IBRAHIM SULTAN Schauspiel auf die gluͤckseligste Vermaͤhlung beyder Roͤm. Kaͤyser- wie auch zu Hun- garn und Boͤheim Koͤnigl. Majestaͤten/ Herrn/ Herrn LEOPOLDS und Frauen/ Frauen CLAUDIA FELICITAS Ertzherzogin von Oesterreich auß allerunterthaͤnigster Pflicht gewiedmet durch Daniel Caspern von Lohenstein. L eipzig / bey Johann Christoph Kanitzen / Buchhaͤndl. in Breßlau Druckts Johann Koͤler / Jm Jahr 1673 . Allerdurchlauchtigster Großmaͤchtig- ster/ Unuͤberwindlichster Roͤmischer Kaͤyser/ auch zu Hungarn und Boͤheim Koͤnig/ Allergnaͤdigster Kaͤyser/ Koͤnig und Herr. T Ugend und Gluͤckseligkeit sind die zwey Angel-Sterne des Erdbodens. Wer diese zwey grosse Weltgestirne mit einander verein- bart/ reichet mit der einen Hand biß an das En- de des Mittags/ mit der andern biß zu der euser- sten Nord-Spitze. Er behauptet die Herrschaft der Welt/ und uͤbermeistert die Gesetze der N a- tur. Die erstere wird unter dem Sinnenbilde des Loͤwen/ von Ew. Kaͤyser- und Koͤnigl. Majest. die andere durch den N ahmen dero Aller durchlauchtigsten Gemahlin fuͤrgebildet; Gleich als wenn es die F reude der Welt uͤber dero gluͤckseligsten Vermaͤhlung zu erwecken nicht genung waͤre: daß ohne diß die Gluͤckseligkeit nichts minder als die Guͤtigkeit dem )( ij hoch- Zuschrifft. hochloͤblichsten Ertzt-Hause Oesterreich/ wie der koͤstliche Geruch den Musch-Ziegen angebohren/ und man weniger E rtzt-Hertzoge ohne grosse Tugenden/ als P aradiß-Voͤgel mit F uͤssen gesehen hat; Und derogestalt die goͤttliche Versehung ihre geheime Weissagungen durch die klaren Buchstaben so deutlicher Nahmen entziffern wolte. D enn daß auch Nahmen nichts minder Merckmahle kuͤnftiger Begebenhei- ten/ als die Gestirne Andeutungen bevorstehender Witterung sind/ hat Franckreich von seinen ungluͤckseligen Henrichen/ Schottland von sei- nen Jacobern/ P ohlen von seinen Casimirn mit T hraͤnen; O ester- reich und S panien aber von seinen ruhmwuͤrdigsten Ferdinanden mit Gold und Purpur aufgezeichnet. Ja Deutschland/ welchem dißfals der gestirnte Himmel mißgoͤnnen muß: daß es an seinen Ertzt-Herzogen eitel Sonnen ohne Finsternuͤsse gehabt/ hat uͤber dieser Vermaͤhlung so vielmehr zu frolocken/ weil diese gluͤckselige CLAUDIA mit ihrem Nahmen die Geheimnuͤsse auffschleust/ die das Verhaͤngniß fuͤr so vie- len J ahren in sein B eheimbuch von dieser Heyrath aufgeschrieben/ und den V orschmack der guͤldnen Zeit verkuͤndigt/ die die Nachwelt mit uns genuͤßen sol. Denn in Warheit/ die V ermaͤhlungen hoher Haͤupter haben auf die V oͤlcker einen nachdruͤcklichern Einfluß/ als die Vereinbarung guter- oder boͤser S terne uͤber die Welt. Und die S chiffer doͤrffen sich so sehr nicht beym U ngewitter uͤber dem Anblick der zweyverschwisterten Gluͤck-Sternen/ des Castors und der Helenœ; als die Welt bey ietzigen S turmwinden uͤber die Vereinbarung beider O esterreichischen Sonnen vergnuͤgen. So vieler Voͤlcker frolockendem Zuruffen/ erkuͤhne/ unuͤber- windlichster Kaͤyser / ich mich nun auch/ nicht so wohl ein wuͤr- diges O pfer/ als ein veraͤchtliches Kennzeichen meiner allerunter- haͤnigsten Pflicht-Schuld beyzusetzen. Denn wie sol ein so grosser Kaͤyser ietzt einen ihm anstaͤndigen Redner oder Tichter finden? da der grosse A lexander in dem bluͤhenden Griechen-lande schon uͤber den Abgang eines Homerus geseufzet; und unserer danckbarern V or- fahrer Unwissenheit der uhralten deutschen Helden W under- W ercke unter den Staub der V ergessenheit vergraben lassen? Jch uͤberliefere Fußfaͤllig ein Schauspiel/ nicht so wohl/ weil die gantze Welt einen Schauplatz/ die Menschen die Spielenden/ ihr Le- ben das Spiel/ der Himmel den urtheilenden Z uschauer fuͤrstellet; als weil Ew. Kaͤyserl. Majest. Helden-Thaten in diesem gros- Zuschrifft. grossen S chauplatze ein Beyspiel aller vollkommenen Fuͤrsten/ und ein anbethens-wuͤrdiges Vorbild der Vollkommenheit bey den Nach- welt zu seyn; dero Allerdurchlauchtigste Gemahlin aber den vom Kaͤyser Augustus der wiederkommenden Gluͤckseligkeit gewiedme- ten L empel/ ja koͤstlicher Ertzt und einen herrlichern Stand verdie- nen/ als welches die Heydnischen Kaͤyser zum Bilde der guͤldenen Gluͤckseligkeit verschmeltzten/ und in ihr Schlaffgemach zu ihrem Ab-Gotte auffsetzten. W iewohl Ew. Kaͤyserl. Majest. mehr guͤldne Gluͤckseligkeit nicht nur dero Schlaffgemach/ sondern so gar die Seele zu ihrem Heiligthume erlanget. E in E rtztenes Gluͤcks-Bild wahrsagte dem traͤumenden B alba sein kuͤnftiges Kaͤy- serthum; wie vielmehr haben wir von dieser Gluͤckseligkeit Ew. Kaͤyserl. Majest. S tammes und Reiches Außbreitung zu hof- fen. Galba setzte solch Todes Bild zu Tusculum fuͤr einen Ab-Gott auf/ und opferte selbtem Monatlich; wie viel Hecatomben werden wir nun nicht der von Ew. Kaͤyserl. Majest. aufgethroͤneten lebendigen Gluͤckseligkeit schuldig werden? Diß Schauspiel entwirfft die Gemuͤths-Flecken und die zu unse- rer Zeit sichtbare Verfinsterung eines O stmannischen Mohnden; umb durch Ew. Kaͤyserl. Majest. Gegensatz der Welt fuͤr Augen zu stellen: wie jene zwar durch stetige Herrschens- S ucht sich aufblaͤ- hen; die Sonnen von Oesterreich aber aller Vergroͤsserung uͤberlegen sind; und Ew. Kaͤyserl. Majest. nicht nur durch dero Kriegs- Strahlen/ welche die Rabe und Neutra mit so vielem Tuͤrckischen und dem Sultan Jbrahim selbst nah-anverwandtem Blute angeroͤthet/ des M achmets M onden verfinstern; sondern auch durch dero reine Flammen jene beschaͤmen: daß Liebe nichts minder ohne boͤse Lust/ als Rosen ohne Dornen/ Diamanten ohne Flecken/ und Gold ohne Kupfer seyn koͤnne. Die Corinthier entschuldigten die Kuͤnheit ihres dem grossen A- lexander angebothenen Buͤrgerrechts: sie haͤtten es vorhero niemanden/ als dem Hercules angetragen; ich aber verdecke meine Vermaͤssenheit damit: daß fuͤr mir noch keiner Ew. Kaͤyser- und Koͤnigl. )( iij Maj. Zuschrifft. Majest. ein so grosses Geschencke geliefert/ welches nicht ebenfalls fuͤr einen solchen HERRN zu unwuͤrdig gewest/ und daß mehrmahls grosse Koͤnige sich an einer Hand voll Wasser/ wie GOTT an einem Lothe Weyrauch vergnuͤget; zumal wenn das Hertze die Beylage ist; als welches ich vielmehr als folgende Reymen aufopfere und ersterbe Ew. Kaͤyser- und Koͤnigl. Majest. Aller-unterthaͤnigst-gehorsamster Knecht Daniel Casper von Lohenstein. Jn- J nhalt des Schau-Spiels. D Er vorredende Thracische Bosphorus ver- dammet die Unzucht des Tuͤrckischen Sultan Jbrahim/ erhebet die keusche Vermaͤhlung des unuͤberwindlichsten Kaͤysers LEOPOLDS/ mit der Aller durchlaͤuchtigsten Ertz-Hertzogin von Oesterreich CLAUDIA FELICITAS, wahrsaget jenem den Untergang/ diesem die Vermehrung des Reichs. Die erste Abhandlung. J Brahim der zwoͤlfte Tuͤrckische Kaͤyser wil seines verstorbenen Bru- ders Kaͤyser Amuraths IV. Wittib Sisigambis nothzuͤchtigen/ die sich aber mit einem Messer schuͤtzet. Hierzu kommt seine Mutter Kiosem/ ver- weisets ihm heftig/ faͤhret auch des Jbrahims Kuplerin Sekierpera ehren- rührig an; weil sie den Kaͤyser zu solchen Uppigkeiten verleite. Hingegen wirft diese jener fuͤr: daß sie die grosse Armenerin/ eine Buhlschafft des J- brahims mit Gifte hingerichtet habe. Daruͤber Jbrahim heftig ergrim- met; und nachdem inzwischen Sisigambis sich fluͤchtet/ befiehlet er dem Groß- Visir Achmet die Mutter ins alte Seral oder Schloß einzusperren. Se- kierpera besaͤnftigt hierauf den Kaͤyser/ und lobet ihm die uͤbergrosse Schoͤn- heit der Ambre des Mufti Tochter. Mufti, der Bassa Mehemet und Bectas der Janitscharen Aga reden von dem ungluͤckseligen Kriege in Candi en/ wider die Venetianer/ und des Jbra- hims boͤser Regierung/ wollen ihnen auch den nahen Untergang des Tuͤrcki- schen Reichs vorbilden. Der hierzu kommende Jbrahim entschleust sich in Person nach Candia zu ziehen; begehret hierauf an den Mufti ihm seine Tochter zu uͤbergeben; welcher ihme zum Scheine gute Vertroͤstung thut. Jm Reyen verhaͤnget die Goͤttliche Rache auf flehen der Stadt By- zantz: daß die Geilheit den Sultan Jbrahim stuͤrtzen solle. Die andere Abhandlung. A Mbre erzehlet ihrer Mutter Lalpare einen ungluͤckseligen Traum. Der Mufti eroͤfnet hier auf seiner Tochter des Sultans Liebe und Begehren; )( jv sie Jnhalt sie hingegen verschwert sich: nimmermehr nach seinem Willen zu leben. Diesen Schluß eroͤfnet sie auch dem Bassa Mehemet, und verspricht ihm auf den Fall ihrer Erhaltung die Ehe. Der Mufti berichtet dem Jbrahim die Widerspenstigkeit seiner Toch- ter; weil sie keine Kinder des Todes gebehren wolte; daruͤber er sich heftig erzuͤrnet/ und dem Mufti ihm auß den Augen zu gehen/ dem Achmet aber Anfangs seinen Kopf zu holen/ hernach: daß er dem Kaͤyser nicht mehr ins Gesichte kommen solte/ anzusagen befiehlet. Sekierpera aber schickt er/ sich umb der Ambre Liebe in Guͤte zu bewerben. Der Mufti erzehlt der Lalpare und Ambre des Kaͤysers Ungnade und beraͤhtet sich mit ihnen wegen ihrer Sicherheit. Achmet sagt hier auf dem Mufti den Befehl des Sultans an. Ambre seufzet uͤber der ihr vorstehenden Gefahr. Sekierpera bemuͤhet sich mit Bitten und Dreuen die Ambre zur Liebe des Kaͤysers zu bewegen; diese aber beweget jene durch Verehrung eines koͤstlichen Ringes dahin: daß sie der Ambre verspricht/ dem Sultan seine geschoͤpfte Liebe außzureden. Jm Reyen kaͤmpfet die Wollust mit der Begierde/ Schoͤnheit/ Geitze/ Ehrsucht/ Schande/ und Gewalt/ wider die Keuschheit und ihre Gefaͤrthen/ als die Maͤssigkeit/ die Vernunft/ die Großmuͤthigkeit/ die Demuth/ Hoff- nung und Gedult. Die Keuschheit aber behaͤlt den Sieg. Die dritte Abhandlung. D Er Bassa Mehemet bittet bey dem Kaͤyser fuͤr seine Mutter Kiosem und erbittet ihre Befreyung. Sekierpera erzehlet dem Sultan ihre verge- bene Verrichtung/ muͤhet sich auch durch der Ambre Verkleinerung ihm/ a- ber vergebens/ die Liebe außzureden. Fatima, Alima und Hagar des Jbrahims Weiber erzehlen der loßge- lassenen Kiosem und Sisigambis ihre boͤsen Traͤume/ und alle zusammen ein- ander ihren gefaͤhrlichen Zustand; in welchem sie Kiosem troͤstet. Hierzu kommt der halbrasende Kaͤyser/ und wil seine fuͤnf Soͤhne hin- richten; damit Ambre keine Uhrsache mehr habe/ ihme die Liebe zu weigern. Hier widersetzen sich die gesam̃ten Sultaninnen/ theils mit Thraͤnen/ theils mit Gewalt/ koͤnnen aber nicht verhindern: daß er nebst Schatradel Agasi den jungen Murat durchsticht. Endlich kommt Achmet, kündigt ihm den Aufstand der Leib-Wache an/ und verspricht ihm die Ambre mit Gewalt zu rauben und zu bringen. Sekierpera bemuͤhet sich den Kaͤyser von Nothzüchtigung der Ambre abzuhalten. Ibrahim setzet der Ambre mit den suͤssesten Worten zu; als sie sich aber von ihm nicht wil kuͤssen lassen/ befiehlet er sie/ ungeachtet ihrer Thraͤnen umb Ermordung/ hinweg zu nehmen und nackt in sein Bette zu werffen. Die des Schau-Spiels. Die badenden Frauen loben die ehliche Liebe und Wollust/ ruͤhmen auch die Gluͤckseligkeit der Ambre. Die badenden Jungfrauen aber loben die Keuschheit/ verdammen die Uppigkeit. Die vierdte Abhandlung. D Er Mufti, Bassa Mehemet, Bectas und andere verfluchen den vom Achmet begangenen Raub der Ambre, beschluͤssen den Achmet durch Aufruhr von Wuͤrde und Leben zu bringen. Achmet bringet die geschaͤndete Ambre in Huren-Tracht mit schimpfflichen Worten dem Vater nach Hause. Ambre muntert sie beweglich zur Rache wider den Jbrahim auf/ und ersticht sich. Woruͤber der Mufti sich ebensfals zu toͤdten vor hat/ der aber hievon abgehalten und endlich beschlossen wird/ nach dem Achmet auch den Jbrahim zu stuͤrtzen. Und verspricht der Mufti, des Kaͤysers Mutter Kiosem selbst mit in ihr Buͤndniß zu bringen. Kaͤyser Amuraths IV. Geist/ verweiset der schlummernden Kiosem: daß sie wider seinem auf dem Todbette gethanen Befehl dem Ibrahim auß dem Kercker auf den Thron geholffen/ und deutet ihr grosse Gefahr vom Ibrahim an. Daruͤber sie sich heftig entsetzet. Hierzu kommt der Mufti und bere- det sie: daß sie so wohl in ihres Sohns Ibrahims (doch daß er beym Leben bleibe) als des Achmets Absetzung stimmet/ und hierzu zu helffen angelobet. Jm Reyen verkleidet auf Begehren der Mord-Lust die List die drey Furien in ein Liebes-Kleid/ in Mantel des gemeinen Besten/ in einen Priester- Rock/ und schicket sie wider den Sultan Jbrahim auß. Die fuͤnfte Abhandlung. K Iosem bittet beym Ibrahim: daß er den Mufti wieder begnaͤdigen solle/ aber ohne Frucht. Hieruͤber dringt der Mufti nebst den Cadileschier en und Janitscharen mit Gewalt in das Kaͤyserliche Gemach/ und noͤthigen nebst Kiosems Zuredung den Kaͤyser: daß er den Achmet vom Ammte ab- setzen/ den Bassa Mehemet aber zum Groß-Visir machen muß. Bectas eroͤfnet denen in des Mufti Hause versammleten Janitscharen/ die Schaͤndung der Ambre, und bewegt sie des Ibrahims und Achmets Un- tergang zu beschluͤssen. Und/ als inzwischen der abgesetzte Achmet sich in des Mufti Haus/ bey diesem Schutz zu suchen/ fluͤchtet/ wird er in der Versam- lung des Mufti, der Cadileschier und Janitscharen gefuͤhret und erwuͤrget. Ibrahim bejammert des Achmets Ermordung/ wird hierauf dreymal fuͤr den Divan/ dem Volcke wegen seiner Regierung Rechenschafft zu thun/ bey Verlust der Kaͤyserlichen Wuͤrde gefodert. Nachdem er aber der Kio- sem Rath: daß er sich dahin gestellen solle/ verwirfft/ die Forder-Zettel po- chende Jnhalt des Schau-Spiels. chende zerreisst und den Mehemet, welcher sich dem Kaͤyser zu gehorsamen und sich wider den Divan zu setzen verweigert/ toͤdten wil/ dringt der Mufti, Bectas, die Cadileschier und Janitscharen zum Kaͤyser ein; stellen sich an ihn hinzurichten/ und nachdem sie ihm auf Bitte der Kiosem das Leben verspre- chen/ zwingen sie ihn/ sich des Regiments zu enteusern. Welches er so viel leichter willigt/ weil ihm Kiosem seiner Wieder-Einsetzung halber noch einige Hoffnung macht. Worauf Ibrahim in Kercker gefuͤhret/ sein Sohn Mach- met aber zum Tuͤrckischen Kaͤyser gekroͤnet wird. Ibrahim wird im Kere- ker gantz wuͤttend/ laufft mit dem Kopfe/ umb sich in Ermangelung selbst hinzurichten/ wider die Mauer. Hieruͤber erscheinet ihm Ambrens Geist/ dreuet ihm Untergang und Hoͤllen-Pein an. Worauf er von vier Stummen erwuͤrget wird. Jm Reyen wird Sultan Jbrahims ungluͤckselige Geilheit gescholten/ und in die Hoͤlle gestuͤrtzet/ die gluͤckseligste Liebe beyder Kaͤyserlicher Maje- staͤten Kaͤyser LEOPOLDS/ und der Ertz-Hertzogin CLAUDIA FELICITAS aber in Himmel erhoben. Per- Personen deß Schauspiels. Der Thracische Bosphorus. Ibrahim Tuͤrckischer Sultan. Machmet. Bajazeth. Murat. Orcan. Suleiman. Ibrahims Soͤhne. Kiosem, Ibrahims Mutter. Fatima. Alima. Hagar. drey Sultaninnen. Sisigambis, des vierdten Amuraths Wittib. Achmet, Groß-Visier. Mufti. Sekierpera. Mehemet Bassa Begler-beg in Romania. Bectas Janitscharen Aga. Kiuperli Bassa. Kuslir Aga der Ober-Aufseher des Frauen-Zimmers. Kul-Kiahia Janitscharen Lieutenant. Capachi-Bachi des Sultans Pfoͤrtner. Schatradeler Agasi der Kaͤyserlichen Printzen Hoffmeister. Kara Chiaus. Hassan Ongle. Haͤupter der Janitscharen. Nasuf Bassa. Piali Capitan Bassa uͤbers Meer. Selictar Aga des Sultans Degentraͤger. Ambre des Mufti Tochter. Lalpare des Mufti Ehweib. Mollah ein Unter-Richter des Mufti. Valide Agasi der Kiosem Verschnittener. Drey Cadilescher die nechsten Richter nach dem Mufti. Sultan Sultan Amurathens Geist. Die Ichoglans. Etliche Kadi. Eine Menge Spahi und Janitscharen. Die Stummen. Reyen der Goͤttlichen Rache/ der Stadt Byzantz/ der Schwelgerey/ der Geilheit/ des Geitzes/ des Zorns/ der Hof- fart. Reyen der Wollust/ der Begierde/ der Schoͤnheit/ des Geitzes/ der Ehrsucht/ der Schande/ der Gewalt/ der Keusch- heit/ der Maͤssigkeit/ der Vernunft/ der Großmuͤthigkeit/ der Demuth/ der Hoffnung/ der Geduld. Reyen der badenden Frauen und Jungfrauen. Reyen der Mord-Lust/ der List/ der Furien. Reyen der Eris, der Geilheit/ der keuschen Liebe/ der Goͤttin Claudia und Felicitas. Ibrahims und Ambrens Geister/ der hellischen Geister. Der weissen- und schwartzen Liebes-Goͤtter. Der Schauplatz ist die Stadt Constantinopel/ und meisten- theils das Seraglio oder die Kaͤyserliche Burg. Die Zeit ist der 7. und 8. Augusti im 1648sten Jahre. JBRAHJM . Schau-Spiel. Der Schauplatz stellet die Gegend der Kaͤy- serlichen Haupt-Stadt Wien/ und bey selber eine Meer-Enge nebst dem Donau-Strome fuͤr. B Efrembdet euch/ ihr Voͤlcker holder Sitten: Daß des erzuͤrnten Bosphors Schlund/ Den Strand verlaͤsst/ wo Thrar und Tuͤrcke wuͤtten/ Fuͤr des unwirthbarn Meeres Mund 5 Der Donau suͤsse Lipp’ und gruͤne Flut zu kuͤssen? Es ist nichts seltzames/ mein unter irrdisch Lauf. Es schleusst ja die Natur des Abgrunds Roͤhren auf/ Auch Brunnen: daß ihr Glaß kan unter Meeren fluͤssen. Jn Ploten-Jnsuln trinckt man ein Moreisch Kwell/ 10 Und in Sultanien rinnt/ was zu Mecha kwillet. Des Alfeus Silber ist in Elis nicht so hell/ Als wo er seine Brunst mit Arethusen stillet. Wie sol der Erde Klusst denn mir verschlossen seyn/ Mir/ der ich selbst das Roͤhr bin aller Meere? 15 Weil Calpens Meer-Schlund nichts dem Ocean floͤß’t ein/ Was nicht der Meere Brunn das schwartze Meer gebehre. Wie aber sieht bey euch der Zweifel an: Was mich fuͤr Trieb durch tausend Hoͤlen fuͤhret? Kein Felß/ kein Stahl ist/ der den hemmen kan/ 20 Den Lieb und Furcht auf ihren Fluͤgeln fuͤhret. Mein enger Strand/ auf dessen seichten Ruͤcken Darius baute Bruͤcken/ Durch den Zevs schwam verstellt in eine Kuh/ Wird durch geronnen Blut und Leichen gantz verschwemmet. 25 Der Todten-Knochen Last stopft meinen Einfluß zu/ Weil ieder Mord-Fuͤrst hier darmit den Stuhl umbtaͤmmet; Ja heil’ge Thuͤrm’ auß Menschen-Haͤuptern baut/ Darzu man zu Spahan nur Ziegen-Koͤpfe brauchet. Und meine kalte Fluth vertrocknet und verrauchet/ 30 Weil man in Mich so viel nicht Wasser Rinnen schaut/ Als Geilheits-Oel und Schwefel toller Brunst Mit vollem Strom auß den Palaͤsten schissen/ Die Mord und Unzucht als zwey Pforten schluͤssen/ Der Grichen Laster sind bey ietzigen nur Dunst; 35 Wieviel in mir Geburths und andre Glieder schwimmen/ Und Augen/ die die Mutter selbst außrieß/ Wenn sie ihr Kind ins Kloster stieß; Ob man der Fuͤrsten Daͤrm’ auf Pfahlen noch sieht glimmen/ Die Mutter und den Sohn blutschaͤndend seyn vermischt; 40 Ob bey gekochtem Kind’ ein Hencker-Vater tischt: So gehen doch der Tuͤrcken Greuel-Thaten Der Welt und Vorwelt Suͤnden fuͤr. Byzanz hegt ietzt des Teufels gift’ge Saaten/ Beherbergt nur Wolf/ Schlangen/ Tygerthier? 45 Jch kan mehr den Gestanck/ der schwartzen Unzucht-Kertzen/ Des Jbrahims vertragen nicht. Es muß sich mein Chrystall’ von seiner Boßheit schwaͤrtzen/ Stambuldens Glantz verliehrn ihr Licht. Wie sol ich nun nicht mein Gestade fliehen/ 50 Zu Ruh und Lust an frembdes Ufer ziehen? Doch zeucht so sehr mich nicht diß Grauen Als ein die gantze Welt durchdringend Liebes-Blitz/ Auf die Saphiernen Friedens-Auen/ Wo der gekroͤnte Loͤw hat seinen Kaͤyser-Sitz; 55 Wo die starcken Adler sich guͤtiger als Tauben zeigen/ A Und Und Stambuldens Monden sich fuͤr der Teutschen Sonne neigen. Gluͤckseligs Land! Gluͤckselger Fluß! Die kein unschuldig Blut beflecket! Wo niemals ein Tyrannen-Fuß 60 Den Palmenreichen San bedecket. Wo den Christallinen Strom nichts als Lorbern uͤberschatten/ Wo die Spiese sich in Eegen/ Schwerdter sich in Pflug-Schaarn kehr’n/ Ja wo Loͤw und Laͤmmer sich in vertrauter Eintracht gatten/ Wo man sieht auf Lautzen wachsen Trauben und Oliven-Beern. 65 Gluͤckseliges Reich! Gluͤckselige Stadt! Die ihr gethuͤrmtes Haupt biß durch die Wolcken strecket/ Jn aller Welt den Vorsitz hat/ Mit Kaͤyser-Kronen prangt/ Bysantz und Cassa schrecket: Mit was fuͤr neu und ungewohnten Strahlen 70 Seh’ aber ich Burg/ Stadt und Land gekroͤn’t? Ja einen neuen Stuhl mit Purpur aufgetroͤhnt? Der Dohnau Haupt mit Myrten-Kraͤntzen prahlen? Sich ihren Sand in Gold/ sein Schilff in Zucker-Rohr/ Sein Schmeltz in Diamant/ der Schaum in Perlen kehren? 75 Was leuchtet auß Tyrol fuͤr ein Gestirn hervor? Kan sein Ertzt-Reich Gebuͤrg auch Sonnen nun gebehren? Jst mir der Himmel so geneigt? Sucht Er mit dem Bosphor hente seine Donau zu vermaͤhlen? Weil man minder/ alß die Sternen/ kan die Hochzeit-Fackeln zehlen. 80 Der Himmel gebe/ was er zeigt! Daß das Schwartz- und Mittel-Meer Wien und seinen Adler ehre; Und Stambuldens Kaͤyserthum Leopoldens Krone mehre. Ja! ja! ich sehe schon entzuͤckt; Wie der reinen Liebe Geist ihn mit Myrrh- und Lorbern kraͤntzet/ 85 Wenn Jbrahim im Unzucht-Dampf erstickt; Wie des Roͤmschen Reiches Loͤw mehr alß der gestirnte glaͤntzet. Wie die Neutra und die Rabe sich mit Tuͤrckschen Leichen schwellt Und selbst Jbrahims sein Eydam Jsmael zu Grunde faͤllt. Durchlauchtest-Grosses Haus; 90 Jn dessen unumbgraͤntzbarn Reichen/ Die Sternen nicht erbleichen/ Wie auch die Sonne nie lescht ihre Fackel auß; Mein Eiß entglimmt von deinen keuschen Flammen/ Durch die der Loͤ WE weiht 95 Sich der GLuͤCKSELJGKEJT/ Und beyder Hertz wie Wachs sich schmeltzt zusammen. Ja ihre Liebe floͤsst mir die Begierden ein/ Der Dohnau Braͤutigam und Unterthan zu seyn. Jch weiß es: das Verhaͤngniß Sinne: 100 So oft in Oesterreich der keuschen Liebe Hand Nur einen Zweig vermaͤhlt/ wie sie das Braut-Gewand Mit mehrern Kronen schmuͤck/ und neue Purpur spinne. Der Bosphor und der Himmel wuͤndschts. Wie sols nicht kraͤftig seyn? Denn keusche Liebe baut die Thron/ unkeusche reisst sie ein. Die erste Abhandlung. D er S chauplatz stellet eine Oda/ oder ein Gemach des Frauen- zimmers in Seraglio. Sisigambis. Ibrahim. H Jls Himmel! wer erbricht Uns unser Schlaffgemach? Die Sonnenwende folgt stets ihrer Sonnen nach. Wie? sucht der Kaͤyser hier die Keuschheit zu entweichen? Nein! Weyrauch aufs Altar dir/ Goͤttin/ aufzustreuen. 5 Ach GOtt! was dreut uns sein hier ungewoͤhnlich Schwerd? Es laͤchst nach meinem Blut/ wenn sies/ mein Liecht/ begehrt. Was sucht der Fuͤrst fuͤr Liecht in schwartzen Trauer-Zimmern? Man sieht der Sterne Gold bey Nacht am schoͤnsten schimmern. Mit Mit Amurathen fiel mein Stern schon in die See. 10 Versinckt ein Stern/ so steigt ein ander in die Hoͤh’. Mein Geist fleucht neues Liecht/ und buhlt mit seinem Schatten. Solch Liebreitz kom̃t nicht Jhr/ auch Todten nicht zu statten. Jn seiner Asch und Gruft schoͤpft meine Seele Lust. Schuͤt auß dein Liebes-Oel in eine glimme Brust. 15 Die Liebe glimmet noch in Amurathens Aschen. Der Tod hat/ was ja glam/ wie Lauge weggewaschen. Sein Tod vertilgt in mir/ was Brand und Eitel heisst. Wohl! so bestrahle sie aufs neu/ ein reger Geist. So Sonn’ als Brunst verraucht/ wo Hertz und Lust ist truͤbe. 20 Hier brennet Jbrahim mit unverfaͤlschter Liebe. Hat Sonn’ und Fuͤrst an Dunst und Mir was liebens-werth? Durch deinen Liebreitz wird mein lodernd Hertz verzehrt. Mag/ die das kalte Leid entseelet/ Feuer zeugen? Man sieht auß Heelens Eiß- und Schnee-kluft Flammen steigen. 25 Jn meiner Seele glim̃’t kein Funcken frembder Brunst. So Blitz als Liebe wird gezeugt auß Kaͤlt’ und Dunst. Was sol fuͤr Anmuth bluͤhn auf diesen welcken Wangen/ Auff dieser schlaffen Brust? Ein Garn/ das Loͤwen fangen Und Riesen’ faͤsseln sol/ ja Kaͤyser schlingen ein/ 30 Muß nicht auß schlechtem Zeug und ird’schem Drate seyn. Der Agstein zeucht nur Spreu/ Magnete ziehn nur Eisen/ Nicht schwer und schaͤtzbar Gold. Die Flamm’ und Glut beweisen An Zedern ihre Krafft; sind gegen Golde kalt. Und Sisigambis sol mit welckender Gestalt 35 Den grossen Sultan ziehn? des Kaͤysers Hertze zuͤnden Durch lauen Liebreitz an? Wir selber wir empfinden: Daß unser Armuths-Trieb zu schlechter Weyrauch sey Auff Jbrahims Altar. Die Demuth wohnet bey Meist der Vollkommenheit; und die pflegt eigne Sachen/ 40 Die gleich unschaͤtzbar sind/ im Urtheil klein zu machen. Sie Sisigambis spricht die Schoͤnheit schlecht in Jhr/ Mein Geist macht aber sie zu einem Abgott mir. Die Marmel/ die von nichts alß Kaͤlt und Haͤrte wißen/ Zerschmeltzen/ wenn auff sie die Augen-Strahlen schuͤßen; 45 Die Baͤch’ und Kraͤuter sind ehrsuͤchtig deinen Fuß Mit Kuͤssen zu verehr’n. Jch/ Sisigambis/ muß Dein Englisch Antlitz nicht nur einen Garten ruͤhmen/ Da Lilgen Stirn und Halß/ die Wangen Rosen bluͤmen/ Den Mund Granaten ziern; von dem Verhaͤngnuͤs ist 50 Die Sisigambis uns zum Paradis erkiest. Weil wir ja/ ausser Jhr/ nicht Heil/ nicht Ruhe finden. Mag in Jhm Alima nicht suͤssern Brand anzuͤnden? Ja diese gantze Burg ist ein recht Himmelreich/ Das tausend Sonnen hegt. Ach! keine kein’ ist gleich 55 Und reicht den Schatten dir! Die guldnen Himmel werden Von einer Sonn’ erhellt. Der grosse Kraͤyß der Erden Hegt einen Fenix nur: Und in Stambuldens Stadt Jst eine Gottheit nur/ die uns zum Priester hat. O Sonne meiner Seel’/ und Abgott meines Hertzen. 60. Man siht ein Jrrlicht an offt fuͤr gestirnte-Kertzen. Wer nicht die Schoͤnheit kenn’t und pruͤfet/ ist stockblind; Wer sie nicht preiß’t und lieb’t/ ein Stock/ ein alber Kind. Sie/ Sisigambis/ ist/ ein Zirckel aller Zierden/ Ein Engel dieser Welt/ ein Labsal der Begierden/ 65. Ein Kleinod unsrer Zeit/ der Mensch und Himmel spricht Den guͤldnen Apffel zu. Der Kaͤyser kiese nicht Fuͤr Demant schlechtes Glaß. Jn wenig Zeit erbleichet Des falschen Purpers Glantz/ den uns Begierde streichet Fuͤr bloͤden Augen an. Nach einst-gebuͤßter Lust/ 70 Wird er schon Eckel fuͤhl’n fuͤr Sisigambens Brust; Ja die Vernunfft in Jhm fuͤr Blind- und Thorheit schelten/ Was Ubereilung itzt laͤßt fuͤr Vergnuͤgung gelten. Wahr ist’s: daß/ was bald waͤchst/ auch ploͤtzlich sich verliert. Das Thier beym Hyppanis/ das eine Nacht gebiert/ 75. Stirbt mit dem Abende. Ach! aber/ ach du fehlest/ Wenn du des Sultans Brand zur Ubereilung zehlest. Du kenn’st des Kaͤysers Arth: wie vieler Frauen Trieb/ Wie mancher Jahre Reitz bey uns ohnmaͤchtig blieb/ Nur einen suͤssen Brand in unser Hertz zu stecken. A ij Das 80 Das Feuer war uns kalt/ die Schoͤnheit schien uns Flecken/ Der Liebreitz eckelnd Gifft. So schleuß nun: was fuͤr Blitz Auß deiner Anmuth faͤhrt. Von eines Funckens Hitz’ Entzuͤndet Weyrauch sich. Viel Flammen aber muͤssen Dar wuͤrcken/ wo der Stahl sol gluͤhn/ das Gold-Ertzt flißen. 85 Als aber Amurath Fuͤrst/ ich ein Kind noch war/ Lag meines Bruders Mund auff deinen Bruͤsten zwar/ Du aber bautest dir schon Tempel in mein Hertze. Von selbter Zeit brenn’ ich/ und meinem hellen-Schmertze Hat ieder Tag gefloͤß’t frisch Oel und Schwefel ein. 90 Sol/ was nun langsam wird/ starck/ fest/ und tauernd seyn/ Soll’n darumb so viel Zeit die Elefanten leben/ Weil sie zehn gantzer Jahr in Mutterleibe schweben/ So saget meine Seel ihr selsen-feste Treu Und lange Liebe zu. Sie sey gleich alt/ gleich neu; 95 Es sey gleich Ernst/ gleich Schertz: daß mich der Sultan liebet/ Daß mein gewoͤlcktes Aug’ Jhm reine Blicke giebet/ So ist in mir doch nichts/ was wieder lieben kan/ Kein Zunder/ welcher Brand und Anmuth mehr nimmt an; Der zaͤrt’sten Jahre Tacht/ das dieses Feuer faͤnget/ 100 Jst von der Zeit verzehrt/ und durch mein Leid versenget. Der Sonnenstrahlen gehn der Morgenroͤthe fuͤr. Jst diese von dir weg/ so leuchtet jene mir. Allein in Jhr siht man zugleiche Blum’ und Fruͤchte/ Und Lentz und Sommer spieln. Dein Schoͤn-seyn prangt mit Lichte/ 105 Dein freundlich-seyn gebier’t anmuthgen Morgen-Thau. Ach! aber/ schaͤtze nicht mein Lieben so sehr lau: Daß Jbrahim allein die fluͤcht’ge Merzen-Blume Der eiteln Schoͤnheit lieb’t. Diß wuͤrde seinem Ruhme Viel Flecken brennen an. Wer Farb’ und Haut nur liebt/ 110 Liebt mit den Angen nur. Was meiner Seele giebt Vergnuͤgung/ stecket auch in Sisigambis Seele. Heißt Schoͤnheit des Gemuͤthts; sind Gaben/ die die Hoͤle Des Grabes nicht versehrt/ sind Blumwerck/ das stets bluͤht/ Und Sonnen/ welche man nie untergehen siht. 115 Was mein Gemuͤthe regt/ ist Tugend/ die verwehret Die Thorheit zu begehn/ die Jbrahim begehret. So lesche denn der Fuͤrst die Flamm in erster Glut. Die ist nicht leschbar mehr. Man zuͤndet mit der Flut Den Kalck/ das Lieben an durch kalt-gesinnt Entschluͤßen. 120 Der Fuͤrst wird doch umbsonst sein Liebes-Oel vergießen Auff meines Hertzens-Kalck. Denn Jhm sey einmahl kund: Alß Amurath mein Licht schloß sterbend seinen Mund/ Hab ich durch theuren Eyd die Keuschheit seinem Geiste Biß in den Tod gelobt. daß man Geluͤbde leiste/ 125 Wenn sie nur leistbar sind/ heischt Tugend/ schaffet Ruhm. Das Lieben aber hat diß Recht und Eygenthum: Daß kein Geluͤbde nicht auch kein Gesetz es bindet. Denn hier schafft die Natur/ und die Vernunfft verblindet Durch der Begierden Rauch. Sonst sol ein jeder zieln 130 Auff Glauben/ aber hier mag man mit Eyden spieln. Welch Aberglaube bannt vom Lieben Ehr und Eyde Und des Gewissens Trieb? Wo nicht auß Unschulds-Seyde Das Garn der Liebe wird gesponnen/ fressen sich Die Ungluͤcks-Motten ein. Drumb stelle man auff mich 135 Nicht dieses Fall-Bret auf. Es ist der Thorheit Lehre: Verwechseln Gold fuͤr Ertzt/ und fuͤr Verlust der Ehre Die Wollust tauschen ein. So schatzt sie fuͤr Verlust/ Wenn sich der Fuͤrst ihr schenckt/ und Sisigambis Brust Zu seinem Himmel macht? So urtheilstu fuͤr Schande/ 140 Wenn Jbrahim dich ehrt? den man von Ardens Sande Biß wo die Wolge stroͤmm’t/ und Oby sich ergeust/ Dem von Giebraltars Haupt/ biß wo der Oxus fleust/ Die Voͤlcker so wie GOtt fußfaͤllig Ehr erzeigen. Fuͤr dem sich Jspahan/ Wien/ Agra/ Kitay neigen/ 145 Amara/ Pecking buͤckt. Die Goͤtter dieser Welt Beginnen offt/ was GOtt im Himmel nicht gefaͤllt/ Was Ehr und Tugend stoͤrt. Was ist an mir zu schelten/ Was iedem Muselman nicht Mahumed laͤßt gelten/ Verstattet Verstattet Mahumed: daß man Geluͤbde bricht? 150 Der Kaͤyser der befiehl’ts/ verstattet’s Mufti nicht. Kein Fuͤrst/ kein Jbrahim herrscht uͤber die Gewissen. Sein Blitz zermalmt/ die nicht gehorchen semen Schluͤssen. Der Himmel straft die Seel’n/ die Meyneyd hat befleckt. Wird die/ die unser lacht/ von fernen Blitz’ erschreckt? 155 Des Hoͤchsten Rachschwerd ist der Bosheit unentfernet. Wie: Daß dein Hochmuth nicht auch unsers fuͤrchten lernet? Wo mich der Kaͤyser liebt/ was ist fuͤr Furchte Noth? Verschmaͤhte Liebe fuͤhrt im Koͤcher Haß und Tod. Behertzte Tugend laͤß’t sich Haß und Tod nicht schrecken. 160 Trotz kan auß Sonnen auch Gewoͤlck’ und Blitz erwecken. Die Sonne der Vernunft verklaͤr’t Begierd und Brunst. Wir bitten noch einmahl Jhr wiedmend unsre Gunst. Wir werden tausendmal ihm Lieb und Bitt abschlagen. Laß schaun: was ein frech Weib Uns Macht hat zu versagen. 165 Hilf Himmel! wil der Fuͤrst durch Noth-Zwang uns entweyh’n. Gib dich! der Kaͤyser ruh/ ich werd auf Huͤlfe schrei’n. Gib dich! sonst sol dein Blut hier diesen Dolch bespritzen. So sol diß Messer mich fuͤr Dolch und Unzucht schuͤtzen. Zuͤckstu/ verteufelte/ das Messer wider mich? 170 Auf einen fernern Tritt erwarte Rach und Stich. Hat Weib und Wahn diß ie gewagt auf Oßmans Erben? Du oder ich sol eh durchbohrt/ als fleckicht sterben. Kiosem. Die Kaͤyseꝛliche Mutter. Ibrahim. Sisigambis Sechier- pera. Achmet. Kuslir Aga ein verschnittener Mohr/ der das Frauenzimmer in Obacht hat. W As hat der Fuͤrst hier fuͤr? Er spinnet Nothzucht an. Ha! daß ein Sultan sich so sehr verstellen kan! 175 Steht Weibern frey die Macht des Kaͤysers zu verhoͤhnen? Wir suchten seine Brunst mit Demuth abzulehnen. Die Demuth reucht nach Trotz/ die Fuͤrsten was schlaͤgt ab. Durch solche Schandthat baut er seiner Ehr ein Grab. Sol reine Liebe sich hier Schandmal schelten lassen? 180 Die lieben andre nicht/ die ihren Ruhm selbst hassen. Befleckt der Fuͤrsten Ruhm/ was ieden Sclav ergetzt? Die Wollust ist vergoͤnnt/ wenn man ein Ziel ihr setzt; Wo aber Tugend sie und Maaß nicht haͤlt im Zaume/ Floͤsst sie in Seel und Leib Gift/ wenn sie Brunst und Gaume 185 Gleich reinsten Zucker schaͤtzt. Dein siecher Leib wird bald/ Ja hat dich schon gelehr’t: daß Jugend selbst wird kalt/ Die hier zu hitzig spielt; und daß/ der Seuchen hecket/ Das Leben ihm verkuͤrtzt; der hier den Bogen strecket Zu vielmal/ und zu hoch. Auch Stahl wird weich gemacht. 190 Du mergelst dich des Tag’s/ nicht nur iedwede Nacht Mit so viel Weibern ab; schwim̃st in den Uppigkeiten/ Wenn du/ gleich einer See/ laͤsst Zimmer dir bereiten Mit Zobeln uͤberdielt/ mit Dirnen angefuͤl’t/ Die alle Welt dir zinßt. Wie manch unzuͤchtig Bild 195 Verstell’t dein Schlafgemach nach schlimmer Heyden-Weise. Dein Ambra/ dein Zibeth/ der taͤglich deine Speise Mit Uberflusse wuͤrtzt/ ist zwar ein Saltz der Brunst/ Nicht aber Lebens-Oel/ auß welchen du umbsonst Verschwelgte Kraͤfte suchst. Was hat sie zu verliehren/ 200 Wenn wir uns selbst verspieln? Der Mutter wil gebuͤhren Zu sorgen fuͤr das Heil der Kinder biß in Tod. Nicht sich zu massen an ein Herrisches Gebot. Von Schmach und Lastern sie vernuͤnftig abzuleiten. Wer darf die Fehler zehl’n/ wenn hohe Haͤupter gleiten? 205 Der gantze Welt-Kreiß sieht auf eines Fuͤrsten Fall. Man forscht mit scharffem Aug’ und durch gehoͤhlt Chrystall Der Sterne Flecken auß; Man schreibt ins Buch der Zeiten Der Sonnen Finsterniß auch/ die der andern Seiten Der Welt nur sichtbar sind. Und deine Thorheit haͤlt 210 Unsichtbar/ Schand und Fleck der Sonnen dieser Welt? Schmier’t als wohlstaͤndig an dem Purpur und der Seide/ Was Woll’ und Haar verstellt; schminckt Wangen mit der Kreide A iij Die Die Fuͤsse greulich mahlt? So wuͤrd’ als Helffenpein Muß reiner/ als schlecht Thon und grober Poͤfel seyn; 215 Weil Fuͤrsten/ die das Gift der Laster an sich nehmen/ Von ihrem Himmel es auf hundert Voͤlcker saͤmen. Jhr boͤs’ Exempel sind die Funcken/ die den Brand Auf tausend Haͤuser streun. Was misst man mit Bestand Uns fuͤr Verbrechen bey/ das deinen Fluch verdienet? 220 Er hat sich mit Gewalt mich zu entweyhn erkuͤhnet. Jst solcher Liebes-trieb bey Fuͤrsten unerhoͤrt? Und zu Stambulden neu? Hartneckigkeit versehrt Die hohe Majestaͤt/ die stets mit Fug erhebet Durch Zwang/ was Glimpf verspielt. Ja in den Zimmern klebet 225 Durch andre Sultane vorhin verspritztes Blut Der Weiber/ die verschmaͤht auß thoͤrchten Ubermuth Verliebter Herren Gunst. Das Schwerd/ das uns erstritten Hat Constantinus Reich/ hat ebenfals durchschnitten Ein so verstocktes Weib. Wer hat dir Magd erlaubt 230 So keck zu brechen loß? floͤstu der Erden Haupt So falsche Lehren ein? Ja solche Kuplerinnen/ Wie hier der Wechselbalg sich zeiget/ sind die Spinnen/ Die auf der Keuschheit-Bluͤht ihr Suͤnden-Gift schmiern an/ Die Zirze/ die in Vieh die Menschen wandeln kan/ 235 Sind Furien/ die sich mit Liebes-Larven schmuͤcken/ Die Tugend in Verderb/ in Schande Fuͤrsten ruͤcken. Sind Motten/ die mit List und Haͤucheln unterm Schein Der Seidenwuͤrmer sich in Purpur nisten ein/ Des Reiches Ancker-Seil/ des Gluͤckes Band zerbeissen. 240 Dergleichen Thier bist du. Du wilst ja Zucker heissen/ Doch birgt dein suͤsser Mund im Hertzen Gall und Gift. Die Jugend ist weich Wachs/ in die sich leicht die Schrift Der Wollust pregen laͤsst. Dir Hur ists zuzuschreiben: Daß man den Sultan sieht so freche Laster treiben; 245 Daß ietzt sein eisicht Hertz und die vor kalte Brust Ein feuricht Etna scheint/ die minder Brand und Lust/ Als das gefrorne Meer/ ließ anfangs von sich schiessen. Die Frauen auf der Burg/ die uns vor glauben hiessen: Daß Jbrahm von Natur kalt und ohnmaͤchtig sey; 250 Sehn ietzt sich allzuschwach fuͤr seiner Raserey Der niemals-satten Brunst. Kriegt fuͤr getreue Dienste Befleißte Redligkeit Verschmaͤhung zu Gewienste? So laß ich andern Muͤh und Sorge willig hin. Was? ruͤhmstu Treu und Dienst/ verfluchte Kuplerin? 255 Es schaffet dem mehr Ruhm/ den Voͤlckern mehr Vergnuͤgen/ Dem Reiche mehr Bestand/ der nicht das Pfund verliegen Des Landes-Fuͤrsten laͤsst/ und ihren kalten Geist Zu reger Liebe reitzt; als/ der sich ihn befleisst Wie einen Papegoy ins Kesicht einzuschlissen. 260 Sie selbst weiß: daß der Fuͤrst den Tartar Chivas muͤssen Jn Rhodis reiben auf; weil Jbrahms kalter Sinn/ Der unvererbte Stuhl ihn auf dem Wahn trieb hin: Fuͤr Oßmans Enckel sich und Erben schon zu ruͤhmen. Wem wird nun/ außer mir/ zu dancken sichs geziehmen? 265 Daß sein vor stumpfer Kiel ietzt scharffe Pfeile spitzt/ Daß von fuͤnf Soͤhnen ist des Oßmans Thron gestuͤtzt. Wormit hab aber ich die Sultanin verletzet: Weil ihr zu Liebe nicht von mir ward außgeschwetzet? Daß nach der Sultanin erdichtetem Bericht 270 Des Kaͤysers Augentrost die Perl auß Curdi nicht Sey durch den Schlag erblasst? denn Er/ mein Fuͤrst/ mag wissen: Die Riesin habe ja wohl freylich sterben muͤssen/ Weil sie die Sultanin/ zur Tafel laden ließ/ Und sie durch Eyversucht gereitzt/ erwuͤrgen hieß. 275 Verfluchter Meuchel-Mord! unartig’s Mutterhertze! Das sich belustiget an seines Kindes Schmertze/ Ja sein Vergnuͤgen stoͤr’t; Schaft Strick und Hencker her! Sie leide/ was sie that/ weil sie von Liebe leer Und voll von Rachgier ist! Jnzwischen solstu sehen 280 Vor deinen Abgott fall’n/ dein zartes Schoskind schmehen; Die Rosen mit Gewalt schaun dieser brechen ab/ Die uns fuͤr Anmuth Trotz/ fuͤr Blumen Disteln gab. Fleuch/ Fleuch/ Sisigambis/ fleuch! halt Fuͤrst! wil er ja wuͤtten/ So mag er seinen Grimm auf diese Brust außschuͤtten/ 285 Die Jhn gesaͤuget hat. Laß mich! Hier ist das Ziel/ Das deine Rach’ außtag’t. Denn deine Mutter wil Jm angedreuten Strick’ eh ihren Geist außblasen/ Und den gezuͤckten Dolch fuͤhln in den Daͤrmern rasen/ Als diese Schand-That sehn. Stracks/ Achmet/ schaff sie weg; 290 Eh ihr verspritztes Blut des Sohnes Hand befleck’/ Und laß’ ins alte Schloß die Wuͤttende verstecken. Jch eile den Befehl des Kaͤysers zu vollstrecken. Ibrahim. Sechierpera. Jedoch was schluͤßen wir die/ die den Halß verwuͤrgt/ Die unter’m Mutter-Hertz ein Kwaͤll voll Gifft verbirgt/ 295 Erst in’s Gefaͤngnis ein? Man suͤndigt mit Erbarmen. Es koste Kopff und Blut! ha; solln uns Weiber-Armen Die Beute ringen auß? Und Tauber jagen nicht Dem Adler Tauben ab: Und dieses Reh entbricht Sich auß des Jaͤgers Garn’ und auß des Tygers Klauen/ 300 Der Stein und Ertz zermalmt? Auff! laß uns einst noch schauen/ Was Sisigambis gilt/ und was der Kaͤyser kan! Mein Fuͤrst/ mein Herr/ mein Haupt/ es ficht mich selber an Der Sisigambis Trotz/ und Kiosems Erkuͤhnen. Jch selber muß gestehn: daß sie den Tod verdienen/ 305 Jedoch braucht man mit Nutz bey Straffung klarer Schuld Den Kapzaun der Vernunfft/ den Zuͤgel der Geduld. Wer sich die strenge Flut laͤß’t der Begierden jagen/ Wird auff die stuͤrme See des Untergangs verschlagen/ Auff der kein Ancker haͤlt. Der Mutter Untergang/ 310 Der Sisigambis Schimpff und fuͤrgesetzter Zwang Kan wenig Lust und Trost dem großen Herren geben; Viel Unruh aber sich durch solches Werck erheben/ Weil Volck und Janitschar auf beyder wincken sieht. Der Kaͤyser schaue nur: die Rosen sind verbluͤht/ 315 Die Blaͤtter langst versaͤng’t an Sisigambis Zierde/ Durch Amurathens Brunst. Vernuͤnftige Begierde Sucht Blumen/ derer Glantz die Knospe noch versteckt/ Und Lippen/ darauf man nicht frembden Speigel schmeckt. Jch weiß fuͤrs Kaͤysers Seel und seine suͤsse Flammen 320 Was liebens wurdigers; ein Kind/ in dem beysammen Die guͤtige Natur hat Jugend und Verstand Schoͤn-reitzend-freindlich-seyn verknuͤpfet in ein Band; Ein Kind/ das zaͤrter ist/ als die auß Ledens Schalen Einst solln gebrochen seyn; das mit den Anmuths Strahlen 325 Der Sterne Glantz beschaͤmt/ die Sonne machet blind/ Den Rosen ihr Rubin durch Anmuth abgewinnt/ Den Lilgen ihre Perln. Der Morgenroͤthe Prangen Und Scharlach wird entfaͤrbt von ihren Purpur-Wangen/ Fuͤr ihrem Mund erbleicht Granat und Schnecken-Blut; 330 Kein Bisam-Apfel reucht bey ihrem Athem gut. Die Flammen kwaͤlln auß Schnee/ auß Marmel bluͤhn Corallen/ Zienober kroͤnet Milch auf ihren Liebes-Ballen. Kurtz: diese Goͤttin ist/ der Schoͤnheit Himmelreich/ Der Anmuth Paradiß; ein Engel/ der zugleich 335 Verlangen im Gemuͤth/ Entsetzung in den Augen/ Jm Hertzen Lust gebiehrt. Auß ihren Lippen saugen Die Seelen Honigseim und Zucker suͤsser Hold. Diß alles/ was du ruͤhmst/ ist Kupfer gegen Gold/ Und Schatten gegen Liecht/ wenn ich der Riesin Zierde/ 340 Die Perl Armeniens mit brennender Begierde Fuͤr mein Gedaͤchtniß zieh. Jch schwere dir/ mein Kind: Daß meine Flammen nicht mit ihr verloschen sind: Das Abuchalid nicht so sehr geliebt Hababen/ Die er schon halb verwest ließ auß der Erde graben/ 345 Und tausend Kuͤß ihr gab/ als meine Seele noch Nach meiner Riesin laͤchst. der Fuͤrst schaͤtzt billich hoch/ Was die Erfahrung preißt/ fuͤr dem/ was andre loben/ Das Auge liegt dem Ohr im Lieben allzeit oben. A jv Mein Mein Leben aber sey verspielt/ wo Ambre nicht 350 Des Mufti himmlisch Kind jen und auch all’ absticht. Der Zunder heisser Brunst ist selbst in mir entglommen/ Seit dem ich zweymal sie im Bade wahrgenommen. Jhr Mund bepurperte die Chrystallinnen-fluth/ Die Bruͤste schneiten Perln/ die Augen blitzten Gluth; 355 Wenn sie ihr Haupt erhob auß ihrer Marmel-Wanne/ Schien sie das Ebenbild der Sonn im Wasser-Manne/ Die Kwellen kriegten mehr von ihren Strahlen Brand/ Vom Leibe Silber-Welln/ vom Haare guͤldnen Sand. Hier wil ich im Gemaͤld’ Jhm nur den Schatten zeigen. 