Allgemeine N aturgeschichte und Theorie des Himmels, oder Versuch von der Verfassung und dem mecha- nischen Ursprunge des ganzen Weltgebaͤudes nach Newtonischen Grundsaͤtzen abgehandelt. Koͤnigsberg und Leipzig, bey Johann Friederich Petersen , 1755 . Dem Allerdurchlauchtigsten Großmaͤchtigsten Koͤnige und Herrn Herrn F riederich , Koͤnige von Preussen Marggrafen zu Brandenburg, des H. R. Reichs Erzkaͤmmerer und Churfuͤrsten, Souverainen und obersten Herzoge von Schlesien, ꝛc. ꝛc. ꝛc. Meinem Allergnaͤdigsten Koͤnige und Herrn Allerdurchlauchtigster, G roßmaͤchtigster K oͤnig Allergnaͤdigster K oͤnig und H err ! D ie Empfindung der eigenen Unwuͤrdig- keit und der Glanz des Thrones koͤnnen meine Bloͤdig- keit nicht so kleinmuͤthig machen, als a 3 die die Gnade, die der allerhuldreichste Monarch uͤber alle seine Untertha- nen mit gleicher Großmuth verbrei- tet, mir Hoffnung einfloͤset: daß die Kuͤhnheit, der ich mich unterwinde, nicht mit ungnaͤdigen Augen werde angesehen werden. Jch lege hiemit in allerunterthaͤnigster Ehrfurcht ei- ne der geringsten Proben desjenigen Eifers zu den Fuͤssen Ew. Koͤnigl. Majestaͤt, womit Hoͤchst Dero Akademien durch die Aufmunterung und und den Schutz ihres erleuchteten Souverains, zur Nacheiferung an- derer Nationen in den Wissenschaf- ten angetrieben werden. Wie be- gluͤckt wuͤrde ich seyn, wenn es ge- genwaͤrtigem Versuche gelingen moͤch- te, den Bemuͤhungen, womit der niedrigste und ehrfurchtsvolleste Un- terthan unausgesetzt bestrebt ist, sich dem Nutzen seines Vaterlan- des einigermaassen brauchbar zu machen, das allerhoͤchste Wohlge- a 4 fallen fallen seines Monarchen zu er- werben. Jch ersterbe in tiefster Devotion E w. K oͤnigl. M ajestaͤt Koͤnigsberg den 14. Merz, 1755. allerunterthaͤnigster Knecht, der Verfasser. Vorrede. J ch habe einen Vorwurf ge- waͤhlet, welcher sowol von Seiten seiner innern Schwie- rigkeit, als auch in Ansehung der Religion einen grossen Theil der Leser gleich anfaͤng- lich mit einem nachtheiligen Vorurtheile einzunehmen vermoͤgend ist. Das syste- matische, welches die grossen Glieder der Schoͤpfung in dem ganzen Umfange der Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die Bildung der Weltkoͤrper selber und den Ursprung ihrer Bewegungen aus dem er- sten Zustande der Natur durch mechanische Gesetze herzuleiten: solche Einsichten schei- nen sehr weit die Kraͤfte der menschlichen Vernunft zu uͤberschreiten. Von der an- dern Seite drohet die Religion mit einer feyerlichen Anklage uͤber die Verwegen- a 5 heit, Vorrede. heit, da man der sich selbst uͤberlassenen Natur solche Folgen beyzumessen sich er- kuͤhnen darf, darin man mit Recht die un- mittelbare Hand des hoͤchsten Wesens ge- wahr wird, und besorget in dem Vorwitz solcher Betrachtungen eine Schutzrede des Gottesleugners anzutreffen. Jch sehe alle diese Schwierigkeiten wohl und werde doch nicht kleinmuͤthig. Jch empfinde die ganze Staͤrke der Hindernisse die sich entgegen setzen, und verzage doch nicht. Jch habe auf eine geringe Vermuthung eine gefaͤhr- liche Reise gewagt, und erblicke schon die Vorgebuͤrge neuer Laͤnder. Diejenigen, welche die Herzhaftigkeit haben die Unter- suchung fortzusetzen, werden sie betreten und das Vergnuͤgen haben, selbige mit ih- rem Namen zu bezeichnen. Jch habe nicht eher den Anschlag auf diese Unternehmung gefasset, als bis ich mich in Ansehung der Pflichten der Reli- gion in Sicherheit gesehen habe. Mein Eifer Vorrede. Eifer ist verdoppelt worden, als ich bey jedem Schritte die Nebel sich zerstreuen sahe, welche hinter ihrer Dunkelheit Un- geheuer zu verbergen schienen und nach de- ren Zertheilung die Herrlichkeit des hoͤch- sten Wesens mit dem lebhaftesten Glanze hervorbrach. Da ich diese Bemuͤhungen von aller Straͤflichkeit frey weiß, so will ich getreulich anfuͤhren was wohlgesinne- te oder auch schwache Gemuͤther in mei- nem Plane anstoͤßig finden koͤnnen, und bin bereit es der Strenge des rechtglaͤu- bigen Areopagus mit einer Freymuͤthig- keit zu unterwerfen, die das Merkmaal einer redlichen Gesinnung ist. Der Sach- walter des Glaubens mag demnach zuerst seine Gruͤnde hoͤren lassen. Wenn der Weltbau mit aller Ord- nung und Schoͤnheit nur eine Wirkung der ihren allgemeinen Bewegungsgesetzen uͤberlassenen Materie ist, wenn die blin- de Mechanik der Naturkraͤfte sich aus dem Chaos Vorrede. Chaos so herrlich zu entwickeln weiß und zu solcher Vollkommenheit von selber ge- langet; so ist der Beweis des goͤttlichen Urhebers, den man aus dem Anblicke der Schoͤnheit des Weltgebaͤudes ziehet, voͤl- lig entkraͤftet, die Natur ist sich selbst ge- nugsam, die goͤttliche Regierung ist un- noͤthig, Epikur lebt mitten im Christen- thume wieder auf, und eine unheilige Weltweisheit tritt den Glauben unter die Fuͤsse, welcher ihr ein helles Licht dar- reichet, sie zu erleuchten. Wenn ich diesen Vorwurf gegruͤndet faͤnde, so ist die Ueberzeugung, die ich von der Unfehlbarkeit goͤttlicher Wahrheiten habe, bey mir so vermoͤgend, daß ich al- les, was ihnen wiederspricht durch sie vor gnugsam widerlegt halten und verwerfen wuͤrde. Allein eben die Uebereinstim- mung, die ich zwischen meinem System und der Religion antreffe, erhebet meine Zuversicht in Ansehung aller Schwierig- kei- Vorrede. keiten zu einer unerschrockenen Gelassen- heit. Jch erkenne den ganzen Werth derjeni- gen Beweise, die man aus der Schoͤnheit und vollkommenen Anordnung des Welt- baues zur Bestaͤtigung eines hoͤchstweisen Urhebers ziehet. Wenn man nicht aller Ueberzeugung muthwillig widerstrebet, so muß man so unwiedersprechlichen Gruͤn- den gewonnen geben. Allein ich behaup- te: daß die Vertheidiger der Religion da- durch, daß sie sich dieser Gruͤnde auf eine schlechte Art bedienen, den Streit mit den Naturalisten verewigen, indem sie ohne Noth denselben eine schwache Seite dar- biethen. Man ist gewohnt die Uebereinstimmun- gen, die Schoͤnheit, die Zwecke, und eine vollkommene Beziehung der Mittel auf dieselbe in der Natur zu bemerken und herauszustreichen. Allein indem man die Natur von dieser Seite erhebet, so sucht man Vorrede. man sie anderer Seits wiederum zu ver- ringern. Diese Wohlgereimtheit, sagt man, ist ihr fremd, sie wuͤrde ihren allge- meinen Gesetzen uͤberlassen, nichts als Un- ordnung zuwege bringen. Die Ueberein- stimmungen zeigen eine fremde Hand, die eine von aller Regelmaͤßigkeit verlassene Materie in einen weisen Plan zu zwingen gewußt hat. Allein ich antworte: wenn die allgemeinen Wirkungsgesetze der Mate- rie gleichfals eine Folge aus dem hoͤchsten Entwurfe seyn, so koͤnnen sie vermuthlich keine andere Bestimmungen haben, als die den Plan von selber zu erfuͤllen trachten, den die hoͤchste Weisheit sich vorgesetzet hat; oder wenn dieses nicht ist, solte man nicht in Versuchung gerathen zu glauben, daß wenigstens die Materie und ihre all- gemeine Gesetze unabhaͤngig waͤren, und daß die hoͤchstweise Gewalt, die sich ihrer so ruͤhmlichst zu bedienen gewust hat, zwar groß, aber doch nicht unendlich, zwar maͤch- Vorrede. maͤchtig, aber doch nicht allgenugfam sey? Der Vertheidiger der Religion besorgt: daß diejenigen Uebereinstimmungen, die sich aus einem natuͤrlichen Hang der Ma- terie erklaͤren lassen, die Unabhaͤngigkeit der Natur von der goͤttlichen Vorsehung beweisen doͤrften. Er gesteht es nicht un- deutlich: daß, wenn man zu aller Ord- nung des Weltbaues natuͤrliche Gruͤnde entdecken kan, die dieselbe aus den allge- meinsten und wesentlichen Eigenschaften der Materie zu Stande bringen koͤnnen, so sey es unnoͤthig sich auf eine oberste Re- gierung zu berufen. Der Naturalist fin- det seine Rechnung dabey, diese Voraus- setzung nicht zu bestreiten. Er treibt aber Beyspiele auf, die die Fruchtbarkeit der allgemeinen Naturgesetze an vollkommen schoͤnen Folgen beweisen und bringt den Rechtglaͤubigen durch solche Gruͤnde in Gefahr, welche in dessen Haͤnden zu unuͤ- ber- Vorrede. berwindlichen Waffen werden koͤnten. Jch will Beyspiele anfuͤhren. Man hat schon mehrmalen es als eine der deutlich- sten Proben einer guͤtigen Vorsorge, die vor die Menschen wacht, angefuͤhrt: daß in dem heissesten Erdstriche die Seewinde gerade zu einer solchen Zeit, da das erhitz- te Erdreich am meisten ihrer Abkuͤhlung bedarf, gleichsam gerufen uͤber das Land streichen und es erquicken. Z. E. Jn der Jnsel Jamaica, so bald die Sonne so hoch gekommen ist, daß sie die empfindlichste Hi- tze auf das Erdreich wirft, gleich nach 9 Uhr Vormittags, faͤngt sich an aus dem Meer ein Wind zu erheben, der von allen Seiten uͤber das Land wehet; seine Staͤr- ke nimmt nach dem Maasse zu als die Hoͤ- he der Sonne zunimmt. Um 1 Uhr Nach- mittages, da es natuͤrlicher Weise am heisse- sten ist, ist er am heftigsten und laͤßt wie- der mit der Erniedrigung der Sonne all- maͤhlig nach, so daß gegen Abend eben die Stille Vorrede. Stille als beym Aufgange herrschet. Oh- ne diese erwuͤnschte Einrichtung wuͤrde diese Jnsel unbewohnbar seyn. Eben die- se Wohlthat geniessen alle Kuͤsten der Laͤn- der die im heissen Erdstriche liegen. Jh- nen ist es auch am noͤthigsten, weil, da sie die niedrigsten Gegenden des trockenen Landes seyn, auch die groͤßte Hitze erleiden; denn die hoͤher im Lande befindliche Ge- genden, dahin dieser Seewind nicht rei- chet, sind seiner auch weniger benoͤthigt, weil ihre hoͤhere Lage sie in eine kuͤhlere Luftgegend versetzet. Jst dieses nicht alles schoͤn, sind es nicht sichtbare Zwecke, die durch kluͤglich angewandte Mittel bewir- cket worden. Allein zum Wiederspiel muß der Naturalist die natuͤrlichen Ursachen davon in den allgemeinsten Eigenschaften der Luft antreffen ohne besondere Veran- staltungen deswegen vermuthen zu doͤr- fen. Er bemerket mit Recht, daß diese Seewinde solche periodische Bewegungen b anstel- Vorrede. anstellen muͤssen, wenn gleich kein Mensch auf solcher Jnsel lebete, und zwar durch keine andere Eigenschaft als die der Luft auch ohne Absicht auf diesen Zweck bloß zum Wachsthum der Pflanzen unentbehr- lich vonnoͤthen ist, nemlich durch ihre Ela- sticitaͤt und Schweere. Die Hitze der Son- ne hebet das Gleichgewicht der Luft auf, indem sie diejenige verduͤnnet die uͤber dem Lande ist, und dadurch die kuͤhlere Mee- resluft veranlasset, sie aus ihrer Stelle zu heben und ihren Platz einzunehmen. Was vor einen Nutzen haben nicht die Winde uͤberhaupt zum Vortheile der Erd- kugel, und was vor einen Gebrauch macht nicht der Menschen Scharfsinnig- keit aus denselben; indessen waren keine andere Einrichtungen noͤthig sie hervor zu- bringen, als dieselbe allgemeine Beschaf- fenheit der Luft und Waͤrme, welche auch unangesehen dieser Zwecke auf der Erde befindlich seyn mußten. Gebt Vorrede. Gebt ihr es, sagt allhier der Freygeist, zu: daß, wenn man nuͤtzliche und auf Zwecke abzielende Verfassungen aus den allgemeinsten und einfachsten Naturgese- tzen herleiten kan, man keine besondere Regierung einer obersten Weisheit noͤthig habe: so sehet hier Beweise die euch auf eurem eigenen Gestaͤndnisse ertappen wer- den. Die ganze Natur, vornemlich die unorganisirte, ist voll von solchen Bewei- sen, die zu erkennen geben, daß die sich selbst durch die Mechanick ihrer Kraͤfte be- stimmende Materie eine gewisse Richtig- keit in ihren Folgen habe und den Regeln der Wohlanstaͤndigkeit ungezwungen ge- nug thue. Wenn ein wohlgesinneter die gute Sache der Religion zu retten, diese Faͤhigkeit der allgemeinen Naturgesetze be- streiten will, so wird er sich selbst in Ver- legenheit setzen und dem Unglauben durch eine schlechte Vertheidigung Anlaß zu triumphiren geben. b 2 Allein Vorrede. Allein laßt uns sehen, wie diese Gruͤn- de, die man in den Haͤnden der Gegner als schaͤdlich befuͤrchtet, vielmehr kraͤftige Waffen sind sie zu bestreiten. Die nach ihren allgemeinsten Gesetzen sich bestim- mende Materie bringt durch ihr natuͤrli- ches Betragen, oder wenn man es so nen- nen will durch eine blinde Mechanick an- staͤndige Folgen hervor, die der Entwurf einer hoͤchsten Weisheit zu seyn scheinen. Luft, Wasser, Waͤrme, erzeugen wenn man sie sich selbst uͤberlassen betrachtet, Winde und Wolcken, Regen, Stroͤme, welche die Laͤnder befeuchten, und alle die nuͤtzliche Folgen, ohne welche die Natur traurig, oͤde und unfruchtbar bleiben muͤß- te. Sie bringen aber diese Folgen nicht durch ein bloßes Ungefehr, oder durch ei- nen Zufall der eben so leicht nachtheilig haͤt- te ausfallen koͤnnen hervor, sondern man siehet: daß sie durch ihre natuͤrliche Ge- setze eingeschrenckt sind auf keine andere als Vorrede. als diese Weise zu wircken. Was soll man von dieser Uebereinstimmung denn geden- cken. Wie waͤre es wohl moͤglich, daß Dinge von verschiedenen Naturen in Ver- bindung mit einander so vortrefliche Ue- bereinstimmungen und Schoͤnheiten zu bewircken trachten solten, so gar zu Zwe- cken solcher Dinge die sich gewißermaaßen außer dem Umfange der todten Materie befinden, nemlich zum Nutzen der Men- schen und Thiere, wenn sie nicht einen gemeinschaftlichen Ursprung erkenneten, nemlich einen unendlichen Verstand, in welchem aller Dinge wesentliche Beschaf- fenheiten beziehend entworfen worden. Wenn ihre Naturen vor sich und unab- haͤngig nothwendig waͤren, was vor ein erstaunliches Ohngefaͤhr, oder vielmehr was vor eine Unmoͤglichkeit wuͤrde es nicht seyn, daß sie mit ihren natuͤrlichen Be- strebungen sich gerade so zusammen passen b 3 sol- Vorrede. solten, als eine uͤberlegte kluge Wahl sie haͤtte vereinbaren koͤnnen. Nunmehro mache ich getrost die An- wendung auf mein gegenwaͤrtiges Unter- fangen. Jch nehme die Materie aller Welt in einer allgemeinen Zerstreuung an und mache aus derselben ein vollkomme- nes Chaos. Jch sehe nach den ausgemach- ten Gesetzen der Attraktion den Stoff sich bilden und durch die Zuruͤckstoßung ihre Bewegung modificiren. Jch genieße das Vergnuͤgen ohne Beyhuͤlfe willkuͤhrlicher Erdichtungen, unter der Veranlassung ausgemachter Bewegungsgesetze sich ein wohlgeordnetes Ganze erzeugen zu sehen, welches demjenigen Weltsystem so aͤhnlich siehet das wir vor Augen haben, daß ich mich nicht entbrechen kan es vor daßelbe zu halten. Diese unerwartete Auswi- ckelung der Ordnung der Natur im Gros- sen wird mir anfaͤnglich verdaͤchtig, da sie auf so schlechten und einfachen Grunde ei- ne Vorrede. ne so zusammengesetzte Richtigkeit gruͤndet. Jch belehre mich endlich aus der vorher angezeigten Betrachtung: daß eine solche Auswickelung der Natur nicht etwas un- erhoͤrtes an ihr ist, sondern daß ihre we- sentliche Bestrebung solche nothwendig mit sich bringet, und daß dieses das herrlichste Zeugniß ihrer Abhaͤngigkeit von demjeni- gen Urwesen ist, welches so gar die Quelle der Wesen selber und ihrer ersten Wir- kungsgesetze in sich hat. Diese Einsicht verdoppelt mein Zutrauen auf den Ent- wurf den ich gemacht habe. Die Zuver- sicht vermehret sich bey jeden Schritte den ich mit Fortgang weiter setze und meine Kleinmuͤthigkeit hoͤrt voͤllig auf. Aber die Vertheidigung deines Sy- stems, wird man sagen, ist zugleich die Vertheidigung der Meinungen des Epi- kurs, welche damit die groͤsseste Aehnlich- keit haben. Jch will nicht voͤllig alle Ueber- einstimmung mit demselben ablehnen. Vie- b 4 le Vorrede. le sind durch den Schein solcher Gruͤnde zu Atheisten geworden, welche bey genauerer Erwegung sie von der Gewißheit des hoͤch- sten Wesens am kraͤftigsten haͤtten uͤber- zeugen koͤnnen. Die Folgen die ein verkehr- ter Verstand aus untadelhaften Grund- saͤtzen zieht, sind oͤfters sehr tadelhaft, und so waren es auch die Schluͤße des Epi- kurs, ohnerachtet sein Entwurf der Scharfsinnigkeit eines grossen Geistes ge- maͤß war. Jch werde es also nicht in Abrede seyn, daß die Theorie des Lukretz oder deßen Vorgaͤngers des Epikurs, Leucipps, und Demokritus mit der meinigen viele Aehn- lichkeit habe. Jch setze den ersten Zustand der Natur, so wie jene Weltweise, in der allgemeinen Zerstreuung des Urstoffs al- ler Weltkoͤrper, oder der Atomen, wie sie bey jenen genannt werden. Epikur setz- te eine Schwere, die diese elementarische Theilchen zum Sinken trieb, und dieses schei- Vorrede. scheinet von der newtonischen Anziehung die ich annehme nicht sehr verschieden zu seyn; er gab ihnen auch eine gewiße Ab- weichung von der geradlinigten Bewe- gung des Falles, ob er gleich in Ansehung der Ursache derselben und ihren Folgen ungereimte Einbildungen hatte: diese Abweichung kommt einigermaassen mit der Veraͤnderung der geradlinigten Sen- kung, die wir aus der Zuruͤckstossungskraft der Theilchen herleiten, uͤberein; endlich waren die Wirbel die aus der verwirreten Bewegung der Atomen entstanden ein Hauptstuͤck in dem Lehrbegriffe des Leu- cipps und Democritus und man wird sie auch in dem unsrigen antreffen. So viel Verwandschaft mit einer Lehrverfassung, die die wahre Theorie der Gottesleug- nung im Alterthum war, zieht indeßen die meinige dennoch nicht in die Gemein- schaft ihrer Jrrthuͤmer. Auch in den al- ler unsinnigsten Meinungen welche sich b 5 bey Vorrede. bey den Menschen haben Beyfall erwer- ben koͤnnen, wird man jederzeit etwas wahres bemerken. Ein falscher Grund- satz, oder ein Paar unuͤberlegte Verbin- dungssaͤtze leiten den Menschen von dem Fußsteige der Wahrheit durch unmerkli- che Abwege bis in den Abgrund. Es bleibt ohnerachtet der angefuͤhrten Aehnlichkeit dennoch ein wesentlicher Unterschied zwi- schen der alten Cosmogonie und der ge- genwaͤrtigen um aus dieser ganz entgegen- gesetzte Folgen ziehen zu koͤnnen. Die angefuͤhrten Lehrer der mechani- schen Erzeugung des Weltbaues leiteten alle Ordnung die sich an demselben wahr- nehmen laͤßt aus dem ungefehren Zufalle her, der die Atomen so gluͤcklich zusam- mentreffen ließ, daß sie ein wohlgeordne- tes Gantze ausmachten. Epikur war gar so unverschaͤmt, daß er verlangte, die Atomen wichen von ihrer geraden Be- wegung ohne alle Ursache ab, um einan- der Vorrede. der begegnen zu koͤnnen. Alle insgesammt trieben diese Ungereimtheit so weit, daß sie den Ursprung aller belebten Geschoͤpfe eben diesem blinden Zusammenlauf bey- maßen und die Vernunft wirklich aus der Unvernunft herleiteten. Jn meiner Lehr- verfaßung hingegen finde ich die Materie an gewiße nothwendige Gesetze gebunden. Jch sehe in ihrer gaͤnzlichen Aufloͤsung und Zerstreuung ein schoͤnes und ordent- liches Ganze sich ganz natuͤrlich daraus entwickeln. Es geschiehet dieses nicht durch einen Zufall und von ungefehr, sondern man bemerket daß natuͤrliche Eigenschaf- ten es nothwendig also mit sich bringen. Wird man hiedurch nicht bewogen zu fra- gen: warum muste denn die Materie ge- rade solche Gesetze haben, die auf Ord- nung und Wohlanstaͤndigkeit abzwecken? war es wohl moͤglich, daß viele Dinge, deren jedes seine von dem andern unab- haͤngige Natur hat, einander von selber gera- Vorrede. gerade so bestimmen solten, daß ein wohl- geordnetes Ganze daraus entspringe und wenn sie dieses thun, giebt es nicht einen unleugbaren Beweis von der Gemein- schaft ihres ersten Ursprungs ab, der ein allgenugsamer hoͤchster Verstand seyn muß, in welchem die Naturen der Dinge zu vereinbarten Absichten entworfen worden? Die Materie die der Urstoff aller Dinge ist, ist also an gewisse Gesetze gebunden, welchen sie frey uͤberlassen nothwendig schoͤne Verbindungen hervorbringen muß. Sie hat keine Freyheit von diesem Plane der Vollkommenheit abzuweichen. Da sie also sich einer hoͤchst weisen Absicht un- terworfen befindet, so muß sie nothwendig in solche uͤbereinstimmende Verhaͤltnisse durch eine uͤber sie herrschende erste Ursa- che versetzt worden seyn, und es ist ein GOtt eben deswegen, weil die Na- tur auch selbst im Chaos nicht anders als Vorrede. als regelmaͤßig und ordentlich ver- fahren kan. Jch habe so viel gute Meinung von der redlichen Gesinnung dererjenigen, die die- sem Entwurfe die Ehre thun, ihn zu pruͤ- fen, daß ich mich versichert halte, die an- gefuͤhrte Gruͤnde werden, wo sie noch nicht alle Besorgniß schaͤdlicher Folgen von mei- nem System aufheben koͤnnen, dennoch wenigstens die Lauterkeit meiner Absicht ausser Zweifel setzen. Wenn es dem un- geachtet boshafte Eiferer giebt, die es vor eine wuͤrdige Pflicht ihres heiligen Be- rufs halten, den unschuldigsten Meinun- gen schaͤdliche Auslegungen anzuheften, so bin ich versichert, daß ihr Urtheil bey Ver- nuͤnftigen gerade die entgegengesetzte Wir- kung ihrer Absicht hat. Man wird mich uͤbrigens des Rechts nicht berauben, das Cartesius, als er die Bildung der Welt- koͤrper aus blos mechanischen Gesetzen zu erklaͤren wagte, bey billigen Richtern je- der- Vorrede. derzeit genossen hat. Jch will deswegen die Verfasser der allgemeinen Welthistorie 1. Theil §. 88. anfuͤhren: Jndessen koͤnnen wir nicht an- „ders als glauben: daß der Versuch dieses „Weltweisen, der sich bemuͤhet die Bil- „dung der Welt in gewisser Zeit aus wuͤ- „ster Materie durch die blosse Fortsetzung „einer einmal eingedruͤckten Bewegung zu „erklaͤren, und solches auf einige wenige „leichte und allgemeine Bewegungsgesetze „gebracht, so wenig als anderer, die seit „dem mit mehrerem Beyfall eben das „versucht haben aus den urspruͤngli- „chen und anerschaffenen Eigenschaf- „ten der Materie zu thun, strafbar oder „GOtt verkleinerlich sey, wie sich manche „eingebildet haben, indem dadurch viel- „mehr ein hoͤherer Begriff seiner un- „endlichen Weisheit verursacht wird. Jch habe die Schwierigkeiten, die von Seiten der Religion meine Saͤtze zu be- drohen schienen hinweg zu raͤumen gesucht. Es Vorrede. Es giebt einige nicht geringere in Anse- hung der Sache selber. Wenn es gleich wahr ist, wird man sagen, daß GOtt in die Kraͤfte der Natur eine geheime Kunst gelegt hat, sich aus dem Chaos von selber zu einer vollkommenen Weltverfassung auszubilden, wird der Verstand des Men- schen, der bey den gemeinsten Gegenstaͤn- den so bloͤd ist, in so grossem Vorwurfe die verborgene Eigenschaften zu erforschen vermoͤgend seyn. Ein solches Unterfan- gen heißt eben so viel als wenn man sagte: Gebt mir nur Materie, ich will euch eine Welt daraus bauen. Kan dich die Schwaͤche deiner Einsichten, die an den ge- ringsten Dingen, welche deinen Sinnen taͤglich und in der Naͤhe vorkommen, zu schanden wird, nicht lehren: daß es ver- geblich sey, das Unermeßliche und das was in der Natur vorging ehe noch eine Welt war, zu entdecken. Jch vernichte diese Schwierigkeit, indem deutlich zeige, daß eben Vorrede. eben diese Untersuchung unter allen, die in der Naturlehre aufgeworfen werden koͤn- nen diejenige sey, in welcher man am leich- testen und sichersten bis zum Ursprunge gelangen kan. Eben so wie unter allen Aufgaben der Naturforschung keine mit mehr Richtigkeit und Gewisheit aufgeloͤ- set worden, als die wahre Verfassung des Weltbaues im Grossen, die Gesetze der Be- wegungen und das innere Triebwerk der Umlaͤufe aller Planeten; als worin die Newtonische Weltweisheit solche Einsich- ten gewaͤhren kan, dergleichen man sonst in keinem Theile der Weltweisheit antrift; eben also, behaupte ich, sey unter allen Na- turdingen, deren erste Ursache man nach- forschet, der Ursprung des Weltsystems und die Erzeugung der Himmelskoͤrper, samt den Ursachen ihrer Bewegungen, dasjenige, was man am ersten gruͤndlich und zuverlaͤßig einzusehen hoffen darf. Die Ursache hievon ist leicht zu ersehen. Die Him- Vorrede Himmelskoͤrper sind runde Massen, also von der einfachsten Bildung, die ein Koͤr- per, dessen Ursprung man sucht, nur immer haben kan. Jhre Bewegungen sind gleichfals unvermischt. Sie sind nichts als eine freye Fortsetzung eines einmal einge- druͤckten Schwunges, welcher, mit der At- traktion des Koͤrpers im Mittelpunkte verbunden, kreisfoͤrmigt wird. Ueberdem ist der Raum, darinn sie sich bewegen, leer, die Zwischenweiten, die sie von einander absondern, ganz ungemein groß und also alles sowohl zur unverwirrten Bewegung, als auch deutlichen Bemerkung derselben auf das deutlichste aus einander gesetzt. Mich duͤnkt, man koͤnne hier in gewissem Verstande ohne Vermessenheit sagen: Ge- bet mir Materie, ich will eine Welt daraus bauen! das ist, gebet mir Mate- rie, ich will euch zeigen, wie eine Welt daraus entstehen soll. Denn wenn Ma- terie vorhanden ist, welche mit einer we- c sent- Vorrede. sentlichen Attraktionskraft begabt ist, so ist es nicht schweer diejenigen Ursachen zu bestimmen, die zu der Einrichtung des Weltsystems im Großen betrachtet, ha- ben beytragen koͤnnen. Man weiß was dazu gehoͤret, daß ein Koͤrper eine Kugel- runde Figur erlange, man begreift was erfordert wird, daß frey schwebende Kugeln eine kreisfoͤrmige Bewegung um den Mittelpunkt anstellen gegen den sie gezo- gen werden. Die Stellung der Kreise gegeneinander, die Uebereinstimmung der Richtung, die Eccentricitaͤt, alles kan auf die einfachsten mechanischen Ursachen gebracht werden, und man darf mit Zu- versicht hoffen sie zu entdecken, weil sie auf die leichtesten und deutlichsten Gruͤnde gesetzt werden koͤnnen. Kan man aber wohl von den geringsten Pflanzen oder Jnseckt sich solcher Vortheile ruͤhmen? Jst man in Stande zu sagen: Gebt mir Materie, ich will euch zeigen wie eine Rau- Vorrede. Raupe erzeuget werden koͤnne? Bleibt man hier nicht bey dem ersten Schritte, aus Unwissenheit der wahren innern Be- schaffenheit des Objects und der Verwi- ckelung der in demselben vorhandenen Mannigfaltigkeit, stecken? Man darf es sich also nicht befremden lassen, wenn ich mich unterstehe zu sagen: daß eher die Bildung aller Himmelskoͤrper, die Ursach ihrer Bewegungen, kurz, der Ursprung der ganzen gegenwaͤrtigen Verfassung des Weltbaues, werde koͤnnen eingesehen wer- den, ehe die Erzeugung eines einzigen Krauts oder einer Raupe, aus mechani- schen Gruͤnden, deutlich und vollstaͤndig kund werden wird. Dieses sind die Ursachen, worauf ich meine Zuversicht gruͤnde, daß der phy- sische Theil der Weltwissenschaft kuͤnftig- hin noch wohl eben die Vollkommenheit zu hoffen habe, zu der Newton die ma- thematische Haͤlfte derselben erhoben hat. c 2 Es Vorrede. Es sind naͤchst den Gesetzen, nach welchen der Weltbau, in der Verfaßung darinn er ist, bestehet, vielleicht keine anderen in der ganzen Naturforschung solcher mathema- tischen Bestimmungen faͤhig, als diejeni- gen, nach welchen er entstanden ist, und oh- ne Zweifel wuͤrde die Hand eines versuch- ten Meßkuͤnstlers hier nicht unfruchtbare Felder bearbeiten. Nachdem ich den Vorwurf meiner Betrachtung einer guͤnstigen Aufnahme zu empfehlen mir habe angelegen seyn las- sen; so wird man mir erlauben, mich we- gen der Art, nach der ich ihn abgehandelt habe, kuͤrzlich zu erklaͤren. Der erste Theil gehet mit einem neuen System des Weltgebaͤudes im Großen um. Herrn Wright von Durham, deßen Abhand- lung ich aus den Hamburgischen freyen Urtheilen vom Jahr 1751. habe kennen lernen, hat mir zuerst Anlaß gegeben, die Fixsterne nicht als ein ohne sichtbare Ord- nung Vorrede. nung zerstreutes Gewimmel, sondern als ein System anzusehen, welches mit ei- nem planetischen die groͤßte Aehnlichkeit hat, so daß, gleichwie in diesem die Pla- neten sich einer gemeinschaftlichen Flaͤche sehr nahe befinden, also auch die Fixsterne sich in ihren Lagen auf eine gewisse Flaͤche, die durch den ganzen Himmel muß gezo- gen gedacht werden, so nahe als moͤglich beziehen und durch ihre dichteste Haͤufung zu derselben denjenigen lichten Streif dar- stellen, welcher die Milchstrasse genannt wird. Jch habe mich vergewissert, daß, weil diese von unzehligen Sonnen erleuch- tete Zone sehr genau die Richtung eines groͤßten Zirkels hat, unsere Sonne sich dieser grossen Beziehungsflaͤche gleichfals sehr nahe befinden muͤsse. Jndem ich den Ursachen dieser Bestimmung nachgegan- gen bin, habe ich sehr wahrscheinlich zu seyn befunden: daß die so genannten Fix- sterne, oder feste Sterne, wohl eigentlich c 3 lang- Vorrede. langsam bewegte Wandelsterne einer hoͤ- hern Ordnung seyn koͤnten. Zur Bestaͤ- tigung deßen, was man an seinem Orte von diesem Gedanken antreffen wird, will ich allhier nur eine Stelle aus einer Schrift des Herrn Bradley von der Be- wegung der Fixsterne anfuͤhren. „Wenn „man aus dem Erfolg der Vergleichung „unserer besten jetzigen Beobachtungen, „mit denen welche vor diesem mit einem „ertraͤglichen Grade der Richtigkeit an- „gestellet worden, ein Urtheil faͤllen will, „so erhellet: daß einige Fixsterne wirk- „lich ihren Stand gegen einander veraͤn- „dert haben, und zwar so, daß man „siehet, daß dieses nicht irgend von einer „Bewegung in unserm Planetengebaͤu- „de herruͤhret, sondern daß es bloß einer „Bewegung der Sterne selber zugeschrie- „ben werden kan. Der Arktur giebt „einen starken Beweis hievon an die „Hand. Denn wenn man desselben ge- gen- Vorrede. „genwaͤrtige Declination mit seinem „Orte, wie derselbe so wohl von Ticho „als auch von Flammsteed ist bestimmt „worden, vergleicht, so wird man fin- „den: daß der Unterschied groͤsser ist als „man ihn von der Ungewißheit ihrer „Beobachtungen herzuruͤhren vermu- „then kan. Man hat Ursache zu ver- „muthen: daß auch andere Exempel von „gleicher Beschaffenheit unter der großen „Anzahl der sichtbaren Sterne vorkom- „men muͤssen, weil ihre Lagen gegen- „einander durch mancherley Ursachen „koͤnnen veraͤndert werden. Denn wenn „man sich vorstellt, daß unser eigenes „Sonnengebaͤude seinen Ort in Anse- „hung des Weltraums veraͤndert; so „wird dieses nach Verlauf einiger Zeit „eine scheinbare Veraͤnderung der Win- „kelentfernungen der Fixsterne verursa- „chen. Und weil dieses in solchem Fal- „le in die Oerter der naͤchsten Sterne „einen groͤsseren Einfluß haben wuͤrde, c 4 als Vorrede. „als in die Oerter dererjenigen, welche „weit entfernet sind, so wuͤrden ihre „Lagen sich zu veraͤndern scheinen, ob- „gleich die Sterne selbst wirklich unbe- „weglich blieben. Und wenn im Gegen- „theil unser eigen Planetengebaͤude stille „steht und einige Sterne wirklich eine „Bewegung haben; so wird dieses „gleichfalls ihre scheinbare Lage veraͤn- „dern, und zwar um destomehr, je naͤ- „her sie bey uns sind, oder je mehr die „Richtung der Bewegung so beschaffen „ist, daß sie von uns kan wahrgenom- „men werden. Da nun also die Lagen „der Sterne von so mancherley Ursa- „chen koͤnnen veraͤndert werden, indem „man die erstaunlichen Entfernungen, „in welchen ganz gewiß einige gelegen „sind, betrachtet; so werden wohl die „Beobachtungen vieler Menschenalter „noͤthig seyn, die Gesetze der scheinba- „ren Veraͤnderungen, auch eines einzi- „gen Sternes, zu bestimmen. Viel schwee- Vorrede. „schweerer muß es also noch seyn, die „Gesetze fuͤr alle die merkwuͤrdigsten „Sterne festzusetzen. Jch kan die Grenzen nicht genau be- stimmen, die zwischen dem System des Herrn Wright und dem meinigen an- zutreffen seyn, und in welchen Stuͤcken ich seinen Entwurf bloß nachgeahmet, oder weiter ausgefuͤhrt habe. Jndessen bothen sich mir nach der Hand anneh- mungswuͤrdige Gruͤnde dar, es auf der einen Seite betraͤchtlich zu erweitern. Jch betrachtete die Art neblichter Ster- ne, deren Herr von Maupertuis in der Abhandlung von der Figur der Gestirne Weil ich den angefuͤhrten Traktat nicht bey der Hand habe, so will ich daß dazu gehoͤrige aus der Anfuͤhrung der Ouvrages diverses de Msr. de Maupertuis in den Actis Erud. 1745. hier einruͤcken. Das erste Phaͤnomenon sind die- jenige lichte Stellen am Himmel, wel- che neblichte Sterne genannt, und vor einen Haufen kleiner Fixsterne gehalten wer- den. gedenket, und die die Fi- c 5 gur Vorrede. gur von mehr oder weniger offenen El- lipsen vorstellen, und versicherte mich leicht, den. Allein die Astronomen haben durch vor- trefliche Fernglaͤser sie nur als grosse laͤnglicht- runde Plaͤtzchen, die etwas lichter als der uͤ- brige Theil des Himmels waͤren, befunden. Hugen hat dergleichen etwas zuerst im Orion angetroffen; Halley gedenket in den Angli- cal. Trans. sechs solcher Plaͤtzchen. 1. im Schwerdt des Orions, 2. im Schuͤtzen, 3. im Centaurus, 4 vor dem rechten Fuße des An- tinous, 5. im Herkules, 6. im Guͤrtel der An- dromeda Wenn diese durch ein reflectiren- des Seherohr von 8 Fuß betrachtet werden, so siehet man, daß nur der vierte Theil der- selben vor einen Haufen Sterne koͤnne gehal- ten werden; die uͤdrige haben nur weißlichte Plaͤtzchen vorgestellt, ohne erheblichen Unter- schied, ausser daß eines mehr der Cirkelrun- dung beykommt, ein anderes aber laͤnglichter ist. Es seheinet auch, daß bey dem ersten die durch das Seherohr sichtbaren kleinen Stern- chen seinen weißlichten Schimmer nicht ver- ursachen koͤnnen. Halley glaubt; daß man „aus diesen Erscheinungen dasjenige erklaͤren „koͤnne, was man im Anfang der Mosaischen „Schoͤpfungsgeschichte antrift, nemlich daß „das Licht eher als die Sonne erschaffen sey. „ Derham vergleicht sie Oeffnungen, dadurch „eine andere unermeßliche Gegend und viel- leicht Vorrede. leicht, daß sie nichts anders als eine Haͤu- fung vieler Fixsterne seyn koͤnnen. Die jeder- „leicht der Feuerhimmel durchscheine. Er mey- „net, er habe bemerken koͤnnen, daß die Sterne, „die neben diesen Plaͤtzchen gesehen werden, uns „viel naͤher waͤren, als diese lichte Stellen. Die- „sen fuͤgt der Verfasser ein Verzeichniß der ne- „blichten Sterne aus dem Hevelius bey. Er „haͤlt diese Erscheinungen vor grosse lichte, „Massen, die durch eine gewaltige Umwaͤlzung ab- „geplattet worden waͤren. Die Materie, daraus „sie bestehen, wenn sie eine gleichleuchtende Kraft „mit den uͤbrigen Sternen haͤtte, wuͤrde von un- „geheurer Groͤsse seyn muͤssen, damit sie, aus ei- „nem viel groͤsseren Abstande, als der Sterne ih- „rer ist, gesehen, dennoch dem Fernglase unter „merklicher Gestalt und Groͤsse erscheinen koͤnnen. „Wenn sie aber an Groͤsse den uͤbrigen Fixsternen „ohngefehr gleich kaͤmen; muͤsten sie uns nicht al- „lein ungleich viel naͤher seyn, sondern zugleich „ein viel schwaͤcheres Licht haben: weil sie bey „solcher Naͤhe und scheinbarer Groͤsse doch einen „so blassen Schimmer an sich zeigen. Es wuͤrde „also der Muͤhe verlohnen, ihre Parallaxe, wo- „fern sie eine haben, zu entdecken. Denn diejeni- „gen, welche sie ihnen absprechen, schliessen viel- „leicht von einigen auf alle. Die Sternchen, die „man mitten nuf diesen Plaͤtzchen antrift, wie in „dem Orion, (oder noch schoͤner, in dem vor dem „rechten Fusse des Antinous, welcher nicht an- „ders aussiehet als ein Fixstern, der mit einem „Nebel umgeben ist) wuͤrden, wofern sie uns naͤ- „her waͤren, entweder nach Art der Projection auf „denselben gesehen, oder schienen durch jene Mas- „sen, gleich als durch die Schweife der Cometen, „durch. Vorrede. jederzeit abgemessene Rundung dieser Fi- guren belehrte mich, daß hier ein unbe- greiflich zahlreiches Sternenheer, und zwar um einen gemeinschaftlichen Mit- telpunkt, muͤste geordnet seyn, weil sonst ihre freye Stellungen gegen einander, wohl irregulaͤre Gestalten, aber nicht abgemessene Figuren vorstellen wuͤrden. Jch sahe auch ein: daß sie in dem System, darinn sie sich vereinigt befin- den, vornemlich auf eine Flaͤche be- schraͤnkt seyn muͤßten, weil sie nicht zir- kelrunde, sondern elliptische Figuren ab- bilden, und daß sie wegen ihres blassen Lichts unbegreiflich weit von uns abste- hen. Was ich aus diesen Analogien ge- schlossen habe wird die Abhandlung selber der Untersuchung des vorurtheilfreyen Lesers darlegen. Jn dem zweiten Theile, der den eigentlichsten Vorwurf dieser Abhand- lung in sich enthaͤlt, suche ich die Verfas- sung Vorrede. sung des Weltbaues aus dem einfachsten Zustande der Natur bloß durch mechani- sche Gesetze zu entwickeln. Wenn ich mich unterstehen darf denenjenigen, die sich uͤber die Kuͤhnheit dieses Unternehmens entruͤsten, bey der Pruͤfung womit sie mei- ne Gedanken beehren, eine gewisse Ord- nung vorzuschlagen, so wollte ich bitten das achte Hauptstuͤck zuerst durchzule- sen, welches, wie ich hoffe, ihre Beur- theilung zu einer richtigen Einsicht vorbe- reiten kan. Wenn ich indessen den gneig- ten Leser zur Pruͤfung meiner Meinun- gen einlade, so besorge ich mit Recht, daß, da Hypothesen von dieser Art gemeinig- lich nicht in viel besseren Ansehen, als phi- losophische Traͤume stehen, es eine saure Gefaͤlligkeit vor einen Leser ist, sich zu ei- ner sorgfaͤltigen Untersuchnng von selbst erdachten Geschichten der Natur zu ent- schliessen und dem Verfasser durch alle die Wendungen, dadurch er den Schwie- rig- Vorrede. rigkeiten, die ihm aufstossen, ausweichet, geduldig zu folgen, um vielleicht am En- de, wie die Zuschauer des londonschen Marktschreiers siehe Gellerts Fabel: Hans Nord. , seine eigne Leichtglaͤu- bigkeit zu belachen. Jndessen getraue ich mir zu versprechen: daß, wenn der Le- ser durch das vorgeschlagene Vorberei- tungs-Hauptstuͤck hoffentlich wird uͤber- redet worden seyn, auf so wahrscheinli- che Vermuthungen doch ein solches phy- sisches Abentheuer zu wagen, er auf dem Fortgange des Weges nicht so viel krumme Abwege und unwegsame Hinder- nisse, als er vielleicht anfaͤnglich besorgt, antreffen werde. Jch habe mich in der That mit groͤs- sester Behutsamkeit aller willkuͤhrlichen Erdichtungen entschlagen. Jch habe, nachdem ich die Welt in das einfachste Chaos versetzt, keine andere Kraͤfte als die Anziehungs- und Zuruͤckstossungskraft zur Vorrede. zur Entwickelung der grossen Ordnung der Natur angewandt, zwey Kraͤfte, welche beyde gleich gewiß, gleich einfach und zugleich gleich urspruͤnglich und allge- mein sind. Beyde sind aus der Newto- nischen Weltweisheit entlehnet. Die er- stere ist ein nunmehro ausser zweifelgesetz- tes Naturgesetz. Die zweyte, welcher vielleicht die Naturwissenschaft des New- ton nicht so viel Deutlichkeit als die erste- re gewaͤhren kan, nehme ich hier nur in demjenigen Verstande an, da sie niemand in Abrede ist, nemlich bey der feinsten Aufloͤsung der Materie, wie z. E. bey den Duͤnsten. Aus diesen so einfachen Gruͤnden habe ich auf eine ungekuͤnstelte Art, ohne andere Folgen zu ersinnen, als diejenigen, worauf die Aufmerksam- keit des Lesers ganz von selber verfallen muß, das folgende System hergeleitet. Man erlaube mir schluͤßlich wegen der Guͤltigkeit und des angeblichen Werthes der- Vorrede. derjenigen Saͤtze, die in der folgenden The- orie vorkommen werden und wornach ich sie vor billigen Richter gepruͤft zu werden wuͤnsche, eine kurze Erklaͤrungen zu thun. Man beurtheilt billig den Verfasser nach demjenigen Stempel, den er auf seine Waare druckt; daher hoffe ich, man werde in den verschiedenen Theilen dieser Abhandlung keine strengere Verantwor- tung meiner Meinungen fodern, als nach Maasgebung des Werths, den ich von ihnen selber ausgebe. Ueberhaupt kan die groͤßte geometrische Schaͤrfe und mathematische Unfehlbarkeit niemals von einer Abhandlung dieser Art verlangt werden. Wenn das System auf Analo- gien und Uebereinstimmungen, nach den Regeln der Glaubwuͤrdigkeit und einer richtigen Denkungsart, gegruͤndet ist; so hat es allen Foderungen seines Objects genug gethan. Diesen Grad der Tuͤch- tigkeit meine ich in einigen Stuͤcken die- ser Vorrede. ser Abhandlung, als in der Theorie der Fixsternensystemen, in der Hypothese von der Beschaffenheit der neblichten Sterne, in dem allgemeinen Entwurfe von der mechanischen Erzeugungsart des Welt- baues, in der Theorie von dem Satur- nusringe und einigen andern erreicht zu haben. Etwas minder Ueberzeugung werden einige besondere Theile der Aus- fuͤhrung gewaͤhren, wie z. E. die Be- stimmung der Verhaͤltnisse der Eccentri- citaͤt, die Vergleichung der Massen der Planeten, die mancherley Abweichungen der Cometen, und einige andere. Wenn ich daher in dem siebenten Hauptstuͤck, durch die Fruchtbarkeit des Systems und die Annehmlichkeit des groͤßten und wunderwuͤrdigsten Gegen- standes, den man sich nur denken kan, angelocket, zwar stets an dem Leitfaden der Analogie und einer vernuͤnftigen Glaubwuͤrdigkeit; doch mit einiger Kuͤhn- d heit Vorrede. heit die Folgen des Lehrgebaͤudes so weit als moͤglich fortsetze; wenn ich das Un- endliche der ganzen Schoͤpfung, die Bil- dung neuer Welten und den Untergang der alten, den unbeschraͤnkten Raum des Chaos der Einbildungskraft darstelle; so hoffe ich, man werde der reizenden An- nehmlichkeit des Objects und dem Ver- gnuͤgen, welches man hat, die Ueberein- stimmungen einer Theorie in ihrer groͤs- sesten Ausdehnung zu sehen, so viel Nachsicht vergoͤnnen, sie nicht nach der groͤßten geometrischen Strenge, die oh- nedem bey dieser Art der Betrachtungen nicht statt hat, zu beurtheilen. Eben dieser Billigkeit versehe ich mich in An- sehung des dritten Theiles. Man wird indessen allemal etwas mehr wie bloß willkuͤhrliches, obgleich jederzeit etwas weniger als ungezweifeltes, in selbigen antreffen. Jnn- Jnnhalt des ganzen Werks . Erster Theil. A briß einer allgemeinen systematischen Verfassung un- ter den Fixsternen, aus den Phaͤnomenis der Milchstrasse hergeleitet. Aehnlichkeit dieses Fix- sternensystems mit dem Systeme der Planeten. Entdeckung vieler solcher Systeme, die sich in der Weite des Himmels, in Gestalt elliptischer Figu- ren, zeigen. Neuer Begriff von der systematischen Verfassung der ganzen Schoͤpfung. Beschluß. Wahrscheinliche Vermuthung mehrer Plane- ten uͤber dem Saturn, aus dem Gesetze, nach welchem die Eccentricitaͤt der Planeten mit den Entfernungen zunimmt. Zweyter Theil. Erstes Hanptstuͤck . Gruͤnde vor die Lehrverfassung eines mechanischen Ursprungs der Welt. Gegengruͤnde. Einziger Begriff unter allen moͤglichen, beyden genug zu thun. Erster Zustand der Natur. Zerstreuung der Elemente aller Materie durch den ganzen Welt- raum. Erste Regung durch die Anziehung. An- fang der Bildung eines Koͤrpers in dem Punkte der staͤrksten Attraction. Allgemeine Senkung der Elemente gegen diesen Centralkoͤrper. Zu- ruͤckstoßungskraft der feinsten Theile, darinn die Materie aufgeloͤset worden. Veraͤnderte Rich- d 2 tung tung der sinkenden Bewegung durch die Verbindung dieser Kraft mit der erstern. Einfoͤrmige Richtung aller dieser Bewegungen nach eben derselben Gegend. Bestrebung aller Partickeln, sich zu einer gemein- schaftlichen Flaͤche zu dringen und daselbst zu haͤu- sen. Maͤßigung der Geschwindigkeit ihrer Bewe- gung zu einem Gleichgewichte mit der Schweere des Abstandes ihres Orts. Freyer Umlauf aller Theilchen um den Centralkoͤrper in Cirkelkreisen. Bildung der Planeten aus diesen bewegten Ele- menten. Freye Bewegung der daraus zusam- mengesetzten Planeten in gleicher Richtung in ge- meinschaftlichen Plane, nahe beym Mittelpunkte bey nahe in Cirkelkreisen, und weiter von demsel- ben mit zunehmenden Graden der Eccentricitaͤt. Zweytes Hauptstuͤck. Handelt von der verschiedenen Dichtigkeit der Pla- neten und dem Verhaͤltnisse ihrer Massen. Ur- sache, woher die nahen Planeten dichterer Art sind, als die entferneten. Unzulaͤnglichkeit der Erklaͤ- rung des Newton. Woher der Centralkoͤrper leichterer Art ist, als die naͤchst um ihn laufende Kugeln. Verhaͤltniß der Massen der Planeten, nach der Proportion der Entfernungen. Ursache aus der Art der Erzeugung, woher der Central- koͤrper die groͤßte Masse hat. Ausrechnung der Duͤnnigkeit, in welcher alle Elemente der Welt- materie zerstreuet gewesen. Wahrscheinlichkeit und Nothwendigkeit dieser Verduͤnnung. Wich- tiger Beweis der Art der Erzeugung der Himmels- koͤrper aus einer merkwuͤrdigen Analogie des Her- ren de Buston. Drittes Hauptstuͤck. Von der Eccentricitaͤt der Planetenkreise und dem Ur- sprunge der Cometen. Die Eccentricitaͤt nimmt Grad- Gradweise, mit den Entfernungen von der Sonne, zu. Ursache dieses Gesetzes aus der Cosmogonie. Woher die Cometenkreise von dem Plane der Ecklip- tick frey ausschweifen. Beweis, daß die Cometen aus der leichtesten Gattung des Stoffes gebildet seyn. Beylaͤufige Anmerkung von dem Nordscheine. Viertes Hauptstuͤck. Von dem Ursprunge