Die Geharnschte Venus oder Liebes-Lieder im Kriege gedich- tet mit neuen Gefang-Weisen zu singen und zu spielen gesezzet nebenst ettlichen Sinnreden der Liebe Verfertiget und Lustigen Gemuͤhtern zu Gefallen heraus gegeben von Filidor dem Dorfferer. HAMBURG/ Gedrukkt bey Michael Pfeiffern. Jn Verlegung Christian Guht / Buchhaͤn- lers im Tuhm/ Jm Jahr 1660 . Wer Ernst und Eyffer liebt und nie bei Lust gewesen: hat meine Venus noch zu singen/ noch zu lesen. Vorrede. J CH weiß es wol/ daß es dieser mei- ner geharnschten Venus anders nicht/ als jener bey dem Vir- gil/ die sich unter dem Tro- janischem Kriege der Pal- las zu Trozze in Waffen fin- den liesse/ ergehen wird. Ohne Streiche und Wun- den wird sie schwerlich von dannen kommen. Du aber/ der du sie zuverlezzen geden- ckest/ sieh wol zu/ daß du A iij ein Vorrede. ein Diomedes/ das ist: daß du auß Goͤttlichem Blute entsprungen/ Goͤttliches Geistes und tapffern Feu- ers seyest: anders werden sie deine bleyerne Pfeile we- nig beschaͤdigen koͤnnen/ und soltu erfahren/ daß/ ob ich gleich mit dem Vulkan in meinen Versen etwas daher hinke: ich doch solche Waf- fen zu schmieden gelernet/ die deine Arglistigkeit/ wie hart sie ist/ durchbohren koͤnnen. Jch heisse sie dar- umb die Geharnschte Ve- nus/ weil ich mitten unter denen Ruͤstungen im offe- nen Vorrede. nen Feld-Laͤger/ so wol mei- ne/ als anderer guter Freun- de/ verliebte Gedanken/ kurz- weilige Begebnuͤsse/ und Erfindungen darinnen er- zehle nicht etwan ein Lob darmit zu erjaven/ (sinte- mahl/ alles/ was du siehest/ gleichsahm auff der Flucht gemacht worden/ und daher seine Entschuͤldigung auch bey den Scharffsinnigsten verdienet) sondern dir zube- weisen/ wie die Heer-Trom- pete nicht so gar alle Musen verjagen koͤnne. Die Melo- deyen betreffend/ sind deren wenige entlehnet/ etliche von A iiij ei- Vorrede. einem der beruͤhmtesten Meister/ auff dessen hoͤchst- ruhm-wuͤrdigen Sazz we- der der Neid noch einziger Tadler das geringste Wort zusprechen mir uͤberschikket: Aber mahls finden sich an- dere/ die zwar in der Eil/ a- ber dermassen gesezzet/ daß sie deiner Lust/ wofern du nicht selbst ein Lust Feind bist/ sattsame Genuͤge tuhn werden: Die uͤbrigen uͤbel- klingenden schreibe ich mir zu/ als die ich nach meiner Einfalt gedichtet/ nur vor mich und wehm sie gefallen. Mißfallen sie dir; so laß sie lie- Vorrede. liegen. Jch wil doch wol zu hoͤren finden. Willstu sie a- ber verdammen/ so bin ich der erste/ der sich wieder die- selbige zu zeugen/ erbeut. Sagstu dann/ ich sey in etli- chen Gedichten ein wenig zu natuͤrlich gangen: so gebe ich zur Antwort/ daß ich sel- bige denen Katonischen Ge- muͤhtern außdruͤklich zu lesen verbiete/ auch nur zu der Zeit/ wenn die Flori- schen Feste angestellet wer- den/ gesungen haben wil. Das eine wird dir fuͤr andern mißfallen/ daß ich allzuweitleufftig zuweilen A v ge- Vorrede. geschrieben/ da doch die Lie- der mit wenigen Saͤzzen annehmlicher zu seyn schei- nen: Darauff antworte ich: daß deren viel Historisch/ und ich der Sachen umb- staͤnde/ welche in eine so kur- ze Enge nicht wol zubringen weren gewesen/ gerne ohne Mangel einfuͤhren wollen. Uber diß/ wird sich mancher ob der Art etlicher Reime/ derer Exempel in Prosodi- en nicht findlich verwun- dern: Er wisse aber daß ich offt der Melodey zu gefallen etwas zwingen muͤssen/ wiewol es mir mehr freyer zu Vorrede. zu tuhn/ als einem andern zu tadeln stehet. Die Schreiberey allen Leuten recht zu machen/ ist den Ge- lehrtesten bißher unmuͤg- lich gewesen. Jch getroͤste mich/ daß/ wo ich daruͤber getadelt werde/ ich meines Ungluͤkkes Gesellen antreffe. Zulezt wil ich dir/ der du mich zulesen wuͤꝛdigest noch eins vertrauen: Merke ich/ daß meine Venus dir be- lieblich seyn wird/ so sezze ich dir zu gefallen meine Fede r noch wol weiter an/ w o nicht: kan ichs auch wo l bleiben lassen. Welches ic h A vj dir Vorrede. dir auff gut Deutsch hier- mit zu verstehen geben wol- len. Lebe wol! und habe/ was du mir goͤnnest. Jch verbleibe Hamburg den 20ten Wein- monats 1657. Dein Filidor der Dorfferer. Guter Guter und lieber Freunde Zuschreiben uͤber Diese Venus. An seinen vertrauten Freund den Dorfferischen Filidor Als er seine Geharnschte Venus herauß gabe auß Koͤnigsb. uͤberschikket. V Jer Jahre brauchten wir fast einen Tisch und Stube: mir ist noch nie bewust/ daß du ein Lied er dacht von dehm/ was Zyprie vor fremde Rei- zung macht/ nun iezo sport dich an der kleine Liebes Bu- be. Bald klagst/ bald dreuestu/ bald weistu dich zu laben/ bald raͤhtstu andern ab/ daß sie das suͤsse Gifft/ die Liebe/ sollen fliehn/ die dich wol selber trifft. Du Guter Freunde. Du scherzest mit der Faust/ und prangest mit den Gaben so dir Apollo schenkt. Jst so ein lindes Schreiben im Sturm auch ie erhoͤrt? da Schwerdt und Pulver knallt und der verwundten Lerm in Felsen wie- derschallt/ kanstu der Liebe Spiel in sanfften Reimen treiben. Die Liebe hat offt Streit und Blut und Tod gebohren hie wird im Streit’ und Blut und Tode Venus wach/ (nach ich denke deinem Geist’ offt bey mir selber und merke/ daß sich dir der Himmel hat ver- schwooren. Da du in Staͤten lebtst/ da schriebestu von Feldern/ (liebt/ nu du im Felde wachst/ stellstu dich wie ver- ich weiß nicht was dein Kiel nicht alles von sich gibt. Brich ab/ es ist verdient der Zweig auß Foͤbus Waͤldern. Nim̃ so vorlieb Mit Meiner Person. Zuschreiben. D Je Venus steht geruͤst weil sie beym Mavors lieber ist als bey dem hinkendem Vulkan der kaum das Feur hat außgetahn so faͤngt er an zu schnarchen des Morgens steht er auff zu fruͤh mit den Ziklopen ie und ie und schmiedet Waffen. Was hat denn Amor hie zuschaffen? Er spricht den Filidor an umb ein Werbe-Geld und zieht auch mit zu Feld. Ei lieber! weistu wol wor zu? meinstu er wolle lernen fechten? Ja! er ist einer von den rechten. Er laͤst dem Filidor nicht Ruh’ er muß auff Liebes-sachen ihm Verse machen. Sich/ Filidor/ dich vor/ daß du nicht wirst beruͤkket. Der Schalk hat loß gedruͤkket der Guter Freunde der Pfeil geht dir ins Hertz hinein. Doch laß es sein: Nu er dich hat getroffen; steht dir der Weg zum Musen offen. Also scherzte in Hamb. dein getreuer Zahrt-Laͤnder. 1. D Je goͤldne Nacht-Laterne mit ihrem Sternen-Chorꝛ erstarret und hoͤret gerne/ wie suͤß der Filidor auff seiner Floͤten spielet/ auch so/ daß alle Welt die suͤsse Flamme fuͤhlet so Filidor vermeldt. 2. Das Lieben ist ein Kriegen und zwar ein suͤsser Streit. Wer nicht wil unten liegen/ der muß in Freundligkeit tag- Zuschreiben. tag-taͤglich nur verschiessen vor Pulver/ Lipppen-safft. Mit lautern kurzen Spiessen wird hier der Sieg geschafft. 3. Mein Filidor/ dein Singen gefiel dem Mavors wohl/ der Pindus must’ erklingen/ auch so/ daß selbst der Pohl/ sich wandte von den Sebeln: du nahmst den Feder-kiel und schriebst von suͤssen schnaͤbeln und von dem Venus-Spiel’. 4. Ei! laß dich weiter hoͤren/ mein suͤsser Filidor/ du kanst den Krieg verstoͤren. Mars haͤlt die Faust empor/ und wil der Venus schenken die Blut bespruͤtzte Fahn’/ er wil nicht mehr gedencken an Schwerdt und Pusikan. 5. Drum Guter Freunde 5. Drum schreib doch nur was kekker/ Mein Edler Filidor/ dir spricht der kleine Lekker was heimlich in das Ohr. Du must ja nichts verschweigen so dir wird kund gemacht/ Man nimt dich an zum Zeugen von solcher suͤssen Schlacht! Hamb. den 12. Aug. 1658. Dem suͤß-spielendem Filidor schrieb solches eilig Nephelidor. Des loͤblichen Elbischen Schwanen- Ordens ein Mitschaͤfer. D Je Liebe schleifft der Dichter Sinn und nimt die dunkeln Schlakkẽ hin kaum hat ein Dichter wol geschrieben uͤbt’ er sich erst nicht durch das Lieben. Verlache/ Filidor/ den Neid dich schuͤzzet die gelehrte Zeit der alten Liebenden Poeten die keine Zeit noch Neid wird toͤdten. Ka- Zuschreiben. Katull/ Tibull und dem Properz sind durch der Liebe weisen Scherz in Foͤbus Tempel eingezogen und uͤber das Gestirn geflogen. Virgil/ Horaz und den das Land der Geten endlich hat verbrandt sind mit viel tausend durch den Orden der Lieb’ anerst beruͤhmet worden. Seht unsre Deutsche Lichter an/ ob es die Liebe nicht getahn Daß unsre Sprache reine stehet und andern zu der Rechten gehet. Die Lieb’ erhebet unsern Geist daß er sich auß dem Staube reist und lernet hohe Sachen schreiben die ein nicht-froh muß lassen bleiben. Wer aber nu sich bildet ein du muͤstest in der Taht so sein wie du dich hier hast außgegeben: der kennet dich nicht/ noch dein Leben Laß Guter Freunde Laß richten/ wer da richten wil/ halt du drum nicht die Feder still: ich weiß du hast schon abgefasset darob der blasse Neid erblasset. Diß schikket dir auß den Lager in Podlaschen dein unverenderlicher Chirander. J N dehm der Mars die Paukken schlaͤget und die Kartaune toͤhnt den groben Lei- chenklang wirstu mit Liebes-Gluht beweget und spielest froͤlich her den schmeichelnden Gesang den die Liebinne singet wenn sie dem Adon ein Staͤndchen bringet. Wenn die Gequetschten sterben kla- gen so legestu es auff die Liebes-seuffzer auß sichstu Zuschreiben. sichstu ein Werk zusammen tragen so meinestu es sey Rosillen Herzen- Hauß das du durch Sturm und Siegen offt mit Tapferkeit hast uͤberstiegen. Der kleine Schuͤzz hat dich besessen er macht dich taub und blind im mitten der Gefahr wie koͤntstu sonst so sein vermessen zu schreiben von der Lieb’ in der verdoll- ten ’Schaar wo Barbarey und Schrekken und der nahe Tod lebt aller Ekken. Es ist die freche Lieb’ alleine die Blizz und Pulver trozzt und auf die Kugeln lacht sie spottet grober Moͤrser-steine und huͤtet frisch des Tohrs/ wenn die Pe- tarde kracht/ sie kan mit Freuden singen wenn Schekkan und Sebel moͤrdlich klingen. Der Guter Freunde Der Amor schenkt nu nicht mehr Myrten diß ist ein schlechtes Tuhn um so viel Kunst und Fleiß mit Lorbeer wil er den umguͤrten der seines Nahmens Ruhm der Welt zu melden weiß den hastu laͤngst verdienet/ auch/ eh dir Rosille war versuͤhnet. Dieses vielleicht nicht nedte schriebe ei- ligst dir und deine Venus zu Ehren der Nedte. E S lieben die Kazzen/ die Razzen/ die Raben. Warum nicht auch die jungen Kna- ben? Wie solte gehoͤnet denn Filidor sein/ daß er von Lieben was bringt ein? Die Zuschreiben. Die Wuͤrme so kriechen/ die Baͤume/ so wachsen die fuͤhlen Venus Schwanen-ach- sen. Wie kommt es denn/ Leute/ daß ihr euch so stellt daß euch das Lieben nicht gefaͤllt. Wie? wollt ihr dem Filidor etwas ver- weisen dadurch sich manche Buͤcher preisen/ mit Sonne/ mit Wonne/ mit Zier/ Lam̃ erfuͤllt mit Taͤubelein/ mit Liebstes Bild? Mein! lasset doch/ Leute/ den Filidor gehen er weiß in andern zubestehen. wird Foͤbus ihm geben den taumel-trunk ein: so folgt ein ander Liedelein. Aus Elbingen uͤbersendet von dem sehnenden Sylvius. Jn versuͤßter Liebes-Pein Muß es hier gefochten seyn! Filidors Filidors Geharnschter Venus Erstes Zehen. B Dehm Deß ersten Zehens. Dehm Vortrefflichem Hirten Strefon/ Wie auch Dem unvergleichlichem Pranserminto uͤbergiebet Seiner geharnschten Venus Erstes Zehen absonderlich Filidor der Dorfferer/ in folgendem. S Trefon/ Muster deutscher Gunst/ Bild der alten Redlichkeiten/ meine ꝛ Jugend Tugend model/ dehm ich mich alsbald vertraut/ als der Musen gruͤner Gipfel erstens ward von mir geschaut. Ob ich deinen Freuden-stand iezt gleich sehen muß von weiten: Sollte drum die Ferne mir rauben meiner Pflichte Schulden? Nein. Zuschrifft. Nein. Kein Ort in Suͤd und Westen/ Ost noch der bestuͤrmte Nord treibet meine Dienst-gedanken durch die Fluht der Leten fort. Ewig bleib ich dir verknuͤpft. Weil mich die Gestirne dulden in der schwachen Unter-welt: will ich die ver- gunnten Blikke der Gelegenheit ergreiffen/ daß ein ieder- man erfahr’/ herzer Strefon/ daß du mit mir/ ich mit dir verbunden war/ daß wir offtermals geteilt Unfall/ Wolstand/ Leid und Gluͤkke. Laß den heilsamen Galen/ den Hippokrates iezt liegen/ tuh den ewigen Sennerten und den Zelsus aus der Hand! Venus/ die vor wenig Monden dich so laͤngst-gewuͤntschet band Venus/ die auch nakt und bloß weiß zu strei- ten/ krieg- und siegen/ pricht dir iezt gewapnet zu aus dem unge- heuren Norden/ sie bedekket Schild und Degen. Doch/ mein Damon/ fuͤrcht dich nicht/ sie beweiset/ wie zuvoren/ ein verliebtes An- gesicht’ Deß ersten Zehens und ist in der Musen Zelt fast der Pallas aͤhn- lich worden. Sihstu/ wie sie dir sich neigt/ wie sie dich ge- horsam kuͤsset/ wie sie dir den Lorber reichet. Nim es an das erste Zehn/ als der erste von den Freunden/ nim es an/ und laß dir dehn der sie so hat außgeruͤst/ und durch Sie dich freundlich gruͤsset/ auff das nen’ empfohlen sein. Freundschaft/ die auf Zedern gruͤnden des Bestandes ist bepfaͤlet/ weiß ich/ nim- met auch fuͤr gut was ein treues Freund-gemuͤhte mit Pa- pier-geschenken tuht. Nu! ich hab’ es schon erlangt. Jezt komm’ ich auff Pranserm in ten. Wo ich/ Pranserminto/ dir einigs Zeichen meiner Treue nicht einmal auch spuͤren ließe: fuͤhlt’ ich bil- lich jenen Brand/ der den aus der See halb-iodten aller Welt gemacht bekant. Dreymal bracht Apollens Stern seine Rei- se zu der Neige/ dreymal spannt’ er wieder an. So viel Jahre sind ver fl ossen Zuschrifft. daß du stets uͤm mich gewesen: Eine Stube nahm uns ein/ eine Tafelreicht’ uns Speise/ Kreuz und Gluͤkk war uns gemein. Was fuͤr lehr-bereichte Lust hab’ ich dar bey dir genossen! Mein Apollo trug sich hoch; merket’ er von dir sich preisen: Meinen armen Hirten-Musen ward der Lorber fast zu schlecht/ wenn sie deinen Beyfall hoͤrten: Selbst ich ringer Schaͤfer Knecht bildte mir den Adel ein/ lobstu meiner Floͤte Weisen. Als ich nu n de n lezten Griff fast auf Rohr u nd Pfeiffe taͤhte; wie hastu dich dar betruͤbt! dein Gemuͤht und Freundes-Sinn gieng auff das erhaltne Leben deines Fili- dors nur hin. Von der Sonnen fruͤhen Tritt biß zur andern Abend-roͤhte hieltstu wachend bey mir aus. Keine Wur- zel war so ferne/ kein beruͤhmtes Kraut so selzam/ daß auch mitten in der Nacht wenn die Wolken-bruͤche rissen/ und der Luft Geschuͤzz’ erkracht’ Geharnschter Venus Zuschrifft. einig nur zu meinem Heil du nicht williglichst und gerne (ter Wille haͤttest mir herzugebracht. Da mich nu der Goͤt- meinem Leben wiederschenkte/ nacher Macht vor Recht ergieng/ und/ als wie an einem Faden/ meines Rah- mens Ehre hieng: Was erwiesestu mir nicht! deiner treuen Schreiben Fuͤlle/ dienet mir an Zeugniß statt/ daß kein staͤrker Band gewesen/ Als/ das/ Freund/ du hast geknuͤpfet. Bildt euch nichts von Damon ein/ Griechen/ laßt das Gunst- empel Pylades verschwiegen sein/ nuͤ Keiner Treue hoͤher Preiß wird in eurer Schrifft gelesen. Nun! Jhr Seulen dieses Buchs/ laßt Euch meine Gunst gefallen bauet/ pfleget/ stuͤzzt und schuͤzzet/ (wie Jhr auch gethan zuvor/) Liebt/ singt/ ehret diese Venus! denn wird Euer Filidor Trozz dem Lobes-druͤkker Neid! uͤber dem Ge- stirne wallen. H amb. den 20. Wein- mon 1657. Eur unverfaͤlschten Tugend und Treuebestaͤndigeꝛ Anbeteꝛ Filidor. I. Ein jeder/ was ihm gefaͤllet. Ober-stimme C. S. Grund-stimme. B 4 Wer Geharnschter Venus 1. W Er will/ kan ein gekroͤntes Buch von schwarzen Krieges-zeilen schrei- ben: Jch will auff Venus Angesuch ihr suͤsses Liebes-handwerk treiben: Jch brenne. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 2. Jch sehe vor mir Blut und Staub/ und tausent Mann gewaffnet liegen/ ich sehe/ wie auff Sieg und Raub so viel vergoͤldte Fahnen fliegen : doch brenn’ ich. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 3. Jch Erstes Zehen. 3. Jch hoͤre der Trom̃peten Schall/ der Paukken Lerm/ den klang der Waffen/ der schrekkenden Kartaunen knall/ der Buͤchsen und Musketen paffen und brenne. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 4. Jch haͤtte die Gelegenheit ein neues Jlium zumelden: Es gibt mir Anlaß mancher Streit so vieler ritterlichen Helden: Doch brenn’ ich. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 5. Jch spuͤr’ auch hier Ulyssens Wizz/ mich reizen Hektors tapfre Tahten: Was hilffts? mich laͤst die Liebes-hizz’ anff andre Kuͤnste nicht gerahten. Jch brenne. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 6. Was mein beflammtes Herze hegt/ zieht meinen Geist von seiner Erden: haͤtt’ Amors Gluht mich nicht geregt/ wie wuͤrd’ ich je beschrieen werden? B v Nun Gehaͤrnschter Venus Nun brenn’ ich. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 7. Was mir die Venus predigt ein samt ihrem lieblichem Empusen/ mag meines Nahmens Lorber sein : Sonst brauch’ ich keiner andern Musen. Jch brenne. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 8. Was frag’ ich nach der Alten Neid/ was nach dem stumpfen Tadler-besen! Es ist genug/ wenn nach der Zeit mich liebe Jungfern werden lesen. Jch brenne. Wer nicht brennen kan/ fang’ ein beruͤhmter Wesen an. 9. Jch weiß/ wenn ich verweset bin/ wird mich das junge Volk betrauren/ und sagen: Ach/ daß der ist hin den Venus ewig hiesse dauren! Wer aber nimmer brennen kan/ wird keine Venus fangen an. Liebe Erstes Zehen. II. Liebe/ der Poeten Wezz-stein. Ober-stimme. C. S. Grund Geharnschter Venus Grund-stimme. 1. W Arum ich nur von Lieben die Blaͤtter voll geschrieben/ warum mein Buch verzaͤrtlet lacht : moͤcht’ einer wundernd fragen. Druͤm wil ich selber sagen was mich darzu hat angebracht: 2. Der Erstes Zehen. 2. Der Feuer-hauch der Musen hat meinen engen Busen mit solchen Flammen nicht geruͤhrt. Apoll ist hier nicht Meifter/ nicht Pallas/ so die Geister auff Helikons Gebuͤsche fuͤhrt. 3. Die Lust/ die Red’ und Bltkke/ der Glieder ihr Geschikke/ und was Rosillen mehr beschoͤnt: Jhr Wesen/ Kleidung/ Lachen Betruͤbniß/ Schlaf und Wachen hat mich mit Efeu umgekroͤnt. 4. Straks bin ich ein Poete/ wenn ihre Wangen-roͤhte im weissem Alabaster blikkt. Wenn in die goͤldne Seiten wil ihre Kehle streiten/ so werd’ ich auß mir selbst entzuͤkkt. 5. Jst wo ihr Leib entbloͤsset: so bin ich schon befloͤsset m it Geharnschter Venus mit Wasser auß dem Pferde-Guß. Auff ihr Bewegen/ regen/ waͤchst mir geschwind entgegen ein Buch/ das Troja trozzen muß. 6. Der mag die Tugend melden und der die alten Helden auß Teutschland tragen zu Papier/ der hohe Sachen schreiben: Jch wil die Liebe treiben und wie Rosille mir komt fuͤr. 7. Der Schiffer schwazzt von Stuͤrmen/ Der Krieger praalt von Tuͤrmen die er so oft erstiegen hat/ der Bauer lobt die Felder/ der Jaͤger Wild und Waͤlder/ der Reisender so manche Stat: 8. Jch bin ein Jungfer-lieber/ die Zunge geht mir uͤber von dehm/ was auß dem Hertzen quillt. Wer mich hierum wil schelten/ der fluche den Gewaͤlten/ die ob uns hat ein Weibes-Bild. Jst Erstes Zehen. III. Jst es kein Lorber-so sey es ein Myrten-Krantz. Oberstimme. C. S. Grund-stimme. D er Geharnschter Venus 1. D Er du mich uͤm mein Lieben schiltst und meinen Vers nicht achten wiltst/ weil ich ihn habe weich geschrieben: Hoͤr an/ was mich darzu getrieben. 2. Jch bildte mir auch erstlich ein/ ich wolt’ als du tuhst/ ernstlich sein: ich hatte mich der Lieb’ entzogen/ indehm hat Amor mich betrogen. 3. Er stellte mir die Goͤtter-Zier der himmlischen Dorinden fuͤr: Das Milch-blat der Zinnober-Wangen hat meinen wilden Geist gefangen. 4. Jch glaube nicht/ daß Jupiter noch iezund in dem Himmel wer’ im fall’ er ihrer Gaben Wesen aus meinem Herzen koͤnnte lesen. 5. Sollt’ iezt ein goͤldner Apfel sein/ s o muͤste Venus buͤssen ein. Du/ Troja/ haͤttest nicht zuklagen/ werstu um dieses Bild zerschlagen. Jch Erstes Zehen. 6. Jch weiß es/ Leipzig/ was du bist/ daß in dir manche Goͤttin ist: Noch keine kan Dorinden gleichen/ noch keiner darf Dorinde weichen. 7. Willtu ein Meister stuͤkkchen tuhn/ komm her/ Apelles/ mahle nun/ du darffst dem Graͤzien nicht trauen. Hier kanstu Venus gleichen schauen. 8. Doch was? dein Pinsel ist zu schlecht/ gib dich nur an fuͤrmeinen Knecht/ wo man dir soll dein kuͤnstlich mahlen so/ wie es wuͤrdig ist/ bezahlen. 9. Die Tugend/ den beqveemen Geist/ den sie in ihrem Wesen weist/ kan keine Mahlerey nicht treiben: Deß Geistes Kiel muß sie beschreiben. 10. Diß ist mir so ins Herz gelegt/ diß ist mir so ins Herz gepregt/ daß ich viel lieber wolt’ erblassen/ als ab-von ihrem Ruhme-lassen. Jch Geharnschter Venus 11. Jch achte keiner Lorber-Kron’ im fall ich nicht der Myrten Lohn (darauf ich warte mit Verlangen) aus Jhren Haͤnden solt’ empfangen. 12. Nu bin ich/ Foͤbus/ wieder dich. Kupido/ du sollst kroͤnen mich: Jch weiß es wird mich um Pyrenen so bald dann keine Muse hoͤnen. IV. Seiner Liebe Anfang. Oberstimme. C. B. ihren Erstes Zehen. Grund-stimme. 1. A Ls ich auf meiner Liebsten Mund (a ch sanfte Ruhstat!) bruͤnstig lage un d meiner Schmerzen herbe Plage ih r taͤht’ auß ganzem Herzen kund/ wie Geharnschter Venus wie ich so oft um ihrentwegen Ruh-trost-und Sinnen-ohn gelegen. 2. Mein (sprach sie) Herzgen/ sage doch: zu welcher Zeit du bist entbronnen/ und wodurch du mich lieb gewonnen: Wo ich mich recht entsinne noch/ hastu/ auch gar fuͤr wenig Wochen/ kalt - sinnig dich mit mir besprochen: 3. Da ich doch/ als zum ersten mahl ich dich nur obenhin erblikket/ durch deine Freyheit blieb bestrikket. diß war nur meine groͤste Qvaal/ die auch die Goͤtter kan betruͤben/ dich sonder Gegen-Liebe lieben. 4. Gott weiß/ wie mir zu muhte war auf die so unverhoffte Frage/ vermischt von Zorn/ Verweiß und Klage die meinen Undank machten klar! Die Schaam/ so ich daher empfunde/ nahm Red’ und Antwort meinem Munde. Jch Erstes Zehen. 5. Jch ward verstarret/ kalt/ erblaßt/ wie/ dem die Seele kaum sich reget: biß/ auß Erbarmnuͤß sie beweget mich in die schlanken Arme fasst’/ Ach! da ward mir gemach das Leben/ Krast/ Geist und Waͤrme wieder geben. 