Chemische Annalen fuͤr die Freunde der Naturlehre, Arzneygelahrtheit, Haushaltungskunst und Manufakturen; von Lorenz von Crell , der Weltweisheit und Arzneygelahrtheit Doctor, Herzogl. Braunschweig-Luͤneb. Bergrathe; der theoret. Arz- neygelahrtheit, und Materia medica, wie auch der Weltweis- heit ordentl. oͤffentl. Lehrer, und der Herzogl. Gesellschaft practischer Aerzte zu Helmstaͤdt Beysitzer; der Roͤm. Kaiserl. Akademie der Naturforscher Adjuncte; der Russisch. Kaiserl. Akad. d. Wissensch. der Koͤn. Engl. Societaͤt zu London, der Koͤn. Preuß. Akad. d. Wissensch. zu Berlin, und der Koͤn. Soc. zu Frankfurt a. d. Oder, der Koͤn. Schwed. Akad. zu Stock- holm, u. d. Koͤn. Soc. zu Upsala, der Koͤn. Akad. d. Wissens. zu Edinburg, Dublin, Dijon, Lyon u. Orleans, d. K. Daͤn. Soc. d. Wiss. u. d. Aerzte zu Koppenhagen, d. Koͤn. Akad. zu Siena, d. Churf. Maynz. Ak. d. Wiss. zu Erfurt, wie auch d. Churpfaͤlz. Ak. zu Mannheim, d. Kais. fr. oͤkon. Gesellsch. zu Petersburg, d. Ackerwirthsch. zu Florenz, d. Wiss. zu Haarlem u. Rotterd. d. naturf. Fr. zu Berlin, Halle, Danzig, Manchester, Goͤttin- gen, Jena, d. Naturg. zu Paris, d. Wissens. u. Kuͤnste zu Genf, d. Bergbaukunde, d. Amerikan. zu Philadelphia, u. d. Burgh. Gesells. der sittlich. u. landwirthschaftl. Wissensch. Mitglie- de; d. Akad. der Wissensch. und der Societ. d. Aerzte zu Paris, der Koͤnigl. Gesellschaft zu Goͤttingen und d. K. Ak. d. Wiss. zu Turin Correspondenten. Zehntes Stuͤck 1796. Der Preis des Jahrgangs der Annalen ist 3 Rthlr. 1. Ueber die einfache Vorrichtung, durch welche sich Menschen stundenlang in irrespirablen Gasarten, ohne Nachtheil der Gesund- heit, und mit brennenden Lichtern aufhal- ten koͤnnen; oder vorlaͤufige Anzei- ge einer Rettungsflaͤche und eines Lichterhalters. Aus einem Briefe des Hrn. Oberbergraths von Hum- boldt an den Herrn Berghauptmann von Trebra . Vom Hrn. v. Humboldt gefaͤlligst zur Einruͤckung in die Annalen mitgetheilt. C. V or kaum zwey Stunden bin ich ausgefahren, und so ermattet ich mich auch von meinen diesmahligen Versu- chen in der Grube fuͤhle, so kann ich mir doch nicht die Freude versagen, Ihnen sogleich die froͤhlichen Empfin- dungen mitzutheilen, die sich mir jetzt aufdraͤngen. Vor Ihnen, der sie einen so warmen Sinn, eine so große U n 2 Empfind- Empfindlichkeit, fuͤr alles haben, was das Wohl einer arbeitsamen Menschenklasse betrifft, vor Ihnen werde ich leicht Entschuldigung fuͤr den lebhaften Ausdruck und die Verworrenheit dieser Zeilen finden. Sie wissen, daß ich mich seit mehreren Jahren mit Ver- suchen uͤber die Zerlegung der Grubenwetter, und uͤber die wunderbaren Erscheinungen der unterirdischen Me- teorologie beschaͤftige. So interessant es mir an sich schien, die untersten Schichten der Atmosphaͤre, wo sie sich tief in die Spalten der festen Erdrinde einsenkt, mit der obern Wolkenregion zu vergleichen, und zu zeigen, wie es in beyden nebelt, blitzt und weht; so konnte ich mich doch nicht mit einer Untersuchung be- gnuͤgen, welche zwar mehrere physikalische Kenntnisse erweitert, aber nicht unmittelbar zum Nutzen des prakti- schen Bergbaues hinfuͤhrt. Mein eifrigster Wunsch war daher nicht, die Mischung der matten oder boͤsen Grubenwetter zu kennen, sondern Mittel zu erfinden, durch welche der Nachtheil fuͤr das Leben der Menschen, und den Betrieb der Gruben gemindert wuͤrde; es kraͤnkte mich oft, wenn ich bedachte, wie riesenmaͤßig die Fortschritte sind, welche Physik und Chemie in neuern Zeiten gemacht, und wie gering der Einfluß dieser Fortschritte auf die buͤrgerlichen Gewerbe gewe- sen sind. Der hell polirte Bergbauspiegel des trefflichen Balthasar Roͤßler ist in der Mitte des vorigen Jahr- hunderts geschrieben, und enthaͤlt das 25ste Kapitel des 2ten Buches nicht fast alles, was wir bis jetzt von den Wet- Wettern, und den Verwahrungsmitteln dagegen wis- sen? Bey meinem einsamen Gebirgsaufenthalte zu Steben war dieser Bergbauspiegel meine gewoͤhnliche Abendlektuͤre, und ich gestehe Ihnen gern, daß diese oder vielmehr der Gedanke an unsere geringen Fort- schritte mit jener Epoche mich hauptsaͤchlich zu den fol- genden Arbeiten veranlaßte. Sie waren, wie ich, und bey meiner jugendlichen Erfahrung gewiß unendlich oͤfter als ich, selbst Zeuge, daß ein ungluͤcklicher Bergmann in boͤsen Wettern erstickt. Sie erinnern-sich lebhaft der marternden Gefuͤhle, mit denen man an dem Schachte, oder vor der Strecke steht, in der der Erstickte liegt, und in welche man sich ver- gebens hinein zu wagen sucht. Indem man zu Vor- kehrungen schreitet und will, treten oft die Wetter weiter vor, zwingen die Rathschlagenden, von dem Schachte eiligst auszufahren, ja in manchen Faͤllen, die ich selbst gesehen, lagert sich der Schwade wie ein Gewoͤlk um das Haspelgeviere; so daß man sich auf 4 Fuß weit der Haͤngebank nicht mit Geleuchte naͤhern kann. Nun faͤngt man an mit Tannenreisern im Schachte zu buschen, oder Wasser hineinzugießen, um die boͤsen Wetter zum Ausziehen zu noͤthigen. Unter- nimmt es ein beherzter Hauer mit einem Schnupftuch um die Nase und den Mund, welcher in Wasser oder Harn getraͤnkt ist, einzufahren, um den Erstickten zu holen, so kommt dieser gewoͤhnlich nach wenigen Mi- nuten schon wieder unverrichteter Sache zuruͤck, weil er selbst zu ersticken