Kurtzer Bericht Von der Fruchtbringenden Gesellschafft Vorhaben/ auch dero Nahmen/ Gemaͤhlde und Woͤrter In Reimen verfast. Gedruckt im Jahr 1628 . N Ach dem jhrer viel von der Fruchtbringenden Gesellschafft/ was dero eigentlicher Zweck/ auch wie und worzu sie auffgerichtet/ und angestellet/ bericht zu haben/ begehren; Als ist gut befunden worden/ nachfolgendes kuͤrtzlich zu jedes begehrenden underricht/ zu verfassen. Ist also zu wissen/ daß im Jahr 1617. bey einer vornehmen/ wiewol trawrigen Fuͤrst- licher und Adelicher Personen zusammenkunfft/ zu ergetzung vorgangenen leids/ und anreitzung der loͤblichen Jugend/ zu al- lerley hohen Tugenden/ unterschiedener Academien, die in frembden Landen/ beydes zu erhaltung guten vertrawens/ er- bawung wolanstaͤndiger Sitten/ als nuͤtzlicher außuͤbung jedes Volcks Lands Sprachen/ auffgerichtet/ erwehnung geschehen: Darbey aber ferner erwogen worden/ weil unsere weitgeehrte hochdeutsche Muttersprache/ so wol an alter/ schoͤnen und zierli- chen Reden/ als auch an uͤberfluß eigentlicher und wolbedeutlicher Wort so jede sachen besser als die frembden recht zu verstehen ge- ben koͤnnen/ einen nicht geringen vorzug hat ; Das ebener gestalt darauff moͤchte gedacht werden/ wie eine sothane Gesellschafft zu erwecken und anzustellen/ darinnen man in gut rein deutsch re- den/ schreiben/ auch anders so bey dergleichen zusammensetzung und erhebung der Muttersprache (darzu jeder von Natur ver- pflichtet) gebraͤuchlich und dienlich/ vornehmen moͤchte. Worauff dann geschlossen worden/ diese Gesellschafft/ wiewol anfangs in der enge/ doch also anzurichten/ damit jedermaͤnnigli- chen so ein liebhaber aller Erbarkeit/ Tugend und Hoͤfligkeit vor- nemlichaber des Vaterlands/ durch anleitung der darzu erkornen uͤberfluͤssigen Matery/ anlaß hette/ desto eher nach einnehmung diesesguten vorhabens sich freywilliglich hinein zubegeben. Vnd weil bey dergleichen zusammenthun nicht ungewoͤhnlich und zu mehrer auffmunterung dienlich/ daß anfaͤnglich die gantze Ge- sellschafft/ nicht allein auff eine besondere Matery jhren Nahmen A ij richten/ richten/ sondern auch ein darzu bequemes Gemaͤhld jhnen weh- len/ und ein darauff sich wolschickendes Wort/ den zweck und die bedeutung meldende/ druͤber austrucken lasse/ wie solchem zu fol- ge ein jedweder Gesellschaffter/ der hinein zu treten gesinnet/ auch zuthun schuldig: Also ist diese Gesellschafft/ die Fruchtbrin- gende/ genennet/ jhr zum Gemaͤhlde ein Indianischer Palmen oder Nußbaum verordnet/ und zum Wort/ Alles zu Nutzen/ gesetzet worden. Der Name Fruchtbringende darumb/ damit ein jedweder/ so sich hinein begiebet oder zu begeben gewillet/ anders auch nicht als was fruchtmessig/ zu Fruͤchten/ Baͤwmen/ Blumen/ Kraͤu- tern oder dergleichen gehoͤrig/ und aus der Erde wachsende/ oder darvon entstehend/ jhme erwehlen koͤnne/ und darneben uͤberall Frucht zu schaffen geflissen seyn solle. Das Gemaͤhlde aus ursachen/ daß wie bey den Thieren kei- nes gefunden wird/ so in allem/ auch den geringsten/ nuͤtzlicher zu gebrauchen als das Schaf/ dergleichen ebener gestalt bey diesem Indianischen Palmen oder Nußbaum vollkoͤmlich sich ereuge/ inmassen die Baͤwm- und Kraͤuterbuͤcher/ sonderlich aber die Ost Indianische Beschreibungen/ mit mehren solches bezeugen. Das Wort aber zu dem ende/ daß in und bey dieser Gesell- schafft alles zu nutzen/ frommen/ und ergetzung/ niemand aber zu leide/ schaden oder verdruß gerichtet seyn soll. Worauff dann folgends alsbald unterschiedliche Personen in diese Gesellschafft eingetreten/ und deren eigentlicher zweck und vorhaben kuͤrtzlich auff nechstfolgende zwey Puncten gerichtet/ und zusammen gezogen worden. Erstlich/ daß sich ein jedweder in dieser Gesellschafft/ erbar/ nuͤtz- und ergetzlich bezeigen/ und also uͤberall handeln solle/ bey Zusam̃enk unfften guͤtig/ froͤlich/ lustig und vertraͤglich in worten und und wercken seyn/ auch wie darbey keiner dem andern ein ergetz- lich wort fuͤr uͤbel auffzunehmen/ also soll man sich aller groben verdrießlichen reden/ und schertzes darbey enthalten. Fuͤrs ander/ daß man die Hochdeutsche Sprache in jhrem rechten wesen und standt/ ohne einmischung frembder außlaͤn- d ischer wort/ auffs moͤglichste und thunlichste erhalte/ und sich so wol der besten aussprache im reden/ als der reinesten art im schrei- ben und Reimen-dichten befleissige. Diesem nach ist auch beliebet worden/ daß jedweder aus mehrgemelter Gesellschafft deren in gold geschmeltztes Gemaͤhl- de/ Namen und Wort auff der einen/ wie auch sein selbst ei- genes/ auff der ander seiten an einem sittich gruͤnen seidenem Band tragen solle. Wie nun sieder der zeit/ nach dem alter der eintrettung/ und nicht des Standes Vorzug/ die Gesellschafft in ordnung sich vermehret/ giebet angefuͤgtes verzeichnuͤß nechst der darauff in Reim verfasten erklaͤrung/ und die darnach verfertigte und an seinen ort verhandene Gemaͤhlde ge- nugsam zu erkennen. A iij Die Die Fruchtbringende Gesellschafft. Ein Indianischer Nußbaum. Alles zu Nutzen. D Er Palmenbaum so traͤgt die Indianschen Nuͤße/ Bringt manche schoͤne Frucht voll anmuth schmacks und suͤsse: Weil alles was dran ist zu nutz wird angewendt/ Hat die Gesellschafft sich F ruchtbringend auch genent. Daß man in deutscher Sprach mit nutzen Frucht soll bringen/ Sich drinnen uͤben stets in allen erbarn dingen/ Ergetzlich/ lustig sey/ gesellig auch dabey: So Frucht und Nutzen schaff in Tugend allerley. Der C. V. T. Der Mehlreiche. 1. Rein Weitzenmehl/ so durch den Beutel im mahlen heraus fellet. Hierin find sichs. 1617. E S ist kein Mehl so reich/ als das von reinem Weitzen/ So sich vom Sawerteig/ der schlim/ nicht lest auffbeitzen/ Vnd weil darin sich findt das reichthumb von dem Mehl/ Nent den Mehlreichen man mich an der ersten stell: Gleich wie nun nuͤtzt das Mehl von huͤlsen rauß geschroten/ Vnd sich schoͤn weiß erzeigt: also von boͤsen Rotten/ Soll unbefleckt und rein ein tapsser hertze seyn/ Vnd meiden wie die Pest der tugend falschen schein. L. F. Z. A. Der Nehrende. 2. Ein wolausgebacken Weitzenbrodt. Nichts bessers. Das weise Weitzenbrodt den menschen trefflich nehret/ Nichts bessers sich in jhm/ zu seiner Nahrung kehret: Drumb bin unbillich nicht der Nehrend ich genant/ Da man zur Nahrung nichts/ so besser an der hand. Wie nun der Leib/ so auch der Geist wil seyn genehret/ Vnd mit der tugend schoͤn verbessert und vermehret/ Daß er fiets bring herfuͤr in uns die ehrenfrucht/ Die nutz alleine schafft in erbarkeit und zucht. J. E. D. J. H. Z. S. Der Kaͤumling. 3. Das Korn in der Erden kaͤumend theils ausgewachsen. Gedruckt/ doch nicht erstickt. Das koͤrnlein in der erd drin zugedecket kaͤumet/ Den kloß der es gedruckt durchbohret und wegreumet/ Wie soll ich mich dann nicht den Kaͤumling nennen lahn/ Da es nicht ist erstickt/ besondern gruͤn kompt ran. Vnd wie das koͤrnlein gut/ gruͤn kaͤumet und auffgehet/ Also ein edel hertz gedruckt/ drumb nicht vergehet: E s richt sich den noch auff und bleibet nicht erstickt/ Vnd sich mit nutz zur ehr und tugend macht geschickt. Der 1617. F. H. Z. S. W. Der Hoffende. 4. Eine halbe reiffe Kirsche. Es soll noch werden. Von der halbreiffen Kirsch/ eh sie wird vollend reiffen/ Hat man die hoffnung schon sie mit der hand zu greiffen/ Drumb hab ich Hoffend mich freywilliglich genant/ Auff daß mein gut Gemuͤth wuͤrd jederman bekant. Was einer jung nicht ist/ das kan er alt wol werden/ Ich liebte tapfferkeit und tugend hier auff erden/ Daher ich nun erlangt die ewig Ehrenkron/ Die hoffend ich gewann zum hoͤchst gewuͤnschten lohn. W. H. Z. S. Der Schmackhaffte. 5. Eine Birn mit der Wespen stich. Erkante guͤte. Der Birnen guͤte wird vom Wespenstich erkennet Daß sie schmackhafftig ist/ drumb ich mich so genennet: Do nun ein wuͤrmlein klein erkent schmackhaffte guͤt/ So schmeckt die tugend ja viel eh ein recht gemuͤth: Vnd ob sie schon wird offt von feinden angestochen/ Die doch sich haben nur aus neid an jhr gerochen/ So lest sie doch nicht nach/ besondern mehr zummpt/ Vnd kriegt zuletzt die frucht/ so jhr mit nutz bestimpt. L. D. J. F. Z. A. Der Safftige. 6. Eine Wasser-Melone auffge- schnitten und in stuͤcklein zer- theilet. Vnausgesogen taugs nicht. Wasser-Melonen seynd voll safftes ausdermassen/ Drumb die Gesellschafft mich hat Safftig nennen lassen: Vnausgefogen ist nicht viel an dieser frucht/ Weil man doch kuͤhlung nur drin in der hitze sucht. Was in der Welt noch gut/ das soll daraus man saugen/ Die schalen lassen stehn/ die/ jrdisch/ gantz nicht taugen. Man bringt die beste frucht durch Gottes hohe krafft/ Da ich genieß jetzund des baums des lebens safft. Der C. V. K. Der Wolbekom̃ende. 7. Gerstenaͤhrn aus einem Korn. Im guten Lande. 1617. Die Gerst im guten Land/ insonders wol bekommet/ Die uns all in gemein mit jhrem nutzen frommet/ Ich diesen Nahmen mir mit allem fleiß aussucht/ Weil ich getragen hab auch funffzehnfache frucht. Mit Gerst und leibesfrucht bin ich zugleich gesegnet/ Sie seynd von oben rab mir beyde zugeregnet. Nach tugend und nach ehr ich wolbekommend tracht/ Vnd was dann nutzen bringt wird von mir hoch geacht. B. V. K. Der Reinliche. 8. Eine außgebluͤhete weisse Lilge. Vnangeruͤhrt bestehts. Die Lilge reinlich ist/ wann sie nicht wird geruͤhret/ Besteht weiß/ unbefleckt/ von inwarts nicht beschmieret/ Darumb den Nahmen ich mir so genommen hab/ Weil tugend ohne fleck ist eine reine gab. Man soll die Seele ja mit lastern nicht beflecken/ Zur tugend aber sie inwendig aufferwecken: Mit einer tapffern hand bin unbefleckt und rein Hinanff ins Himmels Chor/ ich selig kommen ein. H. G. F. Z. A. Der Wolriechende. 