6. Jm kuͤssen fing sie an-noch mehr mich bey der Fakkel-zubeschweeren die unser’ Herzen kan versehren: Sag an (bistu mir gut) wann ehr du angefangen mich zu lieben/ und waß darzu dich erst getrieben. 7. Ach ! frage nicht nach meiner Gluht/ (sprach ich/ was frischer) Eyß und Winde sind meiner Flammen Angezuͤnde. Du weist es wie auf jener Fluht/ von kalter Norden luft gestanden/ ich lag in deiner Arme Banden. 8. Wie ich dich von dem Wagen nahm und kuͤßte die gefrorne Wangen: Bald hat mein Herze Gluht gefangen. Das Feuer/ so auß Kaͤlte kahm straal t Geharnschter Venus straalt sint der Zeit mit tausent Flammen ob meines Lebens Rest zusammen. 9. Nun (sagt sie) hat ein kalter Kuß dich bracht in Feuer/ Hizz’ und Leiden; weiß ich/ daß Kuͤhlung/ Lust und Freuden ein Warmer dir erwekken muß. Der hat sie mir so viel erteilet/ so/ daß ich ziemlich bin geheilet. V. Wer kuͤßt die greisen Haare ? Ober-stimme. C. S. sichte Erstes Zehen. Grund stimme. Laß Geharnschter Venus 1. L Aß uns/ Kind/ der Jugend brauchen/ weil uns noch die Schoͤnheit bluͤht: Wenn die Geister einst verrauchen und die Todten-farb’ umzieht unser runzlichtes Gesichte: Wer begehrt denn unsern Kuß? Nimm sie an der Rosen Fruͤchte/ eh ihr Blat verwelken muß. 2. Ob die Alten murꝛisch zanken/ nehmen sie der Freude wahr; muß man drum mit ihnen krankken? Nein/ ich acht’ es nicht ein Haar. Sollte der mich Sitten lehren/ der bereit hat außgelehrt? Denn werd’ ich mich auch bekehren/ wenn mein Alter sich verkehrt. 3. Die besuͤßten Fruͤhlings-tage lauffen fluͤgel-schnelle fort/ denn so hilft uns keine Klage/ kein er seufzend Bitte-wort/ sie gedencken nie zuruͤkke: Was hin ist/ das bleibet hin. Diß Erstes Zehen. Diß beruht auff einem Blikke/ daß ich froh und traurig bin. 4. Drum so brauch/ mein Kind/ der Zeiten/ weil die Zeiten gruͤnend sein. Was uns bleibt sind Traurigkeiten/ gehn uns diese Zeiten ein. Ey wie ploͤtzlich koͤmmt die Stunde/ daß uns Kloto in der Eil schießt die Rosen von dem Munde durch des Todes Frevel-Pfeil. 5. So sey mit den Scharlachs-Wangen/ Schoͤne/ ferner nicht zu teur/ Linder meiner Qwaal Verlangen/ Kuͤhl’/ ach ! kuͤhl der Liebe Feur! Wo von den besuͤssten Fluhten/ deines Zukker-Muͤndgens Naß/ mir kein Tau ist zuvermuhten werd’ ich noch vor Abends blaß. 6. Gib zwey Kuͤßchen/ gib mir eines soll es ja kein mehres sein/ gib/ mein Schazz/ mir nur nicht keines/ wiltu mich dem Todten-schrein’ C auff Geharnschter Venus auff ein wenigs noch ersparen. Was nuzzt denn ein kalter Kuß wenn ich auff der Leichen-Baaren deiner Reu erst warten muß? VI. Der Haßkuͤsset ja nicht. Ober-stimme. J. S. werd Erstes Zehen. Grund-stimme. 1. D Je ernstliche Strenge steht endlich versuͤsset/ die qweelende Seele wird einsten gesund. Jch habe gewonnen/ ich werde gekuͤsset/ es schallet und knallet ihr zaͤrtlicher Mund. C ij die Geharnschter Venus die Dornen entweichen/ die Lippen verbleichen/ indehm sie die ihre den meinen auffdruͤkkt. Jch werd’ auß der Erde zun Goͤttern verschikkt. 2. Jhr klagende Plagen steht jetzo von fernen/ es fliehe der achzende kraͤchzende Neid! Mein Gang ist gegruͤndet auch uͤber die Sternen ich fuͤhle der Seeligen spielende Freud’. Es flammen die Lippen. Die roͤßlichte Klippen die bluͤhen und ziehen mich lieblich an sich. Was acht’ ich dich Honig! was Nektar-wein dich! 3. Durch dieses erwieß es ihr suͤsses Gemuͤhte/ sie wolle/ sie solle die Meinige sein. Nu hoͤhn’ ich der Koͤnige Zepter und Bluͤte/ mich nimmet der Vorraht Eufrates nicht ein. Kan ich sie nur haben: was acht’ ich der Gaben der siegenden Krieger im Kapitolin die durch die bekraͤnzeten Pforten einziehn! 4. Jch habe die Schoͤne mit nichten gewonnen mit Solde von Golde/ mit Perlenem Wehrt/ und scheinenden Steinen in Bergen geronnen/ den Tyrischen Purpur hat sie nie begehrt. die Zeilen/ die suͤssen aus Pegasus Fluͤssen die haben ihr haͤrtliches Hertze geruͤhrt: Nu stehet mein Lorber mit Myrten geziert. Erstes Zehen. VII. Verliebet/ Gebunden. Ober-stimme. J. S. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. D Aß ich auff deinen Ladungs-Brieff/ mein Damon/ nicht bin zu dir kom̃en/ das schmerzet dich/ wie ich vernommen: als weñ bey unsrer Freundschaft Gruͤnden sich eine Trennung koͤnte finden und Falschheit womit unter lieff’. 2. Ach! Damon/ laß den Argwohn sein. Kein Wechsel hat dich je verdrungen. die Rosilis haͤlt mich gezwungen Sie haͤlt mein Wollen und Verlangen ja meine Seele selbst gefangen. Jch bin nu selber nicht mehr mein. 3. Jch weiß/ daß dein belobtes Feld Makarjen auch ist fuͤr zu ziehen/ ich kenne deiner Wiesen bluͤhen/ die Erstes Zehen. die Jaͤger-lust/ die Fischereyen/ den Vogel-fang und was fuͤr freuen mehr dein Robitten in sich haͤlt. 4. Mir klingt der sanffte Drescher-schlag in Ohren noch/ wenn in dem fruͤhen die Morgen-treume reiner ziehen/ ich hoͤre noch der Schaaffe blehen/ die Dader-Ganß/ der Hanen krehen/ wenn sich enttzuͤndt der junge Tag. 5. Mich schmertzt die Hoffart/ Geitz und Neid/ Betrug und List sampt andern Suͤnden die sich in Staͤdten haͤuffig finden. Hier herschet Unrecht/ Trozz uñ Schande. die Unschuld wohnet auff dem Lande/ wie umb Saturnus goͤldne Zeit. 6. Wie gerne waͤr’ ich einmahl mein! wie gerne moͤcht’ ich dich erblikken ! wie gerne mich bey dir erqwikken! dein Brot gemengt auß schwartzer Kleyen sollt’ uͤber Manna mir gedeyen/ dein Wasser-trunk als Nektar sein: C jv Wer Geharnschter Venus 7. Wer aber kan die Thraͤhnen sehn/ wenn die Rosille/ mein Verlangen/ mir trieffend naß macht Stirn uñ Wangen weñ sie verschweert mit Hand und Munde mir gut zu seyn/ wenn eine Stunde ich wuͤrd’ ab-ihrer Seite-gehn? 8. Bald bittet sie/ bald dreuet sie/ bald hebt sie wieder an zu klagen/ bald will sie sich mit Feusten schlagen/ bald bloͤßt sie sterbend ihr Gesichte und flucht dem strengen Stern-Gerichte Wer kan ertragen so viel Muͤh? 9. Jch bin kein Stein/ ich lasse mich auff ihre Klag’ alsdenn erweichen/ so pflegt die Zeit vorbey zu streichen. ich habe/ Freund/ dich nicht gesprochen da meinstu denn/ es sey gebrochen/ was uns verbindet/ mich und dich. 10. Jch weiß nicht/ was fuͤr Haltnuͤß doch der schmeichlend’ Amor in sich heget. Der Freyheit Paß wird nur verleget ich Erstes Zehen. ich kan auß seinen Zauber-Ketten mich durch kein einig Mittel retten/ so sehr beschweret mich sein Joch. 11. Komm/ Bruder/ sieh es einst mit an/ du wirst es selbst mit mir gestehen/ es sey vergeblich nicht geschehen/ daß ich zu dir nicht bin gekommen/ daß mir die Freyheit sey genommen/ und daß Rosill’ es hat getahn. VIII. Verliebt/ Sinnen-krank. Oberstimme. C. S. C v ehrt/ Geharnschter Venus Grund-stimme. Erstes Zehen. 1. D Orinde hat mich erst gelehrt der edlen Freyheit abzusagen. Mir war kein Amor je geehrt/ ein Spott der Venus goͤldner Wagen. Jch hielte vor ein Kinder-spiel der Liebenden verbuhltes Kuͤssen/ die Tugend/ ein gelehrtes wissen war meines Lebens einigs Ziel. 2. Nachdehm der schwarzen Augen Straal/ die Tracht und Anmuht der Dorinden mir meiner Sinnen Ruder stahl/ weiß ich mich nicht in mir zu finden. Die Kunst-Lust/ ein gesunder Raht ist in mir Blinden gantz verschwunden. O der unseelig-boͤsen Stunden/ die mich durch Sie verfuͤhret hat. C vj Jch Geharnschter Venus 3. Jch spuͤre/ daß die Goͤtter mich um dessentwegen fliehn und hassen: das weiß ich zwar/ iedoch kan ich diß schlimme Thun nicht unterlassen. Was mir der Wolstand predigt ein/ das hoͤr’ ich an mit tauben Ohren/ die Weißheit hat an mir verlohren. Jch muß/ ich muß verdorben sein. 4. Was mir an Jungfern meist beliebt haß’ ich und straff’ es an der Meinen. Das groͤste/ das mich iezt betruͤbt/ das mir das Herze machet weinen/ ist ihrer Keuschheit reine Zucht/ von der sie nicht wil abewanken/ diß macht mir sorgliche Gedanken. Seht was die tolle Liebe sucht! 5. Der Tag wird mir zur finstern Nacht/ die Nacht zur Marter/ Furcht und Zagen/ ia zu der Helle selbst gemacht/ so plagen mich die Liebes-Plagen. Die Erstes Zehen. Die Nacht verschwindt/ ich habe nicht ein einigs Blikkchen recht geschlaffen/ des Tages kan ich auch nichts schaffen/ so bin ich auff die Lieb’ erpicht. 6. Ach helfft mir/ helfft/ wer helffen kan? Jch muß sonst heute noch erkalten/ Tragt mir Gefaͤngnuͤß/ Marter an/ ich wil es auß-ganz willig-halten. Kein Kreuz ist in der Welt so schweer/ als sonder Gegen-Liebe lieben. Solt’ ich mich laͤnger so betruͤben/ so wolt’ ich eh nicht leben mehr. IX. Bestaͤndigkeit uͤberwindet den Neid. Oberstimme. C. B. gessen Geharnschter Venus Grund-stimme. Erstes Zehen. 1. W Enn mich mein Kind wil traurig sehn und Blut auß meinem Herzen pressen so spricht sie: Du wirst mich vergessen so bald du wirst von hinnen gehn. Sag/ Rosilis/ Ach! meine Fromme: Woher dir doch der Argwohn komme. 2. Hat ein verbooßter Laͤster-Mund mich irgend bey dir angegeben: Bekenn es/ Rosilis/ mein Leben/ thu mir die falschen Luͤgen kund. Durch offenbahrung/ Red’ und Frage wird offt gewehrt der boͤsen Sage. 3. Jch bin ja mir wol nicht bewust daß ich mich wor vergriffen haͤtte. So lang ich hang’ an deine Kette/ und deine Gunst ruͤhrt meine Brust: Jst nichts geschehn mit meinem wissen drauß du was boͤses koͤntest schliessen. 4. Kein einger Mund hat mich geruͤhrt seit ich den deinen duͤrffen herzen. Hastu mich wo mit einer scherzen gesehn? Geharnschter Venus gesehn? Wor Heucheley gespuͤrt? Die Ader wolt’ ich auß mir reissen und selber vor die Hunde schmeissen. 5. Jch bin und werd’ auch ewig sein wie ich mich einmahl dir versprochen/ mein Eyd verbleibet unzerbrochen/ solt’ auch der Himmel fallen ein/ die Erde nimmer feste stehen und alles drunt- und druͤber gehen. 6. Zwar ruͤhm’ ich meine Liebe nicht wie der wol hundert Schwuͤre machet indessen unterm Hute lachet/ hab’ ich dir schon ins Angesicht niemahl von grosser Gunst gepralet und falsche Berge hingemahlet; 7. So weiß es doch mein Herz allein/ mein Herz/ daß dich/ sonst keine kennet/ und nur in deinen Flammen brennet/ daß du die einige wirst sein/ die/ biß der Tod mich auff-wird reiben/ soll meiner Seelen Seele bleiben. Diß Erstes Zehen. 8. Diß schwer’ ich bey der schoͤnen Lust bey denen Freuden-vollen Stunden/ die wir so offtermahls empfunden: Bey dein- und meiner treuen Brust. Dich wil ich nimmermehr vergessen. So hoͤr doch auff mein Herz zufressen. X. Vergißt mich Sie nur nicht. Ober-stimme. C. S. blosse Geharnschter Venus Grund-stimme. Erstes Zehen. 1. W As frag’ ich nach den Trauer-fahnen/ was nach den Wapen vieler Ahnen/ und ob mich denn ein Marmor ziert: Wenn einsten zu den blassen Schaaren mein Geist ist uͤbern Fluß gefahren wor uns der Ehre Sucht nicht ruͤhrt. 2. Es mag mich wer da will beklagen/ mag sauer sehn/ und Leide tragen; ich achte nicht deß Poͤfels Spiel- Hin Filidor/ nur hingestorben/ bleibt nur dein Nachruhm unverdorben bey Rosilis/ der Reime Ziel. J ch Geharnschter Venus erstes Zehen. 3. Jch weiß/ es werden deine Zeilen b ey ihr nicht zum vergessen eilen/ Sie wird dich lesen Tag und Nacht/ u nd sagen: was ist hier geschrieben/ h at Filidor auß treuem lieben auff unser beyder Brunst erdacht. Ende deß ersten Zehens. Filidors Filidors Geharnschter Venus Zweytes Zehen. Denen Denen Hoch beruͤhmten Gerenschaͤffern. Glykandern Hypsilas und Dafnis. Eigenet dieses Zweite Zehen der Geharnschten Venus dienstlich zu F ilidor der D orfferer. T Reues Kleebat dreyer Hirten/ die der Zesyr außgesezzt/ die kein Nordwind ferner hezzt an des Amors falsche Syrten. Werden meine Venus-Grillen/ meiner Liebe Wiederwillen/ welch’ ihr in der Ruh verlacht auch bey Euch was sein geacht? Was Zuschrifft. Was? geachtt? ich muß ja schreiben was die kuͤhne Feder will besser was/ als in der Still’ allzeit um Vakunen bleiben. Wenn die donnernde Melpose treibt auß ihrem ernsten Mose/ muß auß Venus Kanzeley nehmen seine Schreiberey. Wo mich kan ein Beyspiel schuͤzzen/ zieh’ ich die Poeten an/ die dergleichen auch gethan mit Ergezzen und mit Nuͤzzen. Wer die allzugrossen Lasten uͤber koͤnnen an-wil-tasten/ mag es tuhn. Jch bin zu schwach/ meine Schultern geben nach. Lieben/ das gepreißte Lieben wekket meine Musen auff. Amatusens Myrten-Hauff’ Hat mein Feuer auffgetrieben. darmit straal’ ich. Nennt es Duͤnste/ nennt es Thorheit oder Kuͤnste/ goͤnnt mir Venus einen Tanz: Wol! fahr hin du Lorbeer-Kranz! Wo Zuschrifft. Wo Jhr noch nicht zu den Alten/ alte Freunde/ seyd gezehlt/ wo ihr Freude noch erwehlt und vor wilde nicht zuhalten : wird Euch/ was ich von dem Lieben hab’ in diesem Zehn geschrieben/ eben so genehme sein/ als fuͤhrt’ ich was ernstlichs ein. Freyer Geister freye Sinn sehn nicht allzeit sauer auß. Denn ein Scherz und denn ein Schmauß muͤssen uns die Zeit gewinnen. Den hat Ammon nicht gemachet/ der nicht auch zuweilen lachet. Besser ist es/ nie gelebt als in Sturm-sehn stets geschwebt. Kenn’ ich noch das alte Herze daß ihr habt vor dehm gefuͤhrt/ wie auch Euch offt Lust geruͤhrt und wie ehmals Jhr im Scherze manches Liebes-Lied gesungen daß die Huͤtten wieder klungen: Bild’ ich mir beglaubet ein/ diß werd’ Euch nicht wiedrig sein. Nehmt Zuschrifft. Nehmt derhalben/ Liebste/ nehmet dieses frohe Venus-Werk/ als ein kleines Gunst-gemerk. Venus wird ja nicht beschaͤmet/ daß sie frische Rosen traͤget/ Die der Floren Garte heget. Ein betruͤbter Amarant ist der Venus unbekant. Hamburg den 21. Augustm, 1657. Euer Hertzensvertraute Herrn und Freunde/ Durch so viel Jahre unverenderter Diener Filidor/ der Dorfferer. D Je Geharnschter Venus I. Je schoͤner/ je haͤrter. Oberstimme. C. S. Grund- Zweytes Zehen. Grundstimme. 1. D Je Anmuht/ Schoͤnheit/ Zierd und Prangen/ das Purpur-blut der roten Wangen/ der Augen-blizz/ der Stirne Glanz/ das Spiel der ziehenden Gebehrden/ der Gang/ die Tracht sind himlisch ganz und koͤnnen nicht verschoͤnert werden. 2. So lieblich sahe nie Dione wenn sie auff dem vergoͤldtem Trohne D ij in Geharnschter Venus in Pasos Tempel Ehr’ empfieng! Betracht’ ich dein besuͤßtes Wesen/ so halt’ ich fuͤr ein schlechtes Ding/ was ich von Helenen gelesen. 3. So kanstu die Vollkommenheiten der Schoͤnheit/ Schoͤne/ selbst bestreiten/ du ziehest aller Herzen an. Wer dich beschauet sonder brennen und Liebes-gluht/ denselben kan man einen Stein/ nicht Menschen/ nennen. 4. Wie heuffig aber dich mit Gaben vor andern die Gebuhrt erhaben: so kaͤrglich ist dir mitgeteilt. Mit-Leiden/ Trost/ und ein Gemuͤhte/ daß eine wunde Seele heilt durch Freundes Zuspruch/ Gunst und Guͤte. 5. Der scharffe Fels der Diamanten reicht seines Leibes rauhe Kanten des Kuͤssers Lippen willig dar. Die Rose von dem warmen Westen getrieben/ buͤkkt sich mit Gefahr zu ihres Dornes wilden aͤsten. Du Zweytes Zehen. 6. Du/ harte/ laͤst dich nicht erweichen/ die minste Gegen-gunst zureichen dehm der in deinen Flammen queelt. Wer dich erblikkt/ ist ohne Leben/ ist sonder Geist und wird entseelt/ und du willst ihm kein Mittel geben. 7. So meinstu/ du seyst dir gebohren/ seyst dir allein zum Zwekk erkohren warum wir auff der Erde seyn. Kein Bild wird darum wol gemahlet daß man es birget in den Schrein so wird die Arbeit nicht bezahlet. 8. Jndehm man dich/ wie Goͤttlich preiset/ Pflicht/ Ehr’ und Demuht dir erweiset: Sey/ Schoͤne/ drum nicht eben stolz. Die Knie so fuͤr Altaͤren liegen pflegt man nicht fuͤr ein faules Holz fuͤr Goͤtter Freundschafft nur zu biegen. 9. Die Grausamkeit und suͤsses lachen wie koͤnnen die Verwandnuͤs machen in einem schoͤnem Angesicht’? D iij Ent- Geharnschter Venus Entwehn dich/ Kind/ der Ernst-gebehrden/ so wird der schoͤnen Schoͤnheit Licht noch tausendfach verschoͤnert werden. II. Schoͤnheit gebiert Hochmuht. Oberstimme. M. C. Grund- Zweytes Zehen. Grund-stimme. 1. F Jlidor lag in dem Schatten/ wo der gelbe Pregel-fluß durch Prutenens braune Matten ziehet seinen leisen Guß/ da befielen ihn die Grillen von der falschen Erotillen. 2. Jhr/ ihr unbewohnten oͤrter/ (sprach er) und du stiller Hain D iiij wo Geharnschter Venus wo die außgebrachten Woͤrter meiner Brunst verschwiegen sein/ und die sachte Lufft der Westen hoͤret meiner Quaal gebroͤsten. 3. Hier duͤrff ich mein Leid beweinen/ hier verraͤht mich niemand nicht/ wo den stummen Ufer-steinen nur die Treue nicht gebricht: soll/ was ich bißher verschlossen/ werden bey euch außgegossen. 4. Erotill’ hat mich verfuͤhret/ Erotille/ derer Zier fast biß an die Wolken ruͤhret. Waͤr’ ach! diß verborgen Jhr! ô wie wollt’ ich meinem Feuer kommen so gewuͤnscht zu steuer! 5. Nu ist sie es worden innen/ als sie in die F l uhten sach so durch unsre Wiesen rinnen da ward ihre Hoffart wach. Seit der Zeit sie sich gesehen darff ich nimmer zu ihr gehen. 6. Da- Zweytes Zehen. 6. Daher hab’ ich erst geweinet daher fing mein Elend an weil nechstdehm mir nimmer scheinet was mir einig leuchten kan/ ihrer Blikke goͤldne Sternen wehrt die Venus nachzulernen. 7. Erst ist sie mir nachgerennet/ erst hieß sie mich stille stehn/ und da war ich nicht entbrennet/ hatt’ auff Liebe nie gesehn/ Flegel/ Pflug/ Karst/ Rohr und Nezze waren meine Lust und Schaͤzze. 8. Eine Zytter geel gefaͤrbet bunte Seiten oben drauff hat mir Daffnis angeerbet/ dar spielt’ ich zuweilen auff/ wenn ich von der Arbeit muͤde nachdacht einem Schaͤffer-Liede. 9. O wie offt kahm sie geschlichen auch wol mitten in der Nacht/ D v ist Geharnschter Venus ist auch eher nicht gewichen biß ich mich ins Stroh gemacht. Da hat sie sich offt beklaget/ daß es so geschwinde taget. 10. Jhre Laͤmmer gingen weiden offtermals in meiner Trifft/ sie befraͤzten meine Heyden. Diß war darauff angestifft so ichs ia nicht leiden wolte/ daß ich mit ihr reden solte. 11. Denn so fragte sie bißweilen : hastu nicht das boͤse Tiehr heute morgen hoͤren heulen? bleibe diesen Tag bey mir solt’ es in die Heerde brechen/ wie koͤnt’ ich mich/ Schwache/ raͤchen 12. Noch geschahen tausend Renke Doch/ ich ließ mich nirgend ein biß ich einmahl bey der Traͤnke macht ein weinig mich gemein. ô ihr Zweytes Zehen. ô ihr scharffen Nessel-kuͤsse ô daß ihr mir wart so suͤsse ! 13. Ja ihr milden Honigkuͤsse! Nu habt ihr nur Bitterkeit statt der vorbeliebten Suͤsse meinem Herzen eingestreut/ Nu ich euch nicht laͤnger schmekke seid ihr mir zur Dornen-hekke. 14. Da entglommen meine Flammen damit wars umb mich getahn: Zwar/ dieweil wir noch beysammen kehret’ ich mich nirgends an/ aber da sie von mir flohe und auff fremde Wiesen zohe: 15. Goͤtter weh! Jndehme schwunden Zunge/ Mund/ Bluht/ Farb’ und Geist. Eh er sich zu recht gefunden/ war der Sonnen Wagen meist in der braunen See gekuͤhlet und die Raͤder abgespuͤhlet. D vj Dum- Geharnschter Venus III. Dumme Leute sein dumm. Ober-stimme. M. C. Grundstimme. Zweytes Zehen. 1. J Ch hab’ an Fozis kuͤhlen Fluͤssen dir Delia/ manch Lied zu Ehren auffgespielt. Die Musen und Apollo wissen wie offt der Sonnen-Licht mich brant’ und Foͤbe kuͤhlt und wie ich manche Nacht gewacht und einen Vers auff dich erdacht. 2. Die Pallas hat mich offt geneidet/ daß ich nicht ihr zu Ruhmgebraucht der Poesie/ weil sie die Venus nimmer leidet und sonder Liebe lebt in Keuschheit ie und ie. Doch hab’ ich stets die Nacht gewacht/ und einen Vers auff dich erdacht. Der Geharnschter Venus 3. Der Amor machte mir von Myrten vor mein verliebt Gedicht so manchen Siegeskranz die Musen sah’ ich mich umguͤrten mit dunkelm Efen-laub und goͤldnem Lorbeer-glanz/ indehm ich manche Nacht gewacht und einen Vers auff dich erdacht. 4. Die dummen geht zu beyden Ohren der suͤssen Reime Schall bald auß/ bald wieder ein die Kunst hat ganz an dir verlohren/ ich muß bey dir umsonst des Foͤbus Lehrling sein/ wiewol ich manche Nacht gewacht und einen Vers auff dich erdacht. 5. Du/ Orffeus koͤnnst die Hoͤlle zwingen/ d er wilde Zerber schwieg auff deiner Schall: ich kan sie nicht zu rechte bringen d iß Mensch/ und spielet’ ich trozz Foͤbus Zitter-hall was hilfft es daß ich nu gewacht und manchen Vers auff sie erdacht? 6. Soll ich mein Dicht-werk nu verschweren d ieweil ich nur von ihr damit werd’, außgelacht/ ô Nein! Zweytes Zehen. ô Nein! ich weiß/ daß ander’ ehren was du/ du Kunst-spott/ hast bißher an mir veracht. Pfui! daß ich manche Nacht gewacht/ und keinen Schimpff auff dich erdacht. IV. Keinem/ als mir. Oberstimme. M. C. Grund- Geharnschter Venus Grund-stimme. 1. L Egere laͤst sich offters gruͤssen/ Legere laͤst sich offters kuͤssen und/ komm ich ungefehr darzu/ so spricht sie: Schaz/ es seind Verwanten/ sind meine Bruͤder und Bekanten sonst taͤht’ ich so nicht wie ich tuh. 2. Legere/ laß die Possen bleiben/ laß dir den Mund nicht so bereiben/ ich achte hier nicht Fug noch Recht. Mir Zweytes Zehen. Mir sind verdacht/ die Mutter/ Bruͤder die Schwester/ Freunde; ja ein ieder und waͤr’ es meines Dieners Knecht. 3. Vergib mir meine Furcht Legere. Der Jungfer Lust wehrt keine Wehre/ wil sie/ so hilfft kein halten nicht. Der ihr verwahrtes Schloß entgliedet/ der Schluͤssel/ ist bereit geschmiedet und niemand lebt/ dehm er gebricht. 4. Es kan sich bald ein Schmeichler finden der dein Gemuͤhte kan entzuͤnden und wer’ es auch so kalt als Eyß. Jch kenne zarter Weiber Sinnen wie schleunig der sie kan gewinnen/ der nur die rechten Griffchen weiß. 5. Biel Weiber sind auß Griechen ruͤchtig doch war nicht mehr als eine zuͤchtig die listige Penelope. Rom hat nur eine treu beschrieben/ die ihren Ehmann konte lieben die blutige Lukꝛezie. Ehr Geharnschter Venus 6. Ehr wird man schwarze Schwanen schauen/ die Raben weißlich sehen grauen/ den Schnee abschiessen Kohlen gleich: als eine Jungfer sonder Wanken. Jhr Tuhn/ ihr Reden und Gedanken wird auff das leichtste Windchen weich. 