere), der Sarusuberi (Lagerströmia indica), verschiedener Prunus- Arten und der zahlreichen Eichen, deren specifische Gewichte meist zwischen 0,750 und 0,850 liegen. Verschiedene der geschätztesten Holzgewächse Japans erreichen erstaunliche Dimensionen. Solche Riesen finden wir jedoch fast nie im Walde selbst, sondern meist in der Nähe der Ortschaften, in den Höfen I. Land- und Forstwirthschaft. und Hainen, welche alte Tempel umgeben, und unter den Alleebäumen längs der Wege, besonders solcher, die nach berühmten Tempeln führen. Der Japaner bewundert und schont sie, ja er überträgt auf sie etwas von der Ehrerbietung gegen das Alter, welche er von Jugend auf ge- lehrt wurde. Unter den Laubbäumen zeichnen sich in dieser Be- ziehung besonders der Kampferlorbeer und der Keaki aus, unter den Nadelhölzern Cryptomeria und Ginko. Eine kurze Zusammenstellung der von mir beobachteten Riesen ihres Geschlechts dürfte manchem Leser erwünscht und hier am Platze sein: 1. Kampferlorbeer (Laurus Camphora L.) oder Kusu-no-ki . Ein Exemplar bei Kaseda-mura auf dem Wege von Wakayama in Kishiu nach der Klosterstadt Koyasan hatte 1875 in Brusthöhe 11,5 m Umfang. Wie eine alte Dorflinde theilt sich der Stamm etwas höher in eine Anzahl mächtiger, weit ausgebreiteter Aeste. Im Park zu Uyeno in Tôkio mass ich 1874 einen andern Kampferbaum, der hinter dem Tempel des Gongensama mit den ihn umgebenden Nadelhölzern an Höhe wetteifert und 1 m über der Erde 5,50 m Umfang zeigte. Im Jahre 1884 fand Lehmann Herr Ingenieur R. Lehmann in Tôkio kam hierbei einem von mir ge- äusserten Wunsche aufs bereitwilligste nach und unterwarf auch mehrere andere, ihm bezeichnete Bäume im Jahre 1884 einer sorgfältigen Messung. den letzteren 5,55 m gross und be- rechnete die Höhe des Baumes auf 31 m. Ansehnlich, wie diese Di- mensionen sind, so treten sie doch weit zurück hinter diejenigen, welche man bei Nagasáki und auderwärts auf Kiushiu kennen gelernt hat. So erwähnt Kaempfer eines Kampferbaumes, der 1691 seiner enormen Dicke wegen berühmt war. Im Jahre 1826, also 135 Jahre später, fand ihn Siebold noch reichbelaubt und scheinbar gesund. Der Stamm, welcher 16,884 m Umfang hatte, war jedoch im Innern hohl. 2. Keyaki (Zelkowa acuminata Planchon). Bei Meguro in der Nähe von Tôkio hatte man im Januar 1874 den »Oki Keyaki« (grossen Keaki) gefällt, welcher 1 m über der Erde 11,7 m Umfang zeigte. 3. Camellie (Camellia japonica L.) oder Tsubaki . Im südlichen Japan sah ich häufig Bäume von 8—10 m Höhe und 1 m Umfang. Eine gleiche Höhe, doch nicht dieselbe Stärke des Stammes erreicht die Pflanze in ihrem wildwachsenden Zustande. Ein stattliches Exemplar im Tempelhof zu Yutenji bei Tôkio mit geradem Stamm und schön- geformter Krone schätzte ich 1874 nach der Schattenlänge auf 5 m Höhe. Der Stamm hatte 1,47 m Umfang. Im Jahre 1884 bestimmte Lehmann letzteren zu 1,53 m und die Höhe zu 5,5 m. Man gab ihm 120 Jahre als das Alter des Baumes an. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. 4. Shii-no-ki (Quercus cuspidata). Ein Exemplar hinter dem Sano-Tempel hatte 1874 4,6 m Umfang, aber kaum 12 m Höhe, wäh- rend diese Art sonst zu den höchsten Eichen Japans zählt. 5. Fuji (Wistaria chinensis S. \& Z.). Ein riesiges Exemplar, das zu Nakanobu-mura in der Nähe von Tôkio den geräumigen Hof eines Theehauses überdeckte und Tausende von langen, schlaffen Blüthentrauben trug, soll verschwunden sein. Vor seiner Verästelung in Brusthöhe hatte es im Frühjahre 1874 2,45 m Umfang. 6. Sugi (Cryptomeria japonica Don.). Auf Sasa-no-yama-tôge am Kôshiukaidô (Weg von Tôkio nach Kofu) fand ich im Herbst 1874 rechts vom Wege 750 m über der See eine Cryptomeria, welche 1½ m über dem Boden 9,41 m Umfang hatte. Exemplare von 6 bis 7 m Umfang sind im Nikko und andern Tempelhainen nicht selten. Sie erreichen dabei 30—45 m Höhe. Im Jahre 1565 besuchte der Missionar Almeyda den Tempel Kosanga bei Nara. Sein Weg führte durch eine Allee aus Cedern (Sugi) und Kiefern, »qui faisoient une fort belle symétrie, et dont les têtes se joignoient tellement que le so- leil n’y pouvoit percer«. Einzelne Cedern massen »cinq brasses de circumference«, also 8,12 m nach neuerem Maasse. Das Dach des Tempels fand er auf 90 Säulen aus Ceder- (Cryptomeria-) Stämmen ruhend, deren jeder 18½' (6 m) Umfang hatte. John Booth in Klein-Flottbeck bei Altona erwähnt in seinem interessanten Bericht über die forstliche Ausstellung in Edinburg im Jahre 1884, dass es nach japanischen Mittheilungen in der Provinz Kiushiu (wo?) Cryptomerien-Bestände gebe, von denen einzelne Bäume 27 Fuss Durchmesser hätten. Ich würde hier sofort eine Verwechselung von Durchmesser mit Umfang annehmen, wenn nicht die weitere Notiz folgte, dass sie (Morimasa Takei und seine Gefährten) einmal zu 12 in einem hohlen Stamme übernachtet hätten. 7. Ichio oder Ginkiyo (Ginkgo biloba L.). Unter den Bäumen dieser Art in Tempelgründen bei Tôkio ist der grösste und schönst- entwickelte derjenige beim Tempel Koyenji. Vor 10 Jahren betrug sein Umfang in 2 m Höhe 7,3 m, im Jahre 1881 dagegen 7,52 m. Lehmann berechnete die Höhe der stärksten Aeste auf 32 m und hörte, dass man das Alter des Baumes auf 1000 Jahre schätze. Dies dürfte jedoch mit Rücksicht auf die Entstehung und Entwickelung der Stadt Yedo unter Tôkugawa Jyeyasu und den Umstand, dass die Salisburien immer nur angepflanzt vorkommen, eine starke Uebertreibung sein. Der Baum hat übrigens das Aussehen einer alten Linde mit allseits ausgebreiteter Krone. Im Park zu Shiba hatte die stärkste Salisburia 1874 6,30 m Stammumfang. 8. Koya-maki (Sciadopitys verticillata). Das grösste Exemplar, I. Land- und Forstwirthschaft. welches ich kenne und Japan wahrscheinlich aufweisen kann, befindet sich in einem Tempelhofe zu Nikko. Lehmann, der die Höhe zu 24 m und den Umfang zu 4,15 m bestimmte, hörte, dass der Baum 250 Jahre alt sei, eine Angabe, welche zu dem Alter der dortigen Parkanlage recht gut stimmt. Weitere Angaben, auch über Grössenverhältnisse, wird man in den folgenden Spalten finden, in welchen ich versucht habe, das Wissenswertheste über die in systematischer Ordnung aufgezählten Nutzhölzer Japans kurz zusammenzufassen. Fam. Gramineae , Abt. Bambusaceen . Die grösseren, holzbildenden Arten Bambusrohre, welche hier allein in Betracht kommen, führen den Collectivnamen Take , in Zusammen- setzungen oft dake geschrieben, wofür auch die chinesisch-japanische Form chiku Da die meisten in Japan nie blühen und Samen bringen, ist ihre Bestimmung und Identificierung mit bekannten indischen Arten schwer. Daher haben die Au- toren von Werken über die japanische Flora sie entweder ganz übergangen, wie Franchet und Savatier, oder sich mit der Anführung ihrer japanischen Namen be- gnügt. Ich habe an der Hand der bekannten Abhandlung von Col. Munro : »A Monograph of the Bambusaceae« in Transact. Linn. Soc. Vol. XXVI, pg. 1—159 eine Bestimmung versucht und übergebe hier mit aller Reserve das Resultat, in- dem ich es einem Nachfolger überlassen muss, die schwierige Aufgabe besser zu lösen und über diese interessante Frage mehr Licht zu verbreiten. — viel gebraucht wird. 1. Bambusa arundinacea L. (Arundo Bambos L. \& Thunb.), jap. Ma-take , d. h. männliches Bambusrohr. Es ist die werthvollste und am meisten cultivierte japanische Art, mit der häufig auch B. vulgaris Wendl. vergesellschaftet vorkommt. Von den aus Indien stammenden Arten Bambusa haben diese beiden die weiteste Verbreitung gefunden. Erstere wurde 1730 in die Gewächshäuser Eng- lands eingeführt und war bis zum Jahre 1813 die einzige in denselben vorkom- mende Art. In Westindien, auf den Mascarenen und anderwärts hat sich die Cul- tur beider sehr verbreitet. Ihre cylindrischen Glieder sind lang und gerade, das Holz ist fest und in hohem Grade widerstands- fähig und dient zu vielerlei Zwecken. Ha-chiku scheint eine klei- nere Abart zu sein. Ma-take erreicht in Japan 15—20 m Höhe und 45—50 cm Stammumfang, doch nur auf besonders günstigem Boden. In schlechteren und höheren Lagen bleiben seine Dimensionen hinter den angegebenen weit zurück. 2. B. agrestis Poir. (B. spinosa Roxb.), jap. Kan-chiku , wird 6—8 m hoch und über daumendick. Es ist ein starkes, dickwandiges Rohr, das sich besonders durch seine dicken Knotenanschwellungen auszeichnet. Man findet es häufig zu lebenden Hecken verwendet. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. 3. Bambusa ——?, jap. Môsô, Môsô-chiku und Konan-chiku genannt. Die letzte Benennung weist auf die chinesische Küste der Provinz Kuantung hin, woselbst es ebenso wie auf Hong-kong viel ge- zogen wird. Stärker, aber minder hochwerdend, wie B. arundinacea, zeichnet es sich vor allen Dingen durch die keulenartige Anschwellung des Stammes gegen die Basis und die viel mehr genäherten Knoten aus. Das Holz ist nicht so geschätzt, porös und weniger widerstands- fähig. Es wird zu Blumenvasen und sonstigen Gefässen benutzt; doch ist der Hauptzweck seiner Cultur die Gewinnung von Bambussprossen im Frühjahr. Bambusa quadrangularis Fenzi, jap. Kaku-dake (quadratisches, vierkan- tiges Bambusrohr), Ciko-chiku und Ho-chiku . (Siehe Th. Dyer: The Square Bamboo. Nature Vol. 32, pg. 391.) 4. Phyllostachys nigra Munro (Bambusa puberula Miq.), jap. Kuro- dake , schwarzes Bambusrohr, und Goma-dake . Dasselbe zeigt in der Jugend braune Flecken und wird später ganz schwarz. Es ist ein schönes Rohr, das 3—6 m hoch und daumendick, aber nicht häufig angebaut wird. Eine verwandte Art oder nur eine Abart desselben scheint das sogenannte Han-chiku oder gefleckte Bambusrohr der Insel Yezo zu sein, welches nahe der Westküste zu Shikotan in Shiribeshi vorkommt, wo es in grosser Menge an beiden Ufern eines Baches wächst und seiner schönen Zeichnung (unregelmässige braune Flecken und Schatten) wegen viel gesammelt wird. Die Japaner schätzen es hoch und benutzen es zu Stöcken, Pfeifenröhren, Pinsel- stielen und andern Gegenständen. 5. Arundinaria japonica S. \& Z., Me-take (d. h. weibliches Bam- busrohr) genannt. Dasselbe ist eine einheimische Art, welche im Hügellande häufig wildwachsend getroffen und besonders gern zu dichten lebenden Hecken verwendet wird. Es erreicht 2—3,5 m Höhe und Fingerdicke, ist fest und winterhart, wird zu Pfeifenröhren und Pinselstielen viel verwendet und hat als Nutz- und Zierpflanze von Japan aus eine weite Verbreitung gefunden. Die meisten der übrigen in Japan einheimischen Bambusaceen verholzen nicht, sondern bleiben klein und grasartig. Sie führen den Collectivnamen Sasa , vertreten in den Wäldern oft das Unterholz und zeichnen sich zum Theil durch die Panachierung ihrer Blätter aus. Man trifft mehrere derselben als Zierpflanzen in Europa, so Bambusa nana Roxb., B. Fortunei Van Houtte, B. aurea Sieb., B. pygmaea Miq., Phyllostachys bambusoides S. \& Z., P. Kumasasa Munro. Wie für den Reis, so ist auch für viele, zumal die grössten und I. Land- und Forstwirthschaft. schönsten Arten Bambusen das Monsungebiet die alte Heimat und ausgedehnteste Culturstätte. Sie haben sich hier zum Theil weit über den nördlichen Wendekreis verbreitet, insbesondere in China und Japan. Dessen ungeachtet kann ich Wallace nicht beistimmen, wenn er behauptet, Wallace: Tropical Nature. London 1878. pg. 52 ff. dass die riesigen Gräser, welche wir Bambusrohre nennen, kaum als tropische betrachtet werden könnten; denn die meisten, und zumal die grössten Arten, gehören dem tropischen Mon- sungebiete an, und die in Südamerika und Afrika heimischen über schreiten die Wendekreise fast nirgends. Dem Reis kommt in den Monsunländern keine andere Nährpflanze an Bedeutung gleich, dem Bambusrohr — ich denke hier nur an die grossen Formen — kein anderes Holzgewächs bezüglich seiner vielseitigen Verwendung, noch schmückt ein anderes mit gleich viel Anmuth die Landschaft. In ihrer ersten Jugend liefern verschiedene Bambusaarten eine beliebte Speise, wenn in voller Entwickelung, sind ihre Gruppen Zier- pflanzen von wirkungsvollstem Einflusse im Landschaftsbilde und nach dem Tode endlich ein Material, das im wärmeren Monsungebiet so vielseitig verwendet wird, dass ein intelligenter Begleiter des Colonel Yule die Möglichkeit der menschlichen Existenz in einem Lande, ohne Bambusrohr gar nicht begreifen konnte. Yule: Marco Polo I. 298. Wie man im germanischen Norden die Häuser zum Pfingstfest mit dem lieblichen Grün junger Birken schmückt, so wird in Japan das Bambusrohr zur Neujahrsfeier herangezogen. Hinter der Kiefer auf jeder Seite des Eingangsthor erhebt sich dann ein schlanker Stamm des Take-no-ki, mit seinen vielen Knoten und Gliedern ein Symbol der Manneskraft und in seiner Krone geschmückt durch kleine Man- darinorangen nach altem Brauch. Man hat diese grossen Bambusrohre oft und passend mit Spar- geln verglichen. Wie aus der verpflanzten Spargelklaue jedes Früh- jahr eine Anzahl Stangen hervortreiben und unter normalen Bedin- gungen innerhalb gewisser Grenzen an Stärke jedes Jahr zunehmen, so ist es auch bei geeigneter Behandlung mit dem Bambusrohr. Nur sind hier alle Verhältnisse grossartiger. Aus wenigen Rhizomklumpen entwickelt sich auf gutem Boden allmählich ein ganzer Hain. Rie- sigen Spargeln gleich erscheinen im Frühjahr die neuen Triebe und werden ebenso als Gemüse verwendet. Anfang Mai hat Bambusa arundinacea bei Tôkio schon Manneshöhe erreicht; doch zeigt erst im Hochsommer die Natur im Bambushain ihre volle Kraft; denn Bam- busrohr allein ist Gras, welches man alsdann im wahren Sinne des 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Wortes wachsen sehen kann, und zwar unter Umständen 10 und mehr Meter hoch in einer Woche. Ast- und blattlos dringt es leicht durch das Dickicht älterer Rohre, und erst, wenn es nahezu seine volle Höhe erreicht hat, treibt es aus den Knoten seine dünnen Aeste nach verschiedenen Richtungen und verdichtet mit ihnen und ihrem licht- grünen Blattwerk das Gewebe der schon vorhandenen Kronen. Dass für die kräftige Entwickelung der jungen Rohre in einer Pflanzung für Luft und Licht gesorgt werden muss, liegt auf der Hand. Die am Boden abgesägten oder abgehauenen älteren Exemplare gelangen zur Verwerthung und junge nehmen ihre Stelle ein. Die grösseren, culti- vierten Bambusrohrarten Japans sind nicht, wie in Indien, auch Be- standtheile des Waldes selbst, sondern, wie bereits früher hervorgehoben wurde, Anpflanzungen an den Waldrändern, um die Ortschaften und in Tempelhainen. Die Erfahrung lehrt, dass die meisten Arten selbst in ihrer indischen Heimat, wo sie in den Wäldern grössere oder klei- nere Dickichte, zuweilen von 25—30 m Höhe bilden, und nur von den grössten Bäumen überragt werden, oder auch angebaut um die Dörfer sich finden, nur nach langen Perioden zur Blüthen- und Samen- entwickelung kommen, worauf sie absterben. In Japan blühen die grossen, angepflanzten Arten nie; auch erreichen dieselben hier nicht die Höhe und Stärke, wie in ihrer tropischen Heimat. In Indien wird Bambusa Brandisii Munro zuweilen 30—36 m hoch und im wärmeren China erreichen B. arundinacea und B. vul- garis 28—30 engl. Zoll (70—75 cm) Stammumfang und über 20 m Höhe. Das sind Dimensionen, welche die der stärksten Rohre Japans noch ansehnlich überbieten. In jeder Grösse, auf allen Altersstufen, in sämmtlichen Theilen und zu den verschiedensten Zwecken findet das baumartige Bambus- rohr seine Verwendung. Obenan durch ihren weitragenden Nutzen nach unzähligen Richtungen stehen jedoch die ausgewachsenen Stämme selbst, riesige, verholzte Halme, denen die Natur eine Reihe von werthvollen Eigenschaften verliehen hat, wie sie in gleichem Maasse keinem andern Holzstamm zukommen. Kein anderer vereinigt mit Leichtigkeit so viel Festigkeit, Elasticität und Stärke. Die grosse Menge freier Kieselsäure, welche im Bambusrohr abgelagert ist, macht es hart und widerstandsfähig gegen vielerlei Einflüsse, die anderes Holz bald zerstören. Sie ist wohl auch die Ursache des lauten Kni- sterns und Knallens beim Verbrennen, dessen schon Marco Polo ge- denkt, der auch hervorhebt, dass dadurch Nachts wilde Thiere vom Lagerfeuer und den Früchten des Feldes abgehalten werden. Auch die Schlankheit und Länge, die Röhrenform und nicht minder deren Rein , Japan. II. 18 I. Land- und Forstwirthschaft. Unterbrechung an den Knoten, sowie die leichte Spaltbarkeit in der Längsrichtung zählen zu den sehr schätzbaren Eigenschaften des Bambusstammes. Ein jeder Versuch, die darauf sich gründenden vielen Verwendungen aufzuzählen, würde unzulänglich erscheinen; denn schlafend oder wachend, bei jeder Art von Thätigkeit und auf jeder Altersstufe ist der Mensch in Süd- und Ost-Asien, soweit das Bambus- rohr gedeiht, von Gebilden aus demselben umgeben und im Gebrauch solcher. In seinem natürlichen Zustande, und nur der Spitze mit ihrer Krone beraubt, liefert der Bambusstamm Leiterbäume und Dachsparren, Pfähle, Pfosten und Stangen zum Schützen, Stützen und Tragen, z. B. junger Bäume, der Baugerüste, Ruder-, Segel-, Flaggen-, Angel- und Messstangen, Stöcke, Stiele und sonstige Handhaben für vielerlei Werk- zeuge und Waffen, für Zäune, Gitter und allerhand Rahmwerk. Die Röhrenform macht es wieder zu einer ganzen Reihe anderer Verwen- dungen geeignet, z. B. bei Wasserleitungen, wobei man nur die Zwischenwände an den Knoten zu durchstechen braucht, ferner für Pumpen, Flöten, Pfeifenröhren. Jedes Glied mit den es abschliessen- den Querwänden an den Knoten ist ein geschlossener Behälter. Wird es quer durchschnitten, so bildet ein Stück Röhre mit seinem natür- lichen Abschluss am einen Ende ein cylindrisches, oben offenes Ge- fäss, das je nach Umständen als Eimer, Schöpf- und Trinkbecher, Blumenvase oder Speibecken dient. Die leichte Spaltbarkeit gestattet, es je nach den Zwecken in Stäbchen, Spähne und Bänder von sehr verschiedener Grösse zu zer- legen und daraus sowohl Essstäbchen, Löffel, Speere und andere einfache Sachen, als auch mancherlei Gitter- und Flechtwerk darzustellen, wie Hüte, Siebe, Schachteln, Körbe und Käfige, Stühle, Sänften und Bett- stellen, Matten und Decken, Blenden für Fenster- und Thüröffnungen, Segel, Rahmwerk für Bilder, Schirme und Fächer. In Tôkio gibt es ganze Strassen, in welchen fast nur Bambusrohr verkauft wird. Hier stehen auf den Höfen der grösseren Händler Tausende von Rohren jeder Länge und Stärke, vom Dachsparren und Leiterbaum bis zum Pinselstiel sortiert, zum Verkauf, um die er- wähnten Take-mono (Bambusarbeiten) und viele andere daraus zu verfertigen. Dass der vielseitige Nutzen, welchen das Bambusrohr den Bewohnern der Monsunländer gewährt, ebenso, wie seine zier- liche Gestalt von chinesischen und japanischen Dichtern viel gepriesen wurde, kann nach dem Gesagten nicht überraschen. Dem japanischen Künstler ist es ein beliebtes Decorationsmotiv, das er überaus häufig, nicht blos mit dem Pinsel, sondern auch plastisch nachbildet. Seine 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. charakteristischen Züge rasch mit einigen wenigen Strichen des Tusch- pinsels darzustellen, galt in Japan immer als Zeichen besonderer Kunstfertigkeit. Fam. Palmeae . 6. Chamaerops excelsa Thunb., jap. Shiro od. Shuro-no-ki , auch Shuro-gi genannt. Das Holz dieser Palme (siehe pg. 202) wird besonders wegen seiner Dauerhaftigkeit und Widerstandskraft gegen die Einflüsse der Feuchtigkeit geschätzt und bei Wasser- und Häuser- bauten wohl anderm Holze untergelegt: auch verwendet man es zu Hohlgefässen, wie das Bambusrohr. 7. Cycas revoluta Thunb., jap. Sotetsu . Das schön gemaserte, aber sehr poröse und leichte Holz dieser Art zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht reisst; es wird, wie Keyaki, zu Dosen, Tellern und andern Gegenständen gedreht. (Siehe Hakone-zaiku.) Fam. Coniferae . a. Taxaceae , Eibenartige Nadelhölzer. 8. Taxus cuspidata S. \& Z., jap. Araragi, Ichii und Suwô , bei den Ainos Unco genannt, ein Strauch oder niedriger Baum bis zu 6 m Höhe, der am häufigsten in Hida und auf Yezo vorkommt, oft auch als Zierpflanze gefunden wird. Das hochgeschätzte Holz zeichnet sich durch seine schöne rothe Farbe (wie das unserer Eibe), feines Korn und grosse Zähigkeit aus. Wegen letzterer Eigenschaft stellen die Ainos ihre Bogen aus ihm her. 9. Torreya nucifera S. \& Z. (Taxus nucifera Thunb.), jap. Kaya (siehe pg. 186), kommt als Strauch und Unterholz häufig, als kleiner Baum seltener vor. Das Holz ist gleichförmig dicht und fest, hell- farbig, gelblich, dient zu Bauzwecken und Kisten. 10. Cephalotaxus drupeacea S. \& Z. (Taxus baccata Thunb.), jap. Inu-gaya (siehe pg. 186). Das Holz wird wie von der vorigen Art benutzt, ist jedoch weniger feinkörnig und nicht so geschätzt. 11. Ginkgo biloba L. (Salisburia adiantifolia Smith.), jap. Ichio und Ginkiyo genannt, muss nach seiner Blatt-, Blüthen- und pflaumen- artigen Fruchtbildung als ein Unicum unter den Nadelhölzern der jetzigen Schöpfung angesehen werden. Verwandte derselben traten schon im braunen Jura auf, waren in der Tertiärzeit auf der nörd- lichen Hemisphäre sehr verbreitet, sind aber alle bis auf den ostasia- tischen Gingko verschwunden. Diesen kennt man bis jetzt nur im cultivierten Zustande. Chinesen und Japaner pflanzen ihn, theils der essbaren Früchte wegen (pg. 111), vornehmlich aber zum Schmuck 18* I. Land- und Forstwirthschaft. ihrer Tempel- und Friedhöfe. Derselbe wächst rasch, erreicht grosse Dimensionen und ein hohes Alter. Das Holz zeigt viel Aehnlichkeit mit dem verschiedener Ahornarten, ist von heller, gelblicher Farbe, feinkörnig, politurfähig, weich und leicht brüchig und wird aus letz- terem Grunde wenig geschätzt. 12. Podocarpus macrophylla Don. (Taxus macrophylla Thunb.), jap. Maki , Kusa-maki und Inu-maki genannt, ist auf das wärmere Japan beschränkt und findet sich selbst hier wenig verbreitet. Zuweilen verwendet man die Pflanze zu grünen Hecken, wie hier und da in Tôkio; am häufigsten begegnet man ihr aber in Tempelhainen und -höfen und zwar als Baum mit geradem, graurindigem Stamm, der 15—20 m Höhe und 1—2 m Umfang erreicht. Das faserige, röthlich gelbe Holz zeigt an der Luft wenig Dauerhaftigkeit, um so grössere im Wasser. Dasselbe findet seines seltenen Vorkommens wegen keine grosse Verwendung. 13. Podocarpus Nageia R. Br., jap. Nagi . Bezüglich des Vor- kommens dieser Art gilt dasselbe, was von der vorigen bemerkt wurde, ja es scheint noch zweifelhaft, ob sie überhaupt zu den indigenen Nadelhölzern Japans zu rechnen ist. Die Bäume in der Nähe der Tempel erinnern sowohl durch die braunrothe Rinde, als auch die Färbung ihres Holzes an baumartige Wachholder. b. Cupressineae, Cypressen . 14. Juniperus chinensis L. (J. Thunbergii Hook.), jap. Ibuki und Beni-biyakushiu . Diese Wachholderart Japans ist strauchförmig, wie alle übrigen. Das rothbraune, feste und schwere Holz zeichnet sich durch starken und angenehmen Geruch aus und eignet sich vortrefflich zu Möbelfurnituren, wird aber der schwachen Entwickelung und schwie- rigen Bearbeitung wegen wenig angewandt. 15. Biota orientalis Endl. (Thuya orientalis Thunb.), jap. Konote , Wabyakudan. Das feinkörnige Holz dieses Strauches oder niedrigen Baumes wird wenig benutzt. Es nähert sich dem des Nagi, ist aber heller und leichter. 16. Chamaecyparis obtusa S. \& Z. (Retinispora obtusa S. \& Z.), jap. Hi-no-ki . 17. Ch. pisifera S. \& Z. (Retinispora pisifera S. \& Z.), jap. Sawara . 18. Thujopsis dolabrata S. \& Z. (Thuja dolabrata Thunb.), jap. Hiba . Diese drei Nadelhölzer bilden eine engere Gruppe, nicht sowohl nach ihrer Verwandtschaft als Lebensbäume, als vielmehr bezüglich ihrer Lebensbedingungen, des gemeinsamen Vorkommens und der Aehn- lichkeit ihres Holzes und dessen Verwendung. Wir begegnen ihnen 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. vornehmlich an den Bergabhängen und in den Thalschluchten des mittleren Honshiu am oberen Kisogawa und in Kishiu und Yamato (siehe pg. 257), auf Boden, welcher aus der Verwitterung von Granit, alten Schiefern oder vulkanischem Gestein hervorging, dem Wasser leichten Abzug, den Wurzeln tiefes Eindringen gestattet. In ge- schlossenen, bodenreinen Beständen bilden sie hier prächtige Cultur- hochwälder mit kerzengraden Stämmen, welche 30—35 m Höhe und 3—4 m Umfang erreichen und in einem Alter von 160—200 Jahren noch ebenso gesund aussehen, wie in der Jugend. Zweihundertjährige Stämme haben an der Basis 2,5—3 m Umfang und 18 m höher, wo die Krone beginnt, noch 1,8—2 m. Hi-no-ki und Sawara trifft man häufiger, als Hiba. Sind sie, wie in den meisten Fällen, unter ein- ander gemischt, so kann man sie auf den ersten Blick kaum unter- scheiden, während die dritte Art im Bunde in ihrem Aussehen weit abweicht. Das schönere Gelbgrün der Oberseite des Laubes, das Blaugrün und die besondere Zeichnung der Unterseite bei Thujopsis dolabrata sind so auffällige Merkmale dieser schönsten aller Cypressen, dass man sie nicht leicht mit andern Nadelhölzern verwechseln wird. Wie schon hervorgehoben wurde, sind die Cypressenwälder künst- liche Anlagen. Die Samen keimen am besten im Schatten, worauf bei der Anzucht besonders geachtet werden muss. Oben an in der Werthschätzung steht der Hi-no-ki , welcher dem Ahnencultus (Shintô-Dienst) besonders heilig ist und aus diesem Grunde mehr als die folgende angebaut wird. Das Holz ist weiss oder hell- rosafarbig, glatt, leicht und doch sehr zäh, feinkörnig, harzarm und knotenrein. Man verwendet es mit Vorliebe zu Lackwaaren und aus- schliesslich zum Bau der Shintôtempel. Ebenso waren die Wohnungen des Mikado und seiner Familie in Kiôto stets aus Hi-no-ki-Holz er- richtet und mit der Rinde der Bäume, welche sich in höherem Alter derselben leicht in langen Streifen ablöst, überdacht. Auf weissen, unlackierten Tischchen aus Hi-no-ki überreichte man früher den zum Seppuku (Bauchaufschlitzen) Verurtheilten den Dolch und auf ähnlichen Tischchen präsentiert man noch jetzt den Göttern an ihren Festen Speise und Trank. Sawara unterscheidet sich im Aussehen nur durch eine etwas hellgrünere Krone und bei näherer Betrachtung auch durch die ver- schiedene Gestalt der kleinen schuppenförmigen Blätter, im Holze da- gegen sehr auffallend von dem des Hi-no-ki. Dasselbe ist röthlich, rauh und weniger geschätzt. Das Holz der Hiba hat gelbliche Farbe und zeichnet sich be- sonders durch seine Ausdauer im Wasser aus, weshalb es viel zu I. Land- und Forstwirthschaft. Pfählen, sowie im Schiffs- und Brückenbau verwendet wird. Auch braucht man es gleich dem der beiden vorerwähnten Arten zu Lack- waaren und zur Anfertigung der Schiebefenster oder Shôji , wozu ebenfalls Hi-no-ki den beiden andern vorgezogen wird. Verschiedene Abarten der drei vorerwähnten Cypressen haben mehr Interesse für den Gärtner, als den Forstmann. Beachtenswerth ihres Holzes wegen ist nur noch 19. Thujopsis laetevirens Lindl., jap. Nedjuko , welche vielfach als eine niedrigere Form von Th. dolabrata angesehen wird, von der sie sich unter Andern auch durch eine blaugrüne Färbung unter- scheidet. Das Holz ist fein und gradfaserig, wie bei den vorigen Arten, und ebenso zu mancherlei Verwendungen geeignet, steht aber dem der Hiba an Werth nach. Im weissen Splint zeigt es mit diesem noch die grösste Aehnlichkeit; im dunkelbraunen Kernholze nähert sich aber sein Aussehen auffallend dem des Sugi. 20. Cryptomeria japonica Don., jap. Sugi . Hi-no-ki ist wohl das geschätzteste, Sugi aber ohne Zweifel das am meisten verwendete Nadelholz Japans. Junge Exemplare dienen häufig zu immergrünen Hecken, stattlich entwickelte bewundert man in Tempelhainen und Alleen (s. Bild in Band I. pg. 172); am häufigsten aber findet man den Baum in mehr oder weniger grossen Waldbeständen angepflanzt durch das ganze Reich, von den Riukiu-Inseln bis nach Yezo; denn er ist der hervorragendste Holzlieferant, sowohl zum Häuserbau, als auch zur Darstellung von Kisten in allen Grössen. Die Cryptomerien sind in ihrer Jugend weniger ornamental, als manche andere Nadelhölzer. Man muss die Bäume in ihrer vollen Kraft gesehen haben, um ihre Beliebtheit in Tempelhainen und längs der Wege würdigen zu können, riesige Gestalten, häufig 5—6 m um- fassend und in nicht seltenen Fällen noch weit umfangreicher, mit kerzengraden Schaften von 20—25 m Höhe, denen sich dunkelgrüne, regelmässig kegelförmige Kronen von 10—15 m Höhe und darüber an- schliessen. Obgleich sie sich schon von jungen Jahren ab jedes Frühjahr mit Blüthen bedecken und reichlich fructificieren, zeigt sich doch im Sugi- walde, wie im Hi-no-ki-Bestande nur ausnahmsweise ein Nachwuchs, so dass die Art ohne menschliches Zuthun wahrscheinlich aussterben würde. Sie verhält sich in dieser Beziehung, wie die riesige Sequoja Californiens, mit der sie übrigens auch im Habitus viel Aehnlichkeit hat. Man vermehrt sie durch Steck- und Sämlinge, vornehmlich auf letztere Art. Der Baum verlangt tiefgrundigen Boden und Schutz gegen Stürme. Wir finden seine Wälder in den Thälern und an den 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Bergabhängen hinan bis zu etwa 1000 m Höhe. Bei der Anlage von Pflanzungen auf leichtem Thonboden wird dieser wie Ackerland sorg- fältig behandelt, von allem Unkraut befreit und tief umgegraben. Die im Herbst in Reihen gesäeten Samen treiben im nächsten Frühjahr. Die Sämlinge haben am Schluss des zweiten Jahres 0,50 bis 0,60 m Höhe erreicht und werden im Frühjahr darauf verpflanzt. Sugi wächst rasch. Vierjährige Bäumchen haben durchschnittlich eine Höhe von 1,80 m. Auf gutem Boden erreichen die Stämme 0,45 m Umfang in 10, und 2 m Umfang in 50 Jahren. Das Holz der Cryptomeria ist im Kern braunroth, im Splint weiss- lich, leicht spaltbar, von angenehmem Geruch, leicht zu bearbeiten, im Wasser sehr dauerhaft, dagegen sehr brüchig. Die Färbung än- dert sich indess sehr nach Alter und Standort, von hellroth bis dunkel- rothbraun, wie die des Nussbaums, welche die unter dem Namen Jin- dai-sugi bekannte Abart auszeichnet, während Yaku-sugi eine braunrothe, feuerstreifige Varietät und Kurobe-sugi eine rothbraune bezeichnet. Der schönen Farbe und leichten Bearbeitbarkeit wegen wird es für die meisten Zwecke dem der Kiefern und Tannen vor- gezogen und theurer bezahlt. Dagegen kann es nicht zum Brücken- bau verwendet werden, noch sonst da, wo es auf Elasticität und grosse Tragkraft ankommt. Die Engländer nennen die Cryptomeria gewöhn- lich japanische Ceder; sie setzten vor 40 Jahren, als Fortune sie zu- erst einführte, grosse Hoffnungen auf ihren Anbau, die sich aber ebenso wenig erfüllt haben, wie anderwärts nördlich der Alpen. Der Baum ist eben sehr empfindlich gegen strengere Kälte und lange dauernde Sommerkühle, während ihm z. B. das trockne, heisse Klima der Canaren noch zusagt. In Deutschland gedeiht er nur an wenigen, geschützten Orten, wie z. B. beim Heidelberger Schloss und in der Nähe von Bonn (Rosenburg), wo ein Exemplar in 24 Jahren einen 20 m hohen Stamm gebildet hat, der in Brusthöhe 0,85 m Umfang aufweist. c. Abietineae, Tannen, Kiefern und Lärchen . Der japa- nische Collectivname für die beiden letzteren ist Matsu, während meh- rere Arten Tannen Momi genannt werden. Von den 9 Arten japa- nischer Tannen und Fichten, welche Franchet und Savatier in ihrer Enumeratio plantarum anführen, haben nur zwei grössere Verbreitung und als Holzlieferanten wirthschaftliche Bedeutung, nämlich Abies firma S. \& Z. und A. Tsuga S. \& Z. 21. Abies firma S. \& Z., jap. Momi , ist über ganz Japan ver- breitet, häufiger jedoch im mittleren und nördlichen Hondo, als auf den südlichen Inseln. Man findet sie vornehmlich und in schönster I. Land- und Forstwirthschaft. Entwickelung im Mischwalde, dem schönen blattwechselnden Laub- walde zwischen 1000 und 1500 m Höhe, selten für sich. Sie bildet unter allen japanischen Tannen die stattlichsten Stämme und erreicht häufig, zumal in Parkanlagen und Tempelhainen bei 30—40 m Höhe 4—5 m Stammumfang. In seiner ganzen Tracht, sowie im Charakter seines Holzes erinnert dieser Baum an unsere Edeltanne, hat jedoch einen langsameren Wuchs. Sein Holz ist leichter, rauher und weniger zähe, als das der Kiefer, daher billiger und weniger geschätzt. Im Häuserbau wendet man es selten an. 22. Abies Veitchii Lindl. (A. nephrolepsis Maxim.), jap. Shirabe , ein Baum der oberen Nadelwaldregion mit grauröthlicher Rinde, der sich von verwandten Arten vornehmlich durch die glänzend bläulich- weisse Färbung zweier Linien auf der Unterseite der Nadeln aus- zeichnet, wodurch die ganze Krone ein eigenthümliches Aussehen er- hält. Er erreicht 20—30 m Höhe und gegen 2 m Umfang. Das Holz ist gradfaserig, leicht spaltbar, breitringig, weiss und glänzend mit schmaler röthlicher Herbstzone, leichter und noch weniger elastisch und fest, als das der Momi, daher wenig geschätzt. 23. Abies bicolor Maxim. (A. Alcockiana Lindl.), jap. Tôhi , ge- hört ebenfalls dem höheren Gebirgsnadelwalde des mittleren und nörd- lichen Hondo an, findet sich aber auch viel auf Yezo. Der Baum, welcher in der Regel mit der folgenden Art vermischt auftritt, er- reicht gleiche Dimensionen wie Shirabe. Sein Holz ist blassrosafarbig, im Splint weiss, weniger glänzend als Shirabe und von deutlich er- kennbaren grossen Harzcanälen durchzogen. Der leichten Spaltbar- keit wegen wird es häufig zu Schindeln verarbeitet. 24. Abies polita S. \& Z. (Picea polita Carr.), jap. Ira-momi und Tora-momi . Durch ihre etwas nach oben gekrümmten, prismatisch- vierkantigen und in eine kurze Spitze endigenden Nadeln ist diese Art von allen vorgenannten leicht zu unterscheiden. Sie bildet einen stattlichen Baum von der Tracht unserer Abies excelsa, gehört dem höheren Gebirge und Norden Japans an und wird gleich ihren vor- genannten Gefährten wenig verwerthet. In der Neuzeit wird sie in- dess auf Yezo als Bauholz viel verwendet. 25. Abies Jesoënsis S. \& Z. (Abies Menziesii Louv.), jap. Yezo- matsu . Diese zweite Art Yezo-Fichte scheint die Dimensionen der vorigen nicht zu erreichen, Reports to the Kaitakushi 1875. pg. 306. auch weniger benutzt zu werden. Man findet sie auf Yezo, Sachalin, sowie in den Gebirgsnadelwäldern des mittleren und nördlichen Hondo, hier und da auch als Zierpflanze in 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Gärten und Tempelhainen, wo sie 30 m Höhe und 2—3 m Umfang erreicht. 26. Abies Tsuga S. \& Z. (Tsuga Sieboldi Carr.), jap. Tsuga . Die Tsugatanne findet sich auf allen grösseren japanischen Inseln, vor- nehmlich in 1500—2000 Meter Höhe (Region der Tannen und Lärchen), namentlich auf leichterem Boden vulkanischer Bergabhänge. Sie bildet hier meist geschlossene, bodenreine Bestände, mit denen sich nur wenige fremde Baumarten mischen. Selten steigt sie bis 700 Meter abwärts, erreicht aber alsdann ihre bedeutendste Entwickelung mit 3—4, zuweilen sogar 5 m Stammumfang und 24 m Höhe bei 12—14 m Schaftlänge. Die stattlichsten Exemplare mit 4—5 m dicken Stämmen und gleichstarken Momi vermischt, fand ich im Walde von Kirishima- yama im südlichen Kiushiu. Im Gebirgsnadelwalde nehmen gipfel- wärts Dicke und Höhe, namentlich letztere, bedeutend ab, so dass z. B. an Stellen über 2000 m Erhebung die Stämme bis auf 6—8 m Höhe herabsinken, wie man dies unter Andern bei Ersteigung des Nantai-san im Gebirge von Nikko leicht beobachten kann. Wo die Tsuga in geschlossenen Gruppen auftritt, bildet sie gleich ihrem nordamerikanischen Verwandten, dem Hemlock tree (A. cana- densis Michaux) schöne, gerade Stämme, neigt dagegen wie dieser zur Gabelung und zu krummem Wuchse, wenn sie einzeln steht. Das Holz hat vortreffliche Eigenschaften und wird unter allen Tannen- hölzern Japans am höchsten geschätzt. Es ist von röthlicher Farbe, gradfaserig, feinkörnig, harzreich, fester und zäher als das aller Kiefern und Tannen, daher widerstandsfähiger. Auch wird es durch Wechsel in der Temperatur und Luftfeuchtigkeit wenig beeinflusst. Dieser Eigenschaft und der Widerstandskraft gegen Nässe wegen ver- wendet es der wohlhabende Japaner gern zur Herstellung der ge- dielten Veranda seines Hauses und schätzt es namentlich dann hoch, wenn es eine tiefer rothe Farbe aufweist. Der hohe Preis in Folge schwieriger Beschaffung, wegen schwerer Zugängigkeit der Wälder und ungeeigneter Transportmittel, verhindert auch bei diesem Holze eine ausgedehntere Verwendung im Haus- und Schiffsbau, wozu es sich vortrefflich eignet. 27. Pinus densiflora S. \& Z., jap. Aka-matsu und Me-matsu . 28. P. Massoniana S. \& Z. (P. Thunbergi Parl.), jap. Kuro-matsu und O-matsu . Diese beiden Kiefern, zur Gruppe Pinaster Endl. ge- hörend, zählen zu den verbreitetsten und beliebtesten Bäumen Japans. Erstere zeigt mit P. sylvestris, letztere mit P. austriaca viel Aehn- lichkeit. Wie bei dieser, so ist auch bei der Kuro-matsu, d. h. der »Schwarzkiefer«, die Färbung der Rinde von Stamm und Aesten durch- I. Land- und Forstwirthschaft. weg dunkelgrau, während Aka-matsu, die »Rothkiefer«, gleich unserer gewöhnlichen Föhre sich durch blassrothe Färbung der oberen Stämme und der Aeste auszeichnet. Nach chinesischem Vorbilde wurde auch von den Japanern, — denen übrigens der monöcische Charakter dieser Bäume längst bekannt ist —, dem Kuro-matsu männliche, der Aka-matsu weibliche Eigen- schaften zugeschrieben. Demgemäss benannte man sie O-matsu (männ- liche Kiefer) und Me-matsu (weibliche Kiefer). Beim Neujahrsfest pflegte man bisher durch beide eine glückliche Ehe darzustellen, indem man zur Linken des geschmückten Eingangsthores zum Hause eine schwarz- stämmige P. Massoniana, zur Rechten eine rothstämmige P. densiflora aufpflanzte. Pinus Massoniana ist hinsichtlich des Bodens einer der anspruchs- losesten Bäume Japans. Hat die dem Wellenschlag des Meeres ent- rückte Düne durch Ansiedelung verschiedener tiefwurzelnder Strand- pflanzen, zu denen auch häufig der kriechende Juniperus littoralis Maxim. gehört, festen Halt gewonnen, so pflegt sie der Japaner gern mit Kuro-matsu zu bepflanzen. Diese Kiefer spielt demnach hier die- selbe Rolle, wie im franz. Département des Landes Pinus Pinaster, wie bereits früher hervorgehoben wurde. Von der Küste bis zu 300 m Höhe finden wir diese Kuro-matsu Japans auf Terrain, welches den andern Nadelhölzern nur ungenügende Nahrung liefert. Als Allee- baum längs der Landstrassen und in Tempelhöfen zeigt sie ihre grösste Entwickelung. Hier sind 150—200 Jahre alte Stämme von 4—6 m Umfang und 30—35 m Höhe keine Seltenheit. Das Vorkommen von Pinus densiflora schliesst sich in mehrfacher Beziehung der vorerwähnten Art an. Im Hügel- und Gebirgslande 150—800 m über der See und ausnahmsweise noch darüber hinaus, vornehmlich auf der Sonnenseite der Bergabhänge wächst diese Kiefer. In tieferer Lage, wie auch an den Landstrassen finden wir sie oft mit der vorigen Art untermischt und gleich dieser meist in lichten Be- ständen, so dass noch mancher Strauch als Unterholz zwischen ihnen Raum und Licht hat. Sie bewohnt ebenso das aus der Verwitte- rung von Schiefergebirge und Granit hervorgegangene Kieselgeröll, als auch alte Lavafelder und erreicht nicht ganz die Dimensionen der Massoniana. Unter allen Coniferen Japans ist das Holz dieser beiden Kiefern nächst dem einiger Tannen am billigsten und einander sehr ähnlich, sowohl in der hellbraunrothen Färbung und Streifung, der grad- und langfaserigen Structur, als auch in Dichte und Zähigkeit. Daher ist denn auch die Verwendung beider im Haus- und Brückenbau, als 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Werkholz zu vielen kleinen Geräthen, sowie als Brennholz zum Heizen der Porzellanöfen, und verschiedenen andern Zwecken dieselbe. Vor dem Holze unserer Kiefern haben diese beiden japanischen Hölzer keine nennenswerthen Vorzüge. Sie sind ebenso harz- und knoten- reich und dazu finden wir ihre Stämme nur ausnahmsweise durchaus gradschaftig, vielmehr noch weit mehr gebogen, als die unserer Pinus sylvestris in lichten Beständen. 29. Pinus koraiensis S. \& Z. (P. Strobus Thunb.), jap. Chosen- matsu (Korea-Kiefer) und Goyô-no-matsu (Fünf-Nadel-Kiefer). Der Thunberg’sche Name dieser Art weist auf die grosse Aehnlichkeit ihres Aussehens mit der nordamerikanischen Weimuthkiefer hin, während die Zapfen mit ihren essbaren Nüssen mehr an P. Cembra erinnern. Der Baum stammt, wie dies auch eine der japanischen Benennungen andeutet, aus Korea und findet sich in Japan nur als Zierpflanze. Eine schöne Allee sah ich beim Schlosse zu Morioka im nördlichen Hondo (pg. 110). Das unrein gelblichrothe Holz hat breite Jahresringe und wird in ähnlicher Weise, wie das der vorerwähnten Kiefern verwerthet. 30. Pinus parviflora S. \& Z., jap. Goyô-no-matsu und Hime- ko-matsu . Diese Art bildet das Knieholz der oberen Region höherer Berge von Hondo und Yezo und einen ziemlich seltenen Zierbaum in Gärten und Parkanlagen. Das gelbliche Holz steht an Werth hinter dem aller andern Matsu zurück. 31. Larix leptolepis Gord. (Pinus Larix Thunb.), jap. Kara- matsu . Die japanische Lärche findet sich vom 34. Parallel an nord- wärts. Im mittleren Honshiu gehört sie in der Regel der Gebirgs- region zwischen 1500 und 2000 m an und bildet hier nur aus- nahmsweise eigene Bestände, findet sich vielmehr in der Regel mit Tsuga und andern Abiesarten vermischt. Weiter nördlich senkt sich ihre Höhenzone mehr und mehr. Damit nimmt die Häufigkeit ihres Auftretens zugleich zu und zum Theil auch ihre Entwickelung. Sie gedeiht vornehmlich auf verwitterter vulkanischer Lava und entwickelt in höherer Lage Stämme von 1½ m Umfang und 20—24 m Höhe. Auf besonders günstigen, tiefer gelegenen Standpunkten kann sie je- doch eine Dicke von 4 m und 30 m Höhe erreichen. Das rothbraune Kernholz zeigt schmale Jahresringe, ist feinkörnig, zähe und dauer- haft, widersteht auch der Feuchtigkeit vortrefflich und wird aus allen diesen Gründen sehr geschätzt, doch wegen schwieriger Beschaffung nur wenig zum Bauen verwendet, dagegen mit Vorliebe zu Grubenholz gebraucht, sowie zu kleineren Waaren. 32. Sciadopitys verticillata S. \& Z., jap. Koya-maki . Die ja- I. Land- und Forstwirthschaft. panische Schirmtanne ist ein herrliches Nadelholz, steht einzig da in ihrer Tracht und ist unstreitig eine der schönsten Arten, welche wir Ostasien verdanken. Der eigentliche Name ist Kane-matsu , d. h. Goldkiefer. Die Benennung Koya-maki erinnert an Maki (Podo- carpus macrophylla), mit dem ihre Blätter einige Aehnlichkeit haben, und an die Klosterstadt Koya in Kishiu, woselbst die Schirmtanne einen prächtigen Hain bildet und auch sonst in der Nachbarschaft bei 400 bis 800 m Höhe in mehreren grösseren Beständen vorkommt. Der Baum ist hier erwiesenermaassen überall nur angebaut. Er erreicht bei geradem Wuchs und starker Verästelung, wie wir sie beispielsweise bei Pinus Strobus finden, 20—24 m Höhe und 2—4 m Umfang. Die irrige Angabe Siebold’s, als bilde die Schirmtanne nur einen Strauch von wenigen Metern Höhe, hat sich in manchen unserer Bücher wiederholt und erhalten, obgleich schon längst durch Veitch die Entwickelung zum stattlichen Baum nachgewiesen worden ist. Die Zapfen erinnern an Kiefern, ebenso die rissige Rinde älterer Bäume, sowie die abstehenden Aeste. Aber die Form der Krone ist regelmässiger kegelförmig, wie bei den meisten Abiesarten, und was den Bäumen ihren besonderen eigenartigen Charakter verleiht, sind ihre Blätter. Dieselben erscheinen quirlförmig gestellt, wie die Aeste und Zweige, lang, wie die Nadeln von Kiefern, breit, dick und glänzend, grün, wie bei Podocarpus. Das gelblichweisse, leichte, feinkörnige und breitringige Holz gleicht am meisten dem verschiedener Abiesarten und zeichnet sich nicht durch besonders werthvolle Eigenschaften aus. Hierin mag der Grund liegen, wesshalb man die Schirmtanne ausser auf dem Koya-san und um ihn herum fast nirgends als Waldbaum, wohl aber hier und da zur Zierde angepflanzt findet. Fam. Salicineae . 33. Salix japonica Thunb., jap. Yanagi . Das weiche, weisse Holz dieser und einiger andern Weidenarten, wozu auch die als Zier- pflanze vorkommende Trauerweide (Salix Babylonica L.), Shidare- yanagi (Hängeweide) genannt, zu rechnen ist, dient zur Darstellung der Yo-ji oder Zahnbürsten. Auch werden Kinderspielsachen, wie Schüsselchen, Becher etc. daraus gedreht. Der Verwendung der Wei- den zu Flechtwerk wurde bereits Seite 204 gedacht. 34. Populus tremula L. (P. Sieboldi Miq.), jap. Yama-narashi und Dorofu ist in den Bergwaldungen Japans, zumal auf Lichtungen etwa vom 34. Breitengrad an nordwärts zu finden, wenn auch nicht so häufig als in Europa. Das Holz wird kaum verwerthet. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Fam. Betulaceae . 35. Betula alba L., jap. Shira-kaba oder Shira-kamba, Kaba und Kamba genannt, kommt zerstreut in den höheren Gebirgswal- dungen des mittleren und nördlichen Hondo und auf Yezo vor, ebenso 36. B. ulmifolia S. \& Z., jap. Midzume , deren braunrothes Holz sich mehr dem der Erlen nähert. Die Hölzer dieser und einiger an- dern Birkenarten werden hier und da zu Kistchen, wohl auch in der Lackindustrie verwandt. 37. Alnus firma S. \& Z., jap. Minebari, Yama-harinoki und Hari-no-ki . 38. Alnus maritima Nutt. (A. japonica S. \& Z.), jap. Hari-no-ki , auch Han-no-ki genannt. 39. Alnus incana Wild., jap. Yama-hari-no-ki . Man ver- arbeitet das Holz dieser Erlen zu Kisten. Eine eigenartige Behand- lung und Verwendung findet Erlenholz im Hakone-Gebirge. (Siehe Kunstgewerbe: Holzdreharbeiten.) Fam. Juglandaceae . Die hierher gehörenden Bäume führen den Collectivnamen Kurumi . Ausser unserer gemeinen Wallnuss wird auch Juglans Sieboldiana hier und da der Früchte wegen angebaut (pg. 110); doch findet sich letz- terer häufiger, wie die übrigen Arten eingestreut in den Bergwal- dungen des mittleren und nördlichen Hondo, sowie der Insel Yezo. Ihre Hölzer haben sehr verschiedenen Charakter und Werth. Man macht von denselben bislang in der Möbeltischlerei nur bescheidenen Gebrauch. Erwähnenswerth sind: 40. Juglans mandschurica Maxim., jap. Kurumi , deren schönes dunkles Holz dem der folgenden Art und unserem Wallnussholze sehr ähnlich ist. 41. Juglans Sieboldiana Maxim., Tô-gurumi und Kurumi ge- nannt. 42. Pterocarya rhoifolia S. \& Z. (P. sorbifolia S. \& Z.), jap. Sawa- gurumi . Das Holz derselben ist leicht, hell, weiss, gelblichweiss oder hellrosafarbig. 43. Platycarya strobilacea S. \& Z., jap. No-gurumi und Yama- gurumi . Fam. Corylaceae . 44. Corylus heterophylla Fisch., jap. Hashibami . Das weiche, weissliche Holz wird wenig gebraucht. 45. Carpinus japonica Blume, C. laxiflora Bl. und C. cordata Bl. I. Land- und Forstwirthschaft. führen den jap. Collectivnamen Soro . Ihre Hölzer sind weiss, glän- zend und dem unserer Hainbuche ähnlich. Sie werden wenig benutzt. Fam. Cupuliferae . Wir haben hier in erster Linie die zahlreichen japanischen Arten der Gattung Quercus in’s Auge zu fassen. Dieselben zerfallen bekannt- lich in 2 Gruppen: eine immergrüne, lorbeerblättrige mit glatter Rinde im wärmeren Süden und an der Küste von Hondo nordwärts bis etwa zum 36. Breitengrade, und eine blattwechselnde, unsern einheimischen Eichen verwandte Gruppe mit im Alter dicker, zerrissener Borke und meist gebuchteten Blättern im Norden und in den Gebirgswaldungen. Jene führen wohl den Collectivnamen Kashi , diese werden meist Nara genannt. Ein grosser Unterschied zeigt sich auch im Holze. Das der blattwechselnden Arten nähert sich dem unserer Eichen, zeigt Markstrahlen, Jahresringe und die charakteristische concentrische An- ordnung der grossen Poren auf das deutlichste. Bei den lorbeerblätte- rigen Arten sind diese Merkmale mehr verwischt, die zahlreichen Poren viel kleiner und viel unregelmässiger vertheilt. Dementspre- chend ist das Holz der immergrünen japanischen Eichen dichter, fester, zäher und schwerer, wird also auch mehr geschätzt, als das der an- dern. Von den meisten Arten aber ist es im Vergleich zu der Mehrzahl der übrigen Hölzer des Landes schwer, hart, zähe und sehr stark, spaltet sich nicht leicht und widersteht lange den Einflüssen der Nässe. Von den blattwechselnden Eichenarten wird es vornehmlich gleich dem der Ka- stanie verkohlt und als Brennmaterial, dagegen kaum je in der Tisch- lerei benutzt. Das der immergrünen schätzt man überall, wo Elasti- cität und Zähigkeit besonders in Betracht kommen, und verwendet es zu Stielen, Tragstangen, Rudern und im Schiffsbau. Zu den sommer- grünen Eichen Japans gehören: 46. Quercus dentata Thunb., jap. Kashiwa . Diese Art ist vor allem durch ihre sehr grossen gebuchteten und gezahnten Blätter aus- gezeichnet und wird aus diesem Grunde oft als kleiner Zierbaum in Gärten gefunden. Auf Yezo soll sie besonders häufig sein. Strauch- förmig traf ich sie häufig auf der Hara an der Grenze vulkanischer Bergwälder des nördlichen Hondo. Ihr grossporiges Holz wird wenig geschätzt. 47. Q. crispula Blume, jap. Ko-nara oder Nara , kleinblätterige, sommergrüne Eiche, gleich der folgenden am meisten in Tracht und Holz der unsrigen gleichkommend, sehr verbreitet, geht einzeln bis in’s südliche Kiushiu, bildet gleich der nachfolgenden im mittleren und nördlichen Japan oft besondere Bestände und 3—4 m dicke Bäume. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. 48. Q. glandulifera Blume, jap. Nara, Ô-nara, Midzu-nara . Der vorigen ähnlich und oft in ihrer Gesellschaft; doch sind die Blätter viel grösser, worauf sich auch die Benennung Ô-nara , grosse Eiche, bezieht. Beide liefern schöne, unserm Eichenholz sehr nahekommende Hölzer, erreichen aber nicht diese gewaltigen Dimensionen. 49. Q. serrata Thunb., jap. Kunugi und Kunugi-nara , auf Yezo und Hondo sehr verbreitet, auch in Korea und China, sowie den indischen Vorbergen des Himalaya bis zu 1500 m Höhe. (Siehe Brandis, Forest Flora of India pg. 486.) Die Blätter erinnern an ess- bare Kastanien und nähren den Eichenspinner. (Siehe Seidenzucht pg. 246 u. 247.) Unter den vielen wintergrünen Eichen treten die folgenden mehr hervor: 50. Q. cuspidata Thunb., jap. Shii-no-ki , ist unter allen immer- grünen japanischen Eichen am wenigsten empfindlich gegen die Winter- kälte, am verbreitetsten und wichtigsten, bildet oft eigene Hochwald- bestände, wie z. B. noch in der Nähe von Atami am Fusse des Ha- konegebirges und liefert ein geschätztes Holz. Sie ist als Zierpflanze, namentlich in Tôkio, sehr beliebt, färbt im Frühjahr beim Blatt- wechsel die Spitzen ihrer Zweige weisslich und röthlich mit jungen Blättern, die erst allmählich in tieferes Grün übergehen, und ent- wickelt im Mai Blüthenkätzchen, die nach Stellung und Farbe mehr an solche unserer essbaren Kastanie, als an diejenigen blattwechseln- der Eichen erinnern. Der essbaren Eicheln (Shii-no-mi) wurde schon pg. 110 gedacht. 51. Q. acuta Thunb., jap. Aka-gashi , rothe Eiche. Sie führt ihren Namen der röthlichen Farbe ihres Holzes wegen, welche in manchen Lagen bis zu tiefem Rothbraun sich steigert. An Unempfind- lichkeit steht sie der vorigen Art wenig nach und bildet zuweilen ebenfalls Stämme von ansehnlicher Stärke. 52. Q. glauca Thunb., jap. Shira-kashi , d. h. weisse Eiche. Das Holz ist am hellfarbigsten unter allen japanischen Arten, grau- weiss, sehr dicht, fest und zähe und wird daher hochgeschätzt. Man verwandte es bisher mit Vorliebe zu Lanzenstielen, Trag- und Ruder- stangen, sowie zu Stielen vieler Geräthe. Shira-kashi liebt ein wär- meres Klima und entwickelt sich erst im milden Süden zu einem an- sehnlichen Baum. 53. Castanea vulgaris Lamark, jap. Kuri . Näheres über diese Art und ihre Verbreitung siehe pg. 109—110, auch pg. 250—251. Das hellbraune Holz wird in den Wäldern zu Heizungszwecken verkohlt, sonst aber wenig benutzt. Es erinnert in seiner Structur an dasjenige blatt- I. Land- und Forstwirthschaft. wechselnder Eichen, ist aber viel poröser, leichter und weniger wider- standsfähig. 54. Fagus Sieboldi Endl. steht unserer gewöhnlichen Buche sehr nahe und ist wahrscheinlich nur eine Abart derselben. Die Japaner nennen sie Buna . Ihre Verbreitung und Bedeutung im japanischen Gebirgswald wurde schon S. 260 hervorgehoben. Das frische Holz ist grauweiss, dunkelt aber allmählich röthlich oder braunroth nach. Seine zahlreichen feinen Poren sind gleichmässig vertheilt. Es zeichnet sich ferner durch dichtere Struktur und feineres Korn vor dem der Eichen aus, ist aber nicht so schwer, auch weniger zähe und dauer- haft. Spaltbarkeit, Härte und Biegsamkeit sind seine wichtigsten Eigen- schaften. Man benutzt es hier und da zu Ackergeräthen, dreht daraus Suppennäpfe, welche später lackiert werden, verwerthet es aber nur selten als Brennmaterial. Fam. Moreae . 55. Morus alba L., jap. Kuwa . Auf Seite 225—227 wurde be- reits dieses Baumes und seiner Cultur für die Seidenzucht gedacht. Das Holz ist also sozusagen Nebenprodukt. Seine Jahresringe werden, wie bei sommergrünen Eichen, durch Gürtel grösserer Frühjahrsporen angezeigt. Es ist langfaserig, meist von gelblicher Farbe, doch auch rothbraun und wird dann besonders geschätzt. Dasselbe ist ferner fest, dauerhaft, nimmt leicht die Politur an und wird desshalb in der Möbeltischlerei, doch nicht in grossem Umfang, verwendet. Fam. Ulmaceae . 56. Zelkowa Keaki S. \& Z. (Planera acuminata Lindl.), der Keyaki (sprich Kéaki) der Japaner, ein stattlicher und durch sein Holz sehr nützlicher Baum, der sich in Wäldern und Tempelhainen, sowie längs der Pfade um manche Ortschaften (namentlich in der Nachbarschaft von Tôkio) findet und zuweilen gewaltige Dimensionen (10 m Stamm- umfang und 30—40 m Höhe) erreicht. Im Aussehen erinnert er leb- haft an Celtis australis der Mittelmeerregion, wie beispielsweise an die schönen Exemplare dieser Art im botanischen Garten zu Madrid, aber auch an unsere Buchen. Keaki ist das beliebteste Tischlerholz und spielt für japanische Verhältnisse eine ähnliche Rolle, wie Eichenholz bei uns, dem es auch im Aussehen etwas ähnlich ist. Zu seinen werthvollsten Eigen- schaften gehört insbesondere die, dass es nicht reisst und sich nicht leicht wirft, so dass man z. B. Querschnitte zu Präsentiertellern und Dosen drehen und verwerthen kann, wie solches im Hakonegebirge 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. geschieht. Ausserdem zeichnet sich das Keakiholz durch seine grosse Zähigkeit, Elasticität und Dauerhaftigkeit aus, sowohl im Wasser, als auch an trockner Luft, wenn es nicht zur Zeit der Saftfülle gefällt wurde. Die grauweisse, glatte Rinde erinnert in Farbe und Dicke an diejenige unserer Buchen, der helle Splint geht rasch in Kernholz über, dessen Farbe nach Standort und Alter der Bäume zwischen hell- braun und dunkelbraun schwankt, und dessen dunklere und geschätztere Färbung nach dem Fällen oft noch durch längere Submersion in Wasser vor der Verarbeitung erhöht wird. Keaki ist leichter als Eichenholz, da sein specifisches Gewicht nur 0,682 beträgt. Auf dem Querschnitt erkennt man leicht die sehr schmalen Markstrahlen, wie sie alle Ul- maceen auszeichnen, und die deutlichen Gürtel zahlreicher grosser Poren auf der Innenseite der Jahresringe. Diese Poren und ihre Wandungen treten auch bei Längsschnitten deutlich hervor, welche zugleich den parallel- und gradfaserigen Charakter des gewöhnlichen Holzes leicht erkennen lassen. Von dieser Struktur des Keakiholzes gibt das Futteral zu der japanischen Tabakspfeife Fig 1. S. 156 ein deutliches Bild. Keaki dient dem Japaner zu mancherlei Zwecken: im Schiffs- und Häuserbau, in der Möbeltischlerei, Dreherei, und zu vielen kleinen Gegenständen. Je nach der Färbung belegt er es mit verschiedenen Namen und schätzt besonders hoch das Tama-moku oder Maserholz, auch Tama-no-keaki genannt. In allen erwähnten Eigenschaften übertrifft es die sämmtlichen übrigen Ulmaceen. Dagegen ist seine Verästelung zu dünn, seine Be- laubung wie bei Celtis zu licht, als dass der Baum der Ulme gleich als Zierpflanze und Schattenspender verwendet werden könnte. Seine Ansprüche an den Boden sind analog denen seiner Verwandten. Wir finden ihn im besten Gedeihen auf leichtem Thonboden, in welchem er seine Wurzeln allseitig ausbreiten und entwickeln kann. Er gehört der unteren Region des Gebirgslaubwaldes an und überschreitet im mittleren Hondo wohl selten die Höhenzone von 800—1000 m, ist auch keineswegs sehr verbreitet und häufig und erreicht erst in der Ebene in Tempelhainen und längs der Wege jene grossen Dimensionen, in denen er unter den Laubbäumen nur dem Kampferlorbeer nachsteht. 57. Celtis sinensis Pers. (C. orientalis Thunb.), jap. Ye- (sprich E) -no-ki , ist in seiner Tracht dem Keyaki ähnlich, erreicht nicht solche Stärke und hat leichtes, grauweisses, schwammiges Holz von geringem Werth. Man findet den Baum selten im Walde, wohl aber an Bachufern und bei Ortschaften angebaut. 58. Homoieceltis aspera Bl. (Aphananthe aspera Planch.), jap. Muku, Muku-no-ki . Das Holz ist dunkler, dichter und besser, als Rein , Japan. II. 19 I. Land- und Forstwirthschaft. bei voriger Art, doch ohne hohen Werth. Der Baum liebt wärmeres Klima, erreicht keine grossen Dimensionen, ja bleibt oft strauchförmig. (Ueber die Verwendung seines Bastes siehe Papierindustrie.) 59. Ulmus campestris Sm., jap. Haru-nire, Kobu-nire, Ya- gire . Die Eigenschaften dieses auch in Europa viel verbreiteten Baumes sind bekannt. Von der letzten Pariser Ausstellung besitze ich ein Ulmenholz mit der Benennung Damo und dem Ursprung Shi- motsuke-no-kuni, Hoso-Omura, also aus der Provinz Shimotsuke, welches offenbar hierher gehört. Es hat grauweissen Splint und röth- liches Kernholz und dürfte identisch sein mit dem »Aka-tamo« , d. h. »rothen Tamo«, dessen Dupont pg. 50 seiner Schrift gedenkt, und das auch sonst namentlich als Holz der Insel Yezo schon oft erwähnt worden ist. Das Tanichi-tamo dieser Insel scheint Ulmus montana Sm. zu sein, der Ohio-no-ki , von dem bereits Seite 200—201 die Rede war. 60. U. parvifolia Jacq. (Microptelia parvifolia Spach.), jap. Aki- nire, Nire und Yu . Das Holz dieser Art ist feinporiger und dichter, als bei den übrigen; der Baum erreicht aber, wie es scheint, bei weitem nicht deren Grösse. Fam. Buxaceae . 61. Buxus japonica J. Müll. (Buxus virens Thunb.), jap. Tsuge . Ein wesentlicher Unterschied zwischen dieser Pflanze und Buxus sem- pervirens L. scheint nicht zu bestehen. Das gelbe Holz ist fein- körniger, dichter und mehr gleichartig in Struktur, sowie schwerer, als alle andern Hölzer Japans. Es zeigt unter der Lupe feine Jahresringe und Markstrahlen, nicht aber dem blossen Auge. Die Poren erscheinen gleichmässig vertheilt und überaus fein. Ein merklicher Unterschied zwischen Kernholz und Splint besteht nicht. Unter einer Sammlung von 50 Täfelchen verschiedener japanischer Hölzer mit den Dimensionen 150 × 75 × 3 mm hatte sich die Tsugeplatte am meisten geworfen. Der Bux ist auf den wärmeren Süden Japans beschränkt und scheint am häufigsten auf den Riu-kiu-Inseln vorzukommen. Sein geschätztes Holz wird vornehmlich in der Kammschneiderei verwendet, wie schon Kämpfer und Thunberg hervorhoben. »Ligni pro pectinibus conficiendis, quos portant feminae crinibus infixos, rubro plerumque vernice obductos.« Flor. jap. pg. 77. 62. Elaeococca cordata Bl. (Aleurites cordata Müll.), jap. Dokuye, Abura-no-ki, Abura-giri und Yama-giri (siehe pg. 184—185). Wie im Habitus und in der Gestalt und Grösse der Blätter, so zeigt dieser 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Baum auch in der Beschaffenheit, Farbe und Verwendung seines leichten Holzes mit Kiri (Paulownia imperialis) grosse Aehnlichkeit. 63. Excoecaria japonica J. Müll. (Croton siraki S. \& Z.), jap. Shira-ki und Haratoku . 64. Sapium sebiferum Roxb. (Stillingia sebifera S. \& Z.), jap. Tô- haze und Nanking-haze . Fam. Lauraceae . Die immergrünen Glieder dieser interessanten Familie bilden meist stattliche Bäume und gehören dem warmen Süden Japans an: die blattwechselnden (der Gattung Lindera) findet man als Sträucher und niedrige Bäume zerstreut in den Laubwäldern des ganzen Gebiets. So verschieden auch Farbe und Werth der einzelnen hierher zählen- den Hölzer sein mögen, so zeichnen sich doch alle mehr oder weniger durch aromatischen Geruch, matten oder starken Seidenglanz, schwache Markstrahlen und gleichmässige Vertheilung der Poren aus. Die Hölzer der Gattung Cinnamomum gehören zu den werthvollsten Ja- pans. Ihr Gewicht steht dem der Eichen nach. 65. Cinnamomum camphora Nees (Laurus camphora L.), jap. Kusu, Kusu-no-ki . Das Bemerkenswertheste über diesen interessanten und wichtigen Baum wurde bereits bei dem Artikel »Kampfer« pg. 169 bis 177, sowie pg. 268 erwähnt. Kampferholz zeigt auf dem Querschnitt zahlreiche, gleichmässig vertheilte, mittelgrosse Poren, deren Grösse und Gestalt indess nach Alter und Standort der Bäume sehr verschieden ist. Hiernach wechselt auch die Farbe des Holzes zwischen grauweiss und dunkelrothbraun, ist aber vorherrschend hellbraunroth. Man unterscheidet nach ihr verschiedene Sorten Kampferholz und schätzt die dunkelgefärbten, rothbraunen, maserreichen am meisten. 66. C. pedunculatum Nees (C. japonicum S. \& Z.), jap. Yabu, Tabu, Tabu-no-ki und Tama-gusu , d. h. Maser-Kampferholz, genannt. In der verschiedenen Färbung ist dies Holz dem vorigen ähnlich; doch ist es dichter und schwerer. Es wird noch höher ge- schätzt und ebenfalls in der Möbeltischlerei, zu kleinen Kabinetten und andern Gegenständen verarbeitet, und liefert namentlich schönes Fournierholz. 67. Machilus Thunbergii S. \& Z. (Laurus indica Thunb.), jap. Nan, Inu-kusu, Ta-funo , kommt nicht blos auf den südlichen Inseln, sondern längs der Küste von Hondo auch bis nach Tôkio hin vor. 68. Listaea glauca Sieb., jap. Yabu-kusu , d. h. Strauch-Kampfer, Shiro-tsudzu (Shiro-damo). 19* I. Land- und Forstwirthschaft. 69. Tetranthera japonica Spreng. (Tomex japonica Thunb.), jap. Hama-biwa . 70. Actinodaphne lancifolia Meissn. (Daphnidium lancifolium S. \& Z.), jap. Koga-no-ki, Koga-gashi . Die blattwechselnde Laurineengattung Listera Thunb. (Benzoïn Neess) kommt in Japan in acht Arten vor. Es sind ziemlich ansehn- liche Sträucher, welche durch ihre Belaubung unter den vielen andern Gliedern des blattwechselnden Laubwaldes wenig auffallen. Mehrere führen nach der schwärzlichen Rinde den Namen Kuro-moji , andere werden mit Bezug auf die weissgraue Rinde zusammen Shiro-moji genannt. Erstere findet man weit verbreitet, zum Theil noch auf Yezo. Bei allen lagert um das weisse Mark ein grauweisses, seidenglänzen- des, angenehm riechendes Holz, das auf dem Querschnitt feine Mark- strahlen, deutliche Jahresringe und sehr feine Poren zeigt. Von meh- reren Arten Kuro-mochi wird es seit Jahrhunderten allgemein zu Zahn- stochern, jap. Ko-yôji (yôji, Zahnbürste, ko, klein) verwendet, ins- besondere von 71. Lindera sericea Bl. (Benzoïn sericeum S. \& Z.), jap. Kuro- moji , und von 72. L. umbellata Thunb. (Benzoïn Thunbergii S. \& Z.), jap. Inu- kusu, Kuro-moji . Fam. Scrophularineae . 73. Paulownia imperialis S. \& Z. (Bignonia tomentosa Thunb.), jap. Kiri oder Kiri-no-ki. Dieser Baum ist nicht einheimisch, son- dern Culturpflanze Japans seines leichten Holzes wegen. Man findet ihn nie in geschlossenen Beständen oder sonst nach Art der Wald- bäume angebaut, vielmehr ähnlich, wie unsere Obstbäume. Ein rascher Wuchs zeichnet ihn aus und liefert schon nach 9—10 Jahren Stämme von ansehnlicher Stärke, die sich durch Wurzelschösslinge, aber auch durch Samen fortpflanzen. Das Holz ist gewöhnlich grauweiss, aber auch oft hellbraun, sehr porös, namentlich an den Grenzen der Jahres- ringe, und nähert sich in seinem specifischen Gewichte von 0,191 dem des Korkes. Dabei ist es im Verhältniss zu gleichen Gewichtsmengen anderer Hölzer sehr stark; auch wirft es sich nicht und reisst nicht leicht. Alle diese Eigenschaften machen es werthvoll. Besonders wird es aber seiner Leichtigkeit und Weichheit wegen in hunderterlei Weise verwendet. Man macht daraus Kästchen und Kasten zum Verpacken von Zahnpulver und Pillen, von Papier, Geweben, kunstgewerblichen Erzeugnissen mancherlei Art, verwendet es in grosser Menge zur Dar- stellung der geta ’s oder Holzschuhe, der Schiebladen in Cabinetten, leichter und gefälliger Lackwaaren, Spielsachen und andern Dingen mehr. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Fam. Bignoniaceae . 74. Catalpa Kaempferi S. \& Z. (Bignonia catalpa Thunb.), jap. Raiden-giri, Shira-giri . Das Holz ist dem Kiri ähnlich, aber dunkler und wird ähnlich verwendet. Der Name Shira-giri, »weisser Kiri«, bezieht sich auf die helle Farbe der Blüthen. Fam. Oleaceae . 75. Fraxinus longicuspis S. \& Z., jap. Tonerico , liebt wie unsere Esche den tiefgründigen feuchten Boden der Thaleinschnitte und Sättel und findet sich in den Gebirgslaubwäldern von Kiushiu bis Yezo, doch nimmt ihre Häufigkeit gen Norden zu. Auch ist ihr Holz dem unserer einheimischen Eschenart sehr ähnlich, grauweiss von Farbe, feinkörnig, von zahlreichen sehr schmalen Markstrahlen durchzogen und mit deut- lichen Jahresringen versehen, deren jeder sich durch eine oder zwei Reihen etwas dunkler gefärbte Poren von einem sich anschliessenden compacten äusseren Gürtel scharf abhebt. Das Holz wird in der Tisch- lerei und zu Kästchen verwendet, ähnlich wie die Hölzer der beiden vorerwähnten Arten. 76. Olea fragrans Thunb., jap. Mokusei , Zierstrauch wie in Südeuropa, und 77. O. aquifolium S. \& Z., jap. Hira-gi , wildwachsend und Zier- pflanze, Bäumchen oder kleiner Strauch mit weisslich und hellbraun- marmoriertem feinen Holze, in dem man mit der Lupe noch keine Poren, wohl aber starkgenäherte Jahresringe und zahlreiche schmale Mark- strahlen wahrnimmt. 78. Ligustrum japonicum Thunb., jap. Nedzumi-mochi , gleich der vorigen Art grosser Strauch oder kleiner Baum, wildwachsend und Zierpflanze. Das hellbraune Holz ist dem vorigen ähnlich und wird ebenso zu Kästchen und andern kleinen Gegenständen verarbeitet. Gleiches gilt von 79. Ibota Sieb. (L. vulgare Thunb.), jap. Ibota . (S. auch pg. 194.) Fam. Styracaceae . Japan besitzt in seinen unteren Gebirgslaubwäldern verschiedene Glieder dieser Familie. Sie bilden ansehnliche blattwechselnde Sträucher oder kleine Bäume, welche im Frühsommer durch zahlreiche, fünf- zipfelige, weisse Blüthenglocken geziert sind. Das weisse Holz zeichnet sich durch dichtes Korn, Härte und Dauerhaftigkeit aus und wird in bescheidenem Umfang von Tischlern und Drehern verarbeitet. Be- merkenswerth ist vor allem: I. Land- und Forstwirthschaft. 80. Styrax japonicum S. \& Z., jap. Chisha-no-ki, Yego . Sehr verbreitet an Waldrändern, zuweilen auch an Gräben, ist diese Pflanze in der allgemeinen Tracht und Färbung der Rinde einer starkver- ästelten Buche von 4—6 m Höhe ähnlich. Die prächtigen weissen langgestielten Blüthen bilden Reihen hängender Glocken längs der Unterseite der Zweige. 81. Styrax Obassia S. \& Z., jap. Oba-no-chisa . 82. Symplocos lancifolia S. \& Z., jap. Ikono-shiba . 83. S. japonica D. C. (S. lucida S. \& Z.), jap. Kuro-ki . 84. S. erataegoides Don., jap. Tubetagi . Fam. Ebenaceae . 85. Diospyros Kaki L., jap. Kaki . Der Verbreitung dieses schönen Baumes und seiner grossen geschätzten Früchte, der sogenannten Dattelpflaumen, wurde schon pg. 103 und 104 gedacht. Es erübrigt hier nur noch, die Eigenschaften und Verwendungen des Holzes her- vorzuheben. Dasselbe ist hellgraubraun, wenn jung, ebenso, wie bei den verwandten indischen Ebenhölzern (D. ebenum und D. melanoxylon), und nimmt erst als älteres Kernholz schwarze Farbe an. Dieses schwarze Kaki ( Kuro-gaki ), wird vornehmlich von dem Shibu-gaki oder adstringierenden Kaki (siehe pg. 213—214) erhalten. Man kann jedoch äusserlich den Bäumen ebensowenig wie den indischen Arten ansehen, ob sie schwarzes Kernholz gebildet haben, sondern solches nur durch Anbohren constatieren. Auf dem Querschnitt zeigt Kakiholz kleine oder mittelgrosse, zerstreut vertheilte Poren von kreisförmiger und ellip- tischer Gestalt und zahlreiche, sehr feine Markstrahlen. Das speci- fische Gewicht steht dem des indischen Ebenholzes nach und beträgt nach Dupont nur 0,606. Es wird von Eichenholz hierin, wie auch in der Festigkeit weit übertroffen. Man benutzt es in der Tischlerei, beson- ders zu Fournieren, kleinen Cabinetten und Kästchen, wie Handschuh- kästchen etc. 86. D. Lotus L. (D. japonica S. \& Z.), jap. Shinano-gaki und Mame-gaki . Das Holz dieser wildwachsenden Art ist dem vorigen ähnlich, doch feinporiger und dichter. Seine Verwendung ist die nämliche. Das Holz von Diospyros ebenum L., jap. Koku-tan , wird aus Südchina und Hinterindien eingeführt und in ähnlicher Weise verarbeitet. Fam. Ericaceae . 87. Rhododendron Metternichii S. \& Z., jap. Shaku-nage . Das hellbraune Holz dieses hohen, dem Gebirge angehörenden Strauches 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. ist dichtkörnig und hart. Man benutzt es in Nikko und anderwärts zu Holzdreharbeiten. Fam. Caprifoliaceae . 88. Viburnum opulus L. Das Holz hat deutliche Jahresringe, sehr feine Markstrahlen und Poren, welche selbst unter der Lupe kaum zu erkennen sind. Seine Farbe ist blassroth bis rothbraun. Fam. Corneae . 89. Cornus officinalis S. \& Z., jap. San-shiu, San-shiu-yu . 90. C. brachypoda May, jap. Midzuki . 91. Marlea platanifolia S. \& Z., jap. Uri-no-ki . Das feinkörnige Holz dieser Sträucher oder niedrigen Bäume wird hier und da zu kleineren Gegenständen verwendet. Fam. Araliaceae . 92. Calopanax ricinifolia Miq. (Acanthopanax ricinifolia S. \& Z.), jap. Se-no-ki, Shi-o-ji . Dieser schöne Baum, ausgezeichnet durch grosse, gelappte, glänzende Blätter, weisse Blüthendolden und pfeffer- grosse schwarze Früchte (die wie die Blüthen an Aralia und Epheu erinnern), ist gleich Magnolia hypoleuca und Aesculus turbinata ein- gestreut in den Gebirgshochwald Japans von Kiushiu bis nach Yezo; doch nimmt die Häufigkeit seines Vorkommens nach Norden zu. Nach Böhmer: Report to the Kaitakushi 1875 pg. 312, gedeiht er auf Yezo vortrefflich und bildet einen schönen Baum von fast tropischem Aussehen. F. Schmidt fand noch schöne hochstämmige Bäume im südlichen Sachalin. Auf Yezo sollen Stämme von 3—4 m Umfang und 30 m Höhe keine Seltenheit sein. Auf Hondo begegnete ich gleich hohen, aber minder starken sehr oft. Im Hochwalde sind die Stämme häufig etwas ge- bogen und bis zu 20 m Höhe völlig astrein. Sie fallen durch ihre dunkle, dicke, zerrissene Borke sofort ebenso in die Augen, wie beim Aufblick durch ihren schönen Blattschmuck. Das weisse Holz dunkelt oft lichtbraun nach. Es ist ziemlich leicht, grobfaserig und mehr oder weniger porös. Auf dem Querschnitt zeigt es deutliche Jahresringe, aber keine Markstrahlen. Die Poren sind zweierlei Art: mikroskopisch kleine, eingestreut in das dichtere Sommerholz, und mit blossem Auge deutlich erkennbare, welche die Frühjahrsgürtel bezeichnen. Nach Böhmer benutzen die Ainos grössere Stammstücke von 6—9 m (20') Länge, um daraus durch Aushöhlen ihre Canoes zu machen. Sie nennen den Baum, wie derselbe weiter bemerkt, Yoshini , die Japaner Se- noki und Hari-giri . Unter meiner schon erwähnten Holzsammlung, welche die jap. Regierung 1878 auf der Pariser Ausstellung hatte, befindet sich eine Tafel von Satsuporo I. Land- und Forstwirthschaft. Fam. Lythrarieae . 93. Lagerströmia indica L., jap. Saru-suberi , soll nach Bran- dis Forest Flora of North-West and Central-India pg. 240. London 1874. aus China stammen und nach Gamble A Manual of Indian Timbers. pg. 200. Calcutta 1882. in den Gärten Indiens viel als Zierpflanze vorkommen. Auch in Japan findet sie sich da und dort ihrer schönen rothen Blüthensträusse wegen angebaut. Hier- durch, sowie durch die in Stücken sich lösende bräunliche Rinde fällt sie auf. Saru-suberi bildet einen langsam wachsenden Strauch oder niedrigen Baum. Das hellrosafarbige Holz ist feinkörnig und fest. Auf dem Querschnitt zeigt es kleine Poren, starkgenäherte Jahresringe und zahlreiche Markstrahlen. Man benutzt es zu Dreharbeiten. Fam. Hamamelideae . 94. Distylium racemosum S. \& Z., jap. Isu, Isu-no-ki oder Yusu , gehört dem wärmeren Süden Japans an und findet sich beson- ders häufig in der Provinz Hiuga, zumal in den Waldungen des Di- striktes von Obi, wo es nach Dupont Bäume von 3 m Umfang und 12 m Schafthöhe geben soll. Ich selbst bin dem Baume auf Kiushiu und Shikoku oft, auch in Gärten und Tempelhainen, begegnet, habe aber nie Exemplare mit mehr als 1 m Umfang und 15—18 m Höhe getroffen. Die Bäume breiten ihre Aeste gern allseits weit aus, wenn Luft und Licht es gestatten, und entwickeln schon im ersten Frühjahr ihre unscheinbaren Blüthen. Die etwas lederartigen, kurzgestielten elliptischen Blätter findet man häufig den Sommer über, wie unsere Eschen und Buchen mit Gallen bedeckt. Rinde und Holz dieses Baumes werden hochgeschätzt. Erstere ist glatt, dünn, graugefärbt. Sie wird von den gefällten Bäumen gelöst, getrocknet und verbrannt, um die Asche, Isu-bai genannt, zu gewinnen, welche man nach Arita in die Porzellanfabriken sendet, wo sie bei der Bereitung der Porzellan- glasur Verwendung findet. Das Holz aber verschifft man vornehmlich nach Ôzaka. Es ist besonders beliebt in den Kammschneidereien, dient aber auch einer Menge anderer Zwecke, denn es hat der her- vorragenden Eigenschaften viele, ist schwer, feinkörnig, compact, stark, zähe und überaus dauerhaft, auch im Wasser, so dass Dupont von (Sapporo) auf Yezo mit diesen beiden Namen und eine zweite mit Shi-oji be- zeichnete, aus der Provinz Musashi. In der grauweissen Farbe stimmen sie über- ein, doch nicht im Gewicht, indem das Shi-oji schwerer ist, noch in der Struc- tur. Das von Sapporo stammende Stück ist feinporiger und zeigt bei jedem Jahres- ring nur eine Reihe deutlicher Frühjahrsporen, während das andere einen ganzen Gürtel unregelmässig geordneter Poren aufweist. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. ihm sagt: »on pourrait l’appeler le bois de fer du Japon.« Je nach dem Alter besitzt es eine helle bis dunkle Chocoladefarbe. Der Quer- schnitt zeigt sich unter der Lupe mit kleinen Poren dicht besäet, lässt dagegen Jahresringe und Markstrahlen nur undeutlich erkennen. Fam. Rosaceae . Die zahlreichen Baumarten dieser Familie besitzen fast alle ein röthliches, compactes, fein- und dichtkörniges Kernholz, das sich leicht glättet und in vielen Fällen eine hübsche Politur annimmt. Sie sind mittelschwer, indem ihr specifisches Gewicht meist zwischen 0,6 und 0,7 schwankt. Die werthvollste japanische Holzart dieser Familie, welche hier vor allem zu erwähnen ist, liefert 95. Prunus pseudo-cerasus Lindl. (P. puddum Will.), die Sakura oder Yama-sakura . Es ist dies ein schöner mittelgrosser Baum von der Tracht unseres Kirschbaums, der in den Bergwaldungen von ganz Japan wild wächst und auch noch in Südsachalin angetroffen wird. Auf den südlichen grossen Inseln findet man ihn hier und da noch 1000 m über der See; weiter nordwärts senkt sich seine Höhengrenze mehr und mehr. Auch ist es eine beliebte Zierpflanze der Gärten und Tempelhaine und hier vornehmlich seiner oft sehr grossen, gefüllten Blüthen wegen geschätzt. Das gleichartige, feinkörnige röthliche Holz wird besonders in der Holzschneiderei für Holzschnitte, sowie im Tapeten- und Zeugdruck sehr geschätzt. 96. Prunus Mume S. \& Z. (P. armeniaca Thunb.), die Mume, Bai . Holz meist dunkler rothbraun, als das der vorigen Art, und weniger geschätzt, mit feinen zahlreichen Markstrahlen und deutlichen Jahresringen, die jedesmal durch eine Reihe dunkler Punkte (Poren) von einander abgegrenzt sind. Das Nähere siehe pg. 102. Auch die Hölzer aller andern den Rosaceen zugehörenden Obstarten, welche auf pg. 98—102 Nr. 11 angeführt wurden, sind hierher zu zählen. 97. Amelanchier canadensis Torr. et Gray, jap. Chide und Zai- buri , liefert ein dem Sakura ähnliches rothes, aber viel härteres Holz. Auch 98. Pyrus sambucifolia Cham., jap. Nana-kamedo und 99. P. aucuparia Gaertu., var. japonica Maxim., jap. Yama- nashi , welche beide der oberen Grenze des Gebirgswaldes angehören, sind hierher zu rechnen. Fam. Leguminosae . 100. Sophora japonica L., jap. Yenju , findet sich zerstreut durch das ganze Gebiet, besonders im Laubwalde des Nordens, und erreicht zuweilen 18—20 m Höhe und 2 m Umfang, z. B. in Ôzaka, wo sie als I. Land- und Forstwirthschaft. Zierpflanze einen freien Platz vor einem Tempel beschattet. Auch in Europa, wo sie zu gleichem Zweck schon seit lange cultiviert wird, finden sich stattliche, an unsere Robinien erinnernde Exemplare. Das leichte Holz ist hellbraun bis dunkel sepiafarbig, grobkörnig, gefäss- reich und ermangelt desshalb der Gleichförmigkeit und Feinheit, ist dafür aber sehr zähe und dauerhaft. Auf dem Querschnitt erkennt man deutliche Jahresringe, getheilt in abwechselnd helle Zonen mit vielen grossen Poren und dunklere, weniger poröse und dichtere. 101. Gleditschia japonica Miq., jap. Saikachi , ein ansehnlicher Baum, dem man vornehmlich im Norden Japans begegnet, und zwar wildwachsend längs der Flüsse und Thaleinsenkungen niedriger Berg- wälder, sowie angepflanzt in der Nähe der Ortschaften. Ich fand sie namentlich häufig in Nambu (Iwade-ken) und zählte eines Tages auf dem Wege von Kamaichi nach Morioka bei dem Orte Yokomachi gegen 100 Bäume. Ihre langen, braunen Hülsen vertraten früher im ganzen Norden von Hondo die Seife. Man findet sie noch immer auch in Morioka in manchem Laden zu kleinen Päckchen zusammengebunden. Das Holz des Saikachi ist dem des Yenju ähnlich. 102. Albizzia Julibrissin Boiv. (Mimosa arborea Thunb.), jap. Nemu und Nemu-no-ki . Im ersten Bande dieses Werkes ist pg. 158 bezüglich dieser Pflanze Folgendes zu lesen: »Nur die Albizzia Juli- brissin Boiv. (Mimosa arborea Thunb.) zeigte noch (in der 2. Hälfte April auf Amakusa) ihr unverändert winterliches Aussehen; ja noch einen Monat später, Mitte Mai, fanden wir diesen kleinen Baum in den Bergwaldungen der Insel Shikoku in etwa 800 Meter Höhe völlig blattlos, so dass sein japanischer Name »Nemu«, d. h. »Schläfer«, nicht blos wegen der Reizbarkeit seiner Blätter und des Schlafens während der Nachtzeit auf ihn passt«. Dieser kleine Baum ist über ganz Japan verbreitet und wird auch im Himalaya gefunden. Die breite Zone seines jungen Holzes ist gelb, das Kernholz dunkelbraun, hart und stark, auch leicht zu po- lieren. Auf Querschnitten erblickt man zahlreiche feine, rothe Mark- strahlen und dunkle Grenzen der Jahresringe mit grossen Poren. Zu dieser Familie gehören auch die schweren dunkelrothen Sandel- hölzer des tropischen Monsungebiets, insbesondere Pterocarpus indicus L. und Pterocarpus santalinus L., welche vielleicht mit einer dritten Art, dem Pterocarpus marsupium Roxb., unter dem sinico-japanischen Namen Shi-tan seit lange in Japan eingeführt und hier zu Möbeln, vornehmlich aber in der Holzschnitzerei verwerthet werden. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Fam. Anacardiaceae . 103. Rhus succedanea L., jap. Haze, Haji, Haze-no-ki und Ro-no-ki (siehe pg. 190). Das Holz ist durch eine unregelmässig verlaufende Linie und verschiedene Färbung scharf getrennt in leichten, grauweissen Splint, der lebhaft an das Kiriholz erinnert, und mittel- schweres Kernholz von lebhaft grünlichgelber Farbe und hohem Seiden- glanz auf dem polierten Längsschnitt. Der Querschnitt zeigt deut- liche Jahresringe, zahlreiche feine Markstrahlen und Poren, welche grösser und zahlreicher in den Frühjahrszonen, als in dem dichteren und dunkleren Sommerholze auftreten. 104. Rhus vernicifera D. C. (R. vernix Thunb.), jap. Urushi oder Urushi-no-ki (siehe pg. 187—189). Das Holz dieser Art ist dem vorigen in allen Stücken sehr ähnlich, nur ansehnlich leichter und weniger fest. Es wird mit dem Alter heller. Man verwendet es von beiden Arten zu Kistchen und zu der inneren Auskleidung von Ca- binetten und Commoden; doch geniesst es keine grosse Werthschätzung. Die übrigen japanischen Sumacharten erreichen zu geringe Dimen- sionen und sind dazu durch keinerlei werthvolle Eigenschaften aus- gezeichnet, um eine besondere Erwähnung zu rechtfertigen. Fam. Acerineae . Von den 22 japanischen Ahornarten, welche sich vornehmlich durch ihre Blätter und Fruchtstände unterscheiden, erreicht keine, weder im Walde noch als Zierpflanze, die Stärke und Höhe unseres Bergahorns (A. pseudoplatanus L.). Zu den bekanntesten und ge- schätztesten zählen: 105. Acer palmatum Thunb. (A. polymorphum S. \& Z.), jap. Mo- miji . Die wissenschaftlichen Namen dieser Art beziehen sich beide auf die Theilung, resp. Vielgestaltigkeit der Blätter, zumal bei den vielen Abarten, welche man in den Gärten und Tempelhainen findet und besonders schätzt, weil die Belaubung sowohl in ihrer ersten Ent- wickelung, als auch vor dem Verschwinden im Herbst prächtig roth erscheint. Der Baum bleibt bei allen Varietäten niedrig, oft sogar krüppelhaft. Die wildwachsende, dem unteren Bergwalde angehörende Form erreicht etwa 12 m Höhe und 1,5—1,8 m Stammumfang. Das hellgraubraune Holz zeigt ziemlich deutliche Jahresringe, sehr kleine Poren und zahlreiche schwache Markstrahlen. Es ist dem ent- sprechend feinkörnig, gleichartig, dicht und schwer, dabei dauerhaft und zähe. Auch nimmt es leicht eine schöne Politur an und zählt aus allen diesen Gründen zu den werthvolleren Tischlerhölzern des Landes. I. Land- und Forstwirthschaft. 106. Acer japonicum Thunb., jap. Kayede oder Kaide . Die Japaner geben diesen Namen noch mehreren andern Ahornarten, so Acer micranthum S. \& Z. Der Baum ist in den Bergwaldungen bis zu 1000 m Erhebung nicht selten und erreicht viel ansehnlichere Di- mensionen als die vorige Art. Das hellrosafarbige Holz ist feinkörnig, dicht, und zeigt auf Längsschnitten, namentlich bei Maserung, hohen Glanz und prächtige Spiegelung. Ein unter dem Namen Itaya von Yezo bekanntes Holz scheint mit A. japonicum Thunb. identisch zu sein und Yama-shiba mit Acer carpinifolium S. \& Z. Fam. Sapindaceae . 107. Sapindus Mukurosi Gaertn., jap. Mukuroshi , ein mittel- grosser Baum des unteren Laubwaldes, der nach Gamble identisch ist mit dem indischen S. detergens Roxb. Wie bei allen Seifennuss- bäumen ist auch das Holz des Mukoroshi hellgelblichweiss, mit feinen Markstrahlen und Gürteln zahlreicher mittelgrosser Poren durchzogen, leicht, brüchig und wenig werthvoll. 108. Koelreuteria paniculata Laxm. (Sapindus chinensis L.), jap. Moku-kenjiu, Bodaijiu . Dieser kleine Baum kommt zwar in Ja- pan auch in den Wäldern vor, wird aber in der Regel, wie bei uns, als Zierpflanze getroffen. Sein Holz ist dem des Mukuroshi sehr ähnlich. 109. Aesculus turbinata Bl., jap. Tochi, Tochi-no-ki , ein schöner Baum der tiefen Bergwaldungen von Kiushiu bis Yezo mit gelben Blüthen, verdient seiner prächtigen Belaubung wegen die Be- achtung unserer Gärtner. Das Holz ist äusserst feinporig, weisslich, leicht brüchig und vergänglich, daher gleich dem unserer Rosskastanien von geringem Werth. Fam. Rhamneae . 110. Hovenia dulcis Thunb., jap. Kempon-nashi , wurde be- reits pg. 102—103 als eigenartiger Obstbaum angeführt. Das leichte Holz besitzt eine schöne gelbbraune bis rothbraune Farbe, ist gleich- artig, feinporig und zeigt auf dem Querschnitt ausserdem deutliche Jahresringe, sowie zahlreiche, kleine, aber durch weisse Farbe scharf hervortretende Markstrahlen. Es kommt zu selten vor, um grössere Bedeutung zu haben. 111. Zizyphus vulgaris Lamk., jap. Natsume und Sanebuto- natsume (siehe pg. 102). Das Holz dieser Obstart ist dem der vorigen sehr ähnlich und sicher nicht häufiger. Die sehr zahlreichen schmalen Markstrahlen sind auch bei ihm gleichweit entfernt und scharf ge- zeichnet. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Fam. Celastrineae . Weisse Farbe, gleichmässiges, feines Korn und grosse Compact- heit zeichnet die Hölzer dieser Familien in Japan aus. Die Poren sind ausserordentlich klein, überaus fein auch die zahlreichen Mark- strahlen. Bei diesen werthvollen Eigenschaften, die wohl an diejenigen des Bux erinnern, ist es zu bedauern, dass die strauchartige, geringe Entwickelung der hierhergehörenden Gewächse keine ausgedehnte Ver- wendung ihres Holzes zulässt. 112. Evonymus Sieboldianus Bl., jap. Majumi , heisst bei den Chinesen Pai-oh-cha und soll in der Holzschneiderei gebraucht wer- den. (Eine sehr schöne Holzprobe dieser Art mit gleichförmig weisser Farbe weist die Sammlung in Kew Gardens auf.) 113. Celastrus articulata Thunb., jap. Tsuru-mume-modoki . Fam. Ilicineae . Die Enumeratio plantarum von Franchet und Savatier führt nicht weniger als 13 Arten dieser immergrünen Sträucher und niedrigen Bäume an, von denen natürlich die meisten auf den Süden beschränkt, verschiedene auch beliebte Zierpflanzen sind. Die meisten zeichnen sich durch ein feinkörniges, gleichartiges hartes Holz von heller grau- weisser Farbe, sowie dadurch aus, dass die zahlreichen Markstrahlen dunklere Farbe haben, als das Holzgewebe, und Längsschnitte in Folge dessen in eigenthümlicher Weise mit dunkleren Flecken auf hellem Grunde besäet sind. Dieses Holz wird auf der Drehbank, in der Kammschneiderei, zu Essstäbchen und andern kleinen Sachen ver- arbeitet, hat jedoch für alle diese Zwecke keine hervorragende Bedeu- tung. Erwähnenswerth sind: 114. Ilex crenata Thunb., jap. Inu-tsuge , die gemeinste japa- nische Stechpalme, von den Riukiu bis nach Yezo verbreitet, ein Strauch, der bis 6 m Höhe erreicht, meist viel niedriger bleibt und durch seine kleinblättrige Belaubung an Bux erinnert, worauf sich auch der Name Inu-tsuge, d. h. Hundebux bezieht. 115. I. latifolia Thunb., jap. Torayo , kommt der Küste entlang nordwärts bis in die Nähe von Tôkio vor, bildet hier in Gärten und Tempelhainen noch oft einen Baum von 6—10 m Höhe, ausgezeichnet durch seine glänzendgrünen, dicken, lederartigen, grossen ganzran- digen Blätter und starke Verästelung, demnach als Zierpflanze von bester Wirkung. 116. I. integra Thunb., jap. Mochi-no-ki und Tori-mochi , steht nach Charakter und Verbreitung der vorerwähnten Art sehr nahe, I. Land- und Forstwirthschaft. zeigt auf dem Querschnitt die Jahresringe und dunklen Markstrahlen, auf dem weissen Längsschnitt die dunklere Betüpfelung auf s deutlichste. Fam. Meliaceae . Japan weist vier Glieder derselben auf, nämlich: 117. Melia japonica Don., jap. Sendan . 118. M. Too-sendan S. \& Z., jap. Tô-sendan , d. h. chinesischer Sendan. 119. M. Azedarach L., jap. Obotshi, Sendan . 120. Cedrela chinensis A. Juss., jap. Chian-chim . Unter den vielen fremden Pflanzenformen, welche der von Norden kommende Botaniker in den Gärten und öffentlichen Anlagen des Mittelmeergebietes trifft, befindet sich auch ein während des Winters blattloser Baum von ansehnlicher Stammesstärke, der mit seiner dicken zerrissenen Borke an eine alte Robinie, mit seiner unregelmässigen, schwach verästelten Krone und den dicken Zweigen an einen grossen Sumach erinnert, im Mai aber und vor den grossen doppeltgefiederten Blättern eine Menge hellblauer Blüthentrauben entwickelt, welche in Gestalt, Farbe und Geruch viel Aehnlichkeit mit den Sträussen der Syringa haben. Dies ist Melia Azedarach, welche als Zierpflanze eine weite Verbreitung hat und im englischen Westindien mit nicht wenig Uebertreibung den stolzen Namen »The pride of India« (der Stolz In- diens) führt. Indien ist nämlich ihre Heimat, von der aus sie auch nach Japan verpflanzt worden ist, ebenso, wie eine zweite Art, deren Namen Too-sendan auf China (Too=Tô) hinweist. Die dritte, oben- erwähnte Species gilt für einheimisch, hat aber gleich den beiden andern keine grosse Verbreitung in Japan. Die nahe Verwandtschaft aller drei Arten wird auch durch den gemeinsamen Namen Sendan hervorgehoben. Es sind Bäume von raschem Wuchse, der sich später mehr an dem Stammumfang, als in der Höhe erkennen lässt. Das hellbraune bis dunkelziegelrothe Holz ist dem entsprechend weich und zeigt auf dem Querschnitt sehr breite Jahresringe, die durch etwas violet leuchtende Gürtel dichtgedrängter Poren scharf hervortreten. Zahlreiche, sehr feine Markstrahlen durchziehen dasselbe. Man verwendet es in der Tischlerei und zu Kisten, obgleich seine Dauerhaftigkeit an der Luft und die Festigkeit nicht gross sind; auch stellt man daraus Gefässe her. Die Cedrela ist ein seltener Zierbaum aus China, wie schon der Volksname Chian-chin andeutet. Ihr wohlriechendes Holz ist dem Sendan ähnlich, doch noch tiefer ziegelroth. Es hat die Eigenschaft, weder zu reissen noch sich zu werfen, und wird in der Möbeltischlerei 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. angewandt, ist aber viel geringwerthiger, wie das seines amerikani- schen Verwandten Swietonia Mahagoni L. Fam. Simarubeae . 121. Picrasma ailanthoides Planch., die einzige japanische Art dieser Familie, findet sich in den Bergwäldern von Hondo und auf Yezo. Das weiche, weisse Holz hat bislang keine Verwendung. Der chinesische Götterbaum, Ailanthus glandulifera Desf., kommt trotz des französischen Namens »Vernis du Japon« im Reiche Nippon, wie es scheint, nirgends vor. Fam. Rutaceae . Die meisten hierher gehörenden Hölzer zeichnen sich durch dichtes, gleichmässiges Korn, sowie weissliche Farbe aus. Ihre kleinen Poren sind gleichmässig vertheilt, die feinen, zahlreichen Markstrahlen gleich- weit von einander entfernt. Am schwersten sind die Hölzer der Orangenfamilie, der pg. 105—106 erwähnten Arten Citrus, denen hier 122. Citrus trifoliata L., jap. Karatachi , ein hoher, stark- bewehrter Strauch, welcher ziemlich viel zu lebenden Hecken ver- wendet wird, anzuschliessen ist. 123. Phellodendron amurense Rupr., der amurische Korkbaum, und P. japonicum Maxim. wurden bis jetzt nur im nördlichen Japan gefun- den. Die einheimischen Benennungen und Verwendungen sind mir unbekannt. Ersterer wurde unter Andern in der Königlichen Gärtner- Lehranstalt zu Potsdam als Alleebaum mit Erfolg angebaut. 124. Orixa japonica Thunb. (Celastrus orixa Miq.), jap. Kokusa- gi . Das Holz dieses ansehnlichen Strauches, der sowohl in der un- teren Laubwaldregion, als auch in Gärten, z. B. bei Tôkio hin und wieder zu finden ist, wird wenig verwerthet. Der starke aromatische Geruch der Blätter ist dem japanischen Geruchsorgan unangenehm, da- her die Benennung, welche »kleiner Stinkbaum« bedeutet. Von Ko = klein, kusai = stinkend, ki = Baum. 125. Zanthoxylon piperitum D. C. (Fagaria piperita Thunb.), jap. Sanshô . Ueber die Bedeutung dieses Strauches als Gewürzlieferant siehe pg. 83. Wie viele Arten dieser, auch im wärmeren Amerika ver- tretenen Gattung, insbesondere Z. Clava-Hercules L., so ist auch San- shô ein mit Dornen und Stacheln bewehrter Strauch. Auf seiner ge- wöhnlich nicht sehr dicken Rinde erheben sich zahlreiche stumpfe Stacheln und längliche Höcker von grauer Farbe. Auf dem Querschnitt erscheinen dieselben braun und aus concentrischen Schichten einer dichten Korkmasse zusammengesetzt. I. Land- und Forstwirthschaft. Das gelblich weisse Holz ist sehr gleichmässig, feinkörnig, dicht und fest, wie Bux. Querschnitte zeigen neben deutlichen Jahresringen äusserst feine Markstrahlen, sowie sehr kleine regelmässig vertheilte Poren. Man verarbeitet es auf der Drehbank, besonders im Hakone- gebirge, zu mancherlei Gegenständen; namentlich werden viele schöne Aschenbecher, die in der Regel noch die höckerige Korkrinde tragen und auch viel zu uns nach Deutschland gelangen, daraus verfertigt. 126. Evodia glauca Miq., jap. Kiwada oder Obaku . Da der Rinde, sowie des Vorkommens der Kiwada bereits pg. 210 gedacht wurde, erübrigt hier nur noch eine kurze Notiz über das Holz. Den vor- erwähnten Arten der Familie gegenüber fällt es vor allem durch seine Leichtigkeit auf. Es ist ausserdem weich, von hellgrauer oder bräun- licher Farbe, heller im Splint und zugleich etwas schwefelgelb ge- färbt, nach Art des Bastes, doch schwächer. Die mittelgrossen Poren treten besonders an den Innenrändern der deutlichen Jahresringe zahl- reich auf. Fam. Tiliaceae . 127. Tilia cordata Mill., jap. Shina-no-ki und Bodaijiu , bei den Ainos Shibeshi genannt. (pg. 201.) 128. T. mandschurica Rupr. und Maxim., jap. Bodaijiu . Fam. Sterculiaceae . 129. Sterculia platanifolia L. (Firmiana platanifolia R. Br., jap. Ao-giri , d. h. grüner Kiri. Das hellgraue, leichte schwammige Holz ist dem Kiri sehr ähnlich und wird ebenso benutzt. Seine Quer- schnitte zeigen deutliche Jahresringe, die mit ziemlich grossen Poren dünn besäet sind; doch treten letztere an den Grenzen der Ringe sehr dicht auf. Die Markstrahlen sind deutlich markiert durch eine weiss- liche Färbung und gleichweit von einander entfernt. Fam. Ternstroemiaceae . Die immergrünen Sträucher und Bäume dieser Familie, nämlich Ternstroemia, Cleyera, Eurya und Camellia, sowie die Gattung Stuartia von den blattwechselnden, liefern äusserst feinporige, feinkörnige, dichte, feste, harte und entsprechend schwere Hölzer, welche in allen diesen Eigenschaften sich dem Yusu (Distylium racemosum) nähern und wie dieses in der Kammschneiderei und zu verschiedenen Dreharbeiten, einschliesslich Petschaften und andern Gegenständen, welche ein feines Korn und festes Gefüge verlangen, verwendet werden. Auch benutzt man die umfangreicheren Hölzer der grösseren Arten (Stuartia und Camel- lia) zu Tragstangen, Stielen, Walzen und selbst in der Holzschneiderei. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. 130. Ternstroemia japonica Thunb., jap. Moku-koku (sprich Mokkoku). Es ist ein ziemlich grosser Strauch, den man im südlichen Japan wildwachsend, sonst aber auch vielfach in Gärten und Tempel- hainen angebaut findet. In letzteren spielt er die gleiche Rolle, wie die folgende Art. Mit Rücksicht hierauf und auf die Aehnlichkeit seines hellchocoladfarbigen Holzes mit dem des Yusu (Distylium) wird der Strauch auch Bukku-yusu , d. h. der den Hotoke oder Göttern geweihte Yusu genannt. 131. Cleyera japonica Thunb., jap. Saka-ki . Dieser prächtige immergrüne Strauch wächst gleich dem vorigen im wärmeren Japan wild, findet sich aber auch häufig als beliebte Zierpflanze in Gärten und in der Nähe der Tempel. Er spielt als heilige Pflanze im Ahnen- cultus (Shintôismus) eine ähnliche Rolle, wie die Lotusblume und Illi- cium religiosum S. \& Z. im Buddhismus. Bei einzelnen berühmten Tempeln, z. B. dem Kompila bei Kotohira in Sanuki bietet man Dreh- arbeiten und Schnitzereien aus seinem Holze, so namentlich auch Ess- stäbchen (Hashi), die Sakaki-no-hashi , feil, wie an den heiligen Orten Palästinas Gegenstände aus Olivenholz. 132. Eurya japonica Thunb., jap. Shira-ki und Mi-sasa-gi . Dieser im Monsungebiete Südostasiens sehr weit verbreitete Strauch erreicht nur 3—4 m Höhe. Seine Blätter sind denen des Theestrauchs sehr ähnlich. Oft bildet er in den Wäldern des südlichen Japan das Unterholz, tritt aber noch häufiger unter dem Gebüsch entwaldeter Bergabhänge auf. 133. Camellia japonica Lin., jap. Tsuba-ki (siehe auch pg. 179 und 180). Die Camellie ist im südlichen Japan überall heimisch. In den Bergwaldungen von Kiushiu und Shikoku steigt sie als mittel- grosser Baum zuweilen bis zur Meereshöhe von 800 m empor, in den blattwechselnden Laubwald hinein und lässt dann fast alle andern immergrünen Holzgewächse, mit Ausnahme der Coniferen, hinter sich. Auf der Südostküste von Hondo begleitet sie die wintergrünen Eichen bis zum 36. Parallel an die Yedobucht als grösserer Strauch. Endlich finden wir die Nordgrenze ihres natürlichen Vorkommens auf Seite des japanischen Meeres in der Hügellandschaft des nördlichen Echigo in etwa 38½° nördlicher Breite, wo ich sie in dem lichten Nadel- und Buschwalde als Strauch von 1 m Höhe traf. Im südlichen Kiushiu sind Bäume von 10 m Höhe und 1,4 m Umfang keine Seltenheit. Diese Stärke mass ich jedoch nur bei angepflanzten Exemplaren. Auch fand ich hier mehrmals Viscum articulatum Burm. schmarotzend auf ihren Zweigen. Im wilden Zustande entwickelt die Camellia stets einfache rothe Blüthen, die sich immer nur tulpenartig halb öffnen, nicht rad- Rein , Japan. II. 20 I. Land- und Forstwirthschaft. förmig ausbreiten. Zur Oelgewinnung wird nur diese Form cultiviert, und zwar bis zur Tsugarustrasse. In Gärten und Tempelhainen trifft man einfach und gefüllt blühende, letztere jedoch in viel weniger Sorten, als bei uns. Die Blüthezeit beginnt je nach der Breite im Ja- nuar oder Februar und dauert bis zum April. Die Farbe des Holzes geht allmählich von hellgrau oder rosa in dunklere Nüancen über, die Rinde erinnert an diejenige der Buchbäume. 134. Camellia Sasanqua Sieb., jap. Sasan-kuwa , ein grosser Strauch (siehe pg. 180), dessen Blätter und Blüthen sich mehr denen des Theestrauchs nähern. Die Blüthezeit ist, wie bei letzterem, der Spätherbst und December. 135. Camellia theïfera Griffith (Thea chinensis Sims.), jap. Cha, Cha-no-ki (siehe pg. 130 ff.). 136. Stuartia monadelpha S. \& Z., jap. Saru-name und Saru- suberi . 137. Stuartia serrata Maxim., jap. Saru-name und Saru-suberi , wie die vorige, welche indess viel häufiger vorkommt. Ihre Heimat ist in den Berglaubwäldern 1000—1500 m über der See, z. B. im Ge- birge von Nikko, auf Mi-kuni-tôge und anderwärts. Saru-name bildet Bäume von 6—12 m Höhe, mit glattrindigen, aber selten geraden Stämmen. Unter den vielen andern Gliedern des Bergwaldes fallen sie besonders dadurch auf, dass sie, wie bei uns die Platanen, stück- weise ihre glatte Rinde abwerfen. Damit erinnern sie denn auch an die Lagerstroemia indica der Gärten, woher wohl auch der gemeinsame Name Saru-suberi , d. h. Affengleiter, kommt. Von den übrigen blattwerfenden Ternströmiaceen kommt der be- kannte Zierstrauch Stachyurus praecox S. \& Z., jap. Mume-fuji als Holzlieferant kaum in Betracht und es bleibt nur noch die Gattung Actinidia zu erwähnen übrig. Ihr Charakter weicht von dem der übrigen Familienangehörigen Japans weit ab; denn wir haben es hier mit einer Anzahl einfachblätteriger, sommergrüner Klettersträucher zu thun, die vornehmlich dem Gebirgswalde und kälteren Norden an- gehören und nur in ihrem Blüthenbau den immergrünen Ternströmia- ceen nahestehen. Ihre Früchte sind saftige und zum Theil essbare Beeren (pg. 108); ihr bräunliches Holz zeichnet sich, wie das der meisten Kletter- und Schlingsträucher, Viele derselben führen die japanischen Beinamen Tsuru, Tsuta und Katsura. durch Leichtigkeit und grosse Porosität aus. Man benutzt Querschnitte desselben als Dobin-shi oder Unterlagen für die kleinen Theenäpfe, verarbeitet es auch hier 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. und da auf der Drehbank zu verschiedenen Zwecken. Besonders be- achtenswerth sind: 138. Actinidia arguta Planch. (Trochostigma arguta S. \& Z.), jap. Shira-kuchi, Shira-kuchi-katsura und Ko-kuwa . 139. A. polygama Planch., jap. Matatabi (pg. 108). 140. A. volubilis Planch., jap. Tsuta-no-ki . Fam. Magnoliaceae . Die hierher gehörenden Hölzer sind ziemlich leicht, gleichartig, feinkörnig, weich, ziemlich elastisch, doch nicht sehr dauerhaft. Auf Querschnitten derselben erkennt man durch scharfe Linien begrenzte Jahresringe, sehr feine, äusserst zahlreiche und gleichmässig vertheilte Poren und feine, ebenfalls überaus zahlreich auftretende Markstrahlen. Besondere Erwähnung verdienen folgende Arten: 141. Illicium religiosum S. \& Z., jap. Shikimi (sprich Skimmi). Diesen kleinen, immergrünen Baum trifft man im südlichen Japan wild- wachsend und in vielen Gärten, vornehmlich aber in der Nähe bud- dhistischer Tempel angebaut. Er entwickelt schon im April seine zahl- reichen wohlriechenden, gelblichweissen Blüthen. Mit den Zweigen schmückt man die Vasen der Buddhatempel, wie diejenigen der Shintô- heiligthümer mit denen des Sakaki. Die Verwendung der federkiel- dicken, braunen Makkô oder Räucherkerzchen aus Shikimi-no-kawa , der Rinde des Skimmi, wurde bereits pg. 161 erwähnt. Das Holz findet zu Essstäben und in der Dreherei Anwendung. 142. Magnolia hypoleuca S. \& Z. (M. glauca Thunb.), jap. Ho- no-ki . Man findet diesen prächtigen, hochinteressanten Baum in allen Berglaubwäldern Japans von Kiushiu bis nach Yezo, doch nir- gends als vorherrschenden Bestandtheil derselben, sondern eingesprengt unter den übrigen blattwechselnden Hölzern. Nach Norden nimmt die Häufigkeit seines Auftretens zu; auch entwickelt er hier die statt- lichsten Dimensionen, Stämme von mehr als 2 m Umfang und 20 bis 25 m Höhe, sowohl in den höheren Laubwäldern des mittleren und nördlichen Hondo, als auch auf der Insel Yezo und selbst noch im südlichen Sachalin. An Stärke und Höhe wetteifert diese Magnolie demnach mit den andern blattwechselnden Waldbäumen in ihrer Ge- sellschaft und übertrifft alle andern ihres Geschlechts, selbst die nord- amerikanische M. grandiflora; ebenso kommen ihr an Widerstandskraft gegen die Strenge des Winters wenige ihrer Verwandten gleich. Ho-no-ki liebt einen guten Boden und gedeiht am besten im Schatten des Hochwaldes, zumal des Buchwaldes. Hier sind Eichen, Ahorne, Eschen, namentlich aber Aesculus turbinata und Calopa- 20* I. Land- und Forstwirthschaft. nax ricinifolia häufig seine Gefährten, wie schon früher hervorgehoben wurde. Dupont irrt, wenn er pg. 58 seiner schon mehrmals erwähnten Schrift von ihm sagt: »On le trouve toujours associé au châtaignier (Kuri)«. Ich fand den Ho im Gegentheil nur selten in Gesellschaft der Kastanie, welche viel bescheidenere Ansprüche an den Boden, aber höhere an Licht und Wärme macht, sonnige Berg- abhänge liebt und nicht so hoch emporsteigt, als die Magnolie. Die glatte Rinde des geraden Stammes, der im geschlossenen Hoch- walde langschaftig und astrein wird, erinnert mit ihrer grauweissen Farbe an die der Buche. Starke, ausgebreitete, aber wenig zahlreiche und schwach verzweigte Aeste bilden die Krone, deren Blätter und Blüthen dem Baume einen eigenartigen Schmuck verleihen. Jene haben viel Aehnlichkeit mit den Blättern der amerikanischen Magnolia tripetala Mich., auch bezüglich ihres Auftretens, werden aber viel grösser, näm- lich 15—20 cm lang und 5—8 cm breit. Sie sind elliptisch, ganzran- dig, oben prächtig grün, auf der Unterseite grauweiss, wie es auch der Name »hypoleuca« andeutet. Jeder Zweig entwickelt etwa 10 der- selben, welche fast quirlförmig nach der Spitze zusammengedrängt sind. Inmitten dieses prächtigen Blätterkranzes entfaltet sich dann Mitte Mai oder Anfang Juni eine herrliche grosse, weisse und nach Ananas lieblich riechende Blüthe. Aber auch später im Hochsommer ist der Anblick der Ho-Bäume ein überraschend schöner. Wenn der Wind die Kronen einer bewaldeten Bergwand bewegt und die grau- weisse Unterseite der Blätter dieser Pflanze nach oben kehrt, gewinnt man aus einiger Entfernung den Eindruck, als ob die Bäume sich zum zweiten mal mit Blüthen bedeckt hätten. Im October werden sie kahl; bald darauf folgen auch die meisten der langen ellipsoidischen, rothbraunen Fruchtkolben mit ihren vielen rosafarbenen Samen, die wie alle Samen dieser Familie bald ihre Keimkraft verlieren, welches die Hauptursache sein mag, wesshalb der Ho-no-ki unsern europäischen Gärten noch fremd ist. Wiederholt von mir gemachte Versuche, diese Pflanze durch Samen in Europa einzuführen, misslangen. Die Samen aller Magnoliaceen keimen auf ihrem Wege durch die Tropen und kommen dann mit eingetrockneten Keimfäden bei uns an. Von schlecht verpackten und darum halb verdorrten Bäumchen, die ich vor 5 Jahren erhielt, konnte im botanischen Garten zu Marburg ein halbes Dutzend noch gerettet werden. Hiervon ging später ein Exemplar in die Hände des Garten- inspectors Lauche, ein zweites in diejenigen des Fürsten Troubetzkoi zu Intra und ein weiteres an den botanischen Garten in Frankfurt über. In Japan überrascht und erfreut der Anblick des Ho-no-ki jeden Pflanzenfreund, und man muss Dupont beistimmen, wenn er den Baum mehr ornamental nennt als Magnolia grandiflora. 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume etc. Das leichte grauweisse Holz dunkelt nach. Es ist weich, leicht biegsam und elastisch, dabei von gleichmässigem, feinem Korn. Das- selbe dient mancherlei Zwecken. Der Xylograph benutzt es für Muster zum Zeugdruck, der Lackierer verziert vielerlei Gegenstände aus ihm. So werden die dünnen Seitenwände der gefälligen, leichten und doch dauerhaften länglichen Brodkörbchen vorwiegend aus Ho-no-ki dar- gestellt, indem man um den elliptischen Boden aus Nadelholz zwei dünne Platten aus ihm mit ihren zugeschärften Breitseiten überein- ander biegt und festleimt, an dem Boden aber mit Holzstiften be- festigt. Auch verfertigte man früher gern die Schwertscheiden (Katana- no-Saya) aus Ho-no-ki. Man kann annehmen, dass dasselbe in Niigata und Yonezawa etwa der Hälfte aller Lackwaaren zur Grundlage dient. Endlich bereitet man aus ihm jene weiche, feinkörnige Holzkohle, deren man sich in ganz Japan zum Abschleifen der Lackanstriche und zum Abpolieren des Email cloisonné bedient. 143. Magnolia Kobus D. C., jap. Kobushi . Diese Art ist nächst Ho-no-ki am häufigsten. Man findet sie im mittleren und nördlichen Hondo, sowie auf Yezo mehr in der Ebene, an den Bachufern und Waldrändern, sowie im unteren Gebirgswald selbst. Sie erreicht nicht die Höhe der vorigen, breitet ihre Krone mehr aus und bildet so oft einen hübschen Baum, der seine violetten Blüthen gleichzeitig mit den Blättern entwickelt. Sechs weitere Magnolienarten: M. conspicua Salisb. (M. Yulan Desf.?), M. parviflora S. \& Z., M. obovata Thunb., M. salicifolia Maxim., M. stellata Maxim. und M. compressa Maxim. kommen in Japan vor, doch nirgends in grösserer Zahl, um als Holzlieferanten Bedeutung zu haben. 144. Katsura japonica L. (Uvaria japonica Thunb.), jap. Sane- katsura, Binan-katsura und Kuro-gane-modoshi , d. h. eiser- ner Schlinger, ist eine bemerkenswerthe Schlingpflanze der Laub- wälder, welche im Herbst vor dem Blattfall sich prächtig braunroth färbt. Die langen finger- bis armdicken Stämme zeichnen sich durch eine korkige Rinde und grosse Elasticität und Biegsamkeit ihres Holzes aus, so dass man sie statt der Taue vielfach zur Befestigung von Stegen und sonst als starkes Bindemittel benutzt. 145. Cercidiphyllum japonicum S. \& Z., jap. Katsura . In diesem stattlichen Baum der Bergwälder Nordjapans, welcher durch seine herzförmigen Blätter an den Judasbaum erinnert, wie der Gattungs- name andeutet, finden die Magnoliaceen ihren grössten Vertreter. Derselbe erreicht in den wärmeren Theilen der Insel Yezo 4—5 m Umfang und 30 m Höhe. Gleich starken kann man auch in nördlichen I. Land- und Forstwirthschaft. Hondo begegnen, wenn auch nur ausnahmsweise. Ein rasches Wachs- thum zeichnet die Katsura aus. Dasselbe liefert noch bei älteren Bäu- men eine jährliche Holzschicht von 4—5 cm Dicke. Boden, welcher aus verwittertem Thonschiefer hervorging, aber auch vulkanischer Untergrund, sagt ihm besonders zu. Sein leichtes, weiches Holz ist dunkler als das des Ho-no-ki, hellroth bis gelbbraun, sehr politurfähig und verwendbar in der Möbeltischlerei, sowie zu allen Zwecken, denen auch Honoki dient. 146. Umure-gi (vulgo Omore-gi), d. h. fossiles Holz, und Jin- dai-boku d. h. Holz (boku) aus der Götterzeit, wird ein schwerer dunkelbrauner Lignit genannt, aus welchem man verschiedene Gegen- stände, wie Teller, Brettchen etc. mit eingravierten Sittensprüchen, Blumen, Vögeln und sonstigen Verzierungen darstellt. Man verkauft sie unter anderm in Nikko und Tôkio. Das Material, welches an dunkles Nussbaumholz erinnert, aber noch einer genaueren Unter- suchung bedarf, soll aus Sendai (von Natori-gawa) kommen, worauf auch die in Tôkio gebräuchliche Benennung Sendai-no-umure-gi- zaiku für daraus verfertigte Arbeiten hinweist. 7. Gartenbau. Verbreitung, Einfriedigung und Charakter japanischer Gärten. Beschränkte Mittel und Eigenthümlichkeiten der Gartenkunst. Verzwergung und Verkrüppelung. Ver- edelung. Panachierung. Naturfreude und Blumenliebe des japanischen Volkes. Blumenkalender und besondere Lieblinge der Flora. Alleebäume. Geschlossene Obst- und Gemüsegärten, wie sich solche bei uns in der Regel den Wohnungen anschliessen, kennt der Japaner nicht. Seine Yasai-mono (s. pag. 81) pflanzt er auf dem Sai-yen , dem Gemüse- land des offenen Feldes. Mit Wage-gomi oder Uye-gomi bezeich- net er die geschlossene Baumschule und mit Niwa ( Sone ist die poe- tische Ausdrucksweise) oder Ko-yen den gewöhnlich kleinen Ziergarten hinter dem Hause Ko-yen-chi ist der Tempelgarten, eine Art offene Parkanlage, wie bei- spielsweise die zu Uyeno und zu Shiba in Tôkio. , mit dem wir uns zunächst näher beschäftigen wollen. Siebold bemerkt Sur l’état de l’horticulture au Japon pg. 2. Leide 1863. , dass selbst in grösseren Städten kaum ein Haus sei, das sich nicht eines Gartens erfreue, oder wenigstens eines mit mehreren immergrünen Bäumen geschmückten Hofes. Diese Ansicht 7. Gartenbau. ist auch von anderer Seite viel und weit verbreitet worden, nichtsdesto- weniger ist sie aber eine durchaus irrige. Weite Reisen durch ver- schiedene Theile der drei Hauptinseln von Alt-Japan und zahlreiche Beobachtungen in Städten und auf dem Lande haben mir gezeigt, dass Ziergärten überhaupt und insbesondere sorgfältig gepflegte den meisten Wohnungen fehlen und nur bei den Häusern der Gebildeteren und Wohlhabenderen zu finden sind. Hiermit stimmt denn auch ein alter japanischer Spruch, den Dr. R. Lange in folgender Weise vortrefflich verdeutscht hat: „Ob auch des Lenzes Macht an allen Orten sich zeiget, Findest du Blumen doch nicht blühend in jeglichem Dorf.“ „Haru no iro no itari itaranu sato wa araji | sakeru sakazaru hana no miyu- ramu.“ Altjapanische Frühlingslieder übersetzt und erläutert von Dr. R. Lange. Berlin, Weidmann’sche Buchhandlung 1884. Ja selbst der angeführte Ersatz des Gartens, ein Hof mit mehreren immergrünen Bäumen (richtiger Sträuchern), obwohl man ihm ziemlich häufig begegnet, bildet immerhin nur eine Ausnahme. Die beiden Ge- wächse, welche man so im engen Hofraume häufig trifft, sind eine Fächerpalme von etwa 2 m Höhe, der Tô-shiro (Raphis flabelliformis Ait.), vor allem aber Nanten (Nandina domestica Thunb.), ein Busch, welcher ebenfalls die Höhe von 1—2 m selten überschreitet, dessen Stamm im Alter sich mit rissiger Korkrinde bedeckt und der mit seinen rothen Beerentrauben besonders im Winter und zur Ausschmückung der Häuser auf Neujahr beliebt ist. Man benutzt ihn nicht selten als Dekorationsmotiv im Kunstgewerbe und bildet ihn auch sonst nach, die Blätter aus Seide, die Beeren aus Glas mit rothem Zinnober-Anstrich. Auf Shikoku fand ich die Nandina wildwachsend. Die Einfriedigung, jap. Kaki , der Gärten und Parkanlagen erfolgt auf verschiedene Weise: durch übertünchte Lehm- und Steinmauern, todte Zäune, vorwiegend aus Bambusrohr, und durch lebende Hecken (Ike-gaki). Zur Erzeugung der letzteren steht ein herrliches Material in grosser Auswahl zur Verfügung, wird aber theils gar nicht, theils nur in beschränktem Umfang benutzt. Zu immergrünen Hecken bedient man sich vornehmlich mehrerer Nadelhölzer, insbesondere der Crypto- merie und des Podocarpus, sowie einiger kleineren Arten Bambusrohr, niemals aber des prächtigen Evonymus oder des Ligusters, welche mit so viel Erfolg in der Mittelmeerregion verwendet werden. Lebende Hecken findet man besonders bei den Wohnungen der Samurai. Sie werden in der Regel sorgfältig gepflegt und unter der I. Land- und Forstwirthschaft. Scheere gehalten und schliessen nach der Strasse hin kleine Vorgärt- chen ab. Oft vertritt ein hübsches Spalier aus Bambusrohr ihre Stelle. Dahinter aber erheben sich dann in der Regel immergrüne Gehölze um das zurückliegende bescheidene Wohnhaus den Blicken der Vor- übergehenden möglichst zu entziehen. Im Samuraiviertel der kleinen Stadt Nojiri (in der Provinz Hiuga des südlichen Kiushiu) sah ich z. B. im Frühjahr 1875 hinter einem solchen Spalier in Reihen und Gruppen 9—10 m hohe stattliche Camellienbäume zum Theil noch in Blüthe. Daneben wiegten sich die leichten, zierlichen Kronen hoher Bambus- rohre im Winde. Das Gelbgrün junger Blätter des Kampferlorbeers und wintergrüner Eichen stach scharf ab gegen das glänzend dunkel- grüne Laubwerk vom vorigen Jahre und die rothen Blüthen der Camel- lien und der Azalienbüsche. — Zu Akita, hoch im Norden von Hondo, fand ich zu einer andern Zeit die Vorgärtchen der Samuraiwohnungen vielfach von Kome-no-ko oder Iwa-yanagi (Spiraea Thunbergi Sieb.) eingefasst. Viel häufiger werden Karatachi (Citrus trifoliata L.) und Mukuge (Hibiscus syriacus L.) zu Hecken verwendet. Die blauvioletten, seltener weissen Blüthen der letzteren erscheinen im Spätsommer und Herbst. Karatachi wird offenbar seiner starken Be- wehrung wegen verwendet; denn sonst sind die Hecken daraus weder dicht, noch schön belaubt, da die Blätter nicht die Grösse und das schöne Aussehen erreichen, wie diejenigen der übrigen Aurantiaceen. Dass mit dem Buddhismus im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung auch die chinesische Cultur nach Japan vordrang und hier in den Tempeln und Klöstern ihre Hauptstütze und Pflege fand, wurde bereits im ersten Bande dieses Werkes an mehr als einer Stelle gebührend hervorgehoben. Auch die Blumenliebe und Gartenkunst der Japaner erhielt ohne Zweifel durch buddhistische Priester ihre erste Anregung und Nahrung. Jene prächtigen Zierpflanzen, welche man zur Aus- schmückung der Altäre und Gräber, der Tempelhöfe und heiligen Teiche, der Gärten und Haine heranzog, und die theilweise, wie Päo- nie und Lotus, zugleich zur Gewinnung geschätzter Arzneimittel dien- ten, hatte man in China schon viele Jahrhunderte lang mit Vorliebe angebaut. Mit der Freude an ihrem schönen Aussehen und Gedeihen wuchs das Interesse auch für die einheimische Flora, deren schönste Kinder allmählich ebenfalls herangezogen und mit Sorgfalt gepflegt wurden. Dazu fanden sich diese in grosser Zahl und Auswahl; denn wie dies Bd. I. pg. 153—198 ausführlicher dargethan wurde, ist ja gerade der japanische Boden von der Natur in ein überaus buntes, freundliches und anziehendes Kleid gehüllt worden. Später gelangten verschiedene der eingeführten Gewächse von Japan aus zuerst in 7. Gartenbau. unsere Gewächshäuser und Gärten, so dass auch zum Theil für sie Japan als Heimat angesehen wurde, wie denn anderseits einzelne chi- nesische Zierpflanzen zunächst nach Calcutta und erst viel später nach Europa kamen, wo man dann Indien für ihre Heimat hielt und sie entsprechend benannte, wie z. B. Rosa indica L. und Chrysanthemum indicum L. Als in Japan das Feudalsystem sich entwickelte und unter der Herrschaft der Tokugawa die bevorzugten Gesellschaftsklassen in Frie- den sich ihrer Vorrechte erfreuten, wurden die Parkanlagen um die Burgen der Daimios und ihre Yashikis in Yedo Sammelplätze der vielerlei Zierpflanzen, welche man allmählich theils vom benachbarten Festlande eingeführt, theils und vornehmlich der herrlichen, einheimi- schen Flora entnommen hatte. Die meisten dieser hochinteressanten grösseren Parkanlagen mit ihren präch- tigen alten Baumgruppen und geschmackvoll angelegten Fels- und Wasserpartien, Wegen und Stegen, mit ihren mancherlei fremdartigen Erscheinungen der phantasie- reichen Beschneidung, Zwerg- und Krüppelbildungen, Steinlaternen und Götzen etc. sind nach der Restauration vernichtet worden. Am schönsten entwickelt findet man den japanischen Styl der Landschaftsgärtnerei noch zu Fuki-age, dem kaiserlichen Garten zu Tôkio. Eine kleine Auswahl derselben, so- weit es der Raum gestattete, pflegte jeder Samurai in seinem Gärtchen, das eine Parkanlage im Kleinen darstellte, und dessen nationaler Typus trotz mancherlei Abweichungen unverkennbar war. Der japanische Ziergarten ist zum Beschauen, nicht zu län- gerem Aufenthalte bestimmt. Er ist kein Lustgarten oder Jardin d’agré- ment in unserm oder der Franzosen Sinn, obgleich er keineswegs der Reize entbehrt. Die traute Laube, welche dem bescheidensten deut- schen Lustgärtchen nur ausnahmsweise fehlt, und in deren Schatten wir von unserer Kindheit an so manche angenehme Stunden der Er- holung und behaglichen Arbeit verbringen, suchen wir im Niwa ver- geblich. Die Glycine (Wistaria chinensis) wird zwar hier und da in Laubengängen gezogen, doch nicht um Schatten zu liefern, sondern damit man die hängenden Blüthentrauben besser beschauen und bewundern könne. (Siehe Tafel S. 486, Bd. I.) Ebensowenig finden wir darin einen schönen, sorgfältig gepflegten Rasen mit eingestreuten Beeten, breiten, kiesbedeckten We- gen und dergleichen. Dagegen hat man bei seiner Anlage oft mit viel Geschmack und Raffinement die Natur nachgeahmt und eine Land- schaft im Kleinen erzeugt. Fehlt ihr bei beschränkteren Anlagen der kleine Weiher, in welchem Goldfische und Schildkröten sich behaglich ergehen und Lotusblumen im Hochsommer ihre reizenden Blätter und Blüthen entfalten, so ist doch Raum und gesorgt für ein bescheidenes I. Land- und Forstwirthschaft. Wasserbecken mit kleinen, rothbauchigen Imori (Triton subcristatus) auf dem klaren Grunde, für einen niedlichen gewölbten Steg über den Abfluss und eine Felspartie. Bei einer etwas grösseren Anlage ist diese der prächtigste und kühlste Theil, wo klares, perlendes Wasser hervorbricht aus kleiner, bemooster Grotte, deren Ueberwölbung eine Felsgruppe im Gebirge täuschend nachahmt. Ausser immergrünen Farrenkräutern zieren dieselbe kleine Büsche des Tsutsuji (Azalea indica L.), welche an unsere Alpenrosen erinnern und im Vorsommer mit rothen Blüthen bedeckt sind, ferner das schöne Daimiôjisô (Saxi- fraga cortusaefolia S. \& Z.) und andere geschmackvoll vertheilte Lieb- linge der einheimischen Flora. Vor dieser Felsgruppe erblickt man gewöhnlich eine kleine cementierte Mulde des Bodens, welche das her- vorquellende Wasser sammelt, und neben derselben das Giboshi (Fun- kia ovata Sprengel), über dessen blaugrünem Blattschopf sich im Nach- sommer prächtige bläulichweisse Blüthenähren erheben. Die schmalen Pfade, welche sich durch einen solchen japanischen Ziergarten winden, sind mit einer Reihe vor einander geschobener Steinplatten belegt, bei denen man jede regelmässige Form vermeidet, die also seitlich mit verschieden gestalteten Ecken mehr oder weniger vorragen. Topfpflanzen, zumal solche mit den beliebten Zwergbäum- chen, ersetzen zu beiden Seiten vielfach die fehlenden Rabatten. Die japanische Gartenkunst wird mit wenigen einfachen Werk- zeugen, welche noch dazu nur theilweise zweckmässig sind, aber mit grosser manueller Geschicklichkeit betrieben. Mit unserer europäischen kann sie sich weder in der Ausbildung des Geschmacks und in den Leistungen, noch bezüglich der vielerlei Mittel und Wege messen, welche unsern Gärtnern bei ihren Arbeiten zu Gebote stehen. Man muss diese Gartenkunst der Japaner als Vorbildnerin des japanischen Geschmacks, auch im Kunstgewerbe, ansehen. Sie hat einerseits mit Sorgfalt alle Lebensbedürfnisse der in ihr Bereich ge- zogenen Gewächse kennen gelernt und sucht viele der letzteren durch Befriedigung jener Bedürfnisse zur höchsten natürlichen Vollkommenheit zu bringen; anderseits aber gefällt sie sich darin, Bäume und Sträucher beständig unter der Scheere zu halten und auf mancherlei sonstige Weise ihre natürliche Entwickelung zu hemmen, bald um symmetrische For- men zu bilden, wie die alte französische Gärtnerei es liebte, bald wieder, um der Symmetrie entgegen zu arbeiten und phantastische Gestalten, sowie Zwerge und Krüppel zu erzeugen, also in einer Ge- schmacksrichtung thätig zu sein, die uns im höchsten Grade fremd und unverständlich ist. An barocker Künstlichkeit sucht diese Gärtnerei heutzutage in Europa ihres gleichen; aber sie ist nicht nach unserm 7. Gartenbau. Geschmack und nur in Ausnahmefällen nachahmenswerth. Unsere Gärtner helfen der Natur, die japanischen thun ihr Zwang an. Aber diese japanische Gartenkunst wird noch immer auch nach dieser un- natürlichen Richtung in manchem Buch als eine hervorragende Leistung gepriesen, während sie doch in der That als eine uns unverständliche Spielerei und Verirrung bezeichnet werden muss. Zwergbildung und unnatürliche monströse Vergrösserung einzelner Theile einer Pflanze auf Kosten der übrigen, Panachierung und Ver- werthung irgend eines Zufalls oder Spiels der Natur finden, wie ange- deutet, beim japanischen Gärtner stets eine sorgfältige Pflege. In diesen Richtungen zeichnet er sich aus, ja wird nach der einen oder der andern Seite sogar Specialist. Indem er mit Vorliebe darin ar- beitet, weiss er, dass er damit dem Geschmack vieler seiner Kunden besonders entgegenkommt. Zu diesen zählen aber nicht blos die Ge- bildeten und Wohlhabenden, sondern auch die gewöhnlichen Arbeiter. Wie der Japaner an solchen künstlichen Verkrüppelungen viel Ge- fallen findet, so werden von ihm auch natürliche Missbildungen der verschiedensten Art gern gesammelt und angestaunt. So bewundert er z. B. den von Wasser durchlöcherten Stein oder einen alten morschen Baumstamm, welcher aus einem Astloch ein oder mehrere andere Pflan- zen entwickelt, deren Samen der Zufall hingebracht hatte. Die Ur- sache für dieses Verhalten entspringt derselben Denkfaulheit und dem nämlichen Reiz, den auffallende Erscheinungen auch bei uns auf die Gemüther üben und die der ungebildete Mensch hier wie dort bewun- dert, nur dass bei uns die Bewunderung meist von der Natur ab und auf andere Dinge gelenkt wird. Mit Verzwergung oder Nanisation (jap. Tsukuri-mono) be- zeichnen wir die verschiedenen Verfahrungsweisen, um Zwergformen zu schaffen, eine Kunst, in welcher die Chinesen und Japaner Meister sind, welche sie aber mehr auf Zierpflanzen, als auf Obstbäume an- wenden. Die chinesischen Mädchen verkümmern und verkrüppeln ihre Füsse in engen Schuhen und die ostasiatischen Kunst- und Handels- gärtner manches Holzgewächs, indem sie dasselbe in einen kleinen Topf zwängen, öfters umsetzen und beschneiden, also durch ungenügende Ernährung und Zurückschneidung. Dabei richtet sich ihre Thätigkeit entweder nur auf Verjüngung im Sinne des Maassstabes, also bei Wahrung der Form, oder auf die Erzielung von Monstrositäten ver- schiedener Art. Schon durch die Auswahl besonders kleiner Samen von wenig ent- wickelten Individuen sucht man auf ein langsames Wachsthum hinzu- wirken. Noch erfolgreicher erweist sich häufiges Beschneiden, sowie I. Land- und Forstwirthschaft. Verpflanzen in Töpfe von ungenügendem Raum, ferner das Drehen von Stamm und Aesten in horizontaler Richtung oder aufsteigender Spirale, sowie die Abkühlung des Bodens und der Wurzeln durch die Verdunstungskälte, welche mittelst poröser Töpfe hervorgerufen wird. Auch das Veredeln ist vielfach ein Mittel zu diesem Zweck, d. h. es dient ebenfalls, um die natürliche Entwickelung zu hemmen. Es wird unter anderm besonders viel bei den mancherlei Spielarten des Mo- miji (Acer polymorphum) angewandt und besteht gewöhnlich in dem ältesten Veredelungsverfahren, welches die Gartenkunst kennt, dem Pfropfen durch Juxtapposition, einer Art »greffe par approche«, wie die Franzosen es nennen, wobei das auf einer Seite etwas zugeschnittene Pfropfreis in eine ’schräg aufsteigende Furche des Wildlings gelegt oder nach Art der Copulation dem Wildling angefügt und damit sorg- fältig verbunden wird. Die Resultate, welche die chinesisch-japanische Gärtnerei in der Zwergbildung zum Theil erzielt, sind theilweise höchst überraschend. So erwähnt Kämpfer, dass er einst in einem kleinen Kästchen von 4 Zoll Länge, 1½ Zoll Breite und 6 Zoll Höhe nebeneinander wachsen sah: ein Bambusrohr, eine Kiefer und ein blühendes Bäumchen der Mumepflaume. Der Preis dieser seltenen Gruppe von Zwergen betrug 1200 holländische Gulden (etwa 2000 Mk.), ein Beweis, dass ihre Er- zielung sehr schwierig und mühsam gewesen sein musste, anderseits aber auch ein Zeichen für die hohe Werthschätzung solcher abnormen Gebilde; denn welchem Pflanzenliebhaber Europas würde es einfallen, für derartige Dinge nur den zehnten Theil einer solchen Summe zu zahlen! Besonders beliebt ist die Anwendung dieser eigenthümlichen Kunst der Nanisation auf verschiedene Coniferen, zumal auf Matsu (Pinus Massoniana und P. densiflora), Nagi (Podocarpus Nageia) und Koya- maki (Sciadopitys verticillata), aber auch auf Mume (Prunus Mume), Sakura (P. pseudocerasus), Kaki (Diospyros kaki), Momo (Amyg- dalus persica), Masaki (Evonymus japonicus) und mehrere andere Zierpflanzen, unter denen auch Bambusrohr vorkommt. Besonders sel- tene Arten solcher Zwergbildung werden in prächtigen, blau verzier- ten Porzellantöpfen präsentiert und erlangen hohe Preise. Wer im Frühjahr eine japanische Kunst- und Handelsgärtnerei be- sucht, kann neben solchen Zwergformen noch eine andere Art beliebter Verstümmelung wahrnehmen, welche vornehmlich bei Prunus Mume angewandt wird. Junge, blühende Triebe aus Stümpfen von 30—100 cm Höhe hat man nämlich um diese gewunden oder schirmförmig über sie weggebogen. Oft ist aber auch der alte Stamm bis zur Erde verkürzt, 7. Gartenbau. so dass das kleine, blühende Reis wie ein selbständiges Bäumchen erscheint. Panachierung . Mancher Leser dieser Zeilen wird sich gleich mir noch der Zeit erinnern, wo in unsern Gärten und öffentlichen An- lagen ausser dem bekannten Bandgrase (Phalaris arundinacea L. var. picta) nur wenige Gewächse zu finden waren, deren Blätter von der normalen grünen Färbung abwichen. Heutzutage gibt es viele Dutzende von Arten, welche die sogenannte Panachierung aufweisen, die bald in dieser, bald in jener Weise auftritt, in Form von weissen, gelben und braunen Flecken und Streifen auf dem sonst grünen Blattgrunde. Kein anderes Land hat nur annähernd eine so grosse Zahl derartiger Spielarten geliefert, wie Japan. Diese auffällige Neigung vieler seiner Zierpflanzen dauert auch bei uns fort und hat schon durch manche neue Art der Panachierung unsere Gärten bereichert. Siebold schreibt sie dem Einfluss der Nachtfröste zu, ohne diese Ansicht näher zu be- gründen. »C’est surtout l’influence du froid, qui a produit les variétés nombreuses des plantes panachées de blanc et de jaune. C’est la gelée, qui, n’étant pas assez forte pour détrouire toute végétation des plantes sus-tropicales, change le coloris de leur feuillage et même de leurs tiges; c’est donc la gelée , qui couvre les feuilles de flocons d’une neige perpétuelle — qui produit des plantes panachées.