besorgte, oder, (was vorzuͤglich beym Einhaͤngen am Knebel geschieht) er giebt das Uu 3 Zei- Zeichen zum Ausfahren zu spaͤt, und wird selbst ein Opfer seiner Kuͤhnheit. Selbst wenn die Wetter we- niger toͤdlich, nur so matt sind, daß man 15 ∙ 20 Mi- nuten lang darin ohne Ohmacht zu existiren hoffen kann; so haͤlt doch die Unwahrscheinlichkeit ohne Licht bey dem Umhertappen im Finstern, den Erstickten zu fin- den, und die Furcht sich selbst zu verspaͤten, diejenigen zuruͤck, welche mit einem nicht zu verloͤschenden Ge- leuchte sich gewiß zum Nachfahren entschloͤssen. Statt also, daß der Verungluͤckte, wenn man ihn in der ersten Viertel oder halben Stunde herausziehen koͤnn- te, wahrscheinlich noch zum Leben zuruͤckgebracht werden wuͤrde, muß man ihn, je nachdem die Wetter sich fruͤher oder spaͤter verziehen, oft 2 ∙ 3 Stunden liegen lassen, ohne sich ihm zu naͤhern. Der Zustand des Verun- gluͤckten ist waͤhrend dieser Zeit, bisweilen weit schreck- licher, als unsere Phantasie denselben schildert. Im Salzburgischen Alpengebirge wurde mir die Geschichte eines Bergmanns erzaͤhlt, der eine halbe Stunde ohn- maͤchtig und roͤchelnd ausgestreckt lag, dann, als die Wetter sich von selbst etwas verzogen, erwachte, sich ein paar Lachter fortschleppte, wieder ohne Besinnung niederfiel, und nun erst, nach einer vollen Stunde da er bald zu kriechen versuchte, bald ohne Bewegung war, unter dem Schacht in frischere Wetter gelangte. Der Tod der Erstickenden ist also keinesweges immer so ploͤtz- lich und sanft, als man uns zu uͤberreden sucht. Je tiefer wir von dem Schmerz durchdrungen sind, einen arbeitsamen Menschen auf diese Weise hingeopfert, einer oft kinderreichen Familie ihren Ernaͤhrer geraubt zu zu wissen, desto unangenehmer muß uns das Gefuͤhl seyn, so kleine elende Mittel gegen ein so großes Uebel angewandt zu sehen. Hundert Physiker haben sich da- mit beschaͤftigt das Instrument zu vervollkommnen, wo- mit man die Atmosphaͤre wiegt, hundert Bergleute haben Hante, Tonnen, und Goͤpelkoͤrbe bis zur Spie- lerey veraͤndert; und uͤber die Rettung verungluͤckter Bergleute bietet die Geschichte der Erfindungen kaum zwey duͤrftige Ideen dar. Nach den Rechnungen zu urtheilen, die ich an Orten, wo starker Steinkohlen-Bergbau, wie in Eng- land und den Niederlanden getrieben wird, hoͤrte, kann die Zahl der Bergleute, welche jaͤhrlich in Europa von boͤsen Wetern sterben, nicht gering seyn. Auch sind diesen noch die Verungluͤckten beym Brunnengraben, Kellersprengen, und beym Mineurwesen und Vestungs- bau beyzuzaͤhlen. Aber selbst ohne diese Betrachtung, wie viele Gruben sind nicht, besonders ehemals bey dem kruͤppelichten Bau der Alten, aus Wettermangel aufsaͤssig geworden. Wie viele sind mir bekannt, wel- che in den 2 heißen Sommermonaten unbelegt blieben. Wie kostspielig sind nicht besonders bey einem kleinen aͤrmlichen Bergbau die Anstalten, durch welche frische Wetter herbeygefuͤhrt werden, das Tragwerk und des- sen Verspindung so aͤngstlich zu sehen ist, und wel- ches den Stoͤllen oft eine uͤbermaͤßige Ortstoßhoͤhe zu geben noͤthigt, die Wetterlotten, Wassertrommeln, Blasebaͤlge, (in theurem Schichtlohn bewegt) Wind- oͤfen und was wichtiger denn alles ist, die Lichtloͤcher, welche oft mit Pumpen oder Maschinen niedergebracht U u 4 wer- werden muͤssen, die Querschlaͤge und Richtung des ganzen Grubenbaues, welche blos der Wetterwechsel veranlaßt! Ein großer Theil dieser Anstalten wird nicht so wohl durch den Umstand nothwendig, daß Wetter fuͤr das Athmen der Menschen mangeln, sondern dadurch, daß die an Sauerstoff armen Gasarten das Geleuchte verloͤschen. Freylich werden auch Schich- ten genug im Finstern verfahren, aber welcher Berg- mann weiß nicht, wie langsam und gezaͤhverderbend diese Arbeit, oder der Betrieb eines Orts ist, vor dem der Haͤuer alle zehn Minuten das verloschene Geleuch- te wieder anzuͤnden muß. Wie viel Pulver wird ver- schwendet, wenn die Bohrloͤcher uͤbereilt angesetzt sind, oder wie elend geht gar die Schlaͤgel- oder Eisenarbeit im Finstern von statten? Eine nicht verloͤschende, in jeder Gasart fortbrennende Lampe, scheint daher schon ein großer Gewinn fuͤr den Bergbau zu seyn. Eine solche Lampe muß unmittelbar selbst der Gesundheit des Bergvolks wichtig seyn. Denn je langsamer beym Durchfluͤgen in den alten Mann, oder mit vorgeschla- genen Lichtloͤchern das Ort im Finstern oder unter be- staͤndigem Kampf mit dem Geleuchte fortruͤckt, desto laͤnger ist der Haͤuer dem Nachtheil der matten Wet- ter ausgesetzt. Noch sind andre Faͤlle uͤbergangen, wo das Nichtbrennen der Grubenlichter von eben so großem Nachtheil fuͤr die praktischen Vorrichtungen ist. Der Marktscheider soll von Ort, um eine Oertung an den Tag zu bringen, oder um zu entscheiden, ob strei- tige Gewerkschaften auf einen oder zwey Gaͤngen lie- gen, aber der Zug kann nicht geschehen, weil die Kunst, im Finstern zu markscheiden, noch nicht erfunden ist. Die Die richtige Vorrichtung des Grubenbaues wird durch ein solches Uebel oft Monate lang verzoͤgert, Berggerichte werden dadurch zum Nachtheil des Berg- volks und der Gewerken an der Entscheidung eines Pro- zesses gehindert. Kolben muͤssen geliedert werden, aber matte Wetter haben sich in dem Kunstschachte gelagert, und der Kunstknecht kann das