9. Eine außgebluͤhete Maͤyblume. Mit suͤß vermischt. Die Maͤyenbluͤmlein seynd schoͤn und sehr lieblich riechen/ Das sawr mit suͤß vermischt/ hat sich bald eingeschliechen/ Es ist nicht der geruch der blumen suͤß allein/ So ohne bitterkeit kan fast nichts riechend seyn. In diesem thraͤnenthal/ dem endlich ich entgangen Als diese blume bluͤht/ da hab ich angefangen Zu bringen wahre fruͤcht’ ins Himmels schoͤnen Sahl/ Die ohne bitterkeit wol riechen uͤberall. B Der 1617. J. C. F. Z. A. Der Durchdrin- gende 10. Ein Dattelbaum/ darauff ein Ge- zimm e r so jhn beschweret. Beschwert doch er- wehrt. Des Dattelnbaums Natur ist/ wann er wird beschweret/ Daß er durchdringt/ und sich der schweren last erwehret/ Daher Durchdringend ich mich selbst mit willen nenn/ Vnd meinen Nahmen so freymuͤtig hier bekenn. Nun durch beschwerung muß offt seyn hindurch gedrungen/ Biß zur erleichterung mirs endlich sey gelungen. Zucht/ tugend/ sparsamkeit/ durch alle laster dringt/ Auff diese weise man recht frucht mit nutzen bringt. W. H. G. Z. B. Der Kraͤfftige. 11. Eine außgebluͤhete volle Nelcke. Im Geruch und Wesen. Die Nelcke hat viel krafft beyd im Geruch und Wesen/ Drumb habe zum Gemaͤhld die blum mir ausgelesen/ Daher ich Kraͤfftig heiß/ sie hat es von Natur/ Daß allen bluͤmelein in kraͤfften sie geht fuͤr. Do nun so kraͤfftig uns sich diese blum erzeiget/ Wer wolt zur tugend nicht von hertzen seyn geneiget/ Auff daß er fruͤchte brecht allzeit mit nutzen viel/ Vnd kaͤme kraͤfftig hin zum rechten Ehrenziel. 1618. R. F. Z. A. Der Suͤsse. 12. Stenglein von Zuckerrohr. Im Aussaugen. Die Zuckerroͤhrlein sind zum suͤsten im aussaugen/ Viel gehen embsig drauff/ mit Hertzen/ Mund und Augen: Wie man dem Zucker nun kein ding gleich suͤsse find/ So seine suͤssigkeit in saͤure leicht verschwind/ Wann er zu lange steht/ drumb muß man recht geniessen/ Der suͤsse dieser welt/ und seyn allein gefliessen Zu schmecken/ wie dann mir geschehn/ der Engel suͤß/ So den erwehlten bleibt bey Gott allein gewiß. Der H. V. K. Der Gemaͤfte. 13. Ein Scheffel voll Bonen. Hiermit. 1618. Die fette Bonen frucht wol ausdermassen maͤstet/ Vnd wann sie wol geschrott/ ein guten speck befestet/ Ich nente mich Gemaͤst Hiermit zum unterscheid/ Der Eichelmast/ die bloß nur undern baͤumen leit. Mit tugend seyn gemaͤst das ist das rechte leben/ Darnach ohn unterlaß man alle tag soll streben/ Alsdann mit hoͤchstem nutz/ man viel frucht bringen wird/ Zu ehren seinem stand/ und seim geschlecht zur zierd. H. H. V. W. Der Gerade. 14. Ein Fichtenbaum. Winter und Som̃er gruͤn. Ein langer Fichtenbaum/ der wechst auff fein gerade/ Zu aller Jahres zeit gruͤn aus des Himmels gnade/ Ich heiß Gerad / dieweil mein baum auffwechset gleich/ Vnd lest die blaͤtter nicht/ wie andre baͤume weich: Gerad zu/ thut das best/ und geht fuͤr allen dingen/ Es pflegt auffrichtig auch gerade frucht zu bringen/ Ein solch hertz kommet durch zu wasser und zu land/ Es gruͤnt zu winterszeit und Sommer in seim standt. H. E. A. D. W. Der Austheilende. 15. Ein Eichenbaum voller reiffen Eicheln/ deren etliche abgefal- len/ etliche unden liegen. Mast ohne muͤhe. Der Eichbaum seine Mast ohn muͤh und sorg austheilet/ Lest sie reiff fallen rab/ darmit nicht lang verweilet/ Drumb weil die Mast ohn muͤh/ Austheilend ich mich heiß/ Daß man zur Mast nicht darff anwenden grossen fleiß. Ein Adlich hertz/ theilt aus/ was es hat/ seim Gesellen/ Vnd was jhm noͤtig ist/ freygebig thut zustellen/ Also es bringet frucht nach seinem Adel Standt/ Vnd nutzt dem nechsten seyn/ wird weit und breit bekant. B ij Der 1618. W. V. B. Der Raͤuchernde. 16. Ein angezuͤndter Wachholder- strauch mit seinen Beerlein. In boͤser Lufft. Es raͤuchern allzuwol Wachholdern angezuͤndet Die Beere mit dem sirauch/ wo boͤse lufft man findet: Drumb ich in boͤser Luff der Raͤuchernd heiß und bin/ Daß so manch Gifft und Pest vertrieben wird dahin. Der Rauch ist das Gebet/ darmit hinweg man treibet Was boͤß ist auff der Welt/ und was an jhr sonst kleibet: Wer wolt nun Raͤuchernd nicht gen Himmel lassen gehn/ Sein Andacht und Gebet/ und mit frucht drin bestehn. 1619. A H. Z. S. Der Vnansehnliche. 17. Ein beschnittener Weinstock. Bringt den edelsten safft. Sehr unansehnlich ist ein Weinstock erst beschnitten/ Vnd scheint das ungluͤck viel im Winter er gelitten/ Er acht doch alles nicht den besten safft herbringt/ Der manchem kuͤhnen Held verstandt und muth bezwingt. Ein tugendhafft gemuͤth/ ob es sehr viel schon leidet/ Acht es doch alles nicht/ und wann mans gleich beschneidet/ Bringt es drumb eben wol den wahren Ehrensafft/ Vnd taͤglich in jhm selbst verbessert seine krafft. H. F. H. Z. S. Der Entzuͤndete. 18. Die stoppeln auffm felde an- gezuͤndet/ halb abgebraut. Verderbet und erhelt. Die Stuppeln/ wann sie duͤrr im felde/ man anzuͤndet/ All Vnkraut das verderbt/ so sich darinnen findet/ Erhelt den Acker rein/ die asch jhn auch bemist/ Entzuͤndet drumb mein Nahm allhier genennet ist. Wann ein rechtschaffen hertz in tugend ist entzuͤndet/ All jhre Schwestern trew in eins zusammen bindet/ Verderbt was boͤß sich zeigt/ das gut mit fleiß erhelt/ Vnd in kein laster nicht/ mit fuͤrsatz wissend faͤllt. Der E. H. Z. S. Der Bittersuͤsse. 19. Eine Juͤden Kirsche mit jhrem Haͤußlein auffget han. Auff beyde Recht. 1619. Wenn man die Juͤdenkirsch mit blosser hand anruͤhret/ Wird wie gall bitter sie/ den suͤssen schmack verliehret: Drumb bin ich Bitter-suͤfz genant auff beyde Recht/ Weil in der boͤsen Welt/ man nicht soll seyn so schlecht. Wenn man ein frommes hertz in seiner ruhe lesset/ Vnd mit dem sticheln nicht den zorn herausser presset/ So bleibt es in seim thun gelinde/ suͤß und gut/ Hiergegen wehrt sich der/ der keinem leid sonst thut. C. B. V. H. Z. D. Der Heilende. 20. Der Dictam mit seiner Blumen. Von Natur und Kraͤfften. Der Hirsch wann er verwundt/ zum Dictam sich verfuͤget. Die krafft er von Natur wol weiß/ so drinnen lieget: Daher hat erst der mensch diß heilend kraut erkant/ Darvon ich Heilend mich/ ohn ursach nicht genant. Von kraͤfften und Natur soll man die laster heilen/ Was nicht taug/ schneiden ab/ und muß man darmit eilen/ Auff daß die Tugend hoch die beste frucht vorbring/ Vnd es der gantzen Welt zum rechten nutz geling. F. V. S. Der Langsame. 21. Ein ausschlahend er Maulbeerbaum. In rechter zeit. Der Maulbeerbaum zuletzt die knospen thut auslassen Langsam zur winterszeit die blaͤtter auch verlassen/ Der Langsam ich genant drumb bin zu rechter zeit/ Weil von Natur er weiß wann frost noch hinden leit. Gesch winde guts zu thun sich allzuwol nicht schicket/ Man fangs an mit bedacht auffs best es so geluͤcket/ Doch muß man haben acht stets auff die rechte zeit/ Dann wer sie einst verleurt/ dem bleibt sie allzu weit. B iij Der 1619. J. A. V. R. Der Leimende. 22. Ein halb verdorter Apffelbaum/ so den Mispel oder Kenster traͤgt. Von angehencktem schmeiß. Der Leim vom Mispelholtz und behren zubereitet/ Der soll vom Vogelschmeiß dahin so seyn geleitet/ Weil er sich dran gehenckt erzeugt in jhm die krafft/ Drumb Leimend ich mir hab genommen diesen safft. Wiewol es nun fast scheint/ als wann darmit ich leime/ Vnd daß sich diß Gemaͤhld hieher nicht schick und reime/ So wist doch das mit nutz ich tapffer leimen wil/ Zum guten nur allein/ vorbringen fruͤchte viel. C. G. G. Z. S. Der Vermehrende. 23. Tuͤrckisch Korn mit vielen aͤhren. Hundertfaͤltig. Auff hundertfaͤltig art/ sich Tuͤrckisch Korn vermehret/ Das wechset haͤuffig auff/ dabey auch zimlich nehret/ Drumb heiß Vermehrend ich/ darzu in hundert mahl/ Weil mit vermehrung man soll guts thun ohne zahl. Es ist gar ein gerings ein zeitlich gut vermehren/ Man muß noch hoͤher sich zu dem so geistlich kehren/ So wird man dann erst recht frucht bringen mit gedult/ Wenn man sich helt an dem/ der zahlt fuͤr unsre schuld. G. A. F. Z. A. Der Anmutige 24. Ein Pomerantzen Baum mit reiffen Pomerantzen. Im Geruch uñ Schmack. Anmuthig ist die frucht der reiffen Pomerantzen. Im Schmack und im Geruch/ wo sie sich thun einpflantzen/ Im Sprichwort sagt man wol auff ein Ey schmeckt ein trunck/ Vnd auff ein Apffel rund/ schickt sich ein frewden sprungk. Man soll anmuthig seyn in allen ehren sachen/ Vnd nimmer niemand nicht ein eintzig unlust machen/ Also anmuthig man ist im Geruch und Schmack/ Wenn man mit grillen nicht zerstoͤrt ein gut gelack. Der T. H. Der Nutzbare. 25. Ein Ruͤbesaat-Stengel mit reiffer frucht. In vielfaͤltigkeit. 1619. Vielfaͤltig nutzbar ist der gute Ruͤbesahmen/ An Korn und Oel/ daher fuͤhr ich mir diesen Nahmen: Wie nutzbar ich nun sey/ mein Bartas zeugen soll/ Den teutsch in reine Reim ich gantz versetzet wol. Ohn eimg frembd gemeng/ daß die von frembden orten/ Sich wundern ob der art/ so klar in allen worten/ Vnd drumb bezeugen beyd/ daß in gebundner Redt/ Ich erst den weg gezeigt/ und Teutsch in maß geredt. C. F. Z. A. Der Schnliche. 26. Ein langer stengel voll Sonnenblumen sich nach der Sonnen wendende. Nach dir. Die Sonnenblume sich siets nach der Sonne sehnet/ Vnd jhre gantze krafft dahin auffreckend dehnet/ Der Sehnlich heiß ich drumb weil nach dem wahren liecht/ Mein hertzlich sehnen ist ohn unterlaß gericht. Nach dir O hoͤchste Sonn ich kraͤfftiglich mich sehne/ Mein huͤlff und allen trost/ auff dich alleine lehne/ Du meine Sonne bist/ He rr der gerechtigkeit/ Die frucht mich bringen laß den deinen zubereit. L. V. D. S. Der Liebliche. 27. Ein Rosenstock mit einer leibfarben schonen Rosen außgebluͤhet. Durchaus. Die Rooß sehr lieblich ist am Stengel ausgebluͤhet/ Nach jhrer liebligkeit ist man gar sehr bemuͤhet/ Vnd weil sie im Geruch/ Gesicht und Krafft beliebt/ Hab ich durchaus genent mich Lieblich wie sichs giebt. Do eine Roose nun macht solche lust auff Erden/ Was Liebligkeit wird dann einst denn zu theile werden/ Die mit dem hertzen Gott und munde lieben fest/ Vnd von jhm kriegen so zuletzt das allerbest. Der 1619. H. B. V. B. Der Kuͤlende. 28. Erdbeeren mit jhrem Kraͤndicht. In der Hitze. Erdbeeren kraut und bluͤth sehr in der hitz abkuͤhlen/ Wann die ein kranckes hertz im Fieber offt thut fuͤhlen/ So heiß ich Kuͤhlend nun/ und solches in der Hitz/ Ein jeder brauche recht verstandt/ vernunfft und witz: Bey nassen bruͤdern sich viel meynen abzukuͤhlen: Erhitzen sich doch mehr/ und wie die Saͤw sich wuͤhlen/ So diese kuͤhle frucht dient nur zur mattigkeit/ Wenn man vom Fieber hitz mit kruncken nieder leit. L. G. G Z. S. Der Staͤrckende. 