« Sur l’état de l’horticulture au Japon. pg. 2. Leide 1863. Aus der grossen Zahl solcher japanischer Gewächse mit auffallen- der Panachierung nenne ich nur Kiefern, Wachholder, Retinisporen, Thujopsis, Podocarpus, Eurya, Laurus, Elaeagnus, Aucuba, Pittospo- rum, Aralia, Salisburia, Evonymus, Sciadopitys, Eulalia, Weigelia. Auf der Pariser Weltausstellung von 1878 überraschten die Japaner weiter durch panachierte Eriobotrya und Andromeda japonica. Zierpflanzen sind gleich andern Liebhabereien der Mode unterwor- fen. Zu den Modeartikeln unserer heutigen Kunstgärtnerei gehört nun unstreitig auch die Gruppe der panachierten Blattpflanzen. In der Landschaftsgärtnerei müssen dieselben jedoch sparsam und mit Ge- schmack verwendet werden, sonst wird man ihrer leicht überdrüssig; denn viele derselben sind keineswegs schön und als wirkliche Be- reicherung zu betrachten. So war letzten Sommer im Park der Welt- ausstellung zu Antwerpen ein Beet mit Büschen von Evonymus japo- nicus zu sehen, von denen jeder neben vielen einfach grünen Blättern auch weiss- oder gelbgefleckte aufwies, wodurch die Gesammtwirkung auf Leute mit ausgebildeterem Schönheitssinn keineswegs so günstig war, wie die einer gleichen Gruppe ohne solche scheckige Beimischung entarteter Blätter. I. Land- und Forstwirthschaft. Bouquet-Binderei und -Malerei kennt der Japaner nicht. Die Trennung der Blüthen von ihren Trägern und ihre dichte, sym- metrische Vereinigung zu Sträussen ist nicht nach seinem Geschmack. Er bewundert mehr die individuelle Schönheit und erfreut sich der natürlichen Verbindung: schöner Blüthen (Hana) und Blätter (Ha) am Reiss (Ko-yeda) oder am schlanken Zweig, der Iris und Lotusblume an möglichst langem Stiel (Kuki). Man sollte kaum glauben, dass unter solchen Umständen noch von »einer Kunst, Blumen zu stecken«, die Rede sein könnte. Dennoch besitzt die japanische Literatur unter diesem oder einem ähnlichen Titel eine Anzahl Werke mit zahlreichen Abbildungen, wobei freilich die verschiedenen Formen der Hana-ike oder Blumenvasen eine Hauptrolle spielen und der gemeine Mann, welcher sich mit einer Cylindervase aus Bambusrohr oder einem irde- nen Geschirr begnügen muss, für seine Zwecke nicht viel lernen kann. Die Freude an dem Anblick schöner Blumen ist aber Gemeingut des japanischen Volkes: auch der bescheidene Arbeiter gehört zu den Kunden des Handelsgärtners. Theilweise mit Rücksicht hierauf wer- den im Sommer von Zeit zu Zeit Hana-ichi oder Blumenmärkte bei einbrechender Nacht abgehalten, beleuchtet durch Pechfackeln und bunte Laternen. Sie ziehen gerade die ärmeren Leute besonders an und erlauben auch ihnen den Erwerb eines blühenden Zweigs von der Lieblingspflanze, die zur Zeit gerade blüht. Die Freude aller Stände an der Natur und insbesondere an dem Anblick schöner Blumen findet sich in dem Maasse bei keiner andern Nation wieder. Sie zeigt sich ganz besonders zur Zeit, wenn dieser oder jener Liebling im Freien seinen Blüthenschmuck entfaltet. Wie im Weichbild unserer Städte einzelne Wirthschaften an Sonn- und Festtagen die Volksmenge anziehen, so, doch in viel höherem Grade, sehen wir bei japanischen Grossstädten von Zeit zu Zeit die Wege bald nach diesem, bald nach jenem Ort voll fröhlicher, festlich gekleideter Menschen jedes Alters und Standes dahinziehen, um hier die blühen- den Kirschbäume am Hügel, dort die Schwertlilien im offenen Felde, an einem dritten Ort die Chrysanthemumarten einer Gärtnerei, an einem vierten das prächtige Herbstkleid der Ahorne und verschiedener andern Pflanzen zu bewundern. Beachten wir ferner, dass diese Blumenfreude des japanischen Volkes keineswegs neueren Datums ist, sondern schon zu einer Zeit bestand, als unsere ganze Cultur noch in den Windeln lag, so können wir leicht ermessen, welchen gewaltigen Einfluss ihr Urheber durch sie geübt haben muss. Schon vor 1000 Jahren schrieb derselbe Dichter Mitsune, von dem auch der Vers über den Blüthenduft der Mume (pg. 320) 7. Gartenbau. herrührt, mit Bezug auf eine, an seinem Hause blühende Fuji oder Glycine (Wistaria chinensis) das Folgende: »So, wie die Woge zum Strand, so kehren die Leute stets wieder, Wandelnd am Hause vorbei, staunen den Fuji sie an.« Waga yado ni | sakeru fuji nami | tachi kaeri | sugigate ni nomi | hito no miruamu. R. Lange : Altjapanische Frühlingslieder. Berlin, Weidmann 1884. Die Zahl der Arten und Abarten japanischer Zierpflanzen ist zwar eine sehr grosse; doch erfreut sich nur eine kleine Auswahl ganz be- sonderer Beliebtheit. Die Rose ist nicht darunter und selbst die Ca- mellie nimmt, obgleich sie sehr häufig angebaut wird, keineswegs einen hervorragenden Rang ein. Man hat diese Lieblinge, welche mit dem Cultus, den Festen und dem ganzen Leben innig verwoben sind, und vornehmlich auch als Decorationsmotive im Kunstgewerbe immer von neuem herangezogen werden, nach ihrer Blüthezeit geordnet und schon Blumenkalender verfasst zu einer Zeit, wo bei uns noch Niemand an derlei Arbeit dachte. Bei der früheren, den Chinesen entlehnten Zeitrechnung der Ja- paner nach Mondjahren fiel Guwan-jitsu , der Neujahrstag, gegen Mitte oder Ende Februar und es nahm damit Mutzuki , »der liebliche Monat«, seinen Anfang. Zur Feier der Jahreswende gesellte sich mit- hin die Freude über die wiedererwachte Natur und gab sich auf mancherlei Weise in und ausser dem Hause kund. Flora bot dem Volke seine ersten Lieblinge in vollem Blüthenschmuck dar und Unguisu , die Nachtigall, belebte bald darauf den nahen Ziergarten oder Tempel- hain an lauen Abenden von neuem durch ihren lieblichen Gesang. Durch Annahme unseres Kalenders und Verlegung des Neujahrsfestes auf die rauhere Zeit des 1. Januar hat dasselbe einen grossen Theil seines früheren poetischen Reizes verloren. Unter den Pflanzen trugen die weissen und rothen Blüthen der Mume (Prunus Mume S. \& Z.), welche um diese Zeit als Frühlingsboten noch vor der Blattentwickelung erschienen, zur Hebung der festlichen Stim- mung nicht wenig bei und fehlten keinem japanischen Hause. Wie wir unsere Schlüsselblume (Primula veris L.) mit jedem neuen Lenz von neuem freudig begrüssen und uns ihres Anblicks erfreuen, so, doch in viel höherem Maasse, vermochte und vermag noch immer die Mume, als einer der Lieblinge des japanischen Volkes, dasselbe sehnsuchts- voll und freudig zu stimmen. Mehr als die Fülle und Farbenpracht der Blüthen preisen seine Dichter deren lieblichen Duft, welcher na- mentlich während der Nacht sich entwickelt. I. Land- und Forstwirthschaft. »Schwer erkennst Du im Glanze des Mondes die Blüthe der Pflaume. Aber Du findest sie gleich, gehst Du dem Dufte nur nach«. »Tsukiyo ni wa | sore tomo miye zu | mume no hana | ka wo tazunete zo | shiru bekari keru.« Lange : Altjapanische Frühlingslieder pg. 30. Mitsune . Zum Dichter gesellt sich im Haru (Lenz) die Uguisu oder jap. Nachtigall (Cettia cantans T. \& Schl.) und singt, wie erfreut bei dem ersten Blüthenduft des Jahres und klagend über das rasche Verwelken. Und wie die bescheidene Poesie, so hat auch die entwickeltere Kunst des Landes beide, Mume und Uguisu , mit einander verknüpft und im Bilde, wie plastisch auf den verschiedensten Erzeugnissen des Kunstgewerbes dargestellt. Dabei erinnert die Mume in ihrer Blatt- losigkeit und der Fülle und Gestalt ihrer sitzenden Blüthen etwas an blühende Zweige unseres Schwarzdorns. Neben der Mume bringen die japanischen Gärtner auch die schlan- ken und mit gelben Blüthenglocken behangenen Zweige des Rengijo (Forsythia suspensa Vahl) um die alte Neujahrszeit viel zum Verkauf. Die Pflanze wurde aus Japan bei uns eingeführt, ist aber dort eben- sowenig heimisch, wie die Mume und die folgende, stammt vielmehr gleich diesen aus China. Auch der Dodan (Enkianthus japonicus Hook.), welchen man in Gärten pflanzt, weil im Herbst seine Blätter sich prächtig roth färben, wurde am Neujahrsfest zur Ausschmückung der Wohnungen viel her- angezogen. Da er im Freien erst 1—2 Monate später zur Blüthe kommt, musste, wie in China, für den erwähnten Zweck das Warm- haus des Handelsgärtners mitwirken. Im März, dem zweiten Monat des früheren japanischen Jahres, gesellt sich zur Mume der Blüthenschmuck des Momo oder Pfirsich- baumes (Amygdalus persica L.), welchem derjenige der Higan-sakura (Prunus subhirtella Miq.) gegen Ende des Monats folgt. Mehrere Mag- nolien entfalten um diese Zeit ebenfalls ihre Blüthen noch vor den Blättern, so vor allen M. conspicua Salisb. (M. Yulan Desf.), die Haku- ren d. h. »weisse Lotusblume« der Japaner, und die Kobushi (M. Kobus D. C.). Der April ist die Blüthezeit für den zweiten grossen Lieb- ling des Jahres, die Sakura (Prunus pseudocerasus Lindl.). Man nennt diese Pflanze (siehe auch pg. 297) wohl den japanischen Kirschbaum, weil ihre ganze Tracht und ihr Blüthenschmuck an Kirschbäume er- innern; doch sind ihre Früchte ungeniessbar und nicht grösser, als die unseres Prunus Padus. Yama-sakura heisst die in den Bergwal- dungen weitverbreitete, ursprüngliche Form des Baumes, von der eine sehr alte Cultur ausserordentlich viele Abarten mit rosafarbenen und 7. Gartenbau. weissen Blüthen abgeleitet hat, unter denen namentlich diejenigen mit sehr grossen gefüllten Blüthen auffallen. Die Sakura wird von japanischen Dichtern fast ebensoviel be- sungen, wie die Mume, und im Kunstgewerbe gleichfalls oft nachge- bildet. Dazu wählt man stets die einfache Blüthenform der Yama- sakura. Man erkennt sie auf Decorationen leicht durch die mitauf- tretenden Blätter. Zur Blüthezeit der Sakura herrschen schon die milden Lüfte des Südwestmonsuns. Die Natur ist in ihrer vollen Entwickelung und ladet von neuem ins Freie ein. Es ist ein altgewohntes Vergnügen un- schuldigster Art, alsdann familienweise hinaus zu wandern und die Blüthen der Sakura zu bewundern, ein Vergnügen, an dem gern Jeder theilnimmt; und auch für den Fremden ist es eine Freude, so viel glückliche, festlich geschmückte Menschen um sich zu sehen. Er folgt desshalb ebenfalls gern dem Zuge nach Mukojima, Uyeno, Ôji , und wie die Punkte in und um Tôkio alle heissen, welche durch grössere Anpflanzungen der Sakura sich auszeichnen. Einen alten Ruf haben auch die Sakura von Yoshino in Yamato, von denen Tomonori vor tausend Jahren schrieb: »Wenn ich auf Yoshino’s Berg die Blüthen der Kirsche erblicke, Täuscht mich ein lieblicher Trug, denn sie erscheinen wie Schnee«. »Miyoshino no | yamabe ni sakeru sakurabana | yuki ka to nomi no | ayame- tari keru«. Lange: Altjapanische Frühlingslieder. Berlin 1884. Gegen Ende April findet man hier und da in den Gärten einen Verwandten, die Niwa-sakura (Garten-Sakura) oder Kó-sakura (Kleine Sakura), ebenfalls in voller Blüthe. Es ist der japanische Zwerg- kirschbaum (Prunus japonica Thunb.), welcher in seinem buschförmi- gen Aussehen an Amygdalus nana erinnert. Bereits früher und gleichzeitig mit der Sakura hat Yamabuki (Kerria japonica D. C.) seine gelben Blüthen entfaltet. Der wildwach- sende Strauch ist in den Bergwäldern und an Flussufern des mitt- leren und nördlichen Japan sehr häufig, viel seltener im Süden des Landes. Die gefüllte Form kam schon im vorigen Jahrhundert aus den Gärten nach Europa, während die einfache sich erst neuerdings bei uns verbreitet. Im Mai erscheinen die prächtigen Blüthen des Botan (Paeonia Moutan Sims.), des Fuji (Wistaria chinensis S. \& Z.), des Kiri (Pau- lownia imperialis S. \& Z.) und des Tutsuji (Azalea indica L.). Unter diesen vier Zierpflanzen ist die letztgenannte weitaus am verbreitet- sten und beliebtesten. Die rothblühende Varietät herrscht vor, zumal Rein , Japan. II. 21 I. Land- und Forstwirthschaft. im wildwachsenden Zustande. Sie schmückt im Frühjahr, und zwar häufig im Verein mit Deutzien, nicht blos die unbebauten sonnigen Abhänge in ganz Japan und ebenso in China, sondern fehlt auch kaum einem Garten. Auf Kiushiu blüht sie schon im April (und dient dann auch vielfach zum Schmücken der Gräber, indem man ihre blühenden Zweige in Bambusvasen steckt), im mittleren Hondo im Mai, noch weiter nördlich und höher im Gebirge erst im Juni. Eine ganze An- zahl verwandter Arten, darunter welche mit herrlichem Duft, gesellen sich hinzu und sind zum Theil ebenfalls in die Gärten übergegangen. Hierher gehören Rhododendron (Azalea) macrostemon Maxim., R. ledi- folium Don., R. sublanceolatum Miq., R. macrosepalum Maxim., R. sinense Sweet und verschiedene andere. Im Juni ziehen die herrlichen Blüthen mehrerer Irisarten, na- mentlich die Hana-shôbu (Iris laevigata Fisch.) und Ayame (Iris setosa Pall. und I. sibirica L.) die Blumenfreunde besonders an. Die Cultur derselben wird vornehmlich an mehreren Orten im Weichbilde von Tôkio umfangreich betrieben und zwar als Specialität. Es sind offene, tiefgelegene Felder, z. B. in der Nähe von Meguro, vor allem aber am linken Ufer des Sumida-gawa zu Hori-kiri , welche gegen Ende des Monats in schönstem Flor stehen. Viele Blumenfreunde, welche im April hinauswanderten, um sich des Anblicks der blühenden Sakura von Mukojima zu erfreuen, ziehen jetzt an der langen Allee dieser Bäume vorbei nach Hori-kiri , um blühende Shôbu (Hana- shôbu) zu bewundern. Ist auch diese Zeit vorüber und hat im Juli die Sommerwärme ihre grösste Höhe und Kraft entfaltet, so tritt ein anderer, noch viel geschätzterer Liebling in den Kreis, nämlich die Lotusblume, Hasu-no-hana oder Renge (Nelumbo nucifera Gaertn.). Die Pflanze heisst Hasu , ihr Rhizom Renkon , der Samen Hasu-no-mi , das Blatt Hasu-no-ha , der Sumpf oder Teich, worin sie wächst, Hasu-no- ike . Der essbaren, langgegliederten Rhizome und nussartigen Samen dieser interessantesten und prächtigsten unter den Wasserpflan- zen wurde bereits früher gedacht. Es erübrigt daher nur noch, ihre Bedeutung im buddhistischen Cultus und als Zierpflanze hervorzu- heben. Ihre ursprüngliche Heimat ist ohne Zweifel das indische Mon- sungebiet und ihre Cultur und Werthschätzung eine sehr alte. Sie war hier ehedem in heiligen Teichen zusammen mit Schildkröten und Fischen dem Çiva geweiht, welcher nach einer alten indischen Sage einst auf ihren Blättern sitzend zusah, wie die grosse Fluth alles verschlang. Später wählte sie der Buddhismus zum Symbol seiner Lehre. Wie sich 7. Gartenbau. ihre Knospen aus schlammigem Boden über das Wasser erheben und in verschiedener Höhe zu reizenden Blättern und Blüthen entfalten, an deren lieblichen, reinen Farben keine Spur von dem Schmutze wahrzunehmen ist, dem sie entstiegen, so werden nach buddhistischer Ansicht die Seelen der Menschen durch eignes Vermögen und Thun über den Schlamm der Sünde zu verschiedener Höhe erhoben und nach Nirwana zur wahren Glückseligkeit geführt. Sitzend auf einer geöff- neten Lotusblume, dem Symbol der Reinheit, stellt man Buddha dar und schmückt mit Vasen und Nachbildungen blühender Lotuspflanzen in Bronze, Holz oder Thon seine Tempel und Altäre. Man wird unter solchen Umständen annehmen dürfen, dass auch im chinesischen Cul- turgebiete Ostasiens die Verbreitung dieser edlen Pflanze derjenigen des Buddhismus auf dem Fusse folgte. Ob der ägyptische Lotus, dessen verschiedene Klassiker des Alter- thums gedenken, mit unserer Pflanze identisch war oder nur eine nahe verwandte Art, ist meines Wissens mit Sicherheit noch nicht erwiesen. Seine Samen, die Pythagoras- oder ägyptischen Bohnen (Fabae aegytiacae Plin.), wurden, gleich denen des indischen Lotus in den Mon- sunländern, gegessen. Theophrast vergleicht seine Frucht (Torus) sehr zutreffend mit einem runden Wespennest und Herodot mit gros- sen Mohnköpfen; dagegen passt die Beschreibung, welche letzterer von den Wurzeln gibt, in keiner Weise auf die Rhizome der heiligen Lo- tuspflanze Asiens. Im Jahre 1787 brachte Sir Joseph Banks die ersten Samen der letzteren aus Indien nach England und zwar unter dem Namen: »Sa- cred Indian Bean«. Seitdem cultiviert man diese Pflanze in Warm- wasseraquarien der meisten europäischen Länder, zumal ihrer botani- schen Gärten, seltener in offenen Weihern der Mittelmeerregion, und bringt sie im Hochsommer oft zur schönsten Entwickelung. Es ist stets die auch in Ostasien verherrschende, verbreitetste Varietät mit rosafarbigen Blüthen. Daneben hat man aber in Japan und China auch eine andere, deren Blüthen im reinsten Weiss mindestens gleich schön sind. Haku-ren , »weisse Lotusblume«, wird übrigens, wie oben bemerkt wurde, auch die Blüthe der Magnolia Yulan Desf. genannt, und in der That ist die Aehn- lichkeit gross. Nach Fortune wachsen an den Ufern des Flusses sowohl ober- halb als unterhalb Kanton eine Menge dieser Wasserlilien, welche gleich den Reisfeldern durch Dämme eingeschlossen werden. »Diese Pflanze«, sagt Fortune, »wird theils zum Schmuck, theils ihrer Wurzeln 21* I. Land- und Forstwirthschaft. wegen angebaut, die in grösserer Menge auf die Märkte gebracht und von den Chinesen sehr geliebt werden.« Von Japan gilt dasselbe, wie bereits früher betont wurde. Die Wasserspiegel der alten Wallgräben und Teiche von Tôkio sind im Hochsommer durch zahllose Blätter und Blüthen des Lotus geschmückt. Während die Blätter fast aller übrigen Nymphaeaceen sich mit mattem Grün flach über das Wasser ausbreiten, hebt die Lo- tuspflanze die ihrigen gleich den Blüthen an langen Stielen weit dar- über empor. Das prächtige Grün, die feine Aderung und muschel- förmige Wölbung und Vertiefung der Blätter zeichnet sie nicht minder aus, und wenn die Thautropfen morgens wie Tausende von Perlen auf diesen edlen Gebilden ruhen, ist der Anblick kaum minder schön, als wenn die Strahlen der aufsteigenden Sonne sie verscheuchen, dafür aber die zahlreichen Knospen und Blüthentulpen öffnen. Leider ist die Pflanze nur während der Sommer- und Herbstmonate eine Zierde der stehenden Gewässer, nicht den langen Winter über, wenn der Blick auf ihre abgestorbenen, zerfetzten Blätter fällt. Auf die Blüthezeit der Lotusblume folgt im August und Sep- tember diejenige der sogenannten »sieben Herbstpflanzen« (Aki-no-na- na-kusa). Man versteht darunter Hagi (Arten von Lespedeza und Des- modium), Fuyô (Hibiscus mutabilis L.), Omina-meshi (Patrinia sca- biosaefolia Link), Fuji-bakama (Eupatorium chinense L. \& E., japonicum Thunb.), Kikiyô (Platycodon grandiflorum D. C.) und die beiden Gräser Susuki (Eulalia japonica Trim.) und Kara-kaya ) An- thistiria arguens Wild.). Alle, bis auf Hibiscus, schmücken im Hoch- sommer und Herbst die Kusa-wara oder blumenreiche Waldwiese. Hagi , insbesondere Lespedeza cyrtobotrya und Desmodium penduli- florum Oud. mit ihren an Goldregen erinnernden Blättern und violetten Blüthen, ferner Fuyô, Omine-meshi und Susuki (siehe pg. 203) bilden ausserdem beliebte Decorationsmotive im Kunstgewerbe. — Als Topfpflanze findet man im September und October in Japan, wie bei uns, auch das Tamano-o (Sedum Sieboldi Sweet) in Blüthe. Wie die blühende Mume das Neujahrs- und Frühlingsfest als erstes der Go-sekku oder fünf Volksfeste im Jahr verschönerte, so ist der Bewunderung und Freude über die Kiku-no-hana oder Chrysan- themumblüthen das letzte dieser Laienfeste am 9. Tag des 9. Monats nach alter Jahresrechnung, das ist gegen Ende October nach der neuen, gewidmet. Dieses Kiku-no-sekku oder Chrysanthemumfest führt die fröhliche, festlich gekleidete Menge auf die Blumenmärkte und in die grossen Gärtnereien, welche sich durch die Cultur von Chrysanthemum (Pyrethrum) indicum L., Ch. sinense Sabin. und verwandten Arten aus- 7. Gartenbau. zeichnen. Kiku (Chrysanthemum), das formen- und farbenreiche Lieb- lingskind der Herbstflora Japans und Chinas, ist hart und leicht zu cultivieren. Zahlreich und höchst mannigfaltig, wie bei uns die Astern, sind nach Farbe, Grösse und Form der Blüthen die Spielarten, welche eine alte Cultur ausgebildet hat. Viele Gärtner haben daraus eine Specialität gemacht und sind dafür weit bekannt. So ziehen z. B. bei Tôkio namentlich die Kikubeete des Ortes Sugamo am Nakasendô Anfang November viele Bewunderer an. Beliebt, wie in der Natur, ist Kiku-no-hana auch in der Kunst, ein Decorationsmotiv, zumal in der Keramik, das an Häufigkeit der Verwendung keinem andern nachsteht. Das Regierungswappen, genannt Kiku-no-hana-mon (Bd. I. pg. 366) stellt eine radförmig ausgebreitete Chrysanthemumblüthe mit 16 abgerundeten Blumenblättern dar, welche von einem kleinen cen- tralen Kreise ausgehen und an ihren äusseren Enden durch 16 klei- nere Bogen verbunden sind. Es ist Sinnbild der Sonne und kaiser- liches Abzeichen auf Cocarden, Bannern, Documenten und Münzen. Nach Europa wurden im Jahre 1784 eine Anzahl Spielarten von Kiku aus Indien und China gebracht; sie haben hier jedoch die Astern und andere beliebte Herbstblumen nicht aus dem Felde geschlagen. Gegen Ende October und Anfang November , wenn der rauhere Monsun des Winters schon von Norden her herrscht und das Vege- tationsbild der Landschaft in Feld und Wald bereits einen ganz anderen Charakter angenommen hat, begibt sich der japanische Naturfreund zum letzten Mal ins Freie, um sich am Beschauen der Momiji (Acer poly- morphum S. \& Z.) zu erfreuen. Am meisten gerühmt und besungen wurden die Ahorne vom Tatsuta-gawa , die Tatsuta-momiji beim Orte Tatzuta in Yamato. Die Momiji in ihrem bunten oder einfach rothen Herbstkleide bilden auch von den japanischen Künstlern häufig angewandte, beliebte Vorwürfe. In den Gärten haben ausser ihnen auch Dôdan (Enkianthus japonicus Hooker), Azalien und andere Gewächse vor dem Laubfall den schönsten Farbenwechsel ihrer Blätter vorge- nommen. Noch viel mannichfaltiger und farbenbunter erscheint das Herbstkleid des Laubwaldes, dem selbst das vielgerühmte des atlan- tischen Waldgebietes von Nordamerika nicht gleichkommt (s. auch Bd. I. pg. 155). Ist dasselbe verschwunden und die Winterruhe eingetreten, so weist der japanische Blüthenkalender auf eine beschränkte Zahl prächtiger Zierpflanzen hin, die meist auch nach Europa verpflanzt wurden und hier zum Theil weit grössere Werthschätzung und Ver- breitung gefunden haben, als in ihrer ostasiatischen Heimat. Es sind dies vornehmlich Yatsu-de (Aralia japonica Thunb.), Hiragi (Olea I. Land- und Forstwirthschaft. aquifolium Thunb.), und Sasan-kuwa (Camellia sasanqua Thunb.), welche gleich dem Theestrauch im November und December blühen, ferner Tsubaki (Camellia japonica L.), die als Freilandpflanze ihre ersten Blüthen im Januar entwickelt. Laubhölzer als Alleebäume findet man in japanischen Städten nur ausnahmsweise (z. B. in Niigata) und längs der Landstrassen fast nirgends. Dagegen schmücken diese an vielen Orten immergrüne Nadelhölzer, welche zum Theil schon mehrere hundert Jahre alt sind und einen einzig grossartigen Eindruck machen. Ihren mächtigen Stämmen hoch hinan klettert zum Theil Evonymus radicans oder ein wilder Wein, ausnahmsweise auch das viel seltenere Epheu. Am statt- lichsten erscheinen die Sugi oder Cryptomerien hier und dort, nament- lich um Nikkio. Hochberühmt und einzig in ihrer Art ist namentlich die grosse Sugi-Allee, von der Bd. I. pg. 172 das letzte Stück im Lichtdruck wiedergibt. Auch Retinisporen, insbesondere Hi-no-ki- Bäume finden stellenweise Verwendung. Matsu , die Kiefer (Pinus Massoniana und P. densiflora) ist und bleibt jedoch der verbreitetste und beliebteste Alleebaum dieser alten ja- panischen Landstrassen. Die Hand des Gärtners hat in diesem Fall ihre Gestalt nicht verändert. Urwüchsig, bizarr und in den malerischsten Gestalten erscheint hier dieser grosse Liebling des japanischen Volkes, mit Stämmen gerad und krumm, mit Aesten, die oft in allen Richtun- gen gedreht sind, knotig und gestreckt, mit dichten Massen dunkel- grüner Nadeln bedeckt. Da ist von Symmetrie keine Rede; dennoch ziehen sie das Auge an und ruht dasselbe mit Wohlgefallen auf ihren urwüchsigen, kräftigen und malerisch schönen Gestalten, auf diesen stillen Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Wie vielen Stürmen haben manche derselben nicht schon getrotzt, wie vielen Entwürfen zur Verzierung der mancherlei Erzeugnisse des Kunstfleisses schon ge- dient, wie manches Aug’ und Herz erfreut! Das ist der Baum, wel- cher kühn und kräftig der Vorliebe des Volkes für bizarre, unregel- mässige Formen am meisten entspricht, an dem anderseits, wenn er einzeln im Garten oder Tempelhof erscheint, die Neigungen gärtne- rischer Launen am häufigsten zum Ausdruck kommen. In alle mög- lichen Krüppelgestalten und abnorme Formen hat man ihn hier gezwängt und wir wundern uns bei deren Anblick nicht wenig wieder über eine uns unverständliche Geschmacksrichtung, die auch hieran Gefallen findet. 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. 8. Acclimatisation und Verbreitung japanischer Zier- und Nutz- pflanzen in Europa. Acclimatisation einer Pflanze ist ihre Gewöhnung an Klima und Boden eines fremden Gebiets. Es leuchtet ein, dass diese Ein- bürgerung um so leichter sein muss, je mehr in beiden Beziehungen die Verhältnisse des neuen Wohnorts den gewohnten entsprechen, da- gegen in den meisten Fällen schwer, wenn nicht unmöglich, sobald sie weit davon abweichen; denn die innere Structur der Pflanze und ihre ganze Entwickelung hängen mit der durch Klima und Boden be- dingten Art ihrer Ernährung auf’s innigste zusammen. Sommergewächse, sowie alle ausdauernden Pflanzen, welche sich nur durch Samen fortpflanzen, lassen sich da nicht einbürgern, wo dieser Same nicht die keimfähige Reife erlangt; andere perennierende Pflanzen sind dort nicht völlig acclimatisierbar, wo sie durch die Win- terkälte von Zeit zu Zeit erfrieren, mag sonst die Sommerwärme ihrer Entwickelung noch so förderlich sein. Der Winter von 1879/80 zer- störte z. B. in Frankreich und Deutschland eine Menge californischer Nadelhölzer, welche sich zum Theil schon mehrere Jahrzehnte hindurch auf’s beste entwickelt hatten, und lieferte damit den Beweis, dass ihre völlige Einbürgerung bei uns unmöglich ist. Dagegen kann man solche Holzgewächse, welche sich auch durch Wurzelschösslinge vermehren, selbst da noch halten, wo sie keine Samen reifen, ja wo sie in strengen Wintern theilweise erfrieren. Wie die oberirdischen Theile des ge- meinen Besenginsters in vielen Gegenden Deutschlands im December 1879 durch die Kälte getödtet wurden, die gesunden Wurzeln jedoch in den darauf folgenden Sommern wieder völlig Ersatz lieferten, so ver- hielt es sich z. B. auch mit Kerria japonica. Ein anderes japanisches Gewächs, die Paulownia imperialis, gedeiht in England sehr gut, bringt jedoch nur selten Blüthen und nie keimfähige Samen hervor, vermehrt sich dagegen leicht durch Wurzelschösslinge ähnlich wie die grossen Bambusrohre in Japan, und kann desshalb in beschränktem Sinne als eingebürgert gelten. Es liegt nahe, dass man erst die Bedingungen, unter welchen ein Gewächs in seiner Heimat vorkommt und gut gedeiht, kennen lernen sollte, bevor man anderwärts zu Anbauversuchen mit demselben schrei- tet. Oft ist diese Regel nicht befolgt worden und hat man erst durch viele unnütze Versuche und theures Lehrgeld erreicht, was man auf viel kürzerem und billigerem Wege hätte erlangen können. Die Ver- I. Land- und Forstwirthschaft. breitungsgeschichte der Aucuba und mancher andern beliebten japa- nischen Zierpflanze könnte hierzu lehrreiche Beispiele liefern. Auf der andern Seite zeigt jedoch erst die Erfahrung, dass manche Pflanzen ein sehr dehnbares Naturell haben, d. h. bezüglich ihrer An- sprüche an Klima und Boden wenig wählerisch sind, während andere sich in diesen Beziehungen eng beschränken. Hier kann desshalb nur der Versuch entscheiden, wie weit eine Pflanze accommodationsfähig ist oder nicht. Von zwei Gewächsen, deren Heimat die nämliche ist, die hier neben einander auf demselben Boden und unter gleichen klima- tischen Einflüssen gedeihen, gewöhnt sich das eine leicht an die ver- änderten Verhältnisse eines fremden Ortes, das andere durchaus nicht. Wie bereits pg. 188 bei Besprechung des Lackbaumes hervorgehoben wurde, erwies sich derselbe für Deutschland völlig winterhart. Nun findet man in Japan in seiner Nachbarschaft und gleich ihm angebaut die Camellia, Olea aquifolium und andere Zierpflanzen, welche dort mit ihm zuweilen Nachtfröste bis zu — 12°C. ausgesetzt sind, die aber in Europa nördlich der Alpen im Freien nicht aushalten. Da der Kampferlorbeer in einem Gebiete mit reichen Sommer- regen heimisch ist und im Winter Nachtfröste erträgt, bei welchen das Quecksilber im hunderttheiligen Thermometer ausnahmsweise bis — 9 Grad sinkt, so begreift man sein Gedeihen an den norditalienischen Seen und der Riviera. Dass er aber auch in der heissen, trockenen Atmosphäre von Aegypten und den Canaren fortkommt, zeigt seine Accommodationsfähigkeit in einer Richtung, in welcher ihm wenige andere Holzgewächse Japans zu folgen vermögen. Der Weinstock passt sich bis zu einem gewissen Grade vielen Klimaten und Bodenarten an; aber wie gewaltig verändert er damit den Charakter seiner Früchte! Um noch ein anderes Beispiel anzu- führen, möge hier an das verschiedene Verhalten des Schlafmohns (Papaver somniferum) erinnert werden, dessen Kapseln bei uns nur Spuren der bekannten Opiumalkaloide entwickeln, während die Pflanze in heissen Ländern, wie Kleinasien, Aegypten und Indien nur des Opiums wegen gebaut wird, wobei dieses immer noch, je nach dem Erzeugungslande, in seiner chemischen Zusammensetzung bedeutend verschieden erscheint. Aus diesen wenigen Beispielen, denen sich noch manche anreihen liessen, geht zur Genüge hervor, dass die Anpassungsfähigkeit eines Gewächses viel grösser ist, als seine völlige Acclimatisation, wenn wir unter dieser das leichte Fortkommen desselben in veränderten Klima- und Bodenverhältnissen verstehen, ohne Ausartung, d. h. ohne wesent- liche Veränderung seines heimatlichen Charakters. 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. Dass einjährige Pflanzen sich leichter acclimatisieren, als aus- dauernde, ist eine alte Erfahrung und leicht begreiflich. Mit unsern Garten- und Feldfrüchten haben sich beispielsweise auch viele allbe- kannte Unkräuter über einen ansehnlichen Theil der Erde verbreitet. Sie gedeihen üppig in Klimaten, welche von dem unsrigen weit ab- weichen, ebenso wie manche unserer Getreide- und Gemüsearten; denn die Hauptbedingung ihres Fortkommens ist ja neben einem ge- wissen Grad von Feuchtigkeit, das Vorhandensein der nöthigen Wärme zum Reifen ihrer Samen. Bei Holzgewächsen ist die Sache nicht so einfach. Ihre völlige Acclimatisation hängt von beiden Hauptzeiten des Jahres ab, und zwar vielfach mehr von den Extremen, als von den mittleren Temperaturen derselben. Sie müssen sich wenigstens der normalen Kälte gegenüber völlig winterhart erweisen. Ihre Widerstandskraft gegen ausserge- wöhnliche Kälte ist zum Theil wieder dadurch bedingt, dass ihr Holz im Nachsommer ausreift und das vegetative Leben nicht im Herbst durch ungewöhnlich hohe Temperaturen noch einen neuen Anstoss er- hält, wodurch die Vorbereitung auf den Winter verloren geht, eine neue Saftcirculation beginnt, in Folge deren dann die Pflanze wenig aushält. Sie findet sich alsdann in einem Zustande, vergleichbar dem eines nordischen Thieres ohne Winterkleid. — Desshalb kann man auch einer Pflanze die Anbaufähigkeit noch nicht absprechen, weil sie einer aussergewöhnlichen Kälte, gepaart mit sonstigen ungünstigen Vorbedingungen, erlag. So wird Niemand vom Raps oder Klee be- haupten, sie passten nicht für unser Klima, weil sie zeitweise der Ungunst unserer Winter erliegen, oder vom Oelbaum, er sei selbst in Spanien nicht völlig acclimatisiert, weil vor zwei Jahren eine ungewöhn- liche Novemberkälte ansehnliche Verwüstungen in den Olivares Anda- lusiens anrichtete. Kein anderes Land, selbst die Vereinigten Staaten von Nord- amerika kaum ausgenommen, hat uns eine so grosse Zahl der präch- tigsten Zierpflanzen geliefert, wie Japan. Durch die Einführung der- selben, welche grösstentheils innerhalb hundert, ja während der letzten fünfzig Jahre erfolgte, hat namentlich auch unsere Landschafts- gärtnerei viel gewonnen. Blühende Camellien, Azalien, For- sythien, Kerrien, Spiräen, Pyrus- und Prunus-Arten ge- hören zum ersten Frühlingsschmuck unserer Blumentische und Gärten, herrliche Blattpflanzen, wie Azalea, Aucuba und Sedum Sieboldi , sowie verschiedene Nadelhölzer zieren dieselben das ganze Jahr hin- durch und die grosse Zahl der aus Japan stammenden Gewächse, welche uns während des Sommers durch ihre schönen Blüthen erfreuen, I. Land- und Forstwirthschaft. ist kaum anzugeben. Ich erinnere nur an Paeonia, Wistaria und Paulownia , an die verschiedenen Arten der Gattungen Weigelia, Clematis, Hydrangea, Philadelphus, Deutzia, Spiraea , an die Lilien, Pantherlilien und Funkien . Welche Fülle und Pracht der Blüthen entwickeln, wie viel Gärten und öffentliche Anlagen schmücken sie nicht! Und wenn wir die Alpen überschreiten und die schönen Gärten und Parkanlagen der Mittelmeerregion nach ihren Hauptzierden durchmustern, so treten uns zum Theil dieselben, da- neben aber eine Anzahl anderer japanischer Einwanderer entgegen, denen unsere Winter zu rauh sind, während sie hier auf’s beste ge- deihen und wesentlich zu dem eigenartigen und so anziehenden Pflan- zenbilde beitragen. Die immergrünen Sträucher und Bäume aus Japan —, ich erinnere hier nur an Eriobotrya, Cinnamomum camphora, Evonymus, Ligustrum und die zahlreichen Nadelhölzer, — haben sich im strengen Winter 1879/80 in Norditalien und Südfrankreich meist viel widerstandsfähiger erwiesen, als manches schon längst einheimische Gewächs, z. B. Ilex, Oelbaum, Myrthe und Orange. Kein Wunder, dass ihre Cultur sich mehr und mehr ausdehnt. Eine scharfe Scheidung der aus Japan eingeführten Zierpflanzen von den aus China stammenden lässt sich nicht durchführen, nicht blos, weil die Floren beider Länder sehr viele gemeinsame Arten auf- weisen und diese nahe Verwandtschaft noch mehr in dem Geschmack bezüglich der angebauten Gewächse hervortritt, sondern auch desshalb nicht, weil oft dieselbe Art sowohl aus Japan, als auch aus China unsern Gärtnereien zugeführt worden ist. Ist es auch in vielen Fällen nicht leicht, ja sogar unmöglich, Zeit und Wege solcher Einführungen von mindestens 300 Arten ausfindig zu machen, so gibt es doch Angaben genug (ich erinnere nur an die in Ait. Hortus Kewensis), welche darauf schliessen lassen, dass wäh- rend des portugiesischen Verkehrs mit Ostasien wohl keine einzige jener zahlreichen Zierpflanzen in Europa eingebürgert wurde. Kein ein- ziges der aus China und Japan stammenden Gewächse scheint in Europa schon vor dem 18. Jahrhundert cultiviert worden zu sein, und nur von wenigen, insbesondere von Camellia japonica, Cinnamomum camphora, Hibiscus Manihot, Dianthus japonicus und Elae- agnus latifolia , weiss man, dass ihre Cultur in Europa schon vor 1750 anfing. Von da an mehrten sich die Einführungen neuer Arten. So kamen beispielsweise Chrysanthemum indicum und Garde- nia florida im Jahre 1754 nach England. In demselben Jahre wur- den die beiden ersten Freilandbäume eingeführt, die allmählich eine 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. weite Verbreitung in Europa gefunden haben, nämlich Sophora ja- ponica und Salisburia adianthifolia . Während der letzten zwei Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts ragte neben Thunberg Sir Joseph Banks, der Freund Solanders und mit diesem Cook’s Begleiter auf dessen erster Weltumseglung, durch seine Bemühungen um die Einführung ostasiatischer Gewächse beson- ders hervor. So brachte er u. A. Paeonia Moutan, Nelumbium speciosum, Pyrus japonica, Eriobotrya japonica, Hydran- gea hortensis, Diospyros Kaki und Rhus semialata zuerst nach Europa. In diesem Jahrhundert haben sich namentlich P. von Sie- bold, Fortune und Veitch durch die Einführung chinesisch-japa- nischer Zierpflanzen hervorgethan. Sie brachten insbesondere die japanischen Varietäten von Topfpflanzen mit panachierten Blättern nach den Niederlanden resp. nach England. Aber auch Maximowicz , der gründliche Erforscher und Kenner der reichen japanischen Pflanzen- welt und Ostasiens überhaupt, hat sich erfolgreich bemüht, verschiedene japanische Zierpflanzen in Europa einzuführen. Ich erinnere nur an mehrere prächtige Rhododendron- (Azaleen-) Arten, die durch ihn zu- erst nach Petersburg kamen, von wo sie dann sich weiter gen Westen verbreiteten. Statt unsere zahlreichen, aus Japan stammenden Zierpflanzen in einer langen Liste aufzuzählen, die für den Laien ohne Verständniss, für den Kenner aber überflüssig sein dürfte, will ich mich auf wenige, besonders verbreitete und beliebte Arten beschränken und über die- selben verschiedene Notizen geben, die für jeden Blumenfreund von Interesse sein können. Ich beginne dieselben mit der Pflanze, welche nicht blos nach ihrer Beliebtheit allen voransteht, sondern auch nach der Zeit ihrer Einführung, sowie der Entfaltung ihrer Blüthen, nämlich mit Camellia japonica L., der Tsubaki des Japaners. Der an- sehnlichen Dimensionen, welche diese Pflanze in Japan erreicht, der Verwerthung ihres Holzes und des aus ihren Nüssen bereiteten Oels wurde bereits früher gedacht. Yama-tsubaki heisst die wild wach- sende, dem Walde angehörende Form, deren einfache, rothe Blüthen sich nur glockenförmig öffnen, nicht radförmig ausbreiten. Bezüglich des Vorkommens gehen Kämpffer, Thunberg und Siebold zu weit, wenn sie behaupten, dass Yama-tsubaki über ganz Japan verbreitet sei und dichte Wälder bilde. Wie schon Bd. I. pg. 186 hervorgehoben, wird diese Camellie im südlichen Japan ein ansehnlicher Baum, der 10 m Höhe und 1½ m Um- fang erreichen und in den Bergwaldungen von Kiushiu und Shikoku unter günstigen Umständen bis zu 1000 m Höhe emporsteigen kann, I. Land- und Forstwirthschaft. so dass er hier die untere Grenze des Vorkommens der Buche über- schreitet. So fand ich in der Nähe von Sasagami-tôge in Shikoku zu meiner Ueberraschung einst im April etwa 900 m über der See 5—6 m hohe Camellienbäume und ihre abgefallenen Blüthen zwischen Buchen- laub und blühendem Waldmeister. Weiter gen Norden und den Ein- flüssen des Kuro-shiwo mehr entrückt, senkt sich die Höhengrenze der wild wachsenden Camellie rasch und ebenso verringern sich ihre Di- mensionen: sie sinkt zum Strauch herab, wie wir die Pflanze in unsern Kalthäusern kennen. Auf Seite des Stillen Oceans dürfte Chôshi- no-kuchi , die Mündung des Tone-gawa nahe dem 36. Parallel die Nordgrenze der Yama-tsubaki sein. Dagegen bin ich derselben im Westen von Hondo, nahe dem japanischen Meer, noch unter dem 38. Breitengrad, und zwar in den Hügelwaldungen des nördlichen Echigo begegnet, wo sie das etwa meterhohe Unterholz bildete. Vielleicht interessirt es den einen oder den andern in Japan bekannten Leser, Näheres über dieses Vorkommen zu erfahren. Es ist auf dem Wege von Gatsuke am jap. Meer nach dem 2 ri 25 chô landeinwärts gelegenen Naka-mura , dessen Um- gebung sich durch viele Lackbaumpflanzungen auszeichnet. Die zahlreichen Camel- lienbüsche, von denen viele Anfang November schön gebildete Blüthenknospen trugen, stachen durch ihre dunkelgrüne Belaubung scharf ab gegen die entblätterten höheren Sträucher und Bäume, welche sich zwischen ihnen erhoben. Die zur Oelgewinnung oder Zierde angebaute Camellie kommt als Freilandpflanze noch um Hakodate vor, im nördlichen Hondo häufig baumförmig mit einfachen, rothen Blüthen, wie die wild wachsende, oder als Strauch in einer Anzahl Abarten, welche theils einfache, theils gefüllte Blüthen liefern, doch nicht in solcher Mannichfaltigkeit, wie unsere Gewächshäuser sie aufweisen. Auch in China wird die Camellie seit alter Zeit als Zierpflanze geschätzt und gepflegt. Wann und von wo aus sie nach der Insel Luzon gelangte, ist nicht bekannt. Der mährische Jesuit Georg J. Kamel (Camellus), welcher im 17. Jahrhundert Manila besuchte und später eine Historia stirpium Insulae Luzonis herausgab, hat die Pflanze darin zuerst erwähnt. Ihm zu Ehren wurde sie dann 1737 von Linné in seinem Werke »Genera plantarum« benannt. Die erste Abbildung der Camellie erschien 1702 in Petivers: »Gasophylacium« . Siehe Seemann: »Synopsis of the Genera Camellia and Thea«. Transact. Linn. Society XXII. pg. 342 ff. Im Jahre 1739 verpflanzte man die Camellie von Manila nach dem Jardin del Buen Retiro zu Madrid, doch wurde damals die ein- fache, rothblühende Form, die » japanische Rose «, wie man sie lange Zeit in Europa nannte, in England bereits von Robert James Lord Petre gezogen. 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. Im Jahre 1745 brachte Lagertröm , Director der schwedischen Ostindischen Compagnie , die beiden ersten Varietäten nach Up- sala; doch war Tsubaki vor 100 Jahren in Europa immer noch eine Seltenheit. Die meisten der zahlreichen Spielarten wurden erst in diesem Jahrhundert aus China und Japan eingeführt oder allmählich in unsern Gärtnereien erzielt. In den Kalthäusern und Treibereien des gemässigten und kälteren Europas, wo man die Lebensbedürfnisse der Camellie genau kennt und befriedigt, ist jetzt die Zahl ihrer Ab- arten, wie schon angedeutet wurde, viel grösser als in Ostasien. Einen Camellienflor, wie ihn beispielsweise der Frankfurter Palmengarten im Frühjahr seinen Besuchern bietet, sucht man in Japan vergeblich. Das ausgeprägte Mittelmeerklima mit seiner langen, trockenen Sommerhitze sagt der Camellie nicht zu. Es ist thatsächlich eine schöne Blüthe derselben in Petersburg oder Berlin leichter und billiger zu haben, als beispielsweise in Sevilla. Auch bildet die Pflanze in jenem ausgeprägten Klima nirgends einen Baum, sondern wird nur 2—3 m hoch. In Lissabon z. B. gedeiht sie nicht, wohl aber in der feuchteren Luft von Cintra. Hier kann man in den herrlichen Anlagen von Mont- serat und der Penha, zumal in der kühlenden Nähe eines munteren Baches, im März und April niedrige Camellienbüsche in grosser Blü- thenpracht sehen, ebenso in Malaga. Aber die Sträucher müssen den Sommer über in Schatten gestellt und thunlichst kühl gehalten werden. In Florenz bedarf die Camellie während des Winters gleich den Rosen bei uns eines gewissen Schutzes gegen die Kälte. Dagegen hat sie sich in und um Constantinopel, woselbst man sie erst vor 15 Jahren ganz dem freien Lande anvertraute, in dem strengen Win- ter 1879/80 vollkommen widerstandsfähig erwiesen. In Neapel er- froren zu der Zeit von Freilandpflanzen die Pelargonien, Myrthen, Oleander und manche andere einheimische oder seit lange eingebür- gerte Pflanzen, nicht aber die Camellien. Unstreitig bieten aber die Riviera und die Ufer der norditalieni- schen Seen der Camellie, wie einer ganzen Anzahl anderer japanischer Pflanzen, darunter auch Kampferlorbeer und die meisten japanischen Nadelhölzer, günstigere Klimaverhältnisse, wie irgend ein anderer Theil Europas. Hier gedeiht Tsubaki ohne jeden Schutz fast so vortrefflich, wie in ihrer japanischen Heimat, hier (z. B. bei der Villa Carlotta) finden wir schon Bäume von 8 m Höhe und 18 cm Stammstärke, hier blüht sie, wie in ihrer Heimat, theilweise schon Mitte Winter, vor allem aber in üppiger Fülle während der Frühlingsmonate, hier endlich reift sie auch später ihre grossen Früchte. I. Land- und Forstwirthschaft. Pyrus japonica Thunb ., jap. Boke und Yama-boke . Schö- ner und ausdauernder in seinem Blüthenschmuck als Forsythia, zu- gleich viel härter und verbreiteter, erscheint dieser echt japanische, 2—3 m hohe Quittenstrauch als eine der ersten und grössten Zierden unserer Gärten. Seine grossen, feuerrothen Blüthen bedecken die sparrigen Aeste und entwickeln sich vor oder mit den Blättern. Ausser dieser ursprünglichen Form, die im mittleren Japan in Hainen und Buschwaldungen, wie bei uns im April zur Blüthe kommt (einen Mo- nat früher im Süden, später im Gebirge), gibt es bei uns verschiedene Spielarten mit hellfarbigeren Blüthen, die jedoch der ursprünglichen Form an Schönheit nachstehen. Der Strauch ist von bester Wirkung, wenn er freistehend sich allseitig entwickeln kann. Er wurde 1796 durch Sir Joseph Banks in England eingeführt und hat sich von hier aus weiter verbreitet. Die Häufigkeit des Vorkommens nimmt jedoch jenseits der Alpen und Pyrenäen rasch ab, obgleich er auch noch im Süden gut fortkommt und beispielsweise in verschiedenen parkartigen Gartenanlagen bei Malaga gegen Ende März ebenso schön und reich- lich blüht, wie bei uns und um Tôkio einen Monat später. Wistaria chinensis S. \& Z. ( Glycine chinensis Sims ), jap. Fuji . Kaum ist im Frühjahr die Obstbaumblüthe vorbei, so er- scheinen mitten im wonnigen Mai und gleichzeitig mit der Blüthen- pracht der Syringa, Rosskastanie und Strauchpäonie die schönen blauen Blüthentrauben der Glycine. In den milderen Gegenden Deutschlands, zumal im Gebiet des Rhein und Main, hält die Wistaria den Winter vortrefflich im Freien aus, wird viel den Häusern hinan, sowie in Lauben gezogen und zeichnet sich wie allenthalben durch raschen Wuchs und die grosse Neigung zum Drehen ihrer schlanken Aeste von links nach rechts aus. Begegnen sich mehrere gleich starke Triebe, so drehen sie sich zu einem regelmässigen Seil, das mit zu- nehmendem Wachsthum unauflöslich wird. Die Wistaria gedeiht auch vortrefflich in den Gärten der Mittel- meerregion. Oft schlingt sie sich hier um die Stämme anderer Zier- gehölze, z. B. von Shinus molle, und wenn sich im März und April ihr hellgrünes, junges Blattwerk mit dem dunkelgrünen Laube ihrer Stützen mischt und aus den Kronen der letzteren ihre zahlreichen Blü- thentrauben herabhängen, so ist der Anblick eigenartig und oft sehr schön. Die Pflanze entwickelt bei uns im Nachsommer häufig zum zweitenmal Blüthentrauben, doch in viel geringerer Zahl als im Frühjahr. Der lateinische Beiname weist auf China als erste Bezugsquelle der Glycine hin. Sie ist jedoch in Japan, wie bereits früher hervor- gehoben wurde, nicht blos eine alte, beliebte Zierpflanze, sondern 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. kommt auch wild wachsend und weit verbreitet in den Laubwäldern der Berge vor. Um ihre langen, cylindrischen Blüthentrauben den Liebhabern besser vorzuführen, wird sie in Japan horizontal in Lauben- gängen gezogen. So war, wie schon pg. 269 kurz angedeutet wurde, noch vor 10 Jahren in der Nähe von Tôkio bei dem Orte Nakanobu ein Exemplar zu sehen, welches 250 Jahre alt sein sollte. Sein mäch- tiger, niedriger und rissiger Stamm hatte vor der Vertheilung 2,45 m Umfang; die Aeste überdeckten in 2½ m Höhe einen grossen Hof, und wenn die vielen Hunderte sehr langer, schlaffer Blüthentrau- ben sich entfaltet hatten, zogen sie aus der Hauptstadt viele Be- schauer an. Von dem raschen Wuchse der Wistaria in Europa gibt ein Ex- emplar, welches 1845 an eine Hauswand in Versailles gepflanzt wurde, einen Beweis. Nach der Revue Horticole von 1878 hatte dasselbe nach 33 Jahren 1,20 m Stammumfaug erreicht und Aeste von 75 m Länge gebildet. Von einer andern Glycine bei der Villa Giula am Comer-See erwähnt Wittmack, Wittmack: Die Gärten Oberitaliens. Berlin 1883. dass sie einen Stamm von 35 cm Durchmesser (1,10 m Umfang) habe und mit ihren Zweigen eine Wand- fläche von 40 m Länge bis hoch hinauf bedecke. Paulownia imperialis S. \& Z. (P. tomentosa Ascherson), jap. Kiri . Im wärmeren Deutschland wird dieser beachtenswerthe Baum, den man in Japan seines leichten Holzes wegen so hoch schätzt und viel cultiviert (siehe pg. 292) ziemlich häufig in Gärten und öffent- lichen Anlagen getroffen. Im Mai entwickelt er hier noch vor den Blättern seine grossen, wohlriechenden blauen Blüthen, welche in ihrer Gestalt an diejenigen des Löwenmauls erinnern. Zu seinen Eigenthüm- lichkeiten gehört, dass er schon im Nachsommer an der Spitze der Zweige für das nächste Jahr die Blüthensträusse vorbildet. In Eng- land sterben während des Winters deren Knospen fast immer ab und sind Blüthen desshalb selten, und auch bei uns kommt es oft vor, wie z. B. nach dem milden Winter von 1883/84, dass keine oder nur wenige Blüthen zur Entwickelung kommen. Die grossen, herzförmigen Blätter erinnern an diejenigen ver- wandter Catalpa-Arten, sind aber grösser und dunkler grün, erscheinen auch früher. Bei jungen Wurzeltrieben, deren rasches Wachsthum überrascht, erreichen dieselben eine enorme Grösse. So hatte im Som- mer 1885 neben dem Bahnhof zu Godesberg bei Bonn ein solcher Schössling 2,8 m Höhe und 17,5 cm Stammumfang erreicht. Einzelne Blattspreiten, an Stielen von 42 cm Länge und 8 cm Umfang, waren I. Land- und Forstwirthschaft. 80—90 cm breit und über 60 cm lang. Trotz dieser überraschenden Entwickelung erfreut sich die Paulownia bei uns keiner zunehmenden Beliebtheit. Zur Blüthezeit ist der Baum noch zu kahl; er verliert ferner leicht einzelne Aeste und damit eine gefällige symmetrische Form. So kommt es, dass man meist nur älteren Exemplaren begeg- net, deren Stämme zum Theil 2 m Umfang haben. Offenbar wurden viele derselben bald, nachdem 1834 die Pflanze in Frankreich einge- führt worden war, von hier aus verbreitet. Früher war die Paulownia auch auf einigen Pariser Boulevards angebaut, ist aber wieder beseitigt worden. Häufig findet sie sich als Alleebaum um Florenz, z. B. an der Strasse nach Fiesole. Hier erfüllt gegen Ende April der liebliche Duft ihrer Blüthen weithin die Luft. Grosse Paulownien und Euca- lyptus bilden die hervorragendsten Bäume der öffentlichen Anlagen in der Nähe des Bahnhofs von Cordoba. Aber auch hier, wie ander- wärts in der Mittelmeerregion, gewinnt man den Eindruck, als ob der Eifer, mit welchem vor 40—50 Jahren der Kiri begehrt und ange- pflanzt wurde, längst vorüber ist. Paeonia Moutan Sims , jap. Botan , finden wir in vielen Varietäten, die grösstentheils Fortune einführte, weniger P. albiflora Pall., jap. Shakuyaku . Nicht die Rose, sondern Botan und die ihr nahestehende Shakuyaku ist im chinesischen Culturkreise die von den Dichtern vielbesungene Königin der Blumen. So wird sie denn z. B. auch in den »Mémoires des Chinois. Paris 1777« der Stolz und Glanz Chinas genannt. Dieser Werthschätzung entsprechend gehört sie zu den beliebtesten Decorationsmotiven des chinesischen und japa- nischen Kunstgewerbes. Neben ihren schönen Blüthen und Blättern mag auch die von Alters her ihren Wurzeln zugeschriebene grosse Heilkraft (pg. 160) viel zu dieser Zuneigung beigetragen haben. In unsern Gärten gehören beide Päonienarten unter der gewöhnlichen Benennung P. arborea Don. zu den schönsten Frühlingsblumen, denen freilich ebenso wie allen übrigen Pfingstrosen ein angenehmer Geruch versagt ist. Die erste Einführung derselben aus China nach England fällt in das Jahr 1789 und wird, wie bereits früher bemerkt wurde, Sir Joseph Banks zugeschrieben. Derselbe brachte im Jahre zuvor auch Hydrangea hortensis Smith (Hortensia opuloides Lamk.), jap. Ajisai , nach Europa. Unter den älteren Erwerbungen aus Ostasien haben sich wenige rascher und weiter verbreitet als sie. Man kennt eine Menge Spielarten der Hortensie, deren ursprüngliche, einfache Formen in den Wäldern Chinas und Japans zu suchen und nament- lich in letzteren häufig sind. Wir sehen sie in Deutschland meist in grossen Töpfen oder Kübeln, denn sie bedarf des Schutzes vor unserer 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. Winterkälte. Dagegen gedeiht sie südlich der Alpen vortrefflich im Freien und ohne besondere Pflege. Neben ihr hat man von den vielen Arten bei uns neuerdings vielfach Hydrangea paniculata Sieb. angepflanzt, einen hohen Strauch, den Japanern unter den Namen Shiro-utsugi und Nori-no-ki be- kannt, der bei uns durchaus winterhart ist. In seiner Heimat bewohnt er die Bergwälder bis zu 1500 m Höhe und wird aufgesucht seines schleimigen Bastes wegen, den man in der Papierindustrie verwen- det. Seine Blüthezeit fällt in den Hochsommer, ebenso wie von der Hortensie. Macleya cordata R. Brown, jap. Chanpagiku und Takeni- gusa . Dieses perennierende, durch seine Gestalt, Blattform und Farbe gleich auffallende, krautartige Ziergewächs aus China und Japan, der Familie der Papaveraceen angehörend, ist in den Gärten und Park- anlagen vom Mittelmeer bis nach England recht verbreitet, auch bei uns in Deutschland neuerdings oft zu sehen. Die ausdauernde Wurzel treibt jedes Jahr einen bis 2 m hohen steifen Stengel, der im Nach- sommer an der Spitze eine lange Blüthenähre entwickelt. Die grossen vielgebuchteten Blätter bilden mit dem weisslichen Filz, welcher die ganze Pflanze überzieht, ihre bemerkenswerthesten Züge. Es gibt wenig krautartige Gewächse, welche gleich kräftig und ornamental erscheinen. Polygonum cuspidatum Sieb., jap. Itadori . Mehr noch als von voriger Art kann man von dieser eine überaus rasche und kräftige Entwickelung rühmen. Aus einem polsterartig dicht verzweigten, pe- rennierenden Wurzelstock entwickeln sich zeitig im Frühjahr viele Dutzende kräftiger 2—3 m hoher Stengel, die wie Spargel empor- schiessen und dann mit schöner Belaubung einen dichten hohen Busch bilden von bester Wirkung, namentlich wenn derselbe isoliert steht und sich allseits frei entwickeln kann. In Japan gehört die Pflanze den Bergwaldungen und dem hohen Norden an, so dass man schon hier- aus auf ihr leichtes Fortkommen bei uns schliessen kann. Aucuba japonica Thunb., jap. Ao- ki. Der japanische Name Ao-ki »grüner Baum«, bezieht sich auf die grüne Farbe der Aeste. Die Benennung Aucuba dürfte als Corruption von Ao-kuba d. h. »grünes Blatt« abzuleiten sein, ist aber in Japan nicht gebräuchlich. Die Pflanze bleibt auch in ihrer Heimat stets strauchförmig, so dass die Bezeichnung Thunbergs als »arbor magna« entschieden falsch ist. Dieser bekannte Zier- strauch entspricht fast allen Ansprüchen an eine gute Blattpflanze. Er ist ziemlich hart und verbindet damit einen raschen Wuchs, starke Ver- ästelung und die Entfaltung einer Fülle ansehnlicher, glänzender, Rein , Japan. II. 22 I. Land- und Forstwirthschaft. immergrüner Blätter. Zu dieser schönen und vollen Belaubung gesellen sich bei den weiblichen Exemplaren im Sommer hin und wieder noch prächtige scharlachrothe Steinfrüchte, welche in Färbung und Gestalt an die viel grösseren, verwandten Cornelkirschen erinnern, doch nicht wie diese auch eine Verwendung finden. Dagegen sind die bräun- lichen, zweihäusigen Blüthchen, welche im Mai in Rispenstellung am Ende der Zweige auftreten, ziemlich unscheinbar. Sehen wir ab von der Camellie, so hat sich kaum eine andere der zahlreichen japanischen Zierpflanzen einer grösseren Beliebtheit und weiteren Verbreitung zu erfreuen gehabt, als die Aucuba. Dabei haben auch hier Natur, Zufall und Cultur schon in ihrer Heimat, mehr aber noch bei uns eine Menge Abarten ausgebildet, die sich vornehm- lich durch Grösse, Form und Art der Panachierung der Blätter von einander unterscheiden. Japan und China sind die Heimat der ursprünglichen einfachen Form. Dort findet man dieselbe, ebenso die geflecktblätterige, als 1—2 m hohen Strauch ziemlich häufig, besonders in Buschwaldungen der Hügellandschaften, sowie angepflanzt in Tempelhainen und Gärten. Ihre Verbreitungsgeschichte im Abendlande ist nicht ohne Interesse. Im Jahre 1784 erschien zuerst Thunbergs Beschreibung der Pflanze. Ein Jahr zuvor hatte John Graeffer ein weibliches Exemplar mit pa- nachierten Blättern (Aucuba japonica var. punctata) (ungleiche, gelb- weisse Flecken zerstreut über den gelbgrünen Grund der Blatt- fläche) nach England gebracht. Aiton: Hortus Kewensis V. pg. 257. Von dieser Pflanze stammen die meisten der unzähligen Büsche, welche man jetzt in Europa und Nord- amerika, sei es im Freien oder als beliebten Zimmerschmuck findet. Die Vermehrung erfolgt allenthalben und leicht durch Stecklinge. An- fangs hielt man die Aucuba (auch in Frankreich) ängstlich im Warm- haus, fand dann, dass sie sich besser fürs Kalthaus eigne, und wagte endlich auch die Verpflanzung ins freie Land. Das feuchte Klima Englands mit seinen milden Wintern und kühlen, feuchten Sommern sagt ihr am meisten zu. Der Strauch ist in London verbreiteter, wie irgend ein anderer, und fehlt kaum dem bescheidensten Gärtchen. Man kann dort schönere Büsche sehen, als irgendwo in Japan selbst. Auch in den Niederlanden und in Frankreich, sowie in den milderen Theilen Deutschlands, zumal in Bonn und Nachbarschaft, spielt Aucuba als immergrüne Freilandpflanze eine grosse Rolle und ist viel häufiger, als Kirschlorbeer, Ilex und andere. Im übrigen Deutschland erfriert sie während des Winters und kann, obwohl sie in der Regel von der 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. Wurzel wieder ausschlägt, im Freien nicht gut gezogen werden. An- derseits sagen ihr auch die trocknen heissen Sommer Südeuropas nicht zu. In Norditalien und Südfrankreich findet man sie noch sehr häufig, weiter südlich nimmt ihr Vorkommen jedoch rasch ab und ist endlich nur noch unter besonderem Schutz an schattigen Stellen möglich. Ueber hundert Jahre wird nun diese weibliche Aucuba in ihren verschiedenen Abarten mit panachierten Blättern gezogen; aber ob dies in der veränderlichen Zimmerluft, im Kalthaus oder freien Lande geschehe, und wie verschieden auch der Boden und die sonstige Be- handlung sein möge: die Pflanze ist nicht wesentlich abgewichen von ihrer ursprünglichen, geflecktblätterigen Form und kaum mit einem Blatt, geschweige als ganzes Individuum zurückgekehrt in den einfach grünen, ursprünglichen Zustand. Ist die Variation des Chlorophylls bei einer solchen Beständigkeit der Fleckenbildung wirklich nur eine Krankheit? — Bis zum Jahre 1862 kannte man nur die erwähnte weibliche Form (plante veuve, wie sie Siebold nennt) der Aucuba in Europa. Dazu fand dann Fortune in China auch die männliche Pflanze, ebenso die einfach grünblätterige Stammform, und schickte beide nach England. Desgleichen machte Siebold um jene Zeit holländische Gärtner von Japan aus mit der ursprünglichen Pflanze bekannt. Daher kommt es, dass die Zahl der einfach grünblätterigen und der männlichen Exem- plare gegenüber den weiblichen mit gefleckten Blättern immer noch sehr gering ist. In der Neuzeit ist nun noch eine zweite Species, die Aucuba himalaica Hooker als Zierpflanze hinzugekommen, welche je- doch der vorerwähnten noch in keiner Weise das Feld streitig macht. Fatsia japonica Decn. \& Planch. (Aralia japonica Thunb., A. Sieboldi Hort.). Die Japaner nennen diese Pflanze Yatsu-de , d. h. »Achtfinger«, ein Name, welcher sich auf die acht Zipfel bezieht, in welche die grossen, glänzend grünen Blätter enden. Viele derselben sind jedoch, zumal bei uns, nur siebenlappig, während anderseits auch neun Blattlappen vorkommen. Der Name Fatsia dürfte wohl als Corruption aus der japanischen Benennung hervorgegangen sein. Diese herrliche Decorationspflanze von tropisch üppigem Aussehen ging gleich der Aucuba nach ihrer Einführung in Europa aus dem Warmhaus ins Kalthaus und auf die Blumentische über, wo sich beide jetzt in Bezug auf Beliebt- heit und Leichtigkeit der Cultur den Rang streitig machen. Im süd- lichen und mittleren Japan kommt Yatsu-de hin und wieder wild vor; doch begegnet man ihr häufiger als Zierpflanze in Höfen, Gärten und Tempelhainen. Sie blüht dort, wie bei uns, im November und Decem- ber und reift ihre schwarzen Beeren im März. 22* I. Land- und Forstwirthschaft. In der Mittelmeerregion findet man sie ebenfalls viel angepflanzt. Während des heissen, trocknen Sommers bedarf sie hier jedoch des Schattens. Auch in England erweist sie sich winterhart, kommt dabei aber nur selten zur Blüthe. Auf unsern Blumentischen erreicht diese Ara- lie 2—3 m Höhe und kann sich an Grösse und herrlichem Blattschmuck mit den schönsten Exemplaren in der japanischen Heimat messen. Bei der grossen Beliebtheit der Coniferen in unserer heutigen Landschaftsgärtnerei und bei der eigenthümlichen Schönheit vieler ja- panischen Arten konnte es nicht ausbleiben, dass von verschiedenen Seiten ihre Einführung und Verbreitung betrieben wurde. Am frühesten ist Gingko biloba L. nach Europa gebracht worden. Derselbe hat sich hier in hohem Grade accommodationsfähig erwiesen und findet sich als ältester Bekannter von den Gestaden der Nord- und Ostsee bis zu denen des Mittelmeeres, indem er in gleicher Weise Deutschlands strengster Winterkälte widersteht, wie der trocknen Sommerhitze der südeuropäischen Halbinseln. Auch die verschiedenen Abarten der Biota orientalis haben schon lange und zum Theil auf dem Umwege über Vorderasien sich bei uns verbreitet. Während der verheerenden Winterkälte von 1879/80 erwiesen sich die meisten japanischen Coniferen in Europa viel widerstandsfähiger als die aus dem pacifischen Waldgebiete Nordamerikas bei uns einge- führten Arten. Insbesondere widerstanden, ausser den beiden schon genannten, Taxus cuspidata S. \& Z., Chamaecyparis obtusa S. \& Z., Ch. pisifera S. \& Z., Thujopsis dolabrata S. \& Z., Abies polita S. \& Z., A. Tsuga S. \& Z. und Larix leptolepis Gord. der Kälte an den meisten Orten vollkommen. Die Anbaufähigkeit derselben zu forst- lichen Zwecken dürfte desshalb kaum zu bezweifeln sein; doch weist Abies firma, gleich allen japanischen Tannen aus der Gruppe Picea, unserer Edeltanne gegenüber kaum Vorzüge auf, ebenso wenig Taxus cuspidata im Vergleich mit unserer Eibe. Dagegen liefern die fünf übrigen genannten Arten sehr geschätzte Hölzer, deren empfehlens- werthe Eigenschaften sich mit solchen unserer bekannten Waldbäume nur theilweise decken, die also eventuell berufen sein könnten Lücken auszufüllen, und von diesem Gesichtspunkte aus in hohem Grade an- bauwürdig erscheinen. (Siehe auch pg. 275—284.) Viel empfindlicher gegen unsere Winter sind Cryptomeria japonica Don. und Sciadopitys verticillata S. \& Z., die nur an besonders bevor- zugten Orten im Gebiet des Rheins zwischen Basel und Düsseldorf im Freien fortkommen und gedeihen und von denen wir nicht erwar- ten dürfen, sie je zur Holzgewinnung, selbst wenn solches besonders wünschenswerth wäre, heranziehen zu können. In Marburg angestellte 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. Versuche mit den beiden gewöhnlichen Kiefern Japans (Pinus Masso- niana und P. densiflora) ergaben, dass dieselben bei uns sich sehr lang- sam entwickeln und einer Kälte von 20°C. ebenfalls nicht zu wider- stehen vermochten. Damit erscheint der Gedanke, die überaus genüg- same japanische Schwarzkiefer (A. Massoniana) zum Anpflanzen auf un- seren norddeutschen Dünensanden verwenden zu können, ebenfalls kein günstiges Resultat zu versprechen. In einem Gutachten über japanische Nadelhölzer, welches ich im Juni 1884 Sr. Excellenz dem Herrn Minister für Land- und Forstwirthschaft abzustatten hatte, äusserte ich mich in ähnlichem Sinne. Von blattwechselnden Waldbäumen Japans empfehlen sich, theils der ausgezeichneten Eigenschaften ihrer Hölzer, theils ihrer präch- tigen Belaubung wegen zu Anbauversuchen vornehmlich folgende Ar- ten: Zelkowa Keaki S. \& Z. (Keaki), Magnolia hypoleuca S. \& Z. (Ho-no-ki), Cercidiphyllum japonicum S. \& Z. (Katsura), Acer crataegi- folium S. \& Z. (Hana-no-ki), Aesculus turbinata Blume (Tôchi). Diesel- ben bewohnen die klimatisch rauheren Gebirge und nördlichen Lan- desteile Japans und berechtigen zur Annahme, dass sie wenigstens teilweise bei uns acclimatisierbar sein werden. Es erübrigt mir noch die Bedeutung einer Anzahl japanischer Gewächse zur Ausschmückung der Gärten und öffentlichen Anlagen der Mittelmeerregion kurz hervorzuheben. An Licht und Wärme fehlt es in diesem Gebiete nicht, oft aber am dritten wichtigen Faktor für ein gedeihliches Pflanzenleben, der Feuchtigkeit , und wo dies der Fall ist, kann von der Erzielung eines schönen Rasens mittelst unserer bekannten Gräser keine Rede sein. Da müssen dann halo- phytische Fettpflanzen, wie Mesembryanthemum-Arten, verschiedene fremdländische Kräuter, wie Commelina und andere aushelfen. Na- mentlich hat man aber mit gutem Erfolge zu einer unscheinbaren klei- nen japanischen Liliacee, der Yano-hiye (Ophiopogon japonicus Gaw.) gegriffen, die von Gärtnern vielfach mit dem alten Thunberg’schen Namen Convallaria japonica (japanische Maiblume) bezeichnet wird. Auch das nahe verwandte Yabu-ran (O. Jaburan Loddig) wird dazu verwandt. Bereits an den norditalienischen Seen kann man schöne grüne Rasen daraus sehen, mehr noch in Süditalien, Spanien und Portugal. Ich fand das unscheinbare Yano-hiye mit bläulichen Beeren zuerst an schattigen Stellen des Tempelhains von Uyeno zu Tôkio. Die dunkelgrünen, schmalen, grasartigen Blätter des Pflänzchens erin- nern in ihrem Aussehen an die helleren mehrerer Gagea-Arten; die Verwandtschaft mit unserer Maiblume ist also eine ziemlich ferne. — I. Land- und Forstwirthschaft. Nördlich der Alpen und Pyrenäen herrscht die winterkahle lebende Hecke und der Weissdorn als beliebtestes Material zur Er- zielung derselben; in der Mittelmeerregion greift man dagegen zu verschiedenen immergrünen Sträuchern, so hin und wieder zu Myrthe, Lorbeer, Viburnum Tinus, Durantha Plumieri, vornehmlich aber zu Ligustrum japonicum und mit noch weit grösserer Vorliebe zu Evonymus japonicus, dem japanischen Masa-ki . In der That überbieten solche Evonymus-Hecken durch ihre Gleichmässigkeit und Geschlossenheit, sowie die Fülle und den Glanz ihrer prächtig grünen Blätter an Schön- heit alle andern. So sind z. B. diejenigen, welche in Las Delicias zu Sevilla, den öffentlichen Anlagen am Corso und linken Ufer des Guadalquivir alle Wege einfassen, unvergleichlich schön. Sie werden hier, wie fast überall, unter der Schere gehalten, und zwar einen Meter hoch und breit. Selbst zur Einfassung der Beete, wobei uns viel der Bux dient, benutzt man die Pflanze mit Vorteil. Diese Einfassun- gen werden natürlich schmal und niedrig gehalten und hübsch be- schnitten. Auch anderwärts auf der iberischen Halbinsel, z. B. in Ma- drid und Lissabon, sodann in Italien, sind solche Hecken häufig zu sehen. Die Hecken aus Ligustrum japonicum Thunb., dem Nedzumi- mochi der Japaner, wie solche z. B. an den Bahnhöfen zu Sevilla und Huelva, aber auch schon in Südfrankreich und Norditalien zu sehen sind, erinnern in ihrer Färbung an unsere gewöhnlichen Li- gusterhecken, welche bekanntlich unter all unsern sommergrünen Pflan- zungen derart am längsten ihren Blätterschmuck behalten. Die jungen Blätter sind erst rothbraun und auch später nicht so hell und freund- lich grün, wie diejenigen des Evonymus. Ihre Färbung und Gestalt nähert sich derjenigen der nahe verwandten Syringablätter. — Aber die wichtigste Verwendung der beiden genannten immergrünen Gehölze ist nicht die zu dichten und engbegrenzten Hecken, sondern zur Aus- schmückung der Gärten und öffentlichen Anlagen der verschiedensten Art. Wir begegnen ihnen im quadratischen Hofe andalusischer Gast- und Wohnhäuser, auf den freien Plätzen fast aller südeuropäischen Städte, in jeder Parkanlage. Dabei geht der japanische Liguster häufig aus der Strauch- in die Baumform über mit Stämmen von 8—10 m Höhe und 80—100 cm Umfang. Solche sah ich u. A. zu San Jose in Malaga, in Lissabon und auf der Plaza mayór beim königl. Schlosse zu Madrid. In Italien, wo die Pflanze ebenfalls sehr verbreitet ist, sind ihre Dimensionen viel geringer. Evonymus japonicus ist weniger empfindlich gegen die Winterkälte und gedeiht desshalb auch noch im südlichen Frankreich, sowie in den Anlagen von Paris. Man be- 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. gegnet daselbst nicht blos der einfachen Stammform, sondern auch den zahlreichen panachiertblätterigen Abarten, insbesonders E. jap. sulfurea. Bei dieser Gelegenheit will ich noch mehrerer andern immer- grünen japanischen Ziersträucher gedenken, welche oft in Gesellschaft der vorigen vorkommen und ebenfalls in Südeuropa eine weite Ver- breitung gefunden haben. Sie heissen Photinia serrulata Lindl. (Cra- taegus glabra Thunb.), jap. Aka-megashi , Pittosporum Tobira Ait., jap. Tobira und Olea fragrans Thunb., jap. Moku-sei und Tô-sei . Von der Photinia sagt u. A. Fortune, sie sei »a noble ornamental ever- green« und finde sich in Japan und China bei Tempeln und in Gärten viel angebaut. Auf der iberischen Halbinsel ist dieser grosse, sich weit ausbreitende Strauch sehr verbreitet und fehlt beispielsweise in Madrid keinem der freien Plätze. Im März und April verleihen ihr die in grossen Doldentrauben vereinten weissen Blüthen einen beson- deren Reiz. Die glatten, gesägten und zugespitzten Blätter erinnern in ihrer länglichen Gestalt und Grösse an diejenigen des Kirschlor- beers. Auffallend ist, dass unter den älteren neben schön grünen immer auch einzelne von prächtig purpur- oder braunrother Farbe auftreten. Die Tobira, welche unter dem Namen Pittosporum sinense schon 1804 in unsere Treibhäuser eingeführt wurde und als Freilandpflanze in Südeuropa, wie im südlichen Japan, einen Strauch von mittlerer Grösse bildet, wird seit zwei Jahrzehnten durch ihren stattlicheren Verwandten P. undulatum aus Australien mehr und mehr zurückge- drängt. Letzterer ist namentlich in den Anlagen Portugals, insbesondere in den Gärten von Lissabon ausserordentlich häufig. Er bildet dort bereits schön geformte Bäume von 70—80 cm Stammumfang und 8—10 m Höhe. Die gelblichweissen Blüthen, welche im Frühjahr erscheinen, haben einen viel stärkeren und noch angenehmeren Geruch als die rein weissen der Tobira, die sich erst vier Wochen später entwickeln. Auch empfiehlt die regelmässigere Gestalt und gleichmässige Verthei- lung der Blätter die Pflanze mehr, als die Blätter der Tobira es thun, welche verkehrt eiförmig und am Ende der Zweige zusammengedrängt erscheinen. Olea fragrans Thunb., obwohl aus Japan nach Europa ge- bracht, ist dort doch nur Zierpflanze, die China entstammt, wie auch der Name Tô-sei es andeutet. Ich verweise hier auf pg. 146 und das dort über die Benutzung der Blüthen dieser Kwei-hwa der Chinesen zum Parfümieren des Thees Gesagte. Was Pittosporum undulatum im Frühjahr den Gärten von Lissabon, Malaga und andern iberischen I. Land- und Forstwirthschaft. Städten, das leistet, und zwar in weit höherem Maasse, Olea fragrans im September und October in den Gärten und Parkanlagen Nord- und Mittelitaliens. Die weissen, unscheinbaren Blüthen dieses grossen Strauches verbreiten alsdann weithin ihren Wohlgeruch, so am Comer- see und Lago Maggiore, wie nicht minder in Florenz und an der Ri- viera. Ich erinnere nur an den Aufstieg im kleinen Park von Acqua Sola in Genua. In Norditalien ist ferner eine japanische Oelweide (Elaeagnus umbellata Thunb., E. reflexa Morr.) hier und da, z. B. bei Pallanza, sehr beliebt, um Häuser und mehr noch Gartengitter dicht mit schönem Grün zu bekleiden, indem man die langen, windenden Schösslinge mit den Eisenstäben sich verflechten lässt. Diese Pflanze ist als mittel- grosser Strauch weit über Himalaya, China und Japan verbreitet, führt hier den Namen Gumi und wird auch als Zierstrauch angebaut. Aehnlichen Zwecken dient Evonymus radicans Sieb., jap. Tsuru- masaki . Obgleich auch im wärmeren Deutschland völlig winterhart, hat diese Pflanze doch noch nicht die gebührende Beachtung gefunden. In Japan ist sie sehr verbreitet und erscheint als Busch ohne Luft- wurzeln. Findet sich aber eine Stütze zum Anlehnen: ein Baum, eine Felswand oder Mauer, so erinnert ihre Lebensweise an die des Epheus. Mit Luftwurzeln leicht versehen, legt sie sich dicht an, steigt hohen, alten Kiefern bis zu den Kronen hinan und bedeckt Felswände oft vollständig mit lieblichem Immergrün. In der Mittelmeerregion könnte sie dieselben Dienste verrichten, wie Ficus repens in den Treibhäusern, und das nackte Mauerwerk freundlich kleiden. Auch Shizophragma hydrangeoides S. \& Z., der Shiro-tsuta- no-ki , d. h. »weisse Kletterbaum« der Japaner, empfiehlt sich durch ähnliche Eigenschaften und noch grössere Widerstandskraft. In den Bergwaldungen Japans ist er einer der mächtigsten Kletterer mit be- moosten Stämmen von 40—60 cm Umfang, die sich dicht anlehnen und an Felswänden und alten Bäumen zuweilen 15—20 m hoch emporragen. Viel verbreiteter und beliebter zur Flächenbedeckung, als die vor- erwähnten Arten, ist in der Mittelmeerregion eine prächtige, unbe- wehrte Kletterrose, die Rosa Banksiae R. Br. und Mokoko Japans und Chinas, mit glänzenden, immergrünen Blättern und gefüllten gelben oder weissen Blüthen, welche im Frühjahr am Ende der Zweige in unregelmässigen kleinen Dolden auftreten. Die gelbblühende Varietät ist am schönsten und verbreitetsten und schon bei den Villen der nord- italienischen Seen sehr häufig in schönster Entwickelung zu sehen. In den lauschigen Patios von Cordoba, Sevilla und andern spanischen Städten überzieht sie oft ganze Wände und in den Gärten sieht man sie 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. nicht selten gleich der Wistaria sich durch die Kronen der Zierbäume winden und dieselben mit ihrer Blüthenfülle eigenartig schmücken. Den Nordeuropäer überrascht beim Betreten der prächtigen Gar- tenanlagen der Mittelmeerländer nicht blos die schwellende Fülle des Pflanzenlebens, das bunte Gemisch der Farben und Formen blatt- wechselnder Gehölze mit immergrünen aus allen subtropischen Ländern der Erde, sondern vor allen Dingen der Anblick der Palmen und Bam- busrohre in ihrer freien, kräftigen Entwickelung. Fragt er nach den Heimatländern dieser exotischen Pflanzenformen, so wird er unter den Palmen neben der japanischen Shiro (Chamaerops excelsa Thunb.), welche hier vollständig acclimatisiert ist, Vertreter von fast allen Arten der aussertropischen Gebiete der Erde, unter den Bambusrohren aber vorwiegend japanische Formen finden. Es sind die kleineren Arten und Abarten, welche die Gärtner vornehmlich als Bambusa nigra, B. mitis, B. aurea, B. viridis glaucescens, B. viridis striata, B. Fortuneï, B. pygmaea, B. Kumasasa zu bezeichnen pflegen. Am auffallendsten und schönsten von allen ist unstreitig das Kuro-dake oder schwarze Bambusrohr (siehe auch pg. 272), welches in prächtig ausgebreiteten Gruppen schon am Lago Maggiore mit 6 m Höhe und 3½ cm Durch- messer seine normale Entwickelung erreicht und nach Tschihatchef Tschihatchef: Espagne, Algérie et Tunisie pg. 164. im Jardin d’Essai zu Alger zuweilen innerhalb 24 Stunden um 400 mm wächst. II. Montanindustrie . Zur Ergänzung eigener Beobachtungen und gefälliger mündlicher Mitthei- lungen der Ingenieure Bansa, Reh und Vogel wurden namentlich folgende Arbeiten über den Gegenstand benutzt: 1) Brassert: »Das japanische Berggesetz von 1873«. Zeitschrift für Bergrecht. Bd. XXV (1884) pg. 1 ff. 2) Hagmaier: »Reise nach Kosaka und Aufenthalt daselbst«. Mittheil. d. deutsch. Ges. Ostasiens. Bd. II. pg. 64 ff. 3) Netto: »Ueber japanisches Berg- und Hüttenwesen«. Mitth. der deutsch. Ges. Ostasiens. Bd. II. pg. 367—405. 4) Rösing; »Das Silberbergwerk Innai in Japan«. Zeitschr. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen. Bd. XXXII (1884) pg. 126 ff. 5) Zappe: »Der Bergbau Japans und seine Haupterzeugnisse«. Zeitschr. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen. Bd. XXVII (1879) pg. 204—220. 6) Geological Survey of Hokkaido. Reports by Lyman and by Munroe. 7) Lyman: Geological Surveys of Japan. Reports. Irrige Vorstellungen vom Mineralreichthum Japans. Alte Betriebsweise des Berg- baues und neuere Versuche zur Hebung desselben. Tabellarische Uebersicht der Production nach Menge, Werth und hervorragenderen Gruben. Weitere Notizen über letztere und die einzelnen Producte. Salz- und Alaungewinnung. Producte der Thongruben und Steinbrüche. (Hierzu eine Karte.) Mit dem seit Marco Polo’s Zeiten so viel gerühmten Reichthum Japans an werthvollen Mineralien, und insbesondere an Edelmetallen, stehen die statistischen Nachweise der Erträge des japanischen Berg- baues seit der Restauration in auffallendem Missverhältniss. Lange galt das Land nicht blos bei Chinesen und Arabern, sondern auch in Europa für das Eldorado des fernen Ostens, »das güldene Ophyr«, wie es Kämpfer einmal nennt. Daselbst sollten nach Edrisi die Hunde goldene Halsbänder tragen und, nach Marco Polo, Dächer, Fussböden Allgemeines. und Fenstergesimse des kaiserlichen Schlosses aus reinem Golde be- stehen. »Chipangu ist eine Insel gegen Osten im offenen Weltmeer, 1500 Meilen ent- fernt vom Festlande; und zwar ist es eine sehr grosse Insel. — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — Ich will Euch eine wundervolle Sache vom Palaste des Herrn dieser Insel er- zählen. Derselbe hat nämlich einen grossen Palast, welcher ganz mit feinem Golde überdacht ist, wie unsere Kirchen mit Blei, so sehr, dass es kaum möglich ist, seinen Werth anzugeben. Ueberdies ist das ganze Pflaster des Schlosses und sind alle Fuss- böden seiner Zimmer ganz aus Gold, in Platten so dick wie Steinplatten, gut zwei Finger dick, und die Fenster sind auch von Gold, so dass alles in allem der Reich- thum dieses Palastes alle Grenzen und Vorstellungen übersteigt«. Yule: Marco Polo Vol. II pg. 235. Es ist bekannt, dass Columbus hoffte, auf seiner ewig denk- würdigen westlichen Fahrt zu diesen von seinem Landsmann so gepriesenen Schätzen Chipangu’s zu gelangen. Selbst noch, nachdem man Japan endlich wirklich kennen gelernt hatte, und der Reihe nach von Macao, Manila und Batavia aus mit ihm in Handelsbeziehungen getreten war, schien die bedeutende Aus- fuhr an Silber ein weiterer sicherer Beweis für den Metallreichthum des Landes zu sein. Dieselbe hörte indess im Jahre 1642 ganz auf und wurde von da ab zum Vorteil der Holländer durch diejenige des Kupfers ersetzt. Nach der Wiedereröffnung Japans vor nunmehr 30 Jahren glaubten die Bewohner nur zu gern dieser herrschenden Meinung der Fremden. Zwar lieferten ihre alten Minen nur noch geringe oder keine Erträge; aber das lag doch wohl nur, wie Viele sagten, daran, dass zur Hebung der gemuthmaassten Schätze die vorhandenen und angewandten Mittel nicht ausreichten. Es galt also mit dem alten System zu brechen und sich die reichen Erfahrungen und technischen Hülfsmittel im Bergbau der christlichen Abendländer nutzbar zu machen. So wurden denn der Reihe nach Bergingenieure aus Amerika, England, Frankreich und Deutschland als Berather herangezogen, in der Regel aber nach wenigen Jahren und Ablauf des Contractes wie- der entlassen, sobald man sich überzeugte, dass dieselben nicht in der Lage waren, mit all ihrer Kunst und Erfahrung dem Fiscus oder Pri- vatunternehmern alsbald neue, grosse Einnahmequellen zu sichern Gerade die tüchtigsten und gewissenhaftesten unter ihnen sahen sich umringt von Schwierigkeiten und Hindernissen, ihre Studien und Er- fahrungen den Verhältnissen anzupassen und einen rationellen Betrieb einzurichten. Ich erwähne nur den schwerwiegenden Mangel der Sprachkenntniss und die Unmöglichkeit eines sofortigen directen Ver- kehrs, das Heer unnützer Beamten, welches sie umgab, den Mangel II. Montanindustrie. an geeigneten Verkehrsmitteln Der Mangel an geeigneten Verkehrsmitteln und die grosse Entfernung der meisten Erzgruben von den Steinkohlenbergwerken erschwert und vertheuert die Verhüttung ihrer Producte mehr und mehr; denn da dieselbe aus erwähnten Grün- den in der Nähe erfolgen muss, als Reductionsmittel aber die Holzkohle dient, so ist bei der fehlenden Pflege der Hochwald allmählich im weiten Umkreise um die Grubenfelder verschwunden und man genöthigt, diese Holzkohle aus immer weite- rem Kreise auf Lastthieren herbeizuschaffen, wie dies bereits Hagmaier in dem oben citierten Reisebericht hervorhebt. und dazu die Unstetigkeit und stete Neuerungssucht der Behörde, welche nicht die Zeit abwarten konnte, bis begonnene Reformen durchgeführt und erprobt wurden. Die Japaner hatten ihr Land nach werthvollen Mineralien viel gründlicher durchforscht und die meisten der vorhandenen Gruben viel mehr erschöpft, als bei Beginn der neuen Aera vor etwa 30 Jahren allgemein angenommen wurde. Es ist mir in der That nicht bekannt, dass einer der vielen fremden Bergingenieure irgendwo in der Lage gewesen wäre, neue beachtenswerthe Aufschlüsse und Minerallager zu entdecken. Das Interesse der Nation an der Auffindung und Hebung unterirdischer Schätze war eben schon lange zuvor ein sehr lebhaftes, wie zahlreiche Spuren alter Schürfungen und Gruben im Lande, sowie eine ziemlich reiche Literatur über den Bergbau beweisen. Die meisten der fremden Bergingenieure, welche seit der Perry- Expedition nach Japan berufen wurden, um als Berather und Leiter von Bergwerksunternehmungen zu wirken, kehrten nach Ablauf ihres Contractes enttäuscht zurück. Nur einige, welche es besser ver- standen, der Eigenliebe zu schmeicheln und nebenher mit Beamten und Kaufleuten auf Kosten des Staates gewinnreiche Lieferungsver- träge für Maschinen und andern Bedarf abzuschliessen, hielten sich länger; doch waren gerade diese am wenigsten geeignet, den gesun- kenen Bergbau wieder in Schwung zu bringen. Einer der tüchtigsten deutschen Bergingenieure gab seinen Erfahrungen mit folgenden scharfen, aber wie man mir sagte, ziemlich zutreffenden Worten Ausdruck: »Der Japaner ist eitel, in hohem Grade der Schmeichelei zugängig, unstet, neuerungssüchtig. Im Bergbau werden die unglücklichsten Versuche ge- macht. Mancher fremde Berather gab Unsinn an aus Unverstand; mancher andere schmeichelte der kindischen Eitelkeit, um seine Taschen zu füllen, und fand bereite Helfershelfer, denn auch darin hat der feinere Gauner Spürsinn und Blick, welche dem ehrlichen Manne fehlen«. Wenn wir die jährlichen Nachweise über die Ergebnisse der Mon- tanindustrie Japans seit 1868 überblicken, so erkennen wir leicht, dass in den meisten Fällen die seitherigen Bemühungen nicht vermocht haben, die Erträge erheblich zu steigern. Sie bestätigen nur mein Allgemeines. Minenertrag. früher (Bd. I. pg. 31 und 32) abgegebenes Urteil, dahin gehend, dass das heutige Vorkommen der meisten Metalle, wie Gold, Silber, Zinn, Blei, Zink, Quecksilber, ein sehr bescheidenes ist und sich mit dem- jenigen in manchen andern Ländern nicht messen kann, dass Kupfer und Antimon in grösserer Menge gefunden werden, Japan aber nur an Kohlen und Eisen wirklich reich ist. Offenbar waren in früherer Zeit die Gold- und Silberminen viel ertragreicher; sie wurden aber während der Tokugawa-Herrschaft all- mählich erschöpft, soweit dies nach früherer Betriebsweise möglich war. Denn, wenn auch die Schätzungen und Angaben über die ehe- malige Metallausfuhr (namentlich über die des Goldes zur Zeit des portugiesischen Verkehrs) sehr übertrieben sind und eine nüchterne Kritik nicht aushalten, so geht doch unter anderm aus den Mitthei- lungen von E. Kaempfer E. Kämpfer’s Gesch. u. Beschreib. von Japan II. Bd. Lemgo 1779 pg. 89—122. deutlich hervor, dass die Holländer in den Jahren 1600—1641 von Hirado aus durchschnittlich jährlich 1200 bis 1400 Kisten Silber ausführten, im Werthe von 1200000—1400000 Taels oder 7200000—8400000 Mk., dass sie ferner in der darauf- folgenden Periode Kupfer statt Silber für ihre Waaren in Tausch nah- men und zur Ausfuhr brachten, und zwar 12—20000 Pikuls im Jahre, entsprechend 720000—1200000 kg. Umgerechnet macht dies jährlich 45—52 Tonnen Silber und 720—1200 Tonnen Kupfer, demnach sehr beträchtliche Mengen für die damalige Zeit. Nach der Regierungsstatistik, die aber bezüglich der Privatgruben keinerlei Anspruch auf Zuverlässigkeit machen kann, betrug in den Jahren 1877—1881 die durchschnittliche Ausbeute Japans an Silber 11,64 Tonnen, dagegen an Kupfer 8900 Tonnen jährlich. Hiernach würde in neuerer Zeit Japan in einem Jahre nur den vierten Theil der Silbermenge gewinnen, die es ehemals zur Ausfuhr brachte. Die erwähnte Menge Kupfer scheint sehr übertrieben; denn im Jahre 1874 gab G. Hochstetter, der damalige Leiter und Berather im Oberbergamt, die Kupferproduction nur zu 3000 Tonnen an und drei Jahre später schätzte sie Netto auf 75423 Ctnr., also noch nicht ganz 4000 Tonnen. Bevor ich jedoch auf den gegenwärtigen Stand des japanischen Bergbaues etwas näher eingehe, dürfte ein kurzer Rückblick auf seine frühere Betriebsweise, sowie die Art der Aufbereitung und Verhüttung am Platze sein. Wie fast überall, so war auch die Gewinnung der Erze und Kohlen in Japan früher ein Raubbau, der so lange verfolgt wurde, als die Grubenwasser es zuliessen und die Erträge einen klei- nen Gewinn abwarfen. Der Aufschluss und Abbau erfolgte lediglich II. Montanindustrie. durch Stollen oder Ogiri , die je nach dem Streichen des Ganges bald an-, bald abstiegen, aber auch durch das Quergestein getrieben wur- den, um einen Aufschluss zu bewirken. Die Förderung fand theils auf demselben Wege, theils durch die sogenannten Schornsteine oder Kemuri-dashi statt, welche aber nicht mit der unbekannten Schacht- anlage zu verwechseln sind. Es sind diese Kemuri nämlich nicht etwa einfache glatte Oeffnungen, welche direct zur Teufe führen, sondern eigenthümliche Stollenanlagen, welche steigen und fallen, sich winden, erweitern oder verengern, je nachdem ihnen festes Gestein entgegen- tritt und umgangen wird, oder taubes Gestein, abbaufähige Gänge und Lager sich finden, die weggeräumt werden. In vieler Hinsicht erin- nert dies an die irrationelle beschwerliche Betriebsweise des Bergbaues der Römer, aber während diese dazu Gefangene und Sclaven verwendeten, wird noch jetzt in Japan ein Theil der beschwerlichen Arbeit, nämlich die Förderung, von Frauen und halberwachsenen Kindern verrichtet. In den römischen und karthagischen Bergwerken kamen wenigstens Haspelvorrichtungen zur Hülfe; in Japan wurde dagegen das ganze Ma- terial, Erz oder Kohle und taubes Gestein, in Körben oder Strohsäcken, auf mühevolle Weise auf dem Rücken zur Halde getragen. Der Name Ke- muri-dashi — Schornstein — für diesen obersten Förderungsstollen deutet übrigens darauf hin, dass er auch als Wetterführung dient und durch ihn die Ventilation vor sich geht. In gleicher Weise dient der un- terste, tiefste Stollen vornehmlich zur Entfernung des Grubenwassers und wird desshalb gewöhnlich Midzu-nuki , Wasserabfluss, genannt. Von der Stollensohle aus wurde seit- und abwärts weiter gearbeitet, so lange das gesuchte Mineral sich vorfand und die Bergwasser es zuliessen. Da bei diesem Bergbau keinerlei Maschinen mit Ausnahme sehr unzweckmässiger Handpumpen zur Verwendung kamen und auch die Werkzeuge und sonstigen Hülfsmittel auf wenige beschränkt blie- ben, so muss die Tiefe von 700—800 Fuss (212,3—242,6 m) und die Stollenlänge von 10000 Fuss oder 3033 m, bis zu denen man vorge- drungen ist, immerhin überraschen. Bei den Arbeiten fehlten die eigentlichen Schlegel vollständig; dieselben wurden fast nur mit Hülfe der Spitzhacke, Brechstange und stählerner Keile ausgeführt und beschränkten sich — da auch Spreng- mittel nicht in Anwendung kamen — natürlich auf die nothwendigsten engen Räume. So sind denn die meisten Stollen und kurzen Strecken sehr eng und niedrig. In früherer Zeit, als die Umgebungen der Berg- werke noch Holz in Fülle lieferten, pflegte man den Abbau durch das Feuersetzen zu fördern, wie dies vor 20 Jahren noch in den nor- wegischen Gruben, z. B. in Kongsberg, geschah. Nach Netto soll jetzt Bergbau und Aufbereitung. Schiesspulver als Sprengmittel in japanischen Bergwerken allgemein zur Verwendung kommen. Die Einführung desselben datiert aber erst aus dem Jahre 1862, wo der Nordamerikaner Pumpelly als Rath- geber der Regierung des Shôgun in Bergbauangelegenheiten nach Japan kam. Zu den primitivsten und mangelhaftesten Einrichtungen japani- scher Bergwerke gehört unstreitig die Wasserhaltung, bewirkt durch eine schlechte Sorte Handsaugpumpen, welche vielfach ganz unzu- reichend sind, so dass schon oft eine Grube verlassen werden musste, weil man ihrer Wasser nicht Herr wurde. Zu diesen Mängeln gesellte sich vielfach der Grubenbetrieb durch Contractwirthschaft und ver- mehrte den planlosen Raubbau. Der Grubenbesitzer besorgte Einrich- tung und Wasserhaltung und übte eine schwache Aufsicht, während der Unternehmer die Gewinnung, Aufbereitung und Verhüttung übernahm. Die Aufbereitung der zu Tage geförderten Erze wird ohne Ma- schinen bewirkt und fällt ausschliesslich Frauen- und Kinderhänden zu, deren man sich ja auch in Europa für solche Arbeiten viel bedient. Zunächst findet die bekannte Handscheidung zur Trennung der reiche- ren Erze von den ärmeren statt, sodann werden letztere mittelst eines Hammers oder im Stampftroge (siehe pg. 53), wie er zum Reisschälen verwendet wird, weiter zerpocht. (Es gibt jedoch auch vollkommenere Stampfvorrichtungen auf demselben Princip wie unsere mit Wasser und einem oberschlächtigen Rade als treibender Kraft.) Man trennt hierauf das schwerere, bessere Erz von dem leichteren Pochgut durch eine Art Setzarbeit mit Hülfe des Wassers und bereitet es so zum Rösten und Schmelzen vor. Golderze dagegen pflegt man nach der Handscheidung in Handmühlen unter Wasserzufluss zu mahlen und das Waschgut über schräg liegende, mit Querrinnen versehene Bretter abfliessen zu lassen, wobei denn die goldführenden schwereren Partieen in den Rinnen sich absetzen. Die sulfatisierende Röstung oder Calcinierung der aufbereiteten geschwefelten Erze erfolgt nicht in Stadeln oder offenen Haufen, son- dern in mit Steinen und Lehm aufgebauten Yaki-gama oder Rost- öfen. Diese erheben sich in der Regel auf kreisförmiger Basis von 4—6 Fuss (121—182 cm) Durchmesser 4 Fuss (121,32 cm) hoch und sind an einer Seite mit Luftlöchern versehen. Zum Schmelzen der verschiedensten Erze dient dieselbe Vorrich- tung, ein kleiner, einfacher Ofen oder Schmelzherd, O-doko oder Fuki-doko (grosses oder Gebläse-Bett) genannt, mit einem seitlich angebrachten Hand-Kastengebläse, dem O-fuigo , das ein Mann be- dient, ebenso wie für den Schmelzherd eine Person ausreicht. Dieser II. Montanindustrie. Herd ist eine flache Grube von 12—15 cm Tiefe und 40—50 cm Durch- messer, etwa 30 cm dick mit Gestübbe ausgestampft, das auf Sand ruht. Die ihn umgebende Brandmauer ist ein aus dünnen Aesten hergestelltes Flechtwerk, welches mit Lehm dicht überzogen wurde. Als Reductionsmittel bei der Beschickung dient die Holzkohle. Be- züglich des weiteren Details über die Verhüttung und ihre Resultate sowie des Bergbaubetriebes überhaupt verweise ich hier auf die oben citierten, lehrreichen und verdienstvollen Arbeiten von Rösing und Netto, denen auch Bemerkungen über das japanische Berggesetz bei- gefügt sind. Der ebenfalls angeführten, interessanten Schrift von Berg- hauptmann Brassert, welche diesen Gegenstand ausführlicher behandelt, ist zu entnehmen, dass Japan im Jahre 1873 n. Chr. (6. Jahr Meiji) sein erstes allgemein gültiges Berggesetz erhielt, welches im wesent- lichen dem deutschen nachgebildet wurde, aber der Regierungswillkür grossen Spielraum lässt. Nur Bausteine, Sand, Kies, Kalk, kurzum Substanzen, welche Bau- und landwirthschaftlichen Zwecken dienen, gehören dem Grundeigenthümer. Bergbauobjekte und Staatseigenthum sind dagegen alle Metalle und ihre Erze, die brennbaren Fossilien, Steinsalz, Phosphorit und Edelsteine. Die Regierung hat darüber freies Verfügungsrecht, welches sich jedoch nur auf Unterthanen des japa- nischen Reiches erstreckt. Die Betheiligung fremden Capitals bleibt im Bergbau wie in der Landwirthschaft nach wie vor ausgeschlossen. Weitaus die meisten und vielfach gerade die besten Gruben be- finden sich jetzt im Besitz und Betrieb von Privaten. In neuerer Zeit hat die Regierung sogar mehrere ihrer besten Minen, nachdem sie deren Betrieb mit Hülfe von Ausländern neu organisiert hatte, zu ver- hältnissmässig niedrigen Preisen veräussert. Offenbar findet sie ihre Verwaltungs- und Betriebsweise zu kostspielig und die jährlichen Ein- bussen zu gross, um dieselben fortzuführen. Das Bergwesen ist dem Kobushô oder Ministerium für öffent- liche Arbeiten unterstellt, und bildet darin unter der Benennung Ko- zan-kiyoku eine besondere Abtheilung. Dieses Oberbergamt steht den acht Bun-kiyoku , Zweig- oder Minenämter des Landes vor. In der nachstehenden Tabelle A gebe ich eine Uebersicht der Er- träge des japanischen Bergbaues während der 5 Jahre 1877—1881 nach Momme für Gold und Silber und Kuwan-me (sprich Kamme) für die übrigen Producte, während die Liste B die bedeutenderen Gruben des Landes, geordnet nach ihren Wertherträgen im Jahre 1882, anführt. Ich verdanke beide einem jungen Freunde, dem tüchtigen und strebsamen Bergingenieur Kurimoto im Oberbergamte, der einen Theil seiner Ausbildung auf der Bergakademie zu Freiberg erhielt. Tabellarische Uebersicht der Production nach Menge etc. Hierbei ist daran zu erinnern, dass 1 Kuwan-me = 1000 Momme = 3756,5 Gramm und 1 yen = 1 Dollar oder 4 Mk. Reichsmünze zu rechnen ist. Tabelle A. a) Production der Regierungsgruben . Tabelle B. Werth der Production der hauptsächlichsten Minen im Jahre 1882. * bezeichnet Gruben in Privatbesitz. Rein , Japan. II. 23 II. Montanindustrie. Tabellarische Uebersicht der Production nach Menge etc. Gold , jap. Kin, Ko-gane und Ôgon , kam nach Kämpfer vor- nehmlich von Sado und Suruga. In seinen ursprünglichen Lagerstätten hat man es bislang meist nur in geringer Menge gefunden, deren Ge- winnung selbst bei rationellster Methode oft kaum die Kosten decken würde. Auch das Waschgold der Flüsse von Yezo, Suruga und Kai soll in so unbedeutender Menge vorkommen, dass es nur den beschei- densten Tagelohn abwirft. Die altberühmten Gold- und Silbergruben der Insel Sado waren früher im Besitze der Tokugawa-Shôgune, wurden von Sträflingen be- arbeitet und lieferten reiche Erträge. Diese Minen liegen im Westen der Insel unweit der Hauptstadt Aikawa in einem engen steilwandi- gen Thale (siehe Karte) 220 m über der See. Das Erz findet sich nach Reh in Quarzgängen, welche im Quarzitfels aufsitzen und von W. nach O. streichen. Ihre Mächtigkeit schwankt zwischen 60 cm und 6 m. Sie führen fein eingesprengte Sulfide von Silber, Kupfer und Blei, sowie geringe Mengen gediegenes Gold und Silber, und waren 1874, als Ingenieur Reh die Leitung der Gruben übernahm, in bedeutender Erstreckung aufgeschlossen, lieferten aber in jenem Jahre nur 83365 yen Gold und Silber. Aus dem Gebiete des Haya-gawa in Kai (Nebenfluss des Fuji- kawa) zeigte man mir s. Z. in Kôfu einige schöne Stufen goldführen- den Quarzes; doch ist mir ein Grubenbetrieb auf Gold in jener Gegend nicht bekannt. Zu Serigano , 2½ ri von Sendai in Satsuma entfernt, lernte ich 1875 ein ähnliches Vorkommen von gold- und silberhaltigem Quarz 23* II. Montanindustrie. kennen, wie das auf Sado. Die Gänge führen auch etwas Quecksilber, sind aber im ganzen sehr arm. In früheren Zeiten sollen die Daimiôs von Satsuma jedoch viel Edelmetall daraus gezogen haben. Ferner wurde das Gold- und Silberbergwerk von Yamagano in Ôsumi, dessen Ertrag jetzt sehr unbedeutend ist, lange Zeit für eine der reichsten Goldgruben des Landes gehalten. Silber , jap. Gin oder Shiro-gane (Weissmetall), kommt viel häufiger und in weit belangreicheren Mengen vor, als sein edlerer Genosse, und zwar in der Regel in Schwefelverbindungen, als Silber- glanz, Sprödglaserz und Rothgültigerz. Das Zugutmachen derselben erfolgt auf verschiedene Weise, in der Regel nach alter Art durch Zu- sammenschmelzen des gerösteten Erzes mit Blei (Verbleiern) und Ab- treiben des rohen Werkbleis. Ikuno, Sado, Kosaka, Innai, Mandokoro und Ani gelten für die besten Silberminen Japans. Folgen wir jedoch unserer Liste, so ordnen sich dieselben und andere nach ihren Erträ- gen von 1882 in folgender Weise: a. Kamioka in Hida, auch Kupfer führend. Der Ertrag der Mine für 1882 mit 351701 yen ist höher als 10 Jahre zuvor, wo nach einer andern Angabe die Provinz in 2 Bergwerken 29760 Unzen Silber und in drei andern 156 Tonnen Kupfer lieferte. b. Sado , schon beim Golde erwähnt. c. Kosaka , Provinz Ugo (Akita-ken), in der Nähe des oberen Noshiro-gawa und der Grenze von Rikuchiu und Mutsu unter 40° N. gelegen, ein altes Bergwerk in sehr entlegener Gegend. Das Silber ist goldhaltig. d. Ani liegt ebenfalls in Ugo etwas südlicher von vorigem, näm- lich unter 39° 55' N. und 140° 30' O. Gr. (nach C. von Weyhe 39. Heft der Mittheil. der deutsch. Gesellsch. Ostasiens), liefert mehr Kupfer als Silber. e. Hamda im nordöstlichsten Theile von Iwashiro, nördlich der Stadt Fukushima. f. Ikuno im Süden der Provinz Tajima führt neben Silber auch ansehnliche Mengen Gold und Kupfer, befindet sich auf der Wasser- scheide zwischen Japanischem Meer und Seto-uchi und wurde 9 Jahre hindurch von dem Franzosen Coignet vortrefflich verwaltet, so dass es zu den wenigen Bergwerken mit Regierungsbetrieb gehörte, welche Ueberschüsse lieferten. So gab es beispielsweise 1877/78 einen Rein- ertrag von 70000 yen; doch hatte keins der folgenden Jahre ein gleich günstiges Resultat aufzuweisen. Damals waren in dieser Grube über 1000 Menschen, darunter ein Dutzend Franzosen, beschäftigt. Der Ort, früher ein Dorf mit kaum 1000 Bewohnern, hatte sich zu einem Gold, Silber und Kupfer. Städtchen mit der sechsfachen Bevölkerungsziffer emporgeschwungen. Nach Coignet befinden sich die Minen 360 m über dem Meeresspiegel und sinkt hier die Temperatur ausnahmsweise bis auf — 14°C. Es folgt nun: g. die Grube Kuratoko in der Provinz Harima, welche neben Silber ebenfalls etwas Gold liefert, sodann: h. Innai in Ugo. Nach der oben angeführten hochinteressanten Abhandlung von Rösing über diesen Minenbezirk befindet sich der Hauptort Gin-san-machi (Silberbergstadt) im Kreise Okatsu (Oka- tsu-gori) des Akita-ken unter 38° 57' N. und 140° 36' O. Gr., nördlich von Yamagata, 235 m über der See. Hier wird seit bald 300 Jahren (nach Rösing eröffnete man den Bergbau im Jahre 1599) Silber, etwas Gold und Blei gewonnen. Man findet vornehmlich Silberglanz, dann Sprödglaserz und dunkel Rothgültig in Gängen, welche in vulkani- schem Tuff auftreten, als Gangart Quarz und Kalkspath führen und stellenweise mehrere Meter mächtig sind. Die gewöhnlichsten und so oft vergesellschafteten Metallsulfide: Schwefelkies, Kupferkies, Zink- blende und Bleiglanz fehlen auch hier nicht, treten aber nur in ge- ringer Menge auf. Die Silbererze enthalten 0,1—10 %, im Durch- schnitt jedoch 2½ % Silber und 1 % Blei. Das daraus gewonnene Werksilber liefert 1 % Gold. Die Gruben von Innai wurden von der Regierung vor einigen Jahren für den billigen Preis von 75000 yen an einen Privatmann in Tôkio verkauft, ebenso das grosse Kupferwerk Ani für den doppelten Betrag. i. Omodani , das nun folgende Silber- und Kupferbergwerk befin- det sich in der Provinz Echizen nahe der Grenze von Mino und Kaga. Die übrigen noch erwähnten Silberbergwerke liefern nur sehr geringe Erträge. Kupfer, Dô oder Aka-gane (Rothmetall), bildet seit dem Jahre 1642 einen hervorragenden Ausfuhrartikel Japans, der namentlich auch seiner Reinheit wegen sich eines guten Rufes erfreut. Dem Werthe der jährlich gewonnenen Menge nach folgt es unmittelbar auf die Stein- kohle. Man findet es selten gediegen, oder im oxydierten Zustande. Unter seinen Sckwefelverbindungen ist Kupferkies das vorwiegende Erz, aus dem wenigstens 9/10 alles japanischen Kupfers gewonnen werden. Die gerösteten Erze (Kupferkies, Kupferglanz, Buntkupfererz etc.) pflegt man mit Eisensteinen oder metallischem Eisen zu gattieren und im kleinen Gebläseofen mittelst Holzkohle zu reducieren. Die Gewinnung des Bleis aus Bleiglanz findet in analoger Weise mit Hülfe von Eisen und Kohle, als Reductionsmitteln, statt. Siehe Pumpelly: Across Ame- rica and Asia pg. 147. Ist der II. Montanindustrie. gewonnene Kupferstein silberhaltig, so wird er weiter mit Blei zu- sammengeschmolzen, welches das Silber und etwas Kupfer aufnimmt, und dann zur Reindarstellung des Silbers die bekannte Veränderung auf dem Treibherde durchzumachen hat. Dieses Verfahren sah ich u. A. zu Hachiman in Mino einschlagen. Weitaus die meisten und vor allen Dingen die besten japanischen Kupfergruben sind in Privat- händen. Der enorme Preisrückgang des Kupfers während der letzten vier Jahre ist auch auf die Production und Rentabilität japanischer Kupferminen nicht ohne Einfluss geblieben. Unsere Tabelle B. führt als ertragreichste von allen Erz- bergwerken des Landes die Kupferminen von Beshi in Iyo auf der Insel Shikoku an. Es ist der im ganzen Lande seinem Renommé nach wohlbekannte Dô-san oder Kupferberg, welcher schon sehr lange ausgebeutet wird. Auf diese Gruben folgen diejenigen von Zomeki in Nagato, über die mir nichts weiter bekannt ist. Dasselbe gilt von den in der Liste sich anschliessenden Minen von Kusakura in Echigo. Tatesato in Yamato, Arakawa in Ugo, Nakasô in Bitchiu, sowie Takidani in Echigo. Der letztgenannten Grube geht in der Liste Ashio in Shimotsuke unmittelbar voraus. Dieses Berg- und Hütten- werk befindet sich 6 ri von Nikkô, ist schon sehr lange (seit 1610 nach Lyman) im Betrieb und dürfte der von Kämpfer unter dem Namen Asingo angeführte Kupferlieferant sein. In Nikkô sah ich rosafar- bige Bergkrystalle von dort und hörte, dass die Hütte im Jahre 1873 neben 500 Tonnen Kupfer 20000 kg Kupfervitriol geliefert habe, Mengen, welche indess sehr übertrieben zu sein scheinen. Siehe Lyman: Geological Survey of Japan. Reports 1878—79. In dem- selben Gebiete (Oberlauf des Noshiro-gawa) von Katsuno des Akita- ken, welchem die schon erwähnten Siberminen von Ani und Kosaka angehören, befindet sich auch die Kupfermine von Osarusawa . Dieselbe galt noch vor 12 Jahren für eine der reichsten Japans. Sie liegt 24 ri nordwestlich von Morioka in Nambu, wohin durch Last- thiere das Kupfer gebracht wird, um dann in flachen Booten den Kita- kami-gawa hinunter nach Ichinomaki und von hier zur See nach Tôkio zu gelangen. Im Herbst 1874 begegnete ich auf dem Wege von Morioka nach dem Ganju-san vielen mit solchem Kupfer beladenen Pferden und Ochsen und hörte dann am folgenden Tage, dass abermals 39 Pferdelasten davon zur Verschiffung angekommen seien. Unser Verzeichniss weist noch eine grosse Anzahl anderer Kupfer- werke in den verschiedensten Landestheilen auf und liefert damit den Kupfer, Blei, Zinn und Eisen. Beweis, dass unter allen Metallen Kupfer in der That die weiteste Verbreitung hat. Blei , Yen oder Namari . Das bescheidene Vorkommen dieses Metalls ergibt sich aus den beiden vorliegenden Verzeichnissen. Die japanischen Bleibergwerke — sie bauen auf armen Bleiglanz — decken bei weitem nicht den einheimischen Bedarf. Man gewinnt Blei neben Silber und Kupfer zu Kamioka in Hida, Hatasa in Mino Sunagose in Mutsu. Pumpelly erwähnt der Bleigrube von Ichinowatari in Ôshima auf Yezo, welche er 1863 kennen lernte, und hebt hervor, dass dieselbe damals täglich etwa 80 Pfund Blei geliefert habe, drei Jahre früher aber 100 Pfund. Zinn , jap. Shaku oder Sudzu . Hiervon gilt im wesentlichen das vom Blei Gesagte. Es findet sich ebenfalls nur in spärlicher, nicht aus- reichender, Menge als Zinnsand und zwar fast nur auf der Insel Kiushiu. Unser Kärtchen verzeichnet Tani-yama in Satsuma, welches 1882 für nahezu 80000 Mark Zinn lieferte, sowie Ohira-tetsu-san in Bungo. Eisen , jap. Tetsu und Kuro-gane , d. h. schwarzes Metall. Die Production des Landes an diesem Metall ist immer noch gering und deckt nicht den Bedarf. Es wird vornehmlich aus Eisensand, dann aber auch aus Magneteisenstein gewonnen. Ersterer ist ein viel ver- breitetes Anschwemmungsproduct der Küste, wie nicht minder des Binnenlandes. Am häufigsten und in grösster Menge dürfte er in den Provinzen Iwami, Izumo, sowie den angrenzenden Theilen von Bingo und Mimasaka gefunden werden. Die Magneteisensteinlager und Eisenwerke von Kamaishi in der alten Landschaft Nambu (Provinz Rikuchiu) sind die bedeutendsten des Landes. Wir finden dieselben unter etwa 39° 18' N., 5 ri west- lich von Bucht und Stadt Kamaishi am Stillen Ocean; sie sind durch eine schmalspurige Bahn mit dem Hafen verbunden. Die Lager treten vornehmlich in der Wasserscheide zwischen Kitakami und Bucht von Kamaishi in einem Umkreise von 3 ri an mindestens 1 Dutzend Stellen auf, und zwar in Diabasgestein, begleitet von Granatfels. Die meisten Lager scheinen sich nach dem Tag auszukeilen. Einige zeigen hier eine Mächtigkeit von 40—45 Metern. Der Magneteisenstein ist oft ver- unreinigt mit Eisen- und Kupferkies und einem Anflug von Malachit und Lasur. Er ist dann grobkörnig und zerfällt leicht an der Luft. Die bessere Sorte ist frei von jenen Beimischungen, feinkörnig und compact. Durch Rösten lässt sich der grösste Theil des Schwefels entfernen und ein sehr gutes Eisen gewinnen, wie dies schon seit 35—40 Jahren, wo man das Vorkommen zuerst entdeckt haben soll, zu Ohashi und Sahinai geschieht. Wie man mir sagte, legte hier II. Montanindustrie. schon vor 25 Jahren ein Japaner nach holländischen Zeichnungen Hoh- öfen an. Ich sah dieselben im Betrieb. Es war die alte Construction, ohne Verwerthung der Gichtgase und mit primitivem Gussverfahren in flache Brode auf Sand. Von den beiden Orten und Hohöfen befindet sich Ohashi auf der Ostseite und Sahinai auf der Westseite der be- waldeten Höhen, welche jene Wasserscheide bilden. Während der letzten 10 Jahre trug sich die japanische Regierung bezüglich dieser Eisensteinlager mit grossen Projecten. Man wollte aus Kamaishi ein zweites Essen machen mit oder ohne Krupps Hülfe. Daraus ist nun freilich nichts geworden. Vor 11 Jahren, als ich die Vorkommnisse sah, war man mit Anlage einer 5 ri langen schmalspurigen Bahn von den Lagerstätten bei Ohashi nach dem Hafen beschäftigt, sowie mit Errichtung zweier Hohöfen nach neuesten Principien. Dieselben sind schon lange in Thätigkeit, ebenso ein Puddelofen. Die Werke befinden sich jetzt ebenfalls in Privathänden, nachdem die Regierung vergeb- lich sich bemüht hat, sie mit Hülfe fremder Ingenieure in Schwung zu bringen. Man wollte die immer schwerer zu beschaffende Holzkohle durch Cokes ersetzen und machte behufs Darstellung der letzteren mit den einheimischen Steinkohlen manche, aber meist misslungene Versuche. Zu Nakakosaka in der Provinz Kotsuke wurde durch engli- sche Ingenieure ebenfalls ein Holzkohlen-Hohofen angelegt, der aber den Besitzern bis jetzt keinen Nutzen gewährte. Das ältere Schiefergebirge, welchem die meisten Lagerstätten der japanischen Erze angehören, birgt in seinen Quarzitgängen neben Kupferkies auch die Sulfide des Eisens zuweilen in grösseren, tech- nisch verwerthbaren Mengen, und zwar soll (nach mündlichen Mitthei- lungen von Herrn Grubendirector Vogel in Freiberg) Magnetkies im allgemeinen viel häufiger auftreten als Schwefelkies, so z. B. in dem Grenzgebiete von Bitchiu, Bizen und Mimasaka, woselbst die Kupfer- werke von Ichigami, Nakasô und andere sich befinden. Dass man diese Schwefelverbindungen des Eisens schon zur Gewinnung von Schwefelsäure verwendet hätte, ist mir nicht bekannt, wenigstens ge- schieht es nicht in der Münze von Ôzaka, woselbst die Darstellung dieser wichtigen Flüssigkeit vor etwa 20 Jahren zuerst in Japan ein- geführt wurde. Dagegen kannten die Eingebornen schon lange die Bereitung des Beni-gara oder Eisenroths (Colcothars), die sie wahr- scheinlich den Chinesen entlehnt hatten, und benutzten dazu die mas- senhafteren Vorkommnisse des Magnet- und Eisenkieses, wie sie es noch heute thun; denn Beni-gara spielt nicht blos eine Rolle in ihrer Heilkunde, sondern wird auch in verschiedenen ihrer Industriezweige, Eisen, Zink. so namentlich in der Porzellanmalerei, viel angewandt. Zu seiner Ge- winnung wird das Schwefeleisen zunächst geröstet, dann das Röst- product mit Wasser ausgelaugt, Eisenvitriol auskrystallisiert, darauf geglüht. Die Farbe des Beni-gara ist um so lebhafter und schöner roth, je reiner der dazu verwendete Eisenvitriol war und je gründlicher und sorgfältiger der geglühte Rückstand zerrieben wurde. — Die Manganoxyde und ihre Verwendungen haben die Japaner erst in neuerer Zeit kennen gelernt und für dieselben auch die euro- päischen Namen angenommen. Das wichtigste, der Pyrolusit, findet sich an mehreren Stellen, vornehmlich östlich von der Stadt Utsu- nomiya an der Grenze von Shimotsuke und Iwaki. Zink , jap. Totan , tritt spärlich als Zinkblende auf, Nickel wurde bis jetzt nicht gefunden und Kobalt nur in einer geringwerthi- gen, für Japan aber dessen ungeachtet früher wichtigen Verbindung, dem Erdkobalt . Die Japaner nennen denselben Guwa-sho-seï oder Goshu , und nach seinem Vorkommen wohl auch Seto-konjo , d. h. Seto-Blau, die daraus bereitete blaue Farbe aber Yegusuri . Meinem Tagebuch über den Besuch des Porzellandistriktes von Seto in Owari entnehme ich bezüglich dieses Gegenstandes das Folgende: Interessant ist die blaue Kobaltglasur. Die Farbe wird von einem schwarzen erdigen Mineral (offenbar eine Art Asbolan) gewonnen, welches als Bindemittel einer Quarzbreccie dient und 6 Cho (etwa 10 Minuten) vom Orte Seto sich findet, sowie an mehreren anderen Stellen der Umgebung und zwar in diluvialem Kieselgeröll. Die Leute legen kurze Stollen in diese Geröllmassen an, ohne jede Verzimme- rung oder sonstigen Stützbau, bis sie an Stellen kommen, wo das Mi- neral sich nesterweise findet. Sie tragen es in flachen Körben heraus und schütten es auf eine schiefe Ebene. Sand und feinerer Kies blei- ben oben liegen, die Breccienknollen aber, welche nur ausnahmsweise die Dicke einer Faust erreichen, rollen hinunter und werden hier von Frauen und Kindern ausgelesen und sondiert, darauf an die Porzellan- fabrikanten verkauft. Die Kobaltfarbe wird daraus in folgender Weise dargestellt: Man erhitzt das gewaschene Material so lange, bis das Bindemittel eine pfirsichrothe Farbe angenommen hat, pulverisiert es sodann und schlemmt es, beseitigt aber zuvor die werthlosen Steine. Der obere, im Wasser gelöste Theil wird mit Salzwasser ausgefällt, der Niederschlag ausgewaschen und dann verwendet. Es ist nicht ohne Interesse, dass der chinesische Name Go-shu wörtlich »Kieselgeröll von Go« (der Provinz Kiangsu, worin Nanking gelegen) bedeutet. Wir sind wohl berechtigt, daraus den Schluss zu ziehen, dass auch in China Erdkobalt in II. Montanindustrie. Antimonit oder Grauspiessglanzerz , jap. Shirome-ko und Iyo-shirome-ko , d. h. Antimonerz von Iyo, wurde seinem Wesen und Werth nach erst in neuerer Zeit den Japanern näher be- kannt. Früher wussten sie nämlich mit demselben, das vornehmlich in dem alten Schiefergebirge der grösseren südlichen Inseln auftritt — und zwar von Amakusa durch Kiushiu und Shikoku —, nichts anzu- fangen; jetzt bildet es einen immerhin beachtenswerthen Ausfuhrarti- kel. Ueberdies liefert die reichste Antimongrube des Landes, diejenige von Ôjôin-mura in Iyo auf der Insel Shikoku nämlich, seit einigen Jahren unsern Mineraliensammlungen die grössten und schönsten Spiess- glanzkrystalle, die man kennt. Unsere Liste B. gibt den Werth der Ausbeute dieser und anderer benachbarter Antimongruben für das Jahr 1882 zu 456652 Mark an. Das Bergwerk befindet sich südöstlich der Stadt Saijio und nicht weit von den Kupferminen von Besshi. Aber auch in andern, besonders südwestlichen Theilen von Iyo und der Nachbarprovinz Tosa gibt es Antimongruben. Auf Kiushiu trifft man solche in Bungo, Hiuga und Higo. Auch weist die Insel Amakusa mehrere solcher Antimonglanzgänge auf. Ich sah 1875 denjenigen bei Takahama nahe der Westküste. Derselbe hatte eine Mächtigkeit von 16—20 cm. Anderseits erstreckt sich das Vorkommen des Antimons, der Richtung jenes ausgedehnten südlichen Schiefergebirges (Bd. I. pg. 32) folgend, in nordwestlicher Richtung auch über Theile von Kiushiu und Yamato auf Hondo. Steinkohle, Sekitan oder Ishi-dzumi . Kein anderer Gegen- stand der japanischen Montanindustrie, das Kupfer vielleicht ausge- nommen, findet sich an so vielen Stellen, von den Riukiu-Inseln bis nach Yezo, keinem andern ist in den letzten 20 Jahren so viel Auf- merksamkeit zugewandt worden, als der Steinkohle, noch zeigen Menge und Werth der jährlichen Förderung bei irgend einem andern eine so stetige Zunahme, wie bei ihr. In der Güte steht die japanische Kohle freilich, wie alle ostasiatischen Steinkohlen, soweit man sie näher kennt, der englischen und rheinischen weit nach. Sie gehören nach dem Urteil aller Sachverständigen, zu denen man ja wohl in erster Linie die Maschinisten und Heizer der Dampfmaschinen zählen muss, zur Gruppe der sogenannten Fettkohlen, erzeugen viel Rauch, be- schmutzen den Kessel, haften an dem Feuerungsrost und hindern da- ähnlicher Weise als Cement für Kieselgeröll vorkam und die blaue Kobaltfarbe der Keramik lieferte. Diese so beliebte Farbe ist aber jedenfalls eine der älte- sten, welche zur Verzierung des Porzellans in beiden Ländern verwendet wurde. Antimonit, Steinkohle. durch den Zug, backen also leicht zusammen, ohne indess gute, klin- gende Cokes zu liefern. So berichtet z. B. Lt. Robertson von der Perry-Expedition: »Die Kohle, welche wir in Nagasaki erhielten, war von vierter Qualität, geringer als australische und amerikanische Kohle, welche uns in Hongkong geliefert wurde. Sie machte viel Schlacke und schmutzige Asche, die Feuer mussten oft geschürt werden. Wir brauch- ten 23 Tonnen täglich an Stelle von 18 Tonnen guter englischer Koh- len. Diese Kohlen (von Takashima) müssen trocken eingenommen werden, da im nassen Zustande leicht Selbstentzündung eintritt.« Die japanische Kohle ist ihrem Alter nach grösstentheils, wenn nicht allenthalben, Tertiärkohle und ihrer Entstehung nach lacustrische Bildung. Auf ihr jugendliches Alter weisen die zahlreichen Blattab- drücke von Laubhölzern in den sie begleitenden Schiefern hin; aber ihr Aussehen und ihre Eigenschaften sind die der Steinkohlen und nur ausnahmsweise erinnern sie an Braunkohlen. So ist es auch mit der Kohle von Diu auf Sachalin, welche s. Z. der jetzige Akademiker F. Schmidt in Petersburg und sein Begleiter von Glehn untersuchten. Ebenso schreibt ein Correspondent des »Ex- port«, Export VI. Jahrgang Nr. 51. Berlin 1885. nachdem er in obigem ungünstigem Sinne die Eigenschaften der Fettkohlen von Kelung auf Formosa aufgezählt hat: »Da nun die japanischen Kohlen die gleichen Fehler aufweisen, so können die Koh- len von Kelung auf den Märkten Ostasiens mit jenen in Concurrenz treten.« — Neben solchen Steinkohlen — denn wirkliche bituminöse Stein- kohlen sind es immerhin, trotz ihres geringen Alters —, weist aber Japan in seinen jüngeren Tertiärablagerungen auch noch viele Flötze wirklicher Braunkohlen auf; doch ist die Mächtigkeit derselben meist sehr gering. Oft findet man mehrere Dutzend solcher schwachen Flötze über einander, durch Zwischenmittel von einander getrennt. Der nordwestliche Theil von Kiushiu mit den Provinzen Hizen, Chikuzen und Chikugo ist besonders reich an Steinkohlen; mehr noch rühmt man die zahlreichen Vorkommnisse auf Yezo. So schreibt Ly- man : »Eins der Hauptresultate der geologischen Aufnahme von Yezo ist die Kenntniss der Thatsache, dass auf Yezo vielleicht 150000 Mil- lionen Tonnen abbaufähiger Kohlen vorhanden sind, oder ⅔ so viel als die Kohlen derselben Dicke in den berühmten Feldern von Gross- britannien. Jene Menge Kohlen auf Yezo würde die Insel in den Stand II. Montanindustrie. setzen, die gegenwärtige enorme Jahresproduction Grossbritanniens für beinahe 1000 Jahre zu liefern.« Lyman: Geological Survey of Hok-kai-do, General-Report. Tôkio 1877. pg. 106 und 107. Die Insel Yezo ist mir aus eigener Anschauung nicht bekannt. Was ich aber von andern Seiten erfahren und auch zum Theil seiner Ausfuhrstatistik entnehmen konnte, stimmt schlecht zu dieser enthu- siastischen Schilderung ihres Kohlenreichthums. Eins geht aus der Untersuchung der Yezokohle zur Genüge hervor, dass nämlich auch sie nach Alter und Charakter von der oben aufgestellten allgemeinen Regel keine Ausnahme macht und nach Verwendbarkeit und Werth mit den älteren englischen und deutschen Kohlen keineswegs auf gleicher Stufe steht. Für die Umwandlung in gute, metallglänzende, klingende, klein- porige Cokes, welche in der Metallurgie, zumal in dem modernen Hoh- ofenprocess, eine so grosse Bedeutung erlangt haben, scheinen nur wenige Kohlen von Yezo, ja von Japan überhaupt sich zu eignen. Immerhin verbleiben aber für dieselben noch eine Menge anderer wich- tiger Verwendungen, und es unterliegt kaum einem Zweifel, dass ihr Besitz viel versprechend für die zukünftige Entwickelung der Industrie Japans und seines Nationalwohlstandes ist. Die besten bis jetzt erschlossenen Kohlenflötze der Insel Yezo ge- hören den Provinzen Shiribeshi und Ishikari an. Aus letzterer stammt die Kohle von Sorachi , sowie von Poronai, Horumui und andern Orten des Ishikari-Flussgebietes. Eine Eisenbahn von Poronai über Sapporo nach der Rhede von Otaru ermöglicht jetzt die Verschif- fung eines Theils dieser Kohle. In der Provinz Shiribeshi befindet sich das Kohlenrevier von Kayanoma , welchem auch die Honshiki- Kohle angehört. Die Mächtigkeit der abbaufähigen Kohlenflötze der Insel Yezo scheint sich nach den Angaben von Munroe und Lyman zwischen 15 cm und 2½ m zu bewegen. Auch im eigentlichen Japan sind stärkere Flötze bis jetzt nicht erschlossen worden. Das geringe geologische Alter der japanischen Kohlen bedingt, dass tiefe Gruben- bauten mit ihrer kostspieligen Zimmerung und Wetterführung nicht nöthig sind. Alle vorhandenen Kohlengruben gründen sich auf das Vorkommen anstehender Kohlen, denen man dann mit Stollenbau im Streichen und Fallen des Flötzes folgte. Von den Kohlengruben der Hauptinsel Hondo ist die von Abu- rato in der Provinz Uzen am japanischen Meer südlich von Sakata nach unserer Tabelle die ergiebigste, dann folgen diejenigen von Steinkohle. Akadami, Ube und Takatomari in Nagato, ostwärts von Shimo- noseki am Seto-uchi gelegen, also dem Kohlenbezirke von Chikuzen gegenüber. Auf der Insel Kiushiu umfasst dieser ein ansehnliches Gebiet, nicht blos von Chikuzen, sondern auch vom östlich angrenzen- den Buzen, also den nördlichsten Theil der Insel. Unsere Tabelle B. stellt die Ausbeute einer seiner Minen, nämlich von Katsuki , nach der- jenigen von Miike . Letztgenannte, beachtenswerthe Grube liegt in der Nähe der flachen Ostküste der Bucht von Shimabara in der Provinz Chi- kugo nicht weit von der Grenze gegen Higo. Als ich sie vor 10 Jahren besuchte, wurde sie noch von der Regierung betrieben. Unter einem röthlichen, thonigen Sandsteine liegt eine dünne Schicht erdiger Kohle, dann folgt eine Lage Thonschiefer (schiefriger Thonsandstein) von etwa 50 cm Mächtigkeit. Sie ist voll von Blattabdrücken dicotyledonischer Holzgewächse, aber stark verwittert und zerbröckelt. Nunmehr folgt das bebaute Kohlenflötz von stellenweise über 2 Meter Mächtigkeit, dann wieder mit Kohle vermischter Schieferthon, hierauf Sandstein. Die Schichten fallen unter Winkeln von 20—25° gen Südost ein. Die Grube, welche eine sehr gute Gaskohle liefert, ist schon seit etwa 400 Jahren bekannt, ging vor etwa 10 Jahren in Privatbetrieb über und ist mit der gleichartigen auf Takashima jetzt weitaus die ergie- bigste, namentlich auch für die Ausfuhr nach China. Die Takashima- Kohle ist schwarz, glänzend und fest, aber leicht, wie fast alle japanischen Kohlen den älteren Steinkohlen gegen- über. Sie zerbricht in unregelmässige, prismatische Stücke, zeigt schwarzen Strich und liefert ein braunschwarzes Pulver. Unter allen japanischen Kohlen ist sie am meisten bekannt, weil jedes nach Na- gasaki kommende Dampfschiff sich mit ihr verproviantiert und weil sie der günstigen Lage der Grube wegen auch am meisten ausge- führt wird. Taka-shima , eine kleine Insel von nur 54 Hektaren Fläche und etwa 100 Meter Bodenerhebung, befindet sich am Eingang der langen, schmalen Bucht von Nagasaki, 8—9 Seemeilen von der bekannten Hauptstadt von Hizen entfernt. Grauweisse Schichten eines glimmer- haltigen, grobkörnigen Sandsteins, bröcklige Thonschiefer in dünnen Bändern und Kohlenflötze fallen unter Winkeln von 20—25° gen Nor- den ein. Die in mehreren Dörfchen vertheilten Bewohner der Insel er- nähren sich vornehmlich durch das Bergwerk. Dasselbe befindet sich dicht am Meer auf der Seite von Nagasaki und wird seit etwa 80 Jah- ren betrieben. Im Jahre 1875 ging es für die Summe von 2⅕ Mil- lion Mark aus den Händen der Regierung in diejenigen einer Gesell- schaft über. Im Frühjahr 1875 hatte der tiefste Schacht eine Länge II. Montanindustrie. von nur 50 Meter, doch senkte sich von da der Stollen noch beträchtlich, indem er dem Hauptflötz von durchschnittlich 2 m Mächtigkeit folgte. Das grössere Kohlenbecken der Provinz Hizen, von welchem Taka-shima wie ein losgetrenntes Glied erscheint, liegt weiter nörd- lich und umfasst eine ganze Reihe von Gruben, unter denen die nicht weit vom Meer gelegene von Karatsu am bekanntesten ist. Erwähnenswerth ist ferner noch das Vorkommen von Steinkohlen auf der Insel Amakusa im Süden von Hizen, so bei Shiki-mura in der Nähe des Städtchens Tomioka auf der Nordseite. Viel mäch- tiger und werthvoller sind die Flötze von Oniki an einer kleinen Bucht der Südwestseite. Die vorstehenden Angaben über japanische Steinkohlen waren niedergeschrieben, als mir das Novemberheft des deutschen Handels- Archivs von 1885 in die Hände kam mit einem kurzen Bericht über »die Ein- und Ausfuhr von Kohlen und die Kohlenproduction in Ja- pan«. Derselbe entstammt wohl der Feder unseres General-Consuls Zappe. Ich entnehme demselben zur Ergänzung und Bestätigung meiner Mittheilungen und Ansichten gern einige interessante Daten. Hiernach betrug die Kohlenausfuhr Japans im Jahre Dagegen wurden für die Heizung fremder Dampfschiffe englische und australische Kohlen, wie bisher, doch in geringerer Menge eingeführt, weil die Schiffe nicht zur Heizung mit japanischen Kohlen, »die viel Asche und Staub geben«, eingerichtet sind. Auch wird befürchtet, dass die Ausfuhr nach China abnehmen oder ganz aufhören werde, sobald einmal dessen Kohlenbergbau mehr entwickelt und für leichten Trans- port zur Küste gesorgt sein wird. Analysen von Steinkohlen Japans und benachbarter Inseln . Steinkohle, Petroleum, Schwefel. Von den hier erwähnten Kohlen sind I., II. und III. von Kiushiu, IV., V., VI., und VII. stammen von Yezo; ihre Analyse ist der Arbeit »Yesso Coals von H. Munroe, Tokei 1874« entnommen, VIII. stammt aus F. Hawks »Narrative: Perry-Expedition Vol. II. pg. 167—168« und IX. aus Pumpelly: »Across America and Asia, Appendix pg. 444. XIII. Petroleum , jap. Kusôdzu, Kusôdzu-no-abura . Dasselbe wird vornehmlich in den Provinzen Echigo und Tôtômi gewonnen, reicht aber für den stets wachsenden Bedarf des Landes nicht aus. Eine Linie von der Spitze Omage-saki an der Küste von Tôtômi nach Niigata hat die Haupt-Petroleumbezirke beider Provinzen auf ihrer Westseite. Derjenige von Tôtômi concentriert sich um Sugegawa ; doch ist das Städtchen Sagara Hauptort des Gebiets. In demselben lieferten 1877 (nach Lyman) fünfzig erbohrte Quellen im ganzen 1200 Fass Oel, welches demjenigen von Echigo gegenüber sich durch grössere Leichtigkeit und hellere Farbe auszeichnet. Für Echigo gibt unser Kärtchen die in der Tabelle B. erwähnten Orte Fukasawa und Ôa- rata als Mittelpunkte der Industrie an. Im Jahre 1876 hatte man in diesem Gebiete nicht weniger als 522 productive Quellen erbohrt, von denen das grösste Bohrloch 732' (222 m) tief war. Keine der Quellen lieferte übrigens besonders erkleckliche Mengen. Die Gesammtpro- duction schätzte Lyman auf 9500 Fass im Werthe von 31650 yen; dieselbe ist übrigens seitdem nicht unerheblich gestiegen, wie solches auch aus den in Tabelle B. für obige Orte angegebenen Zahlen her- vorgeht. Schwefel , jap. Iwô oder Yuwô . Als glänzendes Product der Sublimation überdeckt er oft die Kraterwände und die Spalten und Klüfte noch thätiger oder erloschener Vulkane. Aber weitaus der meiste Schwefel geht doch wohl aus der Zersetzung des Schwefel- wasserstoffs der Solfataren hervor. Da nun diese vulkanischen Ge- bilde in Japan sehr verbreitet sind, so darf auch das häufige Vor- II. Montanindustrie. kommen des Schwefels nicht überraschen. Zuweilen deutet der Bei- name »Iwô« eines Berges oder einer Insel sein Vorhandensein an. Nach Kämpfer war früher Satsuma der vornehmste Schwefellie- ferant. Das kleine Inselchen Iwô-shimo im Süden desselben liefert noch Schwefel. Ebenso gewinnt man solchen am Iwô-dake und Yadake in Hida, vom Shirane-san an der Grenze zwischen Kotsuke und Shi- nano. Als Pumpelly im Jahre 1864 Yezo besuchte, bestieg er von Iwanai an der Südwestküste aus den Iwaounobori . Er sah hier verschiedene Solfataren und deren Wirkungen und gibt an, dass die monatliche Production des Berges 6400 Pfund, also die jährliche 38400 kg oder 38,4 Tonnen betrage. Unsere Tabelle führt jedoch als bedeutendste Schwefellieferanten zwei andere Orte im Hokkaidô an, nämlich Tonebetsu in Kitami und Tôfutsu auf der nicht weit ent- fernten Insel Kunashir. Salz , jap. Shiwo oder Shio wurde bis jetzt weder als Steinsalz, noch in verwendbarer Sole Bei der grossen Zahl von Thermen, welche über das ganze japanische Reich verbreitet sind, ist die Armut an Soolquellen besonders auffallend. Die einzige bemerkenswerthe Ausnahme scheint Ôshio in Aidzu (Iwashiro) zu sein. Der Ort, den ich am 4. October 1874 auf dem Wege von Wakamatsu nach Yonezawa be- rührte, liegt 6 ri von ersterem in einer altvulkanischen Gebirgsmulde, deren vor- herrschendes Gestein grauer Andesit zu sein scheint. Beim Durchschreiten der- selben gelangt man zu einem kleinen Bach, auf dessen rechtem Ufer, rechts von der Strasse, zwei warme Quellen nahe bei einander sich befinden. Ich bestimmte ihre Temperaturen zu 39° C. und 38° C. und fand, dass jede in 4—5 Secunden 1 Shô (etwa 1,8 Liter) Wasser lieferte. Das Wasser ist eine eisenreiche schwache Sole, aus der grosse Mengen Kohlensäure entweichen und viel Eisenoxydhydrat nieder- fällt. Viele Jahrhunderte lang soll es zur Kochsalzgewinnung gedient haben. Seit etwa 20 Jahren fliesst es aber unbenutzt in den Bach. Weiter ansteigend mit dem Wege befindet sich eine dritte schwächere Salzquelle mit 20° Wärme, deren Ver- änderung von hinzufliessendem kaltem Wasser herrührt. gefunden, vielmehr aus- schliesslich dem Meerwasser entnommen. Das japanische Verfahren der Seesalzgewinnung stimmt mit dem in China angewandten, wie es z. B. von Fortune »A Residence among the Chinese« pg. 305—306. beschrieben wird, vollständig überein. Auf der Seite 11 gegebenen Uebersicht der japanischen Bodenbenutzung be- findet sich auch eine Terraingruppe mit der Bezeichnung » Shio- hama «, welche wir mit »Salz-Küste« verdeutschen können. Es sind dies flache, sandige Küstenstreifen von zusammen 6364 chô oder Hek- taren Fläche, welche der Seesalzgewinnung dienen. Die zu Salzgärten umzuwandelnde sandige Flachküste muss ausser dem Bereich der Flut liegen. Man theilt sie in der Regel in Felder von 2½ Tan oder 25 Are ein, welche je 2 Mann bearbeiten. Diese Salz. ebenen ihren Salzgarten vollständig und bedecken ihn mit einer gleich- mässigen Schicht eingestampften Thones, über welchem sie dann eine dicke Lage groben Sandes ausbreiten, den sie mit einem Rechen auf- lockern. Man besprengt ihn hierauf mit Meerwasser, welches man in schmalen Gräben herbeileitet, die die Salzgärten durchziehen, und wiederholt dies je nach dem Maass der Verdunstung, bis eine beträcht- liche Menge Salz im Sande zurückgeblieben ist. Derselbe wird hier- auf zum Auslaugen zusammengekratzt und dieses auf einer Art Filter bewirkt, durch Zuguss von Seewasser, dessen Salzgehalt dadurch ansehn- lich steigt. Der Sand wird dann zum Trocknen ausgebreitet, darauf mit neuem Salzwasser besprengt etc., wie das erste Mal. Man sammelt die Soole in Gruben oder Bütten und führt sie über in die Siedepfan- nen, deren Construction an die Vorrichtungen erinnert, welche man zum Dörren des Thees verwendet (S. 138. b.). Diese Siedepfannen sind in der Regel 2—2½ m lang, 1½ m breit und etwa ½ m tief und bestehen aus einem Rahmen aus Bambusrohrgeflecht, welcher mit Ce- mentthon ausgefüllt und beiderseits überdeckt ist und von zwei Balken mit Querhölzern getragen wird. Als Brennmaterial beim Eindampfen verwendet man Holz, insbesondere die Aeste (aber auch Nadeln) von Coniferen, sowie Steinkohlen. Es gibt übrigens auch grosse eiserne Abdampfpfannen, sogenannte Shio-gama , doch scheinen sie der er- wähnten Vorrichtung gegenüber wenig in Gebrauch zu sein. Japanisches Seesalz steht an Reinheit weit hinter dem an den Gestaden des Mittelmeers gewonnenen zurück, hat eine grauweisse Farbe und enthält auf 8—12 % Wasser in der Regel nur 80—90 % Chlornatrium. Seine Bereitung ist nicht, wie in China, Monopol der Regierung und wird desshalb an sehr vielen Flachküsten, vornehmlich den südlichen, betrieben, und zwar am meisten rings um das japani- sche Seto-uchi (Binnenmeer), namentlich an der Küste von Iyo, Sanuki Awa, sowie den Provinzen des Sanyôdô. Auch die Küste von Satsuma hat die erwähnten Salzanlagen, z. B. bei Akune . In der Nähe von Yokohama wird ziemlich viel Seesalz bei Kanazawa bereitet. Nach Geerts Les Produits de la Nature japonaise et chinoise. Yokohama 1883, pg. 308. Dieses Buch enthält viele werthvolle Angaben, welche leider durch die Kritik- losigkeit, mit der andere damit vermischt sind, nur mit Vorsicht gebraucht wer- den können. schätzt man die an Japans Gestaden gewonnene Menge Seesalz auf jährlich 5700000 Hektoliter, welche sich nach obiger Angabe auf 6364 Hektar Salzgärten vertheilen, so dass hier- nach im Durchschnitt 895 Hektoliter während der 70—80 regenfreien Sommertage auf ein Hektar geerntet werden. Diese Menge hält Rein , Japan. II. 24 II. Montanindustrie. mit der auf Salzanlagen der Mittelmeerküste von gleichem Areal keinen Vergleich aus. Es kommt aber hier vor allen Dingen auch in Be- tracht, dass das Klima an letzterer mit seiner trocknen Luft und seinen regenlosen Sommern ungleich günstiger ist und desshalb die Salzge- winnung in ganz anderer Weise betrieben werden kann, als in dem östlichen Monsungebiete mit seinem vielen Sommerregen. Alaun , jap. Miô-ban (Miyô-ban) ist in Japan seit mindestens 1200 Jahren bekannt und wird wie bei uns vornehmlich als Mordant in der Färberei benutzt. Er findet sich häufig fertig gebildet in einem weissen, erdigen Zersetzungsproduct vulkanischer Gesteine, entstanden durch die Einwirkung von Solfataren auf dieselben. Man gewinnt ihn durch Auslaugen dieses Ji-nen-han oder natürlichen Alauns und Auskrystallisierung aus der Lösung. Dieser Ji-nen-han wird meist als Ban-seki oder Han-seki , Alaunstein, bezeichnet, ist aber damit nicht zu verwechseln. Schönen Alaun sah ich im Frühjahr 1875 auf einer Ausstellung zu Funai , der Hauptstadt der Provinz Bungo, welche auch sonst als Hauptlieferant dieses Artikels angesehen wird. Auch Shinano, Kotsuke und Hida werden ihres Alauns wegen genannt. Porzellanstein, Kaolin, Töpferthone . Der ausgedehnten und in einigen Branchen hochentwickelten Thonwaaren-Industrie Ja- pans dienen eine Menge verschiedenartiger Zersetzungsproducte feld- spathhaltiger Gesteine, welche der Japaner je nach ihrer Beschaffenheit als Ishi , Steine, und Tsuchi , Erden, bezeichnet, indem er diesen Gattungsbegriffen gewöhnlich den Namen des Fundorts vorsetzt. Wir können diese Materialien der keramischen Industrie, je nach den Agentien, welche die Zersetzung des feldspathreichen Muttergesteins be- wirkten, in zwei Gruppen gliedern, nämlich: 1) Porzellansteine , eigenartige, kieselsäurereiche und in Stöcken auftretende Zersetzungsproducte von Trachyten, Felsitporphyren und andern vulkanischen Gesteinen, deren Zersetzung höchst wahrscheinlich durch den Einfluss des Schwefelwasserstoffs und Wasserdampfes der Solfataren bewirkt wurde. Hieher gehören die werthvollsten Materia- lien der japanischen Porzellan-Industrie, wie der Arita-ishi in Hizen, der Amakusa-ishi auf der Insel Amakusa, der Kutani-ishi und Nabetani-ishi in Kaga und andere mehr. Die Solfatare (jap. Jigoku , Hölle) zerstört nicht blos die Vege- tation in ihrer Umgebung, sondern auch das Gestein. Sie bleicht tra- chytische und doleritische Laven und ruft in ihnen eine totale Um- wandlung hervor, durch welche unter Anderm die Kieselsäure oft als Sinter wieder ausgeschieden wird und dann als Bindemittel der neuen Masse erscheint, wie dies namentlich der Amakusa-ishi deutlich zeigt. Porzellanstein, Kaolin, Töpferthone. Eine ähnliche Zersetzung durch Solfataren beobachtete Pumpelli bei Yu-nonai , den Solfataren des Iwanai auf Yezo, worüber er Fol- gendes bemerkt: »Hier stehen die heissen Quellen in engem Zusam- menhang mit dem schneeweissen Quarzitporphyr. Dieser Fels ist mit Schwefelkies imprägniert, der an manchen Stellen nur durch kubische Hohlräume angedeutet wird, welche Schwefel enthalten.