brennende Geleuchte nicht bis an die Saͤtze heranbringen. Eine Strecke, ein Stollfluͤgel soll fahrbar gehalten werden, der Zimmer- steiger kann aus Wettermangel Thuͤrstoͤcke, Kappen und Tragewerk aber nicht auswechseln, ja nicht einmahl darnach sehen. Obere Bergofficianten kommen jaͤhr- lich vielleicht ein- oder zweymahl in ein entlegenes Berg- refier. Ganze Gruben oder wichtige Theile derselben sind nur ohne Geleuchte befahrbar. Wie theuer wuͤr- de man dann nicht eine nie verloͤschende Lampe bezah- len, um sich von der Natur der Anbruͤche, dem Ver- halten des Ganges und Quergesteins vor den verdun- genen Oertern, der Guͤte oder Schlechtigkeit der Zim- merung und Maͤurung selbst durch den Augenschein zu uͤberzeugen. Ihnen, verehrungswerther Freund, haͤtte ich diese Faͤlle kaum ins Gedaͤchtniß zusammen- zurufen gebraucht, da bey Ihrer langen, mit so wohlthaͤtigem Erfolg gekroͤnten Erfahrung jeder dersel- ben gewiß hundertfach vorgekommen ist. Je wichtiger es mir also fuͤr den Bergbau schien, ein Licht zu erfinden, welches in jeder Gasart brennt, desto eifriger war ich selbst darauf aus, eine solche Vorrichtung zu Stande zu bringen. Das Mittel da- zu ist in der That sehr einfach, und ich bin uͤberzeugt, U u 5 daß daß jeder nicht ganz ungebildete Mensch, welcher ernst- haft uͤber Wettermangel nachdachte, auf ganz aͤhnliche Instrumente, wie mein Lichterhalter und meine Rettungsflasche sind, fallen mußte . Ich ha- be eine eben so geringe Meinung von dem Verdienste meiner Erfindung, als ich eine hohe von ihrem aus- gebreiteten Nutzen fuͤr das buͤrgerliche Leben hege. Sie erinnern sich aus meiner Abhandlung uͤber die Grubenwetter (Annal. B. 2. 1795. S. 99), daß ich be- reits ihrer erwaͤhnt habe. Ich wollte damahls nicht mehr versprechen, als ich zu leisten im Stande war. Ich glaubte ein volles Jahr warten zu muͤssen, ehe ich nach vielfaͤltigen, oft gefahrvollen, kostspieligen Versu- chen, meine Instrumente praktischen Bergleuten vorle- gen durfte. Wenn Lichter darum verloͤschen, weil die Luft, welche sie umgiebt, zu arm an Sauerstoff ist, so folgt daraus von selbst, daß das Mittel, das Brennen der Lichter zu unterhalten, nur in der Ersetzung dieses Man- gels an Sauerstoff liegt. Wie kann aber diese kuͤnst- liche Ersetzung auf die wohlfeilste einfachste Weise ge- schehen? Sie wissen aus meinem Briefe an Herrn Lainpadius, daß ich mich sonst um Thermometer-Be- obachtungen in irrespirablen Gasarten zu machen, eines Gefaͤßes mit Lebensluft bediente, unter welches ein Licht gehalten wurde. Diese Einrichtung war sehr gut fuͤr einen physikalischen Versuch, nicht aber zur An- wendung fuͤr den Bergbau. Wie schnell entweicht nicht die Lebensluft, wie oft muß man von Gefaͤßen wech- wechseln? Ich verfiel daher nach vielen vergeblichen Versuchen auf folgende Vorrichtung. Meine neue Lampe enthaͤlt, außer dem Brennmaterial, sey es Oehl, Talg oder Wachs, auch noch das, was allen andern Lampen fehlt, das Sauerstoffgas, welches von dem Brennmaterial zersetzt wird. Sie ist daher ganz un- abhaͤngig von der umgebenden Luftschicht, in welche sie gebracht wird, weil sie sich selbst naͤhrt, blos durch sich selbst den Lichtstoff frey macht. Bey ihrer Verferti- gung waren drey Aufgaben zu loͤsen: erstlich mußte sie, um ein geringeres Volumen einzunehmen, so wenig Luft, als moͤglich, konsummiren, zweytens mußte der Zufluß der Luft gleichfoͤrmig und nach Willkuͤhr au- genblicklich zu verstaͤrken seyn, und drittens, mußte der Luftvorrath mit der Lampe in solcher Verbindung stehen, daß die um diese sich bildende Kohlensaͤure und inflammable Luft den Luftvorrath nicht verunrei- nigte. Ich glaube, daß mein Instrument, wie es jetzt aussieht, diesen Forderungen Genuͤge leistet. Es besteht aus einem cylindrischen blechernen Gefaͤße, welches ohngefaͤhr in der Mitte in zwey Abtheilungen dergestalt geschieden ist, daß die obere einen kleinern Durchmesser, als die untere hat. Beyde haͤngen durch eine Oeff- nung zusammen, welche durch einen Hahn verschlossen oder mehr oder weniger geoͤffnet wird, je nachdem die Lampe mehr oder wenig Luftzufluß bedarf, je nachdem man sich der Lebensluft oder atmosphaͤrischer Luft be- dient. Die obere Abtheilung wird nun mit Wasser, die untere mit dem reinen Luftvorrath gefuͤllt. Die Leinwand, welche oben angebracht ist, um das Wasser zu reinigen, eine Nadel, mit der man die Communi- kations- kationsoͤffnung reinigen kann, die bequeme Vorrichtung zum Einfuͤllen der Luft, beschreibe ich Ihnen nicht. Sie trauen mir von selbst zu, daß ich an meinem In- strumente, an dem ich ein Jahr lang abaͤndere, wel- ches dem gemeinen Bergmann in die Hand gegeben werden soll, dafuͤr gesorgt habe. Auf der obern Flaͤche der untern Abtheilung, da wo dieselbe vor der obern vorsteht, ist die Lampe angebracht. Diese Lam- pe habe ich nach dem Argandschen Princip eingerichtet. In ihrer Mitte erhebt sich nemlich ein etwa zwey Li- nien dicker, hohler, messingener Cylinder, dessen obere Muͤndung (denn auf diese kommt es ja allein an) kaum den achten Theil einer Linie im Durchmesser hat. Dieser Cylinder, den ich das Luftrohr nenne, commu- nicirt unten mit dem Luftvorrathgefaͤße, von welchem er zur Reinigung an oder abgeschroben werden kann. Auf das Luftrohr wird nun ein hohler gestrickter Tocht gezogen, und