360 Jst Ambre diß? Jhr Bild. Jst sie getroffen? Eigen. Wiewohl der Himmel geht gemahlten Sternen fuͤr. Hilf Himmel! kwillt das Oel der Lieb’ auch auß Papier? Steckt auch in Farben Glut? kan auch der Schoͤnheit Schatten Begierde zuͤnden an? die Bilder/ die wir hatten 365 Uns in das Hertz gepraͤgt/ auf einmal leschen auß? Was neues druͤcken ein? Ach/ unsre Seel ist graus/ Das Hertze liegt in Asch/ und wir stehn in der Flammen/ Wie brenn’ und lodern wir! Raff allen Witz zusammen/ Gebrauche Treu und Fleiß/ mein Engel/ und mein Kind; 370 Daß diese Sonne ja den Kaͤyfer lieb-gewinnt. Ach! aber/ was fuͤr Sieg laͤsst Jbrahim ihm traͤumen Von dieser Goͤttin hold? Fuͤr laͤngst Entweyhte raͤumen Nichts unserm Lieben ein. Und Sisigambis lacht Des Kaͤysers/ die so weit/ so fern als Tag und Nacht/ 375 So weit als Sonn’ und Mond/ von Ambren ist entfernet. Hat diese Naͤrrin gleich Natur und Witz verlernet/ Wenn sie des Sultans Gunst mit Fuͤssen von sich stoͤsst: So laͤchsen tausend Seel’n nach Balsam/ welchen floͤsst Die Hold des Kaͤysers ein. Die Keusch- und kaͤltsten brennen/ 380 Wo Fuͤrsten Blicke falln. Man gebe zu erkennen Des Kaͤysers reine Glut dem Vater; dessen Eyd Nichts minder ihn verknuͤpft/ auf die Ergetzligkeit Des Sultans/ als aufs Heil des Reiches vor zusinnen. Wohl! wir gehn/ umb alsbald sein Hertze zu gewinnen. Der Schauplatz veraͤndert sich in den Saal Ho- sada/ wo die grossen Bedienten sich versamlen/ und der Stuel des Sultans steht. Mufti. Mehemet Bassa. Bectas. Janitscharen Aga. Kiuperli Bassa. Kul Kiahia der Vnter- Aga der Janitscharen. 385 S O trit Venedig noch uns Candien nicht ab? Die Antwort/ welche mir ietzt erst Soranzo gab/ Jst Hochmuth/ Dreuen/ Trotz. Sol eine Stadt uns pochen? Jst Oßmanns Witz verfalln/ und Oßmanns Arm zerbrochen? Kan unser Fuͤrst/ der ja das Haupt der Welt wil seyn/ 390 Mit allen Kraͤften nicht zwey Staͤdte nehmen ein? Canea/ Retimo sind ja in unsern Haͤnden. Sey sicher: daß wir nichts an Candien mehr enden; Auch wuͤrde dort noch ietzt kein Tuͤrckisch Segel wehn/ Wenn sich Venedig haͤtt’ ie Friedenbruchs versehn. 395 Mit Ungewasneten laͤßt sichs leicht Streiche wagen. Jetzt/ nun wir auß der See schon zweymal sind geschlagen/ Durch ihren Morosin/ nim̃t unser Sultan wahr: Es doͤrffe mehr Verstand/ auch schaff es mehr Gefahr Mit einer solchen Stadt/ als geilen Weibern kriegen. 400 Jetzt/ nun der Krieg sich schleppt/ laͤsst ihn der Sultan liegen/ Hengt seiner Wollust nach. Dem Divan liegt die Last Des Krieges einig ob. wo nicht ein Fuͤrst selbst fasst Das Ruder seines Reichs/ kan keine Fahrt gerathen. GOtt kroͤnet Knechte nicht so/ wie der Fuͤrsten Thaten. Als 405 Alß Oßman in den Grund diß Reich geleget hat/ Alß Orcan Prusien erobert/ Amurath Die Stadt des Adrian/ und in Europens Hertze Den ersten Spieß gesteckt; ja unsers Glaubens Kertze Jm Nord gezuͤndet an; alß Koͤnig Bajazeth 410 Die Siegs-Stadt Serviens durch neuen Sieg erhoͤht/ Den Kaͤyser Sigismund hat schier in Staub getreten; Alß Mahumeth den Strom der Donau schloß in Ketten/ Biß in Wallachen Drang; Alß Ludwig und sein Land Und sein verzweiselt Heer; in Amurethens Hand 415 Besiegt bey Varna fiel/ und semer Falschheit Nebel Jn blut’ge Flut zerran; Als die erhitzte Sebel Des grossen Mahumeths zwey Kaͤyserthuͤmer zwang: Daß zweyer Kaͤyser Kopff fuͤr seine Fuͤsse sprang. Als er zwoͤlff Reich einnahm/ zwey hundert Staͤdt’ erstritte. 420 Wie Selmi uͤberwand Damaßkens groß Gebitte Des Tomonbejus Reich; als Selimans sein Stahl Pest/ Rhodis/ Ofen zwang; ja als noch’s letzte mahl Vom vierdten Amurath ward Bajadeth bezwungen/ Hat dieser Helden Arm selbst durch den Feind gedrungen/ 425 Und fuͤr des Reiches Heil das Leben feil gemacht. Jtzt nun der Sultan nur auff Uppigkeit hat acht/ Was sol fuͤr Gluͤck uns bluͤhn? Ja/ leyder! ich befahre: Es naͤhere sich ietzt das Ende der zwoͤlff Jahre/ Seit dem des Oßmans Hand den rothen Apffel fuͤhrt; 430 Als unser Untergang. Und meine Seele ruͤhrt Die grosse Wasserflut/ die Mahumeds Gebeine Zu Mecha fort geschwemmt/ und die geweyhten Steine Des Heyligthumbs versehrt. Der Pers’ und Ketzer hat Fuͤr wenig Zeit uns schon die uns hochheilge Stadt 435 Medinen abgerennt; wie viel ist Zeit verstrichen: Daß unser Kaͤyser halb vom Glauben abgewichen? Daß Achmet Bottschafften dem Christen Gratian Nebst Laͤndern uͤbergab? Ja ein recht Greuel kan Fuͤrst Fakardin uns seyn/ der Schaum verdammter Christen. 440 Kein geiles Weib kan nicht nach Buhlern so geluͤsten/ Noch zaubrisch schlaͤffen ein/ als den besigten Hund Hatt’ Amurathes Lieb. Und uns ist leyder kund: Daß Persen Christen hat zu Feld-Herrn fuͤrgestellet. Als Facfurs Ehweib ward vom Arcomat gefaͤllet/ 445 Und mit ihr Ascota; ward er zwar todt und bleich Jn Armen eines Moͤnchs: Allein Chach Abas Reich Vom Aberglaub’ erfuͤllt; Jndem er durch sein Bitten Den Schwaͤrmern Lufft erwarb: daß Abubeckers Huͤtten Jtzt thoͤrchte Christen fuͤlln. Da die Gewogenheit 450 Zu Christen sterbens werth hieß noch fuͤr wenig Zeit. Als Koͤnig Kataband die Gurgel ab ließ stechen Dem erstgebohrnen Sohn/ war einig diß Verbrechen Des Anza Menza Schuld. Wie feindlich scharff und schwer Fiel vor der Christenheit der Tartarn fluͤchtig Heer? 455 Cham Chiran aber hat den Sultan laͤngst verlachet/ Das Tuͤrcksche Heer zerstreut; verdammten Bund gemachet Mit Polen/ und sein Kind zur Geißel ihm versetzt/ Und der Cosacken Schwarm uns auff den Halß gehetzt; Der Caffa/ Sinope und Trapezunt bezwungen/ 460 Jn Port und Vorstadt sind Stambuldens eingedrungen. Der Divan weiß selbst mehr kein Mittel unsrer Ruh; Alß: daß mans Bosphors Mund mit Ketten schließe zu. Ja Siebenbuͤrgen trotzt den Sultan mit Befehlen: Daß Er zum Fuͤrsten den Ragotzy muß erwehlen/ 465 Den Jstuan thun ab. Noch schlimmer Zufall ist: Daß Kaͤyser Machmets Sohn Jachias ward ein Christ; Daß er dem Groß-Vesier/ das Haupt der Janitscharen/ Den Mufti/ und die mehr des Reiches Pfeiler waren/ Durch Meineyd so nam ein: daß sie ihm hatten schon: 470 Den Bruder Achmet ab/ ihn auf des Oßmanns Thron Zu setzen sich verschworn: daß er Kosack und Christen Und Tartern sich erkuͤhnt auff unsern Fall zu ruͤsten/ Bejammern wir noch itzt. Und haͤtte Wallstein nicht/ Sein Abgott; durch die auch vergeß’ne Treu und Pflicht So zeit- 475 So zeitlich sich gestuͤrtz’t/ hett’ er wohl Mittel funden/ Zu schlagen unser Reich mit mehr und groͤssern Wunden. Doch ach! das aͤrgst ist diß; was mir mein Hertz auffritzt: Daß Kaͤyser Jbrahims sein Sohn in Franckreich sitzt/ Den der Maltheser Macht gefaͤnglich hat bestricket/ 480. Alß fuͤr drey Jahren er nach Mecha ward geschicket. Auß welchen mit der Zeit der Raͤuber Aberwitz Ein Werckzeug schnitzen kan/ des Oßmanns hohen Sitz/ Den Glauben Mahumets empfindlich anzufechten; Die Pers’ und Christen stets mit uns in Krieg zu flechten 485 Sich durch viel Arglist muͤhn. Jch spuͤre viel Gefahr/ Und unsers Untergangs sind hundert Zeichen dar. Der Tuͤrcken Kaͤyserthumb steht nicht auf eignen Kraͤfften. Wir stehn/ so lange noch die Christenheit mit Saͤfften Verkaufften Friedens sich laͤßt sicher schlaͤffen ein; 490. Und ihre Schwerdter selbst in eignen Daͤrmern seyn. Jtzt scheint’s: es lehre sie der Schaden sehend werden: Daß wir sie/ wie ein Fluß am Ufer/ Sand und Erden Schier ohn’ Empfindlichkeit/ im Grunde waschen auß; Biß mit durchbohrten Rand auf einmahl Reich und Hauß 495 Ein Raub der Wellen wird. Denn Holland hat durch Frieden Mit Spanien nicht nur den langen Zwist entschieden; Tschernin spannt auch nunmehr den Bogen hoͤher an; Sagt: daß sein Kaͤyser nichts in Siebenbuͤrgen kan Enthengen unserm Heisch; trotzt auff des Adlers Klauen/ 500 Wo er in Ungern wuͤrd’ auch minsten Eingriff schauen. Weil zwischen Teutschland/ Schwed’ und Franckreich auch der Fried Auf sicherm Fuße steht. Das Ungluͤck das uns bluͤht/ Koͤmm’t her von unser Schuld. Daß Aden ist verlohren/ Des Rothen Meeres Mund/ daß Habeleh der Mohren 505 Jhr Kapzaun ist verspielt/ daß Baßora noch wanck’t/ Ruͤhrt her: daß mancher Held wird spoͤttisch abgedanckt; Daß man Damaß/ Aleayr und Bagadet vertrauet Dem/ der das meiste zahlt; und die am Brete schauet/ Die nur des Sultans Gunst erkauffen durch viel Geld; 510 Daß man Verdienst und Treu fuͤr aͤrgste Laster haͤlt/ Verschnittenen raͤumt ein die Tugenden zu druͤcken/ Ja sich den Voͤgeln gleicht/ die nur den Guckug zwicken/ Auß Sorg’: er werde noch alß Falcke sie fall’n an; Daß man/ als Sonne nichts erhoben sehen kan/ 515 Und die gleich Sternen sind/ alß Duͤnste druͤckt zur Erden; Des Sultans Tochter Soͤhn itzt auch laͤst faͤhig werden Der Wuͤrden dieses Reichs; daß man die/ die durch Blut Und vieler Jahre Schweiß versammlet einig Gut/ Wie Schwaͤmme druͤcket auß; des Sultans Toͤchter zwinget 520 Uns noch als Kinder auff/ und umb’s Vermoͤgen bringet/ Ja uns zu Sclaven macht; daß Jbrahim versehrt/ Was derer Andacht gleich zum Gottesdienst verehrt/ Die niemals ihn verletzt; daß/ was die Kaͤyser haben/ Als Schatz und Heiligthumb in Thuͤrme tieff vergraben/ 525 Er alß wie Sand verstreu’t; daß er zu Lastern lacht/ Auß seiner Uppigkeit ein offen Schau-Spiel macht/ Umb daß Er seine Brunst durch frembdes Oel anzuͤnde/ Da es vor dieser Zeit war sterbens-werthe Suͤnde/ Zum Garten/ wo der Fuͤrst mit seinen Dirnen spielt/ 530 Ein Auge wenden hin. Daß sein Gemuͤthe zielt/ Des Ketzers Kadaris fuͤr laͤngst verdammte Lehren/ Die des Verhaͤngnuͤßes Ertzt-feste Schluͤsse stoͤren Und der Schapmestahis ihr halbes Christenthum Zu bringen in den Schwung. Daß er fuͤr grossen Ruhm 535 Und Helden-Thaten haͤlt/ wenn Er verdiente Bassen/ Die fuͤr sein Heyl gewacht/ kan niedersaͤbeln lassen; Wenn ihr durch Wund und Schweiß erworben Erbtheil ihn Alß Bruder lachet an; Wenn/ die die Ramme ziehn Und Braͤter wenden umb/ so schnell als Erd-Geschwuͤre 540 Auffschuͤssen/ und sich gar stell’n uͤber die Visire; Alepo steht hierumb in groͤsserer Gefahr/ Alß da noch Abassa sein Haupt des Auffruhrs war; Und Fakardins sein Schwantz/ die schlauen Druͤsen stecken Jn Sidons Hoͤlen noch/ und in Saidens Hecken. Diß 545. Diß klagen/ leider! wir/ diß geht uns Haͤupter an! Das Volck/ das seine Last nicht laͤnger tragen kan/ Fuͤhrt nach viel Seufzen ietzt bewegliche Beschwerden/ Weil nun auch Steinen-Schweiß wil außgepresset werden/ Wie vom Abdulmelick. Albanien/ das noch 550. Nicht allerdings gebeug’t den Nacken unters Joch/ Spinnt neuen Aufstand an. Kurtz! wir fall’n uͤbern hauffen/ Und unser Gluͤcks-Spiel scheint ietzt so verwirrt zu lauffen: Daß wo die Christen uns recht in die Karte sehn/ Und Ferdinand es wagt; so ists umb uns geschehn. Bectas. Ibrahim. Mufti. Mehemet. Kiuperli. 555. S Chweig! denn der Sultan kommt. Jst der Befehl vollstrecket? Ja! doch Soranzo bleibt verstockt und unerschrecket. Sagt: daß Venedig selbst eh in den Grund wil gehn/ Alß auf Dalmatien uns einig recht zustehn; Und eine Spanne Land von Candien einraͤumen. 560. Sol dieser Sclave noch auf uns den Hochmuth schaͤumen? Und lachen unsers drauns? Wol! es sol unser Haupt Nicht fanft und friedsam ruhn; biß daß Venedig glaubt: Daß Jbrahim nicht mehr mit Wort-als Wercken blitze. Der Sultan gebe mir und meinem Aberwitze 565. Genadiges Gehoͤr? Jch sorge: daß wir nicht/ Biß daß der Groß-Herr selbst nach Candien aufbricht/ Dort werden Meister spielen. Wo Gluͤck und Sieg sol bluͤhen/ Das Kriegsheer hertzhaft seyn/ muß der zu Felde ziehen/ Dem Gluͤck und Sieg faͤllt zu. Sein wachsam Auge schlaͤgt 570. Oft/ wo ein Heer verspielt; ermuntert und bewegt Die traͤg und furchtsam sind. Der Fuͤrst hats schon geschauet/ Als von Silistrien dem Bassen anvertrauet Der Zug auf Asac ward; wie viel ein Knecht kan fehl’n. Ja Schaͤlsucht wagt sich dar meist frembden Ruhm zu stehln; 575. Den Sieg selbst zu verstoͤr’n/ Vernunft und Witz zu blaͤnden. Des Groß-Veziers schel Aug entzog unß aus den Haͤnden Den Sieg auf Bajadet. Denn/ als der Loͤwen Muth Des Murat Bassen sich durch Mauern/ Stahl/ und Glut Drang stuͤrmend in die Stad/ ließ er auß blossen Reiden 580. Vom Sturme blasen ab/ ja ihm den Kopf abschneiden: Daß unser Heer besiegt/ die Festung Persisch blieb/ Biß Amurath selbst kam und Heer und Sturm antrieb. Wir wolln in Creta selbst die gruͤne Fahn aufffuͤhren. Laß auch noch heute sich dein gantzes Laͤger ruͤhren/ 585. Fuͤr unser Burg das Haar von Pferden stecken auß. Du aber Mehemed/ laß des Soranzo Haus Noch sorgsamer verwahren/ doch ihm zur Furcht entdecken: Daß wir auf Candien selbst wolln die Fahn aufstecken. Der Schluß ist Ruhmes werth; diß ist die Tugends-Bahn/ 590. Dardurch uns Mahumed die Welt macht unterthan/ Die zu den Sternen fuͤhrt/ die Sterbliche vergoͤttert; Und ein Gedaͤchtnuͤs schafft; das/ wenn der Himmel wettert/ Die Marmel-Seuln zermalmt/ Colossen schlaͤgt entzwey/ Und Tempel legt in Graus/ ist vom verwesen frey. 695. Ja wenns Verhaͤngniß gleich laͤsst einen Fuͤrsten fallen/ So gleicht sein Grabestein durchsichtigen Christallen/ Durch den man sein Verdienst der Tugend schauen kan. Und dessen Seele nimmt die Art des Fenix an: 600. Daß seyn Begraͤbniß ist der Anfang seines Lebens; Und Zeit und Mißgunst muͤht so denn sich nur vergebens Die Fackel ihres Ruhms mit Wolcken zu verstell’n/ Den Silber-reinen Kreiß des Mohnden anzubell’n. Ja wol/ diß schluͤssen wir. Ach! aber/ unser Hertze 605. Wird selbst von Angst bekriegt/ bekaͤmpft vom herben Schmertze/ Des Sultans Seele schwimmt in einer wuͤsten See/ Die Flammen auf die Brust stroͤmt/ in die Glieder Schnee/ Verwirrung ins Gehirn? Und in uns selber wissen Von keinem Frieden wir; die wir auf andre schluͤssen 610. Jetzt gleich Verderb und Krieg. Was ficht den Kaͤyser an? Ein Ubel/ das kein Artzt/ als heilen kan. Jst es Gewissens-Angst? sinds tieffe Seelen-Narben? Nicht Narben/ Wunden sinds/ doch von viel andern Farben. Dem Dem Artzte muß das Kwell der Kranckheit seyn bekand. Der Uhrsprung und die Salb ist in des Hand. 615. Stehn sie in meiner Hand/ bin ich bereit zu rathen. Vertroͤstung linderts Weh/ Genesung kommt von Thaten. Der Kaͤyser meld uns doch/ was Weh und Artzney sind. Jch bin von Liebe kranck/ das Pflaster ist dein Kind. Was sol ein Kind/ wie sie/ fuͤr Liebes-Brand anzuͤnden? 620. Wird man im Himmel doch nur solche Kinder finden! So Eh als Paradis erfordert funfzehn Jahr. Was fuͤrchten Juͤngere vom Lieben fuͤr Gefahr? Sie wird den Kaͤyser nicht nach Wundsch vergnuͤgen koͤnnen. Neid tadelt/ was er nicht dem Rechsten wil vergoͤnnen. 625. Was sol ein Knecht/ wie ich/ dem Großherrn gonnen nicht: Wie daß uns denn die Tochter nicht verspricht? Es ist mein Wundsch: daß sie sich seine Magd darf nennen. Versichre sie: daß wir von ihren Strahlen brennen. Versicherst aber du uns ihrer Gegenhold? 630. Jch meyne: daß mein Kind mit beyden Armen solt Umbfassen diß Geluͤck/ und sich ietzt selig schaͤtzen. Ja mit was Groͤsserm kan der Sultan mich ergaͤtzen/ Als/ da er auf mein Haus Genad und Auge neigt/ Mein Kind auß Staub auf Gold in Oßmans Bette steigt. 635. Nimb diß gestuͤckte Tuch als unsrer Liebe Zeichen Der Liebe Merckmahl hin. Man sol schnur stracks ihr reichen Ein Purpern Braut-gewand. Jch nehms in Demut an/ Begierig zu vollzihn/ was seine Liebe kan Vergnuͤgen/ und mein Haus zur hoͤchsten Staffel stellen. 640. Geh/ eile. Denn Verzug schafft Buhlern Pein der Hoͤllen. Reyen Der Goͤttlichen Rache/ der Stadt Byzanz/ der Schwelgerey/ der Geilheit/ des Geitzes/ des Zorns/ der Hoffart. 645. E Rzittert/ Sterbliche/ fuͤr mir! Denn kroͤn’t mein Haupt gleich ein schoͤn Regenbogen; So bricht doch Blitz und Donner fuͤr Auf den/ der GOTT zum Eifer hat bewogen. GOtt zahlet zwar nicht taͤglich auß; 650. Doch ist Er keinem ie was schuldig blieben, Sein langsam Zorn druͤckt gar in Grauß; Und sein Vermerck ist in Metall geschrieben. M Jr Aerm’sten bebet iedes Glied/ Das Hertze schlaͤg’t/ das Haar steht mir zu Berge! 655. Verschone der/ die fuͤr dir kniet! Kein Riese sieg’t mit Nachruhm uͤber Zwerge. Hilff mir vielmehr/ weil die Geduld Schon buͤß’t zweyhundert Jahr die Schuld. J Ch habe kein ruchloser Kind; 660. GOTT hatte dich zur Welt-Sonn’ aufgestecket/ Und gleichwol ist dein Thun stock-blind/ Ja du hast wie ein Mohnde dich beflecket. By- W Eil/ Leider! das Verhaͤngniß mich Hat untern Krebs/ des Mohnden Haus/ gesetzet; 665 Geht Gluͤck’ und Klugheit hinter sich/ Mein Antlitz wird mit Thraͤnen-Tau genetzet; Und Oßmanns bluttig Mohnde dreut Mir taͤglich noch mehr Sturm und Leid. F uͤr dir ists Mohnden Wachsthum klein. 670 Was klagstu denn? die Welt liegt dir zun Fuͤssen; Du selbst verduͤsterst deinen Schein/ Erlustigst dich an Suͤnd- und Finsternuͤssen. O Ft stecken Wuͤrm’ in guͤldner Frucht/ Der schlimste Stern ist oberster Planete; 675 Mein Wachsthum ist nur Wassersucht/ Und meine Sonn’ ein schwaͤntzichter Comete. So hilff nun/ Rache/ Rach’/ und nim̃ Von mir den Bluthund Jbrahim! B Rich Abgrund! oͤfne deine Thuͤr’! 680 Und schicke bald ein Werckzeug meiner Rache! W Jr Laster stell’n zu Dienst uns dir. Weil wir der Menschen Schooß-Kind sind/ und Drache/ Ja ieder mit uns buhlen wil/ Jsts sie zu fressen uns ein Spiel. 685 H Jlff GOtt! sol noch der Schlangen Brut Jn Jbrahims und meinem Busen nisten? G Jft ist fuͤr Gift zur Artzney gut/ Und boͤse Lust daͤmpft man mit boͤsen Luͤsten. S O ruͤste doch nur eines auß; 690 Denn alle stuͤrtzen mich in Grauß. S O koͤmm’t mir denn das Vorrecht zu. Weil Menschen schon nach meiner Milch geluͤsten/ Wenn sie in Windeln schoͤpfen Ruh’/ Die Zunge noch saͤugt an den Mutter-Bruͤsten. 695 J Ch bin der Brunn/ der Menschen schafft/ Ein Oel/ das Blut und Fleisch und Hertz anzuͤndet; Der Himmel schmiltzt durch meine Krafft/ Die Goͤtter zwingt und Stahl wie Wachs zerwindet. B Der W Eicht alle mir! ihr sey’t mein Brutt; Denn ich bin ja die Wurtzel alles Argen/ 700. Wenns Alter aller Laster Glutt Lescht auß/ steig’ ich in Sarg mit meinem Kargen. M Ein Blitz zermalmet Stahl und Stein/ Mein Ziell ist’s Grab/ der Uhrsprung ist die Wiege. 705 Wo alle Laster buͤssen ein/ Erhaͤlt mein Arm durch Mord und Feuer Siege. M Ein Uhrsprung ruͤhr’t vom Himmel her/ Jhr auß der Hoͤll/ und wilder Thiere Hoͤlen. Denn ihr herꝛsch’t nur in Schwein und Beer; 710 Jn Adlern ich/ und in vernuͤnfft’gen Seelen. J ch aber mache durch den Stein/ Durch Schwulst und Gicht und Schwindsucht bald ein Ende. M Ein Gifft nimmt mehr die Seelen ein/ Und Seuchen sind auch Waffen meiner Haͤnde. 715 J Ch henckere ja selber mich; Wie sol ich nicht auch andern’s Licht verkuͤrtzen? M Ein Grimm hat’s Blitzes Flug in sich/ Des Maulwurffs Blindheit/ wie soll er nicht stuͤrtzen? D Je Hoffarth kommt fuͤr’m Fall in’s Hauß/ 720. Und wer hoch fleuch’t/ schmeltzt an der Sonnen-Hitze. R Ach’ uͤbe deine Straffen auß; Nur/ daß ich nicht mehr Blutt dabey verspruͤtze; So brauch’ ein Laster doch hierzu/ Das mir nicht weh/ ihm suͤsse thu: 725 D Urch Zucker gib’t sich Gifft leicht ein/ Und Schlangen sind in Rosen wohl verstecket. Wohlauf denn/ Geilheit! du solst’s seyn/ Die meinen Schluß/ des Bluthund’s Fall vollstrecket. E h’ als die Morgenroͤthe kan 730 Der Welt zweymal die Augenbranen zeigen/ Sol Jbrahim seyn abgethan/ Durch diesen Brandt/ sein Lebens-Oel verseigen. J A! Unzucht ist so toͤdtlich Gifft/ Das Drachen-Eyter uͤbertrifft. Die Die andre Abhandlung. Der Schau-Platz stellet fuͤr den V orhof der heiligen Sophi- en-Kirche/ welche itzt die fuͤrnehmste Tuͤrckische ist. Ambre des Mufti Tochter. Calpare ihre Mutter. G Ott/ der du sieben Meer’/ der sieben Himmel Last/ Nebst siebzig tausend Schaarn zu deinen Fuͤssen hast/ Ja Engel/ Ehre/ Perl’n/ Macht/ Gottheit unterm Throne. Wo deine schlechte Magd was bitten darff/ so schone 5 Derselben/ die dich stets inbruͤnstig bethet an; Hilff: daß kein Nebel nicht mein Licht verduͤstern kan; Wie Geist und Traum mir dreu’t. Jch falle dir zu Fuͤssen/ Begierig Tag fuͤr Tag der Erde Staub zu kuͤssen Auß Andacht gegen dich. Die Lampe brennt allhier 10 So sehr nicht/ als mein Leib/ auß Liebe gegen dir. Laß geiler Bruͤnste Rauch nur meine Brust nicht schwaͤrtzen. Und dir/ O Mahumed/ dir sag’ ich zu vom Hertzen: Daß ich biß in den Halß im Flusse buͤssen wil/ Wo Eva Busse thaͤt; Daß/ wo mein Lebens Ziel 15 Mir nicht der Tod verruͤckt/ ich faͤsten Vorsatz habe Walfahrtende zu zihn nach Mecha/ zu dem Grabe/ Zu kuͤssen deines Sarg’s hochheil’gen Marmelstein/ Der itzt ein Engel ist/ und mit der Zeit wird seyn Ein Steig ins Paradiß. Jch wil mit bittren Zaͤhren 20 Allmosen-Opfer GOtt iedweden Tag gewehren; Er tilge nur in mir sein reines Bildnuͤß nicht. Denn/ da auch Gabriel das Sonnen-gleiche Licht Des Monden hat vermocht durch Anruͤhr’n bleich zu machen; Wie sol/ wenn Gottes Grimm wil wider mich erwachen/ 25 Sein Schwefel-Athem mich nicht in Staub Asch und Koth Und ein schlimm Aaß verkehrn? Diß ist ein Werck/ das GOtt Und Engeln wohlgefaͤll’t/ stets fuͤr den Tempeln knien; Derselben Same muß wie gruͤne Palmen bluͤhen. Wie daß der Frommen Fuß denn stets auff Disteln tritt? 30 Wenn Boͤs’ auff Rosen gehn? und ihr stockblinder Schritt Nie der Damasten sehl’t? Die Welt ist wohl zu nennen Ein Schau-Platz/ wo man nur die Unschuld sihtwerbrennen/ Und Galg’ und Rad ihr bau’t. Und uns ein Predigstul/ Der uns in’s Hertze schreit: Daß Tugend hier den Pful/ 35 Dort ihren Himmel hat; Daß die umbdoͤrnten Lilgen Jm Garten dieser Welt/ die Reiff und Mehlthau tilgen/ Umbbluͤmte Rosen solln im Paradise seyn. Wie schwer geh’t diese Gall’/ Ach! unsern Lippen ein! Creutz-Traͤger singen GOtt die angenehmsten Psalme. 40 GOtt schlaͤg’t der Unschuld Stein nicht: daß Er ihn zermalme/ Die Tugend-Funcken solln auß selbtem strahlen fuͤr. GOtt leitet unser Schiff auf Klippen/ nicht daß wir Dar solln zu scheutern gehn/ nur: daß wir beym Gewitter Solln lernen Hertzhafft seyn. Was aber wil so bitter/ 45 Mein Kind/ mein Trost dir ein? Ein hoͤchst abscheulich Traum Dreu’t Tod und Schande mir. Die Mitternacht war kaum Der Anfang meiner Ruh/ als ich von einer Schlangen/ Mit gift’gem Jaͤschte ward begeifert und umbsangen; 50 Doch/ als ich machte mich von ihrem Schwantze frey/ Zerborste von sich selbst der grosse Wurm entzwey Mein Kind/ nicht lasse dich durch solche Schatten schrecken. Gott pflegt/ was kuͤnfftig ist/ durch Traͤume zu entdecken. Meist sind die Traͤume Dunst/ und ein nichts-deutend Rauch. So uͤberredte man den Sultan Oßman auch; 55 Als sich sein groß Kamel gleich als durch Adlers-Fluͤgel Schwang sternwerts in die Hoͤh/ und ihm der leere Zuͤgel Bestuͤrtz’t in Haͤnden blieb; Der Außgang aber wieß: Daß ihm hernach das Reich/ wie vor’s Kamel entrieß. A ij Woher Woher wol haͤttestu zu fuͤrchten Gift und Schlangen? 60 Des Gluͤckes Bley-Fuß kommt wie das Thier Ha gegangen; Das Ungluͤck aber laufft geschwinden Luchsen fuͤr. GOtt wende die Gefahr/ und der erhalt dich mir! Mufti. Ambre. Calpare. Nun werd’ ich dich/ mein Kind/ so ehr’n als lieben muͤssen. Jch werd’ in Demuth stets der Eltern Fuß-Pfad kuͤssen. 65 Was waͤchst der Ambre denn fuͤr neuwe Wuͤrde zu? hr bluͤhet Ehr’ und Thron und ewig-faͤste Ruh. Wie daß denn Furcht mein Hertz’ und Angst den Schlaff betruͤbet? Der Sultan ist in dich/ mein liebstes Kind/ verliebet/ Und schicket dir hiermit das Zeichen seiner Gunft. 70 Hilff Himmel! ich vergeh: Ach! wie sol tolle Brunst Und reine Keuschheit sich vermaͤhl’n und mischen lassen? Jn Tenos wil ein Brunn nicht Safft auß Reben fassen/ Und meiner Adern-Quaͤll/ fuͤr dem Chrystall nicht rein/ Und Schwanen fleckicht sind/ sol ein Gefaͤsse seyn/ 75 Darein der geile Hengst den Schaum der Unzucht spritze? Was sicht mein Kind dich an? mit was fuͤr Aberwitze Stoͤßt du des Kaͤysers Hold und dein Geluͤcke weg? Solch Gluͤcke schafft Verderb/ und seine Brunst macht Fleck. Ach! ich erfahre schon die Deutung meiner Traͤume! 80 Wie dieser Wurm das Gifft der Geilheit auf mich schaͤume; Wie dieser Basilisk’ in Englischer Gestalt/ Durch falschen Sonnenschein der Liebe mache kalt/ Durch Zucker holder Kuͤß Angst/ Schand und Todt außsckuͤtte. Frau Mutter/ wo ihr Hertz heg’t Muͤtterlich Gebluͤtte/ 85 Wo ihre Brust noch Milch der Kinder-Liebe nehrt/ Wo ein fußfaͤllig Kind je ist Erbarmens werth/ Wo meiner Thraͤnen-Saltz nur schlechtem Wasser gleichet/ Das Kiesel hoͤlet aus/ und Marmelstem erweichet/ Wo meiner Seufftzer Geist ihr biß zur Seele klimm’t; 90 So leide sie: daß ich zum Opfer ihm bestimm’t/ Eh als zur Braut ihm werd’/ und daß ich seine Sebel Eh’ als die Lippen kuͤß’/ in dem der Dunst und Nebel Des Lebens jener Welt/ darinnen weder wohl Noch uͤbel uns wird seyn/ Mich mehr ergetzen sol/ 95 Als seines Purpers Glantz. Wil man mir dis versagen/ So wil ich Lebenslang als reine Jungfrau tragen/ Nach der Calender Arth an Ohren Ring’ aus Stahl/ Zu Kleidern Pferde: Haar; Ja tausend Angst und Quaal Geduldig stehen aus; krieg’ ich nur diesen Segen: 100. Daß ich mich nimmermehr zum Jbrahim darff legen. Was macht so bitter dir den Liebes-Zucker an? Ach! sie erwege doch: Ob der recht lieben kan/ Und Liebens wuͤrdig ist/ der stuͤndlich Lieb’ und Bruͤnste Mit frischem Wechseln kuͤhl’t/ der stets durch theure Kuͤnste 105 Der Geilheit Oel einfloͤß’t/ der aͤrger bren’t und gluͤh’t Als ein Sardanapal/ als Cajus und Avit; Die Greuel unsrer Lehr’/ und Scheusal’ aller Zeiten. Ja man laß uns vergnuͤgt’ ins Sultans Bette schreiten/ Der Armuth Westen-Wind auf unsren Bruͤsten spiel’n; 110 Laß’ unsre Seele gar der Aepfel Vorschmack fuͤhln/ Die zweyfach nach dem Bruch im Paradise bluͤhen; So moͤgen wir doch nicht dem Hertzeleid entfliehen: Daß ich fuͤr Grimm und Tod nur Kinder kan gebehrn/ Die auf die Schlachtbanck pflegt der Blutt-Durst zu gewehrn 115 Der Bruͤder/ wo sie noch der Vaͤter Rach entrinnen. Er selbst/ Herr Vater/ wird sich unschwer noch entsinnen/ Aufs dritten Machmets Grimm und grause Moͤrderthat; Der mit den Elt’sten Sohn auch dessen Mutter hat Aus schluͤpfrichem Verdacht recht-henckrisch aufgerieben; 120. So suͤsse Fruͤchte traͤg’t der Groß-Herrn grosses Lieben! Du mein hertzliebstes Kind/ du meiner Augenlust/ Jch lobe deinen Schluß. Mir ist zu wohl bewust Das Wermuth-bittre Gift/ daß dieser Biesam decket; Was fuͤr ein Drachen-Maul in Engel-Larven stecket. 125 Befestige dein Hertz/ auf Zufall/ Tod und Leid. Ja Ja! ich bestetig es durch einen theuren Eid: Daß nimmermehr ich nicht den Sultan lieben werde/ Raͤumt er des Oßmans Stul/ den halben Kreiß der Erde Sein gantzes Kaͤyserthum mir gleich zum Brautschatz ein; 130 Ja/ ehe sol der Sarg mein Hochzeit-Bette seyn. GOtt wolle dir stehn bey/ und Mahumed dich segnen! Jch eile solchem Brand in Zeiten zu begegnen. Ambre. Mehemet. Wie/ wenn der Himmel sich in schwartze Wolcken huͤll’t/ Und die betaͤubte Welt mit Knall und Blitz erfuͤll’t/ 135 Die Turteltauben wild’/ erschreck’t/ und schuͤchtern werden; So aͤngstig muß auch ich mich furchtsame gebehrden. Und kein bestuͤrmtes Schiff wanck’t in den Wellen mehr; Es zittert von dem Nord kein Espen-Laub so sehr/ Als meine Seele beb’t! mein schlagend Hertze saget 140 Mir Ach und Jammer wahr! Wie? meine Seele klaͤget Und blaͤß’t hier Seufzer aus? Was ficht/ mein Licht/ sie an? Ein Elend/ welchem sich kein Elend gleichen kan. Welch Unmensch/ welch wild Thier beleidig’t solche Tugend? Der Sultan Leider! heischt die Bluͤthen meiner Jugend/ 145 Die Blumen meiner Zucht zum Opfer seiner Brunst. Des Purpers Glantz gebuͤhr’t und wurtzelt Lieb und Gunst. Gunst/ Lieb und Hold zerrinn’t/ wie bleiche Wasser-Gallen/ Wenn statt des Kernen ihr die Schalen nur gefallen; Und Purper/ welchen nicht die Tugend Bisan’t ein/ 150 Gleicht Blumen/ die zwar schoͤn/ doch aber stinckend seyn. Erwaͤge bey dir selbst: Ob reines Oel kan glimmen Jn Ampeln/ die im Koth verdammter Laster schwimmen? Ob eine Ader sey an Sultan liebens werth; Der wie ein Schein nur noch/ von Unzucht abgezehr’t/ 155 Von Seuchen laß umb irrt? Mein Leib sol Wuͤrmer hecken/ Die Bruͤste Molchen mehr’n/ eh ich mit ihm beflecken Mir Seel und Glieder wil! O Himmel reine Glutt! Der Himmel segne dich/ und staͤrcke deinen Muth/ Der Helden abgewinnt/ Tyrannen uͤberwindet! 160 Wie aber? darf ein Hertz/ das reinen Weyrauch zuͤndet Jn deinem Tempel an/ sich troͤsten deiner Hold? Der Einsamkeit hab ich von Kind-auf wohl gewolt/ Mein Alter ist auch zwar kaum faͤhig suͤsser Flammen; Doch/ wo sie sich vermaͤhl’n mit Tugenden zusammen/ 165 Wo sie fuͤr’m Sultan mich sind maͤchtig zu bewahrn/ So haben sie Gewalt mit Ambren zu gebahrn/ So steh’t mein Hertze dir/ wie itzt mein Antlitz offen. Jch bin entzuͤck’t auß mir! darf ich’s/ mein Engel hoffen? Dir an die Kehle fuͤhl’n/ dich Abgott bethen an? 170 So glaͤube: daß der Fuͤrst dich nicht versehren kan/ So lange Mehemet nicht ist in Staub verkehret. Mein Kuß und Hertze sey dir fuͤr mein Heyl gewehret. Der Schau-Platz verwandelt sich ins Kaͤy- sers Gemach. Ibrahim. Sechierpera. Mufti. Achmet. Capachi-Bachi. K Ein Schif irr’t furchtsamer in Klippen-reicher See/ Wenn Well und Sturmwind es bald tief/ bald in die Hoͤh 175 Wie einen Ball umbwirft; kein bebend Sclave zittert/ Wenn sich auf seine Schuld sein Halßherr hat erbittert/ Jn seinen Fesseln so; auch kein verbrecher nicht/ Der/ wenn der Richter Rach ihm seinen Halß abspricht/ Vom Todes-Angst erstarrt: als mein bestuͤrtzt Gemuͤtte 180 Von Furcht und Hofnung wallt: Ob unsre rechte Bitte Bey Ambren was verfaͤngt. Was hat der Sorgens Noth/ Der/ wo kein Liebreitz hilft/ verstockten durch Geboth B iij Die Die Liebe schaffen kan? Und was kan die versagen/ Die nebst Genieß der Lust mag gruͤnen Sammet tragen? 185 Ach leider! Liebeßzwang schaft Gallen-herbe Luft/ Floͤß’t Wermuth auf den Mund/ und Eckel in die Brust Das Saltz im Lieben ist verwechselte Begierde; Vertauschte Gegenhold. Die Rosen schoͤnster Zierde Verliern den Purper-Glantz/ ihr Bisam der verraucht/ 190 Wenn Gramhaft Eckel sie/ mit kaltem Gift’ anhaucht; Hartneckigkeit kan auch leicht eine Magd ergeben: Daß sie sich einen Korb dem Herren wagt zu geben. Zu dieser Thorheit ist des Mufti Kind zu zart. Auf Rebenstoͤcken waͤchst oft eine Schleen-Arth. 195 Die Anmuth sicht ihr selbst lebendig aus den Augen. Nicht iede Biene kan aus Kraͤutern Honig saugen. Was geht dem Jbrahim an Hold und Liebreitz ab? Wie? daß uns Sisigamb ein sauer Auge gab? Die Augen Ambrens zihn selbst auf die Jagt nach Liebe. 200 Der Himmel ist hier dem oft helle/ jenem truͤbe. Die Niedrigen ist feil/ gib’t Fuͤrsten leichten Kauf. Der Mufti komm’t/ und wil dem Kaͤyser warten auf. Fuͤhr’ ihn herein. Ach! was wird er fuͤr Post uns bringen! Wer Fuͤrsten selbst bringt Post/ sag’t meist von gutten Dingen. 205 Wird Jbrahim vergnuͤg’t durch deine Bottschaft seyn? Was uns der Morgen spar’t/ bring’t oft der Mittag ein. Was? wil dein Kind die Lieb’ auf fernes Ziel versparen? Die Einfalt raͤth’ ihr diß. Der Witz komm’t nicht fuͤr Jahren. So schlaͤg’t si: ihres Herrn Genade gantz in Wind? 210 Jch selbst betrauer’ es: daß sie so taub und blind. Du hast/ verdammter Hund/ sie selbst hierzu verhetzet. Jch sterbe/ hat sie ihr den Kopf nicht aufgesetzet. Mit was entschuldig’t sie so trotze Missethat? Mit dem: daß schon der Fuͤrst fuͤnf Soͤhne lebend hat. 215 Was hat sie uͤber die sich Ursach zu beschweren? Sie wuͤrde Kinder doch dem Tode nur gebehren. Diß Gift hat deine Zung’ ihr selbst gefloͤßet ein. Wo diß versuͤhrlich ist/ so mag’s halß-bruͤchig seyn. Wie/ daß du dich nicht muͤh’st den Wahn ihr zubenehmen? 220 Jch muß des Mahumeds Gesaͤtzen mich bequaͤmen. Entdecke/ mit was Er der Kaͤyser Eh verwarf? Er setzte: daß sein Kind kein Vater zwingen darf. Verfluchter Boͤsewicht! stracks weich’ uns vom Gesichte! Beschimpfung/ Haß und Schmach sind meist des Hofes Fruͤchte. Verteufelter/ sag’s sol die Sebel lohnen dir? Der Sultan ziehe Gnad’ erholter Schaͤrffe fuͤr. Du selbst solst heute noch uns seinen Schedel holen. Der Kaͤyser selbst erweg’: Ob’s Rathsam/ was besohlen. Die Schuld verdient: daß er zerstampt im Moͤrsel sey. 230 Die Stats-Beschaffenheit laͤß’t oft Verbrecher frey. Was ist’s/ daß uns die Hand haͤlt/ und in Schrancken saͤtzet? Weil Volck und Poͤfel ihn fuͤr gar zu heilig schaͤtzet. Noch heiliger sind wir der Muselmaͤnner Haupt. Diß hat dem Mufti selbst den Obersitz erlaubt. 235 Sol unser Hoͤffligkeit beschirmen sein Verbrechen? Man muß auf groͤß’re doch ein linder Urtheil sprechen. Die Würde groͤß’t die Schuld/ und schaͤrft des Richters Schwerdt. Der herschet mit Vernunft/ der nicht zu scharf verfaͤhrt. So sag’ ihm: daß er nicht sol unser Antlitz sehen. 240 Was mir der Kaͤyser schaft/ sol Augenblicks geschehen. Ja. Aber was geschicht/ was Oßman wuͤnsch’t und schafft! Dem Ost und West gehorcht/ dem mangelt Staͤrck und Kraft/ Ein Bier zehn-jaͤhricht Kind liebreitzend zubezwingen! Zu hohen Gipfeln muß man durch viel Muͤh sich schwingen/ 245 Die guͤld’nen Aepfel sind von Drachen meist bewacht! Doch Fleiß/ Gedult und Zeit hat stets zu wege bracht/ Den Lorber-reichen Krantz der Tugend auf zu setzen. Was muͤhstu dich mich noch mit Traͤumen zuergetzen? Wie viel ist noch verspiel’t? des gramen Vaters Wort. 250. Wo wahr ist/ was er ruͤhm’t. Kein Demant wird durchbohrt Durch Amboß-harte Schlaͤg’? Ein Tiger wird gezaͤhmet Durch Glimpf/ mit Faͤsseln nicht. Und liebe wird gesaͤmet Mit Mit linden Saͤften ein. Vergoͤnt’s der Kaͤyser mir; Trau’ ich mir kuͤhnlich zu: die Liebes-Pillen ihr 255 Mit Farben schoͤnsten Gold’s/ nicht Frucht-loß einzuloben. Jm Liebes Becher schwimm’t das Oel des Eckels oben Den Lippen/ welche noch ihr Zucker nicht geschmeckt. Was ist sie/ als ein Kind/ das noch in Schaten steckt? Ein Baum/ auf dem noch nie der Kitzel hat gebluͤhet/ 260. Die Anmuth reif gewest. Jch aber bin bemuͤhet Durch suͤsse Lehren ihr die Knospen auf zu thun; Die Einfalts-Kaͤlte schleust. Auf dir scheint zu beruhn Noch unsrer Seele Heil. Wirstu diß Kind besiegen; Sol Ambre zwar des Nachts in unsern Armen liegen/ 265 Mein Hertze Lebenslang dich aber schluͤssen ein. Jch wuͤnsche so begluͤck’t als muͤhsam hier zu seyn. Der Schauplatz stellet fuͤr des Mufti Gemach. Mufti. Ambre. Ein Mollah oder Vnter-Richter des Mufti. S O geht’s! so finster kan ein heller Tag sich schluͤssen! Wer sich auf’s Gluͤcke lehn’t/ der steh’t auf schwachen Fuͤssen/ Das/ wenn des Hochmuths Wahn baut Schloͤsser in die Luft/ 270 Den Grundstein zum Verterb legt in des Abgrunds Kluft. Diß ist das Eppich-Kraut/ das den zu Bodem reisset Den es umbarm’t und halß’t. Der halbe Weltkreiß heisset Mich heilig/ klug/ beglückt/ und dieses alles kan Nicht helffen: Daß mich nicht Gefahr und Noth stoͤß’t an. 275 Denn Heiligkeit wird meist ein Ziel der Boßheits-Pfeile/ Und kein fuͤrsichtig Witz kan des Verhaͤngnuͤß-Keile; Ja keine Wuͤrde nicht des Hofes Fallbred flihn. Die Wiesen/ die allhier voll Tulipanen bluͤhn Sind Jrrwisch-reiche Suͤmpf’ und Doͤrnrichte Moraͤste. 280 Erst gester’n stand das Rad noch meines Gluͤckes feste; Wahrsagen galt so viel als meine Rede nicht/ Des Sultans Richtschnur war mein Rath/ mein Thun sein Licht. Jtzt werd’ ich so beschimpft/ von Hofeweg gestoßen; Herr Vatet Ach! der Blitz/ wenn Fuͤrsten sich erboßen/ 285 Jst toͤdlich und zermalm’t. Wir stehen in Gefahr/ Des Lebens/ und daß sich der grimme Sultan gar Was aͤrgers wider mich rachgierig darff entschluͤßen Doch Leider! sol auß mir das Kuall des Ungluͤcks fluͤssen? Sol Ambre Moͤrderin der holden Eltern seyn! 290 So tauche der Tyrann eh’ in die Adern ein Die von Blutt fette Faust; und weihe GOtt die Bruͤste/ Eh als der Blutthund sie zum Opfer seiner Luͤste Zu unsern Schimpf erkies’t. Mein hertz-geliebtes Kind/ GOtt gruͤndet Hafen oft/ wo nahe Syrten sind. 295 Gedult heilt oft Gefahr/ ja blosser Zufall machet: Daß ein Verdammter oft noch Richt und Henckers lachet. Ach leider! Elend wird reif/ wenns kaum Knospen krieg’t Und Tugend sih’t sich stets von Boßheit uͤberwig’t. Getrost! die Tugend strahl’t mit ihren Sonnen-Lichte 300 Tyrannen mehrentheils so kraͤftig in’s Gesichte: Daß ihr von Rach’ und Grimm entflammtes Auge blind Das Antlitz schamroth wird/ ihr Geist Vernunft gewinn’t. Zu dem so muß mein Hauß der Infel Wuͤrde schirmen/ Die sich kein Sultan leicht gewagt hat zu bestuͤrmen; 305 Wohlwissende: daß wir der Unterthanen Zaum/ Der Fuͤrsten Schutzbild sind. es saget mir mein Traum Mein bebend Hertze wahr; wie er auf ihn wird wuͤtten; Denn Rache pfleg’t den Feind mit Flammen zubeschuͤtten/ Sol gleich ihr eigen Hauß gerathen in den Brand. 310 Und mir bluͤht Schimpf und Schmach. Wo ich des Vatern Hand Nicht trostloß kuͤssen sol/ und seine Knie umbfangen/ Wo ein gehorsam Kind kan thraͤnend was erlangen/ So trau/ Herr Vater/ er so truͤben Wolcken nicht/ So rett’ er mich sein Kind/ eh als der Blitz loß-bricht; 315 So laß’ er heute noch mich nach Medina flihen. Geluͤbd’ und Andacht laͤßt sich leicht bey’m Sultan ziehen B jv Zu Zu scheinbar’m Vorwand an. Jch wil gleich muͤhsam seyn Zu sorgen fuͤr dein. Herr/ der Groß-Vesier wil ein. Was bringt der? fuͤhr ihn her. Dir ach! den Tod/ mir Ketten. 320 Laß Hertzhaft und ersreu’t uns ihm entgegen tretten. Achmet. Mufti. Ambre. Jch komme Freund/ zu dir sorgfaͤltig fuͤr dein Heil. Wer frembdes foͤrdert/ hat am Himmel schon ein Theil. Wer seines nicht verschmaͤh’t/ muß gutten Rath nicht hassen. Der andern raͤthet/ wird ihm selbst ja rathen lassen. 325 Ein Mittel waͤre noch fuͤr seine Wolfarth dar. Was ist’s/ das Felsen sol/ und was ist’s fuͤr Gefahr? Die hat Fuͤrst Jbrahim/ und jenes du in Haͤnden. Eroͤfne: was er dreu’t/ und was die Noth kan wenden. Bestille seinen Zorn und liefer ihm dein Kind. 330 Weiß Achmet/ was zu thun die Vaͤter maͤchtig sind? Weiß Ambre Mahumets sein zweytes Grund gesetze? Sey sicher: daß ich es fuͤr meine Richtschnur schaͤtze. Wie daß auf’s Vatern Heisch sie nicht den Sultan lieb’t? Weil mein Geluͤbde mir hier ein Verboth abgibt. 335 Laͤß’t durch Geluͤbde sich Gesetz und Folg aufheben? Geluͤbden duͤrffen nicht die Eltern wider streben. Staͤrckt boͤse Kinder man mit solchem Lehren noch; Der Eltern Herrschaft heg’t kein Sclaven-gleiches Joch. Jhr beyde solt alsbald den Eigen-Sinn berenen. 340 Wer nach der Tugend wall’t/ laͤß’t sich kein Donnern scheuen. Wer Blitz in Streit außtagt/ der wird in Staub geleg’t. Oft wird der Keil zerschell’t/ wenn er nach Felsen schlaͤg’t. Mein’t Mufti dreuende des Sultans Arm zu pochen? Auch der geduldig faͤllt/ wird oftermals gerochen. 345 Wenn hohe Haͤupter fall’n so starr’t des Poͤfels Muth. Auß einer Huͤtt entspringt oft eine grosse Glutt. So sol und wil dein Kind nicht unsern Groß-Herrn lieben? Es ist ihr unverwehr’t/ doch nichts nicht fuͤr geschrieben. Der Kaͤyser heisch’t von mir vergebens Lieb und Lust. 350 So wisse Mufti denn: daß du nicht/ bey verlust Des Kopffes/ iemals solst in’s Sultans Antlitz kommen. So wird die Wuͤrde mir des Priesterthums genommen? Bescheide selber dich nach deiner Priester Rath. Jch eile neben dir diß/ was der Sultan hat 355 Fuͤr Urtheil mir gefaͤll’t/ umbstaͤndlich zu entdecken. Laß sie und die Vernunft dir bessern Rath erwecken. Wo zielt/ O Himmel/ noch so rauer Sturmwind hin? Solt’ auch durch diesen Schlag des Sultans steinern Sinn Enthaͤrtet worden sein? Ach nein! die schlaue Schlange 360. Weiß: daß ihr Gift die Kraft zu toͤdten erst empfange/ Wenn es durch schnellen Stich mit Blutte wird vermeng’t. Ein Panther der in Sur die Pilgramer ansprengt/ Raubt nicht den Mantel nur/ er setzet Zahn und Klauen Jn Fleisch und Gliedern ein, So werd’ auch ich noch schauen: 365 Daß nach beraub’ter Wuͤrd’ auch unser kaltes Blutt Sein Gift wird feuchten an/ und seines Eyfers Glut Mit unsern Leichen kuͤhln. Doch/ das Verhaͤngnuͤß gebe: Daß ich so sterben koͤnn’/ und nicht zur Schmach ihm lebe. Der Tod ist kein Verlust/ wo Tugend/ Ehre/ Ruhm/ 370 Gewien des Lebens ist. Der Tod ist’s Eigenthumb Und’s Ende der Natur; nicht der beseelten Straffe. Jch lache dieser Wahn/ die sich fuͤr diesem Schlaffe Wie fuͤr Gespenstern scheu’n/ nicht glaͤuben: daß der Tod Der Leiber Schatten sey; Die unsre Sterbens-Noth 375 Gleich als vermeidlich flihn. Mich troͤstet mein Gewissen: Den Frommen lasse sich das Fenster nicht verschluͤssen/ GOtt auß dem Schatten auch des Grabes an zu sehn. Den Boͤsen koͤnne nur im Sarge weh geschehn/ Jhr Jhr Leib zerquetschet seyn. Wer diese Weißheit fasset/ 380 Sth’t/ wenn er durch den Pfeil des Himmels selbst erblasset/ Ein Wuͤtterich auf ihn das Moͤrder-Eisen schleifft/ Wenn Felsen auf ihn fall’n/ der Abgrund nach ihm greift Tod/ Pein und Hencker an mit starrendem Gesichte. Wohl! Ambre fuͤhlestu/ mit was fuͤr reinem Lichte 385 Des Himmels Guͤttigkeit die zarte Seel erhe’llt? Wer heilig leb’t/ schmeckt schon den Himmel in der Welt. Ambre. Sechierpera. Ja! sie kan/ wenn sie wil/ das Paradiß hier schmecken. Hilf Gott! Sie hat fuͤr mir nicht Uhrsach zuerschrecken. Wo komm’t die Gnad uns her: daß sie diß Hauß such’t heim? 390 Die Biene suchet Klee und fleuch’t nach Honigseim. Was ist fuͤr Suͤssigkeit bey mir fuͤr sie verborgen? Man sih’t die Bienen auch fuͤr ihrem Koͤnig sorgen. Fuͤr wen/ und was hol’t sie fuͤr Bienen-Zucker hier? Fuͤr unsers Sultans Mund/ der so sehr laͤchst nach ihr. 395 Kein solch schlecht Maͤgd’gen kan so einen Herrn ergetzen. Es ist der Demuth Arth sich selbst veraͤchtlich schaͤtzen. Mein bloͤdes Auge weiß von Liebes-Blicken nicht. Wir: daß auß ihrer Nacht entzuͤndend Blitz außbricht. Kein Scharlach bluͤm’t den Mund/ kein Purper deck’t die Wangen. 