« Pumpelly: Across America and Asia pg. 177. Die ge- bleichten Liparite der Liparischen Inseln, sowie die grauweissen Rhyolithe Ungarns sind vielleicht ebenfalls durch den Einfluss von Solfataren verändert worden, wenigstens erinnern sie lebhaft an die Arita- und Amakusa-Steine, über deren Vorkommen, chemische Zu- sammensetzung und Verwendung noch Weiteres in dem Abschnitt über Keramik folgt. 2) Verwitterungsproducte gewöhnlicher Art des Feldspaths und verwandter Mineralien, sowie thonerdereicher Gesteine. Hierher ge- hören in erster Linie der Kaolin , sodann die plastischen Thone in ihren verschiedenen Abstufungen bis zum gewöhnlichen Lehm. Die Hauptfundstätten der Porzellansteine und Kaoline, die Grund- lagen der edleren Töpferei, sind auf dem Kärtchen neben den Pro- ducten der eigentlichen Montanindustrie angegeben und sollen bei der Keramik noch weiter besprochen werden. Porzellanstein und Kaolin werden durch Tagebau gewonnen, ge- hören desshalb nicht mehr der Montanindustrie im eigentlichen Sinne an, sondern zu den Gioko-seki-rui , der Gruppe der Steine, welche man im Steinbruch, jap. Ishi-yama (Steinberg) oder Ishio wo hori-dasu tokoro (d. h. Ort, wo man Steine aushaut) ge- winnt. Dass die eigentlichen Hausteine, wie Steine überhaupt, in der Baukunst bislang nur eine untergeordnete Verwendung fanden (z. B. zu Cyclopenmauern alter Burgen, Treppen, welche zu hoch ge- legenen Tempeln führten, Steinlaternen, Denksteinen, Stegen, Platten für die Wege in Tempelhöfen und Gärten, Kochherden, Waschbecken, Reiströgen), ist im ersten Bande dieses Werkes bereits hervorgehoben worden. Den erwähnten Zwecken dienten fast ausnahmslos Granit, so namentlich der Mikage-ishi aus Settsu und der Teshima-ishi aus Bizen, trachytische und doleritische Lava, sowie ältere Schiefer. Der gewöhnliche Kalkstein wird gebrannt, sein Pulver ( Ishi-bai d. h. Steinasche) viel als Dünger, selten zu Bauzwecken verwendet. Mar- mor , von den Japanern Rô-seki und Sarasa-ishi genannt, findet sich an verschiedenen Stellen des Landes, so in Bizen, Mino und Hitachi. Einzelne Sculpturen, welche man in und bei Tempeln trifft, 24* II. Montanindustrie. aus dem weissen Marmor der letztgenannten Provinz — derselbe wird nahe der Küste im Norden der Hauptstadt Mito gebrochen — bewei- sen, dass er sich für Bildhauerzwecke vortrefflich eignet. Aus dem bunten Marmor (Fusulinenkalk) von Akasaka in Mino werden man- cherlei kleine Gegenstände geschliffen, darunter auch Tuschschalen. Platten von älteren Schiefern, Seki-ban oder Date-ishi , wer- den zum Belegen der Pfade in Gärten und Höfen, grössere hier und da auch zum Ueberbrücken schmaler Bäche und Bewässerungsgräben gebraucht. Eine ganz vortreffliche Verwendung findet ein graublauer Schiefer, der nach Härte, Farbe und Strich an unsere Griffelschiefer erinnert, zur Darstellung von Tuschschalen. Besonders bekannt ist und gerühmt wird in dieser Beziehung der Amabata-ishi aus der Provinz Kai, dessen Gewinnung und Verarbeitung zu den besten Tusch- reibschalen, die ich kenne, in Folge des grossen Bedarfs, schon seit lange viele Hände beschäftigt. Die Art des Schleifens ist ähnlich der- jenigen des Bergkrystalls , jap. Suishô, Achats (Meno-seki) und verwandter Halbedelsteine. Der berühmteste Fundort der Bergkrystalle ist der Kimpu-zan in Kai, woselbst auch die schönen Zwillinge in einzelnen unserer Sammlungen gefunden wurden; Achat, Carneol und Chalcedon kommen in Echiu und Idzumo vor, werden dort auch ge- schliffen. Zum Schleifen aller dieser harten Steine dient Granat- sand oder Kongô-sha , d. h. Sand vom Kongô-san , einem lang- gestreckten Bergrücken in Kawachi zur Rechten des Yoshino-gawa. Im übrigen gehört dieses Steinschleifen zum Kunstgewerbe und soll desshalb im nächsten Abschnitt näher erörtert werden. III. Kunstgewerbe und verwandte Industriezweige. »Quam quisque norit artem in hac se exerceat«. Cic. Tusc. I. 18, 41. 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Neubelebung des europäischen Kunstgewerbes. Wachsendes Interesse für die Er- zeugnisse des chinesischen und japanischen. China Lehrmeister und Vorbild Japans. Charakteristische Züge des japanischen Kunsthandwerks und seiner Pro- ducte. Förderungsmittel und Blüthezeit desselben. Sein Einfluss auf dasjenige des christlichen Abendlandes. Eine der hervorragendsten und nachhaltigsten Wirkungen, welche man den grossen internationalen Kunst- und Gewerbe-Ausstellungen der letzten drei Jahrzehnte nachrühmen kann, ist unstreitig ihr Ein- fluss auf die Neubelebung des Interesses für das Kunstgewerbe. Wie die erste Idee zu jenen grossen Weltausstellungen von England aus- ging, so haben sich auch Sinn und Verständniss für die hohen Auf- gaben der Kunstindustrie von dort aus über die christlichen Cultur- staaten des Abendlandes rasch verbreitet. In Schulen und Museen, durch Wort und Bild suchte man seitdem das vielfach gesunkene und entartete Kunsthandwerk wieder neu zu beleben, das Gefühl für das wahrhaft Schöne seiner Erzeugnisse in der Industrie zu wecken oder, wie man sich auch ausdrückt, den Geschmack zu veredeln und da- durch Gewerbe und Industrie zu fördern. Vor allem galt es Ebenmaass und Harmonie zu schaffen und zu pflegen, zwei, wie für jede Kunst, so auch für das Kunstgewerbe sehr wichtige und weitragende Begriffe, die alles umfassen, was Gestalt und Ausschmückung bieten müssen, um unserm idealen Schönheits- begriff zu entsprechen, den Platon so hoch stellt, dass er ihm gött- lichen Ursprung beimisst. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Diese ernsten und eifrigen Bestrebungen, auch in unserm engeren Vaterlande das Kunstgewerbe durch Sammlungen und Unterricht zu heben und damit die nationale Arbeit und Wohlfahrt zu fördern, zeigte sich erst, als bereits mehrere der Nachbarländer mit gutem und erfolg- reichem Beispiel vorangegangen waren. Wir holten in Deutschland das Versäumte jedoch bald nach und sehen bereits jetzt die Früchte der grösseren Energie, welche unsere Regierungen im Verein mit vielen Interessierten an den Tag legten. Man beachte nur, was bei- spielsweise in der Textilindustrie und insbesondere in der Stickerei geleistet wird, oder man vergleiche die stilvollen Formen und Ver- zierungen, welche die heutigen Erzeugnisse unserer Gold- und Silber- schmiede auszeichnen, mit den vielen plumpen und geschmacklosen der vorausgegangenen Periode. Schlechte Modelle, häufig vorgeführt und nachgemacht, verderben den Geschmack ebensogut, wie in moralischem Sinne böse Beispiele gute Sitten. Mustergiltige Formen und Verzierungen sind daher vor allem auch im Kunstgewerbe nöthig, um den Geschmack zu läutern und den geläuterten weiter zu bilden. Man griff, um sie zu gewinnen, auf die Leistungen des Kunstgewerbes im Mittelalter zurück und weiter auf die Antike; man suchte und fand sie aber auch im fernen Orient, bei Arabern, Persern und Indiern, und selbst über die Grenzen der arischen Länder hinaus, bei den mongolischen Völkern des chine- sischen Culturkreises, vornehmlich den Chinesen und Japanern. Die mannichfaltigen Erzeugnisse des japanischen Kunstgewerbes insbeson- dere, welche fast mit jedem Schiff nach Europa und Nordamerika kom- men und bis in die kleinsten Binnenstädte gelangen, haben auf Ge- schmack und Richtung in verschiedenen Zweigen der westeuropäischen Kunstindustrie einen bedeutenden Einfluss geübt, der sich auf den Kunstgewerbe-Ausstellungen der letzten 16 Jahre, namentlich auf der grossen Pariser Ausstellung von 1878 in überraschender Weise zeigte. Viel ist darüber, sowie über Geschichte und Eigenart des japanischen Kunstgewerbes schon geschrieben worden, so dass es fast überflüssig erscheinen könnte, wenn ich es noch versuche, in den nachfolgenden Abhandlungen den Gegenstand ausführlich und nach einer vielleicht etwas abweichenden Methode zu erörtern. Hierzu bestimmt mich je- doch sowohl die Pflicht, als auch das Bewusstsein, dass ich mehr An- lass und Gelegenheit hatte, mich mit dem Studium des japanischen Kunsthandwerks vielseitig zu befassen, als dies bei den meisten bis- herigen Beurteilern der Fall war. Die Architectur , bei den arischen Völkern die vornehmste und einflussreichste Stütze des Kunstgewerbes, hat sich im chinesischen 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Culturkreise keineswegs zu einer so hohen Bedeutung entwickelt. Alle ihre Schöpfungen sind vergängliche Holzbauten und machen nur aus- nahmsweise einen monumentalen Eindruck. Die vornehmsten der- selben, buddhistische Tempel, zeigen unter einem unverhältnissmässig schweren Dache eine gedrungene und gedrückte Gestalt und vielfache Holzverzierungen, die wohl Ausdruck einer reichen Phantasie, selten aber — mit Ausnahme vieler Schnitzereien — Zeichen eines beson- ders entwickelten künstlerischen Geschmackes sind. Die Kunstindustrie dieser ostasiatischen Völker hat ihren Schwer- punkt in den mancherlei kleinen Erzeugnissen, welche sie aus plasti- schem Thon, Metall, Holz und Elfenbein darstellen und zum Theil mit Lack- und Schmelzfarben, zum Theil durch Gravierung, Ciselierung und Tauschierung und eine höchst geschmackvolle Verwendung der Curven und mehr noch der graden und gebrochenen Linien reich verzieren, sowie in der Textilindustrie vom einfachen Flechtwerk bis zum com- plicierten Gewebe aus Seide oder Baumwolle. Wie in China, so sind auch in Japan Lackierkunst, feinere Keramik, Email-, Ciselier- und Tauschierarbeiten und in letzterer Beziehung vor allem die Bronze- Industrie und Waffenschmiedekunst, aber auch die Holz-, Elfenbein-, Knochen- und Steinschneiderei, sowie Weberei und Färberei die Ge- werbszweige, in welchen sich Kunstsinn und Kunstfertigkeit der Be- wohner am meisten zeigen. China ist die ursprüngliche Heimat dieser Industriezweige. Von ihm erhielt sie Japan mit den meisten seiner eigenthümlichen Formen und Decorationen. Mit dem Buddhismus als Hauptträger der eigen- artigen Cultur Ostasiens, welche China, Korea, Japan und Theile Hinterindiens umfasst, gelangten meist über Korea, als vermittelndem Gliede, nach Japan: chinesische Staatseinrichtung und Rechtspflege, chinesische Schrift und Literatur, chinesische Ethik und Heilkunde, chinesische Künste und Gewerbe mit all ihren Eigenheiten in der An- wendung der Mittel und der Geschmacksrichtung. Auf allen diesen Gebieten hat Japan viele Jahrhunderte China als mustergiltiges Vorbild betrachtet, grossen Nachahmungstrieb und Ge- schick in der Anwendung, dagegen wenig selbständige schöpferische Kraft entwickelt. Die unbestreitbare Thatsache, dass es in den meisten angeführten Zweigen des Kunsthandwerks seine alten Lehrmeister jetzt weit übertrifft, ist eben dieser Nachahmungsgabe und Neigung, das Gesehene sich anzueignen und nutzbar zu machen, sodann und vor allem seinem entwickelten Natur- und Schönheitssinn zuzuschreiben. Die bisher bekannt gewordenen, vornehmlich durch Ausgrabungen erhaltenen Reste japanischer Industrieerzeugnisse aus der Zeit vor III. Kunstgewerbe und Verwandtes. jenem Eindringen des chinesischen Einflusses zeigen uns, dass das Land damals noch auf einer sehr niedrigen Stufe der Kunstfertigkeit und Geschmacksentwickelung stand. In den Formen und Decorationen der keramischen Funde finden wir eine grosse Verwandtschaft mit der ersten Culturphase vieler andern und theilweise weit voneinander woh- nenden Völker. Die Formen sind plump, der Kugelgestalt sich nähernd, die Decorationen einfach. Wie alle jungen Culturvölker, so benutzten auch die älteren Bewohner Japans vor Berührung mit Chinesen und Koreanern in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung als Mo- tive zur Verzierung neben einfachen Linien und Punkten keine Pflan- zen-, sondern Thiermodelle. In Europa liess vom Mittelalter ab die sogenannte freie akade- mische Kunst, d. i. die Malerei und Bildhauerei, das Kunstgewerbe im Stich, ging ihre eigenen Wege und eilte demselben weit voraus. In Ostasien ist das anders. Hier ist umgekehrt die freie Kunst hinter der Kunst im Gewerbe zurückgeblieben und hat sich sehr einseitig entwickelt. Insbesondere ist der Ostasiate in der malerischen Dar- stellung des menschlichen Körpers seit Jahrhunderten in conventionel- len Formen befangen. Er malt nach alter Art traditionelle Typen, so wenig sie auch der Natur entsprechen mögen. Ein nüchterner Naturalismus einerseits und freies Spiel einer leb- haften Phantasie anderseits beherrschen das Kunstgewerbe Ostasiens. Aber nirgends haben diese Züge eine solche Ausbildung gefunden, wie in Japan. Neben einem hochentwickelten Sinn und Verständniss für das Schöne in der Natur und Kunst finden wir die darum um so auffallendere Neigung zum Grotesken und Unsymmetrischen, neben überraschender und fesselnder Naturtreue der Entwürfe und Ausfüh- rungen eine stark entwickelte Phantasie und Hinneigung zur Un- regelmässigkeit und zu humoristischen Darstellungen, neben hoher tech- nischer Vollendung vielfach Mangel an Perspective und Ebenmaass. Das häufige Abspringen von der Linie und Symmetrie in der Deco- ration verletzt unser Auge und Gefühl etwa so, wie in einzelnen Stücken der Wagner’schen Musik, z. B. im Siegfried, die vielen Dis- sonanzen, welche auf eine Reihe harmonischer Accorde folgen, das Ohr vieler Musikfreunde beleidigen. Das Gefallen der Japaner am Bizarren, Unsymmetrischen und in unsern Augen Unschönen zeigt sich nicht blos im Kunstgewerbe, son- dern z. B. auch in der Gärtnerei, in der Art, wie sie ihre Blumen stecken, und insbesondere ihren Lieblingsbaum, die Kiefer oder Matsu (Pinus Massoniana und P. densiflora), häufig in Gärten ziehen. Das Auge des Japaners erfreut sich an ihren Krüppelgestalten, an einzel- 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. nen unnatürlich und unverhältnissmässig lang horizontal gezogenen Aesten. Exemplare, die in dieser Beziehung besonders monströs sind, wie z. B. die alte Kiefer von Karasaki am Biwasee, zählen zu den grossen Sehenswürdigkeiten des Landes und werden von weither besucht. Wie die Architectur, so zeigen auch viele kunstgewerbliche Er- zeugnisse für sich, dass die constructive Kunst in Japan viel weniger entwickelt ist, als die decorative. »Die edle, stille Grösse der grie- chischen Meisterwerke« (Winkelmann), auch z. B. in der Keramik, suchen wir unter den meisten Producten des japanischen Kunstgewer- bes vergeblich. Wie die Tempel und Daimiôburgen, welche sie früher vornehmlich bargen, so sind auch viele ihrer Formen schwerfällig und gedrückt. Daneben gibt es allerdings manche, die an Leichtigkeit und Gefälligkeit der Gestalt allen Anforderungen eines geläuterten Geschmackes entsprechen. Doch liegt ihr Hauptvorzug unstreitig in der Decoration. Die Compositionen zeigen eine bewältigende Wahr- heit und Kraft und entzücken durch diese lebensvolle Naturtreue, das oft meisterhaft angebrachte Colorit und die hohe technische Vollen- dung der Ausschmückung. Die meisten der schlank aufstrebenden, wohlproportionierten For- men der arischen Völker fehlen oder sind bis zur Unkenntlichkeit verändert worden. So vermissen wir in der Keramik und Metall- industrie die schönen Vasen- und Kannenformen Amphora, Hydria, Lekythos und Oinochoë, wogegen Krater und Kantharos in mancherlei Modificationen, namentlich bei Bronzevasen, vorkommen, weil sie sich für die Auseinanderbreitung hineingesteckter blühender Zweige be- sonders eignen. Die schöne Form des indischen Sarai, welche man in der Neuzeit auch bei uns zu Wasser- und Weinflaschen aus Kry- stallglas viel verwendet, hat in China und Japan bei ihren Nachbil- dungen in Porzellan und Bronze viele Veränderungen erfahren. Die der Kugelform sich nähernde Erweiterung an der Basis ist meist ge- blieben; aber an Stelle des engen, schlanken Halses ist ein weniger ge- fälliger, weiterer getreten, der oft noch oben mit flügelartigen Anhängseln oder wirklichen Griffen versehen wird. Die Form der griechischen Weinkanne dagegen hat sich nie einzubürgern vermocht, so oft sie auch mit Geschenken der Portugiesen und Holländer in’s Land gekommen ist. Vom Bambusrohr abgeleitete cylindrische Vasenformen, sowie poly- gonal-prismatische, scheinen dem chinesisch-japanischen Kunstgewerbe eigen zu sein. Keine ethnographische Sammlung Europas weist sie sonst auf. Bei den Römern waren wohl prismatische Glasflaschen mit quadratischer, hexagonaler oder octagonaler Basis, nach oben rasch III. Kunstgewerbe und Verwandtes. zum kurzen weiten cylindrischen Halse übergehend, in Gebrauch —, die quadratisch-prismatischen, um bei der Feuerbestattung die Knochen- und Aschenreste aufzunehmen —; aber in der Keramik des Alterthums hat man solche Formen, wie es scheint, nie nachgebildet. Was sich davon im indischen und persischen Kunstgewerbe findet, ist ebenfalls höchst wahrscheinlich chinesischen Ursprungs. Im Kunstgewerbe der arischen Völker: der Indier, Perser, Araber, Griechen, Römer, sowie des christlichen Abendlandes erscheinen Sym- metrie und Proportionalität, oder sagen wir kurz Ebenmaass, als Grundbedingung des Ideal-Schönen; sie bilden den herrschenden Zug der wirklichen Kunstleistungen aller dieser Nationen. In ihren Mustern herrscht Stil, d. h. sie zeigen in Decoration und Form ein ideales Gepräge, das oft von dem der Naturgegenstände, welchen es ursprüng- lich entstammen mag, weit abweicht. Namentlich gilt dies von den Verzierungen, welche der arische Künstler in der Regel aus seiner Idee componirt, und meist, ohne je zur Natur länger in die Lehre gegangen zu sein. Der Gegensatz hierzu in der herrschenden Deco- rationsweise der Japaner und Chinesen ist gross, vor allem zu dem Stile in der Decoration der Indier, Perser und Araber. Die Motive dieser morgenländischen Gruppe der Arier sind nur ausnahmsweise der Natur entnommen und dann meist bis zur Unkenntlichkeit stilisiert. Die gerade Linie spielt im Ornament derselben eine untergeordnete Rolle; Curven und Schnörkel mancherlei Art und verschiedenartig mit einander verbunden und verschlungen, doch stets symmetrisch geord- net, zeichnen dasselbe aus. Gerade in dieser harmonischen Anordnung liegt ihr Hauptreiz, der Reiz der stilisierten Ornamentik überhaupt. Beim japanischen Kunstgewerbe fehlt diese Verzierungsweise keines- wegs, sie tritt aber stark in den Hintergrund gegenüber der realisti- schen Seite. Sie führt den Namen Kara-kusa , d. h. Chinakraut. In der lebensvollen, getreuen Nachbildung gegebener Naturgegen- stände, insbesondere von Pflanzen, Vögeln, Insecten und Meeresthieren, sowie verschiedener Vierfüssler, wie Affen, Hasen, Ratten, in der Darstellung von Wolken, Fels- und Wasserpartieen hat der Japaner eine grosse Fertigkeit und leistet vorzügliches. Scharf und bestimmt, dem Muster entsprechend, erscheint die Zeichnung in Ausdruck und Bewegung und fesselt dadurch, wie nicht minder durch die Leichtig- keit und Zartheit der vollendeten Ausführung den Beschauer. Hierin liegt der Hauptreiz der kunstgewerblichen Erzeugnisse Japans. In der allgemeinen Flächendecoration treten Arabesken und andere ideale Curvenornamente gegenüber den geradlinigen Verzierungselementen entschieden zurück. Mäander, wozu auch das Gammadion und Henkel- 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. kreuz (chin. Man-tse, jap. Man-ji) zu rechnen sind, und geometrische Figuren, von denen man erstere bei den Gegenständen des indischen und persisch-arabischen Kunstgewerbes vergeblich sucht, letztere nur ausnahmsweise findet, spielen hier eine grosse Rolle. Kein symbolisches Zeichen war im Alterthum so verbreitet, als das Henkelkreuz. Es findet sich auf scandinavischen, celtischen und gallischen Münzen und Schmuckgegenständen, wie auf etruskischen Amphoren aus Terracotta, auf altägyptischen Monumenten, wo es die Unsterblichkeit, ein Attribut des Osiris und Horus bedeutet Nach P. Cassel: »Literatur und Symbolik«. Leipzig 1884. , wie als Decorationsmotiv auf vielen Gebilden der griechischen Kunst. In Indien und Ostasien ist es Symbol der Weisheit und tausendfachen Tugenden Buddhas, ein Zeichen, welches Büsten und Statuen dieses Heiligen nicht selten auf der Brust tragen, namentlich in Hinterindien, wie es auch bei zwei vergoldeten Buddhas der französisch-indischen Co- lonialausstellung zu Antwerpen im vorigen Jahre zu sehen war. Indess unterscheidet sich das Henkelkreuz der Völker des Occidents, einschliess- lich Aegyptens, durch die secundären Häkchen der Fahnen oder Haken von dem des buddhistischen Orients. Auch haben die Fahnen des letzteren oft die entgegengesetzte Richtung, wie nachstehende Skizzen zeigen. a . Griechisches Henkelkreuz. b . Buddhistisches. c . Gammadion. Die Japaner nennen das Henkelkreuz Man-ji , die Chinesen Man-tse , wobei das Wort man »zehntausend« bedeutet. Durch eine andere Anordnung der vier Gamma des Henkelkreuzes entsteht das Gammadion , welches neben jenem nicht blos die alten Griechen viel anwandten, sondern auch im Kunstgewerbe Ostasiens als Deco- rationsmotiv zur Flächenverzierung viel im Gebrauch ist. So zeigt uns z. B. das Lichtdruckbild der tauschierten Eisenvase (siehe Metall- industrie) die Verbindung des Man-ji mit dem Gammadion zu beiden Seiten der Rebenverzierung. Das Nichtvorkommen der Mäander (welche in der griechischen und christlichen Kunst als Ornament eine so grosse Rolle spielen) bei den arischen Orientalen, ihre häufige Anwendung wieder im chinesisch- japanischen Kunstgewerbe, ist gewiss auffällig, wiewohl es bisher, so III. Kunstgewerbe und Verwandtes. viel ich weiss, noch nirgends hervorgehoben wurde. Ist diese schöne Verzierungsweise bei Griechen und Chinesen spontan oder hat sie das eine dieser Völker dem andern entlehnt? Oder geht ihr Ursprung auf ein anderes Volk, auf Assyrer und Chaldäer zurück? Solche und ähnliche Fragen liegen nahe; ihre Beantwortung ist nicht so leicht, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Für die spontane Ent- stehung und Anwendung spricht nicht blos die oben erwähnte Tren- nungszone des arabisch-persisch-indischen Gebiets, ohne das Mäander- ornament, sondern auch der Umstand, dass letzteres sich wiederfindet auf den Baumwollgeweben aus den alten Gräbern Perus; doch ist es hier weniger ausgebildet. Wie bei uns, so wendet auch das Kunstgewerbe Ostasiens den Mäander gewöhnlich als Borde oder Randverzierung an. Diesem Zwecke dient auch oft die ornamentale Abbildung der Rebe und anderer de- corativer Rankengewächse. Noch lassen die meisten Formen und Decorationsmotive der ja- panischen Kunsterzeugnisse den chinesischen Ursprung erkennen. Päo- nie und Chrysanthemum, Iris und Lotusblume, das schlanke graciöse Bambusrohr und krüppelhafte, bizarre Kiefern, blattlose blühende Zweige der Mumepflaume und der Magnolie, beblätterte der Kerrien und wilden Kirschbäume, die schlingende Glycine mit ihren hängenden bläulichen Blüthentrauben und die rothbeerige, immergrüne Nandine, sodann von den sogenannten sieben Herbstkräutern insbesondere die zierlichen Eulalia, Lespedeza und Patrina, sowie Hibiscus mutabilis, ferner Iris, Binse und Pfeilkraut, Fels- und Wasserpartieen im Garten mit Fischen und Schildkröten, Kraniche, Reiher, Fasanen, die japa- nische Nachtigall (Unguisu) und andere Sänger, Insecten im Fluge und in der Ruhe, dann die Thiere des chinesischen Zodiacus Der chinesische Thierkreis besteht aus Ratte, Stier, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Wildschwein, entsprechend Widder, Stier, Zwillinge, Krebs etc. und einige andere, mit denen man durch den Buddhismus und chinesischen Sagenkreis bekannt wurde, wie Elephant und Pfau. Dies sind die Naturobjecte, welche der Japaner gleich dem Chinesen mit Vorliebe abbildet. Ihnen schliessen sich an die Shi-rei oder vier Glücks- thiere, vier Fabelthiere, nämlich der Hôwô oder Phönix, Riyô (Tatsu) oder Drache, Kirin oder das Einhorn und Ki (Kame) oder die Schild- kröte. In dem Rei-ki oder Bericht über die Ceremonieen, einem der fünf klassischen Werke der Chinesen, heissen sie kurz und in anderer Ordnung: Rin, Hô, Ki, Riyô. Sie sind die Könige der Thiere und stehen nach alter chinesischer Naturanschauung Der Drache ist bekanntlich das japanische Wappenthier. 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Schlangenartig gekrümmt, reich beschuppt, mit möglichst grässlichem Ausdruck des Kopfes, eine verzerrte Thiergestalt, findet man es häufig nicht blos auf dem kaiserlichen Wappen und Münzen, sondern vor allen Dingen in Bronze nachgebildet, in Holz geschnitzt und in We- bereien. Es ist das Sinnbild der Wachsamkeit und Stärke. Häufiger als das Einhorn und als Vertreter findet man unter dem Namen Kirin ein Thier mit Kopf und Brust des Drachen, den Sitz des Hundes oder einer Katze, den Schweif des Löwen. Auf Deckelvasen (Urnen) und Räuchergefässen bildet dasselbe oft den Deckelknopf und ist dafür min- destens ebenso beliebt, wie die Lotusknospe. Der Hôwô wird selten in Relief dargestellt; um so häufiger in Geweben. Sehr beliebt ist die Schildkröte, insbesondere die Mino-game (Mantelschildkröte), d. i. eine Schildkröte mit Confervenanhängseln. Sie ist das Symbol des friedlichen Greisenalters, einer der sieben Glückseligkeiten des mensch- lichen Lebens. Eine andere Gruppe von Decorationsmotiven, die man besonders häufig als Reliefverzierung auf Bronze anwendet, ist der Mythologie, sowie der alten japanischen Sagen- und Heldengeschichte entnommen, welche einen reichen und mannichfaltigen Stoff liefert. Hierher ge- hört u. A. die Darstellung der Shichi Fuku-jin oder sieben Glücksgötter. Bei den der Natur entlehnten Motiven ist eine gewisse Verknü- pfung zwar nicht steife Regel, aber doch herkömmlich. Zu den be- liebtesten Zusammenstellungen gehören folgende: Bambusrohr und Tiger, Mumepflaume und Nachtigall (Unguisu), Sonnenaufgang, Kiefer und Kranich, Löwe und Päonie, Hirsch und Ahorn, Kranich und Schildkröte (Symbol des Glücks und langen Lebens), Kiefer, Bambus- rohr und Mume, Schilf und Silberreiher, Bambusrohr und Schwalbe, Regen und Schwalbe, Lotusblume und Silberreiher. Auch das Heim- wärtsziehen oder Niederfliegen der wilden Gänse, das Erwachen der Natur im Lenze, später Schneefall und andere Erscheinungen geben beliebte Decorationsmotive ab (vgl. Taf. VII.). Die Darstellung dieser und mancher andern Objecte durch den eben so vielen Klassen des Thierreichs vor. Letzteres zerfällt hiernach in fünf Klassen mit je einem Oberhaupte: 1) Der Mensch steht an der Spitze der nackten Thiere. 2) Der Ki-lin (jap. Ki-rin) oder das Einhorn führt und beschützt die be- haarten Thiere. 3) Der Hôwô (Fung-hwang) oder Phönix repräsentiert die befiederten Thiere. 4) Der Riyô (Lung, jap. Tatsu) oder Drache steht an der Spitze der be- schuppten Thiere. 5) Die Ki (Kwei, jap. Kame) oder Schildkröte führt und beschützt alle mit einer Schale versehenen Thiere. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Chinesen ist häufig plump und wenig naturgetreu. Namentlich treibt bei den Baumformen eine wilde Phantasie ihr verwegenes Spiel und stellt z. B. Blätter und Blüthen zusammen, die in der Natur grund- verschiedenen Gewächsen angehören oder gar nicht vorkommen. Auch sind bei den chinesischen Producten schreiende Farben und geschmack- lose Verbindungen derselben, namentlich bei der gewöhnlichen Markt- waare, häufig zu sehen. So befand sich zum Beispiel auf der grossen Pariser Industrie-Ausstellung von 1878 ein chinesischer Wandschirm mit einem Gemälde auf Seide, das unter Anderm eine blaublühende Winde zeigte, die sich um den blühenden Ast eines Granatbaumes schlang, auf dem ein Phantasievogel mit gelber Brust sass, während auf dem Felsstück am Fusse ein Hahn stand, dem eine Wasserjungfer zuflog. Derartige Zusammenstellungen wählt gewiss kein japanischer Künstler, weil sie unnatürlich sind und sein Farbensinn sie ihm ver- bietet. An Grösse und handelspolitischer Bedeutung behauptet zwar China unter den Ländern Ostasiens immer noch seinen hervorragenden Rang, aber im Verhalten gegen die christlichen Culturvölker, in seinen Staatseinrichtungen und seinem Einfluss auf unser Kunstgewerbe hat Japan ihm den Rang abgelaufen. War der Japaner in früheren Jahrhunderten ein blinder Bewun- derer und Nachahmer seines westlichen Nachbars und Lehrmeisters, so hat er das längst aufgegeben. In der herrlichen Natur seines Lan- des fand er die meisten Decorationsmotive wieder, die ihm von Westen her im Bilde nur plump und entstellt vorgeführt wurden. Viele der- selben, namentlich aber die seinen Bergen fehlenden, verpflanzte er in seine Gärtchen und Tempelhaine. Was er hier so oft und mit so viel Wohlgefallen beschaut und bewundert, die mancherlei Erzeugnisse der Natur seines Landes, sind seine Motive. Dieser Natur sich zu erfreuen, still zu ihren Füssen sitzend sie in ihrem Leben und Treiben zu be- lauschen und das leichte und gefällige Bild warm und treu, wie es empfunden und aufgenommen wurde, mit geübter, sicherer Hand wie- derzugeben: dies ist das Geheimniss, das sich allmählich zur Grund- lage der japanischen Kunst im Gewerbe ausbildete. Die Bilder, mit denen der Japaner seine Vasen und Präsentier- teller, seine spanischen Wände und kostbaren Seidenstoffe mit Vorliebe schmückt, sind demnach der Ausdruck eines geläuterten Geschmacks, einer geübten Naturbeobachtung und eines liebevollen Erfassens all der Schönheiten, welche Berg und Thal, Feld und Hain in ihren man- nichfaltigen Formen und Lebenserscheinungen ihm bieten. »Natura artis magistra«. Dieser Wahlspruch der Zoologischen Gesellschaft in Amsterdam passt desshalb auf kein Volk besser, als 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. auf die Japaner. Nirgends steht er auf ihren kunstgewerblichen Erzeugnissen geschrieben, aber das Auge des Kunstverständigen er- kennt ihn und seine volle Wahrheit bei den meisten derselben. Es bewundert die Freiheit der Behandlung, die packende Gewalt des Ausdrucks, welche der japanische Künstler insbesondere in der Dar- stellung der Vögel und Insecten, sowie mancher seiner Lieblings- blumen, mit grosser Naturtreue zu verbinden weiss. Wer wird leugnen wollen, dass dies der wahre, der vollberech- tigte Naturalismus ist? Der Natur entnimmt der Künstler seine Mo- tive; das schönste, was sie bietet, sucht er mit Hingabe und treu nach- zubilden, unentweiht und unverfälscht durch Zuthaten seiner eigenen Phantasie oder eines schmutzigen cynischen Sinnes. Nicht als ob letzterer der japanischen Künstlerwelt durchaus fehlte. Er hat sich früher sogar recht breit gemacht, ist aber zurückgedrängt worden durch das bessere Urteil und Zusammenwirken von Fremden und höher gestellten Einheimischen. Diejenige Richtung unserer realistischen Kunst, welche ein be- sonderes Gefallen an der Darstellung von Schauerscenen mancherlei Art hat, von Scenen, wo Blut und Leichengeruch wahrzunehmen sind, wie beispielsweise der talentvolle Brüsseler Maler Wiertz, oder wie sie der berühmte Benvenuto Cellini sich zum Vorwurf nahm, als er die bekannte Bronzestatue in der Loggia zu Florenz modellierte und goss, hat in Japan nie Beifall gefunden, und es ist als eine bessere Bildung unseres Geschmacks zu bezeichnen, wenn die Darstellung dieser Bronzearbeit: Perseus auf dem Körper der Medusa stehend, das abgeschlagene, bluttriefende Haupt derselben in der einen Hand, das Schwert wie triumphierend über die Henkerarbeit in der andern füh- rend, jetzt allgemein als ein haarsträubendes verwerfliches Motiv an- gesehen wird. Aber auch die Vorliebe mancher Künstler für Motive aus dem alltäglichen, gemeinen Leben, soweit sie sittlich verwerfliche oder unästhetische Handlungen betreffen, kann vor einer strengen Kritik nicht bestehen und ist jedenfalls keine »schöne Kunst«. In jeder Kunst hat die Realistik eben ihre Berechtigung und ihre Schranken; letztere lassen sich nicht in eine kurze Regel fassen, sondern werden durch eine sittliche Macht bestimmt, die auch das Schönheitsgefühl beherrscht und leitet. Die Frage, ob die Kunst moralisch sein müsse, ja ob sie es immer sein könne, ist eine sehr alte und beschäftigte schon die griechischen Philosophen. Jeder beantwortet sie nach Geschmack und eigener Nei- gung. Cynische Darstellungen, so künstlerisch vollendet sie sein mögen, sind aber ohne Zweifel ein Missbrauch der Kunst, denn diese soll III. Kunstgewerbe und Verwandtes. erziehen, den guten Geschmack bilden. Darum passt selbst die Venus von Medici, die in einem Museum ganz an ihrem Platze ist, sicherlich nicht für eine Unterrichtsanstalt. Bei den vielen Decorationsmotiven, welche der japanischen Ge- schichte, vornehmlich aber dem grossen buddhistischen Götter- und Sagenkreis entlehnt sind, erscheinen die alten Krieger meist in schwer- fälliger Rüstung, welche die freie Bewegung hemmt, und die Hofleute in steifer, ceremonieller Tracht, doch häufig in überaus ausdrucksvoller Stellung. Da bis zur Zeit des Shôgun Yoritomo in Kamakura (1185 bis 1199 n. Chr.) das Bärtetragen in Japan allgemein Sitte war, sehen wir bei Motiven aus der älteren Zeit die Männer immer mit Vollbärten. Eine grosse Kunstfertigkeit zeigt die Darstellung Buddhas, als milde, glückerfüllte, weiblich aussehende Gottheit in ihren verschiedenen sonstigen Attributen des Segnens, Lehrens, Nachdenkens etc., wie sie durch die Haltung der Hände und Finger zum Ausdruck kommen. Der mächtigste Stimulant und Träger der Kunst und des Kunst- gewerbes war zu allen Zeiten und bei allen Völkern der Cultus. Die Gottheiten zu veranschaulichen, ihren Dienst und die demselben ge- weihten Tempel zu verschönern, bearbeitete man kunstvoll nicht blos Holz, Stein und Erz, sondern machte auch in der Textilindustrie höchst beachtenswerthe Fortschritte. Man kann im Allgemeinen behaupten, dass, je höher die Menschen in ihrem Gottesbegriff gestiegen sind, desto kunst- und geistvoller sich auch die verkörperte Darstellung des Anbetungswürdigen gestaltete. Doch ist zwischen den rohen Ge- bilden der Naturvölker aus Holz und Thon und den vollendet schönen der griechischen und christlichen Kunst kein genereller, sondern nur ein gradueller Unterschied. Mehr als durch seine Gesetze und Ge- schichte, erkennt man eines Volkes Ideale und Culturstufe aus den Gebilden seiner Kunst und Industrie. Wie bereits angedeutet wurde, verbreitete sich mit dem Buddhis- mus und der Sprache und Literatur Chinas auch das Kunstgewerbe dieses Landes über Japan. Was letzteres vor dieser Zeit leistete, stand auf keiner höheren Stufe und war in Formen und Verzierungen nicht unähnlich den Producten unserer eigenen heidnischen Vorfahren. Der Buddhismus war bis in die Mitte dieses Jahrhunderts der Haupt- träger und Förderer des japanischen Kunstgewerbes. Siebold nennt die buddhistische Religion: »conductrice des sciences et des arts« in »Sur l’état de l’horticulture au Japon. Leide 1863.« In seinen Tempeln und Klöstern fanden die hervorragendsten Erzeugnisse des- selben Aufbewahrung und Verwendung, so dass die Inschrift: »Quam 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. quisque norit artem in hac se exerceat« über dem einen Eingang zum Kensington-Museum auch auf sie passt. Mit der Entwickelung des Feudalismus unter den Minamoto und mehr noch seit der Pacification des Landes durch Iyeyasu am Anfang des 17. Jahrhunderts gesellte sich der Feudaladel (der Hofadel war zu arm) als Förderer des Kunstgewerbes zum Cultus. Die Burgen der Daimiôs wurden von nun an neben den Tempeln die Sammelplätze seiner besten Leistungen. Die Herrschaft der Tôkugawa-Shôgune (oder Taikune) in Yedo, d. h. die Zeit von der Schlacht bei Sekigahara im Jahre 1600 bis zur Restauration der Mikadomacht im Jahre 1868, ist das goldene Zeitalter des japanischen Kunsthandwerks. Der lange Frieden und die fast ebenso lange Abgeschlossenheit des Landes dien- ten dazu, die verschiedenen Zweige desselben zu kräftiger und eigen- artiger Entwickelung zu bringen. Die Keime hierzu waren durch einen langen Verkehr mit Korea und China, welch letzteres über 1500 Jahre hindurch als Vorbild gedient hatte, sowie in Folge der Expedition nach Korea, welche im Jahre 1586 von Hideyoshi organisiert wurde, nach Japan gelangt und hatten sich dann auf diesem neuen fruchtbaren Boden während einer langen ungestörten Pflege entwickelt und zur schönsten Blüthe entfaltet. Stand und Leistungsfähigkeit des japanischen Kunstgewerbes in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts werden am besten durch seine verschiedenen Producte in Nikkô erkannt. Nachdem dieser herrliche Tempelgrund Vgl. die Darstellungen zu S. 350, 529, 536 in Bd. I. am Fusse des wald- und wasserreichen Gebirges zur Ruhestätte des grossen Shôgun Iyeyasu nach dessen Wunsch herge- richtet und seine Gebeine 1617 von Ku-nô-zan in Suruga in das für sie bestimmte Grab übergeführt waren, bemühten sich die Grossen und treuesten Anhänger ihres verstorbenen Herrn und Führers, den- selben auch im Tode nach Vermögen zu ehren. Die Tempel und Pagoden, granitenen Säulen und Wasserbecken, Stein- und Bronze- laternen, sowie die vielen Glocken, ferner die Holzschnitzereien in Relief und durchbrochener Arbeit, welche sie stifteten, die vielen Priestergewänder und sonstigen Geräthe, Lackarbeiten und anderes mehr aus jener Zeit sind uns unzweifelhafte Beweise dafür, dass das Kunstgewerbe damals schon einen hohen Grad der Vollkommenheit erlangt hatte. Seine Fortentwickelung erkennt man an manchem herr- lichen Gegenstande in den Shôgungräbern zu Shiba und Uyeno in Tôkio, sowie in verschiedenen berühmten Tempeln der folgenden Zeit. Einige Kunstkenner betrachten aber die Regierung des 11. Shôgun Rein , Japan. II. 25 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Iyenari Bunkio (1787—1836 n. Chr.) als die eigentliche Glanzzeit des altjapanischen Kunstgewerbes. Endlich, nach langer Uebung und nachdem die gewaltigen Ver- kehrsschranken gefallen waren, erschien Neu-Japan mit den mannig- faltigen Erzeugnissen seiner Lackierkunst, seiner Keramik und Emai- lierung kupferner und irdener Gefässe, seiner Bronze-Industrie und Waf- fenschmiedekunst, mit seinen herrlichen seidenen Geweben und Sticke- reien und einer Menge der verschiedenartigsten Spiel- und Phantasie- stücke auf den Märkten des Occidents, erwarb sich rasch die Bewun- derung der meisten Kunstfreunde und kämpfte auf den verschiedenen internationalen Ausstellungen mit den civilisierten Völkern der Christen- heit erfolgreich um die Krone. Dem Bergwasser vergleichbar, das während langer Stauung sich sammelt, dann aber plötzlich losbricht, über die Ebene hereinströmt und sie überschwemmt und befruchtet, erschienen in Westeuropa diese Producte des japanischen Gewerb- fleisses auf den Märkten und übten mehr oder minder Einfluss auf den Geschmack und die Bestrebungen vieler Gewerbetreibenden aus. In Japan selbst waren das Feudalsystem und seine Schranken überwunden, die Daimiôburgen gefallen und die Klöster eines ansehn- lichen Theils ihrer Mittel beraubt, und damit die bisherigen Stützen und Förderer des eigenartigen Kunsthandwerks verschwunden. Die meisten der angesammelten Erzeugnisse desselben gingen ins Ausland, um private und öffentliche Sammlungen zu schmücken; manche wurden zu Spottpreisen verschleudert. Damit verbreitete sich allgemein die Furcht, dass die alte Kunstfertigkeit nun aussterben, das Kunstgewerbe Japans entarten werde. Diese Besorgniss war um so begründeter, als die fremden Exporteure solcher Erzeugnisse nun in den Vertragshäfen und im Landesinnern die Gegenstände fabrikmässig und massenhaft anfertigen liessen, und es ihnen meist nur um Erzielung eines hohen Absatzes, und dem entsprechend um billige Preise zu thun war. Der Gewerbetreibende selbst verliess vielfach seine alten Muster und Ar- beitsmethoden, suchte eifrig nach neuen Formen und Verzierungsweisen, blos um sie dem europäischen Geschmack anzupassen, den er im übri- gen gar nicht kannte. Die geschmacklosesten Dinge, auch nach ja- panischer Auffassung, kamen so auf den Markt und fanden auch noch ihre Abnehmer. Unerwartet aber trat mit der Neubelebung unseres eigenen Kunst- handwerks und mit der Verbreitung eines geläuterten Geschmacks in Europa auch ein Wendepunkt in dieser verderblichen Richtung des japanischen Kunstgewerbes ein. Die Zahl der Kenner und Liebhaber der gediegenen kunstindustriellen Leistungen Japans mehrte sich, die 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Nachfrage nach letzteren wuchs, und es entstand damit ein neuer Sti- mulus für den japanischen Gewerbetreibenden, grösser und einfluss- reicher, als die früheren es je sein konnten. Dieser Wendepunkt ist nicht zum geringsten Theil dem Einfluss der grossen Industrie-Aus- stellungen auf alle interessierten Japaner: Regierung, wie Gewerbe- treibende, zuzuschreiben. Der von Vielen gefürchtete Rückgang und Verfall des japanischen Kunsthandwerks ist nicht eingetreten, vielmehr in verschiedenen Bereichen — ich nenne nur die Email- und Bronze- Industrie — seit 15 Jahren ein erfreulicher Fortschritt bemerkbar. Man hat die Ueberzeugung gewonnen, dass die Zukunft des ja- panischen Kunstgewerbes in der Erhaltung seiner Eigenart liegt. Nur wenn das japanische Volk sich seine kindliche Freude an der schönen Natur seines Landes bewahrt, wenn es sich seine Lieblinge in Wald und Feld, in Tempelhain und Hausgärtchen und ihre treue Pflege auch ferner erhält, wenn es fortfährt, aus dieser lebendigen frischen Quelle seine Motive und künstlerische Begeisterung zu schöpfen, und nebenbei die Grundbedingung seines Glückes und seiner billigen Arbeitskraft, die Genügsamkeit nicht verliert, nur dann wird es auch auf der Höhe seiner eigenartigen kunstgewerblichen Leistungen bleiben; nur dann darf es hoffen, die gewonnenen Absatzgebiete sich zu erhalten und ihnen neue hinzuzufügen. In der japanischen Feudalzeit dienten, wie dies bereits hervor- gehoben wurde, die hervorragendsten Producte des Kunstgewerbes zur Zierde der Tempel und der Wohnungen des Adels. Sie wurden meist auf Bestellung gemacht und es wetteiferten viele der Landes- fürsten mit einander, hervorragende Talente heranzuziehen und zu unterstützen. Das gab dem Künstler sorgenfreie Musse und Freudigkeit zum Schaffen. Wenn aber in neuerer Zeit behauptet worden ist, dass viele Personen aus den höheren Ständen in Japan nicht blos Interesse am Kunstgewerbe zeigten, sondern selbst darin thätig gewesen seien, dass selbst Fürsten und Minister modellierten und in Lack malten, so beruht dies auf grosser Unkenntniss der bestehenden Verhältnisse. Dilettanten der Art sind dort eine noch viel seltenere Ausnahme als bei uns. Versemachen gehörte immer zum guten Ton, auch der höch- sten Kreise in Japan, und daneben wohl auch die Beschäftigung in der Malerei, aber in die Entwickelung des Kunsthandwerks hat die von hohen Kreisen geübte Kunst nicht in dem Maasse eingewirkt, wie man es zuweilen angibt. Die Kunst und Kunstindustrie wohnt in Ja- pan nicht in Palästen, sondern in bescheidenen Bretterhäuschen meist armer, aber genügsamer, glücklicher Menschen, deren Bedürfnisse gering und leicht zu befriedigen sind. 25* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Durch eine lange und in unsern Augen nicht leichte Schule reift der Lehrling zum Gesellen, der Geselle zum Meister heran, und nur, wo Talent, Fleiss und Ausdauer zusammenwirken, wird die höchste Stufe erreicht, die Stellung des tonangebenden, einen Fortschritt be- wirkenden Künstlers. Aber das ganze Volk, vom Höchstgestellten bis zum gemeinen Manne herab, zeigt Interesse und Verständniss für die Erzeugnisse des Kunsthandwerks, und hierin liegt ohne Zweifel ein gewaltiges Förderungsmittel seiner Bestrebungen. Das Auge und die Hand des Japaners sind durchschnittlich ge- übter, als bei einem Europäer; selbst der gemeine Mann vermag meist leicht eine anschauliche Skizze eines Gegenstandes oder Weges zu entwerfen. Woher kommt dies? Ist der höhere Kunstsinn, die grössere Fertigkeit des Volkes angeboren oder anerzogen? — Ich nehme letz- teres an und glaube, der Schlüssel liegt hauptsächlich in den grossen Schwierigkeiten, welche das Erlernen der vielen japanischen und chinesischen Schriftzeichen macht. Es gehört jahrelange Uebung und viel Fleiss dazu, bis das Auge sie rasch zu unterscheiden, die den Tuschpinsel führende Hand sie leicht nachzumachen vermag. So er- langt jenes die grosse Fähigkeit im Erkennen und Erfassen von Form und Maass, und diese die Geschicklichkeit beide getreu wiederzugeben. Wenn der Vergleich zulässig ist, möchte ich an die slavischen Völker er- innern und die anerkannte Leichtigkeit, mit der sie fremde Sprachen erlernen. Die Schwierigkeiten der Muttersprache üben bei ihnen Ohr und Zunge und be- fähigen sie zur leichten Auffassung und Wiedergabe des fremden Idioms. Mit seiner Kunstfertigkeit vereint der Japaner nicht blos viel Nachahmungstrieb, sondern auch eine grosse Findigkeit, wo es sich um kleine Kunstgriffe und Ueberraschungen handelt. Der erfinderische Geist des Nordamerikaners ist ein speculativer, auf das Ersinnen zweckmässiger Werkzeuge und Vorrichtungen gerichtet, die man in England und Amerika zum Theil als Yankee Notions (Yankee-Ideen) bezeichnet. Der Japaner ersinnt dagegen kleine kunstgewerbliche Spielereien. Dort ist Gewinn durch Erleichterung und Ersatz der Handarbeit die Triebfeder der Erfindung, hier die Freude an künst- lerischem Schaffen, ohne alle Berechnung des daraus etwa entsprin- genden materiellen Vorteils. — Indem ich mich nun zur Besprechung des japanischen Einflusses auf das Kunstgewerbe des christlichen Abendlandes wende, erscheint mir die Unterscheidung dreier Perioden, nämlich die portugiesische, die holländische und die neuere Zeit des Verkehrs mit dem Lande des Sonnenaufgangs (Nippon) geboten zu sein. Der fast ausschliessliche 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Verkehr Portugals mit Japan umfasst die zweite Hälfte des 16. Jahr- hunderts. Nach der Entdeckung des Landes durch Mendez Pinto im Jahre 1542 folgten portugiesische Jesuiten der Führung des Francisco Xavier und verkündigten im südlichen und mittleren Theile desselben das Christenthum, und zwar mit solchem Erfolge, dass viele Tausende zu demselben übertraten. Zusehends wuchs der Einfluss dieser An- hänger Loyolas und bewirkte im Jahre 1582 bei einigen christlichen Fürsten der Insel Kiushiu sogar die Absendung einer Gesandtschaft mit reichen Geschenken an den Papst nach Rom und den Hof nach Madrid über Lissabon. Diese Geschenke, sowie alle sonstigen gewerblichen Erzeugnisse Japans, welche in jener Periode nach der iberischen und italischen Halbinsel gelangt sein mögen, haben keinerlei nachweisbaren Einfluss auf das Kunstgewerbe derselben geübt, ebensowenig, wie die mit Japan damals verkehrenden portugiesischen Priester und Kaufleute selbst. Meine Hoffnung, es möchten wenigstens jene Geschenke selbst, sowie an- dere Erzeugnisse des japanischen Gewerbfleisses aus damaliger Zeit in den Samm- lungen Lissabons, Madrids und Roms oder portugiesischer Klöster zu finden sein und so einen festen Anhalt zur Beurteilung der Leistungen Japans im 16. Jahr- hundert bieten, hat sich zu meinem Bedauern nicht erfüllt. Die Nachforschungen, welche ich durch einen sachverständigen Freund im vorigen Jahre in Rom anstellen liess, blieben eben so resultatlos, wie meine eigenen in Madrid, Lissabon und Nachbarschaft. Der kunstsinnige König Don Fernando, ein vortrefflicher Beur- teiler kunstgewerblicher Erzeugnisse, der die Gewogenheit hatte, mich in seiner herrlichen Sammlung in Lissabon selbst umher zu führen, war der Meinung, dass Portugal nichts mehr aus jener Zeit besitzt. Dasselbe gilt in noch höherem Grade von Spanien, dessen Hauptstadt es noch nicht zu einer kunstgewerblichen oder ethnographischen Sammlung gebracht hat. Als diese in den ersten Decennien des 17. Jahrhunderts des Landes verwiesen wurden, hatte Europa von ihrem 80jährigen Verkehr mit Japan ausser der Erweiterung seiner geschichtlichen und ethno- graphischen Kenntnisse nur geringen Vorteil geerntet. Namentlich war das interessante Land in naturwissenschaftlicher Beziehung eine terra incognita geblieben, deren Erforschung erst gegen Ende des Jahr- hunderts durch unsern Landsmann E. Kämpfer begann. Während der langen Zeit (1624—1854), in welcher nur Holland unter zwar sehr vorteilhaften, aber höchst demüthigenden Bedingungen, in Nagasaki den Verkehr Europas mit Japan unterhielt, kam manches werthvolle Industrieerzeugniss des letzteren nach den Niederlanden. Lange Zeit hindurch blieben diese Gegenstände dem übrigen Europa so zu sagen fremd, denn sie gelangten nur in die Privatsammlungen einzel- ner Fürsten, vornehmlich urnenförmige Deckelvasen aus Hizen-Porzel- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. lan. In Holland selbst übten sie nur auf die Keramik einen nach- weisbaren Einfluss aus. In Delft florierte damals (1639—1764) die berühmte Faience-Fabrik von Lambertus Cleffius. Sie folgte der Richtung ihrer Zeit und malte ihre Bilder auf hartes, gebranntes Zinn- email, während in der vorausgegangenen Periode die Farben auf die lufttrockne Emailhülle aufgetragen und dann mit derselben gebrannt wurden, wodurch die Verzierungen sich viel zarter und leichter ge- stalteten. Was nun die Decorationsmotive betrifft, so finden wir die Maler der Fabrik in hohem Grade von japanischen Mustern inspiriert, ebenso diejenigen verschiedener andern holländischen Fabriken aus jener Zeit, die alle ihre Producte Porzellan nannten und theilweise sogar Patente für treue Nachahmung der Japaner erhielten, wie z. B. Pinaker. Die japanischen Muster erkennt man jedoch weniger in dem angewandten Material, noch in den Formen, als vielmehr in der Verzierungsweise. Wir finden auf den Erzeugnissen dieser ausgedehnten holländischen Faience-Industrie z. B. den Botan (Paeonia Moutan), die Mume (Pru- nus Mume), die Matsu (Pinus densiflora) und andere Kinder der japa- nischen Flora dargestellt, aber auch Kraniche, Silberreiher, Pfauen etc. nach japanischen Vorbildern. Als aber im 18. Jahrhundert die Faience mit ihrem opaken Zinn- email durch das Aufblühen der Porzellan-Industrie in Europa mehr und mehr zurückgedrängt wurde, schwanden auch ihre japanischen Muster und wurden durch chinesische ersetzt, wie wir dies vor allem an den älteren Erzeugnissen von Meissen und Sèvres wahrnehmen können. Die frühesten Producte Böttgers und von Tschirnhaus, das sogenannte »rothe Porzellan« — Steingut und Irdenwaare von roth- brauner Jaspisfarbe, wie sie ähnlich noch 80 Jahre später von Wedge- wood in England geliefert wurden —, bestehen vornehmlich in Thee- töpfen, welche nach Färbung, Form und Verzierung manchen noch heutiges Tags in China, z. B. den in der Provinz Shantung verfer- tigten, zum Theil zum Verwechseln ähnlich sind. Ebenso reiht sich das von 1709 ab in Meissen zuerst dargestellte Hartporzellan in jeder Beziehung den chinesischen Mustern an. In späterer Zeit verliess die Ausschmückung in Meissen, wie anderwärts, die ostasiatischen Vor- bilder mehr und mehr und behielt davon nur noch einige stylisierte Theile, wie die Blüthen der Rose, Päonie und Mumepflaume, welche sie, getrennt von den übrigen Bestandtheilen der Pflanze, durch Ara- besken und andere ideale Verzierungen verband und so Bilder schuf, welche durch Symmetrie und Gefälligkeit der Formen ersetzten, was ihnen an Naturtreue abging. 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. Auch in Sèvres, wo man bereits 1695 eine Art Porzellan verfer- tigte, aber das harte chinesische erst 1712 nachzuahmen wusste, war die Ausschmückung zuerst ebenfalls eine reine Copie der chinesischen und nahm erst allmählich einen mehr selbständigen Charakter an. Ganz ausser allem Zusammenhang mit diesen frühesten Einflüssen der keramischen Kunst Ostasiens auf die edle Töpferei Europas, und der Zeit nach weit davon getrennt, steht nun das auffallende und weit verbreitete Bestreben der Neuzeit, die japanische Verzierungsweise, weniger die japanischen Formen blind zu copieren, ein Bestreben, das in den meisten Fällen erst seit 15 Jahren und nur ausnahmsweise schon 10 Jahre früher wahrnehmbar war und erst auf der Wiener Weltausstellung zum überraschenden Ausdruck kam. Veranlasst wurde dasselbe durch den grossen Beifall, welchen diese japanische Orna- mentik in maassgebenden Kreisen fand, und die Beliebtheit japanischer Industrieerzeugnisse, seitdem die alten Schranken ihres Versandtes ge- fallen waren. Frankreich und England, die bisher tonangebenden Länder in der Industrie überhaupt, haben auch in dieser Richtung sich am meisten hervorgethan. Legte hiervon schon die Wiener Ausstel- lung Zeugniss ab, so trat der japanische Einfluss auf die Industrie dieser Länder, namentlich in der Keramik, der Bronzewaaren-Verzie- rung und der Gold- und Silberschmiedearbeit (weniger auf andere Zweige des Kunstgewerbes), doch vor allem auf der letzten grossen Pariser Industrie-Ausstellung dem Besucher lebhaft vor Augen. In der keramischen Klasse der französischen Ausstellung von 1878 fanden sich Nachahmungen japanischer Muster wohl auch bei Porzellan und Terracotta, doch vor allem viel bei der Faience. Als vorzügliche Leistungen derart sind diejenigen der Faiencerie de Gien (Loiret) und de Choisy le Roi (Seine) zu erwähnen. Die grosse Fabrik von Gien hatte Teller ausgestellt, bei welchen die Verzierungsweise des Kutani- yaki (Kaga-Porzellan) täuschend ähnlich wiedergegeben war; ebenso überraschend treu war die Nachbildung eines Räucherbeckens aus Sa- tsuma. Viel Geschmack und Geschick im Nachahmen japanischer Meister hatte auch der Porzellanmaler L. Cellière von Paris entwickelt, ebenso F. Gaidan, der Awata-yaki (Kiôto-Faience) gut imitiert und sich ganz besonders durch eine freiere Anwendung der japanischen Manier ausgezeichnet hatte. Majorelle, ein Fabrikant aus Nancy, führte gute Nachbildungen der lackierten Imari-Vasen vor. Wenden wir nun unsere Blicke zu den Erscheinungen der Pariser Bronze-Industrie, die in glänzender Weise auf der Weltausstellung von 1878 vertreten war, so fesselte selbstverständlich zunächst Barbedienne unser Interesse. Hat er doch unter den Franzosen in der Bronze III. Kunstgewerbe und Verwandtes. überhaupt, und namentlich in der Anwendung des Grubenschmelzes am meisten geleistet, und ist überdies fast der einzige, welcher mit grossem Erfolg, wenn auch wohl schwerlich in finanzieller Beziehung, das japanische Email cloisonné nachmacht und als grosse Flächen- decoration verwendet. Auch bleibt er bei der blossen Nachahmung nicht stehen, sondern sucht, was in unsern Augen viel verdienstvoller ist, näher liegende Decorationsmotive im japanischen Sinne zu ver- werthen. So führte er den Beschauern eine grosse Platte vor, in deren Mitte sich ein Weiher mit weissen Seerosen befand, während Wasserliesch (Butomus) und gelbblühende Iris die eine Seite einfassten und eine wilde Ente sich eben auf den Wasserspiegel niederliess. — Brombeerranken und Reben, Eichenzweige, Hafer und Windhalm, so- wie verschiedene andere Angehörige unserer einheimischen Flora finden bei verschiedenen andern Bronzeartikeln ebenfalls zweckentsprechende Verwendung. Diesen höchst beachtenswerthen Leistungen standen andere gegen- über, bei welchen man Japaner in theilweise sinnloser und höchst lächerlicher Weise copiert hatte. Derart war ein Ofenschirm der Firma Bouhon \& Cie., dessen Bronzeverzierung, die auf Drahtgeflecht in einem breiten Messingrahmen ruhte, den Ast einer Kiefer darstellen sollte, deren Nadeln in schildförmige Blätter umgewandelt waren und bei dem blühende Zweige der Mumepflaume die Verästelung bildeten. Zu dieser unnatürlichen Verbindung kam dann noch ein Silberreiher auf dem horizontalen Theil des Astes. »Doch setze, was Du willst«, schrieb einst der »Wandsbecker Bote« (Claudius) seinem Freund Andres, »Einige loben’s doch!« So auch hier. Der Gegenstand, welcher 350 Frcs. kosten sollte, war schon fünfmal bestellt, wie ein Zettel besagte, offen- bar gerade dieser stilvollen Verbindung wegen. Was Barbedienne unter den Bronzefabrikanten, das ist Christofle bei den Gold- und Silberschmieden Frankreichs, mehr aber noch als galvanoplastischer Veredler und Decorateur von Neusilber und Bronze. Seine Gegenstände sind theils vor, theils nach dem Versilbern cise- liert; oft wird auch nach der Versilberung die eingravierte Verzierung noch vergoldet oder mit einer Art Niello versehen, was von besonders schöner Wirkung ist. Christofle wendet die japanischen Decorations- motive ausserordentlich häufig an; eine ganze Abtheilung seiner gros- sen und reichen Ausstellung war im japanischen Stile ausgestattet. Wollte man den Einfluss Japans auf das englische Kunstgewerbe kennen lernen, so brauchte man nur den Glanzpunkt der britischen Section, die Producte der fünf aufeinander folgenden grossen Firmen: Elkington, Minton, the Royal Porcelain Works Worcester, H. Doulton 1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen. \& Co., sowie Thomas Webb \& Sons näher zu betrachten. Die Aus- stellung von Elkington, des berühmtesten englischen Silberschmiedes, erstreckte sich vornehmlich über Gebrauchsartikel aus Gold und Silber und galvanisch veredelte Neusilbergegenstände. Bei der sehr ver- schiedenartigen Ornamentierung spielten japanische Vorbilder eine grosse Rolle und waren meist mit sehr viel Geschmack angewandt worden. In Minton’s Porzellanfabrik zu Stoke-upon-Trent, welche auch die verschiedenen Faiencen früherer Zeit nachmacht und eine überaus reiche Sammlung in Paris hatte, ist kaum ein japanisches Decorations- motiv unversucht geblieben. Bemerkenswerth waren namentlich Tassen in der Färbung des Awata-yaki, jede mit einem violett grundierten Keil, auf welchem die Mumepflaume und fliegende Singvögel (Unguisu) reizend nachgebildet waren. Aber wer zahlt für eine solche Leistung 105 Franken, wenn er dieselbe Tasse aus Japan für wenige Dollars beziehen kann? »The Royal Porcelain Works« zu Worcester, die zweite berühmte englische Porzellanfabrik, hat in ihrem Bestreben, Satsuma-Faience nachzumachen, das »Ivory-Porcelain« entdeckt, das an Färbung zwi- schen Satsuma und Awata-yaki steht, mehr als beide an Elfenbein erinnert und seinen Namen wohl verdient. Es ist eine bemerkens- werthe Specialität der Fabrik, bei der man nicht blos die Verzierungs- weise, sondern theilweise auch die Formen Japans, wie Bambusrohr- Vasen und Becher, prismatische Vasen etc. mit Erfolg nachahmt. Unter den Erzeugnissen der grossen Londoner Faience-Fabrik von H. Doulton in Lambeth befinden sich ebenfalls viele japanische Imi- tationen, ebenso bei vielen andern englischen Ausstellern feinerer Thonwaaren. Am wenigsten ist von den fünf oben genannten Firmen die Glasfabrik von Thomas Webb \& Sons von japanischem Einfluss berührt worden. Als Nachbarn Englands erschienen auf dem Marsfelde die Ver- einigten Staaten von Nordamerika. Unter ihren Ausstellern erwähne ich vor allem die Firma Tiffani \& Co. von New-York, welche eine der drei grossen Preismedaillen in der Klasse der Orfèvrerie erhielt. Ein grosser Theil ihrer schweren Silberwaaren war nach japanischer Art verziert mit Fischen, Schmetterlingen, Krabben, Reihern, Iris, Guirlanden etc., theils in Relief, theils eingraviert. Die keramische Industrie Ameri- kas war nur schwach vertreten; aber es ist Thatsache, dass die japanische Section der Ausstellung in Philadelphia 1876 einen über- raschenden Einfluss auf dieselbe übte. War früher der Gebrauch einfach weisser Teller, Tassen u. dgl. auch im Haushalte des Reichen III. Kunstgewerbe und Verwandtes. allgemein Mode, so wollte sie von nun ab Jedermann womöglich nach japanischer Art verziert haben. Die meisten übrigen Länder, welche auf dem Marsfelde vertreten waren, boten in der hier besprochenen Richtung wenig Bemerkens- werthes. So hat sich z. B. das russische Kunsthandwerk bis jetzt von dem japanischen Einfluss fast ganz frei gehalten und am meisten seinen nationalen Charakter bewahrt. Aber die Porzellanindustrie von Stockholm, welcher die nahe Insel Ytterby in einem sich ganz weiss brennenden Feldspath (Mikroklin) ein vortreffliches Rohmaterial liefert, das auch verschiedenen deutschen Fabriken dient, hat ebenfalls der Zeitströmung schon Rechnung getragen. Die berühmten Fabriken von Rörstrand und Gustavsberg, welche zu den ältesten Europas gehören und wiederholt im Wettkampfe mit andern Ländern hohe Auszeich- nungen erhielten, hatten theils Form und Decoration, theils blos das Genre der letzteren den Japanern abgesehen. Zu der ersten Art ge- hörten — eine durchaus misslungene Copie — zwei vierkantige Vasen, deren Felder mit japanischen Mädchen bemalt waren, die das blonde Haar der Skandinavierinnen trugen. Wo aber die japanische Manier frei und auf edle antike Formen angewandt war, wie z. B. bei zwei andern Vasen, welche schwedische Gräser und Feldblumen zierten, fesselte die Naturtreue und die freie, leichte, schwungvolle Darstel- lung wohl jeden Kunstfreund. Meine Betrachtungen über das japanische Kunstgewerbe nahen ihrem Schluss. In dem schönen Werke von C. von Lützow »Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung« schrieb pg. 4 J. Falke vornehmlich mit Bezug auf Japan: »Die farbige, decorative Kunst des Orients ist seit den Weltausstellungen aus ihrer isolierten Ruhe herausgetreten; sie ist eine Grösse für Europa geworden, dringt in seine Industrie gewaltig ein und droht seinen Geschmack auf ge- wissen Gebieten vollständig umzuwandeln.« War dieser Ausspruch schon durch das, was die Ausstellung von 1873 im Wiener Prater bot, gerechtfertigt, so bewahrheitete er sich noch mehr nach der Entwicke- lung, welche das Kunstgewerbe im Jahre 1878 auf dem Marsfelde zu Paris zeigte. Eine vollständige Umwandlung des europäischen Ge- schmacks durch den japanischen Einfluss halte ich in keinem Zweige für möglich, wohl aber die Fortdauer der blinden Nachahmung japa- nischer Vorbilder für noch geraume Zeit. Sie hat für unser Kunst- handwerk meines Erachtens keinen directen bleibenden Werth, wohl aber den indirecten, dass sie zur Läuterung des Geschmackes dienen, der einseitigen naturwidrigen Stilisierung und ihrer zu weiten Ver- wendung entgegenwirken und mehr zur Natur als Lehrmeisterin führen 2. Holzindustrie. wird. Nicht blinde Nachahmung, sondern Annahme der leichten ge- fälligen Decorationsmanier im japanischen Kunstgewerbe wird das unsrigen wesentlich fördern und zur Weiterentwickelung jenes guten Geschmackes führen, von dem der französische Minister in seiner Rede bei der grossen Preisvertheilung auf dem Marsfelde im Jahre 1878 mit vollem Recht sagte: »Le goût est la fécondité du travail.« 2. Holzindustrie. Möbeltischlerei, Intarsia-Arbeiten. Eigenthümlichkeiten der Dreharbeiten des Hakonegebirges und von Nikkô. Kammschneiderei. Strohmosaik. Es wurde bereits an andern Stellen zur Genüge hervorgehoben, dass die Architectur in Japan, wie in Ostasien überhaupt, nicht wie bei den Culturvölkern Europas älteste und vornehmste Trägerin der Kunst ist, dass ihre Holzconstructionen vielfach der Festigkeit, Zweck- mässigkeit und Eleganz entbehren, überdies aber äusserst leicht den Flammen zum Raube werden. Seine bewundernswerthe Findigkeit, Geschicklichkeit und Ausdauer zeigt der Japaner auch am Holze, aber auf ganz andern Gebieten, als dem der Baukunst, in den hunderterlei kleinen Sachen nämlich, die er daraus verfertigt. Nicht als Zimmer- mann und Architekt also, sondern als Schreiner, Dreher und Holz- schnitzer tritt er vor uns mit seinem eigenartigen Talent und Ge- schmack. Die Rahmen der Shôji oder Schiebefenster, die Täfelung der Wände in manchen Tempeln und vieles Andere sind Muster von feiner, sorgfältiger Schreinerarbeit. Bei der sehr einfachen Lebensweise und Hauseinrichtung aller Stände des japanischen Volkes, welche den Gebrauch schwerer Möbel ausschloss, konnte sich eine eigentliche Möbeltischlerei nicht ent- wickeln. Die Hauptarbeit bei Darstellung der wenigen hölzernen Hausgeräthe, wie Kasten, Schwertrepositorien, Etagèren, spanischen Wänden, Esstischchen, Präsentiertellern, Sänften und einigen andern, fiel dem Lackierer zu, der die leicht und sauber gearbeiteten Rahmen und Unterlagen aus Nadelhölzern mit kostbarem Lack überzog und mit kunstgeübter Hand ausschmückte. Erst mit dem Bedürfniss der Neuzeit, Häuser der Fremden und Eingeborenen nach europäischer Art auszustatten, entwickelte sich auch die Kunsttischlerei und ver- suchte sich mit wachsendem Erfolg, nicht blos in der Darstellung ge- wöhnlicher Möbel, sondern vor allen Dingen auch mit feinerem Holz- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. mosaik, oder wie es auch genannt wird, mit Intarsia oder Marqueterie- Arbeiten. Und gerade in dieser Richtung wurde bald Vortreffliches ge- leistet. Eine eigenthümliche Holzindustrie hat sich seitdem im Hakone- Gebirge und zu Shidzuoka, der Hauptstadt von Suruga, entwickelt. Fig. 12. Die mit Holzmosaik gezierten Cabinette, Kommoden und Tische sind sehr geschätzt und auch schon viel exportiert worden. Als Einlage verwendet man vornehmlich das gelbbraune, etwas seidenglänzende Holz des Kampferbaumes, sowie das schwarze Kernholz des Kaki — 2. Holzindustrie. oder der Dattelfeige (Diospyros Kaki). Am geschätztesten für allerlei Arbeiten des Möbelschreiners und zum Theil auch diejenigen des Drehers ist das Holz des Keaki (Zelkowa Keaki), wie schon Seite 288 hervorgehoben wurde. Es findet für sich allein in ähnlicher Weise Verwendung, wie das Eichenholz bei uns, dient aber bei den grösse- ren Intarsia-Arbeiten, wie Tischen und Kommoden, auch als fester Rahmen, der nicht reisst und sich nicht wirft, dessen Maserung und dunkle Färbung die hellfarbigere Mosaikarbeit in der Mitte zugleich wie ein dunkler Bilderrahmen vortheilhaft abhebt. Aber auch zu kleineren Dreh- und Schnitzarbeiten pflegt man das Keaki viel und gern zu verwenden, wie beispielsweise das Futteral in Fig. 12 zeigt. Die Producte der Holzindustrie des Hakone-Gebirges, eine Tage- reise westlich von Yokohama, welche unter dem Namen Hakone- zaiku (Hakone-Arbeit) bekannt sind, bestehen vornehmlich in solchen Mosaikarbeiten, sodann in einer Menge kleiner Gegenstände, welche man zu sehr billigen Preisen auf der Drehbank darstellt und sehr viel ausführt. Ich erinnere nur an die mit einem Fuss versehenen Aschen- becher aus dem Holze des Sanshô (Zanthoxylum piperitum, pg. 303 und 304), an die schwarzgeaderten leichten Teller- und Flaschenunter- lagen aus Sotetsu (Cycas revoluta) und die schwereren aus Hari- no-ki (Erlenarten), welche ähnlich aussehen, sowie an die Dosen, zu einer Dose zusammenlegbaren Leuchter und andere Dinge, wie auch Cigarrenbecher aus diesem eigenartig aussehenden Erlenholze. Die fleissigen Leute des Hakone-Gebirges, welche auf diese Weise sich nähren, behandeln die Zubereitung des Hari-no-ki (Alnus incana und A. firma) als Geheimniss und geben die daraus erzielte Waare als Product des Tsuta-no-ki (Actinidia volubilis Planch.) aus, dessen über- aus leichtes, grossporiges Holz jedoch nicht entfernt ähnlich ist. Es ist übrigens für den forschenden, sachkundigen Blick nicht schwer, in den Hakone-Dörfern Hata, Kawabata, Miyanoshita und mehre- ren andern, wo die Industrie besonders betrieben wird, wie auch in dem Städtchen Hakone selbst und dem Badeorte Atami , das Ge- heimniss zu ergründen. Dasselbe besteht darin, dass man in den be- nachbarten Wäldern im Frühjahr während der grössten Saftcirculation die Erlen fällt, ihrer Aeste und Spitzen beraubt, die Stämme aber in etwa 2 m lange Stücke zersägt und diese mit ihrer Rinde während des warmen, regenreichen Sommers liegen lässt, aber mehrmals wen- det. Das Holz wird dabei stockig; sein röthliches Pigment erleidet aber eine noch nicht näher untersuchte chemische Umwandlung, wird schwarzbraun und sammelt sich in eigenthümlicher Weise stellenweise an, so dass das Holz dadurch wie dunkel gemasert erscheint. Beim III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Abdrehen auf der Drehbank treten beide Veränderungen, der stockige Charakter und die eigenthümliche Zeichnung, durch den Farbstoff deut- lich hervor. Nach dem Putzen mit Schachtelhalm fügt man die Gegen- stände nochmals der Drehbank ein und lässt sie an einem dagegen gehaltenen Stück Pflanzenwachs (Rô, siehe pag. 185 ff.) rotieren, wodurch sie ein glattes, glänzendes Aussehen erhalten, indem ihre Poren zugleich mit Rô gefüllt werden. Die Drehbank , von der hier die Rede ist, ist ein sehr einfacher Apparat. Der Dreher hat den Hauptbestandtheil, eine eiserne Achse, mit ihrem einen Ende, einer vierzinkigen Gabel, sich zugekehrt. Diese Achse ruht und bewegt sich am andern Ende in einer Pfanne, in der Mitte aber auf einem Träger. Zwischen beiden ist der links und rechts gewundene Riemen angebracht, welche nach unten in zwei Tritte endigt. Um diese und damit die Drehbank zu bewegen, sitzt der Arbeiter in einer kastenartigen Vertiefung, wenigstens mit den Beinen, zu denen die Riemen mit den Tritten hinabreichen. Indem er nun diese Tritte, wie ein Balkentreter beim Blasebalg einer Orgel auf- und abbewegt, dreht er die horizontale Achse nicht nach einer Rich- tung, sondern bald rechts bald links. In die erwähnte Gabel schlägt der Dreher einen dicken Querschnitt Holz, dreht je nach Bedarf eine engere oder weitere becherförmige Vertiefung hinein und zwängt dann das Stück Holz, aus dem er einen Gegenstand drehen will, mit einem Ende hinein etc. Nikkô-zaiku (Nikkô-Arbeit). In dem berühmten Tempel- und Wallfahrtsorte Nikkô (Imaichi) gibt es eine verhältnissmässig sehr grosse Zahl von Läden, welche mit einfach lackierten Waaren für den einheimischen Gebrauch, ferner mit eigenthümlichen Holz-, Schnitz- und Dreharbeiten handeln. Erstere kommen von Wakamatsu in Aidzu, die andern aber werden in Nikkô selbst angefertigt, und nur für diese passt daher obiger Name. Die Gegenstände sind weder so mannig- faltig und schön, noch so geschätzt, wie die von Hakone, aber sehr eigenartig. Das Holz des Kampferlorbeers, der Erlen und anderer, die dort besonders häufig verwendet werden, kommen in Nikkô nicht in Betracht. Was der Nikkô-Arbeit ihren Reiz gibt, ist die Eigenart der Form und des verwendeten Materials. Wurzel- und Aststücke des Shakunagi (Rhododendron Metternichii) werden ihrer Rinde beraubt, zu Dosen, Aschenbechern, Schöpfbechern für Wasser und andere Zwecke ausgehöhlt, im Innern lackiert und mit einem lackierten Deckel versehen; alte verkorkte Polyporus behandelt man in ähnlicher Weise und schafft eine Menge Hohlgefässe, die ebenso durch ihre Unsym- metrie, wie durch ihre Originalität überraschen. 2. Holzindustrie. Kammschneiderei . Weitaus die meisten ihrer Toilette- und Staubkämme stellten die Japaner bisher aus Holz dar und benutzten dazu vornehmlich das schwere, dichte Holz verschiedener immergrüner Gewächse südlicher Landestheile. Die darüber hier folgenden Beob- achtungen und Notizen wurden vornehmlich zu Sawa-mura in der Provinz Idzumi auf dem Wege von Sakai nach Wakayama gesammelt. Die Kammschneiderei wird hier in vielen Häusern betrieben. Die Hölzer, welche man dabei verarbeitet, sind, geordnet nach ihrer Werth- schätzung, vornehmlich folgende: 1) Tsuge (Buxus japonica, pg. 290), 2) Isu oder Yusu (Distylium racemosum, pg. 296), 3) Tsubaki (Ca- mellia japonica, pg. 305). Das Preisverhältniss grösserer Toilettekämme aus diesen drei Hölzern ist 8 sen: 2 sen: 1 sen das Stück. Dem Ca- mellienholz gibt man häufig mit Ukon (Ingwer) die gelbe Farbe des Bux, kann ihm aber nicht die wichtigeren Eigenschaften: gleiche Fein- körnigkeit, Härte und Zähigkeit verleihen. Die Nachahmung ist sonst täuschend. Das Yusuholz ist leicht an seiner rothbraunen Farbe er- kennbar. Es kommt gleich dem Bux aus dem südlichen Kiushiu über Ôzaka und Sakai. Damit es nicht reisse, wird es nach dem Fällen längere Zeit in Wasser getaucht. Gleich Tsubaki wird auch das Holz verwandter Arten, z. B. von Mokkoku (Ternstroemia) verwendet, doch viel seltener. Bei dieser Industrie findet übrigens eine Art Arbeitstheilung statt. Ein Mann sägt die Platten zu, ein anderer schneidet mittelst einer Bogensäge aus, ein dritter feilt, schleift ab und poliert den so zube- reiteten Kamm. Soll derselbe die Frisur eines Mädchens oder einer Frau zusammenhalten und schmücken, so wird er in der Regel noch vom Lackierer verziert. Auch in Yabuhara am Nakasendô beschäftigt die Kammschnei- derei viele Hände, verwendet aber die weicheren blattwechselnden Laubhölzer der benachbarten Wälder und liefert somit eine billige, untergeordnete Waare. Strohmosaik , jap. Wara-kise-zaiku . Die gewöhnlichste Art, die mancherlei kleinen Erzeugnisse der japanischen Holzindustrie auszuschmücken und zugleich gegen die Einflüsse der Witterung zu schützen, besteht in der Lackierung derselben, worüber das folgende Kapitel nähere Auskunft gibt. Eine andere Verzierungsweise ist die durch Mosaikarbeit im weitesten Sinne. Die Intarsia oder Einlage verschiedenfarbiger Hölzer, wie sie besonders im Hakone-Gebirge ge- bräuchlich ist, wurde bereits erwähnt. Es ist aber noch einer dritten Methode zu gedenken, nämlich des Ueberziehens der Holzwaare mit Rotanggeflecht oder mit Stroh. Das erstere finden wir vornehmlich III. Kunstgewerbe und Verwandtes. bei den elliptischen Brotkörbchen, deren Aussenwand oft statt lackiert mit prächtigem, aufgeleimtem Rotanggeflecht überdeckt ist, sowie bei dem Eierschalen-Porzellan. Viel häufiger wird Strohmosaik als Verzierungsmittel kleiner Holz- waaren verwendet. Es sind Kommodchen, Schachteln, Dosen und andere Gegenstände, welche in der Regel aus Kiri-Holz verfertigt, durch ihre grosse Leichtigkeit auffallen. Die schönsten kommen aus der Provinz Tajima nach den Vertragshäfen. Auch Omori am Tôkaidô, zwischen Yokohama und Tôkio, verfertigt sie, sowie beliebte Kinder- spielsachen aus Stroh. Für die Mosaikarbeit wird Gerstenstroh ver- wendet, gespalten und mit Anilinfarben gefärbt. Die Ornamente werden nach Mustern zusammen gestellt, auf Bastpapier mit Fu-nori oder einem andern Kleister aufgeklebt und dann mit dem Papier durch dasselbe Bindemittel auf dem Holze befestigt. Auch bei diesen Arbeiten be- kundet selbst der gemeine Mann einen entwickelten Geschmack in der Zusammenstellung und Verwerthung der Farben, wie er sich bei keiner andern Nation wiederfindet. Zu der kleinen Holzindustrie gehört auch die Anfertigung mancher Spielsachen oder Omocha — ich erinnere nur an den Koma oder Kreisel —, worin die Japaner sich ebenfalls als sehr geschickte, sorg- fältige Arbeiter bewähren. Doch wenden wir uns zu einem andern Industriezweige, in welchem sie diese Eigenschaften in noch weit höherem Maasse bekunden. 3. Lackindustrie. Vorbemerkungen. Gewinnungsweise und Eigenschaften des japanischen Lacks. Das Urushi-kabure oder die Lackvergiftung. Zubereitung des Rohlacks für den Lackierer. Lackpreisliste. Sonstige Materialien. sowie Werkzeuge, deren sich der Lackierer bedient. Grundierungsarbeiten und einfache Lackverzierung. Die Ar- beiten des Lackmalers oder Makiye-shi. Ebene und erhabene Goldlackverzierun- gen. Lackschnitzerei. Geschichtliche Notizen über die Lackindustrie. Vorbemerkungen . Unter den verschiedenen hochentwickelten Zweigen des japani- schen Kunstgewerbes nimmt die Lackindustrie unstreitig die erste Stelle ein. In keinem andern haben Kunstsinn und Kunstfertigkeit des Ja- paners, das weite Spiel seiner Phantasie und seine bewundernswerthe Ausdauer und Geschicklichkeit in der Ausführung ihrer gestaltenreichen Gebilde früher und mehr sich entwickelt, in keinem hat er sich von seinem chinesischen Lehrmeister und Vorbilde so frühzeitig getrennt 3. Lackindustrie. und auf eigene Füsse gestellt, in keinem andern endlich sich unter allen Culturvölkern so sehr und unbestritten den Vorrang erworben. Dem Uebergewicht der japanischen Lackindustrie über die chinesische, aus der sie hervorging, gab schon Pater d’Incarville vor 125 Jahren wiederholt Aus- druck. Die englische Bezeichnung »to japan« , lackieren, ist ebenfalls in diesem Sinne zu deuten. Auch sind kaum bei irgend einem andern Industriezweige Japans die Verwendungen und Behandlungsweisen des Rohmaterials so verschie- denartig, die Zwecke und Vorzüge der mit ihm behandelten Gegen- stände so mannigfaltig, wie beim japanischen Lack und der Industrie, welche ihn verwerthet. Die grossen Vorzüge der japanischen Lackwaaren sind vor allem durch mehrere ausgezeichnete Eigenschaften des eigenartigen Lackes bedingt, »Der japanische Lack ist nicht, wie unsere Copallacke, ein künstliches Ge- misch von Harzen, fetten Oelen und Terpentinöl, sondern im Wesentlichen ein bereits fertiges Naturproduct.« Wagener. sodann aber auch durch die sorgfältige Art seiner Verwen- dung. Japanische Lacksachen zeichnen sich bei grosser Leichtigkeit und Eleganz des Aussehens durch ihre Solidität aus, durch die Schön- heit und Anmut der Verzierungen, vornehmlich aber durch verschie- dene, dem Material selbst zukommende, sehr werthvolle Eigenschaften. Zu diesen gehört: 1) Die grosse Härte , durch welche japanische Lacküberzüge alle andern Lackanstriche. selbst die mit Copal-, Theer- und Asphalt- Lack weit übertreffen, ohne dabei Sprödigkeit zu zeigen und rissig zu werden. 2) Der hohe Glanz und die Spiegelfläche der sorgfältig auf- getragenen Lackdecken, namentlich der schwarzen, Eigenschaften, welche sich unter den verschiedensten atmosphärischen Einflüssen Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hindurch erhalten. 3) Die Widerstandskraft gegen vielerlei Körper, bei deren Berührung unsere gewöhnlichen Harz-Lackanstriche sofort angegriffen und zerstört werden. So wird der japanische Lacküberzug weder durch kochendes Wasser, noch durch heisse Cigarrenasche angegriffen: ja er widersteht sogar alkoholischen Flüssigkeiten aller Art, sowie Säuren, wenigstens in der Kälte. Die heisse, scharf gesalzene Suppe des Japaners greift die lackierte Holzschale, aus der er sie zu schlürfen pflegt, ebenso wenig an, wie der erwärmte Sake. Nach Professor H. W. Vogel ist die einfache, schwarze japanische Lackschale säure- und alkoholfest und leistet damit in der Photochemie vortreffliche Dienste. Rein , Japan. II. 26 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die vorerwähnten Eigenschaften sind es denn auch, durch welche sich — ganz abgesehen von der künstlerischen Ausschmückung — die japanische und chinesische Lackwaare sofort erkennen und von ihren europäischen Nachahmungen, wie sie aus Holland, von Spa, Forbach und andern Orten in den Handel gebracht werden, leicht unterscheiden lassen; denn alle diese Nachbildungen werden aus Harzlacken bereitet, welche jene Eigenschaften des japanischen nicht theilen. Alle japanische Lackwaaren werden Nuri-mono , seltener Uru- shi-saiku genannt. Urushi heisst nämlich der Lack, nuri über- streichen, besonders mit Lack, mono , die Arbeit, saiku , die Waare, das Fabrikat. Die Lackierer zerfallen in zwei Hauptklassen; nämlich in Nuri-mono-shi oder Nushi-ya und in Makiye-shi . Erstere liefern die Grundierung und gewöhnlichen Lackarbeiten; sie verstehen nichts vom Geschäft der andern und wenden nur ausnahmsweise Edelmetalle zur Verzierung an. Die Makiye-shi oder Lackmaler stehen höher. Sie ver- stehen auch alle Arbeiten des Nuri-mono-shi, beschäftigen sich aber meist nur mit der Ausschmückung der grundierten Lackwaare, vor- nehmlich mit der Darstellung von Bildern und Verzierungen mittelst Gold- und Silberstaub. Es sind wirkliche Künstler, welche ihre kleinen Pinsel mit grosser Sicherheit und Geschicklichkeit führen und nicht blos nach Vorlagen arbeiten, sondern zum Theil eine bewunderns- werthe schöpferische Kraft im Entwerfen von Bildern entwickeln. Neben den Erwähnten gibt es oder gab es noch verschiedene Klassen von Specialisten, z. B. die Ao-gai-shi oder Perlmutter-Ein- leger, die Saya-shi oder Schwertscheide-Lackierer etc. Um die japanische Lackierkunst schwebt keinerlei Geheimniss mehr, so viel auch noch in neuerer Zeit das Gegentheil behauptet wurde. Die Gewinnung und Verwerthung des Rohmaterials kann Jeder, der sich die Zeit nimmt und die nöthigen Vorkenntnisse dazu mitbringt, im Lande studieren, wie ich es auch gethan habe. Freilich ist ein eignes, sachverständiges Studium nöthig, und da nur Wenige dazu bisher Zeit und Gelegenheit hatten, Viele aber nichtsdestoweni- ger das, was ihnen incompetente japanische Quellen angaben, kritiklos in Berichten wiederholten, so wimmeln die meisten derselben immer noch von irrigen Behauptungen. Aus diesen Gründen, und weil diese Abhandlung fast ausschliess- lich das Resultat eigener, an Ort und Stelle gemachter und in Europa später fortgesetzter Studien ist, erscheint eine vollständige Literatur- angabe hier überflüssig. Nur die beachtenswerthesten Artikel über den Gegenstand will ich hier anführen und zum Theil mit einigen Bemerkungen begleiten. 3. Lackindustrie. 1) Mémoire sur le Vernis de la Chine. Par le P. d’Incarville , Jésuite, et Correspondant de l’Académie, erschien in »Mémoirs de Ma- thématique et de Physique, présentés à l’Académie Royale des Sciences, par divers Savans, et lûs dans ses Assemblées«. Tome troisième, pg. 117—142. Paris 1760. Hiervon findet man eine freie deutsche Uebersetzung als Anhang zu Heidemann : »M. Watin’s Kunstades Staffiermalers, Vergolders, Lackierers und Farbenfabrikanten (in »Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke«). Ilmenau 1824«. Schon im ersten Satze dieses immer noch lesenswerthen Artikels hebt der Verfasser hervor, dass der Lack Chinas keine Composition, sondern ein Gummi oder Harz sei, das aus dem Lackbaum fliesse. Vieles, was dann weiter über die Gewinnung und Benutzung des Lackes erwähnt wird, gilt auch für Japan, heute wie damals. Dass daneben Irrthümer mit einfliessen, darf nicht Wunder nehmen, so z. B. wenn d’Incarville das Theeöl ein trocknendes nennt und nebst ge- branntem Hirschhorn dem schwarzen japanischen Lack zusetzen lässt. Immerhin bleibt der Artikel lehrreich und hochinteressant, auch dess- halb, weil er an mehr als einer Stelle der selbst von Chinesen aner- kannten Ueberlegenheit der Japaner Ausdruck gibt. 2) Wagener , Dr. G., Japanischer Lack. Dingler’s Polytechn. Journal Bd. 218 pg. 361 ff. 1875. Diese kleine Arbeit ist ein Product gründlicher Beobachtung und gesunden Urteils, wie alles, was der naturwissenschaftlich gebildete Verfasser über Japan geschrieben hat. 3) Maëda : Les Laques du Japon. Revue scientifique. 2 me série. Vol. VII pg. 117—128. Paris 1878. 4) Rein : Das japanische Kunstgewerbe. Oesterr. Monatsschrift für den Orient. Wien 1882 Nr. 4 und 5. Die ersten fünf Monate des Jahres 1874 und meines Aufenthaltes in Japan brachte ich in Tôkio und vornehmlich mit Lackstudien zu. nachdem ich mir in der deutschen Legation ein kleines chemisches Laboratorium eingerichtet hatte, engagierte ich mir zwei ältere, sehr tüchtige Lackarbeiter, von denen der eine, Namens Kisaburo, ein wahrer Künstler war, und richtete ihnen nach ihrer Angabe eine Werkstatt ein. Das Lackierverfahren und alle dabei in Anwendung kom- menden Werkzeuge und Stoffe kennen zu lernen, war Hauptzweck. Um ihn zu erreichen und gleichzeitig für das Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin eine instructive Mustersammlung zu gewinnen, liess ich mir vom Schreiner 100 Tafeln aus dem Holze des Hi-no-ki (Retinispora obtusa) anfertigen, jede 20 cm lang und 13 cm breit. Alle in Anwendung kommenden Materialien wurden untersucht und über sämmtliche Arbeiten, die ich theilweise mitmachte, ein Journal geführt. Als die Sammlung fertig war, sandte ich sie in Begleitung eines Berichtes an Se. Excellenz den Königl. Preussischen Minister für Handel und Gewerbe nach 26* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 5) Quin , J. J.: Report by Her Majestys Acting Consulate Hako- date on the Lacquer Industry of Japan. London 1882. In Balfour’s Cyclopaedia of India vom Jahre 1873 heisst es noch: »The manner of preparing the varnish, and the mode of applying it, is and is likely to remain a secret«. Sir Joseph Hooker in Kew in seinem Report für 1882 citiert dies und behauptet, dass Quin , Consul in Hakodate, das Geheimniss gelöst habe. Von den oben angeführten Arbeiten des Pater d’Incarville und Dr. Wagener scheinen also beide ebensowenig Kenntniss gehabt zu haben, als von meinen Lackstudien in Japan. Aber Sir Harry Parkes, der frühere englische Gesandte, kannte die letz- teren genau und war im Frühjahr 1874 unter den geladenen Gästen in der deutschen Legation zu Tôkio, als ich die Resultate jener Studien vorführte, ja er übertrug später die dabei erhaltene Anregung auf seinen Untergebenen, den Consul Quin. 6) H. Yoshida : On Urushi-Lacquer. Journal Chem. Soc. 1883 pg. 472 ff. 7) O. Korschelt and H. Yoshida : The Chemistry of Japanese Lacquer. Transact. As. Soc. Japan XII. pg. 182—220. Während meine beschränkten chemischen Hülfsmittel in Japan mir nur eine qualitative Untersuchung des Rohlacks ermöglichten, ist es den Verfassern dieses hochinteressanten Artikels gelungen, über die Constitution der verschiedenen Gemengtheile desselben Licht zu ver- breiten. Insbesondere hat Korschelt in der Lacksäure den wichtigsten Bestandtheil desselben nachgewiesen und ihre Eigenschaften eingehend untersucht, auf ihr Verhalten auch mehrere interessante Erscheinungen beim japanischen Lackierverfahren zurückgeführt und entsprechende Vorschläge gemacht. Wo ich anderer Ansicht bin, wie er, habe ich dies an der betreffenden Stelle besonders hervorgehoben. Gewinnungsweise und Eigenschaften des japanischen Rohlacks . Das Material für die in Rede stehende Industrie ist eine Emul- sion, der Saft des in China und Japan cultivierten Lackbaums oder Urushi-no-ki (Rhus vernicifera D. C.). Ueber den Charakter dieser Berlin. Jener Bericht ist auch die Grundlage für diese Abhandlung. Um ihn zu ergänzen, die Cultur und Verwerthung des Lackbaums im Innern des Landes und die übrigen Industriezweige näher kennen zu lernen, begab ich mich dann auf Reisen. Ein Bericht über die Cultur des Lackbaums, die Gewinnung des Roh- lacks und des Pflanzentalges folgte, nachdem ich alle grösseren Centren jener Cultur, sowie fast alle Orte mit bedeutenderer Lackindustrie besucht und das Wis- senswertheste darüber kennen gelernt hatte. Die nachfolgenden Spalten bringen es in thunlichster Kürze und nehmen dabei auch vielfach Bezug auf jene Muster- sammlung im Königlichen Kunstgewerbemuseum, die durch die Art ihrer Ent- stehung und ihren instructiven Werth wohl einzig dastehen dürfte. 3. Lackindustrie. Sumachart, die Art und Verbreitung ihrer Cultur in Japan, sowie ihre Einführung in Deutschland, wurde bereits pg. 186—188 berichtet und namentlich auch hervorgehoben, dass die Hauptlackdistricte dem nörd- lichen Hondo zwischen dem 37. und 39. Parallel angehören. Ich füge hier nur noch hinzu, dass von den jetzt neunjährigen Bäumchen im botanischen Garten in Frankfurt a/M. das grösste am Ende seiner letzten Vege- tationsperiode 6½ m Höhe und 48 cm Stammumfang, aber noch keine Blüthen entwickelt hatte. Dagegen blühten im Juni vorigen Jahres 19 kleinere Exemplare, unter welchen sich nur ein weibliches befand. Bei der Ungunst der Witterung während des Herbstes kamen die zahlreichen Früchte desselben nicht zur vollen Reife, erreichten aber die normale Grösse und hatten im Mesocarp auch schon Fett abgelagert. Herr Professor Wallach war so freundlich, durch seinen Schüler W. Sundheim im chemischen Universitätslaboratorium zu Bonn die Extraction und Gewichts- bestimmung desselben vornehmen zu lassen. Es ergab sich, dass von 100 luft- trocknen Früchten im Gewicht von 6,151 Gramm, das extrahierte Fett 0,60625 gr, die Schalen (Epidermis und Mesocarp) 2,36 gr, die Kerne (Putamen und Embryo) 4,15 gr wogen, das Fett also 29,37 % vom Gewicht der Schalen und 10,23 % von dem der ganzen Früchte betrug, wobei die mit extrahierte Farbsubstanz nicht in Anschlag gebracht wird. Etwa dreiviertel alles Rohlacks wird nördlich des 36. Breiten- grades gewonnen. Vor allem zeichnen sich die Binnenlandschaften und ehemaligen Daimiôherrschaften Aidzu, Yonezawa, Yamagata und Nambu , sodann mehr nach dem japanischen Meer hin, Theile der Provinzen Echizen (z. B. Ochiyama nicht weit von Fukui), Echigo (Gegenden von Murakami, Nagaoka und andern), Ugo (Akita in dem Gebiet des Tochima-gawa und Noshiro-gawa) und Mutsu (z. B. bei Hirosaki) durch ausgedehnte Lackbaumpflanzungen aus. Besonders geschätzt wird der Lack von jungen Bäumchen aus der Gegend von Yoshino in Yamato. Die Gewinnung des Sumachlacks hat viel Aehnlichkeit mit der- jenigen des Mannas aus den Stämmen von Fraxinus Ornus auf Sici- lien. Siehe Flückiger : Pharmakognosie. 2. Aufl. pg. 21. Sie erfolgt durch Anritzen der Bäume in horizontaler Richtung (Gürtelschnitte) und kann während des ganzen Sommers vom April bis zu Ende October vorgenommen werden. Am geringsten geschätzt ist der im Frühjahr gewonnene Lack, weil er sehr wässerig ist. Viel dickflüssiger, zugleich aber körnig und schwer austretend ist das im Herbst gesammelte Product. Als beste Zeit der Lackernte gilt der Hochsommer, da in ihm Quantität und Qualität des Materials den An- forderungen am meisten entsprechen. Niemals aber fliesst der Saft so leicht und reichlich aus den Wunden, dass man ihn mit Gefässen auffangen könnte, wie von verschiedenen Seiten behauptet worden ist. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die Lackgewinnung beginnt in der Regel erst, wenn die Bäume ein Alter von 9—10 Jahren erreicht haben, und nur ausnahmsweise schon 4—5 Jahre früher, wie in dem Distrikte Yoshino der Provinz Yamato. Die beiden wichtigsten Werkzeuge, deren sich der Urushi- shôkunin (Lackzapfer) dabei bedient, sind die Kaki-gama oder Ritzsichel (Tafel III. 10), eine fischhakenähnlich gebogene, dünne Eisen- platte, welche am U-förmigen Ende gestählt und auf der concaven Seite desselben messerscharf ist, dem Ritzmesser unserer Forstleute entsprechend, und der Natsu-bera oder Sommerspatel (Tafel III. 11), ein flacher, eiserner Löffel mit kurzer umgebogener Spitze. Erstere dient zum Ritzen der Bäume, die Natsu-bera aber zum Auskratzen des die Rinne füllenden Rohlacks und Uebertragen desselben in das Gô oder kleine Eimerchen aus Holz oder einem Stück Bambusrohr. Bei älteren Bäumen mit dicker, rissiger Rinde muss diese erst be- seitigt und der Stamm geglättet werden, bevor man die Kaki-gama anwenden kann. Es geschieht dies mittelst des Kawa-muki oder Rindenschälers, einer langen, etwas sichelförmig gekrümmten Messer- platte. Auch das gerade Messer oder Hôchô (Tafel III. 1) und der Ye-guri , Stech- oder Hohlmeissel (Tafel III. 2), werden vom Lack- zapfer gelegentlich benutzt. Ist er noch empfindlich gegen die giftigen Dünste des Lackes, so schützt er seine Hände durch Te-bukuro oder Fausthandschuhe. Fast alle mit der Lackgewinnung beschäftigten Arbeiter kommen aus der Gegend von Fukui in der Provinz Echizen. Ihre Zahl wird zu 15—1600 angegeben. Im Frühjahr wandern sie in die verschie- denen Lackdistrikte, zumeist also nordwärts, wo sie von den Lack- händlern beschäftigt werden. Diese kaufen die Bäume den Bauern ab und überweisen sie ihren Arbeitern, und zwar in der Regel je einem derselben 1000 jüngere Bäume oder eine geringere Zahl, etwa 800—600 älterer, womit der Shôkunin den ganzen Sommer über be- schäftigt ist. Vor 10 Jahren kosteten je 100 Bäume im Durchschnitt 30—36 yen; doch hat sich seitdem der Preis etwa verdoppelt, ent- sprechend der grösseren Nachfrage nach Rohlack und dessen Ver- theuerung. Wenn der Lackzapfer für seine Arbeiten alle Vorbereitungen ge- troffen und die ihm zur Verfügung gestellten Bäume gereinigt hat, beginnt er damit, dass er mit der Kaki-gama am unteren Ende eines Stammes in raschem Zuge und horizontaler Richtung einen etwa 2 mm breiten, bogenförmigen Ritz durch Rinde und Bast macht, und zwar mit der U-förmig gebogenen Schneide, die er also fest aufdrückt. Hierauf durchfährt er diesen Gürtelschnitt mit dem Haken des Instru- 3. Lackindustrie. ments, um hineingefallene Rindenstückchen zu beseitigen, und macht dann eine Spanne (15—20 cm) höher auf entgegengesetzter Seite einen zweiten, einen dritten um wiederum soviel höher und auf einer andern Seite u. s. f., so weit er reichen kann, an 6—10 Stellen rasch hinter einander. Ich habe zugesehen, dass ein geübter Urushi-shôkunin in jeder Sekunde eine Furche zog. Hierauf wendet er sich zu einem zweiten Baume und verfährt ebenso. Hat er auf diese Weise 10 bis 15 Bäume geritzt, so kehrt er zum ersten zurück und sammelt nun in derselben Ordnung den Rohlack oder Ki-urushi ein. Es ist eine grauweisse, dickflüssige Emulsion, die sich an der Luft rasch gelb- braun und später bald schwarz färbt. Dieselbe füllt die Gürtelfurchen und fliesst nur ausnahmsweise etwas über. Mit der Spitze des Natsu- bera wird sie ausgekratzt und dann über den Rand des kleinen Eimers (gô), den der Arbeiter dabei in der linken Hand hält, in denselben abgestrichen. Hat der Lackzapfer diese Arbeit beendet, so begibt er sich zu einer andern Baumgruppe und verfährt hier ebenso und so fort. Erst nach 4 Tagen pflegt er zu seiner ersten Abteilung Bäume zurück zu kehren und macht nun etwa 2 mm tiefer und parallel zu den ersten Ritzen neue, so auch bei den andern Baumgruppen, die er in Behand- lung hat, indem er nach jeder neuen Serie von Ritzen in der betref- fenden Gruppe den Lack auskratzt. Da nun diese Operation in den- selben Intervallen in der Regel 15—20 mal wiederholt wird, so ergibt sich, dass der Lackzapfer einen Zeitraum von mindestens 60 bis 80 Tagen, oft aber gegen 100 Tage braucht, bevor er die Arbeit beendet hat. Dann bringt er auch den noch nicht geritzten Stellen Gürtelschnitte bei, sowie den Aesten, jedoch in grösserer Entfernung und nur, wenn die Bäume der Lackgewinnung ganz geopfert werden sollen. Will man dieselben aber für eine weitere Lack- und insbe- sondere auch für die Wachsgewinnung erhalten, so ist eine sorgfältigere Behandlung und spärlicheres Ritzen selbstverständlich. Im ersteren Falle, wo also die Bäume bis zur Erschöpfung behandelt werden, pflegt man endlich nach dem Laubfall die Aeste abzuhauen, die dickeren Stücke in Wellen von etwa 1 m Länge zu binden und diese dann mit dem Kopfende in warmes Wasser zu stellen. Man ritzt die aus dem letzteren hervorragenden Theile der Aststücke an, gewinnt auch hier- bei noch Lack, dreht später die Wellen um und wiederholt das Ver- fahren auch auf der andern Seite. Statt durch Wasser, kann man den Saft auch durch die Wärme eines Feuers nochmals in Circulation setzen. Der so gewonnene Astlack, Seshime oder Shime-urushi , gilt jedoch für die schlechteste Sorte und wird fast nur für Grundie- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. rungsarbeiten verwendet. Der beste Ki-urushi kommt vom unteren Theil der Bäume und wird in der heissesten Jahreszeit gewonnen. Derselbe hat bei gleichartiger, dickflüssiger Beschaffenheit eine loh- braune Farbe. Die schlechteren Sorten sind meist dunkler, nicht homogen, etwas körnig und fast breiig dickflüssig. Man erhält sie vornehmlich aus den Aesten und höheren Stammteilen. Durchschnittlich liefert ein einzelner Lackbaum bei erschöpfender Behandlung, der er natürlich zum Opfer fällt, nur 1,5—3 gô oder 53,50 ccm Rohlack, entsprechend etwa 27—54 Gramm, da das spec. Gewicht desselben das des Wassers nur wenig übersteigt. Nach W. Williams: »The Middle Kingdom« rechnet man in China auf 1000 Bäume im Durchschnitt sogar nur 20 Pfund Lack. Dies sind (1 Pfund Adp = 453,6 gr) im ganzen 9072 gr oder nur 9 Gramm auf den Baum. Nach Dallas Notes collected in the Okitama-ken. Trans. As. Soc. of Japan 1875 pg. 118. war im Jahre 1874 der Lackertrag des Okitama- ken (Gebiet von Yonezawa in Uzen), einem der Hauptdistrikte der Lackcultur, 3608 kin oder jap. Pfund (à 592,593 gr.) = 2165 kg. Ausserdem wurden aus dem Fett der Früchte 62598 kin = 37559 kg Rô-soku oder Kerzen dargestellt. Bei einem Durchschnittsertrag von 40 Gramm Rohlack per Baum sind zu jenen 2165 kg im ganzen 60140 Bäume erforderlich. Die Verpackung des Ki-urushi erfolgt stets in Taru (Kübeln) von der Gestalt und Grösse unserer gewöhnlichen Holzeimer. Sie werden aus Sugi (Cryptomeria japonica) verfertigt, mit Bambusreifen gebunden und durch einen runden Deckel, dem Boden entsprechend, verschlos- sen. Bevor dieser aufgeschlagen wird, legt man auf den Lack zwei starke geölte Bogen von Bastpapier, welche so gross sind, dass sie zwischen dem Deckelrande und dem Kübel hervorragen. Das Papier wird, sobald der Deckel festsitzt, über das Ende des 4—6 cm vor- stehenden Kübels nach aussen umgeschlagen und hier nebst dem Kübelrande mittelst eines Strohseils in 9—12 Windungen fest um- wickelt. Der Verschluss ist damit beendet und so vollständig, dass während des Transportes, auch bei horizontaler Lage oder Umkehrung des Kübels, kein Lack ausfliesst. Wie man mir in Yonezawa mitteilte, enthält ein solcher Kübel gewöhnlich 8½ Kamme (1 Kamme = 1000 Me = 3,731 kg) oder 29,848 kg. Quin gibt dagegen in seiner oben citierten Schrift an, dass er etwa 4 engl. Gallonen, also nur rund 18 kg fasse, was mir auch wahrscheinlicher scheint. Daraus ergibt sich, dass die oben an- gegebene Production von Yonezawa-ken an Ki-urushi mit 2165 kg nur 3. Lackindustrie. etwa 120 Taru betragen würde. Die Menge des Ki-urushi, welche das Land jährlich liefert, bewegt sich wahrscheinlich zwischen 60000 und 100000 kin, entsprechend 35556—59259 kg oder 1975—3292 Taru oder Kübeln à 18 kg. Im Jahre 1875 kaufte man in Tôkio für 2 Shu (etwa 50 Pf.) 20 Mome oder 75 Gramm Ki-urushi, 1882 dagegen nur 8,75 Mome = 32,8 Gramm. Der Preis war also sehr gestiegen, und zwar auf 15,25 Mk. das Kilo gegenüber 7 Mk. im erstgenannten Jahre. Nach officiellen Angaben, die indess sehr viele unzweifelhaft falsche Daten umfassen, betrug die Rohlackproduction Japans in den Jahren 1876, 77 und 78 60656 kin, 99267 kin und 66639 kin beziehungsweise, im Werthe von 37742 yen, 49800 yen und 49179 yen. Für das Jahr 1878 wird der Ertrag nach Fu und Ken, wie folgt, geschätzt: Kiôto-fu 756 kin Aichi-ken 2210 » Miye-ken 53 » Yamanashi-ken 429 » Kanagawa-ken 1309 » Gifu-ken 5014 » Nagano-ken 8656 » Gumba-ken 458 » Tochigi-ken 3014 » Fukushima-ken 3614 » Miyagi-ken 562 » Iwate-ken 8801 » Yamagata-ken 4624 kin Akita-ken 2771 » Fukui-ken 2697 » Ishikawa-ken 7785 » Niigata-ken 3887 » Shimane-ken 205 » Okayama-ken 225 » Hiroshima-ken 1516 » Wakayama-ken 1295 » Kôchi-ken 3504 » Yehime-ken 1750 » Fukuoka-ken 600 » zusammen 65735 kin. Abgesehen davon, dass diese Summe nicht ganz mit der oben angegebenen Totalmenge übereinstimmt, tragen viele der einzelnen Posten so sehr den Stempel der Willkür, dass mit diesen Angaben nichts anzufangen ist. Sie machen z. B. Kôchi- und Yehime-ken, d. h. die Insel Shikoku zu hervorragen- den Lacklieferanten, obwohl die Cultur des Lackbaumes sich fast nur auf den öst- lichsten Theil, die Provinz Awa und das angrenzende Sanuki beschränkt. Ich habe in Tosa und Iyo nirgends Lackbäume gesehen, noch Angaben über deren Cultur in den von mir nicht berührten Distrikten irgendwo machen hören. So erscheinen auch die mir ebenfalls bekannten Provinzen Owari, Mino und Shinano (Aichi-, Gifu- und Nagato-ken) als hervorragende Lackproducenten, während ich mich in allen dreien vergeblich nach Lackbäumen umsah und bei jeder Erkundigung, ähnlich wie in Tôkio, auf den Norden, insbesondere nach Aidzu verwiesen wurde, das seines Wachses wegen alten Ruf hat, als Lacklieferant aber weit hinter die Nachbarpro- vinzen Echigo und Uzen zurücktritt. Nach dem Berichte von Quin soll die Menge des jährlich in Japan gewonnenen Rohlacks 30000—35000 Kübel betragen. Nimmt man nach ihm den Kübel zu 4 Gallons an oder dem Gewichte nach zu 18 kg, so berechnet sich daraus die ungeheure Menge von 540000—630000 kg, d. h. mehr als das 5—6 fache der hohen Production von 1877. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass diese Angabe durch- aus irrig ist. Dies geht unter Anderm auch daraus hervor, dass nach Quin’s eigenen Worten Echizen jährlich etwa 1500 Lackzapfer in die verschiedenen Di- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Ki-urushi oder Rohlack wird gleich den daraus bereiteten Lacksorten in Holzgefässen (Kübeln oder flachen runden Schachteln) aufbewahrt und sorgfältig gegen Licht und Staub geschützt. Der Rohlack kann nicht ohne Weiteres vom Lackierer angewandt werden, sondern muss erst verschiedene Reinigungs- und Umgestaltungsprocesse durchlaufen, deren erster darin besteht, dass man ihn von den mecha- nisch beigemengten Rinden- und Holzteilchen befreit. Dies geschieht, indem man ihn durch Baumwollstoff presst. So erhält man den Ki- shô-mi , d. h. von fremden Beimengungen getrennten Rohlack. Bevor ich aber die weitere Behandlung angebe, will ich die Re- sultate meiner und insbesondere der Korschelt’schen Untersuchung dieses Körpers mittheilen. Ki-shô-mi oder gereinigter Rohlack stellt, wie schon angedeutet wurde, eine graue bis lohbraune, syrup- dicke, sehr klebrige Flüssigkeit von verschiedener Consistenz und einem specifischen Gewicht dar, welches das des Wassers nur wenig überschreitet. Korschelt fand 1,0020—1,0379, womit meine eigenen Beobachtungen recht gut stimmen. Ein eigenartiger süsslicher Geruch des Rohlacks wird namentlich dann wahrgenommen, wenn derselbe längere Zeit in einem Gefäss abgeschlossen war. Bei stärkerer Ver- grösserung erkennt man unter dem Mikroskop eine bräunliche Masse mit eingestreuten Kügelchen von zweierlei Art, nämlich zahlreichen kleineren dunkelbraun gefärbten und dazwischen spärlicher einge- streute, grössere, hellfarbige. Auf Zusatz von Wasser verschwinden diese, während absoluter Alkohol jene in Lösung bringt. Letzterer, wie alle gewöhnlichen Lösungsmittel für Harze, also Aether, Chloro- form, Schwefelkohlenstoff, Benzin und andere vermögen schon in der Kälte, leichter noch bei Behandlung mit dem gelinde erwärmten Roh- lack ansehnliche Mengen (zwischen 60 und 80 %) zu lösen, während anderseits Wasser kaum einen Einfluss zu üben scheint, thatsächlich aber doch bei längerem Schütteln einige Procent des Rohlacks auf- nimmt. Hieraus ergibt sich, dass letzterer den Charakter eines Gummi- harzes hat. Die Bestandteile desselben sind folgende: 1) Eine flüchtige Säure in sehr geringer Menge. Sie ent- weicht schon bei gewöhnlicher Temperatur und dem Trocknen der Lackanstriche, rascher aber, wenn der Lack mit Wasser destilliert strikte des Landes sendet und ein einzelner gegen 4½ Taru oder Kübel Lack zusammenbringen kann. Gesetzt nun, das Maximum der Productionsfähigkeit jener 1500 Personen würde erreicht, so wären dies immer nur 1500 × 4½ = 6750 Kübel, und jeden der letzteren zu 18 kg in Rechnung gesetzt, würden als Gesammtpro- duction sich immerhin nur 121500 Kilogramm ergeben. 3. Lackindustrie. wird. Ich schreibe dieser noch nicht genügend untersuchten Substanz die giftigen Eigenschaften des Rohlacks und die Lackkrankheit zu, über die weiter unten das Nähere folgen wird. 2) Wasser in veränderlichen Mengen von 10—34 %, je nachdem der Rohlack von jungen oder alten Lackbäumen, Stämmen oder Aesten, im Frühjahr, Hochsommer oder Herbst gewonnen wird. Durch Um- rühren an der Sonne oder über gelindem Kohlenfeuer, vornehmlich aber durch Destillation im Wasserbade kann es entfernt werden. 3) Eine stickstoffhaltige Substanz , die nach Korschelt den Eiweisskörpern zuzurechnen ist. Ihre Menge wechselt von 1,7—3,5 %. 4) Gummi , das in allen wesentlichen Merkmalen mit Gummi arabicum übereinstimmt und 3—6,5 % ausmacht. 5) Lacksäure oder Uruschinsäure , der vorwiegende und wichtigste Bestandtheil, dessen Menge in der Regel zwischen 60 und 80 % des Gesammtgewichts beträgt, ja beim besten Lack von Yoshino auf 85 % steigt. Analysen, welche Korschelt von 7 verschiedenen Lackproben an- stellte, ergaben nämlich folgende Resultate. Das bei mehreren der vorstehenden Analysen in geringer Menge gefundene Oel ist kein ursprünglicher Bestandtheil des Lackes selbst, sondern kam bei seiner Gewinnung hinzu, indem man Ritzmesser und Spatel mit E-no-abura (Oel der Perilla) bestrich, damit der Lack an dem Eisen nicht festhafte. Der vorwiegende und wichtigste Bestandteil des Lacks, welcher darin in Gestalt jener mikroskopisch kleinen braunen Kügelchen auf- tritt und daraus am besten durch warmen absoluten Alkohol extrahiert wird, ist die schon erwähnte Lack- oder Urushinsäure C 14 H 18 O 2 . Diese Formel, welche Korschelt durch die Elementaranalyse ermittelte, unterscheidet sich durch ein minus von 6C von der des Borneokampfers. Mit den Harzsäuren teilt die Lacksäure ihre Lösbarkeit in Alkohol, III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Aether, Chloroform und andern Flüssigkeiten und vielfach auch das Verhalten zu metallischen Basen, ist jedoch viel activer, insofern ihre alkoholische Lösung selbst Nitrate und Chlorate zu zersetzen vermag. Charakteristisch ist die Reaction auf Bleizuckerlösung. Es bildet sich nämlich beim Contact mit Lacksäure sofort ein grauer flockiger Nieder- schlag von lacksaurem Blei. Am interessantesten ist jedoch die Ueber- führung der Lacksäure in einen äusserst beständigen, indifferenten Körper, die Oxylacksäure, deren Eigenschaften weiter unten beim Lackierverfahren erörtert werden sollen. Der Ki-shô-mi oder gereinigte Rohlack nimmt nach meinen Be- obachtungen durch inniges Vermengen mit Wasserzusatz diesen allmäh- lich vollständig auf, zumal wenn er vorher verhältnissmässig wenig Was- ser enthielt, verliert dabei seine flüssige Beschaffenheit und verdickt sich zu einer breiigen Masse, welche auf Holz oder andere Unterlagen gestrichen leicht trocknet. Anderseits ist neben Wärme der Kampfer oder Shônô das einzige, den Japanern schon früher bekannte und von ihnen noch immer allein angewandte Verdünnungsmittel des Lacks. Derselbe wird in seinem gewöhnlichen körnig-krystallinischen Zustande mittelst des Spatels mit dem Lack vermengt, zerdrückt und dadurch flüssig gemacht. Das Kampferöl, obgleich es sich zu dem gleichen Zwecke sehr gut verwerthen lässt, wie meine Versuche mit demselben in Gegenwart meiner japanischen Lackierer ergaben, scheint von diesen nie dazu angewandt worden zu sein. Zu den weiteren bemerkenswerthen Eigenschaften des in Rede stehenden Materials gehört, dass es sich im Lichte schwärzt, in feuchter Atmosphäre bei gewöhnlicher Temperatur trocknet und durch seine Ausdünstung eine Art Vergiftung, die Lackkrankheit hervorruft. Das Trocknen der frischen Lackanstriche unterscheidet sich durch- aus von dem unserer Harzlacke, indem es nicht im Ofen bei höherer künstlicher Wärme erfolgt, sondern in einer feuchten und möglichst staubfreien Atmosphäre, bei gewöhnlicher Temperatur zwischen 10 und 25° C. oder höchstens 30° C. Direkter Sonnenschein ist demselben nachteilig, schon desshalb, weil dadurch die Temperatureinwirkung eine ungleiche ist und die stärkere das Trocknen verzögert. Der Lackierer erfüllt die erwähnten Bedingungen, indem er einen dunklen Raum (Kiste, Schrank oder Zimmer) in möglichst ruhiger, der Strasse abgekehrter Lage wählt und einen ungenügenden Feuchtigkeitsgehalt der Luft durch Wasser künstlich vermehrt. Bei kleinem Geschäftsbetriebe, wo eine grosse umliegende Kiste mit einigen, auf Querleisten ruhenden Abstellbrettern im Innern genügt, werden diese Bretter, wie die Innenwandungen einschliesslich des vor- 3. Lackindustrie. zuschiebenden Deckels, mit kaltem Wasser abgewaschen, bevor man die Gegenstände mit frischem Lackanstrich zum Trocknen darauf stellt. In anderen Fällen dient ein grosser Schrank bei ähnlicher Behandlung demselben Zweck. Ist die Verwendung eines ganzen Zimmers nöthig, so pflegt man wohl nasse Tücher an den Wänden aufzuhängen und Schüsseln mit Wasser hinzustellen, damit durch ihre Verdunstung der nöthige Feuchtigkeitsgehalt der Luft erzielt werde, namentlich zur Zeit, wo dieser nicht hoch ist. Pater d’Incarville sagt pg. 127 des oben citierten Werkes: »Ici à Peking, où l’air est extrêmement sec, pour sècher le vernis, il faut nécessairement l’exposer dans un endroit humide, entouré de natte, que l’on arrosera d’eau fraîche; autrement le vernis ne sécheroit pas: si c’est une pièce mise en place, qu’on ne puisse détacher, ils sont obligés de l’entourer ainsi de linges mouilliés«. Hierzu bemerkt sein Landsmann Watin in seinem Buche über die Kunst des Staffiermalers, Vergolders und Lackierers: »Diese Anmerkung scheint wider alle Erfahrung zu sein.« Die mittelst absoluten Alkohols ausgezogene Lacksäure besitzt jenes eigenthümliche Trockenvermögen nicht, wie ich bereits 1874 fand und wie zahlreiche Versuche Korschelt’s später bestätigt haben. Erst wenn sie, wie im Lack, mit dem darin vorkommenden Eiweiss unter Wasser- zusatz vermischt wird, tritt das Erhärten ein. Das Gemisch verliert ferner diese Eigenschaft, sobald es bis über 60° C., d. h. über die Temperatur erhitzt wird, bei welcher Eiweiss coaguliert. Korschelt hat nun weiter nachgewiesen, dass der im Rohlack vor- handene Eiweisskörper beim Trocknen desselben als Ferment auf die Lacksäure wirkt und das Erhärten des Lackanstrichs einem Oxydations- process zuzuschreiben ist, durch welchen unter Sauerstoffaufnahme die Lacksäure in Oxy-Lacksäure C 14 H 18 O 3 übergeht, nach der Formel C 14 H 18 O 2 + O = C 14 H 18 O 3 . Indem Korschelt dann die Eigenschaften dieser Oxy-Urushinsäure näher untersuchte, die er in Gestalt eines braunen Pulvers erhielt, fand er, dass dieselbe in allen Lösungsmitteln für Lacksäure durchaus unlöslich ist, dass aber auch Kali- und Natron- lauge, sowie Ammoniak in irgend einem Grade der Concentration und bei jeder Temperatur, sowie die meisten Säuren, starke Salpetersäure ausgenommen, nicht darauf einwirken. Somit wäre das ausserordent- liche Widerstandsvermögen trockner japanischer Lackanstriche vor- nehmlich dieser Oxylacksäure zuzuschreiben. Korschelt’s Untersuchungen und Ansichten sind gegen die Annahme, dass beim Trocknen der Lackanstriche Wasser zur Hydratbildung ver- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. braucht werde. Damit fehlt aber eine Erklärung für die von mir er- wähnte Thatsache der Verdickung des Rohlacks, insbesondere des Seshime-urushi unter Wasseraufnahme, die man leicht beobachten kann und bei der eine Wasserstoffausscheidung nicht wahrnehmbar ist. Schliesslich will ich hier noch der Lackvergiftung , oder des Urushi-kaburé , wie es die Japaner nennen, gedenken, worauf schon pg. 106 kurz hingewiesen wurde. Es ist eine eigenthümliche, weder lebensgefährliche, noch besonders schmerzhafte, immerhin aber sehr unangenehme Krankheit, von der Neulinge in der Beschäftigung mit Lack, seien es Lackzapfer, Lackhändler oder Lackierer, in der Regel befallen werden. Sie äussert sich in einer gelinden Röthung und An- schwellung der Handrücken, des Gesichts, der Augenlider, Ohren, Nabelgegend und tiefer gelegenen Körpertheile, insbesondere des Scro- tums. In allen diesen Theilen fühlt man eine grosse Hitze, ein hef- tiges Jucken und Brennen, das mehrere schlaflose Nächte macht, in 2—3 Tagen seinen Höhepunkt erreicht und dann gleich der Anschwel- lung wieder abnimmt. In bösartigeren Fällen sollen sich aber auch kleine eiternde Geschwüre bilden. Diese Lackkrankheit, deren schon Pater d’Incarville gedenkt und die er pg. 119 der erwähnten Schrift vor- trefflich schildert, »Ceux qui les ont, sentent une chaleur insupportable: on est sûr que ce sont des clous du vernis, quand les bourses enflent, ce qui ne manque jamais.« — »On n’en mort jamais. Pour appaiser le grand feu de ces sortes de clous, avant qu’ils soient aboutis, on les lave avec de l’eau fraîche; mais quand ils sont percés, on les frotte avec le jaune qui se trouve dans le corps des crables.« — Dieses Mittel empfahlen mir auch meine Lackarbeiter, doch war es der frühen Jahreszeit wegen nicht zu beschaffen. wird nicht blos durch unmittelbare Berührung, sondern auch und vornehmlich durch die Ausdünstung des Lackes hervorgerufen, namentlich des scharfen Seshime, dem ich sie seiner Zeit verdankte. Demnach ist das Gift eine flüchtige Substanz und hat nichts mit der Lacksäure und ihrer höheren Oxydation zu thun, wie Korschelt glaubt. Wenn die giftige Eigenschaft mit dem Trocknen des Lackanstrichs schwindet, so rührt dies nur daher, dass auch das flüchtige Gift dabei völlig entweicht. Ein ansehnlicher Theil des- selben wird schon bei der Zubereitung der verschiedenen Lacksorten und dem Umrühren in offenen Gefässen ausgetrieben; daher gelten denn auch die mit Farben versetzten Lacke für weit weniger gefähr- lich, als Rohlack und seine unmittelbaren Derivate. Wenn solche Lacke in geschlossener Schachtel oder einem Kübel eine Zeitlang ein- geschlossen waren, wendet selbst der abgehärtete Lackarbeiter sein Gesicht beim Oeffnen des Gefässes ab, damit es die angehäuften Dünste 3. Lackindustrie. nicht bestreichen. Diesem Umstande gibt auch d’Incarville Ausdruck, wenn er sagt: »Il faut prendre garde, en couvrant et découvrant les vases qui contiennent le vernis, de s’exposer à sa vapeur; on tourne la tête pour l’éviter; sans cette attention l’on courroit risque de gagner les clous de vernis.« Zubereitung des Rohlacks für den Lackierer . Ki-shô-mi , der von fremden Beimengungen gereinigte Rohlack (Ki-urushi) wird in einem flachen Holzkübel eine Zeitlang zerrieben, um die Körner zu zertheilen und eine mehr gleichartige Flüssigkeit zu erhalten. Dieselbe pflegt man hierauf durch Baumwollstoff (wata- goshi) oder durch Hanfleinwand (nuno-goshi) zu pressen. Auf diese Weise erhält man die verschiedenen Sorten Seshime Das Wort Seshime ist hier nicht in dem beschränkten Sinn von Astlack zu nehmen, sondern von seshimeru , etwas fest und dauerhaft machen, abzu- leiten und auf die Verwendung bei der Grundierung zu beziehen. Nur ein geringer Theil dieses Seshime-urushi ist ursprünglich Astlack. , welche in der Lackpreisliste aufgeführt werden, und nicht blos bei der Grundierung, sondern auch bei den Schluss- (Politur-) Arbeiten der Lackwaaren viel benutzt werden. Hiernach ist Seshime nichts anderes als gereinigter, filtrierter und gleichmässig flüssiger Rohlack. Um die übrigen Lacksorten darzustellen, muss man der erwähnten mechanischen Reinigung die Entfernung eines ansehnlichen Theils des beigemengten Wassers folgen lassen. Es geschieht dies durch Ver- dunstung im Sonnenschein oder gelindes Erwärmen über Kohlenfeuer. Man trägt den Ki-shô-mi oder Seshime in flache Holzpfannen ein, welche bei 2—4 cm dicker Wandung einen Durchmesser von 0,5—1 m haben, und rührt ihn darin mit einer flachen Schaufel beständig um. In den nördlichen Städten mit bedeutender Lackindustrie (Niigata, Wakamatsu, Yonezawa, Nojiri etc.) werden diese Pfannen aus Quer- schnitten des Tochi (Aesculus turbinata Bl.), in Tôkio und andern mehr südlichen Orten aus solchen von Stämmen des Keaki (Zelkowa Keaki Sieb.) dargestellt. In jenen erwärmt man den Lack während des Um- rührens schwach über Kohlenfeuer, in diesen dagegen an der Sonne, indem man die Holzpfanne schräg gegen eine Wand stellt, damit der Inhalt, den man beständig umrührt, möglichst stark direkt von der Sonne beschienen werde. Der Zweck ist in der Regel nach wenigen Stunden erreicht, die Wassermenge ansehnlich reduciert und der so hergerichtete Kurome-urushi eine syrupdicke, graubraune, dem Seshime ähnliche Flüssigkeit. In den drei Hauptstädten des Landes (Tôkio, Kiôto und Ozaka) geschieht diese Zubereitung und die weitere III. Kunstgewerbe und Verwandtes. der nachbenannten Lacksorten durch eine besondere Lackhändler- Zunft, der in Tôkio vor 10 Jahren 16 Mitglieder angehörten. Diese Lackhändler oder Urushi-ya wiesen in ihren Preislisten 16—20 Sor- ten Lack auf. Die Lackarbeiter anderer Städte nannten dies aber mir gegenüber eine unnütze Spaltung und behaupteten, dass für die prak- tischen Bedürfnisse 5—6 Sorten ausreichten. Offenbar ist der Urushi-ya ein Mittelglied, welches eine bessere, aber auch theurere Waare dem Lackierer in die Hände liefert, als dieser sie erhält, wenn er sie sich selbst darstellt, wie solches in den kleineren Lackstädten geschieht. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Lacksorten der Preis- listen sind jedenfalls gering; auch findet man bei den Händlern in Tôkio eine Anzahl derselben oft gar nicht vertreten, wie z. B. den Saya-hana, dessen Bedeutung verloren ging, als die Werthschätzung der alten Schwerter und ihrer Scheiden sank. Jedenfalls sind Seshime, Nashiji, Shiu-urushi, Rô-iro, Nuritate und Hana-urushi diejenigen, welche für bessere Arbeiten am meisten geschätzt und verwendet werden. Urushi Nedan Dzuke oder Lack-Preis-Listen von Tôkio für die Jahre 1875 und 1882 combiniert und geordnet: 3. Lackindustrie. Aus dieser Liste folgt, dass die verschiedenen Lacksorten im Preise zum Theil sehr differieren, sowie dass alle, auch die gering- sten, sehr theuer sind und in neuerer Zeit eine ausserordentliche Preis- erhöhung erfahren haben. Wenn dessen ungeachtet die gewöhnlichen japanischen Lackwaaren sehr billig zu haben sind, so erklärt sich dies einmal dadurch, dass eine geringe Menge des kostbaren Mate- rials ausreicht, um damit ansehnliche Flächen zu lackieren, und so- dann dadurch, dass die Bedürfnisse und Lohnansprüche japanischer Arbeiter sehr gering sind. Nashi-ji und Shiu-urushi , sowie die ihnen sehr nahestehenden Shiyun-kei und Jô-tame heissen zusammen Suki-urushi , d. h. Transparentlacke. Sie sind frei von Eisenzusätzen, in dünner Schicht röthlichgelb und durchsichtig und finden ihre Hauptverwendung bei den Schlussarbeiten des Lackierers. Nashi-ji hat seinen Namen »Birnengrund« nach seiner Verwendung bei einer Art Flächendecoration mit grobem Goldpulver oder dessen Ersatz durch Bronze, welche die Farbe der japanischen Birnen nachahmen soll. Diese theuerste aller Lacksorten enthält 1 % Shiô oder Gummigutt, welches in Pulverform oder als concentrierte Lösung entweder während oder vor dem Um- rühren an der Sonne gutem, durch Hanfleinwand gepresstem Ki-shô-mi zugesetzt wird. Zur Verdunstung des Wassers der beigefügten Lösung sind unter stetem Umrühren je nach der Wärme und dem Feuchtig- keitsgehalte der Luft 6—18 Stunden erforderlich. Darauf presst man den Nashi-ji zweimal durch Baumwollfilter und kann ihn dann ohne weiteres anwenden. Shiyun-kei wird in ähnlicher Weise bereitet; doch von geringerem Rohlack und unter Zusatz von etwas Ye -no-abura (Perilla-Oel). Auch nimmt man gewöhnlich statt Gummigutt Pflaumen- saft (von der Frucht der Mume) oder das gelbe Extract der Kuchi- nashi, d. h. der Früchte der Gardenia florida. Jô tame wird fast gerade so bereitet, aber aus etwas dickflüssigerem Rohlack. Shiu-urushi , Zinnoberlack, ist ein Transparentlack, der wie Nashi-ji aus dem besten, im heissen Doyô (Hundstagszeit) gewonnenen Rohlack der unteren Stammesteile bereitet wird, sich aber durch einen Zusatz von 1—10 % Yegoma-no-abura unterscheidet. Man nennt ihu Zinnoberlack, weil man bei Anwendung der Zinnoberfarbe sich ge- wöhnlich seiner bedient, indem man dieselbe innig und sorgfältigst damit zusammenreibt. Zu einem sehr ordinären rothen Lackanstrich bedient man sich wohl auch zuweilen des Beni-gara oder Eisenroths. Kuro-urushi ist der Collectivname aller schwarzen Lacke, die man erhält, indem man dem gereinigten und durch Hanfleinwand ge- Rein , Japan. II. 27 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. pressten Rohlack die Lösung eines Eisensalzes (Eisenvitriol oder essig- saures Eisenoxyd) oder das Toshiro (Eisenschleifwasser) beifügt und dann unter Umrühren das Wasser wieder austreibt. Zur Bereitung des Rô-iro-urushi oder besten schwarzen Glanzlackes verwendet man sehr guten gereinigten Rohlack und setzt demselben nach dem Wata- oder Nuno-goshi in der Regel Haguro , eine Lösung von essigsaurem Eisenoxydul (welche sonst zum Zähneschwärzen der Japanerinnen diente und dadurch gewonnen wird, dass man eiserne Nägel oder Eisenfeil- späne mit Reisbier oder Essig übergiesst und an einem warmen Orte mehrere Tage stehen lässt) zu und rührt dann bis zur vollen Ver- dunstung des Wassers in flachen Kübeln oder Bütten an der Sonne oder über gelindem Kohlenfeuer um. Die Menge der zuzuführenden Eisenlösung wird durch die Farbe beurteilt. Der Gehalt an Eisen schwankt zwischen 0,5 und 2 %. Ist alles Wasser entfernt, so wird der Rô-iro-urushi zweimal durch Baumwolle gepresst und kann nun ohne weiteres zu schwarzem Lackanstrich verwendet werden. Hana-urushi , Blumenlack, ist ebenfalls ein schwarzer Lack, den man ähnlich bereitet, wie den vorhergehenden, der etwas weniger Eisen, aber einen kleinen Zusatz von Yegoma-no-abura enthält, während Haka-shita gleich Rô-iro ohne Oel, aber aus viel schlechterem Roh- lack bereitet wird. Saya-hana, Jô-hana, Jô-chiu-hana und Chiu-hana sind verschiedene Abstufungen von Blumenlack, wie schon aus der Preisliste hervorgeht. Naka ist Synonym von Chiu, bedeutet »zwischen« und im Worte » Naka-urushi « einen schwarzen Lack von geringerer Güte, der in der Regel zum Abschluss der Grun- dierung verwendet wird. Alle diese billigeren schwarzen Lacke, welche aus geringeren Sorten Rohlack bereitet und meist bei der Grundierung angewandt werden, enthalten Yegoma-no-abura. Bei Nuritate , welcher ebenfalls hierher zu rechnen ist, beträgt dieser Oelzusatz gegen 10 Procent. In den nördlichen Lackstädten, wo jeder Lackierer sich nach Bedürfniss alle seine Lacksorten selbst zubereitet, macht man nur eine Sorte schwarzen Lack und bezeichnet sie einfach als Kuro-urushi . Die verschiedenen Abstufungen des kastanienbraunen Lackes oder Kuri-iro-urushi werden durch Vermischung von schwarzem mit Zinnober-Lack erhalten. Goldgelb oder Kin-iro wird durch echtes Goldpulver oder seinen Ersatz durch Bronze erzielt, ebenso Gin-iro , silberweiss durch Silberstaub. Kiwo-urushi , d. h. Auripigmentlack ist eine grünlichgelbe Lackfarbe, welche man durch Beimischung von pulverförmigem gelben Schwefelarsen zu einem Transparentlack dar- stellt. In ähnlicher Weise erhält man Awo-urushi oder grünen 3. Lackindustrie. Lack, wenn man mit einem der durchsichtigen Lacke ein grünes Pulver, Sei-shitsu (sprich Sests’) genannt, innig mischt. Bei der Analyse dieses Sei-shitsu , über welches ich während meines Aufenthaltes in Japan von anderer Seite keine weitere Aufklärung erhalten konnte, als dass es »a kind of green colour« sei, wie Hepburn in seinem Dictionary be- merkt, fand ich zu meiner Ueberraschung, dass es ein Gemisch von japanischem Indigo mit Auripigment ist. Als ich später im British Museum die wiederholt citierte Arbeit von Pater d’Incarville in die Hände bekam, überraschte mich pg. 137 die Bemerkung: »Pour le vert, ils se servent d’orpiment qu’ils mêlent avec de l’indigo.« Da hiermit die Zahl der japanischen Lackfarben erschöpft ist, so ergiebt sich, dass die helleren Farbentöne, wie weiss, gelb, blau und roth, sowie ihre verschiedenen Schattierungen und Uebergänge, ebenso das hellere Grün, fehlen. An Versuchen, solche zu erzielen, hat es bei Japanern und Chinesen nicht gefehlt: ihr Misslingen ist der Eigenart des Lackes zuzuschreiben. Im Anschluss an das hier über die verschiedenen Lacksorten und deren Zubereitung Bemerkte lasse ich ein Verzeichniss der an- dern Materialien, sowie der Werkzeuge folgen , deren sich der japanische Lackarbeiter bedient. An Farben und sonstigen Decorativ- stoffen verwendet er; 1) Shiu , Zinnober, 2) Kiwo , Auripigment, 3) Ai oder Indigo aus Polygonum tinctorium, 4) Sei-shitsu , ein Gemisch aus 2 und 3, 5) Beni-gara , Eisenroth, 6) Beni , Carthamin, 7) Shiô , Gummigutt, 8) Tonotsuchi , Bleiweiss, 9) Sumi , Holzkohlen, und zwar a) Matsu-no-sumi-noko, d. h. pulverisierte Kiefernholzkohle, b) Ho-no-ki-sumi , Magnolienholzkohle, c) Tsubaki-no-sumi , Camellienholzkohle, d) Rô-iro-dzumi von Lagerstroemia indica, 10) Ao- gai , Perlmutter von Haliotis- und grossen Trochus-Arten, 11) ver- schiedene Sorten gelben und grünen Goldstaub ( Yaki-gaue und Koban ), 12) Gin-pun , Silberstaub, 13) Kin-baku , echtes Blattgold, 14) Gin-baku , Blattsilber, 15) Shari-kaganai , Staniol, 16) Shari- Nashi-ji , Zinnstaub. Bei den Grundierungsarbeiten werden benutzt; 1) Nuno , Hanf- leinwand, 2) Kokuso , zerhackter Hanfbast oder zerhackte Baumwoll- watte, 3) Kami , Bastpapier, 4) Shônô , Kampfer, 5) Nikawa , thierischer Leim, 6) Shibu , adstringierender Saft der unreifen Dattel- feigen (Diospyros Kaki), 7) Hai-dzumi , Kienruss, 8) Ji-no-ko , feinpulverisiertes Ziegelmehl, 9) To-no-ko , Eisenockerpulver, 10) To- ishi , Wetzsteine verschiedener Art als Schleifmittel, 11) Hô-no- sumi , sowie die andern obengenannten Holzkohlen zu gleichem Zweck, 12) Tsuno-ko , pulverisiertes gebranntes Hirschhorn als Poliermittel 27* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. nach Abschluss des Lackierens, 13) Tane-abura zu gleichem Zweck und zum Reinigen der Pinsel und Bürsten, 14) Nori , Kleister. Die zum Lackieren verwendeten Werkzeuge sind einfach und zum Theil äusserst zweckmässig. Auf Tafel III und IV wurden die gebräuchlichsten derselben abgebildet. Die Originale befinden sich im Königlichen Kunstgewerbemuseum zu Berlin. Bei den Grundierungs- arbeiten werden vornehmlich folgende gebraucht; 1) Hôchô , ein ge- rades scharfes Küchenmesser (III 1), 2) Ko-gatana , das ebenfalls gerade, steife, aber kleinere Taschenmesser, welches im Futteral ge- tragen wird, 3) Ye-guri , der Hohl- oder Stechmeissel (III 2), 4) Ha- sami , eine Schere, welche an unsere Wollscheren erinnert (III 3), 5) Hera , Holzspatel (III 4, 5), 6) Take-bera , ein spitzer Bambus- rohrspatel (III 6), 7) Hake , flache Pinsel aus Menschenhaaren (III 7), 8) Unoke-hake , desgleichen aus Hasenhaaren (IV 3), 9) Abu , ein Aufhänger zum Trocknen der Pinsel, 10) Jô-ban , ein kleiner Holz- kasten zur Aufbewahrung der Werkzeuge, auf dessen schachtelartig übergreifendem Deckel die verschiedenen Grundierungsmittel zubereitet, die Pinsel gereinigt und gleich den Spateln zugeschärft werden. Diese beiden Werkzeuge sind aber die wichtigsten. Die Spatel werden aus Hi-no-ki (Retinispora obtusa) oder einem verwandten Nadelholze ge- schnitzt. Sie haben einen zugespitzten, abgerundeten Stiel und eine elastischbiegsame, nach vorn dünner und breiter werdende Platte, die am 1—3 Finger breiten Ende zugeschärft und schräg abgeschnitten wird. Auch bei den flachen Pinseln oder »Hake« wechselt die Breite je nach den besonderen Zwecken, welchen sie dienen. Zwischen zwei dünnen zusammengeleimten und an den Längsseiten durch Querleistchen ver- bundenen Holzplatten liegt der Länge nach und durch Leim dicht ver- bunden die Schicht langer schwarzer Menschenhaare und ragt vorn 1—2 mm weit vor. Sind dieselben etwas abgenutzt, so schneidet man, ähnlich wie bei einem Bleistift das Holz ringsum zurück und die Haare vorn mit dem Messer sorgfältig gleichlang ab. Mit dem Holzspatel werden die zum Lackieren dienenden Farben und sonstigen Materialien auf einem Brett oder dem Deckel des Jô-ban zerdrückt und mit Lack innig gemengt. Er vertritt also die Stelle des Pistills oder der Mörser- keule bei der Reibschale. Mit dem Spatel trägt man alle Kitte und breiigen Grundierungsmittel, mit dem flachen Pinsel alle Lack- firnisse auf. Für die feineren Schlussaroeiten benutzt man 1) verschiedene Fude oder runde Pinsel (IV 6—11) aus Ratten-, Hasen- und Hirsch- haaren in Bambusstielen und mit Bambusrohr-Schonern, wie einige der Abbildungen zeigen, die nach dem Gebrauch über den gereinigten Rein, Japan II. Tafel III. Werkzeuge zur Lackindustrie. Rein, Japan II. Tafel IV. Werkzeuge zur Lackindustrie. 3. Lackindustrie. Pinsel geschoben werden. Zur Aufbewahrung dient 2) der Fude- tate oder Pinselträger; zum Auftragen der feinen breiigen Farben dient weiter 3) eine kleine Palette aus Schildpatt oder Büffelhorn, Tsuno-ban genannt (III 8), welche über den Daumen der linken Hand geschoben wird, 4) verwendet man je nach der grösseren oder kleineren Fläche eines frischen Lackanstrichs, welche man mit irgend einem Pulver gleichmässig bestreuen will, verschiedene kleine Nashi- ji-tsutsu , Staubsiebe, oder Tsutsu-furui , Röhrensiebe, indem man Federkiele oder Bambusröhren schräg durchschneidet und über den Durchschnitt als kleines Sieb ein poröses Gewebe aus Seide oder einem andern Stoff klebt, wie Taf. IV, Fig. 1 zu sehen ist. 5) Tafel IV, Fig. 2 stellt ein Stäbchen dar, dessen eines Ende einen Tai-ki oder kleinen Fischzahn (von Serranus marginalis, dem Tai) trägt, den man zum Polieren von einspringenden Kanten und anderen Furchen benutzt, in welche die zugespitzte Kohle nicht reicht. 6) Tafel IV, Fig. 3 ist die Abbildung eines Yanagi-yôji oder Weidenholzpinsels, wie ihn die Japaner allgemein als Zahnbürste benutzen. Dieser Pinsel dient zum Abkehren eines überflüssig aufgestreuten Pulvers, während das spitze Stielende, oder ein besonders zugespitztes Stäbchen, 7) der Hirame- fude , zum Aufpicken und Uebertragen kleiner Goldblatt- oder Perlmut- terblättchen auf eine frische Lackschicht verwendet wird, 8) Unter Ké-bo (IV 5) versteht man langhaarige Pinsel aus Hirsch- oder Pferde- haar, welche dazu dienen, irgend welchen Staub von dem lackierten Gegenstand abzukehren. 9) Tafel III, Fig. 9 stellt einen Saji oder Löffel dar, der dazu dient, den Gold- oder Silberstaub in das Röhrensieb einzutragen. Der Rücken kann zugleich statt eines Spatels zum Auf- tragen von einzelnen Grundierungsschichten auf concave Flächen be- nutzt werden. Unter den Stoffen, aus denen die zu lackierenden Gegenstände an- gefertigt werden, steht das Holz (Ki) oben an. Vornehmlich benutzt man Nadelhölzer für Lackwaaren und hält das Hi-no-ki oder Holz der Re- tinispora obtusa weitaus für das beste, weil es weiss, astknotenrein und wenig harzreich ist. Ihm zunächst stehen Sawara (Retinispora pisi- fera), Hiba (Thujopsis dolabrata), dann folgen Tannen, Kiefern und die Cryptomeria. Das Holz des Ho-no-ki (Magnolia hypoleuca) zeichnet sich durch Feinkörnigkeit und Elasticität aus. Aus ihm bestehen zum Beispiel die dünnen Seitenwände der beliebten, leichten elliptischen Brodkörbchen, welche vornehmlich in Shidzuoka und Niigata verfertigt werden. Auch das leichte Holz des Kiri (Paulownia imperialis) wird zu Lackwaaren ziemlich viel verwendet. Mehrere andere durch grössere Zähigkeit und Festigkeit sich auszeichnende Laubhölzer, wie Keyaki III. Kunstgewerbe und Verwandtes. (Zelkowa Keaki), Sakura (Prunus pseudo-cerasus) und Buna (Fagus Sieboldi) werden auf der Drehbank zu Gefässen verarbeitet und dann lackiert. Aus Buna macht man z. B. in Wakamatsu und Yonezawa viele von den wan oder Suppennäpfen der Japaner. Sie sind schwerer und weniger widerstandsfähig, als aus Keaki oder Katsura (Cerci- diphyllum japonicum). — Ganz unbrauchbar zum Lackieren ist nur das Holz von Laurus camphora, wegen seines ausschwitzenden Kampfers und dessen bereits früher erwähnter verdünnender Einwirkung auf den Lack. Lackiert werden ferner Gegenstände aus steifer Papiermasse, z. B. aus Ikkambari , einer Art Papiermaché, und Kami-kawa oder Papierleder, ferner aus Tsuno , Horn, und Bekkô , Schildpatt, aus Bambusrohr oder Take , dessen Epidermis vorher entfernt werden muss, aus Tetsu , Eisen, und Aka-gane , Kupfer, sodann verschiedene Thonwaaren ohne Glasur, namentlich Porzellan (vornehmlich in Na- gasaki und Nagoya), sowie Banko-yaki und ordinäres irdenes Geschirr (in Ise und Nagoya). — Folgendes sind die wichtigsten Regeln, welche der Lackierer bei seinen Arbeiten beobachtet: 1) Jeder Anstrich muss gleichmässig aufgetragen und die be- strichene Fläche zu dem Zweck kreuzweise mit dem Spatel oder Pinsel überfahren werden, erst in der einen, nachher in der andern Richtung. 2) Keine neue Schicht darf aufgetragen werden, bevor die alte vollkommen trocken ist. 3) Das Trockensein wird bei glatten Anstrichen am besten durch die Verdichtung und das Verschwinden des aufgehauchten Wasser- dampfes erkannt. 4) Das Trocknen kann nur bei den ersten Grundierungsarbeiten an freier Luft oder im direkten Sonnenlicht erfolgen, und auch dann nur, wenn der Anstrich keinen, oder nur wenig Lackzusatz enthält. 5) Das Trocknen aller eigentlichen Lackanstriche erfolgt in der feuchten, ungewärmten Atmosphäre eines Kastens, Schrankes oder Zimmers. Um dieselbe zu schaffen, wird die angewandte Kiste auf eine Seite gelegt, mit einem nassen Tuch ausgewaschen und dann nach dem Einstellen des mit Lack bestrichenen Gegenstandes durch den ebenfalls auf der Innenseite abgewaschenen Deckel geschlossen. Aehn- lich behandelt man den mit Abstellbrettern versehenen Trockenschrank. 6) Eine solche Vorrichtung dient zugleich dazu, um Luftzug, Staub und Licht während des Trocknens fernzuhalten. 7) Jeder feinere Lackfirniss für die Schlussarbeiten muss vor dem Auftragen ein- oder mehrmals in Yoshino-gami (ein feines poröses, aber starkes Broussonetia-Bastpapier) eingeschlagen und durch Drehen an 3. Lackindustrie. beiden Enden in entgegengesetzter Richtung durchgepresst werden. Gelindes Erwärmen vermehrt den Fluss und erleichtert diese Arbeit. 8) Nach fast jedem neuen Anstrich erfolgt, je nach der Natur des- selben, Abreiben oder Polieren mit Polierstein, mit Kohle der Magnolia hypoleuca oder gebranntem Hirschhorn (in den beiden ersten Fällen natürlich unter Zurhülfenahme von Wasser), je nachdem diese Opera- tion auf einen Grundierungsanstrich oder eine spätere Decke folgt. 9) Der sorgfältig lackierte, fertige Gegenstand darf in keiner Weise die Beschaffenheit der Unterlage zeigen, muss frei von zufälligen Un- ebenheiten, Rissen und Flecken sein, vollkommen spiegeln und darf trocken, oder durch Berührung mit heissem Wasser erwärmt, sich nicht verändern. Endlich muss die angehauchte Feuchtigkeit sich wie beim polierten Stahl rasch und ringsum gleichmässig nach dem Centrum hin zusammenziehen und verlieren. Das japanische Lackierverfahren , welches ich nun in den nachstehenden Spalten näher erläutern will, ist ebenso abweichend von dem unsrigen, wie das in Anwendung kommende Material, doch keines- wegs überall dasselbe, namentlich was die Grundierungsweise anlangt, die nicht nur nach der Beschaffenheit der Unterlage, sondern auch mit Rücksicht auf die Ausschmückung und den Werth des Gegenstandes sehr verschieden sein kann. Es scheint mir indess geboten, hier erst die bessere, sorgfältigere Behandlungsweise mit Holzunterlage vorzu- führen, nach welcher die werthvolleren alten Lackwaaren und auch die schon erwähnten Muster der von mir herrührenden Sammlung im Berliner Kunstgewerbe-Museum angefertigt wurden. Am Schlusse werde ich dann die Herstellung der gewöhnlichen Marktwaare, sowie das Ver- fahren beim Lackieren keramischer Producte kurz anführen. Nach den früher erwähnten zwei Klassen japanischer Lackierer unterscheiden wir Arbeiten des Nushi-ya und des Makiye-shi . A. Arbeiten des Nushi-ya . a) Vorarbeiten oder Grundierung, jap. Shita-ji, Togi-tate und auch Naka-nuri-togi-tate genannt . 1) Das Kokuso-o-kau oder Verkitten . Nachdem der vom Schreiner fertiggestellte, geglättete Gegenstand in die Hände des Lackierers gelangt ist, werden die Leimfurchen, hölzernen Nagelköpfe, Astknoten und sonstige schadhafte Stellen mit Hülfe des Messers und Hohlmeissels etwas ausgefalzt und die so entstandenen Gruben mit Kitt ausgefüllt. Diesen Kitt oder Kokuso fertigt man wie folgt an: Reis- kleister wird mit gleichviel Seshime-urushi innig gemengt, dann mit fein zerhacktem Hanfbast, Charpie oder Watte zu einem möglichst gleich- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. mässigen Brei gemengt. Zum Auftragen dient ein zugespitzter Spatel (der Take-bera). Der anfangs graubraune Kitt färbt sich bald schwarz- braun und haftet ausserordentlich fest an. 2) Das Ki-gatame , d. h. Stärken oder Beizen des Holzes (von Ki, Holz, katameru, stärken). Dies Beizmittel ist Seshime-urushi mit oder ohne Zusatz von Kleister und wird mit dem Spatel oder flachen Pinsel aufgestrichen. Der Zweck dieses Verfahrens ist ein doppelter: einmal sollen dadurch die etwa noch vorhandenen Risse und Poren im Holze ausgefüllt werden, sodann aber will man eine Grundlage schaffen, auf welcher der Papier- oder Leinwandüberzug (4) besser haftet. 3) Das Hi-komi (hiku, decken, komu, eindringen) wird nur an den mit Kokuso-o-kau behandelten Stellen vorgenommen und dient zum Nachfüllen und Ebnen derselben und zum völligen Schutz gegen das Eindringen der nachfolgenden Anstriche. Der hierzu benutzte Kitt ist ein Gemisch aus Ji-no-ko (Ji, Grund, ko, Pulver), einem gelb- braunen oder röthlichen Pulver aus Ziegeln oder Scherben der ordi- närsten Töpferwaare (Karawake), etwas Wasser, Kleister und Seshime- urushi. Nach dem Trocknen folgt das Abschleifen der Unebenheiten durch Omura-do , einen Sandstein von Omura in Hizen. 4) Das Nuno-kise oder Kami-kise , d. h. das Ueberziehen (kiseru) mit Hanfleinwand oder Papier. Kleister und Seshime-urushi werden zu einem dünnen Brei innig gemengt und damit die Gegen- stände dünn überstrichen. Hierauf wird ein Bogen Mino-gami (starkes Broussonetia-Bastpapier aus der Provinz Mino) oder dünne Leinwand darüber gebreitet und mit dem Spatel glatt und fest aufgedrückt. Dann schneidet man das Ueberragende mit der Schere glatt ab und gibt dem Ganzen mit dem Spatel oder der Bürste eine dünne Decke vom nämlichen Lack. Die grosse Bedeutung dieses ganzen Verfahrens für die Dauerhaftigkeit der Lackwaare ist einleuchtend. Einmal bildet der Ueberzug gewissermaassen eine Scheidewand, welche das aus dem Holze etwa ausschwitzende ätherische Oel und Harz zurückhält vom Eindringen in die äusseren Lackdecken, sodann aber gibt es auch dem Holze eine grössere Festigkeit und verhindert insbesondere das Werfen desselben. Natürlich kann nur das starke, langfaserige japa- nische Büttenpapier, nicht aber das durch »Holländer« zerhackte Ma- schinenpapier zu diesem Zwecke dienen. 5) Das Kata-ji (kata, fest, ji, Grund), ist ein ziemlich dicker Anstrich eines steifen Kittes, welcher wie beim Hi-kome (3) bereitet und mit dem Spatel aufgetragen wird. Oft wiederholt man ihn nach dem Trocknen und Abschleifen der Unebenheiten mittelst Omura-do noch einmal. 3. Lackindustrie. 6) Das Kiri-ko , d. h. gemischtes Pulver. Pulverisierter Ocker (To-no-ko) wird mit Wasser zu einem steifen Brei verarbeitet und dann mit Seshime, etwas Ji-no-ko (Ziegelmehl) und Kleister (Nori) versetzt und innig gemengt. So entsteht ein Brei, der sich mit dem Spatel oder dem Pinsel (Hake) leicht auftragen lässt, und in 1—2 Tagen an der Luft trocknet. Es folgt abermals Abschleifen der Unebenheiten, hierauf: 7) Das Ji-gatame (ji, Grund, katameru, stark machen). Hierzu wendet man nur Seshime-urushi an, welchen man vorher mit etwas Wasser zu einem dünnen Brei verarbeitet. Die Gegenstände werden damit leicht überstrichen, dann rasch mit einem Lappen überrieben und sind nun nach dem Trocknen schwarzbraun gefärbt. 8) Das Sabi , hergeleitet von Sabi-iro , d. h. Rostfarbe. Die mit Ji-gatame behandelten Gegenstände werden mit einem ziemlich steifen Brei überstrichen, der ähnlich wie für das Kiri-ko (Nr. 6) be- reitet wird, mit Weglassung von Kleister und zum Theil auch des Ziegelmehls. Nach dem Trocknen folgt wieder Abreiben (togi) mit Sandstein und Wasser, bis die Oberfläche glatt und ihre Farbe dunkel graubraun ist. 9) Das Sumi-bike oder Ueberziehen (hiku) mit Tusch (sumi). Schlechter Tusch wird mit Wasser stark angerieben und dann mit einem Baumwollbällchen aufgerieben. 10) Das Naka-nuri (naka, mittlere, innere; nuri, Lackierung). Naka-nuri-urushi, eine schlechtere Sorte von Hana-urushi (siehe pg. 418), ist ein glänzend schwarzer, dickflüssiger Lack, der mit 1/10 bis 1/15 seines Volumens Seshime vermischt und dann mit einigen Tropfen Sake oder Reisbier versetzt wird, worauf man das Gemisch durch mehrere übereinander liegende Bogen Yoshino-Papier presst. Das Anstreichen erfolgt mit flachem Pinsel, das Trocknen im geschlos- senen feuchten Raum. Hierauf folgt das Naka-nuri-togi , d. h. das Abschleifen (togu) des Naka-nuri-Anstrichs. Diese Arbeit ist zeitraubend, aber sehr wich- tig. Sie muss so lange fortgesetzt werden, bis aller Glanz verschwun- den ist und die Flächen vollständig glatt sind. Der Arbeiter bedient sich dazu der feinporigen, leichten Ho-no-ki-sumi, der Kohle der Magnolia hypoleuca, die er mit den drei ersten Fingern der rechten Hand fasst, und eines nassen Tuches, welches er mit dem übrigen Theil der Hand hält. Ausserdem benutzt er einen zur Seite stehenden Kübel mit frischem Wasser, sowie einen kleinen Schleifstein, um die Kohle häufig abzureiben. Nach Beendigung der Arbeit erscheint der Gegenstand vollkommen glatt und von mattschwarzer Farbe. Die Grundierung ist nun beendet. Sie hatte zum Zweck, das Holz haltbarer zu machen, III. Kunstgewerbe und Verwandtes. derart zu überdecken, dass von seiner Natur nichts zum Vorschein kommt, und der Charakter der Lackarbeit nicht dadurch beeinflusst wird, also auch von den ferneren Anstrichen nichts eindringen kann. Die Abweichungen von diesem sehr umständlichen, aber soliden Grundierungsverfahren, welches früher bei Darstellung der besten Lack- waaren immer angewandt wurde, bezwecken Ersparniss an Material, namentlich an Seshime-urushi, und an Zeit. Es sind folgende: 1) Bei Operation 4 wird der Gegenstand nicht mit Leinwand oder Mino-gami bedeckt, sondern man begnügt sich, Streifen eines billigen beschriebenen Papiers über die durch Kokuso ausgefüllten Leimfurchen zu legen. 2) An Stelle der 3., 6. und 7. Operation tritt das Shita-ji (Shita, unten; ji, Grund). Der zu diesem Untergrunde angewandte Kitt enthält keinen Lackfirniss, sondern ist ein Gemisch aus gekochtem Leim, Ziegelmehl und etwas Kienruss, wozu noch heisses Wasser ge- fügt wird. Auch überstreicht man z. B. nur die Böden der Theebretter damit, nicht auch die Seitenwände, noch Schalen, Kästchen u. dergl. 3) Das Sabi wird zweimal aufgetragen. 4) Zwischen die 9. und 10. Operation kommt eine neue, das Ueber- streichen mit Shibu , dem Safte unreifer Früchte der Dattelfeige (Dios- pyros kaki). 5) Das Naka-nuri-togi wird viel oberflächlicher vorgenommen. In Wakamatsu, Yonezawa, Niigata und andern nördlichen Städten mit ansehnlicher Lackindustrie folgt auf das Verkitten (Kokuso-o-kau) ein Anstrich aus einem Gemenge von Shibu und pulverisierter Kiefern- holzkohle oder Kienruss, dann Abschleifen, womit die ganze Grundie- rungsarbeit beendet ist. Keramische Gegenstände , welche mit Lack verziert werden sollen, müssen ohne Glasur sein. Auf glasierten Thonwaaren haftet kein Kitt, noch Lack, wie dies in der Königlichen Porzellansammlung zu Dresden drei chinesische Vasen zeigen, deren Lackornament auf Glasur an vielen Stellen abgesprungen ist. Die Grundierung wird durch das Sabi (siehe 8. Operation oben) und Naka-nuri bewirkt. b) Schlussarbeiten des Nuri-mono-shi . Welcher Art auch immer die Grundierungsweise sein möge, so ist doch stets das Abschleifen (togi), bis eine glatte, doch nicht spiegelnde, dunkelgraue bis grauschwarze Fläche erzielt wurde, ihr Schluss. Auf diese Unterlage kommen nun all die verschiedenartigen Decken, durch welche die fertigen japanischen Lackwaaren ein so mannigfaltiges Aussehen erhalten, so dass es nahezu unmöglich ist, hier alle Mani- 3. Lackindustrie. pulationen und Kunstgriffe dazu anzugeben. Doch scheint mir eine kurze Besprechung der wichtigsten Kategorieen gewöhnlicher japani- scher Lackwaaren und ihrer Entstehungsart geboten. Es kommen hier in Betracht: α . Einfache Lackwaaren mit einfarbigem Anstrich . 1) Nuri-tate ist nicht blos der Name eines Lackes, mit dem die Anstriche abschliessen, sondern auch eines besonderen Verfahrens. Man bezeichnet nämlich damit einfache Lackanstriche, denen keiner- lei weitere Abreibung und Politur folgt. Sie zeigen Streifung nach einer Richtung, welche von den Pinselstrichen herrührt, und werden durch einmaligen Anstrich auf die Grundierung nach dem Naka-nuri- togi hergestellt und im Trockenraume hängend oder liegend in 1 bis 2 Tagen völlig fest. Nach dem oben über die verschiedenen farbigen Lacke Gesagten erhält man eine schwarze Farbe durch Anstrich mit Jô-hana oder Rô-iro, roth durch Zinnoberlack, grünlichgelb durch Auripigmentlack, grün, indem man einem Transparentlack Sei-shitsu beimengt. Durch Vermischen von schwarzem Lack mit Zinnoberlack erhält man braune Lackanstriche in verschiedenen Abstufungen, ebenso Nüancen von hellgrün durch grössere Mengen von Auripigment und von dunkelgrün durch Zusatz von Jô-hana oder einem andern schwar- zen Lack zum grünen. 2) Shun-kei-urushi oder Nojiro-Shun-kei ist der Name eigenthümlich lackierter, gelber Holzwaaren des Städtchens Nojiro nördlich von Akita in der Nähe des Japanischen Meeres. Während bei dem gewöhnlichen Lackierverfahren durch die Grundierung der Charakter des Untergrundes verdeckt wird, bleibt hier die natürliche Aderung ziemlich gut erhalten. Dem sorgfältigen Beizen des Holzes mit Seshime-Lack, mit oder ohne einen die Poren füllenden Zusatz, folgt behutsames Abreiben, dann ein leichter Anstrich von Gummigutt- lösung, oder einem andern flüssigen gelben Farbstoff (z. B. aus den Früchten der Gardenia florida), und schliesslich ein dünner Ueberzug mit einem Transparentlack, dem Shun-kei-urushi. Meist wird aber wohl der gelbe vegetabile Farbstoff diesem beigemengt und mit ihm zugleich aufgetragen. Des hohen Oelgehaltes dieses Lackes wegen kann man nach seinem Auftragen die gewöhnliche Abschleif- und Politurweise nicht anwenden, sondern muss die Gegenstände so lassen. Deshalb ist bei Zubereitung und Anwendung dieses Lackes noch grössere Sorg- falt und Reinlichkeit geboten als sonst, damit die fertige Lackwaare frei von Flecken und Pinselstrichen erscheine. Dann zeigt sie eine durch- scheinend gelbe oder bräunlichgelbe Farbe, die Adern und Masern des III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Holzes und hohen Glanz. Nojiro-Shun-kei ist übrigens eine ziem- lich theuere Waare, welche nur selten ausgeführt wird. Ich habe Nojiro nicht besucht und in Tôkio nur Imitationen kennen ge- lernt, welche an Schönheit den Originalen nicht gleich kommen. Von letzteren hat das Königliche Kunstgewerbemuseum zu Berlin einige sehr schöne Muster. Ob ihre Darstellung genau so erfolgt, wie die ihrer oben geschilderten Nachbil- dungen, scheint zweifelhaft; denn es wird von Allen, welche des Nojiro-Shun-kei erwähnen, zugleich hervorgehoben, dass seine Anfertigung Geschäftsgeheimniss sei und selbst die einzelnen Fabrikanten nicht nach gleicher Methode arbeiten. Siehe u. A. K. Hagmeier in Mittheil. der deutschen Gesellsch. Ostasiens 12. Heft pag. 65.) 3) Tsuya-keshi (tsuya, Glanz, keshu, auswischen, vertreiben) ist ein mattschwarzer Lackanstrich, der dadurch erzielt wird, dass man die grundierten Gegenstände mit Rô-iro-urushi anstreicht, nach dem Trocknen mit Rô-iro-dzumi (Kohle der Lagerstroemia indica) abschleift, dann mit Seshime-urushi und weichem Papier überreibt. 4) Das Rô-iro . Diese glänzend schwarze Lackfarbe wird ähn- lich wie die vorerwähnten erzielt, nur dass am Schlusse noch Behand- lung mit Suri-urushi (Politurlack) folgt. Die Politur wird erzielt durch dreimaliges abwechselndes Ueberreiben mit Seshime-urushi und Pulver von gebranntem Hirschhorn. Zum Aufreiben dienen statt des Polierleders der Ballen und die Fingerspitzen der rechten Hand. — β ) Bunte Lackwaaren mit marmorierten Flächen . 1) Tsugaru-nuri, Tsugaru-Lack (Tafel Va ). Derselbe führt seinen Namen nach der Landschaft Tsugáru (sprich Tsungáru) im Norden von Hondo, der Insel Yezo gegenüber, in deren Hauptstadt Hirosaki diese Lackiermethode noch immer viel angewandt wird und ihre grösste technische Vollendung erhalten hat. Der Charakter des Tsugaru-Lackes besteht im wesentlichen darin, dass viererlei Farben (oder mehr), näm- lich schwarz, roth, gelb und grün, herrührend von Rô-iro-, Zinnober-, Auripigment- und Sei-shitsu-Lack in verschiedener Weise bunt durch- einander gemischt erscheinen. Bald sind es regelmässige Streifen, bald mehr oder minder unregelmässig auftretende Flecken und undeut- liche Figuren, bald ist es wieder ein gesetzloses Durcheinander von grösseren und kleineren Flecken und Punkten, in denen sie auftreten. Gewöhnlich wiegt eine der genannten Farben mehr vor, nicht selten fehlt auch eine derselben vollständig. Man findet Tsugaru-nuri nicht häufig, zumal in den europäischen Sammlungen, weil seine Darstellung viel Zeit erfordert und der Preis 3. Lackindustrie. dementsprechend hoch ist. Die besten älteren Gegenstände davon und von Wakasa-nuri (der folgenden Gruppe) sah ich im Haag (Museum van Rariteiten) und in dem ethnographischen Museum zu München. Der Tsugaru-nuri wird so dargestellt, dass man auf dem Grunde nach dem Naka-nuri-togi mit einem zähen Kitt, den man aus Eiweiss oder einem verwandten Körper, z. B. Tôfu und Rô-iro-urushi bereitet, eine unebene Oberfläche schafft, die man zuerst mit rothem, gelbem und grünem Lack in irgend einer Ordnung hintereinander und dann noch mit Transparentlack überstreicht. Hierauf wird die Fläche mit Kohle und Wasser soweit gleichmässig abgeschliffen, bis eine zusagende Marmorie- rung sich zeigt. Der Charakter derselben wird abhängen von der Art des Auftragens vom Kitt, ob derselbe nämlich gleichmässig auf die Unterlage gestrichen wird und man dann durch das Eindrücken von Figuren oder parallelen Furchen regelmässige Muster erzeugt, oder ob man diesen Kitt mit Hülfe eines Tupfers auf die Grundlage überträgt und so von vorn- herein eine unregelmässig höckerige Oberfläche schafft. Ferner hängt die Art der Marmorierung offenbar auch von der Ordnung ab, in welcher die verschiedenfarbigen Lackanstriche aufeinander folgen, und endlich von dem Grad des Abschleifens. Ist letzteres beendet, so folgen die Schluss- arbeiten, zunächst ein Anstrich mit einem Gemisch von Seshime mit Nashi-ji und nochmaliges Abreiben mit Kohle, darauf die Arbeiten zum Erzielen des Spiegels, bei denen neben Seshime-urushi Repsöl und Bolus oder ein anderes feines mineralisches Pulver in Anwendung kommen. 2) Wakasa-nuri, Wakasa-Lack (Tafel Vb ). Die Provinz Wakasa , nach welcher derselbe seinen Namen führt, liegt am Japani- schen Meer nördlich des Biwa-Sees. Es heisst, dass in ihrer Haupt- stadt Obama diese Lackierungsart zuerst nach chinesischen Mustern aufkam. Sie unterscheidet sich von Tsugaru-nuri besonders dadurch, dass zu dem diesem eigenen Farbengemisch noch Goldgelb, Orange und Braun kommen, welche in der Regel weit vorwalten, oft sogar allein oder in Verbindung mit nur einem Theil der Tsugaru-Farben auftreten. Goldgelb, Braun und Orange werden durch Gold-, seltener durch Silber- folie hervorgebracht. Auf vollendeter Grundierung stellt man nach dem bei Tsugaru-Lack angegebenen Verfahren einen unebenen Grund her. Es folgen dann Anstriche mit mehreren Lackfarben aufeinander. Nach Auftragung der letzten Farbe wird das Goldblatt aufgelegt und mit der Bürste fest aufgestrichen. Es folgt den Unebenheiten des Untergrundes auf diese Weise leicht und legt sich überall dicht an. Hierauf lässt man den Gegenstand trocknen und gibt ihm sodann einen Anstrich mit Trans- parentlack, der nöthigenfalls wiederholt wird, bis die Vertiefungen grösstentheils ausgefüllt und glatte Flächen hergestellt sind. Nunmehr III. Kunstgewerbe und Verwandtes. folgt das bekannte Abschleifen mit Magnolienholzkohle und Wasser, denen sich das Verfahren zur Erzielung des nöthigen Glanzes anschliesst. Tafel Vb stellt die Nachahmung eines solchen Wakasanuri mit Bronzefarben dar, die jedoch der Schönheit und dem Glanze des Ori- ginals im Kunstgewerbe-Museum zu Berlin selbstverständlich nicht gleich- kommt. Dieses ist jetzt 180 Jahre alt, ein flaches Schachtelkästchen von grosser Schönheit und einem Glanze, als sei der Gegenstand frisch poliert. Immerhin genügt die vorliegende bildliche Wiedergabe eines Theils der Oberfläche, um daran den Arbeitsgang zu erläutern. Man wird erkennen, wie nach Herstellung des unebenen Untergrundes Zweig- spitzen eines Lebensbaumes (Retinispora) in die tieferen Stellen des weichen Eiweisskittes eingedrückt und nach völligem Trocken wieder entfernt wurden. Auch die Reihenfolge der hierauf angewandten Lack- anstriche ist leicht wahrzunehmen, nämlich: schwarz, grünlichgelb und roth. Dann kam die Auflegung des Goldblattes, die Ausfüllung der Vertiefungen durch Transparentlack, das Abschleifen mit Magnolien- holzkohle und Wasser, ein nochmaliger sehr dünner Ueberzug mit Transparentlack und hierauf das Verfahren zur Erzielung des Glanzes, wie es bereits für andere Fälle angegeben wurde. Demgemäss sehen wir die Goldfolie mit natürlicher Farbe hervortreten, wo sie Erhaben- heiten der Unterlage überspannte, dagegen in verschiedenen Abtönungen bis braun, wo sie sich über Vertiefungen legte und mit Transparent- lack in verschieden dicker Schicht überdeckt wurde. Wo die Ränder der Zweigspitzen den Kitt empordrückten, folgen ebenso wie an Stelle der abgeschliffenen Höcker auf das Gelb des Goldblattes rothe, grün- lichgelbe und schwarze Bänder, beziehungsweise Ringe und Flecken in der Ordnung, in welcher rückwärts schreitend die betreffenden Lack- farbenanstriche vorausgingen. 3) Shi-tan-nuri, d. h. Sandelholzlack . Hierunter versteht man Imitationen des rothen Sandelholzes oder Shi-tan (siehe pg. 298). Sie werden auf folgende Weise zuwege gebracht: Nach beendigter Grun- dierung erhält der Gegenstand einen Anstrich von Zinnoberlack. Bevor derselbe völlig trocken ist, werden mittelst eines zugespitzten Holz- stäbchens unterbrochene Parallellinien eingraviert. Nach dem Trocknen folgt Glätten mit Kohle wie gewöhnlich, darauf streifenweises Auf- tragen von Tuschfarbe und Verwaschung der Ränder, so dass rothe und schwarze Streifen aufeinander folgen, aber die Holzähnlichkeit noch in keiner Weise hervortritt. Es folgt nun ein dünner Anstrich mit Se-shime und die Politurarbeit. Die Wirkung dieses Verfahrens ist überraschend, bedarf aber zu ihrer Erzielung viel Uebung und eine ge- schickte Hand, namentlich auch beim Abreiben mit Magnolienholzkohle. 3. Lackindustrie. Man begegnet dieser Behandlungsweise japanischer Lackwaaren in europäischen Sammlungen selten. Ich fand sie im Jahre 1881 in dem Geschäft von Larkin, Crafton Street, London auf eine lackierte Holzvase angewandt, welche einen abgestumpften Kegel von 1 m Höhe, 56 cm unterem und 30 cm oberem Durchmesser darstellte und ₤ 100 kosten sollte. Der Grund zeigte die prächtigste Imitation des rothen Sandelholzes, die ich je gesehen habe. Darüber erhob sich eine in ihrer Art mustergültige Decoration mit erhabener Goldlackarbeit und Ein- lagen von Elfenbein und Perlmutter. Sie stellte die Shichi-ken oder »sieben Weisen« Chinas, Kraniche und Bambusrohr dar. Diese »sieben Weisen« (Shichi-ken) waren die Cyniker Chinas, Weltveräch- ter, die so weit gingen, sich nicht blos der Kleider zu entschlagen und nackt einher zu gehen, sondern auch den wilden Thieren gleich in Bambusrohrdickichten ihren Aufenthaltsort zu wählen. 4) Suri-hegashi-nuri , d. h. Lackarbeit, erzielt durch hegu, abstreifen, und suri, polieren. Zur Anfertigung derselben folgt auf Naka-nuri-togi, den Abschluss der Grundierung, ein Anstrich mit schwarzem Lack (Rô-iro-urushi), dann schwaches Abreiben mit Kohle und Wasser und Anstrich mit rothem Lack aus Zinnober und Nashi- ji-urushi und nach dem Trocknen abermaliges Abschleifen mit Kohle und Wasser. Die dunklen Figuren werden durch fortgesetztes Reiben mit zugespitzter Kohle an einzelnen Stellen bis zum Durchschleifen des Zinnoberlacks erzeugt. Man überreibt hierauf die Gegenstände wiederholt mit einem Wattebällchen und Seshime-urushi, um die Vertiefungen aus- zufüllen, und poliert sie endlich nach dem letzten Trocknen in gewohnter Weise. Sie sind dann grob marmoriert, oder zeigen auch nur einzelne schwarze Flecken auf rothem Felde, oder das umgekehrte, rothe Flecken auf schwarzem Grunde. Von diesem Verfahren gibt es wieder mancher- lei Abstufungen, wozu auch diejenige gehört, bei welcher über einer schwarzen oder braunen Lackschicht Goldfolie ausgebreitet und nach dem Trocknen derselben symmetrische Figuren irgend welcher Art mit einem Stift durchgraviert werden. Darauf folgt Ausfüllung und Ueber- deckung mit Transparentlack und Politur. 5) Same-gawa-nuri , d. h. »Haihautlack« oder Same- dzaya , d. h. »Hai-Schwertscheide« Unter Haihaut ist hier nicht die auch Chagrin genannte rauhe Haut der Haie und des Hypolophus Sephen Müll. \& Henle zu verstehen, sondern die mit knöchernen Tuberkeln bedeckte Rückenhaut verschiedener Arten Rhinobatus oder Hairochen der Küsten Vorder- und Hinterindiens, sowie Südchinas, so von Rhinobatus armatus Gray und Rh. granulatus Cuv., wie es scheint (siehe Mül- ler \& Henle: Systematische Beschreibung der Plagiostomen, Berlin 1841 pg. 117). . Wir haben es hier mit einer III. Kunstgewerbe und Verwandtes. eigenthümlichen Lackierungsweise zu thun, welche nach der in Anwen- dung kommenden Haihaut (Same-no-kawa), oder nach den Schwert- scheiden (Saya), zu deren Verzierung sie vornehmlich angewandt wurde, ihren Namen trägt. In der Regel wird die Haifischhaut ohne Grundierung auf den mit frischem Reiskleister überstrichenen Gegenstand mit Hülfe eines Bügeleisens überall fest aufgedrückt. Das Abschleifen der Höcker bewirkt man mit einer eisernen Feile, das Ausfüllen der Gruben durch Anstrich mit Sabi (pg. 425), dem Abschleifen mit Holzkohle, Anstrich mit Rô-iro-urushi, abermaliges Abschleifen mit Magnolienholzkohle und endlich das Polieren mit gebranntem Hirschhorn und Seshime in dreimaliger Wiederholung folgen. Der fertige Gegenstand zeigt nun einen schwarzen Grund, welcher mit kleinen weissen Kreisen dicht besäet ist. Im herzoglichen Museum zu Gotha befindet sich ein älterer Kasten mit dieser Art Lack. Wo die Kreise grau oder bläulich erscheinen, wurde die Haihaut vorher mit Indigo gefärbt. Diese Nüance von Lack, welche man ebenfalls bei alten Schwertscheiden findet, heisst Ai-dzame (nach Ai, Indigo, und dzame, Hai). Seitdem die alten Schwerter und ihre Scheiden ausser Gebrauch gekommen sind, wird Same-no-kawa nur noch wenig in der Lackierkunst angewandt. Im vorigen Jahre zeigte der Pariser Fabrikant Giraudon die Ausnutzung eines Patents auf die Verwendung derselben Art Haihaut, welche Chinesen und Japaner bisher in ihrer Lackierkunst benutzten. Mit einer prächtigen Sammlung »articles de luxe en Requin de Chine« erschien er auf der Weltausstellung zu Ant- werpen und verkaufte dieselben, wie Cabinete, Handschuhkästchen, Dosen, welche mit abgeschliffener Haihaut überzogen waren, zu enorm hohen Preisen. γ ) Bunte Lackwaaren, erzeugt durch Aufstreuung glänzender Pulver . 1) Ao-gai-nuri oder Ao-gai-togi-dashi, Perlmutterlack . Zur Verwendung kommt das grob- oder feinpulverisierte Perlmutter von Trochus- und Haliotis-Arten. Sollen mit diesem Pulver ganze Flächen bestreut und gleichmässig ausgeschmückt werden, so ist die Arbeit eine ganz analoge der bei Aufstreuung von Metallpulvern. Beabsichtigt man dagegen, bestimmt begrenzte Verzierungen damit zu Wege zu bringen, so pflegt man wohl Schablonen aus Staniol auf die grundierte Fläche zu leimen, den durchbrochenen Stellen einen Anstrich von Rô- iro-urushi zu geben und dann Ao-gai oder Perlmutterpulver darauf zu Wenigstens sah ich in der franz. Ausstellung von Cochinchina unter dem Namen »Pegu de Requin« eine Haut von Rhinobatus, welche ganz der in Japan ange- wandten entsprach. 3. Lackindustrie. streuen. Nach dem Trocknen entfernt man die Schablonen, gibt dem Ganzen einen Anstrich von einem Gemisch aus Rô-iro und etwas Seshime-urushi und reibt nun die mit Perlmutter bestreuten Stellen zum erstenmal sorgfältig mit Magnolienholzkohle ab. Es folgt ein zweiter Anstrich mit demselben Lackfirniss, hierauf wiederum das Abschleifen und endlich die Politur. Die einfachere Arbeit bei gleichmässiger Ver- theilung der Perlmutter über die ganze Fläche schlägt denselben Gang ein. Das prächtige grüne und violette Schillern der kleinen Perlmutter- stückchen auf den damit gezierten Lackwaaren hängt von der ver- schiedenen Lage derselben zum Licht und der ungleichen Ueberdeckung mit Transparentlack ab. 2) Shari-nashi-ji, d. h. Zinn (staub)-Birngrund . Der Zinnstaub (oder statt dessen Bronzepulver) wird mit einem kleinen Siebe gleichmässig oder in Streifen und Figuren auf den noch feuchten Anstrich von Naka-nuri (siehe 10. Operation der Grundierung) gestreut und nach dem Trocknen mit einem Anstrich von Se-shime überdeckt. Er nimmt hierdurch, wie aufgestreutes Pulver eines Edelmetalls, eine braune Farbe an. Der Goldgrund wird mit dem Alter heller gelb und glänzender, das eingestreute Zinn oder Bronzepulver dagegen trüber und matter, wie man dies an vielen der gewöhnlichen japanischen Lackwaaren leicht beobachten kann. Es versteht sich von selbst, dass auch hier mit dem Aufstreuen des Metallpulvers die Arbeit noch nicht beendet ist, sondern ein Anstrich mit Transparentlack und das Polieren folgen müssen. 3) Einfache Lackwaaren, geziert durch Einlegearbeit . Ich reihe diese Gruppe den vorhergehenden an, weil ihre Ausführung eben- falls wohl Geschick, aber ebensowenig wie die früheren wirklich künst- lerisches Talent erfordert. Auch kommt dabei Edelmetall gar nicht, oder nur ausnahmsweise zur Anwendung. Es gehören hierher vor allem die eingelegten Perlmutterarbeiten, Ao-gai-zaiku , bei Ca- binetten, Kästchen, Dosen etc., welche in Menge nach Europa kommen und vornehmlich in Nagasaki angefertigt werden. Doch pflegt man auch die feinsten Lackarbeiten vielfach mit Perlmutter, Elfenbein und Edelmetallen stellenweise zu incrustieren und damit Reliefs von Blu- men und andern Naturgegenständen zu schaffen. Dieser Zweig der Lackindustrie ist schon alt, wie Gegenstände in den holländischen, Dresdener und andern Sammlungen beweisen. Das gewöhnliche Ao-gai kommt von der glatten Innenseite der Haliotis- Schalen, deren jede nur eine dünne Platte liefert; das feinere oder Ma-gai Ao-gai , d. h. Ao-gai-Nachahmung, ist das Product grosser Trochus und kommt vornehmlich von den Riukiu-Inseln. Beide Sorten Rein , Japan. II. 28 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. (bei Trochus die letzte Windung) werden auf mühsame Weise zu dün- nen, durchsichtigen Platten geschliffen. Die Perlmutter-Platte wird auf die Zeichnung gelegt und diese mit Tusche und Pinsel durchge- paust. Hierauf trägt man mit dem Pinsel die mit heissem Leimwasser angeriebenen Malerfarben (Berlinerblau, Gummigutt und für grün das Gemisch beider, ferner Terra de Siena, Carmin, Safflor etc.), je nach- dem es die Vorlage erfordert, auf die betreffenden Stellen der Perl- mutterplatte auf. Nach dem Trocknen überdeckt man die angestriche- nen Stellen mittelst Leimwasser mit Silberfolie, lässt abermals trocknen und schneidet nun die auf der entgegengesetzten Seite der Perlmutter- platte umrandeten Figuren (Blätter, Blumen etc.) mit den entsprechenden durchscheinenden Farben mittelst scharfer Hohlmeissel aus. Sie werden auf die matt-grundierten Vasen, Teller, Cabinette etc. geleimt. Hierauf füllt man die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack aus, streicht das ganze, einschliesslich der Perlmuttereinlage, zweimal mit Transparentlack an, reibt, wenn nöthig, mit Kohle ab und poliert. Die Silberunterlage wird angewandt, um die Farbenanstriche auf der Unterseite der Perlmutter vor dem Lack zu schützen und mehr hervor- zuheben; doch geschieht dies nur bei werthvolleren Arbeiten. Statt Perlmutter kommt auch Einlage von Staniol vor, die natürlich anders behandelt wird, und dann niemals Farbe und Glanz verliert. B. Arbeiten des Makiye-shi . Dieselben haben den Zweck, die Lackwaaren künstlerisch auszu- schmücken, wobei namentlich die Verwendung von Gold- und Silber- staub eine grosse Rolle spielt. Die Darstellung eines Gemäldes oder sonstigen Kunstwerkes zu beschreiben, hat bekanntlich seine grossen Schwierigkeiten; unmöglich aber ist es eine Kunst durch Beschreibung zu lehren. Auch der Ma- kiye-shi oder Goldlackmaler betreibt eine Kunst. Mit unverkenn- barer natürlicher Anlage musste er eine lange Lehrzeit — oft 8 bis 10 Jahre — verbinden, bevor es ihm gelang, als Meister seines Faches zu wirken und mit geübter Hand die künstlerischen Verzierungen zu schaffen, deren vollendete Schönheit wir an manchem japanischen Lack- gegenstande bewundern. Aus diesen Gründen kann das Folgende nur eine kurze Angabe des allgemeinen Ganges seiner Arbeiten und der bei denselben unge- achtet ihrer grossen Verschiedenheit doch überall erkennbaren allge- meinen Grundsätze sein, welche ihn dabei leiten. Was nun zunächst die letzteren betrifft, so sind es ausser den bereits pg. 422 aufgestell- ten und für alle Lackarbeiten geltenden Regeln vornehmlich folgende: 3. Lackindustrie. 1) Das Naka-nuri-togi als Abschluss der Grundierung muss mit grösster Sorgfalt ausgeführt und ein vollkommen glatter Grund ge- schaffen sein. 2) Auf diesen Grund wird die Zeichnung mit einem feinen Pinsel und einem dünnen Brei aus Bleiweiss oder einer andern Farbe und Wasser frei entworfen, oder — bei weniger Geübten — ein vorhan- denes Muster durchgepaust und dann mit Shita-makiye , d. h. »Zeichnung des Untergrundes« angelegt. Hierzu dient eine braunrothe, dünnbreiige Farbe aus einem Gemisch von Eisenoxyd (Beni-gara) mit Se-shime-urushi. 3) Gold, Silber und sonstige Farben werden fast alle in Pulver- form auf das noch frische Shita-makiye gestreut oder zur Seite, und dann mit einem Pinsel (Tafel IV, Fig. 5, 6 oder 3) darauf gekehrt, was namentlich in den Fällen geschieht, wenn die Farbe, wie bei Holz-Imitationen, von einer Linie aus sich verlaufen und abschwächen soll. Das Polieren findet natürlich auch hier erst nach einem trocken gewordenen Anstrich mit hellerem Lackfirniss (in der Regel Nashi-ji- urushi) statt. 4) Was plastisch hervortreten soll, wird anfangs nur in seinen Umrissen vorgezeichnet und erst weiter behandelt, wenn die Arbeiten im Grunde der Fläche beendet sind. Das vornehmste und wichtigste Verzierungsmittel des Makiye-shi ist das Gold . Es kommt als Pulver in zwei Hauptnüancen vor, unter den Collectivnamen Yaki-gane und Koban . Yaki-gane, d. h. »ge- branntes Metall«, oder Yaki-kin , d. h. »gebranntes Gold«, ist rein hochgelb, sogenanntes Dukatengold, Koban dagegen grünes Münzgold, eine Legierung im Verhältniss von 7,4 Theilen Gold zu 2,6 Theilen Silber. Es kommen jedoch auch noch goldärmere Legierungen zur Verwendung. Man unterscheidet je nach dem Grade der Feinheit eine grosse Anzahl Sorten Gold- und Silberfeilspäne, trennt sie durch Siebe und gibt ihnen besondere Namen, Kin-pun oder Keshi-ko ist der feinste Gold-, Gin-pun der feinste Silberstaub. Man erhält ihn da- durch, dass man die entsprechende dünne Metallfolie des Goldschlä- gers mit einer Leimdecke versieht, nach dem Erkalten des Leims mit demselben pulverisiert und dann das Metall durch Schlemmen vom Leim scheidet. Da einzelne dieser Pulver öfter gebraucht werden, so mögen hier die Namen der wichtigsten folgen, und zwar nach ihrer Feinheit der- art geordnet, dass die gröbsten voranstehen, um für ihre zum Theil langen Bezeichnungen die kürzeren Nummern gebrauchen zu können: 28* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 1) Kiri-kane , kleine quadratische Blättchen von Goldfolie. 2) Yaki-gane , hira-me tsune san. 3) ‒ ‒ hira-me shô san 4) ‒ ‒ nashi-ji shô san. 5) ‒ ‒ koma-ka-me tsune. 6) ‒ ‒ mi-jin tsune. 7) ‒ ‒ koma-ka-me mi-jin. 8) ‒ ‒ maru ara-goku. 9) ‒ ‒ goku gashira dai. 10) ‒ ‒ goku gashira shiu. 11) ‒ ‒ maru goku mi-jin. Diese Benennungen lassen sich zum Theil schwer übersetzen. Mi-jin und ebenso fun (pun) bezeich- nen feinen Staub, tsune ist gewöhnlich, ara grob, goku (koku) dick, koma- ka erstes Pulver. 12) Koban , ara-goku. 13) » ara-mi-jin. 14) » mi-jin tsune. 15) » hana-ko. 16) Gin-pun , Silberstaub. Ausser diesen reinen Gold- und Silberpulvern und Feilspänen kommen noch verschiedene Mischungen derselben mit Farben in An- wendung, um Abschattierungen zu bewirken. Hierher gehören: 17) Aka-fun , rothes Pulver, eine Mischung von Zinnober mit Gold- oder Silberstaub. 18) Kuro-fun , schwarzes Pulver, durch Mischung von Camel- lienholzkohle mit einem Gold- oder Silberstaube erhalten. 19) Kuri-iro-fun , kastanienbraunes Pulver, eine Mischung aus Goldstaub, Zinnober und Camellienholzkohle. 20) Nedzumi-iro-fun , graue Rattenfarbe aus gleichen Theilen Silberstaub mit Camellienholzkohle und etwas Zinnober. Ferner kommen zur Verwendung: 21) Shiû-muki-gara , alter, abgekratzter Zinnoberlack, fein pulverisiert. 22) Matsu-no-sumi-no-ko , Tannenholzkohlen-Pulver. Die von Maki-yeshi hervorgerufenen Verzierungen zerfallen in 2 Gruppen, nämlich in: a. Hira-makiye , d. h. flache Goldlackarbeit. b. Taka-makiye , d. h. erhabene Goldlackarbeit. a. Hira-makiye, flache Goldlackarbeit . Wie der Name andeutet, bleiben hierbei die Verzierungen mit dem Grunde in einer Fläche, während sie bei der zweiten Kategorie kör- perlich (im Basrelief) darüber hervorragen. Hira-makiye umfasst alle Ausschmückungen der feineren chinesischen Lackwaaren, z. B. von 3. Lackindustrie. Canton und Futscheu und eine grosse Anzahl der geschätztesten und gebräuchlichsten japanischen. Hierher gehören vornehmlich die Flächen- decorationen mit Goldstaub und zwar: 1) Nashi-ji , Birnengrund (siehe pg. 417). Man versteht darunter einmal einen in der Regel schwarzlackierten Grund, auf welchem ein gröberes oder feineres Goldpulver gleichmässig eingestreut erscheint, sodann auch einen Transparentlack, welcher dabei in Anwendung kommt. Hier haben wir es mit Nashi-ji im ersteren, ursprünglichen Sinne zu thun. Je nach der Menge des eingestreuten Goldes wird der schwarze Untergrund entweder vorherrschen oder mehr verdeckt wer- den, ja beim geschätztesten Nashi-ji ganz verschwinden. Das Aussehen eines solchen Nashi-ji erinnert dann im frischen Zustande wohl an Aventurin, so dass die Benennung » Aventurin-Lack «, welche wir bei Wagener (Dingl. Polytechn. Journ. 1875 pg. 366) finden, recht passend erscheint. Tafel VIb. gibt ein Muster mit Bronze. Das Ori- ginal, mit Pulver von Dukatengold hergestellt, zeigt nur in frischem Zustande eine ähnliche Farbe, wird aber mit der Zeit viel gelber und glänzender. Die Herstellung des Nashi-ji ist einfach. Auf den An- strich mit Shita-makiye-urushi folgt mit Hülfe eines kleinen Hand- siebchens gleichmässiges Ueberstreuen mit mittelfeinem Goldpulver, wozu gewöhnlich Nr. 4 unserer Liste genommen wird. Nach dem Trocknen wird das Ueberflüssige, nicht haftende, sorgfältig abgekehrt und dann ein Anstrich von Nashi-ji-urushi gegeben, der die unge- wöhnlich lange Zeit von 6—7 Tagen trocknen muss. Nunmehr nimmt man das bekannte Abschleifen mit Magnolienholzkohle und Wasser vor, darauf das Polieren. Beide Arbeiten erheischen selbstredend viel Sorgfalt und Geschick. Nashi-ji ist eine der häufigsten und beliebtesten Weisen der Flächenverzierung. Die Goldstäubchen und -blättchen haben anfangs eine braungelbe Farbe, werden aber mit dem Alter in Folge grösserer Durchsichtigkeit der Lackdecke immer heller und glänzender, so dass man nach ihrer gleichmässigen Verteilung, Feinheit und Färbung die Güte und das Alter der besseren Lackgegenstände beurteilen kann. Bei vielen dieser älteren Goldlackwaaren, wie Dosen und Kästchen mancherlei Art, sind auch die Innenseiten mit Nashi-ji der besten Art sorgfältig bedeckt. Das Verfahren ist so alt, wie die Verzierung mit Perlmutter. Beide werden zurückgeführt auf das Ende des 8. Jahr- hunderts, d. h. bis zu der Zeit, wo Kaiser Kuwammu-Tennô für sich und seine Nachfolger die Stadt Kiôto dauernd zur Residenz machte. Dass Nashi-ji in ordinärer Lackwaare mit Zinn- oder Bronzepulver nachgeahmt wird, wurde bereits früher angedeutet. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 2) Kin-ji , »Goldgrund«. — Die grundierte Fläche, welche mit diesem Schmuck versehen werden soll, erhält ebenfalls zuerst einen Anstrich von verdünntem Shita-makiye-urushi und wird dann rasch mit einem feinen Goldpulver (Nr. 7 oder einem andern der Liste) mittelst eines Siebes gleichmässig, aber vollständig bedeckt. Nach dem Trock- nen und Abkehren des Ueberflüssigen folgt ein Anstrich mit Nashi-ji- urushi, dann abermaliges Trocknen, Abschleifen mit Magnolienholz- kohle und gründliche Politur, bei der Yoshino-urushi oder Se-shime, Hirschhorn und andere Mittel in Anwendung kommen, bis ein völlig gleichförmiger Goldspiegel erzielt ist. Gleich dem Nashi-ji wird auch Kin-ji mit zunehmendem Alter heller und glänzender, während seine Nachahmungen mit Zinnstaub oder Bronze nach einiger Zeit anlaufen, den metallischen Glanz verlieren und matt gelbbraun erscheinen. Tafel VI a ist eine solche Nachbildung. Wir finden das Kin-ji, diese kostbare Decke, welche aussieht, wie ein glatter Ueberzug von Goldblatt, bei alten Lackwaaren von höherem Werthe ebenfalls häufig, z. B. bei Dosen, Arzneibüchsen, Tuschkasten und andern Dingen. Der viel seltener auf grössere Flächen angewandte Gin-ji oder Silbergrund wird durch ganz analoge Be- handlung mit Silberstaub erzeugt. Auf Tafel VII sind der Mond und eine Chrysanthemumblüthe Nachahmungen des Gin-ji. 3) Mokume , Masertextur (moku, Holzmaser, kime, Textur) oder Masernachbildung (Tafel VI c). Die Ader- und Maserbildung des Holzes wird mit Bleiweiss oder Eisenroth entworfen, die Ausführung aber stufenmässig vorgenommen, etwa von der Mitte der zu decorierenden Fläche oder einem Maserkern aus. Der Makiye-shi presst die braunrothe Farbe, welche er aus einer Mischung von Eisenroth und Se-shime-urushi darstellt und, wenn nöthig, durch einen Zusatz von Kampfer verdünnt, mehrmals durch Yoshino-Papier, schiebt dann seine kleine Hornpalette (Tsune-ban, siehe Taf. III, Fig. 8) über den Daumen der linken Hand, bringt etwas von der Anlegefarbe darauf und beginnt nun die aus- führende Arbeit bei einem der Maser-Mittelpunkte, indem er die schwache Umgrenzungslinie mit der rothen Farbe an der Spitze eines feinen Rattenhaarpinsels überfährt und dann auch die so umgrenzte Fläche mit der nämlichen Farbe schwach bedeckt. Nunmehr ergreift er sein Siebchen (Taf. IV, Fig. 1 oder ein ähnliches), bringt etwas Goldstaub hinein und bestreut die kleine mit Shita-makiye behandelte Fläche, wenn sie einen gleichmässigen Goldspiegel erhalten soll, wie in diesem Falle, oder die dem Rand zunächst liegende trockne Aussen- seite, wenn der Spiegel nach innen abgeschwächt verlaufen soll, in welchem Falle das Pulver auf die nasse Figur gekehrt wird, wie dies 3. Lackindustrie. z. B. bei den Gürteln der Fall ist, welche auf die Maser-Centren folgen. Hochgelb wird durch feines Pulver von Yaki-gane, gelbgrün und hellgelb durch Koban erzielt. Ist ein Mittelpunkt oder Auge der Maserung angelegt, so schreitet man in gleicher Weise weiter zur Be- handlung des ersten Gürtels, des zweiten u. s. f. Ist endlich die ganze Anlage fertig und hat der Gegenstand einen Tag im feuchten Trockenraume geruht, so wird auch von ihm zunächst der überflüssige Goldstaub mit dem Pinsel abgestrichen und dann erhält das angelegte Mokume einen dünnen Anstrich von Nashi-ji-urushi, für den auch Se- shime genommen werden kann. Es folgt längeres Trocknen, Abreiben mit Magnolienholzkohle, nochmaliger Anstrich mit demselben Lack, Trocknen und abermaliges Abschleifen mit der Kohle und endlich die Arbeit zur Erzeugung des Glanzes. Durch Abwechselung zwischen sogenanntem gelbem, rothem und grünem Goldstaub, durch sonstige Abtönungen, sowie auch durch Ein- streuen von Perlmutterpulver wird die Wirkung der Mokume-Arbeiten erhöht. Dieselben übertreffen Nashi-ji und Kin-ji und können, wo sie vorkommen, ebenfalls als Merkmal kostbarer Lackarbeit dienen. 4) Kara-kusa , Arabesken, und Kumo , Wolken. Der Name Kara-kusa oder »Chinakraut« für Arabesken weist auf die Ein- führung dieser Flächenverzierung aus China hin, wo sie in viel grösserem Umfang angewandt wird, namentlich zur Verzierung von Bronzevasen, als in Japan. Ausser den bereits bei den Holzimitationen erwähnten Goldpulvern werden hier auch Silberstaub, Perlmutter und Pulver von altem Zinnoberlack in An- wendung gebracht. Nachdem die ganze Zeichnung angelegt, mit den betreffenden Pulvern bestreut, getrocknet und mit Nashi-ji-urushi über- deckt worden ist, findet das erste Abreiben mit Kohle und hierauf ein Anstrich mit Se-shime statt. Um die tieferliegenden schwarzen Zwischen- räume auf gleiche Höhe zu bringen, erhalten sie hier, wie nach der Anlage von Blumen und sonstigen Ornamenten, einen Anstrich mit Rô- iro-urushi. Nach dem Trocknen folgt ein zweites Abreiben mit Kohle und dann das Polieren. Blattnerven, Wolkenbegrenzungen und andere hervortretende Linien werden erst während des letzteren mit dem Pinsel, Shita-makiye und Goldstaub hervorgerufen, müssen aber eben- falls vor der Politur mit Kohle abgeschliffen werden. (Die Mustersamm- lung in Berlin weist 2 hierher gehörende Tafeln auf.) — 5) Monsha-nuri , benannt nach einem Seidenstoff mit ähnlicher Zeichnung, ist eine eigenthümliche Art Lackverzierung, welche wir hier anreihen, obwohl sie eigentlich dem Goldlack nicht zuzurechnen ist. Aber sie wird ebenfalls vom Makiye-shi ausgeführt und erheischt nicht III. Kunstgewerbe und Verwandtes. minder künstlerisches Geschick, als die vorerwähnten Arten. Nach- dem die Figuren (Vögel, Blumen etc.) mit Shita-makiye angelegt sind, wird die noch frische Lackfarbe mit feinpulverisierter Kiefernholzkohle (andere Kohlensorten greifen mehr oder weniger den Lack an und sind darum nicht so geeignet) bestreut. Es geschieht dies mit Hülfe eines kleinen Siebchens, das man sich herstellt, indem man ein daumendickes Bambusrohr schräg durchschneidet und den Schnitt mit feinem Musslin, Gaze oder Drahtgeflecht überspannt. Nach dem Trocknen wird das nicht hängengebliebene, überflüssige Kohlenpulver mit einem weichen Pinsel abgestrichen und hernach dem ganzen Gegenstande ein Anstrich mit Rô-iro-urushi gegeben. Diesem folgt Abreiben und Politur. Es treten dann die Figuren matt aus der glänzend schwarzen Fläche her- vor. Die Wirkung ist überraschend. Sie wird durch einfache Mittel und ohne die geringste Anwendung von Metallstaub erzielt. (In der Berliner Sammlung ist eine Tafel mit dem Howo, dem Phönix des chinesischen Culturkreises, in einigen Front- und Seitenstellungen auf die angegebene Weise hergestellt worden.) b) Taka-makiye, erhabene Goldlackarbeiten . Ausser dem, was bereits im allgemeinen über ihre Herstellung ge- sagt wurde, sei hier nur noch erwähnt, dass der dazu dienende Kitt oder Taka-makiye-urushi nach dem Trocknen eine glänzend schwarze Farbe hat. Er wird nicht unmittelbar auf die durch Umriss- zeichnung reservierte Grundierung aufgetragen, sondern diese erhält zuvor noch einen Anstrich von Shita-makiye-urushi, den man mit Kohlen- pulver und etwas Auripigment bestreut hat. Dieser Kitt selbst ist ein Gemenge aus schwarzem Lack, Kienruss, etwas Bleiweiss und Kampfer. Die damit modellierten Reliefs haften nach dem Trocknen überaus fest an der Unterlage und haben das Aussehen von Anstrichen mit Naka- nuri. Sie werden wie diese mit zugespitzter Holzkohle bis in die feineren Furchen hinein glatt abgerieben. Die weiteren Arbeiten sind dann analog denen bei ebenen Figuren. Es folgen sich also: Anstrich mit Shita-makiye, Bestreuung mit Metallstaub, Ueberdeckung mit Nashi- ji-urushi oder Se-shime, Abreiben mit Magnolienkohle und Wasser und schliesslich die verschiedenen Arbeiten zur Erzeugung des Glanzes. Wo bei den billigen Lackwaaren Taka-makiye in Anwendung kommt, wird das Edelmetall durch Bronzepulver und Zinnstaub ersetzt und die ganze Arbeit dem geringen Preise entsprechend mit wenig Aufwand von Kunst und Zeit ausgeführt. Sie verhält sich zu den vor- züglichen Leistungen des Makiye-shi etwa wie das Wandbild des An- streichers zum Frescogemälde eines hervorragenden Künstlers. Im Rein, Japan II. Taf. VII. LACKMUSTER Herbstlandschaft bei Mondschein. 3. Lackindustrie. übrigen ist eine eingehende Erörterung all der verschiedenen Kunst- griffe und Mittel, deren sich der japanische Lackkünstler bedient, einschliesslich der Einlage von Elfenbein, Perlmutter und Platten von Edelmetall selbstverständlich ganz unmöglich. Auch dürfte ein weiterer Versuch in dieser Richtung weder von Interesse, noch von Nutzen sein. Bei der vom Monde beleuchteten Herbstlandschaft (Tafel VII) hat der Künstler verschiedene der unter Hira-makiye und Taka-makiye erwähnten Verzierungen angewandt. Da finden wir die Nacht durch das in den schwarzen Lackanstrich unregelmässig eingestreute Nashi-ji und den hinter einer Wolke aufgegangenen Mond angedeutet, den Herbst durch die niederfliegenden wilden Gänse (gan) und zwei Lieblings- blumen, rechts Kiku-no-hana (Chrysanthemum sp.), links Omina- meshi (Patrinia sp.). Gänse, Bachufer und Blumen sind Reliefmalerei und wurden zuletzt ausgeführt. Das fliessende Wasser ist auf analoge Weise, wie das Maserstück (Taf. VI c), dargestellt worden Kin-ji (Gold- grund), Gin-ji (Silbergrund) und Nashi-ji (Birnengrund) erkennt man ebenfalls an verschiedenen Stellen. Auch ist in dem Gefieder der Gänse die sorgfältige Modellierung und Ciselierung vom Relief, bevor dasselbe den Goldschmuck erhielt, wiederzuerkennen. Nur eine Ver- zierungsweise erhabener Lackarbeiten, welche namentlich oft auf Baum- stämmen und Felsen wahrgenommen, stets mit echtem Golde ausgeführt wird und ein untrügliches Zeichen sorgfältigerer Arbeit ist, das Giyô- bu-Nashi-ji , bleibt hier noch kurz zu erwähnen. Wir sehen nämlich die erhabenen Bachufer mit quadratischen Goldblättchen belegt. Sie bilden Reihen wie Pflastersteine, nehmen an Grösse ab und verlieren sich allmählich nach aussen. Diese Goldblättchen, Kiri-kane genannt (siehe 1 pg. 436), werden eins nach dem andern mit der Spitze des Hirame-fude (siehe 7 pg. 421) auf die zuvor mit frischem Lack be- strichenen Stellen übertragen. Tsui-shiu, Geschnitzter Zinnoberlack oder Pekinglack . Unter dem Namen Pekinglack oder geschnittene Lackarbeit sind in unsern Kunstgewerbemuseen aus China und Japan stammende kleine Tischchen, zum Teil mit durchbrochener Arbeit, Schalen, Dosen (Fig. 13), Schachteln und andere Gegenstände zu sehen, die in ihrer schönen und höchst eigenthümlichen Verzierungsweise von den bisher erwähnten Arbeiten weit abweichen, nur noch selten zu haben sind und sehr ge- schätzt werden. Auf die Holzunterlagen derselben wurde Zinnoberlack teils rein, teils mit Rô-iro versetzt und dann in verschiedenen brau- nen Abstufungen in gleichmässigen Schichten breiigflüssig aufgetragen, bis endlich eine feste Kruste von 1—2 mm Dicke erzielt war. In III. Kunstindustrie und Verwandtes. dieselbe wurden dann die verschiedenartigsten Ornamente, wie Ara- besken, Blumen, menschliche und thierische Figuren, Scenen aus dem Leben und ganze Landschaften und Schlachtenbilder ciseliert oder mit scharfem Messer schräg ausgeschnitten, so dass man die verschieden- farbigen aufeinanderfolgenden Schichten deutlich erkennen kann, was natürlich nur im warmen Zustande des Lackes möglich war. In früherer Zeit war dies Verfahren in China sehr beliebt. So liess z. B. der Kaiser Kenriu dem General Akui zu Ehren, der 1776 Fig. 13. Deckel einer mit Tsui-shiu verzierten Dose. n. Chr. zu Pasen im westlichen China einen grossen Aufstand sieg- reich überwunden hatte, ein Bild der Schlacht von Pasen in rothem Lack schnitzen. Ein zweites gleich grosses Bild liess er auf dieselbe Weise zum Andenken an den feierlichen Einzug der siegreichen Truppen und ihre Bewirthung in der Hauptstadt anfertigen. Siehe Wikowski : »Erklärung zweier chinesischer Bilder aus rothem Lack« im 10. Heft d. deutschen Gesellschaft Ostasiens. Yokohama 1876. 3. Lackindustrie. Das Verfahren wurde später durch einen Chinesen nach Japan verpflanzt. Der Sohn desselben änderte es dahin ab, dass er für die einzelnen Lagen verschiedenfarbige Mischungen zwischen schwarzem und rothem Lack anwandte und dann seine Verzierungen tief eingra- vierte oder vielmehr schräg einschnitt, so dass die verschiedenen Farben der Lackschichten hintereinander in parallelen Bändern zum Vorschein kamen. Solche Arbeiten werden heutzutage in Japan nicht mehr geliefert und sind deshalb nur noch hin und wieder bei Trödlern aufzutreiben. Dagegen finden sich billigere Nachahmungen derselben ziemlich häufig. Nach dem einen Verfahren werden die Ornamente in das Holz ein- graviert, worauf man den ganzen Gegenstand mit einer dünnen Lack- schicht gleichmässig überdeckt und nach dem Trocknen die einge- schnittenen Stellen mit einem scharfen Messer nachfährt; nach dem andern, welches in geringem Umfange noch in Kiôto angewandt wird, bereitet man aus gekochtem Leim, Ocker und Se-shime-urushi unter Hinzufügung von Weizenmehl (Ko-mugi-no-ko) einen braunen oder dunkelgrauen Kitt, den man in eine dünne Platte auswalzt. Dieselbe wird hierauf über ein Brett ausgebreitet, welches einen frischen An- strich von Se-shime-urushi erhalten hatte, um das Festhaften des Kittes zu bewirken. In diesen Kitt werden nunmehr die Verzierungen, welche man anbringen will, eingepresst oder eingraviert, worauf man ihn trocknen lässt. So erhält man die Kata oder Schablone. Aus demselben Teig wird nun eine zweite Platte ausgewalzt, dann die aus der ersten gewonnene Hohlform daraufgelegt und eingepresst, so dass die Verzierung beim Abheben der Form erhaben zurückbleibt. Nunmehr überträgt man eine solche Kittplatte mit ihren Relieffiguren auf den damit zu schmückenden Gegenstand, wobei das Festhaften wiederum durch einen Anstrich mit Se-shime bewirkt wird. Um die Zeichnung schärfer hervortreten zu lassen, wird nachgraviert. Nach- dem die Masse völlig trocken geworden ist, wird der damit bedeckte Gegenstand ein- oder mehrmals mit flüssigem rothen oder braunen Lack überstrichen. Auf diese Weise verziert man Präsentierteller, Vasen und andere Geräthe aus Holz, gebranntem Thon und Porzellan. Der Kunstwerth und die Nachfrage nach ihnen sind jedoch nur gering. Geschichtliche Notizen über die japanische Lackindustrie . Obgleich das Alter dieser Industrie in Japan kaum genau zu be- stimmen sein dürfte und die sagenhafte Geschichte, welche ihren An- fang Jahrhunderte vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung ver- legt, sehr wenig Vertrauen verdient, so darf man doch annehmen, dass III. Kunstgewerbe und Verwandtes. sie vor dem ersten Kriegszug nach Korea im dritten Jahrhundert n. Ch. nicht bestand. Von Japanern ist zwar behauptet worden, Urushi-no-ki, der Lackbaum, sei früher in den Wäldern ihres Landes vorgekommen und die auf seinen Saft basierte Industrie habe sich spontan entwickelt; doch fehlen hierfür alle Beweise, während mancherlei Thatsachen auf China als Ausgang hinweisen. Einmal ist bislang Rhus vernicifera nirgends in Japan wild wachsend getroffen, wohl aber zuweilen mit Rhus sylvestris verwechselt worden. Zum andern stimmen die im Lande gebrauchten Mittel und Werkzeuge mit denen völlig überein, welche man seit Jahrhunderten in der Lackindustrie Chinas anwendet. Auch ist verschiedenen Stellen der freilich sehr unzuverlässigen Ge- schichte Japans wenigstens so viel mit Sicherheit zu entnehmen, dass der Industriezweig während der ersten sechs Jahrhunderte noch wenig verbreitet war. Da man nun in Japan alle sonstigen kunstgewerb- lichen Zweige den Chinesen und Koreanern verdankt, so gehen wir wohl nicht fehl mit der Behauptung: Auch die Lackierkunst — und den Lackbaum wahrscheinlich mit ihr — lernten die Japaner erst nach dem Anfang des dritten Jahrhunderts, d. h. nach ihrem ersten Kriegs- zug gegen Korea von ihren westlichen Nachbarn kennen. Unzweifelhaft aber erlangte der Lack als schützender und schmücken- der Ueberzug von vielerlei Stoffen und Gegenständen erst von der Mitte des 7. Jahrhunderts grössere Bedeutung. Kôtoku-Tennô, der 36. Mikado (645—654 n. Ch.), liess zuerst das papierne Kamuri , diese eigenthümliche ceremonielle Kopfbedeckung früherer Zeit, mit schwarzem Lack überziehen. Auch die Verordnung aus etwas späterer Zeit, wonach diejenigen Provinzen, in welchen die Lackier- kunst betrieben wurde, ihre Abgaben an den Staat in Form von Lackwaaren entrichten durften, muss als wesentliches Förderungs- mittel zur Fortentwickelung und Verbreitung der Industrie angesehen werden. Die Gegenstände wurden damals wohl alle einfach schwarz lackiert, wie dies auch bei den beiden ältesten bekannten Lackartikeln der Fall ist, die man im Tempel Tôdaiji zu Nara aufbewahrt. Der eine derselben, ein Kesa-bako, d. h. Schärpen-Kasten, weil er zum Aufbewahren der Schärpen diente, welche die Bonzen über den Schul- tern tragen, gehörte ehemals dem Priester Shôtoku Taishi, welcher zur Zeit des Kinmei Tennô (540—572 n. Chr.) lebte; der andere ist eine Saya oder Schwertscheide, welche dem Kaiser Shômu gehört haben soll und danach aus der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts stammt. Das Verzieren der Lackanstriche mit Goldstaub, sowie mit Perlmutter-Einlage wird ebenfalls bis zum achten Jahrhundert zurück- geführt. 3: Lackindustrie. Mit steigendem Luxus des Hofes und der Kuge’s, während die Fujiwara das Regiment führten, entwickelte sich auch die feinere Lackindustrie in Kiôto mehr und mehr. Die zunehmende Ausbildung der Feudalherrschaft brachte sie dann auch nach den Daimiôsitzen, vornehmlich aber blühte sie ausser zu Kiôto in Sakai und Kamakura. Im XI. und XII. Jahrhundert war es zu Kiôto Sitte, dass der Hofadel (Kuge) die Ochsenkarren, auf denen er nach seinem Vorrecht ausfuhr, mit Goldlack schmücken liess. Einen neuen Aufschwung nahm die Lackindustrie zu Kiôto zu Anfang des XV. Jahrhunderts, als Ashikaga Yoshimitsu im Vollgenuss seiner Macht einen alles Dagewesene über- bietenden Glanz entfaltete; doch blieb man bis zur Mitte des Jahr- hunderts (Zeit des Ashikaga Yoshimasa) der chinesischen Methode treu und hielt alle Verzierungen, welche vornehmlich in der Darstellung blühender Pflanzen bestanden, in derselben Fläche — Hira-makiye. Ein weiterer grosser Fortschritt zeigt sich nun von dieser Zeit an. In der Wahl der Decorationsmotive entwickelt man mehr Freiheit, ge- sellt zu den verschiedensten Naturgegenständen auch Landschaften und belebt sie durch ein neues Element von hoher Bedeutung, nämlich durch die Einführung des Taka-makiye bei erhabener Goldlackarbeit. Diese Decoration en bas-relief (raised lacquer) zeichnet neben manchem Andern noch heute die japanische Lackwaare vor der chinesischen, z. B. der von Canton, wesentlich aus. Die Glanzzeit der alten japanischen Lackierkunst war unstreitig das Ende des 17. Jahrhunderts, die Periode des prunkliebenden Shôgun Tokugawa Tsunayoshi (1681—1709) oder Jôkenin, wie sein posthumer Name lautet. Goldlackgegenstände (Kästchen, Schachteln, Schreib- zeuge etc.) aus dieser Zeit sind wahre Meisterwerke, deren Anfertigung einen Arbeiter oft mehrere Jahre in Anspruch nahm, deren Verzierungen mit überraschender Geduld, Sorgfalt, Feinheit und Naturtreue ausge- führt wurde, deren Preise aber heutigen Tages auch entsprechend hoch sind, denn der hohen künstlerischen Vollendung mancher Stücke ent- spricht der Reichthum des angewandten Goldes. Um diese Periode und ihre Industrie recht zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass das Land um jene Zeit fast ganz ab- geschlossen und auf sich angewiesen, dass die Herrschaft der Toku- gawa-Shôgune fest begründet und gegen keinen Feind mehr zu ver- theidigen war. So konnten sich Iyeyasu’s Nachfolger in Yedo unge- stört einem verfeinerten Lebensgenuss hingeben, und da ihnen das Mark des Landes zufloss und Sadô’s Minen noch reiche Erträge an Gold und Silber lieferten und der Preis des ersteren den des letzteren nur um das 4—5fache überstieg, so kam es nicht auf die Zeit, noch III. Kunstgewerbe und Verwandtes. auf die Menge des angewandten Edelmetalls an, die eine feine Lack- arbeit in Anspruch nahm, wenn sie sonst nur befriedigte. In dem Maasse, in welchem Yedo, die Stadt der Tokugawa, vom Jahre 1600 ab an Umfang, Macht und Ansehen emporwuchs, wurde sie auch mehr und mehr der Sammelplatz der geschicktesten Lack- arbeiter. Unter den grösseren lackierten Gegenständen von hoher Vollendung aus dieser langen Epoche ist der älteste und schönste un- streitig das Grab des Shôgun Hidetada im Mausoleum zu Shiba, einem Stadtteil von Tôkio, welches aus dem 2. Viertel des 17. Jahrhunderts stammt. Mit Beginn des 18 Jahrhunderts gesellte sich zu den bisherigen Ver- zierungsweisen noch das Giyô-bu Nashi-ji (siehe pg. 441), benannt nach einem einflussreichen Lackierer Giyô-bu Tarô in Yedo. Seinem Beispiele folgten viele und legten stellenweise, z. B. in die Stämme nachgebildeter Bäume, kleine Quadrate aus Goldfolie ein, eine müh- same kostspielige Verzierungsweise, die wir auf älteren Lackarbeiten aus Japan oft finden, aber nicht in gleichem Maasse wie die Japaner zu würdigen vermögen. Viele der feineren Goldlackarbeiten aus der Zeit der Tokugawa- Shôgune tragen das einfache Wappen dieser Familie oder irgend eines Daimiô, der sie anfertigen liess. Hierher gehören unter anderm auch die vielen schönen Kästchen mit schachtelartig übergreifendem Deckel. Sie dienten bei Hochzeiten und sonstigen feierlichen Gelegenheiten zum Ueberreichen von Geschenken und wurden an einer schweren schönen Seidenschnur mit Troddeln getragen, welche eine, das Kästchen um- gebende, schützende Hülle aus steifem Seidenstoff oben schloss. Wohl standen auch schöne Gewebe, Bronzen und feine keramische Produkte in Ansehen, doch scheinen die alten und wohlhabenden Familien neben ihren Schwertern kaum etwas so hoch geschätzt zu haben, als einen schö- nen Lackgegenstand aus der Hand eines anerkannt tüchtigen Meisters. Als die alte Ordnung der Dinge in Japan zusammenbrach, Shôgun und Daimiôs ihre Macht verloren und manches herrliche Erzeugniss des Kunstgewerbfleisses, welches man bisher gewissermaassen als Familienschatz behandelt und oft mit Wohlgefallen und Stolz gezeigt und bewundert hatte, missachtet und verschleudert wurde, kamen auch viele alte, werthvolle Lackgegenstände in die Hände der Trödler und Fremden. Die Preise derselben sollen um jene Zeit (1868—1870) so niedrig gewesen sein, dass danach die oft gehörte Aeusserung der Verkäufer, es sei vortheilhafter, die Gegenstände zu verbrennen und das auf ihre Herstellung verwandte Gold wieder zu sammeln und zu verkaufen, vielfach wohl begründet war. 3. Lackindustrie. Für den seitdem jährlich steigenden Export japanischer Lack- waaren aber, wie nicht minder für den einheimischen täglichen Bedarf, wozu auch das jetzt so verbreitete Vehikel Jin-riki-sha gehört, ver- langte die zunehmende Concurrenz vor allem, dass der Lackierer rasch und billig arbeite. Sein Talent schien fortan nur hierauf, sowie auf die Erfindung neuer Formen für Nippsachen und Gebrauchsartikel mancherlei Art gerichtet und in dieser Richtung ausgebildet zu werden. Der ausländische Freund und Kenner der japanischen Lackindustrie sagte sich aber beim Hinblick auf diese Erscheinungen mit Recht: »Hier schwindet ein glänzender Zug aus Japan’s Vergangenheit; denn nicht lange wird es währen, so ist auch der letzte tüchtige Makiye-shi dahin, der letzte, der es verstand, nach alter Art mit seinem Lack- pinsel wirkliche Kunstwerke zu schaffen, und es bleibt nur das ge- wöhnliche Fabrikat für den täglichen Markt, d. h. nur ein schwacher Abklatsch der ehemaligen Kunstfertigkeit und Leistung. Treffend sagt Wagener in dem wiederholt citierten Artikel von den japani- schen Lacksachen, dass es hier dieselben Abstufungen gibt, wie zwischen einem Bilderbogen für Kinder und einem von Meisterhand ausgeführten Miniaturgemälde, und je öfter der Kenner ein wirklich schönes Stück japanischer Lackarbeit be- trachtet, desto mehr Freude werde er daran haben. Es gilt daher aufzukaufen und für unsere heimischen Sammlungen zu retten, was noch von alten Kunstwerken übrig ist.« Uebrigens bemerkt der Franzose Watin schon 1773 in seinem Werke über die Lackierkunst: »Jene asiatischen Völker (Chinesen und Japaner) arbeiten ihre Sachen nicht einmal so fleissig und schön mehr, seitdem sie, voll Erstaunen über unsere thörichte Liebhaberei, den Vorrat kaum liefern können, den unsere unersättlichen Wünsche verlangen. Sie vernachlässigen die Arbeit, um eine desto grössere Menge zu verfertigen. Die Liebhaber machen daher auch einen grossen Unterschied zwischen dem alten und neuen Lack«. Und siehe da, mit diesem Streben und den Impulsen, welche die grossen internationalen Ausstellungen nach Japan brachten, hoben sich auch die Preise feiner Goldlackarbeiten wieder. Die wahrhaft künstlerische Ausstattung der Lackwaare machte sich wieder bezahlt, und das Resultat davon ist, dass es auch heutigen Tages nicht an Makiye-shi fehlt, deren Leistungen sich den besten aus früherer Zeit ebenbürtig an die Seite stellen lassen. Auf der letzten grossen Pariser Industrie-Ausstellung von 1878 ragte unter den japanischen Lackwaaren vor allem ein Gegenstand, eine lackierte dreitheilige spanische Wand (biobu) durch Reichthum und Eleganz der Decoration hervor, ein Paradestück, das selbst neben den Schilden von Elkington, den Bronzen von Barbedienne oder den herr- lichen indischen Sachen des Prinzen von Wales eindrucksvoll auf den Kunstkenner gewirkt hätte. Durch dieses Meisterstück, an welchem in III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Tôkio, wie man mir sagte, zwei volle Jahre gearbeitet worden war, wurde der sichere Beweis geliefert, dass man die alte Lackierkunst wohl noch versteht, wenn Zeit und Mittel reichlich zur Verfügung stehen. Eine schönere Decoration mit erhabener Goldlackarbeit ist kaum denkbar, als die prächtig ausgeführten rothen und weissen Päonien- blüthen in Gold und Silber, die verschiedenen Chrysanthemum und andere Lieblingsblumen mit ihren Blättern, welche diesen Schirm schmückten. Die Preiscommission lohnte den Aussteller Minoda Chio- jire, einen Kaufmann aus Tôkio, mit der goldenen Medaille, ein eng- lischer Liebhaber aber dadurch, dass er die Summe von 60000 Frcs. dafür zahlte. Wer diese Industrie seitdem weiter verfolgt und ihre Producte in den Handlungen mit besseren kunstgewerblichen Erzeugnissen Japans zu London, Paris und Berlin näher beachtet hat, dem musste sich wohl die Ueberzeugung aufdrängen, dass jetzt ihre höheren Anstrengungen und Leistungen glücklicherweise nicht blos auf die grossen Weltaus- stellungen berechnet werden, sondern auch ausserhalb derselben zu finden sind und weitere Anerkennung durch Abnehmer ihnen nicht fehlt. Heutzutage concentriert sich die Lackindustrie vornehmlich in und um Tôkio und es erfolgt die grösste Ausfuhr ihrer Producte über Yoko- hama. Hierher gelangen auch die meisten Lackwaaren von Shidzuoka, sowie den nördlicheren Provinzialstädten Wakamatsu, Yonezawa und Niigata, ebenso die von Noshiro. Shidzuoka und Niigata liefern u. A. die meisten der beliebten elliptischen Brodkörbchen aus Magnolienholz mit und ohne Rotangbeleg auf der Aussenseite. In Niigata nährten sich 1874 nicht weniger als 200 Familien von der Lackindustrie. Im Thale des oberen Sai-gawa, sowie des Kiso-gawa der Provinz Shinano längs des Nakasendô verfertigen die Orte Hirasawa, Na- gai , Yabuhara und Fukushima ziemlich viele und billige hölzerne Lackwaaren für den einheimischen Bedarf, vornehmlich Suppennäpfe (wan) und andere hölzerne Essgeräthe. Statt des Kokuso-kau be- streicht man die Fugen einfach mit einem Gemisch aus Weizenmehl und Se-shime-urushi. — Wakayama versorgt mit Kiôto vornehmlich den Markt von Ôzaka und Hiogo. In Nagoya wird die Lackverzie- rung besonders auf Thonwaaren (Porzellan und irdenes Geschirr) an- gewandt, in Kiôto auch auf Bronze und Kupfer. Nagasaki liefert vor allem die Schildkrotarbeiten und Imitationen mit zum Theil sehr schö- ner Goldlackverzierung. Auch kommen Cabinette und andere Sachen mit Perlmutterarbeit vornehmlich von hier, sodann die lackierten Arita- Vasen mit wellenförmigem Rande. 4. Textilindustrie. 4. Textilindustrie. Hanfleinwand und Nesseltuch. Pisang-Gewebe. Baumwoll-Industrie. Hervor- ragende Leistungen, Hauptsitze und besonders bemerkenswerthe Producte der Seidenweberei. Hülfsmittel derselben. Habutai, Krepp, Kanoko, Brocat. Ver- wendung von Gold- und Silberpapier bei letzterer. Sammetweberei. Stickerei. Literatur . 1) E. von Bavier : Japans Seidenzucht, Seidenhandel und Seiden-Industrie. Zürich 1874. 2) Officielle Berichte über die Textil-Industrie auf den grossen Welt ausstellungen von 1873, 1876, 1878 zu Wien, Philadelphia und Paris. 3) Prestl : Technologische Encyklopädie Bd. 14 und Bd. 20. 4) M. Moyret : Traité de la Teinture des Soies etc. Lyon 1879. 5) E. Parant : Etude sur la Fabrication des Tissus. Paris 1883. 6) A. Rondot : Essai sur le Commerce de la Soie en France. Lyon 1883. 7) C. G. Gilroy : The art of Weaving by hand and by power. London 1845. 8) M. M.: The Industrial Arts, Historical Sketches. London 1876. Von thierischem Rohmaterial kommt hier fast ausschliesslich die Seide, von Pflanzenfasern hauptsächlich Baumwolle und Hanf, daneben auch Böhmeriabast, in Betracht. Die beiden letzteren ersetzen den Flachs. Ihre Gewebe sind einfach, ungemustert, zum Theil aber von grosser Feinheit. Hohen Ruf hat insbesondere Nara Jôfu , die Hanf- leinwand (Asa-nuno) von der alten Stadt Nara in der Provinz Yamato. Dass der Hanf die älteste cultivierte Textilpflanze Japans ist und ein mit Indigo blaugefärbtes, grobes Hanfgewebe den gewöhnlichsten Klei- dungsstoff der Landbevölkerung bildet, wurde bereits pg. 195 erwähnt. Unter Echigo Jôfu versteht man eine Art Nesseltuch, die Lein- wand aus der Faser des Nesselhanfs, Kara-mushi (Boehmeria nivea), aus Echigo. Dieselbe soll auf Schnee gebleicht werden und steht im Aussehen dem feinsten Hanfgewebe nicht nach. Bei Anwendung eines stark gezwirnten Schussfadens erhält man ein Gewebe, welches unter dem Einfluss von Wasserdampf oder eines Bades ähnlich wie Krepp- seide (siehe diese) zusammenschrumpft. Dies ist das Echigo Jôfu Chijimi , welches gebleicht, einfach weiss oder mit Indigo und andern Farben bedruckt, beliebten Stoff zu leichter und kühler Sommerklei- dung liefert, der sich durch grössere Dauerhaftigkeit vor Kattun aus- zeichnet. Des Bashô-fu oder Pisang-Gewebes der Riukiu-Inseln wurde bereits pg. 198 genügend gedacht. Erst unter dem Shôgunat der Tokugawa, also vom Jahre 1600 n. Chr. an, hat sich mit dem Baumwollbau auch die Anfertigung und Rein , Japan. II. 29 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. der Verbrauch baumwollener Stoffe, jap. Momen-mono , über das Land verbreitet. Insbesondere ist seitdem die Sommerkleidung der wohlhabenderen Stände und die Kleidung der grossen Menge der Stadt- bewohner überhaupt vorwiegend der Baumwolle entlehnt. Spinnerei und Weberei sind dabei nicht über das Stadium einer Hausindustrie hinausgekommen und haben auch stets nur dem einheimischen Bedarf gedient. Dies gilt auch von den Städten der Provinzen Kawachi und Harima, insbesondere von Sakai und Himeji mit der ansehnlichsten Baumwollindustrie. Die Riukiu -Inseln lieferten Baumwollstoffe, welche, in der Regel weiss carriert auf blauem Grunde, beson- ders ihrer Stärke und Dauerhaftigkeit wegen beliebt waren. Im Nor- den deckten die Webereien von Morioka einen ansehnlichen Theil des Bedarfs. Ihr Rohmaterial bezogen sie aus südlicheren Landes- theilen. Bedeutenden Ruf hat auch ein Baumwollzeug von Narumi in der Provinz Owari, das Narumi shibori . Die Behandlung dieses Gewebes beim Färben ist ähnlich derjenigen des Kanoko-shibori (siehe dieses). Zu Arimatsu , einem hübschen Dorfe am Tôkaidô, handeln viele Häuser damit. Die Industrie hat geleistet, was mit den alten Webstühlen und andern unvollkommenen Einrichtungen nur möglich war, kann aber, seitdem das Land der fremden Concurrenz erschlos- sen ist, dieser kaum noch Stand halten. So beachtenswerth auch immerhin die Leistungen der Völker des chinesischen Culturkreises in der Bearbeitung vorerwähnter und einiger andern vegetabilen Webstoffe gewesen sind, so hat sich doch eine eigentliche Kunst nie mit ihnen gepaart. Es lag in der Natur der Sache, dass die Seidenmanufactur einen ungleich höheren Grad der Vollkommenheit erreicht hat. Der edle, überaus dankbare Stoff und die vielhundertjährige Beschäftigung mit ihm hatten bewirkt, dass die Chinesen bereits im Mittelalter, z. B. zur Zeit des Marco Polo, Seidensammet, Brocat und andere feine Gewebe zu verhältnissmässig billigen Preisen liefern konnten und damit nicht blos Westasien, sondern auch näher liegende Gebiete versahen. So lesen wir z. B. bei Antonio de Morga, The Philippine Islands, Moluccas, Siam, Cambodia, Japan and China at the close of the sixteenth century by A. de Morga. London, Hakluyt Soc. 1868. pg. 337 ff. dass die chinesischen Dschunken, welche gegen Frühjahr mit dem noch herrschenden Nord- westmonsun von Macao, Canton und andern Häfen nach Manila kamen, hierher brachten: » Rohseide, Sammet , glatt und mit vielerlei Mustern gestickt, Brocat auf Seidenstoffen von mancherlei Farben 4. Textilindustrie. und Mustern mit Gold und Siber verziert, wobei aber alle Goldfäden falsch und aus Papier sind, ferner Damast, Satins, Taffetas etc.« Noch interessanter erscheint uns eine Notiz bei Linschoten, The Voyage of J. H. van Linschoten to the East Indies etc. from the old English translation of 1598 by A. Burnell. London, Hakluyt Society 1875. pg. 147 ff. welche ausdrücklich hervorhebt, dass die Portugiesen in Japan Silber holten im Austausch gegen Seidenwaaren, welche sie aus Macao brach- ten, während doch schon zur Zeit der Eroberung von Malakka (1511 n. Chr.) durch Albuquerque nach einem Commentar, den der Sohn dieses portugiesischen Generals schrieb, die Gorés (Japaner?) neben andern Dingen Seide und Brocat nach Malakka brachten. Crawford: Descriptive Dictionary of the Malay. Archipelago pg. 164. Der scheinbare Widerspruch zwischen diesen beiden Angaben dürfte nicht schwer zu lösen sein. Wie aus früheren Bemerkungen über die Seidenzucht Japans hervorging (Bemerkungen, welche auch für die Seidenindustrie Geltung haben), ist dieselbe auf die Hauptinsel Hondo beschränkt. So war es ohne Zweifel immer. Es ist also leicht denk- bar, dass diese Insel im 12. Jahrhundert Seidenwaaren ausführte, während die Insel Kiushiu, mit der die Portugiesen fast ausschliesslich verkehrten, solche gegen Ende des 16. Jahrhunderts von China über Macao empfing, wobei wir ganz absehen wollen von inneren Kriegen und Unruhen in der Hauptstadt Kiôto, welche deren Seidenausfuhr nach den südlichen Inseln wohl zuweilen hemmen konnten, so dass Nagasaki leichter mit Waaren aus China erreicht werden mochte, wie mit solchen von den Industrie- und Handelshauptstädten auf Hondo. Wie dem aber auch sei, die Thatsache steht fest, dass die besonders interessierten Kreise Europas im Jahre 1859, in welchem die Ausfuhr japanischer Rohseide ihren Anfang nahm, noch keine Ahnung hatten von dem, was die einheimische Seidenindustrie zu leisten vermochte. Dessenungeachtet gehörten Seidengewebe seit vielen Jahrhunderten, wie in China, so auch in Japan, zu den herrlichsten Erzeugnissen des Kunstfleisses; sie bekunden noch heutigen Tages, welch’ hohe Ent- wickelung eine Industrie selbst bei unvollkommenen Werkzeugen in den Händen eines kunstsinnigen, geschickten und ausdauernden Volkes erlangen kann. Vor dem Jahre 1859 diente die Seidenzucht und Seidenweberei Japans nur dem inländischen Bedarf. Dass die Gewebe nicht auf den europäischen Markt gelangten, lag nach Thunberg ledig- lich an ihrer geringen Breite. »Silkens handelen blomstrar väl innom Riket, men för den smalhet, som 29* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Als Japan im Jahre 1873 auf der Wiener Ausstellung zum ersten Mal die Mannigfaltigkeit, den Reichthum und die geschmackvolle Aus- stattung seiner Kinu oder Seidengewebe entfaltete, staunte nicht blos der Laie, sondern mehr noch der sachverständige Preisrichter über diese ungeahnten Leistungen. Da waren neben einer reichen Auswahl glatter, einfacher Stoffe und überraschend schöner geköperter Gewebe voll Weichheit und Eleganz, vor allem schwere Brocate und andere gemusterte Stoffe in nicht geahnter Pracht und mit zum Teil ganz neuen Hülfsmitteln und Decorationsweisen zu sehen. Wohl war auch in diesem Zweige des Kunstgewerbes der Chinese des Japaners Lehr- meister und Vorbild gewesen, doch wie in verschiedenen andern Fällen, so auch in diesem von dem Schüler längst überflügelt worden. Es gibt keine grössere Anerkennung der Leistungen japanischer Seiden- weberei, als das Urteil des sachverständigen Preisrichters auf der Wiener Weltausstellung, des Handelskammer-Präsidenten Al. Heimen- dahl zu Crefeld. »Mag man«, so schreibt derselbe in seinem Bericht über Seiden und Seidenwaaren, »noch so sehr geneigt sein, über vieles Burleske und Bizarre im Dessin, über allerlei eigenthümliche Stilrichtungen den Kopf zu schütteln, alle die Unschönheiten werden gleichsam veredelt durch einen gemeinsamen Zug, der überall zu finden ist: die Lust und Ausdauer in der Arbeit. Aber neben diesen erwähnten Excentricitäten macht sich anderseits wiederum ein so feiner Sinn für Form und Farbe geltend, zeigt man uns Stoffe in den zartesten gebrochenen Tönen, in den anmuthigsten Dessins, in Ornamenten mit Gold und Silber gemischt, welche die Natur nicht nachbilden, sondern sie nur zu phantastischen Neubildungen benutzen, so dass sie alles übertreffen, was die euro- päische Kunstweberei zur Ausstellung brachte.« — Während die Seidenzucht Japans seit Eröffnung des neuen Ver- kehrs und der Restauration der Mikado-Herrschaft einen bedeutenden Aufschwung nahm, ist die Seidenindustrie in hohem Grade und auf mancherlei Weise geschädigt worden. Die billigen Woll- und Baum- wollstoffe, welche das Ausland seit mehreren Jahrzehnten auf den Markt wirft, machen den Seidengeweben immer grössere Concurrenz. Die Sammetweberei hat gegenüber dem überaus billigen Baumwollsammet von Manchester ihre Arbeit bereits vor 10 Jahren grösstenteils ein- stellen müssen. Hierzu kommt, dass die mit dem Jahre 1859 beginnende und in den folgenden Jahren sich rasch steigernde Ausfuhr von Roh- tygerne här äga kunna de icke utföras och af Européerne nytjas.« — Thunberg: »Resa uti Europa, Africa, Asia«. IV. pg. 105. Upsala 1793. 4. Textilindustrie. seide, der sich diejenige von Seidenraupeneiern bald zugesellte, einen grossen Einfluss auf die Preise der Rohseide übte, welche in wenigen Jahren auf das 10—16 fache stiegen. Viele Japaner sahen sich unter diesen Umständen genöthigt, ihre Gewohnheit, seidene Kleider zu tragen, aufzugeben und sich den viel billigeren wollenen und baum- wollenen zuzuwenden. Anderseits konnte die japanische Seidenindustrie trotz ihrer herr- lichen Produkte auch kein nennenswerthes neues Absatzgebiet erobern; denn der Uebergang der Handweberei zur mechanischen hat bei ihr noch nicht stattgefunden. Noch arbeitet man in altgewohnter Weise mit Handstühlen, wie sie vor etwa 100 Jahren auch in Europa ge- bräuchlich waren. Selbst der Uebergang von den schmalen Bahnen, namentlich bei glatten Geweben, von nur 34—45 cm Breite zu den in Europa gangbaren grösseren Breiten hat sich nur langsam und noch keineswegs überall vollzogen. Nachdem der Dampfwebstuhl die Seiden- industrie in Europa umzugestalten begonnen hatte, konnte von einem Mitbewerb der japanischen keine Rede mehr sein. In China hatte die Taiping-Revolution, wie dem Kunstgewerbe überhaupt, so namentlich auch der Seidenweberei einen Stoss versetzt, von dem sich das Land nie wieder vollständig erholt hat. Die Ausfuhr seidener Gewebe hat seit 1854 in keinem Jahre die frühere Höhe erreicht. Erst wenn man in Japan auch in dieser Beziehung dem Beispiel Europas gefolgt ist, werden die billigeren Arbeitskräfte und grössere Geschicklichkeit und Gelehrigkeit wieder zur rechten Geltung kommen und die Japaner auf neuer Basis auch in der Seidenindustrie dem Ausland gegenüber wie- der concurrenzfähig werden. Das eröffnet freilich der Hausindustrie keine helle Zukunft. Wie die grossen Filanden mit Dampfbetrieb, Tomioka seit 1872 oben an, allmählich die kleinen Haspelvorrichtungen der Seidenzüchter, die nicht mehr mit ihnen concurrieren können, brach legen, so werden auch Hunderte von Webstühlen und die davon ab- hängigen Existenzen in Frage kommen. In der japanischen Seidenindustrie nimmt Kiôto immer noch, wie seit vielen Jahrhunderten, mit seinen gemusterten Stoffen aller Art, ins- besondere mit golddurchwirkten Brocaten, reich mit Blumen und andern Ornamenten verziertem Damast und Krepp, mit seinem Rips, Sammet und andern schönen Geweben weitaus die erste Stelle ein. Die Webereien und Färbereien befinden sich in dem unter dem Namen Nishi-jin , d. h. »Westbaracken«, bekannten westlichen Stadtteil und sind immer noch sehr zahlreich. Nach Bavier verarbeiten ungefähr 18000 Seidenweber in Kiôto und Umgebung auf etwa 6000 Webstühlen III. Kunstgewerbe und Verwandtes. gegen 6000 Ballen von je 50 kg Rohseide. Den Werth der daraus gewonnenen Gewebe schätzt man auf 20 Mill. yen oder 80000000 Mark. Je nach der besonderen Beschäftigung bilden jene Seidenweber wieder freie Innungen zur Förderung gemeinsamer Angelegenheiten. Da gibt es z. B. eine Moyo-sha oder Bildweber-Genossenschaft, von der sich wie- der die Kin-ran-sha oder Seiden-Brocat-Gesellschaft, sowie die Tsusure-sha für eingelegte Brocat-Arbeit abzweigt. Ferner hat Kiôto eine Chirimen-sha oder Krepp-Gesellschaft und davon wieder getrennt die Kanoko-sha , sodann eine Habutai-sha , eine Sha- ori-sha oder Gaze-Webe-Genossenschaft, eine Natsu-gi-sha oder Gesellschaft zur Anfertigung von Sommerstoffen, eine Birôdo-sha oder Sammetweber-Gesellschaft, und andere mehr. Neben den alten einheimischen Farbstoffen (siehe S. 205—216) bedient man sich mehr und mehr der europäischen Theerfarben und anderer Produkte unserer chemischen Farbindustrie und leistet darin so Ausgezeichnetes, dass man in Japan behauptet, das Kiôto-Wasser (des Kamo-yawa) eigne sich wie kein anderes zum Bleichen und Färben; darum könne man es darin den Färbern von Kiôto nicht nachthun. Zum Verschleiss der Seidenwaaren von Kiôto und anderer Städte dient noch immer vornehmlich Ôzaka, obgleich ihm, wie im Handel überhaupt, in Tôkio eine einflussreiche Concurrentin erwachsen ist. In Ôzaka gibt es noch immer die umfangreichsten Seidenlager, alte re- nommierte Häuser, welche 80—100 Bantôs (Gehülfen) beschäftigen und das Geschäft in grossem Stile betreiben. Die bedeutendste Seidenweberei nächst Kiôto hat Kiriû , eine kleine Stadt in der Provinz Jôshiu (Kôdzuke) ostwärts von Mayebashi nahe der Grenze von Shimotzuke. Gleich mehreren andern Orten der Provinz, insbesondere Mayebashi, Takasaki, Joshiu und Isesaki zeichnet sich Kiriû besonders durch seine Shusu (Satin) und andere einfache, leichte Seidengewebe, sowie halbseidene Stoffe aus, von denen es mehr darstellt als Kiôto. Auch hat es bedeutende Kreppweberei und liefert ausserdem mehrere Sorten Obi oder Frauengürtel. Chirimen oder Kreppseide wird ausser hier und Kiôto vornehmlich dargestellt: zu Tanabe und Miatsu in der Provinz Tango, ‒ Nagahama am Biwasee ‒ ‒ ‒ Ômi, ‒ Kano und Gifu ‒ ‒ ‒ Mino. Die breiten Obi oder Gürtel für Frauen und Mädchen webt man in vorzüglicher Qualität zu Hakata in der Provinz Chikuzen auf Kiushiu, ‒ Yonezawa ‒ ‒ ‒ Uzen und in dem schon genannten Kiriû. Ausserdem betreiben Fukushima 4. Textilindustrie. in Iwashiro, Sendai in Rikuzen, Akita in Ugo, Gôfu in Kôshiu, Kanazawa in Kaga, Hajôji in Musashi, sowie die Hauptstadt Tôkio selbst zum Teil eigenartige Seiden-Industrieen. So verfertigt Akita namentlich viel gestreiftes Tsumugi , ein starkes Gewebe aus ver- sponnenen Seidenabfällen, das mit seinem vollständigen Namen Kudzu- ito-tsumugi heisst. Zwischen der Seidenzucht, welche eigentlich mit der Lieferung der getödteten Cocons an die Haspelanstalt endet (wenn der Züchter das Abhaspeln nicht selbst besorgt), und der Weberei liegt noch die Seiden- spinnerei. Sie verarbeitet die Seidenabfälle zu Schappe oder Floret- seide, welche namentlich für die Sammetweberei von hoher Bedeutung ist, und die Grège oder Haspelseide zu Organsin und Trame , Ketten- und Schussfäden. Dazu dienen vor allen Dingen die Doublier- und die Zwirnmaschinen , Apparate, welche der Franzose Moulins nennt, wesshalb man auch mit Moulinage oft die gesammte Vorbe- reitung der Haspelseide für ihre verschiedenen Zwecke versteht, durch welche die Fäden die nöthige Gleichmässigkeit, Stärke und Wider- standskraft erhalten. Bei dem Abhaspeln der Coconsfäden werden je nach der Stärke (dem Titre), in welcher man die Ki-ito oder Rohseide darstellen will, 3—15 (in Japan gewöhnlich 8—13) derselben zu einem Grègefaden vereinigt. Von den stärkeren Yama-mai-Fäden liefern in der Regel 5—6 Cocons einen Haspelfaden. Für gewönlich erhalten die Organsinfäden, zu denen man die beste Haspelseide verwendet, eine doppelte Torsion und sind desshalb der Tramseide gegenüber matt, so bei allen glatten glänzenden Geweben. Bei Krepp ist die Sache umgekehrt. Hier ist die Kette, jap. Tate , glatt und wenig gedreht, der Querfaden, jap. Yoko-ito , oder Einschlagfaden, jap. Nuki-ito , dagegen doppelt gezwirnt und matt. Zum Weben glatter, schlichter oder geköperter Stoffe, wie Shusu (Atlas), Nanako (Taffet), Sha und Rô (Sorten Seidenflor), Tsumugi (Abfallstoff), gebraucht man in Japan den alten Handwebstuhl oder Hata . Bei Anfertigung gemusterter Seidenstoffe oder Mon-ginu bedient man sich dagegen des Zampelwebstuhls . Derselbe hat im wesentlichen dieselbe Einrichtung, wie sie früher vor Einführung des Jacquard-Stuhles in der Damastweberei auch in Europa allgemein gebräuchlich war. Die Fachbildung oder das Aus- wechseln (Heben und Senken) der unter dem Namen Litzen bekannten Gruppen von Kettenfäden verrichtet hierbei der oben auf einem Brett sitzende Ziehjunge. Man stellt mit dieser Abänderung des gewöhn- lichen Handwebstuhls, von der Bavier auf Tafel IV Nr. 2 seines Buches eine gute Abbildung gibt, mancherlei Bildgewebe dar, ist aber beson- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. ders geschickt in der Fabrikation von façonniertem Atlas, Krepp und Brocat. In den folgenden Spalten mögen noch diejenigen Erzeugnisse der japanischen Seidenindustrie eine nähere Erörterung finden, welche von europäischen wesentlich abweichen oder sich durch hervorragende Schönheit und Güte besonders auszeichnen. Habutaye (sprich Habutai) oder Kabe-habutai , ein eigen- artig geripptes Seidengewebe von weisser Farbe, gehört zu den präch- tigsten ungemusterten Seidenstoffen, welche Japan aufweisen kann. Dieses Habutai ist wellig gerieft, ein Mittelding zwischen Krepp und Rips. Kette und Einschlag sind viel dicker als bei glatten und ge- köperten Stoffen. Die Schussfäden sind eigenartig locker gedreht. Ein dünnerer Faden, aus 2 Haspelfäden bestehend, umwindet nämlich in langgestreckter Spirale einen dickeren, der aus 6 Grègefäden zu- sammengesetzt ist. Dies bedingt nicht blos die eigenartige wellige Rippung des Stoffes, sondern auch seine grössere Fülle und Geschmei- digkeit. Nach Dicke und Weichheit erinnert Habutai an Sammet, von dem er jedoch sonst durchaus abweicht. Dieses Gewebe war in Japan immer für Festkleider des Adels sehr beliebt; auch pflegte der Hof oft Geschenke damit zu machen. So schenkte nach Berichten aus Japan der Mikado während seiner Rundreise durch das mittlere und nördliche Hondo im Jahre 1878 manche Elle Habutai an seine Wirthe. Kabe Habutai wurde immer in brei- teren Bahnen gewoben, als gewöhnliche glatte oder geköperte Seiden- stoffe. In Kiôto kostete 1875 ein Stück von 16,6 m Länge und 70 cm Breite 13 yen oder 52 Mk. Der beliebteste rauhe, glanzlose Seidenstoff der Japaner, den sie sowohl einfach als in verschiedener Weise gemustert darstellen, ist ohne Zweifel der Chirimen oder Krepp. Weicht auch, wie das Aus- sehen, so die Anfertigung der verschiedenen Sorten ansehnlich von einander ab, so findet sich doch bei allen ein gemeinsamer Zug. Er besteht darin, dass man zur Kette, wie zum Schuss ziemlich gleich starke Fäden nimmt, von denen aber die Einschlagfäden auf der Zwirn- maschine noch besonders teils rechts, teils links gezwirnt wurden. Beim Einschlag dieser doppelt gedrehten Fäden wechselt man mit den beiden Sorten ab. Ist das Stück (Tan oder I’tan) fertig, so kommt es in ein Bad, erleidet dabei eine starke Contraction, namentlich in die Breite, wird darauf in Wasser ausgesüsst und vor völligem Trocknen über eine hölzerne Walze gerollt und gestreckt, dann an der Sonne vollends ge- trocknet. Solche Kreppseide, bei der die Anwendung einer sogenann- ten Kreppmaschine unbekannt ist, kann nur im Stück gefärbt werden. 4. Textilindustrie. Das Zusammenschrumpfen des Gewebes durch das Bad beträgt 20—30 % in die Breite, aber nur etwa 10 % in die Länge. Offenbar wird dieses Eingehen durch die verschiedenartige Drehung der Ein- schlagfäden hervorgerufen und damit auch die rauhe Oberfläche. Krepp- stoffe sind, wenn sie vom Webstuhl kommen, leicht und porös; doch schliessen sich die Maschen beim Bad und Trocknen. Ihre Dauer- haftigkeit ist viel grösser und der Preis entsprechend höher, als der- jenige glatter Gewebe. Bavier gibt Tafel II, Fig. 2 seiner oben erwähnten Schrift eine vortreffliche Abbildung der in Japan gebräuchlichen Zwirnmaschinen, welche die Schussfäden für Chirimen vorbereiten. Mit Hülfe derselben werden gleichzeitig 24—48 Tramfäden zur Hälfte stark rechts, zur Hälfte ebenso links gedreht. Man nennt den Apparat in Japan kurzer Hand Ô- guruma , das grosse Rad, nach dem hervorragendsten Teil, einem grossen Zwirnrad, welches mit der Hand gedreht wird und alle Spuhlen, sowie die Haspelwalzen zu beiden Seiten in Bewegung setzt. In Nagahama auf der Nordostseite des Biwa-Sees wird die ein- fache Chirimen-Weberei viel betrieben. In der Regel findet man 2—3 Webstühle in einem Hause, nämlich einen für Ô- haba , grosse Breite, von 84 cm, einen für Ko-haba, kleine Breite, von 45—60 cm und einen für Kinu-chijimi , ein nach dem Bade ebenfalls zusammen- schrumpfendes, runzlig aussehendes Gewebe, das jedoch vom Krepp abweicht. Für das Kreppgewebe waren Kette und Einschlag aus 6—7 einfachen Haspelfäden zusammengesetzt, der Einschlag ausserdem stark gezwirnt. Beim Weben geht der Schütze mit linksgedrehtem Faden einmal hin und her und darauf ein zweiter mit dem rechtsgedrehten. Demnach folgen immer zwei Schussfäden mit linker Torsion auf zwei mit rechter. Das fertige Stück wird in einem eisernen Kessel mit Strohasche und Wasser einige Stunden lang gekocht, wobei man ihm durch einen geringen Zusatz von Indigo oft einen bläulichen Ton gibt. Nach dem Bade wird das Gewebe ausgesüsst, auf der Walze gestreckt und dann getrocknet. Ein Tan oder Stück, welches 60 jap. Fuss (18,18 m) lang und 19½ Zoll (59 cm) breit war, ging durch das Bad auf 54 Fuss (16,377 m) in der Länge und 14½ Zoll (44 cm) in der Breite ein, demnach um 10 % in jener und 25,4 % in dieser Richtung. Zu Kano am Nakasendo wird vorzüglicher Mon-chirimen oder Bild-Krepp gewoben. Damit sich die Muster vom matten Krepp- grunde genügend abheben, müssen sie mit glänzenden, nicht ge- zwirnten Fäden gebildet werden, demnach entweder mit der Kette oder oder auch mit Hülfe besonderer Einschlagfäden. Im ersten Falle — III. Kunstgewerbe und Verwandtes. und das ist die gewöhnliche Art — ist der Mon-chirimen damastartig und unterscheidet sich im Aussehen von façonniertem Atlas vornehmlich durch den matten Grund; im andern Falle liegt das Muster auf und ist die Arbeit brochiert oder brocatartig. Für beide Arten Mon-chirimen findet der Yama-maï-Faden eine sehr interessante Verwendung. Beim gewöhnlichen Yama-maï-mon-chirimen oder gemusterten Yama-maï-Kreppgewebe werden die Fäden des Eichenspinners (9—10 Coconfäden zu einem Kettenfaden vereinigt) in die Kette genommen und sowohl aus ihnen, als auch mit den gewöhnlichen Aufzugfäden auf dem Zampelstuhle Bilder erzeugt, welche sich durch verschiedene Färbung unterscheiden. Auch beim Färben solcher Gewebe, welches in der Regel in Kiôto erfolgt, bleiben die Yama-maï-Fäden hell und glänzend, weil sie die Farbe nicht annehmen. Wie im Shima-chirimen oder gestreiften Krepp die Yama-maï- Seide oft zur Erzielung gelblich grüner, glänzender Streifen verwendet wird, so wird sie auch zu Mustern für Kudzu-ito-tsumugi oder Seidenabfallgeweben gebraucht. Dagegen sind mir Stoffe, welche aus Seide des japanischen Eichenspinners ausschliesslich dargestellt wür- den, nie zu Gesicht gekommen. Im übrigen verweise ich hier auf das pg. 243—249 über diesen Gegenstand Erwähnte. Kanoko, Kanoko-shibori oder Kanoko-sha-chirimen Kanoko : a) ein junger Hirsch; b) gefleckt wie ein solcher. Shibori , gebunden, geknöpft, sha , Seidenflorgewebe oder Gaze mit einfacher Kette, Chi- rimen , Krepp. wird ein eigenthümliches, leichtes, hügel- und wellenförmig gekräuseltes Seidenfabrikat genannt, welches von den japanischen Frauen als Haar- schmuck, aber auch zu Halsbinden verwendet wird, wobei man es in die Form einer Rolle bringt, die man an beiden Enden mit Quasten ver- sieht. In beiden Fällen bringt Kanoko die beste Wirkung hervor. Es ist fast immer prächtig roth oder violett gefärbt, mit grösseren oder kleineren runden, weissen Flecken besäet, in regelmässiger netzförmiger Anordnung und Abständen von 1 cm und mehr. Man verfertigt es nur in Kiôto und zwar wie folgt: Zwei Bahnen einer sehr leichten Kreppseide aus der Provinz Tango werden, wie sie vom Webstuhl kommen, mittelst Fu-nori (Algen- kleister) gesteift und aufeinander geklebt. Nach dem Trocknen zeichnet man das Muster, gewöhnlich ein Netz gerader, rechtwinklig sich schnei- dender Linien, darauf und reibt dann den Stoff mit den Händen gründ- lich durch, um ihn wieder weich und geschmeidig zu machen. Ist dies geschehen, so folgt das Unterbinden desselben. Hierbei bedient Rein, Japan. II. Tafel VIII. Brocatmuster aus Kioto. Verlag v. Wilh. Engelmann, Leipzig. 4. Textilindustrie. man sich gewöhnlich eines Stativs, an welchem ein zugespitzter Messing- haken befestigt ist. An diesen wird das Gewebe bei jeder Durch- schnittsstelle zweier Linien der Zeichnung der Reihe nach angehakt und etwas emporgezogen, sodann mit einem Hanffaden in mehreren Windungen fest unterbunden. Dieses Kanoko-chirimen-Knüpfen ist eine zeitraubende, wenig lohnende Arbeit, welche gewöhnlich alten Frauen und Kindern zufällt. Ist das Unterbinden beendet, so folgt das Baden, Färben, Trocknen und Strecken des stark zusammenge- schrumpften Stoffes. Hierbei lösen sich die Bindfäden auf und werden mit den Händen entfernt. Die unterbundenen Stellen liefern das weisse Muster auf dem türkischrothen, pfirsichblüthfarbigen oder violetten Grunde. — Die Obi oder Gürtel, mit welchen japanische Damen ihre langen Kleider (Kimono) um die Lenden befestigen, werden auf besonderen Webstühlen aus vorzüglicher Seide verfertigt. Es sind verschieden- artige, teils glatte, teils gerippte, gemusterte Gewebe von 16—24 cm Breite und 3—4½ m Länge, mit Rücksicht auf die langen Schleifen, in welche sie auf dem Rücken gebunden werden. Als die vorzüglich- sten gelten die Hakata-obi , aber auch die Koyanagi-obi in starkem Altlas von Kiriû, die gerippten Donsu-obi von Yonezawa und andere mehr werden hoch geschätzt. Gewänder aus Brocat, japanisch Nishiki , d. h. aus schwerem, gemustertem, mit Gold- und Silber durchwirktem Seidengewebe, den reichsten und kostbarsten, welche die Textilindustrie überhaupt liefert, gehörten immer zu den Ceremoniekleidern der chinesischen und japani- schen Fürsten, sowie zur Ausstattung der reicheren Theater und buddhistischen Tempel. In Kiôto stand die Brocatweberei von Anfang an unter dem besonderen Schutze des jeweiligen Mikado, und wenn sie sich daselbst bis auf den heutigen Tag trotz der Ungunst der Zeit in ihrer vollen Leistungsfähigkeit erhalten hat, so verdankt sie dies zum Teil ebenfalls der noch fortdauernden kaiserlichen Protection und Aufmunterung. Als im Jahre 1868 Prinz Arisugawa den Oberbefehl gegen die »östlichen Rebellen« (Anhänger der Tokugawa-Herrschaft) übernahm, empfing er vom Mikado das Brocatbanner und ein Schwert , als Zeichen der kaiserlichen Macht und Sache. Nach dem Einzug in Yedo nähte sich jeder Samurai einen Brocatstreifen an seinen Kimono (Rock), worüber sich die Bewohner der Hauptstadt der Tokugawa lustig machten, indem sie die Kaiserlichen Kingiré oder Brocatfetzen nannten. Die hohe Werthschätzung des Brocat findet auch in verschiedenen III. Kunstgewerbe und Verwandtes. sprichwörtlichen Redensarten bezeichnenden Ausdruck, wie in »Kokiô ye Nishiki, d. h. »Kleide dich in Brocat, wenn du nach der Heimat kommst«, und dem Sinn nach »kehre in die Heimat erst wieder zurück, nachdem du dir in der Fremde etwas erworben hast.« Schöner ist die folgende: »Tzuzure wo kite mo kokoro wa Nishiki«, d. h. »er trägt zwar Lumpen, aber sein Herz ist von Brocat.« — Man unterscheidet in Kiôto Ito-nishike, Goldfaden-Brocat, und Aya- nishiki , d. h. Seidendamast-Brocat oder mit Blumen durchwirkten Brocat. Ein prächtiges Stück von ersterem, 44 cm breit und 5,454 m lang, für den Mikado bestimmt, sollte 30 yen = 120 Mk. kosten, ein anderes von gleicher Breite und 11,5 m lang 45 yen = 180 Mk., ein drittes, 71 cm lang und 8,5 cm breit, wurde zu 50 yen = 200 Mk. angeboten. Bei den japanischen Brocaten hat namentlich die Verwendung des Gold- und Silberpapiers in hohem Grade das Interesse der europäischen Seidenfabrikanten wachgerufen. Dabei wird dieses Papier in schmale Streifen zerschnitten und dient dann entweder zum Umspinnen von Seidenfäden oder es wird für sich zu Fäden gedreht und eingewoben. Die Gewebe erhalten dadurch ganz das Aussehen, als seien sie mit echten Gold- und Silberfäden durchwirkt, zeichnen sich aber daneben durch grössere Geschmeidigkeit und Billigkeit aus. Um Kin-gami oder Goldpapier zu machen, wird Usude-Tori- noko-gami , ein Gampi- oder Kôdzo-Papier (siehe Papier-Industrie) mit einem Gemisch aus Rohlack (Ki-urushi) und Schwefel (Iwo) auf einer Seite mehrmals überstrichen und mit Papierballen oder -kissen glatt abgerieben, darauf mit echtem Plattgold (Kin-paku) belegt, dann die ganze Golddecke mit lockeren Baumwollbällchen überstrichen. Das so erhaltene Hon-kin-gami oder echte Goldpapier kann nach dem Trocknen sofort verwendet werden. Zur Herstellung von Gin-gami oder Silberpapier muss selbstverständlich der Schwefel wegbleiben. Hier wird das Papier statt mit Lack, mit Shôfu oder Weizenstärkekleister vorbereitet, dann mit Gin-paku (Silberfolie) belegt. Seine Nach- ahmung wird mit Stanniol ( Shari oder Sudzu-haku ) bewirkt, wel- ches man ebenfalls mit Hülfe von Shôfu an das Papier befestigt. Silber- und Stanniolpapier dienen auch zur Nachahmung von echtem Goldpapier, zu welchem Zweck sie einen Farbenüberzug erhalten. So wird mit Hülfe einer gelben Farblösung und Leimwasser eine Decke geschaffen, durch welche das weisse Metall darunter in grünlich gelber Farbe und mit hohem Glanz erscheint. Andere, goldgelbe Nüancen erhält man durch Bestreichen der weissen Metallfolie mit einem Ge- misch aus Shôfu und Beni (Carthamin) oder Beni-gara (Eisenroth). Die auf die eine oder die andere Art erhaltenen echten oder un- 4. Textilindustrie. echten Gold- und Silberpapiere werden mittelst einer Maschine in schmale Streifen geschnitten, die Kin-shi und Gin-shi , d. h. Gold- und Silberfäden, mit denen man Seiden- oder Baumwollfäden umspinnt. Selbstverständlich wendet man bei werthvollem Brocat stets echtes Blatt- gold, resp. Blattsilber an. Bei diesem Umspinnen läuft der Faden von einem kleinen Haspel zu einer hängenden Spindel über ein Stativ. Der Streifen Gold- oder Silberpapier wird mit der Papierseite an einem Ende gegen den Faden gehalten und die Spindel in rotierende Be- wegung gesetzt, wobei sich der schmale Streifen um den Faden dreht und fest anlegt. Ist dies geschehen, so reiht man einen zweiten Streifen Goldpapier an und verfährt eben so, und so fort. Interessierte erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, dass das Königliche Kunstgewerbemuseum in Berlin nicht blos Proben verschiedener Bro- cate, sondern auch die hier erwähnten Papiermetallfäden aufweist. Die Samm- lung enthält: Hon-kin-gami , echtes Goldpapier, und Usu-kin-gami , dünnes Goldpapier, Shari-gin-gami , Zinn-Silberpapier, Shari-kin-gami , Zinn- Goldpapier, sowie dasselbe mit grünlichem Schein, ferner Hon-kin-shi , wirk- lichen Goldpapierfaden über Seide, Iro-hon-kin-shi , Gold-Silberfaden auf Seide, Iro-kin-shi , Stanniolgold auf Baumwolle, Kiri-kin-shi , geschnittene Zinn- Goldpapierstreifen, und andere Proben. Tsudzu-re-no-nishiki , d. h. stückweise Brocat-Arbeit. Unter diesem Namen stellte im Jahre 1875 Yasuda Mosaburo in Kiôto eine Art Brocat nach einem eigenthümlichen Verfahren dar. Kette und Einschlag bestanden aus starken, gezwirnten Seidenfäden und Gold- papierfäden. Dabei fehlte den Webstühlen die Lade; es fand desshalb kein eigentliches Anschlagen statt, die Querfäden wurden vielmehr mit den Fingern eingelegt und mit Hülfe eines Kammes aus freier Hand beigeschoben, wie dies in alter Zeit allgemein geschah. Das auf Papier vorgezeichnete Muster lag unter der Kette. Die gefärbten Schussfäden werden danach gewählt, gehen nicht durch die ganze Bahn, sondern nur soweit, als man ihrer für die betreffende Figur bedarf, während daneben liegende Teile mit andern Farben später oder früher ausge- füllt werden. Auf diese Weise wurden schöne Tischdecken, auch Fukusa , d. h. Gewebe zum Einhüllen und Bedecken, z. B. von Ge- schenken, feinen Lackwaaren und anderen Gegenständen dargestellt, ferner Stoffe für Täschchen, insbesondere die Tabako-ire zum Aufbe- wahren des geschnittenen Tabaks. Ihr Werth und Preis steht echten Brocatgeweben natürlich weit nach. — Hier ist auch noch des Yuzen-some zu gedenken, einer eigen- thümlichen Kunst, welche Hata Zenshiki und Andere in Kiôto betreiben, und die darin besteht, die Muster auf das fertige Seiden- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. gewebe zu malen. Zu diesem Zweck werden mit Nori (Kleister) die Zwischenräume zwischen den vorgezeichneten Figuren überdeckt, um das Einsaugen und Ueberfliessen der Farben an den Rändern zu ver- hüten. Das Verfahren nähert sich im übrigen dem beim Malen auf Seide überhaupt. In der Darstellung von Birôdo oder Sammet ist man über das einfache glatte oder gerippte Fabrikat nicht hinausgekommen. Die dazu dienende Vorrichtung entspricht unserem früheren Handwebstuhl für Sammet. Der Flor der Polkette umschlingt parallel laufende Kupfer- stäbe als Nadeln. Ist das Gewebe fertig, so werden die Noppen oder Maschen mittelst eines Messers aufgeschnitten, das zwischen zwei Führern geht, und die Nadeln dann herausgezogen. Die Sammet- weberei Japans hat in Kiôto und Nagahama ihren Sitz. Zu Ishida , einem Orte ostwärts vom Biwa-See und nicht weit von Nagahama, war dieselbe schon 1874 eingegangen, weil, wie mir der Fabrikant sagte, der Import die Preise für das Fabrikat so sehr heruntergedrückt und anderseits die Ausfuhr der Rohseide diese so vertheuert habe, dass man nicht mehr mit Gewinn arbeiten konnte. Nui-mono oder Nui-haku, Stickerei , vornehmlich mit Seide auf Seiden- oder Wollstoffe, schliesst sich der Seidenweberei an. Es ist ein hochentwickelter Zweig des japanischen Kunstgewerbes, bei dem sich wiederum die vorherrschenden Züge des japanischen Arbei- ters, die Freude und Befriedigung an dem mit grosser Sorgfalt, viel Geschick und bewundernswerthem Geschmack hervorgerufenen Product offenbart. Durch eine ingeniöse Abwechselung und Verbindung von Plattstickerei mit Federstich, aufgenähten Cordeln und dergleichen, und durch eine mustergültige Auswahl, Zusammenstellung und Abtö- nung der Farben ruft man überraschende Wirkungen hervor und haucht den Blumen, Vögeln, Schmetterlingen und andern Gegenständen, welche man nachbildet, mit der Nadel gewissermaassen Leben ein. Die Stickerei wird in den japanischen Häusern von alten Zeiten her geübt. Mütter leiten ihre Töchter schon frühzeitig an, mit ver- schiedenfarbigen Läppchen ein gefälliges Mosaik herzustellen und da- mit Bestecke für Essstäbchen und Zahnstocher, Schlagbretter für eine Art Federballspiel und andere Gegenstände zu überziehen. Auf einer höheren Stufe bildet die Anfertigung und Ausschmückung von Puppen- kleidern zur weiteren Ausbildung der Geschicklichkeit und des Ge- schmacks eine reiche Gelegenheit. Dennoch ist die Stickerei kein Erwerbszweig der weiblichen Bevölkerung geworden, sondern in ihren höchsten Leistungen schon seit lange Männerarbeit. Die mit Nui-haku verzierten seidenen Ceremonienkleider, Theatercostüme, reichen Prie- Rein, Japan II. Taf. IX. STICKEREIMUSTER 5. Papierindustrie. stergewänder, Fuku-sa oder Seidenstoffe zum Umhüllen von Ge- schenken und andern Gegenständen und manche andere Gewebe gingen aus Männerhänden hervor. Dieselben verfertigen auch in Kiôto, Na- goya und einigen andern Städten die schönen Stickereien auf der Seite spanischer Wände, für Kissenüberzüge, Tischdecken und dergleichen, welche seit einiger Zeit zur Ausfuhr kommen und in Europa mit Recht grossen Beifall finden. Durchschreitet man an einem schönen Sommertage gewisse Stras- sen der genannten Städte, so kann man Männer und Knaben vor den Häusern an der Stickarbeit sehen. Der Seidenstoff oder das wollene Tuch, welches man verzieren will, wird über einen Rahmen gespannt und dieser mit beiden Enden auf zwei Holzblöcke oder sonstige Stützen etwa 50—60 cm hoch horizontal gelegt, so dass man bequem von beiden Seiten die Nadel durchführen kann. Vögel, Blumen und andere Dinge, welche man nachbilden will, werden natürlich nach Vorlagen vorge- zeichnet oder frei entworfen. Oft wird in geschickter Weise diese Stickerei auf Seide mit dem Bemalen oder Bedrucken des Gewebes ver- bunden, wie sie denn auch bei den gemusterten Seidenstoffen, ein- schliesslich der Brocate, als ein weiteres Verzierungsmittel in Relief erscheint. (Tafel VIII. pg. 458 stellt ein Brocatmuster und Tafel IX. pg. 462 eine japanische Stickerei dar.) 5. Papierindustrie. Allgemeine Eigenschaften des japanischen Papiers. Materialien, aus welchen das- selbe bereitet wird, und Gewinnung derselben. Darstellung und Verwendung her- vorragender Sorten japanischer Bastpapiere. Gekautschte Pappe: Ita-me-gami und Hari-nuki. Tapeten. Chirimen-gami oder Krepp-Papier. Lederpapiere oder Kami- kawa, Shi-fu oder Papier-Gewebe. Oelpapier, Regenmäntel, Schirme, Laternen und Fächer. — Anhang: Sumi-ire , das japanische Schreibzeug und seine Bestand- teile: Pinsel, Tusch- und Reibschale. Literatur . 1) Kaempfer : History of Japan. Appendix. 1827. 2) Savatier : Usages et fabrication du papier japonais, in Bull. de la Soc. de Géogr. de Rochefort. 1881. pg. 20 ff. 3) Report on the manufacture of Paper in Japan (engl. Consulatsbericht) 1871. 4) Ko yeki koku san ko (sprich: Koëkikosánko) d. h. »Gedanken über die Verbreitung nützlicher Erzeugnisse des Landes« 8 Bde. von Ôkura Nagatsune. Ôzaka 1844. Bd. V. und VIII. 5) St. Julien : Industries de l’Empire Chinois. Paris 1869. pg. 140—150. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 6) Wiener Ausstellungsberichte über die XI. Gruppe von R. Weber, E. Twerdy und Andern. 1873. Als Grundlage der nachstehenden Abhandlung hat vor allem aber mein Be- richt an das Königl. Preuss. Handelsministerium vom 25. Jan. 1875 gedient, welcher sich ausschliesslich auf eigene Studien und Beobachtungen stützte. 7) M. Jametel : L’Encre de Chine d’après des documents chinois. Paris 1882. Der vielseitigen Verwendungen des Papiers Die japanische Bezeichnung für Papier ist Kami , als Anhang an Eigen- namen gami , wofür auch oft das chinesische Wort shi gebraucht wird. in Japan wird schon in den älteren Berichten über das Land wiederholt gedacht; nament- lich hat E. Kaempfer Bereitungsweise und Benutzung dieses Bastpapiers vor bald 200 Jahren so vortrefflich beobachtet und beschrieben, wie Niemand sonst aus der Zeit des holländischen Handelsprivilegs, noch viel weniger des vorausgehenden portugiesischen Verkehrs mit diesem Orient der Chinesen. Wenn ihm dabei trotzdem Manches entgangen ist, so muss man dies vornehmlich den Umständen zuschreiben, unter welchen er zwei Jahre in Japan lebte, der strengen Verkehrsbeschrän- kung und mangelnden Gelegenheit sich weiter umzusehen. In neuerer Zeit konnte nicht blos jeder nach Japan gekommene Fremde, sondern auch der Besucher der grossen Weltausstellungen in Wien, Philadelphia und Paris leicht beobachten, wie mannigfaltig die Anwendungen dieses eigenartigen Materials sind. In der That dient es nicht blos gleich unserm gewöhnlichen Papier dem Buchdrucker und Tapetenfabrikanten, sowie als Schreib- und Verpackmittel, son- dern vertritt vielfach auch Bindfäden und Gewebe, Wachstuch und Leder, ja Holz, Blech und Glas. Viele seiner Verwendungen entsprangen dem Mangel an geeigneterem Material oder seiner leichten, billigen Beschaffung, wie die zu Fensterscheiben und Taschentüchern, oder zu Regen- und Sonnenschirmen, und werden sicher, wenn auch nur ganz allmählich, durch fremden Einfluss schwinden; andere gründen sich auf einige Eigenschaften, vornehmlich die grosse Geschwindigkeit, Festigkeit und Widerstandskraft, wodurch sich das japanische Bütten- papier vor unserem Maschinenpapier, ja selbst vor unserem ehemaligen Lumpen-Handpapier vorteilhaft auszeichnet, und enthalten alle Bedin- gungen für weiteren Bestand. Diese Vorzüge sind bedingt durch das Material und die Art seiner Bearbeitung; denn das japanische Bütten- papier wird aus dem sehr zähen und geschmeidigen Baste von drei bis sechs blattwechselnden Holzgewächsen mit langen zähen Bastzellen gewonnen, indem man denselben bei seiner Umwandlung in Papier- 5. Papierindustrie. masse (Ganzstoff) nicht zerstückelt und zerhackt, sondern durch Stam- pfen und Schlagen nur erweicht und vertheilt, wobei die langgestreck- ten Zellen ganz bleiben. Auf diese Weise zeigt das japanische Bastpapier eine überraschende Zähigkeit und Geschmeidigkeit, und verbindet die Weichheit des Sei- denpapiers mit der Festigkeit eines gewebten Zeuges. Gleich der verwandten Tapa der Polynesier nimmt es eine Mittelstellung ein zwischen dem glatten, brüchigen Maschinenpapier und einem Gewebe, ist in vielen Fällen wie letzteres verwendbar, widersteht aber der Nässe nicht. Da nämlich eine gründliche Verfilzung und feste Ver- schlingung der langen, zarten Fasern schon durch die Art der Dar- stellung ausgeschlossen ist, die angewandten schleimigen oder gummi- artigen vegetabilen Bindemittel aber durch Wasser gelöst werden, so schwinden Festigkeit und Zähigkeit beim Durchnässen, also überall da, wo nicht die Einwirkung des Wassers durch Imprägnation mit Oel oder Lack verhindert wird. Bei der Darstellung des japanischen Büttenpapiers hält der Ar- beiter die Form oder das Schöpfnetz so, dass die parallelen Bambus- stäbchen oder Fäden desselben von rechts nach links laufen. Er hebt und senkt die Form vornehmlich nach vorn, also rechtwinklig zu jener Richtung, und bewirkt dadurch, dass die Faser des Papierstoffs nach dieser Seite fliesst und sich legt. Die Folge ist, dass jeder Bogen japanischen Bastpapiers in dieser einen Richtung sich leicht und ge- rade zerreissen lässt, dagegen schwer, ungerade und filzig in der an- dern. Diese Thatsache kennt und beachtet der Japaner, so oft er einen Streifen Papier abreissen und zu einem Bindfaden drehen will, indem er den Riss in der Richtung der parallelen Lagerung der Fasern macht. Die Glätte, Gleichmässigkeit und Festigkeit des japanischen Büt- tenpapiers wird nicht durch besondere Glättmaschinen bewirkt; den- noch hat in der Regel jeder Bogen eine glatte und eine rauhere Seite, welche man mit den Namen Omote und Ura , d. h. Aussen- und Innenseite unterscheidet. Unser Zeichenpapier ist gewöhnlich auf einer Seite geglättet, auf der andern gekörnt, so auch das prächtige Büttenpapier von J. W. Zanders in Bergisch-Glad- bach. Das engl. Zeichenpapier ist wie unser Schreibpapier auf beiden Seiten ge- glättet, dagegen auffallend stark und beiderseits gekörnt das französische Torchon. Diese Benennungen beziehen sich auf das Verfahren beim Buchdruck, wonach nur die glättere Seite bedruckt, der Bogen aber dann in der Mitte so zusammengelegt wird, dass die Faltung nach aussen, die übereinander liegenden parallelen Endseiten Rein , Japan. II. 30 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. aber in den Rücken, die rauhe Seite der beiden Bogenhälften nach innen, die bedruckte glatte Seite nach aussen kommt. Glatt wird aber die eine Seite im Vergleich zur andern durch das Trockenverfahren. Nachdem nämlich der geschöpfte und geformte Bogen genügend fest ist, wird er mit Hülfe einer grossen Bürste wider ein glatt gehobeltes Brett gestrichen und so lange mit diesem an die Luft gestellt, bis er trocken ist. Die Seite, womit der Bogen am glatten Brett hing, wird natürlich glätter als die andere nach aussen gekehrte, so dass mit Be- zug hierauf die Benennungen Omote und Ura verwechselt werden müssten, um ihren Sinn mit der Thatsache in Einklang zu bringen. Die Porosität des japanischen Papiers macht es mit wenigen Aus- nahmen zum Beschreiben mit Feder und Tinte ungeeignet, ist aber für die japanische Schreibweise mit Pinsel und Tusch, von oben nach unten und in Reihen fortschreitend von rechts nach links, sehr werth- voll. Durch starken Druck geglättete und gedichtete Papiere, wie sie durch unsere Glättmaschinen erzeugt werden und für unsere Schreib- weise so vorteilhaft sind, würden die rasche Absorption des Tusches ver- hindern und weniger den Zwecken entsprechen. In Folge dieser grösse- ren Porosität des reinen Bastpapieres zieht es die Feuchtigkeit mehr an, nimmt auch leichter Staub auf, als unser geleimtes, mit minerali- schen Zusätzen versehenes und geglättetes Maschinenpapier; auch unterliegt es mehr dem Insektenfrass. Die hygroskopische Wasser- aufnahme ist bei sonst trockner Aufbewahrung jedoch nie so gross, um die Festigkeit irgendwie wahrnehmbar zu beeinträchtigen. Ein besonderes Bleichverfahrcn wird weder in Japan, noch ir- gendwo sonst in Ostasien, oder im Himalaya, wo Bastpapiere bereitet werden, angewandt. Diese Papiere haben desshalb alle einen gelb- lichen Ton, der jedoch sehr variiert, je nachdem bei der Dar- stellung das Rohmaterial unter der Einwirkung von Wasser und andern Ingredienzen zum Zweck der Erweichung zugleich gebleicht wird oder nicht. Nach Grosier Grosier: La Chine. Vol. VII. pg. 120. berichten chinesische Geschichtsschreiber, dass die Darstellung des Papiers in China um’s Jahr 105 unserer Zeitrech- nung von Tsai-lun erfunden wurde; vorher schrieb man auf Zeuge aus Hanf und Seide, auf Bambusrohrtäfelchen und Palmblätter, wie solches in Hinterindien theilweise noch geschehen soll. Insbesondere dienten hier die Blätter der Palmyrapalme (Borassus flabelliformis), ebenso im malayischen Archipel, dem gleich den Südsee-Inseln die 5. Papierindustrie. Papierindustrie bis in die neueste Zeit nach Crawford »The art of making a true paper from fibrous matter reduced to a pulp in water, has never been known in, or introduced into, any of the Indian Islands.