MARTINI OPITII Buch von der Deutschen Poeterey. J n welchem alle jhre eigen- schafft vnd zuegehoͤr gruͤndt- lich erzehlet/ vnd mit exem- peln außgefuͤhret wird. Gedruckt in der Fuͤrstlichen Stadt Brieg / bey Augustino Gruͤndern . Jn Verlegung David Muͤllers Buch- haͤndlers in Breßlaw . 1624 . Horatius ad Pisones: Descriptas servare vices, operumq́ue colores, Cur ego, si nequeo, ignoroq́ue, Poëta salutor? Cur nescire, pudens pravè, quam discere malo? Denen D enen E hrenvesten/ W olweisen/ W olbenambten vnd Wolgelehrten HErren Buͤrgermeistern vnd Rathsverwandten der Stadt Buntz- law/ seinen guͤnstigen Herren vnd befoͤrderern. E Hrenveste/ Wolweise/ Wolbe- nambte vnd Wolgelehrte insonders guͤnstige HErren/ Was bißanhero von einem vnnd dem andern/ auch vornemen Leuten/ zum offteren an mich ist begehret worden/ das ich nemlich von vnserer Deutschen Poeterey/ derselben art vnd zue- gehoͤr/ etwas richtiges auffsetzen moͤchte/ habe ich vorwichene tage zue wercke gebracht. Zwar erstlich/ solchem ehrlichen begehren wie billich zue verhengẽ: nachmals aber/ die jenigen vor derer augen diese vorneme wissenschafft ein grewel ist zue wiederlegen/ vnd die/ so sie als ein leichte ding vor handen zue ne- men vnbedacht sich vnterstehen/ ab zue halten/ die gelehrten aber vnd von natur hierzue geartete ge- muͤter auff zue wecken/ mir/ der ich dißfals bey wei- tem nicht genung bin/ die hand zue bitten/ vnd den weg so ich allbereit vmb etwas eroͤffnet vollendts zu baͤhnen. Weitleufftiger vnd eigentlicher zue schrei A ji ben ben hat mich nicht allein die enge der zeit/ sondern auch sonsten allerley vngelegenheit verhindert/ die mir von denen zuegefuͤget wird/ welche/ wann es bey jhnen stuͤnde/ wuͤnschen wolten/ das auch das gedaͤchtniß der Poeterey vnnd aller gutten Kuͤnste vertilget vnd außgerottet wuͤrde. Ob mich nun woldergleichen vnbilliche Wiederwertigkeit/ die ich ohne meinen verdienst tragen muß/ offtermals kaum nicht zwinget wie Nero zue sagen; Vellem nescire literas: jedoch habeich/ in erwegung derer Vrsachẽ die mir etwas beßers rahten/ vnd das die Zahl vie- ler grossen Maͤnner die mir huldt sein die wenigen abguͤnstigen weit hinwieget/ zwar ietzund in diesem geringen wesen den willen mit meinem schlechten studieren etwas zue fruchten erweisen wollen: vnnd wil auch nachmals besten fleißes mich bemuͤhen/ an groͤßeren vnd mehr wichtigen sachen (denn ich gar wol weiß/ das es mit der Poeterey alleine nicht auß gerichtet sey/ vnd weder offentlichen noch Privat- aͤmptern mit versen koͤnne vorgestanden werden) durch beystandt Goͤttlicher huͤlffe alle mein heil zue versuchen. Jndeßen/ Großguͤnstige HErren/ wol- len sie/ zum pfande meiner kuͤnfftigen vorsorge wie mein geliebtes Vaterlandt vnnd sie meiner je mehr vnd mehr ruhm vnd ehre haben moͤgen/ dieses buch auff/ vnd annemen/ vnd beynebenst geneiget erwe- gẽ das ich auch darumb jhnen sol ches billich vor an- dern zueschreiben sollen/ damit ich nicht/ wann ich sie sie in diesen vnd andern meinen schrifften lenger mit stilleschweigen vbergienge/ von denen die meinen kuͤnfftigen vorsatz nicht wissen fuͤr vndanckbar moͤ- ge gescholten werden. Welchen lasters ich nicht al- leine anderwerts frey vnd ledig bin/ sondern auch dißfals kuͤhnlich fagen darff/ das ich solche große lie- be zue meinem Vaterlande trage/ dergleichen zwar von allen erfordert/ aber bey wenigen erfunden wird. Jch muß nur bekennen/ das ich nicht vnlengst auß weit abgelegenen orten/ da es mir an ehre/ foͤde- rung/ freundschafft vnd alle dem was ich beduͤrffend nicht gemangelt hette/ mich mehrentheils darumb zueruͤcke gemacht/ vnnd meinen zuestandt in vnge- wißheit gesetzet/ das ich das verlangen/ daheime vnd bey den meinigen die zeit zue verschliessen/ nicht lenger ertragen koͤnnen. Welches ich sonsten kaum so rundt herauß sagen wolte/ auß furchte/ das es mir von andern fuͤr eine zaͤrtligkeit vnd weichmuth moͤchte außgeleget werden/ wenn mir nicht wißend/ das Vlyßes so sehr auff sein Jthaca zue geeilet/ als Agamemnon auff sein Mycène / vnd der grosse mann hertzlich gewuͤnschet/ auch nur ein raͤuchlein so dar- auß auffgienge von fernen zue schawen. Der Va- ter der Musen Alfonsus in Sicilien/ als ihm einer erzehlete wie Rom so gewaltig/ Venedig so groß/ Florentz so reich/ Meilandt so Volckreich were/ gab er jhm dieses gar gerne zue/ aber/ hub er darneben an/ ich wil niergendts lieber sein als zue Carioncilla: A iij welches welches ein flecken war/ darinnen der loͤbliche vnnd tugendhaffte Koͤnig gebohren vnd auffgewachsen. Kan mir also niemand zue rechte vbel deuten/ das ich mein Buntzlaw/ ohne ruhm zue sagen/ die erzie- herinn vieler stattlichen beruͤhmbten leute/ welche ich bey anderer gelegenheit schon wil zue erzehlen wissen/ als ein Kind seine Mutter ehre/ vnd bestes vermoͤgens hand zue wercke lege/ wie nicht alleine ich durch das Vaterland/ sondern auch das Vater- land durch mich bekandter werde. Nebenst dieser gemeinen vrsache hiesiger meiner zueschreibung ha- be ich nicht weniger in acht zue nemen/ die grosse gunst vnd freundschafft/ mit welcher ein ietweder von den Herren mir bey aller vorgehenden gelegen- heit zum offtersten begegnet: ja das sie auch mir ent- weder mit Blutfreundschafft oder verwandtniß bey gethan sind/ oder/ worunter ich Herren Saͤnfftle- ben verstehe/ mich zue alle dem was ich weiß vnnd kan/ wie wenig es auch ist angewiesen vnd geleitet haben. Werden also die HErren/ in betrachtung obgemeldeter vrsachen/ in guttem verstehen/ das ich Jhren namen hiesigen geringfuͤgigen buche/ das doch hoffentlich an seinem orte wird ersproͤßlich sein/ vorsetzen/ vnd dadurch/ weil anietzo nichts anders in meinem vermoͤgen gewesen/ nur etzlicher maßen mein danckbares gemuͤte vnd gutten vorsatz erweisen erweisen wollen. Befehle sie hiermit in den schutz des Hoͤchsten/ mich aber in jhre behar- liche gunst vnd liebe; der ich gleich- falls jederzeit bin E. E. W. Dienstwilligster Martin Opitz. ad Dn. MARTINUM OPITIUM Poësin Germanicam ædentem, Parodia ex Carm. 11. Lib. 11. Horat. Nullus argento color est, \&c. INgenI nullus decor est, ineptis Illitæ chartis inimicæ vene Martie Opiti, nisi patriæ aptos Vernet in usus. Vivet extento venerand9 ævo Heinsius plectri genitor Batavi: Illum aget prorâ metuente sisti Gloria ad Indos. Altius scandes patriâ canendo Barbyto, qvàm si Latium peritæ Atticæ jungas, Syriæq́; Peithus Noveris artem. Carminis mul tos cacoêthes urit, Nec scit expelli; nisi mille vulgo Finxerit versus peregrina jactans Gutture verba. Conditam Almanis numeris Poêsin, Exteræ distans, solio polorum Inseret Phœb9, populumq́; vernis Instruet uti Vocibus, laudem, \& sine nube nomen Deferens illi, viridemq; laurum, Teutonæ ingenteis repolit loqvelæ Qvisqvis acervos. Augustinus Iskra Siles: MARTINI OPITII Buch von der Deutschen Poeterey. Das 1. Capitel. Vorrede. W Jewol ich mir von der Deutschen Poeterey/ auff ersuchung vornemer Leute/ vnd dann zue beßerer fortpflantzung vnserer sprachen/ etwas auff zue setzen vorgenommen; bin ich doch solcher gedancken keines weges/ das ich vermeine/ man koͤnne iemanden durch gewisse regeln vnd gesetze zu einem Poeten machen. Es ist auch die Poeterey eher getrieben worden/ als man je von derselben art/ ampte vnd zuegehoͤr/ geschrieben: vnd haben die Gelehrten/ was sie in den Poeten (welcher schrifften auß einem Goͤttlichen antrie- be vnd von natur herkommen/ wie Plato hin vnd wieder hier- von redet) auffgemereket/ nachmals durch richtige verfassungen zuesammen geschlossen/ vnd aus vieler tugenden eine kunst ge- macht. Bey den Griechen hat es Aristoteles vornemlich ge- than; bey den Lateinern Horatius; vnd zue vnserer Voreltern zeiten Vida vnnd Scaliger so außfuͤhrlich/ das weiter etwas darbey zue thun vergebens ist. Derentwegen ich nur etwas/ so ich in gemeine von aller Poeterey zue erinnern von noͤthen zue sein erachte/ hiervor setzen wil/ nachmals das was vnsere deutsche Sprache vornemlich angehet/ etwas vmbstendtlicher fuͤr augen stellen. Das II. Capitel. Worzue die Poeterey/ vnd wann sie erfunden worden. D Je Poeterey ist anfanges nichts anders ge- wesen als eine verborgene Theologie/ vnd vnterricht von Goͤttlichen sachen. Dann weil die erste vnd rawe B Welt Welt groͤber vnd vngeschlachter war/ als das sie hette die leh- ren von weißheit vnd himmlischen dingen recht fassen vnd ver- stehen koͤnnen/ so haben weise Maͤnner/ was sie zue erbawung der Gottesfurcht/ gutter sitten vnd wandels erfunden/ in rei- me vnd fabein/ welche sonderlich der gemeine poͤfel zue hoͤren geneiget ist/ verstecken vnd verbergen mussen. Denn das man jederzeit bey allen Volckern vor gewiß geglaubet habe/ es sey ein einiger vnd ewiger GOtt/ von dem alle dinge erschaffen worden vnd erhalten werden/ haben andere/ die ich hier nicht mag außschreiben/ genungsam erwiesen. Weil aber GOtt ein vnbegreiffliches wesen vnnd vber menschtiche vernunfft ist/ haben sie vorgegeben/ die schoͤnen Coͤrper vber vns/ Sonne/ Monde vnd Sternen/ item allerley gutte Geister des Himmels wehren Gottes Soͤhne vnnd Mitgesellen/ welche wir Men- schen vieler grossen wolthaten halber billich ehren solten. Sol- ches inhalts werden vieleichte die Buͤcher des Zoroasters/ den Man fuͤr einen der eltesten Lehrer der goͤttlichen vnd menschli- chen wissenschafft helt/ gewesen sein/ welcher/ wie Hermip- pus bey dem Plinius im ersten Capitel des 30. Buches bezeu- get/ zwantzig mal hundert tausendt Verß von der Philosophie hinterlassen hat. Jtem was Linus/ wie Diogenes Laertius er- wehnet/ von erschaffung der Welt/ dem lauffe der Sonnen vnd des Monden/ vnd von erzeugung der Fruͤchte vorgegeben hat. Dessen werckes anfang soll gewesen sein: Es war die zeit da erstlich in gemein Hier alle ding, erschaffen worden sein. Neben diesem haben Eumolpus/ Museus/ Orpheus/ Ho- merus/ Hesiodus vnnd andere/ als die ersten Vaͤter der Weiß- heit/ wie sie Plato nennet/ vnd aller gutten ordnung/ die baͤw- rischen rischen vnd fast viehischen Menschen zue einem hoͤfflichern vnd bessern leben angewiesen. Dann inn dem sie so viel herrliche Spruͤche erzehleten/ vnd die worte in gewisse reimen vnd maß verbunden/ so das sie weder zue weit außschritten/ noch zue we- nig in sich hatten/ sondern wie eine gleiche Wage im reden hiel- ten/ vnd viel sachen vorbrachten/ welche einen schein sonder- licher propheceiungen vnd geheimnisse von sich gaben/ vermei- neten die einfaͤltigen leute/ es muͤste etwas goͤttliches in jhnen stecken/ vnd liessen sich durch die anmutigkeit der schoͤnen getich- te zue aller tugend vnnd guttem wandel anfuͤhren. Hat also Strabo vrsache/ den Eratosihenes luͤgen zue heissen/ welcher/ wie viel vnwissende leute heutiges tagen auch thun/ gemeinet/ es begehre kein Poete durch vnterrichtung/ sondern alle bloß durch ergetzung sich angeneine zue machen Hergegen / spricht er Strabo im ersten Buche/ haben die alten gesagt/ die Poeterey sey die erste Philosophie/ eine erzieherinn des lebens von jugend auff/ welche die art der sitten/ der bewegungen des gemuͤtes vnd alles thuns vnd lassens lehre. Ja die vnsrigen (er verstehet die Stoischen) haben darvor gehalten/ das ein weiser alleine ein Poete sey. Vnd dieser vrsachen wegen werden in den Griechischen staͤdten die Knaben zuefoͤderst in der Poesie vnterwiesen: nicht nur vmb der blossen erluͤstigung willen/ sondern damit sie die sittsamkeit erlernen. Jngleichem stimmet auch Strabo mit dem Lactan- tius vnd andern in diesem ein/ es seyen die Poeten viel aͤlter als die Philosophen/ vnd fuͤr weise leute gehalten worden/ ehe man von dem namen der Weißheit gewust hat: vnnd hetten nachmals Cadinus/ Pherecydes/ vnd Hecat é us der Poeten leh- re zwar sonsten behalten/ aber die abmessung der woͤrter vnd B ij verse Verse auffgeloͤset: biß die folgenden nach vnd nach etwas dar- von enzogen/ vnd die rednerische weise/ gleichsam als von ei- nem hohen Stande/ in die gemeine art vnd forme herab gefuͤh- ret haben. Solches koͤnnen wir auch aus dem abnehmen/ das je aͤlter ein Scribent ist/ je naͤher er den Poeten zue kommen scheinet. Wie denn Casaubonus saget/ das so offte er des Hero- dotus seine Historien lese/ es jhn beduͤncke/ als wehre es Home- rus selber. Das III. Capitel. Von etlichen sachen die den Poeten vorgeworffen werden; vnd derselben entschuldigung. A Vß oberzehlten sachen ist zue sehen/ wie gar vnverstendig die jenigen handeln/ welche aus der Poete- rey nicht weiß ich was fuͤr ein geringes wesen machen/ vnd wo nicht gar verwerffen/ doch nicht sonderlich achten; auch wol vorgeben/ man wisse einen Poeten in offentlichen aͤmptern wenig oder nichts zue gebrauchen; weil er sich in dieser angene- men thorheit vnd ruhigen wollust so verteuffe/ das er die andern kuͤnste vnd wissenschafften/ von welchen man rechten nutz vnd ehren schoͤpffen kan/ gemeiniglich hindan setze. Ja wenn sie ei- nen gar veraͤchtlich halten wollen/ so nennen sie ihn einen Poe- ten: wie dann Erasmo Roterodamo von groben leuten ge- schahe. Welcher aber zur antwort gab: Er schaͤtzte sich dessen lobes viel zue vnwuͤrdig; denn auch nur ein mittelmaͤssiger Poe- te hoͤher zue halten sey als zehen Philosophastri. Sie wissen ferner viel von jhren luͤgen/ aͤrgerlichen schrifften vnd leben zue sagen/ vnd vermeinen/ es sey keiner ein