7. Drum/ wiltu fromm und Erbar heissen/ mustu/ Leger’ auch dich befleissen zu meiden allen argen Wahn. Verdacht waͤchst leichtlich auß den Tahten Kind willstu meinem Eyffer rahten so stell dich so bekant nicht an. V. Hoffart kommt zu Falle. Oberstimme. C. B. ne Zweytes Zehen. Grund- Geharnschter Venus Grund-stimme. Zweytes Zehen. 1. D Je Dellmane krigt einen Stoß/ die Dellmane/ die sich in Seiden in Gold und Perlen liesse kleiden/ geht iezt entehret/ nakt und bloß. Nn kan ich meinen Schimpff verschmer- zen es trifft dich mein gewuͤnschter Fluch/ iezt nagestu am Hunger-tuch’ ich goͤnn’ es deinem stolzen Herzen. 2. Wie offt hab’ ich dich tieff gegruͤsset/ wie offt mich gegen dir geneiget/ und solche Demuht dir erzeiget/ der du nicht wehrt gewesen bist. Du hast mich schielend angesehen/ mich armen Buhler ganz veracht nu wirstu wiederum verlacht und mnst in Spott und Schanden stehen. 3. Jch war nicht hoch genug/ nicht reich/ nicht hoͤfflich satt dich zubedienen du aber duͤrffest dich erkuͤhnen zu schaͤzzen einer Fuͤrstinn gleich. Nu Geharnschter Venus Nu wird dein Hochmuht recht belohnet. Der Donner laͤst die Huͤtten stehn/ Pallaͤste muͤssen untergehn. Wohl dehm/ der wie ich tieffer wohnet. 4. Jch werde doch wol Brod und Hauß/ und einsten gute Nahrung finden/ da/ Dellmane/ du bleibst dahinden/ und fegst die oͤden Winkel auß. Geh und bestell dir einen Besen/ der Anfang ist bereit gemacht/ worauff du iederman veracht wirstu auff-auß der Asche-lesen. VI. Meinet halben/ fahr immer hin. Ober-stimme. M. C. dich Zweytes Zehen. Grund-stimme. 1. S O hat dem nu die eine Nacht ein Tag treu-bruͤchig dich gemacht. das heißt mit falschen Eydes-schwuͤren ein allzu glaͤubig Kind verfuͤhren. 2. Jch Geharnschter Venus 2. Jch war ia noch in Szyten/ noch wo ein schwarzes Mohr-gesicht in Afriken im Schweisse fliesset/ noch wo der Tyger sich ergiesset. 3. Ja/ wenn mein Schiff im Meere stuͤnd und mich ein ungestuͤmer Wind wor haͤtt’ in Jndien getragen so wolt’ ich nicht ein Woͤrtchen sagen. 4. Nu sind nur wenig Stunden hin daß ich nicht/ Leichte/ bey dir bin/ und du/ du bist schon umbgewendet und hast dich fremder Gunst verpfaͤndet. 5. Es trennt uns kaum das dritte Hauß und deine Treu ist schaͤndlich auß/ es sind die Worte mit den Winden geflohen zu des Meeres Gruͤnden. 6. Wie ist der reinen Keuschheit wehrt doch dieser Zeit so ganz entehrt/ ich Zweytes Zehen. ich muͤste fast die Welt durchgehen doch wuͤrd’ ich kaum Perillen sehen. 7. Nichts bessers kan ein Weibes-Bild als daß sie Treu mit List vergillt/ und meisterlich weiß zubetriegen mit Schmeicheln Spott und schlimmen Luͤgen. 8. Kein Blat wird durch den Ost und Nord so ungewiß getrieben fort als ihre fluͤchtige Gedanken bald hier/ bald dorthin zweiffelnd wanken. 9. Weil du denn nu verhaͤrtet bist/ und dir gefaͤllt die leichte List/ so laß ich dir den Wetterwillen/ und wil mich gerne gerne stillen. 10. Doch wuͤntsch’ ich daß der Amor dich mit Pfeilen ruͤhre kraͤfftiglich und daß/ um den du mich verlassen/ der/ wie du mich/ dich moͤge hassen. E Seht Geharnschter Venus VII. Seht was die Einbildung nicht tuht. Ober-stimme. J. K. Grund- Zweites Zehen. Grund-stimme. 1. E S sagte mir die Flatter-schoͤne/ die eingebildte Pusserene: du hast mich lange Zeit geliebt/ dich lang’ um meine Gunst beworben/ darumb hastu dich so betruͤbt/ daß du auch neulich bald gestorben. E ij Wie Geharnschter Venus 2. Wie kommt es denn/ wenn ich dich frage/ und dir von Nehmen etwas sage/ daß du so sonder Antwort bist? das Wort verstarrt dir in dem Munde/ du must ia nur auß Hinterlist erdenken eine falsche Wunde. 3. Wie offt hastu nicht nachgelassen/ ich moͤchte dich denn einst umb fassen wie prachertstu um einen Kuß/ das andre wil ich gern verschweigen/ daß ich zwar stets gedenken muß/ darff aber keinem an-es zeigen. 4. Mein/ (sprach ich) laß mich doch zufrieden/ die Ursach wird nicht einem ieden so auff die Nase hingehenkt/ so duͤrff ichs auch nicht frey bekennen: wer alles sagt und wenig denkt/ der kan sich deinen Freund nicht nennen. 5. Doch/ soll ichs/ Zeit-lieb/ dir entdekken/ und nichts nicht untern Stuel verstekken so Zweytes Zehen. so gieb mir Feder und Papier. Jch weiß es was ich muͤndlich sage urteilestu wie ungebuͤhr/ als Unrecht Falsch und Luͤgen-klage. 6. Drauff hab’ ich ihr diß zugeschrieben: Jch kan dich/ Larve/ treu nicht lieben/ ich bin nicht so/ wie du/ gesinnt. Jch liebe Tugend/ Zucht und Treue/ waͤr’ ich wie du ein falsches Kind/ haͤtt’ ich vor deinem Strikk nicht Scheue. 7. Der Meineyd ist dir angebohren die Schaam und Zuchthastu verschworen Nur Schminke schoͤnet dein Gesicht. Die Runzeln koͤntstu nicht bedekken/ haͤttstu die falsche Kreyde nicht den Dekkel deiner schwarzen Flekken. 8. Doch wil ich noch was dein verbleiben/ biß mein Verhaͤngnuͤs mich wird treiben auff ein bequeemers Zielmaaß hin. O/ wie verdroß es Pusserenen! Ey/ daß ich auch zu kuͤhne bin doch auch/ wer achtt der Flatter-schoͤnen. E iij Liebe Geharnschter Venus VIII. Liebe glaubt keinem Neide. Ober-stimme. C. B. Grund- Zweites Zehen. Grund-stimme. 1. U Nd/ wo ich dirs/ Zelinde/ schenke so heiß’ ich Peilkarastres nicht. Es denke doch nur einer/ denke/ was diese Marigelle spricht. E iiij Jch Geharnschter Venus Jch waͤr’ in ihr Gemach geschlichen gleich als der Sonnen Gold verblichen da haͤtt’ ich mich wohin gelegt wo sie geheim zuschlaffen pflegt. 2. Mein! worzu dienen doch die Luͤgen? der Teuffel hat diß Spiel gesehn. hoͤr! knarrten damahls auch die Stiegen als ich wolt’ in die Kammer gehn? Gefiel dies/ da ich dich umschlunge und mich an deine Seite drunge? Sich/ Ruhm-maul/ wie bestehstu nu/ wer traute dir die Schnitte zu! 3. Jezt faͤllt mirs ein. Das suͤsse Lieben/ daß ich mit Rosilen gefuͤhrt/ hat dich zu solchem Fund getrieben und mit der Neides-sucht geruͤhrt. Nu merk’ ich was es soll bedeuten/ daß du so neulich sachst zur Seiten/ als meine Lust/ Rosille kahm/ und mich sanfft in die Arme nahm. 4. Es war nur um mich zuverstossen/ meinstu/ Rosille glaube dir? Fuͤr- Zweytes Zehen. Fuͤrwahr/ du schlaͤgest einen blossen/ mein Augen-wink gilt mehr bey ihr als wenn du hundert-tausend Eyde wuͤrdst schweeren mir und ihr zu Leide. Rosille merkt es zugeschwind was Falschheit/ Trug und Finten sind. 5. Du willst uns zwar zusammen hezzen kommst aber heßlich kaal darvon. wir lachen der bescheinten Nezzen/ und sprechem allem Neide Hohn/ kein Fels ist je so fest gegruͤndet als unsre Liebe sich befindet. Stuͤrm immer zu. Wir stehen fest als sich kein Berg bewegen laͤst. 6. Drum denke nicht/ Zelinde/ denke daß ein verfaͤlschtes Luͤgen-Kind Rosillen von mir abelenke. Haͤttstu noch duppelt mehr ersinnt/ wird doch mein Schaz mich nimmer hassen soltstu zerbersten und erblassen/ so liebt sie mich doch wie vorhin. Gott lob/ daß ich nicht schuͤldig bin ! E v Die Geharnschter Venus IX. Die groͤste Beschwerligkeit/ die Liebe. Ober-stimme. M. C. Grund- Zweytes Zehen. Grund-stimme. 1. M Jt Lieben ist es so beschaffen: du must dich offters lassen straffen/ dein Ernst muß Spott und Tohrheit sein. Du must dich so/ bald anders stellen. E vj Red- Geharnschter Venus Redtstu vom Himmel/ sie spricht: Nein/ so muß es sein der Schlund der Hoͤllen. 2. Kein ruhig Leben kanstu fuͤhren/ du must dich selbst in dir verlieren/ must lebend-todt/ todt-lebend sein. du darffst nicht/ was dir gut duͤnkt/ sagen bewaͤhrstu daß und sie spricht Nein/ so mustu bald dein Wort verschlagen. 3. Dein Tag vergeht in Noth und Plagen/ die Nacht verschwindet dir mit Klagen/ du kanst nicht schlaff-nicht wacheno sein hast du dich eins der Lieb’ ergeben und meinest froh zu sein. Ach nein! die Lieb ist mir ein Marterleben. 4. Offt mustu vor die Pforten nachten/ must Regen/ Frost und Schnee verachten/ must leiden und geduldig sein. Hoͤrt sie dich an mit tauben Ohren; sey nicht verdrießlich/ Nein ach nein. Verdruß hat manchen Raub verlohren. Der Zweytes Zehen. 5. Der Neider Zungen mustu lachen/ must allzeit dich Politisch machen/ in alle Saͤttel eben sein. Fragt iemand/ ob du diese liebest/ so mustu sagen: Nein ach nein/ daß du dich nicht mit ihr betruͤbest. 6. Was ihr gefaͤllet/ mustu preisen und iederzeit dich so erweisen/ daß du nicht ihr moͤgst widrig sein. Hastu von ihr was fliegen lassen/ und sie befragt dich. Antwort: Nein damit sie dich nicht moͤge hassen. 7. Spielt sie: so laß sie nicht verlieren/ nur dir wil der Verlust gebuͤhren. Dein Beutel muß stets offen sein/ durch Lieben kan man wenig haben: kein Kroͤsus wirstu werden. Nein die Jungfern lieben Gold und Gaben. 8. Heist sie dich spoͤttlich von sich gehen so mustu lernen Scherz verstehen/ mu st Geharnschter Venus must dumm und unempfindlich sein. Auff ihr Verachten/ Schimpff und schelten mustu nicht zuͤrnen. Nein ach nein! die Lieb’ ist sonder Stuͤrme selten. 9. Der Hoffnung/ Sorge/ Furcht und Sehnen duͤrffstu dich nimmer abgewehnen/ must nimmer frey und deine sein. Drumb wil ich nun vom Lieben lassen. solt’ ich es koͤnnen! Nein/ ach nein! Wer kan die lieben Jungfern hassen? X. Laß die Verstorbenen ruhen. Ober-stimme. M. C. Nah- Zweytes Zehen. Grund-stimme. Stir b Geharnschter Venus 1. S Tirb Filidor/ Warum wolstu nicht willig’ sterben? der Musen Chor verspricht dir deines Nahmens Erben/ ob Florilis schon meinet/ daß niemand um dich weinet. 2. Zwar Florilis wird wegen deines Todes lachen/ Sie wird gewiß sich lustig bey dem Sarge machen/ und auff dem Grabe singen mit jauchzen und mit springen. 3. Wird iemand denn nach deinem Hinfall dein erwehnen/ wie/ wo und wenn: so wird sie in der Grufft dich hoͤhnen/ die abgefaulten Knochen wird sie auch selbst bepochen. 4. Doch Zweytes Zehen. 4. Doch denke nicht/ daß ich es dir wil/ Stolze/ schenken: ein bleich Gesicht/ das meinem gleichet/ soll dich kraͤnken: mein Geist soll um dich stehen/ und mit zu Bette gehen. 5. Ein schweerer Traum soll dich offt auß dem Schlaff’ erwekken/ du glaubest kaum wie ich als denn dich werd’ erschrekken. mit werffen und mit poltern wil ich dein Leben foltern. 6. Wird man auff dir des Morgens blaue Flekken sehen/ sprich: daß von mir zur Rache dieses sey geschehen. wirstu einmal denn kranken plag’ ich dich mit Gedanken. 7. Drum Geharnschter Venus zweytes Zehen. 7. Drum besser dich dieweil es Zeit ist sich zu bessern. Veriagstu mich zu Acherontis Nebelwaͤssern: so hilfft als denn kein klagen/ wenn dich mein Geist wird plagen. Des Zweyten Zehens ENDE. Filidors Filidors Geharnschter Venus Zweytes Zehen. Denen Denen Hochgepreisten Wechsel- Schaͤfferern als Dem suͤß-singenden Eumelus und Denen Wolgepaarten Gebruͤdern/ denen Tingrian. uͤbergibt zur gehorsahmen Dankbarkeit fuͤr ihre erzeigte Gunsten Das dritte Zehen der Ge- harnschten Venus durch folgendes Sonnet Filidor der Dorfferer. Q Well aller Liebligkeit/ dehm Orfeus sei- ne Weisen mit Zukker floͤsset ein/ dehn das Sarmater- Land biß Zuschrifft. biß an den Adriac und seine Macht be- kant/ den Tamesis/ der Sund und jenes Reich das Eisen zu Gold und Silber macht/ vor Foͤbus Saͤn- ger preisen. Und du gebrudert-Paar/ das mir im Un- gluͤkks-stand’ in dehm die Freund schafft siegt/ boht Guht und treue Hand/ als mich ein Nord verfolgt’ in meinen Nor- den-reisen. Gegruͤßt/ gekuͤßt/ geehrt seyd ihr auß dieser Stat/ die mit der Balter-See Geschwister-buͤnd- nuͤß hat. Jch stunde bey mir an/ wehm ich das dritte Zehen ergeben solt’. Jndehm hat Amor laͤch- lend mich und Venus/ weiß entruͤst im Harnisch ange- sehen. Undankbahr Filidor (sprach die) besinnstu dich? Eu- Zuschrifft. Eumelus hat gemacht/ daß ich besungen bin von dir: die Tingrien sind sie dir auß dem Sinn: Hamburg den 21. Augustm. 1657. Daher habe ich nicht unterlassen sol- len durch diese Gelegenheit zu eꝛweisen wie ich ewig sey und heisse Meiner Hochgeehrten Herrn auffwaͤrtiger Diener Filidor. Kraͤn- Geharnschter Venus drittes Zehen. I. Kraͤnkende Hoffnung. Ober-stimme. C. S. Grund- Geharnschter Venus Grund stimme. 1. W As hilfft es uns/ daß wir uns lieben/ Rosille/ Schoͤne! sag es mir? daß wir ein stetes seuffzen uͤben/ und Schmerzen tragen fuͤr und fuͤr. Ach Schmerzen! denen keine Wunden/ wie toͤdtlich sie sind/ gleich sich funden. So Drittes Zehen. 2. So stark kan keine Wunde bluten rizzt sie die Lebens-adern gleich/ daß nicht ein Heil sey zu vermuhten. Der Garten ist ja noch so reich ein edles Bluͤmchen dar zustellen zu stopffen ihres Schweisses qwellen. 3. Wer aber hilfft der kranken Seele die biß auffs Leben steht versehrt? Der Wund’ ob welcher ich mich queele wird aller Heilung Krafft verwehrt. Du bist es/ Tod/ der mich entbindet daß/ worfuͤr man nicht Kraͤuter findet. 4. Zwar/ Zeit/ du willst mir was verheissen/ das aber ist zu schlecht fuͤr mich. Du pflegest alles hinzureissen/ liebst Wankelmuht. Ja wenn ich dich und deinen Flug in einer Kette beschlossen und umfaͤsselt haͤtte. 5. Jch wolte deine Foͤrder-Haare nicht auß den Haͤnden lassen gehn/ F als Geharnschter Venus als biß du mir so viel der Jahre von dem Verhengnuͤß ließt entstehn/ daß die Vergnuͤgung meiner Sinnen moͤcht’ ihren suͤssen Zwekk gewinnen. 6. Nu bistu fluͤchtig/ falsch und wilde/ doch waͤrestu nur fluͤchtig satt: wie bald waͤr’ ach! die Wunde milde/ die mir das Leben machet matt. Es wuͤrde noch durch etwas hoffen die Lindrung meiner Qwaal getroffen. 7. Verblutet euch ihr grimme Schmerzen/ verblutet Geist und Leben auß. Gebt Stoß um Stoß dem treuen Herzen verlasst des Leibs geplagtes Hauß. O Seele weich! es ist vergebens ich heile nicht Zeit meines Lebens. II. Liebes-feuer/ ewige Flammen. Oberstimme. C. S. Herz/ Drittes Zehen. Grund stimme. 1. D u liebst mich/ Schaz/ Rosille/ mehr als dein eigen Herz/ Mein Wollen ist dein Wille/ mein Wiedersinn dein Schmerz F ij 2. Du Geharnschter Venus 2. Du schleust mich mit viel kuͤssen Fest in die Armen ein und laͤsset mich nicht missen was nur vergunnt mag sein. 3. Jst aber diß die Flammen zuleschen gnug/ mein Kind/ sie schlagen mehr zusammen und lodern in den Wind. 4. Die Flucht kan Feuer toͤdten/ lescht was die Gluht verlezzt: Je mehr komm’ ich in Noͤhten ie mehr dein Mund mich nezzt. 5. O dem betruͤbtem Stande! das kraͤnkt mich/ was mich suͤßt/ wird nu der Tau zum Brande der durch die Lippen fließt 6. Die heisse Donner-straalen/ so schweer zu leschen sein kan man doch offtermahlen mit Wasser kuͤhlen ein. 7. Mein Drittes Zehen. 7. Mein unaußleschlich Feuer erkennet keine Wehr kehm Thetis mir zu steuer und goͤß’ auff mich ihr Meer. 8. Jedoch wuͤrd’ aus den Wellen die Flamme schlagen fuͤr/ es wuͤrden seine Quellen vertroͤgen uͤber ihr. 9. Du koͤntest mir noch mindern/ mein Seelchen/ diese Brunst und seine Gluhten lindern durch naͤhre Liebes-gunst. 10. Was? naͤher? nicht. Wir kennen der Ehr und Tugend Schein. Eh wolt’ ich ganz verbrennen/ als so geleschet sein. F iij Nacht- Geharnschter Venus III. Nacht-last/ Tages-lust. Oberstimme. C. S. Grund-stimme. Drittes Zehen. 1. Die Nacht die sonst den Buhlern fuͤgt und suͤsse Hoffnung mach t Die Ruh/ die einem Liebendem sagt alle Wollust zu/ bringt mir nur lauter Schmerzen und raubet mir das Licht/ das meinem truͤben Herzen des Trostes Straal verspricht. 2. Der Tag dem sonst kein Pafos-kind recht guͤnstig werden mag Die Gluht der goͤldnen Strahlen/ die der Venus schaden tuht. F iiij Er- Geharnschter Venus Erteilt mir lauter Freuden und goͤnnet mir das Gluͤkk die Augen satt zu weiden in meiner Liebsten Blikk. 3. Wenn iezt Apollens Feuer-gold der Berge Haubt erhizzt. Und nu die auffgewekkte Welt entsaget ihrer Ruh: ruͤhrt mich Rosillen Wange mit einem feuchten Kuß’ und dieses waͤhrt so lange biß auff den Hesperus. 4. So bald der Sonnen Kerze wird in Thetis Schosse kalt Laton’ in duͤstrer Wolken-Lufft fuͤhrt auff den bleichen Mohn so weicht mein Licht von hinnen denn wird mir erst die Nacht das Kind der Erebinnen zur rechten Nacht gemacht. 5. Drum geh verhaßtes Sternen-Heer gleich nim̃er auß der See. Komm an/ geliebter Lucifer tritt auff Olympens Bahn. Der Tag der mich so liebet/ soll meine Freude sein. Die Nacht/ die mich betruͤbet/ weich’ in die Hoͤll’ hin ein. Noht Drittes Zehen. IV. Noht pruͤfet die Liebe. Oberstimme. M. C. Grund-stimme. F v Solt’ Geharnschter Venus 1. S Olt’ ich den Tod nicht froͤlich leiden? Rosille weint ob meinen Scheiden/ sie liebt mich/ da die Seel’ entfaͤhrt und in die fernen Felder kehrt. 2. Jn Noht und Jammer sehen truͤbe: hieran erkennt man wahre Liebe. die mit in Freuden lustig war/ traurt nu bey meines Bettes Bahr. 3. Jhr Wolken-bruch der Traͤhnen-guͤsse macht uͤber meinem Koͤrper Fluͤsse/ dem Koͤrper/ der sein Bluht verlaͤßt/ und iezt dem Athem auß sich blaͤst. 4. Die Lieb’ ist schlecht und kaum zu nennen: Nur lieben weil die Augeu brennen/ weil noch die Stirn ermuntert sieht und alles Rosenfaͤrbig bluͤht. 5. Jch lieg’ allhier auff so viel Wochen/ mein Leib ist lauter duͤrre Knochen/ der Lippen Purpur blaͤsset weiß der arme Band ist Todten-eyß. Jch Drittes Zehen. 6. Jch bin nicht mehr ein Mensch zu nennen mich meiden alle/ die mich kennen/ Rosille bleibt bey mir und wacht so manche/ manche/ manche Nacht. 7. O Treu-Exempel! Gunst-gemerke O Muster wahrer Liebes-Werke! Rosill’ haͤlt biß zur lezten Noht und wuͤnscht vor mich ihr selbst den Todt. 8. Wie kan ich Freundin/ diß vergelten/ indehm ich folge den Gewaͤlten/ die ieder Mensch vom Sternen-fluß’ ohn allen Einspruch dulden muß. 9. Jch wil in deiner Seele leben/ mein Schatten soll stets um dich schweben biß du auch auß dem Leben faͤhrst und deine Seele mir gewaͤhrst. 10. Jndessen sollen diese Zeilen so lange deine Schmerzen heilen/ es soll diß treue Zeuge-blatt der Nachwelt ruͤhmen deine Taht. F jv Wer Geharnschter Venus V. Wer kan was Liebes ohne Traͤh- nen wissen. Oberstimme. M. C. Grund- Drittes Zehen. Grund-stimme. 1. C Harille wird mir abgerissen/ und du verbeutst/ ich solte nicht mit Traͤhnen waschen mein Gesicht. ach! solt’ ich sie mit Freuden missen/ Filander/ die mir in Gefahr Trost/ Lust in allen Sorgen war. 2. Kein groͤsser Kreuz ist auff der Erden/ als wenn sich Lieb’ und Liebe trennt wenn/ die in Gegen-guͤnsten brennt vom Geharnschter Venus vom Liebstem muß geschieden werden. Jch glaube nicht/ daß eine Pein mit dieser kan zugleichen sein. 3. Sie liegt in eines fremden Armen/ ein Toͤlpel feuchtet ihren Mund/ Sie seuffzet nach mir iede Stund’ und fleht mich an um mein Erbarmen. Der Eltern Geiz und Sauer-Zahn macht/ daß ich sie nicht retten kan. 4. Jezt wird sie zu der Eh gezwungen/ iezt muß sie schlagen Hand in Hand/ ich werd’ erfuͤllt mit Spott und Schand’ und ab von ihrer Gunst verdrungen. Sie weint und klagt/ und ich soll sie verlassen sonder Leid und Muͤh. 5. Filander/ ich wil Sie beweinen/ so lang’ ein Traͤhnchen quillt in mir ich werd ein neuer Fluß fuͤr ihr ich werd’ als Niobe zu Steinen/ ein Baum/ ein Schall/ ich werde nichts um ihrentwegen angesichts. Der Drittes Zehen. VI. Der verbrannte Amor. Oberstimme geschwinde M. C. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. S Olt’ Amor wol gefluͤgelt sein? ich bild es mir nicht ein. Laͤngst ist er bey mir eingezogen nie ist er wieder fort geflogen/ solt’ er gefluͤgelt sein: ich bild’ es mir nicht ein. 2. Es macht uns zwar Apelles Hand den Amor so bekand. Haͤtt’ aber er ie koͤnnen fliegen er wuͤrde so nicht stille liegen. Ja wol gefluͤgelt sein ich bild’ es mir nicht ein. 3. Doch/ Drittes Zehen. 3. Doch/ st! aniezt besinn’ ich mich: er hatte was an sich Als er zu mir kahm eingefahren/ mich duͤnket/ daß es Federn waren. Er muß wol halten Stand die Federn sind verbrannt. 4. Er aber hat selbst Schuld daran daß er nicht weiter kan. Er hat ein Feur in meinem Herzen entzuͤndet mit der Liebes-Kerzen. ich goͤnnt’ es/ Amor/ dir/ waͤrstu nur erst auß mir. VII. Brenn/ aber lindre auch. Ober-stimme. M. C. bin Geharnschter Venus Grund-stimme. 1. W As hab’ ich/ kleiner/ dir getahn daß ich nicht Ruhe haben kan/ willstu Drittes Zehen. willstu mich denn zu Aschen breñen? Jch bin ohn diß entaͤdert bleich und einem schwarzen Schatten gleich von meinen Bruͤdern kaum zu kennen. 2. Jch gebe dir die Sieges-Fahn’ und flehe dich in Demuht an/ laß deinen Diener nicht verderben. Es gibt dir/ Amor/ schlechten Preiß wenn/ der sich nicht zu retten weiß soll auff gebognen Knien sterben. 3. Genade zieret einen Held. Jch raͤume dir des Herzens Feld/ mein blosser Busem steht dir offen. Zieh ein/ und goͤnn mir nur die Lehn ich wil dir zu Gebote stehn/ was hastu mehr von mir zu hoffen. 4. Wer wird/ hastu mich umgebracht/ alsdenn erheben deine Macht? Wer wird von deinen Tahten singen? Werd’ ich noch etwas uͤbrig sein: s o Geharnschter Venus so bleibt die Ehr’ a lleine dein. Mein Staub kan dir nicht Nuzzen brin- gen? VIII. Redliche Liebe/ Neider Zwang. Oberstimme. Franzoͤsisches Ballet. Grund- Drittes Zehen. Grundstimme. 1. M Acht euch lustig Neider-Herzen blaset/ wie ihr tuht Blizz/ Schwefel blaue Gluht unser’ heisse Liebes Kerzen Amors Straal und Licht verdunkelt ihr doch nicht. Wie daß heitre Sonnen glizzen Etnen Feuer dunkel macht/ so wird eurer Rachen blizzen gegen unsern Scheine/ Nacht. Waͤrt Geharnschter Venus 2. Waͤrt ihr Kinder guter Ehren scheutet ihr so nicht des klaren Tages Licht. Die dem dunklem angehoͤren bleiben/ wie sie sein ohn Tugend-Licht und Schein. Unsrer Liebe goͤldnes Feuer stekkt sich in die Winkel nicht/ steigt empor und blizzet freyer als die Laͤster-kohle sicht. 3. Nun ihr Rauch und Qwalm-Verwanten Eure Russigkeit bezeuget wer ihr seid. Weicht und sucht die euch Bekanten so die Nebel-Lufft erhaͤlt in Pluto Grufft. Euers Schwefels Angezuͤnde wird euch mindern Schlaff und Ruh Unsrer Liebe Westen-Winde wehn uns goͤldne Straalen zu. IX. Wahrer Traum. Ober- Drittes Zehen. Ober-stimme. C. B. Grund- Geharnschter Venus Grundstimme. 