Abriss des Systems der Biologie von Dr. Oken . Zum Behufe seiner Vorlesungen. Göttingen , bei Vandenhoek und Ruprecht 1805 , Sed cum sit Ternarius communis rebus divinis et mundanis, ubicunque is occurrit; superveniens mens humana, causarum ignara, conspirationem hanc miratur. Der Astronom von Leonsberg . Dreifach also, o Freunde! ist der Wesen Stufe — — Die Natur soll der sichtbare Geist, der Geist die unsichtbare Natur sein. Der Philosoph von Leonsberg . Meinem Freund und ersten Lehrer Joseph Anton Maier , Professor der Physik und Naturgeschichte in Baden-Baden. Vorrede . W as ist das Thierreich anders als der anatomirte Mensch, das Makrozoon des Mikrozoon? In jenem liegt offen und in der schönsten Ordnung aus- einander gewikelt, was in diesem, zwar nach derselben schönen Ord- nung, in kleine Organe sich gesam- melt hat. Wie die Blume alle Gliedmassen der Pflanze in sich liebend und innig aufnimmt, und sie, mit dem schim- merndsten Gewande angethan, dem Phöbos und der ewig fortschreiten- den Göttinn des Lebens zum Opfer * 2 bringt, bringt, so erhöht, vergeistigt der Mensch alle Naturen, die, in nie- drere fleischliche Hüllen eingeschlos- sen, sich kärglich regen, und lehrt sie in ihm ihre verklärte Auferste- hung erkennen. Nur der, dem die Hülle des einzelnen Fleisches in Lichtgestalt sich verwandelt, hat auch die Ge- heimnisse des menschlichen Tem- pels erblikt, er steht mitten in ihm, dem Sichtbargewordenen in der Durchsichtigkeit, hell und freund- lich erscheint er dem Heiligen, der in den Vorhöfen, in der Welt der realen Gestalten, weilend nun erst den kühnen Fuss in das Innerste sezt; jeder Wiederhall seiner eig- nen ihm selbst noch nicht begrif- fenen Tritte ist ihm eine himmli- sche Entwirrung der unendlichen Töne seines Wesens, das er zuvor, sich sich unbewusst, nur in den Gestal- ten der Natur zerlegt kannte. Eine fremde Furcht ergreift ihn beim ersten Anstaunen der grossen Har- monie zwischen ihm und den Glie- dern der Welt, kaum wagt er die Augen aufzuheben zu dem All, dem er gleich sein soll nach dem Aus- spruche seiner Selbsterscheinung, und doch mag er beschauen, was er will, so stralt ihm überall sein Antliz entgegen; endlich hat er alle Stimmen der Welt als die seinigen vernommen, er kann nichts Frem- des mehr erforschen, und ruft nun in freudigem Hochgefühle auf: du hast die Organe des Alls in dir, und dich in dem All gefunden! Nur dem muss die Naturphilo- sophie, das innerste Wesen aller Wesen, ein ewig dunkles Chaos scheinen, und ihn vor jeder An- * 3 nä- näherung zurükschröken, der tha- tenlos und müssig das äussere Le- ben der Natur nicht erforschend, sich zu ihrem Innern herandrängt, um das, was sie in den kleinsten Formen jungfräulich aufbewahrt, mit einem an kolossalische Unformen gewöhnten Auge zu betrachten; nothwendig sieht er nur ein Chaos, denn zu Bergen und Pallästen, zu Inseln und Meeren sind hier die Or- gane nicht angewachsen; Ebbe und Flut, Stürme und Erdbeben sind hier ein sanftes Wogen, ein feind- liches Entzweien und Vereinen der freundlichen Gegner. Erden und Metalle, Luft und Schwefel, Was- ser und Salz sind auch ruhende Punkte, aber schon tragen sie den Stempel des Lebens an sich, das stätig beginnt, hier zum Korall, dort zur Pflanze und in ihrer Mitte zum Thier Thier beseelt zu werden; so das Todte in der Seele, und die Seele im Todten zu sehen, ist die philo- sophische Kunst. Die Naturbeobachtung ist die Mutter der Naturphilosophie, nicht so der Vater. Wie der Mann im Weibe immer nur sich selbst erzeugt, so ist die Naturphilosophie ewig ihr eigner Schöpfer im Weibe. Dieses bringt nichts zur künftigen Frucht herbei als den blossen Anstoss, der nach dem Grade seiner Beschränkt- heit dem Manne erlaubt, sich nun selbst zu produciren, und in allen Geburten immer nur seine Aufer- stehung zu feyern. Wie der Zirkel, den du mit dem Griffel auf die Ta- fel zeichnest, nicht der Kreis ist, sondern nur der Anstoss, an dem du die Idee des Kreises, die sich nie mit dem Zirkel verunreinigt, mit mit allen ihren Ausdrüken demon- strirst, so demonstrirst du die Na- turphilosophie an den empirisch ge- fundenen Stoffen der Erde und des Himmels. Die Einsicht in das noth- wendige Dasein und Sosein die- ser Stoffe ist die philosophische Ein- sicht, welche ohne die empirische Kenntniss derselben schlechthin un- möglich ist; nicht als wenn diese Einsicht entstände aus der empiri- schen Kenntniss, sondern weil das philosophische Wissen an den em- pirischen Formen allein construirt werden kann, so wie der Kreis am Zirkel. Diesen erblikst du mit ma- terialem Auge, aber nicht durch ihn, sondern vielmehr durch ihn verges- sen, nur an ihm gelangst du zum An- schauen des philosophischen Kreises. Ich habe es deswegen versucht, die Erfahrung mit der Wissenschaft so so innig zu vermischen, dass man nicht wissen möge, ist das Ganze aus empirischen Quellen geflossen, oder sind diese erst gegraben wor- den, nachdem ihre Lagen durch Mes- sungen gefunden waren. Ich weiss, dass es mir nicht immer gelungen ist, ich weiss aber auch, dass es als der erste Versuch nicht ganz gelingen kann; wenn nur die Idee, nach der ich die Natur ansehe, klar herausge- hoben ist, so ist meine Absicht er- reicht; die Zukunft wird für das Ue- brige nicht müssig bleiben. Die Biologie ist eigentlich nur die Naturphilosophie der organisirten Leiber, da aber die organische Welt durchaus das Abbild der unorgani- schen ist , so müssen die Hauptfunc- tionen und Hauptmaterien dieser auf- gezählt und geordnet werden, um die Eingeweide des Organischen schon in dieser Welt zu erkennen, und sie da- daher mit Bestimmtheit aufzufinden zu wissen. Dieses zwang mich, nicht geradezu bei dem Ursprunge der or- ganischen Welt zu beginnen, sondern bis auf die erste Regung des Alls zu- rükzugehen, und von dieser aus stuf- fenweise die ganze Natur entstehen zu lassen; aber doch habe ich das, was eigentlich bloss Naturphilosophie des Unorganischen ist, nur kurz be- rührt, ihre Theile nur an ihre Stel- len gesezt, um das ganze Skelet des Universums vor Augen zu haben, da- gegen das, was der Naturphilosophie des Organischen eigen ist, was Bio- logie ist, total herausgehobeu . “ Inertia mors est Philosophiae: Vivamus nos et exerceamur ” ! Göttingen 1805. Geo- Geometria est Historia . Pythagoras . E s giebt nur Eine Gewissheit, und diese ist die Mathematische. Die Mathesis selbst aber ist nur der geistige Ausdruk dessen, was sich in der Natur material darbietet. Wüssten wir daher alle Modificationen der Mathesis, so wüssten wir alle Sym- bole der Natur und mit ihnen die Modi- ficationen dieser selbst. Die Modificatio- nen beider sind endlos, aber in diesem Wechsel der mathematischen Formen grün. den sich doch gewisse Hauptfiguren, die unbeweglich stehen bleiben, und um die sich alle andern Formen, nur als Abkömm- linge von ihnen, sammeln. A Wenn Wenn nun die Mathesis und die Natur Gleichbilder sind, so müssen auch in die- ser dieselben Grundfunctionen herrschen, welche in jener das centrale Ordnungs- princip aller Nebenfiguren ausmachen. Kennen wir daher die Hauptabschnitte, die Grundactionen, die Centralpfeiler der Mathesis in Zahl und Qualität, so wissen wir bestimmt, dass dieselbe Zahl und Qua- lität von Grundactionen, Hauptabschnitten, in der Natur sich wiederfinden müsse. Pythagoras hat zuerst die Gleichheit der Mathesis mit der Natur angeschaut, er hat zuerst zu den Grundfiguren jener die Grundelemente dieser aufgesucht, und die Pyramide als den geistigen Ausdruck des Feuers, das Oktaeder der Luft, das Ikosaeder des Wassers, und den Kubus als den der Erde bestimmt. Wer zu Pythagoras Zeiten eine ge- troffene und vollständige Aufzeigung der Gleichheiten der Natur und der Mathesis verlangte, zu einer Zeit wo er selbst sei- nen Lehrsaz entdeken musste, würde sich selbst nicht verstehen. Es Es ist das Höchste was in einem Men- schen der Gedanken erringen kann, dass Er die Gleichheit ahnte, reisst aber zur wahrhaft göttlichen Verehrung hin, wenn man Ihn betrachtet, wie Er diese Gleich- heit selbst nachzuweisen unternommen. Wer mag noch grübeln, woher es gekom- men sein möge, dass Ihn seine Schüler als eine göttliche Person verehrten, dass sie in heiligem Glauben der Welt zurie- fen „Er hats gesagt”! Wer aber endlich gar meinte, Pytha- goras habe die mathematischen Figuren darum mit den Materien verglichen, weil diese in ihrer äussern Form mit jenen ei- nigermassen übereinkommen, weil das Feuer sich wie eine einfache Pyramide, die Luft wie eine doppelte (?), das Wasser wie ein Ikosaeder (?) etc. zeige, dem wäre al- les zu verzeihen, was er dem Pythagoras Unsinniges und Gespieltes vorwerfen möch- te. Es ist gar kein Zweifel, dass nicht auch die Materien der Form nach den ma- thematischen Figuren nachgebildet sind, aber deswegen das Feuer Pyramide nen- nen, hiesse so viel als den Kreis darum A 2 Kreis Kreis nennen, weil dieses Wort eine ähn- liche Gestalt mit dieser Figur habe. Der Keim der Mathesis, den Pytha- goras gepflanzt, ist mächtig emporgewach- sen, der geometrische Stamm hat seine Hauptzweige herausgetrieben, wir sind im Besize der Algebra, der Kegelschnitte, der Analysis des Unendlichen. Mit dieser Vollkommenheit der Ma- thesis glaube ich, ist die von Eschenmayer aus tiefen Gründen so sehnlichst gewünschte Zeit gekommen, wo man das pythagoräi- sche Orakel aus dem Traume weken kann; Er hat seine Metempsychose er- kannt, und sicher wird Er ihr treu bleiben! Bald sind es vier Jahre, seit ich die Grundfiguren der Mathesis zu ordnen, und ihre Nachbilder in der Natur aufzuzei- gen gesucht habe. Ungeachtet dieser nicht müssigen Zeit, kann ich doch nicht an- ders als dieselbe Ordnung noch anzuerken- nen, und die Naturfunctionen, obgleich jezt vollständiger dieser Ordnung anzurei- hen. Weder nach den Dimensionen der Zeit Zeit noch des Raums können diese Figuren allein geordnet werden, da dieses nur eine einzelne Eigenschaft von ihnen ist; das Princip liegt im ganzen Wesen der Figur selbst, in ihrem innern Charakter, in ih- rer Einfachheit, in ihrer algebraischen For- mel und in der Summe aller Lehrsäze, die von jeder einzelnen möglich sind. Was mich leitete bei Aufzählung und Anordnung der mathematischen Grundpfei- ler, kann in dieser Schrift, wie Jedermann einsieht, unmöglich ausführlich angegeben werden. Sie kann keinen andern Zwek haben, als darzulegen die Resultate des Versuchs, die Gleichheit der Natur mit der Mathesis aufzudeken. Die Die Linie, der Kreis und die Ellipse sind die ersten Elemente der Mathesis, oder der idealen Natur. Die Linie ist das Ideal der Zeit, der Bewegung, der Staarheit, oder des Wider- standes sich räumlich auszudehnen; der Kreis aber das Ideal des Raums, des Be- stehens, des Gegentheils der Starrheir ; er ist der Linie direct entgegengesezt, da er ein Punkt ist, der in Einer Ebene nach allen Richtungen sich ausdehnt, hingegen die Linie nur einer einzigen folgt. Die Ellipse ist die Verbindung der Li- nie mit dem Kreise, daher die Mitte zwi- schen Bewegung und Bestehen, zwischen Starrheit und Cohärenzlosigkeit. Dieses lässt sich sowohl durch algebraische For- meln als durch geometrische Verzeichnung streng demonstriren, kann aber hier nicht gethan werden. Diese drei Elementarfiguren stehen auf der ersten Stuffe der Mathesis, und wei- weiter keine andern, denn das Dreiek ist keine einfache Figur, sondern nur eine anschauliche, aber unvollkommene Dar- stellung des Kreises mit Linien, was von allen Polygonen gilt. Figuren, welche um eine Stuffe höher stehen, als Linie, Kreis und Ellipse sind Parabel, Hyperbel und Eiform. Die Para- bel hat im Ganzen wieder die Eigenschaf- ten der Linie, aber nicht mehr in dersel- ben Reinheit; ihre Starrheit lässt sich schon in einen Baum ausdehnen; eben so die Hyperbel, als die zweite Stuffe des Krei- ses, welche sich nicht mehr so rein der Starrheit entgegensezt; dasselbe ist von der Eiform wahr, die das, was die Ellipse im vollkommensten Gleichgewicht hält, schon mehr zerfallen lässt. Die dritte Stuffe endlich, auf die die Mathesis steigt, ist die Synthese der beiden vorigen, und so werden Linie und Parabel zum Konus, Kreis und Hyperbel zur Sphä- re, und in die Mitte dieser kömmt die Synthese der Ellipse und Eiform. Mit die- sen Figuren ist die Mathesis geschlossen, sie kann nicht mehr höher steigen: Es gibt giebt keine Grundfigur mehr als diese neun, alle andern ordnen sich um diese herum, und daher gehe ich nun sogleich zur Auf- suchung der gleichen Elementarfunctionen der Natur. Wir haben sechs Figuren auf den zwei ersten Stuffen, und drei auf der drit- ten, der Synthese der beiden ersten. Die sechs ersten Figuren sind in Bezug auf die drei lezten einfache Formen, und die drei lezten enthalten alles vereinigt in sich, was die ersten einzeln besizen. So ist der Konus nicht nur die Vermählung der Linie und des Kreises, sondern aller Figuren, aber mit dem Uebergewichte des Linigen; Eben so sind alle Figuren in der Sphäre, aber nur mit dem Uebergewichte des Krei- sigen, und so sind alle in der neunten Fi- gur mit dem Uebergewichte des Ellipti- schen. Ganz gleich ist die Natnr : sie besteht aus sechs einfachen (in unserm Sinne, wie es die Figuren sind) Materien, und aus drei zusammengesezten. Jene sind unor- ganische, diese die organischen. Ich ha- be sie so geordnet: 1. 1. 3. 2. Linie. Ellipse. Kreis. Zeit. . . . . . . . Raum. Cohäsion. Schwere. Feuer. Erde. Wasser. Luft. 4. 6. 5. Parabel. Eiform. Hyperbel. Magnetismus. Chymismus. Electrismus. Metall. Salz. Schwefel. (Inflammabilien). 7. 9. 8. Konus. Synthese beider. Sphäre. Galvanismus. Animalism. Vegetatismus. Korall. Thier. Pflanze. Beim srsten Blicke zeigt es sich, dass Erde und Luft sich entgegengesezt sind, und das Wasser ihre Indifferenz bildet, eben so Metall und Schwefel, deren In- differenz das Salz ist, und endlich so Ko- rallen und Pflanzen, deren höchste Blüte das Thier bildet. Erde aber und Metall sind homolog, eben so Luft und Schwefel, Wasser und Salz, daher schliessen sich diese Materien auch so räthselhaft an einander, und schei- nen nen ganz zu Einer Reihe zu gehören; was wohl richtig ist, aber nur zu einer Reihe, die über mehre Stuffen läuft; so sind die Erden nur herabgezogene Metalle, und diese hinaufgeschobene Erden, so die Luft ein erniedrigter Schwefel, und dieser erhöhte Luft, auch das Wasser ist Salz auf einer niedrern Stuffe, und das Salz ist Wasser auf der höhern. Ich nenne die Entgegensezungen der Elemente auf einer Stuffe direct oder ho- mogen, wie Erde und Luft, Metall und Schwefel, hingegen zwischen zwei Stuffen, schief oder heterogen, als Erde und Schwefel. Metall und Luft, die Glieder einer Reihe aber, welcher zu einer Grund- figur gehört, nenne ich homolog, wie Erde, Metall, Korall, oder Luft, Schwefel, Pflanze; und nun gehe ich zur Ausführung dieses Schemas, wobei man aber nicht aus dem Auge verlieren muss, dass ich von dem Unorganischen nur so viel be- rühre, als zur Totalität des Ganzen, und vorzügiich zur Gründung des Organischen unumgänglich nöthig ist. I. I. Stuffe . 1. Grundfigur. Linie. — Cohæsion — Erde. Wie die Linie dem ganzen System der Mathesis zu Grunde liegt, und daher das Primare, Positive ist, so sind die Erden die Träger aller Materien. Sie sind das Erste, aus ihnen hat sich alles metamor- phosirt, sie bilden den Kern, die Haupt- masse unsers Planeten, zwischen der die andern Materien, als Metalle, Schwefle, Salze nur eingegossen, oder, wie die Luft und das Wasser, auf sie aufgetragen sind. Sie sind ferner die starrsten Körper, und suchen in ihrem lebendigen Zustande immer die Form der Linie als Krystalle zu behaupten. Es giebt keine kuglicht krystallisirte Erde, meistens sind es Pyra- miden und Säulen, die sich auch in Kuben abstumpfen, oder in Tafeln spalten. Da- her ist die Krystallform das Wesentlich- ste für die Erden, und muss bei ihrer sy- ste- stematischen Anordnung vorzüglich zu Grunde gelegt werden. Sie widerstehen unter allen Materien dem heftigsten Grade des Feuers, so sehr sind sie der Ausdehnung entgegengesezt. Sie haben die geringste Compressibilität, keine Dehnbarkeit, Ziehbarkeit, Verbrenn- lichkeit, kurz sie sind als die Urmaterien, als der eiufachste und erste Repräsentant der Starrheit die unbändigsten Körper der Natur. Auf sie gründet sich die Theorie des Stosses, der Bewegung, also der leben- digen Darstellung der Linie, und genau ist das bekannte Grundgesez der Mecha- nik: wenn einmal ein Körper in Bewegung gebracht ist, so behält er ins unendliche dieselbe Richtung (nach der geraden Linie) wenn er nicht durch eine andere Kraft abgelenkt wird, — Gesez dieser Grundfi- gur, Gesez der Linie, der Cohäsion, der Erden. Die Erden müssen ihrer äussern Natur nach nach den Formen der Krystallisation eingetheilt werden; diejenigen Erden, die nicht krystallisirt sind, sind als todte me- cha- chanisch gehäufte Massen zu betrachten, und daher tritt hier die Charakteristik mit- tels physischer und chymischer Eigenschaf- ten ein. Die innere Natur der Erden aber muss nach der Natur der Linie eingetheilt werden, und so mag sich wohl ein Pol der Erden finden, der als reiner Kohlen- stoff, im Diamant auftritt, durch Kiesel- erde, Zirkon, Thon, Glykin, Yttererde, zu Talk, und von da durch Strontian, Baryt zu Kalcherde als dem expandirtesten Pol dieses Momentes heraufsteiget, wie es Steffens so schön durchgeführt hat. Da- her verhält sich die Alkalescenz gegen die Kieselerde schon einigermassen negativ, da beide sich zu Glas neutralisiren. Die Kalcherde ist schon völlig in den Kreis der thätigen Natur gezogen, sie lässt sich bändigen; während die Kieselerde, als das ewige Geripp des Planeten da steht, bildet sie das Geripp der organischen Welt, und beweist auch für diese die Erstheit derjenigen Materie, die das Nachbild der Linie ist. Wie überall in der Starrheit die Möglichkeit der Bewegung, die Zeit liegt, liegt, so auch in den Knochen; sie sind die Grundlage der organischen Bewegun- gen. Nach demselben Hauptgange der Geseze, welche die Erden hier befolgen, werden diese auch da, wo sie sich unter die organische Masse gemischt haben, ihre Wirkungen, obgleich mit höherer Bedeu- tung äussern, und daher werden die Ei- genschaften des Knochensystems, und der- jenigen Thiere, die vorzüglich diesem nach- gebildet sind, immer homolog in diese Reihe fallen. II. Grundfigur. Kreis — Feuer — Luft. Es ist kaum nöthig zu berühren, dass der Kreis, das Schema der Expansion, des Negativen und überall das Entgegenge- sezte der Linie, der Starrheit sei, welchem im Materialen die Luft aufs genaueste entspricht. Diese ist das höchste Extrem der Ent- gegensezung mit den Erden, die Starrheit ist in ihr nicht nur aufgehoben, blos pri- va- vative gesezt, wie im Wasser, sondern wirklich als negativ aller Starrheit wider- strebend ist sie das elastische, antikohären- te Fluidum vorzugsweise. — Ich kann diese Eigenschaft mit nichts passenderm ausdrüken als mit Luftigkeit. In ihr ist schlechthin keine Bewegung nach der Linie hervorzubringeu , sie ist Nichts für jeden Stoss, und die lebendige Expansibilität selbst; wo ihr Raum gestat- tet ist, erweitert sie den Kreis, um ihre Elasticität zum Troze der Erde zu zeigen, dringt zwischen alles Feste, und ruht so auf diesem obschon sein Feind; als di- recter Feind der Erden ist sie nothwen- dig der Repräsentant des Kreises, denn wie diese die Hauptmasse des Starren auf dem Planeten bilden, so sie die Haupt- masse des Luftigen, sie ist eben so in ihrer Reihe die Arbeitsstätte ihrer homologen Processe, als des Feuers, der Electricität, des Pflanzenwachsthums, als es die Erden in der ihrigen sind, nur mit dem Unter- schiede, dass auch selbst die Erden der Luft, mit allen ihren Processen, noch zum Grundpfeiler dienen. In In der Erde ist die Krystallisation der herrschende, lebendige Charakter, in der Luft ist es gerade das Gegentheil, was krystallisirbar ist, ist eben darum keine Luft. Wie es verschiedene Erden giebt, so giebt es auch verschiedene Luften, und wie dort der Granit, als der Fokus aller Erden gesezt werden kann, so hier dis ath- mosphärische Luft, als die Mutter aller übrigen; da aber das Symbol der Erden die Linie ist, und sie deswegen nach die- ser einzutheilen sind, so wäre es offenbar falsch, wenn man auch die Luften nach einer Linie darstellen wollte, da sie doch die Abbilder der Theile des Kreises sind, daher auch nur so viele sich finden kön- nen, als dieser wesentliche Theile hat, und zwar mit denselben Eigenschaften, als die dieser Theile sind. Es wird sich zeigen, dass das Saur- stoffgas keine Luft ist, welche in die Na- tur des Kreises gehört, sondern nur als das geistige Schwerkraftsprincip, als das in seinen Urzustand zurückgekehrte Wasser, als die wahre Wassersäure, wie sie Win- terl terl so philosophisch nennt, in der At- mosphäre schwebt. Als die Hauptluftart kann das Stikgas gerechnet werden, von dem alle andere, wie die Erden von der Kieselerde, Meta- morphosen sind. Das Expansissimum, nemlich das rein Peripherische des Krei- ses, ohne alles Starre des Diameters, er- scheint als Wasserstoffgas, das Contractis- simum aber, das sich in das Centrum la- gert, als Kohlensäure, die um ihre Con- traction zu erreichen, schon Kohlenstoff zu Hülfe nehmen muss; dass sie aber blos aus Kohlenstoff und Saurstoff bestehe, hat noch kein einziges chymisches Experiment streng bewiesen, und die prätendirten Zer- legungen durch Phosphor verlieren alle Kraft dadurch, dass man ja bestimmt weiss, dass jeder Phosphor beim Verbrennen Koh- lenstoff absezt. Die andern Luftarten sind Compositionen. Die atmosphärische Luft kann ange- sehen werden, als durch Säureprincip be- geistetes Stikgas, das durch grössere Säu- rung sich in Stikstoffsäure verwandelt. B Wird Wird aber der Wasserstoffpol des Stikga- ses gesäurt, so entsteht Wasser, Regen, der klarste Beweis, dass Wasserstoffgas in der Atmosphäre vorhanden, aber durch gewöhnliche Desoxydation der Luft, durch Verbrennen, nicht heraushebbar, sondern in dem zwitterartigen Stikgas verschlun- gen ist, woraus es erst wahrscheinlich durch einen gewissen Grad des Electris- mus bei Gewittern etc. gezogen, oder in philosophischer Sprache, wozu das Stik- gas polarisirt wird. Warum ist denn das Wasser, warum ist die Salpetersäure flüs- sig? soll doch jenes aus Wasserstoff, die- se aus Stikstoff bestehen. Wenn die Luft nicht blos in mecha- nischer Action bleibt, sondern zu ihrer höchsten Thätigkeit sich erhebt, so er- scheint sie als Feuer. Wie die Cohäsion, Krystallisation, das Ideale der Erden, oder wie der Magnetismus das Ideale des Ei- sens oder der Metalle ist, so das Feuer das der Luft. Der Magnetismus ist selbst nichts, als die Erscheinung der specifi- schen, eigenthümlichen Thätigkeit der Me- talle, oder die Metallthätigkeit , so ist ist das Feuer die Luftthätigkeit, nemlich das Active der Metalle nennen wir Magne- tismus, das Active der Luft aber Feuer. Ich seze das Feuer in dieselbe Bedeutung, in der Magnetismus, Electrismus, Chy- mismus etc. stehen, nemlich als blosse Action, die aber so specifisch als diese ist, und wie diese eigentlich blosse Thätigkei- ten der Natur sind, deren eine zu Metall, die andere zu Schwefel, und die dritte zu Salz erstarrt, so wird auch die Feueraction, wenn sie zu Materie erstarrt, Luft . Die magnetische Materie sind daher die Me- talle, die electrische ist der Schwefel mit seinen Variationen, die chymische ist das Salz, und so ist die Feuer materie die Luft. Dasselbe gilt auch von den Erden, deren Action Cohäsion ist, welche we- sentlich vom Magnetismus verschieden, das Allgemeine umfasst, da dieser nur Co- härenz-Action von bestimmter, Rich- tung ist. Das Feuer als das reinste Abbild des Kreises, als der in die Natur übergehende Kreis, ist nothwendig Duplicität, obgleich gebunden an eine einfache Grundfigur; B 2 denn denn der Kreis ist nicht mehr rein, wie es die Linie war, er hat nicht blos Peri- pherie, auch die Linie gehört nothwendig zu seinem Wesen, daher scheidet sich das Feuer in zwei Actionen, deren die eine peripherisch, die andere central ist. Die peripherische Action ist die rein Kreisige, das rein Expansive mit der endlosen Ten- denz den Raum zu erweitern, sie ist die Wärme . Die centrale Action ist die Linige im Kreise, die diametrale oder radiale, mit der Tendenz den Raum zu verengern, aber Kreis muss sie ewig bleiben, daher bringt sie es nur zu einer Begränzung des Raums durch Linien, sie macht den Kreis zum Dreiek; die Thätigkeit der Natur aber, die überall Linie producirt, und doch im Ex- pansiven schwebt, die den Raum auf ideale Weise begränzt, sich ideal in ihm krystal- stallisirt, ist das Licht ; dieses daher wie- der positiv, die Wärme negativ. Wärme und Licht sind daher entge- gengesezt, obgleich Actionen