um dasselbe Oehl gegossen oder Talg eingeschmolzen. Was erfolgt nun, wenn der Tocht angezuͤndet ist, und man den Hahn oͤffnet, durch wel- chen beyde Abtheilungen in Verbindung stehen? Ein duͤnner Wasserstrom laͤuft in das Luftgefaͤß. Die dadurch comprimirte Luft will entweichen, und findet keinen andern Ausgang, als den durch das Luftrohr. Sie stroͤmt also mitten durch die Flamme durch, wel- che in dem Augenblick heller, laͤnger und pyramidal zugespitzt wird. Als ich diese Erfindung im Junius des vorigen Jahrs zuerst beschrieb, hatte ich die Idee, die Luft wie beym Luftrohr von der Seite in die Flam- me blasen zu lassen. Diese Einrichtung hat aber den Fehler, daß die Flamme sich nach der dem Luftstrom ent- entgegengesetzte Seite neigte und viel Luft unnuͤtz ver- blasen ward, weil sie nicht in die gehoͤrige Beruͤhrung mit dem brennenden Tochte kam, und daher nicht voll- kommen zersetzt, sondern groͤßtentheils unversetzt wegge- blasen ward. Weit luftersparender ist das Argandsche Princip, nach welchem die Luft in die moͤglichste Be- ruͤhrung mit dem Brennmaterial tritt. Das Luftrohr kann sich nicht verstopfen, denn der Drang der Luft, wel- che durch den fortlaufenden Wasserstrom ansehnlich com- primirt wird, uͤberwindet jedes Hinderniß. Eben dieser Drang ist so gleichfoͤrmig, daß Sie Sich nichts gleichfoͤr- migeres als die Figur meiner Flamme, denken koͤnnen. Im matten Wetter will ich dazu die Minute vorhersa- gen, wann die Lampe verloͤschen muß. Denn das Ganze bildet eine Wasseruhr. In jeder Minute lau- fen in dem Instrumente, dessen ich mich jetzt bediene, drey Kubikzoll Wasser, also ist die Zeit leicht zu be- rechnen, in welcher ein Luftgefaͤß von bestimmtem Vo- lumen erschoͤpft ist. Fuͤrchten Sie nicht, daß in Faͤllen, wo man die Lampe mit Sauerstoffgas, statt mit reiner atmosphaͤrischer Luft, fuͤllt, Entzuͤndung in der Knall- luft in der Grube zu fuͤrchten sey. Ich habe dafuͤr durch eine eigne Vorrichtung ebenfalls gesorgt. Auch ist Ihnen als praktischem Bergmann bekannter als mir, wie selten die schlagenden Wetter sind, und wie die inflammable Luft in der Grube fast immer mit Kohlensaͤure und Stickluft, welche ihre Entzuͤndung hindern, gemengt ist. Dazu ist der Strom der Sauer- stoffluft, welche außer meinem Luftrohre in die Hoͤhe steigt, sehr gering, und da wo er die aͤußern Wetter beruͤhrt, bereits durch Einwirkung des Tochtes und Oehls Oehls sehr verunreinigt. Wenn alles, was die Phy- siker von den unterirrdischen Wettern und ihrer Ana- logie mit den kuͤnstlichen einfachen Gasarten behaupten, gegruͤndet waͤre, so muͤßte ich mit ganzen Flaschenkoͤr- ben Lebensluft, in allerhand Arten von Wettern gear- beitet, laͤngst wie in einer Blase mit Knallluft zerfetzt seyn! (Die Fortsetzung folgt.) I. Ueber die einfache Vorrichtung, durch welche sich Menschen stundenlang in irrespirablen Gasarten, ohne Nachtheil der Gesund- heit, und mit brennenden Lichtern aufhal- ten koͤnnen; oder vorlaͤufige Anzei- ge einer Rettungsflasche und eines Lichterhalters. Aus einem Briefe des Hrn. Oberbergraths von Hum- boldt an den Herrn Berghauptmann von Trebra . S. chem. Annal. J. 1796. B. 2. S. 99. D ie Staͤrke der Flamme, oder die Heftigkeit dersel- ben wird von dreyerley Umstaͤnden modificirt, von der Weite, zu der der Hahn geoͤffnet ist, d. i. von der Dicke des Wasserstrahls, von der Guͤte der Luft, und von der Weite des Luftrohrs. Da ich jede Lampe mit mehreren wechselsweise aufzuschraubenden Luftroͤh- Ccc 2 ren ren von verschiedner Weite, versehe, so habe ich alle drey Bedingungen in meiner Gewalt. Wenn ich in der matten Grube von Wettern in frische fahre, so verschließe ich, sobald ich in die letztern komme, den Wetterhahn. Nun brennt die Lampe fuͤr sich fort und keine Luft wird verschwendet. Das Ganze ist so wenig zerbrech- lich, daß es anstoßen oder fallen kann, ohne seinen Effekt zu verlieren. Denn ein Theil schuͤtzt den andern. In einer Beschreibung sieht jedes Instrument zusam- mengesetzter aus, als wenn man es in Wirklichkeit vor sich sieht. Auch lasse ich diejenigen Lampen, wel- che dem Hauer vor Ort leuchten sollen, ganz anders, als diejenigen, construiren, welche zum Unterfahren in der Grube, zum Markscheiden, fuͤr Generalbe- fahrungen, um sich Maschinen zu naͤhern oder um Erstickte zu suchen, dienen sollen. Jene koͤnnen ein- fahren, ohne alle Hahne und vom großen Volum seyn, diese muͤssen kleiner, und also mit Haͤhnen und Schrauben zur Ersparung des Luftvorraths versehen seyn. An diesen habe ich daher auch eine Vorrichtung ersonnen, durch die das Wassergefaͤß nur halb so groß als das Luftgefaͤß zu seyn braucht, und mittelst der man dasselbe Wasser mehrmals durchlaufen laͤßt, ehe der Luftvorrath erschoͤpft ist. Sie werden diese Vor- richtung so wie eine andre mit einer siebaͤhnlichen Luft- roͤhre zur mehrern Ausbreitung der Flamme bald in einer Beschreibung lesen, die ich mit Zeichnungen oͤffentlich bekannt zu machen gedenke. Es waͤre selbst unmoralisch, aus Dingen, welche die Erhaltung menschlicher Ge- sundheit und das Wohl des Bergbaus bezwecken, ein Ge- heimniß zu machen. Ich zoͤgere nur mit der Bekannt- machung machung und Versendung des Apparats, weil ich ihn durch taͤgliche Versuche noch immer zu vervollkommnen gedenke. Ich habe eine Glocke mit reiner