der Monde und den Bewegungen der Planeten um die Achse. Der Stoff zu Erzeu- gung der Monde war in der Sphaͤre, daraus der Pla- net die Theile zu seiner eigenen Bildung samlete, ent- halten. Ursache der Bewegung dieser Monde mit al- len Bestimmungen. Woher nur die großen Planeten Monde haben. Von der Achsendrehung der Pla- neten. Ob der Mond ehedem eine schnellere ge- habt habe? Ob die Geschwindigkeit der Umwaͤl- zung der Erde sich vermindere? Von der Stellung der Achse der Planeten gegen, den Plan ihrer Kreise. Verruͤckung ihrer Achse. Fuͤnftes Hauptstuͤck. Von dem Ursprunge des Saturnusringes und der Berechnung seiner taͤglichen Umdrehung aus dem Verhaͤltnissen desselben. Erster Zustand des Sa- turns mit der Beschaffenheit | eines Cometen verglichen. Bildung eines Ringes aus den Theilchen seiner Athmosphaͤre vermittelst der von seinem Umschwunge eingedruͤckten Bewegun- gen. Bestimmung der Zeit seiner Achsendrehung nach dieser Hypothese. Betrachtung der Figur des Saturns. Von der sphaͤroidischen Abplat- tung der Himmelskoͤrper uͤberhaupt. Naͤhere Bestimmung der Beschaffenheit dieses Ringes. Wahrscheinliche Vermuthung neuer Entdeckun- gen. Ob die Erde vor der Suͤndfluth nicht ei- nem Ring gehabt habe? Sech- Sechstes Hauptstuͤck. Von dem Zodieckallichre. Siebendes Hauptstuͤck. Von der Schoͤpfung im ganzen Umfange ihrer Un- endlichkeit sowohl dem Raume als der Zeit nach. Ursprung eines grossen Systems der Fixsterne. Ceu- tralkoͤrper im Mittelpunkte des Sternensystems. Unendlichkeit der Schoͤpfung. Allgemeine syste- matische Beziehnng in ihrem ganzen Jnnbegriffe. Centralkoͤrper der ganzen Natur. Succeßive Fortsetzung der Schoͤpfung in aller Unendlichkeit der Zeiten und Raͤume, durch unaufhoͤrliche Bil- dung neuer Welten. Betrachtung uͤber das Cha- os der ungebildeten Natur. Allmaͤhlicher Ver- fall und Untergang des Weltbaues. Wohlan- staͤndigkeit eines solchen Begriffes. Wiedererneu- rung der verfallenen Natur. Zugabe zum Siebenden Hauptstuͤcke. Allgemeine Theorie und Geschichte der Sonne uͤberhaupt. Woher der Centralkoͤrper eines Weltbaues ein feuriger Koͤrper ist. Naͤhere Be- trachtung seiner Natur. Gedanken von den Ver- aͤnderungen der ihn umgebenden Luft. Erloͤ- schung der Sonnen. Naher Anblick ihrer Gestalt. Meinug des Herren Wright von dem Mittelpunk- te derganzen Natur. Verbesserung derselben. Achtes Hauptstuͤck. Allgemeiner Beweis von der Richtigkeit einer me- chanischen Lehrverfassung der Einrichtung des Welt- Weltbaues uͤberhaupt, in sonderheit von der Gewißheit der gegenwaͤrtigen. Die wesentliche Faͤhigkeit der Naturen der Dinge, sich von selber zur Ordnung und Vollkommenheit zu erheben, ist der schoͤnste Beweis des Daseyns GOttes. Vertheidigung gegen den Vorwurf des Natura- lismus. Die Verfassung des Weltbaues ist einfach und nicht uͤber die Kraͤfte der Natur gesetzt. Analogien, die den mechanischen Ursprung der Welt mit Ge- wißheit bewaͤhren. Eben dasselbe aus den Ab- weichungen bewiesen. Die Anfuͤhrung einer un- mittelbaren goͤttlichen Anordnung thut diesen Fragen kein Gnuͤge. Schwierigkeit, die den New- ton bewog, den mechanischen Lehrbegriff aufzuge- ben. Aufloͤsung dieser Schwierigkeit. Das vor- getragene System ist das einzige Mittel unter allen moͤglichen beyderseitigen Gruͤnden ein Gnuͤ- ge zu leisten. Wird ferner durch das Verhaͤltnis der Dichtigkeit der Planeten, ihrer Massen, der Zwischenraͤume ihres Abstandes nnd dem stuffen- artigen Zusammenhange ihrer Bestimmungen er- wiesen. Die Bewegungsgruͤnde der Wahl GOt- tes bestimmen diese Umstaͤnde nicht unmittelbar. Rechtfertigung in Ansehung der Religion. Schwie- rigkeiten, die sich bey einer Lehrverfassung von der unmittelbaren goͤttlichen Anordnung hervorthun. Dritter Theil. Enthaͤlt eine Vergleichung zwischen den Einwoh- nern der Gestirne. Ob alle Planeten bewohnt seyn? Ursache daran zu Zweifeln. Grund der phyfischen Verhaͤltniße zwi- schen den Bewohnern verschiedener Planeten. Be- trachtung des Menschen. Ursachen der Unvollkom- d 4 men- menheit seiner Natur. Natuͤrliches Verhaͤltniß der koͤrperlichen Eigenschaften der belebten Creaturen, nach ihrem verschiedenen Abstande von der Son- ne. Folgen dieser Verhaͤltniß auf ihre geistige Faͤhigkeiten. Vergleichung der denkenden Natu- ren auf verschiedenen Himmelskoͤrpern. Bestaͤti- gung aus gewißen Umstaͤnden ihrer Wohnplaͤtze. Fernerer Beweis aus den Anstalten der goͤttli- chen Vorsehung die zu ihrem Besten gemacht sind. Kurze Ausschweifung. Beschluß. Die Begebenheiten des Menschen in dem kuͤnftigen Leben. Kurzer Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Erster Theil, Abriß einer systematischen Verfassung unter den Fixsternen, imgleichen von der Vielheit solcher Fixstern- systemen. Seht jene grosse Wunderkette die alle Theile dieser Welt, Vereinet und zusammenzieht nnd die das grosse Ganz erhaͤlt. Pope. Kurzer Abriß der noͤthigsten Grundbegriffe der Newtonischen Weltwissenschaft Diese kurze Einleitung, welche vieleicht in An- sehung der meisten Leser uͤberfluͤßig seyn moͤchte, habe ich denen, die etwa der Newtonischen Grund- saͤtze nicht genugsam kundig seyn, zur Vorberei- tung der Einsicht in die folgende Theorie vorher ertheilen wollen. die zu dem Verstande des nachfolgenden erfordert werden. S echs Planeten, davon drey Be- gleiter haben, Merkur, Venus, die Erde mit ihrem Monde, Mars, Jupiter mit vier und Saturn mit fuͤnf Trabanten, die um die Sonne als den Mittelpunkt Kreise beschreiben, nebst den Cometen, die es von allen Seiten her und in sehr langen Kreisen thun, machen ein System aus, welches man das System der Sonnen oder auch den planetischen Weltbau nennt. Die Bewe- gung aller dieser Koͤrper, weil sie kreisfoͤrmig und in sich selbst zuruͤckkehrend ist, setzet zwey (A) Kraͤf- Einleitung Kraͤfte voraus, welche bey einer jeglichen Art des Lehrbegriffs gleich nothwendig sind, nemlich eine schiessende Kraft, dadurch sie in jedem Punk- te ihres krumlienigten Laufes die gerade Rich- tung fortsetzen, und sich ins Unendliche entfernen wuͤrden, wenn nicht eine andere Kraft, welche es auch immer seyn mag, sie bestaͤndig noͤthigte diese zu verlassen und in einem krummen Gleise zu lausen, der die Sonne als den Mittelpunkt umfasset. Diese zweyte Kraft, wie die Geome- trie selber es ungezweifelt ausmacht, zielt allent- halben zu der Sonne hin und wird daher die sin- kende, die Centripetalkraft, oder auch die Gra- vitaͤt genennet. Wenn die Kreise der Himmelskoͤrper genaue Cirkel waͤren, so wuͤrde die allereinfachste Zer- gliederung der Zusammensetzung krumlienigter Be- wegungen zeigen: daß ein anhaltender Trieb ge- gen den Mittelpunkt dazu erfordert werde; allein obgleich sie an allen Planeten sowohl als Come- ten Ellipsen sind, in deren gemeinschaftlichem Vrennpunkte sich die Sonne befindet, so thut doch die hoͤhere Geometrie mit Huͤlfe der Keple- rischen Analogie, (nach welcher der radius vector, oder die von dem Planeten zur Sonne gezogene Linie, stets solche Raͤume von der elliptischen Bahn abschneidet, die den Zeiten proportionirt seyn,) gleichfals mit untrieglicher Gewisheit dar; daß eine Kraft den Planet in dem ganzen Kreis- laufe gegen den Mittelpunkt der Sonne unab- laͤßig treiben muͤßte. Diese Senkungskraft, die durch den ganzen Raum des Planetensystems her- Einleitung. herschet und zu der Sonne hinzielet, ist also ein ausgemachtes Phaͤnomenon der Natur, und eben so zuverlaͤßig ist auch das Gesetze erwiesen, nach welchem sich diese Kraft von dem Mittelpunkte in die ferne Weiten erstrecket. Sie nimmt im- mer umgekehrt ab, wie die Quadrate der Entfer- nungen von demselben zunehmen. Diese Regel fließt auf eine eben so untriegliche Art aus der Zeit die die Planeten in verschiedenen Entfernun- gen zu ihren Umlaͤufen gebrauchen. Diese Zei- ten sind immer wie die Quadratwurzel aus den Cubis ihrer mitlern Entfernungen von der Son- ne, woraus hergeleitet wird: daß die Kraft, die diese Himmelskoͤrper zu dem Mittelpunkte ihrer Umwaͤlzung treibt, in umgekehrten Verhaͤltnisse der Quadrate des Abstandes abnehmen muͤsse. Eben dasselbe Gesetz was unter den Planeten herrscht, in so fern sie um die Sonne laufen, findet sich auch bey den kleinen Systemen, nem- lich denen, die die um ihre Hauptplaneten beweg- te Monden ausmachen. Jhre Umlaufszeiten sind eben so gegen die Entfernungen proportio- nirt, und setzen eben dasselbe Verhaͤltniß der Senkungskraft gegen den Planeten fest, als dasjenige ist, dem dieser zu der Sonne hin unter- worfen ist. Alles dieses ist aus der untrieglich- sten Geometrie, vermittelst unstrittiger Beobach- tungen, auf immer ausser Wiederspruch gesetzt. Hiezu kommt noch die Jdee, daß diese Senkungs- kraft eben derselbe Antrieb sey, der auf der Ober- flaͤche des Planeten die Schweere genannt wird, und der von diesem sich stufenweise nach dem an- (A 2) gefuͤhr- Einleitung. gefuͤhrten Gesetze mit den Entfernungen vermin- dert. Dieses ersiehet man aus der Vergleichung der Quantitaͤt der Schweere auf der Oberflaͤche der Erde mit der Kraft, die den Mond zum Mittelpunkte seines Kreises hintreibt, welche ge- gen einander eben so wie die Attraktion in dem ganzen Weltgebaͤude, nemlich im umgekehrten Verhaͤltniß des Quadrats der Entfernungen ist. Dies ist die Ursache, warum man oftgemeldete Centralkraft auch die Gravitaͤt nennet. Weil es uͤberdem auch im hoͤchsten Grade wahr- scheinlich ist: daß, wenn eine Wirkung nur in Gegenwart und nach Proportion der Annaͤherung zu einem gewissen Koͤrper geschiehet, die Rich- tung derselben auch aufs genaueste auf diesen Koͤr- per beziehend ist, zu glauben sey, dieser Koͤrper sey, auf was fuͤr Art es auch wolle, die Ursache derselben; so hat man um deswillen Grund genug zu haben vermeynet, diese allgemeine Senkung der Planeten gegen die Sonne, einer Anziehungs- kraft der letztern zuzuschreiben, und dieses Vermoͤ- gen der Anziehung allen Himmelskoͤrpern uͤber- haupt beyzulegen. Wenn ein Koͤrper also diesem Antriebe der ihn zum Sinken gegen die Sonne oder irgend einen Planeten treibt, frey uͤberlassen wird; so wird er in stets beschleunigter Bewegung zu ihm nieder- fallen und in kurzem sich mit desselben Masse ver- einigen. Wenn er aber einen Stoß nach der Seite hin bekommen hat; so wird er, wenn die- ser nicht so kraͤftig ist, dem Drucke des Sinkens genau das Gleichgewicht zu leisten, sich in einer gebo- Einleitung. gebogenen Bewegung zu dem Centralkoͤrper hin- ein senken, und wenn der Schwung, der ihm ein- gedruckt worden, wenigstens so stark gewesen, ihn, ehe er die Oberflaͤche desselben beruͤhrt, von der senkrechten Linie um die halbe Dicke des Koͤrpers im Mittelpunkte zu entfernen, so wird er nicht dessen Oberflaͤche beruͤhren, sondern, nachdem er sich dichte um ihn geschwungen hat, durch die vom Falle erlangte Geschwindigkeit sich wieder so hoch erheben, als er gefallen war, um in bestaͤndiger Kreisbewegung um ihn seinen Umlauf fortzusetzen. Der Unterschied zwischen den Laufkreisen der Cometen und Planeten bestehet also in der Ab- wiegung der Seitenbewegung gegen den Druck, der sie zum Fallen treibt; welche zwey Kraͤfte je mehr sie der Gleichheit nahe kommen, desto aͤhn- licher wird der Kreis der Cirkelfigur, und je un- gleicher sie seyn, je schwaͤcher die schiessende Kraft in Ansehung der Centralkrast ist, desto laͤnglichter ist der Kreis, oder wie man es nennt, desto ec- centrischer ist er, weil der Himmelskoͤrper in ei- nem Theile seiner Bahn sich der Sonne weit mehr naͤhert, als im andern. Weil nichts in der ganzen Natur auf das ge- naueste abgewogen ist, so hat auch kein Planet eine ganz cirkelfoͤrmige Bewegung; aber die Co- meten weichen am meisten davon ab, weil der Schwung, der ihnen zur Seite eingedruͤckt wor- den, am wenigsten zu der Centralkraft ihres ersten Abstandes proportionirt gewesen. Jch werde mich in der Abhandlung sehr oft des Ausdrucks einer systematischen Verfas- (A 3) sung Einleitung. sung des Weltbaues bedienen. Damit man keine Schwierigkeit finde, sich deutlich vorzustellen, was dadurch soll angedeutet werden, so will ich mich daruͤber mit wenigem erklaͤren. Eigentlich machen alle Planeten und Cometen, die zu un- serem Weltbau gehoͤren, dadurch schon ein Sy- stem aus, daß sie sich um einen gemeinschaftli- chen Centralkoͤrper drchen. Jch nehme aber diese Benennung noch in engerem Verstande, indem ich auf die genauere Beziehungen sehe, die ihre Verbindung mit einander regelmaͤßig und gleich- foͤrmig gemacht hat. Die Kreise der Planeten beziehen sich so nahe, wie moͤglich auf eine ge- meinschaftliche Flaͤche, nemlich auf die verlaͤngerte Aequatorsflaͤche der Sonne; die Abweichung von dieser Regel findet nur bey der aͤussersten Grenze des Systems, da alle Bewegungen allmaͤhlich auf- hoͤren, statt. Wenn daher eine gewisse Anzahl Himmelskoͤrper, die um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt geordnet sind, und sich um selbigen bewegen, zugleich auf eine gewisse Flaͤche so be- schrenkt worden, daß sie von selbiger zu beyden Seiten nur so wenig als moͤglich abzuweichen die Freyheit haben: wenn die Abweichung nur bey denen, die von dem Mittelpunkte am weitesten entfernet sind, und daher an den Beziehungen weniger Antheil als die andern haben, stufenweise statt findet; so sage ich, diese Koͤrper befinden sich in einer systematischen Verfassung zu- sammen verbunden. Allge- Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Erster. Theil , von der systematischen Verfassung unter den Fixsternen. D er Lehrbegriff von der allgemeinen Verfassung des Weltbaues hat seit den Zeiten des Huygens keinen merklichen Zuwachs gewonnen. Man weiß noch zur Zeit nichts mehr, als was man schon damals gewust hat, nemlich, daß sechs Planeten mit zehn Begleitern, welche alle beynahe auf einer Flaͤche die Cirkel ihres Umlaufs gerichtet haben, und die ewige cometische Kugeln, die nach allen Seiten ausschweifen, ein A Sy- Allgemeine Naturgeschichte System ausmachen, dessen Mittelpunkt die Son- ne ist, gegen welche sich alles senkt, um welche ih- re Bewegungen gehen, und von welcher sie alle er- leuchtet, erwaͤrmet und belebet werden; daß end- lich die Fixsterne als eben so viel Sonnen, Mittel- punkte von aͤhnlichen Systemen seyn, in welchen alles eben so groß und eben so ordentlich als in den unsrigen eingerichtet seyn mag, und daß der unend- liche Weltraum von Weltgebaͤuden wimmele, de- ren Zahl und Vortreflichkeit ein Verhaͤltniß zur Un- ermeßlichkeit ihres Schoͤpfers hat. Das systematische, welches in der Verbindung der Planeten, die um ihre Sonnen laufen, statt fand, verschwand alhier in der Menge der Fixster- nen, und es schien, als wenn die gesetzmaͤßige Be- ziehung, die im Kleinen angetroffen wird, nicht unter den Gliedern des Weltalls im Grossen herr- sche; die Fixsterne bekamen kein Gesetz, durch wel- ches ihre Lagen gegen einander eingeschraͤnket wur- den, und man sahe sie alle Himmel und aller Him- mel Himmel ohne Ordnung und ohne Absicht erfuͤl- len. Seit dem die Wißbegierde des Menschen sich diese Schranken gesetzet hat, so hat man weiter nichts gethan, als die Groͤsse desjenigen daraus abzunehmen und zu bewundern, der in so unbegreif- lich grossen Werken sich offenbaret hat. Dem Herrn Wright von Durham, einem En- gelaͤnder, war es vorbehalten, einen gluͤcklichen Schritt zu einer Bemerkung zu thun, welche von ihm selber zu keiner gar zu tuͤchtigen Absicht ge- braucht und Theorie des Himmels. braucht zu seyn scheinet, und deren nuͤtzliche Anwen- dung er nicht genugsam beobachtet hat. Er betrachte- te die Fixsterne nicht als ein ungeordnetes und oh- ne Absicht zerstreutes Gewimmel, sondern er fand eine systematische Verfassung im Ganzen, und eine allgemeine Beziehung dieser Gestirne gegen einen Hauptplan der Raume, die sie einnehmen. Wir wollen den Gedanken, den er vorgetra- gen, zu verbessern und ihm diejenige Wendung zu ertheilen suchen, dadurch er an wichtigen Folgen fruchtbar seyn kan, deren voͤllige Bestaͤtigung den kuͤnftigen Zeiten aufbehalten ist. Jedermann, der den bestirnten Himmel in ei- ner heitern Nacht ansiehet, wird denjenigen lichten Streif gewahr, der durch die Menge der Sterne, die daselbst mehr als anderwerts gehaͤuft seyn, und durch ihre sich in der grossen Weite verlierende Kent- lichkeit, ein einfoͤrmigtes Licht darstellet, welches man mit dem Nahmen der Milchstrasse benennet hat. Es ist zu bewundern, daß die Beobachter des Himmels durch die Beschaffenheit dieser am Him- mel kenntlich unterschiedenen Zone nicht laͤngst be- wogen worden, sonderbare Bestimmungen in der Lage der Fixsterne daraus abzunehmen. Denn man siehet ihn die Richtung eines groͤßten Zirkels, und zwar in ununterbrochenem Zusammenhange, um den ganzen Himmel einnehmen, zwey Bedin- gungen, die eine so genaue Bestimmung und von dem Unbestimmten des Ungefehrs so kenntlich un- terschicdene Merkmale mit sich fuͤhren, daß auf- A 2 merk- Allgemeine Naturgeschichte merksame Sternkundige natuͤrlicher Weise dadurch haͤtten veranlasset werden sollen, der Erklaͤrung ei- ner solchen Erscheinung mit Aufmerksamkeit nach- zuspuͤren. Weil die Sterne nicht auf die scheinbare hole Himmelssphaͤre gesetzet sind, sondern einer weiter als der andere von unserm Gesichtspuncte entfernet, sich in der Tiefe des Himmels verlieren: so folget aus dieser Erscheinung, daß in den Entfernungen, darinn sie einer hinter dem andern von uns abste- hen, sie sich nicht in einer nach allen Seiten gleich- guͤltigen Zerstreuung befinden, sondern sich auf ei- ne gewisse Flaͤche vornemlich beziehen muͤssen, die durch unsern Gesichtspunkt gehet, und welcher sie sich so nahe als moͤglich zu befinden bestimmet sind. Diese Beziehung ist ein so ungezweifeltes Phaͤ- nomenon, daß auch selber die uͤbrigen Sterne, die in dem weißlichten Streife der Milchstrasse nicht begriffen sind, doch um desto gehaͤufter und dichter gesehen werden, je naͤher ihre Oerter dem Cirkel der Milchstrasse sind, so, daß von den 2000 Ster- nen, die das blosse Auge am Himmel entdecket, der groͤßte Theil in einer nicht gar breiten Zone, deren Mitte die Milchstrasse einnimmt, angetroffen wird. Wenn wir nun eine Flaͤche durch den Sternen- himmel hindurch in unbeschraͤnkte Weiten gezogen gedenken, und annehmen: daß zu dieser Flaͤche al- le Fixsterne und Systemata eine allgemeine Bezie- hung ihres Orts haben, um sich derselben naͤher als und Theorie des Himmels. als andern Gegenden zu befinden, so wird das Au- ge, welches sich in dieser Beziehungsflaͤche befindet, bey seiner Aussicht in das Feld der Gestirne, an der hohlen Kugelflaͤche des Firmaments, diese dichteste Haͤufung der Sterne in der Richtung solcher gezo- genen Flaͤche unter der Gestalt einer von mehrerem Lichte erleuchteten Zone erblicken. Dieser lichte Streif wird nach der Richtung eines groͤßten Zir- kels fortgehen, weil der Stand des Zuschauers in der Flaͤche selber ist. Jn dieser Zone wird es von Sternen wimmeln, welche durch die nicht zu un- terscheidende Kleinigkeit der hellen Punkte, die sich einzeln dem Gesichte entziehen, und durch ihre scheinbare Dichtigkeit, einen einfoͤrmig weißlichten Schimmer, mit einem Worte, eine Milchstrasse vorstellig machen. Das uͤbrige Himmelsheer, des- sen Beziehung gegen die gezogene Flaͤche sich nach und nach vermindert, oder welches sich auch dem Stande des Beobachters naͤher befindet, wird mehr zerstreuet, wiewol doch, ihrer Haͤufung nach, auf eben diesen Plan beziehend gesehen werden. End- lich folget hieraus, daß unsere Sonnenwelt, weil von ihr aus dieses System der Fixsterne in der Rich- tung eines groͤssesten Zirkels gesehen wird, mit in eben derselben grossen Flaͤche befindlich sey, und mit den uͤbrigen ein System ausmache. Wir wollen, um in die Beschaffenheit der all- gemeinen Verbindung, die in dem Weltbaue herr- schet, desto besser zu dringen, die Ursache zu entde- cken suchen, welche die Oerter der Fixsterne auch ei- A 3 ne Allgemeine Naturgeschichte ne gemeinschaftliche Flaͤche beziehend gemacht hat. Die Sonne schrenket| die Weite ihrer Anzie- hungskraft nicht in den engen Bezirk des Planeten- gebaͤudes ein. Allem Ansehen nach erstreckt sie sel- bige ins unendliche. Die Cometen, die sich sehr weit uͤber den Kreiß des Saturns erheben, werden durch die Anziehung der Sonne genoͤthiget, wieder zuruͤck zu kehren und in Kreisen zu laufen. Ob es also gleich der Natur eiuer Kraft, die dem Wesen der Materie einverleibt zu seyn scheinet, gemaͤsser ist, unbeschraͤnkt zu seyn, und sie auch wirklich von denen, die Newtons Saͤtze annehmen, davor er- kannt wird; so wollen wir doch nur zugestanden wissen, daß diese Anziehung der Sonne ohngefehr bis zum naͤchsten Fixsterne reiche, und daß die Fix- sterne als eben so viel Sonnen in gleichem Umfan- ge um sich wirken, folglich daß das ganze Heer der- selben einander durch die Anziehung zu naͤhern be- strebt sey; so finden sich alle Weltsystemen in der Verfassung, durch die gegenseitige Annaͤherung, die unaufhoͤrlich und durch nichts gehindert ist, uͤber kurz oder lang in einen Klumpen zusammen zu fal- len, wofern diesem Ruin nicht so wie bey den Ku- geln unsers planetischen Systems durch die den Mit- telpunkt fliehende Kraͤfte vorgebeugt worden, wel- che, indem sie die Himmelskoͤrper von dem geraden Falle abbeugen, mit den Kraͤften der Anziehung in Verbindung die ewige Kreisumlaͤufe zuwege brin- gen, dadurch das Gebaͤude der Schoͤpfung vor der Zer- und Theorie des Himmels. Zerstoͤrung gesichert und zu einer unvergaͤnglichen Dauer geschickt gemacht wird. So haben denn alle Sonnen des Firmaments Umlaufsbewegungen, entweder um einen allgemei- nen Mittelpunkt oder um viele. Man kann sich aber allhier der Analogie bedienen, dessen, was bey den Kreislaͤufen unserer Sonnenwelt bemerket wird: daß nemlich, gleichwie eben dieselbe Ursache, die den Planeten die Centerfliehkraft, durch die sie ihre Um- laͤufe verrichten, ertheilet hat, ihre Laufkreise auch so gerichtet: daß sie sich alle auf eine Flaͤche bezie- hen, also auch die Ursache, welche es auch immer seyn mag, die den Sonnen der Oberwelt, als so viel Wandelsternen hoͤherer Weltordnungen die Kraft der Umwendung gegeben, ihre Kreise zu- gleich so viel moͤglich auf eine Flaͤche gebracht, und die Abweichungen von derselben einzuschraͤnken be- strebt gewesen. Nach dieser Vorstellung kann man das Systent der Fixsterne einiger massen durch das planetische abschildern, wenn man dieses unendlich vergroͤssert. Denn wenn wir an statt der 6 Planeten mit ihren 10 Begleitern so viele tausend derselben, und an statt der 28 oder 30 Cometen, die beobachtet wor- den, ihrer hundert oder tausendmal mehr anneh- men, wenn wir eben diese Koͤrper als selbstleuchtend gedenken, so wuͤrde dem Auge des Zuschauers, das sie von der Erde ansiehet, eben der Schein als von den Fixsternen der Milchstrasse entstehen. Denn die gedachte Planeten wuͤrden durch ihre Naheit A 4 zu Allgemeine Naturgeschichte zu dem gemeinen Plane ihrer Beziehung, uns, die wir mit unserer Erde in eben demselben Plane be- findlich seyn, eine von unzaͤhlbaren Sternen dicht erleuchtete Zone darstellen, deren Richtung nach dem groͤssesten Zirkel gienge; dieser lichte Streifen wuͤrde allenthalben mit Sternen genugsam besetzet seyn, obgleich gemaͤß der Hypothese es Wandelster- ne, mithin nicht an einen Ort geheftet sind, denn es wuͤrden sich allezeit nach einer Seite Sterne ge- nug durch ihre Versetzung befinden, obgleich andere diesen Ort geaͤndert haͤtten. Die Breite dieser erleuchteten Zone, welche ei- ne Art eines Thierkreises vorstellet, wird durch die verschiedene Grade der Abweichung besagter Jrr- sterne von dem Plane ihrer Beziehung und durch die Neigung ihrer Kreise gegen dieselbe Flaͤche ver- anlasset werden; und weil die meisten diesem Pla- ne nahe seyn, so wird ihre Anzahl nach dem Maasse der Entfernung von dieser Flaͤche zerstreuter erschei- nen; die Cometen aber, die alle Gegenden ohne Unterscheid einnehmen, werden das Feld des Him- mels von beyden Seiten bedecken. Die Gestalt des Himmels der Fixsterne hat al- so keine andere Ursache, als eben eine dergleichen systematische Verfassung im Grossen, als der pla- netische Weltbau im Kleinen hat, indem alle Son- nen ein System ausmachen, dessen allgemeine Be- ziehungsflaͤche die Milchstrasse ist; die sich am we- nigsten auf diese Flaͤche beziehende, werden zur Sei- te gesehen, sie sind aber eben deswegen weniger ge- haͤu- und Theorie des Himmels. haͤufet, weit zerstreuter und seltener. Es sind so zu sagen die Cometen unter den Sonnen. Dieser neue Lehrbegriff aber legt den Sonnen eine fortruͤckende Bewegung bey, und jedermann erkennet sie doch als unbewegt, und von Anbeginn her an ihre Oerter geheftet. Die Benennung, die die Fixsterne davon erhalten haben, scheinet durch die Beobachtung aller Jahrhunderte bestaͤtigt und ungezweifelt zu seyn. Diese Schwierigkeit wuͤrde das vorgetragene Lehrgebaͤude vernichten, wenn sie gegruͤndet waͤre. Allein allem Ansehen nach ist die- ser Mangel der Bewegung nur etwas scheinbares. Es ist entweder nur eine ausnehmende Langsamkeit, die von der grossen Entfernung von dem gemeinen Mittelpunkte ihres Umlaufs, oder eine Unmerk- lichkeit, die durch den Abstand von dem Orte der Beobachtung veranlasset wird. Lasset uns die Wahrscheinlichkeit dieses Begriffes durch die Aus- rechnung der Bewegung schaͤtzen, die ein unserer Sonne naher Fixstern haben wuͤrde, wenn wir setzten, daß unsere Sonnr der Mittelpunkt seines Kreises waͤre. Wenn seine Weite nach dem Huy- gen uͤber 21000mal groͤsser, als der Abstand der Sonne von der Erde angenommen wird; so ist nach dem ausgemachten Gesetze der Umlaufszeiten, die im Verhaͤltniß der Quadratwurzel aus dem Wuͤrfel der Entfernungen vom Mittelpunkte ste- hen, die Zeit, die er anwenden muͤste, seinen Zir- kel um die Sonne einmal zu durchlaufen, von mehr als anderthalb Millionen Jahre, und dieses wuͤr- A 5 de Allgemeine Naturgeschichte de in 4000 Jahren eine Verruͤckung seines Orts nur um einen Grad setzen. Da nun nur vielleicht sehr wenige Fixsterne der Sonne so nahe sind, als Huygen den Sirius ihr zu seyn gemuthmasset hat, da die Entfernung des uͤbrigen Himmelsheeres des letzteren seine vielleicht ungemein uͤbertrift, und also zu solcher periodischen Umwendung ungleich laͤngere Zeiten erfordern wuͤrden, uͤberdem auch wahrschein- licher ist, daß die Bewegung der Sonnen des Sternenhimmels um einen gemeinschaftlichen Mit- telpunkt gehe, dessen Abstand ungemein groß, und die Fortruͤckung der Sterne daher uͤberaus langsam seyn kan: so laͤßt sich hieraus mit Wahrscheinlich- keit abnehmen, daß alle Zeit, seit der man Beob- achtungen am Himmel angestellet hat, vielleicht noch nicht hinlaͤnglich sey, die Veraͤnderung, die in ihren Stellungen vorgegangen, zu bemerken. Man darf indessen noch nicht die Hoffnung aufge- ben, auch diese mit der Zeit zu entdecken. Es wer- den subtile und sorgfaͤltige Aufmerker, imgleichen eine Vergleichung weit von einander abstehender Beobachtungen dazu erfordert. Man muͤßte diese Beobachtungen vornemlich auf die Sterne der Milchstrasse richten Jmgleichen auf diejenige Haufen von Sternen, deren viele in einem kleinen Raume bey einander seyn, als z. E. das Siebengestirn, welche viel- leicht unter sich ein kleines System in dem Groͤs- sern ausmachen. , welche der Hauptplan aller Bewegung ist. Herr Bradley hat beynahe un- und Theorie des Himmels. unmerkliche Fortruͤckungen der Sterne beobachtet. Die Alten haben Sterne an gewissen Stellen des Himmels gemerket, und wir sehen neue an andern. Wer weiß, waren es nicht die vorigen, die nur den Ort geaͤndert haben. Die Vortreflichkeit der Werkzeuge und die Vollkommenheit der Sternen- wissenschaft machen uns |gegruͤndete Hoffnung zu Entdeckung so sonderbarer Merkwuͤrdigkeiten de la Hire bemerket in den Memoires der Acade- mie zu Paris vom Jahr 1693, er habe sowohl aus eigenen Beobachtungen, als auch aus Ver- gleichung derselben mit des Ricciolus seinen eine starke Aenderung in den Stellungen der Sterne des Siebengestirns wahrgenommen. . Die Glaubwuͤrdigkeit der Sache selber aus den Gruͤnden der Natur und der Analogie unterstuͤtzen diese Hoffnung so gut, daß sie die Aufmerksamkeit der Naturforscher reitzen koͤnnen, sie in Erfuͤllung zu bringen. Die Milchstrasse ist, so zu sagen, auch der Thier- kreis neuer Sterne, welche fast in keiner andern Himmelsgegend, als in dieser, wechselsweise sich sehen lassen und verschwinden. Wenn diese Ab- wechselung ihrer Sichtbarkeit von ihrer periodischen Entfernung und Annaͤherung zu uns herruͤhret, so scheinet wohl aus der angefuͤhrten systematischen Verfassung der Gestirne, daß ein solches Phaͤno- menon mehrentheils nur in dem Bezirk der Milch- strasse muͤsse gesehen werden. Denn da es Sterne sind, die in sehr ablangen Kreisen um andere Fix- ster- Allgemeine Naturgeschichte sterne als Trabanten um ihre Hauptplaneten lau- fen, so erfordert es die Analogie mit unserm plane- tischen Weltbau, in welchem nur die dem gemeinen Plane der Bewegungen nahe Himmelskoͤrper um sich laufende Begleiter haben, daß auch nur die Sterne, die in der Milchstrasse sind, um sich lau- fende Sonnen haben werden. Jch komme zu demjenigen Theile des vorgetra- genen Lehrbegriffs, der ihn durch die erhabene Vor- stellung, welche er von dem Plane der Schoͤpfung darstellet, am meisten reitzend macht. Die Reihe der Gedanken, die mich darauf geleitet haben, ist kurz und ungekuͤnstelt; sie bestehet in folgendem. Wenn ein System von Fixsternen, welche in ihren Lagen sich auf eine gemeinschaftliche Flaͤche beziehen, so wie wir die Milchstrasse entworfen haben, so weit von uns entfernet ist, daß alle Kenntlichkeit der einzelnen Sterne, daraus es bestehet, so gar dem Sehrohre nicht mehr empfindlich ist: wenn sei- ne Entfernung zu der Entfernung der Sterne der Milchstrasse eben das Verhaͤltniß, als diese zum Abstande der Sonne von uns hat; kurz, wenn ei- ne solche Welt von Fixsternen in einem so unermeß- lichen Abstande von dem Auge des Beobachters, das sich ausserhalb demselben befindet, angeschauet wird, so wird dieselbe unter einem kleinen Winkel als ein mit schwachem Lichte erleuchtetes Raͤumchen erschei- nen, dessen Figur zirkelrund seyn wird, wenn seine Flaͤche sich dem Auge gerade zu darbietet und elli- ptisch, wenn es von der Seite gesehen wird. Die Schwaͤ- und Theorie des Himmels. Schwaͤche des Lichts, die Figur und die kennbare Groͤsse des Durchmessers werden ein solches Phaͤno- menon, wenn es vorhanden ist, von allen Ster- nen, die einzeln gesehen werden, gar deutlich un- terscheiden. Man darf sich unter den Beobachtungen der Sternkundigen nicht lange nach dieser Erscheinung umsehen. Sie ist von unterschiedlichen Beobach- tern deutlich wahrgenommen worden. Man hat sich uͤber ihre Seltsamkeit verwundert; man hat ge- muthmasset und bisweilen wunderlichen Einbildun- gen, bisweilen scheinbaren Begriffen, die aber doch eben so ungegruͤndet, als die erstern waren, Platz gegeben. Die neblichten Sterne sind es, welche wir meynen, oder vielmehr eine Gattung derselben, die der Herr von Maupertuis so beschreibet Abhandlung von der Figur der Sterne. : Daß es kleine, etwas mehr als das Finstere des leeren Himmelsraums erleuchtete Plaͤtz- chen seyn, die alle darinn uͤberein kommen, daß sie mehr oder weniger offene Ellipsen vorstellen, aber deren Licht weit schwaͤcher ist, als irgend ein anderes, das man am Himmel gewahr wird. Der Verfasser der Astrotheologie bildete sich ein, daß es Oefnungen im Firmamente waͤren, durch welche er den Feuer- himmel zu sehen glaubte. Ein Philosoph von er- leuchtetern Einsichten, der schon angefuͤhrte Herr von Maupertuis, haͤlt sie in Betrachtung ihrer Fi- gur und kennbaren Durchmessers vor erstaunlich gros- Allgemeine Naturgeschichte grosse Himmelskoͤrper, die durch ihre von dem Dre- hungsschwunge verursachte grosse Abplattung von der Seite gesehen, elliptische Gestalten darstellen. Man wird leicht uͤberfuͤhrt, daß diese letztere Erklaͤrung gleichfalls nicht statt finden koͤnne. Weil diese Art von neblichten Sternen ausser Zwei- fel zum wenigsten eben so weit als die uͤbrigen Fix- sterne von uns entfernet seyn muß; so waͤre nicht allein ihre Groͤsse erstaunlich, nach welcher sie auch die groͤssesten Sterne viele tausendmal uͤbertreffen muͤsten, sondern das waͤre am allerseltsamsten, daß sie bey dieser ausserordentlichen Groͤsse, da es selbst- leuchtende Koͤrper und Sonnen seyn, das aller- stumpfste und schwaͤchste Licht an sich zeigen sollten. Weit natuͤrlicher und begreiflicher ist es, daß es nicht einzelne so grosse Sterne, sondern Syste- mata von vielen seyn, deren Entfernung sie in ei- nem so engen Raume darstellet, daß das Licht, wel- ches von jedem derselben einzeln unmerklich ist, bey ihrer unermeßlichen Menge in einen einfoͤrmigten blassen Schimmer ausschlaͤgt. Die Analogie mit dem Sternensystem, darinn wir uns befinden, ih- re Gestalt, welche gerade so ist, als sie es nach un- serem Lehrbegriffe seyn muß, die Schwaͤche des Lichts, die eine vorausgesetzte unendliche Entfer- nung erfordert. Alles stimmet vollkommen uͤber- ein, diese elliptische Figuren vor eben dergleichen Welt- und Theorie des Himmels. Weltordnungen, und so zu reden, Milchstrassen zu halten, deren Verfassung wir eben entwickelt haben; und wenn Muthmassungen in denen Ana- logie und Beobachtung vollkommen uͤbereinstim- men, einander zu unterstuͤtzen, eben dieselbe Wuͤrdigkeit haben als foͤrmliche Beweise, so wird man die Gewißheit dieser Systemen vor ausgemacht halten muͤssen. Nunmehro hat die Aufmerksamkeit der Be- obachter des Himmels, Bewegungsgruͤnde genug, sich mit diesem Vorwurfe zu beschaͤftigen. Die Fixsterne, wie wir wissen, beziehen sich alle auf ei- nen gemeinschaftlichen Plan, und machen dadurch ein zusammengeordnetes Ganze, welches eine Welt von Welten ist. Man siehet, daß in unermeßli- chen Entfernungen es mehr solcher Sternensystemen giebt, und daß die Schoͤpfung in dem ganzen un- endlichen Umfange ihrer Groͤsse allenthalben syste- matisch und auf einander beziehend ist. Man koͤnnte noch muthmassen, daß eben diese hoͤhere Weltordnungen nicht ohne Beziehung gegen einander seyn, und durch dieses gegenseitige Ver- haͤltniß wiederum ein noch unermeßlicheres System ausmachen. Jn der That siehet man, daß die el- liptische Figuren diese Arten neblichter Sterne, wel- che der Herr von Maupertuis anfuͤhret, eine sehr nahe Beziehung auf den Plan der Milchstrasse ha- ben. Allgemeine Naturgeschichte ben. Es stehet hier ein weites Feld zu Entdeckun- gen offen, wozu die Beobachtung den Schluͤssel ge- ben muß. Die eigentlich so genannten neblichten Sterne, und die, uͤber welche man strittig ist, sie so zu benennen, muͤsten nach Anleitung dieses Lehr- begriffs untersucht und gepruͤft werden. Wenn man die Theile der Natur nach Absichten und einem entdeckten Entwurfe betrachtet, so eroͤfnen sich ge- wisse Eigenschaften, die sonst uͤbersehen werden und verborgen bleiben, wenn sich die Beobachtung oh- ne Anleitung auf alle Gegenstaͤnde zerstreuet. Der Lehrbegriff, den wir vorgetragen haben, eroͤfnet uns eine Aussicht in das unendliche Feld der Schoͤpfung, und bietet eine Vorstellung von dem Werke GOttes dar, die der Unendlichkeit des gros- sen Werkmeisters gemaͤß ist. Wenn die Groͤsse ei- nes planetischen Weltbaues, darinn die Erde als ein Sandkorn kaum bemerket wird, den Verstand in Verwunderung setzt, mit welchem Erstaunen wird man entzuͤcket, wenn man die unendliche Menge Welten und Systemen ansiehet, die den Jnnbegriff der Milchstrasse erfuͤllen; allein wie ver- mehrt sich dieses Erstaunen, wenn man gewahr wird, daß alle diese unermeßliche Sternordnungen wiederum die Einheit von einer Zahl machen, deren Ende wir nicht wissen, und die vielleicht eben so wie je- ne unbegreiflich groß, und doch wiederum noch die Einheit einer neuen Zahlverbindung ist. Wir sehen die ersten Glieder einer fortschreitenden Verhaͤltniß von Wel- und Theorie des Himmels. Welten und Systemen, und der erste Theil dieser un- endlichen Progreßion giebt schon zu erkennen, was man von dem Ganzen vermuthen soll. Es ist hie kein Ende, sondern ein Abgrund einer wahren Un- ermeßlichkeit, worinn alle Faͤhigkeit der menschli- chen Begriffe sinket, wenn sie gleich durch die Huͤl- fe der Zahlwissenschaft erhoben wird. Die Weis- heit, die Guͤte, die Macht, die sich offenbaret hat, ist unendlich, und in eben der Maasse fruchtbar und geschaͤftig; der Plan ihrer Offenbarung muß daher eben wie sie unendlich und ohne Grenzen seyn. Es sind aber nicht allein im Grossen wichtige Entdeckungen zu machen, die den Begriff zu erwei- tern dienen, den man sich von der Groͤsse der Schoͤpfung machen kann. Jm Kleinern ist nicht weniger unentdeckt, und wir sehen sogar in unserer Sonnenwelt die Glieder eines Systems, die uner- meßlich weit von einander abstehen, und zwischen welchen man die Zwischentheile noch nicht entdecket hat. Sollte zwischen dem Saturn, dem aͤusser- sten unter den Wandelsternen, die wir kennen, und dem am wenigsten eccentrischen Cometen, der viel- leicht von einer 10 und mehrmal entlegenern Ent- fernung zu uns herabsteigt, kein Planet mehr seyn, dessen Bewegung der cometischen naͤher als jener kaͤme? und solten nicht noch andere mehr durch ei- ne Annaͤherung ihrer Bestimmungen, vermittelst ei- ner Reihe von Zwischengliedern, die Planeten nach und nach in Cometen verwandeln, und B die Allgemeine Naturgeschichte die letztere Gattung mit der erstern zusam- menhaͤngen? Das Gesetz, nach welchem die Eccentricitaͤt der Planetenkreise sich in Gegenhaltung ihres Ab- standes von der Sonne verhaͤlt, unterstuͤtzt diese Vermuthung. Die Eccentricitaͤt in den Bewe- gungen der Planeten nimmt mit derselben Abstande von der Sonne zu, und die entfernten Planeten kommen dadurch der Bestimmung der Cometen naͤ- her. Es ist also zu vermuthen, daß es noch an- dere Planeten uͤber dem Saturn geben wird, wel- che noch eccentrischer, und dadurch also jenen noch naͤher verwandt, vermittelst einer bestaͤndigen Lei- ter die Planeten endlich zu Cometen machen. Die Eccentricitaͤt ist bey der Venus \frac{1}{126} von der halben Achse ihres elliptischen Kreises; bey der Erde \frac{1}{58} , beym Jupiter \frac{1}{20} , und beym Saturn \frac{1}{17} dersel- ben; sie nimmt also augenscheinlich mit den Ent- fernungen zu. Es ist wahr, Merkur und Mars nehmen sich durch ihre viel groͤssere Eecentricitaͤt, als das Maaß ihres Abstandes von der Sonne es erlaubet, von diesem Gesetze aus; aber wir werden im folgenden belehret werden, daß eben dieselbe Ur- sachen, weswegen einigen Planeten bey ihrer Bil- dung eine kleinere Masse zu Theil worden, auch die Ermangelung des zum Cirkellaufe erforderlichen Schwunges, folglich die Eccentricitaͤt nach sich ge- zogen, folglich sie in beyden Stuͤcken unvollstaͤndig gelassen hat. Jst und Theorie des Himmels. Jst es diesem zu folge nicht wahrscheinlich: daß die Abnahme der Eccentricitaͤt der uͤber dem Sa- turn zunaͤchst befindlichen Himmelskoͤrper ohngefehr eben so gemaͤßigt, als in den untern sey, und daß die Planeten durch minder ploͤtzliche Abfaͤlle mit dem Geschlechte der Cometen verwandt seyn; denn es ist gewiß, daß eben diese Eccentricitaͤt den we- sentlichen Unterschied zwischen den Cometen und Planeten macht, und die Schweife und Dunstku- geln derselben nur deren Folge seyn; imgleichen, daß eben die Ursache, welche es auch immerhin seyn mag, die den Himmelskoͤrpern ihre Kreisbewegun- gen ertheilet hat, bey groͤssern Entfernungen nicht allein schwaͤcher gewesen, den Drehungsschwung der Senkungskraft gleich zu machen, und dadurch die Bewegungen eccentrisch gelassen hat, sondern auch eben deswegen weniger vermoͤgend gewesen, die Kreise dieser Kugeln auf eine gemeinschaftliche Flaͤche, auf welcher sich die untern bewegen, zu bringen, und dadurch die Ausschweifung der Co- meten nach allen Gegenden veranlasset hat. Man wuͤrde nach dieser Vermuthung noch vielleicht die Entdeckung neuer Planeten uͤber den Saturn zu hoffen haben, die eccentrischer als die- ser, und also der cometischen Eigenschaft naͤher seyn wuͤrden; aber eben daher wuͤrde man sie nur eine kurze Zeit, nemlich in der Zeit ihrer Sonnen- naͤhe, erblicken koͤnnen, welcher Umstand zu- sammt dem geringen Maasse der Annaͤherung und B 2 der Allgemeine Naturgeschichte der Schwaͤche des Lichts die Entdeckung desselben bisher verhindert haben, und auch aufs kuͤnftige schwer machen muͤssen. Der letzte Planet und er- ste Comet wuͤrde, wenn es so beliebte, derjenige koͤnnen genannt werden, dessen Eccentricitaͤt so groß waͤre, daß er in seiner Sonnennaͤhe den Kreis des ihm naͤchsten Planeten, vielleicht also des Saturns, durchschnitte. Allge- Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Zweyter Theil, von dem ersten Zustande der Natur, der Bildung der Himmelskoͤrper, den Ursachen ihrer Bewegung, und der systematischen Beziehung derselben, sowol in dem Planetengebaͤude insonderheit, als auch in Ansehung der ganzen Schoͤpfung. Schau sich die bildende Natur zu ihrem grossen Zweck bewegen, Ein jedes Sonnenstaͤubchen sich zu einem andern Staͤubchen regen, Ein jedes, das gezogen wird, das andere wieder an sich ziehn, Das naͤchste wieder zu umfassen, es zu formiren sich bemuͤhn. Beschaue die Materie auf tausend Art und| Weise sich Zum allgemeinen Centro draͤngen. Pope. Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Zweyter Theil , Erstes Hauptstuͤck, von dem Ursprunge des planetischen Weltbaues uͤberhaupt, und den Ursachen ihrer Bewegungen. D ie Betrachtung des Weltbaues zei- get in Ansehung der gewechselten Beziehungen, die seine Theile un- ter einander haben, und wodurch sie die Ursache bezeichnen, von der sie herstammen, zwo Seiten, welche beyde gleich wahrscheinlich und annehmungswuͤrdig seyn. Wenn man eines Theils B 4 er- Allgemeine Naturgeschichte erweget: daß 6 Planeten mit 9 Begleitern, die um die Sonne, als ihren Mittelpunkt, Kreise be- schreiben, alle nach einer Seite sich bewegen, und zwar nach derjenigen, nach welcher sich die Sonne selber drehet, welche ihrer alle Umlaͤufe durch die Kraft der Anziehung regieret, daß ihre Kreise nicht weit von einer gemeinen Flaͤche abweichen, nemlich von der verlaͤngerten Aeqvatorsflaͤche der Sonnen, daß bey den entferntesten der zur Sonnenwelt ge- hoͤrigen Himmelskoͤrper, wo die gemeine Ursache der Bewegung dem Vermuthen nach nicht so kraͤf- tig gewesen, als in der Naheit zum Mittelpuncte Abweichungen von der Genauheit dieser Bestim- mungen Statt gefunden, die mit dem Mangel der eingedruckten Bewegung ein genugsames Verhaͤlt- niß haben, wenn man, sage ich, allen diesen Zu- sammenhang erweget: so wird man bewogen, zu glauben, daß eine Ursache, welche es auch sey, ei- nen durchgaͤngigen Einfluß in dem ganzen Raume des Systems gehabt hat, und daß die Eintraͤch- tigkeit in der Richtung und Stellung der planeti- schen Kreise eine Folge der Uebereinstimmung sey, die sie alle mit derjenigen materialischen Ursache ge- habt haben muͤssen, dadurch sie in Bewegung ge- setzet worden. Wenn wir andern Theils den Raum erwegen, in dem die Planeten unsers Systems herum lau- fen, so ist er vollkommen leer Jch untersuche hier nicht, ob dieser Raum in dem aller- und aller Mate- rie und Theorie des Himmels. rie beraubt, die eine Gemeinschaft des Einflusses auf diese Himmelskoͤrper verursachen, und die Ue- bereinstimmung unter ihren Bewegungen nach sich ziehen koͤnnte. Dieser Umstand ist mit vollkomme- ner Gewißheit ausgemacht, und uͤbertrifft noch, wo moͤglich, die vorige Wahrscheinlichkeit. Newton, durch diesen Grund bewogen, konnte keine materia- lische Ursache verstatten, die durch ihre Erstreckung in dem Raume des Planetengebaͤudes die Gemein- schaft der Bewegungen unterhalten sollte. Er be- hauptete, die unmittelbare Hand GOttes habe die- se Anordnung ohne die Anwendung der Kraͤfte der Natur ausgerichtet. Man siehet bey unpartheyischer Erwegung: daß die Gruͤnde hier von beyden Seiten gleich stark und beyde einer voͤlligen Gewißheit gleich zu schaͤtzen seyn. Es ist aber eben so klar, daß ein Begriff seyn muͤsse, in welchem diese dem Scheine nach wi- der einander streitende Gruͤnde vereiniget werden koͤnnen und sollen, und daß in diesem Begriffe das wahre System zu suchen sey. Wir wollen ihn mit kurzen Worten anzeigen. Jn der jetzigen Verfas- sung des Raumes, darin die Kugeln der ganzen Planetenwelt umlaufen, ist keine materialische Ur- B 5 sa- allereigentlichsten Verstande koͤnne leer genannt werden. Denn allhier ist genug zu bemerken, daß alle Materie, die etwa in diesem Raume an- zutreffen seyn moͤchte, viel zu unvermoͤgend sey, als daß sie in Ansehung der bewegten Massen, von denen die Frage ist, einige Wirkung veruͤben koͤnnte. Allgemeine Naturgeschichte sache vorhanden, die ihre Bewegungen eindruͤcken oder richten koͤnnte. Dieser Raum ist vollkommen leer, oder wenigstens so gut als leer; also muß er ehemals anders beschaffen und mit genugsam ver- moͤgender Materie erfuͤllet gewesen seyn, die Bewe- gung auf alle darinn befindliche Himmelskoͤrper zu uͤbertragen, und sie mit der ihrigen, folglich alle un- ter einander einstimmig zu machen, und nachdem die Anziehung besagte Raͤume gereinigt und alle ausgebreitete Materie in besondere Klumpen ver- sammlet; so muͤssen die Planeten nunmehro mit der einmal eingedruͤckten Bewegung ihre Umlaͤufe in ei- nem nicht widerstehenden Raume frey und unver- aͤndert fortsetzen. Die Gruͤnde der zuerst angefuͤhr- ten Wahrscheinlichkeit erfordern durchaus diesen Begriff, und weil zwischen beyden Faͤllen kein drit- ter moͤglich ist; so kann dieser mit einer vorzuͤgli- chen Art des Beyfalles, welcher ihn uͤber die Scheinbarkeit einer Hypothese erhebet, angesehen werden. Man koͤnnte, wenn man weitlaͤuftig seyn wollte, durch eine Reihe aus einander gefol- gerter Schluͤsse, nach der Art einer mathematischen Methode, mit allem Gepraͤnge, den diese mit sich fuͤhret und noch mit groͤsserm Schein, als ihr Auf- zug in physischen Materien gemeinhin zu seyn pfle- get, endlich auf den Entwurf selber kommen, den ich von dem Ursprunge des Weltgebaͤudes darlegen werde; allein ich will meine Meinungen lieber in der Gestalt einer Hypothese vortragen, und der Einsicht des Lesers es uͤberlassen, ihre Wuͤrdigkeit zu pruͤfen, als durch den Schein einer erschliche- nen und Theorie des Himmels. nen Ueberfuͤhrung ihre Guͤltigkeit verdaͤchtig ma- chen, und indem ich die Unwissenden einnehme, den Beyfall der Kenner verlieren. Jch nehme an: daß alle Materien, daraus die Kugeln, die zu unserer Sonnenwelt gehoͤren, alle Planeten und Cometen bestehen, im Anfange al- ler Dinge in ihren elementarischen Grundstoff auf- geloͤset, den ganzen Raum des Weltgebaͤudes er- fuͤllet haben, darinn jetzo diese gebildete Koͤrper herumlaufen. Dieser Zustand der Natur, wenn man ihn, auch ohne Absicht auf ein System, an und vor sich selbst betrachtet, scheinet nur der einfachste zu seyn, der auf das Nichts folgen kann. Da- mals hatte sich noch nichts gebildet. Die Zusam- mensetzung von einander abstehender Himmelskoͤr- per, ihre nach den Anziehungen gemaͤßigte Entfer- nung; ihre Gestalt, die aus dem Gleichgewichte der versammleten Materie entspringet, sind ein spaͤ- terer Zustand. Die Natur, die unmittelbar mit der Schoͤpfung graͤnzete, war so roh, so ungebil- det als moͤglich. Allein auch in den wesentlichen Eigenschaften der Elemente, die das Chaos aus- machen, ist das Merkmal derjenigen Vollkommen- heit zu spuͤren, die sie von ihrem Ursprunge her ha- ben, indem ihr Wesen aus der ewigen Jdee des goͤttlichen Verstandes eine Folge ist. Die einfach- sten, die allgemeinsten Eigenschaften, die ohne Ab- sicht scheinen entworfen zu seyn; die Materie, die bloß leidend und der Formen und Anstalten be- duͤrftig zu seyn scheinet, hat in ihrem einfachsten Zu- Allgemeine Naturgeschichte Zustande eine Bestrebung, sich durch eine natuͤrli- che Entwickelung zu einer vollkommenern Verfas- sung zu bilden. Allein die Verschiedenheit in den Gattungen der Elemente traͤget zu der Regung der Natur und zur Bildung des Chaos das vornehmste bey, als wodurch die Ruhe, die bey einer allgemeinen Gleichheit unter den zerstreu- ten Elementen herrschen wuͤrde, gehoben, und das Chaos in den Punkten der staͤrker anziehenden Par- tikeln sich zu bilden anfaͤngt. Die Gattungen die- ses Grundstoffes sind ohne Zweifel, nach der Uner- meßlichkeit, die die Natur an allen Seiten zeigt, unendlich verschieden. Die von groͤster specifischen Dichtigkeit und Anziehungskraft, welche an und vor sich weniger Raum einnehmen und auch selte- ner seyn, werden daher bey der gleichen Austhei- lung in dem Raume der Welt zerstreuter, als die leichtern Arten seyn. Elemente von 1000 mal groͤsserer specifischen Schwere sind tausend, vielleicht auch Millionenmal zerstreuter, als die in diesem Maasse leichtern. Und da diese Abfaͤlle so unend- lich als moͤglich muͤssen gedacht werden, so wird, gleichwie es koͤrperliche Bestandtheile von einer Gat- tung geben kan, die eine andere in dem Maasse an Dichtigkeit uͤbertrifft, als eine Kugel, die mit dem Radius des Planetengebaͤudes beschrieben worden, eine andere, die den tausendsten Theil einer Linie im Durchmesser hat, also auch jene Art von zerstreu- ten Elementen um einen so viel groͤssern Abstand von einander entfernet seyn, als diese. Bey und Theorie des Himmels. Bey einem auf solche Weise erfuͤllten Raume dauert die allgemeine Ruhe nur einen Augenblick. Die Elemente haben wesentliche Kraͤfte, einander in Bewegung zu setzen, und sind sich selber eine Qvelle des Lebens. Die Materie ist sofort in Be- strebung, sich zu bilden. Die zerstreuten Elemen- te dichterer Art sammlen, vermittelst der Anziehung, aus einer Sphaͤre rund um sich alle Materie von minder specifischer Schwere; sie selber aber, zu- samt der Materie, die sie mit sich vereinigt haben, sammlen sich in den Puncten, da die Theilchen von noch dichterer Gattung befindlich seyn, diese glei- chergestalt zu noch dichteren und so fortan. Jn- dem man also dieser sich bildenden Natur in Gedan- ken durch den ganzen Raum des Chaos nachgehet, so wird man leichtlich inne: daß alle Folgen dieser Wirkung zuletzt in der Zusammensetzung verschiede- ner Klumpen bestehen wuͤrde, die nach Verrichtung ihrer Bildungen durch die Gleichheit der Anziehung ruhig und auf immer unbewegt seyn wuͤrden. Allein die Natur hat noch andere Kraͤfte im Vorrath, welche sich vornemlich aͤussern, wenn die Materie in feine Theilchen aufgeloͤset ist, als wo- durch selbige einander zuruͤck stossen und durch ihren Streit mit der Anziehung diejenige Bewegung her- vor bringen, die gleichsam ein dauerhaftes Leben der Natur ist. Durch diese Zuruͤckstossungskraft, die sich in der Elasticitaͤt der Duͤnste, dem Ausflus- se starkriechender Koͤrper und der Ausbreitung aller geistigen Materien offenbaret, und die ein unstrei- ti- Allgemeine Naturgeschichte tiges Phaͤnomenon der Natur ist, werden die zu ihren Anziehungspunkten sinkende Elemente durch- einander von der geradlinichten Bewegung seit- waͤrts gelenket, und der senkrechte Fall schlaͤgt in Kreisbewegungen aus, die den Mittelpunkt der Senkung umfassen. Wir wollen, um die Bil- dung des Weltbaues deutlich zu begreifen, unsere Betrachtung von dem unendlichen Jnbegriffe der Natur auf ein besonderes System einschraͤnken, so wie dieses zu unserer Sonne gehoͤrige ist. Nach- dem wir die Erzeugung desselben erwogen haben, so werden wir auf eine aͤhnliche Weise zu dem Ursprun- ge der hoͤhern Weltordnungen fortschreiten, und die Unendlichkeit der ganzen Schoͤpfung in einem Lehrbegriffe zusammen fassen koͤnnen. Wenn demnach ein Punkt in einem sehr gros- sen Raume befindlich ist, wo die Anziehung der da- selbst befindlichen Elemente staͤrker als allenthalben um sich wirket; so wird der in dem ganzen Umfan- ge ausgebreitete Grundstoff elementarischer Parti- keln sich zu diesem hinsenken. Die erste Wirkung dieser allgemeinen Senkung ist die Bildung eines Koͤrpers in diesem Mittelpunkte der Attraction, welcher so zu sagen von einem unendlich kleinen Kei- me, in schnellen Graden fortwaͤchset, aber in eben der Maasse, als diese Masse sich vermehret, auch mit staͤrkerer Kraft die umgebenden Theile zu seiner Vereinigung beweget. Wenn die Masse dieses Centralkoͤrpers so weit angewachsen ist, daß die Geschwindigkeit, womit er die Theilchen von gros- sen und Theorie des Himmels. sen Entfernungen zu sich zieht, durch die schwachen Grade der Zuruͤckstossung, womit selbige einander hindern, seitwaͤrts gebeuget in Seitenbewegungen ausschlaͤget, die den Centralkoͤrper, vermittelst der Centerfliehkraft, in einem Kreise zu umfassen im Stande seyn: so erzeugen sich grosse Wirbel von Theilchen, deren jedes vor sich krumme Linien durch die Zusammensetzung der anziehenden und der seit- waͤrts gelenkten Umwendungskraft beschreibet; wel- che Arten von Kreisen alle einander durchschneiden, wozu ihnen ihre grosse Zerstreuung in diesem Rau- me Platz laͤßt. Jndessen sind diese auf mancher- ley Art unter einander streitende Bewegungen na- tuͤrlicher Weise bestrebt, einander zur Gleichheit zu bringen, das ist, in einen Zustand, da eine Bewe- gung der andern so wenig als moͤglich hinderlich ist. Dieses geschiehet erstlich, indem die Theilchen, eines des andern Bewegung so lange einschraͤnken, bis alle nach einer Richtung fortgehen; zweytens, daß die Partikeln ihre Vertikalbewegung, vermit- telst der sie sich dem Centro der Attraction naͤhern, so lange einschraͤnken, bis sie alle horizontal, d. i. in parallel laufenden Zirkeln um die Sonne als ihren Mittelpunkt beweget, einander nicht mehr durchkreutzen, und durch die Gleichheit der Schwungskraft mit der senkenden sich in freyen Zir- kellaͤufen in der Hoͤhe, da sie schweben, immer er- halten; so daß endlich nur diejenige Theilchen in dem Umfange des Raumes schweben bleiben, die durch ihr Fallen eine Geschwindigkeit, und durch die Widerstehung der andern eine Richtung bekom- men Allgemeine Naturgeschichte men haben, dadurch sie eine freye Zirkelbewe- gung fortsetzen koͤnnen. Jn diesem Zustande, da alle Theilchen nach einer Richtung und in parallel- lauffenden Kreisen, nemlich in freyen Zirkelbewe- gungen durch die erlangte Schwungskraͤfte um den Centralkoͤrper laufen, ist der Streit und der Zu- sammenlauf der Elemente gehoben, und alles ist in dem Zustande der kleinsten Wechselwirkung. Die- ses ist die natuͤrliche Folge, darein sich allemal eine Materie, die in streitenden Bewegungen begriffen ist, versetzet. Es ist also klar, daß von der zer- streuten Menge der Partikeln eine grosse Menge durch den Widerstand, dadurch sie einander auf diesen Zustand zu bringen suchen, zu solcher Genau- heit der Bestimmungen gelangen muß; obgleich ei- ne noch viel groͤssere Menge dazu nicht gelanget, und nur dazu dienet, den Klumpen des Centralkoͤr- pers zu vermehren, in welchen sie sinken, indem sie sich nicht in der Hoͤhe, darinn sie schweben, frey erhalten koͤnnen, sondern die Kreise der untern durchkreutzen und endlich durch deren Widerstand alle Bewegung verlieren. Dieser Koͤrper in dem Mittelpunkte der Attraction, der diesem zufolge das Hauptstuͤck des planetischen Gebaͤudes durch die Menge seiner versammleten Materie worden ist, ist die Sonne, ob sie gleich diejenige flammende Gluth alsdenn noch nicht hat, die nach voͤllig vollendeter Bildung auf ihrer Oberflaͤche hervor bricht. Noch ist zu bemerken: daß, indem also alle Elemente der sich bildenden Natur, wie erwiesen, nach und Theorie des Himmels. nach einer Richtung um den Mittelpunkt der Son- ne sich bewegen, bey solchen nach einer einzigen Ge- gend gerichteten Umlaͤufen, die gleichsam auf einer gemeinschaftlichen Achse geschehen, die Drehung der feinen Materie in dieser Art nicht bestehen kann; weil nach den Gesetzen der Centralbewegung alle Umlaͤufe mit dem Plan ihrer Kreise den Mit- telpunkt der Attraction durchschneiden muͤssen; un- ter allen diesen aber um eine gemeinschaftliche Achse, nach einer Richtung laufenden Zirkeln nur ein ein- ziger ist, der den Mittelpunkt der Sonne durch- schneidet, daher alle Materie von beyden Seiten dieser in Gedanken gezogenen Achse nach demjenigen Cirkel hineilet, der durch die Achse der Drehung gerade in dem Mittelpunkte der gem ei nschaftlichen Senkung gehet. Welcher Zirkel der Plan der Be- ziehung aller herumschwebenden Elemente ist, um welchen sie sich so sehr als moͤglich haͤufen, und da- gegen die von dieser Flaͤche entferneten Gegenden leer lassen; denn diejenigen, welche dieser Flaͤche, zu wel- cher sich alles draͤnget, nicht so nahe kommen koͤn- nen, werden sich in den Oertern, wo sie schweben, nicht immer erhalten koͤnnen, sondern, indem sie an die herumschwebenden Elemente stossen, ihren endlichen Fall zu der Sonne veranlassen. Wenn man also diesen herumschwebenden Grundstoff der Weltmaterie in solchem Zustande, darinn er sich selbst durch die Anziehung und durch einen mechanischen Erfolg der allgemeinen Gesetze des Widerstandes versetzet, erweget; so sehen wir C ei- Allgemeine Naturgeschichte einen Raum, der zwischen zwey nicht weit von ein- ander abstehenden Flaͤchen, in dessen Mitte der all- gemeine Plan der Beziehung sich befindet, begrif- fen ist, von dem Mittelpunkte der Sonne an, in unbekannte Weiten ausgebreitet, in welchem alle begriffene Theilchen, jegliche nach Maaßgebung ih- rer Hoͤhe und der Attraction, die daselbst herrschet, abgemessene Zirkelbewungen in freyen Umlaͤufen verrichten, und daher, indem sie bey solcher Ver- fassung einander so wenig als moͤglich mehr hindern, darinn immer verbleiben wuͤrden, wenn die Anzie- hung dieser Theilchen des Grundstoffes unter einan- der nicht alsdenn anfienge, seine Wirkung zu thun und neue Bildungen, die der Saame zu Planeten, welche entste h en sollen, seyn, dadurch veranlassete. Denn, indem die um die Sonne in parallelen Zir- keln bewegte Elemente, in nicht gar zu grossem Un- terschiede des Abstandes von der Sonne genommen, durch die Gleichheit der parallelen Bewegung, bey- nahe in respeetiver Ruhe gegen einander seyn; so thut die Anziehung der daselbst befindlichen Elemen- te, von uͤbertreffender specifischer Attraction, sogleich hier eine betraͤchtliche Wirkung Der Anfang der sich bildenden Planeten ist nicht allein in der Newtonischen Anziehung zu suchen. Diese wuͤrde bey einem Partikelchen, von so aus- nehmender Feinigkeit, gar zu langsam und schwach seyn. Man wuͤrde vielmehr sagen, daß in die- sem Raume die erste Bildung durch den Zusam- menlauf einiger Elemente, die sich durch die ge- woͤhu- , die Samm- lung und Theorie des Himmels. lung der naͤchsten Partikeln zur Bildung eines Koͤr- pers anzufangen, der, nach dem Maasse des An- wuchses seines Klumpens, seine Anziehung weiter ausbreitet, und die Elemente aus weitem Umfange zu seiner Zusammensetzung bewegt. Die Bildung der Planeten, in diesem System, hat vor einem jeden moͤglichen Lehrbegriffe dieses voraus: daß der Ursprung der Massen zugleich den Ursprung der Bewegungen und die Stellung der Kreise in eben demselben Zeitpuncte darstellet; ja, daß sogar die Abeweichungen von der groͤssesten Ge- nauheit in diesen Bestimmungen eben sowol, als die Uebereinstimmungen selber, in einem Anblicke erhellen. Die Planeten bilden sich aus den Theil- chen, welche in der Hoͤhe, da sie schweben, genaue Bewegungen zu Zirkelkreisen haben: also werden die aus ihnen zusammengesetzte Massen eben dieselbe Bewegungen, in eben dem Grade, nach eben derselben Richtung fort- setzen. Dieses ist genug, um einzusehen, woher die Bewegung der Planeten ohngefehr cirkelfoͤrmig, und ihre Kreise auf einer Flaͤche seyn. Sie wuͤr- den auch ganz genaue Zirkel seyn Diese abgemessene Cirkelbewegung betrifft ei- gent- , wenn die C 2 Wei- woͤhnlichen Gesetze des Zusammenhanges vereini- gen, geschehe, bis derjenige Klumpen, der daraus entstanden, nach und nach so weit angewachsen, daß die Newtonische Anziehungskraft an ihm ver- moͤgend geworden, ihn durch seine Wirkung in die Ferne immer mehr zu vergroͤssern. Allgemeine Naturgeschichte Weite, daraus sie die Elemente zu ihrer Bildung versammlen, sehr klein, und also der Unterschied ihrer Bewegungen sehr gering waͤre. Da aber dazu ein weiter Umfang gehoͤret, aus dem feinen Grundstoffe, der in dem Himmelsraum so sehr zer- streuet ist, einen dichten Klumpen eines Planeten zu bilden; so ist der Unterschied der Entfernungen, die diese Elemente von der Sonne haben, und mit- hin auch der Unterschied ihrer Geschwindigkeiten nicht mehr geringschaͤtzig, folglich wuͤrde noͤthig seyn, daß, um bey diesem Unterschiede der Bewe- gungen dem Planeten die Gleichheit der Central- kraͤfte und die Zirkelgeschwindigkeit zu erhalten, die Theilchen, die aus verschiedenen Hoͤhen mit verschie- denen Bewegungen auf ihm zusammen kommen, ei- ne den Mangel der andern genau ersetzten, wel- ches, ob es gleich in der That ziemlich genau ge- schiehet Denn die Theilchen, von der zur Sonne naͤhern Gegend, welche eine groͤssere Umlaufsgeschwin- dig- , dennoch, da an dieser vollkommenen Er- gentlich nur die der Sonne nahen Planeten: denn von den grossen Entfernungen, da sich die entle- gensten Planeten oder auch die Cometen gebildet haben, ist leicht zu vermuthen, daß, weil die sinkende Bewegung des Grundstoffs daselbst viel schwaͤcher, die Weitlaͤuftigkeit der Raͤume, da sie zerstreuet seyn, auch groͤsser ist, die Elemen- te daselbst an und vor sich schon von der zirkel- gleichen Bewegung abweichen, und dadurch die Ursache der daraus gebildeten Koͤrper seyn muͤs- sen. und Theorie des Himmels. Ersetzung etwas fehlet, den Abgang an der Zirkel- bewegung und die Eccentricitaͤt nach sich ziehet. Eben so leicht erhellet, daß, obgleich die Kreise al- ler Planeten billig auf einer Flaͤche seyn sollten, den- noch auch in diesem Stuͤcke eine kleine Abweichung anzutreffen ist weil, wie schon erwehnet, die ele- mentarischen Theilchen, da sie sich dem allgemeinen Bestehungsplane ihrer Bewegungen so nahe als moͤglich befinden, dennoch einigen Raum von bey- den Seiten desselben einschliessen; da es denn ein gar zu gluͤckliches Ohngefehr seyn wuͤrde, wenn gerade alle Planeten ganz genau in der Mitte zwi- schen diesen zwey Seiten, in der Flaͤche der Bezie- hung, selber sich zu bilden anfangen sollten, welches denn schon einige Neigung ihrer Kreise gegen einan- der veranlasset, obschon die Bestrebung der Parti- keln, von beyden Seiten diese Ausweichung so sehr als moͤglich einzuschraͤnken, ihr nur enge Grenzen zulaͤsset. Man darf sich also nicht wundern, auch hier die groͤsseste Genauheit der Bestimmungen so wenig, wie bey allen Dingen der Natur, anzutref- fen, weil uͤberhaupt die Vielheit der Umstaͤnde, die an jeglicher Naturbeschaffenheit Antheil nehmen, ei- ne abgemessene Regelmaͤßigkeit nicht verstattet. C 3 Zwey- digkeit haben, als in dem Orte, da sie auf dem Planeten sich versammlen, zur Cirkelbewegung erfordert wird, ersetzen dasjenige, was denen von der Sonne entfernteren Theilchen, die sich eben dem elben Koͤrper einve leiben, an Geschwin- digkeit fehlet, um in dem Abstande des Planeten zirkelfoͤrmig zu laufen. Allgemeine Naturgeschichte Zweytes Hauptstuͤck, von der verschiedenen Dichtigkeit der Planeten, und dem Verhaͤltnisse ihrer Massen. W ir haben gezeiget, daß die Theilchen des ele- mentarischen Grundstoffes, da sie an und vor sich in dem Weltraume gleich ausgetheilet wa- ren, durch ihr Niedersinken zur Sonne, in den Or- ten schweben geblieben, wo ihre im Fallen erlang- te Geschwindigkeit gerade die Gleichheit gegen die Anziehung leistete, und ihre Richtung so, wie sie bey der Zirkelbewegung seyn soll, senkrecht gegen den Zirkelstrahl gebeuget worden. Wenn wir nun aber Partikeln, von unterschiedlicher specifischer Dich- tigkeit, in gleichem Abstande von der Sonne geden- ken, so dringen die von groͤsserer specifischen Schwe- re tiefer, durch den Widerstand der andern zur Son- ne hindurch, und werden nicht so bald von ihrem Wege abgebeuget, als die leichteren; daher ihre Bewegung nur in einer groͤsseren Annaͤherung zur Sonne zirkelfoͤrmigt wird. Dagegen werden die Elemente leichterer Art, eher von dem geradlinichten Falle abgebeuget, in Zirkelbewegungen ausschlagen, ehe sie so tief zu dem Centro hindurch gedrungen seyn, und also in groͤsseren Entfernungen schweben bleiben, auch durch den erfuͤllten Raum der Ele- mente nicht so tief hindurch dringen koͤnnen, ohne daß und Theorie des Himmels. daß ihre Bewegung durch dieser ihren Widerstand geschwaͤchet wird, und sie die grossen Grade der Ge- schwindigkeit, die zur Umwendung naͤher beym Mittelpunkte erfordert werden, nicht erlangen koͤn- nen; also werden, nach erlangter Gleichheit der Bewegungen, die specifisch leichtern Partikeln in weitern Entfernungen von der Sonne umlaufen, die schwereren aber in den naͤheren anzutreffen seyn, und die Planeten, die sich aus ihnen bilden, wer- den daher dichterer Art seyn, welche sich naͤher zur Sonne, als die sich weiter von ihr aus dem Zusam- menlaufe dieser Atomen formiren. Es ist also eine Art eines statischen Gesetzes, welches den Materien des Weltraumes ihre Hoͤhen, nach dem verkehrten Verhaͤltnisse der Dichtigkeit, bestimmet. Gleichwohl ist es eben so leicht zu be- greifen: daß nicht eben eine jegliche Hoͤhe nur Par- tikeln von gleicher specifischen Dichtigkeit einneh- men muͤsse. Von denen Theilchen, von gewisser specifischen Gattung, bleiben diejenigen in groͤssern Weiten von der Sonne schweben, und erlangen die zur bestaͤndigen Zirkelbewegung erforderliche Maͤs- sigung ihres Falles in weiterm Abstande, welche von groͤssern Entfernungen zu ihr herab gesunken; dagegen die, deren urspruͤnglicher Ort, bey der allge- meinen Austheilung der Materien im Chaos, der Sonne naͤher war, ungeachtet ihrer nicht groͤssern Dichtigkeit, naͤher zu dieser ihrem Zirkel des Um- laufs kommen werden. Und da also die Oerter der Materien, in Ansehung des Mittelpunkts ihrer C 4 Sen- Allgemeine Naturgeschichte Senkung, nicht allein durch die specifische Schwere derselben, sondern auch durch ihre urspruͤnglichen Plaͤtze, bey der ersten Ruhe der Natur bestimmet werden: so ist leicht zu erachten, daß ihrer sehr ver- schiedene Gattungen, in jedem Abstande von der Sonne, zusammen kommen werden, um daselbst haͤngen zu bleiben, daß uͤberhaupt aber die dichtern Materien haͤufiger zu dem Mittelpunkte hin, als wei- ter von ihm ab, werden angetroffen werden; und daß also, ungeachtet die Planeten eine Mischung sehr verschiedentlicher Materien seyn werden, den- noch uͤberhaupt ihre Massen dichter seyn muͤssen, nach dem Maasse, als sie der Sonne naͤher seyn, und minderer Dichtigkeit, nachdem ihr Abstand groͤsser ist. Unser System zeiget in Ansehung dieses, unter den Planeten herrschenden Gesetzes ihrer Dichtig- keiten, eine vorzuͤgliche Vollkommenheit vor allen denjenigen Begriffen, die man sich von ihrer Ur- sache gemacht hat, oder noch machen koͤnnte. Newton, der die Dichtigkeit einiger Planeten durch Rechnung bestimmet hatte, glaubte, die Ur- sache, ihres nach dem Abstande eingerichteten Ver- haͤltnisses, in der Anstaͤndigkeit der Wahl GOttes und in den Bewegungsgruͤnden seines Endzwecks zu fin- den; weil die der Sonne naͤheren Planeten mehr Hi- tze von ihr aushalten muͤssen, und die entferntern, mit wenigern Graden der Waͤrme sich behelfen sol- len; welches nicht moͤglich zu seyn scheinet, wenn die, der Sonne nahen Planeten, nicht dichterer| Art, und und Theorie des Himmels. und die entferneteren von leichterer Materie zusam- mengesetzt waͤren. Allein die Unzulaͤnglichkeit ei- ner solchen Erklaͤrung einzusehen, erfordert nicht eben viel Nachsinnen. Ein Planet, z. E. unsere Erde, ist aus sehr weit von einander unterschiede- nen Gattungen Materie zusammen gesetzt; unter diesen war es nun noͤthig, daß die leichteren, die durch die gleiche Wirkung der Sonne mehr durch- drungen und bewegt werden, deren Zusammensatz ein Verhaͤltniß zu der Waͤrme hat, womit ihre Strahlen wirken, auf der Oberflaͤche ausgebreitet seyn musten; allein daß die Mischung der uͤbrigen Materien, im Ganzen des Klumpens, diese Bezie- hung haben muͤssen, erhellet hieraus gar nicht; weil die Sonne auf das innere der Planeten gar keine Wirkung thut. Newton befurchte, wenn die Erde bis zu der Naͤhe des Merkurs in den Strah- len der Sonne versenket wuͤrde, so duͤrfte sie wie ein Comet brennen, und ihre Materie nicht genug- same Feuerbestaͤndigkeit haben, um durch diese Hi- tze nicht zerstreuet zu werden. Allein, um wie viel- mehr muͤste der Sonnen eigene Materie selber, wel- che doch 4mal leichter, als die ist, daraus die Er- de besteht, von dieser Gluth zerstoͤret werden; oder warum ist der Mond zweymal dichter, als die Er- de, da er doch mit dieser in eben demselben Abstan- de von der Sonne schwebet. Man kan also die proportionirten Dichtigkeiten nicht der Verhaͤltniß zu der Sonnenwaͤrme zuschreiben, ohne sich in die groͤsseste Widerspruͤche zu verwickeln. Man siehet vielmehr eine Ursache, die die Oerter der Planeten C 5 nach Allgemeine Naturgeschichte nach der Dichtigkeit ihres Klumpens austheilet, muͤsse auf das innere ihrer Materie, und nicht auf ihre Oberflaͤche eine Beziehung gehabt haben; sie muͤsse, ohnerachtet dieser Folge, die sie bestimmete, doch eine Verschiedenheit der Materie in eben dem- selben Himmelskoͤrper verstatten, und nur im Gan- zen des Zusammensatzes dieses Verhaͤltniß der Dich- tigkeit fest setzen; welchem allen, ob irgend ein an- deres statisches Gesetze, als wie das, so in unserer Lehrverfassung vorgetragen wird, ein Gnuͤge lei- sten koͤnne, uͤberlasse ich der Einsicht des Lesers, zu urtheilen. Das Verhaͤltniß unter den Dichtigkeiten der Planeten fuͤhret noch einen Umstand mit sich, der, durch eine voͤllige Uebereinstimmung mit der vorher entworfenen Erklaͤrung, die Richtigkeit unseres Lehr- begriffes bewaͤhret. Der Himmelskoͤrper, der in dem Mittelpunkte anderer um ihn laufenden Ku- geln stehet, ist gemeiniglich leichterer Art, als der Koͤrper, der am naͤchsten um ihn herum laͤuft. Die Erde in Ansehung des Mondes, und die Son- ne in Ansehung der Erde, zeigen ein solches Ver- haͤltniß ihrer Dichtigkeiten. Nach dem Entwur- fe, den wir dargelegt haben, ist eine solche Be- schaffenheit nothwendig. Denn, da die untern Pla- neten vornemlich von dem Ausschusse der elementa- rischen Materie gebildet worden, welche durch den Vorzug ihrer Dichtigkeit, bis zu solcher Naͤhe zum Mittelpunkte, mit dem erforderlichen Grade der Ge- schwindigkeit haben dringen koͤnnen; dagegen der Koͤr- und Theorie des Himmels. Koͤrper in dem Mittelpunkte selber, ohne Unterscheid aus denen Materien aller vorhandenen Gattungen, die ihre gesetzmaͤßige Bewegungen nicht erlanget haben, zusammen gehaͤufet worden, unter welchen, da die leichteren Materien den groͤssesten Theil aus- machen, es leicht einzusehen ist, daß, weil der naͤchste oder die naͤchsten zu dem Mittelpunkt um- laufenden Himmelskoͤrper gleichsam eine Aussonde- rung dichterer Sorten, der Centralkoͤrper aber, ei- ne Mischung von allen ohne Unterschied in sich fas- set, jenes seine Substanz dichterer Art, als dieser seyn werde. Jn der That ist auch der Mond 2mal dichter als die Erde, und diese 4mal dichter als die Sonne, welche allem Vermuthen nach von den noch tieferen, der Venus und dem Merkur, in noch hoͤheren Graden an Dichtigkeit wird uͤbertroffen werden. Anjetzo wendet sich unser Augenmerk auf das Verhaͤltniß, welches die Massen der Himmelskoͤr- per nach unserem Lehrbegriff, in Vergleichung ihrer Entfernungen, haben sollen, um das Resultat un- seres Systems an den untrieglichen Rechnungen des Newton zu pruͤfen. Es bedarf nicht viel Wor- te, um begreiflich zu machen: daß der Centralkoͤr- per jederzeit das Hauptstuͤck seines Systems, folg- lich die Sonne auf eine vorzuͤgliche Art an Masse groͤsser, als die gesammten Planeten, seyn muͤsse; wie denn dieses auch vom Jupiter, in Ansehung sei- ner Nebenplaneten, und vom Saturn, in Betrach- tung der seinigen, gelten wird. Der Centralkoͤrper bil- Allgemeine Naturgeschichte bildet sich aus dem Niedersatze aller Partikeln, aus dem ganzen Umfange seiner Anziehungssphaͤre, wel- che die genaueste Bestimmung der Zirkelbewegung, und die nahe Beziehung auf die gemeinschaftliche Flaͤche, nicht haben bekommen koͤnnen, und deren ohne Zweifel eine ungemein groͤssere Menge, als der letzteren, seyn muß. Um an der Sonne vornemlich diese Betrachtung anzuwenden: wenn man die Breite des Raumes, um den die in Zirkeln umlau- fende Partikeln, welche den Planeten zum Grund- stoffe gedienet haben, am weitesten von der gemein- schaftlichen Flaͤche abgewichen sind, schaͤtzen will: so kann man sie ohngefehr etwas groͤsser, als die Breite der groͤssesten Abweichung der Planetenkrei- se von einander annehmen. Nun macht aber, in- dem sie von der gemeinschaftlichen Flaͤche nach bey- den Seiten ausschweifen, ihre groͤßte Neigung gegen einander kaum 7½ Grade aus. Also kann man alle Materie, daraus die Planeten sich gebil- det haben, sich als in denjenigen Raum ausgebrei- tet gewesen, vorstellen, der zwischen zwey Flaͤchen, von dem Mittelpunkte der Sonne aus, begriffen war, die einen Winkel von 7½ Grade einschlossen. Nun ist aber eine, nach der Richtung des groͤßten Zirkels, gehende Zone von 7½ Grad Breite, etwas mehr als der 17te Theil der Kugelflaͤche, also der koͤrperliche Raum zwischen den zwo Flaͤchen, die den sphaͤrischen Raum in der Breite obgedachten Winkels ausschneiden, etwas mehr, als der 17te Theil des koͤrperlichen Jnnhalts der ganzen Sphaͤ- re. Also wuͤrde dieser Hypothese gemaͤß alle Mate- rie und Theorie des Himmels. rie, die zur Bildung der Planeten angewandt wor- den, ohngefehr den siebenzehnten Theil derjenigen Materie ausmachen, die die Sonne aus eben der Weite, als der aͤusserste Planet stehet, von beyden Seiten zu ihrer Zusammensetzung gesammlet hat. Allein dieser Centralkoͤrper hat einen Vorzug des Klumpens vor dem gesammten Jnnhalte aller Pla- neten, der nicht zu diesem wie 17:1, sondern wie 650 zu 1 ist, wie die Ausrechnung des Newton es bestimmet; aber es ist auch leicht einzusehen, daß in den obern Raͤumen uͤber dem Saturn, wo die planetischen Bildungen entweder aufhoͤren, oder doch selten seyn, wo nur einige wenige cometische Koͤrper sich gebildet haben, und wo vornemlich die Bewegungen des Grundstoffes, indem sie daselbst nicht geschickt seyn, zu der gesetzmaͤßigen Gleich- heit der Centralkraͤfte zu gelangen, als in der na- hen Gegend zum Centro, nur in eine fast allgemei- ne Senkung zum Mittelpunkte ausschlagen, und die Sonne mit aller Materie aus so weit ausge- dehnten Raͤumen vermehren, daß, sage ich, aus diesen Ursachen der Sonnenklumpen die so vorzuͤg- liche Groͤsse der Masse erlangen muͤsse. Um aber die Planeten in Ansehung ihrer Mas- sen unter einander zu vergleichen: so bemerken wir erstlich, daß nach der angezeigten Bildungsart die Qvantitaͤt der Materie, die in den Zusammensatz eines Planeten kommt, auf die Weite seiner Ent- fernung von der Sonne vornemlich ankomme: 1) darum, weil die Sonne durch ihre Anziehung die Allgemeine Naturgeschichte die Sphaͤre der Attraction eines Planeten ein- schraͤnkt, aber bey gleichen Umstaͤnden der entfern- teren ihre nicht so enge einschraͤnkt, als der nahen: 2) weil die Zirkel, aus denen alle Theilchen zusam- men gekommen seyn, einen Planeten auszumachen, mit groͤsserem Radius beschrieben werden, also mehr Grundstoff, als die kleinern Zirkel in sich fassen: 3) weil aus eben dem letzten Grunde die Breite zwi- schen den zwey Flaͤchen der groͤssesten Abweichung, bey gleicher Anzahl Grade, in grossen Hoͤhen groͤsser, als in kleinen ist. Dagegen wird dieser Vorzug der entfernteren Planeten, vor den niedrigern, zwar dadurch eingeschraͤnkt, daß die Partikeln naͤher zur Sonne dichterer Art, und allem Ansehen nach auch weniger zerstreuet, als in groͤsserem Abstande seyn werden; allein man kan leicht ermessen, daß die ersteren Vortheile, zu Bildung grosser Massen, die letz- tern Einschraͤnkungen dennoch weit uͤbertreffen, und uͤberhaupt die Planeten, die sich in weitem Abstan- de von der Sonne bilden, groͤssere Massen, als die nahen bekommen muͤssen. Dieses geschiehet also in so ferne man sich die Bildung eines Planeten nur als in Gegenwart der Sonne vorstellet; allein, wenn man mehrere Planeten, in unterschiedlichem Abstande, sich bilden laͤßt; so wird einer den Um- fang der Attraction des andern, durch seine Anzie- hungssphaͤre einschraͤnken, und dieses bringt eine Ausnahme von dem vorigen Gesetze zuwege. Denn derjenige Planet, welcher einem andern, von aus- nehmender Masse, nahe ist, wird sehr viel von der Sphaͤre seiner Bildung verlieren, und dadurch un- gleich und Theorie des Himmels. gleich kleiner werden, als das Verhaͤltniß seines Abstandes von der Sonne allein es erheischet. Ob- gleich also im Ganzen die Planeten von groͤsserer Masse seyn, nachdem sie weiter von der Sonne ent- fernt sind, wie denn uͤberhaupt Saturn und Jupi- ter, als die zwey Hauptstuͤcke unseres Systems, darum die groͤssesten seyn, weil sie von der Sonne am weitesten entfernet sind: so finden sich dennoch Abweichungen von dieser Analogie, in denen aber jederzeit das Merkmal der allgemeinen Bildung her- vorleuchtet, die wir von den Himmelskoͤrpern be- haupten: daß nemlich ein Planet von ausnehmen- der Groͤsse die naͤchsten von beyden Seiten, der, ih- nen wegen ihrer Sonnenweite, gebuͤhrenden Masse beraubet, indem er einen Theil der Materien sich zueignet, die zu jener ihrer Bildung kommen sol- ten. Jn der That hat Mars, der vermoͤge seines Ortes groͤsser als die Erde seyn solte, durch die An- ziehungskraft des ihm nahen so grossen Juppiters an seiner Masse eingebuͤsset; und Saturn selber, ob er gleich durch seine Hoͤhe einen Vorzug uͤber den Mars hat, ist dennoch nicht gaͤnzlich befreyet gewesen, durch Juppiters Anziehung eine betraͤchtliche Ein- busse zu erleiden, und mich duͤnkt, Merkur habe die ausnehmende Kleinigkeit seiner Masse, nicht allein der Anziehung der ihm so nahen maͤchtigen Sonne, sondern auch der Nachbarschaft der Venus zu ver- danken, welche, wenn man ihre muthmaßliche Dichtigkeit mit ihrer Groͤsse vergleicht, ein Planet von betraͤchtlicher Masse seyn muß. Jn- Allgemeine Naturgeschichte Jndem nun alles so vortreflich, als man es nur wuͤnschen mag, zusammenstimmet, die Zulaͤng- lichkeit einer mechanischen Lehrverfassung, bey dem Ursprunge des Weltbaues und der Himmelskoͤrper, zu bestaͤtigen; so wollen wir, indem wir den Raum schaͤtzen, darinn der Grundstoff der Planeten vor ihrer Bildung ausgebreitet gewesen, erwegen, in welchem Grade der Duͤnnigkeit dieser Mittelraum damals erfuͤllet gewesen, und mit was vor Frey- heit, oder wie wenigen Hindernissen die herumschwe- benden Partikeln ihre gesetzmaͤßige Bewegungen dariun haben anstellen koͤnnen. Wenn der Raum, der alle Materie der Planeten in sich begriff, in demjenigen Theile der Saturnischen Sphaͤre enthal- ten war, der von dem Mittelpunkte der Sonne aus, zwischen zwey um 7 Grade weit, in allen Hoͤ- hen von einander abstehenden Flaͤchen begriffen, und daher der siebenzehnte Theil der ganzen Sphaͤre war, die man mit dem Radius der Hoͤhe des Sa- turns beschreiben kan; so wollen wir, um die Veraͤnderung des planetischen Grundstoffs, da er diesen Raum erfuͤllete, auszurechnen, nur die Hoͤ- he des Saturns 100000 Erddiameter ansetzen; so wird die ganze Sphaͤre des saturnischen Kreises den Raumesinhalt der Erdkugel 1000 Bimillionen- mal uͤbertreffen; davon, wenn wir an statt des siebenzehnten Theils, auch nur den zwanzigsten neh- men, der Raum, darinn der elementarische Grund- stoff schwebete, den Raumesinhalt der Erdkugel dennoch 50 Bimillionenmal uͤbertreffen muß. Wenn und Theorie des Himmels. Wenn man nun die Masse aller Planeten mit ih- ren Begleitern \frac{1}{650} des Sonnenklumpens nach dem Newton ansetzet; so wird die Erde, die nur \frac{1}{169282} derselben ist, sich zu der gesammten Masse aller planetischen Materie wie 1 zu 276½ verhalten; und wenn man daher alle diese Materie zu gleicher specifischen Dichtigkeit mit der Erde braͤchte, wuͤr- de daraus ein Koͤrper entstehen, der 277½ mal groͤs- sern Raum als die Erde einnaͤhme. Wenn wir daher die Dichtigkeit der Erde in ihrem ganzen Klumpen nicht viel groͤsser, als die Dichtigkeit der festen Materie, die man unter der obersten Flaͤche derselben antrifft, annehmen: wie es denn die Ei- genschaften der Figur der Erde nicht anders erfor- dern, und diese obere Materien ohngefehr 4 oder 5mal dichter als das Wasser, das Wasser aber 1000mal schwerer als die Luft ansetzen; so wuͤrde die Materie aller Planeten, wenn sie zu der Duͤn- nigkeit der Luft ausgedehnet wuͤrden, einen fast 14mal hunderttausendmal groͤssern Raum als die Erdkugel einnehmen. Dieser Raum mit dem Raume, in welchem nach unserer Voraussetzung alle Materie der Planeten ausgebreitet war, ver- glichen, ist dreyßig Millionenmal kleiner als der- selbe: also macht auch die Zerstreuung der planeti- schen Materie in diesem Raume eine eben so vielmal groͤssere Verduͤnnung aus, als die die Theilchen unserer Atmosphaͤre haben. Jn der That, diese Groͤsse der Zerstreuung, so unglaublich sie auch scheinen mag, war dennoch weder unnoͤthig, noch unnatuͤrlich. Sie muste so groß als moͤglich seyn, D um Allgemeine Naturgeschichte um den schwebenden Partikeln alle Freyheit der Be- wegung, fast so, als in einem leeren Raume, zu verstatten, und den Widerstand unendlich zu ver- ringern, den sie einander leisten koͤnnten; sie kon- ten aber auch von selber einen solchen Zustand der Verduͤnnung annehmen, woran man nicht zwei- feln darf, wenn man ein wenig die Ausbreitung kennet, die die Materie leidet, wenn sie in Duͤnste verwandelt ist; oder wenn man, um bey dem Him- mel zu bleiben, die Verduͤnnung der Materie in den Schweifen der Cometen erweget, die bey einer so unerhoͤrten Dicke ihres Durchschnittes, der den Durchmesser der Erde wohl hundertmal uͤbertrifft, dennoch so durchscheinend sind, daß die kleinen Sterne dadurch koͤnnen gesehen werden; welches unsere Luft, wenn sie von der Sonne erleuchtet wird, in einer Hoͤhe, die viel tausendmal kleiner ist, nicht verstattet. Jch beschliesse dieses Hauptstuͤck, indem ich ei- ne Analogie hinzufuͤge, die an und vor sich allein gegenwaͤrtige Theorie, von der mechanischen Bil- dung der Himmelskoͤrper uͤber die Wahrscheinlich- keit der Hypothese, zu einer foͤrmlichen Gewißheit erheben kann. Wenn die Sonne aus den Parti- keln desselben Grundstoffes, daraus die Planeten sich gebildet haben, zusammengesetzt ist: und wenn nur darinn allein der Unterschied bestehet, daß in der ersteren die Materien aller Gattungen ohne Un- terschied gehaͤufet, bey diesen aber in verschiedenen Entfernungen, nach Beschaffenheit der Dichtig- keit und Theorie des Himmels. keit ihrer Sorten, vertheilet worden; so wird, wenn man die Materie aller Planeten zusammen vereinigt betrachtet, in ihrer ganzen Vermischung eine Dichtigkeit herauskommen muͤssen, die der Dichtigkeit des Sonnenkoͤrpers beynahe gleich ist. Nun findet diese noͤthige Folgerung unseres Sy- stems eine gluͤckliche Bestaͤtigung in der Verglei- chung, die der Herr von Buͤffon, dieser so wuͤr- digberuͤhmte Philosoph, zwischen den Dichtigkeiten der gesammten planetischen Materie und der Son- nen ihre, angestellet hat; er fand eine Aehnlich- keit zwischen beyden, wie zwischen 640 und 650. Wenn ungekuͤnstelte und nothwendige Folgerungen aus einer Lehrverfassung in den wirklichen Verhaͤlt- nissen der Natur so gluͤckliche Bestaͤtigungen antref- fen; kan man denn wohl glauben, daß ein blosses Ungefehr diese Uebereinstimmung zwischen der Theo- rie und der Beobachtung veranlasse? Drittes Hauptstuͤck, von der Eccentricitaͤt der Planetenkreise, und dem Ursprunge der Cometen. M an kan aus den Cometen nicht eine besondere Gattung von Himmelskoͤrpern machen, die sich von dem Geschlechte der Planeten gaͤnzlich un- D 2 ter- Allgemeine Naturgeschichte terschiede. Die Natur wirket hier, wie ander- werts, durch unmerkliche Abfaͤlle, und, indem sie alle Stuffen der Veraͤnderungen durchgehet, haͤn- get sie, vermittelst einer Kette von Zwischenglie- dern, die entferneten Eigenschaften mit den nahen zusammen. Die Eccentricitaͤt ist bey den Plane- ten eine Folge des Mangelhaften in derjenigen Be- strebung, dadurch die Natur trachtet, die planeti- schen Bewegungen| gerade Zirkelgleich zu machen, welches sie aber, wegen Dazwischenkunft von man- cherley Umstaͤnden, niemals voͤllig erlangen kan, aber doch in groͤsseren Weiten mehr, als in nahen, davon abweichet. Diese Bestimmung fuͤhret, durch eine bestaͤn- dige Leiter, vermittelst aller moͤglichen Stuffen der Eccentricitaͤt, von den Planeten endlich bis zu den Cometen, und ob zwar dieser Zusammenhang bey dem Saturn, durch eine grosse Klufft, scheinet ab- geschnitten zu seyn, die das cometische Geschlecht von den Planeten voͤllig absondert; so haben wir doch in dem ersten Theile angemerket, daß es, ver- muthlich uͤber dem Saturn, noch andere Planeten geben mag, die, durch eine groͤssere Abweichung von der Zirkelrundung der Kreise, dem Laufe der Cometen naͤher treten, und daß es nur an dem Mangel der Beobachtung, oder auch an der Schwierigkeit derselben, liegt, daß diese Verwand- schaft dem Auge nicht eben so sichtbar, als dem Ver- stande, vorlaͤngst dargestellet worden. Wir und Theorie des Himmels. Wir haben schon eine Ursache in dem ersten Hauptstuͤcke dieses Theils angefuͤhret, welche die Laufbahn eines Himmelskoͤrpers eccentrisch machen kan, der sich aus dem herumschwebenden Grund- stoffe bildet, wenn man gleich annimmt, daß die- ser in allen seinen Oertern gerade zur Zirkelbewe- gung abgewogene Kraͤfte besitze. Denn, weil der Planet sie aus weit von einander abstehenden Hoͤ- hen sammlet, wo die Geschwindigkeiten der Zirkel- laͤufe unterschieden seyn; so kommen sie mit ver- schiedenen ihnen beywohnenden Graden der Umlaufs- bewegung auf ihm zusammen, welche von dem Maasse der Geschwindigkeit, die dem Abstande des Planeten gebuͤhret, abweichen, und diesem da- durch in so ferne eine Eccentricitaͤt zuziehen, als die- se verschiedentliche Eindruͤcke der Partikeln erman- geln, eine der andern Abweichung voͤllig zu er- setzen. Wenn die Eccentricitaͤt keine andere Ursache haͤtte, so wuͤrde sie allenthalben gemaͤßigt seyn: sie wuͤrde anch bey denen kleinen, und weit von der Sonne entferneten Planeten, geringer, als bey den nahen und grossen seyn: wenn man nemlich voraussetzte, daß die Partikeln des Grundstoffes wirklich vorher genaue Zirkelbewegungen gehabt haͤtten. Da nun diese Bestimmungen mit der Beobachtung nicht uͤbereinstimmen, indem, wie schon angemerkt, die Eccentricitaͤt mit der Son- nenweite zunimmt, und die Kleinigkeit der Massen vielmehr eine Ausnahme, zu Vermehrung der Ec- D 3 cen- Allgemeine Naturgeschichte centricitaͤt, zu machen scheinet, wie wir am Mars sehen; so sind wir genoͤthiget, die Hypothese von der genauen Zirkelbewegung| der Partikeln des Grundstoffes dahin einzuschraͤnken, daß, wie sie in den der Sonne nahen Gegenden zwar dieser Ge- nauheit der Bestimmung sehr nahe beykommen, aber sie doch desto weiter davon abweichen lassen, je entfernter diese elementarische Theilchen von der Sonne geschwebet haben. Eine solche Maͤßigung des Grundsatzes, von der freyen zirkelgleichen Be- wegung des Grundstoffes, ist der Natur gemaͤsser. Denn, ungeachtet der Duͤnnigkeit des Raumes, die ihnen Freyheit zu lassen scheinet, sich einander auf den Punkt der voͤllig