« Crawford : »Descriptive Dictionary of the Indian Islands. London 1856.« pg. 327. unbekannt ge- blieben ist. Die Chinesen bereiten Papier aus dem von Formosa kommenden Mark der Aralia papyrifera, das sogenannte Reispapier, aus jungem Bambusrohr, Reis- und Weizenstroh, Schilf, Baumwolle, Hanf und dem Bast verschiedener Pflanzen, vornehmlich der Papiermaulbeere; auch verarbeiten sie das schon gebrauchte Bastpapier von neuem zu einer untergeordneteren Waare, wie dies auch in Japan geschieht. So sollen nach Grosier die Bewohner eines ganzen Dorfes in der Umgebung von Peking sich mit dem Einsammeln und Reinigen von Papierabfäl- len nähren. Im Süden Chinas verfertigt und benutzt man mehr das brüchige Papier aus Bambusrohr, Araliamark und Stroh, im Norden vorwiegend das stärkere Bastpapier, doch reicht die Production an letzterem für den grossen Bedarf zu Fensterscheiben, Düten und an- dern Dingen nicht aus, so dass noch viel aus Korea eingeführt wird. Aus Korea kam die Kunst, die Rinde verschiedener Gehölze in Papier umzuwandeln, ums Jahr 610 n. Chr. nach Japan, nach andern Angaben aber schon viel früher. Bei dem grossen Bedarf an japa- nischem Papier zu vielerlei Zwecken wurde seine Darstellung all- mählich zu einem der wichtigsten und verbreitetsten Industriezweige, mit dem der Anbau mehrerer Sträucher zur Erzielung des Rohmate- rials, nämlich der Papiermaulbeere und der Dreigabel Hand in Hand ging. Papier und seine Umwandlungsproducte dienten seit früher Zeit in den Ländern des chinesischen Culturkreises, und so namentlich auch in Japan nicht blos zum Schreiben, Malen, Bedrucken, Ver- packen, zu Taschentüchern und andern Reinigungszwecken, sondern auch zu Fächern und Wandschirmen, Regen- und Sonnenschirmen, La- ternen, Puppenkleidern, zu wasserdichten Mänteln und Kopfbedeckungen, zu Tabaksbeuteln, Futteralen und Kästchen, statt Glas zu Fensterschei- ben, indem man nämlich das schön gearbeitete Lattengitter der Schiebe- thüren damit überzieht, zu festen Fäden, die man einerseits zum Binden statt der Cordel und Strohseile, anderseits als Einschlag zu leichten und kühlenden Geweben benutzt, sowie mit Gold oder Silber überzogen zur Herstellung prächtiger Verzierungen bei den kostbarsten Brocatgeweben. Aus schwarzlackierter Papiermasse war der Hut des Samurai, aus geöltem Papier der Regenmantel seines Dieners und Be- 30* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. gleiters, aus gefärbtem und wie Krepp aussehendem Papier der Haar- schmuck, welcher dem ärmeren Mädchen den seidenen zu ersetzen be- stimmt war etc. Um das Jahr 1260 n. Chr., also zur Zeit, wo das Papier in Europa erst auf- kam, liess Kublai Khan in Peking schon Papiergeld verfertigen. Rohmaterialien für die japanische Papierbereitung . Zur Darstellung des Büttenpapiers dienen: 1) der Bast von Brous- sonetia papyrifera; 2) von Edgeworthia papyrifera; 3) von Wickstroe- mia canescens; 4) von Morus alba; 5) von Aphananthe aspera; 6) aus- nahmsweise von Cannabis sativa, Boehmeria platanifolia, Wistaria chinensis und einigen andern Pflanzen, sowie auch Baumwolle; 7) Stroh; 8) gebrauchtes Papier. Als Bindemittel verwendet man: 1) den Wur- zelschleim von Hibiscus Manihot; 2) den Bastschleim von Hydrangea paniculata; 3) von Katsura japonica; 4) Reiskleister. In der Papierindustrie Europas hat sich die Verwendung vegetabiler Kleb- stoffe erst in den letzten 15 Jahren mehr und mehr eingebürgert und diejenige des thierischen Leims zurückgedrängt. In Ostasien und Indien ist sie so alt, wie die Industrie selbst. 1) Broussonetia papyrifera Vent . (Morus papyrifera L.), Fam. Moreae, der Papiermaulbeerbaum, jap. Kôdzo (auch Kôzo-no-ki, Kôzo, Kago, Kaji, Kaji-no-ki, je nach der Gegend). Dieses, für die Papierindustrie wichtigste Gewächs — weitaus das meiste und stärkste Papier wird aus seinem Baste bereitet Obgleich diese hohe Bedeutung der Papiermaulbeere für die Papierindustrie Japans schon durch Kaempfer und Thunberg ausführlich betont wurde, finden wir noch in dem sonst sehr lesenswerthen officiellen Bericht der Wiener Welt- ausstellung (Gruppe XI) vom Ingenieur und Papierfabrikanten E. Twerdy die Ansicht ausgesprochen, dass das japanische Bastpapier wahrscheinlich vorzugs- weise aus der Faser des Chinagrases (Urtica nivea) bereitet werde. — stammt aus China, Bekanntlich ist diese Pflanze auch über Polynesien verbreitet. Ihr Bast liefert noch immer den Bewohnern der Viti-Inseln, auf Samoa, Tonga, Tahiti, Hawai etc. den Bekleidungsstoff, die Tapa , welche man freilich nur bei trocke- nem Wetter tragen kann. »Der taktmässige Lärm der Tapaklöppel ist für ein Vitidorf ebenso charakteristisch und stimmungsvoll, wie bei uns auf den Dörfern im Herbst das Dreschen.« M. Buchner , Reise durch den Stillen Ocean. 1878. wird aber seit lange in allen Provinzen Japans südlich der Tsugaru- Strasse, mit Ausnahme der fruchtbaren Ebenen, angebaut. Man findet es in den Gebirgsthälern, längs der Wege, auf den schmalen Rainen, welche die terrassenförmig angelegten Reisfelder von ein- ander trennen, an den Flussdämmen, wo die Pflanze, wie bei uns die Weiden, zugleich zur Befestigung dient, endlich auch auf trocknen Feldern und zwar nicht selten, abwechselnd mit der weissen Maul- 5. Papierindustrie. beere oder dem Theestrauch, in Reihen angebaut. In Iyo, auf der Insel Shikoku, wo die Papiermaulbeere, ebenso wie in der Nachbar- provinz Tosa, ganz besonders häufig an den Abhängen gezogen wird, erscheint sie zuweilen als Zwischencultur zwischen den Reihen der Talgbäume. Nur ausnahmsweise findet man ein mit der Hacke und dem Grabscheit leicht bearbeitbares Stück ebenen Landes ausschliess- lich mit Reihen von Broussonetiabüschen bedeckt. Ich rede hier von Büschen und will noch besonders betonen, dass ich die Pflanze nur äusserst selten in Japan als Baum traf, wie z. B. im botanischen Garten. Die Behandlung derselben für Zwecke der Papierindustrie erinnert an die unserer Korbweiden. Die Vermehrung erfolgt durch kurze Stecklinge. Jeden Spätherbst nach der Entlaubung schneidet man die jungen Schösslinge nahe der Erde ab und erzielt auf diese Weise nach 3—4 Jahren Büsche mit 4—7 einjährigen Trieben. Vom vierten Jahre an nach der Anpflanzung erreichen dieselben jährlich eine Länge von 1—3 m und bis zu vier Centimeter Umfang, und sind nun zu Papier verwendbar. Die Rinde ist erst nach dem Blatt- abfall völlig ausgereift; daher findet denn auch die Ernte in der Regel erst im November statt, nachdem diejenige des Reis und der übrigen Feldfrüchte vorüber ist. Die geernteten Schösslinge der Papiermaulbeere werden in Stücke von 1 m Länge geschnitten und in kleine Wellen zusammengebunden. Hierauf bringt man dieselben in einen bedeckten eisernen Kessel und lässt hier kochendes Wasser, dem etwas Asche beigefügt wird, so lange darauf einwirken, bis die Rinde sich leicht löst. Vom Holze getrennt, wird sie in fliessendem Wasser ausgesüsst, darauf an der Luft ge- trocknet und dann in den Handel gebracht. In vielen Fällen geht man indess noch einen Schritt weiter und entfernt auch gleich die Epidermis mit den noch grünen Theilen der Rinde, welche zusammen mit der nicht ausgereiften Rinde von den Endstücken der Triebe zu einem geringeren Papier, dem Chiri-gami (Abfallpapier) verbraucht wird. Oberhaut und grüne Rindenteile lösen sich aber erst und lassen sich dann mit einem stumpfen Messer leicht von den weissen Fasern darunter abschaben, wenn die Rinde vorher eine längere Maceration in fliessendem Wasser durchgemacht hat. Dieser Arbeit schliesst man vielfach auch noch ein längeres oder kürzeres Bleichen des Bastes in der Sonne an; doch ist dies keineswegs allgemein üblich. Die Provinzen Iyo und Tosa auf der Insel Shikoku erzeugen am meisten Kôzo-Rinde, und die Stadt Ôzaka ist für dieselbe der Haupt- markt. 100 Kilogramm rohe Broussonetiarinde liefern 45 kg weissen Bast. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die Japaner unterscheiden je nach der Färbung und Dicke der Rinde, sowie der Beschaffenheit der Blätter viele Abarten von Kôdzo , wozu auch die in Miquel’s Prolusio florae japonicae, sowie in der Enumeratio Plantarum von Franchet und Savatier als selbständige Arten aufgezählten Broussonetia Kasinoki Sieb. und B. Kaempferi Sieb. gehören. Die typische und verbreitetste Form hat meist sym- metrische, drei- oder fünflappige Blätter, deren Unterseite, gleich den 5—6 Centimeter langen Stielen und jüngeren Zweigen mit einem dicken grauweissen, sammetweichen Flaum bedeckt und deren Ränder gesägt sind. Die Rinde der einjährigen Triebe ist rothbraun. Ein deutliches Bild eines solchen Papiermaulbeerbusches, wie er Mitte Sommer er- scheint, bietet die beistehende Tafel X. Der Holzschnitt ist dem 5. Heft des japanischen Werkes Ko-yeki-koku sanko entnommen und nur insofern nicht treu, als er die gesägten Ränder der Blätter nicht angibt. Auf Tafel XI. der folgenden Seite sehen wir einen in Tôkio angefertigten Holzschnitt einer Varietät der Papiermaulbeere auf reinem Bastpapier der diöcischen Pflanze. Links ist ein älterer männlicher Baum und darunter ein Kätzchen vor der vollen Entwickelung, rechts befinden sich einige weibliche Schösslinge mit Blüthen. Diese Ab- bildung zeigt neben Tafel X. die grosse Verschiedenheit der Blätter, von denen eine japanische Redensart behauptet, dass nicht zwei sich völlig gleichen. Der Uebergang aus der symmetrisch drei- und fünflappigen Blattform junger Triebe in die unsymmetrisch einseitig gelappte und dann in die ungetheilte, eirundliche, wie sie sich na- mentlich bei älteren Pflanzen findet, ist auch auf dieser Tafel nur schwach angedeutet. Der Papiermaulbeerbaum wurde schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Europa eingeführt und hat als Zierpflanze eine ziem- lich weite Verbreitung gefunden, namentlich in der Mittelmeerregion. In den milderen Gegenden Deutschlands, z. B. am Rhein und Main, hat er sich schon lange eingebürgert. Strenge Winterkälte hält er nicht aus. Eine Pflanzung, welche ich auf einem Stück guten frucht- baren Landes bei Marburg angelegt hatte, gedieh vortrefflich. Die grössten Schösslinge hatten bereits im zweiten Sommer (1877) eine Höhe von 1,5—1,6 m und 7 cm Umfang erreicht. Da kam die strenge Winterkälte von 1879/80 und zerstörte die Büsche bis auf die Wur- zeln. Diesen Versuchen waren solche mit der Anpflanzung der Papier- maulbeere an mehreren Eisenbahndämmen um Frankfurt a/M. voraus- gegangen, aber ebenfalls misslungen, weil der Boden sich als zu unfruchtbar und trocken erwies. 2) Edgeworthia papyrifera S. \& Z. (E. chrysantha Lindl.), Rein, Japan II. Tafel X. Broussonetia papyrifera Vent. Nach einem japanischen Holzschnitt. Rein, Japan II. Tafel XI. Broussonetia papyrifera Vent. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben. Rein, Japan II. Tafel XII. Edgeworthia papyrifera S. \& Z. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben. 5. Papierindustrie. Familie Thymelaeaceae. Der japanische Name für diese Pflanze (siehe Tafel XII. folgende Seite) Mitsu-mata , d. h. »die Dreigabel«, ist sehr bezeichnend. Er bezieht sich auf die charakteristische trichotome Gliederung der Aeste, eine Theilung, welche sich auch schon an der Spitze der stärkeren einjährigen Sämlinge zeigt; aber erst während der zweiten Vegetationsperiode allgemein zur Entwickelung kommt. Nach der japanischen Bauernregel sollen die Samen den Sommer und den Winter über trocken aufbewahrt und Anfang April oder zehn Tage nach Higan (der Tag- und Nachtgleiche) ausgepflanzt werden. Man säet sie in Reihen und behandelt die jungen Bäumchen, wie die meisten andern Feldgewächse mit flüssigem Latrinendünger. Sie haben am Schlusse des Sommers ⅓—½ m Höhe erreicht. Im folgenden Frühjahre werden sie verpflanzt und von da ab behandelt wie der gewöhnliche Papiermaulbeerstrauch. Die Büsche der Mitsu-mata wer- den jedoch astreicher, wie bei diesem, wohingegen die Schösslinge nie über 2 m Länge erreichen, in der Regel sogar weit hinter diesem Maass zurück und auch viel dünner bleiben; ausserdem unterscheiden sie sich im Sommer auf den ersten Blick von den Kôdzobüschen durch das freundlichere Hellgrün der lorbeerförmigen ungeteilten Blätter. Von der Edgeworthia gilt, was die Japaner von der Amaryllideen- gattung Lycoris sagen: »Ha mizu hana mizu«, d. h. »die Blüthen sehen die Blätter nicht.« Die Blüthezeit fällt im mittleren Hondo in den März, im Süden schon einen Monat früher, die Samen reifen schon Anfang Mai, noch bevor die Blätter sich völlig entwickelt haben. Cultur und Verwendung dieser aus Indien stammenden Pflanze sind viel beschränkter, als die der Broussonetia. Je nach Beschaffen- heit des Bodens und der Pflege können auch von ihr drei oder vier Jahre nach der Aussaat die einjährigen Triebe zur Bast- und Papier- gewinnung benutzt werden. Man schneidet sie im November oder December ab und behandelt sie ähnlich, wie die der Broussonetia. In den Provinzen Suruga, Kai und Idzu, im weiten Umkreise des Fuji-san, trifft man sie am meisten und bereitet hier viel Papier daraus, so zu Ishikawa in Kai, zu Kurasawa und andern Orten am Tôkaidô, zu Atami in Idzu, z. B. das bekannte Suruga-banshi, von dem Tafel XII. eine Probe bietet. Hohe Gebirge schützen hier die Mitsu-mata-Pflanzungen vor den rauhen Winden des Winters. In andern Landesteilen trifft man sie mehr zerstreut, wie auch als Zier- pflanze in den Gärten. In den kälteren Gegenden bedürfen die jüngeren Pflanzen der Ueberdachung als Schutzmittel gegen die nächtliche Kälte. Wenn v. Siebold meinte, die Edgeworthia komme in Japan spontan vor, so beruht dies sicherlich ebenso auf Täu- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. schung, wie die Annahme, dass sie sich unserem Klima acommodie- ren könne. 3) Wickstroemia canescens Meisn. (Passerina Gampi S. \& Z.), Familie der Thymelaeaceen. Die Gampi -Pflanze ist ein kleiner Strauch, unserm Seidelbast (Daphne Mezereum L.) verwandt. Der- selbe ist in den Bergwaldungen der mittleren und südlichen Landes- teile weit verbreitet, doch wenig in die Augen fallend, und entwickelt hier im Juni seine unscheinbaren rothbraunen Blüthchen an den Spitzen der Zweige, wie dies der Holzschnitt Tafel XIII. andeutet. Ich fand ihn gewöhnlich in 300—600 m Seehöhe, so in Mino und in Ise. An- gepflanzt wird Gampi nicht. Für die Papierbereitung schält man während des Sommers die Rinde an Ort und Stelle von den schlanken Aesten ab, trocknet sie und bringt sie in den Handel oder verarbeitet sie in der Nähe. Im Makidani-mura der Provinz Mino kosteten im Sommer 1874 3 Guwanme oder 11,193 kg gereinigte Gampi-Rinde 1 yen oder 4 Mk. 2 » » 7,462 » » Kôdzo- » 2 » » 8 » Die Rinde der Papiermaulbeere, die ebenfalls in der Umgegend gewonnen wurde, war demnach dreimal so theuer, als die der Gampi. Trockne Mitsu-mata-Rinde ist noch billiger als Gampi. In Suruga verkaufte man im nämlichen Sommer 30 Guwanme oder 111,93 kg (eine gewöhnliche Pferde- last) derselben für 7,5 yen oder 30 Mk., so dass ihr Preis zu dem der Papier- maulbeerrinde sich wie 1:4 verhielt. Letztere wird sowohl für sich (zu dem Gampi-Papier oder Gampi-shi, Tafel XIII.), als auch mit Kôdzo-Rindenstoff vermischt, zu Papier ver- arbeitet. Mehrere der Gampi nahe verwandte Sträucher der Himalayaländer liefern den Bewohnern ebenfalls Bastpapier. Die Kunst solches daraus zu bereiten soll von Lhassa aus, wohin Chinesen das Verfahren brachten, sich verbreitet haben. Aus dem Baste der » Sitabharua « (Daphne canabina Wall.) bereitet u. A. Nepal ein auch in Hindostan sehr bekanntes Papier, das » Nipalese «. Auch Daphne oleoides Wall. und D. papyracea Wall. dienen dem Zweck. 4) Morus alba L., Fam. Moreae. Der weisse Maulbeerbaum (s. pg. 225), jap. Kuwa , liefert eine Rinde, die Kuwa-no-kawa , aus der man in Ichikawa (Prov. Kôshiu) das Kuwa-shi oder Maulbeer- papier gewinnt. An Stärke steht es dem Broussonetia-Papier wenig nach, besitzt aber nicht die Feinheit und Gleichmässigkeit des letzte- ren, eignet sich daher nicht für Zwecke, bei denen diese Eigenschaf- ten besonders in Betracht kommen; wohl aber bietet es ein vorzügliches Verpackmaterial. Dass man auch in Europa angefangen hat, die in Distrikten mit Seiden- zucht leicht und sehr billig zu beschaffende Rinde der weissen Maulbeerpflanze Rein, Japan II. Tafel XIII. Wickstroemia canescens Meisn. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben. 5. Papierindustrie. 5) Aphananthe aspera Planch. (Homoiceltis aspera Bl., Prunus aspera Thunb.), Fam. Ulmaceae. Die Japaner nennen diese Pflanze (Baum und Strauch) Muku oder Muku-no-ki (siehe pg. 289). Die rauhen Blätter dieses Holzgewächses dienen dem Tischler, wie Schach- telhalm, zum Polieren des Holzes; die Rinde wird während der Som- mermonate in den Wäldern abgeschält und in Bündeln den Papier- machern zugetragen. Zu diesem Zweck verwendet man jedoch nur die jüngerer, strauchförmiger Pflanzen. Die Epidermis dieser Rinde ist dunkelbraun, die Faser rauh. Man findet und verarbeitet sie nur in südlichen Landesteilen, z. B. in den Provinzen Bungo und Iyo, und zwar mit Broussonetia-Faser vermischt zu billigeren Papiersorten. Ich bin auf meinen Reisen nur zweimal den Einsammlern der Muku-Rinde begegnet. An der Grenze von Hiuga und Bungo führt dieselbe den Namen Mukubi . Die Bastsorten, welche ausser den vorerwähnten noch zur Dar- stellung von Papier in Japan hier und da zur Verwendung kommen sollen — ich selbst habe sie nirgends dazu gebrauchen sehen —, wurden bereits oben angeführt. In Chikuzen soll auch junges Bam- busrohr zerhackt und dem Ganzstoff aus Kôdzo beigemischt werden. Zusätze von zerhacktem Stroh liefern blos untergeordnete Waare, wie auch reines Strohpapier dem Bastpapier weit nachsteht. Eine besondere Erwähnung verdient noch das Hô-gu oder Hô-gu- gami , d. h. gebrauchtes Papier, und seine nochmalige Umarbeitung zu untergeordneten, doch starken Papiersorten, welche den Collectiv- namen Suki-gaë-shi führen. Wie bei uns arme Leute Strassen und Kehrichthaufen nach Knochen, altem Eisen und Lumpen absuchen, so in Japan (und China) nach schon gebrauchtem Papier. Papier, welches beschrieben oder bedruckt oder auf irgend eine Weise verunreinigt und weggeworfen worden war, wird wieder eingesammelt, so weit als möglich gereinigt, dann sondiert und von neuem in Papiermasse um- gewandelt. Das daraus bereitete Suki-gaë-shi dient als Packmaterial, zu Reinigungszwecken und zu Pappdeckel. Es steht dem Werthe nach zu ursprünglichem Bastpapier ungefähr in demselben Verhält- niss, wie ein aus alten Lappen oder einem getragenen Anzug nach Auftrennen und Wenden hergestelltes Kleid zu einem neuen. Seit etwa 12 Jahren hat man begonnen, auch die Lumpen von baumwollenen und hanfleinenen Stoffen zu sammeln und daraus auf europäische Art Maschinenpapiere herzustellen. Die benöthigten Ma- in der Papierindustrie zu verwerthen, bewiesen Papierproben von Zahony aus Podgora bei Görz auf der Wiener Ausstellung 1873. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. schinen bezog man aus Europa, ebenso die Leiter der Fabriken, deren es jetzt bereits ein Dutzend gibt. Eine solche entstand zuerst in der Nähe von Kiôto, eine andere zu Ôji bei Tôkio. Versuche, das in diesen Papierfabriken bereitete Papier auf den europäischen Markt zu werfen, scheiterten an den Preisen. Für unsere Zwecke hat ein wei- teres Eingehen auf dieselben keinen Werth, da man ihre Fabrikation meist mit Regierungsmitteln in’s Leben rief und dieselbe noch keines- wegs den Rang einer eingebürgerten, nationalen Industrie einnimmt. Von den Gewächsen, deren Schleim in der Bastpapier-Industrie statt des thierischen Leimes das nöthige Bindemittel liefert, steht: 1) Hibiscus Manihot L. oben an. Die japanischen Benen- nungen dieser krautartigen Malvacee, welche sich theils auf die ganze Pflanze, theils auf die schleimliefernden Wurzeln beziehen, sind: Tororo, Neri, Nubeshi, Tamo-Ôsho-ki, Nori-kusa (Kleister- kraut), Nebari (Klebmittel), Aki-no-gi, Tsunagi (Bindemittel). Tororo ist ein Sommergewächs, das schon zu Anfang des 18. Jahr- hunderts seiner tiefgetheilten fünflappigen Blätter und grossen hell- gelben Blüthen wegen als Zierpflanze von China nach England ge- langte. Diese Form findet man auch in japanischen Gärten hier und da. Sie unterscheidet sich durch die schmalen linear lanzettlichen Blattlappen von einer andern mit viel weniger tiefen Blatteinschnitten und breiteren Lappen mit gekerbten Rändern. Nur diese Varietät wird der Papierbereitung wegen angebaut, und zwar in Reihen, wie die Buschbohnen, deren Höhe sie auch erreicht. Die Aussaat findet im Mai statt; die Blüthezeit fällt in den Nachsommer und die Ernte der dünnen walzenförmigen Wurzeln in den October. Man trocknet sie alsdann, nachdem man sie zuvor gereinigt hat, an der Sonne und hängt sie hierauf bündelweise an einem trocknen Orte bis zum Ver- brauch auf. Sie bilden keinen Handelsartikel; vielmehr pflanzt in der Regel jeder Papiermacher selbst seinen Bedarf, den er auf den Winter berechnet, da während des Sommers das folgende Gewächs an die Stelle tritt. 2) Hydrangea paniculata S. \& Z. Es ist dies ein über ganz Japan verbreiteter grosser Strauch, der in den Bergwaldungen bis zu 1500 m Seehöhe emporsteigt. Man nennt ihn Shiro-utsugi und Nori-no-ki , d. h. Kleisterbaum, in Tosa aber Tadzu und Kami- no-ki (Papierbaum). In letztgenannter Provinz der Insel Shikoku sucht man den Strauch den Sommer über in den Bergwäldern auf, schabt die äussere Haut ab, löst dann die Rinde in etwa fingerlangen Stücken los, bringt sie frisch in den nächsten Ort, schüttet sie in eine kleine flache Bütte, giesst etwas Wasser hinzu und knetet nun mit 5. Papierindustrie. den Füssen das Ganze zu einer grobbreiigen Masse. Dieselbe wird in Kübel gefüllt, mit Palmblättern oder Gras bedeckt und ohne Ver- zug den Papiermachern überbracht und von diesen verwendet; denn die schleimige Rinde des Shiro-utsugi lässt sich nur im frischen Zu- stande als Bindemittel der Papierfaser und Ersatz der Hibiscus-Wurzel gebrauchen. 3) Katsura japonica L., die Sane-katsura oder Binan- katsura der Japaner (s. pg. 309), soll ebenfalls eine schleimige, der Papierindustrie dienende Rinde liefern, wie verschiedene japanische Werke behaupten. Aus eigner Anschauung kenne ich jedoch ihren Gebrauch nicht, und da ich viele der wichtigsten Papierorte kenne, schliesse ich daraus, dass die Verwendung wohl nur eine sehr be- schränkte sein wird. 4) Nori , Kleister, wird ebenso, wie mineralische Zusätze, nur bei dickeren Papiersorten angewendet, um sie dichter und weisser zu machen. Solche Papiere heissen Nori-gami , während die stärke- freien den Namen Ki-gami führen. Darstellung des Bastpapiers . So verschieden auch die der Papierindustrie Japans dienenden Stoffe und die daraus hergestellten Papiersorten sind, so war und ist doch das Verfahren im wesentlichen immer das nämliche und das Produkt Bütten- oder Handpapier durchweg. Dass in der Neuzeit auch die Dar- stellung von Maschinenpapier hinzu gekommen ist, wurde bereits be- merkt. Dieses Papier findet vornehmlich in den Zeitungsdruckereien seine Verwendung und bietet den Vorteil beiderseits benutzt werden zu können. Vordem beruhte die Papierbereitung ausschliesslich auf manueller Arbeit. Eine Abkürzung und Erleichterung derselben durch Anwen- dung von Wasserkraft und Maschinen fand also nicht statt, so dass man weder von Papiermühlen, noch von Papierfabriken reden konnte. Als im 13. Jahrhundert die Papierindustrie sich bei uns in Deutschland verbreitete, gab es ebenfalls keine Stampfwerke, welche erst später aus Italien eingeführt wurden. Wie in Japan kochte, schlug und stampfte man das Roh- material (die Lumpen) bis es sich in den breiigen Ganzstoff für die Bütte ver- wandelt hatte. Das Papiermachen war und ist noch immer (mit Ausnahme weniger Fabriken der Neuzeit, wie oben bemerkt) ein Kleingewerbe im wahren Sinne des Wortes, das gewöhnlich nur mit ein oder zwei Schöpfbütten in einem Hause, aber an hunderten von Orten betrieben wird. Viel- fach sind es einfache Bauern, welche sich mit der Anfertigung von III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Papier als Nebengeschäft befassen und dieselbe monatelang ruhen lassen, wenn im Sommer die Feldarbeit alle Hände in Anspruch nimmt. Vor der weiteren Verarbeitung des von Epidermis und grünen Theilen befreiten Bastes werden noch die Ränder der Astlöcher und sonstige schadhafte Stellen ausgeschnitten. Derselbe wird hierauf ent- weder nochmals mehrere Tage lang in fliessendes Wasser gelegt oder sofort — und dies ist die Regel — in einem eisernen Kessel mit einer Lauge ½—3 Stunden lang gekocht, nämlich so lange, bis er ganz weich geworden ist und sich mit den Fingern zerdrücken lässt. Die Lauge wird in den meisten Fällen aus Asche, zuweilen aber auch aus gelöschtem Kalk bereitet. In Ichikawa (Provinz Kôshiu) wandte man 1874 auf Mitsu-mata-Bast eine Lauge an, welche man in einem Kübel durch Uebergiessen eines Gemisches von 2 Tô 4 Shô Brenn- holzasche (Maki-hai) und 6 Shô Buchweizenstroh-Asche (Soba-hai) mit heissem Wasser bereitet hatte. Die weichgekochte Bastmasse wurde in einem Kübel mit frischem Wasser übergossen und so lange ausgesüsst, bis nach 4—5maliger Erneuerung des Wassers keine Trü- bung mehr erfolgte. Aehnlich war das Verfahren bei Broussonetia- Bast in Makidani-mura (Provinz Mino), nur dass man hier zum Aussüssen fliessendes Wasser anwandte. Auch in Tosa und Iyo , zu Niu in der Provinz Yamato, wo man das interessante Yoshino-gami bereitet, und an verschiedenen andern Orten beobachtete ich dasselbe Verfahren. Bei Gampi -Bast setzt man dem Wasser 10 % gebrannten Kalk (Ishi-bai) zu; doch habe ich in Suruga auch Kalk bei Mitsu-mata an- wenden sehen. Die rothbraune Färbung, welche der Bast durch diese Kalkbeize annimmt, schwindet nach dem Aussüssen und längerer Sub- mersion in fliessendem Wasser wieder. Man kann das auf die eine oder andere Art behandelte Bast- material mit unserm sogenannten Halbstoff vergleichen. Seine weitere Bearbeitung ist einfach und leicht. Auf breiten, dicken Brettern aus hartem Holze, zuweilen auch auf geschliffenen Granitplatten, wird der nasse Bast mit cylindrischen Schlägern oder mit Hämmern aus Kashi- Holz (Quercus glauca und Q. acuta) und häufigem Winden und Mengen, sowie Wasserzusatz in eine gleichmässige, dickbreiige, faserige Masse verwandelt, eine Arbeit, welche in der Regel Frauenhänden zufällt. Oft haben die kurzgestielten 1—2 Pfund schweren Holzhämmer auf den Schlagflächen kleine Rinnen, die sich wie Radien eines Kreises gegen die Mitte nähern. In vielen Fällen wird die Papiermasse nach ihrer ersten Bearbeitung nochmals im Kessel mit Wasser, doch ohne 5. Papierindustrie. Zusatz, gekocht. Es scheint sich dies danach zu richten, ob die Zer- teilung der Faser eine weitere Erweichung bedarf oder nicht. Ist der Ganzstoff fertig, so wird er dem Papiermacher übergeben, dessen Arbeiten von denen der Anfertiger unserer Handpapiere wenig abweichen. In seiner Bütte, einem flachen, viereckigen Kasten, Fune oder Ô-haku genannt, mischt er die nassen, frischen Ballen der Papier- masse mit dem nöthigen Quantum Wasser, darauf auch mit dem Schleim von Hibiscus Manihot. Die Wurzeln dieser Pflanze werden zu dem Zweck zerklopft, kommen dann in einen Beutel, welcher ent- weder in die Bütte selbst eintaucht oder in einen danebenstehenden Kübel mit Wasser gehängt und von Zeit zu Zeit, je nach Bedarf, über dem Inhalt der Schöpfbütte ausgedrückt wird. Rinden, welche als Ersatz dieses Tororo dienen, wie z. B. von Shiro-utsugi, müssen vorher gekocht werden. Stärke, Farben und mineralische Zusätze, wie Thon und Kreide, wenn solche angewandt werden, kommen mit dem Ganzstoff in die Bütte. Die Grösse der Bütten entspricht der früher in unsern Papiermühlen allgemein gebrauchten, ändert sich aber etwas mit der Grösse des Formats der Bogen. Diese wird durch das Schöpf- netz oder die Form, jap. Suno-ko , bestimmt. Es ist dies ein mit vier Holzleisten eingerahmtes Haar-, Faden- oder Bambusrohrsieb von der Gestalt eines Rechtecks. In der Regel besteht das Schöpfnetz aus feinen, parallel laufenden Bambusstäbchen, welche durch Hanfzwirn mit einander verbunden sind, oder aus siebartigem Seidengeflecht, das mit Shibu (pg. 213) mehrmals überstrichen wurde. Feinmaschige, messingene Drahtgitter kommen nicht in Anwendung, eiserne sind der Rostflecken wegen unzulässig. Wasserzeichen werden bei japanischem Papier nirgends angebracht. Dagegen gebraucht man hin und wieder Bambusrohrformen, welche der ganzen Länge und Breite nach mit Hanfgarn oder Seide derartig netzförmig überflochten sind, dass da- durch gewisse Figuren im Papier erzeugt werden. Solche Papiere heissen Mon-shi , nach mon, Bild, Zeichnung, und shi, Papier. Das Schöpfen der mit Wasser fein zertheilten Papiermasse erfolgt auf die bekannte Weise. Die Bewegung der Form und das Abfliessen- lassen nach der dem Blick des Papiermachers zugekehrten Seite be- wirkt die parallele Lagerung der Faser, von der oben bereits die Rede war. Wird ein zweites Mal geschöpft, diesmal das Netz jedoch von links nach rechts gehoben und gesenkt, so entsteht ein dickeres und viel stärkeres Papier, indem nun die sich neu ablagernden Fasern die erste Schicht rechtwinkelig kreuzen. Ist der Schöpfrahmen in seinen vier Ecken beweglich, so dass man z. B. aus seiner quadra- tischen Gestalt durch geeigneten Druck an zwei gegenüber stehenden III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Ecken die verschiedenen Formen des Rhombus erhält, und wird diese Beweglichkeit beim Schöpfen des Bogens in geeigneter Weise benutzt, so entsteht ein geripptes Papier, wie das Tai-heishi oder Gan- seki , welches oft zum Bedecken der Schiebewände zwischen den ein- zelnen Zimmerräumen dient. Die geschöpften Bogen werden über einer Matte aufgeschichtet und zwar abwechselnd mit alten Formen oder blossen Bambusstäbchen. Sind sie hier genügend abgetrocknet, so werden sie mit Hülfe einer weichen breiten Bürste auf breite, glatt gehobelte Dielen gestrichen und diese mit ihnen schräg gegen die Häuser an die Sonne gestellt. Ist das Papier ganz trocken, so löst sich der Bogen leicht vom Brett ab und zeigt nun eine glatte und eine rauhe Seite, Omote und Ura . Das fertige Papier kommt entweder in seinem natürlichen Zu- stande, oder beschnitten und gemustert in den Handel. Man verkauft dasselbe nach Jô (Buch, Lage), und es kommen dabei je nach der Sorte gewöhnlich 50 oder 48 Bogen Auffallenderweise hat die jap. Sprache kein Wort für »Bogen«. Sie um- schreibt kami ichi mai, ni mai etc., d. h. Papier einmal, zweimal etc. auf ein Jô; doch gibt es auch Sorten, bei denen nur 40 Bogen auf ein Jô gehen, ja bei grossem Format und dickem Papier werden vielfach nur 20 Bogen darauf ge- rechnet. 1000 Bogen, also 20 Jô à 50 Bogen, bilden ein Soku oder Ries, auch Kami is-soku genannt. Hervorragende Sorten japanischer Bastpapiere . Eine gelbliche Farbe in vielerlei Abstufungen zeichnet sämmtliche Arten aus. Nach ihren sonstigen Eigenschaften zerfallen sie, wie bereits früher angedeutet wurde, in zwei Gruppen, nämlich Ki-gami und Nori-gami . Bei ersterem dient als Bindemittel der Wurzel- schleim von Hibiscus Manihot oder der Bastschleim von Hydrangea paniculata, bei den andern Kleisterlösung aus Reisstärke, wozu in einzelnen Fällen noch ein Zusatz von geschlämmter Kreide, von Thon oder Alaun kommt. Die Stärkepapiere sind dichter, glätter und schwe- rer als die reinen Bastpapiere. Beim Zerreissen derselben zeigt sich ein weisser Staub. In den meisten Fällen wird jede Bastsorte für sich verarbeitet. Die bekanntesten Mischungen werden zwischen Brous- sonetia- und Edgeworthia-Bast hergestellt. Weitaus das meiste, stärkste und den vielseitigsten Zwecken die- nende Papier bereitet man aus dem Baste der Kôdzo (Broussonetia papyrifera). Auch jene feinen, gleichmässig gedrehten Cordel, welche unter dem Namen Midzu-hiki in Japan allgemein bekannt sind und zum Umbinden von Geschen- Kôdzo-Papiere sind in der Regel glanzlos, knirschen 5. Papierindustrie. nicht unter der Hand, besitzen die grösste Festigkeit und Porosität und kommen in den geschmeidigsten, zartesten Sorten vor. Das Papier von dem Bast der weissen Maulbeere kommt den Broussonetia-Papie- ren am nächsten, steht ihnen aber an Gleichförmigkeit, Feinheit und Stärke weit nach. Gampi - (Wickstroemia-) Papier wird nur in dünnen, leichten Bogen dargestellt. Es zeichnet sich durch gelbe Farbe, hohen, seiden- artigen Glanz und grösste Gleichmässigkeit aus; auch knirscht es unter der Hand. Von der auf Tafel XIII. gegebenen Probe Gampi wiegen 100 Blätter von je 24 cm Länge und 16,5 cm Breite, also 3,96 □m nur 45 Gramm. Bei seiner Leichtigkeit und Durchsichtigkeit ist die Festigkeit geradezu überraschend. Man kann es knicken, falten, in Ballen rollen und wieder ausstrecken, ohne dass es bricht oder sonst leidet. In dem Prachtwerke von L. Gonse: »L’Art japonais« ist jede der colorierten Tafeln mit einem Bogen Gampi bedeckt, dem alle Vorteile des Seidenpapiers zu- kommen, das sich aber durch seine grosse Festigkeit vor diesem besonders aus- zeichnet. Mitsu-mata - (Edgeworthia-) Papier hat ebenfalls eine deutlich ausgeprägte gelbe Farbe, kommt aber weder an Glanz und Feinheit noch auch in der Stärke dem Gampi gleich. Immerhin zeigen Gampi- und Mitsu-mata-Papiere viel Aehnlichkeit untereinander. Mehr noch tritt diese Aehnlichkeit bei der genaueren mikroskopischen Unter- suchung der Bastzellen hervor, aus denen sie bestehen. Man erkennt dann, dass ihre grössere Feinheit und der seidene Glanz dieser Papiere bedingt ist durch ihre Zellen. Dieselben sind kaum halb so breit, viel dünnwandiger und gleichförmiger, als die Broussonetiazellen, dabei von hohem Glanze. Hierdurch ist es möglich unter dem Mikroskop Papiere, welche aus einer Mischung von Broussonetia-Bastmasse mit solcher von Mitsu-mata oder Gampi erzeugt wurden, sofort zu erkennen. Wie die beiden letzten verhalten sich auch die Bastsorten der übrigen Thymelaeaceen, z. B. von den Daphne- und Edgeworthia-Arten, welche in den Himalaya-Landschaften zu Papier verarbeitet werden. Der grösseren Feinheit ihrer Zellen entspricht die geringere Wider- standskraft ihrer Papiere gegenüber denjenigen aus dem Baste der Papiermaulbeere und ihrer Verwandten. Etwa 0,4 % aller japanischen Büttenpapiere sollen in den beiden südwestlichen Provinzen Tosa und Iyo der Insel Shikoku dargestellt werden und zwar fast ausschliesslich aus dem Bast der Kôdzo-Rinde. ken dienen, werden aus Kôdzo-Papier dargestellt. Ihre eine Seite wird nach dem Drehen roth gefärbt. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Ausserdem wird noch viel von letzterer roh oder zubereitet nach andern Landestheilen, zumal nach Ôzaka ausgeführt. Die Papierproduction der Provinz Tosa für das Jahr 1874 wurde mir in ihrer Hauptstadt Kochi wie folgt angegeben: 1) Ô-ban-shi 532000 Soku à 1000 Bogen 2) Ko-ban-shi 2989000 » » » » 3) Sugi-hara 2900000 » » » » 4) Han-kire 36000 » » » » 5) Kasu-gami 581000 » » » » Zusammen 7026000 Soku. Im mittleren Hondo, insbesondere in den Provinzen Suruga, Kôshiu, Idzu und Musashi, verarbeitet man neben Kôdzo-Rinde auch viel Mitsu- mata, theils allein, theils mit jener vermischt. In Mino wird neben dem berühmten Mino-gami aus Broussonetia-Bast auch ziemlich viel Gampi- shi (Gampi-Papier) bereitet. Die Darstellung des letzteren ist aber keineswegs auf diese Provinz beschränkt. Auch Idzu, Ise, Agi, Echigo und andere Landesteile liefern es. Uebersicht über Namen, Ursprung, Grösse, Gewicht und Preis der bekanntesten und wichtigsten japanischen Papiere. K = Ki-gami, N = Nori-gami. Die in nachstehender Tabelle angegebenen Maasse und Gewichte wurden von mir aus einer grösseren Bogenzahl der betreffenden Papiersorte bestimmt. Sie beziehen sich auf die beste Qualität, wenn keine nähere Angabe folgt. Nur bei Mon-Tengu-jô oder gemustertem Tengu-jô musste die Gewichtsangabe wegbleiben, weil hier das Gewicht nach der Art des Bedruckens mit gelöschtem Kalk zu sehr variiert. Die Preise sind solche, wie ich sie bei den Papiermachern in Niu, Maki- dani-mura, Ino, Ichikawa, Umadzu und Kurasawa, oder bei den Händlern in Tôkio zahlte. 5. Papierindustrie. Rein , Japan. II. 31 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die bemerkenswerthesten Sorten japanischer Bastpapiere finden sich in vorstehender Liste. Zur Erläuterung diene Folgendes: 1) Yoshino-gami , benannt nach dem Orte Yoshino in Yamato (siehe Bd. I. pg. 536), wird aber nicht hier verfertigt, sondern in dem 4 ri entfernten Niu . Es ist dies der Collectivname von 6 kleinen Dörfchen in einem Seitenthälchen des Yoshino-gawa. In Niu und Umgegend heisst die in ganz Japan bekannte, in der Lackindustrie so viel verwandte, feine Papiersorte Urushi-koshi , d. h. Lackfilter, Lackpresse. Die Broussonetia, deren Bast dazu aufs sorgfältigste ver- arbeitet wird, findet man in der Umgegend viel angepflanzt. Als Bindemittel dient der ausgepresste Bastschleim von Hydrangea pani- culata, hier Tororo (Bindemittel) und Nori-no-ki (Kleisterbaum) genannt, als Form ein Netz aus fein gearbeiteten Bambusstäbchen (den Gliedern zwischen zwei Knoten des Bambussrohrs entnommen), verbunden mit Seidenfäden. Grösse und Gewicht dieses Papiers er- geben sich aus der Liste. Es ist so fein, dass 50 Bogen (1 Jô) oder 6,12 □m nur 35 Gramm wiegen, dabei aber so fest, dass es in dop- pelter oder dreifacher Lage das Drehen um den eingeschlagenen dick- flüssigen Lack und Durchringen des letzteren nicht blos aushält, sondern nachher wieder ausgestreckt, getrocknet und zu gleichem Zweck noch mehrmals benutzt werden kann. 2) Mo-gami -Papier ist ähnlich, aber weniger fein. Man bereitet es zu Takamatsu in dem Kreise Mogami (Mogami-gori) der Provinz Uzen und benutzt es wie Yoshino-gami in den nördlichen Lackstädten. 3) Ten-gu-jô , ein Name, Von Tengu, stolz, jô, erhaben, am besten. den man mit »preisgekrönte Ar- beit« übersetzen kann, bezeichnet eine Reihe Papiere, welche sich den beiden vorigen am meisten anschliessen. Sie übertreffen an Fein- heit und Geschmeidigkeit die dünnsten Seidenpapiere und sind dabei bei weitem stärker. Sie werden vornehmlich in Mino dargestellt, sind gelblich weiss, erhalten aber zuweilen auch einen Farbenzusatz. Noch häufiger bedruckt man sie mit Gofun oder Kreidepulver in verschie- denen Mustern. Diese sogenannten Mon-tengu-jô -Papiere eignen sich vortrefflich, um gewöhnliche Fensterscheiben zu bekleben und dadurch matt zu machen. 4) Mino-gami . Man versteht darunter reines Broussonetia- Papier, welches in der Provinz Mino dargestellt wird und sich durch seine grosse Festigkeit auszeichnet. Man benutzt es dieser Eigenschaft wegen mit Vorliebe zum Ueberziehen der Holzwaaren beim Lackieren (siehe Kami-kise pg. 424) und zu Bindfäden. Daneben ist es aber 5. Papierindustrie. auch genügend durchscheinend, so dass man es ebenso gern zum Ueber- ziehen der Gitter bei den Schiebethüren (oder Shô-ji) anwendet. Die Orte Hirose und Sakamoto östlich des Ibuki-yama wurden mir als Lieferanten von gutem Mino-gami viel genannt; doch ist Makidani-mura wohl der bedeutendste Papierdistrikt der Provinz. Derselbe umfasst ein Seitenthal des Gujo-gawa, welches 6½ ri von der Hauptstadt Gifu beim Orte Nagase mündet. Wandert man durch die 8 Dörfchen, aus welchen Makidani-mura besteht, so sieht man vor vielen Häusern durch die auf Sugi-Dielen gestrichenen und zum Trocknen ausgestellten Bogen die Industrie sich ankündigen. Sie soll hier, wie mir der Bürgermeister des Hauptortes Mitarai sagte, schon seit mehr als 500 Jahren betrieben werden. Ausser Mino-gami und Mon-shi mit seinen an Wasserzeichen erinnernden regelmässig ver- theilten, durchscheinenden Linien oder Figuren, wird auch viel Gampi- shi verfertigt. Als Bindemittel benutzt man den Wurzelschleim von Hibiscus Manihot. Han-shi , d. h. Halb-Papier, in Zusammensetzungen auch Ban- shi genannt, ist das gewöhnlichste japanische Papier, das zum Schrei- ben, Drucken, Nasenputzen und verschiedenen andern Zwecken dient und an vielen Orten des Landes dargestellt wird. Gleich den beiden folgenden steht es an Güte und im Preis dem Mino-gami weit nach. Hier ist auch des Sugi-hara zu gedenken, eines ebenfalls gewöhn- lichen, an vielen Orten verfertigten Papiers, das man gleich mehreren andern Sorten u. A. statt der Taschentücher im weiten Aermel des Ki- mono oder Oberkleides mit sich führt. Mit dem Namen Ko-ban- shi , d. h. kleines Han-shi, bezeichnet man ein ähnliches Papier wie Han-shi von noch kleinerem Format, welches ebenso verwendet wird. Han-kire , d. h. »Halbschnitt«, ist ein dem Han-shi ebenfalls nahestehendes Papier. Der grosse geschöpfte Bogen wird gewöhnlich der Länge nach später halbiert. Auf Han-kire pflegt der Japaner seine Rechnungen und Briefe zu schreiben. Nishi-no-uchi heisst eine der besten Sorten Ki-gami aus Brous- sonetia-Bast. In ziemlich grossen Bogen wurde es zuerst in Nasu- gori der Provinz Shimotsuke bereitet, dann aber auch an vielen an- dern Orten nachgemacht. Eine Sorte solchen imitierten Papiers heisst Magaï-Nishi (no-uchi), d. h. falsches, nachgeahmtes Nishi. Von der besten Qualität aus Shimotsuke kosten in Tôkio 40 Bogen 28 sen. Ein vorzügliches, starkes und reines Broussonetia-Papier ist auch das Shi-fu-gami , welches mehrere Orte der Provinz Iwaki liefern und das zu den eigenartigen Shi-fu-Geweben (siehe diese) be- nutzt wird. 31* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Mit Atsu-gami , d. h. »dickes Papier«, bezeichnet man ein starkes Kôdzo-Papier, welches zu Ichikawa verfertigt wird. Die Papier- industrie dieses Städtchens, in der Provinz Kôshiu am Fuji-kawa ge- legen, ist sehr bedeutend und liefert eine ganze Anzahl schöner Sorten, wie sich schon aus dem Verzeichniss ergibt. Senka wird ein noch stärkeres Papier genannt, dessen man sich zur Bereitung von Leder- und Oelpapier bedient. Von den Stärke- papieren (Nori-gami) ist Ko-sugi vielleicht die gewöhnlichste und billigste Sorte. Sie wird nicht blos zu Ino in Tosa, sondern u. A. auch im Gefängniss der Hauptstadt Kochi bereitet und dient zu Rei- nigungszwecken. Iyo-masa ist ein weiches Papier, das in mehreren Sorten vor- kommt und sich vortrefflich zum Aufbewahren getrockneter Pflanzen eignet. Hôshô heisst eins der geschätztesten und theuersten Papiere Japans. Dasselbe ist dick, sehr stark, reich mit Stärke und oft auch mit Alaun versetzt, gleichförmig dicht und glatt. Es dient als Canzleipapier für alle wichtigen Regierungsacte, zur Umhüllung von Geschenken und andern Zwecken; auch benutzte man es früher zur Darstellung von Papiergeld. Der berühmte Fabrikdistrikt für Hôshô heisst Goka-mura , »die fünf Dörfer«, und befindet sich in der Provinz Echizen, 7 ri südöstlich von der Hauptstadt Fukui. Die Industrie wird hier vornehmlich im Winter betrieben. Das echte Hôshô wird aus Kôdzu bereitet und anderwärts viel nachgeahmt. Eine interessante schöne Imitation ist das Hôshô von Ichikawa (Nr. 27 der Liste), welches 20 % Mitsu-mata-Bast enthält, ein kleineres Format und einen viel billigeren Preis hat. Das Jû-mon-ji oder Ôtaka-gami und das Jidzuki Ôtaka- gami sind grosse Bogen eines sehr dicken und starken Papiers, welche vornehmlich zur Bereitung von Lederpapier benutzt werden. Diesen Namen folgen die Nummern 21, 22 und 23 der Liste, welche aus Mitsu-mata-Bast bereitet werden. Die bekannteste Sorte ist das Suruga-ban-shi , ein dünnes, geringes Schreibpapier, das in grossen Bogen nicht blos in der Provinz Suruga, sondern auch ander- wärts dargestellt und zu verschiedenen Reinigungszwecken, sowie auch als Schreib- und Druckpapier benutzt wird. Von den zu Ichikawa bereiteten Mischungen aus Kôdzo- und Mitsu-mata-Masse, bei welchen aber erstere immer vorwiegt, ist neben dem schönen Hôshô auch noch das Shôji-gami besonders beachtens- werth. Es enthält ebenfalls 20 % der Edgeworthia-Masse, ist aber 5. Papierindustrie. stärkefrei und dient, wie der Name sagt, vornehmlich zum Ueberziehen der Gitter der Shôji oder Schiebethüren, also statt Fensterscheiben. Usugo heisst ein dünnes Gampi-shi oder Gampi-Papier, welches in grossen Bogen in den Handel kommt. Gleich dem kleineren Gampi- Papier wird es aus Wickstroemia-Bast, ohne Nori dargestellt und eignet sich vortrefflich zum Durchpausen, zum Beschreiben, Anfertigen von Tabellen. Es wird viel als Copierpapier in den fremden Geschäf- ten in Japan benutzt und findet seiner Geschmeidigkeit, Glätte, Stärke, Feinheit und Leichtigkeit wegen wahrscheinlich auch in Europa noch weitere Verwendung. Die feineren, geschmeidigen Papiere Japans, wie Yoshino-gami, Tengu-jô und Gampi, sowie das durch die Kreppvorrichtung dem feinsten Putzleder gleich weich und zart gemachte Senka, eignen sich vortrefflich zum Ersatz alter Leinwand und Charpie bei Verbänden. In den Hospitälern von Hongkong und Shanghai werden minder feine und weiche Bastpapiere Chinas schon lange zu solchen chirurgischen Zwecken benutzt. In neuerer Zeit hat man vielfach mit Erfolg versucht, die stärke- ren, glatten Nori-Papiere, wie z. B. das Hôshô, im Farben- und im Landkartendruck zu verwerthen. Da sie die Farben ohne vorher- gehendes Anfeuchten sofort aufnehmen, bleiben die in der Zeichnung dargestellten Verhältnisse beim Druck vollständig gewahrt, während durch das nöthige Anfeuchten beim Farbendruck auf unsere Papiere eine ungleichmässige Ausdehnung oder ein Verziehen derselben unvermeid- lich ist. Pappendeckel oder Ita-me-gami , d. h. »Brettpapier« bereitet der Japaner durch Aufeinanderkleben gewöhnlicher Papiere mittelst Shôfu-nori oder Weizenstärke-Kleister. Das Verfahren ist demnach ähnlich dem bei Herstellung der sogenannten geleimten Pappe in Europa. So erhält man sehr schönes, starkes Ita-me-gami, wenn man 10—20 Bogen Hosokawa , das ist ein Broussonetia-Bastpapier aus Iyo, der Reihe nach aufeinander klebt. Viel Pappendeckel wird aus dem besseren Suki-gaë-shi oder Abfallpapier, ja selbst aus alten Rechnungen und auf andere Weise schon benutztem Papier (Hôn-gu) direkt durch dasselbe Verfahren bereitet. Ein Ueberzug mit einem schöneren, noch nicht gebrauchten Papier genügt, um dem so erzeugten Ita-me-gami auch ein schönes Aussehen zu geben. Hari-nuki heisst das japanische Papier maché. Das Wort kommt von Hari, -ru, ausstrecken, ausbreiten, und von Nuki, -ku, ausziehen. Seine Berei- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. tung weicht jedoch von der des letzteren insofern wesentlich ab, als dieses aus dem in Wasser geweichten und wieder in Masse (pâte) ver- wandelten Papier in Formen gepresst wird, während man beim Hari- nuki ähnlich, wie bei der Anfertigung der Pappdeckel verfährt. Alle Hari-nuki-Arbeiten bestehen demnach aus sogenannter gekautschter Pappe . Das Kautschen erfolgt über Holzformen. Man verwendet dazu das leichte, beschriebene oder bedruckte Hôn-gu, falls die Gegen- stände nachher lackiert werden sollen, oder besseres, ungebrauchtes Papier im andern Fall. Ueber die nasse Kata oder Form wird mit Hülfe von Kleister aus Weizenstärke Bogen auf Bogen geklebt und gestrichen, bis die nöthige Dicke erzielt ist. Darauf trocknet, be- schneidet und lackiert man die Sachen. Auf diese Weise stellt man hunderterlei kleine, leichte und dabei doch dauerhafte Gegenstände her, die überaus gefällig sind. So er- hält man nicht blos Puppenköpfe und andere Spielsachen, sondern auch allerliebste Tellerchen und Schalen, Theedosen und Pfeifenfut- terale, welche aussehen, als beständen sie aus lackiertem Blech oder Holz. Dieselben genügen allen Ansprüchen auf Stärke und Dauer- haftigkeit, überraschen dabei durch ihre Leichtigkeit und bescheidenen Preise, so dass sie in dieser Beziehung den Gegenständen aus Papier maché vergleichbar sind, während sie solche an Festigkeit und Ele- ganz weit übertreffen. Papier-Tapeten oder Kara-kami (d. h. chinesisches Papier) werden ebenfalls in Japan verfertigt und benutzt, doch nicht in langen Stücken, sondern nur in Bogengrösse, auch nicht in grossem Umfang. Viele der bedruckten Muster stehen an Schönheit unsern feineren Ta- peten nicht nach und übertreffen dieselben jedenfalls an Dauerhaftig- keit. Wie schon der Name anzeigt, stammt auch dieser Industrie- zweig aus China, dem Lande, in welchem man überhaupt Papier zuerst in Tapeten umwandelte. Darstellung des Chirimen-gami oder Krepp-Papiers . Durch ein sehr einfaches mechanisches Verfahren wird in Japan die glatte Oberfläche verschiedener Bastpapiere, sowie durch Farben- druck dargestellter Bilderbogen geköpert, steifes Cartonpapier weich und geschmeidig wie Putzleder gemacht und ihm dazu auch eine ähnliche Elasticität verliehen, die uns namentlich bei gewissen Sorten von Lederpapieren überrascht. Die Werkzeuge, deren man sich zur Bereitung von Chirimen-gami bedient, sind der Momi-dai , Momu, reiben, weichmachen, dai, Tisch. eine Art Hebelpresse, und die Katas oder Formen, nämlich grosse braune 5. Papierindustrie. Bogen aus dickem Papier, welche parallelstreifig, entweder nur nach einer Seite, oder nach mehreren Richtungen gefurcht sind und nach dem Anfeuchten eine ansehnliche Elasticität zeigen. Die Presse (Momi-dai, Fig. 14) wird gewöhnlich aus Kashi, dem Holz einer immergrünen Eiche, oder einem andern festen Holze ange- fertigt. Sie ruht auf dem Fuss, einem grossen schweren Brett, auf Fig. 14. Vorrichtung zur Darstellung von Krepppapier. welchem sich zwei durchlöcherte Pfosten als Zapfenträger erheben, zwischen denen der Drehpunkt eines Hebels a d liegt. b c ist eine hölzerne Walze von 2—3 cm Durchmesser und verschiedener Länge, je nach Bedürfniss, d. h. je nachdem die um sie zu rollenden Bogen gross oder klein sind. Hiernach richtet sich denn auch die Höhe, in welcher man den Zapfen für den Drehpunkt des Hebels anbringt. Die Walze b c ruht bei c in einer pfannenartigen Vertiefung des Brettes, III. Kunstgewerbe und Verwandtes. um beim Gebrauch das Verschieben zu verhüten, und geht durch ein elliptisches Loch im Hebelarm senkrecht empor. Da a d , der 2½—3 m lange Arm der Kraft, ansehnlich länger ist als derjenige der Last von der Walze bis zum Hebelende d , so lässt sich ein bedeutender Druck auf die um den Stab zu rollenden Papierbogen ausüben. Die- selben werden durch Besprenkeln mit einer nassen Bürste angefeuch- tet, oder dadurch, dass man sie in abwechselnder Lage mit nassen Pappendeckeln eine Stunde lang dem gelinden Druck einer Presse aus- setzt. Hierauf breitet man auf einer Holzplatte einen grossen braunen Kata-Bogen aus, dann über ihm einen Bogen des angefeuchteten Pa- piers, hierauf wiederum eine Kata, dann abermals einen Bogen Papier, und so fort in zehn- und mehrfacher Wiederholung, endlich mit einer Kata schliessend. Bei dieser Aufschichtung müssen die einzelnen Bogen zu den sie trennenden Zwischenmitteln dieselbe Lage haben, also entweder mit ihren Rändern parallel oder geneigt zu denen der grösseren Katas liegen. Ist nun auf die angegebene Weise der Stoss aufgebaut, so wird die Walze b c darauf gelegt und das Papier fest um dieselbe zu einem Cylinder gerollt, aus welchem sie beiderseits 5—6 cm hervorragen muss. Diesen Cylinder umwickelt man schliess- lich mit einem Streifen Hanfleinwand von etwa 30 cm Breite und 2—3 m Länge schräg und fest, wozu sich der Arbeiter gewöhnlich seiner Füsse bedient. Hierauf bringt derselbe die Walze zur Presse, fügt sie in c und mit dem andern Ende durch das Loch des Hebels ein und drückt nun diesen in d mit aller Kraft seines Körpers ruck- weise 6—10mal hintereinander auf die Rolle, welche hierdurch in der Richtung ihrer Achse ansehnlich zusammengepresst wird. Nun- mehr nimmt sie der Arbeiter wieder aus der Presse, entfernt Lein- wandstreifen und Walze, rollt auf, zieht die stark zusammengepressten Kata-Bogen wieder auseinander und baut aus ihnen und den Papier- bogen den Stoss von neuem auf, nur mit dem Unterschiede, dass die Bogen diesmal eine andere Lage bekommen. Es folgt nun wieder Zusammenrollen, Einschlagen in die feuchte Leinwand und Pressen, ganz wie das erste Mal. Nachdem dieses Verfahren 8—10 mal mit jedesmal veränderter Lage der Bogen zu den Katas wiederholt worden ist, sind die Bogen fertig. Sie haben sich nach beiden Richtungen bedeutend verkürzt, werden etwas gestreckt und können nun weiter verwandt werden. Der Uebergang in diesen geköperten, weichen, elastischen Zustand ist ein ganz allmählicher. Hatten die Bogen das erste Mal die Lage a b (siehe Skizzen über Figur 14), so erscheinen sie nach dem Pressen netzartig gerieft und zwar besonders stark nach einer Richtung. Nach ihrer zweiten Behandlung in der Lage c d Rein, Japan. II. Tafel XIV. Japanisches Lederpapier. 5. Papierindustrie. wurden jene Riefen von solchen in einer zweiten Richtung gekreuzt und abgeschwächt. Nachdem die Cartonbogen dann in einer dritten Lage e f mit den Katas eingeschlagen und dem Druck der Momi-dai unterworfen gewesen waren, trat statt der vorragenden Längs- und Querriefen bereits eine deutliche Köperung auf. Dieselbe wurde mit jeder neuen Operation, wie sie durch die Bogenlage g c, h i, m n, o p, q r und s t der Reihe nach angedeutet ist, immer feiner und regel- mässiger. Damit ging eine Contraction der Bogen und zunehmende Weichheit und Geschmeidigkeit Hand in Hand. Das Verfahren, Bilderbogen mit Buntdruck weich und geköpert zu machen, ist dem vorerwähnten völlig ähnlich. Nur werden dabei immer zwei solcher Bogen mit ihren bedruckten Seiten gegeneinander gekehrt, von zwei Katas eingeschlossen und durch einen zwischen- liegenden Bogen Han-shi voneinander getrennt. Nach der siebenten Wiederholung des Einschlagens und Pressens entfernt man die Zwi- schenlage der Han-shi-Bogen, legt jedesmal die 2 contrahierten Bilder- bogen nebeneinander und wiederholt das Pressen noch zweimal. Die hier erwähnten Vorrichtungen und Proceduren wurden bereits von Herrn Minister von Brandt, dem freundlichen Förderer meiner Studien in Japan, im 5. Heft der deutschen Gesellschaft Ostasiens, abgebildet und beschrieben, so wie wir sie gemeinsam in mehreren Werkstätten beobachtet hatten. Seiner dort gegebenen Skizze ist auch die Figur 14 entlehnt. Da man uns auf unsere Fragen nach Herstel- lung der Katas antwortete, es sei dies Geschäftsgeheimniss, kaufte Herr v. Brandt auf meinen Rat mehrere schon gebrauchte und abge- nutzte derselben und vertheilte sie zwischen mir und unserem ver- storbenen Freunde Dr. H. Ritter zur weiteren Untersuchung. Schon zwei Tage später konnte jeder von uns, trotzdem wir ganz verschie- dene Wege eingeschlagen hatten, Herrn v. Brandt zu dessen Ueber- raschung als Resultat unserer chemischen und mikroskopischen Unter- suchungen im wesentlichen dasselbe berichten, nämlich, dass jene braunen Katas aus mehreren Lagen von schon gebrauchtem Brousso- netia-Bastpapier — in meinem Fall waren es alte Rechnungen — über- und nebeneinander bestanden, die man mit Kleister aneinander geklebt, darauf auf vorerwähnte Art mit Hülfe anderer Einschlagbogen und der Presse nach mehreren Richtungen stark gefaltet und gerieft hatte. Zum Schluss hatten sie braune Beizung und Färbung durch Shibu (pg. 214) erhalten. Mit diesem Resultat und den leserlich gemachten alten Rechnungen, welche ich aus den Katas erhalten hatte, begab ich mich abermals zu einem der Fabrikanten von Chirimen-gami, bei dem wir gewesen III. Kunstgewerbe und Verwandtes. waren, und liess nun meinen Dollmetsch auskramen, was er gesehen hatte. Es gipfelte in dem Satze, dass es unnütz sei, vor Sen-sei Das sinico-japanische Wort Sen-sei ist der ehrenvolle Titel eines Gelehrten. in der Sache noch weiter etwas zu verbergen. Dies hatte die erwar- tete Wirkung. Der Mann führte uns in eine Kammer und zeigte mir seine Oya-kata (Elternform) oder Ki-gata (Holzform). Es war ein 5—6 cm dickes, 90 cm langes und 30 cm breites Brett aus hartem Sakura-Holze (Prunus pseudo-cerasus), das auf zwei Leisten ruhte. Dieses Brett war auf der oberen Seite der Länge nach regelmässig und auf das sorgfältigste gefalzt mit Rinnen von 2 mm Tiefe und eben so weitem Abstand voneinander. Beim Gebrauch wird ein grosser Bogen starken Cartonpapiers mit Kleisterlösung durchtränkt, und dann über diese Holzform der Länge nach gelegt, worauf man ihn mit Hülfe eines Falzbeins in jede Furche der Unterlage einpresst, eine Arbeit, die viel Zeit und Geduld er- fordert. Nach dem Trocknen ist die Form fest eingeprägt und der Bogen parallelstreifig gefurcht. Er wird beiderseits mit Shibu über- strichen und kann dann zur Darstellung der gewöhnlichen Katas, von denen bereits die Rede war, dienen. Die dazu bestimmten angefeuch- teten Bogen werden in jenen gefalzten Bogen fest eingeschlagen und ein- oder zweimal unter der Presse behandelt, wie solche Bogen, die in Krepppapier verwandelt werden sollen. Das darauf folgende Be- streichen mit Shibu macht sie fester und dauerhafter. Lederpapiere oder Kami-kawa . Sie werden in verschiedenen Farben, geköpert und glatt, einfach oder mit zum Theil erhabenen Arabesken, Blumen und andern Ver- zierungen bedruckt und so reich ausgestattet in den Handel gebracht. Prächtiges Aussehen, überraschende Elasticität und eine Geschmeidig- keit, die zuweilen an Kalbsleder erinnert, besonders auf der unteren Seite, sind hervorragende Eigenschaften derselben (s. die Probe, Tafel XIV.). Damit verbinden sie eine ansehnliche Festigkeit, welche diejenige unseres Wachstuchs in vielen Fällen übertrifft. Man macht daraus Brieftaschen, Tabaksbeutel, Pfeifenfutterale, Schachteln, Kästchen und andere Gegenstände, benutzt sie aber auch zu Bodendecken, wie Wachstuch, und statt Tapeten. Das einfach geköperte, schwarzlackierte Lederpapier dient auch zu den Saki-kake oder Saki-kawa , mit wel- chen man die Füsse über den Getas oder Holzschuhen bei Regen schützt. Kami-kawa stellt man gewöhnlich in Bogen dar, aber auch in grösseren Stücken. Eines derselben von 36 Fuss Länge und 3 Fuss 5. Papierindustrie. Breite, mit rothen Lilien und grünen Blättern, kostete in Tôkio 5½ yen. Es würde sich zum Tapezieren eines Saales vortrefflich eignen. Viel Lederpapier wird in Tôkio und zwar in den Stadttheilen Honjô und Fukagawa zur Rechten des Sumida-gawa bereitet; auch liefert die Provinz Ise, wie ich mich in den Orten Matsuzaka, Inagi, Omada, Tamura in der Gegend von Yamada überzeugen konnte, an- sehnliche Mengen. Desgleichen sollen Harima und Mito Kami-kawa verfertigen. In der Regel wendet man dazu Ôtaka-, Jidzuki - oder Jumonji-gami , das sind starke Broussonetia-Papiere, an. In Tôkio wird damit im wesentlichen wie folgt verfahren. 1) Man breitet das Papier auf einem Brett aus, so dass die glatte Seite nach oben gerichtet ist, überstreicht dieselbe mit Hülfe einer breiten Haarbürste mit verdünntem Reiskleister, dem etwas Kienruss beigemengt ist, und hängt es dann über horizontal laufenden Stangen zum Trocknen auf, das in 1—2 Tagen erfolgt. 2) In den meisten Fällen wird es dann mit Hülfe der pg. 487 angegebenen Vorrichtung geköpert, wobei sich die Bogen nach beiden Richtungen ansehnlich verkürzen. 3) Nunmehr folgt ein Anstrich mit Yegoma-no-abura auf derselben Seite und gründliches Trocknen im Sonnenschein, was je nach der Jahreszeit 5—20 Tage in Anspruch nimmt. 4) Hieran schliesst sich ein Anstrich mit Kleisterlösung, welcher die Farbe beigemengt ist, die das Lederpapier erhalten soll (Eisen- oxyd, Auripigment, Indigo, Tusch etc. oder Gemenge solcher Farben). 5) Nachdem das Papier wieder trocken ist, wird es mit Lack im- prägniert, und zwar wendet man Seshime-urushi bei helleren Farben und Hana-urushi für schwarz an. Zwei Arbeiter setzen sich gegen- über, bestreichen ihre Handflächen mit dem Lack und schlagen ihn in raschem Tempo auf den zwischen ihnen ausgebreiteten Bogen ein. Darauf findet das Trocknen statt, wozu man sich wohl mit Papier überzogener Rahmen bedient, auf denen die Bogen ausgebreitet werden. 6) Soll das Lederpapier Figuren erhalten, so werden solche mit in Holz geschnittenen Formen nach Beendigung des Kreppverfahrens eingepresst, wohl auch durch papierne Schablonen die verschiedenen Farben aufgestrichen. Metallspiegel pflegt man, nachdem die Figuren fertig sind, zu erzeugen, indem man das Bronzepulver mit Lack fixiert und nach dem Trocknen poliert. Es gibt übrigens auch Lederpapiere, die gar keinen Lack ent- halten, sondern im Rauche von Reisstrohfeuer getrocknet und dann abgerieben werden. Eine ganz eigenthümliche, an Pergamentpapier erinnernde Sorte Lederpapier ist das semitransparente Yogan-gami , III. Kunstgewerbe und Verwandtes. dessen Darstellung ich nicht zu ermitteln vermochte. Der Engländer Gaine hat vor einer Reihe von Jahren ein Verfahren angegeben (und Professor Hofmann das Product näher untersucht), wodurch er Papier in eine Art Pergament verwandelte, indem er dasselbe einige Sekunden in Schwefelsäure tauchte, welche mit der Hälfte Wasser verdünnt war. Bei der Darstellung des Yogan-gami kommt aber Schwefelsäure wohl kaum in Betracht, da dieselbe früher in Japan gar nicht bekannt war. Papier-Gewebe oder Shi-fu . Shi = Kami, Papier, Fu = Ori-mono, Gewebe, so auch in Bashô-fu, Pisang- gewebe, Kudzu-fu, Gewebe aus Pueraria Thunbergiana. Mit dem Worte Shi-fu bezeichnet man in Japan eigenthümliche Gewebe, welche jetzt nur noch in Shiroïshi , einem Städtchen am Ôshiu-kaidô 13 ri südlich der Stadt Sendai dargestellt werden. Die Kette derselben besteht aus Seide, der Einschlag aber aus Papier- fäden. Das dazu verwendete Papier, in Shiroïshi Shi-fu-gami ge- nannt, wird an mehreren Orten der Provinz Iwaki aus Broussonetia- Bast dargestellt. Davon kosten 1 Jô oder 50 Bogen von der Grösse unseres gewöhnlichen Schreibpapiers 25 sen oder 1 Mark. Ein halbes Jô dieses Papiers wird der Länge nach mehrmals so gefaltet und zusammengelegt, dass die beiden parallelen Ränder über einander zu liegen kommen und 3—4 cm über die Biegungen hervor- ragen. Man legt nun das Papier der Länge nach über die eine Schmalseite eines dicken Brettes, das zum Feststehen mit Füssen ver- sehen ist, und befestigt dasselbe au beiden Enden mit eisernen Win- kelklammern, so dass die beiden überragenden Ränder des Papiers mit dem Hauptteil des Bogens einen rechten Winkel bilden und herunterhängen. Mit einem breiten, beilähnlichen, sehr scharfen Messer wird hierauf der gefaltete Theil des Papiers parallel zur Breite der Bogen in schmale Streifen von kaum 2 mm Breite durchschnitten, die alle noch mit den überragenden und vom Messer nicht berührten Rän- dern zusammenhängen. Nunmehr folgt das Rollen von Streifen solcher zusammenhängenden Papierbänder auf einer glatten Steinplatte mit flachen Händen, eine Arbeit, die unter öfterem Wenden des Gegen- standes so lange fortgesetzt wird, bis jedes Band zu einem lockeren Faden geworden ist. Man schneidet sodann die zusammenhängenden Ränder beiderseits so weit durch, dass die einzelnen Fäden nur noch 2 mm breit verbunden bleiben, und dreht dann auch die Verbindungs- stellen. Auf diese Weise werden continuierliche Fäden erzielt. Die aus solchen ungezwirnten Papierfäden als Schuss und seidener Kette 5. Papierindustrie. verfertigten Gewebe heissen Fukusa-ji , d. h. »Grund für Fukusa «. Mit Fukusa bezeichnet man sonst seidene Hüllen für feinere Ge- schenke, wie Lackwaaren und dergleichen, hier aber quadratische Lappen, welche mit Blumen oder Landschaften bedruckt sind und zum Bedecken von Geschenken dienen. Für die zu Kleidern dienenden Shi-fu-Gewebe werden die Papier- fäden ähnlich wie der Seideneinschlag für Chiri-men oder Kreppseide vorher rechts und links gezwirnt und laufen dann im Gewebe ab- wechselnd einmal hin und her, d. h. auf zwei rechts gedrehte Ein- schlagfäden folgen zwei links gedrehte u. s. f. Ist das Shi-fu-Gewebe fertig, so wird es in kochende Lauge aus Strohasche gesteckt, dann ausgesüsst, getrocknet und gestreckt. Es hat durch dieses Verfahren ein geköpertes Ansehen gewonnen und dabei sich ansehnlich zusam- mengezogen. Es kann nun vor der Verarbeitung dem Färber über- geben und noch auf verschiedene Weise bedruckt werden. Der hier besprochene eigenthümliche Industriezweig kam vor 90—100 Jahren in Shirioïshi auf und wurde nur von Samurai-Fami- lien betrieben. Noch vor 40 Jahren soll er in grosser Blüthe gestan- den haben, da damals die Shi-fu-Stoffe, welche sich auch waschen lassen, für Sommerkleider bei den Frauen sehr beliebt waren. Als jedoch später in Folge der Handelsverträge die ungleich feineren und dauerhafteren englischen Baumwollstoffe massenhaft und billig ins Land kamen, sank die Industrie rasch, so dass sie schon vor zwölf Jahren nur noch in 6—8 Häusern schwach betrieben wurde. Oelpapier und Regenmäntel , jap. Abura-gami und Tôyu . Das Oelen gewisser japanischer Papiersorten hat entweder den Zweck, sie transparent zu machen, wie bei den Laternen, oder gegen das Wasser zu schützen, wie bei Regenschirmen und den eigentlichen Oel- und Lederpapieren. Stets wird das Yegoma-no-abura (s. pg. 182) dazu angewandt, als Papier aber ein starkes Broussonetia-Papier, in Niigata z. B. das Senka von Oyachi, in Tôkio ein ähnliches von Tosa und Iyo. Dort werden die Bogen vor dem Weichmachen durch Rollen und Kneten an den Rändern zusammengeklebt, hier nach demselben; auch pflegt man in Tôkio die Geschmeidigkeit mit Hülfe der Krepp- vorrichtung (siehe Figur 14) zu erzielen. Zum Aneinanderleimen der Bogen dient ein Gemisch aus Kleister vom Mehl des Adlerfarrens (pg. 80) mit Shibu (pg. 213). Nachdem die Bogen zu grösseren Stücken zusammengeleimt, geschmeidig gemacht und mit den Händen wieder geglättet worden sind, werden sie mit Hülfe einer breiten Bürste auf einer Seite mit einem Gemisch von Kienruss (Matsu-susu) III. Kunstgewerbe und Verwandtes. und Shibu bestrichen und dann zum Trocknen an die Sonne gelegt, wozu mindestens 5 Tage erforderlich sind. Hierauf folgt ein Anstrich mit Yegoma-no-abura (Perilla-Oel), gemischt mit Shibu, abermaliges Trocknen und erneuerter Anstrich mit diesem kalten Gemisch, wobei aber das Oel vorher gekocht sein musste, und schliesslich endgültiges Trocknen. Die ganze Arbeit nimmt selbst bei günstigem Wetter min- destens 15 Tage in Anspruch. Selbstverständlich wird Kienruss nur für schwarze Oelpapiere und Regenmäntel angewandt; für hellere benutzt man statt seiner Gummigutt oder eine andere hellere Farbe. Solche Oelpapiere können in Europa mit Wachstuch und Gummi- geweben nicht concurrieren, da sie in Bezug auf das gefällige Aus- sehen und die Dauerhaftigkeit denselben weit nachstehen. Ihre An- fertigung in Japan reicht nicht weit hinter die Eröffnung des Landes zurück. Früher trug man zum Schutz gegen den Regen allgemein plumpe Mäntel oder Matten aus Gräsern, z. B. die Mino (pg. 202), und Binsen. Das Bedürfniss der Japaner, den Kopf gegen Regen und Sonnen- schein zu schützen, führte sie wohl schon frühe nicht blos zum Ge- brauch grosser Hüte aus Weidengeflecht und anderm Material, son- dern auch zur Anfertigung plumper papierner Regen- und Sonnen- schirme, die allgemein im Gebrauch waren. Aber der geölte Kara- kasa konnte nicht im Sonnenschein, der ungeölte Sonnenschirm ( Hi- gasa ) nicht bei Regenwetter benutzt werden. Man begreift daher leicht die Bereitwilligkeit der wohlhabenden Klassen, sich der seidenen Schirme Europas zu bedienen, die nicht blos leichter und handlicher waren, sondern vor allem den Vorzug hatten, als »en tous cas« im wahren Sinne des Ausdrucks zu dienen. Aehnlich ging es mit den Hüten. In der That bildeten Filzhüte und seidene oder baumwollene Regenschirme schon vor zehn Jahren diejenigen fremden Artikel — jetzt werden sie in genügender Menge und Güte im Lande selbst ge- macht —, welche nebst der Petroleumlampe am weitesten landeinwärts gedrungen waren. Bald wird es in Japan keinen Schirmmacher mehr geben, der nicht in die Seidenhandlung, statt in den Papierladen geht, um sich den Stoff zum Ueberziehen seiner Gestelle zu kaufen. Wie das Bastpapier in Ostasien bisher das Glas der Fenster- scheiben ersetzte, so auch das der Laternen. Die Papierlaterne, jap. Chôchin spielt in Japan noch immer ihre Rolle. Sie fehlt keinem Hause. Mit ihr beleuchtet man Nachts Flur und Veranda, seinen Weg, wenn man, sei es zu Fuss, oder in einer Jinrikisha, die Strasse über- schreitet, und das Wasser bei nächtlicher Bootfahrt. Reihen aufge- hängter bunter Papierlaternen zeigen Theehäuser, Theater und andere Vergnügungslokale an. Bei den grossen Tempelfesten, welche zu 5. Papierindustrie. Ehren beliebter Götzen alljährlich wiederkehren, mit Aufzügen, die etwas an diejenigen beim Carneval erinnern, dürfen Chôchin nicht fehlen. Oft ist eine Strasse, ja ein ganzes Quartier in der Nähe des Tempels mit solchen Papierlaternen in gleicher Weise geschmückt. Wie der grüne Tannenbaum in einer modernen via triumphalis, so fungieren dann zu beiden Seiten der Strasse Reihen in die Erde ge- senkter Bambusrohre mit daranhängenden schönen Papierlaternen, zu- weilen noch überdacht von einem grossen Schirmgestell, dessen lange Strahlen mit Papierblumen von abwechselnd rother und weisser Farbe besetzt sind. Die bekanntesten Artikel aus japanischem Bastpapier, Das in vielen Fällen auch durch leichtes Baumwoll- oder Seidengewebe ersetzt wird. welche in Europa und mehr noch in Nordamerika eine grosse Beliebtheit und weite Verbreitung gefunden haben, sind unstreitig die Fächer . Man unterscheidet sie in Ôgi , das sind solche, welche sich zusammenlegen lassen, und in Uchiwa , das sind die einfachen, steifen, runden. Für den einheimischen Bedarf werden beide Arten seit Jahrhunderten vor- nehmlich in den drei Hauptstädten oder Fu (Kiôto, Ôzaka und Tôkio) verfertigt, ebenso für die Ausfuhr in neuerer Zeit; doch nehmen daran auch andere Städte, wie Nagoya und Fushimi mehr oder minder Theil. Dieser Export hat der Industrie einen neuen Aufschwung gebracht, auch eine fabrikmässige Arbeitstheilung bewirkt, wie sie in dem Maasse früher nicht bestand. Da gibt es Musterzeichner, nach deren Ent- würfen gearbeitet wird, Häuser, welche nur die Rahmen aus Bambus- rohr liefern, und andere, in denen die Griffe lackiert und verziert werden. Einer andern Gruppe von Personen liegt das Bemalen oder Bedrucken des Papiers ob, worauf oft auch der fremde Abnehmer seinen Einfluss übt, wiewohl nicht immer mit gutem Geschmack. Gestelle und verzierte Bogen, welche die beiden Seiten der Fächer bedecken sollen, kommen sodann in die Hände anderer Arbeiter, die sich wiederum in mehrere Gruppen theilen und deren erste Aufgabe darin besteht, das Papier den Bambusrippen entsprechend zu falten. Darauf wird mit Hülfe von Kleister ein Blatt Papier auf der einen Seite der Rippen befestigt, worauf die andere Seite mit einem ent- sprechenden zweiten bemalten Blatt in der nämlichen Weise verbunden wird. Ist dieses geschehen, so muss man den Fächer noch wiederholt öffnen und schliessen, auch sonst noch da und dort bei einer unge- fügigen Stelle nachhelfen, damit das Papier sich geläufig in die be- stimmten Falten legen und leicht wieder ausbreiten lässt, wie es der Zweck erfordert und nur ein so zähes und gefügiges Material, wie das III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Broussonetia-Papier es zulässt. Das Gesagte gilt natürlich in erster Linie von den Ôgi oder Klappfächern, während die Uchiwa, ent- sprechend ihrer einfacheren Form, bei weitem weniger Arbeit machen. Von jener Gruppe kosteten die feinsten, welche man früher für den heimatlichen Consum darstellte, kaum 5 yen, während man in der Neuzeit solche mit Perlmutter- oder Elfenbeingestellen und reich ver- ziert im 3—4fachen Werthe für fremde Abnehmer anfertigt. Dennoch sieht die grosse Menge der letzteren vor allen Dingen auf Billigkeit und beeinflusst in dieser Beziehung in hohem Grade den Markt. Von der gewöhnlichen Sorte der Uchiwa kauft man in Ôzaka das Hundert für 1—2 yen, demnach das Stück im Durchschnitt für 4—8 Pfennig nach unserem Gelde. Während des Jahrzehnts von 1874—1884 erreichte die Ausfuhr in Hiogo 1879 mit dem Werth von 163730 yen ihren Höhepunkt, zwei Jahre später in Yokohama mit 176666 yen. Wie sehr sie übri- gens an beiden Orten schwankt und neuerdings im allgemeinen ge- sunken ist, zeigt folgende Zusammenstellung: Anhang: Das japanische Schreibzeug und seine Bestand- theile: Pinsel, Tusch und Reibschale . Bei aller Vielseitigkeit der Verwendung ostasiatischer Bastpapiere bleibt doch diejenige zum Fixieren und Mitteilen der Gedanken die wichtigste. Nun sind aber neben Papier — und mehr als Feder und Tinte bei uns — Pinsel und Tusch die nothwendigsten Bestandteile einer chinesischen oder japanischen Schreibvorrichtung. Ausserdem bedarf diese jedoch auch noch einer Schale und des Wassers, um den Tusch anzureiben. Das Yatate oder tragbare Schreibzeug, welches der Geschäfts- mann stets mit sich führt, umfasst einen Behälter mit flüssigem Tusch, sowie einen Pinsel in kupfernem Futteral. Für den häuslichen Ge- brauch dient in der Regel ein handliches, flaches Kästchen, Sumi-ire genannt, mit mehreren Abteilungen, deren eine den Pinsel, eine zweite die Tuschstange, die dritte die Reibschale umfasst. Auf einer noch höheren Stufe der Ausstattung kommt ein kupfernes oder silbernes Ge- fäss für Wasser hinzu. In kunstgewerblichen Sammlungen trifft man nicht 5. Papierindustrie. selten japanische Schreibzeuge in Gestalt flacher quadratischer Schach- telkästchen, welche mit Goldlackarbeit aufs reichste und prächtigste verziert sind und zu den hervorragendsten Leistungen der japanischen Lackindustrie gehören. Der Fude oder Pinsel, dessen man sich zum Schreiben bedient, kommt Nr. 10 auf Tafel IV. am nächsten. Die Haare von Kaninchen und Hirschen, welche dazu vornehmlich verwendet werden, bilden jedoch in der Regel einen dickeren, stumpferen Kegel. Nachdem sie mit der kieselsäurereichen Asche aus Reisspreu gerieben und gereinigt worden sind, bringt man sie mit einem feinen Messingkamm in paral- lele Lage und sortiert sie nach ihrer Länge . Alsdann klebt man sie mit Hülfe von Fu-nori oder Algenkleister (siehe pg. 96) zu einem 3—4 cm breiten Lappen zusammen, dessen Dicke sich nach der Stärke richtet, welche der Pinsel erhalten soll. Dieser Haarlappen wird nun zu einem Kegel zusammengerollt, sein unteres Ende in eine Papier- hülse gefügt oder mit einem hanfleinenen Faden umwickelt und in das eine Stielende — ein Stück Bambusrohr von der Länge und Dicke eines Bleistifts — eingeleimt. Damit ist der Pinsel in allem Wesent- lichen fertig. Der Gebrauch des Tusches , jap. Sumi , ging dem unserer Schreib- tinte in der Zeit weit voraus; in Ostasien ist er mindestens so alt, wie der des Papiers, wenn nicht älter, denn man nimmt an, dass seine Erfindung in China in die Zeit von 260—220 v. Chr. fällt. Jahrhunderte lang war die Provinz Kiang-si , und insbesondere die Stadt Jaotscheu südöstlich vom Poyang-See durch ihren vorzüglichen Tusch berühmt. Demselben kam namentlich die geschätzte Eigenschaft zu, mit zuneh- mendem Alter härter und schwärzer zu werden. Später verbreitete sich die Industrie auch über verschiedene andere Provinzen, nament- lich Nganhwui , wo die Stadt Hwuichau ihres Tusches wegen hohen Ruf hat, und über Kwang-tung . Der englische Name »In- dian Ink« deutet den Weg an, auf welchem dieses ausgezeichnete chinesische Präparat zuerst nach Europa kam. Obgleich Japan den grössten Theil seines Bedarfs an Sumi selbst darstellt, gilt doch auch dort das chinesische Product für das bessere und wird dem entsprechend viel theurer bezahlt. Lampenschwarz oder Kienruss und thierischer Leim bilden die wesentlichen Bestandtheile des Tusches, von denen der letztere ledig- lich dazu dient, die feinen Kohlenpartikel, wie sie durch irgend eine Art unvollständiger Verbrennung erzeugt werden, mit einander zu ver- binden und beim Gebrauch des Tusches an das Papier zu fixieren. Rein , Japan. II. 32 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Moschus, Kampfer oder ein anderer aromatischer Stoff wird in geringer Menge der Tuschmasse beigemengt, um den unangenehmen Geruch des Leims zu verhüllen, ist aber nicht wesentlich. Der Kienruss ( Susu ), dessen man sich ehedem bediente, wurde später durch Lampenruss, jap. Yu-yen , ersetzt, den man zwar durch unvollständige Verbrennung irgend eines Fettes oder fetten Oeles ge- winnen kann, zu dessen Darstellung man aber in Japan und mehr noch in China am besten und mit Vorliebe das Dokuye-no abura oder Oel der Elaeococca cordata Bl. (Dryandra cordata Thunbg., siehe pg. 183) verwendet, von welchem 100 Catties (à 600 gr) 8 Catties reines Lampenschwarz liefern. Die dabei verwendeten Lampen sind kleine Tiegel oder Schalen aus Steinzeug von etwa 14 cm Durchmesser, mit Dochten aus Binsen- mark. Ein kegelförmiger Russfänger aus gebranntem Thon wird dar- über gestülpt und von Stunde zu Stunde durch einen neuen für jede Lampe ersetzt, vom alten aber nachher mit der Fahne einer Feder der Russ sorgfältig ab- und zusammengekehrt. Man lässt letzteren zur Reinigung durch ein sehr feines Haarsieb gehen. Als Bindemittel fungiert Leim, japanisch Ni-kawa , von Ochsenhäuten und Fischleim, beide in möglichst hellen Sorten. Auf 10 Catties Lampenschwarz vom Oel der Dryandra cordata Thunb. rechnet man 4 Catties alten Ochsen- hautleim und ½ Catty alten Fischleim. Diese Bestandtheile werden, nachdem der Leim mit dem nöthigen Wasser gekocht worden ist, in weiten Porzellanschalen innig gemengt. Da der Russ das Wasser ab- stösst, ist dies eine ziemlich mühsame Arbeit. Nach ihrer Beendigung verwandelt man die Masse, welche sich nun wie Brotteig kneten und formen lässt, in runde Ballen, welche in Leinwand eingeschlagen, in eine Faiencevase mit netzartig durchlöchertem Boden gelegt und hier während 15 Minuten der Einwirkung durchstreichenden Wasserdampfes ausgesetzt werden. Darauf wird die Masse aus ihrer Hülle wieder herausgenommen und in einem Mörser mindestens vier Stunden lang mit Stempeln durchgearbeitet, bis sie völlig homogen und bildsam ge- worden ist. Man formt sie nunmehr in grössere prismatische Stäbe um, welche man für einige Augenblicke in einem Topf etwa 50° Wärme aussetzt und dann in kleinere Stangen zerlegt, annähernd entsprechend den Tuschstücken, welche man haben will. Diese Stücke werden dann auf einer Art Ambos mit hölzernen Hämmern und unter bestän- digem Wenden so lange geschlagen, bis nicht nur die rechte Form, sondern auch der erwünschte Glanz erzielt ist. Sie werden nunmehr auf einem glatten Tisch nochmals einzeln geknetet unter Beifügung geeigneter Mengen des Moschus oder einer andern wohlriechenden 5. Papierindustrie. Substanz. Darauf kommt das mit den Händen geformte Stäbchen in die hölzerne Presse. — Zum Trocknen der so erzielten Tuschstangen bedient man sich der Reisstrohasche, welche durchsiebt und an der Sonne vollständig getrocknet sein muss. Im Trockenkasten folgt auf eine 3 cm hohe Schicht Asche eine Lage Tuschstangen, darauf wieder Asche, auf diese oft noch eine zweite Schicht Tuschstäbe und dann nochmals Asche. Die Dauer des Trocknens richtet sich nach dem Feuchtigkeitsgehalt und verschiedenen Nebenumständen. Ist es hin- reichend erfolgt, so werden die Tuschstangen herausgenommen, durch Abbürsten von der anhängenden Asche befreit, auf ein kleines Sieb gelegt und 1—2 Tage lang an einen schattigen Ort gestellt, wo sie völlig trocknen. Darauf poliert man sie durch Reiben mit einer Bürste und versieht sie endlich mit verschiedenen chinesischen Namenszeichen. Erst mehrere Jahre nach der Darstellung soll man guten Tusch ge- brauchen. Härte, dunkle Farbe und Glanz der Schrift nehmen mit dem Alter zu; doch hängt ausserdem die Güte vornehmlich von der Feinheit und Leichtigkeit des Lampenschwarzes, der Reinheit des Leims und sorgfältiger Arbeit ab. — Die geschätztesten Tuschsorten lassen sich ausser den erwähnten Merkmalen auch durch den Klang und einen Stich ins Braune erkennen. Als Sudzuri oder Tuschreibschalen benutzen Chinesen und Japaner nicht die wenig geeigneten Porzellan- oder Faience-Schalen, wie wir, sondern stets weit zweckmässigere aus irgend einem fein- körnigen dunklen Gestein, vornehmlich solche aus altem Schiefer, Ser- pentin oder buntem Marmor. In Japan wird vor allem ein alter, dun- kelblauer Schiefer für den gedachten Zweck hoch geschätzt und in ausgedehntem Maasse verwendet. Es ist der Amabata-ishi , so be- nannt und im ganzen Lande bekannt nach seiner Hauptfundstätte in der Nähe vom Orte Amabata in der Provinz Kôshiu. Viel von diesem Amabata-Stein wird an Ort und Stelle verarbeitet. Ein Theil kommt nach Kôfu, wo ich seine Bearbeitung mir ansehen konnte. Es sind zugeschnittene, meist abgerundete Platten. Die Umrisse und Vertie- fungen der Schalen werden durch meisselartige Nägel in langen höl- zernen Griffen hervorgebracht. Nach einer Seite höhlt man die Schale allmählich zu einer tieferen Rinne aus, welche dazu bestimmt ist, das Wasser zu empfangen und später den Tusch zu sammeln. Dem Aus- meisseln folgt das Ausschleifen und Abpolieren, dann ein Anstrich mit Tusch und Ueberwichsen mit Rô oder Pflanzentalg. Beim Gebrauch giesst man einige Tropfen Wasser in die erwähnte Vertiefung am einen Rande, taucht die Tuschstange ein wenig hinein und führt sie dann über den Boden der Schale aufwärts zu dem ebenen höheren Theile, 32* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. dann wieder zurück und so fort, bis der grösste Theil des Wassers nach oben geführt ist, wo das Anreiben vornehmlich stattfindet und von wo die Tuschflüssigkeit allmählich wieder zur tieferen Stelle abfliesst. 6. Holz-, Elfenbein- und Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- und Perlmutterarbeiten. Steinschleiferei. Viele der hier untergebrachten Erzeugnisse des japanischen Kunst- fleisses gehören in die dehnbare Klasse der Kurz- und Galanterie- waaren; andere sind wirkliche glyptische Kunstwerke. Die geschickten Hände des japanischen Künstlers vermögen auch dem harten, spröden Stoff mit wunderbarer Kraft Leben und Bewegung einzuhauchen. Aber auch hier zeigt und übt derselbe diese Kunst mit Vorliebe nicht so- wohl an grossen monumentalen Schöpfungen, als vielmehr an oft winzig kleinen Gebilden, welche häufig erst einer näheren Betrachtung bedürfen, um ihren Charakter und künstlerischen Werth recht zu er- kennen und zu würdigen. Solcher Art sind vor allen Dingen die so- genannten Netsuke ’s, Schnitzereien vorwiegend aus Holz, Elfenbein oder Knochen, welche 2—5 cm Höhe und das Doppelte an Umfang selten überschreiten. Die Netsuke dienen als eine Art Knöpfe, vornehmlich zum Anhängen der Tabakstasche an den Gürtel. Zu diesem Zweck haben sie auf der flachen Unterseite zwei Löcher mit einer Durch- bohrung, durch welche beim Gebrauch eine Schnur geht, die sie mit der angehängten Tasche verbindet. Das Netsuke wird zwischen dem Kleide und dem Zeuggürtel, welcher das letztere um die Lenden zusammen- hält, durchgeschoben und schaut über dem Gürtel hervor, während die Tasche darunter hängt. Personen und Thiere, insbesondere Affen, Ratten und Mäuse, ent- weder einzeln oder in Gruppen und in den verschiedensten Stellungen, aber auch andere Thiere und Blumen finden sich in den Netsuke’s nach- gebildet. Das komische Element ist reichlich vertreten. Es wird so packend und ausdrucksvoll vorgeführt, dass man die Absicht des Künst- lers sofort erkennt und die Wirkung auf die Stimmung nicht ausbleibt. Man bewundert bei diesen Netsuke’s ebenso die künstlerische Auffas- sung, die Leichtigkeit und Lebendigkeit des Ausdrucks und der Stellung, wie die Sorgfalt und das Geschick bei der Ausführung, welche eine Menge technische Schwierigkeiten glücklich zu überwinden vermochten. 6. Holz-, Elfenbein- u. Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- etc. Arbeiten. »Wer japanische Kunst studieren will, darf es nicht versäumen, diesen Netsuke’s besondere Aufmerksamkeit zu widmen.« Carl Senft in Amtlicher Bericht der Wiener Weltausstellung. 10. Gruppe. Kurzwaaren. Kein Wunder, dass Netsuke’s, besonders solche aus Elfenbein, die gesuchtesten und am theuersten bezahlten Kleinigkeiten der japani- schen Curiositätenhändler geworden sind, und dass diejenigen euro- päischen Sammler, welchen es gelang, zur Zeit, als die Nachfrage noch gering, die Auswahl gross und die Preise niedrig waren, eine schöne Sammlung derselben zu erwerben, mit besonderem Stolze auf eine solche blicken. Die Holzschnitzerei oder Ki-no-hori-mono hat im buddhisti- schen Ostasien gerade so wie im christlichen Europa sich zuerst in der Ausschmückung der Tempel geübt und dadurch mancherlei An- regung und Förderung erhalten. Von dem Anfang des 6. Jahrhun- derts an, wo die ersten Statuen indischer Heiligen von Korea nach Japan kamen, hat die Anfertigung von Moku-butsu oder Holzgötzen die Bildschnitzer Japans vornehmlich in Anspruch genommen. Zu den grössten und wirkungsvollsten Werken ihrer Kunst gehören un- streitig die beiden Thorhüter, welche zu beiden Seiten des hohen Aussenthors (Sam-mon) buddhistischer Tempel angebracht sind, stramme, nackte, athletische Gestalten von 3—4 m Höhe mit grimmigem Gesichtsausdruck und einer oft in wunderbarer Kraft und Treue ausge- führten Muskulatur. Sie sind unter dem Namen Ni-ô (Niwo-sama), die ehrwürdigen Könige, bekannt. Besonders beachtenswerth sind die beiden Ni-ô in der südlichen goldenen Halle (Nan-yen-dô) in der Nähe des ehemaligen berühmten Tempels Kô-fuku-ji zu Nara. »Among a crowd of miscellaneous images are an excellent pair of Ni-ô, the anatomy of which is perfect. They are the best examples of sculpture in wood to be seen in Japan.« — Siehe Satow \& Hawes: »A Handbook for travel- lers in Japan. 2. Edition. London 1884, pg. 389. — Mehrere der in der Geschichte Japans hervorragenden Persönlichkeiten pflegt man ebenfalls oft in Holz darzustellen. Unter den kleineren Bild- schnitzereien dieser Art findet man Hitomaro (Kaki-no-moto-no-Hito- maro), einen berühmten Dichter, der vor 1200 Jahren lebte, besonders häufig und vortrefflich ausgeführt. Siehe Handbook etc. pg. 401. Es ist eine typische, edle, intelligente Gestalt, die immer in gleicher Weise sitzend wiederge- geben wird. Auf dem gebogenen Knie des vorgestreckten rechten Beines ruht die entsprechende Hand mit dem Pinsel (Fude), über dem linken Knie ein Tischchen, auf welches sich der linke Arm stützt. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. An den Füssen trägt Hitomaro schwarzlackierte Holzschuhe (Kutsu) und auf dem Kopfe den schwarzen, steifen Hut (Yeboshi). Ein Knebel- bart vollendet das charakteristische Aeussere der alten japanischen Tracht. Die Figur des Hitomaro, in der Regel aus Koku-tan oder Shi-tan (Ebenholz oder Sapanholz, siehe pg. 294 und 298) geschnitzt, ist stets eine künstlerisch ausgearbeite und mit Sorgfalt behandelte. Im Falten- wurf des Anzugs und in den edlen Gesichtszügen zeigt sich dies vor allem und weicht die Arbeit ab von der mehr handwerksmässigen An- fertigung vieler Götzen. Wie in vielen andern Zweigen des Kunstgewerbes, so weist Nikkô auch in der Holzschnitzerei hervorragende Leistungen auf. Hierzu gehört vor allen Dingen Nemuri-no-Neko oder »die schlafende Katze« über einer Thür beim Grabe des Iyeyasu. Herrliche Holz- skulpturen, die an künstlerischem Werth der genannten kaum nach- stehen, finden sich noch viele, theils als Reliefs an Pfosten, Thüren und Decken, theils als durchbrochene Arbeiten über den inneren Wänden verschiedener Tempel und zugehörender Gebäude. Die meisten stellen Thiere des Zodiacus oder Päonien und andere Lieblingsblumen dar. Bewundernswerth schön und sorgfältig ausgeführt sind auch die Holz- verzierungen am Portal des Higashi Hon-gwan-ji , der Metropole des östlichen Zweigs der Montosekte zu Asakusa in Tôkio, zusammen- gesetzt aus Blüthen und Blättern der Päonie und des Chrysanthemum. Ausserdem findet man häufig mit viel Geschick und künstlerischer Kraft das japanische Wappenthier aus Holz geschnitzt. Auch haben Europäer in neuerer Zeit diesen Zweig der Kunstindustrie durch Be- stellungen von Jagd- und andern Thierstücken zum Aufhängen in Speisesälen vielfach gefördert. Zôge-no-hori-mono oder Elfenbeinschnitzerei . Zôge, Elfenbein, hori, graben, schnitzen, mono, Arbeit. Die Elfenbeinarbeiten von Canton, z. B. die zierlichen, ineinander geschachtelten und durchbrochenen Kugelringe, sowie manche Land- schaftsbilder, stehen wohl als Proben eines überraschenden Geschicks, verbunden mit staunenswerther Geduld und Ausdauer, unerreicht da. Dagegen zeigen manche Arbeiten der Japaner auf diesem Gebiet, vor allen Dingen viele ihrer Netsuke’s (Zôge-no-netsuke), ein viel höher entwickeltes künstlerisches Talent. Kiôto welches früher der Hauptsitz der Elfenbeinindustrie war, ist schon seit lange von Tôkio überflügelt worden. Ausser Netsuke’s liefern diese Städte Schmuckschränkchen 6. Holz-, Elfenbein- u. Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- etc. Arbeiten. für Damen, Kästchen und Dosen, Visitenkarten-Etuis, Schachspiele, Knöpfe, Brochen und viele andere Gegenstände, theils für den ein- heimischen Bedarf, meist aber für den fremden Markt. Die Gegen- stände sind meist ausserordentlich sorgfältig gearbeitet und nicht blos durch Gravierung und Schnitzerei verziert, sondern ausserdem oft noch durch wohlangebrachte Goldlackarbeit. Anderseits dient Elfenbein gleich dem Perlmutter nicht selten auch zur Einlage in feine Lack- gegenstände. Diesen Arbeiten schliessen sich solche aus Hone oder Knochen an, wozu sich nur die Schenkelknochen der grösseren Hausthiere eignen. Aber entsprechend der Beschränkung, welche die geringere Grösse und schwierigere Bearbeitung, sowie das weniger schöne Aus- sehen dem Elfenbein gegenüber auferlegen, spielt dieses Material im japanischen Gewerbe nur eine bescheidene Rolle und wird ausser zu Netsuke’s wenig verarbeitet. Die dutzenderlei Gegenstände, welche man bei uns auf der Drehbank aus Knochen darstellt, braucht man entweder gar nicht, oder erzeugt sie aus anderm Material. Noch viel weniger haben sich Landwirthschaft und chemische Industriezweige die Knochen bisher zu Nutzen gemacht. Bekkô-zaiku , Schildpattarbeiten und ihre Imitationen in Horn werden vornehmlich in Nagasaki und Ôzaka verfertigt. Die beiden Substanzen, welche hier in Betracht kommen, stehen sich in ihren Eigen- schaften sehr nahe und ebenso in den Zwecken welchen sie dienen. Beide werden durch kochendes Wasser, wie auch durch trockene Wärme weich und lassen sich dann leicht strecken und biegen, pressen und formen, spalten und zusammenschweissen. Auf diese Eigenschaften gründet sich die Art ihrer Verarbeitung. Bekkô , das Schildpatt oder Schildkrott, kommt vornehmlich von Chelonia imbricata L., der Schuppen- oder echten Carettschildkröte, welche zwar in allen Tropenmeeren, vornehmlich aber im Malayischen Archipel und Indischen Ocean vorkommt. Singapore in Asien und London in Europa sind die Hauptmärkte für ihre 13 gelb- und braun- geflammten Platten. Von ersterem führen es chinesische Dschunken den Händlern von China und Japan zu; doch kommt das beste von London aus nach den Häfen Japans. Ist dasselbe von heller, gold- gelber Farbe und sehr durchsichtig, so wird es in Japan namentlich zu Kanzashi oder gabelförmigen Haarnadeln für junge Damen hoch geschätzt und theuer bezahlt. Es sind dies zweizinkige Gabeln von 16 cm Länge. Ausser ihnen pflegen bemitteltere Mädchen noch ein gerades, vierkantiges Stäbchen von 21—26 cm Länge aus dem- selben Material quer durch den hinteren Theil des über dem Scheitel III. Kunstgewerbe und Verwandtes. sorgfältig zusammengewundenen Haares zu stecken, so dass beide Enden weit daraus hervorragen. Ausserdem stellen die Japaner für den fremden Markt, besonders in Nagasaki, allerlei Gegenstände, wie runde Tischplatten, Körbchen, Schalen und Teller, Arm- und Serviet- tenringe, Cigarrenetuis und andere mehr aus echtem und nachgemach- tem Schildpatt dar und schmücken dieselben obendrein mit Goldlack- malereien, bei denen natürlich die langen Grundierungsprocesse des gewöhnlichen Lackierverfahrens wegfallen. Dagegen ist die Boule - oder Einlagearbeit mit Schildpatt, welche in der feineren Tischlerei Europas während des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts eine so grosse Rolle spielte, wenig bekannt. Auch muss es auffallen, dass man Horn und Schildpatt weder in China, noch in Japan zu Kämmen benutzt hat. Bei der Bearbeitung des Schildpatts bedient man sich in Nagasaki der Feilen, kleiner Sägen und Meissel, sowie namentlich eiserner Presszangen mit gleichen, breiten Backen. Jeder Arbeiter sitzt vor seinem kleinen Kohlenofen, worin er seine Zange heiss macht. Vor dem Gebrauch kühlt er dieselbe etwas in dem kalten Wasser des neben ihm stehenden Eimers ab. Mit dieser Zange schweisst er auch zwei gegen die Ränder hin zugeschärfte, erwärmte und übereinander gelegte Stücke Schildpatt durch blosses Zusammendrücken fest anein- ander. Ringe, Teller und andere Gegenstände werden in Holzformen gepresst, nachdem man sie vorher stark erhitzt hat. Wasserdampf scheint dabei nicht in Anwendung zu kommen. Neben solchem Schildpatt wird auch viel seine Nachahmung aus hellfarbigem Horn oder Tsune verarbeitet, welches aus China kommt. Hier scheint man das schildpattartige Beizen desselben viel früher gekannt und geübt zu haben als in Europa. Ao-gai-zaiku, Perlmutterarbeit . Perlen und Perlmutter bestehen aus dünnen Kalkblättchen mit wenig organischer Substanz. Aber während dieselben bei ersteren concentrisch gelagert sind, folgen sie beim Perlmutter mehr der Hori- zontalerstreckung oder den Krümmungen der Schale, doch so, dass sie auch bei flachen Muschel- oder Schneckenschalen zur Oberfläche etwas geneigt liegen. Der Glanz entsteht aus der Zurückwerfung des Lichts, das Schillern oder Farbenspiel durch die Interferenz der Strahlen, welche von den auslaufenden Rändern der Blättchen und den etwas tieferen Zwischenräumen zurückgeworfen werden. Das Farbenspiel oder Schillern der Perlmutter ist sonach eine Interferenzerscheinung, welche auf der Struktur beruht. 6. Holz-, Elfenbein- u. Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- etc. Arbeiten. In der Türkei und im ganzen Orient, namentlich aber in Hinter- indien und China sind mit Perlmutter belegte Möbel sehr beliebt. In Japan wird Perlmutter vornehmlich zur Verzierung von Lackwaaren benutzt. Dasselbe ist Landesprodukt, führt den Namen Ao-gai (Awo- gai), wird in dünnen Platten angewendet, zeichnet sich besonders durch prächtiges Schillern in den verschiedenen Regenbogenfarben aus und wird vornehmlich aus der glatten Innenseite der grösseren Arten Seeohr (Haliotis japonica Reeve, H. gigantea Chemn.), genannt Awabi , gewonnen. Eine noch geschätztere Sorte führt den Namen Ao-gai- Magai , d. h. Ao-gai-Nachahmung. Sie bildet Lamellen von kaum 3 cm Breite, soll von den Riu-kiu-Inseln kommen und einer Art Nautilus entstammen. Auch die Schale der Sazaye (Turbo cornutus Chemn.) liefert Perlmutter. Das Perlmutterschleifen, wie ich es in Nagasaki beobachten konnte, ist kein rationelles Verfahren, weil dabei keinerlei Arbeitserleichterung, wie sie z. B. der schwere, vertical rotierende und unten durch Wasser laufende Schleifstein bietet, in Anwendung kommt. Von der Haliotis- schale wird erst der dicke, gekrümmte Aussenrand bis zu der Löcher- reihe mittelst Zange, Hammer und Meissel entfernt, dann das übrige Stück auf einem mit Wasser besprengten, feinkörnigen Sandstein auf der Rückseite abgeschliffen, bis eine dünne, durchsichtige Lamelle bleibt. Die Arbeit ist eine sehr mühsame, so dass ein Mann täglich nur etwa 18 Stück schleifen kann. Jede Platte kostet 2—6 sen, je nach Grösse und Feinheit. Diese dünnen Platten, sowie das aus ihren Abfällen in verschiedenen Graden der Feinheit gewonnene Perlmutter- pulver benutzt nun der Ao-gai-shi oder Perlmutterarbeiter zur Aus- schmückung von Lackwaaren, wie dies zum Teil schon pg. 432—434 angegeben wurde. Die durchsichtige Lamelle wird auf die Vorlage gelegt und die Zeichnung oder ein Teil derselben mit dem Tuschpinsel durchgepaust. Um Blumen, Blätter und andere gefärbte Teile nach- zubilden, trägt man die mit heissem Leimwasser angeriebene Maler- farbe auf die Platte. Ist sie trocken, so wird sie schwach mit Leim- wasser überstrichen und dann mit Silberfolie überdeckt. Nach aber- maligem Trocknen schneidet man die Figuren (Blüthen, Blätter, oder was es sei) mit Hülfe eines Hohlmeissels aus. Sie werden mit der gefärbten Seite auf die Lackgegenstände, wie Cabinette, Kästchen, Teller, Vasen etc. festgeleimt. Der etwas rauhe Grund war vorher mit Ocker und Kienruss behandelt worden. Ist das ganze Bild mit den verschiedenfarbigen Perlmutterblättchen fertig aufgeleimt, so werden die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack ausgefüllt. Zum Schluss wird das Ganze mit Trans- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. parentlack überstrichen und poliert, wie dies früher von den andern Lackarbeiten bereits angegeben wurde. Damit ist die Ao-gai-zaiku oder Perlmutterarbeit, die viel Zeit und Geduld erfordert, dann fertig. Die Unterlage der Silberfolie soll dazu dienen die Figuren besser her- vortreten zu lassen, und durch Stanniol nicht ersetzt werden können. Ausser diesem Ra-den oder Mosaikwerk mit dünnen Perlmutter- blättchen werden auch dickere Perlmutterstücke zu einer Blume, einem Ei oder sonstigen Gegenstande geschliffen und graviert, um gleich Elfenbein als Einlage bei erhabener Goldlackarbeit zu dienen. Dagegen kennt man die Verarbeitung des Materials zu Brochen, sowie auf der Drehbank zu Knöpfen und andern kleinen Galanteriesachen kaum. Mit dem sinico-japanischen Ausdruck Shippô (jap. Nanatsu-no- takara), d. h. »die sieben kostbaren Dinge«, bezeichneten die Japaner nach dem Vorgang des Buddhismus in China und Korea Kin (Gold), Gin (Silber), Ruri (Lasurstein), Ruri wird zuweilen mit emerald, Smaragd, übersetzt. Seine Bedeutung ist aber »ultramarinblau« und weist damit entschieden auf den amorphen lapis lazuli hin. Sangoju (Coralle), Meno (Achat), Sui-shô (Bergkrystall) und Shin-ju (Perle). Von diesen »sieben Kostbarkeiten« finden sich Lassursteine, Edelkorallen und Perlen eben- sowenig in Japan, wie die meisten hervorragenden Edelsteine. Auch werden dieselben sehr wenig eingeführt. Denn darin unterscheidet sich der japanische Geschmack ebenfalls wesentlich von dem der ari- schen Orientalen und der Türken, dass er auf Edelsteine überhaupt keinen grossen Werth legt und ebensowenig auf Fingerringe, Arm- bänder, Vorstecknadeln und andern Schmuck, in welchem dieselben vorzugsweise zur Verwendung kommen. Geschmeide wurden in Japan weder verfertigt noch getragen. Der Hauptputz des japanischen Mädchens concentriert sich, abge- sehen vom Kleide und breiten Gürtel, am Kopfe. Derselbe zeigt sich ausser der Schminke auf Lippen, Hals und Wangen besonders in der sorgfältigen Frisur und Ausschmückung des glänzend schwarzen Haares mit Nadeln (Kanzashi und Kôgai) und Kanoko-chirimen. Der geschätzteste Stein, den Japan selbst lieferte, war immer der Bergkrystall Sui-shô , d. h. »krystallisiertes Wasser« oder Seki-ye genannt. Insbesondere erfreute man sich des Anblicks der Sui-shô- tama oder Sui-shô-rin , d. h. Bergkrystallkugeln, die, aus farblosen, klaren Krystallen geschliffen, die Gestalt der Gegenstände ringsum prächtig reflectierten. Ihr Preis stieg mit der Reinheit und Grösse 6. Holz-, Elfenbein- u. Beinschnitzerei. Schildpatt-, Horn- etc. Arbeiten. derart, dass solche von 6—10 cm Durchmesser mit 300—600 yen be- zahlt wurden. Die europäischen Nachahmungen dieser theuren Berg- krystallkugeln in Glas (Biidoro) werden leicht an ihrem mehr oder minder starken bläulichen Schimmer, ihrem geringen Wärmeleitungs- vermögen — sie fühlen sich in Folge dessen weniger kalt an — und an ihrer geringeren Härte erkannt, haben aber dennoch die Werth- schätzung der echten und damit die Bedeutung der ganzen Industrie sehr herabgedrückt. Es ist damit ähnlich gegangen, wie in Europa, wo seit der Entwickelung der Glasindustrie — und offenbar durch die- selbe — das Schleifen kostbarer Hohlgefässe aus Bergkrystall, wie man sie häufig in alten Sammlungen findet und bewundert, welches im Mittelalter ein nicht unbedeutender Zweig des Kunstgewerbes war, fast vollständig aufgegeben wurde. Die Japaner scheinen den Hohlschliff nur bei dem weicheren Mar- mor, nicht aber auf Bergkrystall angewandt zu haben. Aus diesem stellen sie noch immer vornehmlich Kugeln (auch zu werthvollen bud- dhistischen Rosenkränzen oder Jû-dzu), Linsen und Würfel, sodann schöne Uhrgehänge von verschiedener Gestalt, Knöpfe und andere kleinere Gegenstände dar, wie man sie nicht blos in den Schleifereien selbst, sondern auch in Yokohama, Kiôto und andern Städten kaufen kann. Oft finden sich in den japanischen Bergkrystallen prächtige Bü- schel von haarförmigem Amiant. Man nennt sie dann Kusa-iri- sui-shô , d. h. Gras enthaltende Bergkrystalle, und die Amiantbüschel selbst Kusa , Gras, Bezeichnungen, zu welchen die Gestalt und Farbe der Einschlüsse leicht Anlass gaben; denn dieselben erinnern lebhaft an Grasbüschel, welche von klarem Eise eingeschlossen sind. Murasaki-sui-shô , d. h. violetter Bergkrystall oder Amethyst, findet sich in Japan selten von so ausgeprägter Schönheit, um als Halb- edelstein benutzt zu werden. Cha-sui-shô , d. h. theefarbiger Berg- krystall (Rauchtopas), kommt dagegen häufig vor. An Durchsichtigkeit und Klarheit übertrifft der japanische Bergkrystall den chinesischen. Man findet ihn in vielen Provinzen; doch hat Kôshiu mit dem Kim- puzan , Mii-take, Komaga-take und andern Bergen als hervorragendste Fundstätte alten Ruf. Sui-shô und Amabata-ishi gehören gleich Trauben zu den Mei-butsu oder berühmten Produkten von Kôshiu. Als Schleifmittel der japanischen Halbedelsteine (Bergkrystall und Achat), sowie der Brillengläser, dient Granat- (Almandin-) Sand. Der- selbe findet sich an verschiedenen Orten Japans, kommt aber vor- nehmlich von einem langgestreckten Bergrücken, dem Kongô-san , III. Kunstgewerbe und Verwandtes. der Provinz Kawachi nahe der Grenze von Yamato. Die orohydrographische Karte im ersten Bande dieses Werkes gibt die Lage des Kongô-san westlich des Yoshino-gawa an. Dieser roth- braune Granat führt den Namen Kongô-sha , d. h. »sehr harter Sand« oder »Diamantsand« und kommt in Form kleiner abgerundeter Körner, die aber unter der Loupe noch mehr oder weniger deutlich das Gra- natoëder erkennen lassen, über Ôzaka in den Handel. In der Hauptstadt Kôfu der Provinz Kôshiu oder Kai fand ich im Herbst 1874 zwei Bergkrystallschleifereien; die meisten sollen sich aber nach A. Schenck »Reise von Kôfu nach den Quarz- und Bergkrystallgruben bei Kurobara.« Mittheilungen der deutschen Gesellschaft Ostasiens 8. Heft. Yokohama 1875. am Fusse des Mii-take zu Kurobara eine Tage- reise weiter nördlich befinden. Die Schleifvorrichtungen in Kôfu waren primitiv einfacher Art. Zum Schleifen von Kugeln bediente man sich gebogener und gehärteter Eisenstäbe, welche Längsschnitte hohler Cylinder darstellten, ferner des Granatsandes und Wassers. Die beiden letzteren wurden über die eiserne Rinne ausgebreitet und das Stück Bergkrystall darauf hin- und hergerieben. Der Granatsand war mit Hülfe verschiedener Siebe je nach der Feinheit in sieben Sorten ge- schieden. Das Schleifen begann natürlich unter Anwendung der gröbsten und hörte bei dem feinsten Sande auf. Von andern Halbedelsteinen der Quarzfamilie, die wohl in ähn- licher Weise, wie der Bergkrystall geschliffen werden, ist Meno oder Meno-seki , der Achat, der bekannteste. Ich bin Fundstätten und Schleifereien desselben nicht begegnet. Dagegen erwähnt Lyman der- selben für Oniu in Echiu, Tamatsukuri und Yumachi in Idzumo. An den beiden letzten Orten fand er Achat, Chalcedon, Carneol, grünen Jaspis und Rauchtopas, welche zu kleinen zierlichen Orna- menten verarbeitet wurden. Lyman : Geological Survey of Japan. Reports of Progress for 1878 and 1879. pg. 35 und pg. 58. Speckstein , jap. Rô-seki (Wachsstein) und In-seki (Siegel- stein), wird sowohl in einfach grauweissen, als auch bunten Varietäten gefunden, vornehmlich in Bizen. Man verarbeitet ihn viel zu Siegeln (Ingiô oder In), zieht aber zu diesem Zweck den chinesischen Agal- matolith (Tô-Rô-seki) vor. Die äussere Aehnlichkeit in der Färbung und Marmorierung mit dem bunten Speckstein ist offenbar die Ursache gewesen, dass die Japaner mit dem Namen Rô-seki auch Serpentin und bunten Marmor bezeichnen (pg. 371). 7. Metallindustrie. 7. Metallindustrie . Kane, das Metall, Kana-mono, die Metallwaare, Kane-dzaiku, die Metall- arbeit. Vorbemerkungen. Verarbeitung des Eisens zu Schwertern, Rüstungen und Kunst- sachen, Tauschierung von Gusseisen. Verwendung des Kupfers. Wichtigste Le- gierungen desselben. Die japanische Bronze. Patina. Verwendung der Bronze im Haushalte und buddhistischen Cultus. Magische Spiegel. Gold und Silber im japanischen Kunstgewerbe. Bronze-Analysen. Eine Menge Erscheinungen und historische Angaben, die nicht zu bezweifeln sind, bekunden, dass das japanische Volk mit den wich- tigsten Metallen schon sehr frühe bekannt wurde und in der Bear- beitung derselben namentlich seit dem 6. Jahrhundert unserer Zeit- rechnung grosse Fortschritte machte. Prähistorische Funde von Bronze- waffen, wie Pfeilspitzen und Schwerter, von kupfernen Schellen und Glocken, von eisernen Gegenständen verschiedener Art überlassen wir dem Alterthumsforscher zu weiteren Studien. Das japanische Kunst- gewerbe kam in allen Zweigen, auch denen der Metallindustrie, erst zur rechten Entwickelung, als der Buddhismus vom Festlande her es mit neuen Ideen durchdrang. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, zur Zeit des Shômu- Tennô hatte die Geschicklichkeit in der Bearbeitung der Metalle über- haupt, und der Bronze insbesondere, schon eine hohe Stufe erreicht. Dies ersieht man an den Idolen, Vasen, Räuchergefässen und andern Gegenständen aus jener Zeit, welche alte berühmte Tempel zu Nara, Kiôto und an andern Orten aufbewahren. Der Einfluss Chinas und Koreas und die Förderung der Industrie durch den Buddhismus sind auch hier unverkennbar. Diese Anregung des Cultus auf die Metallindustrie sank mit der kaiserlichen Macht und der Entwickelung des Militärdespotismus und Feudalismus (s. Band I, pg. 258 ff.). Bei den Bürgerkriegen, welche die Parteien der Taira und Minamoto im 12. Jahrhundert, sowie an- dere, die ihnen später folgten, hervorriefen, erhielt das Schmieden eiserner Waffen und Rüstungen gegenüber dem Giessen von Götzen- bildern und Gefässen aus Bronze die grössere Bedeutung. Wer gute Schwerter machte, stand fortan in der allgemeinen Achtung höher, als jeder andere Geschäftsmann; sein Gewerbe blühte, wenn alle andern darniederlagen. Erst als die Herrschaft der Tokugawa-Shôgune durch Iyeyasu und seine nächsten Nachfolger fest begründet und dem Lande der III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Friede gesichert war, kamen auch die andern Zweige der Metall- industrie, wie des Kunsthandwerks überhaupt, wieder zu grösserer Geltung. Die Störung, welche sie vor bald 20 Jahren durch Beseiti- gung des Feudalismus und die Restauration der Mikadoherrschaft er- fuhr, ist nur für die Waffenschmiede zur dauernden geworden. Da- gegen hat seitdem gerade die Metallindustrie in verschiedenen ihrer kunstgewerblichen Zweige sich neue, gute Wege angebahnt und auf denselben grossartige Fortschritte zu verzeichnen, wie dies für ein- zelne Fälle noch besonders hervorgehoben werden soll. Es gibt kaum irgend eine Art der Metallverzierung, mit Ausnahme der galvanischen, welche der Japaner vor der Eröffnung des Landes nicht bereits gekannt und geübt, ja in der seine hervorragenden Leistungen nicht schon die Bewunderung europäischer Sachverständigen hervorgerufen hätten. Edelmetalle, Kupfer, Bronze, Gusseisen, so verschieden ihre Eigenschaften auch sein mögen, fügen sich seiner geschickten Hand und seinen vielerlei kleinen Kunstgriffen, welche die Einfachheit der Werkzeuge wirksam ergänzen. Seine Verzierungen des Gusseisens und der Bronze gehören weitaus zu dem kostbarsten, was je auf diesem Gebiete geleistet wurde. Das wunderbare Geschick, mit welchem man in Japan scheinbar unübersteigbare Schwierigkeiten im Tauschieren, Ciselieren und andern Arbeiten überwindet, überrascht nicht minder, als das grosse Verständniss für wirksame Farbenverbin- dungen und die Mittel ihrer Herstellung. Bevor ich nun zur Erläuterung der hervorragendsten Erscheinun- gen auf den einzelnen Gebieten der japanischen Metallindustrie über- gehe, will ich, — vornehmlich im Interesse solcher Leser, welchen die dabei gebräuchlichen Kunstausdrücke weniger geläufig sind, — diese hier kurz erklären. Die gewöhnlichsten Werkzeuge, deren sich der Japaner bei seiner verschiedenartigen Metallverzierung bedient, sind folgende: 1. Der Amboss, Kana-shiki oder Kana-toko . 2. Die Zange, und zwar a) Yattoko , die Pincette, b) Kana- hibashi , die Feuerzange zum Anfassen des heissen Metalls, und c) Kugi-nuki , die Nagelzange. 3. Der eiserne Hammer, Kana-dzuchi (Sai-dzuchi ist der Holz- hammer, welcher beim Ausmeisseln von Holz und andern weicheren Substanzen benutzt wird). 4. Die Feile oder Yasuri . 5. Der Meissel oder Nomi in vielerlei Gestalten und Grössen. 6. Der Stichel, Grabstichel oder Tagane , ein kleines finger- bis handlanges Stück Eisen, im Allgemeinen von Nagelform, am oberen Ende wenig kopfartig erweitert, am unteren entweder zugespitzt oder Rein, Japan II. Taf. XV. VORRICHTUNGEN ZUM METALLGUSS . a. Kastengebläse, b. Querschnitt eines Schmelzofens. c. d. Lehren, e. Form. 7. Metallindustrie. meisselartig zugeschärft und immer hartgestählt. Der Stichel wird beim Gravieren, Ciselieren und Tauschieren benutzt und ist eins der ein- fachsten, aber wichtigsten aller Werkzeuge in dieser Industrie. Der Punzen ist eine Art Stichel, dessen verstähltes Ende andere Formen hat, oft auch mit Figuren versehen ist. Er dient zum Treiben des Metalls. 7. Ko-gatana , ein kleines Messer. Die verschiedenen Verzierungsweisen, welche der Japaner bei seinen Metallen anwendet, werden als Guss, Treiben, Schlagen, Ab- drehen, Ciselierung, Gravieren, Tauschierung, Damascierung, Incrustie- rung, Plattieren, Emailieren und Patinieren bezeichnet. Das Giessen , jap. Iru (I-mono, der Guss). Tafel XV gibt in b den unteren Querschnitt des gebräuchlichen kleinen Schmelzofens, in a denjenigen des Kastengebläses. Die Luft des letzteren tritt an 6 Stellen in den Feuerraum, in welchem Holzkohlen zum Glühen ge- bracht werden. Sie umgeben den Schmelzofen aus feuerfestem Thon. Figur e zeigt den Querschnitt der Thonform einer Vase nebst Kern, welche vorher an den Lehren c und d abgedreht worden waren. Solche Formen werden natürlich vor jedem Guss neu hergestellt. Ueberraschend sind bei diesen einfachen Vorrichtungen die Resultate im Eisen- und namentlich im Bronzeguss. Auf der Wiener Weltaus- stellung sah man z. B. eine Gruppe fliegender Vögel, welche in Zwi- schenräumen auftraten und doch aus einem Guss hergestellt waren. Das Treiben , jap. Uchi-dashi oder Uchi-age . Die Relief- verzierung der Bronze wird entweder wie die des Gusseisens schon im Guss der Hauptsache nach hervorgebracht, oder durch Abdrehen und Ausmeisseln, oder endlich durch die Treibarbeit, franz. Repoussé. Die letztere besteht in dem Zurücktreiben des Metalls von innen her- aus, vornehmlich mit Hülfe des Punzens. Getriebene Arbeit lässt sich natürlich nur an Metallblech ausführen. In Japan wird sie vornehm- lich in Hiroshima und den drei Hauptstädten dargestellt, tritt aber hinter andere Verzierungsweisen bedeutend zurück. Schlagen , jap. Tataku oder Utsu , nennt man das Schmieden kalten Metalls in Blechform auf dem Amboss. Die Geschicklichkeit zeigt sich in der fertigen Waare, z. B. einem silbernen oder kupfernen Gefäss, vornehmlich in der gleichmässigen Vertheilung und Ueberein- stimmung der Hammerschläge oder Tsutchi-me (Hammeraugen). Der bekannte Silberschmied Tiffany von New-York liefert prächtige der- artige geschlagene Arbeiten, welche die schönsten von Kiôto noch übertreffen. Die Abdreharbeit oder das Rokuro-saiku wird auf der Dreh- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. bank gewöhnlich an Gussbronze ausgeführt. In neuerer Zeit ist es mehr und mehr Sitte geworden, die Reliefverzierungen der Bronze nicht schon im Guss, sondern erst durch Skulptur (Horu) hervorzu- bringen. Der Gegenstand, z. B. eine Vase, wird glatt, aber sehr dick- wandig gegossen. Der Bronze-Bildschnitzer oder Hori-mono-shi zeichnet die Verzierungen, welche über den Grund hervortreten sollen, vor, und beseitigt zunächst durch Ausmeisseln und Abdrehen bis zur erwünschten Tiefe das überflüssige Metall rings um die Conturen. Hierauf wendet er sich den hervorragenden Theilen zu und bearbeitet sie ähnlich, wie der Bildhauer oder Holzschnitzer seinen rohen Block. Was er hierbei an Zeit verliert, spart er in der Vorbereitung und Ver- einfachung des Gusses. Ciselieren , jap. Horu und Hori-age , nennt man das Nach- arbeiten der Reliefverzierungen durch Guss, Treiben oder Skulptur mit Meissel, Stichel und Feile. Durch Ciselierung werden Gussnähte und andere zufällige Unebenheiten beseitigt, Falten, Furchen und Winkel hervorgerufen oder besser hervorgehoben, und überhaupt die Unvoll- kommenheiten der ersten, gröberen Arbeit beseitigt. Das Gravieren , Eingraben, Einschneiden (to incise), wird in Japan ebenfalls Horu , aber auch Kiri-tsuke genannt, und ist dem Ciselieren nahe verwandt. Es wird mit dem Messer (Ko-gatana) und Grabstichel (Tagane) ausgeführt und dient in der Regel zur Verzierung der ebenen Fläche, nicht der erhabenen Arbeit. Hori-mono heisst jede Art gravierter oder ciselierter Arbeit und Hori-mono-zaiku der damit verzierte Gegenstand. Tauschierung , jap. Zogan (engl. damascening, franz. dama- squinure), nennt man die Einlage von Drähten und feinen Streifen des Goldes und Silbers in Gruben unedler Metalle. Man tauschiert nament- lich Eisen, Stahl, Bronze und Kupfer. Die vorgezeichneten Ornamente müssen zu dem Zweck mit dem Stichel eingraviert oder mit dem Meissel ausgerauht werden. Man gibt der Furche, welche man mit ersterem hervorruft, im Querschnitt Schwalbenschwanzform oder macht sie »unterschnitten«, indem man den Grabstichel beim Ein- schlagen mit dem Hammer erst senkrecht, dann geneigt hält, einmal nach rechts und einmal nach links. Hierbei werden die beiden äus- seren Ränder der nach innen sich erweiternden Furche wulstartig zurückgetrieben. Man feilt sie glatt ab, legt dann das zubereitete Stück Edelmetall (Draht oder Blech) auf die Furche und treibt es mit dem Hammer ein. Je nach der Art, in welcher dies geschieht, unter- scheiden die Japaner in ähnlicher Weise, wie bei der Goldlackarbeit: a) Taka-zogan , d. h. erhabene Tauschierarbeit, bei der das 7. Metallindustrie. Gold und Silber, wie der à jour gefasste Edelstein, noch grössten- theils über die Furche hervorragt. b) Hira-Zogan , flache Tauschierung, bei welcher das eingelegte edle Metall nicht über die Oberfläche des damit verzierten hinausragt. c) Nuno-me-Zogan , d. h. Maschentauschierung. So nennt man diejenige Art Hira-Zogan, welche vornehmlich als allgemeine Flächenverzierung gilt, wie Tafel XVII. zu beiden Seiten der Rebenborde, sowie das Gewölk bei Figur 17 es zeigen. Einfaches Hira-Zogan ist unter Anderm auch das Spinngewebe auf der Bronze- vase Tafel XVIII. und die Henkelverzierung bei Figur 15, während erhabene Tauschierung uns in den Mädchenfiguren und andern Ge- bilden auf Tafel XVII. entgegentritt, ebenso in mehreren der folgen- den Abbildungen. Der Ausdruck Damascierung wird jetzt meist als Synonym von Tauschierung gebraucht. In einer zweiten Bedeutung versteht man darunter geätzte, seidenglänzende, spiegelnde Verzierungen auf Stahl und Gusseisen. In Europa werden die Anfänge der Tauschierkunst von Alterthumsforschern vorwiegend auf die Kelten zurückgeführt. Ich teile diese Ansicht nicht, bin überhaupt der Meinung, dass Kunstsinn und Kunstfertigkeit dieses Volkes wenig entwickelt waren und ihm Funde und Leistungen zugeschrieben werden, die nicht von ihm, sondern von den Römern ausgingen. Sicher verstanden und übten diese das Tauschieren eiserner Waffen und Rüstungen schon, als sie mit den Kel- ten in Berührung kamen. Belege hierfür finden sich in verschiedenen Sammlungen römischer Alterthümer. Ich erinnere nur an ein mit Silbereinlage verziertes römisches Schwert im Museum zu Mainz, das im Rhein gefunden wurde. Incrustierung oder Incrustation wird im Kunstgewerbe jede in die Oberfläche oder Kruste eines Gegenstandes eingelegte Verzierung genannt. Demnach sind auch Intarsia, Email und Tauschierung Arten von Incrustation. Plattieren , jap. Kin-kise und Gin-kise , nennt man das Ueberdecken eines unedlen Metalls mit Gold oder Silber in Blechform, wobei das Edelmetall durch Hämmern, Pressen oder Walzen auf der Unterlage befestigt wird. Bei der kupfernen Dose (Figur 16) wurde das Innere durch Plattieren versilbert. Ueber die Metallverzierung der Japaner durch Email (Shippô), d. h. opake, farbige Glasflüsse, bringt das letzte Kapitel dieses Ab- schnittes alles Bemerkenswerthe, während die ebenfalls wichtige Frage der Patinierung oder des Farbegebens (Iro-tsuke) bei der Bronze erledigt werden soll. Rein , Japan. II. 33 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Eisen, Tetsu oder Kurogane . Der Bedarf an Eisen aller Art ist seit Eröffnung Japans so enorm gestiegen, dass die eigene Production damit nicht entfernt Schritt halten konnte und die durchschnittliche jährliche Einfuhr seit 1868 sich auf nahezu 2 Millionen yen belaufen hat. Aber auch früher, während der langen Herrschaft der Tokugawa, reichte das im Lande gewonnene Eisen für den Bedarf nicht ganz aus, so dass Chinesen und Holländer aushelfen mussten. Die japanische Schmiedekunst hat sich vornehmlich an Waffen und Rüstungen entwickelt, sowie an dem Giessen und Verzieren guss- eiserner Wasserkessel. Dagegen sind die Leistungen, abgesehen vom Härten des Stahls, in der Darstellung der hunderterlei kleinen Werk- zeuge und Geräthe für das tägliche Leben und Handwerk nicht hoch anzuschlagen. Die Japaner hatten in der Bearbeitung des Eisens als Waffen- schmiede (Katana-kaji), und insbesondere im Härten des Stahls in Ost- asien den grössten Ruf. Ihre hervorragendsten Leistungen bestanden in der Herstellung und Ausschmückung vortrefflicher Schwerter, mit denen man beispielsweise eiserne Nägel durchschlagen konnte, ohne dass sie die geringste Scharte gezeigt hätten. Diese Schwerter waren während des Mittelalters in Ostasien ebenso berühmt, wie der indische Stahl (σίδεϱος ῎Ινδικος, Arrian) und die daraus verfertigten blanken Waffen im ehemaligen persischen Reich. Auf dem Plateau von Dekhan, zumal in Hyderabad bei Dundurti und öst- lich von Nirmal gewann man das Magneteisen, von dem der indische Stahl stammte, welcher die berühmten indischen und persischen Hieb- und Stichwaffen, sowie die Damascener-Klingen lieferte. Magneteisen in Form von Eisensand war das Rohmaterial in beiden Fällen. Die Reduction findet noch jetzt in Japan in kleinen Schmelzöfen während eines dreitägigen Processes mit Holzkohlen statt, wie z. B. zu Amegawa in Idzumo. Man erhält dabei Stahl und Eisen zugleich. Siehe Lyman: Geological Survey of Japan 1878 and 1879. pg. 63. Das Schwert, während der Feudalzeit die schönste, geschätzteste und gefürchtetste Waffe Japans, war nach einem Ausspruch des Iye- yasu »die lebende Seele des Samurai«. Es zu tragen, galt diesem als grösstes Vorrecht. Schon als Knabe wurde er mit einem Schwerte be- traut und führte es selbst auf dem Schulwege mit sich (siehe Bd. I, pg. 378 ff.). Das älteste japanische Schwert, das Tsurugi oder Ken , wurde quer über dem Rücken getragen und mit beiden Händen ge- führt. Es war eine gerade, schwere Waffe mit fast meterlanger und 7. Metallindustrie. 6—7 cm breiter, beiderseits scharfer Klinge. Indem man diese später der Länge nach halbierte und etwas verkürzte, schuf man eine andere Waffe, das Katana oder gewöhnliche Schwert der Japaner, mit einer Schneide, welche gegen das Ende schwach gebogen ist. Dieses trug der Samurai entweder allein, oder mit einem zweiten, dolchähnlichen, kleineren zusammen an der linken Seite vom Gürtel gehalten. Diese kleinere Waffe — sie wurde in späterer Zeit auf 29 cm (9½ Zoll) ver- kürzt und auch beim Seppuku oder Bauchaufschlitzen gebraucht — führt den Namen Wakizashi . Das Schwerterschmieden und -schleifen war eine mühevolle Ar- beit, die viel Geschick und Uebung erforderte. Ueber die verschiedene Art der Verbindung des harten Stahls mit dem weichen elastischen Eisen gibt namentlich Hütterott nähere Auskunft. Das Härten (Yaki- ba, von Yaki, brennen, und ha, Schneide) der Schneide wird mit Sorg- falt im Kohlenofen so vorgenommen, dass man den weicheren Rücken (Mune) und die Seiten bis zu einer gewissen Grenze mit feuerfestem Thon umgibt, so dass nur die Schneide frei bleibt. Die Abkühlung erfolgt in kaltem Wasser. So kommt es, dass man die gestählte Schneide durch ihre Färbung und ihren Glanz vom Rücken sofort scharf unterscheiden kann. Die Rücken der Messer, Aexte und anderer Waffen werden entweder durch einseitiges Anschweissen oder dadurch mit der Stahlschneide verbunden, dass man diese in eine ausgefalzte Rinne des Rückenblattes schiebt und beiderseits anschweisst. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts gesellte sich der Künstler zum Schmied, indem man anfing, neben der Klinge auch die Fassung mehr zu berücksichtigen. Hierbei kommen insbesondere Tsuka , der Griff, Tsuba , das Stichblatt, und Saya , die Scheide, in Betracht. Der hölzerne Schwertgriff ist gegen 15 cm lang, im Querschnitt länglich-oval, bedeckt mit körniger Haihaut oder andern Verzierungen, ferner mit dem Me-nuki , zwei kleinen Metallornamenten, von denen je eins ungefähr in der Mitte einer Seite befestigt ist. Am einen Ende des Griffs gegen das Stichblatt befindet sich ein ovales Kupfer- oder Bronzeplättchen, der Habaki oder Hals; am andern Ende ist Ka- shira , der Kopf, oder Tsuka-gashira , eine Metallkapsel. An ihren, das Griffende umfassenden Längsseiten sind zwei Einschnitte ange- bracht, durch welche eine starke, fast centimeterbreite seidene Schnur führt. Dieselbe umwindet den ganzen Griff derart, dass sich ihre beiden Hälften jedesmal auf den beiden schärfer gewölbten Seiten dicht anschliessen, über den Breitseiten aber sich so kreuzen, dass hier rautenförmige Maschen entstehen, durch welche die Verzierungen des Griffs, einschliesslich der Me-nuke, hervortreten. 33* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Das Stichblatt, Tsuba , ist so alt wie das Schwert. Es bildet eine etwa einen Millimeter dicke, kreisförmige, meist aber ovale Metall- platte von ungefähr 6 cm Durchmesser mit einer Oeffnung in der Mitte für den Durchgang der Schwertklinge. Eine zweite Oeffnung zur Seite diente zur Einfügung eines geraden Messers, des Ko-dzuka , dessen Klinge in einer äusseren Furche der Scheide mit einer Grube zur Auf- nahme der Spitze zu liegen kam. Oft zeigt das Stichblatt noch eine dritte Durchbrechung auf der entgegengesetzten Seite des eben er- wähnten, welche zur Aufnahme des Kô-gai, eines noch viel kleineren Messers bestimmt ist. Sa ya , die Schwertscheide, wurde in der Regel aus dem Holze des Ho-no-ki (Magnolia hypoleuca) dargestellt und durch Lacküberzüge geschützt und ausgeschmückt. Der grösste Luxus entwickelte sich jedoch von der Zeit der Ashikaga-Shôgune im 15. Jahrhundert an in der Metallverzierung des Stichblattes, Griffes und des Stiels vom Ko- dzuka. Dieser Zweig des Kunstgewerbes hat, wie W. Anderson be- tont, Japan Tausende geschickter Arbeiter und Dutzende berühmter Meister gegeben. Murray’s Handbook of Japan. 2. ed. pg. 115. Es wurde schon pg. 509 hervorgehoben, dass die Eisenindustrie, soweit sie die Ausrüstung des Kriegers betrifft, mit den Kämpfen der Taira und Minamoto (Bd. I, pg. 264 ff.) ihren grossen Aufschwung nahm. Geschickte Schwertfeger gelangten zu hochgeachteter gesell- schaftlicher Stellung und erwarben sich mit ihren Schwertern unsterb- lichen Ruhm. Kiôto, Ôzaka und Kamakura waren die Hauptsitze derselben, in späteren Jahrhunderten auch Okayama in Bizen, Sakai in Idzumi, Seki in Mino und Tôkio. Masamune , welcher um das Jahr 1290 in Kamakura lebte, wird besonders hochgestellt. Wer über die Geschichte der japanischen Schwerter sich mehr unterrichten will, den verweise ich auf folgende Abhandlungen: 1) The Sword of Japan, by Thos. Mc Clatchie, in Transactions of the As. Soc. of Japan. Vol. 2. 1874. pg. 63 ff. 2) Die Japanischen Schwerter, von G. Müller-Beeck, Zeitschrift für Ethno- logie. 14. Bd. 1882. pg. 30 ff. 3) Das Japanische Schwert, von G. Hütterott. Mittheil. der deutsch. Gesell- schaft Ostasiens. 33. Heft 1885. Sein Name erlangte adjektivische Bedeu- tung im Sinne vollkommenster Leistung und wurde später dem be- rühmten Bildschnitzer Jôchô zu Nara in Yamato beigelegt, eine Aus- zeichnung, deren sich auch dessen Nachfolger noch 6 Generationen hindurch erfreuten. Siehe W. Anderson in Satow \& Hawes: »A Handbook for Travellers in Ja- dan.« 2. ed. London 1884. pg. [103]. Rein, Japan II. Tafel XVI. Adler aus Schmiedeeisen von Miyôchin Muneharu. (Original im Museum zu Kensington.) 7. Metallindustrie. Auch in der Verfertigung der Gusoku oder Rüstungen, insbe- sondere der Kabuto (Helme), Kusari-katabira (Ketten-Panzer- hemde) und der sie später ersetzenden Oke-gawa oder Brustpanzer erwarben manche Schmiede grosse Fertigkeit. Unter diesen Yoroi-shi oder Rüstungsschmieden hat sich namentlich die Familie Miyôchin viele Generationen hindurch vom 15. bis zum 18. Jahrhundert aus- gezeichnet. Zu den bewundernswerthesten Leistungen ihrer Schmiede- kunst gehört auch der Adler im Kensington Museum, der von Miyô- chin Muneharu aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, und von dem der erste Holzschnitt nach einer Photographie auf Tafel XVI. folgt. Ein dem Werke beigefügter grosser Zettel enthält folgende An- gaben: »Modell eines Adlers. Der Vogel steht mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Felsen und ist aus zahlreichen Eisenstücken zu- sammengesetzt, einige gegossen, andere geschnitten oder gehämmert und ciseliert. Es ist das Werk von Miyôchin Muneharu, einem be- rühmten japanischen Metallarbeiter des 16. Jahrhunderts. Die Flügel- weite beträgt 4 Fuss 4½ Zoll (133 cm). Gekauft aus Mitford’s Samm- lung für ₤ 1000 (20000 Mk.).« Im Jahre 1881 besuchte ich mit einem gelehrten Japaner das Kensington Museum zu London und nahm mit Erlaubniss des Direktors unter Anderm auch eine Prüfung der japanischen Metallsachen auf Ursprung und Alter vor. Wir lies- sen uns den Glaskasten öffnen, der dieses Meisterstück, den Adler, bedeckt, nahmen den Vogel vom Felsen aus starkem Eisenblech herunter, hoben die Flügel ab und untersuchten alle Theile, fanden jedoch keinerlei Inschrift, Namen oder Zeichen, die einen sicheren Anhalt gegeben hätten; noch konnten wir sonst etwas über die Geschichte des Kunstwerks, das Mitford, der ehemalige englische Lega- tionssekretär in Japan mitgebracht hatte, erfahren. Hierauf wandten wir uns zu den Bronzen. Kaum der dritte Theil derselben trug Namen und Datum. Es stellte sich dabei heraus, dass fast alle die Vasen und sonstigen Gegenstände, welche als »Old Japanese Bronze« bezeichnet waren, aus diesem Jahrhundert stammen. Der Tetsu-bin oder gusseiserne Kessel, welcher zum Wasser- kochen für Thee keinem japanischen Hause fehlt, ist unter allen eisernen Hausgeräthen das einzige, dem oft eine künstlerische Aus- stattung zu Teil geworden ist. Gewöhnlich stellt man den Deckel aus kupferreicher Bronze her, zuweilen auch den Henkel. Die meisten Tetsu-bin werden in den drei Hauptstädten gegossen, doch nur noch selten mit Tauschierarbeit oder Email verziert. Von den älteren reich ausgestatteten findet man in Sammlungen vornehmlich solche von Kin-ju-do in Kiôto und von Riobundo in Ôzaka. Nachstehende Figur 15 stellt einen solchen eisernen Kessel dar. Derselbe zeigt über dem vorspringenden Rand zum Aufsitzen auf dem III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Dreifuss eine rauhe, wie aus einem Felsen gehauene Oberfläche, in welche Tafeln aus Kupferblech, umrandet mit dickem Silberdraht, ein- gelegt sind. Diese Kupfereinlagen wurden vorher mit Gold und Silber tauschiert. Der schmiedeeiserne Henkel lässt ebenfalls Tauschierarbeit erkennen, ebenso der dunkle, kupferne Deckel. Auf der einem aus- gebreiteten Fächer ähnlichen Kupferplatte in Front ist die blühende Sakura mit der Uguisu, d. h. der japanische wilde Kirschbaum mit Fig. 15. Gusseiserner Kessel mit Tauschierarbeit (Original im Königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin). der dortigen Nachtigall in Silber und Gold dargestellt. Eine schmale Goldplatte bekränzt als Ring die Ausflussröhre. Zogan oder Tauschierarbeit auf Eisen . Obgleich das Tauschieren des Eisens schon zur Zeit des Kuwammu Tennô (782—807 n. Chr.) bekannt war, wurde es doch erst im 16. Jahr- hundert häufiger angewandt, als unter Ota Nobunaga (1542—1582) in 7. Metallindustrie. der Rüstung des Kriegers der eiserne Brustpanzer, jap. Oke-gawa (wörtlich: Fass-Rinde), das Panzerhemd oder Kusari-katabira aus Draht- geflecht verdrängt hatte. Es wurde dann mehr und mehr Sitte, diese Brustpanzer, sowie Helme durch Silber- und Goldeinlage zu verzieren, ähnlich, wie in Europa, vornehmlich in Spanien, während des Mittel- alters Rüstungen und Waffen oft auf das kostbarste durch Tauschier- arbeit ausgestattet wurden. Die feinsten japanischen Rüstungen stammen aus der Zeit des Taiko-sama, also aus der zweiten Hälfte des 16. Jahr- hunderts. Ueberraschender als die Tauschierarbeit auf schmiedeeisernen Panzern und Waffen ist ihre direkte Anwendung auf gusseiserne Tetsu- bin, Vasen und andere Gegenstände. Es liegt auf der Hand, dass das gegossene Eisen seiner Härte und Sprödigkeit wegen nicht sofort mit Hammer, Meissel und Stichel bearbeitet werden kann. Die Art, wie man durch Reduktion des Kohlenstoffgehaltes diese Eigenschaften mil- dert, haben Lehmann und Wagener in Kiôto beobachtet. Ich verdanke den freundlichen Mittheilungen dieser Herren (Ingenieur Leh- mann und Dr. Wagener, beide jetzt in Tôkio) die hier gegebenen Notizen. Es ist ein eigenthümlicher Entkohlungsprocess, durch welchen die Oberfläche der Kessel oder Töpfe eine dem weichen Eisen oder Stahl ähnliche Struktur erhält und hernach in derselben Weise behandelt werden kann, wie bei Zogan-Arbeit auf Schmiedeeisen. Der Process zur Entkohlung der Oberfläche wird Yakeru (Bren- nen) genannt und in primitiven Vorrichtungen ausgeführt. Als Oefen dienen alte beschädigte Reiskochtöpfe, denen man den Boden aus- schlägt. Dann werden diese mit einem feuerbeständigen Thon (Oka- saki-tsuchi und Sand zu gleichen Theilen gemischt) im Innern ausge- kleidet, so dass ein cylindrischer Raum von der Weite der Boden- öffnung frei bleibt. Der so zubereitete Kama oder Kochtopf wird umgekehrt auf eine, aus derselben feuerfesten Masse gefertigte, 3—4 cm dicke Platte gestellt, die als Rost dient und zu dem Ende siebartig durchlöchert ist. Um der Platte eine grössere Haltbarkeit zu geben, ist sie von einem Eisenbande umgeben. Die Löcher haben eine Weite von etwa 1,5 cm. Um der Luft freien Zutritt zu gewähren, werden unter den Rand der Platte einige Steine gelegt. Sodann stellt man den zu brennenden Tetsu-bin, der vorher sorgfältig von Gusssand und Staub gereinigt wurde, in den Kama, unmittelbar auf die Rostplatte. Die Grössenverhältnisse zwischen Kama und Tetsu-bin müssen derart sein, dass rings um den letzteren ein Raum von mindestens 5 cm frei bleibt. Dieser frei bleibende Raum wird sodann mit bester III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Holzkohle, die zu nussgrossen Stücken zerkleinert ist, bis zum Rande des Kama gefüllt, und die Kohle alsdann angezündet. Um den Luftzug zu verstärken, setzt man 2—3 Kama, die in der- selben Weise ausgefüllt sind, übereinander, so dass also eine Art Schornstein gebildet wird. Sind die Kohlen verglommen, so ersetzt man sie durch andere, und ist auch diese zweite Beschickung herunter- gebrannt, so wird der Tetsu-bin herausgenommen und umgekehrt (mit der Oeffnung nach unten) wieder in den Kama gesetzt, worauf er in dieser Stellung ebenfalls zweimal gebrannt wird. Im günstigsten Falle ist damit die Oberfläche genügend weich und zähe geworden, was mit einer Feile untersucht wird. Es kommt aber auch vor, dass zehn- maliges Glühen erforderlich ist. Nach dem Erkalten lassen sich dann die Verzierungen wie in Schmiedeeisen einschneiden, ohne Gefahr, dass dabei die Ränder ausbrechen oder der Stichel abprallt. Bis vor etwa 15 Jahren kannte man derartige Tauschierung nur zur stellenweisen Verzierung gusseiserner Kessel. Da wandten sich in Kiôto mehrere geschickte frühere Waffenschmiede, insbesondere Komai und Iyenori , der Sache zu und entwickelten seitdem diesen kunstgewerblichen Zweig in erstaunlicher Weise, indem sie grosse Vasen, Räuchergefässe, Teller, Schalen und andere Gegenstände aus Gusseisen in einer höchst überraschenden und bis dahin unbekannten Weise künstlerisch ausstatteten. Der Lichtdruck Tafel XVII. stellt eine tauschierte, gusseiserne Vase von Komai in Kiôto dar. Das erste Paar solcher Vasen, eine Arbeit, die damals in Tôkio bei sachverständigen Japanern und Fremden grosses Aufsehen machte, erwarb ich im Sommer 1875 durch einen Zwischenhändler in Kiôto. Es befindet sich im Königlichen Kunstgewerbemuseum zu Berlin. Ein zweites Paar mit gleicher Arbeit wurde mir später nachgesandt, von Dr. von Brüning in Frankfurt a/M. erworben und dem dortigen Kunst- gewerbemuseum geschenkt. Diese Vasen sind von den Urhebern als »Vereinte Arbeit von Komai Yoshitaka und Komai Yoshihiro, Bewohner von Kiôto in der Provinz Yamashiro«, bezeichnet. Sie gehören zu den schönsten Arbeiten in dieser Richtung, obgleich sie die ersten der ge- nannten Meister sind. Die vier Felder, auf jeder Vase zwei, stellen die Seidenzucht dar. Das vorstehende Bild zeigt die Beendigung der- selben. Ein Mädchen ist bei den Hürden beschäftigt, auf welchen die Raupen gross gezogen wurden, ein zweites sammelt die fertigen Co- cons, ein drittes bringt sie weg, ein viertes sitzt an der alten ein- fachen Vorrichtung, einem kleinen Ofen mit Kohlenfeuer, durch welches das Wasser in der darüber befindlichen Eisenpfanne erwärmt wird. Sie hat eine handvoll Cocons hineingeworfen und ist daran, die Seiden- 7. Metallindustrie. fäden abzuhaspeln. Ein fünftes Mädchen ist beschäftigt, die so erzielten Strähne Haspelseide zum Trocknen aufzuhängen. Die Feinheit der Tauschierung geht so weit, dass sie selbst die Muster der Kleider wiedergibt, und ist sogar bei dem verkleinerten Maassstabe des Bildes noch zu erkennen. Viele dieser neueren Zogan-Arbeiten auf Gusseisen werden noch durch den stahlblauen oder mattschwarzen Untergrund, ein eigenthümliches Niello aus Lackkitt oder Shaku-dô, welchen man schafft, besonders gehoben, gerade so wie Zuloaga von Madrid, dessen Name jedem Freund des Kunstgewerbes und Besucher grosser Aus- stellungen bekannt ist, bei seinen prächtigen Tauschierungen des Eisens bewirkt. Kupfer (Aka-gane, Dô), das verbreitetste und nächst dem Eisen wichtigste Metall Japans, soll hier erst im Jahre 708 n. Chr. gefunden worden sein. Ohne Zweifel war es aber den Bewohnern schon viel früher bekannt, wie prähistorische Funde beweisen. Zu diesen gehören nämlich neben Steinwaffen und plumpen, irdenen Gefässen auch kupferne Schwerter, sowie kleine runde Schellen (Suzu) aus Kupfer- blech und Glocken (Tsuri-gane) von zum Theil ansehnlicher Grösse Siehe Kanda Takahira : »On some copper bells«. Transact. As. Soc. of Japan Vol. IV. pg. 29—33. . Wahrscheinlich kam das Kupfer erst mit dem Buddhismus aus China und Korea nach Japan. Sicher hat dasselbe zur Ausschmückung und Ausstattung buddhistischer Tempel und Pagoden, wie in Indien und China, so auch in Japan in mancherlei Formen von der ersten Ein- führung der buddhistischen Lehre bis auf den heutigen Tag gedient. Spielt es im japanischen Cultus, sowie im Haushalte auch nicht die hervorragende Rolle wie in Indien, wo von Alters her kupferne und messingene Gefässe den verschiedensten Zwecken dienen, zu denen wir vielfach Holz-, Thon- und Glaswaaren benutzen, so ersetzt es doch auch in Japan in manchen Fällen das irdene Gefäss, sowie Eisen, Zink und Zinn. Unter den Gebrauchsgeräthen aus ihm nenne ich nur das Yatate oder tragbare Schreibzeug, in welchem der japa- nische Geschäftsmann Pinsel und flüssigen Tusch mit sich führt, das Kana-darai , die Waschschüssel aus Messing oder Kupfer, den Yu- wakashi oder kupfernen Kessel zum Wasserkochen. Kupfer kann nicht wie Eisen und Bronze gegossen werden, weil es beim Erstarren Blasen wirft und Löcher bildet. Es wird desshalb vornehmlich in Draht- und Blechform verarbeitet. In dieser Gestalt verwendet man es auch sehr viel zu Beschlägen an feineren Kisten und Schränken, patiniert dieselben und verziert sie dann auf das Ge- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. schmackvollste durch Eingravierung von Arabesken, Blumen, Vögeln und andern Dingen. Die indische und persische Art der Ausschmückung kupferner Ge- fässe durch einen Ueberzug von Zinn, in welches dann allerlei Orna- mente eingraviert oder eingeschnitten werden, habe ich in Japan nicht beobachten können. Allbekannt ist dagegen die den Chinesen ent- lehnte und viel geübte Emailarbeit, worüber das letzte Kapitel dieses Abschnitts näheren Aufschluss gibt. Dagegen will ich hier eine andere, noch in keiner Schrift er- wähnte Behandlungsweise kupferner Gefässe mittheilen, welche ich bei dem berühmten Bronzefabrikanten Kanaya Gorosaburo in Kiôto kennen lernte. Neben mancherlei Bronzewaaren verfertigt derselbe auch kleine kupferne Wasserkessel von ½—1/1 Liter Inhalt, bei denen nur der drehbare Deckelknopf, sowie die beiden angelötheten Henkel- träger aus messingartiger Bronze bestehen. Die Formen dieser Kessel sind einschliesslich des Henkels, dessen oberer Teil mit schönem Ro- tanggeflecht versehen wird, ausserordentlich gefällig. Bei den ein- fachsten besteht die Verzierung in einer glänzenden, dunkel-kaffee- braunen Patina, nach deren Herstellung Rebenverzierungen und andere leicht und gefällig eingraviert werden. Die angelassene rothbraune Kupferfarbe der eingravierten Blätter, Blüthen und dergleichen inmitten der glänzend dunkelbraunen Grundfarbe ist von bester Wirkung. Bei reicherer Ausstattung tritt Tauschierung und Incrustierung mit Silber und Gold hinzu; auch erhält dann das Innere des Kessels meist durch Feuerversilberung Schutz gegen Säuren. Jene dunkel-kaffeebraune Farbe auf Kupfer und Bronze, wie ich sie an einem kupfernen Yu- wakashi entstehen sah, wird auf folgende Weise erzielt: Eisenvitriol (Rôha), Kupfervitriol (Tampan) und Schwefel (Iwô) werden zu gleichen Gewichtsteilen in Wasser aufgelöst, beziehungs- weise damit vermischt. In dieses Bad, das man des fein verteilten Schwefels wegen öfter umrühren muss, wird der kupferne Gegenstand eingetaucht, dann in einem zweiten, ebenso bereiteten, aber viel ver- dünnteren Bade abgespült. Man wiederholt dies Verfahren so lange, bis die nöthige Aetzung erreicht ist, was nur durch längere Uebung erkannt wird. Das Gefäss wird hierauf zum Hibachi oder Feuer- becken gebracht und hier auf einem Rost aus mehreren Eisenstäben in 8—12 cm Entfernung über den glühenden Kohlen unter häufigem Umdrehen erwärmt. Um dabei die Löthstellen nicht zu gefährden, werden dieselben von Zeit zu Zeit mit einem Wasser benetzt, in welchem man Kari-yasu (Calamagrostis Hakonensis Franch. \& Sav.) abgekocht hat. Man reibt das Gefäss nunmehr mit. einem Tuch ab, 7. Metallindustrie. überpinselt es dann leicht mit Ki- (oder Seshime-) urushi, reibt wieder mit dem Tuch ab, streicht nochmals an und erhitzt es nun, bis das aufgespritzte Kari-yasu-Wasser die Hitze des Leidenfrost’schen Versuchs anzeigt, d. h. in Kugelform wegrollt. Der kupferne Gegen- stand wird alsdann mit einer Zange erfasst, vom Rost genommen und mittelst einer Bürste mit einem Gemisch von Rohlack (Ki-urushi) oder Seshime und Kienruss (Yuyen-sumi) dünn überdeckt. Hierauf erhitzt man ihn abermals bis zur Leidenfrost’schen Probe, überbürstet und reibt ihn von neuem mit dem Lackgemisch und fährt so fort, bis Far- benton und Glanz die gewünschte Tiefe haben, worauf die Arbeit be- endet ist und der Gegenstand zur weiteren Abkühlung auf die Seite gestellt wird. Wie mir Kanaya Gorosaburo mitteilte, erzielt er bei Bronze durch eine gleiche Behandlung eine ganz analoge Wirkung. Derselbe be- hauptete ferner, dass manche Arbeiter Pflanzentalg statt Lack anwen- deten, doch sei ein solches Iro-tsuke (Farbegeben) weniger zu em- pfehlen. Auffallend bleibt es aber immerhin, dass bei der angewen- deten Hitze der Lack oder sein Ersatz nicht einfach verkohlt. Die Figur 16 (pg. 524) ist der Holzschnitt einer kupfernen Dose und Figur 17 derjenige ihres Deckels. Die Dose ist im Innern mit dickem Silberblech plattiert, nach aussen matt-graubraun gebeizt. Ihre seitliche Tauschierung von Wolken wurde mit Gold ausgeführt. Das Schönste ist die Deckelverzierung. Dieselbe zeigt in Flach- relief einen Hügel, um welchen sich ein Bach windet. Die hervor- ragende Figur in prächtiger Stellung, ciseliert und mit erhabener Tauschierarbeit, bei welcher auch die gold- und silberhaltigen Legie- rungen Shaku-dô und Shibu-ichi zur Verwendung kamen, ist der Hahn. Der Kamm und die kurzen, an Flügel und Rücken sich reihenden Schwanzfedern sind von natürlicher Kupferfarbe, der kupferne Schwanz ist schwarzbraun bronziert. Flügel, Wangen und Hals sind goldgelb in verschiedenen Abtönungen, ebenso die Beine; die hinteren, dach- ziegelartigen Deckfedern des Rückens wurden silbergrau durch Shibu- ichi dargestellt, ebenso das kleine Küchelchen, welches nach dem Bache eilt, mit Ausnahme der goldfarbigen Beine; dagegen hat der Künstler zur Darstellung des von der Sonne beleuchteten Kopfes und Halses reines, glänzendes Silber angewandt. Bei der Wistaria, welche diesem Bilde einen schönen Abschluss gibt, wurden Stengel und unte- res Blatt mit hellgelbem Golde, die übrigen Blätter und Ranken mit hochgelbem dargestellt, die Blüthentrauben mit Silber, Shibu-ichi und Kupfer. Auf der einen Seite des Baches bemerkt man noch blühenden III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Löwenzahn, dessen Blätter aus hellem, die Blüthen aus dunklem, ein- gelegtem Golde sind. Das Ganze hat eine wunderbare Wirkung voll Kraft und Leben. Fig. 16. Kupferne Dose mit Tauschierarbeit (Eigenthum des Königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin). Fig. 17. Deckel zu voriger Dose mit Tauschierung und Ciselierung. Von den zahlreichen Legierungen (Maze-gane) des Kupfers, welche für das japanische Kunstgewerbe in Betracht kommen, sind folgende vier Gattungen die hervorragendsten: 1) Shin-chiu , Messing. Dasselbe enthält gewöhnlich 30 % Zink auf 70 % Kupfer. 7. Metallindustrie. 2) Kara-kane (wörtlich China-Metall), Bronze . Unter Bronze versteht man heutiges Tages vielerlei Legierungen des Kupfers mit Zinn, mit Zinn und Zink, mit Zinn, Zink und Blei (dem sich zuweilen noch Antimon anreiht), wobei aber das Kupfer meist vorwiegt. Sie finden zu den verschiedensten Zwecken als Nutz- und Kunstbronzen eine sehr belangreiche Verwendung. 3) Shibu-ichi , eine Legierung aus Kupfer und Silber, bei welcher der Gehalt an letzterem sich zwischen 6 und 32 % bewegt. 4) Shaku-dô , Kupfer, welchem 2—5 % Gold beigemischt sind. Ausser dem gewöhnlichen Messing, das zu Waschschüsseln, Koh- lenbecken, Reifen um grosse Reisnäpfe, Beschlägen von Kisten und mehreren andern Zwecken verwendet wird, bereitet man unter dem Namen Kô-dô noch eine zinkreichere Legierung beider Metalle mit 35 % Zinkgehalt und verarbeitet sie in gleicher Weise. Der Japaner teilt nicht die Vorliebe des Indiers für messingene Geräthe, noch wendet er gleich diesem viel Fleiss und Sorgfalt an, die wenigen, welche er benutzt, besonders auszuschmücken. Legierungen, welche nach Art der indischen Bidri-Waare zusammengesetzt sind, wobei also der Zinkgehalt auf 90—95 % steigt und Kupfer dem gegenüber sehr zurücktritt, gibt es in Japan nicht. Hier concentriert sich von Alters her die verschiedenartigste metallurgische Ausstattung und Ge- schicklichkeit auf Kara-kane , die Bronze. Neben mancherlei technischen Zwecken diente dieselbe von jeher der Kunst, die ihre ersten Versuche und ihre höchsten Leistungen darin aufweist. Waffen und Werkzeuge aus Bronze, durch wiederholtes Hämmern ansehnlich gehärtet, gingen bei vielen Völkern den eisernen voraus. So auch in Japan. Die ältesten prähistorischen Metallfunde in diesem Lande sind bronzene Glocken und Pfeilspitzen, über deren Ursprung und Alter man nur Vermuthungen hat. Mit dem Eisen und Messing theilt Bronze den grossen Vorzug, im geschmolzenen Zustande viel dünnflüssiger zu sein, als das Kupfer, und beim Guss die Form vollständig auszufüllen, desshalb diese scharf wiederzugeben und ausserdem nach dem Erkalten ein dichtes, gleich- mässiges Gefüge zu zeigen. Dabei schwinden die meisten Bronze- legierungen noch weniger als Gusseisen. Indess ist die Volumvermin- derung, welche die allmähliche Abkühlung begleitet, von keinem so wesentlichen Einfluss auf die Schärfe des Gusses, wie dasjenige Schwinden, welches beim plötzlichen Erstarren mancher Metalle statt- findet. Ein weiterer Vorzug der Bronze liegt darin, dass sie sich mit III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Hammer, Meissel und Grabstichel leicht bearbeiten lässt. Ihre Härte gleicht derjenigen des Antimons und liegt in den meisten Fällen, wie auch beim Messing, zwischen 3 und 3,5, so namentlich auch bei der alten, kupferreichen Bronze Japans. Dieselbe ist demnach höher, als bei den einzelnen Bestandteilen der Legierung, mit Einschluss des Kupfers. Natürlich ändert sich mit der Zusammensetzung der Bronze auch die Farbe, die Ductilität, das Gefüge und die Härte derselben. Unter allen japanischen Bronzen (die alten kupferreichen nicht ausge- nommen), welche ich auf letztere untersuchen konnte, fand ich keine, welche die Härte des Flussspaths ganz erreicht hätte, während nach E. Reyer E. Reyer: »Hartbronze der alten Völker«. Journal f. prakt. Chemie. Bd. 25. 1882. pg. 258. die zink- und bleifreien Hartbronzen der alten Völker zwischen 5 und 6 hart sein sollen. Es liegt ohne Zweifel die Ur- sache der grösseren Dichtigkeit und Härte dieser alten Bronzestücke, wie Aexte, Meissel, Pfeilspitzen, Schwerter und anderer Waffen darin, dass sie mit dem Hammer bearbeitet wurden, da Gusswaaren von ana- loger Zusammensetzung sie nie zeigen. Dies begründet wenigstens ihre grössere Dichtigkeit, während man bei der veränderten Härte an eine andere molekulare Anordnung denken muss. Ob aber eine solche durch blosses Hämmern bewirkt werden kann, ist mir nicht bekannt. Doch sind nicht Dichte, Härte, Zähigkeit und andere innere Eigenschaften der japanischen Bronze diejenigen, durch welche sie sich auszeichnet und die chinesi- sche längst übertrifft, sondern vielmehr die Färbung und Verzierung derselben. Die Farben gehen durch alle Abstufungen vom hellen Gelb durch Braun und Grau zum angenehmsten und wirkungsvollsten matten Schwarz und zeichnen sich durch grosse Beständigkeit aus, wie sie nur möglich ist, wenn sie von einer natürlichen chemischen Reaction herrühren, welche durch die Zusammensetzung bedingt ist, und nicht von Anstrichen. Den geringen Hülfsmitteln gegenüber, welche der Japaner auch in seiner Bronze-Industrie zur Verfügung hat, mussten seine hervor- ragenden Leistungen in der Patinierung nur umsomehr überraschen. G. Bousquet sprach sich darüber in seinem sehr interessanten Artikel: »L’Art Japonais«, Revue des Deux Mondes 1877. Tome XXI, pg. 323 folgender- maassen aus: »On ne saurait s’imaginer daus quelles misérables échoppes et par quels moyens primitifs ils obtiennent ces resultats.« Insbesondere zogen die mattschwarzen Bronzegegenstände, welche in neuerer Zeit in immer grösserer Zahl nach Europa kamen, ihrer Neu- heit und auffallenden Schönheit wegen die Aufmerksamkeit interessier- 7. Metallindustrie. ter Kreise auf sich und führten zu eingehenden Analysen und Versuchen. Dies geschah vornehmlich in Paris, der Stadt, welche sich seit drei Jahrhunderten des wohlbegründeten Ruhmes erfreut, in der Bronze- Industrie das Beste zu leisten, was Europa zu bieten vermag. Von grösserer Bedeutung waren insbesondere die Arbeiten von H. Morin, Sur quelques bronzes de la Chine et du Japon ȧ patine foncé. Comptes Rendus T. 78. 1874. pg. 811. Christofle et Bouilhet Notes sur des réactifs permettant d’obtenir des patines de diverses cou- leurs ȧ la surface des bronzes. Compt. Rend. T. 78. 1874. pg. 1019. und E. J. Maumené. Notes sur les Bronzes du Japon. Compt. Rend. 1875. T. 80. pg. 1009. In Deutschland führte vornehmlich der unbefriedigende Zustand mancher öffentlichen Bronzedenkmäler zu eingehenderen Untersuchungen über die Patina- bildung, unter denen namentlich diejenigen von R. Weber »Ueber Patinabildung«, von Prof. R. Weber. Dingl. Polyt. Journ. Bd. 245, 1882. pg. 86. hervor- zuheben sind. Das Gesammtresultat aller dieser Studien ist folgendes: Unter Patina , antiker Patina oder Edelrost (Aerugo nobilis) ver- stand man früher nur die malachitgrünen oder blaugrünen Anflüge und Ueberzüge aus kohlensaurem Kupfer alter Bronze- und Kupferwerke. Diese Patina ist immer glatt, bedeckt die Gegenstände nicht gleich- mässig, lässt aber stets das Metall noch durchschimmern. Sie findet sich auch bei Bronzedenkmälern neuerer Zeit, z. B. dem Standbild des Grossen Churfürsten zu Berlin, der Reiterstatue des Churfürsten Johann Wilhelm auf dem Markt zu Düsseldorf, den Denkmälern von Louis XIV. und Louis XV. zu Paris. Diese Patinabildung hängt teils von der Zusammensetzung der Bronze ab, teils von der Atmosphäre, die darauf einwirkt. Edle, kupferreiche Bronze aus Kupfer und Zinn liefert sie leichter, als andere. Hoher Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre und Salzgehalt, daher auch Regen und häufiges Abwaschen begünstigen, Kohlenstaub, Schwefelwasserstoff und Kloakenluft verhindern dieselbe. Der schwarze Ueberzug vieler Bronzedenkmäler, welcher so oft an Stelle der schönen Farbe des frischen Gusses tritt, besteht in der Regel nicht aus Schwefelkupfer, sondern aus Kohlenpartikeln und Staub mit geringen Beimengungen von Oxyden. Zur Entfernung er- wies sich dann eine wässerige Lösung von kohlensaurem Ammoniak, welche man mit der Bürste auftrug, ganz vorzüglich Nach Brühl in Dingl. Polyt. Journ. 1882, pg. 256. , während zur künstlichen Erzeugung des Edelrostes weinsaures Kali-Kupfer-Am- moniak als bestes Mittel gilt. Zinklegierungen, namentlich Messing III. Kunstgewerbe und Verwandtes. schwärzen sich leichter, als zinkfreie. Auch fördert ein Arsengehalt des Kupfers die Neigung zum Schwärzen. Heutzutage versteht man unter Patina jede zufällige oder absicht- liche Färbung eines Metalls oder einer Legierung, welche von der ursprünglichen abweicht. Die chemische Analyse hat ergeben, dass die schöne mattschwarze Färbung vieler japanischer Bronzen, auf der sich das Ornament aus Tauschierung, Incrustation und andern Mitteln so vortrefflich abhebt, dem Bleigehalte der Legierung zukommt, welcher in der Regel über 10 % beträgt und in einzelnen Fällen bis auf 20 % steigt, wie Tabelle B. am Ende dieses Capitels zeigt. Einen so hohen und noch höheren Bleigehalt weisen von älteren Bronzen nur die kleinen ägyptischen Götzenbilder auf, von denen Tabelle A. 5. eine Analyse gibt. Bei einer so bedeutenden Beimischung von Blei wird die Legierung jedoch leicht spröde, während die japanischen Bronzen mit 9—14 % Blei, 7—2 % Zinn und entsprechenden Mengen Zink allen Anforderungen genügen, indem sie sich leicht giessen, ein homogenes Gefüge annehmen und hierdurch, sowie durch ihre gleichmässige Härte sich leicht bearbeiten lassen, was bei Weglassung des Zinks nicht möglich wäre. Durch blosses Erhitzen in dem Muffelofen wird bei solchen Bronzen die schöne, mattschwarze Patina hervorgerufen, welche zum Teil auf der Bildung von Bleisuboxyd beruhen dürfte. Indess haben Christofle und Bouilhet durch ihre Untersuchungen gezeigt, dass eine schöne schwarze Patina auch ohne Blei zu erzielen ist. Ihr Ver- fahren lief darauf hinaus, auf der Oberfläche der Bronze Schwefel- kupfer zu bilden. Auch braune, rothe und orangegelbe Färbungen wurden von ihnen erhalten, die allen Anforderungen entsprachen. Die Japaner benutzen ein sonst unbekanntes Mittel, die beim An- lassen der Bronze erhaltene Färbung je nach Gutdünken abzutönen. Es ist die schon pg. 522 erwähnte Abkochung eines Grases, der Kari- yasu oder Calamagrostis Hakonensis Franch. \& Sav., eine Beize von überraschender Wirkung. Eine genaue chemische Untersuchung der- selben hat noch nicht stattgefunden, dürfte aber möglicherweise unserer Bronze-Industrie werthvolle Fingerzeige geben. In der künstlerischen Behandlung japanischer Bronzevasen er- kennen wir mindestens drei Perioden, die natürlich der Zeit nach noch weniger scharf geschieden sind, wie sonstige aufeinander folgende Moden. Die Legierungen der alten Bronzevasen und Bronzegüsse überhaupt sind fast immer kupferreich; Blei und Antimon scheinen stets nur zufällige Bestandteile zu sein. Unter den mancherlei For- men herrscht die weit- und langhalsige Flasche mit kugelförmigem Bauche, sowie die Krater- (Mörser-) Gestalt vor, unter den Henkeln Rein, Japan. II. Tafel XVIII. Bronzevase aus Kioto. Verlag v. Wilh. Engelmann, Leipzig. 7. Metallindustrie. in auffälliger Weise die Nachbildung des Elefantenrüssels. Die in vielen Fällen recht geschmackvolle Verzierung ist sehr einfach, meist im Flachrelief ausgeführt, vornehmlich durch Ciselierung und Gravie- rung. Als vorherrschende Motive finden wir Arabesken und die Elemente des Mäander in mancherlei Combinationen; auch Wolken und Wellen kommen vor, ferner kleine Landschaften. Die Hauptwirkung wird durch geeignete Abwechselung und symmetrische Anordnung er- reicht. Tauschierung und Email fehlen vollständig. Die hier angegebenen Charaktere der alten japanischen Bronzevasen stim- men mit den chinesischen aus dem Mittelalter überein. Ich besitze eine solche aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist nur 18,5 cm hoch, hat im allgemeinen eine vier- seitig prismatische Gestalt mit einem Rechteck als Querschnitt, erweitert sich von der Mitte aus nach oben, mehr noch nach unten, ist hier mit abgerundeten Kanten versehen und endet in einen schmalen Fuss. Elefantenrüssel als Henkel um- spannen ⅔ der Schmalseiten von oben nach unten. Die Decoration besteht aus zweierlei Mäanderfiguren, die durch ein glattes Band an der schmalsten Stelle geschieden sind. Die Inschrift auf derselben lautet im Sinico-Japanischen: »Dai- Min-Sen-Tok-Nen-Sei«, d. h. Verfertigt in der Sen-tok-Periode (1426—1435 n. Chr.) der grossen Ming-Dynastie. Eine zweite Geschmacksrichtung ging ebenfalls von China aus, wurde in Japan während der letzten hundert Jahre herrschend und ragt noch in die Jetztzeit hinein. Dieselbe unterscheidet sich von der ersten nicht sowohl in der Legierung und Gestalt der Vasen, als viel- mehr in ihrer Ausstattung. Es ist durch Guss und Ciselierung erzieltes Hochrelief, mit welchem die Vasen nicht selten in wildem Durch- einander überwuchert und überladen sind, etwa wie manche unserer Porzellanvasen durch die aufgesetzten modellierten Blumen, welche einzeln betrachtet oft grosses künstlerisches Geschick verrathen und für sich auf einem geeigneten dunkeln Hintergrunde sich prächtig ab- heben würden, die aber so durch die Ueberfüllung verwirren und Charakter und Gestalt der Vase selbst gar nicht zur Geltung kommen lassen. Die neueste Zeit, deren Anfänge nicht weit hinter die Erschlies- sung des Landes durch Perry zurückgehen, weist in der japanischen Bronzeindustrie unverkennbar grosse Fortschritte auf. Dieselben zeigen sich vornehmlich in der geschmackvollen Anordnung der Farben und in einem besseren Gefühl für das richtige Maass der Verzierung. Die hohen Reliefverzierungen treten mehr zurück, zur Ciselierung und Gra- vierung gesellt sich in wirksamer Weise das Tauschieren und In- crustieren. Diese Arbeiten auf dunkler, bleihaltiger Bronze gingen von den Nachbarstädten Kanazawa und Takaoka in Kaga und Echiu aus, werden jetzt aber auch in Tôkio viel gemacht. Kiôto, die alte Rein , Japan. II. 34 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Industriestadt, ist nicht zurückgeblieben. Auch hier hat das Bestreben, durch eine mit viel Verständniss gewählte Zusammenstellung und Ab- tönung der Farben zu wirken, neue Mittel und Wege gefunden. Dies zeigt uns die Vase auf Tafel XVIII. Dieselbe wurde mir von Herrn Paechter (R. Wagner, Kunst- und Verlags- handlung, Berlin, Dessauerstrasse 2) aus seinem reichen und ausgewählten Lager in zuvorkommendster Weise für die Abbildung zur Verfügung gestellt. Auf dem dunkelbraunen Grunde heben sich die Blumen (Camellia Sasanqua) und Blätter in helleren Farben, der Vogel und das mit Silberdraht tauschierte Netz der Kreuz- spinne vortrefflich ab. Die Arbeit ist neu und ganz im Kiôto-Stil verfertigt. Man arbeitet hier wenig mit bleihaltiger Bronze, wendet dagegen viel Relieftauschierung und Incrustierung an. Unter den Gebrauchsgegenständen wohlhabender Japaner begegnen wir der Blumenvase (Hana-ike), dem Räuchergefäss (Ko-rô), dem Koh- lenbecken (Hibachi) und dem Spiegel (Kaga-mi) aus Bronze, während der gemeine Mann sich mit viel billigeren irdenen und andern Ersatz- mitteln begnügt. Die bedeutendste und vielseitigste Verwendung findet die Kunstbronze zu den mancherlei Ausstattungsmitteln buddhistischer Tempel. Hier überraschen und imponieren vor allem verschiedene Buddhas und andere Idole durch ihre colossale Grösse und den vor- trefflichen Guss, den wir noch mehr an einer Anzahl riesiger Glocken bewundern können. Aber auch Grabdenkmäler der Shôgune zu Nikkô und zu Shiba in Tôkio, Laternen und eine Menge kleinerer Gegen- stände aus Bronze, wie Vasen, Leuchter, Räuchergefässe und andere mehr, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und liefern den Beweis, dass die Bronzeindustrie vornehmlich im Dienste des buddhistischen Cultus ihre grosse Entwickelung durchgemacht hat und in ihr ansehn- liche Mengen Kupfer zur Verwendung kamen. Viele dieser hervorragenden Denkmäler wurden auf Veranlassung der Fürsten gegossen, die sich damit vor Göttern und Menschen an- genehm machen wollten; andere wiederum sind Geschenke von Privat- personen oder das Resultat öffentlicher Sammlungen, wozu die Priester sowohl den Ehrgeiz, als das fromme Gefühl anzuspornen wussten. So lange letzteres auch in den höheren Gesellschaftsklassen rege war, flossen die Gaben zur Unterhaltung und Ausschmückung der Tempel und Klöster reichlich, während seit der politischen Umgestaltung der Verhältnisse vielfach die grösste Gleichgültigkeit gegen alle diese Dinge sich offenbart hat. Unter den Dai-Butsu oder »grossen Buddhas« aus Bronze ragen durch ihre gewaltigen Dimensionen vor allen Dingen diejenigen von 7. Metallindustrie. Nara in Yamato und von Kamakura in Sagami hervor. Der Nara-no- Dai-Butsu befindet sich in einer geräumigen Tempelhalle von 88,4 m Länge, 51,8 m Breite und 48,2 m Höhe, deren Dach von 176 Säulen getragen wird. Derselbe stellt Rochana (Kairo-kana) dar, sitzend mit untergeschlagenen Beinen auf einer geöffneten Lotosblume. Die linke Hand des Götzen ruht auf dem entsprechenden Knie, die rechte hat er emporgehoben und derart mit dem Rücken gegen den Oberarm ge- kehrt, dass die Spitzen der drei ausgestreckten Finger fast in Schulter- höhe kommen, während Daumen und Zeigefinger gegen einander ge- krümmt sind. Auf diese Weise wird die lehrende Thätigkeit dieses Buddha angedeutet. Derselbe wurde zwischen 741 und 749 n. Chr. auf Veranlassung von Shomu Tennô gegossen. Im Jahre 1180 zer- störte ein Feuer den Kopf. Der jetzige, hässliche, wurde 1570 ge- gossen, zur Zeit als das Kunstgewerbe sehr darniederlag. Die ältesten Theile des Körpers und die Lotosblume bestehen aus Platten von 18—30 cm Dicke und 30×36 cm Fläche, welche an den Rändern mit Handa-rô (Zinnloth) zusammengelöthet wurden. Die ganze Höhe dieses Buddha beträgt 16,05 m (53,5'), die Gesichtslänge 4,80 m (16'), die Breite 2,85 m (9,5'), die Schulterweite 8,61 m (28,7'), die Länge des Mittelfingers 1,5 m (5'), die eines Ohrs 2,55 m (8,5'). Der Heiligenkranz, welcher den Kopf umgibt, hat einen Durchmesser von 23,4 m (78') und jede der darauf angebrachten 16 Figuren eine Länge von 2,4 m (8'). Das Gesammtgewicht dieses Buddha wird auf 450 Tonnen ver- anschlagt. Zu seinem Guss, der erst nach verschiedenen vergeblichen Versuchen gelang, soll neben Kupfer und Zinn auch Quecksilber und Gold verwendet worden sein. Eine chemische Analyse ist mir nicht bekannt. Da Japan kein Quecksilber liefert, solches auch bei andern Bronzen nicht anwendet, so muss die Verwendung desselben in diesem Falle doppelt auffallen. Rechnet man die Mengen dieser Metalle, welche angegeben werden, in kg und % um, so ergibt sich eine Legierung aus Kupfer 447 273 kg = 98,06 % Zinn 7 633 kg = 1,68 % Quecksilber 977 kg = 0,21 % Gold 227 kg = 0,05 % 456 110 kg = 100,00 % und demnach 456 Tonnen als Gewicht der angewandten Metalle. Der grosse Buddha von Kamakura , welchen man so oft ab- gebildet findet (siehe Band I, pg. 534), steht demjenigen von Nara an Grösse nach, übertrifft ihn aber in künstlerischer Beziehung bei weitem. 34* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Diese Bronzefigur stellt Amida sitzend auf einer Lotosblume dar, aber ohne Heiligenschein. Der edelgeformte Kopf zeigt vollkommen sym- metrischen Bau und richtige Verhältnisse in allen Theilen. Es ist dem Künstler gelungen, dem Gesichtsausdruck und der ganzen Haltung die glückselige Ruhe in Nirwana zu verleihen. Die auf dem Schoosse ruhenden Hände mit gegeneinander gestemmten Fingerspitzen ergänzen die Züge des ruhigen Sinnens, welche unverkennbar sind. Auch dieser Buddha, welcher im Jahre 1252 n. Chr. durch Ôno Gorôyemon gegossen wurde, besteht nicht aus einem Stück, sondern wurde aus vielen etwa 3 cm dicken Platten zusammengesetzt und zwar mit solcher Sorgfalt und Geschicklichkeit, dass man die Nähte nur da erkennen kann, wo das Wetter im Laufe der Zeit eingewirkt hat. Von dem grossen Gebäude, welches das Denkmal ehemals einschloss, ge- wahrt man noch viele der Steinfundamente, auf welchen die drei und sechzig massiven Säulen aus Keakiholz standen, welche das Dach trugen. Auch dieser Buddha besteht im wesentlichen aus Kupfer. Seine Höhe beträgt 15,11 m, der Umfang an der Basis 29,6 m, die Entfernung von Ohr zu Ohr 5,4 m. Es wird behauptet, die Augen seien aus reinem Golde und der Knopf auf der Stirn aus 30 Pfund Silber gebildet. Viel kleiner, als die vorigen, doch eine der interessantesten und edelsten Bronzestatuen Japans ist diejenige, welche sich im Tempel Yaku-shi-ji zu Nara befindet. Sie stellt Yaku-shi (Bhâishagya- guru) dar, stammt aus dem Ende des 7. Jahrhunderts und gehört nach Entwurf und Ausführung zu den hervorragendsten Leistungen im Bronzeguss Japans. Diesen sind nicht minder die grossen Tsuri- gane oder hängenden Tempelglocken zuzuzählen, von denen während der letzten 20 Jahre mehrere der hervorragendsten, wie z. B. die- jenige des Zôzo-ji zu Shiba in Tôkio, mit den Tempeln und manchem andern Kunstschatz ein Raub der Flammen wurden. Die grösste der noch vorhandenen Glocken (Kane) dürfte beim Tempel San-jiu-san-gen-dô in Kiôto sich befinden. Dieselbe ist 4,27 m hoch und 2,74 m weit, mit 27,4 cm dicker Wandung. Ihr Ge- wicht wird auf 63 Tonnen geschätzt. Diese Glocke nähert sich in ihren Dimensionen der grossen von Peking, welche Kaiser Yungloh im Jahre 1406 giessen liess. Dieselbe soll 60 Tonnen wiegen, 4,27 m Höhe und am Rande 10,36 m Umfang haben. Die Oberfläche ist mit chinesischen Zeichen bedeckt. Einige andere alte Glocken sind gegen drei Meter hoch und entsprechend weit. Zu den schönsten und interessantesten gehört diejenige im Walde unweit Mii-dera , 7. Metallindustrie. dem prächtig gelegenen alten Kloster der Tendai-Sekte bei Otsu am Biwa-See. Diese grosse Glocke soll von Hidesato , einem berühmten Helden des 10. Jahrhunderts herrühren; sie ist mit der reichen Ge- schichte und den Sagen der Gegend vielfach verflochten. Ihre herr- lichen Töne gehören zu den acht Wundern (Anziehungsmitteln) des Biwa-Sees. Wenn dieselben an einem schönen Sommerabend weit über den See durch die friedliche Landschaft erklingen, machen sie auch auf das Gemüth des fremden Wanderers einen unvergesslichen Eindruck. Diese riesigen Tempelglocken und eine Menge kleinerer sind ge- wöhnlich mit chinesischen Denksprüchen, mit Ten-nin (Engeln in Nirwana), in Reihen geordneten Buckeln und auf sonstige Weise nach aussen verziert. In der Regel bilden mehrere Drachenköpfe das Ohr, an welchem sie sehr niedrig aufgehängt werden, und zwar unter einem Balkengerüst und Dach im Tempelhofe. Sie haben keine Klöppel, sondern werden von aussen durch einen an zwei Seilen wagrecht auf- gehängten und schwingenden Balken angeschlagen, an einer Stelle, welche zu dem Zweck im Guss scheibenartig erhöht wurde. Ueberraschen diese zum Theil schon sehr alten Tsuri-gane durch ihren vorzüglichen Guss und ihre Grösse, so vermögen 16 kleinere Glöckchen (Kane) in einem Nebengebäude des Tempelgrundes von Nikkô nicht minder unser Erstaunen zu erwecken. Dieselben stimmen äusserlich in Gestalt und Grösse völlig überein, geben aber beim Anschlagen deutlich und höchst klangvoll sämmtliche Töne zweier Octaven an. Spiegel , japanisch Kagami , werden in den Ländern des chi- nesischen Culturkreises in Ermangelung geeigneten Glases von alten Zeiten her in der Regel aus Bronze gegossen, dabei auf der Rück- seite mit Reliefverzierungen, wie mythologischen Personen, Vögeln, Blumen, Wappen und Denksprüchen versehen, nach dem Guss auf der Vorderseite bis auf 0,5—2,5 mm Dicke abgeschliffen und hier endlich mit einem Amalgam überzogen, welches aus 1—2 Teilen Zinn und einem Teil Quecksilber zusammengesetzt ist. Diese Metallspiegel sind in der Regel kreisförmig mit 15,5—16 cm Durchmesser. Auf einer Seite befindet sich ein stabförmiger Griff, mit dem man sie anfasst und befestigt. Es war den Chinesen schon seit vielen Jahrhunderten bekannt, dass einzelne dieser Spiegel, wenn sie das Sonnenlicht auf eine Wand reflectierten, dabei zugleich die erhabenen Figuren auf ihrer Rückseite mehr oder weniger deutlich abspiegelten. Solche Spiegel findet man auch in Japan. Die erwähnte Eigen- schaft war längst durch Zufall von japanischen Damen beobachtet III. Kunstgewerbe und Verwandtes. worden, wie Muraoka Erklärung der magischen Eigenschaften des japanischen Bronzespiegels und seiner Herstellung. Mittheil. der deutsch. Gesellsch. Ostasiens Heft 31. 1884. nachgewiesen hat; doch hat zuerst At- kinson Nature XVI. Bd. 1877 pg. 62. die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, während über die magischen Spiegel Chinas schon eine Arbeit von Brewster Philosophical Magazine Vol. I. aus dem Jahre 1833 vorliegt. In neuerer Zeit haben diese Spiegel verschiedene Physiker beschäftigt. Grössere Arbeiten darüber verdanken wir ins- besondere Ayrton und Perry, On the Magic Mirrors of Japan. Proc. Roy. Soc. XXVIII. pg. 127—142. Govi Les Miroirs magiques des Chinois. Ann. de Chim. et de Phys. 5. Série. T. XX. 1880. pg. 99—110. und Bertin, Etude sur les Miroirs magiques. Ann. de Chim. et de Phys. 5. Série. T. XXII. 1881. pg. 472—513. welche alle in der Deutung der Erscheinung übereinstimmen. Früher nahm man an, dass jene Bilder und Zeichen auf der Rück- seite der Spiegelplatte aus einem andern Metall eingelegt seien, oder dass hier durch Hämmern eine grössere Dichte bewirkt worden sei, oder man schrieb die Eigenschaft Eigenthümlichkeiten der Legierung selbst zu. Alle diese Voraussetzungen haben bei näherer Untersuchung keine Bestätigung gefunden. Die Analysen bewiesen, dass die Spie- gelbronzen oft eine sehr verschiedene Zusammensetzung haben, wie auf Tabelle C. zu sehen ist. Der Italiener Govi hat überzeugend nachgewiesen, dass die er- wähnte Eigenschaft magischer Spiegel vom Abschleifen derselben her- rührt und eine zufällige ist, dass man sie aber leicht hervorrufen kann. Sie ist bedingt durch die Ungleichheit in der convexen Wölbung, welche die spiegelnde Fläche durch das Schleifen infolge des un- gleichen Drucks von der Rückseite her erhält, und ganz unabhängig von der chemischen Zusammensetzung. Es wurde später u. a. durch Muraoka noch weiter experimentell nachgewiesen, dass man nicht blos aus Bronze und Messing, sondern auch aus einfachen Metallen Spiegel herstellen kann, die ebenfalls den magischen zugezählt werden müssen. Schöner, als bei Sonnenlicht, zeigt sich die magische Eigenschaft, wenn man ein Bündel divergenter Lichtstrahlen auf den Spiegel fallen und von diesem auf eine weisse Wand projicieren lässt. Dabei kommen die Bilder der Figuren und Zeichen in hellerem Lichte und scharf be- grenzt zum Vorschein, während sie auf der Spiegelfläche selbst nicht wahrzunehmen sind. 7. Metallindustrie. Shiro-kane-dzaiku , Das Wort wird bei uns nicht selten mit Oki-mono verwechselt. Mit diesem bezeichnen aber die Japaner Nippsachen aller Art, wie kleine geschnitzte Figuren, grösser als Netsuke’s und nicht durchbohrt, ferner das lackierte In-ro oder die Medicinbüchse und viele andere. d. h. Weiss-Metall-Arbeit, ist der Col- lectivname für die vielerlei kleinen metallenen Schmucksachen, welche früher zur Verzierung der Schwerter, zu Netsuke’s und verschiedenen andern Zwecken dienten, in neuerer Zeit aber als Brochen, Medaillons, Manchettenknöpfe, Stockknöpfe, Ohrringe, Armbänder etc. viel aus- geführt und in Europa hochgeschätzt werden; denn sie gehören, zum Teil wenigstens, zu den hervorragendsten Lei- stungen japanischer Kunstfertigkeit. Die Feinheit und das Geschick, mit welchen diese Gegenstände ciseliert, graviert, incrustiert und tauschiert sind, überrascht und erfreut in hohem Maasse, wie nicht minder die überaus geschmack- und wir- kungsvolle Zusammenstellung und Abtönung der Farben, wie sie unsere Bijouteriearbeiter früher nicht zu erzielen vermochten. Bei diesen Arbeiten der Japaner kommen vornehmlich die oben bereits erwähnten Legie- rungen Shaku-dô und Shibu-ichi zur Anwen- dung und Geltung. Das dunkle Blau bis Matt- schwarz der ersteren ist sehr beständig und na- mentlich als Untergrund von bester Wirkung, Fig. 18. Medaillon aus Shiro- kane. ebenso das Silbergrau des Shibu-ichi. Zur Abtönung wird auch hier, wie bei der Bronze, mit bestem Erfolg eine Abkochung von Kari- yasu angewendet. Ausser den beiden erwähnten gold- und silberhaltigen Legierungen werden bei diesen Arbeiten auch Edelmetalle in reinem Zustande an- gewendet. Als Begründer der Schule sieht man Gotô Yu-jô an, welcher im Jahre 1513 im Alter von 78 Jahren starb. Lange Zeit wandte man die Kunst vornehmlich auf Me-nuki und Tsuba zur Verzierung der Schwertgriffe an. Shiuraku und Temmin gelten vor allem als die grossen Meister in dieser Kunst, sowie auch in der Darstellung prächtiger metallener Netsuke’s. Waaren aus reinem Silber oder Gold, oder aus der Verbindung beider wurden früher nur selten angefertigt. Das ist seit den von Japanern besuchten grossen internationalen Industrie-Ausstellungen anders geworden. Die vorjährige Ausstellung in Nürnberg hat in über- III. Kunstgewerbe und Verwandtes. raschender Weise bewiesen, wie geschickt die Gold- und Silberschmiede von Kiôto und Tôkio auch diese dankbarsten und gefügigsten aller Metalle zu behandeln und welche Wirkung sie ihrer künstlerischen Bearbeitung zu verleihen vermögen. Als Anhang zu diesem Abschnitt folgt eine Anzahl Analysen japanischer und chinesischer Bronzen, denen solche von andern Bronzegüssen zum Vergleich ange- reiht wurden. Zu den Tabellen bemerke ich Folgendes: A. 1, 2, 3, 4 sind Analysen älterer Bronzen aus japanischen Tempeln von Maumené in: »Notes sur les Bronzes du Japon par M. E. J. Maumené. Comptes Rendus 80. Bd. 1875. pg. 1009 und 1010. Nr. 5 ist die Analyse einer kleinen ägyptischen Isisfigur von W. Flight im Journ. Chem. Soc. 41. pg. 134. Nr. 6, 7, 8. Diese Analysen veröffentlichte E. Reyer im Journal für praktische Chemie. Bd. 25. 1882. pg. 258 unter dem Titel: »Hartbronze der alten Völker«. Nr. 6 bezieht sich auf Bronze von Cypern aus der Zeit Alexanders d. Grossen. Nr. 7 rührt von einer Axt zu Limburg her, einer röthlich goldgelben Legie- rung, die fest und zäh und mit dicker grüner Patina überzogen war. Sie wurde von Feldspath kaum geritzt. Nr. 8 ist die Zusammensetzung eines Meissels von Peschiera, einer Mischung von hochgelber Farbe und gleich der vorigen von der Härte 5. Alle hier erwähnten Bronzen zeigen eine sehr complicierte Zusammensetzung. Es wäre ein grosser Irrtum, wollte man annehmen, dass sie absichtlich durch Abwägen und Zusammenschmelzen der betreffenden Bestandteile entstanden wären. Ebenso unbegründet scheint mir die Ansicht Maumené’s bezüglich der japanischen Bronzen zu sein, dass man sie aus Mischungen der betreffenden Erze von Kupfer- kies, antimonhaltigem Bleiglanz und Blende erhalten habe. Der Hüttenprozess der alten Völker, die Japaner mitgerechnet, war eben nicht geeignet, chemisch- reine Metalle zu liefern, und so erscheinen die geringen Mengen Eisen, Nickel, Kobalt, Antimon, Schwefel etc. einfach als Verunreinigungen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Dasselbe gilt für die Ausnahmefälle, in welchen Bronzeanalysen Spuren von Edelmetallen nachweisen. B. 1—7 sind Analysen japanischer Bronzen mit dunkler Patina, welche von H. Morin veröffentlicht wurden. Comptes Rend. Tome 78. 1874. pg. 811: »Sur quelques bronzes de la Chine et du Japon ȧ patine foncé«. Der hohe Bleigehalt, welcher fast alle diese schönen Legierungen auszeichnet, nähert sich bei Nr. 5 demjenigen der kleinen altägyptischen Bronzefiguren, wie er in A. 5 angegeben ist. Dass Morin bei den meisten der vorerwähnten Analysen auch Spuren von Arsen und Schwefel, in zweien auch solche von Nickel und Gold fand, kann nicht auffallen. Tabelle C. gibt das Mischungsverhältniss der Metalle an, welche für die Spie- gelbronze in Anwendung kommen. Nr. 1 ist die Analyse einer solchen Legierung nach Champion und Pellet, Nr. 2 und 3 die Zusammensetzung der Spiegelbronze in Kiôto, Nr. 4 eine Analyse nach Atkinson. Die übrigen sind den Annales de Chimie et de Physique, T. XX. 1880. pg. 136 entnommen. Tabelle D. bedarf keiner weiteren Erläuterung. 7. Metallindustrie. Zur Tabelle E. bemerke ich, dass die meisten der hier zusammengestellten Analysen Dinglers Polyt. Journal, vornehmlich der Arbeit von Prof. R. Weber entnommen sind, und zwar ist Nr. 1 Normalbronze von Elster, 2 die Zusammen- setzung des Grossen Churfürsten, 3 Friedrich Wilhelms, 4 der Rossebändiger, 5 der Statue von Brandenburg zu Berlin, 6 gibt die Analyse der Reiterstatue des Churfürsten Johann Wilhelm auf dem Markte zu Düsseldorf an, während 7 und 8 sich auf die Zusammensetzung zweier Bronzestatuen zu Paris, nämlich von Louis XIV. und Louis XV. beziehen. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 8. Keramik. Vorbemerkungen. Eintheilung der Thonwaaren mit besonderer Beziehung auf die japanischen. Historischer Ueberblick. Anfänge und Leistungen der Industrie Japans bis zur Einführung der Drehscheibe. Fortschritte. Einfluss der Cha-no-yu. Die Erfindung und Darstellung des Porzellans in China. Einführung der Fabri- kation in Japan. Centren derselben, sowie der Steingutindustrie. Arita, Naye- shirogawa, Kagoshima, Kiôto, Seto, Ôta, Hongo, Kaga. Steinzeug. Banko-yaki und Imbe-yaki. Literatur . 1) A. Brogniart : »Traité des arts céramiques et des poteries. Paris 1844. 2) B. Kerl : Handbuch der gesammten Thonwaaren-Industrie. 2. Aufl. Braunschweig 1879. 3) Seger, Hoffmann u. Biedermann : Thonindustrie-Zeitung. 4) Dingler’s Polyt. Journal. Bd. 198 u. 227, mit Analysen von Bischof und von Gümbel. Bd. 246. »Ueber Glas, Glasuren, Porzellane, Steinzeuge und feuer- feste Thone von G. Wagener. 5) Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 32. Band 1880 mit W. Pabst: »Untersuchungen von chinesischen und japanischen Gesteinen zur Porzellanfabrikation.« 8. Keramik. 6) Transactions of the Asiat. Soc. of Japan 1878, E. Satow ; The Korean Potters in Satsuma, 1880: B. W. Atkinson , Notes on the Porcelain In- dustry of Japan. 7) A. W. Franks : Japanese Pottery. London 1880. 8) A. W. Franks : Catalogue of a Collection of oriental Porcelain and Pottery. London 1876. 9) Katalog der Oriental. Keram. Ausstellung im Orientalischen Museum zu Wien 1884. 10) Ninagawa Noritane : Kwan-ko-dzu-setsu, oder Geschichte und Be- schreibung der keramischen Kunst. Tôkio 1876—77. 11) Capt. Brinkley : A History of Japanese Keramics. The Chrysan- themum and Phoenix. Vol. III No. 1—6. Yokohama 1883. 12) La Céramique par M. S. Bing in dem Prachtwerk von L. Gonse: L’Art Japonais. Paris 1883. 13) G. Audsley u. James Bowes : »Keramik Art of Japan.« London 1881. Die Thonwaaren-Industrie führt nach einem griechischen Worte auch den Namen Keramik , eine Bezeichnung, welche man der Kürze wegen viel gebraucht, da sie Alles umfasst, was aus Thon durch Menschenhand gebildet und gebrannt wird, vom gewöhnlichen Ziegelstein bis zum feinsten Porzellan. Vom Thon (κέραμος) κέραμος bezeichnete ursprünglich ein Trinkhorn, später auch das irdene Gefäss und den Thon, aus welchem es bereitet wurde. wussten schon die alten Griechen und Römer, dass er im nassen Zustande an den Füssen, im trocknen an der Zunge klebt, wohl auch, dass er beim Anhauchen einen eigenthümlichen Geruch entwickelt, der weder zu beschreiben, noch zu verwechseln ist. Nicht minder kannten sie die Bildsamkeit und Widerstandskraft gegen die Einflüsse des Wassers und Feuers und benutzten diese höchst werthvollen Eigenschaften zur Darstellung ihrer dauerhaften Ziegeln und von mancherlei Gefässen, wie wir es auch thun. Die innere Natur des Töpferthones, sein Ur- sprung und das Verständniss über die Art der Veränderung durch das Brennen, so weit sie nicht durch den Augenschein wahrgenommen werden konnte, also die geologische und chemische Seite blieb ihnen ebenso verborgen, wie den Chinesen und Japanern, obgleich diese die keramische Industrie zur höchsten Blüthe gebracht und in der Mannich- faltigkeit der angewandten Rohmaterialien, der Produkte und ihrer Verzierungsweisen lange Zeit hindurch alle Völker weit übertroffen haben. Kein Industriezweig ist älteren Ursprungs und in seiner allmäh- lichen Entwickelung, sowie der Behandlungsweise des Rohstoffs mehr geeignet, eines Volkes Intelligenz, Kunstsinn und Fortschritte besser III. Kunstgewerbe und Verwandtes. zu veranschaulichen, als die Keramik. Aus ihren Produkten beurteilen wir den nicht hohen Culturzustand der Trojaner, erkennen und be- wundern wir den entwickelten Kunst- und Schönheitssinn der Griechen und Etrusker. Unter Ruinen und Schutt jahrtausendelang begraben, bewahrten sie Form und Verzierung und wurden, als man sie in neuerer Zeit daraus hervorzog, nicht nur eine reiche Quelle archäo- logischer Forschung, sondern vielfach auch die nachahmenswerthesten Muster für unsere heutige Industrie. Angesichts der Thatsache, dass die Thonwaaren-Industrie vieler Länder und Völker der Erde bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück- reicht, dass ihre Gefässe den Menschen fast unentbehrlich wurden, können wir uns kaum den Culturzustand unserer Vorfahren ohne solche richtig vorstellen. Und doch gab es in Deutschland eine Zeit, wo die Bewohner in Höhlen lebten, sich von der Jagd auf Rennthiere, Bären und andere Vierfüssler nährten, wo sie, gleich den Südsee-Insulanern bei ihrer ersten Berührung mit Europäern, weder Metalle noch Thon- waaren kannten, und ihre Speisen, statt in Töpfen und Pfannen, auf erhitzten Schiefer- und Sandsteinplatten zubereiteten. Kehren wir jedoch zur Keramik Japans zurück. Zur besseren Orientierung in derselben schicke ich eine Uebersicht der dabei in Betracht kommenden Produkte voraus. Nach dem Vorgang von Brog- niart werden die verschiedenen Thonwaaren gewöhnlich in 2 grosse Gruppen gebracht und als weiche und harte unterschieden, denen auch die japanischen Benennungen Tsuchi-yaki und Ishi-yaki , d. h. »Erd-Gebranntes« und »Stein-Gebranntes« entsprechen. Man brennt die weichen Thonwaaren meist bei geringerer Hitze, da sie im Feuer des Porzellanofens zusammensintern oder schmelzen würden. Ihr Scherben ist undurchsichtig, zeigt einen erdigen Bruch, lässt sich mit dem Messer ritzen, ist porös und gestattet gewöhnlich den Flüssig- keiten langsamen Durchgang. Die Glasur , welche angewandt wird, um dies zu verhüten und zugleich als Grundlage weiterer Verzierung zu dienen, ist entweder Alkali- oder Bleiglasur und verglast mit einem Theil der Kieselsäure der Waare zu einer dünnen durchsichtigen Rinde, oder es ist Zinnglasur, welche ein opakes, milchweisses Email bildet und ziemlich dick aufliegt. In diese grosse Abteilung gehören alle Irdenwaaren vom Ziegel- stein bis zum feinsten Steingut. Bei den meisten Unterabteilungen werden Thone (Tsuchi) verwandt, welche in Folge mineralischer Ver- unreinigungen sich grau, gelb, roth, braun oder schwarz brennen, so dass die Farbe des Bruches scharf absticht gegenüber derjenigen der Glasur. Dem geringeren Werth solcher Waaren entspricht die weniger 8. Keramik. sorgfältige Zubereitung der Masse durch Auswahl und Schlemmen. Es gehören in diese Gruppe: a) Unglasierte Irdenwaare, japanisch Kawarake , Backsteine oder Renga-seki , und Ziegeln, Kawara . Aus ziegelroth gebrannter Kawa- rake, der einfachsten und billigsten Thonwaare Japans, bestehen die Schüsseln zum Rösten der Bohnen, die kleinen flachen Tellerchen, auf welchen man den Shintôgöttern Reis und andere Speisen opfert, Töpfe zur Bereitung gewisser Arzeneien. Die meisten Ziegeln, zumal die in einer Vorstadt von Tokio gebrannten, haben eine schwarzgraue Farbe. b) Terracotten und andere antike Geschirre mit dünner alka- lischer Glasur, welche an der Oberfläche durch anfangendes Schmelzen hervorgebracht wird. In der sorgfältigeren Schlemmung und Zube- reitung des Rohmaterials, in den edlen Formen und Verzierungen unter- scheiden sich diese Produkte der Griechen und Römer von denen anderer Völker. Die grössten irdenen Hohlgefässe der Mittelmeer- länder gehören hierher, z. B. die urnenförmigen Tinaja’s der Spanier, welche zum Aufbewahren des Olivenöls dienen und oft 100 Aroben à 25 l fassen können. In der Krimm und in Kleinasien dienen ähnliche zur Aufbewahrung des Weins, in Japan benutzt man die ebenso ge- stalteten Tsubo als Receptacula der Latrinenstoffe. Nach Thunberg lieferte Swota an der Bucht von Shimabara sehr grosse irdene Urnen, die ebenfalls statt der Fässer zur Aufnahme der Fäcalstoffe dienten. c) Gewöhnliche Töpferwaaren mit Blei- oder Kochsalzglasur. Ein grosser Teil der irdenen Geschirre gehört, wie bei uns, so auch in Japan hierher. Auch das sogenannte Toyosuke-yaki von Nagoya, welchem man durch Lackmalerei äusserlich ein prächtiges Aussehen gibt, ist solche Irdenwaare. d) Gemeine, emaillierte Faience und Majolica . Sie hat einen lockeren, erdigen Bruch von anderer Farbe als die undurchsichtige Glasur oder das dick aufgetragene Zinnemail, welches als scharfabge- grenzte weisse Kruste darauf ruht. Viel vom gewöhnlichen Tisch- geräthe mit porzellanähnlichem Aussehen, aber ohne Durchsichtigkeit, die im 17. Jahrhundert so berühmte Delfter Waare mit ihrer blauen Kobaltverzierung, die emaillierte Faience des ganzen Mittelalters und die Majolica gehören hierher. Japan hat wenig Waaren aufzuweisen, welche sich anreihen. Der Majolica muss man jene grauen, braunen und grünen Teller und Vasen mit erhabener Emailverzierung zuzählen, welche in der Provinz Ise dargestellt und oft neben Steinzeug eben- falls als Banko-yaki bezeichnet werden. e) Steingut, Halbporzellan oder feine (edle) Faience , wurde lange Zeit auch als Henri II bezeichnet. Steingut steht in der III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Mitte zwischen hartgebranntem Porzellan und poröser, weicher Irden- waare. Es wird von reinen gutgeschlemmten Materialien ähnlich wie Porzellan dargestellt und erhält wie dieses eine durchsichtige Glasur. Der Scherben ist weiss oder gelblich, dicht, hart, doch undurchsichtig, von erdigem Bruch. Wie bei uns, so spielt Steingut In vielen deutschen Sammlungen und Büchern zieht sich immer noch eine auffallende Begriffsverwechslung zwischen Faience, Steingut und Steinzeug hin, welche die hervorragendsten Steingutfabrikanten in Deutschland, wie Boch in Metlach, Guillaume in Bonn und Wessel in Poppelsdorf längst beseitigt haben. Sie nennen ihre Waare Steingut und wissen, dass zwischen ihm und feiner Faience kein Unterschied besteht, während der Name Steinzeug auf die Erzeugnisse des Kannenbäckerlandes und ähnliche hartgebrannte Geschirre, die am Stahle Feuer geben, zu beschränken ist. Steingut wird in Japan und in Europa nicht länger verfertigt als Porzellan; der Ursprung des Steinzeugs aber ist fast so alt, wie derjenige der Keramik überhaupt. auch in der Kunsttöpferei Japans eine grosse Rolle. Das berühmte Satsuma, Awata-yaki, Awaji, Ôta- und andere Geschirre gehören hierher. Da sie keiner so hohen Hitze ausgesetzt werden, wie Porzellan, so bieten sie der künstlerischen polychromen Ausschmückung einweites Feld. Die zweite grosse Abteilung keramischer Erzeugnisse umfasst die harten und dichten Thonwaaren. Ihr Brennen erfolgt bei so grosser Hitze, dass die Masse dabei versintert oder verfrittet Verfritten wird vom ital. fritta (geröstet) abgeleitet. Fritte bezeichnet die Mischung z. B. der Bestandteile des Glases zum Vorschmelzen. Frittenfarben, Frittenporzellan. , ohne zu schmelzen, beim Erkalten aber so hart wird, dass sie nachher mit dem Messer sich nicht ritzen lässt und sich durch hellen Klang auszeichnet. Der Scherben zeigt glatten muscheligen Bruch. Das Gewirre kleiner krystallinischer Nadeln, welche man bei mikroskopischer Betrachtung des verfritteten Scherbens erblickt, oder die Einbettung solcher in die amorphe glasige Masse, ist so dicht, dass die Gegenstände auch ohne Glasur das Wasser nicht durchlassen. Zur dichten und harten Thon- waare rechnet man Porzellan, Steinzeug und Jaspis- oder Wed- gewoodwaare . Das Steinzeug (siehe Anmerkung Verfritten wird vom ital. fritta (geröstet) abgeleitet. Fritte bezeichnet die Mischung z. B. der Bestandteile des Glases zum Vorschmelzen. Frittenfarben, Frittenporzellan. wird aus ordinärerem Ma- terial und weniger sorgfältig, als das Porzellan dargestellt. Es ist grauweiss, meist aber gelb, roth, braun bis schwarz gefärbt, hart und klingend, nur an den Rändern durchscheinend. Die Glasur ist ein wirkliches Glas und wird in der Regel in den Oefen dadurch erzeugt, dass man die Dämpfe des in dieselben eingetragenen Koch- salzes auf das heisse Geschirr einwirken lässt, wobei die entstehende 8. Keramik. Salzsäure entweicht. Unter den europäischen Staaten hat sich Deutsch- land im 16. Jahrhundert durch seine Steinzeug-Industrie besonders ausgezeichnet. Die Orte Höhr und Grenzhausen im Kannenbäckerland bei Montabaur betreiben die Industrie noch lebhaft. Die Mineralwasser- krüge und Drainageröhren gehören ebenfalls zum Steinzeug. In England zählt das berühmte Wedgewoodgeschirr dazu, insbesondere die Jaspis- und Basaltwaare, ebenso der grössere Theil des sogenannten »Jaspis-« oder »rothen Porzellans«, welches Böttger in den Jahren 1707—1712 nach chinesischen Mustern in Meissen verfertigte. In Japan gehört vornehmlich das Banko-yaki in Ise und das Imbe-yaki von Bizen hierher. Chinesische Jaspiswaare und durchbrochenes Steinzeug soll aus der Provinz Shantung kommen. Das Moritzhaus im Haag und Leiden haben besonders schöne Sammlungen davon. In der zahlreichen keramischen Familie steht das Porzellan als edelstes Glied oben an. Es gehören zu ihm alle dichten, durch- scheinenden und hellklingenden weissen Thonwaaren mit oder ohne Glasur. Wo diese angewendet wird, ist sie stets durchsichtig, aufs innigste mit dem Porzellan verbunden, von dem sie sich nur durch leichtere Schmelzbarkeit unterscheidet. Das Porzellan selbst wird in der Regel aus den reinsten Materialien nach sorgfältiger Zubereitung bei ansehnlicher Hitze gebrannt. Ungeachtet seiner angegebenen Eigen- schaften ist die Begrenzung des Begriffes Porzellan viel schwerer als es scheinen mag; denn auch beim Porzellan sind die Unterschiede in den Eigenschaften und der Zusammensetzung, durch welche sie bedingt werden, gross, so dass es einerseits sich dem Milchglase nähert, ander- seits dem als Halbporzellan bezeichneten Steingut, sowie dem eben so benannten weissen Steinzeug. Unglasiertes Porzellan führt den Namen Biscuit- oder Statuenporzellan . Das glasierte wird wieder in hartes und weiches unterschieden. Hartes, echtes oder Stein- Porzellan lässt sich auch auf der Glasur durch ein Messer nicht ritzen, hat hellen Klang und gibt zuweilen am Stahl Funken. Zu seiner Masse, welche bei hoher Hitze (von 3000—4500°C.) gebrannt wird, ver- wendet man neben Kaolin stets auch Feldspath oder ein Feldspath- gestein. Zum Gebrauch im Haushalte und im chemischen Laboratorium übertrifft Hartporzellan alle andern Thonwaaren an Werth, steht da- gegen für decorative Zwecke dem weichen Porzellan und Steingut nach, weil es der polychromen Ausschmückung manche Schwierig- keiten entgegenstellt. Das weiche oder Frittenporzellan besitzt eine durch das Messer ritzbare Bleiglasur, welche aus Bleioxyd mit Zusatz des Flussmittels hervorgerufen wird. Zum Flusse der Masse, welche man aus plastischem III. Kunstgewerbe und Verwandtes. tertiären Thon und Kaolin bereitet, Zu dem schönen Seger-Porzellan der Neuzeit wird kein Kaolin, sondern Mikroklin von Ytterby und fetter Braunkohlenthon benutzt. wird ihr nämlich Feuerstein, Gips oder Knochenasche beigefügt. Weiches Porzellan, einerlei, ob es wie das englische sich dem Steingut, oder wie das französische Frittenporzellan nach seinen Bestandteilen und Eigenschaften dem Glase nähert, schmilzt bei der Brennhitze des gewöhnlichen harten. Daher wird dieses in allen Ländern vorwiegend dargestellt und benutzt und ist immer gemeint, wenn von Porzellan ohne Weiteres die Rede ist. Dass es aber auch unter diesem noch manche Abstufungen gibt und insbesondere das japanische verschiedene Eigenthümlichkeiten auf- weist, werden wir im Zusammenhang mit seiner Darstellung noch näher kennen lernen. Zum besseren Verständniss mögen hier zunächst einige geschichtliche Notizen folgen. Wie bei andern Völkern, so hat auch in Japan die Bildnerei irdener Gefässe bereits in vorgeschichtlicher Zeit mit geringen Hülfs- mitteln begonnen und erst allmählich eine höhere Stufe der Kunst- fertigkeit erreicht. Wann und wo man zuerst gewöhnliche Lehmerde mit der Hand zu plumpen Töpfen und andern Gefässen geformt und durch eine unzweckmässige Feuerung ähnlich wie Backsteine gebrannt hat, ist für unsere Zwecke gleichgültig, dürfte überdies kaum zu er- mitteln sein. Die Hauptanhaltspunkte sind alte Gräberfunde und sonstige Ausgrabungen. Sie beweisen, dass die Töpferei in Japan vor der koreanischen Einwanderung Dieselbe begann mit der Eroberung eines Theils von Korea durch Jingu Kôgô im Jahre 202 n. Ch. (siehe Band I, pg. 248). im dritten Jahrhundert noch in den Windeln lag und auch noch Jahrhunderte später bis zur Einführung der Drehscheibe sich über die Leistungen vieler andern Völker nicht erhob. Die plumpen rundlichen Formen mit rauher Oberfläche ohne Verzierung entsprachen dem ordinären Material und seiner rohen Zu- bereitung. Es waren ziegelrothe, braune bis schwarze unglasierte Terracotten, deren Farbe oft auf der einen Seite anders war, als auf der andern, wenn ungleiche Hitze auf sie eingewirkt hatte. Dach- ziegeln wurden bereits um das Jahr 660 n. Chr. gebrannt. Der Zufall musste schon frühzeitig auch Steinzeug liefern. Mit Kochsalzglasur versehene Stücke dieser Art sind nicht selten, So besitzt das Ethnographische Museum zu Berlin ein Stück von Dr. Hilgen- dorf, welches aus Awa stammen soll. Es ist ein Cylinder mit an drei Stellen fensterartig durchbrochener Wandung auf breitem Fusse. stammen aber wohl alle aus der Zeit nach Einführung der Rokuro oder Drehscheibe . 8. Keramik. Dieselbe wird in das Jahr 724 n. Ch. verlegt und dem berühmten Bonzen Giôgi (670—749 n. Ch.) in Idzumi zugeschrieben, mit dessen Namen man auch mehrere der ältesten Kunstdenkmäler der Tempel und Klöster zu Nara in Verbindung bringt. Dass er einen grossen Einfluss auf die Thonwaaren-Industrie seines Landes ausgeübt haben muss, kann man auch dem Umstande entnehmen, dass man ihren älteren Produkten den Collectivnamen Giôgi-yaki gegeben hat. Unter dem Schatz der Pagode Tôdaiji zu Nara befindet sich eine Sammlung schwarzer, harter irdener Gegenstände, vornehmlich Töpfe und Vasen, welche erwiesenermaassen aus der Zeit des Giôgi stammen und deutliche Spuren der Drehscheibe aufweisen. Eines der interessantesten Stücke aus älterer Zeit, das schon eine grössere Fer- tigkeit auf diesem wichtigen Apparat bekundet, ist eine Vase, die in einem Grabe zu Hano in Kôtsuke zusammen mit werthvollen Steinen, Bronze und Eisen gefunden wurde. Tafel 33 des Eingangs erwähnten Werkes von Ninagawa bietet eine schöne Abbildung derselben. Sie ist hartgebrannt, nach aussen schwarzblau, im Bruch röthlich. Ihre Gestalt erinnert an die unter dem Namen »Römer« bekannten Kelch- gläser, wenn man sich über der Cuppa noch einen, die Kugelform er- gänzenden Deckel denkt, der sich nach oben zu einem ziemlich weiten cylindrischen Halse gestaltet. Die Maassverhältnisse sind sehr gut ge- wählt, und ebenso bekundet die Anbringung der einfachen Wellen- und Linienornamente einen feinen Geschmack. Zu solchen, durch die Drehscheibe bedingten Fortschritten gesellte sich nun im 8. Jahrhundert auch noch die Einführung glasig durch- scheinender Glasur. Am ältesten dürfte die Anwendung der Kochsalz- glasur auf Steinzeug sein, die ja auch in unserer deutschen Töpferei, und namentlich beim Brennen des Steinzeuges für Haushaltungszwecke viel und seit vielen Jahrhunderten im Gebrauch ist. Gefärbte, opake Glasuren schlossen sich allmählich an; doch hat das weisse Zinnemail sich nie recht eingebürgert, selbst nicht beim Cloisonné. In den folgenden Jahr- hunderten bildete die Verbreitung des Thees und der sogenannten Cha-no-yu oder ceremoniellen Theegesellschaften (an denen übrigens Damen nicht teilnahmen) einen eigenartigen Anstoss für die Töpferei. Urnenartige Deckelvasen zur Aufbewahrung der gedörrten Theeblätter des Handels, Theetöpfe und Theeschalen wurden viel verlangt; aber der Geschmack nahm eine sonderbare Richtung an, insofern man plumpen, handgeformten Gefässen den Vorzug gab, sobald sie nur die schwarze Glasur aufwiesen, welche man zur Conservierung des Thees besonders schätzte. Die erwähnten Eigenschaften fand man vor- nehmlich bei dem unter dem Namen Raku-yaki bekannten Fabrikat. Rein , Japan. II. 35 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Dasselbe wurde um’s Jahr 1570 von einem Koreaner, Namens Ameya, in Kiôto eingeführt und anfangs Juraku-yaki genannt, nach dem Stadtteil, in welchem sich die Brennerei befand. Nachdem es aber den Beifall des mächtigen Taikô-sama (Hideyoshi) gefunden und dieser den Fabrikanten durch Verleihung eines goldenen Siegels mit der Inschrift Raku , »Genuss«, ausgezeichnet hatte, wurde dieses Wort als Bezeichnung der Waare allgemein üblich. Der Liebhaberei für Raku-yaki und ähnliche Gefässe zur Auf- bewahrung und Zubereitung des Thees in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, sowie der hohen Preise, welche für solche schwarze Geschirre gezahlt wurden, gedenken verschiedene Autoren aus jener Zeit, so Jan Huygen van Linschoten The Voyage of J. H. van Linschoten to the East Indies. From the old English translation of 1598 by A. Burnell. London, Hakluyt Soc. 1875. und Antonio de Morga . The Philippine Islands, Moluccas, Siam, Cambodia, Japan and China at the close of the sixteenth century by A. de Morga. London, Hakluyt Soc. 1868. Seite 285 der englischen Ausgabe von Morga heisst es: »Auf der Insel Luzon finden sich unter den Eingeborenen grosse irdene Urnen mit dunkler Farbe von sehr hohem Alter, doch ohne Verzierung und Zeichen. Man kann den Ursprung nicht angeben, noch ob sie auf der Insel selbst gemacht worden sind. Die Japaner suchen nach ihnen und bezahlen hohe Preise für dieselben, weil sie gefunden haben, dass die Wurzel eines Krautes, welches sie Cha (Thee) nennen und heiss trinken, sich vortrefflich darin aufbewahren lässt, wie nir- gends sonst. Sie verzieren diese Gefässe äusserlich mit feinem Golde und viel Geschmack und umhüllen sie mit Brocat.« Man darf wohl behaupten, dass die eigenthümliche Geschmacks- richtung, welche durch die Cha-no-yu angebahnt wurde, eher Hinder- niss, als Förderungsmittel der keramischen Kunst war. Diese erlangte erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine neue Grundlage, auf der sie sich bald freier und mächtig emporschwang. Es ist die Ein- führung der Porzellanindustrie aus China, wozu die Expedition des Hideyoshi nach Korea den Anstoss gab. (Siehe Band I. pg. 324 ff.) Bevor wir uns aber mit der Einführung und Entwickelung der höheren Keramik in Japan eingehender beschäftigen, wollen wir erst einen Blick auf ihre Produkte überhaupt, sowie ihren Ausgang in China werfen. In der feineren Keramik bedient man sich einer sich weiss- brennenden Masse, die man meist aus einer Mischung von zweierlei Substanzen in fein pulverisiertem und geschlämmtem Zustande bereitet, 8. Keramik. nämlich aus Kaolin Der Name stammt von Kao-Ling , d. h. »hoher Rücken«. So heisst nämlich ein Hügelzug im Osten der chinesischen Porzellanstadt King-te-tschin , der indess nicht das Zersetzungsprodukt liefert, welches wir in Europa Kaolin nennen, sondern einen Phyllit , dessen chem. Zusammensetzung an Hälleflinta erinnert und derjenigen des japanischen Porzellansteines und des Pegmatits nahe kommt, wie eine Zusammenstellung von Analysen am Schlusse dies zeigen wird. (Porzellan- oder Pfeifenthon) und einem kiesel- säurereicheren Körper, dem sogenannten Flussmittel , welches in der Regel Feldspath ist, aber auch Pegmatit, Porzellanstein Wir werden weiter unten sehen, dass solche Porzellansteine, welche unserer Thonwaarenindustrie fehlen, in China und Japan dabei eine grosse Rolle spielen. oder irgend eine sich weissbrennende Form des Quarzes sein kann. Kaolin zeichnet sich durch Bildsamkeit und Feuerbeständigkeit, das Flussmittel dadurch aus, dass es in der Hitze des Porzellanofens zu einer glasartigen Masse schmilzt. Von dem Verhältniss beiderlei Be- standteile in der Masse und der Hitze, welcher Gebilde aus dieser beim Brennen ausgesetzt werden, hängt es ab, ob die gebrannte Waare erdig oder glasig bricht, opak oder durchscheinend ist, Por- zellan oder Steingut genannt wird. Kaolin ist aus der Zersetzung des Feldspaths, sowie verwandter Mineralien hervorgegangen und findet sich als Verwitterungsprodukt feldspathreicher Gesteine, insbesondere des Granits, Porphyrs und Gneiss, und zwar stets in situ und mit dem unverwitterten Quarz dieser Gesteine häufig noch so vermischt, dass man alle Stadien der Verwitterung verfolgen kann. Gewöhnlicher Töpferthon dagegen, z. B. der fette Braunkohlenthon (und auch der Lehm unserer Felder), ist eine Sedimentbildung, bei der das Wasser die ursprünglichen Verwitterungs- produkte thonerdereicher Gesteine oft weit forttransportiert, umgestaltet und endlich abgelagert hat, so dass der Ursprung nicht mehr zu er- kennen ist. Porzellan ist gleich dem Glase im wesentlichen ein Doppelsilicat der Thonerde mit Alkalien. Aber während beim Glase der Kiesel- säuregehalt wenigstens 95 % beträgt, bewegt sich derselbe beim Por- zellan zwischen 58 % und 82 %. Der Anteil der Thonerde variiert zwischen 9 % und 38 %. Die Menge der Alkalien, wobei Kali in der Regel weit vorwiegt, steigt nur ausnahmsweise auf 5—6 %. Noch seltener beträgt der vorhandene Kalk mehr als einen Bruchteil von einem Procent. Hoher Kieselsäuregehalt der Porzellanmasse verringert ihre Plasticität (macht sie mager), erleichtert aber das Brennen und liefert ein feines, mehr dem Glase sich näherndes, aber wenig hartes Porzellan. Umgekehrt steigt mit der Menge der Thonerde die Bildsamkeit, Härte 35* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. und Feuerbeständigkeit; dagegen brennt sich eine thonreiche Masse weniger schön, wird nicht so transparent und bietet der Decoration grössere Schwierigkeiten dar. Nach der Menge und Stellung der Kieselsäure im gewöhnlichen oder Hartporzellan unterscheidet G. Wagener Ueber Glas, Glasuren, Porzellan, Steinzeuge und feuerfeste Thone, von Dr. G. Wagener in Tôkio. Dingl. Pol. Journal. Bd. 246 (1882) pg. 33 ff. : a) Thon-Porzellane , wie die von Meissen und Sèvres. Sie ent- halten 30—36 % Thonerde und können als Gemenge unschmelzbarer, doppeltkieselsaurer Thonerde (Al 2 O 3 , 2 Si O 2 ) mit thonerdefreiem Glas angesehen werden. b) Kiesel-Porzellane . Dieselben enthalten einen Ueberschuss an Kieselsäure, können bei niedrigerer Temperatur gebrannt werden, als die der beiden andern Gruppen und nähern sich am meisten dem Milchglase. Weitaus das meiste Porzellan des Handels gehört hierher, so vor allem das chinesische, japanische und böhmische. c) Silicat-Porzellane , eine Gruppe, welche vornehmlich von dem Berliner Produkt gebildet wird, das, wie allbekannt, durch die hohe Hitze, bei der es gebrannt werden muss, seine Feuerbeständigkeit und grosse Härte sich von allen andern auszeichnet. Diesen Eigen- schaften entsprechend erscheint es auch unter dem Mikroskop eigen- artig, als eine glasartig-amorphe, homogene Masse, und eben so in seiner chemischen Zusammensetzung, indem es aus über 70 % dreifach- kieselsaurer Thonerde (Al 2 O 3 , 3 Si O 2 ) in Verbindung mit etwa 24 % thonerdefreiem Glas besteht. Jederman weiss, dass die Chinesen zuerst das Porzellan erfanden. Sie stellten daraus schon vor 600 Jahren mancherlei Gefässe dar und schmückten sie zum Theil mit prächtigen Farben, welche wir noch heute nicht alle nachzuahmen vermögen. Wer sich von ihren grossen Leistungen überzeugen will, und zwar schon zur Zeit, als die meisten unserer Thonwaaren noch recht rauh und plump waren, möge sich nur die herrliche königliche Sammlung zu Dresden ansehen. Wohl wurde dieselbe soweit als möglich chronologisch geordnet, dabei aber ebenso wenig, wie anderwärts die Frage nach der Zeit, in welcher die An- fertigung des ersten Porzellans stattfand, gelöst. Es ist über dieselbe schon viel geschrieben und gestritten worden und auch heutiges Tages gehen die Ansichten darüber noch weit auseinander. Doch ist man wenigstens soweit einig, dass man die Erfindung nicht mehr in die vorchristliche Zeit zurückverlegt. 8. Keramik. Im Distrikt Jaotscheu der Provinz Kiang-si östlich des Poyang- Sees befindet sich das berühmte King-te-tschin , welches ganz China mit Porzellan versorgt. In früherer Zeit soll es über 3000 Brennöfen und eine Million Arbeiter besessen haben. Die Rebellion der Taiping, welche vor etwa 30 Jahren dem chinesischen Kunstgewerbe schwere Wunden schlug, die noch lange nicht alle vernarbt sind, zerstörte auch die Brennöfen von King-te-tschin nebst der sich daran knüpfenden, blühenden Industrie seiner Bewohner. Ist auch seitdem zur Neu- belebung derselben viel geschehen, so hat sie doch ihre frühere Leistungs- fähigkeit nicht wieder erreicht. King-te-tschin liegt etwa 54 km nordöstlich von der Hauptstadt Jaotscheu und wurde um’s Jahr 1004 n. Chr. nach einem Kaiser der Sung-Dynastie benannt, der hier die ersten Porzellanöfen anlegen liess, während Brennereien für irdenes Geschirr nach Salvétat schon im Jahre 583 n. Ch. daselbst eingerichtet worden sein sollen, als man die nöthigen Rohstoffe in Menge in der Nähe fand. Nach St. Julien wurde bereits viel früher Porzellan dargestellt, dessen Erfindung derselbe in die Zeit zwischen 185 v. Ch. und 83 n. Ch. verlegt. Man hat aber hiergegen mit Recht hervorgehoben, dass die chinesischen Angaben, auf welche er sich stützt. gleich denen des Marco Polo Histoire et Fabrication de la Porcelaine Chinoise par S. Julien. Préface de M. Salvétat. Paris 1856. sehr oberflächlich und unbestimmt sind und sich wahrscheinlich auf ganz andere Thon- waaren beziehen. Ist doch der Begriff Porzellan Der Name Porzellan wurde durch die Portugiesen eingeführt, welche zuerst grössere Mengen des chinesischen Produkts nach Europa brachten. Derselbe be- zieht sich auf die äussere Aehnlichkeit desselben mit der Kalkmasse, aus welcher die Cypraea oder Porzellanschnecke (port. Porcellana) ihre Schale bildet. auch in Europa vielfach falsch aufgefasst worden, selbst noch im 17. Jahrhundert, wo die Niederländer ihre opake Faience nicht selten Porzellan nannten, wie später Böttger sein rothes und braunes Steinzeug. Auf den Namen kommt auch hier wenig, auf den Begriff, den man damit verbindet, Alles an. Nun gebrauchten aber die Chinesen für die glasierte opake Irdenwaare nach Sartel O. du Sartel: »Zur Geschichte der chin. Keramik,« im Katalog der Orientalisch-Keramischen Ausstellung zu Wien. 1884. den Namen Thao , während die Benennung Yao für Porzellan erst im 9. Jahrhundert auftauchen soll. Hieraus schliesst derselbe, dass die harten, muscheligbrüchigen, weissen und durchscheinenden Waaren, welche wir Porzellan nennen, erst am An- fang des 9. Jahrhunderts verfertigt wurden. Hiermit stimmt die erste unzweideutige Erwähnung des Porzellans in dem Berichte des Arabers III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Soleymann , welcher um die Mitte des 9. Jahrhunderts China bereiste. W. Williams , The Middle Kingdom, Vol. II pg. 23. London 1883. ein vortrefflicher Kenner Chinas, hebt ausdrücklich hervor, dass King-te-tschin erst seit dem Jahre 1000 n. Chr. besseres Porzellan liefert. Es ist die Zeit, in der man zuerst die Kobaltver- zierung unter der Glasur anwandte, welche von da an bis zur Gegen- wart in der Ausschmückung des chinesischen Porzellans, namentlich für den häuslichen Gebrauch der Chinesen, immer eine hervorragende Rolle gespielt hat. Ich will hier nicht unerwähnt lassen, dass Sir Harry Parkes, der verstorbene englische Gesandte in China, immer die Ansicht vertrat, das Porzellan sei erst im 12. oder zu Anfang des 13. Jahrhunderts aufgekommen. Damit stände denn die Thatsache im Einklang, dass chinesisches Porzellan erst im 13. Jahrhundert in Japan bekannt wurde. Mit Recht macht Capt. Brinckley in seiner Abhandlung über die Ge- schichte der japanischen Keramik hierauf aufmerksam, indem er hervor- hebt, dass Japan seit seinen ältesten Verbindungen mit China theils direkt, theils über Korea, die verschiedenartigsten Erzeugnisse des chinesischen Gewerbfleisses schätzte und einführte, es also doppelt auf- fallen muss, dass Porzellan aus älterer Zeit nicht vorkommt. Im 13. Jahrhundert kamen jene prächtigen farbigen Grundtöne in Anwendung, welche wie celadongrün, mattviolett, gelb, türkisblau von Sammlern so geschätzt werden. Aber die Blüthezeit der chinesischen Porzellanindustrie fällt, wie die der meisten Zweige seines Kunst- gewerbes in die Periode der Ming-Dynastie, vornehmlich in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. In dieser Zeit trat die Porzellan- fabrikation durch die Anwendung polychromer Verzierungen auf der Glasur in ein neues Stadium. Man verwandte dazu die sogenannten fünf Hauptfarben der Chinesen, nämlich Grün (Osten), Roth (Süden), Weiss (Westen), Schwarz (Norden) und Gelb (Erde), wozu noch als sechste das Blau des Himmels kam. Gold und Goldpurpur kamen erst vom Jahre 1690 an in Gebrauch. Chinesisches Porzellan war in einzelnen Stücken durch die Araber und Perser allmählich nach den Ländern Süd- und Westasiens und bis nach Aegypten gelangt. Die Verbreitung in Europa fiel nach Ent- deckung des Seewegs nach Indien zunächst den Portugiesen, später deren Nachfolgern im Handel mit Ostasien, den Holländern und Eng- ländern zu. Wie bereits S. 390 hervorgehoben wurde, entlehnte man in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht blos zu Meissen (Böttger), sondern auch zu Sèvres, zu Stoke-upon-Trent (Wedgewood) und ander- 8. Keramik. wärts die Muster für die neuen Richtungen der Kunsttöpferei den Chinesen. Die von August dem Starken angelegte Porzellan- und Gefässsammlung wirkte in hohem Maasse anregend und belebend auf die Arbeiten von Böttger und seinen Gehülfen ein, so dass man nach- weisen kann, wie der ältere Meissener Stil daraus hervorgegangen ist. Die japanische Sprache besitzt zwar ebensowenig, wie die chi- nesische ein Wort, welches das Porzellan scharf und unzweideutig von allen andern Thonwaaren unterscheidet; aber man hat andere Beweise genug, dass die Porzellanindustrie in Japan noch nicht 300 Jahre alt ist und ihre Einführung sich an die Expedition des Hideyoshi nach Korea (1592—1598 n. Ch.) knüpft. Documente aus jener Zeit, die theils geschriebene, theils mündlich überlieferte Geschichte der Porzellan- und Faience-Fabrikation in den verschiedenen Provinzen, sowie endlich auch ältere Erzeugnisse derselben, deren Ursprung man genau kennt, bestätigen, dass der Anfang in jene Zeit fällt und mit der unfrei- willigen Uebersiedelung koreanischer Töpfer durch die Daimiô’s von Satsuma, Hizen, Chôshiu und mehrerer andern in deren Herrschaften im Jahre 1598 beginnt. Die Begründung der Kunsttöpferei durch diese Koreaner in Arita, Naëshirogawa, Kagoshima, Hagi und an andern Orten ist eine der wichtigsten Folgen jener Expedition zur Eroberung Koreas und Chinas gewesen. Korea selbst, das jetzt gegenüber China und Japan arm erscheint, dessen Kunstgewerbe auf sehr niedriger Stufe steht, lieferte früher mancherlei Artikel von hohem künstlerischen Werthe, namentlich in Porzellan und Bronze. Wie schon früher angedeutet wurde, pflegt der Japaner Thon- waaren nicht nach ihrem Charakter, sondern nach ihrem Ursprung zu benennen. Awata-yaki, Kutani-yaki, Seto-mono, Banko-yaki und Dutzende anderer Namen zeigen dies. Die Bezeichnungen Ishi-yaki für hartgebranntes, klingendes Porzellan und Steinzeug und Tsuchi- yaki für die weichere Irdenwaare kommen jedoch vor und verdienen allgemeine Annahme. Porzellan mit Kobaltdecoration unter der Glasur wird Some-tsuke genannt, und da solches für Haushaltungszwecke seit mehreren Jahrhunderten vornehmlich zu Seto in Owari in Menge verfertigt wird, so heisst Seto-mono (Setowaare) nicht blos dieses, sondern es wird auch überhaupt das blauverzierte Porzellan häufig so genannt. Die blaue Kobaltfarbe ist auch in Japan die älteste zur Ausschmückung des Porzellans und eben so, wie in China, noch immer die beliebteste, wie der Anblick eines jeden japanischen Porzellan- ladens beweist. (Ueber Gewinnung in Seto selbst siehe pg. 361). III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die feinere Keramik Japans zeigt uns verschiedene höchst inte- ressante Züge. Einmal ist sie nicht gleich der chinesischen auf ein ein- ziges Gebiet beschränkt, sondern hat, der Verbreitung werthvoller und sehr verschiedenartiger Rohmaterialien entsprechend, eine ganze An- zahl Fabrikationscentren, deren jedes durch Eigenthümlichkeiten des Materials und der Erzeugnisse sich auszeichnet. Ferner ist sie in ihren Vorrichtungen und mechanischen Hülfsmitteln wenig und nicht sehr zweckmässig ausgestattet, in ihren Leistungen aber dessenungeachtet erstaunlich entwickelt. Sie liefert ein Eierschalenporzellan von un- übertroffener Feinheit und Reinheit und wiederum Vasen und Blumen- töpfe so gross und stark, dass die grössten europäischen Fabrikate derart wahre Zwerge dagegen sind. In der Steingutfabrikation sind die Leistungen nicht minder gross. Dennoch kann man wohl im allgemeinen behaupten, dass der japanische Töpfer viel grösseres Gewicht auf die Ausschmückung seiner Waare legt, als auf eine sorgfältige Zubereitung und Gestaltung der Masse. Die Qualität kommt, wie M. Bing mit Recht hervorhebt, erst in zweiter Linie in Betracht. In: L’Art Japonais par L. Gonse. Chapitre IX. La Céramique Vol. II pg. 242. Darum wendet der Japaner nicht blos die gewöhnlichen Verzierungsweisen unter und über der Glasur an, sondern hat auch mit Erfolg die Lackmalerei und den Zellenschmelz auf Porzellan und Steingut übertragen. In der polychromen Aus- schmückung seiner Waare zeigt sich vornehmlich seine grössere Leistungs- fähigkeit, ein Sinn für wohlthuende, harmonische Farbenverbindungen, wie er wohl bei keinem andern Volke gleich entwickelt ist. In dieser Beziehung steht sein ehemaliger Lehrmeister, der Chinese, ihm weit nach. Letzterer verfügt in der Porzellanmalerei über glänzendere, lebhaftere Farben; aber er weiss sie heutiges Tags nur selten noch wirksam mit einander zu verbinden. Seine Leistungen sind mit seinem Kunstsinn in den letzten Jahrzehnten, wie auf andern Gebieten, so auch in der Keramik zurückgegangen. Der Japaner dagegen rastete und rostete nicht. Die vielseitige Anregung und Belehrung, welche er während der letzten 15 Jahre auf den internationalen Ausstellungen und durch gebildete Fremde im eigenen Lande empfing, sind auf guten Boden gefallen. Seine Fortschritte, deren schon bei der Metallindustrie ge- dacht wurde, treten uns auch in der Keramik unverkennbar entgegen. Indem ich ihrer gedenke, scheint es mir nicht mehr als billig, auch den Namen Dr. G. Wagener’s zu nennen, des Mannes, der als sach- verständiger Rathgeber mehr als irgend ein anderer Fremder in Japan zur Förderung des Kunstgewerbes beitrug. Die Spuren seiner 8. Keramik. anspruchslosen segensreichen Thätigkeit konnte ich in der Porzellan- malerei zu Arita, in der Metall- und Email-Industrie von Kiôto, in der Möbeltischlerei zu Tôkio und anderwärts erkennen. Verglichen mit unsern europäischen Porzellan- und Steingut- fabriken sind die japanischen klein und erheben sich wenig über den handwerksmässigen Betrieb, so dass ein Geschäft mit 40—50 Arbeitern schon zu den grossen zählt. Die leichteren Arbeiten, wie das An- reiben der Farben, das Glasieren und andere werden oft von Frauen verrichtet. Das Durcharbeiten der Masse, Formen und Brennen fällt dagegen stets Männern zu. Um eine Vorstellung von den äusserst einfachen und höchst primitiven Vorrichtungen zu gewinnen, muss man sich bei uns in die Zeit vor 100 Jahren und noch weiter zurück- versetzen, wo auch das Porzellan in liegenden Brennöfen gebrannt wurde, und die gesammte Zubereitung der Masse ohne Maschinen oder nur mit Hülfe des denkbar einfachsten Wasserstampfwerks erfolgte. Auch in Japan finden sich in der Regel nicht alle Materialien, welche man zur Bereitung der Masse bedarf, am Fabrikorte selbst; nirgends werden dieselben aber, wie z. B. in China und wie der »China Clay« in Cornwall zubereitet und dann in den Handel gebracht, sondern jede Fabrik bezieht sie, selbst bei den unbequemsten Wegen und aus weiterer Ferne, im rohgewonnenen Zustande. Die einzelnen Gemengtheile der Masse werden immer für sich zerpocht, geschlämmt, gesiebt etc., bevor man sie abwiegt oder abmisst und mit einander mischt. Zum Zerpochen des festen Porzellansteins, Feldspaths oder Quarzes dient allgemein jene primitive Stampfvor- richtung, wie sie auch zum Reisschälen gebraucht wird und bereits S. 53 beschrieben wurde. In den meisten Fällen gewahrt man diese automatischen Pochwerke an den kleinen Wasserläufen schon lange bevor man die Fabrik erreicht. In der Regel müssen dieselben mehrere Tage lang ihre langsame Arbeit fortsetzen, bevor sie die geringe Menge Gestein im eisenbeschlagenen Troge soweit zerkleinert haben, dass sie den Schlämmvorrichtungen zugeführt werden kann. Diese alterthüm- lichen Pochwerke mit ihrem trägen Gang hatten ehemals auch in Europa eine weite Verbreitung, z. B. in den Minendistrikten des Harzes und Erzgebirges. Noch jetzt benutzt man sie in Kleinasien, Armenien und Persien zum Zerstampfen verschiedener Körper, so auch der Eichenlohe, wie es z. B. der Correspondent der Kölnischen Zeitung im vorigen Jahre bei Niksar beobachtete. Ein Ausflug in’s Armenische. Köln. Ztg. 21/2. 86. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Das Schlämmen des zerpochten Rohmaterials (Porzellanstein, Kaolin, Feldspath, Quarz) erfolgt durch Handarbeit nach alter dis- continuierlicher Art in Kübeln, Fässern oder Rührkasten, indem man es mit Schaufeln in Wasser umrührt und dann durch zeitweise kurze Ruhe das Absetzen des gröberen und schwereren Materials veranlasst. Die Scheidung des schwebenden feinen Schlammes erfolgt durch das Oeffnen eines oder des andern Zapflochs, deren gewöhnlich vier in verschiedener Höhe über einander angebracht sind. Zuletzt lässt man die gesammelte breiige Masse durch feine Zeugsiebe laufen, auf denen alle gröberen Körner und sonstige Verunreinigungen zurückbleiben. Oben offene, nach unten sich pyramidal verengende Kasten ver- treten unsere Filterpressen . Die Wände sind aus einzelnen Stäbchen zusammengesetzt. Auf dem Boden liegt reiner Kies oder vollständig ausgeschlämmte Masse und darüber eine Strohmatte. Wird nun die Schlämmflüssigkeit aufgegossen, so filtriert das Wasser teilweise durch, während sich der Thonschlamm nach und nach absetzt. Das darüber sich sammelnde Wasser wird durch eine seitliche Oeffnung abgelassen, die Masse weiter auf dem Glühofen getrocknet und zum Schluss mit Füssen und Händen bearbeitet und durchgeknetet. Ist dies geschehen, so trägt man sie zum Faulenlassen in eine Grube oder einen feuchten Kasten, lässt sie jedoch daselbst nicht jahrelang, wie solches in China früher üblich gewesen sein soll, sondern verarbeitet sie be- reits nach wenigen Wochen oder Monaten. Weitaus die meisten Thonwaaren Japans werden auf der Rokuro oder Drehscheibe geformt. Am häufigsten kommt dieser Apparat in seiner einfachsten Gestalt zur Verwendung, in welcher das Formbrett zugleich als Schwungrad dient. Es hat zu dem Zweck ein nahe dem Rande angebrachtes Loch, in welches ein etwa 20 cm langer Stab passt, und wird durch einen Druck auf diesen in Schwung versetzt. In einem entwickelteren Zustande, wie beispielsweise zu Arita, ist das grössere Schwungrad mit dem 20—30 cm abstehenden Formbrett durch vier Stäbe fest verbunden und wird mit den Füssen gedreht. Gyps- formen und die Gestaltung der Masse durch Guss sind eben so wenig gebräuchlich, wie die Anwendung von Schablonen oder Lehren. Es sind dies gewiss auffallende Mängel; aber der Japaner ersetzt sie zum Theil durch sein grosses Geschick in der Handhabung seines Apparats und der überaus plastischen Masse. Gegenstände mit elliptischem oder polygonalem Querschnitt können natürlich nicht auf der Dreh- scheibe gebildet werden, sondern erhalten ihre Gestalt vermittelst Formen aus gebranntem Thon oder aus Holz. In letzterem Falle ist die Kata oder Form in viele kleinere Theile zerlegbar. (Siehe Banko- 8. Keramik. yaki.) Dass Henkel, Deckel und deren Knöpfe, Siebe und Ausguss- röhren für Theekannen etc. für sich geformt und dem Rumpfe des Gefässes angefügt werden müssen, ist selbstverständlich. Bei der 16 cm hohen Kanne aus graubraunem Steinzeug von Kuwana in Ise (Fig. 19) wurde beispielsweise die Ausflussröhre nebst Fig. 19. Theekanne, graubraunes Steinzeug von Kuwana in Ise. ihrem Sieb gegen die Innenseite des Gefässes, ferner der Fuss, Deckel und Henkel, die Kette, sowie die aufgelegte Verzierung (pâte sur pâte) besonders geformt und dem Rumpfe angefügt. Henkel und Deckel- knopf stellen Aeste der beliebten Matsu oder Kiefer dar, welche sich verzweigen und mit ihren Nadeln fest anlegen. Für sich geformt und angedrückt wurde auch die Bambusrohrverzierung, sowie der Kranz III. Kunstgewerbe und Verwandtes. von Kiku-no-hana oder Chrysanthemum-Blüthen am Fusse. Alle Ge- bilde bestehen aus demselben Material. Es ist rauhes glanzloses Bis- cuit auf der Aussenseite und durchsichtig emailliert nach innen. Das Brennen des Porzellans erfolgt mittelst Kiefernholz-Feuerung, eben so wie das anderer Thonwaaren in sogenannten liegenden Oefen, den Kama . Dem Garbrande geht beim Porzellan ein scharfes Trocknen der Waare im Verglühofen voraus. Derselbe, ein einfaches Gewölbe von mässigen Dimensionen, befindet sich fast immer im Hofraume der Fabrik selbst. Durch eine etwa 60 cm hohe Mauer aus aufgerichteten, dicken, feuerfesten Thonplatten wird das Innere der Länge nach in einen schmalen Gang für die Feuerung und den weiteren Brennraum geteilt. In diesen werden die geformten Gegenstände meist ganz frei, ohne Kapseln aufgestellt. Am einen Ende des Feuerraums ist eine zum Einwerfen des Holzes bestimmte Oeffnung. Die Luftzufuhr erfolgt von aussen her auf der Sohle des Ofens, die Abfuhr auf entgegengesetzter Seite durch eine Reihe höher angebrachter Löcher. Beim Betrieb schreitet die Flamme des angezündeten Holzes über die feuerfeste Scheidewand hinweg an der Decke des Gewölbes hin, steigt diesem folgend von der Feuerseite empor über die Geschirrkammer, senkt sich dann hier auf der steileren Seite des Gewölbes und wirkt so von oben, wie von dieser Seite mit ihrer Hitze auf das Porzellan ein. Die Dauer dieses Biscuitbrandes ist sehr verschieden; sie ist abhängig vom Material, von der Beschaffenheit des Gewölbes und andern Dingen und wird lediglich durch die Erfahrung bestimmt. Nach der Abkühlung folgt das Bemalen mit Kobaltfarbe und andern Verzierungen unter der Glasur, darauf das Eintauchen in diese und Trocknen, ganz ähnlich, wie bei uns. Die Glasur , jap. Kusuri , wird aus dem in der Fabrik ge- brauchten, thonerdereichen Flussmittel (Feldspath, Pegmatit, Porzellan- stein) durch sorgfältige Auswahl und Verarbeitung desselben zu feiner Masse, und einer ausgelaugten Holzasche bereitet. Für Porzellan benutzt man nach dem Vorgang zu Arita allgemein Isu-bai , die Asche aus der Rinde von Distylium racemosum S. \& Z. (siehe pg. 296), für Steingut in der Regel Nara-no-hai , Eichenholzasche von Quercus glandulifera Bl., oder Kuri-no-hai vom Holze der Castanea vulgaris Lamk. (siehe pg. 287.) Dr. Sarnow , dem ich eine mitgebrachte Probe des Isu-bai zum Analysieren übergeben hatte, fand darin fol- gende Procentmengen: 38,27 Kalk, 3,90 Magnesia, 0,66 Manganoxydul, 0,24 Eisenoxyd, 8,23 Kali, 10,65 Kieselsäure, 3,61 Phosphorsäure, 1,27 Schwefelsäure, 0,45 Chlor, 26,85 Kohlensäure, 2,16 Sand, 1,43 Sand, 2,61 Wasser. Da auch die Eichen- und Kastanienholzasche kalkreich 8. Keramik. ist, so ergiebt sich daraus, dass die in Japan für Porzellan und Steingut verwendeten Glasuren durchsichtige kalkreiche Gläser bilden, deren Zusammensetzung indess nicht einer allgemeinen Regel folgt, sondern in engem Zusammenhang mit derjenigen der übrigen Masse steht, mit welcher sie sich ja innig verbinden müssen. Die Porzellanöfen für den Hauptbrand bestehen aus einem sich an einander reihenden System von Gewölben, deren Zahl und Grösse keiner bestimmten Regel folgt, sondern vornehmlich vom Bedarf ab- hängt. Gewöhnlich sind es 5—10, welche sich hinter und etwas über einander auf einer schiefen Ebene derart erheben, dass die Sohle jedes folgenden um 80—90 cm höher liegt, als die des vorhergehenden. Bei grösseren Anlagen ist jedes Gewölbe 2 Ken (3,64 m) lang, 3 Ken (5,46 m) breit und 8 Shaku (2,43 m) hoch. Die Feuerungen bilden, wie beim Verglühofen, schmale Gänge nahe der Grenze je zweier Ge- wölbe; auch hat jedes der letzteren ein besonderes Zugloch am oberen Teil des Gewölbes auf derselben Seite, von der die Beschickung stattfindet. Der Boden der Geschirrkammern ist mit Sand bedeckt, das Garbrennen der Waare erfolgt teils in feuerfesten Kapseln, teils ohne solche, indem der Gegenstand nur eine Chamotteplatte als Unter- satz erhält. Ist Alles für den Brand vorbereitet, so wird das Haupt- feuer am untersten Gewölbe angezündet und 6—12 Stunden lang unter- halten. Hierauf folgen die Seitenfeuerungen der Reihe nach in Ab- ständen von 1—2 Stunden derart, dass das eigentliche Brennen volle 24 Stunden dauert, dann folgt das Abkühlen, worauf 3—6 Tage ge- rechnet werden. Die Flammen des untersten Gewölbes circulieren, wie beim Glühofen, die heissen Gase treten zuletzt durch die Abzugs- löcher in 80—90 cm Höhe ein in das zweite Gewölbe, und zwar am Boden desselben gemäss seiner höheren Lage, und so fort. Ist die Feuerung in einem Gewölbe beendet, so werden die nach aussen ge- richteten Oeffnungen verstopft. Die zum Brennen der Waare nöthige Hitze lernt man durch Erfahrung kennen. Sie muss in den oberen Gewölben so gross sein, dass ein in eins der Probierlöcher gehaltenes Scheit Holz sich sofort entzündet. Ein aus feuerfestem Thone sorgfältig aufgebauter grösserer Brenn- ofen lässt sich für 300—400 Mark herstellen und 12—15 Jahre lang benutzen. Zum Schutz gegen Regen und heftige Winde wird er mit einem leichten Dach überwölbt. In den grösseren Centren der In- dustrie steigen oft 12, ja 20 und mehr parallel und in kurzer Ent- fernung von einander an derselben Bergwand empor. Nicht selten wird ein solcher Ofen, ähnlich wie das Gemeindebackhaus unserer Dörfer, von verschiedenen Fabrikanten abwechselnd benutzt. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Sind auch die Verluste bei diesen liegenden Brennöfen keines- wegs so hoch, wie man annehmen sollte, so bieten doch die Gallerie- öfen Europas mit ihren Etagefeuerungen und bequemen Vorrichtungen zur Bestimmung und Regulierung der nöthigen Hitze ausserordentliche Vorteile. Was auf langem empirischen Wege von den Chinesen und Japanern erreicht wurde, Resultate, die mehr der Zufall herbeiführte, das lässt sich hier und mit Hülfe der Chemie zielbewusst in kürzester Zeit erproben. Hierher rechne ich unter Anderm die Versuche mit neuen Materialien und Massen, mit Glasuren und Farben. Die Farben, welche man in Japan zur Decoration der Thonwaaren benutzt, sind die nämlichen, welche wir auch gebrauchen; ja sie werden jetzt grösstenteils aus Europa bezogen. Wenn nichts desto- weniger verschiedene derselben z. B. das Blau aus Kobaltoxyd und das Roth aus Kolkothar intensiver, lebhafter und wirksamer erscheinen, so liegt dies teils in der verschiedenen Beschaffenheit der Unterlage, Art des Auftragens und Hitze des Einbrennens, vornehmlich aber da- ran, dass sie länger, sorgfältiger und feiner vor dem Gebrauch zer- rieben werden. Die gewöhnlichsten Gefässe, welche die japanische Keramik liefert, sind: Wan , die Schale, Obertasse, Cha-wan , die Theeschale, der Theenapf, Temmoki , die grosse Schale, Choku , die kleine, halb- kugelige zum Sake-Trinken, Sake-dzuki , die flache Sake-Schale, Domburi , der grössere halbkugelförmige oder cylindrische Napf, Hachi , der Napf, die Bowle, Shiu-ro , das Becken zum Hände- wärmen, Midzu-bachi , das Wasserbecken z. B. für Goldfische, Koro , das Räuchergefäss, der Räuchertopf, Hana-ike , die Blumenvase, Uye- ki-bachi , der Blumentopf, Tokkuri , die Flasche, Cha-bin, Cha- dashi , der Theetopf, Kibisho und Shiusu , ein kleiner Theetopf aus Porzellan oder Steingut mit geradem, hohlem Griff aus demselben Material gegenüber der Ausflussstelle, Do-bin , ein irdener Theetopf mit Bambus- oder Rotanghenkel, Kuwashi-ire , die Zuckerdose, Bon- bonnière, Tsubo , die ei- oder urnenförmige Deckelvase, Cha-tsubo , oder Cha-ire , die Theedose, Deckelvase zum Aufbewahren des Thees, Kame , ein grosser Tsubo, Tane-tsubo , die Urne zum Aufbewahren von Sämereien. Shita-tsuki , die Untertasse, Sara , Teller, Schüssel. Ferner liefert die Kunsttöpferei Oki-mono oder Nippsachen mancherlei Art, Nachbildungen von Vögeln, wie Hahn und Henne, und andern Thieren, von menschlichen Figuren und vor allem auch viele Ningiô oder Puppen. Insbesondere ist ein Stadtteil von Kiôto auf der Südseite nach Fushimi hin durch seine umfangreiche Puppen- industrie bemerkenswerth. In der ordinären Töpferei sind zu den 8. Keramik. längst bekannten und benutzten Ziegeln seit etwa 20 Jahren auf An- regung der Fremden als Baumaterial auch Backsteine gekommen, deren Verwendung mit dem allmählichen Ersatz der feuergefährlichen Holzbauten durch Backsteinhäuser beständig wächst. Die hervorragendsten Sitze der feineren Keramik Japans, nämlich Arita, Kiôto, Seto, Kanazawa und Hongo für Porzellan, Ka- goshima, Kiôto und Ota für Steingut, und Yokkaichi für Stein- zeug wurden von mir in den Jahren 1874 und 1875 besucht, ihre Betriebsweisen, Charakter und Vorkommen der dabei verwendeten Rohstoffe und andere in Betracht kommende Fragen, soweit es die Zeit erlaubte, studiert und darüber Aufzeichnungen gemacht, welche auch den nachstehenden Mitteilungen grösstenteils zu Grunde liegen. Dem Artikel über die Montanindustrie ist ein Orientierungskärtchen beigefügt, auf welchem auch fast alle obigen Orte, sowie die be- merkenswerthesten Fundstellen verschiedenartiger Porzellansteine an- gegeben sind. Arita-Porzellan, Imari oder Hizen . Sämmtliches Porzellan, welches vor dem Jahre 1854 durch die Holländer aus Japan über Nagasaki nach Europa kam und hier seit lange zu den werthvollsten Stücken keramischer Sammlungen zählt, fungiert in diesen unter einem der drei obigen Namen, wohl auch als »altes Hizen« . Von ihnen bedeutet der erste, früher wenig ge- brauchte, den Hauptfabrikationsort, der zweite den benachbarten kleinen Hafen und Versandtplatz, der dritte die Provinz, in welcher beide gleich Nagasaki gelegen sind. Ungefähr in der Mitte der vielgliedrigsten Provinz Japans, 15 Ri (7 Meilen) nördlich von Nagasaki und jenseits der Bucht von Ômura, sowie 11 Ri westlich von Saga befindet sich unter etwa 33° 10' N und 129° 50' O Gr. Arita , ein Städtchen mit 1200 Häusern und 6000 Be- wohnern, welche sich grösstentheils gleich denen verschiedener Nach- barorte von der nun bald 300 Jahre lang hier blühenden Porzellan- industrie nähren. Ist es auch nicht, wie vielfach behauptet wurde, der Mittelpunkt der Porzellanindustrie Japans, so doch derjenige der entwickeltsten und leistungsfähigsten des ganzen Landes. Die Stadt liegt etwa 90 m über der See in einer Hügellandschaft, deren Höhen vorwiegend mit Kiefern bewaldet sind. Einer dieser Hügelrücken auf ihrer Ostseite liefert Arita in mächtiger, unerschöpf- licher Lagerstätte und unvergleichlicher Güte den Porzellanstein, jenes eigenartige Material, aus dem ihre Töpfer die verschiedensten Gebilde vom leichten, feinsten Eierschalen-Porzellan bis zu den imposanten, III. Kunstgewerbe und Verwandtes. zwei Meter hohen Vasen verfertigen. Das Original des Farbenlichtdrucks Tafel XIX befindet sich in der Sammlung von Wagner \& Co. zu Berlin Dessauer Strasse 2 und gehört nach seiner cylin- drischen Form und eigenartigen Verzierungsweise (durch erhaben gearbeitete bunte Schmetterlinge auf weissem Grunde) jedenfalls zu den Seltenheiten unter Arita-yaki. Der vulkanische Ursprung dieses Arita-ishi (Arita-Steins) ist bisher sowohl von denen, welche ihn, wie v. Richthofen, Wagener, Rein, Lyman , an Ort und Stelle, oder wie Gümbel, Pabst, vom Rath nach Handstücken untersuchten, einstimmig anerkannt worden. Abweichend von seiner früheren Ansicht, dass es tertiäres Massengestein, ein kieselsäurereiches, dem Rhyolithtuff ähnliches Gebilde sei (Zeitschrift der deutschen Geol. Gesellschaft 32. Bd. S. 255). äussert sich F. von Richthofen in seinem neuesten Werke (Führer für Forschungsreisende 1886 pg. 590), welches mir eben beim Druck in die Hände kommt, darüber wie folgt: »Die grosse Lager- stätte von Imari in Japan beruht auf der Einwirkung von Solfatarenthätigkeit auf mürbe, thonige Sandsteine.« — Letztere kommen allerdings in unmittelbarer Nähe des Porzellansteins mit demselben Thonerde- und wenig geringerem Kiesel- säuregehalte vor, zeigen aber keine Spur von einem Uebergang in den Porzellan- stein oder sonstigen genetischen Zusammenhang mit diesem. Die Einwirkung der Solfataren nehme ich dagegen auch an. (Siehe pg. 370.) Lyman Geological Survey of Japan. Reports of Progress. Tôkio 1879. pg. 122. hält ihn gleich mir für ein Umwandlungsprodukt des alten vulkanischen Gesteins, das ganz in der Nähe als Perlitbreccie und Trachyt unverändert ansteht. Hierfür spricht das stockartige Auftreten, das Aussehen und die chemische Analyse. Es ist ein compakter Fels, von der Härte des Ziegelsteins und 2,5—2,7 sp. Gewicht, von grauweisser oder schwachgelblicher Färbung, der nach Gümbel Dingl. Pol. Journ. 227. Bd. pg. 501. in auffallender Weise dem Trachyt- oder Felsitthonstein gleicht, womit auch die chemischen Analysen (siehe Anhang, Tabelle A) übereinstimmen. Die beste Sorte ist fast reines Kaolingestein. An andern Stellen findet man die Masse durchtrümmert und von zahllosen kleinen Quarzadern durch- zogen, welche nach freundlichen Untersuchungen und Mitteilungen des Herrn G. vom Rath zum Teil mit sehr kleinen Quarzkryställchen erfüllt sind und auch gleich andern Teilen Eisenkieskryställchen führen, die sich unter der Lupe deutlich als Würfel und Pyritoëder erkennen lassen. Dieser Porzellanstein wird steinbruchartig auf einer Strecke von etwa 1000 Metern gewonnen. Man unterscheidet drei Hauptsorten, eine weisse, völlig kaolinisierte, die auch stellenweise den erdigen Charakter des Kaolins annimmt, eine bläuliche, quarzreiche und eine gelbliche, eisenhaltige. Bei der Gewinnung wird ganz systemlos ver- Rein, Japan. II. Tafel XIX. Alte Vase aus Arita-Porzellan. 8. Keramik. fahren und das anstehende Material so weit und tief verfolgt, als man es eben ohne grosse Abraumarbeiten vermag. Desshalb hatte man auch von der Ausdehnung des Vorkommens, namentlich nach der Teufe, vor 11 Jahren noch gar keine Ahnung. Gegen eine kleine Abgabe an die Stadt kann jeder ihrer Bürger hier sich so viel Arita-ishi holen, als er bedarf; dagegen darf nichts davon nach andern Porzellandistrikten oder in’s Ausland versendet werden. Zum Stampfen benutzt man die Wasserkraft kleiner Bäche ringsum. Lange bevor man auf den nach Arita führenden Wegen dieses erreicht, kann man allenthalben die dazu dienenden Vorrichtungen wahrnehmen. Da der Arita-Porzellanstein in seinen verschiedenen Abstufungen der Zersetzung das plastische-, Magerungs- und Flussmittel zugleich bietet, wird die Zubereitung der Masse andern Porzellanfabriken gegen- über sehr vereinfacht. Dass hier die Töpferscheibe nicht wie ander- wärts in ihrer einfachsten Gestalt erscheint und mit Hand und Stab in rotierende Bewegung gesetzt wird, vielmehr aus einem System zweier Scheiben besteht und die untere dicke Fussscheibe mit den Füssen gedreht wird, wurde bereits an einer andern Stelle hervor- gehoben. Die Achse, um welche die Scheibe läuft, besteht auch hier nicht aus Stahl, sondern aus einem am Boden befestigten, zugespitzten Zapfen von festem Holze. Einige der Fabriken sind für japanische Verhältnisse sehr gross. Man verfertigt in ihnen neben den gewöhnlichen Sachen für die Bedürfnisse des Landes besonders viele und zum Theil sehr grosse Vasen. Ich sah ein Paar von 6 Fuss 7 Zoll (1,995 m) Höhe. Es war von untadeligem Brand, mit Kobaltblau unter der Glasur reich verziert und wurde auf 500 yen oder 2000 Mark veran- schlagt. Solche Gegenstände werden aus mehreren Stücken zusammen- gesetzt, die man nach dem Formen 4—5 Tage lang an der Luft trocknet. Hierauf kommen sie wieder auf die Drehscheibe, wo man sie auf einen napfartig vertieften Klumpen weicher Masse setzt und mit einem Stück zugeschärften und zweimal rechtwinklig gebogenen Eisenblech, ähnlich wie Holz, auf der Drehbank an den Rändern so abdreht, dass die einzelnen Stücke genau auf einander passen oder etwas schachtelartig in einander übergreifen. Sie werden dann an diesen Stellen durch längeres Eintauchen in Wasser erweicht, darauf zusammengesetzt und an den Berührungsstellen mittelst sehr plastischer Masse mit einander verbunden. Das Brennen erfolgt auf Chamott- postamenten, ohne Kapseln. Das Eierschalen-Porzellan, Usu-de-yaki , d. h. »Dünngebranntes«, wird jetzt hauptsächlich in dem 3 Ri von Arita entfernten Orte Mika- waji dargestellt; doch zeigte uns ein Arbeiter in Arita das Verfahren. Rein , Japan. II. 36 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Man verwendet dazu die beste, feingeschlemmte Masse, dreht die Schalen und Tassen schon ziemlich dünn ab, wobei man sich einer zugeschärften hölzernen Lehre (Schablone) bedient. Sie werden hierauf mehrere Tage hindurch dem Trocknen an der Luft ausgesetzt, dann ähnlich den Vasenstücken, aber allenthalben weiter abgedreht und schliesslich in Kapseln gebrannt. Ich sah in Arita ein Dutzend grosse Porzellanbrennereien. Die liegenden Oefen übertreffen an Grösse alle sonst in Japan beobachteten. Jeder besteht aus 12—16 Gewölben, welche etwa 25 Fuss (7,58 m) tief, 15 Fuss (4,55 m) breit und 10—12 Fuss (3,03—3,64 m) hoch an- einandergereiht auf schiefer Ebene emporsteigen. Sie sind aus feuer- festem Thon und Lehm aufgebaut, auf dem Boden mit Quarzsand be- deckt und haben ⅔—1 m breite Gänge für den Eintritt und die Feuerungen auf der einen Längsseite der Reihe, so wie je ein Probier- loch, während die andere Längsseite ganz geschlossen ist. Etwa 25—30 cm über dem Boden trägt jede Zwischenwand eine Reihe quadratischer Oeffnungen für den Eintritt der heissen Luft aus dem tieferen Gewölbe in das zunächst höhere. Man unterhält die unterste oder Hauptfeuerung fast einen ganzen Tag und beginnt die Seiten- feuerungen etwa 6 Stunden nach dem Anfang der ersteren. C. Gümbel hat neben dem Rohmaterial auch schönes weisses Porzellan von Arita analysiert und dabei 70,74 % SiO 2 , 21,75 % Al 2 O 3 , 2,02 % FeO 3 , 0,72 % CaO, 0,02 % MgO, 3,23 % KaO und 2,43 % Na 2 O gefunden. Die Industrie von Arita wird allgemein auf Gorodayu Shonsui , einen Töpfer der Provinz Ise, welcher am Anfang des 16. Jahrhunderts lebte, zurückgeführt. Angeregt durch die Schönheit und Werth- schätzung des chinesischen Porzellans, welches damals nach Japan gelangte, unternahm er eine Reise über Fu-tschau nach King-te-tschin, wo er sich fünf Jahre lang behufs Erlernung der Industrie aufhielt. Nach seiner Rückkehr im 10. Jahre Yeishô (1514) liess er sich in dem damals unbedeutenden Orte Arita nieder und verfertigte aus den von King-te-tschin mitgebrachten Materialien eine Anzahl grober Porzellan- waaren mit blauer Kobaltverzierung unter der Glasur. Als jedoch sein Vorrath an chinesischer Porzellanmasse erschöpft war und er sich ge- nöthigt fand, zu einheimischem Thon zu greifen, gelang es ihm nur Faïence darzustellen, welches auch seine Nachfolger bis zum Ende des Jahrhunderts mit Kobaltdecoration unter der Glasur lieferten. Mit der Rückkehr des Heeres aus Korea (1598 n. Ch.) nahm hier, wie in vielen andern Theilen Japans die Keramik einen neuen Auf- schwung. Nabeshima Naoshige , der Daimiô von Hizen und einer der Befehlshaber japanischer Truppen in Korea, brachte mehrere ko- Rein, Japan. II. Tafel XX. a . Dose aus altem Arita-Porzellan. b . Napf aus altem Satsuma-Steingut. Verlag v. Wilh. Engelmann, Leipzig. 8. Keramik. reanische Töpfer mit, welche sich erst im Badeorte Ureshimo , später in Arita niederliessen. Hier entdeckte einer derselben, Namens Ri- sampei , im Jahre 1599 am Idzumi-yama im Osten des Ortes den Porzellanstein und inaugurierte damit die Porzellanfabrikation in Japan. Zur Kobaltdecoration unter der Glasur kam einige Jahre darauf — man sagt veranlasst durch Holländer in Deshima — die Anwendung von Benigara (Eisenroth), dann zwei Jahre später die Verzierung über der Glasur, welche Higashidôri Tokuzayemon , ein Töpfer aus Arita, einführte, nachdem er in Nagasaki durch den Führer einer chinesischen Dschunke das Verfahren kennen gelernt hatte. Es war dies ein enormer Fortschritt; denn damit beginnt erst das hervorragende Ge- schick und das künstlerische Talent der Japaner in der Keramik sich zu entwickeln. Bereits um das Jahr 1680 führten die Holländer »altes Hizen« von Nagasaki aus. Wer den damaligen Zustand der Industrie studieren will, dem bietet die reiche Sammlung in Dresden, wie keine zweite in Europa dazu Gelegenheit. Es sind vornehmlich grosse urnenförmige Deckelvasen oder Tsubo , sogenannte Theeurnen, weil sie ursprünglich zur Aufbewahrung des Thees bestimmt waren, ferner halbkugelförmige Näpfe (O-cha-dzuke, Dom- buri) und runde flache Schüsseln, jap. Sara . Sie wurden mit Bildern von Blumen (Päonien und Chrysanthemum mit Vorliebe), kleinen Land- schaften, menschlichen Figuren etc. in Roth und Gold, verziert, wozu oft noch etwas Grün kam, während die Anwendung blauer, vio- letter, gelber und schwarzer Muffelfarben einer viel späteren Periode angehört. Dieses »alte Hizen«, das seinen Charakter auch das ganze 18. Jahrhundert hindurch im wesentlichen beibehielt, ist jetzt sehr gesucht. Ein Paar Teller von 61 cm Durchmesser mit schöner Landschafts- malerei für 25 yen = 100 Mk. erschien dem Kenner schon vor 12 Jahren in Japan selbst sehr billig eingekauft und dürfte — das grosse Risiko durch den Transport mit in Betracht gezogen — in Europa kaum unter dem 4—5fachen Preis zu haben sein. Noch immer steht unter den Meibutsu oder berühmten Produkten der Provinz Hizen das Porzellan obenan. Es soll im ganzen in etwa 36 Orten verfertigt werden; doch überragt Arita alle andern bei weitem und liefert jetzt, wie vor 200 Jahren, die geschätzteste Waare von ganz Japan. Sie ist vollkommen gleichartig und besitzt neben einer reinen, weissen Farbe ansehnliche Translucenz, ferner genügende Härte für alle Zwecke des gewöhnlichen Lebens und brennt sich doch Zu Tafel XX. a. Dose aus altem Arita-Porzellan. b. Napf » » Satsume-Steingut. (Die Originale befinden sich im Königl. Kunstgewerbe-Museum zu Berlin.) 36* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. so leicht, dass die decorative Kunst an ihr, wie an Steingut sich üben kann, wobei auch die grosse Plasticität der feinen Masse von Vorteil ist. Die Formen haben sich während der letzten Jahrzehnte unter dem Einfluss fremder Abnehmer vielfach geändert und sind mehr dem euro- päischen Geschmack und Bedürfniss angepasst worden. Alle Arten Teller, Kaffee- und Theeservice kommen auf den Markt. Von den grösseren decorativen Stücken ist die henkellose urnenförmige Deckel- vase fast ganz verschwunden und durch offene Blumenvasen von mancherlei Gestalt und Grösse ersetzt worden. Unter diesen finden sich henkellose mit wellenförmig übergebogenem Rande, die man ander- wärts in Japan kaum anfertigt, besonders häufig. Dass manche der- selben in Japan mit Lack verziert werden, wurde schon Seite 448 erwähnt. Zu dem Zwecke dürfen sie nicht glasiert sein. Gekochter Leim, mit Eisenocker (Tonoko) zu einem Brei angerieben, bildet das Grundierungsmittel. Ist dasselbe trocken und glatt geschliffen, so folgen Naka-nuri, Togi und Makiyeshi-Arbeit, wie solche in der Lackindustrie näher angegeben wurden. Der Amakusa-ishi oder Stein von Amakusa . Im Süden der Provinz Hizen und ihrer vulkanischen Halbinsel Shimabara befindet sich unter 32°—32½° N. und 130°—130⅓° O. Gr. eine kleine Gruppe von Inseln, benannt nach Amakusa (sprich Amáksa), der grössten und westlichsten derselben. Zur Orientierung dient am besten die vortreffliche Karte von B. Hassen- stein in seinem grossen Atlas von Japan; doch genügen auch die Karten im I. Bande dieses Werkes. Von Nagasaki aus kann man auf dem 2 Ri langen Landwege in südlicher Richtung das schön gelegene Hafenstädtchen Mogi, und von hier durch eine Seegelbootfahrt von etwa 3 Stunden über die Chijiwa-nada in Tomioka das nordwestliche Ende der Insel Amakusa erreichen. Diesen Weg schlug ich im Frühjahr 1875 ein, als ich die Fundstätte des Porzellan- steins kennen lernen wollte, den ich unter dem Namen Amakusa-ishi in Ota bei Yokohama, Kiôto und anderwärts hatte anwenden sehen. Dieses bemerkenswerthe Material wird an verschiedenen Stellen nahe der Westküste, 2—6 Ri südlich von Tomioka nicht weit von den Post- stationen Shimotsuke-Fukei, Kodakoro und Takahama ge- wonnen, in letzterem Städtchen auch zur Darstellung eines gewöhn- lichen Porzellans benutzt, meist aber nach andern Theilen des Landes versendet. Das beste kommt vom Iguchi-yama , 1 Ri östlich von 8. Keramik. Takahama, in dessen Nähe auch eine Antimonmine sich befindet (siehe pg. 362.). Der Porzellanstein tritt auf dieser wenig fruchtbaren, schiefer- und sandsteinreichen Insel in zum Theil mächtigen Stöcken auf, die teils frei anstehen, meist aber von gelblichen oder grauweissen Thonsand- steinen überlagert sind. Es ist ein metamorphisches, teils silicifiertes, teils kaolinisiertes Eruptivgestein von weisser, grauweisser oder gelb- licher Farbe, ähnlich wie der Arita-ishi, aber fester, härter und schwerer. Die Grundmasse stellt ein feinkörniges Gemenge von Kaolin und Quarz dar. Sie umschliesst einzelne Quarzkörner, sowie krystallinische Hohl- räume, aus welchen Orthoklas, oder Plagioklaskrystalle herausgewittert sind. G. vom Rath fand auf den Wandungen dieser Höhlungen, so- wie auf kleinen Spalten und Klüften äusserst kleine Flitterchen von Eisenglanz, sowie anscheinend neugebildeten Quarzkryställchen. Jene krystallinischen kleinen Hohlräume fehlen keinem Handstück und sind desshalb das auffallendste Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal des Amakusasteins. Sie lassen auf einen höheren Kaligehalt schliessen, den auch die Analyse von C. Sarnow I. Tabelle B. aufweist. Ein Ver- gleich mit der chemischen Zusammensetzung anderer Porzellansteine, welcher dort gegeben ist, zeigt, dass Amakusa-ishi darin dem Pegmatit (VIII) von Yükan in China am nächsten steht. Amakusa gehört zur östlich davon auf Kiushiu gelegenen Provinz Higo, in welcher zu Yatsushiro nach der koreanischen Expedition eine Thonwaaren-Industrie entstand, die durch die eigenthümliche Behandlung und Ausschmückung ihrer Produkte mehr, als durch Um- fang und hohe Leistungen beachtenswerth ist. Kato Kiyomasa Eine bemerkenswerthe Reiterstatue desselben in Bronze befindet sich im Kunstgewerbe-Museum zu Kensington. , der grosse Gegner des Konishi Yukinaga und bittere Feind der Christen (siehe I. Bd. pg. 327 ff.), soll dieselbe durch den Koreaner Kizo ein- geführt haben. Es ist eine Art Steinzeug oder auch Hartporzellan von grauer oder graubrauner Farbe, bei welchem die Verzierungen durch Einlage oder Incrustation von weisser Porzellanmasse bewirkt werden, ähnlich wie es zum Theil bei Banko-yaki geschieht. (Siehe Tafel XXIII. Fig. 2 rechts oben.) Satsuma-Steingut von Kagoshima und Nayeshirogawa . Die Provinz Satsuma, welche sich südwärts an Higo anschliesst, ist Sammlern als Lieferant des schönsten und geschätztesten Steinguts bekannt, das je aus Ostasien gekommen ist. Satsuma-yaki , wie die Landesbezeichnung dafür lautet, zeichnet sich weniger durch seinen III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Scherben, als durch seine Ausschmückung aus. Was nur die Er- findungsgabe an Formen und Verzierungen ersinnen, Geschmack und Ausdauer dabei erreichen konnten, findet man bei dieser Waare ver- sucht und durchgeführt. Das Lichtdruckbild (Tafel XXI) einer Urne aus rahmweissem Steingut von Kagoshima zeigt den Charakter der Decoration des Satsuma-yaki an einer der originellsten Formen, welche Japan China entlehnt hat und häufig auf Räucher- becken anwendet, in solchem Fall aber in Metall ausführt. Besonders auffällig sind die beiden Flügelhenkel mit ihrer Schnirkelverzierung. Das Gefäss ruht auf drei Füssen und endet oben in eine Botanblüthe (Paeonia Moutan) als Deckel- knopf. Es wurde mit Gold und Muffelfarben bemalt. Die hervorragendsten Motive des Ornaments: Blätter und Blüthen von Chrysanthemum und Patrinia (Kiku-no-hana und Omina-meshi pg. 324), treten uns auf dem Bilde deutlich entgegen. Eine dem Scherben angepasste Glasur, deren weiche gelbliche Färbung zwischen derjenigen alten Elfenbeins und des Rahms schwankt, ist der geeignete Träger dieses Ornaments, das in feinen Haarrissen (Craquelé) der Glasur selbst, in durch- brochener und Reliefarbeit der Masse, mit der man oft Flechtwerk nachahmt, vor allem aber in einer reichen, bewundernswerth weichen und harmonisch gestimmten polychromen Bemalung besteht. Die Bildung von Haarrissen, bei unserer Kunsttöpferei das Zeichen eines grossen Miss- verhältnisses zwischen dem geringen Schwinden des Gegenstandes nach dem Biscuitbrande und einer rasch und stark sich zusammenziehenden Glasur, wird bei Chinesen und Japanern absichtlich hervorgerufen und — wenn gut geleitet, — viel bewundert. Satsuma-Kracksteingut und alle Nachahmungen desselben, wie Awata-yaki, Awaji-yaki, Ôta-yaki, hat ein engmaschiges Netz solcher feinen Haarrisse, während bei ältererem chinesischen Krackporzellan die Maschen und Risse viel weiter und derber sind. Die Japaner nennen die krakelierte Thonwaare Hibi-yaki oder Hibi-de . Sie wenden zu seiner Darstellung Feldspathglasur mit ausge- laugter Holzasche an, die sie der Glasurmasse beifügen, um dieselbe leichter schmelzbar zu machen. Die in Gold, Roth und Grün ausge- führten Verzierungen stellen vorherrschend Blumen dar. Am besten findet man Chrysanthemum, Päonien und Ahorne, dann Geflügel, Pfauen und andere Vögel nachgebildet. Räuchertöpfe, Theetöpfe, Näpfe und Schalen, in neuerer Zeit aber auch Vasen, Urnen und andere grössere Gegen- stände sind die vorherrschenden Artikel dieser Industrie. Die Einführung derselben knüpft ebenfalls bei der Expedition nach Korea an. Im Jahre 1598 brachte Shimadzu Yoshihisa, Daimiô von Satsuma, bei der Rückkehr in sein Land eine grössere Anzahl korea- nischer Töpfer und deren Familien mit, gab denselben Samurai-Rang und siedelte sie in Kagoshima und einigen Ortschaften an. Fünf Jahre 8. Keramik. später vereinigte er die meisten derselben (17 Familien) in dem 6 Ri entfernten »Koreaner Dorfe« Nayeshirogawa . Ihre Nachkommen leben und betreiben die Töpferei hier noch immer. Sie haben zwar die japanische Kleidung, Lebensweise und Sprache angenommen, sich aber sonst unvermischt erhalten und so körperlich ihren koreanischen Charakter bewahrt. Es ist ein kräftigerer Menschenschlag als der japanische, mit intelligenten Zügen, stark hervortretenden Backen- knochen und spitzem Kinn, wodurch sie sich mehr den Riukiu-Insu- lanern nähern. Die erste Generation verfertigte nur Raku-yaki , eine kunstlose, schwarzglasierte Waare, welche bereits durch andere Koreaner unter Hideyoshi in Kiôto dargestellt wurde. Noch jetzt werden Theedosen, Töpfe und Näpfe, sowie eine Menge anderer Irdenwaaren nach dieser Art dargestellt. Andere bereiten Krack-Steingut, wie die Fabrik bei Kagoshima, noch Andere wirkliches Porzellan aus Amakusa-ishi und einheimischem Kaolin und verwenden zur Glasur neben ihm Isu-bai. Doch sind die Produkte ausschliesslich auf den einheimischen Markt berechnet und keine derselben irgendwie hervorragend. Was unter dem Namen Satsuma, Satsuma-Faience, Sat- suma-Steingut nach Europa kommt, stammt nicht vom Koreaner- dorfe, sondern wurde früher in dem Orte Tatsuno bei Kagoshima verfertigt. Vor etwa 20 Jahren ging die Fabrik in die Hände einer Gesellschaft Samurai, der Toki-gaisha , über, welche sie nach Tano-úra verlegten, das eine halbe Meile von der Hauptstadt Ka- goshima an der Bucht prächtig gelegen ist. Zwischen 1624 und 1644 n. Ch. wurde der weisse Porzellanstein Kaseda oder Kaseda-ishi entdeckt, der seinen Namen dem Fund- orte in der Nähe des Städtchens Kaseda verdankt, das in südwestlicher Richtung von Kagoshima sich befindet. Eine Analyse dieses, mir nicht näher bekannten Materials bringt Tabelle B. IV. Auch die Ent- deckung des Kaolins zu Ibusuki Die Kaolinmasse Ibusuki wird aus einer Mischung dreier Kaolinsorten dar- gestellt, nämlich aus 10 Theilen Neba, 3 Thl. Bara und 5 Thl. Matsuyakubo. Nara-bai, die Eichenholzasche der Glasur, setzt sich nach Atkinson zusammen aus: 3,33 % Wasser, 8,405 % Kieselsäure, 4,785 % Thonerde, 3,300 % Eisenoxyd, 42,765 % Magnesia, 2,415 %, Potasche 0,74 %, Soda 0,215 %, Kohlensäure 34,145 %. Der hohe Kohlensäure- und Kalkgehalt beweisen übrigens, dass A. keine reine Holzasche vor sich haben konnte, sondern eine mit kohlensaurem Kalk vermischte. fällt in jene Zeit. Die Kunst der polychromen Bemalung führten zwei Koreaner gegen Ende des 18. Jahr- hunderts ein, nachdem sie dieselbe in Kiôto kennen gelernt hatten. In Tano-úra bereitet man gegenwärtig die Masse aus 13 Theilen Kaseda, 18 Theilen Ibusuki und 3 Theilen Kirishima-tsuchi, die Glasur III. Kunstgewerbe und Verwandtes. aus 10 Theilen weissem Kaseda (Shira-ishi) und 5 Theilen Nara-bai, d. h. Eichenholzasche. Mehr oder minder gut gelungene Nachahmungen der edlen Faïence von Satsuma werden seit längerer Zeit an verschiedenen Orten Japans geliefert und gelangen jetzt theils unter dem Namen Satsuma, theils unter den richtigen Bezeichnungen Awata-yaki, Awaji-yaki, Ôta-yaki in grosser Menge und zu billigen Preisen auch in’s Ausland. Die Haltbarkeit der meisten ist viel geringer, die Färbung in vielen Fällen etwas abweichend, bald mehr gelb, wie beim Awata-yaki, bald mehr in graue oder weisse Töne übergehend. Indess gehört schon ein ge- übter Blick dazu, manche dieser Produkte von echter Satsuma-Waare zu unterscheiden. Die Thonwaarenindustrie zu Kiôto . Wie auf der rechten Seite des Kamo-gawa in dem Haupttheile der alten japanischen Hauptstadt die Seiden- und Metall-Industrie, so hat auf der linken, in dem östlichen Stadttheil, die Keramik ihren Sitz aufgeschlagen. Ausser gewöhnlicher Töpferwaare liefert dieselbe Steingut und Porzellan in Menge und zum Theil in vorzüglicher Güte. Die Anfänge dieser Industrie gehören der Mitte des 17. Jahrhunderts an. Ninsei , ein Amateur-Töpfer aus der Familie Nonomura , welche zu den Fujiwara zählte, gab in der zweiten Hälfte des genannten Jahrhunderts der Gefässbildnerei in Kiôto durch Einführung der durch- sichtigen Glasur in verschiedenen Brennereien der Vorstädte und durch Darstellung einer Art Faïence und Halbporzellan neuen Anstoss und höheren Flug. Die Erzeugnisse, Ninsei-yaki , welche seine Kunst aus Shigaraki und andern Thonen der Nachbarschaft schuf, zeichnen sich nicht blos durch sorgfältigere Behandlung der Masse, sondern vor allen Dingen durch ihre vortrefflichen, kühn entworfenen Verzierungen aus und sind heutzutage sehr gesucht. Gleiches gilt vom Kenzan- yaki , welches sein berühmtester Schüler in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts darstellte. Es hatte eine gelbliche Farbe (Ki-iro). Der Verfertiger Ogata Sinsha wurde Shisui Ken-zan (d. h.schöner, blauer Nordwestberg), nach der im Nordwesten von Kiôto am Fusse des Atago-yama (Ken-zan) gelegenen Brennerei genannt. Aus Ken- zan-yaki und Ninsei-yaki entwickelte sich einerseits die heutige Steingutindustrie in der Vorstadt Awata, anderseits die Porzellan- fabrikation zu Kiyomidzu. Das Awata-yaki wird im östlichen Theil von Kiôto zu beiden Seiten des Weges, der nach Ôtsu in Ômi führt, verfertigt. Drei oder 8. Keramik. vier Kaolin-, resp. Thonsorten, nämlich Shigaraki-tsuchi Eine Analyse dieses Kaolins findet sich auf Tabelle C. No. I. und Kagami-yama-tsuchi aus Ômi, Okazaki-tsuchi und Dainichi- yama-tsuchi aus der Nähe von Kiôto, werden nach der Zubereitung ihrer Masse zu gleichen Teilen gemengt, um die Masse für dieses Steingut zu erhalten. Sie brennt sich im ersten Feuer (Biscuitbrand) grauweiss, mit einem Stich ins Röthliche, erscheint aber nach dem Hauptbrande im Scherben fast weiss. Die gelbliche, haarrissige Glasur soll durch Mischung von gleichen Theilen Seki (Stein, wohl Amakusa- ishi) und Aku , der Asche aus Abfällen der Indigopflanze (siehe pg. 267) erhalten werden. Dieser gelblichen Farbe wegen wird die Waare wohl auch Tamago-yaki (Eigebranntes) genannt. Die Porzellan-Industrie von Kiôto hat ihren Sitz im Stadt- theil Kiyomidzu am Fusse des Higashi-yama südlich von Awata (siehe I. Bd. Plan von Kiôto.) In Gôjô-dôri oder Gôjô-saka, der vom Tempel Kiyomidzu zum Kamo-gawa führenden Strasse, ist Haus an Haus ein Porzellanladen. Viele verkaufen selbstgefertigte Waaren. Auch hier zeigt das Vorherrschen der blauen Kobaltdecoration schon aus einiger Entfernung an, dass die Industrie vorwiegend dem japa- nischen Haushalte dient; doch haben in neuerer Zeit die bedeutendsten Geschäfte, wie Dô-hachi und Rôku-bai hier ebenfalls dem fremden Abnehmer und seinem Geschmack sich angepasst. Mehr noch geschah dies von Ken-zan , dessen Fabrik zwischen Gôjô-zaka und Yasaka sich befindet. Aus seinen Händen kommen mehrere der schönsten Stücke von Kiyomidzu-yaki, welche das Kunstgewerbe-Museum zu Berlin aufweist. Ansehnliche Härte, grosse Reinheit und Durchsichtigkeit und eine schön weisse Farbe, auf der sich das Kobaltblau prächtig abhebt, zeichnen es aus. Die Masse zu dieser geschätzten Waare wird aus 7 Theilen Amakusa-ishi und 3 Theilen Shigaraki-tsuchi, die Glasur aus Amakusa-ishi und Isu-bai bereitet. Awaji-yaki oder Mimpei-yaki . Unter diesen Namen machte auf der Wiener Weltausstellung ein dem Awata-yaki sehr ähnliches Steingut durch seine feine, haarrissige Glasur und die äusserst sorg- fältige, delikate Bemalung nicht wenig Aufsehen. Dasselbe stammte vom Orte Igano-mura auf der Insel Awaji vor der Idzumi-nada (Bucht von Ôzaka) aus einer kleinen Fabrik, welche Kashiu Mimpei im Jahre 1838 errichtet hatte und die dessen Sohn Sanpei jetzt weiter betreibt. Die Thonwaarenindustrie von Owari, Mino und Mika- wa umfasst das Grenzgebiet dieser drei Provinzen und hat zu Seto III. Kunstgewerbe und Verwandtes. im nordöstlichen Owari, 5 Ri von dessen Hauptstadt Nagoya, ihre grösste Entwickelung gefunden, so dass dieses, wie Arita in Hizen, nach Alter und Einfluss seiner Industrie als Mittelpunkt dieses zweit- bedeutendsten Töpfereibezirkes in Japan gelten kann. Es ist eine Hügellandschaft, welche sich bis zum Uebergang des Nakasendô aus Shinano nach Mino, sowie an der Grenze von Owari und Mikawa gegen das Meer hin über den Tôkai-dô hinaus verfolgen lässt. Ver- witterungsprodukte eines Granit- und Schiefergebirges, vornehmlich Kieselgeröll und weisse oder lehmfarbige Thonglatzen und eine dürftige Vegetation von lichter Kiefern- und Buschwaldung bedecken die lang- gestreckten niedrigen Hügelrücken von kaum 200 m Erhebung. Nur hin und wieder sieht man noch anstehende Granitfelsen und alte Schiefer von schwarzgrauer Färbung daraus hervorschauen, die man jedoch häufiger, auf grösseren Strecken und weniger mürbe auftreten sieht, wenn man sich den höheren Rücken an der Grenze nähert. Anderseits reihen sich den Flanken dieser Hügelregion fossilführende jungtertiäre Schichten an. Von dem wohlerhaltenen Schriftgranit 1½ Meilen von Seto an findet sich die Verwitterung, Kaolinisierung und weitere Umwandlung des Feldspaths repräsentiert in vielen Thonlagern, welche an den Ab- hängen der Hügel und in den Thalmulden teils anstehen, teils von Kieselgeröll überdeckt sind. Schriftgranit und mit Quarzkörnern reich- lich vermischter Kaolin bilden die Hauptgrundlagen der Keramik des erwähnten Gebiets. In Owari concentriert sich dieselbe um Seto und wird hier schon seit fünfhundert Jahren betrieben. Unter den mancherlei Produkten derselben stehen kleine Haushaltungsgegenstände verschie- dener Art, wie Schalen und Näpfe für Sake, Thee und Reis, Thee- töpfe, Sakeflaschen, kleine Blumenvasen und Blumentöpfe aus milch- weissem Porzellan, geschmackvoll verziert mit blauer Kobaltmalerei unter und auf der Glasur oben an. Zu den grössten und schönsten Gegenständen, welche Seto liefert, gehören feine schwere Blumen- töpfe. Das Königliche Kunstgewerbe-Museum zu Berlin besitzt einen solchen, auf dessen Aussenseite über tiefblauem Grunde sich Wein- reben mit Blättern und Trauben in weissgehaltenem Flachrelief er- heben, ein Decorationsstück von bester Wirkung. Seto-mono , wie diese schöne Waare genannt wird, ist in ganz Japan wohl bekannt, ja der Ausdruck wird oft als Gattungsname für alle derartig geschmückten Porzellane und gleichbedeutend mit Some-tsuke gebraucht. Feines Seto-mono und Kiyomidzu-yaki stehen sich übrigens so nahe, dass man sie kaum zu unterscheiden vermag. Man vergleiche auch die Analysen ihrer Massen Tabelle D III und IV. Seto-Porzellan ist mehr 8. Keramik. glasiger Natur als Arita-Waare, weniger zähe und leichter zerbrechlich. Die Porzellanmasse wird in Seto aus 10 Theilen Kairome-tsuchi , 8 Teilen Hon-ishi , 2 Teilen Chikura-ishi und 2 Teilen Giyaman- ishi bereitet, die Glasur aus Hon-ishi, Giyaman-ishi und Isu-bai. Unter Kairome-tsuchi und Seto-tsuchi versteht man die Kaoline dortiger Gegend, grauweisse körnige Massen, in welchen der Feld- spath des Granits vollständig kaolinisiert ist, die zahlreichen hellen Quarzkörner aber noch in ihrer ursprünglichen Lage sich befinden und durch Kaolin verbunden sind. Hon-ishi oder Chô-seki , d. h. Haupt- stein, ist der grauweisse Kalifeldspath des Schriftgranits. Er wird an der Grenze von Owari und Mino, 3 Stunden Wegs von Seto entfernt, gewonnen, zu Akadzu , eine Stunde von Seto, durch dreitägige Stampf- arbeit mit Wasserkraft in der früher angegebenen Weise pulverisiert, hierauf geschlemmt und dann nach Seto gebracht. Der Chikura- ishi und Hiromi-ishi , letzterer aus Mikawa, scheinen sehr ähnlich zu sein. Dr. Sarnow analysierte eine Probe des von mir erhaltenen Hon-ishi und fand dabei 65,78 % Kieselsäure, 20,22 % Thonerde, 0,43 % Eisenoxyd, 0,77 % Kalk, 10,33 % Kali, 1,24 % Natron und 0,51 % Wasser, so dass derselbe dem in unsern deutschen Porzellan- fabriken viel verwendeten schwedischen und norwegischen Kalifeld- spath (Mikroklin) nahesteht. Derselbe schmilzt leicht zu einem durch- scheinenden, farblosen Glase. Giyaman-ishi , d. h. Glasstein, nennt man den hellgrauen oder bläulichweissen Quarz, den man in der Nähe von Seto findet und der in der Seto-Masse als Magerungsmittel fungiert. Ueberhaupt wird man aus der Zusammensetzung dieser Masse ersehen, dass dieselbe nach europäischer Art erfolgt und derjenigen der böhmischen Porzellan- masse sehr nahe steht. Das Seto-Porzellan wird teils in Kapseln, meist aber frei auf feuerfesten Etageren gebrannt. Um das Anschmelzen an die Unterlage zu verhüten, wird jedem Gegenstande eine dünne Platte aus einer grauen Talkerde untergelegt, die in Seto Yori-tsuchi genannt wird und vor dem Formen ebenfalls pulverisiert und geschlemmt werden muss. Die Zahl der Arbeiter, welche in der Porzellan-Industrie von Seto selbst beschäftigt sind, beträgt 700—1000. Ausser Seto-mono liefert Owari auch viel Irdenwaare, so das Tokoname-yaki in Chida- gori, 10 Ri von Nagoya, das Inu-yama -gori in Nuira-gori und das Toyoske-yaki in Nagoya selbst, welches die Familie Toyoske im Innern mit gefärbter Bleiglasur, äusserlich aber mit Lackmalerei versieht. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Die Begründung der Thonwaarenindustrie in Owari wird Kato- Shirosayemon , genannt Tôshiro zugeschrieben, welcher, nachdem er fünf Jahre lang in China die Töpferei erlernt hatte, im Jahre 1223 zurückkehrte und sich zum Betrieb derselben in Seto niederliess. Er lieferte glasiertes Steinzeug und verwandte zu seinen ersten Versuchen gleich Gorodayu Shonsui in Arita Thon, welchen er aus China mit- gebracht hatte. In späterer Zeit folgte er einer verbreiteten Sitte und wechselte nochmals seinen Namen in Shunkei, so dass auf Tôshiro- yaki das Shunkei-yaki folgte. Mehrere seiner Nachfolger zeich- neten sich durch Anfertigung von Theeurnen (Tsubo) und andern Gegenständen aus, welche man zur Blüthezeit der Cha-no-yu (Thee- gesellschaften) hochschätzte; auch kam zum Steingut unedle Faïence mit gefärbter Email. Aber die Kunst, Porzellan zu verfertigen, lernte und übte man erst spät, nachdem ein jüngeres Glied der Töpferfamilie des Tôshiro, nämlich Kato Tamikichi , auf listige Weise den Arita- töpfern das Geheimniss entlockt hatte. Mino-yaki . Die Minowaaren, fast nur kleine Gebrauchsartikel, wie Theetöpfe, Schalen, Teller, Näpfe, wie sie zum Reisessen dienen, Sakeflaschen etc. sind meist weniger fein verziert, als die von Seto, und entsprechen mehr den Mitteln und Bedürfnissen des gewöhnlichen Mannes. Daher finden wir vornehmlich mancherlei irdenes Geschirr und unter diesem solches von vortrefflichem Material und sorgfältiger Arbeit, an der sich mancher unserer gewöhnlichen Töpfer ein Muster nehmen könnte. Die Porzellanindustrie folgte derjenigen von Seto und wurde erst 1810 eingeführt. Dieselbe erstreckt sich nordwärts bis zum Dorfe Nakatsugawa am Nakasendo. Mehr nach Owari hin wird sie in vielen Dörfern betrieben, vornehmlich in Takayama, Tajimi und Ichinokura . Zu den schönsten Leistungen gehören kleine Thee- und Sakeschalen aus vorzüglichem Porzellan, deren dünne Wandungen, wie in Hizen, durch Abdrehen der lufttrocknen Gebilde dargestellt und theils an den genannten Orten selbst, theils in Tôkio mit Muffelschmelzfarben prächtig verziert werden. Ôta-yaki, Makudzu-yaki . Im Jahre 1872 eröffnete der Kaufmann Miyagawa von Yoko- hama bei dem benachbarten Orte Ôta eine Fabrik mit der Absicht, Satsuma und anderes Steingut, sowie Porzellan nachzumachen und damit besonders dem Verlangen nach Decorationsstücken für den aus- ländischen Markt zu entsprechen. Zur Leitung berief er einen Töpfer Namens Kayama aus Kiôto. Man verfertigte vornehmlich Vasen und bezog dazu als Rohmaterialien Amakusa-ishi und verschiedene Thone 8. Keramik. aus dem benachbarten Musashi. Später soll das Geschäft auf Kayama übergegangen sein, nach dessen früherem Wohnort Makudzu-ga-hara in Kiôto die Produkte vielfach benannt worden sind. Kayama ent- wickelte eine ungewöhnliche Thätigkeit und war unerschöpflich in der Erfindung und Anwendung neuer Decorationsmotive, vornehmlich in Hochrelief. Seine Erzeugnisse, welche während der letzten 12 Jahre in Menge ausgeführt wurden und auf den grossen internationalen Industrieausstellungen viel Aufsehen machten, bieten neben höchst origi- nellen und zum Theil wirklich schönen Entwürfen auch mancherlei Geschmacksverirrungen. Da waren z. B. auf der Pariser Ausstellung grosse Vasen in langgestreckter Tonnen- (Cigarren-) form mit einer an die Färbung des Awata-yaki streifenden Glasur, um welche sich grosse verrostete Anker in Hochrelief schlangen, auf denen kleine Kobolde sassen. Andere Vasen hatte man in ihrem unteren Theil mit einer höckerigen Oberfläche versehen, die an eine Wand erinnerte, welche man mit breiigem Cement, vermischt mit kleinen Kieseln, beworfen hat. Auch durchbrochenes Korb- und Bambusrohrgeflecht hatte man mit grosser Treue vortrefflich nachgeahmt. Alles dies imponierte den Preisrichtern dergestalt, dass sie die in Wien und Philadelphia er- haltenen Auszeichnungen des Ausstellers durch Zuerkennung der goldenen Medaille vermehrten. Die Faïence von Ôta nähert sich dem Porzellan und übertrifft alles andere japanische Steingut an Härte und Festigkeit. In ihrer Färbung steht dieselbe meist zwischen Satsuma und Awata-yaki; da- gegen hat die Fabrik noch keine Gegenstände geliefert, welche sich durch polychrome Malerei auszeichneten und den besseren Produkten von Kagoshima und Awata an die Seite stellen liessen. Hongo-yaki . Der Ort Hongo , wonach dieses Porzellan benannt wird, liegt in der Aidzu-taira (Ebene von Aidzu), Provinz Iwashiro, auf dem Wege von Sannô-tôge nach der Hauptstadt Wakamatsu und etwa eine Meile von dieser entfernt. Auf der Südseite des Dorfes steigt ein Hügel empor, dem mindestens ein Dutzend liegende Brennöfen mit ihren auf einander folgenden Gewölben angelehnt sind. Man verfertigt hier ein hartes Porzellan und verziert es mit Kobaltfarbe unter der Glasur; doch steht die Waare an Feinheit und die decorative Kunst nicht auf gleicher Höhe mit Seto und Kiyomitzu. Die Industrie beschränkt sich fast ausschliesslich auf gewöhnliche Verbrauchsartikel. Sie verwendet weder Feldspath noch Quarz, findet aber in den vulkanischen und altkrystallinischen Zersetzungsprodukten in grösserer oder geringerer III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Entfernung ein reiches, werthvolles Material. Von einem solchen, welches ich in der Nähe des Inawashiro-Sees traf, dem Tonokuchi- ishi , gibt Tabelle B. III die Zusammensetzung an. Die Kaoline kommen meist aus der Nachbarschaft von Hongo. In einer der Fabriken setzte man die Masse aus 5 Teilen Shirojari , 3 Teilen Haguro , 3 Teilen Dobiyama-tsuchi und 2 Teilen Tonokuchi zusammen. Dieselbe hat einen Stich in’s Gelbliche, brennt sich aber rein weiss. Kutani-yaki oder Kaga-Porzellan . Weiss man auch nicht genau, in welchem Jahre — man nimmt gewöhnlich 1650 n. Ch. an — die Fabrikation dieses eigenartigen, durch seinen Decor hochgeschätzten Porzellans begann, so ist seine Geschichte doch älter, als die der meisten andern Porzellane, welche Japan bislang geliefert hat. Mayeda Toshiharu, der erste Daimiô von Daishôji in Kaga, liess bald nach Antritt seiner Herrschaft im Jahre 1639 n. Ch. sich einen Töpfer von Kiôto kommen und dieselbe nach Materialien zu feineren Thonwaaren durchsuchen. Nachdem solche bei Kutani-mura und anderwärts gefunden waren, begann die Industrie. Zu ihrer Förderung sandte der Nachfolger des Fürsten, Mayeda To- shiaki, einen Arbeiter Namens Tamura Gonzayemon nach Hizen, damit er dort die Verfertigung des Porzellans kennen lerne. Dieser errichtete nach seiner Rückkehr bei Kutani-mura, 8 Ri südöstlich von Daishôji, den ersten Porzellanofen in der Nähe der Fundstätte des Kutani-ishi, von dem noch weiter die Rede sein soll. Nach einer andern Version gründete nicht Tamura Gonsayemon, sondern ein ge- wisser Gotô Saijiro ums Jahr 1650 dieses erste Porzellanwerk in Kaga. Unterstützt von einem höchst talentvollen Maler, Namens Kuzumi Morikage , der sich in Kaga niederliess, fand seine Waare den grössten Beifall, nicht blos des Fürsten von Kaga, sondern auch des Shôgun Tsunayoshi in Yedo. Später sanken jedoch die Leistungen der Fabrik, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging das Geschäft ganz ein. Im Juni des Jahres 1810 wurde durch einen Kauf- mann in Kutani die Fabrikation neu eröffnet. Da aber Kutani zu hoch im Gebirge liegt und der lange, strenge Winter die Arbeiten sehr behinderte, so verlegte der Besitzer seine Fabrik im Jahre 1814 nach dem Badeorte Yamashiro-mura , 1 Ri östlich von Daishôji. Dieselbe war 1874, als ich sie besuchte, noch im Betrieb; doch hatte man 8 Chô (¼ Stunde) ausserhalb des Ortes seitdem zwei grössere Brennereien angelegt, die neben Kutani-yaki auch gewöhnliche Töpfer- waaren und eine Art Steingut liefern. Das Porzellan wird grössten- theils nach Kanazawa, der Hauptstadt der Provinz, gesandt und dort 8. Keramik. decoriert. Zur Darstellung des Kaga-Porzellans dient eine Masse, welche man aus 8 Teilen Kutani-ishi , 2 Teilen Nabetani-ishi , 6 Teilen Gokoji-tsuchi und 4 Teilen Yamashiro-tsuchi er- zielt. Die Glasur besteht aus 6 Teilen Kutani-ishi und 4 Teilen Isu-bai. Letzteres ist gewöhnlicher Töpferthon, der Gokoji-tsuchi ein Kaolin, ähnlich dem von Seto, mit vielen Quarzkörnern durchmengt. Der Nabetani-ishi, richtiger Nabetani-tsuchi, von Nabeya-mura findet sich 8 Ri von Yamashiro-mura auf dem Wege nach Kanazawa und ist ebenfalls ein weisser körniger Kaolin. Das meiste Interesse gewährt der Kutani-ishi, von dem Tabelle B. II eine Analyse gibt. Es ist dies ein stark verwitterter und in der Kaolinisierung begriffener Quarz- porphyr, grauweiss auf frischem Bruch, rothbraun durch Eisen auf den Spalten und Klüften. Zierliche Quarzkrystalle (Dihexaeder nebst untergeordneten Prismen), vereinzelte Orthoklaskrystalle und kleine zersetzte Biotitpartien sind darin deutlich zu erkennen und lassen über den Charakter des Gesteins keinerlei Zweifel zu. Die Zubereitung der Masse für Kutani-yaki ist weniger sorgfältig, als für die meisten andern Porzellane. Auch brennt sich dieselbe nicht so hell und glatt; der Scherben zeigt vielmehr eine starke Neigung nach Roth oder Grau und körnige Beschaffenheit. Wenn dessen ungeachtet die daraus verfertigten Teller, Vasen, Theetöpfe, Dosen, Tassen etc. in ganz Japan hohen Ruf haben und viel höher im Preise stehen, als entsprechende Gegenstände aus andern Porzellan- distrikten, so liegt dies lediglich in der eigenthümlichen, reichen und sorgfältigen Decoration mit Gold, Goldpurpur und Eisenroth, wozu noch in manchen Fällen Kupfergrün, selten eine fünfte Farbe kommt. Diese Verzierungsweise über der Glasur wurde im Jahre 1814 ein- geführt; früher war die blaue Kobaltdecoration unter der Glasur, wie bei Seto- und Kiôto-Porzellan gebräuchlich. Die hervorragendsten Leistungen in der Kaga-Porzellanmalerei hatte in den letzten 15 Jahren eine Gesellschaft von Samurai in Kanazawa aufzuweisen, an deren Spitze Abé stand. Die Verzierung des Kaga-yaki ist so auffällig eigenartig, dass nicht viel Uebung dazu gehört, es in der Regel sofort zu erkennen. Gewöhnlich theilt ein mit Gold und Roth ausgeführter allgemein ornamentaler Teil, wobei häufig Mäander in Anwendung kommen, die zu decorierende Fläche in einzelne Felder, in welche alsdann die eigentlichen Gemälde: menschliche Figuren, Blumen, Vögel, Wolken, bestehend aus einzelnen eisenrothen Punkten, eingetragen werden. Zuweilen sind diese Bilder auch in Schmelzfarben ausgeführt, doch viel seltener als dies bei Seto-mono geschieht. In Bezug auf III. Kunstgewerbe und Verwandtes. die zum Theil äusserst sorgfältige, effectvolle Verzierung gehören manche Artikel des Kutani-yaki zu dem Schönsten, was die keramische Industrie überhaupt je geleistet hat. Der Charakter dieser Verzierung geht aus der Farbenlichtdrucktafel XXII deutlich hervor. Banko-yaki . Die Provinz Ise liefert am Tôkai-dô unter dieser Benennung in den Städten Yokkaichi und Kuwana , sowie in ver- schiedenen Ortschaften zwischen ihnen teils Steinzeug, teils eine Art glasierter Irdenwaare mit prächtiger Emailverzierung, welche man ganz zutreffend als japanische Majolika bezeichnet hat. Im engeren Sinne besteht Banko-yaki jedoch aus roth- bis dunkelbraunen, gelb- lichen oder weissen, einfachen, marmorierten oder bemalten Thon- waaren, welche äusserst geschmackvoll, aber dünnwandig, leicht und wenig widerstandsfähig, hartgebrannt sind und im Scherben ganz den Charakter des Steinzeugs besitzen. Es sind meist kleinere Gegen- stände, Theetöpfe, Kannen, kleine Vasen und andere mehr, welche weder auf der Drehscheibe, noch aus freier Hand, sondern über zerleg- baren Katas oder Formen gebildet werden. Der eisenschüssige Thon, welchen man für die gefärbte Waare braucht, wird an einem benach- barten Hügelzuge bei Obuke in verschiedenen Nüancen gewonnen; der weisse ist Porzellanmasse aus Seto. Nachdem die zwei Sorten für sich fein geschlemmt, durch Tücher gepresst und zu plastischen Massen umgewandelt worden sind, werden sie für einfarbige Waare gesondert, für marmorierte gemengt angewendet, d. h. im letzteren Falle oberflächlich durch einander geknetet, dann mit einer Walze ähnlich wie Kuchenteig dünn ausgewalzt. Die zerlegbare Holzform mit einem verlängerten prismatischen oder cylindrischen Stück als Griff in der Mitte wird nass gemacht, mit Streifen von geöltem oder in Shibu ge- tränktem Papier überdeckt. Darauf drückt man den ausgeschnittenen Teiglappen allseits fest wider die Form. Was über den Bodenrand hinaus geht, wird ringsum abgeschnitten. Besondere Streifchen der Masse liefern durch Anlegen und festes Aneinanderdrücken den Hals. Auch der Boden wird für sich zugeschnitten, angelegt und angedrückt. Mit Griff und Ausflussröhre, die vorher fertig geformt wurden, geschieht dasselbe. Ist der ganze Topf so auf der Kata modelliert und etwas getrocknet, so nimmt man vom Mittelstück aus die Form in ihren ein- zelnen Theilen auseinander, stellt ihn dann zum Trocknen auf und zieht nachher die Shibu-gami-Streifen bequem heraus. Den Deckel formt man wieder für sich. Das Brennen dauert 24 Stunden. Die Gegenstände erhalten keine Glasur. Von den vier Töpfen auf Tafel XXIII ist jeder in anderer Weise verziert. Ringe und Deckelknöpfe der beiden oberen sind leicht dreh- Rein, Japan. II. Tafel XXII. Sake-Flasche aus Kaga-Porzellan. Rein, Japan. II. Tafel XXIII. Banko-yaki von Yokkaichi. Verlag v. Wilh. Engelmann, Leipzig. 8. Keramik. bar. Die senkrechte Streifung beider wurde nach dem Aufdrücken der Masse auf die Form erzielt. Bei dem weissen Topf (oben links) wurden Vogel und blühender Zweig aufgemalt, bei dem graubraunen rechts die weisse Botan- (Päonien-) Blüthe mit entsprechender Masse eingelegt. Der dritte Topf (unten links) zeigt noch die Stellen, wo der Daumen die dünne Teigplatte an die Form drückte. Die Häus- chen, mit welchen er verziert wurde, sind Masse auf Masse. Endlich sehen wir beim vierten Topf, wie durch Mengung verschieden gefärbter Massen eine eigenthümliche Marmorierung hervorgerufen wird. Gegen- stände dieser Art werden Momi-kome oder Kamo-gata genannt. Banko Kichibei, nach dem dieses Steinzeug oder »Grès de Banko« benannt wurde, errichtete zwischen 1652 und 1660 bei Yedo eine Brennerei, welche als ein Zweig der Fabrik in Kutani angesehen wurde, später aber einging. Vor etwa 40 Jahren richtete ein Por- zellantöpfer Namens Yiusetsu im Dorfe Obake bei Kuwana eine Brennerei ein, wechselte seinen Namen in Banko und legte den Grund zu der heutigen, eigenartigen Industrie, welche seinen Adoptivnamen trägt. Ihr Hauptsitz ist zu Yokkaichi am Tôkaidô, wo der Fabrikant Kawahara-ya gegen 80 Arbeiter beschäftigt. Die Fabrik in Obake besteht noch, liefert aber mehr Majolika mit prächtiger Emailver- zierung in Relief. Einige Töpfer aus Yokkaichi verpflanzten das Ver- fahren nach Onko in Mino, das jetzt eine viel dauerhaftere Waare liefert. Endlich ist auch noch das Imbé -yaki zu erwähnen, ein eigen- artiges Steinzeug aus der Provinz Bizen, welches, bei heftigem Feuer gebrannt, sich durch schöne braunrothe Farbe auszeichnet und an gewisse chinesische Waaren ähnlicher Art erinnert. Rein, Japan. II. 37 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. A. Analysen der Porzellansteine von Arita in Hizen. Die hier angeführten japanischen Namen sind nicht Bezeichnungen für die Arita-Porzellansteine selbst, sondern für Massen aus denselben. B. Analysen von Porzellansteinen verschiedenen Ursprungs. 8. Keramik. Erläuterungen zu nebenstehenden Tabellen: A enthält verschiedene Analysen des Arita-ishi, der Grundlage für die berühmte Porzellan-Industrie in Hizen, B solche von Porzellan- steinen verschiedenen Ursprungs und Charakters. A I, B I, III und IV wurden von Dr. C. Sarnow in der Königl. Porzellanmanufactur zu Charlottenburg ausgeführt und in der Thon- industriezeitung 1878 Nr. 28 veröffentlicht. Das Material hatte ich an den japanischen Fundstätten selbst gesammelt. Sarnow bemerkt dazu Folgendes: A I Arita-ishi. »Weisse, steinartige Masse mit zahl- reichen, schwarzen Pünktchen durchsetzt, ist im Porzellanfeuer nahezu beständig.« B I Amakusa-ishi. »Weisse, steinartige Masse, zerrieben ein weisses Pulver gebend, welches, mit Wasser zu einer Masse an- gerieben, bei der Temperatur, in welcher das Porzellan der Königl. Porzellan-Manufactur zu Berlin gebrannt wird, bereits zerfliesst.« B II Kutani-ishi. »Stein von gelblicher Farbe, oder gelblichweiss, mit gelben Adern durchzogen, im Porzellanfeuer bereits beginnende Schmelzung zeigend.« B III Tonokuchi-ishi, Kaolin von der Nähe des Inawashiro-Sees. »Die Stücke sind von gelblich weisser Farbe, höchst feuerbeständig, sich im Feuer sehr weiss brennend.« A II und III sind Analysen des Arita-Steins, welche Gümbel in Dingl. Polyt. J. Bd. 227 pg. 501 ff. veröffentlichte. Derselbe erhielt das Material durch Dr. G. Wagener von der Wiener Weltausstellung. Die Analysen A IV, V, VI, VII rühren von H. Wurtz her und finden sich von Atkinson reproduciert in Vol. VIII pg. 273 der Transactions As. Soc. of Japan 1880. In demselben Artikel gibt R. W. Atkinson eine Reihe eigener Untersuchungen der in der jap. Keramik verwandten Materialien, denen B IV entnommen ist. Die drei letzten Analysen der Tabelle A, sowie B V, VI und VII wurden der »Untersuchung von Chinesischen und Japanischen zur Porzellanfabrikation verwandten Gesteinsvorkommnissen von W. Pabst« in Zeitschrift der deutsch. geol. Gesellschaft Bd. 32 (1880) entlehnt. Die Gesteine lieferte F. von Richthofen, ebenso Notizen über das Vorkommen in China und zu Arita. Hiernach hielt v. Richthofen den Arita-ishi für tertiäres Massengestein, kieselsäurereiche, rhyolithtuff- ähnliche Gebilde, während die Porzellansteine von Kingte-tschin grosse Aehnlichkeit mit Hälleflinta und Petrosilex haben. Das Porzellangestein von Yükan, von dem B VIII und IX zwei Analysen von Salvétat sind, bezeichnet dieser als Pegmatit und v. Richt- hofen als Porphyroid. B X ist eine Analyse des Pegmatits von Yrieix in Frankreich, welche Seger veröffentlicht hat und hier vergleichs- weise beigefügt ist. 37* III. Kunstgewerbe und Verwandtes. C. Analysen verschiedener japanischer Kaoline und Thone, verglichen mit einigen fremden. D. Analysen verschiedener Porzellanmassen. C. Analysen verschiedener Kaoline und Thone. Von diesen veröffentlichte R. W. Atkinson die Nummern I—IV in Transactions As. Soc. of Japan Vol. VIII pg. 274—275, Gümbel V in Dingl. Pol. J. Bd. 227 pg. 501 ff. Kalmann VI in Dingl. Pol. J. 8. Keramik. Bd. 220 pg. 445 und K. Bischof. VII, VIII und IX in Dingl. Pol. J. Bd. 198 pg. 396. Wie man aus dem Vergleich sieht, kommt das Arita- Kaolin, welches sich in Gesellschaft des Arita-Porzellansteins befindet und nur als eine weitere, fortgeschrittenere Umwandlung von diesem zu betrachten ist, dem Normal-Kaolin von St. Austell in Corn- wall am nächsten. Der höhere Alkaligehalt desselben erleichtert das Brennen und ist für die Porzellanindustrie von Arita von hohem Werth. Von den übrigen japanischen Porzellanthonen der Tabelle wird Shiga- raki sowohl für Porzellan, als auch für Steingut von Kiôto ver- wendet, ebenso der Kaolin von Kirishima-yama für die Faience von Satsuma. Dasjenige von Seto dient den Porzellanfabriken von Owari und Mino, welche übrigens noch viele andere Thone verwerthen. Bei Kuwana in Ise findet man den Thon, welcher für das hellere Banko- yaki benutzt wird; auch ein röthlicher Thon mit über 5 % Eisenoxyd, aus welchem z. B. die Kanne Fig. 19 gebildet wurde, findet sich hier in Ise als werthvolles Material für seine eigenartige Industrie. Tabelle D, »Analysen verschiedener Porzellanmassen«, bietet Stoff zu interessanten Vergleichen. Insbesondere fallen die beiden ersten von Arita-Massen, welche gleich der Nr. VIII von Seger und Aron in der Thonindustriezeitung veröffentlicht wurden, durch ihren hohen Kieselsäuregehalt auf. Der durch seine hervorragenden Leistungen auf keramischem Gebiete wohlbekannte Direktor der Versuchsanstalt zu Charlottenburg, bemerkt dazu Folgendes: »Die japanische Masse I zeigt den höchsten Grad der Bildsamkeit, so dass bei dem geringen Gehalt an thonigem Bindemittel kaum anzunehmen ist, dass dafür ein wirklicher plastischer Thon verwendet wird.« Dies ist denn auch in der That nicht der Fall. Die Masse steht, wie der Porzellanstein, welcher sie liefert, in der Porzellanindustrie einzig da. Die Analysen III und IV verdanke ich Herrn Dr. Sarnow. Der- selbe bemerkt von der Masse III, dass dieselbe gelblichgrau und ziem- lich plastisch sei, sich weiss brenne und von beinahe derselben Feuer- beständigkeit sei, wie die Berliner Masse. Gleiche Eigenschaften zeigt die Masse von Kiyomidzu. In der chemischen Zusammensetzung nähern sich diese drei Massen ebenfalls; doch ist die Berliner thonerdereicher und entsprechend im Brande härter. Der nahen Verwandtschaft der Seto-Masse mit der von Kiôto entsprechen auch die Porzellane beider Distrikte. Die Analysen VI und VII stammen von Laurent und wurden gleich IX dem Handbuch der Thonwaaren-Industrie von Kerl ent- nommen. Der hohe Kalk- und Alkaligehalt der chinesischen Masse IX macht das daraus bereitete Porzellan leichtflüssig und nähert es dem weichen englischen. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. 9. Emailindustrie. Wesen und Arten des Email. Historischer Ueberblick über die Entwickelung der Industrie in verschiedenen Ländern. Charakter des chinesischen und japanischen Email cloisonné. Darstellungsweise desselben in Japan auf Kupfer, Porzellan und Steingut. Zellenlackarbeit. Freies Email. Zusammensetzung und Zubereitung japanischer Schmelzfarben. Literatur: 1) Theophilus Presbiter: »Schedula diversarum artium.« Herausgegeben von H. Hagen in den »Quellenschriften für Kunstgeschichte.« 7. Band. Wien 1874. 2) Popelin: »L’Art de l’émail.« Paris 1868. 3) Burty: »Les Emaux cloisonnés.« Paris 1868. 4) v. Brandt: »Ueber japanisches Email cloisonné.« Mittheil. d. deutsch. Ges. Ostasiens. 5. Heft pg. 1—3. 1874. 5) Bucher: »Geschichte der technischen Künste.« Stuttgart 1875. 6) J. L. Bowes: »Japanese Enamels.« Liverpool 1884. 7) G. Audsley: »The ornamental Arts of Japan.« Part. III. London 1885. Email (Smaltum, Schmelz), japanisch Shippô, nennt man 1) eine leicht schmelzbare, durch Metalloxyd gefärbte Glasmasse, welche vornehmlich auf Metallen, seltener auf Thonwaaren und Glas erzeugt wird, sei es als schützende Decke oder zur blosen Verzierung, — 2) die mit Email versehenen Gegenstände selbst. Zu erstgenanntem Zweck wird die Unterlage (der Excipient) mit Email von einerlei Farbe gleichmässig bedeckt, wie z. B. in neuerer Zeit viele im Haushalt ver- wendete gusseiserne Gefässe. Einem solchen Email entspricht die Glasur der Irdenwaare, die auch in der Art ihrer Zusammensetzung und Anwendung oft kaum davon zu unterscheiden ist. Soll dagegen das Email als Decoration dienen, so wird es ähnlich wie Malerfarben behandelt. Man zerreibt das pulverförmige Gemisch seiner Bestandtheile mit Wasser zu einem feinen Brei, überträgt den- selben mit einem Stäbchen oder Pinsel auf den Excipient, der damit verziert werden soll, und schmilzt ihn bei mässiger Hitze in einem kleinen Ofen auf. Diese Emailverzierung wird in der Regel ebenso mit verschiedenen Farben ausgeführt, wie die polychrome Malerei auf Thonwaaren. Indem man die Emailfarben sowohl opak als durch- sichtig darstellen kann, liefern sie eine sehr reiche Palette, welche es ermöglicht, das Aussehen der verschiedenen Schmucksteine nachzu- ahmen. Hierauf beziehen sich auch die japanischen Namen Shippô für Email und Shippô-yaki für emailierte Metallgeräthe. Shippô-yaki bedeutet »das Gebrannte (Yaki) der sieben Kostbarkeiten« (Shippô, siehe pg. 506), weil durch diesen Zellenschmelz Gold, Silber, Lasurstein. Koralle, Achat, Bergkrystall und Perlen gewissermassen nachgebildet und ver- einigt werden können. 9. Emailindustrie. Die Ausschmückung mit Email ist eine Kunst, welche von ver- schiedenen Culturvölkern in älterer, wie neuerer Zeit geübt worden ist und in der insbesondere die Japaner hervorragende Leistungen aufweisen. Während die übrigen Völker, namentlich auch die Chinesen, dieselbe auf Metalle beschränkten, ist es ihnen gelungen, sie mit gleichem Erfolg auch auf hartgebrannte Thonwaaren (Porzellan und Steingut) anzuwenden. Bevor ich aber die Art, wie die Japaner bei Darstellung ihres Email verfahren, näher angebe, will ich einige all- gemeine Bemerkungen über die Abarten des Email und dessen Ein- führung vorausschicken. Die verschiedenen Verfahrungsweisen bei der Emaildecoration lassen sich in zwei Gruppen theilen: 1) Gebundenes Email, auch incrustiertes oder versenktes Email (imbedded Enamel) genannt. Dasselbe ist eine Mosaikarbeit, bei welcher die einzelnen Emailfarben und Bestandtheile der Decoration durch schmale Metallbänder von einander geschieden sind. Bei seiner Darstellung wird auf der Unterlage zunächst durch Guss, Ausgravierung oder Auflöthung ein Netzwerk von Metallzellen geschaffen, welche den Umrissen der einzelnen Bestandtheile des Bildes entsprechen, dann die vollständige oder theilweise Füllung der Zellen mit den verschie- denen Emailfarben und endlich das Schmelzen oder Aufbrennen der- selben vorgenommen, wobei die dünnen Zellwände das Ueberfliessen der verschiedenen Schmelzfarben verhüten und nach dem Abschleifen als Conturen der Elemente des Emailbildes dieses scharf abheben. Das gebundene Email wird wieder unterschieden in: a) Zellenschmelz oder Email cloisonné (incrusted Enamel), bei welchem die Zellen aus schmalen Metallbändern für sich, der Decorationsvorlage entsprechend, geformt und dann der Unterlage auf- gelöthet werden. b) Grubenschmelz oder Email champlevé (imbedded Enamel). Hierbei sind die Zellwände Bestandtheile des Excipienten selbst und gleich den eingeschlossenen Gruben durch Guss oder Ausgravierung hervorgerufen worden. Bei beiden erwähnten Emailarten füllen die Schmelzfarben die Zellen nach dem Abschleifen und Polieren ganz aus, so dass alle Ver- zierungen in einer Ebene liegen. Desshalb nennt man sie auch Flach- email oder glattes Email, ein Ausdruck, welchen namentlich die Russen für derartige Erzeugnisse anwenden. In Moskau — und hier allein — wird aber noch eine andere Sorte Zellenschmelz dargestellt, nämlich c. das sogenannte Filigranemail (Filogranuije email) oder Soskanju Email, d. h. wörtlich »Email mit gedrehtem Zwirn.« Es III. Kunstgewerbe und Verwandtes. unterscheidet sich vom glatten Email dadurch, dass nur der Grund der Zellen mit Schmelzfarben bedeckt wird und die Cloisons oder Zell- wände als Relief hervortreten. 2) Das freie Email wird mit dem Pinsel nicht in Zellen, sondern auf die glatte Metallfläche aufgetragen. Man unterscheidet es als Maleremail (Email de peintre) oder Limoges, nach der Stadt, in welcher es im 15. und 16. Jahrhundert besonders und mit vorzüg- licher Wirkung angewandt wurde, und als durchsichtiges (Email translucide), erhabenes oder Hoch-Email (Opera di basso rilievo). Die Ornamente, welche man durch Treib- und Ciselierarbeit aus der Metallunterlage selbst, oder mittelst eines Kittes in Flachrelief bildete, werden mit durchscheinenden Emailfarben bemalt, so dass der glänzende Metalluntergrund durch die Schmelzkruste hervorleuchtet. Die Anfänge des Flachemail, das für unsere Aufgabe vorwiegend in Betracht kommt, gehören der vorchristlichen Zeit an. Die alten Aegypter füllten Goldzellen mit geschliffenen kostbaren Steinen oder Glas aus, und im Musée de Cluny zu Paris sah ich im Jahre 1878 unter Nr. 3510 ein Stück Bronze (von einer Agraffe), welches ähnlich behandelt worden war. Es hat etwa 5—6 cm Länge und Breite und ist mit würfelförmigen Gruben versehen, welche geschliffene farbige Steine ausfüllen. Ob es wirklich keltischen Ursprungs ist, wie ein Zettel besagte, oder nicht vielmehr von den Römern herrührt, kommt hier nicht weiter in Betracht. Sicher aber war der Schritt, solche Zellen, statt mit bunten Steinen oder Glasstücken, mit Schmelzfarben auszufüllen, nicht weit. Gegenstände mit Email cloisonné aus älterer Zeit sind selten und in der Regel klein. Der Excipient war fast immer aus Gold oder Silber getrieben; die Zellen wurden durch aufgelöthete Goldstreifchen hergestellt. Bald gesellte sich der Grubenschmelz hinzu. In der Blüthe- zeit des morgenländischen Kaiserreichs, zumal zur Zeit Justinians, der mit grossen Mitteln seinem Sinn für Prachtentfaltung in Kirchen und Schlössern, an Waffen und Rüstzeug nachkommen konnte, wurde in Constantinopel das Byzantiner Email (Zellen- und Grubenschmelz) zur Entwickelung gebracht. Ob Byzantiner die Kunst erfunden oder von Orientalen kennen gelernt hatten, ist nicht erwiesen, die Annahme, dass dieselbe von den Chinesen stamme, dagegen durchaus unbegründet und irrig. In Westeuropa fand dieselbe unstreitig erst durch die Kreuzzüge Eingang und festen Boden. Ihre grösste Entfaltung fällt in das 13. und 14. Jahrhundert, wie man an ihren Produkten in den Kunstkammern vieler alten katholischen Kirchen, z. B. des Domes zu Aachen leicht erkennen kann. Mit dem Electrum — so wurde im 9. Emailindustrie. Mittelalter das Email genannt, — verband man, wie Theophilus Theophilus oder Rugerus, der um die Mitte des 11. Jahrhunderts lebte, gibt in seinen hinterlassenen Manuscripten »Diversarum artium schedula« die erste Beschreibung von der Herstellung des Email cloisonné. an- führt und zahlreiche Beispiele beweisen, die Ausschmückung mit kost- baren Steinen, welche sich zum Teil mitten aus dem Zellenschmelz hervorheben. Emailierte Reliquienschreine wurden besonders beliebt. Doch zierte man nicht blos diese, Särge, Altäre, Crucifixe, Räucher- gefässe und sonstige Kirchengeräthe mit Grubenschmelz, sondern auch Waffen, Gürtel und allerlei Schmuckgegenstände. Zur Unterlage wählte man statt Edelmetall mehr und mehr das billigere Kupfer, auf dessen polierter Fläche die Verzierungen vorgezeichnet und dann mit dem Stichel ausgegraben wurden. Erst viel später hat man sich diese Arbeit durch Guss und Nachgravierung bedeutend erleichtert. Der Grubenschmelz auf Kupfer ermöglichte in ganz anderer Weise, wie der Zellenschmelz auf Edelmetall, die Verzierung grösserer Flächen und wurde in Europa herrschend, während das Email cloisonné seine Hauptausbildung in China und Japan gefunden hat. Deutsch-Lothringer brachten den Grubenschmelz nach Paris, von wo er im 12. Jahrhundert weiter nach Limoges gelangte und hier bald zu grosser Blüthe kam. Als aber im 15. Jahrhundert die Kunst in der Gunst des Publikums sank, entwickelte sich daraus das Limosiner Email oder Maleremail von Limoges, in welchem die Emailierkunst überhaupt ihre grössten Leistungen aufzuweisen hat. Im 17. Jahr- hundert folgte in Limoges diesem Maleremail die noch blühende Faience- industrie, der sich im 18. Jahrhundert die Porzellanindustrie zugesellte. Die Kunst, metallene Gegenstände durch Flachemail, insbesondere Grubenschmelz, zu verzieren, verschwand in Europa gegen Ende des Mittelalters mehr und mehr, ohne völlig auszusterben. Ihre erste Neu- belebung fand im 17. Jahrhundert zur »Zeit der Patriarchen und Czaren« in Moskau durch griechische Meister statt. Bischofsmützen, Crucifixe, Scepter, Reichsäpfel, Schilde, Schwerter, Köcher und andere Dinge mehr wurden mit Steinen und Email decoriert. Aber dies Email zeigt, wie der moderne europäische Zellenschmelz überhaupt, viel glänzendere Farben. Die Ursache liegt unstreitig in einer veränderten Verfahrungsweise. Während man in früherer Zeit — und in Japan und China sogar noch vor wenigen Jahren — die Farben mit den übrigen Bestandteilen des Zellenschmelzes mischte und in der Zelle oder Grube durch Hitze zur Glasmasse vereinigte, werden jetzt farbige Gläser angewandt. Man zerstösst sie und zerreibt ihr Pulver mit III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Wasser zu einem feinen Brei, mit dem man die Gruben füllt, wo sie von neuem geschmolzen werden. Hierauf beruht die leichtere und vollkommenere Ausfüllung der Zellen, wie nicht minder der höhere Glanz dieser modernen Arbeiten. Sie werden in Moskau besonders von den Firmen Hlebnikow, Ovtschinnekow und Sazikow, aber auch in Petersburg dargestellt. Indess fehlt diesen russischen Erzeugnissen bei aller Pracht vielfach der rechte Geschmack im Zusammenstellen der Farben, welcher die Arbeiten von Ravené in Berlin und Barbe- dienne in Paris so sehr auszeichnet. In Deutschland findet man solche kostspielige Arbeiten mit Grubenschmelz selten. Der verstorbene L. Ravené war überhaupt der erste und einzige, welcher sich be- mühte, dieser Industrie bei uns Eingang zu verschaffen. Seine Fabrik fand jedoch nur für kleinere Gegenstände, wie Brochen und Manchetten- knöpfe, genügenden Absatz, während für grössere Erzeugnisse, trotz ihrer vortrefflichen Ausführung hier Sinn und Verständniss, dort die Mittel zur Anschaffung fehlten. Ein viel besseres Absatzgebiet stand Barbedienne in Paris zu Gebot. Als vor etwa 20 Jahren die ersten grösseren Gegenstände mit Email cloisonné aus Japan kamen, versuchte er auch diese nachzu- ahmen. Verschiedene andere Bronzefabrikanten wie Christofle, folgten seinem Beispiel. Es gelang ihnen bald Vasen, Teller und andere Sachen eben so schön mit Zellenschmelz zu verzieren, wie Chinesen und Japanern, doch nur mit einem Aufwand von Zeit und Geld, der die Concurrenz mit Ostasien unmöglich macht. Wie lange die Emailierkunst von den Chinesen schon geübt wird und wann sie von ihnen auch auf die Japaner überging, ist noch nicht genau festgestellt worden. Es scheint aber kaum zweifelhaft, dass die- selbe in beiden Ländern nicht vor Erfindung, respective Einführung der Porzellanindustrie bekannt war. Nach dem Einsacken der Schätze des Sommerpalastes zu Peking im Jahre 1859 brachten die Franzosen unter andern Kunstschätzen auch Email cloisonné auf Kupfer nach Paris, darunter Stücke mit Inschriften und Marken, welche über ihren Ur- sprung aus der Zeit der Mingdynastie (1368—1645 n. Chr.) keinen Zweifel lassen. Aeltere Emailgegenstände sind aber aus China nicht bekannt. Nach japanischen Angaben — und wir haben keinerlei Grund ihre Richtigkeit zu bezweifeln — soll die Kunst, Shippô-yaki darzu- stellen, gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch Hirato Hikoshiro nach Japan gelangt sein und zu Nagoya in Owari, wo sie noch immer ihren Hauptsitz hat, sich eingebürgert haben. Die Industrie wird daselbst und in mehreren Nachbarorten, darunter Toshima 3 Ri westlich von Nagoya, in etwa 30 Häusern meist als Kleingewerbe betrieben und hat 9. Emailindustrie. sich vor ungefähr 20—30 Jahren auch nach Kiôto, Ôzaka, Tôkio und Yokohama verpflanzt. Man hat sich hier nicht mit der Emailierung kupferner Gefässe begnügt, sondern das Verfahren auch erfolgreich auf Porzellan (Toki) ausgedehnt. So liefert Nagoya heutiges Tages sowohl Shippô -yaki, als auch Toki- shippô, d. h. Email cloisonné auf Kupfer und auf Porzellan. Hierzu kommt noch eine andere eigenartige Ver- zierung der Produkte von Seto, zumal der Blumenvasen, welche den Namen Shippô-urushi führt. Auch hier wird der zu schmückende Theil mit einem Netz von Messingzellen überdeckt, die man aber dann statt mit Schmelzfarben, mit den Grundierungsmitteln der Lackindustrie füllt und schliesslich mit Lackfarben bemalt. Japanisches Email war vor 25 Jahren in Europa noch ganz un- bekannt und in keiner der älteren Sammlungen neben den japanischen Lackwaaren, Bronzen und Porzellan zu finden. Es mag dies darin seinen Grund haben, dass Shippô-yaki auf Kiushiu nicht verfertigt wurde und in Nagasaki selbst heutiges Tages nur selten zum Verkauf kommt. Obwohl die Chinesen auch Grubenschmelz anwenden, haben sich die Japaner doch nie damit befasst. Ihr älteres Email cloisonné ist in eben so düsteren, matten Farbentönen gehalten, als das chinesische. Liebhaber beider sind aber geneigt, dem letzteren kühnere Entwürfe und bessere Durchführung derselben zuzuerkennen. Auch fingen die Chinesen früher an, ihrem Zellenschmelz lebhaftere Farben zu ver- leihen. Entsprachen die matteren Emailfarben beider Völker dem Geschmack — einem besseren, wie Manche meinen — und waren sie durch denselben hervorgerufen, oder waren sie nur eine natürliche Folge der Darstellungsweise? Europäische Liebhaber und Sammler dieser alten Emailen sind meist geneigt, das erstere anzunehmen; doch scheint bei näherer Betrachtung der früheren Verfahrungsweise die Ursache lediglich hierin zu liegen. Das ältere japanische Shippô-yaki hat zur Unterlage dünnes, getriebenes Kupfer und zu Cloisons gleich dem heutigen dünne Messing- bänder, die zum Theil wohl durch Schlagen oder Plattwalzen von Messingdraht hergestellt wurden. Azurblau, Lauchgrün und ein schmutziges Weiss sind seine gewöhnlichsten Farben, doch herrscht ein türkisblauer Grund in den meisten Fällen vor. Bei den neueren Arbeiten ist der Excipient dickwandiger, die angewandten Farben er- scheinen weit zahlreicher, lebhafter, und füllen überdies die Zellen viel gleichmässiger und vollkommener aus. Das Verfahren bei der Darstellung des japanischen Email cloisonné ist, wie ich mich überzeugen konnte, überall im wesentlichen dasselbe. III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Dasjenige in einer Fabrik zu Ôta bei Yokohama, wo man vor 12 Jahren 50 Personen beschäftigte, um Vasen, Theedosen, flache Teller und verschiedene andere Gegenstände aus Kupfer mit Zellenschmelz zu versehen, möge hier als Beispiel dienen. Die fertigen Gefässe werden oben mit einem nach innen und aussen übergreifenden Messingrand versehen, und mit einem angelötheten messingernen Boden nebst Rand und Füssen unten. Man zeichnet die Verzierungen, und zwar in der Regel nach Vorlagen, mit Bleiweiss- firniss vor. Der Arbeiter bedeckt hierauf die Vorlage mit einer durch- sichtigen Glasplatte und setzt auf derselben die Zellen, welche Um- risse von Blumentheilen, Blättern, Federn etc. oder auch von den Figuren darstellen, die als allgemeines Flächenornament dienen sollen, zu dem gegebenen Bilde zusammen und zwar mit schmalen Messingstreifen, die entweder schon gegossen waren, oder die er selbst mit Hülfe einer Drahtzange je nach Bedürfniss biegt. Um ihnen in letzterem Fall die Elasticität zu nehmen, müssen sie vorher geglüht werden. Hat er auf diese Weise die Figuren, z. B. eine Blüthe oder ein Netz von Maschen zusammengestellt, wobei die Metallstreifen natürlich auf ihre eine Schmalseite zu stehen kommen, so findet die Uebertragung auf die entsprechende Zeichnung an dem zu emailierenden Gegenstande statt. Das Befestigungsmittel, eine Art Salepschleim, liefern die Biyaku-gu oder Wurzelknollen einer Orchidee, Shuran (Bletia hyacinthina R. Br.) genannt. Diese Orchisart, die sich durch prächtig rothe Blüthen auszeichnet, fand ich im südlichen Japan einmal in grosser Menge auf einer unbebauten Hügelseite. Sie kam schon 1802 nach England und scheint mit Epidendrum tuberosum Lour. (Lour. flora cochinchinensis pg. 639) identisch zu sein, von welcher der Verfasser angibt, dass sie in Gärten von China und Cochinchina cultiviert werde. Sie werden auf rauher Haihaut (Same-no-kawa) zerrieben und mit kochendem Wasser in eine dick- klebrige Flüssigkeit verwandelt. Man bestreicht mit dieser mittelst eines Pinsels die vorgezeichneten Stellen und setzt die Zellenwände darauf. Nach dem Trocknen haften sie so fest an der Unterlage, dass nun zum Aufschmelzen des Lothes geschritten werden kann. Dieses Rô (Loth) stellt einen grauen Körper dar, welchen man durch Zusammenschmelzen von 8 Teilen Messing, 7 Teilen Zinn und 10 Teilen Zink erhält. Beim Gebrauch setzt man 10 Teilen dieser pulverisierten Legierung 3 Teile Borax und so viel Wasser zu, dass eine breiige Masse entsteht, mit der man die Berührungsstellen der Cloisons mit dem Excipienten bestreicht. Hierauf erwärmt man die Gegenstände über gelindem Kohlenfeuer, wobei das Loth bald 9. Emailindustrie. schmilzt. Nach dem Erkalten sitzen die Zellwände fest auf und sind nun zur Aufnahme der breiigen Emailfarben vorbereitet. Emailarbeiter in Nagoya versicherten mir, dass sie gar kein Rô anwen- deten, sondern die Schmelzfarben eintrügen, sobald die Cloisons mit Biyaku-gu befestigt seien. Das Loth (Rô), welches man zu Awata in Kiôto benutzt, besteht aus 6 Teilen Messing (Sinshiu), 3 Teilen Zink (Totan) und 10 Teilen Borax (Hôsha). Nach dem Zusammenschmelzen der Metalle wird die noch heisse Legierung in einen Steinmörser eingetragen, pulverisiert, mit Borax vermengt und dann mit Wasser zu einem Brei zerrieben, den man mit einem Pinsel aufträgt. Der zur Emailierung bestimmte und mit einem Netz fest auf- sitzender Zellen versehene Gegenstand wandert nunmehr in die Hände der Maler. Es sind meist Frauen, die im Kreise um ihre verschie- denen Farbentöpfe herumsitzen. In der Regel ist eine vollkommene Arbeitsteilung durchgeführt, derart, dass jede Person nur eine Farbe vertritt. Sie taucht ein kleines Stäbchen in den zubereiteten Farben- brei und füllt damit eine Zelle, dann eine zweite, welche dieselbe Farbe erhalten soll, und so fort. Hierauf gelangt der Gegenstand in die Hände eines zweiten Malers, der ganz analog mit seiner Farbe verfährt, und so fort, bis alle Farben eingetragen und die Zellen ge- füllt sind. Ist der Schmelz hinreichend lufttrocken, so folgt sein Auf- brennen. Die Emailfarbe schwindet dabei ansehnlich, auch bilden sich Löcher darin, so dass ein Nach- und Aus- füllen folgen muss. Nun kommt das zweite Brennen und nach demselben das erste Ab- schleifen und Polieren. Wiederum wird aus- gebessert und nachgefüllt, dann zum drittenmal gebrannt, ja oft zum vierten Mal, darauf abge- schliffen und poliert. Sprünge und Löcher, welche sich nun noch zeigen, werden vielfach mit Rô (Pflanzentalg) ausgefüllt und übermalt, eine Täu- schung, die indess nicht empfehlenswerth ist. Die älteren chinesischen und japanischen Emailen zeigen diese Unvollkommenheiten, zumal die Löcher, in Menge. Hier erscheinen sie fast als nothwen- diges Zubehör zum ganzen Charakter der Arbeit. Das Einbrennen der Schmelzfarben erfolgt ähnlich wie das der Malerfarben auf Thonwaaren in einfachen unzweckmässigen Vorrichtungen, die Fig. 20. Muffel zum Einbrennen von Schmelz- farben. man als Muffeln ohne Oefen bezeichnen kann. Figur 20 gibt das III. Kunstgewerbe und Verwandtes. Muster einer solchen, wie sie zu Awata in Kiôto vor 11 Jahren gebraucht wurde. Die Muffel besteht aus Kawarake oder Ziegelsteinmasse. Ihre Grösse richtet sich nach dem Bedarf. Im gegebenen Fall war sie nur 16½ jap. Zoll (50 cm) hoch und 12½ Zoll (38 cm) breit. Das 5—6 cm weite Loch im Deckel dient zum Einführen der Probe. In der Regel nimmt die Muffel nur einen mit Schmelzfarben versehenen Gegenstand auf. Für die Feuerung ist keinerlei besondere Vorrichtung vorhanden. Man verwendet Holzkohlen oder stark verkohlte Scheite, die man rings um die Muffel stellt und bis zum Rande derselben aufschichtet, wohl auch durch Eisendrähte ringsum zusammenhält. Der Deckel wird mit Hülfe einer langen Zange dann erst aufgesetzt, wenn das Feuer bis zum oberen Rande reicht. Gewöhnlich unterhält man dasselbe zwei Stunden lang und entfernt es rasch, sobald der genommene Probe- brand das vollkommene Einschmelzen der Emailfarben erkennen lässt. Dagegen darf der Deckel aus leicht begreiflichen Gründen erst nach genügender Abkühlung abgenommen werden. Als Abschleif- und Poliermittel der Zellenschmelzarbeiten dienen dieselben Körper, welche auch in der Lackindustrie benutzt werden, nämlich grob- und feinkörnige Sandsteine, Schiefer und Magnolien- holzkohle nach dem zweiten und dritten, respective vierten Brande, zum Abschleifen, Hirschhorn und Rapsöl zum Polieren. Die Ordnung, in welcher die hier erwähnten Schleifmittel gewöhnlich an- gewendet werden, ist folgende: 1) Ara-to, ein grobkörniger grauer Sandstein aus Shinano, 2) Iyo-to, ein Sandstein aus Iyo, 3) Omura-do, ein feinkörniger weisser Sandstein von Omura in Hizen, 4) Joken-ji, ein gelblicher Thonsand- stein, 5) Tsu-shima-ishi, ein Wetzsteinschiefer von der Insel Tsu, 6) Ho-no- ki-sumi, Magnolienholzkohle. Bei der Darstellung des Toki-shippô oder Zellenschmelzes auf Porzellan in Nagoya und Kiôto, sowie des Awata-shippô oder Zellenschmelzes auf Awata-yaki in Kiôto, wird im allgemeinen ebenso verfahren, wie beim Shippô-yaki. Diejenigen Partieen der be- treffenden Thonwaaren, welche mit Email cloisonné verziert werden sollen, dürfen keine Glasur erhalten; die andern werden auf gewöhn- liche Art ausgestattet, d. h. mit Scharffeuerfarben unter der Glasur und mit Muffelfarben auf derselben. Ist dies geschehen, so stellt man in gleicher Weise, wie auf Kupfer, das Netz von Messingzellen her, d. h. die Umrisse der Blätter, Blüthenteile und Früchte, der Thiere und ihrer verschiedenen Bestandteile, der Mäander und anderer Figuren, kurzum aller einzelnen Elemente, aus welchen sich die ganze Email- verzierung zusammensetzen soll. Die Umrisse dieser Cloisons werden mit Tusch vorgezeichnet. Zur Befestigung verwendet man den fast 9. Emailindustrie. breiig dicken Schleim aus den Knollen der Bletia hyacinthina, kein Loth oder Rô. Nach dem Trocknen des Bindemittels werden die Zellen ganz so mit den breiigen Emailfarben gefüllt, wie sonst. Auch hier schmilzt man die einzelnen, lufttrocknen Farben nicht für sich, sondern alle auf einmal ein, und hat desshalb durch verschiedene Mengen Flussmittel, wie sie Uebung und Erfahrung lehrten, die Mischungen so herzustellen, dass das Schmelzen aller bei gleicher Hitze möglich wird. Durch das Schwinden der Emailmasse beim Ein- brennen und das Entweichen von Luftbläschen entstehen auch hier Risse, Löcher und Gruben, welche zunächst ausgefüllt werden müssen. Hieran schliesst sich ein zweiter Brand; dann folgt das erste Ab- schleifen, ein nochmaliges Nachfüllen und ein drittes Brennen, dem sich oft noch ein viertes anreiht. Bei dem Awata-yaki verknüpft man in besonders wirksamer Weise polychrome Malerei mit Verzierung durch verschiedenfarbigen Zellenschmelz. Die für erstere bestimmten Partieen der Gefässe bilden scharfbegrenzte Medaillons von verschiedener Gestalt und Grösse, welche in der Regel etwa 1 mm tiefer liegen. Auf dem kupfernen Becher (Tafel XXIV) ist diese Decorationsweise nachgeahmt, doch so ab- geändert worden, wie es die Beschaffenheit der Unterlage erheischte. Wir erblicken da ein Medaillon, welches von einer grossen breit- wandigen Messingzelle umrahmt und mit weisser Emailfarbe gefüllt wurde. Auf diese Emailunterlage hat der Decorateur sodann mit grüner und blauer Muffelfarbe, sowie Gold das Farbenbild aufgetragen und eingebrannt. Hier ist also die Herstellung des Zellenschmelzes der Aus- schmückung des Medaillons mit Päonie und fliegendem Schmetterling vorausgegangen. In Nagoya hat man nicht blos den Zellenschmelz auf Kupfer zu- erst entwickelt, sondern ist vor etwa 20 Jahren auch in der Ueber- tragung des Verfahrens auf Thonwaaren als Wegweiser Kiôto voran- gegangen. Porzellanvasen aus Seto werden in ihm aber noch auf eine andere eigenthümliche Weise verziert, die man als Nuri-shippô oder Shippô-urushi bezeichnet. Es ist eine besondere Form der Aus- schmückung von Thonwaaren durch Lackmalerei. Wie bei Toki- shippô wird ein Netz von Messingzellen hergestellt; doch dient dabei als Befestigungsmittel nicht Biyaku-gu, sondern ein Gemisch von Kleister mit Seshime-urushi. Zur Ausfüllung der Zellen wendet man statt Schmelzfarben die bekannten Grundierungsmittel für Lackarbeit, einen Brei aus Tonoko und Wasser und darauf das Sabi, oder Tonoko mit Seshime vermengt, an. Das Abschleifen nach dem Trocknen er- folgt mit einem Sandstein, dem Omura-do, dann Anstrich mit Seshime III. Kunstgewerbe und Verwandtes. und Ro-iro-urushi als Schluss der Grundierung. Die weitere Aus- schmückung und Behandlung entspricht ganz denjenigen beim Lackieren anderer Gegenstände. Selbstverständlich muss das jedesmalige Ab- schleifen bis zum Hervortreten der Messingzellen fortgesetzt werden; auch schliesst dies Erforderniss die Anwendung von erhabener Lack- arbeit aus. Neben dem Zellenschmelz wendet man in Japan mit bestem Er- folge auch freie Emailmalerei an. Bei Thonwaaren verbindet man sie oft mit der gewöhnlichen Decoration und ruft durch sie Bilder von Blumen, Schmetterlingen, Vögeln und andern Gegenständen hervor, welche mit den Muffelfarben eingebrannt werden und dann als Flachreliefs hervor- treten. Diese prächtige Zuthat zur gewöhnlichen Porzellan- und Stein- gut-Malerei wird schon lange mit Kobaltemail auf Seto-mono und nebst verschiedenen andern Schmelzfarben auf Banko-yaki und Awata-yaki angewandt. Bei dem Awata-shippô erhöht sie den Reiz der poly- chromen Bilder, welche die oben erwähnten vertieften Medaillons zieren. Seit etwa 15 Jahren werden zu Kanazawa, der industriellen Hauptstadt von Kanga, auch gusseiserne Gefässe, insbesondere Wasser- kessel mit opaken Schmelzfarben frei bemalt. Das Königliche Kunst- gewerbemuseum zu Berlin weist von dieser eigenartigen und höchst gefälligen Reliefverzierung mehrere schöne Proben auf. Es sind guss- eiserne Kessel und Pfannen aus den Händen des Erfinders ihrer Email- verzierung, Sano Nobuteri in Kanazawa. In der Technik der Emailindustrie hat Japan seit 1875 vielleicht eben so grosse Fortschritte gemacht, wie in der Bearbeitung und Aus- schmückung der Metalle und mit staunenswerthem Geschick eine Menge Schwierigkeiten erfolgreich überwunden. Während man früher die Schmelzfarben mit ihren Zuthaten erst in den Zellen zusammenschmolz, hat man sich mehr und mehr der europäischen Behandlung zugewandt und gefärbte Glasflüsse statt der pulverförmigen Mineralfarbe zu Hülfe genommen. Dieses farbige Glas wird zerstossen, mit Zusätzen und Wasser zu einem Brei zerrieben, dann in die Zellen eingetragen und von neuem geschmolzen. Auf diese Weise werden viel lebhaftere, reinere Farben erzielt, als dies früher möglich war. Zur Erhaltung des Glanzes ist es nöthig, dass die letzte, als dünnbreiige Decke auf- getragene Schmelzfarbe nach dem Einbrennen nicht mehr abgeschliffen wird. Die Anwendung und Abtönung von durchscheinendem Email, sowie der allmähliche Uebergang aus einer Emailfarbe in eine andere, z. B. vom Blau des Himmels in das Abendroth, gehören unstreitig zu den grössten Fortschritten auf diesem Gebiete. Wie in der Tauschierung gusseiserner Vasen und Teller, so wendet man auch bei diesen Email Rein, Japan. II. Tafel XXIV. Kupferner Becher mit Email cloisonné und Malerei. Verlag v. Wilh. Engelmann, Leipzig. 9. Emailindustrie. arbeiten zur Decoration der freien Felder, welche die polychromen Bilder aus Zellenschmelz auf den Medaillons umgeben, mit Vorliebe Zellen aus geometrischen Figuren, Henkelkreuze, Mäander und andere geradlinige Decorationselemente an, welche mit dünnen Messing- streifchen gebildet und mit einer Schmelzfarbe gefüllt werden. Noch häufiger trifft man jetzt emailierte Bilder von einer gleichförmigen Emaildecke in blauer oder weisser. Farbe ohne alle Zellen umrahmt. In künstlerischer Beziehung gehen die Urteile über die neueren Leistungen weit auseinander. Wer seinen Geschmack an dem matten, aber harmonischen Colorit des älteren japanischen Zellenschmelzes ge- bildet hat, sieht mit Bedauern das Verlassen der alten Methode und mit Geringschätzung auf die heutigen Leistungen herab. Er betrachtet sie als Entartungen und vermisst die alte Kraft der Composition, die Zartheit der Farben und die Sorgfalt der Ausführung. Anderseits, zu- mal in Deutschland, haben gerade die neueren Emailarbeiten der Ja- paner, wie solche auf der Ausstellung in Nürnberg 1885 vorgeführt wurden, bei nicht minder competenten Beurteilern den grössten Beifall gefunden. Man bewunderte auch hier die Zeichnung, Gruppierung und Färbung, namentlich die vollendete Farbenharmonie bei aller Viel- farbigkeit des Email. Siehe L. Gmelin : »Internationale Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legierungen in Nürnberg im Jahre 1885.« Zeitschrift des Kunst- gewerbevereins zu München. 1885. pg. 91. Nachtrag: Zusammensetzung und Zubereitung der japanischen Emailfarben . Die Schmelzfarben, deren sich der Japaner bedient, sind dieselben, welche er in der Thonwaarenmalerei verwendet, Ausser Eisenroth, Bleiweiss, Grünspan und Kupfervitriol, sowie einigen Flussmitteln bezieht er sie jetzt alle aus Europa. Benigara , Eisenoxyd, wird zur Erzielung rother, brauner und dunkler Farbentöne verwendet, Mura- saki , d. h. Violett mit Hülfe von Manganoxyd oder Braunstein erzielt, Kon-jô oder Blau durch Tô-gosu (Kobaltoxyd), auch durch Gosu (ein manganhaltiges, unreines Kobaltoxyd aus Asbolan), Kuro-gosu oder Ao-gosu (Gemenge aus Kobaltoxyd und Braunstein) oder Hana-kon jiyô (Smalte). Zur Erzeugung der grünen Farbe verwendet man Roku- shiyô (Dô-sei) oder Grünspan, auch Kupferoxydchlorit und Malachit, die denselben Namen führen, und Kupferoxyd, während Chromoxyd Rein , Japan. II. 38 III. Kunstgewerbe und Verwandtes. wenigstens früher nicht bekannt und benutzt wurde, eben so wenig wie andere Chromverbindungen. Die erwähnten und andere Kupfer- verbindungen werden in Pulverform auch Awo-ko , grünes (blaues) Pulver und Daikon (Rettiggrün) genannt. Die gelbe Farbe wird mit Hülfe von Tô-shirome oder Antimon erhalten, eben so eine braune. Die farblose Grundmasse des japanischen Zellenschmelzes liess Bowes Siehe Bowes: »Japanese Enamels.« pg. 15. durch Dupré analysieren. Dieser fand sie wie folgt zu- sammengesetzt: Bleioxyd 37,15 % Kalk 4,92 » Magnesia 0,90 » Soda 5,19 » Kieselsäure 51,84 » 100,00 % Das wäre also der Hauptsache nach ein Bleiglas, wie es auch zu vielen Glasuren dient. Hieraus erklärt sich die Verwendung von Tô- no-tsuchi (Bleiweiss), das auch Haku-fun , weisses Pulver ge- nannt wird, und von Shiratama oder pulverisiertem Bleiglas bei fast allen Schmelzfarben. Auch Hino-oka oder Keisan , eine Kieselerde, wird oft gebraucht, seltener Hôsha oder Borax und Tô-tsuchi , ein Kaolin. Dupré analysierte auch rothe und grüne Emailmassen und fand sie folgendermaassen zusammengesetzt. Grün . Kupferoxyd 6,14 % Bleioxyd 34,89 » Kalk 4,62 » Magnesia 0,84 » Soda 4,82 » Kieselsäure 48,69 » 100,00 % Roth . Eisenoxyd 8,62 % Bleioxyd 33,93 » Kalk 4,49 » Magnesia 0,82 » Soda 4,78 » Kieselsäure 47,36 » 100,00 % In Nagoya gebrauchte man früher zur Darstellung matter Schmelz- farben folgende Recepte: 1) Weiss (Shiro) : Shiratama 5 Teile. Tô-no-tsuchi 3 » Hino-oka 3 » 9. Emailindustrie. 2) Dunkelblau (Konjô) : Shiratama 5 Teile Tô-no-tsuchi 3 » Hino-oka 1½ » Kon-jô 4 » (Kobaltoxyd) 3) Hellblau (Awo) : Shiratama 8 » Tô-no-tsuchi 12 » Daikon 25 » Awo-ko 30 » 4) Hellblau (Usu-awo) : Shiratama 20 » Tô-no-tsuchi 12 » Hino-oka 8 » Awo-ko 7 » 5) Rapsgrün (Na-iro): Shiratama 12 » Tô-no-tsuchi 5 » Hino-oka 2 » Awo-ko 2 » Daikon 20 » 6) Gelb (Ki-iro) : Shiratama 6 » Tô-no-tsuchi 4 » Hino-oka 2 » Tô-shirome 0,15 » 7) Dunkelviolett (Usu-kon) : Shiratama 100 » Tô-no-tsuchi 30 » Kon-jô 12 » 8) Roth (Aka) : Shiratama 40 » Tô-no-tsuchi 20 » Hino-oka 25 » Benigara 10 » 9) Braun (Cha-iro) : Shiratama 6 » Tô-no-tsuchi 2 » Tô-shirome 0,1 » Kei-san 0,5 » 10) Grau (Nedzumi) : Shiratama 47 » Tô-no-tsuchi 5 » Murasaki-ko 5,8 » 11) Schwarz (Kuro) : Shiratama 5 » Awo 5 » Kon-jô 3 » Keisan 2,5 » 38* IV. Handel und Verkehr. Literatur : 1) E. Kaempfer : »Geschichte und Beschreibung von Japan.« Herausgegeben von Dohm. II. Band. Lemgo 1779. 2) C. P. Thunberg »Resa uti Europa, Africa, Asia. 1770—1779.« Tredje- delen pg. 47—129. Upsala 1788. 3) P. v. Siebold : »Nippon«, Archiv etc. VI. pg. 36. 4) G. F. Meijlan : »Geschiedkundig Overzigt van den Handel der Europezen op Japan.« Batav. Genootsch. van Kunsten en Wetensch. Bd. 14. Batavia 1832. 5) Antonio de Morga : »The Philippine Islands, Moluccas, Siam, Cam- bodia, Japan and China at the close of the sixteenth century.« Uebersetzt durch die Hakluyt Society. London 1869. 6) Memorials of the Empire of Japan by Th. Rundal . Hakluyt Soc. Lond. 1850. 7) Diary of R. Cocks by E. M. Thompson . Hackluyt Soc. London 1883. 8) E. Satow : Notes on the Intercourse between Japan and Siam in the Se- venteenth Century. Transact. As. Soc. of Japan Vol. XIII. pg. 139. 9) G. Wagener : »Geschichtliches über Maass- und Gewichtssysteme in China und Japan.« Mitth. d. deutschen Gesellsch. Ostasiens. 12. Heft. pg. 35. 10) J. Scriba : »Bemerkungen über japanische Gold- und Silbermünzen.« Mitth. d. deutsch. Ges. Ostasiens 29. Heft. pg. 392. 11) Deutsche, englische und nordamerikan. Consulatsberichte. 12) Handelsberichte, herausgegeben vom Handelsbureau des Ministeriums für Landwirthschaft und Handel. Tôkio 1883, 1884, 1885. 1. Münzen, Maasse und Gewichte. a. Geld, Kane oder Kinsu, Papiergeld, Kin-satsu, Banknoten, Satsu oder Gin-kô-satsu. Seit 1871 besitzt Japan ein neues Münzsystem, dessen Einheit der Yen im Werthe des mexikanischen Dollars oder ungefähr 4,2 Mark ist. 1 Yen = 100 Sen, 1 Sen = 10 Rin. Man prägt folgende Geldsorten: a. aus Kupfer (Aka-gane): 1) Ichi Rin, 1 Rin-Stücke 2) Go », 5 » » 3) Ichi Sen, 1 Sen » 4) Ni », 2 » » b. aus Silber (Gin): 5) Go Sen, 5 Sen-Stücke. 6) Ju », 10 » » 7) Ni-ju », 20 » » 8) Go-ju Sen 50 Sen-Stücke, 9) Ichi Yen, 1 Yen-Stücke c. aus Gold (Kin): 10) Ichi Yen, 1 Yen-Stücke. 11) Ni », 2 » » 12) Go », 5 » » 13) Ju », 10 » » 14) Ni-ju », 20 » » 1. Münzen, Maasse und Gewichte. Die kaiserliche Münze in Ôzaka, aus welcher dieses Geld hervor- geht, gehört zu den ersten und besten Neuerungen, welche bald nach Beseitigung des Shôgunats in’s Leben traten. Unter der tüchtigen Leitung des englischen Majors T. W. Kinder wurde sie erbaut, nach englischem Muster eingerichtet und am 4. August des Jahres 1871 in Thätigkeit gesetzt. In den kreisrunden Formen der neuen Münzen schloss man sich ganz den herrschenden europäischen Mustern an. Die Gepräge stehen in Bezug auf Schärfe und sonstige Anforderungen den besten europäischen Leistungen nicht nach. Sie sind ringsum gerändelt und gerippt und zeigen auf beiden Flächen die verschiedenen Embleme und Wappen des Landes: die aufgehende Sonne, die Chrysanthemum- blüthe, das Kiri- und das Awoi-mon (s. Bd. I, pg. 366), den Drachen, sowie die Legende in chinesischen Zeichen, und die Werthangabe da- neben meist auch mit römischen Buchstaben und arabischen Ziffern. Während der fünfjährigen Leitung der Anstalt von 1870—1875 durch Major Kinder wurden in ihr 136885541 Stück Münzen im Werthe von 62421744 Yen geprägt. Kinder führte auch die Vornahme von Analysen und Raffinierungsarbeiten ein und verband ausserdem eine Schwefel- und Salpetersäure-Fabrik mit der Anstalt, wodurch die weitere Einfuhr zweier wichtigen Erfordernisse der chemischen Industrie unnöthig wurde. Das Papiergeld, oder Kin-satsu , welches in Japan schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist, wird jetzt in Werthstücken von 10, 20 und 50 Sen, sowie von 1, 2, 5 und mehr Yen, entsprechend den ver- schiedenen Goldmünzen, geprägt. Die Anstalt wurde durch Litho- graphen aus dem Dondorf’schen Geschäft in Frankfurt a. M. einge- richtet, nachdem dieses vorher das neue Kinsatsu zur allseitigen Zu- friedenheit hergestellt hatte. Ausser den Staatskassenscheinen wurde auch von vielen der Banken, welche um jene Zeit in’s Leben traten, mit Erlaubniss der Regierung Papiergeld ausgegeben. Bis zum Jahre 1870 waren in Japan Zeni (Sen) oder Scheide- münzen aus Eisen, Kupfer, Bronze, Gin-su oder Silber- und Kin- ka oder Goldmünzen, sowie verschiedene Papierwerthzeichen in Ge- brauch, deren Gestalt und Aussehen unter einander, sowie von dem heutigen Gelde weit abwich. Es gab Stücke: a. aus Eisen (Tetsu) von: 1) Ichi Mon, 1 Mon = 0,01 Sen oder ungefähr 0,04 Pf. 2) Shi », 4 » = 0,04 » » » 0,16 » b. aus Bronze (Kara-kane) oder Kupfer (Aka-gane) von: 3) Ju Mon, 10 Mon = 0,10 Sen oder ungefähr 0,40 Pf. 4) Ju-go », 15 » = 0,15 » » » 0,60 » 5) Ni-ju », 20 » = 0,20 » » » 0,80 » IV. Handel und Verkehr. c. aus Bronze (Kara-kane) von: 6) Ichi Tempô, 80 Mon = 0,80 Sen oder ungefähr 3,20 Pf. Alle diese Scheidemünzen hatten in der Mitte ein quadratisches Loch, durch welches ein Seil gezogen werden konnte, um grössere Mengen, wie es der Verkehr erforderte, leicht zusammenfassen, ver- packen und transportieren zu können. Sie waren bis auf die ovalen Tempô Der Name Tem-pô bezieht sich auf die Periode von 1830—1843, in welcher diese grosse und schwere Münze geprägt wurde. kreisrund. Die eisernen Scheidemünzen wurden im Jahre 1873 ausser Cours gesetzt, die ovalen Tempô erst 1885, indem die Regierung sie zu Kanonen umschmolz. Dagegen cursieren die runden Bronze- und Kupfermünzen zum Teil noch. Besonders häufig sind unter diesen runden Bronzemünzen die sogenannten Nami-sen oder Wellenmünzen im Werthe von 20 Mon oder 2 Rin, sowie die Bun- kiju-sen aus der Periode von 1861—63 im Werthe von 15 Mon oder 1½ Rin. Die meisten der noch vorkommenden eisernen 10 Mon-Stücke stammen aus der Periode Kuwan-yei (1624—1643). Die Silbermünzen, welche meist mit geringem Kupfergehalt, aber sehr ungleichem Gewicht in verschiedenen Nengô (Perioden) der To- kugawa-Herrschaft (1600—1868 n. Ch.) geprägt wurden, bilden Täfel- chen von der Gestalt länglicher Rechtecke. Es sind Stücke von: 1) I’- shû (Ishû-gin), 1 Shû im Werthe von 7,4—17,4 Sen. 2) Ni-shû (Ni-shû-gin), 2 Shû im Werthe von 29,6—46,5 » 3) Ichi-bu (Ichi-bu-gin), 1 Bu im Werthe von 31,77—34,7 » In der letzten Zeit des Shôgunats war das Gewichts- und Werth- verhältniss mehr geregelt. Es gab: 1) I’-shû. 1 Shû-Stücke im Werthe von 6,25 Sen. 2) Ni-shû, 2 Shû- » » » » 12,50 » 3) Ichi-bu, 1 Bu- » » » » 25,00 » Hieran schlossen sich als Rechenmünzen: 4) Ni-bu, 2 Bu-Stücke im Werthe von 50,00 » 5) Ichi-riô 1 Riô-Stücke Riô (Riyô), Bu (Bun) und Shû sind ursprünglich chin. Gewichtsbezeich- nungen (siehe Apothekergewicht). 1 Riô (Riyô) ist ein Gewicht von 4 Momme oder 13026084 Gramm. im Werthe von 100 Sen. Neben den 3 ersterwähnten ausgeprägten alten Silbermünzen, für welche es auch entsprechende Papierwerthzeichen gab, cursierten noch Silberstücke von sehr verschiedener Gestalt und Grösse unter den Namen Ita-gin, Chô-gin und andern, je nachdem sie die Form von Stäbchen, abgerundeten Klumpen etc. hatten. Sie trugen den Stempel des Nengô, aus welchem sie stammten, enthielten nur geringe 1. Münzen, Maasse und Gewichte. Mengen Kupfer und wurden im Verkehr dem Abnehmer vorgewogen und nach einem festen Werthsatz berechnet. Ein besonderes Interesse knüpft sich an die älteren Goldmünzen, von denen die grösseren ovale Tafeln bildeten, welche unter den Na- men Ô-ban, Ko-ban und Nibu-ban bekannt sind, während die kleineren die Rechteckform der silbernen Shû und Bu hatten. Ein Ôban sollte ungefähr 44 Mon-me (sprich Momme), wiegen und 10 Riô = 40 Momme reines Gold enthalten, der Koban den 10. Teil dieses Gewichtes und Goldgehaltes besitzen und der Ni-bu-ban den 20. Teil. Thatsächlich sind aber die betreffenden Münzen aus den verschie- denen Perioden des Shôgunats der Tokugawa im Gewicht, Goldgehalt und Werth ausserordentlich ungleich, dermaassen, dass z. B. ein Ôban aus der Periode Keichô (1596—1614 n. Ch.) 67,2 % Gold und nur 29,4 % Silber enthielt und bei einem Gewicht von 44,059 Momme 75 Yen werth war, der nahezu gleich schwere (sein Gewicht ist 43,95 Momme) Genroku-Ô-ban (Ôban aus der Periode Genroku 1695—1716 n. Ch.) bei 52,11 % Gold und 44,84 % Silber nur 59,27 Yen werth ist und der 30 Momme schwere Ansei-Ô-ban aus der Zeit von 1859—1862 auf 34,35 % Gold sogar 63,92 % Silber enthält und einen Werth von nur 28,266 Yen aufweist, entsprechend 41,46 Yen für das nämliche Gewicht von 44 Momme. Ähnlich verhielten sich die Ko- ban aus verschiedenen Nengô. Ihr Gewicht schwankte zwischen 4,73 Momme und 2,293 Momme, ihr Goldgehalt zwischen 86,7 % und 55,94 %, ihr Werth zwischen 10,115 Yen und 1,30 Yen. Um die mit dem Golde fast immer verbundenen grösseren Mengen Silber zu entfernen, bedienten sich die Japaner früher stets des Koch- salzes, mit dem sie die bei der Verhüttung der Erze gewonnene Le- gierung längere Zeit zusammenschmolzen. Das so gereinigte Gold nannten sie Yaki-kin , d. h. »gebranntes« oder »geröstetes Gold« (siehe pg. 434, 435). Es entspricht etwa unserm Dukatengold. Da man an- nahm, dass ein Ô-ban aus solchem Yaki-kin aus 44 Momme reinem Golde bestehe, so schrieb man mit schwarzer glänzender Lackfarbe die Zahl 44 darauf und betrachtete sie als Standarte oder Vergleichs- einheit für die silberreicheren Ôban, welche mit den auf 44 folgenden Zahlen neben dem bezüglichen Nengô derart bezeichnet wurden, dass z. B. die Zahl 45 einen Goldgehalt von 44 Teilen auf einen Teil Silber anzeigte, die Zahl 46 einen Gehalt von 44 Teilen Gold und 2 Teilen Silber andeutete u. s. f. Auffallend ist das Missverhältniss des Goldwerthes gegenüber dem Werthe des Silbers in Japan während der langen Dauer seiner Ab- geschlossenheit. Nach einer Verordnung des Nobunaga gegen die IV. Handel und Verkehr. Mitte des 15. Jahrhunderts sollten für 44 Momme Gold 420 Momme Silber gegeben werden, also für einen Teil Gold 9½ Teile Silber. Im Jahre 1765 wurde dies Verhältniss in 1 : 11,35 abgeändert. Dagegen lag nach Scherzer Scherzer: Deutsch-Oesterr. Expedition etc. pg. 456. bei Eröffnung des Landes 1855—60 dem Preis des Ko-ban eine Werthschätzung der beiden Metalle im Verhältniss von 1 : 4,6. zu Grunde, indem die erwähnte Goldmünze in London 18½ Shilling entsprach, während man sie in Japan, z. B. in Kanagawa (Yokohama), bis zum Jahre 1858 gegen 4 Bu Silber eintauschen konnte. Die natürliche Folge war, dass Goldmünzen zum äusserst gewinn- reichen, daher sehr gesuchten Ausfuhrartikel wurden, dessen Preis die Concurrenz beim Ko-ban allmählich auf 8 Bu steigerte. Um nun den raschen Goldabfluss zu verhindern, setzte die Regierung den Werth des Ko-ban zu 14 Bu, d. h. über seinen reellen Werth in Europa fest. Nun fand ein Zurückfliessen der Ô-ban und Ko-ban, soweit sie im Ausland noch nicht umgeschmolzen waren, in die Regierungskassen statt, somit ein neuer Verlust für das Land. Um auch diesen zu beseitigen, wurden endlich im Jahr 1860 neue Ko-ban ausgegeben, welche dem damaligen Werthverhältniss zwischen Gold und Silber entsprachen. b. Maasse und Gewichte. 1) Längenmaass . Die Einheit desselben ist der Fuss, Shaku oder Kane-shaku = 0, m 30303. 1 Jô = 10 Shaku = 100 Sun (Zoll) = 1000 Bu (Linien) = 10000 Rin (Strich) = 100000 Mo. 6 Shaku = 1 Ken = 1, m 81818 = 1 Faden (ungefähr), (1 m = 3' 3″ jap.). 2) Wegmaass . Als Einheit gilt die japanische Meile oder 1 Ri = 3927 m ,27 (1 geogr. Meile = 1,886 Ri; 28,29 Ri = 1 Grad). Die chinesische Meile oder Li enthält nur 447, m 19 = 0,06 geogr. Meilen. Demnach ist 1 Ri = 8,782 Li. 1 Ri = 36 Chô = 2160 Ken = 12960 Shaku 1 » = 60 » = 360 » 1 » = 6 » 3) Zeugmaass . Die Einheit Shaku oder Kujira-shaku d. h. Fischbeinfuss weil er aus Fischbein dargestellt wurde. = 1¼ Kane Shaku = 0, m 3787878; demnach 1 m = 2,74 Kujira-shaku. Die Unterabteilungen sind dieselben, wie beim gewöhnlichen Längenmaass. 1 Tan oder Stück ist 26 und mehr Shaku lang, 1 Hiki = 2 Tan Seidenzeug misst 52 Shaku. 1. Münzen, Maasse und Gewichte. 4) Feldmaass . Seine Einheit heisst Tsubo und ist gleich 3,305785 qm. 1 Chô = 10 Tan = 100 Se = 3000 Tsubo = 110800 q Shaku 1 » = 10 » = 300 » = 10800 » 1 » = 30 » = 1080 » 1 » = 36 » 1 Chô = 9917,355 qm = 1 Hectar annähernd; genauer sind 120 » = 119 ha. 1 Are = 30,25 Tsubo, 1 ha = 3025 Tsubo. 1 Tatami oder japanische Fussmatte = 3 × 6 Shaku = ½ Tsubo. Ein einzelnes Reisfeld ist in der Regel 1 Tan = 15 × 20 Tsubo gross. 5) Hohlmaass . Als Einheit desselben wird das Shô = 1,803907 Liter angesehen. 1 Koku = 10 To = 100 Shô = 1000 Go = 10000 Shaku 1 » = 10 » = 100 » = 1000 » 1 » = 10 » = 100 » 1 » = 10 » Hiernach sind 5 Shô = 9 Liter. Das Go enthält somit 180 ccm, das Koku, welches vornehmlich als Getreidemaass dient, wie Shô und Go für Flüssigkeiten gebraucht werden, gleicht 180 hl = 5 Bushels, das Bushel zu 36 Liter gerechnet. Das Shô wurde im Jahre 1623 eingeführt. Seine inneren Dimen- sionen sind 4″ 9‴ × 4″ 9‴ × 2″ 7‴ jap. Maass. Nach der japanischen Regierung muss das Go ein starkes Holzkästchen von quadratischer Basis sein, dessen obere Ränder mit Eisenblech beschlagen sind und dessen Rauminhalt 2,1 × 2,1 × 1,47 Sun betragen muss. Nur solche Maasse mit dem auf jeder der vier sichtbaren Aussenseiten einge- brannten Eichstempel sind im Verkehr zulässig. 6) Gewicht . Die Gewichtseinheit heisst Momme (Mon-me), d. h. das Mon-Gewicht, so benannt, weil früher zur Grundlage des Gewichts die kleinste eiserne Scheidemünze, der Mon , Dem Mon entspricht das chinesische Tsien , von den Fremden Mace genannt. 10 Mace = 1 Tael, 10 Tael = 1 Catty, 10 Catties = 1 Pikul. Das chi- nesische Kin oder Pfund ging unverändert zu den Japanern über; doch haben dieselben noch ein anderes Pfund zu 180 Momme daneben. angenommen wurde. Ein Mon-me (sprich Momme d. h. Mon-Gewicht) = 3,756512 Gramm, demnach 1 Gr. = 0,266204 Momme. Die hierauf basierte japanische Gewichtseintheilung ist folgende: 1 Kwam-me eigentlich Kuwan-me, sprich Kamme. = 10 Hiyaku-me = 100 Ju-me = 1000 Mon-me = 10000 Fun = 100000 Rin = 1000000 Mo. 1 Hiyaku-me = 10 Ju-me IV. Handel und Verkehr. = 100 Mon-me = 1000 Fun = 10000 Rin = 100000 Mo. 1 Ju-me = 10 Mon-me = 100 Fun = 1000 Rin = 10000 Mo. 1 Mon-me = 10 Fun = 100 Rin = 1000 Mo. 1 Fun = 10 Rin = 100 Mo. 1 Rin = 10 Mo. Das chinesische Pikul ist = 100 Catties oder 1 Hiyak’kin (100 Kin) = 60,104 kg, 10 Pikuls = 1 Sen-gin (1000 Kin) = 601,04 kg. Ferner sind 6¼ Kin = 1 Kwam-me, 1 Kwam-me = 3,756512 kg. Ein japanisches Pfund oder Kin = 160 Momme = 601,04336 gr. 10 Kin = 6,0104 kg, so dass also 5 japanische Pfund 6 deutschen gleich zu rechnen sind. Die alte chinesische Einteilung des Pfundes hat sich noch im Apothekergewicht Japans erhalten. Hiernach ist 1 Kin = 16 Riô oder Riyô, 1 Riyô = 4 Bun oder Bu, 1 Bu = 4 Shu . Das Wort Shu bezeichnet bei den Chinesen eine Art Sorghum (Sorghum rubrum), jap. Kuro-kibi , d. h. »schwarze Hirse«, deren dunkelbraune Samen beiderseits etwas zugespitzt sind und sich durch grosse Gleichmässigkeit auszeichnen. Ein solcher Shu-Kern wurde vor 4500 Jahren in China zur Grundlage nicht blos des Gewichts, sondern überhaupt aller Maasse, selbst derjenigen der Töne. Wer sich hierüber weiter unterrichten will, sei hiermit auf die oben citierte Abhandlung von G. Wagener in den Mitth. d. deutschen Gesellschaft Ost- asiens verwiesen. 2. Sonstige Verkehrsmittel. Unter der langen Herrschaft der Tokugawa gesellten sich zu den natürlichen Hindernissen des Verkehrs noch allerlei Schranken, welche das Regierungssystem dem Volke auferlegte und die keineswegs mit der Absperrung nach aussen endeten. Die natürlichen Verkehrshinder- nisse sind durch die langgestreckte Gestalt des japanischen Reiches und seine Gliederung in viele Inseln, durch den vorherrschenden Gebirgscharakter und das bei vielen langandauernden Regen häufige gewaltige Anwachsen und Uebertreten seiner zahlreichen Flüsse bedingt. Die Landstrassen oder Dô , von denen je eine die Provinzen einer meist langgestreckten Landschaft verbindet, wie z. B. der Tô-kai- dô und der Naka-sen-dô , dienten fast ausschliesslich administra- tiven und militärischen Zwecken. Wir dürfen uns unter ihnen keine Kunststrassen vorstellen, welche gleich den unsrigen nach einem durch- greifenden Plane angelegt und mit ähnlichen Verkehrsmitteln versehen wären. Macadamisierte Strecken kommen auf denselben gar nicht vor, 2. Sonstige Verkehrsmittel. gepflasterte höchst selten und nur da, wo die Steilheit eines besonders wichtigen Bergübergangs sie nothwendig machte, wie z. B. am Hakone- Pass. Schon aus diesem Grunde sind die meisten japanischen Land- strassen zur Regenzeit für schwere Fuhrwerke nicht benutzbar. Sie sind aber auch gar nicht darauf berechnet. Da Lastwagen ausser Gebrauch, ja völlig unbekannt waren, sogar der chinesische Schub- karren nur ausnahmsweise vorkam, der Mensch zu Fuss ging, ritt oder in einer Sänfte sich tragen liess, Gepäck und Waaren bis in die neueste Zeit fast ausschliesslich durch Träger oder Lastthiere (Pferde oder Ochsen Als Pferdelast auf gutem, ebenen Wege rechnet man 40 Kam-me = 150,26 kg, auf schlechten Gebirgspfaden aber nur 18 Kam-me = 67,62 kg. Als Traglast für einen Mann gilt ein Gewicht von 7 Kam-me = 25,3 kg. befördert wurden, waren auch die Anforderungen an einen soliden Untergrund und grössere Breite nicht vorhanden. Noch jetzt gibt es ausser den zahlreichen Jin-riki-sha’s Jin-riki-sha , d. h. »eines Mannes Kraftwagen«, ist ein modernes, sehr beliebtes Vehikel, das erst vor etwa 20 Jahren in Japan aufkam und jetzt all- gemein die Droschken unserer Städte vertritt. Die Jin-riki-sha oder der Kuruma (Wagen) ist ein zweiräderiger, leichter Karren mit Lehnsitz über der Achse und einer Schere, in welche der Ninsoku oder Arbeiter tritt, deren zwei Flügel er mit beiden Händen erfasst und dann meist in raschem Tempo mit seiner Fracht von 1—2 Personen davoneilt. , einigen Kutschen, welche die besseren Strecken von Tôkio aus bis Odawara, Takasaki und Utsunomiya befahren, und wenigen schwerfälligen Karren kein anderes Fuhrwerk auf der japanischen Landstrasse. Dieselbe Strasse hat eine wechselnde Breite, ist auf einer Strecke eingeengt zum blosen Pfad, auf einer andern bis 10 und mehr Meter breit. Der Uebergang der Flüsse wird durch Stege, Brücken und Fähren vermittelt, ist aber zur Zeit heftiger und anhaltender Regen oft Tage lang unterbrochen. Die ältesten und bekanntesten Land- strassen Japans sind diejenigen, welche Kiôto mit Tôkio verbinden, der Tô-kai-dô , d. h. Ostseestrasse, welche in der Nähe des Meeres hinführt, und der Naka-sen-dô , die »Strasse zwischen den Bergen« durch’s Innere von Hondo. Jene ist 125 Ri lang, diese 132 Ri. Auch der Ôshiu-kai-dô , welcher von Tôkio gen Norden nach dem 191½ Ri entfernten Awomori führt, sowie der San-yo-dô von Kiôto nach Shimonoseki, welcher dem Binnenmeer entlang zieht, und mehrere andere gehören zu diesen älteren Landstrassen der Hauptinsel, auf welchen sich ehedem die grossen Daimiôzüge bewegten und auch sonst ein reges Verkehrsleben abspielte, wie es uns bereits von E. Kaempfer IV. Handel und Verkehr. geschildert wurde. Siehe auch Rein : »Der Nakasendô«, Ergänzungsheft 59 zu Petermann’s Mittheilungen. Dass Nadelhölzer, vornehmlich Kiefern, die be- liebten Schattenspender längs dieser Landstrassen sind, wurde pg. 326 besonders hervorgehoben. Die Flussschifffahrt begegnet in Japan manchen Hindernissen, wie schon Band I pg. 102 dargethan wurde. Grosse Stromsysteme konnten natürlich nicht zur Entwickelung kommen. Aber auch im starken Gefäll des Oberlaufes der grösseren Flüsse, in den Untiefen des Unter- laufs durch wechselnde Ablagerungen von Sand und anderm Detritus hervorgerufen, stellen sich dem Bootverkehr viele Schwierigkeiten in den Weg, die nur zum Teil überwunden werden können. Die schnell sich ändernde Tiefe der Flüsse ist sogar zu einer sprüchwört- lichen Redensart geworden: »Kinô-no-fuchi kiô-no-se, Gestern eine tiefe Stelle im Flusse, heute eine seichte.« Wenn der- selbe nichts destoweniger auf vielen grösseren Flüssen, zumal der Hauptinsel, ein recht lebhafter war und zum Teil noch ist, so lag dies in den ungenügenden Strassen und Verkehrsmitteln überhaupt. In dieser Beziehung war namentlich Kiushiu schlecht bedacht. Seine industrielle und commerzielle Entwickelung stand derjenigen von Hondô während des Tokugawa-Shôgunats (1600—1868 n. Ch.) weit nach. Abgesehen von der Keramik besass es keine bemerkenswerthe Industrie. Die Seidenzucht wurde gar nicht, der Theebau mit wenig Sorgfalt betrieben. In seinem Innern fehlten gute Verkehrswege, bis auf die- jenigen, welche mehrere Flüsse (obenan der Chikugo-gawa) im Unter- lauf boten. Dies ist teilweise den Bodenverhältnissen, mehr jedoch der Abgeschlossenheit und dem Mangel eines Zusammenwirkens zwischen den einzelnen Daimiôherrschaften zuzuschreiben. Es fehlte die cen- trale Leitung: denn der Bakufu (die Regierung des Shôgun in Yedo) mischte sich entweder gar nicht in diese Verhältnisse oder hatte selbst ein Interesse daran, das Zusammenwirken zweier mächtigen Nachbarn zu verhüten. So kam es, dass nicht blos auf Kiushiu, sondern auch auf den zwei Nachbarinseln gerade die Uebergangsstrecken aus einer Provinz in die andere im schlechtesten Zustande blieben und man lieber weite Umwege und lange Dschunkenfahrten zur See machte, als dass man das gespannte Verhältniss und die Abgeschiedenheit vom nächsten Nachbar aufgegeben und sich die Wohlthat eines leichteren Verkehrs verschafft hätte. Dem grossen Unternehmungsgeist zur See, welchen die Japaner früher bekundet hatten, wurden durch Iyeyasu zu Anfang des 17. Jahr- 2. Sonstige Verkehrsmittel. hunderts unüberwindliche Fesseln angelegt. Ueber 250 Jahre lang bis zur Restauration der Mikadoherrschaft blieb die japanische Schifffahrt auf den Küstenverkehr des eigenen Landes beschränkt und in einer Zwangsjacke, wie der Verkehr überhaupt, zu deren Abwerfung die Anregung von aussen kommen musste. Was aber wiederholten Ver- suchen Seitens der Engländer und Russen nicht gelungen war, nämlich das Land auf friedlichem Wege aus seiner Abgeschlossenheit heraus- zureissen und zum freien Verkehr mit den grossen seefahrenden Mächten zu veranlassen, das vermochte Commodore Perry 1854. Wie zur Zeit der ersten Landung des Mendez Pinto und seiner Gefährten im Jahre 1542 nichts so sehr die Aufmerksamkeit und das Erstaunen der Japaner erregte, als die lange Flinte, welche sie mit sich führten, und wie man alsbald mit Erfolg bestrebt war, dieselbe gleich dem Schiess- pulver nachzumachen, so ging es auch jetzt. Commodore Perry im- ponierte viel mehr durch die Anlage einer kleinen Telegraphenlinie und einer Miniatureisenbahn, als durch sein stattliches Geschwader. Diese Dinge erregten das höchste Interesse und den Wunsch, sie als Verkehrsmittel dauernd zu besitzen. Kein Wunder, dass nach Eröff- nung des Verkehrs mit den christlichen Nationen und nach Beseitigung des Shôgunats die Erwerbung von Dampfschiffen, wie nicht minder die Anlagen von Telegraphen und Eisenbahnen zu den ersten Sorgen der neuen Regierung unter dem Mikado gehörten; denn die einflussreichsten Anhänger des letzteren und Vertheidiger seiner alten Rechte gegen das Shôgunat und dessen Stützen hatten schon ehe es zu den Ent- scheidungskämpfen im Jahre 1868 kam (siehe Band I pg. 413 ff.), ihre Abneigung gegen die eingedrungenen Barbaren abgelegt und er- kannt, dass nur auf der vom Bakufu (Regierung in Yedo) geschaffenen neuen Basis durch Annahme und Weiterführung aller mit fremder Hülfe eingeleiteten Neuerungen Japan wieder erstarken und sich fort- entwickeln könne. Aber erst im Jahre 1870 begann diese neue Re- gierung, nachdem sie die ersten grossen Schwierigkeiten der inneren Organisation überwunden hatte, mit einem Unternehmungsgeist und Reformendrang auf den verschiedensten Gebieten des Erwerbslebens und insbesondere des öffentlichen Verkehrs hervorzutreten, der manchem Zuschauer zuweitgehend schien und viele Befürchtungen bezüglich des Ausgangs wachrief. Zum Glück haben sich dieselben nicht erfüllt. Wer heute unparteiisch überblickt, was in Japan im Verkehrsleben zu Land und zu Wasser seitdem geleistet worden ist, kann den Männern, welche an der Spitze dieser Unternehmungen standen, seine Aner- kennung nicht versagen. Auf andern Gebieten, so namentlich auf dem des Unterrichts, sind die Reformen und ihre Erfolge nicht minder belangreich. IV. Handel und Verkehr. Hand in Hand mit der vom Shôgunat begonnenen Gründung einer Kriegsflotte gingen die Anlage eines Arsenals, sowie die Errichtung von Leuchtthürmen und verschiedenen andern Veranstaltungen zur Förderung der Schifffahrt. Unter der vieljährigen umsichtigen Leitung des Franzosen Verni und seiner Gehülfen entwickelte sich das Arsenal zu Yokosuka im Süden von Yokohama zu einer mustergültigen An- stalt und Schule für japanische Maschinisten. Der Engländer Brunton leitete die Errichtung von Leuchtthürmen und andern Schutzvor- richtungen für die Schifffahrt derart, dass schon vor 10 Jahren die meisten der wichtigen oder gefährlichen Küstenpunkte mit guten Sig- nalen versehen und die Gefahren in den japanischen Gewässern da- durch sehr verringert waren. Japanische Kriegsschiffe haben seitdem schon manche Peilungen, Hafenvermessungen und ähnliche Arbeiten vorgenommen, deren Resultate auf werthvollen Seekarten fixiert wurden, so dass auch in dieser Beziehung der Hi-no-maru oder »Sonnen- kreis«, d. h. die nationale Flagge mit einer rothen Sonne in weissem Felde, sich sehen lassen kann. Unternehmende Kaufleute aus Kochi , der Hauptstadt von Tosa auf Shikoku, gründeten mit einer ansehnlichen Unterstützung Seitens der Regierung im Jahre 1874 die erste Dampfschifffahrtsgesellschaft, die Mitsu-bishi-guwai-sha , deren Namen sich auf die erwählte Flagge bezieht Dieselbe enthält drei (Mitsu) rothe Vierecke in weissem Felde, welche die Gestalt der Wassernuss (Trapa bicornis, Hishi oder Bishi), die in Tosa sehr häufig sein soll, nachahmen. Guwai-sha = Kuwai-sha sprich Kaischa, ist die Genossenschaft. . Zu ihr gesellte sich einige Jahre später eine zweite derartige Gesellschaft, die Kiyodô-ungu-guwai-sha , welche sich vor nicht langer Zeit mit ersterer vereinigte. Die Gesellschaft nennt sich jetzt Nippon Yû-sen-guwai-sha oder »Japanische Postdampfer- Gesellschaft.« Die Fahrzeuge derselben unterhalten regelmässige Verbindungen zwischen allen bedeutenderen Häfen des Landes, sowie mit Shanghai, Fusan, Wönsan (Gensan) und Wladiwostok. Sie haben die japanische Küstenschifffahrt völlig an sich gerissen und auf der Linie Yokohama, Kobe, Nagasaki und Shanghai die frühere fremde Concurrenz schon vor zehn Jahren aus dem Felde geschlagen. Zur Förderung des Binnenverkehrs gründeten im Jahre 1872 vier Kaufleute mit einem Actienkapital von Yen 150000 = Mk 600000 die Nai-koku-tsu-un-guwai-sha , »Inland-Transport-Gesellschaft.« Die- selbe hatte ihren Sitz in Tôkio und an jedem grösseren Orte ihre Agentur. Sie beförderte nicht blos Waaren und Gepäck aller Art, sondern auch Geld und hatte einen zuverlässigen, wohlorganisierten Dienst, wie ich mich wiederholt überzeugen konnte. Ueber ihre gegenwärtige Lage 2. Sonstige Verkehrsmittel. ist mir nichts bekannt geworden. Der Beschluss, den gesammten Post- verkehr in die Hand zu nehmen, wurde von der Regierung schon im Februar 1871 gefasst. Zwei Monate später begann man versuchsweise zwischen den 3 Hauptstädten (Tôkio, Kiôto und Ôzaka) und so ent- wickelte und erweiterte man stufenweise und mit bestem Erfolge den In- landverkehr, dann auch den mit dem Auslande. Im Jahre 1879 konn- ten die englische und die französische Postagentur, welche bis dahin bestanden, aufgelöst und durch japanische Postämter ersetzt werden. Im Januar 1870 wurde zwischen Tôkio und Yokohama die erste Telegraphenlinie des Landes eröffnet. Andere folgten bald nach. Immer dichter gestaltete sich das Netz, welches jetzt alle grösseren Orte des Reichs unter einander und mit der Hauptstadt Tôkio ver- bindet. Ja selbst in der Benutzung des Telegraphen zu Wetterberichten an die meteorologische Centralanstalt der Hauptstadt ist man dem Bei- spiel der vorgeschrittenen christlichen Staaten bald gefolgt. Ein ganz besonderes Interesse bietet auch die Entwickelung der Eisenbahnen oder Tetsu-dô . Ende 1885 besass Japan folgende im Betrieb befindliche Eisen- bahnen: 1) Tôkio-Yokohama ...... 7 Ri 11 Chô 2) Hiôgo-Ôzaka-Kiôto-Ôtsu .... 24 » 3) Nagahama-Tsuruga ..... 11 » 4) Nagahama-Ôgaki ...... 23 » 5) Tôkio-Takasaki....... 25 » 20 » Zusammen 90 Ri 31 Chô oder 356,84 km. Ferner ist im Bau begriffen: 6) Takasaki-Ôgaki ......... 275 km Ausserdem sind projektiert: 7) Ôzaka-Sakai .......... 11 km 8) Ôgaki-Yokkaichi ......... 53 » 9) Uyeda-Niigata .......... 235 » 10) Tôkio-Awomori .......... 705 » 11) Fukuoka-Kumamoto 12) Miike-Kumamoto. Nach Vollendung von Nr. 6 wird die Hauptlinie dem Nakasendô entlang von Yokohama über Tôkio, Takasaki, Uyeda, Ôgaki, Ôtsu, Kiôto, Ôzaka nach Hiogo führen mit Zweiglinien nach Sakai, Tsuruga, Yokkaichi und Niigata. IV. Handel und Verkehr. Alle bis jetzt in Betrieb befindlichen Strecken wurden bis auf die fünfte von englischen Ingenieuren im Auftrag der Regierung erbaut und mit englischem Rollmaterial versehen, kamen aber dann unter japanische Verwaltung und Bedienung, welche sich ihrer neuen Auf- gabe völlig gewachsen zeigten, so dass grössere Unfälle bis jetzt nicht vorgekommen sind. Am 12. Juni 1872 wurde die erste Linie von Tôkio nach Yokohama eröffnet. Alle Klassen der Bevölkerung fanden bald ihre grosse Freude daran und bedienten sich ihrer, so dass das Verlangen nach den Wohlthaten des neuen Verkehrsmittels auch ander- wärts rege wurde. Schon am 11. Mai 1874 konnte die zweite Bahn von Ôzaka nach Hiogo dem Verkehr übergeben werden. In den fol- genden Jahren wurde dieselbe von Ôzaka weiter nach Kiôto geführt und ihr endlich am 15. Juli 1880 die Strecke von hier nach Ôtsu am Biwa-See hinzugefügt. Dann folgten die Bahnen von Nagahama nach Tsuruga und nach Ôgaki, bei welchen, wie auf der Strecke von Kiôto nach Ôtsu, Zöglinge der Ingenieurschule unter englischer Leitung ihre praktische Ausbildung erhielten. Die Verbindung von Ôtsu nach Na- gahama wird einstweilen durch Dampfschiffe bewerkstelligt; doch scheint die Zeit nicht fern zu liegen, wo ein Schienenstrang den See umgürten und die Dampfschiffe ersetzen wird. Die letzte der im Betrieb befindlichen Bahnen von Tôkio nach Takasaki wurde im Mai 1884 durch den Mikado eröffnet. Es ist die erste, welche von Japanern ohne jegliche fremde Hülfe entworfen, erbaut und in Betrieb gesetzt wurde. Bezog man auch das Rollmaterial noch aus dem Auslande (Amerika), so giesst man doch bereits Schienen zu Ikuno bei Kobe und construiert Waggons in Tôkio. Das sind in der That grosse Fortschritte innerhalb einer kurzen Spanne Zeit. Kein Wunder, dass sie zu neuen Unternehmungen in derselben Richtung anspornen und eine ganze Anzahl Projekte hervorgerufen haben, deren Ausführung freilich mit Rücksicht auf die grossen Kosten zum Teil noch recht lange ein frommer Wunsch bleiben wird. 3. Der Aussenhandel Japans bis zur Erschliessung des Landes unter Commodore Perry im Jahre 1854. a. von der Entdeckung des Landes 1542 durch Mendez Pinto bis zum Jahre 1639. »Die Geschichte der japanischen Unternehmungen nach fremden Ländern ist noch zu schreiben«, bemerkt E. Satow und hebt weiter hervor, dass die Materialien dazu weit zerstreut sind und erst gesammelt werden müssen. Es überstiege ebenso meine Kräfte, wie den vor- 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. liegenden Zweck, eine solche Sammlung zu veranstalten. Wohl aber schien es mir von Interesse, hier die hervorragendsten Daten, welche ich bei der Lectüre der citierten Werke, sowie mancher andern be- züglich des japanischen Aussenhandels in früherer Zeit fand, zu- sammenzustellen, weil sie geeignet sind, hinsichtlich der Mittel und Wege gegenüber dem heutigen fremden Handel, den Wandel zu zeigen, welcher sich hier, wie auf vielen andern Gebieten vollzogen hat. Wir sehen da, dass ehemalige Ausfuhrartikel von hohem Werthe entweder mehr in den Hintergrund getreten oder ganz verschwunden sind, während andere, an die man noch vor 30 Jahren kaum dachte, heutiges Tags die erste Stelle einnehmen. Ehemals bestand »das Mark des Landes«, wie Kämpfer sich ausdrückt, aus den Erzeugnissen des Berg- baues: Gold, Silber und Kupfer; in der Neuzeit gehen landwirthschaft- liche Produkte, wie Seide, Thee und Reis (dieser nur in günstigen Jahren), unter den zahlreichen Ausfuhrartikeln an Bedeutung allen andern voran. Wie in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts im Ver- kehr mit Japan Holländer die Portugiesen, Spanier und Engländer zu verdrängen wussten, so mussten sie wieder vor der mächtigen Concur- renz der grösseren Handels- und Industriestaaten zur Zeit der Eröffnung des Landes vor 30 Jahren die Segel streichen. Holland’s Handel sank, dem bescheideneren Umfang seiner Industrie und seines eigenen Be- darfs entsprechend, hinter den der meisten Grossstaaten, mit England und Nordamerika an der Spitze, weit zurück. In ähnlicher Weise entwickelte sich der Handel mit Yokohama und Kobe (Hiogo) rasch auf Kosten von Nagasaki und Ôzaka. Ueber die alten Handelsbeziehungen Japans zu seinen westlichen Nachbarn China und Korea vor der ersten Landung der Portugiesen fehlen bislang alle näheren Angaben. Hakata in Chikuzen scheint einer der japanischen Hafenorte gewesen zu sein, in welchem ein lebhafter Verkehr mit China statt- fand. Es wird desselben auch in Taketori Monogatari , »dem Mädchen aus dem Monde« Uebersetzt von R. Lange. 17. Heft der Mitth. d. d. Ges. Ostasiens. gedacht. Auch Ôzaka , ehemals Naniwa genannt, und Sakai waren im Mittelalter wichtige Hafen- und Ver- kehrsplätze mit China. Marco Polo erwähnt dieses Verkehrs nicht, noch finden sich bei Barros in seinem Werke »Da Asia« irgendwelche Angaben der Art; er nennt die Japaner nicht einmal. Dagegen sollen nach Crawford Crawford: »Descriptive Dict. of the Mal. Archipelago« pg. 164. in einem Commentar zu Albuquerque , den dessen Rein , Japan. II. 39 IV. Handel und Verkehr. Sohn schrieb, gemäss Informationen, welche der grosse Albuquerque bei der Einnahme von Malacca im Jahre 1510 erhielt, Japaner (dort Goré genannt) jährlich mit 2—3 Schiffen angekommen sein. Es seien schweigsame, wahrheitsliebende Leute, welche ihr Land gewöhnlich im Januar verlassen hätten und im August und September dahin zurückgekehrt seien. Als Waaren derselben werden rohe und verar- beitete Seide, Brocat, Porzellan, viel Weizen, Kupfer, Alaun und viel Gold in Barren mit ihres Königs Stempel genannt. Die Erwähnung von Seide und Porzellan als Ausfuhrartikel Japans in damaliger Zeit lässt jedoch muthmaassen, dass hier vielleicht eine Verwechselung mit Koreanern vorliegt. Es fehlt nicht an Beispielen, dass aus Japan, zumal von der Insel Kiushiu, gefürchtete Seeräuber kamen, welche nicht blos die Küsten Chinas unsicher machten, sondern ihre Raubzüge auch nach den Philippinen und dem Malayischen Archipel ausdehnten. »The men of Japan have done much mischief unto the men of China, and many times fallen upon their coasts and put all to fire and sword.« The Voyage of John Huyghen van Linschoten to the East Indies. pg. 155. Hakluyt Soc. London 1875. Solches geschah vornehmlich, wenn Bürgerkriege in Japan das Land ver- wüsteten und alle Bande der Ordnung und Gesetzlichkeit lockerten, wie z. B. gegen Ende des 14. Jahrhunderts (Siehe Band I pg. 297 u. 298), sowie zuletzt im Jahre 1600 n. Chr., bevor Iyeyasu die weltliche Herrschaft über ganz Japan in seiner festen Hand vereinigte und bald darauf nicht blos dem Seeraub, sondern auch dem friedlichen direkten Verkehr der Japaner mit andern Ländern ein Ende gemacht wurde. Es ist gewiss bemerkenswerth, dass die drei hervorragendsten Seereisen im Zeitalter der grossen Entdeckungen in der Absicht unter- nommen wurden, hochgeschätzte Erzeugnisse asiatischer Länder auf billigstem Wege Spanien, beziehungsweise Portugal, zuzuführen. Co- lumbus entdeckte Amerika, als er auf westlicher Fahrt die Länder Ostasiens, insbesondere das goldreiche Zipangu (Japan) und das seiden- reiche Cathay (China) erreichen wollte; denn nach den Schilderungen seines Landsmanns Marco Polo und arabischer Geographen war jenes das Eldorado der Chinesen und Araber (siehe pg. 346), während dieses durch seine Seide von Alters her den Ruf eines reichen Landes genoss. Vasco de Gama führte die Portugiesen um Südafrika zuerst nach Indien und lenkte hierdurch den bisherigen Handel mit diesem produk- tenreichen Culturlande in ganz andere Bahnen. Endlich nennen wir als dritten epochemachenden Seefahrer dieser Periode Fernão de Ma- 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. galhães , den Landsmann Vasco de Gama’s. Derselbe begab sich nach der Eroberung von Malacca aus Groll gegen seinen König in die Dienste Karls V (Karls I), um den Spaniern unter Vermeidung der portugiesischen Route die Gewürznelken der Molukken zuzuführen, und leitete in diesem Streben, wie bekannt, die erste Weltumsegelung, wenige Jahre nachdem die Portugiesen die Umschiffung des tropischen Asiens beendet und in Macao eine neue Operationsbasis für ihren Handel gewonnen hatten. Endlich wurde von denselben Japan entdeckt. Der Schiffbruch, welcher Mendez Pinto und seine Gefährten im Jahre 1542 n. Chr. an dessen südliche Gestade führte, ist der Anfang jener bemerkenswerthen Periode für Japan, in welcher mit der Verbreitung des Christenthums während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Entwickelung eines äusserst gewinnreichen Handels mit Nagasaki, als Hauptstützpunkt, gleichen Schritt hielt. Auch der Handel Japans mit China blühte in dieser Periode; denn nach Thunberg landeten bis zum Jahre 1684 jährlich gegen 200 chinesische Fahrzeuge, jedes mit einer durch- schnittlichen Bemannung von 50 Personen. Sie brachten den Japanern Seide und seidene Tücher, Zucker, Terpentin, Weihrauch, Achat, Baros-Kampfer, Ginseng und verschiedene andere Arzeneistoffe, sowie medicinische Bücher, und führten dagegen Kupfer in Stäben, Lack- arbeiten, Schwerter und andere Erzeugnisse des Landes aus. Der Handel der Portugiesen zwischen Goa, Malacca, Macao und Nagasaki (beziehungsweise Hirado) war durch die Monsune und den König von Portugal geregelt. Nach Linschoten erlaubte letzterer jähr- lich nur einem Schiff von Macao nach Japan zu segeln. Es war ein für jene Zeit sehr umfangreiches, gutes Fahrzeug von 1600 Tonnen. Die dreijährige Führung desselben galt für einen grossen Vorzug, als Belohnung für geleistete Dienste; denn der Kapitän gewann an einer Fahrt nach Japan zwischen 150000 und 200000 Ducaten. Er brachte von Macao verschiedene Waaren, insbesondere Seidenstoffe. Die Rück- fracht bestand in Silber und Gold. Sie warf enormen Gewinn ab, nach Kämpfer 100 %. Meijlan gibt an, dass zur Blüthezeit dieses portugiesischen Handels der jährliche Durchschnittswerth dieser Edel- metallausfuhr aus Japan auf 8—9 Mill. holländische Gulden (13,6— 15,3 Mill. Mark) zu veranschlagen sei, ja Thunberg setzt ihn sogar der enormen Menge von 300 Tonnen Gold gleich und bemerkt dann weiter, dass selbst, nachdem die Portugiesen sich durch ihr Benehmen in Nagasaki und sonst gründlich verhasst gemacht hatten und ihr Handel schon gänzlich in Verfall war, sie immer noch ansehnliche Mengen Silber ausführten, so im Jahre 1636 n. Chr. 2360 Kisten oder 39* IV. Handel und Verkehr. 2350000 jap. Taels à 2,8 Mk., im Jahre 1837 2142365 Tls. und 1838 1259023 Tls. Hierbei ist ein japan. Tael = 33 Stüber = 1,65 fl. holl. = 2,80 Mark gerechnet. Hiermit endete bekanntlich der Verkehr der Portugiesen in Japan; denn bald (1839) folgte ihr völliger Ausschluss, und als sie dann im Jahre 1840 ihre Trennung von Spanien und frühere Selbständigkeit wieder erlangt hatten, sahen sie sich ihres gewinnreichen Handels und Besitzes in Asien bis auf einige unbedeutende Reste beraubt. Mehrere von Macao aus gemachte Versuche, das verlorene Handels- terrain in Japan wieder zu gewinnen, waren vom grössten Misserfolg begleitet. Ihr ehemaliges Paradies blieb ihnen verschlossen. Nach der Vereinigung Portugals mit Spanien durch Philipp II im Jahre 1580 n. Chr., einem Ereigniss, von dem an die Portugiesen, den Rückgang und endlichen Verlust ihrer Machtstellung und ihres bedeutenden asiatischen Handels datieren, wurde auch Manila in diesen hineingezogen. Der Verkehr dieser Stadt mit Macao und Japan, über welchen das citierte Werk von A. de Morga interessante Aufschlüsse gibt, war ein sehr reger. Ende October und während des März segelten die Schiffe mit nördlichen Winden von Nagasaki nach Manila. Sie brachten den Philippinen vornehmlich Weizenmehl von sehr guter Qualität, ferner geschätztes Salzfleisch, gesalzenen Thunfisch, sehr gute (?) frische Birnen, eiserne Werkzeuge und Waffen, darunter vornehmlich aus- gezeichnete Schwerter, sodann schöne spanische Wände, kunstvoll lackierte Schmuckkästchen aus Holz von seltener Art, sowie an- dere Kleinigkeiten, die prächtig anzuschauen waren, Käfige, etwas Silber, gemusterte Seidenstoffe. Auch kamen Pferde aus Japan, welche de Morga vortrefflich schildert. Die Schiffe kehrten unter dem Einfluss des südlichen Monsunwindes im Juni oder Juli nach Nagasaki zurück. Ihre Fracht aus Manila bestand in Rohseide (von China), Hirschhorn (?) und Brasilienholz zum Färben, Honig, Wachs, Wein (aus Spanien), Ziebetkatzen, grossen Urnen (Tibór) zur Aufbewahrung des Thees, Glas, Kleidungsstoffen. Die erste Störung dieses freundlichen Verkehrs bewirkte »Taiko- sama, der Herr von ganz Japan« durch einen Brief an den Gouverneur, Gomez Perez Dasmariñas, welcher im Jahre 1590 n. Chr. auf dem damals gewöhnlichen Wege über Acapulco auf seinem Posten angekommen war. worin er diesen in arroganter Weise aufforderte, seine Oberhoheit an- zuerkennen und zum Zeichen dafür Tribut einzusenden, widrigenfalls 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. er mit einer Flotte kommen und das Land vernichten werde. Der Ton dieses Schreibens entspricht genau demjenigen, in welchem Hi- deyoshi den König von Korea behandelte, als dieser mit ihm gemein- schaftliche Sache gegen China machen sollte (siehe Band I pg. 325). Die Correspondenz dauerte mehrere Jahre, heisst es bei de Morga weiter, dann starb Taiko-sama. Es geht daraus hervor, dass jener insolente Brief um das Jahr 1595 geschrieben sein musste. Nach holländischen Quellen (Memorables Embassies etc.) hätte Taiko- sama in diesem Schreiben hervorgehoben, dass die Bürgerkriege in Japan beendigt und dem Lande durch ihn der innere Frieden beschert sei. Nun wolle er China mit Krieg überziehen und verlange dabei des Gouverneurs Wohlverhalten und als Zeichen Unterwerfung und Tribut. Dies liesse schliessen, dass das Actenstück aus dem Jahre 1591 stammen müsste, da 1592 die Expedition nach Korea zu obigem Zweck stattfand. Derselbe erregte in Manila grosse Besorgniss. Man schickte alle Japaner, die sich dort in nicht geringer Zahl aufhielten, aus Furcht vor einer In- vasion in ihr Land zurück. Im Jahre 1596 trat Don Francisco Tello, der neue Gouverneur der Philippinen, sein Amt an. Ein Jahr darauf landete das Schiff San Felipe, welches auf seinem Wege von Manila nach Neuspanien (Mexiko) durch widrige Winde verschlagen worden war, an der Küste von Tosa auf der Insel Shikoku. Bei der Gelegenheit erklärte der Obersteuermann Francisco de Landa dem Vertrauten und Bevollmächtigten des Taiko-sama, Derselbe wird Ximonojo, auch Yemonojo und Gibunoxâ genannt. Es scheint Ishida Mitsunari, einer der späteren 5 Gouverneure gewesen zu sein. (Siehe Bd. I pg. 339.) wie Spanien die Welt erobere und sich dabei der Mit- wirkung der spanischen Priester bediene, und trug dadurch nicht wenig zu der wachsenden Abneigung der regierenden Kreise gegen das Christenthum bei, die bald in blutige Verfolgung seiner Verkündiger und später in völlige Ausrottung desselben überging. Iyeyasu »Yeyasu dono, Lord of Quanto«, wie er in der engl. Uebersetzung des Buches von A. de Morga pg. 143 genannt wird. Man vergleiche Bd. I pg. 12, 324, 359 dieses Werkes. war um jene Zeit dem Verkehr der Spanier und Portugiesen noch geneigt, verhandelte sogar mit Fray Geronymo , welcher sich während der ersten Christenverfolgung durch Taiko-sama im Jahre 1597 versteckt hatte, um spanische Zimmerleute zum Bau von Schiffen von Manila heranzuziehen, damit er selbst in direkten Handelsverkehr mit Neuspanien treten könne. Aber Chiquiro (?), der Abgesandte des Iyeyasu, welcher dessen Geschenke und Wünsche IV. Handel und Verkehr. nebst Briefen des Pater Geronymo an den Gouverneur der Philippinen überbrachte, fand wohl freundliche Aufnahme, erhielt aber die er- betenen Schiffszimmerleute nicht, weil man im Handel mit Nueva España die Japaner nicht als Concurrenten neben sich haben wollte. Vergebens warteten Iyeyasu und Geronymo auf die Rückkehr des Schiffes. Es war an der Küste von Formosa gescheitert und mit allen Insassen untergegangen. Später begab sich Fray Geronymo selbst nach Manila und kehrte von dort im Jahre 1601 mit Ausreden und Gegengeschenken für Iyeyasu zurück. Letztere bestanden aus einem grossen, reichverzierten Spiegel und sonstigen Glaswaaren, castilischen Tüchern, Honig, einigen grossen chinesischen Porzellanurnen und spanischen Tibór oder Vasen und Urnen aus Faience. Mittlerweile war Iyeyasu zum Shôgunat mit factischer Herrschaft über ganz Japan gelangt. Die Kämpfe des Jahres 1600, in welchen er seine Gegner überwand, hatten die Küstenbewohner von Kiushiu noch einmal zur Seeräuberei verlockt. Nicht weniger als 6 Korsaren- schiffe waren aus Satsuma ausgesegelt, um mit ihren Plünderungen die Gestade Chinas und der Philippinen heimzusuchen. Auf die Be- schwerden des Gouverneurs von Manila versprach Iyeyasu Abhülfe, verlangte aber als Gegenleistung, dass man flüchtigen Japanern nicht Schutz, noch viel weniger Unterstützung zu heimlichen Landungen an den japanischen Küsten gewähre. Es scheint jedoch, dass dieser Wunsch nicht erfüllt wurde. In dieser Beziehung, sowie in verschiedener anderer Hinsicht ist ein Brief des mächtigen Shôgun an den Gouver- neur Don Pedro de Acuña vom Jahre 1605 von ganz besonderem In- teresse. In demselben stattet Iyeyasu dem Gouverneur zuächst seinen Dank ab für die Geschenke, welcke ihm dieser übersandt hatte und unter denen ihm namentlich der Wein viel Freude gemacht habe. Dann aber bittet er den Gouverneur, doch zu verhindern, dass flüchtige Japaner in Manila eine Stütze fänden und mit spanischen Schiffen ohne seine (Iyeyasu’s) Erlaubniss nach Japan zurückkehrten. Auf die häufigen Vorstellungen in Angelegenheiten der christlichen Secte, welche der Gouverneur und Andere ihm gemacht hätten, könne er nicht eingehen. »Es ist in keiner Weise unseren Beziehungen dienlich, dass Ihr Glaube in Japan gepredigt und verbreitet werde, und wenn Eure Hoheit wünschen, Freundschaft mit den Herrschaften Japans und mir zu erhalten, so bitte ich, meinen Wünschen nach- zukommen und nichts zu thun, was mir missfällt.« Diese energische Sprache lässt aufs deutlichste erkennen, dass Iyeyasu bereits damals fest entschlossen war, der Ausbreitung des Christenthums energisch entgegenzutreten. Nur einmal finden wir ihn diesem gegenüber, seinen 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. früheren Aeusserungen entsprechend, freundlich gesinnt, wie sich aus dem Folgenden ergibt. Im Jahre 1608 — so berichten uns die »Memorials of the Empire of Japan« nach Th. Rundall, — scheiterte das Schiff, mit welchem der Generalgouverneur der Philippinen Rodrigo de Vivero y Velasco von Manila über Acapulco nach Spanien zurückkehren wollte, an der Ostküste von Hondo unter 35½° N. Die Mannschaft rettete gleich Don Rodrigo nur das Leben, wurde aber von den Japanern auf’s freundlichste aufgenommen und mit allem Nothwendigen versorgt. Insbesondere hatte sich der Generalgouverneur allenthalben einer grossen, seinem Rang entsprechenden Zuvorkommenheit zu erfreuen, namentlich am Hofe zu Yedo, sowie zu Shidzuoka in Suruga, wohin sich Iyeyasu seit 1805 zurückgezogen hatte, obwohl er noch die Ober- leitung der Landesangelegenheiten in den Händen behielt. Man liess den Spaniern Alles zustellen, was von ihrem Wrack gerettet werden konnte, obwohl nach Gesetz und Brauch die japanische Regierung volles Strandrecht besass. In Shidzuoka unterbreitete Don Rodrigo dem Ex-Shôgun drei Bitten, nämlich: 1) Iyeyasu möge den fremden Priestern und ihrer Missionsthätig- keit seinen Schutz gewähren, 2) Fortdauernd freundliche Beziehungen mit dem König von Spanien unterhalten, 3) den Holländern, die Rebellen und Piraten seien, den Aufent- halt in seinem Lande verbieten. Iyeyasu liess Don Rodrigo seine Befriedigung darüber ausdrücken, dass derselbe, obgleich aller Habe entblösst, nichts für sich, sondern alles für seinen König und seine Religion erbeten habe. Er sei bereit, die zwei ersten Bitten zu gewähren, nicht die dritte, weil er den Holländern sein Wort verpfändet und ihnen den Verkehr in seinem Lande unter gleichen Bedingungen, wie den übrigen Fremden gestattet habe. Iyeyasu erbat sich durch Don Rodrigo vom König von Spanien 50 in der Silbergewinnung Neuspaniens erfahrene Bergleute, da die seinigen nicht die Hälfte des in den Minen vorhandenen Edelmetalls zu gewinnen vermöchten, und entliess ihn auf’s freundlichste. Das nächste Reiseziel war »Meako« ( Kiôto ), wo der Gouverneur ihn im Auftrage seines Gebieters mit allen Sehenswürdigkeiten bekannt machte. So sah Don Rodrigo unter Anderm auch den Daibutsu, von dem er bemerkt, dass derselbe werth sei, unter die Weltwunder gerechnet zu werden. Von Kiôto begab er sich über Fushimi nach Ôzaka, dann in einem Boot nach Nagasaki. Da aber das Schiff, welches ihn nach Manila zurückbringen sollte, noch nicht fertig war, so kehrte er wieder IV. Handel und Verkehr. nach Suruga zurück und verliess, reichlich beschenkt, Japan erst im August 1610, demnach mit voller Kenntniss von der Landung der Holländer auf Hirado Die Stadt und Insel Hirado, in den älteren Schriften meist Firado, Firato und Firando genannt, liegt auf der Westseite von Kiushiu und zählt zur Provinz Hizen. (Siehe I. Band pg. 605.) und ihrem Eintritt in die Concurrenz, die für Portugiesen und Spanier, sowie für die katholischen Japaner bald so verhängnissvoll wurde. Ueber 50 Jahre hindurch (von 1580 an) dauerte der Verkehr zwischen Japan und den Philippinen. Während dieser Zeit entwickelte sich der japanische Unternehmungsgeist auch nach andern Richtungen. Japanische Seeleute nahmen nicht blos auf fremden Schiffen Dienste und machten mit denselben weite Reisen, sondern sie rüsteten im Verein mit Kaufleuten auch selbst Dschunken aus, um bald in fried- lichem Verkehr an den chinesischen und hinterindischen Küsten anzulaufen, bald als kühne Corsaren den Handel daselbst zu beein- trächtigen. Aus der erwähnten Schrift von Dr. E. Satow über den Verkehr zwischen Japan und Siam sehen wir, wie lebhaft derselbe während der ersten drei Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts war. In Ayuthia , der damaligen Hauptstadt Siams, sowie in Patani dem bedeutendsten Handelsplatze am siamesischen Golfe, gab es eine japanische Colonie, die zeitweise auch eine politische Rolle spielte. Die drei ersten Shô- gune unterhielten mit dem König von Siam 24 Jahre hindurch direkten freundlichen Verkehr, indem beide Höfe wiederholt Briefe und Geschenke austauschten, die in mehreren Fällen durch siamesische Gesandt- schaften vermittelt wurden. Iyeyasu leitete diese direkten Beziehungen im Jahre 1606 dadurch ein, dass er dem König von Siam einen Brief nebst mehreren Schwertern und Rüstungen übersandte und denselben um einige Flinten und etwas wohlriechendes Adlerholz (Santalinum album L.) bat. Wir entnehmen der Correspondenz, welche sich an- schloss, dass der König von Siam und sein erster Minister wiederholt solches weisse Sandelholz, sodann Borneokampfer, Elefantenzähne und kostbare Seidenstoffe als Geschenke für den Shôgun und seine ersten Würdenträger übermitteln liessen, ausserdem aber verschiedene euro- päische Fabrikate, wie Sarsenet, Calico, Gaze und andere Gewebe, ferner Flinten und Pulver. Als japanische Gegengaben erhielten sie besonders Pferde mit kostbaren Sätteln, Waffen und Rüstungen, so- dann prächtige spanische Wände, wattierte seidene Festgewänder, gebleichte Baumwollstoffe und Silber. 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. Mit dem Jahre 1630 hörte dieser officielle Verkehr plötzlich auf. In Ayuthia hatte sich Phra-chao Phrasa thong des Thrones bemächtigt, und als er darauf, dem Beispiel seines Vorgängers folgend, eine Gesandt- schaft mit Briefen und Geschenken nach Japan absandte, wurden diese zurückgewiesen. Nicht besser erging es mehreren andern siamesischen Gesandtschaften, welche folgten. Aber selbst nachdem im Jahre 1636 den Japanern durch Gesetz das Verlassen des Landes und der Verkehr mit Fremden auf’s Strengste untersagt war, hörten die Handels- beziehungen mit Siam nicht ganz auf. Chinesen, welchen neben den Holländern der Verkehr mit Nagasaki eingeräumt blieb, übernahmen die Vermittlung. Siamesische Dschunken kamen, wie Satow nach japani- schen Quellen anführt, in sechs verschiedenen Fällen, nämlich in den Jahren 1680, 1687, 1693, 1716 1718 und 1745 an; doch wird nicht bemerkt, mit welchem Erfolg. Vor der Absperrung Japans unter dem dritten Shôgun (Iyemitsu) holten siamesische Schiffe Gold und Silber, sowie Kupfer in kleinen Barren, ferner Goldschmiedearbeit, Schirme, Lackwaaren, Porzellan und Thee. Die verschiedenen Ereignisse, welche zur Absperrung Japans und zur Ausrottung des Christenthums führten, wurden im I. Bande dieses Werkes ausführlich dargelegt. Auch aus der hier gegebenen kurzen Darstellung der Beziehungen des Shôgunats zu den Spaniern in Manila und zu den Siamesen geht hervor, dass jene Schritte nicht als unmittel- bare Folge der Schlacht von Sekigahara im Jahre 1600 n. Chr. anzusehen sind, sondern dass die politischen und religiösen Motive, aus denen sie hervorgingen, sich erst allmählich herausbildeten. Von grossem Einfluss auf diesen Umschlag der Ansichten und Gefühle war offenbar die Anknüpfung der Handelsbeziehungen mit Holländern und Engländern, welche am Anfang des 17. Jahrhunderts die heimatlichen Kämpfe gegen das katholische Spanien und das damit vereinte Por- tugal auch auf den fernen Stationen des Weltmarktes mit Erfolg fort- setzten. Die Kämpfe der protestantischen Niederländer um ihre bürgerliche und religiöse Freiheit hatten in ihnen eine unversöhnliche Feindschaft gegen die Spanier und den römischen Katholicismus grossgezogen, ihren Muth und Unternehmungsgeist gestählt und sie zu weiteren Thaten vorbereitet. Kaum war das spanische Joch abgeschüttelt, so durchkreuzten holländische Schiffe, von Handelsinteressen getrieben, alle Meere. In Amsterdam gab die nautische Schule des Peter Plan- cius dem angehenden Seefahrer eine bessere Ausbildung und der mit Segelanweisungen versehene Atlas von L. J. Waghenaer zu Leiden zuverlässigere Karten in die Hand. Auf diese Weise wurde der all- IV. Handel und Verkehr. gemeine Drang, von dem durch Portugal und seine Colonien erweiterten Spanien auch im Handel vollständig unabhängig zu werden, wirksam unterstützt. Engherzige Verordnungen Philipps II von Spanien, welche den Holländern Lissabon, den damaligen Weltmarkt, verschlossen, thaten das übrige. Die Unternehmungen der Holländer führten zu wichtigen geographischen Entdeckungen — ich erinnere nur an die- jenigen von Barents und Tasman , — sowie zum Uebergang der meisten Besitzungen der Portugiesen und ihres asiatischen Handels in holländische Hände. Auf die erste holländische Weltumsegelung (in den Jahren 1598— 1601) unter Oliver van Noort , welcher die Route des Magalhães einschlug und den Spaniern in einem Seegefechte vor Manila herbe Verluste beibrachte, folgte im Jahre 1602 die Gründung der Nieder- ländisch Ostindischen Handelsgesellschaft. Batavia wurde Haupt- stützpunkt derselben und des durch sie geleiteten holländischen Handels in Südostasien, während Goa, Malakka und Macao ihre commerzielle Bedeutung verloren. Im April des Jahres 1600 erschien die holländische Flagge zum ersten Mal an der japanischen Küste und zwar zu Funai in Bungo. Das Schiff, welches sie führte, hatte mit vier andern eine kleine Handelsflotille des holländischen Hauses van der Veek gebildet und im Juni 1598 den Hafen Texel verlassen, um an der pacifischen Küste Südamerikas Handel zu treiben. Die Expedition wurde in zu später Jahreszeit ausgesandt, und erlitt in Folge schlechter Führung, heftiger Stürme und feindlicher Ueberfälle bei mehreren Landungs- versuchen grosse Verluste, so dass schliesslich nur ein Schiff, der Erasmus, mit geringer Besatzung übrig blieb, welches von der peru- anischen Küste aus seinen Cours nach Japan richtete, in der Hoffnung, dort einen Markt für seine Ladung Tücher zu finden. Bei der Landung in Funai waren nur noch fünf Mann dienstfähig, darunter der englische Obersteuermann William Adams . Sie wurden gleich den Kranken von der einheimischen Bevölkerung freundlich aufgenommen, von den Portugiesen aber als Piraten hingestellt. Diese bewirkten, dass W. Adams als Gefangener vor Iyeyasu geführt wurde, der sich damals in Ôzaka befand. Iyeyasu nahm ihn freundlich auf, forschte ihn aus und sandte ihn dann nach Yedo, wo er befreit wurde und bis zu seinem Tode im Jahre 1620 vorwiegend lebte. William Adams gewann eine geachtete Stellung unter den Japanern, diente erst den holländi- schen, später auch den englischen Interessen und hat wahrscheinlich mitgewirkt, den Argwohn gegen die katholischen Spanier und Portu- giesen zu nähren und der bekannten Krisis entgegen zu führen. (Siehe auch Band I pg. 381 ff.) 