29. Eine Citron an einem Baum. Vor Andern. Citronen voller safft das hertz und kraͤffte staͤrcken/ Vor andrer staͤrckung sehr/ am krancken kan mans mercken/ Vmb dieser wirckung ich hab Staͤrckend mich genant/ Weil voll staͤrck jhre krafft in heisser gifft bekant. Man soll die tugend werth stets wider laster staͤrcken/ Vnd uͤben gerne sich in allen Ehrenwercken/ Also vor andern starck man rechte fruͤchte hringt/ Die laster all zu hauff sampt der untugend zwingt. 1620. B. H. Z. S. Der Austrucknende. 30. Eine reiffe Quitte. In seiner Wirckung. Der Quitten edle frucht/ viel feuchtigkeit austreuget/ Zu jhrer wirckung gut dem schlucken sich ereuget: Drumb ich Austrucknend mich jetzt also nennen wil/ Zusehn ob koͤnn ich auch recht schiessen so zum ziel. Daß man das grosse Meer der laster und der schanden Austrockne/ muß da seyn der tugend wind obhanden: Gleich wie die feuchtigkeit im leibe trucknet auß/ Wenn man sich maͤssig helt/ und nicht lebt hin im sauß. Der D. V. D. W. Der Vielgekoͤrnte. 31. Ein auffgeborstner Granat- apffel. Abkuͤhlend staͤrcket. 1620. Die vielen Koͤrner seht der aͤpffel aus Granaten/ Ob zur Gesellschafft frucht sie nicht seynd wol gerathen/ Den Vielgekoͤrnten drumb ich mich mit fuge heiß/ Weil das vermoͤgen ich der Teutschen Sprach erweiß: Wann ich seh Bartam teutsch/ abkuͤhlend ich mich staͤrcke/ Vnd reitzt mich solcher an zu einem schwerern wercke/ Gottfried von Bulljon ich in teutsch hab uͤberbracht/ Vnd unsrer Sprach hiedurch ein kern new lob gemacht. C. V. L. Der Reinigende. 32. Ein Holunderbaum mit seiner bluͤth und beerlein. Durch alle wege. Der Holder reinigt sehr mit seiner bluͤth und beeren/ Vnd daß durch alle weg/ doch ohne groß beschweren/ Der Reinigend ich drumb genennet worden bin/ Weil ich die Frucht erwehlt/ nach meim gemuͤth und sinn: Wie kan man reiner nun sein gantzes leben machen/ Als wenn man feget aus stracks all unreine sachen? Im Geist und in dem Leib/ und wird ein mensch gantz new/ Daß man fuͤr Gottes Thron erscheinen kan ohn schew. C. E. K. Der Ausbreitende. 33. Ein Lindenbaum. In wirckender bluͤth. Ein gruͤner Lindenbaum sich trefflich schoͤn ausbreitet/ Voll wirckung seine bluͤth/ der seuchen viel bestreitet/ Ausbreitend’ ist der Nahm geworden mir zu theil/ Weil im ausbreiten mir ich nehme rechte weil: Zucht/ Tugend/ Erbarkeit die soll man stets ausbreiten/ Auch jung und alt darzu mit seinem beyspiel leiten/ Auff daß Fruchtbringend man in dieser welt mag seyn/ Im alter und der bluͤth zur ehre wirck allein. C Der 1620. H. V. S. Der Erfrewende. 34. Eine Weinpresse daraus rother Wein in ein Glaß laͤufft. In rechtem gebrauch. Der wein des menschen hertz thut nach der schrifft erfrewen/ Er darff/ wenn man jhn recht braucht/ sich fuͤr niemand schewen. Drumb mich Erfrewend ich im Wein genennet hab/ Daß man recht im gebrauch erkenne seine gab: Man soll sich in dem Wein auch dergestalt erfrewen/ Daß man sich nimmer nicht/ laß seiner that gerewen/ Das ist der rechte brauch/ wenn man nicht wird bethoͤrt/ Vnd so das Trinckrecht helt/ daß man bey zeit auffhoͤrt. 1621. C. D. A. D. W. Der Gruͤne. 35. Stechpalm oder Walddisteln. Nicht ohne Leim. Huͤlst ist ein kleine Staud/ die jmmer fort gantz gruͤnet/ Wiewol sie stachlich ist/ das Schaf sich doch erkuͤhnet/ Vnd klaubt die blaͤtter rab/ sie giebt sehr guten Leim/ Der Gruͤn ich bin genent/ hab auch den Leim daheim: Wenn er zu starck wolt seyn/ so kan man jhn befeuchten/ Vnd mit der tugend werth/ hell jederman vorleuchten/ Auff daß man gruͤn und new frucht bringe huͤbsch und fein/ Damit auch nutze den/ so sonst stets Leimend seyn. B. F. B. V. L. Der Steiffe. 36. Ein Buchbaum. Im feuchten. Das Buchenholtz wird steiff/ wann es gesetzt im feuchten/ Vnd wanns brennt im Camin mit heller flam thut leuchten: Drumb ich der Steiffe heiß/ weil es steiff ist und fest/ Ja auch noch steiffer wird/ wenns in eim feuchten nest: Wanns wetter feucht und truͤb/ soll man sich steiff fest zeigen/ Vnd nicht nach jedem wird sein kleid und mantel neigen/ So wird man steiff und fest in langmuth bringen frucht/ Wenn man in trangsal auch den wahren nutzen sucht. Der H. R. Der Friedsame. 37. Ein Oelbaum. In gelindigkeit. 1621. Man helt den Oelbaum stets fuͤr ein recht friedenszeichen/ Dem in gelindigkeit kein anders zu vergleichen/ Daher mir worden ist ein hoher werther Nahm/ Daß man mich hat genent in Lindigkeit Friedsam. Wer in gelindigkeit/ still/ friedlich sich bezeiget/ Der macht die gantze welt zum freund und jhm geneiget/ Das ist die beste frucht die einer bringen kan/ Vnd kan man doch darbey wol seyn ein tapffer mann. F. V. H. Z. B. V. L. Der Dawerhaffte. 38. Ein Cedern Baum. In allem Wetter. Das Cedernholtz sehr hart in allem Wetter dawret/ Es soll verfaulen nie/ fuͤrm frost jhm auch nicht schawret/ Vnd seine blaͤtter helt/ Dawrhafft ich mich drumb heiß/ Weil ich in einem bleib/ es sey kalt oder heiß: Wer nun zur argen zeit in allem Wetter dawret/ Vnd fleissig huͤtet sich fuͤr dem der auff jhn lawret/ Der kan wehrhaffte frucht fuͤrbringen jederzeit/ Bey jhm mit nutzen auch wird tugend ausgebreit. S. V. M. Der Anlockende. 39. Ein Ebereschenbaum mit seinen beerlein. Zun Voͤgeln. Die Obereschenbeer herzu die Vogel locken/ Wie mancher Hoffman thut/ wann er sich uͤbt im stocken/ Zu gleichnuͤß dieser beer/ man mich Anlockend heist/ Damit man seh/ wie offt man eim ein tuͤck beweist: Nun man soll locken an die menschen zu der tugend/ Darbey nicht lassen aus die zarte liebe jugend. Vnd daß beyd alt und jung mit nutzen bringe frucht/ Bescheiden locken sie zur sittsamkeit und zucht. C ij Der 1621. F. W. R. Der Streublichte. 40. Eine Wassernuß wii sie waͤchst. Im Wasser. Die schwartze Stachelnuß im Wasser sich rumb streubet/ Vnd schwebet oben drauff/ an jhrem kraute kleibet/ Den Nahmen Straublicht mir ich drumb auffgeben ließ/ Weil in den Wassern still sie auffwechst ohn verdrieß: Nun man soll eifferig sich widers boͤse streuben/ In der betruͤbnuͤß fluth/ an Gott allein fest bleiben/ Meins lauffes Stam und Nahm allhier nun ist vollend/ Weil ich verlassen hab der argen welt elend. H. E. B. Der Bittere. 41. Wermuth. Treibet die Gifft. Wermuth ein bitter kraufft/ die kalte Gifft wegtreibet/ Bey einer Bittrigkeit die andre mit vertreibet: Daß ich nun Bitter heiß/ niemand sich wundern thu/ Weil auch was bitter ist/ der Gifft nicht traͤget zu. Das bittre seelen Gifft des zorns soll man vertreiben/ Vnd sich mit eigner Rach an keinen menschen reiben/ Die Rach ist anders nichts/ als eine bittre gall/ Die Gott mit harter straff vertilget uͤberall. W. H. Der Forttreibende. 42. Artischocken. Zur Zucht. Die Artischocken gut zur zucht sich fein forttreiben/ Vom sahmen/ und gesetzt ins Erdreich/ wol bekleiben/ Ich hab Forttreibend mich genennet und zur Zucht/ Weil eilend so fortzeucht sich diese werthe frucht. Last uns forttreiben nun der reinen tugend sahmen/ Daß wir erlangen mit ein gut Geruͤcht und Nahmen/ Das wird die beste frucht seyn so jemals gebracht/ Wenn man zu guter Zucht sich wendt mit aller macht. Der H. D. S. Der Schliessende. 43. Ein weisser Kohlkopff. In seiner Suͤsse. 1621. Ein dichter Kohlkopff thut in seiner Suͤsse schliessen/ Vnd soll das sawre wol darbey auch gerne missen: So b in ich Schliessend nun im Nal men und der that/ Ja auff den winter man mich halten muß zu rath. Was sollen wir denn stets in unsre hertzen schliessen? Die Tugend und die Ehr/ recht jhnen seyn gefliessen/ Das wird dann geben uns viel nutz und frucht zugleich/ So wird die rechte Suͤß uns all auch machen reich. G. F. G. Z. H. Der Getrewe. 44. Das Kraut Mannstrew. Staͤrcket den Mann. Mannstrew ein wild gewaͤchs zu vielen dingen dienet/ Dem Mann noch mehr ist trew/ daß er sich wol erkuͤhnet: Drumb ist mein Nahm genant fuͤr andern der Getrew / Weil mir/ ein schwachen Mann zu staͤrcken/ nicht ist new. Mannstrew und Weiberkrieg die wachsen gern beysammen/ Man muß sie haben beyd in der that und im Nahmen: Nun wer trew ist/ bleibt trew vor sich und sein Geschlecht. Darbey auch als ein Mann sich erbar helt und recht. B. V. R. Der Bluͤhende. 45. Ein bluͤhender Roßmarienstock. Zur Staͤrckung. Das Roßmarien kraut und bluͤth im leibe staͤrcket/ Die staͤrckung doch des haupts/ meist aus der bluͤth man mercket/ Zur Staͤrckung Bluͤhend ich/ bin/ als zu sehn/ genant/ Mein schmack/ staͤrck und geruch ist jederman bekant: Zur staͤrckung des Gemuͤths/ soll fort und fort man bluͤhen/ Daß es erbawet werd/ mit fleiß sich drob bemuͤhen/ So wird erlangen man/ ein frucht so bringet staͤrck/ Vnd darff sich fuͤrchten nicht fuͤr schnoͤdem narrenwerck. C iij Der 1621. A. F. Z. A. Der Sieghaffte. 46. Das Kraut Allermann Harnisch. Zu seiner Zeit. Allermann Harnisch rund die wurtzel wol verbunden/ Hat wider schoß und stich auch streich offt uͤberwunden: Doch muß man haben acht genaw auff seine zeit/ Wenn man wil Sieghafft seyn in allem kampff und streit. Den Nahmen Sieghafft auch hab ich mir drumb gegeben/ Auff daß die rechte zeit man warnehm in dem leben/ Die nicht mehr Morgen ist/ als Heut und jmmerzu/ Daß man den Sieg erhalt in wahrer frewd und ruh. E. F. Z. A. Der Wolbewahrte. 47. Eine Welschenuß auffge- schnitten mit jhrer schalen. Zur Vollkom̃enheit. Die Welschenuß die ist mit schalen wol bewahret/ Vnd solches von Natur/ darumb sich nichts befahret/ Biß zur Vollkommenheit/ den Nahmen ich daher Hab/ weil ich meine frucht zu wahren stets begehr. Nun was man lernet guts/ das soll man wol bewahren/ In einem hertzen rein/ mit sorgen vorgefahren/ Damit man es wend an zu nutz dem Vaterland/ Ein jeder bringe frucht gemaͤsse seinem Standt. H. C. V. F. Der Brennende. 48. Welsche Nesseln. Erzeigt sich bald. Die Welschenesseln scharff sehr heiß und hefftig brennen/ Erzeigen sich auch bald/ drumb sie mich Brennend nennen: Was eine Nessel gut bey zeiten werden wil/ Bald hebt zu brennen an/ und macht der blaͤßlein viel: Also von wahrer lieb auch eiffrig man erbrenne/ Vnd zu dem rechten zweck mit grosser hitze renne/ Daß man es bald erreich/ dahin man leufft und rent/ Vnd wer recht eiffrig ist/ zum ersten wird erkent. Der H. C. V. H. Der Erwaͤrmende. 