fixer Luft mehr- mahls uͤber meine Lebensluftlampe gehalten, und nie war ich im Stande sie zum Verloͤschen zu bringen. Als die Lampe schon herausgenommen war, verloͤscht der Rest der kohlensauren Luft noch jede Wachskerze. Ich zweifle, daß es Grubenwetter giebt, welche bis auf diesen Grad irrespirabel sind. Aber ich begnuͤgte mich damit nicht. Es kam darauf an, die Maschine durch einen noch entscheidendern Versuch zu pruͤfen. Unser jetziger Oberbergmeister, Herr Killinger, der die trefflichsten chemischen und bergmaͤnnischen Kenntnisse mit einander verbindet, entschloß sich leicht den Ver- such mit mir zu wagen. Wir waͤhlten dasselbe alte Ort auf der Fuͤrstenzeche zu Goldcronach, welches 3 ∙ 4 Lachter zuruͤck verblendet ist, wo wir uns ein Jahr vorher so lange mit einigen Flaschen Lebensluft den Athem gefristet hatten. Wir waren mit den matten Wettern, die wir heute fanden, unzufrieden, und war- fen einen großen Haufen brennender Holzspaͤhne in den Verschlag. Die Blende blieb auf, bis die Flam- me aufhoͤrte, und nun wurde sie nicht allein verschlos- sen, sondern auch alle Fugen ließ ich mit Letten verstrei- chen. Als wir glaubten, das Holz habe ausgeschwehlt, und der Raum sey ganz mit Kohlendampf erfuͤllt, be- schlossen wir die Blende aufzureißen, Der Oberberg- meister Killinger, der Steiger Bauer und ich standen, zwey mit Grubenlichtern und einer mit der Maschine, Ccc 3 (welche (welche mit einem Gemische von 2 Theilen Lebensluft und einem Theil atmosphaͤrischer Luft gefuͤllt war) be- reit. Der Augenblick des Aufmachens war, ich geste- he es Ihnen, uͤber unsere Erwartung schrecklich. Ich war mehrmahls dabey, als mir Retorten mit dephlo- gistischer Salzsaͤure sprangen, aber Herr Killinger kann Ihnen wie ich versichern, daß jene Saͤure ein beleben- der Hauch gegen das ist, was wir hier einschluckten. Denken Sie sich eine kruͤppeliche Strecke, die kaum ¾ Lachter hoch und ½ Lachter weit ist; und eine Saͤn- le schwarzen Kohlendampfs, welche aus dem alten Orte uns entgegen fuhr, um nach dem weit ent- fernten Tannenschachte zu ziehen. Alle Grubenlich- ter verloͤschten, als waͤren sie ausgeblasen, aber meine Lebensluftlampe loderte hoch auf. Ein unartiger Zu- ruf der freudigsten Verwunderung war alles, was wir vorbringen konnten. Der Schmerz im Halse und in den Augen war unertraͤglich. Wir ließen die Maschine hinter der Blende stehen, und waren, ein jeder auf unsere Flucht bedacht. Als ich mich bereits in einer etwas ertraͤglichern Atmosphaͤre befand, vermißte ich Hrn. Killinger, der zunaͤchst hinter mir gefahren war. Ich rief ihn zu, sich schleunigst aus dem Dampfe her- auszumachen. Auch war meine Besorgniß fuͤr ihn sehr gegruͤndet, denn der Dampf hatte bey ge- hemmter Respiration ihn dergestalt betaͤubt, daß er ei- nige Secunden lang unbeweglich da stand. Endlich neigte er sich mit dem Munde gegen die Wasserseige weil er dort Linderung hoffte, und raffte seine letzten Kraͤfte zusammen, um mir nachzufahren. Wir Wir waren nun zu den uͤbrigen Bergleuten in einem Querschlag versammelt, wo der Kohlendampf sich in ein Uebersichbrechen auf dem Rautenkraͤnzer- gange verlor. Wir kamen alle darin uͤberein, daß der Schmerz, den wir im Halse, in den Augen und in der Nase empfanden, nicht von den rauchenden Holzspaͤhnen allein herruͤhren koͤnne, sondern daß wahrscheinlich waͤh- rend des Breunens eine Zersetzung der aufgeloͤsten Ar- senik und Schwefelkiese, mit denen die Sole des alten Orts bedeckt war, vorgegangen sey. Auch schien der Geruch eine verfluͤchtigte Saͤure anzudeuten. Wir waren indeß innigst erfreut, daß uns ein so entschei- dender Versuch gegluͤckt sey, und fuhren nun wechsels- weise, indem wir feuchte Schnupftuͤcher vor den Mund hielten, vor das alte Ort, um die Lebensluftlampe zu beobachten. Die Grubenlichter verloschen immer schon, ehe wir uns der Maschine naheten, und wir konnten sie nur an dieser wieder anzuͤnden. Wir wagten nun den letzten entscheidenden Versuche. Steiger Bauer mußte die Lebensluftlampe in den Verschlag selbst setzen, wo der Kohlendampf sich am meisten angehaͤuft hatte. Die Blende wurde verschlossen, und jede Fuge fest ver- klebt. Nach 8 ∙ 10 Minuten rissen wir die Blende weg, eine Neue Dampfwolke walzte sich uns entgegen, unser Geleuchte war wie ausgeblasen, aber die Flam- me meiner neuen Lampe war nicht blos nicht verloͤscht, sondern wurde von der aufstroͤhmenden Luft eben so lang gezogen, als wenn sie im weitesten Zimmer brennte. Ccc 4 Sie Sie sehen aus der einfachen Erzaͤhlung des heu- tigen Vorfalls, daß ich keine Bemuͤhung gescheut habe, um mich von der Guͤte meiner Erfindung zu uͤberzeu- gen. Auch kann ich in diese Unverdrossenheit mein einziges Verdienst setzen. Ich hoͤre Sie als Praktiker fragen, ob die Menge der Luft, welche die Flamme erfordert, durch Versuche bestimmt ist, ob sie nicht die Lampe zu einer unbequemen Groͤße anwachsen laͤßt? Nach meinen jetzigen Erfahrungen kann eine Lampe, welche 7 Zoll weit und 10 Zoll hoch ist, zwey Stun- den brennen. Ich bedarf dazu 120 Cubikzoll Wasser. Lampen, welche vor Ort 8 Stunden hinter einander brennen, sind ebenfalls leicht einzurichten. Ich erinnerte vorhin, daß die Helligkeit und Staͤr- ke der Flamme von drey Stuͤcken, von der Dicke des einfallenden Wasserstrahls, der Weite des Luftrohrs