abgewogenen Gleichheit der Centralkraͤfte einzuschraͤnken; so sind die Ursachen dennoch nicht minder betraͤchtlich, diesen Zweck der Natur an seiner Vollfuͤhrung zu verhindern. Je weiter die ausgebreiteten Theile des Urstoffs von der Sonne entfernet sind, desto schwaͤcher ist die Kraft, die sie zum Sinken bringt: der Wider- stand der untern Theile, die ihren Fall seitwaͤrts beugen, und ihn noͤthigen soll, seine Richtung senkrecht von dem Zirkelstrahl anzustellen, vermin- dert sich nach dem Maasse, als diese unter ihm wegsinken, um entweder der Sonne sich einzuver- leiben, oder in naͤheren Gegenden Umlaͤufe anzu- stellen. Die specifisch vorzuͤgliche Leichtigkeit dieser hoͤheren Materie verstattet ihnen nicht, die sinken- de Bewegung, die der Grund von allem ist, mit dem Nachdrucke, welcher erfordert wird, um die widerstehende Partikeln zum Weichen zu bringen, an- und Theorie des Himmels. anzustellen; und vielleicht, daß diese entfernete Par- tikeln einander noch einschraͤnken, um nach einer langen Periode diese Gleichfoͤrmigkeit endlich zu uͤberkommen; so haben sich unter ihnen schon klei- ne Massen gebildet, als Anfaͤnge zu so viel Him- melskoͤrpern, welche, indem sie sich aus schwach bewegtem Stoffe sammlen, eine nur eccentrische Bewegung haben, womit sie zur Sonne sinken, und unter Wegens mehr und mehr, durch die Ein- verleibung schneller bewegten Theile vom senkrech- ten Falle abgebeugt werden, endlich aber doch Co- meten bleiben, wenn jene Raͤume, in denen sie sich gebildet haben, durch Niedersinken zur Sonne, oder durch Versammlung in besondern Klumpen, ge- reiniget und leer geworden. Dieses ist die Ursache der mit den Entfernungen von der Sonne zuneh- menden Eccentricitaͤten der Planeten und derjeni- gen Himmelskoͤrper, die um deswillen Cometen genannt werden, weil sie in dieser Eigenschaft die erstere vorzuͤglich uͤbertreffen. Es sind zwar noch zwey Ausnahmen, die das Gesetz von der mit dem Abstande von der Sonne zunehmenden Eccentrici- taͤt unterbrechen, die man an den beyden kleinesten Planeten unseres Systems, am| Mars und Merkur, wahrnimmt; allein an dem ersteren ist vermuth- lich die Nachbarschaft des so grossen Jupiters Ur- sache, der, indem er durch seine Anziehung auf sei- ner Seite den Mars, der Partikeln zur Bildung be- raubet, ihm vornemlich nur Platz laͤsset, gegen die Sonne sich auszubreiten, dadurch eine Ueberwucht der Centralkraft und Eccentricitaͤt zuziehet. Was D 4 aber Allgemeine Naturgeschichte aber den Merkur, den untersten aber auch am mei- sten eccentrischen unter den Planeten betrifft; so ist leicht zu erachten, daß, weil die Sonne in ih- rer Achsendrehung der Geschwindigkeit des Merkurs noch lange nicht gleich kommt, der Widerstand, den sie der Materie des sie umgebenden Raumes thut, nicht allein die naͤchsten Theilchen ihrer Centralbe- wegung berauben werde; sondern auch leichtlich diese Widerstrebung bis zum Merkur ausbreiten koͤnne, und dessen Umschwungsgeschwindigkeit da- durch betraͤchtlich werde vermindert haben. Die Eccentricitaͤt ist das vornehmste Unter- scheidungszeichen der Cometen. Jhre Atmosphaͤren und Schweife, welche, bey ihrer grossen Annaͤhe- rung zur Sonne, durch die Hitze sich verbreiten, sind nur Folgen von dem erstern, ob| sie gleich zu den Zeiten der Unwissenheit gedienet haben, als un- gewohnte Schreckbilder, dem Poͤbel eingebildete Schicksale zu verkuͤndigen. Die Astronomen, wel- che mehr Aufmerksamkeit auf die Bewegungsgesetze, als auf die Seltsamkeit der Gestalt, bezeigen, be- merken eine zweyte Eigenschaft, die das Geschlecht der Cometen von den Planeten unterscheidet, nem- lich daß sie sich nicht, wie diese, an die Zone des Thierkreises binden, sondern frey in allen Gegen- den des Himmels ihre Umlaͤufe anstellen. Diese Besonderheit hat einerley Ursache mit ber Eccentri- citaͤt. Wenn die Planeten darum ihre Kreise in dem engen Bezirke des Zodiakus eingeschlossen ha- ben, weil die elementarische Materie nahe um die Son- und Theorie des Himmels. Sonne Cirkelbewegungen bekommet, die bey je- dem Umschwunge den Plan der Beziehuug zu durch- kreutzen bemuͤhet seyn, und den einmal gebildeten Koͤrper von dieser Flaͤche, dahin sich alle Materie von beyden Seiten draͤnget, nicht abweichen las- sen: so muß der Grundstoff der weit von dem Mit- telpunkte entlegenen Raume, welcher durch die At- traction schwach bewegt, zu dem freyen Zirkelum- schwunge nicht gelangen kan, eben aus dieser Ursa- che, die die Eccentricitaͤt hervorbringt, nicht ver- moͤgend seyn, sich in dieser Hoͤhe zu dem Plane der Beziehung aller planetischen Bewegungen zu haͤu- fen, um die daselbst gebildete Koͤrper, vornemlich in diesem Gleise, zu erhalten: vielmehr wird der zerstreuete Grundstoff, da er keine Einschraͤn- kung auf eine besondere Gegend, so wie bey den un- tern Planeten, hat, sich gleich leicht auf einer Seite sowohl, als auf der andern, und weit von dem Beziehungsplane eben so haͤufig, als nahe bey demselben, zu Himmelskoͤrpern bilden. Daher wer- den die Cometen mit aller Ungebundenheit aus allen Gegenden zu uns herab kommen: aber doch dieje- nige, deren erster Bildungsplatz nicht weit uͤber der Planeten Kreise erhaben ist, werden weniger Ab- weichung von den Schranken ihrer Laufbahne eben sowohl, als weniger Eccentricitaͤt beweisen. Mit den Entfernungen von dem Mittelpunkte des Sy- stems nimmt diese gesetzlose Freyheit der Cometen, in Ansehung ihrer Abweichungen, zu, und verlie- ret sich in der Tiefe des Himmels in einen gaͤnzli- chen Mangel der Umwendung, der die aͤusseren sich D 5 bil- Allgemeine Naturgeschichte bildenden Koͤrper ihrem Falle zur Sonne frey uͤber- laͤßt, und der systematischen Verfassung die letzten Grenzen setzet. Jch setze, bey diesem Entwurfe der cometischen Bewegungen, voraus: daß, in Ansehung ihrer Richtung, sie selbige groͤssesten Theils mit der Pla- neten ihrer gemein haben werden. Bey denen na- hen Cometen scheinet mir dieses ungezweifelt zu seyn, und diese Gleichfoͤrmigkeit kan sich auch nicht eher in der Tiefe des Himmels verlieren, als da, wo der elementarische Grundstoff in der groͤßten Mattigkeit der Bewegung, die etwa durch das Nie- dersinken entstehende Drehung nach allerley Gegen- den anstellet, weil die Zeit, die erfordert wird, durch die Gemeinschaft der untern Bewegungen, sie in der Richtung einstimmig zu machen, wegen der Weite der Entfernung, zu lang ist, als daß sie in- dessen, daß die Bildung der Natur in der niederen Gegend verrichtet wird, sich bis dahin erstrecken koͤnne. Es werden also vielleicht Cometen seyn, die ihren Umlauf nach der entgegen gesetzten Seite, nemlich von Morgen gegen Abend, anstellen wer- den; ob ich gleich aus Ursachen, die ich allhier an- zufuͤhren Bedenken trage, mich beynahe uͤberreden moͤchte, daß von den 19 Cometen, an denen man diese Besonderheit bemerket hat, bey einigen viel- leicht ein optischer Schein Anlaß dazu gegeben ha- ben moͤchte. Jch muß von den Massen der Cometen, und von der Dichtigkeit ihres Stoffes, noch etwas an- mer- und Theorie des Himmels. merken. Von Rechtswegen solten in den obern Gegenden der Bildung dieser Himmelskoͤrper, aus denen im vorigen Hauptstuͤcke angefuͤhrten Gruͤn- den, sich immer nach dem Maasse, als die Entfer- nung zunimmt, desto groͤssere Massen bilden. Und es ist auch zu glauben, daß einige Cometen groͤsser seyn, als Saturn und Jupiter; allein es ist eben nicht zu glauben, daß diese Groͤsse der Massen so immer zunimmt. Die Zerstreuung des Grundstof- fes, die specifische Leichtigkeit ihrer Partikeln, ma- chen die Bildung in der abgelegensten Gegend des Weltraums langsam; die unbestimmte Verbrei- tung desselben, in dem ganzen unermeßlichen Um- fange dieser Weite, ohne eine Bestimmung, sich gegen eine gewisse Flaͤche zu haͤufen, verstatten, an statt einer einzigen betraͤchtlichen Bildung viele klei- nere, und der Mangel der Centralkraft ziehet den groͤßten Theil der Partikeln zu der Sonne herab, ohne sich in Massen versammlet zu haben. Die specifische Dichtigkeit des Stoffes, woraus die Cometen entstehen, ist von mehrerer Merkwuͤr- digkeit, als die Groͤsse ihrer Massen. Vermuth- lich, da sie in der obersten Gegend des Weltgebaͤu- des sich bilden, sind die Theilchen ihres Zusammen- satzes von der leichtesten Gattung; und man darf nicht zweifeln, daß dieses die vornehmste Ursache der Dunstkugeln und der Schweife seyn, womit sie sich vor andern Himmelskoͤrpern kenntlich ma- chen. Man kan der Wirkung der Sonnenhitze die- se Zerstreuung der cometischen Materie in einen Dunst Allgemeine Naturgeschichte Dunst nicht hauptsaͤchlich beymessen; einige Co- meten erreichen in ihrer Sonnennaͤhe kaum die Tie- fe des Erdzirkels; viele bleiben zwischen dem Krei- se der Erde und der Venus, und kehren sodann zu- ruͤck. Wenn ein so gemaͤßigter Grad Hitze, die Materien auf der Oberflaͤche dieser Koͤrper dermas- sen aufloͤset und verduͤnnet; somuͤssen sie nicht aus dem leichtesten Stoffe bestehen, der durch die Waͤrme mehr Verduͤnnung, als irgend eine Materie, in der ganzen Natur leidet. Man kan auch diese, von dem Cometen so haͤu- fig aufsteigende Duͤnste, der Hitze nicht beymessen, die sein Koͤrper von der etwa ehemaligen Sonnen- naͤhe uͤbrig behalten hat: denn es ist zwar zu ver- muthen, daß ein Comet, zur Zeit seiner Bildung, etliche Umlaufe mit groͤsserer Eccentrieitaͤt zuruͤck geleget hat, und diese nur nach und nach vermin- dert worden; allein die andern Planeten, von denen man eben dasselbe vermuthen koͤnnte, zeigen dieses Phaͤnomenon nicht. Jndessen wuͤrden sie es an sich zeigen, wenn die Sorten der leichtesten Materie, die in dem Zusammensatze des Planeten begriffen seyn, eben so haͤufig, als bey den Come- ten, vorhanden waͤren. Die Erde hat etwas an sich, was man mit der Ausbreitung der cometischen Duͤnste und ihren Schweifen vergleichen kan Dieses sind die Nordlichter. . Die feinsten Partikeln, die die Sonnenwirkung aus ihrer Ober- flaͤ- und Theorie des Himmels. flaͤche ziehet, haͤufen sich um einen von denen Po- len, wenn die Sonne den halben Zirkel ihres Lau- fes auf der entgegen gesetzten Halbkugel verrichtet. Die feinsten und wuͤrksamsten Theilchen, die in dem brennenden Erdguͤrtel aufsteigen, nachdem sie eine gewisse Hoͤhe der Atmosphaͤre erreichet haben, werden durch die Wirkung der Sonnenstrahlen ge- noͤthiget, in diejenige Gegenden zu weichen und sich zu haͤufen, die alsdenn von der Sonne abgewandt, und in einer langen Nacht begraben sind, und ver- guͤten den Bewohnern der Eiszone die Abwesenheit des grossen Lichtes, welches ihnen auch in dieser Ent- fernung die Wuͤrkungen ihrer Waͤrme zuschicket. Eben dieselbe Kraft der Sonnenstrahlen, welche die Nordlichter macht, wuͤrde einen Dunstkreis mit einem Schweife hervor bringen, wenn die feinsten und fluͤchtigen Partikeln auf der Erde eben so haͤu- fig, als auf dem Cometen, anzutreffen waͤren. Viertes Hauptstuͤck, von dem Ursprunge der Monde, und den Bewe- guͤngen der Planeten um ihre Achse. D ie Bestrebung eines Planeten, aus dem Um- fange der elementarischen Materie sich zu bil- den, ist zugleich die Ursache seiner Achsendrehung, und Allgemeine Naturgeschichte und erzeuget die Monde, die um ihn laufen sollen. Was die Sonne mit ihren Planeten im Grossen ist, das stellet ein Planet, der eine weit ausgedehnte Anziehungssphaͤre hat, im kleinern vor, nemlich das Hauptstuͤck eines Systems, dessen Theile durch die Attraction des Centralkoͤrpers in Bewegung ge- setzet worden. Der sich bildende Planet, indem er die Partikeln des Grundstoffs aus dem ganzen Umfange zu seiner Bildung bewegt, wird aus al- len diesen sinkenden Bewegungen, vermittelst ih- rer Wechselwirkung, Kreisbewegungen, und zwar endlich solche erzeugen, die in eine gemeinschaftliche Richtung ausschlagen, und deren ein Theil die ge- hoͤrige Maͤßigung des freyen Zirkellaufes bekom- men, und in dieser Einschraͤnkung sich einer gemein- schaftlichen Flaͤche nahe befinden werden. Jn die- sem Raume werden, so wie um die Sonne die Hauptplaneten, also auch um diese sich die Monde bilden, wenn die Weite der Attraction solcher Himmelskoͤrper guͤnstige Umstaͤnde zu ihrer Erzeu- gung darreichet. Was uͤbrigens in Ansehung des Ursprunges des Sonnensystems gesagt worden, das- selbe laͤßt sich auf das System des Jupiters und des Saturns mit genugsamer Gleichheit anwenden. Die Monde werden alle nach einer Seite, und bey- nahe auf einer Flaͤche, die Kreise ihres Umschwun- ges gerichtet haben, und dieses zwar aus den glei- chen Ursachen, die diese Analogie im grossen bestim- men: Aber warum bewegen sich diese Begleiter in ihrer gemeinschaftlichen Richtung vielmehr nach der Seite, nach der die Planeten laufen, als nach ei- und Theorie des Himmels. einer jeden andern? Jhre Umlaͤufe werden ja durch die Kreisbewegungen nicht erzeuget: sie er- kennen lediglich die Attraction des Hauptplaneten zur Ursache, und in Ansehung dieser sind alle Rich- tungen gleichguͤltig; ein blosses Ungefehr wird die- jenige unter allen moͤglichen entscheiden, nach der die sinkende Bewegung des Stoffes in Kreise aus- schlaͤgt. Jn der That thut der Zirkellauf des Hauptplaneten nichts dazu, dem Stoffe, aus dem sich um ihn die Monde bilden sollen, Umwaͤlzungen um diesen einzudruͤcken; alle Partikeln um den Planeten bewegen sich in gleicher Bewegung mit ihm um die Sonne, und sind also in respectiver Ruhe gegen denselben. Die Attraction des Pla- neten thut alles allein. Allein die Kreisbewegung, die aus ihr entstehen soll, weil sie in Ansehung aller Richtungen an und vor sich gleichguͤltig ist, bedarf nur einer kleinen aͤusserlichen Bestimmung, um nach einer Seite vielmehr, als nach der andern, auszuschlagen: und diesen kleinen Grad der Len- kung bekommt sie von der Vorruͤckung der clemen- tarischen Partikeln, welche zugleich mit um die Sonne, aber mit mehr Geschwindigkeit, laufen, und in die Sphaͤre der Attraction des Planeten kommen. Denn diese noͤthiget die zur Sonne naͤ- here Theilchen, die mit schnellerem Schwunge um- laufen, schon von weitem die Richtung ihres Glei- ses zu verlassen, und in einer ablangen Ausschwei- fung sich uͤber den Planeten zu erheben. Diese, weil sie einen groͤssern Grad der Geschwindigkeit, als der Planet selber, haben, wenn sie durch dessen An- Allgemeine Naturgeschichte Anziehung zum Sinken gebracht werden, geben ih- rem geradlinigten Falle, und auch dem Falle der uͤbrigen, eine Abbeugung von Abend gegen Mor- gen, und es bedarf nur dieser geringen Lenkung, um zu verursachen, daß die Kreisbewegung, da- hin der Fall, den die Attraction erregt, ausschlaͤgt, vielmehr diese, als eine jede andere Richtung, neh- me. Aus diesem Grunde werden alle Monde in ihrer Richtung, mit der Richtung des Umlaufs der Haupt- planeten uͤbereinstimmen. Aber auch die Flaͤche ih- rer Bahn kan nicht weit von dem Plane der Pla- netenkreise abweichen, weil die Materie, daraus sie sich bilden, aus eben dem Grunde, den wir von der Richtung uͤberhaupt angefuͤhret haben, auch auf diese genaueste Bestimmung derselben, nemlich die Uebereintreffung mit der Flaͤche der Hauptkreise, gelenket wird. Man siehet aus allem diesen klaͤrlich, welches die Umstaͤnde seyn, unter welchen ein Planet Tra- banten bekommen koͤnne. Die Anziehungskraft desselben muß groß, und folglich die Weite seiner Wirkungssphaͤre weit ausgedehnt seyn, damit so- wohl die Theilchen durch einen hohen Fall zum Pla- neten bewegt, ohnerachtet dessen, was der Wider- stand aufhebet, dennoch hinlaͤngliche Geschwindig- keit zum freyen Umfchwunge erlangen koͤnnen, als auch genugsamer Stoff zu Bildung der Monde in diesem Bezirke vorhanden sey, welches bey einer geringen Attraction nicht geschehen kan. Daher sind nur die Planeten von grossen Massen, und wei- und Theorie des Himmels. weiter Entfernung mit Begleitern, begabt. Ju- piter und Saturn, die 2 groͤsten und auch entfer- netesten unter den Planeten, haben die meisten Monde. Der Erde, die viel kleiner als jene ist, ist nur einer zu Theil worden; und Mars, welchem wegen seines Abstandes auch einiger Antheil an die- sem Vorzuge gebuͤhrete, gehet leer aus, weil seine Masse so gering ist. Man nimmt mit Vergnuͤgen wahr, wie die- selbe Anziehung des Planeten, die den Stoff zur Bildung der Monde herbeyschaffte, und zugleich derselben Bewegung bestimmete, sich bis auf seinen eigenen Koͤrper erstreckt, und dieser sich selber durch eben dieselbe Handlung, durch welche er sich bildet, eine Drehung um die Achse, nach der allgemeinen Richtung von Abend gegen Morgen, ertheilet. Die Partikeln des niedersinkenden Grundstoffes, welche, wie gesagt, eine allgemeine drehende Be- wegung von Abend gegen Morgen hin bekommen, fallen groͤßten Theils auf die Flaͤche des Planeten, und vermischen sich mit seinem Klumpen, weil sie die abgemessene Grade nicht haben, sich frey schwe- bend in Zirkelbewegungen zu erhalten. Jndem sie nun in den Zusammensatz des Planeten kommen, so muͤssen sie, als Theile desselben, eben dieselbe Umwendung, nach eben derselben Richtung fortse- tzen, die sie hatten, ehe sie mit ihm vereiniget wor- den. Und weil uͤberhaupt aus dem vorigen zu er- sehen, daß die Menge der Theilchen, welche der Mangel an der erforderlichen Bewegung auf den E Cen- Allgemeine Naturgeschichte Centralkoͤrper niederstuͤrzet, sehr weit die Anzahl der andern uͤbertreffen muͤsse, welche die gehoͤrige Grade der Geschwindigkeit haben erlangen koͤnnen; so begreifet man auch leicht, woher dieser in seiner Achsendrehung zwar bey weitem die Geschwindigkeit nicht haben werde, der Schwere auf seiner Ober- flaͤche mit der fliehenden Kraft das Gleichgewicht zu leisten, aber dennoch bey Planeten von grosser Mas- se und weitem Abstande weit schneller, als bey na- hen und kleinen, seyn werde. Jn der That hat Jupiter die schnelleste Achsendrehung, die wir kennen, und ich weiß nicht, nach welchem System man dieses mit einem Koͤrper, dessen Klumpen alle andern uͤbertrifft, zusammen reimen koͤnnte, wenn man nicht seine Bewegungen selber, als die Wir- kung derjenigen Anziehung, ansehen koͤnnte, die die- ser Himmelskoͤrper, nach dem Maasse eben dieses Klumpens, ausuͤbet. Wenn die Achsendrehung eine Wirkung einer aͤusserlichen Ursache waͤre, so muͤßte Mars eine schnellere, als Jupiter, haben; denn eben dieselbe bewegende Kraft bewegt einen kleinern Koͤrper mehr, als einen groͤssern, und uͤber- dieses wuͤrde man sich mit Recht wundern, wie, da alle Bewegungen weiter von dem Mittelpunkte hin abnehmen, die Geschwindigkeiten der Umwelzungen mit denselben Entfernungen zunehmen, und beym Jupiter sogar drittehalbmal schneller, als seine jaͤhr- liche Bewegung selber, seyn koͤnne. Jndem man also genoͤthiget ist, in den taͤgli- chen Umwendungen der Planeten eben dieselbe Ursa- che und Theorie des Himmels. che, welche uͤberhaupt die allgemeine Bewegungs- qvelle der Natur ist, nemlich die Anziehung zu er- kennen; so wird diese Erklaͤrungsart durch das na- tuͤrliche Vorrecht seines Grundbegriffes, und durch eine ungezwungene Folge aus demselben, ihre Recht- maͤßigkeit bewaͤhren. Allein, wenn die Bildung eines Koͤrpers selber die Achsendrehung hervorbringt, so muͤssen sie bil- lig alle Kugeln des Weltbaues haben; aber warum hat sie der Mond nicht? welcher, wiewol faͤlsch- lich, diejenige Art einer Umwendung, dadurch er der Erde immer dieselbe Seite zuwendet, einigen vielmehr von einer Art einer Ueberwucht der einen Halbkugel, als von einem wirklichen Schwunge der Revolution, herzuhaben scheinet. Solte der- selbe sich wohl ehedem schneller um seine Achse ge- welzet haben, und durch, ich weis nicht was vor Ursachen, die diese Bewegung nach und nach ver- minderten, bis zu diesem geringen und abgemessenen Ueberrest gebracht worden seyn? Man darf diese Frage nur in Ansehung eines von den Planeten auf- loͤsen, so ergiebt sich daraus die Anwendung auf al- le von selber. Jch verspare diese Aufloͤsung zu ei- ner andern Gelegenheit, weil sie eine nothwendige Verbindung mit derjenigen Aufgabe hat, die die koͤnigliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, auf das 1754ste Jahr, zum Preise aufgestellet hatte. Die Theorie, welche den Ursprung der Achsen- drehungen erklaͤren soll, muß auch die Stellung ih- rer Achsen, gegen den Plan ihrer Kreise, aus eben E 2 den- Allgemeine Naturgeschichte denselben Ursachen herleiten koͤnnen. Man hat Ur- sache, sich zu verwundern, woher der Aeqvator der taͤglichen Umwelzung mit der Flaͤche der Monden- kreise, die um denselben Planeten laufen, nicht in demselben Plane ist; denn dieselbe Bewegung, die den Umlauf eines Trabanten gerichtet, hat durch ihre Erstreckung bis zum Koͤrper des Planeten, des- sen Drehung um die Achse hervorgebracht, und die- ser eben dieselbe Bestimmung in der Richtung und Lage ertheilen sollen. Himmelskoͤrper, die keine um sich laufende Nebenplaneten haben, setzten sich dennoch durch eben dieselbe Bewegung der Partikeln, die zu ihrem Stoffe dieneten, und durch dasselbe Gesetze, welches jene auf die Flaͤche ihrer periodi- schen Laufbahn einschraͤnkte, in eine Achsendrehung, welche aus den gleichen Gruͤnden mit ihrer Umlaufs- flaͤche in der Richtung uͤbereintreffen muste. Die- sen Ursachen zu Folge muͤsten billig die Achsen aller Himmelskoͤrper, gegen die allgemeine Beziehungsflaͤ- che des planetischen Systems, welche nicht weit von der Ecliptik abweicht, senkrecht stehen. Allein sie sind nur bey den zwey wichtigsten Stuͤcken dieses Weltbaues senkrecht: beym Jupiter und bey der Sonne; die andern, deren Umdrehung man kennet, neigen ihre Achsen gegen den Plan ihrer Kreise; der Saturn mehr als die andern, die Erde aber mehr, als Mars, dessen Achse auch beynahe senkrecht ge- gen die Eeliptik gerichtet ist. Der Aeqvator des Saturns, (wofern man denselben durch die Rich- tung seines Ringes bezeichnet halten kan,) neiget sich mit einem Winkel von 31 Graden zur Flaͤche sei- und Theorie des Himmels. seiner Bahn; der Erden ihrer aber nur mit 22½. Man kan die Ursache dieser Abweichungen vielleicht der Ungleichheit in den Bewegungen des Stoffes beymessen, die den Planeten zu bilden zusammen gekommen sind. Jn der Richtung der Flaͤche sei- nes Laufkreises war die vornehmste Bewegung der Partikeln um den Mittelpunkt desselben, und da- selbst war der Plan der Beziehung, um welchen die elementarische Theilchen sich haͤuften, um daselbst die Bewegung, wo moͤglich, zirkelgleich zu machen, und zur Bildung der Nebenplaneten Materie zu haͤufen, welche um deswillen niemals von der Um- laufsbahn weit abweichen. Wenn der Planet sich groͤstentheils nur aus diesen Theilchen bildete, so wuͤrde seine Achsendrehung so wenig, wie die Ne- benplaneten, die um ihn laufen, bey seiner ersten Bildung davon abgewichen seyn; aber er bildete sich, wie die Theorie es dargethan hat, mehr aus den Partikeln, die auf beyden Seiten niedersunken, und deren Menge oder Geschwindigkeit nicht so voͤl- lig abgewogen gewesen zu seyn scheinet, daß die eine Halbkugel nicht eine kleine Ueberwucht der Be- wegung uͤber die andere, und daher einige Abwei- chung der Achse haͤtte bekommen koͤnnen. Dieser Gruͤnde ungeachtet trage ich diese Erklaͤ- rung nur als eine Muthmassung vor, die ich mir nicht auszumachen getraue. Meine wahre Mey- nung gehet dahin: daß die Umdrehung der Plane- ten um die Achse in dem urspruͤnglichen Zustande der ersten Bildung, mit der Flaͤche ihrer jaͤhrlichen E 3 Bahn, Allgemeine Naturgeschichte Bahn, ziemlich genau uͤbereingetroffen habe, und daß Ursachen vorhanden gewesen, diese Achse aus ihrer ersten Stellung zu verschieben. Ein Him- melskoͤrper, welcher aus seinem ersten fluͤßigen Zu- stande in den Stand der Festigkeit uͤbergehet, erlei- det, wenn er sich auf solche Art voͤllig ausbildet, eine grosse Veraͤnderung in der Regelmaͤßigkeit sei- ner Oberflaͤche. Dieselbe wird feste und gehaͤrtet, indessen, daß die tiefern Materien sich noch nicht, nach Maaßgebung ihrer specifischen Schweere, ge- nugsam gesenket haben; die leichteren Sorten, die mit in ihrem Klumpen untermengt waren, begeben sich endlich, nachdem sie sich von den andern ge- schieden, unter die oberste fest gewordene Rinde, und erzeugen die grossen Hoͤlen, deren, aus Ursa- chen, welche allhier anzufuͤhren, zu weitlaͤuftig ist, die groͤsseste und weiteste unter oder nahe zu dem Ae- qvator befindlich sind, in welche die gedachte Rinde endlich hineinsinkt, mannigfaltige Ungleichheiten, Berge und Hoͤhlen, erzeuget. Wenn nun auf sol- che Art, wie es mit der Erde, dem Monde, der Venus, augenscheinlich vorgegangen seyn muß, die Oberflaͤche uneben geworden; so hat sie nicht das Gleichgewicht des Umschwunges in ihrer Achsendre- hung mehr auf allen Seiten leisten koͤnnen. Eini- ge hervorragende Theile von betraͤchtlicher Masse, welche auf der entgegengesetzten Seite keine andere fanden, die ihnen die Gegenwirkung des Schwun- ges leisten konten, musten alsbald die Achse der Umdrehung verruͤcken, und sie in solchen Stand zu setzen suchen, um welchen die Materien sich im Gleich- und Theorie des Himmels. Gleichgewichte aufhielten. Eben dieselbe Ursache also, die bey der voͤlligen Ausbildung eines Him- melskoͤrpers seine Oberflaͤche aus dem waagerechten Zustande in abgebrochene Ungleichheiten versetzte; diese allgemeine Ursache, die bey allen Himmelskoͤr- pern, welche das Fernglas deutlich genug entdecken kan, wahrgenommen wird, hat sie in die Noth- wendigkeit versetzet, die urspruͤngliche Stellung ih- rer Achse etwas zu veraͤndern. Allein diese Veraͤn- derung hat ihre Grenzen, um nicht gar zu weit auszuschweifen. Die Ungleichheiten erzeugen sich, wie schon erwehnt, mehr neben dem Aeqvator einer umdrehenden Himmelskugel, als weit von demsel- ben; zu den Polen hin verlieren sie sich fast gar, wovon die Ursachen anzufuͤhren, ich andere Gele- genheit vorbehalte. Daher werden die am meisten uͤber die gleiche Flaͤche hervorragende Massen nahe bey dem Aequinoctialzirkel anzutreffen seyn, und in- dem dieselbe, durch den Vorzug des Schwunges, diesem sich zu naͤhern streben, werden sie hoͤchstens nur um einige Grade die Achse des Himmelskoͤrpers, aus der senkrechten Stellung von der Flaͤche seiner Bahn, erheben koͤnnen. Diesem zu Folge wird ein Himmelskoͤrper, der sich noch nicht voͤllig ausge- bildet hat, diese rechtwinklichte Lage der Achse zu seinem Laufkreise noch an sich haben, die er vielleicht nur in der Folge langer Jahrhunderte aͤndern wird. Jupiter scheinet noch in diesem Zustande zu seyn. Der Vorzug seiner Masse und Groͤsse, die Leichtig- keit seines Stoffes, haben ihn genoͤthiget, den fe- sten Ruhestand seiner Materien einige Jahrhunder- E 4 te Allgemeine Naturgeschichte te spaͤter, als andere Himmelskoͤrper, zu uͤberkom- men. Vielleicht ist das innere seines Klumpens noch in der Bewegung, die Theile seines Zusam- mensatzes zu dem Mittelpunkte, nach Beschaffen- heit ihrer Schwere, zu senken, und durch die Schei- dung der duͤnnern Gattungen von den schweren, den Stand der Festigkeit zu uͤberkommen. Bey sol- cher Bewandniß kan es auf seiner Oberflaͤche noch nicht ruhig aussehen. Die Umstuͤrzungen und Ruine herrschen auf derselben. Selbst das Fern- glas hat uns davon versichert. Die Gestalt dieses Planeten aͤndert sich bestaͤndig, da indessen der Mond, die Venus, die Erde, dieselbe unveraͤn- dert erhalten. Man kan auch wohl mit Recht die Vollendung der Periode der Ausbildung bey einem Himmelskoͤrper einige Jahrhunderte spaͤter geden- ken, der unsere Erde an Groͤsse mehr wie zwanzig- tausendmal uͤbertrifft, und an Dichtigkeit 4mal nachstehet. Wenn seine Oberflaͤche eine ruhige Be- schaffenheit wird erreichet haben; so werden ohne Zweifel weit groͤssere Ungleichheiten, als die, so die Erdflaͤche bedecken, mit der Schnelligkeit seines Schwunges verbunden, seiner Umwendung in nicht gar langem Zeitlaufe diejenige bestaͤndige Stellung ertheilen, die das Gleichgewicht der Kraͤfte auf ihm erheischen wird. Saturn, der 3mal kleiner, als Jupiter ist, kan vielleicht durch seinen weitern Abstand einen Vor- zug einer geschwinderen Ausbildung vor diesem er- halten haben: zum wenigsten macht die viel schnel- lere und Theorie des Himmels. lere Achsendrehung desselben, und das grosse Ver- haͤltniß seiner Centerfliehkraft zu der Schweere auf seiner Oberflaͤche, (welches in dem folgenden Haupt- stuͤcke soll dargethan werden,) daß die vermuthlich auf derselben dadurch erzeugte Ungleichheiten, gar bald den Ausschlag auf die Seite der Ueberwucht, durch eine Vorruͤckung der Achse, gegeben haben. Jch gestehe freymuͤthig, daß dieser Theil meines Systems, welcher die Stellung der planetischen Achsen betrifft, noch unvollkommen und ziemlich weit entfernt sey, der geometrischen Rechnung un- terworfen zu werden. Jch habe dieses lieber aufrich- tig entdecken wollen, als durch allerhand erborgte Scheingruͤnde der Tuͤchtigkeit, der uͤbrigen Lehr- verfassung Abbruch zu thun, und ihr eine schwache Seite zu geben. Nachfolgendes Hauptstuͤck kan eine Bestaͤtigung von der Glaubwuͤrdigkeit der gan- zen Hypothese abgeben, wodurch wir die Be- wegungen des Weltbaues haben erklaͤren wollen. E 5 Fuͤnf- Allgemeine Naturgeschichte Fuͤnftes Hauptstuͤck, von dem Ursprunge des Ringes des Saturns, und Berechnung der taͤglichen Umdrehung dieses Planeten aus den Verhaͤltnissen desselben. V ermoͤge der systematischen Verfassung im Weltgebaͤude haͤngen die Theile derselben durch eine stufenartige Abaͤnderung ihrer Eigenschaften zu- sammen, und man kan vermuthen, daß ein in der entlegensten Gegend der Welt befindlicher Planet ohngefehr solche Bestimmungen haben werde, als der naͤchste Comet uͤberkommen moͤchte, wenn er durch die Verminderung der Eceentricitaͤt in das planetische Geschlecht erhoben wuͤrde. Wir wollen demnach den Saturn so ansehen, als wenn er auf eine, der cometischen Bewegung aͤhnliche Art, etli- che Umlaͤufe mit groͤsserer Eccentricitaͤt zuruͤck gele- get habe, und nach und nach zu einem dem Zirkel aͤhnlichern Gleise gebracht worden Oder welches wahrscheinlicher ist, daß er in sei- ner Cometenaͤhnlichen Natur, die er auch noch jetzo vermoͤge seiner Eccentricitaͤt an sich hat, bevor der leichteste Stoff seiner Oberflaͤche voͤllig zerstreuet worden, eine cometische Atmosphaͤre ausgebreitet habe. . Die Hitze, die sich ihm in seiner Sonnennaͤhe einverleibete, er- hob den leichten Stoff von seiner Oberflaͤche, der, wie und Theorie des Himmels. wie wir aus den vorigen Hauptstuͤcken wissen, bey denen obersten Himmelskoͤrpern von uͤberschwengli- cher Duͤnnigkeit ist, sich von geringen Graden Waͤr- me ausbreiten zu lassen. Jndessen, nachdem der Planet in etlichen Umschwuͤngen zu dem Abstande, da er jetzt schwebet, gebracht worden; verlohr er in einem so gemaͤßigten Clima nach und nach die em- pfangene Waͤrme, und die Duͤnste, welche von seiner Oberflaͤche sich noch immer um ihn verbreite- ten, liessen nach und nach ab, sich bis in Schwei- fen zu erheben. Es stiegen auch nicht mehr neue so haͤufig auf, um die alten zu vermehren: kurz, die schon ihn umgebenden Duͤnste blieben durch Ursa- chen, welche wir gleich anfuͤhren wollen, um ihn schweben, und erhielten ihm das Merkmal seiner ehemaligen cometenaͤhnlichen Natur in einem be- staͤndigen Ringe, indessen, daß sein Koͤrper die Hi- tze verhauchte, und zuletzt ein ruhiger und gereinig- ter Planet wurde. Nun wollen wir das Geheim- niß anzeigen, das dem Himmelskoͤrper seine aufge- stiegene Duͤnste frey schwebend hat erhalten koͤn- nen, ja, sie aus einer rund um ihn ausgebreiteten Atmosphaͤre, in die Form eines allenthalben abstehen- den Ringes, veraͤndert hat. Jch nehme an: Sa- turn habe eine Umdrehung um die Achse gehabt; und nichts mehr, als dieses, ist noͤthig, um das ganze Geheimniß aufzudecken. Kein anderes Triebwerk, als dieses einzige, hat durch einen un- mittelbaren mechanischen Erfolg, gedachtes Phaͤ- nomenon dem Planeten zuwege gebracht; und ich getraue mir es zu behaupten, daß in der ganzen Na- Allgemeine Naturgeschichte Natur nur wenig Dinge auf einen so begreiflichen Ursprung koͤnnen gebracht werden, als diese Be- sonderheit des Himmels, aus dem rohen Zustande der ersten Bildung sich entwickeln laͤßt. Die von dem Saturn aufsteigende Duͤnste hat- ten die Bewegung an sich, und setzten sie in der Hoͤhe, dahin sie aufgestiegen waren, frey fort, die sie, als dessen Theile bey seiner Umdrehung um die Achse, gehabt hatten. Die Theilchen, die nahe beym Aeqvator des Planeten aufstiegen, muͤssen die schnellste, und weiter davon ab zu den Polen, um so viel schwaͤchere Bewegungen gehabt haben, je groͤsser die Breite des Orts war, von dem sie auf- stiegen. Das Verhaͤltniß der specifischen Schwere ordnete den Partikeln die verschiedentliche Hoͤhen, zu denen sie aufstiegen; aber nur diejenige Parti- keln konten die Oerter ihres Abstandes in einem be- staͤndig freyen Zirkelumschwunge behaupten, deren Entfernungen, in die sie versetzt waren, eine solche Centralkraft erheischeten, als diese mit der Ge- schwindigkeit, welche ihnen von der Achsendrehung eigen war, leisten konten; die uͤbrigen, wofern sie durch die Wechselwirkung der andern nicht zu die- ser Genauheit gebracht werden koͤnnen, muͤssen entweder mit dem Uebermaasse der Bewegung aus der Sphaͤre des Planeten sich entfernen, oder durch den Mangel derselben, auf ihn zuruͤck zu sinken, ge- noͤthiget werden. Die durch den ganzen Umfang der Dunstkugel zerstreute Theilchen werden, vermoͤ- ge eben derselben Centralgesetze, in der Bewegung ih- und Theorie des Himmels. ihres Umschwunges, die fortgesetzte Aeqvatorsflaͤ- che des Planeten von beyden Seiten zu durchschnei- den trachten, und, indem sie einander in diesem Plane von beyden Hemisphaͤrien einander aufhal- ten, werden sie sich daselbst haͤufen; und, weil ich setze, daß gedachte Duͤnste diejenige sind, die der Planet zu seiner Verkuͤhlung zuletzt herauf schickt, wird alle zerstreuete Dunstmaterie sich neben diesem Plane in einem nicht gar breiten Raume sammlen, und die Raͤume zu beyden Seiten leer lassen. Jn dieser neuen und veraͤnderten Richtung aber werden sie dennoch eben dieselbe Bewegung fortsetzen, wel- che sie, in freyen concentrischen Zirkelumlaͤufen, schwebend erhaͤlt. Auf solche Weise nun aͤndert der Dunstkreiß seine Gestalt, welche eine erfuͤllte Sphaͤre war, in eine Form einer ausgebreiteten Flaͤche, welche gerade mit dem Aeqvator des Sa- turns zusammen trifft; aber auch diese Flaͤche muß aus eben denselben mechanischen Gruͤnden zuletzt die Form eines Ringes annehmen, dessen aͤusserer Rand durch die Wirkung der Sonnenstrahlen be- stimmet wird, welche diejenige Theilchen, die sich bis zu gewisser Weite von dem Mittelpunkte des Planeten entfernet haben, durch ihre Kraft zer- streuet und entfernet, so wie sie es bey den Cometen thut, und dadurch die auswendige Grenze ihres Dunstkreises abzeichnet. Der inwendige Rand die- ses entspringenden Ringes wird durch die Verhaͤlt- niß der Geschwindigkeit des Planeten unter seinem Aeqvator bestimmt. Denn in demjenigen Abstan- de von seinem Mittelpunkte, da diese Geschwindig- keit Allgemeine Naturgeschichte keit mit der Attraction des Orts das Gleichgewich- te leistet, da ist die groͤßte Naͤhe, in welcher die von seinem Koͤrper aufgestiegene Theilchen, durch die von der Achsendrehung eigene Bewegung, Zirkel- kreise beschreiben koͤnnen. Die naͤhern Theilchen, weil sie einer groͤssern Geschwindigkeit zu solchem Umlaufe beduͤrfen, die sie doch nicht haben koͤnnen, weil selbst auf dem Aeqvator des Planeten die Be- wegung nicht schneller ist, werden dadurch eceentri- sche Laͤufe erhalten, die einander durchkreutzen, eine der andern Bewegung schwaͤchen, und endlich ins- gesammt auf den Planeten niederstuͤrzen, von dem sie sich erhoben hatten. Da sehen wir nun das wunderseltsame Phaͤnomenon, dessen Anblick seit seiner Entdeckung die Astronomen jederzeit in Be- wunderung gesetzet hat, und, dessen Ursache zu ent- decken, man niemals, auch nur eine wahrscheinli- che, Hoffnung hat fassen koͤnnen, auf eine leichte von aller Hypothese befreyete mechanische Art ent- stehen. Was dem Saturn widerfahren ist, das wuͤrde, wie hieraus leicht ersehen werden kan, ei- nem jeden Cometen, der genugsame Achsendrehung haͤtte, wenn er in eine bestaͤndige Hoͤhe versetzt wuͤr- de, in der sein Koͤrper nach und nach verkuͤhlen koͤnte, eben so regelmaͤßig wiederfahren. Die Na- tur ist an vortreflichen Auswickelungen, in dem sich selbst gelassenen Zustande ihrer Kraͤfte, sogar im Chaos fruchtbar, und die darauf folgende Ausbil- dung bringet so herrliche Beziehungen und Ueber- einstimmungen zum gemeinsamen Nutzen der Crea- tur mit sich, daß sie sogar, in den ewigen und un- wan- und Theorie des Himmels. wandelbaren Gesetzen ihrer wesentlichen Eigenschaf- ten, dasjenige grosse Wesen mit einstimmiger Ge- wißheit zu erkennen geben, in welchem sie, vermit- telst ihrer gemeinschaftlichen Abhaͤngigkeit, sich zu einer gesammten Harmonie vereinbaren. Saturn hat von seinem Ringe grosse Vortheile; er vermeh- ret seinen Tag, und erleuchtet unter so viel Mon- den dessen Nacht dermassen, daß man daselbst leicht- lich die Abwesenheit der Sonne vergißt. Aber, muß man denn deswegen leugnen, daß die allge- meine Entwickelung der Materie durch mechanische Gesetze, ohne andere, als ihre allgemeine Bestim- mungen, zu beduͤrfen, habe Beziehungen hervor- bringen koͤnnen, die der vernuͤnftigen Creatur Nu- tzen schaffen? Alle Wesen haͤngen aus einer Ursa- che zusammen, welche der Verstand GOttes ist; sie koͤnnen dahero keine andere Folgen nach sich ziehen, als solche, die eine Vorstellung der Vollkommen- heit in eben derselben goͤttlichen Jdee mit sich fuͤhren. Wir wollen nunmehro die Zeit der Achsendre- hung dieses Himmelskoͤrpers aus den Verhaͤltnissen seines Ringes, nach der angefuͤhrten Hypothese sei- ner Erzeugung, berechnen. Weil alle Bewegung der Theilchen des Ringes, eine einverleibte Bewe- gung von der Achsendrehung des Saturns ist, auf dessen Oberflaͤche sie sich befanden; so trifft die schnelleste Bewegung unter denen, die diese Theil- chen haben, mit der schnellesten Umwendung, die auf der Oberflaͤche des Saturns angetroffen wird, uͤber- Allgemeine Naturgeschichte uͤberein, das ist: die Geschwindigkeit, womit die Partikeln des Ringes in seinem inwendigen Rande umlaufen, ist derjenigen, die der Planet auf sei- nem Aeqvator hat, gleich. Man kan aber jene leicht finden, indem man sie aus der Geschwindig- keit eines von den Saturnustrabanten suchet, da- durch, daß man selbige, in dem Verhaͤltnisse der Qvadratwurzel der Entfernungen von dem Mit- telpunkte des Planeten, nimmt. Aus der gefunde- nen Geschwindigkeit ergiebt sich unmittelbar die Zeit der Umdrehung des Saturns um seine Achse; sie ist von sechs Stunden, drey und zwanzig Minuten, und drey und funfzig Secunden. Diese mathematische Berechnung einer unbekann- ten Bewegung eines Himmelskoͤrpers, die vielleicht die einzige Vorherverkuͤndigung ihrer Art in der ei- gentlichen Naturlehre ist, erwartet von den Beob- achtungen kuͤnftiger Zeiten die Bestaͤtigung. Die noch zur Zeit bekannte Fernglaͤser vergroͤssern den Saturn nicht so sehr, daß man die Flecken, die man auf seiner Oberflaͤche vermuthen kan, dadurch entdecken koͤnnte, um durch deren Verruͤckung seine Umwendung um die Achse zu ersehen. Allein die Sehroͤhre haben vielleicht noch nicht alle diejenige Vollkommenheit erlanget, die man von ihnen hof- fen kan, und welche der Fleiß und die Geschicklich- keit der Kuͤnstler uns zu versprechen scheinet. Wenn man dereinst dahin gelangete, unsern Muthmassungen den Ausschlag durch den Augen- schein zu geben, welche Gewißheit wuͤrde die Theo- rie des Saturns, und was vor eine vorzuͤgliche Glaub- und Theorie des Himmels. Glaubwuͤrdigkeit wuͤrde das ganze System dadurch nicht erlangen, das auf den gleichen Gruͤnden er- richtet ist. Die Zeit der taͤglichen Umdrehung des Saturns fuͤhret auch die Verhaͤltniß, der den Mit- telpunkt fliehenden Kraft seines Aeqvators, zur Schweere auf seiner Oberflaͤche mit sich; sie ist zu dieser, wie 20:32. Die Schweere ist also nur um ⅗ groͤsser, als die Centerfliehkraft. Dieses so grosse Verhaͤltniß verursachet nothwendig einen sehr betraͤchtlichen Unterscheid der Durchmesser dieses Planeten, und man koͤnte besorgen, daß er so groß entspringen muͤßte, daß die Beobachtung bey die- sem, ob zwar wenig, durch das Fernglas vergroͤs- serten Planeten, dennoch gar zu deutlich in die Au- gen fallen muͤßte, welches wirklich nicht geschiehet, und die Theorie dadurch einen nachtheiligen Anstoß erleiden koͤnte. Eine gruͤndliche Pruͤfung hebet diese Schwierigkeit voͤllig. Nach der Huygenia- nischen Hypothese, welche annimmt, daß die Schweere in dem innern eines Planeten durch und durch gleich sey, ist der Unterscheid der Durchmes- ser in einer zweyfach kleinern Verhaͤltniß zu dem Durchmesser des Aeqvators, als die Centerflieh- kraft zur Schweere unter den Polen hat. Z. E. da bey der Erde, die den Mittelpunkt fliehende Kraft des Aeqvators \frac{1}{289} der Schweere unter den Polen ist; so muß in der Huygenianischen Hypothese der Durchmesser der Aeqvatorsflaͤche \frac{1}{578} groͤsser, als die Erdachse seyn. Die Ursache ist diese: weil, da die Schweere der Voraussetzung gemaͤß, in dem in- nern des Erdklumpens, in allen Naͤhen zum Mit- F tel- Allgemeine Naturgeschichte telpunkte so groß, wie auf der Oberflaͤche ist, die Centrifugalkraft aber mit den Annaͤherungen zum Mittelpunkte abnimmt, selbige nicht allenthalben \frac{1}{289} der Schweere ist, sondern vielmehr die ganze Verminderung des Gewichtes der fluͤßigen Saͤule in der Aeqvatorsflaͤche aus diesem Grunde nicht \frac{1}{289} , sondern die Haͤlfte davon, d. i. \frac{1}{578} , dessel- ben betraͤgt. Dagegen hat in der Hypothese des Newton die Centerfliehkraft, welche die Achsendre- hung erreget, in der ganzen Flaͤche des Aeqvators, bis zum Mittelpunkte, eine gleiche Verhaͤltniß zur Schweere des Orts: weil diese in dem innern des Planeten, (wenn er durch und durch von gleich- foͤrmiger Dichtigkeit angenommen wird), mit dem Abstande vom Mittelpunkte in derselben Pro- portion, als die Centerfliehkraft, abnimmt, mit- hin diese jederzeit \frac{1}{289} der erstern ist. Dieses ver- ursachet eine Erleichterung der fluͤßigen Saͤule in der Aeqvatorsflaͤche, und auch die Erhebung der- selben um \frac{1}{289} , welcher Unterschied der Durchmes- ser in diesem Lehrbegriffe noch dadurch vermehret wird, daß die Verkuͤrzung der Achse eine Annaͤhe- rung der Theile zum Mittelpunkte, mithin eine Vermehrung der Schweere; die Verlaͤngerung des Aeqvatordurchmessers aber eine Entfernung der Theile von eben demselben Mittelpunkte, und da- her eine Verringerung ihrer Gravitaͤt mit sich fuͤh- ret, und aus diesem Grunde die Abplattung bes Newtonischen Sphaͤroids so vermehret, daß der Un- terscheid der Durchmesser von \frac{1}{289} bis zu \frac{1}{230} er- hoben wird. Nach und Theorie des Himmels. Nach diesen Gruͤnden muͤsten die Durchmesser des Saturns noch in groͤsserem Verhaͤltnisse, als das von 20 zu 32 ist, gegen einander seyn; sie muͤsten der Proportion von 1 zu 2 beynahe gleich kommen. Ein Unterscheid, der so groß ist, daß die geringste Aufmerksamkeit ihn nicht fehlen wuͤr- de, so klein auch Saturn durch die Fernglaͤser er- scheinen mag. Allein hieraus ist nur zu ersehen, daß die Voraussetzung der gleichfoͤrmigen Dichtig- keit, welche bey dem Erdkoͤrper ziemlich richtig an- gebracht zu seyn scheinet, beym Saturn gar zu weit von der Warheit abweiche; welches schon an sich selber bey einem Planeten wahrscheinlich ist, des- sen Klumpen dem grossesten Theile, seines Jnhaltes nach, aus den leichtesten Materien bestehet, und denen von schwererer Art in seinem Zusammensatze, bevor er den Zustand der Festigkeit bekommt, die Niedersinkung zum Mittelpunkte, nach Beschaf- fenheit