49. Krausemuͤntze. Hilfft der Dawligkeit. 1621. Die edle Krausemuͤntz erwaͤrmet wol den Magen/ Pflegt die undawligkeit auch daraus zu verjagen/ Man nennet von der krafft des krauts Erwaͤrmend mich/ Daß man zur Dawligkeit selbst besser helffe sich: Durch glauben lerne man die wiedrigkeit verdawen/ Vnd durch den Geist erwaͤrmt vertreiben alles grawen/ Des fleisches bloͤdigkeit wird bald seyn abgethan/ Vnd dann sich zeigen doͤrfft ein rechter newer Mann. F. V. D. Der Bestaͤndige. 50. Ein Ellren Baum. Im Nassen. Die Eller ein fest holtz/ bestaͤndig ist im nassen/ Man thut der Haͤuser grund drauff setzen und mit fassen/ Bestaͤndig ich daher erhalt den Nahmen mein/ Weil ein bestaͤndig hertz in uns soll allzeit seyn. Man meynt das dieses holtz im nassen stein soll werden/ Ob nun wol kein bestandt zu finden hier auff Erden/ So kan bestaͤndigkeit doch bleiben nicht zuruͤck/ Weil Gott dieselbe helt fuͤrs allerbeste stuͤck. C. D. J. F. Z. A. Der Vnveraͤnderliche. 51. Ein Cypressen Vaum. Dringet in die hoͤhe. 1622. Nauff der Cypressenbaum sich in die hoͤhe dringet/ Vnd unveraͤnderlich vor gruͤne zweiglein bringet/ Drumb Vnveraͤnderlich ich mir den Nahmen nam/ Weil gleich auff eine weiß’ auffwaͤchset dieser Stam : Recht unveraͤnderlich ein frey gemuͤth soll bleiben/ Vnd was veraͤnderlich von jhm weg ferne treiben/ Daß es frucht/ nutzen schaff in Tugend und in Ehr/ Vnd unveraͤnderlich zunehm je mehr und mehr. Der 1622. B. V. E. Der Gesunde. 52. Rauten. Schewet keine Gifft. Der Gartenraute krafft gantz keine Gifft nicht schewet/ Der Pest sehr widersteht/ die krafft im leib ernewet/ Vnd weil sie so gesund/ Gesund ich auch drumb heiß/ Denn ich die groͤste Gifft vertreihe mit dem schweiß. Wer nun ist eingepflantzt in Gottes Rauten Garten/ Der darff sich schewen nicht/ noch auch der Gifft erwarten/ Des Satans und des Todts Gott hat gemacht jhn frey/ Daß er nun ist gesund/ und sicher ohne schew. L. V. B. Der Wirckende. 53. Wolausgebluͤheter braun und weisser Wiesenklec. Zu Milch und Honig. Der braun und weisse klee fein bund die Wiesen zieret/ Zu Milch und Honig wirckt/ daher den Nahmen fuͤhret/ In der Gesellschafft groß der Wirckend voller krafft/ Bey wild und zahmen vieh auswirckend guten safft. Die Milch die Tugend ist/ auch weiß und unbeflecket/ Der Honig ist die frucht so lieblich suͤsse schmecket/ Gott helff uns in das Land/ drin Milch und Honig fleust/ Vnd alle gaben gut/ ohn maß sein Geist ausgeust. W. F. V. T. Der Durchstaͤrckende. 54. Das Kraut Bachbonen. In Gliedern. Bachbonen haben krafft die glieder durch zu staͤrcken/ Ihr werdet dannenher gar leichtlich koͤnnen mercken Daß ich Durchstaͤrckend heiß/ jhr habt ursachen da/ Weil ich mit meiner Salb den Sehnen kom gar nah. Nun muß man nicht allein durchstaͤrcken leib und glieder/ Man muß auch zu dem Geist sich einsten kehren wieder/ Da ist die rechte Salb/ die durchstaͤrckt marck und bein/ Vnd macht die Seelen auch von allem unflath rein. Der F. V. K. Der Helffende. 55. Das Kraut Poley. In noͤthen. 1622. Poley ein kraͤutlein klein/ das hilfft mit krafft in noͤthen/ Die Weiber haben es zum Kindbett offt von noͤthen: Drumb hat man Helffend mich geheissen allzuwol/ Weil man/ wo es ist noth/ einander helffen soll. Die Freunde wann die noth an mann geht man erst kennet/ Da bald der groͤste hauff alsdann weg/ hastig/ rennet: Damit es droben nun gefall dem hoͤchsten Gott/ Last jedem helffen uns/ wann er sich findt in noth. J. S. Der Sawerhaffte. 56. Rothe Johanns Beer. Erfrischt und staͤrckt. Johannes Beerlein roth die staͤrcken und erfrischen/ Seynd sawerhafft/ und doch nicht leicht hinweg sich wischen/ Nun bin ich drumb genent fein frisch der Sawerhafft / Weil im erfrischen ich bezeige sawre krafft. Man kan sich eben wol verstaͤrcken und erfrischen/ Ob schon den gantzen tag man nicht bring zu mit tischen/ Das sawr ein guten schmack dem suͤssen auch offt giebt/ Da meist das suͤß allein den menschen nicht beliebt. P. V. S. Der Wolgemuthe. 57. Das Kraut Wolgemuth. Zertreibt das boͤse. Das Kraͤutlein Wolgemuth das boͤse fein zertreibet/ Kein Gifft und schwartze Gall im leibe fuͤr jhm bleibet: Wie nun des Krautes Nahm heiß ich auch Wolgemuth / Vnd bin darbey ein mensch der keinem kein leid thut: Das boͤse lasse man mit wolgemuthem hertzen/ Fuͤr kurtz und kleine lust macht es sonst tausent schmertzen/ So wird mein kraͤutlein auch recht bringen gute frucht/ Wenn man dem widerstrebt/ der jmmer schaden sucht. D Der 1622. G. R. H. Z. L. V. B. Der Wunderbare. 58. Das Kraut Christwurtz im schne. In seiner bluͤth. Christwurtzel bluͤhet gruͤn/ wann die kaͤlt ist am groͤsten/ Im schne und hartem frost/ erzeigt sie sich am besten: In dieser meiner bluͤth heiß ich nun Wunderbar / Weil ich fast seltzam bin/ in der frucht-bringe schar. Gleich wie nun dieses kraut was wunderbar herbluͤhet/ Vnd mancher in der bluͤth sich wunderlich bemuͤhet: So kan doch in der welt so wunderlich nichts seyn/ Es nutzt/ wann Gott nur giebt darzu den segen sein. G. V. V. Der Erfrischende. 59. Eine Melone. Zum Durst. Zucker Melonen gruͤn und suͤß zum durst erfrischen/ Vnd darff man von gewuͤrtz sonst nichts darunter mischen: Darumb Erfrischend ich zum durste mich hier nenn/ Weil nach der Lebensquell ich heiß von durfte brenn. Wen nun nach Gotte durst/ daß er erfrischt moͤg werden/ Der muß den Himmelstranck nicht suchen hier auff Erden/ Besondern wenden nauff sein hertz und sein gemuͤth/ So wird mit nutzen er erquickt durch seine guͤt. N. V. B. Der Heilsamste. 60. Das H. Wundkraut Taback- genant. Zu allen schaͤden. Das wundenkraut Taback so alle schaͤden heilet/ Saͤumt mit der heilung nicht/ besondern schleunig eilet: Daher werd Heilsambst ich genent/ und bin bekant Im heilen und im rauch durch viel und manche Land. Den nechsten/ der noth leidt soll man auch balde heilen/ Dem Samariter gleich/ und drin sich nicht verweilen/ Daß jhm der himlisch Artzt den schaden groß auch heil/ So jedem angeerht von Adam zu seim theil. Der E. V. B. Der Truckene. 61. Mawer oder Stein Rauten. Nicht zu durchnetzen. 1623. Die Mawer Raute glatt die ist nicht durch zu netzen/ Ob es schon regnet drauff/ treuffts ab/ sie thuts nicht schaͤtzen: Den Nahmen Trucknend ich drumb wolte fuͤr mich han/ Weil auff den blaͤttern mein kein tropffe bleiben kan: Wiewol die fluth mich nun im wasser uͤbergangen/ So hab ich meinem Gott doch fleissig angehangen/ Das trucken ich fuͤr jhm die seele stellen kont/ Der keinen seiner Knecht gelassen unbelohnt. F. F. Z. A. Der Stetsgruͤnende. 62. Wintergruͤn. In heilsamer kuͤhlung. Das Wintergruͤn auff erd sich ausbreit und stets gruͤnet/ Abkuͤhlt in heilsamkeit und zu den wunden dienet: Drumb heiß Stetsgruͤnend ich/ weil fort und fort ich gruͤn/ Vnd in der heilungs krafft bequem zur kuͤhlung bin: Wir sollen in der furcht des He rren stetig gruͤnen/ Vnd mit der hoffnung fest recht unserm Schoͤpffer dienen/ So wird er heilen uns/ und kuͤhlen unsre seel/ Daß sie nicht fuͤrchten darff die gluͤend heisse Hell. J. A. S. G. Z. P. Der Ausgedruckte. 63. Johannis Kraut. Heilt die wunden. Johannes Kraut ein oͤhl gibt so da heilt die wunden/ Von der bluͤth ausgetruckt/ wenn man es drauff gebunden: Von diesem Kraut ist nun geworden mir der Nahm/ Weil man hat ausgetruckt was bluͤth in meinem stam: Die bluͤth ein rothen safft/ getruckt aus/ von sich giebet/ Biß auff sein heilsam blut hat Christus uns geliebet/ Daß wir seynd ausgetruckt von allen suͤnden rein/ Weil Adams Fall geheilt durch sein verdienst allein. D ij Der 1623. M. G. Der Holdselige. 64. Das Kraut Vergiß mein nicht. In stetem gedaͤchtnuͤß. Ein bluͤmlein blaw und weiß/ vergiß mein nicht geheissen/ Soll man hoch billich stets in der gedaͤchtnuͤß preisen/ Weil es holdselig ist/ Holdselig ich mich nent/ Vnd mir das hertz im leib noch seinet wegen brent. Holdselig Gottes wort im hertzen sich erzeiget/ Wenn aus des Geistes grund es lieblich drin auffsteiget/ Dasselbe muͤssen wir nie lassen aus dem sinn/ So gehen wir gewiß auff rechter bahne hin. W. L. Z. H. Der Kitzliche. 65. Wol ausgebluͤheter Schwartzdorn ohne blaͤtter. Zur bluͤets zeit. Der Schledorn bluͤht sehr voll/ sich kitzlich drin bezeiget/ Mein Nahmen Kitzlich ich darumb hab hin geneiget/ Weil kitzlich in der bluͤth er ist im uͤberfluß/ Vnd seine volle bluͤth doch niemand giebt verdruß. Zum guten soll man nun den kitzel nur anwenden/ Vnd sich vom uͤberfluß zu sehr nicht lassen blenden/ Vnd bringen mit der bluͤth auch wahret tugend frucht/ Die jedes edel hertz mit nutz und ehren sucht. L. H. V. K. Der Gelinde. 66. Das grosse Wullkraut oder Konigs Kertz. In und auswendig. Das Wullkraut in dem leib und aussen ist gelinde/ Wann es recht zugericht/ gebraucht mans auch eim kinde: Gelind den Nahmen mein/ ich mir drumb hab erwehlt/ Auff daß da Nahm und Krafft gleich wuͤrden vorgestelt. Wie nun diß kraut gelind ist aussen und im leibe/ Soll man warnehmen sich daß man also auch bleibe/ Auswendig nicht allein/ besondern auch im muth/ Damit so nutzen schaff/ und bringe fruͤchte gut. Der C. F. K. Der Seuberende. 67. Spargeln. Mit lust. 1623. Die Spargeln haben krafft mit lust rein aus zu seubern/ Man darff sie essen nur/ wolthun der menschen leibern: Drumb mit lust Seubernd ist das Wort und Nahme mein/ Weil boͤses auch mit lust kan ausgeseubert seyn. Man soll die laster stets zu seubern sich befleissen/ Daß nach dem boͤsen man was gutes koͤnne weissen/ Das wird dem mit der frucht gewiß seyn eine lust/ Wer laster mit wolthun zu daͤmpffen hat gewust. E. V. W. Der Reitzende. 68. Ein Eschbaum darauff Spanisch Fliegen. Mit und ohne sie. Die Esch hat je zu hand im Jahre Spansche Fliegen/ Die/ wann es heiß und warm/ darauff mit hauffen fliegen/ Der Baum und Fliegen/ beyd im reitzen haben krafft/ Daß ich nun Reitzend heiß kan drumb nicht seyn gestrafft. Nun soll man jederman zur tugend schoͤn anreitzen/ Was boͤß im menschen ist mit etwas schaͤrff ausbeitzen/ So wird man reitzend seyn zum guten jeder frist/ Fruchtbringend auch getilgt wird so der laster list. C. O. V. B. Der Bequeme. 