und von der Guͤte der ausgetriebenen Luft abhaͤngt. Hieraus folgt a priori , 1) daß, wenn die Groͤße des Apparats durch seinen Gebrauch (seine Tragbarkeit) nicht beschraͤnkt waͤre, es moͤglich seyn muͤßte, mittelst einer Luft, die ein Minimum von Sauerstoff enthielte, bey Erweiterung des Wasser- und Luftrohrs die Flam- me anzublasen, 2) daß, je reiner die Luft im Luftbe- haͤlter ist, desto enger das Wassereinfallsrohr, und desto kleiner die ganze Maschine seyn kann, und 3) daß, je matter die Wetter sind desto reiner der Luftvor- rath oder desto groͤßer die einfließende Wassermenge seyn muß. Diese drey Saͤtze stimmen mit meinen bisherigen Erfahrungen uͤberein, und sind von unend- licher Wichtigkeit fuͤr die Praxis. Es waͤre ein großer Fehler Fehler meiner neuen Vorrichtung, wenn es unbedingt nothwendig waͤre, den Lichterhalter mit Sauerstoffgas zu fuͤllen. Bey einem wichtigen Bergbau, wo es wichtig ist, daß der Markscheider vor Ort soll, wo auf Revierstoͤllen Durchschlaͤge gemacht, Lichtloͤcher erspart werden sollen, ist es allerdings eine Kleinigkeit, dephlo- gistisirte Luft in Menge bereiten zu lassen. Es kann in jeder Probierstube oder Apotheke geschehen, und ich halte das Seifenkochen fuͤr eine weit schwierigere Ope- ration, als das Gluͤhen von Salpeter oder Braunstein. Dazu laͤßt sich die Luft, wie ich aus eigner Erfahrung weiß, in großen hoͤlzernen oder blechernen Gefaͤßen sehr bequem Monate lang aufbewahren und meilen- weit versenden. Die Kosten sind bey den vorge- dachten wichtigen Unternehmungen ebenfalls gering, denn der Kubikfuß Sauerstoffgas, hier, wo ein Pfund Braunstein 10 Xr. 1 Unze Salpeter 8 Xr. gild, aus ersterm 15 Xr. aus letzterm 37 Xr. kostet. Bedarf nun 1 Lampe zu einer Stunde nur 180 Ku- bikzoll Lebensluft, so steigt eine 8stuͤndige Schicht erst auf 12 Xr. Bey einem unwichtigern Bergbau waͤre der Verbrauch von dephlogistisirter Luft, und waͤre sie auch wie Ruͤboͤhl und Talglicht kaufbar, doch vielen Hindernissen ausgesetzt. Gluͤcklicherweise scheint es aber nur wenige Faͤlle zu geben, in denen die Wetter so matt sind, daß mein Lichterhalter, mit gemeiner ath- mosphaͤrischer Luft gefuͤllt, nicht hell brennen sollte. Was ist denn einfacher, als wenn der erste Luftvorrath verbrannt ist, einen neuen Luftbehaͤlter unter dem Schachte, oder wo sonst frische Wetter streichen, fuͤllen zu lassen. Ccc Wie Wie, wenden sie vielleicht ein, wenn die Grubenwet- ter so boͤsartig sind, daß, trotz ihrer reinsten Lebensluft, die Flamme doch nur dnukel brennt, der Mark- scheider aber schlechterdings sicher ziehen, der Geschworne das Abschneiden des Ganges durch eine Kluft oder das Absetzen eines Trumms genau beobachten will? Fuͤr die- sen aͤußersten Fall habe ich ebenfalls eine Vorrichtung ersonnen, mit der ich noch heute Versuche gemacht habe. Das Dunkelbrennen der Lampe in solchen Wettern kann nur daher ruͤhren, daß das einfallende Wasser dem Sauerstoffgas nicht Stoß genug giebt, um rasch die Flamme anzublasen. Diesen Stoß bringe ich leicht auf eine andre Weise hervor. Eine Blase mit Lebens- luft gefuͤllt und mit einem Hahn verschlossen, ist an ein senkrecht in eine Lampe steigendes Luftrohr ange- schroben. Die Muͤndung des Luftrohrs betraͤgt kaum ¾ Linien im Durchmesser, und ist nach Argandschem Princip von der Flamme umgeben. Oeffnet sie den Hahn, so faͤhrt die Lebensluft aus der gespannten Bla- se in die Flamme, und blaͤst sie an. Waͤre die durch das Brennen des Tochtes erzeugte kohlensaure Luft nicht schwer und mit Oehldampf gemengt, welcher die Muͤndung des Luftrohrs umgiebt, so wuͤrde (auch wenn die Blase nicht mehr gespannt ist) die untere, kaͤltere Lebensluft von der aͤußern Atmosphaͤre gedraͤngt, die Stelle der durch die Flamme verduͤnnten obern Luft einnehmen und aufwaͤrts steigen. So aber hindert der Oehldampf dieses Aufwaͤrtssteigen, und man muß durch einen Druck mit der Hand das Aufstroͤhmen der Luft befoͤrdern. Auf diese Art erhaͤlt man (wenn man will) eine 3 Zoll lange Flamme, deren prachtvollen Glanz Glanz das Auge nicht ertragen kann. Eine kleine Blase zu 120 Kubikzoll bedarf eine kleine Viertel- stunde, um sie auszuleeren, und ich habe schon Blasen von 450 Kubikzoll gehabt! Hier, verehrungswerther Freund, habe ich Ihnen das Wesentliche einer Erfindung beschrieben, von wel- cher ich mir nicht blos Vortheile fuͤr den Bergbau, sondern (da man nun schneller in boͤsen Wettern auf- fahren, Verungluͤckte schneller finden, ihnen nachzufah- ren sich leichter entschließen kann,) auch wesentliche Vortheile fuͤr die Erhaltung des Lebens unsers Berg- volks zu versprechen Daß eine Klasse von Men- schen, welche alles neue oder alles, was sie auf den ersten Augenblick nicht einsehen, fuͤr kuͤnstliche und unansfuͤhrbare theoretische Hirngespinnste verschreyen, auch diese meine Bemuͤhungen verspottet wird, davon sind Sie mit mir uͤberzeugt. Indeß gehen wir ruhig unsern Weg fort, ziehen den Nutzen jedem auch noch so bittern Tadel vor, und erinuern die Veraͤchter che- mischer Kenntnisse daran, daß das Sprengpulver auch in einem chemischen Laboratorium entdeckt ward. Wenn aber auch der Fall, wo die Wetter fuͤr das Grubenlicht, nicht aber fuͤr die Respiration, verdor- ben sind, der gewoͤhnlichere, und ein Mittel dagegen das allgemein willkommnere ist, so