Einer Figur; die Wärme ist homolog mit dem Expan- dir- dirtesten des Expansiven, das Licht aber mit dem Contrahirtesten. Die Richtung zur Peripherie ist Wärme, die zum Cen- trum ist Licht. Die Sonne ist nur Licht, insofern eine centrale Action in ihr ist, insofern sie Pla- neten an sich zu ziehen strebt; jeder an- dere Körper z. B. die Erde, an die Stelle der Sonne gesezt, würde auch für die Planeten leuchtend sein, daher hängt das Licht der Sonne von gar keiner specifi- schen Eigenschaft ihrer Materie ab, von keinem Verbrennungsprocesse auf ihr, von Saurstoffatmosphäre, von Reibung etc. sie kann ganz dieselben Stoffe auf sich haben, wie unsere Erde, und doch leuch- tet sie, ja auch das grösste Feuer auf ihr würde uns nicht als Sonnenlicht erschei- nen, da ja dieses ein Weltphenomen, eine Action eines Weltkörpersystems ist, und nicht eines Privatfeuers in der Sonne. Nur im Gegensaze mit Planeten ist sie Licht, würden diese wegfallen, so wäre sie selbst in ewiger Finsterniss begraben. Das Das Licht bewegt sich keinesweges von der Sonne zu uns als solches, statt nach dem Grunde der ungeheuren Ge- schwindigkeit des Herströmens des Lichts zu fragen, müssen wir untersuchen, wie viel Zeit es brauche, bis die unterhroche- ne Centralaction der Sonne wieder von der Erde so stark gehemmt werde, dass sie als Licht erscheint; vielmehr sollten wir uns wundern über die Langsamkeit dieser Hemmung. Die Sonne verliert nicht das Geringste durch das Licht, wenn sie in alle Ewigkeiten stralt, denn das Licht ist ja kein Ausfluss aus ihr. Für die Immaterialität des Lichtes (in philosophi- schem Sinne) nach Schelling noch ein Wort sagen, hiess das Licht beleuchten wollen. Der neue Beweis vom Fallen des electrischen Funkens, den Winterl für die Ponderabilität des Lichts anführt, möchte wohl mehr beweisen, als ihm selbst lieb ist, nemlich dass das Licht schwerer als die Luft sei, was sicher diesem Erweker der alten Chymie nie im Spasse einge- fallen. Es Es ist ein bekanntes Gesez der Physik, dass Gleiche sich abstossen. Ungleiche sich anziehen, so hier. Wärme wird von der Luft, dem ihr Gleichartigsten abgestossen, diese ist bekanntlich ein Nichtleiter für je- ne, hingegen leitet sie das Licht, als die centrale, als die linige Action. Dagegen leiten die starren Erden und Metalle die Wärme, weil sie peripherische Action ist, denn alles Leiten ist nur gegen das Fremde möglich — die Luft nemlich als das Homogene mit der Wärme ist ja schon so viel als möglich ausgedehnt, in- sofern sie sich aber noch ausdehnen lässt, leitet sie allerdings, daher ist Wasserstoff- gas der schlechteste Leiter. Wasser aber, als das Mittlere zwischen Erden und Luft, ist sowohl gegen Wärme als Licht gleich- gültig, es lässt sie, so zu sagen, nur pas- siv durch sich hindurch. Was ist denn eine Ferne von 679 Fuss, über die hinaus das reinste Wasser nicht mehr durchsichtig ist, gegen die Ferne des Himmels, und was die Erwärmung des Wassers gegen die einer Ei- senstange? Wir Wir scheinen hier in einen Widerspruch mit dem Licht zu kommen; es wurde cha- rakterisirt als centrale Action, und daher leitbarer durch die Luft als peripherische Materie, aber doch wird sie auch durch die Krystalle, die doch die starresten Kör- per der Natur sind, geleitet. Die Antwort ist leicht zu geben; eben weil sie das Ideal der Starrheit sind, wer- den sie dem Lichte, das doch nur eine Kreisthätigkeit bleibt, wieder heterogen, und daher seine Leiter. Deswegen hängt auch die Durchsichtigkeit der Krystalle, des Glases etc. schlechterdings von ihrer Ge- stalt, von ihrem wirklichen Bestehen in der Krystallisation ab, wo sie am reinsten der Starrheit folgen; so wie sie zu Pulver zer- schlagen werden, ist alle Durchsichtigkeit verloren, denn da wo Cohärenzaction er- stirbt, hört auch ihr Gegensaz gegen das Licht auf, der Körper wird undurchsich- tig, das heisst; er sinkt zu dem Grade der Cohärenz herab, welcher gleich ist dem Nisus des Lichts. Der Der Diamant ist als der Repräsentant der Cohärenzaction der durchsichtigste Kör- per, der eben deswegen auch das Licht am stärksten bricht, von ihm steigt die Durchsichtigkeit herunter bis etwa zu Glas; wie dieses sein krystallisches Gefüge ver- liert, fängt es an, in Farben zu spielen, und wird undurchsichtig, weil es homo- gen mit dem Lichte wird. Die Luft leitet daher das Licht, weil sie expandirter, die Erdkrystalle, weil sie contrahirter sind, als eine Materie, die hierinn der Action des Lichtes nahe kömmt. Was Farbe ist, versteht sich nun von selbst. Sie ist ein mehr oder minder homo- gener Zustand des hemmenden Körpers mit dem Lichte. Das Newtonische Prisma lehrt uns sieben solcher Zustände kennen, über die hinaus das Licht wieder in Durchsich- tigkeit verschwindet, das Licht ist daher nichts Zusammengeseztes, die Farben sind nur bestimmte Hemmungspunkte desselben. Eben so löst es sich nun von selbst, dass das weisse Licht aus dem Maximum seiner Entgegensezung mit der Materie ent- entsteht, dass die reinen Erden ohne Un- terschied weiss sind; wo aber das Licht seine homogene Materie findet, oder wo es ungehindert zu Materie erstarrt, erscheint es grün ; es wird sich mit Vergnügen an- sehen lassen, wenn bewiesen ist, dass die Pflanzenwelt in die homologe Reihe, aber auf der dritten Stuffe, mit dem Lichte fällt, was ich schon in dem von Anfange gegebenen Schema angezeigt habe, und sie daher durchgehends mit Grün bekleidet ist. Die um das Grün gelegten Farben, sind zwar auch noch Homogeneiteten der Materie mit dem Lichte, aber doch wei- chen sie von ihm in bestimmtem Grade ab, und zwar auf der einen Seite mit ex- pansiven Widersezungen durch Blau zu Violet, welches erste daher die Lieblings- farbe der Luft ist, ohne Zweifel müsste eine Atmosphäre von Wasserstoffgas violet sein. Auf der andern Seite differenzirt sich aber die Materie mit zunehmender Starrheit, geht durch Gelb zu Roth, wel- ches ohne Zweifel die erdigen Farben sind. Die- Dieses sei genug zur Andeutung der Farbentheorie. Alle Planeten sind nur Differenzen des Lichts, diese aber sind Farben, daher wird auch das Planetensystem nach der Idee der Farben geordnet sein. Es versteht sich, dass deswegen nicht eben nur sieben Pla- neten existiren dürfen, weil so viele Far- ben existiren, dieses wäre eine kleinliche Ansicht. Es ist nur von Planetenproductio- nen die Rede, die nach den Gesezen der Spaltungen des Lichts sich richten mussten, ob nun zu Einer Production nur Ein Pla- net oder deren mehre gehören, wie es oh- ne Zweifel mit Ceres und Pallas der Fall ist, ist für eine Sonne, zu der sich diese nur wie kleine Kügelchen zu einer millio- nenmal grössern Masse verhalten, natür- lich gleichgültig. III. III. Grundfigur. Ellipse — Schwere (Verbrennen) — Wasser. Ueber das lezte ist es unnöthig ein Wort zu sagen; jedermann wird es als die Indifferenz der Erde und der Luft ansehen; wie jene die Pole der ersten Stuffe sind, auf und in denen alles Uebrige der Erde ruht, so gehört auch das Wasser zur ersten Pro- duction der Natur, und zwar, da es Synthe- se ist, zu derjenigen, die alle andere Thä- tigkeit vermittelt, selbst die obgleich pri- mare Erde kann nicht einen einzigen Pro- cess ohne Wasser beginnen, in ihre eignen Krystalle muss sie es aufnehmen, eben so wohnt es der Luft als Wassersäure (Saur- stoffgas) bei, um dadurch ihren Processen Leben einzuhauchen. Daher ist der Saur- stoff das Allesvermittelnde der Natur, da- her steht er dem Verbrennen, dem Ath- men, dem Verkalken vor, welches alles bei weitem keine Lichtprocesse, sondern wahre Processe dieser Grundfigur, der Schwere, des Wassers sind. Wird die Linie als Weltfunction be- trachtet, so sind alle Weltkörper nur nach Ei- Einer Richtung geworfen, in der sie ins Unendliche fortströmen, nach dem Kreise aber sind sie umgelenkt um ein Centrum, wodurch diese beiden Tendenzen der Welt- körper nothwendig zur Ellipse ausschlagen, in der die Bewegung nach der Linie sowohl als die nach dem Kreise, durch die Zwei- heit der Focus erhalten ist, und daher in dieser Naturfigur die Schwerkraft hervor- tritt. Das Wasser ist das Materiale der Schwer- kraft oder die materialgewordene Schwer- kraft selbst, und daher gebe ich dieser auf ihrer Stuffe dasselbe Verhältniss zum Was- ser, wie der Cohäsion zur Erde, dem Ma- gnetismus zum Metall etc. Das Wasser oder das Formlose, Synthetische der ganzen materialen Natur ist nothwendig die Ein- heit des Gewichtes, was auch die Physiker zu allen Zeiten erhannt haben. Das Wasserbilden ist bekanntlich der Verbrennungsprocess, und jedes Verbren- nen ist ein Wasserwerden, daher sucht die Natur, insofern sie in der Form dieser Fi- gur thätig ist, alles in Wasser zu verwan- deln, deln. Die Verkalkung der Metalle, das Athmen etc. sind daher wahre Wasserpro- cesse, Hydrogenationen in unserm Sinne. Das Wasserbilden kann ganz getroffen der Respirationsprocess der Natur genannt werden. Der Verbrennungsprocess ist gänzlich verschieden vom Feuerprocess, der dem vorigen Momente, der Luft angehört, denn das Verkalken, Athmen, sind auch Ver- brennen ohne Feuer. Der Verbrennungs- process ist ein synthetischer und kein polarer wie Cohäsion und Feuer. Das Saurstoffgas ist durch Säureprincip begeistetes Wasser, wie schon Priestley dar- gethan; das Säureprincip selbst aber ist das Phenomen der Schwerkraft, wie Licht das Phenomen der Centralaction der Sonne, wie die Richtung nach Norden das des Magne- tismus, wie Abstossen und Anziehen das des Electrismus sind. Das Säurende ist da- her durchaus nichts Materiales — es giebt überall keinen Saurstoff im Sinne der Chy- miker — dieser ist wahre Wassersäure, nem- lich Wasser durch Schwere begeistet, Was- ser ser in der Bedeutung eines Weltphenomens, wie Licht und Wärme das Weltphenomen der Luft sind; die Schwere ist das Erhalten- de und Zerstörende, das Ursynthetische Weltprincip, eben so der Schwerestoff, die Wassersäure. Man nennt in der Chymie alle Pro- cesse, worin die innere Form eines Kör- pers geändert wird, chymische, aber ganz wider alle Begriffe des wahren Chymismus, der keine allgemeine Auflösungsfunction der Materie, sondern nur, wie sich zeigen wird, ein ganz einfacher, specifischer Na- turabschnitt, wie Feuer, Oxydation, Ma- gnetismus etc. ist. Der Oxydationsprocess ist ganz und gar kein chymischer, viel- mehr geht er allen chymischen direct vor- her, wie es das Auflösen der Metalle in Säuren beweist; ganz sicher müssen sich auch die Erden vor der Auflösung in Säu- ren oxydiren, obgleich dieses noch nicht wahrgenommen ist. Das Ausgedehntwer- den der Körper durch Wärme ist absolut keine chymische Action; die erhizten Kör- per verbrennen aber deswegen schneller, weil sie der Schwere heterogener werden. Dass Dass blos diese Heterogeneität und nicht die Ausgedehntheit durch die Hize an der leichtern Oxydation Schuld ist, beweist der Diamant, der als die starreste Erde, eben weil er diese, folglich der indifferen- ten Schwere am excessivsten entgegenge- sezt ist, unter allen Erden, die doch viel mehr ausgedehnt sind, allein verbrennlich ist. Das Verquiken der Metalle, das Verer- zen durch Schwefel ist kein chymischer Process, so wenig als die Verbindung der Kohlensäure mit den Erden. Wie jene Verbindungen wechselseitige Tödtungen wegen der Entgegengeseztheit sind, so tödtet auch die Kohlensäure die Aezkraft der Erden: dieses sind alles Folgen der Verbindung heterogener Grundfiguren, wo- mit der Chymismus nicht das Geringste zu thun hat. Eben so wenig ist der Oxydationspro- cess weder ein expandirender noch contra- hirender zu nennen, er steht zwischen bei- den und hindert als Schwerkraft so wohl die Luft vor zu grosser Expansion, als die Erden vor zu grosser Starrheit. Der Saur- Saurstoff contrahirt ja die Luft zu Wasser oder Salpetersäure daher diese sehr be- stimmt Hydras nitrogenii, die Luft Hy- dris nitrogenii, das Wasser aber Hydras hy- drogenii genennt werden könnte) — wie er den Diamanten zu Luft verflüchtigt, oder die Metalle zu Staub zerschlägt: die Metalloxyde sind Hydrates de métaux inso- fern Sauerstoff begeistetes Wasser ist. Ich könnte über diese Figur noch vieles sagen, wenn ich nicht vorzüglich das organische weitläuftiger darzustellen trachtete, zu diesem Zwecke ist das Ge- sagte genug, und ich kann jezt mit mehr Zuversicht als beim Anfang mit Lvcretivs sagen: Quod superest. ne Te in promissis plura moremur, Principio Maria ac Terras Coelumqué tuere. C II. II. Stuffe . 1. Figur. Parabel — Magnetismus — Metall. Die Metalle sind die secundaren Er- den = Erden 2 , sie sind nur zwischen die- se als geringe Massen eingesprengt, und so zu sagen erst aus ihnen ausgeschieden — sie sind reducirte Erden im höheren Sinne. Diese Homologeität ist auffallend bei dem Vergleichen der Metallkalke mit den Er- den, und selbst oft treten sich ihre Ge- wichte ziemlich nahe, obgleich man streng sagen kann, keine Erde ist fünfmal schwerer als das Urgewicht, das Wasser, aber wohl jedes Metall. Die Erden als vorherrschend allem Verbrennungsprocess, nud von ihm ent- fernt durch die Luft, welche zunächst in diesen greift, und daher mit ihm in Con- flict geräth, wiederstehen diesem standhaft; die Metalle, obgleich in dieselbe Reihe ge- hö- hörend, sind schon unterjocht, verkalken sich aber doch meistens langsam und mit Schwierigkeit, daher sie im Ganzen un- endlich weit von dem Wasserstoff und Schwefel entfernt stehen. Die Cohäsion ist bei ihnen nicht mehr auf eine unbiegsame, gerade Linie be- schränkt wie bei den Erden; sie lassen sich durch Dehnbarkeit, Strekbarkeit etc. schon dem Kreise näher bringen, auch ist ihre Krystallisation nicht mehr so scharf und linig wie bei den Erden, sie verzweigen sich mehr in Flächen, und sind eben we- gen dieser mindern Starrheit nicht mehr durchsichtig, sondern meistens dem Lichte homogener, daher das mannichfaltige Far- benspiel ihrer Oxyde, Erze und selbst der Könige: der Glanz aber ist vollkommenes Zurükwerfen des Lichts, wie bei den wei- ssen Erden nur mit dem Unterschiede, dass dieses Phenomen zwischen zwei schief entgegengesezten Functionen statt findet; es ist ein Mangel des dynamischen Verhältnisses zum Lichte, daher ein me- chanisches Zurückwerfen desselben, der Glanz ist für die Metalle das, was die C 2 wei- weisse Farbe für die Erden ist, er ist me- tallisches Weiss. Die Lage, welche Eisenfeilspäne um einen Magnet annehmen, ist deutlich pa- rabolisch. Diese Form findet sich selbst im Erdmagnetismus wieder, wo von Nor- den nach Süden ein Schenkel über Asien Borneo etc., der andere über Amerika läuft. Es ist zu bemerken, dass gerade da, wo diese Linien ohne Abweichung der Magnetnadel laufen, die beiden Erdconti- nente liegen. Beim Zuge der Vögel wer- de ich wieder darauf zurückkommen. Die Metalle dürfen schlechterdings nicht nach dem Princip der Linie geord- net werden; denn sie sind ja keine Erden, sie sind ja nicht die materialisirte Linie der Natur. Die hierüber gemachten Versuche zeigen auch deutlich durch ihr Misslingen, dass sie nach einem andern Geseze gestellt sein wollen, denn Eisen und Queksilber, Gold, Platin, Silber, Kupfer, Blei, Arsenik etc. liegen keinesweges zwischen zwei Po- len einer Linie. Die Eigenschaften der Parabel lassen sich in den Metallreihen nicht nicht verkennen, da im Eisen offenbar die Linie, die Achse vorzugsweise, im Quek- silber der Focus, in den andern Metallen die Schenkel nachgebildet sind. Daher ist Queksilber das Centrale aller Metalle, wie es die Alchymisten schon als Merkurial- wasser mit tiefem Sinne erkannten, und dennoch behauptet das Eisen als die starre Achse die Mitte der Metalle. Sie sind alle Metamorphosen des Queksilbers: Das Ei- sen selbst ist das erstarrte, aber ohne alle Differenzirung erstarre Queksilber, es ist Hydrargyras martis, und so können sie auch Metamorphosen des Eisens heissen. Wenn ich die Metalle die herauf ge- stiegenen oder die reducirten Erden nenne, so ist es nicht zu verstehen, als wenn die- se sich wirklich durch einen Process in Metalle verwandeln liessen. Diese Ver- wandlung ist nur bei der Urverwandlung, bei der ersten Schöpfung geschehen, und geschieht nimmermehr, so wenig als die Linie sich wirklich in Parabel umändert. Aus der Idee der Mathematik löst sich Li- nie und Parabel, jedes als eine eigne Func- tion los, ebenso in der Natur Erden, Me- tal- talle, Luft, Schwefel, doch aber so, dass sie deutlich Erstarrungen Einer Function sind, die bei ihrer ersten Production Erde, bei der zweiten Metall hervorbrachte, die entgegengesezte Function war zuerst Luft, was in ihr übrig blieb, schied sich als Schwefel und endlich als Pflanze aus. II Figur. Hyperbel — Electrismus — Schwefel. Dass Schwefel als idiolectrischer Kör- per mit allen seinen Modificationen der Erdharze, der materiale Repräsentant des Electrismus ist, bedarf wohl keines Bewei- ses, ebenso wenig, dass er den entgegen- gesezten Pol der Metalle bildet, die er wo es ihm nur möglich ist, nicht durch chy- mische, sondern durch electrische Action gänzlich tödtet, wie im Kupferkies, Eisen- kies, Zinober etc. und eben daher in die homologe Reihe mit der Luft fällt, nur aber als secundare Materie dieser Reihe als Luft 2 , da er nicht mehr so rein den Raum als das Expansivste, wie die Luft darstellt, aber es gleich wohl durch seine Flüchtigkeit zu erreichen sucht, auch nur eine den drei drei Hauptmassen, Erden, Luft, Wasser untergeordnete Masse ist, die ihre Wirk- samkeit mittels dieser erhält. Ich weise wieder zurück auf das Lei- ten der Wärme und des Lichts, und glau- be jenen Säzen noch dadurch Kraft zu geben, dass eben der Schwefel als das Gleiche des Electrismus gegen diesen sich als absoluter Nichtleiter verhält, weil er durch und durch selbst der erstarrte Elec- trismus ist, dagegen sind die entgegenge- sezten Metalle die vorzüglichsten Leiter dieser Function, wie sie es mit ihren Er- den auch der Wärme sind. Es ist merkwürdig dass der Schwefel sich der gelben Farbe bedient, um die Stuffe seiner Existenz darzustellen, und mithin in Bezug auf die homologe Luft, die mit der blauen Farbe gegen das Periphe- rische neigt, sich dem Rothen, dem star- reren Farbenpole nähert, zwischen welche Farben dann sich die Pflanze, als das Dritte der Luft und des Schwefels, mit dem die Indifferenz bildenden Grün sezt. Wie Wie das Feuer eine innere Heteroge- neität ist, so auch der Electrismus; nur ist es dieser als eine Action der zweiten Stuffe weniger innig, seine Pole heben sich nothwendig stärker heraus, sie sind gleich der Hyperbel immer getrennt, ob- schon vereinigt, und in diesem endlosen Einigen und Trennen besteht diese Func- tion. Auch für sie ist die Luft ein Nicht- leiter, weil sie zu gleicher Reihe gehört, und eben so der Schwefel für Licht und Wärme. Das Wasser aber behauptet auch hier seine Indifferenz, doch ist es des Elec- trismus empfänglicher als der metallischen Action, oder des Magnetismus. Dieser ist bekanntlich nur lebendig in der starren Welt, der Electrismus aber gleich dem Lichte und der Wärme überall da, wo die Starrheit zur Flüchtigkeit sollicitirt wird, aber eigenthümlich in Materien der zwei- ten Stuffe. Ich sage nichts mehr ûber Electrismus, da Schelling ihm seine Stelle in der Walt wie dem Magnetismus und Chymismus schon lange angewiesen und nun Ritter seine Entgegengeseztheit mit dem Magnetismus vollkommen bewährt hat. Die Die Inflammabilien dürfen nun wie- der nicht nach der blossen Linie einge- theilt, oder gar zu andern Hauptmaterien geworfen werden, da sie erwiesen einen ganz eignen Naturabschnitt bilden, nemlich den electrischen, der denselben Werth und dieselbe Eigenthümlichkeit hat als der magnetische, der phlogistische oder Luft-, der cohäsive oder Erd-Process . Die In- flammabilien müssen nach den Theilen der Hyperbel, deren Abbilder sie sind, einge- theilt werden. III. Figur. Eiform — Chymismus — Salz. Diese Function ist die zweite Synthe- se der Natur, die Schwereaction auf der zweiten Stuffe, das Salz ist das Wasser 2 . Wie dieses die Erden und die Luften be- herrscht, so das Salz zunächst Metalle und Schwefel, und eben daher auch die untern Erden. Wasser und Salz, oder Meerwasser, ist das Generalagens der Natur; durch dieses sind alle Processe vermittelt, die Erde er- hält hält und erneuert sich in ihm, und giebt ihm seine unbrauchbar gewordenen Stoffe zurük. Der Chymismus ist der wahre Verdauungsprocess der Natur. Es ist oben schon berührt worden, dass viele Formänderungen der Materie mit dem Namen des chymischen Proces- ses belegt werden, welches aber blos da- her kömmt, dass die Functionen der Na- tur noch nie klar erkannt und von einan- der geschieden wurden. Hier, wo der Chymismus seine wahre Stelle erhalten, wo er als eine einzelne , obgleich totale Grundfunction charakterisirt ist, leuchtet es von selbst ein, dass so genannte Auflö- sungen in Wasser, wie Gummen, Erden, etc. oder Harze in Weingeist, nichts mit dem Chymismus gemein haben. Der Repräsentant der Salze überhaupt ist das gemeine Kochsalz; es ist nicht nur das allgemeine Verdauungsmittel des Thier- reichs, sondern auch das am allgemeinsten verbreitete, und ein wesentlicher Bestand- theil des Meers, welche Mischung in die grosse Oekonomie der Natur gehörend, an kleine keine zufällige Anflösung einer Sandbank durch das Meerwasser denken lässt, um so weniger, so bald der Chymismus als ein Weltphenomen gleich dem Magnetismus, Electrismus etc. aufgefasst wird. Die Salzsäure ist daher das Ideal der Säuren, die reinste Erhebung des Wassers zur chymischen Stuffe, ebendaher ihre Un- bändigkeit in der Zerlegung und die Un- gewissheit, in der sie die Chymie über ih- re Bestandtheile lässt, obschon sie die- selben hie und da als Wasserstoff erbliken liess, was sie auch gemäss der Reihe in der sie liegt, als höheres Wasser sicher ent- hält, um in der Sprache der französischen Chymie zu reden, aber im wahren Sinne so gut einfach als das Wasser, nemlich ein Erdelement ist, nur wird sie nach Verschiedenheit der Begeistung bald auf diesen bald auf jenen Pol ge- bracht werden können, wie sie denn wirk- lich den Chymisten schon Metall in Hän- den liess; es ist nicht unmöglich die Zeit noch zu erleben, wo sie auch Schwefel darinn werden gefunden haben. Da Da diese Säure das Princip aller Säu- ren ist, so können diese nur Muriaten von ihr sein. So kann man im höhern Sinne die Schwefelsäure allerdings Murias sul- phuris nennen, so die Stikstoffsäure statt Hydras, Murias nitrogenii etc., denn alle sind ja nur Metamorphosen der Salzsäure. Das Wasser selbst ist eine Murias auf der untersten Stuffe. Mit dieser Figur der Mathesis ist das lezte Element der Erde gefunden. Sechs Elemente hat die Natur in sich hervorge- bracht, und sechs Grundqualitäten hat sie an diese Elemente gebunden. Jede Function ist eine eigne Qualität der Welt, jede Qualität hat sich aber in eine eigne Materie gebildet, daher ist Wesen und Zahl der Materien auch Wesen und Zahl der Qualitäten; diese sind nicht von der Materie verschieden, nichts ihr blos von der Fremde her eingepflanztes, sie hat kei- ne Qualität, sondern sie ist Qualität; diese kann nicht entzogen werden, ohne die Ma- terie selbst zu verwandeln, Qualität und Materie und Function und Figur sind eins. III. III. Stuffe . I. Figur. Konus — Galvanismus — Korall. Wir besinden uns nun in einer Welt, in der alle sechs Elementaractionen sich vereinigen, um ein gemeinschaftliches Product hervorzubringen, das aber, unge- achtet dieser Totalität . doch die Functio- nen der Starrheit am vortrefflichsten in sich ausgebildet trägt, die Erdigkeit und Metallität sind daher der Hauptcharakter dieser Naturaction, aber beide sind doch nur thätig im Conflicte mit allen übrigen, deswegen ist diese Function begleitet von Licht und Wärme, von Electricität, vom Chymismus und nothwendig auch vom magnetischen Processe, obgleich noch nicht bemerkt; sie erstikt, wenn ihr die Luft entzogen wird, ebenso ohne Wasser — diese Action nennen wir Galvanismus . Er Er ist also auch eine allgemeine und eigne Naturaction, wie Electrismus und Chymismus, er fällt in eine polare Reihe, nemlich in die positive, und ist so die Cohäsions- oder magnetische Action auf der dritten Stuffe, vermittelt durch die andern Actionen, besonders durch den Chymismus. Auf dieser Ansicht beruht die voltaische Säule, sie steht höher als Electrismus und selbst als der Chymismus, und erhält ihre grösste Energie durch Erbauung aus Me- tallen. So bald sich die sechs Grundactionen der Natur auf eine totale, innere Weise vereinigt haben, ist beständige Thätigkeit in ihnen, und zwar in ununterbrochener Kette — eine solche Synthese der Natur ist ein Organismus . Ritter hat es bewie- sen, dass ein beständiger Galvanismus den Lebensprocess begleite, auch umgekehrt liess es sich bewei s en, dass der Lebenspro- cess