ihrer Schweere, weit freyer verstattet, als diejenige Himmelskoͤrper, deren viel dichterer Stoff den Niedersatz der Materien verzoͤgert, und sie, ehe diese Niedersinkung geschehen kan, fest wer- den laͤßt. Jndem wir also beym Saturn voraus- setzen, daß die Dichtigkeit seiner Materien, in sei- nem Jnnern, mit der Annaͤherung zum Mittel- punkte zunehme, so nimmt die Schweere nicht mehr in diesem Verhaͤltnisse ab; sondern die wach- sende Dichtigkeit ersetzt den Mangel der Theile, die uͤber die Hoͤhe des in dem Planeten befindlichen Punkts gesetzt seyn, und durch ihre Anziehung zu F 2 des- Allgemeine Naturgeschichte dessen Gravitaͤt nichts beytragen Denn nach den Newtonischen Gesetzen der Attra- ction wird ein Koͤrper, der sich in dem inwendi- gen einer Kugel befindet, nur von demjenigen Theile derselben angezogen, der in der Weite, welche jener vom Mittelpunkte hat, um diesen sphaͤrisch beschrieben worden. Der ausser diesem Abstande befindliche concentrische Theil thut, we- gen des Gleichgewichts seiner Anziehungen, die einander aufheben, nichts dazu, weder den Koͤr- per zum Mittelpunkte hin, noch von ihm weg, zu bewegen. . Wenn die- se vorzuͤgliche Dichtigkeit der tiefsten Materien sehr groß ist; so verwandelt sie, vermoͤge der Gesetze der Anziehung, die zum Mittelpunkte hin in dem innern abnehmende Schweere in eine fast gleichfoͤr- mige, und setzet das Verhaͤltniß der Durchmesser dem Huygenischen nahe, welches immer die Haͤlfte von dem Verhaͤltniß zwischen der Centrifugalkraft und der Schweere ist, folglich, da diese gegen ein- ander wie 2:3 waren; so wird der Unterscheid der Durchmesser dieses Planeten nicht ⅓, sondern ⅙ des Aeqvatordurchschnitts seyn: welcher Unterscheid schluͤßlich noch dadurch verborgen wird, weil Sa- turn, dessen Achse mit der Flaͤche seiner Bahn je- derzeit einen Winkel von 31 Graden macht, die Stellung desselben gegen seinen Aeqvator niemals, wie beym Jupiter, gerade zu darbietet, welches den vorigen Unterscheid fast um den dritten Theil, dem Scheine nach, vermindert. Man kan bey solchen Umstaͤnden, und vornemlich bey der so gros- sen Weite dieses Planeten leicht erachten: daß die ab- und Theorie des Himmels. abgeplattete Gestalt seines Koͤrpers nicht so leicht, als man wohl denken solte, in die Augen fallen werde; dennoch wird die Sternwissenschaft, deren Aufnehmen vornemlich auf die Vollkommenheit der Werkzeuge ankommt, die Entdeckung einer so merkwuͤrdigen Eigenschaft, wo ich mir nicht zu sehr schmeichle, durch derselben Huͤlfe vielleicht zuͤ errei- chen, in den Stand gesetzet werden. Was ich von der Figur des Saturns sage, kan gewissermassen der Naturlehre des Himmels zu ei- ner allgemeinen Bemerkung dienen. Jupiter, der, nach einer genauen Ausrechnung, eine Verhaͤltniß der Schweere zur Centrifugalkraft auf seinem Ae- qvator wenigstens wie 9¼:1 hat, solte, wenn sein Klumpen durch und durch von gleichfoͤrmiger Dichtigkeit waͤre, nach den Lehrsaͤtzen des Newton, einen noch groͤssern Unterscheid, als \frac{1}{9} , zwischen seiner Achse und dem Aeqvatorsdurchmesser, an sich zeigen. Allein Caßini hat ihn nur \frac{1}{16} , Poned \frac{1}{12} , bisweilen \frac{1}{14} befunden; wenigstens stimmen alle diese verschiedene Beobachtungen, welche durch ihren Unterscheid die Schwierigkeit dieser Abmes- sung bestaͤtigen, darin uͤberein, sie viel kleiner zu setzen, als sie es nach dem System des Newton, oder vielmehr nach seiner Hypothese, von der gleich- foͤrmigen Dichtigkeit seyn solte. Und wenn man daher die Voraussetzung der gleichfoͤrmigen Dich- tigkeit, welche die so grosse Abweichung der Theo- rie von der Beobachtung veranlasset, in die viel wahrscheinlichere veraͤndert, da die Dichtigkeit des F 3 pla- Allgemeine Naturgeschichte planetischen Klumpens zu seinem Mittelpunkte hin- zunehmend gesetzet wird; so wird man nicht allein an dem Jupiter die Beobachtung rechtfertigen, son- dern auch bey dem Saturn, einem viel schwerer abzumessenden Planeten, die Ursache einer minde- ren Abplattung seines sphaͤroidischen Koͤrpers deut- lich einsehen koͤnnen. Wir haben aus der Erzeugung des saturnischen Ringes Anlaß genommen, den kuͤhnen Schritt zu wagen, die Zeit der Achsendrehung, welche die Fernglaͤser zu entdecken nicht vermoͤgen, ihm durch Rechnung zu bestimmen. Lasset uns diese Probe einer physischen Vorhersagung, noch mit einer an- dern, an eben diesem Planeten vermehren, welche von vollkommeneren Werkzeugen kuͤnftiger Zeiten das Zeugniß ihrer Richtigkeit zu erwarten hat. Der Voraussetzung gemaͤß: daß der Ring des Saturns eine Haͤufung der Theilchen sey, die, nachdem sie von der Oberflaͤche dieses Himmelskoͤr- pers als Duͤnste aufgestiegen, sich vermoͤge des Schwunges, den sie von der Achsendrehung dessel- ben an sich haben und fortsetzen, in der Hoͤhe ihres Abstandes frey in Zirkeln laufend erhalten, haben dieselbe nicht in allen ihren Entfernungen vom Mit- telpunkte, gleiche periodische Umlaufszeiten; sondern diese verhalten sich vielmehr, wie die Qvadratwur- zeln, aus den Wuͤrfeln ihres Abstandes, wenn sie sich durch die Gesetze der Centralkraͤfte schwebend er- halten sollen. Nun ist die Zeit, darinn, nach dieser Hypothese, die Theilchen des inwendigen Randes ih- und Theorie des Himmels. ihren Umlauf verrichten, ohngefehr von 10 Stun- den, und die Zeit des Zirkellaufs der Partikeln im auswendigen Rande ist, nach gehoͤriger Ausrech- nung, 15 Stunden; also, wenn die niedrigsten Theile des Ringes ihren Umlauf 3mal verrichtet haben, haben es die entfernetesten nur 2mal ge- than. Es ist aber wahrscheinlich, man mag die Hinderniß, die die Partikeln bey ihrer grossen Zer- streuung in der Ebene des Ringes einander leisten, so gering schaͤtzen, als man will, daß das Nach- bleiben der entferntern Theilchen, bey jeglichem ihrer Umlaͤufe, die schneller bewegte niedrige Theile nach und nach verzoͤgern und aufhalten: dagegen diese denen obern einen Theil ihrer Bewegung, zu einer geschwindern Umwendung, eindruͤcken muͤssen, wel- ches, wenn diese Wechselwirkung nicht endlich un- terbrochen wuͤrde, so lange dauren wuͤrde, bis die Theilchen des Ringes alle dahin gebracht waͤren, so- wohl die niedrigen, als die weitern, in gleicher Zeit sich herumzuwenden, als in welchem Zustande sie in respectiver Ruhe gegen einander seyn, und durch die Wegruͤckung keine Wirkung in einander thun wuͤrden. Nun wuͤrde aber ein solcher Zustand, wenn die Bewegung des Ringes dahin ausschluͤge, denselben gaͤnzlich zerstoͤren, weil, wenn man die Mitte von der Ebene des Ringes nimmt, und se- tzet, daß daselbst die Bewegung in dem Zustande verbleibe, darinn sie vorher war und seyn muß, um einen freyen Zirkellauf leisten zu koͤnnen, die un- tern Theilchen, weil sie sehr zuruͤck gehalten worden, sich nicht in ihrer Hoͤhe schwebend ertzalten, sondern F 4 in Allgemeine Naturgeschichte in schiefen und eccentrischen Bewegungen einander durchkreutzen, die entferntern aber durch den Ein- druck einer groͤssern Bewegung, als sie vor die Centralkraft ihres Abstandes seyn soll, weiter von der Sonne abgewandt, als die Sonnenwirkung die aͤussere Grenze des Ringes bestimmt, durch die- selbe hinter dem Planeten zerstreuet und fortgefuͤh- ret werden muͤsten. Allein, man darf alle diese Unordnung nicht befuͤrchten. Der Mechanismus der erzeugenden Bewegung des Ringes fuͤhret auf eine Bestim- mung, die denselben, vermittelst eben der Ursachen, die ihn zerstoͤren sollen, in einen sichern Zustand versetzet, dadurch, daß er in etliche concentrische Zirkelstreifen getheilet wird, welche wegen der Zwi- schenraͤume, die sie absondern, keine Gemeinschaft mehr unter einander haben. Denn indem die Par- tikeln, die in dem inwendigen Rande des Ringes umlaufen, die obere durch ihre schnellere Bewegung etwas fortfuͤhren, und ihren Umlauf beschleunigen; so verursachen die vermehrten Grade der Geschwin- digkeit in diesen ein Uebermaaß der Centrifugalkraft, und eine Entfernung von dem Orte, da sie schwe- beten. Wenn man aber voraussetzet, daß, indem dieselbe sich von den niedrigen zu trennen bestreben, sie einen gewissen Zusammenhang zu uͤberwinden haben, der, ob es zwar zerstreuete Duͤnste seyn, dennoch bey diesen nicht ganz nichts bedeutend zu seyn scheinet; so wird dieser vermehrte Grad des Schwunges gedachten Zusammenhang zu uͤberwin- den und Theorie des Himmels. den trachten: aber selbigen nicht uͤberwinden, so lange der Ueberschuß der Centerfliehkraft, die er in gleicher Umlaufszeit mit den niedrigsten anwendet, uͤber die Centralkraft ihres Orts, dieses Anhaͤngen nicht uͤbertrifft. Und aus diesem Grunde muß in einer gewissen Breite eines Streifens von |diesem Ringe, obgleich, weil dessen Theile in gleicher Zeit ihren Umlauf verrichten, die obere eine Bestrebung anwenden, sich von den untern abzureissen, den- noch der Zusammenhang bestehen, aber nicht |in groͤsserer Breite, weil, indem die Geschwindigkeit dieser in gleichen Zeiten unbewegten Theilchen, mit den Entfernungen, also mehr, als sie es nach den Centralgesetzen thun solte, zunimmt, wenn sie den Grad uͤberschritten hat, den der Zusammenhang der Dunsttheilchen leisten kan, von diesen sich abreis- sen und einen Abstand annehmen muͤssen, welcher dem Ueberschusse der Umwendungskraft uͤber die Centralkraft des Orts gemaͤß ist. Auf diese Weise wird der Zwischenraum bestimmet, der den ersten Streifen des Ringes von den uͤbrigen absondert: und auf gleiche Weise macht die beschleunigte Be- wegung der obern Theilchen, durch den schnellen Um- lauf der untern, und der Zusammenhang derselben, welcher die Trennung zu hindern trachtet, den zwey- ten concentrischen Ring, von welchem der dritte um eine maͤßige Zwischenweite abstehet. Man koͤnte die Zahl dieser Zirkelstreifen, und die Breite ihrer Zwischenraͤume, ausrechnen, wenn der Grad des Zusammenhanges bekannt waͤre, welcher die Theilchen an einander haͤngt; allein wir koͤunen F 5 uns Allgemeine Naturgeschichte uns begnuͤgen, uͤberhaupt die Zusammensetzung des Saturnischen Ringes, die dessen Zerstoͤrung vor- beugt, und ihn durch freye Bewegungen schwebend erhaͤlt, mit gutem Grunde der Wahrscheinlichkeit errathen zu haben. Diese Muthmassung vergnuͤget mich nicht we- nig, vermittelst der Hoffnung, selbige noch wohl dereinst durch wirkliche Beobachtungen bestaͤtiget zu sehen. Vor einigen Jahren verlautete aus Lon- don, daß, indem man mit einem neuen, vom Herrn Bradley verbesserten Newtonischen Sehroh- re, den Saturn beobachtete, es geschienen habe, sein Ring sey eigentlich eine Zusammensetzung von vielen concentrischen Ringen, welche durch Zwi- schenraͤume abgesondert waͤren. Diese Nachricht ist seitdem nicht fortgesetzet worden Nachdem ich dieses aufgesetzet; finde ich in den Memoires der koͤnigl. Academie der Wissenschaf- ten zu Paris vom Jahre 1705. in einer Abhand- lung des Herrn Caßini, von den Trabanten und dem Ringe des Saturns, auf der 571sten Sei- te des zweyten Theils der v. Steinwehrschen Ue- bersetzung, eine Bestaͤtigung dieser Vermuthung, die fast keinen Zweifel ihrer Richtigkeit mehr uͤbrig laͤßt. Nachdem Herr Caßini einen Gedanken vorgetragen, der gewisser massen eine kleine An- naͤherung zu derjenigen Warheit haͤtte seyn koͤn- nen, die wir herausgebracht haben, ob er gleich an sich unwahrscheinlich ist: nemlich, daß viel- leicht dieser Ring ein Schwarm kleiner Trabanten seyn moͤchte, die vom Saturn aus, eben so anzu- se- . Die Werk- und Theorie des Himmels. Werkzeuge des Gesichts haben die Kenntnisse der aͤussersten Gegenden des Weltgebaͤudes dem Ver- stande eroͤfnet. Wenn es nun vornemlich auf sie ankommt, neue Schritte darinn zu thun; so kan man von der Aufmerksamkeit des Jahrhunderts auf alle dasjenige, was die Einsichten der Menschen erweitern kan, wohl mit Wahrscheinlichkeit hoffen, daß sie sich vornemlich auf eine Seite wenden wer- de, welche ihr die groͤßte Hoffnung zu wichtigen Entdeckungen darbietet. Wenn aber Saturn so gluͤcklich gewesen, sich einen Ring zu verschaffen, warum ist denn kein an- derer Planet mehr dieses Vortheils theilhaftig wor- den? die Ursache ist deutlich. Weil ein Ring aus den Ausduͤnstungen eines Planeten, der sie bey sei- nem sehen waͤren, als die Milchstrasse von der Erde aus erscheinet (Welcher Gedanke Platz finden kan, wenn man vor diese kleine Trabanten die Dunsttheilchen nimmt, die mit eben dergleichen Bewegung sich um ihn schwingen); so sagt er ferner: Diesen Gedanken bestaͤtigten die Ob- servationen, die man in den Jahren gemacht, da der Ring des Saturns breiter und offener schien. Denn man sahe die Breite des Ringes durch eine dunkele elliptische Linie, deren naͤchster Theil, nach der Kugel zu, heller war, als der entfernteste, in zween Theile getheilet. Diese Linie bemerkte gleichsam einen kleinen Zwischenraum zwischen den zween Theilen, so wie die Weite der Kugel vom Ringe, durch die groͤßte Dunkelheit zwischen beyden, angezei- get wird. Allgemeine Naturgeschichte nem rohen Zustande aushauchet, entstehen soll, und die Achsendrehung dieser den Schwung geben muß, den sie nur fortzusetzen haben, wenn sie in die Hoͤ- he gelanget seyn, da sie mit dieser eingepflanzten Bewegung der Gravitation gegen den Planeten ge- rade das Gleichgewicht leisten koͤnnen; so kan man leicht durch Rechnung bestimmen, zu welcher Hoͤhe die Duͤnste von einem Planeten aufsteigen muͤssen, wenn sie durch die Bewegungen, die sie unter dem Aeqvator desselben hatten, sich in freyer Zirkelbe- wegung erhalten sollen, wenn man den Durchmes- ser des Planeten, die Zeit seiner Umdrehung, und die Schweere auf seiner Oberflaͤche kennet. Nach dem Gesetze der Centralbewegung wird die Entfer- nung eines Koͤrpers, der um einen Planeten mit einer dessen Achsendrehung gleichen Geschwindigkeit frey im Zirkel laufen kan, in eben solchem Verhaͤlt- nisse zum halben Durchmesser des Planeten seyn, als die den Mittelpunkt fliehende Kraft, unter dem Aeqvator desselben, zur Schweere ist. Aus diesen Gruͤnden war die Entfernung des innern Randes des Saturnringes wie 8, wenn der halbe Diame- ter desselben wie 5 angenommen wird, welche zwey Zahlen in demselben Verhaͤltnisse wie 32:20 ist, die, so wie wir vorher bemerket haben, die Pro- portion zwischen der Schweere und der Centerflieh- kraft unter dem Aeqvator ausdruͤckt. Aus den glei- chen Gruͤnden, wenn man setzte, daß Jupiter ei- nen auf diese Art erzeugten Ring haben solte, wuͤr- de dessen kleinster halber Durchmesser die halbe Di- cke des Jupiter 10mal uͤbertreffen, welches gerade da- und Theorie des Himmels. dahin treffen wuͤrde, wo sein aͤusserster Trabante um ihn laͤuft, und daher sowohl aus diesen Gruͤn- den, als auch, weil die Ausduͤnstung eines Plane- ten sich so weit von ihm nicht ausbreiten kan, un- moͤglich ist. Wenn man verlangte zu wissen, warum die Erde keinen Ring bekommen hat; so wird man die Beantwortung in der Groͤsse des hal- ben Durchmessers finden, den nur sein innerer Rand haͤtte haben muͤssen, welcher 289 halbe Erd- diameter muͤste groß geworden seyn. Bey den langsamer bewegten Planeten entfernet sich die Er- zeugung eines Ringes noch weiter von der Moͤglich- keit; also bleibt kein Fall uͤbrig, da ein Planet auf die Weise, wie wir es erklaͤret haben, einen Ring haͤtte bekommen koͤnnen, als derjenige, darinn der Planet ist, welcher ihn wuͤrklich hat, welches eine nicht geringe Bestaͤrkung der Glaubwuͤrdigkeit un- serer Erklaͤrungsart ist. Was mich aber fast versichert macht, daß der Ring, welcher den Saturn umgiebet, ihm nicht auf diejenige allgemeine Art entstanden, und durch die allgemeine Bildungsgesetze erzeugt worden, die durch das ganze System der Planeten geherrschet, und dem Saturn auch seine Trabanten verschaffet hat, daß, sage ich, diese aͤusserliche Materie nicht ihren Stoff dazu hergegeben, sondern er ein Ge- schoͤpf des Planeten selber sey, der seine fluͤchtig- sten Theile durch die Waͤrme erhoben, und ihnen durch seine eigene Achsendrehung den Schwung zur Umwendung ertheilet hat, ist dieses, daß der Ring Allgemeine Naturgeschichte Ring nicht so wie die andern Trabanten desselben, und wie uͤberhaupt alle umlaufende Koͤrper, die in der Begleitung der Hauptplaneten befindlich seyn, in der allgemeinen Beziehungsflaͤche der pla- netischen Bewegungen gerichtet ist, sondern von ihr sehr abweicht: welches ein sicherer Beweis ist, daß er nicht aus dem allgemeinen Grundstoffe ge- bildet, und seine Bewegung aus dessen Herabsinken bekommen, sondern von dem Planeten, nach laͤngst vollendeter Bildung aufgestiegen, und durch dessen eingepflanzte Umschwungskraͤfte, als sein abge- schiedener Theil, eine sich auf desselben Achsendre- hung beziehende Bewegung und Richtung, bekom- men habe. Das Vergnuͤgen, eine von den seltensten Be- sonderheiten des Himmels, in dem ganzen Umfange ihres Wesens und Erzeugung, begriffen zu haben, hat uns in eine so weitlaͤuftige Abhandlung verwi- ckelt. Lasset nns mit der Verguͤnstigung unserer gefaͤlligen Leser dieselbe, wo es beliebig, bis zur Ausschweiffung treiben, um, nachdem wir uns auf eine angenehme Art willkuͤhrlichen Meinungen, mit einer Art von Ungebundenheit, uͤberlassen haben, mit desto mehrerer Behutsamkeit und Sorg- falt, wiederum zu der Warheit zuruͤck zu kehren. Koͤnte man sich nicht einbilden, daß die Erde eben sowohl, wie Saturn, ehemals einen Ring gehabt habe? Er moͤchte nun von seiner Oberflaͤ- che eben so, wie Saturns seiner, aufgestiegen seyn, und habe sich lange Zeit erhalten, indessen daß die Erde von einer viel schnelleren Umdrehung, als und Theorie des Himmels. als die gegenwaͤrtige ist, durch, wer weiß was vor Ursachen, bis zu gegenwaͤrtigem Grade aufgehal- ten worden, oder daß man dem abwerts sinkenden allgemeinen Grundstoffe es zutrauet, denselben nach den Regeln, die wir oben erklaͤret, gebildet zu ha- ben, welches man so genau nicht nehmen muß, wenn man seine Neigung zum sonderbaren, ver- gnuͤgen will. Allein, was vor ein Vorrath von schoͤnen Erlaͤuterungen und Folgen bietet uns eine solche Jdee dar. Ein Ring um die Erde! Welche Schoͤnheit eines Anblicks vor diejenige, die erschaffen waren, die Erde als ein Paradies zu be- wohnen; wie viel Beqvemlichkeit vor diese, wel- che die Natur von allen Seiten anlachen solte! Al- lein dieses ist noch nichts gegen die Bestaͤtigung, die eine solche Hypothese aus der Urkunde der Schoͤpfungsgeschichte entlehnen kan, und die vor diejenige keine geringe Empfehlung zum Beyfalle ist, welche die Ehre der Offenbarung nicht zu ent- weihen, sondern zu bestaͤtigen glauben, wenn sie sich ihrer bedienen, den Ausschweifungen ihres Wi- tzes dadurch ein Ansehen zu geben. Das Wasser der Veste, deren die Mosaische Beschreibung erweh- net, hat den Auslegern schon nicht wenig Muͤhe verursachet. Koͤnte man sich dieses Ringes nicht bedienen, sich aus dieser Schwierigkeit heraus zu helfen? Dieser Ring bestand ohne Zweifel aus waͤßrichten Duͤnsten; und man hat ausser dem Vortheile, den er den ersten Bewohnern der Erde verschaffen konte, noch diesen, ihn im benoͤthigten Falle zerbrechen zu lassen, um die Welt, die solcher Schoͤn- Allgemeine Naturgeschichte Schoͤnheit sich unwuͤrdig gemacht hatte, mit Ueber- schwemmungen zu zuͤchtigen. Entweder ein Co- met, dessen Anziehung die regelmaͤßige Bewegun- gen seiner Theile in Verwirrung brachte, oder die Verkuͤhlung der Gegend seines Aufenthalts verei- nigte dessen zerstreuete Dunsttheile, und stuͤrzte sie, in einem der allergrausamsten Wolkenbruͤche, auf den Erdboden nieder. Man weiß leichtlich, was die Folge hievon war. Alle Welt gieng im Was- ser unter, und sog noch uͤber dieses, in denen frem- den und fluͤchtigen Duͤnsten dieses unnatuͤrlichen Re- gens, denjenigen langsamen Gift ein, der alle Ge- schoͤpfe dem Tode und der Zerstoͤrung naͤher brachte. Nunmehro war die Figur eines blassen und lichten Bogens von dem Horizonte verschwunden, und die neue Welt, welche sich dieses Anblicks niemals erinnern konte, ohne ein Schrecken vor dieses fuͤrchterliche Werkzeug der goͤttlichen Rache zu em- pfinden, sahe vielleicht mit nicht geringer Bestuͤr- zung in dem ersten Regen denjenigen farbigten Bo- gen, der, seiner Figur nach, den erstern abzubil- den schien, aber durch die Versicherung des versoͤhn- ten Himmels, ein Gnadenzeichen und Denkmaal ei- ner fortwaͤhrenden Erhaltung des nunmehro ver- aͤnderten Erdbodens, seyn solte. Die Aehnlichkeit der Gestalt dieses Erinnerungszeichens mit der be- zeichneten Begebenheit, koͤnte eine solche Hypothese denenjenigen anpreisen, die der herrschenden Nei- gung ergeben sind, die Wunder der Offenbarung mit den ordentlichen Naturgesetzen in ein System zu bringen. Jch finde es vor rathsamer, den fluͤch- und Theorie des Himmels. fluͤchtigen Beyfall, den solche Uebereinstimmungen erwecken koͤnnen, dem wahren Vergnuͤgen voͤllig aufzuopfern; welches aus der Wahrnehmung des regelmaͤßigen Zusammenhanges entspringet, wenn physische Analogien einander zur Bezeichnung phy- sischer Warheiten unterstuͤtzen. Sechstes Hauptstuͤck, von dem Zodiakallichte. D ie Sonne ist mit einem subtilen und dunstigen Wesen umgeben, welches in der Flaͤche ih- res Aeqvators, mit einer nur geringen Ausbreitung auf beyden Seiten, bis zu einer grossen Hoͤhe sie um- giebet, wovon man nicht versichert seyn kan, ob es, wie Herr von Mairan es abbildet, in der Fi- gur eines erhaben geschliffenen Glases, ( figura len- ticulari, ) mit der Oberflaͤche der Sonne zusammen stoͤßt, oder wie der Ring des Saturns allenthal- ben von ihm abstehet. Es sey nun das eine oder das andere; so bleibet Aehnlichkeit genug uͤbrig, um dieses Phaͤnomenon mit dem Ringe des Sa- turns in Vergleichung zu stellen, und es aus einem uͤbereinkommenden Ursprunge herzuleiten. Wenn diese ausgebreitete Materie ein Ausfluß aus der Sonne ist, wie es denn am wahrscheinlichsten ist, G sie Allgemeine Naturgeschichte sie davor zu halten; so wird man die Ursache nicht verfehlen koͤnnen, die sie auf die, dem Sonnenaͤqva- tor gemeine Flaͤche gebracht hat. Der leichteste und fluͤchtigste Stoff, den das Sonnenfeuer von dessen Oberflaͤche erhebet, und schon lange erhoben hat, wird durch derselben Wirkung weit uͤber sie fortgetrieben, und bleibet, nach Maasgebung sei- ner Leichtigkeit, in einer Entfernung schweben, wo die forttreibende Wirkung der Strahlen der Schweere dieser Dunsttheilchen das Gleichgewicht leistet, oder sie werden von dem Zuflusse neuer Par- tikeln unterstuͤtzet, welche bestaͤndig zu ihnen hinzu kommen. Nun, weil die Sonne, indem sie sich um die Achse drehet, diesen von ihrer Oberflaͤche abgerissenen Duͤnsten ihre Bewegung gleichmaͤßig eindruͤckt; so behalten dieselbe einen gewissen Schwung zum Umlaufe, wodurch sie von beyden Seiten, den Centralgesetzen gemaͤß, in dem Zirkel ihrer Bewegung die fortgesetzte Aeqvatorsflaͤche der Sonne zu durchschneiden, bestrebt seyn; und da- her, weil sie in gleicher Qvantitaͤt von beyden He- misphaͤrien sich zu derselben hindringen, daselbst sich mit gleichen Kraͤften haͤufen, und eine ausgebrei- tete Ebene, in diesem auf dem Sonnenaͤqvator be- ziehenden Plan, formiren. Allein, ohnerachtet dieser Aehnlichkeit mit dem Saturnusringe, bleibt ein wesentlicher Unterschied uͤbrig, welcher das Phaͤnomenon des Zodiakallich- tes von jenem sehr abweichend macht. Die Par- tikeln des erstern erhalten sich durch die eingepflanz- te und Theorie des Himmels. te Umdrehungsbewegung in frey schwebendem Zir- kellaufe; allein die Theilchen des letztern werden durch die Kraft der Sonnenstrahlen in ihrer Hoͤhe erhalten, ohne welcher die ihnen von der Sonnen- umwendung beywohnende Bewegung gar weit feh- len wuͤrde, sie im freyen Umschwunge vom Falle abzuhalten. Denn, da die den Mittelpunkt flie- hende Kraft der Achsendrehung auf der Oberflaͤche der Sonne noch nicht \frac{1}{40000} der Attraction ist; so wuͤrden diese aufgestiegene Duͤnste 40000 halbe Sonnendiameter von ihr entfernet werden muͤssen, um in solcher Weite allererst eine Gravitation anzu- treffen, der ihrer mitgetheilten Bewegung das Gleichgewicht leisten koͤnte. Man ist also sicher, dieses Phaͤnomenon der Sonne ihr nicht auf die, dem Saturnusringe gleiche Art zuzumessen. Gleichwohl bleibet eine nicht geringe Wahr- scheinlichkeit uͤbrig, daß dieser Halsschmuck der Sonne vielleicht denselben Ursprung erkenne, den die gesammte Natur erkennet, nemlich die Bildung aus dem allgemeinen Grundstoff, dessen Theile, da sie in den hoͤchsten Gegenden der Sonnenwelt herum geschwebet, nur allererst nach voͤllig vollendeter Bildung des ganzen Systems zu der Sonne, in ei- nem spaͤten Falle mit geschwaͤchter, aber doch von Abend gegen Morgen gekruͤmmter Bewegung, herab gesunken, und, vermittelst dieser Art des Kreislaufes, die fortgesetzte Aeqvatorsflaͤche dersel- ben durchschnitten, daselbst durch ihre Haͤufung von beyden Seiten, indem sie sich aufhielten, eine G 2 in Allgemeine Naturgeschichte in dieser Stellung ausgebreitete Ebene eingenom- men haben, worinn sie sich zum Theil durch der Sonnenstrahlen Zuruͤcktreibung, zum Theil durch ihre wirklich erlangte Kreißbewegung, jetzo in be- staͤndig gleicher Hoͤhe erhalten. Die gegenwaͤrtige Erklaͤrung hat keine andere Wuͤrdigkeit, als dieje- nige, welche Muthmassungen zukommt, und kei- nen Anspruch, als nur auf einen willkuͤhrlichen Beyfall; das Urtheil des Lesers mag sich auf dieje- nige Seite wenden, welche ihm die annehmungs- wuͤrdigste zu seyn duͤnket. Siebendes Hauptstuͤck, von der Schoͤpfung im ganzen Umfange ihrer Unendlichkeit, sowohl dem Raume, als der Zeit nach. D as Weltgebaͤude setzet durch seine unermeßliche Groͤsse, und durch die unendliche Mannig- faltigkeit und Schoͤnheit, welche aus ihr von allen Seiten hervorleuchtet, in ein stilles Erstaunen. Wenn die Vorstellung aller dieser Vollkommenheit nun die Einbildungskraft ruͤhret; so nimmt den Verstand anderer Seits eine andere Art der Entzuͤ- ckung ein, wenn er betrachtet, wie so viel Pracht, so viel Groͤsse, aus einer einzigen allgemeinen Re- gel, und Theorie des Himmels. gel, mit einer ewigen und richtigen Ordnung, ab- fliesset. Der planetische Weltbau, indem die Sonne aus dem Mittelpunkte aller Kreise, mit ih- rer maͤchtigen Anziehung, die bewohnte Kugeln ih- res Systems in ewigen Kreisen umlaufend macht, ist gaͤnzlich, wie wir gesehen haben, aus dem ur- spruͤnglich ausgebreiteten Grundstoff aller Weltma- terie gebildet worden. Alle Fixsterne, die das Au- ge an der holen Tiefe des Himmels entdecket, und die eine Art von Verschwendung anzuzeigen schei- nen, sind Sonnen und Mittelpunkte von aͤhnlichen Systemen. Die Analogie erlaubt es also hier nicht, zu zweifeln, daß diese auf die gleiche Art, wie das, darinn wir uns befinden, aus denen klein- sten Theilen der elementarischen Materie, die den leeren Raum, diesen unendlichen Umfang der goͤtt- lichen Gegenwart, erfuͤllete, gebildet und erzeuget worden. Wenn nun alle Welten und Weltordnungen dieselbe Art ihres Ursprungs erkennen: wenn die Anziehung unbeschraͤnkt und allgemein, die Zuruͤck- stossung der Elemente aber ebenfalls durchgehends wirksam, wenn bey dem unendlichen das grosse und kleine beyderseits klein ist; solten nicht alle die Weltgebaͤude gleichermassen eine beziehende Verfas- sung und systematische Verbindung unter einander angenommen haben, als die Himmelskoͤrper unse- rer Sonnenwelt im kleinen, wie Saturn, Jupiter und die Erde, die vor sich insonderheit Systeme seyn, und dennoch unter einander als Glieder in ei- G 3 nem Allgemeine Naturgeschichte nem noch groͤssern zusammen haͤngen? Wenn man in dem unermeßlichen Raume, darinn alle Son- nen der Milchstrasse sich gebildet haben, einen Punkt annimmt, um welchen durch, ich weiß nicht was vor eine Ursache, die erste Bildung der Natur aus dem Chaos angefangen hat; so wird daselbst die groͤßte Masse, und ein Koͤrper von der unge- meinsten Attraction, entstanden seyn, der dadurch faͤhig geworden, in einer ungeheuren Sphaͤre um sich alle in der Bildung begriffene Systeme zu noͤ- thigen, sich gegen ihn, als ihren Mittelpunkt, zu senken, und um ihn ein gleiches System im Gan- zen zu errichten, als derselbe elementarische Grund- stoff, der die Planeten bildete, um die Sonne im Kleinen gemacht hat. Die Beobachtung macht diese Muthmassung beynahe ungezweifelt. Das Heer der Gestirne macht, durch seine beziehende Stellung gegen einen gemeinschaftlichen Plan, eben sowohl ein System aus, als die Planeten unseres Sonnenbaues um die Sonne. Die Milchstrasse ist der Zodiakus dieser hoͤheren Weltordnungen, die von seiner Zone so wenig als moͤglich, abweichen, und deren Streif immer von ihrem Lichte erleuchtet ist, so wie der Thierkreiß der Planeten von dem Scheine dieser Kugeln, obzwar nur in sehr wenig Punkten, hin und wieder schimmert. Eine jede dieser Sonnen macht mit ihren umlaufenden Pla- neten vor sich ein besonderes System aus; allein dieses hindert nicht, Theile eines noch groͤsseren Systems zu seyn, so wie Jupiter oder Saturn, un- geachtet ihrer eigenen Begleitung, in der systema- ti- und Theorie des Himmels. tischen Verfassung eines noch groͤsseren Weltbaues beschraͤnkt seyn. Kan man, an einer so genauen Uebereinstimmung in der Verfassung nicht die glei- che Ursache und Art der Erzeugung erkennen? Wenn nun die Fixsterne ein System ausma- chen, dessen Umfang durch die Anziehungssphaͤre desjenigen Koͤrpers, der im Mittelpunkte befind- lich ist, bestimmet wird, werden nicht mehr Son- nensystemata, und, so zu reden, mehr Milchstras- sen entstanden seyn, die in dem Grenzenlosen Felde des Weltraums erzeuget worden? Wir haben mit Erstaunen Figuren am Himmel erblickt, welche nichts anders, als solche auf einen gemeinschaftli- chen Plan beschraͤnkte Fixsternensystemata, solche Milchstrassen, wenn ich mich so ausoruͤcken darf, seyn, die in verschiedenen Stellungen gegen das Auge, mit einem, ihrem unendlichen Abstande ge- maͤß geschwaͤchten Schimmer, elliptische Gestalten darstellen; es sind Systemata von, so zu sagen, un- endliche mal unendlich groͤsserm Durchmesser, als der Diameter unseres Sonnenbaues, ist; aber oh- ne Zweifel auf gleiche Art entstanden, aus gleichen Ursachen geordnet und eingerichtet, und erhalten sich durch ein gleiches Triebwerk, als dieses, in ih- rer Verfassung. Wenn man diese Sternensystemata wiederum als Glieder an der grossen Kette der gesammten Natur ansiehet; so hat man eben so viel Ursache, wie vorher, sie in einer gegenseitigen Beziehung zu gedenken, und in Verbindungen, welche Kraft G 4 des Allgemeine Naturgeschichte des durch die ganze Natur herrschenden Gesetzes der ersten Bildung, ein neues noch groͤsseres System ausmachen, das durch die Anziehung eines Koͤr- pers von ungleich maͤchtigerer Attraction, als alle die vorige, waren, aus dem Mittelpunkte ihrer re- gelmaͤßigen Stellungen regieret wird. Die Anzie- hung, welche die Ursache der systematischen Verfas- sung unter den Fixsternen der Milchstrasse ist, wir- ket auch noch in der Entfernung eben dieser Welt- ordnungen, um sie aus ihren Stellungen zu brin- gen, und die Welt in einem unvermeidlich bevor- stehenden Chaos zu begraben, wenn nicht regel- maͤßig ausgetheilte Schwungskraͤfte der Attraction das Gegengewicht leisten, und beyderseits in Ver- bindung diejenige Beziehung hervorbringen, die der Grund der systematischen Verfassung ist. Die Anziehung ist ohne Zweifel eine eben so weit ausge- dehnte Eigenschaft der Materie, als die Coexistenz, welche den Raum macht, indem sie die Substanzen durch gegenseitige Abhaͤngigkeiten verbindet, oder, eigentlicher zu reden, die Anziehung ist eben diese allgemeine Beziehung, welche die Theile der Natur in einem Raume vereinigt: sie erstrecket sich also auf die ganze Ausdehnung desselben, bis in alle Wei- ten ihrer Unendlichkeit. Wenn das Licht von die- sen entfernten Systemen zu uns gelanget, das Licht, welches nur eine eingedruͤckte Bewegung ist, muß nicht vielmehr die Anziehung, diese urspruͤng- liche Bewegungsqvelle, welche eher, wie alle Be- wegung ist: die keiner fremden Ursachen bedarf, auch durch keine Hinderniß kan aufgehalten werden, weil und Theorie des Himmels. weil sie in das innerste der Materie, ohne einigen Stoß, selbst bey der allgemeinen Ruhe der Natur wirket, muß, sage ich, die Anziehung nicht diese Fixsternen-Systemata, ihrer unermeßlichen Ent- fernungen ungeachtet, bey der ungebildeten Zer- streuung ihres Stoffes, im Anfange der Regung der Natur, in Bewegungen versetzet haben, die eben so, wie wir im Kleinen gesehen haben, die Qvelle der systematischen Verbindung, und der dauerhaften Bestaͤndigkeit ihrer Glieder ist, die sie vor den Verfall sichert? Aber, welches wird denn endlich das Ende der systematischen Einrichtungen seyn? wo wird die Schoͤpfung selber aufhoͤren? Man merket wohl, daß, um sie in einem Verhaͤltnisse mit der Macht des unendlichen Wesens zu gedenken, sie gar keine Grenzen haben muͤsse. Man kommt der Unend- lichkeit der Schoͤpfungskraft GOttes nicht naͤher, wenn man den Raum ihrer Offenbarung in einer Sphaͤre mit dem Radius der Milchstrasse beschrie- ben, einschliesset, als wenn man ihn in eine Kugel beschraͤnken will, die einen Zoll im Durchmesser hat. Alles was endlich, was seine Schranken und ein bestimmtes Verhaͤltniß zur Einheit hat, ist von dem unendlichen gleich weit entfernet. Nun waͤre es ungereimt, die Gottheit mit einem unend- lich kleinen Theile ihres schoͤpferischen Vermoͤgens in Wirksamkeit zu setzen, und ihre unendliche Kraft, den Schatz einer wahren Unermeßlichkeit, von Na- turen und Welten unthaͤtig, und in einem ewigen G 5 Man- Allgemeine Naturgeschichte Mangel der Ausuͤbung verschlossen, zu gedenken. Jst es nicht vielmehr anstaͤndiger, oder besser zu sa- gen, ist es nicht nothwendig, den Jnbegriff der Schoͤpfung also anzustellen, als er seyn muß, um ein Zeugniß von derjenigen Macht zu seyn, die durch keinen Maaßstab kan abgemessen werden? Aus diesem Grunde ist das Feld der Offenbarung goͤttlicher Eigenschaften eben so unendlich, als die- se selber sind Der Begriff einer unendlichen Ausdehnung der Welt findet unter den Metaphysikkuͤndigern Gegner, und hat nur neulich an dem Herrn M. Weitenkampf einen gefunden. Wenn diese Her- ren, wegen der angeblichen Unmoͤglichkeit einer Menge ohne Zahl und Grenzen, sich zu dieser Jdee nicht beqvemen koͤnnen so wolte ich nur vorlaͤufig fragen: ob die kuͤnftige Folge der Ewigkeit nicht eine wahre Unendlichkeit von Man- nigfaltigkeiten und Veraͤnderungen in sich fassen wird? und ob diese unendliche Reihe nicht auf einmal schon jetzo dem goͤttlichen Verstande gaͤnz- lich gegenwaͤrtig sey? Wenn es nun moͤglich war, daß GOtt den Begriff der Unendlichkeit, der seinem Verstande auf einmal darstehet, in ei- ner auf einander folgenden Reihe wuͤrklich ma- chen kan: warum solte derselbe nicht den Begriff einer andern Unendlichkeit in einem, dem Raume nach, verbundenen Zusammenhange darstellen, und dadurch den Umfang der Welt ohne Grenzen machen koͤnnen? Jndessen, daß man diese Fra- ge wird zu beantworten suchen, so werde mich der Gelegenheit, die sich darbieten wird, bedie- nen, durch eine aus der Natur der Zahlen gezo- gene . Die Ewigkeit ist nicht hinlaͤng- lich, und Theorie des Himmels. lich, die Zeugnisse des hoͤchsten Wesens zu fassen, wo sie nicht mit der Unendlichkeit des Raumes ver- bunden wird. Es ist wahr, die Ausbildung, die Form, die Schoͤnheit und Vollkommenheit, sind Beziehungen der Grundstuͤcke und der Substan- zen, die den Stoff des Weltbaues ausmachen; und man bemerket es an den Anstalten, die die Weis- heit GOttes noch zu aller Zeit trifft; es ist ihr auch am gemaͤssesten, daß sie sich, aus dieser ihren einge- pflanzten allgemeinen Gesetzen, durch eine ungezwun- gene Folge herauswickeln. Und daher kan man mit gutem Grunde setzen, daß die Anordnung und Ein- richtung der Weltgebaͤude, aus dem Vorrathe des erschaffenen Naturstoffes, in einer Folge der Zeit, nach und nach geschehe; allein, die Grundmate- rie selber, deren Eigenschaften und Kraͤfte allen Veraͤnderungen zum Grunde liegen, ist eine un- mittelbare Folge des goͤttlichen Daseyns: selbige muß also auf einmal so reich, so vollstaͤndig seyn, daß die Entwickelung ihrer Zusammensetzungen in dem Abflusse der Ewigkeit sich uͤber einen Plan aus- breiten koͤnne, der alles in sich schliesset, was seyn kan, der kein Maaß annimmt, kurz, der unend- lich ist. Wenn gene Erlaͤuterung, die vermeinte Schwierigkeit zu heben, woferne man, bey genauer Erwegung, es noch als eine einer Eroͤrterung beduͤrftige Fra- ge ansehen kan: ob dasjenige, was eine durch die hoͤchste Weisheit begleitete Macht hervorge- bracht hat, sich zu offenbaren, zu demjenigen, was sie hat hervorbringen koͤnnen, sich wie ei- ne Differenzialgroͤsse verhalte? Allgemeine Naturgeschichte Wenn nun also die Schoͤpfung, der Raͤume nach, unendlich ist, oder es wenigstens, der Mate- rie nach, wirklich von Anbeginn her schon gewesen ist, der Form, oder der Ausbildung nach, aber es bereit ist, zu werden; so wird der Weltraum mit Welten ohne Zahl und ohne Ende belebet werden. Wird denn nun jene systematische Verbindung, die wir vorher bey allen Theilen insonderheit erwogen haben, auch aufs Ganze gehen, und das gesamm- te Universum, das All der Natur, in einem eini- gen System, durch die Verbindung der Anziehung und der fliehenden Kraft, zusammen fassen? Jch sage ja; wenn nur lauter abgesonderte Weltgebaͤu- de, die unter einander keine vereinte Beziehung zu einem Ganzen haͤtten, vorhanden waͤren, so koͤnte man wohl, wenn man diese Kette von Gliedern als wirklich unendlich annaͤhme, gedenken, daß eine ge- naue Gleichheit der Anziehung ihrer Theile von al- len Seiten diese Systemata von dem Verfall, den ihnen die innere Wechselanziehung drohet, sicher halten koͤnne. Allein hiezu gehoͤret eine so genaue abgemessene Bestimmung in denen, nach der Attra- ction abgewogenen Entfernungen, daß auch die ge- ringste Verruͤckung dem Universo den Untergang zuziehen, und sie in langen Perioden, die aber doch endlich zu Ende lauffen muͤssen, dem Umsturze uͤber- liefern wuͤrde. Eine Weltverfassung, die sich oh- ne ein Wunder nicht erhielt, hat nicht den Cha- racter der Bestaͤndigkeit, die das Merkmal der Wahl GOttes ist; man trifft es also dieser weit anstaͤndiger, wenn man der gesammten Schoͤpfung ein und Theorie des Himmels. ein einziges Sststem machet, welches alle Welten und Weltordnungen, die den ganzen unendlichen Raum ausfuͤllen, auf einen einigen Mittelpunkt beziehend macht. Ein zerstreuetes Gewimmel von Weltgebaͤuden, sie moͤchten auch durch noch so wei- te Entfernungen von einander getrennet seyn, wuͤr- de mit einem unverhinderten Hang zum Verderben und zur Zerstoͤrung eilen, wenn nicht eine gewisse beziehende Einrichtung gegen einen allgemeinen Mittelpunkt, das Centrum der Attraction des Universi, und den Unterstuͤtzungspunkt der gesamm- ten Natur durch systematische Bewegungen getrof- fen waͤre. Um diesen allgemeinen Mittelpunkt der Sen- kung der ganzen Natur, sowohl der gebildeten, als der rohen, in welchem sich ohne Zweifel der Klum- pen von der ausnehmendsten Attraction befindet, der in seine Anziehungssphaͤre alle Welten und Ord- nungen, die die Zeit hervorgebracht hat, und die Ewigkeit hervorbringen wird, begreiffet, kan man mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Natur den Anfang ihrer Bildung gemacht, und daselbst auch die Systemen am dichtesten gehaͤufet seyn; wei- ter von demselben aber in der Unendlichkeit des Raumes sich, mit immer groͤsseren Graden der Zer- streuung verlieren. Man koͤnnte diese Regel aus der Analogie unseres Sonnenbaues abnehmen, und diese Verfassung kan ohnedem dazu dienen, daß in grossen Entfernungen nicht allein der allgemeine Centralkoͤrper, sondern auch alle um ihn zunaͤchst lau- Allgemeine Naturgeschichte laufende Systemata ihre Anziehung zusammen ver- einigen, und sie gleichsam aus einem Klumpen ge- gen die Systemata des noch weiteren Abstandes ausuͤben. Dieses wird alsdenn mit dazu behuͤlflich seyn, die ganze Natur in der ganzen Unendlichkeit ihrer Erstreckung, in einem einzigen Systema, zu be- greifen. Um nun der Errichtung dieses allgemeinen Sy- stems der Natur, aus den mechanischen Gesetzen der zur Bildung strebenden Materie, nachzuspuͤren; so muß in dem unendlichen Raume des ausgebreiteten elementarischen Grundstoffes, an irgend einem Orte, dieser Grundstoff die dichteste Haͤufung gehabt ha- ben, um durch die daselbst geschehende vorzuͤgliche Bildung, dem gesammten Universo eine Masse verschaffet zu haben, die ihm zum Unterstuͤtzungs- punkt dienete. Es ist zwar an dem, daß in einem unendlichen Raume kein Punkt eigentlich das Vor- recht haben kan, der Mittelpunkt zu heissen; aber, vermittelst einer gewissen Verhaͤltniß, die sich auf die wesentliche Grade der Dichtigkeit des Urstoffes gruͤndet, nach welcher diese zugleich mit ihrer Schoͤpfung an einem gewissen Orte vorzuͤglich dich- ter gehaͤuffet, und mit den Weiten von demselben in der Zerstreuung zunimmt, kan ein solcher Punkt das Vorrecht haben, der Mittelpunkt zu heissen, und er wird es auch wirklich, durch die Bildung der Centralmasse, von der kraͤftigsten Anziehung in demselben, zu dem sich alle uͤbrige, in Particular- bildungen begriffene elementarische Materie sen- ket, und Theorie des Himmels. ket, und dadurch, so weit sich auch die Auswi- ckelung der Natur erstrecken mag, in der unendli- chen Sphaͤre der Schoͤpfung, aus dem ganzen All, nur ein einziges System macht. Das ist aber was wichtiges, und welches, wo- ferne es Beyfall erlanget, der groͤssesten Aufmerk- samkeit wuͤrdig ist, daß der Ordnung der Natur, in diesem unserm System zu Folge, die Schoͤpfung, oder vielmehr die Ausbildung der Natur, bey die- sem Mittelpunkte zuerst anfaͤngt, und mit stetiger Fortschreitung nach und nach in alle fernere Wei- ten ausgebreitet wird, um den unendlichen Raum in dem Fortgange der Ewigkeit mit Welten und Ordnungen zu erfuͤllen. Lasset uns dieser Vorstel- lung einen Augenblick mit stillem Vergnuͤgen nach- haͤngen. Jch finde nichts, das den Geist des Menschen zu einem edleren Erstaunen erheben kan, indem es ihm eine Aussicht in das unendliche Feld der Allmacht eroͤfnet, als diefen Theil der Theorie, der die suceeßive Vollendung der Schoͤpfung be- trifft. Wenn man mir zugiebt, daß die Materie, die der Stoff zu Bildung aller Welten ist, in dem ganzen unendlichen Raume der goͤttlichen Gegen- wart nicht gleichfoͤrmig, sondern nach einem gewis- sen Gesetze ausgebreitet gewesen, das sich vielleicht auf die Dichtigkeit der Partikeln bezog, und nach welchem von einem gewissen Punkte, als dem Orte der dichtesten Haͤufung, mit den Weiten von die- sem Mittelpunkte die Zerstreuung des Urstoffes zu- nahm; Allgemeine Naturgeschichte nahm; so wird, in der urspruͤnglichen Re- gung der Natur, die Bildung zunaͤchst diesem Centro angefangen, und denn, in fort- schreitender Zeitfolge, der weitere Raum, nach und nach Welten und Weltordnungen, mit einer gegen diesen sich beziehenden systematischen Verfassung, gebildet haben. Ein jeder endlicher Periodus, des- sen Laͤnge zu der Groͤsse des zu vollbringenden Werks ein Verhaͤltniß hat, wird immer nur eine endliche Sphaͤre, von diesem Mittelpunkte an, zur Ausbil- dung bringen; der uͤbrige unendliche Theil wird in- dessen noch mit der Verwirrung und dem Chaos streiten, und um so viel weiter von dem Zustande der vollendeten Bildung entfernet seyn, je weiter dessen Abstand, von der Sphaͤre der schon ausgebil- deten Natur, entfernet ist. Diesem zu Folge, ob wir gleich von dem Orte unseres Aufenthalts in dem Universo eine Aufsicht in eine, wie es scheinet, voͤl- lig vollendete Welt, und, so zu reden, in ein un- endliches Heer von Weltordnungen, die systema- tisch verbunden sind, haben; so befinden wir uns doch eigentlich nur in einer Naheit zum Mittel- punkte