1. J Ch gieng’ einmahl im Traum zu Schiffe die Mele war mit mir mein Kind/ es bließ der linde Westen Wind als unser Schiff zu Lande lieffe. Jndehm entstund’ ein Schiffgeschrey daß diß das Jnnland Zypern sey. Als Drittes Zehen. 2. Als wir das Ufer nu gegruͤsset umfieng mich Mel’ und sprach zn mir: Schaz/ laß uns schauen diß Revier/ das Tahl/ so iener Fluß begiesset/ und hier der Zinnen hohen Schein/ so fast die Wolken nehmen ein. 3. Es war der Tempel der Dionen um welchen der Poeten Schaar so manchesahl bemuͤhet war/ wo Lieb’ und Liebes-Kinder wohnen. Sein Altertuhm und Goͤttligkeit verkuͤrzt’ uns leichtlich Weg und Zeit. 4. Wir kahmen zu den Marmortuͤhren/ Kupido ließ uns buͤkkend ein/ die Priesterinnen schrekkt der Schein der meine Schoͤnheit pflegt zu zieren. Sie schrien mit gebeugtem Knie: hier ist die Venus/ hier ist Sie. 5. Das Bild der Goͤttlichen Zytehren verfaͤrbte sich ob dem Altar. G Der Geharnschter Venus Der Hauffe/ so im Tempel war die Liebes-reizinn zu verehren rieff laͤuter: der sonst keiner nicht gebieret Ehre/ Wuͤrd’ und Pflicht. 6. Jndehm bewegt ich mich im Schlaffe der Traum verschwand/ Jch wurde wach und dachte diesem Bilde nach. Sich! (dacht’ ich) daher ruͤhrt die Straffe. Die Venus macht mir so viel Muͤh weil Mele schoͤner ist/ denn Sie. X. Wer troͤstet mich nu? Ober-stimme. M. C. Noht Drittes Zehen. Grund-stimme. G ij Es Geharnschter Venus 1. E S hielte mich das Norden-land wo Zyntius zu Bette gehet/ die Gegend war mir unbekand/ ihr fremder Steig mit Schnee verwehet/ da stund’ ich auß Gefahr und Noht es stritten mit mir Furcht und Tod: der scharffe Sebel der Barbaren ist offters um mein Haupt gefahren. 2. Gradivus ließ mich keiner Ruh in vielen Naͤchten nicht geniessen. Du Bug und strenges Masau du ihr werdet mir es zeugen muͤssen. Doch hab’ ich in so vieler Muͤh Angst/ Sorg’ und Furcht geklaget nie warum? der Stern der Froͤligkeiten/ Rosillette leuch/ mir zur Seiten. 3. Rosill’ ist mir Gewerb und Hauß/ Freund/ Eltern/ Vaterland und alles bey ihr halt’ ich all Elend auß/ bey ihr befuͤrcht’ ich keines Falles. Will sie: ich geh mit ihr zur See wenn Sturm und Blizz spielt auff der Hoͤh/ ich Drittes Zehen. ich wage mich in ferne Wuͤsten und wohne/ wo die Schlangen nisten. 4. Jezt haͤlt mich ein beqweemer Ort mich kuͤhlt ein Zefyr auß der Gehre/ ich bin bedienet fort fuͤr fort mir mangelt nichts an Gunst und Ehre. Doch wird mir mein Gesichte blaß der Augen Lauge macht mich naß ich bin ein Schaͤm und Schein zunennen und kan mich selber kaum erkennen. 5. Der weite Weg/ der mich von ihr in so geschwinder Zeit verstossen/ entaͤdert meines Leibes Zier/ ich gleiche Leten Haußgenossen/ weil ich so mancher suͤssen Lust des Kusses/ der beliebten Brust auff ewig/ ach! in dieser Erden muß mangeln und beraubet werden. 6. Zwar bin ich schlechter Mensch nicht wehrt/ daß ihr/ der Schoͤnen/ mein etwegen ein einig Seuffzgen nur entfaͤhrt sich moͤg’ ein Traͤhnen-troͤpschen regen: G iij Doch Geharnschter Venus drittes Zehen. Doch wil ich schweren/ daß sie sich mehr qwaͤlt und aͤngstigt/ weder ich/ Ach! moͤcht’ ich doch nur bey ihr stehen und ihr Betruͤbnis an-mit sehen. 7. Gluͤkkseelig ist der/ welcher kan in Gegenwart der Liebsten weinen. Gluͤkkseelig ist/ wer siehet an wie ihr Herz auch nicht sey auß Steinen. Jch weiß nicht/ was die Traͤhnen-saat fuͤr stille Freuden in sich hat wenn sie sich laͤßt zusammen sprengen und treulich in einander mengen. 8. Nun/ weil ich nicht kan um sie sein so sind mir diese zarten Felder/ die Elis auch nichts raͤumen ein/ Tessaljen schwarz vergiffte Waͤlder. Fuͤhr mich dahin Suͤdwesten-wind wo die Rosille Blumen bindt/ ich wil mein Schiffgen allen Wellen ganz unverzagt entgegen stellen. Des dritten Zehens Ende. Filidors Filidors Geharnschter Venus Viertes Zehen. G iiij Den Denen zweyen Hochbegabten Schaͤfern/ Dem Zahrt-laͤnder und Hirander. Wie auch dehm Edlen Elb-Schaͤfer Nepheltdor/ aus Nila- delfia/ uͤbergibt gegenwertiges vierte Zehn Filidor der Dorfferer. Durch folgendes d. f. w. S Oll/ Zahrt-laͤnder/ ich von dir hier was melden oder schweigen? Jens verbeut der Freundschafft Menge dieses wehrt der Ubelstand und Zuschrifft. und bezeugt mich des Vergessens. Haͤtt’ ich nur Apelles Hand/ wolt’ ich d ein Verdienst um mich durch den stillen Fuͤrhang zeigen. Jezt sey dieser Strich genug. Weilmein A- tem sich wird regen ist mein dancken zu geringe gegen deiner Guttaht Zahl/ die du hast an mir erwiesen. Leben/ Leib und allzumahl was in meinen Kraͤfften wohnt/ wil ich dir zu Diensten hegen. Du/ Hirander/ Deutsches Herz hast mich ie und ie geliebet/ seit ich Liebens wehrt gewesen/ du bist mir der erste Freund/ wirst auch wol der lezte bleiben/ wie dus hast mit mir gemeint/ hat so leicht die alte Welt gegen Freunde nicht geuͤbet. zuͤrne nicht/ Nephelidor daß ich dich zulezt ver- melde/ dich/ den Nord-stern meiner Freunde/ der weit ob den Wolken steht und den dunkeln Nebel truzzet/ wenn des Neides Herbst entsteht/ G v Edler/ Zuschrifft. Edler/ zuͤrne/ zuͤrne nicht! weil Apollo in dem Felde des beblauten Himmels blizzt/ sollstu mir der groͤste heissen. Um so viel du meinem Nahmen/ der hier- unten/ naͤher bist: nun mit so viel treuern druͤkken sollstu sein von mir gekuͤßt. Laß mir zu/ daß ich dich mag mit zu meinen bei- den reissen! Dein gekroͤnter Lorber-Kranz hat sich mir ge- neigt erwiesen: war schon nichts an mir zu finden/ welches dieser kleinen Welt/ die nu ganz Merkurisch lebet/ in die stolzen Augen faͤllt. Du hast selbst diß gantze Werk erst gestraffet/ denn gepriesen. Bleib’ auch dieses Zehens Freund/ steiffe Ve- nus Myrten-Zweige/ halte deine Dafnen-Blaͤtter uͤber ihren Glanz empor/ halt auch/ Retter/ uͤber mir/ deinem Diener/ Filidor. Nehmet endlich inngesamt guͤnstig an/ was ich euch zeige. Schuͤz- Zuschrifft. Schuͤzzet diese zarte Schrifft/ die nur auß der Feder fleusset/ derer jungen Dinten-naͤsse kaum kaum noch vertruknet klebt. Jst es/ daß mein schwaches Dichten seine Kindheit uͤberlebt: Denn so hoffet auch auff Gold/ daß diß nicht ist/ noch so gleisset. Hamburg den 30. Augustm. 1657. Meiner Hochgeehrten Hoch- wehrten Herrn Herrn befiaͤndiger Diener Filidor/ der Dorfferer. G vj Liebe Geharnschter Venus I. Liebe/ die Koͤniginn der Welt. Ober-stimme. C. S. Grund-stimme. Viertes Zehen. 1. K Jnd/ das Goͤtt- und Vaͤter zwinget/ Kind/ deß hoher Zepter dringet durch die Macht der ganzen Welt/ Herr der Erden/ Zwang der Sterne/ Herrscher uͤber Nah und ferne/ dehm/ was lebt/ zu Fusse faͤllt. 2. Amor/ weil ich leb’ in Luͤfften/ (dort auch in den finstern Gruͤfften) werd’ ich deinen hohen Preiß uͤber dem gestirnten Wagen des Tierhuͤters hinzutragen sein bedacht durch meinen Fleiß. Kei- Geharnschter Venus 3. Keinen Lorbeer werd’ ich finden/ den ich dir nicht umzubinden buͤkkend werde sein bedacht. Hundert-tausend Keyser Krohnen solten deine Gunst belohnen stuͤnden sie in meiner Macht. 4. O/ wie wol wird der begnuͤget/ der fuͤr dir auff Knien lieget und dich eyffrig betet an! Jst Gedult nur bey dem Schreyen: s o wird bald dein Trost-verleihen ihme werden kund getahn. 5. Daß sich nu mein Leiden endet/ daß sich Freude zu mir wendet/ daß mein Liebchen freundlich sicht: daß die zarten Purpur-wangen an den meinen lieblich hangen: ist das deine Gnade nicht? 6. Ja. Eh’ ich dich/ Allguht/ ehrte/ O! wie mancher Seuffzer stoͤrte meiner Naͤchte sanffte Ruh’ Ach/ Viertes Zehen. Ach/ mit was fuͤr herber Klage/ bracht’ ich meine Fruͤhlings-Tage sonder Trost und Hoffnung zu! 7. Nu beginnt mein Gluͤkk zu bluͤhen und der Winter weg zu ziehen/ der mein Leben machte grau. Nu besprengt bey hellem Wetter meines Lebens gruͤne Blaͤtter Der Rosillen Lippen-tau. 8. Das/ was mich vorhin betruͤbte/ was ich sonder Nuzzen liebte bringestu mir redlich ein. Wer nu dich wil grausam nennen/ muß ganz keine Guͤte kennen und ohn all’ Erkaͤntnuͤs sein. 9. Du bists/ der du mir das Leben/ und des Lebens Lust gegeben/ ohne dich stirbt alle Freud’ alle Wollust wird zu Schmerzen gibstu nicht dem kranken Herzen Labsal und Ergezligkeit. D Geharnschter Venus 10. Darum/ wer sich in dem Lieben unbetruͤbt gedenkt zu uͤben/ ehre deiner Hoheit Pracht. Jch/ so lang’ ich werde bleiben/ wil von deiner Guͤte schreiben und erheben deine Macht. II. Uber ihr Schreiben. Oberstimme. C. B. Grund- Viertes Zehen. Grund-stimme. 1. H Onig-reden/ Zukker-Zeilen/ Worte voller Lieb’ und Gunst/ Lettern/ so die kranke Brunst meiner stillen Schmerzen heilen zuͤge/ die die Goͤtter fuͤhren und mir Geist und Leben ruͤhren. Red- Geharnschter Venus 2. Red-art unverfaͤlschter Treue/ Sinnen-außspruch/ Herzens mund/ Schrifft allein uns beyden kund/ Mahlwerk/ desseniede Reye mehr Ergezligkeit kan machen als Apelles Kuͤnstler-Sachen. 3. Ewig muß der sein gepriesen und biß in das ferne Feld/ wo Diana Feuer haͤlt/ zu den Engeln hingewiesen der zu Trost dem treuen Lieben erstlich auff Papier geschrieben. 4. Wenn mir wo das Ohre klunge/ nu erwehnt sie mein (dacht’ ich) ach! wer weiß/ wol laͤcherlich. Wenn der Trauer-vogel sunge der der Sonnen-straal nicht leidet und sich bey den Graͤbern weidet. 5. Das bedeut der Liebsten Sterben. Jezt liegt sie in lezter Noht/ iezt/ O weh ! ist sie schon todt/ (rieff Viertes Zehen. (rieff ich klaͤglich) dein Verderben/ Schoͤne/ soll auch meines werden und entsagte gleich der Erden. 6. Aber/ wer wird mir beschreiben die gleich ohne Zentner Pein wenn mich wor ein Traum nahm ein/ sonderlich/ wenn nu die Scheiben sich am Himmel heller zeigen und die Duͤnste reiner steigen. 7. Wie sie stets in meinen Sinnen so bey Nacht/ als Tage steht/ wacht und mit zu Bette geht : So kunt’ auch kein Schlaaff zerrinnen daß ihr Bildnis/ das so suͤsse sich nicht um mich merken liesse. 8. Wie nu eine wahre Liebe alles fuͤrchtet/ scheuet/ denkkt/ so: erschien sie als bekraͤnkkt/ ging sie traurig/ sach sie truͤbe: ward mein ganzer Tag ein staͤhnen untermischt mit Klag’ und Traͤhnen. Ließ Geharnschter Venus 9. Ließ sie schiessen Freuden-blikke/ f iel das Wieder-Spiel mir ein. Sie moͤcht’ eines andern sein/ (meint’ ich) stieß sie mich zuruͤkke. Ja/ ihr Kuͤssen und umfassen Legt’ ich auß auff Zorn und Hassen. 10. Und/ so ward mir alle Morgen umgetrieben Muht und Geist/ was mir diß und das verheist dreute Kummer/ Zweiffel Sorgen biß der susse Bohte kahme der mich meiner Muͤh entnahme. 11. Da ward ich der Angst entrissen/ meine Schoͤne war gesund/ ach! was taͤht sie mir nicht kund. doch/ es ziemt nur uns zuwissen/ was sie mit entzuͤkkter Suͤsse mich verdekket wissen liesse. 12. Wo es wahr ist/ was man saget/ daß ein weisses Paar der Schwan’ auff Olympus hoher Bahn vor Viertes Zehen. vor der Venus Wagen jaget zog die Feder/ so diß schriebe deren fluͤgeln auß die Liebe. 13. Amor hat sie selbst geschnitten/ Venus nacher erst gebraucht/ und in Nektar eingetaucht/ und die eine der gedritten/ Liebe/ Freundligkeit und Leben ihrem Kiel’ erbeigen geben. 14. Nu du schoͤnste Schrifft der Schoͤnen/ deine Dinte soll allein meiner Marter kuͤhlung sein/ ja des Todes Gifft verhoͤnen: Dich/ und was die Musen schrieben. werd’ ich/ weil ich lebe/ lieben. III. Liebe/ Sinnen-raub. Oberstimme. C. S. liebte Geharnschter Venus Grundstimme. Viertes Zehen. 1. M Ein Lieb baht mich in einen Garten wo der verliebte Westenwind der Floren pfleget auffzuwarten die Lufft war fahl/ Apollens Kind/ der Tag begunnte gleich zu sterben und seine Schoͤnheit zu verfaͤrben. 2. Kaum war ich dar hinein gegangen/ so neigte sich der Sternen Heer/ Diktinna blaͤßte Licht und Wangen und Hesperus wich in das Meer. Der schwarze Schatten wurd’ erhellet und in den goͤldnen Tag verstellet. War- Geharnschter Venus 3. Warum? Rosille/ meine Wonne/ kahm durch den gruͤnen Busch herein, Jhr haͤtte selbst die klare Sonne gewichen und den Demant-schein/ durch ihre Straalen uͤberwogen auß Schaam mit Wolken-tuch umzogen. 4. Die Venus ging in ihren Schritten/ Aglajen war ihr Außsehn gleich/ Es straalt’ auß ihren holden Sitten des Amors ganzes Koͤnigreich: Lust/ Liebe/ Freundligkeit und Leben den treu-verliebten nur gegeben. 5. Sie ruͤhrte mit den Seiden-Haͤnden mich/ ihren Lieben sachtlich an. Jchglaube nicht/ daß in den Baͤnden des Himmels mehre Lust sein kan. Mich duͤnkt/ ich fuͤhle noch verzuͤkket/ wie sie an ihre Brust mich druͤkket. 6. Ach Schau-plaz aller Liebligkeiten/ erhabne Brust/ der Goͤtter Saal/ wo Viertes Zehen. wo Freud’ und Schoͤnheit sich begleiten und du/ du suͤsses Liljen Tahl/ wie gern wolt’ ich in deinen Gruͤnden Adonis gleich mein Ende finden. 7. Sonst weiß ich weiter nicht zusagen was mir ihr suͤsser Zukkermund/ damahl auß Liebe fuͤrgetragen. Euch Baͤumen nur/ euch ist es kund’/ euch ist es kund ihr Blumen-Matten die ihr es hoͤrtet durch den Schatten. 8. Die Lust/ so uͤberhaͤufft sich findet/ benimmt uns des Gedenkens Krafft. Je mehr sich Amors Gluht entzuͤndet ie mehr Verstand wird hingerafft. Mein Sinn war dunkel/ gleich den Blinden und kunte sich in sich nicht finden. 9. O suͤsser wahnwiz! ach! wie gerne/ wolt’ ich noch iezt so rasend sein. Diß ist die Seeligkeit der Sterne und aller Goͤttern is gemein : daß sie in Wollust so verfuͤhret nicht merken/ wenn sie Schmerzen ruͤhret. H Nu Geharnschter Venus 10. Nu ich bin meiner Sinnen Meister/ und weiß es was mich labt und kraͤnkt: betruͤben sich die Lebens-Geister/ die Seel’ ist wie ein Turn versenkt/ den Turn/ wo Einsamkeit/ wo grausen und nichtiges Verlangen hausen. 11. Nur troͤsten mich die Freuden immer die ich bey Rosilen gehabt. Du Lust-Ort des Priapus Zimmer/ dein Blumwerk muͤsse sein gelabt dafuͤr/ mit ewig warmen Lenzen und angenehmen Sonnen-glaͤnzen. IV. Das angenehme Gespenst. Oberstimme. Franzoͤsische Blamande. als Viertes Zehen. Grundstimme. Geharnschter Venus 1. D As Wolken-dach war mit der Nacht umzogen/ Arkas hielt die Mittel-stelle durch den Sternen- Bogen Als Oridor verhindert von den Zug nach seiner Mele Verlangen trug. Er lieff entsinnt durch Wiesen/ Waͤlder/ Berg und Tahl das Scheiden bracht ihm Herzens-angst und Qwaal. Solt’ ich/ ach Schoͤne/ dich noch sehn einmahl! 2. So schrie er biß er zu der Huͤtte kahme/ da/ wo seine Mele die fuͤsse Ruh einnahme. Kaum ruͤhrt’ er an den Riegel bey der Tuͤhr/ so wischte Mopsa vom Stroh herfuͤr: Werklopffet an so langsam schon nach Mitternacht? Mach/ Maͤgdchen auf! Ja/ bald haͤtt’ ich auf gemacht. Ey Viertes Zehen. Ey ja. Wer ist denn da? hastu nicht acht? 3. Kennstu nicht mehr der Melen ihren Treuen/ kan ein halber Tag so bald der Liebe Band entzweyen? Doch sie weiß nichts hiervon das gute Kind/ daß Oridor so schnell Abschied find: Ach! moͤchte nur das fromme Herze werden wach ich weiß gewiß/ Oridor kaͤhm unter Dach. Nu weh! ich/ ich vergeh! wer fragt darnach. 4. Der Oridor/ den du hich faͤlschlich nennest/ weil du unsrer Hirtin Liebes-Brunst vielleichten ken- nest/ ist weit von hier/ wo der Trommeten Hall bedaͤmpfft den suͤssen Schallmeien Schall. Er ist hinweg/ und wolte Gott! er waͤre hier er wuͤrde bald weisen dir ein’ andre Tuͤhr/ O nein! es kan nicht sein. Geh sag’ es ihr. 5. Was mag es sein/ daß Waͤchter so muß bellen. Mopsa/ Mopsa/ hoͤrstu Magd nicht/ wer ist an der Schwellen. H iij Jch Geharnschter Venus Jch glaͤube/ Sakk/ du haͤst dir wen bestellt des Nachbarn Knecht/ der dir so gefaͤllt. Mach lieber Feur im Schorrstein/ spinne deine Zahl/ tezt kreht der Han allbereit zum andernmahl. Au! au! Es ist die Frau/ ich leg mich tahl. 6. Was? meinstu so zu bergen deine Tuͤkke? Sag mit wehme triebstu vor der Tuͤhr so Schelmen- stuͤkke. Ach herze Frau/ wir sind verrahten hier/ es ist ein Mensche drauß fuͤr der Tuͤhr/ der klopffet an/ wil mit Gewalt zu uns herein/ spricht: Oridor bin ich/ Mele/ laß mich ein. Macht auff. Gebt Achtung drauff. Die Stimm’ ist sein. 7. O Mele/ Mele/ was hab’ ich verbrochen ! ist nu diß die Treue/ die du mir so offt versprochen? Nu steh ich hier der Regen treufft auff mich der Wind durchweht mich kalt-grimmiglich. Ach/ meines Leids! wo kommt doch diese Stimme her? So seuffzet/ klagt/ so beschweert und bittet er. Wer ist? den du vergist/ was darff es mehr. Jhr Viertes Zehen. 8. Jhr Goͤtter ach! was soll ich darvon denken/ wollt ihr meine kranke Seele gar zu Tode kraͤnken. Jsts Oridor! Ach nein/ es ist ein Geist/ mein Oridor ist ja fortgereist. Jch wil hingehn/ er sey es oder sey es nicht. Trit mit herzu/ Mopsa/ sich/ hier kommt ein Licht. Er ists. Ja/ Frau/ ihr wists. Schweig/ Boͤsewicht. 9. Jch wag’ es drauff/ und wil den Riegel ziehen: Bleibe Schaͤlkinn/ wirstu nu von mir in Noͤhten flie- hen? Jch fuͤrchte mich/ Frau/ lasset ja nichts ein/ wer weiß es/ was fuͤr ein Ding mag sein/ denn Oridor hab’ ich ja heute selbst gesehn dort uͤbern Berg schnell mit vielen Pferden gehn. Wer weiß was auff der Reis’ ihm sey geschehn. 10. Still mit der Tuͤhr? daß nicht mein Vaterhoͤre/ und mir meine Lust mit Oridor auff heute wehre. Ach Frau/ er ists/ zuͤnd’ ich den Schorrstein an daß meine Zahl ich außspinnen kan? Schweig/ Naͤrrin/ nein iezt ist nicht Licht noch spi n- nen noht/ mein Vater hat ja Gott lob ohn diß noch Brodt. H iiij Ge h Geharnschter Venus Geh vor/ mein Oridor/ sonst bin ich todt. 11. Drauff trat er ein. Ein liebliches umfangen stillte beyder keusche Lust und ehrliches Verlangen/ und ob die Nacht schon sonder Monden war sie ganz all ein/ und ausser Gefahr/ war doch ein Kuß genug zu leschen ihre Brunst/ die Pallas hat so bewiesen Lieb und Gunst/ in Zucht/ wenn sie besucht der Gott der Kunst. 12. Darum/ mein Freund/ der du die Nacht bedenkest/ und auff ihre suͤsse Lust die heisse Sinnen lenkest/ sezz hier nicht ein des Laͤsters gelben Zahn/ Sie haben nichts nicht iemahls getahn. Das wieder Zucht/ Gebuͤhr/ Zulaß und Tugend streitt Sie liebten sich in der seltnen Reinligkeit. Gleich wie Geschwister ie sich keusch erfreut. V. Liebes-streit. Gedanken. Ober- Viertes Zehen. Ober-stimme. J. K. H v Grund- Geharnschter Venus Grund-stimme. Jch Viertes Zehen. 1. J Ch sach mit einer einen scherzen/ da fiel die Rosilis mir ein. Was? fiel erst Rosilis mir ein/ als ich die beyde sahe scherzen? die Rosilis ist allzeit mein und schwebet stets in meinem Herzen. 2. Es schmazzten vier Korallen-Lippen/ da dacht’ ich auff Rosillen hin. Dacht’ ich auff ihre Lippen hin/ als schmazzten vier Korallen Lippen Nein. Lauter Rosen und Rubin sind ihres roten Mundes Klippen. 3. Jch sach zwey Liljen-Haͤnde druͤkken ! so weiß auch ist Rosillen Hand. Jst weisser nicht Rosillen Hand/ wenn sie die meinen pflegt zu druͤkken? Nicht Schnee noch Wolle haͤlt Bestand fuͤr ihrer Haͤnde silber-blikken. 4. Jch sach vier Arme sich umfassen/ so liebt die Rosilis auch mich. Wie? liebt die Rosilis so mich/ H vj durch Geharnschter Venus durch ihr besuͤßtes Arm-umfassen? Die Tugend hat sie mehr bey sich/ was uͤbrig/ wil sie zu-mir-lassen. 5. Es waren in dem Busen Haͤnde: So treib’ ichs mit Rosillen auch. Mein! leidet Rosilis diß auch/ und laͤßt darinnen deine Haͤnde? Rosill’ hat dieses nicht im Brauch/ so wende nu dein Ruͤhmen/ wende. 6. Sie sahen sich beyd’ an und lachten: so/ dacht’ ich/ lacht die Rosilis. Wer sagt was von der Rosilis/ wie ich und Sie zusammen lachten? Ja/ wenn ich Koridon schon hieß/ spraͤch’ ich es nicht/ sie zu verachten. 7. Es war nur ein Gemuͤht in zweyen: so ist die Rosilis gesinnt. Ja/ freylich/ ist sie so gesinnt/ es lebt nur ein Geist in uns Zweyen. Ach ! sollt’ ich Rosilis/ mein Kind/ daruͤber mich nicht herzlich freuen. Laß Viertes Zehen. 8. Laß andre lachen/ laß sie klagen/ laß herzen/ scherzen und was mehr. Jch duͤrff kein Zeugnuͤß/ Herze/ mehr/ als dein bey meinem hingehn/ klagen. Rosille liebt mich noch so sehr/ als ich beschreiben kan und sagen. VI. Klugheit verbirgt die Liebe. Ober-stimme. C. B. man Geharnschter Venus Grund-stimme. Es Drittes Zehen. 1. E S ist genug der Haͤnde druͤkken/ der Fuͤsse Tritt/ der Augen nikken/ wenn/ Buͤschgen/ wir bey Leuten sind. Hoͤr auff mit weitern Liebes Werken/ man wil es fast zu scheinbar merken daß wir uns lieben/ gutes Kind. 2. Sind wir denn in geheim bey sammen/ so luffte frey die heisse Flammen/ bin ich doch/ Naͤrrchen/ allzeit dein/ Denn koͤnnen wir uns satt zu kuͤssen/ und was wir ie zuweilen missen/ mit Wucher wieder bringen ein. 3. Mein Buschgen/ kennstu nicht die Leute? der dir ganz freundlich steht zur Seite/ gibt achtung auff dich/ als ein Feind. Die sich am naͤchsten um dich stellen/ sind deines Nahmens Ruhm zu faͤllen verraͤht- und moͤrderlich gemeint. 4. Man kan sich nicht genugsam huͤten/ straks ist des Neiders Gifft und wuͤten auff Lieb’ und Freundschafft fuͤr der Tuͤhr. Man Geharnschter Venus Man muß iezt gar gelinde gehen/ es weiß ein Luchs-aug’ auch zu sehen stellt man ihm gleich nicht Brillen fuͤr. 5. Jch werd’ es nicht fuͤr uͤbel deuten/ ob du mich gleich ie fuͤr den Leuten verhaßt/ und heist mich von dir gehn. Ein Spoͤttchen kan ich leicht verschmerzen/ laͤstu mich nur in deinem Herzen fuͤr deinen Freund und Schaz bestehn. 6. Drum sey genug dir Haͤnde druͤkken/ der Fuͤsse Tritt/ der Augen nikken/ wenn/ Buͤschgen/ wir bey Leuten sind. Wer weiß ob nicht auß diesen Werken die schlauen Neider ab-was merken daß wir uns lieben/ gutes Kind. VII. Je dunkeler/ ie besser. Oberstimme. J. K. Foͤbe Viertes Zehen. Grund-stimme. Hab’ Geharnschter Venus 1. H Ab’ ich was der Nacht zu danken/ gilt es dir drum/ Foͤbe/ nicht. Deinetwegen/ Gramhafft Licht/ haͤtt’ ich ewig muͤssen kranken. 2. Dein verraͤhtrisch Silber-feuer hat mir offt geschnitten ab/ was mir Venus willig gab/ mir/ mir sonst verlaßnem Freyer. 