verdient die er- stickende Eigenschaft gewisser Gemenge von unter- schiednen Gasarten gewiß eine noch ernsthaftere Be- trachtung. Der Schwaden steht auf der Strecke, der Verungluͤckte athmet, ist vielleicht noch zu retten, wenn wenn er schnell herausgezogen wird. Der Contre- fourneau ist zersprengt, die Gallerie ist mit schwarzem Pulverdampf gefuͤllt, der Mineur soll durchfahren, um zu recognosciren, was fuͤr Schaden der Feind an- gerichtet. Bey einer Feuersbrunst sind alle Zimmer schon voll von erstickendem Kohlendampf . Ein Kind, das zuruͤck geblieben, soll gerettet, wichtige Papiere sollen herbeygeschafft werden. Wie es wagen, um durch die Dampfsaͤule durchzugehen? Fuͤr alle diese Faͤlle habe ich eine einfache Vorrich- tung ersounen. Die einzelnen Theile derselben sind an den bekanntesten physikalischen Instrumenten ange- bracht. Es kam nur auf eine physikalische Verbin- dung derselben an. Die große Menge Luft aber, welche in einer Stunde durch unsere Lunge geht, die Absonderung der eingeathmeten Luft von der einzuath- menden, der Umstand, daß die Luftverduͤnnung, welche das Inspiriren hervorbringt, eine sehr geringe Kraft zur Oeffnung von Ventilen darbietet, und die Verferti- gung luftdichter Saͤcke setzen der Ausfuͤhrung meiner Ideen die geduldpruͤfendsten Hindernisse in den Weg. Ich ermuͤde Sie nicht mit der Erzaͤhlung meiner ver- geblichen Versuche, sondern beschreibe Ihnen blos die Einrichtung meiner jetzigen Rettungsflasche . Das Mittel, wodurch Menschen sich ihren Aufent- halt in irrespirablen Gasarten sichern koͤnnen, besteht darin, daß ihre Respirationsorgane von dem Contrakt mit jenen Gasarten ausgeschlossen werden, und daß man ihnen dagegen einen Vorrath athembarer Luft mit- mitgiebt. Zur Errichtung dieses Zwecks besteht mei- ne Rettungsflasche aus vier Stuͤcken: aus einem Luft- sack, einem Schlauch, einer Respirationsroͤhre und ei- ner Binde oder Maske. In Faͤllen nemlch, wo we- gen Pulver, Holzkohlen oder Schwefel Dampf auch die Augen geschuͤtzt werden sollen, verdecke ich das ganze Ge- sicht mit einer Maske von Eisenblech, die weit vom Gesicht absteht, und wo sie am Kopfe anliegt, um al- len Zutritt der aͤußern Luft zu hemmen, mit Leinwand und Baumwolle gefuͤttert ist. Sie besteht aus einem konuexen Blech, welches blos statt der Angen mit zwey runden Glasscheiben versehen ist. Die abendtheuerli- che Gestalt, welche eine solche Armatur giebt, wird bey ernsthaften Menschen wohl keine Einwendung ge- gen ihren Nutzen seyn. Vor dem Munde tritt ruͤssel- foͤrmig das Respirationsrohr hervor. Es bildet sich im Innern der Maske eine trichterfoͤrmige Muͤndung, gegen welche die Lippen sich von selbst anlegen. Um die inspirirte und exspirirte Luft von einander abzuson- dern, ist es mit zwey Ventilen versehen, von denen das eine sich nach innen, das andre nach außen oͤffnet. Es gleicht ganz dem Mundstuͤcke einer Respirationsma- schine, deren Erfindung man jetzt ziemlich ungelehrt dem Dr. Beddoes zuschreibt, deren Einrichtnug ich aber schon bey Hales, ja um noch weiter zuruͤck zu gehen, seit Crestbius Zeiten in allen hydrautlischen Schriften beschrieben finde. So einfach aber der Ge- danke ist, das Ausstoßen und Einfangen der Luft durch zwey Ventile zu verrichten, so schwierig ist die be- quemste Lage, Schwere und Weite duͤnner Ventile. Sie Sie sehen, daß man eine ziemliche Last mit einer sehr geringen Kraft zu uͤberwinden hat. Das Respirationsrohr wird mit dem untern Ende, wo das Einathmungsventil sich nach innen oͤffnet, in den Schlauch gesteckt, welcher die Luft aus dem Luft- sacke zum Munde fuͤhrt. Seine Laͤnge ist willkuͤhrlich, da sie sich nach dem Umstand richtet, ob die Person, welche zur Rettung eilt, den Luftsack auf den Ruͤcken traͤgt, oder bey engern Raͤumen an einer Schnur hin- ter sich her schleppt. Dagegen ist sein nothwendigstes Erforderniß, daß er leicht und biegsam ist. Ich lasse ihn eben so vorrichten, wie die Schlaͤuche, deren ich mich bediene, um kuͤnstliche Luftarten von einer Glocke zur andern zu leiten. Er besteht inwendig aus spiralfoͤr- mig gedrehetem Drathe, der mit Leder luftdicht uͤber- zogen ist. Ich bin aber mit Versuchen beschaͤftigt, ihn eine ganz andre Zusammensetzung zu geben. Da wo der Schlauch durch einen messingenen Ansatz in den Luftsack eingemuͤndet ist, kann das Ausstroͤh- men der Luft durch einen Hahn willkuͤhrlich gehemmt, vermehrt oder vermindert werden. Diese Vorrichtung dient, wie bey dem Lichterhalter, dazu, daß der Luftvorrath nicht unnuͤtz consumirt werde, wenn die zum Retten bestimmte Person von matten Wettern in frische faͤhrt. Ueber das beste Material des Luftsackes bin ich noch selbst zweifelhaft. Wachstaffent, Leder und Blase, (mit Streifen Wachstaffent oder aufge- loͤstem Caouchoak geflickt) geben luftdichte Behaͤlter. Doch ziehe ich bis jetzt den Wachstaffent allen andern vor, vor, da es wenig Naͤthe erfordert und die Luft ziemlich rein erhaͤlt. Dieselben Gruͤnde, welche mich bewegen, bey dem Lichterhalter der atmosphaͤrischen Luft den Vorzug vor der Lebensluft zu geben, bestimmen mich auch hier den Luftsack mit ersterer zu fuͤllen. Wie traurig, wenn die Rettung eines Menschen von dem Umstande ab- haͤngen sollte, ob Lebensluft, und zwar mehrere Kubik- fuß derselben (1 Kubikfuß ist = 43 Bouteillen) vor- handen