400 Wir sehn’s: daß beyde ja wie Morgen-Rosen prangen. Dem Athem fehl’t Zibeth/ die Bruͤst ist Perlen-leer. Hier brenn’t lebendig Schnee/ dort quillet Bisam her. Was sol die/ die der Fuͤrst selbst nie geseh’n hat/ taugen? Die Zung ist’s Hertzens Both/ und Leiterin der Augen. 405 Welch eine leitet denn des Sultans Aug auf mich? Die dich itzt preiß’t/ und sich hat laͤngst verlieb’t in dich. Du hast mich schoͤner ihm/ als ich bin/ fuͤrgemahlet. Von dir wird iede Farb und Lob-Red uͤberstrahlet. Die Liebe weisser Haut ist ein bald fallend Stern. 410 Jn schoͤnen Gliedern steckt ein schoͤner Seelen-Kern. Wer nur den Augen glaub’t/ umbarm’t oft todte Schatten. Solln Pfau und Tauben denn sich mit den Eulen gatten? Der Bien und Ameiß Fleiß sticht Pfauen-Federn weg. Sie Ambre sucht in sich vergebens Narb und Fleck. 415 Jedweder kenn’t an sich am meisten die Gebrechen. Jm Lieben darf nur der/ der lieb’t/ den Wahl-spruch sprechen. Man sprich’t umbsonst fuͤr die/ die gar nicht lieben kan. Wie mag ihr Ambra wohl dich/ Ambre/ stincken an? Wer Tugend-Raute pflantz’t/ laͤß’t andern Lust-gebluͤme. 420 So glaub’stu: daß sich’s gar zu lieben nicht gezieme? Nicht Ambren/ die sich laͤngst verlob’t der Keuschheit hat. Wer gib’t Einfaͤltige/ dir diesem albern Rath? Die Tugend hat in mir selbst dieses Ziel gestecket. Ein Kind wirff’t Zucker weg/ das Zucker nie geschmecket. 425 Diß Blumwerck decket Molch/ und dieses Zucker Gift. Was ist hier giftiges; daß die Verliebten trift? Der Seele Schoͤnheit wird beflecket und verzehret. Hat nicht die Lieb ein Weib in Morgenstern verkehret? Jhr Buhle Maroth biß’t in Bebils Pfule noch. 430 Kost einmal suͤsses Kind/ so suͤsse Speisen doch! Diß Gift ist’s toͤdlichste; das gar nicht bitter schmecket. Glaub’s: daß kein Stachel nicht im Wollust-Honig stecket. Die Geilheit frist sich selbst mit stetem Hunger ab. Sey sicher: daß solch Durst selbst Nectar in sich hab? 435 Ein keusches Hertz ist ihm selbst eine suͤsse Speise. Du lab’st mit Eckel dich/ und waͤrmest dich mit Eise. Dem schmecket Wermuth-Saltz/ dem andern Fenchel wohl. Du bist fuͤr Wahnwitz blind. Jch sehe was ich sol. Du bist dir selber gram/ und hassest/ was dich liebet. 440 Der lieb’t sich nicht/ der sich der Brunst zum Sclaven gibet. Sag’s/ ob die/ die beherꝛscht den Kaͤyser/ Sclavin sey? Die Sultaninnen gehn in guͤld’nen Fesseln frey. Solch guͤlde Keficht sind Zierde/ keine Banden. Jn meiner Freyheit ist unschaͤtzbar Gold verhanden. Des 445 Des Sultans Liebe schenckt ihr eine Kaͤyser-Kron’. Mein Haupt prang’t von Natur mit guͤld’nen Kraͤntzen schon. Der See’ und Syre wird ihr Seid’ und Purper schicken. Genung! daß beyde schon Gestalt und Seele schmuͤcken. Der Sultan/ der sie lieb’t/ ist Seid- und Purper-schoͤn. 450 Der Schoͤnheit Augenlust heg’t Blumen/ die vergeh’n. Sie steh’n im Fruͤhlinge noch/ und in frischen Bluͤthen. Ja! wenn auch Scham und Zucht auf solchen Rosen gluͤth’en. Was miß’t dem Kaͤyser sie fuͤr Liebes-Maͤngel bey? Diß: Daß sein heutig Schatz sein Greuel morgen sey. 455 Er wird dich biß in Tod als Liebes-Goͤttin ehren. Der Wechsels ist gewohn’t/ wird auch bey mir aufhoͤren. Er bannet wegen dein sonst’ all auß seiner Gunst. Was saltzicht von Natur/ versuͤsset keine Kunst. Dein allzuscheler Trieb laufft wider das Gesetze. 460 Wer schilt? daß frembde Kuͤß’ ich mir fuͤr Eckel schaͤtze? Der Fuͤrst hat sattsam Oel zu deiner Ampel noch. Einfaͤlt’gen Kindern sind die Reden allzuhoch. So Kindisch war auch ich. Jtzt kan ich selber lehren. Jch wil was zuͤchtigers in bessern Schulen hoͤren. 465 Sol keine zuͤchtig seyn/ die Fuͤrsten sich verspricht? Sie lieben Geilheit meist/ die Fuͤrsten selber nicht. Dir eckelt fuͤr dem Safft/ der’s Paradiß ansuͤsset. Ach! daß ihr ihn allhier nur unverfaͤlschet liesset! Was mischet Jbrahim fuͤr schlimmen Beysatz ein? 470 Sind seine Flammen nicht unfruchtbar Sonnenschein? Du wirst von dieser Sonn’ ein fruchtbar Monde werden. Solch fruchtbar-seyn gebier’t den Tod und viel Beschwerden Sih’t eine Mutter nicht an ihren Kindern Lust? Die nicht dem Tode saug’t ein Opfer an der Brust. 475 Die in der Wiegen schon Gold/ Sammet/ Purper decket? Mit derer Blutte sich der Herrschende beflecket. Die Bruͤder uͤben mehr so raue Stattsucht nicht. Wie/ daß denn Amurath die Kinder selbst ersticht? Ließ er den Jbrahim als Bruder nicht beym Leben? 480 Der muste/ biß er starb/ in finsterm Kercker schweben. Der Bruder Achmet that dem Mustasa kein Leid. Des bloͤden Wahnwitz war des Albern Sicherheit. Eh er bloͤdsinnig schien/ schwur er ihm hold zu sterben. Doch dem geruͤckten Pfeil solt’ einst sein Blut schon faͤrben. 485 Vom Himmel ward der Schluß durch Zufall ihm verruͤck’t. Er blieb biß Achmet starb/ ein Dervis und bestruͤckt. Wie daß er dem/ und nicht dem Oßman ließ die Krone? Durchs Brudern Thorheit sucht er Ansehn seinem Sohne. Ach! daß in Urtheiln man oft so sehr ferne geh’t! 490 Wie lang’ ist’s/ alß so fiel Orcan und Bajazeth? Wird diß fuͤr Bruder Mord des Amuraths geachtet? Die Mutter hat sie ihm aufs Siegsfest abgeschlachtet. Du wirst als Sultannin der Kinder Schutz-Frau seyn. Die Ohnmacht schleust mich selbst unsichern Schrancken ein. 495 Den Sultanninen muß der Fuͤrst oft selbst nachgeben. Halff Amurath nicht einst wohl hunderten vom Leben? Jst/ wer im Staube lieg’t/ vor’s Sultans Herꝛschafft frey? Der Blitz schlaͤg’t Zedern eh’/ als Myrtenstraͤuch entzwey. Auf dein verstocktes Hertz wird er bald Hagel schneyen. 500 Geduld kan Flamm und Eiß/ wie Strausse Stahl/ verdeien. Trotz gib’t der Marter nach/ Witz wehl’t fuͤr Eisen Gold. Lacht’ eine Selavin nicht des Machmets Schwerd und Hold? Man siht zu Negropont der Naͤrrin Blut noch kleben. Jhr gut gedaͤchtniß sich biß zu den Sternen heben. 505 Dein Wahnwitz wird verschmaͤh’t/ dein Lohn ein Sebel seyn. Mein Engel/ rede mir nicht mehr vergebens ein. Jch kan/ und wil/ und sol den Jbrahim nicht lieben. Wilst aber du mein Licht/ mit der Erbarmung uͤben/ Die dich verlieb’t umbhalß’t/ ja dir zu Fusse faͤll’t/ 510 Die dich fuͤrs Sultans Hertz/ und ihren Engel haͤlt/ Wirstu/ wie du vermagst/ die schwermende Begierde/ Dem Sultan reden auß/ den Schatten meiner Zierde Vernuͤnfftig bilden fuͤr/ so sol die milde Hand Dir hier stets offen stehn. Nimm diesen Diamant Jtzt 515 Jtzt nur zum Zeichen an. Ja unsers Himmels-Segen Wird fuͤr solch heilig Werck dir ewig Heil zulegen! Mein Kind/ diß ist ein Wunsch kaum moͤglich zu vollziehn. Wer sich des Suldans Brunst zu daͤmpfen wil bemuͤhn/ Der geust ins Feuer Oel/ flutt auf entgluͤhte Steine. 520 Doch/ weil ich es mit dir so gut und hertzlich meyne/ Du meiner Seelen Trost/ mein Augen-Apffel bist; So wil ich/ was mir nur Beredsamkeit und List Wird rathen/ mit Gefahr selbst meiner/ fuͤr dich haudeln. Vernunfft kan Stahl in Wachs/ und Glut in Schnce verwandeln. Reyen Der Wollust. Der Begierde. Der Schoͤnheit. Des Geitzes. Der Ehrsucht. Der Schande. Der Gewalt. Der Keuschheit. Der Maͤssigkeit. Der Vernunfft. Der Großmuͤhtigkeit. Der Demuth. Der Hoffnung. Der Gedult. 525 K Omm’t kroͤnet mich mit Palm- und Lorber-Kraͤntzen/ Jhr Heldinnen/ ihr Werckzeug meiner Macht! Nachdem ihr nun die Welt an allen Graͤntzen Mir unter’s Fahn/ ja untern Fuß gebracht. Wie weit der heisse Hundsstern schwaͤrtzt die Mohren; 530 Der kalte Beer schnee-weisse Thiere bleicht/ Bin ich zur Seelen-Koͤnigin erkohren/ Fuͤr welcher man die Segel willig streicht. So Pflug als Helm/ so Kron als Jnsel muͤssen Die Bahne pflastern meinen zarten Fuͤssen. 535 K Omm’t/ Schwestern/ kraͤntz’t die Goͤttin aller Seelen? Baut ihr zu Lieb ein ewiges Altar/ Die Molche schleppen Gold auß ihren Hoͤlen/ Die Schnecke reicht die purpur Muscheln dar; Die Fische bringen Perlen und Corallen; 540 Der Sand der See zinß’t Demant und Rubin; Die Felsen opfern Berg-Blau und Chrystallen/ Die Wiesen geben Rosen und Jaßmin; Ja/ seit dem sie der Himmel schmecken lernen; So neig’t er ihr zum Krantze seine Sternen. 54 J hr Tugenden/ ihr himmlischen Geferthen; Seh’t ihr so viel der thoͤr’chten Circe nach? Was stifftet sie mit ihren Zauber-Gerthen Auff meine Schaar fuͤr neues Ungemach? Wil sie ihr Haupt mit meiner Krone schmuͤcken? 550 Eilt! brecht den Stab der Zauberin in Stuͤcken! Die W As bildet ihr der albern Sclaven Goͤtze/ Die Henckerin einfaͤltger Seelen ein? Dein Priester selbst faͤllt uͤber dein Gesetze/ Und stoͤß’t den Fuß an deiner Taffeln Stein. 555 Wenns eine wagt auß meinen Dienerinnen/ Wird sie dir leicht den Siegs-Preiß abgewinnen. K Om̃’t/ ruͤstet euch/ die ihr vom Ansehn Zwerge/ Doch Riesen seit in Wercken/ fuͤr mich auß! Kom̃t/ Schwestern/ kom̃t und lehrt die stoltzen Berge: 560 Daß meist ihr Brut sey Maulwurf oder Mauß. Lasst aller Welt durch euren Kampf beybringen: Die Keuschheit sey unmoͤglich zu bezwingen. M Ein nackter Arm siegt ohne Wehr und Wassen Der Keuschheit ab; und nim̃t das Hertz ihr ein. 565 Mein Kitzel macht: das Witz und Geist entschlassen/ Wenn sie schon mehr als Argos aͤugicht seyn. Mein Sieg ist mit der Welt in gleichem Alter. Von Adam her stam̃t meines Stachels Trieb. Was fleischlich ist/ ist meiner Satzung halter/ 570 Die die Natur in Fleisch und Adern schrieb. Wenn die sich nur durch sanften Kitzel regen/ Mustu den Krantz zur Wollust-Fuͤssen legen. W As die Natur mit ihrem Finger preget Und schreibt auf die zwey Taffeln Fleisch und Blut; 575 Wenn Boßheit nur nicht giftig Holtz anleget/ Jst reiner Trieb/ und ungefaͤlschte Glut. Wil auch gleichs Fleisch/ durch luͤsterne Begierde Zu Brunst gereitzt/ sich wider sie empoͤrn/ Die Mutter ist und Goͤttin rein’ster Zierde; 580 So wird doch bald/ wenn ich in meinen Roͤhr’n Dein Gist leit ab/ den Zunder boͤser Bruͤnste; Der Wollust Glantz verkehrt in Rauch und Duͤnste. W O Fleisch auß Schnee/ Blut ist auß Eis gemachet/ Wo Maaße wiegt die Nahrung tropfen-weis. 585 Und der Natur ihr Reitz wird außgelachet; Zerschmeltzt mein Strahl auch Zembla-gleiches Eis. So bald mein Oel ins Auge wird getroͤpfet/ Fuͤhlt’s Hertze; wie mein Schwefel brennen kan. Wenns Alter auch schon Davids Saft abzoͤpfet; 590 Steckt Betsabe doch ihn im Wasser an. Laß einen Blick nur auf mich Sonne schuͤssen/ So wird dein Schnee in Liebes-Oel zerflissen. D Je Keuschheit sieht fuͤr Asch und todten Zunder Die Schoͤnheit Strahl’n durch diß mein Schauglaß an. 595 Wohlwissend: daß ein Außbund aller Wunder Bald ein faul Aaß und Madicht werden kan/ Daß Raupen an Granaten-Aepfeln kleben Daß toͤdtend Gift der Schoͤnheit Mitgift sey. Laß Laß Phrynen buhl’n/ zur Wollust Anlaß geben/ 600 Xenorates bleibt kalt und keusch und frey. Ja Keuschheit sihet mit Adler-scharssem Auge: Daß ener Jrrwisch nicht zum Leit-Stern tauge. Z Erschmeltzet nicht fuͤr diesen Anmuths-Blicken Der Unlust-Brand- und Honig-leeres Wachs; 605 So wird mein Garn die schlane doch beruͤcken/ Zu dem mein Arm nimmt Seid’ und guͤld’nen Flachs. Laß Danaen in Fels’ und Thuͤrme schluͤßen/ Den keuschen Leib mit Schloͤssern sperren zu/ Wenn Jupiter laͤß’t guͤldne Regen fluͤßen/ 610 Jst nichts/ was sie ihm nicht zu Liebe thu’. Wie magstu nun in nackter Unlust leben? Wer kan so viel Geharnschten widerstreben? M Agstu dich wohl/ ohnmaͤcht’ge Feindin wagen/ Der Keuschheit Fed’ und Kampf zu bitten an? 515 Laß Ambren Schaͤtz’ und guͤld’ne Berg’ antragen/ Schau’/ ob dein Reitz an ihr was fruchten kan. Großmuͤthigkeit lach’t derer/ die ihr wollen Mit Koͤrner-leer- und tauben Hilsen stren’n. Die Beeren/ die die Vogel kirren sollen/ 620. Die muͤssen voll/ nicht leere Schalen seyn. Drumb steck itzt ein die Waffen/ die nur Pfeile Vom Bleye sind/ und waͤchs’ne Donner Keile. W O Zierd’ und Gold sind glaͤsernes gewehre/ Da brech’ ich durch mit Lantzen meiner Hand. 625 Mein Ziel-zweck steckt bey dem Gestirnten Baͤere/ Jch mache Perl’ und Diamant auß Sand. Die Kronen sind mir Bohnen gleiche Sachen/ Doch zuͤnden sie erfror’ne Seelen an. Jch bin es/ die gestirnte Jungfrau’n machen/ 630 Auß Selavinnen Princessen schaffen kan. Der Werckzeug ist der Zunder fuͤsser Flammen. Wilstu nun nicht sie ehren/ dich verdammen? L Aß/ Goͤttin/ mich den Seiden Wurm vertilgen; Der Seide zwar/ doch nichts als Graͤber spinn’t/ 635 Entferne dich von unser Goͤttin Lilgen! Weil deine Kost nur Maul-Beer-Blaͤtter sind. Versuche nur an Ambren ihrem Kinde. Ob ihr diß Gift/ dein Bisam bringet ein; Was sie fuͤr Lust am guͤldnen Pofist finde; 640 Ob Zepter ihr nicht faule Fauden seyn. Ja wo man siht den Stern der Demuth stehen/ Muß Ehrensucht und Wollust untergehen. V Erspiel’t der Glimpf so holder Buhlerinnen/ So sol mein Blitz dir fahren durch den Sinn. 645 Dein Schnee sol bald befleck’t seyn von den Spinnen/ Ja Kefer Koth schmier’n an den Lilgen hin. Verlasse dich nicht auf der Unschuld Schatten/ Die Kroͤte saug’t auch auß Jasminen Jaͤscht. Jch kan die Schmach mit reinster Tugend gatten/ 650 Ja Ehr und Ruhm wird von mir außgelesch’t. Hier hab’ ich schon den Pinsel dich zu schwaͤrtzen; Wo du mehr jag’st die Wollust auß dem Hertzen. C Die E Jn keuscher Geist/ ein Schwanen-rein Gewissen Bleib’t weiß/ wenn ihm Verleumbdung gleich bespritz’t. 655 Laß Mißgunst Pech/ Neid Unflat auf sie gissen/ Die Kenschheit weiss durch Hofuung sich beschuͤtz’t. Ein Joseph jauchz’t in’s geilen Weibes Banden/ Susanna lacht des Ehbruchs Schandfleck auß. Die Hofnung ist ein Pflaster fuͤr die Schanden; 660 Ja endlich faͤll’t Verlaͤumbdung gar in Grauß. Was sol ihr nun grau’n fuͤr gemahlten Flecken? Die Sternen gluͤh’n/ wenn sie die Nacht wil decken. W Enn alle Pfeil’ als stumpf zu ruͤcke prellen/ Kein Sturwind ihr den Mastbaum brechen kan; 665 Sol meine Faust die stoltze Zeder faͤllen. Jhr Hencker setzt ihr glimme Zangen an! Ja/ daß sie sich nicht sterbend Jungfrau heisse/ So reisst ihr Hencker/ sie zur Nothzucht hin/ Acciolin beflecket seine Weisse/ 670. Brich Jbrahim so auch der Ambrens Sinn! Was weiß dein Trotz fuͤr Blumen nun zu ruͤhmen; Wenn Maͤchtige dich mit Gewalt entbluͤmen? D Er Hencker brenn’t der Keuschheit nur zu gutte. Denn die Gedult verzuckert Gall’ und Gift. 675 Die Palmen bluͤhn auß Erichs Tochter Blutte/ Wenn schon ihr Haupt des Machmets Sebel trift. Ja Keuschheit sieg’t durch mich an Rost’ und Pfale. Wird auch der Leib gleich mit Gewalt entehr’t. Wenn Keuschheit ist frey von dem Seelen Mahle/ 680 Hat Tyranney kein haarbreit sie versehr’t; Der Blutthund zwar kan Ambrens Leib verderben; Doch wird die Seel in Ambren Jungfrau sterben. K Omm’t/ Schwestern/ kraͤntz’t die Goͤttin reiner Hertzen/ Die Stahl und Gold und Zauberey besigt. 685 Brenn’t/ Menschen/ ihr in allen Seelen Kertzen/ Bring’t Palmen der/ die Helden uͤberwigt. Ein Simson kan zwar uͤber Riesen siegen/ Doch bindet ihn der Delile Betrug. Wo Ehren-Pfeil’ und guͤldne Kugeln fluͤgen/ 690 Verspiel’t oft der/ der eisern Kriegs-Volck schlug/ Die Keuschheit aber stuͤrtz’t durch unsre Haͤnde/ Fleisch/ Schoͤnheit’s-Reitz/ Geitz/ Ehrsucht/ Schande/ Braͤnde. Die dritte Abhandlung. Der Schau-Platz stellet fuͤr einen Lust-Garten. Ibrahim. Mehemet. W As hat denn Kiosem bey uns zu bringen an? Sie bittet thraͤnende/ was eine Mutter kan: Der Sultan wolle sie so sirenger Haft entlassen. Nein! es sol Kiosem in’s Kerckers Nacht erblassen. 5 Der Fuͤrst behertzige: daß sie die Mutter sey. Der Faden des Gebluͤtt’s reiß’t durch den Haß entzwey. Sie Sie schwer’t: daß sie ihn mehr/ als ihre Seele liebet. Wie/ daß sie uns zur Pein so schlimme Laster uͤbet? Sie sag’t: Ein gutter Artzt brauch oft Pfrim/ Seg’ und Glutt. 10 Zu was war ihr der Mord der schoͤnen Riesin Gutt? Den Sultan auß der Hand der Zauberin zu reissen. Sol Anmuth Zauberey der Moͤrderin noch heissen. Wer auß Verdacht verbricht/ kan noch entschuͤldig’t seyn. Jhr Ehrgeitz bließ diß Gift/ den Meuchel-Mord ihr ein. 15 Wer muß zu weilen nicht auf diesem Eise gleiten? Sie stimm’t auch wider uns der Sisigamdis Seiten. Vorschaͤtzende: sie sey des Kaͤysers Hold nicht werth. Die Schaͤtzung stehet zu dem/ der den Schatz begehr’t. Die nassen Augen sind ein Spiegel ihrer Reue. 20 Glaub’s: daß der Crocodil mit seinem Weinen dreue. Die Thraͤn’ Olympiens Zwang Alexanders Grimm. Er eyfert’ Jrrthumb nur/ den Vorsatz Jbrahim. Jch gebe gerne nach: daß sie sich hoch verbrochen/ Daß min’dre Schuld oft sey mit groͤffer’m Ernst gerochen; 25 Daß eure Majestaͤt hier Gnad’ ertheil’t fuͤr Recht: Allein’/ im Fall sich darf ein unvermoͤgend Knecht Unstrafbar untersteh’n den Sultan umb Genade Fußfaͤllig anzuflehn; Glaͤub’ ich: der Kaͤyser schade Sich selbst und seiner Ruh/ durch all zu harten Spruch; 30 Er pflantz’ ihm Ruhm und Heil/ wenn er fuͤr schmertz und Fluch Der Mutter Segen wehl’t. Die Straffe weicht der Guͤtte. Die Sonne theil’t ihr Licht auch rauen Voͤlckern mitte/ Die sie mit Fluch anspruͤ’n/ wenn sie zu Golde geht; Auch regnet’s Schwefel nicht stets/ wo ein Sodom steh’t; 35 So wolle denn der Fuͤrst hier auch mein Bitten segnen. Die Wolcken/ die manchmal Blitz/ Hagel/ Schloßen regnen/ Thau’n doch meist Fruchtbarkeit. Thun Muͤtter uns einst weh; So ist’s ein Leffel Schmertz/ der ihrer Wolthat See Doch nicht erschoͤpffen kan. Wie sollen die uns hassen/ 40 Die ewig uns ins Hertz/ in Leib neun Mohnden fassen? Die uns zur Speis ihr Blutt/ ihr Leben in Gefahr Des Todes setzen auf?, Sol die/ die ihn gebahr/ Jn Kercker seyn gesperrt? Wil er die Sonn umbschatten/ Die ihm gab’s erste Licht? Wil er nicht Raum verstatten 45 Dem Lor berbaume/ der fuͤr Blitz ihn hat bedeckt? Der Sultan weiß das Ziel/ das Amurath gesteckt Den Baßen hatte fuͤr/ ihr eydliches Versprechen: Sie solten ihm den Halß im finstern Kercker brechen/ Statt sein den Tarter Cham zum Kaͤyser setzen ein. 50 Wer kont als Kiosem alldar sein Ancker seyn? Sie brauchte Bitt’ und Trotz/ drang durch mit Muͤh und Witze/ Ja setzte Blutt und Gutt und Leben auf die Spitze/ Biß sie den harten Sinn der meisten Bassen brach/ Und man dem Jbrahim des Oßmans Stul zusprach; 55 Drauf opferte sie ihm des Brudern warme Leiche/ Brach seinen Kercker auf/ gebahr ihn so zum Reiche Noch einst/ der vor von ihr zur Welt gebohren war. Jhr Frey-seyn setz’t uns selbst in Unlust und Gefahr. Jhr itzig Fehler wird forthin zur Lehr’ ihr dienen. 60 So sey’s denn! doch wird sie sich nur noch einst erkuͤhnen Vorwitzig zu vergehn/ so sol der Kercker nicht/ Der Strang ihr lohnen ab Jch buͤrge fuͤr, die Pflicht Der Mutter/ und sie selbst wird ihm fußfaͤllig dancken. Zwar Kiosem wird frey! wir aber stehn in Schrancken! 65 Sie mach’t sich loß von uns! und uns bestrick’t ein Kind! Uns/ die wir zwischen Thuͤr und Angel leider sind! Uns/ die wir voller Furcht nur noch von Hoͤfnung leben; Biß Sechierpera Trost oder Tod wird geben. Ibrahim. Sechierpera. Was bring’siu uns/ mein Trost/ Vergnuͤgung oder Pein? 70 Durch einen Schlag kan nicht ein Baum gefaͤllet seyn. So laͤß’t/ hilf Himmel! sich die rane nicht bewegen? Des Kindes Wahnwitz wird sich mit der Kindheit legen. C ij Schlaͤg’t Schlaͤg’t sie mit Trotze denn des Sultans Lieb’ in Wind? Sie ruͤhmet seelig die/ die selbter faͤhig sind. 75 Wie? stoͤß’t sie denn von sich die Seeligkeit mit Fuͤssen? Sie wil sich Mutter nicht gefaͤhrter Kinder wissen. Was mahlet ihr die Furcht fuͤr Todes-Larven fuͤr? Des Sultans Soͤhne sind ergrimmte Loͤwen ihr; Die ihrer Kinder Fleisch in Stuͤcke reissen wuͤrden. 80 Darumb so sey ihr Schluß: fuͤr Thron und Gold die Huͤrden/ Fuͤr Wollust Fessel/ Strick/ und Sebel zuerwehl’n/ Als nebst dem Sultan ihr auch Hencker zuvermaͤhl’n. Sol Jbrahim von ihr sich aber henckern lassen? Sol er des Nachts im Traum’ ihr zaubrisch Bild umbfassen/ 85 Des Tages saͤufzende wie Sclave fuͤr ihr knien? Mit iedem Athame Hertzklopffen an sich ziehn? Und durch die Hellen-Pein nicht ihre Gunst erwerben? Ja unvergnuͤg’t vergehn’/ und unbeseligt sterben? Großmaͤcht’ger Herr und Fuͤrst. Holtz/ das bald Feuer faͤng’t 90 Haͤlt lange Kohlen nicht. Der Hund’sstern/ welcher saͤngt Laub/ Graß und Blumen weg/ hat wenig Frist zu brennen. So wird der Seelenbrand sich auch des Sultans trennen Durch Zeit/ Vernunft/ und Witz. Jch selber muß gesteh’n: Auch schlechte Blumen sind den weiten Augen schoͤn/ 95 Das Wasser schein’t Scarlat in fernen Regenbogen; Der Ambre Schoͤnheit hat entfernnt mich mehr gezogen Als sie mich nahe zeucht. Und/ wo ich urtheiln kan/ So stehet Ambre nicht dem grossen Sultan an. Ach! Leider/ ach! diß ist kein Pflaster unsern Schmertzen! 100 Die Seisse tilget nicht das Bildnuͤß auß dem Hertzen/ Die deine Zunge selbst preg’t unser Seelen ein. Wie mag die Goͤttin dir nunmehr veraͤchtlich seyn/ Der Weyrauch war zu schlecht/ und Balsam zu geringe? Des Menschen Vorwitz faͤll’t oft auf nichts-werthe. Dinge/ 105 Begierde greifft so bald nach Mah’ und Distel-Bluͤth’ Als Tulipen und Klee. Wenn man zu erst ersiht Auch ein geringes Licht/ verblaͤndet’s das Gesichte. Jch schwere; grosser Fuͤrst: daß itzt mit minderm Lichte Mir Ambrens Antlitz spiel’t. Der Strahlen Unruh reg’t 110 Der Angen Uhrwerck nicht; Jhr Mund vermaͤhlt und heg’t Mit den Granaten nicht den Anmuths Reitz zusammen. Der Bruͤste Schneeberg ist kein Eina/ weil von Flammen Die Gipfel unbekroͤn’t; ja kein tief Athem schwell’t Die lassen Baͤlg’empor. Der Wangen Lilgen-Feld 115 Jst allzusehr mit Roͤth und Rosen uͤberstreuet. Schweig Sechierpera! denn unsre Seel’ erfreuet/ Und unser Aug’ entzuͤck’t viel/ was du Maͤngel nenn’st. Weil du das Zaubern nicht der bloͤden Augen kenn’st/ Den Balsam nicht geschmeckt/ der von entflammten Wangen 120 Und ernsten Lippen schmiltz’t; Du hast uns mehr gefangen/ Mehr unser Hertz verstrick’t; nun du uns hast vernein’t Des Garnes zubefrey’n: Welch Unstern aber schein’t Von dem Verhaͤngnuͤß’ uns? daß unsrer Seele Braͤnde Bey ihr nur Eiß gebehr’n? Auf! laß durch eig’ne Haͤnde 125 Den Tham/ an welchem sich ihr Strom der Liebe stoͤß’t/ Von Grund-auß reissen ein! die Wurtzel/ die uns floͤß’t Nur Gall ein/ rotten auß/ was uns entseelt/ entsecelen. Der Schauplatz verwandelt sich in der Sulta- ninnen Spatzier-Saal. Fatima. Alima. Hagar. Kiosem. Sisigambis. des Ibrahims mit der Fatima und Alima erzeugte fuͤnf Soͤhne/ Machmet. Bajazeth. Murat. Orcan. Suleiman. S Chan’t/ Schwestern/ welch ein Licht steig’t auß so finstern Hoͤlen. Die grosse Sultanin/ die Jbrahim verschloß/ 130 Weil sie mein Engel war/ ist wieder frey und loß. Dem Dem Hoͤchsten sey’s gedanck’t: Sey tausendmal wilkommen? Sey tausendmal gekuͤß’k und in den Arm genommen; Der Himmel woll’ auch’uns Ohnmaͤchtigen verleih’n: Daß Kiosem uns moͤg’ ein Schirm ein Engel seyn! 135 Seyd/ liebsten Kinder auch mir tausendmal gegruͤsset/ Und ihr holdreichen Zweig? umbhalset und gekuͤsset. Doch was ficht euer Hertz fuͤr Furcht und Ohnmacht an? Ein Kummer welchen kaum die Zunge melden kan. Ein Schmertz/ der nebelt auß in Wortte/ Saͤufzer/ Zehren/ 140 Erleichtert Hertz und Brust. Woll’n sie sich nun deschweren Jhr Leid uns zu erzehl’n/ bin ich zu helssen dar; Ach! diese Kinder steh’n in euserster Gefahr. Von welchem Tyger ist ihr Unheil zu besorgen. Der Himmel weiß es nur/ uns aber ist’s verborgen. 145 Leg’t mir was deutlicher des Hertzens Kummer auß. Uns beyden hat getraͤum’t: wie ein erzuͤrnter Strauß Sich mit geharnschter Klau uns sie zu rauben muͤhe. GOtt gebe: daß ihr Stamm biß zu der Nachwelt bluͤhe. Hat beyden diß getraͤumt. Diß und zu gleicher Zeit. 150 Gewiß/ der Himmel dren’t ein unvermeidlich Leid. Mein Hertze beb’t und schlaͤg’t/ mir zittern alle Glieder. Rieß das erbosie Thier von ihnen eines nieder? Wir hielten seines Grimm’s und heissen Eyfers-Lauf Theils mit demuͤtt’ger Bitt’ und nasser Wehmuth auf; 155 Theils giengen wir behertz’t dem Strauße selbst entgegen/ Versetzten ieden Schlag nach euserstem Vermoͤgen Mit Armen/ Halß und Brust; so lange daß uns Hertz’ Und Athem schon gebrach/ und von so herbem Schmertz’ Uns hieng die Ohnmacht zu; biß eine frembde Taube/ 160 Noch endlich unversehns dem Thiere ward zu Raube/ Und nach dem es ihr rieß die schoͤnen Federn auß/ Thier/ Traum/ und Schlaf verschwand. Ach! leider/ dieser Strauß Jst unser Sultan selbst; ich aber leider! werde Die Frembde Taube seyn! Die Sultanin gebehrde/ 165 Wo keine Noth nicht ist/ sich so kleinmuͤttig nicht. Laß’t diese Thraͤnen mir; der Huͤlf und Rath gebricht Der Kinder (die fast ch’ unseelig als gebohren/) Schutz/ Schirm und Schild zu seyn. hab’t ihr den Witz verlohren? Daß ihr euch gutte Traͤum auß thoͤr’chtem Jrrthumb leg’t 170 Zu eurem Unheil auß? Wahr ist’s: der Himmel pfleg’t Durch Traͤum uns kuͤnftig Gluͤck und Fall zu offenbaren. Jhr aber zih’t den Traum auf Deutung mit den Haaren. Warumb muß euer Strauß des Sultans Vorbild seyn/ Der seinen Kindern selbst die Klauen setzet ein? 175. Warumb sol Taub und Traum auf Sisigamben zielen? Komm’t es ihr frembde fuͤr: daß sich die Fuͤrsten kuͤhlen Mit ihrer Kinder Blutt? Wie lang ist’s: daß Verdacht Des Mahumets hat Sohn und Mutter umbgebracht? Der grosse Suleiman hat selbst sich hoch beflecket 180 Durch zweyer Soͤhne Tod. Und wessen Mache sonst strecket Sich ausser ihm so weit die Kinder zu verschrn? Daut Bassens Missethat kan dich ein anders lehrn: Der unterm Mustaffa/ umb sich am hoͤchsten Brette Des Kaͤyserthumbs zu seh’n/ laͤngst außgetilget haͤtte 185 Mit meiner Soͤhne Fall des Oßmanns gantzes Hauß; Haͤtt’ ich dem Hunde nicht das Schwerd gewunden auß. Die Mutter Mustaffens nam selbst auch Moͤrderthaten Auf sie vergebens fuͤr. Denn meist pfleg’t miß zu rathen/ Was man auf Fuͤrsten spinn’t. Gott sich’ auch diesen bey/ 190 Und helffe: daß der Traum ein blosser Nebel sey! Nur Muth! der Tugend muß iedweder Zufall weichen. Ein groß Gemuͤthe muß dem Meere sich vergleichen/ Das nicht die Saltz-Arth laͤß’t und seine Graͤntzen haͤlt/ Worein gleich suͤsse Flutt auß tausend Fluͤssen faͤll’t. Ibrahim. Kiosem. Fatima. Alima. Hagar. Achmet. Valide A- gasi. Die fuͤnf Soͤhne. Schatradeler Agasi. 195 H Jlf GOtt! der Sultan komm’t. Was hab’t ihr hie zu schluͤssen? Uns laͤsset Kiosem des Kaͤysers Gnade wissen/ C iij Die Die sie der Haft macht frey. Schnur-stracks verfuͤget ihr Jn eure Zimmer euch/ nur laß’t die Kinder hier. Ach! dieser Donnerschlag durchdringet Seel und Hertze! 200 Mein Haupt und Geist wird mir verruͤck’t von Angst und Schmertze. Was soll’n die Kinder ihm alleine? Wer hat Recht Zu forschen/ was wir thun? Ein schlechter Sclav und Knecht Frag’t mehrmals seinen Herrn dem Herren selbst zu Gutte. Der Vorwitz sol mir hier mit seinem eig’nen Blutte 205 Selbst seine Schuld bezahl’n. Der Sultan wehre nicht: Daß Muͤttern/ wie wir sind/ das Mutter-Hertze bricht. Sind diese Kinder hier nicht unser mehr als euer? Jn Mutter Bruͤsten brenn’t’ ein groͤsser Liebes-Feuer. Was traͤum’t euch: daß der Fuͤrst wird wider Liebe thun? 210 Wer lieb’t/ der eyfert auch/ und Argwohn laͤß’t nicht ruhn Ein Hertze/ wo sich schon fuͤr das Gesichte stellet Ein Schatten der Gefahr. Sag’t: auß was Grund euch faͤllei Ein Argwohns-Schatten fuͤr? Auch eine Henne gib’t Auf ihre Jungen acht/ wenn sich ein Woͤlcklein truͤb’t/ 215 Wenn sich ein Sperber laͤß’t auch nur von ferne blicken. Wir finden uns bestuͤrtzt. Denn Jbrahm’s Augen schicken Auf seine Zweig und uns gewohnte Strahlen nicht Und holden Liebesreitz. Zorn/ Rach und Eyfer bricht Auß iedem Blick herfuͤr. Wahr ist’s. Sie sollen sterben/ 220 Jhr aufgeopfert Blutt/ sol diese Sebel faͤrben! Mein Fuͤrst/ mein Sohn/ ist er bey Witz und bey Vernunft? Mißbrauchstu frevelnde schon deine Wiederkunft? Hilf Himmel! halt! ach! halt! Wolt ihr Gewalt hier uͤben? Die suͤndigen in nichts/ die so sehr hertzlich lieben. 225 Laß’t uns mit diesem frey/ was unser ist/ gebahr’n. Laß uns die Sebeleh durch unsre Bruͤste fahr’n! Sol ihr und euer Blutt zusammen sich vermengen? Ja! meine Glieder soll’n diß Schwerdt mit Lust besprengen/ Jch wil die Adern mir selbst schneiden morsch entzwey: 230 Daß meine Leiche nur ihr Lebens-Pfeiler sey. Der Fuͤrst erwaͤge doch: kein Geyer friß’t die Jungen; Und er wil/ die von ihm auß seiner Huͤft entsprungen/ Die Antheil seines Blut’ts/ ja seine Seele sind/ Als Knechte schlachten ab. Was kan ein solches Kind/ 235 Das selbst die Unschuld ist/ und nichts nicht kan verbrechen/ Ja das/ was Suͤnde sey/ noch nicht weiß außzusprechen/ Fuͤr Lasters schuldig seyn? Solln wir dir Rechenschaft Von unserm Rathschluß thun? Entfaͤll’t nun alle Kraft Der aͤrm’sten Fatima? kan mehr kein Strahl mehr brennen 240 Der Augen/ die der Fuͤrst zwey Sonnen pfleg’t zu nennen? Weil sie fuͤr liebreitz itzt mit Thraͤnen schwanger geh’n. Jst der vor schoͤne Mund dem Sultan nicht mehr schoͤn? Weil kein beweglich Wortt ihm kan sein Hertz durchschneiden/ Jst diese Brust/ die vor ein Koͤcher seiner Freuden 245 Sein Jrrdisch Himmel war; Geist-Trieb- und Anmuth-leer; Und tausend Seufzer kwaͤll’n auß ihren Klippen her? Der edle Zimmetbaum traͤg’t desto bessern Zimmet/ Je oͤfter man von ihm die kraͤft’ge Rind’ abnimmet: Gall-Aepfel aber bring’t ein Weib das ander Jahr/ 250 Wo gleich die erste Frucht Granaten-Bluͤhte war. Ach! leider! drumb so fall’t/ ihr Kinder/ ihm zu Fuͤssen! Besaͤnstig’t Grimm und Schwerdt mit Thraͤnen-reichen Kuͤssen! Fall’t! und umbarmt sein Knie/ eh ihr durch’s Swerdt hinfall’t. Fallt! bittet! biß ihm auch das Vater-Hertze wall’t! 255 Geh/ schoͤnster Machmet/ geh umb dich ihm außzusoͤhnen! Geh wirf das Haupt/ das man zum Kaͤyser noch wird kroͤnen/ Dem Vater unterm Fuß! Geh du auch Bajazeth/ Jn dem Fuͤrst Jbrahim selbst abgebildet steht! Wag’t ihr beym Winseln euch die Armen uns zu halten? 260 Jch schwer es: daß ihr all auch solt/ wie sie erkalten/ Wo ihr noch euren Arm/ ja eine Lippe regt. Der Fuͤrst besinne sich/ auf wen sein Donner schlaͤgt? Thun wir/ was unerhoͤhr’t; Da selbst hast zu gesehen/ Als Amurath den Halß dem Sohne ließ verdrehen. 265 Durch vor veruͤbten Mord hatt er den Tod verkerb’t, Hat kein unschuldig Blutt nie deine Faust gefaͤrb’t? Der Der eignen Kinder nie. Ja keinen andern Fuͤrsten Hat man gesehn nach Blutt gesammter Kinder duͤrsten. Wer unter ihnen sol denn außgewehlet seyn? 270 Ach! meinen Machmet muß die Erst-geburth befreyn. Fuͤr meinen Murat kaͤmpft der Himmel und die Sternen/ Den in der Wiegen schon die Persen fuͤrchten lernen/ Den die Wahrsagung laͤngst zum Wunder hat gemacht/ Weil ich ihn gleich gebahr/ im Mertz/ als Tag und Nacht 275 Recht gleiche Stunden hat Die Sternen werden kaͤmpffen Fuͤr meinen Suleiman/ der alle Feinde daͤmpssen Der Musulmaͤnner sol. Mein schoͤner Bajazeth Ein Außbund der Natur/ mein Holder Orcan steh’t Jn das Verhaͤngniß-Buch des Himmels eingeschrieben: 280 Daß/ wer an ihnen wird Gewalt und Grimm auß-uͤben/ Sol ewig seyn verdammt/ waͤr’s gleich ein Musulman! Den Kinder-Moͤrdern wird kein Blatt nicht kleben an Des heiligen Papir’s/ noch der gefaͤrbten Rosen Vom Blutte Mahumeds/ wenn sie die kwal gelosen 285 Und uͤber gluͤend Ertzt in’s Paradiß soll’n geh’n. Wil dieser Kefer auch dem Adler widersich’n? Man hat die Kinder mir gebunden auf die Seele. So fahre denn/ vorher fuͤr sie ins Todes Hoͤle. Hilf Himmel! er vergeh’t. Herr Vater/ ach! er schon’! 290 Jch bin sein treues Kind. Und ich sein liebster Sohn/ Der nichts gesuͤndig’t hat. Laß’t uns den Fuß ihm kuͤssen: Daß Er uns selbst nicht wuͤrg’t/ wenn wir ja sterben muͤssen. Ach! Mutter helff’t/ ich sterb’! Hilff Himmellach mein Kind! Weist du’s/ du Blutthund/ nicht: daß’s deine Kinder sind! 295 Du Raben-Vater du/ welch Thier friß’t seine Jungen? Welch Drache seine Frucht? wohl hastu’s Kind verschlungen/ So friß die Mutter auch. Jhr Kinder nun ist’s Zeit/ Daß ihr die Messer zuͤck’t. Sind deiner Grausamkeit Zwey Opfer nicht genung? Umbsonst! sie alle muͤssen/ 300 Weil unser Leid doch auch auß einem wuͤrde fliessen/ Geopfert werden auf. Der Fuͤrst sag’s/ ich beschwer’ Jhn bey dem Mahumed/ wo denn sein Leid ruͤhr’t her? Jch leide Seelen-Pein umb ihres Lebens wegen/ Weil Ambre sich nicht wil in unser Bette legen/ 305 Nicht lieben/ der sie lieb’t/ umb: daß er Kinder hat. Verteufelt-boͤser Schluß! verdammte Missethat! Umb eine Handvoll Lust solch Blutt-Bad zu beschluͤssen! Greifft nur behertz’t ihn an. Jch liß bald anfangs wissen Durch meinen Agasi das Kriegs-Volck: Oßmans Stamm 310 Steh in Gefahr und Noth Angst/ Marter/ Pfal und Flam̃ Sol dir verzweifelten/ dir Raben-Mutter lohnen. Und ihr verruchten drey/ solt nicht des Sultans schonen? Wag’t ihr an Kaͤysereuch die Hand zu legen an/ Der Sud und Ost und West mit Wincken zaͤhmen kan? 315 Großmaͤcht’ger Herr und Fuͤrst; wenn man verruͤckten wehret: Daß ihr gezuͤcktes Schwerdt sie selber nicht verzehret; So haͤlt’s Vernunst und Recht fuͤr Liebe/ nicht fuͤr Zwang. Ja Jbrahim wird selbst uns opfern Kuß und Danck: Daß wir itzt seiner Brunst behertz’t in Ziegel fallen. 320 Jch schwere Tod und Pein und Untergang euch allen. Weg! grosser Fuͤrst/ weg/ weg! Was ist’s? Er rette sich. Traͤum’t dir? fuͤr wem? Die Wach empor’t sich wider mich/ Und wil selbst mit Gewalt in’s Kaͤysers Zimmer dringen/ Wo man nicht Augenblicks die Printzen wuͤrde bringen 325 Jn Heeres Gegenwart. wenn ihnen vor das Licht Hier wird seyn außgelesch’t. Der Kaͤyser stuͤrtzenicht Sich selbst/ und seinen Stamm. Jedoch welch grimmig Wuͤtten Hat hier dem Murat schon die Gurgel abgeschnitten? Jch zitter! ach! ich sorg es sey umb ihn gescheh’n 330 Ja! laß das Kriegs-Volck ein/ den Greuel anzuseh’n. Und Rache zu vollzieh’n. Wilstu von meinen Klauen Auch deinen Suleiman hier noch zerfleischet schauen? Nicht bring’t ihn noch mehr auf durch Fluch; laß’t euer Leid Sich nicht in Wahnwitz kehr’n. Eil’t bring’t in Sicherheit 335 Die Kinder/ die euch noch des Himmels Gunst laͤß’t leben. Der Sultan lasse sie sich in ihr Zimmer heben; C jv Daß 335 Daß die vier lebenden das Kriegs-Volck sehen kan/ Wil er sich selbst nicht faͤll’n. Was aber reitz’t ihn an Sein eigen Fleisch und Blutt selbsthaͤndig aufzureiben? Daß Ambre mich verschmaͤh’t/ weil sie bey’m Leben bleiben; Die/ weil sie Kinder nicht dem Tode wil gebaͤhr’n/ 340 Mir Lieb’ und Eh’ abschlaͤg’t. Wil sich der Fuͤrst beschwer’n/ Der Albern zu gefall’n mit GOtt- und Menschen-Rache Durch blutt’gen Kinder-Mord? da ja wohl diese Sache Noch and’re Huͤlff annimm’t. Was weist denn du fuͤr Rath? Man nehme mit Gewalt/ was sie verweigert hat. 345 Der Fuͤrst kan mit mehr Fug Gewalt auf Sclaven uͤben/ Daß: die in Guͤtte nicht wil/ ihn auß Zwang muß lieben; Als von des Oßmans Stamm’ all’ edle Zweig’ abhau’n/ Den mit genauer Noth wir itzo bluͤhend schau’n. Mit seiner Strasse bleib’t der Nachwelt unvergessen/ 350 Wie sich Cham Chivas ihm das Erbrecht zuzumeßen Hoch frevelnd unterstand/ als Oßmans Stamm nicht war Von diesen Zweigen reich. Noch aͤrgere Gefahr Und Herschsucht doͤrfte sich in seinem Reich’ erregen Durch dieser Pfeiler Fall. So edle Zedern pflegen 355 Jn iedem Erdreich nicht bekleibend aufzugeh’n. Wer wird die Ambre sich zu rauben untersiehn? Jch wil schnur-stracks sie auß dem Bad’ in’s Zimmer schaffen. Laß’/ umb uns zu erfreu’n nichts nicht am Fleisse schlaffen: Der Schauplatz stellet fuͤr des Kaͤysers gehei- mes Zimmer. Sechierpera. Ibrahim. A Uf was fuͤr Strudel renn’t sein halbverzweifelt Sinn? 360 Wo der Begierdens-Sturm des Hertzens-Schiff schlaͤg’t hin. Wird beydes aber auch des Abgrund’s Opfer werden? Ein Artzt brauch’t Seg’ und Glutt/ wo Pflaster den Beschwerden Zu linde Mittel sind. Verzweifelt’ Artzney mach’t: Daß oft ein heilbar Leib wird in den Sarch gebracht. 365 Ach! es ist ja durch Glimpf nichts nicht von ihr zu hoffen! Wird durch den ersten Pfeil stets iedes Ziel getroffen? Die Ramme stoͤß’t den Pfal auf einmal nicht in Grund. Jm Lieben mach’t ein Blick nicht bald die Seele wund. Das Gift muß durch das Aug’ erst zu dem Hertzen dringen. 370 Jtzt/ nun der Fuͤrst vom Glimpf’ auf Ernst und Grim̃ wil springen; Reiß’t Er den vor von mir gebau’ten Grundstein ein/ Und sein Genuͤß wird nichts als herber Hunger seyn. Es sey dem/ wie es woll’. Es bleib’t bey unserm Schluße: Daß die auf unser Brust nicht ruh’n wil/ unter’m Fusse 375 Wie Sclavin lachsen sol. Der Baum muß abgeseg’t Der Bluͤthen seyn beraub’t/ der sie zur Hoffart traͤg’t/ Nicht Lust und Nutzen schaff’t. Sie sol noch hent erfahren: Daß Jbrahim mit ihr Gewalt hat zu gebahren/ Daß ihre Jungfrauschaft kein unverwelcklich Blatt/ 380 Ein schwindend Wachs-Licht sey. Der grosse Sultan hat Zwar unverschrenckte Macht in allen seinen Wercken: Allein er selbst/ mein Fuͤrst/ wird erst die Unlust mercken: Und wie die Liebligkeit hier so versaltzen sey/ Wenn strenge Nothzucht schlaͤff’t bethraͤnten Wangen bey. 385 Ach! leider/ du weißt nicht: worauß Vergnuͤgung kwillet! Die Rose/ die ihr Haupt in faͤste Knospen huͤllet/ Reucht frischer/ als die uns die Blaͤtter breitet auß/ Und/ wenn der Mittag brenn’t/ faͤll’t welck in Sand und Grauß. Jedoch wir woll’n noch einst der Wortte Zucker brauchen. 390 Wo aber sie umbsonst den Weyrauch laͤß’t verrauchen/ Den unser lodernd Hertz der Kalten zuͤndet an; So glaube: daß so denn uns nichts nicht halten kan/ Die uns verfagte Bluͤth ihr schimpflich abzubrechen/ Und der bethoͤrten Trotz durch ihre Schmach zu rechen. Ibra- Ibrahim. Ambre. Achmet. Sechierpera. 395 S Tell’t meiner Seele Zweck/ mein Licht/ mein Engel sich Mein Augen-Apfel ein? Ach! daß ich/ Sonne/ dich Nach wuͤrde/ nach Verdienst hier wuͤßte zu empfangen! Kan wohl das Paradiß mit schoͤnern Engeln prangen? Der guͤld’ne Himmel pral’t mit edlern Sternen nicht! 400 Doch/ wie? daß Thraͤnen-Saltz auß ihren Sonnen bricht/ Die in uns Glutt gebehr’n/ und uns mit Flammen saͤugen. Des Mohnden waͤßricht Schein weiß ja nur Thau zu zeugen. Mein Kind/ die Thraͤne schwemm’t der Anmuth Perlen weg/ Und saltzicht Wasser mach’t in Schoͤnheits-Scharlach Fleck. 405 Umb was betruͤb’t sich die/ umb was woͤlck’t die’s Gesichte/ Der Lieb und Gluͤcke schein’t mit unverfaͤlschtem Lichte? Stamboldens Kaͤyser zeucht ihr seinen Purper an/ Und opfert ihr sein Hertz. Was fuͤr Bestuͤrtzung kan An statt der Gegengunst in ihr solch Leid erwecken? 