gutter Poete/ er musse dann zu gleich ein boͤser Mensch sein. Welches allerseits vnge- gruͤndetes vrtheil ich kaum einer antwort wuͤrdig achte; vnnd jhnen alleine fuͤr das erste zue bedeneken gebe/ wer Solon/ Py- thagoras/ Socrates/ Cicero vnd andere gewesen/ die sich doch des des Poetennamens nie geschaͤmet haben. Jch koͤndte auch son- sten viel vortreffliche leute erzehlen/ die anff diese kunst (wo ich sie eine kunst nennen soll) jhren hoͤchsten fleiß gewendet haben/ vnd dennoch dem gemeinen nutze mit vnsterblichem lobe vorge- gangen sind. So ist auch ferner nichts naͤrrischer/ als wann sie meinen/ die Poeterey bestehe bloß in ihr selber; die doch alle andere kuͤnste vnd wissenschafften in sich helt. Apuleius nen- net den Homerus einen viel wissenden vnnd aller dinge erfahre- nen Menschen; Tertullianus von der Seele: einen Vater der freyen kuͤnste. Plato/ welcher im Tragedien schreiben so weit kommen/ das er auch andern kampff anbitten doͤrffen/ hat ver- mischet/ wie Proclus von jhm saget/ , die Pythagorische vnnd Socratische ei- genschafft/ hat die Geometrie vom Theodorus Cyreneus/ die wissenschafft des Gestirnes von den Egyptischen Priestern er- lernet/ vnd ist aller dinge kuͤndig gewesen. So hat man vnsere Musen zue mahlen pflegen/ als sie mitt zuesammen gehenckten huͤnden in einem reyen tantzten/ jhnen auch den namen / gleichsam als / gegeben/ das gemeine bandt vnd ver- wandschafft aller kuͤnste hierdurch an zue deuten. Wann auch die verse nur blosse worte sindt/ (wiewol das so wenig moͤglich ist/ als das der Coͤrper ohne die Seele bestehen koͤnne) was ist es denn das Eratosthenes ein getichte von beschreibung der Welt/ so Hermus geheissen/ das Parmenides vnnd Empedoeles von natur der dinge/ das Seruilius vnd Heliodorus/ derer Gale- nus erwehnet/ von der aͤrtzney geschrieben haben? Oder/ wer kan leugnen/ das nicht Virgilius ein gutter Ackersman/ Lucre- tius ein vornemer naturkuͤndiger/ Mareilius ein Astronomus/ Lucanus ein Historienschreiber/ Oppianus ein Jaͤgermeister/ vnd einer vnd der andere der Philosophie obristen sein/ da sie doch nichts als Poeten sein. Es sey denn das wir glauben wol- len/ Theocritus habe Schaffe getrieben/ vnd Hesiodus sey hin- B iij ter ter dem Pfluge gegangen. Doch muß ich gleichwol bekennen/ das auch an verachtung der Poeterey die jenigen nicht wenig schuldt tragen/ welche ohn allen danck Poeten sein wollen/ vnd noch eines theils zum vberfluß/ ebener massen wie Julius Cesar seine kahle glitze/ sie jhre vnwissenheit vnter dem Lorbeerkrantze verdecken. Gewißlich wenn ich nachdencke/ was von der zeit an/ seit die Griechische vnd Roͤmische sprachen wieder sind her- vor gesucht worden/ vor hauffen Poeten sind herauß kommen/ muß ich mich verwundern/ wie sonderlich wir Deutschen so lan- ge gedult koͤnnen tragen/ vnd das edele Papir mit jhren vnge reimten reimen beflecken. Die worte vnd Syllaben in gewis- se gesetze zue dringen/ vnd verse zue schreiben/ ist das allerwenig- sie was in einem Poeten zue suchen ist. Er muß , von sinnreichen einfaͤllen vnd erfindungen sein/ muß ein grosses vnverzagtes gemuͤte haben/ muß hohe sachen bey sich erdencken koͤnnen/ soll anders seine rede eine art kriegen/ vnd von der er- den empor steigen. Ferner so schaden auch dem gueten nahmen der Poeten nicht wenig die jenigen/ welche mit jhrem vngestuͤ- men ersuchen auff alles was sie thun vñ vorhaben verse fodern. Es wird kein buch/ keine hochzeit/ kein begraͤbnuͤß ohn vns ge- macht; vnd gleichsam als niemand koͤndte alleine sterben/ ge- hen vnsere gedichte zuegleich mit jhnen vnter. Mann wil vns auff allen Schuͤsseln vnd kannen haben/ wir stehen an waͤnden vnd steinen/ vnd wann einer ein Hauß ich weiß nicht wie an sich gebracht hat/ so sollen wir es mit vnsern Versen wieder redlich machen. Dieser begehret ein Lied auff eines andern Weib/ je- nem hat von des nachbaren Magdt getrewmet/ einen andern hat die vermeinte Bulschafft ein mal freundtlich angelacht/ o- der/ wie dieser Leute gebrauch ist/ viel mehr außgelacht; ja deß naͤrrischen ansuchens ist kein ende. Mussen wir also entweder durch abschlagen ihre feindschafft erwarten/ oder durch will- fahren den wuͤrden der Poesie einen mercklichen abbruch thun. Denn Denn ein Poete kan nicht schreiben wenn er wil/ sondern wenn er kan/ vnd jhn die regung des Geistes welchen Ovidius vnnd andere vom Himmel her zue kommen rermeinen/ treibet. Die- se vnbesonnene Leute aber lassen vns weder die rechte zeit noch gelegenheit: wie sich denn Politianus in einer epistel hefftig dar- uͤber beschwaͤret/ vnd Ronsardt/ wie Muretus meldet/ hat pflegen zue sagen/ er empfinde nicht so grosse lust wann er seine eigene Liebe beschriebe/ als er grossen verdruß einpfinde/ wann er anderer jhre liebe beschreiben muste Wiewol etliche/ ge- meiniglich aber die schlimmesten/ sich selber hierzue antragen/ vnd den leuten jhre traͤwme fast einzwingen. Diese meinet son- derlich Aristokeles/ Eth. ad Nic. lib. 9. c. 7. da er saget/ das sie ihre getichte vber die maße lieb haben/ vnd so hertzlich gegen jhnen geneiget sein: wie die eltern gegen den kindern. Vnd Ci- cero 5. Tus c. spricht auch fast auff diesen schlag: In hoc cnim genere nescio quo pacto magis quam in aliis fuum cuique pulchrum est. adhuc neminem cognoui Poetam, \& mihi fuit cum Aquinio a micitia, qui sibi non optimus videre- tur. Das ferner die Poeten mit der warheit nicht allzeit vber- einstimmen/ ist zum theil oben deßenthalben Vrsache erzehlet worden/ vnd soll man auch wissen/ das die gantze Poeterey im nachaͤffen der Natur bestehe/ vnd die dinge nicht so sehr beschrei- be wie sie sein/ als wie sie etwan sein koͤndten oder solten. Es sehen aber die menschen nicht alleine die sachen gerne/ welche an sich selber eine ergetzung haben; als schoͤne Wiesen/ Berge/ Felde/ fluͤße/ ziehrlich Weibesvolck vnd dergleichen: sondern sie hoͤren auch die dinge mit lust erzehlen/ welche sie doch zue se- hen nicht begehren; als wie Hercules seine Kinder ermordet/ wie Dido sich selber entleibet/ wie die Staͤdte in den brand ge- steckt werden/ wie die pest gantze Laͤnder durchwuͤtet/ vnd was sonsten mehr bey den Pocten zue finden ist. Dienet also dieses alles zue vberredung vnd vnterricht auch ergetzung der Leute; welches welches der Poeterey vornemster zwetk ist. Die nahmen der Heidnischen Goͤtter betreffendt/ derer sich die stattlichsten Christlichen Poeten ohne verletzung jhrer religion jederzeit ge- brauchet haben/ angesehen das hierunter gemeiniglich die All- macht Gottes/ welcher die ersten menschen nach den sonderlich- en wirckungen seiner vnbegreifflichen Maiestet vnterschiedene namen gegeben/ als das sie/ wie Marimus Tyrius meldet/ durch Minerven die vorsichtigkeit/ durch den Apollo die Son- ne/ durch den Neptunus die Lufft welche die Erde vnnd Meeꝛ durchstreichet; zuezeiten aber vorneme Leute/ die wie Cicero im andern buche von den Gesetzen saget/ vmb jhres vordienstes willen in den Himmel ber uffen sein/ zue zeiten was anders an- gedeutet wird/ ist allbereit hin vnd wieder so viel bericht darvon geschehen/ das es weiterer außfuͤhrung hoffentlich nicht wird von noͤthen sein. Was auch der Poeten Leben angehet/ (da- mit ich mich nicht zue lange auffhalte) ist es nicht ohn/ das freylich etliche von ihnen etwas auß der art schlagen/ vnd denẽ/ die in anderer Leute maͤngeln falcken/ in jhren eigenen Maul- woͤrffe sein/ anlaß geben jhnen vbel nach zue reden. Die Vr- sache kan wol zum theile sein/ das jhre Poetische gemuͤter vn- terweilen etwas sicherer vnd freyer sein/ als es eine vnd andere zeit leidet/ vnd nach des volckes Vrtheil nicht viel fragen. Zum theile thut auch der wein etwas; sonderlich bey denen/ welchen Horatius besser gefellt da er schreibet: Prisco si credis, Mæcenas docte, Cratino, Nulla valere diu, nec viuere carmina possunt, Quæ scribuntur aquæ potoribus. Mecenas/ wilt du mir vnd dem Cratinus gleuben/ Der der da wasser trinckt kan kein guet carmen schreiben; Als| Pindarus/ der stracks im anfange seiner buͤchersaget: , Das Wasser ist das beste das man findt. Mit welchem es Alceus/ Aristophanes/ Alcman/ Ennius vnd andere nicht gehalten hetten; auch Eschilus nicht/ dem Sophocles vorgeworffen/ der wein hette seine Tragedien gemacht/ nicht er. Vnd zum theile thut auch zue dem etwas nachleßigen wandel mancher Poeten nicht wenig die gemein- schafft etlicher alten/ die jhre reine sprache mit garstigen epicu- rischen schrifften besudelt/ vnd sich an jhrer eigenen schande er- lustiget haben. Mit denen wir aber vmbgehen mußen wie die bienen/ welche ihr honig auß den gesunden blumen saugen/ vnd die gifftigen Kraͤuter stehen lassen. Doch wie ehrliche/ auffrichtige/ keusche gemuͤter (welche von den auch keuschen Musen erfodert werden) derer die jhre geschickligkeit mit vblen sitten vertunckeln nicht entgelten koͤnnen/ so sind auch nicht alle Poeten die von Liebessachen schreiben zue meiden; denn viel vnter jhnen so zuͤchtig reden/ das sie ein jegliches ehrbares fraw- enzimmer vngeschewet lesen moͤchte. Man kan jhnen auch deßentwegen wol jhre einbildungen lassen/ vnd ein wenig vber- sehen/ weil die liebe gleichsam der wetzstein ist an dem sie jhren subtilen Verstand scherffen/ vnd niemals mehr sinnreiche ge- dancken vnd einfaͤlle haben/ als wann sie von jhrer Buhlschaff- ten Himlischen schoͤne/ jugend/ freundligkeit/ haß vnnd gunst reden. Wie dann hiervon der Frantzoͤsischen Pocten Adler Peter Ronsardt ein artiges Sonnet geschrieben/ welches ich nebenst meiner vbersetzung (wiewol dieselbe dem terte nicht ge- nawe zuesaget) hierbey an zue ziehen nicht vnterlassen kan: Ah belle liberté, qui me seruois d, escorte, Quand le pied me portoit où libre ic voulois! Ah! que ie te regrette! helas, combien de fois Ay-ic rompu le ioug, que maulgré moy ie porte! Puis ie l, ay rattaché, estant nay de la sorte, C Que Que sans aimer ie suis \& du plomb \& du bois, Quand ie suis amourcux i’ ay l’ esprit \& la vois, L’ inuention meilleure, \& la Muse plus forte. Il me faut donc aimer pour auoir bon esprit, A fin de conceuoir des enfans par escrit, Pro longeant ma memoire aux despens de ma (vie. Ie ne veux m, enquerir s’ on sent a pres la mort: Ie le croy: ic perdroy d’ escrire toute enuie: Le bon nom qui nous suit est nostre reconfort. Du guͤldne Freyheit du/ mein wuͤnschen vnd be- (gehren/ Wie wol doch were mir/ im fall ich jederzeit Mein selber moͤchte sein/ vnd were gantz befreyt Der liebe die noch nie sich wollen von mir kehren/ Wiewol ich offte mich bedachtbin zue erweren. Doch lieb ich gleichwol nicht/ so bin ich wie ein (scheit/ Ein stock vnd rawes bley. die freye dienstbarkeit/ Die sichere gefahr/ das troͤstliche beschweren Ermuntert meinen geist/ das er sich hoͤher schwingt Als wo der poͤfel kreucht/ vnd durch die wolcken (dringt/ Gefluͤgelt mitt vernunfft/ vñ mutigẽ gedancken/ Drum̃ geh, es wie es wil/ vñ muß ich schon darvon/ So vberschreit ich doch des lebens enge schranckẽ: Der name der mir folgt ist meiner sorgen lohn. Welchen Welchen namen wenn die Pceten nicht zue gewarten hetten/ wuͤrden viel derselben durch die boßheit der Leute/ die sie mehr auß neide alß billicher vrsache verfolgen/ von jhrem leblichen vorsatze zueruͤcke gehalten vnd abgeschreckt werden. Es wirt aber bey jhnen nicht stehen/ vnd ich bin der troͤstlichen hoffnung/ es werde nicht alleine die Lateinische Poesie/ welcher seit der vertriebenen langwierigen barbarey viel große maͤnner auff geholffen/ vngeacht dieser truͤbseligen zeiten vnd hoͤchster ver- achtung gelehrter Leute/ bey jhrem werth erhalten werden; sondern auch die Deutsche/ zue welcher ich nach meinem armen vermoͤgen allbereit die fahne auffgesteckt/ von stattlichen ge- muͤtern allso außgevbet werden/ das vnser Vaterland Franck- reich vnd Jtalien wenig wird bevor doͤrffen geben. Das IIII. Capitel. Von der Deutschen Poeterey. V On dieser Deutschen Poeterey nun zue reden/ sollen wir nicht vermeinen/ das vnser Land vnter so ei- ner rawen vnd vngeschlachten Lufft liege/ das es nicht eben der gleichen zue der Poesie tuͤchtige ingenia koͤnne tragen/ als jergendt ein anderer ort vnter der Sonnen. Wein vnnd fruͤchte pfleget man zue Loben von dem orte da sie herkommen sein; nicht die gemuͤter der menschen. Der weise Anacharsis ist in den Scitischen wuͤsten gebohren worden. Die Vornem- sten Griechen sind in Egypten/ Jndien vnd Franckreich gerei- set/ die weißheit zue erlernen. Vnd/ vber diß das wir so viel Vorneme Poeten/ so heutiges tages bey vns erzogen worden/ vnter augen koͤnnen stellen/ erwehnet Tacitus von den Deut- schen in dem buche das er von jhnen geschrieben/ das ob wol weder Mann noch Weib vnter jhnen zue seiner zeit den freyen kuͤnsten ob zue liegen pflegeten/ faßeten sie doch alles was sie im C ij gedaͤcht- gedaͤchtniß behalten wolten in gewisse reimen vñ getichte. Wie er denn in einem andern orte saget/ das sie viel von des Armi- nius seinen thaten zue fingen pflegeten. Welches sie vieleichte den Frantzosen nachgethan haben/ bey denen/ wie Strabo im fuͤnfften buche anzeiget/ Dreyerley Leute waren/ die man in sonderlichen ehren hielt: Bardi, Vates vnnd Druiden. Die Barden sungen Lobgetichte vnnd waren Poeten; Die Vates opfferten vnd betrachte- ten die Natur aller dinge; Die Druiden pflegten