69. Ein Ruͤster. Zur Arbeit. Die Ruͤster starck und dicht zur Arbeit ist bequeme/ Vnd daß ja niemand nicht sich weigre der und scheme: Zur Arbeit ich Bequem darumb mich nennen thu/ Daß man im muͤssiggang die zeit nicht bringe zu. Zur Arbeit Leibs und Geists soll man sich gern bequemen/ Vnd jhm darzu mit lust die zeit und weile nehmen/ Das so vertrieben werd der faule muͤssiggang/ Der nach dem Sprichwort ist des Teuffels Ruhebanck. D iij Der 1623. A. F. G. Z. B. Der Dienliche. 70. Creutzbeer. Zur oͤffnung. Stich oder Kreuselbeer zur oͤffnung mercklich dienen/ Reiff seynd sie etwas suͤß/ wie Honig von den Bienen: Zur oͤffnung Dienlich mir der Nahm ertheilet ward/ Weil ich zur oͤffnung hab erfunden recht die fahrt. Zur oͤffnung alles guts soll dienlich man erweisen Sich/ und was stachlich ist und kreußlich ab thun reissen/ So wird man dienen wol Gott und dem Nechsten sein/ Darzu auch bringen frucht in einem hertzen rein. H. E. V. M. Der Vertraͤgliche. 71. Melissen. Zur Stillung. Vertraͤglich ist Meliß sie thut viel unlust stillen/ Staͤrckt und erquickt das hertz/ reumbt weg was bringt unwillen: Drumb man Vertraͤglich mich zur stillung nennet wol/ Daß in vertraͤgligkeit den zorn man stillen soll. Wer nun vertraͤglich ist/ der kan viel haders stillen/ Mit tugend uͤberhaͤufft thut er sein hauß erfuͤllen/ Vnd sittsam in der still des friedens fruͤchte bringt/ Daß allen frommen wol in jhren ohren klingt. W. S. Der Vnentbehrliche. 72. Flachs. Hat viel muͤhe. Im Hause man den Flachs durchaus nicht kan entbehren/ Weil man soll weisses zeug von Jahr zu Jahren mehren/ Es hat auch muͤhe viel eh er wird ausgemacht/ Drumb Vnentbehrlich mir der Nahm ist zugebracht. Man soll was noͤtig ist zur tugend nie entbehren/ Vielmehr dasselb im hauß mit muͤh und arbeit mehren/ Weil unentbehrlich ist die Tugend unserer Rott/ Man muß doch allzeit auch muͤh haben biß in todt. Der K. V. B. Der Hochtreibende. 73. Weisse Cartuffeln. Durch undere krafft. 1623. Cartuffeln trefflich sehr durch undre Krafft hochtreiben/ Hochtreibend mir der Nahm daher auch muste bleiben/ Weil meiner wurtzel macht den stengel so hoch treibt/ Vnd doch dieselbe gut zu essen nur verbleibt. Die tugend und die staͤrck hoch einen Mann erhebet/ Vnd wann die wurtzel gut/ nach grossen ehren strebet Ein hertzhafft kuͤhn gemuͤth/ biß endlich es erwirbt/ Ein solch geruͤcht daß jhm im tode nicht erstirbt. W. K. Der Vmbwickelnde. 74. Ephew an der Mawre. Helt sie feste. Der Ephew uͤmb die Mawr sich wickelt/ die helt feste/ Vmbwickelnd ich mich hieß/ darin zu seyn der beste/ Daß ich aus meiner Mawr viel schoͤne fruͤchte zoͤg/ Vnd drumb nicht gerne wolt/ daß sie und ich vertroͤg. Worin soll man sich nun mit unsrer seele wickeln/ In Christi windeln rein/ die niemand soll zerstickeln/ Die windeln der unschuld/ die uns nun hat erloͤst/ Von suͤnden und dem todt/ damit seynd wir getroͤst. E. V. F. Der Hochgefaͤrbte. 75. Hanbutten. Zertheilt und stillt. Hanbutten hochgefaͤrbt zertheilen und auch stillen Den Stein so wol die Ruhr/ also mit meinem willen/ Man von der Farbe mich nun nennet Hochgefaͤrbt / Weil sonsten keine frucht sie fast so hoch ererbt. Mit Christi rothem blut seynd wir nun hoch gefaͤrbet/ Vnd haben auch von jhm als Bruͤder mit geerbet Das schoͤne Himmelreich/ so er uns ausgetheilt/ Gestillet hat den todt/ die suͤnden ausgeheilt. Der 1623. C. V. W. Der Vnschavliche. 76. Ein Feigenbaum. Fruchtet ohne bluͤth. Der Feigenbaum die frucht ohn bluͤth heran reiff bringet/ Ist ein unschaͤdlich Obst/ bald seubrend foͤrter dringet: Drumb heiß Vnschaͤdlich ich/ und fruchtend ohne bluͤth/ Weil in Vnschaͤdligkeit steht meine krafft und guͤt. Vnschaͤdlich Christus ist/ der heilet allen schaden/ Als seines Vaters zorn er auff sich hat geladen/ Vnd uns erwerben wolt das heil mit seim verdienst/ Das hab ich mir erlangt/ als ich starb zum gewinst. H. G. V. M. Der Erleichternde. 77. Maloran. Der Athem. Der gruͤne Majoran wol zum geruch gerathen/ Koͤmpt zur erleichterung dem Athem sehr zu statten: Erleichternd man mir nun den Nahmen geben that/ Weil manchen Athem schwer diß kraut erleichtert hat. Was schwer/ das kan man leicht durch fleissig arbeit machen/ Vnd wenn man sich fein weiß zu schicken in die sachen/ Ein uͤbung tugend ist die alles leichtert sehr/ Vnd schien es anfangs wol zu seyn noch einst so schwer. H. V. B. Der Eilende. 78. Ein Pfirsigb aum. Zur Frucht. Ein junger Pfirschenbaum waͤchst auff geschwind und eilet/ Zu haben seine frucht/ die jhm ist zugetheilet: Den Nahmen Eilend mir ich also nehmen thet/ Weil wann da ist die zeit zu eilen es wol steht. Eil doch mit weile/ man wol pfleget recht zu sagen/ Vnd daß man eilend nicht ins glack es soll nein wagen/ Wenn aber man hat zeit/ und nicht fern ist die frucht/ So eilt mit nutzen der/ der sie denn fleissig sucht. Der E. V. W. Der Wehrende. 79. Myrtenbaum. Dem Scorpion Gifft. 1623. Der Scorpionen Gifft der Myrtenbeersafft wehret/ Wie auch der Trunckenheit eh man den wein auslehret: Nun Wehrend dieser Gifft der Nahm ist worden mir/ Auff daß mein art und krafft man besser draus verspuͤr. Drumb allem falschen Gifft man soll von hertzen wehren/ Vnd seine wider Gifft auffrichtigkeit fort mehren/ Auff daß man schlecht und recht viel fruͤchte bringen thu/ Trew nicht mehr wildpradt sey/ besondern wol nehm zu. M. L. Z. H. Der Wolgenante. 80. Ein Spindelbaum. In fleissiger uͤbung. Der Spindelbaum der wird von Spindeln so genennet/ Mein Nahm auch Wolgenant daher bald wird erkennet/ Wann nun die Spindel rund mit fleiß herummer geht/ So ist jhr uͤbung recht/ und jhre frucht besteht. Es soll in seim beruff sich jeder embsig uͤben/ Darbey zufoͤrderst Gott/ dann seinen Nechsten lieben/ Auff daß er wieder sey von jederman geliebt/ Vnd seinet wegen nicht werd einig mensch betruͤbt. G. F. V. K. Der Wolbedeckte. 81. Ein Castanienbaum. Vmb und uͤmb rauch. Castanjen frucht ist braun auch uͤmb und uͤmb bedecket/ Darzu von aussen rauch/ wird drumb nicht leicht beflecket: Mein Wort Rauch uͤmb und uͤmb ist/ mein Nahm Wolbedeckt / Weil mein Obst recht verwahrt gleich wie im Igel steckt. Was gut ist in der welt/ das soll man wol bedecken/ Damit man seine frucht/ wanns zeit ist/ koͤnne schmecken/ So der Castanjenbaum sein Igelskopff auffthut/ Vnd zeigt was an jhm ist dem vieh und menschen gut. E Der 1623. H. S. Der Hitzige. 82. Ein Mandelbaum. Mehret die Natur. Der Mandelbaum der ist gar hitzig/ und vermehret Sehr die Natur/ wie auch was wiedrig ist abkehret: In mehrung der Natur/ so heiß ich Hitzig nun/ Auff daß man fest verharr in hitze guts zu thun/ Daß man nicht anfangs sey zu hitzig/ drauff law werde/ Zu letzt wol gar erkalt und suche kein gefehrde/ So wird man bringen recht das gute werck des liechts/ Das werck der finsternuͤß unfruchtbar achten nichts. S. V. H. Der Bewehrte. 83. Ehrenpreiß. In allem zufall. In allem zufall ist der Ehrenpreiß bewehret/ Weil manche kranckheit er von unserm leib abkehret: Geheissen hab ich mich von diesem kraut Bewerth / Damit man auch im Creutz bleib allzeit unversehrt. Wer nun wil recht bewehrt seyn hier auff dieser erden/ Vnd daß er einsten moͤg ein Kind des lebens werden/ Der folge Gottes Geist/ so klug allein und weiß/ Der wird jhm zeigen bald den wahren Ehrenpreiß. G. F. V. B. Der Vertreibende. 84. Wasserpfeffer oder Floͤhkraut. Die Floͤhe. 1624. Floͤhkraut was scharffer art weg Floͤh und Muͤcken treibet/ Daß jhrer keines nicht im Hauß und Zimmer bleibet/ Vertreibend ich darumb genennet wolte seyn/ Weil ein so starcke krafft steckt in dem kraͤutlein klein. Wenn man das boͤse nun mit nutzen wil vertreiben/ So muß mans ohne schew mit aller macht weg reiben/ Ausbutzen alles huͤbsch im hertzen saubern wol/ Wann dann die laster weg/ wird man seyn tugend voll. Der C. V. H. Der Nankletternde. 85. Je lenger je lieber. Mit huͤlffe. 1624. Ein Staͤudlein ist das heist Je lenger und je lieber/ Wenn mans mit latten hilfft/ so kletterts nan und nuͤber: Daher Nankletternd mich mit huͤlff ich nenn und heiß/ Mit huͤlff ich von der erd hinnan zu klettern weiß. Wer nun was hoͤher wil/ als er sonst ist/ nauff steigen/ Der mag von hertzen sich zu ehr und tugend neigen/ Das wird jhm helffen mehr/ als golds und hoffarts viel/ Vnd wird erklettern so der wahren Tugend ziel! H. V. D. W. Der Fortkommende. 86. Ein Pappelbaum. In kurtzer zeit. Die Pappelweiden wol in kurtzer zeit fortkommen/ Daher Fortkommend ich den Nahmen mir genommen: Wer nun fortkommen wil/ und das in kurtzer zeit: Der warte seines dings/ und lauffe nicht zu weit/ So wird er zweiffels frey viel nutz und fruͤchte bringen/ In seim beruff es jhm nicht uͤbel kan gelingen/ Wann er vornemlich macht mit Gott den anfang sein/ Wird er fortkommen bald ohn ungluͤck sorg und pein. W. J. L. Der Zeitige. 87. Ein Birckenbaum. Im ausschlagen. Der Birckenbaum erweist sich zeitig im ausschlagen/ Vnd darff mans sicherlich denn mit seim saffte wagen: Drumb nenn ich Zeitig mich/ daß seine zeit man weiß/ In deren er ist gut/ und drin erhelt den preiß. Was zeitig einmal ist/ das darff nicht zeitig werden/ Vnd mag mans ohne sorg gebrauchen und gefehrden/ Sonst wird es uͤberreiff und braͤchte keine frucht/ Wenn mans schon ohne zeit an allen enden sucht. E ij Der 1624. H. V. K. Der Gute. 88. Das Graß. So gruͤn als troͤge. Das schoͤne wuͤchsig Graß ist gut so gruͤn als troͤge. Bekompt dem vieh auch wol/ daß es gesund seyn moͤge: Der Hute drumb genant ich bin so troͤg als gruͤn/ Weil mans im Sommer braucht/ als durch den Winter hin. Dem gruͤnen Grase wird das leben recht vergliechen/ Dem troͤgen hew das fleisch wann es todt und verbliechen/ Gott gebe daß wann wir einst all seyn ausgetroͤgt. Als gut noch moͤgen seyn in Gottes scheun gelegt. D. W. F. Der Erregende. 89. Weisse Niesewurtz. Das Niesen. Die weisse Niesewurtz das Niesen thut erregen/ Drumb meinen Nahmen man nicht ferne darff auslegen/ Erregend kan man wol seyn wanns zum guten ist/ Vnd daß hinweg man thu betrug und argelist. Drumb last einander uns zur tugend nur anregen/ Vnd alles nach dem Recht gemessen uͤberlegen/ So zur geniessung wir gelangen werden bald/ Ob uns schon diese welt gering und schlecht abmahlt. H. H. M. Der Stillende. 