nichts als ein beständiger Galvanismus sei. Wir sind daher mit dieser Figur zu der organischen Welt aufgestiegen, und hie- hiemit beginnt nun eigentlich unser Ge- schäft. Es ist klar dass eine einzelne Naturac- tion, wie die vorhergehenden sind, keine lebendige Action im Kreise hervorbringen könne, da ja eine solche nothwendig das Wechselspiel der andern erfordert, daher sind eben so nothwendig die verflossenen Figuren Schemate von unorganischen Ma- terien, und eben so klar sieht man nun ein, dass es deren nur sechs gehen kann, nemlich dreimal zwei, weil zwei allein keinen Kreis bilden und nicht organisch sein können; so bald aber die Welt mit den drei Reihen, mit der positiven, nega- tiven und der synthetischen zur dritten Stuffe gestiegen ist, wo jede Reihe ihr drit- tes, eine Kette bildendes Glied erhält, so beginnt der Puls, und das Leben ist auch im Individuellen erschaffen, da zuvor nur der Weltorganismus lebendig war; der or- ganisirte Leib ist das Leben der einzelnen Leben. Ieder Organismus ist eine Nachbildung des Gesammtorganismus der Natur, aber nur der der synthetische ist das getreueste Gleich- bild, denn der auf der positiven Reihe ist zwar auch Nachbild, was Organität über- haupt betrifft, aber dieses nur mit dem Uebergewichte der Starrheit; so muss es einen Organismus geben mit dem Ueber- gewichte der Negativität, der Anticohärenz, welches, wie wir schon anticipirt haben, die Pflanze ist; der synthetische Organismus endlich ist der der Thierheit. Das Vorbild dieses Naturmomentes ist eine Triplicität, nemlich zweier heteroge- ner Metalle und der Flüssigkeit; ebenso ist die materiale Production dieses Moments, die Welt der Korallen auf die Dreiheit gebaut; jeder Korallenstamm besteht aus einer Triplicität der Stoffe, aus abwech- selnden Lagen von Kalch, Horn und Gal- lerte, in welcher die galvanische Action al- lein durch Bewegung kann sichtbar wer- den. Dieses dritte synthetische Glied des Koralls heisst gewöhnlich Polyp oder Ko- rallenblüte — ein Korallenstamm ist eine lebendige galvanische Säule. Die- Diese galvanischen Organisationen ent- sprechen vollkommen der Reihe der Starrheit, sie sind als Erde 3 kaum vom Tode losgewundene Steine, ja ihr Fuss coin cidirt noch selbst mit diesem Reiche; ewig in dieses festgewurzelt erheben sie sich in konischen Plattenpaaren durch- strömt vom Galvanismus der Natur, wel- cher das Bewegliche in ihnen vorzüglich belebt. Die Korallenblüten sind ganz und gar keine Thiere, auch keine Pflanzen, sondern nur der Repräsentant der Flüssig- keit in der galvanischen Säule, welche aber mittels der galvanischen Action ver- mögend sind, sich zu verlängern und zu verkürzen, andere Materien, Nahrung mit sich zu vereinigen, sich in mehre Theile, Körner etc. zu spalten, und so wieder das flüssige Zwischenglied eines andern galvanischen Stammes zu werden. Dieses ist die ganze Fortpflanzungs- weise der ersten Organismen, ein blosses Trennen ihrer selbst; denn wie sollte in ihnen Begattung möglich sein? da sie ja selbst nur Ein Pol der Organisation sind, folglich den andern gar nicht kennen, D die- dieser auch wirklich nicht in sie eingreift, wodurch doch alle Begattung erst mög- lich wird, ja diese selbst ist nichts anders als die Synthese der Hauptpole der Na- tur — kein polarer Organismus kann sich daher begatten und in der Welt der Ko- rallen oder der Polypen giebt es nirgends etwas Aehnliches. Da diese gallertartige Substanz die gal- vanische Flüssigkeit, mithin das Syntheti- sche der Polypenwelt ist, aus dem diese sich immer ersezet, aus der wieder ein ganzer Korallenstamm emporwächst, da ferner diese Organisation die erste der Na- tur ist, und sie sich folglich zu den fol- genden Organisationen verhält, wie die Erden zu der übrigen unorganischen Welt, nemlich als Entstehungsprincip für alle unorganische Materien; so ist auch diese gallertartige, körnige Substanz das Ur aller Organismen — wie das Unorganische aus der Erde entstand, so das Organische aus der Erde der dritten Stuffe, aus der galvanischen Erde. Die Die körnichte Masse der Poly- pen, oder wie wir es auch mit Ein- willigung der Naturforscher nennen kön- nen, die infusoriale Masse ist das Ur aller Begattung, sie geht aller nothwendig vorher, sie selbst ist in aller organischen Entstehung das Materiale, welches sich in die organischen Gebilde metamorphosirt, welches die unorganischen Massen der Er- den, Luften, des Wassers, der Metalle, der Schwefle und der Salze sammelt und sie zwingt, sich zum organischen Stamm zu ordnen, den sie dann als das rein Leben- dige bewohnt, freilich, nach Verschieden- heit der Reihe, auf der das Gebäude steht, bald als Korall, bald als Pflanze, und endlich wenn sie sich zur Mitte zu arbeiten vermochte, als Thier. Von diesen ersten Organisationen der positiven Reihe der Natur muss alle Zeu- gungstheorie ausgehen, und so die Zeu- gung der beschränkten, individuellen An- sicht entreissen, und sie zu einem gene- ralen Weltphenomen erheben, zu dem schon in der ersten Production der Ma- terie die Anstalten getroffen worden, um D 2 durch durch Erden und Metalle zu dem Uror- ganismus zu gelangen, von dem die Na- tur endlich, obgleich er nur einen Pol re- präsentirt, doch durch Potenzirung der entgegengesezten Reihe, der Luft und des Schwefels zu der höchsten Production des Geschlechtes, welches nur in der Syn- these beider Pole möglich ist, emporsteigt. Wie die Welt verfahren habe, wie sie ihre männlichen Geschlechtstheile durch Erde, Metall zu Korall, ihre weiblichen durch Luft, Schwefel zu Pflanze, und so beide zum synthetischen Thier, das als der einzige Zwitter beide Welten männ- liche und weibliche in sich trägt, erho- ben, habe ich in meiner Schrift über die Zeugung ausführlich gezeigt, und überge- he es daher hier billig, zufrieden damit, dass ich die Stelle angegeben habe, auf der dieses Naturphenomeu beginnt. Der Ausdruk, die Erde und das Me- tall sind aufgestiegsn zu Korall, behauptet so wenig, die Erde als solche habe sich wirklich in das Korall verwandelt, als er oben behauptete, sie sei zu Metall, oder die die Luft zu Schwefel geworden, wo ich doch mit vollem Rechte sagte, das Metall ist die höhere Erde, und die Luft ist der herabgesunkene Schwefel; ebenso sage ich nun mit vollem Rechte, die organische Welt ist die über sich gehobene unorgani- sche, die Korallenwelt ist die Synthese des Metalls und der Erde etc.; alles ist im philosophischen Sinne zu nehmen, und dann jedem höchst verständlich. Wer chy- misch die Erde im Metall oder die Luft im Schwefel suchen wollte, würde sie freilich nicht finden, und daher diese Be- hauptungen für falsch halten, in welchem Sinne sie es allerdings sind, aber nicht in dem Sinne, in dem die Alchymisten be- haupteten, das Queksilber sei das Radicale aller Metalle, zu dem keine Chymie mehr reicht. Die Korallen sind wahrhaft weder Thiere noch Pflanzen, ihre äussern Bede- kungen so wohl als ihre innersten Einge- weide sind versteinert, ihre lebende Natur täuscht eben deswegen mit thierischem und pflanzlichem Colorite, weil sie unter beide erniedrigt, weil sie der Anfangspunkt der der organischen Massen sind, und daher den Keim zu Pflanzen und Thieren, ich möchte mit den Evolutionisten sagen, ein- geschachtelt in sich pflegen. Es ist beina- he unbegreiflieh , dass man die Polypen vorzüglich deswegen für Thiere hält, weil sie sogenannte willkübrliche Bewegungen äussern, als wenn die Bewegung nicht vor aller Idee der Thierheit entstände, als wenn sie nicht grade eben das wäre, was das eigentlich Unthierische in der Natur ist, als wenn sie nicht Phenomen der starren, polaren Reihe wäre, und eben deswegen hervorbrechen muss, wo die bei- den starren Elemente sich vereinigen, und ebenda unterdrükt sein muss, wo der Or- ganismus dem (galvanischen) Bewegungs- process der Natur entgegensteht, wie es in den Pflanzen ist. Ihr Uebergehen in die Pflanzenwelt erweist sich am unwidersprechlichsten beim Entstehen der Tremellen, bei dem Wechsel der priestleyischen grünen Mate- rie bald in Infusorien, bald in Kryptoga- men. Diese sind so wenig Pflanzen, als die Infusorien Thiere, aber den schon ent- entschiedenen Uebergangspunkt in Pflan- zen bezeichnen sie allerdings, und sind eben daher keine Kryptogamen, sondern wahre Agamisten. Da das Infusorium in seiner vollende- ten Existenz als Korall auftritt, und die- ses als eine Triplicität der Functionen und Materien besteht, welche sich als Kreislauf ausdrükt, so sehen wir hier schon zum Vorans , dass das, was in den spätern vorkommenden Organisationen als Kreislauf wird ausgebildet werden, ei- gentlich ein Nachbild des Synthetischen dieser Naturfunction, der Korallenwelt ist. Diese sind das erste Lebendige der Natur nur durch den Kreislauf, daher wird die- ser in allen Organisationen das Lebendige vorzugsweise, und wie Akermann gezeigt hat, unabhängig von den andern Systemen sein, und wegen seiner Erstheit allen ü- brigen als das Ernährende zu Grunde liegen. Das Flüssige hat keine eigne selbst- ständige Form, es wird nur durch das Fe- ste getragen, dieses aber, als einen Orga- nis- nismus mit dem Flüssigen bildend, ist nothwendig Gefäss; daher fangt jede Or- ganisation mit dem Gefässbau an, ver- mittelt durch erdische und metallische Action. Das Metall ist die secundare Erde, es ist in diese wie eingegossen, da es nur nach einer bestimmten Richtung, nach der mag- netischen projicirt ist, die Erde aber ist das Universale aller Materien, die nur durch sie Haltung und Stelle erhalten, sie ist das Behältniss aller Materien, daher ist sie es auch in den organischen Reichen, dem getreuen Nachbilde des grossen Na- turreichs. Gemäss der Erdaction erhält der Organismus seine Begränzuug , seine Bedekung, gemäss der Metallaction sein determinirtes starres System, und gemäss der galvanischen Function, oder dem ei- gentlich Synthetischen der Korallenwelt, das Gefässsystem. Bedekendes, starres und Gefässsystem liegen also auf der positiven Seite der Natur, diese hat aber in sich das Princip der Zeit, der Bewegung, daher werden auch die die drei genannten Systeme im Organischen die eigentlichen Organe der Bewegung sein, und nun wird man einsehen, dass die Bewegung die Polypen nicht zu Thie- ren stempelt. Die Bewegung ist nothwendig durch das Synthetische vermittelt; das Gefässsy- stem ist daher das primare Bewegungssy- stem, das starre aber und das bedekende sind das secundare, man kann auch jenes das active, dieses das passive nennen. Es wird sich erst später ganz deutlich zeigeu , dass das männliche Geschlecht die positive Reihe der Natur in sich repräsen- tirt, das weibliche die negative, wir kön- nen daher die Korallenwelt im genauesten Sinne die männliche Organisation nennen, und so fängt aller Organismus, ja selbst alle Natur mit der Männlichkeit an. „Das männliche Geschlecht ist durch die ganze Natur das belebende oder zeugende. Dem weiblichen ist das Geschäft der Pflanze, die Ausbildung durch den höhern Cohä- sionsprocess übertragen”. Die Die Vermehrung der Polypen ist da- her als eine bloss männliche Function auf- zufassen; sie zerfallen in einzelne Punkte, ein wahres Zerfliessen des männlichen Samens in mehrere Theile, wo jeder schon für sich das Synthetische des Orga- nismus repräsentirt, und daher das Unor- ganische sich aneignet, um so wieder ein Polypenstamm zu werden. Die Infusorien sind daher der Samen für alle Organisatio- nen, und ohne sie kann keine hervorge- bracht werden. Nach derselben Ansicht sind Bedekung, festes und Gefässsystem die männlichen Or- gane; diese werden daher in dem männ- lichen Geschlechte vorzugsweise ausgewirkt sein, hingegen im weiblichen müssen sie von den Organen der negativen, expan- siven Reihe beherrscht werden. II. II. Figur. Sphære — Vegetatismus — Pflanze. Wie die Korallenwelt nur ruhet auf Erde und Metall, so diese auf Luft und Schwefel; alle Processe der Pflanze sind entweder Luft Licht-Wärme- oder elec- trische Processe, denn Pflanze = Licht 3 oder Schwefel 2 . Die Organe der ersten Action sind die Oberflächen, die der lez- ten aber die Blätter als die tafelförmigen Electrophore, die jede electrische Verände- rung der Natur aufs genaneste anzeigen, die Synthese endlich, welche der Gallerte der Korallen entspricht, sind die Blüten; sie gehen durch alle Differenzen des Lichts und vermitteln die Vermehrung der Pflanzen vorzugsweise. Obgleich die Pflanze ganz der Luft hin- gegeben ist, und sie in unaufhörlichen Luftprocessen, in Einsaugungen und Aus- dünstuugen Leben erhält, so ist sie doch als Organismus der negativen Reihe ge- gründet auf die Erde, als das Erste der Materie, und daher in diese festgewurzelt, wodurch sie alle Selbstständigkeit verloren, im- immer nur durch fremde Influenz wirksam sein kann. Das Korall ist zwar auch an die Erde gefesselt, aber diese ist ihm nicht eine fremde Welt, es ist ja die Erde selbst, nur zum Organismus gesteigert, da hingegen die Pflanze die organisirte Luft ist. Die Pflanze ist ganz weibliche Natur; ist nun von selbst klar, da sie das Entge- gengesezte der Polypen, des Positiven, des ursprünglich Activen ist. Wenn sie in der Blüte männliche Organe zeigt, ge- schieht es auch blos wegen der Unselbst- ständigkeit dieser Naturreihe, die selbst, um nur auf weibliche Art wirken zu kön- nen, die Influeuz der Infusorien nöthig hat; die Stanbfäden sind daher nur in so- fern in der Pflanze, insofern das Negative ohne Positives nicht bestehen kann, inso- fern der Diameter zum Wesen des Kreises nothwendig ist, Wegen dieser Fremdheit werden auch die männlichen Geschlechts- theile der Pflanzen sogleich abgeworfen, so- bald sie die weiblichen in Action gesezt haben, und nun ist die Pflanze in der Sa- men- menkapsel ein durchaus weiblicher Orga- nismus. Vom ersten Regen an ist die Natur schon wahrhaft doppeltes Geschlecht, aber sie ist es immer getrennt, und erst in dem Korall und in der Pflanze gelingt es ihr, wenigstens die Factoren Eines Ge- schlechtscharakters zu vereinigen, bis es ihr endlich erst im Thiere ganz gelingt, beide Geschlechter selbst auf Einen Stamm zu pfropfen. Weiter kann die Natur nichts mehr hervorbringen, da sie ja die höchste Synthese hervorgebracht hat, und keine Materien mehr enthält zu neuen Synthe- sen, aber auch weiter zurük kann sie nicht gehen, als auf zwei Factoren des Geschlechts; so von den Korallen zu Me- tall und Erde, von den Pflanzen zu Schwefel und Luft, denn so bald zwei solcher Factoren vereinigt sind, ist ein Ge- schlecht, ist ein Organismus da: lägen vor den Erden und der Luft noch mehr Na- turmomente, so müssten sie ja selbst schon Synthesen sein, und so wäre die Luft schon der weibliche Organismus, folglich die Pflanze, und mithin das dieser orga- ni- nischen Luft zu Grunde Liegende schlecht- hin nichts anders, als die eigentliche Luft und der Schwefel. Es giebt daher absolut nur sechs unorganische Naturmomente, und ebenso nothwendig nur drei organi- sche, da ja ihre erste Vereinigung schon Organismus ist, die Synthesirung aber nur drei Richtungen zulässt, die männliche, weibliche und einen Zwitter. Wie in der Luft und im Schwefel das Feuer seine Arbeitsstätte hat, so wieder in den Pflanzen; wie jene so sind aueh diese Nichtleiter, und zwar für Wärme wie für Licht sehr vollkommen, denn die grüne Farbe ist die totale Ruhe, die Mitte aller Lichtaction; dasselbe gilt von der Electri- cität. Insofern die Pflanze der Luft und der Erde hingegeben ist, kömmt ihr eine Func- tion der Oberfläche, der Rinde, der Haut zu; die Hantfunction ist daher die erste in der weiblichen Reihe; Insofern sie der Electricität nachgebildet ist, hat sie beson- ders den Blätterbau, der nothwendig von der Function der Rinde verschieden ist; die die Synthese beider aber entspricht dem Kreislauf der Korallen, ist folglich das Ge- fässsystem, aber da der Pflanzencharakter der entgsgengesezte des Galvanismus ist, und dieser nur in geschlossener Kette wirkt, so konnte das Gefässsystem der Pflan- zen nicht ein in sich selbst zurükkehren- des sein, sondern nur mit fremden Polen, mit Luft und Erde einen Galvanismus bilden. Nirgends zeigt sich die Feindschaft des Galvanismus und der Pflanzen auf- fallender, als wenn eine der leztern in die Kette der voltaischen Säule gebracht wird; ihr Wachsthum gewinnt dadurch nicht nur nicht an Energie, sondern nimmt so- gar eine umgekehrte Richtung, indem der Vegetationsprocess direct gehemmt wird: Freilich sind die Versuche noch nicht mit der gehörigen Abwechslung gemacht, dass man diesen Gegensaz in der Erfahrung für constant annehmen könnte. Man kann füglich das Kreislaufsystem der Pflanzen ein Lymphsystem nennen, da nir- gends für dieses ein Centralorgan ist, welches ihm galvanische Natur mittheilte, es ist daher ewig vergebens in den Pflanzen ein Herz zu suchen, da dieses als ein Attribut des Gal- Galvanismus nothwendig verschwindet, wo er zerstört ist. In den Pflanzen haben wir nun wie- der drei Systeme, das Haut-Blat- und Lymphsystem. Das erste ist das direct Heterologe der Bedekung, das zweite des starren Systems, das dritte endlich des Kreislaufs. Da der Charakter des Lymph- systems ein secundarer, ein weiblicher ist, so folgt unmittelbar, dass es nicht das Ge- schäft der Reproduction über sich hat, was sich in der Folge noch deutlicher zeigen wird. Die Pflanzen sind es auch gerade, welche, freilich gegen die allgemein ange- nommene Meinung, nicht eine Spur von Reproduction zeigen, denn ein abgeschnit- tener Theil, sei es Blatt, Zweig, Blüte oder was ihr wollt, stellt sich nimmermehr her. Ein Fortwachsen sind sie, aber kein Reproduciren irgend eines ver- lezten Theils, statt dessen treiben andere Schösslinge hervor. Die Eintheilung der Pflanzen kann nicht zunächst von den Geschlechtstheilen ausgehen, sie muss sich vorzüglich auf die die Blüte und Blätter legen; im Ganzen aber sind alle Pflanzen nur Metamorpho- sen der Syngenesie hier ist vereinigt, was in den andern zerfallen blüht; die Bedeu- tung der Fünfzahl, den Pflanzen so unab- änderlich heilig, muss auch noch in der Mathesis ihre Auflösung finden, sie liegt ohne Zweifel unter dem aus Pentagonen bestehenden Dodekaeder, als der krystal- lisirten Sphäre, verborgen. Wir haben nun vier organische Func- tionen nachgewiesen, welche den vier un- organi schen, polaren vollkommen entspre- chen, die beiden synthetischen aber sind schon der organischen Welt eigenthümlich, der Kreislauf dem Korall, das Lymphsy- stem der Pflanze. Es fehlt uns nur noch ein Organis- mus, der die Function des Wassers und des Salzes nebst ihrer Synthese aufweist, dieser aber kann, wie begreiflich, nur ein synthetischer sein. E III. III. Figur. Synthese des Konus mit der Sphære, Animslismus — Thier. Diese Function ist die Synthese des Koralls und der Pflanze und mithin der ganzen Natur. Es muss sich daher alles in ihr wiederholen, was wir bisher als po- lare oder als indifferente Function gefun- den haben. Sie ist die höchste, lezte Blüte der Welt, sie sieht, indem sie sich er- blikt, die vereinten Glieder der Natur, und indem sie diese sieht, erblikt sie ewig nur sich selbst zerlegt. Eigenthümliche Systeme müssen sein, Bedekung, starre Organe, Kreislauf, dann Haut, electrisches Organ und Lymphsystem, zu diesen müssen noch kommen der Pro- cess der Wasserbildung (Schwereprocess), der Chymismus und ihre Synthese, so dass diese neunte Function durch neun Grund- systeme vollendet, über aller Natur, über allen einzelnen Systemen erhoben steht — dieser Organismus heisst Thier. Eh Eh ich weiter gehe, muss ich auf das Ideale des Thiers aufmerksam machen. Ich habe gezeigt, dass allen Hauptmate- rien der Natur ein eigner Geist vorsteht, der sich bei den Erden als Cohäsion, bei der Luft als Feuer, beim Wasser als Schwe- re, beim Metall als Magnetismus, beim Schwefel als Electrismus, und beim Salz als Chymismus offenbaret, ja selbst in dem ersten Momente der organischen Welt sa- hen wir die über dem Korall thronende Naturthätigkeit als Galvanismus; in den Pflanzen habe ich zwar das geistige Phe- nomen der Pflanzenwelt Vegetatismus ge- nannt, aber ich muss es noch als Problem stehen lassen, welches diese eigne der Pflanzenwelt entsprechende Naturthätig- keit sei, indessen bin ich durch die Wis- senschaft fest überzeugt, dass eine solche müsse vorhanden sein, aber in der Erfah- rung finde ich durchaus keine Belege da- zu, und selbst nicht einmal eine Aeusse- rung, wodurch man auf den Gedanken, eine solche Action zu vermuthen, kommen könnte. Mögen daher die Pflanzenphy- siologen darauf bedacht sein, dieses Phe- nomen aufzufinden. E 2 Bei Bei dem Thiere aber halt ich dafür, dass der Mesmerismus (der unrecht und ungerecht sogenannte thierische Magne- tismus) dieser Geist sei, welcher als Ani- malismus über dem Thierreiche schwebt wie der Magnetismus über den Metallen, und die bisher so geheimnissvollen Pheno- mene bei Mensschen nnd Thieren, wo- hin ich vorzüglich den Trieb der Zugvö- gel und der Zugfische, und den Trieb zum Win terschlaf rechne, hervorbringt. Es hebt sich aus der Stelle, die das Thier in der Welt einnimmt, von selbst heraus, dass es beide Geschlechter zugleich in sich trage, da es die Synthese der männ- lichen Korallen und der weiblichen Pflan- zen ist; auch ist die Frage gelöst, warum das Geschlecht an zwei Individuen geknüpft sei, denn es ist ja nichts anders als die durch die ganze Natur greifende Zweiheit, ja der Anfang der Natur selbst ist schon getrenntes Geschlecht, nur getrennter je unorganischer sie ist. Der Act der Begat- tung ist daher die höchste Synthese der Natur als Geschlecht, und existirt nur im thierischen Organismus, der allein beide Ge- Geschlechter unter Einer Form, obgleich diese zerspalten, vereinigt, und daher der alleinige Zwitter im philosophischen Sin- ne ist. Die Geschlechtsfunction ist keine po- lare, sondern eine wahrhaft totale, die das ganze Thier in sich fasst, aber doch ist sie nicht die höchste Synthese des Thiers, da sie immer und ihrem Wesen nach an zwei gesonderte Organe gebun- den ist; sie ist die Totalität des Thier- reichs , oder die Totalität des Thiers- in der Differenz , wie das Thier selbst die höchste Totalität in der Identität sein wird. Jene Totalität in der Diffe- renz oder die Indifferenz ist die ob- verse Identität des Thiers. Die Begattung ist der höchste synthe- tische Act des Thierreichs, in dem männ- liches und weibliches Princip zu Einem Individuum werden. Ich glaube zeigen zu können, dass die sogenannten Ovula in den weiblichen Hoden nicht die ge- ringste Analogie mit den Eiern der Vögel haben, dass das Amnion und Chorion nicht nicht die präexistirenden Häutchen dieser Eier seien, dass nach dem Begattungsacte zuerst die Vesicula umbilicalis und die Al- lantois entstehen, nach diesen Chorion und Amnion, dass aus der Vesicula umbili- calis die Därme hervorwachsen, aus der Allantois der Urachus, die Harnblase, die Nierendrüsen und Nieren, dass durch die- se Organe die erste Ernährung des Embryo vermittelt sei, dass mithin im strengsten Sinne der Emcryo erst nach den Hüllen entstehe, dass er wahrhaft aus der Nabel- schnur hervorgewachsen, dass er nur eine Verlängerung, Erweiterung, Krystallisirung dieser sei, dass endlich der Verdauungs- process als Vesicula umbilicalis, der Ath- mungsprocess als Placenta uterina zuerst und ausserhalb des Embryo vorhanden, und dessen Entstehung allein durch diese beiden Processe möglich sei; so sind die Synthesen der Natur, Magen und Lunge die ersten Organe des Embryo, die aber abgeworfen werden, so bald die Processe in dem nun gebildeten Embryo selbst möglich sind. Wir Wir haben nun die Systeme im Thie- re nachzuweisen, was nach dem Voraus- geschikten nicht mehr schwer sein kann, da wenigstens die polaren zum Theil ge- nannt sind. I. I. Stuffe . 