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. Im Juni 1609 erschien das holländische Schiff Roode Loeuw (Rother Löwe) im Hafen von Hirado und fand Seitens des Daimiô der Insel freundliche Aufnahme. Im folgenden Jahre begaben sich Jacques Spexx (Jacob Spex), der kaufmännische Vertreter der Nieder- ländisch Ostindischen Handelsgesellschaft, und M. Sandvoort nach Suruga, um mit Iyeyasu, darauf nach Yedo , um mit dessen Sohn, dem Shôgun, wegen eines Handelsvertrags zu verhandeln. Als Dol- metscher diente William Adams. Den Holländern wurde gestattet, in Hirado eine Factorei zu errichten und mit Japan unter gleichen Be- dingungen Handel zu treiben, wie Portugiesen und Spanier im nahen Nagasaki. Letztere hatten Alles aufgeboten, sich die angekommenen Ketzer fern zu halten. Dieselben wurden Iyeyasu als Seeräuber und Rebellen gegen ihren Herrn, den König von Spanien, geschildert, denen er unmöglich Gehör schenken könne. Der kluge und mächtige Fürst war jedoch nicht geneigt, sich die Gelegenheit, dem bisherigen fremden Einfluss eine Concurrenz an die Seite zu stellen, entgehen zu lassen. Seine Antwort lautete dahin, dass europäische Angelegen- heiten ihn nichts angingen und er nur für die Ruhe und Wohlfahrt seines eigenen Landes und Volkes zu sorgen habe. Jeder Fremde, der sich den Gesetzen unterwerfen und zum Besten seiner Unterthanen ehr- baren Handel treiben wolle, sei ihm willkommen, »ja wenn Teufel aus der Hölle kämen, sollten sie wie Engel vom Himmel behandelt werden«, so lange sie sich willig den Regeln unterwürfen, die er auf- gestellt habe. Auf briefliche Anregung durch William Adams hin entschloss sich bald darauf auch die englisch-ostindische Handelsgesellschaft mit Japan in Verkehr zu treten. Zu dem Zweck sandte sie drei Schiffe unter dem Oberbefehl von Kapitän John Saris ab , welche am 11. Juni 1613 vor Hirado Anker warfen. Der alte Daimiô wusste die Handels- vorteile, welche die Fremden seiner kleinen Insel brachten, zu wür- digen und nahm auch die Engländer freundlich auf. Nachdem W. Adams sich bei diesen eingefunden und Capitain Saris ein Haus gemiethet hatte, welches als Factorei dienen sollte, begab sich derselbe mit Adams als Dolmetscher und den nöthigen Vollmachten und Ge- schenken Seitens König Jacobs I in einem Boot, welches der Daimiô zu ihrer Verfügung stellte, nach dem Hofe. Die Gesandtschaft wurde so- wohl von Iyeyasu in Sumpu (Shidzuoka), als auch von seinem Sohne Hidetada , dem regierenden Shôgun in Yedo, freundlich aufgenommen und erlangte nach kurzer Verhandlung, welche der am Hofe wohl- gelittene Adams vermittelte, ein allgemeines Handelsprivileg, das aber durch einen Nachtrag vom Jahre 1616 gleich dem der Holländer auf IV. Handel und Verkehr. Hirado beschränkt wurde. Als Direktor der Factorei fungierte Richard Cocks , von ihrer Gründung bis zur Auflösung, welche die Com- pagnie im Jahre 1623 verfügte. Die zehnjährige Concurrenz mit den Holländern hatte ihr einen Gesammtverlust von über ₤ 40000 bereitet. Aber wenn auch das Handelsunternehmen der Engländer in Japan erfolglos geblieben war, so verliessen sie doch das vielumworbene Gebiet mit allen Ehren. Sie hatten den Versuch in einer sehr ungünstigen Zeit und an einem ungeeigneten Orte gemacht, auf einer wenig produ- cierenden kleinen Insel in unmittelbarer Concurrenz mit Holländern, sowie der ebenfalls noch einflussreichen portugiesischen und spanischen im benachbarten Nagasaki. Ihre Hoffnung, dass sich ihnen der chi- nesische Markt öffnen würde, erfüllte sich nicht und auf dem japani- schen besassen die Holländer mehr Erfahrung und Geriebenheit. Dieselben scheuten kein Mittel, um die Engländer zurückzudrängen, und verkauften zu dem Zweck viele ihrer Waaren, wie z. B. in Eng- land fabricierte Tücher, unter dem Einkaufspreise. Ihr Benehmen war, wie Cocks an manchen Stellen seines Tagebuchs hervorhebt, oft un- erträglich, selbst dann, wenn die Engländer auf höheren Befehl mit ihnen gegen Spanier und Portugiesen gemeinsame Sache machten. Solchen aussergewöhnlichen Schwierigkeiten waren Intelligenz und Thatkraft des Direktors Richard Cocks nicht gewachsen. Aus seinem langweiligen Tagebuch erkennt man leicht den zwar gutmüthigen und ehrlichen, aber wenig gebildeten, schwachen und schwerfälligen Mann, dessen Unordnung in der Geschäftsführung gross gewesen sein muss, wie aus dem herben Tadel, mit dem ihn seine »loving friends« und Vorgesetzten zu Batavia im Mai 1623 abriefen, genugsam hervorgeht. In späterer Zeit wussten die Holländer alle Versuche der Engländer, mit Japan von neuem Handelsbeziehungen anzuknüpfen, eben so erfolg- reich zu vereiteln, wie diejenigen anderer Nationen. Die Berichte über Ueberfüllung des Marktes mit eingeführten Produkten und den Niedergang der Preise erinnern an manche Erscheinungen des japani- schen Handels in neuerer Zeit, nur dass damals das Institut der Waarenverschleuderung durch öffentliche Auctionen noch nicht ein- geführt war. Weisse Rohseide aus China und Siam, welche früher in Nagasaki und Hirado zu 500, 400 und 300 Ts. (Taels, à 6 Mk.) ver- kauft wurde, bot man im Jahre 1620 zu 130 Ts. an. Mit siamesischem Sammet und gemusterten Seidenstoffen, rothem und weissem Sandelholz, Rehfellen und Elfenbein, war der Markt von Patani aus eben so über Bedarf versehen, wie mit spanischen Tuchen, die über Neuspanien (Mexico) eingeführt wurden, und englischen, welche Holländer und Engländer brachten. Baumwollstoffe wurden wenig verlangt, ebenso 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. Gewürze. Auch in diesen Artikeln überbot die Zufuhr bei weitem die Nachfrage, desgleichen in Stahl, Zinn und Blei, Spiegeln, Danziger Flaschengläsern, Bernstein, Linnengebild und einfacher holländischer Leinwand. Von der gewinnreichen Metall- (Gold-, Silber- und Kupfer-) Ausfuhr Japans scheint nur ein sehr bescheidener Teil durch englische Hände gegangen zu sein. Aus dem Tagebuch Cocks’ kann man leicht erkennen, wie Hand in Hand mit der zunehmenden Abneigung und Feindschaft gegen das Christenthum unter der Regierung des Shôgun Hidetada auch die Erschwerung und Beschränkung des Handelsverkehrs mit den Japanern wuchs. Kaum hatte der energischere Enkel des Iyeyasu, der Shôgun Iyemitsu , im Jahre 1623 die Zügel der Regierung ergriffen, als der letzte grosse Ansturm gegen die Fremden sich vorbereitete. Spanier und Portugiesen wurden des Landes verwiesen, die Christen verfolgt, gemartert und getödtet, den japanischen Unterthanen bei Todesstrafe untersagt, das Land zu verlassen, und der Verkehr auf Holländer und Chinesen beschränkt. Damit beginnt denn eine neue Periode im Handel mit Japan, nämlich b) die Zeit des Handels der Holländer und Chinesen in Nagasaki von 1641—1854. Nachdem sich die Engländer von dem japanischen Markt zurück- gezogen hatten und mit jenen letzten vernichtenden Schlägen gegen das Christenthum, die Band I pg. 353—357 näher geschildert wurden, auch dem Handel der iberischen Katholiken der Garaus gemacht worden war, befanden sich die Holländer allein, zwar als Sieger, aber in einer keineswegs beneidenswerthen Lage unter den Japanern. Ge- horsam dem Befehl des Shôgun vom 11. Mai 1641, ihre Faktorei auf Hirado sofort aufzugeben und das früher für die Portugiesen bestimmte, künstlich geschaffene Vorinselchen (De-shima) dicht zur Seite von Nagasaki zu beziehen, bewirkten sie schon 10 Tage später die Ueber- siedelung. Mit unreinen Händen zogen die Holländer ein. Wenn man auch alle Urteile über ihr Auftreten, einschliesslich derjenigen aus dem eigenen Lager, abwägt, und nicht geneigt ist, den einseitigen Auf- fassungen der Jesuiten zu folgen, wenn man viele ihrer Handlungen im Lichte des damaligen Zeitgeistes und auf Grund der gegenseitigen Feindschaft und Verleumdung zwischen ihnen und den iberischen Katholiken beurteilen muss, so kann man sie doch nicht von dem schwersten Vorwurf freisprechen, von der Mitwirkung bei jenen schreck- lichen Blutbädern, durch welche das Christenthum in Japan ausgerottet wurde, sowie von dem nicht minder grossen, dass sie in Nagasaki ihre IV. Handel und Verkehr. eigene Religion verleugneten und ihre Würde opferten, um sich den gewinnreichen Handel zu erhalten. Sie bekundeten ihre Unterwürfigkeit unter den Willen und die demüthigendsten Zumuthungen der Japaner bei so vielen Anlässen, dass diese — gewohnt den eigenen Handels- stand mehr als nothwendiges Uebel zu betrachten und wie die alten Römer dem Bauer und Handwerker nachzustellen, — von ihrem Cha- rakter und Ehrgefühl sich unmöglich eine bessere Meinung bilden konnten. Auf De-shima lebten, Gefangenen gleich in ihren Bewegungen beschränkt und bewacht, 16—20 Holländer im Dienste der ostindischen Handelscompagnie. Ueber ihre Stellung bemerkt Kämpfer Folgendes: »In dieser Dienstbarkeit haben wir uns viele beschimpfende Einschrän- kungen von diesen stolzen Heiden müssen gefallen lassen. Wir dürfen keine Sonn- und Festtage feiern, keine geistliche Gesänge und Gebete hören lassen, niemals den Namen Christi nennen, kein Bild des Kreuzes oder irgend ein äusseres Zeichen des Christenthums bei uns führen. Dabei müssen wir noch immer viele andere beschimpfende Zumuthungen ausstehen, die einem edelmüthigen Herzen allemal sehr empfindlich sind. Die einzige Ursache, welche die Holländer bewegt, alle diese Leiden so geduldig zu ertragen, ist blos die Liebe des Ge- winnes und des kostbaren Marks der japanischen Gebirge.« Kämpfer’s Geschichte von Japan II. Bd. pg. 72. Kämpfer gibt uns ferner von S. 97 des hier citierten Werkes an auch eine ausführliche Beschreibung der Art, wie dieser Handels- verkehr in Nagasaki bis ins Einzelne geregelt war und von einer Menge Beamten controliert wurde. Direkte Abgaben ruhten nicht darauf, aber die Geschenke an jene Beamte, sowie an den Hof, welche der Opperhoofd oder Leiter der Faktorei jedes Frühjahr bei seiner Vorstellung am Hofe zu Yedo diesem überbringen musste, verschlangen einen bedeutenden Teil des ansehnlichen Gewinnes. »Sobald unsere Schiffe den Hafen erreichten, wurden sie von den Japanern in Besitz genommen, mit Wachtschiffen umgeben; Pulver, Blei, Degen und alle Schiffsrüstungen wurden an Land gebracht und bis zur Abfahrt in Verwahrung behalten. Sogar die schwersten Kanonen und selbst das Ruder mussten ausgehoben und an Land gebracht werden, welches man aber doch nachher wegen gar zu grosser und ganz un- nöthiger Mühe unterlassen hat. Zu gleicher Zeit wurde allemal bei der Ankunft das sämmtliche Schiffsvolk nach der übergebenen Liste auf das genaueste gemustert, und eines jeden Name, Alter und Be- dienung aufgezeichnet. Diejenigen, welche um Dienste zu thun auf 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. die Insel gingen, wurden aufs genaueste am Körper visitiert, ihre Degen und alle verkaufbaren Sachen vom Ottona Ottona heisst in den älteren Schriften der Bevollmächtigte, eine Art Polizeicommissar. in Verwahrung genommen, und ohne der Japaner Erlaubniss und Post durfte schlechterdings Niemand von den Schiffen ab- oder zufahren, die etwa 300 Schritt vor der Insel vor Anker zu liegen pflegen. Unsre mitgebrachte La- dungen wurden von ihren Leuten in unsre Speicher gebracht, und mit ihren Siegeln verwahrt.« Dennoch spricht Kämpfer an einer andern Stelle von einem »bisher ganz freien Handel«, der erst im Jahre 1672 »ungemein eingeschränkt wurde«. Die neuen Schranken bestanden darin, dass von jeder Sorte der eingeführten Waaren dem Statthalter ein Stück zur Probe in’s Haus gebracht werden musste, um es von Meistern und Kunstverständigen genau besehen und taxieren zu lassen. Dann kamen die Kaufleute und wählten aus, was sie brauchten. Waren die Holländer mit dem vom Statthalter bestimmten Preise nicht zufrieden, so konnten sie die Waare behalten. Die Chinesen erfreuten sich viel grösserer Freiheiten. Sie durften in Nagasaki wohnen, waren weniger in ihren Bewegungen bewacht und beschränkt, bedurften keines Handelsdirektors und hatten keine Gesandtschaften und Geschenke an den Hof zu senden. Sie zahlten ebenfalls keine Taxen, waren aber im übrigen gleich den Holländern gezwungen, ihre Waaren zu einem bestimmten Preise »der Handels- kammer des Shôgun« zu überlassen. Sie brachten den Japanern viel mehr Waaren, als die Holländer; doch liegen bezüglich des Gesammt- werthes derselben nur Schätzungen vor. Bis zum Jahre 1684 kamen nach Thunberg’s Angaben jährlich 200 chinesische Dschunken, jede mit 50 Mann Bedienung in Nagasaki an. Von da ab verringerte sich die Zahl auf 70 und die Besatzungsmannschaft auf je 30. Nach derselben Quelle hatte ihre Einfuhr einen Gesammtwerth von nur 600000 Taels (= 3600000 Mk.) im Jahre. Dieselbe bestand vor- nehmlich in Rohseide und seidenen Tüchern, ferner in Zucker, Terpen- tin, Myrrhe, Aloeholz, Aloëholz, jap. Kiyara , nach einem Sanskritworte benannt, kam aus Indien und Siam, hiess bei Holländern und Portugiesen Calumbak , auch Ka- lamback . Es ist das wohlriechende Holz von Aloëxylon Agalochum Lour. Baros-Kampfer, Ginseng und andern Medi- camenten, sowie medicinischen Büchern. Hierzu kamen verschiedene sonstige Produkte ihrer Industrie, wie Porzellan, Speckstein, Ziegen- felle und andere Gegenstände, welche sie zum Teil an die Holländer verkauften. Man sieht aus der gegebenen Liste, dass die eingeführten Droguen zum Teil aus dem tropischen Asien stammten. IV. Handel und Verkehr. In der ersten Periode des holländischen Handelsverkehrs mit Japan (1611—1641), d. h. so lange derselbe von der Faktorei in Hirado aus stattfand, war derselbe weder bezüglich der Zahl der ankommenden Schiffe, noch sonst wesentlich beschränkt. Es war die Blüthe- und gewinnreichste Zeit desselben, ungeachtet der gedrückten Preise, welche die Concurrenz für manche Importartikel brachte. Man berechnet den Gesammtwerth der Ausfuhr an Edelmetallen, Kupfer und Kampfer, den wichtigsten und gewinnreichsten Artikeln, innerhalb jener 30 Jahre auf ₤ 15000000 oder 306 Millionen Mark. Hiermit stimmt die Angabe Thunberg’s, wonach die jährliche Ausfuhr der Holländer auf 6 Millionen Gulden (10,2 Mill. Mk.) geschätzt wurde. Davon kamen auf Silber allein 4 Mill. fl. (7,8 Mill. Mk.) Das Uebergangs- jahr 1641 war dem holländischen Handel noch besonders günstig. Man setzte Waaren im Werthe von 80 Tonnen Gold ab und führte noch 1400 Kisten Silber aus, deren jede 1 Pikul = 60 kg hielt. Als zweite Periode ihres Handels mit Japan bezeichnen die Holländer, sowie Kämpfer und Andere mit ihnen, die Zeit ihres Mono- pols in Nagasaki von 1641—1859. In der ersten Zeit derselben konnten die Holländer noch die Preise bestimmen und machten grossen Gewinn. Das hörte aber von 1672 an auf, wie bereits erwähnt wurde. Darum sagt Kämpfer mit Bezug hierauf und auf die nun folgenden mageren Jahre in höchst bezeichnender Weise: »Unser güldenes Flies, das wir jährlich aus diesem Colchis abholten, verwandelte sich in ein gemeines Fell.« Dennoch war der Gewinn an den eingeführten Waaren nach Abzug aller Unkosten noch 40—45 % und eben so gross an dem in Austausch genommenen Kupfer. Früher betrug dieser 90—95 %. Die jährliche Ausfuhr an diesem Metall, welche vorübergehend (von 1637—1646) verboten war, belief sich auf 20000—25000 Pikul (24—30000 Ctnr.) Vom Jahre 1640 an durfte auch wieder gemünztes Gold ausgeführt werden. Im Laufe von zwei Jahren brachte man dann 100000 Stück Kobang ausser Land und erzielte daran einen Gewinn von 1000000 fl. Im Jahre 1671 wurde die Silberausfuhr verboten, worüber die Hol- länder nicht besorgt waren, da dieselbe sehr wenig Gewinn brachte und dafür die Ausfuhr an Kupfer um so beträchtlicher zu werden schien. In der That stieg sie auf 30000 Pikul, eine Höhe, die seit- dem nicht wieder erreicht worden ist. Im Jahre 1696 beschränkte man sie auf 25000 Pikul; doch wusste man, wie Meijlan hervorhebt, daneben noch 6—7000 Pikul durch Bestechung zu erhalten. Dieses Kupfer ging immer noch, wie zur Zeit der Portugiesen, grösstenteils nach Indien. 3. Der Aussenhandel Japans bis 1854. Grosse weitere Beschränkungen erlitt der Handel vom Jahre 1700 an, in welchem eine Verordnung bestimmte, dass nur noch 4—5 holländische Schiffe jährlich in Nagasaki erscheinen sollten. Im Jahre 1714 wurde der Export an Kupfer auf 1500 Pikul und 1717 der ganze holländische Verkehr auf 2 Schiffe beschränkt. Im Jahre 1721 setzten die Japaner die Ausfuhr an Kupfer auf 10000 Pikul fest, reducierten sie aber 1743 wieder auf 5—6000 Pikul. In diesem Jahre wurde auch bestimmt, dass von nun an jährlich nur ein Schiff nach Nagasaki kommen solle; doch änderte man 1759 die Verordnung dahin ab, dass jährlich 3 Schiffe zugelassen wurden. Nach einer Eingabe des Opperhoofd vom Jahre 1760 sollte der Gesammtertrag des Landes an Kupfer sich auf 36—40000 Pikul (44000 bis 48000 Ctnr.) belaufen und hiervon die Niederländer 11000 Pikul ausführen, 900 Pikul die jap. Gouverneure und Beamten in Nagasaki erhalten, 15000 Pikul die Chinesen und 10000—13000 Pikul den Landesbedarf decken. Jene Erhöhung der Ausfuhr auf 11000 Pikul fand jedoch erst 1820 statt, nachdem vom Jahre 1810 ab ein Export von 8000 Pikul eingeräumt worden war. Es würde zu weit führen, hier alle sonstigen Veränderungen und Beschränkungen zu erwähnen, welche der holländische Handel im Laufe jener langen Periode in Japan erlitt, noch die Rechnungen zu erörtern, welche den Gesammtwerth desselben betreffen. Von grösserem Interesse dürfte zum Schluss noch ein kurzer Ueberblick über die verschiedenen Waaren sein, mit denen sich derselbe beschäftigte. Die bemerkenswerthesten Ein- und Ausfuhrartikel Japans während der grossen Handelsbewegung in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahr- hunderts wurden früher angeführt. Auf eine viel spätere Periode des holländischen Handelsprivilegs mit Japan, nämlich auf die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts beziehen sich die Waarenlisten, welche Thunberg Resa etc. Band III pg. 47, 48, sowie Bd. IV pg. 106. bietet. Die Einfuhr der Holländer nach Nagasaki um- fasste hiernach: Rohseide, seidene und halbseidene Gewebe, Kat- tune und Wollstoffe, Corduan, Rohzucker und Gewürze, wie Ingwer, Pfeffer, Saffran, Gewürznelken, Muskatnüsse, Droguen, insbesondere Terpentin, Baroskampfer, Moschus, Benzoë, Storax, Myrrhe, Ca- techu, Chinawurzel, Chinawurzel (Smilax China L), die orientalische Pocken- und Schweiss- wurzel, das Rhizom einer Stechwinde, die auch in Japan wild wächst, wurde aus Indien gebracht. Costus arabicus, Die Kostwurzel ist das Rhizom einer Scitaminee. Lakritz, Amber, Calum- Rein , Japan. II. 40 IV. Handel und Verkehr. bak, Calumbak, Columbac oder Columbak ist eine Corruption des Namens Colombo. Man gab ihn den Wurzelknollen des Cocculus palmatus, einer Pflanze der Ostküste Afrikas, weil man irrthümlich die Nachbarschaft von Colombo auf Ceylon für ihre Heimat hielt. Lignum colubrinum, Schlangenholz (Strychnos colubrina L.) ferner Gummilack, Sappanholz, Sal- peter, Borax, Alaun, Elfenbein, Einhörner (Stosszähne des Narwal, Monodon monoceros L.), Büffelhörner, Rochenhaut, Korallen, Schild- patt, Glas, Glasaugen, Feile, Nägel, Stabeisen, Blei, Zinn, Queck- silber. Die Seide kam aus China, Tongking, Siam, Bengalen und Persien; Sappanholz, Büffelhörner und Rochenhäute (Haihäute), Hirsch- und Büffelfelle brachte man aus Siam und Cambodscha, Pfeffer und Zucker aus Indien, Corduan aus Indien und Persien, die meisten Gewürze von Indien und den Molukken, den Baroskampfer von Sumatra. Neben dem Handel der Compagnie war dem Kapitän und der Schiffs- mannschaft ein kleiner Privathandel mit Saffran, Lakritzenwurzeln, Rottang, Glasaugen, Spiegeln, Uhren, Einhorn und einigen andern Artikeln gestattet; auch kamen durch die Schiffsmannschaft verschie- dene Raritäten in’s Land, wie lebende Papageien, abgerichtete Affen, Muscheln u. dergl. Als vornehmste Ausfuhrartikel bezeichnet Thunberg Kupfer und Kampfer, sodann in untergeordnetem Maasse Lackwaaren, Porzellan, seidene Tücher, Reis, Sake und Soya. Letztere wurde höher geschätzt, als die chinesische. Man brachte sie nach Batavia, Ostindien und Europa. Dagegen stand Porzellan (es sind hier vornehmlich die Tsubo, oder Deckelvasen gemeint) dem chinesischen nach Thunbergs Urteil an Schönheit weit nach, war dickwandig, plump und wenig schön bemalt. Die glänzenden fingerdicken Kupferstäbe wurden in Kisten von je einem Pikul oder 60 kg verpackt. Jedes Schiff führte 6— 7000 solcher Kisten aus. 4. Japan im Weltverkehr. Das Handelsmonopol der Holländer hatte seinen ehemaligen hohen Werth für die Beteiligten allmählich zum grössten Teile eingebüsst und sich ebenso überlebt, wie das auf Furcht gegründete Regierungs- system der Shôgune des Hauses Tokugawa. Es bedurfte nur eines 4. Japan im Weltverkehr. kräftigen Anstosses von aussen, um beide zu beseitigen und andere Zustände herbeizuführen. Diesen Anstoss brachte die nordamerikani- sche Expedition unter Commodore Perry im Jahre 1854. Es war der Sauerteig, welcher die gebildete Klasse des japanischen Volkes von einem Ende der langgestreckten Inselreihe bis zum andern in Gährung versetzte, eine Gährung, die endlich mit der Beseitigung des Shôgu- nats und der Wiederaufrichtung der Mikadoherrschaft im Jahre 1868 ihren Höhepunkt erreichte. Wie diese Restauration zu Stande kam und welche Kämpfe und Läuterungsprozesse sie noch zu bestehen hatte, bevor sie als feste Grundlage einer neuen Zeit für Handel und Wandel, wie für die ganze weitere Culturentwickelung des japanischen Landes und Volkes gelten konnte, wurde im ersten Bande dieses Wer- kes pg. 393—443 ausführlich erörtert. Es erübrigt nur noch die Ent- wickelung des Aussenhandels kurz darzulegen, welche auf dieser neuen Grundlage stattgefunden hat. Nach dem » Vertrage von Kanagawa «, welchen Commodore Perry am 31. März 1854 im Namen der nordamerikanischen Union mit der Regierung des Shôgun abgeschlossen hatte und der im darauf folgenden Frühjahr in Kraft trat, sollten vorerst die beiden Häfen Shimoda in Idzu und Hakodate auf Yezo dem Verkehr der nord- amerikanischen Schiffe geöffnet werden. Bald erwies sich jedoch Shimoda als ungeeignet und Hakodate vom Centrum des nationalen Lebens zu entfernt, um dem Hauptzweck des Vertrags dienen zu kön- nen, so dass Generalconsul Harris auf Revision des Vertrages drang, die er auch endlich durchsetzte. Den amerikanischen Pionieren folgten bald die Russen, Fran- zosen und Engländer, dann 1860 Preussen, Holländer und andere Nationen und erlangten gleich Rechte. Die Verträge, welche mit der Regierung des Shôgun in Yedo abgeschlossen wurden zur Zeit, als man von deren Verhältniss zum Mikado noch keine genügende Kenntniss hatte, wurden 1865 von letzterem bestätigt. Die wichtigsten Bestimmungen derselben sind folgende: 1) Diplomatische Agenten der betreffenden Regierungen erhalten das Recht, in Yedo zu wohnen, stehen unter dem Schutz des Shôgun und dürfen im Lande ungehindert reisen. Ebenso dürfen die Vertragsmächte in allen, dem Verkehr geöffne- ten Hafenstädten Consulate errichten. 3) Kanagawa (Yokohama), Nagasaki und Hakodate werden am 1. Juli 1859 dem fremden Verkehr geöffnet, Niigata 1860, Hiogo (Kobe) und Ôzaka 1863. 4) An jedem dieser Orte wird den Fremden ein bestimmtes Ter- 40* IV. Handel und Verkehr. rain eingeräumt, das sie nach Zahlung einer festgesetzten Taxe be- bauen können. 5) Dieselben bleiben unter der Jurisdiction ihrer eigenen Consu- latsbehörden. 6) Sie geniessen Religions- und Handelsfreiheit, letztere jedoch nur bei Zahlung der festgesetzten Zollabgabe von 5 % des Werthes der aus- und eingeführten Güter. 7) Bis zur Entfernung von 10 Ri im Umkreise der Niederlassung können sich die Fremden frei bewegen; dagegen bedürfen sie der spe- ciellen Erlaubniss, die übrigens zu wissenschaftlichen und Gesund- heits-Zwecken immer bereitwilligst erteilt wurde, wenn sie die Vertrags- grenze überschreiten wollen. Kanagawa , nach welchem die Verträge benannt wurden, und dessen Name noch immer in den englischen Consulatsberichten er- scheint, wurde bald mit dem benachbarten Yokohama vertauscht. Hier bot die leicht zugängige, geräumige und tiefe Bucht mit ihrem guten Ankergrunde ungleich günstigere Bedingungen für den Schiffs- verkehr, während die Nähe der Hauptstadt Tôkio und der wichtigsten Seiden- und Theedistrikte für den Handel Vorteile hat, wie sie keiner der übrigen Häfen besitzt. Unter diesen Umständen entwickelte sich das Fischerdorf Yokohama rasch zu einer grossen Stadt, die jetzt gegen 80000 Einw. zählt. Die fremde Colonie zur Seite, eine Stadt für sich, mit Gaseinrichtung und allem möglichen europäischen Comfort, um- fasste 1883 gegen 4000 Seelen, darunter 2681 Chinesen mit 180 Fir- men, 595 Engländer mit 55 Firmen, 253 Nordamerikaner mit 27 Fir- men, 160 Deutsche mit 22 und 109 Franzosen mit 15 Firmen. In jenem Jahre kamen 313 fremde Fahrzeuge mit 556024 Tonnen Gehalt an und gingen 319 Schiffe mit 560756 Tonnen. Zu den englischen, französischen und nordamerikanischen Postdampfern, welche von South- ampton, Marseille und San Francisco seit lange in regelmässigem Verkehr mit Yokohama stehen und zur Förderung des Handels ihrer Länder wesentlich beigetragen haben, gesellen sich seit diesem Sommer die deutschen Postdampfer des Bremer Lloyd. Hoffentlich bewährt sich auch bei ihnen der Ausspruch des bekannten Engländers Forster: »Der Handel folgt stets der Flagge«. Der Verkehr Yokohama’s ist stets, wenn auch nicht stetig, ge- stiegen. Er umfasste im Eingang: 4. Japan im Weltverkehr. Ausfuhr: Die hohe Ausfuhrsumme des Jahres 1865 bei geringem Tonnengehalt des Schiffsverkehrs erklärt sich durch die damals enorm gestiegenen Preise der Seide. Einfuhr: 1865 168 Fahrz. von 74088 Tonnen mit 17467728 Yen u. 5443594 Yen. 1875 330 » » 435613 » » 12466730 » » 21953909 » 1885 364 » » 495772 » » 23850398 » » 18630379 » Aus Tabelle I. ergibt sich, dass während der letzten 5 Jahre (1881—1885) der auswärtige Handel in den vier Vertragshäfen, welche dabei in Betracht kommen, nach Procenten sich folgendermaassen ver- theilte: Yokohama Kobe-Ôzaka Nagasaki Hakodate Ausfuhr : 69 % 20 % 9,3 % 1,7 % Einfuhr : 67,5 % 28,8 % 3,4 % 0,3 % Yokohama führt fast sämmtliche Seide aus, den grössten Theil des Thees, nächst Kobe das meiste Kupfer, einen ansehnlichen Theil der Producte des Fischfangs und das meiste der kunstgewerblichen Erzeugnisse. Kobe-Ôzaka. Kiôto war über 1050 Jahre das Herz Japans, von dem die Pulsschläge des nationalen Lebens ausgingen. Ôzaka bildete aber die grosse Vorkammer, wenigstens für die materielle Seite des- selben. An diesem Verhältniss änderte auch die Gründung eines zweiten Verkehrscentrums in Yedo durch die Tokugawa wenig. Durch seine cen- trale Lage, durch die Nähe von Kiôto und durch seine leichte Zugängig- keit zu Land und Wasser war Ôzaka zum Emporium des japanischen Binnenhandels besonders geeignet, ja es spielt diese Rolle zum Teil noch, zumal im Reishandel, obgleich es seit der Eröffnung des Landes, der Beseitigung des Feudalsystems und Verlegung der kaiserlichen Residenz nach Tôkio (Yedo) viel eingebüsst hat. In Ôzaka befanden sich die meisten Toiya ’s oder Grosshändler mit zum Theil sehr aus- gedehnten Geschäfts- und Lagerräumen. Hier hatte jeder Daimiô sein Kura-yashiki oder officielles Handelshaus, das ihn vertrat und seine Geschäfte besorgte. Dasselbe galt von den Industriellen in Kiôto. Daraus entwickelte sich neben dem Waarenverkehr auch ein lebhaftes Geldgeschäft. Ôzaka besass nicht blos die grössten und reichsten Reis-, Thee- und Seidenhändler, sondern auch die meisten Bankge- schäfte. Zum direkten Aussenhandel eignet es sich wegen der Seich- tigkeit seines Hafens fast eben so wenig wie Tôkio. Wie für dieses das mit einer Stunde Eisenbahnfahrt zu erreichende Yokohama mit seinem vortrefflichen Hafen eintritt, so hat für Kiôto und Ôzaka das IV. Handel und Verkehr. in gleicher Weise zu Wasser und mittelst Eisenbahn auch zu Lande zu erreichende Kobe (Hiogo) dessen Geschäfte im Welthandel gröss- tentheils übernommen. Der Umsatz von Ôzaka im direkten Verkehr mit dem Auslande beträgt etwa den siebenten Teil desjenigen von Kobe und findet meist in einheimischen und chinesischen Dschunken statt. Kobe ist die fremde Niederlassung, eine neue Stadt neben Hiogo in prächtiger Lage am Binnenmeer. Sein Hafen ist gleich dem von Yokohama ge- räumig und allen Schiffen zugängig. In den Consulatsberichten wird statt seiner immer noch das ältere, anliegende Hiogo genannt, nicht so in den Jahresberichten des japanischen Zollamts. Der Handel von Kobe steht zwar an Bedeutung dem von Yoko- hama weit nach, übertrifft aber den von Nagasaki um mehr als das Dreifache und wird voraussichtlich durch die neuen Eisenbahnverbin- dungen über Kiôto mit dem Innern sich noch ansehnlich heben. Kobe besorgt den grössten Teil der Ausfuhr an Kupfer, Sumachtalg und Kampher, sowie von Reis; in der Verschiffung des Thees steht es Yokohama nach. Zu seinen hervorragenden Einfuhren gehören Gold- und Silberbarren für die Münze in Ôzaka, ausserdem aber Baumwoll- und Wollwaaren, Zucker und Petroleum. Die Zollausweise über den Handelsverkehr von Kobe-Ôzaka ergeben für jedes der letzten neun Jahre eine ansehnliche Unterbilanz der Ausfuhr gegenüber der Ein- fuhr, indem diese dem Werthe nach jene stets weit übertraf. Diesem Verhältniss entsprechend, fielen während der letzten fünf Jahre von dem gesammten auswärtigen Verkehr Japans auf die Einfuhr nach Kobe-Ôzaka 28,8 %, auf die Ausfuhr dagegen nur 20 %. Die fremde Bevölkerung von Kobe setzte sich im Jahre 1883 aus 610 Chinesen, 232 britischen Unterthanen, 48 Deutschen, 33 Nord- amerikanern, 17 Portugiesen, 14 Franzosen, 12 Holländern, 6 Skandi- naviern, 5 Dänen und je einem Schweizer und Oesterreicher zusam- men. Handelsfirmen gab es 84, nämlich 33 chinesische, 30 britische, 14 deutsche, 9 amerikanische und 1 portugiesische. Nagasaki . Hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr dieses Hafens zeigt sich ein umgekehrtes Verhältniss, wie bei Kobe, indem ihm volkreiche Städte im Hintergrunde als Abnehmer fehlen, während die Ausfuhr sich durch verschiedene günstige Umstände beträchtlich ge- hoben hat. Günstig wirkte in dieser Beziehung die grössere Nähe des asiatischen Festlandes und der regelmässige Dampfschiffverkehr mit Shanghai, Fusan und Wönsan (Gensan) in Korea und Wladi- wostok , ferner die zunehmenden Förderungen der benachbarten Steinkohlengruben, insbesondere derjenigen von Takasaki . Stein- 4. Japan im Weltverkehr. kohlen, getrocknete Seethiere, Reis, Kampher, Thee, Sumachtalg bilden die wichtigsten Ausfuhrartikel, während Tabak jetzt in viel be- trächtlicheren Mengen über Yokohama und Kobe verschifft wird. Wie in den andern Vertragshäfen zieht sich auch in Nagasaki das saubere und geräumige europäische Viertel am Hafen hin, wäh- rend die Chinesen im Hintergrunde wohnen. Dasselbe umfasste 1863 im Ganzen 892 Ausländer, und zwar 642 Chinesen, 95 britische Unter- thanen, 42 Nordamerikaner, 34 Franzosen, 19 Oesterreicher, 17 Deutsche, und 41 Personen anderer Nationalitäten. Ferner gab es daselbst 19 chinesische, 7 britische, 4 deutsche, 3 amerikanische, 2 französi- sche Handelsfirmen und 1 österreichische, aber keine holländische. Hakodate . Der auswärtige Handel dieses bekannten Hafens der Insel Yezo hat keine bedeutenden Dimensionen angenommen. Ins- besondere ist die direkte Einfuhr fremder Waaren gering, wie aus Tabelle I hervorgeht. Die daselbst dem Werthe nach angegebene Aus- fuhr umfasst vornehmlich Algen und verschiedene Seethiere, sodann Holz, Schwefel, Hirschfelle und -geweihe. Hiervon gehen die Meeres- produkte grösstenteils nach China, ebenso das Holz, die andern nach Nordamerika und England. Zur Vermittelung dieses Aussenhandels hatte Hakodate im Jahre 1883 zwei englische Firmen und eine dänische. Unter seinen 73 Ausländern befanden sich 39 Chinesen, 15 Engländer, je 8 Nordamerikaner und Franzosen, 2 Dänen und 1 Deutscher. Von viel grösserer Bedeutung erscheint der Verkehr von Hakodate und mehreren kleineren Hafenorten der Insel Yezo mit Hondo und an- dern japanischen Inseln. Nach dem englischen Consulatsbericht vom Jahre 1883 führten die beiden Regierungsbezirke Hakodate und Sapporo (von Nemure , dem dritten, fehlten die Angaben) im Jahre 1882 Produkte im Werthe von 5072635 Yen aus, und andere im Werthe von 7918936 Yen ein. Unter der Ausfuhr finden wir neben Algen und niedrigen Seethieren, für 1735853 Yen Fische, insbesondere Lachse und Häringe, sowie für 2588483 Yen Fischguano, d. h. mehr als die Hälfte der gesammten Ausfuhr von Yezo. Die hervorragendsten Ein- fuhrartikel sind Reis, Sake und Baumwollstoffe. Niigata , die Hauptstadt der Provinz Echigo am linken Ufer des Shinano-gawa kurz vor dessen Mündung in’s Japanische Meer, wurde bereits pg. 581 im ersten Bande dieses Werkes als ein Vertragshafen geschildert, der die Erwartungen der Fremden in keiner Weise erfüllt hat. Die Barre vor der Flussmündung hat zur Ebbezeit nur 2 Meter Wasser über sich; überdies bildet die Küste eine offene Reede ohne Schutz gegen die heftigen nördlichen Winde zur Zeit des langen Win- ters, in welcher desshalb die Schifffahrt grösstenteils ruht. Die Haupt- IV. Handel und Verkehr. ausfuhrartikel sind Reis und Thee, die direkte Einfuhr ist kaum nennenswerth, da die wenigen fremden Kaufleute gleich den einhei- mischen ihren Bedarf durch Geschäftsfreunde in Yokohama decken. Aus diesen Gründen wird der Hafen Niigata in neuerer Zeit in Han- delsberichten aus Japan nicht mehr erwähnt. So fehlt er denn auch der Handelsstatistik, welche als Anhang zu diesem Kapitel beige- geben ist. Zahlen beweisen. Ich entnahm sie teils den Veröffentlichungen der japanischen Zollbehörde, teils den englischen Consulatsberichten und stellte sie so in den verschiedenen Tabellen zusammen, dass da- durch ein übersichtliches Bild über den gesammten Aussenhandel Japans gewonnen werden kann. Diese Statistik, deren Werthangaben in der üblichen Landesmünze Yen gemacht wurden, enthält: I. Werth der Aus- und Einfuhr Japans von 1868—1885 nach den einzelnen Vertragshäfen. II. Den auswärtigen Handel Japans während der letzten fünf Jahre, geordnet nach Ländern. III. Uebersicht der wichtigsten Ausfuhrartikel seit 1868 nach Grup- pen und Werth. IV. Hauptausfuhrartikel mit ihren Werthen während der Jahre 1881 bis 1885. V. Uebersicht der Ausfuhr im Jahre 1885 nach Artikeln, Ländern und Werth. VI. Vergleichstabelle der Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber in Münzen und Barren. VII. Uebersicht der hervorragendsten Einfuhrartikel seit 1868 und ihres Werthes. VIII. Einfuhr hervorragender Artikel im Jahre 1885 nach Ländern und Werth. Die Handelsausweise während der Uebergangszeit vom Abschluss der ersten Verträge bis zum Jahre 1868 sind lückenhaft und hier weg- gelassen; auch gelten diejenigen der fünf ersten Jahre Meiji (1868 bis 1872) für ungenau, womit freilich nicht gesagt sein soll, dass die spä- teren Zollregister überall stimmen. Im allgemeinen zeigt sich eine bedeutende Zunahme der Aus- und Einfuhr, doch ohne Stetigkeit, die auch nicht zu erwarten war, indem hier dieselben allgemeinen Ur- sachen grosse Schwankungen des Verkehrs bewirkten, wie anderwärts. Grosse Einkäufe, auf welchen Anlass sie immerhin zurückzuführen sein mögen, rufen stets ein unnatürliches Anschwellen der Einfuhr- ziffern hervor, welchem meist bald ein Rückschlag folgt, ebenso wie aussergewöhnliche Preissteigerungen einer Waare in der Regel rasch 4. Japan im Weltverkehr. vorübergehende Erscheinungen sind. Krieg und Vorbereitungen darauf erhöhen die Preise des Kriegsmaterials und der Lebensmittel; reiche Ernten, welche die Ausfuhr beträchtlich vermehren, erhöhen die Ein- gangsziffern für Kleidungsstoffe, sowie andere Bedürfnisse und Be- quemlichkeiten des Lebens. Alle diese Erscheinungen weist auch die Handelsstatistik Japans auf. Da indess die Consulatsberichte dieselben genügend erörtern, ziehe ich vor, verschiedene andere Punkte etwas mehr hervorzuheben. Unter den Ausfuhrartikeln stand Rohseide nebst ihren Nebenprodukten von der Eröffnung des Landes an allen andern an Werth weit voran und wird diese hervorragende Stellung aller Voraussetzung nach auch in Zukunft behalten. Als ihre Ausfuhr im Jahre 1859 anfing und während der 10 Jahre, welche folgten, hatte die Seidenraupenkrankheit in Europa ihre grössten Verheerungen auf- zuweisen, sodass damit die Nachfrage nach ostasiatischer Seide und deren Preise enorm stiegen. Eine weitere Preissteigerung bewirkte die grosse Vertheuerung der Baumwolle während des nordamerikani- schen Bürgerkriegs, sodass infolge beider Ursachen Rohseide im Jahre 1865 mehr als das Doppelte ihres Preises vom Jahre 1863 erreichte und die Seidenausfuhr aus Yokohama trotz einer kleinen Vermin- derung der Menge sich auf 17467728 Yen belief, während sie 1863 nur den Werth von 8997484 Yen erreichte. Ansehnliche, vorüber- gehende Steigerungen der Seidenpreise sind seitdem noch mehrmals vorgekommen, so im Frühjahr 1876 und ebenso 1879, wiewohl keine der früheren gleichkam. Die Rohseide wird in Ballen zu 80 Catties oder 4/5 Pikul oder etwa 100 engl. Pfund versandt. Die grösste Menge, nämlich 56432 Pikul, wurde 1883 ausgeführt, wobei allerdings die Ab- fälle mitgerechnet sind. Im Jahre 1882 erreichte die Ausfuhr sämmtlicher Produkte der Seidenzucht die grösste Höhe mit 19146223 Yen. Der höchste Preis für die beste Mayebashi-Seide wurde 1868/69 bezahlt, wo das Pikul auf 900—1070 Yen stieg. Seitdem sind die Preise sehr gesunken; dennoch hat die steigende Produktion es ermöglicht, nicht blos diesen Preisrückgang, sondern auch den Wegfall der Einnahmen für Seidenraupeneier zu decken. Mit 45,71 % der Gesammtausfuhr erscheinen in den letzten fünf Jahren die Produkte der Seidenzucht gegenüber 46,46 % in der Zeit von 1871—1875, obwohl damals auf Seidenraupeneier 9,03 % fielen. Diese Ausfuhr, welche im Jahre 1868. eine Höhe von 3,7 Mill. Yen erreichte, ist jetzt dem Erlöschen nahe. Ueber Thee , den zweiten Exportartikel, der seinen höchsten Be- trag im Jahre 1874 erreichte, folgen noch einige Betrachtungen am Schluss. Die auf Tabelle III A gegebene Ausfuhr der Steinkohle IV. Handel und Verkehr. umfasst auch die Verproviantierung fremder Schiffe. Die Reisaus- fuhr ist naturgemäss grossen Schwankungen unterworfen. Eine an- sehnliche Zunahme weist der Export kunstgewerblicher Erzeug- nisse auf. Unter diese Rubrik wurden nicht alle, sondern nur Lack- waaren, Thonwaaren, Wandschirme, Fächer, Bambusrohrwaaren, Bronze und Email zusammengefasst. Von besonderem Interesse ist die Ausfuhr der Pilze und Meeres- produkte , 7,82 % des Gesammtexportes von Gegenständen, die fast insgesammt nach China gehen und nirgends sonst einen so ansehn- lichen Factor im Gesammthandel bilden. Ueberdies nimmt dieser Export fortwährend grössere Dimensionen an. Zur Ergänzung des pg. 91—96 und pg. 128 und 631 Erwähnten diene hier noch Folgendes. Unter Kai-san-rui , d. h. Meeresprodukten, fasst das japanische Zollregister Algen und Seethiere zusammen. Die Ausfuhr von Kántén — nach Tabelle IV durchschnittlich gegen 300000 Yen im Jahre — findet vornehmlich von Kobe und Ôzaka aus statt, diejenige getrock- neter Algen grösstenteils von Hakodate . Die kalten Gewässer der Küste von Yezo sind die Wohnstätten der von den Chinesen so viel begehrten Tange, unter denen Konbu (sprich Kombu ), der Zucker- Blatttang (Laminaria saccharina) obenan steht. In zwei Formen, als Ha-kombu in ganzen Blättern und als Kisami-kombu oder ge- schnittener Kombu, wird er verschifft. Die durchschnittliche Ausfuhr von Hakodate nach China während der letzten fünf Jahre betrug 375401 Yen Ha-kombu und 26195 Yen Kisami-kombu, zusammen 401596 Yen. Ausserdem gelangten ansehnliche Mengen dieses Artikels mittelbar von Yezo über Yokohama, Kobe und Ôzaka zu den Chinesen. Die Durchschnittsausfuhr Japans an Algen (Kántén nicht mitgerechnet) hatte in neuerer Zeit den Werth von 546396 Yen erreicht. Eine besondere Beachtung verdienen namentlich die verschiedenen Seethiere, welche werthvolle Ausfuhrartikel nach China bilden. Die eng- lischen Consulatsberichte fassen dieselben häufig unter dem Titel »Dried fish« zusammen. Folgen wir ihrer Zusammenstellung im japanischen Zollregister, wo sie meist mit dem Vorsatz Hoshi , »getrocknete«, be- zeichnet werden, so kommt zunächst: a) Iriko , Trepang, Die unter dem chinesischen Namen Trepang bekannten essbaren Holothu- rien werden bekanntlich auch an den Gestaden des Malayischen Archipels, sowie vieler Südseeinseln gesammelt, wo sie scheinbar regungslos auf sandigem Boden liegen. Ausser Wasser sterben sie sofort und zerfliessen zu einer schleimigen Masse. Sie müssen desshalb alsbald aufgeschnitten, vom Verdauungscanal be- freit, in kochendes Wasser getaucht und dann an der Luft getrocknet werden. Seegurke, Bêche de Mer (Holothuria edulis). 4. Japan im Weltverkehr. Englische Consulatsberichte führen diesen Artikel entweder unter sei- nem japanischen oder französischen Namen auf. Iriko kommt an allen japanischen Küsten vor. Der Werth der Jahresausfuhr während der letzten fünf Jahre betrug durchschnittlich 216973 Yen. b) Surume (Onychoteuthis Banksii). Unter dem Namen Tinten- fische , jap. Ika , und Cuttlefish , jap. Tako (Octopus), werden in den Handelsregistern alle Cephalopoden zusammengefasst, welche in Japan und China zur Nahrung dienen. Obenan steht in Japan Su- rume ; auch Ika-surume (Ommastrephes), Tako, Shi-dako (Ele- done) und Tachi-ika (Loligo und Loligopsis) werden viel benutzt. Die meisten dieser Thiere ziehen in Schaaren einher, kommen und gehen oft in pfeilschnellen Bewegungen und treten an einzelnen Küsten in manchen Jahren häufig, in anderen nur in geringen Mengen auf, ähn- lich wie andere wandernde Seethiere ihre Züge ändern. Der Durch- schnittswerth des Exportes an solchen Kopffüsslern von allen japanischen Häfen während 1881—1885 war 705110 Yen. Ausserdem wird eine Menge im Lande selbst verzehrt. c) Hoshi-Awabi , getrocknete Seeohren (Haliotis gigantea und H. japonica). Der jährliche Ausfuhrwerth dieser wichtigsten von allen japanischen Muschelthieren beläuft sich auf 378000 Yen. Hierzu kom- men noch die Perlmutter liefernden Schalen im Werthe von 18—20000 Yen. Weitaus der grösste Teil von Hoshi-Awabi wird von Yokohama aus verschifft. Alle übrigen Muschelthiere, welche zur Ausfuhr kom- men, werden wohl als Hoshi-gai-rui , getrocknete Muscheln, zu- sammengefasst. Hierher gehören Hamaguri (Cytherea meretrix Lin., C. lusoria Chann.), Kaibashi-rei (Arca-Arten?), Aka-gai (Scaph- arca inflata Reeve), Asari (Tapes Philippinarum Adams et Reeve) und viele andere. d) Hoshi-ebi , getrocknete Krebse. Die englischen Consulats- berichte führen diesen Artikel unter dem Namen Shrimps (jap. Shiba- ebi , Garnelen) an; doch gehören vielerlei Arten hierher. Die jähr- liche Ausfuhrmenge (siehe Tabelle IV) ist ansehnlich. e) Fukano-hire , Haifischflossen (Sharks’ fins), eine bekannte Delicatesse der Chinesen. Der Mittelwerth der Jahresausfuhr von 1881—1885 betrug 57107 Yen. f) Shiwo-shake , gesalzener Lachs, vornehmlich von Yezo, wo der Shake (Oncorhynchus Haberi Hlgd.) und der Masu (O. Perryi Brevoort) namentlich im unteren Ishikari in Menge vorkommen. g) Shiwo-tara , gesalzener Schellfisch (Gadus Brandtii Hilgdf.) von Yezo. Die massenhaft vorkommenden Arten der Häringsfamilie liefern IV. Handel und Verkehr. das Fischöl, Giôto oder Uwo-no-abura , von welchem jährlich für etwa 146000 Yen in’s Ausland gehen, und den hochgeschätzten Fisch- guano, jap. Kowashi . — Der Aussenhandel Japans ist grösstenteils in fremden Händen. Von dem Gesammtumsatz desselben im Betrage von rund 64½ Mill. Yen kamen im Jahre 1885 auf japanische Häuser nur 5,74 Mill. Yen, also etwa 1/11, und dieser geringe Bruchteil bezieht sich fast ausschliesslich auf den Verkehr mit China und Korea. Im Dampfschiffverkehr mit Japan, wie im Schiffsverkehr über- haupt, steht England allen anderen Ländern weit voran. Es folgen Frankreich, Deutschland, die Vereinigten Staaten. Wie aus Tabelle II ersichtlich, gehen bezüglich der Ausfuhr die Vereinigten Staaten, Frankreich und China als Abnehmer der Hauptar- tikel dem britischen Reich voran. Deutschland kommt erst in sechster Reihe, hat aber bezüglich der Einfuhr Frankreich neuerdings über- flügelt und die fünfte Stelle erreicht. Tabelle V bietet einen Ueber- blick über die Verteilung der wichtigsten Ausfuhrartikel nach Ländern. Der Werth des vornehmsten Abnehmers eines jeden Artikels ist cursiv gedruckt worden. Gleiches geschah mit der Einfuhr , welche Ta- belle VIII darstellt. Der Löwenanteil fällt hier auf England. Ver- eint mit Indien (Bombay) liefert es vor allen Dingen die grosse Menge baumwollener Garne, welche in Japan verwoben werden, so wie für sich die baumwollenen Gewebe. Ebenso steht es in der Menge wol- lener Tücher und Decken, sowie in Bezug auf das halbwollene Ita- lienische Tuch allen anderen Ländern weit voran. Sein Concurrent in Wollstoffen, Deutschland, liefert am meisten Flanell und halbseidene Stoffe. Einer der beliebtesten Wollartikel, für Frauen-Unterröcke, ist cochenillerother Musselin. Frankreich liefert von Rouen aus die Haupt- masse; ihm folgt als beachtenswerther Concurrent Deutschland. Die Metalleinfuhr geht grösstenteils von England aus; den Zucker liefert China von Kanton, Swatau, Amoy und von Formosa, das Petroleum kommt von Nordamerika. Nach ungenügenden Ernten liefern Indien mit Siam den grössten Teil des Bedarfs an Reis; ebenso findet von ihnen, zumal von Singapore aus, die Haupteinfuhr von Schildpatt statt. Dass Nordamerika am meisten Leder, Frankreich den meisten Wein, Belgien den Hauptbedarf an Glas und Glaswaaren, die Schweiz den grössten Teil der Taschenuhren, Italien die Korallen liefert, ist auf Tabelle VIII ebenfalls zu ersehen. In Droguen und Farbstoffen liefert England mehr als China und Deutschland, trotzdem letzteres für 93000 Yen Anilinfarben nach Japan absetzt. Spanien ist erster Lie- ferant von Quecksilber und Safran, Australien sendet die Wolle, welche 4. Japan im Weltverkehr. in der ersten Tuchfabrik Japans seit Oktober 1879 verarbeitet wird. Dieselbe befindet sich zu Senji in der Nähe von Tôkio. Sie wurde von der Hartmann’schen Maschinenfabrik in Chemnitz im Auftrage der Regierung eingerichtet und steht unter deutscher Leitung. Als Japan dem fremden Verkehr eröffnet wurde, versprach man sich in den christlichen Industrie- und Handelsstaaten von diesem neuen Absatzgebiete vielfach goldene Berge. Man hoffte, das Be- streben der Japaner, sich abendländische Bildungs-, Verkehrs- und Schutzmittel anzueignen, werde sich auch bald auf ihre Lebensweise, Hauseinrichtung und Kleidung erstrecken, und unternahm darauf hin die gewagtesten Speculationen, ohne zu berücksichtigen, dass die grosse Menge weder Neigung noch Mittel besass, ihre alten Gewohn- heiten zu verlassen. Neben hochachtbaren Häusern etablierten sich in den Vertragshäfen auch manche Leute ohne Mittel und Erfahrung, oder mit einem weiten Gewissen. Als Agenten nahmen, erhielten und lagerten sie die verschiedensten europäischen und nordamerikanischen Fabrikate in Consignation, bei sehr geringer Aussicht auf baldigen Ver- kauf. Hierdurch wuchsen die Lagerspesen enorm, der Fabrikant drang auf Verkauf und so wurden die Waaren in häufigen öffentlichen Auc- tionen zu Preisen losgeschlagen, die oft kaum die Kosten deckten. Infolge dieser ungesunden Verhältnisse konnte man manche Gegen- stände, wie Regenschirme, Hüte, Flanelle, beim japanischen Krämer billiger kaufen, als im Produktionslande. Dazu kam, dass vielfach auch die schlechtesten Waaren auf diesem Wege ins Land kamen, wie z. B. erbärmliches Schuhwerk, das nach mehrmaligem Tragen schon auseinander ging. Diese und verschiedene andere Erscheinungen standen einer gesunden Entwickelung des Einfuhrhandels lange im Wege. Für den Export gab es wieder mancherlei andere Störungen. In seinem Aussenhandel erscheint Japan wie eine junge Colonie in raschem Wechsel ihrer wirtschaftlichen Zustände. Es hat in den drei Jahrzehnten seiner freieren Entwickelung manche aussergewöhn- lichen Schwierigkeiten in überraschender Weise überwunden und eine Lebensfähigkeit entwickelt, die in Erstaunen setzt. Verschiedene Er- scheinungen liessen mehrmals den politischen und wirtschaftlichen Bankerott befürchten. Statt seiner sind mehr und mehr Gesundung und Kräftigung des Staatskörpers eingetreten und die Aussichten auf eine gedeihliche Fortentwickelung des intellectuellen und materiellen Lebens sind grösser, denn je zuvor. Die finanziellen Schwierigkeiten häuften sich zur Zeit des Aufstandes von Satsuma (1877), als die Staatskassen leer waren und die vieljährigen negativen Handelsab- schlüsse den Abfluss des früher vorhandenen Baargeldes bis zur Neige IV. Handel und Verkehr. herbeigeführt hatten. Damals musste die Regierung sich mit der Aus- gabe von grossen Mengen Papiergeld oder Kinsatsu helfen, das in der Folge mit seinen unberechenbaren Cursschwankungen zur allge- meinen Handelsplage wurde. Baargeld war so selten geworden, dass z. B. der englische Consul Enslie zu Niigata in seinem Berichte vom Oktober 1878 die Meinung aussprach, es seien in dem grossen Niigata- ken mit einer Bevölkerung von 1½ Millionen keine 25 Gold- und Silber-Yen in Umlauf. The only currency used here is paper money, Gold and Silver are never met with now a-days, and I think I may safely say that there are not twenty- five gold and silver yen in circulation throughout the whole ken. Früher stand Kinsatsu pari, ja wurde im Binnenverkehr dem Baar- geld sogar vorgezogen; jetzt sank sein Werth so, dass man es mit dem steten Wechsel eines ansehnlichen Agios zu thun hatte, welches zeit- weise 180 % betrug. Erst in den letzten Jahren ist es der Regierung gelungen, ihren Credit wieder zu heben und dieser grossen Belästigung des Verkehrs ein Ende zu machen. Das erfolgreichste der angewandten Mittel lag nahe und bestand in der Beseitigung der negativen Han- delsbilanzen. Die Regierung hatte dies so weit in der Hand, als sie ihre Bedürfnisse beschränkte und damit ein ansehnlicher Teil der Ein- fuhr zur Deckung derselben in Wegfall kam. Es zeigte ein Verkennen der Verhältnisse, wenn man in Berichten aus Japan das Bestreben der Regierung, die Unterbilanzen der Aus- fuhr gegenüber der Einfuhr zu meiden, verurteilte und dabei auf Eng- land und andere europäische Länder hinwies. Freilich sind in Eng- land Unterbilanzen die Regel, ohne Störungen und Beunruhigungen hervorzurufen. Hier liegen aber zur Deckung derselben grossartige Kapitalanlagen im Auslande mit ihren Erträgen vor, die sich der Han- delsstatistik entziehen. Bei einem Lande wie Japan dagegen, wo dies nicht der Fall ist, giebt das Werthverhältniss der Einfuhr zur Ausfuhr den besten Maassstab für das volkswirthschaftliche Gedeihen ab. Nega- tive Bilanzen müssen hier durch die Ausfuhr des vorhandenen Baar- geldes oder durch Anleihen gedeckt werden und, wenn sie fortdauern, als Zeichen der Verarmung und abnehmenden Kauffähigkeit betrachtet werden. Auf Tafel I D sind die Unterbilanzen mit —, die positiven Jahres- abschlüsse mit + angegeben. Es geht aus dieser Zusammenstellung hervor, dass in den 18 Jahren Meiji (Friede) — so heisst die in so vieler Beziehung ausgezeichnete Regierungszeit des Tennô Mutsu Hito — die Summe der negativen Bilanzen 87719877 Yen betrug, die der 4. Japan im Weltverkehr. positiven dagegen nur 36370757 Yen. Von letzterer kommen 27763507 Yen auf die vier letzten Jahre. Mit diesen günstigen Handelsab- schlüssen seit 1882 correspondiert die Bilanz zwischen Ein- und Aus- fuhr der Edelmetalle, wie sie auf Tafel VI gegeben ist, indem sich hier zeigt, dass in derselben Zeit von 1882—1885 eine Mehreinfuhr im Werthe von 7822545 Yen der Ausfuhr gegenüber stand. Sie be- stand vorwiegend in der Einfuhr von Silber-Dollars und diente zum teilweisen Begleich des Mehrbetrags der Waarenausfuhr gegenüber der Einfuhr. Der Aussenhandel Japans war unter dem Shôgunat der Tokugawa mehr und mehr erschwert und beschränkt worden, sodass die Hülfs- quellen des Landes zu keiner allseitigen und kräftigen Entwickelung gelangen konnten. Seit der Restauration der Mikadoherrschaft ist das Land in überraschender Weise produktions- und somit auch consum- fähiger geworden, obwohl der Bergbau auf Gold und Silber — ehe- mals die hervorragendste Quelle für den Ausfuhrhandel — nur noch geringe Erträge liefert. In der fünfjährigen Periode von 1871—1875 (siehe Tabelle III B) betrug der durchschnittliche Werth der Jahresaus- fuhr 18577056 Yen; zehn Jahre später, in der gleichen Intervalle von 1881—1885 war derselbe auf 34454812 Yen im Mittel gestiegen, hatte sich also nahezu verdoppelt. Länder, deren Ausfuhr vornehmlich auf ein Erzeugniss gegründet ist, kommen in eine üble Lage, wenn dieses versagt oder im Werthe sinkt, wie in neuerer Zeit Nevada mit seinem Bergbau, die Cana- rischen Inseln mit ihrer Cochenillezucht und viele tropische Colonieen mit ihrem Hauptprodukt, dem Rohzucker, genugsam beweisen. In Japan lieferten die Erzeugnisse der Seidenzucht und des Theebaues in der Periode 1871—1875 dem Werthe nach nicht weniger als 77,90 %, also über drei Viertel der gesammten Ausfuhr, in der Periode 1881 bis 1885 aber trotz absoluter Zunahme nur 64,66 %. Diese Abnahme des Anteils an der fast doppelt so grossen Gesammtausfuhr fällt auf den Thee. Der japanische Thee hat aber nur ein Absatzgebiet, so- dass er bei einer Aenderung des nordamerikanischen Geschmacks ganz in Wegfall käme. Es ist daher die Abnahme des auf ihn fallenden Anteils an von 31,44 % auf 18,95 % der Gesammtausfuhr und die ent- sprechende Zunahme der Ausfuhr anderer Artikel ebenfalls als gün- stiges Zeichen der ferneren Ausfuhrfähigkeit aufzufassen. Eine weitere Vermehrung und Stärkung derselben darf von der besseren Verwerthung des Oedlandes und der Wälder durch geeignete Bewirthschaftung und die Erleichterung des Binnenverkehrs, sowie von der Fortentwickelung des Kunstgewerbes und anderer Industriezweige IV. Handel und Verkehr. 4. Japan im Weltverkehr. durch sorgsame Pflege erwartet werden. Manche Hindernisse sind da noch zu beseitigen; aber eine Regierung, welche mit dem Volke ziel- bewusst zusammen arbeitet und viel grössere Schwierigkeiten mit Ge- schick zu überwinden wusste, wird auch hierin ihr Ziel erreichen. Die Hoffnung auf einen weiteren Umschwung des japanischen Aussenhandels durch Eröffnung neuer Häfen und Beseitigung der noch bestehenden Verkehrsschranken, wie sie oft aus kaufmännischen Krei- sen während der letzten Jahrzehnte geäussert wurde, teile ich da- gegen in keiner Weise. Das Land besitzt keinen unbekannten Hinter- grund mit verborgenen Schätzen, zu deren Hebung nur der Zutritt des fremden Kaufmanns nöthig wäre, keine Bevölkerung, die nur wegen der Entfernung von den Vertragshäfen die fremden Einfuhrartikel nicht kauft; denn diese gelangen durch Vermittelung japanischer Dampf- schiffe und Kaufleute leicht und billig nach allen Hafenorten und von hier auch in das Innere, soweit man nach ihnen verlangt. Wie schon im ersten Bande dieses Werkes angedeutet wurde, ist die Frage der völligen Eröffnung Japans zwischen den Vertretern der fremden Mächte und der Regierung des Mikado schon oft erwogen worden. Politische und materielle Bedenken triftiger Art, welche sich an die Consulargerichtsbarkeit knüpfen, standen bisher im Wege. Die japanische Regierung fordert in erster Linie Beseitigung dieses Zu- standes und Unterwerfung der Fremden unter die Landesgesetze. So- wohl die Klugheit, als auch die Würde und Selbstachtung nöthigen sie zum Beharren auf diesem Standpunkte, und es ist kaum zu be- zweifeln, dass derselbe bei der bevorstehenden Revision der Verträge allseitige Billigung und Anerkennung finden wird. Statistische Tabellen. Rein , Japan II. 41 Statistische Tabellen. I. Werth der Aus- und Einfuhr Japans von II. Der auswärtige Handel Japans Statistisehe Tabellen. 1868—1885 nach den einzelnen Vertragshäfen. während der letzten fünf Jahre. 41* Statistische Tabellen. III A. Uebersicht der wichtigsten Ausfuhr- III B. a. Summen, b. Durchschnittswerthe und c. Procentanteile Perioden 1871—75 und 1881—85, Statistische Tabellen. artikel seit 1868 nach Gruppen und Werth. der Ausfuhr obiger Artikel am Gesammtexport der fünfjährigen berechnet aus obigen Angaben. Statistische Tabellen. IV. Hauptausfuhrartikel und ihre Werthe während der Jahre 1881—85. Statistische Tabellen. V. Uebersicht der Ausfuhr im Jahre 1885 nach Gegenständen, Ländern und Werth in Yen. Statistische Tabellen. VI. Vergleichstabelle der Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber in Münzen und Barren. VII. Uebersicht der hervorragendsten Einfuhrartikel seit 1868 und ihres Werthes in Yen. Statistische Tabellen. VIII. Einfuhr hervorragender Artikel nach Ländern und Yen während des Jahres 1885. Deutsches und lateinisches Register. A bdreharbeit 511 . Abendessen 54 . Abfallpapier 469 . 473 . Abies Alcockiana 280 . — bicolor 280 . — firma 255 . 279 . — Jesoënsis 280 . — Menziesii 280 . — polita 280 . — Tsuga 255 . 281 . — Veitchii 280 . Abietineen 279 — 284 . Abschleifmittel 590 . Abtritt 31 . Acanthopanax ricinifolia 295 . Acclimatisation 327 . Acer crataegifolium 341 . — japonicum 300 . — palmatum 299 . — polymorphum 52 . 325 . Acerineen 299 . Achat 372 . 506 . 508 . Ackerland 231 . Aconitum Fischeri 160 . Actinidia 306 . — arguta 108 . 307 . — polygama 108 . 307 . 397 . — volubilis 259 . 307 . Actinodaphne lancifolia 292 . Adlerfarn 80 . 90 . Adlerholz 616 . Aerugo nobilis 527 . Aesculus turbinata 211 . 260 . 300 . 341 . Aetzkalk 35 . Affe 218 . Agalmatolith 508 . Agalochum 623 . Agar-Agar 96 . 128 . Agaricus 91 . 92 . Ahorn 299 . Ailanthus glandulifera 303 . — glandulosa 188 . Akebia lobata 107 . — quinata 107 . Alaria esculenta 95 . Alaun 370 . Albizzia Julibrissin 298 . Aleurites cordata 183 . 290 . Algen 91 . 93 — 96 . Algengallerte 96 . 128 . Algenkleister 96 . Algenleim 216 . Alimenta composita 111 . Alleebäume 326 . Allium ascalonicum 90 . — porrum 90 . — sativum 86 . 90 . Almandin 507 . Alnus firma 201 . 397 . — incana 201 . 397 . — japonica 285 . — maritima 201 . 285 . Alocasia macrorrhiza 79 . Aloeholz 623 . Aloëxylon Agalochum 623 . Amaksa-Stein 370 . 564 . 565 . 578 . Amboss 510 . Amethyst 507 . Amygdalus persica 101 . 316 . Anacardiaceen 299 . Analysen von: Ame 123 . Bronze 537 . 538 . Hül- senfrüchten 73 . Lack 411 . Mirin 120 . Miso 125 . Oelsamen 185 . 191 . Roh- materialien der Porzel- lan-Industrie 578 — 581 . Sake 120 . Shôchû 120 . Shôyu 123 . Steinkohlen 366 . 367 . Thee 153 . Angelica anomala 159 . — refracta 159 . Anis 85 . Annuali 227 . Antherea Yama-maï 243 . 244 . 248 . Anthistiria arguens 324 . Antimon 594 . Antimonit 362 . Apfel, Apfelbaum 99 . Apfelsine 105 . Aphananthe aspera 289 . 473 . Aphis chinensis 213 . Apios Fortunei 75 . Apium graveolens 85 . Arabesken 378 . 439 . Araceen 78 . Deutsches und lateinisches Register. Arachis hypogaea 65 . 180 . Aralia cordata 85 . — japonica 325 . 339 . 340 . Araliaceen 295 . Arbeiter 603 . Arca 635 . Architectur 374 . 375 . Arita-Porzellan 559 — 564 . Arsenal 606 . Artemisia vulgaris 160 . Arum esculentum 78 . Arundinaria japonica 271 . Arundo Bambos 270 . Asbolan 361 . 593 . Astlack 407 . Astragalus lotoides 49 . Atlas 455 . Aucuba japonica 337 — 339 . Auripigment 419 . — -Lack 418 . Aussenhandel 608 — 649 . Avena sativa 58 . Aventurinlack 437 . Ayuthia 616 . Azalea indica 314 . 321 . B ackstein 541 . Bambusa agrestis 270 . — arundinacea 270 . — aurea 345 . — Fortuneï 345 . — Kumasasa 345 . — nigra 345 . — puberula 271 . — pygmaea 345 . — quadrangularis 271 . — spinosa 270 . — viridis 345 . Bambusaceen 270 . Bambusgras 259 . Bambushain 257 . Bambusrohr 90 . 203 . 271 — 274 . 422 . Bambusrohrarbeiten 274 . Bambusrohrmatten 201 — 202 . Bananen 198 . Bär 218 . Barbaren-Hirse 59 . Baros-Kampfer 171 . Bastpapier 419 . 422 . Batate 75 . Batavia 618 . Bauer 6 . 32 . Baumriesen 268 . — -schule 256 . — -stoffe 450 . — -wolle 195 . — -wollsamenöl 179 . Bêche de Mer 634 . Becken 558 . Beerenobst 103 . Benni-seed 181 . Benzoin sericeum 292 . — Thunbergii 292 . Bergbau 346 . —, Erträgnisse des — 353 — 355 . Bergkrystall 372 . 506 . — -Schleiferei 508 . Bergreis 43 . 54 . Bergwald 251 — 253 . Bergwiese 19 . Beta vulgaris 88 . Betula alba 285 . — ulmifolia 285 . Betulaceen 285 . Bewässerung der Reisfel- der 550 . Bignonia tomentosa 292 . — catalpa 293 . Bild-Krepp 457 . Biota orientalis 276 . Birken 285 . Birnen 98 . 99 . Birnengrund 417 . 437 . Biscuit 543 . Bivoltini 227 . Blattgold 419 . Blattsilber 419 . Blatttang 634 . Blaze 240 . Blei 359 . Bleiweiss 419 . 594 . Bletia hyacinthina 588 . Blumenmärkte 318 . Blumentopf 558 . Blumenvase 530 . 558 . Boden - Analysen 26 — 28 . Boehmeria nivea 197 . 449 — 470 . — tenacissima 197 . Bohne, ägyptische 324 . —, gemeine 71 . Bohnenkäse 126 . Bohnensauce 123 . Bombyx mori 220 . 225 . Bonbonniêre 558 . Bonin-Inseln 15 . Borax 589 . 594 . Borneo-Kampfer 171 . Boule-Arbeit 504 . Bourre 234 . Brasenia peltata 82 . Brassica chinensis 82 . 178 . — oleracea 82 . — rapa 82 . Braunstein 593 . Breite, eines Gewebes 457 . Brennen 519 . 556 . Brennmaterial 255 . Brocat 450 . 453 . 459 — 461 . Brocatbanner 459 . Bronze 525 . Brot 41 . Broussonetia papyrifera 195 . 468 . 478 . — -Papiere 478 . 480 — 481 . Brustpanzer 517 . Buch (Papiermaass) 478 . Buche 201 — 202 . 288 . Buchelnöl 185 . Buchweizen 43 . 64 . Buddhas 530 . Buschbohne, strahlfrüch- tige 70 . Bütte 117 . Büttenpapier 465 . Buxaceen 290 . Buxus japonica 267 . 290 . 399 . — sempervirens 290 . Byzantiner Email 584 . Deutsches und lateinisches Register. C aesalpinia Sappan 209 . Calabasse oder Flaschen- kürbis 84 . Caladium 79 . Calamagrostis Hakonensis 211 . 522 . 528 . Caligula japonica 249 . Calopanax ricinifolia 295 . 360 . Calumbak 623 . Camellia japonica 178 . 268 . 305 . 326 . 330 . 331 — 333 . 399 . — Sasanqua 179 . 306 . — theïfera 131 . 306 . Camellie in Europa 332 — 333 . Camellienholzkohle 419 . Camellienöl 178 . Canavalia incurva D. C. 71 . — lineata D. C. 71 . Cannabis sativa 88 . 194 . 195 . Cantharellus cibarius 92 . Capea elongata 95 . — flabelliformis 95 . Caprifoliaceen 295 . Capsicum annuum 87 . Carpinus japonica 285 . Carthamin 208 . 215 . 419 . Carthamus tinctorius 208 . Castanea vulgaris 109 . 211 . 250 . 255 . 287 . 556 . Catalpa Kaempferi 293 . Cathay 610 . Catty 601 . 602 . Cedrela chinensis 302 . Celastrineen 301 . Celastrus articulata 301 . — orixa 303 . Celtis sinensis 289 . Cephalotaxus drupeacea 184 . 275 . Cera japonica 185 . Cercidiphyllum japonicum 309 . 341 . 422 . Cerealien 42 . Cervus Sika 218 . Chamaecyparis obtusa 255 . 257 . 276 . 421 . — pisifera 257 . 276 . 421 . Chamaerops excelsa 200 . 275 . 345 . Chilies 87 . Chinagras 197 . Chinesisches Papier 467 . Chrysanthemum indicum 324 . 325 . 330 . 441 . — sinense 324 . Cichorium endivia L. 86 . Cinnamomum Camphora 168 — 176 . 268 . 330 . — pedunculatum 291 . — zeylanicum 88 . Ciselieren 512 . Citrone 106 . Citrullus edulis 84 . Citrus aurantium 105 . — decumana 105 . — japonica 105 . 106 . — medica 106 . — nobilis 105 . — sinensis 105 . — trifoliata 303 . 312 . Citta cantans 320 . Clavaria Botrytis 92 . — flava 92 . Cleyera japonica 257 . 305 . Clupea harengus 33 . Coccus Pelah 193 . Cocon 228 . Cocons percés 241 . Coix Lacryma Jobi 60 . Colcothar 360 . Colle du Japon 128 . Colocasia antiquorum 78 . Colonialamt 20 . Compost 33 . Condimente 89 . Coniferen 262 — 264 . 275 — 284 . 340 . Conophallus konjak 79 . Convallaria japonica 341 . Convolvulus Batatas 76 . Corchorus capsularis 199 . Coriandrum sativum 85 . Corneen 295 . Cornus brachypoda 295 . — officinalis 103 . 295 . Corylaceen 285 . Corylus heterophylla 110 . 285 . Craquelé 566 . Crataegus glabra 343 . Croton siraki 291 . Cryptomeria japonica 255 . 269 . 278 . Cucumis conomon 84 . — flexuosus 84 . — melo 84 . — sativus 84 . Cucurbita pepo 83 . Culturwald 251 — 253 . Cupressineen 276 . Cupuliferen 286 . Curcuma longa 89 . 211 . Cuttlefish 635 . Cycas revoluta 275 . 397 . Cynosurus coracanus L. 59 . Cypressen 257 . 263 . 276 . Cytherea lusoria 635 . — meretrix 635 . D amascener Klingen 514 . Damascieren 512 . 513 . Daphnidium lancifolium 292 . Darstellung des Bastpa- piers 475 . Dattelfeige 103 . 211 . Datteln, chinesische, 102 . Daucus carota 85 . Deckelvase 558 . Decorationsmotive 380 . 381 . Decorationsweise 378 . Desmodium 324 . Dianthus japonicus 330 . Dioscorea japonica 79 . — quinqueloba 79 . — sativa 79 . Diospyros ebenum 294 . — Kaki 211 . 294 . 316 . 331 . 397 . 419 . 421 . Deutsches und lateinisches Register. Distylium racemosum 267 . 296 . 399 . 556 . Dolichos cultratus 72 . — ensiformis 72 . — incurvus 71 . — lineatus 71 . — soja 5 . 65 . — umbellatus 72 . Doppelcocons 233 . 241 . Doubliermaschinen 455 . Douppions 233 . Drache 380 . Drehbank 398 . Drehscheibe 544 . 554 . Drehwind 13 . Dreigabel 471 . Dreschflegel 37 . Dried fish 634 . Droguen 158 . Dryandra cordata 183 . 290 . 498 . Dukatengold 599 . Dünger 29 . Durrah 59 . E benaceen 294 . Edelrost 527 . 528 . Edgeworthia chrysantha 479 . — -Papier 479 . 481 . — papyrifera 470 — 472 . Egge 37 . Eibenartige Nadelhölzer 275 . Eichen 267 . 286 . 287 . 422 . Eichenholz-Asche 556 . Eichenspinner 243 . 244 . Eier des Seidenspinners 228 . Eierpflanze 81 . 86 . Eierschalen-Porzellan 561 . Eierschwamm 92 . Einhorn 380 . Einlegearbeit bei Lack- waaren 433 . Einschlag 455 . Eisen 359 . 514 . Eisenbahnen 607 — 608 . Eisenocker 419 . Eisenroth 360 . 417 . 419 . 563 . 593 . Eisensand 514 . Eisenvitriol 522 . Elaeagnus latifolia 330 . — radicans 344 . — reflexa 344 . — umbellata 103 . 344 . Elaeococca cordata Bl. 183 . 290 . 498 . Electrum 584 . Eledone 635 . Eleusine coracana 59 . Elfenbein 502 . Elfenbeinschnitzerei 502 . Email 513 . 582 . — champlevé 584 . — cloisonné 583 . — de peintre 584 . —, durchsichtiges 584 . —, erhabenes 584 . —, freies 584 . —, gebundenes 583 . —, glattes 583 . —, hoch — 584 . —, Maler — 584 . Emailfarben 593 — 595 . Emailindustrie 582 — 595 . Enamel, imbedded 583 . —, incrusted 583 . Engel 533 . Engraulis japonicus 33 . Enkianthus japonicus 320 . 325 . Entwickelung der Seiden- raupe 231 . Epidendrum tuberosum 588 . Epigaea asiatica 109 . Epilobium angustifolium 259 . Erbse 72 . Erdbeere 109 . Erde 370 . Erdkobalt 361 . Erdnuss 65 . Erdnussöl 180 . Erianthus japonicus 203 . Ericaceen 294 . Eriobotrya japonica 97 . 98 . 100 . 331 . Erlen 285 . 397 . Essbare Früchte 96 — 111 . Essig 128 . Eulalia japonica 203 . 324 . Eupatorium chinense 324 . — japonicum 324 . Euphorbia Lathrys 184 . Eurya japonica 305 . — var. sulfurea 343 . Eutrema Wasabi 82 . Evodia glauca 210 . 304 . — rutaecarpa 159 . 210 . Evonymus japonicus 316 . 342 . — Sieboldianus 301 . Excoccaria japonica 291 . F abae aegyptiacae 323 . Fabelthiere 380 . Fäcalstoffe als Dünger 30 — 31 . 32 . Faeces 32 . Fächer 495 . — Ausfuhr 496 . Färbedistel 208 . Färberknöterig 52 . Fagaria piperita 303 . Fagopyrum esculentum 64 . Fagus Sieboldi 185 . 288 . 422 . Faience 541 . — von Ôta 573 . Farbegeben 523 . Farbpflanzen 204 . Faselbohne 72 . Fatsia japonica 339 . Faulenlassen 554 . Fausthandschuh 406 . Feigenbaum 106 . Feile 510 . Feldmaass 601 . Feldspath 547 . Fenchel 85 . Feuerbaum 257 . Feuerbohne 71 . Ficus carica 106 . Filanda 233 . 243 . Fil de Florence 232 . Deutsches und lateinisches Register. Filigran-Email 583 . Filterpressen 554 . Finger-Hirse 49 . 59 . Firmiana platanifolia 304 . Fischguano 33 . 194 . 636 . Fischöl 33 . 194 . 636 . Flagge, japanische 606 . Flasche 558 . Flaschenkürbis 84 . Flockseide 233 . 240 . Floretseide 234 . 455 . Florideen 95 . Floss-silk 233 . Flussmittel 547 . Flussschifffahrt 604 . Foeniculum vulgare 85 . 159 . Formen 443 . 576 . Forstwirthschaft 250 . Forsythia suspensa 320 . Fossiles Holz 310 . Fragaria vesca 109 . Fraxinus longicuspis 293 . Frisons 241 . Fritten-Porzellan 543 . Früh-Reis 54 . Frühstück 54 . Funkia ovata 314 . Fusan 630 . Fuss 600 . G abelhacke 36 . Gadus Brandtii 635 . Gammadion 379 . Gampipapier 479 . 481 . 485 . Ganzstoff 465 . 477 . Gardenia florida 209 . 330 . 417 . Garnelen 635 . Gartenbau 310 . Gartenkunst 314 . Gebirgswald 260 . 261 . Gelbe Rübe 85 . Gelbspinner 227 . Gemüse 81 . Gemusterter Krepp 458 . Gensan 630 . Gerbstoffe 212 . Gerste 5 . 42 58 . —, nackte 42 . Gerstenmalz 122 . Geschichte der jap. Lack- industrie 443 . Getreide 42 . Gewichte 601 — 602 . Gewürze 81 . Giessen 511 . Gingeli 181 . Ginkgo biloba 111 . 269 . 275 . Ginseng 160 — 168 . Glasur 540 . 556 . Gleditschia japonica 298 . Gleopeltis cotiformis 216 . Glocken 521 . 532 . Glücksthiere 380 . Glycine chinensis 334 . — hispida 65 . Gold 355 . 435 . 506 . Goldgrund 438 . 441 . Goldkiefer 284 . Goldlackarbeiten 434 — 448 . Goldlackgegenstände 445 . Goldminen 355 . Goldpapier 460 . Goldstaub 419 . 435 . 436 . Goré 610 . Gossypium herbaceum 179 . 195 . Grabstichel 510 . Graines 241 . Gramineen 270 . Granatapfel 106 . Granatsand 372 . 507 . Grasflächen 252 . Grasleinen 198 . Gras-Oedland 11 . Grauspiessglanzerz 362 . Gravieren 512 . Grège 240 . 241 . 455 . Grosshändler 629 . Grubenschmelz 583 . 585 . Grundierung der Lack- waaren 423 . Gründünger 49 . Grüner Lack 418 . Grünspan 593 . Grünspinner 227 . Gummigutt 417 . 419 . Gurke 84 . Gurkenartige Gewächse 81 . Gürtel 454 . Guss 511 . H acke 36 . Hackfrüchte 74 . Häringsarten 33 . 194 . Härten des Stahls 515 . Hafer 58 . Hahn 218 . Hahnenfusshirse 43 . 59 . Haifischflossen 635 . Haihaut 431 . 588 . Haihautlack 431 . Hakone-Arbeit 397 . Halbporzellan 541 . Halmfrüchte 42 . Haliotis 29 . 505 . — gigantea 635 . — japonica 635 . Hälleflinta 547 . Halm- und Hülsenfrüchte 5 . 42 . Hals 515 . Hamamelideen 296 . Hammer 510 . — -Augen 511 . Handel und Verkehr 596 . Handelsgewächse 129 . Handwebstuhl 455 . Handwerker 6 . Hanf 88 . 184 . 194 . — -Bast 419 . — -Leinwand 419 . 449 . — -Oel 184 . Hartbronze 526 . Haschisch 194 . Hase 218 . Haspelanstalt 243 . — -Seide 240 . 455 . Hecken 311 . Hedysarum esculentum 75 . Helme 517 . Henkelkreuz 379 . Henne 218 . Deutsches und lateinisches Register. Herbstpflanzen, die sieben 324 . Heu 216 . Hibiscus Manihot 330 . 474 . — mutabilis 324 . — syriacus 312 . Hiobsthränen 43 . 60 . Hirsch 218 . — Horn 419 . Hirse 59 . —, italienische 121 . Hölzer 266 — 310 . Hohlmaass 8 . 601 . — Meissel 420 . Holcus Sorghum 59 . Holothuria edulis 634 . Holzasche 556 . Holzgötzen 501 . — -industrie 395 . — -kohle 255 . 419 . — -kübel 114 . — -mosaik 396 . — -öl 184 . — -schnitzerei 501 . — -schuhe 490 . Homoioceltis aspera 289 . 473 . Honigbiene 218 . Hordeum 5 . 58 . Horn 422 . 504 . Hortensia opuloides 336 . Hovenia dulcis 102 . 300 . Hülsenfrüchte 64 . Huhn 218 . Hund 218 . Hundstage 417 . Hydrangea hortensis 331 . 336 . — paniculata 337 . 474 . I bota-Wachs 193 . Ichigo 108 . Ilex crenata 301 . — integra 301 . — latifolia 301 . Ilicineen 301 . Illicium religiosum S. \& Z. 160 . 307 . Imperata arundinacea 203 . Incrustierung 513 . Indigo 204 . 419 . Ingwer 88 . Inuus speciosus 218 . Irdenwaare 541 . 551 . Iris laevigata 322 . — setosa 322 . — sibirica 322 . Isinglass 128 J apan im Weltverkehr 626 — 649 . Japanisches Lackierver- fahren 423 . Japanische Zier- und Nutz- pflanzen in Europa 327 . Jaspiswaare 542 . Juglandaceen 285 . Juglans mandschurica 285 . — regia 110 . 285 . Juncus effusus 201 . Juniperus chinensis 276 . K agaporzellan 574 — 576 . Kalamback 623 . Kalk als Dünger 34 . 49 . Kalkstein 371 . Kammschneiderei 399 . Kampfer 168 — 176 . 419 . — -Baum 268 . — -Gewinnungsweise 173 . — -Lorbeer 268 . Kaninchen 218 . Kaolin 370 . 371 . 543 . 544 . 547 . 580 . Kaoling 547 . Kartoffeln 74 , gewöhnliche K. 77 , süsse K. 75 . Kastanie 109 . 287 . Kastanienbrauner Lack 418 . Kastanienspinner 249 . 250 . Kastengebläse 351 . 511 . Katsura japonica 309 . 475 . Katze 218 . Kaufmann 6 . Kaya-Oel 184 . Keramik 539 — 581 . Kernobst 98 . Kessel 517 — 518 . Kette 455 . Kettenpanzer 517 . Kiefern 257 . 262 . 279 . 326 . — -holzkohle 419 . Kienruss 419 . 498 . Kieselporcellane 548 . King-te-tschin 547 . 549 . Kitt 423 . Klebreis 54 . 58 . 127 . Kleid 459 . 483 . Kleister 81 . 420 . Knieholz 262 . 264 . Kobalt 361 . — -glasur 361 . — -oxyd 593 . Kochtopf 519 . Koelreuteria paniculata 300 . Kohlenbecken 530 . Kolbenhirse 43 . 59 . Kopf 515 . Koralle 506 . Koreanerdorf 567 . Krack-Steingut 567 . Krebse 635 . Kreidepulver 482 . Kreisel 400 . Krepp oder Kreppseide 454 . 456 . 457 . — -papier 486 — 490 . Kuchen 42 . Kübel 408 . Kunstgewerbe 373 — 595 . Kunstindustrie 373 — 595 . Kupfer 357 . 521 . — -erze 357 . — -minen 357 . 358 . — -vitriol 522 . Kürbis 83 . L ablab cultratus D. C. 72 . Lachs 635 . Lack 402 . — -baum 186 . 404 . — -distrikte 409 . — -farben 419 . — -filter 482 . — -gewinnung 405 — 409 . Deutsches und lateinisches Register. Lackhändler 416 . Lackieren der Thonwaaren 426 . Lackierer 402 . Lackindustrie 400 — 448 . — -krankheit 414 . — -maler 402 . Arbeiten des — 434 . — -preisliste 416 . — -säure 4 . 13 . — -vergiftung 414 . — -waaren, bunte, 428 . — Vorzüge der — 401 . Lackzapfer 406 . Lactuca sativa 86 . Längenmaass 600 . Lärchen 263 . 279 . 283 . Lagenaria vulgaris 84 . Lagerstroemia indica 296 . 419 . Laminaria saccharina 95 . 634 . Lampenruss 498 . Landwirthschaftl. Schule zu Sapporo 20 . Lappa major 85 . Larix leptolepis 255 . 283 . Lasurstein 506 . Latrinendünger 30 — 33 . Lattich 86 . Laubwald 258 . 263 . Laucharten 89 . Lauraceen 291 — 292 . Laurineen 291 . Laurus Camphora 168 — 176 . 263 . 291 . — indica 291 . — umbellata 292 . Leder 212 . — -papier 183 . 490 — 492 . Leguminosen 64 . 297 . Lehre oder Schablone 511 . Leim 419 . 498 . Lenz 320 . Lespedeza 217 . 324 . Leucocasia gigantea 79 . Li 600 . Liebesapfel 86 . Ligustrum Ibota 193 . 293 . — japonicum 293 . 342 . Lilium auratum 80 . — cordifolium 80 . — Thunbergianum 80 . Limoges 584 . Lindera sericea 292 . Linie 600 . Listaea glauca 193 . — Thunbergii 193 . 291 . Lithospermum erythrorhi- zon 209 . Löffel 421 . Loligo 635 . Loliopsis 635 . Loquat 100 . Loth 588 . 589 . Lotusblume 74 . 111 . 322 . — -pflanze 74 . 111 . 322 . Luffa petala 84 . Lycoperdon Tuber 92 . Lycopersicum esculentum 86 . Lythrarieen 296 . M äander 379 — 380 . Macaroni 127 . Mace 601 . Machilus Thunbergii 291 . Macleya cordata 337 . Magische Spiegel 533 — 534 . Magneteisen 359 . 514 . Magnolia hypoleuca 259 . 260 . 307 — 309 . 341 . 421 . — Kobus 309 . 320 . — Yulan 320 . 323 . Magnoliaceen 307 . Magnolienholzkohle 419 . Mahlzeit 54 . Mais 43 . 60 . Majolica 541 . 576 . Mandarinorangen 97 . Manganoxyd 361 . 593 . Manila 612 . — -hanf 198 . Marlea platanifolia 295 . Marmor 371 . Maschentauschierung 513 . Maschinenpapier 473 . Masertextur 438 . Masse 600 — 601 . Materialien für die Lack- industrie 419 . Matrizen 216 . Matten 202 . Maulbeerbaum 222 . 225 . 288 . Maulbeere 106 . Maus 218 . Mayebashi-Hanks 242 . — -Grappes 242 . Medicinbüchse 535 . Meeresprodukte 634 . Meerlattich 95 . Meile 600 . Meissel 510 . Melia Azedarach 193 . 302 . — japonica 302 . — Tô-sendan 302 . Meliaceen 302 . Melone 84 . Mesogloia decipiens 95 . Messer 420 . 511 . Messing 524 . Metall 509 . — -industrie 509 — 538 . — -spiegel 533 . Mikroklin 544 . Mimosa arborea 298 . Mittagessen 54 . Mittel-Reis 54 . Mohrenhirse 43 . 59 . Montanindustrie 346 . Morus alba 106 . 220 . 225 . 288 . 472 . — multicaulis 226 . — papyrifera 468 . Mosaikwerk 506 . Moulinage 455 . Münze in Ôzaka 597 . Münzen 596 — 600 . Muffel 589 . Musa basjoo 198 . — paradisiaca 198 . — textilis 198 . Muscardine 236 . Myrica rubra 209 . 212 . Rein, Japan II. 42 Deutsches und lateinisches Register. N achtigall 320 . Nadelhölzer 262 — 264 . 275 — 284 . 340 . 421 . — -wald 258 . Nandina domestica 311 . Napf 558 . 563 . Naturalismus 378 . 382 . 383 . Naturwald 253 . 258 . 260 . Nautilus 505 . Nelumbium speciosum 74 . 331 . Nelumbo nucifera 74 . 111 . 322 . 331 . Nemalion vermiculare 95 . Nesselhanf 449 . — -tuch 197 . 449 . Netz 230 . Nickel 361 . Nicotiana Tabacum 154 . Nikkô-Arbeit 398 . Nippsachen 535 . 558 . Nirwana 323 . Nispero de Japon 100 . Nuphar japonicum 82 . Nutzhölzer 266 — 310 . O berbergamt 352 . Obertasse 558 . Obstbau 96 . Ochsen 217 . Oedland 252 . 253 . Oelkuchen 33 . 34 . — -papier 183 . 493 — 494 . — -pflanzen und Fette 176 — 194 . — -weide 103 . 344 . Olea aquifolium 293 . 325 . — fragrans 293 . 343 . Oleaceen 293 . Ommastrephes 635 . Oncorhynchus Haberi 635 . Onychoteuthis Banksii 635 . Ophiopogon japonicus 341 . — Jaburan 341 . Orange 105 . Organsin 455 . Orixa japonica 303 . Oryza glutinosa 54 . — montana 43 . 54 . Oryza sativa 5 . 43 . Oshiu-Seide 241 . Ôzaka 55 . 629 . P achyrhiza a ngulatus 72 . Paeonia albiflora 159 . 336 . — Moutan 159 . 321 . 331 . 336 . Palette 421 . Palmblattarbeiten 201 . Palmen 275 . Panachierung 317 . Panax Ginseng 160 . Panicum Crus-galli 59 . — corvi 59 . — italicum 59 . — miliaceum 59 . — verticillatum 59 . Papaver somniferum 82 . Papier 464 — 496 . — -bereitung 475 . — -geld 597 . 638 . — -gewebe 492 . — -industrie 463 — 500 . — -laterne 494 . — -leder 422 . 490 — 492 . — -maché 422 . 485 . — -masse 464 . — -maulbeere 468 — 470 . — -sorten 480 — 481 . — -tapeten 486 . Pappdeckel 485 — 486 . Passerina Gampi 472 . Pastinaca sativa L. 85 . Patani 616 . 620 . Patina 85 . 527 . Patinierung 513 . Patlitdschan 86 . Patrina scabiosaefolia 324 . 441 . Paulownia imperialis 267 . 292 . 321 . 335 . 336 . 421 . — tomentosa 335 . 336 . Pebrine 236 . Pegmatit 547 . 578 . Pekinglack 441 . Pelah-Wachs 193 . Perilla arguta 88 . 209 . Perilla ocymoides L. 182 . 417 . 494 . Perle 506 . Perlmutter 419 . 433 . — -arbeiten 433 . 504 . — -lack 432 . Perry 605 . 608 . — Expedition 627 . Persicaria 206 . Petasites japonicus 85 . Petroleum 367 . Petroselinum sativum 85 . Pfeffer, spanischer, 87 . Pfeffermünze 159 . Pfeilkraut 75 . Pferd 216 . 217 . Pferde-Bohne 72 . Pferdelast 603 . Pfirsich 101 . 211 . 320 . Pflanzentalg 176 . 185 . Pflug 36 . Pfund 601 . 602 . Phaseolus multiflorus 71 . — Mungo 71 . — radiatus L. 5 . 70 . — vulgaris 71 . Phellodendron amurense 303 . Photinia serrulata 343 . Phragmites communis 203 . — Roxburgii 203 . Phoenix 380 . Phyllit 547 . Phyllitis debilis 95 . Phyllostachys bambusoi- des 259 . — nigra 271 . Physalis Alkekengi 86 . Picrasma ailanthoides 303 . Pikul 601 . Pilze 6 . 81 . 634 . Pimpinella anisum 85 . Pincette 510 . Pinsel 420 . 497 . Pinto, Mendez 608 . Pinus densiflora 281 — 283 . 316 . 326 . — Koraiensis 110 . 283 . Deutsches und lateinisches Register. Pinus Massoniana 281 — 283 . 316 . 326 . — parviflora 262 . 282 . Pisang 198 . — -Gewebe 449 . Pisum sativum 72 . Pittosporum Tobira 343 . — sinense 343 . — undulatum 343 . Planera acuminata 288 . 289 . Plattieren 513 . Platycaria strobilacea 285 . Platycodon grandiflorum 324 . Pochvorrichtung 553 . Podocarpus macrophylla 257 . 276 . — Nageia 216 . 257 . 276 . Poliermittel 590 . Politur 428 . Polygonum Fagopyrum 64 . — orientale 88 . — tinctorium 52 . 204 . 419 . Pongee-Seide 244 . Populus tremula 284 . Porzellan 542 . 543 . 547 . 549 . 551 . 559 . Porzellanfarben der Chi- nesen 550 . Porzellanmassen 580 . — -öfen 556 . 547 . — -stein 370 . 547 . 567 . 578 . Portulacca oleracea 83 . Prunus armeniaca 101 . — insititia 101 . — japonica 101 . — mume 102 . 211 . 294 . 319 . — pseudo-cerasus 297 . 490 . — subhirtella 320 . — tomentosa 102 . Pteris aquilina 80 . 90 . Pterocarpus indicus 298 . — marsupium 298 . — santalinus 298 . Pterocarya rhoifolia 285 . Pueraria Thunbergiana 75 . 199 . 217 . Punica granatum 106 . Puppen 558 . Pyrethrum indicum 324 . Pythagorasbohnen 323 . Pyrus aucuparia 297 . — Cydonia 99 . — japonica 331 . 334 . — malus 99 . — sambucifolia 297 . — sinensis 99 . Q uarz 547 . 571 . Quercus acuta 92 . 287 . — crispula 286 . — cuspidata 92 . 110 . 269 . 287 . — dentata 211 . 212 . 255 . 287 . — glandulifera 287 . 556 . — glauca 287 . — serrata 211 . 246 . 255 . 287 . Quitte 99 . Quittenstrauch, japani- scher, 334 . R aised Lacquer 445 . Ramie 197 . Raphanus sativus 82 . Raphis flabelliformis 311 . Rapsöl 178 . Ratte 218 . Räuchergefäss 530 . 558 . Rauchtopas 507 . Rechen 36 . Reff 37 . Regeln für’s Lackieren 422 . — für die Goldlackar- beiten 435 . Regenmäntel 493 . 494 . Regenschirm 494 . Reis 5 . 42 . 43 . 54 . — -Analysen 56 . 57 . — -ausfuhr 634 . — -bier 112 . — -distrikte 55 . — -ernte 52 — 54 . Reisferment 113 . — -kleister 216 . — -körner 54 . — -land 11 . 43 . — -pflanze 5 . 42 . 43 . — -stroh 34 . 201 . 202 . Reiterstatue von Kato Kiyomasa 565 . Retinispora 255 . 276 — 278 . 421 . Rettig 81 . Rhabarber 88 . 159 . Rheea-Faser 197 . Rheum 88 . 159 . Rhododendron Metterni- chii 294 . 298 . Rhus Osbeckii 212 . — semialata 211 . 212 . 331 . — succedanea 189 . 299 . — vernicifera 186 . 299 . Ricinus communis 159 . 184 . — -öl 184 . — -spinner 244 . Ries 478 . Rindenschäler 406 . — -seide 241 . Rindvieh 217 . Rispenhirse 37 . 42 . 59 . Ritzmesscr 406 . Roggen 58 . Rohlack 407 . 410 . —, Bestandtheile des — 410 . 411 . Rohmaterialien für Papier 468 — 478 . Rohseide 455 . Rosa Banksia 344 . — rugosa 109 . Rosaceen 297 . Rose, japanische 332 . Röstofen 351 . Rotanggeflecht 204 . Rothe Rübe 88 . Rubia cordifolia 209 . — chinensis 209 . Rücken eines Schwertes 515 . Rüstung 517 . Rutaceen 303 . 42* Deutsches und lateinisches Register. S aflor 208 . 214 . 215 . Sagittaria sagittaefolia L. 75 . Sakebereitung 113 . Salepschleim 588 . Salicineen 284 . Salisburia adianthifolia 52 . 111 . 269 . 275 . 331 . Salix Babylonica 284 . — japonica 284 . Salz 368 . 369 . — -küste 11 . Samen 228 . Sammet 450 . 462 . Sandelholz 298 . — -lack 430 . Santalinum album 616 . Sapindaceen 300 . Sapindus chinensis 300 . — Mukuroshi 300 . Sapium sebiferum 291 . Sardine 194 . Satin 454 . Satsuma-Faience 565 — 568 . — -Steingut 565 — 568 . Saturnia Arindia 244 . — Cynthia 244 . — Mylitta 244 . Saxifraga cortusaefolia 314 . Scapharca inflata 635 . Schablone 443 . Schälen des Reis 53 . Schafe 217 . Schale 558 . Schalenfrüchte 109 . Schappe 455 . Scheere 420 . Schellfisch 635 . Scherben 540 . Schiebefenster 395 . Schiefer 372 . 499 . Schildkröte 380 . Schildpatt 422 . 503 . — -arbeiten 503 . Schirmtanne 255 . 257 . Schlaffsucht 236 . Schlagen 511 . Schlämmen 554 . Schmelz 582 . Schmelzherd 351 . Schmetterling 234 . Schmucksachen, metallene 535 . Schneeschutz 256 . Schöpfnetz 477 . Schornstein 350 . Schreibzeug 496 . 521 . Schubkarren 37 . Schüssel 558 . 563 . Schwarzer Lack 417 . 418 . Schwefel 367 . 522 . Schwein 218 . Schwert 514 — 516 . — -bohne 71 . — -griff 515 . — -scheide 432 . 444 . 515 . 516 . Sciadopitys verticillata 257 . 269 . 283 — 284 . 316 . Scirpus maritimus 202 . Scrophularineen 292 . Sculptur 512 . Scutellaria macrantha 159 . Secale cereale 58 . Sedum Sieboldi 324 . Seegurke 634 . Seeohr 29 . 505 . 635 . Seesalzgewinnung 368 . 369 . Seger-Porzellan 544 . Seide 227 . 240 . 633 . Seidenabfälle 455 . — -distrikte 241 . — -Eier 241 . — -färberei 215 . — -flor 455 . — -gewebe 452 . 458 . — -industrie 450 — 463 . — -Krankheit 236 . — -raupe 218 . 220 . 228 . — -spinnerei 455 . — -watte 241 . — -weber - Genossen- schaften 454 . — -zucht 219 . Sellerie 85 . Senf 82 . 178 . Senföl 178 . Sesamöl 181 . Sesamum indicum 181 . — orientale 181 . Setzling 256 . Shanghai 630 . Sharks’ fins 635 . Shizophragma hydrange- oides 344 . Shrimps 635 . Sichel 37 . Sieben Herbstpflanzen 324 . Sieben Kostbarkeiten 506 . Silber 256 . 506 . — -erze 256 . — -folie 460 . — -grund 438 . 441 . — -staub 419 . 435 . 436 . Silicat-Porzellane 548 . Silkworm-gut 232 . 250 . Simarubeen 303 . Sinapis 82 . Smalte 593 . Smaltum 582 . Smaragd 506 . Soja hispida Mich. 65 . 123 . Sojabohne, blaugrüne 68 . — -braune 68 . — -schwarze 68 . — -weisse 67 . Solanum melongena 86 . — tuberosum 77 . Solfatare 370 . Sonnengöttin 5 . Sonnenschirm 494 . Sophora japonica 297 . 331 . Sorghum vulgare Pers. 43 . 59 . Spätreis 54 . Spatel 406 . 420 . Spaten 36 . Speckstein 508 . Spiegel 530 . 533 . Spielwaaren 400 . Spiessglanz 362 . Spinacea inermis Moench 88 . Spiraea Thunbergi 312 . Square Bamboo 271 . Deutsches und lateinisches Register. Stachyurus praecox 306 . Stärkekleister 216 . Stärkeliefernde Knollen 74 . Stampftrog 38 . Stanniol 460 . Statistik über geistige Ge- tränke 120 . Statuenporzellan 543 . Staubsiebe 421 . Stechmeissel 406 . Stein 370 . Steingut 541 . 547 . 559 . 568 . Steinkohle 362 — 367 . Steinobst 101 . Steinzeug 542 . 559 . 577 . Sterculia platanifolia 304 . Sterculiaceen 304 . Stichblatt 515 . 516 . Stichel 510 . Stickerei 462 . Stillingia sebifera 291 . Stollen 350 . Streichkamm 37 . Strich 600 . Strohmosaik 399 . Stuartia monadelpha 259 . 306 . Stück 600 . Stück, ein -Gewebe 456 . 457 . Styraceen 293 . Styrax crataegoides 294 . — japonicum 294 . — lancifolia 294 . — Obassia 294 . Sumach 186 . — -gallen 212 . — -lack 405 . — -talg 189 . Sus leucomystax 218 . Symplocos lancifolia 294 . T abak 154 . Tael 601 . Taffet 457 . Tag- und Nachtgleiche 471 . Talgbaum 189 . Tannen 263 . 279 — 281 . Tapa 465 . 468 . Tapes Philippinarum 635 . Tauschierarbeit, erhabene und flache 512 . — auf Eisen 518 . Tauschieren 512 . Taxaceae 275 . Taxus cuspidata 255 . 275 . Teller 558 . Tempelglocken 521 . Ternstroemia japonica 305 . 399 . Ternstroemiaceen 304 . Terracotten 541 . Tetranthera japonica 292 . Textilindustrie 449 — 463 . — -pflanzen 194 . Thao 549 . Thea assamica 131 . — Bohea 131 . — viridis 131 . Thee 130 . 546 . 639 . Fär- ben und Parfümieren 145 . Gewinnungsweise 138 . Sorten 141 — 144 . Theedose 558 . — -farbe 211 . — -gesellschaften 141 . 545 . 546 . 572 . — -samenöl 178 . — -schale 558 . — -topf 558 . — -urnen 558 . 563 . 572 . Thierkreis 380 . Thon 540 . Thon-Porzellane 548 . — -waaren 540 . — -waarenindustrie 539 — 581 . zu Kiôto 568 , in Owari 569 . Thran 194 . Thuja orientalis 276 . Thujopsis dolabrata 257 . 276 . 421 . — laetevirens 278 . Til 181 . Tilia cordata 200 . 304 . — mandschurica 304 . Tiliaceen 304 . Timaja 541 . Tintenfische 635 . Tischlerei 395 — 398 . Töpferthon 370 . Tomate 86 . Tomex japonica 292 . Torreya nucifera 111 . 184 . 275 . Trame 455 . Transparentlack 417 . Trapa bispinosa Roxb. 111 . Trauerweide 284 . Treiben 511 . Trepang 634 . Trichosanthes 85 . Triticum 5 . 58 . Triton subcristatus 314 . Trocknes Land 11 . 43 . Tsien 601 . Tsugaru-Lack 428 . 429 . Turbo cornutus 505 . Tusch 497 . Tuschreibschalen 392 . 499 . Tussah-Seide 244 . Typha japonica 202 . U dschifliege 235 . Udschimya sericaria 235 . Ulmaceen 288 . Ulmus campestris 290 . — montana 199 . — parvifolia 290 . Umwandlung der Felder in Reisland 51 . Untertasse 558 . Urin 32 . Urne 558 . Ursus japonicus 218 . Urtica nivea 197 . — Thunbergiana 197 . Uvaria japonica 309 . V accinium 109 . Vegetationszonen 262 — 264 . Verkehr 596 . 649 . Verkehrsmittel 596 — 608 . Verkitten 423 . Vernis du Japon 188 . 303 . Deutsches und lateinisches Register. Vertrag von Kanagawa 627 . Vertragshäfen 627 — 632 . Verzwergung 315 . Viburnum opulus 295 . Vicia faba 72 . Viehzucht 216 . Vigna Catjang 72 . Vitis vinifera 107 . Vogel 218 . Volk 6 . W achholder 262 . 276 . Wachs 175 . — -baum 189 . Waffenschmiede 514 . Wagen 37 . 217 . 603 . Wakasa-Lack 429 . 430 . Wald auf Yezo 259 . Ein- fluss auf das Klima 264 . Waldvertheilung 251 . Walfischöl 193 . Wallnüsse 110 . 285 . Wappenthier 380 . Wasserbecken 558 . — -kastanie 110 . — -melone 84 . Wedgewood 542 . Wegmaass 601 . Weiden 284 . — -geflecht 204 . — -röschen 259 . Weintrauben 107 . Weiss-Metall-Arbeit 535 . Weissspinner 227 . Weizen 5 . 42 . 58 . Weizen - Stärke - Kleister 485 . Werkzeuge der Lackin- dustrie 420 . 421 . Wetterführung 350 . Wetzsteine 419 . Wickstroemia canescens 472 . Wiederherstellung der Mi- kadoherrschaft 627 . Wildschwein 218 . Wistaria chinensis 199 . 269 . 313 . 319 . 321 . 334 . 335 . Wohnung eines Adeligen 11 . Wolken 439 . Wönsan 630 . Y ama-maï-Seide 249 . Yamswurzel 79 . Yao 549 . Yoshino-Papier 422 . Z ahnbürste 421 . Zange 510 . Zanthoxylon piperitum 83 . 303 . 397 . Zea Mais 60 . Cultur- geschichte desselben 60 — 64 . Zelkowa Keaki 255 . 268 . 288 . 289 . 341 . 397 . 422 . Zellenschmelz 583 . 584 . Zeugmaass 600 . Ziegel 541 . Ziegel- oder Backstein- thee 147 . Ziegen 217 . Ziergärten 310 . 313 . Zierpflanzen, jap. in Eu- ropa 327 . Zingiber officinale 89 . — Mioga 89 . Zink 361 . Zinn 359 . Zinnober 419 . — -lack 417 . 441 . Zinnstaub 419 . Zipangu 610 . Zizyphus vulgaris 102 . 300 . Zodiacus 380 . Zoll 600 . Zoysia pungens 202 . Zucker 128 . — -dose 558 . Zwiebel 90 . — -gewächse 81 . 89 . Zwirnmaschinen 455 . Japanisches Register. Erläuterungen. Bei der Schreibweise japanischer Namen bin ich im Allgemeinen der vorherrschen- den, phonetischen, wie sie das Hepburn’sche Wörterbuch gibt, gefolgt. Hiernach sind die Vokale rein, wie im Deutschen auszusprechen, ebenso ai . Man spreche ferner ei fast wie e , ch wie tsch , j wie dsch , s scharf, sh wie sch , ts wie z , z wie s , y wie j aus. Die aus einer Contraction hervorgegangenen ai , ei und ô sind lang. Der Betonung wegen wurden viele zusammengesetzte Wörter durch Binde- striche getrennt, welche oft ohne solche geschrieben werden. Der Accent ruht in der Regel auf der ersten Silbe, sowohl des Vor- als auch des Nachworts, mit etwas stärkerer Betonung der ersten volltonigen Silbe. Der oft sie verbindende Partikel »no« ist halbtonig. Abweichungen in der Betonung sind durch den acutus bezeichnet. Man lese also Ho-no-ki wie Hónokí, Tsubáki-no-abura wie Tsubáki- noábura, Hasu-no-hana wie Hásunohánna, Níkkei wie Níkké, Mei-butsu wie Mébútsu. A bu 420 . Abura 176 — 194 . — -giri 183 . 290 . — -kami 183 . 493 . — -kasu 33 . 34 . — -na 178 . — -no-ki 183 . 290 . Áburáto 364 . Adzuki 70 . 127 . Ai 204 . — -dzame 432 . Aidzu 405 . — -rô 188 . — -rô-soku 188 . — -táira 55 . 202 . 573 . Ai-táma 206 . Ajisai 336 . Aka, roth 215 . 295 . Ákádami 365 . Aka-fun 436 . — -gane 357 . 422 . 596 . Aka-gashi 287 . — -mame 68 . — -matsu ( 86 ) 257 . 281 . — -megáshi 343 . — -momo 109 . Akana 209 . Aka-nasu 86 . Akásaka 372 . Aka-shisó 209 . — -tamo 290 . Akébi 107 . Akíndo 6 . Aki-nire 290 . — -no-gi 474 . — -no-nana-kusa 324 . Akita 55 . Aku 206 . 569 . Akune 369 . Amábata-ishi 372 . 499 . 507 . Amái, Süsses 121 . Amákusa (spr. Amáksa) 370 . 564 . — -ishi 370 . 564 — 565 . 572 . 578 . Amaterásu 5 . Ame 121 . — -no-mochi 127 . Amérika bôfu 85 . Ami 230 . Amida 532 . Andzu 101 . Ani 356 . Aó-gai 405 . 419 . 433 . — -gai-Magai 505 . — gai-nuri 432 . — gai-shi 402 . 405 . — gai-togidáshi 432 . — -gai-záiku 433 . 504 . 506 . — -giri 304 . — -gosu 593 . Japanisches Register. Aó-ki 337 — 339 . — -kuba 337 . — -mame 65 . Arakáwa 358 . Arame 95 . Ararági 275 . Aríta 559 — 564 . 580 . Aríta-ishi 370 . 560 . Asa 88 . 194 — 195 . Asa-gozen 54 . — -ki 258 . Asákusa-nori 96 . Asa-no-abura 184 . — -no-mi 88 . Asari 6 . Ashio 358 . At 199 . Asu-gami 481 . 484 . Awa 43 . 59 . 121 . Awabi 505 . 635 . Awáji 542 . — yaki 566 . 568 . Awata-shippô 590 . — -yaki 542 . 551 . 566 . 568 . 591 . Awo, hellblau, auch grün 595 . — -uri 84 . — -urúshi 418 . Ayame 322 . Aya-níshiki 460 . Azatsuki 90 . Azi-máme 72 . B ai 102 . 297 . Bakufu (spr.: Bákfu) 604 . 605 . Banko Kichibei 577 . — -yaki 541 . 543 . 551 . 565 . 576 . Ban-seki 370 . — -shi 483 . Bashô 198 . — -fu 198 . 449 . Békkô 422 . 503 . — -zaiku 503 . Beni 208 . 419 . — -biyákushiu 276 . Beni-gara 360 . 417 . 419 . 563 . 593 . — -kadzura 209 . — -no-hana 208 . Beshi 358 . Binán-katsura 309 . 475 . Bíngo-omóte 201 . Birôdo 462 . — -sha 454 . Biwa 97 . 100 . Biyáku-gu 588 . Biyákushi 159 . Bobura 83 . Bodáijiu 300 . 304 . Boke 334 . Botánkiô 101 . Botán-na 82 . Bu 598 . Budo 107 . — -nedzumi 211 . Bukku-yusu 305 . Buna 288 . 422 . — -no-abura 176 . 185 . Bun-kiju-sen 598 . Bun-kiyóku 352 . Bushin-kan 106 . Buta 218 . Butan 159 . 321 . 336 . C ha (tscha), 130 . 306 . 546 . — -bin 558 . — -dashi 558 . — -ire 558 . — -iro, braun 211 . 595 . — -no-abura 178 . — -no-ki 306 . — -no-yu 141 . 545 . 546 . 572 . Champágiku 337 . Cha-suishô 507 . — tsubo 558 . — -wan 558 . Chián-chim 302 . Chide 297 . Chijími 449 . Chi-kaya 203 . Chimpi 88 . Chiri-gami 469 . 481 . Chirímén 456 . 458 . Chirimén-gami 486 . — -sha 454 . Chisa 86 . Chishá-no-ki 294 . Chiú, zwischen 418 . — -hana 418 . Chô 600 . Chôchin 494 . Chôchô 234 . Chôdzu-ba 31 . Chô-gin 598 . Choku 558 . Chôsen-matsu 283 . D áibén 32 . Dai-Butsu 530 — 532 . Dáidái 105 . Daidzu 5 . 65 . Daikon 81 . 82 . Daiô 88 . 159 . Daki 116 . Daimiô-jisô 314 . Damo 290 . Date-ishi 372 . Degara 241 . Dô 357 . 521 . 602 . Do-bín 558 . Dobín-shi 306 . Dôdan 320 . 325 . Dokúye 183 . 290 . — -no-abura 183 . 498 . Domburi 558 . 563 . Donsu-obi 459 . Dorófu 284 . Dô-san 358 . — -sei 593 . Doyô 417 . Dzudzu-dama 43 . 60 . Dzumi 211 . E chigo 55 . 59 . 431 . — Jôfu 449 . — Jôfu Chijimi 449 . Echizen 405 . Endo-mame 72 . E-no-abura 411 . F u 127 . 492 . 495 . Fude 420 . 497 . Fude-tate 421 . Japanisches Register. Fuki-doko 351 . Fuji 199 . 26 319 . 321 . 334 . — -bakama 324 . — -mame 72 . — -no-yama 17 . — -nuno 199 . — -san 17 . Fukáno-hire 635 . Fukásawa 367 . Fuki 85 . Fuku-sa 461 . 463 . 493 . Fukusa-ji 493 . Fun 601 . Funái 370 . 618 . 621 . Fune 476 . Fu-nori 96 . 216 . 400 . 458 . Fuiri-mame 68 . Fushi 211 . 212 . — -kaiko 236 . — -no-ki 186 . 212 . 213 . Fuyô 324 . G ama 202 . — -mushiro 202 . Gami 464 . Gampi 472 . 476 . 479 . 481 . 485 . — -shi 481 . 485 . Gan-seki 478 . Geta 292 . Genziki-mushi 249 . Gibóshi 314 . Gin 356 . 506 . 596 . — -baku 419 . — -gami 460 . — -iro 418 . — -ji 438 . 441 . — -kise 513 . Ginkiyo 111 . 269 . 275 . Ginko 52 . Gin-kô-satsu 596 . Ginnan 111 . Gin-paku 460 . — -pun 419 . 431 . 435 . — -san-machi 357 . — -shi 361 . — -su 597 . Giôgi-yaki 545 . Gioko-seki-rui 371 . Giôto 194 . 636 . Giyáman-ishi 571 . Giyô-bu-Nashi-ji 441 . 446 . Giyókurô 141 . Go 601 . Gobáishi 212 . Gobô 85 . Gofun 482 . Go-ju Sen 596 . — -koku 5 . Goma 88 . — -dake 271 . — -no-abura 176 . 181 . Go Rin, -Sen, -Yen 596 . Gorodáyu 562 . Go-sekku 324 . — -shin 89 . Goshin-yu 159 . Gosu 361 . 593 . Goyô-no-matsu 110 . 283 . Goza 202 . — -gusa 201 . 202 . Gozen 54 . Gumi 103 . 344 . Gusóku 517 . Guwai-sha (spr.: Kaisha) 606 . Guwan-jitsu (spr. Gán- shitzu) 319 . Guwa-sho-sei 361 . H ábaki 515 . Haba-nori 95 . Habutái-sha 454 . Habútaye (spr. Habutái) 456 . Hachi 558 . Ha-chiku 270 . Háchimán 358 . Hadáka-mugi 42 . 58 . Hadánkió 101 . Hagi 217 . 299 . 324 . Haguro 213 . 418 . Hakáta 454 . 459 . 609 . — -obi 459 . Haka-shitá 418 . Háké 420 . Hák΄ ká 159 . Hakodáte 627 . 634 . Ha-kombu 634 . Hakóne 397 . — -zaiku 397 . Haku-daidzu 67 . Hakumai 54 . Hakuren 320 . 323 . Hama-biwa 292 . Hamáguri 635 . Hama-nashi 109 . — -nata-mame 71 . Hamda 356 . Hana-ichi 318 . — -ike 530 . 558 . — -konjiyô 593 . — -no-ki 341 . — -shôbu 322 . Han-chiku 271 . — -kire 480 . 481 . 483 . — -kiri 116 . — -no-ki 211 . 285 . — -seki 370 . — -shi 480 . 481 . 483 . Hara 11 . 19 . 85 . 252 . Háratóku 291 . Hari-giri 295 . — -no-ki 211 . 285 . 397 . — -nuki 485 . Haru 320 . — -ko 227 . — -nire 290 . Hasami 420 . Háshibámi 110 . 285 . Hasu 74 . 111 . 322 . — -imo 79 . — -no-hana 322 . — -no-ike 322 . — -no-mi 111 . 322 . Hata 11 . 43 . 252 . 397 . 455 . Hatsu-take 93 . Hayá-gawa 355 . Hayáshi 250 . Haze 299 . — -no-ki 189 . 299 . Heinin 6 . Hera 420 . Hiba 211 . 257 . 276 . 277 . 421 . Japanisches Register. Hibáchi 530 . Hibi-de 566 . — -yaki 566 . Hichima 84 . Hidesáto 533 . Hidetáda 619 . Higan 471 . — -sakura 320 . Higasa 494 . Higáshidôri 563 . Higáshi Hon-gwan-ji 502 . Higo 55 . Hiki 600 . — -cha 141 . Hi-komi 424 . Hikui-kabu 226 . Himáshi 159 . 184 . — -no-abura 184 . Hime-bishi 111 . Hi-no-ki 5 . 255 . 257 . 259 . 276 — 278 . 326 . 421 . — -no-maru 606 . Hino-oka 594 . Hiógo 630 . Hirado 616 . 619 . Hirági 293 . 325 . Hira-makiye 436 . 445 . — -mame 72 . Hirame-fude 421 . Hira-take 93 . Hiráta-yuri 80 . Hiráto Hikóshiro 586 . Hira-Zogan 513 . Hírosáki 428 . Hiru-gozen 54 . Hishi 111 . Hitomáro 501 . Hitsúji 217 . Hitsuji-gusa 82 . Hiúga 55 . Hiyáku-me 601 . Hiyákushô 6 . 32 . Hiya-meshi 54 . Hiye 43 . 59 . Hiyótan 84 . Hizen 559 . 563 . 580 . Hô 380 . Ho-chiku 271 . Hôchô 406 . 420 . Hodo 75 . — -imo 75 . Hôdzuki 86 . Hôgu 473 . — -gami 473 . Home-nori 96 . Hondawára 94 . Hondo 17 . 55 . Hongo 559 . 573 . — -yaki 573 . Hon-kin-gami 460 . Hô-no-ishi 419 . Ho-no-ki 216 . 307 . 308 . 341 . 421 . — -no-ki-sumi 419 . Hôno-sumi 419 . Honshiki 364 . Honshiu 17 . 55 . Horai-yuri 80 . Hôrensô 88 . Hori-age 512 . — -kiri 322 . Horimono 512 . Horimono-shi 512 . — zaiku 512 . Hórutóso 184 . Horu 512 . Horúmui 364 . Hôsha 589 . 594 . Hoshi-Awabi 645 . — -ebi 635 . — -gai-rui 635 . Hoshii 236 . Hôshô 481 . 484 . Hosokawa 485 . Hôwô 380 . 381 . I 201 . Ibota 293 . — -rô 193 . Ibuki 276 . Ibusúki 567 . Ichibi 199 . Ichi-bu 598 . Ichigo 108 . Ichii 255 . Ichinókura 572 . Ichinowatári 359 . Ichió 111 . 269 . Ichijiku 106 . Ichi Rin 596 . Ichirín-sha 37 . Ichi Sen 596 . — Yen 596 . Icho 52 . Idzumi-yama 563 . Igáno-mura 569 . Iguchi-yama 564 . I-gusa 201 . Ika 635 . — -surume 635 . Ikkámbari 422 . Ikono-shiba 294 . Ikuno 356 . Ikunóbei 608 . Imári 559 . Imbei-yaki 543 . 577 . Imo 74 . 78 . Imori 314 . In 508 . Ine 42 . 43 . — -kogi 37 . — -(Inû-)kusu 291 . 292 . Ingen-mame 71 . Ingiô 508 . Innái 357 . In-ro 535 . — -seki 508 . Inu, Hund 218 . — -gaya 275 . — -gaya-no-abura 184 . — -kaya 184 . — -maki 276 . — -tsuge 301 . Inuyama-yaki 571 . Ira-momi 280 . Iriko 634 . — -tsuke 513 . 523 . Iru 511 . Isaza 33 . Ise 55 . — -na 82 . Ishi, Stein 370 . — -bai 35 . 371 . — -dzumi 362 . Ishikári 364 . Ishi-yaki 540 . 551 . Ishiyama 371 . Japanisches Register. I΄-shû 598 . Isora-mume 102 . Isu 296 . 399 . — -bai 267 . 296 . 556 . — -no-ki 296 . Ítadóri 337 . Ítadzúri 259 . 275 . Ita-gin 598 . Itame-gami 485 . I΄tán 456 . Itáya 300 . Ito, Faden 240 . Iwa-haze 109 . Iwáki-taira 55 . Iwa-momo 109 . Iwanái 368 . 371 . Iwa-nashi 109 . Iwáshi 33 . 194 . Iwá-shiba 202 . Iwáshiro 241 . Iwá-yanagi 312 . Iwô 367 . 522 . Iyémitsu 621 . Iyéyasu 613 — 615 . Iyo 362 . — -masa 481 . 484 . — -shiróme-ko 362 . J agátara-imo 77 . 78 . Jidzuki 481 . 484 . 491 . Ji-gátame 425 . Jigóku 370 . Jín-dái-bóku 310 . — -dái-súgi 279 . Ji-nén-han 370 . Jinén-jo 79 . Ji-no-ko-ishi 419 . Jin-ríki-sha (spr. Tsin- ríkscha) 603 . Jô 478 . 600 . — -ban 420 . — -chiú-hana 418 . Jôfu 195 . Jô-hana 418 . — -tame 417 . Ju 596 . — -me 601 . Jû-mon-ji 484 . 491 . Junsai 82 . Juráku-yaki 546 . K a 33 . Kaba 285 . Kabe-habutai 456 . Kabócha 83 . Kabu 82 . Kabura 82 . Kabuto 517 . Kachi-ki 212 . Kaga 59 . 574 . — mi 530 . 533 . — -yaki 575 . Kago 468 . Kagóshima 15 . 559 . 565 . Kai 355 . Kaibashi-rei 635 . Kaide 355 . Kaiko 228 . Kai-san-rui 634 . — -sô 95 . Kaitakushi 20 . 21 . Kaji 468 . — -no-ki 468 . Kaki 97 . 103 . 104 . 299 . 311 . 316 . 397 . — -no-shibu 213 . — -gama 406 . Kaku-dake 271 . Kakuso 419 . Kama 37 . 519 . Kamaishi 359 . Kamba 285 . Kame 380 . Kami, Papier 419 . 464 . — -is-soku 478 . — -kawa 183 . 422 . 490 . — -kise 424 . — -no-ki 474 . Kamioka 356 . Kamoashi 59 . Kamo-gata 577 . — -mata-kibi 43 . 59 . Kamuri 444 . Kanabi-kiyo 199 . Kana-darai 521 . — -dzuchi 510 . Kánágawa 627 — 628 . Kana-hibashi 510 . — -mono 509 . — -shiki 510 . — -toko 510 . Kánazáwa 16 . 369 . 559 . Kan-chiku 270 . Kane 213 . 509 . 532 . 596 . — -dzaiku 509 . — -matsu 284 . — -shaku 600 . Kanoko 458 . — -sha 454 . — -sha-chirimen 458 . — -shibori 458 . Kanten 96 . 128 . 634 . Kanzashi 503 . Kappa-na 82 . Kara, China — -kami 486 . — -kane 525 . 597 . 598 . — -kasa 494 . — -kaya 324 . — -kusa 378 . 439 . — -matsu 255 . 283 . — -mushi 197 . 449 . — -sao 37 . Karáshi-no-abura 176 . Karásuki 36 . Karásu-mugi 58 . — -uri 85 . Karatâchi 303 . 312 . Karátzu 366 . Káriyásu 211 . 522 . 523 . 528 . 535 . Kasa 204 . Kaséda 567 . 578 . — -ishi 567 . Kashi 92 . 286 . Kashira 515 . Kashiwa 92 . 211 . 255 . 286 . Kasutéra 41 . 42 . Kata 215 . 443 . 486 . 576 . Katá-ji 424 . Katana 515 . — -kaji 514 . Kato-Shirosáyemon 572 . Katsu -daidzu 68 . Katsumi 95 . Katsura 309 . 341 . Japanisches Register. Katzuki 365 . Kawa 211 . 212 . Kawabáta 397 . Kawahára-ya 577 . Kawa-hóne 82 . — -múki 406 . Kawára 541 . Kawaráke 541 . Kawa-yuri 80 . Kaya 111 . 184 — 186 . 203 . 275 . Kayama 572 . 573 . Kaya-no-abura 176 . 184 . Kayanóma 364 . Káyedé 300 . Ké-bo 421 . Kek΄kai 96 . Kempo-nashi 102 . 300 . Kemuri-dashi 350 . Ken 514 . 600 . Kenzan-yaki 568 . Kesa-bako 444 . Keshi 82 . 88 . — -ko 435 . Keyaki (Keaki) 255 . 268 . 288 . 341 . 397 . 421 . Ki, Baum, Holz, Wald, meist als Affix. Ki, Schildkröte 380 . 381 . Kibi 42 . 43 . 59 . Kibísho 558 . Ki-gami 475 . 478 . 480 . — -gata 490 . — -gatame 424 . — -iro, gelb 210 . 595 . — -ito 455 . — -karásu-uri 85 . Kikiyô 324 . Kiku 325 . Kikubába-dokoro 79 . Kiku-jisa 86 . Kiku-no-hana 324 . 325 . 441 . 556 . — -no-hanamon 325 . — -no-sekku 324 . Kikuráge 93 . Ki-lin 381 . Kimpu-zan 372 . 507 . Kin 355 . 506 . 596 . 601 . Kin-baku 419 . — -gami 460 . Kingiré 459 . Kin-iro 418 . — -ji 438 . 441 . — -ka 597 . Kínkán 105 . Kin-kise 513 . Kinko 227 . Ki-no-horimono 501 . Kinóko 91 . Kin-pun 435 . — -ran-sha 454 . — -satsu 596 . 597 . 638 . — -shi 461 . Kinsu 596 . Kinu 227 . 240 . 452 . — -chijimi 457 . Kiôto 559 . 568 . 615 . 629 . Kiri 261 . 267 . 292 . 321 . 335 . 400 . 421 . — -kane 436 . — -ko 425 . Ki-rín 380 . 381 . Kiri-no-ki 292 . Kisami-kombu 634 . Kiséru 154 . — -gai 157 . Kisó-gawa 55 . Ki-shô-mi 410 . 412 . 415 . Kimóno 459 . 483 . Kiuri 84 . Ki-urúshi 407 . 408 . 410 . 523 . Kiúshiu 55 . Kiwáda 210 . 304 . Ki-wáta 195 . Kiwó 419 . — -urúshi 418 . Kiyára 623 . Kiyódô - unyu - guwái - sha (spr.Kijódoúnju Káischa) 606 . Kiyo-midzu 569 . 580 . Kizo 565 . ko, klein, 58 . Koban 419 . 535 . 536 . 599 . — -shi 480 . Kôbe 630 . Kobi-cha 211 . Kobu-nire 290 . Kobushi 309 . 320 . Kobushô 352 . Kôchi 55 . — -ken 409 . Kô-dô 525 . Kôdzu(o) 195 . 468 . 473 . 478 . Kodzuka 516 . Kô-gai 516 . Ko-gane 355 . Kogá-no-ki 292 . — -gashi 292 . Kogáshi 29 . — -tsuchi 33 . Kogátana 420 . 511 . Kô-hone 82 . Kôji 113 . Koke-momo 109 . Koku 8 . 55 . Kokúbu 157 . Koku daidzu 68 . Koku-motsu 42 . Ko-kuri 256 . Kokurui 5 . Kokusa 59 . Kokusá-gi 303 . Kokuso-o-kau 423 . Koku-tan 294 . Ko-kuwa 307 . Koma 400 . 556 . Komádzu 202 . Komágatake 17 . Kombu 95 . 634 . Kome 5 . 42 . 43 . 54 . — -no-ko 312 . Komo 202 . Ko-mugi 5 . 42 . 58 . — — -no-ko 59 . Kónán-chiku 271 . Ko-nara 286 . Konbu 624 . Kongô-san 372 . 507 . — -sha 372 . 508 . Kon-jô 593 . 595 . Kónniyáku 79 . Konóte 276 . Kori 204 . Kôri-tôfu 126 . Japanisches Register. Ko-rô 530 . 558 . Kosaka 356 . Kô-sakura 321 . Koshari 236 . Kôshiu-no-budo 107 . Kôshô 88 . Ko-sugi 481 . 484 . Kotoi 217 . Ko-ushi 217 . Kowashi 636 . Kôya-maki 255 . 257 . 269 . 283 . 284 . 316 . Kóyanági-obi 459 . Kôya-san 257 . Koye 29 . Kô-yen 310 . Koyéndóro 85 . Koye-tori 32 . — -tsuchi 33 . Ko-yôji 292 . Ko-zan-kitóku 352 . Kôzo 468 . — -no-ki 468 . Kuchi-nashi 209 . 417 . Kudzu 75 . 199 . 217 . — -ito-tsumugi 455 . 458 . Kugi-nuki 510 . Kujíra-abura 193 . — -shaku 600 . Kumá 218 . Kumáde 36 . Kúmamóto 55 . Kumo 439 . Kunémbo 105 . Kunúgi 211 . 246 . 255 . 287 . — -nara 246 . 287 . Kurátoko 357 . Kura-yashiki 639 . Kúrenómo 85 . Kuri 109 . 211 . 250 . 255 . 287 . Kuriiro-urúshi 418 . Kuri-no-hai 556 . Kuro, schwarz, 595 . Kuróbe-sugi 279 . Kuro-dake 271 . 345 . — -fun 436 . — -gaki 294 . Kúrogáne 359 . 514 . — -modoshi 309 . Kurógoma 181 . Kuro-gosu 593 . Kuróíro 211 . Kuro-ki 258 . 261 . 294 . — -kibi 602 . Kurómái 54 . Kurómame 68 . Kuròmatsu 257 . 281 . Kuróme-úrushí 415 . Kuro-moji 292 . Kuro-urúshi 417 . Kuruma 37 . 217 . 603 . Kurúmi 110 . 285 . Kururi 37 . Kusá (spr. ksa), Kraut, Gras, 507 . Kusábíra 91 . Kusá-íri-súishô 507 . Kusákura 358 . Kusá-maki 276 . — -mao 197 . Kusári-kátabíra 517 . 519 . Kusáwara 324 . Kushi 37 . Kusôdzu 367 . Kusôdzu-no-ábura 367 . Kusu 291 . — -no-ki 168 — 176 . 268 . 291 . Kusúri 556 . Kutáni-ishi 370 . 575 . 578 . 579 . — -yaki 551 . 575 . Kuwa 36 . 106 . 225 . 288 . 472 . Kuwái 75 . Kuwa-kami 481 . Kuwána 576 . 580 . Kuwan-me (spr. Kwamme) 601 . Kuwa-no-kawa 472 . Kuwántô 55 . Kuwárin 99 . Kuwáshi 472 . Kuwáshiíre 558 . Kuzúmi Mórikáge 574 . M agai Aógai 433 . Magowa 37 . Magusa 216 . Majumi 301 . Maki 276 . 284 . Mákiyéshi 402 . 434 . Makkô 307 . Mákudzuyáki 572 . Makura-uri 84 . Mame 64 . — -gaki 294 . Manji 379 . Manshiu-imo 79 . Man-tse 379 . — -zaku 102 . Mao 197 . Marúmeró 99 . Masaki 316 . 342 . Masu 635 . Matáke 270 . Matátabi 108 . 307 . Matsu 255 . 279 . 316 . 326 . Matsubágaki 36 . Matsu-dake 92 . Matsumoto-Gumi 246 . Matsu-no-sumínoko 419 . 436 . Ma-wata 233 . 241 . Mayu 228 . Medétai 93 . Mégané-sasági 72 . Méibutsu 507 . 563 . Me-matsu 281 . Men-dori 218 . Menô 506 . 508 . — -seki 372 . 508 . Menuki 515 . 535 . Menyô 217 . Meshi 54 . Me-take 271 . — -ushi 217 . Midzu-ame 121 . — -bachi 558 . Midzuhikí 478 . Midzuki 295 . Midzúme 285 . — -na 82 . — -nara 287 . — -nuki 358 . Mikáge-ishi 371 . Mikan 105 . Japanisches Register. Miki 112 . Mimpéi-yaki 569 . Minébarí 285 . Mino 55 . 202 . 203 . 494 . Minógamí 424 . 480 . 482 . — -yaki 572 . Miôban (Miyôban) 370 . Miôga 89 . Mirin 119 . Miru 95 . Mi-sasági 305 . Miso 125 . Mito 372 . Mitsuba-akébi 107 . Mitsubishí-guwáisha 606 . Mitsu-mata 471 . 479 . 481 . 484 . Mitsu-rô 185 . Mitzú-bachí 218 . Miyánoshíta 397 . Míyasáki 15 . Mo 601 . Mochi-gome 54 . 58 . 127 . — -no-ki 301 . Modzúku 95 . Mogami-gami 480 . 482 . Mokkoku 399 . Mókoko 344 . Moku-butsu 501 . — -kenjiu 300 . Mokume 438 . Mókuséi 293 . 343 . Moménmono 450 . Momi 54 . 255 . 279 . Momiji 52 . 299 . 325 . Momi-kome 577 . Móminái 54 . Momo 211 . 316 . 320 . Momó-iró 215 . Momo-no-kawa 211 . Mon, gemustert 597 . — -chirimen 457 . Mongami 55 . Mon-ginu 455 . Monme (spr. Momme) 601 . Mono, die Arbeit 402 . Mónsha-núri 439 . Mon-shi 477 . 480 . 483 . Mon-Tengu-jô 480 . 482 . Morókoshí 43 . 59 . Môsô 271 . — -chiku 271 . Moto 113 . 115 . Moyashi 122 . Moyó-sha 454 . Mugi 58 . — -kogi 37 . Muke 365 . Mukôjima 321 . Muku 289 . 473 . Mukubi 473 . Mukúge 312 . Mukuróshi 300 . Muku-no-ki 289 . 473 . Mume 102 . 297 . 316 . 319 . 320 . — -fuji 306 . Mune 515 . Murasáki 209 . 593 . — -kusa 209 . — -suíshô 507 . Mushiro 202 . Mutsu 405 . N a 178 . Nabéshima 562 . Nabétané-íshi 370 . Naga-dokoro 79 . Nagá-imo 79 . Nagásakí 15 . 630 . Nagi 276 . 316 . Naí-kokú-tsuún-guwaísha 606 . Naka, zwischen 418 . Nakade 54 . Nakakósaka 360 . Naka-nuri 425 . — -togi 425 . 435 . Naka-sén-dô 602 . 603 . Nakasô 358 . Naka-urushi 418 . Namari 359 . Namatsu-no-takara 506 . Nambu 405 . Namisen 598 . Nan 291 . Nana-kamédo 297 . Nanako 455 . Nanbán kibi 59 . 60 . 63 . Naniwa 609 . Nánkíng-haze 291 . Nara 255 . 286 . 287 . 449 . Nara Jôfu 449 . — -no-hai 556 . Narude 212 . Narumi-shibori 450 . Nashi 98 . Nashiji 417 . 437 . 441 . Nashíji-tsutsu 421 . Nasu 81 . 86 . Násubí 86 . Nátamáme 71 . Natane 178 . Natsu-bera 406 . — -gi-sha 454 . — -go 227 . 235 . Natsúme 102 . 300 . Natsu-sukushi-yuri 80 . Naye (spr. naë) 54 . 256 . Nayéshirógawa 565 . 567 . Nebari 474 . Nedjuko 278 . Nedzúmi, Ratte, grau, 218 . 595 . Nedzúmiiro-fun 436 . Nedzúmi-mochi 293 . 342 . — -take 92 . Negi 90 . — -rui 81 . 89 . Neko, Katze, 218 . Nemu 298 . — -no-ki 298 . Nemúri-no-Neko 502 . Nemuro 631 . Nengô 598 . Neri 474 . Netzuke 155 . 500 . Ni 596 . Nibeshi 200 . Ni-bu 598 . Niga-uri 84 . Niigáta 631 . Ni-ju 596 . Nikawa 419 . 498 . Níkkéi 88 . Japanisches Register. Nikkô 398 . — -zaiku 398 . Níngiô 558 . Nínjín 85 . 160 — 168 . Nínníku 89 . Nínseí 568 . Nínseíyaki 568 . Nín-sóku 603 . Ni-ó 501 . Níppón - Yûsen - guwáisha 606 . Nira 90 . Nire 290 . Nishijin 453 . Nishiki 459 . Nishin 33 . 194 . Nishi-no-uchi 481 . 483 . Ní-shû 598 . Niwa 310 . — -sakura 101 . 321 . Nobiru 15 . No-gurumi 285 . Nojiro-Shúnkéi 427 . Nomi 510 . Nora-hiye 59 . — -mame 72 . Nori 95 . 216 . 420 . 474 . 475 . — -gami 475 . 478 . 480 . Nóriíre 481 . Nori-kusa 474 . — -no-kí 337 . 474 . Noshi 233 . — -ito 241 . Nubeshi 474 . Nui-haku 462 . — -mono 462 . Nuka 216 . Nuki-ito 455 . Nuno 195 . 419 . — -kise 424 . — -me-Zogan 513 . Nuri-mono 402 . — -mono-shi 402 . 426 . — -shippô 591 . — -tate 418 . 427 . Nurude 186 . Nushi-ya 402 . 423 . O , gross, 58 . Ôarata 367 . Obaku 210 . 304 . Obama 429 . Ô-ban 599 — 600 . Oba-no-chisa 294 . Obi 454 . 459 . Obotshi 302 . O-cha-dzuke 563 . Ô-doko 351 . — -fuigo 351 . — -garashi 82 . 178 . Ogásawárashima 15 . Ôgi 75 . 495 . Ogiri 350 . Ogo 96 . Ôgon 159 . 355 . Ô-guruma 457 . — -haba 457 . Ohagúro 211 . 213 . Ô-haku 466 . Oháshi 359 . Ohio-no-ki 199 . 290 . Ôhira-tétsu-sán 359 . Ôji 321 . Ôjôin-mura 362 . Okabo 43 . 54 . Ôkasáki-tsuchi 519 . Oke 117 . — -gawa 517 . 519 . Oki-mono 535 . 558 . Ô-kinuta-sô 209 . Oku 54 . Ô-mame 65 . O-mamma 54 . — -matsu 281 . O Miki 112 . Omina-meshi 324 . 441 . Omocha 400 . Omodani 357 . Ômori 400 . Omote 465 . 478 . Ô-mugi 5 . 42 . 58 . Ô-nara 287 . On-dori 218 . Oniki 366 . Oranda-jisa 86 . Osárusáwa 358 . Oshiu-kai-dô 603 . Ôta 542 . 559 . Ô-tade 88 . Ôtaka-gami 481 . 484 . 491 . Ôta-yaki 567 . 572 . O-ushi 217 . Owari 55 . Oya-kata 490 . Oyáku-yen 158 . Ôzaka 55 . 609 . 629 . P an 41 . Porónaí 364 . R a-den 506 . Raiden-giri 293 . Rakkáshô-no-abúra 180 . Rakkuwáshô 65 . Raku 546 . Rákuyáki 545 . 546 . 567 . Rashamén 217 . Rei-ki 380 . Réishi 93 . Réngaséki 541 . Renge 74 . 322 . Rengijo 320 . Rénkón 74 . 322 . Rin 380 . 596 . 601 . Ringo 99 . Riú-kiu 76 . Riúkiu-imo 76 . Ri-sampeí 563 . Riyô 380 . 381 . Rô 176 — 194 . 455 . 588 . 589 . Rôha 522 . Rôíro 428 . — -tsumi 419 . — -urúshi 418 . 592 . Rokuro 544 . 554 . — -saíku 511 . Rókushíyô 593 . Rô-no-ki 189 . 299 . Rôséki 371 . 508 . Ruri 506 . — -kon 206 . S abi 425 . 432 . Sado 355 . 356 . Sagara 367 . Sagi-ito 240 . Japanisches Register. Sáidzuchi 510 . Sáikachi 298 . Saiku 402 . Sáinái 359 . Saí-yen 310 . Saji 421 . Sakai 609 . Sakáki 257 . 305 . Sakáki-no-hashi 305 . Sake 56 . 112 . — -dzuki 558 . Saki-kake 490 . — -kawa 490 . Sakura 216 . 297 . 316 . 320 — 321 . 422 . Same-dzaya 431 . Sámegáwa-nuri 431 . Same-no-kawa 432 . 588 . Sanébutó - natsúme 102 . 300 . San-dai-ka 55 . Sánékátsura 309 . 475 . Sangoju 506 . Sánkáku-hiye 59 . Sano Nobúteri 592 . Sanshiô-nayu 103 . Sanshiu 295 . — -yu 295 . Sanshô 83 . 88 . 303 . 397 . Sanúki 55 . San-yô-dô 603 . Sáppóro 15 . 20 . 631 . Sara 558 . 563 . Sarai 36 . Sarasa-ishi 371 . Saru 218 . — -name 306 . — -nashi 108 . — -no-kóshikáke 93 . Sárusúberi 259 . 267 . 306 . Sasa 271 . Saságe 72 . Sasagi 72 . Sasánkuwá 306 . 326 . Sasánk΄wá-no-abura 178 . Satô 128 . Sato-imo 78 . Satô-kibi 128 . Satsu 596 . Sátsúma 542 . 565 . 567 . Sátsúma-ímo 75 . — -yaki 565 . 567 . Sawa-gurumi 285 . — -mura 399 . Sawara 257 . 276 . 277 . 421 . Saya 432 . 444 . 515 . 516 . — -hana 418 . Sayá-shi 402 . Sazaye 505 . Se 601 . Séi-shitsu 419 . 428 . Seishu 112 . Seki 569 . Seki-ban 372 . Sékigahára 617 . Séki-gúsa 202 . Sékitán 362 . Seki-yéi 506 . Sémbéi 127 . Sen 596 . Sencha 141 . Séndái 55 . Sendai-no-umuregi - záiku 310 . Sendan 302 . Sengoku-mame 72 . Senka 481 . 484 . Senkiyu 159 . Sennári-hôdzúki 86 . Se-no-ki 295 . Sen-sei 490 . Seshime 407 . 415 . 523 . Sérigáno 355 . Seto 361 . 551 . 559 . 569 — 571 . 580 . — -konjô 361 . Seto-mono 551 . 570 . Setzu 31 . Sha 455 . 458 . Shake 635 . Shaku 359 . 600 . — -dô 525 . 535 . Shákunáge 293 . Shakunági 398 . Shákuyáku 159 . 336 . Shaori-sha 454 . Shari 60 . — -kaganai 419 . Shari-Nashíji 419 . 433 . Shi, Papier 464 . Shiba 202 . — -ebi 635 . — -take 92 . Shibóri 458 . Shibu 81 . 104 . 118 . 211 . 213 . 214 . 419 . 426 . 477 . — -gaki 213 . 294 . — -ichi 525 . 535 . Shibuki 209 . Shi-dako 635 . Shidáre-yanagi 284 . Shifu 492 . — -gami 481 . 483 . 492 . Shigáraki 568 . 580 . — -tsuchi 569 . Shii 110 . — -noki 92 . — -no-mi 110 . — -take 91 . Shika 218 . Shiké-ito 241 . Shikimi 307 . — -no-kawa 307 . Shikóku 55 . Shikon 209 . Shikótan 271 . 296 . Shi-kusa 197 . Shima-chirimen 458 . Shiméshi 93 . Shime-urushi 407 . Shimóda 627 . Shin 89 . Shináno 58 . — -gaki 104 . 214 . 294 . Shinánogáwa 55 . Shíná-no-ki 200 . 304 . Shin-ju 506 . Shí-no-ki 255 . 257 . 269 . 287 . Shin-ro 558 . Shío, Salz, 368 . 417 . 419 . Shío-gama 369 . Shio-hama 11 . 368 . Shióji 295 . 296 . Shippô 506 . 513 . 582 . Shippô-urúshi 587 . 591 . — -yaki 582 . 587 . 590 . Japanisches Register. Shira, weiss Shirabe 280 . Shirá-cha 211 . Shirága-mushi 249 . — -nori 96 . Shirágiri 293 . Shira-kaba 285 . — -kamba 285 . — -kashi 287 . Shiráki 291 . 305 . Shira-kuchi 307 . — — -katsura 108 . 307 . Shirámo 96 . Shirá-shibóri 178 . — -shime 178 . Shi-réi 380 . Shiríbeshí 364 . Shiró, weiss, 200 . 275 . 345 . 594 . Shiró-gane 356 . Shiro-goma 181 . Shiro-hana-azimame 72 . Shiró-káne-dzaiku 535 . Shiró-ko 227 . — -mame 67 . Shirome-ko 362 . Shiro-móji 292 . Shiró-no-ki 200 . — -saiku 201 . Shiró-sake 119 . Shiró-tzudzu 291 . — -tsutá-no-ki 344 . — -úri 84 . — -utsugi 337 . 474 . Shishi-biye 59 . Shiso 88 . Shisui 568 . — -Kenzan 568 . Shitáji 425 . Shita-mákiye 435 . Shitán 298 . — -nuri 430 . Shitátsuki 558 . Shiu, Zinnober, 419 . — -chiu 524 . Shiû-mukígara 436 . Shiúsu 558 . Shiú-urúshi 417 . Shiwó 368 . Shiwó-shake 635 . — -tara 635 . Shiyún-kei 417 . 427 . Shô 601 . Shôben 32 . Shôchû 119 . Shôfu-nori 485 . Shôga 88 . Shôji 278 . 395 . — -gami 481 . 484 . Shókunín 6 . Shônô 168 — 176 . 419 . Shô-ro 92 . Shôyû 123 . Shû 598 . Shunkei 417 . 427 . — -yaki 572 . Shuran 588 . Shurku 160 . Shuró 200 . Shuró-gi 275 . Shuró-no-ki 275 . Shusu 454 . 455 . Sikímmi 160 . Sinshiu 589 . Soba 43 . 64 . Soku 478 . Sômen 127 . Somé-tsuke 551 . 570 . Sone 310 . Soráchi 364 . Sorá-máme 72 . Sotétsu 275 . 397 . Soye 117 . Su 128 . Subéri-hiyu 83 . Sudzu 359 . Súdzuháku 460 . Sudzuri 499 . Suge 202 . Sugegawa 367 . Sugi 255 . 269 . 278 . Suí-kuwá 84 . Suíshô 372 . 506 . 507 . — -rin 506 . Suishô-tama 506 . Sukári 249 . Suki 36 . Sukí-gaéshi 473 . 481 . — -urúshi 417 . Sumi 419 . 497 . — -bike 425 . — -ire 496 . Sumómo 101 . Sumpu 619 . Sun 600 . Sunóko 477 . Surí-hegáshi-nuri 431 . — -urúshi 428 . Súruga - banshi 471 . 481 . 484 . Surume 635 . Susu 498 . Súsúki 203 . 324 . Suwô 209 . 275 . Suzu 521 . T a 11 . 43 . 252 . Tabáko 154 . Tabu 291 . — -no-ki 291 . Tachi-ika 635 . Tade 88 . Tadzu 474 . Ta-funo 291 . Tagane 510 . Tai 421 . Taifûn 13 . Taí-héishi 478 . Tai-ki 421 . Tajima 400 . Tajimi 572 . Takagi 227 . Tákaháma 362 . 564 . Taka-kabu 226 . — -kibi 59 . — -makiye 436 . 440 . 445 . — -na 82 . 178 . Tákenága-gami 481 . Tákasáki 607 . Takáshíma 363 . 365 . Tákatómari 365 . Tákayáma 572 . Táka zógan 512 . Take 81 . 90 . 91 . 203 . 270 . 422 . Rein, Japan. II. 43 Japanisches Register. Tákebéra 420 . Take-mono 274 . Takeni-gusa 337 . Take-no-ki 272 . — -no-ko 90 . — -yabu 257 . Tákidáni 358 . Tako 635 . Tama-gusu 291 . — -ito 233 . — -mayu 241 . — -moku 289 . — -no-keáki 289 . Tamano-o 324 . Tamo-Ôsho-gi 474 . Tampan 522 . Tamura Gonzáyemón 574 . Tan 456 . 457 . 600 . 601 . Tane 228 . 241 . — -abúra 178 . 420 . — -gami 228 . — -kôji 113 . 114 . — -tsubo 558 . Tanichi-tamo 290 . Tani-yama 359 . Tankiri-mame 72 . Tano-ura 567 . Taru 408 . Tatàku 511 . Tatámi 201 . 601 . Tate 455 . Tátesáto 358 . Tatsuno 567 . Tatsuta-gawa 325 . — -momiji 325 . Te-bukuro 406 . Tebúshiukan 106 . Temmoki 558 . Tempô 598 . Tengu-jô 480 . 482 . Tengusu 232 . 250 . Ténnín 533 . Tensei 88 . Teshíma-íshi 371 . Tenshô Daijin 5 . Tetsu, Eisen, 286 — 287 . 359 . 422 . 514 . Tétsubín 517 . Tetsudô 607 — 608 . Tô 101 . Tobira 343 . Tochi 211 . 300 . 341 . — -no-ki 300 . Tôfu 126 . Tôfutsu 368 . Tôgán 84 . Tôgarashi 87 . Tô-goma 184 . — -gosu 593 . — -gurumi 285 . — -guwa 84 . — -haze 291 . Tôhi 280 . To-ishi 419 . Toiya 629 . Tôjin-mame 65 . 180 . Tô-kaí-dô 602 . 603 . — -kaki 106 . Toki 587 . Tôki-gáisha 567 . Tô-kibi 60 . 63 . Tô-kínkan 106 . Tôki-shippô 587 . 590 . Tókkúri 558 . Toko 201 . Tókonáme-yáki 571 . Tokónoma 93 . Tokoro 418 . Tokórotén 128 . — -gusa 96 . Tô-kuwa 226 . Tokugáwa Shôgun 56 . Tómióka 243 . Tô-morokóshi 43 . 60 . 63 . Tomúshiro 204 . Tô-na 178 . — -nasu 83 . Tonébetsu 368 . Toné-gawa 55 . Tonériko 293 . Tónokúchi 574 . — ishi 574 . 578 . To-no-ko 419 . Tô-no-tsuchi 419 . 594 . Tora-momi 280 . Torayô 301 . Tori 218 . Tori-kabuto 160 . Tóri-móchi 301 . Toróro 474 . 482 . Tô-Rô-seki 508 . Tosáka-nori 96 . Tó-sei 343 . — -sendan 302 . — -shiro 311 . 418 . 572 . Toshíro-yaki 572 . Toso 119 . 202 . Toso-shu 119 . Totan 361 . 589 . Tôyu 493 . Toyósuke (spr. Toyóske)- yaki 541 . 571 . Tsien 601 . Tsuba 515 . 516 . 535 . Tsubáki 179 . 268 . 305 . 326 . 331 — 333 . 399 . — -no-abura 178 . — -no-sumi 419 . Tsúbó 541 . 558 . 563 . 572 . 601 . Tsuchi, Erde, 370 . 540 . — -me 511 . — -yaki 540 . 551 . Tsudzúre-no-nishiki 461 . Tsuga 255 . 261 . 281 . Tsugáru-nuri 428 . Tsuga-take 93 . Tsuge 267 . 290 . 399 . Tsui-shiu 441 . 442 . Tsuká 515 . — -gashira 515 . Tsuké-mono 81 . Tsukígome 54 . Tsumági 455 . Tsunagi 474 . Tsunáso 199 . Tsuno 422 . 504 . — -ban 421 . — -ko 419 . Tsúno-máta 96 . Tsuri-gane 521 . 532 . Tsuru, schlingen. Tsurugi 514 . Tsuru-masaki 344 . Tsuru-mume-modoki 301 . Tsuru-réishi 84 . Japanisches Register. Tsutá, eine Schlingpflanze 397 . — -no-ki 259 . 307 . 367 . Tsútsu-furúi 421 . Tsútsúji 314 . 321 . Tsusure-sha 454 . Tsuya-keshi 428 . Tsúbetági 294 . U ba-yuri 80 . Ube 365 . Uchi-age 511 . — -dashi 511 . Uchiwa 495 . Udo 85 . Udshi 235 . Udzu 160 . Udzura-mame 68 . Ugo 405 . Uguisu 320 . Uíkiyó 159 . Uji 133 . 136 . 137 . 138 . 149 . Ukon 89 . 211 . 215 . 399 . Uma (M΄ma) 216 . Umédzu 128 . 215 . Umé-kawa 211 . Umí-kusá 96 . Umurégi 310 . Undon 127 . Úgnísu (spr. Únguísu) 319 . Unoke-hake 420 . Ura 465 . 478 . Uri-no-ki 295 . — -rui 81 . Urúshi 402 . — -kaburé 414 . — -koshi 482 . Urúshine 43 . 54 . 113 . 121 . 299 . Urúshi-no-ki 186 . 299 . 404 . — -saíku 402 . — -shókunín 406 . Urúshiya 416 . Usági, Kaninchen, Hase. Usu 38 . Usude-Torinoko-gami. — -yaki 561 . Usego 481 . 485 . Ushi 217 . Uwo-no-ábura 636 . Uye-gomi 310 . Uyé-ki-bachi 558 . Uyéno 321 . W age-gomi 310 . Wakame 95 . Wakása-nuri 429 . Wákayáma 15 . Wakegi 90 . Wákizáshi 515 . Wan 422 . 558 . Wara 34 . 201 . Warabi 80 . 90 . — -no-ko 80 . Wára-kíse-záiku 399 . Wasabi 82 . Wase 54 . Wata 195 . — -no-ábura 179 . — -no-ki 195 . Y abu 257 . 291 . Yábuhára 399 . Yábu-kusu 291 . — -ran 341 . Ya-gire 290 . Yakeru 519 . Yaki, das Gebrannte, 515 . 582 . — -ba 515 . — -gama 351 . — -gane 419 . 435 . 436 . — -kin 435 . 599 . Yakumi 81 . Yaku-shi 532 . — -sugi 279 . Yama, Berg, 245 . — -boke 334 . — -budô 107 . — -búki 321 . Yamagano 356 . Yámahárí-no-ki 285 . Yáma-ímo 79 . Yámagáta 405 . Yamá-giri 183 . 290 . — -gurumi 285 . Yáma-ko 245 . Yámamái - món - chírimén 458 . Yámamayu 243 . 244 . 248 . Yáma-mómo 209 . — -narashi 284 . Yama-nashi 297 . 320 . — -rák ΄kiyó 90 . — -sakúra 297 . — -shiba 300 . Yámashíro-mura 574 . 575 . Yamato 16 . Yama-tsubáki 331 — 333 . — -urúshi 186 . Yanági 284 . — -gôri 204 . — -yôji 421 . Yano-hiye 341 . Yasái 81 . — -móno 81 . 310 . Yashiki 11 . 20 . Yasúri 510 . Yatáte 496 . 521 . Yatsude 325 . 339 — 340 . Yátsushíro 565 . Yattoko 510 . Yedo 56 . 615 . 629 . Yego 294 . Yegóma - no - abúra 182 . 494 . Yeguri 406 . 420 . Yégusúri 361 . Yehíme ken 409 . Yen 11 . 359 . 596 . Yenbuju 212 . Yendo 72 . Yenju 297 . Ye-no-abúra 182 . 417 . — -no-ki 289 . Yezo 19 . Yézo-mátsu 280 . Yôba 31 . Yodó-gawa 51 . Yôgan-gami 491 . Yo-ji 284 . Yokka-íchi 576 . Yokoháma 628 . Yoko-ito 455 . Yokósuka 606 . 43* Japanisches Register. Yokui-nin 60 . Yomógi 160 . Yonézáwa 405 . Yorói-shi 517 . Yoshi 203 . — -dzu 203 . Yoshini 295 . Yoshino 405 . 406 . — -gami 422 . 480 . Yu 290 . Yû-gozen 54 . Yuki-ôi 256 . Yúnonái 371 . Yusu 267 . 296 . 304 . 399 . Yu-wakáshi 521 . Yuwô 367 . Yuyén 498 . Yûzen-some 461 . Z abón 105 . Zai-buri 297 . Zakuro 106 . Zeni 597 . Zôgan 512 . 518 . Zôge 502 . — -no-hórimóno 502 . Zokudzui 184 . Zokudzu-shi 184 . Zoméki 358 . Zôzo-ji 532 . Verzeichniss der Illustrationen. a. Tafeln. zu Seite I. Theestrauch, Camellia theifera 131 II. Seidenspinnerraupen auf Quercus serrata 246 III. und IV. Werkzeuge zur Lackindustrie 420 V. Lackmuster. a. Tsugaru-Lack. b. Wakasa-Lack 428 VI. Lackmuster. a. Kin-ji. b. Nashi-ji. c. Mokume 437 VII. Lackmuster. Herbstlandschaft bei Mondschein 441 VIII. Brocatmuster aus Kiôto 458 IX. Stickereimuster 462 X. Broussonetia papyrifera. Nach einem japanischen Holzschnitt 470 XI. Broussonetia papyrifera. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben 471 XII. Edgeworthia papyrifera. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben 471 XIII. Wickstroemia canescens. Japanischer Holzschnitt auf Bastpapier derselben 472 XIV. Japanisches Lederpapier 490 XV. Vorrichtungen zum Metallguss 511 XVI. Adler aus Schmiedeeisen von Miyôchin Muneharu 517 XVII. Tauschierte Vase aus Gusseisen 520 XVIII. Bronzevase aus Kiôto 530 XIX. Alte Vase aus Arita-Porzellan 560 XX. Dose aus altem Arita-Porzellan. Napf aus altem Satsuma-Steingut 563 XXI. Urne aus Satsuma-Steingut 566 XXII. Sake-Flasche aus Kaga-Porzellan 576 XXIII. Banko-yaki von Yokkaichi 576 XXIV. Kupferner Becher mit Email cloisonné und Malerei 591 b. Holzschnitte im Text. Fig. 1. Japanische Tabakspfeife aus Keaki-Holz 156 2—6. Ginseng-Pflanze (Panax Ginseng) in verschiedenen Entwickelungsstadien 162 — 165 7. Wurzel der Ginseng-Pflanze 166 8. Apparat zur Kampfergewinnung in Tosa 173 9. Oelpresse 177 Verzeichniss der Illustrationen. Fig. Seite 10. und 11 . Weibchen und Männchen des Seidenspinners (Antherea Yama-Maï Guér.-Ménev.) 248 12. Wiederholung von Fig. 1 396 13. Deckel einer mit Tsui-shiu verzierten Dose 442 14. Vorrichtung zur Darstellung von Krepp-Papier 487 15. Gusseiserner Kessel mit Tauschierarbeit 518 16. Kupferne Dose mit Tauschierarbeit 524 17. Deckel zur vorigen Dose mit Tauschierung und Ciselierung 524 18. Medaillon aus Shiro-kane 535 19. Theekanne, graubraunes Steinzeug von Kuwana in Ise 555 20. Muffel zum Einbrennen von Schmelzfarben 589 c. Kärtchen am Schlusse. 1) Verbreitung der Seiden- und Thee-Cultur (zu S. 240 und 153 ). 2) Verbreitung des Talg- und Lackbaumes (zu S. 189 und 186 ). 3) Uebersicht der Montanindustrie (zu S. 353 ). Berichtigungen . S. 91 Z. 13 v. u. lies Matsu-take st. Abatsu-take. » 96 » 7 v. u. lies e st. d. » 121 » 5 v. u. lies Mochi-gome st. Machi-gome. » 153 in der Tabelle lies Tamba für Tanba und Iyo für Igo. » 197 Z. 20 v. o. lies Shi-kusa st. Schi-kusa. » 257 » 13 v. o. lies Iyeyasu st. Jyeyasu. » 321 » 3 v. u. lies Tsutsuji st. Tutsuji. » 332 » 1 v. o. lies Lagerström st. Lagertröm. » 371 » 1 v. o. lies Pumpelly st. Pumpelli. » 403 » 7 v. o. lies Kunst des st. Kunstades. Druck von Breitkopf \& Härtel in Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig . Japan nach Reisen und Studien im Auftrage der Königlich Preussischen Regierung dargestellt von J. J. Rein, Professor der Geographie in Marburg. Erster Band: Natur und Volk des Mikadoreiches. Mit 5 Lichtdruckbildern, 12 Holzschnitten, 3 lithographischen Tafeln und 2 Karten. gr. 8. 1881. geh. M 20. —; geb. M 23. —. Die Amerikanische Nordpol-Expedition von Emil Bessels. Mit zahlreichen Illustrationen in Holzschnitt, Diagrammen und einer Karte in Farbendruck. gr. 8. 1879. geh. 16 M . geb. 18 M . Technologische Studien im sächsischen Erzgebirge von Hugo Fischer, Assistent u. Privatdocent f. mechan. Technologie am k. sächs. Polytechnicum u. Sekretär der techn. Deputation des k. sächs. Ministerium d. Innern. Mit einem Vorwort von Dr. E. Hartig, Regierungsrath u. Professor am königl. Polytechnicum. Mit 17 Tafeln in Lichtdruck. 8. 1878. M 6.—. Die Vegetation der Erde nach ihrer klimatischen Anordnung. Ein Abriss der vergleichenden Geographie der Pflanzen von A. Grisebach. Zweite, vermehrte und berichtigte Auflage. Mit einer Übersichtskarte der Vegetationsgebiete. 2 Bände. Mit Register. gr. 8. 1884. geh. M 20.—. geb. (Halbfranz.) M 25.—. Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung. Vorlesungen gehalten an der Universität Cambridge von F. Max Müller. Vom Verfasser autorisierte Übersetzung von C. Cappeller Professor an der Universität Jena. 8. 1884. geh. M 7. —, geb. M 9. —. Druk von Breitkopf \& Härtel in Leipzig.