410 Laß’ uns die Schalen nur von deiner Anmuth schmecken/ Und koste selbst einmal den Vorschmack suͤsser Lust Des Zuckers dieser Welt. Mein Kind/ Mund/ Augen/ Brust Bescheiden selber dich: daß sie zu wilden Staͤmmen GOtt nicht erkieset hat. Wilstu den Trieb denn hemmen/ 415 Durch welchen die Natur auch Fels- und Hecken reg’t/ Die Crocodile kirr’t/ und Hold in Drachen heg’t? Sie saͤufzet/ sie erblaß’t/ sie schauet auf die Erden! Laß unser Antlitz doch dein Ziel des Anschau’ns werden! Laß’ unsern Mund an sich den suͤssen Athem zih’n/ 420. Den deine Keh’l außlaͤß’t! Schau unser Antlitz gluͤh’n/ Schau/ wie diß Hertze koch’t/ wie unser Seele laͤchset/ Nach Labsal/ das allein auf deinen Lippen waͤchset/ Auß deiner Anmuth kwill’t! Antwortestu uns nicht? Die Felsen denen doch Empfindligkeit gebricht/ 425 Antworten Fragenden mit hellem Wieder. Schalle. Der Wollust-Zucker ist/ mein Fuͤrst/ mir Gift und Galle; Und meine Kindheit ist nicht faͤhig noch zur Zeit Zu spielen auf dem Eis erwehnter Uppigkeit. Mein Anseh’n viel zu schlecht/ des Kaͤysers Hand zu kuͤssen/ 430. Die’s Zepter traͤg’t der Welt; zu kurtzweil’n mit den Fuͤssen/ Worfuͤr die Erde beb’t. Die Magd ist thumm und blind/ Die sich zur Goͤttin macht. Zu hohe Wuͤrden sind Die Speise voll von Glutt/ die in den bloͤden Magen Die Waͤrmbde vollends tilg’t. Er lasse Purper tragen/ 435 Die/ derer groß Verdienst mehr Liebes-Zunder nehr’t. Der Glutt-vermaͤhlte Schnee wird Augenblicks verzehr’t; So wuͤrd auch mein kalt Hertz und ich verschmeltzen muͤssen/ Wenn Er als Sonn auf mich bestaͤndig liesse schuͤssen Die Stralen seiner Hold. Was Feuer halten sol 440 Muß selber Feurig seyn; sol es nicht stracks zu Kohl Und Aschen seyn verbrenn’t/ Hold sein in Haß zerronnen; Zumal da Fuͤrsten stets als niemals-muͤde Sonnen Zu neuen Sternen eil’n. Jedoch ich bin vergnuͤg’t: Daß mein bethraͤntes Aug’ in Staub und Sarche lig’t/ 445 Darf ich der Wollust nur nicht in ihr Netze fallen. So haͤlt dein Eckel diß fuͤr Wermuth/ Gift und Gallen Was nichterne Vernunft fuͤr koͤstlich Himmel-Brodt Und Sonnen-Saamen preißt? Was Mahumeds Geboth Den Außerwehlten sag’t als ewiges vergnuͤgen 450 Des Paradises zu? Wer schwaͤtz’t dir grame Luͤgen Fuͤr fuͤsse Wahrheit ein: daß deiner Jahre Mey/ Der voller Knospen steh’t/ nicht Liebes-faͤhig sey? Daß/ die auf Wang’ und Mund heg’t reiffende Granaten/ Und Aepfel auf der Brust/ des Sultans Liebes-Saaten 455 Nicht pflantz- und pflegen koͤnn. Jhr Schoͤn-seyn hat sie ’schon Gepfroff’t in’s Sultans Hertz/ versetz’t auf Oßmans Thron. Und sie solt’ unsrer Haͤnd nicht unsern Fuͤssen taugen/ Die Liebe blitzet selbst ihr sichtbar auß den Augen/ Zerschmeltz’t der Hertzen Ertzt und mach’t auch Seelen wund. 460 Der Herbst bekroͤn’t die Brust/ der Fruͤling bluͤm’t den Mund/ Des Des Sommers Zierde pral’t auf den benelckten Wangen; Wie hat des Winters Eiß denn nur ihr Hertz umbfangen? Der Liebreitz guͤrtet ihr den Anmuths-Koͤcher an; Wie daß der Haß sich denn mit ihr vermaͤhlen kan? 465 Und Schatten tummer Traͤum’ ihr in’s Gehirne pregen? Jch wil die Haͤnde dir/ mein Engel/ unterlegen/ Wie einem Papegoy nur Zucker geben ein/ Ja meine Seele selbst sol deine Speise seyn. Jch wuͤnschte: daß in mir noch hundert Hertzen waͤren/ 470 Mehr Seelen walleten/ mehr Flammen zu gebehren Und Liebe gegen dich. Fuͤrst Jbrahim/ mein Kind/ Betrauret: daß er nicht in Liebe gantz zerrinn’t Und dir zum Labsal sich in deine Seele floͤßet. Wie daß denn Ambre den so schimpflich von sich stoͤsset? 475 Der sie so hertzlich lieb’t? Wie oder schilt mein Licht: Daß wir in Wortten heiß in Wercken aber nicht? Laß’ uns durch einen Kuß der Lippen Honig schmecken. Die ist nicht keusch/ die ihr schon laͤß’t den Mund beflecken; Die aber nicht bey Witz/ die der begierden Dunst/ 480 Den Kitzel/ der entspring’t auß geiler Augen Brunst/ Jhr Haupt umbnebeln laͤß’t; und doch bald schmertzlich fuͤhlet: Daß endlich dieser Dampf mit Donnerkeilen spielet/ Jn Schmertz und Schimpf zerfleußt. Hat iemals eine Magd Dem Kaͤyser einen Kuß/ dem Herren diß versag’t/ 485 Wornach die Edelsten und tausend Seelen laͤchsen? Ja! ein schoͤn Garten wird von wilden Feld-Gewaͤchsen Entehret und verstell’t. Jch Magd bin auch nicht werth: Daß/ wenn mein Herr/ mein Fuͤrst zu kuͤssen mich begehr’t/ Er seinen Stand mißbraucht/ und seinen Ruhm beleidig’t. 490 Hoͤr’t/ wie die Albere so hoͤnisch sich vertheidig’t! Nein! hohe Seulen mach’t ihr niedrig Stand nicht klein/ Die Sonne gib’t auch Erd- und Nebeln Glantz und Schein/ Ein Fuͤrst kan auch auß Nichts was/ Gold auß Staube machen. Stracks sag’s mit einem Wort’: Ob du des Sultans Lachen/ 495 Ob du dir seinen Grimm wilst fuͤr die Hold vermaͤhl’n. Zwar Welten koͤnnen ihm/ nicht aber Weiber fehl’n/ Die Er/ mein Fuͤrst/ besig’t; was such’t Er denn auß Steinen/ Die Schnee/ nicht Feuer nehr’n/ auß Kindern/ die zum Weinen/ Nicht Liebes-faͤhig sind/ zu pressen Lieb und Glutt? 500 Die fuͤr die Jungfrauschaft aufopfern Geist und Blutt/ Eh ihre Bluͤthen soll’n gebehren solche Früchte/ Die kuͤnftig muͤssen seyn der Hencker Schau-Gerichte/ Die Kost der Tyranney. Du solst den trotzen Sinn Dir bald gebrochen sehn. Stracks/ Achmet/ nimm sie hin/ 505 Und laß sie fingernackt in unser Bette werssen. Wo Guͤtte nicht vermag den Liebes-Pfeil zu schaͤrffen/ Muß Zwang der Wetzstein seyn. Die Bluͤthen/ die sie ruͤhm’t Als unverwelcklich Laub/ soll’n Augenblicks entbluͤm’t/ Welck/ duͤrr und fleckicht seyn. Jch falle dir zu Fuͤssen/ 510 Und saͤufze/ grosser Fuͤrst; daß/ wo mein Trotz sol buͤssen/ Wo meiner Einfalt Schuld/ ja Straffen hat verkerb’t: Mein unentweihter Leib die schaͤrfften Sebel faͤrb’t. Laß so viel Thraͤnen doch dir durch die Seele schneiden Der Ambre/ die behertzt wil hundert Tode leiden/ 515 Ja die den Henckerstrick mit Lachen kuͤssen wil/ Da sie nur Jungfrau stirb’t. Gib dieser doch so viel/ Die deines Glaubens ist/ und die dich zu versoͤhnen Mit so viel Thraͤnen such’t/ was Mahumed Jrenen Auch Erichs Tochter nicht als Christen hat versag’t. 520 Versuche Schwerd und Streich/ hier kniet die aͤrmste Magd/ Die nichts vermag/ als nur den Wunsch/ die Lust zu sterben. Fort mit ihr! Weiber-Blutt sol keinen Sebel faͤrben. Der Der Schauplatz stellet fuͤr ein warmes Bad. Reyen Des badenden Frauen-Zimmers. W Je seelig sind! die GOtt in ’zarte Seide Geschickter Glieder huͤllet ein! 525 Denn Schoͤnheit schein’t ja selbst des Himmels Kreide/ Ein Brunkwaͤll des Geluͤck’s zu seyn. Sie ist der Lieb und der Vergnuͤgung Wiege/ Die Wollust schlaͤff’t auf ihrer Brust. Die Kinder fuͤhr’n auch wider Kaͤyser Kriege/ 530 Bekaͤmpfen sie durch suͤsse Lust. Der Fuͤrst muß lassen Ambren holen/ Weil ihr bloß Ruhm ihm’s Hertz gestolen. J Hr Thoͤrichten! preiß’t ihr fuͤr ein Geluͤcke/ Wenn reiner Keuschheit Einfalt faͤll’t 535. Jn’s Wollust-Garn/ in geiler Jaͤger Stricke? Die Keuschheit ist der Schatz der Welt/ Die Jungfrauschaft gantz unbefleckte Sonnen/ Die Lieb’ ein Jrrwisch/ der auß Tacht Unreiner Seel- und Hertzen wird gesponnen; 540 Ein Wurm/ der nur glaͤntz’t bey der Nacht. So laß’t uns denn von gantzem Hertzen/ Der Ambre Raub und Fall beschmertzen. E Jnfaͤltige! die ihr auß leeren Kruͤgen Nur Luft statt unsers Nectars trinck’t; 545 Was nuͤtz’t ein Feld/ das stets muß brache liegen? Ein Kwaͤll/ der in den Sand versinck’t? Ein Balsam/ der in Wuͤsteney verrauchet? Die Rose/ die der Wind verheert? Wenn Eisen nicht und Schoͤnheit wird gebrauchet/ 450 Verlieren sie durch Rost den Werth; Und Schaͤtzen/ die vergraben bleiben/ Kan niemand Ruhm und Preiß zuschreiben. D Je Jungfrauschaft ist von so edlen Steinen/ Die kein geil’ Auge schaͤtzen kan. 455 Die Sternen/ die am allermeisten scheinen/ Steh’n in den Himmel oben an. Der Sonne Gold/ fuͤr der sich Stern’ entroͤthen/ Heck’t mehr/ als des Saturnus Bley/ Geschwaͤntzte Stern’ und schaͤdliche Cometen. 460 Und Schoͤnheit schlaͤfft mehr Lastern bey/ Ja ihr auch Schwanen-reinen Wangen Gebehren Feuer/ hecken Schlangen. E Jn Mund/ der nie hat Wein und Milch geschmecket/ kan leicht als bitter sie verschmeh’n. 465 Geh’t schan’t: wie sie so Gold als Purper decket/ Wie sie beym Sultan ist gesehn; Wie Wie seine Seel auf ihre Brust zerrinnet/ Und sie mit Balsam uͤberthau’t/ Wie er sich als ein Seiden-Wurm verspinnet/ 470 Und in sein Hertz Altaͤr ihr ban’t. Denn Schoͤnheit krieg’t auch Kaͤyser-Hertzen Zum Opfer/ und zu Liebes-Kertzen. V Erdammte Lust! gekuͤsseten Jrenen Muß endlich’s Schwerdt ein Brautschatz seyn; 575 Ja Liebe schleust als Sclavinnen die Schoͤnen Jn ein verguͤldet Kesicht ein/ Auß denen stets die Hirnsen Honig sangen: Daß der Gestalt gemahlter Dunst Nur bleibt leer Wachs/ ein Zunder geiler Augen/ 570 Ein Talg zu Fackeln boͤser Brunst. Wohl uns! die wir in rauen Schalen Mit Perlen reiner Keuschheit pralen! D Er Wahnwitz hat euch Prillen fuͤrgeruͤcket/ Daß ihr fuͤr Perlen Grauß seh’t an. 585 Der Einfalt Eiß hat euer Hertz bestricket: Daß euch kein Liebreitz ziehen kan. Doch wenn euch wird des Witzes Licht aufgehen/ Wird Traum und Jrꝛlicht seyn vorbey; Denn werdet ihr recht schmecken und verstehen: 590 Was Liebe fuͤr ein Labsal sey; Ja! daß entzuͤnden und selbst brennen Des Himmels Vorschmack sey zu nennen. L Aß’t/ Schwestern/ uns fuͤr den Sirenen fliehen/ Eh’ uns ihr Zauber Lied schlaͤf’t ein. 595 Wir werden Brand auß diesen Kwaͤllen ziehen/ Die von den Schlangen giftig seyn. Wir werden uns besudeln durch diß Waschen. Jn geile Wuͤrmer uns verkehr’n. Weil/ sichert euch/ der Keuschheit Fenix-Aschen 600 Nur Nacht-Enl’n aͤrgster Schmach gebehr’n; Die Jungfrau’n aber hier auf Erden Solln’s Paradises Schwanen werden. Die Vierdte Abhandlung. Der Schau-Platz stellet fuͤr des Mufti Gemach. Mufti. Mehemet. Bectas. Kiuperli. Kul-Kiahia. Mollah. D Aß-Missethat in sich wie Ketten sey verschrenck’t/ Da eine boͤse That stracks an der andern henck’t/ Wie Glied am Gliede folg’t/ lehr’t uns des Sultans Wuͤtten. Wie lang’ ist’s: daß er mir sein Antlitz ließ verbitten/ 5 Mir/ der ich wider’n Heisch des trauten Amurath/ Jhm zu den Zepter half? Jtzt folg’t die Greuel-That Schon auf der Ferse nach. Wird’s wohl die Nachwelt glauben? Daß Oßmans Enckel ließ zur Noth- und Unzucht rauben Des hoͤchsten Priesters Kind? Ja/ diß ist unerhoͤ’rt! 10 Kein Sultan hat noch nie die Jnfel so vorsehr’t/ So So schentzlich sich befleck’t. Und wer ist/ dem nicht grauet: Daß Achmet/ dem das Heft des Reiches ist vertrauet/ Zum Dieb und Kupler wird? Was wird fuͤr Laster nicht Noch dieser Wurm gebehr’n? Und keinen Menschen sicht 15 Doch minste Vorforg an dem Tiger zu begegnen/ Der Schimpf und Tod uns dreu’t. GOtt wird die Seele seguen/ Die ihr des Reiches Heil/ des Volckes Zentner-Last Laͤß’t zu Gemuͤthe geh’n/ die ihr das Hertze faß’t Den geilen Huren-Hengst/ in dessen Adern stecket 20 Kein Tropffen Fuͤrstlich Blutt/ der stuͤndlich sich beflecket/ Wie ein gemeines Weib/ zu stuͤrtzen in den Grund. Euch ist zu wohl bekand: wie den itzt grimmen Hund Ein Furchtsam Schaf beschaͤm’t; wie ihm das Hertze fehlte/ Den Kercker auf zu thun/ als unser Schluß ihn waͤhlte 25 Zum Haupte dieses Reichs; wie sein schlimm Einritt schon Des Volcks Gelaͤchter war; wie er des Oßmaus Thron/ Der keine Weiber traͤg’t/ beschimpfet und entehret/ Wenn er fuͤr Tartsch und Schwerdt/ das Koͤnigen gehoͤret/ Mit Perlen schmuͤckt den Halß/ mit Diamant den Leib/ 30 Die Naͤgel guͤlden faͤrb’t/ und auf viel Arth ein Weib Sich emsiget zu seyn. Was haͤlt uns denn zu ruͤcke: Daß man diß Weib erwuͤrg’t mit dem verdienten Stricke? Wo ihr die Armen mir in diesem Wercke reicht/ So fehlt’s drey Stunden noch/ biß Jbrahim erbleicht/ 35 Und Achmet ist zerfleischt der Werckzeug seiner Laster. Jch weiß fuͤr diese Pest kein mehr bewehrtes Pflaster. Und wo ich urtheiln kan/ hat Achmet allermeist An’s Kaͤysers Lastern Schuld/ der ihm stets Aepfel weift Der Wollust: daß der Fuͤrst des Herschens sich entschlaͤget/ 40. Daß Achmet Hest und Stab/ der Fuͤrst den Tittel traͤget. Gewiß ein boͤser Knecht ist schaͤdlicher fuͤr’s Reich/ Als ein nichts/ guͤltig Fuͤrst. Laß’t beyden uns zugleich Außleschen ihr falsch Licht. Wir haben hier mehr Gruͤnde Den Jbrahim zu faͤll’n. Die groͤste Schuld und Suͤnde/ 45 Da man zu stuͤrtzen schloß den trauten Amurath/ War: daß er das Verboth des Weines uͤbertrat. Der muͤh’t Gesaͤtz und Volck und Tugend sich zu daͤmpfen. Auch fehlt’s an Kraͤften nicht diß Unthier zu bekaͤmpfen; Die Cadi sehn auf mich/ der Janitschar folgt dir/ 50. Jedweder Bassa wuͤnsch’t den Mehmet zum Vesier. Dem Achmet muß zu erst sein Athem seyn verkuͤrtzet. Ein Schif und Reichs Haupt ist schon mehr als halb gestuͤrtzet/ Wenn diß der Diener-wird und jenes Ancker-loß. Der Britten Haupte fehl’t nur noch der zehnde Stoß 55 Zum Schifbruch/ seit daß er den Pfeiler eingebuͤßet Durch Strassorts treuen Kopf. Jch lobe/ was ihr schluͤsset. Man sage mehrern Sold den Janitscharen zu; Auf deren Willkuͤhr steht des Sultans Fall und Ruh. Jch wil/ Herꝛ/ Achmet bꝛing’t gleich Ambren selbst zuruͤcke. 60 Ja/ leider! Uns noch mehr zu stell’n Verderbens-Stricke. Weich’t ihr ins Beygemach. Jch wil/ was Ambre klag’t/ Und Achmet bring’t/ hoͤr’n an. Achmet. Mufti. Ambre. Was eine geile Magd Durch wilden Trotz gewinn’t/ mag dir diß Beyspiel zeigen. Die/ die bekroͤnet solt in’s Sultans Bette steigen. 65 Doch Gnade/ Wuͤrd und Hold mit Fuͤssen von sich stieß/ Verstoͤß’t der Fuͤrst itzt selbst. Die vor hochmuͤthig prieß Den Krantz der Jungfrauschaft/ ihr ihre fluͤcht’ge Blume Zum Abgott stell’te fuͤr und uns zum Heiligthume/ Die zeige dir nun selbst die welcken Blaͤtter dar; 70 Und meld: Ob ihre Lilg’ unwelckbar an ihr war; Ob’s besser sey beschimpft/ befleckt/ entbloͤßt/ verspeiet/ Zerrissen/ außgelach’t/ geschaͤndet und entweihet/ Die Bluͤthen erster Scham wie Hure büssen ein/ Als eines Kaͤysers Brautt in Seid und Purper seyn? 75 Doch kanstu dieses noch fuͤr hoͤchste Gnad erheben: Daß die Befudelte nicht Knechten frey gegeben D Und Und Sclaven ward entdeck’t. Wer Goldstuͤck fleckicht schilt/ Damasten von sich wirft/ der wird mit Fug gehuͤll’t Jn Saͤcke/ Stro und Haar. Nimm in dem Huren-Kleide 80 Dir deinen Balg nun hin. Ein Seiden-Wurm/ der Seide Nicht mehr kan spinnen/ wird in Molcken-Dieb verkehr’t. Dir aber wird noch einst so Fuͤrst als Hof verwehr’t. Mein Fꝛeund/ hat zwar mein Kind/ die Schmach fuͤr Ehꝛ erwehlet/ So sehr auß Vorwitz nicht als Unverstand gefehlet/ 85 So hat sie doch hieran mehr als der Sultan Schuld. Was GOtt schaff’t und der Fuͤrst/ ertrag ich mit Geduld. Drumb meld’ ihm: daß ich auch vom Hofe weit entfernet Dem Kaͤyser treu zu seyn von Jugend-auf gelernet; Ja wo Fuͤrst Jbrahlm des Mufti Kopf begehr’t/ 90 Sol er ihm heute noch zum Opfer seyn gewehr’t. Du saͤtzest weißlich ab vom ersten Aberwitze. Doch spaͤte Vorsicht ist nichts nach dem Fallen nuͤtze. Ambre. Mufti. Mehemet. Bectas. Kiuperli. Kul-Kiahia. W Je lange sol der Schwarm des Blutthund’s bluͤhend seyn? Jedoch/ je laͤnger GOtt den Donnerkeil tanch’t ein 95 Jn das Erbarmungs-Oel/ ie schaͤrffer sind die Schlaͤge. Die Vater-Ruthe kehr’t er dem in eine Sege/ Ja reiß’t mit Strumpff und Stiel den Ubelthaͤter auß/ Den er so langsam straff’t. Wir woll’n in Koth und Grauß Noch unsern Todfeind seh’n! besaͤnfte dein Gemuͤthe/ 100 Versichert: daß die Kwall auch auß des Himmels-Guͤtte Vom Gnaden-Kwell’ herrinn’t. Wir seh’n der Sonne Licht/ Weil wir von Arth sind blind/ nur ohne Blaͤndung nicht. Und unser Aberwitz saß’t nicht des Himmels Schluͤsse. Die werden noch verleih’n daß deiner Unschuld muͤsse 105 Des Blutthund’s kaltes Blutt/ Seiff und Zinober seyn/ Das dich entweihte waͤsch’t von allen Flecken rein/ Das dein entfaͤrbte Zucht und Rosen deiner Ehre Mit frischem Purper mahl’t. Gerechter Himmel/ hoͤre Die Saͤufzer meiner Seel/ indem das stumme Leid 110 Mir Red und Zunge knuͤpft! Schaut! dieses Huren-Kleid Der Keuschheit Purper seyn! dem Himmel stell’ ich schwache Des Lasters Straffen heim; weil diese doch zur Rache Niemanden bringen wird; die ihres Schaͤnders Hertz Durch keine Demuth zwang. Und was noch Schmach uñ Schmertz 115 Mir aͤrmsten schaͤrffer wuͤrtz’t; so muß ich hier erfahren: Daß dieser Hengst hier laͤß’t noch ruhmbar offenbaren Sein Laster/ meinen Schimpf; den Raub der Jungfrauschaft/ Den Diebstal meiner Perl! Jch traure: daß die Kraft Der Nache mir gebricht. Weil in des Schaͤnders Wunden 120 Fuͤr Ehren-Beulen doch nur Salbe wird gefunden/ Die Weh und Schande tilg’t. Wer Unrecht schlaͤg’t in Wind/ Verletzungen vergiß’t/ die nur an Gliedern sind/ Und nur den Leib versehr’n/ der heg’t ein Helden Hertze. Der aber wird mit Fug beleg’t von Schmach und Schmertze/ 125 Der Ehren-Narben traͤg’t. Die muͤssen nicht in Stein/ Nein/ sondern nur in Staub geschrieben werden ein: Daß sie die Rache stracks verstreich- und tilgen koͤnne. Des Himmels rechte Rach und eure Huͤlfe goͤnne: Daß an dem Blutthund ich mich bald gerochen schau! 130 Ach! aber: daß ich doch auf diesen Truͤbsand bau’! Und mein Genesen such auß Jbrahims Verderben? Kan iede Tugend gleich sonst den Verlust erwerben/ So hilsst kein Aussteh’n doch nicht nach der Keuschheit Fall/ Und Kunst hat keine Kunst/ die ein erschell’t Chrystall 135 Der Ehr und Zucht ergaͤntz’t. Man heil’t mit frembden Naͤrben Die eignen Schwere nicht; und keine blutt’ge Farben Verschmier’n den Fleck/ den Brunst in diesen Purper mach’t. Ach! wo hat/ Ambre/ dich dein Ungluͤck hingebracht? Wie heßlich hat der Firnß der Schoͤnheit dich verstellet! 140 Die Schoͤnheit ist ein Aaß/ das Geyern meist gefaͤllet/ Ein Aaß/ das stets Gestanck der Laster von sich haucht/ Der Wollust gift’gen Dampf statt suͤssen Balsams braucht/ Und Und Raben an sich lockt/ die Ehr und Zucht uns fressen/ Und ihren Geilheits-Koth schmier’n auf ihr luͤstern Essen. 145 Die Schoͤnheit ist ein Stern/ der mit dem Schwantz allzeit Auf neues Unheil weiß’t/ ein Abgott/ der entweih’t Von derer Andacht wird/ die sich zum Opfer finden/ Weil sie fuͤr Weyrauch ihm meist stinckend Hartzt anzuͤnden. Diß/ Ambre/ fuͤhl’st du ja; wie dich der Hund befleck’t/ 150 Der seine Seele dir zum Opfer angesteck’t/ Der dich begierig war fußfaͤllig anznbethen. Hoͤr’t aber/ wie in mir der Schmertz ras’t! dem Verschmaͤhteñ Kleb’t keine Schoͤnheit an/ die auch den Loͤwen haͤlt Die Klauen; und den Trotz der grimsten Riesen faͤll’t. 155 Doch nein! der Blutthund ist mehr wild als Loͤw und Beeren/ Mehr hart als Kieselstein; sonst haͤtten meine Zehren Sein steinern Hertz durchhoͤlt; als Demant/ weil mein Blutt Der Seel ihn nicht erweich’t/ als Eisen; weil die Glutt Der heissen Saͤufzer nicht hat seinen Grimm zerschmeltzet. 190 So werde nun der Felß vom Halse weg geweltzet/ Der Leib und Fleisch zerquetsch’t und auch der Seele preß’t So Blutt als Thraͤnen auß die grosse Schandthat laͤß’t Euch reine Rache zu. Das Band der Treue hoͤret Bey Unterthanen auf/ so bald ein Fuͤrst versehret/ 165. Durch Laster/ Ehr und Zucht. So tilg’t denn durch sein Blutt Die Schmach ab/ die der Hund euch auch in mir anthut! Denn ich bin so befleck’t: Daß auch mit seiner Aschen Der Schandfleck sich nicht laͤß’t von meinem Leibe waschen; Den Faͤul- und Tod nur kan im Grabe machen rein. 170 Tauch’t diesen edlen Dolch ins Blutthund’s Adern ein/ Den ich/ doch oͤhne Schuld/ mit meinem Blutte faͤrbe. Fuͤr Helden ist’s genung! Zu gutter Nacht/ ich sterbe! Hilf Himmel! Ach mein Kind! mein Engel/ und mein Trost; Hat das Verhaͤngnuͤß sich so gar auf mich erboß’t; 175 Daß mir mein Ancker muß zur Schiffbruchs-Klippe werden? Scharr’t mit der Todten mich lebendig in die Erden; Weil mir das Leben doch nur einen Tod gib’t ab/ Und ieder Athem laͤchst nach Freyheit in das Grab. Gewiß der Sultan laͤß’t mich nur zur Marter leben/ 180 Auß Gunst und Sanftmuth nicht. Die Ertz-Tyrannen heben Durch Ausschub unsers Tod’s uns doch zu langer Kwall Und strenger Marter auf. Nimm diesen heil’gen Stahl/ Und stoß ihn/ Mufti/ dir nun auch in Brunn des Lebens. Halt! bistu bey Vernunft? Jhr wehret dem vergebens 185 Das Sterben/ dessen Tod selbst das Verhaͤngnuͤß schleust. Der steck’t voll Aberwitz der Gall und Leid außgeust Auf seinen eignen Halß/ und Feind und Hencker schonet. Mit Dolch und Stricke sol das Unthier seyn belohnet/ Das dieses Leid uns schaf’t. Weil er durch diese That 190 An deiner Tochter nur den Halß verwuͤrget hat. Mein Rath ist auch: daß man das Messer auf ihn wetze/ Fuͤrst Mahumed hat schon versiegelt diß Gesetze Durch seines Sohnes Blutt; als Mustafa verdient Den Geist am Strang außbließ/ nachdem er sich erkuͤhn’t/ 195 Des Bassen Achmets Weib auß toller Brunst zu schaͤnden. Und der sol ungestraff’t an’s Mufti Tochter enden Den Muthwill’n seiner Brunst/ die Buͤssung seiner Lust? Ja ihm sein Muͤthlein kuͤhl’n/ wenn er so reine Brust Mit seiner Schandthat schwaͤrtz’t. Sich kützeln in Gedaͤncken: 200 Daß er die Tugend sih’t in Angst-erfuͤllten Schrancken/ Die Boßheit in der Bluͤth und auf den Rosen geh’n? Wie aber kan man mehr der Laster Flug erhoͤh’n/ Den Blutthund in der Schand’ und in dem Grimme staͤrcken/ Als wenn die/ die Gott satz’t zu Richtern seinen Wercken/ 205 Jhm durch die Finger sehn? an sich durch eigne Hand Sein Wuͤtten uͤben auß? dir selbst wird dein Verstand Den itzt der Schmertz verwirr’t/ nach erstem Sturme lehren: Daß: da wir die Gewalt des Ungluͤck’s gleich verstoͤren/ Durch eigenhaͤnd’gen Tod/ der Tyranney entflih’n/ 210 Wir boͤsen Nachruhm doch uns in das Grab nachzih’n/ Dem Himmel fuͤr die Gunst des Lebens Undanck geben; Ja daß der/ welcher nicht kan ungluͤckseelig leben/ D ij Nur Nur ungluͤckselig sey. Ach ja! du urtheil’st recht! Jch wuͤrde durch mein Thun nur des Tyrannen Knecht 215 Der Boßheit Werckzeug seyn. Doch/ wie bald kan der fehlen/ Der seine Menge nicht des Elends weiß zu zehlen? Ein Amboß-hartes Hertz/ wird weich und krumm beweg’t Auf das so oft und sehr des Ungluͤcks Hammer schlaͤg’t. Die Glutt der Rache kan es haͤrten und geraͤden/ 220 Und des verletzers Blutt heil’t des verletzten Schaͤden. Zeuch den befleckten Dolch der Ambren auß der Brust/ Und stoß ihn ihm in’s Hertz; Nimm’s Merckmal seiner Lust Das Gold-gestuͤckte Tuch/ das er zum Liebes-Zeichen Der Aermsten schickte zu. An dem sol er erbleichen! 225 Jch schwer es! wo kein Fall das Leben mir verkuͤrtz’t. Rom lehr’t uns am Tarquin: daß wenn man Schaͤnder stuͤrtz’t/ Die unser Haupt gleich sind/ Gott pfleg’t das Werck zu segnen. Jch seh auß Ambrens Brust Lucretzens Bluttschaum regnen/ Ja eine Suͤndfluth kwell’n/ ein Rothes Meer entstehn 230 Jn dem der Pharao wird schrecklich untergehn. Es bleibe/ ja/ bey dem/ was wir schon vor geschlossen: Daß sein und Achmets Blutt als Vihisch sol vergossen/ Jhr Grimm verkuͤrtzet seyn. Jch wil mich stracks bemuͤh’n Des Sultans Mutter selbst in unsern Bund zu zih’n. 235 Wird mit der Mutter sich diß sicher wagen lassen? Glaub’t: daß die Mutter mehr/ als Schlang und Spinnen/ hassen/ Die die Verletzung reitz’t. Sie kehr’n in Gall und Gift Die susse Mutter Milch. Jhr Eyver uͤbertrifft Jm Munde Natter-Zaͤhn/ in den ergrimmten Augen 240 Der Basilißten Blitz. Die aͤrgsten Drachen taugen So wohl zur Rache nicht in unversohnbarn Rath/ Als wenn sich eine Taub’ erboost entruͤstet hat. Er und die Mutter ist bereit versoͤhn’t zusammen. Die aͤrgste Rache deck’t mit Asche Zorn und Flammen. 245 Und Zuckert schlimmstes Gift durch Bisam an und Wein. Ja huͤll’t ihr Schlangen Maul in Engel-Lippen ein. Laß mich in diesem Stuͤck umb unsern Vorschlag sorgen. Des Abends Anschlag kroͤn ein wohl außschlagend Morgen! Der Schau-Platz verwandelt sich in Kiosems Gemach. Amuratens Geist. Kiosem. A Uf! Mutter/ auf! es ist nicht schlaffens Zeit/ 250 Wenn Strang und Tod auf ihr verderben wachet. Ein falsches Hertz koch’t Gift und Hertzeleid/ Wenn Lipp’ und Mund mit Zucker-Rosen lachet. Versoͤhnung ist die Asche/ die die Flammen Der Rache nur verdeck’t/ sie aber nicht loͤsch’t auß. 255 Ein Nebel/ den ein Luͤftlein theil’t von sammen; Worauf die frische Glutt gebieret Brand und Grauß. Denn Liebe gleich’t sich zarten Berg-Chrystallen/ Die keine Kunst nicht zu ergaͤntzen weiß/ Wenn sie sind einst zerschellet und zerfallen. 260 So bau’t sie nur auf Spiegel-glattes Eiß/ Wirf’t Aucker in den Truͤbsand/ Grundstein in Moraͤste/ Wo sie vermeynt; sie steh itzt hoch und faͤste. Man miß’t mit Bley des tieffen Meeres Grund/ Durch Glaß erforsch’t man’s Himmels Heimligkeiten; 265 Kein Schau-Glaß nur/ kein Bley-Maaß ist uns kund/ Die Nachwelt wird auch keines nicht bereiten/ Das der Menschlichen Gemuͤther tieffes Welt-Meer gruͤnden kan; Kein Compaß/ der sich’re Farth in der Hoͤfe Strudeln zeiget/ Keine Kette/ die die Raͤder des Geluͤckes hemmet an. 270 Keine Sonne gehet auf/ die die Zeit nicht West-werts neiget; Ja/ Jbrahims Genad ist wie ein Rohr bewand/ Das den/ der sich drauf lehn’t/ beschaͤdigt in die Hand. Jch selbst muß in der Gruft bestuͤrtz’t erfahren: Daß Affen grimmiger als edle Loͤwen sind; 275 Daß wenn Gewalt und Aberwitz sich paaren; Jhr Grimm mehr Mord/ als klugen Eyfer spinn’t. Es Es kraͤnck’t mich Todten noch/ und meinen Schatten renet: Daß ich statt Ba i azeths und fuͤr den Orcan nicht Dem thoͤrchten Jbrahim hab außgelescht sein Licht/ 280 Als jener Helden Mund die Seel hat außgespeyet. Ja/ waͤrest du nicht noch sein Schirm gewest/ Als ich schon starb auf meinem Todten Bette; So sich’re dich: Fuͤrst Amurathes haͤtte Halb-tod ihm noch gegeben seinen Rest. 285 Auch wuͤrd ich noch mit Lust beseelen Sarch und Aschen/ Koͤnt ich noch Dolch und Faust in’s Brudern Blutte waschen. Doch du hast selbst dir’s Leichenbrett gefaͤll’t. Die Natter dir in Busem selbst gesetzet/ Als du gewannst der Baßen Gunst durch Geld; 290 Daß sie an mir meineydig sich verletzet; Als wieder ihren Schwur/ fuͤr den bestimmten Cham Der Tartern/ Jbrahim des Oßmans Stul einnam. Wilst aber du auf deiner Wolthat Grund Den Pfeiler deines Heil’s/ und Hofnungs-Schloͤsser bauen? 295 Ein Zentner wig’t Tyrannen kein halb Pfund/ Die Berge-grossen Dinst fuͤr Sonnenstaub anschauen. Denn ihre Augen sind ein Schauglaß/ das macht klein/ Weil frembde Wercke sie dadurch von hinten sehen; Wenn aber sie fuͤr sich es recht und vorwerts drehen/ 300 Schein’t ihnen auch ein Floch ein Elefant zu seyn. Ja mindert auch ihr Aug ihr nicht die Wuͤrde Laͤscht sie Vergessenheit der Schwamm der Zeit nicht auß/ So stuͤrm’t und tilg’t sie gar der Wolthats-stister Hauß. Weil Undanck haͤlt fuͤr Dienstbarkeit und Buͤrde/ 305 Sich Schuldner solcher Wolthat schauen. Denn kleine Schuld spinn’t Gunst/ die Grosse Feindschaft an; Besonders ist kein Haar breit nicht zu tranen; Wenn keine Schaͤtzbarkeit die Wolthat zahlen kan. Auf diesen Strudel wirst du auch noch Schilbruch leiden/ 310 Wo deine Seel itzt nur des Sohnes Sturm entgeh’t. Denn deinen Lebens-Drat wird ein frech Weib zerschneiden; Ob schon jhr Sohn durch dich zum Kaͤyser wird erhoͤh’t. Ja Mufti kan durch Gunst und Recht Der Janitscharen Herr nicht durch sein Schwerdt verhuͤtten: 315 Daß dich nicht wuͤrg’t ein Selav und Knecht/ Daß deinen Ohren nicht wird schimpflich abgeschnitten/ Was Liebes dir dein holder Achmet gab. Allein itzt bluͤht dir schon dein Grab/ Denn’s Reich/ das dir hat Jbrahim zudancken/ 320 Reich’t uͤber der Bergeltung enge Schrancken. Auf! Mutter auf! sey fuͤr dein Heyl doch wache/ Weil sich dein Sohn in eine Natter kehr’t/ Dein Wolthun heck’t in seinem Hertzen Rache/ Weil alles Oel der Liebe laͤngst verzehr’t. 325 Fleuch! Mutter/ fleuch! eh du des Sohnes Schwerdt must faͤrben. Denn Vorsicht schaffet Ruh/ die Sicherheit Verderben. Mein Kind! mein Amurath! halt! ach/ wo fleuchstu hin? Halt! ach! was fleuchstu mich? wie? oder wird mein Sinn Durch einen Traum verruͤck’t und durch Gespenst erschrecket? 330 Wie/ oder hat die Gunst des Himmels mir entdecket Vorstehende Gefahr/ hat mein hertzliebstes Kind/ Umb den noch ieden Tag die Thraͤn’ auf’s Antlitz rinn’t/ Auß Liebe/ welche noch in Sarch und Asche glimmet/ Umb was Verhaͤngnuͤß/ Sohn und Zeit auf mich bestimmet/ 335 Mir zueroͤsnen/ sich auß seiner Gruft gemacht? Ach Himmel! kan kein Tag bey Hofe zugebracht Nicht ohne Zittern seyn? und ohne Furcht verschwinden? Jst hier kein Rosen-Blat nicht ohne Dorn zu finden? Muß iede Perle sich in Thraͤnen-Tropfen kehr’n? 340 Ja iede Morgenroͤth uns eine Nacht gebaͤhr’n/ Die schwartz von Schrecken ist? Muß unter guͤld’nen Decken/ Sich siets der Sorgen-Wurm die Kummer-Mutte hecken/ Die Seel und Marck außnag’t? Ja seith des Gluͤckes Rad Bald hoch/ bald niedrig mich herumbgeweltzet hat; 345. Hat mein gantz kringlicht Haupt der Wahnwitz gantz verwirret Daß es kaum noch versteh’t dem Vogel/ der gekirret D iij Mit Mit schoͤnen Beeren wird/ sey Tod und Strick gestel’t. Der Gunst-Strahl/ der auf mich von’s Sultans Augen faͤll’t/ Wil mich ein Sterbe Licht und Todten-Fackel deuchten/ 350 Die mir lebendigen voran zu Grabe leuchten. So tieff bin ich gefall’n! So geht’s; wer in die Luft Leg’t Schloͤsser in den Grund/ der bau’t in tiefster Kluft Jhm Fall-Braͤck und Verderb. Ach! Kiosem/ itzt lerne: Der Erde Sonnen sind Jrrlichter/ keine Sterne. Kiosem. Mufti. 355 W Je treff ich so bestuͤrtz’t die grosse Kaͤyserin So still’ und einsam an? Ach! wirf den Tittel hin/ Und dencke: daß diß nur mehr durch das Hertze schneidet/ Wenn/ was man war/ nicht sey/ der Tittel uns bescheidet. Sie lasse dieses Ach und diese Klage mir/ 360 Den Jbrahim/ der doch laͤß’t ieden Sclaven fuͤr/ Dem gleich sein Kopf nicht so/ mie mir mein Hertze brennet/ Von seinem Antlitz stoͤß’t; mich Hund und Ketzer nennet/ Mir Strick und Moͤrsel dreu’t. Doch gib’t der Tod der Schmach Und unser eigen Leid der Kinder Unfall nach. 365 Es graͤm’t mich: daß solch Schimpf nicht bleiben kan verdecket: Wie Jbrahim mein Kind durch Noth-Zwang hat beflecket/ Auf die Geschaͤndete so Fluch und Unflat spei’t/ Ja sie als Hur und Magd zu meinem Hertzeleid Halb-nackt nach Hause schick’t. Solch Elend geh’t durch’s Hertze/ 370 Friß’t Marck und Adern auß! Mit was fuͤr einem Schmertze Kwaͤl’t sich denn Kiosem? Jhr Bild und Ansehn gleich’t Pompejens Seule ja/ die keinem Wetter weich’t/ See/ Well’ und Nord verlach’t. Jch sehe ja vergnuͤget: Daß Sie vom Sultan hat die Freyheit wieder krieget. 375 Die Freyheit? leider ja! man laͤß’t ein wenig frey Ein angefaͤsselt Wild/ wenn’s Jaͤgers Tyranney Zu seiner Kurtzweil wil den wuͤttenden Moloßen Sein Lehen opfern auf. Der so viel Blutt vergossen/ Der solche Greuclthat an’s Mufti Hauf’ außuͤb’t/ 380 Der seine Mutter oft biß auf den Tod betruͤb’t/ Der/ die die Kron ihm gab/ in Kesichte verstricket/ Sein eigen Fleisch und Blutt sich zu ermorden schicket/ Wird nur so lange noch mit meinem Jammer spiel’n; Biß ich den Blutt-Zahn werd in meinen Daͤrmern fuͤhl’n. 385 Geduld und Hofnung mach’t des Ungluͤcks scharffe Pfeile/ Des Grimmes Klingen stumpf; Ja reiß’t die Donner-Keile Tyrannen auß der Hand. Der Tugend Eigenschaft Gleich’t Palmen/ denen gib’t die Unterdruͤckung Kraft/ Mehr als des Gluͤckes West. Die wird mit ihr noch bluͤhen/ 390 Und alles Wetter sich in Sonnenschein verziehen. Ja/ weil mein Strauden sie nur trifft am Ufer an Nicht zweifelnd: daß ein Wort von ihr mir helffen kan; Geruhe sie mich doch beym Sultan einzulieben. Wen sol die setzen ein/ die selber wird vertrieben? 395 Ach Truͤbsand-voller Grund! weil mir mein Amurath Schon meinen Untergang bestuͤrtz’t eroͤfnet hat. Jhr laͤngst-entblaster Sohn? Der kaum von mir entwichen/ Als du in’s Zimmer trat’st. wahr ist’s: wenn/ die erblichen/ Durchbrechen Sarch und Gruft/ uns Warnung bringen bey; 400 So glaͤub ich: daß das Beil schon auf den Racken sey. Und denn ist’s Wachens Zeit und auf sein Heil zu sinnen. Der edle Mustafa haͤtt’ allzu wohl entrinnen Des Rustans List gekoͤnn’t; haͤtt’ er nicht außer Acht Geschlagen; was ein Geist im Traum ihm zugebracht/ 405 Sein Priester außgeleg’t. Jmfall ihr nur zu rathen/ So komme sie selbst fuͤr des Sultans Moͤrderthaten. Zeig’ uns fuͤr die Gefahr ein sicher Mittel an. Wer sicher geh’t/ erdruͤck’t den Wurm/ der schaden kan. Solt’ ich in’s Sohnes Blutt die Mutter-Haͤnde tauchen? 410 Der ist kein Sohn/ der vor laͤß’t Lieb und Hold verrauchen. Fuͤr dieser That entsetz’t sich die Natur in mir. Die eig’ne Wolfarth geht der Kinder-Liebe fuͤr. Wer hat so jaͤmmerlich ie auf sein Fleisch gewuͤttet? Wie viel hat Suleiman nicht Kinderblutt verschuͤttet? Er 415 Er thaͤt diß nicht so wohl als Roxelanens List. Chach Abas Sohn hat nechst des Vatern Stahl gekuͤß’t/ Der dritte Mahumed ließ Sohn und Mutter toͤdten. Diß gib’t ein Beyspiel mir: daß/ die die Armen roͤthen Jn Fuͤrsten-Blutte woll’n; der Rache fall’n ins Schwerdt. 420 Zu dem steh’t diß/ wormit ein Vater schon verfaͤhr’t/ Nicht holden Muͤttern an. Wer wider Muͤtter fuͤndig’t/ Dem wird vom Mahumed mehr Unheil angekuͤndig’t; Als welcher wider’s Haupt des Vatern sich empoͤr’t. Auch hat oft Oßmanns Reich der Mutter Blitz gehoͤr’t 425 Auf wilde Kinder fahr’n. Doch wil sie sich nicht achten/ So geb ich ihr das Heil der Enckel zu betrachten. Die er selbsthaͤndig schon zu schlachten hat begehr’t. Wer solch ein Unmensch ist/ ist nicht Erbarmens werth. Die/ und des Reiches Heil bind’ ich ihr auf die Seele. 430 Furcht/ Lieb und Rache kaͤmpf’t in meines Hertzens Hoͤle/ Voll Zweifel: was allhier gutt zu entschluͤffen sey. Jedoch den Fall gefaͤtz’t: Jch pflichtete dir bey/ Wuͤrd unser Ohnmacht uns den Vorsatz nicht verkuͤrtzen/ Stambuldens grossen Herrn/ das Haupt der Welt zu stuͤrtzen; 435 Weil sein beschirmend Heer iedweden Anschlag daͤmpff’t/ Ja Stern und Himmel selbst fuͤrs Heil der Fuͤrsten kaͤmpff’t. Die Sorge lasse mir. Das Heer der Janitscharen Wird widern Jbrahim/ wie sie befiehlt/ verfahren/ Denn ich verschweig’ ihr nicht: daß mir ihr Aga schon 440 Und Bassa Mehemet/ den Sultan von dem Thron Zu stuͤrtzen/ angelob’t; in welcher beyder Haͤnden Das Heft der Kriegs-Macht ist. Laß’t euch den Dunst nicht blaͤnden Durch den die Rache meist umbnebelt Haupt und Witz. Denn diese Wolcke zeucht meist in sich solchen Blitz/ 445 Der selbst die Mutter trift. Ja/ wenn schon nebst dem Reiche Ein Fuͤrst den Halß einbiß’t/ komm’t auß der kalten Leiche Verfaulten Todten-Asch ein Recher noch herfuͤr. Daut Bassens Untergang und Gebegi mahl’t dir Ein frisches Beyspiel ab/ wie Oßmans keck Ermorden 450 Vom Folger Mustafa so scharf gestraft sey worden/ Dem Oßmaus Leiche doch die Staffel war zum Thron? Jedoch euch darzuthun: daß Liebe/ Bluttt und Sohn So viel als Reich und Recht bey Kiosem nicht gelte/ Daß an den Kindern sie die Laster straf nnd schelte/ 455 Wil eurem Schlusse sie so ferne stimmen ein: Daß Jbrahim entsetz’t vom Throne moͤge seyn Doch: daß das Leben ihm zur Außbeut uͤbrig bleibe/ Er seiner Jahre Rest ins Kerckers Nacht vertreibe/ Jn dem ihn Amurath vor schon gefangen hielt/ 460 Und daß Printz Mahumeth der Tugend Ebeubild Des Vaters Thron betret’. Hierumb sind wir vergnuͤget/ Und goͤnnen/ wenn der Sohn nur seinen Zepter krieget/ Jhm leicht sein Athemhohl’n. Gott aber wird hierfuͤr Jhr grossen Lohn verleih’n. Jnzwischen stell ich ihr 465 Und ihrer Klugheit heim/ wie sie zu unserm Schlusse Vernuͤnftig helffen wird. Der Witz miß’t nach dem Fusse Des Zufall’s/ wie der komm’t/ so Rath als Wuͤrckung auß. Jedoch des Werckes Grund ist diß: daß Achmet Grauß/ Und Machmet sey Visier/ eh wir das Hauptwerck wagen. 470 Sey sicher! Klugen ist nicht noͤthig viel zu fagen. Reyen Der Mord-Lust. Der Furien. Der List. J Ch bin der Mord/ das Kind der Hellen/ Das Leichen heck’t/ und nur trinck’t Blutt/ Das sich nur lab’t an Feuer-Kwellen. Hoͤr’t mich/ ihr Maͤgde/ nehm’t die Glutt/ 475 Eil’t/ schleisset Schwerdter/ schaͤrffet Klingen/ Den grimmen Sultan umbzubringen! D vj Die H Jer steh’n mit Drachen-Zaͤhnen wir Mit Renn-Thier Fuͤssen außgeruͤstet. Begierig zu verrichten dir 480 Nach was fuͤr Rachedich geluͤstet. Doch sagen wir/ daß Gift/ Stahl/ Feuer/ Stein Den Hund zu faͤll’n zu plumpe Waͤffen seyn. J A! Boßheit hat itzt Luchsen-Augen/ Daß kein erzuͤrnte Mordgewehr’ 485 Jhr einig’s Leid zu thun nicht taugen. Komm meine juͤngste Tochter her. Komm! du must mir ein Garn bereiten/ Den schlimmen Blutthund zubestreiten. D Er Menschen Witz ist Mutter neuer Tuͤcke. 490 Wenn schlaues Wild trau’t schlechten Garnen nicht So sinn’t die List auf neue Netz und Stricke. Hier hab ich nun drey Larven zu gericht; Durch dir trau ich nun Himmel/ Erde/ Hellen Zu oͤffen/ zu beleidigen/ zu faͤllen. 495 W Jr geben/ Schwester/ dir den Preiß Die Juͤnger zwar/ als wir/ von Jahren/ Doch vielmehr stistet und mehr weiß. Wo Blitz und Grimm nicht hin kan fahren/ Da traͤgestu als arme Kuplerin 500 Mord/ Brand und Gift im Einfalts-Mantel hin. M Egere/ greif hier zu dem Liebes-Kleide/ Heng den mit Gold bedeckten Koͤcher an. Wer glaubte? daß in dieser Zarten Seide Ein Tiger-Hertz/ ein Wolfs-Zahn stecken kan. 505 Hiermit kanstu/ Wurm/ Basilischken/ Drachen Zu treuen Dieuern/ Freund und Muͤttern machen. N Jm du den Rock des allgemeinen Heiles Guͤrt uͤber ihn des rechten Eyfers Schwerdt. Wer meynte? daß der Aufruhr meistentheiles 510 Gekroͤnte Koͤpfe so-vermummt verzehr’t? Hierinnen kan ein Stifter Mord- und Brandes Ein Schutzherr seyn ein Vater’s Vaterlandes. T Jsiphone/ zeuch an die Priester-Kutte Nim die geweihte Fackel in die Hand. 515 Wer daͤchte? daß die Jnfell schwer von Blutte/ Diß Rauchfaß wer ein Kwell voll Gift und Brand. Diß Mummwerck kan als heilig dich erheben. Wirstu gleich Gift im Himmelbrodt eingeben N Jcht saͤumt euch Stahl und Strick zu fassen! 520 Druͤck’t Jbrahim in Asch’ und Grauß. Geb’t euch fuͤr den getreu’sten Bassen/ Fuͤr’n Mufti/ fuͤr die Mutter auß. Wer frag’t: ob Arglist oder Degen Tyrannen in die Saͤrche legen? Die 525 W Jr eil’n und fall’n den Blutthund an! Wer Staͤdte baut und Fuͤrsten Aschen Mit Andacht Mord verbluͤmen kan/ Des Henckers spielt auß Freundschafts-Taschen/ Fuͤr dem beschiemt der groͤste Fuͤrst sich nicht/ 530 Den Witz/ und Macht/ und Treue gleich verficht. Die fuͤnfte Abhandlung. Der Schau-Platz stellet fuͤr des Kaͤysers Zimmer. Kiosem. Ibrahim. Capachi-Bachi. S O fleh’t die Mutter dich/ mein Kind/ vergebens an? Wer Bitt-loß nicht wil seyn/ heisch’t/ was man geben kan. Begnadigung ist ja das Kleinod grosser Fuͤrsten. Die sind der Knechte Knecht/ die nie nach Rache duͤrsten. 5 Die Guͤtte stuͤtz’t den Thron/ die Schaͤrsse reist ihn ein. Der Boßheit Straffe muß der Zepter Seule seyn. Wer allzu strenge straff’t/ krieg’t eines Wuͤttrich’s Nahmen. Wer durch die Finger sih’t/ pflantzt selbst der Laster Saamen. Der Himmel saͤmet Frucht durch linden Thau auf’s Land. 10 Der Reif und Schnee gebiehr’t Erhaltung und Bestand. Ein Fuͤrst muß wie ein Strauß oft Schuld und Stahl verdeien. Oft/ wie ein Adler thut/ mit Aug und Klanen dreuen. Ja dreu’n/ doch den nicht bald zermalmen/ der wo irr’t. Durch Blitzen ohne Schlag/ wird Boßheit nur gekirr’t. 15 Ein Fuͤrst mach’t sich hierdurch bey Boͤsen selbst beliebet. Schaff’t: daß man sonder Furcht noch arg’re Thaten uͤbet. Fuͤrst Amurath gewann viel durch verziehne Schuld. Er strafte Missethat mit mehrer Ungeduld. Er schickte statt des Strick’s dem Mechmet Gerei Gaben. 20 Weil diesen Tarter Er zum Freunde muste haben. Der Abaßa bekam fuͤr Aufruhr Schwerdt und Kleid. Er druͤck’t ein Auge zu sich schickend in die Zeit. Mein einig Wortt erbat des Caineran Leben. Bustaims schlechte Schuld must Halß und Kopf hergeben. 25 Des Mufti Fehler gleich’t Bustaims Diebstal nicht. Sag’: ob/ wer die Person verletz’t/ nicht mehr verbricht? Sein schon gestraftes Kind hat mehr/ als Er verbrochen. Wir haben uͤber ihn zu wenig noch gesprochen. Die Wuͤrde seines Amp’ts macht’s Urthel allzu scharf. 30 Was nimmt’s ihm: daß er nicht den Kaͤyser sehen darf? Der Poͤfel lern’t hierdurch sein Ampt veraͤchtlich halten. Die Mufti haben schon oft muͤssen gar erkalten. Wie hoch entschuͤldigte beym Sultan Amurath Der Cham des Mufti Tod? Fuͤrst Amurath selbst hat 35 Des Mufti Sohn/ als er des Vaters Aussenbleiben Entschuldig’t/ Augenblicks befohlen aufzureiben; Hierauf den Mufti selbst ohn and’re Schuld erwuͤrg’t/ Kurtz: eines Fuͤrsten Heil wird sicher nicht verbuͤrg’t Als durch der Grossen Tod/ die sich beschuldig’t achten. 40 Die/ wo sie selbst gleich nicht auf Rach und Eyfer trachten/ Doch in des Fuͤrsten Brust Verdacht und Furcht gebehr’n. Zu dem laͤß’t sich im Statt der kalte Brand nicht wehr’n/ Der schon ein Glied steck’t an. Man muß das Glied absegen/ Eh sich Muthmassung nur des Krebses wil erregen; 45 Fuͤrnemlich/ wo diß Gift wil Glieder siecken an/ Die nah am Hertzen sind. Ein giftig Mah-Haupt kan Einschlaͤffen ein gantz Reich/ sein Haupt gantz uͤbersteigen Jm Fall sich’s zeitlich nicht muß fuͤr der Sichel neigen. Die Richtschnur leitet uns nun auf den faͤsten Schluß: 50 Daß hente diesen Tag noch Mufti sterben muß. Der Mufti/ grosser Fuͤrst/ dring’t mit geharnschten Schaaren Des Sultans Zimmer zu. Gib’t von den Janitscharen Jhm Jhm keiner nicht den Rest? daß man den Hund abthu! Die Janitscharen fall’n dem Mufti selber zu; 55 Ja leisten willig ihm Gehorsam auf sein Wincken. Die Hunde samtlich soll’n so tief in Kwal versincken/ So hoch ihr Frevel ist! was aber sucht der Hund? Er selbst wil sein Begehr’n dem Sultan machen kund. Jch schwer’s bey’m Mahumed; er sol am Strang’ ersticken. 60 Man muß sich in die Zeit vernuͤnftig lernen schicken. Mufti. Ibrahim. Kiosem. Achmet. Selictar Aga. Nahuf. Piali. Bassa. Kara Chiaus. Drey Cadileschier. Janitscharen. W Er gib’t dir Hund die Macht zu dringen in’s Gemach? Jst dir’s Verbott entfalln? Der Sultan gebe nach: Daß ich fuͤr Reich und Volck moͤg’ ihre Noth fuͤrtragen. Daß unser Blitz euch nicht stracks sol in Abgrund schlagen! 