1. Function. Reflex der Erde — Bedekung. Der Repräsentant der Erde, der Rinde des Koralls, ist die Bedekung. In allen Thieren ist diese deutlich als vollkommene Erde ausgewirkt; die Röhre der Würme, die Schale der Schneken, das Horn der Insecten, die Schuppen der Fische, die Federn der Vögel, die Haare und das Ober- häutchen der Säugthiere, welches nach chymischer Analyse, nicht ohne Ueberra- schung des Eintresfens der Natur mit un- serm Systeme, ganz aus derselben hornarti- gen Masse, wie die Schuppen etc. be- steht, sind laute Beweise für diesen Saz. Wenn die Materia medica eine wis- senschaftliche Bedeutung erhalten soll, so müssen die Pharmaka sich in so viele spe- cifische Klassen theilen, als Materien in der der Natur, und als Functionen im Thier- reiche gefunden werden. Da aber alle Sy- steme des Thiers Reflexe der unorganischen find, so muss es nothwendig für jedes System ein homologes Pharmakon geben, welches wir Specificum nennen wollen. Diejeni- gen Materien, welche dem Vorbilde eines organischen Systems entgegengesezt sind, müssen es auch diesem selbst sein; sie können in dieser Hinsicht Antidota ge- nennet werden. Es zeigt sich daher, dass die Naturphilosophie nicht, wie viele, die we- der ihren Geist noch ihre einzelnen Glie- der kennen, ihr voreilig zur Last legen wollen, die Arzneimittellehre auf wenige Mittel reducire, da sie vielmehr gegen den Willen der ihr feindlich entgegengesez- ten Meinung, weder bei der Brownischen Zweiheit, noch bei irgend einer chymi- schen Eintheilung stehen bleibt, sondern mit Ueberzeugung die von allen Zeiten, vorzüglich aber von dem weisen Alterthum, erkannten Specifica und Antidota hervor- rust, ihnen aber eine Anordnung giebt, welche mit der Gliederung der organischen und unorganischen Systeme zusammenfällt, und nicht von äussern zufälligen Aehn- lich- lichkeiten, worinn gewisse Materien in Farbe, Form. Härte, u. dergl. mit Orga- nen des Thiers übereinkommen, welches nur die ersten Spielereien der Wissenschaft waren, hergenommen sind. Als die gleichen Pharmaka für das Be- dekungssystem der Thiere, müssen nach unserer Ansicht die Erden gesezt werden, in die gleiche Reihe fallen die Metalle als das zweite, und die Korallen als das dritte Specificum, endlich dasjenige, was in den Pflanzen und den Thieren als Er- digkeit zurükgeblieben. Diese Pharmaka sind homogen mit dieser Function, und werden ihr daher, je nachdem sie ein nä- heres oder ferneres Specificum sind, mehr oder minder Energie geben, aber immer erhöht jedes dieser Mittel ihre Thätigkeit. Das erste Antidotum ist die Luft, das zweite der Schwefel, das dritte das Pflanz- liche in der Pflanze. Diese, werden der Energie dieses Organs entgegenwirken, sie werden es zur Thätigkeit, zum Widerstand aufreizen, ohne ihm selbst einen Zuschuss von Kraft zu geben. II. II. Function. Reflex der Luft — Haut. Das Nachbild der Luft, der Rinde der Pflanze ist die Haut, als das Ausdün- stungsorgan des Organismns; es bedarf keines Beweises, da diese hinlänglich als solches bekannt ist. In dem Hautorgan ge- hen vorzüglich, die Wärme- und Electrici- tätsprocesse, wie auch die des Vegetatis- mus vor sich, sie ist durchaus ein Luft- organ. Das gleiche Pharmakon ist Licht, Wärme und Luft, das gleichliegende zweite die Electricität und der Schwefel, das dritte das Pflanzliche in der Pflanze, auch äthe- rische Oele, milde Oele, Harze, Kampfer, etc., die ungleichen entgegengesezten sind Erden. Metalle etc. Was die Metalle auf die Haut vermögen, ist jedem Arzte be- kannt, so wie andererseits die Wirkungen des Schwefels, der Schwefelbäder etc. auf dieselbe. Die Hautkrankheiten, welche durch Metalle, als Zink-Braunstein-Quek- silber- Wismuth- Oxyde geheilt werden. müssen müssen aus luxurirender Hautfunction ent- sprungen sein, die aber, welche durch schwefelartige Arzneien gehoben werden, müssen von unterdrükter Hautfunction entstanden sein. III. Function. Reflex des Wassers — Lunge. Hier entsteht nun ein Organ, das noch in keinem der vorigen Organismen gefun- den wurde, es ist das Gleichbild des Schwere-Oxydations Wasserprocesses, aber auch so deutlich als solcher dargestellt, dass man beim ersten Blike erräth, es ist die Lunge. Diese ist daher das erste synthetische und auch das erste eigentlich thierische Organ, weder Pflanzen noch Korallen ha- ben diesen Process, da sie vielmehr die entgegengesezten in sich auszubilden su- chen. Er ist Repräsentant des ausgebrei- tetsten, thätigsten Processes der Natur, durch den, wie wir sahen, alle Actionen hindurch gehen müssten; daher ist auch das Athmen der Hauptprocess der Thiere, und und ohne es steht der ganze Organismu- still, da kein Galvanismus ohne Flüssigkeit möglich, und doch der Wasserbildungspro- cess im Athmen zu einem Thierischen po- tenzirt ist. Das Athmen ist kein polarer oder Luftprocess, wie man sich etwa denken möchte, denn das Säureprincip, welches die Luft begeistet, ist wahrhaft ein Synthe- tisches, und nur der Geist des Wassers: dieser ist es auch ohne Zweifel ganz allein, welcher ans Blut tritt, und keineswe- ges der sogenannte Sauerstoff oder die Wassersäure selbst, denn die Luftver- minderung während des Athmens kann nebst dem, dass sie noch lange nicht er- wiesen ist, sehr wohl daher kommen, weil sie durch die Entgeistung in einen andern Schwere- und Cohäsione-Zustand versezt wird, daher der Rükstand Stikgas, als die des Säure- oder Schwereprincips beraubte Luft, und Kohlensäure, als wahrscheinli- ches Product des Athmens, ist. Das Stikgas wird daher nicht in den Athmungsprocess aufgenommen, da es nur durch diesen erzeugt , erst nachdem das Athmen vor- über ist, Stikgas ist. Ver- Versuche an Thieren und Erfahrungen der Chymie über das arteriale und venose Blut beweisen schon für sich, dass das Herz eine doppelte Erregbarkeit besize, dass das linke Herz nur von arterialem, das rechte nur von venosem Blute zu Contractionen ge- reizt werden könne. Die beiden verwach- senen Herzen, sind wahrhaft zwei galvani- sche Platten, wovon jede einen entgegen- gesezten Pol repräsentirt: das rechte Herz als die Zinkplatte, kann daher nicht durch arteriales, das linke als die Silberplatte, nicht durch venoses Blut erregt werden, am widersprechenden aber ist ein Herz, in dem beide Blutmassen sich vereinigen müss- ten, wie es die Anatomen und Physiolo- gen von dem Herzen der Amphibien glau- ben, obgleich unter allen man nur den Bau des Herzens der Schildkröten erträg- lich kennt, bei den andern aber, als Frö- schen, Schlangen, Eidechsen, man darum auf eine einzige Herzkammer schloss, weil die Zusammenziehungen bei lebendig ge- öffneten nur eine solche einfache Höhle zeigten. Eine genauere Anatomie, und eine genauere Beobachtung des Kreislaufs dieser Thiese, wird uns eines Bessern be- leh- lehren, wozu Plumier schon so vielver- sprechende Thatsachen geliefert hat. Die Pharmaka der Lunge sind Sauer- stoff, Wasser, Salze, und die diesen ent- sprechenden vegetabilischen und thierischen Substanzen, als Gummen, schwache Säu- ren, etc. daher ohne Zweifel die Sehnsucht der Lungensüchtigen nach säuerlichem Ge- tränke, daher der stärkere Durst bei ver- mehrter Lungenaction etc. Die Antidota sind die Erden und die Luften, auch Metalle und Schwefel, doch sind diese alle nnr schiefe Entgegensezun- gen, da der Oxydationsprocess eine Syn- these ist. Wasserstoffgas, Kohlensäure zer- stören den Respirationsprocess, Schwefel beengt das Athmen, droht Erstiken etc. II. II. Stuffe . IV. Function. Reflex des Metalls — Knochen. Das Nachbild der Metalle, des Kerns der Korallen ist das Knochensystem; seine bestimmte magnetische Form, sein Krystal- lisirtsein im Innern, wo es von der erdigen Bedekung umgeben ist, sprechen genug dafür. Wie die Bedekungen, die Röhren, Schalen, Panzer noch ins Weite sich ver- aufen, so sind die Knochen schon ganz von determinirter Figur und metallischer Geschmeidigkeit, da sie die zweite Stuffe der Erden abbilden: daher ist es nur un- eigentlch gesprochen, dass die niedern Thierklassen, wie Würme, Schneken und Insecten, ihr Knochensystem nach Aussen hätten, denn was man bei ihnen ein äus- seres Knochensystem nennt, ist nichts we- niger als dieses, sondern das wahrhaft er- dige Bedekungssystem — die Knochen sind sind in allen Thieren, wo sie sind, nach Innen angeschossen = Bedekung 2 . Auf ihnen ruhet das ganze System der weichen Organe des Thiers, sie geben den Thieren die Totalform, welche sich vor- züglich in symmetrischer Anordnung aus- prägt. Die gleichen Pharmaka der Knochen sind die Metalle, die entfernten die Er- den etc., die Antidota sind Schwefel, Luft etc. V. Function. Reflex des Schwefels — Leber. Das Gleichbild des Schwefels, des Electrismus, der Blattfunction ist im Thier- reiche nicht so leicht nachzuweisen; ich nehme die Leber als das gallabsondernde System dafür an, und gebe indessen zu Gründen, die Galle, welche sich offenbar an die Inflammabilien durch ihre Bestand- theile, durch ihre Harzigkeit, und selbst durch die Inflammabilität des sogenannten F Gall- Gallstoffes anschliesst, folglich ein Product von electrischer Natur ist; dann die Ho- mogeneität der Leber mit der Haut, welche sich auffallend in der Gelbsucht, und eben so in der Fettproduction, einem offenba- ren Hautprocess erweist, da nach Himly’s Un- tersuchungen die Leber fetter Menschen und Thiere eine ähnliche Metamorphose zu Fett, wie die Haut zu erleiden scheint; nun gehört aber doch ohne Zweifel Fett unter die Rubrik der Oele, folglich der Inflammabilien, deren Ideal Schwefel ist. Die Gallenruhren nach Hauterkältungen bei grosser Hize sprechen auch für eine sehr nahe Verwandschaft dieser Organe, und endlich die Wirkung der Pharmaka, wo die Inflammabilien, die doch zur elec- trischen Reihe gehören, als ätherische Oele etc., so auffallend auf die Leber wir- ken, dagegen die Metalle, als Mercuria- lien, Antimonialien, ihre wahren Antidota sind, worüber wir zuversichtlich durch die Metallversuche, welche Marcus anstellt, in den Jahrbüchern der Medicin mehr Licht erhalten werden. Später aber wird es sich aus dem totalen Durchgreifen dieses Or- gans in derjenigen Thierklasse, welche vor- zugs- zugsweise diese Stelle in der Natur einnimmt, augenscheinlicher zeigen, dass die Leber = Haut 2 ist. Die Specifica sind Inflammabilien, ver- brennliche Luftarten und ihre Homologa. Die Antitoda ergeben sich von selbst. VI. Function. Reflex des Salzes — Magen. Das entsprechende System des Chymis- mus, der Salze sind ohne Anstand die Ver- dauungsorgane. Der Magensaft verhält sich ganz und gar zum Organismus, wie die Salze, wie das Meerwasser zu den übrigen Materien der Natur, nemlich als auflösen- des, zerstörendes, tödtendes Medium. Wie der Chymismus das Synthetische, und da- her der durchgreifende Process auf der zweiten Stuffe ist, so auch die Verdauung. Durch sie bemächtigt sich der Organis- mus der fremden Natur, und zwingt sie in seinen eignen Dienst zu treten, sie ver- F 2 bin- bindet sich mit dem Athmen, mit dem Oxydationsprocesse, und unter der Leitung dieser beiden geschieht alles, was in dem Thier als blossem Organismus vorgeht. Der Assimilationsprocess ist anfänglich ein blos chymischer, alle Qualitäten der Spei- sen zerfliessen in die Qualität des Magen- saftes, doch ist aber diese Auflösung, un- geachtet sie unter der Function des thieri- schen Chymismus steht, immer auf der Seite der Weltmaterien, auf der die Spei- sen vor ihrem Verschluken waren, so wie eine Goldauflösung auch in ihrer durch- sichtigsten Klarheit immer aufgelöstes Gold und nicht Blei oder Erde in diesem Zu- stande ist. Sobald der Chylus dem Blute übergeben ist, verwandelt sich der chymi- sirende Process in den der Oxydation, und so sind es diese beiden homologen, syn- thetischen Processe, durch die das Thier wie die unorganische Natur erhalten wird: Ernähren aber ist fortgesetztes Erzeugen, daher wird ein Licht auf obige Behaup- tung znrükgeworfen, dass der Embryo ur- sprünglich aus dem in der That vor ihm existirenden Verdauungs- und Athmungs- processe hervorgebracht werde, An An den Verdauungsprocess schliesst sich an die Action der Milz, und der Harn- werkzeuge; da der Magen die aufgestiege- ne Lunge, die Lunge 2 ist, so hat ihn der Oxydationsprocess wegen der chymischen Function des Magensaftes begleitet, und diese Oxydation, dieses Athmen des Magens ist vermittelt durch die Milz. Diese ist die Lunge des Magens oder der Magen selbst, in- dem er noch Lungenfunction hat. Die Milz- krankheiten sind daher wahre Lungen- krankheiten, und wirken auch auf den Organismus eben so, indem sie die Schwind- sucht hervorbringen. Ohne Zweifel hängt in sehr vielen Fällen Dispepsie, Ructus, Vomitus etc. von unterbrochener oder auch vor zu starker Athmung des Magens durch die Milz ab, und häufig sind die soge- nannten reinen Fieber Phenomene der so treffend genannten, aber noch unmerkli- chen Phthisis lienalis ; die Fieber- rinde scheint homolog mit der Milz zu sein. Die Milz scheint nur in denjenigen Thieren vorhanden, welche nach Entste- hung der Lunge geformt sind, und ener- gi- gischer in denen, die nicht in die Rei- he des Athmungsprocesses fallen, also in den Vögeln, Fischen und Säugethieren; bei den Amphibien ist sie noch im Streit, da einige die am Gekrös hängende Drüse für Pankreas, andere für Milz halten, wenn aber die Milz den Oxydationspro- cess des Magens unterhält, so muss sie auch an diesem hängen, oder wenigstens durch Gefässe an ihn reichen, dieses habe ich aber nicht an der Gekrösdrüse der Am- phibien gefunden, und keine Zeichnung spricht dafür; zudem ist die Milz in allen Thieren in der Nähe des Magens und com- municirt mit ihm durch Gefässe. Nebst dieser Gekrösdrüse aber ist noch ein ander- res Organ in mehren Amphibien, wel- ches theils an dem Magen, theils an den Därmen festklebt, dieses könnte wohl die Stelle der Milz vertreten, aber in jedem Falle ist sie verhältnissmässig klein, daher der Magen der Amphibien, als die zweite Potenz des Oxydationsprocesses, diesen grösstentheils in sich aufgenommen zu ha- ben scheint, und so eine Verkleinerung der Milz ertragen kann. Auch ist dieses da- durch plausibel, dass der Speichel schon so so viele tödtende Kraft besizt, die ihn ei- ner fernern starken Oxydation überhebt. Mit den Nieren ist es einigermassen der umgekehrte Fall. Sie sind selbst als das Ende des Magenprocesses auch eine synthetische Function, und zwar, wie im Magen die auflösende Thätigkeit ist, so ist in den Nieren die präcipitirende, jene So- lutio , diese Praecipitatio . Nieren- action und Nierenkrankheiten sind daher homolog der Verdauungsaction und ihren Abstuffungen, wie aber hier der anfangen- de Chymismus leidet, so dort der endende. Wenn die Salze die Specifica des Magens sind, so müssen sie es auch für die Nie- ren sein, aber in jedem Falle sind dieje- nigen, welche dem Fällungsprocesse des Herns parallel gehen, andere als die, wel- che die Verdauung erigiren. Wie sich Verdauen und Athmen paral- lel gehen, so auch Knochen und Bedekungs- system, welches sich erst in der Folge auf- fallend zeigen wird; je mehr diese heraus- gehoben, desto unterdrükter die Hautfun- ction. Auch Leber und Haut sind sich pa- parallel, besonders in den Thieren, welche der Leber oder der Haut nachgebildet sind. Die Salze sind nun als verdauungsbe- fördernde Mittel bekannt, da sie homolog mit dem Magen sind. Die Metalle aber Erden, Schwefel und Licht sind die Fein- de derselben; er sucht sie zu tilgen, da- her weken sie ihn zur Thätigkeit auf, aber machen ihn nicht energischer. Was die Alten so Wohlthätiges in den Salzen für den Magen sahen, muss, ungeachtet des abschrökenden Missbrauchs, der wegen zu grosser Quantität damit getrieben wurde, wieder zur Sprache gebracht werden. Na- türlich wird der Magen durch zu viel Salz geschwächt weil es ihn zu viel Ma- gensaft abzusondern zwingt, und ihn so erschöpft. Aber müssen denn die Salze immer lothweise gegeben werden? Ihr heilt doch mit Kali aceticum , wenn ihr mässig damit seid, die Wassersucht ganz gegen eine Theorie; ihr müsst selbst ge- stehen, dass die gedankenlos übertriebene Laxiermethode doch nicht so viel gescha- det hat, als das eben so gedankenlose Opium Eingeben; — dieses mit den Grün- den den der Wissenschaft verbunden wird die Salze in ihr altes Recht wieder einsezen, aber vorsichtiger mit Maas und Gewicht bezeichnet, als in verflossenen Zeiten. III. Stuffe . VII. Function. Reflex des Koralls — Kreislauf. Wir kommen nun zu den Organen der dritten Stuffe, welche eigentlich dem Korall und der Pflanze entsprechen. Das System, welches dem ersten nachgebildet ist, kennen wir schon als Kreislauf, als den wahren thierischen Galvanismus. In dem Kreislaufe liegt das Princip des Lebens für das Thier; das Herz ist der galvanische Konus, der durch seine heterogenen Platten als die beiden Herz- kammern, und durch das Blut in rastloser Thätigkeit erhalten wird. Die Herzkam- mern sind sich heterogen, wie die beiden Metallplatten der voltaischen Säule, und können daher nie durch denselben Reiz zur Contraction gebracht werden; venoses Blut kann nicht für die linke Kammer, ar- arterioses nicht für die rechte Reiz sein; daher kann es nicht nur kein Thier ge- ben, in dessen Herzen sich beiderlei Blut mischte, wie ich oben von den Amphibien erzählte, sondern auch nie einen Zustand irgend eines Thiers, wo dieses Statt fin- den sollte. Vom Fötus glauben viele, er habe im ganzen Körper gleichartiges stark des- oxydirtes Blut, das von allen Theilen in die rechte Vorkammer fliesse, um sich da zu mischen, wovon ein Theil durch das ovale Loch nach der linken Vorkammer dringe, und so beide Herzen durch einer- lei Reiz zur Contraction gebracht werden: aber so wenig als gleichartige Metalle die geringste Action hervorbringen, so wenig kann ein solches Herz in irgend einem Leibe sein, und eben so wenig kann ein Herz bestehen, in dem blos Blut von Ei- ner Natur vorhanden wäre, denn, wenn durch es auch eine Vorkammer zur Con- traction gezwungen würde, so müsste es gerade deswegen in der andern stokend den Kreislauf aufheben. Das Blut im Fötus muss daher nach allem, was nur die Physiologie und die Chymie je Ratio- nales herausgebracht haben, Säureprincip in in der Placenta aufnehmen, und mit die- sem nicht in die rechte Vorkammer, sondern, wie es auch die Anatomie lehrt, geradezu grösstentheils in die linke gehen, wo es als arterioses Blut diese arteriose Höhle reizt und so fortgeschafft wird; dagegen senkt sich das venose Blut aus der obern Hohl- ader allein die rechte Vorkammer, wodurch nur der Kreislauf begreiflich und möglich wird. Dasselbe muss in den Amphibien ge- schehen, und wenn es gleich wahr ist, dass alle Kammern in der Schildkröte durch Oeffnungen mit einander communiciren, so müssen diese Canäle so angebracht sein, dass durch sie doch keine Mischung des Blutes statt haben kann. Ich bin über- zeugt, wenn man in dieser Veraussezung ein Amphibienherz anatomirt, wird man die Canäle eben so finden, wie im Men- schen, wo die untere Hohlader im Fötus sich geradezu in die linke Vorkammer öff- net und in die rechte nur einen Seitenca- nal macht, wie ich es jedem in dem Her- zen der Embryonen augenscheinlich zeigen kann. Das Das Herz ist das Princip der Bewe- gung, das ganze System des Kreislaufs ist nichts als Bewegungssystem, daher sind die Muskeln der lezte Pol des Gefässsystems, der sich als actives Bewegungsorgan an die passiven Knochen und die passive Bedekung, wie Federn, Schuppen, Stacheln, Scha- len etc. anlegt, um mit diesen das ganze System der Bewegung, bestehend aus den Organen der Erd-, Metall- und Korall- function, zu vollenden. Das Blut ist das nothwendige Mittel- glied des thierischen Galvanismus, und obgleich Flüssigkeit doch wahrlich kein Wasser; es unorganisch nennen, heisst ge- rade soviel, als wenn man das Wasser noch unter das Unorganische herabsezen wollte, denn dieses ist das Mittelglied seiner Welt wie das Blut der organischen. Wer hat es denn je bewiesen, dass nur die feste Masse organisch sein könne? gesagt finde ich es wohl von hundert Stimmen, aber nichts weiter. Hat denn das Unorganisehe nicht auch eine bestimmte Structur, oder vielmehr, ist dieser starre Bau nicht eben das Unorganische an der Masse überhaupt? war- Warum bleibt man sich denn nicht conse- quent, und sagt auch, nur das Flüssige ist unorganisch, das Feste aber organisch? was in Bezug auf das Wasser und die Erde nothwendig gelten müsste. Weder das Feste ist organisirt, noch das Flüssige, bei- de mit einander können nur ein organi- sches Gebilde hervorbringen; wenn aber doch eines von beiden organisirt heissen soll, so ist es eher das flüssige Blut, als der starre Knochen, denn der Organismus ist synthetische Function. Da der Kreislauf auf der dritten Stuffe wieder die erste Function ist, so greifen nothwendig alle untergeordnete sechs Fun- ctionen in ihn ein, so das Verdauungssy- stem durch den Ductus thoracicus , das Oxydationssystem durch die Lunge, der Electrismus durch die Leber, die Luft durch die Vasa capillaria der Haut, die Knochen endlich, die Parallelen der Muskeln, als der magnetische Process, und die Bedekungen als die cohäsive Function ohnehin, da sie Integranten des Kreislau- fes sind. Der Der Kreislauf ist der Ernährungspro- cess, und zwar ist er es allein; denn er ist das erste organische System, entsprechend den Polypen, den Urorganismen, die das Princip aller Zeugung, folglich auch aller Ernährung, der Vergrösserung des Gezeug- ten sind. Das Blut enthält diese Uror- ganismen in seiner Mischung, und sezt sie überall da ab, wo es in den desoxydirten Zustand übergeht, nemlich in den Haarge- fässen; die Ernährung ist daher ein galva- nischer Process. Es gibt kein eignes Reproduc- tionssystem im Organismus, ja nicht einmal ist es eine eigne Function in ihm, am wenigsten kann es zur Synthese der organischen Thätigkeit, der Sensibilität und Irritabilität gemacht werden: — Reprodu- ction ist Vollendung des Kreislaufs, ver- möge der die bei dem Präcipitationsprocesse als edel zurükgebliebenen Materien an die Stelle derjenigen gesezt werden, die durch das Lymphsystem weggenommen wurden. Die Pharmaka des Kreislaufs sind das Erdische, Metallische, Polypenmasse, und die die diesen gleichenden Pflanzen- und thie- rischen Stoffe. Die Antidota geben sich von selbst. VIII. Function. Reflex der Pflanze — Lymphsystem. Diese Function ist das Nachbild der Pflanzen und schon oben als Lymphsystem aufgeführt. Es hat keinen geschlossenen Kreislauf, vielmehr greift es in das Blut- system ein, nnd endet, ohne in sich zu- rük zu kehren. Es ist das wahre Wurzel- system im Thiere, das einerseits in den Verdauungscanal, wie jenes in die Erde, andererseits in die Oberfläche der Haut, wie die Rinde der Pflanzen in die Luft, eingetaucht ist. Es ist in allem dem Kreislauf entge- gengesezt, nicht nur in der äussern Form als ungeschlossenes System, sondern selbst in seiner Action, da es nicht nur nicht die ernährenden Stoffe an die bestimmte Stelle führt, ausser in den Kreislauf, son- dern auch rastlos der Ernährung entgegen wir- wirkend, alles eingesaugt und zerstört, was das Blut angesezt hatte, aber eben darum den Tod der abgesezten Theile hindert, da sie zu lange der Aussenwelt ausgesezt, endlich dieser unterliegen müssten, wenn nicht immer an ihre Stelle neue gebracht würden. Dieses System kann nicht das reproductive genannt werden, da es gerade das umgekehrte der Reproduction ist, und diejenigen Thiere, deren Leib ganz von Lymphgefässen durchzogen ist, am allerwenigsten die abgeschnittenen Thei- le reproduciren, wie Fische und Insecten. Die Pharmaka des Lymphsystems sind Luft, Schwefel, ätherische und andere Oele etc. Antidota sind Erden, Metalle etc. IX. IX. Function. Reflex des Animalismus — Nervensystem. Dieses ist die höchste Synthese der or- ganischen Welt, sie ist das Charakteristische des Thierreichs, durch sie allein wird das Thier Thier, und was diese Synthese nicht in sich trägt, ist schlechterdings kein Thier, und was kein Thier ist, hat die Organe dieser Function schlechterdings nicht. Es bedarf auch keines nngewissen Suchens, um dieses Organ aller Organe als das Ner- vensystem, und so das Ende der Natur zu finden, alle seine Reflexe als eigenthümli- che Thiero rgane zu erkennen, und so die einzelnen Functionen des Nervensy- stems wieder zu charakterisiren und zu ord- nen. Als Totalsynthese der Natur hat dieses System nothwendig so viele Functionen und eigne Organe, als wir in der Natur selbst gefunden; wir gehen nun zur Nach- weisung derselben. Die nächsten Pole des Thiers sind Kreislauf und Lymphsystem, folglich zer- G fällt fällt es allerdings in drei Systeme, wovon das erste den Namen des irritablen, das dritte den des sensiblen behalten mag, aber an die Stelle des bisher sogenannten repro- ductiven muss das Lymphsystem als vegeta- tives gesezt werden. Wie wenig aber mit diesen dreien die Eintheilung des Organis- mus erschöpft sei, sieht jedermann, der unserer Construction bis hieher gefolgt ist; sie begreifen nemlich nur den Kreislauf, das lymphatische und nervose System, und wissen weder von einer Lunge, noch von Magen, Milz, Nieren, Leber etc.; über- haupt ist durch diese kaum der halbe Or- ganismus, und folglich gar nichts von ihm charaktcrisirt. Nach den genannten höchsten Syste- men theilen sich die Nerven in Bewegungs- und Lymphsystemsnerven, die ersten gehen zu den Bedekungen, Knochen und zu dem Gefässsystem, daher nothwendig zu den Muskeln, den Bündeln der feinsten Ge- fässe; die zweiten verlaufen sich zur Haut. Leber und zum Lymphsystem. Die zu den niedern Synthesen gehörenden Nerven ver- sorgen das System des Athmens, Verdauens, und und der, obgleich duplexen, doch synthe- tischen Geschlechtsverrichtungen, und so sind