90. Das Kraut Wegereich oder Wegebreit. Fluͤssige Gebresten. Die fluͤß und manche seuch der Wegereich thut stillen/ Die man erdulden wol muß sonsten mit unwillen/ Den Nahmen Stillend ich mir drumb genommen hab/ Auff daß ja nicht blieb aus des kraͤutleins reiche gab. Die laster hauffen weiß zufliessend man soll stillen/ Darbey auch reumen weg untugend und muthwillen/ So wird man stillend han sehr gute frucht gebracht/ In frieden still mit ruh denn haben groͤßre macht. Der H. W. G. Z. S. Der Wuͤrtzende. 91. Hopffen. Das Bier. 1624. Dem Bier der Hopffen ist die Wuͤrtze/ Geist und Leben/ Das ist sein eintzig krafft/ jhm muß es seyn ergeben: Daher man Wuͤrtzend mich geheissen hat sehr wol/ Weil ohn jhm dieser tranck gebrawt nicht werden soll. Das all zu grosse gluͤck zur zeit muß seyn verwuͤrtzet/ Daß man in seiner lust zu sehr nicht sey verstuͤrtzet: Nun jeder wuͤrtze sich und fah im wolstandt an/ Daß er im uͤbelstandt sey ein bewehrter Mann. H. K. Der Faͤrbende. 92. Blaw und braune Korn- blumen. Dem Leib ohne schaden. Kornblumen blaw und braun/ dem leib ohn schaden/ faͤrben/ Der Zucker und Gewuͤrtz zieht an die farb und erben: Man nennet Faͤrbend mich/ dem leib ich nichtes schad Mit meiner guten farb/ auch bin ich gut ins bad. Ohn schaden in dem leib uns diese farbe faͤrbet/ Nicht wie die Schmincke pflegt/ die nur die haut verderbet/ Man soll mehr jnnerlich auff Seelen schmuck bestehn/ Als auff den zierath nur des eussern leibes sehn. C. M. Der Abwehrende. 93. Gemeine Weiden. Die Vnkeuschheit. Gemeine Weiden wol Vnkeuschheit ab thun wehren/ Drumb man den Nahmen mein hieher hat thun verkehren: Man soll abwehrend seyn was wiedersteht der zucht/ Daß man in keuschheit bring ein recht und gute frucht. Daß nun hertz und gemuͤth keusch und rein werd erhalten/ Soll fleissig man an das/ was geistlich ist/ sich halten/ So wird abwehren man leicht der gedancken viel/ Vnd wird geendert seyn Sinn/ Seel/ Geist/ Muth und Will. E iij Der 1624. S. V. P. Der Scharffspritzende. 94. Wilder Cucummer. Wann er geruͤhret. Hundskuͤrbs am stiel geruͤhrt von sich sehr scharff thut spritzen/ Sein safft und bittrigkeit kan sonst auch manchem nuͤtzen: Man hat Scharffspritzend mich genant wol ausdermaß/ Wer nicht wil seyn bespruͤtzt/ das auffziehn underlaß. Damit man uns nun nicht mit schaͤrffe thu bespruͤtzen/ Darff man darwider nicht Paffaͤsen vorzuschuͤtzen/ Man halt bescheiden sich/ still/ eingezogen fein/ So wird gewiß man nicht ohn frucht und nutzen seyn. H. M. Z. B. Der Abwendende. 95. Tausentguͤldenkraut. Hitzige Zufaͤlle. Klein Tausentguͤldenkraut ab heisse zufaͤll lendet/ Das Fieber treibet aus/ und von dem leibe wendet: Daher Abwendend ich heiß in dem kraͤutlein klein/ Das wol auff tausent art mit nutz gebraucht mag seyn. Was all zu hitzig ist im muth soll man abwenden/ Vnd seinen hohen Geist sich ja nicht lassen blenden/ Daß man fein sittsam bring ein gute frucht mit nutz/ Vnd eins dem andern nicht so bald ein wort auff mutz. T. V. B. Der Abtreibende. 96. Wiesen Kuͤmmel. Die Winde. Der Wiesenkuͤmmel weiß vom Magen treibt die winde/ Das essen sanffte kocht/ die dawung macht gelinde: Ich nenn Abtreibend mich von dieser wirckung mein/ Die gut gefunden wird in diesem kraut gemein. Man soll abtreiben nun den stoltz so auff thut blehen/ Er ist doch lauter wind/ vergeblich offt thut drehen/ Demuth und freundligkeit dargegen helt den preiß/ Vnd von der Tugend wird schlecht angezogen weiß. Der L. P. P. Der Gefaͤhrliche. 97. Schlangenmord. Den Schlangen. 1624. Der Schlangenmord bewaͤhrt gefaͤhrlich ist den schlangen/ Vor jhr und andre Gifft/ man kan darmit sie fangen: Drumb heiß ich billich mich Hefaͤhrlich diesem wurm/ Auch andrer Pest und Gifft/ die uns bringt manchen sturm: Des weibes sahmen rein zertretten hat der Schlangen Den kopff/ Suͤnd/ Todt und Hell mit seiner macht gefangen/ Wann der nur bey uns ist so schadt uns keine Gifft/ Der Fewerspeiend Drach uns auch mit nichten trifft. C. V. A. Der Reiffende. 98. Mißpeln. Mit Zeit und Stroh. Die Mißpeln mit der Zeit und Stroh sehr wol ausreiffen/ Dem Mohr hilfft weder Zeit noch Stroh/ laug/ wasser/ seiffen: Drumb heist man Reiffend mich mit Zeit und auch mit Stroh/ Weil man diß Obsts sonst nicht so bald kan werden froh. Wer nun verlangen traͤgt daß etwas flugs soll reiffen/ Der nehm nur zeit darzu/ und thu nach tugend streiffen/ So darff er zweiffeln nicht/ es kommet noch die zeit/ Daß es zu nutz und frucht wird reiff seyn und bereit. M. L. Der Schoͤne. 99. Tulipan. In allerley Farben. Die Tulipanen seynd viel unterschiedner Farben/ Der manche blume sonst muß in den gaͤrten darben: In vielen Farben nun der Schoͤn ich bin genant/ Weil sonst mein wirckung nicht ist allerdings bekant. Was schoͤn ist in der welt/ das soll man billich preisen/ Vnd jedem schoͤnen Geist huͤlff und auch ehr beweisen/ Vornemlich wann er trew/ die farbe nicht verlest/ Vnd bey seim Herren stets bestaͤndig bleibt und fest. Der 1624. J. V. M. Der Goldgelbe. 100. Saffran mit der bluͤth. Zur Hertzstaͤrckung. Goldgelber Saffran thut das hertze kraͤfftig staͤrcken/ Vnd ist auch sonst bekant in seinen guten wercken: Darumb Holdgelb ich mich und zur Hertzstaͤrckung nenn/ Damit kein hitzig Gifft das hertze mir verbrenn. Wie soll man staͤrcken nun all ungefaͤlschte hertzen/ Daß sie nicht fuͤrchten sich fuͤr leibes noth und schmertzen; Die tugend mit der furcht des He rren und Gebet/ Durch manche tapffre hand den Feind treibt von der stet. 1625. J. E. H. Z. H. Der Sichere. 101. Ein Lorberbaum. Fuͤrm Donnerschlag. Der gruͤne Lorberbaum so lang er steht auff erden/ Soll von dem Donnerstrahl niemals getroffen werden/ Vnd deß gesichert seyn nach der gemeinen sag/ Drumb man mich Sicher hieß fuͤr allem Donnerschlag. Wer nun wil sicher seyn daß er bleib ungetroffen Von Gottes schwerem zorn/ halt sein hertz zu jhm offen/ Dien jhm in wahrer furcht/ mit zittern sich erfrew/ Daß er dann nutzen schaff mit frucht im leben new. G. H. V. P. Der Sanffte. 102. Wegewart oder Sonnen- wirbel. In Kuͤhlung. Wegewart ein kraut bekant die Leber sanffte kuͤhlet/ Erhelt jhr wuͤrd und krafft/ der mensch es fast nicht fuͤhlet/ So man den Sanfften mich in Kuͤhlung nente wol/ Weil in der Leber hitz von jhr man trincken soll. Ein recht sanfftmuͤtig hertz thut viel unmuthes stillen/ Kuͤhlt ab des zorrens hitz und wehrt dergleichen grillen/ Hiermit der tugend krafft in sich sanfft sehen lest/ Vnd nutz mit fruͤchten bringt wann es so bleibet fest. Der F. H. Z. S. A. Der Daͤrbe. 103. Rewstaͤdter Ruͤblein Hilfft zum Trunck. 1625. Newstaͤdter Ruͤbelein thun huͤlff/ zum trunck gegessen/ Vnd wol mit saltz bestrawt/ man kan nicht viel draus pressen/ Den Daͤrben nant ich mich der hilfft zum trunck wanns zeit/ Man mercke was fuͤr krafft in diesen ruͤblein leit. Gleich wie nun was daͤrb ist/ mit saltz man thut verbessern/ Also ein eitle frewd/ soll man mit schaͤrff einwaͤssern/ Vnd dencken offt zuruͤck/ des dings nicht thun zu viel/ Daß auch der trunck mit frucht bring nutz zum rechten ziel. D. S. Der Geschwinde. 104. Bornkresse. Im Wachsthumb. Die Brunnenkresse sich im wachsthumb zeigt geschwinde/ Viel feulung treibet ab/ doch nicht so gar gelinde: Heschwind drumb ist mein Nahm/ weil sie geschwind wechst her/ Vnd im wachsthumb geschwind/ sich mehret/ mehr und mehr. In tugend wir geschwind seyn sollen zuzunehmen/ Vnd immer wachsen fort/ die laster gantz verlaͤhmen/ So wird es fehlen nicht/ fruchtbringend muß man seyn/ Der nutz auch folget drauff den sie belohnt allein. H. W. V. M. Der Taugliche. 105. Blaw Violen. Zum Safft. Violen blaw zum Safft sehr tauglich seynd gepfluͤcket/ Der dient zum boͤsen halß/ daß man nicht dran ersticket: Man nennet Tauglich mich/ fuͤrnemlich zu dem Safft/ Weil widers Fiebers hitz drin ein kuͤhlfeuchte krafft. Daß wir nun tauglich seynd des lebens safft zu haben/ Woll den Christ geben uns mit seinem geist und gaben/ Vnd lassen bringen uns frucht der gerechtigkeit/ Von der ohn sein verdienst wir sonst seynd fern und weit. F Der 1626. F. L. G. Z B. Der Ergetzende. 106. Kappern. Miltz und Leber. Die gute Kappern frucht/ Miltz/ Leber/ beyd ergetzet/ Wann die mit schwermuth seynd und bittrer gall verletzet/ Ergetzend ich daher mich habe nennen lahn/ Auff daß man wisse wie man sie gebrauchen kan. Man soll nun jm inerdar ergetzlich sich bezeigen/ Die schwermuth und den zorn zu hoch nicht lassen steigen/ Wann man dem wehren thut/ ergetzend frucht man bringt/ Man liebt/ man ist vernuͤgt/ und froͤlich eins her singt. L V. K. Der Antreibende. 107. Eisentraut. Zur Froͤligkeit. Ins wasser Eisenkraut gelegt und rumb gesprenget/ Der Trinckstub offtermahl viel froͤligkeit anhenget/ Schreibt ein vornehmer Mann: Antreibend ich darumb Heiß/ und zur froͤligkeit/ damit ich gern geh’ umb. Es kan doch keiner nicht seins lebens recht geniessen/ Als der zur froͤligkeit erweiset sich geflissen/ Es wird vergeblich auch nie angewandt die zeit/ Wann man ohn aͤrgernuͤß frucht bringt in froͤligkeit. H. J. V. W. Der Beschlossene. 108. Ein Rosenknopff. Breit sich doch aus. Wiewol der Rosenknopff in sich bleibt frisch geschlossen/ So breit er sich doch aus wann jhn der thaw begossen/ Vnd die Sonn offnen thut; Drumb den Beschlosznen ich/ Der sich auffthut wanns zeit/ wol hab genennet mich. Daß nun was ist in uns beschlossen/ moͤg ausbreiten/ Die allerhoͤchste Sonn uns wol dazu bereiten/ Der Geist mit seinem thaw/ der mit nutz zu sich ruͤckt/ Was ohne frucht in uns vom guten war verruͤckt. Der J. C. W. Der Anhenckende. 109. Kletten. Am Strauben. 1626. Die Klette pfleget stets dem strauben anzuhencken/ Vnd nimmer den so glatt/ wann ich dem nach thu dencken/ Find ich was sonders drin/ drumb hab ich außerwehlt Den rauchen Klettenstock/ zur frucht und zum Gemaͤhld/ Vnd hab Anhenckend mich am Strauben drumb genennet/ Das ist mein Nahm und Wort/ an beyden man mich kennet/ Der tugend henck ich an/ wie straub auch jhre bahn/ Den weg zur ehre helt ein jeder Rittersman. S. G. V. E. H. Z. D L. Der Lange. 