65 Der Kayser zaͤume sich/ es ist des Divans Schluß/ Der Janitscharen Heiß diß/ was er reden muß. Was hat der Thorenschaum dem Kaͤyser fuͤr zu schwaͤtzen? Daß er den Groß-Visier den Achmet ab sol setzen. Auf Sekierperen/ die nur durch Missethat 70. Und schlimme Kuplerey so viel gesammlet hat/ Als kaum ein Fuͤrst vermag/ Gesetz’ und Straffe schaͤrffen/ Jhr Raub-Gutt ziehen ein/ sie selbst in’s Meer wegwerffen. So heb’t die Ferse sich itzt uͤbers Haupt empor? Kein Fuͤrst versag’t mit Fug dem Volcke nicht sein Ohr. 75 Mit minderm Ruhm laͤß’t er den Poͤfel ihm gebitten. Uns ist fuͤr’s Reiches Heil zu sorgen unverschnitten. Des Bolckes blinde Folg’ ist unsers Reiches Heil. Der Divan hat nebst dir im Herꝛschen auch ein Theil. Ein Knecht kan andre Knecht und Diener nicht verwerffen. 80 Ein Sclave mag fuͤr’s Heil des Volckes Schwerdter schaͤrffen. Was ist: das man mit Fug am Achmet schelten kan? Er fuͤhr’t den Jbrahim zu boͤsen Luͤsten an. Welch Sclave wirft sich auf zum Richter unjer Sitten? Das Volck schillt den/ der macht: daß oft der Fuͤrst geglitten. 85 Der’s Reiches Grundstein ist/ dem miß’t man Gleiten bey? Mein Kind lehr’t: wie der Fuͤrst so sehr gefallen sey. Hab’ ich/ du Hund/ hier Schuld/ warumb sol Achmet bissen? Weil Achmet hat mein Kind zur Unzucht weggerissen. Wer/ was sein Herr heiß’t/ thut/ ist Lohn-nicht Straffens werth. 90 Des Strick’s/ wer seinen Sinn zu geiler Unzucht kehr’t. Er sol Trotz Herr und Volck so Wuͤrd als Ampt behalten. So sol er mit mehr Schimpf in Wuͤrd und Ampt erkalten. Seyd ihr’s/ ihr Hunde/ die ihr off’nen Aufruhr spinn’t. Der Kaͤyser nehme wahr: daß sie nur Bothen sind/ 95 Die/ was so Herr als Volck begehr’t/ eroͤfnen muͤssen/ Jnzwischen dienet nicht solch eyfriges Entschluͤssen Wenn Rath und Janitschar und Poͤfel sich lehn’t auf. Der Poͤfel ist ein Strom/ der durch unhaltbar’n Lauf Durch Felsen-Ufer bohrt/ und dar am meisten wuͤttet/ 100 Wo man umb seine Flutt zu hemmen Thaͤmme schuͤttet. Der Aufruhr ist ein Dampf der Aug und Ohr verschr’t: Daß man kein heilsam Wort nicht seines Schutzherrn hoͤr’t/ Des Fuͤrsten Goͤttlich Bild fuͤr einen Wolf ansihet/ Der uns durch seinen Schirm zu fressen sey bemuͤhet. 105 Hierwider kan nun nichts als Sanftmuth Pflaster seyn. Denn/ wer hier Ernst gebrauch’t/ floͤß’t Oel ins Feuer ein. Sol Ras- und Wuͤttenden ein Fuͤrst noch Pflaumen streichen? Wer haͤlt fuͤr Klugheit nicht des Feindes Pfeil außweichen? Du kenn’st den Janitschar und seine Raserey. 110 Und daß der Schwarm das Blutt in’s Reiches Koͤrper sey/ Das/ wenn es siedet auf/ den gantzen Leib anzuͤndet/ Ja Hertz und Haupt ersteck’t. Sol/ weñ ein Knecht sich findet/ Den Aberwitz verwirr’t/ sein Herr ihm geben nach? Wenn viel/ nicht einer tob’t/ muß man des Aufruhr’s Bach 115 Jn kleine Rinnen theil’n/ ein Theil auf seine Seite/ Vor bringen/ eh man straff’t. Der Sultan Machmet leite Dich Dich auf der rechten Weg; den ihnen liefern ließ Des Capi Aga Kopf/ die Mutter selbst verstieß Nur diesen Schwarm zu still’n. Haͤlt’stu fuͤr keine Suͤnden 120 So lohnen Treu und Dienst/ die uns die Haͤnde binden. Denn komm’t des Dieners Treu erst zur Vollkommenheit/ Wenn er fuͤr’s Fuͤrsten Heil sein Blutt zum Opfer weiht. Fuͤrst Amurath must auch von dem erzuͤrnten Hauffen Mein seiner Mutter Haupt so wohl mit Golde kauffen/ 125 Als seinen treusten Knecht den Machmet Gurgnin Den wilden Janitschar’n zur Kuͤhlung geben hin/ Ja selbst bestuͤrtz’t schau’n an/ wie auß ergrimmten Wuͤtten Jhm Aug/ Ohr/ Nase/ Zung und Kopf ward abgeschnitten. Muß Jbrahim auch irr’n/ wie Amurath gefehl’t? 130 Wie unvorsichtig hat Fuͤrst Oßman nicht gewehl’t/ Zu einem Untergang ihm selbst den Sarch gebettet/ Und durch den Dilaver den Chißler nicht errettet/ Als er den Janitschar’n hat beyder Kopf versag’t. Er hatte durch was mehr in Harnisch sie gejag’t/ 135 Sie gantz zu tilgen auß/ sich nach Aleayr zu heben/ Forthin den Arabern sich in den Schutz zu geben/ Bey ihm den Schluß gemach’t. So blindes Volck sih’t nicht/ Ob ein bestuͤrmmter Fuͤrst viel oder nichts verbricht. Wo treue Diener fall’n. Die Ancker eines Fuͤrsten/ 140 Faͤll’t auch der Fuͤrst leicht nach. Ka grimme Buben duͤrsten Nach Fuͤrsten-Blutte stracks/ die anders schon geschmeck’t. Fuͤrst Oßman hat den Stahl den Moͤrdern selbst gereck’t/ Als Dilaver ward ab-Ußaim eingesaͤtzet. Ja/ da der Groß-Visier so schlecht sol seyn geschaͤtzet. 145 Daß ihn des Poͤfels Schaum mit Fuͤssen treten kan; Wer wird die Hoheit mehr des Sultans bethen an? Mein Sohn; Der Blitz schlaͤg’t meist in hoher Berge Gipfel/ Der Sturm-Wind bricht entzwey der langen Zedern Wipfel; Und grosse Diener sind am nechsten der Gefahr. 150 Ob Nasuf Bassa schon des Achmets Eydam war/ Hat Sultan Achmet doch selbsthaͤndig ihn erstochen. Hier hat’s Verhaͤngniß selbst auf den den Stab gebrochen/ Den Herr und Volck verdammt. Der Schaͤffer Einfalt weich’t Von schoͤnsten Eichen weg/ die schon der Blitz bestreicht; 155 So muß ein kluger Fuͤrst der Diener sich entfernen/ Nach denen’s Ungluͤck schlaͤg’t. Sie sind geschwaͤntzte Sternen Und melden der Vernunft mit stummen Zungen an: Daß/ wer an ihnen kleb’t/ nicht lange stehen kan. Verwirfftu aber/ Sohn/ des Himmels Warnungs-Zeichen; 160 So lasse dich/ mein Kind/ die Thraͤnen doch erweichen Der Mutter/ die fuͤr dich mit mehrer Sorge wach’t/ Als sie fuͤr ihre Seel und auf ihr Heil hat Acht. So sey’s denn! laß’t schnurstracks den Achmet hier erscheinen. Jhr/ zeuge: wie so gutt wir’s mit dem Volcke meynen; 165 Daß wir uns ihm zu Lieb’ an Augen-Apfel ruͤhr’n/ Ja unsren tren sten Knecht absetzen und verliehr’n. Es bringt dem keinen Schimpf/ wenn es die Zeit so schicket/ Der zu der Niedriegen vonhoher Staffel ruͤcket. Denn Treue/ nicht die Wuͤrd’ erwirbt den Dienern Ruhm/ 170 Und der Gehorfam ist ihr bestes Eigenthum. Wem aber werden wir nun Achmets Ampt vertrauen? Den Mehemet wil’s Volck an Achmets stelle schauen. Was? mahl’t der Hunde Trotz uns noch mehr Richtschnur’n fuͤr? Nimm fuͤr bekand diß an/ mein Kind/ und schaffe dir 175. Durch sein Erhoͤhung Gunst. Denn keiner untern Baßen Wird sich zum Groß-Visier so sicher machen laßen Als Bassa Mehemed. Der Sultan hat bereit Erforschet seine Treu. Ha! thoͤr’chte Furchtsamkeit! Wenn Fuͤrsten zu Geboth auf Knechtisch Wincken stehen! 180 Jedoch wir wollen diß ihr noch zu Lieb eingehen. Beruff’t den Mehemet. Des Sultans kluger Schluß Befestig’t Reich und Thron. Ein kluger Schiffer muß Vernuͤnft’ge Bootsgesell’n/ ein Fuͤrst ihm Raͤth erwehlen Die Zeit und Noth gepries’t. Die Haͤupter/ die hier fehlen/ 185 Verlier’n beym Sturme leicht Schif/ Ancker/ Ruder/ Mast. Diß schloß den Mustafa (weil er des Reiches Last Nur Nur Thoren uͤbergab/ die Marmel nur zu glaͤtten Und Maͤhrlein zu erzehl’n gelehr’t war’n) in die Ketten/ Jn’s erstern Kerckers Nacht; daß/ der vor Kaͤyser hieß/ 190 Sich aͤffen einen Mohr/ zwey Weiber henckern ließ. Fuͤrst/ hier stell’t sich sein Knecht. Was schaft Stambuldens Kaͤyser? Daß Achmet seines Ampt’s und Siegel sich enteuser. Jch leg’s gehorsamst ab; und kuͤsse Knie und Fuß/ Aufopfernd auch diß Haupt/ wo Treue buͤssen muß 195 Und Unschuld untergeh’n. Laß Achmet dich’s nicht schrecken. Man kan der Fuͤrsten Gnad auch noch erniedrig’t schmecken. Du/ Basse Mehemet/ nimm’s grosse Siegel hin. Jch dancke fuͤr die Gnad/ und schwere: daß ich bin Begierig fuͤr das Heil des Reiches zuerblassen. 200 Du wirst diß hohe Ampt dir so befohl’n seyn lassen/ Daß dieses Siegel sey ein Spiegel treuer Pflicht. Die Wercke werden seyn der Wortte Kern und Licht. Geh’t nun und sag’t: was uns hat Herr und Volck zu dancken. Du aber halt hinfort dich besser in den Schrancken. Der Schauplatz stellet fuͤr einen Saal in des Mufti Pallast. Bectas. Kul-Kiahia. Kara Chiaus. Kiuperli Bassa. Hassan-On- gle. und eine Menge der Janitscharen. Achmet. Mufti. Die Cadileschieri. Ein Mollah. 205 J Hr Helden/ derer Arm den Grundstein hat geleg’t Zu Oßmanns Stul und Reich/ die ihr die Last beweg’t Des Grich’schen Kaͤyserthum’s/ und zu des Machmets Fuͤssen Sein Zepter abgesenck’t/ die ihr den Zaum zerrissen Des strengen Jsters hab’t/ auf Selims Haupt gesaͤtz’t 210 Der Mammelncken Kron/ und euren Ruhm geetz’t Jn’s Nilus Sonnenthuͤrm; in Arzirums Gemaͤuer Jn Tebris Asch und Grauß/ mit Schwefel/ Blut und Feuer Den Nahmen hab’t gepreg’t der Janitscharen ein; Jhr Helden/ sag ich/ sol hier euer Kirchhof seyn? 215 Wo ihr die Siegs/ Panier in’s Sultans Hand gewehret. Sol hier des Heeres Kern durch Hunger seyn verzehret/ Der Ardens Maͤngel oft geluͤcklich uͤberstand? Der Muth/ mit welchem ihr bekaͤmpft der Perser Land/ Die Tugend/ die ihr ließ’t bey Ravans Stuͤrmung schauen/ 220 Mit der ihr Bagadet riest auß Chach Sefi Klauen/ Die Brandmal auf der Stirn und Wunden auf der Brust/ Die Abaßa euch schlug/ der Hencker/ welcher Lust Auß euren Martern soog/ der auß den Eingeweiden Der Muͤtter/ fuͤr der Zeit ließ eure Kinder schneiden 225 Die Narben die ihr noch von Assacs Stuͤrmen trag’t Die der Kosacken Trotz hat in die Flucht gejagt. Das Blutt/ das neulich noch wie Stroͤm außeuch geronnen Als Retimo gestuͤrm’t/ Canca ward genommen/ Verwundet meine Seel/ und schneidet mir durch’s Hertz/ 230 Wenn ich erstaun’t hoͤr’ an; wie Jbrah’m Schimpf und Schertz Außeuren Klagen mach’t; und euch als Sclaven schaͤtzet. Nachdem er uns das Geld zu Schaden abgesetzet/ Euch bettelarm gemach’t/ verschmaͤlert er nun gar Den schlechten Kriegs-Sold euch/ die ihr mit viel Gefahr 235 Umb wenig Asper muͤß’t iedweden Tag das Leben Verkauffen/ ja fuͤr ihm in groͤssern Sorgen schweben/ Als wenn so Pers’ als Christ auf euch die Schwerdter wetz’t. Wir haben Mustaffen des Kaͤyserthums entsetz’t/ Jn Oßmanns Blutt die Faͤust und Sebeln eingetauchet 240 Umb ihre mindre Schuld. Und unser Grimm verrauchet Jtzt/ nun ein zaͤrtlich Weib und ein ohnmaͤchtig Kind Uns auf die Fersen tritt; die/ die geneigt uns sind/ Als Als Feinde rottet auß/ und derer Kinder schaͤndet/ Die uns der Mahumed zu Hohen-Priestern sendet. 245 Jhr Helden/ hoͤr’t und starrt: Ob dleser grausen That: Daß unsers Mufti Kind sich selbst ermordet hat; Weil sie vom Jbrahim durch Noth-Zucht ward beflecket. Jn ihren Bruͤsten hat hier dieser Dolch gestecket; Sag’t: ob hier mit mehr Fug die Thraͤn/ ihr Blutt abwisch’t; 250 Als man mit’s Thaͤters Blutt der Todten Leich auffrisch’t. Verfluchte Greuelthat! woll’n nicht die Wolcken blitzen? Kan’s Mufti Heiligkeit nicht Hauß und Tochter schuͤtzen/ Wer wird uns einen Tag fuͤr unf’re Buͤrge seyn? Tyrannen bilden sich/ ihr Bruͤder/ glaub’t es/ ein; 255 Daß ihre Haͤupter sind die hohen Riesen-Berge/ Auf derer Gipfel wir als Ohnmachts-volle Zwerge Mit rechten’ Straffen nicht zu klimmen maͤchtig sind/ Die uͤber Wolck und Luft sich strecken: daß kein Wind Kein Schnee/ kein Hagel kan auch ihren Staub verwehen. 260 Allein im Fall ihr stimm’t/ sol bald der Blutthund sehen: Daß hohen Eichen sey der schnelle Blitz verwand; Sein Leben und sein Tod besteh in unser Hand; Jch stimme seinen Fall. Kan er auf schlecht Verbrechen/ Ja oft der Unschuld selbst Gutt/ Ehr/ und Halß absprechen; 265 So sol des Blutthund’s Schuld/ der die Gesaͤtze brauch’t/ Wie eine Schlang ihr Gift/ das/ wenn sie Frembd’ anhauch’t/ Jst toͤd lich/ aber ihr zu fuͤsser Nahrung dienet/ Unstraffbar nicht mehr seyn. Hat sich der Hund erkuͤhnet Auf der Polacken Heisch uns zu Schmach/ Trotz und Hohn/ 270 Ein ihm fast gleiches Haupt den Tarter Cham vom Thron Und Zepter abzuthun/ so duͤnck’s ihn auch nicht frembde/ Wenn ihm sein Purper-Kleid ein hauffen Sclaven-Haͤmbde Sein Halßband auß Rubin auß Perl’ und Diamant/ Damit er wie ein Weib beheng’t Haupt/ Halß und Hand 275 Ein haͤren Strick wird seyn/ und ihm die Kehl einschlingen: Daß Seel und Bluttjaͤscht muß auß Mund und Nase springen. Jch lobe/ was ihr schluß’t. Er hat an uns allein Den argsten Tod verdien’t; der/ was das Reich traͤg’t ein/ Was seiner Vorfahr’n Witz hat in den Schatz geleget/ 280 Verschwendende wirfft weg. Der Schweiß der Laͤnder traͤget Kaum/ was an Narden/ Mosch/ Oel/ Balsam und Zibeth/ Als Muͤntzen seiner Brunst und Geilheit/ auf ihn geh’t. Das Gold/ das Tunis zinßt/ schick’t er fuͤr Zobel-faͤhle/ Wormit er uͤberzeucht die Boͤden gantzer Saͤle/ 285 Den Moscowitern heim. Der Held Abdalla nam Ein gantz Pfund Mosch in sich/ wenn es zum Treffen kam/ Und er an seinen Feind die Kraͤfte solte strecken: Der Sultan/ umb nur Brunst und Geilheit zu erwecken/ Schluckt taͤglich so viel Mosch und Ambra in sich ein/ 290 Als Honam uns kaum schickt. Kein kostbar Edelstein Jst fuͤr ein geiles Weib dem Jbrahim zu theuer. Uns aber/ derer Spiel muß Feind/ Sturm/ Welle/ Feuer/ Schwerdt/ Hitze/ Kaͤlte seyn/ entzeucht er und verkuͤrtz’t Das sau’re Brodt/ den Sold. So werd er denn gestuͤrtz’t/ 295 Und das verschrenckte Recht durch eigne Faust erhalten. Mein Wunsch nichts minder ist: der Blutthund sol erkalten; Und nicht mehr Kaͤyser seyn. Allein ist unsre Hand Gewachsen diesem Werck? Euch Bruͤdern ist bekand/ Wie viel ihr außer uns auf’s Sultans Seite stehen/ 300 Wie Achmet keinen leicht in’s inn’re Schloß laͤß’t gehen/ Der nicht ist sein Geschoͤpf’ und Werckzeug boͤser That/ Wie er die Spahi meist in seinen Haͤnden hat/ Wie vielen unter uns sey Hertz und Muth gebrochen/ Seit Oßmanns Tod an uns so grausam ward gerochen. 305 Ja wagt er sich den Schwarm des Poͤfels anzufleh’n/ Wird morgen man von uns kein gantz Gebeine seh’n. Welch Traum mag in dir Furcht/ welch Schatten Zagheit heeken? Laͤß’t sich ein Janitschar so schlechte Blendung schrecken/ Fuͤr dem die Welt erbeb’t? Und ein erboost Croat 310 Erstach den Amurath. Den Ach- und Machmet hat Ein Dervis angespreng’t. Laß’ ihn den Poͤfel schuͤtzen/ Die Spahi bey ihm steh’n; wenn unfee Wolcken blitzen/ E Wird/ Wird/ durch was unser Strahl nicht unverhindert faͤhr’t/ Ob’s Stein und Ertzt schon ist/ in Asch und Staub verkehr’t. 315 Allein euch sey entdeck’t: daß nebst den Janitscharen Die Spahiguttentheils auf unser Kuͤste fahren/ Die durch des Mufti Dreu’n/ der Cadileschier Mund Dem Sultan setzen zu: daß er schnur-stracks den Hund/ Den Achmet seines Ampt’s und Dienstes ledig zehle/ 320 Und unsern Mehemet zum Groß-Vezier erwehle. Es bluͤhe Mehemet/ den Achmet rottet auß! Mein Herr/ der Groß-Visir komm’t zitternd in das Hauß/ Und bittet: daß wir ihn in ein Gemach verstecken/ Biß daß der Mufti komm’t. Was wahrsag’t uns sein Schrecken? 325 Jst diß wohl Fragens werthl Erweg’t/ was ich erzehl’t. Jst Mehemet vielleicht in seine Stell erwehl’t? Dem Hund unzweifelbar die Wuͤrde schon genommen. Was ist zu thun? Verschweig’: wer hier zusammen kommen. Gib ihm mit hoͤfligkeit ein schoͤnes Zimmer ein. 330 Biß Mufti komm’t/ und wir des Außschlag’s kundig seyn? Scheint das Verhaͤngnuͤß uns die Armen nicht zu reichen? Was wart- und zweifeln wir? Behertzt- und Ruhmbarn Streichen/ Die einen Boͤsen faͤll’n/ schreib’t keinmal man mit Recht Nicht Ubereilung zu. Jhr Bruͤder/ komm’t und brech’t 335 Dem Boͤsewicht den Halß/ den GOtt und Himmel blaͤnden: Daß er in’s Garn selbst renn’t sich liefernd unsern Haͤnden. Wenn diese That vollbracht/ so renn’t mit gleichem Muth Auch selbst den Blutthund an/ stoß’t die durch Achmets Blutt Erwaͤrmte Sebel ihm durch sein verzweiselt Hertze. 340 Wir folgen. Weißt den Weg durch euers Beyspiels Kertze. Wo eilt ihr Helden zu? Den Achmet abzuthun. Weil er schon abgethan/ laß’t euren Eyfer ruh’n. Laͤßt sich der kluge Schluß durch guten Außschlag loben? Der Achmet ist entsetzt/ und Mehemet erhoben. 345 Doch ist dem Hunde nicht das Leben noch geraub’t. Von Eichen die gefall’n/ ist Zwergen auch erlaub’t Zu samlen Brennholtz ein. Werzaber wird ergruͤnden/ Wohin die Flucht ihn trieb? denn wenn Cometen schwinden/ Und Luft-Gestirne falln/ nimm’t Spur und Pfad auch nicht 350 Ein Luchsen-Auge war. Die Mutte such’t das Licht/ Doch findet sie den Sarch in den beliebten Flammen. Und Achmet hat dein Hauß/ weil wir hier sind befammen/ Zu seinem Schirm erkiest. Der Hund? bey mir? mein Hauß? So ist es. Jagt mir stracks den Boͤsewicht hinauß. 355 Laß’t uns den Hund allhier vorher zu Rede setzen. Jn seinem Blutte vor die kalten Schwerdter netzen. Geh meld ihm: daß ich ihn allhier empfangen wil. Wie kan’s Verhaͤngnuͤß nicht des Gluckes suͤsses Spiel/ Der Boßheit Freuden Klang/ der Laster Lied verstimmen! 360 Der Fruͤh vom Balsam trof/ sol itzt im Blutte schwimmen! Ja sicher bald erfahr’n: daß/ der auf Laster thuͤrm’t Sein Gluͤcks-Rad/ sich bald sih’t mit ihm in Grund gestuͤrm’t. Achmet. Mufti. Drey Cadileschieri. Kiuperli. Kul-Kiahia. Kara-Chiaus. Die Janitscharen. Hassan-Ongle. Vier Stummen. H Jlf Himmel! traͤumet mir? wo werd ich hingefuͤhret? Willkommen grosser Freund/ willkommen! woher ruͤhret 365 Diß sein Entsetzen her? Der/ den’s Gewissen schreck’t/ Meyn’t: daß auch klare Luft voll Donnerkeile steck’t. Eroͤfne/ was du such’st? Was ist’s! wir woll’n es hoͤren. Der/ den’s Verhaͤngnuͤß druͤck’t/ muß hohe Schutz-Saͤul’n ehren/ Zu Gnaden-Bildern flih’n. Hor’t/ was itzt Mufti gilt! 370 Den er vor angespien/ ist itzt sein Gnaden-Bild/ Dem er die Tochter nam/ der sol ihn itzt beschirmen! Diß lehre dich mein Freund: daß auß Coloß- und Thuͤrmen/ Grauß/ Asche/ Thal und Pful/ auß Riesen einen Zwerg Der Abend machen kan. Der gestern-grosse Berg Such’t 375 Such’t Schatten itzt bey dir; und der Gefall’ne bittet; Weil Gluͤck und Himmel meist nicht einen Keil außschüttet: Er woll’ ein Lorberbaum ihm fuͤr mehr Blitzen seyn. Hoͤr’t: was fuͤr Furcht ihm schon jag’t seine Boßheit ein! Jhr Freunde/ sag’t: was ist des Achmets groß Verbrechen? 380 Wolt ihr nach’s Poͤfels Arth auf mich ein Urtheil sprechen? Der seines Abgott’s Bild am ersten/ ohne Grund Und Ursach schlaͤg’t ent; wey/ so bald ihm nur wird kund: Daß es der Fuͤrst verwirff’t/ nach dessen Ungunst-Schatten/ Ja wie weit Haͤuchler ihn auß Neid verfinstert hatten/ 385 Gefaͤllter Fehltritt miß’t. Hoͤr’t! wie der Boͤsewicht/ So rein sich brennen wil! Jch leugn’ ihr Freunde nicht: Daß ich des Mufti Kind Gewaltsam weg hieß holen. Doch! wen entschuͤldig’t nicht? Der Sultan hats befohlen. Steh’t Fuͤrstlichen Befehl zu weigern/ Knechten frey? 390 Zu gruͤbeln: Ob sein Thun recht/ oder unrecht sey. Jhr kenn’t des Sultans Arth und seinen Trieb im Lieben. Jst einer unbeschimpff’t/ ja unerwuͤrget blieben/ Der ihm im Lieben ein zu reden sich erkeck’t. Merck’t! wie er seine Wuͤrm ins Sultans Kleid versteck’t! 395 Sich den/ den er vor selbst verfuͤhr’t/ itzt laͤsternd schmaͤhet! Hast du nicht Wachsgeschaff’t/ die Tachte selbst gedrehet Zun Fackeln/ die der Fuͤrst der Geilheit zuͤndet an? Doch laß’t uns hoͤr’n; mit was der Hund beschoͤnen kan. Daß der verkuͤrtzte Sold uns noch zu ruͤcke bleibet? 400 Mit was Gewissen ihr mir diese Schuld zuschreibet/ Erweget mit Vernunft; indem euch wohl bekand: Daß in dem Schatze nicht hat Achmet seine Hand/ Noch so viel Macht gehabt in noͤth’gen Geld-Außgaben/ Als Sechierpera und andre Weiber haben. 405 Jtzt wandelt sich der Hund in einen/ todten Stein Und ein unnuͤtzes Holtz. Wer wil im Ampte seyn/ Muß wo/ und was das Ampt heisch’t/ reden/ sorgen/ wachen. Ja wer die Niedriegen sich laͤß’t zum Goͤtzen machen. Jst Wuͤrd und Amptes nicht/ mehr aber Straffens werth/ 410 Als der auß Vorwitz oft auß seinem Zirckel faͤhr’t. Wie zittert nun der Hund? So gehts: Die Last der Suͤnde Mach’t das Gewissen schwer. Ja/ wenn die Zwirbel-Winde Der Laster nehmen schon Seel und Begierden ein/ Muß’s Hertze voller Furcht/ der Kopff voll Schwindel seyn. 415 Die Laster haben zwar Granaten-Aepffel-Schalen/ Jnnwendig sind sie Schlee und Wermuth. Jhre Strahlen Sind glaͤntzend/ aber Gift und Basilisten-Arth. Drumb traͤum’t dir nicht umbsonst vom Fall und Hellenfarth. Stracks stoß’t den Hund zum Haus’hinauß Doch an der Schwelle 420 Faß’t ihn/ ihr Stummen/ an; schick’t seinen Geist der Helle Durch ein paar Stricke zu. Behertzigt/ was ihr thut! Besudelteuren Ruhm nicht durch unschuldig Blutt! Glaub’t: daß der Ehre Schatz/ den Schweiß und Blutt erwirbet/ Auch durch Gedancken nur/ die unrein sind/ verdirbet; 425 Vielmehr wird euer Glantz verfall’n in Schmach und Nacht/ Da ihr auß Helden euch zu Unschulds-Henckern macht. Die Nachwelt wuͤrd euch schmaͤh’n/ der Vorfahr’n Todten-knochen Gespenster geben ab/ und euch/ was ihr verbrochen/ Verweißlich stellen fuͤr. Doch trau’ ich solchen Grimm 430 Nicht en’rer Tugend zu Die Zagheit rgast so schlimm Auf unbewehrte nur. Großmuͤtt’ge Hertzen tragen Mitleiden mehr mit dem/ den Neid und Zufall schlagen; Ja koͤnnen Schuldige nicht einst verderben seh’n/ Wenn sie fußfaͤllig sich seh’n umb Genad’ anfleh’n. 435 Schlept den verzagten Hund weg von des Mufti Fuͤssen. Gerechte Rache wird durch Knie und Erde-kuͤssen Und Fuß-Fall nicht gehemm’t. Wer auch sich/ wenn er faͤll’t/ So winselnd/ so verzag’t/ so Weib- und Knechtisch stell’t/ Jst nicht Erbarmens werth. Stracks/ schlinget ihm die Sricke 440 Umb den verdammten Halß. Gerechter Himmel schicke Doch Recher dieses Mord’s! Jndem fast unerhoͤr’t; Daß angeflehter Schirm selbst Flehende versehr’t. Wenn Nattern man ertritt/ woll’n sie die Zung erst schaͤrssen. Laß’t den erstickten Hund zu offnem Schauspiel werssen E ij Fuͤr’s 445 Fuͤr’s neue Kirchen-Thor: daß alles Volck schau’ an: Wie hoch ein grosser Baum durch Laster fallen kan. Diß lehrt: daß GOtt zerbricht Hoffaͤrtige wie Scherben/ Daß Mensch und Ameis nur zum eigenen Verderben So Ehr als Fluͤgel krieg’t; daß der wie Glaß zerfaͤll’t/ 450 Der nur der Boßheit Nichts fuͤr einen Grundstein haͤlt. Doch diß ist’s Vorbild nur des rechten Trauer-Spieles. Sag’t: auf was Arth nunmehr der Mittelpunckt des Zieles Sich sicher treffen laͤß’t. Man heisch ihn fuͤr den Rath Des Divans/ mit Befehl: daß wegen seiner That 455 Er Red’ und Rechenschaft sol Herr und Volcke geben. Wohl! wir woll’n Augenblicks in Divan uns erheben. Der Schauplatz stellet fuͤr des Kaͤysers Hosada. Ibrahim. Kiosem. Mehemet. Nasuf. Piali Bassa. Capachi- Bachi. Etliche andere Bassen. Etliche Cadi. Selistar Aga. S O ist durch Menchel-Mord mein liebster Achmet todt? Ja/ seine Leiche lig’t geworffen in den Koth! Den Hunden zu der Kost/ dem Poͤfel zum Gespoͤtte. 460 Verteufelt-Boͤse that! Ach! daß ich/ Achmet/ haͤtte Dem Stifter deines Mord’s den Mufti/ vor erdruͤck’t! Eh’ es an dir den Muth zu kuͤhlen ihm geluͤck’t. Ha! wie hat Jbrahim; so schaͤndlich sich vergangen? So heßlich sich befleck’t? als er ihr schlimm Verlangen 465 So liederlich verhieng. Ja Jbrahim selbst gab/ Den Henckern Muth und Strick/ als wir dich setzten ab! Denn/ wer die Nattern schon laͤß’t unterm Haupte nisten/ Der lockt sie selbst in’s Fleisch/ zum Hertzen/ zu den Bruͤsten. Wer eines Nagelsbreit der Aufruhrs-Glutt raͤum’t ein/ 470 Dem wird ein flammend Brand bald unterm Dache seyn; Der muß den Wind bald seh’n mit seiner Asche spielen. Ja/ der lesch’t Glutt mit Oel/ meyn’t Kalck mit Flutt zu kuͤhlen/ Wer ein aufruͤhrisch Volck mit linden Fingern streich’t. Doch/ hat kem Mensch als sie Schuld: daß mit ihm erbleich’t 475 Des Sultans rechter Arm. Mein Sohn/ sol ich’s entgelten? Laͤß’t wegen Zufall sich ein gutter Rathschluß schelten? Wer Redligkeit und Witz auf’s Rath-Hauß mit sich traͤg’t/ Jst Ruhms-werth/ wenn sein Rath gleich mit Verlust außschlaͤg’t. Ja mit Verlust des Ruhms; wo wir schnur-stracks nicht waschen 480 Durch Blutt diß Brandmal ab. Eil’t! opfert Achmets Aschen Das Fleisch der Moͤrder auf. Wer eilet alsobald/ Erbricht des Mufti Hauß des Henckers mit Gewalt/ Und liefert uns hieher den kalten Kopf des Hundes? Erwege noch einmal den Außspruch deines Mundes; 485 Und wie man mit Gefahr ein Nest voll Wespen stoͤr’t. Was Sanftmuth schaden thut/ hat Achmet uns gelehr’t. Großmaͤcht’ger Herr und Fuͤrst; Jch muß umb Gnade bitten: Und daß man uͤber den nicht moͤge Grimm außschuͤtten/ Der auf der Obern Heiß muß boͤser Bothe seyn. 490 Was ist’s? 1. Der Sultan sol in Divan sich stell’n ein. Dem Volcke werden recht/ und außfuͤhr’n seine Thaten. Wer schickt dich? 1. Mufti zwar; doch Buͤrger und Soldaten Versamlen fuͤr der Burg nebst ihm in Tempel sich. Hoͤr’t: was der thoͤr’chte Schwarm der Sclaven wider mich 495 Hochfrevelnd sich erkuͤhn’t! Soll’n wir der Narrheit lachen? Wie? oder alsobald mit Donner auf sie krachen? Geh’ und bring’ ihnen noch die Gnaden-Warnung bey: Daß schnelle Buß ihr Heil/ Trotz ihr Verderben sey. Doch warumb lassen wir nicht bald den Schwarm zertrennen? 500 Es muß ein gluͤend Stahl den kalten Brand verbrennen/ Der durch ein Glied sich schleich’t in gantzen Coͤrper ein; Denn/ da die Asche nicht sol neuer Saame seyn/ Auch nicht mehr Drachen Koͤpf’ auß ihren Strimpfeln bluͤhen/ Muß’s Messer/ welches kerb’t/ von Pein und Rache gluͤen. Mein 505 Mein Kind/ wenn Klugheit wil was Fruchtbar’s geben an/ So pruͤf’t sie vor die Zeit. Die beste Salbe kan. Zur Unzeit werden Gift/ entzuͤnden Beul- und Wunden Gesaͤtzt: daß Essig muß auf Schwere seyn gebunden/ Die Meineyd hat gezeug’t: so dreu’t diß noch nicht itzt/ 510 Da die Versamleten die Maͤnge reitz’t und schuͤtz’t. Mein Fuͤrst der Mufti heißt mich ihm diß Tessa bringen. Wohin wird sich der Hund noch durch den Hochmuth schwingen? Doch laß’t uns schau’n: was uns der Meineyds-stifter schreib’t. „Jm Fall Fuͤrst Jbrahim verstock’t und außen bleib’t/ 515 „Sich wider das Gesetz und’s Divans Rath auflehnet; „Sey er hierdurch des Reichs verlustig und entkroͤhnet. Verdammte Laͤsterung! Besorgstu Bube nicht Ein bluttig Bothen-Lohn? Der Fuͤrst weiß meine Pflicht. Bluttstifter/ Moͤrder/ Hund/ Aufwickler/ Ubelthaͤter! 520 Liß dir die Stuͤck hier auf zur Antwort/ Ertzverraͤther! Wo renn’t dein Frevelmuth so blind und Rasend hin? Welch Teufel ruͤhr’t dein Hertz/ bezaubert deinen Sinn? Ein Sclave wag’t sich’s Reich dem Kaͤyser abzusprechen? Wie blitz’t der Himmel nicht/ so mag der Abgrund brechen! 525 Und diesen gist’gen Schaum der Erde schlingen ein! Sind noch nicht Hencker dar/ die schon geschaͤftig seyn Den Ertz-Dieb abzuthun/ den Schaͤdel uns zu holen; Mein Kind/ ja/ ich gesteh’s: daß gluͤend-heisse Kohlen/ Pfal/ Schwefel/ siedend Oel fuͤr diese grause Schuld/ 530 Zu linde Straffen sind. Witz aber brauch’t Geduld/ Wo unbesonnen Zorn und Eyfer mehr kan schaden. Wil sie zum Untergang uns noch mit Schimpf beladen? Sol ein behertzter Ries auch wachend schau’n/ und fuͤhl’n: Wie Zwerg ihm umb die Nas’ und auf den Schultern spiel’n; 535 Sol ein lebendig Beer empfinden ohne Rache: Daß ihm ein Ameiß-Heer im Munde Rester mache? Ein Hase rauff’t den Zopf nur todten Loͤwen auß. Nein/ sicher! Jbrahim leb’t/ und wird noch in Grauß Zertreten/ der ihn tritt; zermalmen/ die ihn necken. 540 Mein Fuͤrst/ des Dwans Dreu’n ist nicht veraͤchtlich Schrecken. Das Beyspiel Mustafens lehr’t: daß des Divans Rath Die grossen Sultane Macht abzusetzen hat. Doch haͤtt Er sicher ihm den Zepter nicht genommen. Waͤr er auf gleichen Heiß/ nur fuͤr’s Gerichte kommen. 545 Soll’n/ was die Mutter selbst dem Bruder widerrieth/ Wir mit mehr Schimpf itzt thun? Mein Sohn/ er selber sih’t Und sie hat oft beschmertz’t: daß sie ihm schlimm gerathen. Meß’t einen Jbrahim nicht nach der Arth und Thaten Des bloͤden Mustasa. Der Tauben Sanftmuth sieh’t 550 Nicht edlen Adlern an. Ja sie Frau Mutter geh’t Mir mit was Ruhmbar’n fuͤr/ als sie umb schlecht Verbrechen Den Halß dem Mustafa dem Groß-Visier ließ brechen/ So warf auch Amurath vom Haupte die Gefahr Mit’s Regep Bassa Kopf/ als er entschlossen war/ 555 Statt unsers Bruders uns auf Oßmans Stul zu heben. Die samptlich koͤnnen ihm hier keine Richtschnur geben/ Weil er hier mit Gewalt werckstellig machen wil Auf ein gewafnet Volck; diß/ was dort/ da das Ziel Der Rache war ein Kopf/ mit List ward außgeuͤbet. 560 Wenn wider Fuͤrsten sich der Poͤsel aufleh’nt/ giebet Dem Fuͤrsten nichts mehr Sieg/ dem Aufruhr groͤssern Stoß; Als wenn ein Fuͤrst behertz’t dring’t auf den Haussen loß. Dem Sultan Oßman hat nichts als die Furcht gefaͤllet/ Denn haͤtt er als ein Held zur Wehre sich gestellet/ 565 Die Majestaͤt nicht weg geleget und besteck’t/ Jn eines Spahi Kleid in Winckeln sich versteck’t; Kein Moͤrder haͤtte nicht ihn Moͤrdrisch zu bespringen Meineydig sich erkuͤh’nt. Jch sol dem Kaͤyser bringen Vom Divan diese Schrift. Hoͤr’t die verdammte Schaar 570 Richt von dem Wahnwitz auf? Sind keine Schergen dar/ Die Schrift/ die nicht ist werth des Lesens/ zuverbrennen? „Man les’erst/ was sie such’t. Der Divan muß erkennen „Wer das Gesaͤtz und Recht des Divans nicht nimmt an/ „Der ist kein Sultan mehr/ in auch kein Musulman. E iij Ver- 575 Verfluchte Boͤsewicht! Hier bringe diese Stuͤcke/ Den Aberwitzigen zur Antworts-Schrift zu ruͤcke; Der aufgepfaͤlte Kopf des Mufti sol sie bald Lehr’n: ob wir Kaͤyser sind. Stracks dringe mit Gewalt Der Leibwach auf den Schwarm der Rasenden Gemeine; 580 Mit Dreuung: daß von ihr sol kommen kein Gebeine/ Wo sie die Koͤpf uns nicht der Redelsfuͤhrer schick’t. Stell’t sie sich trotzig an; so werd ersteck’t/ erdruͤck’t/ Verstimmelt und zerfleisch’t/ was einen Finger ruͤhret. Jch weiß: daß Knechten wohl zu gruͤbeln nicht gebuͤhret/ 585 Ob moͤglich zu vollzih’n sey/ was ein Fuͤrst befichl’t. Gehorsam ist die Schuld auch/ wenn das Absehn ziel’t Aufs Dieners Untergang. Die Nachwelt wird stets muͤssen Die ruͤhmen/ welche sich statt Reisichts binden liessen/ Durch ihrer Coͤrper Berg und ihrer Leichen Grauß 590 Zur Stuͤrmung Bagadets die Graben fuͤllten auß. So ist’s auch ruͤhmlicher behertz’t alsbald erbleichen/ Als fuͤr dem Feinde zwey drey Spannen ruͤckwerts weichen Und seines Lebens Ziel erstrecken auf viel Jahr. Und also wolt auch ich auf die verschworne Schaar 595 Großmuͤthig stuͤrmen loß/ solt’ es gleich Sterbens gelten. Alleine/ nachdem die ihn fuͤr unglaͤubig schelten/ Die das Gesetze lehr’n/ das Mahumed gebracht/ Hab ich fuͤr’s Sultans Heil kein Glied zu ruͤhr’n mehr Macht. Wilstu/ verzweifelter/ nun auch zum Schelmen werden? 600 Mein treuer Dienst verdien’t vernuͤnftiger Gebehrden. Bewehre deine Treu’ itzt durch befohl’ne That. Nein! weil der Sultan nicht mehr zu befehlen hat. Welch Knecht hat ie den Herr’n in’s Antlitz so verhoͤhnet? Der ist mein Herr nicht mehr/ den das Gesetz’ entkroͤnet. 605 Meineydige! Zuck’t noch kein Sclav’ auf ihn das Schwerdt? Wir sind verrathen! ach! wie irr’t/ wer Diener werth/ Hosheuchler redlich schaͤtz’t; und Treu’ in Knechten suchet! An dir sey unser Brodt und unser Saltz verfluchet! Was aber hindert uns? daß wir durch eig’ne Hand 610 Nicht unser Recht außfuͤhr’n? und dieses Aufruhr’s Brand Am Haupte leschen auß? Was/ wil man mir so lohnen. Halt! oder Mehemet wird Jbrahims nicht schonen. Mufti. Bectas. Ibrahim. Kiosem. Mehemet. Kul-Kiahia. Ka- ra Chiaus. Hassan-Ongle. Die drey Cadileschier. Etliche Bassen/ darunter Kiuperli, Piali, Nasuf, und eine Menge der Janitscharen. Machmet des Jbrahims aͤltester Printz. Bajazeth. Orcan. Suleiman. H Alt! was sol dieses seyn? wil noch der Wuͤtterich/ Den Heer und Volck verdamm’t/ durch noch mehr Mordthat sich 615 An Haͤuptern dieses Reich’s vermessentlich vergreiffen? Laß’t den Tyrannen stracks fuͤr Hund und Poͤfel schleissen! Hilf Himmel! was hab’t ihr auf eu’ren Kaͤyser fuͤr? Du bist kein Kaͤyser mehr. Des Divans Schluß hat dir Halß/ Ehre/ Kaͤyserthum rechtmaͤssig abgesprochen. 620 Ach! was hat Jbrahim so grosses denn verbrochen? Nothzuͤchtiger! sind dir die Laster nicht bewust; Und daß der Himmel schick’t Pein auf verdammte Lust? Greiss’t den Tyrannen an! und hau’t den Hund in Stuͤcke Er ist nicht Schwerdter werth. Hier brauchet diese Struͤcke. 625 Frau Mutter/ ach! wil sie nun nicht mein Schutz-Bild seyn? Faßt ihn. Ach! schrencke mich mit deinen Armen ein. Jhr Helden thut Gemach. Bedenck’t: was ihr beginnet! Wer der sey/ welchen ihr hier zu ermorden sinnet; Ein Blutthund/ ein Tyrann’; ein Moͤrder; der nicht werth/ 630 Daß ihm die Sonne schein’t. Ein Fuͤrst/ den ihr erklaͤr’t Zu en’rem Sultan hab’t/ dem/ als er ward erkohren/ j Jhr Treue/ Liebe/ Pflicht/ Gehorsam habt geschworen. Ein’ Schaͤnder/ dessen That uns laͤß’t des Eydes loß. Fort mit ihm reiß’t den Hund der Mutter auß der Schooß. Jhr 635 Jhr Helden/ lasset euch die Mutter doch erbitten; Laß’t so viel Thraͤnen sie vergebens nicht verschuͤtten! Und saͤnftig’t mit Vernunft und Gnade strenges Recht. Ein Herr/ ermordet nicht/ stracks/ wenn er fehl’t/ den Knecht. Wie/ daß denn euer Haupt/ dafern es was verbrochen/ 640 Stracks sol zermalmet seyn? GOtt hat auch stets gerochen Veruͤbten Fuͤrsten-Mord. Nicht einer/ der durch Blutt Des Oßmanns sich befleck’t/ ja der nur seinen Muth Und Muthwill’n hat gekuͤhl’t an seiner Todten Leiche/ Blaͤss’t mehr den Athem auß. Der selber/ der im Reiche 645 Dem Sultan folgen wird/ wird strenger Recher seyn. Denn durch diß setzt ein Fuͤrst sich fest in Buͤgel ein. Umbsonst! der Blutthund kan/ wo uns des Himmels Rache Nicht selber stuͤrtzen sol/ mit seiner boͤsen Sache Der Strasse nicht entgeh’n. Fort mit ihm! greiff’t ihn an! 650 Jhr Helden/ wo er ja nicht ungestrafft seyn kan; So straft nicht uͤbers Maaß; und schon’t des Fuͤrsten-Bluttes. Kein furchtsam Mittel schaf’t im Straffen etwas Guttes. Die Wasserwolcke/ die der Fuͤrsten Aug einhuͤll’t/ Steck’t voller Donnerkeil und ist mit Rach erfuͤll’t. 655 Ja wer ein hohes Haupt beleidiget/ nicht faͤllet/ Thut Thoͤr’chter/ als der sich nach der Verletzung stellet Dem Loͤwen Wehrloß fuͤr/ ja sonder ein Geschooß Ein grimmes Waldschwein neck’t. Jhr seyd des Kum̃ers loß/ Wenn Jbrahim gib’t Heft und Waffen auß den Haͤnden. 660 Laß’t euch durch solchen Dunst nicht Hertz’ und Augen blaͤnden/ Weil sich die Schlange ruͤhr’t/ versuch’t sie Gift und Stich. Vielleicht ist Jbrahim zu lencken: daß er sich Des Zepters selbst entzeucht. Ha! laß uns lieber sterben! Nimm Zeit und Nothstand wahr. Der Abend kan erwerben/ 665 Was uns der Mittag raub’t. Als Mustafa gleich fiel Jn Kercker von dem Thron/ erlang’t er doch das Ziel Des Herꝛschens durch den Tod des Sultan Oßmanns wieder. Auch leg’t Geduld und Zeit den groͤsten Eyfer nieder. Wer wuͤrde denn nach mir des Oßmanns Zepter fuͤhr’n; 670 Wer? als dein Sohn. Hierumb darffstu kein Wort verlier’n. Sie mach’s denn/ wie sie kan. Euch Helden wird bewegen: Daß sich der Fuͤrst entschleust den Zepter abzulegen. Solch hoher Fall wird euch ja Straffe seyn genung. Wer Fuͤrstlich ist gezeug’t/ im Purper worden jung/ 675. Das Herꝛschen hat geschmeck’t; kan aͤrger nicht erblassen/ Der ist schon lebend todt/ der’s Reich muß fahren lassen. Betrug und Stachelist von Suͤssigkeit nicht fern; Ach! moͤget ihr mich doch in ersten Kercker sperr’n. Ob mich der Blutthund gleich am aͤrgsten hat verletzet/ 680 So waͤre doch mein Rath: daß er wuͤrd eingesetzet Jn Kercker/ wo ihn Sonn und Monde nicht beschein’t. Er hat zwar mehr verkerb’t; doch weil es Mufti meyn’t/ Die Sultanin fuͤr ihn so gar beweglich bittet/ Sol Er nicht nach Verdienst mit Rache seyn beschuͤttet. 685 Geh’t aber schlepp’t ihn bald in’s ersten Kerckers Loch. Eroͤfnet durch die Stadt: des Blutthunds strenges Joch Sey gluͤcklich abgeweltz’t; und daß von seinen Soͤhnen Man itzt den Eltsten wird zum Tuͤrck’schen Sultan kroͤnen. Printz Machmet werd’ alsbald hieher ins Zimmer bracht. 690 Verwirrtes Trauerspiel! verkehrte Mitter-Nacht! Da ich den Sohn vergeh’n/ den Enckel wachsen schaue. Leb’t iemand/ welchem nicht fuͤr diesem Zucker graue Des Herꝛschens/ der zu letzt als Gall und Essig schmeckt? Wie/ daß Regiersucht den fast iede Seel’ ansteck’t? 695 Daß man den grossen Printz auf Oßmans Steul erhebe! Daß ein Schneeweiß Gewand des Printzen Leib umbgebe. Heng’t ihm den Mantel umb von Gold und Karmosin. Reich’t ihm den gruͤnen Bund/ die Seiger-Federn hin. Die Saͤbel guͤrtet ihm des Oßmans umb die Lenden. 700 Erhebt und tragt nunmehr den Machmet auf den Haͤnden. Das Volck erklaͤre sich: Sol Machmet Kaͤyser seyn? Der Sultan Machmet herꝛsch! Jedweder stimmet ein. Diß Jahr/ das seinen Lauff fuͤhr’t nach der Arth des Loͤwen/ Weissagt: daß ihn die Welt als ein solch Thier wird scheuen. Daß 705 Daß diesen Loͤwen Rom als Schutz-stern sol verehr’n/ Ja Sonnen unterm Mohnd und in den Krebs gehoͤr’n. Gott woll ihm Segen/ Heil/ Verstand/ Sieg/ Erben gebne. Wil mit gewohnter Pracht der Sultan sich erheben Jn Hiobs Heiligthumb den Eyd zu legen ab. 710 Daß er Gesetz und Recht/ das Mahumed uns gab/ Durch’s Schwerdt beschirmen wil? Laß’t doch vorher uns kuͤssen Des Rockes guͤld’nen Saum/ den Staub von seinen Fuͤssen. Reich’t ihm zum Kuß auch hin den heil’gen Alcoran. Es werde Pers’ und Christ des Sultans Unterthan! 715 Laß’t die drey Printzen auch des Brudern Knie umbfassen: Daß sie durch Grimm und Strick nicht fuͤr der Zeit erblassen’ Wir nehmen danckbar an/ und uns hat hoch ergetz’t: Daß uns das Reich so jung zum herꝛschen wuͤrdig schaͤtz’t. Wir werden ohne Blutt zu Herꝛschen uns bemuͤhen. 720 Was aber uns die Jahr an Klugheit noch entziehen/ Wird Mehemets Verstand der Witz der Sultanin So lange bringen ein. Jhr solt das Taraquin Und der vertagten Sold noch heute baar erheben. Daß Sultan Machmet muß unendlich bluͤhn und leben! Der Schauplatz stellet fuͤr einen Kercker. Ibrahim. Der Ambre Geist. Vier Stummen. Sechs Geister ermordeter Bassen. 725 S O senck’t Stamboldens Sonn hieher den stoltzen Lauf? Schleust niemand uns die Nacht des bangen Keꝛckeꝛs auf? Soll’n wir lebendig seyn in diesen Sarch vergraben/ Wo wir Gespenster nur zu Mitgefehrten haben? Wo Angst das Hertz uns frist; und ein stets wehrend Traum 730 Den Kopf uns wuͤste mach’t. Schau’t: wie der Zeder-Baum/ Der Haupt und Gipfel hatt im Himmel/ dessen Fuͤsse Jm Abgrund wurtzelten; von einem Schlage muͤsse Zermalm’t in dieses Thal so einer Helle falt’n! Doch! Jbrahim ist’s werth: daß er ein blindes Knall’n/ 735 Ein falsches Dre nen ihm ließ Aug und Hertze blaͤnden: Daß er die Knechte nicht mit Waffen in den Haͤnden/ Mit Feuer im Gesicht/ als Loͤw und Beer fiel an! Weil Zagheit doch nur Schimpf und Elend hecken kan. Ach! daß wir Hosnung uns zum Aufsteh’n moͤgen fassen/ 740 Der Mutter suͤsses Gist bezanbern haben lassen? Die der Verraͤtherey fuͤrnehmstes Mitglied war. Die Mutter/ die darumb uns Kinder nur gebahr: Daß sie die Klauen koͤnn’ im Kinder-Blutte faͤrben. Wie aber woll’n wir hier als Sclav als Knecht verderben? 745 Ja unsern Sohn mit uns so schimpflich seh’n gebahr’n/ Wie leider Bajazeth von Selim hat erfahr’n? Der nach geraubtem Reich und Knechtschen Fuͤsse-Kuͤssen Doch durch des Sohnes Gift zu letzt erblassen muͤssen. Jedoch/ was bilden wir/ die wir gekerckert seyn. 750 Vom Machmet uns nur diß/ was dort vom Selim ein? Ja Machmets Mutter wird uns selst erwuͤrgen lassen. Denn sie ist ein frech Kind der grausamen Cireassen/ Die nur ein bluttig Tuch auß Blutt-Lust bethen an. Drumb stirb mit minder Pein/ weil man noch sterben kan! 755 Auf! Jbrahim/ laß uns ergreiffen Strick und Messer! Ein selbst-erkiester Tod ist ruͤhmlicher und besser/ Als der Tyrannen Spiel/ der Hencker Opffer seyn. Stoß einen scharffen Dolch/ großmuͤthig in dich ein! Doch es ist weder Strick noch Messer hier verhanden. 760 Verdammte Raserey! die denen/ die in Banden Verschmachtend sterben/ nicht des Todes Wergzeug laͤß’t/ Daß er stets sterbende doch nicht die Seel außblaͤßt. Allein umbsonst! der Tod laͤß’t keinem sich verschluͤssen. Die Kleider werden uns zum Stricke dienen muͤssen. 765 Doch nein! laß uns die Nacht bepurpern durch diß Blutt. Die Pfosten sind hir schon zu Sterbens-Pforten gutt. Laß/ Laß/ eh auf unsern Halß die Hencker sich erbossen/ An diesen Mauren uns behertzt den Kopf zerstossen. Halt! Blutthund/ halt! Es steh’t ein ander Schluß 770 Jn des Verhaͤngnuͤßes gestirntes Buch geschrieben; Erzitterstu? was kan die fuͤr Verdruß Dir schaffen/ da du schwur’st auch ihren Geist zu lieben. Urtheil’stu Hund? daß Ambre sich stell’t ein/ Begierig durch die Seiffe deiner Aschen 775. Das Brandmal ihrer Keuschheit abzuwaschen; Du fehl st und irr’st! Ertzt schaͤnder/ nein/ Ach! nein! Denn gib’t die Kohle gleich den Spiegeln Glantz und Schein; So beitz’t dein Geilheits-Oel/ weil ja der Keuschheit Lilgen Sind zaͤrter als Chrystall/ und mehr als Spiegelrein/ 780 Uns Flecken/ welche nicht dein schwartzes Blutt kan tilgen. Dir selber sag’t schon dein Gewissen wahr: Daß Rache mich hieher mit Fackeln traͤget. Schan’t: wie ihm schon zu Berge steh’t das Haar! Wie ihm kein Puls/ wie schnell’ ihm’s Hertze schlaͤget/ 785 Wie als gefror’n jedwedes Glied ersitz’t! Wie Nas’ und Mund/ der vor nur Rasungs-Jaͤscht geschaͤumet Und Dreuens-Rauch gedampft’/ der Furcht ietzt Platz einraͤumet/ Die Stirn erstirb’t/ und kalten Angstschweiß schwitzt; Nachdem er mich den Abgott seiner Bruͤnste 790 Jn seinen Hencker sich so bald verwandeln sih’t. Lern itzt: daß Ros’ und Dorn auf einem Zweige bluͤh’t/ Daß eine Glutt zeug’t Flammen/ Rauch und Duͤnste; Daß oft ein scharffes Schwerd in Sammet-Scheiden sieck’t. Die Biene/ welcher Grimm du wider dich erweck’t/ 795 Als du ihr’s Jungfraun-Wachs den Keuschheits-Honig stahlest/ Verfolg’t nunmehr mit Rach und Stachel dich. Die Taube kehr’t in einen Adler sich: Daß du ihr durch dein Fleisch und Blutt den Raub bezahlest. Auf! Blutthund auf! nim nunmehr wahr: 800 Daß/ wie der Hencker dir schon nach der Kehle greiss’t/ Der Abgrund auch sein Schwerdt auf deine Seele schleiss’t. Auf! Stumme/ fallet ihm ins Haar/ Greiff’t den Verzweifelten an/ werff’t ihn zu der Erden/ Die nur von Bluttschuld kan durch Blutt gereinig’t werden. 