alle geordnet, welche zum blos Or- ganischen des Thiers gehören. Die Nerven sind nicht blos Eingriffe des Thierischen in das blos Organische desselben, sondern die Welt reflectirt sich auch im Thierischen als solchem , und insofern sind die Nerven Abdrüke von Actionen, wodurch die Welt sich nicht nur im Organismus schlechthin, sondern im Thierischen desselben wiedergebärt. Diese Naturfunctionen zu eigentlichen Thierfunctionen erhoben, heissen Sinne . Das Centralorgan des Nervensystems ist das Gehirn; als die höchste Synthese ist es homolog mit dem Magen und den Lungen, daher selbst nur diese beiden Organe ver- geistigt, in Form und Action noch kennt- lich erhalten. Wenn Gall ’s Entdekun- gen nicht ein einziges Verdienst hätten, als das, durch die Entwiklung des Hirns in ein sakförmiges Organ diesem Resultate der Wissenschaft sogleich die anatomische Nachweisung zu geben, so wäre dieses al- G 2 lein lein genug, seine weniger gelungenen Be- hauptungen aufzuwiegen, und diesem Ana- tomen Achtung wiederfahren zu lassen. Die Nerven der blos organischen Sy- steme haben so nothwendig ein Centralorgan, als die Nerven der eigentlich thierischen Functionen, ich nenne jenes das Hirn des Rumpfes, dieses das Hirn der Sinne. Je mehr die Sinne in einer Thierklasse hervortreten, desto mehr muss das Sinnen- hirn über das Rumpfhirn, sowohl in Masse, als Wirkung, dominiren, selbst in den In- dividuen gleicher Klassen wird das Sinnen- hirn beträchtlicher entwikelt sein, wo des- sen Functionen mehr in Uebung sind. Das Rumpfhirn ist das Cerebellum , das Sinnenhirn das Cerebrum: lässt sich vorzüglich an den Thieren demonstriren. Je mehr die Sinne zusammenschmelzen, je kraftloser die noch übrigen Spuren da- von sind, desto unbeträchtlicher ist die Masse des Cerebrum , desto voluminoser aber die des Cerebellum , ja in den nie- dersten Thierklassen ist so gar nichts, als das das Cerebellum nebst den Nervenfäden einiger Sinnorgane vorhanden. in den Würmen, Insecten und Schneken ist das Hirn von einem einzigen Ganglion gebil- det, von demaus Nerven zu allen organi- schen Theilen, und auch zu den vorhan- denen Sinnen gehen — es ist nichts als das Cerebellum . In den höher organi- sirten Thieren, wie im Vogel, Fische und Amphibion, tritt zwar das Cerebrum schon über das Cerebellum hervor, aber kaum beträgt es drei bis viermal mehr als das lezte, da es hingegen in den Säug- thieren viel grösser, ja wohl sechs, sieben, achtmal, und im Menschen neun, nach andern gar eilfmal mehr Masse enthält. Je mehr mithin die Organisation mit Sin- nesactionen versehen ist, desto mehr ist das kleine Gehirn zurükgedrängt; unter allen Thieren hat der Mensch das kleinste Cerebellum im Verhältniss zum Cere- brum . (Die Ausnahme, welche der Saï- miri (Simia sciurea) machen soll, muss durch mehre Zerlegungen geprüft werden). Da Da die Geschlechtsorgane zwar nicht zum Charakteristischen des Thiers gehören. sie aber die Totalität der Differenz der Organisation sind, mithin auch alle orga- nische Functionen in sich begreifen, so kann man das Hirn des Rumpfes das Hirn der Geschlechtsfunction nennen. Daher es allerdings wahr ist; je ausgebildeter das kleine Gehirn, desto mächtiger der Ge- schlechtstrieb, aber dieses vom Menschen ausgesprochen, als wenn er das entwikelt- ste Cerebellum in Bezug auf das Ce- rebrum hätte, ist grundfalsch, und wider- spricht der Thieranatomie aller Jahrhun- derte. In den Thieren ist das kleine Ge- hirn durchgängig überwiegend, und desto überwiegender, je niedriger das Thier in den Sinnen steht, daher auch der Ge- schlechtstrieb in ihnen heftiger als im Menschen, daher ihr ganzer Organismus nichts als Geschlechtstrieb, selbst der vor- handene Sinn ist ihm dienstbar und nur seiner wegen da, denn ist er befriediget, so haben sie ihren Endzwek erreicht und sind bereit, den Sinn nebst ihrem Leben abzulegen. Ein Ein hervorstehendes Hinterhaupt be- weist nicht nur nicht einen stärkeren Ge- schlechtstrieb, sondern caeteris pari- bus nothwendig das Gegentheil, indem es von einer grossen voluminosen Entwike- lung des Sinnenhirns zeugt, wodurch das kleinere Rumpfhirn zurükgedräugt wird. Es ist ja das Charakteristikon der Blödsinni- gen, einen flach abgeschnittenen Hinter- schädel, und doch dabei einen excessiven, wie zum Charakter gewordenen Geschlechts- trieb zu haben. Ihre Sinne sind bekannt- lich nicht entwikelt, das Cerebrum ist klein, deswegen bleibt das Cerebellum tief im Schädel ungestört liegen, und ist nun doch wegen der Niedrigkeit des Sin- nenorgans allein herrschend, obschon es das Hinterhaupt gar nicht herausdrükt. Die Geschlechtsfunction wurde oben erkannt als Totalität des Thiers in der Differenz, das Hirn ist die Totalität in der Identität, man kann daher die Geschlechts- theile sehr wohl das zerfallne Hirn, und dieses die verschmolzenen Geschlechtstheile nennen, oder da die Geschlechtsfunction der Ausdruk der Identität der Thierheit , die die Nervenfunction aber die Identität des individuellen Thiers ist, so sind die Geschlechtstheile das Hirn der Thierheit überhaupt, das Hirn des Individuums aber ist die identisch gewordene Geschlechts- function der Thierheit. “Wie die Pflanze in der Blüthe sich schliesst, so die ganze Erde im Gehirn des Menschen, welches die höchste Blüthe der ganzen organischen Metamorphose ist”. Es gibt blos sechs Naturfunctionen, die zu Thierfunctionen erhoben werden können. Daher gibt es auch nur sechs Sinne, und nothwendig sechs. Die Zahl dieser Sinne, ihre Stellung zu einander, und die streng darauf gegründete Einthei- lung der Thiere, wie ich es in meiner Uebersicht etc. der Theorie der Sinne dem Publicum vorgelegt habe, finde ich, ob- gleich nun seitdem mehre Jahre verflossen sind, in denen ich rastlos nach Berichtigung forschte, durch alle mir bekannt geworde- nen Erfahrungen bestättiget, so dass ich nun die folgende Darstellung nicht nur als der Wissenschaft gemäss, welche die Sinne als die höchsten Widerstralungen der Sinne des des Universums erkennt, sondern auch selbst die Subsumtion jedes einzelnen Sinnes, und jeder Thierklasse unter die vorgebildete Naturfunction, als durch die Erfahrung, so weit sie bis jezt reicht, durchgängig nachgewiesen, anzugeben mich im Stande sehe. I. I. Stuffe . I. Sinn . Cohæsion — Bedekung — Gefühl. Die Cohäsionsfunction der Natur im Nervensystem wiederholt, ist der Sinn für das Feste, für den Widerstand überhaupt. Er abstrahirt von aller Gestalt, welche nur eine kubische Bedeutung ist, und von al- len übrigen Eigenschaften der Materie; nur ihre Undurchdringlichkeit, der Grad ihrer Starrheit wird ihm zum Object. Es ist der Gefühlsinn, der mit dem Tastsinn nicht für eins zu halten ist. Dieser Sinn ist keinesweges gleich zu achten dem Ge- meingefühl ( Coenaesthesis ), das über den ganzen Körper verbreitet, nichts mit dem Charakter eines Sinnes gemein hat, sondern unter die Rubrik der Empfindung gehört nach der man auch Magenschmerz etc. wahrnimmt, ohne doch dergleichen Em- Empfindungen für Sinne halten zu können, was sie auch in der That nicht sind, so- bald es wahr ist, dass nur die Reflexe der unorganischen Welt, und nicht die Wahrnehmungen der eignen Zustände des Thiers, Sinne zu nennen sind. Dieser Sinn für die Cohäsionsfunction der Natur hat sich als eignes Organ constituirt in den Saugwarzen der Würme, in den Palpen der Insecten, im Rüssel der Säugthiere, des Elephanten, Schweins, Tapirs, Nil- pferdes etc., im Schnabel der Wasservö- gel etc., und endlich in den Lippen des Menschen. Sein Nerv ist bekanntlich ein grosser Theil des fünften Paars, und ei- gens stark ausgebildet in den Rüsselthie- ren, in den Aenten, und nach Blumen- bach im Ornithorhynchus. Ueber die Bedeutung seiner Verbindung mit dem Hör- nerven und mit dem sympathischen, kann hier nichts gesagt werden, ausser dass er in Bezug auf das letztere als erster Sinn allen thierischen Functionen zum Grunde liegt, wie die Erde den unorganischen. Mit dem Lippensinn öffnet sich die Mundhöhle, und daraus folgt nothwendig, dass dass Alles, was sich für ein Thier aus- gibt, eine Mundhöhle vorweisen muss, wenn es nicht soll ausgestossen werden, aber nicht umgekehrt folgt, dass die Poly- pen Thiere sind, weil sie eine einzige Oeffnung für die Ernährung haben, denn als Radix dieses Sinnes haben sie aus der- selben Ursache nur Eine Schlundöffnung, aus der die Pflanzen die Organe der Haut haben, nemlich beide sind die Vorbilder dieser Organe. Der geistige Charakter des Gefühlsin- nes scheint Stumpfheit zu sein, welche sich daher wohl da hervorthun wird, wo der diesem Nerven entsprechende Hirntheil voluminos ist: ob wulstige, hängende Lip- pen, als der externe Ausdruck dieses Sinn- organs, hieher gehören, will ich nicht entscheiden. II. II. Sinn . Feuer — Haut — Aug. Die Lichtfunction der Natnr im Ner- vensysteme abgemalt, ist das Auge. Dieses sieht überall nur Farben oder gefärbte Flä- chen, sonst ganz und gar nichts, alles an- dere ist für diesen Sinn schlechthin nicht in der Welt, nichts Kubisches, keine Dike der Körper, keinen Widerstand, keine Ent- fernung, keine chymische Aenderung etc. wird dem Auge zum Object; gefärbte Flä- chen sind ihm seine Körper, und gerne lässt es sich durch gemalte Kuben täu- schen, die Entfernung lernt es erst durch Bewegung kennen, und eben so den ge- malten Kubus vom wirklichen unterschei- den. Der Bau des Auges ist eine vor un- seren Augen geschehende Verwandlung des Lichtes zur organischen Form, er ist die höchste Organisirung der Haut (und der Le- ber), verbunden mit den unorganischen leitenden Krystallen und den indifferenten, ich sollte sagen, den electrischen, phos- phorischen, die höchste Galle darstellenden Flüssigkeiten, die eben so in bis aufs höch- ste ausgebildeten Häuten verschlossen liegen. Wie Wie das Licht des Universums, so sucht das Auge überall den unendlichen Raum zu messen und zu begränzen, es blikt starr die Sonne an, seine Mutter, und hat keine andere Welt, so lange diese in seiner Nähe ist. “Das Auge sucht seine Bilder in der unermesslichen Ferne, und braucht nur einen Augenblick, diese Ferne zu durchdringen, welch ungeheure Sphäre seiner Wirksamkeit!” Alles verkündet, dass das Auge nur das krystallisirte Licht sei. Der geistige Charakter des Auges ist Muth, Tapferkeit, Stolz, Verachtung. Das vollkommenste Auge muss mit dem Wesen des Kreises erscheinen. In den In- secten sind die Fasetten nicht vergeblich sechsseitig. “Nam talis est factus oculus, quia talis Mens (mathematica) est, non vi- cissim”. Und von hier aus, von der Idee des Kreises, des Lichts, der Luft, der electrischen Fläche, der Blume, der Haut und der Leber wird der Licht erhalten müssen, der es unternehmen will, das Or- gan des Lichtes als eignes so bestimmt pronuncirtes Gebilde zu construiren. III. III. Sinn . Schwere — Lunge — Tastsinn. In diesem findet sich die Schwerefunc- tion im Nervensystem befangen. Er ist das Organ für das Kubische der Natur, für das eigentlich Körperliche, oder für die Gestalt ; diese kann nur aufgefasst wer- den durch eine Bildung, die selbst eine kubische Form ist, mit dem Vermögen, diese Form beliebig nach den Formen der Körper zu ändern, das heisst, dieser Sinn muss selbst aus beweglichen Organen be- stehen. Die Finger können gegen einan- der alle Gestalten annehmen, und beson- ders ist der Daumen, der Radius in der Ellipse des Gravitationssystems so gestellt, dass er allzeit, wenn er mit den andern Fingern wirkt, einen körperlichen Raum einschliesst, daher ist dieses Sinnorgan das eigentlich formlose oder formwechselnde, wie das Wasser, indem es sich allen Ge- stalten anschmiegt; dieser gestaltwechselnde und daher gestalterkennende Sinn ist der Tastsinn. Durch diesen Charakter unterscheidet er sich hinlänglich von dem Gefühlsinn, der der nur den Widerstand ohne alle Form wahrnimmt: die Finger nehmen zwar auch den Widerstand wahr, aber nicht inso- fern sie tasten, sondern insofern sie über- haupt als körperliche Masse anstossen, und als thierische Masse empfinden, der Lip- pensinn aber “nous procure la plus déli- cieuse de toutes les sensations du tou- cher”, und lehrt die Rüsselthiere meistens allein ihre Speise erkennen, was ihnen mit dem Tastorgan, z. B. dem Elephanten, der Aente etc. nicht so leicht gelingt, und wenn auch, doch nur in anderer Rüksicht, oder wegen andern Eigenschaften der Speisen. Insofern wir mit den Fingern bloss Wider- stand auffassen, tasten wir nicht, dieses tritt erst ein, wenn wir in das Kubiselse des Körpers eindringen, wenn wir eine Vorstellung von seiner Gestalt, von seinem Attribut, das ihm gemäss der Schwere- function eingeprägt ist, haben wollen. Der geistige Charakter dieses Sinnes scheint Vorsichtigkeit, Prüfung, Bedächt- lichkeit zu sein. Die Die ausgesuchteste Form dieses Sinnes ist die elliptische, nicht nur die Umrisse der Hand, auch die der Finger sind nach dieser Figur gebildet, und wer die Natur des Tastorgans ergründen will, mag wohl am klügsten mit der Gravitation der Welt- körper, mit den Schellingisch-Kepplerschen Gesezen beginnen, von der Ellipse zu dem allgestaltigen, gravitirenden Wasser herab- steigen, das Salz und die Lunge befra- gen, um endlich die Finger als graviti- rende Radien der Weltellipse zu erkennen. H II. II. Stuffe . IV. Sinn. Magnetismus — Knochen — Ohr. Der Magnetismus oder die Starrheit der Natur widerhallt dem Thiere als Ge- hör. Dieses nimmt wahr das Streben der Körper, in ihrer Starrheit zu bleiben, die Form der magnetischen Action zu behaup- ten, welches Streben sich als Zittern äus- sert. Es ist daher der freier gewordne Ge- fühlsinn, der Gefühlsinn 2 , welcher den Widerstand der Körper selbst in der Ferne fühlt, und noch durch die Nervenverbin- dung beider nahe Verwandschaft beweist. Wie das Aug eine Lichtfunction, das Tasten eine Wiederholung der Schwere- action, mittels der die Sonne die Planeten wie mit Händen umfasst, so ist das Hören ein wahrer magnetischer Process, dessen Er- Erregung aus den Metallen übergeht in das metallische Ohr. Gleich dem Farbenbilde, welches die Lichtactiou auf die Retina wirft, wird ein magnetisches Farbenbild auf den Nervenbrei im Ohr geworfen, eben so re- flectirt sich die Schwere in der Hand, und alle Naturactionen auf ihren Sinnorganen. Das Hörorgan ist selbst aus starren Thei- len, sogar bei den niedersten Thieren zu- sammengesezt, und entspricht so als der einzige verknöcherte Sinn den Metallen, seinem Vorbilde aufs vollkommenste. Die eigentliche Welt des Tons ist in den Me- tallen lebendig, und so sind diese und das Ohr aufs genaueste für einander geschaffen. Dieser Sinn wirkt am stärksten beim Schlafe der übrigen Natur, besonders des Lichts; nur von unbestimmten Vorgängen der Welt, von ihrem rastlosen Bemühen, die Starrheit zu zerstören, und den hefti- gen Schlägen dieser in diesem Kampfe, dem Thiere Nachricht gebend, macht er Furcht zum Charakter des Hörsinns, und lässt sie da am stärksten wirken, wo er am meisten herrschend ist, wie in der Klasse der Vögel. Auch Geschwäzigkeit und alle H 2 Sym- Symptome der Muthlosigkeit scheinen hie- her zu gehören. Die Natur hat das Ohr nach den Re- geln der Parabel entworfen: Es ist sonder- bar, dass es eigentlich noch kein Physiker unternommen, das Hör- und Sprachrohr ganz allein nach der Form der Parabel zu construiren, da doch dieses selbst der ge- meinen Theorie des Schalls nach die na- türlichste Form ist. Die Organisation des Ohrs wird aber nur dann philosophisch be- griffen sein, wann alle einzelne Theile des- selben als Veredlungen der Metalle, der Ko- rallen, (der Bedekung) und der Knochen er- kannt sind, wann die Ohrmuschel als das parabolische Hörrohr, das Paukenfell als die parabelschliessende Ebne, die Pauke als die Wände, von der die Schallstralen als Radien gegen einen Focus, in dem viel- leicht die Retina der Scarpaischen Nerven- breisäkchen liegt, und wann die Bogen- gänge, Schneke etc, anf eine gleiche Weise nachgewiesen sind, wozu aber die Hoff- nung nicht sehr nahe liegt, da so selten ein mathematischer Kopf die nöthigen Kenntnisse der Thieranatomie, und der Anatom so selten die mathematischen besizt. V. V. Sinn . Electrismus — Leber — Nase. Die electrische Naturfunction wieder- kehrt in dem Nervensystem als Geruchsinn. Es ist überhaupt nicht schwer zu bewei- sen, dass der Geruch nicht durch das Me- chanische der Berührung ausge- dünsteter Theilchen hervorgebracht werde, weil sonst alles Geruch haben müsste, was in die Nase gezogen wird, dagegen be- kanntlich alle Materien gerochen werden, von denen es gewiss ist, dass sie vorzüg- lich electrisch sind, und diese Electricität der Luft mittheilen, die dann, heterogen mit unserer Nase electrisirt, diese in Thätig- keit versezt, wodurch sie so, wie das Auge die Stralen des Lichts, die empi- risch noch zu findenden electrischen Stralen der Körper wahrnimmt. Riechen ist der Ue- bergang der so wenig als das Licht nur in zwei specifische Actionen trennbaren, elec- trischen Processe der Natur in die Nase, welche durch ihre lamellenartige Form der feinste Electrometer geworden: Die Schnei- dersche Haut ist die Retina, worauf das electrische Farbenbild von den Natur- kör- körpern geworfen, und wo von dem Riech- nerven die gehrochne Electricität, wie vom Sehnerven das gebrochne Licht ange- schaut wird. Als das Aug 2 ist die Bedeu- tung der Verbindung der Ciliarnerven mit- tels des Ganglion lenticulare mit dem Riechorgan begreiflich; merkwürdig ist es aber, dass nur die Nebennerven der ho- mologen Sinne sich verbinden, wie der Maxillaris superior mit der Portio dura, die nebst einem Faden zum Säkchen eines Bogengangs nur die Paukensaite abgibt, und die Riechnerven nicht mit dem Seh- sondern nur mit den Ciliarnerven. Jedermann weiss, wie sehr der Kam- pher electrisch ist, so dass er auf Wasser geworfen, beständig angezogen und abge- stossen wird. Ebenso verhalten sich ande- re riechbare Substanzen, bei der Electrisir- maschine entsteht Geruch, ja selbst das blosse Reiben vieler Körper, von denen doch nichts ausdünsten kann, wie das Kupfer, bringt Geruch hervor, und zwar sehr begreiflich, da durch das Reiben ihr electrischer Zustand aus dem Gleichge- wicht wicht gebracht, dieser Electricitätsgrad der benachbarten Luft mitgetheilt wird, bis endlich eine solche electrische Luft auf die Schneidersche Haut wirkend, die Empfin- dung eines bestimmten Geruches erzeugt. Die Verschiedenheit der Gerüche hängt ohne Zweifel von den verschiedenen Zu- ständen des Electrismus, wie die Farben von den Brechungen des Lichts, und die Töne von denen des Magnetismus ab. Die Lehre der Physiker über die Electricität, dass aller ihr specifischer Unterschied nur auf ihren zwei entgegengesezten Aeusse- rungen beruhe, alles andere aber bloss quantitativ sei, kann unmöglich wahr sein, zu welchem Schlusse uns schon die Farben und die Töne berechtigen, die doch alle nicht quantitativ hervorgebracht sein sol- len, da doch kein Mensch das Grün für ein geschwächtes Roth auszugeben wagen wird — indessen will ich noch die Ver- schiedenheit der Gerüche verschieben, bis ich über diese Eigenschaft bei allen Sin- nen reden kann. Die Die Schwefelreihe ist das eigentliche Object des Geruchs, wie die Farben des Sehens, die Gestalten des Tastens, die Me- talle des Hörens. Die Welt der Electricität, die sich diesem Sinne aufthut, lässt den Ort der veranlassenden Gegenstände immer in Un- gewissheit; das unaufhörliche Abstossen und Anziehen und das Hingleiten dieser Function über die blosse Fläche scheint bei höherer Vergeistigung die Schlauheit zur Begleiterinn dieses Sinnes zu machen. Das vollkommenste Riechorgan muss unter der Form der Hyperbel existiren, die Nase muss hyperbolisch sein, denn sie ist die höchste Organisirung der Leber und des Schwefels, (der Haut = und Luft 2 ). VI. VI. Sinn . Chymismus — Magen — Zunge. Der Chymismus ist der Schmeksinn der Natur, und folglich auch des Thiers, eine Behauptung, die allgemein angenom- men wird. Die Zunge ist nur thätig, wann sie feucht ist, wann die schmekba- ren Materien aufgelöst sind, wo überhaupt ein chymischer Process auf der Zunge vor- genommen werden kann. Was das Meer- wasser der Natur ist, das ist die Zunge dem Nervensystem. Die Salze sind die wahren Objecte des Geschmaks. Lekerheit, Geil- heit ist der geistige Charakter dieses Sin- nes, die Figur aber, nach der die Zunge entworfen ist, ist die Eiform, der potenzir- te Finger, oder Magen, (Lunge) etc. Wir haben nun das Wesen aller Sinne, ihre Stelle und Bedeutung in der Welt und im Thiere erkannt, aber die einzelnen Eingeweide eines jeden Sinnes sind uns noch verborgen geblieben. Woher kömmt es, dass wir sieben specifisch verschiedne Farben durch das Aug auffassen, woher die qualitativ verschiedenen Töne verschie- dener Instrumente, die vielartigen Gerüche und und Geschmäke? Eschenmayer hat durch seine Construction der Töne das Feld für alle Sinne geöffnet, es wird sich sogleich zeigen, dass allerdings viel Wahres darinn liege, dass die Töne verschiedener Instru- mente nach einer geometrischen Propor- tion auf und absteigen, und die Eines In- strumentes ebenso ungefähr nach einer arithmetischen; doch gehen wir sogleich zur Construction selbst. Jeder Ton ist nichts als die zur Em- pfindung gewordene Action der Parabel, daher kann auch alle Tonverschiedenheit keine andere sein, als die der Parabel. Die magnetischen Verschiedenheiten beruhen sicher nicht auf blosser Stärke und Schwä- che, es müssen gemäss der mathematischen Vorbilder wieder so viele Modi existendi unter den Actionen vorkommen, als die Vorbilder selbst Modi existendi haben, die zwar das Wesen dieser Figuren nicht über- schreiten, aber auch nicht bloss quantita- tiv verschieden sein dürfen. Nun kennt aber die Mathematik nur drei Zustände der Parabel; sie wird ver- län- längert oder verkürzt bei gleichbleibendem Parameter, was also bloss eine quantitative Verschiedenheit gibt, oder diese nämliche Parabel wird potenzirt zu Parabel was schon nicht mehr bloss quantitativ bleibt, da sich die Entfernung des Focus vom Scheitel bei jeder Potenzirung ändert, und endlich kann die Parabel einen an- dern Parameter erhalten, wodurch ganz qualitativ verschiedne Eigenschaften, ob- gleich Parabel bleibend, hervorgrbracht werden. Es können daher auch nur dreierlei Verschiedenheiten der Töne existiren. Ihr erster Zustand bezieht sich bloss auf Stär- ke und Schwäche eines und desselben Tons, welches in der Parabel vorgebildet ist durch Verlängerung oder Verkürzung der Achse — je länger diese, desto mehr werden paral- lele Stralen in den Focus gesammelt, desto stärker der Ton. Der zweite Zustand hängt ab von den verschiedenen Potenzen der nämlichen Curve, wo sie mit den Exponenten 1, 2, 3, n, gesezt wird, und mag die Tonleiter des näm- nämlichen Instruments bezeichnen, daher auch wegen dem beständigen Verrüken des Focus eine Art specifischen Unterschiedes selbst unter diesen Tönen herrscht, der sich doch am meisten an eine arithmeti- sche Proportion anschliesst. Der Ton d eines Instrumentes ist nicht bloss um einen Grad höher gestimmt, als der Ton c , es ist wirklich ein specifischer Unterschied zwischen beiden, daher man beide zugl e ich hört, wenn sie angeschlagen werden; d ist etwa = Parabel 2 , wenn c = Parabel 1 ist, aber etwas ganz anders ist es, wenn der- selbe Ton c gesungen wird. Dieser dritte Zustand der Töne wird hervorgebracht durch die Verschiedenheit des Parameters der Curven, in denen der Focus schon ursprünglich geändert ist, wo- nach die Töne verschiedner Instrumente, die Eschenmayer nach geometrischer Proportion geordnet hat, sich richten; so dass aus dieser Construction klar hervor- geht, jedes Instrument habe einen andern Parameter, und es erschaffe seine Tonlei- ter wieder durch ein Potenziren dieser Pa- rabel zu höheren Ordnungen, die Stärke aber aber durch Verlängerung der Achse dersel- selben. Vielleicht entspricht die Vocalmu- sik bloss der so sehr regelmässigen Para- bel, in der Parameter. Abscisse und Se- miordinate gleich sind, die Instrumental- musik aber den abweichenden Parabeln. Die Idee von der Construction der Töne muss nothwendig für alle mathema- tische Figuren gelten, und so werden sich auch die Farben nach den Proprietäten des Kreises, die Gerüche nach denen der Hyperbel, und die Geschmäke nach denen der Eiform richten. Alle Verschiedenheit ist nichts als Varietät der Curve. Die ver- schiedene Stärke des Schwefelgeruchs rich- tet sich so nach der Zahl der Abscissen ei- ner Hyperbel mit bestimmtem Parameter, wahrscheinlich nach der gleichseitigen, die Geruchleiter des Schwefels aber, wohin etwa die Hydrosulfure etc. gehören, steigt mit den Exponenten zu höhern Ordnun- gen der Hyperbel auf, so ist vielleicht der Schwefelgeruch = Hyperbel 1 , der der Hy- drothionsäure aber = Hyperbel 2 u. s. f. Die eigentlich specifischen Gerüche sind endlich determinirt durch die Verschieden- heit heit der Parameter, die aber auch, ob- gleich unendlich varirend, doch nur be- stimmte Abweichungen von der gleich- seitigen electrischen Curve sein können. Ist Schwefelgeruch die Electricität der gleichseitigen Hyperbel, so wird Weingeist nicht blos eine höhere Ordnung dieser sein, sondern er wird zu einem ganz an- dern Parameter gehören. Was hier von Tönen und Gerüchen gesagt ist, gilt natürlich zuerst vom Mag- netismus und Electrismus, woraus zu- nächst folgt, dass dieser beider Qualität nicht bloss anf dem einfachen Gegensaze zwischem positivem und negativem Pol be- ruht, sondern die Qualität hängt ab von dem verschiedenen Modus existendi bei- der Pole gemäss dem Wesen ihrer Cur- ven, wobei ich nur an die Electricität des Turmalins erinnern will. Wer Zeit und Trieb hat, möge dieses indessen weiter ent- wikeln, und es auch auf den Geschmak, auf die Farben, aufs Tasten etc. aus- dehnen. Wir Wir können nun die homologen Glie- der der Organe der Sinne und des Rumpfs zusammenstellen, und so finden wir, dass der Bedekung der Gefühlsinn, der Haut der Lichtsinn, dem Oxydationssystem der Tastsinn, den Knochen der Hörsinn, der Leber der Geruchsinn, und endlich dem Verdauungssysteme der Schmeksinn ent- spreche. Weiter ist homolog mit dem Gefühlsinn der Hörsinn, beide sind Cohä- sionsprocesse, mit dem Auge der Geruch- sinn, und mit dem Tasten der Schmek- sinn, daher in allen die Nervenanastomo- sen; die Zunge ist eine verwachsene Hand, um das Aufgelöste zu tasten, die Finger aber sind die zerfallene Zunge, um wie eine Flüssigkeit die Gestalten zu umgeben; doch dieses lässt sich ganz deutlich über- schauen im folgenden Schema. I. I. Stuffe . 