3. Buhler suchen ihr Vergnuͤgen in der stillen Finsternuͤß/ durch dich haͤtt’ ich nimmer diß/ was ich kriegte/ koͤnnen kriegen. 4. Nu du deinen Straal verborgen/ und der Nebel dich umschloß’ hielt mich meiner Liebsten Schoß eingehuͤllet biß an Morgen. 5. Jn den wild- und wuͤsten Gruͤnden/ wo kein Mensche dich verrieth/ durffstu wol/ wie man dich sieht/ beym Endimion dich finden. Wo Viertes Zehen. 6. Wo die Neider Wache stehen/ koͤmmt der Schatten mehr zu paß/ will ein Reisender/ so laß ihn durch deine Blizze gehen. 7. Was ich wuͤntsche zu erjagen kan ich fangen sonder Licht. Meinetwegen duͤrffstu nicht Gold an deinen Wangen tragen. 8. Wirstu aber ferner funkeln/ sprech’ ich gar Medeen an/ die soll dich an deiner Bahn auch in einem Hui verdunkeln. 9. Nacht/ du suͤsse Nacht/ mein Leben/ Leben/ Nacht/ du suͤsse Nacht/ du hast mich vergnuͤgt gemacht/ ewig sey dir Dank gegeben ! VIII. Amor/ der Wieder-taͤuffer. Ober- Geharnschter Venus Oberstimme. C. B. Grund-stimme. Drittes Zehen. 1. V Erzeih mir/ daß von Rosilis/ und Mel’ ich/ Buschgen/ hier was schreibe: so lang’ ich Filidor verbleibe/ bleibt meine Treu auch dir gewiß. Was hier von einer ist gedichtet/ hab’ ich auff drey auß Schein gerichtet. Wenn Geharnschter Venus 2. Wenn dein verliebter Zukkermund mir die besuͤßten Kuͤsse schenkte/ und mich mit solchem Labsal traͤnkte/ der alle Krankheit macht gesund so wars Melinde/ die ich schriebe der suͤsse Honig meiner Liebe. 3. Betrachtet ich den roten Schein in welchem deine Wangen bluͤhen/ wollt’ ich es auff die Rosen ziehen/ denn mustestu Rosille sein. Doch wirstu wol mein Buschgen bleiben/ ich mag dich wie ich will beschreiben. 4. Haͤtt’ ich dich Buschgen stets genannt/ so moͤchte mancher auff dich sinnen/ der Leute spizziges Beginnen ist mir mehr als zuviel bekannt. Nu deinen Nahmen ich bescheinet/ weiß mancher nicht/ wen ich gemeinet. 5. So laß mich nu die Rosilis die Mele gleicher massen loben: Du/ Buschgen/ wirst allein erhoben ob Viertes Zehen. ob ich dich schon Dorinde hieß’ ach ! ach Dorinde! der zu Ehren ich manches Lied auch lassen hoͤren. 6. Gedenkstu nicht/ wie du mich auch bald Oridor/ bald Karpas nennest/ da du den Filidor nur kennest: Sich/ Schaz/ das ist auch mein Gebrauch/ den ich zu erst von dir gesehen dem pfleg’ ich kuͤnstlich nachzugehen. 7. Ein Herze hab’ ich nur allein/ so ist mir ein Leib nur gegeben. Ein einger Geist bewegt mein Leben/ so sollstu/ Buschgen einig sein die ich durch hundert-tausend nennen fuͤr meine Seele wil bekennen. IX. Abschieds-Gedanken. Oberstimme. Franzische Saraband. Wort! Geharnschter Venus Grund-stimme. 1. O her- Viertes Zehen. 1. O herber Todes-stich ! O Dornen-wort! Rosille/ lebe wol/ ich reise fort. O Elend sonder End! O Zentner-Pein! wird meine Seel’ alsdenn auch bey mir sein. 2. Lebt doch mein Leben so wie todt/ in mir da ich/ mein Rosen-kind/ bin neben dir. wo meinen matten Geist dein Geist nicht regt bin ich ein kalter Leib und unbewegt. 3. Zerreiß/ verwirrtes Herz/ und weiche hin indehm ich noch bey ihr/ der Schoͤnen/ bin. der Trauer-seuffzer/ den sie druͤber laͤst ist der des Charons Schiff bald uͤberblaͤst. 4. Gewuͤnschte Sterbligkeit! besuͤßte Ruh! druͤkkt Sie/ Rosille mir die Augen zu. der Liebe lezter Dienst/ ein kalter Kuß wird machen/ daß ich todt auch leben muß. J Was Geharnschter Venus 5. Was wuͤntschest aber/ du Armer/ so? wird Rosilis dardurch auch werden froh? wird ihrer Augen Brunn denn stille stehn/ und ihr dein Sterben nicht zu Herzen gehn. 6. So lebe nu vielmehr/ denn bleibt noch Trost (wo dich das Gluͤkke nicht ganz unterstost) daß einsten Wiederkehr das bring’ herein/ mas dich vor Schmerzen nicht laͤst deine sein. X. Scheiden bringt Leiden. Ober-stimme. C. B. nicht Viertes Zehen. Grund stimme. Geharnschter Venus 1. J Ch bin mein Tage so mit Schmerzen/ mit Ungedult und weichem Herzen von iener Stat nicht abgereist. Nu ich auff wenig wenig Tage der suͤssen Gegend Abschied sage/ verwirrt sich Herze/ Muht und Geist. 2. Jch bin ia nicht so hoch empfangen/ nicht so auff weichen Rosen gangen/ mit Gold’ und Silber nicht beschenkt: daß ich mich sollte drum zu sehnen/ mich so zu Leid und Angst gewehnen. Ein anders ist es/ das mich krankt. 3. Wo Viertes Zehen. 3. Wo du es/ Fama/ nicht willst sagen/ mich durch die Maͤuler nicht willst tragen/ will ich es wol vertrauen dir: Es ist Melinde/ meine Schoͤne/ wornach ich mich so hefftig sehne/ diß eine/ dieses mangelt mir. 4. Melinde/ Ach! du liebe Seele/ wie hefftig ich mich um dich queele/ so bringt es dir doch mehr Verdruß. Jch weiß es daß viel tausend Staͤhnen/ viel tausend Seuffzer/ Leid und Traͤhnen mein Scheiden dir erwekken muß. 5. Was helffen mich nunmehr die Kuͤsse/ die du/ Melinde/ mir/ du suͤße/ du Zukker-kind/ gegeben hast? Nun sind es Wuͤrme/ die mich nagen/ nun sind es Pfeile die mich plagen. Ach Lust! wie wirstu so zur Last. 6. Wo etwas nicht mich armen Kranken/ enthielt die Freude der Gedanken/ und ich auff Hoffnung nicht gedacht. J iij ich Geharnschter Venus ich haͤtte mein verhaßtes Leben auch vor dem Tode Preiß gegeben und mir den Garauß selbst gemacht. 7. Wie hundertmahl denk’ ich der Stunde/ da ich/ Melind’/ an deinem Munde/ mit halb zerteiltem Geiste lag. Erinnerstu dich wie vor allen nur der mir wolte wolgefallen/ wie ich ihn offt zu ruͤhmen pflag. 8. Warum hastu denn nicht/ Mein Leben/ mir nu dein Muͤndchen mit gegeben? diß waͤre mir ja noch ein Trost. Umsonst. Jch muß es alles meiden/ der Himmel zwinget uns zu scheiden. das Gluͤkk ist allzusehr erboost. 9. Jsts muͤglich: daß es soll geschehen/ daß ich werde wieder sehen/ wie glukklich soll mir sein die Zeit. Laß kroͤsen den mit Golde laben und ienen stehn durch Rom erhaben: ich werde hoͤher sein erfreut. Des vierten Zehens Ende. Filidors Filidors Geharnschter Venus Fuͤnfftes Zehen. F iiij Dehm Dehm Offen-herzigen Filomusus. an dem Hochberuͤhmtem Pregel-flusse weidend uͤbergiebet Zur schuldigsten Dankbarkeit vor so uͤberheufft-erwiesene Guht- und Wolthaten gegenwertiges fuͤnfftes Zehen seiner geharnschten Venus Filidor der Dorfferer. durch folgende Gedenk-seule. d. f. w. Freund Zuschrifft. Freund/ Getreuer/ denn/ weil im Feuer mein Fuͤrst Apollo scheint/ ich werd’ unendlich lieben. Nimm hier fuͤr alle Gunst so du lang’ an mir erwiesen/ die Zeilen meiner schlechten Kunst/ mit Venus Schwanen-kiel geschrieben/ die Zeilen/ von der Jugend nur gepriesen. Zwar uͤberzeuget mich mein Sinn daß ich dir mehr verpflichtet binn: was aber/ ist in meinen Haͤnden? der Goͤtter uͤberheuffter Grimm fuͤhrt mich im Elend noch heruͤm ohn anzulenden. Jch weiß/ dz dein Gemuͤht’ auff ein getreues Herze sieht/ das steht/ mein Herzensfreund/ dir offẽ. Ein ander mag auff Gold und Schaͤzze/ auff Augen-schein und eitle Gaben hoffen/ der wehrten Freundschaft-bund helt and’ weit Geseze Mit diesen Zeilen wil ich dir mein Herz uñ mich erbeigẽ geben. ein mereꝛs schenk ich/ wiꝛd mich Gott zukuͤnftig u. dich lassẽ lebẽ. Hamburg den 1. Herbstm. 1657. Meines vielgeehrten Herren und vertrauten Freundes treu-bestaͤndiger Diener Filidor/ der Dorfferer. J v Umb Geharnschter Venus I. Umb ihrent-wegen allein. Ober-stimme. M. C. Grund-stimme. Man Fuͤnfftes Zehen. 1. M An mag mich loben oder schimfen/ man seh mich suͤß und sauer an: Genug/ daß ich der schoͤnsten Nymfen/ Rosillens Ruhm beschreiben kan. Sprecht/ stolze Neider/ sprecht nur immer ich sey veracht und ungelehrt/ wo mich ein eitels Frauenzimmer nicht machte bey der Welt gehoͤrt. 2. Recht. Durch Sie wil ich sein erhoben durch ihren glanz der Freundligkeit/ durch ihrer reiffen Tugend Loben durch das/ wormit Sie mich erfreut. Es wird mir nicht zum Nachteil dienen/ daß ich ihr Wesen hier benennt. Jhr Nachruhm wird mit meinem gruͤnen. weil man der Liebe Hoheit kennt. 3. Rosille/ laß dich nicht bekuͤmmern daß mancher Boͤses von uns haͤlt. des Neides Anschlag geht zu truͤmmern ihn faͤngt der Strikk den er uns stellt. Das ganze Reich der Pafirillen Kupid’ und Venus stehn uns bey/ J vj die Geharnschter Venus die Musen sind uns selbst zu willen. Uns schuͤzzt der Fuͤrst der Dichterey. 4. Der blaue Basilisken-Drache schafft durch Verdruß ihm selber Noht. Jhn stuͤrzt die eingebildte Rache/ sein eigen Gifft bringt ihm den Tod: So wird der Neider auch zerspringen/ wenn er uns laͤnger lieben sicht/ wenn er mich ferner hoͤret singen und er es kan verwehren nicht. II. Der Wein erfreuet des Menschen Herz. Ober-stimme. M. C. Fuͤnfftes Zehen. Grundstimme. 1. A Uff! bringet Wein. Mein Schmerze wil ertraͤnket sein. Der edle Safft der Reben muß mich des grimmen Leids entheben. 2. Jachus Safft hat manchen Kummer weggerafft: er wird auch mein Verdriessen durch seiner Trauben Blut versuͤssen. 3. Spuͤhlt Glaͤser auß/ ich soll versuchen/ ob ein Schmauß moͤg’ Geharnschter Venus moͤg’ ins Vergessen senken/ was mich so ungemenscht wil kraͤnken. 4. Du harte Tuͤhr/ verfluchet seystu fuͤr und fuͤr! es muͤssen deine Pfosten zu ihrem eignem Unheil rosten. 5. Diespiter stuͤrm’ uͤber deine Pforten her! es muͤssen deine Schwellen durch seinen Blizz in stuͤkken schellen. 6. So manche Nacht hab’ ich umsonst bey dir gewacht/ und andern groben Hachen laͤßtu nu knarrend auff-dich machen. 7. Die Rosilis ist mir bey Tage zwar gewiß: doch stehn zu allen Zeiten die schaͤlen Waͤchter uns zur Seiten. 8. So bald die Nacht dem Tag’ ein Ende macht/ muß ich denn Abschied nehmen/ denn faͤngt sich an mein Weh und Graͤmen. 9. Der Fuͤnfftes Zehen. 9. Der Teufel hat erdacht den schlimmen Raht/ daß man mit blinden Schloͤssern die Tuͤhr verwahrt/ mein Leid zu groͤssern. 10. Der boͤse Hund ist wachsam iede Stund’ er lauschet an der Schwellen mit murren/ rimpfen und mit bellen. 11. So geh’ ich blind in blinder Nacht/ ich armes Kind! so offt durch beyde Gassen und werde niemals eingelassen. 12. Drum her! ihr Freund’ ich muß die Grillen heunt im Wein zu tode schlagen. Der Teufel moͤchte so sich plagen! 13. So bringt nu Wein! mein Schmerze wil ertraͤnket sein. Der edle Safft der Reben soll mich des grimmen Leids entheben. Frisch Geharnschter Venus III. Frisch bey der Liebe! Ober-stimme. M. C. Grund-stimme. Die Fuͤnfftes Zehen. 1. D Je Liebe lehrt im finstern gehen/ sie lehret an der Tuͤhr uns stehen/ sie lehrt uns geben manche Zeichen ihr suͤß Vergnuͤgen zu erreichen. 2. Sie lehrt auff Kunst-gemachten Lettern zur Liebsten Fenster ein zu klettern/ die Liebe weiß ein Loch zu zeigen in ein verriegelt Hauß zu steigen. 3. Sie kan uns unvermerket fuͤhren durch so viel wolverwahrte Tuͤhren den Tritt kan sie so leise lehren/ die Mutter solt’ auff Kazzen schweeren. 4. Die Liebe lehrt den Atem hemmen/ sie lehrt den Husten uns beklemmen/ sie lehrt das Bette sacht auffheben/ sie lehrt uns stille Kuͤßgen geben. 5. Diß lehrt und sonst vielmehr das Lieben. Doch willstu dich im Lieben uͤben: so muß die Faulheit stehn bey seite/ die Lieb’ erfordert frische Leute. 6. Wer Geharnschter Venus 6. Wer lieben wil und nichts nicht wagen/ wer bey dem Lieben wil verzagen : der lasse Lieben unterwegen. Der Brate fleugt uns nicht entgegen. IV. Nacht-Lied. Oberstimme. M. C. Grund- Fuͤnfftes Zehen. Grund-stimme. 1. D U blasser Mohn/ weistu auch was darvon/ daß ich hieunten klage? Du silber-heer/ schaustu auch mein Meer der Traͤhnen-Plage? 2. Das weisse Licht der Sternen achtet nicht mein unertraͤglichs Leiden: sonst wurd’ ihr Guß verwandeln diesen Fluß in Lust und Freuden. 3. Wie Geharnsehter Venus 3. Wie offters trug der truͤben Wolken-zug Erbarmnuͤß mit mir Schwachen! Mein Schmerzen-Lied Kuͤnt’ ihr bewegt Gemuͤht’ auch weinend machen. 4. Der Himmel riß’ auff mein Bekuͤmmernuͤß mit Hagel und mit Schlossen/ weil meine Brunst von der Geliebten Gunst wurd’ außgestossen. 5. Latern und Licht/ entdekket mich nur nicht! kehrt ab das Judas-Feuer. Schaut mir nicht nach/ ihr Leute/ was ich mach’ ich armer Freyer. 6. Geht mich vorbey und fraget nicht/ wer ich sey/ doch/ wird mich wer erkennen: Der Fuͤnfftes Zehen. Der werde stumm. ich wil mich hier kurz um nicht lassen nennen. 7. Schweert und beteurt bey Ammon der da feurt mit Blizz und Donner-schlaͤgen: es sey niemand/ als der euch unbekant gewest zugegen. 8. So wuͤntsch’ ich euch/ daß ihr in Amors Reich’ erfreuet moͤget wohnen. Es fall’ euch Ruh/ Lust und Vergnuͤgen zu bey der Dionen! V. Besser ruhig lieben/ als muͤhsam Kriegen. Oberstimme. M. C. wolt Geharnschter Venus Grund-stimme. 1. E H ich wolte deiner missen/ Karilis/ mein schoͤnstes Licht/ eh mir/ deinen Mund zu kuͤssen/ ferner solte werden nicht: wolt’ ich eh/ daß alles Kriegen muͤst’ in Pluto Pfuͤlen liegen. 2. Solt’ Fuͤnfftes Zehen. 2. Solt’ ich gleich mit Sieges-Zweigen fahren zum Kapitolin/ auff den goͤldnen Wagen steigen/ durch Kapenens Pforte ziehn/ mit der Roͤmer Schaar umgeben die mich/ Sieger/ hiesse leben. 3. Solt’ ich tausend Staͤte haben/ fuͤrchte mich der Szyten Land/ stuͤnd’ ein Koͤnigreich Araben und der Nil’ in meiner Hand/ Solt’ ich Jndien beherschen/ ehrte mich das Reich der Persen: 4. Wolt’ ich doch ohn dich Karille/ alles schlagen in den Wind: Besser bey dir in der Stille: als wo Kron und Zepter sind/ die man mit Unruhigkeiten muß erhalten und bestreiten. 5. Gerne wil ich bey dir pfluͤgen/ gern’ auff harten Gersten-stroh/ lieb- Geharnschter Venus liebstes Kind/ Karille/ liegen/ gerne dreschen/ hoͤlzen: wo ich bey dir nur moͤge leben und zur Zeit ein Kuͤßgen geben. 6. Fahret hin/ ihr eiteln Krieger/ Hochmuht/ Beuten/ fahret hin/ hin/ ihr Bluht-besprengten Sieger! Lieb’ und Ruh ist mein Gewinn. Fort hin wil ich bey den Schaffen/ forthin bey Karillchen schlaffen. VI. Gedenk wie du es hast getrieben. Oberstimme M. C. Seht/ Fuͤnfftes Zehen. Grund-stimme. K Gleich Geharnschter Venus 1. G Leich als du haͤttest still gesessen/ als dir annoch das junge Bluht in deinem frischem Herzen wallte: so schreib’ und sing’ ich dir nicht gut. Seht/ Kinder/ wie der Alte/ Kalte die Heiligkeit nu hat gefressen ! 2. Wie kunnt’ er doch in seiner Jugend den jungen Maͤgdchen schleichen nach ! wie wust’ er sie so schoͤn zu gruͤssen ! wie hielt’ er gern mit ihnen Sprach’ und kunnte weidlich sie zerkuͤssen! iezt ist er keusch und lehret Tugend. 3. Hoͤr/ Alter/ denk auff deine Zeiten/ und denk/ daß ich in diesen bin. Jch werde mich auch ernstlich halten/ wenn einst mein runzel-striemig Kinn in grauen Borsten wird veralten: denn wil ich auch auff Erbar streiten. 4. Wer weiß/ was unter deinen Haaren/ dem alten Schnee/ verborgen ist? die Fuͤnfftes Zehen. die Alte sein auch offters Gekken/ doch wissen sie mit Wizz und Lust die Narren-Kappe zu verstekken. Man hat der Tohrheit viel erfahren. 5. Wir Jungen koͤnnen nicht verschweigen/ wenn uns ein Gluͤkk willkommen heist. Straks muͤssens alle Leute wissen/ denn wird es an uns mißgepreist. Wir folgen Alten auff den Fuͤssen/ und man wil uns des Lasters zeugen. VII. Treugeliebt/ unbetruͤbt. Oberstimme. M. C. K ij kennet/ Geharnschter Venus Grund-stimme. Fuͤnfftes Zehen. 1. E S ist ein Ort in duͤstrer Nacht/ wo Pech und blauer Schwefel breñet/ deß holer Schlund nie wird erkennet/ als wenn ein Blizz ihn hettermacht/ mit Schlam̃ und schwarzen Wasserwogen ist sein verfluchter Sizz umzogen. 2. Megera denkt dar Martern auß mit ihren Schwestern/ denen Schlangen um die vergifften Schlaͤffe hangen. Dar ist die Grausamkeit zu Hauß/ da wohnet Neid und Wiederwillen/ man hoͤret dar des Zerbers Bruͤllen. 3. Jxions Marter-rad ist da und Tantalus zum Durst verbannet. der Tizius steht außgespannet: und wuͤntscht/ sein Ende were nah. Dar sind die außgehoͤlten Faͤsser in Letens dunkelm Tod-gewaͤsser. 4. Zu dieser Hoͤlen ist bestimmt/ wer mit der zarten Liebe spottet/ wer gegen Amorn auff-sich-rottet/ K iij und Geharnschter Venus und wieder Venus/ Waffen nimt/ treibt mit Verliebten/ Scherz und Possen: wird hier in Ketten eingeschlossen. 5. Hergegen ist ein gruͤnes Tahl wo die bebluͤhmten Weste kuͤhlen. Hier hoͤret man von Seiten-spielen von Lust und Freuden ohne Zahl. die Felder bluͤhn in bunten Nelken und Rosen/ welche nie verwelken. 6. Hier wehet eine Zimmet-Lufft/ man hoͤret dar ohn Ende schallen den Schlag der muntern Nachtigallen/ hier ist kein Frost/ kein Nebel-dufft/ kein Blizz/ kein Donnerschlag noch Re- gen zieht schwarzen Wolken hier entgegen. 7. Hier ist ein milder Liebes-streit/ das junge Volk spielt mit Jungfrauen auff Elis bunten silber-auen. Scherz/ Liebe/ Lust und Froͤligkeit Vergnuͤgung/ Ruh und suͤsses Lachen verkuͤrzt ihr unauffhoͤrlichs Wachen. Wol Fuͤnfftes Zehen. 8. Wol dehm/ der sich der Lieb’ ergiebt! der wird bekroͤnt mit Myrten-kraͤnzen geniessen dieses steten Lenzen. Wol dehm/ der keusch und treulich liebt! Jhn wird mit Sieg/ Triumff und singen der bleiche Charon uͤberbringen. VIII. Felder-Freyheit. Ober-stimme. M. C. K iiij Grund Geharnschter Venus Grundstimme. 1. D Je Freud’ hat sich auffs Land begeben. Was mach’ ich in der Stadt? Ein Narr ist/ der allhier zu leben sich uͤberredet hat. Auff! spannet an den leichten Wagen/ ich wil hin zu Rosillen jagen. 2. Das Lach-gesicht der Charitinnen gibt ihr ein Lust-geleit. Auff! trag mich Pegasus von hinnen zu ihrer Freundligkeit/ was acht’ ich dieser oͤden Gassen/ wenn sie die Rosilis nicht fassen ? Selbst Fuͤnfftes Zehen. 3. Selbst Venus wil zur Hirtin werden nu sie der Schaffe wacht. Der Amor fleuget um die Heerden und treibet ein zu Nacht. Erweiß mit melken umzugehen/ und lernt den schlanken Druͤschel drehen. 4. Sollt’ ich mich denn des Pfluͤgens schaͤmen/ wenn sie mir Essen bringt/ mich um die Bauren-Arbeit graͤmen/ wenn sie zu Abend singt ein Lied/ das jene frohe Felder der Echo schikken in die Waͤlder? 5. Jezt brennt der Sonnen heisse Kerze im wildem Hundes-stern: Was acht’ ich Hizze/ schrunden/ schwerze? ist nur mein Kind nicht fern. Bey Jhr und ihres Hamels Glokke schmekkt mir/ was ich in Wasser brokke. 6. Zu Delfos schwieg die Pyte stille als Foͤbus war entbrannt K v Jhm Geharnschter Venus Jhm liebt’ Admetus Schaaff-gebruͤlle als Amor ihn verband: Auß Liebe pflegt ein Gott der Heerden; sollt’ ich denn nicht ein Schaͤffer werden? 7. Um Rosilis/ um meine Schoͤne? um welch’ ich eine Stat nicht nur/ besondern alles hoͤne/ was Waͤll’ und Mauren hat. Weg Memfis/ weg! weg alle Schloͤsser ! Rosillen Bauren-Hauß ist groͤsser. 8. Die alte Welt wohnt’ in den Huͤtten und aß die Eichel-nuß/ Jhr Trunk stund’ allen in der Mitten/ ein Brunn und heller Fluß/ da hat sich Fillis beygesezzet und frey mit Koridon ergezzet. 9. Da war kein Huͤter/ der die Pforten in harte Riegel schloß/ die Freyheit war an allen Orten in ihrer Freyheit groß/ Es liebt’ und herzte sich ein Jeder. Kommt/ ihr Gebraͤuche/ kommt doch wieder. Die Fuͤnfftes Zehen. IX. Die Schein-keusche. Ober-stimme. Madrigal. M. C. Geharnschter Venus Grund stimme. Ga- Fuͤnfftes Zehen. 1. G Aminde sieht so ernstlich auß/ sie kan fuͤr allen Junggesellen sich so verzumfen stellen/ wenn sie ihr sprechen zu: daß man sie vor die keusche Dirne/ die auß Diespiters Gehirne gebohren/ halten solt’ Ey! keusche Pallas du/ weiß auff den Schild/ ich weiß/ er macht die Bruͤder starren/ macht dich und sie zu Narren. 2. Gaminde/ Stolze/ meinstu wol man werd’ auff deine Keuschheit bauen? der geile Schmukk der Pfauen verraͤht dich wer du bist. Du bloͤssest die begriffnen Bruͤste/ die keusche bergen solche Luͤste und gehn beschnuͤrt herein. Wo Keuschheit in dir ist so laß doch einen Flor nur um die Ballen spie - len. Nein/ dir gefaͤllt das Fuͤhlen. Ga Geharnschter Venus 3. Gaminde liegt zum Fenster auß und spottet aller Jung - gesellen die sich verliebet stellen. Schaut/ Bruͤder/ in die Hoͤh/ seht/ wie Gaminden keusche Wangen im rotem Feuer angegangen/ beschaut sie/ forschet nach/ ob Pallas auch so seh’ (ke: ob ihr beernst Gesicht auß roter Menje blin- das Aas ist roht von Schminke. X. Was Musen/ wo kein Geld ist. Oberstimme M. C. Fuͤnfftes Zehen. Grund-stimme. 1. P Akket euch/ ihr Pierinnen/ wo ihr mir nicht helffen koͤnnt! Foͤbus/ Pallas/ weicht von hinnen/ nicht ein Blikk sey Euch vergoͤnnt! wo nicht euer Reimen-zwingen sie zur Gunst vermag zu bringen. 2. Eitl e Geharnschter Venus 2. Eitle Feder/ sey zerstossen/ sey verflucht/ verlacht Papier! Nu mich Kloris außgeschlossen/ nuͤzzt mir keiner Verse Zier. Nu der Geiz sie hat verblendet : ist mein Dichterwerk geschaͤndet. 3. Darum hat mir euer Feuer meine Brust nicht auffgeflammt/ darum hab’ ich zu der Leyer meine Finger nicht verdammt daß ich wolte Mavors Helden/ Krieges-Zucht und Schlachten melden. 4. Daß ich des Gestirnes Laͤuffe/ Groͤß’ und Einfluß schreiben solt’/ Meiner kleinen Hirten-Pfeiffe/ ist die Kloris/ der nicht hold: wil ich sie in stuͤkken schmeissen und den Lorber-kranz zerreissen. 5. Ju- Fuͤnfftes Zehen. 5. Jupiter/ schikk Blizz und Wetter in den schnoͤden Goldes-schacht/ Seng/ verbrenn/ zerreiß/ zerschmetter dehn/ der um die Ufer wacht auff die Perlen und Gesteine/ die uns Hirten ungemeine. 6. Daher ist die Hoffart kommen daher hat der grimme Neid seinen Anfang erst genommen/ darum ward zur Abend-Zeit erst die harte Tuͤhr verschlossen und ein Armer außgestossen. 7. Daher wurd’ ein Hund gehalten der doch Augenbliklich schweigt wenn ihm eine Hand der Alten Panken-tahler wird gezeigt. So hat Zevs mit Goldes-tonnen Danens Jungfrauschafft gewonnen. 