110. Indianischer Flachs oder Suͤsser Alve. In Staͤrckenden blaͤttern. Der Indiansche Flachs der hat sehr lange blaͤtter/ Die man zun Zelten spint/ zu brauchen in dem Wetter. Drumb man den Langen mich/ und in den blaͤttern nent Die staͤrcken/ daß so wird des krautes art bekent. So last uns staͤrcken nun/ daß es gar lange wehre/ Vnd keiner von der bahn des guten sich abkehre/ Ja daß von oben rab der Geist uns wohne bey/ Der staͤrcke krafft und trost verleyh zum leben new. H. A. V. H. Der Erhaltende. 111. Heide. Schaf und Bienen. Die Heide wie sie waͤchst die Schafe mit den Bienen/ Erhelt und ohne geld jhnn frommen thut und dienen/ Nun der Erhaltend ich diß vieh genennet bin/ Daß man dadurch vernehm wie sparsam sey mein sinn. Daß ohne kosten man erhalte das so nuͤtze/ Darff man ansehen nicht die kaͤlte noch die hitze/ Man halt und schicke sich wie man kan in die zeit/ So wird auch von der frucht der nutzen nicht seyn weit. F ij Der 1626. J. V. D. B. Der Gedeyende. 112. Der Schwaden am schoßgraß. Vom Him̃elthaw. Vom grase vor auffgang der Sonnen man den Schwaden Liest/ sonsten er verwest/ jhn gibt allein aus gnaden Gott mit des Himmelsthaw/ fast wie das himmelbrodt/ Hedeyend ich mich nenn/ und trawe stets auff Gott. An wachen/ arbeit/ sorg ist es gar nicht gelegen/ Der He rr von oben rab alleine gibt den segen/ Er lest gedeyen uns/ und bringen graß und frucht/ Nutz/ den man sonder nutz ohn seine gnade sucht. C. G. Z. W. Der Bethawete. 113. Das Kraͤutlein Sonnenthaw. Tag und nacht. Es ist ein kraͤutlein klein das traͤgt weißlechte blumen/ Des thawes tag und nacht es kan in jhm sich ruͤhmen: Bethawet ist mein Nahm/ und Sonnenthaw es heist/ Weil auch die Sonne drauß die feuchte nimmer reist. Der Sonnen krafft und thaw gibt froͤligkeit der erden/ Die auch den perlen gleich hie kan gefunden werden/ Das ist die schoͤnste frucht/ wann uns Gott hat bethawt/ Vnd seinen segen man stets fuͤr den augen schawt. W. G. Z. W. Der Fruͤhspate. 114. Der Corneelbaum mit bluͤth und beer. So bluͤhend als reiffend. Die rothe Caroln beer fruͤh bluͤhend sich erzeigen/ Im reiffen aber spat/ wie die art jhnn ist eigen: Drumb ich Fruͤbluͤhend heiß/ und spat im reiffen drauff/ Da dieses baums natur also hat seinen lauff. Man soll die Gottesfurcht zur bluͤhzeit fruͤh anfahen/ Daß man im alter reiff/ zu Gott sich baß koͤn nahen/ Ja nichts verspatet sey/ frucht bringen wird man dann/ Das ist der groͤste nutz den der mensch haben kan. Der H. V. O. Der Waͤhrende. 115. Reiffe borstorffer am baum und hinterlegt. Biß zum newen. 1626. Das borstorff apffel obst das gantze jahr durch wehret/ Vnd wanns gehalten wol nicht leichtlich wird versehret/ Biß das new kommet ran/ der Waͤhrend ich drumb heiß/ Dann unterm waͤhr obst mir gegeben wird der preiß. Daß biß zum newen wir ausdawren nun und waͤhren/ Woll uns der liebe Gott sein guten Geist bescheren/ Daß wir vernewen uns/ so waͤhren immerdar/ Biß er uns zu sich nimpt nauff in der Engelschar. G. P. M. Der Runde. 116. Stabelerbsen. In Schotten. Man find in Schotten rund der Stabelerbsen sahmen/ In Schotten Rund ich mir drumb hab erlangt den Nahmen/ Weil andre schotten frucht in sich nicht seynd so rund/ Wie jedem haußwirth wird die wissenschafft seyn kund. Man soll so in der that seyn rund gleich wie im hertzen/ Dann wird man leichtlich nie bey jemand es verschertzen/ Ein rund auffrichtig hertz/ Gott auch sehr wol gefelt/ Das ist die rechte frucht die nuͤtzlich man vorstelt. P. G. V. E. H. Z. D. L. Der Annehmliche. 117. Jaßmini weiß. In Liebligkeit. Annehmlich riechen wol Jaßminen die weiß bluͤhen/ Vnd jhre liebligkeit was stinckt hinweg macht fliehen: Ich nenn Annehmlich mich/ und daß in liebligkeit/ Daß was unlieblich ist weg ferne sey und weit. Daß so annehmlich ist wird lieblich angenommen/ Es thut auch der geruch dem haupte wol bekommen/ Man ist annehmlich recht/ wann man was lieblichs hat/ Das bringt dann liebe frucht zum nutzen in der that. F iij Der 1626. C. V. B/ Der Milderende. 118. Lampertsche Haselnuͤsse. Den Husten. Den Husten mildern thun Lampertsche Haselnuͤsse/ Wann einem auff die brust gefallen seynd die fluͤsse/ Die man drumb doͤrren muß/ wann sie wol zeitig seyn/ Ich nahm auch Mildernd mir daher den Nahmen mein. Wann etwas ist zu schwer/ das soll gemildert werden/ Daß desto leichter man sein leben fuͤhr auff erden/ Es ist nicht ohne frucht ein mild und mildernd hertz/ Zu nutzen wendt es an was man wol redt im schertz. F. V. L. Der Leschende. 119. Waldmeister. Den Brand. Waldmeister spannen lang bluͤth und gut ist im Maͤyen/ Es leschet wolden brandt/ frisch fleisch drauff waͤchst von newen/ Der Leschend ich drumb wurd unbillich nicht genant/ Weil auch diß kraͤutleins krafft wol lescht den kalten brandt. Daß nun geleschet werd in uns was ist verderbet/ Wasch ab des lebens strohm/ was uns ist angeerbet/ Der Hellen brandt an uns wird haben keine macht/ Vnd auch des Himmels frucht mit nutz seyn ran gebracht. H. A. V. B. Der Troͤstende. 120. Augentrost. Die Augen. Das kraͤutlein Augentrost das troͤstet fein die augen/ Es gibt ein gut gesicht/ wann sie nicht wollen taugen/ Der Nahme Troͤstend mir drumb wol genommen ist/ Da man den Augentrost nicht gern im hause mißt. Wann das hertz ist getroͤst die augen es anzeigen/ Die seines gleichen auch mit liebe zu sich neigen/ Der rechte Troͤster doch ist Gottes guter Geist/ Die frucht der lieb’ er bringt wann er uns zu sich reift. Der O. G. V. E. H. Z. D. L. Der Braune. 121. Braunkohl. Zur Gesundheit. 1625. Der Braunkohl zum gemuͤß/ daß zur gesundheit nuͤtzet/ Vnd wider inre faͤul im leibe sich vorschuͤtzet/ Braun nach der farb ich heiß die an sich hat der kohl/ Vnd die gesunde krafft dadurch bezeichnet wol. Nun daß uns nicht zu fett der kohl im leben werde/ Last dencken uns auffs graß/ darunder liegt die erde/ Darzu dann wird der leib/ wann Gott der seelen rufft/ Die bringt im Himmel frucht/ und er ruht in der Grufft. A. H. V. E. Der Guͤnstige. 122. Gunster. Zur Leschung. Des rechten Gunsters bluͤht ein guten ruch thut geben/ Im leibe leschung bringt des dursts sawr eingegeben Gleich wie die Cappern frucht/ daher ich Huͤnstig heiß/ Zur leschung dem der ist von hitz inwendig heiß. Daß man recht guͤnstig sey was boͤß all aus zu leschen/ Im hause man verhuͤt das plaudern oder draͤschen/ Da ists ein schoͤne frucht/ wann man mit nutz ist eins/ Vnd uͤbels nimmer redt/ drin von eim andern keins. H. L. V. H. Der Bebende. 123. Ein Espen. In seinem Laub. Das Espenlaub am baum sich reget stets und bebet/ Also ein frischer Geist mit lust herummer schwebet/ Den Nahmen Bebend mir daher ich aus erlaß/ Damit auch bebend sich ein jeder in sich faß. Das laub am baume zeigt wie leicht es dran thut beben/ So unbestaͤndig ist der mensch in seinem leben/ Mit beben dient drumb Gott/ weil das laub an euch wehrt. So wird dann seine frucht in euch seyn unverfehrt. Der 1626. S. L. G. V. E. H. Z. D. L. Der Durchsuchende. 124. Die frucht anacardion oder Malakische hertz bonen. Hertz und gehirn. Dem hertzen aͤhnlich seynd recht die Malacksche bonen/ Zu gleich mit dem gehirn durchsuchend es belohnen: Durchsuchend diese stuͤck des leibes nenn ich mich/ Daß man mein eigenschafft moͤg kennen innerlich. Wann nun sein eigen hertz ein jeder erst durchsuchet/ Vnd dann seins gleichen sicht/ er dem gewiß nicht fluchet/ Sein sinn und sein gehirn dahin mit fleiß er wend/ Wie er mit nutzen bring die frucht zum guten end. J. C. V. B. Der Waͤrmende. 125. Baumwolle wie fle waͤchst. Mit bequemligkeit. Fein mit bequemligkeit baumwolle waͤrme bringet/ Vnd wann die in dem leib/ alsdann sie ferner dringet: Drumb Waͤrmend ich mich nenn/ und mit bequemligkeit/ Dem fewr und inrer hitz allein zum underscheid. Bequemlich ist die waͤrm die allgemach angehet/ Vnd die uns Gottes geift mit sanfftem wind zuwehet/ Wir wol gewaͤrmet seynd wann er recht blaͤset an/ Das fuͤnckelein in uns zu gehen seine bahn. H. J. V. Z. Der Erwartende. 126. Ein pflaumen zweiglein auff einem schlehendorn. Ein bessers. Ein pflaumen reißlein zart im schledorn frisch gestossen/ Verbessert dessen art/ draus wird gut obst genossen/ Vnd weil der schlehen stamm ein bessers/ pflaumen/ giebt/ Erwartend mir der Nahm ein bessers hoch geliebt/ Gott und dem nechsten dien/ und deines amptes warte/ Daß in dich mit gewinst/ die tugend sich einarte/ Wann du so Gott vertrawst/ er niemals dich verlest/ Mit nutzen auff jhn bawst/ und harrest auff das best. Der P. E. D. V. Der Lufftende. 127. Rettig. Im aufffteigen. 1626. Der Rettig lufftet wol wann er kompt ins auffsteigen/ Wie seine wirckung es im besten kan bezeugen/ Den Magen er aufflufft/ drumb Lufftend ich genant Wurd/ weil auffsteigend er/ ist jederman bekant. Nun daß gelufftet werd/ was recht in sich auffsteiget/ Da muß vom guten nicht seyn jemands abgeneiget/ Dann wann es anders wer erzeugt es schlechte frucht/ Die sonst nicht einsten wird bey dem gewaͤchs gesucht. R. D. V. Der Widerstehende. 128. Angelica. Der Seuche. Die groß’ Angelica sehr widersteht den seuchen/ Wer sie nur brauchen wil der find nicht jhres gleichen/ Der seuche Widerstehnd ich mich dahero nant/ Vnd thue dem boͤsen gern mit willen widerstandt. Der bleibt vor gifft gesund der diese wurtzel kawet/ Wer Gott stets bey sich hat/ demselben fuͤr nichts grawet/ Denn boͤsen widersteh/ die frommen nicht betruͤb/ Fruchthringend du so bist/ Gott und dem menschen lieb. J. A. W. Der Bessernde. 129. Petersilgen. Die Speise. Das Petersilgen kraut ist billich hoch zu preisen/ Wie seine wurtzel auch/ sie bessern recht die speisen/ Die speise Bessernd mich darumb ich nennen that/ Weil ander gut gewuͤrtz dadurch man helt zu rath. Wer nun mit raͤthligkeit sein sachen fleissig fuͤhret/ Bey dem verbesserung im hause wird gespuͤret/ Des armuths nicht vergiß/ und besser jhm die speiß/ Des wirstu haben lohn/ und in dem Himmel preiß. G Der 1626. L. V. D. Der Steurende. 