der ganzen Natur, wo diese sich schon aus dem Chaos ausgewickelt, und ihre gehoͤrige Voll- kommenheit erlanget hat. Wenn wir eine gewisse Sphaͤre uͤberschreiten koͤnten; wuͤrden wir daselbst das Chaos und die Zerstreuung der Elemente erbli- cken, die nach dem Maasse, als sie sich diesem Mit- telpunkte naͤher befinden, den rohen Zustand zum Theil verlassen, und der Vollkommenheit der Aus- uͤbung naͤher sind, mit den Graden der Entfernung aber und Theorie des Himmels. aber sich nach und nach in einer voͤlligen Zerstreuung verlieren. Wer wuͤrde sehen, wie der unendliche Raum der goͤttlichen Gegenwart, darinn der Vor- rath zu allen moͤglichen Naturbildungen anzutref- fen ist, in einer stillen Nacht begraben, voll von Materie, den kuͤnftig zu erzeugenden Welten zum Stoffe zu dienen, und von Triebfedern sie in Be- wegung zu bringen, die, mit einer schwachen Re- gung, diejenige Bewegungen anfangen, womit die Unermeßlichkeit dieser oͤden Raͤume dereinst noch soll belebet werden. Es ist vielleicht eine Reihe von Millionen Jahren und Jahrhunderten verflossen, ehe die Sphaͤre der gebildeten Natur, darinn wir uns befinden, zu der Vollkommenheit gediehen ist, die ihr jetzt beywohnet; und es wird vielleicht ein eben so langer Periodus vergehen, bis die Natur einen eben so weiten Schritt in dem Chaos thut: allein die Sphaͤre der ausgebildeten Natur ist un- aufhoͤrlich beschaͤftiget, sich auszubreiten. Die Schoͤpfung ist nicht das Werk von einem Augen- blicke. Nachdem sie mit der Hervorbringung ei- ner Unendlichkeit von Substanzen und Materie den Anfang gemachet hat; so ist sie mit immer zuneh- menden Graden der Fruchtbarkeit, die ganze Folge der Ewigkeit hindurch, wirksam. Es werden Millionen, und ganze Gebuͤrge von Millionen Jahrhunderten verfliessen, binnen welchen immer neue Welten und Weltordnungen nach einander in denen entfernten Weiten von dem Mittelpunkte der Natur, sich bilden, und zur Vollkommenheit gelan- gen werden; sie werden, ohnerachtet der systema- H ti- Allgemeine Naturgeschichte tischen Verfassung, die unter ihren Theilen ist, ei- ne allgemeine Beziehung auf den Mittelpunkt er- langen, welcher der erste Bildungspunkt, und das Centrum der Schoͤpfung durch das Anziehungs- vermoͤgen, seiner vorzuͤglichen Masse worden ist. Die Unendlichkeit der kuͤnftigen Zeitfolge, womit die Ewigkeit unerschoͤpflich ist, wird alle Raͤume der Gegenwart GOttes ganz und gar beleben, und in die Regelmaͤßigkeit, die der Treflichkeit seines Entwurfes gemaͤß ist, nach und nach versetzen, und wenn man mit einer kuͤhnen Vorstellung die ganze Ewigkeit, so zu sagen, in einem Begriffe zusam- men fassen koͤnte; so wuͤrde man auch den ganzen unendlichen Raum mit Weltordnungen angefuͤllet, und die Schoͤpfung vollendet ansehen koͤnnen. Weil aber in der That von der Zeitfolge der Ewig- keit der ruͤckstaͤndige Theil allemal unendlich, und der abgeflossene endlich ist; so ist die Sphaͤre der ausgebildeten Natur allemal nur ein unendlich klei- ner Theil desjenigen Jnbegriffs, der den Saamen zukuͤnftiger Welten in sich hat, und sich aus dem rohen Zustande des Chaos, in laͤngern oder kuͤr- zern Perioden, auszuwickeln trachtet. Die Schoͤpfung ist niemals vollendet. Sie hat zwar einmal angefangen, aber sie wird niemals aufhoͤ- ren. Sie ist immer geschaͤftig, mehr Auftritte der Natur, neue Dinge und neue Welten hervor zu bringen. Das Werk, welches sie zu Stande bringet, hat ein Verhaͤltniß zu der Zeit, die sie darauf anwendet. Sie braucht nichts weniger, als eine Ewigkeit, um die ganze grenzenlose Weite der und Theorie des Himmels. der unendlichen Raͤume, mit Welten ohne Zahl und ohne Ende, zu beleben. Man kan von ihr dasjeni- ge sagen, was der erhabenste unter den deutschen Dichtern von der Ewigkeit schreibet: Unendlichkeit! wer misset dich? Vor dir sind Welten Tag, und Menschen Augenblicke; Vielleicht die tausendste der Sonnen welzt jetzt sich, Und tausend bleiben noch zuruͤcke. Wie eine Uhr, beseelt durch ein Gewicht, Eilt eine Sonn, aus GOttes Kraft bewegt: Jhr Trieb laͤuft ab, und eine andre schlaͤgt, Du aber bleibst, und zaͤhlst sie nicht. v. Haller. Es ist ein nicht geringes Vergnuͤgen, mit sei- ner Einbildungskraft uͤber die Grenze der vollendeten Schoͤpfung, in den Raum des Chaos, auszu- schweifen, und die halb rohe Natur, in der Naheit zur Sphaͤre der ausgebildeten Welt, sich nach und nach durch alle Stuffen und Schattirungen der Un- vollkommenheit, in dem ganzen ungebildeten Rau- me, verlieren zu sehen. Aber ist es nicht eine ta- delnswuͤrdige Kuͤhnheit, wird man sagen, eine Hypothese aufzuwerfen, und sie, als einen Vor- wurf der Ergoͤtzung des Verstandes, anzupreisen, welche vielleicht nur gar zu willkuͤhrlich ist, wenn man behauptet, daß die Natur, nur einem unend- lich kleinen Theile nach, ausgebildet sey, und un- endliche Raͤume noch mit dem Chaos streiten, um H 2 in Allgemeine Naturgeschichte in der Folge kuͤnftiger Zeiten ganze Heere von Wel- ten und Weltordnungen, in aller gehoͤrigen Ord- nung und Schoͤnheit, darzustellen? Jch bin den Folgen, die meine Theorie darbietet, nicht so sehr ergeben, daß ich nicht erkennen solte, wie die Muth- massung, von der suceeßiven Ausbreitung der Schoͤpfung, durch die unendliche Raͤume, die den Stoff dazu in sich fassen, den Einwurf der Uner- weislichkeit nicht voͤllig ablehnen koͤnne. Jndessen verspreche ich mir doch von denenjenigen, welche die Grade der Wahrscheinlichkeit zu schaͤtzen, im Stande sind, daß eine solche Charte der Unendlich- keit, ob sie gleich einen Vorwurf begreiffet, der bestimmt zu seyn scheinet, dem menschlichen Ver- stande auf ewig verborgen zu seyn, nicht um des- willen sofort als ein Hirngespinste werde angesehen werden, vornemlich, wenn man die Analogie zu Huͤlfe nimmt, welche uns allemal, in solchen Faͤl- len, leiten muß, wo dem Verstande der Faden der untruͤglichen Beweise mangelt. Man kan aber auch die Analogie noch durch an- nehmungswuͤrdige Gruͤnde unterstuͤtzen, und die Einsicht des Lesers, wofern ich mich solches Bey- falls schmeicheln darf, wird sie vielleicht mit noch wichtigern vermehren koͤnnen. Denn wenn man erweget, daß die Schoͤpfung den Character der Bestaͤndigkeit nicht mit sich fuͤhret, wofern sie der allgemeinen Bestrebung der Anziehung, die durch alle ihre Theile wirket, nicht eine eben so durchgaͤn- gige Bestimmung entgegen setzet, die dem Hange der und Theorie des Himmels. der ersten zum Verderben und zur Unordnung gnug- sam widerstehen kan, wenn sie nicht Schwungs- kraͤfte ausgetheilet hat, die in der Verbindung, mit der Centralneigung, eine allgemeine systematische Verfassung festsetzen; so wird man genoͤthiget, ei- nen allgemeinen Mittelpunkt des ganzen Welt-Alls anzunehmen, die alle Theile desselben in verbunde- ner Beziehung zusammen haͤlt, und aus dem gan- zen Jnbegriff der Natur nur ein System machet. Wenn man hiezu den Begriff, von der Bildung der Weltkoͤrper, aus der zerstreueten elementarischen Materie fuͤget, wie wir ihn in den vorhergehenden entworfen haben, jedoch ihn allhier nicht auf ein absonderliches System einschraͤnkt, sondern uͤber die ganze Natur ausdehnet; so wird man genoͤthi- get, eine solche Austheilung des Grundstoffes, in dem Raume des urspruͤnglichen Chaos, zu geden- ken, die natuͤrlicher Weise einen Mittelpunkt der ganzen Schoͤpfung mit sich bringet, damit in die- sen die wirksame Masse, die in ihrer Sphaͤre die gesammte Natur begreift, zusammengebracht, und die durchgaͤngige Beziehung bewirket werden koͤnne, wodurch alle Welten nur ein einziges Gebaͤude aus- machen. Es kan aber in dem unendlichen Raume, kaum eine Art der Austheilung des urspruͤnglichen Grundstoffes, gedacht werden, die einen wahren Mittel- und Senkungspunkt der gesammten Natur setzen solte, als wenn sie nach einem Gesetze der zu- nehmenden Zerstreuung, von diesem Punkte an, in alle ferne Weiten eingerichtet ist. Dieses Gesetze aber setzet zugleich einen Unterscheid in der Zeit, die H 3 ein Allgemeine Naturgeschichte ein System in den verschiedenen Gegenden des un- endlichen Raumes gebrauchet, zur Reise seiner Ausbildung zu kommen, so, daß diese Periode de- sto kuͤrzer ist, je naͤher der Bildungsplatz eines Weltbaues sich dem Centro der Schoͤpfung befin- det, weil daselbst die Elemente des Stoffes dichter gehaͤufet sind, und dagegen um desto laͤnger Zeit erfordert, je weiter der Abstand ist, weil die Par- tikeln daselbst zerstreueter sind, und spaͤter zur Bil- dung zusammen kommen. Wenn man die ganze Hypothese, die ich ent- werfe, in dem ganzen Umfange sowohl dessen, was ich gesagt habe, als was ich noch eigentlich darle- gen werde, erweget; so wird man die Kuͤhnheit ihrer Forderungen wenigstens nicht vor unfaͤhig halten, eine Entschuldigung anzunehmen. Man kan den unvermeidlichen Hang, den ein jegliches zur Vollkommenheit gebrachtes Weltgebaͤude nach und nach zu seinem Untergange hat, unter die Gruͤnde rechnen, die es bewaͤhren koͤnnen, daß das Universum dagegen in andern Gegenden an Wel- ten fruchtbar seyn werde, um den Mangel zu erse- tzen, den es an einem Orte erlitten hat. Das gan- ze Stuͤck der Natur, das wir kennen, ob es gleich nur ein Atomus in Ansehung dessen ist, was uͤber oder unter unserem Gesichtskreise verborgen bleibt, bestaͤtiget doch diese Fruchtbarkeit der Natur, die ohne Schranken ist, weil sie nicht anders, als die Ausuͤbung der goͤttlichen Allmacht, selber ist. Unzaͤhlige Thiere und Pflanzen werden taͤglich zer- stoͤ- und Theorie des Himmels. stoͤret, und sind ein Opfer der Vergaͤnglichkeit; aber nicht weniger bringet die Natur, durch ein un- erschoͤpftes Zeugungsvermoͤgen, an andern Orten wiederum hervor, und fuͤllet das leere aus. Be- traͤchtliche Stuͤcke des Erdbodens, den wir bewoh- nen, werden wiederum in dem Meere begraben, aus dem sie ein guͤnstiger Periodus hervorgezogen hatte; aber an anderen Orten ergaͤnzet die Natur den Mangel, und bringet andere Gegenden her- vor, die in der Tiefe des Wesens verborgen waren, um neue Reichthuͤmer ihrer Fruchtbarkeit uͤber die- selbe auszubreiten. Auf die gleiche Art vergehen Welten und Weltordn u ngen, und werden von dem Abgrunde der Ewigkeiten verschlungen; dagegen ist die Schoͤpfung immerfort geschaͤftig, in andern Himmelsgegenden neue Bildungen zu verrichten, und den Abgang mit Vortheile zu ergaͤnzen. Man darf nicht erstaunen, selbst in dem Gros- sen der Werke GOttes, eine Vergaͤnglichkeit zu ver- statten. Alles, was endlich ist, was einen An- fang und Ursprung hat, hat das Merkmaal seiner eingeschraͤnkten Natur in sich; es muß vergehen, und ein Ende haben. Die Dauer eines Welt- baues hat, durch die Vortreflichkeit ihrer Errich- tung, eine Bestaͤndigkeit in sich, die, nnsern Be- griffen nach, einer unendlichen Dauer nahe kommt. Vielleicht werden tausend, vielleicht Millionen Jahrhunderte sie nicht vernichten; allein, weil die Eitelkeit, die an denen endlichen Naturen haftet, bestaͤndig an ihrer Zerstoͤrung arbeitet; so wird die H 4 Ewig- Allgemeine Naturgeschichte Ewigkeit alle moͤgliche Perioden in sich halten, um durch einen allmaͤhlichen Verfall den Zeitpunkt ih- res Unterganges doch endlich herbey zu fuͤhren. Newton, dieser grosse Bewunderer der Eigenschaf- ten GOttes, aus der Vollkommenheit seiner Werke, der mit der tiefsten Einsicht, in die Treflichkeit der Natur, die groͤste Ehrfurcht gegen die Offenbarung der goͤttlichen Allmacht verband, sahe sich genoͤ- thiget, der Natur ihren Verfall durch den natuͤrli- chen Hang, den die Mechanik der Bewegungen da- zu hat, vorher zu verkuͤndigen. Wenn eine syste- matische Verfassung, durch die wesentliche Folge der Hinfaͤlligkeit, in grossen Zeitlaͤuften auch den allerkleinsten Theil, den man sich nur gedenken mag, dem Zustande ihrer Verwirrung naͤhert; so muß in dem unendlichen Ablaufe der Ewigkeit doch ein Zeitpunkt seyn, da diese allmaͤhliche Verminderung alle Bewegung erschoͤpfet hat. Wir duͤrfen aber den Untergang eines Weltge- baͤudes nicht als einen wahren Verlust der Natur bedauren. Sie beweiset ihren Reichthum in einer Art von Verschwendung, welche, indem einige Theile der Vergaͤnglichkeit den Tribut bezahlen, sich durch unzehlige neue Zeugungen in dem ganzen Umfange ihrer Vollkommenheit unbeschadet erhaͤlt. Welch eine unzehlige Menge Blumen und Jnsecten zerstoͤret ein einziger kalter Tag; aber wie wenig ver- misset man sie, ohnerachtet es herrliche Kunstwerke der Natur und Beweisthuͤmer der goͤttlichen All- macht seyn; an einem andern Orte wird dieser Abgang mit Ueberfluß wiederum ersetzet. Der Mensch, und Theorie des Himmels. Mensch, der das Meisterstuͤck der Schoͤpfung zu seyn scheinet, ist selbst von diesem Gesetze nicht aus- genommen. Die Natur beweiset, daß sie eben so reich, eben so unerschoͤpfet, in Hervorbringung des treflichsten unter den Creaturen, als des gering- schaͤtzigsten, ist, und daß selbst deren Untergang ei- ne nothwendige Schattirung in der Mannigfaltig- keit ihrer Sonnen ist, weil die Erzeugung dersel- ben ihr nichts kostet. Die schaͤdlichen Wirkungen der angesteckten Luft, die Erdbeben, die Ueber- schwemmungen, vertilgen ganze Voͤlker von dem Erdboden; allein es scheinet nicht, daß die Na- tur dadurch einigen Nachtheil erlitten habe. Auf gleiche Weise verlassen ganze Welten und Systemen den Schauplatz, nachdem sie ihre Rolle ausgespie- let haben. Die Unendlichkeit der Schoͤpfung ist groß genug, um eine Welt, oder eine Milchstrasse von Welten, gegen sie anzusehen, wie man eine Blume, oder ein Jnsect, in Vergleichung gegen die Erde, ansiehet. Jndessen, daß die Natur mit veraͤnderlichen Auftritten die Ewigkeit auszieret, bleibt GOtt in einer unaufhoͤrlichen Schoͤpfung ge- schaͤftig, den Zeug zur Bildung noch groͤsserer Wel- ten zu formen. Der stets mit einem gleichen Auge, weil er, der Schoͤpfer, ja von allen, Sieht einen Helden untergehn, und einen kleinen Sperling fallen, Sieht eine Wasserblase springen, und eine ganze Welt vergehn. Pope, nach Brockes Uebersetzung. H 5 Laßt Allgemeine Naturgeschichte Last uns also unser Auge, an diese erschreckli- che Umstuͤrzungen als an die gewoͤhnlichen Wege der Vorsehung, gewoͤhnen, und sie sogar mit ei- ner Art von Wohlgefallen ansehen. Und in der That ist dem Reichthume der Natur nichts an- staͤndiger als dieses. Denn wenn ein Weltsystem in der langen Folge seiner Dauer alle Mannigfal- tigkeit erschoͤpfet, die seine Einrichtung fassen kan, wenn es nun ein uͤberfluͤßiges Glied in der Kette der Wesen geworden; so ist nichts geziemender, als daß es in dem Schauspiele der ablaufenden Ver- aͤnderungen des Universi die letzte Rolle spielet, die jedem endlichen Dinge gebuͤhret, nemlich der Ver- gaͤnglichkeit ihr Gebuͤhr abtrage Die Natur zeiget, wie gedacht, schon in dem kleinen Theile ihres Jn- begriffes, diese Regel ihres Verfahrens, die das ewige Schicksal ihr im ganzen vorgeschrieben hat, und ich sage es nochmals, die Groͤsse desjenigen was untergehen soll, ist hierin nicht im geringsten hinderiich, denn alles was groß ist, wird klein, ja es wird gleichsam nur ein Punkt, wenn man es mit dem Unendlichen vergleicht, welches die Schoͤ- pfung in dem unbeschraͤnkten Raume, die Folge der Ewigkeit hindurch, darstellen wird. Es scheinet, daß dieses denen Welten, so wie allen Naturdingen verhaͤngte Ende, einen gewissen Gesetze unterworfen sey, dessen Erwegung der Theorie einen neuen Zug der Anstaͤndigkeit giebet. Nachdemselben hebt es bey denen Weltkoͤrpern an, die sich dem Mittelpunkte des Welt-Alls am naͤch- sten und Theorie des Himmels. sten befinden, so wie die Erzeugung und Bildung neben diesem Centro zuerst angefangen: von da breitet sich das Verderben und die Zerstoͤrung nach und nach in die weiteren Entfernungen aus, um al- le Welt, welche ihre Periode zuruͤck geleget hat, durch einen allmaͤhlichen Verfall der Bewegungen, zuletzt in einem einzigen Choas zu begraben. An- dererseits ist die Natur auf der entgegengesetzten Gren- ze der ausgebildeten Welt, unablaͤßig beschaͤftiget, aus dem rohen Zeuge der zerstreueten Elemente Welten zu bilden, und, indem sie an der einen Sei- te neben dem Mittelpunkte veraltet, so ist sie auf der andern jung und an neuen Zeugungen frucht- bar. Die ausgebildete Welt befindet sich diesem- nach zwischen den Ruinen der zerstoͤrten, und zwi- schen dem Choas der ungebildeten Natur mitten inne beschraͤncket, und wenn man wie es wahr- scheinlich ist, sich vorstellet, daß eine schon zur Vollkommenheit gediehene Welt, eine laͤngere Zeit dauren koͤnne, als sie bedurft hat, gebildet zu wer- den; so wird ungeachtet aller der Verheerungen, die die Vergaͤnglichkeit unaufhoͤrlich anrichtet, der Umfang des Universi dennoch uͤberhaupt zu- nehmen. Will man aber noch zuletzt einer Jdee Platz lassen, die eben so wahrscheinlich, als der Verfas- sung der goͤttlichen Werke, wohlanstaͤndig ist; so wird die Zufriedenheit welche eine solche Abschilde- rung der Veraͤnderungen der Natur erreget, bis zum hoͤchsten Grade des Wohlgefallens erhoben. Kan Allgemeine Naturgeschichte Kan man nicht glauben, die Natur, welche ver- moͤgend war sich aus dem Choas in eine regelmaͤßi- ge Ordnung und in ein geschicktes System zu setzen, sey ebenfalls im Stande, aus dem neuen Choas, darinn sie die Verminderung ihrer Bewegungen versenket hat, sich wiederum eben so leicht herzu- stellen, und die erste Verbindung zu erneuren? Koͤnnen die Federn, welche den Stoff der zerstreu- ten Materie in Bewegung und Ordnung brach- ten, nachdem sie der Stillstand der Maschine zur Ruhe gebracht hat, durch erweiterte Kraͤfte nicht wiederum in Wirksamkeit gesetzt werden, und sich nach eben denselben allgemeinen Regeln zur Ueber- einstimmung einschraͤnken, wodurch die urspruͤng- liche Bildung zuwege gebracht worden ist? Man wird nicht lange Bedenken tragen, dieses zuzuge- ben, wenn man erweget, daß, nachdem die endli- che Mattigkeit der Umlaufs-Bewegungen in dem Weltgebaͤude die Planeten und Cometen insgesamt auf die Sonne niedergestuͤrtzt hat, dieser | ihre Glut einen unermeßlichen Zuwachs durch die Ver- mischung so vieler und grosser Klumpen bekommen muß, vornemlich da die entfernete Kugeln des Sonnensystems, unserer vorher erwiesenen Theorie zufolge, den leichtesten und im Feuer wirksamsten Stoff der ganzen Natur, in sich enthalten. Die- ses durch neue Nahrung und die fluͤchtigste Mate- rie in die groͤste Heftigkeit versetzte Feuer, wird oh- ne Zweifel nicht allein alles wiederum in die klein- sten Elemente aufloͤsen, sondern auch dieselbe in dieser Art, mit einer der Hitze gemaͤssen Ausdeh- nungs- und Theorie des Himmels. nungskraft, und mit einer Schnelligkeit, welche durch keinen Widerstand des Mittelraums geschwaͤ- chet wird, |in dieselben weiten Raͤume wiederum ausbreiten und zerstreuen, welche sie vor der ersten Bildung der Natur eingenommen hatten, um, nachdem die Hestigkeit des Ceutralfeuers durch ei- ne beynahe gaͤnzliche Zerstreuung ihrer Masse ge- daͤmpfet werden, durch Verbindung der Attra- ctions- und Zuruͤckstossungskraͤfte, die alten Zeugun- gen und systematisch beziehende Bewegungen, mit nicht minderer Regelmaͤßigkeit zu wiederholen und ein neues Weltgebaͤude darzustellen. Wenn denn ein besonderes Planetensystem auf diese Weise in Verfall gerathen und durch wesentliche Kraͤfte sich daraus wiederum hergestellet hat, wenn es wohl gar dieses Spiel mehr wie einmal wiederholet; so wird endlich die Periode herannahen, die auf gleiche Weise das grosse System, darinn die Fixsterne Glieder seyn, durch den Verfall ihrer Bewegungen, in einem Choas versamlen wird. Man wird hier noch weniger zweifeln, daß die Vereinigung einer so unendlichen Menge Feuerschaͤtze, als diese brennen- den Sonnen sind, zusammt dem Gefolge ihrer Pla- neten den Stoff ihrer Massen durch die unnenbare Glut aufgeloͤset, in den alten Raum ihrer Bil- dungssphaͤre zerstreuen und daselbst die Materialien zu neuen Bildungen durch dieselbe mechanische Ge- setze hergeben werden, woraus wiederum der oͤde Raum mit Welten und Systemen kan belebet wer- den. Wenn wir denn diesen Phoͤnix der Natur, der sich nur darum verbrennet, um aus seiner Asche wie- Allgemeine Naturgeschichte wiederum verjuͤngt aufzuleben, durch alle Unend- lichkeit der Zeiten und Raͤume hindurch folgen: wenn man siehet, wie sie sogar in der Gegend da sie verfaͤlt und veraltet an neuen Auftritten unerschoͤpft und auf der anderen Grenze der Schoͤpfung in dem Raum der ungebildeten rohen Materie mit steti- gen Schritten zur Ausdehnung des Plans der goͤtt- lichen Offenbarung fortschreitet, um die Ewigkeit sowohl, als alle Raͤume mit ihren Wundern zu fuͤl- len; so versenket sich der Geist, der alles dieses uͤber- dencket, in ein tiefes Erstaunen: aber annoch mit die- sem so grossen Gegenstande unzufrieden, dessen Vergaͤnglichkeit die Seele nicht gnugsam zufrieden stellen kan, wuͤnschet er dasjenige Wesen von na- hem kennen zu lernen, dessen Verstand, dessen Groͤsse die Quelle desjenigen Lichtes ist, das sich uͤber die gesammte Natur, gleichsam als aus einem Mit- telpunkte, ausbreitet. Mit welcher Art der Ehr- furcht muß nicht die Seele so gar ihr eigen Wesen ansehen, wenn sie betrachtet, daß sie noch alle die- se Veraͤnderungen uͤberleben soll, sie kan zu sich sel- ber sagen, was der philosophische Dichter von der Ewigkeit saget: Wenn denn ein zweytes Nichts, wird diese Welt begraben; Wenn von dem Alles selbst, nichts bleibet als die Stelle; Wenn mancher Himmel noch, von andern Sternen helle, Wird seinen Lauf vollend haben; Wirst und Theorie des Himmels. Wirst du so jung als jetzt, von deinem Tod gleich weit, Gleich ewig kunftig seyn, wie heut. v. Haller. O gluͤcklich wenn sie unter dem Tumult der Elemente und den Traͤumen der Natur jederzeit auf eine Hoͤhe gesetzet ist, von da sie die Verhee- rungen, die die Hinfaͤlligkeit den Dingen der Welt verursacht, gleichsam unter ihren Fuͤssen kan vorbey rauschen sehen. Eine Gluͤckseligkeit, welche die Ver- nunft nicht einmal zu erwuͤnschen sich erkuͤhnen darf, lehret uns die Offenbarung mit Ueberzeugung hoffen. Wenn denn die Fesseln, welche uns an die Eitelkeit der Creaturen geknuͤpft halten, in dem Augenblicke, wel- cher zu der Verwandelung unsers Wesens bestimmt worden, abgefallen seyn, so wird der unsterbli- che Geist von der Abhaͤngigkeit der endlichen Dinge befreyet, in der Gemeinschaft mit dem unendlichen Wesen, den Genuß der wahren Gluͤckseligkeit fin- den. Die ganze Natur, welche eine allgemeine harmonische Beziehung zu dem Wohlgefallen der Gottheit hat, kan diejenige vernuͤnftige Creatur nicht anders als mit immerwaͤhrender Zufrieden- heit erfuͤllen, die sich mit dieser Urquelle aller Voll- kommenheit vereint befindet. Die Natur von die- sem Mittelpunkte aus gesehen, wird von allen Sei- ten lauter Sicherheit, lauter Wohlanstaͤndigkeit zeigen. Die veraͤnderlichen Scenen der Natur ver- moͤgen nicht, den Ruhestand der Gluͤckseligkeit ei- nes Geistes zu verruͤcken, der einmal zu solcher Hoͤhe Allgemeine Naturgeschichte Hoͤhe erhoben ist. Jndem er diesen Zustand, mit einer suͤssen Hofnung, schon zum voraus kostet; kan er seinen Mund in denjenigen Lobgesaͤngen uͤben, da- davon dereinst alle Ewigkeiten erschallen sollen. Wenn dereinst der Bau der Welt, in sein Nichts zuruͤck geeilet Und sich deiner Haͤnde Werk nicht durch Tag und Nacht mehr theilet; Denn soll mein geruͤhrt Gemuͤthe, sich durch dich gestaͤrkt bemuͤhn, Jn Verehrung deiner Allmacht, stets vor deinen Thron zu ziehn: Mein von Dank erfuͤllter Mund soll durch alle Ewigkeiten, Dir und deiner Majestaͤt, ein unendlich Lob bereiten; Jst dabey gleich kein vollkomnes, denn o HErr! so groß bist du, Dich nach Wuͤrdigkeit zu loben, reicht die Ewigkeit nicht zu. Addisson Nach Gottscheds Uebersetzung. Zuga- und Theorie des Himmels. Zugabe zum siebenden Hauptstuͤcke. Allgemeine Theorie und Geschichte der Sonne uͤberhaupt. E s ist noch eine Hauptfrage deren Aufloͤsung in der Naturlehre des Himmels, und in einer vollstaͤndigen Cosmogonie unentbehrlich ist. Wo- her wird nemlich der Mittelpunkt eines jeden Sy- stems von einem flammenden Coͤrper eingenom- men? Unser planetische Weltbau hat die Sonne zum Centralkoͤrper, und die Fixsterne die wir sehen, sind allem Ansehen nach Mittelpunkte aͤhnlicher Systematum. Um zu begreifen, woher in der Bildung eines Weltgebaͤudes, der Koͤrper, der zum Mittelpunkte der Attraction dienet, ein feuriger Koͤrper hat wer- den muͤssen, indessen daß die uͤbrige Kugeln seiner Anziehungssphaͤre dunkele und kalte Weltkoͤrper blieben, darf man nur die Art der Erzeugung ei- nes Weltbaues sich zuruͤck erinnern, die wir in dem vorhergehenden umstaͤndlich entworfen haben. Jn dem weit ausgedehnten Raume, darinn der aus- gebreitete elementarische Grundstoff sich zu Bildun- gen und systematischen Bewegungen anschickt, bilden sich die Planeten und Cometen nur allein aus demjenigen Theile, des zum Mittelpunkte der Attraction sinkenden elementarischen Grundstoffes, welcher durch den Fall und die Wechselwirkung, den J gesam- Allgemeine Naturgeschichte gesammten Partikeln zu der genauen Einschraͤnkung der Richtung und Geschwindigkeit, die zum Um- schwunge erfordert wird, bestimmt worden. Dieser Theil ist, wie oben dargethan worden, der mindeste von der ganzen Menge der abwaͤrts sinkenden Ma- terie, und zwar nur der Ausschuß dichterer Sor- ten, welche durch den Wiederstand der andern zu diesem Grade der Genauheit haben gelangen koͤnnen. Es befinden sich in diesem Gemenge, heranschwe- bende Sorten vorzuͤglicher Leichtigkeit, die, durch die Wiederstrebung des Raumes gehindert, durch ihren Fall zu der gehoͤrigen Schnelligkeit der perio- dischen Umwendungen nicht durchdringen, und die folglich in der Mattigkeit ihres Schwunges ins- gesamt zum Centralkoͤrper hinabgestuͤrtzet werden. Weil nun eben diese leichteren und fluͤchtigen Theile auch die wirksamsten seyn, das Feuer zu unterhal- ten; so sehen wir, daß durch ihren Zusatz der Koͤr- per und Mittelpunkt des Systems den Vorzug er- haͤlt, eine flammende Kugel, mit einem Worte, ei- ne Sonne zu werden. Dagegen wird der schweerere und unkraͤstige Stoff und der Mangel dieser feuernaͤhrenden Theilchen, aus den Planeten nur kalte und todte Klumpen machen, die solcher Ei- genschaft beraubt seyn. Dieser Zusatz so leichter Materien ist es auch, wodurch die Sonne die specifisch mindere Dich- tigkeit uͤberkommen hat, dadurch sie auch so gar unserer Erde, dem dritten Planeten in dem Abstan- de von ihr, 4 mal an Dichtigkeit nachstehet; ob- gleich und Theorie des Himmels. gleich es natuͤrlich ist, zu glauben, daß sie in die- sem Mittelpunkte des Weltbaues, als in dessen niedrigsten Orte, die schweeresten und dichtesten Gat- tungen der Materie sich befinden solten, wodurch sie, ohne dem Zusatz einer so grossen Menge des leich- testen Stoffes, die Dichtigkeit aller Planeten uͤber- treffen wuͤrde. Die Vermengung dichterer und schweerer Sor- ten der Elementen, zu diesen leichtesten und fluͤchtig- sten, dienet gleichfalls dem Centralkoͤrper zu der hef- tigsten Glut, die auf seiner Oberflaͤche brennen und unterhalten werden soll, geschickt zu machen. Denn wir wissen, daß das Feuer, in dessen naͤhrenden Stoffe dichte Materien unter den fluͤchtigen sich vermengt befinden, einen grossen Vorzug der Hef- tigkeit vor denenjenigen Flammen hat, die nur von den leichten Gattungen unterhalten wird. Diese Untermischung aber, einiger schweeren Sorten unter die leichteren, ist eine nothwendige Folge unsers Lehrbegriffes von der Bildung der Weltkoͤrper, und hat noch diesen Nutzen, daß die Gewalt der Glut, die brennbare Materie der Oberflaͤche nicht ploͤtzlich zerstreue, und daß selbige, durch den Zufluß der Nah- rung aus dem innern, allmaͤhlig und bestaͤndig ge- naͤhret wird. Nachdem die Frage nun aufgeloͤset ist, woher der Centralkoͤrper eines grossen Sternsystems, eine flammende Kugel d. i. eine Sonne sey; so scheinet es nicht uͤberfluͤßig zu seyn, sich mit diesem Vor- wurfe noch einige Zeit zu beschaͤftigen, und J 2 den Allgemeine Naturgeschichte den Zustand eines solchen Himmelskoͤrpers mit ei- ner sorgfaͤltigen Pruͤfung zu erforschen; vornem- lich, da die Muthmassungen allhier aus tuͤchtige- ren Gruͤnden sich herleiten lassen, als sie es gemei- niglich, bey den Untersuchungen der Beschaffenheit entferneter Himmelskoͤrper, zu seyn pflegen. Zuvoͤrderst setze ich fest, daß man nicht zwei- feln koͤnne, die Sonne sey wirklich ein flammender Koͤrper, und nicht eine bis zum hoͤchsten Grade er- hitzte Masse geschmoltzener und gluͤender Materie, wie einige aus gewissen Schwierigkeiten, welche sie bey der ersteren Meinung zu finden vermeinet, ha- ben schliessen wollen. Denn wenn man erweget, daß ein flammendes Feuer, vor einer jeden andern Art der Hitze, diesen wesentlichen Vorzug hat, daß es, so zu sagen, aus sich selbst wirksam, anstatt sich durch die Mittheilung zu verringern, oder zu erschoͤ- pfen, vielmehr eben dadurch mehr Staͤrke und Hef- tigkeit uͤberkommt, und also nur Stoff und Nah- rung zum Unterhalte erfordert, um immer fort zu waͤhren; dahingegen die Glut einer, auf den hoͤch- sten Grad erhitzten Masse, ein blos leidender Zu- stand ist, der sich durch die Gemeinschaft der be- ruͤhrenden Materie unaufhoͤrlich vermindert, und keine eigene Kraͤfte hat, sich aus einem kleinen An- fange auszubreiten, oder bey der Verminderung wiederum aufzuleben, wenn man, sage ich, dieses erweget, so wird man, ich geschweige der anderen Gruͤnde, schon hieraus sattsam ersehen koͤnnen, daß der Sonne, der Quelle des Lichtes und der Waͤrme in jegli- und Theorie des Himmels. jeglichem Weltbau, jene Eigenschaft wahrscheinli- cher Weise muͤsse beygeleget werden. Wenn die Sonne nun, oder die Sonnen uͤber- haupt flammende Kugeln seyn; so ist die erste Be- schaffenheit ihrer Oberflaͤche, die sich hieraus abneh- men laͤst, daß auf ihnen Luft befindlich seyn muͤsse, weil ohne Luft kein Feuer brennet. Dieser Um- stand giebt Anlaß zu merkwuͤrdigen Folgerungen. Denn wenn man erstlich die Athmosphaͤre der Son- ne und ihr Gewicht in Verhaͤltniß des Sonnen- klumpens setzet; in welchen Stande der Zusam- mendruͤckung wird diese Luft nicht seyn, und wie vermoͤgend wird sie nicht eben dadurch werden, die heftigsten Grade des Feuers durch ihre Federkraft zu unterhalten? Jn dieser Athmosphaͤre erheben sich, allem Vermuthen nach, auch die Rauchwolken von denen durch die Flamme aufgeloͤseten Materien, die, wie man nicht zweifeln darf, eine Mischung von groben und leichteren Theilchen, in sich haben, wel- che, nachdem sie sich zu einer Hoͤhe, die vor sie eine kuͤhlere Luft heget, erhoben haben, in schweren Pech- und Schwefelregen hinabstuͤrzen und der Flamme neue Nahrung zufuͤhren. Eben diese Athmosphaͤ- re| ist auch, aus den gleiehem Ursachen wie auf unse- rer Erde, von denen Bewegungen der Winde nicht befreyet, welche aber, dem Ansehen nach, alles was die Einbildungskraft nur sich vorzustellen vermag, an Heftigkeit weit uͤbertreffen muͤssen. Wenn irgend eine Gegend auf der Obeflaͤche der Sonne, entweder durch die erstickende Gewalt der ausbrechenden Daͤmpfe, oder durch den sparsamen Zufluß brenba- J 3 rer Allgemeine Naturgeschichte rer Materien, in dem Ausbruche der Flamme nach- laͤst; so erkuͤhlet die daruͤber befindliche Luft einiger massen, und, indem sie sich zusammenziehet, giebt sie der daneben befindlichen Platz, mit einer dem Ueberschusse ihrer Ausspannung gemaͤssen Gewalt, in ihren Raum zu dringen, um die erloschene Flamme anzufachen. Gleichwohl verschlinget alle Flamme immer vie- le Luft, und es ist kein Zweifel, daß die Feder- kraft des fluͤßigen Luftelements, das die Sonne umgiebet, dadurch in einiger Zeit nicht geringen Nach- theil erleiden muͤsse. Wenn man dasjenige, was Herr Hales hievon, bey der Wirkung der Flamme in unserer Athmosphaͤre, durch sorgfaͤltige Versuche bewaͤhret hat, hier in grossen anwendet; so kan man die immerwaͤhrende Bestrebung der aus der Flamme gehenden Rauchtheilchen, die Elastieitaͤt der Sonnen Athmosphaͤre zu zernichten, als einen Hauptknoten ansehen, dessen Aufloͤsung mit Schwie- rigkeiten verbunden ist. Denn dadurch, daß die Flamme, die uͤber der ganzen Flaͤche der Sonne bren- net, sich selber die Luft benimmt, die ihr zum Bren- nen unentbehrlich ist, so ist die Sonne in Gefahr gar zu verloͤschen, wenn der groͤste Theil ihrer Ath- mosphaͤre verschlungen worden. Es ist wahr, das Feuer erzeuget auch, durch Aufloͤsung gewisser Ma- terien, Luft; aber die Versuche beweisen, daß alle- zeit mehr verschlungen, als erzeuget wird. Zwar, wenn ein Theil des Sonnenfeuers, unter erstickenden Daͤmpfen der Luft, die zu ihrer Erhaltung dienet berau- und Theorie des Himmels. beraubet wird; so werden, wie wir schon angemerket haben, heftige Stuͤrme sie zerstreuen und wegzu- fuͤhren bemuͤhet seyn. Allein im ganzen wird man die Ersetzung dieses noͤthigen Elements auf folgende Art sich begreiflich machen koͤnnen, wenn man in Betrachtung ziehet, daß da bey einem flammenden Feuer, die Hitze fast nur uͤber sich, und nur wenig unter sich wuͤrket, wenn sie durch die angefuͤhrte Ursache ersticket worden, ihre Heftigkeit gegen das innere des Sonnenkoͤrpers kehret, und dessen tiefe Schluͤnde noͤthiget, die in ihren Hoͤhlen verschlos- sene Luft hervorbrechen zu lassen, und das Feuer aufs neue anzufachen: wenn man in diesem ihrem Eingeweide durch eine Freyheit, die bey einem so unbekannten Gegenstande nicht verboten ist, vor- nemlich Materien setzet, die, wie der Salpeter, an elastischer Luft unerschoͤpflich ergiebig seyn; so wird das Sonnenfeuer uͤberaus lange Perioden hindurch an dem Zuflusse immer erneueter Luft, nicht leichtlich Mangel leiden koͤnnen. Gleichwohl siehet man, die deutlichen Merk- maale der Vergaͤnglichkeit auch an diesem unschaͤtz- baren Feuer, das die Natur zur Fackel der Welt aufgestecket. Es kommt eine Zeit, darinn sie wird erloschen seyn. Die Entziehung der fluͤchtigsten und feinsten Materien, die, durch die Heftigkeit der Hitze zerstreuet, niemals wieder zuruͤck kehren, und den Stoff des Zodiakallichts vermehren, die Haͤu- fung unverbrenlicher und ausgebrannter Materien, Z. E. der Asche auf der Oberflaͤche, endlich auch J 4 der Allgemeine Naturgeschichte der Mangel der Luft, werden der Sonne ein Ziel se- tzen, da ihre Flamme dereinst erloͤschen, und ihren Ort, der anjetzo der Mittelpunkt des Lichtes und des Lebens dem ganzen Weltgebaͤude ist, ewige Fin- sternisse einnehmen werden. Die abwechselnde Be- strebung ihres Feuers, durch die Eroͤfnung neuer Gruͤfte, wiederum aufzuleben, wodurch sie sich vie- leicht vor ihrem Untergange etlichemal herstellet, koͤnnte eine Erklaͤrung des Verschwindens und der Wiedererscheinung einiger Fixsterne abgeben. Es wuͤrden Sonnen seyn, welche ihrem Erloͤschen na- he sind, und die noch etlichemal aus ihrem Schut- te aufzuleben trachten. Es mag diese Erklaͤrung Beyfall verdienen, oder nicht, so wird man sich doch gewiß diese Betrachtung dazu dienen lassen, einzusehen, daß, da der Vollkommenheit aller Welt- ordnungen, es sey auf die eine oder andere Art, ein unvermeidlicher Verfall drohet, man keine Schwie- rigkeit in dem oben angefuͤhrten Gesetze ihres Unter- ganges, durch den Hang der mechanischen Einrich- tung, finden werde, welche dadurch aber vornem- lich annehmungswuͤrdig wird, weil sie den Saa- men der Wiedererneurung, selbst in der Vermen- gung mit dem Choas, bey sich fuͤhret. Zuletzt lasset uns der Einbildungskraft ein so wunderseltsames Object, als eine brennende Sonne ist, gleichsam von nahen vorstellen. Man siehet in einem Anblicke weite Feuerseen, die ihre Flam- men gen Himmel erheben, rasende Stuͤrme, de- ren Wuth die Heftigkeit der ersten verdoppelt, wel- che, und Theorie des Himmels. che, indem sie selbige uͤber ihre Ufer aufschwellend machen, bald die erhabene Gegenden dieses Welt- koͤrpers bedecken, bald sie in ihre Grenzen zuruͤck- sinken lassen: ausgebrannte Felsen, die aus den flammenden Schluͤnden ihre fuͤrchterliche Spitzen herausstrecken, und deren Ueberschwemmung oder Entbloͤssung von dem wallenden Feuerelemente, das abwechselnde Erscheinen und Verschwinden der Sonnenflecken, verursachet: dicke Daͤmpfe, die das Feuer ersticken, und die, durch die Gewalt der Win- de erhoben, finstre Wolken ausmachen, welche in feurigen Regenguͤssen wiederum herabstuͤrzen, und als brennende Stroͤhme, von den Hoͤhen des festen Sonnenlandes Jch schreibe nicht ohne Ursache der Sonnen alle Unebenheiten hes festen Landes, der Gebuͤrge und der Thaͤler zu, die wir auf unserer Erde und andern Weltkoͤrpern antreffen. Die Bildung ei- ner Weltkugel, die sich aus einem fluͤßigen Zu- stande in einen festen veraͤndert, bringt nothwen- dig solche Ungleichheiten auf der Oberflaͤche Zu- wege. Wenn die Oberflaͤche sich haͤrtet, indessen, daß in dem fluͤßigen inwendigen Theile solcher Masse, die Materien sich noch nach Maßgebung ihrer Schweere zum Mittelpunkte, hinsenken; so werden die Partickeln des elastischen Luft- oder Feuerelements, das sich in diesen Materien mit untergemengt befindet, heraus gejagt, und haͤuf- fen sich unter der indessen festgewordenen Rinde, unter welcher sie grosse, und nach Proportion des Sonnenklumpens ungeheure Hoͤhlen erzeu- gen, in die gebachte oberste Rinde, zuletzt mit mannigfaltigen Einbeugungen hereinsinkt, und so- wohl sich in die flammende Thaͤler J 5 er- Allgemeine Naturgeschichte ergiessen, das Krachen der Elemente, den Schutt ausgebrannter Materien, und die mit der Zerstoͤ- rung ringende Natur, welche, selbst mit dem ab- scheulichsten Zustande ihrer Zerruͤttungen die Schoͤnheit der Welt und den Nutzen der Creaturen, bewirket. Wenn denn die Mittelpunkte aller grossen Weltsystemen flammende Koͤrper seyn; so ist die- ses am meisten von dem Centralkoͤrper desjenigen unermeßlichen Systems zu vermuthen, welches die Fixsterne ausmachen. Wird nun aber dieser Coͤr- per, dessen Masse zu der Groͤsse seines Systems ein Verhaͤltniß haben muß, wenn er ein selbstleuchten- der Koͤrper oder eine Sonne waͤre, nicht mit vor- zuͤglichem Glanze und Groͤsse in die Augen fal- len? Gleichwohl sehen wir keinen dergleichen sich ausnehmend unterscheidenden Fixstern unter dem Himmelsheere hervorschimmern. Jn der That, man darf es sich nicht befremden lassen, wenn die- ses nicht geschicht. Wenn er gleich 10000 mahl un- sere Sonne an Groͤsse uͤbertraͤffe, so koͤnnte er doch, wenn man seine Entfernung 100 mahl groͤsser, als des Sirius seine annimmt, nicht groͤsser und heller, als dieser, erscheinen. Vielleicht aber ist es dem kuͤnftigen Zeiten auf- gehoben, wenigstens noch dereinst die Gegend zu ent- wohl erhoͤhete Gegenden und Gebirge, als auch Thaͤler und Fluthbetre weiter Feuerseen dadurch zubereitet. und Theorie des Himmels. entdecken, wo der Mittelpunkt Jch habe eine Muthmassung, nach welcher es mir sehr wahrscheinlich zu seyn duͤnket, daß der Si- rius oder Hundsstern, in dem System der Sterne, die die Milchstrasse ausmachen, der Centralkoͤr- per sey, und den Mittelpunkt einnehme, zu wel- chen sie sich alle beziehen. Wenn man dieses System, nach dem Entwurfe des ersten Theils die- ser Abhandlung, wie ein Gewimmel von Sonnen, die zu einer gemeinschaftlichen Flaͤche gehaͤuft seyn, ansiehet, welches nach allen Seiten von dem Mittelpunkte derselben ausgestreuet ist, und durch einen gewissen, so zu sagen, zirkelfoͤr- migten Raum, der durch die geringe Abweichun- gen derselben von Beziehungsplane, sich auch in die Breite von beyden Seiten etwas ausdehnet, aus- macht: so wird die Sonne, die sich gleichfalls die- sem Plane nahe befindet, die Erscheinung dieser zirkelfoͤrmigten, weislicht schimmernden Zone, nach derjenigen Seite hin, am breitesten sehen, nach welcher sie sich der aͤussersten Grenze des Systems am naͤchsten befindet; denn es ist leicht zu vermuthen, daß sie sich nicht eben gerade im Mittelpunkte aufhalten werde. Nun ist der Streif der Milchstrasse, in dem Theile zwischen dem Zeichen des Schwaans und des Schuͤtzens, am breitesten, folglich wird dieses die Seite seyn, da der Platz unserer Sonne der aͤussersten Peri- pherie des zirkelfoͤrmigten Systems am naͤchsten ist: und in diesem Theile werden wir den Ort, wo die Sternbilder des Adlers und Fuchses mit der Gans stehen, insonderheit vor den aller- naͤchsten halten, weil daselbst aus dem Zwi- schenraume, da die Milchstrasse sich theilet, die groͤsseste scheinbare Zerstreuung der Sterne erhel- let. des Fixsternen- systems, darein unsere Sonne gehoͤret, befindlich ist, Allgemeine Naturgeschichte ist, oder vielleicht wohl gar zu bestimmen, wohin man den Centralkoͤrper des Universi , nach welchem alle Theile desselben mit einstimmiger Senkung zielen, setzen muͤsse. Von was vor einer Beschaffenheit dieses Fundementalstuͤcke der ganzen Schoͤpfung sey, und was auf ihm befindlich, wollen wir dem Herrn Wrigt von Durham zu bestimmen uͤber- lassen, der mit einer fanatischen Begeisterung, ein kraͤftiges Wesen von der Goͤtterart mit geistlichen Anziehungs- und Zuruͤckstossungskraͤften, das, in einer unendlichen Sphaͤre um sich wirksam, alle Tu- gend an sich zoͤge, die Laster aber, zuruͤcktriebe, in diesem gluͤcklichen Orte, gleichsam auf einen Thron der gesammten Natur, erhoͤhete. Wir wollen die Kuͤhnheit unserer Muthmassungen, welchen wir vielleicht nur gar zu viel erlaubt haben, nicht bis let. Wenn man daher ohngefehr von dem Orte neben dem Schwanze des Adlers, eine Linie mit- ten durch die Flaͤche der Milchstrasse bis zu dem gegen uͤberstehenden Punkte ziehet; so muß diese auf den Mittelpunkt des Systems zutreffen, und sie trift in der That sehr genau auf den Sirius, den hellesten Stern am ganzen Himmel, der, we- gen die er gluͤcklichen, mit seiner vorzuͤglichen Ge- stalt sowohl harmonierenden Zusammentreffung, es zu verdienen scheinet, daß man ihn vor den Centralkoͤrper selber halte. Er wuͤrde, nach die- sem Begriffe, auch gerade in dem Streife der Milchstrasse gesehen werden, wenn nicht der Stand unserer Sonne der beym Schwanze des Adlers von dem Plane derselben etwas abweichet, nicht den optischen Abstand des Mittelpunktes gegen die andere Seite solcher Zone, verursachte. und Theorie des Himmels. bis zu willkuͤhrlichen Erdichtungen den Zuͤgel schies- sen lassen. Die Gottheit ist in der Unendlichkeit des ganzen Weltraumes allenthalben gleich gegen- waͤrtig; allenthalben wo Naturen seyn, welche faͤhig seyn, sich uͤber die Abhaͤngigkeit der Geschoͤ- pfe, zu der Gemeinschaft des hoͤchsten Wesens, em- por zu schwingen, befindet es sich gleich nahe. Die ganze Schoͤpfung ist von ihren Kraͤften durch- drungen, aber nur derjenige, der sich von dem Ge- schoͤpfe zu befreyen weiß, welcher so edel ist, einzu- sehen, daß in dem Genusse dieser Urqvelle der Voll- kommenheit die hoͤchste Staffell der Gluͤckseligkeit einzig und allein zu suchen, der allein ist faͤhig, diesem wahren Beziehungspunkte aller Treflichkeit sich naͤher, als irgend etwas anders in der ganzen Natur, zu befinden. Jndessen wenn ich, ohne an der enthusiastischen Vorstellung des Engellaͤnders Theil zu nehmen, von den verschiedenen Graden der Geisterwelt aus der physischen Beziehung ihrer Wohnplaͤtze gegen den Mittelpunkt der Schoͤpfung, muthmassen soll, so wollte mit mehrer Wahrschein- lichkeit die vollkommensten Classen vernuͤnftiger We- sen, weiter von diesem Mittelpunkte, als nahe bey demselben, suchen. Die Vollkommenheit mit Ver- nunft begabter Geschoͤpfe, in so weit sie von der Be- schaffenheit der Materie abhaͤnget, in deren Verbin- dung sie beschraͤnket seyn, kommt gar sehr auf die Feinigkeit des Stoffes an, dessen Einfluß dieselbe zur Vorstellung der Welt und zur Gegenwirkung in dieselbe bestimmt. Die Traͤgheit und der Wie- derstand der Materie schraͤnket die Freyheit des gei- stigen Allgemeine Naturgeschichte stigen Wesens zum Wirken und die Deutlichkeit