8. Aber Geharnschter Venus 8. Aber du/ der du mit Gaben mich Verliebten stoͤssest auß/ Feuer/ Wind und Diebes-Raben stuͤrzen dein hochprangend Hauß biß es moͤge gleich der Erden und mit dir vertilget werden! Des Fuͤnfften Zehens ENDE. Filidors Filidors Geharnschter Venus Sechstes Zehen. Dehm Dehm Beforderndem Aegon/ an dem Weltberuͤhmten Elben- strohme gesessen/ eigenet Dieses sechste Zehen seiner Ge- harnschten Venus als dehren guͤtigen Pahten zu Filidor der Dorfferer. durch beygesezte wenige Zeilen d. f. w. U Nd haͤtte dir diß Werk/ Geehrter/ nicht ge- fallen/ so stuͤnd’ es nicht befelßt in seiner Zierligkeit. Dir dankt es nur allein sein’ erstgebohrne Zeit/ auf-fort-wachs/ ia sich ganz. Dir haͤtt’ auß an- dern allen der Zuschrifft. der Ober-plaz gebuͤhrt: doch nim es an fuͤr Willen (zu. daß ich den sechsten Ort dir dienstlich neige Das ganze Buch ist dein. Was ich hier- unter tuh’ ist/ meiner Schuͤldigkeit Bezwaͤngnuͤß zu er- fuͤllen/ (gelten/ Nim meine Neigung an/ und laß mich ferner die Venus wird nicht nur von mir besun- gen sein/ (ein/ iezt schwazzt Minerve mir ein anders Treibẽ forthin entzieh’ ich mich des Zypripors Ge- waͤlten. (leiden/ Jst mir die Fame stumm: hier wil ichs gerne ich heiß’ auch allzeit nicht der Hirte Filidor. Mein Nahm’ ist sonst bekant. Wenn mich der Musen Chor bey Zirren reiner Fluht ließ um Parnassen weiden. Hier such’ ich keinen Ruhm. Doch/ weñ auch Marzialens wird bey der Welt gedacht: so steifft die Hoffnung mich/ es werde mich nicht ganz erstechen Morten Stich/ stuͤrb’ ich schon diesen Tag. Die Wahre darff des Prahlens die Zuschrifft. die Wehrt und selten ist. Gemeine Hempel- Maͤnner das kleine Dokken-Werk wird offters ehr verkaufft/ als das/ wornach man auch in beydes Jn- dien laufft. Wer schollt’ ie Persen aus/ daß ihn der Fluͤ- gel-renner nach Zefeus Tochter trug. Wir schaͤrfen uns im Lieben. Das Narr- und Fobel-werkbereitet unserm Sinn’ aus diesen stiegen wir auff grosse Sachen hin: hat Opiz/ Flemming doch und Rist erst so ge- schrieben/ Daß diese Maͤnner sich im Dichten mehr ge- zwungen/ gesteh’ ich gern. Mir ist das Urtheil all zu schwach/ so bald der Eyfer wird in meiner Feder wach/ denn weiß ich keinen Halt. Katull hat so ge- sungen, sein Leben ward gelobt/ das Lied vor hoch ge- schaͤzzet/ Noch Zuschrifft. Noch liest mans weit und breit. Halt an du frecher Kiel/ iezt uͤbertritstu schon dein vorgestrektes Ziel! Weistu/ warum du hast den Schnabel ange- sezzet? Verzeih es/ Aegon mir: So geht mirs/ weñ ich schreibe. Zwoͤlff Zeilen solten erst zu dieser Zuschrift sein/ iezt wird mir fast ein Blat/ ein volles Blat/ zu klein. Gnug! Nim diß hin/ und glaub/ daß ich dein Diener bleibe. Hamburg den 10. Herbstm. 1657. Meines großguͤnstigen Herren Dienstergebener Filidor: Ver- Geharnschter Venus I. Verzweiffelte Liebe. Oberstimme. Franzisch Ballett. werben/ Sechstes Zehen. Grund stimme. L Geharnschter Venus 1. H Jer ist das Herz/ stoß/ Morta/ nach der Linken! Parzen-Heer/ sezz an die Scheer’ indehm die muͤden Augen sinken: ist doch schon mein Geist auß d e r Leten-fluht gespeist. Du suͤsses Sterben/ was wirstu mir vor Ruh erwerben! Acheron! ich wil auff dir darvon: Was hab’ ich arme r Buhler hie zu hoffen sonst/ als tausend Todes-Muͤh. 2. Denn hat sie sich/ die Wilde/ satt gerochen/ wenn der Todt (die lezte Noht) mein all u n treues Herz zerbrochen: Stellt das K l agen ein/ laßt betruͤbtes Weinen sein! Wer Sechstes Zehen. Wer Lieben kennet wie sie das arme Leben brennet wird mit Lust das Blut auß warmer Brust zusamt dem rohtem Herzen sehn auß deß verliebten Bruders Koͤrper gehn. 3. Ach! haͤtte mich der Lebens-Schwestern eine umgebracht die erste Nacht als ich noch ohn Vernunfft und kleine an der Mutter sog und mein Elend nicht erwog. Jst diß der Frommen daß ich zu Jahren bin gekommen/ stets in Pein und unvergnuͤgt zu sein? Ach Liebe! herber Nater-stich? Ach boͤse Liebe/ wor zu bringstu mich? 4. Doch wird es ihr noch einst vergolten werden: ist gewiß nur Nemesis alhier/ und schaut das Tuhn der Erden: ist nur Venus nicht und ihr Amor ein Gedicht. Gedenke/ Schoͤne was ich iezt sterbend dir erwehne L ij Reu Geharnschter Venus Reu und Schmerz wird einst dein eisern Herz ganz unbarmherzig greiffen an. Denn/ denke/ daß du mir es auch getahn. II. Die Liebe ist blind. Oberstimme. Franzisch Ballet. Feur/ Sechstes Zehen. Grund-stimme. L iij So Geharnschter Venus 1. S O bildstu darum dir was ein/ Oenindchen/ leichtes Kindchen/ daß ich dich allein zu der Schoͤnheit Preiß und Pracht vor dehm gemacht? O nein. Die Worte sind nicht theur. des Amors Feur blendte mich/ daß ich dich so ungleublich schoͤn angesehn/ da dir viel doch uͤbergehn. 2. Wie offt verglich’ ich deinen Mund Korallen/ die gefallen auß Ozeans Grund/ da er doch kaum noch so roht sah/ als der Tod: Die Augen musten Sonnen-schein und Sternen sein/ dennoch war es gar offt Sechstes Zehen. offt um dich lauter Nacht. Nu betracht/ hab’ ich dich nicht außgelacht? 3. Die Worte bließ mir Amor zu/ der Lekker/ Jungfern-Gekker/ und du Naͤrrin/ du meinst/ daß diese Gekkerey die Wahrheit sey. Ey nim doch nur den Spiegel fuͤr du heßlichs Tiehr! die Gestalt wird bald verrahten deinen Wehrt. Auff der Erd’ ist kein Mensch/ der dich begehrt. 4. Sey immer stolz/ die Welt ist weit/ Oeninden kan man finden auch bey Abends-zeit. Nunmehr seh’ i ch all zu klar auff falsche Wahr’ hin immer hin! die Schuld ist dein/ schlaff nun allein. L iiij Mi t Geharnschter Venus Mit der Zeit/ wird Leid und Weh dich bald beziehn. Fahr nur hin! Gott Lob daß ich ledig bin! III. Nacht-Gluͤkke. Oberstimme. Franz-Ballet. Schazz Sechtstes Zehen. Grund stimme. Geharnschter Venus 1. W Jllkommen Fuͤrstinn aller Naͤchte! Printz der Silber-Knechte/ willkommen/ Mohn/ aus duͤstrer Bahn vom Ozean! Diß ist die Nacht/ die tausend Tagen Trozz kan sagen: weil mein Schazz hier in Priapus Plazz’ erscheinen wird/ zu stillen meine Pein. Wer wird/ wie ich/ wol so begluͤkket sein? 2. Beneidet himmlische Laternen/ weiß-geflammte Sternen/ mit einem schaͤlen Angesicht’ ach! mich nur nicht. kein Mensch/ als ihr nur moͤget wissen/ wie w ir kuͤssen: alle Welt hat seine Ruh bestellt/ wir Sechstes Zehen. wir beyde nur/ ich und mein Kind/ sind wach/ und/ Flammen/ ihr an Bronteus Wolken-dach’ 3. Es seuselt Zefyr auß dem Weste durch Pomonen aͤste/ es seufzet sein verliebter Wind nach meinem Kind’ Jch seh es gerne daß er spielet und sie kuͤhlet/ weil sie mir folgt durch die Garten-Tuͤhr/ und doppelt den geschwinden Liebes-tritt. Bring/ West/ sie bald und tausend Kuͤsse mit! 4. Was werd’ ich wenn sie koͤmmt gegangen/ an-doch erstlichst-fangen/ Kuͤß’ ich die Hand/ den Brust/ den Mund zur selben Stund’? Jch werd’ (ich weiß) kein Wort nicht machen/ so viel Sachen/ die an Zier den Goͤttern gehen fuͤr und auff diß Schoͤnchen sein gewendet an/ erstaunen mich/ daß ich nicht reden kan. 5. Komm/ Flora/ streue dein Vermuͤgen darhin/ wo wir liegen! Es soll ein bunter Rosen-hauf’ uns nehmen auff/ L vj und Geharnschter Venus und/ Venus du sollst in den Myrten uns bewirten/ biß das Blut der Roͤht’ herfuͤr sich tuht. Was Schein ist das? die Schatten werden klar. Still! Lauten-klang/ mein Liebchen ist schon dar. IV. Sie liebet. Oberstimme. Franz. Ballett. Sechstes Zehen. Grund-stimme. 1. S Oll denn/ salzgeschmolzne Traͤhnen/ Kummer/ Weh/ Ach/ Schmerzen/ Unmuht/ Klagen/ soll/ Verzweiflung/ Angst und staͤhnen/ ich einmahl von eurem Ende sagen? Verschwindet! ich werde begluͤkkt die schoͤne Melene hat nach mir geschikkt. 2. Sollte sie mich troͤsten wollen/ oder wird sie mir mein Urteil sprechen: soll Geharnschter Venus soll ich mit dem Leben zollen: wil sie sich mit Spotten an mir raͤchen? Verschwindet Gedanken! sie liebt/ sie schmerzet uñ beherzt/ daß sie mich betruͤbt. 3. Manchen Tag hab’ ich geweinet/ wenn ihr nicht mein Leiden gieng zu Herzẽ/ wenn ihr Sinn so war versteinet/ daß sie nicht gedacht’ an meine Schmerzen: Nu ist es verkehret. Sie spricht : sie liebe mich einig/ sonst keinen mehr nicht. 4. Soll ich mich darauff verlassen/ oder spielt sie nur mit falschen Worten? Ach! so wolt’ ich lieber blassen/ eh’ ich kaͤhm’ an ihres Zimmers Pforten: Nein. Edeler Wahrheit Bestand bekroͤnt sie und beut mir die liebende Hand. 5. Nun fahr hin/ Mord-bringend Leiden/ Furcht/ Bekuͤmmern/ Zweifelzagen/ wei- chet! hin! ihr stoͤrer meiner Freuden! forthin hat mein Antliz außgebleichet. Be- Sechstes Zehen. Bekraͤnzt mich und ruffet: Gluͤkk zu! der Stuͤrm ist voruͤber/ mir bleibet die Ruh. V. Liebe und Aprillen-Wetter. Oberstimme. J. M. R. Geharnschter Venus Grundstimme. 1. S Jsyfus Gebirg’ erreichen/ Tantals Weger-trank erstehn/ auff dem Schlangen-rad’ erbleichen tausend Martern vor sich sehn: ist Amors grimme Dienstbarkeit die Kette der bejungten Zeit. Ach/ daß ich in Fruͤhlings-Jahren/ muß solchen Zwang erfahren. 2. Weint nu mit mir/ die Jhr sahet/ wie ich vor begluͤkket stund’ als Sechstes Zehen. als mein Kind sich zu mir nahet’ und mir boht den Rosen-mund: Jezt heget sie den Wankel-sinn/ sie gibt mich um ein leichtes hin/ Meiner Liebe treues Feuer koͤmmt mir nu schlecht zu steuer. 3. Selbst der Neid hat sich verwundert wenn der Liebe Funken-gluht in der Liebsten Herzen zundert’ und ihr heiß-entbrannter Muht auff meinen Schwefel haͤuffig stieß und Gegen-flammen in mich bließ: Nun ihr Feuer außgegangen vergeh ich fuͤr Verlangen. 4. Ach! kein Elend ist zu schaͤzzen gegen Liebe/ die verbleicht/ kein Beschwernuͤß und Verlezzen ist/ das diesem Schmerzen gleicht/ wenn sich die Gunst verkehrt in Haß/ wenn uns der Spott macht sehnend-blaß/ wenn die Lust uns wird verschlossen der wir so offt genossen. Jezt Geharnschter Venus 5. Jezt wird mir nicht einst erleubet um die dunkle Tuͤhr zu stehn/ Lunen/ so die Sternen treibet darff ich nicht vergnuͤget sehn: Um den sie mich nunmehr verlacht der Neben-buhler steht zur Wacht/ um ihn haͤlt der Neides-drache/ Mord/ Eyfer/ Zorn und Rache. 6 Dennoch wil ich ab-nicht-lassen/ dennoch lieb’ ich wie vorhin/ Solt’ ich sie/ mein Leben/ hassen ohne die ich Seel-loß bin? Ach! eher muͤst’ ein kalter Stahl/ verhindern solcher Falschheit Wahl. Endlich wird sie mich den Treuen mit Traͤhnen noch bereuen. VI. Uber der Liebsten Tod. Oberstimme. J. M. R. faͤrbte Sechstes Zehen. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. O Fnet euch/ ihr Augen-guͤsse/ traͤhnet Blut-gefaͤrbte Fluͤsse/ klagt/ beweinet/ was ich misse! Meine Freud’ ach! ist verblichen. Helfft/ ihr Goͤtter meiner Noht! Schoͤnheit/ Tugend/ Zucht ist tod und nach Leten hingewichen. 2. Rauffet euch/ Jhr Nymfen-schaaren/ ungemenschet in den Haaren/ heulet bey der Leichen-Bahren/ huͤllet euer Angesichte schlaget auff die blosse Brust/ saget Abschied aller Lust/ Meine Goͤttin ist zu nichte. Amor/ Sechstes Zehen. 3. Amor/ lesche deine Flammen/ tritt mit Zyprien zusammen alle Wollust zu verdammen/ weil das Bild der Treffligkeiten deiner Fakkel wehrter Zwekk nu ist auß dem Leben weg und mit ihr der Trost der Zeiten. 4. Pfluͤkkt/ ihr Musen/ um Permessen Amaranten und Zypressen/ die Melposens Zaͤhren naͤssen/ wimmert um Asopus Wellen einen klaͤglichen Gesang/ daß der raue Jammer-klang moͤg’ an Teben wieder gellen. 5. Brecht/ ihr Wolken/ donnert/ schuͤzzet/ schwizzet ganze Seen/ schwizzet/ weil mein Nord-stern ist verblizzet. Du vergoͤldtes Radt der Sonnen/ dunkle deiner Reise Bahn/ ziehe schwarze Kleider an/ Lune/ weil mein Licht verbronnen. Pfeifft Geharnschter Venus 6. Pfeifft erbaͤrmlich/ Lufft und Winde/ Echo aͤchz es in die Gruͤnde/ wo ich mich verzweifelt finde ! diese Faust ist schon geruͤstet mir zutuhn den lezten Stoß. Meine Marter ist zu groß/ daß mich nicht zuleben luͤstet. 7. Hohlt mich ab/ ihr junge Hirten/ beyde soll ein Grab bewirten. Leget uns in gruͤne Myrten. die das Leben nie geschieden/ trennet auch die lezte Pflicht und der Riß der Parzen nicht/ der sonst alles kan zerglieden. 8. Brechet auß den Marmor-steinen von den allerreinsten einen/ drauff soll diese Schrifft erscheinen : Die im Leben treu verharret stets ein Geist und eine Seel’ Ach ! die hat in diese Hoͤl’ Amor selber eingescharret. Auff Sechstes Zehen. VII. Auff ihren Morgen-schlaaff. Ober-stimme. C. S. Geharnschter Venus Grundstimme. 1. R Ubellchen/ bistu noch nicht wach? Verlaß die weichen Feder-dekken/ die so viel Goͤttligkeit verstekken. Jch geh’ allhier der Hoffnung nach/ ob ich dich moͤchte/ Mein Vergnuͤgen/ an den Krystallen sehen liegen. 2. Auroren goͤldnes Rosen-bluht/ dein Ebenbild der roten Wangen ist allbereit vorbey gegangen/ Apollo Sechstes Zehen. Apollo blizzt in voller Gluht/ der Handwerksman hat schon verzehret/ was ihm zum Morgenbrodt gehoͤret. 3. Rubellchen schlaͤfft. Sie weiß es nicht/ daß ich im gehn hier klag’ und reime. Seyd ihr der Warheit/ Morgen - treume; so stellt mich ihr iezt vor Gesicht’ als wie ich um diß Fenster stehe und sie an-zuerwachen-flehe. 4. Jch schweer es/ Morfeus/ daß ich dich wil mehr als alle Goͤtter ehren: wirstu Rubellchen so betoͤhren/ daß sie es gleube kraͤfftiglich und nach dem Fenster moͤge rennen/ des Traumes Außgang zu erkennen. 5. Was meint Jhr? wenn dann ungefehr Jhr Busem offen moͤchte stehen/ und ich die Liljen koͤnnte sehen: Wer waͤre gluͤkklicher/ sagt/ wer? koͤnnt’ ich den Vorteil so erlauschen/ ich wollte nicht mit Paris tauschen. M Ja/ Geharnschter Venus 6. Ja/ mich kanstu/ du Luͤgen Geist/ du Treumer/ wol durch sie betriegen: Jch kan fast keine Nacht nicht liegen/ so wird sie zehnmahl mir geweist. Erwach’ ich in dem oͤden Schatten : so moͤcht’ ich mich zu tod’ ermatten. 7. Rubellchen/ du bist nicht verliebt/ sonst wuͤrdstu wol des Schlafs vergessen. Wehn Amors Wuͤten haͤlt besessen/ der ruhet so nicht/ unbetruͤbt. Wach auff/ Rubellchen : soll ich gleuben/ daß du die meine wollest bleiben. VIII. Urteil sonder Verstand. Ober-stimme. C. S. Sechstes Zehen. Grund-stimme. 1. P oͤfel/ was soll das bedeuten/ daß du so Zelinden lobst/ daß du mit den tummen Leuten wieder meine Schoͤnheit tobst? Lange Finger/ weisse Haͤnde/ Augen/ als ein Demant-stein/ goͤldne Lokken/ Armen Baͤnde/ wie der Venus ihre sein. M ij Ro- Geharnschter Venus 2. Rosen-Wangen/ die Rubinen ihre blaͤsse werffen vor/ Lippen/ wuͤrdig zubedienen von dem ganzen Sternen-Chor: Rede so die Pallas heget/ Freundligkeit der Charitinn/ Tugend/ so Alzesten schlaͤget/ Jkars Tochter keuscher Sinn: 3. Poͤfel/ kanstu so beschreiben deine Larve/ wie ich tuh’? als du wilst die Warheit treiben/ und nicht stimmst dem Scheine zu: duͤrffstu diß nicht von Zelinden/ dem Tebaner Wunderthier/ dich zu ruͤhmen unterwinden/ die nur Schminke traͤgt an ihr. 4. Aller Tugend Bild/ Rosille aller Schoͤnheit Trozz und Schimpff/ meine Fromme/ meine Stille nimt zwar dieses an im Glimpff’ Aber ich wil sie beschuͤzzen weil die kluge Dinte fleußt: meine Sechstes Zehen. meine Feder soll sie stuͤzzen/ weil sie Lob und Ehre preist. 5. Diß sey dir zum Ruhm gesezzet/ Rosilis/ mein schoͤnstes Pfand. Lach es/ was der Neid verlezzet/ durch den groben Unverstand. Sollt’ Jtonis auff der Erden in Astarten Schoͤnheit stehn : muͤste sie getadelt werden und durchs Poͤfels Rachen gehn. IX. Abschieds-Worte. Ober-stimme. C. S. M iij eh Geharnschter Venus Grund-stimme. Tele- Sechstes Zehen. 1. T Elesill’ hoͤr’ auff zu weinen! worzu soll der Traͤhnen See? weinstu doch als Niobe eh bevor sie ward zusteinen/ wie die arme Briseis tahte da sie auß der Freyheit trate. 2. Zwar mein Stern rufft mich von hinnen/ iezt zieht man die Segel auff/ iezt geh ich den Schmerzen-Lauff denn die Parzen klaͤglich spinnen: weil sie Leiden und Verdriessen diese Reise drehen muͤssen. 3. Dennoch sind wir nicht getrennet. Filidor ist allzeit dein/ solt’ er auch in Zimmern sein wo man keine Sonne kennet/ deine Fakkel macht ihn lichte bey dem schwarzen Nacht-gesichte. 4. Bey dem guͤnstigem Suͤd-westen schweer’ ichs/ Telesille/ dir: dein verbleib’ ich fuͤr und fuͤr. M iiij Gib Geharnschter Venus Gib mein Schiff den Felsen-aͤsten/ Zesyrs-Bruder wo ich liege. und mein liebstes Kind betriege! 5. Was mich zwinget abzuscheiden/ weistu Seelchen/ mehr als wol. Der gestrenge Norden-Pol wil mich dieser Zeit nicht leiden : Jst sein Wuͤten denn verbrennet; haben wir auch außgetrennet. 6. Jch wil durch geheuffte Zaͤhren machen einen neuen Fluß/ der soll diesen Balter-Guß/ meiner Qwaal zum Zeugnuͤß/ mehren. Nacht und Tag wil ich beweinen/ biß ich wieder werd’ erscheinen. 7. Hab’ indeß auff meine Treue/ Trautstes/ keinen boͤsen Wahn/ weil mich sieht der Himmel an/ weil ich mich der Sternen freue/ weil mich waͤrmt mein schwaches Leben: werd’ ich dir nur sein er geben. Hie Sechstes Zehen. 8. Hiemit steig’ ich in den Nachen. Schoͤne/ halt bey alter Gunst/ laß dich keines Neides Dunst von der Lieb abspenstig machen. Nu es nehmen mich die Winde/ bleib geneiget deinem Kinde! X. Jn die Scheure gehoͤret Stroh. Oberstimme. geschwinde C. S. Geharnschter Venus Grund stimme. 1. N Eaͤre haͤlt sich wakker/ sie schmuͤkt und schminket sich. Du alter Knochen-knakker/ meinstu/ es sey vor dich? Nein/ Chremes/ laß dich lehren: Man pfleget also nicht den Husten zu verehren. Was anders vor die Gicht. 2. Und waͤre sie voll Runzeln/ von schwarz-begeelter Haut beliebt/ als Schweine schmunzeln und waͤre dir getraut; so waͤre sie zur Frauen dir dennoch viel zu schoͤn. Dem Teufel moͤcht’ auch grauen/ Holz/ mit dir umzugehn. Was Sechstes Zehen. 3. Was soll der Kuh Muskaten/ Kaneel/ Konfekt dem Schwein’/ und Hunden Hirschen-braten? ein abgefleischtes Bein ist gut fuͤr ihren Hunger. Das gleiche findet sich. Die deine liebt ein Junger. Die Vettel ist fuͤr dich. 4. Du sizzest auff der Schleuder und bist ein guter Mann. Jhr schaffstu Sammet-Kleider/ dir stehn die Federn an. Gib her die alten Tahler: auch ich beduͤrff iezt Geld. Ein grauer Woͤrter-Prahler dient nicht ins Feder-Feld. 5. Mein Chremes/ sey geduldig/ es findt sich einer wol/ der/ was du Jhr bist schuldig/ der Frauen zahlen soll. Du kanst es leicht gedenken/ es machs ein gelbes Haar/ M vj daß Geharnschter Venus sechstes Zehen daß sie sich wil behenken mit Gold und Seiden-wahr’. 6. Jhr habt ia sonst der Sparren/ ihr Alten/ allzuviel : wie seid ihr denn so Narren und sucht der Liebe Spiel bey einem frischem Feinde/ die Jhr entkraͤfftet seid? doch was? Jhr suchet Freunde in Eurer Winters Zeit. Erinnerung. Jn diesem sechstẽn Zehen seynd etliche Melodeyen ziemlich hoch gesezzet/ welches von der Franzischen Geigen-art herruͤhret. Wer sie nicht erreichen kan/ mag sie vorbey gehen oder transponiren/ ich habe das leztere wegen veraͤnderung ihres Basses we- der tuhn/ noch ihrer schoͤnen Gesang-weise halber ih- nen einen Text/ (wiewol mich derselbe mehr Muͤhe ge- kostet/ als er Liebligkeit haben moͤchte) versagen wol- len. Und wer kan sich auch um alles bekuͤmmern. Filidor. Des sechsten Zehens Ende. Filidors Filidors Geharnschter Venus Lezteres Zehen. Weg Kato/ Kurius/ nu habt ihr satt gelesen/ was hiernegst folget/ ist vor eine muntre Stirn/ die Spiel und Scherz verstehet und nicht zu ernstlich gehet. Die Regul welch’ ersann Fabrizius Gehirn ist memer Jugend Form und Richtschnur nie gewe- sen. Diß Zehen bleibet mein/ auch schreib’ ichs mir allein. Filidor. Dem Unbehobeltem und Nakkendem Garten-Goͤzzen Priapus/ opffert dieses leztere Zehen durch gegenwertige Zueignungs- Schrifft Filidor der Dorfferer. V Or grobes Eichen-Holz/ nu treuer Gar- ten-waͤchter/ Priapus/ den das Volk der Jugend ehrt und liebt die Jungfer lauschet an mit schmuzelndem Gelaͤchter Nim diß mein Opfer hin/ daß eine Hand dir gibt die deinem Schoͤpfer gleicht. Der Lenz bricht dir Violen und macht auß buntem Mohn dir einen Blumen-Kranz/ die Zuschrifft. die Zeres pfleget dir ein Weizen-bund zu ho- len/ die frohe Winzer-schaar tuht um dich man- chen Tanz/ und schenkt dir roten Wein/ der Winter win- det Straͤuche von dem Oliven-Laub’ und schlachtt sein junges Vieh vor deinem Erd-Altar. Jch lobe die Gebraͤu- che und stelle mich auch ein zu kuͤssen deine Knie wiewol du keine hast. Zwar bring’ ich schlech- te Reime doch trozzen sie den Lentz/ Herbst/ Sommer/ Winters-Zeit. Nimstu sie guͤnstig an: so sollen deine Baͤu- me vor Wurm und Donnerschlag und Dieben sein befreyt/ Es soll die Schlangen-Zucht auß deiner Huͤt- ten weichen kein Dorn noch Nessel-strauch verlezzen deine Brust/ ein dikk-beschattend Laub soll dir Beschir- mung reichen vor Zuschrifft. vor aller Sonnenhizz und schaffen kuͤhle Lust/ der Nordwind sol dich nie mit rauhem Schnee bewehen/ es soll kein Zapffen-eyß beschweren deinen Bart/ du sollst’ den Zedern gleich die feulung uͤber- stehen und’ halten in der Gluht auß auff Deman- ten-Art. Hamburg den 20. Augustm. 1657. Filidor. Nacht- Lezteres Zehen. I. Nacht-Gluͤkk. Ober-stimme. M. C. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. L Yeus hatte mir den Sinn durch seines Safftes Zug benommen/ ich gieng und wuste nicht/ wohin/ indehm war ich zuweit gekommen. 2. Der bleiche Monden hatte zwar sein silbern Licht hell angestekket/ doch wust’ ich recht nicht/ wo ich war/ so hatte mich der Rausch bedekket. 3. Jhr Goͤtter/ habet Dank/ daß ihr mich bracht zu diesem schoͤnen Kinde/ (dacht ich) als in der Kammer-tuͤhr ich sach die himmlische Dorinde. 4. Sie haͤtt’ ihr auffgeloͤstes Haubt unachtsam auff dem Arme liegen/ das Haar/ das meinen Sinn geraubt sach ich um ihre Wangen fliegen. 5. Sie zog den suͤssen Zimmet-Geist bald ein/ bald haucht sie ihn zuruͤkke/ was schoͤn und liebwehrt ist und heist sach ich in diesem Augen blikke. So Lezteres Zehen. 6. So mein’ ich/ war Andromade Als Perseus ihr zu Huͤlffe kahme So die entbloͤßte Zyprie als sie den goͤldnen Apfel nahme. 7. Diane hatte selbsten Lust mit dieser Schoͤnheit beyzuschlaffen/ sie kuͤßte die geballte Brust/ die auch das Helffenbein kan straffen. 8. Hie stritte bey mir die Begier/ die Schaam und bruͤnstiges Verlangen: sonst haͤtt’ ich diese Goͤtter-Zier so/ wie sie lag/ entbloͤßt umfangen. 