vber die Natuͤrliche Wissenschafft auch von gueten sitten zue vnterrichten. Welches auch Marcellinus im fuͤnfften buche bekrefftiget: Die Barden/ saget er/ haben beruͤmbter maͤnner ritterliche thaten mit heroischen Versen beschrieben/ vnd mit fuͤßen melodien zue der leyer gesungen. Vnd Lucanus im erstenjbuche des buͤrger- lichen Krieges: Vos quoq́ue qui fortes animas belloq́ue peremp- Laudibus in longum vates demittitis æuum, (tas Plurima securi fudistis carmina Bardi. Das ich der meinung bin/ die Deutschen haben eben dieses im gebrauche gehabt/ bestetiget mich/ vber das was Tacitus meldet/ auch der alten Cimbrer oder Daͤnen ebenmaͤßiger ge- brauch/ die von jhren Helden schoͤne vnd geistreiche Lieder er- eichtet haben/ deren nicht wenig von alten jahren her in Denne- marck noch verhanden sind/ vnd von vielen gesungen werden. So ist auch Hiarnes bey jhnen einig vnnd alleine deßentwegen zum Koͤnigreiche kommen/ weil er dem vorigen Koͤnige zue ehren ein solch grabgetichte gemacht/ das vor allen andern den preiß behalten. Vnd Vnd vber diß/ sind doch eines vngenannten Freyherrens von Wengen/ Juncker Winßbeckens/ Reinmars vou Zwe- ter/ der ein Pfaͤltzischer vom Adel vnd bey Keyser Friedrichen dem ersten vnd Heinrichen dem sechsten auffgewartet hatt/ Marners auch eines Edelmannes/ Meister Sigeherrens/ vnd anderer sachen noch verhanden/ die manchen stattliehen Latei- nischen Poeten an erfindung vnd ziehr der reden beschaͤmen. Jch wil nur auß dem Walter von der Vogelweide/ Keyser Philipses geheimen rahte/ den Goldast anzeucht/ einen einigen ort setzen; darauß leichtlich wird zue sehen sein/ wie hoch sich selbige vorneme Maͤnner/ vngeachtet jhrer adelichen ankunfft vnd standes/ der Poeterey angemaßet: Nun sende vns Vater vnd Suhn den rechten Geist heraben/ Das wir mit deiner suͤssen fuͤchte ein duͤrres hertze erlaben. Vnkꝛistenlichen dingen ist al al dui kristenheit so vol/ Swa kristentum ze siechhus lit da tut man jhm nicht wol. Jhn duͤrstet sehre Nach der lehre Als er von Rome was gewon/ Der jhn da schancte Vnd jhn da trancte Als é da wurde er varende von. Swas im da leides je gewar Das kam von Symonis gar. Vnd ist er da so fruͤndebar Das er engetar C iij Nicht Nicht sin schaden genuͤgen. Kristentum vnd Kristenheit Der disuͤ zwei zusamne saeit Gelih lanc/ gelih breit/ Lieb vnd leit Der wolte auch das wir truͤgen Jn kriste Kristenliches leben Sit er vns vf eine gegeben So suln wir vns nicht scheiden/ ꝛc. Das nun von langer zeit her dergleichen zue vben in ver- gessen gestellt ist worden/ ist leichtlicher zue beklagen/ als die vrsache hiervon zue geben. Wiewol auch bey den Jtalienern erst Petrarcha die Poeterey in seiner Muttersprache getrieben hat/ vnnd nicht sehr vnlengst Ronsardus; von deme gesaget wird/ das er/ damit er sein Frantzoͤsisches desto besser außwuͤr- gen koͤndte/ mit der Griechen schrifften gantzer zwoͤlff jahr sich vberworffen hate; als von welchen die Poeterey jhre meiste Kunst/ art vnd liebligkeit bekommen. Vnd muß ich nur bey hiesiger gelegenheit ohne schew dieses errinnern/ das ich es fuͤr eine verlorene arbeit halte/ un fall sich jemand an vnsere deut- sche Pceterey machen wolte/ der/ nebenst dem das er ein Poete von natur sein muß/ in den griechischen vñ Lateinischen buͤchern nicht wol durchtrieben ist/ vnd von jhnen den rechten grieff er- lernet hat; das auch alle die lehren/ welche sonsten zue der Poe- sie erfodert werden/ vnd ich jetzund kuͤrtzlich beruͤhren wil/ bey jhm nichts verfangen koͤnnen. Das V. Capitel. Von Von der zuegehoͤr der Deutschen Poesie/ vnd erstlich von der invention oder erfindung/ vnd Disposition oder abtheilung der dinge von denen wir schreiben wollen. J Eil die Poesie/ wie auch die Rednerkunst/ in dinge vnd worte abgetheilet wird; als wollen wir erstlich von erfindung vnd eintheilung der dinge/ nach- mals von der zuebereitung vnd ziehr der worte/ vnnd endtlich vom maße der sylben/ Verse/ reimen/ vnnd vnterschiedener art der carminum vnd getichte reden. Die erfindung der dinge ist nichts anders als eine sinnreiche faßung aller sachen die wir vns einbilden koͤnnen/ der Himlisch- en vnd jrrdischen/ die Leben haben vnd nicht haben/ welche ein Poete jhm zue beschreiben vnd herfuͤr zue bringen vornimpt: darvon in seiner Jdea Scaliger außfuͤrlich berichtet. An dieser erfindung henget siracks die abtheilung/ welche bestehet in einer fuͤglichen vnd artigen ordnung der erfundenen sachen. Hier mußen wir vns besinnen/ in was fuͤr einem genere carminis vnd art der getichte (weil ein jegliches seine besondere zuegehoͤr hat) wir zue schreiben willens sein. Ein Heroisch getichte (das gemeiniglich weitleufftig ist/ vnd von hohem wesen redet) soll man stracks von seinem inn- halte vnd der Proposition anheben; wie Virgilius in den buͤch- ern vom Ackerbawe thut: Quid faciat lætas segetes, quo sidere terram Vertere, Mæcenas, vlmisque adiungere vites Conueniat; quæ cura boum, qui cultus habendo Sit pecori, atque apibus quanta experientia parcis, Hinc canere incipiam. Vnd ich (wiewol ich mich schaͤme/ das ich in mangel ande- rer rer deueschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll/ weil mir meine wenigkeit vnd vnvermoͤgen wol bewust ist) in dem ersten buche der noch vnaußgemachten Trostgetichte in Wie- derwertigkeit des Krieges: Des schweren Krieges last den Deutschland jetzt empfindet/ Vnd das Gott nicht vmbsonst so hefftig angezuͤndet Den eifer seiner macht/ auch wo in solcher pein Trost her zue holen ist/ soll mein getichte sein. Nachmals haben die heiden jhre Goͤtter angeruffen/ das sie jhnen zue vollbringung des werckes beystehen wollen: denen wir Christen nicht allein folgen/ sondern auch an froͤmigkeit billich sollen vberlegen sein. Virgilius spricht weiter an gedachtẽ orte: Vos, o clarißima mundi Lumina, labentem cœlo quæ ducitis annum, Liber, \& alma Ceres, \&c. Vnd ich: Diß hab ich mir anjetzt zue schreiben fuͤrgenom̃en. Jch bitte wollest mir geneigt zue huͤlffe kommen Du hoͤchster trost der welt/ du zueversicht in not/ Du Geist von GOtt gesandt/ ia selber wahrer GOtt. Gieb meiner Zungen doch mit deiner glut zue bren- nen/ Regiere meine faust/ vnd laß mich gluͤcklich rennen Durch diese wuͤste bahn/ durch dieses newe feldt/ Darauff noch keiner hat fuͤr mir den fuß gestelt. Wiewol etliche auch stracks zue erste die anruffung setzen. Als Lucretius: Aenea- Aeneadum genetrix, hominum diuumq́ue volup- Alma Venus, \&c. (tas, Vnd Wilhelm von Sallust in seiner andern woche: Grand Dieu, qui de ce Tout m’ as fait voir la nais- (sance, Descouure son berceau, monstre-moy son enfance. Pourmeine mon esprit par les fleuris destours Des vergers doux-flairans, où serpentoit le cours De quatre viues eaux: conte-moy quelle offence Bannit des deux Edens Adam, \& sa semence. Gott/ der du mich der welt geburt hast sehen lassen/ Laß mich nun jhre wieg vnd kindheit jetzt auch fassen/ Vnd meinen Geist vnd sinn sich in dem kreiß’ ergehn Der gaͤrte vol geruchs/ hier wo vier fluͤsse schoͤn’ Hinrauschen mitten durch: erzehl vmb was fuͤr sachen Sich Adam vnd sein sam’auß Eden muste machen. Doch ist/ wie hier zue sehen/ in der anruffung allzeit die proposition zuegleich begrieffen. Auff dieses folget gemeinig- lich die dedication; wie Virgilius seine Georgica dem Keiser Augustus zuegeschrieben. Jtem die vrsache/ warumb man eben dieses werck vor sich genommen: wie im dritten buche vom Ackerbawe zue sehen: Cetera, quæ vacuas tenuissent carmina mentes, Omnia jam vulgata; vnd wie folget. Dem ich in den Trostgetichten auch habe nachkommen wollen: Das ander ist bekandt. wer hat doch nicht ge- schrieben D Von Von Venus eitelkeit/ vnd von dem schnoͤden lieben/ Der blinden jugendt lust? wer hat noch nie ge- hoͤrt Wie der Poeten volck die grossen Herren chrt/ Erhebt sie an die lufft/ vnd weiß herauß zue streichẽ Was besser schweigens werth/ lest seine Feder reichẽ Wo Menschen tapfferkeit noch niemals hin ge- langt/ Macht also das die welt mit blossen luͤgen prangt? Wer hat zue vor auch nicht von riesen hoͤren sagen/ Die Waldt vnd Berg zuegleich auff einen orth ge- tragen/ Zue stuͤrtzen Jupitern mit aller seiner macht/ Vnnd was des wesens mehr? nun ich bin auch bedacht Zue sehen ob ich mich kan auß dem staube schwingẽ/ Vnd von der dicken schar des armen volckes dringen So an der erden klebt. ich bin begierde voll Zue schreiben wie man sich im creutz’ auch fre- wen soll/ Sein Meister seiner selbst. ich wil die neun Goͤt- tinnen/ Die nie auff vnser deutsch noch haben reden koͤnnẽ/ Sampt jhrem Helicon mit dieser meiner handt Versetzen allhieher in vnser Vaterlandt. Vieleichte werden noch die bahn so ich gebrochen/ Geschicktere dann ich nach mir zue bessern suchen/ Wann Wann dieser harte krieg wird werden hingelcgt/ Vnd die gewuͤndschte rhue zue Land vnd Meer gehegt. Das getichte vnd die erzehlung selber belangend/ nimpt sie es nicht so genawe wie die Historien/ die sich an die zeit vnd alle vmbstende nothwendig binden mußen/ vnnd wiederholet auch nicht/ wie Horatius erwehnet/ den Troianischen krieg von der Helenen vnd jhrer bruͤder geburt an: lest viel außen was sich nicht hin schicken wil/ vnd setzct viel das zwar hingehoͤret/ aber newe vnd vnverhoffet ist/ vntermenget allerley fabeln/ histori- en/ Kriegeskuͤnste/ schlachten/ rahtschlaͤge/ sturm/ wetter/ vnd was sonsten zue erweckung der verwunderung in den gemuͤ- tern von noͤthen ist; alles mit solcher ordnung/ als wann sich eines auff das andere selber allso gebe/ vnnd vngesucht in das buch keme. Gleichwol aber soll man sich in dieser freyheit zue tichten vorsehen/ das man nicht der zeiten vergeße/ vnd in jh- rer warheit irre. Wiewol es Virgilius/ da er vorgegeben/ Eneas vnd Dido hetten zue einer zeit gelebet/ da doch Dido hundert jahr zuevor gewesen/ dem Keyser vnd Roͤmischen vol- cke/ durch welches die stadt Carthago bezwungen worden/ zue liebe gethan/ damitt er gleichsam von den boͤsen fluͤchen der Di- do einen anfang der feindschafft zwischen diesen zweyen maͤchti- gen voͤlckern machte. Ob aber bey vns Deutschen so bald je- mand kommen moͤchte/ der sich eines volkommenen Heroischẽ werckes vnterstehen werde/ stehe ich sehr im zweifel/ vnnd bin nur der gedanckẽ/ es sey leichtlicher zue wuͤndschẽ als zue hoffen. Die Tragedie ist an der maiestet dem Heroischen getichte ge- meße/ ohne das sie selten leidet/ das man geringen standes per- sonen vnd schlechte sachen einfuͤhre: weil sie nur von Koͤniglich- em willen/ Todtschlaͤgen/ verzweiffelungen/ Kinder- vnd Vaͤ- termoͤrden/ brande/ blutschanden/ kriege vnd auffruhr/ kla- D ij gen/ gen/ heulen/ seuffzen vnd dergleichen handelt. Von derer zu- gehoͤr schreibet vornemlich Aristoteles/ vnd etwas weitleuffti- ger Daniel Heinsius; die man lesen kan. Die Comedie bestehet in schlechtem wesen vnnd personen: redet von hochzeiten/ gastgeboten/ spielen/ betrug vnd schalck- heit der knechte/ ruhmraͤtigen Landtsknechten/ buhlersachen/ leichtfertigkeit der jugend/ geitze des alters/ kupplerey vnd sol- chen sachen/ die taͤglich vnter gemeinen Leuten vorlauffen Ha- ben derowegen die/ welche heutiges tages Comedien geschrie- ben/ weit geirret/ die Keyser vnd Potentaten eingefuͤhret weil solches den regeln der Comedien schnurstracks zuewieder laufft. Zue einer Satyra gehoͤren zwey dinge: die lehre von gueten sitten vnd ehrbaren wandel/ vnd hoͤffliche reden vndschertzwor- te. Jhr vornemstes aber vnd gleichsam als die seele ist/ die har- te verweisung der laster vnd anmahnung zue der tugend: welch- es zue vollbringen sie mit allerley stachligen vnd spitzfindigen re- den/ wie mit scharffen pfeilen/ vmb sich scheußt. Vnd haben alle Satyrische scribenten zum gebrauche/ das sie vngeschewet sich vor feinde aller laster angeben/ vnd jhrer besten freunde ja jhrer selbst auch nicht verschonen/ damit sie nur andere bestechẽ moͤgen: wie es denn alle drey Horatius/ Juuenalis vnnd Per- sius meisterlich an den tag gegeben. Das Epigramma setze ich darumb zue der Satyra/ weil die Satyra ein lang Epigramma/ vnd das Epigramma eine kurt- ze Satyra ist: denn die kurtze ist seine eigenschafft/ vnd die spitz- findigkeit gleichsam seine seele vñ gestallt; die sonderlich an dem ende erscheinet/ das allezeit anders als wir verhoffet hetten ge- fallen soll: in welchem auch die spitzfindigkeit vornemlich beste- het. Wiewol aber das Epigramma aller sachen vnnd woͤrter faͤhig ist/ soll es doch lieber in Venerischem wesen/ vberschriff- ten der begraͤbniße vnd gebaͤwe/ Lobe vornemer Maͤnner vnd Frawen/ kurtzweiligen schertzreden vnnd anderem/ es sey was es es wolle/ bestehen/ als in spoͤttlicher hoͤnerey vnd auffruck an- derer leute laster vnd gebrechen. Denn es ist eine anzeigung ei- nes vnverschaͤmten sicheren gemuͤtes/ einen jetwedern/ wie vn- vernuͤnfftige thiere thun/ ohne vnterscheidt anlauffen. Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von schaffen/ geißen/ seewerck/ erndten/ erdgewaͤchsen/ fischereyen vnnd anderem feldwesen; vnd pflegen alles worvon sie reden/ als von Liebe/ heyrathen/ absterben/ buhlschafften/ festtagen vnnd sonsten auff jhre baͤwrische vnd einfaͤltige art vor zue bringen. Jn den Elegien hatt man erstlich nur trawrige sachen/ nach- mals auch buhlergeschaͤffte/ klagen der verliebten/ wuͤndschung des todes/ brieffe/ verlangen nach den abwesenden/ erzehlung seines eigenen Lebens vnnd dergleichen geschrieben; wie dann die meister derselben/ Ouidius/ Propertius/ Tibullus/ San- nazar/ Secundus/ Lotichius vnd andere außweisen. Das ich der Echo oder des Wiederruffes zue ende der woͤr- ter gedencke/ thue ich erstlich dem Dousa zue ehren/ welcher mit etlichen solchen getichten gemacht hat/ das wir etwas dar- von halten; wiewol das so Secnndus geschrieben (wie alle an- dere seine sachen) auch sehr artlich ist: darnach aber/ weil ich sehe/ das sie bey den Frantzosen gleichfalls im gebrauche sein; bey denen man sich ersehen kan. So sind jhrer auch zwey in meinen deutschen Poematis / die vnlengst zue Straßburg auß gegangen/ zue finden. Welchen buches halben/ das zum theil vor etlichen jahren von mir selber’/ zum theil in meinem abwe- sen von andern vngeordnet vnd vnvbersehen zuesammen gele- sen ist worden/ ich alle die bitte denen es zue gesichte kommen ist/ sie wollen die vielfaͤltigen maͤngel vnd irrungen so darinnen sich befinden/ beydes meiner jugend/ (angesehen das viel darunter ist/ welches ich/ da ich noch fast ein knabe gewesen/ geschrieben habe) vnnd dann denen zuerechnen/ die auß keiner boͤsen mei- nung meinen gueten namen dadurch zue erweitern bedacht ge- D iij wesen wesen sein. Jch verheiße hiermitt/ ehestes alle das jenige/ was ich von dergleichen sachen bey handen habe/ in gewiße buͤcher ab zue theilen/ vnd zue rettung meines geruͤchtes/ welches we- gen voriger vbereileten edition sich mercklich verletzt befindet/ durch offentlichen druck jederman gemeine zue machen. Hymni oder Lobgesaͤnge waren vorzeiten/ die sie jhren Goͤt- tern vor dem altare zue singen pflagen/ vnd wir vnserem GOtt singen sollen. Dergleichen ist der lobgesang den Heinsius vn- serem erloͤser/ vnd der den ich auff die Christnacht geschrieben habe. Wiewol sie auch zuezeiten was anders loben; wie bey dem Ronsard ist der Hymnus der Gerechtigkeit/ Der Geister/ des Himmels/ der Sternen/ der Philosophie/ der vier Jah- reszeiten/ des Goldes/ ꝛc. Sylven oder waͤlder sind nicht allein nur solche carmina / die auß geschwinder anregung vnnd hitze ohne arbeit von der hand weg gemacht werden/ von denen Quintilianus im dritten Capitel des zehenden buches saget: Diuersum est huic corum vitium, qui primùm discurrere per materiam stylo quàm velocissimo volunt, \& sequentes calorem atque impe- tum ex tempore scribunt: Hoc syluam vocant; vnd wie an den schoͤnen syluis die Statius geschrieben zue sehen ist/ wel- che er in der Epistel fuͤr dem ersten buche nennet libellos qui su- bito calore \& quadam festinandi voluptate ipsi fluxerant: sondern/ wie jhr name selber anzeiget/ der vom gleichniß eines Waldes/ in dem vieler art vnd sorten Baͤwme zue finden sindt/ genommen ist/ sie begreiffen auch allerley geistliche vnnd welt- liche getichte/ als da sind Hochzeit- vnd Geburtlieder/ Gluͤck- wuͤndtschungen nach außgestandener kranckheit/ item auff reisẽ/ oder auff die zueruͤckkunfft von denselben/ vnd dergleichen. Die Lyrica oder getichte die man zur Music sonderlich ge- brauchen kan/ erfodern zuefoͤderst ein freyes lustiges gemuͤte/ vnd wollen mit schoͤnen spruͤchen vnnd lehren haͤuffig geziehret sein: sein: wieder der andern Carminum gebrauch/ da man sonderli- che masse wegen der sententze halten muß; damit nicht der gan- tze Coͤrper vnserer rede nur lauter augen zue haben scheine/ weil er auch der andern glieder nicht entberen kan. Jhren inhalt be- treffendt/ saget Horatius: Musa dedit fidibus diuos, puerosque deorum, Et pugilem victorem, \& equum certamine, primum, Et iuuenum curas, \& libera vina referre. Er wil so viel zue verstehen geben/ das sie alles was in ein kurtz getichte kan gebracht werden beschreiben koͤnnen; buhle- rey/ taͤntze/ banckte/ schoͤne Menscher/ Gaͤrte/ Weinberge/ lob der maͤssigkeit/ nichtigkeit des todes/ ꝛc. Sonderlich aber ver- mahnung zue der froͤligkeit: welchen inhalts ich meiner Oden eine/ zue beschliessung dieses Cavitels/ setzen wil: Ode. Jch empfinde fast ein grawen Das ich/ Plato/ fuͤr vnd fuͤr Bm gesessen vber dir; Es ist zeit hienauß zue schawen/ Vnd sich bey den frischen quellen Jn dem gruͤnen zue ergehn/ Wo die schoͤnen Blumen stehn/ Vnd die Fischer netze stellen. Worzue dienet das studieren/ Als zue lauter vngemach? Vnter dessen laufft die Bach Vnsers lebens das wir fuͤhren/ Ehe wir es innen werden/ Auff Auff jhr letztes ende hin; Dann koͤmpt (ohne geist vnd sinn) Dieses alles in die erden. Hola/ Junger/ geh’ vnd frage Wo der beste trunck mag sein; Nim den Krug/ vnd fuͤlle Wein. Alles trawren leidt vnd klage/ Wie wir Menschen taͤglich haben Eh’ vns Clotho fortgerafft Wil ich in den suͤssen safft Den die traube giebt vergraben. Kauffe gleichfals auch melonen/ Vnd vergiß des Zuckers nicht; Schawe nur das nichts gebricht. Jener mag der heller schonen/ Der bey seinem Gold vnd Schaͤtzen Tolle sich zue krencken pflegt Vnd nicht saat zue bette legt; Jch wil weil ich kan mich letzen. Bitte meine guete Bruͤder Auff die music vnd ein glaß Nichts schickt/ duͤnckt mich/ nicht sich baß Als guet tranck vnd guete Lieder. Laß ich gleich nicht viel zue erben/ Ey so hab’ ich edlen Wein; Wil mit andern lustig sein/ Muß ich gleich alleine sterben. Das Das VI. Capitel. Von der zuebereitung vnd ziehr der worte. N Ach dem wir von den dingen gehandelt ha- ben/ folgen jetzund die worte; wie es der natur auch ge- meße ist. Denn es muß ein Mensch jhm erstlich etwas in seinem gemuͤte fassen/ hernach das was er gefast hat außreden. Die worte bestehen in dreyerley; inn der elegantz oder ziehrlig- keit/ in der composition oder zuesammensetzung/ vnd in der dignitet vnd ansehen. Die ziehrligkeit erfodert das die worte reine vnd deutlich sein. Damit wir aber reine reden moͤgen/ sollen wir vns befleissen de- me welches wir Hochdeutsch nennen besten vermoͤgens nach zue kommen/ vnd nicht derer oͤrter sprache/ wo fallsch geredet wird/ in vnsere schrifften vermischen: als da sind/ es geschach/ fuͤr/ es geschahe/ er sach/ fuͤr/ er sahe; sie han/ fuͤr sie haben vnd anderes mehr: welches dem reine auch bißweilen außhelf- fen sol; als: Der darff nicht sorgen fuͤr den spot/ Der einenschaden krieget hot. So stehet es auch zum hefftigsten vnsauber/ wenn allerley Lateinische/ Frantzoͤsische/ Spanische vnnd Welsche woͤrter in den tert vnserer rede geflickt werden; als wenn ich wolte sagen: Nemt an die courtoisie, vnd die deuotion, Die euch ein cheualier, madonna/ thut erzeigen; Ein handvol von fauor petirt er nur zue lohn/ Vnd bleibet ewer Knecht vnd seruiteur gantz eigẽ. Wie seltzam dieses nun klinget/ so ist nichts desto weniger die thorheit innerhalb kurtzen Jharen so eingeriessen/ das ein jeder/ E der der nur drey oder vier außlaͤndische woͤrter/ die er zum offtern nicht verstehet/ erwuscht hat/ bey aller gelegenheit sich bemuͤhet dieselben herauß zue werffen/ Da doch die Lateiner eine solche abschew ver dergleichen getragen/ das in jhren versen auch fast kein griechisch wort gesunden wird/ das zwar gantz griechisch ist. Dann Juuenalis setzet inn einem orte , eben dieselben auß zue lachen/ die sich in jhren buhlereyen mit griech- ischen woͤrtern behelffen: in dem andern orte aber thut er es da- rumb/ das er die schaͤndliche suͤnde/ daran Christen auch nicht gedencken sollen/ lateinisch auß zuesprechen abschew treget: wie- wol er sonsten kein blat fuͤr das maul nimpt. Was aber die no- mina propria oder eigentlichen namen der Goͤtter/ Maͤnner vnd Weiber vnd dergleichen betrifft/ duͤrffen wir nach art der La teiner vnd Griechen jhre casus nicht in acht nemen/ sondern sollen sie so viel moͤglich auff vnsere endung bringen. Als/ ich mag kuͤnlich nach der Deutschen gebrauche sagen: Der schnelle plitz/ des Jupiters geschoß/ vnd nicht/ des Jouis. Jtem/ der Venus pfeile/ nicht veneris. Wie es denn auch die Roͤmer mit den griechischen woͤrtern machen. Die Frantzosen gleichfals. Bartaß in seinem Buche/ dem er den titel die Herrligkeit gegeben: Vngrand Gymnosophiste, vn Druyde, vn Brach- man. Jtem die Hollender. Als Heinsius: van daer is zij gegaen By Thetis haer vrindin/ en sprack Neptunus aen. Doch koͤnnen wir anfanges/ weil es in vieler ohren noch et- was harte lautet/ etliche lateinische endungen noch gebrauchen/ biß wir in die gewonheit kommen sind. Als wenn ich der Erin- nen/ die Stobeus anzeucht/ verß geben wolte. mag ich wol setzen: O Rom/ O Rom/ des Martis kind/ sey sehr gegruͤßt von mir den im fall ich spreche/ O Rom/ du kind des Mars/ moͤchte es vielen zue anfange seltzam vorkommen. Die diphthongi oder deppeltlautenden Buchstaben/ weil sie bey vns nicht vblich/ duͤrffen nur mit demselblautenden buch- staben geschrieben werden/ dessen thon sie haben; als En é as/ Eschylus/ Mecenas ꝛc. Newe woͤrter/ welches gemeiniglich epitheta, derer wir bald gedencken werden/ vnd von andern woͤrtern zuesammen ge- setzt sindt/ zue erdencken/ ist Poeten nicht allein erlaubet/ sondern macht auch den getichten/ wenn es maͤssig geschiehet/ eine son- derliche anmutigkeit. Als wenn ich die nacht oder die Music ei- ne arbeittroͤsterinn/ eine kummerwenderinn/ die Bellona mit einem dreyfachen worte kriegs-blut-duͤrstig/ vnd so fertan nen- ne. Jtem den Nortwind einen wolckentreiber/ einen felssen stuͤr- mer vnd meerauffreitzer: wie jhn Ronsardt (denn die Frantzo- sen echst den Griechen hierinnen meister sindt) im 202. Son- net seines andern buches der Buhlersachen heisset: Fier A quilon horreur de la Scythie, Lechasse-nue, \& l’esbransle-rocher, L irrite-mer. Welches auß dem Ouidio genommen ist. Apta mihi vis est, hac tristia nubila pello, Hacfreta concutio, nodosaque robora verto. Solches stehet auch an seinem orte bey den Lateinern nicht vbel; als da Catullus saget in seinem vberauß schoͤnen getichte vom Atys: Vbi cerua syluicultrix, vbi aper ncmoriuagus Vnd Pr- blius Syrus von dem storche: Pietaticultrix, gracilipes, crotalistria, Auis exulhiemis. Jn Jn welchen erfindungen Joseph Scaliger zue vnserer zeit meines beduͤnckens alle andere/ auch die alten selber/ vbertroffẽ. Darbey aber vns Deutschen diß zue mereken ist/ das das nomen verbale, als treiber/ stuͤrmer/ auffreitzer/ ꝛc. allzeit/ wie bey den Lateinern/ muß hinten gefetzt werden; wieder der Frantzosẽ gebꝛauch/ derer sprache es nicht anders mit sich bringt. So Heinsins in dem Lobgetichte des Weingottes/ welches er auch zum theil von dem Ronsardt entlehnet: Nacht-loopeꝛ/ Heupe-soon/ Hooch-schꝛeeiuveꝛ-Groo te-springer/ Goet-geuer/ Minne-vrient/ Hooft-breker/ Lecu- wen-dwinger/ Hert-vanger/ Herßen-dief/ Tong-binder/ Schud- de-bol/ Geest-roerder/ Waggel-voet/ Staet-kruijßer/ Al- tiject-vol. Vnd nach meiner vordolmetschung: Nacht-leuffer/ Huͤffte-sohn/ Hoch-schreyer/ Luͤfften- springer/ Guet-geber/ Liebesfreundt/ Haupt-brecher-Loͤwen- zwinger/ Hertz-faͤnger/ Hertzen-dieb/ Mund-binder/ Sin- nen-toll/ Geist-rhuͤrer/ wackel-fuß/ Stadt-kreischer/ All- zeit-voll. Wie denn auch sonsten die epitheta bey vns gar ein vbel außsehen haben/ wenn sie hinter jhr substantiuum gesetzet werden/ als: Das muͤndlein roht/ der Weltkreiß rund/ die haͤnde fein; fuͤr; das rothe muͤndlein/ der runde runde Weltkreiß/ die feinen haͤnde/ ꝛc. wiewol bey vn- sern reimenmachern nichts gemeiner ist. So bringen auch die Frantzosen newe Verba herfuͤr/ wel- che/ wenn sie mit bescheidenheit gesetzet werden/ nicht vnartig sind. Als Ronsardt brauthet in einer Elegie an die Caßandra/ das wort Petrarquiser, das ist/ wie Petrartha buhlerische re- den brauchen: Apprendre l’art de bien Petrarquiser. Vnd ich habe es jhm mit einem anderen worte nachgethan/ da ich die Leyer anrede: Jetzt solt du billich mehr als wol/ O meine lust/ Pindarisiren. Jch darff aber darumb nicht bald auß dem Frantzoͤsischen sa- gen: approchiren, marchiren; oder auß dem Lateine: dubi- tiren, seruiren; gaudiren, wie zwar die zne thun pflegen/ die eher jhre Muttersprache verterben/ als das sie nicht wollen se- hen laßen/ das sie auch was frembdes gelernet haben. Wie nun wegen reinligkeit der reden frembde woͤrter vnnd dergleichen mußen vermieden werden; so muß man auch der deutligkeit halben sich fuͤr alle dem huͤten/ was vnsere worte tun- ckel vnd vnverstendtlich macht. Als wann ich sagen wollte: Das weib das thier ergrieff. Hier were zue zweiffeln/ ob das weib vom thiere/ oder das thier vom weibe were ergrief- fen worden: welches die Griechen eine nennen. Der da etwas vbriges gesaget wird/ verstellet auch die rede zue weilen nicht wenig. Als wann ich spreche: Ein schwartzes Kind das nicht war weiß; weil es sich wol ohne diß verstehet So wie Pansa sagete: Das Kind were von der Mutter zehen monat im leibe getragen wor- den: fragete Cicero: ob andere weiber die kin der im rocke truͤgẽ. Doch hilfft bißweilen das was vbrig hinzue gesetzet wird auch zu E iij auff auffmutzung der rede. So saget Virgilius: Vocemque his auribus hausi. Mit meinen ohren hab ich es vernommen; zue mehrer bestetigung deßen das er erzehlet. Die oder verkehrung der worte stehet bey vns sehr garstig/ als: Den sieg die Venus kriegt; fuͤr Die Venus kriegt den sieg. Jtem: Sich selig dieser schaͤtz- en mag; fuͤr: Dieser mag sich selig schaͤtzen. Vnnd se offte dergleichen gefunden wird/ ist es eine gewiße anzeigung/ das die worte in den verß gezwungen vnd gedrungen sein. Auff die außlesung der worte/ sagen wir nun billich auch von jhrer zuesammensetzung; wie wir nemlich die buchstaben/ sylla- ben vnd woͤrter aneinander fuͤgen sollen. Weil ein buchstabe einen andern klang von sich giebet als der andere/ soll man sehen/ das man diese zum offteren gebrauche/ die sich zue der sache welche wir fuͤr vns haben am besten schickẽ. Als wie Virgilius von dem berge Etna redet/ brauchet er alles harte vnd gleichsam knallende buchstaben: Vidimus vndantem ruptis fornacibus Aetnam Flammarumq́ue globos, liquefactaque voluere (saxa wie Etna/ wenn er strewet Die flam̃en in die lufft/ vñ siedend, hartz außspeyet/ Vnd durch den holen schlund bald schwartze wolckẽ (blaͤßt/ Bald gantze kluͤfften stein vnd kugeln fliegen lest. Heinsius saget: Gelyck als Etna schiet vyt haere diepe kolcken Een grondeloose zee van vlammen in de wolcken. So/ weil das L vnd R fließende buchstaben sein kan ich wir sie sie in beschreibung der baͤche vnd waͤßer wol nuͤtze machen/ als: Der klare brunnen quilt mitt lieblichem gerausche ꝛc. Wie nun bißweilen eine solche zuesammenstoßung der buch- staben recht vnd guet ist; soll man sie doch sonsien mitt einander so wißen zue vermengen/ das nicht die rede dadurch garzue raw oder zue unde werde. Eben dieses ist es auch/ wann eine syllabe oder wort zue offte wiederholet wird, als Die die dir diese dinge sagen. Jtem/ Es siehet nicht wol auß/ wenn ein Verß in lauter eynsylbigen woͤrtern bestehet. Deßen exempel Ronsard giebet: le vy le liel si beau, si pur et net. Wiewol wir deutschen/ wegen der menge der einsylbigen woͤrter die wir haben/ es zuezeiten kaum vermeiden koͤnnen. Hergegen sollen die verß/ sonderlich die Masculini (wie wir sie im folgenden Capitel nennen werden) sich nicht mit viel syl- bigen woͤrtern enden. Jch wil euch williglich mit vnterthaͤnigkeit Zue dienste sein/ Hertzlieb/ bey der gelegenheit. Dann die verß gar zue grob vnd harte dadurch gemacht werden. Das ansehen vnd die dignitet der Poetischen rede anlangt/ bestehet dieselbe in den tropis vnnd fchematibus, wenn wir nemblich ein wort von seiner eigentlichen bedeutung auff einan- dere ziehen. Dieser figuren abtheilung/ eigenschafft vnd zuege- hoͤr allhier zue beschreiben/ achte ich darumb vnvonnoͤthen/ weil wir im deutschen hiervon mehr nicht als was die Lateiner zue mercken haben/ vnd also genungsamen vnterricht hiervon ne- ben den exempeln aus Scaligers vnnd anderer gelehrten leute buͤchern nemen koͤnnen. Dessen wil ich nur erinnern/ das fuͤr allen dingen noͤtig sey/ hoͤchste moͤgligkeit zue versuchen/ wie man die epitheta; an denen bißher bey vns grosser mangel ge- wesen/ wesen/ sonderlich von den Griechen vnd Lateinischen abstehen/ vnd vns zue nutze machen moͤgen: Dann sie den Poetischen sa- chen einen solchen glantz geben/ das Stesichorus fuͤr den anmu- tigsten Poeten ist gehalten worden/ weil er desselbigen zum fuͤg- lichsten sich gebraucht hat Sie mussen aber so gemachtwerden/ das sie entweder die dinge von denen wir reden von andern vnterscheiden; als da der Poet spricht: nigra hirundo, die schwartze Schwalbe/ oder sie vermehren/ als: frigida bello Dextera, eine handt die im kriege nicht viel außrichtet. Sie mussen auch warhafftig sein/ vnd etwas nicht anders beschreiben als es ist Zum erempel: florida Hybla; weil viel Blumen darauff wachsen sollen: Parnasia laurus, æstuosa Calabria, vnd dergleichen Strabo rhuͤmet den Homerus/ das er die eigenschafft eines/ etwedern dinges sehr genaw in acht ge- nommen/ vnd jhm vnfehiber sein gehoͤriges epitheton allzeit gegeben habe. Die Poeten/ denen mehr freyheit als den Ora- toren eingeraͤumet ist/ koͤnnen auch wol den schnee weiß/ vnnd den wein feuchte nennen: wie Aristoteles im dritten buche der Rhetoric/ vnnd Quintilianus im sechsten Capitel des achten buches saget. Wiewol Virgilius nicht ohne vrsache setzet: cæduntque securibus humida vina; Denn in dem er spricht/ das man in den Mitternaͤ ch tischen Laͤndern den gefrorenen Wein/ der doch von natur sonst naß ist/ mit aͤxten zuehawen muß/ macht er das man desto mehr der vngewoͤhnlichen kaͤlte nachdenckt. Letzlich haben wir in vnserer sprache dieses auch zue mercken/ das wir nicht vier oder fuͤnff epitheta zu einem worte setzen/ wie die Jtaliener thun/ die wol sagen duͤrffen: Alma, bella, angelica, et fortunata donna; Du schoͤnes/ weisses/ englisches/ gluͤckhafftes/ ed- les bildt; Denn Denn solches bloß zue außfuͤllung des verses dienet. Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehoͤr der Poetischen re- de: weil aber die dinge von denen wir schreiben vnter schieden sind/ als gehoͤret sich auch zue einem jeglichen ein eigener vnnd von den andern vnterschiedener Character oder merckzeichen der worte. Denn wie ein anderer habit einem koͤnige/ ein an- derer einer priuatperson gebuͤhret/ vnd ein Kriegesman so/ ein Bawer anders/ ein Kauffmann wieder anders hergehen soll: so muß man auch nicht von allen dingen auff einerley weise re- den; sondern zue niedrigen sachen schlechte/ zue hohen ansehli- che/ zue mittelmaͤssigen auch maͤssige vnd weder zue grosse noch zue gemeine worte brauchen. Jn den niedrigen Poetischen sachen werden schlechte vnnd gemeine leute eingefuͤhret; wie in Comedien vnd Hirtengespre- chen Darumb tichtet man jhnen auch einfaltige vnnd schlechte reden an/ die jhnen gemaͤsse sein: So Tityrus bey dem Poe- ten/ wenn er seines Gottes erwehnet/ redet er nicht von seinem plitze vnd donner/ sondern Ille meas, sagter/ errare boues, vt cernis, \& ipsũ Ludere quæ vellem calamo permisit agresti. Du siehst/ er leßt mein Vieh herumb gehn oh- ne ziehl/ Vñ mich auff meiner floͤt’ auch spielen was ich wil Wie Theocritus sonsten inn dem paß wol jederman vberle- gen/ so weiß ich doch nicht wie sein Aites mir sonderlich beha- get: inmassen ich denn auch halte/ das Heinsius gleichfals gros- sen gefallen daran treget/ der dieses Jdyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben. Weil ich jhm aber im deutschen nachge- folget/ vnd den niedrigen Character/ von dem wir jetzo reden/ nicht besser vorzuestellen weiß/ wil ich meine uͤbersetzung hierne- ben fuͤgen. F Theo- Theocriti Aites. Bist du gekommen dann/ nach dem ich nun gewacht Nach dir/ mein liebstes Kind/ den dritten tag vnnd Nacht? Du bist gekommen/ ja. doch wer nicht kan noch mag. Sein lieb sehn wann er wil/ wird alt auff einen tag. So viel der Fruͤling wird dem Winter vorgesetzt/ Vor wilden pflaumen vns ein Apffel auch ergetzt/ Das Schaff mit dicker woll ein Lamb beschaͤmen kan/ Die Jungfraw fuͤsser ist als die den dritten Man Vereit hat fort geschickt; so viel als besser springt Ein rehbock als ein Kalb/ vnd wann sie lieblich singt Die leichte Nachtigall den Vogeln abgewint/ So ist dein beysein nur das liebste das man findt. Jch habe mich gesetzt bey diesen Buchbawm hin/ Gleich wie ein Wandersman thut im fuͤruͤber ziehn/ Jn dem die Sonne sticht. ach/ das die liebe doch Vns wolte beyderseits auch fuͤgen an jhr ioch/ An jhr gewuͤndtschtes Joch/ vnd das die nach vns sein Von vns mit stettem rhum erzehlten vberein: Es ist ein liebes par gewesen vor der zeit/ Das eine freyte selbst/ das ander ward gefreyt: Sie liebten beyde gleich. ward nicht das volck ergetzt Wie liebe wiederumb mit liebe ward ersetzt! Ach Jupiter/ vnd jhr/ jhr Goͤtter/ gebt mir zue/ Wann Wann ich nach langer zeit schon lieg in meiner rhue/ Das ich erfahren mag/ das dem der mich jtzt liebt Vnd meiner trewen gunst ein jeder zeugniß giebt; Doch mehr das junge volck. nun diß muß nur er- gehn/ Jhr Goͤtteꝛ/ wie jhr wolt. es pflegt bey euch zue stehn Doch lob’ ich dich zwar hoch/ so hoff ich deñoch nicht Das jrrgend jemand ist der etwas anders spricht. Dann ob dein grimm mir schon offt’ etwas vbels thut So machst du es hernach doch doppelt wieder gut O volck von Megara/ jhr schiffer weit bekandt/ Jch wuͤndsche das jhr wol bewohnt das reiche landt Vnd vfer bey Athen/ weil jhr so hoͤchlich liebt Dioclem der sich auch im lichen sehr geuͤbt: Weil allzeit vmb sein grab sehr viel liebhaber stehn/ Die lernen einig nur mit kuͤssen vmb recht gehn/ Vnd streiten gleich darumb/ vnd wer dann Mundt an mundt Am aller besten legt/ dem wird der krantz vergunt/ Den er nach hause dann zue seiner Mutter bringt. Ach/ ach/ wie gluͤcklich ist dem es so wolgelingt Das er mag richter sein. wie offte rufft er wol Das Ganymedes jhm den Mund so machen sol Als einen Stein durch den der goldschmiedt vrtheil spricht Ob auch gewiß das Goldt recht gut sey oder nicht. F ij Herge- Hergegen in wichtigen sachen/ da von Goͤttern/ Helden/ Koͤ- nigen/ Fuͤrsten/ Staͤdten vnd dergleichen gehandelt wird/ muß man ansehliche/ volle vnd hefftige reden vorbringen/ vnd ein ding nicht nur bloß nennen/ sondern mit praͤchtigen hohen wor- ten vmbschreiben. Virgilius sagt nicht: die oder luce sequen- ti; sondern: vbi primos crastinus ortus Extulerit Titan, radiisq́ue retexerit orbem. Wann Titan morgen wird sein helles liecht auff- stecken/ Vñ durch der stralen glantz die grosse welt entdeckẽ. Die mittele oder gleiche art zue reden ist/ welche zwar mit ih- rer ziehr vber die niedrige steiget/ vnd dennoch zue der hohen an pracht vnd grossen worten noch nicht gelanget Jn dieser gestalt hat Catullus seine Argonautica geschrieben; welche wegen jh- rer vnvergleichlichen schoͤnheit allen der Poesie liebhabern be- kandt sein/ oder ja sein sollen. Bißhiehcr auch dieses: nun ist noch vbrig das wir von den reimen vnd vnterschiedenen art der getichte reden. Das VII. Capitel. Von den reimen/ jhren woͤrtern vnd arten der getichte. E Jn reim ist eine vber einstimmung des lautes der syllaben vnd woͤrter zue ende zweyer oder mehrer ver- se/ welche wir nach der art die wir vns fuͤrgeschrieben ha- ben zuesammen setzen. Damit aber die syllben vnd worte in die reimen recht gebracht werden/ sind nachfolgende lehren in acht zue nemen: Erstlich/ weil offte ein Buchstabe eines doppelten lautes ist/ soll man sehen/ das er in schliessung der reimen nicht vermenget werd. werde. Zum exempel: Das ein dem worte ehren wird wie ein griechisch ɛ/ in dem worte nehren wie ein η außgesprochen: kan ich also mit diesen zweyen keinen reim schliessen. Jtem/ wenn ich des Herren von Pybrac Epigramma wolte geben: Adore assis, commele Grec ordonne, Dieu en courant ne veut estre honoré, D’vn ferme coeur il veut estre adoré, Maisce coeur là il faut qu’il nous le donne. Zum beten setze dich/ wie jener Grieche lehret/ Denn GOtt wil auff der flucht nicht angeruf- fen sein: Er heischet vnd begehrt ein starckes hertz allein; Das hat man aber nicht/ wann er es nicht be- scheret. Hier/ weil das e im lehret wie ɛ/ das im bescheret wie η gelesen wird/ kan ich vor bescheret das wort verehret setzen. So schicken sich auch nicht zusammen entgegen vnd pflegen; verkehren vnd hoͤren : weil das ὄ von vnns als ein ɛ/ vnnd mitlere sylbe im verkehren wie mit einem η gelesen wirdt. So kan ich auch ist vnd bist wegen des vngleichen lautes gegen ei- nander nicht stellen. Das e/ wann es vor einem andern selblautenden Buchsta- ben zue ende des wortes vorher gehet/ es sey in wasserley versen es wolte/ wird nicht geschrieben vnd außgesprochen/ sondern an seine statt ein solches zeichen darfuͤr gesetzt. Zum exempel wil ich nachfolgendes Sonnet setzen/ weil diese außenlaßung zue sechs malen darinnen wiederholet wird: Jch muß bekennen nur/ |woltausendt wuͤndtschen mir/ F iij Vnd Vnd tausendt noch darzue/ ich moͤchte die doch meiden Die mein, ergetzung ist/ mein trost/ mein weh vnd leiden Doch macht mein starckes hertz/ vnd jhre gros- se ziehr/ An welcher ich sie selbst dir/ Vonus setze fuͤr/ Das ich/ so lang ein Hirsch wird lieben puͤsch’vñ Heiden/ So lange sich dein Sohn mit threnen wird be- weiden/ Wil ohne wancken stehn/ vnd halten vber jhr. Kein menschlich weib hat nicht solch gehn/ solch stehn/ solch lachen/ Solch reden/ solche tracht/ solch schlaffen vnnd solch wachen: Kein Waldt/ kein Heller fluß/ kein hoher Berg/ kein Grundt Beherbrigt eine Nymf an welcher solche gaben/ Zue schawen moͤgen sein; die so schoͤn haar kan haben/ Solch augen als ein stern/ so einen roten mund. Hiervon werden außgeschlossen/ wie auch Ernst Schwabe in seinem Buͤchlein erinnert/ die eigenen namen/ als: Hele- ne/ Euphrosine; darnach alle einsylbige woͤrter/ als: Schnee/ See/ wie/ die/ ꝛc. Zue ende der reimen/ wann ein Vocalis den folgenden verß verß anhebet/ kan man das e sehen lassen oder weg thun. Ste- hen bleibt es. wie rufft er vor dem ende Vns seinen Kindern zue. Weg gethan aber wird es: Jhr hoͤlen voller moß/ jhr auffgeritzten stein Jhr felber/ ꝛc. Wann auff das e ein Consonans oder mitlautender Buch- stabe folget/ soll es nicht aussen gelassen werden: ob schon nie- mandt bißher nicht gewesen ist/ der in diesem nicht verstossen. Jch kan nicht recht sagen: Die waͤll der starcken Stadt vnnd auch jhr tieffe Graben; Weil es die Waͤlle vnd jhre Graben sein soll. Auch nicht wie Melißus: Rot roͤßlein wolt ich brechen/ fuͤr/ Rote roͤßlein. Gleichfals nicht: Nemt an mein schlechte reime/ fuͤr: Meine. Es soll auch das e zueweilen nicht auß der mitten der woͤrter gezogen werden; weil durch die zuesammenziehung der sylben die verse wiederwertig vnd vnangeneme