805 Jch zitter! ich erstarr’! ich weiß nicht/ wo ich bin! Jch beb’; ach ich vergeh’! Ach! wo versinck ich hin? Bin ich im Abgrund? in der Helle? bey den Teuffeln? Ja/ leider/ Ach! ich muß verdamm’t seyn und verzweifeln! Wie viel sind Hencker und Gespenster umb mich her? 810 Jch wat’ in tieffem Sand/ und schwimm im schwartzen Meer! Jhr Stummen/ ja umbschling’t den Halß mit euren Stricken; Eh als die Geister mich mit mehrer Kwall erdruͤcken. Lernt Sterblichen: wie scharf des hoͤchsten Pfeile seyn/ Wenn er sie lange Zeit ins Langmuths-Oel weich’t ein! Reyen. Die Eris. Die Geilheit. Die keusche Liebe. Die Goͤttin Claudia und Felicitas. Ibrahims und Ambrens Geist. Die hoͤllischen Geister. Sechs weisse/ und sechs schwartze Liebes-Goͤtter. 815 D Je Venus hat mit Fug gesieget; Da sie den Schoͤnheits-Apfel hat Zu ihrem edlen Kleinod krieget. Nun aber der Verhaͤngnuͤß-Drat Jn meine Hand noch diesen schoͤner’n giebet/ 820 So sieh ich billich an/ Wem ich ihn geben kan. Doch schenck ich ihn der/ die am besten liebet. Geil- J St diß wohl Frag- und Zweifelns werth; Denn bin ich nicht die Tochter schoͤnster Zierden? 825 Gebehrerin der hefftigsten Begierden? Ein Feuer/ das wie Blitz durchfaͤhr’t; Das Ertzt zerschmeltz’t und Eyß steck’t an; Das Felsen aͤschert ein/ und Riesen zwingen kan. V Erkreuch dich du unechtes Kind. 830 Jch Goͤttin bin von der Natur gezeuget/ Mich hat ja Milch/ dich Schlangen-Gist geseuget. Mein ewig Oel/ dein Rauch und Wind Zeigt: daß mein Pfeil Gold/ deiner Bley/ Dein Glantz ein Schwantz-Gestirn/ ich eine Sonne sey. 835 D U bist jedweden/ der dich kenn’t/ Ein Reitz/ der sich vergnuͤg’t mit Schal- und Schleen/ Ein Trieb/ der nichts gebiehr’t als Wind und Wehen/ Ein Zunder/ der nur glimm’t nicht brenn’t/ Ein Stein/ der Stahl/ kein Gold nicht zeucht/ 840 Der vom anmuth’gen Sud zum kalten Nord abweich’t. D U bist die schlimme Zauberin/ Die’s Hertz in Asch/ in Vieh die Menschen kehret/ Die Seel ersteck’t/ den Leib kraͤnck’t und verzehret. Jch aber labe Seel und Sinn/ 845 Jch mache: daß der Zahn der Zeit Nicht alle Welt friß’t auf/ durch meine Fruchtbarkeit. Bin ich doch fruchtbarer/ als du. Komm’t/ Kinder/ baͤhn’t den Weg mit Tulipanen. Die Kinder sind nur Raben/ meine Schwanen 850 Auch deck’t dein Blumwerck Nattern zu. Jhr meine Kinder/ kommt herbey/ Und zeug’t: daß kein Napel in meinen Rosen sey. Der Dorn kleb’t allen Rosen an; An Tulpen ist kein Biesam nicht zu schmecken. 855 Dein Lusthauß sieh’t bey duͤrr- und wilden Stoͤcken. Das sich gar bald verwandeln kan Jn’s schoͤnste Paradiß der Welt/ Wenn deine Sternen Pracht in schwartzen Abgrund faͤll’t. Clau- J Ch bin des Hoͤchsten Pfoͤrtnerin/ 860 Die Macht hat Hell und Sternen aufzuschluͤssen. Komm Kind/ die Lust des Himmels zu genuͤssen. Nim diesen guͤldnen Apfel hin. Geneuß diß edle Paradiß/ Das schon der keusche GOtt in Eden schauen liß. 865 Kein Biesam/ Balsam/ trinckbar Gold Gleich’t keuscher Seelen Zucker-suͤsser Liebe. Jhr schein’t die Sonn/ ist gleich der Himmel truͤbe. Den grossen Kaͤyser Leopold/ Mach’ ich vom Leid und Dornen frey; 870 Zu lehrn: daß keusche Lieb’ auch nicht stets doͤrnricht sey. Was aber traͤum’t dir geilen Magd/ Geluͤstet dich der Liebe Preiß zu haben? Den Schinder-Karn der Unzucht zieh’n die Raben/ Der geile Sultan wird betag’t 875 Von Teufeln/ in den Hellen-Schlund. Jhr Teufel greiff’t und plag’t den Huren-Hengst und Hund. S Ol meine Schuld hier schon gepeinig’t seyn? Sind schon vertag’t die dreymal viertzig Jahre? Da allererst denn sollen Fleisch und Bein 880 Und Seelen sich vereinbahr’n nach der Baare. Wie daß mein Mund denn itzt schon kosten muß Zerschmoltzen Ertzt/ entflammte Schweseltraͤncke? Schau’t wie ihr Grimm mir schon umb Hand und Fuß Bruͤh-heisse Ketten/ glimme Fessel schraͤncke. 885 Wird nun die Pein wohl moͤglich seyn zu tragen; Da nur die Furcht hier’s Vorbild mahl’t der Plagen! S Chreib’t/ Geister/ ihn den Nahmen an die Stirn; Wie ich die Zahl der Laster ihm an Ruͤcken. Die dir dein Haupt sol/ Blutthund/ so verwirr’n: 890 Daß du nach GOtt wirst keinen Saͤufzer schicken. Und also wird nach tausend Jahren auch Der Blutthund noch im Feuer-Pfule braten; Nimm hin indeß die Aepsel/ die mehr Rauch Und Schwefel fuͤllt/ als Kerne die Granaten. 895 Dort wird der Baum der Bitterkeit mit Fruͤchten Die Kost nach Arth der Teufels-Koͤpf anrichten. J S! Blutthund/ iß! schmeck’t dir der Vorschmack nicht? So sihe wie durch Teuffel dort von ferne Dir wird die rechte Taffel angericht. 900 Diß sind nur Huͤlsen/ jenes sind die Kerne. Jhr Teufel komm’t! setz’t stracks ihn auf den Stuhl/ Der in dem Hartzt/ wie seiner schwam im Blutte. Komm’t Teufel/ werff’t ihn in den lichten Psul! Peitsch’t ewig ihn mit eu’rer Schlangen-Rutte. 905 Denn wer durch Brunst dem Teufel sich vermaͤhlet; Dem wird die Glutt zum Braut-Bett außerwaͤhlet. S O kehr’t sich geiler Liebe Pracht Jn Wasser-Perl’n/ ihr Oel in Hoͤllenbraͤnde! Gluͤckseeligkeit reich’t aber der die Haͤnde/ 910 Die boͤse Lust nicht fleckicht mach’t. Ja keuscher Liebe Wagen muͤh’n Schneeweisse Schwanen sich in’s Paradiß zu zieh’n. Fe J Hr reinen Seelen naͤhert euch! Wo Keuschheit sich und Liebe leg’t zusammen/ 915. Da kroͤnet Lust die all’zeit-hellen Flammen. Jhr Eh’-Bett ist ein Himmelreich; Die Fruchtbarkeit kehr’t reichlich ein/ Und holde Sternen woll’n selbst Hochzeit-Fackeln seyn. Jhr keuschen Seelen kommt und schau’t/ 920 Was das Verhaͤngnuͤß guttes hat gesponnen/ Fuͤr Oesterreichs gekroͤnete zwey Sonnen. Gluͤckseeligkeit ist’s Loͤwen Braut; Da aber kan kein Anschlag sehl’n/ Wo Tugend und Geluck einander sich vermaͤhl’n. 925 Es komm’t der guͤldnen Erndte Zeit/ Der Mohnde muß in tiefsten Zirckel weichen/ So oft die Sonn ist in des Loͤwen Zeichen. Und ich seh’ Oesterreich bereit Mit Kaͤyser-Fruͤchten fruchtbar sieh’n/ 930 Mit Sounen pral’n/ wofuͤr die Monden untergeh’n. Steht gleich ein einig Zweig nur noch; Die Welt kan auch bey einer Sonne bleiben. Ob Aloen nur einen Stengel treiben/ So ziehr’n ihn tansend Blumen doch/ 935 Und unsers LEOPOLDS sein Hauß Wird sich in hundert Zweig’ und Aeste breiten auß. FINIS. Noͤthige Erklaͤr- und Anmerckungen. Zum Vorredner. V. 9. Jn Ploten-Jnseln trinckt man ein Moreisch Kwell.) Daß in diesen oder sonst geneunten Strofadischen Jnseln ein Brunn sey/ deßen gutes und frisches Wasser in Mo- rea entspringe und unter dem Meere sechzig Meilen weit durch- krieche/ auch offt von dem Uhrsprunge her unterschiedene Sa- chen in diesen Jnseln heraußbracht habe/ berichtet Pictro della Valle nell. part. 1. de Viaggi lert. 1. da Constantinop. p. 8. Von den Fluͤssen Niger, Tigris, Anas, Alpheus und andern/ welche alle sich verschlingen/ und anderwerts wieder hervor kommen/ besiehe Kircher. in Mundo Subterran. lib. 2. cap. 13. Consect. 2. p. 89. \& cap. 20. p. 120. V. 10. Und in Sultanien rinnt/ was zu Mecha kwillet.) Eben dieser lett. 5. da Spahan. n. 15. p. 522. berichtet: daß in einer Mestite zu Sultania ein Braunn sey/ von dem die Persier glauben: daß er zu Mecha entspringe/ und unter der Erden so weit durchkriche. V. 13. 14. 15. 16. Der ich selbst das Roͤhr bin aller Meere.) Daß das schwartze Meer oder Pontus Euxinus der Uhrsprung aller Meere sey/ auß diesem allezeit ohne einigem Ruͤckfluß eine grosse Menge Wassers durch den Bosphor und Hellespont in das Mittel-Meer/ und von dar durch die Meer- Enge bey Gibraltar ins grosse Meer fließe/ dahero auch bey der groͤsten Seestille auf dem schwartzen Meere und in Propontide ein Schiff von sich selbst in einem Tage mehr donn zehen tausend Schritte weit gegen das Mittel-Meer abweiche; erhaͤrtet nicht allein Petr. Bellonius Observat. Itiner. Oriental. lib. 1. cap. 24. sondern: daß diß auch die Alten schon angemercket/ ist auß Pli- nii lib. 13. c. 4. zu sehen. V. 27. Ja heil’ge Thuͤrm’ auß Menschen-Haͤuptern macht.) Dieses ist eine Arth bey den Barbarn. Daher ward dem Janitscharen- Aga Bectas, nach der Kiesem und seiner Erwuͤrgung/ in vielen Briefen geschrieben: Sehet hier das Haar des Berraͤhters Bectas, der sich ruͤhmte/ ehe er seinen Kopff verlieren solte/ traute er Jhm von frembden einen so hohen Berg/ alß die Sophien-Kirche hoch waͤre/ uͤber einander zu sehen. M. Ricaut. l’Estat present d’Empire Ottoman. libr. 1. chap. 4. p. 83. V. 28. Darzu man zu Spahan nur Ziegen-Koͤpffe brauchet.) Daß zu Spahan in Persien ein Koͤnig von einer uͤberaufgrossen Menge wilder Ziegen-Koͤpffe und etlicher an- derer Thiere/ die er in einer Jagt geschlagen/ einen Thurm Minati Kielle genennet/ gebauet/ bezeuget B. della Valle. lett. 1. da Spahan. p. 12. V. 88. Selbst Jbrahims sein Eydam Jsmael:) Des Kaͤysers Jbrahims Tochter Ghealier Han Sultan hat in ihrer zartesten Kindheit sechs Bassen/ unter denenselben das fuͤnffte mahl den Bassa Jsmael geheyrathet/ welcher in der blu- tigen Schlacht an der Rabe/ da im 1664sten Jahre die unuͤ- berwindliche Waffen des itzigen Großmaͤchtigsten Kaͤysers Leo- pold dem Tuͤrckischen Machmet herrlich obgesieget/ nebst dem Chima Kam von Constantinopel/ und der Spahi Obersten Lar Agasi erschlagen worden. Nach ihm ist sie dem Visir zu Osen Gurgi vermaͤhlet worden. Ricaut l’Histoire de l’Estat. pre- sent. de l’Empire Otoman. livr. 1. chapitr. 9. p. 132. \& livr. 3 chap. 11. p. 698. Zur Ersten Abhandlung. V. 5. Sein ungewoͤhnlich Schwerd.) Graf Majolino Bisaccioni im Leben Sultan Oßmans auf der 290. Seite er- zehlt: daß die Tuͤrckschen Kaͤoser im Seraglio keine Sebel tragen. Die Janitscharen/ oder/ wie Petr. della Valle p. 1. nell, letter. 5. de Viaggi p. 140. erinnert/ rechter/ die Jenghiz- zeri, pflegen auch nur zum Kriege Waffen zu tragen/ sonst a- ber zum Zeichen ihres Gehorsambs die Haͤnde Kreutzweiß zu- sammen zu schlagen. Petr. Bellonius Obser. Var. Itiner. Orient. I. 2. c. 73. p. 318. \& l. 3. c. 17. p. 436. V. 77. 245. 246. Wie vieler Frauen Trieb/ seqq.) Bisaccioni im Ibrahim pag. 486 und 490. erzehlt: daß das Frauenzimmer im Seraglio den Jbrahim fuͤr unfruchtbar und unmaͤchtig anfangs außgeschrien: also: daß/ als den 2. Jenner im 1642. Jahre ihm sein erster Sohn Machmet/ itziger Tuͤr- chischer Kaͤyser gebohren worden/ viel ihn fuͤr ein untergesteck- tes Kind gehalten/ der Tarter Cham sich auch erklaͤret/ daß er ihn fuͤr keinen Stuhl-Erben des Tuͤrckischen Reiches erkennen wolte. V. 123. Hab ich durch theuren Eyd.) Daß diese Sultanin sich gegen des Jbrahims Liebes-Muthungen ent- schuldigt: Sie haͤtte dem Amurath/ Wittib zu bleiben/ gelo- bet/ erzehlet Bisaccioni p. 517. V. 168. Sonst sol diß Messer mich.) Eben daselbst er- zehlet er: daß als Jbrahim an diese Sultanin Hand legen wol- len/ sie zu einem Eisen/ derogleichen die hohen Frauen zu tra- gen pflegten/ gegriffen/ und ihn zu stossen/ gedraͤuet habe; also: daß des Sultans Mutter zu diesem Zwist kommende/ dem J- drahim es verwiesen/ der Sultanin aber Gelegenheit zu ent- kommen gemacht habe. V. 185. Dein siecher Leib hat dich schon gelehrt.) Wie Jbrahim im Brach-Monat des 1641. von einem schweren Schlag Flusse wegen ebenmaͤssiger Geilheit sey hefallen wor- den/ berichtet Bisaccioni p. 486. V. 193. 194. Laͤßt Zimmer zubereiten mit Zobeln uͤberdielt.) Daß er zu seiner Uppigkeit ihm Zimmer mit eitel Zobeln uͤberziehen lassen/ und daselbst mit seinem Beyschlaͤffe- rinnen gespielet und getantzet/ erzehlt er p. 505. V. 195. Nach schlimmer Heyden Weise.) Die Tuͤr- cken halten die Mahlerey und Abbildungen der Menschen und Thiere fuͤr eine Erfindung des Teuffels. M. Franc. Sansovin. vom Uhrsprung und Kriegen der Tuͤrcken cap. 35. solio m. 101. Dahero sie im Gewoͤlbe der Kirchen S. Sophiæ alle Bildnuͤsse außgekratzet. Pietro della Valla p. 1. nell. 2. lettere de Viaggi pag. 37. Weil die Tuͤrcken auch in ihren Meskiten keine haben doͤrffen. Theodor. Spandugino dei Costumi de Turchi fol. 126. Jedoch pflegen die Sultane meistentheils sehr von ihres Aber- glaubens Sitten abzuschreiten. Dahero Bisaccioni vom A- murath IV. p. 443 475. erzehlet/ daß er nicht alleine wider das Mahumetische Gesaͤtze viel Wein getruncken/ sondern auch fast alles wider seiner Vorfahren Gewohnheiten fuͤrgenommen ha- be. Maßen bey den auch Mahumetischen Persinnern die Menschen-Gemaͤlde nicht ungemein sind. Und erzehlet Pietro della Valle nell. letter. 1. da Spahan. n. 6. p. 60. Daß in des Sciach Abbas Gemaͤchern viel geile Bilder/ welche nichts als die Venus und den Bacchus in allerhand Stellungen abgebildet/ zu schauen gewesen sind. Jnsonderheit nell. lett. 4. di Persia da Ferhabad n. 26. p. 412. 413. berichtet er/ daß er in des Koͤ- nigs Zimmer Chah Abbàs unter einer Menge Frauen Zimmer auch des Teimuràz Chan Mutter Catarina auß Georgien/ wie sie weinende den Koͤnig/ ihr Land nicht zu verwuͤsten/ angeste- het/ abgemahlet gesehen habe. Dahero auch der Spanische Bottschaffter im 1619. Jahre dem Koͤnige in Peꝛsien das Bild- nuͤs der damals nenen Koͤnigin in Frauckreich verehret. Pie- tro della Valle nell. lett. 5. da Spahàn. n. 6. p. 488. Und im dritten Briefe berichtet er: daß Chiah Abbàs ins gemein den Alcoran uͤberstreten/ und so gar auch Schweine mit sich nach A Ferhabàd Noͤthige Erklaͤr- Ferhabàd gefuͤhret/ sonst auch allezeit viel Wein getruncken habe. Welchem viel Persianer darinnen gefolget/ und sich Mu- hammed Tahir Beius erstochen/ weil ihm der Koͤnig den Wein verwehret. Wiewohl die Persianer ihn deßwegen verdammet zu seyn/ glauben. Pietro della Valle lett. 4. da Ferhabàd. n. 18. p. 231. 232. Und dahero umb Ardebil kein Wein/ auf Ord- nung der Seeichavènd (welches des Ali Nachkommen sind.) gepflantzet wird/ weil sie wegen des alldar begrabenen Sciah Sofi diesen Orth nach Meka fast fuͤr den Heiligsten halten. Val- le. lett. 5. da Spahàn. n. 24. p. 585. Nichts desto weniger wer wacker hat trincken koͤnnen/ ist beym Chah Abbas ein stattlicher Mann gewest. Valle. n. 30. p. 434. c. nell. lett. 5. da Spahàn. n. 1. p. 472. c. nell. lett. 5. da Spahan. n. 19. p. 547. berichtet er: daß Chah Abbas, der Tarter Chan, Hasan Chan und an- dere Große so voll vom Weine gewest: daß sie voll des Koͤnigs Mahle haben muͤssen weggetragen werden/ nach Arth der alten Persianer beom Xenophonte in Cyropæd. lib. 8. Ob auch wohl einst Chiah Abbas den Mahometanern den Wein bey Straffe des Lebens verboch/ also: daß dem/ der ihn verkauffte oder weggab/ der Bauch auffgeschnitten/ der ihn tranck/ rinnend Bley in Hals gelassen ward/ P. della Valle lett. 12. da Spahàn. p. 232. 233. so ward doch diß Gesetze kurtz hernach wieder auff- gehoben; nell. lett. 14. da Spahàn. p. 341. V. 196. Dein Ambra/ der taͤglich deine Speise.) Jbrahim hat taͤglich an Ambra und derogleichen Geilheits- Wuͤrtzen wohl fuͤr zehen Scudi in seinen Leib verbraucht. Bisac- cioni im Ibrahim p. 506. V. 228. Hat edenfals durchschnitten ein so verstock- tes Weib.) Welcher Gestalt nach Eroberung der Stadt Ne- groponte Mahumed II. des Venedischen Stadhalters Pauli Etaci schoͤne Tochter/ welche in seinen Willen nicht einwilligen wollen/ zerhauen/ beschreibet umbstaͤndlich P. Pierre de Moyne la Galerie des femmes fortes. p. 394. seqq. V. 240. Du wilst ja Zucker heissen.) Der Nahme Sechierpera, welche des Jbrahims Kuplerin und Werckzeug seiner Uppigkeiten gewest/ heißt ein Stuͤcke Zucker. Bisaccioni p. 517. Dergleichen maͤchtige Liebes Kuplerin Dellala Chizi hatte auch Chah Abbàs. Valle. lett. 8. da Spahàn. p. 231. und beym itzigen Tuͤrckischen Kaͤyfer Machmet hatte seine Mut- ter ein Weib Mulki Kadin dergestalt eingeliebt: daß in ihren Haͤnden die gantze Herrschafft bestand; und alle Be- fehle durch die verschnittene Mohren/ die die Auffsicht uͤber das Frauenzimmer haben/ außgetheilet wurden. Des Sultan Kriegs-Volck aber nahm dieses weibliche Anschaffen so uͤbel auf: daß es rasende fuͤr den Kaͤyser lieff/ und anfangs die Ver- schnittenen/ hernach die Mulki mit ihrem Ehmanne Scaban Kalfa foderten und toͤdteten. L’Empire Ottoman. de Ricaut. livr. 1. chap. 3. p. 33. ‒ 35. V. 260. Den Tarter Chivas muͤssen in Rhodis rei- ben auf.) Jbrahim ließ durch den Mustafa Bassa den Tarter Cham Chivas/ welcher sich nach Rhodis vorher gefluͤchtet gehabt/ erwuͤrgen; weil er gesagt: Wenn Amurath oder Jbrahim ohne Maͤnnigliche Erben stuͤrben/ gehoͤrete ihm die Erbschafft des Tuͤrckischen Reiches. Bisaccioni p. 483. Derogleichen Erb- schaffts-Anspruch hat auch ein ander Tarterscher Chan ihm im 1619. Jahre eingebildet. P. della valle lett. 5. da Spahàn. n. 31. p. 646. Sonsten muß allezeit der Tarter Cham seinen Sohn dem Tuͤrckischen Kaͤyser zur Geisel liefern; wie denn auch der itzige Cham Mahomet Chirei lange Jahr zum Jamboli in Thra- cien und zu Rhodis schlecht und harte gehalten worden. Wel- ches auch verursacht: daß/ als er gleich nach seines Vaters To- de zur Herrschafft kommen/ dem diß verlangenden Groß-Visier Kiuperli seinen Sohn/ sonderlich auf Einreden der Pohlen und der benachbarten Tartern niemahls einliefern wollen; Ob schon die Tuͤrcken die Tartern ihre Bruͤder heissen/ auch mit ih- nen sich verbunden haben: daß/ wenn der Oßmannische Manns- Stamm absterben moͤchte/ der Tartarische Cham Tuͤrckischer Stuhl-Erbe seyn solte. L’Empir. Ottoman. de Ricaut. livr. 1. chapitr. 13. p. 196. V. 266. Daß von fuͤnff Soͤhnen ist des Oßmanns Thron gestuͤtzt.) Und V. 291. laß ins alte Schloß die Wuͤttende verstecken.) Daß dem Sultan Jbrahim fuͤnff Soͤhne gebohren worden/ lehret Bisaccioni p. 497. wovon ih- rer nebst dem Sultan noch drey/ Bajazeth/ Orcan und Soli- man leben/ auf welchen letztern die Tuͤrcken ihre groͤste Hoff- nung setzen. Der erstern zweyen Mutter ist ins alte Schloß o- der Seraglio eingesperret/ welches gleichsam ein Gefaͤngnuͤs derer in Ungenade verfallenen Muͤtter und Frauenzimmers ist; darauß sie nicht erloͤset werden/ als biß etwann einer ihrer Soͤh- ne Kaͤyser wird/ oder stirbet. L’Empire Ottoman. de Ricaut. livr. 1. chap. 9. p. 123. Maßen denn auch/ wenn ein Sultan stirbt/ zwar die Muͤtter mit denen er Toͤchter gezeuget/ auß dem Frauenzimmer sich wegbegeben/ und nach Belieben wieder ver- beyrathen moͤgen; die aber welche ihm Soͤhne gebohren/ muͤs- sen sich ins alte Schloß verriegein lassen. Ricaut. p. 132. V. 272. 273. 274. Die Riesin habe ja wohl sterben muͤssen.) Bisaccioni p. 506. erzehlt: Jbrahim habe einst dem Groß-Visier befohlen/ ihm ein wohlgebildetes Weib/ so groß sie moͤglich zu finden waͤre/ zu schaffen. Darauff habe man ihm eine Armenierin an Gestalt gleichsam eine Riesin/ von gu- ter Gestalt und Sitten/ auffs koͤstlichste gekleidet/ zubracht/ in welche sich Jbrahim so sehr verliebet; daß er sie alsbald zur Tuͤrckin gemacht/ (welches mit Aufreckung eines Fingers und Außsprechung weniger Worte geschiehet) und keines andern Frauen-Zimmers geachtet/ ja alles Jhr zur Liebe gewillige. Daruͤber denn des Sultans Mutter eyfersuͤchtig worden/ und als Sie sie zu ihrer Tassel eingeladen/ erwuͤrgen lassen/ den J- brahim uͤberredende: daß sie von einem ploͤtzlichen Zufalle ge- storben sey. V. 343. Hababen.) Jezio Abuchalid der Saracener Fuͤrst sol ein Maͤgdgen Hababa genennt/ so seht geliebet haben: daß er sie ihm wieder außgraben/ und die Todte/ so lang er den Gestanck vertragen koͤnnen/ bey ihm behalten. Elmacin. Hist. Sarecen. l. 1. c. 14. 15. 16. 17. Periander Koͤnig zu Corinth/ hat sein Weib so hefftig geliebet: daß er auch der Todten bey- geschlaffen. V. 351. 352. Der Zunder heisser Brunst ist selbst in mir entglommen.) Bey den Tuͤrcken ist eine unreine Liebe einerley Geschlechts unter dem Nahmen der Platonischen Liebe und einer Lobwuͤrdigen Tugend eingeschlichen/ da der Mensch durch Betrachrung des goͤttlichen Ebenbildes in seinen Ge- schoͤpffen zu der Liebe GOttes sich empor schwinget. Aber es ist eine blosse Larve eines unzuͤchtigen Feuers. Jnsonderheit ist sie gemein unter den Jchoglans/ oder des Sultans Edel- Knaben. Ja die Sultane selbst sind meist dieser Begierde un- terworffen. Amurath verliebte sich in einen Armenischen Knaben Musa auffs hefftigste: und in noch einen andern von Galata: daß er ihn gar zum Silahtat Aga, der allezeit dem Kaͤyser den Degen traͤget/ machte. Der itzige Sultan Mach- met liebte einen Namens Kulogli so sehr: daß er keinmahl nicht ohne ihm seyn konte/ er ihn/ wie sich selbst/ kleiden/ und an seinet Seite reiten ließ. Jederman muste ihn als seinen Reichs-Ge- faͤhrten verehren und beschencken. Dergleichen unnatuͤrliche Liebe ist auch zwischen dem Frauenzimmer/ so gar/ daß etliche davon sterben. Jnsonderheit brennen die alten gegen junge Dirnen/ denen sie vielmahls ihr gantz Vermoͤgen schencken/ und ihnen in alle Bader nachlauffen. L’Empire Ottoman. de Ri- caut. livr. 1. chapitr. 7. Daher jedes Frauenzimmer des Sul- tans in ihren zwey Odas oder Gemaͤchern alleine schlaffen muß/ und zwischen fuͤnffen liegt allezeit eine Kadune oder verlobte Frau/ welche auff sie genane Auffsicht hat: daß sie nichts unehr- bares reden oder fuͤrnehmen. Ricaut. l. 1. chap. 9. p. 127. V. 378. So lechsen tausend Seel’n.) Wie in das Tuͤrckische Frauenzimmer fast auß der gantzen Welt Maͤgdchen/ welche aber uͤberauß schoͤn und Jungfern seyn muͤssen/ mit gros- ser Menge gebracht/ taͤglich auffs koͤstlichste gekleidet/ und mit Edelgesteinen außgeputzt werden; also ist eine Kadan Kahia oder Hoffmeisterin uͤber sie bestellet/ welche sie in den Hofe- Sitten unterrichtet. Jhr eigen gantzes Leben bestehet in der Befleissung durch Geschick- und Annehmligkeit zu verdienen: daß der Sultan sie seines Bettes wuͤrdige. Die Valida oder Mutter des Sultans ist hierinnen sorgfaͤltig/ und stollt nach und nach eine nach der andern/ welche sie in diesen Schulen vor die Vollkommenste haͤlt/ dem Sultan fuͤr. Ricaut. livr. 1. chap. 9. p. 125. ‒ 128. V. 381. 382. Dessen Eyd ihn verknuͤpfft auf die Er- goͤtzlichkeit des Sultans:) Fuͤr Zeiten verehrten die Sul- tane den Mufti als einen heiligen Mann/ entschlossen ohne sein Einrathen nichts wichtiges in Reichs- und Krieges-Sachen- Jtzt wird er zwar auch noch zu weilon zu Rathe gezogen/ aber wenn er nach seinem Gewissen/ und nicht zum Liebkosen des Sultans raͤthet/ wird einer nach dem andern seines Ambts ent- setzet. Ricaut. livr. 2. chap. 4. p. 373. 374. V. 394. Wenn sich Venedig haͤtt’ ie Friedenbruchs versehn.) Als Jbrahim auff Candia sich zum Kriege ruͤste- te/ gab er zum Scheine fuͤr: daß er die Jnsel Malta erobern wolte; weil selbige Ritter ein reiches Schiff/ so nach Mecha segelte/ und darauf gar einen vermeynten Sohn des Jbrahims weggenommen. Wie dieses Bisaccioni p. 497. seqq. weitlaͤuf- tig beschreibet. V. 401. Dem Divan liegt die Last des Krieges einig ob.) Bisaccioni p. 517. erzehlet: daß Jbrahim/ als sich der Krieg in Candia geschleppt/ selbten der Willkuͤhr des Divans uͤberlas- sen/ und seinen Wolluͤsten auffs eußerste nachgehangen. V. 423 und Anmerckungen. V. 423. Vom vierdten Amurath ward Bajadet be- zwungen.) Nachdem etliche mahl diese Stadt durch Tuͤrcksche Kriegs-Haͤupter vergebens belaͤgert ward/ zohe endlich Amurath in Person dafuͤr/ loͤsete das erste Stuͤck selbst/ und gewan sie den Persianern ab. Bisaccioni im Amurath p. 469. seqq. V. 428. 647. 651. 652. 653. Es nahere sich ietzt das En- de der zwoͤlff Jahre.) Die Tuͤrcken haben eine beruͤhmte Weißagung vom Untergange des Tuͤrckischen Reichs; deutsch also lautende: Unser Koͤnig kommt/ nimmt eines Unglaubigen Reich ein/ empfaͤngat einen rothen Apffel und bringet ihn unter sein Joch. Wird nun im siebenden Jahre nicht ein Unglaubi- ger sein Schwerd wider ihn außziehen/ so wird er biß ins zwoͤlffte Jahr ihr Herr seyn/ Haͤuser bauen/ Weinberge pflantzen/ Garte umbzaͤnnen/ Kinder zeugen. Nachdem er aber zwoͤlff Jahr den rothen Apffel in seiner Gewalt wird gehabt haben/ wird der Chri- sten Schwerd sich hervor thun/ und den Tuͤrcken in die Flucht jagen. Dieses beschreibet und leget auß Sansovin. dell’ Origine de Turchi. fol. 61. 62. Olearius im Ende seines Schich Sadi. Was den rothen Apffel anreicht/ wird Rom so wohl von Turcken als Persiern Chizil alma oder der rothe Apffel genannt. Pietro della Valle nell. lett 4. di Persia da Ferhab. n. 24. p. 381. Von der Tuͤrcken Untergange aber haben auch die Abyssiner eine be- ruͤhmte Weißagung. Qu’ il sera ùn temps, que les villes de la Mecque, Medine, Caras, Sicabe, Jambat, Zidem, Fara, Aden \& autres, qui sont en Arabie heureufe, servient de struictes, ne de- meurant en icelles pierre sur pierre. Quele tombeau de Maho- med servit demoli; desonos en comble, \& la poudre de ses os espaise, \& qu’autant en aviendroit à Oclan, Homat, Hubachar, Feid, Abdalla, Motalif, Asserus, Haleanferus, Huphea, \& Ali tous Compagnons ou disciples du sudit Mahomet, Jls adjou- stent, que tout cela se sera par la force \& vaillance d’ un gran Roy ou Prince Chrestien, natif des parties septentrionales, en- tre les maius \& sons la puissance duquel de meurerà la Judée, Ægypte, \& le Royaume \& ville de Jerusalem. M. Duret Tresor des Lanqu. chap. 51. p. 575. Die Christen in Morgenland glauben auch feste gewissen Weissagungen: daß durch fromme Europeer der Tuͤrcke werde gestuͤrtzet werden. Pietro della Valle nell. lett. 4. di Persia da Ferhabad. n. 12. p. 239. V. 431. 432. Die grosse Wasserflut/ die Mahumeds Ge- beine zu Mecha fortgeschwemmt.) Bisaccioni im Amurath. IV. erzehlet dieses: daß im Herbst-Monath des 1631. Jahres zu Mecha ein Erdbeben hernach derogleichen grosse Ergissung des Wassers gewesen sey: daß des Mahumeds Sarch darvon ein gut Stuͤck sey weggeschwemmet worden: welches die tuͤrcken da- mahls selbst fuͤr einen Vorboren ihres Untergangs gehalten und außgelegt. V. 433. Die Pers’ und Ketzer.) Die Mahumedisten haben unter sich auch Secten/ derer sie ins gemein siebentzig zehlen, welche Zahl aber weder fuͤr die Alten noch Neuen genug ist/ wie Ricaut. l. 2. c. 9. 11. 12. weitlaͤufftig selbst erzehlet. Maßen zwar al- le den Alcoran/ die Tuͤrcken aber des Hanise, die Perser des Aalij und Trafer Saduc, die Judianer des Hiembeli und Ma- leki, die Usbekischen Tartern des Schafei Außlegung an- nehmen. Olear. Itin. Mandelslo. Ind. Orient. lib. 1. chap. 35. pag. 106. \& Itin. Pers. c. 39. Dahero die Tuͤrcken die Perser als Ketzer/ mehr als uns Cheisten hassen. Busbeqv. Ep. 3. p. 217. 218. ja selbte fuͤr allzu unwuͤrdig schaͤtzen: daß sie in die Schulen des Seraglio solten eingenommen/ oder nur fuͤr Knech- te und Lebenswerth geachtet werden. Diß und die grausamen Fluͤche wider sie erzehlet Ricaut. l. 2. c. 10. die fuͤrnehmste Zwy- trachts-Uhrsprung aber der Tuͤrcken und Persier ist: daß diese den Ali fuͤr den rechtmaͤßigen Nachfolger des Mahumeds achten/ weil dieser ihn einst in einer Rede fuͤr einen Veli (welch Wort ei- nen Propheten und auch ein Schoß-Kind bedeutet) erklaͤret. Je- ne aber verfechten den Abu-bekir, welchen Mahumed im Terta- ment (dazu ihn sein letztes Weib Aisce des Abu-bekir Tochter beredet haben sol) zum Nachfolger bestimmet/ und der ihm wuͤrcklich gefolget. Valle lett. 8. da Spahan. p. 119 ‒ 123. V. 435. Medinen abgerennt.) Jm 1624. Jahre hat Chah Abàs Koͤnig in Persien Bassorà und Medina, wo des Mahumeds Begraͤbnuͤs ist/ den Tuͤrcken abgenommen. Bisacc. daselbst p. 362. V. 437. Daß Achmet Bottschafften dem Christen Gro- tian nebst Laͤndern uͤbergab.) Sultan Achmet machte dem Casper Gratiani zum Fuͤrsten von den Jnseln Naxia und Pariß/ ja zum Bottschaffter an den Roͤmischen Kaͤyser/ Bisaccioni im Achmet. p. 161. 266. Wie ihm aber hernach unterm Sultan Oß- mann die Tuͤrcken uͤbel lohnen und ihm durch den Bethlen Gabor, durch den Scander Bassa in Moldau hinrichten wollen/ welcher aber dem Chiaus/ der auß Jrrthumb ihm den an den Scander Bassa gerichteten Mord-Brief eingehaͤndigt/ nebst allen Tuͤrcken in Jassa zerhauen; endlich/ wie er nach verlohrner Schlacht ge- gen den Tuͤrcken uͤber den Fluß Tirus geschwemmet/ in Mey- nung nach Constantinopel zu gehen/ und durch Geschencke sich wieder einzulieben von seinem Cammer-Diener in einem Pu- sche schlaffende beraubet/ ermordet/ und der Kopff nach Con- stantinopel gebracht worden/ erzehlet nebst vielen Umbstaͤnden Bisacc. im Osman. p. 293. 294. 295. V. 439. Ein Fakardin.) Dieser/ oder/ wie ihn P. della Valle lett. 6. da Spahan. p. 61. nennet: Emir Fachr-addin, war ein Fuͤrst auß Gottfried von Bouillons Gebluͤte; welcher in Sn- rien als ein Christ sich wider den Sultan Achmet und Amurath auftehnete/ endlich verrahten und gefangen ward/ gleichwohl a- ber in Amuraths grosse Gnade kam/ biß er endltch doch durch Verlaͤumbdung so weit gebracht ward/ daß ihn Amurath erwuͤr- gen/ seinen Kopff abhauen/ und selbten in der Stadt herumb tragen/ den Leib/ auf welchem man ein guͤldenes Creutz fant/ auf oͤffentlichen Platz werffen ließ. Bisacc. p. 248. 249. 414 ‒ 425. V. 444. Als Facfurs Ehweib ward vom Arcomat ge- faͤllet.) Die Einwohner der Jnsel Magna lehnten sich wider den Chah Abas auf/ und erwehlten einen/ des Nahmens Facfur zu ihrem Koͤnige. Wider diese schickte er den Arcomat seinen Feld-Obristen/ welcher alle Staͤdte schleunig und darunter auch die Haupt-Stadt Aseota einnahm welche letztere ihm nach stat- licher Gegenwehr des Facfurs tapfere Gemahlin einraͤumets/ weil in den Stadt-Buͤchern von Altershero verzeichnet besun- den ward: wuͤrde sich die Stadt/ wenn sie einer Nahmens Ar- comat belaͤgern moͤchte/ nicht ergeben/ so wuͤrde sie gaͤntzlich zer- stoͤret werden. Hernach schlug er auch durch einen listigen Hin- terhalt (welchen er einem bekehrten Christen Arcosan zu fuͤhren anvertraute/) den Facfur und die zu Huͤlffe geruffenen Tuͤrcken/ ward aber so verwundet: daß er kurtz hierauf in den Armen ei- nes Augustiner Moͤuches (welchen Chach Abas die Christliche Glaubens-Ubung in Persien verstattete) gleichfals als ein Christ verschied. Bisacc im Achmet. p. 252 ‒ 254. Und Pietro dellà Valle nella litter. 4. di Persia da Farhabad. n. 12. p. 87. meldet: daß Chah Abbas den Christen nicht unhold gewest/ selbte auch in Persien so viel Kirchen als sie gewolt haben/ bauen lassen/ dahingegen die andern Mahumetaner ohne Geld nicht einen Stein an einer alten Christen-Kirche einmauren liessen/ n. 25. p. 407. gedenckt er auch: daß des Chàh Abbàs fuͤrnehmste Ge- mahlin eine Gurgistanische Christin gewesen sey. d. nell lett. 5. da Spàhàn. n. 14. p. 515. erzehlt er daß Chiàh Abbàs von einem Carmeliter Moͤnche in Persischer Sprache die Psalmen und Ev- angelia bekommen/ selbre gekuͤßt/ und mit großer Ehrerbietung aufs Haupt gelegt/ ja gemeldet habe: daß der/ welcher nicht al- les darinnen glaubte/ ein Unglaͤubiger sey/ n. 16. p. 528. 529. daß der fuͤrnehmste Fuͤrst in Persten Imàm culè Chan zu Seiràz den Christen sehr geueigt gewest/ auch zweyen Soͤhnen des Teimuràz Chan auß Georgien (welche er samt der Koͤnigin seiner Mutter in Verwahrung gehalten) das Leben beym Chah Abbàs etliche mahl erbethen habe. V. 451. 452. 453. Als Koͤnig Cataband:) Koͤnig Cata- banda ließ seinem eltesten Sohn Anza Menza durch seinen Bar- bier die Gurgel abschneiden; weil er dem Christl. Glauben bey- zupflichten schiene/ dahero der Juͤngere Chàh Abbàs zur Krone kam. Bisacc. im Amurath. p. 380. Dieser Tod ist des Nachts/ als der Printz geschlaffen/ gescheben/ dahero Chiàh Abbàs allezeit ihm 7. oder 8. Bette zubereiten ließ/ und bald in diesem/ bald in jenem Sicherheit wegen zu schlaffen pflegte. Pietro della Valle nell. lett. 3. da Spahàn. n. 6. p. 30. nell. lett. 5. da Spahàn. n. 21. p. 559. berichtet er: daß Chiàh Abbàs den Chizil-Basci sehr feind gewest/ weil durch sie sein Eliester Bruder Hamzà Mirzà bey Lebzeiten des Vaters/ so wie auch seine Mutter waͤre ermor- det worden. Also ließ auch Abas Myrsa seinem Bruder Ismael III. Koͤnige in Persien durch den Barbier Chudi Telak die Gur- gel abschneiden: daß er zur Krone kam Erasm. Francise. Trauer Saal Histor. 28. p. 505. seqq. V. 455. 456. 457. 458. Cham Chiran.) Die Tartern hatten diesen zu ihrem Haupte erwehlet/ und den vorigen Cham Cantimiro Laidira verjaget/ der sich auf der Jnsel Rhodis auf- hielt/ biß im 1628. Jahre Sultan Amurat ihn wieder mit Ge- walt einsetzen wolte; Als nun, aber viel Tartern von obigem Cham Mehémet Chiran ab- und zum Cantimir fielen/ jener auch geschlagen und nebst seinem Bruder Chain Chiran in dem Tar- tarischen Sitze Balteza belaͤgert ward/ machte er mit dem Koͤnige in Pohlen wider den Tuͤrcken ein Buͤndnuͤß/ gab ihm auch seine Tochter zur Geissel/ welche durch die Cosacken den Cantimiro zwungen/ auß der Tartarey sich nach Sinope zu fluͤchten/ und dem andern das Reich zu lassen. Bisaccion. p. 384. Derglei- chen Zwistigkeiten haben die Tuͤrcken mit den Tarterschen Chan mehr gehabt. Pietro della Valle lett. 5. da Spahàn. n. 19. pag. 543. Und vom Scihinghire Chan, welcher sich im 1619. Jah- re zum Chiàh Abbàs gefluͤchtet/ erzehlet er n. 31. pag. 644. c. n. 32. p. 646. 647. V. 459. Der Caffa Sinope und Trapezunt bezwun- gen.) Wie die Cosacken deni Tuͤrcken auf dem schwartzen Meere grossen Schaden gethan/ die Staͤdte Sinope/ Trapezunt A ij und Noͤthige Erklaͤr- und Caffa eingenommen/ ja biß an eine Meile an Constautino- pel gerluͤndert und angezuͤndet/ ist auß Bisacc. p. 265. 363. und Pictro della Valle nell. lett. 4. da Ferhabàd n. 16. p. 310 ‒ 312. zu sehen. V. 462. Daß man’s Bosphors Mund mit Ketten schlies- se zu.) Daß vor alten Zeiten bey den Thuͤrmen des schwartzen Meeres von Europa biß in Asien uͤber die Enge des Meeres eine Kette gezogen worden/ man auch noch im Meere Seulen sehe/ welche die Kette gehalten/ dezeugt P. della Valle. p. 1. lett. 2. da Constantinop. p. 45. V. 464. 465. Daß er zum Fuͤrsten den Ragotzy muß erwehlen.) Nach Bethlen Gabors Tode ward erstlich seine Wittib/ hernach sein Bruder Istuan zum Fuͤrsten in Siebenbuͤr- gen erwehlet/ und vom Sultan Amurath bestaͤtigt. Alleine wie dieser durch List das Hesst erlanget/ also verworffen ihn die Staͤn- de bald wieder/ und erwehlten den George Ragotzy. Ob nun wohl dieser dem Amurat: daß er es mit dem Romischen Kaͤyser halten duͤrffte/ weil er viel Guͤter in Ungarn hatte/ verdaͤchtig war; so durffte er es doch nicht wagen sich den Siebenbuͤrgern zu widersetzen/ sondern bestaͤtigte den Ragotzy an statt des Istuans, welcher auß Liebe des Vaterlands das Fuͤrstenthumb gutwillig abtrat. Bisacc. p. 400. 401. V. 466. seqq. Daß Sultan Machmets Sohn Jachias ward ein Christ.) Kaͤyser Mahumed III. hatte vier Soͤhne. Den Selim/ welchen er nebst seiner Mutter toͤdten ließ. Den Jachias/ welchen er von einer uͤberauß schoͤnen Griechin Helena/ die er Lalpare nennte/ erzeuget. Den Achmet und Mustafa. Als Jachias den 26. Wein-Monats-Tag im 1585. Jahre auff dem Felde unter einem Gezelte (dahin sie sich wegen eines Erd- bebens begeben) gebohren worden/ schickte Sultan Mahumet die Helena mit ihrem Vater/ Mutter und Kinde in Magnesia und gab ihr einen beschnittenen Bulgar Namens Hasta Mehemed zu/ mit der Verordnung/ daß/ wenn sein des Sultans Mahu- meds damahls noch lebender und regierender Vater gestorben seyn wuͤrde/ sie wieder nach Constantinopel kommen solte. Als aber sie von dem zum Regiment gekommenen Mahumed hoͤre- ten: daß er alle seine Bruͤder umbbracht haͤtte; besorgten sie: daß auch dieses Kind Jachias/ weil es nicht der Erstgebohrne Sohn waͤre/ nur zum ermorden auferzogen wuͤrde; dahero stell- ten sie sich an: als wenn das Kind in Blattern gestorben waͤre/ und gaben es nahe an der Stadt nach zum Schein gehaltenen Leichbegaͤngniße/ einer Griechin zu verpflegen; endlich entflo- hen sie gar heimblich in Griechischer Kleidung nebst dem Be- schnittenen nach Calamata in Morea; durch welche Flucht/ die Falschheit des außgesprengten Todes offenbahr ward. Nach vie- len umbziehen ward das Kind von dem Bischoff zu Nilo und Abbte St. Michaelis zu Atomatos eine Tagereise von Thessalo- nica im siebenden Jahre getaufft/ und Simon nach dem Tauff- Tage genennet/ zum Scheine aber hies man ihn Constantinus, und ward dieser Simon daselbst bis ins funffzehende Jahr vom Beschnittenen in ritterlichen Ubungen/ vom Abte aber im Stu- diren unterwiesen. Hierauf verkleidete sich der Beschnittene in einen Dervis und zohe mit ihm in klein Asien in Meynung durch die Aufruͤhrer daselbst was nuͤtzliches außzutichten. Weil sie a- ber daselbst den Mord des aͤltesten Bruders Selim/ und bald dar- auf des Vaters Mahumed/ wie auch: daß des Besch ni ttenen ver- trauter Brnder Dervis Bassa unter dem Sultan Achmet waͤre Groß-Visier worden/ erfahren/ zohe der Hasta nach Constanti- nopel/ lies den Jacchia zu Cogna in einem Dervis-Kloster und brachte den Groß-Vister/ den Mufti/ den Janitscharen Aga/ die Beglerbei von Griechenland und andere auf seine Seite/ und diesen Schluß: daß sie den Sultan Achmet umbbringen/ und da- fuͤr den Jacchia erwehlen wolten. Dieser Anschlag aber ward verkundschafft und von einer Ebreerin dem Achmet offenbaret. Als nun dieser sich mit ihm zu berahten/ den Groß-Visier Der- vis zu sich fordern ließ/ und anfing: Lebet der Hund (den Jarchi- as meynende/) noch? meynte Dervis: er waͤre verrahten/ grieff also zum Sebel den Achmet zu toͤdten; allein es wurden ihm von den Umbstehenden alsbald die Schenckel verhauen/ er aber vom Sultan selbst erwuͤrget. Durch diesen Tod blichen die Mitver- schwornen verschwiegen/ und Jacchias flohe noch selbigen Tag von Constantinopel/ kam auch nach langen umbziehen nach Pra- ge/ und hernach nach Florentz; allwo er von dem Roͤmischen Kaͤy- ser/ von Spanien/ Pohlen/ Franckreich/ ja gar in Asien mit Rath des Groß-Hertzogs Huͤlffe suchte; aber vergebens/ biß er endlich selbte von den Cosacken und Tartern (welche ihn Alexander hies- sen) erlangte/ und mit ihnen Sinope und Trapezunt angrief/ die Tuͤrckischen Schiffe anzuͤndete/ aber endlich geschlagen/ und an- fangs in Zaporovia/ hernach gar in Welschland zu kehren/ ver- anlasset ward; endlich nahm der Wallstein sich seiner ernstlich an/ schickte ihn auch nach Neapolis. Bisac. im Achmet p. 261. 264. 265. Sonstẽ erzehlet auch Spandugino f. m. 198. daß Mahumet II. kurtz vor seinem Tode auch sich auf den Christl. Glaubẽ gewendet habe/ durch Unterweisung eines Moͤnchs/ welcher Scolario gehei ssen. V. 478. Daß Kayser Jbrahims sein Sohn in Franck- reich ist.) Nehmlich das Kind/ welches auf einer Galee von den Malteser Rittern bekommen worden; weßentwegen viel starcke Muthmassungen gewest: daß es des Sultans Sohn/ und von ihm nach Arabien auß dem Seraglio durch den Kister Aga zu sein und seiner Muttet Sicherheit verschickt habe. Dieses Kind ist einem getaufften Juden und fuͤrnehmen Kauffmanne zu Lion zu erziehen ansertrauet worden. Bisaccioni im Ibrahim p. 500. 501. V. 503. 504. Daß Aden ist verlohren/ daß Habeleh ver- spielt:) Wie die Stadt Aden im gluͤcklichen Arabien am Munde des rothen Meeres auf Sultan Solymanns Befehl vom Solyman Beglerbeg zu Aleaor durch Betrug eingenommen/ und der Arabische Koͤnig an einen Mast-Baum gehencket wor- den; beschreibet Eralm. Francisci im ersten Theil des Trauer- Saals/ in der 31. Geschicht. Daß aber die Araber selbte Stadt/ so wie auch die Abyßiner die Stadt Habeleh oder Hustrebit den Tuͤrcken wieder abgenommen; bezeugt Ricaut. livr. 1. chap. 12 p. 186. 187. V. 507. 508. Alcayr und Bajadet vertrauet dem/ der das meiste zahlt:) Der Tuͤrckische Kaͤyser aͤndert die hohen Aempter sehr offt/ das zu Aleayr alle drey Jahr/ und verkaufft selbte andern uͤberauß theuer. Fuͤr Aleayr und Bajadet muß jeder drey oder vier Tonnen Goldes Reichsthl. zahlen; ohne mit was noch des Sultans Mutter und die Verschnittenen bestochen werden muͤssen. Ricaut. l. 1. c. 17. p. 260. 261. V. 516. Des Sultans Tochter Sohn ietzt auch laͤßt faͤhig werden der Wuͤrden:) Sonst haben die Tuͤrcken ein Grund Gesetze: daß keiner Sultanin von einem Bassa gezeug- te Kinder einigen hohen Reichs-Ampts fahig sind; denn ihre hoͤchste Staffel ist die Auffsicht uͤber des Sultaus Pferte des Capagi ‒ bachi. Ja wenn sie sich ihrer Kaͤyserlichen Ankunfft ruͤhmeten/ wuͤrden sie als Auffruͤhrer gestrafft. Ricaut. l. 1. ch. 16. p. 243. 