9. Der hohe Geist und Ernstligkeit/ die schlaffend auch nicht von ihr schieden/ die machten/ daß ich lange Zeit allein mit Ansehn war zu frieden. 10. Nicht Argus gab so eben acht auff die ihm auvertraute Kuhe/ die er mit hundert Augen wacht’: als ich auff ihre suͤsse Ruhe. Wie Geharnschter Venus 11. Wie offt scholt’ ich den Traum-Gott auß wenn sie ließ einen Seuffzer hoͤren/ befoͤrchtend daß durch einen Grauß er ihre Ruhe moͤchte stoͤren. 12. Doch liesse mich die Liebe nicht den guten Vorteil so verseumen/ daß ich ihr Liljen Angesicht nicht ruͤhren solt’ in ihren Traͤumen. 13. Dann oͤffnet’ ich den Busen ihr und weil der Schlaff sie noch umschlossen/ hab’ ich ein Kuͤßchen oder vier in solcher stillen Nacht genossen. 14. Diß sach der Eyffer-volle Mohn und ward entruͤst ob meinen Freuden. So schoͤner Liebe reicher Lohn macht auch die Sterne selber neiden. 15. Er schoß’ ihr einen Demant straal in die verschloßnen Augen-lieder/ darob erseuffzte sie einmahl und ruͤhret’ ihre Marmor-glieder. Sie Lezteres Zehen. 16. Sie schlug’ die muͤden Lichter auff/ die auch die Sonne koͤnnen hoͤnen/ Jch dachte schon auff Flucht und Lauff besorgt des Zornes dieser Schoͤnen. 17. Hab’ Amor Dank und Venus/ du daß ihr mir damahls Gunst erworben/ ich were sonst in selbem nu fuͤr ihrer Lager-stadt gestorben. 18. Jhr habt es nur allein gemacht/ daß Sie mich freundlich angenommen/ daß sie mich lieblich angelacht/ und hiesse zu dem Bette kommen. 19. Zwar sprach sie: durffstu diese Zeit dich/ mich zusprechen/ unterwinden? hastu nicht satt Gelegenheit bey Tage dich bey mir zu finden. 20. Doch drukkte sie mich sanfft an sich und kuͤßte mich zu vielen mahlen : da dacht’ ich/ Elend/ nicht an dich/ noch meiner ersten Liebes-Qwaalen. Halt/ Geharnschter Venus 21. Halt/ Bette/ du nur reinen Mund/ und sey/ gleich wie du pflegst/ verschwiegen/ so soll dein Pfeil sein Blumen-bunt und mitten in den Rosen liegen. 22. Jch und Dorinde/ schweigen auch. Wirst aber du ein Wort bekennen/ so sollstu sein ein Schwefel-rauch und ganz zu Staub und Pulver brennen. 23. Wenn einer fragt/ was mehr geschach : so sprich/ wie ich/ ich sey geschieden So bald Dorinde wurde wach weil sie mit mir nicht war zufrieden. II. Ein Degen haͤlt den andern in der Scheide. Oberstimme. Franzische Sarabande. stirntes Lezteres Zehen. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. D Je Buhlerische Nacht trug ihr gestirntes Band/ Dianen tanzte fuͤr der Venus Diamant. die still-verliebte Krafft straalt’ auff die Er- den-Bahn/ und ruͤhret’ einen Held mit tausend Stuͤrmen an. 2. Was solte Morfeus tuhn? er brach den braunen stab und schmiß der Treume Saat ins duͤster Meer hinab. der Held erwacht’ und fuͤhlt den Wundersahmen Trieb/ fort war noch Lager-stat noch Schlaff ihm weiter lieb. 3. Er schliche leis’ hinab nach Fillis Kammertuͤhr vor Kloris Schlaaff-gemach stak stets ein Riegel fuͤr dabey der Hund/ doch haͤtt’ er dieses schlecht geacht/ wo Kloris Mutter nicht die Tochter mehr bewacht. Die Lezteres Zehen. 4. Die Magd solt’ iezo dran/ die sonst alleine lag biß auff ein ziemlich Kind/ das sie zu warten pflag der Traum-Gott hatte sie im Schlaaffe grob er- schrekkt/ drum lag sie Sinnloß auff den Ruͤkken außge- strekkt. 5. Er ruͤhrt sie sachtlich an. Schlafft oder wachet ihr? sie aber/ sie erseuffzt’ und sprach: wer ist bey mir? Jch bin es liebster Schaz/ ach laßt mich zu euch ein ich bin verirrt und nakt/ ich moͤcht’ erfroren sein. 6. Sie merkte bald die Kreyd’ und nahm ihn ein zu sich/ das Bett auff einen Mann gemacht/ hielt nicht den Stich als hie der dritte kam/ die Last wuͤrd ihm zuschweer/ es bog sich ziemlich ein und wakkelt’ hin und her. 7. Das Kind/ das lange schon der Wiege war entwehnt als das geplagte Bett’ ohn Ende wankt und traͤhnt’ erwacht’/ und ließ ob man ihm freundlich zu: schon sprach/ dennoch nicht sein Geschrey und furchtsam weinen nach. 8. Die Mutter: Kloris geh/ geschwind und nim ein Licht/ ohn Ursach pflegt das Kind so hart zu weinen nicht. N die Geharnschter Venus die Tochter nierkte bald/ es haͤtte nicht Gefahr dieweil sie ziemlich sonst auch mit Katolisch war. 9. Doch schlug sie Feuer an. Der Argwohn ruͤhrt sie sehr. sie lieff die Stiegen ab und gukket hin und her/ biß Sie zur Kammer kahm/ da/ wo die Fillis schlieff der sie auß Zorn entbrannt diß harte Wort zurieff: 10. Was machstu/ Raben-aaß? wer lieget hie bey dir? schaͤmstu dich/ Schandbalg/ nicht zutreiben solches hier/ wordurch diß ganze Hauß in Spott und Unehr faͤllt/ Schaͤmstu dich nicht fuͤr Gott/ so fuͤrchte doch die Welt. 11. Was solt’ auff solchen Fang begehn das arme Kind? bald kroch sie ein/ bald auß. Nicht Mars und Venus sind mit solcher Schaam ertappt/ wie diß verliebte Paar/ in seiner besten Lust so schlau betroffen war. 12. Der sonst beherzte Held war selbst ohn alles Herz/ kein Sedel schrekkt’ ihn nie so sehr als hier die Kerz so diese Kloris trug. Hier stritte Zorn und Schaam biß endlich Ehr und Glimpff die oberhand bekahm. Die Lezteres Zehen. 13. Die Fillis must’ herauß/ wie lieb der Nachbar war/ der Held verblieb umhuͤllt mit Federn einsam dar. Hier haͤtte Kloris erst den Eyffer lassen sehn wo Fillis nicht gewust/ was ihr auch vor geschehn. 14. Drum ward auff beyden Theil’ ergriffen Stillestand/ ihr ward die Fillis/ und die Kloris der bekannt. So haͤlt ein Degen offt den andern in der Ruh/ diß macht/ daß Kloris hier auch taͤht ein Auge zu. 15. So selzam geht es her/ wenn Amor Meister ist/ so bleibt die Jungfer stehn und wird die Magd ge- kuͤßt. Schaff nur die Mutter ab/ laß Hund und Riegel sein: So/ Kloris/ wird der Held bey dir auch kehren ein. III. Der beste Sinn/ das Fuͤhlen. Ober-stimme. C. B. N ij sol- Geharnschter Venus Grund-stimme. Lezteres Zehen. 1. D U bist es/ edles Fuͤhlen/ du schoͤnster Sinn allein/ dehm aller Tichter Kielen zu Dienste sollen sein/ und ihm ein Lobmahl sezzen das nicht Gewalt noch Zeit/ noch Unfall kan verlezzen/ biß nach der Ewigkeit. 2. Kommt her/ ihr Weißheit-Gruͤnder/ ihr Priester der Natur/ kommt alle Foͤbus-Kinder/ wofern ihr nur der Spur der Wahrheit/ nachzugehen ein wenig seid gesinnt: N iij so Geharnschter Venus so sollt ihr mir gestehen daß fuͤhlen uͤberwindt. 3. Gesicht/ die Goͤtter-Gabe/ so zwar unschaͤzbar ist/ bringt manchen zu dem Grabe/ der sich zusehr vergist in einer Schoͤnen blikken/ was ich nicht sehen kan/ das kan mich nicht bestrikken noch straͤfflich reizen an. 4. Das hoͤren bringt offt Schrekken und schafft Uneinigkeit. Was Mus ik kan erwekken waͤhrt eine kurze Zeit. Ach! manche wird bethoͤret/ wenn sie der Rede Tohn der Junggesellen hoͤnet/ und koͤmmt in Spott und Hohn. 5. Geruch ist kaum zunennen/ sein Tuhn hat schlechten Dank. Die Rosen-wind nicht kennen/ veriaget kein Gestank Ein Lezteres Zehen. Ein Mensche kan wol leben/ und haͤtt’ ihm nimmermehr das Riechen Lust gegeben. Bleibt Schmekken denn die Ehr. 6. Dem Wollust-vollem Schmekken/ dem Lufft/ Fluht/ Erde dient/ dem Vogel’ junge hekken/ dem Wald und Wiese gruͤnt/ umb den der Fischer leget die falschen Reusen ein/ ists nicht/ der Beutel feget/ und heißt uns kranke sein. 7. Jn Fuͤhlen nur alleine besteht der Sinnen Grund/ ohn diesen Leben keine. Aug/ Ohren/ Nase/ Mund/ ergreiffen keine Sachen die ihnen Gegend stehn. Was alle Sinnen machen/ muß erst durch den geschehn. 8. Du aller Sinnen Koͤnig nimst gar die Seel’ auch ein der Leib ist dir zu wenig. bedenkt den Kuß’ allein/ N iiij da Geharnschter Venus da das besuͤßte Ruͤhren der Lippen mehr ergezzt/ als keiner von den vieren uns in Vergnuͤgung sezzt. 9. Der Haͤnde drukk/ das Reiben an unsrer Liebsten Brust/ und was man nicht darff schreiben/ die wolbekannte Lust/ darum wir alle lieben/ Guht/ Leben wagen hin in Kunst und Krieg’ uns uͤben/ ist mehr als aller Sinn. 10. Diß ist es/ Schaz Rosille/ daß ich so gern an dir des Fuͤhlens Werk erfuͤlle. Vergoͤnn mir fuͤr und fuͤr nur diß bey dir zu uͤben/ so wil ich nimmermehr Geruch/ Schmakk/ Sehen/ Lieben/ und hassen das Gehoͤr. IV. Ehren-Griffe. Ober- Lezteres Zehen. Ober-stimme. C. S. Grundstimme. N v Was Geharnschter Venus 1. W As zuͤkkstu denn zuruͤkke/ wenn diese meine Hand versuchen wil ihr Gluͤkke? faͤllt sie zu weit ins Land/ Rosille wenn sie ruͤhret was ihr ihr Jungfer Volk verdekket fuͤhret? 2. Es wird einmahl doch kommen/ daß dir die grosse Scheu Zu halten wird benommen. Was meinstu? tieffe Reu wird dich alsdenn umfassen/ wo du mir meine Lust auch hast gelassen. 3. Die unkostbahren Tuͤcher/ so du um dich getahn/ betasten frey und sicher die suͤsse Wollust an : den Haͤnden/ die doch beben wird so ein linder Strich nicht zugegeben. 4. Ey! waͤrstu auß der Erden in Jndien erbaut/ wo Lezteres Zehen. wo alle Weiber werden ganz nakkend angeschaut: wollstu dich dar auch schaͤmen/ und einen schlechten Griff vor uͤbel nehmen. 5. Die Haut am ganzem Leibe/ ist/ duͤnkt mich einerley/ ob ich mich hieran reibe und gehe dort vorbey/ ist schlecht zu unterscheiden solltstu denn einen Drukk nicht koͤnnen leiden. 6. Die Haut wird doch nicht ringer und bleibet unbeflekkt/ ob sich schon je ein Finger daruͤber außgestrekkt. Man wird diß an nicht sehen/ ist schon ein Ehren-griff wohin geschehen. 7. Du weist/ ich bin verschwiegen wo dir es darum ist man moͤcht zuwissen kriegen/ daß meine Hand dich kuͤßt: so wil ich hoch verschweeren/ den Zulaß soll kein Mensch je auß mir hoͤren. N vj Drum Geharnschter Venus 8. Drum zukke nicht zuruͤkke/ wenn diese meine Hand versuchen wil ihr Gluͤkke. Es ist doch nur ein Tand zu fuͤhlen das/ sich wehren/ was bald ein ander wird mit Macht zerstoͤren. V. Das mißtrauliche Alter. Oberstimme. C. S. Lezteres Zehen. Grund-stimme: 1. W O der Teufel nicht kommt hin/ muß er alte Weiber senden/ jezo stuͤnd’ erfuͤlle mein Sinn/ und das Gluͤkk’ in meinen Haͤnden/ kommt ein alter Hoͤllen-Hund und verstoͤrt mir alles Wesen. Jn Avernus roten Schlund mit dem duͤrren Donnerbesen. Alter Geharnschter Venus 2. Alter schimpfft zwar niemand nicht/ wo es nu den Jungen traute/ wo sein sorgliches Gesicht/ so nicht alles Ding beschaute. Meiner Schoͤnen zarter Mund fiel auff mich mit tausend Kuͤssen/ was mir weiter war vergunnt/ muß ich um der Alten missen. 3. Kunnstu denn nicht dißmahl ruhn/ daß du uns zerreist die Karten? hastu weiter nichts zu tuhn/ nicht der Spindel abzuwarten? Flikk den alten Belz vielmehr und bestell das Todten-Hemde. Was verbeusstu/ daß wol ehr dir nicht ist gewesen fremde. 4. Laß die Jugend froͤlich sein/ weil die Geister noch sich ruͤhren. Wenn die Wangen fallen ein und die Zaͤhne sich verlieren/ wenn Lezteres Zehen. wenn die Brust verwelket steht/ und der Glieder Blut erkaltet aller Muht zu druͤmmern geht nnd der ganze Leib veraltet. 5. Werden wir wol anders sein und auff heylgern Kniern liegen/ weil uns bluͤht der Schoͤnheit Schein/ suchen wir auch ihr Vergnuͤgen. Trozz! und tuh uns dieses nach/ was wir offt ergezlich treiben/ das nur bringt dir Ungemach/ daß dus selbst must lassen bleiben. 6. Ungewitter/ Teufels-Braut/ Zahn-bruch/ Neid der guten Tage/ Schatten-koͤrper/ Runzel-haut/ Bein-hauß/ Zorn-faß/ Todten-klage. Alte. Pakk dich/ wie du tuhst/ zu den schwarzen Abgrunds-Geistern und verwehr mir keine Lust. Jch kan mich wol selber meistern. VI. Vergeblich verwachstu die Liebe. Ober- Geharnschter Venus Oberstimme C. B. Grund-stimme. Letzteres Zehen. 1. A Lter/ ich muß deiner lachen/ daß du wilt des Amors Gluht durch dein Auffsehn kaͤlter machen/ Liebe tuht doch/ wie sie tuht. Wacht man sie/ sie birgt ihr Feuer stellet sich wol gar als Haß/ Griffgen sind bey ihr nicht teuer. Du verbeutst/ und weist nicht was. 2. Sie weiß mich doch wol zu halten meine schoͤnst’ Argine. Du Geharnschter Venus Du machst wie du wilst verwalten Waͤchters Amt. Uns thut nicht weh: daß du uns mit deinem schleichen manche schoͤne Lust nimst hin/ Jch und Sie kan doch erreichen/ was beliebet unsern Sinn. 3. Magstu wol so viel verhuͤten/ daß ich Sie nicht sprech’ allein. Dein so Argwohn-volles Wuͤten/ kan es auch genugsam sein: daß sie mir nicht manches Stuͤndchen/ wenn/ du Gramhafft/ nicht bist dar/ goͤnn’ ihr zartes Wollen muͤndchen sonder schelten und Gefahr. 4. Nu nur hielt’ ich sie umfangen/ mein Mund kuͤßet’ ihren Mund/ Jhre Wangen meine Wangen: Weistu das auff diese Stund’? Ach! was woltestu doch rathen/ was auff einen Abend spat in geheim wir beyde tahten/ als sie mich/ wie folget baht. Her- Lezteres Zehen. 5. Herzgen/ wo ich so darff nennen dich mein allertrautstes Kind/ kanstu meine Brunst erkennen die sich taͤglich mehr entzuͤndt. Ey/ so linder meine Flammen laß mich deine Liebste sein. Jezt sind wir allein beysammen was du wilst/ raͤum’ ich dir ein. 6. Drauff entbloͤßte sie die Gassen ihrer weissen Silber-Brust/ ach! was gab mir ihr umfassen fuͤr viel tausend Goͤtter-Lust ! Jch drukkt’ ihr/ Sie mir die Haͤnde/ und bekuͤßten uns auffs neu. Wir versprachen sonder Ende uns mit Schwuͤren stete Treu. 7. Nu/ was denkstu/ wenn damahlen ich ihr haͤtte gut gemacht/ was Verliebte koͤnnen zahlen/ haͤttestu sie auch bewacht? darum laß uns nach Vergnuͤgen/ Alter/ lieben sonder Wehr/ wolt’ Geharnschter Venus wolt’ ich sie/ wie dich/ betriegen: haͤttstu wol ein Kind noch mehr. VII. Barbillchen/ die Zukker-dokke. Oberstimme. C. B. Grund- Letzteres Zehen. Grund-stimme. 1. D U suͤßbeliebtes Honig-kind/ Barbillchen/ Labnuͤß meiner Seelen’/ der Jndiens suͤsse Zukker-hoͤlen an Anmuht nicht zugleichen sind. Jch wil es/ daß es alle wissen/ warum ich dich so offt muß kuͤssen. 2. Der Zukker-trozz/ der Nektar-Wein/ der in den goͤldnen Demant-schaalen springt bey der Goͤtter Feyermahlen/ macht Geharnschter Venus macht/ daß sie ewig trunken sein/ weil deß Geschmakks/ des Zukker-suͤssen sie nimmer moͤgen satt geniessen. 3. Dein unverglichner Labsal-Mund ist solch’ ein Nektar meinem Herzen/ fuͤr meiner Liebe Wermuht Schmerzen. Was auß Hymettens bunten Grund’ am Morgen die bemuͤhte Biene aͤzzt ab/ ist deiner Jugend gruͤne. 4. Suͤß ist der goͤldnen Haare Band/ suͤß deiner Stirne rund umfangen/ suͤß die Zinober-rote Wangen/ suͤß deiner Augen heller Brand. Dem Lippen-tau/ dem Zukker-reichen muß suͤsser Alakant auch weichen. 5. Dein Atem suͤsser/ denn Kaneel/ suͤß deines Halses schmale Laͤnge/ suͤß deiner Bruͤste Perl-gepraͤnge/ suͤß ihr’ Jnwohnerinn/ die Seel. Suͤß deine Rede/ suͤß dein Lachen/ dein Schlaffen/ suͤsser/ ach! dein wachen. Suͤß Lezteres Zehen. 6. Suͤß deine Kleider/ suͤß dein Rokk das Fuppchen drein ist suͤß darneben/ du weist/ was du mir drauß gegeben. Barillchen/ suͤsse Zukker-dokk’ Jch schmekke duͤnkt mich/ noch die Gaben/ die auch die Todten koͤnnen laben. 7. Das suͤsseste/ so an dir ist/ muß ich/ ungerne zwar/ verschweigen/ doch kan es uͤber alles steigen/ was je die Sterblichen versuͤßt. Die Suͤsse/ so es von sich giebet macht Leib und Geist zugleich verliebet. 8. Man sagt wol/ daß was suͤssers nicht sey/ als der sanffte Schlaaff zufinden? das kan ich leicht daher entgruͤnden: als neulich uns verschwandt das Licht/ war mir das wachen also suͤsse/ daß ich den Schlaaff drum fahren liesse. VIII. Das kranke Buschgen. Ober- Geharnschter Venus. Oberstimme. Franzoͤische Arie. Grundstimme. Buschgen Lezteres Zehen. 1. B Uschgen henkt’ ihr Haͤuptchen nieder und ließ herbe Seuffzer gehn/ die sonst muntern Augen-lieder hatte sie halb offen stehn/ wie sie die verzukkten mahlen in Dionen Saalen. 2. Der gehemmte Pulß der Haͤnde schlug ganz sacht und langsam an/ wie/ wenn einer nah’ am Ende kaum das Herze ruͤhren kan. Jhrer Wangen Rosen blichen Geist und waͤrme wichen. 3. Seban hatte sich geleget auff der liebsten Doris Mund und/ wie ein Verliebter pfleget/ als/ dehm alles war vergunnt/ durfft’ er sich mit tausend Schmaͤzzen oͤffentlich ergezzen. 4. Jch vermerkte bald die Kreide/ daß diß treu-verliebte Paar/ O zu Geharnschter Venus. zu des Buschgen stillem Leide einig nur der Anlaß war/ drum wolt’ ich sie gleicher massen kuͤssend auch umfassen ! 5. Bald ward ihr Gesichte helle/ roͤtlich ihrer Wangen Saal/ Muht und Leben kam zur Stelle : doch erseuffzt sie noch einmahl/ dieses machte/ daß ich fragte was sie heimlich plagte. 6. Nichts nicht (sprach sie) mich betruͤbet/ daß ich nicht zu Hause bin. Meine Mutter/ die mich liebet/ kraͤnket sich in ihrem Sinn/ wenn allein ich ohn begleiten geh bey spaͤten Zeiten. 7. Toͤhricht muͤst’ ich sein gewesen/ wenn ich nicht errahten solt’ ihre Krankheit und genesen/ und was sie von mir gewolt/ Doch verbarg ich diß mein wissen mit gehaͤufften Kuͤssen. Unter Lezteres Zehen. 8. Unter diesen Liebes-Freuden fing ich sachtlich zu ihr an: Schoͤnes Kind/ ach! daß uns beyden: gleiche Lust nicht werden kan die den zwey Verliebten heute Venus schenkt zur Beute. 9. Wenn es Gottes Wille waͤre / wuͤrde bald gemacht der Kauff/ ich ensage keiner Ehre gab sie mir zur Antwort drauff. Und so ward diß scheinsam Lieben kuͤssend unterschrieben. 10. Doch/ was kunnte das verschlagen/ Kuͤssen leschet nicht genug. Jhre Schwermuht abzutragen war auch hier nicht Zeit noch Fug/ weil man bey der Lichten brandte uns zu sehr erkandte. 11. Magd/ wo bleibstu doch so lange Komm/ und zuͤnd die Fakkel an/ O ij denn Geharnschter Venus denn man in dem dunkeln Gange leichtlich sich vertreten kan. (rieff sie) und verließ die beyden in vergunten Freuden. 12. Fragstu/ ob ich mit ihr gangen? freylich. Sollte das nicht sein. Jhr bedruͤkken und umfangen machten mir den Weg zu klein/ daß/ eh wir es kaum vernahmen wir zur Haußtuͤhr kahmen. 13. Dehm/ was weiter sich begeben/ hastu nicht zu forschen nach/ sie lescht selbst das Licht/ mein Leben/ boht mir an ihr Schlaaff-gemach. Waͤr die Mutter nicht gewesen haͤtte sie genesen. IX. Liebe vergroͤssert sich/ wie ein ge- welzter Schnee-ball. Oberstimme. C. B. be Lezteres Zehen. Grund-stimme. Geharnschter Venus 1. J Ch wil euch Wunder-Dinge sagen/ wie sich die Liebe pflegt zujagen und waͤchset jeden Augen-wink. Jndehm sie wie ein Steubchen scheinet/ wird sie ein Berg/ eh man es meinet. Jst dieses nicht ein Wunder-ding? 2. So bald die Jungfer wird gesehen/ pflegt man ihr kuͤnstlich nachzugehen. Kein einig Blikkchen streichet fort daß man sie listig zu bewegen/ nicht alles Orts ihr geh entgegen und wechsle Lieb und Liebes-wort’. 3. Auff Rede folget Wieder-rede. Kein Weibes-bild ist je so bloͤde/ die auff den Gruß-nicht danken solt’. Als- Lezteres Zehen. Alsdenn (haͤlt ja die Zunge feste) so tuht ein suͤsser Blikk das beste/ und zeuget/ was das Herz gewollt. 4. So bald des Buhlers Weis’ und Sitten der Schaͤmenden Gemuͤht bestritten/ und nu die Scheu wird schlecht geachtt. Dem geht es an ein lieblen scherzen/ an Hand-Fuß-drukken/ kuͤssen/ herzen/ So ist der rechte Grund gemacht. 5. Bald wird man mehr und mehr gemeine. Man achtet Ehr und Schande kleine. Das schlechtste heist: Ein Griff in Zucht. Was ferner folgt/ darff ich nicht singen/ es moͤchte mich in Argwohn bringen/ ich haͤtt’ es etwa selbst versucht. X. Blinzel-Mauß. Oberstimme. C. B. ichs Geharnschter Venus Grundstimme. Eins Lezteres Zehen. 1. E Jns hab’ ich noch bißher verschwiegen auch wolt’ ichs sagen nimm ermehr/ wie sich Florind’ um Zucht und Ehr ließ lieder-liederlich betriegen/ weil aber sie mich stets verachtt/ so sey es in die Welt gebracht. 2. Die Sonne war zur See gegangen die Lufft sach schwarzen Kohlen gleich. Man merkte kaum der Sternen Reich und Zyntien verblaßte Wangen. Die Ober-Erde ging zur Ruh und hatte Sinn und Augen zu. 3. Da kahm das stolze Tier Florinde durch einen finstern Gang daher. Jch hatte mich gleich ungefehr gestrekket auff ein Heu-gebuͤnde als diese geile Schaͤffer-magd Seid ihr allhier/ Chorambus/ sagt. 4. Sie hatte den/ der sich so nannte/ den Abend auff den Ort bestellt: die Tuͤhr war aber zugekrellt/ O v Jch Geharnschter Venus Jch/ der sie straks an Reden kannte/ sprach leise: Schaͤzgen/ der nach dir so sehnlich seuffzet/ der ist hier. 5. Da haͤttstu Spruͤnge sollen sehen/ wie sie so ploͤzlich zu mir kahm/ wie sie mich in die Arme nahm: Jch ließ es unerkant geschehen/ und kuͤßt’ als haͤtt’ ich grosse Lust an ihr/ die ganz entbloͤßte Brust. 6. Da war der Schaam nicht zugedenken. Sie stekkte meine Hand wohin. Mich wundert/ daß damaal mein Sinn sich nicht zur Eitelkeit ließ lenken. Gelegenheit hat den Verstand offt auff verbotne Lust gewannt. 7. Doch war diß schlecht mich zuberuͤkken. Jch weiß nicht/ was am Rokke hing/ daß sie mit grosser Brunst umfing. Da hoͤrt’ ich Seuffzer/ fuͤhlt’ ich druͤkken. Was meine ihr/ waͤre da geschehn haͤtt’ ich auff Tugend nicht gesehn? Drum Lezteres Zehen. 