zue lesen sein. Als/ wann ich schriebe: Mein Lieb/ wann du mich druͤcktst an deinen liebl- chen Mundt/ So thets meinm hertzen wol vnd wuͤrde frisch vnd gsundt. Welchem die reime nicht besser als so von statten gehen/ mag/ mag es kuͤnlich bleiben lassen: Denn er nur die vnschnldigen woͤrter/ den Leser vnd sich selbst darzue martert vnnd quelet. Wiewol es nicht so gemeinet ist/ das man das e niemals aussen- lassen moͤge: Weil es in Cancelleyen (welche die rechten leh- rerinn der reinen sprache sind) vnd sonsten vblich/ auch im auß- reden nicht verhinderlich ist. Vnnd kan ich wol sagen/ vom fuͤr von dem/ zum fuͤr zue dem/ vnd dergleichen. So ist es auch mit den verbis. Als. Die Erde trinckt fuͤr sich/ die Baͤwme trincken erden/ Vom Meere pflegt die lufft auch zue getruncken werden/ Die Sonne trinckt das Meer/ der Monde trinckt die Sonnen; Wolt dann/ jhr freunde/ mir das trincken nicht vergonnen? Hier/ ob gleich die woͤrter trincket/ pfleget/ wollet/ inn eine sylbe gezogen sind/ geschiehet jhnen doch keine ge- walt. Hiesige verß aber sindt in Griechischen bey dem Ana- creon: Welche oden ich sonst auch in ein distichion gebracht; weil ich zue den lateinischen Ancareonten weder lust nochgluͤck habe. Terra Terra bibit, terram plantæ, auras æquor, amici, Æquor Sol, Solem Luna; nec ipse bibam? Stehet das h zue anfange eines wortes/ so kan das e wol ge- duldet werden; als: Vnd was hilfft es das mein spiel Alle die es hoͤren loben/ Du hergegen/ o mein licht? Die ich lobe/ hoͤrstes nicht. Oder auch aussen bieiben; als: Was kan die kuͤnstlich hand? Ferner soll auch das e denen woͤrtern zue welchen es nicht ge- hoͤret vnangehencket bleiben; als in casu nominatiuo: Der Venus Sohne. Jtem/ wie Melißus sagt: Ein wolerfahrner helde. Vnd: Dir scheint der Morgensterne; Weil es Sohn/ Held/ Stern heisset. Vber diß/ die letzte sylbe in den maͤnnlichen/ vnd letzten zwe inn den weiblichen reimen (wie wir sie bald abtheilen werden) sollen nicht an allen Buchstaben gleiche sein; als/ in einem weib- lichen reime: Wir sollen frembdlingen garbillich ehr’ erzeigen/ Vnd so viel moͤglich ist/ ein willig hertze zeigen. E s ist falsch; weil die letzten zwo sylben gantz eines sindt: kan aber so recht gemacht werden: Wir sollen frembdlingen gar billich ehr’ erzeigen/ Vnd/ wann es muͤglich ist/ die Sonn auch selbst zueneigen. Wiewol es die Frantzosen so genaw nicht nemen. Dann in G nach- nachfolgender Echo/ welche vom tantze redet/ alle verß gleiche fallen: Qui requiert fort \& mesure \& cadance? Dance. Qui faict souuent aux nopces residence? Dance. Qui faict encor filles en abondance? Dance. Qui faict sauter fols paroutrecuidance? Dance. Qui est le grand ennemy de prudence? Dance. Qui met aux frons cornes pour euidence? Dance. Qui faict les biens tomber en decadence? Dance. Gleichfals begehet man einen fehler/ wann in dem rythmo fœ minino die letzte sylbe des einen verses ein t/ des andern ein d hat, weil t harte vnd d gelinde außgesprochen wird. Als im 23 Psalme: Auff einer gruͤneu Awen er mich weidet/ Zum schoͤnen frischen wasser er mich leitet. So auch/ wann das eine u einselblautender/ das andere ein doppeltlaudender Buchstabe ist/ vnd fast wie ein i außgespro- chen wird Als im 42. Psalme: Bey jhm wird heil gefunden/ Jsraci er von suͤnden. Dann in dem worte fuͤnden ist das u ein diphthongus. Vnd letzlich wird der reim auch falsch/ wann in dem einen verse das letzte wort einen doppelten consonanrem; vnnd das in dem andern einen einfachen hat; als: wann der eine verß sich auff das wort harren; das andere auff das wort verwahren/ oder der eine auff rasen/ der andereauff gleicher massen endete Denn es eine andere gelegenheit mit der Frantzoͤsischen sprache hatt/ da zwar zweene consonantes geschrieben/ aber gemeiniglich nur einer außgesprochen wird. Das Das wir nun weiter fortfahren/ so ist erstlich ein jeglicher verß/ wie sie die Frantzosen auch abtheilen/ (denn der Jtalie- ner zarte reimen alleine auf die weibliche endung außgehen) ent- weder ein fœmininus, welcher zue ende abschiessig ist/ vnd den accent in der letzten sylben ohne eine hat/ Als: Er hat rund vmb sich her das wasser außgespreitet/ Den koͤstlichen pallast des Himmels zue bereitet; Oder masculinus, das ist/ maͤnnlicher verß/ da der then auff der letzten sylben in die hoͤhe steiget; als: Den donner/ reiff vnd schnee/ der wolcken blaw- es zelt/ Ost/ Norden/ Sud vnd West in seinen dienst bestelt. Nachmals ist auch ein jeder verß entweder ein iambicus o- der trochaicus; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner eine gewisse groͤsse der sylben koͤnnen inn acht nemen; sondern das wir aus den accenten vnnd dem thone erkennen/ welche sylbe hoch vnnd welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Jambus ist dieser: Erhalt vns Herr bey deinem wort. Der folgende ein Troeheus: Mitten wir im leben sind. Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig/ die andere hoch/ die dritte niedrig/ die vierde hoch/ vnd so fortan/ in dem anderen verse die erste sylbe hoch/ die andere ntedrig/ die dritte hoch/ ꝛc. außgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand/ ich auch vor derzeit selber nicht/ dieses genawe in acht genommen/ scheinet es doch so hoch von noͤthen zue sein/ als hoch von noͤthen ist/ das die Lateiner noch den quantirati- bus oder groͤssen der sylben jhre verse richten vñ reguliren. Deñ es gar einen uͤbelen klang hat: G ij Venus Venus die hat Juno nicht vermocht zue obsie- gen; weil Venus vnd Juno Jambische/ vermocht ein Trochéisch wort sein sell: obsiegen aber/ weil die erste sylbe hoch/ die andern zwo niedrig sein/ hat eben den thon welchen bey den lateinern der dactylus hat/ der sich zueweilen (denn er gleichwol auch kan geduldet werden/ wenn er mit vnterscheide gesatzt wird) in vnsere sprache/ wann man dem gesetze der reimen keine gewalt thun wil/ so wenig zwingen leßt/ als castitas, pul- chtitudo vnd dergleiehen in die lateinischen vnd hexametros vnnd pentametros zue bringen sind. Wiewol die Frantzosen vnd andere/ in den eigentlichen namen sonderlich/ die accente so genawe nicht in acht nemen wie ich dann auch auff art des Ron- sardts in einer Ode geschrieben: Bin ich mehr als Anacreon/ Als Stesich ó r vnd Simon í des/ Als Antim á chus vnd Bion/ Als Ph í let oder Bacchyl í des? Doch/ wie ich dieses nur lust halben gethan/ so bin ich der ge- dancken/ man solle den lateinischen accenten so viel moͤglich nachkommen. Vnter den Jambischen versen sind die zue foͤderste zue se- tzen/ welche man Alexandrinische/ von jhrem ersten erfinder/ der ein Jtaliener soll gewesen sein/ zue nennen pfleget/ vnd werden an statt der Griechen vnd Roͤmer heroischen verse gebraucht: Ob gleich Ronsardt die Vers communs der gemeinen verse/ von denen wir stracks sagen werden/ hierzue tuͤchtiger zue sein vermeinet; weil die Alexandrinischen wegen jhrer weitleufftig- keit der vngebundenen vnnd freyen rede zue sehr aͤhnlich sindt/ wann sie nicht jhren mann finden/ der sie mit lebendigen farben herauß zue streichen weiß. Weil aber dieses einem Poeten zue- stehet/ vñ die vber welcher vermoͤgen es ist nicht gezwungen sind sich sich darmit zue aͤrgern/ vnsere sprache auch ohne diß in solche enge der woͤrter wie die Frantzoͤsische nicht kan gebracht wer- den/ mussen vnd koͤnnen wir sie an statt der heroischen verse gar wol behalten: inmassen dann auch die Niederlaͤnder zue thun pflegen. Der weibliche verß hat dreyzehen/ der maͤnnliche zwoͤlff syl- ben; wie der ia mbus trimcter. Es muß aber allezeit die sechste sylbe eine cæsur oder abschritt haben/ vnd masculinæ rermi- nationis, das ist/ entweder ein einsylbig wort sein/ oder den ac- cent in der letzten sylben haben; wie auch ein vornemer Mann/ der des Herren von Bartas Wochen in vnsere sprache vbersetzt hat/ erinnert Zum exempel sey diejes: Dich hette Jupiter/ nicht Paris/ jhm erkohren/ Vnd wuͤrd auch jetzt ein Schwan wann dich kein schwan gebohren/ Du heissest Helena/ vnd bist auch so geziehrt/ Vnd werest du nicht keusch/ du wuͤrdest auch entfuͤhrt. Hier sind die ersten zweene verß weibliche/ die andern zweene maͤnnliche: Denn mann dem weiblichen in diesem genere car- minis gemeiniglich die oberstelle leßt; wiewol auch etliche von den maͤnnlichen anfangen. Bey dieser gelegenheit ist zue erinnern/ das die cæsur der sechsten syllben/ sich weder mit dem ende jhres eigenen verses/ noch des vorgehenden oder nachfolgenden reimen soll; oder kuͤrtz- lich; es sol kein reim gemacht weꝛdẽ/ als da wo er hin gehoͤret: als: Ein guet gewissen fragt nach boͤsen maͤulern nicht/ Weil seiner tugend liecht so klar hereiner bricht Als wie Aurora selbst/ ꝛc. Dann solches stehet eben so vbel als die reimen der lateini- G iij schen schen verse; deren exempel zwar bey den gutten Autoren wenig zue finden/ der Moͤnche buͤcher aber vor etzlich hundert Jahren alle voll sindt gewesen. So ist es auch nicht von noͤthen/ das der periodus oder sen- tentz allzeit mit dem verse oder der strophe sich ende: ja es stehet zierlich/ wañ er zum wenigsten biß zue des anderu/ dritten/ vierd- ten verses/ auch des ersten in der folgenden strophe cæsúr behal- ten wird. Zumexempel: 1. nein nein/ wie bleich ich bin/ Nicht vom studiren nur/ so bleibt doch wie vorhin Mein vorsatz vnbcwegt; 2. ich wil mein gluͤcke tragen So lang’ ich kan vnd mag; wil setzen auff den wagẽ Der grawen ewigkeit durch meiner Leyer kunst Die braune Flauia: 3. an stat der Musen gunst Jst jhrer augen glut: 4. das sternenliechte fewer Koͤmpt/ wie der schoͤne Nort den Schieffen/ mir zue stewer. Jtem: 1. Ja wir gedencken vns wie meister fast zue werden Des grossen Jupiters/ vnd donnern auff der erden Durch des Geschuͤtzes plitz; 2. die Berge zittern auch/ Die wolcken werden schwartz von vnsers Pul- vers rauch/ Vnd lauffen schneller fort. 3. verhaw’ vns zue dem strande Des meeres weg vnd steg/ wir segeln auch zue lande/ Vnd schiffen ohne see. 4. veriag vns aus der welt/ Wir Wir haben eine new/ in welcher Gold vnd Gelde Nicht minder haͤuffig ist. 5. wilt du vnns gifft bey- bringen/ Die Porcellane wird vns in der hand zuespringen/ Vnd sagen was du thust. 6. wie schlecht die Buͤ- gel sein/ So setzen wir vns doch mit jhnen fester ein/ Vnd lassen vnns so bald nicht auß dem sattel heben. 7. Es pflegt die Sonnenvhr vns vnterricht zue gebẽ Vmb welche zeit es sey. 8. Der koͤstliche Magnet Zeigt wo das schwache Schiff auch bey der nacht hingeht/ Vmbringt mit wind vnnd flut. 9. wir kennen hier von fernen Durch eines glases liecht den Monden vnnd die Sternen/ Als stuͤnden wir darbey/ vnd sind zur krieges zeit Vor einem einfall auch viel mehr als sonst befreit. Die reimen deren werbliche verß eilff sylben/ vnd die maͤnn- lichen zehen haben/ neñen die Frantzosen vers communs oder gemeine verle/ weil sie bey jhnen sehr im brauche sind. Wie a- ber die Alexandrinischen verse auff der sechsten sylben/ so haben diese auff der vierdten jhren abschrit Als: Jm fall du wilt Was Goͤttlich ist erlangen. Solaß den leib in dem du bist gefangen/ Auff/ auff/ mein Geist/ vnd du mein gantzer sinn/ Wirff alles das was welt ist von dir hin Weil die Sonnet vnnd Quatrains oder vierversichten cpi- gram- grammata fast allezeit mit Alexandrinischen oder gemeinen versen geschrieben werden/ (denn sich die andern fast darzue nicht schicken) als wil ich derselben gleich hier erwehnen. Wann her das Sonnet bey den Frantzosen seinen namen habe/ wie es denn auch die Jtaliener so nennen/ weiß ich anders nichts zue sagen/ als dieweil Sonner klingen oder wiederschal- len/ vnd sonnette eine klingel oder schelle heist/ diß getichte viel- leicht von wegen seiner hin vnd wieder geschrenckten reime/ die fast einen andern laut als die gemeinen von sich geben/ also sey getauffet worden. Vnd bestetigen mich in dieser meinung etz- liche Hollaͤnder/ die dergleichen carmina auff jhre sprache kline- getichte heissen: welches wort auch bey vnns kan auffgebracht werden; wiewol es mir nicht gefallen wil. Ein jeglich Sonnet aber hat viertzehen verse/ vnd gehen der erste/ vierdte/ fuͤnffte vnd achte auff eine endung des reimens auß; der andere/ dritte/ sechste vnd siebende auch auff eine. Es gilt aber gleiche/ ob die ersten viergenandten weibliche termi- nation haben/ vnd die andern viere maͤnnliche: oder hergegen. Die letzten sechs verse aber moͤgen sich zwar schrencken wie sie wollen; doch ist am braͤuchlichsten/ das der neunde vnd zehende einen reim machen/ der eilffte vnd viertzehende auch einen/ vnd der zwoͤlffte vnd dreyzehende wieder einen. Zum exempel mag dieses sein/ welches ich heute im spatzieren gehen/ durch gegebe- nen anlaß/ ertichtet. Sonnet. Du schoͤne Tyndaris/ wer findet deines gleichen/ Vnd wolt er hin vnd her das gantze landt durch- ziehn? Dein augen trutzen wol den edelsten Rubin/ Vnd fuͤr den Lippen muß ein Tuͤrckiß auch ver- bleichen / Die Die zeene kan kein goldt an hoher farb erreichen/ Der Mund ist himmelront/ der halß sticht Att- stein hin. Wo ich mein vrtheil nur zue fellen wuͤrdig bin/ Alecto wird dir selbst des haares halber weichen/ Der Venus ehemann geht so gerade nicht/ Vnd auch der Venus sohn hat kein solch scharff gesicht; Ju summa du bezwingst die Goͤtter vnnd Goͤt- tinnen. Weil man dan denen auch die vns gleich nicht sindt wol/ Geht es schon sawer ein/ doch guttes goͤnnen soll/ So wuͤndtsch ich das mein feind dich moͤge lieb gewinnen. Oder/ im fall dieses jemanden angenemer sein moͤchte, Wel- ches zum theil von dem Ronsardt entlehnet ist: Jhr/ Himmel/ lufft vnnd wind/ jhr huͤgel voll von schatten/ Jhr hainen/ jhr gepuͤsch/ vnd du/ du edler Wein/ Jhr frischen brunnen/ jhr/ so reich am wasser sein/ Jhr wuͤsten die jhr stets mußt an der Soñen bratẽ/ Jhr durch den weissen taw bereifften schoͤnen saaten/ Jhr hoͤlen voller moß/ jhr auffgeritzten stein/ Jhr felder welche ziehrt der zarten blumen schein/ Jhr felsen wo die reim am besten mir gerhaten/ H Weil Weil ich ja Flavien/ das ich noch nie thun koͤñẽ/ Muß geben guete nacht/ vnd gleichwol mundt vnnd sinnen Sich fuͤrchten allezeit/ vnd weichen hintersich/ So bitt’ ich Himmel/ Lufft/ Wind/ Huͤgel/ hai- nen/ Waͤlder/ Wein/ brunnen/ wuͤsteney/ saat/ hoͤlen/ steine/ felder/ Vnd felsen sagt es jhr/ sagt/ sagt es jhr vor mich. Jtem diß/ von gemeinen versen. Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen/ Vnd tausendt noch! die seufftzer sind vmbsonst Herauff geholt/ kein anschlag/ list noch kunst Verfaͤngt bey jhr wie wann im kuͤhlen Mertzen Der Schuee zuegeht durch krafft der Himmels kertzen/ Vnd netzt das feldt; so feuchtet meine brunst Der zehren bach/ die noch die minste gunst Nicht außgebracht: mein augen sind dem hertzen Ein schaͤdlich gifft: das dencken an mein liechc Macht das ich irr’ vnd weiß mich selber nicht/ Macht das ich bin gleich einem blossen scheine/ Das kein gelenck vnd gliedtmaß weder krafft Noch stercke hat/ die adern keinen safft Noch blut nicht mehr/ kein marck nicht die gebeine. Vnd letzlich eines/ in welchem die letzten sechs verse einer vmb den andern geschrencket ist: Jch machte diese verß in meiner Pierinnen Begruͤn- Begruͤnten wuͤsteney/ wie Deutschland embsig war Sein moͤrder selbst zuesein/ da herdt vnd auch altar Jn asche ward gelegt durch trawriges beginnen Der blutigen begiehr/ da gantzer voͤlcker sinnen Vnd tichten ward verkehrt/ da aller laster schar/ Mord/ vnzucht/ schwelgerey vnd triegen gantz vnd gar Den platz/ der alten ehr vnd tugendt hiclten innen. Damit die boͤse zeitnun wuͤrde hingebracht/ Hab’ ich sie wollen hier an leichte reine wenden. Mars thut’s der liebe nach das er der threnen lacht: Mein krieg ist lobens werth/ vnd seiner ist zue schenden: Deñ meiner wiꝛd gestilt duꝛch zweyer leute schlacht/ Den andern koͤnnen auch viel tausendt noch nicht enden. Quatrains oder quatrini, wie auß dem namen zue sehen/ sind wierverßichte getichte oder epigrammata; derer hat der Herr von Pybrac hundert vnd sechs vnd zwantzig im Frantzoͤ- sischen geschrieben; von welchen ich nur dieses setzen wil: En bonne part ce qu’ on dit tu dois prendre, Et l’ im parfaict du prochain supporter C’ouurir sa faute, etne la rapporter: Prompt à louër, et tardif à reprendre. Was man dir sagt solt du zum besten wenden/ Vnd wie du kanst des nechsten seine schuldt Beseite thun/ vnd tragen mit gedult: Zum loben schnell’/ vnd langsam sein zum schenden. H ij Hier Hier reimen sich der erste vnd letzte verß so weiblich sind zue- sammen/ vnd die mitleren zwey maͤnnlichen |deßgleichen zue- sammen. Wiewol man auch einen vmb den andern schrencken mag/ oder lauter maͤnnliche oder weiblich setzen: Als: An meine Venus. Du sagst/ es sey der Spiegel voller list/ Vnd zeige dich dir schoͤner als du bist: Komm/ wilt du sehn das er nicht luͤgen kan/ Vnd schawe dich mit meinen augen an. Welch e pigram ma im lateinischen bey dem Grudio, son- sten einem boͤsen Poeten/ wiewol er eines gueten Poetens bru- der ist/ gefunden wird. Die andern verse mag ein jeder mit sieben/ acht/ fuͤnff/ sechs/ auch vier vnd drey sylben/ vnd entweder die maͤnnlichen oder die weiblichen lenger machen nach seinem gefallen. Die reimen der ersten strophe sind auch zue schrencken auff vielerley art/ die folgenden strophen aber mussen wegen der Music/ die sich zue diesen generibus carminum am besten schi- cken/ auff die erste sehen. Ein exempel einer Trocheisehen Ode oder Liedes ist in dem fuͤnfften Capitel zue finden. Wir ich der- halben einen Jambischen gesang hieher sehreiben. Ode. Derselbe welcher diese nacht Erst hat sein leben hingebracht/ Jst eben auch wie die gestorben Die lengst zueuor verbliechen sein/ Vnd derer leichnam vnd gebein Vor vielen Jharen sind vertorben. Der Mensch stirbt zeitlich oder spat/ So So baldt er nur gesegnet hat So wird er in den Sandt versencket/ Vnd legt sich zue der langen rhue. Wenn Ohr vnd Auge schon ist zue/ Wer ist der an die Welt gedencket? Die Seele doch allein vnd bloß/ Fleugt wann sie wird des Coͤrpers loß/ Zum Himmel/ da sie her gerhuͤret. Was diesen schnoͤden leib betrifft/ Wird nichts an jhm als stanck vnd gifft/ Wie schoͤn er vormals war/ gespuͤret. Es ist in jhm kein geist mehr nicht/ Das fleisch felt weg/ die haut verbricht/ Ein jeglich haar das muß verstieben; Vnd/ was ich achte mehr zue sein/ Die jenige koͤmpt keinem ein/ Die er fuͤr allem pflag zue lieben. Der todt begehrt nichts vmb vnd an: Drumb/ weil ich jetzt noch wuͤndtschen kan/ So wil ich mir nur einig wehlen Gesunden leib vnd rechten sinn: Hernachmals/ wann ich kalt schon bin/ Da wil ich Gott den rest befehlen. Homerus/ Sappho/ Pindarus/ Anacreon/ Hesiodus/ Vnd andere sind ohne sorgen/ H iij Man Man red’ jetzt auff sie was man wil: So/ sagt man nun gleich von mir viel/ Wer weiß geschieht es vber morgen. Wo dient das wuͤndtschen aber zue/ Als das ein Mensch ohn alle rhue Sich tag vnd nacht nur selbst verzehret? Wer wuͤndtschet kraͤnckt sich jeder zeit/ Wer todt ist/ ist ohn alles leidt. O wol dem/ der nichts mehr begehret. Zue zeiten werden aber beydes Jambische vnd Trocheische ver- se durch einander gemenget. Auch kan man Alexandrinische o- der gemeine vor vnd vnter die kieinen setzen. Als: Jhr schwartzen augen/ jhr/ vnd du/ auch schwartzes’ Haar/ Der frischen Flavia/ die vor mein hertze war/ Auff die ichpflag zue richten/ Mehr als ein weiser soll/ Mein schreiben/ thun vnd tichten/ Gehabt euch jetzundt wol. Nicht gerne sprech ich so/ ruff’ auch zue zeugen an Dich/ Venus/ vnnd dein kindt/ das ich gewiß hieran Die minste schuldt nicht trage: Ja alles kummers voll Mich stuͤndlich kraͤnck’ vnd plage Das ich sie lassen soll/ ꝛc. Die Saphischen gesaͤnge belangendt/ bin ich des Ronsardts meinung/ das sie/ in vnseren sprachen sonderlich/ nimmermehr koͤnnen angeneme sein/ wann sie nchit mit lebendigen stimmen vnd vnd in musicalische inftrumente eingesungen werden/ welche das leben vnd die Scele der Poeterey sind. Dann ohne zweif- fel/ wann Sappho hat diese verse gantz verzucket/ mit vneige- ftochtenen fliegenden haaren vnnd lieblichem anblicke der ver- buhleten augen/ in jhre Cither/ oder was es gewesen ist/ gesun- gen/ hat sie jhnen mehr anmutigkeit gegeben/ als alle trompeten vnd paucken den mannhafftigen vnnd kuͤhnen versen/ die jhr Landtsmann Alcéus/ als er ein Kriegesoberster gewesen/ er- tichtet hat. Zum exempel gleichwol wil ich zwey Strophen des Ronsardts herschreiben: Dann ich dergleichen me vor mich ge- nommen. Belle dont les yeux doucement m’ont tué, Par vn doux regard qu’au cœur ils m, ont rué, Et m’ont en vn roc insensible mué En mon poil grison: Que i’ estois heureux en ma reune saison Auant qu’auoir beu l’amoureuse poison! Bien loin de souspirs, de pleurs et de prison Libre ie vivoy, \&c. Eine ander solche Ode hebet er also an: Mon âge et mon sang ne sont plus en vigeur: Les ardents pensers ne m’ eschauffent le cœur, Plus mon chef grison ne se veut enfermer Solus le ioug d’ aimer, \&c. Jn den Pindarischen Oden/ im fall es jemanden sich daran zue machen geliebet/ ist die frey/ vnd mag ich so viel verse vnd reimen darzue nemen als ich wil/ sie auch nach meinem ge- sallẽ eintheilẽ vñ schrencken: aber muß auff die sehen/ vnd keine andere ordnung der reimen machen: ist wieder vngebunden. Wan wir dann mehr strophen tichten wol- ten/ ten/ mussen wir den ersten in allem nachfolgen: wiewol die Ge- lehrten; vnd denen Pindarus bekandt ist/ es ohne diß wissen/ vnd die anderndie es aus jhm nicht wissen/ werden es auß diesem be- richte schwerlich wissen lernen. Jch vor meine person/ bin new- lich vorwitzig gewesen/ vnd habe mich vnterwinden duͤrffen auff Bernhardt Wilhelm Nuͤßlers/ meines gelehrtesten freundes/ vnd statlichen Poetens/ es sey in vnserer oder lateinischer spra- che/ hochzeit eine dergleichen Oden vnd eine andere auff abster- ben eines vornemen vom adel zue schreiben; mit welchen ich/ ob sie schon auff der eile weg gemacht sindt/ dieses Capittl beschlis- sen wil. Du guͤldne Leyer/ meine ziehr Vnd frewde/ die Apollo mir Gegeben hat von hand zue handt/ Zwar erstlich das mein Vaterlandt Den voͤlckern gleiche moͤge werden Die jhre sprachen dieser zeit Durch schoͤne verse weit vnd breit Berhuͤmbt gemacht auff aller erden: (Jtalien/ ich meine dich/ Vnd Franckreich/ dem auch Thebe sich/ Wie hoch sie fleuget/ kaum mag gleichen/ Dem Flaccus willig ist zue weichen.) Vnd dann/ das derer heller schein Die gantz nach rhum vnd ehren streben/ Bey denen welche nach vns leben/ Auch moͤge klar vnd praͤchtig sein: Du Du guͤldne Leyer/ nun ist zeit Zue suchen alle ziehrligkeit Die ein Poete wissen soll: Jetzt solt du billich mehr als wol/ O meine lust/ Pindarisiren; Dein bester freund der leben mag/ Der Musen rhum/ hebt diesen tag Ein newes leben an zue fuͤhren: Sein gantzes wuͤndtschen wird erfuͤlt; Ein bildt/ ein ausserwehltes bildt Ersaͤttigt alles sein begehren: Die lieder/ die gelehrten zehren/ Darmit er vormals war gewohnt/ Weit ausser dem gemeinen hauffen/ Nicht einen schlechten weg zue lauffen/ Die werden reichlich jetzt belohnt Krieget nicht gar recht vnd eben Solchen danck ein hoher Geist/ Welcher einig sich befleist Bey dem Himmel selbst zue schweben/ Jst auff lob vnd rhum bedacht Wenn die schoͤne Sonn’ erwacht/ Vnd der tag dem schatten weichet Wie gar hoch der name reichet Welchen giebt der kuͤnste liecht/ Denen die nach tugendt trachten/ J Jst Jst es minder doch zue achten/ Wann der liebe lohn gebricht. Die Lieb’ hat erstlich Gott geruͤhrt Das er der dinge grund vollfuͤhrt; Sie ist es die den baw der welt Vor allem brechen frey behelt; Sie pflegt die sternen zue bewegen/ Das sie den elementen nicht Versagen jhrer schoͤnheit liecht; Das fewer pflegt die lufft zue regen Durch hitz auff jhren angetrieb/ Die lufft hat dann das wasser lieb/ Das wasser das bewegt die erden; Vnd wiederumb/ die waͤsser werden Gesogen von der erden klufft/ Das wasser zeucht die lufft zuesammen/ Das fewer wird mit seinen flammen Verzogen in die kuͤhle lufft. Das hier vnd dorte Berg vnd Waldt Mit gruͤnen Baͤwmen mannigfalt Sehr lustig vberschattet steht/ Das so manch heilsam kraut auffgcht/ Das Wiesen/ Felder/ Buͤsch’ vnd Awen Mit zarten blumen sein geziehrt/ Das Saate newes korn gebiehrt/ Das so viel wildpret ist zue schawen/ Das Das wann der Lentz das Jhar verjuͤngt Ein jeder Vogel froͤlich singt/ Vnd leßt sich nicht gern vber stimmen/ Das so viel Fisch’ im Meere schwimmen/ Ja das wir Menschen selber sein/ Vnd vns das blutige beginnen Der waffen nicht hat tilgen koͤnnen/ Das thut die liebe nur aliein. Liebe nun wer nur zue lieben Rechten fug vnd mittel hat; Es ist keine solche that Die verbotten ist zue vben/ Wann du nur bestrickt nicht bist Von der wollust hinterlist/ Die mit jhrem falschen scheine Jung vnd nicht jung in gemeine Leitet an verkehrten wahn/ Außer diesen eiteln sachen/ Die den kluͤgsten wahnloß machen/ Liebe wer da lieben kan. Du/ Bernhardt Wilhelm/ den zuevor Der drey mal dreyen Schwestern chor Mit alle dem was er gehabt Gantz ohne masse hat begabt/ Wir stietzt von Venus auch verehret J ij Mit Mit einer ohne welcher gunst Du hassen kanst verstand vnd kunst/ Vnd was zur wissenschafft gehoͤret; Jn derer augen freundtligkeit/ Jm munde die verschwiegenheit/ Zucht in den hoͤfflichen geberden/ Jm gange demut funden werden; Die der natur bekandte macht An tugendt/ witz vnd andern gaben Fast vber jhr geschlecht’ erhaben/ Vnd als jhr Meisteruͤck’ erdacht. Nichts bessers wuͤndsch’ ich selber mir: Du wirst hinfort mit grosser ziehr/ Durch deine hochgelehrte handt/ Die ohne diß weit ist bekandt/ Dein eigne frewde koͤnnen schreiben: Du wirst besitzen alles gut Was Hermus auß der gelben flut An seinen reichen strandt soll treiben; Was der verbrandte Mohr besitzt Wo stets die rote Sonne hitzt/ Was Spanien von edlen dingen Pflegt auß der newen welt zue bringen. Getrewe hertzen bleiben rein Von kummer schaͤtz vnd Goldt zue kriegen/ Jhr meistes hoffen vnd genuͤgen Jst lieben/ vnd geliebet sein. O jhr seligen zwey liebe/ Venus schickt jhr abendt liecht/ Vnd errinnert das man nicht Jhre frewde mehr verschiebe. Braͤutlein leget euch zue rhue; Jupiters Fraw saget zue Auß den sawersuͤssen noͤthen Einen artigen Poeten. Was das liebe Kindelein Wirdt mit halbem munde machen/ Was es kuͤrmeln wird vnd lachen Werden lauter versesein. Trawerliedt vber das absterben Herren Adams von Bibran/ auff Profen vnd Damßdorff. Ex Italico summi viri Abrahami Bibrani, Adami fratris, quamuis pauliò liberiùs, translatum. STRO. I. O Die selig’ edle Seele/ Die sich in die wahre rhue Nach dem hohen Himmel zue Auß des Leibes