244. V. 519. Wie Schwaͤmme druͤcket auß.) Und V. 537. 538. Wenn ihr Erbtheil ihn als Bruder lachet an:) Die Sultane lassen niemanden eine reiche Erbschafft zufallen/ und daher nennen sie sich die aͤlteren Bruͤder aller hohen Perso- nen/ umb bey ihrem Absterben sich zu ihrer Erbschafft zu ziehen. Hiernechst gebrauchen sie tausend Kuͤnste den Bassen ihre Fe- dern außzupfluͤcken so gar daß sie den Visier zu Aleayr/ als den reichesten unter allen/ ins gemein toͤdten/ und sein Vermoͤgen einziehen lassen. Unter diesen Erfindungen ist nun insonder- heit die Vermaͤhlung der Kaͤyserlichen Toͤchter an die Bassen und Beglerbecken/ welche selbte/ wenn sie schon nur 4. oder 5. Jahr alt sind/ alsbald in koͤstlichen Pallaͤsten aufs kostbahrste unterhalten muͤssen; und wenn jene sierben/ nimmt seine offt noch unberuͤhrte Wittib eine Tonne Goldes Reichsihaler zu ihtem Kabin oder Abstattung/ das uͤbrige der Sultan weg. Ri- caut. livr. 1. chap. 9. pag. 131. chap. 16. pag. 242. chap. 12. pag. 267. Die Bassen machen durch solche Heyrahten sich zu voͤllt- gen Sclaven ihrer Weiber/ denn sie duͤrffen kein ander Frau- enzimmer mehr sehen; ihre norige Weiber/ mit denen sie gleich Kinder gezeuget/ muͤssen sie verstossen/ und ihnen mehr als Knechte veraͤchtliche Ehrerbietung bezeigen; dahero sie meist wider ihren Willen solche Ehen belieben. Ricaut. livr. 1. chap. 16. pag. 245. V. 522. 523. Was derer Andacht gleich zum Gottes- dienst verehrt:) Jn gantz Tuͤrcken hat kein Mensch nichts ei- genthuͤmliches/ alle Gruͤnde und Guͤter sind des Sultans/ auf er die Geistlichen Guͤter. Diese ruͤhret der Sultan durchauß nicht an/ also gar: daß/ wenn gleich ein schon wegen verletzter Ma- jestaͤt uͤberwiesener Bassa etwas zu einer Mosquée verehret/ der Sultan nichts davon entziehen kan. Dahero wohl das dritte Theil des Kaͤyserthumbs in geistlichen Guͤtern bestehet/ und die gefundenen Christlichen Stifftungen haben die Sultane noch vermehret. Ja ungeachtet sie sonst alle Zinsen von vorge- liehenem Gelde verstuchen; so moͤgen sie doch die Kirchen und Waͤysen nehmen. Ricaut. livr. 1. chap. 2. p. 11. 12. \& livr. 2. chap. 7. p. 390. 399. V. 523. 524. Was die Kaͤyser haben als Schatz und Heyligthumb in Thuͤrme tieff vergraben.) Es ist fast kein Sultan gewest/ der nicht bey seiner Herrschafft einen neuen Schatz gesammlet/ und uͤber das Behaͤltnuͤß Gemach mit guͤld- nen Buchstaben habe schreiben lassen: Hier ist der Schatz dieses Sultans. Ricaut. livr. 1. chap. 12. pag. 193. Diese Schaͤtze werden als eine heilige Sache vom Haznadar Bachi oder Ober Schatz-Meister verwahrt/ und außer der aͤußersten Noth nicht angeruͤhret. Dahingegen uͤber den gemeinen Schatz/ worauß die noͤrhigen Anßgaben und der Kriegs-Sold genommen wird/ der Tefterdar gesetzt ist. Ricaut., livr. 1. chap. 9. pag. 120. V. 528. und Anmerckungen. V. 528. 529. War sterbens-werthe Suͤnde/ zum Gar- ten \&c. ) Wenn sich der Sultan in seinen Gaͤrten mit seinen Dirnen/ die so denn durch allerley unzuͤchtige Geberden und Stellungen sich bey ihm einlieben wollen/ ergetzen wit rufft man im Schlosse: Helret; alßdenn entaͤußern sich alle Menschen der Gaͤrte; und verwuͤrget derselbe den Kopff/ der sich der Gar- ten Mauer naͤhert. Ricaut. p. 128. V. 531. 533. Des Ketzers Kadaris. Und der Schap- mestahis.) Die Tuͤrcken glauben: daß nichts vom Menschli- chen freyen Willen/ sondern alles von der unveraͤnderlichen Ver- sehung Gottes herruͤhre. Worauß sie ferner erzwingen: daß ihre Gluͤckseligkeit ein Zeichen des wahren Glaubens sey; und das Kriegs-Volck/ gleichsam blind in den Augenscheinlichen Todt zu rennen/ anfrischen. Ricaut. livr 2. chap. 8. Hierwider aber hat Kadaris ein Araber eine gantz widrige Lehre/ welche den gantzen freyen Willen des Menschen wider die Versehung behauptet/ aufbracht. Und des Schapnte stahis gantz neue aber allerbeste Secte erkennet unsern Heyland fuͤr den warhafftigen Erloͤser der Welt; welchem fast alle/ die weiße Buͤnde tragen/ beypflichten/ und bereit ihrer viel hieruͤber Maͤrterer worden sind. Ricaut. livr. 1. chap. 11. pag. 437. 438. \& chap. 12. pag. 453. 454. V. 541. Alepo steht hierumb in groͤsserer Gefahr:) Wie nach Sultan Jbrahims Tode der Bassa zu Alepo Hassan Aaga sich wider itzigen Sultan/ und insonderheit wider den hier redenden Kiuperli oder Kupriuli empoͤret/ hierdurch seine An- schlaͤge in Siebenbuͤrger verhindert/ und biß nach Scutari sein Kriegs-Heer angefuͤhret/ hernach aber durch den Bassa zu Ba- gadet Mortaza sein Leben eingebuͤsset habe/ beschreibt Ricaut. l. 3. c. 6. p. 639. seqq. V. 542. Als da noch Abassa:) Dieser auffruͤhrische Bassa machte im Jahr 1624 und folgendes/ unter dem Schein: daß ihm der Prophet Mahumed erschienen waͤre/ und ihm des Sultan Oßmanns Tod zu raͤchen anbefohlen haͤtte/ dem Tuͤrckischen Reiche grosse Haͤndel/ und wuͤtete gransam wider die Janitscha- ren/ biß er sich endlich mit dem Amurath IV. außsoͤhnte/ und zum Captàn und Haupte Boßniens gemacht ward. Bisacc. im Amurat. p. 359. seqq. p. 383. 384. V. 543. Die schlauen Drusen stecken in Sidons Hoͤ- len noch.) Dieses sind die uͤberbliebenen Christen in Syrien. Wiewohl das Widersviel/ und daß fuͤr dem zerstoͤrten Christli- chen Reiche zu Jerusalem unter dem Guido Lusignan daselbst die Drusen oder Trusken gewesen/ Horn. Arc. Noæ p. 274. be- hauptet; wie mit denen sich Fuͤrst Fakardin in die Hoͤlen gezo- gen/ endlich aber auf gewisse Bedingung sich den Tuͤrcken erge- ben/ beschreibt Bisacc. p. 420. 42. V. 548. Weil nun auch Steinen Schweiß wil außge- presset werden/ wie vom Abdulmelick:) Dieser Sarace- nische Fuͤrst/ zu Zeiten Constantini Pogonati, ist wegen Geitzes der Schweiß der Steine genennet worden. Elmacin. Histor. Sa- racen. l. 1. c. 8. V. 549. 550. Albanien/ das noch nicht allerdings ge- beugt:) Die Albanischen Gebuͤrge sind so schwer zu erstei- gen: daß die Tuͤrcken noch zur Zeit ihre Einwohner noch nicht gar uͤberwaͤltigen koͤnnen. Ricaut. l 1. c. 4. p. 83. V. 572. 573. Als von Silistrien dem Bassen anver- trauet der Zug auf Asac ward:) Wie Jbrahim durch die- sen Bassa im 1641. Jahre diese an der Meotischen Pfuͤtze gelege- ne und von den Cosacken ritterlich beschirmte Festung so ungluͤck- selig belaͤgert; also: daß dafuͤr 7000. Janitscharen/ 7000. Tar- tern und 3000. Spahi/ und sonst viel Walachen und Moldauer/ zu- sammen uͤber 20000. Mann sitzen bileben/ und der Bassa sich nicht einst in Constantinopel zu kehren/ getrauet; beschreibet Bi- facc. im Ibrahim p. 487. 488. Als aber das folgende Jahr ein an- der Bassa sich mit einem groͤssern Krieges-Heere wider Asac ruͤ- stete/ die Cosacken aber vergebens bey Moscan Huͤlffe suchten/ der Groß-Hertzog auch den Frieden mit dem Tuͤrcken nicht brechen wolte/ ob schon die Cosacken ihm diese Festung in seine Haͤnde zu liefern gedachten/ pluͤnderten und aͤscherten sie selbst die Stadt ein/ welche aber von den Tuͤrcken alsbald wieder besetzt und be- festigt ward. Bisacc. p. 491. 492. V. 577. Denn als der Loͤwen Muth des Murat Bassen.) Als im 1627. Jahre Sultan Amurath durch seinen Groß-Visier Afis Mehemed die Stadt Babylon oder Baghdad belaͤgerte/ kam der Bassa von Alepo Murat durch Sturm schon in die Stadt. Der Groß-Visier aber ließ auß Scheelsucht: daß dieser nicht den Ruhm der Eroberung haben moͤchte/ vom Sturme abblasen/ vor- wendende: es sey seines Kaͤysers Befehl/ die Stadt nicht zu ver- derben; ja er ließ hernach diesem Bassa den Kopff/ mit Beschul- digung: Er habe sich selbst zum Visier machen wollen/ abschlagen. Bisacc. im Amurat. p. 378. 379. V. 582. Biß Amurath selbst kam.) Amurath belaͤgerte den 9. Novembr. Baghdad/ und eroberte sie den 22. Decembr. im 1638. Jahre durch Sturm/ in welchem er selbst die Soldaten bis an Graben anfuͤhrete/ der Groß-Visier Mehemet und der Ja- nitscharen Aga selbst blieben dafuͤr todt. Bisacc. 469. 470. V. 583. Wir wolln in Creta selbst die gruͤne Fahn aufste- cken.) Die gruͤnen Fahnen werden vom Tuͤrcken fuͤr ein besondet Heyligthumb gehalten/ und in wichtigsten Feldzuͤgen gebraucht/ als welche noch von ihrem Propheten Mahumet herkommen sol- len. Derogleichen haben die Christen in Ungern im 1594. Jahre dem Simon Bissa mit der Tuͤrcken hoͤchster Verbitterung abge- nommen. Vita Mahometi III. præmissa Vitis Bisacc. p. 99. Diese Fahne des Mahumets wird mit grossem Aberglauben getragen/ siehet gantz anders auß als andere/ und wie eine zugespitzte Seule mit allerhand Zierrahten. P. della Valle nella lett. 6. da Con- stantin. § 2. p. 186. Ja auf der Spitze dieser Seule und Stang- sol ein silbern Hertze seyn/ in welchem die Haare vom Barthe Mahumeds aufgehoben werden. De la Valle §. 4. p. 108. Sie nennen sie eine him̃lische Fahne/ weil sie der Engel Gabriel dem Mahumed zum Zeichen seines unfehlbaren Sieges wider die Christen gebracht haben sol. Welch Aberglaube auch so gar die Kinder und die auf der Grube gehenden Tuͤrcken ja die Weiber veraulasset/ fuͤr die Beschuͤtzung einer so heiligen Sache zu ster- ben. M. Ricaut l. 1. c. 4. p. 77. 78. V. 585. Fuͤr unser Burg das Haar von Pferden stecken auß:) Wenn der Tuͤrckische Kaͤnser selbst zu Felde zichen wil/ so stecken sie einen Pusch Haare/ welches ein Pferde Schwantz seyn sol/ auf; wie diß geschehen/ als Oßmann wider Pohlen zog. Bisac. im Osman. p. 301. Als Jbrahim wider Malta im Jahr 1645. den Krieg eroͤfnete/ und hernach Candien anfiel/ wiewohl Jbrahim selbst nicht mit zu Felde zog. Bisacc. im Ibrahim p. 503. Sansonin. fol. 101 am Ende cap. 48. meldet: daß/ wenn der Sultan selbst zu Felde zeucht/ sieben Fahnen mitgenommen werden/ an welchen statt des Zeuges/ eine weiße Sache/ wie ein Pferde-Schwantz/ an- gemachet ist; welches aber von einem Fische seyn sol; auf der Spitze der Stangen aber sind Mohnden. Pietro della Valle nella lett. 6. da Constantin. §. 2. p. 185. meldet in Beschreibung des Feld- Zuges im 1615. Jahre wider Persien: daß solcher drey Fahnen dem Groß-Visier Mahumed fuͤrgefuͤhret/ und daß diese Arth da- her ruͤhrte weil einsmahls ein Soldat in einer Schlacht/ da die Fahne verlohren worden/ den Schweiff abgehauen/ und selbten statt der Fahne auf eine Lantze gesteckt habe. Andere wollen diß fuͤr eine Geschicht der Roͤmer halten/ und daß dieses die Tuͤrcken nur nachthun. V. Horn. Arc. Noæ. p. 470. V. 620. Wird man im Himmel doch nur solche Kinder finden:) Sansovin. fol. 4. pr. meldet: daß die Mahumetisten im kuͤnfftigen Leben/ ihrem Glauben nach/ Frauen von 15. oder 20. Jahren zu ihrer Lust haben wuͤrden/ welche auch niemahls aͤlter/ auch alle Tage Jungfrauen seyn wuͤrden/ diese nennen sie URI, o- der glaͤntzende Frauen. Die Maͤnner wuͤrden auch immer im 30. Jahre bleiben/ und von einem Angelsterne zum andern sehen koͤn- nen. Noch mehr erzehlt hiervon Bellon. l. 3. c. 9. p. 417. v. Horn. Arc. Noæ p. 466. V. 535. Nim diß gestuͤckte Tuch als unser Liebe Zeichen.) Wenn der Tuͤrckische Kaͤyser ins Seraglio koͤm̃t/ werden alle sei- ne Weiber (also heisset er alle seine Beyschlaͤsserinnen. Busbeqv. Epist. 2. p. 144.) in Ordnung gestellet/ welche ihm nun gefaͤllt/ der legt er ein Tuch auf die Achsel. Diese muß hernach kommen/ ihm das Tuch wiederbringen/ und ihm beyschlaffen. Sansov. f. 49. p. 1. in fin. wie die dergestalt Begluͤckte solch Tuch gleichsam fuͤr Freu- den entzuͤckt und fuͤr dem Sultan auf die Knie fallende empfange/ solch Liebes Pfand tausendmahl kuͤsse; wie das andere Frauen- zimmer sie hier uͤber selig preise/ sie wasche/ bade/ einbalsame/ mit dem koͤstlichsten Schmucke ziere/ und mit unzehlbaren Freuden- Gethoͤne in des Sultans Schlaffgemach begleite/ ein Verschnit- tener sie an der Thuͤr bewillkomme/ sie aber auf dem Bodeme ins Bette krieche; hernach sie in die Haͤnde der Kadan Kahia oder Hofsmeisterin wieder geliefert/ gebadet/ ihr/ ein ihr anstaͤndiges Gemach eingeraͤumet/ und ihr der Tittel Hunkiar Asa-Kisi oder des Sultans Beyschlaͤffer in gegeben/ wenn sie aber so gluͤckselig ist/ einen Sohn zu gebaͤhren/ sie Hasaki Sultana genennet/ und mit einer guͤldenen Krone geschmuͤcket werde/ beschreibet umb- staͤndlich Ricaut. livr. 1. chapitr. 9. p. 129. 130. V. 663. 664. Das Verhaͤngnuß mich hat untern Krebs des Mohnden Hauß gethan:) Die Sternseher setzen die Stadt Coustantinopel unter den Krebs. Jm Krebse aber laͤuffet die Sonne zuruͤcke/ also: daß die Laͤnge des Tages bey uns ab- nimmet. V. 666. Und Oßmanns blutig Mohnde:) Der Tuͤrcken einiges Zeichen ist der Moͤhnde/ welches sie auf ihre Kirchen/ Thuͤrne/ Schiffe/ Fahnen/ und andere Orthe zu setzen pflegen. Die- sen aber sollen sie erst nach Eroberung Boßniens gebraucht ha- ben/ als dessen Koͤnige vorhin schon den Monden und einen Stern zum Wapen gefuͤhret. Sansovin. c. 48. fol. 101. circ. fin. a iij Zur Noͤthige Erklaͤr- Zur Andern Abhandlung. V. 1. 2. 3. GOtt der du sieben Meer/ der sieben Himmel Last.) Diese Zueignungen der Goͤttlichen Majestaͤt/ wie sie der Engel Gabriel dem Mahnmed offenbaret haben solle/ nebst an- dern Aberglaͤubischen Thorheiten erzehlet Sausovin. fol. 12. Perr. Bellon. lib. 3. cap. 7. V. 8. Der Erde Staub zu kuͤssen:) Welcher Gestalt die Tuͤrcken gegen Mittage außgeschubet/ gebadet/ gegen GOtt mit Kuͤssung der Erde oder Teppichte ihr Gebete verrichten/ erzehlet Theodoro Spandugino fol. 125. p. 2. Wenn sie aber in Wasser- mangeluden Oꝛten reisen/ hat Mahumed ihnen verstattet/ Haupt/ Haͤnde und Fuͤsse/ an statt des Wassers mit Staube der Erden zu besprengen. Bellon. l. 3. c. 31. p. 459. V. 13. Daß ich biß in den Halß im Flusse buͤßen wil.) Die Tuͤrckischen Pilgramme nach Mecha pflegen sich vorhero/ ehe sie des Mahumeds Grab besuchen/ auf dem Berge Arcfatagi gantz nackend zu entkleiden/ hernach sich biß in den Halß in dem nahen Flusse einzutauchen/ vorgebende: daß Adam daselbst auch eben solche Busse gethan/ als ihm hernach GOtt Vergebung er- theilet habe. Sansovin fol. 30. p. 1. Massen sie denn auch sonst sich durchs baden in gemein von Suͤnden zu reinigen vermeynen. Bellonius lib. 2. c. 71. p. 316. \& lib. 3. c. 16. p. 434. Gleicher Gestalt pflegen auch die Benjanen in Jndien/ wenn sie bethen wollen/ sich zu baden. Pietro della Valle lett. 3. da Spahàn. n. 3. p. 114 und die Persianer meynen/ mit vierfacher Waßer-Bespruͤtzung alle Suͤnden abzuwaschen. Pietro della Valle lett. 3. da Spahàn. n. 16. p. 164. Von einem Volcke in America erzehlet Hornius in Arca Noæ p. 30. daß selbte ihr Ychuiri so lange mit einem Stein auf den Ruͤcken schlage/ biß sie ihre Suͤnden bekennen/ hernach treten sie in ein Fluß-Wasser/ und beten: Lieber Fluß/ nim̃ mei- ne Suͤnden mit ins Meer: daß sie nicht mehr erscheinen; endlich werden sie von einem Puͤcklichten mit Nesseln gepeitscht. V. 17. 18. 19. Deines Sarchs hochheilgen Marmelstein.) Die Tuͤrcken dichten: daß Adam auf Gottes Befehl das Grab Mahumeds zu Trotz des Teufels gebauet/ und darauf einen Mar- melstein gefunden habe/ welcher sich von sich selbst zu solchem Grabe verfuͤget. Diesen ruͤhren mit den Augen an und kuͤssen die Mahumedischen Pilgramme/ vorgebende: daß er auf den Juͤng- steu Tag der Steig in Himmel seyn wuͤrde/ auch ein Anfangs dem Adam und Eva zugegebener Engel gewest waͤre; welcher sich nach ihrer Verbrechung in einen Stein verwandelt haͤtte. San- sovin. fol. 31. p. 2. V. 20. Allmosen Opffer.) Der Tuͤrcken Opffer werden nicht verbrennet/ sondern sie geben von einem geschlachteten Thiere das Fell/ den Kopff/ die Fuͤsse/ und das vierdte Theil des Flei- sches dem Priester/ das ander Theil den Armen/ das dritte den Nachbarn. Sansovin. fol. 71. p. 1. Fuͤrnemlich aber schlachten sie in ihren Ostern oder Bairan viel Widder zum Opfer/ glaͤubende: daß solche Widder alle am Juͤngsten Tage ins Paradiß kommen/ und fuͤr die Opfernden bethen wuͤrden. Bellon. l. 3. c. 6. p. 409. An statt der Widder oder Laͤmmer schlachten die Persianer an ihren Ostern mit vielen Ceremonien ein Camcel/ weil sie glau- ben: daß Abraham an statt seines Sohnes Jsmael/ (denn diesen/ nicht den Jacob haͤtte er opfern wollen/) ein Kameel geopffert habe. Pietr. della Valle nell. lett. 3. da Spahàn. n. 27. p. 183‒186. V. 22. Da auch Gabriel das Sonnen-helle Licht des Mohnden.) Mahumed hat gedichtet: GOtt habe Sonn und Monden in gleichem Glantze geschaffen/ der Engel Gabriel aber habe hernach mit einem Fluͤgel an den Monden angestrichen/ und selbten auf einer Seite verfinstert. Sansovin. fol. 12. p. 1. V. 54. 55. 56. 57. 58. Den Sultan Oßmann.) Die Tuͤrcken halten so viel von Traͤumen: daß sie auch wachende ihnen glaͤu- ben. Einen Monat fuͤr seinem Falle traͤumete dem Sultan Oß- mann: daß er auf einem Kamel nach Mecha reisete/ dieses Thier aber fluͤge ihm unterm Leibe weg: daß ihm der leere Zaum in Haͤnden blieb. Dieser Traum ward ihm dergestalt außgeleget: Das Kamel waͤre sein Reich/ welches ihn abwerffen/ und ein an- der Kaͤyser fuͤr ihm erwehlet werden wuͤrde. Bisacc. im Mustafa. p. 346. 347. V. 60. Des Gluͤckes Bley-Fuß kom̃t wie das Thier Ha gegangen.) Perillo leggiero. Wie dieses langsame Thier in den Kasten Noë kommen/ besihe Hornium Arc. Noæ p. 22. 23. V. 72. Jn Tenos wil ein Brunn nicht Safft auß Reben fassen.) Athenæus schreibet: daß auf der Jnsel Tenos oder Hy- drusa ein Brunn sey/ deßen Wasser sich mit dem Weine nicht mischen lasse. V. 93. 94. Darinnen weder wohl noch uͤbel uns wird seyn.) Die Tuͤrcken halten darfuͤr: daß kein Weib ins Paradiß kommen werde/ sondern/ die wohl gelebet/ wuͤrden in einem Orth wo ihnen weder wohl noch uͤbel waͤre/ die Boͤsen aber ins hoͤlli- sche Feuer kommen. Spandugina fol. 127. p. 1. Wiewohl Ricaut. livr. 2. chap. 21. p. 527. meldet: daß die Tuͤrckischen Weiber we- gen ihrer boͤsen Thaten im andern Leben keine Bestraffung fuͤrch- teten/ und daher in der Wollust ihre gantze Vergnuͤgung suchten. Deßwegen denn auch bey den Tuͤrcken die Weiber so verachtet: daß sie nicht einst bey ordentlichem Gottesdtenste in den Kirchen/ sondern nur fuͤr den Thuͤren liegen und bethen/ in andern Stun- den aber wohl in selbte gehen duͤrffen. Pietro della Valle p. 1. nell. lett. 2. da Constantin. p. 39. deßen Ursache hat Mahumed ge- geben: weil sie unbeschnitten waͤren. Bellon. l. 3. c. 16. p. 4322. da- hero auch die Beschneidung der Tuͤrcken nicht in den Meßkiten geschehen kan. Bellon. l. 3. c. 2 S. p. 451. bey den Persiern aber wer- den die Weiber auch beschnitten/ und duͤrffen dahero in ihre Kir- chen gehen. Ja auch die Abyssiner/ welche doch Christen sind/ be- schneiden den Maͤgdchen die Hymenæa. Bellon. d. l. 3. c. 28. p. 452. Claude Duret Tresor des Langues. chap. 51. p. 575. Besiehe auch Pietro della Valle lett. 5. da Spahan. n. 24. p. 590. 591. Nichts de- sto weniger pflegen die Perstaner auch das Frauenzimmer Haram, das ist/ Verstuchung/ zu nennen/ weil sie den Maͤnnern zu suͤn- digen die groͤste Ursache waͤren. Pietr. della Valle nell lett. 3. da Spahan. n. 16. p. 163. 164. V. 97. Nach der Calender Arth.) Ob wohl die Tuͤrcken ins gemein die Moͤnche und Nonnen: daß sie nicht heyrathen/ verla- chen/ auch die Widerstrebung dem Gesetze: Wachset und mehret euch/ fuͤr einen grossen Jrrthumb halten/ und dahero so viel Wei- ber/ als ihnen belieber/ nehmen, Spandug. d. 1. so hat es doch unter ihnen eine gewisse Secte der Calender. Dieser Regel ist: Cae- danormac, dil resin cuseiunce, alchachecciur. Wer in diesen hei- ligen Orden treten wil/ muß in der Jungfrauschafft leben. Diese tragen nur Pferdehaarne Kleider/ sind auf dem Koͤpfe kahl/ ha- ben an den Ohren/ umb den Hals und Armen/ eiserne/ an der Vorhaut silberne Ringe. Sansovin. fol. 28. p. 2. Phil. Lonicer tom. 1. lib. 2. part. 2. c. 11. Jhr Uhrheber ist gewesen Santon Kalenderi ein Arabischer Einsiedler/ der Tag und Nacht nach dem Schalle seiner Floͤte (ungeachtet sonst alle Muste beym Gottesdienste im Aleoran verboten ist) den Nahmen Gottes nennte. Seine Nach- folger aber sollen unter dem Schein der Heiligkeit rechte Schuͤ- ler des Evicurus seyn/ und ihre Vergnuͤgung in alleꝛley Uppigkeit suchen. M. Ricaut. livr. 2. chap. 17. V. 100. Daß ich mich nimmer mehr zum Jbrahim darff legen.) P. Alvaro Semedo nella Cina berichtet auch p. 151. 153. 154. daß niemand von Ansehn in dem Koͤnigreich China dem Koͤ- nige gerne seine Tochter verheyrathe; weil selbte zu vorhero von zwey Frauen am gantzen Leibe muͤssen besichtiget/ und ohne eini- gen Fleck befunden werden. Dahero die Koͤniginnen offtmahls gemeiner Handwercker Toͤchter waͤren. V. 111. Die zwey fach nach dem Bruch im Paradiße bluͤ- hen.) Die Tuͤrcken glauben: GOtt werde den Außerwehlten daselbst suͤsse Aepffel zu essen geben: da an statt eines abgebroche- nen zwey andere wachsen waͤrden/ nach Arth des guͤldenen Zwei- ges beym Marone l. 6. Æueid. daselbst wuͤrden sie auch auß Chry- stallen hellen und Zuckersuͤssen Baͤchen trincken; worvon ihnen Augen und Berstand also wuͤrde geschaͤrfft werden: daß sie von ei- nem Ende des Himmels biß zum andern wuͤrden sehen koͤnnen. Sansov. in fol. 13. in fin. V. 113. 114 115. 473. 475. 477. 478. 479. 480. 481. 482. Daß ich fuͤr Grimm und Tod nur Kinder kan gebehren.) Daß des Mufti Tochter auß dieser Ursache dem Jbrahim Lieb und Heyrath abgeschlagen/ bezenget Bisacc. im Ibrahim p. 517. 518. daß aber der zum Reich kommende aͤlteste Bruder die andern ins ge- mein hinrichte/ ist auß hundert Exempeln bekand/ auß welcher Furcht deñ Giangir des Suleiman Sohn sol kranck worden und ge- storbẽ seyn; als er seines Brudern Mustafa Tod gehoͤret. Busbequ. Epist. 2. p. 145. und Pietr. della Valle nell. lett. 2. da’ Viaggi erzehlt p. 61. daß in des Sultan Murat Vegraͤbnuͤße 17. seiner Soͤhne legen/ welche von ihrem aͤltesten Bruder ermordet- und auf einen Tag mit dem Vater begraben worden. Diese Grausamkeit hat Bajazeth angefangen/ wiewohl sie bey den letztern Kaͤysern et- was nachgelassen. Maßen nach dem Achmet/ sein Bruder Mu- stafa/ nach dem Amurath sein Bruder Ibrahim zum Regiment kommen. Achmet aber gleichwohl/ der dem Mustafa geschworen hatte: Er wolte ihn nicht toͤdten/ setzte ihn in Kercker/ ja er haͤtte ihn auch erwuͤrget/ wenn er nicht theils durch schreckliche Traͤu- me/ theils durch ihn uͤberfallende Ohnmacht der Hand/ als er auf ihn schon einst den Bogen gezogen/ ware abgehalten worden. Darauf Mustafa auch ein Dervis worden. Bisacc. im Osman. p. 284. 285. des itzigen Tuͤrckischen Kaͤysers Mahumed drey Bruͤder sind auch noch lebend; aber so unbekand/ als wenn sie nicht in der Welt waͤren. Ricaut. livr. 1. chap. 16. p. 255. 256. V. 117. 118 und Anmerckungen. V. 117. 118. Auf’s dritten Machmets Grimm.) Als Ma- humed III. alleine den Wolluͤsten nachhing/ unterwand sich sei- nes aͤltesten Sohnes Mutter fuͤr der Zeit ihren Sohn auf den Stuhl zu bringen/ und von des Mahumeds Regimente uͤbel zu reden. Mahumed dieses wahrnehmende/ ließ alsbald in seiner Gegenwart die Mutter toͤdten/ den Sohn erwuͤrgen/ und noch andere vierzehen Personen enthaͤupten. Hernach vorgebende der Sohn waͤre nicht geschickt gewest Kinder zu zeugen. Vita Mahu- medis III. promiss. Bisacc. p. 197. 198. V. 128. Sein Kaͤyserthumb zum Brautschatz:) Bey den Tuͤrcken geben die Maͤnner den Weibern ein gewiß Heyrath Gut. Sansovin. f. 20. p. 2. Hingegen bringen die Weiber in Morgenland nichts zu/ also: daß es fuͤr ein grosses gehalten wird/ wenn der Koͤ- nig in Persien mit einem seiner Weiber/ weñ er sie nach Gewohn- heit einem andern verheyrahter/ 1000. oder 2000. Ducaten mit giebt. Pietr. della Valle nell lett. 4. di Pers. da Cazuin. n. 26. p 417. V. 167. So steht mein Hertze dir wie ietzt mein Antlitz offen. Daß das Frauenzimmer in Morgenland allezeit mit ver- decktem Gesichte gehe/ ist gemein. Ob nun wohl diß ins gemein dafuͤr gehalten wird: daß es auß Schamhafftigkeit/ oder: daß es wegen der Maͤnner Eyfersucht geschehe/ so ist doch vielmehr wahr: daß sie sich mehr auß Hochmuth verdecken/ und sich nicht ieder- man wollen beschauen lassen; nach der Arth der alten Adelichen Frauen in Arabien/ und der Grichischen. Dahero die Mahume- tischen Weiber sich auch fuͤr einer hoͤhern Person als sie sind/ zu entdecken pflegen. P. della Valle lett. 3. da Spahàn. p. 165. ‒ 167. Wiewohl: daß diese Entbloͤssung auch fuͤr dem Sultan nicht al- lemahl geschehen muͤsse/ auß der Todes-Geschichte des Jbrahims Mutter Kiosem zu sehen ist; denn des itzigen Sultans Mehemet Mutter ward im Zimmer des Sultans von denen Jchoglans fuͤr die Kiosem gehalten und angefallen/ also daß sie ihr Gesichte ent- decken ihrem Sohne zu Fusse fallen und ruffen mußte: Sie waͤre nicht Jbrahims/ sondern Machmets Mutter. Ricaut. livr. 1. chap. 4 p. 67. 68. V. 169. 172. Dir an die Kehle fuͤhln.) Wenn ein Tuͤrcke einem Frauenzimmer seine Liebe und Begierde sie zu heyrathen/ eroͤfnen wil/ fuͤhlet er ihr an die Gurgel/ denn dadurch bekennet er sich ihr Sclave zu seyn. Und da sie hiere in willigt/ bleibt sie siehẽ oder kuͤßet ihm die Hand. Bellon. observ. lib. 3. c. 16. p. 432. V. 184. Mag gruͤnen Sammer tragen.) Die gruͤne Farbe ist bey den Tuͤrcken die fuͤrnehmste und heiligste/ als ein Wapen und Gedaͤchtnuͤs des Mahumeds. Sansovin. fol. 90. p. 1. dahero al- lein die Sultane und des Mahumeds Anverwandte selbten tra- gen duͤrffen/ weßwegen sich Suleimann auch noch im Alter damit bekleidet. Hingegen ist bey ihnen die schwartze Farbe verhaßt und schimpflich. Busbeqv. Ep. 1. p. 100 Wiewohl Bellon. l. 3. c. 24. p. 447. auch berichtet: daß die/ welche zwey oder dreymahl nach Mecha gewalfahrt haͤtten/ auch gruͤne Farbe tragen moͤchten. Diese Mahumeds-Anverwandten fuͤhren auch in Feldzuͤgen die gruͤne Fabne. P. de la Valle nell. lett 6. de Viaggi §. 2. p. 184. Sie sind daher so verehrt; daß wer Hand an sie legt/ sie verlieret. Jhr O- brister Nakib Eschrel aber hat uͤber ihr Leben und Tod Gewalt. Der nechste nach ihm heist Alemdar, der stets die gruͤne Fahne traͤgt/ wenn der Sultan wo aufzeucht. Ricaut. livr. 2. ch. 6. Also ist Morgenroth die eigene Fatbe der Koͤnige in China/ die niemand anders tragen darff/ und des Koͤnigs Kleider sind mit Drachen gestuͤckt. Alvaro Semedo nella Cina. part. 1. c. 22. p. 151. Deß- halben heissen ihn die Tartern Altun Chan, das ist den guͤldnen Koͤnig. Hornius Arca Noæ p. 248. Sonst duͤrffen auch allein die Tuͤrcken umb ihre Buͤnde weiße Binden tragen/ als ein Zeichen ihres Glaubens/ also: daß wenn ein Jude oder Christ dergleichen truͤge/ er entweder sterben/ oder Tuͤrckisch werden muͤste. Pietro della Valle p. 1. lett. 5. p. 1520. c. part. 2. lett. 4. p. 108. Bellonius lib. 2. c. 36. p. 248. Hingegen moͤgen in Persien alle Christen und andere Glaubens-Genossen wie die Mahometisten mit Buͤnden gehen/ und die gruͤne Farbe so gar an Schenckeln tragen. Pietro della Valle. nell. lett. 4. di Persia da Ferhabad. n. 5. p. 235. die Jndianischen Mahumetisten aber gebrauchen die gruͤne Farbe unter sich auch/ fuͤr ein Zeichen des Mahumeds Nachkommen. Valle nell. lett. 5. da Spahàn. n. 7. p. 493. Der Benianen ihre Buͤn- de auf dem Haupte sind Saffran farbicht/ und in ihren Festen tragen sie weiße Kleider/ auf der Brust und Ruͤcken mit gelber und rother Farbe eingesprengt. Pietro della Valle nell lett. 3. da Spahàn n. 2. p. 110. Zu Xeguaguara einem Lande Americæ faͤrbet sich allein der Koͤnig mit schwartzer/ andere aber mit rother Far- be. Horn. ibid. p. 506. V. 227. Uns seinen Schaͤdel holen:) Bey diesen Barba- rischen Voͤlckern ist es gemein: daß auf ihres Fuͤrsten Befehl die in Ungnade fallende selbst die Koͤpffe darreichen/ und uͤberschicken muͤssen. Wie Horn. Areâ Noæ p. 496. von denen Canariern be- zeuget: daß sie auf solchen Befehl ohne einige Einwendung ab- stuͤrtzen. Jn Japan muͤssen auf diese Arth auch die Groͤßesten ihren Bauch aufschneiden. V. 229. Daß er zerstampt im Moͤrsel sey:) Ob wohl des Mufti altes Ansehen/ da nehmlich von ihm/ wie auß der Dodo- nischen Eiche/ Wahrsagungen geholt worden; Busbeqv. Ep. 3. p. 264. sehr gefallen/ so wird er doch selten getoͤdtet/ oder/ wenn diß ja wegen Verraͤhterey geschehen sol/ vorhero abgesetzt/ und so deñ in einem Moͤrsel/ der zu dem Ende im Gefaͤngnuͤße der sieben Thuͤrme mit Fleiß aufgehoben wird/ Fleisch und Beine zu einem Muß zerstampet. Ricaut. livr. 2. chap. 4 p. 371. 378. V. 234. Diß hat dem Mufti selbst den Obersitz erlaubt:) Spandugino fol. 113. p. 2. lehret: daß des Mufti Wuͤrde die al- lergroͤsseste sey; ja: das wenn der Mufti den Kaͤyser besuche/ et ihm entgegen gehe/ empfange/ und ihm im Sitzen die Ober- Stelle gebe. V. 331. Mahumeds zweytes Grund-Gesaͤtze.) Dieses ist: daß die Kinder ihre Eltern ehren/ und ihnen niemahls wider- sprechen sollen. Sansovin fol. 17. p. 2. V. 361. Wenn es durch schnellen Stich mit Blute wird vermengt:) Frantz Redi hat zu Florentz angemerckt: daß das Gifft der Nattern weder in Zaͤhnen noch im Schwantze/ noch in der Galle/ sondern in zwey Blaͤßgen an den Zaͤhnen stecke; auß welchen eine gelbe Feuchtigkeit spruͤtze/ wenn sie beissen. Jn sonderheit: daß an der Natter oder Vipern nichts toͤdte/ wenn es gleich verschlungen werde/ sondern nur wenn der gifftigsten Thiere Safft in die Wunden kom̃t/ und sich mit Blute vernusche. Wozu er anzieht den Orth des Lucani: Noxia serpentum est admisto sanguine pestis, Morsu virus habent, \& fatum dente minantur. Pocula morte carent. V. 376. 377. 379. Den Frommen lasse sich das Fenster nicht verschluͤßen:) Die Tuͤrcken sind zwar zwistig/ wo der Verstorbenen Seelen biß zum Gerichts-Tage sind/ jedoch glaͤu- ben sie: daß kein Mahumedist ewig in der Hoͤlle seyn werde. Sie setzen aber den Gottlosen eine Straffe des Grabes auß/ die sie A- zabe-Kabari heißen; da nehmlich der Todten Leib und Gebeins gantz und gar sollen zerquetscht/ alle Ritze des Grabes verstopffet werden. Hierentgegen sollen die Frommen auß ihren Graͤbern ein Fenster haben ins Paradiß umb GOtt in seiner Herrligkeit zu schauen. Ricaut. livr. 2. chap. 12. p. 452. 453. V. 406. Und sich hat laͤngst verliebt in dich.) Busbequius Epist. 3. p. 211. erzehlet: daß die miteinander badende Weiber bey den Tuͤrcken sich offt in einander hefftig verlieben/ daselbst meldende: daß ein Weib zu Constantinopel auß hefftiger Liebe gegen ein Maͤgdgen sich fuͤr einen Chiaus verkleidet und selbte geheyrathet; weßwegen sie aber der Janitscharen Aga ersauffen lassen. V. 410. Jn schoͤnen Gliedern steckt ein schoͤner Seelen- Kern.) Die Platonischen Welt-Weisen haben gelehret: es koͤnne ein schoͤner Leib so wenig ohne einen herrlichen Geist/ als ein Zirckel ohne Mittel-Punct seyn. Und also halten auch die Tuͤrcken fuͤr unmoͤglich: daß eine Knechtische Seele in einem schoͤnen Leibe wohnen solte. Weßwegen sie die schoͤnsten Kna- den dem Sultan zu seinen Jchoglans außlesen. Ricaut. livr. 1. chap. 5. p. 91. 94. V. 428. Hat nicht die Lieb’ ein Weib in Morgenstern verkehrt?) Die Mahumedisten dichten: GOtt habe zwey En- gel Haroth und Marot deßhalben auf die Erde geschickt/ die Men- schen zu lehren: daß sie nicht toͤdten/ nicht unrecht richten/ nicht Wein trincken sollen. Diese habe eine mit ihrem Manne strittige Frau als Richter zu sich erbeten/ und in Speisen ihnen Wein ein- bracht/ davon sie truncken worden: daß sie der Frauen beygeschlaf- fen/ und auß Liebe sie dieselben Worte gelehret/ mit derer Huͤlffe man in Himmel und wieder herab fliegen kan. Hiermit habe sie sich alsbald in Himmel erhoben darauf sie Gott in Morgenstern verwandelt/ die Engel aber fuͤr Gerichte gefodert/ und ihnen em- weder dieser oder kuͤnfftiger Zeit Straffe zu erwehlen aufferlegt. Darauf die Engel jene erkieset/ also: daß sie biß zum juͤngsten Ge- richte an eisernen Ketten im Pful Bebil mit dem Kopffe siecken muͤssen. Sansovin. f. 15. p. 1. Diesen Traum der Mahumedisten er- zehlet auch Pietr. della Valle nell. lett. 17. de Viaggi p. 614. meldet aber dabey: daß die zwey Engel bey dem eingefallenen Thurme zu Babylon in eine Hoͤle waͤren eingesperret/ und biß zum Tage des Gerichts mit den Haaren der Augenlieder aufgehencket wor- den. Und nebst andern Bellonius lib. 3. c. 6. V. 455. Als Liebes-Goͤttin ehrn.) Die Tuͤrcken dichten ihnen auch eine Goͤttin der Liebe/ die sie Assih nennen Sansovin. fol 70. p. 1. Fuͤr des Mahumeds Zeit haben die Saracenen die Venus, welche sie Kabar genennet/ angebetet. Kirch. Oédip. Æ- gypt. tom. 1. Syntngm. 4. c. 16. §. 3. p. 346. seqq. Selden. Synt. 1. c. 4. Horn. Hist. Philos. lib. 1. cap. 9. pag. 51. Ja pag. 349. meldet Kircherus, daß die Tuͤrcken noch heute zu Tage den Stein Brachta auf den ein Venus- Bild eingehauen/ anbeten/ ent- weder: daß Abraham auff selbten die Agar beschlaffen/ oder a lv daran Noͤthige Erklaͤr- daran sein Kamel angebunden haben solle/ als er den Jsaac opfern wollen. V. 459. Dein allzuscheeler Trieb laufft wider die Ge- setze.) Die Freyheit viel Weiber zu nehmen/ ist von dem Mahu- med verstattet; wie auch außer den Ehweibern sich anderer Bey- schlaͤfferinnen zu gebrauchen. Bellon. l. 3. c. 8. p. 41. Gleichwohl ist die Zahl der Weiber biß auf vier eingeschrenckt/ und wird es nur fuͤr eine Freyheit der Heyligen gehalten: daß Mahomed ih- rer neun/ Hali vierzehn gehabt. Ricaut. livr. 1. chap. 21. p. 524. 525. Sonsten pflegen die Tuͤrckischen Kaͤyser keine mehr recht zu ehli- gen; maßen/ außer dem Suleiman (welcher von Rorelanen durch Zaubereyen derogestalt eingenommen worden: daß er ihr ein Heyrath Gut/ als das Kennzeichen der Eh außgesetzt/ auch her- nach keinem andern Weibe mehr beygeschlaffen hat) seit dem Bajazeth keiner eine geheyrathet/ weil selbter in des Tamerlanes Gefaͤngnuͤße allzugrosse Schmach an seiner Gemahlin Despina sehen muͤssen. Ricaut. livr. 2. chap. 21. p. 533. 534. Pietro della Val- le nelle lettere 2. p. 85. meldet: Es geschehe die grosse Kosten/ die eine geehlichte Kaͤyserin erfordern wuͤrde/ zu ersparen. Wiewohl meist die Sultane eine einige fuͤr den andern hochhielten/ wie Sultan Achmet die Kiosem. Daß aber Sultan Oßmann wider dieses Grund-Gesetze ein Weib geheorahtet/ sol eine der fuͤrnehm- sten Ursachen seiner Ermordung gewesen seyn. Ricaut. livr. 2. ch. 21. p. 535. Sonsten haben die unchligen Kinder bey den Tuͤrcken eben die Wuͤrde und Erbrecht/ als die Ehligen. Busbequins Ep. 1. p. 58. 59. 122. Jedoch lehret Ricaut. l. 2. chap. 21. p. 530. daß wenn ein Vater seine mit einer Beyschlaͤfferin gezeugte Kinder im letz- ten Willen nicht freylaͤßt und abstattet/ sie Knechtisch und unter der Gewalt seiner ehligen Kinder bleiben. V. 467. Safft der’s Paradiß ansuͤßet.) Der Aleoran be- schreibet das ewige Leben mit eitel solchen irrdischen Wolluͤsten. Die Secte der Eschraki legt aber alles diß verbluͤmter Weise auß/ und lehrt: daß die ewige Freude allein im Anschauen der Goͤttlichen Majestaͤt bestehen werde. Ricaut. livr. 2. chap. 12. pag. 471. V. 478. Wie daß deñ Amurath die Kinder selbst ersticht:) Daß Amurath IV. im 1637. Jahre seinen Sohn erwuͤrgen lassen/ weil er beym Seraglio einen Tarter getoͤdtet/ und selbst seinen noch uͤbrigen einigen Sohn von drey Jahren umbbracht/ lehret Bisacc. im Amurath. p. 455. 458. V. 487. 488. Wie/ daß er dem und nicht dem Oß- man ließ die Krone:) Sultan Achmet verordnete im Te- stament: daß ihm nicht sein zwoͤlffjaͤhriger Sohn Oßmann/ son- dern sein Bruder Mustafa im Reiche folgen solte; umb hier- durch entweder seinem Bruder die langerdultete Gefaͤngnuͤs zu belohnen/ oder durch dessen Thorheit desto groͤssere Liebe ge- gen seinem Sohne Oßmann zu wege zu bringen. Bisaccioni im Osman. p. 283. V. 490. 492. Wie lang ist’s/ als so fiel Orcan und Bajazeth.) Als Amurath IV. Bagadet eingenommen hatte, schlachtete seine Mutter diese seine zwey von einer andern Mut- ter gebohrne Bruͤder ihm auf sein Siegs-Fest ab. Bisaccion. im Amurath. p. 442. V. 495. Den Sultaninnen muß der Fuͤrst offt selbst nachgeben.) Daß bey dem Tuͤrckischen Kaͤysern die Schwe- stern wenig/ die Muͤtter aber viel gelten/ gleichwohl aber auch offt auf Heisch der Soldaten/ ins alte Seraglio gesperret wer- den/ lehret Bisaccion. im Amurath. pag. 387. Wie viel a- ber auch des Suleimans Gemahlin Rorelana gegolten/ ist weit- laͤufftig zu sehen beym Busbequio Epist. 1. pag. 61. 67. 145. 146. So große Gewalt hat auch eine Weile gehabt des Chiàh Abbas erste Gemahlin/ Zeinèb Begùm eine Tochter des Chiàh Taha- màsp seines Groß-Vaters. Pietr. della Valle lett. 5. da Spa- hàn. n. 38. pag. 683. n. 48. pag. 729. Und als Sultan Jbra- him erwuͤrgt/ Machmet erhoben worden/ hat Kiosem als Groß- Mutter das gantze Tuͤrcksche Reich nach ihr ein Willen beherrscht. Ricaut. livr. 1. chap. 4. p. 37. V. 669. Acciolin beflecket seine Weiße.) Acciolin nahm in Welschland Bassano ein/ toͤdtete darinnen das Haupt Johan. Baptista de la Porta, und kriegte darinnen Biaaca de Rossy seine Gemahlin gefangen. Als dieser nun lange verge- bens umb den Genuͤß ihrer Liebe Ansuchung gethan/ wolte er sie nothzuͤchtigen; aber sie erreichte das Fenster/ sprang hin- unter/ fiel ihr eine Schulter auß/ und brach den Arm. Der Tyrann lies sie heilen/ und versuchte nochmahls alle Mittel/ sie zur Liebe zu bewegen; endlich lies er sie an eine Tafel anbin- den/ und nothzuͤchtigte sie. Hierauf lief sie auf ihres Ehge- mahls Grab und gab darauf auß Betruͤbnuͤß ihren Geist auf. P. Pierre de Moyne la Galerie des femmes fortes. p. 317. ‒ 320. Zur Dritten Abhandlung. V. 46. 48. Das Amurath gestecket.) Als Amurath. IV. auf dem Todbette lag/ bereuete er: daß er seine zwey Bruͤder Orcan und Bajazeth hatte toͤdten lassen; befahl hierauf auch zwar: daß man den Bruder auß dem Kercker fuͤr ihn bringen solte/ alleine seine Mutter verhinderte es/ besorgende: daß dem Jbrahim auß seiner Gegenwart der Tod oder ander Unheil begegnen doͤrffte. Hierauf ließ Amurath die Mutter vom Bet- te weg/ und die Bassen zu sich kommen/ und weil er nicht wolte: daß einem tapffern Amurath ein schlimmer Jbrahim folgen sol- te/ musten sie ihm eydlich versprechen: daß nach seinem Tode nicht sein Bruder/ sondern der Tarter Cham Stul-Erbe seyn solte. Allein so bald Amurath die Augen zudruͤckte/ bewegte sie die Bassen (welche ohne diß keine Lust zum Tarter hatten/) theils durch gute/ theils herbe Worte: daß sie den Jbrahim zum Kaͤyser erwehlten. Bisacc p. 475. 476. 479. 480. V. 55. Opferte sie ihm des Brudern warme Leiche:) Hierauf giengen die Bassen nun fuͤr des Jbrahims Kercker. Alleine er verriegelte sich inwendig/ und wolte durchauß nicht aufmachen/ sich des Lebens besorgende/ und auf Anbietung des Reichs allezeit antwortete: daß er zu herrschen nie gedacht haͤtte/ er waͤre ein Sclave seines Bruders Amurath/ biß endlich seine Mutter selbst fuͤr den Kercker kam/ ihm zuredete/ und ihm des Amuraths Leiche zeigete. Bisacc. 486. V. 179. 182. Der grosse Suleiman.) Suleiman ließ sei- nen aͤltesten Sohn Mustafa auf Anstifften und Beschuldigung der Roxelang: daß er dem Vater nach dem Regiment stuͤnde/ erwuͤrgen: damit sie hierdurch ihren langsamer gebohrnen Kin- dern auf den Thron huͤlffe. Busbequius Epist. 1. pag. 58. ‒ 65. Den Sohn Bajazeth/ (welcher sich auf Anstifften seiner Mutter Rorelana und Rustans/ dem aͤltern Sohne Selim fuͤrzuͤckte/ mit selbtem/ nach erster Außsoͤhnung beym Vater/ schlug/ hernach sich in Persien fluͤchtete/) erkauffte er von dem Koͤnige in Per- sien/ und ließ ihn durch seinen dahin gesendeten Bassa Hassan er- wuͤrgen, also: daß er nicht einst zuvor seine vier Soͤhne kuͤssen durffte/ welche/ wie des Mustafa Sohn/ auch saͤmptlich erwuͤrget worden. Busbeqn. Ep. 4. p. 408. ‒ 410. V. 182. ‒ 188. Daut Bassens Missethat.) Daut Bassa der den Sultan Oßmann zu toͤdten Befehl ertheilet/ und des Sultan Mustafa Schwester zur Eh hatte/ ward schluͤßig/ den Mustafa und das gantze Oßmannische Geschlechte aufzurei- ben. Dahero befahl er dem Capi Aga den Amurath IV. in ein ander Gefaͤngnuͤs zu bringen/ umb selbten zu toͤdten. Aber die- ser ward auf Schreyen und Weigern des Mißtrauenden Amu- raths von den Zulauffenden getoͤdtet; Daut aber sich weg zu fluͤchten genothigt; endlich auch an eben dem Orthe/ wo Oß- mann/ erwuͤrget; Hierauff wickelte des Amuraths Mutter die Soldaten auf: daß sie den Mustafa absetzen moͤchten. Diesem zu begegnen/ gieng des Mustafa Mutter nebst andern den A- murath umbzubringen/ der aber schon an einen sichern Orth ge- bracht war; daruͤber sie sich verzweiffelnde selbst erhencken wol- te; sie ward aber von einem Verschnittenen verhindert. Bisacc. im Mustafa p. 347. ‒ 354. V. 271. 