8. Drum stieß ich Sie gemach zuruͤkke/ indehm so boll’ in guter Stund’ Melampus/ unser Hirten Hund: und dieses war mein hoͤchstes Gluͤkke sonst must’ es werden offenbahr/ daß ich nicht ihr Chorambus war. 9. Jndehm sie zu dem Hunde ginge und streichelnd ihn zufrieden sprach: barg ich mich heimlich unters Dach/ das uͤber einem Stalle hinge: weil sie mich nacher dar nicht fand erhub sie sich ins Feder-land. 10. Wer schleußt nu nicht auß diesen allen/ Chorambus sey das erste mahl nicht kommen in Florinden Stall/ und was fuͤr Heu alldar gefallen. Wer klug ist/ kan es leicht verstehn/ was offt Florinden sey geschehn. Dem Dem Eyfferigen: S Agt’ ich dir nicht/ du solltst dich las- sen halten? Doch hastu dieses lezte Zehn/ als waͤrstu schwanger/ muͤssen sehn. Nu/ hoͤr ich/ ist die Galle dir zerspalten. Die Schuld ist dein. Haͤttstu gelacht/ wie ichs/ der/ und der dritte macht : so schmekkt’ es dir im Munde nu nicht bitter. Der ist geschossen im Gehirn/ wer murrt und runzelt denn die Stirn Wenn Amor singt und Venus schlaͤgt die Zitter. Filidor. Des Fuͤnfften Zehens Ende. Filidors Filidors Geharnschter Venus Sinn-reden. Nach Zypern mustu gehn/ wilstu die Raͤtzel wissen. Hier ist die Pyte nicht/ die duͤnkle Spruͤche spricht. Die Venus redet so/ drum sey kein Stichel-froh/ wo du sie willst verstehn’ Ganz freundlich mustu sehn/ und ohn Verdacht und Neid auff Liebe sein beflissen . Filidor. Dem Erbahren/ Vorsichtigen und hochweisen Herren Momus schreibet auß sonderlich-geneigtem Gemuͤhte gegenwertiges Teil der Sinnreden/ nicht ohne Vermeldung seines dienstlichen Grusses/ zu Filidor der Dorfferer durch folgendes: M Omus/ der der Weißheit Grund/ wie aus dem Gestirne siehet/ der auß der Geschikkligkeit das gefuͤnffte Wesen ziehet/ welcher durch ein Perspektiv aller Men- schen Tuhn betrachtt ja auff Ammons Tohrheit selbst hat mit klugen Sinnen acht Euer Zuschrifft. Euer hoch-wizz zwinget mich diese Reden Euch zugeben: ein solch-hoch-erleuchter Siñ wird doch weit und breit nicht leben der Euch/ Richter/ wage haͤlt. Jhr nur nehmt am ersten ein was deß/ so allhter verdekket/ wahre Mei- nung moͤge sein. Ein hart-ob sich stehend Haar/ daß deß Vogels Federn gleichet den der Meleager schoß und ihn Atalanten reichet’ eine traur-bewuste Stirn/ die nur eine Run- zel hegt so sich umb das Kuͤnste-schloß zehnfach ha t herum gelegt ein ansehnlich-langer Gang/ wie Lykurgus kahm getreten/ wenn er die Gesezze laß so viel untergebnen Staͤten/ Kleider als der Stoa trug/ wenn er die Be - gierden zwang/ Sitten/ wie Fabrizius/ Reden hunde rt Ellen lang/ Grobe Speisen/ hartes Lager/ schlechter Hauß raht/ Buͤcher! Buͤcher! Buͤ - Zuschrifft. Buͤcher! Buͤcher ohne Zahl/ und noch meh- res glaubet sicher daß diß alles klar bezeugt ein vergoͤttertes Gemuͤht/ so Minerven Heimligkeit durch viel tausend Brillen sieht. Weil ihr nu mit alle dehm/ Momus/ reichlich seid begabet/ und sechs Unzen mehr Verstand/ als die Goͤt- ter selber/ habet hab’ ich diß verbluͤmte Spiel euerm Luch- sen-scharffem Sinn’ als zum Abschied’ hergebracht. Nehmt es Pruͤfer/ willigst hin. Andre handeln allzugrob. Dieser heist auch einen Narren/ Jener schreibt auff euch Paßqwill’ und kan kaum so lange harren biß der Titul ist vorbey/ reizt er euch im er- sten Blat/ der tritt gar mit Drohen auff. Denn so kommt der viert’ und hat allzuviel vor euch gelernt/ heist euch einen Jdioten/ heut euch einen Esels-drek/ und was mehr der groden Zoten die Zuschrifft. die der Herr nicht leiden kan. Nein/ Herr/ Momus! Nein/ Herr/ Nein! lasset uns fein Komplementisch/ lieber Herr/ zusammen sein. Was ich hier hab’ auffgesezzt/ goͤnn’ ich euch von ganzem Herzen. Meint Jhr/ daß ich so mit Euch nu unhoͤff- lich wolle scherzen? hier ist Ernst. Nein. wißt Jhr nu wie ihr diß vergelten solt? daß/ was ihr zutuhn sonst pflegt/ ihr hierin- nen lassen wollt. Hamburg den 30. Augustm. 1657. Filidor. Der Geharnschter Venus I. D Er erste Griff der Liebe geriethe mir durch Diebe/ nun stehl ich immer zu. Der schlauen Diebereyen kan sonst mich nichts befreyen/ als Unruh und die Ruh. II. Du Morfeus hast mich kuͤhn gemacht/ haͤtt’ ich dein Spielwerk nicht erfahren: wir waͤren noch/ als wie wir waren. Haͤtt’ ich diß Ding doch laͤngst bedacht. III. Jch hielt’ auß Scherz ein liebes Kind umfan- gen/ (gen/ die Eyfer-sucht verfaͤrbte Mund und Wau- als sie diß Spiel von ungesehr ersach. Haͤtt’ Eyfer nicht den Eyfer lassen sehen/ ich wuͤrde nicht so wol mit Buschgen stehen/ Nu wird es Ernst/ was vor auß Scherz geschach. IV. Ein grosser Sturmwind kahm geflogen bey mir kahm Amor eingezogen und Sinnreden. und stuͤrmete viel haͤrter an haͤtt’ ich ihm damahls Plazz gegeben/ so moͤcht’ ich wol vergnuͤgter leben. Ach! daß ich mich nicht schikken kan ! V. Die Nacht/ die Tuͤhr/ die Gunst/ verborge/ machte/ gabe/ mein Gluͤkk/ mich froh/ was ich so offt verlan- get habe. Sey stille Nacht gekuͤßt/ ihr Pforten bleibt geehrt/ und du geliebte Gunst werd’ je und je ge- mehrt! VI. Von einem Kusse kahm mir alles Leiden/ auß einem Kuß’ entstunden mir die Freuden/ dergleichen ich mein Tage nie genoß. Die Lust erregt’ ihr Lenz der roten Wangen. Es hat der Nord das Leid erst auffgefangen. So ist die Freude niemahl Leiden-bloß. VII. Jch laß’ ein gutes Pfand/ und mir ists unbekannt. Ach! solt’ ichs einst erkennen! Mein Geharnschter Venus Mein Ungluͤkk aber treibt mich fort/ ich weiche von dir/ liebster Ort/ den ich ohne Schmerzen kan nimmermehr benennen. VIII. Jch hielt’ einmahl ein Kind umfangen/ ein Kind das kahm herab gegangen zu holen vor ein Kind der Zeres Safft da must’ ich als ein Kind verkriechen/ und wo das Kind es koͤnnen riechen: so haͤtte mir das Kind viel Leid geschafft. IX. Wiltu/ Naͤrrin/ schelten/ laß die Pausen gelten und nim den Takt in acht/ Kein Lied ist wol gemacht daß nur Schwaͤnze heget und den Atem leget. X. Rosill’ ist zwar Filandern fest verbunden/ doch goͤnnt sie mir die ersten Freuden stun- den Jch Sinnreden. Jch bin es/ der die vollen Trauben brach/ hernach/ so mag Filander lesen nach. XI. Seht/ was der Hochmuht kan ! Nicht stets ein Oberman sprach Fillis und ging oben. Die Hoffart ist zu loben XII. Was die Venus buͤkkend hat gelesen/ hab’ ich buͤkkend wieder eingebracht als der Tag bezwang die muͤde Nacht/ Bin ich nu nicht dankbahr satt gewesen. XIII. Amor hatte mir die Spizze mich zuwehren/ stumpf gemacht. werd’ ich schuldig außgelacht/ nu mein Schwert mir nicht ist nuͤzze? Nein. Kein Fechter darff es wagen/ gegen zwey zugleich zu schlagen. XIV. Durch Schwachheit ist mir meine Staͤrte kommen durch Geharnschter Venus durch Schwachheit ward ich meiner Krafft entnommen/ Nu bin ich durch die Schwaͤche worden schwach/ doch laͤßt auß Schwachheit meine schwaͤ- che nach. XV. Wiltu/ Reuter/ mich nicht reiten lassen/ warum goͤnnstu mir denn Zeug und Feld? wil dein Sattel nur mir an-sich-massen/ wett’ ich/ wer den besten Ritt erhaͤlt. Stich dein Klepper an/ und renne zu/ ich bin so ein Kavalier als du. XVI. Waͤr’ ein Licht nicht außgegangen/ waͤr’ ich/ Blinder/ nicht gefangen/ Nu verloschen ist das Licht/ hab’ ich kein Gesichte nicht. XVII. Was meiner Schoͤnen nicht gefiel/ entzog mir offt des Schusses Ziel. Und dieses hat allein gemacht daß ich den Pfeil ins Ziel gebracht. Hastu/ Sinnreden. XVIII. Hastu/ Schoͤne/ niemals nicht gelesen/ daß die Venus nakkend sey gewesen/ als sie den Gradiv entwehret macht. Warum greiffstu/ Kind/ denn nach der Weh- re, sichstu/ nu verlescht des Sieges Ehre. Weine. Ja haͤttstu es vor bedacht! XIX. Was Amor kaum gewust/ als er zwey Herzen zwunge/ und ihm des Bogens Krafft durch Streit und Sieg gelunge/ ersahr’ ich selbst durch ihn. Jch sag’ es A- morn an/ Nu Amor in mir wohnt/ was er mir kund gethan. XX. Jch dachte bald so lang’ ich von ihm ferne bin wil ich/ als Siegerinn wol mit dem Lorbeer prangen (Sprach Geharnschter Venus (Sprach Rosilis) sie war mir allzu nah ge- gangen/ und ohne Sinn und Macht ins Graß gesun- ken hin. XXI. Ein Demant/ als ein Wachs/ ist Rosilis/ mein Licht/ auß der so wancher Straal der Liebes fun- ken blikket. Sie ist so hell und rein/ so steinern aber nicht/ sonst haͤtt’ ich’ meine Form nicht in ihr Wachs gedrukket. XXII, Der Sieger hohe Pracht/ der Tichter Ange- merke der Jungfern Ruhm und Lust nahm mich in seinen Kreyß. Wiewol erging mirs dar! Mein Amor kahm zu Werke und stach mich tapfer an. Du Gluͤkk ver- wendte Reis er- Sinnreden. erteilst mir alle Lust/ und meine Lust-gefehrden verhindern/ daß ich nicht der Lust kan faͤ- hig werden. XXIII. Jch dank’ es dir allein/ du Weyser von Sta- gyr/ daß ich durch deinen Wizz zu solchem Wiz- ze kommen/ der einen Zweiffel mir/ den du nicht weist/ benommen. Nu wiltu kluͤger sein/ kom̃ lerne was von mir. XXIV. Das Eyß zerbricht. Die Schoͤnheit laͤst sich sehen. Der Amor fleucht aus Tetis Schoosse her. Mein’ erste Funk’ entzuͤndt sich auß dem Meer’. Jsts muͤglich/ auch im Wasser gluͤend stehen? XXV. Mich traͤumt’ als Rosilis auff meine Lippen fiele/ Jhr suͤsser Zukkermund gab mir so man- chen Kuß/ P die Geharnschter Venus die Seel’ erhube sich ob dem beliebten Spiele. Jch wacht’: Jndehm entwich der bunte Fantasus. Da stunde Rosilis fuͤr mir mit Leib und Leben. Hat Morfeus nu den Kuß mir/ oder Sie ge- geben. XXVI. Durch einen Unterschlag ward ich der Lieb- sten gleich/ und haͤtt’ es sie geglaubt/ nicht in der Taht erfahren/ daß ich und Sie/ wir zwey so gleich einander waren. Jezt lebt’ ich nicht vergnuͤgt. Jezt waͤr’ ich nicht so reich. XXVII. Die Venus kan man nicht/ als in dem Hellen sehen/ doch kan die Venus nie beym hollen gluͤkk- lich sein. Wie gerne wolt’ ich stets auff Amors Posten stehen : schien’ Ach ! Vulkanus Lunt’ in Ruͤkken mir nicht ein. Was Sinnreden. XXVIII. Was mir in der Naͤhe war/ kunnt die Naͤhe mir nicht schenken/ biß ich in die Ferne kahm/ da wurd’ erst das Ferne mein. Nahe kunnt das Nahe nicht meinem Herzen nahe sein. O du suͤsses Ferne du/ ewig werd’ ich dein gedenken. XXIX. Diane wusche sich in reinem Bade/ ein junger Jaͤger kahm darzu gerade/ den halben Leib bedekkt die Silber-Fluht die Helffte sah’ er bloß ob Tetis Wellen. Hie war der Klippen Bild/ und dort der hellen Ein ander trug darvon Akteons Hut XXX. Wer mit Kalisten wil verguͤnt in Freuden leben/ Der muß Kleandern sich verschweren als ein Freund. (ben Lysandern haͤtte nie das Gluͤkk ein solches ge- was er jo offt erhielt/ Wer er Kleanders Feind. P ij Ver- Geharnschter Venus XXXI. Verraͤhtrisch Licht/ du hast mich zwar betro- gen/ daß ich so offt den Kuͤrzeren gezogen: doch dißmahl ist dein Feuer spat entbrant. Jch hab’ es schon/ worauff ich ging/ empfan- gen. Nu hinderts nicht/ daß du bist angegangen. Jch schlaffe fest. Sie hat sich umgewandt. XXXII. Der Rauch vertreibt den Schwarm der Bie- nen daß man den Honig brechen kan. Daß mir mein Honig-gluͤkk’ erschienen/ hat/ Trozz dem Neid! auch Rauch getahn. XXXIII. Du sichst mir zu/ Vulkan/ wie ich die Venus herze/ und/ weil du meinst/ ich scherze/ wie wirstu heissen? Pan. XXXIV. Jch bahte sie auff Brodt und Wein und Rosilis verschwur zu kommen/ Sie hat den Grauen angenommen/ seit Sinnreden. seit wir so kurz vonsammen sein da wir uns doch so freundlich hatten/ als Luna spielte mit dem Schatten. Nu Foͤbus mahlt der Luͤffte Tohr/ stellt sie sich fremde/ wie zuvor. Jch lob’ es/ wo durch scheinsams hassen man nur nicht Argwohn moͤchte fassen. XXXV, Hier ist dein oͤdes Bette nicht/ hier darffstu/ Dulus/ mir nicht dienen. Seht wie uns kan der Schlaaff erkuͤh- nen. Es greifft mir Dulus ins Gesicht’/ ich schweige still/ und bin zu frieden daß ihn der Traum und Nacht verblendt ach! wuͤrde doch so einem Jeden sein schaͤler Eyfer abgewendt/ XXXVI. Wie wuͤrdestu dich stellen/ wenu/ Rose/ den Gesellen du bey mir solltest treffen an? du bist zu langsam kommen/ sonst haͤtt’ ich dich genommen. Du weist/ daß Brunst nicht harren kan. P iij Ku Geharnschter Venus XXXVII. Kupido gibt mir/ was ich wil/ und/ was ich wil kan er nicht geben/ Diß machet/ daß ich Telesill’ iezt deiner muß beraubet leben. XXXVIII. Mein Lieben fing sich an im Schnee/ weil ich zuviel den Schnee beschauet. Auch ists der Schnee/ vor dehm mir grauet/ der Schnee/ den ich stets vor mir seh. Schnee komm/ Schnee weich/ so wil ich sagen/ daß dich der Himmel hat getragen. XXXIX. Du schweerst/ du wolltst dein Leben vor mich lassen du wolltst um mich auch deine Seele hassen/ Chorambus. Recht: daß du so liebest mich/ denn niemand ist dir mehr verwandt/ als ich. Der Sinnreden. XL. Der verfluchte Hagels-Neid hat ein allzu scharff Gesicht : drum hat Rosilis das Licht allzunaͤhrlich abgemeyt. Weil der Neid nach Schwefel tacht/ Feuer-zeug und Zunder gehet/ hat die Rosilis verbracht was ein ieder nicht verstehet. XLI. Wir singen. Fillis spielt die Floͤten den Schall merkt Sie und ich allein. Laß/ Fillis/ laß dein Fingern seyn/ sonst wirstu mich durch Sehn-sucht toͤdten. Soll aber ich die Laute schlagen/ so wil ich wol ein Stuͤkkgen wagen. XLII. Rosilis ich bin dein Gast soll ich recht bewirtet sein denn so laß uns beyd’ allein. Zeugen sind mir ganz verhaßt die auff einen jeden Bissen den wir ich und du geniessen/ P iiij s o Geharnschter Venus so genau geben acht. Rosilis hats gut gemacht. der holt Licht und der Tobak den wil sie nach Milch außschikken/ der bringt Bier/ der fuͤnffte mag bleiben/ weil er geht auff Kruͤkken. XLIII. Der Orseus drang durch seiner Seiten zwang in Pluto Hoͤllen schlund. Mir ist es auch gelungen/ daß ich zum schwarzen Grund durch meine Leyer hingedrungen. XLIV. Die allerbeste Venus-Gabe die ich ie zu verschenken habe verschuͤttet Fillis mit der Hand. viel besser waͤr’ es angewandt/ wenn/ was sie dißfalls mir genommen ihr selbst zu gute moͤchte kommen. XLV. Der Tag war annoch blaß/ und Fillis wiese was/ daß Sinnreden. daß ich nicht darff beruͤhren. Haͤtt’ ich/ was drunter war ich wolt’ auch um ein Haar mich nicht darob verfuͤhren. XLVI, Das Frauen-zimmer ist ja sonst dem Geize zugetahn. wie koͤmmt es denn/ daß Fillis nicht so viel ein- nehmen kan/ ich kabe wenig. Dennoch ist ihr diß mehr angenehm als wenn mit Amaltaͤen Horn selbst ihr Fi- lander kaͤhm. XLVII. Ein wahres Wort/ wer nicht wil kuͤhne seyn der stelle nur den Liebes-handel ein. Man traͤget mir die vollen Wahren an und ich kan mich nicht in die Nahrung finden. Wers auff Verlust nicht wagen wil noch kan: was Wunder? daß er allzeit bleibt dahin- den. P v Ro- Geharnschter Venus XLVIII. Rosille hat mir was gesagt daß Neid und Streit in mir erreget/ auch wird die scheel-sucht nicht geleget biß sie ein gleiches mit mir wagt. XLIX. Jch haͤtt’ es Fillis dir versprochen/ und Dule hat es unterbrochen. Ach zuͤrne/ Fillis/ zuͤrne nicht : Jm dunkeln treugt uns das Gesicht. L. Solt’ ich/ Dule/ nicht zu dir zur Hochzeit kommen/ ey/ so waͤr’ ich deines Manns Verwanter nicht? Hastu mich doch ehr als Gast wol auffgenom- men. Jzt stell’ ich mich ein/ wer weiß/ was mehr geschicht. Der Sinnreden Ende. We- Wegen der Zuschrifft an den Momus. Jn Jndien pflegt man den Teufel zu ehren/ weil er am meisten Schaden thut. der gute Gott/ dieweil er gut wuͤrd’ ohn diß die Menschen mit nichten be- schweeren. Der Momus/ der heßliche greßliche Dieb/ der findet leichtlich ein Gebrechen. Drum wolt’ ich ihn zufrieden sprechen. Auffrichtigen Lesern ist dieses schon lieb. Filidor. P vj Da- Zugabe. Damit der Kaͤuffer nicht ledige Blaͤtter be- zahle/ als seind (weil etwas Raum uͤ- brig) folgende Madrigalien angehengt worden. 1. D Er Vorraht in Saturnus Welt war Korn und reiche Wolle/ ein gruͤner Busch/ ein Brunn ein breites Feld: dar lebte man ohn allen Neid und Grolle. Sint daß der Geiz und Hoffartkahm und Herrschafft nahm : entstund’ ein Reich des Eisens. Man wolte Gold und Sammet tra- gen/ die Einfalt samt der Tugend golte nicht. Die Sucht haͤlt nu die Jungfern auch gefangen darum werd’ ich vorbey gegangen. Man liebt die Runzel-haut’ den Husten und die Gicht. Weil Zugabe. 2. Weil Hektor in dem Harnisch schwizzt liegt Paris in den weichen Federn und wird in Venus-Krieg erhizzt. Jch lobe diesen Streit/ wo Lieb’ und Freundligkeit sich scherzend zwakken/ mehr/ als wenn mir der Feind ist auf den Hakken Warum solt’ ich um Reichtuhm krie- gen/ da Lieb’ und Lieb’ im Bette nakkend liegen ? 3. Komm/ Pylades/ zu mir/ es steht dir meine Tuͤhr zu allen Zeiten offen. Jch teile mit dir Brot und Wein/ das Hauß ist mein und dein. Jch gebe dir auch gar den Schluͤssel zu dem Gelde. Diß alles sey gemeine: die Liebste bleibe mein alleine/ Greiff- Zugabe. Greiffstu mir hie zu weit; so sag’ ich lieber Gast/ Geh hin/ du bist mir eine Last. 4. Der sagt er sey mit dir aufs Land gefah- ren/ er hab’ auff weicher Streu’ einsmahls mit dir sich duͤrffen paaren. der hat mit dir zu Nacht gesessen/ der hat mit dir allein gegessen/ und jener hat wol ehr dich nakkend angesehen/ er weiß an dir ein schwarzes Waͤrzgẽ/ Was ist denn daß nun mehr? Jch laß es geschehen. Ein guter Wein wil ja getrunken sein. Drum fuͤrcht dich nicht/ daß ich dich wer- de hassen ich wuͤrde dich/ werstu der sauren/ stehen lassen. Jch Zugabe. 5. Jch wiche hin zum strengen Norden/ und dennoch fuͤhlt’ ich Liebe. Jch bin Gradivens eigen worden/ ich pfluͤgt ein hartes Feld/ ich schiffte durch Ozeans Wellen-welt/ und dennoch fuͤhlt’ ich Liebe. Woher? ist deñ vor Liebe nicht ein Raht? Ach! jezt besinn’ ich mich/ daß Amor Fluͤ- gel hat. 6. Was ruͤhmstu alte Tichter-welt/ du habest durch dein Singen die Loͤuen koͤnnen zwingen/ und Foͤben auß den Flam̃en bringen/ du habest manchen Stein an Tebens Mauer werk durch einen Leyer-klang gestellt! Kupido zog mir Seiten auff und reichte mir den Fiedelbogen/ der hat die Rosilis bewogen/ daß sie verliebet worden ist. Kupido sey gekuͤßt/ d u Zugabe. du Herzen-dieb. Dein Fiedelbogen machts/ sonst waͤr’ ich ihr nicht lieb. 7. Ach ja! Es ist ein greiser Bahrt/ dem meine Venus nicht gefaͤllet/ der ist von keuscher Art. die Keuschheit stekket in den Runzeln/ ich habe keine Runzeln nicht/ e in schwarzes Haar erhellet mein Gesicht. Die jungen Leute schmunzeln/ wenn sie die Venus lesen: du Bleicher bleichst/ wenn du mein Singen hoͤrst/ das ist ein tolles Wesen. (mag: Jezt faͤllt mirs ein/ woher es kommen du blaͤssest/ weil du fuͤrchtst den Juͤng- sten Tag. 8. Verzweiflung/ Sorge/ Furcht und Schrekken/ Schmerz/ Leiden/ Angst und Quaal/ ein Zugabe. ein Regiment von Gekken/ Verspottung ohne Zahl/ das ist der Liebe Leib-gedinge. wer das nicht kennt/ der weiß auch nicht/ was Amor ist. Sey nu geehrt/ geliebt/ gekuͤßt/ und sey darbey ein Haubt der Narꝛen. Wißt ihr/ wem ich das Lieben wolte goͤn- nen? (nen. dem (mein’ ich) der mich nie hat lieben koͤn- 9. Die Nas’ an dir ist Spannen-lang/ das Maul steht als ein Tohr-weg offen/ die Zaͤne sind zwey Daumen breit/ der Wangen Schwaͤrz’ ist Qwitten- geel beloffen. Der Augen Glanz sicht wie die teure Zeit: doch bistu stolz und haͤltst dich trefflich schoͤn/ das macht: ein Mahler hat die Venus abgerissen und Mopsa oben an geschrieben/ das Zugabe. Das Bild hastu vor deines angesehn und meinst es muͤß’ in dich sich jederman verlieben. 10. Einst sah’ ich einen alten Narren die grauen Haare reissen auß vor einer Schoͤnen Haus’ und wer alldar voruͤber gieng hub weidlich an zulachen/ daß er erst an-im Alter-fieng die Liebe mit zu machen. Sich/ Alter/ das steht dir nicht an und deines gleichen. Der Jugend/ die mit Rechte lieben kan und ihrer Liebe Zwekk erreichen/ der geht das Lieben hin. Drum lache nicht/ daß ich verliebet bin. 11. Es ist nicht wahr/ daß Amor den und die verzaubern kan. hier komt es nicht auf einen Segen an/ nicht auf ein waͤchsern Bild. Kein Zugabe. Kein Kraut hegt Tessalis das zu dem Lie- ben gilt/ kein Laubfrosch tuhts kein Jungfer- Haar. es ist nicht wahr. Dir Zauberey sizzt in den Augen sie laͤßt sich durch den Kuß einsaugen. Sich sie nicht an die Eitelkeit/ verschweer das Kuͤssen/ so wirstu nichts vom Lieben wissen. 12. Du sprichst: Jch liebe nicht/ und dein hoffertiges Gesicht hat bald den Spiegel durchgebohret. Du gehst durch alle Gassen schwaͤnzen und findst dich gern bey Hochzeit-taͤnzen. Sonst stehstu an der Tuͤhr und liegst am Fenster fuͤr und fuͤr. Florille/ Mein! sind diß der keuschheit Werke/ die Buhler durch die Augen anzulokke n ? Mein! bleibe bey dem Rokken. Doch nein. Solltstu dich nicht den Leuten weisen/ wer kennt’ und wuͤrde dich vor eine Keusche preisen? Ga- Zugabe. 13. Gaminde weiß an allen einen Tadel der ist ihr allzuklug und der ein Gekk/ der ist zu still’ und der zu kekk der andre pflegts zurisch zuwagen und dieser laͤst sich schlagen. Die Arme muͤssen Kurz um weichen/ sie liebet um Verdienst die Reichen. Und keinem ist sie doch getreu Gaminde sich dich fuͤr. Die Zeit fleugt fort wie bald ist deine Schoͤnheit port. Was achts Gaminde: die der Leute lachen/ kan man zulezt zu Kupplerinnen machen. 14- Verschließ die Tuͤhr mit hundert Schloͤssern/ der Hund steh auff der Wacht/ die Mutter schlaf’ auch selbst bey ihr zu Nacht/ laß sie nicht an der Pforten stehen/ verbiet ihr das Spazieren-gehen: Es ist umsonst. Die Geilheit ist als eine Mauß/ sie weiß wol tausend Loͤcher/ und uͤbet mehr/ als eine Kunst/ verwahrt die Tugend nicht das Hauß. Es Zugabe. 15. Es ist wol ehr geschehn/ daß eine hat geweinet. wenn ihr die halb-verfaulten Zaͤhn’ auß ihrem Munde Fleisch-loß blekkten. Und niemand hat sie denn gemeinet. Es hat noch keiner dich genommen. Die Zeit kan an dich kommen/ daß man dich fragt: weistu vor mich kein schoͤn Gesicht/ denn dich begehr ich nicht? 16/ Nim Gold einmahl/ und leg es in das Bette/ Versuch es ob es Waͤrme gibt und ob dichs wieder liebt. Ein frisches Bluht/ ein Mund mit Rosen außgeaͤzzet/ das ist/ daß Lieb’ und Lieb’ ergezzet. Vom Gelde mustu Alten sagen/ die sonst nichts liebens wehrt an ihren Lei- bern tragen. Nim einen Alten hin: was gilts? du wirst einst klagen: Ach! haͤtte mich mein junger Sinn zu meines gleichen hingetragen! Jch Zugabe. 17. Jch lobte dich durch meine Leyer/ das macht’ ich meinte niemand waͤre treuer. Nun fluch’ ich auf der Feder schnelle fahrt. Gebt Feuer her. Jch wil den Vers verbren- nen! Nicht zu geschwinde! Nein. Wie wolte man denn sonst erkennen/ daß/ was ich schrieb/ solt’ ein Gedichte sein. 18. Waͤrstu nicht schoͤn wie haͤtt’ ich dich gelie- bet? nu bistu schoͤn so hasset mich der Neid/ und goͤnnet mir nicht deine Freundlig- keit. Waͤrstu nicht schoͤn/ so haßte dich ein Je- der: nu/ bistu schoͤn/ so liebt dich jeder wieder. Ach! moͤchtestu doch mir nur schoͤne sein so nennte sich kein ander deinen Knecht. daß du nu schoͤne bist/ ist recht und auch nicht recht. Der Der Kato nennt es Zoten/ was ich bißher gesezzt. Wer ist denn je gewesen/ der ihn es zwang zu lesen? Wen dieses nicht ergezzt/ dehm hab’ ichs ja verboten. Filidor. ENDE.