1. 3. 2. Cohäsion. Schwere. Feuer. Erde. Wasser. Luft. Bedekung. Lunge. Haut. Gefühlsinn. Tastsinn Lichtsinn. II. Stuffe . 1. 3. 2. Magnetismus. Chymismus. Electrismus. Metall. Salz. Schwefel. Knochen. Magen. Leber. Hörsinn Schmeksinn Riechsinn III. Stuffe . 1. 3. 2. Galvanismus. Animalism. Vegetatismus. Korall. Thier. Pflanze. Kreislauf. Nervensystem. Lymphsystem. . . . . . . . . . . . . Man wird sich wundern, warum ich nicht auch noch drei Sinne für die dritte Potenz aufstelle, aber, da in dieser keine unorganischen Functionen mehr, sondern blos eigentlich organische reflectirt wer- den, den, so steigen die entsprechenden Ner- venfunctionen über die Sinne hinaus in eine höhere Welt, die ich hier unberührt lassen werde, und mithin die dritte Stuffe, die Synthese der Sinne überschlage. Wenn die Natur die einzelnen Organe nach so getreuen Gesezen producirte, so muss sie auch die ganze Thierwelt in der- selben Ordnung hinstellen, denn jede Thierklasse ist nichts, als der Träger die- ses oder jenes Sinnes. Wie der Magnetis- mus eine eigene materiale Welt, die Me- talle zu seiner Wohnung wählte, so wird auch im Thierreiche dieselbe Action ihre Wohnung gefunden haben; wie die Me- talle, die Kinder des Magnetismus, in mehre Gattungen zerfallen, so werden auch die Thiere, in welchen die Natur zu Ohr geworden, wieder Modificationen die- ses Organs sein, wodurch eine ganze Klasse von Hörsinnthieren gebildet wird, ebenso muss es Riechsinns-Schmeksinns-Thiere etc. geben Wir wissen daher schon wieder zum Voraus, dass es sechs Thierklassen als Re- präsentanten der Sinne geben müsse, ohne die Synthese davon, welche der dritten Stuffe entsprechend die höchste Klasse bildet. I I. I. Stuffe . I. Klasse . Cohæsion — Erde — Bedekung, Gefühlsinn — Würme. Das erste wahrhafte Sinnenleben be- wegt sich im Wurme, obgleich meistens von einem steinernen Kerker bedekt, wie die Serpulen, Sabellen, Dentalien etc., ist es ihm doch gestattet, sich durch Verlän- gerung, Bewegung, aus seiner Röhre in die Welt hervorzustreken, und so den er- sten Sinn, der in seinem Nervenfaden aus- geprägt ist, als Gefühl zu üben. Unter der erdigen Bedekung hat er eine feine weiche Oberfläche, vorzüglich sind aber dem Gefühlsinne bestimmt die Stralen oder Wärzchen, welche als Lippen das Maul umgeben, die ich aus Mangel eines passen- dern Wortes Palpen neune. Alle höhern Sinne sind bei diesen Thieren noch nicht entwikelt, Augen, Oh- ren etc. sind spätere Productionen der Na- tur, eben so sind die dieser Reihe hetero- lo- logen Organe nicht vorhanden, z. B. Leber; das Verdauungssystem ist ein einfacher Ka- nal, das Athmungsorgan aber fällt, wie es Cuvier gezeigt hat, mit der Oberfläche des Leibes zusammen. Ihre Fortpflanzung ist in vielen ganz den Polypen gleich, nemlich ein Glied löst sich um das andere ab, und wächst wieder zu einem ganzen Wurm, also eine blos männliche Vermeh- rung, wie es sich gemäss der Reihe, in die sie fallen, voraussehen lässt. Dagegen ist der ihnen parallele Kreislauf so sehr herausgehoben, dass sogar die meisten, nach Redis, Swammerdams, La Marks und Cuviers Beobachtungen, gefärbtes Blut haben, welches bald roth, bald violet, bald blau nach Verschieden- heit der Thiere vorkömmt. Die Definition dieser Thierklasse grün- det sich natürlich auf den Gefühlsinn, den sie ohne Ausbildung der andern Sinne al- lein besizen. Bei allen Definitionen, die ich von Thieren gebe, welche nicht Säug- thiere sind, nehme ich auf diese aus Gründen, die sich von selbst ergeben wer- den, gar keine Rüksicht, sondern gebe I 2 zu- zunächst nur das Unterscheidende von den Thieren an, welche unter den Säugthie- ren stehen, und wie sich zeigen wird, nur durch Einen vorragenden Sinn charakteri- sirt sind. Der Charakter des Wurms muss dem- nach folgendermassen ausgedrükt werden: Vermis = animal unisensuale, palpis labialibus, aut palpis-labiis (totum pal- pans, alteris sensibus depressis) . Es gibt kein anderes Thier, dessen Palpen zugleich die Lippen, und dessen Lippen zugleich wahre Palpen wären; wo wir auch Palpen finden, sind sie immer blosse Anhängsel der Lippen, oder gehören auch kaum zu ihnen, wie Leztes in den Insecten, Erstes in den Fischen, nebstdem dass weder diese noch jene eigentlich so etwas haben, was man Lippen nennen könnte, nemlich ein bewegliches, palpi- rendes, speiseergreifendes Organ. Auch den Vögeln und Amphibien hat die Zooto- mie die Lippen mit Recht abgesprochen, und so haben wir den Würmen diesen Sinn Sinn als ein ausschliessliches Eigenthum gerettet. Diese Thiere müssen nach den Orga- nen des Gefühlsinnes eingetheilt werden, was auch meistens von den Naturforschern geschehen ist, da sie die Wärzchen am Maul grösstentheils zum Charakteristikon gewählt haben. Die Stumpfheit dieses Sinnes charakte- risirt die Würme hinlänglich. II. Klasse . Feuer — Luft — Haut. Lichtsinn — Insecten. Das Insect hat sich zu seiner Bedekung eine feinere Masse auserlesen als der Wurm, nur von Horn in gelenkige Schienen ge- gliedert will es umfangen sein, wie jene noch Sclaven ihrer Hülsen, so ist hier der Panzer der Sclave des Leibes, er folgt nicht nur allen Bewegungen des Thiers, sondern ist selbst gezwungen, sich los- zutrennen und ihm als Flügel in die Luft zu helfen, so sehr ist die Bedekung schon schon von der Haut verdrängt. Die Flü- gel der Insecten sind keine Verflächungen des Tastsinnes wie beim Vogel, dessen Vorderfüsse sich wirklich in Flügel ver- wandelt haben Das Insect hat noch keine Füsse zum Tastsinn, und daher sind seine Flügel blosse abgelöste Deken seines Lei- bes, wahre Elytra. Streng genommen ha- ben die Insecten weder Flügel noch Füsse, obschon sie deren mehr als andere Thiere zu haben scheinen, ich verstehe nemlich unter Flügel und Fuss Organe des Tast- sinns, wenn auch gleich dieser noch so sehr wegen andern Functionen unterdrükt ist. Diese Klasse ist überhaupt an die In- fluenz der Sonne und der Luft gefesselt, nur der Sommer, wo Licht und Wärme die Erde beseelen, ist ihr Element, mit diesem sterben sie und werden lebendig. Der meisten Insecten Lebensdauer ist nicht weiter als auf Einen Sommer berechnet, so sehr sind sie Ebenbilder des Lichts und der Wärme, ja manche Gattungen unter ihnen sind sogar wahre leuchtende Phos- phore, von dem Farbenspiele der Schmet- ter- terlinge, überhaupt von der zur Fläche, zum Kreise werdenden Form des ganzen Thiers nicht zu reden. Die Hautabsonderung ist in ihnen sehr stark hervorgebildet, besonders unter den Flügeln, zwischen den Bauchringen, in den Gelenken etc., der specifische Geruch, welchen so viele von sich geben, spricht für eine starke Ausdünstung, ebenso die mancherlei Säfte, welche in dieser Klasse ausgeschieden werden. Das Aug endlich ist ihnen übermässig zu Theil geworden, ihr ganzer Kopf ist zu Lichtsinn krystallisirt, sie sind an die Farben der Natur, an die Blumen gefesselt, und so sehr mit dem Lichte identisch, dass sie unermüdbar durch einen unwider- stehlichen Trieb gezwungen, jedem zu- fliegen, was leuchtet. Man öffne in einer Sommernacht die Fenster eines Gartenhau- ses, seze ein Licht hinein, und ehe man sichs versieht, flattern die Nachtfalter schaarenweise mit einem unvertreibbaren, aber wohl begreiflichen Eifer in die Flam- me; wenn sie sich die Antennen, wenn sie sie die Flügel schon verbrennt haben, las- sen sie doch nicht ab, von dem Streben, sich mit dem Lichte zu vereinigen, sie steigen am Leuchter hinauf, oder an einem andern danebenstehenden Gefäss, und wenn sie die Flamme erreichen zu können glau- ben, wagen sie einen Sprung; fallen sie auch gleichwohl hundertmal herab, so hindert dieses sie doch nicht, es von neuem zu versuchen, keine Welt existirt mehr für sie, als die des Lichts. Wie ein Waldvogel sich das Hirn am Fenster einstösst, so arbeitet ein Gartenin- sect tagelang, um das Fensterglas durchzu- scharren, ist das Zimmer gleichwohl er- wärmt, so will es dennoch nicht zum Ofen, sondern dem Lichte entgegen. Beim Vogel ist es offenbar das Auge, welches ihn, das Glas durchschauend, so unvor- sichtig ans Fenster treibt; die ganze Welt würde lachen, wenn man dieses leugnen und etwa seinem Schnabel oder seinen Klauen das Vermögen geben wollte, die Durchsichtigkeit des Glases für blosse be- leuchtete Luft zu halten. Wenn es beim Vogel das Auge thut, wie soll es beim In- sect sect ein anderer Sinn thun können? Oder ist denn das Organ für das Licht nicht in jedem Thiere der erstarrte Lichtstral? Kann ein Sinn, der vielleicht der Cohä- sion der Aussenwelt entspricht, oder der, welcher die Körper der Erde, wie die Schwerkraft die Planeten misst, je sich so travestiren, dass er statt seiner Natur zu folgen, nun ein Lichtmesser wird? Wohl gebe ich das zu, wenn ihr mir werdet be- wiesen haben, dass das Licht = Erde, oder Wasser oder Metall ist, so lange ihr aber dieses nicht könnt, so lange b rdet der Natur nicht auf, dass die Luft Erde, das Metall Wasser sei, oder dass der Ma- gen hören die Zunge sehen, die Finger riechen können! Beobachtet doch die Schmetterlinge an einem schönen Sommer- tage, wie schnell, wie in allen Richtungen diese sich verfolgen, nie verliert ein Männ- chen sein Weibchen, wendet sich dieses auch in den wunderlichsten Zikzak, ist es gleich zwanzig Schritte entfernt, es wird sicher eingeholt. Seht dieses und sehet sie im Lichte, und sehet sie am Fenster, dann werdet ihr nicht mehr, eingenommen durch vorhergebaute Meinungen, einem Thie- Thiere sein Eigenthum absprechen, weil Perrault glaubt, die niedersten Thier- klassen müssten nur Einen Sinn haben, damit er eine schöne Leiter für die Natur bekäme. Das Hirn der Insecten ist nichts als ein Cerebellum , aus dem zwei ungeheure Sehnerven zu den Augen laufen, diese reissen so alle Nervenmassen an sich, dass kaum noch einige feine Faden für die An- tennen und die Palpen übrig sind. So deutlich ist in den Insecten das ganze Ge- hirn in zwei Sehnerven getheilt, so früh finden wir schon einen Beweis, dass das grosse Gehirn nichts als der Zusammenfluss der Sinnesnerven, hingegen das kleine das Centrum für die Nerven des Rumpfes ist. Was den übrigen anatomischen Bau des Auges der Insecten betrifft, so ist er durch die geschiktesten Zootomen so klar als eine Zusammenhäufung von unzähligen Sehor- ganen bewiesen worden, dass man die Ver- suche, welche durch Beschmieren der Au- gen für ihr wirkliches Sehen angestellt wurden, völlig entbehren kann. Wir Wir gehen zu den Organen über, wel- che mit dem Auge parallel entwikelt, und dann zu denjenigen, welche wegen der Entgegensezung unterdrükt sein müssen. Die Leber als das parallele Organ der Haut und des Auges ist in ihnen schon stark ausgebildet, vorzüglich in den Kreb- sen; und was sind die blinden Anhängsel des Darmkanals als eine Leberfunction? Die Gefässe in ihnen treten der Natur des Lymphsystems ganz nahe, auch der paral- lele Geruchsinn ist bedeutend entwikelt, die übrigen Sinne sind ausser dem Gefühl in den Palpen sehr zurükgedrängt, eben- so das Athmungssystem, welche ohne Zwei- fel auf das Gefässnez um den Mastdarm reducirt ist, denn die vielen und weiten wie Silber glänzenden, meistens freilie- genden Luftröhren, sind doch im Ganzen nichts als Luftbehälter, wie die Knochen der Vögel. Der Darmcanal ist voll blinder Anhän- ge, die vier langen sogenannten Gallen- gefässe sind wahrscheinlichst Nahrungsge- fässe, durch die der Chylus in das Ge- fäss- fässsystem geführt wird, wofür vorzüglich ihre Insertion in das Gefässnez des Mast- darms spricht, denn dass die Ernährung durch blosse Durchschwizung durch die Wände, wie einige Alte und Neuere mein- ten vor sich gehen soll, ist bei einem thierischen Körper, der doch mehr als ein todter Schwamm ist, um es gelinde zu sagen, zu viel behauptet. Der heterologe Kreislauf ist in ihnen un- gleich schwächer ausgebildet, als in den Würmen, und neigt sich vollkommen zu dem Charakter des Lymphsystems, denn so viel mir bekannt, hat kein einziges Insect gefärbtes Blut, statt des Herzens aber, wel- ches man schon bei den Schneken so in- dividualisirt findet, ist eine gleichdike Aorta in ihrem Leibe, und überhaupt fin- det man das Gefäsystem nicht so ausge- wirkt in Venen und Arterien, wie bei den obgleich niederern Würmen. Das Knochensystem suchen wir verge- bens, die ihm homologe Bedekung ist eben- so doch weniger zurükgedrängt, alles wie es in dem ersten Thiere der anticohären- ten Reihe sein muss. Der Der Kunsttrieb der Insecten geht auf regelmässige krystallische Formen, und was bedeutend ist, meistens auf Sechseke, wel- che dadurch entstehen, dass der Radius in die Peripherie getragen, und so der voll- kommenste Kreis, insofern er als Krystall existiren kann, dargestellt wird. Die Zel- len der Bienen sind ein nach Aussen kry- stallisirtes, polyödisches Auge, dessen sechs- seitige Fasetten aufs bewundrungswürdigste in jeder Zelle erhalten sind. Das Kunst- product ist das in der Aussenwelt abgedruk- te Sinnorgan, ich verändere daher das so unedel herabgezogene Wort Kuns ttrieb in Sinnt rieb, eigentlich kann man nur dem Menschen Kunstt rieb und seinen Produc- ten den Namen Kunstp roduct beilegen. Weil das Aug in die weibliche Reihe der Natur fällt, so hat auch in dieser Klasse der weibliche Charakter das Uebergewicht, meistens sind die Männchen kleiner, und sterben gleich den Staubfäden unmittelbar nach der Begattung, die Weibchen dage- gen sind sehr productiv, legen viele und sehr grosse Eier, ja die Blattläuse pflanzen sich lange auf blos weibliche Weise fort. In In den Bienen endlich, in den Ameisen und Termiten hat sich sogar die Weiblich- keit so energisch entwikelt, dass ihr Ein Individuum nicht mehr hinreicht, sondern sie muss an die Königinn und an die ar- beitenden Insecten vertheilt werden, indem jene blos die Eier, diese aber den Uterus als Zellen, und die Brust als Honigbrei hergeben; so überfliessend, so alleinherr- schend ist der weibliche Leib in dieser Klasse! Das herrlichste und am tiefsten grei- fende Phenomen, die Metamorphose von der Larve zur Puppe und von dieser zum vollendeten Thier, ist aus der Duplicität dieser Naturfunction zu erklären, wo sie von der Form des Diameters zu der der Peripherie und dann zur totalen Kreisform übergeht, was sich im einzelnen Insect als Larve, Puppe und Vollendetes, in der Klasse aber als Aptern, Schmetterlinge und als Elytraten ausdrükt. Die Metamorphose ist eine Entwiklung des Kreises, ein herr- liches, deutlich ausgeprägtes Spiel zwi- schen Licht und Wärme, zwischen positi- ver und negativer Electricität. Diese lezte ist ist noch zu wenig bei den Insecten unter- sucht, sicher sind sie für selbe sehr sensi- bel, wie für die Aendrungen der Tempe- ratur. Wann einst diese Verhältnisse ge- nauer entwikelt sind, so wird es sich wohl von einer meteorologischen Araneologie wissenschaftlich sprechen lassen, wenig- stens so bestimmt als von unsern unorga- nischen Thermo- und Electrometern. Das Auge ist das Organ des Muthes, und wirklich ist die Klasse der Insecten, die verwegenste und muthvollste, gemäss des Herrschersinns, der sie begeistert. Die Definition des Insects muss von den Augen hergenommen werden; wenn ich auch nicht jede Fasette für ein Aug halte, so steht wegen den Ocellis doch folgender Charakter fest: Insectum = animal unisensuale, po- lyops . Diesen Charakter kann wieder kein einziges Thier aufweisen, gehöre es zu niederern oder höhern Klassen. Wo ist ein Fisch, der mehr als zwei Horopter hätte, wo wo ein solcher Vogel, ein Amphibion, oder eine Sepia? Alles was Insect ist, hat polyhoropterische Augen, und was solche hat, muss ohne weiteres, wäre auch der übrige Bau des Rumpfes noch so abwei- chend, hieher gerechnet werden. Nur durch diese Definition kann die Unordnung vertrieben werden, die seit einigen Jahren in dieser Klasse um sich gegriffen hat. Die Haupteintheilung der Insecten ist natürlich und nicht schwer nach den Au- gen zu machen. Sie theilen sich in sol- che, deren grössten Theil des Kopfes die Augen ausmachen, und in andere, bei de- nen es umgekehrt ist: bei jenen sizen sie entweder ganz mit ihrer Oberfläche fest, oder hängen nur an einem dünnen Fäd- chen, sie sind ferner rund, oval oder der sechste Theil einer Sphäre, sie stehen vor oder hinter den Antennen, oder diese selbst auf ihnen etc. Bei den Spinnen hat sich sogar diese Eintheilung den Naturforschern schon auf gedrungen, weil sie in der That keine an- dern Charaktere fanden, als die Zahl und den den wechselnden Stand der Augen. Dass aber die Crustacea mit Unrecht von den Insecten getrennt werden, zeigt sich nach unserer Definition auffallend, wie auch die ungeschikte Hereinpressung fremder Individuen, die weder den Körperbau, noch die Gliedmassen, geschweige das un- endliche Aug mit dieser Lichtklasse gemein haben. Es ist natürlich, dass bei dieser Ein- theilung weniger eigentliche Gattungen herauskommen, aber auf die Zahl kömmt es nicht an, sondern auf die Natur. Was liegt denn daran, ob dieses Insect, das übrigens seinen Augen nach zu einer be- stimmten Gattung gehört, nun ein Gelenk in einem Palpus oder in einem Fuss mehr hat? Soll es deswegen eine eigne Gattung ausmachen? Man glaube aber nicht, dass ich hier das Gesez vor Augen habe: man müsse die Dinge nicht ohne Noth vermeh- ren; dieses auf unsere Insecten angewen- det, hätte gerade dieselbe Bedeutung, als wenn man sagte: man müsse die Zahl der Planeten nicht ohne Noth vermehren. Nicht wir machen die Zahl, sondern die K Zahl Zahl macht uns, denen nichts bleibt als die Verehrung und Anbetung derselben in pythagoräischer Andacht: wir müssen so viele Gattungen machen als deren sind, oder um die Schwachheit nicht zu ver- hehlen, so viel als wir nach unserm Sy- steme finden. III. Klasse . Schwere (Oxydationsprocess) — Wasser, Lunge — Tastsinn — Schneken. Ich glaube nicht, dass über diese Zu- sammenstellung irgend jemand einen Zwei- fel haben wird. Das Wasser ist das Pro- duct des Oxydationsprocesses, das Athmen ist derselbe im Thier, die Kiemen aber sind in den Schneken am ungeheuersten ausgebildet, besonders iu den zweischali- gen liegen sie als vier ungeheure Hautlap- pen an den Seiten des Körpers, so lang und breit als dieser selbst, mit dem schön- sten Gefässneze, an dem sich der Blik nicht genug sättigen kann, durchwebt. Ebenso ungeheuer ist die Kieme der ein- häusigen Land- und Wasserschneken, sie liegt liegt unter dem Rüken der Schale als eine breite und lange Membran von den diksten Gefässstämmen durchzogen, die sich sehr deutlich verzweigen. Auch ist es ja erwie- sen, dass die Schneken das Sauerstoffgas am reinsten aus der Luft vertilgen, so dass sie sogar von Vauquelin als Eudiometer vorgeschlagen wurden. Ihre Tastorgane sind zu stark ausge- wirkt, als dass ich diese wahren Finger weiter berühren sollte: viele von ihnen haben als synthetische Thiere Augen hin- zugebracht, wie die Landschneken, und vorzüglich die Sepien. In ihnen als der ersten Synthese des Thierreichs ist weder das Männliche noch das Weibliche vorstechend, ihr Gleichge- wichtscharakter äussert sich so eigen, dass die meisten wechselseitige Zwitter sind, welches wenigstens von den Landschneken und einigen Wasserschneken erwiesen, und wovon ich mich selbst an der Weiher- schneke (Bulimus stagnalis, La Mark ) durch Beobachtung ihrer Begattung und durch Anatomie überzeugt habe. K 2 Zu- Zuweilen sieht man drei dieser Schneken in Einer Begattung; eine davon vertritt blos die Stelle eines Weibchens, auf dem Rüken ihrer Schale sizt eine andere, die der er- sten das männliche Zengungsglied in die Vulva bringt, auf dem Rüken dieser zwei- etn sizt eine dritte, die ihr auch die männ- liche Ruthe in der Vulva hält, während sie die erste befruchtet; so könnte die dritte wieder von einer vierten u. s. f. be- fruchtet werden, wo dann jede, selbst die erste und lezte, wenn man diese Kette ge- schlossen denkt, zugleich männlich und weiblich ist, aber nicht wechselseitig, wie bei den Landschneken, sondern nur durch eine dritte hinzukommende, sie sind daher wahre Triklinisten. Uebrigens kann ich diese Behauptung, als befruch- tete jede Schneke sich selbst wegen dem undurchborten Penis, und die Begattung diene nur, Gott weiss, zu welchem Kizel, für falsch erklären, da der Penis wirklich, auch in Helix Pomatia durchbort ist; von dem lächerlichen Abschiessen des Liebespfeils, des ewigen Romans der Na- turforscher, sollte aber kein Wort mehr verloren werden. Der Der parallele Verdauungsprocess, die Speichelabsonderung ist scharf angezeich- net; von zwei grossen an der Speiseröhre liegenden Drüsen sieht man deutlich zwei Speichelgefässe, wie schon secirt, zum Maul laufen; auch als synthetische und als Athmungsthiere ist der Kreislauf bestimm- ter als in den vorigen, er hat nemlich schon einen Centralpunkt, ein wahres mus- culoses Herz. Das sogenannte Hepar in- testinale ist bei ihnen gross entwikelt, ohne Zweifel gehört es zum Verdauungsprocess. Ein Knochensystem ist auch noch nicht ausser einigen Zähnen zu finden, wie in den beiden vorigen Klassen, was nach un- serer Theorie sehr consequent ist, da der Knochen der Metallität angehört, ebenso sind die andern Sinne als Gehör, Geruch, Gesicht, theils verdrängt, theils stark ins Kleine gezogen; nur der homologe Schmek- sinn scheint schon einige Wirksamkeit zu haben. Eine gewisse Bedächtlichkeit, Vorsicht ist bei den Schneken nicht zu verkennen. Die Die Definition dieser Thiere ist kurz fol- gende, wobei zu bemerken, dass ich unter Schneke verstehe, was man bisher unter dem todten Worte Testacea begriffen hat, nebst einigen Molluscis, welche gemäss ihrer Tasthörner von den Würmen geschieden sind, wie die Wegschneke und Aplysia. Limax = animal unisensuale, tenta- culatum . Die Schneken sind nach den Tastfä- den zu ordnen; so wenig auch in dieser Klasse, ausser den einhäusigen, hierüber gethan ist, und so wenig jemand, der nicht am Meere wohnt, hierinn etwas Vollständiges, besonders wenn man in die einzelnen Gattungen gehen wollte, leisten kann so ist doch in dem Wenigen, was vorhanden ist, das Eigenthümliche des Tastsinns so hervorstechend, dass man schon einige natürliche Ordnungen mit- tels desselben erblikt. Die Schneken mit zwei oder vier Fin- gern am Kopfe gehören offenbar zusam- men, und doch sind sie in den Systemen ge- getrennt, weil die einen nakt, die andern behauset sind; eine andere Ordnung hat die Finger am Rande des Mantels, andere an der Mündung der Athmungsröhre, so ist Tasten und Athmen eins geworden; end- lich in den Sepien sizen sie im Kreise um den Schnabel. II. II. Stuffe . IV. Klasse . Magnetismus — Metall — Knochen, Hörsinn — Vögel. Auch hierin glaube ich, wird jeder Naturhistoriker übereinstimmen; einfach und scharf ist das Gerippe des Vogels ausge- prägt; wie der Wurm ganz mit seiner Röhre, von der reinsten Erde genommen, verwachsen und so mit ihr eins geworden, so ist in den höheren Thieren der Vogel ganz zu Knochen angeschossen, nicht nur nach Innen hat sich die kalchichte Masse krystallisirt, auch