275. Fuͤr meinen Murat kaͤmpfft der Himmel und die Sternen:) Dieser dritte Sohn ward dem Jbrahim den 22. Mertz im 1642. Jahre/ als gleich Tag und Nacht gleiche waren/ gebohren; daher die Perser und andere von ihme wahrsagten/ daß er sehr gluͤcklich seyn wuͤrde. Bisacc. im Ibrahim p. 494. V. 279. Jn das Verhaͤngnuͤß Buch des Himmels einge- schrieben:) Die Mahumedisten glaͤuben: daß GOtt eines jeden Menschen Verhaͤngnuͤß auf seine Stirne/ oder in ein im Him- mel verwahrtes Buch Narsip oder Tactir alles/ was ihm Gutes oder Boͤses begegnen sol/ und er durch keine Klugheit oder Wi- derstrebung vermeiden kan/ aufgeschrieben habe. Ricaut. livr. 2. chap. 8. p. 402. V. 281. Sol ewig seyn verdammt/ waͤr’s gleich ein Mu- selmann:) Jm Alcoran redet Maßumed also hiervon: Meine Vorbitte wird gehen fuͤr die jenigen auß meinem Volcke/ die schwer gesuͤndigt haben womit sie zwar nach der Groͤße ihres Un- rechts gestrafft/ aber hernach auß Barmhertzigkeit ins Paradiß moͤgen aufgenommen werden; weil es unmuͤglich ist: daß sie mit den Unglaͤubigen in den ewigen Flammen immer bleiben sollen. Denn es ist uns offenbahret: daß wer nur vom Glau- ben einen Sonnenstaub im Hertzen behalten wird/ nach außge- standener Feuer-Straffe doch werde erloͤset werden. Ricaut. livr. 2. chap. 11. p. 442. V. 282. Kein Blat nicht kleben an des heiligen Papiers/ noch der gefaͤrbten Rosen:) Sie glaͤuben: daß/ wenn sie auß dem und Anmerckungen. dem Feuer uͤber eine gluͤende Bruͤcke in Himmel gehen werden/ wuͤrden ihren Fußsolen alle auffgehobene Papiere und Rosen- Blaͤtter/ welche von dem Schweiße des Mahumeds allererst sol- len entsprossen oder pepurpert seyn/ ankleben/ und sie fuͤr allem Brande behuͤten. Ricaut. d. l. p. 443. 444. Balsac. Entretien. 5. chap. 2. p. 134. V. 458. Fuͤr Sonnen-Samen preißt:) Arabisch Tochm- eseens, ist eine wohlriechende und fuͤsse Frucht bey den Morgen- Laͤndern. Pietr. della Valle lett. 3. da Spahán. p. 137. V. 558. Heckt mehr als des Satur nus bley geschwaͤntzte Stern:) P. Athanns. Kircher. fuͤhret in Itiner. Exstat. Itinere in Solem, auß: daß zwar alle bewegliche und unbewegliche Sterne durch ihre Außdampfungen Cometen/ die Sonne aber die meisten hecke. V. 573. 574. Gekuͤßeten Sirenen muß endlich’s Schweꝛd der Braut-Schatz seyn:) Bey Eroberung der Stadt Con- stantinopel ward eine Griechin/ Irene genannt/ gefangen/ diese aber fieng wegen ihrer Schoͤnheit duꝛch Liebe dergestalt den Ma- humed II. daß sie ihn gantzlich beherrschete. Als er aber merckte: daß seine Soldaten solche Liebe uͤbel empfunden/ hieb er sie aufs kostlichste gekleidet fuͤr dem gantzen Kriegs-Heer in Stuͤcke; zu bezeugen: daß er nichts weniger seine Begierden als seine Fein- de uͤberwinden koͤnte. Pierre de Moyne la Galeriè des Femmes fortes. p. 99. Zu der Vierdten Abhandlung. V. 25. 26. Wie sein schlimm Eintritt schon des Volcks Gelaͤchter war:) Wenn einer zum Sultan erklaͤret wird/ be- giebt er sich fuͤr die Stadt in die Kirche Ejub, oder Jobyian Sarai, in der ihm der Degen umbgeguͤrtet wird. Von dar auß haͤlt er seinen Einritt; in welchem der lange Zeit gefangen gesessene Ibrahim sich allen Zuschauern mehr zum Gelaͤchter als Frolocken fuͤrstellete. Bisacc. p. 481. Ricaut. livr. 1. chap. 4. p. 36. V. 30. Auf viel Arth ein Weib sich emsiget zu seyn:) Ibrahim ließ sich wie ein Weib von Weibern putzen/ schminckte ihm das Gesichte/ und horete am liebsten; wann er fuͤr einen schoͤnen Mann geruͤhmet ward. Bisacc. p. 06. V. 45. 46. Da man zu stuͤrtzen schloß den trauten A- murath:) Der Mufti berathfchlagte mit den Cadi den Amu- rath IV. abzusetzen/ weil er verstattete: daß der Caimecan sich in die Gesetz-Sachen einmischte/ und sonst viel wider das Gesetze handelte/ fuͤrnehmlich aber daß er so viel Muscateller-Wein tranck. Dieser Rathschluß aber konte deßwegen nicht werckstellig gemachet werden/ weil kein Geld im Schatze war/ umb nach Ge- wohnheit bey Veraͤnderung der Kaͤyser damit die Soldaten zu beschencken. Bisacc. im Amurath p. 396. Warumb aber das Weintrincken den Tuͤrcken so ein Greuel sey/ sol daher ruͤhren: daß Mahumed anfangs zwar/ als er auf einem Gastgebott gese- hen: daß die selbten getruncken/ so freundlich mit einander umb- gegangen/ ihn gesegnet/ hernach aber als er erfahren/ daß die da- von truncken worden einander verwundet/ verflucht habe. Bus- beq v. Ep. 3. p. 100. Ricaut. l. 2. c. 25. p. 570. 571. Am altermeisten aber ist in ihrem Romazan, oder der Fasten/ und in Feldzuͤgen das Weintrincken verbothen/ also: daß beym ersten die Suͤnde fuͤr unvergeblich geachtet/ im letzten aber der Verbrecher getoͤd- tet wird. Ricaut. d. l. livr. 2. c. 23. p. 552. \& l. 3. c. 11. p. 688. Gleich- wohl verwehren sie den Christen den Wein nicht/ pflegen auch selbst Weintrauben und Most zulaͤßig zu gebrauchen. Busbeqv. Ep. 4. p. 346. 347. Ja wenn sie schon einst den Wein gekostet/ sauffen sich die Tuͤrcken gantz voll/ weil sie es doch fuͤr eine und gleiche Suͤnde halten/ viel oder wenig trincken. Busbeqv. Ep. 1. p. 28. 29. allwo er von einem alten Tuͤrcken dieses laͤcherliche er- zehlet: daß als er Wein trincken wollen/ Er die Seele mit gros- sem Geschrey ermahnet: daß sie sich/ umb nicht vom Weine be- fleckt zu werden/ entweder in einen Winckel des Leibes verfuͤ- gen/ oder gar auß dem Leibe weichen solle. V. 71. Zerrissen.) Es ist die groͤste Unehre/ mit zerrissenen Kleidern auß dem Seraglio gestossen werden. Ricaut. l. 1. c. 7. p. 113. V 89. 90. Ibrahim des Mufti Kopff bogehrt:) Nicht nur die Tuͤrcken/ sondern die meisten Morgenlaͤndischen Voͤl- cker haben derogleichen blinden Gehorsam: daß sie auf Befehl der Koͤnige ihre Koͤpffe ohne einige Wider-Rede schicken. Und erzehlet Alvaro Semedo nella Cina part. 1. c. 22. p. 148. daß die fuͤrnehmsten Chinesischen Herren auf derogleichen Befehl ihnen selbst die Ketten/ gleich als ob sie guͤlden waͤren/ umb den Hals legten. Ja der Tuͤrcken Gehorsam ist gegen ihren Sultan so blind: daß sie mit nichts eine herrlichere Maͤrterer-Krone/ wel- che sie geraden Weges ins Paradiß versetze/ zu erwerben vermey- nen/ als wenn sie entweder eigenhaͤndig oder auf des Sultaus Befehl/ sterben. Ricaut. l. 1. c. 3. p. 25. 26. V. 192. 193. 194. Alß Mustafa verdient den Geist am Strang außblies:) Welcher Gestalt Sultan Mahumed darumb: daß er des Groß-Visier Achmets Frau genothzuͤchti- get/ seinen eignen Sohn Mustafa habe erwuͤrgen lassen; erzeh- let Theodor. Spandugino fol. 198. p. 2. V. 311. ‒ 317. Denn deinen Lebensdrat wird ein frech Weib zerschneiden:) Als Jbrahim todt und sein kleiner Sohn Machmet Kaͤyser ward/ maaßte sich Kiosem Jbrahims Mutter der Herrschafft alleine an. Diese Gewalt/ und inson- derheit ihre Buͤndnuͤs mit den Janitscharen/ kam des Machmets Mutter/ die ihres erwuͤrgten Ehe-Mannes Beyspiel taͤglich fuͤr Augen hatte/ sehr verdaͤchtig fuͤr/ also daß sie auch fuͤr des Mach- mers Leben in Sorge stand. Dahero verband sie sich mit den Spahis/ Vassen und Bejis/ wider die Janitscharen; verursach- te auch: daß die Spahi in Asien unter dem George Nebi mit ziemlicher Macht gegen Seutari anruͤckten/ und die Koͤpffe der- selben foderton/ die an Jbrahims Tode Schuld haͤtten. Der Groß-Visier Morat, als ein Freund der Janitscharen/ und der selbst zu Jbrahims Tode geholffen/ zohe den Spahi entgegen; die Gerichts-Haͤupter aber brachten es theils durch gute Worte/ theils durch Bedreuen: man wuͤrde durch ein Nesiraum alle Tuͤrcken wider sie in die Waffen bringen/ so weit: daß sich die Spahi zertrenneten. Worauff Bectas, der Janitscharen Aga, der Kul-Kiahia und sein Anhang alles nach Belieben anordne- ten/ und den Nebi vom Bassa in Natolien durch einen Pistol- Schuß ermorden liessen. Dieses erregte abermahls die Spahi/ viel Bassen/ einen Circasier Ipsir: daß sie in Asien allen Ja- nitscharen Armen und Nasen abschnitten/ und des Bectas Ver- faͤlschung der Muͤntze brachte das Volck zu einem Auffstande; woruͤber der Groß-Visier Melek Ahmet ab- und Siaus Bacha an seine Stelle gesetzt ward. Dieser trachtete den Bectas, als fuͤr welchem der Groß-Visier Morat sich in Griechenland hatte fluͤchten muͤssen/ mit seinem gefaͤhrlichen Anhange außzurotten; die Kiosem hingegen warnete die Janitscharen/ gab alle Schuld des Machmets Mutter/ und rieth an statt des schwachen und ungesunden Machmets den wohlgestalten Suleiman zum Sul- tan zu machen. Bectas versam̃lete alsobald die Janitscharen in ihrer Kirche Orta-giami, dahin sie auch den Groß-Visier be- rufften/ welchem Er nach schlechter Ehrerbietung andeutete: Suleiman solte Kaͤyser seyn. Der Groß-Visier pflichtete mit grosser Verschwerung allen bey; kehrte aber ins Seraglio, deßen eiserne Pforte er auf Befehl der Kiosem eroͤffnet fand/ weil sie sich darauß fluͤchten wollen. Der Visier entdeckte alles alsbald dem Obersten verschnittenen Soliman Aga, und andern; welche der Kiosem Obersten Caͤmmerer Capa-Oglar einen Dolch in Leib stißen/ die andern Verschnittenen verjagten/ und die Kio- sem durch des Sultans Verschnittene verwahren ließen. Hier- auf weckten sie des Sultans Mutter auf/ welche dem Machmet zulieff/ schreyende: Wir sind verlohren! Dieser fiel dem Soly- man Aga zu Fuͤssen/ mit Bitte/ ihn zu retten; welcher den Sul- tan in die Hosada fuͤhrte/ ihn auf den Thron setzte/ und allen Großen die Gefahr eroͤffnete. Diese liessen den Sultan alsbald einen Befehl unterschreiben: daß der Bostangis Bassa, der als ein Verraͤhter das Seraglio offen gelassen/ abgesetzt seyn solte/ weckten die Ichoglans auf/ und stellten sie in Waffen. Unter- dessen hatte der Groß-Visier Anstalt gemacht: daß alle Bassen und Beglerbegs sich mit einer grossen Menge Gewaffneter her- bey fuͤgten/ ja die Stadt allenthalben voller Kriegs-Volck war/ wiewohl auch die Janitscharen sich und ihren Anhang ruͤsteren. Auf den Morgen drungen die Ichoglans und Baltagis in des Sultans Zimmer/ mit Begehren: daß man die Feindin des Sultaus und Mahomets Kiosem toͤdten solte; einer auß ihnen Jalche Saferli zerspaltete auch dem Verschnittenen/ der sie daran hindern wolte/ den Kopff. Nach diesem drangen sie auf den neuen Mufti: daß er uͤber Kiosem ein Todes-Urthel schreiben muste; welches der Sultan besiegelte. Ob nun zwar verordnet ward/ sie durch die Vogel Pforte auß dem Seraglio zu fuͤhren/ und daselbst hinzurichten/ so lieffen doch die Ichoglans in das diß- mahl wider Gewohnheit alles Lichtes beraubete Frauenzimmer; woselbst sie anfangs die ihnen mit einem Pistol begegnende und sich fuͤr die Sultanin außgebende Naͤrrin anfielen/ hernach die Kiosem lange vergebens suchten/ biß endlich einer Delli Dogan- gi sie in einer Almer versteckt fand; und ungeachtet sie iedem Ichoglans dreytausend Reichsthaler/ Jhme aber groͤssere Ge- schencke fuͤr ihr Leben versprach; auch viel Gold unter sie auß- schuͤttete/ sie mit den Fuͤssen herauß zog. Ali Bostangi riß ihr ihre Ohrgehaͤncke/ welches zwey einer Nuß groß Diamanten mit einem untersetzten Rubin/ ein Geschencke Sultan Achmets und eines jaͤhrlichen Einkommens von Aleayr werth geschatzt waren/ Noͤthige Erklaͤr- waren/ von Ohren/ welcher sie aber fuͤr 16. Ducaten dem Solyman Aga einhaͤndigte. Die andern beraubten sie/ zerrissen ihre Zo- bel in tausend Stuͤcke/ und schleppten sie nackend biß zur Vogel- Pforte/ daselbst hielt sie Dogangi/ daß die andern ihr den Strick umbschlingeten/ welche/ ob sie zwar als ein uͤber achtzig Jahr al- tes Weib keinen Zahn mehr hatte/ ihn mit den Glaͤven in seinen lincken Daumen so lange hefftig bieß/ biß er ihr mit dem Dolche einen Stich uͤbers Auge versetzte. Vier andere wuͤrgten an ihr; wie sie aber schon geruffen hatten: Sie waͤre todt/ reckte sie noch erst den Kopff empor; worauff sie denn sie endlich muͤhsam er- steckten/ die verschnittenen Mohren aber ihren Leib mit grosser Ehrerbietung in die Koͤnigliche Moschée trugen. Vierhundert ihrer Sclaven begleiteten sie mit viel Thraͤnen/ und rissen ihnen die Haare auß. Der Groß-Visier steckte des Mahomets Fahne oben auf. Ob nun wohl Bectas die Janitscharen unter dem Vorwand: daß man sie gar außrotten wolte/ zu Anzuͤndung der Stadt und Gegenwehr bereden wolte/ so waren sie doch unter- einander gantz zwistig. Hieruͤber kam einer vom Sultan/ ruf- fende: Wer sich nicht unter die Fahne stellt/ ist ein Heyde; warff auch einen Brief unter sie/ des Jnnhalts: Bectas ist zum Bassa von Boßnien/ Kara Chiaus zum Obersten uͤbers Meer/ Kul-Kia- hia zum Bassa in Temeswar/ und Kara Hassan Ongle zum Ja- nitscharen Aga gemacht. Kurtz hierauf zohen die Spahi und Jebegis mit grossen Stuͤcken gegen die Janitscharen; welche a- ber mit ihrem neuen Aga sich zu der Fahne verfuͤgten. Bectas verkleidete sich in einen Albanier/ ward aber folgenden Tag er- kennet/ auf einem Maul Esel schimpfflich herumb gefuͤhret und erwuͤrget. Kul Kiahia flohe in Albanien/ ward aber durch Ver- wechselung einer guͤldenen Muͤntze verrahten/ erschossen und sein Kopff dem Sultan geschickt; Kara Chiaus erwuͤrget. Ricaut. l. 1. chap. 4. V. 361. Dem gleich sein Kopff nicht so brennet.) Wenn der Groß-Visier oder sonst ein Maͤchtiger iemanden grosses Un- recht thut/ dieser also seine Sache an den Sultan ziehen wil/ legt er Feuer auf den Kopff/ und laufft hiermit ins Seraglio zum Sultan. Da ihn denn kein Mensch fuͤr ihn zu kommen und sei- ne Noth zu klagen/ aufhalten darff. Welches Mittels sich so gar der Englische Gesandte Thomas Bendysh bedienet. Die Persier pflegen bey solchen Faͤllen in einem weißen Papiernen Kleide fuͤr ihren Koͤnig zu gehen/ gleich als daß ihnen angethane Unrecht sich auf solch Papier nicht schreiben liesse. Ricaut. l. 1. c. 11. p. 151. 152. V. 372. Pompeiens Seule:) Jm Munde des Bosphors gegen dem schwartzen Meere siehet auf einem Felsen noch heute zu Tage eine Seule von weißen Marmelsteine/ des Pompejus Seule genennet; in der von Zeit und Wellen verwischten Uber- schrifft ist gleichwohl noch der Nahme des Kaͤysers Cajus zu lesen. P. della Valle. p. 1. lett. 2. da Constantinop. p. 43. V. 402. Der edle Mustafa:) Der Trauer Saal Erasmi Francisci p. 392. 393. erzehlt: Mustafa habe im Traum einen Propheten in weiß-glaͤntzenden Kleidern gesehen/ welcher ihn mit der Hand in einen lustigen Pallast gefuͤhret/ meldende: al- hier haben die reinen Seelen ihren Wohnplatz/ die in ihrem Le- ben ein Abschen fuͤr Blntstuͤrtzung und Suͤnden gehabt/ und ge- nuͤßen also der ewigen Seeligkeit. Gleichergestalt zeigete er ihm die Boͤsen und Gottlosen/ welche in Pech-Fluͤssen getaucht und endlich ersteckt wurden. Ob nun wohl sein Geistlicher den Traum als boͤse außdeutete/ und ihn/ sich vorzusehen/ warnete/ so trauete er doch seiner Unschuld/ reisete zum Vater/ und ward erwuͤrget. V. 416. Chach Abas Sohn hat nechst des Vatern Stahl gekuͤßt.) Daß Chach Abas seinem eigenen Sohne habe lassen den Kopff abhauen/ erzehlet Bisacc. im Amurath. p. 386. und mit mehrern Umbstaͤnden Olearius in seiner Persischen Reise l. 5. c. 32. wie auch Pictro della Valle nell. lett. 4. di Persia da Ferhabàd n. 25. p. 405. seqq. V. 448. Daut Bassens Untergang und Gebegi.) Ob wohl Daut Bassa einen Zettel fuͤrbracht: Krafft deßen er waͤre befehlichet worden vom Sultan Mustafa, den Oßmann hinzurich- ten/ so ist er doch/ weil er solchen Zettel durch die Sultanin er- langt/ von den Visieren zum Tode verurtheilet worden. Als dieser nun am Rande eines Brunnes saß/ den Streich/ der ihm den Kopff abschlagen solte/ erwartende/ kam eine Menge der Spahi/ und befahl dem Heucker inne zu halten. Hierauff ward er auf eben dem Wagen/ worauf man den Oßmann gefuͤhret/ in das Gefaͤngnuͤs zu den sieben Thuͤrmen geschlepper/ und den fol- genden Tag eben an demselben Orthe/ wo Oßmann/ erwuͤrget. Gebegi Bassa aber/ der dem Oßmann ein Ohr abgeschnitten hat- te/ enthaͤuptet. Bisacc. im Mustafa. p. 351. Zu der Fuͤnfften Abhandlung. V. 19. Er schickte statt des Stricks dem Machmet Gerei Gaben.) Amurath IV. wolte im 162. Jahre diesen Cham der kleinen Tartern/ weil er seinem Befehle nicht gehor- samet/ ab- und einen andern einsetzen/ schickte auch einen Bassa mit dreyssig Galeen dahin. Alleine die Tartern/ welche den Machmet Gerei lieb hatten/ wolten sie weder anlenden noch auß- steigen lassen/ ob sich schon der Bassa zu Cassa darumb sehr be- arbeitete. Diesem nach schickte Amurath diesem Mahemet ein Kleid und einen Sebel/ zum Zeichen: daß er ihn in seiner Wuͤr- de bestetigte. Alleine er wolte dieses, ihm auß wenig guten Ge- muͤthe kommende Geschencke/ unter dem Vorwand: daß es ihm nur durch einen schlechten Galeen-Hauptmann geschickt wuͤrde/ nicht annchmen/ ließ auch den Uberbringer ins Gefaͤngnuͤs werf- fen/ und draͤuete/ sich mit den Polen zu verbinden. Bisacc. im Amurath. p. 370. V. 21. Der Abassa bekam fuͤr Auffruhr Schwerd und Kleid.) Als Amurath IV. zum Reiche kam/ und hoͤrte: daß Abassa fast alle Janitscharen habe umbbringen lassen/ die Stadt Caraisar eingenommen/ und mit 40000. streitenden Maͤnnern/ 25. Stuͤck Geschuͤtz recht auf Constantinopel zu zog/ both er ihm eine Sebel und Kleid/ auch ein hohes Visier-Ampt an/ dafern er sich beruhigen wolte. Dardurch denn auch fuͤr dißmahl er in Na- tolien stille stehen blieb. Bisacc. p. 357. V. 23. Mein einig Wort erbath des Caimecan Leben.) Als Amurath IV. vernahm: daß die Cosacken so maͤchtig an den Graͤntzen des Eurinischen Meeres worden/ verdroß es ihn so hef- tig: daß er den Caimecan in die Augen schlug/ worvon ihm die Nase blutete; befahl auch: Man solte den Hencker hohlen/ ihn zu erwuͤrgen. Die Kaͤyserliche Mutter aber erbath ihm das Le- ben. Bisacc. p. 394. V. 24. Bustaims schlechte Schuld must Hals und Kopff hergeben.) Amurath IV. ließ nebst andern dem Mehemet Bu- staim Bassa von Cairo den Kopff abschlagen/ weil sie von den Unterthauen viel Geld erpresset. Bisacc. p. 357. V. 33. 34. Wie hoch entschuldigte beym Sultan Amu- rath der Cham des Mufti Tod.) Weil der Bassa võ Caffa der Tartarische Mufti uñ der Cadi daselbst dem Tarter Cham verwie- sen: daß er dem Tuͤrcken zu gefallen im 1636. Jahre nicht wider den Persier mit wolte zu Felde ziehen/ ließ er sie alle 3. erwuͤrgen. Dieses aber bey deꝛ Ottomannischen Pforte nicht zu sehr anzustos- sen/ entschuldigte er darmit: daß sie diß wegen ihrer Ungerechtig- keit und Geldaußpressungen gelitten haͤtten. Bisacc. p. 452. 453. V. 34. 35. 36. 37. Fuͤrst Amurath selbst hat des Mufti Sohn.) Jm 1633. Jahre ließ Amurath IV. einst den Mufti wegen wichtiger Sachen zu sich fordern. Weil dieser aber sich: daß er wegen Alters und Kranckheit nicht kommen koͤnte/ durch seinen Sohn entschuldigte/ ließ Amurath anfangs den Sohn/ hernach den Mufti erwuͤrgen. V. 69. 71. Auf Sekier p eren Gesetz und Straffe schaͤrffen.) Von diesem Weibe Chequer Paré erzehlet M. de Monconys in seinen Reisen p. 391. 392. daß der junge Sultan Machmet durch seinen Groß-Visir ihr Vermoͤgen einziehen lassen; darunter sich funffzehen Tounen Goldes Reichsthaler/ ein gantz guͤldener Tisch/ und unzehlbare Koͤstlichkeiten befunden haͤtten. Von ihr habe wan zwar gesagt/ sie waͤre erwuͤrget und ins Meer geworffen worden; es habe sich aber hernach ereignet: daß man sie nach Cairo verwiesen/ sie aber hernach zuruͤck kommen. V. 118. Des Capi Aga Kopff/ die Mutter selbst verstieß.) Als unterm Mahumet III. das Regiment allenthalhen so uͤbel bestellet ward/ versamleten sich im 1603. Jahre Janitscharen/ Spahi/ und eine grosse Menge Volcks/ drangen in des Sultans Burg/ und/ nachdem sie vom Assan Bassa verstaͤndiget wurden: daß daran des Sultans Mutter/ der Capi Aga und der oberste Verschnittene/ Schuld truͤgen/ begehrten sie mit dem Kaͤyser selbst zu reden/ hielten ihm auch seine nachlaͤssige Regierung fuͤr. Der Kaͤyser entschuldigte sich: daß er von denen uͤbelen Zustaͤn- den im Reich von niemanden einige Nachricht erlanget haͤtte. Hierauf forderten sie den Orologier Bassa fuͤr/ dieser berichtete: der Capi Aga haͤtte ihm verwehret/ dem Kaͤyser die verdruͤßli- chen Sachen fuͤrzutragen/ es wuͤrde auch diesen Unordnungen anders nicht/ als durch Hinrichtung der Sultanin/ des Capi Aga und obersten Verschnittenen abzuhelffen seyn. Hierauff begehr- ten sie: der Kaͤyser solte ihnen dieser dreyer Koͤpffe liesern/ oder sie wolten ihnen selbst helffen/ und gar einen andern Kaͤyser ma- chen. Ob nun wohl Mahumet sie bescheidete: es solte uͤber sie erkennet/ und/ was recht erschiene/ vollzogen werden; so antwor- teten sie ihm doch/ haͤtte er seine unschuldige Bruͤder ohne Er- kaͤntnuͤs hingerichtet/ muͤsten es diese Schuldige nicht besser ha- ben. und Anmerckungen. ben. Ward also der Kaͤyser gezwungen/ des Capi Aga/ des Assan Bassa/ und des Obristen verschnitten Koͤpffe ihnen zu gewehren und zu versprechen: daß er die Mutter verweisen wolte. Vita Mahumetis III. præmiss. Bisaccion. p. 195. 196. V. 121. Denn kom̃t des Dieners Treu erst zur Vollkom- menheit.) Als die Freunde des Groß-Visirs Kara Mustafa eins- mahls seine grosse Gluͤckseligkeit preiseten; sagte er: Ja/ er habe sein Geluͤcke zur hoͤchsten Staffel bracht/ es mangelte ihm aber noch zur Vollkommenheit der Kaͤyserlichen Gnade und seiner Ehren der heilige Maͤrterer-Krantz und das Geluͤcke: daß er auf des Sultans Befehl sein Leben auffopferte. Ricaut. l. 1. c. 3. p. 25. 26. V. 123. 124. 125. 126. 127. 128. Fuͤrst Amurath must auch.) Jm 1626. Jahre empoͤrten sich die Janitscharen/ noͤthig- ten den Mufti: daß er sich ins Seraglio nach Scrutari begeben muste/ und begehrten vom Amurath IV. die Koͤpffe seiner Mut- ter und des Caimecan Mehemed Gorguin. Amurath meynte sie zu bestillen/ ließ von diesem die Siegel (die er in Abwesenheit des Groß-Visiers verwahrte) abfordern/ (welches die Entse- tzung des Amptes bedeutet Pietr. della Valle nell. lett. 2. p. 87.) und gab sein Ampt den Regel Bassa; ins Regels Ampt aber setzte er Imrahul Bassa. Alleine sie bestillten sich hiermit gar nicht/ ob schon er ihnen 200000. Sultaninen/ und des Kaͤysers Mutter auch so viel verehrete. Denn hierdurch errettete diese zwar das Leben; Amurath aber sich selbst zu erhalten/ muste seinen 68. jaͤh- rigen treuen Diener/ welcher dreymahl die Groß-Visier-Stelle vertreten hatte/ erwuͤrgen/ und fuͤr das Seraglio werffen lassen/ allwo sie ihm noch Nase/ Ohren/ Augen und Zunge außschnitten. Bisaccioni p. 373. V. 132. 133. 134. 135. 146. 147. Und doch den Dilaver.) Sultan Oßmann entschloß sich die Janitscharen (als welche sich nicht wohl im Kriege wider Polen gehalten haͤtten/) außzurot- ten/ und Statt ihrer Araber anzunehmen. Weil aber der Groß- Visier Dilaver meynte: daß diß zu Constantinopel sich nicht wuͤr- de thun lassen/ wolte er den Kaͤyserl. Sitz entweder nach Dama- sco oder Alcayr verlegen/ gab also fuͤr: Er haͤtte ein Geluͤbde ge- than/ nach Mecha zu reisen. Als aber auf die Galeen der Kaͤy- serl. Schatz/ ja so gar die Kleinodien auß der Grufft von dem Bunde seines Vaters auffgeschiffet wurden/ muthmaßten sie ein viel anders; liessen also durch die Cadileschier (derer sind drey/ einer uͤber Europa, der ander uͤber Natolien, der dritte uͤber A- frica, und diese sind bey den Tuͤrcken diß/ was bey den Christen die Patriarchen. Spandugin. fol. 11. p. 1. 2.) den Oßman/ aber ver- gebens/ abmahnen/ als welche er schimpfflich von sich ließ. Her- nach schrieben sie ihm durch den MUfti einen Zettel/ darinnen enthalten war: daß er ohne Gefahr des Reiches/ ohne Verletzung des Gesetzes/ nicht nach Mecha ziehen koͤnte. Alleine Oßmann zerriß ihn. Hierauf versamleten sich die Janitscharen und Spahi/ brachten auch einen Brief herfuͤr/ worauß zu sehen war: daß Oß- man den Sitz nach Alcayr verlegen wolte/ zwangen hierauf den Mufti: daß er vom Sultan die Koͤpffe derer/ die ihm zur Reise gerahten/ fordern solte. Wiewol er nun verhieß: daß die Reise nachbleiben wuͤrde/ schryen sie doch nach den Koͤpffen des Dila- ver/ des Chisler Aga/ des Kaͤysers seines Hoffmeisters/ und des Festarda; vergnuͤgten sich auch nicht daran: daß Oßmann den Dilaver ab/ und in seine Stelle den Ussaim Bassa setzte; sondern sie schnitten dem Dilaver und Chisler Aga die Koͤpffe ab/ erbra- chen den Kercker/ zogen dem halbtodten Mustafa mit Straͤngen herauß/ und erklaͤrten ihn zum Kaͤyser. Diesem nach nahmen sie den Oßman/ (welcher sich in einen Spaht verkleidet/ und in des Chisler Aga Hauß verstecket hatte/) seyten ihn auff einen Wa- gen nebst den Obersten Hencker/ und fuͤhrten ihn in das Gefaͤng- nuͤß zu den sieben Thuͤrmen. Endlich befahl der Groß-Visier des Mustasa, daut Bassa ihn zu erwuͤrgen/ und ihm ein Ohr ab- zuschneiden/ welches er als ein Zeichen seines Todes dem Mu- stafa einhaͤndigte. Bisaccioni im Osman. p. 336. ‒ 344. Dieses alles sol fuͤrnemblich durch den Halil Bascid Serdár und den Chan von Cafà des Mustafa grosse Freunde verursacht worden seyn. P. della Valle lett. 5. da Spahàn. n. 45. p. 723. 724. V. 150. 151. Ob Nasuf Bassa schon des Achmets Ey- dam war.) Wie Sultan Achmet diesen seinen Eydam ver- dacht: daß er mit dem Koͤnige in Persien zuhielte/ und mit ei- gener Faust umbbracht/ erzehlet Bisaccioni im Achmet p. 257. Noch außfuͤhrlicher beschreibet dieses Groß-Visirs Lebens-Lauff und Tod. Pietro della Valle ne Viaggi in lettera. 2. da Constan- tinopoli §. 11. p. 83. ‒ 100. V. 167. 168. Es bringt dem keinen Schimpff/ der zu den niedrigen vom hoher Staffel ruͤcket.) Dieses ist die Art bey den Tuͤrcken. Jusonderheit muͤssen die Groß-Visir offt vom Ber- ge in ein Thal herunter ruͤcken. Wie denn der Vorfahr des Groß- Visiers Kiuperli (der des jetzigen Visiers Achmet Vater war/) nur zum Bassa in Canischa/ welches die niedrigste Verwaltung ist/ gemacht ward. Ricaut. livr. 1. chap. 11. p. 155. V. 186. 187. 188. 189. 190. Diß schloß der Mustafa.) Sul- tan Mustafa machte den Selictar Aga seinen Degentraͤger zum Bassa von Altayr/ und seinen Manteltraͤger zum Bassa von Da- masco/ ob schon diese in Seraglio waren erzogen/ und nichts an- ders/ als Marmol zu glaͤtten/ und Maͤhrlein zu erzehlen/ waren gelehret worden. Ja er wolte den Groß-Visier absetzen/ und sel- bige Wuͤrde seinem hierzu gantz ungeschickten Verwandten ge- ben; er verkauffte auch das Ampt des Capitan Bassa. Hierauf em- poͤrte sich der Bassa uͤber das Meer/ brachte den Mufti auf seine Seite/ und so viel zu Wege: daß Sultan Mustafa/ als er im Se- raglio seine Mutter besuchte/ dariunen verschlossen/ Oßmann zum Sultan erwehlet/ und Mustafa in seinem alten Gefaͤngnuͤs- se von zwey alten Weibern und einem Mohren als seinen Auff- waͤrtern verwahret ward. Bisaccioni im Osman. p. 289. 290. V. 192. Des Siegels sich enteusser. V. 197. nimms gros- se Siegel hin.) Das Siegel/ in das der Nahme des Sultans gestochen/ ist das eigentliche Kennzeichen des Groß-Visiers/ der das Haupt des Divans und Krieges ist/ und unterm dritten A- murath mit dem Lala Schabin aufkommen ist. Sonst traͤgt er auch zwey mit Diamanten versetzte Reiger-Fedeꝛn auf dem Bun- de; wie der Sultan drey. Und fuͤr ihm traͤgt man auff langen Stangen unter einem guͤldenen Knopffe drey Pferde-Schwaͤntze fuͤr; derer zwey aber auch die Visiere zu Alcayr/ Bagachet und Ofen in ihrem Gebiete Jhnen moͤgen fuͤrtragen lassen. Ricaut. livr. 1. chap. 11. p. 142. ‒ 145. Jn diesen Dingen/ wie auch in Tit- teln und Ehrenbittungen machen die Tuͤrcken uͤberauß genauen Unterschied; in welchen allen der Sultan des Groß-Visiers An- leitung folget. Sonderlich wird unterschieden/ wer dem Sultan die Hand/ oder den Saum des Kleides/ oder den Ermel/ und der- gleichen kuͤssen duͤrffe. Ricant. l. 2. chap. 24. p. 562. V. 222. 223. 224. Die Abassa euch schlug.) Dieser aufruͤh- rische Bassa gab fuͤr: Es waͤre ihm der Prophet Mahumed er- schtenen/ habe den ermordeten Sultan Oßman bey den Haͤnden gehalten/ ihm befehlende: daß er des Oßmans Tod rechnen solte. Dahero er auffs grausamste auf die Janitscharen gewuͤtet/ und wo er eine schwangere Frau eines Janitscharen oder Spahi be- kommen/ ihr die Frucht auß dem Leibe schneiden lassen. Bisacci- oni p. 359. 360. V. 232. Nachdem er uns das Geld zu Schadẽ abgesetzet.) Nachdem im 1640. Jahre der Divan wahrgenommen: daß zur Kriegs-Zeit die Gold- und silberne Muͤntze biß uͤber die Helffte ihres ersten Wehrts gestiegen/ setzte selbter das Geld wieder in den ersten Werth/ also: daß das Volck und die Soldaten [wiewol diesen das Geld allezeit in unoeraͤnderten Preise bezahlet werden muß] umbs dritte Theil gefaͤhret worden. Bisaccioni im Ibrahim p. 484. V. 236. Umb funffzehn Asper must.) Unter dieser Vor- stellung des geringen Soldes reitzete Percenniuͤs auch die Roͤ- mischen Legiones in Pannonien zum Aufruhr an. Tac. 1. Annal. 17. denis in diem assibus animam \& corpus æstimari, hinc ve- stem, arma, tentoria, hinc sævitiam Centurionum \& vacationes munerum redimi. V. 270. 271. Den Tarter Cham vom Thron und Zepter abzuthun.) Sultan Jbrahim setzte im 1645. Jahre diesen ab/ dem Koͤnige in Polen zu gefallen/ weil er der Tartern Raube- reyen in Polen nicht verwehret hatte/ der Koͤnig in Polen aber ihm mit seinem eigenen Sebel recht verhalff. Bisaccion. im Ibra- him p. 497. V. 283. Das Gold/ das Tunis zinßt.) Ali Bassa der Koͤ- nig zu Tunis schickte dem Sultan Jbrahim 40000. Dublonen/ und 20000. Ducaten; die er in dem Grauße der Festung Goletta gefunden hatte/ und noch von der Zeit des Großmaͤchtigen. Kaͤyseꝛs Carls des fuͤnfften daselbst versteekt blieben waren. Bisac. p. 507. V. 285. 286. Der Held Abdalla nahm ein gantz Pfund Musch in sich.) Daß dieser Saracenische Fuͤrst/ als er in die Schlacht geritten/ ein gantz Pfund Musch außgetruncken/ berich- tet Elmacin. Hist. Saracen. lib. 1. c. 12. V. 294. Als Honam uns kaum schickt.) Alvaro Semedo nella Gina part. 1. c. 3. p. 23. 24. meldet hiervon dieses: La Provin- cia di Honam ha per proprio il Muschio. Questo è umbilico d’ un Animale come piccolo Cervio, la cui carne serve per cibo, esolamente quela parte si toglie con quella pretiosa materia. Von des Ambra und Musch Beschaffenheit besiehe Olearium in des Mandelslo Ost-Jndischen Reise p. 1. c. 19. V. 313. Ein erboost Croat erstach den Amurath.) Dieser treue Diener seines Herren Lazari Fuͤrsten in Servien erstach im 1373. Jahre bey erlangter Verhbr den Amurath dritten Tuͤrcki- schen Koͤnig. Wolg. Dreder. in Chron. Sarac. Leuenclan. Annal. Turc. c. 47. p. 15. der Thaͤter hieß Vilvo, und des Sultans Hoff- Prediger/ welcher hernach einen absondern geistlichen Orden ge- stifftet/ warnete ihn vorher/ aber vergebens. Ricaut. l. 2. chap. 19. p. 513. 514. Von selbter Zeit an werden alle Abgesandten mit den Armen gehalten und zu den Tuͤrckischen Kaͤysern gefuͤhret. Bu- steqv. Epist. 1. p. 112. V. 314 Noͤthige Erklaͤr- und Anmerckungen. V. 314. 315. Den Ach- und Machmet hat ein Dervis.) Daß ein Dervis den Mahumed II. toͤdten wollen/ und den Kaͤy- ser Achmet mit einem Stejne geworffen/ erzehlet Bisaccioni im Achmet. p. 235. 236. daß ein Dervis auß der Secte der Calender im Jahr 1492. den Kaͤyser Basazeth mit einen Sebel auf dem Wege von Manastiro nach Adrianopel angetastet habe/ aber von dem Ischender Bassa mit einem Pußdigan. zu Bodem geschlagen/ hernach in Stuͤcke zerhauen worden/ erzehlet Leuenclan. Annal. Turc. c. 171. 172. p. 56. V. 448. Daß Mensch und Ameis nur zu eigenem Ver- derben so Ehr als Fluͤgel kriegt.) Die Tuͤrcken haben von der hohen Wuͤrde der Groß-Visiere ein Sprichwort: Sie waͤren den Ameißen gleich/ welchen GOtt nur zu dem Ende Fluͤgel ge- be/ daß sie darmit ihren Untergang beschlennigten. Ricaut. l. 1. chap. 11. p. 161. V. 511. Diß Teffa bringen.) Die ist bey den Tuͤrcken so viel als ein Zwang des Gesetzes/ welches den Sultan selbst verknuͤpf- fet sich fuͤr den Richterstul zu stellen. Bisac. im Ibrahim p. 520. V. 541. 542. Das Beyspiel Mustafens.) Der Mufti/ der Visier und die andern hohen Haͤupter ließen gleicher Gestalt im 1623. Jahre im Herbst-Monat den Kaͤyser Mustafa in Divan for- dern umb den Unterthanen Rechenschafft zu thun. Als ihm aber seine Mutter solches zu thun verwehrete/ schrie das Volck. Es le- be Sultan Amurath/ Mustafa ward auch hierauf in sein altes Ge- faͤngnuͤß gefuͤhret. Bisacc. im Amurath. p. 356. 357. V. 551. Den Hals dem Mustafa den Groß-Visir ließ bre- chen.) Dieses: daß des Jbrahims Mutter diesen guten und wach- samen Diener erwuͤrgen lassen/ weil er ihr wenig Leides gethan/ berichtet Bisacc. im Ibrahim p. 496. V. 553. 554. Mit’s Regep Bassa Kopf.) Dieser Groß-Vi- sier kam beym Sultan Amurath in Verdacht: daß er durch Em- poͤrung der Janitscharen dem Jbrahim den Zepter zuschantzen wolte: ward dahero in ein Garten Zimmer beruffen: Allwo von ihm Anfangs der grosse Siegel-Ring abgefordert heꝛnach er von dreyen erwuͤrget ward. Viel aber meynten/ es sey nur umb einen grossen Schatz auf drey Millionen Golds zu bekommen geschehen. Bisac. im Amurath. p. 410. V. 590. Zu Stuͤrmung Bajadets die Graben fuͤllen auß.) Als im 1638. Jahre Amurath IV. Bagadet belaͤgerte/ und er we- der genug Wollensacke noch Reisicht/ die Stadt-Graben außzu- fuͤnen/ hatte/ ließ er auß jeder Fahne durchs Loß drey Soldaten nehmen/ und sie in Graben werssen. Bisac. p. 469. 470. V. 591. 592. 593. Fuͤr dem Feinde zwey drey Spannen rückwerts weichen.) Beym Guicciardini l. 6. fol. 169. redet der Spanische Feld-Hauptmann Consalvus also: Desidera l’ huom magnanimo piu tosto d’haver al presente la sepultura un palmo di terreno pru avanti, che col ritirarsi à dietro poche braccia allungar la vita centa anni. V. 608. An dir sey unser Brod uñ unser Saltz verfluchet) Diß ist in Morgenloͤndern eine gemeine Arth iemanden zu flu- chen. P. della Valle lett. 5. da Spahan. p. 593. V. 695. ‒ 702. Alle hier beschriebene Ceremonien sind auch bey Erwehlung des Amuraths IV. im 1623. Jahre dergestalt ver- richtet worden. Bisac. p. 356. V. 696. Die Reiger-Federn hin.) Diese werden von den Tuͤrcken ins gemein/ wie bey den Christen die Strauß-Feodern zur Pracht getragen. Der Sultan traͤgt ihrer drey/ der Groß-Vi- sier zwey. Ricant. l. 1. c. 11. p. 145. Der Stiffter des Mogolischen Reiches Zingiz Chan gab unter andern seinen Tartern ein Ge- setze: daß sie musten Nacht-Eulen-Federn als ein Zeichen der Gluͤckseeligkeit tragen. Haitho c. 16. V. 703. ‒ 706. Diß Jahr/ das seinen Lauf fuͤhrt nach der Art des Loͤwen.) Die klugen Persier und andere Mahumedisten eignen jeden zwoͤlff Jahren/ zwoͤlff gewisse Thiere zu/ nach derer Eigenschafft iedes Jahres Zufaͤlle sich begeben sollen. Das 1618. Jahr hat das Pferd ihm zugeeignet gehabt. P. della Valle. lett. 3. da Spahàn. n. 24. p. 196. Sonst setzen die Sternseher Rom unter das Zeichen des Loͤwen. Daß aber der Loͤwe das Hauß der Sonne/ der Krebs das Haus des Monden sey/ ist zu sehen auß Kircher. Oedip. Ægypt. tom. 2. class. 7. c. 5. p. 189. V. 707. ‒ 712. GOtt woll ihm Segen.) Daß der Mufti den neu erwehlten Sultan umbarme und segne; daß dieser sich in die Vorstadt zu Constantinopel an einen alten Heiligen dem Hiob gewidmeten Orth verfuͤge/ daselbst das Mahumedische. Ge- setze zu beschirmen/ schwere/ die Bassen die Erde und seines Rocks Saum kuͤssen/ lehret Ricaut. l. 1. c. 2. p. 18. 19. allwo er laͤcherlich anmerckt: daß die ungelehrten Tuͤrcken den Hiob fuͤr Salomons Hoferichter/ den grossen Alexander fuͤꝛ seinẽ Feldhaupt mañ haltẽ. V. 746 Wie leider! Bajazeth vom Selim hat erfahren.) Selim I. der juͤngste Sohn Sultan Bajazeths empoͤrte sich wider diesen seinen alten Vater/ ließ seine Bruͤder und ihre Kinder er- wuͤrgen. Und ob er zwar Anfangs bey Chiurli aufs Haupt ge schlagen ward: daß er mit Noth auf seinem Pferde (das er Caro- bouluk oder schwartze Wolcke nennte) entkam/ und zu seinem Schweher dem Tarter Cham fliehen muste. Busbequ. Epist. 1. p. 53. 54. zwang er doch endlich seinen Vater: daß er fuͤr ihm fußfaͤl- lig werden/ und ihm das Reich abtreten muste/ ließ ihm auch nach falschen Liebes-Bezeugungen endlich auf dem Wege nach Adri- anopel durch einen Juden mit Giste hinrichten. Cambini dell’ origine de Turchi. lib. 3. nel sine. Wolgang. Dresler. Chronic. de reb. Saracen. \& Turcar. Anno 1511. V. 752. 753. Ein Kind der grausamen Circassen.) Daß des itzigen Sultans Mutter eine von den Tartern gefangene Cir- caßierin sey/ berichtet Ricaut. l. 1. c. 3. p. 30. daß sie aber ein erho- benes rothes Tuch goͤttlich perehren. Schult. Geogr. l. 2. c. 2. p. 386. V. 811. Jhr Stummen.) Die Tuͤrcken pflegen die Stum̃en zu ihrer Ergoͤtzlichkeit zu haben. Jm Seraglio sind ihrer ins ge- mein vierzig/ die des Nachts in denen zwey Kammern der Jcho- glans/ des. Tages sich bey ihrer Kirche aufhalten. Ob sie schon meist stum̃ und taub/ koͤnnen sie doch durch die stille Sprache ihrer Gebehrden alles einander zu verstehen geben/ ja einander gantze Geschicht erzehlen. Die neun Eltesten wachen in der Hosada des Sultans. Ricaut. l. 1. c. 8. p. 116. fuͤrnehmlich aber werden sie zu Erwuͤrgung grosser Herren gebrauchet/ wie Suleiman durch sie seinen Sohn Mustafa erwuͤrgen lassen. Busbequ. Ep. 1. p. 64. 65. und hier dem Jbrahim geschehen. Bisacc. p. 521. V. 878. 879. 880. Die dreymal viertzig Jahre.) Die Aber- glaͤubischen Mahumetisten dichten: daß am Ende der Welt Se- raphiel auf Befehl Gottes zu Jernsalem mit einer Posanne bla- sen werde. Bey dem ersten blasen wuͤrden alle Seelen in der Welt herumb schwermen/ und ihre Leiber suchen/ als zu welcher Zeit sich auch alle Beine der Versiorbenen versamlen muͤsten. Nach viertzig Jahren bey dem andern blasen wuͤrden die Todten Kno- chen wieder Fleisch und Adern bekommen. Nach viertzig Jahren beym dritten blasen wuͤrden alle Seelen in ihre Leiber kehren/ und ein Feuer auß dem Niedergange sie alle nach Jerusalem trei- ben/ alldar sie 40. Jahr in ihrem Schweiße wuͤrdẽ schwim̃en muͤs- sen; bis endlich/ nachdem sie Adam/ Noc/ Abraham/ Mosen/ JE- sum Christum (den sie fuͤr den Geist/ das Wort und Kraft Gortes halten) vergebens/ den Mahumed aber als den letzten Propheren fruchtbarlich umb Erloͤsung angestebet/ durch den Engel Gabiel fuͤr das Antlitz Gottes wuͤrden gefuͤhret/ hernach auf einer uͤber die Hoͤlle gehenden Bruͤcke iedes Menschen Thaten auf einer Wage gewogen/ die Frommen daruͤber geleitet/ die Boͤsen aber in die Hoͤlle gestuͤrtzet werden. Sansovin. fol. 16. Oberwehnte Hoͤllen-Bruͤcke/ glauben auch die Einwohner der Jusel Formosa, uͤber welche die Frommen ins Paradieß gieugen/ die Boͤsen aber von der Bruͤcke/ welche auß dickem Reht gemacht/ rund waͤre/ und sich umbdrehete/ in einen schrecklichen Pful geworffen wuͤrden. Olear. in Itin. Ind. orient. Mandelslo l. 3. p. 235. V. 882. Zerschmoltzen Ertzt.) Die Mahumetisien glaͤuben: daß die Verdam̃ten in der Hoͤlle derogleichẽ siedende Peche und Feuer-Traͤncke werden zur Speise haben. Sansovin. fol. 15. p. 2. Bellon. l. 3. c. 7. in sin. V. 887. ‒ 894.) Ferner dichten sie: daß ieder Verdamter sei- nen Namen auf der Stirne geschrieben haben/ und seine Suͤnden auf dem Ruͤcken tragen/ auch uͤber eine eiserne dreissig Meilen lange Bruͤcke in die Hoͤlle (bey welcher Eingange eine grausams Schlange liege) wandern werde. Jn der Mitte der Hoͤlle stuͤnde ein reicher Baum/ welcher Aepffel wie Teufels-Koͤpffe truͤge/ und Zoaccum Agacci oder der Baum der Bitterkeit hiesse/ und im Feuer allezeit gruͤn bliebe; von diesen Fruͤchten labeten sich die Verdam̃ten/ welche von den Teufeln in gluͤenden Ketien herumb geschleppet und gepeiniget wuͤrden. Jedoch solten unt die Ver- zweifelnden in der Hoͤlle immer bleiben/ die Seelen aber/ welche einmahl den Namen Gottes zur Huͤlffe ruffeten/ wuͤrdẽ nach vie- len Jahren auch ins Paradiß kommen. Sansonin f. 34. p. 1. Und f. 15. p. 2. erzehlet er diese Fabel des Mahumeds: GOtt wuͤrde nach tausend Jahren die Verdammten welche ihn in der Hoͤlle anrufften/ und auf ihn hofften/ fuͤr sich fordern und fragen: war- umb sie ihn mit ihrem ruffen bennruhigten? Hierauf wuͤrden sie ihn umb Barmhertzigkeit ferner auflehen/ aber doch wieder in die Hoͤlle verstossen werden; darinnen sie ihn noch immer anbethen wuͤrden; bis GOtt endlich sie die Engel wuͤrde in einem Brunnen waschen heissen/ darvon sie außer an der Stirne gantz weiß wer- den/ aber im Paradise von den Außerwehlten veraͤchtlich gehaltẽ werden wuͤrden. Endlich wuͤrde auf ihre Klage GOtt befehlen: daß sie die Engel noch fuͤnffmahl im Brunnen waschen solten/ und hierauff die Stirne weiß/ und sie den andern Außerwehlten gantz gleiche werden. Sonst erzehlet von den Tuͤrcken Busbequ. Ep. 1. p. 94. 95. Solent Turcæ procul comportatis ingentibus Sa- xis sepulchta suorum alioqui inania, nullâ injectâ terrâ tegere, eâ quidem de causâ: ut malo Dzmone accusante \& rationem vitæ à mortuo exigente (nam ita credunt) desendente verò bono Geniô, locus sit, ubi mortuus sedere \& se caussæ commodius dicendæ possit erigere.