130. Loͤffelkraut. Der Schwermuth. Das Loͤffelkraut ist gut der schwermuth vorzustewren/ Sein safft die miltz im leib erfrischt und thut ernewren/ Der Schwermuth Steurend mich darumb ich gerne nant/ Weil man mit diesem kraut dieselb offt abgewandt. Der schwermuth besser nicht je kan gestewret werden/ Als daß nach muͤgligkeit man sich verjung auff erden/ Was lustigs nehme vor/ das hertze nicht beschwer/ Mit steter uͤbersorg/ in der nichts fruchtet mehr. L. H. Der Zusam̃enziehende. 131. Saurach. Im Leibe. Saurach die beerlein roth sehr wol zusammen ziehen/ In leib genommen ein/ was sonst herumb moͤcht fliehen/ Zusammenziehend drumb den Nahmen nam ich an/ Daß was nicht ist bey ein zusammenziehe man. Weitleufftigkeit dient nicht/ man halte sich zusammen/ So wird man haben nutz und einen guten nahmen/ Drin steht des leibes staͤrck/ dann wann der ist zertheilt/ Bringt er frucht nimmer nicht/ ja wann man noch so eilt. O. H. V. K. Der Erweichende. 132. Zwirbelnuͤsse. Die Brust. Die Brust/ wie man wol weiß/ die zwirbelnuͤß erweichen/ Wann diese wirckung sie durch jhre krafft erreichen/ So haben der Natur sie die gebuͤhr gethan/ Bey diesem baum jetzund man mich auch kennen kan/ Dann jhm zu folgen nach ich der Erweichend heisse/ Versteh/ die brust/ wann ich von lastern mich abreisse/ Vnd zu der tugend eil/ dran hab all meine lust/ So thut erweichen sie/ zur ehre/ mir die brust. Der J. S. Der Vortreffliche. 133. Teuffels abbiß. Zu vielen kranckheiten. 1626. Des Teuffels abbiß kraut heilt allerley gebrechen/ Pest/ wuͤrme/ schwulst/ geschwaͤhr/ bauch fluͤsse/ blehen/ stechen/ Kurtz es vortrefflich schickt zu jeder kranckheit sich/ Zu viel kranckheiten drumb hat man Vortrefflich mich/ Im hauffen der da frucht stets bringen soll/ genennet/ Den meister allermeist/ man an dem wercke kennet. Zu viel kranckheiten mich vortrefflich mache der/ Der heist/ und ist zugleich des tods und lebens Herr. G. T. Der Dicke. 134. Ein starcker grosser Kuͤrbiß. Gibt guten schatten. Der dicke Kuͤrbiß pflegt zu geben guten schatten/ Man pflegt mit seinem safft den pferden auch zu rathen/ Daß sie die muͤcken nicht und fliegen plagen sehr/ Ein starcker Kuͤrbiß ist drumb meins Gemaͤhldes ehr. Man nent den Dicken mich/ der guten schatten giebet/ Zum schatten jeder eilt/ den hitz und brandt betruͤbet/ Nach gutem schatten ich zu nacht und auch zu tag/ Zu kuͤhlen drunter mich/ ein groß verlangen trag. H. V. Z. Der Vermischte. 135. Dreyfaltigkeitkraut. In dreyerley farben. In dreyen farben ich mich den Vermischten nenne/ Vnd keine nimmer nicht doch von der andern trenne. Die frucht so ich erwehlt heist der Dreyfaltigkeit Das kraut/ nun hoͤret an/ was man dadurch bedeut. Drey farben ist gewehnt die tugend meist zu fuͤhren In jhrem ehrenschildt/ in wapen und paniren/ Vermischt doch allzugleich/ Recht/ Weißheit/ Dapffermuth/ Dadurch erlanget man hienieden ehr und gut. G ij Der 1626. J. V. B. Der Geruͤhrte. 136. Das kraͤutlein ruͤhr mich nicht. Springt dahin. Das kraͤutlein Ruͤhr-mich nicht hat vor den andern allen/ In der Gesellschafft mir beliebet und gefallen/ Seinthalben man auch jetzt die ehre mir erweist/ Daß den Heruͤhrten man mich in der Rotte heist/ Mein wort laut/ Springt dahin: So bald man mich beruͤhret/ Wird stracks ein newe frewd in meinem thun gespuͤret/ Ich springe drauff dahin so hoch und weit ich kan/ Doch springe nimmer ich ab von der tugend bahn. 1627. H. C. S. Der Erweckende. 137. Borragen mit jhrer bluͤth. Frewden. Die blawe bluͤmelein Borragen frewd erwecken Den augen/ lassen auch nicht hirn und hertze stecken/ In schwerer trawrigkeit Erweckend ich daher Den Nahmen mir erwehlt/ daß man zur frewd/ und mehr Zur tugend munter sey/ dem hertzen lust einschencke/ Vnd sich mit guͤtigkeit zum guten stetig lencke/ So wird die frewdigkeit erweckt und frucht gebracht/ Die billich jederman zu suchen hat in acht. G H. V. E. Der Vbertreffende. 138. Der wuͤrtznaͤglein baum. Im starcken geruch. Von weitem im geruch Wuͤrtznaͤglein uͤbertreffen/ Daß/ so man wuͤrtze heist/ mit jhrer krafft auch treffen Zugleich hirn/ naaß und hertz: drumb Vbertreffend mich Nant die fruchtbringe schaar: man soll versehen sich Mit eim geruch/ so starck/ nichts von sich kommen lasse/ Das ungeschmackt und boͤß/ den stanck der laster hasse/ Dann uͤbertreffend den in tugend man nur acht/ Der stets sein gut geruͤcht zu staͤrcken ist bedacht. Der J. V. M. Der Artzeneyende. 139. Das kraut Post. Im Bier. 1627. Im biere Post das kraut genuͤglich artzeneyet/ Vnd wanns recht ausgekocht/ im magen wol gedeyet/ Drumb Artzeneyend ich im biere bin genant/ Dann wann man Gruͤssingk macht in meinem vaterland Thut man diß kraut hinzu/ drob der leib nutz einnimmet/ Ob mancher der jhn trinckt/ das maul schon druͤber kruͤmmet/ So ist er doch ein safft der manchem baß bekoͤmpt/ Als wann er einen tranck vom Apotecker nimpt. H. E. V. F. Der Ausfuͤhrende. 140. Engelsuͤß. Schwer gebluͤth. Die wurtzel Engelsuͤß/ das schwere blut ausfuͤhret/ Die lieb in einigkeit/ auch Engelsuͤß/ man spuͤret: Ausfuͤhrend mir darumb den Nahmen fugt das gluͤck/ Daß nach der schwermuth ich mit suͤssem mich erqutck. Was die verursacht nun soll embsig man weg reumen/ Vnd zu der tugend weg sich ja nicht lange seumen/ Wann das gemuͤth vereint/ viel frucht die liebe bringt/ Vnd nach dem so mit nutzt/ aus allen kraͤfften ringt. W. R. Der Abkratzende. 141. Karten distel. Das Rauhe. Das rauhe von dem tuch ab/ karten distel/ kratzen/ Ein jeder huͤte sich zu reden lose fratzen/ Abkratzend hat man mich das rauhe nun genent/ Dann meine wirckung so gar balde wird erkent. Man soll was widrig ist der ehr’/ und rauh/ abbringen/ Vnd zu ergrunden die/ sich in die hoͤhe schwingen/ Da keine hinderung/ und da man kriegt zu lohn/ Nach dieser rauhen welt/ der tugend schoͤne Cron. G iij Der 1627. N. T. Der Widerstrebende. 142. Entzian. Dem Gifftigen. Die wurtzel Entzian dem Giffte widerstrebet/ Gesund den menschen helt/ daß ohne sucht er lebet: Drumb Widerstrebend mir der Nahme wurd erdacht/ Weil diese wurtzel hat in sich so grosse macht. Der starcken seelen gifft soll man stets widerstreben/ In seinem wandel rein mit gottesfurcht recht leben/ Die frucht muß kommen drauff/ die Christen wol ansteht/ Dem der es so anstelt es nimmer uͤbel geht. H. G. H. V. W. Der Fortjagende. 143. Rittersporn. Das Widrige. Der Rittersporen krafft die fluͤsse wol fortjaget/ Das ist ein widrig ding so manchen hefftig plaget: Fortjagend nun daher das widrig ich mich heiß/ Daß in dem ungluͤck auch man sich bezeige weiß. Gedultig ohne zorn/ was widrig ist außjage/ Vnd in seim uͤbelstandt an Gott gantz nicht verzage/ Die frucht es bringen muß/ daß mitten in dem leidt/ Auch ruhig man wird seyn/ und warten beßrer zeit. P. M. G. Z. H. M. Der Faselnde. 144. Rapuntzeln. Am berge. Rapuntzeln an dem berg im feuchten lande faseln/ Alldar gerathen wol und seynd gantz voller zaseln/ Drumb ich mich Faselnd hieß von dieser undern krafft/ Da diß gewaͤchs so wil am berg han seinen safft. Die arbeit ist der berg dran faselt leicht die kugend/ Wann sich ein frey gemuͤth darzu gewehnt von jugend/ Es bringt mit nutzen frucht/ und wird sehr hoch geacht/ Wann es an diesem berg arbeitet tag und nacht. Der C. M. Z. B. Der Vollbluͤende. 145. Volle rothe Peonien. Vortrefflicher wirckung. 1627. Peonien rosen voll in hoher roͤthe bluͤhen/ Vnd jhre wirckung groß vortrefflich nach sich ziehen/ Vollbluͤend heiß ich drumb des wirckung kraͤfftig ist/ Vnd sich vortrefflich zeigt zur kranckheit jeder frist. Es kan ja nimmermehr zu voll die tugend bluͤhen/ Als auch ein tapffer hertz zu viel sich drin bemuͤhen/ Vortrefflich ist die frucht die bluͤhend man anfeht/ Vnd wann das alter kompt/ mit ehren drin besteht. F. G. Z. S. L. Der Werthgeachte. 146. Suͤßholtz. Den innerlichen gliedern. Hochwerth erachtet man/ den innerlichen gliedern/ Das Suͤßholtz wann mans thut in seinem brauch erwidern/ Mein Nahme Werthgeacht genommen ist daher/ Gleich dem der jederman/ von hertzen dienet sehr. Es mag nicht anders seyn/ man muß jhn stets werth achten/ Wann seine guͤtigkeit man gleichdurch wil betrachten/ Der nutzen und die frucht/ nie nicht ausbleiben kan/ Die frewdig bey sich hat ein werth geachter mann. E. H. Z. R. Der Schaͤrffende. 147. Der deutsche Ingber. Den Magen. Der deutsche Ingber schaͤrfft gestossen klein den Magen/ Zertreibt den zaͤhen schleim/ und reinigt so den kragen/ Drumb Schaͤrffend man mich nent den Magen recht und wol/ Dann wann der ist geschaͤrfft kan nicht das hirn seyn voll. Wer von verstandt ist scharff/ leicht alle ding bedencket/ Vnd seinen muntern geist zum guten gerne lencket/ Diß mich verursacht auch/ daß ich frucht bringe viel/ Vnd nuͤtzlich trachte nur nach deutscher tugend ziel. Der 1628. E. H. Z. L. E. Der Verwelckte. 148. Welcke Ruͤben. Zum auswerffen. Die welcke Ruͤben gelb die dienen zum auswerffen/ Wofern ein rawer fluß die brust hat wollen schaͤrffen/ Nach diesen Ruͤblein nun Verwelckt werd ich genant/ Vnd ist doch mein gemuͤth von langem her bekant/ Man bilde sich nicht ein/ als wann ich jetzt verwelcke/ Dann unter alten offt findt man die beste schaͤlcke/ Die werffe man nicht weg/ und hebe sie wol auff/ Daß sie frucht bringen auch/ mit nutz in jhrem lauff. C. S. V. M. Der Verhindernde. 149. Der Morellenbaum. Hitzige daͤmpffe. Marillen obst ist gut die daͤmpffe zu verhindern/ Voraus wann hitzig sie/ bey alten und bey kindern/ Verhindernd mir der Nahm erhitzte daͤmpffe fiel/ Denn man nicht lassen soll anffsteigen deren viel. Diß obst man zum beschluß nach andern speisen esse/ Ein jederman sein thun in seim beruff abmesse/ Das boͤß er hindern wird frucht bringen offt und gut/ Vnd nutzen schaffen dem der keinem leid nicht thut. F. W. K. Der Genißliche. 150. Sperberbaum oder Elsbeer. In seiner weicht. Elsbeeren wann sie teig/ seynd sie erst zu geniessen/ Wer sie hart essen wil dem moͤcht es leicht verdriessen/ In seiner weiche nun man mich Genießlich nent/ Dann wann sie allzu hart/ das maul man drob zerflent. Daß man werd aber recht von jederman genossen/ Muß man leutselig seyn/ gutthaͤtig/ unverdrossen/ So kompt man zu der Frucht die jeder bringen soll/ Vnd zu dem nutzen auch drin man bestehet wol.