selbst in der äussern Be- dekung will sie sich als Federn erhalten, ja das Maul ist selbst zur Erdröhre gewor- den, die sich sogar über den ganzen Schä- del in der Nahtlosigkeit ausgebreitet; kaum ist es noch den Naslöchern gestattet, eine andre Oeffnung durchzubrechen, als die Mün- Mündung der Röhre ist, die Löcher des Siebbeins sind mit Knochenmasse verschlos- sen, das Rükgrat ist steif geworden, die Arti- culation verschwunden, selbst in dem Len- denwirbeln und dem Schwanzbein; die Flü- gelknochen sind äusserst arm an Gelenken, und an den Beinen sucht man die Kniescheibe, die Fibula und den Tarsus vergebens; auf- fallend sind die magnetisch gestrekten Beine fleischlos, und die meisten Knochen hohle Wurmgehäuse; wohl ist dieses der Grund ihres Hohlseins ohne die Absicht zum Fluge! Das Auge enthält einen blättrigen Kno- chenring, ja selbst die Zunge ist zu Kno- chen erstarrt! Man sche die Vergleichung des Geripps der Vögel mit dem der Säug- thiere, welche Blumenbach angestellt, und man wird mit Erstaunen wahrnehmen, wie in ihnen alle Theile zu Einem metal- lischen Stüke verwachsen, nur der Hals erhält bewegliche Wirbel, wodurch er sich gleich einem Wurme aus und einziehen kann. Der Der Vogel hat unter allen Thieren, selbst die am höchsten stehenden Säugthie- re, wenn man die Windung der Schneke abrechnet, nicht ausgenommen, den aus- gebildetsten Hörsinn, die Theile seines Ohrs sind gegen die der Fische und der Amphibien, mit denen er doch auf glei- cher Stuffe steht, aufs vollkommenste vor- handen. Die Vögel besizen die wahre an- geborne Musik, auch beweisen sie ihre Stelle dnrch die Liebe zu den Metallen, und endlich durch das grosse Phenomen des Wegziehens zu bestimmter Zeit und auf bestimmten Wegen, welches Phenomen durch das Zusammenfallen mit dem Auf- wachen und mit dér Richtung der magne- tischen Thätigkeit der Erde, allein be- greiflich wird: ihre Reisen sind Abstossun- gen und Anziehungen zwischen dem nörd- lichen und südlichen Pole, welche im Frühjahr und im Herbste nothwendig ein- treten müssen, da dann der Erdmagnetis- mus die grössten Variationen erleidet — die Vögel sind wie die Metalle Producte des magnetischen Theils der Welt, und da- her der ins grosse gehende Parallelismus. Die Die Ohrmuschel des Vogels wird gebil- det durch eigne, kleine, meistens ver- schieden gefärbte, um die Oeffnung des Hörgangs eingepflanzte Federchen. Aeus- serst bedeutend ist es, dass er allein mit den Säugthieren ein offnes äusseres Ohr hat , seine häutigen Bo- gengänge sind nach Scarpa sehr deutlich in den freiliegenden knöchernen einge- schlossen, die Schneke aber ist zum hohlen mit einer Scheidewand versehenen Cylin- der geworden, die Paukenhölen stehen mit den Zellen des Kopfes, ja selbst mit denen des Schnabels in Verbindung, wo- durch der ganze Schädel zur Paukenhöhle wird. Dieser herrliche Bau, “qui caracté- rise éminemment l’organe de l’ouïe des oi- seaux”, begleitet von einem doppelten Kehlkopfe, muss nothwendig durch diese Vereinigung des Organs der Stimme und des Gehörs den vollkommensten Ton her- vorbringen. Die Ohren der Fische und Amphibien sind ohne Ausnahme, nach den darüber er- schienenen Monographien, nach Aussen nicht geöffnet, denn unter den sogenann- ten ten Ohrdekeln des Toc-kai ist die Haut über den Hörgang gespannt, wie beim Frosch, die sogenannten Ohrlöcher der Eidechsen aber braucht man nur anzuse- hen, um sie als blosse Vertiefungen der Haut zu erkennen; ich weiss daher nicht, welche Amphibien La Cepède ausneh- men mag, da er nur sagt, ihr äusserer Ge- hörgang sei gewöhnlich mit einer Haut verschlossen; denn selbst beim Krokodil verschliesst nicht nur der Ohrendekel den Gehörgang ganz genau, sondern das Pau- kenfell ist ja noch unter dem Dekel mit einer Haut überzogen, daher man ihnen ein doppeltes Paukenfell beigelegt hat: mehre Theile der Paukenhöhle, ja diese selbst, auch Organe des Labyrinths, wie die Schneke, fehlen. Die Fische haben nur Bogengänge und Steinsäkchen, welche in der Hirnschale selbst, kaum mittels einer dünnen Haut vom Hirn gesondert liegen, man sprach ihnen sogar bis auf unser Zeit- alter diesen Sinn ab, welches Loos auch mehre Amphibien, namentlich das Kroko- dil und die Schildkröten traf. In In den Insecten hat man nur in dem Krebse die Spur eines Hörorgans entdekt, in den Schneken nur bei den Sepien, in den Würmen aber vollends gar nichts. Die Vögel bleiben daher in dem Besize dieses Sinnes, kein anderes dieser Thiere macht ihnen denselben streitig. Den homologen Gefühlsinn, dessen Nerven bei den meisten Thieren mit den zum Ohr gehenden mittels des vidiani- schen anastomosiren, ja in den Fischen beide nur aus Einem Stamme entspringen, haben viele Vögel sehr ausgezeichnet in der Schnabelhaut; den entgegengesezten und sich später zeigenden Riechsinn haben sie wirklich nur in geringem Grade, eben- so den Schmeksinn, den man ihnen sogar abgesprochen, den Lichtsinn aber, als schon in der Reihe der Sinne vor den Vögeln entstanden, haben sie nicht unbe- deutend, doch ist er mit drei Augenliedern bedekt, was fern von den Insecten steht, die das Auge nakt tragen. Vor allen Processen ist der ihnen ho- mologe Kreislauf herausgehoben, sie haben ein ein ganz doppeltes Herz, sehr warmes Blut und mit einiger Einschränkung ein regelmässiges Gefässsystem wie die Säug- thiere, wodurch sie sehr schön beweisen, so wohl, dass sie dem Kreislaufe parallel, als auch dass dieser in der starren Reihe zu liegen kömmt. Daher ihre Beweglich- keit, ihre Muskelkraft, das Uebergewicht der Männchen über die Weibchen, ja selbst der Verdauungsprocess ist bei einer gan- zen Ordnung durch Bewegung vermittelt, der Magen ist, wie Döllinger so tref- fend sagt, zum Zwerchfell geworden. Hier ist merkwürdig, dass die Hörsinnsthiere gleich den Wiederkäuern, auch einen mehrfachen Magen, wenn wir nemlich Kropf und Vormagen dazu rechnen, haben, wodurch wir schon einen Wink bekom- men, diese lezten an die Thiere mit aus- gebildetem Ohr anzuschliessen. Bekanntlich hat sich die Furcht in den Vögeln niedergelassen, auch sind sie dieje- nigen, welche am allgemeinsten zu Scla- ven werden, nimmt man noch der Wie- derkäuer als der säugenden Hörsinnsthiere leichte Bezähmbarkeit hinzu, so ist wohl kein kein Zweifel, dass die Unterwürfigkeit auf das Ohr berechnet sei. Die Definition des Vogels heisst so: Avis = animal unisensuale, meatu au- ditorio externo aperto . Wer sollte glauben, der die weitläuf- tigen und unbestimmten Beschreibungen der Systematiker, welche sie für Definitio- nen der Vögel ausgeben, ansieht, dass ein solch kurzer und von allen andern Thie- ren unterscheidender Charakter möglich sei! In unserm hier gegebenen Charakter ist alles Zufällige, alles blos Organische weg- gelassen, und nur das eigentlich Thieri- sche, dessen Abbild der Vogel ist, der Sinn ist angegeben. Dieser kurze, präcise Charakter möge zugleich dienen, als Beleg für die durch unser ganzes System durch- geführte Behauptung, dass die Sinne das Einzige dem Thier Eigenthümliche, und folglich das Princip aller Eintheilung sind. Die Vögel sind nach dem Hörsinn zu ordnen, wozu wohl der Schnabel mit Recht gebraucht werden kann, da er, mit den den Ohren durch Zellen in Verbindung stehend, die Paukenhöhle erweitert, und so den Ton verstärken hilft. Die Natur- beschreiber haben in dieser Klasse das Ein- theilungsprincip am glüklichsten getroffen. V. Klasse . Electrismus — Schwefel — Leber. Riechsinn — Fische. Durch das Vorhergehende ist gezeigt, wie Electrismus, Schwefel und Riechsinn eins und dasselbe auf verschiedenen Stuffen sind. Die Fische aber als das Organ des Riechsinns zu erkennen, ist nicht schwer, wenn man weiss, dass ihr ganzes grosses Hirn nichts als Riechnervenknoten ist, wel- che sich in der Nase der Knorpelfische auf einer sehr gro s sen kammförmig, in den Schuppenfischen aber stralenförmig gefalte- ten Haut verlieren, eine Vorrichtung zur Vergrösserung und zur Zartheit der Ge- ruchswerkstatt, die schlechterdings in kei- nem andern Thiere sich wieder findet; dass die Naslöcher weiche verlängerbare Röh- ren, und gewissermassen durch eine be- weg- wegliche häutige Scheidewand verdoppelt sind, und überhaupt ihre ganze Lebens- weise auf den Geruch berechnet ist, denn die Durchsichtigkeit des Wassers geht nur auf einige hundert Fuss, dass der Fischfang sich grösstentheils durch den Geruch der Fische erhalte, dass diese Klasse allein in den electrischen Fischen lebendige Electro- phore, und in ihrem faulenden Fleische leuchtende Phosphore habe, nnd dass end- lich die Züge der Fische mit dem Welt- electrismus, für den nun Ritter die nach Osten zeigende Nadel entdekt hat, wie die der Vögel mit dem Magnetismus zusam- menhängen. Dagegen fehlt den Vögeln sogar das Siebbein, ihre Naslöcher sind enge, ja oft ganz verwachsene Spalten; Scarpa’s Versuche über den Geruch der Vögel sezen ihn sehr herab, aber, was für unsre Fische spricht, unter ihnen sind es doch die Was- servögel, welche den Geruch am vorzüg- lichsten besizen. Bei den Amphibien ist dieser Sinn nur angezeigt, die Naslöcher durch keine Schei- L de- dewand verdoppelt, auch von keinem wahren Dekel nach Aussen geschsossen , ob- schon die Frösche sie durch eigne Mus- keln erweitern und verengern können, und die Krokodile wirklich eine Art Dekel haben, der aber nicht häuticht, wie in den Fischen, und nur das Nasloch von Innen, damit die zu schlukende Luft nicht heraus- trete, zu verschliessen fähig ist, dagegen die Nasendekel der Fische, unabhängig von der Respiration, sowohl von Aussen als von Innen den Durchgang des Wassers untersuchen, aber die Löcher nicht gang schliessen können, ferner ist die Nashöle ganz von der Athmungsfunction occupirt, da sie hingegen bei den Fischen ganz und gar allein dem Geruch bestimmt ist, und die Naslöcher doch beweglicher als in jedem andern Thiere sind. Auch ist zu bemer- ken, dass caeteris paribus die Was- seramphibien immer ein ausgebildeteres Geruchorgan haben, als die, welche auf dem Troknen leben. Die Insecten haben endlich als homo- loge Thiere mit den Fischen Geruchsinn, obgleich man das Organ noch nicht ent- dekt dekt hat, wie weit es aber bei den Schne- ken und Würmen reicht, ist nicht bekannt, nur jedenfalls unbedeutend gering. Die andern Sinne sind beim Fische um so weniger hervorgetrieben; das dem Riechsinn homologe Auge ist noch allein bedeutend, und obgleich nicht polyödrisch tritt es doch dem der Insecten sehr nahe durch den Mangel an Augenliedern, seine Zunge ist ein wahrer Knochen, der Tast- sinn verschwunden, das Ohr verschlossen und verstümmelt, der Gefühlsinn noch ei- nigermassen in der Schnauze, denn Lip- pen darf man es nicht kek nennen, merklich. Hier erst kann die Leber als das wahre Organ des Schwefels vindicirt werden. Diese ist nemlich als das homologe Organ des Riechsinns bei den Fischen unter al- len Organen des Rumpfes am vollkom- mensten, am grössten entwikelt und zwar vollkommner als in jedem andern Thier. Der Darmkanal ist ganz in die Leber vom Magen bis zum After verwikelt und hängt ihr überall fest an, die Bauchhöhle selbst scheint nichts als Leber zu enthalten, dazu L 2 kömmt kömmt noch die starke Hautfunction des Fisches, seine Seitenlinien von lauter Aus- führungsgängen, die häufig unter der Haut laufen, und die Anatomen lange in Thä- tigkeit sezten. Dieses Zusammentreffen aller homolo- gen Organe im Fische, die Haut, die Le- ber, das den ganzen Fischkörper einneh- mende Lymphsystem, worüber man nur Monro vergleichen möge, die Nase sind Gründe genug, die Leber an diese Stelle zu ordnen, und sie zum Reflex des Schwe- fels zu machen. Wenn wir uun vollends die der Leber heterologen Organe verklei- nert finden, so haben wir alle Wege be- treten, auf denen Gründe für unsere Be- hauptung liegen können. In der That ist in den Fischen der ih- nen heterologe Kreislauf zurükgedrängt, in dem Verhältniss, wie das Lymphsystem in ihnen herrschend wird, daher auch die schwächste Reproduction in dieser Klasse; sie haben nur ein halbes, nur ein blos ve- noses Herz, das wenige Blut läuft aus den Kiemen gerade in die Aorta, längs des Rük- Rükgrats wie bei den Insecten rükwärts; auch der Oxydationsprocess ist nicht ihr Hauptorgan, wie es sich aus der Kleinheit ihrer Kiemen, aus der unbedeutenden Wärme, und dem kaum verschieden ge- färbten Blute zeigt. Sie entziehen dem Wasser mittels der Kiemen das Säureprin- cip, wie man vor undenklichen Zei- ten glaubte, seit aber die Luftchymie die Oberhand gewonnen, wagt niemand mehr, der alten Meinung zu sein, von nun an mussten sie den Sauerstoff der im Wasser mechanisch vertheilten atmosphärischen Luft einathmen! — aber warum athmen sie denn nicht den Sauerstoff der Atmosphäre selbst, und wählen lieber den Tod als aus diesem Gefässe die doch gleiche Speise zu ge- niessen? Es ist nicht abzusehen, warum das Wasser nicht auch solches Schwere- oder Säureprincip enthalten könne, wel- ches ihm dnrch Athmen oder durch Ko- chen entzogen werden kann, wodurch die Fische in ihm erstiken; in verschlossnem Wasser aber dürfte sie wohl das durch den Athmungsprocess entstehende Wasserstoff- gas und die Kohlensäure tödten, aber nicht der Mangel der atmosphärischen Luft. Die Die Speichelabsonderung, der Darm- kanal sind auch weit hinter der Leber zu- rük, der lezte aber wiederholt die blinden Anhänge der Insecten in den seinigen um den Pylorus. Das Knochensystem ist im Vogel zu einem harten Stüke verwachsen, im Fische hingegen in unzählig weiche Wirbel, in einzelne Schädelknochen und in ein Heer von Zähnen zerfallen, kaum kann man es noch ein festes metallisches Gebäude nen- nen, viel näher tritt es der Holznatur der den Fischen symmetrischen Pflanzen. Auch ihre Geschlechtsfunction hat auf die weib- liche Seite übergeschlagen, die Zahl ihrer Eier ist Million, die Grösse der Weibchen aber gegen die Männchen so auffallend, dass schon geschikte Naturforscher aus bei- den Individuen ganz eigne Gattungen mach- ten, und es ist nicht unmöglich, dass noch deren im Systeme zu berichtigen sind. Als Riechsinnsthiere geben sich endlich die Fische auch kund durch ihre bekannte Schlauheit, und als Symmetrica des Licht- sinns durch ihren Muth, der meistens an Verwegenheit gränzt. Das Das Riechorgan der Fische kömmt uns wieder auf eine ganz eigne Art gestal- tet entgegen, wie wir es in keinem Thiere finden. Wie in den Insecten die Augen, so haben sich hier die Naslöcher verdop- pelt. Alle Schuppenfische haben in jedem Nasloche eine häutige, bewegliche Scheide- wand, mittels der sie zum Theil das Loch verschliessen, nur der Aal und der Schleim- fisch sollen nach Scarpa eine Ausnahme machen, wofür aber die Naslöcher einen langen Tubulum bilden, doch wünschte ich diesen Bau ex professo untersucht zu wis- sen. Die Knorpelfische haben, die runden wie die platten, einen wahren beweglichen Dekel vor den Naslöchern, da ihn die Schuppenfische eigentlich darinn haben. Sie können die Löcher immer verengern und erweitern, als wenn sie athmeten, da es doch ein blosses Auffangen der Electrici- tät ist; andere tragen sogar die Löcher auf beweglichen Stielen, die wahre Auslader vorstellen, der auffallendste Unterschied ist aber in der Lage der Löcher selbst, da sie bei den Schuppenfischen oben, bei den Knorpelfischen aber unten am Rüssel sich befinden, von dem ungeheuern Wechsel der der Länge des Oberkiefers, wie es schlecht, hin in keiner andern Klasse vorkömmt, und worauf man allein schon grösstentheils die Gattungen gründen könnte, will und kann ich hier nichts Ausgedehntes sagen. Nach diesen Charakteren glaube ich folgende Definition vom Fische geben zu können; sollte ich das eigentlichste Merk- mal auch nicht getroffen haben, so bin ich doch überzengt, dass es in Zukunft, wenn man einmal die Fische um dieser Definition willen wird untersucht haben, leicht sei, das etwa Mangelnde zu ersezen. Piscis = Animal unisensuale, naribus utrinque membrana mobili aut geminatis aut dimidiatis . Die systematische Eintheilung der Fi- sche kann dem Hauptmomente nach von keinem andern Sinne als von dem des Ge- ruchs genommen werden, daher nicht von Flossen, Kiemendekeln, Kiemenlöchern, Augen, Zunge u. d. gl. Nach unserm Princip scheiden sie sich von selbst in zwei naturliche Ordnungen, die man bisher nur durch eine lange Beschreibung einer Men- ge ge unwesentlicher Charaktere von einander zu trennen suchte. Der grösste Theil der Knorpelfische hat die Naslöcher unten an dem über das Maul hinausragenden Ober- kiefer, die Schuppenfische aber und viele Branchiostegi haben sie oben vor den Augen. a. Pisces naribus pronis = Chon- dropterigii . b. Pisces naribus supinis = Squam- mosi etc . VI. Klasse . Chymismus — Salz — Magen. Schmeksinn — Amphibien. Diese Functionen der Natur und des Thiers sind so wesentlich eins, dass sicher alle sind, wo sich eine findet. Die Zunge der Amphibien ist auf solchen hohen Grad ausgebildet, dass sie nicht nur als die fein- ste, weichste, beweglichste, schlüpfrichste Masse allen Zungen anderer Thiere vorgeht, sondern sie verdoppelt sich sogar meistens, und zugleich dient ihr der trefflichste Spei- chel zum Ziel ihrer Bestimmung. Das Das Gift wohnt nur im Reiche der Amphibien, der Zungenthiere, und da der Schmeksinn dem Chymismus entspricht, dieser aber das Alleszerstörende der Natur ist, so muss nothwendig der Schmeksinn in dem Thier, welches ihm eigens gleich- gebildet ist, das Alleszerstörende des Thier- reichs sein; der Speichel ist daher seinem Wesen nach Gift, und in allen Thieren steht er unter dieser Rubrik, denn in allen ist er das erste chymische Zerstörungsmittel der Speisen, da aber die andern Thiere auch mit andern Sinnen, und nicht allein mittels des Schmeksinns die Speisen an sich reissen, und dieser nicht aufs höchste getrieben ist, so ist ihr Speichel weniger gefährlich, aber doch muss alle Theorie der Wirkung der Gifte auf das Wesen des Schmeksinns gegründet werden. Hoffentlich habe ich nicht nöthig zu erinnern, dass das Arsenik so wenig ein Gift ist, als ein glühendes Eisen, das ihr in den Magen steket; es wirkt chy- misch, nnabhängig von der lebendigen Eigenschaft des Körpers, den es zerstört; das Speichelgift aber ist Nichts ausser der der Einwirkung auf einen lebenden Körper, es zerstört nur das Lebende als Lebendes , das Arsenik aber zer- stört den blossen Körper als eine chymisch afficirbare Materie, wobei jedoch die or- ganische Gegenwirkung nicht ausser Acht zu lassen ist. Wo der Speichel, der erste Magensaft, so hoch ausgebildet ist, ist es auch der übrige Verdauungsprocess, sonst wäre es ja eine närrische Anstalt, wenn in die Zunge die gewaltigsten Mittel zur Ver- dauung gelegt, hingegen der Magen mehr als in andern Thieren vernachlässiget wäre. Der Darmkanal dieser Thiere ist übri- gens sehr einfach und nicht lang, wie es bei den meisten fleischfressenden Thieren sich findet, die Leber ist mässig, ebenso die Gallblase. Die homologe Lunge ist gleichsam die erste Anlage zum Magen, sie ist ein ath- mender Darmkanal, denn so erscheinen diese beiden Luftblasen, die sogar die Luft wie die Speisen schluken, und so sehen wir wir am deutlichsten und herrlichsten die Gleichheit der Form, welche die Natur bei der Erbauung der Lunge, des Magens und des Hirns vor Augen hatte. Die Nieren als das lezte aber umge- kehrte Organ des Verdauungsprocesses, sind zwar in allen Thieren der zweiten Stuffe vorhanden, aber in den Amphibien wirk- lich mit Uebergewicht. Bei den Vögeln findet sich keine Harnblase, bei vielen Fi- schen ebenso, und die Nieren dieser sind so abweichend gebaut, und oft so sehr hinter den After verdrängt, dass man sie lange leugnete, dagegen sie bei den Am- phibien bestimmte Umrisse haben, an der gewöhnlichen Stelle wie bei den Säugthie- ren liegen und eine lange Streke der Bauchhöhle einnehmen. Es gibt zwar auch Amphibien, denen die Harnblase ab- geht, aber in andern ist sie ein ungeheu- rer und zwar doppelter Sak, wie in den Fröschen und Schildkröten. In den Thieren der ersten Stuffe sind freilich die entsprechenden Organe nicht so leicht zu finden, auch mögen sie den po- polaren Klassen wirklich abgehen, aber in den synthetischen, athmenden Schneken scheint doch die Kalchproduction mit der Harnabsonderung zusammen zu hängen, und das, eine graue Masse enthaltende, Or- gan in der Athemhaut der zwei- und vier- fingerigen Schneken hieher zu gehören. Aus dem Charakter der Harnwerkzeuge als dem Ende des Magenprocesses, folglich als dem Ende des höchsten organischen, synthetischen Processes erklärt sich die Verwandschaft dieser Organe mit den Ge- schlechtstheilen, die ebenfalls einer Syn- these entsprechen, indem sie das Excre- tionssystem des ganzen Thiers wie die Nieren das des Magens sind. Die heterologen Processe sind zwar als in Thieren der zweiten Synthese alle merklich angezeigt, aber doch ist das Hautsystem und die Leber weit von der Vollkommenheit der Insecten und Fische entfernt, ebenso die Bedekung und das Knochensystem von den Würmen und Vö- geln. Dieses lezte ist zwar nicht in so viele einzelne Stüke zerfallen, wie bei den Fi- Fischen, aber auch nicht so sehr anchylo- sirt wie in den Vögeln, und so stellt es sich sehr schön in die Mitte, was sich auch von Leber, Haut und Bedekung sa- gen lässt. Die Schale der Schildkröten ist sehr wohl eine Nachahmung des homo- logen Schnekenhauses. Die Füsse der Amphibien, als der ho- mologe Sinn des Schmekorgans, sind in weiche zum Theil wohlgestaltete bewegli- che Finger gespalten, nur die Schlangen machen hier eine sonderbare Ausnahme, haben aber dagegen die doppelte Zunge, Zähne und Gift zur Vergeltung erhalten. Es finden sich auch alle Sinne in die- ser Klasse, und dieses nothwendig, da sie die lezte Synthese der einsinnigen Thiere ist, aber sie sind nicht im Gleich- gewichte, sondern alle wegen der Zunge zurükgeschoben. Der Gefühlsinn hat aller- dings seine Nerven, der Hörsinn ist viel besser ausgebildet als bei den Fischen, ob- schon hierinn die Knorpelfische sehr nahe kommen, aber das Ohr doch noch von Aussen geschlossen, obgleich es in den Ei- dech- dechsen eine Vertiefung hat. Der Geruch unbedeutend, auch selbst der Bau der Na- senmuscheln arm, und das Aug ist nur Die- ner des Schmeksinns. Die Natur hat hier eine ganz eigne Sorge auf die Zunge verwendet, beinahe in allen Amphibien hat sie sich verdop- pelt, oder, da auch unsere Zunge ein dop- peltes Organ ist, wenigstens die zwei Zun- gen in den Amphibien getrennt gelassen; sie ist gespalten in der ganzen Ordnung der Schlangen, in den Eidechsen nnd Frö- schen; dagegen haben die Fische statt der Zunge einen blossen Knochen, und die der Vögel ist auch meistens an der Spize knorplicht; die Thiere der ersten Stuffe haben vollends kein ähnliches Organ, so sehr ist der Schmeksinn allen Thieren ent- zogen, um ihn aufs reichlichste den Am- phibien mittheilen zu können. Die Zunge des Fischs ist Zahn, die des Vogels aber Feder geblieben. Einige wenige Amphibien sollen keine gespaltene Zunge haben, wie das Chamä- lon, die Schildkröte, das Krokodil, die Kröte Kröte, Stellio und Draco: auch vom Sa- lamander hat man es behauptet, und so- gar Latreille es nicht berichtiget, ob- schon er ex professo darüber geschrieben, auch Brogniart hat ihn unter die Am- phibien mit ungespaltner Zunge gerechnet; aber ich habe es nach der genauesten ei- gens deswegen angestellten Untersuchung der Salamandra terrestris falsch gefunden, denn sie ist wirklich und zwar hinten wie beim Frosch ausgerandet. Man muss frei- lich mit der Absicht an die Anatomie ge- hen, die Gespaltenheit der Zunge und nicht blos die Zunge überhaupt zu untersuchen; nur dann findet man es, weil die Zunge obenhin angesehen aller- dings als ein runder, unförmiger breiwei- cher Klumpen erscheint, der ganz am Un- terkieser angewachsen ist, wie es sogar der genaue Swammerdam beim Frosch nicht besser gesehen, aber, wenn man genau Acht gibt, wird man finden, dass dieser Klumpen wie ein Hutschwamm in die Höhe steigt, nnd rükwärts einen herzför- migen Ausschnitt hat. Ich muss gestehen, dass ich von dieser Zeit an sehr zweifle, ob die andern Amphibien, besonders das Kro- Krokodil, und der dem Salamander so ähnliche Stellio eine wirklich ganz und gar ungespaltene Zunge habe, wie es die Anatomen behaupten. Würde sich dieses so wie beim Salamander finden, und wä- ren vielleicht noch die Schildkröten, in deren einer I. G. Schneider die unten ganz (also wie beim Salamander) verwachs- ne Zunge oben gefurcht, vielleicht ausge- randet fand, dazu zu bringen, so könnte man, den Chamäleon, Stellio und Draco wahrscheinlichst nicht einmal ausgenommen, es zum allgemeinen Charakter dieser Klasse machen, und so hätten wir die herrliche Definition: Amphibium = Animal unisensuale, lin- gua geminata . Ich weiss sehr wohl, dass