finstern hoͤle Frewdig hat hienauff gemacht; Da sie dann/ wie bey der nacht Vor den andern kleinen Sternen Phebe selber/ glaͤntzt von fernen/ Da sich Gott jhr vmb vnd an Zeigt zue sehn vnd zue geniessen/ J iij Da Da sie mit nicht-menschen-fuͤssen Das gestirne tretten kan. ANTISTRO. I. Wie die vlmen durch die reben Mehr als sonsten lieblich sein; Wie der Lorbeerbawm den schein Seinen waͤldern pflegt zue geben/ Also war auch deine ziehr. Pallas weinet fuͤr vnd fuͤr/ Ceres voll von weh vnd zehren Leget jhren krantz von aͤhren Vnd die sichel hinter sich: Profen/ deine lust vnd frewde Lieget gantz vertiefft im leide/ Vnd gedencket nur an dich. EPOD. I. Das auch betruͤbte graß beklagt dich bey den brunnen/ Fuͤr das reiche korn Waͤchset tresp vnd dorn; Es trawret selbst das große radt der Sonnen/ Vnd huͤllet vmb sich her der wolcken schwartzes kleidt; Tranck vnd eßen Wird vergeßen Von aller herd vnd vieh ohn vnterscheidt. STRO. I. Berg vnd thaͤler hoͤrt man ruffen Bibran/ Bibran/ tag vnd nacht; Aber nein/ des todes macht Lest sie gantz vergebens hoffen. Wird der klee zue winterszeit Durch das eiß gleich abgemeyt/. Sehen wir jhn doch im Lentzen Nach- Nachmals auff den awen glaͤntzen: Taͤglich fellt die Sonn’ in’s meer/ Scheinet aber morgen wieder: Legt ein mensch ein mal sich nieder Er koͤmpt nimmer zue vns her. ANTISTRO. II. Wil derwegen vns gebuͤhren Wie es moͤglich nur mag sein Sein begraͤbniß vnd gebein Allenthalben außzueziehren Mit dem frembden tulipan Tausendtschoͤn vnd maioran/ Mit violen vnd narcißen/ Vnd den blumen bey den fluͤssen Die vom Mertzen sind genannt. Sonderlich soll jhm sein leben Auff das newe wiedergeben Der Poeten weise handt. EPOD. II. Jhr keuschen Lorbeerstraͤuch’/ an denen gaͤntzlich lieget/ Das ein mensch der schon Muß allhier darvon Doch in der grub’ ein ewiges lob krieget/ Schawt das jhr fuͤr den todt dem edlen coͤrper hier Gleichfalls rahtet/ Vnd vmbschatet Mit gruͤner lust sein asche fuͤr vnd fuͤr. Das VIII. Capitel. Beschluß dieses buches. So S O viel ist es/ was ich von vnserer Poesie auff- setzen wollen. Wiewol ich keinen zweiffel trage/ es sey noch allerseits eines vnd das andere zue erinnern/ wel- ches nicht weniger notwendig seyn mag/ als etwas von denen sachen/ derer ich erwehne. Es kan auch wol sein/ das mir in dem eilen (denn ich vor fuͤnff tagen/ wie meine freunde wissen/ die feder erst angesetzt habe) diß vnd jenes mag einkommen sein/ das entweder gar außengelassen/ oder ja im minsten verbeßert sollte werden. Jch hoffe aber/ es wird mir der guethertzige Le- ser/ in betrachtung der kurtzen zeit so ich hierbey verschloßen/ et- was vbersehen/ vnd bedencken/ Rom sey nicht auff einen tag gebawet worden. Was noch vbrig ist/ wil ich entweder inkuͤnff- tig selbst gruͤndtlicher verfuͤhren/ oder denen lassen/ die mir an liebe gegen vnsere sprache gleiche/ vnd an geschickligkeit vberle- gen sein. Von denselben zue lernen bin ich so begierig/ als ich willig gewesen bin/ andere/ die auch dieses nicht gewust haben/ zue vnterrichten. Welche meine geringschaͤtzige arbeit bey stat- lichen auffgeweckten gemuͤtern/ wo nicht mehr/ doch so viel verfangen wird/ das sie gleichsam als durch einen sporen hier- mit auffgemuntert/ vnserer Muttersprache die hand bietten/ vnd jhrer Poesie den glantz/ welchen sie lengest hette kriegen sol- len/ geben werden. Welches aber alsdenn vollkoͤmlich gesche- hen kan/ wenn zue dem was hiebevor in diesem buche erzehlet ist worden/ die vornemlich jhren fleiß werden anlegen/ welche von natur selber hterzue geartet sein/ vnnd von sich sagen koͤnnen was Ovidius: Est Deus in nobis, agitante calescimus illo. Es ist ein Geist in vns/ vñ was von vns geschrieben/ Gedacht wird vnd gesagt/ das wird durch jhn ge- trieben. Wo diese natuͤrliche regung ist/ welche Plato einen Goͤttli- then then furor nennet/ zum vnterscheide des aberwitzes oder bloͤdig- keit/ duͤrffen weder erfindung noch worte gesucht werden; vnnd wie alles mit luft vnd anmutigkeit geschrieben wird/ so wird es auch nachmals von jederman mit dergleichen lust vnd anmutig- keit gelesen. An den andern wollen wir zwar den willen vnd die demuͤhung loben/ der nachkommenen gunst aber koͤnnen wir jh- nen nicht verheißen. Wiewol wir die vbung vnd den fleiß nicht verwerffen: daß im fall dieselbigen mit der natur vereintget werden/ muß etwas folgen das boͤse maͤuler leichtlicher tadeln koͤñen als nachmachẽ. Eine guete art der vbung aber ist/ das wir vns zueweilen auß den Griechischen vnd Lateinischen Poeten etwas zue vbersetzen vornemen: dadurch denn die eigenschafft vnd glantz der woͤrter/ die menge der siguren/ vnd das vermoͤgen auch dergleichen zue erfinden zue wege gebracht wird. Auff diese weise sind die Roͤ- mer mit den Griechen/ vnd die newen seribenten mit den alten verfahren: so das sich Virgilius selber nieht geschaͤmet/ gantze plaͤtze auß andern zue entlehnen; wie sonderlich Macrobius im fuͤnfften vnd sechsten buche beweiset. Wir sollen vns auch an vnserem eigenen fleiße nicht genuͤgen laßen, sondern/ weil viel augen mehr sehen als eines/ vber die sachen welche wir an das liecht zue bringen vermeinen/ beruͤhmbter maͤnner vrtheil erge- hen laßen. Welches inngleichen die Roͤmer so wol verstanden/ vnd in acht genommen/ das sie nicht leichtlich etwas offentlich anßkommen laßen/ das nicht zuevor von einem vnd dem andern geschaͤtzet vnd durchgezogen worden. Ja/ wie man keinen rin- ger oder fechter in offentlichen schawplatze aufffuͤhrete/ er muß- te vorher seinen namen geben/ vnd eine probe thun welches sie vnnd . einschreiben vnnd appro- biren hiessen: so gaben auch die/ welche in der zahl der Poeten wolten gerechnet werden/ jhre getichte anderen Poeten zue vber- sehen/ vnd erkuͤndigten sich daruͤber jhrer meinung: dieses war K jhre jhre vnnd ; wie Cafaubonus vber den Pet- sium erinnert/ vnd auß einer alten Jnseription zur sehen ist: HIC CVM. ESSET. ANNOR VM. XIII. ROMAE. CERTAMINE. IOVIS. CAPITOLINI LVSTRO. SEXTO. CLARITATE. INGENI. CORONATVS. EST. INTER. POETAS. LATINOS. OMNIBVS. SENTENTIIS. IVDICVM. Plinius der Juͤngere/ welcher vber alle seine suͤchen gelehr- ter freunde guet achten erfodert/ saget in der 17 Epistel des 7. Buches/ das jhn diese gewohnheit gar nicht rewe. Denn er be- daͤchte/ welch ein grosses es sey/ durch der lente haͤnde gehen/ vnd koͤnne jhm nicht einbilden/ das man dasselbe nicht solle mit vielen vnd zum offtern vbersehen/ was man begehret/ das es al- len vnd immer gefallen solle. Welches denn der groͤsseste lohn ist/ den die Poeten zue gewarten haben; das sie nemlich inn koͤ- niglichen vnnd fuͤrstlichen Zimmern platz finden/ von grossen vnd verstaͤndigen Maͤnnern getragen/ von schoͤnen leuten (denn sie auch des Frawenzimmer zue lesen vnd offte in goldt zue bin- den pfleget) geliebet/ in die bibliothecken einverleibet/ offentlich verkauffet vnd von jederman gerhuͤmet werden. Hierzue koͤmpt die hoffnung vieler kuͤnfftigen zeiten/ in welchen sie fort fuͤr fort gruͤnen/ vnd ein ewiges gedaͤchtniß in den hertzen der nachkom- menen verlassen. Diese gluͤckseligkeit erwecket bey auffrichtigen gemuͤttern solche wollust/ das Demosthenes sagete/ es sey jhm nichts angenemers/ als wenn auch nur zwey weiblein welche wasser truͤgen (wie zue Athen braͤuchlich war) einer den andern einbliesse: Das ist Demosthenes. Welcher ob er zwar als der vornemeste redener in hohen ehren gehalten worden/ ist doch der rhum nicht geringer denn Homerus erlanget. Vnd wie der Au- tor des gespreches von den Oratoren saget/ des Euripidis oder oder Sophoclis berhuͤmbter nameist so weit erschol- len als des Lysi æ oder Hyperidis; vnd viel begehren weniger den rhum des Ciceronis alß Virgilii. Es ist auch kein buch des Asinii oder Messallæ so beschrie- en/ als des Ouidii Medea, oder Varii sein Thyestes. Vnd/ redet er weiter/ ich schewe mich nicht den zuestand der Poeten vnd jhr gluͤckhafftes wesen mit dem vn- ruhigen vnd sorglichen leben der Redner zue verglei- chen. Ob zwar diese durch streitsachen vnnd gefahr zue dem Buͤrgermeister ampte sind erhoben worden; so wil ich doch lieber Virgilii sichere vnnd geheime einsamkeit/ in welcher es jhm weder an gnade bey dem Keyser Augusto/ noch an kundschafft bey dem Roͤmischen volcke gemangelt hat. Nebenst dieser hoheit des gueten namens/ ist auch die vnver- gleichliche ergetzung/ welche wir bey vns selbst empfinden/ wenn wir der Poeterey halben so viel buͤcher vnnd schrifften durchsu- chen: wenn wir die meinungen der weisen erfuͤndigen/ vnser gemuͤte wieder die zuefaͤlle dieses lebens außhaͤrten/ vnd alle kuͤnste vnnd wissenschafften durchwandern? So war ich dieses fuͤr meine groͤsseste frewde vnd lust auff der Welt halte/ so war wuͤndsche ich/ das die die in ansehung jhres reichthumbs vnnd vermeineter vberfluͤssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den vnserigen erheben/ die genuͤge vnd rhue/ welche wir schoͤpf- fen auß dem geheimen gespreche vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen/ die von so viel hundert ja tausendt Jharen her mit vns reden/ empfinden solten; ich weiß/ sie wuͤrden beken- nen/ das es weit besser sey/ viel wissen vnd wenig besitzen/ als alles besetzen vnd nichts wissen Vber dieser vnglaublichen er- getzung haben jhrer viel hunger vnd durst erlitten/ jhr gantze vermoͤ- vermoͤgen auffgesetzt/ vnd fast jhrer selbst vergessen. Zoroaster/ welcher/ wie oben erwehnet/ alle seine gedancken Poetisch auff- gesetzt/ soll zwantzig Jhar in hoͤchster einsamkeit zuegebracht haben/ damit er in erforschung der dinge nicht geirret wuͤrde. Vnd da alle andere wolluͤstenvus vnter den haͤnden zuegehen/ auch offtermals nichts von sich vbrig lassen als blosse rewe vnd eckel; so begleitet vns diese vnsere durch alle staffeln des alters/ ist eine ziehr im wolstande/ vnd in wiederwertigkeit ein sicherer hafen. Derentwegen wolle vns ja nicmandt verargen/ das wir die zeit/ welche viel durch Fressereyen/ Bretspiel/ vnnuͤtze ge- schwaͤtze/ verleumbdung ehrlicher leute/ vnd sondeꝛlich die lustige vberrechnung des vermoͤgens hinbringen/ mit anmutigkeit vn- sers studierens/ vnd denen sachen verschliessen/ welche die armen offte haben/ vnd die reichen nicht erkauffen koͤnnen. Wir fol- gen dem/ an welches vns Gott vnd die natur leitet/ vnd auß die- ser zueversicht hoffen wir/ es weꝛde vns an vornemer leute gunst vnd liebe/ welche wir/ nebenst dem gemuͤte vnserem Vaterlan- de zue dienen/ einig hierdurch suchen/ nicht mangeln. Den ver- aͤchtern aber dieser goͤttlichen wissenschafft/ damit sie nicht gantz leer außgehen/ wollen wir inn den Tragedien so wir kuͤnfftig schreiben moͤchten die Personen derer geben/ welche in dem Chore nach erzehlung trawriger sachen weinen vnd heulen mussen: da sie sich denn vber jhren vn- verstand vnd grobheit nach der len- ge beklagen moͤgen. An den Leser. G uͤnstiger L eser/ weil ich bey verfertigung des Buͤchleins nicht gewesen/ ist es/ sonderlich was die Griechi- schen woͤrter betrifft/ etwas falsch gesetzet wor- den; dessen ich euch hiermit errin- nern wollen. Lit, A. fac. 3. inimice venæ. B. f. 2. f. 3. heutiges tages. f. 5. i- bid. Manilius. C. f. 1. ib. genawe. ib. d’ escorte. f, 6. habe. D. f. 4. die kuͤrtze. E. f. 2. . f. 3. nechst. ib. L’ irrite-mer. f. 7. le vy le ciel. ib. auff eine andere. f. 8. ab- stehlen. ib. machen moͤge. F. f. 7. stehen lassen. f. 8. . ib. . ib. distichon. ib. anacreonten. G. f. 3. das die Lateiner nach. f. 4. Lateinischen hexametros. ib. vers communs oder f. 7. jhren ab- schnitt. H. f. 1. der mundt ist Himmelweit. ib. Jn summa. I. f. 6. STRO. ll. K. f. 1. . Das vbrige/ dessen ich vieleichte nicht gewahr worden; wollet jhr vnbeschweret selber zu rechte bringen. L Hier- Hierneben habe ich auch nicht sollen vnverwehnet lassen/ das mir vnlengst eines gelehrten mannes in der frembde schreiben zuekommen/ welcher der mei- nung ist/ wañ wir die eigentlichen namẽ der Goͤtter vnd anderer sachen/ als Ju- piter/ Orpheus/ Phebus/ Diana vnnd dergleichen in vnsere sprache braͤchten/ wuͤrde sie nicht von allen verstandẽ wer- den/ vnd solte man sich dieselben Deutsch zue geben befleissen. Wie aber solches vnmoͤglich ist/ vnd gleichwol von dieser art namen ein grosses theil der Poeterey bestehet/ also wissen wir/ das es eben die gelegenheit mit den Lateinern zum ersten gehabt/ welche diese woͤrter mehrenthei- les von den Griechen vnd sonsten emp- fangen/ vnd sie jhnen/ wie hernachmals auch in der Jtalienischen/ Frantzoͤsischen/ Spanischen vnd andern sprachen gesche- hen hen/ durch stetten gebrauch so gemei- ne gemacht haben/ das sie sie nicht weniger als jhre eigene woͤrter verstan- den. Jndeßen aber koͤndte es wol nicht schaden/ das ein liebhaber vnserer schoͤ- nen Muttersprache jhm so viel zeit neme/ vnd in derselben ein sonderlich Dictiona- rium oder Namenbuch der Voͤlcker/ Leute/ Goͤtter/ Laͤnder/ oͤrter/ staͤdte/ fluͤße/ por- ten/ gebirge/ vnd sonsten auß den geistli- chen vnd weltlichen scribenten zuesam̃en truͤge. Wie dieses nun bloß an einer be- muͤhung gelegen/ weil Caroli Stephani vnd anderer buͤcher nur doͤrfften auffgesucht vnd vmbgesetzt werden; also wuͤrde jhm ein solcher doch sehr guetes Lob vñ rhum/ welchem die edelsten gemuͤter nach- trachten/ bey maͤnniglich zu we- ge bringen. Gott befohlen.