ih- rer Empfindung von aͤussern Dingen gar zu sehr ein, sie macht ihre Faͤhigkeiten stumpf, indem sie deren Bewegungen nicht mit gehoͤriger Leichtigkeit gehorchet. Daher wenn man, wie es wahrschein- lich ist, nahe zum Mittelpunkte der Natur die dich- testen und schweersten Sorten der Materie, nnd da- gegen in der groͤsseren Entfernung, die zunehmen- den Grade der Feinigkeit und Leichtigkeit derselben, der Analogie gemaͤß, die in unsern Weltbau herr- schet, annimmt; so ist die Folge begreiflich. Die vernuͤnftigen Wesen deren Erzeugungsplatz und Auf- enthalt naͤher zu dem Mittelpunkte der Schoͤpfung sich befindet, sind in eine steife und unbewegliche Materie versenket, die ihre Kraͤfte in einer unuͤber- windlichen Traͤgheit verschlossen enthaͤlt, und auch eben so unfaͤhig ist, die Eindruͤcke des Universi , mit der noͤthigen Deutlichkeit und Leichtigkeit, zu uͤbertragen und mitzutheilen. Man wird diese den- kende Wesen also in die niedrige Classe zu zehlen haben; dagegen wird, mit den Entfernungen vom allgemeinen Centro, diese Vollkommenheit der Gei- sterwelt, welche auf der gewechselten Abhaͤngigkeit derselben von der Materie beruhet, wie eine be- staͤndige Leiter wachsen. Jn der tiefsten Erniedri- gung zu diesem Senkungspunkte hat man diesem zu- folge die schlechtesten und unvollkommensten Gattun- gen denkender Naturen zu setzen, und hiewaͤrtshin ist, wo diese Treflichkeit der Wesen sich, mit allen Schattierungen der Verminderung, endlich in den gaͤnzlichen Mangel der Ueberlegung und des Den- kens und Theorie des Himmels. kens verlieret. Jn der That, wenn man erweget, daß der Mittelpunkt der Natur zugleich der Anfang ihrer Bildung aus dem rohen Zeuge, und ihre Gren- ze mit dem Choas, ausmacht: wenn man dazu se- tzet, daß die Vollkommenheit geistiger Wesen, wel- che wohl eine aͤusserste Grenze ihres Anfanges hat, wo ihre Faͤhigkeiten mit der Unvernunft zusammen- stossen, aber keine Grenzen der Forsetzung, uͤber welche sie nicht koͤnte erhoben werden, sondern nach der Seite hin, eine voͤllige Unendlichket vor sich findet; so wird man, wenn ja ein Gesetze statt finden soll, nach welchem der vernuͤnftigen Creatu- ren Wohnplaͤtze, nach der Ordnung ihrer Beziehung zum gemeinschaftlichen Mittelpunkte, vertheilet seyn, die niedrigste und unvollkommenste Gattung, die gleichsam den Anfang des Geschlechtes der Geister- welt ausmacht, an demjenigen Orte zu setzen haben, der der Anfang des gesammten Universi zu nen- nen ist, um zugleich mit diesem in gleicher Fort- schreitung alle Unendlichkeit der Zeit und der Raͤu- me, mit ins unendliche wachsenden Graden der Voll- kommenheit des Denkungsvermoͤgens, zu erfuͤllen, und sich, gleichsam nach und nach, dem Ziele der hoͤch- sten Treflichkeit, nemlich der Gottheit zu naͤheren, ohne es doch jemals erreichen zu koͤnnen. Achtes Allgemeine Naturgeschichte Achtes Hauptstuͤck, Allgemeiner Beweis von der Richtigkeit einer mechanischen Lehrverfassung, der Einrich- tung des Weltbaues uͤberhaupt, insonderheit von der Gewißheit der gegen- waͤrtigen. M an kan das Weltgebaͤude nicht ansehen, ohne die treflichste Anordnung in ihrer Einrich- tung, und die sicheren Merkmaale der Hand GOt- tes, in der Vollkommenheit ihrer Beziehungen, zu kennen. Die Vernunft, nachdem sie so viel Schoͤnheit, so viel Treflichkeit erwogen und bewun- dert hat, entruͤstet sich mit Recht uͤber die kuͤhne Thorheit, welche sich unterstehen darf, alles dieses dem Zufalle, und einem gluͤcklichen Ohngefehr, zu- zuschreiben. Es muß die hoͤchste Weisheit den Ent- wurf gemacht, und eine unendliche Macht selbige ausgefuͤhret haben, sonst waͤre es unmoͤglich, so viele in einem Zweck zusammen kommende Absich- ten, in der Verfassung des Weltgebaͤudes, anzu- treffen. Es kommt nur noch darauf an, zu ent- scheiden, ob der Entwurf der Einrichtung des Uni- versi von dem hoͤchsten Verstande schon in die we- sentliche Bestimmungen der ewigen Naturen ge- legt, und in die allgemeine Bewegungsgesetze ge- pflanzet sey, um sich aus ihnen, auf eine der voll- kommensten Ordnung anstaͤndige Art, ungezwun- gen zu entwickeln; oder ob die allgemeine Eigen- schaften der Bestandtheile der Welt die voͤllige Un- faͤhig- und Theorie des Himmels. faͤhigkeit zur Uebereinstimmung, und nicht die ge- ringste Beziehung zur Verbindung, haben, und durchaus einer fremden Hand bedurft haben, um diejenige Einschraͤnkung und Zusammenfuͤgung zu uͤberkommen, welche Vollkommenheit und Schoͤn- heit an sich blicken laͤßt. Ein fast allgemeines Vorurtheil hat die meisten Weltweisen, gegen die Faͤhigkeit der Natur, etwas ordentliches durch ihre allgemeine Gesetze hervorzubringen, eingenommen, gleich als wenn es GOtt die Regierung der Welt streitig machen hiesse, wenn man die urspruͤngliche Bildungen in den Naturkraͤften suchet, und als wenn diese ein von der Gottheit unabhaͤngiges Prin- cipium, und ein ewiges blindes Schicksaal, waͤre. Wenn man aber erweget, daß die Natur und die ewigen Gesetze, welche den Substanzen zu ihrer Wechselwirkung vorgeschrieben seyn, kein selbstaͤn- diges, und ohne GOtt nothwendiges, Principium sey, daß eben dadurch, weil sie so viel Ueberein- stimmung und Ordnung in demjenigen zeiget, was sie durch allgemeine Gesetze hervorbringet, zu erse- hen ist, daß die Wesen aller Dinge, in einem ge- wissen Grundwesen, ihren gemeinschaftlichen Ur- sprung haben muͤssen, und daß sie darum lauter ge- wechselte Beziehungen und lauter Harmonie zeigen, weil ihre Eigenschaften in einem einzigen hoͤchsten Verstande ihre Quelle haben, dessen weise Jdee sie in durchgaͤngigen Beziehungen entworfen, und ih- nen diejenige Faͤhigkeit eingepflanzet hat, dadurch sie lauter Schoͤnheit, lauter Ordnung, in dem ih- K nen Allgemeine Naturgeschichte. nen selbst gelassenen Zustande ihrer Wirksamkeit, hervorbringen: wenn man, sage ich, dieses erwe- get, so wird die Natur uns wuͤrdiger, als sie ge- meiniglich angesehen wird, erscheinen, und man wird von ihren Auswickelungen nichts, als Ueber- einstimmung, nichts als Ordnung, erwarten. Wenn man hingegen einem ungegruͤndeten Vorur- theile Platz laͤsset, daß die allgemeine Naturgesetze, an und vor sich selber, nichts als Unordnung zuwe- ge bringen, und aller Uebereinstimmung zum Nutzen, welche bey der Verfassung der Natur hervor leuch- tet, die unmittelbare Hand GOttes anzeiget; so wird man genoͤthiget, die ganze Natur in Wunder zu verkehren. Man wird den schoͤnen farbigten Bogen, der in den Regentropfen erscheinet, wenn dieselben die Farben des Sonnenlichts absondern, we- gen seiner Schoͤnheit, den Regen, wegen seines Nu- tzens, die Winde, wegen der unentbehrlichen Vor- theile, die sie in unendlichen Arten der menschlichen Beduͤrfnisse leisten; kurz, alle Veraͤnderungen der Welt, welche Wohlanstaͤndigkeit und Ordnung mit sich fuͤhren, nicht aus den eingepflanzten Kraͤften der Materie herleiten sollen. Das Beginnen der Naturforscher, die sich mit einer solchen Weltweis- heit abgegeben haben, wird, vor dem Richterstuhle der Religion, eine feyerliche Abbitte thun muͤssen. Es wird in der That alsdenn keine Natur mehr seyn; es wird nur ein GOtt in der Maschine die Veraͤnderungen der Welt hervor bringen. Aber, was wird denn dieses seltsame Mittel, die Gewiß- heit des hoͤchsten Wesens aus der wesentlichen Unfaͤ- hig- und Theorie des Himmels. higkeit der Natur zu beweisen, vor eine Wirkung zur Ueberfuͤhrung des Epikurers thun. Wenn die Naturen der Dinge, durch die ewigen Gesetze ihrer Wesen, nichts als Unordnung und Ungereimtheit zuwege bringen; so werden sie eben dadurch den Charakter ihrer Unabhaͤngigkeit von GOtt bewei- sen: und was vor einen Begriff wird man sich von einer Gottheit machen koͤnnen, welcher die allge- meinen Naturgesetze nur durch eine Art von Zwange gehorchen, und an und vor sich dessen weisesten Ent- wuͤrfen widerstreiten? Wird der Feind der Vor- sehung nicht eben so viel Siege uͤber diese falschen Grundsaͤtze davon tragen, als er Uebereinstimmun- gen aufweisen kan, welche die allgemeinen Wirkungs- gesetze der Natur, ohne alle besondere Einschraͤn- kungen, hervorbringen? und wird es ihm wohl an solchen Beyspielen fehlen koͤnnen? Dagegen lasset uns mit groͤsserer Anstaͤndigkeit und Richtigkeit also schliessen: Die Natur, ihren allgemeinen Eigen- schaften uͤberlassen, ist an lauter schoͤnen und voll- kommenen Fruͤchten fruchtbar, welche nicht allein an sich Uebereinstimmung und Treflichkeit zeigen, sondern auch mit dem ganzen Umfange ihrer We- sen, mit dem Nutzen der Menschen, und der Ver- herrlichung der goͤttlichen Eigenschaften, wohl har- moniren. Hieraus folget, daß ihre wesentlichen Ei- genschaften keine unabhaͤngige Nothwendigkeit ha- ben koͤnnen; sondern, daß sie ihren Ursprung in ei- nem eiuzigen Verstande, als dem Grunde und der Quelle aller Wesen, haben muͤssen, in welchem sie, unter, gemeinschaftlichen Beziehungen, entworfen K 2 sind. Allgemeine Naturgeschichte sind. Alles, was sich auf einander, zu einer gewech- selten Harmonie, beziehet, muß in einem einzigen Wesen, von welchem es insgesammt abhaͤnget, un- ter einander verbunden werden. Also ist ein Wesen aller Wesen, ein unendlicher Verstand und selbstaͤn- dige Weisheit vorhanden, daraus die Natur, auch sogar ihrer Moͤglichkeit nach, in dem ganzen Jnbe- griffe der Bestimmungen, ihren Ursprung ziehet. Nunmehro darf man die Faͤhigkeit der Natur, als dem Daseyn eines hoͤchsten Wesens nachtheilig, nicht bestreiten; je vollkommener sie in ihren Ent- wickelungen ist, je besser ihre allgemeinen Gesetze zur Ordnung und Uebereinstimmung fuͤhren; ein desto sicherer Beweisthum der Gottheit ist sie, von welcher sie diese Verhaͤltnisse entlehnet. Jhre Hervorbringun- gen sind nicht mehr Wirkungen des Ohngefehrs, und Folgen des Zufalls; es fliesset alles nach unwandel- baren Gesetzen von ihr ab, welche darum lauter ge- schicktes darstellen muͤssen, weil sie lauter Zuͤge aus dem allerweisesten Entwurfe seyn, aus dem die Un- ordnung verbannet ist. Nicht der ohngefehre Zu- sammenlauf der Atomen des Lucrez hat die Welt ge- bildet; eingepflanzte Kraͤfte und Gesetze, die den weisesten Verstand zur Quelle haben, sind ein un- wandelbarer Ursprung derjenigen Ordnung gewe- sen, die aus ihnen nicht von ohngefehr, sondern nothwendig abfliessen muste. Wenn man sich also eines alten und ungegruͤn- deten Vorurtheils, und der faulen Weltweisheit, entschlagen kan, die, unter einer andaͤchtigen Mine, eine und Theorie des Himmels. eine traͤge Unwissenheit zu verbergen trachtet; so hoffe ich, auf unwiedersprechliche Gruͤnde, eine siche- re Ueberzeugung zu gruͤnden: daß die Welt eine mechanische Entwickelung, aus den allge- meinen Naturgesetzen, zum Ursprunge ih- rer Verfassung, erkenne ; und daß zweytens die Art der mechanischen Erzeugung, die wir vorgestellet haben, die wahre sey. Wenn man beurtheilen will, ob die Natur genug- same Faͤhigkeiten habe, durch eine mechanische Fol- ge ihrer Bewegungsgesetze, die Anordnung des Welt- baues zuwege zu bringen; so muß man vorhero er- wegen, wie einfach die Bewegungen seyn, welche die Weltkoͤrper beobachten, und daß sie nichts an sich haben, was eine genauere Bestimmung erfor- derte, als es die allgemeinen Regeln der Naturkraͤf- te mit sich fuͤhren. Die Umlaufsbewegungen be- stehen aus der Verbindung der sinkenden Kraft, die eine gewisse Folge aus den Eigenschaften der Mate- rie ist, und aus der schiessenden Bewegung, die, als die Wirkung der ersteren, als eine, durch das Herabsinken, erlangte Geschwindigkeit, kan ange- sehen werden, in der nur eine gewisse Ursache noͤ- thig gewesen, den senkrechten Fall seitwaͤrts abzu- beugen. Nach einmal erlangter Bestimmung die- ser Bewegungen ist nichts ferner noͤthig, sie auf im- mer zu erhalten. Sie bestehen in dem leeren Rau- me, durch die Verbindung der einmal eingedruͤckten schiessenden Kraft, mit der aus den wesentlichen Naturkraͤften fliessenden Attraction, und leiden wei- terhin keine Veraͤnderung. Allein die Analogien, K 3 in Allgemeine Naturgeschichte in der Uebereinstimmung dieser Bewegungen, be- zeigen die Wirklichkeit eines mechanischen Ursprun- ges so deutlich, daß man daran keinen Zweifel tra- gen kan. Denn 1. Haben diese Bewegungen eine durchgehends uͤbereinstimmende Richtung, daß von sechs Haupt- planeten, von 10 Trabanten, sowohl in ihrer fort- ruͤckenden Bewegung, als in ihren Umdrehungen um die Achse, nicht ein einziger ist, der nach einer andern Seite, als von Abend gegen Morgen, sich bewegete. Diese Richtungen sind uͤberdem so ge- nau zusammentreffend, daß sie nur wenig von ei- ner gemeinschaftlichen Flaͤche abweichen, und diese Flaͤche, auf welche sich alles beziehet, ist die Aeqva- torsflaͤche des Koͤrpers, der, in dem Mittelpunkte des ganzen Systems, sich nach eben derselben Gegend um die Achse drehet, und der, durch seine vorzuͤgli- che Attraction, der Beziehunspunkt aller Bewegun- gen geworden, und folglich an denenselben so ge- nau, als moͤglich, hat Theil nehmen muͤssen. Ein Beweis, daß die gesammte Bewegungen auf eine, den allgemeinen Naturgesetzen gemaͤsse, mechani- sche Art entstanden und bestimmet worden, und daß die Ursache, welche entweder die Seitenbewegun- gen eindruͤckte, oder richtete, den ganzen Raum des Planetengebaͤudes beherrschet hat, und darinn den Gesetzen gehorchet, welche die, in einem ge- meinschaftlich bewegten Raume, befindliche Mate- rie beobachtet, daß alle verschiedene Bewegungen zuletzt eine einzige Richtung annehmen, und sich ins- ge- und Theorie des Himmels. gesammt so genau, als moͤglich, auf eine einzige Flaͤche beziehend machen. 2. Sind die Geschwindigkeiten so beschaffen, als sie es in einem Raume seyn muͤssen, da die be- wegende Kraft in dem Mittelpunkte ist, nemlich, sie nehmen in bestaͤndigen Graden mit den Entfernun- gen von diesem ab, und verlieren sich, in der groͤs- sesten Weite, in eine gaͤnzliche Mattigkeit der Be- wegung, welche den senkrechten Fall nur sehr we- nig seitwaͤrts beuget. Vom Merkur an, welcher die groͤßte Schwungskraft hat, sieher man diese stufenweise sich vermindern, und in dem aͤussersten Cometen so gering seyn, als sie es seyn kan, um nicht gerade in die Sonne zu fallen. Man kan nicht einwenden, daß die Regeln der Centralbewe- gungen, in Zirkelkreisen, es so erheischen, daß je naͤher zum Mittelpunkte der allgemeinen Senkung, desto groͤsser die Umschwungsgeschwindigkeit seyn muͤsse; denn woher muͤssen eben die, diesem Centeo nahen Himmelskoͤrper, Zirkelfoͤrmigte Kreise ha- ben? woher sind nicht die naͤchsten sehr eccentrisch, und die entfernteren in Zirkeln umlaufend? oder viel- mehr, da sie alle von dieser abgemessenen geometri- schen Genauheit abweichen; warum nimmt diese Abweichung, mit den Entfernungen zu? Bezeichnen diese Verhaͤltnisse nicht den Punkt, zu dem alle Be- wegung urspruͤnglich sich gedraͤnget, und, nach dem Maasse der Naheit, auch groͤssere Grade erlanget hat, bevor andere Bestimmungen ihre Richtungen in die gegenwaͤrtige veraͤndert haben? K 4 Will Allgemeine Naturgeschichte Will man nun aber die Verfassung des Welt- baues, und den Ursprung der Bewegungen, von den allgemeinen Naturgesetzen ausnehmen, um sie der mittelbaren Hand GOttes zuzuschreiben; so wird man alsbald inne, das die angefuͤhrte Analo- gien einen solchen Begriff offenbar widerlegen. Denn was erstlich die durchgaͤngige Uebereinstim- mung in der Richtung betrifft, so ist offenbar, daß hier kein Grund sey, woher die Weltkoͤrper, gerade nach einer einzigen Gegend, ihre Umlaͤufe anstellen muͤsten, wenn der Mechanismus ihrer Erzeugung sie nicht dahin bestimmet haͤtte. Denn der Raum, in dem sie laufen, ist unendlich wenig widerstehend, und schraͤnket ihre Bewegungen so wenig nach der einen Seite, als nach der andern, ein; also wuͤr- de die Wahl GOttes, ohne den geringsten Bewe- gungsgrund, sich nicht an eine einzige Bestimmung binden, sondern sich mit mehrerer Freyheit in aller- ley Abwechselungen und Verschiedenheit zeigen. Noch mehr: warum sind die Kreise der Planeten so genau auf eine gemeinschaftliche Flaͤche beziehend, nemlich auf die Aeqvatorsflaͤche desjenigen grossen Koͤrpers, der in dem Mittelpunkte aller Bewegung ihre Umlaͤufe regieret? Diese Analogie, an statt einen Bewegungsgrund der Wohlanstaͤndigkeit an sich zu zeigen, ist vielmehr die Ursache einer gewis- sen Verwirrung, welche durch eine freye Abwei- chung der Planetenkreise wuͤrde gehoben werden: denn die Anziehungen der Planeten stoͤren anjetzo gewissermassen die Gleichfoͤrmigkeit ihrer Bewegun- gen, und wuͤrden einander gar nicht hinderlich seyn, wenn und Theorie des Himmels. wenn sie sich nicht so genau auf eine gemeinschaftli- Flaͤche bezoͤgen. Noch mehr, als alle diese Analogien, zeiget sich das deutlichste Merkmaal von der Hand der Natur, an dem Mangel der genauesten Bestimmung, in den- jenigen Verhaͤltnissen, die sie zu erreichen besirebt gewesen. Wenn es am besten waͤre, daß die Pla- netenkreise beynahe auf eine gemeinschaftliche Flaͤche gestellet waͤren, warum sind sie es nicht ganz genau? und warum ist ein Theil derjenigen Abweichung uͤbrig geblieben, welche hat vermieden werden sol- len? Wenn darum die der Laufbahne der Soͤnne nahen Planeten, die der Attraction das Gleichge- wicht haltende Groͤsse der Schwungskraft empfan- gen haben, warum fehlet noch etwas an dieser voͤl- ligen Gleichheit? und woher sind ihre Umlaͤufe nicht vollkommen Zirkelrund, wenn bloß die weiseste Ab- sicht, durch das groͤßte Vermoͤgen unterstuͤtzet, die- se Bestimmung hervorzubringen, getrachtet hat? Jst es nicht klar einzusehen, daß diejenige Ursache, welche die Laufbahnen der Himmelskoͤrper gestellet hat, indem sie selbige auf eine gemeinschaftliche Flaͤ- che zu bringen bestrebt gewesen, es nicht voͤllig hat ausrichten koͤnnen; ingleichen, daß die Kraft, welche den Himmelsraum beherrschete, als alle Ma- terie, die nunmehro in Kugeln gebildet ist, ihre Umschwungsgeschwindigkeiten erhielt, sie zwar nahe beym Mittelpunkte in ein Gleichgewicht mit der senkenden Gewalt zu bringen getrachtet hat; aber die voͤllige Genauheit nicht hat erreichen koͤn- K 5 nen. Allgemeine Naturgeschichte nen. Jst nicht das gewoͤhnliche Verfahren der Natur hieran zu erkennen, welches, durch die Da- zwischenkunft der verschiedenen Mitwuͤrkungen, alle- mal von der ganz abgemessenen Bestimmung ab- weichend gemacht wird? und wird man wohl le- diglich in den Endzwecken, des unmittelbar so ge- bietenden hoͤchsten Willens, die Gruͤnde dieser Be- schaffenheit finden? Man kan, ohne eine Hartnaͤ- ckigkeit zu bezeigen, nicht in Abrede seyn, daß die gepriesene Erklaͤrungsart von den Natureigenschaf- ten, durch Anfuͤhrung ihres Nutzens, Grund an- zugeben, hier nicht die verhofte Probe halte. Es war gewiß, in Ansehung des Nutzens, der Welt ganz gleichguͤltig, ob die Planetenkreise voͤl- lig zirkelrund, oder ob sie ein wenig eccentrisch waͤ- ren; ob sie mit der Flaͤche ihrer allgemeinen Bezie- hung voͤllig zusammen treffen, oder noch etwas da- von abweichen solten; vielmehr, wenn es ja noͤthig war, in dieser Art von Uebereinstimmungen be- schraͤnkt zu seyn, so war es am besten, sie voͤllig an sich haben. Wenn es wahr ist, was der Philo- soph sagte: daß GOtt bestaͤndig die Geometrie aus- uͤbet: wenn dieses auch in den Wegen der allgemei- nen Naturgesetze hervor leuchtet; so wuͤrde gewiß diese Regel, bey den unmittelbaren Werken des all- maͤchtigen Wortes, vollkommen zu spuͤren seyn, und diese wuͤrden alle Vollkommenheit der geometrischen Genauheit an sich zeigen. Die Cometen gehoͤren mit unter diese Maͤngel der Natur. Man kan nicht leugnen, daß, in Ansehung ihres Laufes und der Veraͤnderungen, die sie dadurch erleiden, sie als un- und Theorie des Himmels. unvollkommene Glieder der Schoͤpfung anzusehen seyn, welche weder dienen koͤnnen, vernuͤnftigen Wesen bequeme Wohnplaͤtze abzugeben, noch dem Besten des ganzen Systems dadurch nuͤtzlich zu wer- den, daß sie, wie man vermuthet hat, der Sonne dereinst zur Nahrung dieneten; denn es ist gewiß, daß die meisten derselben diesen Zweck nicht eher, als bey dem Umsturze des ganzen planetischen Gebaͤu- des, erreichen wuͤrden. Jn dem Lehrbegriffe, von der unmittelbaren hoͤchsten Anordnung der Welt, oh- ne eine natuͤrliche Entwickelung aus allgemeinen Naturgesetzen, wuͤrde eine solche Anmerkung an- stoͤßig seyn, ob sie gleich gewiß ist. Allein in ei- ner mechanischen Erklaͤrungsart verherrlichet sich dadurch die Schoͤnheit der Welt, und die Offenba- rung der Allmacht, nicht wenig. Die Natur, in- dem sie alle moͤgliche Stufen der Mannigfaltigkeit in sich fasset, erstrecket ihren Umfang uͤber alle Gat- tungen von der Vollkommenheit bis zum Nichts, und die Maͤngel selber sind ein Zeichen des Ueberflus- ses, an welchem ihr Jnnbegriff unerschoͤpft ist. Es ist zu glauben, daß die angefuͤhrten Analo- gien so viel uͤber das Vorurtheil vermoͤgen wuͤrden, den mechanischen Ursprung des Weltgebaͤudes an- nehmungswuͤrdig zu machen, wenn nicht noch ge- wisse Gruͤnde, die aus der Natur der Sache selber hergenommen sind, dieser Lehrverfassung gaͤnzlich zu widersprechen schienen. Der Himmelsraum ist, wie schon mehrmalen gedacht, leer, oder wenig- stens mit unendlich duͤnner Materie angefuͤllet, wel- Allgemeine Naturgeschichte welche folglich kein Mittel hat abgeben koͤnnen, de- nen Himmelskoͤrpern gemeinschaftliche Bewegun- gen einzudruͤcken. Diese Schwierigkeit ist so be- deutend und guͤltig, daß Newton, welcher Ursa- che hatte, den Einsichten seiner Weltweisheit, so viel als irgend ein Sterblicher zu vertrauen, sich ge- noͤthiget sahe, allhier die Hoffnung aufzugeben, die Eindruͤckung der den Planeten beywohnenden Schwungskraͤfte, ohnerachtet aller Uebereinstim- mung, welche auf einen mechanischen Ursprung zei- gete, durch die Gesetze der Natur und die Kraͤfte der Materie, aufzuloͤsen. Ob es gleich vor einen Philosophen eine betruͤbte Entschliessung ist, bey ei- ner zusammengesetzten, und noch weit von den ein- fachen Grundgesetzen entferneten Beschaffenheit, die Bemuͤhung der Untersuchung aufzugeben, und sich mit der Anfuͤhrung des unmittelbaren Willens GOttes zu begnuͤgen; so erkannte doch Newton hier die Grenzscheidung, welche die Natur und den Finger GOttes, den Lauf der eingefuͤhrten Gesetze der ersteren, und den Wink des letzteren, von ein- ander scheidet. Nach eines so grossen Weltweisen Verzweifelung scheinet es eine Vermessenheit zu seyn, noch einen gluͤcklichen Fortgang in einer Sa- che, von solcher Schwierigkeit, zu hoffen. Allein eben dieselbe Schwierigkeit, welche dem Newton die Hoffnung benahm, die denen Him- melskoͤrpern ertheilte Schwungskraͤfte, deren Rich- tung und Bestimmungen das Systematische des Weltbaues ausmachet, aus denen Kraͤften der Na- tur und Theorie des Himmels. tur zu begreiffen, ist die Qvelle der Lehrverfassung gewesen, die wir in den vorigen Hauptstuͤcken vor- getragen haben. Sie gruͤndet einen mechanischen Lehrbegriff; aber einen solchen, der weit von dem- jenigen entfernet ist, welchen Newton unzulaͤng- lich befand, und um dessen willen er alle Unterursa- chen verwarf, weil er (wenn ich es mir unterstehen darf, zu sagen,) darinn irrete, daß er ihn vor den einzigen, un- ter allen moͤglichen seiner Art, hielte. Es ist ganz leicht und natuͤrlich, selbst vermittelst der Schwierigkeit des Newton, durch eine kurze und gruͤndliche Schlußfolge auf die Gewißheit derjenigen mecha- nischen Erklaͤrungsart zu kommen, die wir in die- ser Abhandlung entworfen haben. Wenn man voraussetzt, (wie man denn nicht umhin kan, es zu bekennen,) daß die obigen Analogien es mit groͤs- sester Gewißheit festsetzen, daß die harmonirenden, und sich auf einander ordentlich beziehenden Bewe- gungen und Kreise der Himmelskoͤrper, eine natuͤr- liche Ursache, als ihren Ursprung, anzeigen; so kan diese doch nicht dieselbe Materie seyn, welche an- jetzt den Himmelsraum erfuͤllet. Also muß diejeni- ge, welche ehedem diese Raͤume erfuͤllete, und de- ren Bewegung der Grund von den gegenwaͤrtigen Umlaͤufen der Himmelskoͤrper gewesen ist, nachdem sie sich auf diese Kugeln versammlet, und dadurch die Raͤume gereiniget hat, die man anjetzt leer siehet, oder, welches unmittelbar hieraus herfliesset, die Materie selber, daraus die Planeten, die Come- ten, ja die Sonne, bestehen, muͤssen anfaͤnglich in dem Raume des planetischen Systems ausgebrei- tet Allgemeine Naturgeschichte tet gewesen seyn, und in diesem Zustande sich in Bewegungen versetzet haben, welche sie behalten ha- ben, als sie sich in besondere Klumpen vereinigten, und die Himmelskoͤrper bildeten, welche alle den ehemals zerstreueten Stoff der Weltmaterie in sich fassen. Man ist hiebey nicht lange in Verlegen- heit, das Triebwerk zu entdecken, welches diesen Stoff der sich bildenden Natur in Bewegung ge- setzt haben moͤge. Der Antrieb selber, der die Verei- nigung der Massen zuwege brachte, die Kraft der Anziehung, welche der Materie wesentlich beywoh- net, und sich daher, bey der ersten Regung der Natur, zur ersten Ursache der Bewegung so wohl schicket, war die Quelle derselben. Die Richtung, welche bey dieser Kraft immer gerade zum Mittel- punkte hin zielet, macht allhier kein Bedenken; denn es ist gewiß, daß der feine Stoff zerstreueter Elemente in der senkrechten Bewegung, sowohl durch die Mannigfaltigkeit der Attractionspunkte, als durch die Hinderniß, die einander ihre durch- kreutzende Richtungslinien leisten, hat in verschie- dene Seitenbewegungen ausschlagen muͤssen, bey de- nen das gewisse Naturgesetz, welches macht, daß alle einander, durch gewechselte Wirkung einschraͤn- kende Materie, sich zuletzt auf einen solchen Zustand bringet, da eine der andern so wenig Veraͤnderung, als moͤglich, mehr zuziehet, sowohl die Einfoͤrmig- keit der Richtung, als auch die gehoͤrigen Grade der Geschwindigkeiten, hervorgebracht hat, die in jedem Abstande nach der Centralkraft abgewogen seyn, und durch deren Verbindung weder uͤber noch un- und Theorie des Himmels. unter sich auszuschweifen trachten: da alle Elemen- te also nicht allein nach einer Seite, sondern auch bey nahe in parallelen und freyen Zirkeln, um den gemeinschaftlichen Senkungspunkt, in dem duͤnnen Himmelsraume umlaufend gemacht worden. Die- se Bewegungen der Theile musten hernach fortdau- ren, als sich planetische Kugeln daraus gebildet hatten, und bestehen anjetzt durch die Verbindung des einmal eingepflanzteu Schwunges mit der Cen- tralkraft, in unbeschraͤnkte kuͤnftige Zeiten. Auf diesem so unbegreiflichen Grunde beruhen die Einfoͤrmigkeit der Richtungen in den Planetenkrei- sen, die genaue Beziehung auf eine gemeinschaftli- che Flaͤche, die Maͤßigung der Schwungskraͤfte nach der Attraction des Ortes, die mit den Entfer- nungen abnehmende Genauheit dieser Analogien, und die freye Abweichung der aͤussersten Himmelskoͤrper nach beyden Seiten sowohl, als nach entgegenge- setzter Richtung. Wenn diese Zeichen der gewech- selten Abhaͤngigkeit in denen Bestimmungen der Erzeugung auf eine, durch den ganzen Raum ver- breitete urspruͤnglich bewegte Materie, mit offenba- rer Gewißheit zeigen; so beweiset der gaͤnzliche Mangel aller Materien in diesem nunmehro leeren Himmelsraume, ausser derjenigen, woraus die Koͤr- per der Planeten, der Sonne und der Cometen zu- sammengesetzt seyn, daß diese selber im Anfange in diesem Zustande der Ausbreitung, muͤsse gewe- sen seyn. Die Leichtigkeit und Richtigkeit, mit welcher aus diesem angenommenen Grundsatze, alle Phaͤnomena des Weltbaues in den vorigen Haupt- stuͤcken Allgemeine Naturgeschichte stuͤcken hergeleitet worden, ist eine Vollendung sol- cher Muthmassung, und giebt ihr einen Werth, der nicht mehr willkuͤhrlich ist. Die Gewißheit einer mechanischen Lehrverfas- sung von dem Ursprunge des Weltgebaͤudes, vor- nemlich des unsrigen, wird auf den hoͤchsten Gi- pfel der Ueberzeugung erhoben, wenn man die Bildung der Himmelskoͤrper selber, die Wichtigkeit und Groͤsse ihrer Massen nach dem Verhaͤltnissen erweget, die sie, in Ansehung ihres Abstandes von dem Mittelpunkte der Gravitation, haben. Denn erstlich ist die Dichtigkeit ihres Stoffes, wenn man sie im ganzen ihres Klumpens erweget, in bestaͤndigen Graden mit den Entfernungen von der Sonne abnehmend: eine Bestimmung, die so deutlich auf die mechanische Bestimmungen der ersten Bildung zielet, daß man nichts mehr ver- langen kan. Sie sind aus solchen Materien zu- sammengesetzet, deren die von schwererer Art einen tiefern Ort zu dem gemeinschaftlichen Senkungs- punkte; die von leichterer Art aber, einen entferne- teren Abstand bekommen haben: welche Bedingung, in aller Art der natuͤrlichen Erzeugung, nothwendig ist. Aber bey einer unmittelbar aus dem goͤttli- chen Willen fliessenden Errichtung, ist nicht der mindeste Grund zu gedachten Verhaͤltnisse anzutref- fen. Denn ob es gleich scheinen moͤchte, daß die entferneteren Kugeln aus leichterem Stoffe be- stehen muͤsten, damit sie von der geringern Kraft der Sonnenstrahlen die noͤthige Wirkung verspuͤ- ren und Theorie des Himmels. ren koͤnnten; so ist dieses doch nur ein Zweck, der auf die Beschaffenheit der auf der Oberflaͤche be- findlichen Materien, und nicht auf die tieferen Sor- ten seines inwendigen Klumpens zielet, als in welche die Sonnenwaͤrme niemals einige Wirkung thut, die auch nur dienen die Attraction des Pla- neten, welche die ihn umgebenden Koͤrper zu ihm sinkend machen soll, zu bewirken, und daher nicht die mindeste Beziehung auf die Staͤrke oder Schwaͤ- che der Sonnenstrahlen haben darf. Wenn man daher fraget, woher die aus den richtigen Rech- nungen des Newton gezogene Dichtigkeiten der Erde, des Jupiters, des Saturns sich gegenein- ander wie 400, 94½ und 64 verhalten; so waͤre es ungereimt die Ursache der Absicht GOttes, wel- cher sie nach den Graden der Sonnenwaͤrme gemaͤs- siget hat, beyzumessen; denn da kan unsere Erde uns zum Gegenbeweise dienen, bey der die Sonne nur in eine so geringe Tiefe unter der Oberflaͤche durch ihre Strahlen wirket, daß derjenige Theil ihres Klumpens, der dazu einige Beziehung haben muß, bey weitem nicht den millionsten Theil des ganzen betraͤgt, wovon das uͤbrige in Ansehung dieser Absicht voͤllig gleichguͤltig ist. Wenn also der Stoff, daraus die Himmelskoͤrper bestehen, ein or- dentliches mit den Entfernungen harmonirendes Verhaͤltniß, gegen einander hat, und die Planeten einander anjetzt nicht einschraͤnken koͤnnen, da sie nun in leerem Raume von einander abstehen; so muß ihre Materie vordem in einem Zustande ge- wesen seyn, da sie in einander gemeinschaftliche Wirkung thun koͤnnen, um sich in die, ihrer speci- L fischen Allgemeine Naturgeschichte fischen Schweere proportionirte Oerter, einzuschraͤn- ken, welches nicht anders hat geschehen koͤnnen, als daß ihre Theile vor der Bildung in dem ganzen Raume des Systems ausgebreitet gewesen, und, dem allgemeinen Gesetze der Bewegung gemaͤß, Derter gewonnen haben, welche ihrer Dichtigkeit gebuͤhren. Das Verhaͤltniß unter der Groͤsse der plane- tischen Massen, welches mit den Entfernungen zu- nimmt, ist der zweyte Grund der die mechanische Bildung der Himmelskoͤrper, und vornemlich un- sere Theorie von derselben, klaͤrlich beweiset. War- um nehmen die Massen der Himmelskoͤrper ohn- gefehr mit den Entfernungen zu? Wenn man ei- ner der Wahl GOttes alles zuschreibenden Lehrart nachgehet; so koͤnnte keine andere Absicht gedacht werden, warum die entfernetern Planeten groͤssere Massen haben muͤssen, als damit sie die vorzuͤgliche Staͤrke ihrer Anziehung in ihrer Sphaͤre einen oder etliche Monde begreifen koͤnten, welche dienen sol- len den Bewohnern, welche vor sie bestimmt sind, den Aufenthalt bequemlich zu machen. Allein die- ser Zweck konte eben sowohl durch eine vorzuͤgliche Dichtigkeit in dem inwendigen ihres Klumpens erhalten werden, und warum muste denn die aus besonderen Gruͤnden fliessende Leichtigkeit des Stof- fes, welche diesem Verhaͤltniß entgegen ist bleiben, und durch den Vorzug des Volumens so weit uͤber- troffen werden, daß dennoch die Masse der obern wichtiger als der untern ihre wuͤrde? Wenn man nicht auf die Art der natuͤrlichen Erzeugung dieser Koͤr- und Theorie des Himmels. Koͤrver Acht hat; so wird man schwerlich von die- sem Verhaͤltnisse Grund geben koͤnnen: aber in Be- trachtung derselben ist nichts leichter, als diese Be- stimmung zu begreifen. Als der Stoff aller Welt- koͤrper in den Raum des planetischen Systems noch ausgebreitet war; so bildete die Anziehung aus die- sen Theilchen Kugeln, welche ohne Zweifel um desto groͤsser werden musten, je weiten der Ort ih- rer Bildungssphaͤre von demjemgen allgemeinen Centralkoͤrper entfernet war, der aus dem Mittel- punkte des ganzen Raumes, durch eine vorzuͤglich maͤchtige Attraction diese Vereinigung, so viel an ihm ist, einschraͤnkete und hinderte. Man wird die Merkmale dieser Bildung der Himmelskoͤrper aus dem, im Anfange ausgebreitet gewesenem Grundstoffe mit Vergnuͤgen an der Weite der Zwischenraͤume gewahr, die ihre Kreise von einander scheiden, und die nach diesem Begrif- fe als die leeren Faͤcher muͤssen angesehen werden, aus denen die Planeten die Materie zu ihrer Bil- dung hergenommen haben. Man siehet, wie die- se Zwischenraͤume zwischen den Kreisen ein Ver- haͤltniß zu der Groͤsse der Massen haben, die dar- aus gebildet seyn. Die Weite zwischen dem Krei- se des Jupiters und des Mars ist so groß, daß der darinn beschlossene Raum die Flaͤche aller un- teren Planetenkreise zusammengenommen uͤbertrift: allein er ist des groͤssesten unter allen Planeten wuͤr- dig, desjenigen, der mehr Masse hat, als alle uͤbri- gen zu sammen. Man kan diese Entfernung des Jupiters von dem Mars nicht der Absicht beymes- sen, daß ihre Attractionen einander so wenig als L 2 moͤg- Allgemeine Naturgeschichte moͤglich, hindern solten. Denn nach solchem Grunde wuͤrde sich der Planet zwischen zwey Krei- sen allemal demjenigen am naͤchsten befinden, des- sen mit der seinigen vereinigte Attraction die bey- derseitigen Umlaͤufe um die Sonne, am wenigsten stoͤhren kan: folglich demjenigen, der die kleinste Masse hat. Weil nun nach den richtigen Rech- nungen Newtons die Gewalt, womit Jupiter in den Lauf des Mars wirken kan, zu derjenigen, die er in den Saturn durch die vereinigte Anziehung ausuͤbet, wie \frac{1}{12512} zu \frac{1}{200} verhaͤlt; so kan man leicht die Rechnung machen, um wie viel Jupiter sich dem Kreise des Mars naͤher befinden muͤste, als des Saturns seinem, wenn ihr Abstand durch die Absicht ihrer aͤusserlichen Beziehung, und nicht durch den Mechanismus ihrer Erzeugung bestimmt worden waͤre. Da dieses sich nun aber ganz an- ders befindet: da ein planetischer Kreis in Anse- hung der zwey Kreise, die uͤber und unter ihm seyn, sich oft von demjenigen abstehender befindet, in wel- chem ein kleinerer Planet laͤuft, als die Bahn dessen von groͤsserer Masse; die Weite des Rau- mes aber um den Kreis eines jeden Planeten, al- lemal ein richtiges Verhaͤltniß zu seiner Masse hat; so ist klar, daß die Art der Erzeugung diese Ver- haͤltnisse muͤsse bestimmt haben, und daß, weil diese Bestimmungen so, wie die Ursache und die Folgen derselben, scheinen verbunden zu seyn, man es wohl am richtigsten treffen wird, wenn man die, zwi- schen den Kreisen begriffene Raͤume als die Behaͤlt- nisse desjenigen Stoffes ansiehet, daraus sich die Pla- und Theorie des Himmels. Planeten gebildet haben: woraus unmittelbar fol- get, daß deren Groͤsse dieser ihren Massen propor- tionirt seyn muß, welches Verhaͤltniß aber bey denen entfernetern Planeten durch die, in dem er- sten Zustande groͤssere Zerstreuung der elementari- schen Materie in diesen Gegenden vermehret wird. Daher von zwey Planeten die an Masse einander ziemlich gleich kommen, der entferntern einen groͤs- sern Bildungsraum, d. i. einen groͤssern Abstand von den beyden naͤchsten Kreisen haben muß, sowohl weil der Stoff daselbst an sich specifisch leichterer Art, als auch, weil er zerstreuter war, als bey dem, so sich naͤher zu der Sonne bildete. Da- her obgleich die Erde zusammt dem Monde der Ve- nus noch nicht an koͤrperlichen Jnnhalte gleich zu seyn scheinet, so hat sie dennoch um sich einen groͤs- sern Bildungsraum erfordert: weil sie sich aus ei- nem mehr zerstreuten Stoffe zu bilden hatten, als dieser untere Planet. Vom Saturn ist aus diesen Gruͤnden zu vermuthen, daß seine Bildungssphaͤre sich auf der abgelegenen Seite viel weiter wird aus- gebreitet haben, als auf der Seite gegen den Mit- telpunkt hin, (wie denn dieses fast von allen Pla- neten gilt;) und daher wird der Zwischenraum zwi- schen den Saturnuskreise, und der Bahn des die- sem Planeten zunaͤchst obern Himmelskoͤrpers, den man uͤber ihn vermuthen kan, viel weiter, als zwi- schen eben demselben und dem Jupiter, seyn. Also gehet alles in dem planetischen Weltbaue stuffenweise, mit richtigen Beziehungen zu der er- sten erzeugenden Kraft, die neben dem Mittelpunk- te wirksamer als in der Ferne gewesen, in alle un- L 3 be- Allgemeine Naturgeschichte beschraͤnkte Weiten fort. Die Verminderung der eingedruckten schiessenden Kraft, die Abweichung von der genauesten Uebereinstimmung in der Rich- tung und der Stellung der Kreise, die Dichtig- keiten der Himmelskoͤrper, die Sparsamkeit der Natur in Absehen auf den Raum ihrer Bildung: alles vermindert sich stuffenartig von dem Centro in die weiten Entfernungen: alles zeiget, daß die erste Ursache an die mechanischen Regeln der Be- wegung gebunden gewesen, und nicht durch eine freye Wahl gehandelt hat. Allein was so deutlich, als irgend sonsten etwas, die natuͤrliche Bildung der Himmelskugeln aus dem urspruͤnglich in dem Raume des Himmels, der nunmehro leer ist, ausgebreitet gewesenen Grundstoffe anzeiget, ist diejenige Uebereinstim- mung, die ich von dem Herrn von Buffon ent- lehne, die aber in seiner Theorie bey weitem den Nutzen, als in der unsrigen, nicht hat Denn nach seiner Bemerkung, wenn man die Planeten, deren Massen man durch Rechnung bestimmen kan, zusammen summiret: nemlich den Saturn, den Jupiter, die Erde und den Mond; so geben sie ei- nen Klumpen, dessen Dichtigkeit der Dichtigkeit des Sonnenkoͤrpers wie 640 zu 650 beykoͤmmt, wel- che, da es die Hauptstuͤcke in den planetischen Sy- stem sind, gegen die uͤbrigen Planeten Mars, Venus und Merkur kaum verdienen gerechnet zu werden; so wird man billig uͤber die merkwuͤrdige Gleichheit erstaunen, die zwischen der Materie des ge- sammten planetischen Gebaͤudes, wenn es als in ei- nem Klumpen vereinigt betrachtet wird, und zwischen der und Theorie des Himmels. der Masse der Sonnen herrschet. Es waͤre ein unverautwortlicher Leichtsinn, diese Analogie ei- nem Ungefehr zuzuschreiben, welche unter einer Mannigfaltigkeit so unendlich verschiedener Mate- rien, deren nur allein auf unserer Erde einige anzu- treffen sind, die 15tausendmal an Dichtigkeit von einander uͤbetroffen worden, dennoch im ganzen der Verhaͤltniß von 1 bis 1 so nahe kommen: und man muß zugeben, daß wenn man die Sonne als ein Mengsel von allen Sorten Materie, die in dem planetischen Gebaͤude von einander geschieden seyn, betrachtet, alle insgesammt sich in einem Raume scheinen gebildet zu haben, der urspruͤnglich mit gleichfoͤrmig ausgebreiteten Stoffe erfuͤllet war, und auf dem Centralkoͤrper sich ohne Unterschied versammlet, zur Bildung der Planeten aber nach Maßgebung der Hoͤhen eingetheilet worden. Jch uͤberlasse es denen, die die mechanische Erzeu- gung der Weltkoͤrper nicht zugeben koͤnnen, aus dem Bewegungsgruͤnden der Wahl GOttes diese so besondere Uebereinstimmung, wo sie koͤnnen, zu erklaͤren. Jch will endlich aufhoͤren, eine Sache von so uͤberzeugender Deutlichkeit, als die Entwicke- lung des Weltgebaͤudes aus den Kraͤften der Natur ist, auf mehr Beweisthuͤmer zu gruͤnden. Wenn man im Stande ist, bey so vieler Ueberfuͤhrung unbeweglich zu bleiben; so muß man entweder gar zu tief in den Fesseln des Vorurtheils liegen, oder gaͤnzlich unfaͤhig seyn, sich uͤber den Wust herge- brachter Meinungen, zu der Betrachtung der aller- reinsten Wahrheit, empor zu schwingen. Jndes- sen ist zu glauben, daß niemand als die Bloͤdsinnigen, L 4 auf Allgemeine Naturgeschichte auf deren Beyfall man nicht rechnen darf, die Rich- tigkeit dieser Theorie verkennen koͤnte, wenn die Ue- bereinstimmungen, die der Weltbau in allen seinen Verbindungen zu dem Nutzen der vernuͤnftigen Creatur hat, nicht etwas mehr, als blosse allgemeine Naturgesetze zum Grunde zu haben schienen. Man glaubt auch mit Recht, daß geschickte Anordnun- gen, welche auf einen wuͤrdigen Zweck abzielen, einen weisen Verstand zum Urheber haben muͤssen, und man wird voͤllig befriedigt werden, wenn man bedenkt, daß, da die Naturen der Dinge keine ande- re, als eben diese Urquelle erkennen, ihre wesentliche und allgemeine Beschaffenheiten eine natuͤrliche Neigung zu anstaͤndigen und unter einander wohl uͤbereinstimmenden Folgen haben muͤssen. Man wird sich also nicht befremden doͤrfen, wenn man zum ge- wechselten Vortheile der Creaturen gereichende Ein- richtungen der Weltverfassung gewahr wird, selbi- ge einer natuͤrlichen Folge aus den allgemeinen Ge- setzen der Natur beyzumessen denn was aus die- sem herfliesset, ist nicht die Wirkung des blinden Zufalles oder der unvernuͤnftigen Nothwendigkeit: es gruͤndet sich zuletzt doch in der hoͤchsten Weisheit, von der die allgemeinen Beschaffenheiten ihre Ueber- einstimmung entlehnen. Der eine Schluß ist ganz richtig: Wenn in der Verfassung der Welt, Ord- nung und Schoͤnheit hervorleuchten; so ist ein Gott. Allein, der andere ist nicht weniger gegruͤndet: Wenn diese Ordnung aus allgemeinen Naturgesetzen hat herfliessen koͤnnen; so ist die ganze Natur nothwen- dig eine Wirkung der hoͤchsten Weisheit. Wenn und Theorie des Himmels. Wenn man es sich aber durchaus belieben laͤßt, die unmittelbare Anwendung der goͤttlichen Weis- heit an allen Anordnungen der Natur, die unter sich Harmonie und nuͤtzliche Zwecke begreiffen, zu erken- nen, indem man der Entwickelung aus allgemeinen Bewegungsgesetzen keine uͤbereinstimmende Folgen zutrauet; so wollte ich rathen, in der Beschauung des Weltbaues seine Augen nicht auf einen einzigen unter den Himmelskoͤrpern, sondern auf das Ganze zu richten, um sich aus diesem Wahne auf einmal heraus zu reissen. Wenn die schiefe Lage der Erd- achse, gegen die Flaͤche ihres jaͤhrlichen Laufes, durch die beliebte Abwechselung der Jahreszeiten, ein Be- weisthum der unmittelbaren Hand GOttes seyn soll, so darf man nur diese Beschaffenheit bey den andern Himmelskoͤrpern dagegen halten; so wird man ge- wahr werden, daß sie bey jedem derselben abwech- selt, und daß in dieser Verschiedenheit es auch ei- nige giebt, die sie gar nicht haben: wie z. E. Ju- piter, dessen Achse senkrecht zu dem Plane seines Kreises ist, und Mars, dessen seine es beynahe ist, welche beyde keine Verschiedenheit der Jahreszeiten geniessen, und doch eben sowohl Werke der hoͤchsten Weisheit, als die andern, sind. Die Begleitung der Monde beym Saturn, dem Jupiter und der Erde, wuͤrden scheinen, besondere Anordnungen des Wesens zu seyn, wenn die freye Abweichung von diesem Zwecke, durch das ganze System des Welt- baues, nicht anzeigte, daß die Natur, ohne durch einen ausserordentlichen Zwang in ihrem freyen Be- tragen gestoͤrt zu seyn, diese Bestimmungen hervor- gebracht habe. Jupiter hat vier Monde, Saturn L 5 fuͤnf, Allgemeine Naturgeschichte fuͤnf, die Erde einen, die uͤbrigen Planeten gar kei- nen; ob es gleich scheinet, daß diese, wegen ihrer laͤngeren Naͤchte, derselben beduͤrftiger waͤren, als jene. Wenn man die proportionirte Gleichheit, der den Planeten eingedruͤckten Schwungskraͤfte, mit den Centralneigungen ihres Abstandes, als die Ursache, woher sie beynahe in Zirkeln um die Son- ne laufen, und, durch die Gleichmaͤßigkeit der von dieser ertheilten Waͤrme, zu Wohnplaͤtzen vernuͤnf- tiger Creaturen geschickt werden, bewundert, und sie, als den unmittelbaren Finger der Allmacht, an- siehet; so wird man auf einmal auf die allgemeinen Gesetze der Natur zuruͤck gefuͤhret, wenn man er- weget, daß diese planetische Beschaffenheit sich nach und nach, mit allen Stufen der Verminderung, in der Tiefe des Himmels verlieret, und daß eben die hoͤchste Weisheit, welche an der gemaͤßigten Bewe- gung der Planeten ein Wohlgefallen gehabt hat, auch die Maͤngel nicht ausgeschlossen, mit welchen sich das System endiget, indem es in der voͤlligen Unregelmaͤßigkeit und Unordnung aufhoͤret. Die Natur, ohnerachtet sie eine wesentliche Bestimmung zur Vollkommenheit und Ordnung hat, fasset in dem Umfange ihrer Mannigfaltigkeit alle moͤgliche Abwechselungen, sogar bis auf die Maͤngel und Ab- weichungen, in sich. Eben dieselbe unbeschraͤnkte Fruchtbarkeit derselben hat die bewohnten Himmels- kugeln sowohl, als die Cometen, die nuͤtzlichen Ver- ge und die schaͤdlichen Klippen, die bewohnbaren Land- schaften und oͤden Wuͤsteneyen, die Tugenden und Laster, hervorge- bracht. Allge- Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Dritter Theil, Welcher einen Versuch einer auf die Analogien der Natur gegruͤndeten Vergleichung, zwischen den Einwohnern verschiedener Planeten, in sich enthaͤlt. Wer das Verhaͤltniß aller Welten, von einem Theil zum andern weis, Wer aller Sonnen Menge kennet, und jeglichen Pla- netenkreis: Wer die verschiedenen Bewohner von einem jeden Stern erkennet, Dem ist allein, warum die Dinge so seyn, als wie sie seyn, vergoͤnnet, Zu fassen, und uns zu erklaͤren. Pope. Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Dritter Theil. Anhang , von den Bewohnern der Gestirne. W eil ich davor halte, daß es den Charakter der Weltweisheit ent- ehren heisse, wenn man sich ih- rer gebrauchet, mit einer Art von Leichtsinn freye Ausschwei- fungen des Witzes, mit einiger Scheinbarkeit, zu behaupten, wenn man sich gleich erklaͤren wolte, daß es nur geschaͤhe, um zu belu- sti- Allgemeine Naturgeschichte stigen; so werde in gegenwaͤrtigem Versuche keine anderen Saͤtze anfuͤhren, als solche, die zur Erwei- terung unseres Erkenntnisses wirklich beytragen koͤn- nen, und beren Wahrscheinlichkeit zugleich so wohl gegruͤndet ist, daß man sich kaum entbrechen kan, sie gelten zu lassen. Obgleich es scheinen moͤchte, daß in dieser Art des Vorwurfes, die Freyheit zu erdichten, keine eigentliche Schranken habe, und daß man in dem Urtheil von der Beschaffenheit der Einwohner entlegener Welten, mit weit groͤsserer Ungebundenheit, der Phantasey koͤnne den Zuͤgel schiessen lassen, als ein Mahler in der Abbildung der Gewaͤchse oder Thiere unentdeck- ter Laͤnder, und daß dergleichen Gedanken weder recht erwiesen, noch widerleget werden koͤnten; so muß man doch gestehen, daß die Entfernungen der Himmelskoͤrper von der Sonne gewisse Verhaͤltnisse mit sich fuͤhren, welche einen wesentlichen Einfluß, in die verschiedenen Eigenschaften der denkenden Na- turen, nach sich ziehen, die auf denenselben befind- lich sind, als deren Art zu wirken und zu leiden, an die Beschaffenheit der Materie, mit der sie ver- knuͤpfet seyn, gebunden ist, und von dem Maaß der Eindruͤcke abhaͤnget, die die Welt, nach den Ei- genschaften der Beziehung ihres Wohnplatzes, zu dem Mittelpunkte der Attraction und der Waͤrme, in ihnen erwecket. Jch bin der Meinung, daß es eben nicht noth- wendig sey, zu behaupten, alle Planeten muͤßten bewohnt seyn, ob es gleich eine Ungereimtheit waͤ- re, und Theorie des Himmels. re, dieses, in Ansehung aller, oder auch nur der mei- sten, zu leugnen. Bey dem Reichthume der Na- tur, da Welten und Systeme, in Ansehung des Ganzen der Schoͤpfung, nur Sonnenstaͤubcyen seyn, koͤnnte es auch wohl oͤde und unbewohnte Ge- genden geben, die nicht auf das genaueste zu dem Zwecke der Natur, nemlich der Betrachtung ver- nuͤnftiger Wesen, genutzet wuͤrden. Es waͤre, als wenn man sich aus dem Grunde der Weisheit GOt- tes ein Bedenken machen wolte, zuzugeben, daß sandigte und unbewohnte Wuͤsteneyen grosse Stre- cken des Erdbodens einnehmen, und daß es verlas- sene Jnseln im Weltmeere gebe, darauf kein Mensch befindlich ist. Jndessen ist ein Planet, viel weniger in Anschung des Ganzen der Schoͤpfung, als eine Wuͤste, oder Jnsel, in Ansehung des Erd- bodens. Vielleicht, daß sich noch nicht alle Himmelskoͤr- per voͤllig ausgebildet haben; es gehoͤren Jahrhun- derte, und vielleicht tausende von Jahren dazu, bis ein grosser Himmelskoͤrper einen festen Stand sei- ner Materien erlanget hat. Jupiter scheinet noch in diesem Streite zu seyn. Die merkliche Abwech- selung seiner Gestalt, zu verschiedenen Zeiten, hat die Astronomen schon vorlaͤngst muthmassen lassen, daß er grosse Umstuͤrzungen erleiden muͤsse, und bey weiten so ruhig auf seiner Oberflaͤche nicht sey, als es ein bewohnbarer Planet seyn muß. Wenn er keine Bewohner hat, und auch keine jemals haben solte, was vor ein unendlich kleiner Aufwand der Na- Allgemeine Naturgeschichte Natur waͤre dieses, in Ansehung der Unermeßlich- keit der ganzen Schoͤpfung? Und waͤre es nicht vielmehr ein Zeichen der Armuth, als des Ueber- flusses derselben, wenn sie in jedem Punkte des Rau- mes so sorgfaͤltig seyn solte, alle ihre Reichthuͤmer aufzuzeigen? Allein, man kan noch mit mehr Befriedigung vermuthen, daß, wenn er gleich jetzt unbewohnt ist, er dennoch es dereinst werden wird, wenn die Periode seiner Bildung wird vollendet seyn. Viel- leicht ist unsere Erde tausend oder mehr Jahre vor- handen gewesen, ehe sie sich in Verfassung befun- den hat, Menschen, Thiere und Gewaͤchse unter- halten zu koͤnnen. Daß ein Planet nun einige tausend Jahre spaͤter zu dieser Vollkommenheit kommt, das thut dem Zwecke seines Daseyns kei- nen Abbruch. Er wird eben um deswillen auch ins zukuͤnftige laͤnger in der Vollkommenheit seiner Verfassung, wenn er sie einmal erreichet hat, ver- bleiben; denn es ist einmal ein gewisses Naturge- setz: alles, was einen Anfang hat, naͤhert sich be- staͤndig seinem Untergange, und ist demselben um so viel naͤher, je mehr es sich von dem Punkte seines Anfanges entfernet hat. Die satyrische Vorstellung jenes witzigen Kopfes aus dem Haag, welcher, nach der Anfuͤh- rung der allgemeinen Nachrichten aus dem R. d. Wissenschaften, die Einbildung von der nothwendi- gen Bevoͤlkerung aller Weltkoͤrper, auf der laͤcher- lichen Seite vorzustellen wuste, kan nicht anders, als und Theorie des Himmels. als gebilliget werden. „Diejenigen Creaturen,‟ spricht er, „welche die Waͤlder auf dem Kopfe ei- „nes Bettlers bewohnen, hatten schon lange ihren „Aufenthalt vor eine unermeßliche Kugel, und sich „selber, als das Meisterstuͤck der Schoͤpfung, ange- „sehen, als einer unter ihnen, den der Himmel mit „einer feinern Seele begabet hatte, ein kleiner Fon- „tenelle seines Geschlechts, den Kopf eines Edel- „manns unvermuthet gewahr ward. Alsbald rief „er alle witzige Koͤpfe seines Quartiers zusammen, „und sagte ihnen mit Entzuͤckung: wir sind nicht „die einzigen belebten Wesen der ganzen Natur: sehet „hier ein neues Land, hie wohnen mehr Laͤuse.„ Wenn der Ausgang dieses Schlusses ein Lachen er- wecket; so geschicht es nicht um deswillen, weil er von der Menschen Art, zu urtheilen, weit abgehet; sondern, weil eben derselbe Jrrthum, der bey dem Menschen eine gleiche Ursache zum Grunde hat, bey diesen mehr Entschuldigung zu verdienen scheinet. Laßt uns ohne Vorurtheil urtheilen. Dieses Jnsekt, welches, sowohl seiner Art zu leben, als auch seiner Nichtswuͤrdigkeit nach, die Beschaffen- heit der meisten Menschen sehr wohl ausdruͤckt, kan mit gutem Fuge zu einer solchen Vergleichung ge- braucht werden. Weil, seiner Einbildung nach, der Natur an seinem Daseyn unendlich viel gelegen ist: so haͤlt es die ganze uͤbrige Schoͤpfung vor ver- geblich, die nicht eine genaue Abzielung auf sein Geschlechte, als den Mittelpunkt ihrer Zwecke, mit sich fuͤhret. Der Mensch, welcher gleich unendlich M weit Allgemeine Naturgeschichte weit von der obersten Stufe der Wesen abstehet, ist so verwegen, von der Nothwendigkeit seines Da- seyns, sich mit gleicher Einbildung zu schmeicheln. Die Unendlichkeit der Schoͤpfung fasset alle Natu- ren, die ihr uͤberschwenglicher Reichthum hervor- bringt, mit gleicher Nothwendigkeit in sich. Von der erhabensten Classe, unter den denkenden Wesen, bis zu dem verachtetesten Jnsekt, ist ihr kein Glied gleichguͤltig; und es kan keins fehlen, ohne daß die Schoͤnheit des Ganzen, welche in dem Zusammen- hange bestehet, dadurch unterbrochen wuͤrde. Jn- dessen wird alles, durch allgemeine Gesetze, bestim- met, welche die Natur, durch die Verbindung ih- rer urspruͤnglich eingepflanzten Kraͤfte, bewirket. Weil sie in ihrem Verfahren lauter Wohlanstaͤndig- keit und Ordnung hervorbringt; so darf keine ein- zelne Absicht ihre Folgen stoͤren und unterbrechen. Bey ihrer ersten Bildung war die Erzeugung eines Planeten nur eine unendlich kleine Folge ihrer Fruchtbarkeit; und nun waͤre es etwas ungereim- tes, daß ihre so wohlgegruͤndete Gesetze, den beson- dern Zwecken dieses Atomus nachgeben solten. Wenn die Beschaffenheit eines Himmelskoͤrpers der Bevoͤlkerung natuͤrliche Hindernisse entgegen setzet: so wird er unbewohnt seyn, obgleich es an und vor sich schoͤner waͤre, daß er Einwohner haͤtte. Die Tref- lichkeit der Schoͤpfung verlieret dadurch nichts: denn das Unendliche ist unter allen Groͤssen diejeni- ge, welche, durch Entziehung eines endlichen Thei- les, nicht vermindert wird. Es waͤre, als wenn man klagen wolte, daß der Raum, zwischen dem Ju- und Theorie des Himmels. Jupiter und dem Mars, so unnoͤthig leer stehet, und daß es Cometen giebt, welche nicht bevoͤlkert sind. Jn der That, jenes Jnsekt mag uns so nichtswuͤrdig scheinen, als es wolle, es ist der Na- tur gewiß an der Erhaltung ihrer ganzen Classe mehr gelegen, als an einer kleinen Zahl vortrefli- cherer Geschoͤpfe, deren es dennoch unendlich viel giebt, wenn ihnen gleich eine Gegend, oder Ort, be- raubet seyn solte. Weil sie in Hervorbringung bey- der unerschoͤpflich ist, so sieht man ja gleich unbe- kuͤmmert, beyde in ihrer Erhaltung und Zerstoͤ- rung, den allgemeinen Gesetzen uͤberlassen. Hat wohl jemals der Besitzer jener bewohnten Waͤlder, auf dem Kopfe des Bettlers, groͤssere Verheerun- gen unter dem Geschlechte dieser Colonie gemacht, als der Sohn Philipps, in dem Geschlechte seiner Mitbuͤrger, anrichtete, als es ihm sein boͤser Ge- nius in den Kopf gesetzet hatte, daß die Welt nur um seinetwillen hervorgebracht sey? Jndessen sind doch die meisten unter den Pla- neten gewiß bewohnt, und die es nicht sind, wer- den es dereinst werden. Was vor Verhaͤltnisse werden nun, unter den verschiedenen Arten dieser Einwohner, durch die Beziehung ihres Ortes in dem Weltgebaͤude zu dem Mittelpunkte, daraus sich die Waͤrme verbreitet, die alles belebt, verursachet werden. Denn es ist gewiß, daß diese, unter den Materien dieser Himmelskoͤrper, nach Proportion ihres Abstandes, gewisse Verhaͤltnisse in ihren Be- stimmungen mit sich fuͤhret. Der Mensch, welcher M 2 un- Allgemeine Naturgeschichte unter allen vernuͤnftigen Wesen dasjenige ist, wel- ches wir am deutlichsten kennen, ob uns gleich seine innere Beschaffenheit annoch ein unerforschtes Problema ist, muß in dieser Vergleichung zum Grunde und zum allgemeinen Beziehungspunkte die- nen. Wir wollen ihn allhier nicht nach seinen mo- ralischen Eigenschaften, auch nicht nach der physi- schen Einrichtung seines Baues betrachten: wir wollen nur untersuchen, was das Vermoͤgen, ver- nuͤnftig zu denken, und die Bewegung seines Lei- bes, die diesem gehorchet, durch die, dem Abstande von der Sonne proportionirte Beschaffenheit der Materie, an die er geknuͤpfet ist, vor Einschraͤn- kungen leide. Des unendlichen Abstandes unge- achtet, welcher zwischen der Kraft, zu denken, und der Bewegung der Materie, zwischen dem vernuͤnftigen Geiste, und dem Koͤrper, anzutreffen ist, so ist es doch gewiß, daß der Mensch, der alle seine Begrif- fe und Vorstellungen von dem Eindrucke her hat, die das Universum, vermittelst des Koͤrpers, in seiner Seele erreget, sowohl in Ansehung der Deut- lichkeit derselben, als auch der Fertigkeit, dieselbe zu verbinden und zu vergleichen, welche man das Vermoͤgen zu denken nennet, von der Beschaffen- heit dieser Materie voͤllig abhaͤngt, an die der Schoͤpfer ihn gebunden hat. Der Mensch ist erschaffen, die Eindruͤcke und Ruͤhrungen, die die Welt in ihm erregen soll, durch denjenigen Koͤrper anzunehmen, der der sichtbare Theil seines Wesens ist, und dessen Materie nicht allein dem unsichtbaren Geiste, welcher ihn bewoh- net, und Theorie des Himmels. net, dienet, die ersten Begriffe der aͤusseren Gegen- staͤnde einzudruͤcken; sondern auch in der innern Handlung diese zu wiederholen, zu verbinden: kurz, zu denken, unentbehrlich ist Es ist aus den Gruͤnden der Psychologie ausge- macht, daß, vermoͤge der jetzigen Verfassung, darinn die Schoͤpfung Seele und Leib von einan- der abhaͤngig gemachet hat, die erstere nicht al- lein alle Begriffe des Universi durch des letztern Gemeinschaft und Einfluß uͤberkommen muß; sondern auch die Ausuͤbung seiner Denkungskraft selber auf dessen Verfassung ankommt, und von dessen Beyhuͤlfe die noͤthige Faͤhigkeit dazu ent- lehnet. . Nach dem Maasse, als sein Koͤrper sich ausbildet, bekommen die Faͤhig- keiten seiner denkenden Natur, auch die gehoͤrigen Grade der Vollkommenheit, und erlangen allererst ein gesetztes und maͤnnliches Vermoͤgen, wenn die Fasern seiner Werkzeuge die Festigkeit und Dauer- haftigkeit uͤberkommen haben, welche die Vollendung ihrer Ausbildung ist. Diejenigen Faͤhigkeiten entwi- ckeln sich bey ihm fruͤh genug, durch welche er der Noth- durft, die die Abhaͤngigkeit von den aͤusserlichen Din- gen ihm zuziehet, genug thun kan. Bey einigen Men- schen bleibt es bey diesem Grade der Auswickelung. Das Vermoͤgen, abgezogene Begriffe zu verbin- den, und durch eine freye Anwendung der Einsich- ten, uͤber den Hang der Leidenschaften zu herrschen, findet sich spaͤt ein, bey einigen niemals in ihrem ganzen Leben; bey allen aber ist es schwach: es die- net den unteren Kraͤften, uͤber die es doch herrschen solte, und in deren Regierung der Vorzug seiner M 3 Na- Allgemeine Naturgeschichte Natur bestehet. Wenn man das Leben der meisten Menschen ansiehet: so scheinet diese Creatur ge- schaffen zu seyn, um wie eine Pflanze Saft in sich zu ziehen und zu wachsen, sein Geschlecht fortzuse- tzen, endlich alt zu werden, und zu sterben. Er er- reichet unter allen Geschoͤpfen am wenigsten den Zweck seines Daseyns, weil er seine vorzuͤgliche Faͤ- higkeiten zu solchen Absichten verbrauchet, die die uͤbrigen Creaturen mit weit minderen, und doch weit sicherer und anstaͤndiger, erreichen. Er wuͤrde auch das Verachtungswuͤrdigste unter allen, zum wenig- sten in den Augen der wahren Weisheit, seyn, wenn die Hoffnung des Kuͤnftigen ihn nicht erhuͤbe, und denen, in ihm verschlossenen Kraͤften, nicht die Pe- riode einer voͤlligen Auswickelung bevorstuͤnde. Wenn man die Ursache der Hindernisse untersu- chet, welche die menschliche Natur in einer so tiefen Erniedrigung erhalten; so findet sie sich in der Grob- heit der Materie, darinn sein geistiger Theil versen- ket ist, in der Unbiegsamkeit der Fasern, und der Traͤgheit und Unbeweglichkeit der Saͤfte, welche dessen Regungen gehorchen sollen. Die Nerven und Fluͤßigkeiten seines Gehirnes liefern ihm nur grobe und undeutliche Begriffe, und weil er der Rei- tzung der sinnlichen Empfindungen, in dem inwen- digen seines Denkungsvermoͤgens, nicht genugsam kraͤftige Vorstellungen zum Gleichgewichte entgegen stellen kan: so wird er von seinen Leidenschaften hin- gerissen, von dem Getuͤmmel der Elemente, die sei- ne Maschine unterhalten, uͤbertaͤubet und gestoͤret. Die Bemuͤhungen der Vernunft, sich dagegen zu er- he- und Theorie des Himmels. heben, und diese Verwirrung durch das Licht der Urtheilskraft zu vertreiben, sind wie die Sonnen- blicke, wenn dicke Wolken ihre Heiterkeit unablaͤs- sig unterbrechen und verdunkeln. Diese Grobheit des Stoffes und des Gewebes in dem Baue der menschlichen Natur ist die Ursa- che derjenigen Traͤgheit, welche die Faͤhigkeiten der Seele in einer bestaͤndigen Mattigkeit und Kraft- losigkeit erhaͤlt. Die Handlung des Nachdenkens, und der durch die Vernunft aufgeklaͤrten Vorstel- lungen ist ein muͤhsamer Zustand, darein die Seele sich nicht ohne Wiederstand setzen kan, und aus welchem sie, durch einen natuͤrlichen Hang der koͤr- perlichen Maschine, alsbald in den leidenden Zustand zuruͤckfaͤllt, da die saͤmtlichen Reizungen alle ihre Handlungen bestimmen und regieren. Diese Traͤgheit seiner Denkungskraft, welche eine Folge der Abhaͤngigkeit von einer groben und ungelenksamen Materie ist, ist nicht allein die Quelle des Lasters, fondern auch des Jrrthums. Durch die Schwierigkeit, welche mit der Bemuͤ- hung verbunden ist, den Nebel der verwirrten Be- griffe zu zerstreuen, und das durch verglichene Jdeen entspringende allgemeine Erkenntniß von den sinnlichen Eindruͤcken abzusondern, abgehalten, giebt sie lieber einem uͤbereilten Beyfalle Platz, und beruhigt sich in dem Besitze einer Einsicht, welche ihr die Traͤgheit ihrer Natur und der Wiederstand der Materie kaum von der Seite erblicken lassen. Jn dieser Abhaͤngigkeit schwinden die geistigen Faͤhigkeiten zugleich mit der Lebhaftigkeit des Leibes: wenn das hohe Alter durch den geschwaͤchten Um- M 4 lauf Allgemeine Naturgeschichte lauf der Saͤfte nur dicke Saͤfte in dem Koͤrper ko- chet, wenn die Beugsamkeit der Fasern, und die Behendigkeit in allen Bewegungen abnimmt, so erstarren die Kraͤfte des Geistes in einer gleichen Ermattung. Die Hurtigkeit der Gedanken, die Klarheit der Vorstellung, die Lebhaftigkeit des Witzes und das Erinnerungsvermoͤgen werden kraftlos und erkalten. Die durch lange Erfah- rung eingepfropften Begriffe ersetzen noch einigermas- sen den Abgang dieser Kraͤfte und der Verstand wuͤrde sein Unvermoͤgen noch deutlicher verrathen, wenn die Heftigkeit der Leidenschaften, die dessen Zuͤ- gel noͤthig haben, nicht zugleich, und noch eher als er, ebnehmen moͤchten. Es erhellet demnach hieraus deutlich, daß die Kraͤfte der menschlichen Seele von den Hindernis- sen einer groben Materie, an die sie innigst verbun- den werden, eingeschraͤnket und gehemmet werden; aber es ist etwas noch merkwuͤrdigers, daß diese specifische Beschaffenheit des Stoffes eine wesentli- che Beziehung zu dem Grade des Hinflusses hat, womit die Sonne nach dem Masse ihres Abstan- des sie belebet, und zu den Verrichtungen der ani- malischen Oeconomie tuͤchtig macht. Diese noth- wendige Beziehung zu dem Feuer, welches sich aus dem Mittelpunkte des Weltsystems verbreitet, um die Materie in der noͤthigen Regung zu erhalten, |ist der Grund einer Analogie, die eben hieraus, zwischen den verschiedenen Bewohnern der Planeten, vest gesetzet wird: und eine jede Classe derselben ist ver- moͤge dieser Verhaͤltniß an den Ort durch die Noth- wen- und Theorie des Himmels. wendigkeit ihrer Natur gebunden, der ihr in dem Universo angewiesen worden. Die Einwohner der Erde und der Venus koͤn- nen ohne ihr beyderseitiges Verderben ihre Wohn- plaͤtze gegeneinander nicht vertauschen. Der erstere, dessen Bildungsstoff vor den Grad der Waͤrme sei- nes Abstandes proportionirt, und daher vor einen noch groͤssern zu leicht und fluͤchtig ist, wuͤrde in ei- ner erhitzteren Sphaͤre gewaltsame Bewegungen und eine Zerruͤttung seiner Natur erleiden, die von der Zerstreuung und Austrocknung der Saͤfte und einer gewaltsamen Spannung seiner elastischen Fa- sern entstehen wuͤrde; der letztere dessen groͤberer Bau und Traͤgheit der Elemente seiner Bildung, eines grossen Einflusses der Sonne bedarf, wuͤrde in einer kuͤhleren Himmelsgegend erstarren und in einer Leblosigkeit verderben. Eben so muͤssen es weit leichtere und fluͤchtigere Materie seyn, dar- aus der Koͤrper des Jupiters Bewohners bestehet, damit die geringe Regung, womit die Sonne in diesem Abstande wuͤrken kan, diese Maschinen eben so kraͤftig bewegen koͤnne, als sie es in den unteren Gegenden verrichtet, und damit alles in einem all- gemeinen Begriffe zusammenfasse. Der Stoff woraus die Einwohner verschiedener Pla- neten, ja so gar die Thiere und Gewaͤchse auf denselben, gebildet seyn, muß uͤberhaupt um desto leichterer und feinerer Art, und die Elasticitaͤt der Fasern sammt der vor- theilhaften Anlage ihres Baues, um desto vollkommener seyn, nach dem Masse als sie weiter von der Sonne abstehen. M 5 Die- Allgemeine Naturgeschichte Dieses Verhaͤltniß ist so natuͤrlich und wohl gegruͤndet, daß nicht allein die Bewegungsgruͤnde des Endzwecks darauf fuͤhren, welche in der Na- turlehre gemeiniglich nur als schwache Gruͤnde an- gesehen werden, sondern zugleich die Proportion der specifischen Beschaffenheit der Materien woraus die Planeten bestehen, welche sowohl durch die Rechnungen des Newton, als auch durch die Gruͤnde der Cosmogonie ausgemacht sind, dieselbe bestaͤtigen, nach welchen der Stoff, woraus die Him- melskoͤrper gebildet sind, bey den entfernetern alle- mal leichterer Art, als bey den nahen ist, welches nothwendig an denen Gefchoͤpfen, die sich auf ih- nen erzeugen und unterhalten, ein gleiches Ver- haͤltniß nach sich ziehen muß. Wir haben eine Vergleichung zwischen der Be- schaffenheit der Materie, damit die vernuͤnftigen Geschoͤpfe auf den Planeten wesentlich vereinigt seyn, ausgemacht: und es laͤst sich auch nach der Einleitung dieser Betrachtung leichtlich erachten, daß diese Verhaͤltnisse eine Folge, auch in Ansehung ihrer geistigen Faͤhigkeit, nach sich ziehen werde. Wenn demnach diese geistige Faͤhigkeiten eine noth- wendige Abhaͤngigkeit von dem Stoffe der Ma- schine haben, welche sie bewohnen; so werden wir mit mehr als wahrscheinlicher Vermuthung schlies- sen koͤnnen: daß die Treflichkeit der denken- den Naturen, die Hurtigkeit in ihren Vor- stellungen, die Deutlichkeit und Lebhaftig- keit der Begriffe, die sie durch aͤusserlichen Eindruck bekommen, sammt dem Vermoͤ- gen sie zusammen zusetzen, endlich auch die und Theorie des Himmels. die Behendigkeit in der wirklichen Aus- uͤbung, kurz, der ganze Umfang ihrer Voll- kommenheit unter einer gewissen Regel ste- hen, nach welcher dieselben, nach dem Ver- haͤltniß des Abstandes ihrer Wohnplaͤtze von der Sonne, immer treflicher und voll- kommener werden. Da dieses Verhaͤltniß einen Grad der Glaub- wuͤrdigkeit hat, der nicht weit von einer ausge- machten Gewißheit entfernet ist, so finden wir ein ofnes Feld zu angenehmen Muthmassungen, die aus der Vergleichung der Eigenschaften dieser ver- schiedenen Bewohner entspringen. Die menschli- che Natur, welche in der Leiter der Wesen gleich- sam die mittelste Sprosse inne hat, siehet sich zwi- schen den zwey aͤussersten Grenzen der Vollkommen- heit mitten inne, von deren beyden Enden sie gleich weit entfernet ist. Wenn die Vorstellung der erha- bensten Classen vernuͤnftiger Creaturen, die den Ju- piter oder den Saturn bewohnen, ihre Eifersucht reitzet, und sie durch die Erkenntniß ihrer eigenen Niedrigkeit demuͤthiget; so kan der Anblick der niedrigen Stufen sie wiederum zufrieden sprechen und beruhigen, die in den Planeten Venus und Merkur weit unter der Vollkommenheit der mensch- lichen Natur erniedrigt seyn. Welch ein verwun- derungswuͤrdiger Anblick! Von der einen Seite sahen wir denkende Geschoͤpfe, bey denen ein Groͤn- laͤnder oder Hottentotte ein Newton seyn wuͤrde, und auf der andern Seite andere, die diesen als ei- nen Affen bewundern. Da Allgemeine Naturgeschichte Da juͤngst die obern Weisen sahn, Was unlaͤngst recht verwunderlich, Ein Sterblicher bey uns gethan, Und wie er der Natur Gesetz entfaltet; wunderten sie sich, Daß durch ein irrdisches Geschoͤpf derglei- chen moͤglich zu geschehn Und sahen unsern Newton an, so wie wir einen Affen sehn. Pope. Zu welch einem Fortgange in der Erkenntniß, wird die Einsicht jener gluͤckseligen Wesen der ober- sten Himmelssphaͤren nicht gelangen! Welche schoͤne Folgen, wird diese Erleuchtung der Einsichten nicht in ihre sittliche Beschaffenheit haben! Die Ein- sichten des Verstandes, wenn sie die gehoͤrigen Gra- de der Vollstaͤndigkeit und Deutlichkeit besitzen, ha- ben weit lebhaftere Reitzungen als die sinnlichen An- lockungen an sich, und sind vermoͤgend, diese sieg- reich zu beherrschen, und unter den Fuß zu treten. Wie herrlich wird sich die Gottheit selbst, die sich in allen Geschoͤpfe mahlet in diesen denkenden Na- turen nicht mahlen, welche als ein von den Stuͤr- men der Leidenschaften unbewegtes Meer ihr Bild ruhig aufnehmen, und zuruͤckstrahlen! Wir wol- len diese Muthmassungen nicht uͤber die, einer phy- sischen Abhandlung vorgezeichnete Grenzen erstre- cken, wir bemerken nur nochmals die oben ange- fuͤhrte Analogie: daß die Vollkommenheit der Geisterwelt sowohl, als der materialischen in den Planeten, von dem Merkur an bis zum Saturn, oder vielleicht noch uͤber ihm, (wo- und Theorie des Himmels. (woferne noch andere Planeten seyn,) in ei- ner richtigen Gradenfolge, nach der Propor- tion ihrer Entfernungen von der Sonne, wachse und fortschreue. Jndessen, daß dieses aus den Folgen der phy- sischen Beziehung ihrer Wohnplaͤtze zu dem Mittel- punkte der Welt zum Theil natuͤrlich herfliesset, zum Theil geziemend veranlasset wird: so bestaͤtigt anderer Seits der wirkliche Anblick der vortreflich- sten, und sich vor die vorzuͤgliche Vollkommenheit dieser Naturen in den obern Gegenden anschickende Anstalten, diese Regel so deutlich, daß sie beynahe einen Anspruch auf eine voͤllige Ueberzeugung ma- chen sollte. Die Hurtigkeit der Handlungen, die mit den Vorzuͤgen einer erhabenen Natur verbun- den ist, schicket sich besser zu den schnell abwechseln- den Zeitperioden jener Sphaͤren, als die Langsamkeit traͤger und unvollkomeuer Geschoͤpfe. Die Sehroͤhre lehren uns, daß die Abwechse- lung des Tages und der Nacht im Jupiter in 10 Stunden geschehe. Was wuͤrde der Bewohner der Erde, wenn er in diesen Planeten gesetzt wuͤr- de, bey dieser Eintheilung wohl anfangen? Die 10 Stunden wuͤrden kaum zu derjenigen Ruhe zu- reichen, die diese grobe Maschine zu ihrer Erho- lung durch den Schlaf gebrauchet. Was wuͤrden die Vorbereitung zu den Verrichtungen des Wa- chens, das Kleiden, die Zeit die zum Essen an- gewandt wird, nicht vor einen Antheil an der fol- genden Zeit abfordern, und wie wuͤrde eine Crea- tur, deren Handlungen mit solcher Langsamkeit ge- schehen, nicht zerstreuet, und zu etwas tuͤchtigen un- Allgemeine Naturgeschichte unvermoͤgend gemacht werden, deren 5 Stunden Geschaͤfte ploͤtzlich durch die Dazwischenkunft einer eben so langen Finsterniß unterbrochen wuͤrden? Dagegen wenn Jupiter von vollkommneren Crea- turen bewohnet ist, die mit einer feinern Bildung mehr elastische Kraͤfte, und eine groͤssere Behendig- keit in der Ausuͤbung verbinden; so kan man glau- ben, daß diese 5 Stunden ihnen eben dasselbe und mehr sind, als was die 12 Stunden des Tages vor die niedrige Classe der Menschen betragen. Wir wissen, daß das Beduͤrfniß der Zeit etwas relati- ves ist, welches nicht anders, als aus der Groͤsse desjenigen was verrichtet werden soll, mit der Ge- schwindigkeit der Ausuͤbung verglichen, kan er- kannt und verstanden werden. Daher eben dieselbe Zeit, die vor eine Art der Geschoͤpfe gleichsam nur ein Augenblick ist, vor eine andere eine lange Pe- riode seyn kan, in der sich eine grosse Folge der Veraͤnderungen durch eine schnelle Wirksamkeit aus- wickelt. Saturn hat nach der wahrscheinlichen Berechnung seiner Umwaͤlzung, die wir oben dar- gelegt haben, eine noch weit kuͤrzere Abtheilung des Tages und der Nacht, und laͤsset daher an der Natur seiner Bewohner noch vorzuͤglichere Faͤhig- keiten vermuthen. Endlich stimmet alles uͤberein das angefuͤhrte Gesetz zu bestaͤtigen. Die Natur hat ihren Vor- rath augenscheinlich auf der entlegenen Seite der Welt am reichlichsten ausgebreitet. Die Monde, die den geschaͤftigen Wesen dieser gluͤckseligen Ge- genden, durch eine hinlaͤngliche Ersetzung die Ent- ziehung des Tageslichts verguͤten, sind in groͤssester Men- und Theorie des Himmels. Menge daselbst angebracht, und die Natur scheinet sorgfaͤltig gewesen zu seyn, ihrer Wirksamkeit al- le Beyhuͤlfe zu leisten, damit ihnen fast keine Zeit hinderlich sey, solche anznwenden. Jupiter hat in Ansehung der Monde einen augenscheinlichen Vorzug vor allen unteren Planeten, und Saturn wiederum vor ihm, dessen Anstalten an dem schoͤ- nen und nuͤtzlichen Ringe der ihn umgiebt, noch groͤssere Vorzuͤge von seiner Beschaffenheit, wahr- scheinlich machen; dahingegen die untern Planeten, bey denen dieser Vorrath unnuͤtzlich wuͤrde ver- schwendet seyn, deren Classe weit naͤher an die Un- vernunft grenzet, solcher Vortheile entweder gar nicht, oder doch sehr wenig theilhaftig geworden sind. Man kan aber, (damit ich einem Einwurfe zu- vor komme, der alle diese angefuͤhrte Uebereinstim- mung vereiteln koͤnnte,) den groͤsseren Abstand von der Sonne, dieser Quelle des Lichts und des Lebens, nicht als ein Uebel ansehen, wogegen die Weit- laͤuftigkeit solcher Anstalten bey den entfernetern Planeten nur vorgekehrt werden, um ihm einiger- massen abzuhelfen, und daß in der That die obern Planeten eine weniger vortheilhafte Lage im Welt- gebaͤude und eine Stellung haͤtten, die der Voll- kommenheit ihrer Anstalten nachtheilig waͤre, weil sie von der Sonne einen schwaͤchern Einfluß erhal- ten. Denn wir wissen, daß die Wirkung des Lichts und der Waͤrme nicht durch deren absolute Jnten- sitaͤt, sondern durch die Faͤhigkeit der Materie, womit sie solche annimmt, und ihrem Antriebe we- niger oder mehr wiederstehet, bestimmt werde, und Allgemeine Naturgeschichte und daß daher eben derselbe Abstand, der vor ei- ne Art grober Materie ein gemaͤßigtes Clima kan genannt werden, subtilere Fluͤßigkeiten zerstreuen, und vor sie von schaͤdlicher Heftigkeit seyn wuͤrde; mithin nur ein feinerer und aus beweglichern Ele- menten bestehender Stoff dazu gehoͤret, um die Ent- fernungen des Jupiters oder Saturns von der Son- ne beyden zu einer gluͤcklichen Stellung zu machen. Endlich scheinet noch die Treflichkeit der Natu- ren in diesen oberen Himmelsgegenden, durch einen physischen Zusammenhang mit einer Dauerhaftig- keit, deren sie wuͤrdig ist, verbunden zu seyn. Das Verderben und der Tod koͤnnen diesen treflichen Ge- schoͤpfen nicht so viel, als uns niedrigen Naturen anhaben. Eben dieselbe Traͤgheit der Materie und Grobheit des Stoffes, die bey den unteren Stuf- fen das specifische Principium ihrer Erniedrigung ist, ist auch die Ursache desjenigen Hanges, den sie zum Verderben haben. Wenn die Saͤfte, die das Thier oder den Menschen naͤhren und wachsen ma- chen, indem sie sich zwischen seine Faͤserchen einver- leiben und an seine Masse ansetzen, nicht mehr zu- gleich dessen Gefaͤsse und Canaͤle in der Raumes- ausdehnung vergroͤssern koͤnnen, wenn das Wachs- thum schon vollendet ist; so muͤssen diese sich anse- tzende Nahrungssaͤfte durch eben den mechanischen Trieb, der das Thier zu naͤhren angewandt wird, die Hoͤle seiner Gefaͤsse verengen und verstopfen, und den Bau der ganzen Maschine, in einer nach und nach zunehmenden Erstarrung, zu Grunde rich- ten. Es ist zu glauben, daß, obgleich die Vergaͤnglich- keit auch an den vollkommensten Naturen naget, den- und Theorie des Himmels. dennoch der Vorzug in der Feinigkeit des Stoffes, in der Elastieitaͤt der Gefaͤsse, und der Leichtigkeit und Wirksamkeit der Saͤfte, woraus jene voll- kommnere Wesen, welche in den entferneten Plane- ten wohnen, gebildet seyn, diese Hinfaͤlligkeit, welche eine Folge aus der Traͤgheit einer groben Materie ist, weit laͤnger aufhalten, und diesen Creaturen eine Dauer, deren Laͤnge ihrer Vollkom- menheit proportionirt ist, verschaffen werde, so wie die Hinfaͤlligkeit des Lebens der Menschen ein richtiges Verhaͤltniß zu ihrer Nichtswuͤrdigkeit hat. Jch kan diese Betrachtung nicht verlassen, oh- ne einem Zweifel zuvor zu kommen, welcher natuͤr- licher Weise aus der Vergleichung dieser Meinun- gen mit unseren vorigen Saͤtzen entspringen koͤnnte. Wir haben in den Anstalten des Weltbaues an der Menge der Trabanten, welche die Planeten der entferntsten Kreise erleuchten, an der Schnelligkeit der Achsendrehungen, und dem gegen die Sonnen- wirkung proportionirten Stoffe ihres Zusammen- satzes, die Weisheit GOttes erkannt, welche alles dem Vortheile der vernuͤnftigen Wesen, die sie be- wohnen, so zutraͤglich angeordnet hat. Aber wie wollte man anjetzt mit der Lehrverfassung der Ab- sichten einen mechanischen Lehrbegriff zusammen rei- men, so daß, was die hoͤchste Weisheit selbst ent- warf, der rohen Materie, und das Regiment der Vorsehung, der sich selbst uͤberlassenen Natur zur Ausfuͤhrung aufgetragen worden? Jst das erstere nicht vielmehr ein Gestaͤndniß, daß die Anord- nung des Weltbaues nicht durch die allgemeinen Ge- setze der letzteren entwickelt worden. N Man Allgemeine Naturgeschichte Man wird diese Zweifel bald zerstreuen, wenn man auf dasjenige nur zuruͤck denckt, was in glei- cher Absicht in dem vorigen angefuͤhret worden. Mnß nicht die Mechanik aller natuͤrlichen Bewe- gungen einen wesentlichen Hang zu lauter solchen Folgen haben, die mit dem Project der hoͤchsten Ver- nunft in dem ganzen Umfange der Verbindungen wohl zusammenstimmet? Wie kan sie abirrende Bestrebungen, und eine ungebundene Zerstreuung in ihren Beginnen haben, da alle ihre Eigenschaf- ten, aus welchen sich diese Folgen entwickeln, selbst ihre Bestimmung aus der ewigen Jdee des goͤttli- chen Verstandes haben, in welchem sich alles noth- wendig auf einander beziehen, und zusammenschi- cken muß? Wenn man sich recht besinnet, wie kan man die Art zu urtheilen rechtfertigen, daß man die Natur als ein wiederwaͤrtiges Subject ansiehet, welches nur durch eine Art von Zwange, der ihrem freyen Betragen Schranken setzt, in dem Gleise der Ordnung und der gemeinschaftlichen Harmonie kan erhalten werden, woferne man nicht etwa davor haͤlt, daß sie ein sich selbst genugsames Principium sey, dessen Eigenschaften keine Ursa- che erkennen, und welche GOtt, so gut als es sich thun laͤßt, in den Plan seiner Absichten zu zwin- gen trachtet. Je naͤher man die Natur wird ken- nen lernen, desto mehr wird man einsehen, daß die allgemeinen Beschaffenheiten der Dinge einander nicht fremd und getrennt seyn. Man wird hin- laͤnglich uͤberfuͤhret werden, daß sie wesentliche Verwandtschaften haben, durch die sie sich von sel- ber anschicken, einander in Errichtung vollkomme- ner und Theorie des Himmels. ner Verfassungen zu unterstuͤtzen, die Wechselwir- kung der Elemente zur Schoͤnheit der materiali- schen und doch auch zugleich zu den Vortheilen der Geisterwelt, und daß uͤberhaupt die einzelen Na- turen der Dinge in dem Felde der ewigen Wahr- heiten schon untereinander, so zu sagen, ein Sy- stem ausmachen, in welchem eine auf die andere beziehend ist; man wird auch alsbald inne werden, daß die Verwandtschaft ihnen von der Gemeinschaft des Ursprungs eigen ist, aus dem sie insgesammt ihre wesentlichen Bestimmungen geschoͤpft haben. Und um daher diese wiederholte Betrachtung zu dem vorhabenden Zwecke anzuwenden: Eben dieselbe allgemeine Bewegungsgesetze, die den ober- sten Planeten einen entfernten Platz von dem Mit- telpunkte der Anziehung und der Traͤgheit in dem Weltsystem angewiesen haben, haben sie dadurch zugleich in die vortheilhafteste Verfassung gesetzt, ihre Bildungen am weitesten von dem Beziehungs- punkte der groben Materie, und zwar mit groͤsse- rer Fryheit anzustellen; sie haben sie aber auch zu- gleich in eine regelmaͤßige Verhaͤltniß zu dem Ein- flusse der Waͤrme versetzt, welche sich, nach glei- chem Gesetze, aus eben dem Mittelpunkte ausbreitet. Da nun eben diese Bestimmungen es sind, welche die Bildung der Weltkoͤrper in diesen entferneten Gegenden ungehinderter, die Erzeugung der davon abhaͤngenden Bewegungen schneller und kurz zu sa- gen, das System wohlanstaͤndiger gemacht haben, da endlich die geistigen Wesen eine nothwendige Ab- haͤngigkeit von der Materie haben, an die sie per- soͤnlich verbunden sind; so ist kein Wunder, daß N 2 die Allgemeine Naturgeschichte die Vollkommenheit der Natur von beyderley Or- ten in einem einzigen Zusammenhange der Ursa- chen, und aus gleichen Gruͤnden bewirket worden. Diese Uebereinstimmung ist also bey genauer Er- wegung nichts ploͤtzliches oder unerwartetes, und weil die letzeren Wesen durch ein gleiches Princi- pium in die allgemeine Verfassung der materiali- schen Natur eingeflochten worden; so wird die Gei- sterwelt aus eben den Ursachen in den entferneten Sphaͤren vollkommener seyn, weswegen es die koͤr- perliche ist. So haͤnget denn alles in dem ganzen Umfan- ge der Natur in einer ununterbrochenen Gradfolge zusammen, durch die ewige Harmonie, die alle Glieder auf einander beziehend macht. Die Voll- kommenheiten GOttes haben sich in unsern Stufen deutlich offenbaret, und sind nicht weniger herrlich in den niedrigsten Classen, als in den erhabnern. Welch eine Kette die von GOtt den Anfang nimmt, was vor Naturen Von himmlischen und irrdischen, von En- geln, Menschen bis zum Vieh, Vom Seraphim bis zum Gewuͤrm. O Wei- te die das Auge nie Erreichen und betrachten kan! Von dem Unendlichen zu dir, von dir zum Nichts! Pope. Wir haben die bisherige Muthmassungen treu- lich an dem Leitfaden der physischen Verhaͤltnisse fortgefuͤhret, welcher sie auf dem Pfade einer ver- nuͤnftigen Glaubwuͤrdigkeit erhalten hat. Wol- len wir uns noch eine Ausschweifung aus diesem Glei- und Theorie des Himmels. Gleise in das Feld der Phantasie erlauben? Wer zeiget uns die Grenze wo die gegruͤndete Wahr- scheinlichkeit aufhoͤret, und die willkuͤhrlichen Er- dichtungen anheben? Wer ist so kuͤhn, eine Be- antwortung der Frage zu wagen: ob die Suͤnde ihre Herrschaft auch in den andern Kugeln des Weltbaues ausuͤbe, oder ob die Tugend allein ihr Regiment daselbst aufgeschlagen. Die Sterne sind vielleicht ein Sitz verklaͤr- ter Geister, Wie hier das Laster herrscht, ist dort die Tu- gend Meister. v. Haller. Gehoͤrt nicht ein gewisser Mittelstand zwischen der Weisheit und Unvernunft zu der ungluͤckli- chen Faͤhigkeit suͤndigen zu koͤnnen. Wer weiß, sind also die Bewohner jener entferneten Weltkoͤr- per nicht zu erhaben und zu weise, um sich bis zu der Thorheit, die in der Suͤnde steckt, herabzulassen, diejenigen aber, die in den unteren Planeten woh- nen, zu fest an die Materie geheftet und mit gar zu geringen Faͤhigkeiten des Geistes versehen, um die Verantwortung ihrer Handlungen vor dem Richterstuhle der Gerechtigkeit tragen zu doͤrfen? Auf diese Weise waͤre die Erde, und vielleicht noch der Mars, (damit der elende Trost uns ja nicht genommen werde, Gefaͤhrten des Ungluͤcks zu ha- ben,) allein in der gefaͤhrlichen Mittelstrasse, wo die Versuchung der sinnlichen Reitzungen gegen die Oberherrschaft des Geistes ein starkes Vermoͤgen zur Verleitung haben, dieser aber dennoch diejeni- ge Faͤhigkeit nicht verleugnen kann, wodurch er N 3 im Allgemeine Naturgeschichte im Stande ist, ihnen Wiederstand zu leisten, wenn es seiner Traͤgheit nicht vielmehr gefiele, sich durch dieselbe hinreissen zu lassen, wo also der ge- faͤhrliche Zwischenpunkt zwischen der Schwachheit und dem Vermoͤgen ist, da eben dieselbe Vorzuͤge, die ihn uͤber die niederen Classen erheben, ihn auf eine Hoͤhe stellen, von welcher er wiederum unendlich tiefer unter diese herabsinken kan. Jn der That sind die beyden Planeten, die Erde und der Mars, die mittelsten Glieder des planetischen Systems, und es laͤst sich von ihren Bewohnern vielleicht nicht mit Unwahrscheinlichkeit ein mittlerer Stand der physischen sowohl, als moralischen Beschaffen- heit zwischen den zwey Endpunkten vermuthen, al- lein ich will diese Betrachtung lieber denenjenigen uͤberlassen, die mehr Beruhigung bey einem uner- weißlichen Erkenntnisse, und mehr Neigung dessen Verantwortung zu uͤbernehmen, bey sich finden. Beschluß. Es ist uns nicht einmal recht bekannt, was der Mensch anjetzo wirklich ist, ob uns gleich das Be- wustseyn und die Sinne hievon belehren solten; wie vielweniger werden wir errathen koͤnnen, was er der- einst werden soll. Dennoch schnappet die Wißbe- gierde der menschlichen Seele sehr begierig nach die- sem von ihr so entfernten Gegenstande, und strebet, in solchem dunkeln Erkenntnisse, einiges Licht zu be- kommen. Solte die unsterbliche Seele wohl in der gan- zen Unendlichkeit ihrer kuͤnftigen Dauer, die das Grab und Theorie des Himmels. Grab selber nicht unterbricht, sondern nur veraͤn- dert, an diesen Punkt des Weltraumes, an unsere Er- de jederzeit geheftet bleiben? Solte sie niemals von den uͤbrigen Wundern der Schoͤpfung eines naͤhe- ren Anschauens theilhaftig werden? Wer weis, ist es ihr nicht zugedacht, daß sie dereinst jene entfernte Kugeln des Weltgebaͤudes, und die Treflichkeit ih- rer Anstalten, die schon von weitem ihre Neugierde so reitzen, von nahem soll kennen lernen? Vielleicht bilden sich darum noch einige Kugeln des Planeten- systems aus, um nach vollendetem Ablaufe der Zeit, die unserem Aufenthalte allhier vorgeschrieben ist, uns in andern Himmeln neue Wohnplaͤtze zu berei- ten. Wer weis, laufen nicht jene Trabanten um den Jupiter, um uns dereinst zu leuchten? Es ist erlaubt, es ist anstaͤndig, sich mit der- gleichen Vorstellungen zu belustigen; allein nie- mand wird die Hoffnung des Kuͤnftigen auf so unsi- chern Bildern der Einbildungskraft gruͤnden. Nach- dem die Eitelkeit ihren Antheil an der menschlichen Natur wird abgefordert haben: so wird der unsterb- liche Geist, mit einem schnellen Schwunge, sich uͤber alles, was endlich ist, empor schwingen, und in einem neuen Verhaͤltnisse gegen die ganze Natur, welche aus einer naͤheren Verbindung mit dem hoͤchsten Wesen entspringet, sein Daseyn fortsetzen. Forthin wird diese erhoͤhete Natur, welche die Quelle der Gluͤckseeligkeit in sich selber hat, sich nicht mehr un- ter den aͤusseren Gegenstaͤnden zerstreuen, um eine Beruhigung bey ihnen zu suchen. Der gesammte Jnnbegriff der Geschoͤpfe, welcher eine nothwendige Uebereinstimmung zum Wohlgefallen des hoͤchsten Ur- Allgemeine Naturgeschichte Urwesens hat, muß auch sie auch zu dem seinigen ha- ben, und wird sie nicht anders, als mit immerwaͤh- render Zufriedenheit, ruͤhren. Jn der That, wenn man mit solchen Betrachtun- gen, und mit den vorhergehenden, sein Gemuͤth er- fuͤllet hat; so giebt der Anblick eines bestirnten Him- mels, bey einer heitern Nacht, eine Art des Vergnuͤ- gens, welches nur edle Seelen empfinden. Bey der allgemeinen Stille der Natur und der Ruhe der Sinne, redet das verborgene Erkenntnißvermoͤgen des unsterblichen Geistes eine unnennbare Sprache, und giebt unausgewickelte Begriffe, die sich wohl em- pfinden, aber nicht beschreiben lassen. Wenn es un- ter den denkenden Geschoͤpfen dieses Planeten nieder- traͤchtige Wesen giebt, die, ungeachtet aller Reitzun- gen, womit ein so grosser Gegenstand sie anlocken kan, dennoch im Stande sind, sich fest an die Dienstbarkeit der Eitelkeit zu heften: wie ungluͤcklich ist diese Ku- gel, daß sie so elende Geschoͤpfe hat erziehen koͤnnen? Wie gluͤcklich aber ist sie anderer Seits, da ihr unter den aller annehmungswuͤrdigsten Bedingungen ein Weg eroͤfnet ist, zu einer Gluͤckseeligkeit und Hoheit zu gelangen, welche unendlich weit uͤber die Vor- zuͤge erhaben ist, die die allervortheilhafteste Ein- richtung der Natur in allen Weltkoͤrpern er- reichen kan. ENDE .