die Phoken auch eine ausgerandete Zunge haben, aber sie sind genugsam von den Amphibien ge- trennt, da sie nicht Animalia unisen- sualia sind, was sich, um gleich das auffallendste Unterscheidungszeichen zu nennen, allein in deu offenen Ohrgängen darthut. Für einzelne Gattungen der Am- M phi- phibien hat sogar schon Brogniart die Charaktere von der Zunge genommen, aber unrichtig, wenigstens nach Campers Behauptung, dem Iguan eine ungespal- tene gegeben. So viel ich bis jezt in den Amphibien gearbeitet habe, und in Betracht der wurm- förmigen Zunge des Chamäleon, des Ver- schlossenseins dieser und der Schlangen- zunge in einer Scheide, und der zwar hinten freien, aber abgerundeten Zunge der Kröte, die ich in Wahrheit nicht aus- gerandet finden konnte, so sehr ich es auch gewünscht hatte, finde ich, ohne alle Bedenklichkeit wegen den Schildkröten, folgenden Charakter den durchgeführtesten: Amphibium = Animal unisensuale, lin- gua mollissima, secundum longitudinem maxillae adnata (bisida) . Hieraus ergeben sich sogleich folgende Ordnungen, die ich, doch ohne hier Voll- ständigkeit im Auge zu haben, da es nur darum zu thun ist, die Idee anzugeben, nach der diese Klasse wissenschaftlich zu ord- ordnen ist, hersezen will. Ich nehme hiebei auf einige Eidechsen, die nach den bisherigen Kenntnissen von ihnen, in der Zunge von den andern abweichen, keine Rüksicht. Amphibia A. lingua undique subtus adnata = Crocodilus . B. lingua postice libera . a. obtusa = Bufo . b. bisida = Rana, Hyla . c. emarginata = Salamandra . C. lingua antice libera . a. bipartita = Serpens . b. bifida = Lacerta . c. obtusa = Testudo etc . d. vermiformis = Chamaeleon . Wenn die Eintheilung einmal über die Zunge erschöpft ist, wodurch die eigent- lichen Gattungen bestimmt werden, so kann sie sehr wohl zu andern Sinnorga- nen fortgehen, und dann erst, wann es auf ganz untergeordnete Arten ankömmt, können auch die andern Organe benüzt M 2 wer- werden. Zu dem Schmeksinn gehören al- lerdings auch die Zähne, und in dieser Klasse ist es nicht nur erlaubt, sie mit zum Eintheilungsgrund zu nehmen, son- dern es muss selbst gemäss den Gesezen der Wissenschaft so geschehen, aber auch eben deswegen nicht in den andern Thie- ren, die nicht Schmeksinnsthiere sind. Hier wäre es wohl möglich, zwischen den Schlangen und Eidechsen, sollten sie sich wirklich durch die Zunge nicht gehörig unterscheiden, eine Trennung mittels der Zähne zu machen, ebenso bei den Schlan- gen in Bezug auf die Giftzähue , doch in diesem Abschnitte werde ich hierüber zu weitläuftig. Um die Charaktere der sechs einsinni- gen Thierklassen ausführlich zu geben, und sie von allen Seiten selbst ihrem Habitus nach zu beschreiben, darf man zu der positiven Definition nur noch die der an- dern Thiere, aber negativ sezen. Wir erhalten auf diese Art den ausführlichen Charakter folgendermassen: Ver- Vermis = Animal unisensuale, palpis- labiis , non polyops , non tentaculatum , non auribus apertis , non naribus utrinque geminatis , non lingua molli, adnata, bifida . Insectum = Animal unisensuale, polyops , non palpis-labiis , non tentaculatum , non auribus apertis , non naribus utrinque geminatis , non lingua molli, adnata, bifida . Limax = Animal unisensuale, tentacu- latum , non palpis-labiis , non polyops , non auribus apertis , non naribus utrinque geminatis , non lingua molli, adnata bifida . Avis = Animal unisensuale, auribus apertis . non palpis-labiis , non polyops , non tentaculatum , non naribus operculatis, utrinque geminatis, protractilibus etc . non lingua molli, adnata, bisida . Pi- Piscis Animal unisensuale, naribus membrana mobili utrin- que aut geminatis aut dimidiatis , non palpis-labiis , non polyops , non tentaculatum , non auribus apertis , non lingua molli, adnata, bifida . Amphibium = Animal unisensuale, lingua mollissima adnata , (bifida) , non palpis-labiis , non polyops , non tentaculatnm , non auribus apertis , non naribus membrana mobili utrinque aut geminatis aut dimidiatis . Die scheinbaren Ausnahmen, wie die Palpen der Insecten, die Bartfasern der Fische sind, die ersten als nicht zu Lippen gehörend, die lezten als freihängende, ausser dem Bewegungskreise des Fisches gesezte Organe nur scheinbare, und bei ge- ringer Vergleichung sieht jedermann, dass diese diese weder zu Palpen noch zu Tenta- cula gebracht werden dürfen, und wenn auch, so sind sie ja durch ihren Sinn un- terschieden genug von Würmen und Schne- ken. Wegen Einwürfen über die Palpen der Würme, über die Form der Naslöcher der Amphibien und Fische, über die soge- nannten Tentacula des Lophius, über die Zunge der Vögel, den Saugrüssel der In- secten etc. kann hier nichts mehr gesagt werden, da ohne Zweifel genug gesagt ist. Dieses sind nun die sechs Thierklas- sen, deren Charakteristikon das Herr- schen eines einzigen Sinnes ist; mehr sol- cher Einsinnsthiere kann es nach unserer Wissenschaft nicht geben, und wenn es deren mehr geben sollte, so ist unsere ganze Darstellung falsch. Noch eine ein- zige Thierklasse ist übrig, die keinem Cha- rakter der vorigen Thierklassen entspricht; wenn in dieser etwa auch ein einziger Sinn die andern beherrschen sollte mit der Alleinigkeit, wie in den vorigen, so müss- te sie sich freilich an diese anschliesen, aber gemäss ihres neuen den andern Klas- sen sen unbekannten Sinnes widerspräche sie doch unserm System, welches keinen ein- fachen Sinn mehr und folglich auch keine einsinnige Thierklasse mehr anerkennt, aber geschlossen ist es doch nicht, es steigt nun von den zwei Stuffen hinauf zur dritten, und fodert auf dieser eine Thierklasse, wel- che die Synthese aller vorigen in sich trägt, bei welcher die Sinne alle vollendet sind und neben und mit einander das Thier re- gieren; diese Thiere sind demnach wahre Allsinnsthiere . Zur Nachweisung bleiben uns keine andern mehr übrig als die Säugthiere; es ist nun zu zeigen, ob in ihnen nur Ein Sinn herausgehoben, oder ob jeder gleich- stark vollendet ist. III. III. Stuffe . Allsinnsthiere. Ein Sinn kann in den Allsinnsthieren nicht so gränzenlos entwikelt, nicht so vervielfacht sein, als der einzelne es war in derjenigen Klasse, die er charakterisirte, denn eine solche Verdoppelung ist nur möglich auf Kosten der andern. Vorzüg- lich müssen wir auf diese Verdoppelung des Sinnes, wie es meistens bei den Ein- sinnigen ist, Verzicht thun; so werden wir zur Vollendetheit des Lichtsinns nicht die Vieläugigkeit und die Menge von Ho- roptern fodern können, welche in den In- secten wohnt, ebenso wenig die doppelt erscheinenden Naslöcher der Fische, die doppelte Zunge der Amphibien, die Ver- breitung der Paukenhöhle durch den gan- zen Kopf wie im Vogel, welche beiden lez- lezten Eigenschaften doch stark in einigen Säugthieren, wie im Elephanten angezeich- net sind. Aber das werden wir fodern, dass jeder Sinn ausgebildeter sei als irgend ein zurükgedrängter in den andern Klassen, und dass er wenigstens den Hauptcharak- ter des einzig herausgebildeten in sich dar- stelle, wir werden nicht nur fodern, dass weder Zunge, Nase, Gliedmassen, Aug noch Lippen fehlen, sondern selbst fodern wir, dass alle Lippen weich, daher nicht ein wahrer Vogelschnabel seien, dass jedes Aug so gut organisirt sei, als das des Am- phibions, Fisches, Vogels und der Sepia, aber nicht wie das des Insects, dass jedes Gliedmassen habe, dass keines ein geschlos- senes Ohr wie das Amphibion, der Fisch, die Sepia, der Krebs, dass jedes offene Naslöcher, keines endlich eine knöcherne Zunge habe. Und dieses finden wir wirklich so in den Säugthieren. Ihre Bedekung, weit entfernt diese Thiere auf einen festen Punkt zu fesseln, umschliesst sie nicht ein- mal mehr wie eine feste Röhre, sie ist meistens zu Haaren verfeinert, als wenn die die kalchichten an einander gebauten Stra- len der Wurmröhre, die hornartigen Schup- pen, die Blättchen der Federn sich ins unendlich Kleine getrennt hätten, nur wenigen sind Stacheln zurük geblieben, und die gepanzerten Säugthiere haben auch hinlänglich freie Aussenseite; kurz die Säugthiere sind nicht nakt wie die Schneken und die Amphibien, kein einzi- ges ist ganz haarlos, aber auch nicht ge- panzert wie der Wurm oder der Vogel, und so stellen sie sich schon bei den er- sten Organen in die höhere Mitte. Von der Hautfunction lässt sich dasselbe sagen, sie dünsten aus und saugen ein, aber eigne individualisirte Hautorgane wie die Insecten und Fische, besizen sie nicht. Die Lunge beobachtet dasselbe Gesez, sie ist deutlich eine Synthese der Kiemen mit den weiten Blasen der Amphibien. Dasselbe gilt vom Knochensystem. Weit entfernt zu der knorplichten Weichheit der Fische und selbst zu den Amphibien herabzusteigen, erreicht es aber auch nicht die die schlanke Starrheit der Knochen des Vogels, hingegen ist es gelenkiger als diese, umschliesst die Lungen mit einer mittlern Zahl von Rippen, und hat ein Beken, wie es sich bei keinem andern findet. Die Leber ist in allen vorhanden, aber lange nicht so ungeheuer und so weich wie in den Fischen, sie hat auch den an- dern Organen Plaz gelassen. Das Verdauungssystem hat zwar keine Gifte in seiner Macht, aber es bedarf auch nicht der Trituration wie in manchem Vo- gel, und einer Luftblase wie im Fische. Merkwürdig ist das Anschliessen der eben- falls gut hörenden und furchtsamen Thiere, des Hafen, der Mäusearten, und besonders der Wiederkäuer an die Vögel durch die Mehrheit der Magen, dagegen nähern sich die Fleischfressenden durch die Einfachheit desselben, durch die Kürze der Därme und die Viellappigkeit der Leber etc. bestimmt den Fischen. Wir kommen nun zu Systemen, die zwar in den untern Thierklassen vorhan- den, den, aber in keinem aufs höchste ausge- bildet waren, nemlich auf die Synthese ihrer einzelnen Functionen, auf Kreislauf, Lymph- und Nervensystem. Vollkommen wird der Galvanismus erst im Säugthiere geschlossen; dieses springt in die Augen, wenn man den kümmerli- chen Kreislauf der Fische und der Amphi- bien ansieht, aber doch nicht so gegen den des Vogels. Diesem ist es zwar erlaubt, unter den sechs einsinnigen Klassen den vollkommensten Kreislauf zu haben, da er mit ihm homolog ist, aber dennoch kann man ihn noch nicht so rein dynamisch wie in den Allsinnsthieren nennen, da der von Blumenbach genau beschriebene Mus- kel in der rechten Herzkammer noch im- mer ein mechanisches Bedürfniss des Kreis- laufs bedeutet, welches in den Säugthie- ren ganz weggefallen, und auch der Ge- gensaz zwischen Arterien und Venen nicht durch Heterogeneität der Häute, wie in den lezten, herausgehoben ist. Auch das Lymphsystem erhält erst im Säugthier seine Vollendung. In diesem wurde wurde es zuerst entdekt, und lange dauerte es, bis es auch in den Thieren der zwei- ten Stuffe erwiesen war; in den Fischen wurde es endlich unter diesen wieder am höchsten gefunden, aber der Mangel an Drüsen in diesen Thieren sezt dieses Sy- stem weit unter das der Säugthiere. Wie der Kreislauf unter sich begreift Vögel und Würme, so das entgegengesezte Lymphsystem nothwendig Fische und In- secten, die Amphibien und Schneken neh- men an beiden gleichen Antheil. Das Nervensystem, die höchste Blüte des Universums ist endlich in den Säug- thieren zur lezten Ausbildung gekommen; und da sie Allsinnsthiere sind, folglich die Sinnenheit ihr edelster Charakter ist, so hat in ihnen das Sinnenhirn über das Stammhirn ein ungleich beträchtlicheres Uebergewicht, als in allen Klassen der ein- sinnigen Thiere. Wie die Organe des Rumpfes gleich stark entwikelt sind, so auch die der Sinne. Alle Alle haben weiche Lippen, der Ge- fühlsinn aber ist eigentlich charakterisirt in dem Rüssel des Elephanten, in der Schnau- ze des Schweins, Tapirs, der mäuseartigen Thiere etc. Das Aug ist vollkommen gebildet, doch lebendiger in den muthigen fleischfressen- den Kazen, Tigern, Löwen, im Luchs, Hund, Marter etc., als in den Pflanzen- fressenden, es ist nicht polyödrisch, aber auch nicht von der gemeinsamen Haut be- dekt, wie bei den meisten Fischen und Amphibien, nicht mit einer solchen Nik- haut versehen, wie bei den Vögeln etc. Der Tastsinn ist wenigstens in allen durch wahre Gliedmassen kenntlich, selbst die Wallthiere und Phoken haben wahre Arm- und Handknochen, die Pferde sind wohl die ärmsten hierin, am reichsten aber die Affen, Maki und Meerkazen. Das Ohr ist in allen ohne Ausnahme durchbort, selbst in den Wallthieren, wo- durch sie sich aufs charakteristischste von den Fischen auszeichnen, welches Merk- mal mal man bis auf heute noch nicht benüzte, sondern lieber eine lange Umschreibung, selbst die Anatomie zu Hülfe nahm, um die Fische von den Wallthieren zu unter- scheiden. Die Naslöcher sind nirgends doppelt, wie bei den Fischen, aber auch nirgends verschlossene, unbewegliche Spalten wie bei den Vögeln, und nicht ganz dem Ath- mungsgeschäfte, als eine Pumpmaschine, hingegeben wie bei den Amphibien, da sie auch durch das Maul athmen können, was den luftschlukenden Amphibien un- möglich ist; die Zunge ist überall weich und beweglich, wenn sie auch gleich bei einigen mit harten Warzen besezt, und bei den Waltthieren grossentheils an die Kinn- lade verwachsen ist. So beweisen diese Thiere, dass sie alle Sinne besizen, und wenn sie auch nicht gezeigt hätten, dass sie durch keinen aus- schliesslich charakterisirt sind, indem sie keinen verdoppeln, so folgte es schon aus dem Beisammensein, welches nur durch ein getroffenes Gleichgewicht möglich wird; dass dass nicht ein einzelner, sondern eben diese Totalität ihr wahrer Charakter ist, dass sie im strengsten Sinne Allsinns- thiere sind. Die Definition des Säugthiers heisst demnach so: Animal omnisensuale , Labiis palpantibus , Oculis sphaericis ( non polyödris ), nudis, mobilibus , Manibus , ( Membris ) quatuor articulatis , Auribus apertis , Naribus mobilibus, binis , Lingua molli, carnosa . Durch die weichen Lippen unterschei- den sie sich bestimmt von den Vögeln, auch von den Insecten, und selbst von den Schneken, Fischen und Amphibien; durch die unbedekten Augen von den meisten Fischen, auch, wenn wir die Nikhaut zum Ueberbleibsel der Bedekung rechnen, von Vögeln und Amphibien, von den niedern Klassen ohnehin; durch die vier Glied- N massen, massen, die immer mehre Gelenke haben, von Fischen, Schlangen, Würmen etc.; durch die geöffneten Ohren von den Am- phibien und Fischen; durch die weichen, beweglichen Naslöcher von den meisten Vögeln, durch ihre Einfachheit von Fi- schen, durch die fleischichte Zunge end- lich von den Fischen und Vögeln; von den niedern Thieren unterscheiden sie sich durch jeden Sinn, Die Säugthiere allein sind es, die sich wieder nach den untergeordneten Thier- klassen abtheilen und so diese in sich wie- derholen, eben weil sie die Synthese aller Klassen sind. Die Individuen jeder untern Klasse aber können auf keine Weise die andern Klassen in sich wiederholen, denn sie sind ja nicht eine Synthese dieser, sondern ein einzelner Sinn wie jede ihr zur Seite stehenden Klasse. Die Schneken und Amphibien kön- nen allein, als die ersten Synthesen, angrän- zen an die Würme und Insecten, Vögel und Fische, aber diese doch nicht eigent- lich in sich wiederholen. Aber Aber Säugthiere, die in ihrer Klasse wieder die Würme, Insecten, Schneken etc. sind, kann es geben und muss es geben, da die Säugthiere wirklich nichts als diese Würme, und Insecten und Schneken etc., alles in der höchsten Einheit darstellen. Ich gebe nur die erste Eintheilung der Säugthiere an, denn eine Eintheilung bis in die Gattungen herunter, die bei den Säugthieren nach diesen Principien und den bekannt gewordenen Erfahrungen bei- nahe jezt schon möglich ist, wäre hier überflüssig. Es gibt erstens Säugthiere, welche die dem Kreislauf homologen Sinne in sich gebildet tragen; diese stehen daher über den Thieren des Hör- und Geruchsinns. Sie sind furchtsam, bezähmbar, meistens pflanzenfressend etc. Ich rechne hieher die Wiederkäuer, alle Mäusearten, Fleder- mäuse, Schweine, Hippopotamus, Wall- thiere etc. N 2 Die Die dem Lymphsystem parallelen Säug- thiere wiederholen den Riech- und Licht- sinn, sie sind schlau, muthig, fleischfres- send, Hund Fuchs, Mustela, Viverra, Löwe, Tiger, Luchs, Kaze, Fischotter etc. Die Säugthiere, welche sich in die Mitte stellen, und mithin den Tast- und Schmeksinn in sich wiederholen, sind Af- fen, Bären, und wahrscheinlich auf der niedersten Stuffe die Phoken; sonderbar ist es immer, dass alle synthetischen Thie- re, selbst die Amphibien, menschenähnli- che Frazen sind, ja sogar in der zwei- oder vierfingerigen Schneke ist etwas Omi- noses nicht zu verkennen. Der einzige Repräsentant des höchsten Mittelpunkts des Hirns ist der Mensch . Wir haben nun gezeigt, wie die ursprüng- lich zerrissne Natur sich bemühte, durch Verbindung der einzelnen Glieder sich wieder zu sammeln, um in einem ihrer Wesen das zu werden, was sie vor der ur- ursprünglichen Entzweiung in dem Ur war. Alle Producte sind nur Annäherun- gen zu diesem Höchsten, Naturtragenden, sie sind eigentlich nur Ausbildungen ein- zelner Organe des Menschen. Diese Aus- bildungen sind keineswegs nach einer Li- nie entworfen, sondern nach Hauptepochen, in denen sie ausruhten, um wieder aufs Neue Kräfte zu sammeln zu fernern Epo- chen, bis endlich alle Organe erschaffen, nun sich vereinigen konnten. Die Natur stieg nicht auf von Erde zu Metall und Korall und so fort, sondern wenn sie auch linig begonnen, so ruft sie sogleich den andern Pol hervor, wozu die Synthese kam, um das erste Kubische zu bilden. Es gibt gar keine Natur synthese in einer blossen Linie, wo sie ist, ist sie schon kubisch. Dieses erste kubische Ver- hältniss der Natur ist Erde mit der gegeg- neten Luft, die mithin schon nicht mehr in Einer Linie liegen, aber vollends durch das Wasser die wahre Dike erhalten. Diese drei bilden die erste Periode der Natur, sie ist in ihnen zu einem Gleich- ge- gewichte zusammengesunken, aber die in- nere Entzweiung ist noch nicht gehoben, die organischwerden wollenden Keime drän- gen rastlos vorwärts, aus der rohen Erd- masse wird das, ich möchte sagen, orga- nisch begränztere Metall, aus der gestalt- hassenden Luft der individualisirtere Schwe- fel; und beide fallen zum zweiten Kubus zusammeu im Salze, mit dem mithin wie- der die zweite Periode geendet ist. In ihr sind die Qualitäten alle bestimmter und mannigfaltiger, die unbiegsame, unschmelz- bare, unverbrennliche Erde wird zum ge- schmeidigen, schmelzbaren, verbrennlichen Metall, die form- farb- und geruchlose Luft wird zum geformten, gefärbten und riechbaren Schwefel, das geschmaklose Wasser endlich zu dem schmekbaren Salz; so zeigt sich schon die Veredlung der Na- turproducte in der zweiten Epoche! Aber auch hier ist die edle Masse noch nicht rein ausgeschieden, die Natur öffnet zum drittenmal ihren Schoos, und das höchste, lezte Ziel ist erreicht, sie erblikt in sich das Korall, die Pflanze und das Thier, durch welches alle Differenz ge- ho- hoben, und das am vollkommensten Ku- bische erreicht ist. Der Kubus der Natur fällt am deut- lichsten in folgendem Schema in die Au- gen, obschon auch hier auf dem flachen Papier die eigentliche Pyramide nicht darstellbar ist; man muss sich nemlich die dritte Periode denken, stehend auf den beiden ersten: Was ist endlich die organische Welt anders als die theilweise Geburt des Men- schen? Ist nicht das Insect das noch los schwebende Auge des Menschen, ist nicht die die Schneke seine noch abgetrennte Hand, der Vogel sein werdendes Ohr und so fort? Als es die Natur versuchte, eine Bedekung und eine Lippe für den Menschen zu pro- duciren, ist ihr der Wurm entstanden, sie wollte seine Haut und das Auge machen, und ein Insect geht ihr unter der Hand hervor, die erste Lunge und Hand erschien der Natur als Schneke, der erste Knochen und das Ohr als Vogel, die Nase und die Zunge der Natur sind endlich die Fische und Amphibien. So entwikelt sich vom untersten Thiere herauf ein Organ um das andere, nicht blos die der Sinne, sondern auch die des Rumpfes, daher bricht in je- dem Thiere mit jedem neuen Sinne auch eine neue Function des Rumpfes hervor. Jede Thierklasse bringt ein neues Organ zu seinem Hirne, vom Wurme fängt diese Entwiklung an und steigt bis dahin, wo alle diese Organe vereinigt sind, aber nicht in Einer Linie steigt sie herauf, sondern in dreien und doch nur einer zugleich. Nach dem Getast ist ein Ruhepunkt, von dem die Sinne mit einer neuen Linie be- ginnen, aber sobald das Ohr geformt ist, wird wird sie zerbrochen, und der andere Pol breitet die Haut zum Geruch aus. Daher ist die Ansicht, welche die Sinne nur als Eine blos quantitative Ausbildung Einer Natur- oder Thierfunction betrachtet, grund- falsch, nebstdem dass ihr alle Congruenz mit den unorganischen Momenten fehlt, die doch selbst nichts anders als die herab- gezognen, unorganisch gewordnen Sinne sind. Ist denn die Luft nicht das Auge der Natur und das Licht das Sehen derselben, ist das Metall nicht das Ohr der Welt und der Magnetismus sein Gehör, ist der Schwe- fel nicht die unorganische Nase und der Electrismus sein Geruch, ist nicht das Salz die Zunge der Erde und der Chymismus ihr Geschmak? Aber wo ist diese Con- gruenz, wenn die Sinne nur Stuffen Einer Linie sind? Oder ist etwa das Unorgani- sche nach einer Linie geboren? Sind et- wa Erden, Metall, Schwefel, Salze, Was- ser. Luft nur eine quantitative Stuffenlei- ter? Vielleicht ist es nach der Cohärenz wahr, aber ist denn etwa die ganze Natur nur ein Cohäsionsprocess? Welcher Cohä- sions- sionsgrad ist denn zwischen Grün, Rund, Sauer und dem Tone c ? Wer keine Qua- lität in der Natur, wer nicht ihre Sexua- lität vom ersten Schöpfungstage an bis zum lezten, wer nicht das Stereotische erkennt, klettert ewig auf einer Leiter auf und ab, ohne je von seinem beschränkten Horizon- te zu kommen. Dieselbe Regellosigkeit und Falschheit ist in der Stellung der Thiere nah Einer Reihe. Sind denn die Thiere etwas an- ders als ihre Organe? etwas anders als ihre Organe des Rumpfs und der Sinne? Diese haben sich aber in ein dreifaches Stereon geordnet, wie können sie daher dann, wann sie blos unter einem andern Namen, unter dem der Thiere aufgeführt werden, eine andere Stellung annehmen? Es ist der Natur zuwider, dass über den Zoophyten die Würme, über diesen die Schnekeu , dann die Insecten, und nun gar die Fische (wer sieht nicht den Sprung?) darauf die Amphibien und endlich über allen der Vogel stehe, der an das Säug- thier, ich begreife nirgends wie, gränze, da da er doch das Thier ist, welches auf der zweiten Stuffe offenbar am weitsten von ihnen entfernt steht, da man hingegen noch nicht gar lange Säugthiere mit Amphibien verwechselte, obschon man nur nach der Ohröffnung zu sehen nöthig gehabt hätte. Der Standpunkt und die Verwandschaf- ten der Thiere zu einander und zu den übrigen Producten der Natur möge in fol- gendem Schema übersehen werden, damit es sich sogleich zeige, dass die Natur, we- der nach einer blossen Leiter, noch nach einem flachen Neze die Thiere geordnet habe, sondern nach einem stereotischen Neze, nach einer Leiter, deren Basis ein Nez ist. I. I. Stuffe . 1. 3. 2. Linie. Ellipse. Kreis. Cohäsion. Schwere. Feuer. Erde. Wasser. Luft. Bedekung. Lunge. Haut. Gefühlsinn. Tastsinn Lichtsinn. Wurm. Schneke. Insect. II. Stuffe . 1. 3. 2. Parabel. Eiform. Hyperbel. Magnetismus. Chymismus. Electrismus. Metall. Salz. Schwefel. Knochen. Magen. Leber. Hörsinn Schmeksinn Riechsinn Vogel. Amphibion. Fisch. III. Stuffe . 1. 3. 2. Konus. Synthese. Sphäre. Galvanismus. Animalismus. Vegetatismus. Korall. Thier. Pflanze. Kreislauf. Nervensystem. Lymphsystem. . . . . . . . . . . . . .1 1. Stuffe . 1. 3. 2. Gefühlsinn. Tastsinn. Lichtsinn. Wallthier. . . . . Mustela, Viver- ra. (Pachydermen). (Affen). (Feles). (Schweinähnli- che). 2. Stuffe . 1. 3. 2. Hörsinn. Schmeksinn. Riechsinn. Mäuse. Phoken. Lutra? (Wiederkäuer). (Bär). (Hund). 3. Stuffe . 1. 2. 1. 2. Gefühlsinn. Lichtsinn. Hörsinn. Riechsinn. Elephant. Löw. Pferd. Hund. 3. 3. Tastsinn. Schmeksinn. Aff. . . . . . Bär. . . . Mensch. Hier Hier wäre nun die Stelle von den Ab- weichungen der Organisation von ihrem Typus, von dem Ueberwiegen einer Func- tion über die andre im Menschen — denn im Thiere ist dies nothwendiger Charak- ter — von der Metamorphose einer Fun- tion in die andre, und von dem Missver- hältnisse der organischen Functionen zu den unorganischen, überhaupt von Krank- heit, derselben Formen, und den, ob- gleich schon gelegenheitlich angeführten, nach den Hauptorganen des Thiers und der Natur zu ordnenden Pharmaka zu sprechen, da ich aber die Gränzen dieser Schrift schon weit überschritten habe, so sei hier das Ziel. Errata . S. 88. Z. 6. seze Luft statt Licht. — — — 7. seze desselben statt derselben.