waͤre? Und wie konnte dieser Vorrath auf jeder armseligen Kohlen- oder Eisenstein-Grube gehal- ten werden? Eine gemeinnuͤtzige Erfindung muß auf einfachern oder sichern Voraussetzungen beruhen. Woll- te man, wie Cavallo darauf rechnen, den Apparat da- durch zu verkleinern, daß das Respirationsrohr ohne Ventil sey, und die ausgeathmete Luft wieder in den Luftsack zuruͤckginge, so waͤre der Calcul falsch. Aus Abernetty's, Menzie's und Fothergill's Versuchen folgt zwar, daß 2 ∙ 3 Mahl durchgeathmete Lebensluft doch noch so rein als atmosphaͤrische sey. Daraus scheint zu folgen, daß der Luftsack, da er sich nicht ausleert, unelastisch von Eisenblech und fast ⅔ kleiner seyn koͤnnte. Versuche aber haben mich gelehrt, daß die kohlensaure Luft, welche man sammt der Lebensluft ausathmet, sich gleichmaͤßig unter die andre Luftmasse vertheilt, daß sie im Schlauch stehen bleibt, wieder eingezogen wird und beaͤngstigende Brustschmerzen er- regt. Dazu habe ich vielfaͤltige physiologische Gruͤnde, um gegen das Athmen einer reinen Lebensluft in der Grube sehr zu protestiren. Die zu große Menge Sauerstoff, welche an das venoͤse Blut tritt, und die- sem die schoͤne hochrothe Farbe ertheilt, vermehrt die Reiz- Reizbarkeit der ganzen thierischen Maschine. Kommt Gemuͤthsunruhe, Muskelanstrengung, wie beym Mi- neur oder Bergmann, dazu, so wird die Disposition zur Entzuͤndung noch mehr erhoͤht, und inflammatorische Krankheiten, Folgen der Ueberreizung wuͤrden die un- aussprechlichen Folgen seyn. In meinem physiologi- schen Werke uͤber den Muskelreiz werden Sie mannigfaltige Versuche finden, welche dies und den chemischen Proceß, auf dem mir alle vitale Functionen zu beruhen scheinen, in ein noch helleres Licht setzen. Man fuͤlle daher den Luftsack mit reiner atmosphaͤ- rischer Luft, und gebe dem Bergmann eben das Ge- misch von Gasarten zu athmen, das seit seiner Geburt ein habitueller Reiz seines Systems ist. Das Fuͤllen geschieht mittelst eines wenig veraͤnderten gemeinen Blasebalgs, der da eingesteckt wird, wo der Schlauch in den Luftsack eingemuͤndet ist. Das Material zum Fuͤllen ist demnach in der Grube selbst, auf dem Stol- len, unter dem Schacht uͤberall, wo frische Wetter sind, anzutreffen. Da die Sicherheit des Menschen, welcher sich der Rettungsflasche bedient, von der Dichtigkeit des Luftsacks abhaͤngs; so lasse ich densel- selben, damit er beym Auftreiben nicht zerplatze, in ein cylindrisches Gefaͤß von Eisenblech einschließen. In dies Gefaͤß geht der Schlauch durch eine Oeffnung hinein, welche weit genug ist, um die aͤußere Luft mit der zwischen dem Luftsack und dem Cylinder in Verbindung zu setzen. Durch diese Communication wird nemlich der Luftsack, in welchem das Athmen die die Luft verduͤnnt, zusammengedruͤckt und ausgeleert. Auch dient das Gefaͤß dazu, wenn es mit ein paar Rollen versehen ist, den Luftvorrath, wo man ihn nicht auf dem Ruͤcken tragen kann, bequemer wie den Treckhund der Floͤtzbergleute nachzuschleppen. Die Groͤße des Luftsacks habe ich nach den Edinburger Ver- suchen von Menzie, von denen ich die meisten wiederholt habe, minutenweise berechnet. Leider wird dieselbe ziem- lich betraͤchtlich, da ein Mensch in einer Minute 18mahl inspirirt und in einer Inspiration 40 Cubikzoll Luft bedarf. Doch ist sie nicht so betraͤchtlich, um von der ganzen Vorrichtung abzuschrecken, um so mehr, da das Nachfahren nach einem Erstickten und das Re- cognosciren eines Mineurs nur wenige Zeit erfordert, auch durch einen Schacht mehrere Luftsaͤcke nachgelassen werden koͤnnen, wenn man nicht Muße hat den aus- geleerten wieder zu fuͤllen. Zu einer halben Stunde bedarf man eines Luftsacks, der 12 Cubikfuß enthaͤlt; also prismatisch eine Grundflasche von 4 Quadratfuß bey 3 Fuß Hoͤhe hat. Wie selten aber hat man sich in boͤsen Wettern oder in Kohlendampf aufzuhalten! In den meisten Faͤllen waͤren 12 ∙ 18 Minuten hinlaͤnglich, um die toͤdtliche Luftschicht zu durch- fahren, und den Erstickten heraus zu ziehen. Ich ap- pellire an Ihre vieljaͤhrige bergmaͤnnische Erfahrung. Daß in Faͤllen, wo man nicht mit Kohlendampf zu kaͤmpfen und fuͤr das Auge nichts zu besorgen hat, die abendtheuerliche Maske vor dem Gesicht ganz weg- faͤllt, daß man bey boͤsen Wettern nur einer bloßen Bin- de um den Mund bedarf, in der das Respirationsrohr Chem. Ann. 1796. B. 2. St. 9. Ddd steckt, steckt, brauche ich nicht zu erinnern. Sie sehen uͤberhaupt selbst, verehrungswerther Freund, wie mannigfaltigen Abaͤnderungen dieser Rettungsapparat noch unterworfen ist. Ich wuͤnschte es so weit da- mit zu bringen, daß er nur wenige Thaler koste, daß seine Zusammensetzung einfach genug wird, um jeden Bergmann einzuleuchten. Durch Thaͤtigkeit und harrende Geduld laͤßt sich viel leisten — am meisten, wenn mehrere Menschen mit mir zu einem so wichtigen Zwecke arbeiten wollen. Herr Fothergill, der edle Be- foͤrderer der human society , glaubte, sein Buch uͤber Rettung der Ertrunkenen den Aerzten dadurch wichtig zu machen, daß er ihnen vorstellte, sie koͤnnten wohl selbst einmal ertrinken. Ich achte die Menschen, denen das Wohl des deutschen Bergvolks anvertraut ist, zu sehr, um mich solcher Motive zu bedienen, und wer ihrer bedarf, haͤlt sich ohne dies vor der Gefahr un- terirdischer Luftarten gesichert. U